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Full text of "D'r Schlitterhannes : [microform] : elsässisches Bauerndrama in zwei Akten"

ROBBET EEDSLO«"^'^«''^' 



Elsässisches Bäuerndrama 



/ 



in zwei Akten 






Ö34Ri49 
Os 




Strassburg 

Verlag Yon Eduard van Hauten 
1907 



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LIBRARY 

üniversity of illinois 
urbäna- 

Robert Redslob. 



D'r Schlitterhannes. 

Elsässisches Banerndrama 
in zwei Akten. 




STRASSBURG. 

Verlag von Eduard van Hauten. 

1907. 



? 



M. DiiMont Schauberg, Straßhtirg. 



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Meiner Mutter. 






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\ 



Vorrede. 

Ich empfinde es als meine Schuldigkeit, an 
dieser Stelle dem Direktor des Elsässischen 
Theaters, Herrn Gustav Stoskopf, meinen auf- 
richtigen Dank auszusprechen für die freund- 
schaftliche Art, in welcher er mir bei der Ab- 
fassung dieses Werkes Rat und Hilfe gewährt hat. 

Robert Redslob. 



Personen' 

Der Klosterbauer 

Mathias ] „.., 

-. } seine Sohne 

Hannes j 

Der Sägerfranz 

Mariann 

Die Spindeigret 

Schütter. 



^- 



Das Stück spielt am Anfang des vorigen Jahrhunderts in 
den Waldbergen hinter dem Odilienkloster, 



I. Akt. 



[Reiche, altelsässische Stube in einem Waldbauernhot 
aus dem Anfang des vorigen Jahrhunderts. Das Haus 
öffnet sich hinten auf eine lange Holzgalerie mit weiter 
Aussicht auf die Tannenberge. Einige Stufen führen links 
zu einer Tür. Vorn in der Ecke steht ein Hausaltar mit 
einem Muttergottesbild.] 



I. Szene. 

[Die Spindeigret, eine Greisin, sitzt gebeugt am Rocken vor 
dem Herdfeuer. Einige Schütter, darunter der Säger- 
franz, stehen an der Galerie und schauen nach den Bergen, 
wo ein heftiges Gewitter herüberzieht. Mehrere andere 
arbeiten an einem Schlitten.] 



S het in d Rottann geschlaaue. Ich hab s sahn 



Erster Schütter 

et in d F 

leichte. , 

Zweiter Schütter: 

S isch gsin wie am hellHchte Mittaa. 

Erster Schütter: 
Mer hätt gemeint, dr Wald brennt. 

[starker Donnerschlag.] 

Die Spindeigret: 
Maria Josef! Han Erbarme mit uns arme 

Synder! [sie schlägt das Kreuz.] 

Erster Schütter: 
Heere-n-Er, wie d Tanne krache? 

Zweiter Schütter: 
Do spare mer Holzhauersarweit. 

Der Sägerfranz: 
Heere-n-Ers, dort im Abgrund? 

Erster Schütter: 
S isch dr Bach, wo dunnert. 



*^. 



2 



Zweiter Schütter: 
D Felse gehn nunter. 

Der Sägerfranz: 
Dr Berri hebt nimm zamme. 

[Donnerschlag.] 

Die Spindeigret: 

Jetz isch d Zit, wo dr Geischt umgeht in dr 

Schlucht. 

Erster Schütter: 

Geh, Grossmüter! War glaubt noch an dänne 

Geischt? 

Zweiter Schütter: 

War anne glaubt? Ich glaub anne. Min Vater 

seli het ne gsähn. [Eine Stille.] 

Der Sägerfranz: 

Hesch schun nabgelüjt, wie d iwer d Brück 

bisch gfahre? 

Erster Schütter: 

[er schüttelt den Kopf.] 

Zweiter Schütter: 
Ich hab au niemols getröjt. — Du weisch, sie 
saaue, wemmer nablüjt, ze dräjt sich dr Wald, dr 
Berri, dr Abgrund, alles eim um de Kopf un mer 
styrzt mitem Schütte — n— in de Felsebach. 

Der Sägerfranz: 
S isch so tief wie drejmol unsri Kirich. — Ein- 
mol haw ich welle nunterlüje. — I hab nur de 
wilde Bach gsähn, wo d Felse rollt. Ihr heere s 
drüsse, wie er dunnert. Awer dort isch er so 



o 



tief drunte gange, daß ich ne nimm hab gheert. 

— [Mit dem Ausdruck des Entsetzens :] NoO het S mi 

gepackt. Noo het s an mir gezöje. Noo haw i 
nimm gewißt, wo dr Himmel isch und d Ärde. 

— Un mit de Nejel haw i mi in d Brück gegrawe. 
Un dr Schütte mit de Baim isch nunter in de-n- 
Abgrund, un d Stamm — sin verspHttert wie 

^^^^- [Ferner Donner.] 

Die Spindeigret: 

Ze kannsch im Herrgott danke. E manicher 
isch au eso vorwitzi gsin wie Du. Un er isch mit 
sim Schlitte nab. Un s het ne kener meh gsähn. 

Der Sägerfranz: [nachdenklich.] 

Un Mensche han die Brück geböje? Dis will 
mer niemol in de Kopf. — Hesch Du sie noch 
kennt, Spindeigret? 

Die Spindeigret: 

Min Großmüter het sie gsähn. Es sin zwei 
Bryder gsin, zwei Riese, so furichtbar gewachse 
wie d Tanne vum Bern. Die han d Brück geböje. 

— [geheimnisvoll, schauernd.] Mer saat, S isch e Styck 

drinne vum Heiland sinem Kriz. — Un wie d 
Brück ferti isch gstande, no sin sie in d Yfer- 
sucht kumme weje-n-eme Maidel. Un sie han 
drowe gerunge-n-uf dr Brück. Un dr eind Brüder 
het de-n-andre nabgstyrzt in de-n-Abgrund. — 
Jetzt geht er um als Geischt. Er muß de Brüder 



l 



4 



suche. Mer beert sin Stimm üs de Felse un 
üßem Bach wie üßem Grab. — Er ruft de Brüder. 

[Die Schütter horchen voll Entsetzen. Eine Stille. 
Leise verhallender Donner.] 

Un dorum beißt mer sie d Geischterbruck. 

Zweiter Schlitter: 
Un wie lang steht sie jetz schun? 

Die Spindeigret: 
S sin meh wie hundert Johr. 

Zweiter Schlitter: [Er schüttelt den Kopf.] 
Un wie lang wurd sie noch stehn? 

Erster Schlitter: 
Die Brück isch fescht. An däre brecht sich 
dr Sturm un dr Gewitterbacb. 

Zweiter Schlitter: 
Awer so e Wetter het sie noch nit erlabt. 

Erster Schlitter: 
Un wenn e Wetter üs dr Hell tat fahre, sie 
tat em trutze. 

Zweiter Schlitter: 
Fr3^hjer haw i a so geredt. Awer heere-n-uf 
mich: — [leise, unheimlich.] Sie hebt nimm wie 
fryhjer. — S isch nit s erschtMol,Baß ich sEjch saa. 

Erster Schlitter: 
Un s isch a nit s erseht Mol, daß mer lache-n- 
iwer Dini Angscht. 



\ 



V 



o 



Der Säger f ranz: 

Dis isch ken Angscht. Er kann erächt han. 

Mir isch s a schun gsin, wie wenn i ebs hätt 

gheert. 

Zweiter Schütter: 

Noch gescht, wo ich driwer bin gfahre mitem 
Schütte, ze het sie gezittert. 

Erster Schütter: 
E jedi Schhttebruck zittert, wemmer driwer 

fahrt. 

Zweiter Schütter: 

Dis isch ebs andersch gsin. Sie het gezittert 
wie e füler Baum, wemmer mit der Axt nynhaut, 
un sie het gekracht so myd un schwär. 

Erster Schütter: 

Sie steht schun hundert Johr. 

Zweiter Schütter: 

S Wasser freiSt an dr Brück. Dis isch e lang- 
sami Arweit. 

Der Sägerfranz: 

Dr Wasserfall staibt driwer nüs. Mer kann 
als d Sunn nimmi sahn. Mer geht im e Sturm- 
räje, wemmer iwer d Brück fahrt. S kann schun 
wohr sin. S Wasser freßt an dr Brück. 

[Er wird nachdenklich.] 



Die ^pindelgret: 
Isch s Wetter verbej? 



— 6 — 

Erster Schütter: I 

S isch schun iwer d Berri. S zehjt geje de 

Rhyn. j 

Zweiter Schütter • ' 

Ich heer noch e Dunner. 

i 

Erster Schütter 
Dis isch dr Bach do drunte. 

Zweiter Schütter: 
,. [Er zeigt hinauf.] 

An der Spesburi ^urd s hell. 

Die Spindeigret: 
Mer sieht d Sunn noch emol. 

Der Sägerfranz: [hinaufschauend.] 
Lüj, d Tyrm, die leichte so rot. 

[Eine Stille.] 

Die Spindeigret: 
Ich mein als, — s Hüs zittert. 

Erster Schütter: 
Dis isch dr Bach, wo d Felse schleift. 

Zweiter Schütter: 
Er tat bal de Berri nabrisse. 

Die Spindeigret: 

Dis Hüs het noch nie gezittert. 

Zweiter Schütter: 

[Er ist auf die Galerie gestiegen.] 

Maria Josef ! 



— 1 — ■ - _ 

Erster Schütter: [Er eilt ihm nach.] 
Dr Bach geht nuf bis ans Herrgottsbild. 

Die Spindeigret [grauenvoll]: 
Dis bedit e-n-Unglyck, — wenn dr Heiland 
an sim Kriz nimm sicher isch. Vor drissig Johr, 
do isch s Wasser au nuf bis an de Heiland un 
het gfresse-n-am Kriz. — Un noo het s d Revo- 
lution gänn. 

Zweiter Schlitter: [Seufzend.] 
Was wurd s jetz für e-n-Unglyck gänn? 

Die Spind elgret: [Sie schüttelt den Kopf.] 
Was soll noch für e-n-Unglyck kumme-n-iwer 
uns, Zither daß dr Antichrischt isch kumme-n-iwer 
dis Land? Unsri Felder sin verträtte. Unsri 
Hyser sin verbrennt. Unsri Kinder sin tot. [Sie 
steht auf.] — Ja! Ein Unglyck kennt s noch gänn, 
ein Unglyck: — Wenn dr Napoleon widderkämt. 

[Eine Stille. — Tiefe Bewegung.] 

Der Sägerfranz: 
Er kummt widder. 

[Eine Stille.] 

Die Spindeigret: 
Noo wur ich rie fröje: Was hesch mit mine 
Kinder geton? Vier Enkel haw ich ghet. Alli 
vier hesch du gholt, un s isch kener zeruck. 



■<■ 



8 



Zweiter Schütter: j 

D Tote wure-n-üs de Gräwer ufstehn. | 

Erster Schlitten 
Er muß mit de Tote - n - in d Schlacht. 

[Eine Stille.] 

Der Sägerfranz: 
Un ich saa s Ejch, er kummt widder. Un wenn 
sich d Welt geje ne zammetüt, er kummt widder. 

Zweiter Schlitter: 
War wurd uns bschytze? 

Erster Schlitter: 
Dr Herrgott isch noch do. 

[Sie schweigen in düsterm Nachsinnen. Mathias geht lang- 
sam über die Galerie. Er schaut eine Weile nach den 
Bergen. Dann kommt er in die Stube.] 



II. Szene. 

Die Vorigen. Mathias. 



Mathias: 
Isch dr Vater dheim? 

Der Sägerfranz: 
Er isch dänne Morje nunter noch Andlau. 

Mathias: 
Wenn het er gsaat, daß er heime kummt? 



— 9 — 

Der Sägerfranz: 
Wenn d Sunn nabgeht. Awer jetz wurd s 
schun Naacht, un er isch noch nit do. 

Mathias: 
Er isch ins Wetter kumme. 

