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Full text of "Annalen des Historischen Vereins für den Niederrhein 65 (1898)"

ANNALEN 



DES 



HISTORISCHEN VEREINS 
fCr den niederrhein, 

INSBESONDERE DIE ALTE ERZDlOZESE K0LN. 

IM NAMEN DBS VORSTANDES HERAUSGEOEBEN 

VON 

D K . AL. MEISTBR 

PRIVATDOZENTEN DER GE8CHICHTE IN BONN. 



F0NFUNDSECH.SZIGSTE8 heft. 



KOLN, 1898. 

J. & W. BOISSEREE'S BUCHHANDLUNG. 

(FRZ. THEOD. KELMKEN.) 



r. ; 



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Inhalt. 



S«ir 



* 



Die fraoiijeiBclie Post am Nicderrhein bis zu ibrcr Unterurdnung 
unter die General- Poatdirektion in Paris. 1794—5*9. Von Poet* 
rath Sautter 1— i>2 

Beitrage zur Geaohicate Crefelds und dee Niederrbeins. Von Stadt- 

eohulr&tb Dr. Htrn. Koueoon aen. (+). Bemuegegoban von 

Arcfcivaasistent Dr. Herm. Keussen jna (ForUetzung) . . 93—150 

8, Dcr chomaligo Ritteraitz Giindo 93—103 

ft. Zur Geschichte der Crefelder Zeitungspreiae .... 103—132 

10. Ana Crefelds Tbeatergeschiclite 132—135 

11. Bin Rflckblick auf die SanitStsYwhaltnisBe der fruheren 

Zdt 136-150 

Drei Jab rear mjlmungcu do* kuluiuubvu Offizinltttagerichtfc in Werb 

149!)— 1516. Von Dr. Ricfcard Bettgeuhaeuser . . . 151—201 
Ccgedruckte UrkuiHlen der Erzbiacliofe von Koln aus dein 12. und 

13. Jabrhundert. Von Dr. Richard Knipp in e . . . . 202—336 

Miscellen. 
Zor Lebenageschichte des Caeaariue von lleieterbach. Von H. Hofer 237—240 

Litteratur. 
Die bistorische Litteratur des Niederrbeins fur daa Jahr 189u>. Von 

Kaspar Keller 241-272 

Berichte and Notizen. 
Fruhjahrs-Yeraammlung des hiatorisclieii Vereins fur den Nieder- 

rhein zu Dfiaseldorf am 2. Juni 1897 273-276 

Die nerbol-Vcroaxnmlung doo hiotorieoben Voroine fur don Niodcr- 

rhein zu Essen am 13. Oktober 1897 276-280 

Historische Gesollaohaftcn und Vereine 280—283 

Preisaufgaben 283 

Archive* Bibliotheken, Personalnaehrichten 2H4— 285 



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Die franzOsische Post am Niederrhein bis zu ihrer 

Unterordnung unter die General-Postdirection in Paris. 

1794-99. 

Nach ArohivAliRohpn QnAllen hesrheitet 

von 
rostrate Sautter in Koln a. Rh. 



Quellen : 

Staatearchtv in Coblcnz. Akten der n UommiBaion generate 
da Gouveraemeat du pays conquia" und zwar : Poetea aux lettree et aux 
cbevaux an. V. 1 Heft folio, Blatt 1—90 gez. 200*. — Correapondance du 
General en cbe£ an. V. 1 Heft folio, Blatt 1—2 gez. 200*>. Correapondance 
dea AdmiQiatrationa civile*, an. V. 1 Heft folio, Blatt 1—2, gez. 2CXK — 
Correapondance de flnepecteur en chef an. VL 1 Heft folio, Blatt 1—6, 

goz. QOOd. — Corraopondnnce rotative wx Pontes ot Moeyugorie* nu. VI — VH. 

1 Heft folio, Blatt 1-41, gez. 200°. 

Akten der Prafektor dea Rhein- und Mnael - Departementa: 1. Akten 
betr. die fUr die Brief- und Fakrposten im Rhein- und Moael-Departement 
beetehenden Xarife, an. XI. I Hell folio, Bl. 1—15, gez. 1 187. — 2. Akten 
betr- die Befreiung der Fabrpoaten von der Gtatollung ibror Pferde en miK- 
tarischen Requisitioned an. XIV. 1 Heft fol., Blatt 1—3, gez. I IbU 

AktAti t\t*r PrnffiVtnr Aem finar-Drpnrt<»inf>nt»! 1- Orgftnimiion rle I'A.d- 

miniatration dea poatea dans le Departement, an. VI — 1812. 1 Heft folio, 
Bl. 1 — 203. gez. F. IX. 1. — 2. Etabli&aeinent des mesaageriea pour I'interieur 
dea arrondiaaemeuta. an. VI— 1808. 1 Heft folio, Bl. 1—40, gez. F. IX. 2. 

Staatiarchiv in Diieeeldorf. Akten der Bezirksverwaltung 
bu Bonn, betr. die Einrichtung des Poetweeena, die Beetimmung der Beaol- 
dangen far die Poetmeieter, deren Einqaartierungsfreibeit and die Porto- 

frmheit der Central- und BazirkaverwaHungen. Jan u&r— December 1795 — 
(Lande zwiacnen Maas und Rbein, 1 Faac. von 126 foL Nr. 130}, Corru- 
apondenz mit dem Poatmeiater Kaltenauer zu Bonn, betr. willkurliche Kr- 
hohung dee Briefportos durch denBelbco. 1796 — (1 Faac. vcn 8 fol. Lande 
zwischen Maaa und Rhein Nr. 301). 

AjihiIjd d«a hist- Vcrelno LXV- 1 



. . 



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2 Sautter 

Akten der Bezirks-Verwaltung zu Boun, betr. die vom Post-Stall- 
meister Pauli zu Koln requirirten Pferdo. — 1795 (1 Fasc. von 16 fed. Lande 
zwischen Maas uud Rhein Nr. 3G0). 

Akten deagl. betr. den dom Posthalter Alfter zu Bonn vom Stadtrathe 
daaelbat abgefordcrten Beitrag zu don Hriogslasten. 1797 — (1 Fasc voa 
12 fol. Laude zwischen Maaa und Rhein Kr. 779 1. 

Akten deagl. betr. den Botenlohn dea Postboten Heinrich Duell za 
Bruhl. 1795 — 96 — (1 Fasc von 17 fol. La rule zwisolien Maaa nnd Rbein 
Nr. 1460). 

Akten deagl. betr. daa Briefporto voit den an die Kuntributiooa-Kois- 

miBearien adressirten Briefen. 1795 — (1 Fasc von 10 fol. Lande zwiacheu 
Maaa und Rhoin Nr. 1504). 

Akten deagl. betr. das von den PoBtmeistern fUr die Sendungen in 

dienntlichen Angelegenheiten der Republik den Beamten dea Krzatifts zn be- 
reclinonde Poatporto. 1794. (1 Faao. von 7 fol. Lande swiscben Maaa und 
Rhein Nr. 1505). 

Akten doagl. betr. daa von don Poetmeietern oinzueondondo Veraeich- 

niss iurer Pferde uud Fuhrwerke. I79i> — (1 Fasc. von 22 fol. Lande 
zwischen Maaa and Rhoin 150*5). 

Akten deagl. betr. die Beschwerde dee Postdirektors 6p5rk zu Crefeld 
gegen den Postmeiater Pauli zu Koln wegen des Portoa fur die mit Aasig- 
naten beachwerten Briefe 1795 — (1 Faec. von 6 fol. Lande zwischen Maaa 
nnd Rliein Nr. 17i<5). 

Akten dea Xanteu'achcn Cantooe in Poetaacben. 3795/96 (1 Faao. vco 

40 fol. Lande zwischen Maas und Rhein Nr. 2025). 

Historiecliea Archiv dor Stadt Koln. Akten fiber das 
Poetweeen von deu Jnhren 1794 und 1795, Bowie aolcher von der dea Puet- 
wesena halber angeordneten lobl. KommisRi'on (Aetuario Welter) zu hiesiger 
lohl. Syndicate - Registrator deo 13. April 1796 iabergeben worden. — VU. 
Caps. ;"»7. D. 

Protokoll ubor dno Poatvrsssn vod don Johrcn 17!>4, 171»5. VII. Caps. 67 D- 

Pas hiesige Postwcsen wahrend dem Aufenthalte der fraozosischen 
Truppen in hiesiger freien Stndt Colin. 1794, 1795. VIII. Caps. 57 I>. 

Arrtte dea Regiernnga - Komimaeara Rudler vom 26. Ventose VII, die 
von den tahrendeu Posten und offentlichen Wagen zu erhel)enden Gebiihren 
betr. VII. Cape. 67 D. 

Anlagen zu Caps. 56/n7 Polizei- und Postweaen. 

Stadtnrchiv zu Aachen. Akten ilhcr daa Postweseu wabrend 
der franzosischen Verwaltung. Fasc. VII, fol. 176. 

FiirstHch Thurn und Taxissches Central-Arehiv zu 
Rcgensburg. Postancken VI, 47, 7. 

Litterator: 

Friedr. E v. von tiering und L ud wig Reisch er t, Zur 

Geschichte der Stndt Koln am Rhein von ihrer Grundnng his zur Gegen- 



r. .... 



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Die fraocoeieoKc Poet *m Kiodorrhein etc. 3 

■ 

vart, nach handset riftliolten Quelten und den betten gedrnckten Hfilfemittoln 
Wrbeitet Bd. IV. Kola. Job. Wilb. Diets 1840. 

Dr. Leonard Ennen. Zeitbilder hub der neuen Geschichte der 
Starlt Koln. Vcrlag der M. Dumnnt - Schauberg'cchon BucbhandluDg. 
JC6ln JH57. 

K d Rncltenhtimer. GowViinbto t\t*r fitniH Main? wSltrpnrl dpp 

zweiten franzosiKshen Herrschaft (179«— 1814). Fl. Knpferberg. Mainz 1890. 

Die Derkschrift zttr FAnwethtmg de» Pontgdinuden in Ktlln tut dethalb nicht 
genannt, well der Verfasser die-sen Aufgatzes die einschlagigen Atmehnitte 
uber die fransosiache Pott in jmcr Denhochrift eeV/et bearbcitet hot. 



I. 

Die Postkom mission in Koln. 

In den ersten Tagen des Oktober 1704 rollte der Donner 
der Kanonen an der Roer im Jtilicner Lande. Dort rangen die 

kaiserlich Osterreicbischeu Truppen miter dem Feldzeugmeister 
Clairfait gegen die franziteieche Sambre- und Maae-Armee unter 
General Jonrdan am den Besitz dentscben Landes. Das Waffen- 
gltlck enUcbied za Ungunsten des i&terreichiscben Heerea, welches 
sicta genttthigt sab, in Eilmarschen seinen RUckzug naeb dem 
rechten Rheinufer za bewerkstelligen ; vom 3. bis 5. Oktober Ober- 
sehritt die kaiserlicbe Armce bei DU88eldorf, Mtllheim, Ki>to und 
Bonn den Rhein, hart gefolgt von dem siegreichen fraiizttsiscben 
Heere, dem nanmehr das ganze Gebiet am linken Rheinnfer offen 
stand. Scbon am 5. Oktober erschien die Vorhut der Franzosen 
bei GrosskOnigsdorf anf der Aacbeuer Landstrasse, 2 Meilen von 
Koln. 

AU die Nacbricbt von dem Fleranrlicken des Feiudes in der 
freien Reicbestadt Koln eintraf, ritt der vormallge kalserllehe Post- 
stallmeieter EUen 1 ), von Vorreitcrn umgeben — wie ein Chronist 
der danmligen Zeifc spiUtiseh bemerkt „gleich einem fliegenden 
Merkurius" — den Siegern entgegen nnd kUndigte die Uuter- 
wdrfigkeit der Kalner Btirgerechaft an. Elsen kehrte mit den 
echmeichelhattesten Versicberungen des Befehlshabers der franzO- 
ctechen Vorbut, dea Divieionsgenerala Championnet, flir dae Wohl 
der Stadt Kttln, indessea docb auch mit dem gemessenen Itefebl 
zurUck, dass der Senat und die Bllrserschaft 6icb bequemen mlisse, 



1) Mering, Geachichte der Stadt Koln. Kuln 1840, S. 286 ff. 

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4 Sautter 

dem General die Schllissel der Stadt bis an die Grenze des Stadt- 
gebiets entgegenbringen m lassen. Die 2U diesem Zwecke von* 
Senat and der Burgerscbaft erwahlte Deputation, bei der tick 
wiederum der Stallmeister Elsen befand, fuhr am 6. Oktober ge- 
gen 9 L'hr Morgens in einem vierspannigen Wagen den heran- 
lltckeudeu Frauzoaeu bis in die Nahe deo Duifes Melateu entgegen 
und Uberreichte dem General Championnet in tiefster Ehrerbietung 
die Schlttssel der Stadt. Gegen 2 Ubr Nachniittags rttckten die 
Franzosen, ein Jiigerbataillon niit dem General Championnet an 
der Spitze, in die Stadt ein. Damit war das Schicksal der alten 
freien Reichsstadt Kiiln besiegelt; ihreSelbst'andigkeit und stadtische 
Freiheit batten von diesem Tag© ab aufgohort. 

Im Hanptquartier der franzCsischen Armee befand sich ah 
Inbaber der obersten Civilgewalt der Yolksvertreter Gillet, welcher 
den amtlicben Titel fUbrte n Repr4sentant do peuple pres de Tarmee 
de Sambre et Mease*. Dieser republikanische Machthaber Hess 
fichon 2 Tage nach seiner Ankunft in Kbln foigenden auf das 
PoRtwesen bezUgliehen Refchl an den Rath der Stadt ergehen 

Freiheit, Gleichhett, BrUderlichkeit. 

Coin, den 17. Vcnd£miaire dee Jahrca III 

(8. Oktober 1794) 

der franzosischen, einen, untheil barer und dem ok rati sch en Republik. 



Gil let, Vortretor doe Yolke boi dor Sambro- und Maao-Armoc, 

Id Erwagung, dass ee dem offentlichen Interesse entspricbf, die 
Verbiudungen Coin's mit Frankreich und den NiederlandeE, weiche 

duroli dio kriegerisohon Ereigniae© nolorbrooneo wamn, cvteder hercn- 

stellen, damit die Handelsbeziehungen nioht leiden, 

verfugt, 
dass die sogenannte kaiserlicbe Briefpoist (dite iroperiale) nnd der kur- 

ptalzische Fottwngen (diligence palatine), weiche nach Aachen taiiren, 
auf den Str&eeen nach Frankreich, den belgiechen Provinzen nnd dem 
Liitticber Lande — jedocb allein auf diesen — wieder in Betrieb ge- 
eetzt werden. Diese Poeten konnen sick nur mit der Beforderung von 
Personen, Briefen und Paeketen befassen, weiche nacb diesen Landern> 
oder nacb aolchen, mit denen die franzddsche Republik sich nicht im 
Kriege befindet, bestimmt sind. . Der Dieast der Postbaltereien wird 

atzf jonen St reason obenfalle Triodor atifgcDomiuon werden. Alio ttb- 

rigen Post- nnd Messagerie-Anstalten bleiben aufgeboben, ebeuso wie 
der Dienst auf den andern Stressen und alle Verbmdongen mit den 
von feind Uchen Troppen besetzten Landern ausdrttcklich nntersagt 
wrderi. 



r. ; 



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Die franzoai«che Post am Niederrhein etc. & 

Der MagiBtrat von CiJln v/ird die Dorchfuhrung der gegenw&rti- 
$en Verordnong fiberwacben and dem militairiacben Befehlefaaber der 
Republik in C5ln dftrUber Recbenschaft ablegon. Gillot. 

Zu gleicher Zeit wurde ein Dekret des Commissaire-ordonna- 
teur general der Nord-Sambre- and Maas-Annee Sabin Bourcier 
d. d. Bruseel 10. Yend&nialre III (1. Oktober 1794) veroffemlicht, 
wodurcb jcdero Poethalter die Verpflichtung aufertegt wurde, jeder 
Zeit Fattervorrath ftir einen Monat behufs Verpflegmig der vorge- 
ecbriebeuen Zabl von Pferdeu auf Lager zu batten. Von dieseni 
Futtervorrathe sollte den Posthaltern nicbta genommen werden 
durfen; auch eollten sie berecbtigt sein, die erforderlichen Er- 

£ansu»gcn dee vorrEthig zu halteudeii Monatabeetaudcs vou dem 
Magistrate der betreffenden Stiidte gegen Bezablnng zu requiriren. 
Mit der Ausfttbrung dieses Dekrete wax der Burger Lebrnn, Agent 
Principal dea Poatee in Brttesei, beauftragt. 

Der Rath der Stadt KBln, welcber zu jener Zeit angstlich 
iemlibt war, den Forderungeu der frauzOeischen HeerfUbrer and 
Keainten auf das Gensueste za entepreohen, beeilte sieh, dem 
Befeble des Volksvertreters Gillet besonders gewisseuhaft nachzu- 
komraen. Er fasste zu diesem Bebnfe am 13. Oktober 1794 fol- 
genden Reschhifis: 

„Auf verleaenen Befehl dee franzoaischen Volksvertreters Gillet 
vom 17. Vende'nriaire wird zu deeaen Befolgnng der bereite zur Uiiter- 
eucbung deren bUrgerliohen Klagen niedergoaetzten Loblicben Kom- 
nrisaion aofgetragen, eicb wocbentlicb des Mittwocha, auch in wicbtigen 
^orfellen gloich, von bieaigen Postamtern ilber die Gelebung gcmclten 
Eefehle, liber ihre deefallsigen Verricfctungen, Uber ihren Empfang und 
Auagabe anaweiaen zn lapaen. aodann gemelten Poaiamfcern unverziig- 
lich den Ort und dio Stnndo ibrer Verearomltmg kund zn machen.* 

Die hiernrit ins Leben gerufeue n Postkommi8sion B hielt 
bereits am Mittwoch den 15. Oktober 1794 ihre erste Sitznng ab. 
Nitglieder der Kommiseion waren: Der Memorialsmeister Bart- 
mann, der Fiskalrichter Nllekel, der Rathsverwandte Biermann, 
der Liceutiat Imbof. AIs Aktuar der Kommiseion war der Kanz- 
list Welter thfttig. 

Die Po8tkommi88ion ereffnete ihre Thatigkeit damit, dass sie 
die in der Stadt anaiUsigen Posthalter und Fuhmntemebmer vor 
8icb beschied und sie aufforderte, die Postverbindungen and regel- 
nasBigen Fubnverke, welcbe vor dem Ansbrucb des Kiieges auf 
dem linken Bbeinufer bestanden batten, durch die Kriegsereig- 
nisse aber ins Stocken gerathen waren, baldigst wieder herzu- 



r. ..... 



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6 Sautter 

8tellen. In der freien Reichsstadt KSln hatten vor dem Einzu^ 
der Franzosen folgende Postanstalten ond Qffentliche Fuhrunter- 
nelmiungen bestanden. 

1. Das kaiserliche Reichs-Oberpostamt in der Glockengasse 
enter der Leitung des Reichsoberpostmeisters de Groote, Uerrn zn 

Kcudcnich, der einem im Jahre 1500 ana Ypern in Relgicn nach 
Kbln eingewanderten alten Patriziergeschlechte entgtamuite. Die 
zum Oberpostawte gebOrige Posthalterei verwaltete der Posthalter 
Pauli, der Jtingere; ihre Stallungen befanden sich auf der Glocken- 
gasse, anweit dee Oberpostamts. Sie besass einen Bestand von 
80 Pferden. Das Oberpostamt unterbielt auf dem linken Rhein- 
ufer, ahge&ehen von zahlreichen Reitpn&ten nneh alien Riehtnngen, 
einen taglieh verkehrenden Postwagen zwischen KOln und Aacben. 

2. Das Privatfuhrnnternehmen Paoli dee Aelteren anf dem 
Waidmarkt, welcher einen t&glich verkehrenden Postwagen nach 
Bonn unterbielt, wofUr er an die kurfUrstlich kOluiscbe Hofkammer 
zu Bonn eine jabrlicbe Abgabe von 50 Reichstbalern zu entrichten 
batte. Dieser Wagen stand in Bonn mit einem gteichtalls von 
Paoli dem Aelteren eingericbteten Postwagen nach Coblenz in Ver- 
bindung. Der genannte Unternehmer unterbielt ancb einen Wagen 
nach Venloy „mit welchem der Reisende, obne im Wagen tlber- 
nachten zu mueaen, in drei Tagen von Kfiin nacb Rotterdam ge- 
langen konnte*. Die PauH'scben, zwischen Venlo, Kflln and Cob- 
lenz verkehrenden Fuhrwerke standen — wie der Besitzer seibst 
in einem Bericht an die KiSlner Postkommission rllbmend bervor- 
bebt — miteinander in so guter Verbindung, n dass sich der Rei- 
sende aua Amsterdam sowohl wie aua Rotterdam in 4 Tagen nacb 
Coblenz versetzt sab". Das PaulPsche Unternebmen beschaftigte 
32 Pfcrde. Der Unteruebmer fubrte den Titel „Kurkolnischer 
Postmeister*. Er war nebenbei Herauegeber der Zeitung „Der 
Staatsbote\ 

3. Die Fubrunternehmer Laugen acf der Habnenatrasae in. 
Kbln und Sieger in DUren nnterhielten den wbchentlich dreimal 
zwischen KOln nnd Aacben verkehrenden sogenannten „Knr- 
pfalzisckcn Wagen", wof'ttr sie an die kurpfalzieche Regierung zu 
Dllsseldorf eine jabrlicbe Abgabe von 70 Reichstbalern zn entrichten. 
batten. 

4. Die Koniglich Preuesische Poetwagen-Expedition in der 
„Rothen Gang 11 auf dem Eigelstein unter der Leitung des preussi- 
schen Posthaltera Speymauu. Vou dieser Expedition wurden 2 



r. ..... 



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Die franzosische Post am Xiederrhein etc. ■ 

Fostwagen abgelassen, von welchen der eine Montage, Mittwochs 
nnd Freitags tlber Neuss, Uerdingen, Rbeinberg, Xanten, Odens- 
berg, Cleve, Nymwegen nach Arnbeim, der andere Sonntags und 
Donnerstags tlber Neuss, Crefeld, Altenkirch (Alriekerk), Geldern, 
Kevelaer, Gcch, Cleve nach Nymwegen verkehrte. Ftlr jeden 
dicser beiden Wagen hatte die preussische Pusrverwaltuug an die 
kurfBrstlicb k&lnische Hofkammcr in Bonn eine Jabresabgabe von 
266% Tbaler zu entrichten % Die Abrechnung fiber dieses schon 
wit dem Jahre 1687 bestebende Unternefamen vrurde von dem 
Poskkomraissar SchBpplenberg in Cleve gefUhrt. Ftir den Betrieb 

der Preussischen Fosthalterei waren 12 Pferde erforderlich. 

Der Aufibrdcruog der Postkommiseioc cntsprccbcnd etc II ten 
sich die sammtlichen Postfuhrnnternehraer in deren Amtszimmer 
eio und erklaxten sich bereit, die unterbrochenen Verbindungen 
■it dem ibnen verbliebcnen Pferdebeetand sowcit thuoiich wiedcr 
in Gang zn bringen. Narnens des Reichs-Oberpostamts erschien 
an Stelle des Reiehs-Oberpostmeisters de Groote, der beim Heran- 
rflftken der Fronzosen in Begleitnng einea Theiles der Reichs- 

Postbeamten tlber den Khein geflUchtet war nnd einen erheblichen 
Theil der Pferde des kaiserlichen Posthalters Pauli des Jlingeren 
mitsieh genommen hatte, der Hlteste der zurtlckgebliebenen Reichs- 
Postbeamten, der PostrOfficial Kreyer, in Begleitung des Wagec- 
Eipeditors Diel vom Oberpostarcte. 

Kreyer sowohl als die Fuhrunteraehmer machten ftir die 
Wiederaufnabnie der Postfahrten zur Bediugung, dass man ihnen 
gegen die Wegnahme ihrer Pferde und Wagen durcb die franzti- 
ufichen Truppen Schutz gewahre. Diese Forderung war eine sehr 
bereehtigte, denn nicbt nur die umherstreifenden Nachztlgler der 
franzflsiscben Armee. sondern auch die Offiziere und Militarbe- 
amten machten mit Postpferden und Fuhrwerken wenigUnist&nde, 
wenn sie zu ihren Zwecken sie gebraucben konnten. So beklagt 
8ieh & B. der Posthalter Offermann ans Bergheim bei der Post- 
komiuis&ion, „dass 2 franzOsische Soldateu, die Mantel und Cas~ 
kette mit Rossschweif angehabt, seinem von Jftlicb nacb Berg- 
heim mit dem Postfelleisen reisenden Postilion ein Handpterd 
(L'ngar) abgenommen hiUten. Der Postilion babe die R&uber in 
den Wald am Bildstockel verfolgt. Die beiden Soldaten waren 

dort tlber ihn bergefallen und b&tten ibn geschlagen; scbliessiich 
batten sie ihm aber sein Manlthier mit dem Postfelleisen zurtlck- 
gegeben ; seinen Hut, sow ie das ungarische Handpferd habe er 



f. ; 



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h Sautter 

eingebtisst — Anch dera Postilion Somraer, der einen Brotwagen 
zur franzOsischen Armee hinter Kflniggdorf geftlhrt taabe, sei ein 
Pferd weggenommen worden." ,Da dieses nun Sachen sind, so 
Postilions in Forcht setzet, die Dienste 7u verricbten, and denen 
Posthaltern znui erapfindlicbsten Schaden gereichet, so wolie bei 
der GeneralitSt desfulls das Nttthige eicgeleitet werden." 

Zur HerbeifUhrung der ntfttaigen Sicherheit fUr die Posten 
wandte sich die Postkoraraission am a 15. Oktober 1794 an den in 
der Stadt Kfiln einquartirten Ober- General der franz&suichen 
Sambre- und Maaa-Armee Jourdan mit der Bitte um Ertheilang 
von Sicherheitspassen filr die Postwagen. Jonrdan verwies die 
Vorstellung an seinen Generalstabschef zur Erledignug. Dieser, 
der Divisions - General Ernouf, erklarte dem Ueberbringer des 
Scbriftstticks, die Kom mission moge ein °ri a seer lichen Zeichen fUr 
die Postwagen entwerfen, z. B. n voitare de poste de la r£pu- 
blique francoise* mit einem rothen Kappchen darauf (der pbrygi- 
schen Mflrze der franzosischen FreibeitsgOtnn). Das sollten die 
Posthalter und Postmeister nnr auf ibre Wages malen lassen, 
dann erhielten sie Passe, die ibnen voile Sicherheit gew&hren 
warden. Es scbeint, dass man diesen Wink wobl verstanden and 
rascb befolgt bat, dean, wie die Protokolle der Postkoraraission 
ergebec, stellte der General Ernouf schon am 20. Oktober 1794 
dem PostofSciat Kreyer vona bisberigen Reicbs-Oberpostamt und 
sodann auch den Hbrigen Post-Fuhranternehmern die gewttnschten 
Passe aus. Uie Ausfertigang geschah durcbweg nach folgendem 
Muster: 

,11 est ordonae aux troupes de la r£publique franco ine de laisser 
pk&sti It vlmiiol do postc do Coluguo 4 Aix cl d'A'i*. A Colvgue ct 

oil aont les troupes francoiaes. Les commandants des troupes franchises 
tiendrout leur main a l'execution du present ©rdre.* 

Fait a Cologne la 

vingt Vendemiaire 

Van troiai£me de la 

r^publique francoise une et indivisible. 

Le General de division, 

Chef de l'Etat major de Varmee 

de Sambre et Meuse: 

EmouP. 

Nach Brlbeiluug der 3ieberb«it»pHsse kamen die Postvcr- 

bindungen von Kttln nach Bonn, Neuss, Dttren, Aachen und Mtlnster- 

eifel rasch wieder in Gang, indessen war in Folge des bei den 

Posthaltereien kerrschenden Mangels an ttlchtigen Pferden and 



r. .... 



Google 



Die franzosische Post am Niederrhein etc. 9 

gecBgenden Futtervorr&tben die fruhere Regelmftssigkeit nicht vor- 
banden, and es tvurden bei der Postkomraission bald genug Kla- 
gen laut fiber Mangel und Stockungen im Postenlanfe. Die Post- 
baltereien waren eben durcb die miliUlrischen Requisitiouen x.u 
arg beruntergekommen. 

Nacndem die Postkommiseion darch Wiederbelebung der 
Posten den Befehl des franzOsiscben Volksrertreters Gillet aasge- 
fdhrt hatte, kam es ihr daranf an, eine feste Grondlage fttr ihre 
arntlicbe Stellung and eine genaue Abgrenzung inres Wirkungs- 
kreisee zu erlangen. Zu diesem Behufe richtete sie arc 8. No- 
vember 1794 an die Volksvertretcr Joobert und Frecine, welche 
inzvYiacbca an Stellc deo VolkeveiUeteiB Oillct im Ilanptquarticr 
der Sambre- and Maas-Armee die Civilgewalt libernomnien hatten, 
eine Eingabe, in welcher sie urn Aufklarung Uber folgende Punkte 
ersuchte: 

1. Ob das jetzige Postpersonal beibebalten werden und seiu 
Gehalt fortbeziehen soile? 

2. Wohin di© Poeteinoahmen ssu flicescn h&tteu, ob sie eftwft 
bet der Komtnission abzuliefern seien? 

3. Ob die Postauiter in Bergbeira, Jttlich, DUren, Aacben 
O- s. w. nicht dera Kftlner Oberpostamte zu unterstellen, beziehungs- 
weise der Koramission als der OberaofsicbtsbebOrde nnterzuordneo 
seien? KBin erschetne als ein guter Centralpunkt fttr die Ab- 
recbnnng pp. 

4. Ob nicht Bftramtliche Postmeister, Posthalter and Post- 
officianten in Ktiln, Bonn, Neuss, Bergheira, DUren, Jtilich, Aacben 
mid in den tibrigen auf das KCIner Postamt sich beziehenden 
Orten von der Kommissioo in Eid und Pflicht geaoniraen werden 
sollten? 

Fernerhin wird beantragt, die Entschadigung des Posthalters 
Pauli des Jttngeren in Kttln nnd des Posthalters Herck in Aachen, 
welche 75 Stttber fHr das Pferd betrug, nro 15 Sttiber fUr das 
Pferd zu erhtthen, aacb eine Erhohnng des Personengeldes und 
Packetporto8 nm ein Drittel in Auesicht zu nefamen. Weiter be- 
klagt sich die Koramiasion, dass franzttsiscbe Offiziere die Reisen- 
den aue den Postwagen wiesen, auch wenn die Reisenden das 
Personengeld bezahit hittten und schon vor den Offizieren sur 
Reise eingeschriebeii seien. Es scheine ein entsprechender Befehl 
notbweiidig, um diesem Uebelstand abzuhelfen. Zum Sehlusse 
stellt die Koromission der Entscheidnng der Volksvertreter in aller 



r. ; 



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1) Knnen, Zeitbilder rub dcr neueren Geschichte der Stadt Koln. 

Kcln 1857. 



10 Sautter 

Bescheidenheit anheira, welches Gehalt die Kommissionsniitglieder 
xu beziehen haben sollten. 

Das vorstehendo Schreibec laast das deutlicho Bestreben der 
Komnrission erkennen, sich einen thonlichst ausgedebnten Wirkungs- 
kreis zu aichern und die Befugnisse einer Post-AufsichtsbebOrde 
fllr den Niederrhein tu erlangen. Dieses Bestreben der Postkom- 
mission, welches spater mehr hervortrat und vom Kolner Rath 
thunlichst unterstHtzt wurde, dtlrfte in der daraaligen politischen 
Stellung der Stadt Kflln seine Erklarung linden. 

Ah die Franzosen im Herbst 1794 in daa niederrheinische 
Gebiet einbrachen, machten sie Aachen zum Site der Regierungs- 
gewalt. Dort wurde eine ntit weitgehenden Befugnissen ausge- 
stattete Kollegial- Behorde unter dem Titel „CentraI-Verwaltung 
der Lander zwischen Maas and Rhein* eingerichtet, welcher eine 
Anzahl von Bezirksverwaltungen (Administrations d'Arrondissement) 
unterstellt wurden. AIs Arotssitz einer Bezirkeverwaltung war n. A. 
auch Bonn in Aussicht genomraen. Der Bonner Bezirksverwaltung, 
welche spaterbin den Titel ^Administration du pays de Cologne* 1 
annahm, solite das am linken Rheinuter belegene Landergebiet des 
euemaligen Kurflirstentbums KBln rait Einschluss der bisherigen 
freien Reichsstadt K6ln als Verwaltungsbezirk zugewiesen werden. 
KOln war nur zum Hauptort eines Cantons, der kleinsteu admini- 
strativen Einbeit im franzosischen Staatt, ansersehen. Die be- 
rOhrate grosse Handelsstadt und freie Reichestadt Stan's daber vor 
der nnerfveulichen Aussicht, ktinftigliin von der kleinen knrflirst- 

lichen Beaiutenstadt Bonn 1 ) aus regiert zu werden, welcber der 
Stolz der Kolner HandelBberren ja von jeher ein Dorn im Aage 
gewesen war, and von der Koln wenig Woblwoilen zu erwartea 
batte. Im Hinblick auf die der Stadt drohende untergeordnete 
Stellung nmsste dem Kfilner Rath daran gelegen sein, anderweit 
niOgltelmt Eiufluss zu gewiuueu. Hierzu hot die Uebertragung der 
Anfsicht aber das Postwesen am Niederrhein ein Mittel, da man 
auf diese Weise immerhin eine fiber die Grenzen des Stadtgebiets 
hinausreichende Yerwaltuugsthatigkeit ausUbeo und sogar in Bonn, 
dem Sitze der zaktlnftigen Regierungsbehorde, vpn Kttln aus ge- 
wisse Anordnungen treffen konnte. 

Die Volksrcrtrctcr licaecn die Eiogabc dcr Kommieeion eu- 



r. ; 



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Die franzosiacne Post am Niederrhein eta II 

nfcchst unbeantwortet, sodass dieselbe 8ich nnterra 30. Brumaire III 
(20. November 1794) veranlasst sah, ein Erinnerungsschreiben ab- 
znsenden. Darauf erging folgende Entsrheidung: 

Coin, den 2. Frimaire III (22. November 1794). 

Die Vertreter dee Volkee bei der Nord- und der Sambre- und 
Haas-Armee 

verfllgen 

1. Einstweiten und bis auf anderweite Verordnung wird derPost- 
dienst wig Wither gibnndbaht anter der Aufaicht der vom Ma- 
gistral in Coin beetellten Commission, welelie erm&cbtigt ist, 
binsichtlicb aller Schwierigkeiten, die eicb dem Postdienet ent- 
gegenatellec konrter, Bestimmungen zu creffan. 

2. Da* C oLalt <Ur PootbcoinUn wird nach dom niton Fuaoe bo- 

zafalt. Docb kann die Commission den Subalternbeamten die- 
jenigen Gebaltserhobungen bewilligen, welche sie ftir unbedingt 
> nBthig bait 

3. Die Commission ist ermachtigt, den Pcsthaltern 10 sols fur 
jedea Pferd mebr zu vergttten. 

4. Die Offiziere und Beamten der franzosisohen Republik kojinen 
Eeisende. die vor ihnen Pltitze genommen und bezablt haben, 
nur dann aus dem Postwngen vcrdrangcn, wenn pie eine be- 
aondere Ordre des milititrischen Befehlshabera rorzeigen. 

5. Die vorstebenden Bestimmungen sind nur provisorisch. Die 
. Commission iquhb sicL gewiirtig haltcn, auf den ereten Bofolil 

hin diejenige Rechenschaft abzulegen, welche die hohere Ressort- 
behorde fordern wird. 

gez. Joubcrt. Frccine. 

Dieser Erlass scheint den Emartungen der Postkommissiou 
nicht ganz entsprochen zu haben, da er in manchen StUcken zu 
unbestimmt gehalten war, und einzelne Punkte, wie z. B. die 
Frage des Gebalta der Komraissionsrnitgtieder, unerCrtert liess. 
Immerhin betrachtete aich die Kommission auf Grund der Be- 
stimmungen im § 1 des Erlasses als Rechtsnachfclgeriu des bis- 
berigen Reicbs-Oberpostamtes und damit ale Postaufsichtsbeberde im 
niederrbeinischen Gebiet Sie wusste dieseu Standpunkt mil Ge- 
scbick zu vertreten und, wie sp&ter nocb eiOrtert werden vfird, 
selbst einer gegentheiligen Entscbeidung der Central-Regierung in 
Aachen gegenuber mit Erfolg aufrecht zu erhalten. — Wenige 
Tage naeh dem Eingange des Erlasses der Volksvertreter vom 
2. Frimaire bekandete die iranzOsisehe Kepublik ihr Interesse fflr 
die Ordnong des Postwesens in dem von ibr eroberten Gebiete 
dadurcb, dass sie zur Ernennung eines neuen Postdirektore fur 
Kola sctaritt. Zu Uiesem Behufe traf der General -Pcstinspektor 



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12 Sautter 

Loisel aus BrUssel in KOln ein; er schrieb an den Magistrat, er 
habe vom Bilxger Lebrun, Agent Principal des Postes in BrUssel, 
den Auftrag erhalten, die Stelle des Postdirektors in KOln, welcbe 
durch die Entfernung des frllheren Inhabers erledigt sei, neu 
zu besetzen. Er balte den schon dreissig Jahre beim Kolner 
Postarate beschaftlgten Burger Jean Kreyer far die Stelle geelg- 
net, werde ihn aber nicht ernennen, obne dass der Magistrat seine 
Xustimranng gegeben nnd sich liber Sitten, Unbescfaoltenbeit, 
Fahigkeit und Detragen dieses Burgers ge&ussert habe. Der Ma- 
gistrat fallte in seinem Antwortschreiben fiber die Eigenschaften 
Kreyers ein setar gffnstiges Urtbeii, woranf der General - Post- 

inepcktor Loiecl dceeeo Emcnnucg r.\iw Postdirektor vollzog. Wii 
lassen den interessanten Wortlaut der Bestallungsurknnde folgen: 

Fretheit, Gleichheit, Bruderlichfeeit. 

Cdln, den 5. Frimaire deB Jahres III 

(25. November 1794) 

Der einen untbeilbaren Repablik. 

Der GoneraJ-Poatintpeotor d©r Armee und von Belgien 

An den Btlrger Kreyer, 

Postbeamlen 2U Coin. 

Gem&ss des Briefes des BUrgers Lebrun, Agent Principal dee 
Poates, der mieb ermachtigt, einen PoRtdireetor fiir Coin zu ernennen, 
benacbrichtige ich Dicb, Burger, dass ich Dicb fur diesee Amt aus- 
ersehen babe. Indem icb Dicb auf diesen wicbtigen Post-en berufe, 
hahe inn geglauht, dnreb meine Wanl Deinam Talent, Deiner Tater- 
landeliebe und Deinen langjHhrigen Diensten in dieeem Facbe Gerecntig- 
keit wider fahren zu lama Ich bin woblttberzeugt, Burger, daes Do 
Nichts ausner Aeht lassen wirst, meiri Vertrauen zu rechtfertigen und 
daejenigo dco Magietrate dor Stadt, der mir gogculiber fiber Dicb die 

allergfinstigste Meinung geaussert hat. 

Deine erste Pfiicht, Burger, wild diejenige eein, in die EUnde 
des Magistrate den Bid der Biirgertugend und der Treue zu leisten, 
von dem Uu mir erne Abachrift senden wirst Du wirst Dir sodann 
aber die Einnabmen Dei nee Poetamts, bie zu dem Tage ruckwarte, wo 
es Dein Vorganger verlassen bat, Kechenscbaft ablegen lassen und dea 
Dienst, der von diesem Augenblicke ab in Deine Verantwortlichkeit 
iibergebt, ganz iiberaebmen. Da wirst die Gute baben, Burger, mir 
den Empfang des Gegenwartigen, welches Dir ah Bestallnng dient, 
anzuzeigen. 

Gruee und Vcrbruderung ! 

Der General -Poatinspector. 
gez. Loisel. 
P.S. Da wirst in nllem, was Deinen Dienst betrifft, mit dem 

Burger Lebrun, Agent, Principal dee Postes in BrUssel, correspond iren. 



r. .... 



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Die franzoeische Post am Niederrhein etc. 1$ 

„Btirger Kreyer" legte noch an deraselben Tage den Eid fur 
die franEBsische Republik ab. Die Eidesformel, welche hierbei 
gebraucht wurde, entspricht in wesertlichen unserer heutigen 
Form. Abweicbenrt iet nur der Scbluss des Eides, welcber lautete: 
,Im Anfange war das Wort und Gott war das Wort": eine eigen- 
ibumliche betheuerung in dem Munde von Leuten, welehe gerade 
ein Jahr zuvor den Glauben an Gott abgeschafft and den Kultus 
der Vernunft an dessen Stelle gesetit hatten. 

Bei ihren Bestrebungen, die Regelmiissigkeit ire Postengange 
wieder herzustellen, wurde die Kfilner Postkororoission kraftig 
nntersttltzt von cinem Seitens der franzfisischen Regierung nach 
Dclgieu uud deu eroberteu liuksrbeiuiecheij Gebieteu eulsaudteu 
Bearaten Narnens St. Jaque fils, welcher den Titel eines „Ageut 
National dee Messageries de la Republique en mission dans les 
pays conquis" fuhrtc und den Auftrag batte, mit thunlicbatcr Be- 
schleunigung Fabrpo9tverbindungen zwischen dem Rhein, Belgien 
und Frankreieh nacb franzosischem Muster — sogenannte „Dili- 
gencee 1 * oder „Mo6oagorice u - — ine Lcbon zu rufcn. Ee gelang 
den eifrigen Bemtihungen dieses unermtldlich thatigen Mannes, 
welcber mit der Postkommissiorj in KOln in regem Briefwechsel 
stand, vom 1. Nivose III (— 22. Dezember 1794) ab einen Mesaa- 
geriedienst zwischen Ltlttich, Aacben und Ktiln herzustellen. Der Post- 
wagen ftihr Montags, Mittwochs und Freitags tod K&ln, Dienstags, 
Donneratags, Sarastags von Ltlttich ab. Znm Director dea MefMagerie- 
dieustes zwischen Ltlttich und Aachen hatte St. Jaque eiuen ge- 
wissen de Meuse ernannt. Unterm 29. Niv6se III (= 19. Januar 
1795) macbte St. Jaque aus Ltlttich. wo er seinen Amtssitz aufge- 
scblagen hatte, bekannt, dass us ibm geluogen sei, eine Fahrpost- 
verbindung zwischen Ltlttich und Givet (fiber Ciney and Dinant) 
einzurichten. Der Postwagen habe in Givet Anschluss nach Me- 
zieres, Sedan, Rheims, Paris und dem lnnern der Republik, in 
LHttich dagegen nach Aachen, Kttln, Bonn, Neuss und Crefeld. 
Der Dienst beginne vom 12. PluviCse (31. Januar 1795) ab der- 
gestalt, daas die Abfahrt von Luttich am Daodi *) (dem 2. Tage) 

1) Eine kurze Erlanterung des repnbliltanisehen Kalendera mug hicr 
am Pintle tscii.. D*» Jnlir zerfiel nach repuultkwiurchei Zt:iLi tviiuun^ iu 12 

Monate zu je 30 Tagan, der Monat in 3 Zeitabsohmtte von je 10 Tagen, 
Dekaden genannt. Die Monate hatten folgende, ihren Eigenthiimlicnkeiten 

angepaaste Namen : 

Venderniaire (Weinmonat), 



. 



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14 Sautter 

jeder Dekade 6 Uhr frttb, die Aukunft in Givet am Tridi (dem 3. 
Tage), die Rtickiahrt von Givet am Quartidi (dem 4. Tage) cod 
die Ankunft in Ltitticfa am Quintidi (dem 5. Tage) jeder Dekade 
stattfinde. St. Jaque theilte zugleich der Kolner Postkoraroission 
mit, dass der franzoslsche Convent auf den Bericht seines Aub- 
scfausses fur Post- and Messa^erlewesen in seiner Sitzuug wm 
22. Nit686 III (11. Janaar 1795) einc Erhtthung der Taxe ftr 
Reisende und Frachtsttieke um die Halfte beschlossen habe. Ftir 
<lie Diligence zwiscben KOln und Aachen . babe daher folgendcr 
Tarif in Anwendung zu kommen : 

a) ftir Reisende: 25 livres 4 sols der Platz in der Diligence, 
15 livres 12 sols der Platz itu Cabriolet; 

b) ftir Waaren: 10 livres fUr hundert Pfnnd, 1 livre 10 eoh 
flir 15 Pfnnd: 

c) fax Wertbsachen: fur 1000 livres Wertbangabe 3 livres, ftr 
500 livres Wertbangabe 1 livre 10 sols. 

In Ktiln soheint man von dem Personenverkefar auf den neu 

•eingericliteten franzosiscben Nessagerieen nur geringe Emartungeu 
gehegt zu haben, denn die Postkommission schrieb unterm 7. 
Pluvi6se III (21. Jannar 1795), wenige Tage vor der ErOffnung 



brumaire (Nebelmonat), 
Friraaire (Reifmonat), 
TfivOtH? (Scbueeiuuuitt), 
Pluviose (Regenmonat), 
Veatosc (Windmonat), 
Germinal (Keimmonat), 
Florcal (Bliithenmonat), 
Prairial (Wiesenmonat), 
Mestidor (Erntemonat), 
Tbcrmidor (Uiteeinourtt), 

Fructidor (Fruchtmonat). 
Das Jahr I begann mit dem 22. September 1792, nodass alao der 
1. Mount Yendemiaire einert Theil dee fceptember und Oktober umfasste. 
Aucb alle iibrigen Monate des republikanischen Kalenders fielen etets in 2 
verschiedene Monate der gregorianiachen Zeitrechnung. Am Schlusse des 
republikanischen Jab res wurden 5—6 Erganzungs- Oder Schalttage (Jours 

coraplcittcatairco oder pMtnoculottidco") bebufo HcrotcUung dca Auoglcicbo mit 

dem Kalenderjahre der alten Zeitrechnung eingefugt. Die einzelnen Tage 
der Dekade waren nach der Zahlenfolge benannt- Der 1. Tag hieea Pri- 
raidi, der 2. Duodi, der 3. Tridi und so fort bis zum letzten Tage, dem 
Decadi. 



r. 



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Die froxtsotischo Po*t *m 'KTiederrliein *t«. 1^ 

des Dienstes zwischen Paris, Givet, Lfittich, Aachen and Kttln, 
an den Agenten St. Jaque, „es sei wohl zweckmasslg, dass der 
Preussische Postwagen-Kanon von 266*/ s Thr. ittr die Fahrt nach 
Aroheim und der gleiche Kanon fur die Fahrt nach Nymwegen 
an die Postkora mission gezahlt werde, urn die Ausgaben fttr die 
Messagerieen decken zD helfen, die wabrscheinlich die Einnahmen 
ttberschreiten wtirden, wei! der Verkehr rait den rechtsrheinischen 
Gebieten total nnterbrochen sei. Es geht aus dieser Mittheilung 
aucb hervor, dass man dem FortbeRtehen des PreuKsischen Post- 
wagenkurses von KOln liber Cleve nach Amheim bezw. Nymwegen 
franzOsischer Seits zunachet nichts in den Weg legte. Aus den 
vorliegenden Lrkunden ist ieider nicbt zu ersehen, ob neben den 
Fahrpo8tYerbindungen aueb die zur Beftirderung der Briefe dienen- 
den zahlreichen Reit- and Botenposten, welche das Reichs-Ober- 
postarat vor dem Einzuge der Franzosen auf dera linken Rheinufer 
unterhalten hatte, miter franzosiecher Verwaltung wieder hergeatellt 
worden sind. Die steigenden Einnahmen des Kolner Poetamts in 
deu Jaiiren 1794 uud 95 lassen jedoch darauf Kvblie&seu, dass 
auch in dieser Richtung nacb Beendigung der kriegerischen Ope- 
istionen dem Bedttrfniss des Verkehrs Rechnnng getragen worden 
ist. Die Postkomiuission fUhrte eiue — (allerdings nur ganz obcr- 
flachliche) — Conlrole fiber die Briefporto-Einnahme des Postamts 
in der Weise, dass sie sicb wocheuweise von dem Postdirector 

id eld en licas, wicviel die Emuahmc an dc-n cinzclncn Tagcn der 
vergangenen Woche betragen hatte. Aus den vorliegenden Nach- 
weisungen ergiebt sicb, dass die wOchentliche Porto-Einnahme, 

welobe im Oktobor 1704 kura nacb dem Einzuge dor Fr&nzoeen 
auf 40—50 Thaler gesunken war, von Monat zu Monat wuchs. Im 
November 1794 betrug die Wocheneinnahme 60 — 80 Thaler, im 
Dumber 80—100 ThaleT, im Januar 179-> {10—120 Thaler, im 

Mara 1795 wurden bereits wOchentlich Hber 200 Thaler verein- 
nahmt-, im April stieg die Monatseinnahme auf beinahe 1000 Thaler, 
im Mai anf 1100 Thaler und in Jnni fiber 1600 Thaler. Diese 
gflnstigen Ergeb&isse lassen auf starke Wiederbelebung des Post- 
versendungsverkehrs und rege Kenutzung der unter franzGsischera 
AusbHngeschild thatigen Postanstaltschliessen. Hatten dem KoKner 
Postamte nicht die nOthigen Absatzwege fUr die eingelieferte 
Corre&pondenz zu Gebote gestanden, so wtirde das Publikum sich 
anderer Mittel nnd Wege zur Fortschaffung seiner Briefe bedient 
haben. Dabei war man rait den Posteinrichtungen wahrend der 



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10 Sautter 

ersten Monate der franzCsischen Verwaltung wenig zufrieden. So 
erhob z. B. der Kfttaer Handelsstand dnrch den Mund seiner her- 
rorragendsteu Vertreter uiiierm 1G. Marz 1795 bittere Klageu bei 
dem Rathe der Stadt liber das drtickend hohe Briefporto, welches 
von den Fostanstalten erhoben werde, sowie tlber die unliebsame 

Thatsachc, dase Bricfc, die bei der Aufgabc-Poatanstalt frankirt 
worden neien, am Bestimmungsorte nochmals mit Porto belegt 
warden. Es werde in der Erbebung des Briefportos seitens der 
Postanstnlten keine GleicbroHssigkeit mehr beobachtet Trotedem 
die Posten unter der Direction der franztfgischen Republick stttnden, 
werde von eioigen Postraeistern das republikanische Geld (die 
AssignAten) in '/ah hi rig genommen, von anderen dagegen verweigert 
Der KOlner Rath, obnmachtig, um in dieser bewegten Zeit etwas 
in der Sache zu erwirken, scheint die Eingabe einfacb zu den 
Akten gelegt zu baben. 