Der Sägerfranz: 
Er wurd by de Holzhauer im Welschbi-üch 
/^bliwe sin. 

Mathias [zögernd]: 
Hesch nit gheert, was er will in Andlau? 

Der Sägerfranz [mit einem Seufzer]: 

S het gheisse, s^in zwei heimkumme - n - üs 
^ Rußland. Die will er früje, -n-ob sie ebs wisse 
vum Hannes. ' * 

Mathias: 
[Er erschrickt. Er sucht ein Zittern zu verbergen. — Dann 

jäh abbrechend] 

D Baim myhn noch hit uf de Holzplatz nunter 

in d Säj. 

Zweiter Schlitter: 

In dr Naacht? 

Die Spindeigret: 
Noch dämm Wetter? 

Zweiter Schlitter: 
Bür, dis heißt Gott versuche. 

Mathias: 
S sin zwei Schlitte. Ich fyhr de-n-erschte. 
Einer muß noch mit mir. : 



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10 



Zweiter Schütter: 
Un wenn d Brück zammegschlaaue - n - isch 
vum Blitz? Un wenn d Brück zammegerisse - n - 
isch vum Wasser? Lüj nüs, wie hoch dr Bach geht, 
tin wenn d Brück au noch hängt un s fahrt 
einer driwer mit de Baim, ze brecht sie in de - n - 
Abgrund. — Bür, s kummt kener lewendi nab. 

Die Spindeigret: 
Mathias, Du derfsch nit nunterschlitte die 
Naacht. Denk an dine Vater! Denk ans Mariann! 

Mathias: 
S Mariann wurd nit um mich gryne. AUi 
Traene-n-in ihre -n- Aue, die het sie schun ver- 
grinne-n-um de Hannes. 

Die Spindeigret: |. 

Ze hab Erbarme mit dine Knächt! { 

Mathias: ' 

Was dr Bür schafft, dis kann dr Knächt au 
schaffe. — [Trotzig herumschauend.] Un WO einer 
nit horicht, do blyt er ke Stund im Hüs. So 
isch s immer ghalte wore-n- uffem Kloschterhoft. 
[Zum ersten Schütter] : Dü fahrsch mit mir. | 

Erster Schlitter [trotzig]: 
I hab ken Angscht, Bür. Was Dü machsch, 
dis mach i au. Awer wenn i nimm rufkumm, 
— ze denk an mini Kinder. 

Mathias: 
S Holz muß hit in d Säj. S isch verkauft. 



\ 



— 11 



Wenn s Morje nit in d Stallt kummt, ze - n - isch 
dr Handel ze nix. ^ 

Der Sägerfranz [zum Schütter]: 
Bly Du do. Ich hab ken Kinder. Ich kann 
gehn. [Finster zum Bauern] : Mathias, ich kumm mit 
dir. Awer eins will ich der saaue: S geht ans 
Läwe. 

Mathias: 
[Er zuckt die Achseln und steigt zur Galerie.] 

- E halb Stund myn mer noch warte, daß dr 

^ Räje von de Schlittwäj lauft. Ryscht d Kette - n - 
^ un dLychter! Ich muß derwil sahn, wie s Wetter 

ghÜSt het im Wald. [Er geht hinaus.] 



III. Szene. 

Die Vorigen ohne Mathias. 



Zweiter Schlitten 

So ebs tat nit gschähn, wenn dr alt Bür do 
ward. 

Erster Schütter [seufzend]: 

Was helft uns dr alt Bür? Er isch wol gut 
mit uns. Awer wie lang währt s, bis er d Aue 
zu macht? No isch dr Mathias eilein unser Herr 
un Meischter. 

Zweiter Schlitter: 
Noo bljrw ich nimm uffem Hoft. 



•S!Wü«SfS^-- 



I ■ — 12 - ' ■ ■ 

Erster Schütter: 

Du hesch gut redde. Ich kann nit uf d 

Wanderschaft gehn mit mine Kinder. Ich muß 

min Brot suche, wo ich s find. ] 

Der Sägerfranz [schmerzlich]: i 

Ja, wenn dr Hannes noch tat läwe! j 

. ' ■ ■ . ' 'I 

Erster Schütter: 

Ha, dr Brüder, dis isch e-n- andrer gsin. Dar 

het e Herz ghet für unsereins. , 

j 
Zweiter Schütter: ; 

Dar het mit uns gschafft und het mit uns 

geredt, daß mer hätt gemeint, er isch e Knächt 

wie mir alli un nit dr Büresohn. 

Erster Schütter: | 

S isch joo schad um ne. Dis isch e Kerl gsin, 
dr scheenscht und sterikscht Schlitter vum Ge- 
biri. Mitem Mathias het s noch kener ufgenumme. 
Awer er isch noch steriker gsin wie dr Mathias. 
Ken Schütte -n- isch em ze hoch gelade gsin: 
Er het ne nabgebrocht. S het s em kener noch- 
gemacht. I 
Der Sägerfranz. 

So geht s uf der Welt. D beschte, die myn 
fürt in de Kriej un myn blute für d andre. 

Die Spindeigret: 
Ja, dr Tod isch blind. Er fahrt mit der Sens 
dryn un lüjt nit uf d Pflanze, wo er abhaut. D 



. ..._ 13 ^- 

greeschte-n- un d scheenschte trefft er zeerscht. 
— Armer Hannes! — Arms Mariann! — / 

Der Sägerfranz [seufzend]: 
Arms Mariann! Unglycklis Kind, war hätt 
dis zellemols gedenkt, wo dich dr alt Bür im 
Schnee het gfunde-n- in dr Winternaacht ? Do 
het er dich heimgetraaue-n- in sim Mantel. Do 
het er dich vorem Tod bewahrt. Do het er dich 
angenumme-n- als sin Kind. Denn er het gsaat: 
S bringt Säje-n- ins Hüs. — Dir het s ke Säje 
gebroocht. — Arms Mariann, s ward besser gsin, 
mer hätte dich zellmols Ion sterwe-n- im Schnee, 
als daß du jetz — im Mathias gheersch. 

[Eine Stille.] 

Erster Schlitten . 

Hesch rächt. [Sinnend] S git halt Sache -n- uf 
dr Welt, wo mer nit versteht. 

Zweiter Schlitter [Zum Sägerfranz]: |. 

Weisch Du, wie s kumme-n- isch? 

Der Sägerfranz: 
Dis weiß ke Mensch. 

: [Eine Stille.] ^ 

Erster Schlitter: 
Sie het de Hannes lieb ghet, liewer wie de 
Heiland im Himmel. Gott verzehj mer d Synd! 

Der Sägerfranz [düster]: 
Ich bin heimkumme-n- üssem Kriej. Ich hab 
s re gsaat, wie s mitem Hannes ze-n- End 



— 14 — 



isch gange. Ich hab s re gsaat, wie sin letsclit 
Wort isch gsin : Heilichi Jungfrau, treescht min 
Mariann! [er zeigt auf den Altar.] Do isch sie geläje 
vor dr Müter Gottes. I sieh sie noch. Sie het 
nix gsaat. Sie het nit gegrinne. Awer sie isch 
wiss gsin, so wiss as s Tuch vum Altar. Ich 
hab geglaubt, sie isch tot. [wild auflachend] Un s 
isch ke Johr erum gsin, ze het sie Hochzit ge- 
macht mitem Mathias. Un dr Bür het ne-n- 
alles verschenkt, de Hoft un de Bern und de 
Wald un all sin Hab un Gut. Isch dis luschti gsin! 

[Er schlägt sich vor die Stirn.] ' \ 

Die Spindeigret: J 

So isch dis jung Blut. D Lieb un d Trej 

sin bal vergesse. Do isch s in alte Zite-n- 

andersch gsin. . . | 

Der Sägerfranz: [ 

Vergesse? Sie het ne nit vergesse. \ 

Die Spindeigret [kopfschüttelnd]: 

Trej bis ans Grab. — Trej bis ans Grab. 
So het mer gsaat zu minere Zit. 

Der Sägerfranz [langsam, unheimlich]: i 

Sie het ne lieb ghet, wie er vun re-n- isch gange. 

Sie het ne lieb ghet, wie sie do isch geläje vor 

■dr Müter Gottes. Sie het ne lieb — noch hit. i 

Die Spindeigret [kopfschüttelnd.]: 
Trej bis ans Grab. 



— 15 — 

Der Sägerfranz: 
Sie isch em trej. Sie isch im Tote noch trej. 

Zweiter Schütter: 
Was Witt saaue? 

Erster Schütter: 
Worum het sie Hochzit gemacht mitem Brüder? 

Zweiter Schütter: 
Saa s uns. Weisch Du s? 

Der Sägerfranz: 
[er schüttelt düster den Kopf.] 
Dis weiß kener. — Dis weiß nur sie un Gott. 

[Der Klosterbauer geht langsam, gesenkten Hauptes über 
die Galerie und kommt in die Stube.] . 



IV. Szene. 

Die Vorigen, der Klosterbauer. 



Der Sägerfranz: 
Gut Naacht, Bür. 

Die Schütter: 
Gut Naacht. 

Der Klosterbauer: 

[aufblickend.] 
Gut Naacht bynander. 
[Mariann eilt von links herein, dem Bauern entgegen.] 



._.. 16 -.-. 

V. Szene. 

Die Vorigen, Mariann. 



Mariann: j 

[zitternd.] 
Vater, han sie ne gsähn? | 

Der Klosterbauer- I 

[bewegt.] ' .; 

Min Kind, was isch mit Dir? | 

Mariann: | 

Han sie de Hannes gsähn? ' 

Der Klosterbauer: . 

• War het Dir ebs gsaat? 

Mariann: 
Vum Franz haw is gheert. S sin zwei heim- 
kumme. — [atemlos]: Vater, — labt er noch? 

Der Klosterbauer: i 

[er legt ihr die Hände aufs Haupt. ]^ 

Ob er noch labt? — Isch dis e Hoffnung fur 
Dich? — Un wenn er noch läwe tat, — war 
dis e Glyck für Dich? 

[er blickt ihr tiefbewegt in die Augen.] 

Mariann! i 

[eine Stille.] j 

Der Sägerfranz [hastig]: I 

War isch heimkumme ? | 

Der Klosterbauer: i 

In dr schwarze Lehn ihri zwei. t 



17 



Der Sägerfranz: 
Heilicher Gott! 

[Die Schütter drängen sich heran.] 
Jetz, noch drej Johr? 

Der Klosterbauer: 

Sie sin zeruckgebliwe-n-in Smolensk. Dort 

han sie nimmi witersch kennt. Dort sin sie gfange 

wore vun de Cosake. Un jetz erseht sin sie frej 

kumme, wie mer de Fridde het gemacht in Wien. 

Der Sägerfranz: ■ 

In Smolensk, dort haw ich sie noch gsähn. 

Der Klosterbauer: 
Un e Wuch noch Dir — in Smolensk — do 
meine sie, — [die Stimme versagt ihm] — do han 
sie au de Hannes gsähn. 

Der Sägerfranz: ■ 

[er schrickt zusammen. Düster.] 
In Smolensk, — dort han sie de Hannes 
nimmi gsähn. 

Der Klosterbauer: 
Sie sin s nit gewiß. 

Der Sägerfranz [düster]: 
Am Owes isch d groß Armee yngezöje-n-in 
Smolensk, — un am Morjes, do haw i de Hannes 
vergrawe ghet im Schnee. 

{Eine Stille. Der Bauer sucht sich der Tränen zu er- 
wehren. Er geht hinaus.] 



- 18 — . . 

i 

VI. Szene. ' 

Die vorigen ohne den Klosterbauern. 



i_^ Der Sägerfranz: | 

[er starrt wie träumend in die Ferne.] j 

Dis sin Zite gsin! — 

[Eine Stille. Die Schütter drängen sich näher an den 
Sägerfranz und horchen voll Erwartung. Mariann steht 
vorn am Muttergottesbild, unverwandt den Blick auf ihn 

geheftet.] , ' i 

Dis sin Zite gsin! — | 

* [wild auffahrend wie im Schrecken.] i 

Han Er gheert dervun, wie IVloscau het ge- 
brennt? Dis isch gsin, wie wenn do d ganze 
Berri mitem Wald täte brenne vun dr Rotlach bis 
niwer ans Odiliekloschter, ' i 

[Er hält inne. Er versinkt in Gedanken. Dann fährt er 
fort, ohne die andern zu sehn, in Erinnerung träumend.] 

No simmer üs dr Stadt. No simmer dr 
Heimet zu. Un dr Winter isch kumme. Un mer 
sin gange durch e langi, langi Heid vun Schnee. 
Do sin ke Berri gsin un ke Wald un ke Derfer. 
Mer han nur de Himmel gsähn un de Schnee. 

Un zum Winter isch dr Hunger kumme. Do 
isch d groß Armee härgezöje wie e mydi Härd 
vorem Sturm. Do sin sie umgfalle, -n-einer 
nochem andre, rächts un links. — Un dr Kaiser 
het als ghalte-n-uf sim wiße Pferd, wie mer 
verbej sin gange. — Un s sin immer wenjer gsin. 



— 19 — 

[Eine Stille.] [Er zittert.] 

Do het er uf uns gelüjt. 

[Eine Stille.] . 

I hab ne gsähn by Leipzig. I hab ne gsähn 
by Wagram. I hab ne gsähn by Austerlitz. Un 
i hab ne gsähn dort, in dr Heid vun Schnee. Un 
er het als s nämli gelüjt. 

' [Eine Stille.] " ;■ ■ - - 

War im emol in d Aue het gsähn, dämm isch 
s Blut in de-n-Odre gfrore ze-n-Is, 

[Eine Stille.] 

Un am IVIorje-n-ischs gsin vor Smolensk. Do 
bin ich au zammegfalle-n-im Schnee. Do haw 
ich im Hannes noch d Hand gänn un hab em 
gsaat: „Jetz muß i au ynschlofe-n-im Schnee 
wie die viele. Tu sie gryße vun mir in dr 
Heimet." — Do het mich dr Hannes ufghebt. 
Do het er mich uf sine Rucke gebunde mit sim 
Mantel un het mich getraaue-n-e langi Stund bis 
uf de Berri an dämm große Wasser, wo mer d 
Stadt han gsähn mit ihre wisse Kiriche-n-un ihre- 
goldne Tyrm. Dort isch er zammegstyrzt. — 
I sieh ne noch dort leje. Wissi Tanne sin um 
ne gstande, so tief geböje vum Schnee, daß mer 
d Äscht nimm het gsähn. Dort an dämm Platz, 
dort hammer e Schlacht gewunne ghet e paar 
Wuche vorhär. E Kanonerohr isch noch rüs- 
gstande,-n-uniweraallhanGeripp erüsgelüjt üssem 



— 20 — 

Schnee. Dort isch dr Hannes geläje-n-in de Tote 
geripp. Un dr Hannes isch wiß gsin, wiß wie 
die Geripp. Do het er noch gsaat: „Heilichi 
Jungsfrau, treescht min Mariann". — Un dr 
Kaiser kummt verbej mit sim Pferd an dr Hand. 
Un dr Kaiser blyt stehn, un er nämmt de Hut 
ab. Un er macht s Kriz los vun sim Mantel, un 
er saat: „Je te connais, mon brave. Je t'ai vu 
ä Wagram". — Un wie er im Hannes s Kriz 
uf s Herz lajt, ze-n-isch im Hannes s Herz still 
gstande. I 

[Eine Stille.] | 

[Mariann, die in steigender Aufregung gehorcht hat, bricht 
in heiße Tränen aus und stürzt vor dem Muttergottesbild 

zusammen.] ■, 

_ l 
[Eine Stille voll tiefster Bewegung.] j. > 

Dr Hannes isch gstorwe für mich. — Dr 
Hannes kummt nimmeh. — | 

[Eine Stille.] I , 

Die Spindeigret: | 

[langsam und fast feierlich.] 

Mini vier Enkelkinder, die sin au so groß gsin 
un scheen. Un sie han au furtgemyßt mitem 
Kaiser. — s kummt kener meh. — Einer isch au 
Hochziter gsin. 

[Mariann weint zum Herzbrechen.] [Eine Stille.] 

Die Spindeigret: i 

S kummt kener meh. ' 



[Eine Stille. Mathias steht plötzlich unter der Tür. Er 

blickt bestürzt auf Mariann. Er sieht die Schar der 

Schütter, die den Sägerfranz horchend umringt. Er ahnt, 

was geschehen ist. Er wird bleich.] 



VII. Szene. 

Die Vorigen, Mathias. 



Mathias: ■ : 
"") [in Wut auffahrend]. 

L^ Myhn Ihr immer die alt Gschicht verzehle ? 

Loii d Tote tot sin. Was brüchen-n-Ihr d Tote 

wider lewendi mache, daß sie umgehn im Hüs? 

Der Sägerfränz: 

[er erhebt sich langsam und blickt Mathias ins Auge. 

Nach einem Schweigen.] 

Dr Hannes isch Din Brüder. — Un wenn Du 

nimmi wit, daß mer an Dine Brüder denke, ze 

wur ich mache, daß er nit vergesse wurd. Denn 

mir isch dr Hannes meh gsin wie e Brüder: — 

Er isch gstorwe für mich. — Drum bin ich s em 

schuldi, daß ich vunnem red, in dämm Hüs, wo 

alli, sin Vater un sin Brüder — Angscht han, 

vunnem ze redde. 

Mathias: 
- [er erschrickt. Er weicht seinen Blicken aus. Dann fährt 
er die Schütter zornig an, wie um seine Bewegung zu 

verbergen.] 

Was lungre-n-Er do erum im verzehle-n-alti 

Gschichte? Gehn an d Arweit! S Wetter isch 



_ 09 



verbej. Un wenn s widder e Wetter git, ze kummt 
mer kener vun Ejch in dis Hüs. Unter de Baim 
drüsse kenne-n-Er stehn. 

Erster Schütter: 

[murrend. J i 

Daß uns dr Blitz uf d Kepf fahrt. 
[Sie nehmen ihre Äxte und Stricke und gehn zur Tür.] 

Zweiter Schütter: 

Gut Naacht, Spindeigret! 

■ i 

Die Andern: | 

Gut Naacht au. 1 

[Sie gehn hinaus.] [ 

[Die Spindeigret antwortet nicht. Sie starrt vor sich her.] 

Die Spindelgret: 

[tonlos.] 

S kummt kener meh. 

[Nach einer Weile bückt sie auf. Sie sieht sich mit 

Mathias und Mariann allein. Sie nimmt ihre Spindel und 

geht mühsamen Schrittes, leise murmelnd hinaus.] 



VIII. Szene. 

Mathias, Mariann. 



Mathias [finster]: ' .1 

Du hesch ne-n-als noch lieb. Jetz weiß ich s. 
— Du Witt ne nie v'ergesse. Dr Hannes wurd 
immer zwische-n-uns sin. 1 



23 



Mariann: 

Mathias, kann ich andersch? — Wenn sie s 
verzehle, wie er umkumme-n-isch im Elend, derf 
i do nit gryne? — Mir sin verspreche gsin mit- 
enand. Dr Hannes het mi lieb ghet, un dr Hannes 
isch mer s Liebscht gsin uf dr Welt. — Mathias, 
wenn ich jetz Dir ward verspreche gsin un Du 
dätsch leje-n- im fremde Land, derft ich do nit 
gryne? 

Mathias [finster]: 

Du bisch mit mir in d Kirich. Du hesch 
mer d Hand gänn vorem Altar. Du hesch mer 
d Trej gschwore vor Gott. — Domols hesch de 
Hannes zwische-n-uns begrawe. — Du derfsch 
nimm redde vum Hannes. Du derfsch nimm 
gryne-n-um de Hannes. Du derfsch nimm denke- 
an de Hannes. Sunsch git s ke Läwe meh 
zwische-n-uns. 

• Mariann: 

Mathias, i bin so unglyckli. Hesch ke bissei 
Mitlyde mit mir, daß Du so hart bisch? 

Mathias [in unbeugsamem Trotz]: 

Dü müsch mer s schweere, du witt de Hannes 
vergesse, [er zeigt auf den Altar.] Dort, by dr Mtiter 
Gottes — schweer! 

Mariann: 
Ich versprech der s, i will nimm um ne gryne. 




24 



Mathias: 
Du sollsch ne vergesse. Denn mit mir het 
Dich dr Pfarrer zamme gänn un nit mit eme 
Tote. 

Mariann: ' 

Mathias, kannsch yfersichti sin uf e Tote? 

Mathias: 
Dar Tot isch gfährlicher als wie einer, wo tat 
läwe. — Schweer, daß Du de Tote vergesse witt. 

Mariann: 
Mathias, hesch denn ke menschlis Herz in Dir? 

Mathias: 
Schweer! [Eine Stille.] 

Mariann 

[sie sinkt zusammen]: 

Ich kann s nit schweere. 

[Mathias wird leichenblaß. Er kämpft einen furchtbaren 
Kampf mit sich selbst. Endlich bemeistert er sich und 
fährt fort in sanftem, fast süßlichen Ton.] i 

i 

Mathias: 

Du Witt mi nit lieb han. — Was haw ich 
der geton, daß Du mi unglyckli machsch? — 

I will der s saaue, was mir der han geton. — 
Vor zwanzich Johr am Wyhnachtstaa, bim Hoh- 
wald uf dr Waldmatt in de wilde rote Tanne, do 
het dr Vater e Kind gfunde-n-im tiefe Schnee, 
wie er heim isch gange-n-üs dr Meß am Mitter- 
naacht. Do het er s heimgetraaue-n-üs ßarm- 



1 



— 25 — 

herzigkeit. Do het er s ufgezöje-n-üs Barmherzig- 
keit. Dis Kind isch em s Läwe schuldi. Dis Kind 
bisch Du. — Sigsch, dis hammer Dir geton. 

Un jetz weisch s: Zither daß dr Hannes tot 
isch, zither isch dis im Vater sin Wille-n-un sin 
einzi Freid, daß mir zwei solle zammegheere-n- 
un daß Du mich glyckli machsch. — Awer Du 
hesch mi unglyckli gemacht. Du hesch mi nit 
lieb. — 

Du hesch uns dini Schuld schlächt bezahlt. 

Mariann: 

Ich hab Ejch mini Schuld schlächt bezahlt, dis 
weiß i. — Awer i hab der sie mitem letschte be- 
zahlt, was ich hab ghet — mit mim gute Ge- 
wisse. — Ich hab e Totsynd geton. Taa un Naacht 
bin i geläje vor dr Müter Gottes un hab mi an- 
geklaaut. — Für min Schuld ze zahle, haw ich de 
Hannes verrote. — , 

Do sieh-w-i ne vor mer stehn, un er lüjt mi 
aan mit sine trüriche-n-Aue. — Hannes! — 

Awer haw i andersch gekennt? Do isch dr 
Vater uf de Knej vor mir geläje mit sine wisse 
Hoor. Alles was ich hab, dis haw ich vun im. 
Un wenn i noch lab, ze haw i min Läwe vun 
im. Do het er zu mir gsaat: 

Dr Hannes isch tot, finf Johr tot. Und Du 
kannsch ne nit vergesse. Dis weiß i wol. Un 
drum bisch mer jo doppelt lieb. — 



iiWhhr ' r n'fiT' 'Vn r 



- 26 — 



Awer, Mariann, sej mer nit bees, wenn i Dich 
noch emol bitt um dis Eind, zürn letschte Mol! 
Lüj mini wisse Hoor! Ich steh mit eim Fuß im 
Grab. Do hätt i gern noch gsähn, ebb daß i 
furtgeh, daß Ihr zwei glyckli sin. — Haw ich nit 
genü Unglyck ghet? Derf i nit noch e bissei 
Sunneschin han, ebb daß i d Aue zümach? — 

Do haw i s denn geton. Do bin i mit Dir in 

d Kirich. Do haw i de Hannes verrote. 