Einen wiehtigen Zweig des Reichs-Oberpostamts in KOhi 
bildete die mit ihm vereinigte Zeitungsexpedition, von welcher ein 
eigenes Pressorgan, die sogenannte .Ober-Postamts-Zeitung*. her- 
ausgegebea wurde. Dieses Blatt, welcbes vienoal wOcbentlicb er* 
schien und nicht nielir als den Raum eines zugaromengefalteten 
auf alien vier Seiten bedruckten halben Bogen Papiers einnahm, 
beschrankte sicb auf die blosse Wiedcrgabe von Thatsachen, ohne 
sich auf politische ErBrterongen einzulassen. Drei bis drei and 
ein balb Seiten der Zeitung dienten fUr den Abdruck der poll- 
tischen Nacbrichten, der Rest des Rauraee war fur die Aufnahme 
der sparlichen Anktlndigungen bestimmt Dem Weitereracheinen 
des Blattes wurde franzCsischerseits zunacfast kein Hinderniss in 
den Weg gelegt Die Postkommission hatte ein Interesse daran, 

Uber die Einnabmen und Ausgaben dieses Gescbaftszweiges des 
Postamtes unterricbtet zu werden und verlangte daher entsprecbendc 
A us k unit, worauf die '6 Zeitungsexpeditoren des Fostamts (If. J. 
KDadgen, J. N. Matbieu, J. B. Krenier) unter dem 2. Nivtee III 
Uber den Stand des flir die damalige Zeit nicht unbedeutenden 
Unternehtnens folgentien Bericbt erstatteten, der uns einen inter' 
essanten Ueberblick Uber das Geschaftsergebniss einer angesebenen 
Zeitung aus den letzten Jahren des abgelaufenen Jabrhtinderts 
gewabrt 

„Vcn der Oberpostamtezeitung werden zur Zeit 36 Buch oder 
1728 Zeitungen aufgelegt. Von diceen gehen ab ca. 100 Stck., welch© 
tbeils umsonet gegeben, tbeils zur ErgUnzung etwa nachfolgender Be- 



r. ; 



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i 



Die franzoBi8che Post am Niederrhein etc. 17 

stellungen aufbewahrt werden. E$ bleiben demnaoh 1628 Stiick znhl- 
bare Zeitungen za 2% Thl. per Jahr 

macht 4341 Bchatbl. 26 Albus 

Avertissements schatzen wir za .... 333 Thl. 26 Albns 
Die Provision auf fremde Zeitangen betriig t 666 Thl. 52 Al bue 

Summa 5811 Thl. 24 Albas. 

Wenn nan anterzeichneten 3 Individual) auf ihr hfifliches An- 
suchen and in Riicksieht auf die Hberaus theuren Zeiten fiir ihr noth- 
dtirftiges Salaire einem jeden per Tag 6 livree auageworfen werden, 

mo betrttge dieses 2098 Thl. 60 Albas 

das Salaire des Verfassers 468 fJ 17 „ 4 Heller 

aeines Copisten 88 M 26 n — n 

der Zeitungsdruck 040 „ — „ — „ 

das Papier 654 „ — „ — t | 

Snmma 3919 Thl. 23 Alb. 4 H. 

bleibt baarer Ueberschuse 1422 Thl. — 8 H. 

Wie man sieht, war dci Keingewinn aus dem Vertrieb der 
„Ober-Po8tamts-Zeitung tt nicht erheblich, zumal da vou dem nacb- 
gewiesenen Ueberschuse von 1422 Tblr. die obeu aufgefUbrten 
666 Thlr. ^Provision fUr abgesetzte fremde Zeitungen u , eine Ein- 
nahme, die mit dem Vertrieb der Ober-Postamts-Zeitung nichte 
zu thun bat, in Abzug gebracht werden mttesen. Auf der andern 
Seite erscheint der Keingewinn dadurch zur UngebUhr geschm&lert, 
dasfl die 3 Zeituogsexpeditoren sich ein Jabresgebalt angesetzt 
hatten, welches dem damaligen Werth des Geldes gegenilber and 
im Hinblick ant die GehSlter der tibrigen Postbeamten in gleicher 
Steliung ala recht boch bezeichnet werden muss. Die Postkom- 
mission sab sich daher auch nicht veranlasst, dem „hoflichen An- 
sucnen" der Zeiuingsexpeditoren, welcne diese gute Gelegenheit 
benutzt hatten, um ein etwas unbescheidenes Gesuch um Gelialta- 
erhtfhung anzubringen, zu willfahren. Dagegen ergeben die vor- 
iiuudciieii Protoeulle, dass die Kumuiiaeiou vvu der ibr ira Para- 
graph 2 des Erlasses der Volksvertreter vom 2. Prima ire beige- 
legten Befugniss, die (iebalter der Subalternbeamten zn erhohen, 
auderen Beamteuklaasen gegenilber alabald Gebrauch gemacbt und 
auf diese Art manches Gute gewirkt hat. So wurden z. B. durch 
tieschluss vom 4. Dezember 1794 erhfcbt die Gebaiter: 

1. der Postwagen-Expedltoren In Koln nod Aachen auf 28 
Livres wbchentlich; 

2. der Conducteure auf 14 Livres die Wocbe; 

3. der Packer auf 5 Livres 5 sols die Wocbe; 

Annalra aca Mat- Vereloi LXV. 9 



r. 



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18 Sautter 

4. der Couriere auf 14 Livres die Woche; 

5. der Brieftrfiger auf liy 4 Livres die Woche. 

Den Wtinschen der Postwagen-Expeditoren scheint diese Er- 
hChung nicct genilgt zu haben, dene sie haten in einer spateren 
Eingabe um Gleichstellung mit dec Beamten des Briefpogtamtes. 
„Sie seien vrn jeher Renmte dee Oherpoetamtea geweaen und ihre 
Kasse sei stets in die Briefpostkasse geflossen. Man raOge ihnen 
ein Gehalt von 6 Livres in republikanischer Mttnze taglich be- 
willigen. Das sei sehr wenig, denn ein Livre in Assigcaten hfttte 
so viel Werth als zwei Stliber. Die Kommission mOge die Wagen- 
Expeditoren des Ober-Postamtes in Bctreff der vergangenen Zeit 
auch nicht als Stiefkinder betrachten". Unterm 4. MSrz 1795 
wurde das wbcbentliche Gehalt der Conducteure auf 20 Livres, 
das der Packer auf 7 Livres erhtfht Am 8- Mai 1795 erinnerte 
sich die Kommission auch itarer Zeitnngsexpeditoren, indetn sie 
dem Aeltesten derselben, dem Kassirer Kbndgen, ein Monatsgehalt 
von 150 Livres, und den beiden anderen Expeditoren Mathieu nnd 
Kreraer von je 120 Livres au swarf, vrelcbe Bewilligungen aller- 
dings hinter den frtther kundgegebenen Wtinschen der Zeitungs- 
expeditoren immer noch zurttckbliebec Auch auf UnterstUtzungs- 
gesuche von Frauen uud Wittwen von Postbearaten wurden wieder- 
holt wohlwollende VerfHgungen erlassen. Hartherzig und abweisecd 
verbielt sich die Commission nur den Gesuchen solcher Personen 
gegentiber, die beim Einrttcken der Franzosen nicht im Lacde ge- 
blieben waren. Eine ans Franzosen zusammengesetzte Behttrde 
hatte nicht rUcksichtsIoaer zu Werke geben kOnnen. Man be- 
trachtete die betreffenden Personen einfach als auagewandert und 
ihrer Aemter verlustig. So wurde z. B. ein von der recbtenKnein- 
seite zurHckgekehrter Poet-Conducteur, welcher am Wiederan- 
steilung im Postdienste bat cuter folgender Begrilndung nbge- 
wieseu. „lu Ausehuug der Couducteur Schneeiuauii beiiu Einizug 
der Armee der franzbsischen Republik auf die andere Seite des 
Kbeines ausgewandert ist und folglich ein anderer an dessec Stetle 
hatgesetzet werden mUssec, auch ibm deswegen keine UnterstUtzung 
aus deu Postintraden zukommen kann, als wird er mit seinena 
Gesucbe biermit von der Kommission ah- and zum Postdirector 
Kroyor binverwieeen, dem ee frcietoht, nach BowandtnieB der Sachc, 
dem Couducteur Schneemann ex propriis etwas mitzntheilen." 
Selbst auf die im Lande zurtlckgebliebecen AngehtSrigen der nach 
der rechter Rheineeite geflohenen Beamten erstreckte sich die Ab- 



r. ..... 



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Die franzoaische Post am Niederrhein etc. 19 

neigung der Kommissions-Mitglieder. Die Ehefrau des Postcon- 
-ducteure Itscheid erbielt folgenden ablehuenden Bescheid: „Es 
ward sodann in Betracht dereelben Ehemann sich auf der anderen 
Rheinseite ausser dem Dienste der Republik, die Ebefrau Itacheid 
zugleich annoch in gutem Gesundheitszustande sich befindet, 
folgecUes 

beschlosBec: 

Auf vorgetragene Bitte der Frau Itscheid, eine fernerweite 
UnterstUtzung betrefitend, wird dieselbe al>- und zar Geduld ver- 
Tviesen." 

W&hrend biernach die bei der Postkommission angebrachten 
^Gcsucbc am Gehaltacrb8hung uud Bewilligung toq UntcrsttlUungeu 
-eine rasche, und — von den erwahnten Ausnahmen abgesehen — 
znmeist gUnstige Erledigung fanden, gelang es der Kommissiou 
selbst nicht, von der zuetimdigcn Behcrde die Fostactsung des 
Oehaltes ihrer Mitglieder zu erwirken. - In dem Erlasse vom 2. 
Friroaire III hatten die Volksvertreter die Ton der Kommission in 
ihrer Eingabe vom 8. November 1704 angeregte Gehftltafrogo oin- 
fach unbeantwortet gelassen. Darauf rlchtete die Kommission am 
9. NirCse des Jahres III (29. Dezember 1794) eine erneute Vor- 
stellung in kriechender HBflichkeit an den Volksvertreter Joubert, 
-worm sie um FeBtsetzung ihres Gebaltea bat. Sie bemerkt darin, 
„wencgleich sie an die Stelle des anagewanderten Ober-Postamts- 
vorstandes de Groote getreten sei. habe sie nieraals anf dergleichen 
4iohe, die dermalige Einnahnie Ubersteigende Salaire willktlrlicb 
Anapruch machen wollen." Joubert vermes diese Eingabe an die 
Bezirksverwaltung: in Bonn. Am 19. PluviDse des Jahres III (7. 
Febrnar 1795) scbrieb die Kommission selbst in der Sache an die 
Bezirksrerwaltung, erbielt aber von dort, wo man bekanntlicb 
'wenig Wohlwollen filr den Kttlner Ratb und dessen Beamte hatte, 
eine kurze abweisende Antwort deB Inhalts, man ktfnne sich jetzt auf 
die Sache nicht einlassen, die Centralverwaltung in Aachen beab- 
aichtige, die Beamtengeh&lter in ibrem Veroaltungsbezirke allge- 
naein zu regeln und werde bei dieser Gelegenbeit auch die Gehalter 
-der Komnrissiousmitglieder bestimmen. Als auch eine Eingabe an 
den Cantonsrerwalter Eichhoff in Ktfln erfolglos geblieben war, 
achritt die Kommission am 17. April 1795 zur Selbsthttlfe, indem 
sie sich aus der Kasse des Postamta durch den Postdirector Kreyer 
flir ibre secbsmonatliche Arbeit die Summe von 500 Tbl. auf Ab- 
schlag auszahlen Jieas. Die Zahlung erfolgte am 18. April zum 



r. ; 



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20 Sautter 

Theil in n preu88i8cher Rttibermtinze", zum Tbeil in franzBsischenf 
Assignaten. Der Zeitpuukt bierftlr war sebr glUcklich gewablt, 
denn kaum war die Zahlung geechehen, ale ein franzBsiscber 
„Receveur" erschien, welcber die Anslieferung des in der Kasse 
dee Oberpostamtes vorbandeneu baaren Geldes verlangte. Der 
Franzose sttttzte eieh hierhei auf einen Erlass der VoltcsvertrAtar 
Dubois and Roberjot, demzufolge er berechtigt sei, „alle GUter 
und Einktlnfte der emigrirten deutschen Bischtffe, Fltrsften u. 8 w. t 
folglich audi jene des Ftirsten von Thurn und Taxis, in Empfang 
zu nehmen nnd in die Kasse der franzOsiscben Republik zu 
schlltten". Dae Kommissionsmitglied Biermann verweigerte Naniens 
der Koramission die Herausgabe der Kassenbestilnde, indem es 
sicb aui' den mehrfacb ew&bnten Erlass der Volksvertreter Joubert 
nnd Frecine berief, wonach das Postamt lediglicb der KKluer 
Postkommission Rechuung abzulegen babe. Der franzttsische Rece- 
veur drohte seinerseite mit dem Zorne des Volksvertreters Rober- 
jot, an den er sich bei femerer Weigernng wenden werde. In- 
dessen blieb der Vertreter der Postkomnussion standhaft nod 
echlug die Heransgabe des Geldes wiederliolt ab. Beim Abbruch 

der Verbandlungen konnte das Kommissions-Mitglied nicht umhin, 
dem ungesttimen Drangen des geldltisternen Franzosen gegenllber 
spttttisch zu bemerken, „dasB ohnehin derroalen in der Postkasse 
nicbts vorrathig sei, im Gegentheil die Intraden nicht eimual hin- 
reicbten, die erforderlichen Ausgaben zn bestreiten, und also des- 
halben vielmehr das franzBsiBcbe Zablamt angegangen werden 
mUsste." 

Der Vereuch, die Baarbestande des Kclner Postamtes in die 
Hande zu bekommen, wurde franzosischeraeits bald darauf wteder- 
holt Am 7. Messidor III (25. Juni 1795) bericbtet die Postkom- 
mission an die Central verwaitung in Aachen, es sei ein gewisser 
Mlllkr, der »icb filr eiueu Pr«5pu»6 ausgebe, beim Obeipostaujic 
erscbienen und babe unter Vorzeigung der Abscbriit eines Erlassea 
des Volksvertreters Peres aus den letzten Tagen des Prairlal and 
einer Yollnmcht des Btirgern ilerzog vom 7. Nivose die Aue- 
lieferung des baaren Geldes gegen Ersatz durcb Assignaten gefordert. 

Mit diesecu Erlasse batte es allerdings seine Richtigkeit Der- 
eolbc lautoto folgenderamaaecn. 

Im freien Aachen am 21. Prairial des Jahres III (9. Juni 1795). 
Perea, Vertreter des Volkes bei der Nord-, Sambre- und Ma 

Armce 



r. 



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jDio fr»n»oti»ofc© Po«fc »oa Niedevrnein do. 91 

verftigt 

Art. L Kein Postdirector darf Porto in klingender Munze ver- 
langen, eellat nicht «mtor dem Vorwande, dase Anslanda-Porto in Be- 
tracht komme. 

Art. II. Sammtliche Pcatdirectoren berichten anf der Stella an 
den Director dcr Finanzen in Aachen, wioriol baarce Geld sic in dor 

Kasee haben, und liefern dieses Geld an den General-Schatzmeister 

der Armee ab, welcher Assignaten dafUr geben vvird. 

Art. III. Ira Weigerungefalle tritt Verfolgung ein, ale wenn es 
aich um die Beitreibung von Staatagelrlern bandelte. 

Art. IV. Der Director dar Finanzan in Aachen erhalt ein Ver- 
zeichmse der vorhandenen Poatbnrean* nnd verlangt von denselben 

licchcuocliaftoablogo. 

Nacb dieeem kategoriscben Erlasse unterlag es keinem 
Zweifel, dass es auf eine Beranbung der Postfimter abgeseben 
war, mil deren Ba&rbest&nden die leeren Kriegskasscn der Sam- 
bre- und Maas-Armee geftillt werden sollten. 

Der Postdirector Krejer in Krjln weigerte sich zun&cbst, dem 
erechienonoc franzSaiecben Eotnmissar die Baarbeetiinde dos Post- 

amtes auszuliefern. 

Die Postkomiaission billigte diese Weigerung und bericbtete 
nacb Aachen, sie bezweifele die Richtigkeit der Vollmacbt des 
„Prfcpo86 i( Mtlller, weil dieselbe 5 Monate alteren Datuma aei, als 
der Erlass des Volksvertreters Perea. Dabei unterliess die Com- 
mission nicht, die Centralverwaltung anf die tiheraus hedenklichen 
Folgen des Erlasses van 21. Prairial hinzuweiBen. „Wie sollen — 
so lautet der Bericbt — die Postamter, wenn sie nur nocb Afisig- 
saten haben, mit den preuaeischen nnd andern fremden Post&mtern 
in Baar abreebnen? Diese nehmen docb keine Assignaten? Wie 
sollen die Gehalter bezablt, Pferde u. s. w. gekauft werden, da 
man doch bei dem niedrigen Kurs der Assignaten nicht auskommen 
end bei den schlechten Zeiten selbst mit ktingender Mttnze nichts 
haben kann? Die Rommission bittet schliesslicb dringend am 
Abhilfe. Inzwischen liefen bereits Klagen von alien Ecken bei 
der Kommission ein, alle Postamter waren durch die neue Ver- 
ordnung in Angst und Unrube versetzt Der Postdirector Loiff 
ans Aachen, wo man dem Postamte das baare Geld bereits ge- 
nommen and durch geringwerthige Assignaten ersetzt hatte, be* 
klagte sieh bitter tlber diese Gewaltthat bei seinem Kollegen 
Kxeyer in KCIn, indem er die Meinung aussprach, der Correspon- 
denz-Verkehr mit dem Auslande werde dartiber zu Grande geben. 



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22 Sautter 

Der Ein8pruch der Kommission hatte immerhin die gute- 
Folge, dass das PereVsche Decret iu KOln einstweilen unausgefUhrt 
blieb und der nach den Baarbestanden des Postamtes lHsterne- 
Commissar der Republik unverrichteter Sache wieder abzieben 
musste. Die Aesignaten-Wirthscbaft sollte dem Ktflner Postamt 
noch ftir einige Jfieit er&part bleiben. 

Der mutbige und erfolgreiche Widerstand, welcben die K&lner 
Postkommission den Befeblen der bekanntlich mit nnbeschrankter 
Machtvollkonimenheit schaltenden Gewalthaber der franzOsischea 
Republik entgegensetzte, darf erstaunlicb erscheiueu. Eine gewisse 
Erklarung dafllr linden wir in der kraftigen Unterstiitznng, welche 
dec Rath der Stadt KOlu, auf den man, zu jeuer Zeit weuigotena, 
franzOeischerseits immerhin nocb einige Rlicksicht nahm, seiner 
Postkommission angedeihen liess. In Aachen bei der Centralver- 
waltung und in Bonn bei der Bezirksverwaltung blickte man auf 
die angesehene Stellung, deren sich die Kttlner Postkommission* 
erfreute, schon seit einiger Zeit mit offeubarem Neid bin und sann 

aufMittol, wie man dice© fetollung uritergrabcn ktfnne. Ein Vereuob 
dazo war here its "einige Monate frllher gemacht worden. Eine an 
die Centralverwaltung gerichtete Anfrage des Postmeisters Diricblet 
aus Dllren, dem sonderbarer Weise pltttzlich Zweifel darttber auf- 
gestiegen waren, ob er mit KOln oder Aachen abzurechnen habe, 
— die Aufrage macht stark den Eindrock vorausbeatellter Arbeit — 
schien der Aaehener Centralverwaltnng die erwtln&chte Haiulhahe 
zu bieten, gegen die Wirksarokeit der K Diner Postkommission 
einen vernicbtenden Scblag zu fuhren. In ibrer Sitzung vom 27. 
Nivose III (16. Jannar 1795) fasste die Centralverwaltung auf die 
Eingabe des Postmeisters Diricblet in Dllren den Beschluss, dass 
alle Postamter fortan nur nocb den Bezirks-Verwaltungen (Admi- 
nistrations d'arrondissement) ttber ibre Einnahmen und Aoapabea 
Rechnung ablegen sollteu. Die BezirksveroaltUDgen hatten die 
Kechnongen zu revidiren nnd Abschriften derselben an den Haupt- 
schatzmeister (Agent Principal de la Tr6aorerie) in Aachen einzu* 
senden, wohin demnacbst auch die Ueberschussgelder abzufllhrea 
seien. 

WUre dieaer Beschluss zur Vollziebung gekomraen, so ware? 
es mit der Wirksamkeit der Kblner PostaufsichtabehtSrde vorbei 
gewesen, denn derselbe e'ntzog ibr gerade den wichtigsten Theil 
ihrer Aufsicbtsbei'ugnisse. Dies erkannte man in Kbin sehr wohl 
und erhob daher gegen den Beschluss der Centralverwaltnng ener- 



r. ; 



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Die franzoBische Post am Niederrhein etc. 23 

giscben Wider8prucb, indern man luit Geschick geltend macbte, 
dass die neue Anordnung rait dem die Befugnisae der KOlner Post- 
feommission regelnden Erlasse der Volksvertreter Joubert und 
Frecine vom 2. Frimaire III nicht im Einklange stehe und daher 
nngesetzlich set Diese kraftige Sprache machte bei der Central- 
verwaltuiig iu Aacbeu Eiudruek. Man Uberlegte, ob die allmaehtigeu 
Volksvertreter Joubert und Frecine nicht am Ende aacb zu der 
Ansicht kommen kOnnten, dass die Central verwaltung durcb ihren 
Beschluss vom 27. Nivdse dem Erlass vom 2. Frimaire zuwider- 
gehandelt babe, and enUchied sich nach einigcn Wochen ZCgerns 
dafflr, den Beschluss vom 27. Nivfise wieder aufzuheben (Sitzung 
vom 6. Vontfiae III). Damit war der Wirkungekreis dor Ktilncr 
Postkommission wieder hergestellt Im Schoosse des KOlner Rathes 
echeint man auf diesen Erfolg einigermaasen stolz gewesen zu sein. 
Die Postkommission liess das Sitzunggprotocoll der Aachener CentraU 
verwaltnng vom 6. Vent&se 111(24. Februar 1795), soweit es sich auf 
diese Angelegenbeit bezieht, durch Druck vervielfaltigen und saodte es 
alien Fostamtern ihres Geachaftsbereiebea zur Kenntnissnahme und 
Jfachacbtung zu. Noch Leute findet sicb im KOlner Stadtarchiv 
eine grosse Anzahl von Druckabzligen dieses Rundechreibens der 
Postkommission vor, welches die wortgetreue Wiedergabe des 
Widerrufs des Aachener Decrets vom 27. Kivdse entbalt. Die 
Stimmung der Aachener Central verwaltung gegen die Kblner Post- 
kommission war durch diese Vorgange scbon bedenklich gereizt, 
dnrch den energischen Wideratand gegen die AusfUhrung des 
Per6s'scben Asaignaten -Decrets wurde sie geradezu erbitfcert Man 
saw in Aachen auf Vergeltung, die man denn aucb, wie spater 
erortert werden wird, schon nach wenigen Monaten vollauf erlangte. 

Wahrend der ereten Monate nach dem Einzuge der Fran- 
sosen war das Verhaltnias zwischen der KOlner Postkommission 
und dem Kblner Postamte ein sebr gutes gewesen. Der neuer- 
nannte Postdirektor Kreyer beeiferte sicb, den WOnscben seiner 
Aufsiebtsbehorde in alien StUcken nachzukommen, und diese wal- 
tete dem KOlner Postamte gegentlber mit unverkennbarem Wobi- 
wollen ihres Amtes. Da plBtzlich trat eine ernste Trllbung der 
beiderseitigen guten Beziehungen ein. Fast schien es, als ob die 
alien Ztiten, da das Keicus-Ober-Fostamt gestutzt auf seine kai- 
serlichen Bonderreohte mit dem Ratbe der freien Reichestadt gar 
manchen erbitterten Strauss ausgefochten hatte, wieder anfleben 
soil ten. 



r. 



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24 S a a 1 1 e r 

Es ist zu vermuthen, dass die Beamten des Postamte bei der 
KommiBSion des heimlichen Zusammenhaltens mit ihrer frtiheren 
vorgesctzten Beborde, dem Reichs-Poatgeneralat, verdachtigt and 
franzosenfeindlicber Gesinnungen bezicbtigt worden sind, soweit 
es sich am die Person des Postdirectors Kreyer handelt, wohi 
nicht ganz mit Unrccht, denn ee let Tb&tsacbe, class dteeer mit 
dem Keichapost-Generalat im vertraulichen Briefwechsel gestanden 
and darin Uber die „eingerissene Verwirrung im Postwesen wie 
fiber die zu einer Landplage gewordene Assignatenwirthscbaft" 
Klage gefuhrt bat 1 ). Anders als mit einer gehassigen Anzeige 
lasst sich wenigatens das ganz plotzliche scbroffe Vorgeben dcr 
Postkom mission gegen das Postamt nicht erklaren. Letztere faaste 
am 22. Marz 1795 folgenden Beschluss: 

„Als Commiseio wegen verscbiedener Uuistande reiflich er- 
wogen batte, dass es nicht allein nut zlich, sondern nOtbig 
ware, eine nahere Anfsicbt bei dem biesigen Ober-Postamte auszn- 
tiben, nnd die bei dem Postwesen dienlicben Kenntnisse zu er- 
werben, wurde beschlossen, soil Uber diesen Gegenstand beim 
sitzenden Rathe referirt werden, um die dessfallsige dienliche 
Weisnng zu erhalten." 

Schon am folgenden Tage bestimmte der Rath, dass der 
Postbetrieb von einem Kommissionsmitglied personlich zu beauf- 
sichtigen sei. Darauf begab sich der hierzu aueerwahlte Kom- 
misear, Licentiat Imhoff, noch amnamlicben Tage zum Postamte, 
wo er von den fiber dieses unerwartete Eintreten eines Rathsmit- 
gliedes in die Dienstranme Uberraschten und verblllfften Beamten 
gut aufgeuommen wurde. Bei einem erneuten Besuche etcllt sich 
die ftac&e aber anders. Jetzt erwacbte der alte Trotz der Keicbs- 
Postbeamten, die nicht gewobnt waren, sich von einer dem Post- 
wesen fernstehenden Person, am wenigsten von einem Mitgliede 
der stadtiscben Reglerung, in ibren Dienstrenlchtangen controliren 
zu lassen. Lassen wir dartiber Imhoff selbst berichten: 

„Ah ion aber am geatrigen Morgen um 9 Uhr mieh wieder an 
dieeem Orte einftuid, wurde rnir auf eine ganz aadere Art begegnet. 
Der anv/esende Postdirector Kreyer fragte micb namlich bei dem Ein- 
tritte, wer mich auf dem Bureau zn erecheinen beauftragt ha.be ? Nach 
darauf gegebener Antwort, dass ich mich Uber diese Frage schon am 
gestrigen Tage unangefragt geaueaert batte, versetzte der anweaende 



1) Aueweistich der Akten dea furatlich Thurn und Taxis'schen Cen- 
tral-Arohivs zu Regenobarg. 



. 



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Dio frui*oai*0be Po»l »n\ NiodorrLoin ote, fiS 

Official Diets mit einem aehr ver&ohtlichen Tone: n ea my keinem er- 
Uubt, in dan Bureau einautreten, er wueete also nicht, was ich allda 
machen wolite; aie batten koine Anfaicht, auch keinen Brill nothwendig, 
der ihnen auf die Naae geeetzt wiirde; eie b&tten dem Fiiraten von 
Taxia geachworen nnd aie gestatteten nicht, dasa ein Dritter daa BUreaa 
betrete." 

Boi dieser ungeetiimen Anrcdo des Diets erwiderto ich ihm, daae 
oiir aein brausendea Betragen sehr befremdend vorkomme, ich zntiaste 
ihn aber zugleich daran erinnern, daaa er gegen den mir gegebenen 

Auftrag eincs hochwciacn Rathcs die gobiihrendo Achtnng erzoigon 

roochte; ich oatte ihm librigens keine weitere Rechenschaft zo geben. 
Bei dieser Erinnerang v/nrde der Official Dietz in solehen Eifer and 
Wuth gcbracht, die mehr einem rap en den als einem verntinftigen 
Menachen angemeaaen aeyn kann, aprang von selnem Stuhle aaf, 
atellte aich vor niieh nnd hfitte tnich dem Ansohein nach beinahe thSt- 
Hcq angegriffen und niisahaiidelt , bediente sich zugleich aber der 
iuiaaerst beleidigenden Austiriicke, daas er mich nicht andere als einen 
Spion betrachten konnte, der die Corresponded ausforaohen wolite. 
Da ich nun bei diesem Auftritte nicht gleichgttltig eeyn konnte, ao 
bedeatete ich dem Officialen Dietz, daas ich ihn wiederholt leiner 

Pfliont erinnern mtiooto, and ihn alo einen lehf sttgellooen nnd groben 

Hegel, der fUhig aey, alle Geaetze zu miaaacDten f bei Einem hoch- 
weisen Magistral anzeigen und iiber aein augeBtumea Betragen nnd 
free hen Ausdrticke lunlangliche Genugthuang erfordern wiirde, worauf 
derselbe in voller Wuth seinen Stab and Hat ergriff und mit dem Be- 
deuten. nie wieder das Bureau betreten xn wollen, davonlief. 

Untcrzeichneter, der dom gegebencn Anftrag von Euor G-naden 
behCrend n&chgekoramen iat, erachtet es fur eeine Pflicht, daa Betragen 
der Postofficialen inagesatnmt, beeondera aber jenea dee Dietz, Ener 
(jnaden am so mehr anzeigen zu muasen, als dadnroh den von Hooh- 
demaelben erlaaaenen Verordnnngen in der Person dea angeordneten 

OommiRs&riuH Hflhimpflieh znwidnrgAhandAlt wnrdan. 

Euer Gnaden 

unterthaniger 

Imhoff. 

Kauni lag dieser Kericht beiui Bathe vor, als auch eine Ein- 
gabe des Postoffizials Dietz einging, in der fiber daa sehr hoch- 
fahrende Auftreten des Licentiaten Imboff Eeschwerde geftthrt 
vrurde, r der sich sogar babe beigehen laasen, die Correspondcnz 
des Publikums in den Facbern durchznsehen.' 

Imhoff, vom Magistrat dieserhalb zur Aeusaerucg aofgefor- 
fordertj bestreitet die Angaben des Dietz und fugt seiner Recht- 
fertigung am Scblusae die ttemerkung hinzu: „Die stolzen, trotzi- 
geu Postoffizialeo, die sicb bekanntlich nie unter die Landeahoheit 
eines hochweisen Rathes beugen wollten, sind nicht gewobnt, nach 



r. ; 



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26 Sautter 

anderen Gesetzen zu leben, und in dieser RUcksicht wollen eie 
auch sogar ihre Geheimnisse verwegen denjenigen verhehlen, denen 
es aufgetragen ist, aufalle ihre Handlungen zu wachen und daftir 
verantwortlich zu seyn a . 

In diesen Worten prftgt sich der alte, Iange verhaltene Groll 
auts welcbeu die BehOrdeu der Reichestadt KtJlu von jeher gegen 
die Beamten des kaiBerlichen Reichs-Ober-Postamte hegten, die auf 
Grund der ibnen vom Kaiser verliehenen Sonderrechte und mit 
ausgiebiger Unterstfttzung ihrer vorgesetzten BehBrde Befreiung 
von stadtiaehen Abgaben und Lasten mancberlei Art zn erringen 
wussten. Hatte docb erst wenige Monate vor dem EinrUcken der 

Franzoeon eioh wiodcr em Fall abgespiolt, in welchom dor Rath 
die Einqnartierungsfreiheit der Reiehs-Postbeamten anerkennen 
und wegen des von ihm begangeoen Missgriffs das Reicbs-Ober- 
Postamt urn Entschuldigung bitten musste. 

Wenn also etwag geeignet scbien, den Rath zu energischen 
Massregeln gegen das Postamt aufzustacheln, so war es der von 
A&m belftidigten Milglifide der Pnatkommisaion geschickt ange- 
bracbte Hinweis auf die Demllthigungen, welcbe die Stadt durch 
das Reicbs-Ober-Postamt unter den frHheren Verbaltnissen baufig 
hatte erdulden mtlssen. 

Auf Grund des ibm uaterbreiteten Materials fasste der Rath 
folgenden BeschluBs: „Der auf dem Brief-Postamte sich ergebene 
Vorgang sei allzu gewichtis, als dass demselben gleichgUltig kOnne 
zugesehen werden. LBbliche Schickung 1 ) ist dartiber der unziel- 
gebigen Meinung, dass der Direktor sovvie der Offizial Diets von 
der PoBtkommission vorzuladen, der Vorgang dem Platz-Kommaa- 
darjten General Daurier anzuzeigen und auf alien Fall militarischer 

BeiBtand anzusuchen sei.** 

Diesem Beacbluese gemass wurde alsbald verfabren. Der 
Rath wandte sieb tmterm 8. Germinal III (28. Marz'1705) scarift- 
lich au den Platz-Kommandanten mit der Bitte, er moge gegen 
das widerspenstige Postamt die Hlilfe „der starken Hand* be- 
willigen. Das bez, Scbreiben wurde von dem KommissionBinit- 
gliede Imhoff und dem Aktuar Welter persOnlich dem General 
Daurier Uberbracht, der jedoch auf die erbetene militariscbe Exe- 
kution zunaebst nicht elnging, sondera den Abgesandten des Ma- 



1) Untar „Schickung fc veratand man eine ana "den VornehmBten de» 
Seaato beBtohenUe Koiuiaission. 



r. 



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TH» fi-«n*o«i aoh* Port urn Ni<m?«rrlipin •♦<■- 9T 

gistrata seineu Adjutanten mitgab mit dem Anftrag, eine gtltliche 
Einigung zwiscben dem Kommissionsmitgliede uud dem Poatainte 
zn versacben. Am Schalter traf der Adjutant den Poatoffizial 
Dietz an, der diesmal, ohne in seine frtihere Erregnng zurtlck zu 
verfallen, kurz bemerkte, er werde den Kommissar Imhoff ein- 
lassen, wenn er eine von der Postkommission ausgefertigte Voll- 
macht aufweisen konne. Darauf begab sich Imhoff sofort znm 
Amtazimmer der Postkommission, um die Auafertigung der Voil- 
maeht zn erwirken. Dem Gebrauche der damaligen Zeit ent- 
eprechend, trug das SchriftstCck nur die Unterschrift des Aktnars. 
AIs Imhoff, mit dieser Vollmacbt versehen, von neuem am 
Postscbalter Einlass in das Postamt begebrte, erschien der Post- 
direktor Kreyer in Begleitung des Postoffiziala Hang am Schalter 
nnd erklarte, die Unterschrift des Aktuars allein nnter der Voll- 
macbt genuge ibm nicbt, er mtlsse Unterschrift und Siegel aller 
Kommissionamitglieder verlangen. Aufgebracht durcb diesen neuen 
Widerstand, eiite Imhoff znm General Danrier, der sich dazu her- 
beiliess, die Vollmacbt duicb seiue Unterschrift zu beglaubigeu. 
Knn wurde Imhoff endlich eingelasBen. 

Zwei Tage sp&ter wiederholte sich jedocb dasaelbe Spiel. 
Der Postdirektor Kreyer verweigerte dem Kommissar Imhoff you 
nenem den Eintritt in das Postamt unter dem Vorgeben, der Ge- 
neral Danrier babe seine anf die Vollmacht gesetzte Autorisation 
inzwiochon zurttokgezogen, die Vollmacht babe jetzt koine Gtiltig 
keit mehr. Dabei gebrancbte der Postdirektor die wenig achtungs- 
vollen Worte: „Ja mein lieber Mann, ich darfSie nicbt einlassen." 
AIs der tlber diese aohtungswidrige Bebandlung empttrte Imhoft 
sich deswegen bei dem General bekiagte, entgegnete dieser arger- 
lieh, man mtfge ibn von nun an mit dieser Sache verschonen, er 
sei nnr Militar nnd kein Civilbeamter, die Angeleganheit gehttrft 
vor die Volksvertreter, an die er den Bescbwerdeftihrer hiermit 
verweisen musae. 

Eine sofortige Eingabe der Postkommission an den Volks- 
vertreter Joubert war die Folge dieses Bescheides. 

Joubert setzte umgehend auf Mittwoch den 1. April 17S5 

mOndlicbe Verhandlang in der schwebenden Streitsache an. An- 
weaend hierbei waren: die Volksvertreter Joubert und Tallotj 
Namens der Postkommission deren Mitgiied, Fiskalrichter Nickel, 
in Begleitung des Aktuars Welter; fttT das Postamt der Post- 
direktor Kreyer. Letzterer erhielt zunachst das Wort zur Recht- 



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28 Sautter 

fertigung seines Verhaltens. Er fllhrte aus, n es sei so hergebracht, 
•dasa Niemand in das Postbureau eintreten dUrfe, damit keine 
Korrespondenz and kein Geheitsniss des Postwesens verrathen 
werde. Er trad die Postoffizialen seien alleia dazu besteilt, das 
Innere dee Bureaus zu besorgen und weigerten sich Ubrigens 
uictt, der PostkommiRftiori liber Allen Kechensehaft abzulegeu." 
Zur Begrtindung seiner Behanptungen zog Kreyer ein Scbriftattick 
aus der Tasche, welches er dem Volksvertreter Joubert Ubergab. 
Kachdem der Volksvertreter dasselbe durchgelesen hatte, fnbr er 
hitzig auf and sagte: .Was hat dies ftir einen Bczug auf das 
Arrets fiber dag Postwesen? Was habt Ihr far Gebeirnnisse vor 
■der Pimlkuuimissiuu, die nach dem erliu&eueu Arr€l6 daa Rccht 
der Surveillance hat? Und ich sage, dasa die KommiBsion be- 
rechtigt iat, in Eaer Bureau zti gehen und alle Eure BUcher, 
Scbriften, Rechnungen und Kassen zu untersuchen. Was die Ge- 
heimniBBe der Korrespondenz betrifft, diese geben allein den Platz- 
Kommandanten an, und Ihr so weuig, als die Postkoramission 
dtirft Bricfo aufbrcchcn. Und ich schc ein, dasa Ihr ntithig habt, 
snrveillirt zu werden. Es ist nicht genng, dass man allein seine 
Backer and Rechnungen ftihrt, wie man will. Icb will der- 
gleiehen audi wohl raachon, es iat niclits leicbtcr, ala dieses." 

Nach dieser Ansprache erklSrte der Postdirekter Kreyer, 
„dass, wenn die Herren Volksvertreter es so baben wollten, er 
Allftfl erleiden mttohte". 

Den vereteckten Sinn dieser Aeusserung: M Gewalt gebt vor 
Recht* erfasate Joubert sebr wohl, derm er fuhr heftig auf and 
entgegnete:' „Wie. was soil man noeh einroal wollen. was das er- 
lassene Arr£te schon will! Ktinnt Ihr denn nieht lesen?" 

Hier macbte der gesehmeidige Aktuarius Welter, um ana der 
gereizten Stimmung Jouberts fttr die Interessen derPoatkommission 
Nutzen zu Ziehen, die Beroerkung, ob der Herr Volksvertreter, da 
er sei neu Willen so ausdrHcklich geUussert habe, nicht ftir gut 
f&nde, dartlber ein Arr@t6 abzufassen? Diese Zumothang lehnte 
jedoch Joubert hochmfitfaig ah roit den Worten: „Das wtlrde sehr 
nnwltrdig aein, liber eine and die naroliehe Sache zwei Geaetze 
za geben." Die Verhandlang war damit zu Ende. Als die Vor- 
geladenen das Amtszimmer des Volksvertreters verliessen, rief 
Tallot dem Postdirektor Kreyer die versUlndliche Drohung n&eh: 
„Wir hoffen, dass Ihr Euch hiemach richten werdet* 






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Die franroBieche Post am Mederrhein etc. 29 

So war deiui das Postamt gedemtitbigt, sein Widerstand ge- 
broehen. 

Dex Abgeordnete dcr Postkommission konnte zwei Tage 
spttter seinen Kollegen bericbten, man babe ihn jetzt obne Wei- 
gerung in das Postamt eintreten las&en. Licentiat Imhoff erfrente 
sicb Ubrigeut* uiubt lauge seiner scbwer ernmgeneu Stelluug als 
„lnepektor dea Ktflner Postamts", da er bereits am 13. Juli 1705 
in Folge seiner Ernennung znm Gewaltrichter aus der Postkom- 
mieaion ausscbied und durch den Licentiaten Blancbard ereetzt 
worde. 

Einige Wochen nach den geachilderten Vorgangen in KOIn 
orgriff die Contralvomaltung in Aachen oino cnorgi&cbc Initiative 
anf dem Gebiete dea Postweaens, wozu sie, wie es scheint, hanpt- 
sficblich durcb die Militarbehorden im Interesse des Armee-Post- 
dienstes, nebenbei aber aucb wobi dureh die Klagen dea Bauern- 
standes veranlasst wurde, der unter den fortwahrenden Requisitionen 
von Ackerpferden zu Postzweckeo drflckende Notb lift. In ihrer 
Gpftfunrotttitzting vom 5. Prnirisl III (24. Mai 1705) fasate jene 
BehOrde* folgenden, unterm 8. desselben Monats durcb die in 
Aacben residirenden Volkarertreter Dubois and Meynard gutge- 
heigsenen Beachlusa: 

In Betracbt 

1. der Nothwendigkeit, den bis jetzt aus Mangel an binlanglicben 
Pferden ziemlicb mangelbftfter Dienst der Posten aof aicb«ren 
Fues gn eetzen. 

2. Dass die bis dabin befolgte Methode, dem jetzigen Mangel an 
Pferden durcb Requisitionapferde voni Lande abznbelfen, sehr 

nachthcilig ftir <lcn I-a^dnianij gevrceen iot* 

3. Dass verschiedene PoBthalter ans strafbarer Nachlassigkeit and 
tadelnevrertbem Egoismus dieee dem offentlichen Dienst gewidmete 
Aaat&lt ganzlicb zc Grande geben Hseen. 

4. Daes aber aucb and ere Posthalter, rturch edie nueigenniitzige Ge- 

einrmngeii geleitet, ihre Etablisaements niit betrachtlicher Auf- 

opfemng bis bierber in so gutera Stande erhalten baben, dass der 
bfi'entliche Dienet nicht die raindeste Unterbrechnng erlitten hatte, 
verfdgt die Central-Verwaltung 
Art. 1. 
Die Bezirks-Verwaltnngen sollen die Zabl der anf jeder Station 

ihrcr Beatrice nfctkigoo Pferde beotimmen, jodocb nioht iuohr, alo die 

Anzahl der vor dem Einzuge der Franzosen za dem Dienste der 
Posten vorhandenen Tbiere betragen bat 

Art 2. 
Die Bezirfas-Verwaltungen stellen den Postnattern die Pferde, 



f. ; 



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30 Sautter 

v/elche sie z. Z. nicht besitzen, entweder in nature oder in Form eilier 
GeldentachSdigung von nicht raehr ale 15 Louis pro StUck. 

Art. 3. 

Die Posthalter haben die Fflicbt, den festgesetzten Pferdebestand 
zn erhalten and zn erg&nzen. 

Art. 4. 
Die Bezirks - Vervraltungen verlangen von den Postbaltern Cau- 
tionsstellung. 

Art. 5. 
Die Cantons- Verwaltungen werden die Befolgung der im Art. 3 
gegebenen Vorschriften ttberwachen. 

Art 6. 
Die Bezirke- Verwaltnngen liefern den Poflibaltern fur 4 Mouate 
Futtor, n&mlicb t&i das Pfcid tKglkh f / w Maltei iWci, 15 YfuxA 

Hen und 5 Pfund Stroh, woftir die Posthalter die Kosten innerbalb 
4 Moofttcn in Aseignaten zu entrichten baben. 

Art. 7. 
Der Kanfpreis der Pferdo ist seitene der Poetbalter in 3 Zielen 
"von je 6 Monaten zu eretatten. 15 Louis warden hierbei = 360 
Livrea in Aasignaten gerechnet 

Art. 8. 

Werden den Posthaltern die Pferde durcb Uberlegene Gewalt ge- 
nonjDien, so Bind eie zn keiner Bezahlung verbunden, abgeeehen von den 
bereits verfallenen Theilzablungen. Ein Posthalter, der den Kanfpreis 
eogleich entricbtet and dera sodann binnen 18 Monatan Pferde v/egge- 
nommen werden, empfangt EntBchSdigung von der betreffendeu Bezirka- 
Verwaltung. 

Art 0. 

PoBthalter, die ihre Postbalterei baben zu Gmrde gebeu laRaeu, 
•die fast gar keine Pferde mebr besitzen und ibren Dienst rait reoui- 
rirten Landpferden verricbtet haben, werden abgesetzt, eelbst vrenn eie 
eich aocb jeizt mit Fferden versehen wollten. 

Art 10. 

Ein Posthalter, der z. Z. noch ein Drittel seines Pferdebestandes 

h»uit7t r noil din Wnhl hab«n, AntTrfldAT oeinpn Stall 711 firgHn*f»n, «d*»r 

die Postbalterei niederzulegen. 

Art 11. 

Derjenige Posthalter, welcher beweieen konn , dase er die 
IlHlfte aeinee FferdebestandeB erbalten bat, empfangt von der Be- 
zirksverwaltung eine Belohnung von 12 Malter Hafer, 12 Centner Hen 
and 9 Centner Stroh fur jedes Pferd. Die Lieferung dieeer Futter- 
menge erfolgt 14 Tage nacb gescbebener Beweisflihrung in narura 
Oder in Form einer entsprechenden (reldentsch&dignng. 

Art. 12. 
Die wiederhergeatellten Poaten aollen weiter verkehren wie vor 
dem Binsuge der Franzosen. Bis die Trennung der Briefyost (poetc 



r. .... 



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Die franzoaiache Post am Niederrhein etc. 31 

aux lettres) von der Personenpost (diligence) verfiigt wird, liefern die 
Poethalter die Pferde fUr beide Poetengattungen. 

Art 13. 

Die VergUtung an die Poetbalter betragt 

fUr das Pferd 

anf I Station = 4 deutsche Meilen 10 Livree 
anf lVs Station 15 ,, 

fur einen Poethaltereiwagen soviel als fUr l f t Pferd. 

Art. 14. 
DaB Briefporte and das Personengeld werden in Aseignaten rum 
doppelten Betrage von ehedeni erboben. 

Art. 15. 

Die Poatbatter durfen b«tnen TTnterflftbierf *wMf»nen Aastgnaton 

uDd klingender Mttnze macben. Uebertretungen dieses Verbote wer- 
den mit (reldBtrafe von 600 Livres geahndet. Ein Reieender, der in 
Aesignaten bezahlt, muss ebenso rascb abgefertigt werden, ale einer 
der das Reieegeld in klingender MUnze entrichtet. 

Art. 16. 
Die Wohnnngen der abgesetzten (Art. 9) oder freiwillig aus- 

•cbeidenden Poethalter (Art. 10) geben auf d«n Nachfolger ilber, worn 

nicht der fruhere Posthalter Eigenthtimer ist, oder bewieeen werden 
kann, daas der friihere PoBthalter die Wohnnng anf Reinen eigenen and 
privaten Natncn gemiethet hat. 

Art. 17. 
Zur Beetreitnng der durch Auefuhrang voretehender Bestim- 
mnngen erwachsenden UnkoBten erheben die Bezirke-Verwaltungen eine 

IwMAndere Steuer — Poatstanftr^ — in klinganifaT W3n*« bin *nr 

Hoke der erforderlichen Sum me, welehe Stener auf den Gruudbesitz 
anegeschlagen wird. 

Art. 18. 
Ueber die Auefuhrung dieser Verordnnng erwartet die Central- 
Verwaltung binnen 14 Tagen den Eericbt der Bezirks-Verwaltungen. 

E8 i8t nicht zu verkennen, dass diese Massregeln, wenn 
man sie aofort streng darchgcflilirt hatte, wohl dazu angethan ge- 
weseu waren, die durch die militarischen Requiaitionen vftllig 
herabgekommenen Posthaltereien auf dem linken Rheinufer — 
wenigstene vorUbergebend — wieder auf einen leietnngefabigen 
Fuss zn setzeii. Indessec, roan beeilte sich eineatheilB nicht uber- 
all mit der Aosflihrung, and e& traten anderereeita in der Praxis 
gar manche Schwierigkeiten bervor, welehe die gut en Absichten 

der Central -Verwaltung vereitelten. Die von der Central -Ver- 

waltnng gestellte Frist ftir die Bericbterstattung wurde seitens der 
Bezirks-Verwaltungen zunachst nicht eingehalten. Schon am 



r. ; 



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32 Sautter 

19. Prairial III (7. Jnni 17S5) erging cine scharfe Erinnernog, 
worin den Bezirks-Verwaltungen mitgetheiU wurde, die Volksver- 
treter forderten mit aller Strenge die scbleunigste Wiederher- 
8telinng der Poststationen zwiscbea Coblenz and Nymwegen, von 
welcben einer jeden 15 bis 1C Pferde zuzaweisen seien. Der ge- 
ringntft Verz.ng kiinnp die Operarinrien der Nord-. ftambre- and 
Maas-Arniee beeintracbtigeru „Fttr die Folgen etwaiger S&uroig- 
keit bei der Ausftibrung der gegebenea Befehie mliese die Central- 
Verwfiltang die Bezirks-Verwaltungen den Volksvertretem gegen- 
ttber verantwortlicb macfaen." Am 2. Messidor (20. Jnni) sandte 
die Aacbener Central-Verwaltung eine abermalige Erinnemng an 
die s&nmigen Bezirksverwaltungen, worin gesafft war: ^Dieser 
Dietmt (der Poetdienst) ist viel zu wichtig, er bangt zu uumittel- 
bar mit deni Cffentlichen Nutzen zusammen, als dasa wir nocb 
lUnger dulden kOnnten, dass eine stniflicbe NacblUssigkeit ibn der 
Unsicherheit auBsetze." 

Nun endlich eotsandten die Bezirks-Verwaltnngen in Eile 
Komruissare in ibre Bezirke, am die Verordnung vom 5. Prairial 
Hber die Wiederberstellung der Posthaltereien in Vollzug zu aetzen. 
Die Bonner Bezirks-Verwaltung, welcher das linksrbeinische Ge- 
biet dcs ebemaligen Kurfttrstentbume Koln unterstellt war, be- 
stimmte hierzu eines ibrer Mitglieder, den Verwaltungsrath Tryst. 
Der von diesem Qber die Erledigung seines Auftrages erstattete 
Bericbt giebt ein so anschauliches Bild von dern damaligeu wabr- 
naft trostlosen Znsiande des Fostwesens anf dem linken Khein- 
ufcr, dasa wir den voilen Wortlant dieses Scbriftstuckes zum Ab- 
drnck bringen. Der Bericbt lautet: 

Bonn, 13. Messidor III (1. Jnli 1795). 

Tryst, Mitglied der Bomrischen Bezirks-Verwaltung an seine 
Collegen. 

Burger-College* ! 

In Geraasebeit Enree Anftrages vom 25. Prairial (13. Jnni) babe 

ich die sammtlichen Postbauaer des hiesigeri Bezirks bereist nnd die- 
selben in einem Zustande gefunden, der nicht zerruttcter gedacht wer- 
rten kann. Helfen wir nicht echleunigBt und tbatig, so Btehen die 
Poeten enter Tage still und mebrere Posthaiter sind ruinirt Der 
Posthaiter zu Furth (es ist Flirth bei Grevenbroich gemeint) sagte 
mir in kaltem Tone der Verzweiflung, er wurde sein Haus anzunden, 
wenn er nicbt nnverziiglich die hewilligte Entschadigung erhielte und 
fur die Zufeanft untersttftzt werden wiirde. Der Postbalter von Keuse 
tobte wie ein Besessener, and icb hatte alle Mtihe, ibn zn uberzengen, 

dass icb nicht scbuld an seinem w ah r haft hochst betracbtlichen Soba- 



r. ; 



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Die franzosische Pott am Kiederrheiu etc. 33 

den eeje. Dieeer sowohl ale der Andernacher, Dormagener, Bttnner 
Posthalter erklarteo mir, daee sie die Poathaltereien anfgeben mUsstec, 
wenn die gedachte EetechKn'igiing nicht echleunig erfolge, da man nicht 
verlangen konne, daee sie siefa and ihre Kinder zu Bettlem mechten 
und din Kosten eines Institute allein tragen sollteu, welches den Ge- 
meinnutzen mad die Bequeralichkeit jedee Individnums zur Grandlage 
Lttltc und luoncbciloi mUbeelige kuMtopjclig© Diciiotvcrrichtung, wic 

z. B. die FortscharTung der malles und der reitenden franzbeischeu 
Knrire von Januar ab ohne den mindeaten verhaltnissmiiasigen Ersatz 
auf sie einzig hinwfilzte. Der Posthalter zu Remagen ist rainirt, bat 
keine Fonrage, noch Geld, eich dieselbe anzukaafen, nnd seine Gerippe 
von Pferden warden erster Tege orofallen, wenn nicbt echlennigat 
Bttlfe geschafft wird. Der Postbalter zn Coin (Panli der Jlingere) 
nnd seine Fran brachen in K lag en nnd Thranen ana. Nacb dem Be- 
Bcbluee der Central-Verwaltnng vom 5. Prairial konntc er abgeeetzt 
werden, obechon er ein Dritttbeil Beiner Anzahl Pferde bat, die er 
vor dem Eincnge der Franzosen besaes, diese aber ram Theil Pferde 
Bind, die ihiu der Canton Coin angcachafft hat. Dem ungeachtet, we\- 

cher Menecb, der Billigkeit liebt, kann bier nacb etrengem Recite zn 
Werke geben ! Panli ist Anffinger. Die ernte Anlage koetete ibm sein 
VermiSgen nnd die daraaf folgenden UmstKnde waren gewiss nicbt von 
der Art, ihm die Zinsen zu veracbaflen, welche zut Fortaetzung dea 
Poatdienstee erforderlicb sind. Er fiirchtete, von Hans nnd Hof ver- 
jagt and vollends zu Grunde gericbtet zu werden, allein icb eprach 
ibm im Kamen der Banner Verwaltung, die gewiss menecbliche Ge- 
Binnungen hegt, Math zu, und wahrlich, welche Reihe von Inconve- 
nienzen wUrde sicb ergeben, wenn wir an seiner Stelle einen PoBthalter 
anstellen wollten, der weder Pferde, noch Gefafart, noch Foorage hatte, 

and wo aach den Mann find«n, dor in dar jetzig«n L&ge dor Dinge 

solch* ein undankbarea Geachftft ttbernehmen wird! Bei allem dem 
kann aber dem gedachten Postmeiater Panli keine EntscbadignngR- 
Fonrage gereiebt werden, da die Pferde, so er noeb hat — dtejenigen 
abgerechnet, welche ihm der Canton lieferte — welt anter der Halt>- 
heifc der Anzahl Pferde Bind, welche er vor dem Einzng der Franzosen 
besaes, selbst diejenigen mit eingerechnet, welche ihm der Ober-Poet- 
meister de Groote liber den Rbein mit wegftthrte, and nm so weniger 
kann die Entsohftdignng utAtthaben, da ihm aus den Militar-Magazinen 

der erforderliche Eafer abgereicbt wurde. 

Zur Remontirang von Bonn, Coin, Dormagen, Neuss, Furth, 
Reui&gen und Andernach sind 50 neuc Pferde zu kaufen, oder, ila alle 
Fosthalter das baare Geld vorziehen, 750 Karolin anzuweisen. Feraer 
habec die Posthalter — Panli ansgenommen — Ansprach auf 

1164 Malter Hafer 
1164 Zentner Hen und 
873 „ Stroh, 

oder billigen Ersatz in Geld, wenn die Verwaltung die Fonrage nicbt 
liefem faim. 

Annml«n d«a hist. Verolna LXV- 3 



r. 



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34 Sautter 

Dem ungeachtet bleibt die Bemerkung richtig, dase diese Eut- 
schadigung und Allee, was wir gemaae des BeschluBees vom 5. Prairial 
zu Gunsten der Poethalter tbun uad thun kOnnen, blouse Palliativniittel 
Bind, wenn nicht in Zukunft aus den Militilr-Magazinen die Posth alter 
die ndthige Fourage erhalten werden, oder, wenn wir nicht eelbat in 
jedem Canton, wo sich Posthaltereien befinden, kleine Magazine an- 
legen, worans den Posthaltern hinlangliche Fonrage gegen Zahlnn? in 
republikaniBcher Mtinze verabreicht wtirde. 

Ich fordere Euch auf, Bttxger-Collegen, Uber die Mittel, den Post- 
haltern die bewilligte Entschadignng zu verschafTen nnd die abgangigen 
Pferdo an crsctzen, Euch en beratbechlogen nnd die Ansftihrnng eobald 
ale moglich zu bewerkstelligen, da im Gegenfalle der Postdienst un- 
fehlbar rtocken, jedea Gewerbe nnd Geschaffc darnnter iciden nnd der 
Bnin dee Landmanns vol lend 8 unvertneidlich eein wurde, wenn auf 
denselben die lastige BeBtreitung dieses Dienstes znrticfefallen wurde. 

GruBB nnd Verbrtiderung 
Tryst. 

Diese warmen Worte ihres Mitgliedes machten starken Ein- 
drock auf die Bonner fiezirks-Verwaltung. Noch an demeelben 
Tage, an welchem der Bericht einging, verfiigte man die Aus- 
schrelbung der zur Uuterstutzung der uothleideuden Pobthaltereien 
erforderlicben Mengen an Hafer nnd Hen. Dem Lieferer wurde 
Zahlung in klingender Mtinze „in gnten gangbaren Sorten* sub 
dem Ertrage der auageachriebenen (Po8t)-Steuer versprochen. 
Ausserdem wurden ihm die in darnaliger Zeit selir notbwendigen 
Scbutzbriefe gegen jede militariscbe Requisition zugeeichert, da 

eonet za beftirchten stand, daae die Fnttcrmcnpcn wahrend der 
Befflrderung zu den Posthaltereien der Begehrlichkeit der franzft- 
Biachen Militax-Verwaltung zum Opfer fallen konnten. Die Liefe- 

rnng des Strobs wurde den Cantonsverwaltungen sufgegeben, dcxicii 
daflir Zablnng in klingender MUnze nacb den MarktpreiBen in 
Anasicht gestellt wurde. 

Die eogennnnte Poststeuer, welohe die Bonner Bezirks-Ver- 
waltung zurDecknng der vorerwahnten Ausgabeu untenn 17. Messi- 
dor III (5. Juli 1795) ansschrieb, betrug 3 Stttber auf jedeu Mor- 
gen Acker, Wiese nnd Weingarten des Verwaltnngsbezirks Bonn 
und war in klingender Mtlnze innerhalb acht Tagen zu entricbten. 

Man wird in Bezug auf die Wirkung der vorstebenden An- 
ordnungen der in dem Berichte des Verwaltungsraths Tryst rob 
gesprochenen Ansieht beipflichten mUssen, dass die gegebenen 

UntcrstUtzungen nnr eine vortlbergehende, aber keine dauernde 
Besaerung des Znstandes der Posthaltereien bewirken konnten. 



r. 



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Pie fnuizoBLsche £ i>at urn Niederrhein etc. 35 

JBierzu wftre es in Anbetraeht der rticksichtsloseo Eingriffe der 
franzttsischen MilitSrverwaltung, welche die Futterbesttade weg- 
Eahm, wo sie solcbe gerade farid, vor allem nOthig geweseo, durch 
Anlegnng von kleiaeren, unter behBrdlichem Schutz Btebenden 
Cantone-Futtermagazinen die dauerade Ern'abrung der vorgeschrie- 
beDCii Zahl von PosthaHcroipfcr-dcn sicber zu etcllcn- 

Der Erlass vom 5. Prairial liber die Aufbeseerung des Zu- 
et&ndes der Posthaltereien war der Vorlaufer zu dem von der 
Aachener Central-Verwaltung vorbereitetcn groaacn Organisations- 
plan fitr das Verkehrswesen in den eroberten Lanriern zwischen 
KLein uud Maas, welcher in der Sitzuag der Central - Verwaltung 
vom 11. Thermidor HI (20. Juli 1705) beecbloeeen wurde. 

Der wicbtige Bescbluss lautet: 

Die Central-Verwaltung des Lardes zwiechen Maas and Rhein 

iu Erwagung, 

dass Beit l&nger Zeit der PoBtdienst Bowie die Unterhaltung uud 
Auabefiserung der StraBeen der Gegenstand bKnfiger Klagen rcar-en mid 
gerechten TJnwillena der Armee und dea Publikuma, and daaa die 
dringende Nothwendigkeit vorliegt, eruailich ibre WiederhBrHtellung, 
Unterhaltnng, AnsbeBsernng etc in Erwagang zo Ziehen ; aaf die Be- 
merkungen des Briefpoatdirectors von Aachen 

heechliesBt: 

I. 

CentralbureauB and General-Directionen des PostwesenB und der 
Straaaen warden bei der Central-Verwaltung eingericbtet. 

11. 
Die Central-Verwaltung achlagt ohne Verzug den Volksvertretern 
zwei Cornmiesare der General-Directionen zar Ernewraug vor, den 
einen fur die Postdirection, den zweiten fiir den Nenbao and die 
Unterbaltung der Kunatetraaaen und fiauptetraaaen (grandee routea) 
im Lande zwischen Maas, Rhein and Mosel. 

III. 
JBeide Coinmissare stehen unter der Oberaufslcbt der Central- 
Verwaltung, nnmittelbar nnter den vereinigten Biireane fUr Handel 
«od dffentliche Arbeiten. Beide Beamten muesen ihren Amtasitz and 
ihre Bureaus gleichwie die Mitglieder der Central-Verwaltung in Aachen 
anfacblagen. 

IV. 
Die beiden Commissare empfangeu daeselbe Gehalt vie die Jftit- 

gliedor dor Central- Verwaltung. Die GeValter der Pootclirectoren, 

Secretaire und sonstigen Beamten werden durch einen besonderen Be- 
flchlnas der Central-Verwaltung featgesetzt, welcher der Genehmigang 
der Volksvertrcter anterworfen wird. Die Gehelter werden, wie alle' 
Cbrigen Unkosten, von der Geaeral-Postkaase beatritten. Aaf Landes- 



r. 



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36 Sautter 

kosten werden jedem General-Commissar ein guten Pferd and fqrtaV 
die nothigen Fferderationen geliefert, deren IluLu durch einen tenon- 
deren Beschlnes festgesetzt wird. 

V. 

Die Central-Verwaltung beetimmt im Lande zwisoben Maas, Rhein 
and Mosel 8 Haupt- and BriefpoBtBtrasBen (grandee routes), nfimlich 

1. Strasee Aacben-Liittich uber Herve bcfcufs Verbindung mit 
dem Lutticher Lande, Brabant and Frankreiob. 

2. StraBBe Aacben-Mastrieht fiber Galop, die fiber Ass 1 ), Brie, 
Achcln cine Verbindnng mit Boie le Due and Holland bie- 
ten wird. 

8. StraBBe Aachen - Geilenkirchen -Wassenberg-Roermonde- Venlo- 
Nynrwegen behufis der Verbindung mit dem alten bsterreichi- 
schen, preussischen una. hollandischen Creldern. 

4. Stranse Aachen-JUlich-FUrtb-NeusB-Crefeld-Weflel bebafs Ver- 
biodung mit dem Norden. 

5. Strasse Aachen-JUIich-Bergheim-Cbln-Bonn-Coblenz bebufi Ver- 
bindnng mit DeutBchland, dem Oberrhein nnd Elsaes. 

6. StraBBe Cbln-Neuss behufs der Verbindnng zwiechen dem Ober- 
rhein, ElBass nnd tier Sohweiz einerseits and Holland an- 

dcrorBoite. 

7. Straase Coblenz-Trier behufs director Verbindung der Uber- 
r rheimechen Gebiete mit dem Trierer Lande, Luxemburg, Bel- 

gien und Frankreich. 

8. Die gemasB BeschlusscB der Central- Verwaltnng Tom 2.Ther- 
midor noch zn erbanende Henptatxagse Aachen-Trier behufs 
Heretellnug einer Briefpoetrerbindung von Aachen nach Ver- 
viere, Spa, Malmedy, Schbnberg, Schbnecken, Bitbnrg und 
Trier sowie zom Zweck der Herstellnng einer directen Post- 
.verbindung zwiscben Holland (via Aachen) einerseite end 
Luxemburg, Trier, Frankreich, der Schweix nnd Italien an- 

d«reroeito. 

VI. 

Die Bezirke-Verwalturigen werden mit Ueberwachnng der Poet- 
haltereien und ibree Pferdebeetandes beauftragt; dieee Pferd e ktinnen 

iiitiLuala, uu tci wclcbcui Vui wtuidle ee nutir sci, zu ir^cuO eiueui au~ 

deren Gebrauche requirirt werden. 

VII. 
Die Postdhrectoren von Aachen, Coin, Maastricht, Bonn, CoMenz, 
Trier and endern Stftdten sind ermaobtigt, in der Zwischenzeit, beror 
die Posth&ltereien and Relate errichtet nnd mit der nothigen Pferdezahl 
versehen sind, tagliche Boten- oder Reitposten fiir BefSrderung der 
Follciaco cincuriobton gcgcu IWohliing in bear, odcr in Asaignatcn 

zum Kurae — von 5 franz. sols fur den Hin- und 5 sole, f&r den 



1) Die hcutige Schrcibwei»o dicaer Orte iat Asch, Bree, Aofcel. 



r. .... 



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TWe fr»n*o«i»oh© Po«t. am KiA^errViein otc 87 

Eiickweg be! Fuesboten anf die Meils, das Doppelte fttr den Boten 
zu Pferde. 

vhi. 

G-leich nach ihrer Ernennang werden aioh die beiden Commiaaere 
ait dem Bureau dea Handela and der Offentlichen Arbeitcc and mit 
dem H&npt-Director der Suatsdomainen ill's Einvernehmen eetzen nnd 
der Central-Verwaltung einen allgemainen Plan — vues genera lee et 
particulieres — unterbrciten ; flir eine beaaere innere Organisation dea 
Poatweaens, fur die Rechnungslegnng, Hir die AbfUbrung der Gelder 

in die Kaeeo der Ropublik, fUr die thnnlichst billige Wiederheretellung 

der grosser) Heerstraaaen , fUr Wiederherstellnng der Schlagbaume 
(barrieres), der Stationen und Relais anf den verschiedenen Strassen 
bebufa Beachleunigung doe Poetengangea, fiir Herstellung der Verbin- 
dungen nnd dea Handela mit den fremden L&ndern. 

IX. 

Da es sehr dringlicb ist, dass die Commiss&re raacb ernannt 
werden nnd in TbUtigkeit treten, werden alle Bezirka-Verwaltnngen 
und die Munioipien der groesen StSdte anfgefordert, obne Vera&ug der 
Central- Verwaltnng zwei Peraoneu in Vorsohlag zu bringen, die zur 
Uebernabme dieaer Aemter den Volka-Vertretern vorgeachlagen werden 
kiumciu J ode Ferooo, die aof einen von den beiden Ponton roflccth t, 

•oil der Central- Verwaltnng znnaohst ein Expose iiber bessere Organi- 
sation der Poeten nnd die billige Wiederberstellnng der Straaaen liber- 
reicben. 

(regenwftrtiger Erlaas wird der (Jenehmigung der Volks-Ver- 
treter nnterbreitet, in beide im Lacde gebrauohlichen Sprachen tiber- 
aetzt und den Bezirks-Verwaltungen zugefertigt. 

Unter dem Erlaas flndec slcb die Genebmigungsfonnel : 

Vue et approave 

Meynard, Volks-Vertreter, 

11. TWmidor III (29. Joli 1705). 

Der Aufforderung der Central-Verwaltung, geeignete PereOn- 
licbkeiten fllr die neu zu schaffenden Stellen der General-Inspek- 
toren filr das Postwesen aad den Strassenbau vorznacnlagen, wurde 
seitena der Bezirks-Verwaltungen nicbt entaprochen. Die Central- 
Verwaltnng sah rich daher am 3. Schalttag des Jahres III (19. 
September 1795) veranlaset, dem Gesucbe des Burgers Dantzen- 
berg aus Aachen am Ucbertraguug der Stelle des GeneraUnspek- 
tora flir das Postwesen dnrch nachstehenden Erlaas Folge zu 

gcbciL 

Die Central- Verwaltnng dea Landee zwieoben Maaa nnd Ebein 
1. nach Durchsiebt des Expose des Burgers Dautzenberg, worin 
dargnthan ist, dasa die im Poatdienst eingeriaaene ITnurdnnng 
achlennigst beaeitigt werden maaa, ond in Anbetracbt, daaa 



r. ..... 



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38 Sautter 

die Central-Verwaltung (lurch BeechlnsB vom 21. Thermidor 
beauftragt is?, den Volka-Vertretern PiKne fur eine neue Or- 
ganisation dieses Dienstzweigea rorznlegcn, 

2. dasa die Ersuchen an die Bezirka-Verwaltnngen (um Bezeicb- 
nung geeigneter Persttnlicbkeiten) bis jetzt nnerftillt ge- 
blieben sind, 

3. class jede weitere VerzCgerung dem allgemoinon Beaten una 
namentlich dem Handel achadlich ware, 

4. dass, nm den allgemeinen Wtlnsoben anf Beaeitignng dieses 
MinBBtarides zn entsprechen, Jemand emennet werden mnss, der 
die Ursacbe dea Uebels aufauobt und Mittcl zur grtindlicben 
Abbfilfe flndet, 

bescblteest : 

Art. 1. Der Biirger Dantzenberg, Redactenr dee „Zasehauer*^ 
(Speotateur) wird zum provisoriechen Commissar ernannt, am einen 
paesenden Flan auBzuarbeiten, wie dec unzabligen Unordnnugen, die 
aioh im Poatdienat eingescblii^ben baben, hegegnet werden kann. 

Art. 2. Zu dieaem Bebufe wird derselbe die Directoren uud 
anderen Poatbeamten des ganzen Landea zwischen Maas end Rhein 
auffordem, ibm Analmrift fiber den Stand dieses Verwaltnngezweiga in 

seiner gciiioii Auedcbnung m erthcilen eowio Ilillfo u» J Boiotond eu 

leisten, die er nothig bat, nm der Ursache dieser Unordnungen auf 
den Grand zu kommen. 

3. Wer eich weigeren sollte, diesem Verlangen zn entaprechen, 
wird ala Mitschuldiger derjenigen angesefaen, von welchen dieaer Dienat 
bisber gebemmt warde. Er wird anf der Stelle seines Poatena ent- 
aetzt and naofc der 8trenge dea Geaetzes beatraft werden. 

4. Dem Commiaaar wird ein Platz fur aein Btireau im Bereiche 
der Aacbener Poatdirection angewiesen. 

5. Er iat erm&cbtigt, aicb diejenigen Gebtilfen za wahlen, welebe 
er zur Besorgung seiner Gescbafte nothig tat; dieae werden nacb 
cincm Etot bos&ablt, wolcher dor Central Vcrwoltung ssnr BcotHtigung 

vorgelegt wird. 

6. Von Zeit zu Zeit wird er sicb mit den Btireans der Finanzca 
und der offentlichen Arbeiten in'e Benehmen eetzen, fiber die M&aa- 
regeln, die er ergriffen hat and ergreifen will, nm die Auafnbnmg 
gegenwHrtigen Erlaasea sieher zu stellen. 

7. Einetweileo nod bis zur Vollendang dee neuen Poetreglernents- 
wird alien Poatdirectoren und anderen Beamten hefohlen, aich strong 
an die alten Taxen zn balteu und sicb nicht etwa eine Erhobnng der 
Brief- und Packettaxen beikoromen zu lassen, indem eonst gegen we 
vorgegangen werden milaate. 

Abschrift dieses Erlasses erhielten der neue General - Fost- 
kommi88ar, BUrger Dautzenberg, and die 8 der Aachener Central- 
Yerwaltung unterstellten Bezirke - Verwaltungcn znr Nachacbtnng- 

Der grnndlegende Erlaas der Aachener Central-Verwaltung 



r. .... 



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Dio frnnzSsucHo Pott »ra NiocUrrkein eto- 89 

vom 1!. Therraidor des Jahres III bezweckte in erster Linie die 
Unterstellang des Postwesens in den durcfa die Franzosen erober- 
ten Lttndern zwischcn Maas, Rhein und Mosel nnter die unmittel- 
bare Anfsicht der Aachener Central-Gewnlt. In Aachen, am Sitze 
der Regierung, sollte ancb der Leiter deb Postwesens seinen Amts- 
sitz aufscblagen; er emp6ng daeeelbe Gehalt wie die Mitglieder 
der Regierung and nahm eine ahnlicbe Stellung ein alB diese. 
Seine Befngnisse den Postanstalten gegenttber sind zwar in den 
ergangenen Begchlttssen nicht nailer abgegrenzt. insbesondere fehlt 
eine Bestimmung dartiber — wenn man niebt etwa aus Artikel 2 
nod 3 des Erlasses vom S. Schalttag dee Jahres III eine solcbe 
berleiten will — , dass .tier General -Postkommisaar der danernde 
nnorittelbare Vorgesetete der Postanstalten sein soil. Dessen nn- 
geachtet gait der nene Beamte bald als der anerkannte Chef des 
Postwesens in den von den Franzosen besetzten rheinischen Ge- 
bietstheilen, wo er nacb dem Vorbilde der franzttsischen Gewalt- 
haber jener Zeit fast unbeschr&nkt und von Niemanden kontrollirt 
eciues Amies waltete. 

Zweifellos wcrde dnrch die damalige Einricbtung einer Post- 
direktivbehBrde in Aachen der Grand dazn gelegt, dass diese 
Stadt trotz ihrer ftfr diesen Zwtck ungHnstigen geographischen 
Lage einige Jahre epftter zum Sitze der Oberleitnng des Post- 
wesens far das franz&sische Gebiet am ganzen linken Rheinnfer 
von der Mans bie zura Donncrobcrg boetimmt v?urde. 

Dass die Aachener Central-Verwaltung die Leitnng des Post- 
wesens in ihrer unmittelbaren Nabe wissen wollte, mass man als 
bereohtigt und mit den Grronils&tzen einer geordneten Verwahung 
im Einklang stehend erachten. Weniger natBrlich ond nur ans 
politischen Rtlcksichten erklarlich erscheint dagegen das Bestre- 
bfin, Aachen nicht nnr 7.11m adminirfrfttiven Mittelpnnlct, sondern 
auch zum Mittelpunkt des Verkebrs in den eroberten Gebieten zn 
machen. Die Bestiramung unter Punkt 8 des Erlasses vom 11. Ther- 
midor, wonacb die nen zn erbanende Hemtrasse Aachen - Trier 
liber die unwirthlichen Hohen der Eifel f ein ftlr die damalige Zeit 
sehr bed en ten des Unternehmen, unter anderm dazn benutzt wer- 
den soil, den Briefverkehr ans Holland nach der Schweiz und 
Italien and nnagekehrt von seinem natllrlichen Wege im Rhein- 
tbale abznlenken nnd Hber Aachen zu leiten, beweist, dass man 
sogar bemttbt war, im Interesse der Begflnstignng von Aachen 
kUnetlicb nene Verkebrsricbtungcn zn schaffen. — Ee zeigt sich 



r. .... 



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40 Sautter 

hieraus die von der franzOsischen Republik wie in manchen an- 
deren Dingen so anch auf diesem Verwaltungsgebiete betb&tigte 
Vorliebe ftir die Stadt Karls des Grossen; ein Zng, der nnter der 
folgenden Napoleoniscben Regie rung bekanntlich noch starker 
hervortrat 

Die Elnricntung der Postdirekiion in Aachen bot der Central- 
Verwaltung die willkommene Hand babe, die Poetkommisaion des 
Ktflner Magistrats, deren Wirkgamkeit ibr, wie wir wissen, l&ngst 
ein Dora im Auge war, zu beseitigen. Zn diesem Bebufe wurde, 
kaum 14 Tage nacb VerBffentlicbung des grundlegenden Be- 
schtusses vom 11. Thermidor, das mit Vollmacht ausgerflstete Mit- 
glied der Central-Vcrwaltung Cromm nach Koln cateaadC 

Statt dem Magistral ein£ach zu erCffnen, daes die von ibm 
dorch seine Postkommission higher atisgelibte Aursicht tiber das 
Poatwesen am Niederrbein nonmehr aufhOren masse, da diese 
Thatigkeit mit den Befugnissen der ncu zn errichtenden Post- 
direktion in Aachen unvereinbar aei, waLIte der Regierungskom- 
mioaar den indirekteu Weg, indem rr daa Poetamt in Kolu vrcgcu 
Boinee bifiherigen Auftretena ale ,Ober-Postamt am Niederrhein* 
znr Verantwortung zog und dasselbe anwiea, kflnftig nicht mehr 
die Poatkommission des Ktflncr Magistrate, Bond em die Haapt- 
Postdirektion in Aachen aU seine vorgesetzte Behfirde zn be- 
tracbten, Es scheint, dass man anf diese Weise die Rjrmliche 
Aufhebung einer von dem Volkevertreter Gillet seiner Zeit ins i 
Leben gernfenen Einricbtung, deren Rechtsbestandigkeit die Volks- 
vertreter Joubert, FrtScine, Tallot u. A. mittlerweile vriederholt 
anerkannt hatten, umgehen und die Postkommission vera nlae sen 
wollte, ihre Thatigkeit ohne Weiteres von selbst einzustellen. Der 
bez. Eriass des Kommiesare Iantet: 

, f l)a mir im Gefolg der mir von der Central- Verwaltung gegebenen 
Instruction obliegt, dan von deraelben fiber die Poet en and Routen er- ■ 
lassene und von dem Volka-Repr&Bentanten Meynard approbirte arrete 
in VoIIzng zu bringen, aaoh die von dem Verfasser dea Aachener „Zn- 
Hchauore*' (dem bald daranf zum General-Poetoommiaear ernannten 
Dautzenberg) bei deraelben Ubergebene Vorstellung — in halts welcher 
sicb das Poatamt zu Coin beigeben laaat, die ibm von denen iibrigen 

Poat&mtorn doo Landce cwiacbon Moon und RWn Esngoeobioktan pa- 

quets zu erbreohen, rUekznsohioken und aioh aogar titer selbe eine 
Ober-Direction anzumassen — mir zu untersuoben zngestellt worden, 
und aioh dann, uachdem der Director der Collniachen Briefpoat raund- 
licb vernominen worden, ergeben, daaB deraelbe diese facta alle ein- 



r. ..... 



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Die franxoiische Poat am Niederrhein etc. 41 

gestanden and sioh damit entachuldigt hat, daaa ihm dieae Ober-Di- 
rection von dem Magi Pt rat der Stadt Colin aufgetragen aeye, 

Ala wird dem Director der Briefpoat zu Colin in Erwagung, 

1. daas Niemand ale die Volka-Repraaentanten oder die Central- 
Vorwaltang einem Dritten die Ober-Direotion liber die beetefaenden 
Poatamter dea Landea zwisohen Maas nnd Rhein anvertraoen kfirnen, 

2. dass nacb dem 1. Artikel dea oben bp7.ei0hnet.pn arrSte, 
wovon dem Poetauite zu Colin eioe Copie hierbei zugeetellt wird, 
nunmehr zd Aachen eioe Haupt-Postdirectiou unter Anfaioht der Cen- 
trsl-Venraltung niedergeaatzt worden, idles Eroarea anfgegeben, 

1. eioh in die Direction der anderen Poatamter dea Landes zwi- 
achen Maaa nnd Khein nicht einzumiBchen. 

2. die von denen nbrigen Poatamtern ihm zugeachickten ver- 
«chloescnon Pnquotc nicht cu orb root on, soudorn ohnc Yerr.ug an eoi.no 

Behorde zu befordern, uberhanpt 

3. langRtens in 8 Tagen eine speeincirte General-Rechnung aller 
flcit dem Einzug der Franken erhobenen Gelder uiid Aasignaten nioht 
allein, aondern auch, was sich bei deren Ankanft in der Kasae vor- 
gefunden nnd wozu dioee Gelder verwendet wordoii, im Beieein dea 
Cantona-Adminiatrators, dee Domainen-lnapeotora und zweier Magiatrata- 
Mitfflieder zu verfertigen. nnd der Central-Adminiatration einzuachicken. 

4. Cantone-Administrator Eichhoff uberwaoht den Vollzng. 

Cfflln, 4. Froctidor dea Jahree III (21. August 1795) 

Cromrn, Mitglied der Central-Verwaltnng." 

Im SchooBse der Postkommission, welcher der vorstehende 
Erlass durch das Postamt mitgetheilt wurde, war man keinen Augen- 
blick im Unklaren dartlber r was das Vorgehen dea Rcgierungs- 
kommissars zu hedeutcn habe. Doch war man nicht geneigt, 
obne Weiteres das Feld zu raurnen. Am Sorintag den 23. August 
179& trat. dift Kommisaion zu einer ansserordentlichen Sitznng kd- 
sammcn nnd fasste folgenden Beschluss : 

Da der KommiBsion ein arrete der Centralverwaltung, bo von 
dem Volksvertreter Meynard bestatigt war, zu Gesicht gekommen. 
worin in Betreff dea Postwefiens Massregeln enthalten sind, welche 
der Kommiesiou Zweifel Uber ibre Amtegesch&fte erregten, ward 
nach geschehener Ueberleguog folgender Beschluss erlassen: 

Passende Vorstellung an Volksvertreter Meynard durch Kcm- 
miagion zu llberreichen. 

Wie sehr man die Angelegenhett bescbleunigte, geht daraus 
hervor, dass dieae Eingabe, deren Inhalt leider nicht bekannt ist, 
noch an demeelben Tage verfasst and schon am folgenden Tage 
— Monlag den 24. August 1795 — Uberreicht wnrde. Beira Em- 
pfang der Kommisaionflmitglieder war ausser dem Volksvertreter 



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4-2 S a n fc t. a r 

Meynard der Kommisaar der Central- Verwaltung Cromm anweaend 
I>ie Anfnahme, welcbe die Kommisaion bei den beiden franztf- 
siachen Machthabern fand, acheint eiae Uberana tfrostige geweaen 
zu sein. 

Meynard hUllte sich in Schweigen, daa Wort flihrte Cromm, 
welcher an die Kommissionsmitglieder verschiedene Fragen fiber 
das Poatwesen richtete nod dann — kurz abbrechend — die Be- 
merkung binwarf, w ea werde, nachdem der Volkavertreter die Vor- 
etellnng der Komnriasion an die Central verwaltnng liberwiesen 
habe, von dieser entscbieden werden, was RechtenB a . 

Damit war die Unterredung beendet- 

Ob die In Anaslcbt gestellte Entscheidung der Central -Ver- 
waltuug Uberhaupt ergangen iat, mn88 dahingeatellt bleiben, 
da eine hieranf bezUgliche Urknnde nicht aufzufinden iat. Es 
scbeiut, dasa man es in Aachen gar nieht der MUbe wertb ge- 
halten hat, dem Erlaeee dee Regierungskommieaars vom 4. Fracti- 
dor nocb etwas hinzuznfllgen. Man hatte ja seinen Zweck ohne- 
hin erreicbt, da die Postkommisdion cine Vcrfll^uog wogen ibrcr 
Anfltfsnng nicht abwartete, sondern nacb dem ktlhl abweisenden 
Empfang durch die Regierungaraitglieder ibre Akten scbloss nnd 
ihre Tfa&tigkeit einetellte. 

Damit hatte auch das Kfilner Poetamt, welches sich bis da- 
bin noch etwaa von dem alten Glanze des Reich* -Ober-Postamte 
zu bewahren gewnsat hatte, den letzten Reflt einer Sonderfltelltmg 

verloren und war einfach in die Keihe der von der neu exrichteten 
Postdirektion zu Aacben nacb franzttsiscbem Mu8ter za verwalten- 
den Pofttanottlten getreten. 



II. 

Die General-Postlnspektlon in Aachen. 

Es iat fllr den Vaterlandsfrennd anerfreulich, aos den vor- 
liegenden Urkunden zu entnehroen, wie leicht und raach die Nach- 
kommen der alten Ubier sich in den Gebrauch der franzfteiscben 
Spracbe, in franztfsische Formen und franzCsischefi Weaen hinein 
fanden. Wir aehen mit Verwnnderung, daas Lente von geringer 
Bildung, wie z. B. Postconducteure, Postbalter, Eingaben in leid- 
liehem Franztteiscb, nicht fehlerfrei zwar, aber doch in wohl ver- 



r. ; 



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Dio franctraiocbo Post am Niodovrhoin etc. 1«* 

st&ndlicher Sprache, an die Bchttrden richten. In der Ansdrucka- 
weise ( ramentlich in der Titulatur, apricht sich, selbstin den nnteren 
St&ndeu, die erwachteVorliebe ftlr franzdsischeBWesen aus. Man Uher- 
serzt Beinen Amtatitel ins Franzttaiscbe und hUngt die Worte „de la R6- 
pnblique francaise" an. Die BehOrden bleiben binter dem Bestreben der 
Einzelnen nicht zurUck, indem sie, selbatdann,vrenn sie in deutecher 
Spracbe verftigen, vbllig undeutsche, dem Franzttaischen entlehnte Re- 
dewendungen gebrauchen. So sehreibt man — scbon wenige Monate 
uach detn Einrtlcken der Fratzoaen — amtlicherseite nicht mehr 
„wir ersnehen Each" oder „wir foidern Ench auf *, aondern man 
gebraucht den Auadruck „wir laden Each ein, etwas zu thnn." 
u. 8. w., indem roan das im FranzOsiechen ftlr diesen Fall aebr 
gebrftucbliche „inviter" dnrcb einladen vriedergiebt. Undeutscher 
tnd spraebwidriger nocb iat der Gebraucb des Wortes „unterhalten tt 
an Stelle von ..mittheilen' 4 , erttffnen u. a w. „Wir anterhalten 
Eneh auf Euren Bericht" scbreibt die Bonner Bezirks-Verwaltung. 
Hier seheint das franzOeiache „6ntretenir" den Anstoaa zu einer 
hochst unglHcklichen Uebersetzung gegeben zn haben, die den 
Eindruek bervorruft, ale ob der deutsche Verfaeser babe zeigen 
wbllen, wie echwer ea ihro falle, sieh bei seiner dureb und dureh 
franzOsischen Denkweise noch in richtigem Deutacb anazndrllcken. 
Aucb das brflderlicbe „Du" erscbeint — ailerdings nur acf kurze 
Zeit — in den amtlichen SehriftatUeken. 

Bei solcber Eiupfanglicbkeit fur die vun Westeu ber kouiweude 
nene Ordnung der Dinge konnte der Uebergang in ein neoes 
Verwaltnng88y8tem ftlr die Beamten wie fiir das Fnbliknm nicht 
flchvrer vrerden, und cs erecheiat dahcr auffallig, daes man fran- 
ztiaischerseits, etatt die Post in dem eroberten rheiniscber LUnder- 
gebiete gleich von vomherein ganz auf franzOsischem Fubb einzu- 
, richten, aiob znnlichot dam it begittigtc, der oltcn deutechen Rciche 

post ein fr&nztisiach - republikanischeg M&ntelcben umzuhftngen; 
decn einen anderen Cbarakter batte das von dem General - Post- 
kominissar Dautzcnbcrg in Aachen geleitete Poetweeen th&tsiLchlicb 
nicht. 

Man beschr'ankte sich darauf. die vorbandene alte Organisation 
des Pofttweeena anfrecht an erbalten, ohne etwaa Neties hinznsn- 
schaffen. Der Kern der Beamtenschaft war aus der Reichspost 
hern bergenom men, die neu ernannten Beamten vraren fast aue- 
nahmsloa Deutsche. Der Poatbetrieb vollzog aieh ganz nach dem 
bisherigen dentschen Verfabren. Ein anderes kannten die Be- 



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44 Sautter 

amtcn aach nicht, da man seitena der franzBsischen Postverwaltung 
rich big dahin nicht veranlasst gesehen hatte, behufs der Unter- 
weisnng der rheiniscben Postbeamten in den Vorechriften and 
Formen dee franzosieehen Postdienetes franzttsiacbe Postbearate nach 
dem Rbeinlande zu entsenden. DasPostweaen in den eroberten Ge- 
bictcn zvrischen Rhcin uad Maaa blicb ciuetwcilca dor Leituog 
der neu eingeeetzten LandesbehQrden Uberlassen und hatte mit der 
Centralleitung des franzCsischen Postwesens in Paris so gut ate 
gar keinen Zusaniracnhang. Nur die bei den Poetanstalten all- 
mahlich sich einbHrgernde franzoeiscbe Mlinzwahrnng, namentlich 
„die MUnze der Freiheit", d. s. die Assignaten '), in deu 
Schaltorkneeen, einige franzOsiscbc Tnrife, der IT Citoyen" auf den 

Adressen der Briefe, welcher das „Hoch-, Edel- nnd Wobigeboren" 

verdrfingt hatte, und die Figur der FreibritsgOttin ara Kopf der 
amtlicben Schriftstticke zwigchen den Worten „Libeit£" nnd n Ega- 
littf" gaben davon K unde, dass das Poetwesen am linker Rhein- 
nfer unter frauzoaischer Leitung stand. 

Eg verstrichen raehr ale 2 Jabre nach dem EinrUcken der 
-Sambre- nnd Maas-Armee in das Niederrheinische Gebiet, ebe die 
<2eneral-Postdirektion in Paris sich daran erinnerte, dass aie ia 
dem eroberten Lande eine wkhtige Anfgabe zn eriullen habe. 

Die ersten Vorschlage, welche sie in dieser Richtung machte, 
sind in einem von ibren Mitgliedem Caboche, Mouillesanx, Ron- 
vifere uud Lebarbier unterzeichneten, an den Finanz-Minister Kamel 
-eretatteten Bericbte d. d. Paris, den 10. Frimaire V (30. November 
17*96) enthalten. Eg ist darin Folgendee ausgefUhrt „Ini Lande 
zwiseben Maaa and Rhein h&Ueu bis zura Ende des Jahres 111 
viele Postttmter ein unabhangiges Dasein gefahrt. Dieselben batten 
keine Rechnung gelegt und seien sich so zu sagen selbst Ober- 
lassen geweeen. Magietrats-Mitglieder, Beamte der Domainen-Ver- 
waltung und General-Zahlmeister der Armee hattea die Postein- 
kuufte erhoben. Am 3. Schalttage des Jahres III habe die Cen- 



I) D«*r umuchiige rheinieche Yolkawitz machte apater auf dieAwigoa- 

ten folgfor.don Spot t vers: 

Aua Lumpen ward ich eirst gemacht, 

Vttn Lnmppn nn rifln RtiAin gflhranht. 

Aim Lumpen machteu Lumpen mioh, 
Und manoher ward ein Lump durch mich. 
Vergl. Heeeo, Geschichte der Stadt Bonn nnter franBrtiecher Herr- 
icbaft, Bona 1870, S. 41. 



. 



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Die franzSauchA Post nm Niederrhein «to. Af» 

tral-Verwaltung in Aachen beechlosBen, das Pcstwesen im Lande 
zwischen Rhein and Maas unter die Leitung eioes General- Poet- 
komraissars zu stellen, zu welchera Amte sie durch Beachluss vom 
16. Vend&niaire IV. <8. Oktober 1705) den Btlrger Dautzenberg 
in Aachen, Redaktenr dee .jZuscbauer", mil dem Anftrage berufen 
habe, einen Plan fflr die Organisation des Postwesens zu ent- 
werfen. Dautzenberg verwalte seit jener Zeit das Postwesen viillig 
uuabhKngig, nnd man wiaee eigentlich nicht recht, welcher Bc- 
bOrde die Ueberwachung seiner Gescuaftfifttbruug obliege, Schon 
der Vorganger des Ministers Ramel habe einem Mitglied der Ge- 
neral-Postdirektion den Auftrag ertheilt, neben der Organisation 
dea Dienstes iu den sogenannten ,,Depaneraents reams'' tKelgieu) 
sicb auch die Verwaltnng dee Postvresens im Lande zwischen 
Maas nnd Rhein einmal anzusehen. Der Komroissar habe dazu 
aber nicbt Zeit gefunden, weil der Hauptzweck seiner Sendung ilm 
zu sehr in Anspruch geuommen babe; er habe daher einen Post- 
inspektor beauftragt, von der GeschaftsfUhrung deB Bflrgere 
Dautzenberg an Ort nnd Stellc Kenntniss zu neWeu. Dautzenberg 
habe dem Inspektor fllr die Zeit vom 16. Vendemiaire des Jahres 
IV. (8. Oktober 1895) bis zum 24. Germinal IV. (14. April 1796) 
Rechnang gelegt, aue der bervorgebe, daee die Einnahmen fast 
vnllig durch die Ansgaben aufgezehrt wtlrden. Die kurze Zeit, 
welche der Inspektor in Aachen zugebracbt habe, set nicbt aus- 
reichend geweaen, die Ricbtiglceit der von Duntzcnberg gelegten 

Rechnang za prUfen and ein klares Bild der Verbflltnisse zu er- 
langen. Die General-Postdirektion erachte es nunmehr fllr nflthig, 
dnas ein von ihr anngewfihlter RommiKttur aich naeh Aneh©n be- 
gebe, nm die Rechnang des Dautzenberg nnd seiner Vorgtinger zu 
prUfen und einen Plan fttr die Neuordnung des Poetweeens id 
jenem Lanrie zu entwerfen." 

Durch ein unter diesen Bericht gesetztes Dekret des Ministers 
d. d. Paris 24. Priroaire V. (14. Dezember 1796) wurde der Vor- 
echlag der General-Postdirektion gebilligt. In einer besonderen 
Verfugung macbte der Minister noch daraof aufmerksam, dass 
nicht allein der General-Postkommissar Dautzenberg, sondern auch 

alle nachgeordneten Beamten dem Kommissar der General-Post- 
direktion Uber ihre Amtsverwaltung Recben&cbaffc abzulegen haben 
sol Hen. 

Kraft der Ermachtigung des Finanz-Ministers emanate die 
General-Postdirektion unterm 1. Nivose V. (21. Dezember 1796) 



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40 Sautter 

den Potstinspektor Faveret, bisdahin General- Poetinspektor der „neuf 
Departements rlunis" in Brtissel, zu ihremK.onmn88ar im Landezwi- 
achen Maas uud Rhein, mil dem Auftrage, eich baldigstanOrtund 
Stelle zu begebea, von dem General -Pogtkommiesar Dautzenberg 
Jteehnnngsablage zu verlangen und ibmzu eroffneo, dass die General- 

Poetdircktion das Poetwceca in dom ©robortenLande von nunan naeli 
den Vorschl&gen ihresKornmissarsznleitengedenke. Das Abaetznngs- 
dekretfllr Dautzenberg batte Faveret in der Tascbe. Die General-Post- 
direktiou warder Aasicht, „es Iftge im Iuterease dee Dienstea, wenn ihr 
Kommiesar selbst Ueberbringer dieses Decretes sei" Postinspektor 
Faveret traf am 15. Pluvioee V. (3. Februar 1797) in Aacheu ein 
und entaetatft den frett«»rftl-Pftafckommiafta.r Dautzenberg anfnrt aeinea 
Amtes, des&eu Leitung er selbst in die Hand nahro. Der rietroffene 
■war jedoch nicht gewillt, seine, wie es scheint, sehr eintragliche 
Stelle ohne Weiteres aufzugeben. Er wandte sich beschwerde- 
fllhrend an den Finanz-Miniater und an die General-Postdirektion. 
Der Minister sandte die Eingabe des Dautzenberg an die General-Post- 
direktionzur Aen&sewng. Ineinem langerenfiericutevonill.VentdaeV. 
(1, Marx 1797) setzte die ©berate PoatbehCrde dem Minister die 
Grtinde anseinander, welche sie zu ihrer Masarege! bewogen 
batten. „Es sei ganz zweifellos — so heisat es darin — dass die 
Rolle des Geueral-Postkommiesars Dautzenberg, welche provisori- 
scher Natur gewesen sei, von dem Augenblicke ab habeaufbOren 
mliasen, da die General-Postdirektion das Postwesen im Lande 
zwischen Maaa und Rbein in ihre eigene Regie genommen habe. 

Im Intereeae des Staatsschatzes sei es dringend nOthig, die bisher 
befolgte Verwaltungsmethode zu andern, urn die Einnahmen sicher 
zu stellen, die bis dahin „sebr nngrJnstig gewesen aeien, indent 
ein Ueberschusa gar nicbt erzielt worden sei. Das Postwesen in 
jenem LKndergebiete mUsse unbedingt in die Ilande franzosischer 
Ueamien koramen, weicbe das voile Vertrauen der Centralbehorde 
genOssen. Dautzenberg sollc Ubrigens im Postwesen Yerwendung 
finden, sob&ld die General-Postdirektion aus seiner Rechenschafts- 
ablage die Ueberzeugung gewonnen baben werde, dass er uber- 
haupt BerUcksichtigung verdiene". In Uebereinstimmong mit den 
Vorscblagen ihres KommiSBars Faveret ernannte die General-Post- 
direktion einige Tagc epttler den biahcrigea Poetdirektor roa 
Maeseyck — Vantier — znm Postdirektor in Aachen ; den bieherigen, 
bereits unter franzosischer Regierung eingesetzten Postdirektor von 
Aachen — Loiff — zuro Poetinspektor in den eroberten Landeru 



r. ; 



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Die fraazosische Post am Niederrhein etc. 47 

zwiechen Maas und Rbein ; den Btirger Nagels, bisber beim Post- 
amte in Maeseyck }»esehaftigt, zum Kontrolleur beim Postamte in 
Aachen* den Burger Leers zum Postsekretar (commie aux aflran- 
chissemefils) daselbst, and den Burger Scbiffere znm Sckretfir im 
Bureau des Postinspektors Loiff. Hiernach zeigte aicb die General- 
Poatdirektioa feci cutecliloeecn, auf dem von iln cingeschlagoncu 
Wege weiter zu gehen, sodass fiir den abgesetzten General-Post- 
kommissar Dautzenberg von dieser Seite nichts mebr zu erhoffen 
war. Er versuchte nnumehr, anf andcrc Weiae in den Wieder- 
besitz des verloreneu Amtes zu gelangen. 

In Kola hatte General Hocbe das Oberkommando der Sambre- 
und Maae - Artneo Ubcrnommcn. Durcb Beacbluse dee Direktoriumfl 

war,er zugleicb TrSger der obersten Civilgewalt In dieser Eigen- 
sehaft erliessder General sein berUhrotes jRehabilitations-Dekret* J ), 
demzufoige zum 1. Germinal V (21. Ma>z 1797) alle alten Ma- 
gistrate and Landesverwaltangen ihre frubere Thatigkeit wieder 
anfnebmen sollien, Selbstverstandlich bezog sicb dieses Dekret 
nur auf diejenigen Verwaltungen, die v o r dem Einrllckeu der 
Franzoaen im Lande bestanden batten, nicbt aber aucb anf Be- 
bbrden, welche erst unter franzbaiscber Herrschaft errichtet worden 
waren- Der rftnkevolle Dautzenberg legte aber das Dekret des 
Generals Hocbe zu seinen Gunsten ana, indem er behauptete, dass 
aueb das Aachener General-Postkommissariat hiermit wieder ein- 
gesetzt worden sei und er dewgemass seine bisherige Verwaltungs- 
Th'atigkeit von Neuem auszuttben habe. Rechtzeitig von der bo- 
vorstehenden Verbffentlichung des Dekrets unterriehtet, hatte er 
bereit8 unter dem 17. Ventdse V (7. M&rz 1797), zn eiuer Zeit, 
als Po8tinspektor Faveret sich gerade auf einer Dienstreise in 
BrUssel befand, in der Eigenscbatt als , General- Postkommissar" an 
den General lioche geacbrieben und ihn ersnebt, ihn vom 1. Ger- 
minal V (21. Marz 1797) ab wieder in seine Stellung e in t re ten zu 
lassen. Dem General gegenllber versuchte er, den Schein zu er- 
■weckon, als ob das General-Postkommissariat zu den alten Lan- 
desbehorden gehbre, die in Folge der franzCsischen Besitzergrei- 
fung ausser Thatigkeit getreteu seien. Dass das General-Post- 



1) Ennen, Zeitbilder aua der neneren Geschichte der Stadt Koln, 
S. 196 a. 197. Perthes, Polttische ZusUnde and Peraoaea io Deulsch- 
land miter franzoaischer Herrsclaft I, Gotha, 1862, S. 255. Milz, Aachen 
nnter franEoaiscber Herrschaft. Aacheo, 1872, B. 20. 






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48 Sautter 

kommiasariat eine neufranzBaische Schfipfung war, nnd dass 
ihn die CeutralbebCrde in Paris seines Amtes entsetzt hatte, ver- 
echwicg er wohlweislicb. 

Mit der in jener Zeit der Gewaltherrscbaft llblichen KCck- 
sichtslosigkeit schritt er aucb alsbald dazu, seinen vermeiutlichen 
Aueprneb zu verwirklieben. Am 21. Mftrz 1707, dem Tag©, von 
welchem ab die .KebabiHtiruug" der alien Landesbehflrden in 
Kraft treten sollte, erschien Dautzenberg iu Begleitung seiner 
frtlheren Beamten, des Postinnpektorft Muffat, des Rnreanchefe 
Lynen und des Sekretars L. Dautzenberg nm 10 Ubr Morgens no 
Postamte zu Aachen nnd Forderte den Postdirektor Loiff znr Er- 
kl&rung anl. ob er KenntniRfi von dem Rehabilitations-Dekret des 
Ober-Generals Hoche habe, und ob diesee Dekret dem Postamte 
durch die Militarbehttrde amtlich zugestellt worden sei. 

AIb der Postdirektor beide Fragen hejabte, Hess Dautzenberg 
das ron Loiff vorgeiegte Dekret im Postamte dffentlicb anschlagen, 
indem er dabei den Postdirektor ftir die Unverletzlichkeit des 
ScbriftsMlcks verantwortlicb inacbte. Sodann ricbtete Dautzenberg 
an den Postdirektor Loiff die Frage, ob er in der Lage sei, fiber 
den gegenwartigen Stand des seiner Verwaltuug anvertrauten 
Amtes genaue Reebenschaft abzulegen, worauf Loiff entgegnete, 
dass er von der General-Postdirektion in Paris zum Postinapektor 
fllr die Lande zwiscben Maas and Rbein ernannt sei und seiner 
alsbaldigen AblOsung dnrcb den zu seinem Nachfolger bestimmten 
Postdirektor Vautier aus Maeseyck entgegensebe; nnfer diesen 
Umstanden mllsse er die geforderte Rechenacbaftsablage seinem 
Nachfolger tlberlassen. Die Recbnungebelage und der Kassenbeetand 
aus dem Monat VentOse befanden sicta Ubrigens noch in seinen Handen. 

Von den beiden im Postamte anwesendea Sekret&ren — 
Leers nnd J. Dautzenberg — bemerkte der Letztere, es sei ibm 
dnrcb den PoBtinapektor Faveret die Entlassnng argeknndlgt wor- 
den, da ein franzBsischer Beamter an seine Stollc treten solle, 
woranf General-Postkommissar Dautzenberg erklftrte, diese Eut- 
lassaog mache er im Eiuklaug mit dem Dekrete des Generals 
Hoche rttckg&ngig; Sekretar J. Dautzenberg solle in sein Amt 
znrttcktreten und darin verbleiben. Postdirektor Loiff solle die 

Verwoltaug dee Poetomts bie auf Weiteree fortfUbren. Uebor den 
Vorgang wurde ein Protokoll aufgenommen, welches zwar die 
beiden Sekretare Leers und J. Dautzenberg unterschrieben, dessen 
Unterzeicbnung Postdirektor Loiff jedoch ablehnto. 



r. ; 



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Die franzdaisehe Post am Niederrhein etc. 49 

Uomittelbar oach diesem Anftritt ttbersandte Dautzenberg dera 
Postinepektor FaVeret folgende Znschrift: 

Im freien Aachen am 1. Germinal. V (21. Marz 1797). 