I- 
Mathias: 

Dr Säjerfranz het ne begrawe-n-im Schnee. 

Dr Hannes isch tot. , 

Mariann: • \ 

[Ohne ihn zu hören]. i 

Sin letscht Wort isch für mich gsin. Er isch 
gstorwe-n-un het an mich gedenkt. — Un ich 
hab im d Trej gebroche. i 

Mathias: 
Im e Tote kann mer d Trej nit breche. D Tote 
han ke Rächte meh. 

Mariann: j 

Ich hab s em gschwore, -n-ich will sin gheere 

für min Läwe, — Un wenn er au im Grab lejt, 

ze gheer ich em doch. — I 

[zusammenschauernd]. Dort Steht er Widder, dr 
Hannes mit de trüriche-n-Aue. Er kummt Gericht 
halte. — Hannes! Stoßmivun dir! I bin nit wärt, 



;, '.; ■ ' — 27 — : 

daß d mi aanryhrsch. — Hannes! Hab Erbarme 
mit mir! 

Mathias: 
Ze soll dr Hannes ewi zwische-n-uns sin? Ze 
solle mer läwe ze drej ? Dis ertraau i nit. 

Mariann: 
Mathias, verzeh j mir 1 

Mathias: 

[Mit Leidenschaft]. 

Mariann, kannsch mi nit lieb han? Ich will 
Di glyckli mache. 

Mariann: 
Mich kann kener meh glyckli mache. 

Mathias: 

Wil Du blind bisch. S Glyck lejt vor Dir, un 
Du grifsch nit dernoch: Dr Kloschterhoft isch 
Din. Du bisch d richscht Frau im Land. Un Du 
hesch e Mann, wo Dich lieb het, so lieb, daß er 
fascht de Verstand driwer verliert. — Mariann! 
Lüj, i verzehj der alles. I will uf de Knej vor der 
leje, ich, dr Kloschterbür. Min Hab un Gut, alles 
isch Din. Du kannsch mit mir mache, was Du 
Witt. — Nur saa mer dis eind Wort, Mariann! 
Saa, daß Du mich lieb hesch! [Sie schweigt]. 

Lüj, mer gheere jetz zamme für unser Läwe. 
Do kannsch mer doch dis Eind saaue, daß D mi 
lieb hesch. , ^ 



- 28 - 

\- 

I 

Mariann: J 

Müter Gottes, helf mir! | 

Mathias: ' j 

[immer leidenschaftlicher]. 
Ich hab Di jo lieb, so unmenschli lieb. | 

[Er umfaßt sie. Er will sie küssen. Sie will zuerst in 
einer stürmischen Aufwallung sich seiner entwehren. 
Dann läßt sie es willenlos geschehen.] , 

Mariann! Mariann! l 

[Er bedeckt sie mit glühenden Küssen.] 

Wehr Dich jetz nimm ! — Glaubsch s nit, daß 

ich Di lieb hab — grad wie dr Hannes ? — Wehr 

Dich jetz nimm! I 

Mariann: 

Was will i mache? Ich gheer Dir jetz. Ich 

bin Din Eijetum. Du kannsch mit. mir machen^ 

was Dti verlangsch. — Ich selwer, ich hab s so 

gewellt. 

Mathias: ! 

[Er umschlingt sie heftiger.] i 

I loß Di nimm. — Mariann! ; 

Mariann [bebend]: i 

Du machsch mer so Angscht. j 

Mathias: 
[In wilder Leidenschaft.] 

Meinsch Du, s isch mir nit selwer Angscht 
vor miner wahnsinniche, wilde Lieb? Die isch 
wie dr Sturm, wo d Baim un d Berri zamme rißt. 
War stellt sich in mine Wäj? War halt mich uf? 



29 



Glaubsch Du, e Toter halt mich uf ? Un wenn dr 
Hannes noch tat läwe-n-un wenn er in minem 
Wäj tat stehn [unheimlich finster], ze myßt er sterwe, 
— daß Du mir gheersch, mir ellein. Mine-n-eije 
Brueder tat ich erschlaaue für Dich. — Wie dr 
Hannes noch e Kind isch gsin, haw ich Dich lieb 
ghet. Un wie Du Dich mitem Hannes hesch ver- 
spreche, do haw i Di noch liewer ghet. Un wie 
Du um de tote Hannes hesch gegrinne, do isch 
s in mir gsin wie so e furchtbar Fyr, wo d Heid 
un de Wald niderbrennt. Do het s dr Vater 
gsähn, daß i sterwe muß, wenn i Dich nit hab. 
Do het dr Vater für mich gebitt. Do isch dr 
Vater in dr Verzwyflung uf de Knej geläje vor 
Dir. Denn ich hab s em gsaat, daß i ehnder vun 
dr Schlitterbruck nabspring in d Felse, -n-als daß 
i lab, wenn Du nit min Eije bisch. ' ' 

Mariann: j . 
[zitternd zurückweichend, liit Hoheit.] : 

Mathias, es grüßt mer vor Dir. 

Mathias: 

By de Lychter am Altar vor dr Jungfrau 
Maria hesch mer s gschwore, daß Du mi lieb 
wit han. ~ , 

Mariann: 

[In jähe Verzweiflung ausbrechend.] 
Un wenn i s gschwore hab by de Lychter am 



— 30 - 

Altar vor dr Jungfrau Maria, 
eidi gschwore. 



ze haw i — mein- 



Mathias steht einen Augenblick wie gelähmt. Dann stürzt 
er auf sie zu. Er ringt wild mit ihr. Er zwingt sie zu 
Boden. — Man hört draußen schwere Ketten schleifen.] 

Mathias: ! 

r 
[Unheimlich mit eisigem Hohn.] ' 

Ze hab de Hannes lieb! Ze gryn für dine 
Hannes! Ze bätt für dine Hannes! — Un wenn 
i a nit Din Liebschter bin, — Din Herr un 
Meischter bin i doch! 

[Die Tür geht auf. Der Sägerfranz steht draußen mit 

einem Sturmlicht und mit Ketten. — Mathias wirft einen 

letzten, wilden Blick auf Mariann. Dann eilt er mit ihm 

hinaus in die Nacht.] 



IX. Szene. 



Mariann: 

i 

[Sie wirft sich vor dem Altar nieder.] 

Himmlischi Jungfrau, hab Barmherzigkeit mit 
mir! — Müter Gottes mit de siwe Schmerze, du 
hesch au s Liebscht verlöre, wo du uf dr Welt 
hesch ghet. ~ Hab Barmherzigkeit mit mir! 

[Sie läßt den Kopf auf den Altar niedersinken und bricht 
in Schluchzen aus.] [Mondlicht fällt herein.] 



— 31 — :\' 

Ich hab e Synd geton. — Ich hab e Totsynd 
geton. — Ich bin s nit wärt, daß du uf mich 

rablÜJSCh. [Tränen ersticken ihre Stimme.] '" 

Awer Du bisch d Müter vun unserm Heiland. 
Sie saaue, du bisch barmherzi wie dr Heiland. — 
Heilichi Jungfrau, i hab nur dich. Du allein 
kannsch mi rette. 

[Sie klammert sich an das Muttei^ottesbild.] 

Un wenn Du mich nit rette kannsch, — ze 
loß mi sterwe, -n-un nämm mich zu dir in din 
Himmelreich! 

[In verzweifeltem Gebete ringend schreit sie wild] : 

Hannes! — Hannes! — [Langes Schweigen.] 

[Langsam geht die Türe auf. An der Schwelle steht 
Hannes in einer zerlumpten Uniform von Napoleons Grena- 
dieren. Er hält sich sterbensmüde an einem Wanderstab. 
— Gespensterhaftes Mondlicht.] 



X. Szene. 

Hannes, IVlariann, dann der Klosterbauer. 



Hannes: 

[Er steht eine Weile unter der Tür, ohne daß sie ihn 

erblickt.] 

Mariann ! 

[Sie schaut zurück. Sie sieht starr, entsetzensvoll auf ihn 

wie auf ein Gespenst. Dann fliegt sie mit einem wilden 

Schrei in seine Arme. Er hält sie umfangen. Sie lassen 

sich nicht. Sie stehen regungslos.] 



■■=^i^'r"^ _,v^-^j'-pi'-- f'y'-r^.K^' 



32 — 



[Der Klosterbauer stürzt herein. Er bleibt oben auf den 
Stufen stehen. Er sieht die beiden im Mondlicht. Er 
taumelt zurück. Er hält sich an der Wand. Er will reden. 
Die Stimme versagt ihm. Die beiden gewahren ihn nicht.] 

Der Klosterbauer: 

[Er hebt die Arme zum Himmel.] ' 

Heiland am Kriz ! 




(Der Vorhang fällt.) 



IL Akt. 



[Eine Waldwiese vor dem Hof des Klosterbauern hoch 
in den Bergen zwischen großen Tannen. Man sieht auf 
fernen Höhen das Odilienkloster. Dem Hause gegenüber 
steigt ein Staffelweg an einem Muttergottesbild vorbei 
zu den Bergen. Ein Schlittweg mit Brücken läuft hoch 
aus dem Wald bis hinunter ans Haus und wendet sich 
dann um einen hohen Felsen ins Tal.] i 



I. Szene. 

Der Klosterbauer, die Spindeigret. 



[Der Klosterbauer steht unter der Tür und schaut nach 
den Bergen aus. Die Spindeigret steigt mühsam den 
Staffelweg herab auf einen Krückstock gelehnt. Sie träfet 

ein Gebetbuch.] 

Der Klosterbauer [ängstlich leise]: 
He, Spindeigret! Hesch Du sie gsähn? 

Die Spindeigret: 

[Sie bleibt stehn und holt Atem.] 

Sie sin drowe-n- in der Kapell. Sie bätte. 
— Sie tun gut, daß sie bätte. — Sie leje-n- uf 
de Knej dort vorem Altar, wo s Bild vun dr 
IMüter Gottes hängt. Dort sin sie immer anne, 
wie si Kinder sin gsin, un han Kränz vun Blume 
nufgeton um s heili Bild. Un dernoo sin sie als 
langi Stunde gsesse - n - un han dis Bild angelüjt. 

Der Klosterbauer [nach einem Schweigen, bang]: 
Ze weiß er nix? 

Die Spindeigret [kopfschüttelnd]: 
, Sie sin so glyckli! 

Der Klosterbauer: 
Hesch sie gheert? >: 

Die Spindeigret: 
Sie han nix geredt mitenand. 



- 36 - 

Der Klosterbauer: 
Hesch ebs zu ne gsaat? 

Die Spindeigret: 
Ich hab für sie gebätt. 

[Ein Schweigen.] 

Der Klosterbauer [angstvoll]: 
Do weiß mer nit, isch s e Säje-n- oder isch 
s e Strof, wo uns dr Herrgott het gschickt, wie 
er dis Wunder het geton. Do weiß mer nit, soll 
mer danke -n- oder soll mer de Taa verfluche, 
wo dr Sohn, wie tot isch gsin, üssem Grab ufsteht 
un eim am Herze lejt? 

Die Spindeigret: 
'Dr Herrgott hets s gewellt. Der Herrgott 
wurd s ze - n - End fyhre. Mir welle stille sin un 
alles leje-n- in sini Hand. , 

[Ein Schweigen.] 

Der Klosterbauer [aufschreckend]: 
Kummt dr Mathias schun? 

: Die Spindeigret: i 

[Nach dem Schlittweg ausschauend.] 