Icb babe die Ehre, Bie zq ben&chrichtigen, Burger, dase icb 
kraft des Decrets des General en chef der Sainbre- und Maas-Armee, 
welchen dan Directerium durch Erlass vom 6. Ventose mit der Ver- 
waltung des eroberten Landee betrant hut, am heutigen Tape in 
die Geecbafte des General-Postcommissariats vmder eingetreten bin, 
velchee vox Ibrer Entseodung in die see Laud best&nden hat. Icb bitte 
Sie, so rascb als moglicb zo veranlaasen, dasR das Bureau des Ge- 
neral-PostcommissariRtes, welches hie gegenwartig im Besitz haben, 
sowie die zngeho'rigen Acten und Schriftstticke mir wieder zur Ver- 
f&guug gestcllt vreideu. Dae wild uricb nicbt abLalten, BUrgei, dan 

aof meine RecheDschaftsablage bezligliche Geechaft zv. beendigen. Ich 
werde nicbt Yerfeblen, Ibsen dieee Arbeit mit s&mmtlichen Belagen za 
tlberreicben, damit Sie in die Lage kommen, die Absichtei) der Ge- 
neral-PostdirectioTi in Paris ausznfuhren, von der ich eice efcrenvolle 
Entlaetnng, velcbe ich mir etets versprechen zn konnen geglaubt babe, 
mit Ungeduld erwarten werde. 

Der General-Postcommissar 

F. Dantsenberg. 

gez. Lynen, 

BBrean-Cbef 

Am nicbsten Tage elite Dautzenberg nacb Kfiln in das 
Hauptquartier des Generals Hoche, una aich von diescm eine Be- 
atatignng seines Vorgehens zu erwirken. Es gelang ihni jedoch 
nicbt, bei dem General Eiulass zu fiudeu, so da&a er eicb darauf 
beeebranken niueete, dem Chef des Generalstaba, General Tilly- 
Margaron, eiu entsprechendes Gesuch mit der Bitte urn Weiter- 
gahe an den Obcr-Geucial zu Uberrcicbcu. la dicscm Scbiift- 
stlleke waren die heftigsten Anklagen gegen den Postinspektor 
Faveret eatbalten, *weicher der deutecben Spracbe nicbt machtig 
eei, das dcutschc Geld nnd die dentschen Poetordnnngcn nicbt 
kenne, und durch sein rtlcksichtsloses Vorgehen, worn it er die be- 
wabrtea deutscben Postbeamten durcb junge, ncerfabrene Fran- 
zosen ersetze, den rbeiniscben Postbetrieb zum groBsen Scbaden 
dee Handels vflllig in Unordnung nnd Verwirrung bringe. Dem 
Dekrete des Generals, welcbea die Wiederberstellung der alien 
T^mdeaverwaltungen verftige, setze FWeret Widprsprn<»h entgegen, 
indem er behaupte, dass diese Verordnung sicb auf die Post nicbt 
beziehen koane. Die von Faveret eingesetzten franz<5sischen Be- 
.imten weigerten aich detngemUss, ihren Posten zn verlasaen. 

AiiDaiexi des btrt- Vcrelm LXV. 4 



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60 Sautter 

Er — Dautzenberg — bitte <len General urn eine knrze 
scbriftlicbe Ermficbtigung, damit er seine Wiedereinsetzung in 
Aachen erzwiugeu kOune; daftir werde er ihm stete dankbar aeia/ 

Obwohl Dantzenberg nnverrichteter Sacbe, ohne den General 
Hoche gesprocben zu haben, nach Aachcu zuriickkebren mussU, 
machtc cr dort niu Morgen dee 23. Miirz abormale den Ver&ucli, 
anf Grand des .Rehabilitations-Dekreta* in den Besitz seines 
Amies zu gelangen, indem er einen ttbnlichen Auftritt, wie er iho 
zwei Tage zuvor in den R&umen dee Postamtes veruraaebt hatte, 
im Bureau des Postiuspektors Fareret herbeiftibrte. Doch wies 
dieser die Zumuthung des Dautzenberg, ihm die Leitung desPost- 
wPAftns ahzntreten, mit Entgftki&tantieit ziirftok. 

SelbBtverstaBdlich war anch Po&tinspektor Faveret dem An- 
grifTe seines Widersachers gegenUber inzwiscben nicbt nnthatig 
geblieben. Er batte dem Genera! Hoche in einem Schreiben von 
1. Germinal (21. Miirz), dem Tage, an welchem Dautzenberg in 
das Postamt in Aachen eingedrungen war, mit vieler Scbilrfe aus- 
einandereesetzt, dass sein Rehabilitations- Dekret auf das Postwesen 
nicbt Anwendung finden ktfnne, well dieses von der Centralbe- 
hCrde in Paris geleitet werde und dem Ressort der Provinzial- 
Verwaltung gar nicbt unterstellt sei. Es sei ihm nicht bekannt, 
dase die Regierung in diesem Verh&Itnisse eine Aenderung beab- 
aicbtige. Demgemass sei er auch ohne Zustimmnng dea Generate 
Hocbe und obne Genehmiguug der VerwaltnngabebOrde in Bonn 
direkt von der General - Postdirektion in Paris aus auf seinen 
Posten berufen wordea Aber selbst far den Fall, daas das er- 
wHhnte Dekret auf das Pogtwesen Anweudnng finden kBnne, sei 
nicht Dautzenberg berecbtigt, seine Wiedereinsetzung zu verlangen, 
sondern lediglich der ebemalige deutscbe Reicbspostchef, der vor 
dem EinrUcken der franztfsischen Heere das Postweeen in Rhein- 
land verwaltet babe, da das Dekret sich nur auf die vor der firan- 
zbsischen Besitzergreifung in Wirksauikeit Lefiudlicben Behorden, 
nicht aber anch auf Bolcbe Verwaltungen beziehe, die, wie dae 
von Dautzenberg geleitete General - Postkomrnissariat in Aachen, 
erst unter franzbsischer Verwaltung eiugesetzt wordeu seien. 

Er werde von Dautzenberg and seinen Anhangern bedrangt 
die mit Gewall die YerwaUung des Postwesens wleder an Sicn 
reissen wollten. 

Unter solchen Umstanden bitte er dea General nm eine be- 
atimmte Erklarung, ob er sich zurUckziehen und die ibm von der 



r. .... 



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Die franzosische Po$t am ^'iederrhein etc. 61 

<reneral-Po8tdirektion in Paris mit Zuatimmung des Finanzministers 
itbertragene Mission aufgeben, oder ob er in Gemeinachaft mit den 
von der General - Postdirektion zu diesera Zwecke ernannten Be- 
wuteu die Postverwaltung weiterftlbren aolle. 

General Hoche war nunmebr in die Notbwendigkeit versetzt, 
tttier den Streltfall eine Entscheidung zu trefJen- Er fiillte sie — 
allerdinga nur voriaufig — zu Gunaten des Dautzenberg, dem er 
brieflicb roittheilte, dass er gegen die provisorische Wieder- 
aufnahme der Ltiinug des Postweaens dnrch ibn nicbts eirzuwen- 
den babe, vorbebaltlich jedoeb der Prttfung und Bestiitigung seiner 
Ansprftcbe durch die sogenannte .Mittel-Kommission* (Commission 
iotctii»6diaire) in Boon. Ad dicsc tod flcuoral Ilocbo ciageseUtc 
BehBrde, welche an die Stelle der inzwiachen anfgelCsten Central- 
VerwaltungsbehOrde in Aachen getreten und zur Vollstreckung der 
Anordnungen dee Generals in Verwaltungaaugelegenhciten berufen 
war, gab derselbe die Eingabe des Poatinspektors Faveret zar Er- 
ledigung ab, indem er sie mit dem eigenhandigen Randvermerk 
vcraah : 

Envoy6 a la CommiBSion interro&liaire. 

Le G^ueVal 

L Hoebe. 

Darait war die endgUltige Entscheidung in die Hande dieaer 
fiebdrde gelegt. 

Dantzenherg triumphirte liber den errangenen Erfolg nnd 
glaubte Bich bereits im Wiederbesitz des heiaa ersebnteu Amtes, 
ala ibm ein nnerwartetes Hinderniss in der feindseligen Haltung 
des Stadtkommandanten von Aachen, des durcb Poatiuspektor Fa- 
veret Uber die Recbtslage genau unterrichteten Brigade-Generals 
Barban entgegentrat, weleber sicb mit aller Entschiedenbeit auf 
<lie Seite des Post-Inspektors Faveret stellte und die Dautzenbere- 
acben Anaprllche ale unbegrlindet nnd auf absichtlicher Tauschung 
des Generals Hocbe berubend znrtJekwies. Immerhin war die 
Lage fQr den Postinspektor Faveret unumebr kritisch geworden, 
denn sobald die Mittel-Kommiasion in Bonn die An&prllche des 
Dautzenberg anerkannte und die vorlanfige Entscheidung des .Ge- 
nerals Hoche beatatigte, war das Spiel ftlr ihn rerloren. Dann 
konnten ihn aucb die Bajounette des Generals Barban nicht mehr 
faalteo, weil dfeser von dem Angenblicke ab, da der an die Ent- 
seheidung dee Ober-Generale gekniipfto Vorbebalt beeeitigt war, 
dieser Entscheidung nicht langer entgegenhandeln durfte. 



r. ; 



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62 Sautter 

Eb kam also nun flir die Streitecden darauf an, auf die end- 
£llltige Entscheidung der Mitlel-Kommission in Bonn EinflusB zi* 
gewinnen. 

Dautzenberg wfthlte dazn den Weg der mflndlichen Verhand- 
lucg, iudem er sicb alsbald nacb Bonn begab, nm seine Sacbe 
persCnlich zu vertreten. Faveret mueete eicb auf schriftlicbe Be- 
weisftihrung beschrkriken, da er zu beftirchten batte, dass, sobald 
er Aachen verliees, die gewaltth&tigen Anb&uger des Dautzenberg 
von seinen Amtsrfiumen Besitz ergreifen wlirden. Die Grilrde, 
womit er der Bonner Regierungsbeborde gegenuber geine Ansprtlclie 
vertbeidigte, eind dicselben, welche sich in seinem oben erw&hn- 
ien Scbveiben an den General Hoche davgelegt finder. Dagegen 
betrat er in einem an den Vorsitzenden der Bonner Mittel-Kom- 
mission, Prfieideutcn Shee, gerichteten Briefe mehr das personliche 
Gebiet. Er nennt darin seinen Widersacher Dautzenberg einen 
»der grossten Inlriguanten dee L&ndes zwischen Maas und Rbein", 
der von der General-Postdirektion in Paris wegen echlechter Ver- 
waltung seines eintrgglichen Poatens enthoben worden sei, dec er 
nun mit alien Mitteln wieder zu eriangen strebe. Ebenso wie e» 
dem Dautzenberg gelnngen sei, die Weisheit deft Generals Hoche 
zu tauschen, so bemtibe er sicb jetzt, die Einsicht der Mitglieder 
der Regierungs-KommiBaion in Bonn zu hintergeben. 

Aebnliches findet sicb in einem Briefe an den Chef des Ge- 
neralstabs der Sambre- und Maas-Armee, den bereits frttber ge- 
nannten General Tilly-Margarou, welcher sicb damals gerade aof 
einer Dienstreise in Luttich befand. Faveret bebt darin hervor, 
daes ohne die kraftige Untersttttzung, welche ihm von dem Stadt- 
kommandanten von Aachen, General Barban, zu Tbeil geworden 

sei, voraussicbtlich die bedenklichaten Scenen im Postgebftude za 

Aachen sicb abgeepielt baben wlirden. Bei dem gewalttbiltigen 
Vorgeben des Dautzenberg und seiner Anb&nger sei die fepaunung 
anf einen Punkt gediehen, „das8 eigeutlicb nur noch die SHbel 
fehlten, damit die beiden Parteien darutn kftmpfen kCnnten, wel- 
cber von ihnen die Leitung des Postdienstes gebore*. Faveret 
bat tften Generalstabsehef dringend, sich bei dem General Hocbe 
dafttr zu verwenden, dass dieser die vorliufige Ermftchtignng ? 
welche er iu Uukeuututse der Sacblage dem D&ut&euberg ver- 
liehen habe, so lange zurllckziehe, bis man ihm die wirklicken 
Kecbtsverhaitnisse habe klarlegen k&men. „Er vertrete bier nicbt 
eein perBtinlicbes lnteresee, soudern daejenige der Republik, und 



r. ; 



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Die frunzcttisehi* Port am Niederrhoifi pit*. fcfl 

«r werde untrfistKch sein, wenn er sehen nittsse, dass das Post- 
wesen im eroberten Lande von Neuem die Beute der Intriguanten 
werde, welche es bis zum 15. Plnvioee des Jabrea V ohne Lrgend 
welche Kechnungslegung in den Handen gehabt batten." 

Die bedenklichsten Anklagen gegen Dautzenberg entb&t eiu 
zweitea Scbreiben an den General Hoche, worin Faveret seinen 
Gegner der Absicht der Untersctalagung amtlicber Gelder und des 
Verratha an der franz&aiachen Republik bezichtigt. Diese Anklagen 
werden folgendermassen begrlindet 

Dautzenberg babe atets bebauptet, das PoBtweseu im Lande 
zwischen Rbein and Haas werfe keinen Ueberscboss ab. Trotz- 
dem babe er — Faveret — bei Uebemabme der Fostverwaitung 
von Dautzenberg in der Kasse einen Bestand von 24000 Livres 
in baarem Gelde vorgefunden. Hfitte Dantzenberg etwaa von die- 
sem KaH&enbeatande verlautbart, so wurde man ibn angewiesen 
baben, das Geld entweder an die General Pcstkasse in Paris, oder 
an die Kriegskasse der Sambre- und Maas-Armee zur Decknng 
der laufeadeu Ausgabeu absufubicu. Er babe das Yorbaudeuaeiu 
dieser erbeblicben Geldsumme sowie eines Vorrathea von 40 000 Livres 
in Assignaten jedoch sorgfAltig veracbwiegen. Die Geldansamua- 
lung set lant Answeia der Kccbnungsbolage nnr dadurch moglicb 
gewesen, dags die Forderungen der Postkmler an die CentraJ- 
Postkaase in Aacben lflngere Zeit nicbt befriedigt worden aeien. 
So habe z. B. daa Poet&mt Cleve eine Summo von 18 000 Livree 
zu fordern gehabt 

Wozu dieseGeldanaammlung bei der Centralkasse zum Nacb- 
theile des Dienetes bei den Poatiimtera? 

Er — Faveret — wolle dem General offen sagen, was er 
tlber dieses Gebahren denke, und was rait ibm viele dartiber 
d&chten. Das Geld sri in der Hoffnnng in Aachen angehsluft wor- 
sen, daas die Sambre- und Maas-Armee eine Niederlage erleiden 
nnd zum RUckzuge Uber Aacben genCthigt werden mttchte. Dann 
hatte die Summe verscbwinden kOnnen, und man ware, wie dies 
so Mauche in abu lichen Fallen getban, mit der Behauptung ber- 
vorgetreten, daa Geld sei durcb pltindernde Soldaten der flUchten- 

-den Armee geranbt worden. Auf soiche Art babe man die Recb- 

nnng mit der Regierung begleicben wollen, Dautzenberg habe 
offenbar das grCsste Interesge daran, ihn so rasch als mCglich von 
#einem Posten zn verdr&ngen, damit er nicbt nodi nUberen Einbtick 
in seine bisherige bedenklicbe GescbaftsfUhrung gewinne. Um 



[~. ; 



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64 Sautter 

aeiir — Faveret's — Anseben &u uutergraben, babe Dautzenberg 
an die Mebrzahl der deutechen Postdirektoren im eroberten Lande 
gescbrieben, sie batten nieht nOthig, mit dem franzosiscben Post- 
inspektor in Aacbcn in amtlichen Schriftwecbscl zn treten, da der- 
aelbe in Kurzem in seine frlihere Stellung in Frankreieh zurBck- 
kebreu wcrde. 

Zum Scbluase erklfirt Faveret, er werde seinen Posten nicht 
verlassen, ohne eine bestimmte Anweisung dee Generals, und er 
beLalte aicb aucb dann nocb vor, dem General eine erscbOpfende 
Klarlegung der Rechtsverbaitnisse zu unterbreiten. 

Wenn etwas geeignet war, den jungen, feurigen, aieggekrfinten 

Flibrcr dor Sombre und Maae-Armoc gcgcn Dautzcnborg oiuzu- 
nebmen, so war es der von Faveret ausgeaprochene Verdacht, dass 
Jener im Stillen auf eine Niederlage des franzflsischen Heere* ge- 
reebnot und daranf verbrecherische PlUne gebant babe. 

Es ecbeint auch, class dieser Hinweis auf die wenige Tags 
ap&ter gefallte EnUcbeidung der Mittel-Koinmission in Bonn nicbt 
ohne Einfluee gablteben iat. Znvor veraucbre Dautzenberg sicb 
nochmals mittels einee Gewaltstreicha, der in seiner Auaflihrung 
an die Vorkommnisse weit zurttckliegender Zeiten erinnert, der 
Lfiitung des Posthetriebes 7u bemafihtigen. 

Eb war am Abend des 2. April 1797 gegen 7 Ubr, als der 
Fostbalter von Aachen mit einem schriftlichen Refehie dee Dautzet- 
berg beim Postamte erscbien, demznfolge er die von ihrn bein> 
Postamte ttbernouimeneo Postsacben zuuttebst nacb der Wohnung 
dea General- Postkommissara Dautzenberg zu schaffen habe. Post- 
direktor Vautier, der inzwiacben an Stelle des zum Bezirks-Post- 
inapektor befttrderten Poatdirektors Loiff die Verwaltong dee Aachener 
Postamts Uhernomraen hatte, erklfirte dem Posthalter, der Ex-Ge- 
ueral-Postkommieaar Dautzenberg habe Befeble dieser Art Uber- 
hanpt nicbt mchr zu ertheilen; nacb den bestehenden Vorschriften 
habe jeder Postilion und Postbote naeh Empfangnahtne seiner 
Ladung sicb, ohne bei der W'ohnung eines Privaten auzuhalten, 
auf dem geraden Wege nach dem Orte seiner Bestimmnng zu be- 
geben. Er fordere ihn auf, aich von dieser Vorscbrift nicht zu 
entfernen, indem ev ihn auf die mit einer Nichtbeachtung der- 
selben verknllpften ernsteo Folgen ansdrUcklich binweise. 

Trotz dieser Aumahuuug an den Posthalter acblug der Po- 
stilion, sobald er die PostBacben empfangen hatte, eine dem Orte 
seiner riestimmung entgegengesetzte Richtung ein und fuhr mit 



r. ; 



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Die frsnzoeische PoBt am Niederrhcin etc. 55 

deiu Postkarrio! vor die Wohnung des Dautzenberg. Den Befehl 
des Postdirektors, sofort nmzukebren, Hess der Postilion nnhe- 
achtet Aucb der auf Anordnung des Postdirektors hinter dem 
Wagen herlaufeude Btlreaudiener Rebours fand kein GehBr. Als 
derselbe den Postwagen erreicht hatte, sab er das Fahrzeug von 
3 Beaudeu dea Dautzenberg uuiiiugt. Eiuer derselbeu, welch ci 
bewnffnet war, trat dem die Rllckkehr des Poetwagens fordernden 
Rebonrs nnter Drobungen mit den Worten entgegen, „der Wagen 
habe von dem llause dee General-Postkommissars abzufabien und 
werde nicht zum Postamte zurUkkebren". Rebours mosste sicb 
unverrichteter Sache zum Postamte zurtlckbegeben, der Postwagen 
blicb oinigc Minutcn lang in der GqwaH dor droi Dautzenberg- 
sehen Beam ten, um erst dann nach seinem Besttnimungsorte weiter- 
znfahren. 

Ueber diesen unerhOrten Vorgang wurde im Postamte sofort 
eioe Verbandlung aufgenommen. welchePostdirektor Vantier, Post- 
kontrollenr Nagels, Pcstinspektor Loiff und General- Postinsptktor 
Faverftt nnter/fciphnfttpn. Im Anaoblusse damn sandfo Fareri»t nach 
an demselben Abend ein geharniechtes Schreiben an Dautzenberg, 
worin er demselben nocb einmal Alles vorbielt, was er sicb in der 
letzten Zeit hatte zu Sch olden kommen lassen. „Obwohl dnreb 
die General-Postdirektion m Paris in gesetzlicher Form seines 
Amtes enthoben, correspondire er als Vorgesetzter mit den Post- 
direktoren des Landes. lasse sich durch die Diligencen dieUeber- 
schussgelder der Postanetallen in alter Weise zuscbicken, rtlcke in 
seine Zeitung —den von Dautzenberg redigirteu n Znscbaner tt —fiber 
den Gang der Diligencen Bekanntmachungen ein, die er in seiner 
frtiberen Eigenschaft alp Gcneral-PostkommiBsar unterzeichne, und 
heute sei er sogar dazn geschritten, den Postbalter von Aachen 
znm Ungebor8am gegen die PostbebCrde zu verleiten, indem er ibn 
veranlasBt habc, den Postwagen vor seine Privatwobnnng zu fabren, 
wo er denselben durcb bewaffnete Personen habe zurtickhalten 
lassen. FUr alle diese sebweren Ansscbreituugeu macbe er ibn der 
Regiernng gegenllber verantwortlicb, deren Entsebeidung in der 
sebwebenden Streitfrage er mit Ungednld erwarte." 

Diese Entscheidung traf einige Tage nach diesen Vorgltngen 
end lie h ein. Sie lantete zu Gunsten der Faveret'scben Ansprtiche. 
Die Mittel-Kommission erklarte, dass „Btlrger Faveret bis aaf Wei- 
teres bei der Postdirektion in Aachen diejenigen Funktionen ans- 
znllben habe, womit er dnrch die Verftigung der General- Post- 






, Google 



6« Sautter 

direktion in Paris vom 1. NivSse V. betraut worden sei. Die in 
dicser Verfligung enthaltenen Anordnungen seien genauestens aus- 
zuflibren, namentlicb was die Rechnungsablage durch den bie- 
herigen General-Postkommifisar Dautzenberg anbetreffe, und zwar 
ungeachtet der von dem Ober-General der Sambre- und Maas- 
Armee gptrnffenen Rntscbeidung, wodurch Dautzenberg zur vor- 
laufigen WeiterfUhrunK seiner Funktioaen ermilcbtigt worden sei: 
eine Entscheidung, welche der Ober-General inzwischen zu wider- 
rufen fllr gut befnnden babe". 

Damit war der buaalicbe, in Tb&tlichkeiten ausgeartete Streit 
zwiscben beiden Miinnern beendet; die Doppel-Verwaltung dee 
Postwesens im Lande zwiscben Maas und Rbeiu hatte anfgebttrt. 
Postiuspektor Faveret dankte der Mittel-KommLssion ftlr die zn 
soinen Gunster getroffene EuUcheidung und gab die Versieberung 
a I), dasa er durch rege Pflichterfullung das Vertrauen, welches die 
Kommission in ibn geeetzt babe, zu rechtfertigen sucben werde. 
Vielleicht hatte er diese Versieberung nicbt ausgesprochen, wenn 
er geabnt batte, dass seiner SelbstAndi^keit von dersclben Be- 
borde, welche ihm soeben ibre UnterstUtzung hatto angedeiben 

las sen, Gefabr drohe. Im Scboosse der Mittel-Kotnmission in Bonn 
hutte man, wie es scbeint, aus den Verbandluagcn in der Streit* 
sacbe Dautzenberg contra Faveret die Wicbtigkeit des biaher wenig 
beacbteten Postwesens erkannt und an der Hereinzieburg dieses 
Verwaltungazweigs in den Gesch&ftskreia der Provinzial-Regierung 
Gescbmack get und en. L)en General -Postkomrniasar Dautzenberg, 

dcssen Person in Anbetracbt des Voraugegangeuen nicbt wohl zu 
hnlten war, Itess man fallen, die von demselben verfoebtene Idee 
eines von der Fariser Central- Yerwaltung unabbangiger, der Pro- 
vincial- Verwaltung unterstellten Postwesena griff man dagegen als 
uerthvoll auf und sucbte ibr Leben zu verleihen. Schon nnterra 
30. Germinal V. (19. April 1797), d. s. 14 Tage uach endgaltiger 
Absetzug des Dautzenberg, sprach die Mittel-Kommission in einem 
an Faveret gerichteten Briefe sicb dabin ans, „dafi8. da der Kom- 
mission die Ueberwacbung aller Verwaltungen des eroberteu Lan- 
dcs ttbertragen sei, nattirlich audi die Postverwaltung zu ibrera 
Ressort gebfire". 

Faveret antwortote umgebend, „er b6nao eicb &ciacreoita nur 
auf diese Entscheidung berufen; da er jedoeh niett wisse, welcbe 
Abaichten die franzOsische Regierung in Bezug auf das Postwesen 
im Landc zwiscben Maas, Rhein und Mosel bege, so babe cr der 



r. ..... 



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Die fr&n&osmcbe fort tm Niaderrhein ate. 67 

General-Postdirektion von der Entscheidung der Kommisaion Mit- 
tbeilung gemacbt nud erwarte deren Befeble and diejenigen des 
Finanzminieters a . 

„Es entsprectae im Uebrigen dem Offentlichen Woble and 
deni Intereese des Staatsschatzes, dass er der Kommiasion, wie sie 
es gewunscht habe, liber den Stand des Postwesens im Lande seit 
dem Einmaracbe der franzOsisehen Heere Bericht eratatte und 
daran Verbesserungsvorscblage kniipfe." 

Der nnn folgende Bericht entbftlt eine Keibe von interessan- 
ten Einzelheiten. 

r Nacb Ausweis der von dem Ex-Kcmmissar Dautzenberg ge- 
liefenen£iBeiage habe slch die Gesaromi-Efnnahme aus dem Post- 
wesen vom Einrllcken dex franzttsischen Truppen ab bis zum ver- 
flossenen Monat Niv6se (also wahrend eines Zeitramnes von etwa 
2Yj Jahren) our auf 28$ 630 Livres belaufen, welcber Snmme eiae 
Ausgabe von 219644 Livres gegentiberstehe. Der geringe hier- 

uacb 8ich ergebende L'eberschuss lasse keinen Zweifel dartlber, 
daea man eo niit ochleohter Verwaltuog uod feblcihaftcr Organi- 
sation zn thun habe. Daut2enberg selbst belaste gich aus der Zeit 
seiner eigenen Geschaftsfflbrnng in semen Bdchern niit eiDer Ein- 
nahmc von 76912 Livres nnd weise eine Ausgabe von 52864 
Livres naeh. Den Sollbestand von 24548 Livres babe er — Fa- 

veret — bei Uebercabme der Gescbafte von Dautzenberg in der 
Kasse vorgefnnden ; i ni wiscben habe er aber entdeckt, dass aus 

der Zeit der Dautzenberg'scben Verwaltnng gegen 30000 Livres 
Schulden zn begleicbeu seieu. Das Postwesen sei mitbin bis anf 
den hftntigen Tr$ tnfthr pine Rlirde a\a pin Nntzen ffir den Stnnfe- 

scbatz gewesen. Offenbar liege scblecbte Verwendung der Staats- 
gelder und aucb Verschlendernng derselben vor. Suche man nach 
den Grttnden dieses schlimmen Ergebnisses, bo drange sicb vor 
All em die Wahrnehmung auf, dass ein Mann, der gar keine Kennt- 
nisse vom Postdienst beeessen habe, an die Spitze desselben ge- 
stellt worden sei, und welcber in seiner Stellnng Gepflogenheiten. 
die nnter dem .ancien regime" alien falls ertraglich gewesen 
seien, auch nnter der nenen Verwaltung welter geduldet babe, 
wor&us grosse Missbrftucbe sich herausgebildet hatten. 

Unter der frUbereo Verwaltung habe jeder Postdirektor ein 
nach dem Ertrage des von ihm verwalteten Postamtes bemessenes 
Einkommeu gehabt, welches natUrlich nach den jeweiligen Ein- 
mihmen geschwankt habe. Obwobl nun die kriegerlsehen Ereig- 



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r>H Sautter 

litaae den Briefverkebr stark berabgedrttckt batten, sodas& ein bc- 
traebtlicber Rttckgang der Ein nab men eingetreten sei, batten die 
Postdirektoren ihr frtther festgestelltesEinkommen ungestCrt weiter 
erhoben. In einzelnen Fallen batten sogar die Einnahmen der 
Postanstalten zur Bezahlung der Direktorsgehalter nicbt einmal 
ansgerefcbi, sodass zu diesem Bebufe aucu nocb Ge!dzuscbUs*c 
von der Central-Postkasse hiittcn erbeten werden mUesen ! Eine 
eretannliehe Menge kleiner, zura grfissten Theile nberfltlssiger oder 
scblecht eingericbleter Postdistributionen, gewisse mangelbaft ent- 
worfene Postkurse, namentlich mebrere Diligencen -Verbindungen, 
deren Nutzen in jetziger Zeit zweifelhaft und deren Ergebniss 
gleicb Null gewcaen sei, batten auch dazu bcigctr&gcn, die Ein 
nabrnen aafzuzehren. In einigen Postaratern, namentlicb in dem- 
jenigen zu Kttln, werde der Dienst schlecht gebandhabt und aae 
Grlinden des Privatinteressee eine ttber das Bedurfniss hinans- 
gehende Zabl von Heamten unterhaltea Aus dem Postwesen im 
Lande zwiscben Maas und Rbein liessen sich leidlicb gttnstige Er- 
trttgniBse eraiolen, wenn die Mlingel der Verwaltung ausgemerrt 
wllrden nnd vor allem ein Rechnungswesen eingerichtet wdrde, 
welches die Einnahmen nicht Sanger der Habgier der Beamtcn 
preisg&be. Wie kttnne man auf einen Ueherschugg rechnen, want 
nach dem nach wie vor bestehenden Brauche niemals eine Fest- 
stellung der Tageeeinnahmen der Postanstalten stattfa-nde, Alles 
mehr oder weniger Vertrauenssache sei und es im Belieben des 
Postdirektors stehe, sich Einnahmen zur Last zu scbreiben oder 
nicht Nur dnrch eine grUndliche Umgestaltnng des Postwesens 
nnter Bcseitiguns: der alteins;ewnrzelten Missbrftuche sowohl, als 
auch derjenigen, welche erst in neuester Zeit wahrend des Ueber- 
gangs ans deutscher in franzOsische Veroaltung sich eingeschlieben 
hatten, kOnne die Rcpublik sich eine Einnahme aus diesem Ver- 
waltungszweige sichern. Groase Ucberschueae werde das Post- 
wesen in dem eroberten Gebiete wobl Qberhaupt nicbt abwerfen." 
Bet der General- Postdirektion in Paris scbien man nicht ge- 
neigt, mit der Verwaltnngsbebtfrde des machtigen Generals Hocbe 
einen Streit Uber die beiderseitige ZuBtaudigkeit anzufangea Man 
erhob daber gegen den Anspruch der Mittel-Kom mission in Bonn, 
in Fostangelegenheiten mitreden zn wollen, keinen Kinwand und 
liess sicb, wenn auch mit saurer Miene, die Bonner Nebenver- 
waltung gefallen, obwohl die Unzutraglichkeit dieses Zustandes 
klar zu Tage lag. 



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Hip frf>n*£*tselie P*>«t am Niedervtiein etc. 5*> 

Gleicb die erste Verftlgang, welohe die Miltel-Kommiesion in 
Bonn in Postangelegenheiten traf, war sowohl vom Standpunkte 
der techniechen Verwaltung. aus, als ancb von demjenigen der 
franzcsiseheB Folitik, zweifellos ein Fehler. Es handelte sich urn* 
den Anspruch der Wittwe Heinsberg in Aachen, welche ooter der 
frOheren Reiehs-Postverwaltung auf Grand eines Vertragg das Post- 

amt in Aachen itn Besitz gehabt hatte. Diese schon bejahrte 
Frau war beira Vonticken der Sambre- und Maas-Armee gegen 
die dentacbe Grenze rait ihren Angehttrigen tiber den Rhein ge- 
flttcbtet Nach der franzOsischen Rechtsauftassung jener Zeit war 
sie sonait als ausgewandert nnd ibres Amtes ohne Weiteres ate 
rerlnstig zu eraehten. Die franzosiscbe Verwaltnng beeilte 8icb r 
das wichtige Postamt Aachen in die Hande eines treu gesinnter* 
Republikaners, des Postdirektors Loiff, zu legen, der, wie oben 
erwabnt, inzwischen von der General-Postdirektion in Paris zum. 
Bezirks Poetinspektor ernannt und in der Verwaltnng de« Post- 
amts Aachen durcb einen Franzosen, den Postdirektor Vautier 
aus Maeaeyck, eraetzt woideu war. Nacbdeiu die YerbaUuibsc in* 
Lande rnhiger geworden waren, kebrte die Wittwe Heinsberg roit 
Genehmigung des Vclksvertreters bei der Nord-, Sambre- und 
Maas-Arniee, Roberjot, nacb einer Abwesenheit von uber 2Jahrei> 
nacb Aacben zartick und betrieb die Wiedereinfietznng in ibr Amt r 
indent sie sowobl bei dem Finanzminister in Paris, als ancb bel 

der Mittol Kommieeiou id Bonn dieecrhalb v ore toll ig wurde. Si©- 
stlltzte ihren Angpruch namentlicb darauf, dass man sie anstands- 
loa in den Wiederbesitz ihrer Liegenscbaften babe treten lasseu 
und dass daher kein Grand vorlUge, ibr die Postdirektorstelle ia 
Aachen, welche sie seiner Zeit fHr 21000 Livres in baaretn Gelde 
von der Reiehs-Postverwaltung erkauft habe, und welche einen 
Theil ihras VermttgAnah«abindf>fl ansmarhe, nneh IHnger vorznent- 

halten. 

Postinspektor Faveret, von Paris aus zum Rericht Uber die 
Eingabe der Wittwe Heinsberg aufgefordert, sprach sich rait Ent- 
scbiedenheit gegen die Wiedereinsetzung der Bittstellerin ans. Da 
er nicht ohne Grund argwBbnte, dass man in Bonn dem Ansprucb 
der Wittwe gUnstiger gesinnt sein mflchte, theilte er der Mittel- 
Kommission un aufgefordert die schwercn Bedenken rait, welche 
uach seiner Ansicbt gegen die Erftillnng des Gesuchs obwalteten. 
Zuni&cbst stehe dem Ansprucbe der Artikel 21 der .Menseben- 
rechte" (Droits de l'homme) entgegen, welcber bestimme, „dass em 



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€0 Sautter 

-tiffentlicbes Amt niemals das Eigentbum desjenigen geic kann, 
der 68 inne hat'. Dana sei es vom dienstlichen Standpnnkte ans 
ausserst bedenklicb, einer alten Dame, welche vom Postdienst 
Uberbaupt nicbts verstebe nod in Folge dessen geuOtbigt sei, sich 
in der Wahrnehmung ibrer Pfliebten durch dritte Personen ver- 
ireten zu lassen, einen so wicbtigen Fosten anzuvertrauen. Ihr 
frUheres hohes Diensteinkommen von 10—12000 Livres jahrlicb 
kfinne ihr nack den nnnmebr eingeftihrten franztisischen Ver- 
ivaltuugsvorschriften nicht inehr wiedergewahrt werden; das Ge- 
halt dee Po&tdirektors von Aachen betrage beute 1500 Livres, 
womit die Wittwe Heinsberg nicht einmal die Kosten fllr die von 

ibx za unterhaltendcn Gckret&re an beotrcitcu im Btande sei. Ei 
kttnne nicht glauben, dass es die Absicht der Regierung sei, einen 
Thei! der um zwei Drittel gesunkenen Einnahmen des Postamts 
Aachen za opfern, uin der Dircktorin ein Gehalt in der frHhercn 
Httlie gewahren zu kdnnen. Das wlirde der Ftlrst von Tburn und 

Taxis bei einem Eianabtne-RUckgang, wie ibn die Kriegs-Ereig- 
nieee zur Folge gehabt batten, &ueh nicht gethan haben. Dae 

Foslarnt Aacben befinde sich jetzt in vertrauenswurdigen franzo*- 
aischen Handen, werde nach franztisischeni Muster verwaltet, seine 
Einnahrne sei nach franzttsiseher Redlinings met bode niehergestellt 

Im gegenwartigen Angenblicke, da man im Begriffe stetae, 
von Aacben aus die Verbindaog tnit den Postanstalten im Innern 
der Republik anzubabnen nod die Postanstalten im Lande zwischen 
Bhein und Maas unter einlieitliche franzOsische Verwaltung zn 
bringen, werde es von gitiestem Nachtheil sein v wenn man den 
jetzigen znveriassigen Direktor dnrch die ehemalige Amtsvorsteherin 
ersetzc, die scbon in frttberen Zeiten sich wenig mit ihrem Amte 
beschaftigt nnd dasselbe nur als Einnahmeqnelle betraclitet habe. 
Und scbliesslicb ! Sei es denn gerechtfertigt, einer Person ein so 
bedentendes Amt anznvertrauen, die aus privaten Grttnden viel- 
leiclit noch vie! zu sehr an ibrer ehemaligen Regierung hange?' 

In Bonn war man far diese wobl eroogenen Vorschlage son- 
derbarer Weise ganz unzugiinglich; man verfUgte, obne sich am 
die Ansichten der General-Postdirektion in Paris in der Sacbe zu 
kttmmern, die Wiedereinsetzung der Wittwe Heinsberg als Direk- 
torin des Postamts Aacben. 

Der von dieser Entscheidung benachrichtigten General-Post- 
direktion in Paris erdbrigte nur, nachdem eie sich die Neben- 
Verwaltung der Bonner Mittel-Kommission einmal hatte gefallen 



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Die franzosiBche Post am Niederrhein etc. 61 

lassen, gute Miene zura bosen Spiel zu macben und den Post- 
direktor Yauticr, sowie seinen Vertreter, Postkontrolleur Nagels, 
von Aachen abzuberufen. Beide Beamte wurden zum Postamte in 
Maeseyck zurUckversetat, wo sich dieselben bereits frllher in Thatip;- 
keit befunden batten. 

Andererseits fragte die General- Postdirektion in Paris auch 
nicht nach der Ansicbt der Bonner RegierungsbehOrde, sobald es 
sich urn eine bei ihr erbetene Entscheidung in Postangelegenheiten 
handelte. 

Der frtibere Gcneral-Postkommissar Dautzenberg hatte sich, 
bald nacbdem die Mittel-Kommission in Bonn Beine endgtiltige 
Ab&euuug vcrfUgt hatte, tax die Oeueral-Fostdirektion in Paris ruit 
deto Ereuchen gewandt, ibm ein Zengniss liber seine bisherige 
Verwaltungsth&tigkeit auszustellen und ihm far sich und Beine 
Sekretare die Gehaltabcztige bis znrn Tage seiner Entlaasang durch 
die Mittel-Kommission anweisen zu lassen. Er erhielt die kilhle 
Antwort, dass die General-Postdirektion vor endgaltiger Feststellung 
der von ihm abgclegten Roobnnog gar nicht in der Lege act, eioh 
darllber auszusprechen, ob er das ihm provisorisch Ubertragene Amt 
gat oder schlecbt verwaltet habe. Die von ihm geforderten Ge- 
haltsbezHge kBnnten zur Zahlung nicht angewieeen werden, weil 
er sich damals nebet seinen frtiheren Mitarbeitern thatsachlicl gar 
nicht mehr im Dicnste befunden habe. 

Zu gleieher Zeifc erging eine VerfUgnng an den Post insnek tor 
Faveret deB Inhalts, dass dern frtlheren General-Postkommissar 
Dantzenberg und seinen Beamten das Gebalt nur bis zu dent Tage 
zu zahien sei, an welchem Faveret, als Abgesandfer der obersten 
PostbebOrde, in Aacben eingetrorTen sei und im Kamen dersclben 
die Leitung des Postwesens tibernommen habe, nieht aber bis zu 
dem spateren Zeitpunkte, an welchem seitens der Mittel-Kommission 
in Bonn Dantzenberg als abgesetzt erklaxt worden sei. Auch 
Reisekosten seien nur insoweit zu erstatten, als die Reisen im 
dienstlichen Interesse vor der Uebernahme der Geschafte durcb 
Faveret von dem Ex-Kommissar seiner Zeit nntcrnommen worden 
seien. Damit war aasgesproehen, dass die oberste Postbehttrde 
die durcb die Mittel-Kommission in Bonn verfflgte Atntseuthebong 
des Dantzenberg als bedeutnngslos ansab, dagegen als rechtsver- 

bindlichen Zeitpunkt ftlr die Aufltfsnng des Dienstverhaltnisses 
lediglich den Tag eracbtete, an welchem ihr Kommiasarius Faveret 
dem Dantzenberg das Amt abgenoromen hatte. 



vGoqgle 



4® Sautter 

Ala Dautzenberg stch dim nacb Boon wandte und nachzu- 
weisen sucbte, class er zum Gehaltsbezuge bis zu deni Tage, au 
welchetn die Mittcl-Kommiesion seine Anitsenthebung verfflgt babe, 
fcerechtigt sei, gab der von der Bonner Bebttrde zmn Bericlit auf- 
geforderte Faverefc die Erklarung ab, dass die General-Postdirektion 
in dipRPr Angplpgpnheit bereit& eine ablehnende Entscbeidnng g*>- 
fallt und ibm sein Verhalten gegenuber den unbegrdndeten An- 
sprtlcbeu des Dautzenberg vorgeachrieben babe. 

Hier lag also der nmgekebrte Fall vor, dass die Pariser 
Centralbebtfrde der Bonner ProvinzialbebOrde zuvorgekommen war 
und dieser die Mogltcbkeit abgeschnitten hatte, auf die an eie ge- 
ricbtete Eingabe eine Entscheidung zq fallen. 

Selbstrerstandlicb konnte dieses Neben- and Gegeneinander- 
Eegieren der beideu Bebiirden filr den Postdienst nicbt forderlich 
sein. Die Stellung des Poslebefs in Aacben war dadurcb unge- 
mein erschwert. Dies schcint man in Paris aucb rascb erkannt 
und deingemass den Versuch, das Postwesen im Lande zwischen 
Kheiu und Maa* der Central-Verwaltung des franztteiscben Post- 
wesen* unterzuordnen und mit diesem zu einem einheitlichen 

O&nzeu zu verschmelzen, vorlaufig als geseheitert betrachtet zu 
haben. Postinspektor Faveret wurde durch die General - Post- 
direktion mit Zustimmung des Finanzministers aus seiner Zwitter- 
stellung abberufen und nacb Brllssel zuruckversetet behufe Ueber- 
nabme der Verwaltung dee Postwesene in dem eroberten Bclgien, 
welche er bereits vor seiner Entsendung nacta Aachen gefllbrt 
batte. Die Abberufung wurde ihm schon einige Tage zuvor an- 
gekdndigt, sodass er nocb in der Lage war, der Mittel-Kommission 
in Bonn einen Nacbtolger fur sich und zugleicb einige anderweite 
Ernennungen vorzuscblagen. Zu seinem Nachfolger empfabl er 
dringend den Bezirks-Postinspektor Loiff aus Aacben. welcber ver- 
mttge seiner Keimlnist) beider Bpracbeu, seiner zweij&brigec TbHiig- 
keit beim Postamte in Aacben, seiner grossen Vertrautbeit mit 
<letn Abrechnungswesen bei alien Postamtern des Landes und bei 
der allgemeinen Acbtung, deren er sicb erfreue, der eiozige Mann 
sei, welchem das Amt des Postchefs mit vollem Vertrauen iiber- 
tragen werden kenne. 

Zum Poetkontrollour in Aacben eoblug Faverot den bisbcrigon 
PostsekreUr Leers (Commig aux affrancbissements), einen ans der 
frliberen Reicbs-Postverwaltung herstammenden Beamten, und an 
deesen Stelle den bisber im Bureau der Poetiuspektion bescb&f- 



r. .... 



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Die frauzusische Post am Niedorplieiu eto. (S3 

tigten Postsekretftr Schiffera vor. Diese Vorscblage begrtindete 
Faveret rait der — von ihm vorausgesagten — traurigen Ver- 
fassnog, iu welcbe das Postamt Aachen durcb die Wiedereiu- 
sctzung der Wittwe Heinsberg als Voreteherin gerathen sei. Frau 
Heinsberg, cles Dienstes vOHig unkundig, lasee das Amt durch 
ibrcn blutjungen uneri'ahrencn Sobn verwaltco, der aich dabei auf 
semen alten Lehrer sttttze, welcher jedocb vom Postdienste aucb 
nichte verstebe. Diese beiden Vorstandspersonen seien nocb aicbt 
einmal iin Stande, die ankouimcndcn Briefe rich tig auszutaxircn. 
Wena nicht Postinspektor Loiff, rait demselben Eifer, der ibn 
frtlher als Poatdirektor vod Aachen beseelt babe, aich zugleicb urn 
die Verwultnng "des Aaoberier Postamts fc Urn-mare, ware die Fort- 
setzung der Amtsleitung durch die Wittwe Heinsberg und ihren 
Sobn ganz unmoglich. 

Obwohl der Mittel-KommiBgion in Ronn die Sehildernng Fa- 
verets von den Folgen des Miaagrifffc, den sie mit der Wieder- 
etnsetzung der Wittwe Heinsberg begangen batte, nicht gerade 
angenehm in den Ohren geklungen haben mag, so war sie docb 
einstchtsvoll und vorurtheilsfrei genug, seine n praktiachen Rath 
zu erkennen und zu beherzigen. Sie theilte ibni daber urogehend 
mit, dasa sie seine sammtlichen Vorechlage gnt geheissen und 
deroenteprecbend verfttgt babe, woranf Postinspektor Faveret in 
einem Scbreiben vom 18. Prairial V (6. Jnni 1797) als letzte amt- 
Hcbe Knadgebung vor seiner Abreise nach Briiseel „seinen Dank 
flir diesen Beweis des Vertrauens, sowie sein Bedanern dartlber 
aussprach, class wfthrend der kurzen Zeit seiner amtlicben Tbfitig- 
keit in Aachen die Umatande derail gewesen seien, dass er nicbta 
babe than krjnnen, sich dieses Vertrauen zn verdienen". 

Am 1. Messidor V (19. Juni 1797) vollzog die Mittel-Kom- 
miasion die Ernennung Loiffs zutn General - Postinspektor. Das 
Dekret lautete : 

I 

Dem Btirger Loiff, der bereits zuvor von der Genoral-Admini- 
atration zn Paris znm Inapectenr emannt word en, wird hiormit die 
General -Inspection der Posten der eroberten Laade zwischen Haas und 
Rhein und Mosel anvertraut and Ubertragen. 

II. 

Dereelbe soil onverzUglicb aammtliehe i'oatamter dieses Landes 
bereisec,' and zur Hebung und Abechaffung der beetehenden HiBBbr&uche 
Bowohl, als zur Siclieretellnng der Komptabilit&t nnd des Dienstes 
fiberhanpt, in Gemassheit der ihm ertheilten Tnetructicnen die nofchigea 
Vorkehnragen veranstalten. 



r. ; 



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B4 • Sautter 

III. 
Er aoll ein Verzeicbniss aller Employirten and Penaionirten, 

welche Rich dermalcn in den respektiven l'oatamtern lefinden, auf- 
atellen, Uber die innere Einrichiung und GefichaTtRfiihrung genate 
KenntnisR nehnien, nnd nach vollendeten Operationen der Mittel-Com- 
noisaicD eeiiien General-Rapport Ubermachen, demit diced be demnach 
die weiteren Verfagungen treffen kcnne, welche zum Wohle deB Diensten 
erforderlich Bind. 

IV. 
Von gegenwaxtigem Bescblusse Boll dem General- Inapecteur, 

Blirger Loiff, eice Auefertigang zugeBtellt werden, Dm dexnnacL uu 

deBBen schleemger and genaner Vollzielinng die erforderlichen Mass- 
regeln nehxnen zu konnen. 

Blite, Fr&eident, Berdot, Gen.-Secrt 

Diese Erncnnung gescbah ganz ohne Mitwirkung der Pariser 
Centralbehttrde. Der neue Verwaltnngschef erhielt sogar noch die 
ausdrllcklicbe Weisung, dass er in den Angelegenbeiten seines 
Resscrts an die Mittel - Koromiasion in Bonn zn berichten babe, 
woraus deutlich hervorgeht, dass man in Bono nicbt gesonnen 
war, die General-Postdirektion in Paris in den Postangelegenheiten 
des eroberten Landes noch temer mitred en zu lassen. 

Loiff nuliro den Titel an: Inspecteur des Postes da Pays 
conquis entre Mense et Rhin et Moselle. 

Die Wah], welche die Mittel-Kommission getroffen hatte, war 
vom Standpunkte der franzosischen Iuteressen aus als eine glttck- 
liche zn bezeichnen, denn sie war nicht allein auf einen im Post- 
wesen wohl bewanderten mchtlgen VerwaltDEgsbeamten, eondum 
auch anf einen tiberzeugungstreaen Republikaner gefallen, welcher 
der franztfsiscben Sache tief ergeben war. 

Die tsrste organiaaturische MassrGgcl dee acucu Veiwnltuoga- 
chefs bestand in einem energischen Schritt zur Einschrankung der 
Portofreiheiten, die so tiberband genommen batten, dass sie einen 
crhcblichen Theil der Pcetcinnahmcn zu vcrechlingon drohtcn. 
Unter der alten Reichspost batten alle Staats- nnd Gemeindebe- 
bOrden und zahlreiche geistliche nnd weltliche Kflrperechaften das 
Rccht der portofreien Be&rderung ibrer Briefe in Aneprucb ge- 
nnrnmen, nnd /.war ofane Rtlcksicht daranf, ob die betreffeikden 
Sendnngen an die BehOrden oder deren Mitglieder perstfnlich ge- 
riehtttt waren. Gleicb nach dem Einrtioken der frftnzttaiaeben 

Heere schoben die franzOsischen Volksvertreter nnd Regierunps- 
koramissare diesem Unfug dadurch einen Riegel vor, dass sie die 
portofreie Beffcrderung der Briefe anf den amtliehen Schriftwechael 



r. ; 



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Die franzcHiBche Pott am Niederrhein eta 6& 

der Central -Verwaltung in Aachen, die Bezirksverwaltungen und 
die bei diesen Verwaltungen eingesetzten Kommissare (Agents na- 
tional)*) beschrankten. Alle tthrigen Behorden und KOrperschaftec 
mussten fbr ibre Briefe das voile tarifmassige Porto entricbten. 

Als nun das raehrerwahnte Rehabilitationsdekret des Generals 
llocbe ersckicu, nabuien alle wiedei eiugG&etztcn fruheien Ma- 
gistrate und Landesbehbrden das Recht der portofreien Brief- 
beftrderung fllr sich in Ansprucb und verweigerten die Entricktnng 
der tod den Postatntem in Ansatz gebrachten Portobetrage. Die 
missbrauehliche Ausnntzung des Privilegs der Portofreiheit wucberte 
Uppig empor. General-Postinspektor Loiff erwirkte daher bei der 
Mitt«l - Kommieeion in Bonn ein Dekret, wonaoh Portofreiheit our 
oocb fUr alle an die franzOsischen Kommissare bei den Landes- 
verwaltuugen gericbteten Dieustsendungen und flir die von der 
Mittel-Kommission in Bonn herrtihrenden, an StaatabehSrden, Ma- 
gistrate und andere Kflrperschaften gerichteten Sendungen, soweit 
sic unter dem Dienstaiegel der Mittel-Kommission versandt wur- 
den, fortnn zu^estanden war. Persrtnlieh adressirte Rendnngen 
sollten der vollen Portozahlung unterliegen. Hiermit war der 
Rahmen fiir die Ausnntzung der Portofreibcit noch enger gczogcn, 
als vor der Ver8ffentlichung.des Rehabilitations -Dekrets des Ge- 
nerals Hocbe. 