Dort geht dr Säjerfranz de Berri ruf mit sinem 
Schütte. — De Mathias sieh-w-i noch nit. , 
Der Klosterbauer: 

D Sunn steht hoch. Jetz blyt er nimm lang. 
— Jetz kummt dr Mathias bal üssem Tal. Jetz 
kummt dr Hannes bal vun dr Kapell. Barm- 
herzichi Jungfrau, was wurd noo gschähn? — 



37 



[schluchzend]: Ich kann s im Mathias nit saaue, 
daß er noch e Brüder het. Ich kann s im Hannes 
nit saaue, daß er besser dort ward gebliwe-n- 
im Grab. 

[Er bedeckt seine Augen. Er geht ins Haus. Die Spindcl- 
gret folgt ihm. Sie faltet die Hände und betet leise.] 



II. Szene. 

Ein Schütter, dann der Sägerfranz. 

[Nach einer Weile hört man emen lang gezogenen Ruf 

aus der Tiefe.] 

Der Sägerfranz [drunten]: 
Hoiho! 

[Ein Schlitter fährt herab. Sowie er den Ruf hört, stemmt 

er sich jäh zurück und bringt seinen hochbeladenen 

Schlitten vor dem Hause mühsam zum Stehn.j 

Der Sägerfranz [drunten]: 
Hoiho! 

[Der Schhtter steigt auf den Felsen und späht aus.] 

[Dann kommt der Sägerfranz außer Atem den Schlittweg 

herauf. Er stellt den großen Schlitten ab, den er auf 

den Schultern trägt.] 

Der Sägerfranz [langsam, fast feierlich]: 
D Geischterbruck isch yngstyrzt. 

Der Schlitter [händeringend]: 
Barmherzichi Jungfrau ! 

[Ein Schweigen.] 

Der Sägerfranz: 
Hesch dänne Lärme gheert, dis grüsi Krache 






die Naacht, daß mer het gemeint, dr ganz Berri 
geht nidder ins Tal ? — Dis isch d Geischterbruck 
gsin. D Geischterbruck isch nabgebroche - n - in 

de-n- Abgrund. 

f 

Der Schütter [bang]: 
Gescht in dr Naacht, wie Ihr nunter sin? 

Der Säg'erfranz: 
[Er nickt und schaudert in der Erinnerung.] 
Hättsch de Berri nimm gekennt. D hundert- 
jähriche Tanne sin am Bode geläje, -n-un d 
Wurzle sin in d Heh gstande so hoch wie e Hüs, 
un andri sin verbroche gsin ze Stycker wie Glas. 
— No simmer an d Geischterbruck kumme. 
Zeerscht isch dr Mathias niwer. Ich hab ne 
nimm gsähn. Er het gerüf e, wie er driwe - n - isch 
gsin. Noo bin ich au nab. Min Schlitte-n- isch 
heecher gelade gsin als siner. Un wie ich mittle-n- 
uf dr Brück fahr, wo mer durich de Staub vum 
Wasserfall wie durich Wolike kummt, do haw i 
gheert, wie die Riese-Stämm anfange sifze. — 
[entsetzensvoll] Un d Bruck lehnt sich langsam, 
langsam niwer geje de Wasserfall. — Do haw i 
mi an de Schlitte ghängt in dr Verzwyflungs- 
angscht. Do haw i alles fahre Ion. Do bin i mitem 
furtgerast. Ich hab nix meh gheert. Ich hab nix 
gewißt. — Un s isch e Wunder gschähn. — Er 
isch niwer. — Un hinter mir, do kracht s, do 
brecht s, un d Bruck geht nab wie e Öunner in 
de-n- Abgrund. [ 



39 



Der Schütter [nach einem Schweigen, bebend] : 
Do hesch rächt. Do het dr Herrgott e Wtinder 
geton. [Ein Schweigen.] 

Der Sägerfranz: 
Gut, daß ich dich getroffe hab. Du müsch jetz 
nuf in d Rotlach ; ich geh derwil geje s Kloschter. 
Mer muß es de Schütter dort saaue, daß sie nit 
dänne Wäj nabfahre. 

Der Schütter [er nickt] : 
Sie myn de -n- andre Schlittwäj iwer d Spes- 
buri nämme. S isch zwei Stund Um wäj. 

Der Sägerfranz: 

Uf die Art kann nix gschähn, wenn mer 
jetz d SchUttwäj nufgehn. Do kenne mer jede 
-n-aanhalte, wo nunter will. Denn s isch e Tods- 
gfahr, wenn s einer nit weiß. Du kennsch dänne 
Kehre glich vor dr Brück. Dr Kehre -n isch 
scharf, un mer sieht de-n- Abgrund nit. Wenn 
s einer nit weiß, daß d Brück nimm steht, un er 
kimimt bis zum Kehre, ze-n-isch s ze spoot, ze 
kann er nimm halte -n-un styrzt mitem Schlitte-n- 
in d Felse nab. 

Der Schütter: ^ 

So isch s. Ich dank im Himmel, daß du rächt 
bisch kumme. Sunsch ward i verlöre gsin. 

Der Sägerfranz: 
Ich hab s nit gedenkt, daß Du so fryhj nab- 
fahrsch. D Sunn steht noch nit iwerm Kloschter. 



— 4Ö - 

Der Schütter: 
Dr Sturm het uns d Arweit licht gemacht. 

Der Sägerfranz: [Er will gehn.] 
Ze kumm! 

Der Schütter: [Nach dem Hof deutend.] 
Weiß es dr Bür? 

Der Sägerfranz: 
Dr Mathias wurd s em schun saaue. [Zurück- 
schauend.] Dort drunte kummt dr Mathias. In re 
halb Stund kann er do sin. j 

Der Schütter: [Ausspähend.] I 

Wo siehsch de Mathias? 

Der Sägerfranz: [Hinüberzeigend.] 

Grad iwerm Wasserfall. Jetz kannsch de 
Schliffe gut sahn. 

[Der Schlitter nickt.] j 

Mer sin dort um de-n- Abgrund erum, daß mer 
schun vun witem kenne de Schlittwäj sahn un 
rufe, wenn einer nab will, — Jetz kumm ! Mer han 
ke Zit ze verliere. j 

[Sie legen einige Scheite unter den Schlitten, um ihn- [ 

festzuhalten.] 

Der Schlitter: [Sinnend.] ■ 

S will mer gar nit in de Kopf. — D Brück 

isch nuntergstyrzt! — War bringt die Brück 

wider zestand? [Sie steigen den Schlittweg hinauf.] 



41 



j III. Szene. 

Hannes, Mariann: 
[Sie kommen langsam Hand in Hand den Staffelweg 

^ : herab.] 

Mariann: [Nach einem Schweigen, träumend.] 
Hannes! — Weisch noch, wie Du fürt bisch? 

Hannes: [Träumend.] 
Ob i s noch weiß, Mariann! — Do simmer au 
in dr Kapeil gsin. — Ich sieh Di noch hätte dort 
vorem Altar. Un driwer, do isch e-n-Engel ge- 
molt gsin. Noo haw ich gsaat: „Lüj, Mariann, 
dis bisch Du." — Un Du hesch lang de-n-Engel 
angelüjt, un am End, do hesch Du gsaat: ,Jetz 
dürt s nimm lang, noo hängt dr lieb Gott dis 
Bild do zu. Noo muß i sterwel" — S isch lang här. 
[Eine Stille. — Er zieht sie sanft auf die Steinbank nieder.] 

Mariann: 

Un noo simmer im Wald gsesse, hoch drowe-n- 

am Wasserfall. Ich hab mir Blüme-n-in d Hoor 

gebunde, -n-un no hesch Du gsaat: „Jetz fyhr ich 

Dich in d Kirich, un Dti wursch min Frau". — 

Hannes: 
Un tief unte-n-im Tal, do het mer d Glocke 
beere lite. Noo hesch Du mer gsaat: 

Mariann: [Sie blickt ihm in die Augen.] 

„Lüj, so isch mer s als, wenn Du nimm do 
bisch un ich an di denk: noo isch mer s grad 
im Herze wie e-n- Abgrund, un unde tief im Tal, 
do beer i Glocke lite, tiefi Glocke." — 



-^^ 



— 42 



Hannes: 

Un Du hesch mi ghebt un hesch mi nimm 
welle furtlon, grad so wie jetz, — un mer han 
ghoricht un ghoricht. ^ 

[Er zieht ihren Kopf sanft zu sich her.j 

Un noo hesch Dine Kopf uf min Achsel gelajt. 
Un tief drunte-n-im Tal han als d Glocke gelite. 

[Eine Stille.] 

Un noo bisch yngschlofe, Mariann. i 

Mariann: [Leise.] j 

Loss mi traime, — traime. ! 

Hannes: 
Werum traime ? — Lüj mi aan, ryhr mi aan ! I bin 
jo do, un Du lejsch in mine-n- Arm, un mir sin glyckli, 

— endli glyckli. — S isch alles wahrhafti wohr! 

Mariann: 

Loß mi so traime, de Kopf uf diner Achsel 

wie dozemole-n-am Wasserfall. I will traime, 

daß mer noch Kinder sin; i will traime, daß mer 

uns lieb han, lieb wie dozemole-n-am Wasserfall. 

— Was für e scheener, — scheener Traimi. 

Hannes: 
Mariann, isch s denn nit wohr, daß mir uns 
lieb han wie zellemols, — nein, noch viel liewer? 

Mariann: 1 

Weck mi nit uf, Hannes! weck mi nit uf ! Loss 
mi schlofe-n-un traime! 

[Ihr Kopf liegt auf seiner Schulter. Er hält sie zärtlich 

umfangen.] 



43 



Hannes: 
Mariann, was bisch Du scheen wore! Dini 
lange Hoor sin gewachse so goldi, wie wenn d 
Sunn uf de Tanne lejt. Dini Aue sin als noch so 
glänzicht hell, wie wenn d Sunn glitzert im Wasser- 
fall. — Un Du meinsch, dis alles isch e Traum? 
Un Du meinsch, i loss Di? Du bisch myn, ob de 
traimsch oder wachsch. Spyrsch nit, daß i Di 
heb, so fescht heb? Jetz riß Di üssem Traum ^ 
wenn Du kannsch! — Mariann, i hab Di lieb! 

Mariann: 
Saa mer s noch einmol, daß D mi lieb hesch, 
noch e-n-einzis Mol! — Noo will i jo gern ver- 
wache: — nur einmol noch! 

Hannes: 
Mariann, ich hab Di lieb, — ich hab Di lieb. 

[Er zieht sie an sich in langer Umarmung. — J 
[Eine Stille.] 

Mariann: 

Weisch s Bild vum Engel iwerm Altar? — 

Du hesch als gsaat, ich bin s. — Denksch noch 

draan? — Hannes, hesch s nit ewe gsähn, drowe-n- 

in dr Kapeil? S Bild isch züghängt gsin. Dr 

lieb Gott het s züghängt. — Weisch, jetz muß i 

sterwe, — bal sterwe. — Hannes, bhy^t Di Gott \ 

Hannes: [bestürzt.] 
Mariann? — Mariann? 

Mariann: 
Bhyt Di Gott! 



44 — 



Hannes: [Er hält sie fester.] j 

Was hesch gsaat: Was isch gschähn? ' 

Mariann: [Sie will sich frei machen. In Angst.] 

Loss mich, Hannes! 

,i 

Mariann: [Sie hängt sich wieder verzweifelt an ihn]. 
Noch einmol! — Noch einmol! — [ 

[Sie will sich seinen Armen entwinden. Sie ringt mit ihtn. 

Sie schreit wild.] , 

Zeruck! — Geh zeruck vun mir! Hannes, geh 
zeruck vun mir! — Du derfsch nit. 