Eine weitere erspriessliche Verwaltnngsmassregel des General- 
Postinspektors bestand in der Regelnng der viel umstrittenen Frage 
der Einquartiernngs- nnd Steuerfreibeit der Postbeamten seines 
Bezirks. Auf diesem Gebiete herrschte vfillige Unklarbeit. Die 

Beamten der kaiserlichen Reicbs-PostUroter sowie die kaiserlicben 
Post halter genossen bekanntlich Befreiung von Kriegs- und Ein- 
quartierungslasten und Abgaben verschiedener Art auf Grund der 
dieserhalb ergangenen kaiserliohen Erlasee, insbesondere des Aller- 
hochsten Patents d. d. Wien, 28. November I7b8. Es lag auf der 
Hand, dass diese Vorreckte, die sogenauuten B Reservatrechte der 
Postbeamten", zu einer Zeit, da das Rheinland mit grossen Heeres- 
massen belegt war and Einquartiernagen, Kriegskontributionen und 
Requisitionen an der Tagesordnung waren, besondera hoben Wertb 
hatten, und es ist daher wobl zu begreifen, dass die Postbeamten 
sich eiirig bemuhten, ibre alteu Priviiegien in die neue Zeit bin- 
iiberzaretten. la Frankreicb waren derartige Befreiungcn der Post- 
beamten von Kriegs- und Steuerlasten unbekannt Die franzifei* 
scheo Macbthaber itn Rbeinlande standen daber vor einer ibuen 

Annalep dot M»t Veroiua LXV. f> 



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m Sautter 

neuen und ungewohnten Einrichtung. Die F^ntscheidungen, welche 
sie auf die i linen vorgelegten Gesucbe um Aufrechterbaltung dieser 
alien Vorrectate trafen, fielen demgeroass sehr verschieden aus. 

Die erste den Ansprttchen der Postbeamten glinstige Ent- 
sebeidnng in der schwebenden Frage faille die Aacbeoer Central- 
Verw&ltoug uiit Zastiuimung des Yolknvertreters Peres uuter deiu 
22. Kivose III (11. Janaar 1795). Sie lautete dabin, n dass die 
Hauser der Postdirektoren, wie tlberhaupt aller Inhaber von uffeut- 
lichen Kassen, keine EinquartieruDg mehr erhalten sollten 1 . Am 
4. Germinal III (24. Mftrz 1795) beschloss die Central-Verwaltang, 
„dass alle Postanstalten des Landes zwischen Rhein und Maas 
voo alien Reqnisitionen an Futter, Vieh und Fubron Detroit eein 
fiolllen*. Noeb einen Schritt weiter ging der Volksvertreter Mey- 
nard in seicem nach Anhernng der Aacbener Ceatral-Verwaltung 
nnd des General-PostkommissarB Daatzeaberg am 26. Brumaire IV 
(17. November 1795) gegeberen Erlasse, welcber im § 7 bestimmte, 
dass aacb die Poatbalter Befreiung von Einquartierung, wie 
von jeder Reqninition nrier I.pUtnnp; 7.n gfiniesnen hUtten. 

AU die Postbeamten und Posttaalter anf Grand dieser Ver- 
ordnungen von den Magistraten der St&dte Befreiung von Ein- 
quartierungs- und soustigen Lasten in Anspruch nahmen, stiessen 
sie auf Widerstand. Narueutlicb der Ratb der Stadt Kdln, vrel- 
cher den Reservatrechten der Postbeamten von jeher wenig ge- 
neifft war, machte Seta wierigkei ten, vrobei er der Zustiromung der 
Militarbebrjrden begegnete, die rem Standpunkte der milit&nechen 
Interessen ana derartige Ausnahmen zu Gnnsten Einzelner fiber- 
haupt ungern sahen. 

Die erste Zurtlckweisung erfubr Postdirektor Krever, als er 
am 23. April 1796 von dera Kolner Magistrat Befreiung seiner Be- 
amten von den n Scbauzarbeiten u outer der BegrUndung verlangte, 
„die Postbeamten kttnnten nicht auf zweierlei Weise der Repnblik 
dieuen and sollten anch kein Geld far einzustellende Ers&tzleute 
trageo*. 

Der Magistrat wies das Ansinnen kurz ab. 

Postdirektor Kreyer beschwerte Bich dartlber beim Platzkotn- 
mandanten, General Georgeon, welchen er bat, er mbge doch daa 
alte Privileg der Postbeamten wieder bersteilen. Der General 
ltess sicb von dem Magistrat fiber die Begrundnng des erbobenen 
Ansprucbs Bericht erstatten, welcher nattlrlich sehr zu Ungnnsten 
der von dem Gesuchsteller vorgetragenen Wtinsehe ausfiel: n Das 






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Die fraczosische Pott am Niederrhein etc. 67 

Prmieg babe allerdings frflher bestanden — so fHbrte der Ma- 
gistrat ans — , indessen babe es jetzt nnter der ncnen Ordnnng 
*ter Dinge docb anfgebtiri Ohnehin seien die Postbeamten hesser 
in der Lagc, Kriegslasten zu tragen mid Einquartierung zn beber- 
bergen, als viele verarmte Haushaitungen der Stadt." General 
•Georgeon liess darauf dem Magistrat aagen, dass er mtt ibm eiuer 
Meinnng sei. 

Auch der Fuhrunternehmer Langen, der in seiner Eigenschaft 
als „Direktor der Diligence von Koln nach Aacben Uber Dnren". 
nm Befreinng von Einquartierung nacbsuchte, wnrde abgewiesen. 
Das Gleiche widerfnhr dem vormaligen prensgiscben Poathalter 
Speyoiaun lu KDIu. Auf setue BegrUuduug, dass er „Gelder der 
Republik in seinem Hause verwabre", erhielt er zur Antwort, er 
konne ja die Soldaten aof seine Kosten ansqnartieren. 

Eine Vorstellung des General-Tostkouamissars Dantzenberg in 
Aachen, welcher dem Ktflner Magistrate sehrieb, das Briefpostamt 
zu Koto nnd die beiden Kondukteure des KOln-Aacbener Post- 

wagens beeebworton siob Ubor Einqaartiorungslaston and Hornn- 
ziebnng zn personlichen Frobndiensten bezw. Bezahlnng als Est* 
gelt fQr Schauzarbeiten, hatte gleicbfaUs nicbt dec gewQnscbten 
Erfolg. Wie wobl Dautzenberg bervorbob, dass die Belastnng der 
Postbeamten den Absichten der Regierung nicbt entsprecbe, blieb 
<ler Magistral hartn&ckig bei seiner Weigerung. Er willigte scbliess- 
lieb pin, ,,Hftfld diePoatlconrlnkt.enre von der Einqnurtierting befreit 
werden sollten, von den Beitragen zu den Scbanzarbeiten aber 
nicht u . Den Postbeamten im Allgemeinen bOnnte eine Befreiung 
tou den Kriegslasten nicbt zugestanden werden. nm Bern fun gen 
femzubalten; es sei aucb nicht zu^verantwortcn, gerade die Post- 
beamten, deren Besoldung doeh immer gezablt werde, — ein Vor- 
theil, welcben so wenige andere Beamten gentfssen! — davon frei 
zu lasaen. 

Selbst einem Ersuchen des Kommandanten von Kbln, des 
Brigade-Generals Jacobs Trigny gegenBber, der das Haus, woselbst 
■der DUsseldorfer Postw&gen abgefertigt wnrde, von der Einquar- 
tierungslast befreit zu sehen wrJnschte nnd besonders betonte, ff dass 
der Unternebmer dieses Postwagens die Efiekten der Bepablik 
kosten frei befSrdere", vertrat der Ktflner Magistral seinen ableh- 
nenden Standpunkt. Er macbte geltend, dass dieser Postfnbr- 
cntercebmer gleiebzeitig Gastwirtb sei, uud dass die Befreinng 
desselben von der Einquartierung anch andere Unternehmer zu 



r. ; 



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68 Bautter 

gleicben Ansprttcben veranlassen werde, worauf General Trigny im 
Anerkennnng der Bereebtigung dieser Grttnde sein Begehren so- 
fort zorttckzog. 

Hiernach blieben die BeechlUese der Volkevertreter nnd der 
Aachener Central-Verwaltung, welche den Postbeamtea and Post- 

h altera Befreinng tod EinquarticruDgalaeton etc utaicbero oollteo, 
ein todter Bucbstabe, indent die Magistrate der St&dte, sntersttttzt 
darch die hcberen MilitarbehOrden, 8ie einfach nnaasgeftthrt Hessen. 
General- Postinspektor Loir? erkanntc bald, dae8 dae Privile- 
ginm der Postbeamten in dem weiten Umfange, wie die BesehlHsse 

der Volksvertreter daeselbe wieder bergestellt batten, dem Wtder- 
stande der stUdtiechcn Bebtfrden gegenUber nicbt aufreeht zu er- 
balten sei, nnd bemtitate sieb daber, das Vorrecbt in einem be- 
ecbrankteren, den Rficksichten der Billigkeit mebr eatsprechenden 
Rahmen, durch einen Besehluss der Mittel-Kommiselon in Bonn 
nen festznlegen. Sein Vorechlag ging datain, dass das eigent- 
liche Dieneteinkommen der Postbeamten vbMlig abgabenfrei sein- 
solle, wabrend die den Postbeamten ans etwaigem PrivatvermBg^u, 
Nebentimtern, Grundbesitz oder irgend einem gewinnbringenden 
Gcschaftehetrieb znfiieesenden Einnahmen ebenso zn bestenern 
seien, wie bei jedem anderen Blirger. Dieser Gedanke fand den 
Beifail der Bonner Kommiseion nnd fUbrte zn dem Erlaaae vom 
10. Brumaire VI (81. Oktober 179?), dnrcb welchen die BesehlUsse 
der Volksvertreter vom 22. KivCse III und 26. Brumaire IV fol- 
gendermassen abgeandert warden : 

„Iu Erwggang, daes — wens ee einerseita gerecbt ist, daas- 
Lasten nnd Abgaben dnrch alle Einwohner nach Maaaeabe ibrer Krafte 
getr&gen werden nnd dieaem Grnrdsatze gemlUa alle Beamten nnd 
Bedienateteii der Postverwaltung, welche nelen ihrein Amte Grnnd- 
eigenthum besitzen, oder ein Geacbaft oder Nebenamt ausiiben, ir dieser 

Eiganechaft, wi© <!te nnd or on Blirger sm den offer. Uioh«n Losttn b«i- 

sieucrn mUeeer - — es andereraeits nngerecht sein wiirde, hierza auch. 
diejenigen Poatbeamten heranzn Ziehen, welche ala alleinige Einnabrne- 
qutlle ibr Amt haben f deaaen Ertrag ao bemeeaen iet, daae er gerade- 
zor Lebensnothdnrft ansrekht, so daes im Falle einer Verminderung 
dieaea Ertraga durch irgend eine Besteuernng die Beamten gezwnngen 
werden wiirden, ihr Amt anfzngeben: 

bescbliesat 
die Mittel-Commiaaion 

Art. 1. 

Alio Benin leu und BedienBtete der PoBtverwaltung, welche neben 
ihrem Amte Grandeigentham beaitzen, ein Geschfift betreiben, oder em 



r. .... 



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Dae frannoaioclic Poet am NiodcrrLoin etc, €0 

^ebecamt ansliben 7 werden nacb Maesgabe der ihncn hierane crwacL- 
seuden Einnahmen wie die aaderen Biirger angebalten, aach Kr&ften 
za den ofTent.Hchen Lasten nnd Abgaben beiznstenern. 

Artikel 2. 

Diejenigen der genannten Beam tun nnd BedienBteten dagegen, 
welcbe kerne andere biilfequelle ale ibr Ami and die hiermit ver- 
bundene Einnabme besitzen, word en ale befreit von den offentliclien 
Lasten und Abgaben erklart. 

Dnrcb diesen Erlass war vou dem alten Privilegium der Post- 
beamten noch 80 viel gerettet, als nnter den nenen VerhaRmssen 
aufrecht zu erhalten war, nnd zngleicb die Uobilligkeit beseitigt, 
dass die Posthalter, welcbe neben dem eigentliclien Postfufarge- 
sehaft in der Hegel ninfangreicbe NehengesctaHfte, Landwirthscbaft 
u. s. w. betrieben, bisher ftir ibren geaaramten Gewerbebetrieb Be- 
freiung von Lasten und Abgaben beansprucben konnten. 

Zur selben Zeit, als dieee Verordnung erlasaen wurde, trat 
in dem politiscben Scbicksal der Kbeinlande eine entscbeidende 
Yfcudaug eiu. 

Dera milderen Regimen te des am 18. September 1797 za 
Wetzlar vom Tode ereilten Generals Hoche folgte das strengere 
des Generals Augerean, der am 29. Oktober 1797 1 ) seinen feier- 
licben Einzng in Kttln hielt nnd seine Verwaltnngsthatigkeit da- 
mit begann, dass er von alien Beamten innerbalb 8 Tagen die 

Ablcgung dee rcpublikaniacbcn Eidce fordcrto. Die Eidcsrcr- 
weigerung war mit Ahsetzung bedrobt Zahlreiohe Eidesverweige- 
rungen nnd demnactaetige Ahsetzungen waren die Folge dieses 
Vorgchens. Ee let nicbt bekannt, oh miter den Beamten, wclehe 
Jamais den Eidscbwur far die franzttsiscbe Repnblik verweigerten 
-and demzufolge ibrer Aemter verlastig gingen, sicb aucfa Post- 
-beamte befimdon baben. Zwei Jahre spater let allerdings der 
Fall vorgefcommen, dass ein beim Postamte in Aacben angestellter 
Brieftrager, welcher sicb geweigert batte, den Eid ,dee Hassea 
gegen das Kttnigthum nnd gegen die Anarehie* (aerment de name 
a la royant6 et a I'anarcbie) zu scbwOren, auf Befebl des franzO- 
sischeu Regierungs-Kommissare in Mainz ana dem Amte entlaseen 
worden iat 

Die Verwaltung des Generals Angereau dauerte nur wenige 



1) v. Mering, Geschiebte der Stadt Kola. Kdln 1840. IV, 281. 
E n n e a , Zeitbildcr, 201. 



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70 Sautter 

Wochen, indera das Direktorium in Paris, der militarischen Re- 
gierung des Rbeinlandes Uberdrtissig, bescbloss, die eigentlicheYer- 
waitung in die H&nde einee Civil-Komrniesara zu legen. Hicrzn 
wurde am 4. November 1797 der Richter am Pariser Kassations- 
hofe lladler 1 ), ein geborener Elsfisser, auserwahlt, der den A uf trap 
orhiclt, in dem eroberten Land© die fVanzttsteobe DepartementB- 

Emtbeilung einznftihren, die revolutionUre Gesetzgebung zu ?er- 
klinden and die gesammte Verwaltnng rUcksichlslos nacb franzti- 
sischero Master umzugestHlten. 

Da88 das Rtaeinland nocb gar nicht an Frankreicb abgetreten 
war, kUmmerte das Direktorium in Paris wenig. Man batte ja 
das Wort des Kaisers in HHnden 8 ), dass das ganze linke Rbein- 
ufer an Frankreicb fallen solle. Obne Rtlcksicbt auf die Scbeiu- 
verhandlungen des Kongresses zu Rastatt echritt man daher aa8 

Wert 

Der neue mil der Gesetzgebnngsbeiugniss bekleidete Regie- 
rnngs-Kommissar fUr das Rheinland (Conimissaire dn Gouvernemeut 

dans les pays eonquis de la rive ganebe dn Rhin) traf am 5. De- 
cember 1797 8 } nnter feierlicbem Empfang in Koln ein, von wo er 
naeb einem Aufenthalt von nur einem Tage naob Boon wetter- 
reiste, nm sicb bei der daselbst bestebenden VerwaltnngshehOrde, 
der oft genannten Mittel-Kommission, welehe sich aher inzwiscben 
in eine „R£gie nationale de ia Rgpnblique francaiBe* 1 verwandelt 
batte, Uber die Lage der Verwaltnngsangelegeuheiten des erober- 
ten Landes zu unterrichten. Nach Mainz, welches man ihm zum 
Amtssitze angewiesen hatte, konnte er sich noch nicbt begeben, 
weil diese Festnng damals nocb nicht im Besitze der franz&sischenv 
Tmppen war. 

VY&brend seines Aafentbalts in Bonn bescbied Regieruugs- 
KoromissarRudler auch den Goneral-Postinepektor Loiflfans Aaeben 
zu sicb, urn sicb von ium Uber das Fostwesen am linken Rneia- 
ufer Vortrag batten zu lasseu. Obwohl Rndler nacb dem Urtbeil 
eines Zeitgenossen 4 ) ein Mann war, der „einen Theil der Aeinter 



1) Bockonheircer, Geachichtc der 8Udt Mainz wihrctid der rwei- 

ten ft-anzosiflchen Herrscbnft. Mainz 1890. S. 39. 

2) Ennen, Zeitbitder. 201,202. 

3) Ennen, Zeitbilder. 202. v. M e r i n g , Geachichte der Stadt Koln. 
IV, 248. 

4) Cwrhemmien unler den Franken. (1601.) Vgl. b-iB ock e d heimcry 



r. ; 



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Dio fritnaoaiacho Post urn Niad en-kern otc. 71 

mit Vettercben, die er aus der B R£pnbliqne-mere" verscbrieb, and 
durch Andere, welche Connexionen geltend machten, besetzte", 
land die PersOnlichkeit des durch und durcb repnblikanisch ge- 
sinnften, der franzSsischen Saehe treu ergebenen nnd von der 
Bonner VerwaltnngsbehOrde warm erapfoblenen Loiff Gnade vor 
seinen Augen, sodase er ihn 3 Monate spater znna General - Post- 
inspektor filr die am 23. Jannar 1798 neu eingericbteten 4 links- 
rbeinischen Departements — Roer, Rhein nnd Mosel, Saar nnd 
Donnersberg — belief. 

Das Ernennnngsdekret lantete: 

Mainz, den 20. Ventdae 6ten Jahres (10. Marz 1798) der einen 
nnd antheilbaren Repnllik. 

Dor CommieRar der Regierang in den eroberten Landern zwischen 
Maa« nnd Rhein and Rhein nnd Mosel kraft der Gewalten, die ihm 
dae Dircctoriam darch eeinen Erlaea vom 14. Brnmaire lanfenden 
Jahres verliehen hat, velcher Erlass ihn ermachtigt, provieoriBche Er* 
nennungen zu den verechiedenen Poeten in den eroberten Landern aa 
vollziehen 

verf&gt: 

Der Bfirger Bernard Loiff, Postinnpector, fttr gewohnlich zn Aachen 
residirend, wird znm Postinnpector der 4 provisorischen Departements 
Donnereberg, Saar, Rhein and Moeel und Roer eroannt. 

Der Regierungs-CommisBar 
Rndler. 

Durch dieee Ernennung war die Stadt Aachen, wonngleioh 
8ie an der Nordgrenze des eroberten Gebietes lag, zum Amtesitze 
dee Chefs der Postverwaltung am linken Rheinufer erw&ult, dessen 
Verwftltnngsbezirk sieh somit von der Waas bie in die Pfalz er- 

streckte. 

. Wabrend der Anvreeenheit Rtidlers in Bonn Uberreichte ihm 
Gene ral-Pontinapektnr I^oifF eine Denfegebrift liber den Stand dea 
Postwesens im Rtaeinlande nnd Hber die Mittel zu einer besseren 
Organisation desselben, deren wesentlicheten Inhalt wir n achate bend 
mittheilen. 

Der Berichteretatter schickt vorans, dass seit seiner Ernennung. 
zum Chef des Poetwesens in den eroberten Landen (l.Meseidor V 
= 19. Jiiui 1797) nnr die Postamter in den von der Sambre- nnd 
Maas-Armee besetzten Orteo seiner Aufsicbt unteretellt eeien. Die 



Gescbichte der Stadt Mainz wBhrend der zweitin franaomehen Herrpchaft. 
Mains 1890. B. 89, 90 



r. ; 



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72 Sautter 

PostUmtcr in den preussiscben Gebietstheilen am linken Rheinufer 
(Crefeld, Cleve, Geldern, Xanten, Gocb, Gennep u. s. w.) seien 
kraft tinea Dekrcts des verstorbeoen Generals Hocfae der Domaiaeu- 
kamraer zu Cleve untergeordnet; ebenso wenig st&nde ihm die 
Leitung der Postanstatten in den von der Rbein- nnd Mosel-Armee 
beoetctcu Ortcu zu. Dae Postvreaen in don lilieiuhmdeu bildc mit- 
hin dtirebaus keine einbeitlicb ©rganisirte, in sicb geschlosaene 
Verwaltung, von welcber gleicbartige, zur Erhaltung eines festen 
Zueammcnschlusses geeignetc Massregeln ausgingen; C8 ennangcle 
vielmehr gerade des im Interesse der Ordnnng nnd Einheitlichkeit 
niitbigen iuneron Zusaromenbaltis. 

Die gegoBwUrtigo Organisation eei mit einem Worte febler- 

haft in ibren Grundzligen. Die zablreicben kieinen Regierungen, 
aus denen das Land zusammengesetzt gewesen eei, der Mangel 

gemeiDficbaftlioher Inreressen nnd Zielpunkte, die sehleehte Wahl 

der Direktoren und sonstigen Oberbeamten, welcbe, sobald sie die 
Gunst eines FUreten oder sonstigen Grossen besessen batten, sicb 
der beaten Stellen bemficbtigt nnd sicb darin als nnwissende, des 
Dienstes vollig unkundige PfrUndner behauptet batten : alle die*e 
UmstHnde and nocb raanche andere hut ten von jeber Hemmnisse 
gebildet, um ftlr die Postverwaltung in diesem Lande feste Grand- 
lagen zn gewinnen und denPetrieb nach einheitlicben Vorscbrifteo 
zu gestalten. 

In Folge eingewnrzelter, so?. usage n durcb die Zeit geheiligter 
Missbrauche befolge fast jedes Postamt seine eigene, besondere 
Betriebsweise, fflhre seine besonderen KfJeher nnd verwende seine 
besondere Art von Briefkarten. Das Rcebnangswesen sei gaai 
derWillktlr der Postdirektoren preisgegeben, welcbe Mangels eines 
Kontrolldienstes in den Aemteru, selbst bei strengster Beaufsiebti- 
gung, ungestraft Pflichtverletzungen begehen kOnnten. Die Tarife 
seien sebr verbesserungsbedHrftig, da die Taxen nicbt im richtigen 
Verhaltni8B zn den Leistnngen st&nden und dem Belieben der 
Postaratsvoretcher zu vie! Spielraum lieesen, welcbe es in der 
Hand batten, das Porto je nach Lanne oder ana Eigennutz hOber 
oder niedriger anzusetzen. 

Unter der Oberleitung der Mittel-Kommission zu Bonn babe 
er — Loiff — sell seinem Eintritt in die Gescbafle unaufborlico 
daran gearbeitet, nm in den seiner Aufaicbt unteratellten Post- 
anstalten grCsaere Ordnnng, Zueht und Wirthschaftlichkelt einzu- 
fuhren. Er babe bet den grossen Postamtern Kontrollen eiage- 



r. .... 



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Die fr&nzfaiiuliR Pott am NiVrffrrhrin »in. 7*-t 

richtet nnd auf diese Weise der Willkttr der Direktoren dieser 
Postanstalten, welcbe zur Beunrahigung der Verwaltungsbehtfrde 
ihre Gescbaftsftihrnng in Dunkcl gehUllt hfttten, einen Itiegel vor- 
gescboben. Die Ausrottnng der geffitarlichsten MissbrKuche sei itam 
ja auch gelnngen. Die Beriehte, die er dartlber an die Mittel- 
Kommission in Bonn gerichtet babe, some die Vortheile • fllr den 

Staatssctaatz nnd fur den Dienstbeirieb, welcbe in Folge seiner 

Massregeln erzielt worden seien, bewiesen zur Genttge, wie dringend 

ntithig es sei, dem Postwesen im Lande eine teste, einbeitliche 

und anf riebtigen Gruudlagen aufgebante Organisation zu ver* 

leiben. 

Nuumtbi, da tin RcftieruDgs-Koiuiuioaai in das Land ent- 

sandt worden sei, der Uberall dieselben Gesetze einfUhren und die 

Bewobner der Kbeinlande desselben GlQckes und derselben Vor- 

tbeile tbeilhaftig machen eolle, welche die in den verechiedenen 

Zweigen des ofTentlicben Dienstes bergestellte Ordnnng dem fran- 

zosisehen Burger sichere, eracbte er den Zeitpnnkt far gekommen, 
der weieen Eineiobt dee Rogieronge Kommieeara diejonigen Vor- 

schlSge zn unterbreiten, von deren DnrehfQhrung nach seinen Er- 
fabrnngen die Beseitigung der im Postwesen nocb vorhandeaen 
MieebrUnehe nnd auoh die Herstellnng einer dauerhaften, nacb 
jeder Ricbtnng bin beilsamen Organisation desselben zu er- 
boffen sei. 

Da die Wirksamkeit einer jeden Verwaltung hauptsachlich 
von der Wabl der in den einzelnen Stellen verwendeten Person- 
licbbeiten ahbangc, so mtisse nach seiner Ansicht bei der bevor- 
fitehenden Neuordnnng des Postwesens vor alien Dingen daraof 
geseben werden, die Stellen mit Personen zn besetzen, deren 
republikanisebc Gesinnnng ansser Zweifel 
stehe, die mit Kedlichkeit nnd tadelloser Ftthrung die zur Aus- 
iibnng ibrer amtlichen Wirksamkeit nCthigen Kenntnisse vereinig- 
ten, die bereits Beweise ihrer ilingabe an die bestehende Regie* 
rung geliefert batten, nnd die weder durcb einen Adelstitel, noch 
durcb Erinnernngen an frlibere Verwaltungsthfitigkeit befangen 
seien. Man mtisse demznfolge alle mit einer guten Verwaltung 
nnvereinbaren alien Vorurtheile ausrotten nnd diejenigen Beamten, 
welcbe sicb — sei es ans alter Gewohnheit, oder mit Absicbt — 
nicht mit roller Bereitwilligkeit der neuen Ordnung der Dinge 
anschliesaen wollten, ohne Ansnahme aus ihren Stellen ent- 
feraen. 



r. ; 



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74 Sautter 

Behufs Heratellung eines gnten Dienstbetriebes im Innera 
der Postanstalten mtlsse das bei <len Postanstalten der franzo- 
siscben Repnblik gebraucblicbe Verfahren eingefilbrt werden; der 
Dienstbetrieb mtlsse alter Orten gleichmassig sein, BUcber nnd 
Register mtissten Uberall nacb demselben Master geftihrt werden. 
Zur Sicjierang der FortogefiUle sei es nothwendig, (lass die Aus- 
Uxirung der Postsendungen nicbt wie jetzt am Bestunmongeorte 
stattfinde, sondem da&s die korrespondirenden Postanstalten sich 
die Fortobetrage eiuander zntaxirten, damit eine gegenseitige Kon- 
trolle der Postanstalten ausfahrbar sei nnd den Postdircktorcn die 
Moglicbkeit benommen werde, das Porto nach Belieben festzu- 
Htelleu und bierbei die Ataatskasse zu benacbtbtiligeu. 

Die Eiufttbrung eines nenen Portotarifs sei aach notbwendig. 
Es scheine am Beaten, den gegenwartig ftir das Gebiet der fran- 
zttsiscben Republik bestehenden Tarif, der auf richtigen Grond- 
lagen bernbe, im Rheinlande in Kraft zu setzen und damit den 
vorhandenen Ungleicbheiten und darans entspringenden Beschwer- 
deu ein Ende zu macben. 

Er fasse bieraach seine Vorscblilge in folgeade drei zo* 

wammen : 

1. Reinigung des Beamtenstandes. 

2. Einftibrung der franzosiscben Betriebsweise fur den inneren 
Dienst der Landespostanstalten and 

3. Annabme des franzfisischen Portotarifs fttr das Rhein- 
land. 

Aus einer dieser Denkscbrift beigefllgten Uebersicht entneh- 
men wir, dass folgende Postanstalten zutu Vemaltungsbczirk des 
Aachener General-Postinspektors gebtirten, ehe dieser Bezirk fiber 
das ganze linke Rbeinufer aasgedebnt war: 

Aacben, Aodernaob, Bergbeim, Bacharach, Bingen, Boppard, 
Bonn, Breisig, Coblenz, Coin, Crenznacb, Dalheim, DOren, Dor- 
magen, FUrtb (bei Grevenbroicb), Gangelt, Geilenkircben, Hoch- 
strass, Jlilich, Linnich, Neuss, Obervrinter, Oberwesel, Rheinberg, 
Sittard, Trier. 

Ueber die politiscben Gesinnnngen der bei den rorgenannten 
Postanstalten bescbaftigten Beamten fallt General - Postinspektor 
Loiff das folgende interessante Urtbeil : 

Die Mehrzahl der Postbeamten seines Verwaltungsbezirks sei 



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Hip fr«n*onin«he Vtmt am Niederrhftin et«. 7& 

ans der frttheren Reichspost hervorgegangen and habe seiner Zeit 
ihre Bestallung von dein Reicbs- General - Postmeigter FUrsten von 
Thurn und Taxis erhalten. Es sei im allgemeinen schwer, eia 
gerechtes, ieidenschaftslosesUrtbeil Uber die politischen Gesinnungen 
dieeer Beamten abzugeben, weil diejenigen unter ibnen, welche 
der republikanischen Regierung zngetfaan sei en, es nicbt wagten, 

ibre Anscbauangen Offentlicb knndzatbua, aus Farcbt, Ihre Stellen 
zu verlieren, falls die alte Ordnnng der Dinge wiederkehren sollte r 
wahrend die andercn, vrelche im Innern den geheimen Wunsch 
hegten, ibre alte Verwaltung wiederkehren zu seben, sorgfaltig 
ibre wahren Gesinnungen verhUllten, um sich in ihren jetzigen 
Aemiern zu nalten. Die Ungewissbeit, welehe bisaer uber dem 
politiscben Schicksal dieses Landes geschwebt habe, mBge vie! 
dszu beigetragen haben, dass die poHtinehen Gesinnungen sicb 
nicbt offenbart batten, und der einzige Beweis, den man far die 
gnte republikanische Gesinnnng der meisten Postbeamten dcs 
Landes auftthren krjnne, bescbraake sich aof die Thatsaohe, dass 

die Bctreffendeo ibren Tostea nicbt vcrlamcn bttttcu und eich bi& 
jetzt keine Untreue hfttten zu Schnlden kommen laseen. In Be- 
zug auf die Sittlicbkeit und Redlicbkeit seiner Beamten habe er 
eeit seiner Amtettbcmahmc kcinc Klago zu flihrcn gebabt. Die 
Pflichten seines Amts nnd seine Hingabe an die Republik nfithig- 

ten ibn jedocb, Uber die politiscben Gesinnungen gewisser Be- 
amten seiner Verwaltung dsiejcnige, wae ihm bckannt geworden. 

sei, zur Kenntniss des Regiernngs - Koramissars zn bringen und 
diejenigen Beamten, welcbe die Cbarakterfestigkeit gebabt b&tten, 
Krgphenheit ftir dip repnhlikaniBphp Staatsform offen an Hen Tag 

zu Iegen, gebubrend zu rtlhmen. 

Bei der nunmehr folgenden Beleucbtung der einzelnen Pcr- 
Bttnlichkeiten kommen einzelne Beamte in Aachen nnd KiSIn schlecht 
weg. Von dem Sobne der Wittwe Heinsberg in Aachen, welcher 
an Stelle seiner Mutter das Postamt verwaltete, beisst es, „man 
kann sich nur Iobend Uber seine Redlichkeit und sittliche FHh- 
rung, nicht aber aucb ebenso Uber seine republikanische Ge- 
sinnangstreue aussprechen*. Von dem Sekretfir Nicola ist gesagt, 
.er sei ein rechtscbafiener und fleissiger Beamter, aber, was seine 
politischen Ansicbten angehe, gleiche er seinem Direktor Heins- 
berg, welchem er schon vor seinem Eintritt in den Postdienst 
attach irt gewesen sei." „Dagegen sei der Postkontrolleur Leers in 



r. ; 



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76 Sautter 

Aachen ein nach jeder Richtung bin ausgezeichneter Beamter, der 
treu seinen Grundsatzeu von jeber feate Anhanglicbkeit an die 
Republik bewieeeE babe/ 

Gegen das Personal dee Postamtes in Kttln seien in Bezng 
auf dienstliche TUchtigkeit nnd eittlicbe Fflhrung keinerlei Klagcn 
za erbeben, dagegen sei binsicbtiicb der politischen Gesinnungen 

zwischen dea einzelnen Beamten wobl zo nnterscbeiden. n Nacb 
den ibtn gemachten Mittbeilungen stebe der Postdirekfor Kreyer 

nach wie vor mil dem acsgewanderten Ober-Postmeister im Brief- 
wecbsel, lege entscbiedene Anhanglichkeit an seine frllhere Ver- 
waltung an den Tag und Hebe die neue Ordnnng derDinge nicht. 
roBtfeontrollenr Haug sei ein recbtsehafTener, sehr tbatiger und 
tnit den nftthigen Kenntnissen fUr eein Amt auagerHateter Be- 
amter, der anfange, Neigung zur republikaniarhen RegiernngBform 
zu beknnden. Der PoBtsekretar Germersbeioi sei von sebr guter 
sittlicber Flihrung, seine politischen Gesinnungen wage er aber 
nicbt zu betbatigen. Dietz, der zweite Sekretar, bange feat an 
der alten Vcrwaltnng and gebe offen den Wunsch kuud, dic&clbe 
wiederbebren zu eehen. Dagegen hatten der dritte Sekretar 
Matbieu und die beiden Expeditoien Kremer nnd Klocker sich 
durch ihrc Ergebenheifc gcgen die rcpublikanische RegierDng eni- 
pfohlen nnd sich dabei dnrch gate FHhrnng ausgezeichnet Das 
Unterbeamtenpersonal bestebe durebweg aus rechtschaffenen Leu- 
ten, deren politisoho Geeirmung ibm aber nicht bekannt sei." 

Id eioem folgenden Berichte stellte General - Post inspek tor 
Loiff den Antrag, in die grOsseren Postauiter (KOln, Aucben, Bonn, 
Koblenz, Mainz, Trier n. « w) franzAeisehe Beamte einzusetzen., 

die in der Lage seien, ibren deutscben Kollegen die erforderlicben 
Kenntnisse vora franzBsiecben Betriebsdienste beizubringen, nm 
fiflf diese Art den TIehergang dea Postwesens in din franzHsiaehe 
Verwaltung zn erkichtern. Gleicbzeitig empfahl Loiff die Be- 
eeitigung bestimmter PeraOnlicbkeiten, darnnter in erster Rcihc der 
Postamtsvoratande von Aachen nnd KOln. 

Diese von republikanischem Geiet durebwebten Vorschl&ge 
fanden den Beifall des Regierungskomroissara Rudler, der ja in 

der Absicbt nach den Rheinlanden gekommen war, den .Beamten- 

stand von den nicbt republikaniscben Elcrnenten zu saubern" und 

<iie frei werdenden A center in „repnblikanische Hinde" zu legen. 

Es veratrtchen zwar nocb einige Monate, ebe die LoiflTechen 



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Die francoBische Port am Niederrhein etc. 77 

Vorschlage in die That urogeaetzt warden, dann wnrde aber aucb 
rtlcksichtsios vorgegangen, and zwar in crater Linie gegen daft 
Postamt in KOhi, diene Hocbburg der alten Reichapcst. Am 
22. Mai 1798 richteten Postdirektor Kreyer, Postkontrolleur 
Haug und die Poetsekretare Geraersheim and Dietz eioe gemein- 

schaftlicLc Eingnbe an die Kttlncr Municipal -Vcrwraituog, worio 

sie ibre trostlose Zuknnftsaassicht in den folgenden beweglicben 
Worten schilderten: „Durch die im Zuge bcfindlicbe neue Organi- 
sation der Poaten im Rocr- Depart omen t 1 } werden meiatens lang- 
jahrig treu und redlich gediente Postoffizianten scbuldloser VVeise 
ibrer bieherigeu Bedienungen entaetzt und die dadurch leer wer- 
denden PlXtze mit geborenen Frsnzosen besetzt Dieses httehet 

ungltlcklicbe Loos soil nns eheatena treffen. Ea wird der Mnoizi- 
pal-Verwaltung bekacnt aein, daas wir bei der darnaligen Emi- 
gration des ehemaligen bieaigen Reicba-Oher-PoatarnU blosa in der 
Absieht Lier zurUckgeblieben sind, tbeila nm alien entstehen mo- 
genden Verwirrungen und Nachtbeilen fUr das korreapondirende 
Publikum bei dem hiesigen Briefpostamt vorzubengen, tbeils dem 
Publico unsere treu bewUhrten Dienate wie ehehin widmen zu 
ktfnnen. VVir opferten seitdem unser wenigea Vermogeu dabei auf, 
da wir geduldig alle drUckenden Lasten eines beispiellosen un- 
glUcklichen Krieges mit unseren Mitbrlrgern theilten and die kost- 
spieligBten Einquartierungen and Kontribationen von nnserer ge- 
ringen Besoldung bestreiten musBten. Wir ktinnen ana anneben 
anf eine voll&tandige Zufriedenheit der hiesigen Kaafmannscbaft 
rnit unserer bisberigen Dienstleistting trostvoil verlaaaen and wir 
kfinnen una scbmeicbeln, dass audi Sie, BUrger, von unaerer Treue, 
Eedlicbkeit and Diensteifer von jeber die Uberzeugendsten Beweise 
in Handen habea" 

Scbliesalicli bitten die Geaucheteller urn den viel vcrmtfgen- 
den Bei stand der Mnnizipal- Verwaltang, „der nrnso frucbtbringender 

sein werde, als die Grosamath der frankiscben Regierang und ibres 
General Kommisears Rudler sicb gewies nicht auf dae grenzenloee 
Ungltlck einzelner redlicb und unermfldet gedienter Otfizianten 
bescbranken werde". 



1) Koln wnrde dem Roer-Departement zngetheilt and erbielt eine Be- 
z irk«- Verwaltung. 



. 



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7& Scatter 

Eine gleiche Eiugabe ricliteten die von der Absetzang be- 
<lrohten Beanten an die Mitglieder des Ktflner Handels-Comite. 

Die Mnnizipal-Verwaltnng befilrwortete das Gesuch anf das 
wKrroste bei dem three Beratbuogen betwobnenden franzttsiscbw) 
Koiomiesar Eethel — (Commissaire du Directoire executif). den ste 
bat, aicb im Interesse der alten verdienten Postbeamten bei dem 
RcgiernngB-Kommissar Rudler in Mainz zn verwenden. Die Mit- 
glieder des Handels Comite* (Lfibnis, Kttgelcben, Hahn, Weyer nnd 
Bemberg) wandten stcb anfindler direkt and baten ibn, die alten 
fieamten des Kolner Postamte, welcbe durch ibre Tbfttigkeit nnd 
Kenntnisse dem HandeSsstande der Stadt wesentlicfae Dienste ge- 
Icistet bHttcn, niit ibrcn Faun lieu uicbt onglttcklicb zu macbeu. 
Ob der allmachtige Regierangs-Kommissar, deai ja pereBnlich eine 
gewisse Gntmlltbigkeit beigewohnt haben soil 1 )* diese warae 
Ftirsprache berticksichtigt bat, ist nicbt bekannt, wir mocbten es 
aber bei dem rllcksichtslosen Eifer, mit dem die daroaligen fran- 
zttsiscben Machthaber die republikanischen Interessen verfolgten, 
bezweifeln. 

Auch dem Loiffschen Antrage anf Einftthrung eines neuen 
Briefposttarifs gab der Regierungs Kommissar seine Zastimmnng. 
Der nene Tarif, vrelcber in Plakatforin gedrockt vrurde nnd die 

Unterschrift Rudlers trng, scheint stark verbreitet worden zu sein, 

<la sicta nocb heute zablreiche Exemplare in den rheinischen Ar- 
ohiven vorfinden. Er grUndeto eioh auf doe fronztteiacho Ceeetz 
voni 5. Nivdse V (25. Dezember 1796) nnd wnrde im Rheinlande 
am 2. Floreal VI (21. April 1798) vertiffentlicht. Die PortosfiUe 
berubten auf dem Gewicht nnd der Entferuung. Man nntorschied 
•zwischen einfachen Briefen (lettres simples) nnd schwereren Briefen 
<lettree pesautes). Die ersteren darften das Gewicht einer balben 
Unaft niebt erreichen nnd zertielen dahei in Kwfti KlaRSPn : in 
solcbe mit nnd eolcbe ohne Briefumschlag. Bei deu schwereren 
Briefen galten, ohne RUcksicht daranf, ob sie Umschlage trugen 
oder einfach znsammengefaltet waren, die Gewicbtsstufen von V* 
8 / 4 und 1 Unze. Bei boherem Gewicht stieg daa Porto von Uuze 
zn Unze. 



l)Bockenheimer, S. H9 



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Die frauzoBiscbe Post am Niederrheia eta . 79 

Hiimichtlicfa der Entfernung wardc unterschieden, ob 

1. ein Brief nach einem Orte iu> Innern desselben Departe- 
ments bestirumt war, oder 

2. nach einem angrenzenden Departement befOrdert werden 
sollte, oder 

3. semen Hestimmungsort in einem entfernt liegenden (nicht 
angrenzenden) Departement batte. 

An einem fieispicl erlautert etellten sicb hiemach die Brief 
taien wie folgt : 

Ein Brief von Mainz nacb Alzey (beide Stadte lagen im De- 
partement Donnersberg) kostete, wenn anter J /« Unze wiegend, 
ohne Brief umscnlag .... 4 sous, 
mit „ .... 5 „ 

beim Gewichte von Vs Unze . 8 „ 

ii » n U n < 12 „ 

»i n » * it *4* n 

Wurde der Brief von Mainz nach Trier, der Haunts tadt des 
augiciucndcn Saai- Departments befOtdert, so »tellten sicb die 
Taxen nacb den obigen Gewicbtsstufen aof J>, 6, 10, 15 und 20 
sous; bei der BefOrderung nach K51n in dem nicht angrenzenden 
Roer-Departeruent kamcn 7, 8, 14, 21 nnd 28 sons zar Erbebung. 

Wie man sieht, batte der neue Tarif weder den Vorzug der 

Einfacbbeit, noch der Billigkeit der Taxen fUr sich. Irumerhin 
ectuf er ftlr doe linke Rbcinufer ondlich ein© einheitliche, klare 
Brieftaxe und setzte der im Fosttaxwesen eingerissenen Verwirrung 
and Recbtsunsicherbeit ein Ziel. Das Wort „E s sind doch 
wieder Gesetze !", womit ©in Zeitg©no*s© *) die damalige 

keiseswegs alien WUnschen und BedOrfnissen des Bheinlandes ent- 
sprecbende franztfsiscbe Gesetzgebung begrlisste, darf auch auf 
den neuen Rriefport/itarif hezngen werden, der ala eine der er- 
apriesslicbsten Massregeln der franz8sischen Yerwaltang zu be- 
zeichnen 1st. 

Bald nacb der Uebernahme der Regierungsgeschafte durch 
Rudler legte General-Postinspektor Luiff zum ersten Male liber 
die Finanzergebnisse seiner Verwaltnng Recbnung ab. Dieselbe 
amfaaste die Zeit vom 22. Prairial V (10. Jnni 1797), dem Tage 
der Abreise des GeneraL-Inspektors Faveret, bis zum 30. Frimaire 



1) Ennen a. a. O., S. 203. 






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80 Sautter 

VI (20. Dezerober 1797), tnithin einen Zeitranm von 6 Monaten 10 
Tagen. Die Recti nung wurde nach Prflfung and Rtcbtigbefand 
durch die Regie rationale id Bonn am 18. Fcbruar 1108 an Kttdler 
cingesandt. Sie wies in Einnahme die Snmme von 143 760 Livres, 
in A ungate die Sarame von 107 649 Livres nach, sodass ein Rein- 
Uberacbuse von 36111 Livr©e vorhanden war, den die Poetver- 
waltung an den General-Einnehruer zti Bonn abgeftihrt batte: ein 
Ergebnies, welches ini Vergleich zu den ungHnstigen Gescbaftsab- 
scblUesen outer der Verwaltung dee frllberen Goneralpostkomruissars 
Daatzenberg allerdings sis sehr zufriedenstellend bezeichnet wer- 
den ronas und daber ohne Zweifel mit daza beigetragen baben 
wird, dass Rudler den General-Poatinapektor Loin 7 wenige Worhen 
8 pater, wie bereits erwabnt, znm Leiter des Postwesens in dec 4 
Departements am linken Rheinufer ernannte. 

Im Uebrijren bat diese Organisation niclit lange Bestand ge- 
habt. Mao scbeint sich durch die Gewalt der Tbat&acben bald 
Eiberzeugt zu haben, dass die an der Nordgrenze des eroberten 
Gebietes belegene Stadt Aachen nicht der geeignete Pnnkt wan 
von dem au& man den Postbetrieb in dem langgestreckten, bis in 
die heutige hayerische Pfalz reichenden Landergebiet ttbersehen nnd 
leiten konnte. Scbon im Juni 1798 tritt in Mainz ein zweiter Post- 
inspektor 3 ) anf, der anfanglicb mit Loiff zusarnmen arbeitete and 
mit ihm gerneinschaftlicb an den Regierungskomniissar berichtete. 
Demnacbst scheint eine Tueihmg der Verwaltung in der Weiae 
Rtattgefunden zn haben, dass der in Mainz wohnendePostinspektor 
die Organisation im sudlichco Tbeile (Departements Donnersberg 
und Saar) in die Band nahm, wahrend der Postinspektor in Aachen 
seine Tbktigkeit anf den nordlichen Tbeil (Departements Kbein- 
Mosel nnd Roer) besclirankte. In einem gemeinscbaftlicben Bericht 
beider Postinspektoren d. d. Mainz 4. Messidor VI (22. Juni 1798) 
ist diese Theilnog der Arbeit arsdrncklich erwannt. Diesem Be- 
richt 1st als Anlage eine Uebersicht der Postkarse in den beiden 
nordlichen Departements beigegeben, wie dieselben nach dem Gut- 
acbten der Postinspektoren geregelt werden sollten. Hlernaeh ge- 
staltete sich das Postkursnetz im Lande zwischen Mosel, Rhein 
und Maas wie folgt: 



1) Per Name dieaes Portinspektors ist ana der in den Urkanden vor- 

kommenden Untersctrift nicht zu entziffern. 



[~. ; 



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Die franzoeiBche Pott am Niederrhein etc. 81 

Reitpoet Coblenz-Trier 
fiber Wittlich mit Anschluss in Trier ttber Grevenmacher nach 

Luxemburg. 

i Gesainmtlange Coblenz-Luxeniburg 35 Meilen. 

Botenposten Coblenz-Mttnstermayfeld and Coblenz-Kai- 
' sereescb auf Kosten der Kan tone: 

i Coblenz-MUnsterniayfeld . 5 „ 

„ -Kaisersesch 8 „ 

Kariolpost Kfcln-Aacben 
fiber JHlicb mit Anschluss in Aachen nach Rerve nnd Ltitticb. 

Gesammtlange Koln-Lilttich 25 Meilen. 

Botenpost JUlich-Dtlren aaf Staatskosteu 5 „ 

AnsohUessende Botenposten auf Kosten der Eantone: 

K&ln-Brtlhl 3 Meilen. 

„ -Bergheim 
DUren-GemHnd . . 
Aacben-EBChweiler 
„ -Montjoie . 



i 



. 4 

. 6 

. 3 

. 5 

Heinsberg-Roermonde . 4 






Kariolpost Coblenz-Koln 
tlber Andernacb-Bonn. 

Ceaammtl&nge 21 Meilen. 

Anschltessende Botenposten auf Kosten der Kantone: 

Andernacta- Mayer 4 Meilen. 
Bonn Romngon . . 6 ,, 
„ -Adenau . . 6 „ 

Beitpost Koln-Geldern 
Uber Neuss-Crefeld. 

Gesammtlange 19 l / 8 Meilen. 

Botenpost Crefeld Mors auf Staatskosten .... 3 „ 
Anschlie&sende Botenposten anf Kosten der Kantone : 

Nenss-Zons ... 3 Meilen. 

„ -Gladbach . 4 ,» 
Crefeld -Uerdingen 2 
w -St. TCnis . 1 
„ -Kempen . 2 

AnoJen d«a M«i- VereinS LXV. 



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82 Sautter 

Reitpost Venlo-Nymwegen 
liber Geldern-Cleve. 

GesauinitlUnge 17 Meileu. 

Botenpoeten Geldera-Rheinberg and Nymwegeo-Grave 
anf Slaatskosten : 

Gcldcrn Rhcinbcrg . 4 Mcilcn. 
Nyruwegen-Grave 1 ) . 3 „ 
Anschlie&eende Botenposten anf Kosten der Kantone: 

Rheinberg-Oreoy . V/ % Meilen. 
Geldern-Xanten . 3 „ 

CleYe-Calcar ... 3 „ 

n -Gennep . . I 
Grave-Ravestein 1 ) .2 , s *) 

Die aaf Kosten der Kantone eingericbteten Botenposten war- 
den durcb Boten, welclie sicb zngleicfa mit der Bestelinng der 
Briefe in den betreffendec Ortscbafteu befassten, sogenannte fI pie- 
tons ojstributenrs", befbrdert Die beigegebene Zeichnnng giebt 
ein Bild des Kursnetzes, welches zahlreicne LOcfcen aofweist nnd 
manche auch zu daiualiger Zeit schon ansebnliche Orte ganz uu- 
berUhrt lasst 

Id dem vorerw&hnten Berichte der Postinspektoren findet sich 
die auffallende Beruerkung, dass zn der Einrichtung der Postver- 
bindungen auf obigeni Fnsse der J n Btiz ru i d i s t e r seine Ge- 
uebiiiiguug crllicilt babe, nuraus ciumal bervorgehi, dass der Re- 
gierungs-Kornmissar fllr das Rheinland in Bezng &cf das Postwesen 
in seiner Selbat&ndigkeit nicbt unerheblich bescbr&nkt war, und 

turn andcren, dass in den der Entocheidang dee Minietcriame ra 
Paris vorbebaltenen Angelegenheiten nicht der Finanz-Minister, zn 

dessen Verwaltangsbereicb das Postwesen im eigentlichen Frank- 
roich gebttrte, eondern eigentbllmlioher Weiee der Joetiz-Minieter 
zestandig war. Diese Znstandigkeit des Jastiz- Ministers in den 
Postaogelegenbeiten der Rheinischen Departeruenta tritt Hbrigeus 
wiederbolt bervor. Als Regierungs - Kommissar Rudler unterm 



1) Die Orte Grave und Ravestein geboren bente anr ciederlfindiachen 
ProTMQB Kord-Dr«b»ut. 

2) Die Entfernungsangaben, wclalic ia franzosiscben Postmcflen »ua- 
gedriickt Bind, weiseti manche Unricbtigkeiten end Ungenauigkeitea auf. 






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Die franzoeische Poet am Niederrheiti ete. 83 

«. Floreal VI (27. April 1798) dem Mtniaterium in Paris einen 
Plan uber die Neuorganisaiion des Postwesens am linken Khein- 
cfcr unterbreitete, ging die Entacheidung auf die Eudler'scben An- 
trSge vom Justiz-Minister Lambrecht aus, welcber erwiderte, dass 
«r sicb, da von der Einfuhrung der Reforraen das Feldpostwesen 

■der Artnee bertthrt werde, zunHohat mit dem Kriego - Minister in 

Yerbindnng gesetzt babe. Anch bei anderer Gelegenheit wird in 
tiner posttecbnischen Frage auf die ergangene Entscheidung des 
Justiz-Ministers Bezug genomnten. 

Die auf den ersten Augenblick etwas auffallige Tbatsache 
erklart sich daraus, daes der Regiernngs-Koruniissar in Mainz nicbt 
allein in dar Gerechtigkeitapflpge, sondern aiinh in alien Ver- 
Tvakungsangelegenheiten gemass eines Beschlusses des Direkto- 
nams unter der Oberleitang dee Jastiz-Ministers arbeitete 1 ), der 
auf diese Weise anch Reason-Minister fiir das rheinische Postwesen 
geworden war. 