[Sie reißt sich los.] ( 

Hannes: I 

Min herzis Kind, Mariann, was isch mit Dir? 
I versteh Di nimm. ; 

Mariann: [Sie zittert] ' 

Ich weiß, s isch e Synd gsin. I hätt di nit 
anryhre solle, — nie meh. I hab awer nit an- 
dersch kennt. — Lüj, drej Johr hammer uns nit 
gsähn, un do soll i nimm zu der derfe, — nit 
einmol? I hab nit andersch kennt. Noch ein- 
mol haw i welle traime, s isch alles wie 
fryhjer, — mer sin Kinder un sitze-n-im Wald 
— un han uns lieb. Jetz bisch myn gsin noch 
einmol. , i 

[Sie bricht in Tränen aus,] 

Jetz, Hannes, — bhyt Di Gott! 
[Sie läuft zum Muttergottesbild, fällt auf die Kniee und 
klammert sich ans Kreuz.] j 



\ 



45 



Müter Gottes! Helf mir vor im! Müter Gottes! 
Helf im, helf uns! 

[Sie weint lange vor dem Heiligenbild. Hannes blickt 
y starr auf sie.] 

Hannes: 
Liebs Kind, Mariann, beer doch, beer uf mich ! 
Kennsch mi denn nimm? I bin dr Hannes. Mer 
ban zamme gspielt, wie mer Kinder sin gsin. 
Mer ban welle zamme läwe, wemmer groß sin 
wore. Weisch noch, besch mer s versproche. 
Du Witt myn wäre? Hesch s vergesse? Nein, 
s isch nit meejli. S isch uns zu ernscht un belli 
gsin. Siehsch, i bab drej Johr fürt myn blywe-n- 
in dr wilde Fremde,-n-un i bab fascht de Tod 
gelitte-, n-un i hab trej üsghalte, daß ich Dich endli 
widerfind. Un jetz kumm i heim un will mit Dir 
glyckli sin. Mariann, wenn Du doch myn witt 
wäre, ze kannsch ke Gheimnis vor mir ban. Din 
Kriz isch a min Kriz. Ich bab s mit Dir 
ze traaue. [Zärtlich.] Kumm, Kind, un saa mer 
Din Herzeleid! 

[Er hebt sie sanft in die Höhe und führt sie zur Stein- 
bank. Sie weint zum Herzbrechen.] 

Mariann, lüj mi aan! Was isch der gschähn? 
— [besorgt.] Was kann s denn sin? Nix wie e 
Kleinigkeit. Denn mer läwe,-n-un mer ban uns 
lieb. E-n-ander Ding isch doch nit so groß wichti, 
daß es unser Glyck verbreche kann. — Min goldis 
Kind, lüj mi wider aan wie vorhäre, so — saa 



46 



mer Dini Schmerze! Hesch ken Zütröje ze mir? 
— Du bisch doch bis jetz min klein Schweschter 
gsin — Mariann ! [Sie verbirgt sich an ihm und weint.] 
Mach mir ke so Angscht! Was kann uns denn 
üßenand risse? Min Vater, d Mensche-n-un dr 
Herrgott gänn uns gern zamme. Lüj, i bin starik 
un wur schun unser Brot verdiene, un mer sin 
^ini mitenand. Was isch noch, was isch, was 
fühlt? 

Mariann: 

[In furchtbarer Verzweiflung.] 

Hannes, — ich kann niemols — dyn wäre, — 

niemols. [Sie fällt aufMie Kniee.] Nein, ryhr mi nit 

aan! Stoß mi mitem Fuß eweg! — Hannes! — 

I bin der — untrej wore. i 

[Hannes steht unbeweglich, leichenblaß.] [Sie ringt die 

Hände.] i 

Hannes! — Verzehj mir! : 

Hannes: ! 

[Er schreit in wildem Schmerz.] 
Mariann ! — Mariann ! — 

[Er lacht unheimUch, wie geistesgestört.] ' 

Lüj, s git als Zite, wo mer traimt, s ganz 
Läwesglyck isch hyn, hyn, un noo verwacht mer 
nf eimol un lacht, un s isch alles nit wohr. Lach, 
Mariann, lach! — Denk, ich hab getraimt, — Du 
bisch mer — untrej wore. Mariann, denk! Isch 
s nit Schlacht vun mir ? Dis haw i getraimt. Lach 
doch, Mariann, lach! 



__ 47 — 

[Er reißt sie plötzlich wild an sich.] 

Dü? bisch Du s, Mariann, wo i do lieb? Du, 
Du hesch mi verrote? sin s dini Hoor, wo i do 
in de Finger heb? bisch Dü s, wo mi anryhrt? 
— Bin i denn dheime, -n-oder, lej ich un traim vun 
Dir wit vun minem Land? — Mariann, sj^ßes 
Mariann, ich hab Di so lieb! 

Mariann: 
Ze Hilf, ze Hilf! er kummt mer vun Sinne. 
Ze Hilf! Dr Hannes — verliert de Verstand. 

[Sie hängt sich an seinen Hals.] 

Hannes: 
[Er blickt ihr in die Augen mit unheimlicher Ruhe.] 
Nein, i weiß, — i weiß alles. I bin by Sinne, 
Jetz:, wo d an minem Hals hängsch, jetz weiß i 
alles un weiß, — daß i Dich verlöre hab. 

Mariann: 

[Sie klammert sich an ihn in wilder Verzweiflung.] 

Hannes, ich hab Di lieb. — Sie han mer gsaat, 
Dü bisch tot. — Hannes, ich hab nur Dich lieb 
ghet, un ich hab Dich lieb wie immer. 

Hannes: 

[Er hört sie nicht. Er weint zum Herzbrechen.] 

Wo isch min Mariann? — Wo isch min Ma- 
riann? — [Er blickt lang auf sie.] Nein, Dü bisch 
s nit; Dü bisch nit s Mariann: In minem Herze 
haw ich ihr Bild getraaue ; sie han mir min Ma- 
riann nit stähle kenne. [Eine Stille.] 



48 



S isch lär wore-n-alles do hinne, alles lär. s 

isch mer im Herze wie e-n-n- Abgrund. Awer 

drunde tief im Tal, — do heer i ke Glocke meh, 

do heer i ke Glocke meh. Sie han mir d Glocke 

— verschlaaue. — Sie han mir min Glyck üssem 

Herze gerisse. 

[Eine Stille. Dann kommt Mathias den Schlittweg herauf. 
Er stellt den Schlitten nieder, den er auf den Schultern 
trägt. Er will sich zum Hause kehren. Da plötzlich er- 
blickt er seinen Bruder. Er fährt taumelnd zurück. Dann 
steht er wie versteinert, vor der Erscheinung gebannt. 

Er wird weiß.] 



IV. Szene. 

Die Vorigen, Mathias. 



Hannes: .! 

[Ohne ihn zu gewahren, wild.] l 

War Din Liebschter isch, will i wisse. 
[Er zwingt sie auf die Kniee. Er würgt sie.] 

War Din Liebschter isch! Hesch mi gheert? 
Het er mir min Läwe gstohle, ze mll ich au sin 
Läwe han. 

[Er reißt eine Flinte herab, die am Hause hängt.] 

Ich will ne zammeschieße, so wie Dich. Dis 
schweer i, so wohr ich Gnad hoffe tu. 

Mathias: [regungslos.] j 

Noo schieß uf mich! — 

[Hannes fährt bebend zusammen. Er starrt auf seinen 
Bruder. Langsam läßt er Mariann frei. Sie sinkt zu 
Boden. Sie verbirgt ihr Gesicht in den Händen.] 



49 



Hannes: 
Mathias! Mathias! — [Er schreitet mit der Flinte 
gegen ihn.] Min Brüder ! — [Er läßt die Flinte zu Boden 
fallen. Sie stehen sich gegenüber. — Eine Stille.] 

Mathias: 
Geh, Mariann, — geh! Do isch jetz ke Platz 
für Dich. — Jetz isch s an uns zwei. 

[Schweigen.] — [Mariann geht langsam ins Haus. Sie 
schaut mehrmals angstvoll auf die beiden zurück.] 



V. Szene. 
Hannes, Mathias. 



Hannes [zitternd]: 
Du bisch s, — Du, — min Brüder! Mathias, 
red, — un saa, s isch nit wohr. — Du saasch nix. 
— Mathias! [Schweigen.] 

Mathias [kalt]: 
Was gschähn ist, dis isch gschähn. Do helft 
uns kener meh. Jetz isch nur eins notwendi, daß 
mer eini wäre, wie sich s gheert unter Bryder. 

Hannes: 
Unter Bryder! Un dis Wort tröjsch Du ze 
saaue, Du, wo mich verrote het! — Judas! 

[Eine Stille.] 

Mathias: 
Do het niemes ke Schuld. Mer sin sicher 
gsin, Du bisch tot. 

4 



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— 50 — 

Hannes: 
O ward ich tot ! O hätte mich dort d Ross ver- 
trätt^ ! Oder hätt mich swildlswasserfurtgetraaue! 
Oder tat ich dort leje-n- im Schnee uf dr wite 
Heid! Do hätt ich e rühichs Grab! — Was haw 
ich vun mim Läwe? Du hesch mir min Läwe 
genumme, -n-alles, alles hesch Du mir genumme» i 
Was haw ich denn uf dr Welt als wie sie? Für 
Wanne law ich denn als wie für sie? — Hätt ich 
noch gelabt, wie d Cosake mich gfunde han im 
Schnee ? Hätt ich sie üsgstande, die drej Johr vun 
Gfangeschaft un Elend? Hätt ich mich heimge- 
bettelt durich d wild Fremde, durich Heide-n-un 
Wälder, iwer Gebirri un Streem? Ward ich nit 
umgf allen -n-am Wäj, todesmyd und todeskrank? 

— Wenn nit dar eind Gedanke mir d Kraft hätt 
gänn, daß sie in dr Heimet uf mich waart. Un 
derwil - hesch Du sie mir genumme! — Un 
Du saasch, Du bisch min Brüder? — Ja, Du bisch 
min Brüder, s isch wohr. Siehsch die Flint do? 

— Meinsch die Flint ward, mir üs de Hände 
gfalle, wenn Du nit — min Brüder wäfsch? i 

Mathias. | 

Halt Fridde! -— S isch e-n-Unglyck gsin, nix 

andersch. S isch e-n- Unglyck gsin, — wie wenn 

s Wetter ynschlaat oder wenn dr Bach d Hyser 

ewegrißt. — S han s alli gsaat, Du bisch tot. 

Hannes: i 

t 

Vieli sin heimkehrt, un mer het gemeint, sie 



öl 



sin tot. S kumme-n-alli Taa noch heim. Awer 

die Nochricht, daß ich tot bin, die hetDir nit schnell 

genü kenne kumme. Un mer het kümm gheert 

vun dämm große Sterwe-n-in Rußland, do hesch 

a schun in sie geredt un hesch er glauwe mache,- 

n-ich bin tot. Jede hesch üsgfröjt un hesch er 

Zeje gebrocht, wohri un falschi, bis d sie endli 

so wit hesch bekumme. O i weiß wol. Du hesch 

sie au lieb ghet zellemols. Awer sie het sich mir 

versproche. Un jetz hesch gemeint, jetz bin i der 

endli üßem Wäj un jetz wurd sie Dir gheere. Un 

derwil, daß ich mitem Tod hab gerunge, für 

sie widderzesähn, — derwil hesch Du mich um min 

Einzigs gebrocht! Un, Hergott im Himmel, ich kann 

nix mache geje Dich, Elender, — wil Du min 

Brüder bisch! 

Mathias: 

Din Unglyck macht Dich blind. Dr Franz het 

s gsähn. Dr Franz het s gsaat, er het Dich tot 

sahn leje. — Un wenn Du au noch läbsch, was 

hesch für e Rächt? Sie het Dich vergässe. Sie 

gheert jetz mir. : 

Hannes: 

Dis lyjsch Du, Elender! Sie het nur mich lieb, 

— wie sie mich immer lieb het ghet. 

Mathias: 

Worum war sie Dir untrej wore? 

Hannes: 

Du hesch sie derzü gebrocht in dr Verzwyflung. 

Du hesch re gelöje,-n-ich bin tot. 

.'■: 4*': ,:' 



52 



Mathias [höhnend]: 
Wenn sie Dich so lieb hätt ghet zellemols, 
wie sie d Nochricht het bekumme vun DimSterwe, 
worum het sie sich so schnell mit mir getreescht? 