Da soeben von den Feldpostanstalten die Rede war, mbge 
bier Emabnunff finden, dass lanse Zeit bindnrcb am linken Rheiu- 
«fer neben den Postanstalten flir den Fried ens postdienst militarische 
I'osteinricbtungen, Feldpostanstalten (Bureaux divisionnaires des 
postes de Tarm^e) bestanden haben. Man entscbloss sicb, selbst 
<la, wo die Trnppen in Standquartieren lagen, our schwer, die 
Befttrdernng der Militar-Postsendungeu den gewiihnlichen Postan- 
stalten zu Ubertrageu. Bib am die Mitte des Jabres 1798 befanden 
sicb nocb alle Feld-Postanstalten in Thatigkeit. Erst um diese 
Zeit trat man der Frage nftber, an welchen Orten der Kosten- 
ersparniss wegen die Feld-Postanstalten zurlickgezogen werden 
tiinoten. Der zom Bericht aufgeforderte General- Fostinspektor 
erklarte dem Regienmgs-KomraiBsar, die Postamter in Coblenz, 
Trier, Ktfln and Aachen eeien nunmehr in ibrer Organisation so 
weit rorgescbritten, dass ihnen aueb die Besorgnng des Militar- 
postdienstes, wie solches iui Innern Frankreichs die Regel bilde, 
auvertraut werden kbnne. Es sei zavor nnr nCthig, diese vier 
Postamter mit dem Central-Postamte in Paris in direkten Karten- 
schlnwwechsel za setzen, damit die Verbindnng mit den Militar- 
ond CivilbehCrden in Paris sicbergestellt sei. Er zweifle keinen 
Au^nblick daran, dass die General-Fostdirektioa auf dieseu Vur- 



I) Bockeulieimer, S. 88. 






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84 Sautter 

schlag eingehen werde, da man ja scblieselich doch einmal dazor 
korumen mUaae, die Feldpostanstalten in den Tier neuen Departe- 
ments am linken Rbeinufer aufzutaeben. 

Unier den zabllosen Gesetzen und Verordnungen, mit denen 
Rndler wabrend seiner verh&ltnisamilasig kurzen Aratsdaner in 
Maiuz (11. Jannai 1708 bis 1. MSrz 1799) 8 ) die Bbeinlande gc- 
radezn ttberachlittete, befinden sich anch einige auf daa Postwesen 
bezttglicbe. 

Zunachat verdient ErwKbnnng die Verordnnng rem 26. Ven- 
t6se VI (16. M&rz 1798), wodnrch die Artikel 66, 68, 69, 70, 71, 
72 and 73 des Titels 7 des franzCaischen Gesetzea vora 9. Ven- 

demiaire VI (30. September 1707), betreffend die Freigabe der 

Measagerien an die Priv atkon kn r renz, in den 
Tier rbeiniachen Departenients in Vollzag gesetzt warden. Zur 
Erl&uternng ist ea ntttbig, auf die Entstehnngsgeschichte dieses 
Gesetzea znrttckzageben. 

Die Measagerien oder Diiigoncen, d. h. die regelruassigen 
Fnbrwerke znr Befttrderung von Reisenden mid GepackatUcken. 

— daa franzttsische Gegenstack zn onaeren deatscben Fahrposten 

— waren in Frankreicb anf&nglich gegen eine Jahrespacbt von 
lVa Millionen Franken an einen Unternehmer verpachtet. Diese 
Pacbtsuranie floss niemals ganz zum Staatsscbatze. Kriegsnnruhen, 
StHrnngen and Unterbrechungen des Betriebes dnrch Unfdlle and 
Natarereignisae, Krankheiten enter den Pferden u. a. w. boten dem 
Unternehmer Anlass zn Eingaben um Pacliterlass, welche die Re- 
giernng znm Theil nicbt von der Hand weiaen konnte, zum Tbeil 
auch obne vorherige ausreicbende Untersucbong ibrer Berechtigung 
obne Weiterea berllckaicbtigte. Mit der Zeit bildete sich bei den 
Mes8agerie-Pachtern der Gebraacb heraus, jeden, ancb den gering- 
fUgigsten Anlaas, zn Gesucben nm Pachterni&asigang aaszunutzen, 
Bodasa die Einnabme fHr den Staatsgchatz irnmer roebr znsarunien- 

achmolz and mitunter sogar in Nichts zerfloaa. Die Itieasagerien, 
atatt eine Einnabmeqaelle ftSr den Staat zn sein, warden za einer 
Btlrde filr denselben. Wan entachloas sich daher, zn eineni andcrn 
System Uberzngeben. Die Messagerien warden in Staatabetrieb 
genommen. Docb anch jetzt traten grosae Uebelst&nde hervor. 
Die Einrichtnng der staatlicben Verwaltung verarsacbte betrftcht— 



1) Bockenheimer, S. 89. 



r. 



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Die fransoaiooho Poot nm Niederrhoin efco. 6& 

iiche Ausgaben, nnd die fortlaafenden Unterhaltungskosten ver- 
schlangen die ganze Einnahme. die der Staat erhofft batte, trot?. 
der hohea Fahrpreise, welche die Messagerie-Verwaltung aufrecbt 
erbielt. 

Iru Hinblick auf die ungllnstiKen Erfahrungen, welche man 
mit beiden Systeraen, der Verpachtung end dera Selbstbetrieb, ge- 
macht batte, beachlosB man daher mittels des Gesetzes vom 0. Ven- 
deraiaire VI (30. September 1707), die Messagerien vOllig der 
Privat-Konknrrenz za Uber]assen and dem Staatdscbatze eino Ein- 
nahme ans diesem Verkebrszweige in der Weise zu sichem, dass 
man jedes bffentliche Fnbrwerk mit einer | deo Verhaltnisaen des 
Unternehroens entsprechenden Abgabe belegte, mit dercn Erhebang 
die Enregistrements-Einnehmer beauftragt wurden 1 ). 

Diese Abgabe war verachieden, je nachdem es sicb nra Fnhr- 
werke handelte, welche gelegentlich, nach Belieben der Reisen- 
den, also unregelmassig verkebrteo, odei urn solche, welche regel- 
m&esig zwiecben bestimmten Orten za feststehenden Zeiten den 
Verkebr vermittelten. Die Ersteren, zn denen namentlich alie 
Droschken und sonstigen Offentlicben Fuhrwerke im Innera der 
Stftdte gebfrteo, nnterlagen einer festen Jahresabgabe je naeb der 
Beschaffenheit und Einricbtnng des Fabrzeugs. Ein Wagen rait 
2 Radern and 2 Platzen entricbtete z. B. 20 Francs jabrlich, ein 
soicher mit 4 Rttdern and 4 Platzen 40 Francs, mit 4 Radern and 
<j Flatten 50 Francs a. 8. w. Die zweitc Art vou Offcutlichcu 
Fubrwerken, d. b. die eigentlicben Messagerien oder Diiigencen 

— ancfa Wasserfahrzeuge zur regelmassigen PersonenbefBrderung 
-wurden dabin gcrcobnet — nnterlagen bei jeder Fahrt einer Ab- 
gabe von einem Zebntel des Preises der Platze, welcho sie ent- 
bielten. Die Abgabe wurde nach der Zahl der vorbandenen Platze 
bereebnet, einerloi, ob dieeelbea boaotzt waron oder nicbt- Ale 
Entscbftdigung iilr die unbeaetzten Platze gestattete das Gesetz 
den Abzug eines Viertels der Platzpreise zn Gunsten des Unter- 
nehmers, sodass die Abgabe nur von der Rests a mine der Platz- 
preise bereebnet warde. Auch die Sitzplatze auf dera Verdecke 
des Wagens (dem ^Kutscb-Himmel"), die sogenaunten ,»lrnperial- 
.ftitze", hliehen ansHpr Retraebt 

1) Instructions nor lee droits de Meesftgcries, etablia par Ik Ioi du 
9 Vcodemiaire au Yl. Par one eeciete d'Emploves nperieurs de la Regie 

<Je rEnregistremect. 



. 



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86 Sautter 

Hiernacb gestaltete sick z. B. die Ermittelung der Abgabe an 
den Staat von einer zwiscben Paris und Bordeaux fabrenden Di- 
ligence, die 12 Platze tu 100 Francs enthielt, in folgender Weise ; 

12 Platze zu 100 Francs = 1200 Fes. 
hferam ah V« »1» Vcrgfltnng fllr nnheaetzte Plfttyft = 300 „ 

bleibt steuerbarcr Werth der Platzpreise = 900 Fes- 
Die Abgabe an den Staat betrug niitbin Vio V0Q 900 Francs 
= 00 Francs fttr jedc Fahrt, und zwar wurde dieselbe bei der 

Fabrt von Paris nacb Bordeaux in Paris, in umgekebrter Richtung 
in Bordeaux erhoben. , Die Zablung an den Enregiatrements - Ein- 
nehmer geschah nach Ablaut einer jeden Dekade. 

Da das gesammte Material fUr. den staatHcben Fubrbetrieb 
von nun an nicht mehr nothwendig war, bestimmte das Gesetz 
zugleicb, „dass innerbalb zweier Morale von dera Tage der Ver- 
kUndigung des Gesetzes ab gereebnet, und /.war nach der eincn 
Monat vorher gescbebenen Bekanntmachung, zu dem Verkauf nnd 
der Verstelgerung aller bewegllcben Effekten, welcbe den Messa- 
gerien zugehBren, sowie auch zur Vermiethnng der Hauser nnd 
Schreibstuben, welcbe dieselben inne batten, gescbritten werden 
solle." 

Dieses Gesetz setzte Rudler durcb die oben erwabnte Verord- 
nnng vom 26. Ventfise VI (16. Mfirz 1798) fllr die Rbeinlande in 

Kraft, indeiu er zugleich bestimmte, does }f rom ktinftigen 1. Flortal 
ab (20. April 1798) die Postwagen, Landkntschen, Marktschiffe 
und anderen ftffentlichen Fakrzeuge, die den ebemaligen Oberherren- 
der eroberten Lender zugchSren, aafhoren eollten zu fahreii.'" 

FUr die Rbeinlande war diese Verordnung insofern von be- 
sonderer Wicbtigkeit, als dadurcb die Scfaeidung der eigentlicben 
Briefposit von der Personen- and GepHok-Befftrderung, wie sie in 

Frankreicb von Alters ber eingefUhrt war, aucb am linken Rhcin- 
iifer vollzogen wurde. Die nocb bestebenden Fahrposten, em 
Rest des frUberen Reicbgpostwesens, warden damit endgllltig be- 
seitigt. 

Das neue Gesetz fand seitens der rheiniachen Bebtfrden eine 
sebr lassige Aimftlhrnog. Zwei Jabre nacb seiner Verklindignng 
war z. B. in Kbio die Festsetzung der von den Uuternebmern der 
offentlichen Fubroerke zu entricbtenden Abgabe noch nicht er- 
folgt, soda8s die Enregistrements-BehCrde sich veranlasst sah, die 



r. ; 



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Die fnnzoeiscbe Poit am Niederrhein etc. 87 

Stadt-Venvaltuxig dringend an die Aufstellnng der Uebersicbt liber 
die Sffentlichen Wagen zu mahnen. 

Andererseits bewirkte die Freigabe des bisber dem Staate 
vorbehaltenen Postfutarwesens an die Privatkonkurrenz eine starke 
Zunahme der Bffentlichen Fuhr-Unternehmungen, und zvear nicht 
allein auf Landstrassen, soodern aucfa auf der Wasserstrasse des 
Rbeins, wo in kurzer Zeit drei von Mainzer Unternebmern ins 
Leben gerufene regelraassige Schiffsverbindungen zwischen Mainz 
and Koln mittels Barken zu je 9 Platzen den Dienst begannen. 
Wenig befriedigt von dieser Entwickelung des regelmassigen Be- 
ftrdernngsdienstes waren die Lohnkutscher, die sich dadurch in 
ibrem Gewcrbe bediuht aaben. Am 3. Tbermidor VIII (22. Jul! 
1800) bcklagte sich z. B. ein K6lner Lobnkutscher anfe Bitterste 
bei dem Magistrate fiber den seine m Gewerbe erwachsenen Scha- 
den, indem er behauptete, „es gingen jelzt nicbt weniger als 15 
Postwagen aos der Stadt ab! Diese flibrten den Untergang der 
ljobnkutscher berbei. Jederraann bediene sich dieser wohlfeilen 

Fuhrwcrkc, Kicmand auchc noch den Lohnkutschcr auf." 

Uebrigens brachte die Umgestaltung des ttffentlichen Fahr- 
Tvesens nnd der Wegfall jeglicher Staatsaufsicht auch far das Pu- 
blikuni mancherlei Unzutraglicbkeiten mit sich. Es drHngten eioh 
z&hlreicbe nnzuverlassige Personen zd diesen Fuhrnnternehmungen, 
was znr Folge batte, dass der BeftJrderungsdienst auf vielen 
Strecken oehr naohUUsig nnd unregelmfteBig nnsgeftlhrt wurde. 
Kamentlich wurden bald Klagen Uber die ltlderlicbe Behandluog 
des Reisegep&cks lant, die einen solchen Umfang annahmen, dass 
der PnlizeimiiiiRt^r Fonnh4 in einern RurulnchrfMhen d. d. Paris, 
28. Frnctidor VII (14. September 1799) die Departements-Verwal- 
tungen beauftragtc, die Bewohner des Rheinlandes auf die durch 
daa Gesetz vom 9. Vend&niaire VI (30. September 1797) einge- 
tretene Ver»nderang in dem Wesen der offentlicheu Fubrwerke 
aafmerksam zn maeben. Das Pnblikum denke nocb immer — so 
fuhrt der Minister ans — , dass es mit einer Staatsanstalt zu thnn 
babe, der es sein Reisegepack mit vollem Vertrauen tlbergeben 
konne, wahrend doch jede staatliche Einwirknng auf den Fnhr- 
betrieb aufgehOrt babe. Es kOnne daher dem Publikum in seinem 
eigenen Interesae nur dringend empfohlen werden, diesen Privat- 
Fabrnnternehmungen gegenaber die grosste Vorsicbt zu gebraacben, 
insbesondere das Reisegep&ck nnr unter Werthangabe gegen Em- 



r. ; 



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8H Sautter 

pfangsbeacheinigung dem Untoraehmer zn tlbergeben, damit io 
Verlustfallen bei Gericht Ersatzansprflcbe mit Erfolg geltend ge- 
macht werden kOunten. 

Eine die perstnlichen Interessen der Postbeamten nabe be- 
ruhrende Massnahme des Regierangs-Kommissars war die Auf- 
hcbang doe vom General Postinapchtor Loiff, wic schon crwahnt, 
mtthsam wieder hergestellten Vorrecbtes der Postbeamten auf Be- 
freiang von der Einquartierung, welches Rtdler ohne langes Be- 
sinnen mit einem Federzuge fUr iramer beeeitigte. In einer an 
die Verwaltungen der 4 neuen Departements gerichteten Verftlgtmg 
void 5. Fructidor YI (22. August 1798) erklarte Kodier, es gebe 
kein Gesete, welches ein solches Reebt der Postbeamten begrtlndo. 
Den Postdirektoren sei eg, ebenso wie alien Ubrigen Beamten, die 
effentliche Gelder in ibrem Hause batten, freigestellt, die ihnen 
auferlegte Einquartierung auf ihre Konten anderweit nuterzn- 
bringen. Ein Ansprucb auf Befreiung tod der Einquartierung sei 
aber nicbt anznerkennen. Abscbrift dieser Verftlgung crhielt der 
General -Postinspektor der 4 neuen Departements zur Beachtnng. 

Die merkwUrdigste Verfdgung, welche Rudler in Postange- 
legenheiten erlassen bat, ist oboe Zweifel seine Bekanntmacbung 
vom 23. Fructidor VI (0. September 1798), worin er kuudtbat, dass 
an dem bevorstebenden 5. Scbalttage des Jahres VI, dem letztec 
Tage des Jahres — nach gregorianischer Zeitrechnung am 21. Sep- 
tember 1798 — , der gesammte Poe t b ef&rde r o ngs- 
dienst einen Tag lang stillstehen eolle — aus 
Rllckgicbten auf deu re publi kan ische n Calen- 
der! Etwas Sonderbareres dlirfte im Postwesen wobl kauui je- 
tnals angeordnet wordeu sein; wir bringen daber die Verftlgung 

nebst den dazu ergangenen Aufifuhrungsbestimmungeu in ihrem 
vollen Wortlaute zum Abdruck. Vorausgeschickt eei die Bemer- 
kung, dass die Massregel nicht das Werk Rudlers, sondern der 
General-Postdirektion in Paris war, auf deren Verlangen Rudler 
die fUr den Postbetrieb im eigentlicben Frankreich getroffcnea 
und im Jafare zuvor bereits einmal au6gefuhrten Bestimmongen 
fUr die 4 Departements am linken Rheinufer in Kraft setztc. 

Zur naheren Erlauterung diene folgendes. 

Im franzcsiscnen Postbetriebe herrschte dauials der Gerjraucb, 
dass die Posten in der einen Ricbtung an den graden, in der an- 
deren an den ungraden Tagen verkehrteu. Beispielsweise fttr die 



. . 



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Die franzoeucbe Post am Niederrhein etc 89 

Post von A nach B am 1., 3., 5., von B. nach A. am 2., 4., 6. des 
Monats u. b. w. Dieae Einrichtang Hess sich im Lacfe dee Jabres 
bequem durchfbhren, da im repnblikanischen Kalender mit seinen 
12 gleichlangen Monaten zu je 30 Tagea stets ein grader Tag 
dem nugraden folgte. Eine Schwierigkeit trat erst am Jahres- 
sctilasse bervor, well dem leuien T age des Jabres, dem 5, Schalt- 
tage — wie frliher erwahnt, waren den 360 Tagen des republi- 
kanischen Jahres 5 Schalttage oder Erganzungstage binzngefilgt 
— der 1. Tag des aeuen Jabres (der I. Vendemialre) folgte. Es 
kamen also 2 ungrade Tage, — der 5. Scbalttag and der l.Ven- 
dtaiiaire — aeben einander zn atehen. Die Post, welcbe am 
&. 6chalttage von A. nacb D. gefabren war, kounte mitbiu am 
naehsten Tage nicht nach A. zurUckkebren, weil sie dann zwei 
Mai hintereinander an nngraden Tagen verkehrt hatte, wodurch 
die gewohntc Ordnung dee Postenlaufea gestfirt worden vr«re *)• 

Ah Mittel zur AbhUlfe verfiel man auf den ungeheuerlichen 
Gedanken, den Postenlauf voile 24 Stunden zu unterbrechen, in- 
dem roan den leteton Tag des Jnhrce (den 5. Scbalttag), sowcit 
der Postbefttrdernngsdienat in Betracht kam, einfacb aus dem Ka- 
lender strich. Wir lasaen nunmehr die Verfttgung der Postbe- 
Lbrde reden. 

An die Postdirectoren. 

P.rie, 10. Fructidor V (57. August 1797). 

Wir benacbrichtigen Sie, Burger, data, um die gegenwartig be- 
stehende Ordnung im Poeteulanfe nacb graden nod ungradeu Tagen 
im £&nzeit Gebiete der Republik nicht umzukehren, die General-Poet- 
direction mit Zustimraung des ifinanzministers beschloasen hat, den 
Bienet des 5. Schaltt&gee dee laufeoden J&hres ausfallen zu laesen. 
Zu dieseni Ende hat die General-Direction heute folgeude Beetimmungen 
getroffen : 

Art. L 
Am 5. Schalttage des Jahres V wird keine Post, kein Stell- 
wagen und kein Postbote ahgefertigt (diese Beetimmung ist an we rd bar 
auf das Jahr VI). 



1) Nil* bei Schaltjahren mit 3I>6 Tagen (360 gewbhnlichc Tage nnd 

<J Scbalttogo) war der lctsto Tap; dco Jalirce, der 6. Sclialttag, oia grador 

Tag:, dem ein nugrader Tag, der 1. Vendcmiaire des neuen Jabres, folgte. 
Iu den Schaltjahren, z. B. dem Jahre VII (1799), bestsnd also keine Sohwie- 
rigkeit. 



[~. ; 



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90 Sautter 

Art II. 

Die Posten, Stell wagen und Postboten. welche an dem genannten 

Tage batten abgefertigt werden miiBSen, werden ©ret am 1. Vende- 

iniaire VI rtach ihrem gcwChnlichen Beetimrnungsorte abgelasseu. 

Art. ur. 

Am 5. Schalttage V beateht eine 24stUndige Pause im ganzen 
Gebiete der franzosischen Republik fur alle Poster, Stellwageu nnd 
Postboten, die aicL wfihreud dieses T&ges unterwega befiuden sollten. 

A usftibrun gavor so hr if ten. 

Zum Verstandniss und zur Ausfuhrung vcrstehender Beetim- 
mungeu mogen eich die Postdirectoren Folgendes gegenwartig halten. 

1. Keine Post darf am S. Schalttage dee J&hres V abgefertigt 
werden, keine Briefkarte darf das Datum des 5.* Schaltt&gee 
tragen. Die Abfertigung der Kartenschliisse wird auf die ge- 
wohuliche Stands dea folgeuden Tages verechoben. Schalter* 
und Bureaadieost soil jedoch in gewohnlicher Weise ststtfin- 
den, nur die Postabfertigung und der Kartenschlusswechsel 
ruheu 21 Stunden. 

2. Alle Fostanstalten, welche nach der gegenw&rtigen Dieostord- 
nung eine oder mehrere i'oaten zu' irgend einer Stunde an 
den ungraden Tagen abfertigen und dies demgemaee aza 5. 
Schalttage thuu mUssten, verschieben diesee Geschtlft auf die 
betreffende Stunde des I. Vendemiaire VI und datiren auch 
die Brief barten dementaprecheud. Der 5. Schalttag wird tiber- 
eprungen. 

Posten, die siob nnterwegs befinden, machen eine Pause 

von 21 Stimdoti von Mittortinclit doe 4. Sohalttagee ab (B«- 

ginn des 5. Scbalttages) bis zur Mitternacht des 5. Schalttages 
(Beginn dea 1. Vendemiaire). 

Der Auedruck Mitternacht ist iibrigens nicht wSrtlich zn 
nehmen. Die Fost soil nicht etwa mitten auf der Straase 
oder an einem nnsicheren Platza eteben bleiben. Drei Stun- 
den Uber Mitternacht hinaue werden bewilligt, damit die Post 
das nacbste Helais oder die n achate Foststation erreichen kaon, 
wo dor Wagen untergestellt und das Poetfelleisen in Sicherbeit 
gebr&eht werdeu muss. Genau 24 Stnnden spater fahrt die 
Post von dem Orte, wo sie ihre Fahrt unterhrochen hatte, 
wieder ab. Hatte die Poet in Folge eines Unfalles u. s. w. 
Verspatnng auf ihrer Fahrt, so kann diese Verep&tung auf den 
24stfLndigen Aufembalt in Anfecbnung gebracht werden. 

Da die Postdirektoren, namentlieb diejenigen an den 
Ha up tor ten der Kuine, zieinliufc genau vorberstlien kOiineu, 
wo die vor dem 5. Schalttage sbgefertigten Posten den 24stiin- 
digen Aufenthalt nehmen xntissen, so geben sie den Postcon- 
ducteureu dieeerhalb eine bestimmte schriftlichc Anweisung mit, 



. 



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Di© fran*oiitcho Po«t am Niodorrkoin «te- 9% 

nebst einem Ereuchen an die Behordec, den Poetconducteuren 
in alien StUcken Hiilfe und Beistand zn lcieten. Die vorstchen- 
deo VorBcbriften, eoweit sie die flichtabfertigung der Pcsten 
und deren Aufentnalt unterwege w&nTend dee 5. Schalttages 
dee Jahres V tmtreffen. Bind auf PoBtbalter, Stellwageubesitzer 
and Boteu an wend bar. 

Die Poetconducteure empfangen fUr den Aufenthalt unter- 
wegB am 0. Schalttage Bezahlung fur einen Reisetag nach 
Verhfiltniss ihres MeilenvergutungasatzeB und der Zeit, die sie 
zut Zurlicklogong ihrer Reieo oufwendon mUaeen. 

Dies Bind, BHrger, die von der Verwaltung ergriffenen MasB- 
nahmen, denen Sie eich, eoweit der Dienst ihrer Bureaus in Frage 

komffit, jcenau anbequemen wollen. 

Grass nnd Brnderliete! 

gez. WouillcBaux, Caboche, 
Kouviere, Lebarbier, Carcnge. 

Ako lieber den Postenlaaf auf 24 Stunden troterbrecben, ala 

fUr das neue Jahr eine von tier bisberigen abweichende Fabrord- 
nung einflibren; daa iat der Sinn dieser aeltaamcn, von echt burcau- 
krarischera Gebte diktirten Verfagung, die man nnter „toutes lea 
gloires de la France" wabrlich nicht zu rechnen hat 

Am 1. Maw 1790 wurde Radler von dem Posten des Regie- 
rungskoimnissars fltr die rheinischen Departements abberufen and 
der aim dem Elsass nach der oberen Donau dem Erzberzog Karl 
pntgegenmarsehirenden Jourdon'sehen Armee ale KLriege-KommieBar 

zagetbeilt 1 ). Wenige Wocben nach seinera Abgange kam daa 
Postwesen in den vier rheinischen Departements an einen entscbei- 
denden Wpndepunkt DnR Direktnrium in Paris heschloss, die 
bis dabin gesonderte Verwaltung des rheinischen Postwesena auf- 
zabeben und dasselbe nunmehr ganz der General-Direktion des 
franzCsischen Postweaens in Paris zu unterstellen. 

WHhrend die allgemeine Verwaltung in den 4 rheinischen 
Departements nocb bis zum 23. September 1802 eine gesonderte 
war, wurde die Postverwaltung bereits vom 1. Germinal VII 
(21. Marz 1799) an von Paris aus geleitet. Soweit aus den vor- 
handenen sparliehen Aktenstticken ersehen werden kann, wnrde 
alsbald dam it begonnen, die Organisation der Postverwaltung, wie 
eie im Itinera Frankreichs bestand, auf die A rheinischen Depar- 



1) B o ckenb eim er , S. 24. 



r, ; 



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92 Sautter: Die franzdaischc Post am Niederrhein etc. 

tements schablonenmassig zu Ubertragen. Aub dieeem Uebergang 
<ier bisberigen begonderen Laadeapost in die CentraJleitung zu 
Paris erklart sich auch das genau mit jenem Zeitpuukte zusammen- 
faltende Versagen der rbeinischen Geschichtsqnellen in Bezug auf 
Vorgange des Postwesens. Staata- und Stadtarchiv der Rbein- 
provtoz entbalton von da ab nur noch vereinxelte, auf das Post- 
wesen sicfa beziehende Urkunden, aus denen eine za&ammen- 
b'angende Darstelluag liber die Wirksamkeit der Post in den fol- 
genden Jahren der iranzttaiacben Herrscbaft nicht geliefert werden 
kann. Eine solche wUrde nur unter Benutzung der franzOaiscben 
Staatsarchive geacbrieben werden kronen. 



. 



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Beitrage zur Geschichte Crefelds 

und des Niederrheins. 

Von 
Hermann Kenssea sea. (f). 



(ForUetaunff.) 

a 

Der ehemalige Rlttersitz Gllnde. 

Etwas sUdwestwiirtg von der Stadt Rheinberg Hegt das Hitter' 
gut Glinde, ein alter, seit dem 13. Jahrbnndert nachweisbar bereite 
vorhandener Edelsitz des gleichnamigen Rittergeschlechtes, dessen 
letzte Zweige bis in den Ansgang dea 15. Jahrhnnderts reiehen. 
Das erste Anflreten der Hitter von Glinde fallt namlich in das 
Jahr 1231. Die Geschichte dieses Geschlechtes ist, soweit una die 
erhaltenen Urkunden einen Einblick in dieselbe gestatten, keine 
besonders geracschvolle und glanzende geweseu, sondern bewegte 
sich innerhalb der engen Scbranken, welcbe dem Landjunker ge- 
zo^en waren. Eine Ausnahme brachte in dieses StilUeben eine 
Fehde, welcbe der Lebnsberr mit einem andern Fllrsten auszu- 
feehten hatte, oder der Anfenthalt des KnrfHrsten in der N&he, 
an dessen Hoflager sich dann Feste vollzogen oder Jagden und 
Kampfspiele, an welchen sich die Ritterschaft zu betbeiligen hatte. 

Der Hitter Winnemar von Glinde ist der erste aus dieser 
Familie, welcher uns in dem obengenannten Jahre urkundlich be- 
gegnet. Im Jahre 1250 erscheint er wiederum, diesmal in der Be- 
gleitang seiner drei SOhne Heicrich, Rotger and Jacob. Letzterer 
ftihrte seinen Namen wohl nach dem Oheiiri, dem Hitter Jacob 
von Glinde, der zwischen 1235 und 1241 mehrfach genannt wird. 



r. ; 



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"94 H erffi&nn Kenssen sen. 

In deru zaerst genannten Jab re verzicbtete er zu GuQsten der 
Abtei Kamp auf den Zebntauspruch an die Rfaeinberger Kircbe. 
Ein weiterea, nicht einreihbares Mitglied dieses Geschlecbtes acs 
jener Zeit ist der 125C genannte Nicolaus von Glinde. 

Ein zweiter Ritter Winnemar von Glinde, wahrscheinlich ein 
Enkel den ersteren, begegnet nns nrkundlich in der Zeit von 
1282-1301. Am 16. Jani 1282 leistete er fur die unmUndigen 
Kinder des verstorbenen Jacob von Pelden, welche mit ihrer 
Matter nnd den iibrigen Gescbwistern den Hof Kaldenhoven an 
<!as Kloster Kamp verkauft batten, BUrgschaft dafilr, dass sie den 
Verzicht spater vollzieben wllrden. Am 13. April 1294 verkaufte 
«r belbftt demselben Kloster 38 Morgen Land in der sor. Berker 
Furt. Seine Schwiegerin Alveradis, die Gemablin seines verstor- 
benen Brcdere Heinrich von Glinde, genebmigte nebst ibrem Sobne 
Rutger am 5. Mai 1295 den getbatigten Verkaaf. Am 1. Janaar 
1301 tritt Winnemar In einer vom Grafen Theodericb von Miirs 
<1em Kloster Kamp ansgestellten Urkunde zam letzten Male anf. 
Past zu dereelben Zeit (am 13. Januar 1299) verkanfen die Ehe- 
leute Heinrich and Sibilla von Glinde mit Znstimniang ihrer beidea 
Tdchter Katbarina und CUcilia ihre Guter in Kaldenhausen und 
Dryuen an die Abtei Kamp. Dieser Heiurich war, wie die Ver- 
kanfsurknnde ausdrlicklicb hervorhebt, ein Sobn des zuietzt er- 
wabntec Winnemar von Glinde, also aucb wohl dessen Erbe in 
dem Besitze des Gntes. 

Ftlr diese aitere Linie der Besitzer von Glinde scbeint sicb 
rait ziemlicber Sicberheit folgende Stammtafel zu ergeben : 

Winnemar von Glinde 
1231-1250 

Heinrich v. Glinde Rutger v. Glinde Jacob v. Glinde Winnemar v. Glinde 

10CO-1294 1SG0 12C0 1289—1801 

Gem. Alverade 



Rntger v. GHnde Winnemar v. Glinde Heinrich v. Glinde 

1296-1329 1329 1299—1320 

Gem. Sibilla 



Katbarina v. Glinde Cacitia v. Glinde 
1299 1299 



In welcher Weise sich die nacbfolgenden Glieder dieser Fa- 
milie an die ebengenannten anreihen, ist bei dem Mangel weiterer 



r. ..... 



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Beitrage zur Geachichte Crefelds und dea Niederrheina. 95 

orkundlichen Nachricbteu uiclt wohl mebr festznsteilen. Das ver- 
biudende Mittelglied scheint zn i'ehlen. Seit dem Jabre 1321 be- 
gegnet uns bis zam Jabre 1342 vielfacb in Urknndeu Jacob tod 
diode; seine Bruder waren Heinricb nud Theoderich. Am 4. Juli 
1335 verkanfte Jacob im Einverst&ndniss mit seiner Fran Koni- 
guude und seineu Kinderu Gerbard, Kathariua uud Mabilia — dirae 
war mit Rembold Ingenhovcn (in Cnria) verm'ahlt — an HeiDricb 
Beyart 30V E Morgen Land in der Meckeldonk bei RheinbeTg. Die 
geuanuten BrUder mit ihreu Franco Christine and Elisabeth stimm- 
ten dieeem Verkaofe zn. Ein zweiter Heinricb von Glinde trit 
in derselben Urkoode als Treubalter ond Burge anf. Gegen Schlu&s 
dceeelben Jabrea, am 15. December, vcrkauftc Jacob too Glinde 
(von der Glinde) rait ZnBtimmung seiner drei StShne Gerhard, 
Johann nnd Gottfried nnd seiner Tochter Katharioa and Hedwig 
4 Morgen Wiesen bei Ossenberg dem Kloetcr Kamp- Die bereits 
verbeiratbete Tochter Mabilia gab im nftcbstfolgenden Jabre nacb- 
traglieh zn dem Verkaufe ihre Gutheissung. 

Mebrfseh wird der ©bengenannte Theoderich von Glinde in 

Urkunden erwahnt. Mit seiner Fran Elisabeth batte er wahr- 
scbeinlich das Gut Mehrheim (Mernm) als Mitgift erbalten; nacb 
dem&elben fubrte er den Znsatz „ gen aunt von MerLeim*. In den 
Besitz von Glinde 1st er wohl nicht gelangt. Seine Ebe war mit 
Kindem reich geseguet. Seine Tochter Elisabeth war mit dem 
Rheinberger SchCffen Theoderich Bertolds verm&hlt. Von denStihnen 
Jacobs von Glinde tritt zuuacbst Gerbard von Glinde in den Vor- 
dergrnnd. Im Jabre 1346 Ubernabm er die Vormnndsebaft ttber 
die nnmllndiKen Kinder seiner Schwester Mabilia, deren'Yater 
Rembold Ingenboven im Jahre vorber mit Tod abgegangen war. 
Am 17. Dezember 1361) leistete er zngleich mit seinem Binder 
Gottfried (Godert) dem Grafen Wilbelm von Berg and Ravensberg 
den Scbwnr der Treue nnd ver3prach ihm, tren und hold sein zn 
wollen, wie ee sich fur nnwidersagbareMannen ihrem Herrn gegen- 
tlber gezieme. Neben ibnen scbwnreu nocb 14 dem Rheinberger 
Patrizierstande angeborige Btlrger und Ritter den gleicben Eid. 
Knrz vor dem Ausgange des Jahrhnnderts erscbeinen beide Brtlder 
noch einmal nrknndlicb, ein Jabr spater (1396) ancb ein dritter 
Brader, Johann von Glinde. 

Wir stehen an dem Zeitpnckte, wo das Rittergut Glinde be- 
reits aos den Handen der gleiebbenannteu Familie in die eines 
ebenfalls in nnd bei Rheinberg begtiterten nnd dem Clevischen 



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96 Herm&an Eeusien sen. 

entstamiuenden ritterlichen Geachlecfates tibergegangen ist. Die 
Ingenhoven (in Cnria) duroh Verheirathnng mit der Familie von 
Gliude verwandt, aind die BesiUtr geworden, wie, mass aaaufge- 
klart bleiben. Es ist iudess nicht unwahrscheinlieh, dass finanzielle 
Bedrangnisse den Gtlterwecbsel veranlasst haben. Die Familie 
von diode eocbtc jotzt bci den mHchttgcn adeligen Hcrrcn der 
Nachbarschaft anderweitige Versorgnng. Mtfglicher Weise haben 
nnglllcklich gefdhrte Febden dabei mitgewirkt. Wir hdrten schon, 
dase zwei Mitglieder dieaer Familie sich io den Dienet dee Grafen 
von Berg begaben ; andere traten in devische nnd kurktilniscbe 
Dienste. Godert and Jobann von Glinde gelobten im Jabre 1421, 
dem Grafen Gerhard von Cleve mit Got nnd Bint berzoatehen. 
Ersterer war nm 1413 kurkoiniscber Amtmann in Rheinberg, der 
Rrnder Jobann batte 12 Jabre spater dieselbe Stellnog inne, woM 
sis des ersteren nnmittel barer Nachfolger. Andere Mitglieder der 
Familie flttcbten in den Dienat der Stadt nnd sucben bier dem er- 
bleicbenden Glanze deB Kamens neuen Scbimmer zn verleiben. 
Und in der That finden wir nnter den stadtischen Patriziern Rhein- 
bergfi mebrere aus dem von Glinde'schen Geachlecht, die sich mit 
Erfolg nnd Ebre dem stadtischen BtirgerdienBte gewidmet baben. 
Heinrleb von Glinde ist in der Zeit von 1423—1488 alB Scbttffe, 
Gottfried von Glinde im Jabre 1425 ala Rathsherr von Rheinberg 
verzeichnei Letzterer wnrde im Jabre 1449 mit dem Zehnten zn 

Nenkirchen bei Mtfrs nnd mit MermannBgnt bei Baerl vom Grafen 
von Mors belehnt. Ira Jabre 1472 begegnet una nocb einmal ein 
Heinricb von Glinde in der Loetstrasse, als dessen Bruder Godert 
genamU wird. Seit diuseci Jabre verHtummen die Nacbrichten Uber 
dieses ritterbtirtige Geschlecbt. 

Die zweite Familie, welche sich des Besitzes von Glinde er- 
frente, ist das vveit verzweigte Gescblecht Ingenhoven, uraprttnglich 
im Cleviachen, bald aber an verscbiedenen Crten des Niederrbeina 
angesesaen nnd begutert; so zn Barenkamp bei Dinslaken, zn Aster- 
lagen im MBrsischen, anf Hans Ingenhoven bei Lobbericb nnd 
endlicb in und bei Rheinberg, anf Hans Kaasel, in Bndberg und 
Menzelen. Bei eicer solcben starkeo Verzweiguog halt es sehr 
schwer, in den dUrftigen nnd mangelhaften Nachrichten deo ge- 
meineamen Faden auffcuflnden unfl festxuhalten. Der In Rheinberg 
aeeshafte Zweig war es, welcber den Ritteraitz Glinde erwarb. 
Bis znm Jahre 1600 iat er in nnnnterbrocbenem Besitze desselben 
gebliebeu. Ancb die Ingenboven verschmabten bfirgerlicbe Ehren- 



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Beitrtge *ur Geschicbte Crefelds urid den Niederrheins. 97 

steilen oder sicbere Amtsstellungen nicbt; sie scbeioea sogar den um- 
gekehrten Weg der von Glinde genommen zu baben and ane 
stadtischen Fatriziern Landjnnker geworden zu sein. Bereits 1321 
bis 1335 etoeseo wir auf einen Rheioberger SckOffen Hermann 
Ingenhoven, 1335 — 1345 anf einen Schfiffen nnd Bttrgermeister 
Rembold Ingenboven, 1425 — 1430 anf den Schoffeo Bernhard Ingen- 
boven nnd 1524 anf einen Johann Ingenboven, der knrfttratlicber 
Schnltheiss in Bbeinberg war. Im Jahre 1550 begegnen wir eben- 
daselbst dem Bttrgermeister Gerhard Ingenboven. In der ver- 
worrenen Zeit dea TruchsesBiBchen Krieges war Johann Ingen- 
boven eine Zeit Iang Amtmann in Bbeinberg; vermnthlicb gehorte 

cr dcm Mttraiechcn Zwcigc an. Anch ein Gclcbrtcr iet aue dioecu 
adeligen Geschlechte bervorgegangen, namlicb der Magister Ger- 
bard Ingenboven (in Curia); im Jahre 1462 war er Rector der 
Universitit zn Basel. Die genannten Glieder der Familie in einen 
genealogiBcben Zusammenhang zn bringen, hat nicbt gelingen 
wo 11 en, es feblen die verbindenden Mitglieder. Dagegen war unter 
den narhfolgenden Mitgliedern die Verbindnng «n Rehaflen. Ein 
Berabard Ingenboven, dessen Gemablin eine gewisse Helwigis war, 
lebte in der erstenH&lfte des 14. Jahrbnndcrts nnd binterliese vier 
Kinder: Bernhard, Rem bold, Wilhelm nnd Mechtilde. Rembold, 
schon mebrfach genannt, batte mit seiner Gemablin Mabilia von 
Glinde gleichfalls vier Kinder: Johann, Berabard, Jacob nnd Hed- 
wig Ingenboven. Von diesen begegnet nns im Jahre 1369 Jacob 
Ingenhoven in Begleitnng seines Oheims Bernhard ; beide scbwuren 
dem Grafen Wilhelm von Berg den erwaiinten Hnldignngseid. Ale 
sein Sohn wird nns nrkundlich im Jahre 1406 Wilhelm Ingen- 
boven genannt. Der Rbeinberger Scboffe Bernhard Ingenhoven 
1427 — 1450 ist wahrscheinlich sein Sohn oder Neffe. Er wohnte 
an der Stadtmauer neben dem llanse der Dnisburger Minoriten. 
Eine Agnes Ingenboven, welcbe im Jahre 1377 Goswin von Ham- 
broick gebeiratbet batte, war eine Tochter Bernhards nnd Enkeiin 
Rembold s Ingenhoven. Unter den genannten Rittern nnd l'a- 
triziem zeichnete sicb namentlich der Hitter Jacob Ingenboven 
dnrcb kriegeriscbe Neignng aus. In den geldriscb - cleviscben 
Kampfen seiner Zeit war er in Gefangenechaft gerathen ; lacgere 
Zeit hatte er in Kempen im Kerfeer schmachten mussen. Em 
Fferd, das er dabei eingebtt&st, erhielt er im Jahre 1376 mit 50 
Scbilden ersetzt Fttr die nachfolgenden Glieder des Geschlecbts 
fehlt wieder der Znsammenhang. Es Bind dies Wolter Ingenhoven 

Annalen dea Wrt. Veralns hXV. 7 



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98 Hermann Keussec sen. 

im Jahre 1411, Gertrud Ingenhoven 1488—1450 nnd im gelben 
Jab re 1450 Wilbelm Ingenboven, Schbtfe in Eversael. Ebenso ist 
tier im Jahre 1462 &1b Amtm&nn zu Krakan bei Crefeld genannte 
Johanu„Ingenhoven nicht weiter einzureiben. Aller Wahrschein- 
lichkeit nach gehttrte er dem Zweige zu Aaterlagen an. 

Vnm Anngange des 15. Jahrhnnderts ab wird ftin engerer 
Anschluss der einzelnen Glieder wieder mOglich. An der Spitse 
steht Loeff (Lndolf) Ingenboven mit seiner Gattin Sibilia and 
seinem Brnder Johann. Ludolf, der bis eegen 1517 lebte, hinter- 
liess drei Stibne: Lndolf, Wilbelm nnd Johann Ingenboven. Der 
letztere Hess sich im Jahre 1517 ftlr eeinen Brnder Lndolf mit 
dem Hause Kassel bei Members belehnen. Er bekleidete einiee 
Jahre spitter (nm 1524) das Scbulthcissenamt zn Rbeinberg; bis 
znm Jahre 1554 Iftsst er sieb verfolgen. Es war, wie es scheint, 
sein Vater Lndolf mit einer rou Dript verm&hlt gewesen. Im 
Jahre 1552 tritt Johann Ingenboven ale Erbe der beiden in der 
Abtei Ftirstenberg gestorbenen Konnen Sibilia von Eyll nnd Ger- 
traud Angenendt anf. Bei seinem Tode war eein Sohn Lndolf 
noch unmtindig, sodass Jacob Ingenboven zn Niederbudberg die 
Vormnndscbaft tJber ibn fubrte. Ersteier war mit Anna von Loe 
vermahlt Am 1. August 1571 kanfte Lneff mit seiner gen. Fran 
ein Haus in Rheinberg an der Stadtmauer neben Johannes Inger- 
Hcbmitten, Lueff Ingenboven und Heinricb Dorsten von den Dais- 
burger Minoriten. Die beiden in der Urkunde fungirendea Zengeu 
Hugo von Dript und Wilbelm Ingenboven deuten anf die ver- 
wandtscbaftlichen Yerh&ltnisse hin. Anf diesen Lueff Ingenboven 
scheint der Beeitz von K&ssel Ubergegangen zn sein, wahrend das 
Hans GHnde selt 1565 seinem Gross-Olielm Jacob Ingenboven ge- 
horte. Dieser letztere lebte bis zum Jahre 1574, wo sein Sohn 
Bernhard in den Besitz trat; derselbe stammte ans des Vaters Ehe 
mil Deatrix von Uouselei. Beruhard, deu wir bis 1583 veifulgeu 
kttnnen, hiuterlieaa einen Sobn, Hugo Ingenboven, der Komthur 
des dentschen Ordens wurde nnd sieb mit Anna Margaretba von 
der Heck verm&hlte. Nach seinem Tode wurde znnacbst der Ge- 
mahl seiner altesten Tochter Anna, Wilhelm von Wacbtendonk, Be- 
sitzer von GHnde Seine zweite Tocbter Cftcilia war mit Gert von 

Ken h off in die Eh© getreten. Eho wir uns weiter Ubor dieae £r- 
ben von Glinde verbreiten, mrjssen wir noch einen Augenblick bei 
dem Mannesstamme.der Ingenboven verweilen. 

Der eben alsVormand Lueffs von Ingenboven erw&hnte Oheim 



r. ; 



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BeitrSge zur Gescfcichte Crefelds and des NiederrheiBS. 99 

Jacob lngenboven wurde 1550 mit dem -Gate vor dem Dyck, mit 
deru frtlher der Drost zn Geldern Lnetf von Eger belebnt gewesen 
war, belebnt. Sein Sobn Jacob wnrde im Jabre 1573 mit dem- 
telben Gate belch nt. Dos Haue Kaseel besasB am 1654 Jacob 
lngenhoven, welcber dem bei Lobbericb ans'assigen Zweige ange- 
htirte. I'm 1627 lebtc iu Rheiuberg die Ed el dame Anna lngen- 
boven, tiber deren Familienverbaltnisse uns keine weiteren Notizen 
zu Gebote Ziehen. 

Wilheltu von Wncbtendonk eUrb ncbet seiner Gemahlin be- 
reits vnr 1632. Er fainterltess eine einzige Erbtochter Anna Maria 
Elisabeth von Wacbtendonk, welche bei dem Tode der Eltern noch 
unmtindig war. Xbre Vormttader Adolf tod Wald&es, Heinriob 

von Hertenfeld und Joacbiin von Bocboltz bevollmUcbtigten den 
Baron Adolf von Honuepel gen. Impel za Blttmersheim am 29. De- 
zeruber 1632, ttir dieselbe das Lehngnt Meckel don k bei Rbeinberg 
vora Frinzen von Oranien als Leben zn empfangen. Sie vermahlte 
sich apttter mit Wilbelm Adam von Stranven, welcher am 12. Mai 
1650 im Namen seiner Gattin vor dem Mtirser Drosten Wilhelm 
Reiner von Cloudt wegeo der Meckeldonk den Lehnseid sebwor. 
Im s el ben Jabre snehte er fttr eieb nnd seinen Sobn Franz Wil- 
belm die Belehnung mit Glinde nacb. Sei* Gesnch wnrde abge- 
vviesen, indem der Vetter Wilbelm von NeuhorT, der Sobn Cacilias 
lngenboven, ihm znvorgekommen war. Die von Stranven nannten 

sicb gleichwohl eine Zeit lang Herren zn Glinde. Ein Oheim 
Wilbelm Adams von Stranven war der Kbiner Weihbischof Georg 
Paul Stravins, tier im Jahre 1642 bei seiner Kllckkebr von Lttttich 
Uberfallen nnd gefangen wnrde. Fttr seine Befreiung masste er 
800U Rtblr. zahlen. Er starb am 4. Febrnar 1661. 

Die Familie von Nenboff 1st bis znm Jahre 1719 die Be- 
siUeric von Glinde gebliebec. Der oben genacnte Wilbelm vou 
Neuboff war Drost zn Nieurode nnd seit 1686 mit Anna Henrietta 
von Nenhoff, genannt Ley, vermablt Sein Halbbruder Wennemur 
von Kenhoff war mit Elisabeth yoo Evil vom Hauee Gastendonk 
bei Kempen verheiratbet nnd Drost zn Bochnm. Wilbelm von Nen- 
boff hatte zwei SObue Wilbelm Wennemar and Dietrich Stepban 
von Nenhoff. Am 16. Oktober 1655 empfing der eratere die Be- 
lehuung mit Glinde; er war darxals Hanptmann im Regiment vou 
Spaen. Er avancirte zum Oberatlientenant im Regiment zu Fuss 
dee Herzogs von Wtlrttemberg und nahm lebhaften Antheil an den 
kriegeriscben Ereignissen eeiner Zeit- Im Jabre 1688 fand er 



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100 Hermann Kenan en ten. 

seinen Tod ror Negroponte. Er war auch Dentsch-Ordens- 

Komthnr zn Obcrfliersbeim. Sein Bruder Dietrich Stephan hatte* 
bereits 1678 die Belehnnng mit diode etnpfangen. Er starb in> 
Jabre 1694 ale Droet zn Nienrode und Cleviecb - Markischer Be- 
giernngsrath. Mit seiner Gemahlin Anna Elisabeth von Neuhoff 
batte er 10 Kinder, SOhue and 4 TOebler. Der ttlteste Suhu 
Caspar Stephan Heinricb von Nenhoff war 1663 geboren ; er batte 
oaeh dem Tode des Vaters die Belehnnng mit Glinde empfengen, 
start) aber bereits am 18. Juli 1G95 bei der Belagcrung yod Na- 
mnr v die er als brandenbnrgischer Obristlientenant mittnachte. 
Gleicb seinem Voter and Grossvater war er anch Drost za Nien- 
rodo geweaen- Sein Bruder Ernet Alex von Nenhoff fand 170& 
bei der Belagernng von kaiserswerth als Hanptmann aeinen Tod. 
Eln jUngerer Bruder Franz Bernbard Jobann von Neuhoff erbielt 
im Jabre 1696 am 26. Juni das Lehen Glinde, naehdem er eben 
aus einero Feldzuge nach Ungarn, den er als brandenburgiseher 
Kapitan mitgemacbt batte, in die Heimatb zarUckgekebrt war. 
Er wirimete uwh von jetat an dem Verwaltnngfldienate, wnrde Ami- 
mann zn Altena und lserlobu end Geb. Cleviscb-Markischer Ee- 
gierungsratb. Im Jabre 1719 vcrkaufte er das Rittergnt Glinde, 
das ihm wobl zn entfernt lag, an Adrian Adolf von Dorth, eineo- 
eutferuteu Verwandten, der wit Catbarina Judith von NeuborT, gen. 
Ley, vermablt war. Dieser war ein wackerer Hacdegen, der sich 

in der Kriegsffeecbicbte eineu ruhmlicheu Namen erworben bat- 
Er stand in bollandischeri Diensten nnd erlangte den Rang eines 
Generallientenants. Im Alter von 84 Jahren nocb vertheidigte er 
als Gouvernenr von Tournay rubmvoll diese Veste gegen Lnd- 
wig XV. Zwei Jabre sp&ter, am 27. September 1747, starb er. 
Sein Sobn Johann Adam Heinrieh Sigismund von Dorth hatte in 
diesem Jabre durcb den Konrector des Miirser Gymnasiums Prey- 
sing die Belebnnng mit Glinde nachsucben lassen. Sein Bruder 
Clemens Zeno von Dortb empting die Mitbelebnung. Als derselbe 
mit Sophia Tberesia von Metteruicb znr Ebe scbritt, trat er znr 
katbolischen Kirche Itber nnd nabm knrktitaische Dienste an. Er 
wnrde knrfUrstlicber Kammerherr. Im Jabre 1709 nacb ftinfzig- 
jahrigem Besitz verkauften die Gebruder von Dortb den Rittersitz 
Glinde an Ludolf von der Rnbr, Herrn zn Ossenberg, der knrze 
Zeit nacb her, am 13. April desselben Jahres, starb nnd in der 
Kapelle zu Ossenberg seine letzte Rubestatte fand. 

Die Familie von der Ruhr 1st eine Rheinberger Familie, die 



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siacbweisbar be re its im Anfange dea 17. Jahrhnnderts in derStadt 
ibren Wobnsitz batte. Der Ankaufer von Glinde, Ladolf von der 
Ruhr, war 1783 Ratbsherr von Rbeioberg, 1735—1739 Bttrger- 
-meister. Urn 1746 kanfte er das Hans Ossenberg von dem Grafen 
Truchsess von Waldburg. Er war vermahlt mit Regina Maria 
Margaretba Halters, die im November 176G ihm im Tode voran- 
ging. Ans dieser Ebe stammte eine lange Reihe von Kiadero, 
von dcncn indese mehrere in jungen Jahren starben. Die altestc 
Tocbter Catbarina Adelheid Barbara, geboren am 2. Oktober 1726, 
verbeirathete sich am 29. Juni 1749 mit Joeeph Clemens Leaders; 
-eine zweite Tocbter Maria Agnes, geboren am 12. April 1731, war 
aeit dem 25. Oktober 1759 mit dem spateren Bttrgermeister in 
Neuss Heinricb Hermann Jordans, dem Vater des franzbsischen 
UnterpTflfekten Jordans in Crefeld, verehelicht. Eine dritte Tocbter 
Johanna Dorothea, geboren am 19. August 1742, verband sieh am 
21. Aogust 1773 ehelich mit dem knrpfalzischen Gebeiroeu Kammer- 
rath Florenz Kiesel stein in Dttsselriorf; eine vierte, am 19. Mai 
1744 geboieoe Tocbter Auua Maria Regiua veruiablte sidi am 
13. Mai 1774 mit dem burpftilziechen Hofrath Jobann Peter Gos- 
*vin Joesten in Gladbach. Von den Stthnen heiratfaete der jtingate 
Caspar Michael Anton — geboren am 29. September 1748 — die 
fiaronin Maria Ignatia von Wevelinghoven-Sittart. Dieser letztere 

trat gemeinschaftlicb mit seiner Scbwester, der Kammerratbin 
Kioscletoin, in den Beeitz von Glinde. Sp&ter ging darch Kaaf 
<las Gnt an die Familie Banmann tiber; von dieser ererbte ee der 
jrnit einer Ban maun verbeirathete Gutsbesitzer Knaben. . 

Die Frage, ob Theodor von Neuhoff, der spUtere Kttnig von 

■Korsika, welcher der NenhofPschen Familie angebort, in deren 
Besitz einst das Gnt Glinde war, hier das Licht der Welt erblickt 
hat, mnas vor der Hand nnentschieden hleiben. Die Rheinherger 
Taufregister vermelden darllber debts. Der letzte Besitzer von 
Glinde ane der Familie Neuhoff batte ausser den b ere its erwfthnten 
BrUdern noch zwei, welcbe sich dem Militarstande gewidmet batten, 
Friedricb Wilbelm von Neuhoff, der ate Lieutenant io dem Treffen 
-bei Landen fiel, und Leopold Wilbelm von Neuhoff, der in bischtff- 
lich-mUnsterischen Dieneten ale Hanptmann stand nnd ein ziemlich 
nnstetes Lebeu fflbrte. Ans seiner Ehe mit einer gewissen Henn 
— ein Franz Winand Joseph Henn ist nm 1740 Gerichtsschreiber 
in Rheinberg — stammt der oben erwalinte Tbeodor von Nenboff. 
Die Mnttcr war eine Btlrgerstochter ans Viset an der Maas im 



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102 Hermann Keuisen sen. 

Luttichschen. Ihr Vater war Armeelieferant gewesen, nnd so war 
die Bekanntschaft wobl leiclit berbeigeftlhrt worden. Leopold 
Wilbelra starb bereite 1695 im Alter von 28 Jahren. Die beiden 
Kinder — ausser Tbeodor war noch eine Tochter vorbanden, die 
sich mit einem Grafen von Trevoox vermablte — aollen anf Glinde 
geboren sein. Tbeodor war beim Tode des Vaters 4 Jahre alt. 
Seine Erziebung erupting er bei den Jesuiten in Mtinster nnd K&ln. 
Ein nngltick lichee Duell, das er hier mit einem Stndenten batte, 
nttthigte ihn zur Flucht naeh Holland. Onrcb Vermittelung des 
Bpanischen Gesandten erbielt er eine Lieutenantsetelle bei eicer 
spaniscben Truppenabtheilnng, die zum Kriege in Afrika bestimmt 
war. Er wnrde fianptmann, aber bei einem Ansfall ana Oran von 
den Manren gefangen und an den Dey von Algier ansgeliefert. 
18 Jabre lang diente er diesem ale Dolmetscher, bis er im Jabre 
1735 von ibm mit 2 Regimentem den Korsikanern, welcbe das 
Joch Gennas abscbUtteln wollten, zu Htilfe geschickt warde. Er 
batte gltlcklicbe Erfolge nnd wnrde von den dankbaren Korsi- 
kaocvD im Jabre 1736 zmu KOnige auegerufeo. Er ouchte holtttn- 
dische Htilfe nacb nnd begab sieb znr Erlangnng derselben per- 
sttnlicb naeh Holland. Er kebrte mit aeinem Vetter, dem Baron 
von Dortb, zurttck, reicbliche Kriegemnnition rait sich ftthrend. 
Ah aber im Jahre 1738 franzftsische HUlfetmppen die Genneser 

untersttltzten, war seines Bleibens anf Korsika nicbt raehr. Er 
enohto io Vccodig, Florenz und anderw&rte HUlfo nacb, aber 
(iberall obne Erfolg. Eine Zeit lang verweilte er bei dem Bey von 

Tunis nnd hofile von dort ans wieder Besitz von Korsika ergreifen 
zu ktftmen. Dooh ancb hier war seinee Bleibens nicbt, er rnneete 

wiederum flieben, kam nnn naeh iangen Irrfahrten naeh KOln, von 
wo er Ende Februar 1741, von einem einzigec Bedienten begleitet, 
in einer armliohen MiethkntRflip naeh Wien fnhr, dann weiter 
naeh der Schweiz. Hier bielt er sich bei dem General Salts auf 
nnd nahm unter dem Namen eines vomebmen Engl&nders an den 
Gaatmahlern theil, die dieser General den fremden Ministern gab. 
In Begleitung von vier Personen ging er hierauf nacb Italien nnd 
endlieh naeh Lissabon, von wo aus er im Dezember 1742 im 
Besitze grosser Geldsnmmen eine Landnng auf Korsika beab- 
sicbtigte. Diese warde aber vereitelt. Er kehrte naeh Florenz 
znrtick, mnsste aber, von seinen Glftubigern gedrSngt nnd verfolgt, 
abermals fliehen. Er £ing nacb London, wnrde aber hier seiner 
Schnlden balber verhaftet. Anf Verwendung des engliscben Mi- 



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Boitr&ge iur 0— o h ifl hU Crofolda un<J do« Ki#«Wr)»Amt- 103 

Bisters Walpole wurde eine Sammlnng verangtaltet, die zur Be- 
friedignng der Glaubiger verwandt werden sollte. Er starb im 
Jahre 1756 zn London in Urmlichen VerhkltcisBen. Seine Frennde 
setzten ibra ein Denkmal, dag die Inscbrift trng: 

Das GlUck gab dem Maane ein KOnigreich und versagte ihiu 
im Alter Brot 
Vortrag, gehalten im Verein von Geschichtsfreunden zu Bheinberg. 



9. 
Zur Geschichte der CrefeWer Zeitungspresse. 

Der )( Duisbnrger Intelligenz-Zettel" war die nttcbflte nod fast 
einzige Quelle, aus der den Bewohnern Crefelds alles Wissens- 

werthe anf amtlicfacm Gebiete zufioss. Allznviel Intelligent dUrfte 
man, nach den vor uns liegenden Proben aris dem Jabre 1784 zn 
Bchliesoeo, daiaus nicbt geechtipft babca. Bo lautet glcicb die 
er8te nrit der Ueberscbrift „Warnung8-Anzeige u versehene Nacb- 
ricbt: „Es wird hiemit dem Publico bekannt gemacht, dass ein In- 
qni&it wegen rerscbiedener verUbter Diebstable anf 4 Jahre zura 
Znchthanse condemniret worden. Cleve, im Regiernngsrath, den 
12. Marti! 1784. Freiberr von der Reck' 1 rathGelhaft genug und 
h&nnte za ecb&rfeinnigen Vermutbnngou anreizen. An cinor an- 

dern Stelle desselben Blattes heisst es nnter der Knbrik: Personen, 
derec Dienst verlaagt wird an&serbalb Duisburg: In Crefeld wird 
ein© gnte Hebomme verlangt, diejenigen, welehe gute Zengnie»e 
ihrer Lebeusart und Geschioklicbkeit beybringen konneo, wollen 
aich fordersam&t bey dem Menrsiachen PTOvincial-Collegio medico 
zn Menrs, oder dem Magistrat zn Crefeld melden nnd die n'ahern 
Conditioner rernebmen. Meurs den 19 ten Febraarii 1784. Vom 
Reklame - Wesen findet eich in dem Klatte allerdinge ancfa eebon 
eine Spar, wenn es nnter „IX Von nenen Schriften" heisst: Die 
allgemeine Anweisung der neoesten ScbCnschreibkuust dee Hoch- 
graft. Lippiscben Botenmeisters nnd Actuaries J. G. Weber fttr die 
Jngend bohen nnd niederen Standes, desgleichen fur andere Lieb- 
baber einer schOnen Feder nnd fUr Frauenziramer, mit einer ge- 
dmckten Anweisnng nnd beygefdgten Orthograpbie, ist dnrch ganz 
Dentscbl&nd so bekannt, nnd wegen der darinn befindlicheu 40 
Stuck in Kupfer sauber gestocbenen Vorscbriften so beliebt, dass 



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104 Hermann Keusaen sen. 

davoD nunmehr mit vtflliger Zufriedeobeit dee Herrn Verfassers im 
Verlage der Helwingschen Univer6Uatfl-Buchhandlung allbier ein 
ganz neuer Abdruck anf yielfftltige Nacfafrage hat veranstaltet wer- 
den mUsscn u. s. w. Wir seben, der „Duiabarger Intelligenz-Zettel 1 ' 
bot seinem Pnbliknm eioe ganz eigenthtimliche Art von Unter- 
liulluugslileralur, die eel bet dew uucblerueltu Pr&ktiker uiclii ge- 
cug than konnte. Da war ihm selbst der „Anzeiger" in seiner 
nrsprtinglichsten Form coch weit fiber. 

Wer eicb Belebrung Uber den Lauf der Tagesereignieec ver- 
schaffeu wollte, der sachte sie hier veTgeblich. Er mnsate sich zn 
dera Behufe von Koln die tl Reicb8-Ober-Po8t-Amts-Zeitnrjg" mr 
gutcs Geld vcrschrcibcn. Allznvicl crfubr cr aljcr anch bier nicnt, 
denn dfls Itifaliehe Censuramt sorgte gewifisenbaft daflir, daas keine 
„unpassenden and anztlglicben Znsatze, Vernflnftelungeu and Aas- 
echweifungen Uber die Grenzcn der ein em Zeitungsscbrciber zn- 
stehenden Geechicbtserz&hlung" gebracbt warden. Die politische 
Kaimegiesserei auf der Bierbank war also flir cnaere Altvorderen 
sehr hescbrilnkt, me dnrften — es ging ja nicht andem — nnr die 
eigene Kirchthnrmspolitik betreiben p und dass die mager genng 
blieb, daflir sorgte die besondere Kontrolle m&chtiger Familien, 
welche eine Cenanr eigener Art dnrch ibre „Comptoirbedieiiten" 
ausltben liessen and bosen Klatsch recbt tlbel vermerkten. Das 
waren patriarchalische Znst&nde, in welcbe die fracztteiscbe Re- 
volution and der im Jahre 1794 erfolete Einmarscb franzdsiscber 
Truppen pltitzlich wie Uber Nacht einec unliebsamen Riss brachten. 
Das stolze Wort Pressfireiheit klang verlockend genng nod ward 
audi damals schon ein Schlagwort, tod dessen Zaaber man sicb 
grosse and wunderbare Wirkungen vereprach. Als nnn mit dem 
Einrttcken der Franzosen die Verbindnng mit dem recbten Rhein- 
ufer erschwert, ja uicbt lange nacbher das Herttberbringen von 
Zeitnngsbl&ttem ans jener Gegend bei schwerer Strafe anfs strengste 
nctersagt wnrde, da war Crefeld fur seine politiscben and littera- 
riBcben Bedttrfnisse — nnd solche empfand jetzt anch der scblicbteete 
Philigter — einzig nnd allein anf Ktiln angewiesen. Hier trat 
denn aacb bald eine ttppige Saat nener litterariscber Unterneh* 
mungen, grttsstentheils politischer Natnr, ins Leben. Das war der 
Zeitpnnkt, wo sich ancb hier znm ersten Mate ein litterarlsches 
Unteruehmen hervonvagte. Wer den Impnls dazu gab, wisaen 
wir nieht. Der Mann, welcber sich zn dem kflbnen Wagniss ver- 
etieg, waT Peter Scbuller aas Dusseldorf. Er war nocb nicbt 



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Beitrage zur Geschichte Crefelds und des Juederrheine. 105 

lange inCrefeld anstoig; durch seine VermHhluug mit der Tocbter 
des Apothekers mid ehemaligen Bin-germeisters von Crefeld, Karl 
Max Bilrckh, hatte er sicb eineg gewisaen EinfiuBees, rjamentlich 
anch in amtHchea Kreiserj, zu erfreueo. ScbUller war eia friscber, 
muthvoller Mann, der die Scbwelle des Mannesaltere erst eben 
Uberschrltten hatte. Die geistlgen Krafte, welche sicb irim bel 
dem jnngen und gewagten Unternehmen znr VerfUgung stellten, 
sind dem Nam en nach nicbt bekannt. Doeh glauben wir kanm 
fehl zil gehen, wenn wir dem hiesigen Jakobiner-Klub eiuen grossen 
Antheil an der Mitarbeiterschaft zuerkennen. Wenn einzelne Mit- 
glieder desseibec, wie z. B. Engeibert rem Brack, eines Tages 
die Vntcrachaft cinigcr bestimmtcn Artikcl lcognetc und crkl&rtc, 
bis beute (3 Wocben nach Ergeheinen der ersteu Nummer) nicht 
den geringsten Ambcil an der HerauBgabe des BJattes genommen 
zu haben, eo bewciat das, dass man ancb echon damals den ge- 
nannten KLub im Verdacht gebabt und sicb nnr in der Person ge- 
irrt hatte. Es stehen ucs leider keiue weiterec Materialien zur 
VerfHgnng, durch welche wir das Dunkel liohtec kttnnten. Jeden- 

falls waren es Wanner von Geist and Begabuog, die als Gevattern 
an der Wiege der f Pclitischen und litterariachen Iris am Nieder- 
rhein" gestanden, uod wir brauchen dieselben nicht ausschliesslich 
im Weichbilde der Stadt zu sucben. Doeh wir verzichten darauf, 
each der Vaterschaft weiter za forschen. Genug, die ersto Nummer 
der Iris erschien am 12. Nivose im 7. Jafare der frauzftsischen Re- 
publik, also am 1. Janaar 17A9. Mit einem el-was iiberschweng- 
Jichen, aber warm empfuodeuen poetischen Prologe „Iris am Ho- 
rizonte* trat die Zeitung mit der 3 Centimes-Marke an der Stirne 
in die Oeffentlichkeit. Wir kOnnen es uns nicht versagen, den- 
selben hier nnverkiirzt zum Abdruck zu bringen : 

Truvkuel die Tbriue let, VOlker am friedlicU r&uocheoden lUicuuo! 

Sturmt in die Leier zurn Friedensgesang ! Ee hallen am Ufer 

Bis zu Helvetians Alpen die Jubeltone der Frcude ! 

Hell wird Germacia Dir. Sieh Deinem Genius reicbte 

Galliens Genius bieder und treu die Reohte zur Suhnucg, 

brach Bchon die ersten Zweige rom Friede verkiindeDden Oelbaum, 

Und Irena wird bald zum Krauze der Eintracht sie wiaden. 

IIoil wird Gcrroauia Dir! ISacb furcbtbar ocbreckendea Wctlcrn, 

Sieben Todeajahre sturaten die achreckenden Wetter, 

Wfilbt im Donnergewolk izt Iris den farbigen Bog en. 

Und das Nachtgewolk flieht. Schon echweigen eracoutternde Donner, 

Und der Damon des Kriegs, mit ehemen Fesseln nmwtmden. 



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106 Ha r mann Kensien sen. 

Kniracht nun bald ergrrimmt im geschlosaenen Tempel des Janua. 

Heil wird Germania Dir ! Nnn flam men meat lodernde Stadto, 

Ihre noch gluhende Asche trickt nicht mehr die Thrfcne des Burgers, 

Der sua verodeter Heimath in feme Fluren sioh rettet, 

Wenn ihn die Gait in, das Kind, mit Seufzern zum Yater des Weltalla, 

Der die Bruderliebe grebot und Frieden und Eiutracht, 

Ilin zum entlegencn Land in stummer Wehtnuth begleiten, 
Mit der geborgenen Habe auf ihrem zarteren Kucken. 
Nein ! Germaniena Flur gTiint friedlich im kommenden Lenze, 
Und der Huttenbewohner erfreue sich lastender Garbeu, 

Weinet der Menachlichkeit Thrane, am friedlich rauBchenden Rhecnt 

Volker durch Ruhe begluckt, dem Elend entfernterer Briider, 

Denen Verwiiatung und Tod und schrecklicbe Fnrien drohen. 

Heil wird Germania Dir ! Doch jene Donnergewolke, 

Wo zum Segen fur Diet die friedliche Iris nuu lachelt, 

Thiirmon grausonvollor sich dort am Ufer der Tiber. 

Nacht schwebt fiber Hesperiens Flur, rorn Blitze erheHet. 

Dee Apenninua Gehirg hallt schon vom schmetteraden Donner. 

Ueber Ausonien weint Dort wetzt, auf Sonne der Freiheit, 

Der Fanatismus den Dolch, und difnet den Tempel des Janus, 

Urn mit lechzender Wuth das Blut in Stromen zu trinken. 

r'insternisa k'ampft mit dern Licht. Erkauft rait britischem Golde 

Eilet der Sklav am Veauv, der Sklav am flam mend on Aotna 

Seinen Blutdurst selbst in Roms Spitalem zu loschen. 

Blickt izt grausenvoll bin. Vem Ufer der starrenden New* 

Und von der Wolga, vom Don uad rub Siberiem Wiisten, 

VValzen sich keuchend herein die Stiinner ron lsmailB Wallen | 

Und die Sturrner Pragas und Oczakowa rauchender Maucrn, 

Um sich im Blute der Kinder, der Weiber und UreiBe zu baden. | 

S*t1ir. At»a Ictlnme VerAbrer r«icht ibnen b«trogen di© HooMa, ! 

Kampft getfiuscht an der Seite des kaum befriedigten Feindes, 

Dem nacb dem stolzen Serail in seiner Habsucbt geliiatet, 

Und der Archipel siebt staunend vereinte Geech wader. 

Aucb der lllyrier drobt Schon sturzen Hungarians bcharen | 

Sioh nach Latium hin, das Scbreckensgewolk ku vermohren. 

Blitze acblangelo sich schon und wie vom flammenden Aetna 

Fenergewnlke sich Koeh zum Horixonte erheben, 

Wird auf Heaperiens Flnr die Glut entziindeter Stadte 

Und des stilleren Dorfa, ihn rothen den schaudernden Hiramel, 

Wird sich die Lava von Blut mit Fluthcn der Tiber vermischen. 

Weinet der Menachlichkeit Thranen, sm friedlich ranschenden Rhenus 
Volker durch Ruhe begliickt, dem Elend entFernterer Briider, 

Denen VerwnstuDg nnd Tod and fnrchtbare Furien drohen. 

Harret ! Es trotzet dem Sturm, das Hanpt fiber Wolken, wie Atlas, 



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Rwtrego anr Gefichieb+4 Crpfeld* nrid 4«* Xi«derrfateina. 107 

Galliens Genius noch. Er wird die Furien fesseln 

Und nach blutigem Knmpf den Volkcrn vona Nil bia «ur Kewa 

Mit dem Oekweig den Segen dee BUBseren Friedene erringen. 

Seir.em Staate Heil, wenn rub end anf ruhmlichem Lorbeer 
Er nnn dea hausliche Gluck der Heldenbiirger vergrdssert. 
Wenn nun fern von Europens, wenn fern ron Afrikas Floren 
Jenes Xaclitgewolk echwand, und Feinde als Bruder sich kQaaen; 
Dann ward im lernen Gewclke die friedliche Iris euch laoheln, 
Euch der Menechheit Gluok, den Menachon edelndo Ziige 

Hober Gotteribat, im froben Ectzucken erzahlen. 

Wird euch sehildem, wie dann Bewcbner atolzer Pallaste 
Und der niedern Hiitte sich zartlich ale Bruder umarmen, 
Gleicher Eecbte sich freuen, die Pflichten des Men&cben erfiillen 
Cnd dnrct Sittlicbkeit gross dem Bilde der Gottheit sich nihero. 
Acb ! verkundete sie dem Erdkreia einat ewigen Frieden, 
Allen Volkera Heil im Pilgerwandel zum Himmel; 
Dann mog ihr farbiger Bogen am Horizcnte verschwindeu, 
Wenn im letzten Gewolk noch einmal die strahlende Sonne 
Scinert Farbenglanz rait Fenerflammen erhdbte. 

Wlr seben ana dtesem poetischen Ergnss, wotiln die poll- 
tiechen Bestrebungen der Iris gingen: Die engste Vcrbrttderung 
xwischen Frankreich nnd Dcutschland im republikanischcn Rahmen 
and mil dem bekannteu MoUo: Freiheit, Gleicbbeit and Brttder- 
lichkeit Im Publikum mU&sen nach dem Erscheinen der ersten 
Nummer (dieselbe entfaielt nichfc wetter, als deo oben gebrachten 

Prolog) die Stimroungen echr gcthcilt gewcaen acin, wenn man aus 
dem prosaischen Prolog der zweiten Nummer Riickschltlsse sich 

gestatten darf. Zum Verstandniss der ganzen Lage der Dinge 
w©rdon wir daran orinnorn mllseon, dase die Verwaltung der Stndt 
in fremde Hande iibergegangen, dass der prenssische Stadt- und 
Landrichter Starrraaun seines Amtea enteetzt, die mCrsische He- 
gierong gefltiehtet nnd labm gelegt war, nnd dsus gfcgen Schlnas 
des Jabra 1798 ein ehemaliger Schaospieler end Spracblebrer 
Jobann Friedrich Toscani aus Stuttgart, ein Rone" von 44 Jahren, 
dna Heft der Stndtregiernng als Oommissaire dn directoire ex^cu- 
tif pres la municipalite de Crefeld in Handen batte. Dem Namen 
nach war allerdings Ludwig Max Rigal der Pr&sideut der Muni- 
zipalverwaltung:. Die Stimmnng wird also wobl keine allzn rosige 
geweseu sein f zninal aucb der GeacbUftegang Snsserst flau und die 
Friedengauasichten noch in weite Ferne gerUckt schienen. Mit 
zagenden Blicken mochten aucb manche die verheissene dauernde 
VerbrUderang mit Frankreich, wic sie die Iris erapfahl, anschauen. 



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10ft Hermann Keuaaen sen. 

und besonders die ebemaligen Beamten werden kauoi sympathised 
aolchen Ansehauungen gegeuiibergestanden, ihr politisches Ge- 
wissen wird sich dagegen gestr&ubt haben. Manehen von ihneu, 
•die nicht gleich mit ids repnblikanische Horn tntctcn, erging es 
ktimmerlieh genng, und gewiss beseufzten sie im Stillen ihr schweres 
'Cescbick. 

Die Redaktion sah sich also veranlaest, in der zweiten Knm- 
mer etwas genauer and verstandlicher, als das in der poetiscben 
ErCfTnaiigSDummer gescheben konnte, sich ttber ihre Ziele ausza- 
lassen, und das that sie in einem zweiten Prolog. Ein nenes 
Zcitnngsblatt, so heisst es hier, welches sich zum ersten Male in 
-dco ZirUcl dee Publikumo wogt, bedarf aber ebeneowohl oiner 
Vorrede. als ein nenes Buch usw. Vielen Lesern der Anktlndiguug' 
war der Titel der Zeitung nicht deutlicli geoug. Fttr diese aind 
wir genttthigt, folgende Erklarung voranszuschicken. Mehrere Zei- 
tungen erscheinen unter dem Namen Merkur, welcher bei den 
Alten der Bote und Herold der Getter war. Wir haben daher der 
nnsrigen «wr Ahiweahaeliing den N:impn der Irifi gegehen. Mit 
demselben bezeichneten die Alten den Regenbogen als eine beson* 
dere Gtfttin, die als Gesondtin der Juno and der ttbrigen Gott- 
heiten erschien. Mit dem Regenbogen stieg sie vom Olymp zur 
Erde and wieder dabin zurttck. Ihr Name iet daher fflr eine Zei- 
tung ebenso angemessen, als der Name Merknr und geschmack- 

voller als der schlichce Titel: Crefelder Zeitung. Dann er- 

klart der Heransgeber weiter; Die Zeitnng soil kein Chaos von 
Nacfarichten, keine Mixtur von Wahrera und Falschem sein. Der 

Hanptartikel „Gescbicbte anserer Zeit" soil eine zusammenhkrjgende 
Geschichtserzahlung der Weltbegebenheiten und eine wahrhaft 
treue Darstellung derselben enthalten, dass diejenigen Leser, welcke 
unsere Zeitung sammelu nnd aufbewahren wollen, in diesem Ar- 
tikel ein achtes Geschichtsbuch der Ereignisae uuserer Zeit be- 
sitzen sollen. Im Artikel „Miscellen" soil das Neue des Tages 
gcbracht werden, ohne dass jedoch Iris flir die Wabrheit der- 
«elben Biirgschaft ieistet. Ftir die nachste Zeit bittet sie noch nm 
nachsichtige Beurtbeilung. Weiter, heisst es am Schlusse der Vor- 
rede, wollen wir znr Empfehlung unseres Blattes nichts sagen. 
Ein guter Wein braucht fceinen Epheukranz und ein scbtecfater 
wird durcli dieses Schild nicht besser. Jeder Leser wird selbst 
die Rolle eines Recensenten tlbernehmen nnd die Verfasser werden 
gegen eine billige nnd verntlnftige Kritik vom einsicbtsvollen Pabli- 



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Beitr&ge zur Geachichte Crefelds und dee Niederrheine. 10^ 

kum nicht taub sein. Das nene Blatt hatte sich, wie wir htfren, 
eine bohe Aufgabe gestellt, 211 deren LCsung ungettbte Krai'te und 
geringe finanzielle Mattel uumOglich gentigten. Nach einem 
knrzen rllhmlichen Anlanf wurde das Blatt scbcn lahm und matt, 
and namentlich wnrde cs mit dem Uauptartikel „Geeehichtc no 
serer Zeit" schon recbt bald still und stiller, und mit dem acbten 
Geschichtebnch haperte es am meisten. Die Miscellen machten 
nach karzer Zeit den Haaptbestandtheil des Blattes aus. Der po- 
litischen Stellung uach schielte das Blatt stark nach der Seine hin, 
wiewohl aoch nicht zu vcrkennen ist, dass sich mitnntcr alto 
patriotische Erinnernngen geltend machten, wenn vom prenssischen 
Ilerr&cberbauac die Rede war. Die Kedaktiuu gab sicb uiauuig- 
fach den Anschein, als lief ere sie Originalberichte selbst aus Pa- 
ris, London asw., indess scoeint die Zahl solcher Artikei nicht 
iibermassig gross gewesen zu seia. Sie White oft genag selbst 
(lurch, dass sie binter den Erwartungen zurlickblieb, denn sie be- 
nutzte nicht selten die Gelegenbeit, dem Publikum zn versichcru, 

daes eie ihre hobo Anfgabo nnvorrtiokt im Augo bobalt©. So l&est 
sie sich beispielshalber in der Nr. 5 „Crefeld den 21. Nivose" 
fiber ibre Aufgabe aus: Unsere Iris wird, uui den Raum zu sparen, 
die Leser bo wenig als mCglich mit GerUchten und Sagen unter- 
halten, welche oft wie ein Irrlicht auf einige Augenblicke das 
ItUterae Pnblikum tiiuschen and pltftzlich verschwinden. In Hr. 8 
bestimmt sie unter d*»r TJpherachrift; ^Rtigen*' dieae nnch gftnauer, 
wenn sie scbreibt: Unsere Iris hat den Lesern eine Kritik der 
Bchicfcn Voretellungen, Tfiuschungen nnd Unwahrbeiten versprochcn, 
wodorch das Publikum, welches Wabrheit fllr sein Geld verlaiigt. 
in andern Blattern biutergangen wnrde. Sie aueserte in der Au- 
klindigung, dass sie manchen parteiiscben Journalisten aas Hi rem 
Farbenbogen betranfeln werde. Heote lesen wir aueh diesen 
ferner fortsospinnenden Faden an, bei welchem es am Stoffc nicht 
leicht feblen dilrfte usw. Die Zuknnft soil es beweisen, dass wir 
ihm stets wahre Facta liefera, nnd bei unvermeidlicber Tauschung 
eilen werdcn, den Irrthnm zu bericbtigen. Achtung gegen das 
Publikum maeht uns dieseHandelsweise znm Gesetz. Diese Ach- 
tang allein ist es, welche una reranlasst, die groben VersUn- 
digungen „des politischen JonrnaU" mit aller verdienten Strenge 
zo rtlgen. Der Heransgeber desselben, welcher mit tacherlichem 
Stolze aogar im Nimbns nicht des Zeitungs-, sondcrn des Geschichts- 
sciireibers auftritt, gegen Frankreicb ein t5dtendes Gift verspritzt 



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1X0 Hermann KeueseD sen. 

«nd in jedem Monatsstllcke Unwahrheitcn auf Unwabrbeiten bauft, 
tauscbt einen grossen Theil seiner Leser noch so sehr, class wir 
ck ftlr Ffiicht halten, die von ibm uocb Verbleudeten durcb Be- 
weise aufmerksani zu macben, wie weuig Glauben ein Mann -ver- 
dieut, der sein Publikam so f'rech hintergebt asw. in Nr. 12 

ochl&gt die Bcdaktion eokon veicder oincu vrchmuthevoilcrcu Ton 
an, indem sie schretbt: „Mit raancheriei Hindernissen kUmpfend. 
die theils der Neid, theils der Winter, theils der Druuk. einer 
jeden ucuen Einrichtnng bcrbeiftihrten. konnte un6ere Iris bieber 
tueistens nur aus ihrer Spracbe und aus ihrem Tone beurtbeilt 
werden. lbre Leser eollen aber nacb einer nocb knrzen Frist 
eehen, class sift sich aneh bald durfib Neiiigkeiten »iis7Ptrhnfin 

werde, sobald alles irogange ist. Von diesem Vereprechen liefera 
wir bcatc eiue kleiue Probe. 1 * Und die Probe ficl karglich jrenug 
ads. Sie ricfatete ibre Spitze gegen den russiuchen Kaiser Paul 
und tadelte die Verblenduug des Wiener Hofes, der die eigen- 
macbtige Erhebung Pauls znm GroBsmeister von Malta genehmigt 
und dadurcb Russia nds Plan zum Weltdespotistnns befordert babe. 
Die am Schlusse versprochene, bOchet intcrcssante Fortsetz.nng des 
Artikels ersebien nicbt, dabingegen in Nr. 13 eiue devote Bitte 
um Entscbuldigung, dass die Bedaktkm ohne genaue Prllfuug 
einen Artikcl liber England aufgenommen, und sie giebt das Ver- 
sprechen, das Einscbleieben solcber Coutrebande hinfort zu hemmea 
Docb die Unmfriedenheit des lesenden Publiknms muss yon Tag 
zu Tag zugenommen baben, denn scbon bald wieder ricbtei sieb 
Iris an die Leser und sucbt sie zu besebwichtigen. Schwerlich, 
eo klagt sie ? hat cine Zcitung bei ibrem ersten Eintritt in das 
Publiknm mit mebr Hindernissen kampten mtlssen, ais nnsere gate 
Iris. Gleicb zum Anfange bemmle man boshaft und aus Brotneid 
die Verbreitung der blossen Anklludigung. Bei ibrer ersten Er- 
scheinnng mussten einige Dekaden verfliessen, eiie unsere aos der 
ersten Quelle gescbiipften Nachrichten eingehen konnten. Iris ver- 
trfistete ihre Leser. Kaum waren endlich diese unsere Original- 
nacbricbten am jenseitigen Kbeinufer angelangt und Iris in den 
Stand gesetzt, den metsten offentlichen Blattern in frtiber Mit 
theilung derselben vorzneilen, so hielt una der furchtbare Strom 
durcb ocioc letzterc bciapielloee Uebcrscbnemmung, nodarch un- 
sere ganze Gegend isoiirt wurde, aeit 3 Dekaden 1 ) nicbt allein 

1) Selbat iiber die duruh den Rhein in Duisburg nnd Ruhrort unpe- 
richtete-n Sch'Aden fehlten 4 AVochen lang die naheren Hach rich ten. 



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Beitrage zur Ge«chichte Crefelds und des Niederrheiae. Ill 

jcne Nachricfcten zurttck, sondern hinderte uns anch, die seit dem 
10. Pluviose erschienenen Blfttter zu versenden. Iris ftihlt selbst 
die ausserste Magerkeit und Dorftigkelt jener Blatter, darf aber 
auch hoffen, dass die furchtbarcn Natnrercignisse ihr bei billigcn 
Lesern Nachsicht gewahren mliasen. Sie war, wie sie selbst ge- 
ctcLt, iai — NcgHg£. Von oun an k&nn eic mit reicbeui Stoff 
ansgeriistet erst ihren vollen Farbengchmuck anlegen und wird 
hoffeutlsch, sobald nnr auch die vom Rheine bisher zurlickgehal- 
tcnen wichtigen cnglischcn Nachrichtcn iu cinigcn Blatteru nach- 
gefaolt aitid, durch einige Reize gcfallen. Nur bis dahin nocb 
bittet sie ibre Anbeter das Augenglas zu sparen. Dana mag sie 
nicht mebr am Guast bet tele, sondem eich eclbei empiehlcn. Dane 

wird sie anch vor dem politischen Bannstrahle nicht erschrecken, 
uiit welchem einige ArguskBpfe ihr den Eiugang jenseite des 
Rhenus zu veisperren snehten, weil diese politischen Zionsw&chter 
sogar aus der unscbuldigen Ankundigung gewittert haben wollten, 
dass die friedliehc Iris nur Revolutionsgrundsatzc verbreiten und 
Volker aufwiegeln werde, ungeachtet der Erkl&rnng, dass sie Ord- 
nung, Rnbe nnd VolkerglUck Hebe, aucb den Regierungen der Re- 
publiken and Monarchien Aebtung beweisen wollc. Bei dem 
Styx, einem Schwur, der selbst dent Zeus farchtbar blieb, vcr- 
bttrgt sie das GegeotheD, Ihr sind die Namen Kbnig und Despot 
nicht gleiehbedeutend, und sie hat selbst rait Achtnng von dem 
KJeeblatte dreier wurdigen Regenten genprocben, die an der Spitze 
der Wenigen stehen, von wclchen in unsern Zeiten zu ihrer Ehrc 
Erwfthnnng geschehen kann. 

In den uacbsteu Wochen nimmt nun die Iris einen neuen 
Anlauf; in empbatisch gescbriebenen Artikeln wendet sie sich zu 
Gunsten Irlands gegen die habsUchtigen Briten and in weiteren 
gegen den russischen Kaiser, w ah rend sie einen ancrkennenden 
Artikel rait der Ueberschrift „Konigstngend tt dem Kttnig Friedricb 
TVilhelm von Preussen widmet. Das Diadem, so beginnt sie den 
lctztercn, welches den Schwachkopf nnd Uncdlen nie vor der 
Geiasel der Iris scbiltzen wird, soli diese treue Repnblikanerin 
ebenso wenig znr Partheilichkeit gegen den gekrbnten Edlen and 
wahrhaft grossen Mann verleiten. Sie wird nud darf auch die 
Tugend auf dem Tbrone enren, die jedem aehten Repoblikaner 
heilig ist. Am Schlnsse des Artikels heisst es dann: Miichten zum 
Heile der Menschheit diejenigen Regenten, welche dnrch Stolz, 
Despotie und Volkerdruck ihren Thron erscbuttern, von dieseui 



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112 Hermann KensBen sen. 

Edlen auf dem Throne Herrscherweisheit lernen and seinem Tu- 
gendbilde ahnlich Rein! Er, welcher empfahl, man solle den Adel 
nicht im Kleide suchen, sucbt ihn aucli im Diadem nictat. 

Der Rastatter Gesandtenmord am 28. April 1799 regte die 
Iris zu wnthscbnauhenden Artikeln gegen Oesterreich auf. Ein 
Artikel mit der Ueberscbrift n 3chnudfleck der Iufauiie" liber- 
trifft an Heftigkeit alles Mass. Wir theilen einzelne Abschnitte 
daraus mit, welche binreichend bekuuden, von welcher Berseker- 
wuth gie, befallen nud das rnhige Urtbeil getiiibt war. Im 
Eiugange beisst e8: Kein geringeres Brandmal geblihrt der flnch- 
wtirdigen nod mit einer cannibalischen Barbarei verubten That, 
dor grauoamcn Ermordung jencr Ed Ion, welche outer dem Sohutzo 
5ffentlickcr Treue, mit dem Oelzweige in der Hand, der sclbst den 
rob eaten Wiklen beilig iat, den Boden Gennanieus betraten, nm 
zwei Kationen nacb eiuem der echreeklichetcn Kriege wieder 
ansznsdbnen. Diese schreckliche Begebenheit, welcher man in der 
Weselcr Zeitimg in einein angeblicben Pariser Artikel widersprach, 
die in dem Frankfurter Jonrnnle mit einer dsiH MenftehengefllHl 
empOrenden GleichgUltigkeit kaum in einigen Zeilen bertlbrt and 
in alien schaudcrvollen Umetandcu ganz mit Stillschweigcn tiber- 
gangen wird, ist in der Iris friiher ate in anderen Blattern nnseren 
Lesern bekanut geworden. Seitdetn baben wir noch eine reicbe 
Nachlese gesammelt. Sobs Id alle Umstande vollig aufgeklart nnd 
berichtigt sind, besonders wenn der zn erwartetde Officialbericht 
der franztfsiacben Hegiernng nach den Aussagen der geretteten 
beklagenswtirdigen Opfer dieser Barbarei erecheint, wird Iris einen 
voilstandigeu und genanen Bericht von dieser tragischen Begeben- 
heit, durch welche Ocstcrrcichs Seidner sich, ihrcn Staat nnd die 
Menschheit geschandet haben, in einem znfiammenhangenden Ar- 
tikel in der Zeitgeschichte uachholeu. Vorlanfig Bamnieln wir 
f'erner alles, was auf dieses schaudervolle Ereigniss Bezug bat, 
welches zwar von einigen erbitterten Gegnern der franzBsischen 
Nation in seiner Abscheulicbkeit gemildert und beschftnigt, von 
einigen verworfenen Kothseelen vielleicht sogar gebilligt, aber von 
dem unendlich grOsseren Theile der Unparteiischen, Gefuhivollen 
nod VcrnUnftigen mit alien Regungen der Menschheit bewcint 
wird. Er wird geracht werden an den Frevlern, Unmenschen und 
Tigern, dieser Greael, Air welchen die Spracbe kaum Worte bat 
nsw. Und in der That. IriB bielt diesmal Wort nnd brachte aus- 
ftlhrliche Berichte Uber jenes Ereigniss. Sie tragen theilweise eio 



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Beitrage zur Geachichte Crefelds und des Niederrheins. 118 

offizielles Geprige and sind jedenfalls nieht ohne amtliehe Beeio- 
flusaung geblieben. Bci Gelegeuheit der groesen Nationalfeier, die 
am 8. Joni 1799 hier zuro Andenken der ermordeten Geaandten 
Bonnier und Roberjot veranataltet wurde, bracfaie die Iris eine 
Elegie, die an Starke dcr Auffaesnng nichta zu wttneehen ttbrig 
lasst, nnd die nns die Inscbriften, welche der von Pechfackeln 
scbaurig erbellte Sarkophag in der Dionyaiuskirube Irug: n Vengeon8 
rassafisinat, Ponissons le perjure, Aux armes" reebt veretttndlich 
kommentirt. 

Gallien traure, vom Rhentu bis zam Pyrenaengebirge, 

Von <3er Alpoa Gobiet bU on dem Ooean hinl 

Ueine Edlen, die Boten mit t'riede verbeiasendem Oelzweig, 
Xach dem blutigen Kampf, welcher die Volker zermalrnt, 
Deine Edlen, die Boten aelbst Caraiben noch heilig, 
Nocb von dem Wilder gvscbiitzt, welcher ein Wiegenkind wiirgt, 
Acb! Sic fielen durcba Schwerdt tod Austriens wilden Band i ten 
Und ihr beiliges Blut netzt ein gesch&ndetes Lend. 

Gftllion iranro ! Gewurfrt, wio Tiger wute&d nur w!irg«n, 

S&nken sie onter dem Streich, welcher die Glteder zerneischt. 
Siefcst du sie bluten die Edlen V Sie kamen, Stromen vom State 
Durch ihren friedlicben Zweig menscblicber Einhalt zu then? 
Horat du ihr Rocheln? Horst das Geachrei der Gattin nnd Kinder, 
Welche den Vater, den Mann fruchtloa von Mdrdern erflehn? 
Siehst du die Gattin beepritzt vom dampfenden Blate des Edlen, 

Wolehor die friodliohe H&nd fruebUoo Bum Himmel orhob? 

Hor es ! nnd sieli es! and bebe und weine und schwore hent Baobe 

Nieht einem jammernden Volk, daa mit dir achuldlos erbebt, 
Mordern nur Rache, nor Tigern, die wild die Menschheit verlaugnea 
Und den Oelzweig verschmahn, welchen dein Genius reicht. 
Volker trauern mit dir, es trauert mit dir der Edle, 
Dessen gefuhlvoUes Hen klopfend im Busen sich hebt. 

Wine, tie b*»bt«n, sie ffihlt«n mil WKgem Untnntli d*w S**»1p, 

Kechte der Vfilker verletzt, Rechte der Menschheit gekrankt. 

Wisse, dich r&cbt dies Gefiihl t Sie sprachen den Fluch fiber H order, 
Gaben der Nachwelt 8io eiuat ew'ger Verwiinachung nocb preis. 
Gallien traure und schwore, dein Schwerdt aei Kriegern nur furchtbar, 
Welche daa ihrige feig, frevclnd zum Meuchelmord liehn. 

Kur diese Rache nur kampfe, fur Rechte der Volker, des Menachen, 

Ria do im blntigen KornpF Femdn dpi- Mpnnnhhpit he&iegt. 

Schmdcke die beilige Graft gewilrgter Boten des Friedens 
Hente beim Leichengessmg mit dem Cypresaenzweig ana. 
Ibre Manen veraOhnt die Tbrane klageuder Volker 
Und der Trauerflor, welcher das Vaterland deckt. 

Annates des Wst Terdns LXT. 8 



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114 H ermflcn Ken seen boh. 

Ihre Mar, en versobnt, dem Lorbeer cacfc Siegen errnngen, 
Auf die Statte gepflauzt, die izt ilir Blut noch benetet, 

Wo ihn zum Segen der Volker der Oelzweigr de8 ewigen Friedeos 
Unter dem Jnbelge&ang frohcrer Enkel umarmt. 

W&hrend Iris bisher sich wohlweislich gehtltet, sich geger 
die Maehthaber in Parte in mieebilligender Weiec ausznspreebcn, 
schwillt ihr mil einem Male' der K&mm, als das Direktorium im 
Juni geattirzt wird uud neben Barras Ddcob nod Moulins an die 
Spitze der Repnblik treteu. Sie schreibt in No. 84: Und Dank 
sei den Helden der gesetzgebenden Versammlnng, es g&nzt die 
Morgenrothe dicaer Verbesserung nach der biaherigen FinBterniss. 
Leider konnte man den fregnorn der Repuhlik bisher folgende 
Scbatten im Gemalde derselben nicbt ableugnen : Despotismus der 
vollziehendcn Gewalt gegen die gesetzgebende, Bedrttckung des 
Yolks der erobertea Lander und iremder Staaten, Schwichang 
des Heeres, Sorgloeigkeit fUr die Truppen uud VeruaehliUsigung 
der tapfern Vertheidiger des Vaterlandes, eia System der Eabsncht, 
des Raubeus and Pltinderns in Frankreich selbst, bei den Armen 
durcb die gierigen Komraissarien und in den L&ndern, welche 
durch die Waffen der muthvollen Republikauer besiegt waren, 

— BegUnstignng einer Horde von Blntigeln, welche den 

franzOsischcn Staat nnd einen Theil Europens, Bewohner der 
Pall&ste und Hlitteu anssaugttn uaw. Iris gewinnt den Mutb, in 
besonderen Artikein mit der Ueberschrift : Des neueren Diogenes 
Laterae den Abgrnnd nnd die Gefahren aufzudecken und zu ent- 

fernen, welche das Wohl der grossen und schatzbaren Nation mit 
einer furchtbaren Vernichtnng bedrohen. Seid nnr, so ruft Dio- 
genes stolz, Gallier, was ihr aein kfinnt und sollt, trotzt dem 
ganzeu, gegen euch verschworeneu Europa uud siegt leichter wie 
Helvetier, Bataver und Nordamerikaner siegten. Docb Diogenes, 
nachdem er ein paar Unterscbleife nnd Erpressungen nntergeord- 
neter Beamten gerflgt, wird allmahlich Btnmm, denn am Himmcl 
war ein Denes Meteor anfgegangen, dem Iris znjnbeln mnss. n Frauk- 
reichs neue Metamorphose" tritt an dieStelle der durch eine Keihe 
von Nummern sich mtiheam hinschleppenden Angriffsartikel gegen 
England nnd dessen grossen Staatsmann Pitt. Der 18. Brumaire 
hatte das Gescbick der franzttaiscbeu Itepublik cuteohiedeu uud 
Napoleon Uberliefert. Interessant ist e8, die Stellnng zu venieb- 
men, welche Iris dem neuen Maohtiahaber gegenliber einnimmt: 
Dem grtJsseren Theil dee Publikums ist die Zuknnft iu emeu 



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Beitrage zar Ceachichtfi Crefeld* und des Niederrhainr 115 

«iunkeln und finstern Schleier verhfillt. Kinige erblicken schwarze 
Wetterwolken binter demselben nod Vernicbtnng der repablika* 
nischen Staatsverfassong, Royal ismns in Frankreicfa, Despotie tind 
Tyrannei eines Einzigen. Diese Ansicbt wurde allerdings iui 
Hintergrnnd verdankeln, wenn es wabrseheinlicb wfiro, dass man 
Rich in den Grnndsiitzen, der Denknngftart, dem (Jharakter, den 

<iesinntingen und Planen eines Buonaparte geirrt hatte, der gleicb 
■tin em Oberon mit seinera lieblicben Horn auf dem Scbauplatz der 
franzOsiscben Repnblik erscheint and darcb sein filasen dae ganze 
Schurkengesindel im WirbeUanze heramacbleudert Andere seLeu 
dagegen binter jenem Nebel den beiteren Horizont, seben die reine 
Wiedergebnrt der franzostecben Repnblik, die Sauberung derselben 
too alien Factionairs, Blutigeln, Ranbern, welche die Repnblik 
sowohl filg die Bnndesgenossen und ancb die feindlicben Staaten 

metbodiscb aasplUnderten. Dieser wabre Stall des Angias, 

in welchem eicb noch der Unrath ans den Zeiten des vorigen ver- 
dorbenen Zustandes in der letzten Epoche der franzbsiscben Mo- 
narchic befand, erforderte cine-n Hcrhulce wic Oberon Buonaparte 

zn seiner SUnberong. Allgemein let der Enthusiasmns 

fur die neue Umwandlong nnd fllr Buonaparte. Alles 1st ruhig, 
und Sonncnglanz ecbeint fttr die Zukunft zu lacbelu. 

Nach dieser Wand tang in Paris wurde Iris bald lenderilahni, 
-der Diogenes mit derLaterne zog es vor, scbweigend zn verscbwinden 
nnd der trotzige hochgeachraubt© Repablilcanismae, wie ibn die 

Iris im ersten Halbjabre mit vollen Backen verktlndet, wurde von 
Tag zu Tag kteinlauter, am am Sehlnsse des Jabres ganz zn ver- 
stnmmpn. Hip hnhp Aufgnhp, wp.khe aioh dift Itir gpRtallt, hatte 
8ie cicht roll gehalten, wenn man ibr anderseits ancb das Zeug- 
nise nicht versagen darf, daas sie in Anbetracht der besonderen 
Zeitverhk'ltnisse sich einen vornebmen, wenn aneb etwas selbstbe- 
wuseten Charakter bewabrt, nnd dass sie, me hocbgescbraabt and 
echwnlstig znweilen auch die Gedanken sich berrorwagten, sich 
in einer stilietiscb gewandten Ausdrucksweise vortheilbaft auszeich- 
iiete. Mit ihren religitfsen Ueberzeugnngen bielt Iris in keiner 
Weise binter dem Berge. Sie zeigte sich als eine Feindin des 
Mtfnchswesens nnd jeder Priesterherrschaft and gab das Uberall 
-oft in derbcr Weise zn erkennen. So macbte sie Ubcr den Fasten - 
dispens des Wiener Erzbisehofs die Bemerknng: Warn werden 
<loch die Menscben zn der Aufkl&rung konimen, dass sie dep 
Pricetern nicbt mehr das Recbt einraumen, naeh nngebtlbrender 



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116 Hermann KeusBeusen. 