Hannes: 

Mariann! Mariann! Hesch du mich kenne 

verrote? 

Mathias: 

S Fryhjohr isch noch nit kumme, do bisch 

schun vergesse gsin. — Saasch s jetz noch, Du 

hesch sie lieb? 

[Eine Stille]. ! 

Hannes: i 

[in wilder Verwirrung.] 

Ob ich dich lieb hab, Mariann? — Du hesch 
mi verrote! Nein, es isch nit wohr; es kann nit 
wohr sin. — Du hesch mir d Trej gschwore. 
Un wie Du mir am Hals bisch ghängt zellemols 
un wie Du mir in d Aue hesch gelüjt! Dis hesch 
kenne vergesse? — Mariann, hesch mi nimm lieb? 
Doch, du hesch mi lieb. Du bisch mer wider 
am Hals ghängt wie zellemols, un Du hesch mi 
wider aangelüjt wie zellemols. 1 

Mathias [grausam]: 

Mir isch sie au so in de-n-Aarm geläje-n un 
het mich aangelüjt grad so wie Dich — mit ihre- 
n-unschuldiche-n-Aue. 

Hannes: 
Un Du hesch ihr tröje-n- in d Aue lüje? Du. 



•^v... 



53 



hesch sie nit vun der gstoße - n un hesch der gsaat, 
sie gheert im e-n- andere -n- unDü bisch e Dieb? 
Mathias [teuflisch]: 
Sie het mi nimm furtgelon. 

Hannes: 
Ah, Du bisch meh wie e Dieb. — Du bisch 
eMerder. — Nein, Du lyjsch. Du lyjsch. Mariann! 
Wo bisch, Mariann? Kumm, saa mer, daß er lyjt. 
— Du hesch sie derzü gebrocht durich Kynschte 
-n- un Betrüj. 

M a t h i a S [triumphierend] : 

Un wenn dis alles wohr war, ze-n-isch sie 
jetzt doch min. Kannsch dis vergesse? 

Hannes: 

Vergesse? vergesse? — Nein, dis kann i nit 
vergesse. — Wenn d Glocke -n- uns in d Kirich 
lite, ze heer i Dini Stimm, wo s Mariann ruft. 
Wenn d Lychter in der Kirich brenne, ze sieh - 
w - i Dini Aue, wo uf s Mariann lüje. Un wenn 
i sie heb in mine-n- Aarm, ze risch Du uns zwei 
üssenand. Vergesse soll i? vergesse? Wenn ihr 
Herz an minem schlaat, wenn ihri Aue-n-in mine 
hänge, wenn ihri Hoor um mini Aue leje, muß 
i nit zeruckf ahre - n - un denke, dis gheert mir 
nimm? Du, Du bisch dr Schatte zwische-n- uns 
D ü losch d Sunn nit zu uns kumme. 

Mathias! . 

Un wenn dis alles nit vergesse kannsch, no 
müsch au s Mariann vergesse. 



54 — 



Hannes: 
S Mariann vergesse! Jetz sieh-w-i rächt, daß 
Du sie niemols lieb hesch ghet wie ich. — S 
Mariann vergesse? — Du weisch nit, was mini 
Lieb isch für sie. — Ich will der s saaue: Lüj, 
wenn sie mich mit hundert hätt betröje-n-un wenn 
sie furtgelaufe ward in d Synd un in d Schand 
un sie tat heimkumme-n- üssem Elend noch 
viele Johr un tat mi fröje: Hannes hesch mi 
noch lieb? — Ze tat ich ihr saaue: Mariann! 
Dr Herrgott het mich an Dich gebunde. So wie 
ich Dich immer lieb hab ghet, so haw i I)i jetz 
noch lieb. [Eine Stille.] 

Mathias: 
Dis haw i wohl gewißt. 

Hannes: [Er ruft nach dem Hause]. 
Mariann! — Mariann! — 

Mathias: 
Was Witt mit dr Mariann? 
Hannes: [Er mißt ihn mit ruhigem, hoheitsvollem Bück 
Mer gehn zum Pfarrer nab. 

Mathias: [Spöttisch lachend.] 
Was soll dr Pfarrer mit Ejch? i 

Hannes: ; 

Uns vun dr Kanzel zamme verkynde. 

Mathias: 
[Er bricht in ein wildes Gelächter aus. Mit einem durch- 
dringenden Blick.] 



— oo — 

- Meinsch Du, — ich bin so dumm gsin? 
[Hannes starrt auf ihn. Er fängt an zu zittern. Er 

taumelt.] 
Mathias! — Wassaasch? — Mathias! — Hab 
Erbarme! — Red doch e Wort! — Mathias! — 
Um aller Heiliche Wille ! — Jesus Maria ! 
[Er bricht mit einem entsetzlichen Schrei am Tische nieder, 
seiner Sinne nicht mächtig. — Mathias steht regungslos.] 



IV. Szene. 

Mathias, Hannes, der Klosterbauer. 



[Der Klosterbauer tritt langsam aus dem Hause und be- 
trachtet Hannes mit stiller Ergriffenheit. Dann geht er 
auf ihn zu und legt ihm die Hand aufs Haupt.] 

Der Klosterbauer: 
Min armes, — armes Kind! [Eine lange Stille.] 

Hannes [mit tränenerstickter Stimme] : 
Vater! — Helf mir! — 

Der Klosterbauer [nach einem Schweigen]: 
Do kann nur dr Herrgott helfe. 

Hannes: 
Vater, ich will sterwe. — Vater, was soll i 
noch uf dr Welt? — S blyt mer nix, als wie ze 
sterwe. — [PlötzUch in wilde Raserei ausbrechend.] Un 
noo sin sie zamme, sie zwei. — Nein, er geht 
mit mir. Er geht mit mir. 

[Er reißt die Axt vom Boden.] 



— 56 — 



Der Klosterbauer: 
Was Witt mache? Hannes, was witt mache? 

[Er hält ihn. Er will ihm die Axt entwinden.] 

Hannes: 
Gerechtigkeit! — Ich will Gerechtigkeit mache 
zwische-n-im un mir. 

Der Klosterbauer: 
Nein, Hannes, nein, dis derfsch Du nit. — Dr 
Mathias isch Din Brüder. 

Hannes: 
Dr Mathias isch min Brüder nimm. Vun dämm 
Aueblick, wo er mir min Maidel het genumme,-n- 
isch alü Blütsfrindschaft verbej. 

Der Klosterbauer: 
Un wenn er nimm Din Brüder isch, ze bin 
ich doch dr Vater vun Ejch zwei. Hannes, witt 
Du uf min Kind schieße? 

Hannes: 
Het er draan gedenkt, daß ich au Din Kind 
bin, wie er mir min einzi Glyck het gestohle? 

Der Klosterbauer: 
Er isch unschuldi. — Hannes, Du tusch em 
Unrächt; Du dusch uns alle-n-unrächt. — Lüj. 
AUi, wo heimkumme sin, han s gsaat, Du bisch 
tot. Dr Franz het Dich sahn leje-n-im Schnee, 
kalt un bleich: Ich hab au ke Hoffnung meh 
ghet, un dernoo haw ich ne gerote, sie solle Hoch- 



— oj — ■ - ..: 

zit mache. Ze tat ich au schuldi sin, grad wie 
dr Mathias. Noo müsch au uf mich schiesse,-n- 
uf Dine Vater. [Bewegung.] — Hannes, gib mir die 
Axt. Du kenntsch ebs tun, wo Dich unglyckli 
tat mache für Din Läwe! 

Hannes: 
Was haw ich noch ze veriiere-n-in dämm 
Läwe? — Nur Räch will ich noch. Räch! Dernoo 
will i sterwe. 

[Plötzlich bricht er vor dem Vater zusammen, verbirgt 
sein Gesicht und weint zum Herzbrechen.] 

Der Klosterbauer [Nach einem Schweigen.]: 
Joo, i begriff s wohl, wie s mit der steht. — 
Sej jetzt rühi, Hannes! Heer mich aan, Un hab 
Zutröje ze mir! — Lüj, eins isch sicher, daß 
Du nimmi läwe kannsch, do wo sie labt. Denn 
wie Dti sie tatsch sahn, ze tat d alt Lieb wider 
brenne,-n-un wenn dr Mathias Dir in d Aue kämt, 
ze tat d Yfersucht verwache,-n-un Din Herz tat 
ewi blüte-,n un Din Läwe war vergift. — Siehsch, 
s gibt nur eine Wäj für Dich. Du müsch fürt, 
wit, wit fürt, wo Du nimm an sie denfesch un e 
nejs Läwe aanfangsch. 

Hannes: 
Un mit was soll i e nejs Läwe-n-anf ange ? 
Wo soll i d Kraft härhole zum e neje Läwe 
Denke-n-Ihr denn nit, daß ich e Glyck hab ghofft 
un daß Sie mir dis Glyck gebroche hänn? Denke-n- 
Ihr denn nit, daß ich e Herz hab ghet un daß 



^ 



oS — 



sie mir dis Herz verrisse hänn? Soll ich dis 
verrisse Herz mitschleppe nüs in d Welt, mit- 
schleppe bis ans Grab? 

Der Klosterbauer: 

Was helft s der do, wenn Du au blysch? — 
Du Witt sie jede Daa sahn un denke, sie gheert 
jetz im e-n-andre für immer? — Hannes, dis 
kann e Mensch nit üsstehn. — Nein, Du müsch 

fürt un derfsch sie nie meh sahn. ■ 1 

■ ' . . } 

Hannes: i 

Ich derf sie nie meh sahn? Allmächticher Gott! 
Un worum? Was haw ich iwels geton, daß ich 
sie nie meh soll sahn ? Mit was für re Synd haw 
ich die Strof verdient? Soll i sterwe, wil mer e 
Synd an mir het geton? — Ich soll sie nie meh 
sahn? — Nein, dis kann i nit; dis kann i nie. 

Mathias [wild]: 

Un was soll noo wäre, wenn Du doo bisch 
in minem Hüs? Soll i Dir nochgehn uf jede 
Schritt? Soll ich sie bewache Taa un Naacht? 
Soll i ewi zittre, daß Ihr mich betryje? — I saa 
der, mir däte s bal mit der Axt üsmache, wämm 
daß sie gheert. 

Hannes [trotzig]: 

Dis kenne mer glich üsmache. 

Der Klosterbauer: 

Fridde saau ich. 



59 



Mathias: 
Un wenn Du nit gütwilli gehsch, — werum 
bin ich Herr im Hüs? — 

[Er stellt sich drohend vor ihn.] 

Ich gib der Zit bis die Naacht. Un wenn Du 
die Nacht nit furtbisch vun minem Hoft, vun 
minem Wald un minem Land, ze loss i Dich furt- 
hetze mit de Hund. - 

Der Klosterbauer: 

Still blysch Du! Ich bin dr Meischter im 

Hüs. 

Mathias: 

Alles isch mir vermacht, der Hoft un s Land. 

Der Klosterbauer: 

Dr Hannes labt un isch heimkumme. S isch 

alles nichti. 

Mathias: 

Dis wäre mer beere bym Gericht. 

Der Klosterbauer: 
Elender! Dis saasch Du mir in d Stirn! [Mit 
Hoheit.] Un wenn i au nimm Meischter bin im Hüs, 
ze bin ich doch dr Vater! — Hesch s gheert, 
Mathias? — Un dr Hannes blyt do, bis ich saa, 
daß er geht. — Hesch s gheert, iMathias? 

[Mathias schweigt. — Eine Stille.] 

Hannes, sej starik! Du müüsch s iwerwinde. 
Lüj, s Mariann gheert jetz in dim Brüder für 
immer. Wie kannsch do dheim blywe? D Lieb 
eilein, die heißt di dheimblywe. Un grad dis wo 



-%> 



60 



Dich zeruckhalt, dis isch für Dich ewi verlöre. 
— Un siehsch, Hannes, grad wenn Du s Mariann 
heb hesch, no derfsch nit dheim blywe. Sie isch 
an dine Brüder gebunde durch Gott. Aber sie 
het Dich lieb und de Mathias nit. Dis weiß i 
jetz. Un do witt Du s ihr schwär mache, witt 
immer by re sin, daß die Lieb nie verlescht un 
furtfreßt wie e heimli Fyr? — Saa, witt sie in d 
Verzwyflung trywe? — Nein, Hannes, — wenn 
Du s Mariann lieb hesch, — noo müsch Du 
vun re fürt. — 

Hannes: 

[Er ist derweil in tiefes Nachdenken versunken. — Nach 
einem Schweigen, langsam und wie träumend.] 

Ja, — dis sieh i jetz gut, — s isch nix andersch 
ze mache. — Wenn i s Mariann lieb hab, — ze 
muß i vun re fürt. — 

Der Klosterbauer: 
Un dis isch s greescht Zeiche vun Diner Lieb, 
wo Du ihr kannsch gänn. — Geh fürt, die Stroß 
hin, wo am Felsebach nufstejt, bis an de Kriz- 
wäj un noo iwer vieli Gebiri un hochi Matte. 
Noo wursch Du in e Tal kumme, wo vieli Mensche 
wohne-n-in Steinhyser. Ein Kirich steht dort 
näwe der andre,-n-un uf de Berri sin Schiesser 
iweraall. Un wie d Wälder wachse by uns tief 
vum Tal bis nuf geje de Himmel, so wachse dort 
d Räwe. Dort han d Mensche ke süürs Brot 
wie hie. Dort gib s nur frohi Mensche. — Dort* 



»f. 



— 61 — 

geh wohne, Hannes. — Dort wursch Du au e-n- 
anders Maidel finde, wo Dir lieb wurd sin. 

[Eine Stille.] 

Hannes [schüttelt traurig den Kopf]: 

Ich wur lüje vun eim scheene Maidel ufs 

ander, un i wur süche,-n-ob eini so scheen isch 

wie sie. Awer ich wur keini finde so wie s 

Mariann. — [Träumend.] Un noo am Owes, wenn 

i d Glocke heer lite wit vun de Kiriche-n-un ich 

bin ganz eilein, — noo wur i als meine-n-i heer 

d Glocke vun dr Heimet — langsam, — langsam 

in dr Naacht, — un endli wurd s iwer mich 

kumme wie e Traum vun wit här: — Noo wur 

ich sie sahn, — un noo wur i gryne — um min 

verlores Läwe! [Er rafft sich auf.] Vater, bhyt di 

Gott! - 

Der Klosterbauer [schluchzend]: 

Min Kind! — 

[Eine Stille.] 

^ Hannes: 

Soll ich sie — nimmi sahn? 

Der Klosterbauer: 

Was Witt Dir nochemol d Wunden-n-uf -risse? 
— Geh, Hannes, geh glich — un ohne sie ze 
sahn! — Waart drowe-n-am Krizwäj! Dr Franz 
wurd nufkumme die Naacht, un er wurd mit Der 
gehn. — Hannes! Min Hannes! — Dr Herrgott 
soll Dich bschytze! Dr -Herrgott soll Di glyckli 



Ö'J 



mache! Dis isch dr Säje vun Dim alte Vater. 
Nämm dänne mit uf de Wäj! 

[Er breitet die Hände segnend über ihn aus.] 

Hannes: 
Un die Bern un de Wald, — d Heimet soll i 

nie wider sahn? 

[Eine Stille.] 

Der Klosterbauer: j 

Mathias, — gib in Dim Brüder d Hand! i 

[Mathias steht abgekehrt. — Eine Stille.] j 

Hannes: ! 

Mathias! — Du hesch Beeses geton an mir. 

— Ob ich Der verzehj, dis fröj mi nit. — Weisch, 

— eso ebs kann mer nit verzehje — glich. — 
Awer i hoff, mer wäre-n-emol nit sterwe, -n-ohne 
daß mer uns noch d Hand gänn. [Eine Stille.] ^ 

[Er will gehen. — Er wendet sich noch einmal zurück. 
Mit bebender Stimme.] i 

Vater ! — Vater ! — 



V. Szene. 

Mariann, die Vorigen, dann der Säger- 
franz. 



[Mariann stürzt verzweifelt aus dem Hause und wehrt 

ihm den Weg.] 

Mariann: 
Hannes! Was isch mitem Hannes? Dr Hannes 
will fürt ! Nein ! Geh nit ! Was soll üs mir wäre- 



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n-ohne Dich? — Nämm mich mit Dir! Nämm 
mich mit Dir! Verzehj mer, was i getoii hab! 
Hannes, ich hab Dich heb. 

Hannes: ' 

Geh zeruck vun mir! — Mariann! — Nein, i 
kann nit. — Geh zeruck! 

Mariann [sie sinkt auf die Knie]: 

Un Witt mi vun der stoße, — ze haw i nur 
noch eins ze tun: — Weisch d Schhttebruck 
drunte-n-iwerm Abgrund? Drejmol so tief wie 
unsri Kirich geht drunte dr Bach. Dort spring 
i nq^. — Hannes! 

Hannes: 
Mariann! , — Eso hesch Dti mi lieb? 

Mariann: 
I hab nur Dich Heb un hab immer nur Dich 
heb ghet — immer. 

Hannes [erbebend]: - 

Mariann! Lüj mer nit in d Aue! 

Mariann [sie hängt an seinem Halse]: 

Hannes! Siehsch s nit in mine-n-Aue? Spyrsch 
s nit, wenn i Der d Arm um de Hals lej ? Spyrsch 
s nit, Hannes ? 

s Hannes [schluchzend]: 
So lieb, so lieb haw i Dich, — Un muß denke, 
-n-i hab Di für immer verlöre ! 



-if^^ll^K'- ' 



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- Mariann: 
Nie hesch Du mich verlöre, nie ! Ich bin Din, 

— un kener rißt mich vun do ! — Selbscht Du nit ! 

Hannes: 

[er reißt sie wild an sich.] 

Nein, kener rißt Dich vun do! — Spyrsch s 
nit, wie ich Di heb? Meinsch, einer kennt Di 
wegrisse? Kumm, i will Di feschter hewe. Kener 
het Dich genumme, kener. So haw i Di immer 
ghebt, daß Du keim anare gheersch. Mach d 
Aue zu! Kumm, mer welle d Aue zumache! — 
S isch nix gschähn, gar nix. S isch wie immer. 

— Mir sin Kinder. — Mer sitze-n-im Wald am 

Wasserfall. — Heersch wie d Glocke lite tief im 

Abgrund? — Mariann, heersch? — D Glocke lite 

^vider. 

Mariann: 

Kannsch mer verzehje? 

Hannes: 

Was soll i verzehje? S 

S isch alles wie immer. D 

Glocke lite. — 

Mariann: ' 

Hannes — hesch mi lieb? ; 

i 
Hannes: 

Ich hab Di lieb. — Mir gheere zamme. 

[Mathias ergreift eine Axt im Winkel.] 

I schweer s vor Gott un de Mensche: Mjr 
gheere zamme. Un »wenn uns Gott un d Mensche 



isch nix gschähn. 
Glocke lite. — D 



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welle-n-üs-enandrisse, ze schweer i s by miner 

Lieb: Mir gheere zamme — un i trotz im Himmel 

un in dr Welt! 

[Mathias erhebt die Axt und dringt in furchtbarer Wut 

auf ihn ein.] 

Mathias: 
Mir gheert s Mariann! Mir gheert sie ellein! 
Un haw i ken anders Rächt, ze haw i d Axt! 

[Hannes weicht zurück und reißt eine Axt aus einer Tanne.] 

Hannes: 
Jetz kenne mer s mit dr Axt üsmache, wämm 
daß sie gheert, — wie Du gsaat hesch. 

[Mathias stürzt auf ihn zu. Mariann umklammert den 

Geliebten, um ihn zu schützen. Der Vater wirft sich mit 

ausgebreiteten Armen zwischen die beiden.] 

Der Klosterbauer: 
Bim drejeiniche Gott! Zeruck vor mim wisse 
Kopf! 

[Eine Stille. — Hannes läßt die Axt sinken. Mathias will 

gegen ihn schlagen. Der Klosterbauer hält das Beil mit 

erhobenen Armen auf und schreit]: 

Fridde zwische-n-Ejch ! — Ussenand, saau ich ! 
— Gottes Strof soll uf dänne falle, wo nit beert! 

[er entreißt Mathias die Axt.] 

Jesus, Maria ! solle mini eijne Kinder sich vor 
mine-n-Aue totschlaaue? Gehn Ejre Wäj! — 

[Er trennt sie. — Eine Stille.] 

Dü, Mathias, geh an d Arweit zu de Schütter 
am Berri! 



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[Mathias steht unbeweglich. — Der Klosterbauer mit er- 
hobener Stimme]: Geh! — 

[Mathias wendet sich langsam, schweigend zum Staffelweg.] 
Dü, Hannes, fyhrsch mer de Schütte dort 
nunter an d Säj! 

[Hannes steigt zum Schlittweg. Der Klosterbauer und 

Mariann stehen drunten und sehn ihnen nach.] 
[Mathias blickt wie versteinert auf seinen Bruder, der 
den Schlitten losmacht. Er kämpft einen langen, fürchter- 
lichen Kampf, bis Hannes mit dem Schlitten hinter der 
, Felsecke verschwindet.] 

Mathias [mit heiserer Stimme]: j 

Hannes! Hannes! Hannes! 

f Der Sägerfranz stürzt den Schlittweg vom Berge her. Er 
zittert an allen Gliedfern.] 

Der Säecerfranz [schreiend]: 
Heihoo! — Heihoo! — 
War fahrt dort nunter — d Schlittebruck ? 

Mathias [mit hei.srer Stimme]: I 

Dr Hannes isch s. 

Der Sägerfranz [in wahnsmniger Verwirrung]: 

I Dr Hannes! — Heilichi vum Himmel! — Dr 
Hannes isch heim? — Dr Hannes labt! — 
Hannes! — Barmherzichi Jungfrau! [Er schreit in 

wilder Verzweiflung hinab]. — D Bruck ! — Heihoo ! 

— Heihoo ! — D Bruck ! — Heihoo ! — 
[Eine Stille. Man hört aus der Tiefe einen langen, — fürch- 
terlichen Schrei.] 

Der Sägerfranz: 

[Starr, voller Entsetzen auf Mathias schauend.] 



- 67 - . 

Du hesch s gwißt — vun der Brück ! — Die 
Naacht! — Du hesch s gewißt. 

Mariann [schreit in wilder Verzweiflung]: 
Hannes! — Hannes! — 
[Sie stürzt ihm nach, den Schlittweg hinab. Man hört sie 
noch aus der Tiefe schreien]: Hannes! 

Mathias: 
[Er steigt zum Felsen. Er sinkt mehrmals nieder.] Maria, 
Josef! - Was haw ich — geton? — Herrgott! 
Loss din Wetter uf mich nidderfahre! — [Er steht 
oben.] — Dort, — d Geischterbruck ! — Mariann! 

— Sie springt em noch! — Mariann! — Sie springt 
em noch! — Zeruck! Zenick! — Mariann! Zeruck! 

- Ha! 

[Er taumelt. — Der Sägerfranz hat die Flinte vom Boden 
gerissen. Er legt auf ihn an. Er schießt. Mathias fährt 
mit beiden Händen an die Brust und rollt den Felsen 

hinab.] 

Der Sägerfranz: 
■ Brüdermerder! — Brüdermerder! — 

[Er stürzt in den Wald.] 
[Man hört ihn noch aus der Ferne schreien.] 
Brüdermerder! — 

Der Klosterbauer [irr]: -^ 

Mini Kinder! — Wo sin mini Kinder? — 



(Der Vorhang fällt.)