Willkttr ihrcn KUchcnzettel zu machen and Despoten ihres Fleisch- 
appetita zu sein? Ein anderes Mai aossert sieh Iris bei der MhV 
theilung, dags der Papst, als er (lurch Bologna gekommerj, denv 
zahlreich veraammelten Publikum seinen Segen ertheilt babe: 
Se. Heiligkeit schreitet auch bei alien bisherigen Belebrungen nocb 
nicbt mil dcru Gciet des Zcitalters fort Den Geistlicben iu Hum 
hat er befohlen, dass sie den geleisteten Blirgereid bei Strafe dea- 
Kirchenbanne8 zurllcknebmen sollen. Als wenn man diesen geist- 
lichen Blitz izt noch zn fttrchten hfitte, wo man sogar gegen den* 
physischen seinen Ableiter hat! Gar drastiseb bebandelt sie in. 
No. 98 eine gegen den Vikar Becker verh&ngte ExkommiinikationY 
ttber deren Text: ,Da der bekannte Vikarine Becker aaf die po- 
gchebene Vorladung nicbt erscbienen and man ibn folglich am 
Leibe nicht strafen konnte, man aber seine Vergebungen und Slln- 
den fUr zu gross hie*lt, als dass er deshalb h'Atte ungestraft blei- 
ben dlirfen, so worde anf Anratben des Prases Neukircben und 
dee geistlichen Ratbs Rtfhren seine Seele in die Acht erklftrt und 
dem znfolge wnrde am lsten Junius 1799 von dem Fflratbisehof 
Franz Egon Ton Ftlrstenberg der Grosse Bann feierlieb gegen ihn> 
ausgesprochcn und publicirt" sie folgende Bemerkungen macbt: 
Bisher waren weltlicbe Herren nnr im Stande, am Leibe zn ziich- 
tigen and zu tiJten. Wer zittert aber nicbt vor geistlicben Ty- 
rannen, welebe sich die Gewalt anmasBen, auch Seelen in die Acbt 
nnd fflr vogelfrei zn erklSren and Geister zn tdten? Wie darf 
obne SchamrCtbe cin solcbe« System der Finsterniss in unserea 
Zeiten nocb anfgestellt werden? Da indessen nach der Aensse- 
rang dieses scbrecklicben geistlicben Tribunals im Polarlande za 
Paderborn die uns unbekannten Vergehrjngen nnd SClnden des- 
Vikarius Becker so gross sind. dass er nicbt ungestraft bleibea 
darf, so spedirt Iris ein Exemplar dieses Blattes als Steckbrief 
schunr8tracks zur Htille and ersucht in Snbsidiam Juris die drei- 

bekannten scbrecklicben Furien, die vom Hollenhnnde Cerberus 
anznpackende Seele des Vikarins anznhalten, in gefSngliche Haft 
zn Ziehen nnd sub oblatione ad reciproca gegen Reversal ien und. 
Erstattung der Kosten an die drei nocb fUrcbterlicberen Gross* 
inqoisitoren des bocbnotbpeinlicben geistlicben Seelengerichts in- 
Paderborn Franz £gon, Neukircben nnd Kobren znr verdienten. 
Bestrafung ausznliefem. Doch wir erinnern nns, dass der obige 
Unsinn selbst die Grenzen der Satyre Uberscbreite, nnd Ubergebert 
daber das sanbere Triumvirat biermit der verdienten Geissel aller 



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Beitrage zur Geschichte Crefelds nnd dat Niederrheins. 117 

Yerattnfligen. Doch genug der Proben. Der geebrte Leser 

>wird sicb au8 deneelben eic zutreffendes Bold unseres altesten 
fPreseeneugnieaes haben entwerfen konnen. Vervollstandigen wir 
•dasselbe noch dorch einige Notizen liber seine Unssere Erscbei- 
xnng. Es war ein zweispaltiges Doppelquartblattcben, das 4—5 
•Mai in der Dekade, spftter stets an den geraden Tagen der De- 
kaden erscbien nnd balbjHhrig 9 Francs koBtete. Anzeigen war- 
-den dem Blatte aebr wenige zngewandt, selbst behftrdlicherseite 
wnrden nnr selten Verfbgungen in demselben publizirt Vergeblich 
Latte Iris sicb bemtiht und erklart, eie wolle amtlicbe Verftigungen 
xnr allgemeinen Kenntnias bringen nnd den Gewerbtreibenden 
•Gelegennelt geben, Gescnaftsanzelgen anf leichte Wetee zu ver- 
faeiten. Neben ausserat dUrftigen Theateranzetgen erachien ab 
srnd zn ein Pnblikanduin seitens derMunicip&Iveraaitnng, mi tenter 
■tine Bllcberanzeige, die anscbeinend vom Verleger selbst auaging, 
nnd im ganzen Jahre vielleicbt ein balbes Datzend Gebnrtsan- 
"zeigen nnd Verkaafsanbietnngen. Finanziell wird sicb das Ge- 
ach&ft fHr den Vcrlcgcr der Irie ©ffenbar cicbt gelobnt baben, 
selbst wenn die Mitarbeiter auf jeden irdischen Lobn verzichteten. 
Wie lange die Iris erscbienen ist, ist mm nicbt bekannt, vor uns 
liegt nur der erste Jabrgang in 173 Komracrn. Die lctzte Nuntmer 
-enthilli keine Andentnng darliber, ob das Blatt nocb weiter er~ 
scheinen wfirde. 

Die Irie wird, wenn nicbt alle Vermuthungen trWgen, ibr 
l^eben bis zam 1. April 1801 gefristet haben. An dieselbe scbloss 
sicb das Intelligenzblatt fttr den Bezirk Ton Crefeld and die am- 
liegende Gegend an, deseen erste Knmmer am 2 Oktober 1800 

«rschien. Es bezeiebnet sicb ansdiUcklicb ate Beilage znr poli- 
tischen nnd litterariscben Zeitung. Dieses Intelligenzblatt, das 
alle 5 Tage erscbien, war gleicbwobl vom oben genannten Blatte 
vollstHndig unabbangig and konnte fttr sicb zum jUbrlicben Preise 
von 6 Lines bezogen werden- Die EinrUcknngegebUhren berecb- 
nete das Blatt tnit 3 Stflbern far die Zeile. Seben wir nns dieses 
Blatt etwas naber an, so war es politiscb gebalt- oder ricbtiger 
inbaltlos. Dabingegen bot es unter den verscbiedenaten Rnbriken 
manches, aber durebweg nlcht das, was man vielleicbt da gesacht 
b&tte. Unter der Ueberschrift: Gesetze, Verordnnngen erklJlrte der 
Verleger aoviel als raCglieh alle VerfBgnngen der hftheren Gewalten 
einrllckeD zu lassen, vrelcbe nacb und nacfa erla8se.ii wllrden und 
fflr irgend einen Theil des Publikwns Interesse batten. Unter 



r. ; 



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116 Hermann Keusseu sen- 

der gleichen Uebersclirift erfolgten regelmassigc kurz zusammen- 
geftlgte Mittbeihmgen liber die Sitznngen des Korrektionsgerichta, 
Die nacbste Rnbrik: Land- and Hauswirthsctaaft mit Rezeptea 
entbielt Belefarangen darUber, wie man RegenwUrmer vertreibt, 
Fleckeu ana WoKle and Seide vertilgt nod dergleicban praktische 
Winkc uiebr. Dauu folgleu HaudluugHuaebrivbtou, tstatiaiUcbe 
Nacbriehlen, gelebrte Nacbrichten (d. h. Anzeigen von neu er- 
schienenen Bttcliern), Wechselkurse und zum Scbluss die ratbsel- 
bafte Marke: Allerband. Darin war denn allee Moglicbe unterge- 
bracbt, vor allem aber wahrte es den Chsrakter eines Anekdoten- 
kastens. Das Ictelligenzblatt bo! also eine ganze Fulle von Ein- 

zclbeiten, nnr echade, ce gab daronter, wenigetone so lango ce 
Beitage zur Zeiturg blieb, nnr wenig frische Waare. Mit dem 
10. Jamjar 1801 batte das Blatt die Freude, seinen Titel erweilera 
zn dUrfen, indem ee Dunnichr audi als amtlicher Anzeiger fUr den, 
Bezirk von Cleve angenornmen warde. Das Quartformat wird 
etwas grosser, die Ueberecbriften werden etwas stolzer. Statt der 
Uebwaflhrift Hnnrllnnggrflphrip.b t : neiutt «»a jfifczf.: KflnntA. Mannfilt- 

turen und Fabrikec, aber aucb der Abonnementspreis bat sicb 
demcntsprechend am 15 StUber halbjabrig erhobt Mit dem 1. April 
1801 hfirte das Intelligenzblatt auf, in Abbangigkeit von der Iris 
zn erscheinen, vermntblicb weil mit dieaera Tage die genaante 
Zeitung ihr Dasein bescbloes. Anf die Haltnng des BlatteB hatte 

das iro ersten VierteJjahr keinen Einfuss. In fiberreicher Fiille 
warden ausftibrlicbe Mittbeilnngen aus dec Gericbtssitzungen des 
CiviltribucaU in Kbln and des hiesigen Korrektionsgericbtes ge- 
bracht, wie es scbeint,'_eine beliebte Kost der damaligen Zeit. Ab 
und za wird der trockene, eintonige Inbalt dnrcb eine knrze 
Anekdote oder durch ein frlsebes Ratbsel gewtlrzL Aber diese 
LuekenbUaser reizten nicht genug, das Publikuni verlangte ausser 
den amtlichen Bekanntmachungen and den vielen Verordnungen 
und neben dem trostlosen Einblick in die Verirrungen derMensch- 
heit docb auch ein klein wenig Orientirendes Uber den Gang der 
Weltereignisse. Man hatte zwei Jabre mit vollen ZUgen ans der 
reicblich stromenden Weisbeitsquelle der hiesigen Staatsmanner 
und Weltverbesserer geschopft nnd sich darac erlabt and erqaiekt 
and sollte nun mit einem Male auf alles verzichten! Man wollte 
docb zum Wenigbten einen kleinen politiscben Ueberblick oder 
einen echwachen Nachguss ttber die Eraftbrtibe der Tagesereig- 
nisse baben. 'iJnd SchUller zeigte sicb bald bereit, den WUnscber* 



f. ; 



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Beitrage zur Ge»cliiclite Crefclde und des Niederrheins. lit* 

des Pablikums entgegeuzukommen. Mit dem 1. Jali 1801 bringt 
das Blatt abermals eine kleine Aenderung in Titel und Format, 
aber aueb iuhaltlicb bat sicb dasselbe dutch die Rubrik: Politik 
und darcb ausfllbrliche PerBOnenstandsnacbrichten erweitert. Die 

politischen Mittheilungen des Intelligenzblattes fllr die Bezirke von 
Crofcld and Clcvc and die Ubrigeo Gegcnden des Rubrdeparto- 
ments fallen freilicb anfiuaglich sehr fragmentarisch nnd dtinn- 
tehalig aus und entbeb/en jedweder Forbung. Erst allmablich 
nach etwa halbjahrigem Erschcinen faset dor Hcrausgebcr wieder 
neuen Moth nnd wagt bier and da eigene Ansebauongen zu ent- 
wickeln. Aber lange scheint er nicbt vorgehalten zu babeu, wabr- 
scheinlich weil man ibm mit dem Zaunpfahl gewinkt batte. Andere 
sogenannte Aufklarungsaufaatze, wie eie damals der Humanitats- 
dusel als letzte Konsequenz der revohitionareu Ideen eingab, waren 
ein beiiebter Stuff, nnd er wurde umso anziehender, je mebr er 
mit Angriffen auf die GeiBtlichkeit gewurzt war. Da lesen wir 
denn Aufeatze z. &.: Uebcr die Absticenz voni Fleisches&en, eine 
Kontroverspredigt zu Hilderu die Stimme eines gnten Bllrgers an 
die Pfarrer und Religionslehrer im Rulirdepartement, Fragment 
einee GesprSchs zwiscben einem kblniscben Bttrger nnd seinem 
Pfarrer, Veritas non odit lucem nsw. nnd staunen, dags solcbe bier 
nnd da recbt seicbte Waare ibre Leser gefunden. Daneben erscheinen 
ancb weit zweckmassigere Abhandlungeu: Die Einimpfung der 
Schutzblattern betreffend. Ueber die Unntltzlicbkeit and Sch&d- 
lichkeit des Donnerlfintens. Das Wort eines Fremden an die Bur- 
ger zn Crefeid for Errichtong einer zweckmassigen Armenver- 
sorgungsanstalt usw. Selbst padagogieebe Fragen fanden von be- 
rnfener Seite zatreffende Besprechung. Mitnnter lief auch eine 
bistori&cbe Arbeit ein, die noch beatzutage unser Interesse erregt, 
wie z. B. von Alpena Aafsatz liber Asciburgium. Neben diesen 
allerdings das Gesammtpublikum nicht genug interessirenden Ar- 
tikeln wurden auch praktiscbe Beiehrnngen geboten, die eine gute 
Hausfrau willkommen hciaeen durfte, wie man z. B. gelb gewordene 
Wasche wieder weias rnacben oder dem Karpfen den Schlamm- 
gescbraack nelimen kanu oder eine neue woblfeile Art zn waschen 
usw. Wer vieles bringt, wird jedem etwas bringen, das war 
aagenscbelnllcb das Motto des Inteiligeazblattes geworden. Selbst 
den poetiscben Ergtteaen, namentlich dea Rtith&eln und Epigrammen, 
wurde ein weiterer Spielraum gewUbrt, als das heutzntage der 
Fall i»L, uud inaucher versuchte sicb dazumal in Reimen, der heute 



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120 Hera un Keu osen sen. 

nur unser wehmlitbiges Beileid zu erregen vermocbte. Der kllhnste 
unier den damaligen Pegaansreitern war der Advokat Olivier 
Massot, der sicb ale DicLter in zwei Spracben versucbte und oft 
genng Gelegenbeit nabm, seinem gepreasten Herzen Luft zu 
mactaen. Er war ein sonderbarer Herr scbon in seiner Susseren, 
aufe hocbstc gcckcobaftcc KLcidung, act r a lien- und I&uncnhaft 
znm ErgBtzen alter in seinem Sinnen and Trachten. Weniger he- 
kannt dtirfte es sein, dass er Bich aueb zu einer poetiscben Ueber- 
setxung dee Schiller* scbeu Liedee von der.Glocke veretiegen bat. 
Wir erinnem uns, in unserer Jngendzeit diese Traduction in Han- 
den gebabt zu baben, wir erinnem uns aber aueb, dass wir scbarfe 
Kritik an der raatten Scbildernng der Feuersbrunet in nnaerm 
jngendlicben Kraftgeftlble gellbt baben. Massot war also ein Lieb- 
lingsdicbter dee Intelligenzblattes, nnd mancbe Proben seines dicb- 
terigchen Genius hat daeselbe aufenweiaen. Da er in v.wei Spraehen 
zu dicbten vermocbte, so war er ftlr die datnalige Zeit wie ge- 
schaffen, und je nacb dem Gegenstand, der besungen werden 
8ollte. wnrde der Farbentopf gerflhrt Znm Napoleonstage im 
Jab re 1 80S erscbien eine schwttlstige Ode von ibm, deren Scbluss 
zur Cbarakteristik hinreicht: 

F.terniftnnt, aimi d«a gaiilms In mfimoire 

De cette nation ta combles le bonhenr. 

Mats pour taut de bienfmit, o CoDsull o rainquear 

U to fatidrait batir an temple de victoire. 

Der Napoleonkult stand damals anch hier in Uppiger Blttthe 
nnd man darf daber dem geborenen Anslfinder nicbt allzn sehr 
grollen, wenn er demselben aueb buldigte. In einem an&cbeiuend 
offiziellen Beriebt Uber das Fest der Einverleibang Crefelds in 
die grosse Repnblik vom 20. April 1801 heisst es: In einera 
Transparent am Rathbause erscbien dee nnsterblicben Bonnopartes 
Kllste nnd zu beiden Seiten ebenfalls transparente Pyramiden tnit 
folgenden Inscbriften in franzttsiscber und dentscher Spracbe: 1. 
dem grossmuthigen Krieger, der das Gltlck derNationen der Ehre 
sie zu besiegen vorziebt. 2. Der Eintracht and dem Frieden: sie 
befestigen das GlUck der Nation en. Genau ein Jahr spater heisst 
es in dem Programme des hiesigen fiUrgermeisters, worin er znr 
Friedensfeler elnladet: Dank sel dem grossen Manne, den das 
Oberwe&en dem Staate in so vielen StUrmen erbielt! Schbner wie 
die in Italiens Feldern erkampften Lorbeeren zierfc ihn der fried- 
licbe Oelzweig, unter seinen Scbatten wird die National-Industrie 



r. ; 



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Beitrage 2ur Geichichte Crefelds und des Niederrheina. 121 

and mit ihr Wohlstand and innerer Friede aufieben. £in Jatei- 
niscbes Chronodisticbon tiberbietet beidcs: 

VIVU BoVnop&rte O&LLUe ConaVL I, 
BeLLYM Iste gLorlow luCepIt, 
HeroICe geult, hoitea penaape VlCIt, 

Aqdo pr&orautl gLorlooo fXalVIt. 

Seit dem 15. November 1802 trltt auch weiter die Verwd- 
schnng ftasserlich in die Erscheinnng. Die amtlichen Rekannt- 
macbuogen erscbeinea aliroahlich in franzosiscber Spracbe. Den 
Reigen er&ffnet der Friedensricbter des Kantons Crefeld Anton 
Weingartz, w&hrend der Prafekt und die librigen Beamten ihre 
Eilisoc nocli in deutschcr Spracbe briugcu. Erst die Eiiit»el'Mui£ 
des Tribunals erster Instanz ana 7. Mfirz 1803 liess auch den ttb- 
rigen Gerichtsbeamten da* Beispiel des Weingartz nachahmungB- 
wltrdig erscbeinen. Doch bieibt einatweilen noch das Franztisiscbe 
ausscbliegfilich die amtlicbe Sprache der Gerichtsbeamten. Die 
Verwaltungsbeamten bedienen sicb in ihren offentlicben AnkUndi- 
gungon und VerfUgungen der einbeimisoben Spracbe, nor im Vcr- 
kehr mit den answartigen Beholden aind ancb sie gezwungen, 
sicb der franzfci&cben Spracbe zu befleissigeu. Im ersten Jabre 
seines Bestehens mass das Blatt ertragliehe GeecbUfte gemacbt 
haben, denn der Verleger bezeugt am 1. Oktober 1801 mit ver- 
gnUglicher Miene; Flir die gUtige Anfnahme dee ersten Jahr- 
gnngpfl hpznngft fob meinen Grinnem iind Frannden hi Arm it den 
verbindlichsten Dank; Ibren ferneren Beifall auch in der Folge 
zu verdienen, wird sicb sebr angelegen sein lassen der Verleger 
und Herausgeber Feter Schtlller. Das Annoncemvesen war in da- 
inaliger Zeit nocb erst im Werden begriffen, ja es war bedenklicb 
ge&ug, sicb desselben zn bedienen. Es beetand das Vorurtheil, 
dass der Annoncirende nur aus Manuel an Kundschaft anf deb 
hinweise, und dasa man nieht wohlthue, den rerlockenden Sirenen- 
tOnen za folgen. Die Wirthe dnchten freilich anders und durftec 
bei ibren wecbselnden VergnUgungen auch schon eber Offentlich 
hervortreten. Nur ganz scbtlchtern wagte es bier und da ein Ge- 
schaftsmann, bei ganz besonderer Veranlassung, sich nnd seine 
Waareu dem Publikum anzubieten. Etwas mutbvoller gingen, wie 
gesagt, die Wirtbe in der Einladung zu ihren Ballen vor. Johann 
! Pancratius Flatters Hess es sicb schon im Vergleicb zu seinen 
I Kollegen ein schOnes Stlick Geld kosten, wenn er im Jabre 1803 

folgende Anzeige eriiess: Den 2. Oslertag ist bei dem Linterzeich- 



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123 Hermann Keassen sen. 

neten OfTentlicher Ball Die Bchtme Musik der 5 GebrUder Alexander 
aus Duiebnrg nebst der bekannte gutc Platz und Aufwartung ver 
sprechen mir zablreichen Zusproch. Der Acfang ist urn 9 Uhr. 
Einzeloe Personen zahlen beim Eintritt S3 Stttber, mit einern 
Frauenzimmer 45 Stttber. Billets sind vorab in meiner Behnngnng 
zu faaben. Zur Herbstkirraes 1802 bane er folgende Elniadung 
ergeben lassen: Am naehsten 4. Erganzungstage werde ich in 
meinem Hanse anf dem von mir ganz nen erbauten, mit Orchester 
and Nebenzimmerrj versehenen Saale Offentlichen Ball geben. Die 
Musik der GebrUder Alexander nebst gnter Aufwartung sind mir 
Blirge, dags jeder zufrieden and sein Vergattgen finden werde. 

Der Anfang ist zwiecben 7 uiid 8 Ubr und der Eingangsprcis ist 

ftlr die Person S3 Stttber, dagegen zable ich die Abgabe an das 
Wohltbatigkeits- Bureau. Auf Verlangen werden die Hern. Musi- 
kanten, sonderlich wird der Joseph sich auf der ViolinBchell horen 
lassen. Ob diese Reklamen ihre Wirkungen gethan, wissen wir 
nicbt, die andern Wirthe mit BallBalen, wie Hipp, Meller nnd 
MUnker folgten, hielten aber ihre Anzeigec in einem einfaoheren 
Kahmen. Sie laateten etwa wie folgt: Am 19. Germinal Abends 
wird bei mir Unterzeichneten offener Ball gebalten werden- Icb 
versprecbe gerUmnigen Platz far Tftnzer and NicbttSnzer, schone 
Musik und gute Aufwartung. Aaeb wird fUr gate Ordnncg ge- 
sorgt werden, weewegen icb anf eine zahlreiche nnd bonette Ge- 
sellschaft hoffe. 

Mit dem Tode SchUllers, der am 8. Oktober 1803 erfolgte, 
trat eine wesentliche Aendernng in der Leitang nnd Richtang des 
von ibm gefcillndeten Blattes nicbt ein. Die politischen Nach- 
richten, welche obnebin in sebr dttrftigen Umrissen geliefert war- 
den, warden ailmMblich in immer kleineren Dosen verabreieht, 
bis sie achliesslicb zur Kaiserzeit ganz in Wegfall kommen. Die 
Rubrik: Gemeinnltrzige Gesetzkunde nimmt jetzt eincn breitea 
Kauni ein. daneben praktische Winke furs Leben: Wie man gnte 
Dinte bereitet, Fliegen vertrcibt and dergleichen mebr. Viel Herx- 
erlabendee war in dem Blatte niebt zu finden nnd von Intelligent 
kaum eine Spur. Der breitgezogene Druck verrath uns die mttb- 
selige Arbeit, welcbe die Redaktion battc, das Blatt zd fallen. 
Am Scblnsse des Jafares 1N04 land sicb die Kedaktion genflttaigt, 
sich durch folgendes Inserat zu empfehlen: Man wird sich be- 
mUben, ciesem periodiscben Blatte durcb eine sorgfaltige Auewahl 
nUtzlicber und anterbaltender AufsHtze immer mehr und mehr An- 



r. .... 



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Beitrage znr Geachichte CreFelds und des Niederrheins. V& 

ziehendes zu geben, am 68 dadurch zugleich zn einem Magazine 
Bolcher Gegenstande zu machen, die dauerhaftes Intereese dar- 
l>ieten nnd der Auf bewahrnng werth sind. In der That, daa In— 
telligenzblatt des Jab res 1805 braobte einen ganz anderen Stoff. 
Die gemeinnUtzige Gesetzeskunde schrumpfte anf ein beseheideces 
Mass zusamnien, dabingegen erschienen wieder Miacellen und 
Anekdoien in gTtfsserer Fttlle. Dass die Auswahl eine sorgfaltige 
war, wird man kanm zugeben, wenn man ans der 2. Nummer die 
mit der Ueberschrift: Einige Sceneu aus dem Ehestande versehene 
Miscelle gelesen hat. Wir wagen es kaam, mehr wie den Ein- 
gang hier mitzutheilen: Meister Himbnrg, Jagdschneider; Rieke, 
desacu Fraui Winter, eeiu Geeell; Kei sting, Obeijagei. 

Rieke: Flinf und neun Ellen, wie viel macht das? Himbnrg 

(zahlt an den Fingern): Eens — zwee daa that justement 

12 Ellen macben. Rieke: Du dnmmer Esel, kannst also nicbt ehi- 
mal 5 nnd 9 mnltipliziren. Himbnrg: Einen oocb gleich so zu 
schimpfen and zu tbun. Rieke: Da bisi ein dnmmer Esel. Him- 
bnrg : Wenn ioli ein Esel bin, dann bipt Da cine Eeelin ; donn Mann 

und Weib seyn ja ein Fleiscfa; das steht in Gottes Wort. Rieke: 
Sehlirani genug, dass ich einen so elenden ScliufL bekommen babe. 
Da! (gibt ihm eine Obrfeige). Himburg: 1st das Spass oder"Ernst? 
Kieke: Da! (gibt ihm nocb eine). Nnn siehst Dn's! Himburg 
(weincrlich); Dn brauebst einen nicbt zu schlagen, Du! Es stent 
in der Sebrift: Daa Weib soil den Mann ehren. Rieke: Efaren. 
Nasenstuber muss so ein armer Sttnder baben. Da! (gibt ihm 
Nasenstttber). — Und nun gleich an die Arbeit, den Angenblick t 
Der Oberiagermeister mues die Uniformen baben ubw. Und in so 
gescbmackvolleni Tone geben die Ebestauds-Scenen weiter durcb 
3 Nammern hindarcb, dass man sich einee Gruaels nicbt erwehren 
kann. Und das war die geistiee Nahrung, die man im Begriniie 
dieses Jabrbunderts den Crefeldern vorsetzte. Wir blatteru weiter 
nnd freaen nns, dass die schone Tanzmusik zn Maria Lichtmess 
bei Flatters nicht aasgefallen ist, dass diesmal die Frauenzimmer 
frei sind und durch die gutige Erlaubniss der Obrigkeit das Wester- 
thor die ganze Nacht offen bleibt. Anch Fagtnacht halt er an 4 
Tagea bei geUffnetem Stadttbor Offentliche Baile, bei denen aber 
„wegen vieler Masken die Person beim Eintritt 25 Sttlber zahlen 
mnss u . Damals batte, wie uns eine Anzeige verr'atb, St TOnis 
ein Liebhabertheater: NachstkUnftigen Sonntag den 3. Marz wer- 
<ten die za St. Tttnis wobnende junge Leate nochmals die Ebre 



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324 Hermann Keusseu sea. 

baben daselbst aufzufUfaren: Das nene JaLrbundert und der Ge- 
fangene. Der Aufang ist Abends urn 5 Ubr. Und dag geschab 
am ersten Sonntage in der Fastenzeit 

Das Blatt war unterdessen naeh und nacb wieder so stoft- 
arm geworden, dags zuletzt nnr uocb die Gemeinniitzige Gesetzes- 
kuude ucben sebr ncnigcn Anzcigen dcu gauzen I u ball augiuacbte. 
Wer sollte da nocb l&nger Lust gespflrt baben, I Rtblr. 25 Sut- 
ter flir cin Blatt zu opfern, das seinera Titel so wenig Ehre 
inachte? Der Todtenzettel, der am 21. Mftns 1805 erscbien, lautetc: 
Wir klindigen unseren Lesern an, dass von hente an das Intelli- 
genzblatt ferner nicht raehr erscbeinen wird, wenigstens so lange 
nicbt. bia eieb eine gtinstigere Aueeicbt fttr daeeolbo erttffnet Bis 
ber ist leider dabei so vie I eingebllsst word en, dasa man uns diesen 
•Scbritt mit Recht nicbt verargen kanii. I miner baben wir ge- 
utlnscht, iMserm Blatte den Grad von Gemeinndtzigkeit nnd In- 
tereese zu geben, der es den Abnehmern zu einer angenehmen 
Lectlire und dem Verleger, wenn nicbt za einem Mittel, einige 
Vortheile rlarana zn aehftpfen, doeb wenigatenn znm Mittel, air.h 
fur seine baaren Anslagen zu entscbadigen, machen kOnnte. Aber 
allezeit ward nnsere Erwartnng nicht weniger ale die Erwartung 
•des Pflblikams getiluscht, wovon einige, die nns kennen, die Ur- 
sache wissen; und wenn wir selbst obne R&cksicbt auf onser In- 
tereese und bloss zur Beftlrderung gemeinndtziger Zwecke uns 
keine Mube und Auslage verdriesseu liessen, una dera Blatte seine 
Existenz bis auf bessere Zeiten zn erbalten, wurden wir, wie 
vielen bekannt, von keiner Seite untergtlitzt nnd endlich genfithigt, 
«inen Schritt za tbun, den wir schon lange batten tbun raUssen, 
wenn wir bloss auf unseren Vortheil gesehen batten nsw. Wir 
geben, so scbliesst er t hierroit die Versichernng, dass wir ana 
ecbou von nuu an mit der Organist rung ernes neuen zweckmassigen 
Blattes besehaftigen, and dass es erscbeinen wird, sobald die Aus- 
fiicbten etwas gUnstiger werden und wir uns versprecben konnen. 
dass es einer Seits vernttnftige Leser befriedigen nnd anderer 
Seits nns ffir nnsere Anslagen einigermassen entscbadigen werde. 
— Dem Blatte, in der Gestalt und Haltung, durfte man eine ewige 
Robe wUnscben, und aueh nnsere VUter werden nicbt sebmerzlich 
fcerubn women sein, als am 3D. Ventose des Jabres Id der Heim- 
gang des Blattes gemeldet wurde- Das Gescbiek eines zweiten 
Blattes war damit besiegelt worden. 

Mit dem 1. Januar 1807 feierte das Blatt sein Wieder- 



r. ; 



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Beitrajre zur Geschichte Crefelds and des Niederrheins. J2sv 

aaferstebangsfest. Wittwe Scbliller Iflste damit das gegebene Yer- 
sprecben cia, sei es, dass die Anssicbten nan gUn6tiger schienen, 
oder sei es, dass die Sebnsncht nach dem alten Bekannten nnd 
das LesebedUri'nies des Fnblikama nicbt l&nger zurUckgebalten 
werden konnten. Sie war indess vcr*icbtig and Hess vor der 
Hand nor eine Kommer wocbentltcu and zwar Mitcwocbs Im alien* 
kleinen Formate erscbeinen. Die Aasstattung war die alte, jedocb 
mit dem bezeicbnenden Unterscbied, dass n daa Grefelder Wochen- 
blatt", wie e« Hicb jetzt nannte, ute Vignette einen strahlenden. 
Stern batte, der von Napoleons Namen nmrahmt war. Oben dar- 
Uber scbwebte die Kaiserkrone, nnten breitete ein Adler seine 

FlUgel a as, mit den Km Hen die Zcicbcn der FTcrrechaft crfa&ecad r 
sei t warts zogen sicb wie zum Kranze Lorbeerzweige durcb die 
Sonnenstrablen dabin. Das war eine verstandlicbe Sprache: Na- 
poleons Stem stand im Zenit, sein Knit in der btiohsten filUtbe. 
Ancb die Lokalpresse mnsste ibm huldigen. Die Politik wnrde- 
nicht einnaal mebr gestreift, Nachricbten ana der Provinz darfteft 
nur Tageeintereescn bertihren, selbst in der Besprcchung von lo 
kalen Verh&ltnissen war man ansserat schttchtern and zalira. E& 
lag offeuhar ein Drack auf dem Ganzen, der dadnrcb gewiss nicbt 
erleicbtert wurde, dass in der Stadt- nnd Arrondissementsregjemng 
sebr nabe verwandtscbaftliche Beziebnngen bestanden. Man lies* 
daher die Offentlichen Angelegcnbeiten in der Presse nnbesprochen, 
and da nnn docb einnial etwas neben den ermttdenden nnd nicbt 
irumer neaen Anekdoten an Anfregong verlangt wnrde, ao mnsste 
anderweitig vorgesorgt werden. Und ao erscbien denn ab end zu 
ein geradezu widerainniger oder lappischer Artikel, der das ricbtir 
zn Stande brachte. Eine hannlose Gesellscbaft, die den vielden- 
tigen Namen w Mora u ftihrte, sclieint von Zeit zn Zeit diese Anf- 
gabe besorgt zn haben, am sicb dann Abends an den Raisonne- 
ments und Gesprftohen, die darob entatanden, weidlich zn ergbtzen. 
So erscbien in einer Nnmmer ein znr ernsten Erwidernng kanm 
angelegter Artikel ttber das Oescbrei der Fiscbbandler: Bock,. 
Hoek, das uls ordnnngswidrig nnd nervenerregend beftig getadelt 
wurde, nnd flags war die ganze Stadt in Aufregong. Ein end- 
loser Federkrieg entbrannte, and alle vier Faknltaten fielen ttber 
den argloaen Spfltter ber, der docb achliesslich nnr eine leise 
Mahnung an die b. Herroandad gericbtet batte. Die Philologen- 
untersnehten das Wort auf seine Herknnft, die Jnristen erklartcn- 
das Reklamegescbrei fUr berecbtigt, nnd derMediziner rtlckte Pe- 



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126 Hermann K e u 8 6 e n sen. 

rttcke and Brille zurecht nnd griff gleicbfalls zur Feder. Auf 
diesen Slrcit, der wabrscheinlieh znm ErgOtzen der Vcrlcgerin. 
die ana der Veriegeuheit die Spalten zn ttillen karc, rnebrere Nnmmern 
hindurch fortgefUbrt wurde, bier nSber einzogehen, verlohnt sicb 
<ler Muhe nicbt; es charakterisirt denselben hinl&nglich, wenn wir 
die Einleitnng des nnter der Ueberschrift nAr/nei-WIasenschafr 
gebracbten Artikels bier hertibernchmen. „Nacbdem cinraal das 
leidige BOckgesebrei der HSringskrkmer so lant and ernstlich znr 
Spracbe gekommen, wtrde es den betrUbtesteu Kaltsinn gegen 
Wahrhcit and Offentliches Woh'l verrathen, wenn aieht jeder n»it 
gesnnden Fingern Begabte aolcbe in jener groasen Bbckgesellschaft 
flir oder wider die anfgetretcnen Partbeien in AktiviUit Ycrsctzicn 
wollte. Mag immer daher der scbrecklicbate, zerstfcrendste Feder- 
krieg zo erwarten sejn, den unser patriotiscbes Wochenblatt je 
veranlasst bat, was Hegt ana Schriftsteilcrn an den Folgen, wenn 
nor die Sache, darnm es gilt des Scbweisses der Edlen werth 
ist?" An solcben Lappa lien konnte sicb ein Pbilisterherz in da- 
roaliger Zeit ergtftzen nnd aufregen. Daaa man in jener Zeit einen 
uns vollstfindig freradartigen Gescbmack entwickelt babe, kann 
man freilich ancb nicht behaaptea. Denn dagegen sprMcben docb 
die Recepte. die zaweilen ira Blatteben erapfohlen werden, wie 
man z. B. Kolniaches Wasser bereiten, und wie man die Hnhner- 
angen los werden kann. Andere Artikel, wie z. B. der mit der 
Ueberschrift: Christen nndJuden fanden keine weitere Beacbtnng, 
trotzdem mancbe paradoxe Bebauptnngen den Antisemiten zu 
einer Widerlegnng batten reizen kttnnen. Die Jodenfrage stand 
allerdingg aucb daniale anf der Tagesordnang, und ihre LCBtmg 
bracbte jedenfaJIe in der Judenacbaft selbst Anfregnng genug ber- 
vor. Kapoleons Verordnnng, dass die Israeliten einen festen, un- 
wandelbaren Famiiiennamen fubren aollten, macbte einem Mias- 
stande, der za vielen stOrenden nnd ftrgerlicben Irrthttmern and 
. Unzatr&glichkeiten geitthrt batte, ein erwhnschtes Ende. D*w 
Wochenblatt vom 9. November 1808 bracbte das fdr Crefeld zu- 
treffende Veraeichnise. 

Ueber die ttbrigen Artikel, die das Wochenblatt in semen 
zwei ersten Jahrg&ngen bringt, lasst sicb nicht riel sagen: aie Bind 
dHrftig an Inhalt nnd wenig anziebend in der Form. Dabei sind 
Bie theilwdse, wo aie Gemeinde-Angelegenbeiten betreffen, ausserst 
zaghaft, als fiirchtete der Verfaeser die nacbtbeiligsten Folgen. 
£8 nimmt sicb dabei recbt komiscb ans, wenn er bei Besprechnng 



r. ..... 



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Beitr&ge zur Genchichte Crefelds und des Niederrbeins. 127 

der biesigen Armenpflege in das Gewand einea Reiseonkels schlUpft, 
<ler roll Bewnnderung iet, als er dee Abends etwa bei der Gast- 
iafel und beim Scboppen erfabrt, dass bier in Crefeld noch keine 
binreicbende Ftirsorge fur die Annen getroffen iat- der naive 
Scbelmj! Ein anderer findet die Wege bei Crefeld in scblecbtem 
Znstande, aber wie sou er das rugen? Bald bat era gefenden: 
Er nennt sicb einen Freraden, der in aeinem Bciaewagen seine 
Frende an den gnt gepflegten Wegen nnd Strassen der Provinz 
bat and nan, je naher er der Hauptstadt des Arrondissements 
Crefeld kommt, immer tranriger gestimmt wird Uber die boden- 
lose Besebaffenbeit der Wege. Wir kttnnen nns die Wirkong 

dieacr Provok&tions - Artikel rccbt lebbaft Torotcllcu. Gewieo tr- 
scbeinen abwebrende Gegenartikel, oder der Maire ancbt in einer 
Anzeige are niiebsten Tage 50 Grundarbeiter? Nicbts von beidem 
geacbieht Eeiner beisat an, die Fcdern Bind etnmpf geworden, 
dan allgeraeine Interesse scbeint erstorben zn sein, denn tlberall 
wnchern frerade Elemente, am Gericht, bei den Stenern nnd ZOllen, 
die dem engostammten PLilister nicbt sympflthisch eind- So bate 
wenigstens den Anschein, daber seine passive Gleichgiiltigkeit 
Ancb fttr das Wocbenblatt ist er nicbt warm m machea Das- 
selbe hat allerdings an seinem Inhalt nicbts gewonnen, seit man 
sich 7 voile Sch&pfnngstage zn dessen Herstellung gtfnnte. Das 
uieiste, was es bringt, entbebrt der Friscbe, ist abgestandenc 
Waare. Ein grosser Reichthnm an Ueberscbriften ist freilieb ira 
Blatte vorbanden, es ist aber ein Agister, das nicbt lange Stand 
bait und bald wicder verechwindet. Man fUhlt tlberall dnrcb, die 
Kedaktion ist in unfahigen Hauden. 8ie verstebt die Zeit nicbt 
and weisa bei dec beengenden Pressmassregeln cicht zn lav ire u- 
Die meisten Artikel, die sie bringt, Bind Verlegenheitsartikel, 
irgendwo aof der Heerstrasse rnit we item Gewissen aufgelesen. 

Das Jabr 1809 bracbte indess cinigc Besserung, indent nun 
aoeb von answarts mancbe Artikel dem Blatte znflossen, die einige 
Beacfatung verdienteu und weiteres Interesse erregen konnten. 
Trtfgt nicbt alles, so war eine andere wirksamere Kraft in der 
Kedaktion thfitig, nnd die Bezeicbnung am Scblnsse schlankweg: 
Gedruckt in der Schcllerscben Bnchdrockerei lasst diese Ver- 
| mnthung als berecbtigt erscheinen. Ein ganz besonderer Umstand 

wird dabei nicbt otane Einwirknng geblieben sein. Seit Beginn 
[ dieses Jahres erscbien namlich bierorts ein neues BJatt, die „Ga- 

aette da Bas Rbin**, wie es scbeint, in franzQsischer Sprache and 



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128 Hermann Keuasen sen. 

m it politiscfoen Artikeln an&gestattet. Es bat arm nicht gelingen 
wollen, irgend einc Nnmmer dieser Zeitang anfzntreibcn, wir 
niHssen 11ns also unserea Urtlieils enthalter. Wir wiasen nnr das 
eine, dass dieselbe wegen Hirer Haltnng den Beifall der gestrengen 
Censur nicht gefunden hat, and dass sie noch im Jabre der Ge- 
bnrt wieder nnterdntcbt wnrde. Oo dieses Martyrinm das Wocben- 
blatt so gereizt hat, dass es sich auch nni dieae Palme bemllbte? 
Genng, im Beginne deaJahres 1810 wurde es vom selben Scliick- 
sale ereilt end aaf eine knrze Zeit am Erscheinen verhindert. Am 
26. Fcbruar dnrfte es vrieder emheiren, aber ihm wurde strenge 
vorgescbrieben, hinfort nur amtliche Bekanntmachungen, littera- 
riocbe Stttcke and Anzeigen za briugeu. Alio kritisiioudeu Artikel, 
auch wenn sie nicbt politischen Inhalts waren, musete cb abweisen. 
Es war das nniso mehr zu bedanern, als gerade in dem letzten 
Jahre manche AufsaUe znr Vertfffentlicbang gekommen waren, 
welfihe rait Sachkenntniss nnd Warme geschrieben, Gegenstande 
behandelt hatten, die anf die Tbeilnabme eines grosseren Publi- 

kmne rochnen dnrftoti. So broohtcn die ere ton Kammorn eine 

Beihe von liistoriscben Abhsndlangen fiber den Niederrbein, die 

allerdings in keinem rechten Verhaltniss zu dem bescbrankten 
WochenblSttchen st&nden*. in anderen Aufs&tzen wnrde das Armen- 
wesen eingebend, rahig and sachlicb besprocben, wabrend hin- 
wiedcrnm andere den Uffentlichen Unterricht nnd die Einrichtnng 
der htfheren nnd niederen Sebnlen behandelten. T^tztere haben 
insofern ein weitergehendes Interesse, als bereits damals ein Un- 
genannter den Simoltanschnlen eifrig daa Wort redete, wabrend 
er vom eliemaligen Riehtar Weinhagen in MBrs insoweit hekampft 
wnrde, als dieser zugab, dass Uberall bei alien Sekondarschnlen 
Lebrer aller Konfessionen angesteltt werden kflnnten, man musse 
aber im Prinzip zngeben, dass Protestanten aowohl wie Katboliken 
Sekondarschnlen haben dUrfteu, die ausscbliesslicb mit Lebrern 
ihrer Konfession besetzt waren. Weinhagen kampfte also filr die 
in Holland beotigen Tages bestebende Einrichtnng. Das Wocben- 
blatt erfrente sich der Mitarbeiterschaft vieler angesehener Per- 
sOnliclikeiten, so des Predigers Ross in Budberg (des spateren 
BiscLofs), des Predigers van der Ploeg, des Privatgelehrten Dieffen- 
bach nsw. So sebien also das Blatt far die Znknnft ge&ichert, 
als der barte Schlag des Censors fast die Unterdrttcknng herbei- 
ftthrte, and das ward umso Bchroerzlicber empfnnden, als roan 
gerade am Schlasse des Jab res 1809 liber alle Massen frohlich in 



r. .... 



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Beitrage zur GescbichU Crefelda end dea Nicdcrrhcica. 129 

die Zukunft acbante. Damals hatte einer der Mitarbeiter in einer 
Zuschrift an die Redaktion sich Hber die Grunds'atze, die in der 
Folge bei dem Wochenblatte festgehalten werden mHssten, dahin 
verlauten lassen: Die Zeitschrift erbftlt ein ehrwflrdiges Anseben, 
wenn die Redaktion dieselbe als das Signal nnd den Beweis einer 
vernttnftigea Proeefroiheit and aid den Reprftfien tauten ihres Publi 

knms betrachtet Wobl dem Staate, der die Stimmen der 

Weisen seines Vuikes anhBrt nnd zu Batbe ziebt! Dass dieses 
Blatt eine dieser Stimmen ansspricbt, beweiset seine PablicitiU nnd 
die Aafnabmen der Re- und Re-replicken. In diese Rabrik ge- 
htfrcn also: Vorecblagc und Erfahrungen wciser Beobachter fiber 
ttfFentliche Moralist eines Ortea, einer (legend, Hber Hindernisse 
nnd Mittel sie zu heben — Hber Sebulen und ihre Verheaserungen 
— Hber Kirchenwesen, insoweit es unter ansserer und ttffentlicber 
Leitnng ateht — aucb endlicb Hber die Hsudhabnng der Gesetze 
von den Staatsbeamten, den Einfluss ihres WUrkens nnd Modi- 
fikationen desselben nach Zeit nnd UniR&nden. Wenn die Riesen- 
krafte unseres franztfsiscben Staates so imraer inebr nach nnten 
geleitet werden — wer sollte sich dann nicht der kommenden 
Tage freuen? 2. Werden solche Anfafitze einem Blatte wie das 
gegenw&rtige willkomnien seyn, die auf Verbreitung wahrer Auf- 
klarung hinwlirken, allgeroein intereBfiirende Walirheiten belencbten, 
die jedem WeltbUrger nOthigen Begriffe entwlckein, Eifer fttr das 
Gate and Edle dnrch Aufstellnng erhabener Beispiele wecken, 
Yolkssckriften dabin einschlagend recensireo und dem etwa ver- 
kehrten and frivolen Geiste allgemein anfgenonimener Zeitachriften 
entgegcnwUrken. Fttr das Voik soil das Alles seyn, aber nicht 
tHr dea8en nnterste Ulasse. Dieses wird sehwerticu in diesem 
Wocbenblatte die Treppe finden, auf weicher sie, wie Pestalotzi 
sagt, zu einem obern Stockwerke binaufeteigen kann. — — Fttr 
den Mtctelstand soil meiner Melnung nach bier gearbeitec werden, 
d. L filr den Mitteistand in RUcksicbt der Qildung ; denn in der 
Geisterwelt gelten nicht Ciaqnen, noch Frisuren. Nach diesem 
Gesichtspunkte und nur nach diesem werden also folgeude Facber 
z. B. bier Stoff darbieten: Oekonomie, Gesundheitslehre sowohl 
des Ktfrpers als des Geistes and Herzens, Natnrgescaichte, Uatur- 

lebre, nnd Dcin Gcfttbl wird Dir schon eagen, dass sich dice alles 
dorch Nenheit, lokale und temporelie Anwendbarkeit, KHrze nnd 
eine woblverstandene PopulariUtt von dem unterscheiden nttlese, 
was man in den Bftohern davon findet- Zuletzt lass mich dir noch 

Anuton Art Wit Verefns LXV. 9 



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130 He rraann Keuasen sen. 

bemerken, dass das weibliche Gescblecht und seine Bildung ebcn- 
falls bier zn bcrflcksichtigen ist Solche WoelienblMtter werden 
wobl einraal das GeaprUch weiblicber GeBellscbaften, denen es 
ira ganzen noch zu sebr an gebOriger Unterhalrnng feblt. Ana 
rnannigfachen Grtinden nebmen sie Interesse an denaelben, nnd 
iiiaucbeuj Mamie nnd Wcibe eind die GeJegenhcitcn and An- 
knttpftmgspankte zn litterariacben Unterhaltimgen willkotmnen. — 
Das war das Arbeitsfeld, welches einer der Mitarbeiter fur 
die Folge bestellt wfasen wollte. Zu dieaen An&cfcanungcn machte 
indess die Redaktion ein verlegenea nnd zweifelhaftes Gesicbt. 
Sie meinte znnfiebst, daB Blatt babe vor der Hand nocb mit Hin- 
dcrnisscn aller Art zd kttmpfen, und wie be eeheine, eolle es nor 

langsara eice gewisse Consistent erlangen. FHrs erste konne noch 
Licit an einen festen Flan gedacht werden. Zeit und Umstande 
wtirden ihn sicker von selbst an die Hand geben. — — Der hu- 
mane Einsender nnd Mitarbeiter mOge ibr verzeihen, dass aie die 

zweite Rubrik vflllig weggelassen babe. Bci der gegenwar- 

tigen Lfige der Dinge nnd flus GrHnden, die sie bereit aei, ihm 
mttudlich zn entwickeln, mttsse der Stoff ans dem Wocbenblatt 

fcmblcibcn. Und die Redaktion batte rnit ihren Befurch* 

tangen recbt Sehon wenige Wocben nacbber wnrde es ibr rectat 
begreiflicb geniacbt, dass der enge Kreis, den sie sicb gezogen, 
noch zn viel Spielraum fUr die zartbesaitete Seele des damaligen 
Censors batte. Die Bestrafong mit einer mebrwochentlichen Ein- 
stellnng des Erscbeinens war empficdlicb genng. Vielleicbt batte 
der eben erwUhnte Artikel dazu die Veranlassung geboten. 

Still and barmlos erschien nnn das Blattchen weiter, genan 
nach dem vorgeschriebenen Programm arbeitend. Den aohreib- 
seiigen Federfncbsern konnte Dinte and Gfille vertrocknen, was 
verscblug es, die Weltgescbicbte ging ibren Gang weiter. Man 
feierte pflichtscbnldigst als citoyen de I'empire die Napoleonischen 
Feste und hOrte in Geduld die scbwnngvollen Reden der Be- 
amten, welcbe den grossen Imperator nnd Weltverbeaaercr nach 
Lage ihrer geiatigen Befdhignng in mehr oder minder geschickter 
Weise priesen. Das Blatt bracbte darQber einen stimmongsrollen 
Festbericht nnd ttberliess es einem jeden, in der Stille seines Kammer- 
leins daruber zn denken, was er wollte. Die lammfromme lialtnog des 
Wocbenblattes muss aber docb kaura Ubers Jabr angedauert habea, 
denn bald war man mit dereelben wieder niclit znfrieden, und 
schliesslicb blies man ibm im Jahre 1811 das Lebenslicbt ana. 



r. ; 



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Beitrajre zur Geschichte Crefelda und des Niederrheins. 131 

Nit dem 7. Dezember 1811 trat an seine Stelle das Feuille d'affi- 
■che8 t annonces et avis divers de Crereid. Es erachicn jedea 
Samstag und zwar zweispracbig: Der Kopf franzflsisch, der -Text 
■auf der linken Seite franzOsiscb, aaf der recbten deatscb, and so 
batte der gednldige Leser am Sonntage die beqnemste Gelegen- 
iieit, Spracbstndien zn macben, Original mit Traduction za ver- 
-gleichen and sicb znra franztfsischen citoyen zn vervollkoromnen. 
Ftlr den Liebhaber einer besonderen Recbtgchreibang war jetzt die 
Sacbe etwas scbwieriger geworden; er mosste sie dem Traductenr 
cnundgerccht Hefern, and scbwerlicb ware das arme Scbneiderlein 
rait diesem znrecbtgekommen, das im Wocbenblatte des Jabres 
1809 auf cine geiueinnutzige (nebeubei Uuueiki stark anzugliclie) 
Frage liber das Becht der Scbeere der Modescbneider nach vollen 
2 Monaten daranf die Antwort gab: frager kan Ja bey dennen 
Kleydernjacber meysteren die dnrch Ibrem fleias vor Langst Er- 
propte bekannte rechtschaffene Trene mttnner seynd deren sie hier 

viele finden, seyne Kleyder machen Lassen, von dennen fcekommen 
fii© ihre Klcyder z&rabt lib err eat gantz ricbtig obrtick, und word© 

niebt Bestoblen. Bitte umb vergebnng gemeynnHtzger frager 

wen ieb die Autwort aicbt gebikig giograferst nieder gescliriebeu 
babe, ich verstehe micb nicbt mit der feder zn fechten, wen ich 
achreyben mass macbe ich gemeinlich grobe Bnchstaben, wen ich 
dieselbe zcsammen gepetzt babe, seynd die vrorter nocb grober. 

Wen frager Rin reahtaehfiffener man trie doch zn varmiittpn 

iet dan iitache selbiger sein nararae bekand so werde icb mich 
persCbnlicb vor Ibm stcllcn, Ilitn dass recht der scbeere dcnnocb 
znm Hberflass die spitze der nadel gantz ans Legen und BegrieL 
Jicb macben. 

Das neue Blatt blieb dem gegebenen Titel tree, und nnr ganz 
vereiazelt kamen einzelne andere ^Nachrichten, wie Modebericbte 
»U3 Paris oder Mittheilnngen liber UnglUckaftlle darin znm Vor- 
schein. Sie verschwanden aber zwischen den amtlichen Verftl- 
£ongen and sonstigen Anzeigen, die in den letzten Jahren sich 
Hberbanpt mehr angchiiuft batten. Auch dieses Blatfging ana der 
Scbttller'Bchen Dmekerei bervor. Nacta der 3. Nnmmer Btebt in- 
■de&s anten die ganze Sacblage dentlicb kennzeichnend am Scblusse; 
A Creveld, de flmprimerie de la veave P. Schttller, Imprimeor de 
la soua-Pr6fectnre, nnd einespfttereNummer bracbte nocb den Zu- 
eatz: et dn Tribunal de premiere instance. Jetzt konnte die Welt 
rnbig scblafen und Micbel seine Zipfelmtttze nocb tiefer Hber die 



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132 Hermann Keuaeen sen. 

Obreu Ziehen, wenu aacb Witt we P. Schttller am Scblusge de» 
Jab res rait ihrer Naniensnnterscbrift am Erneuernng des Abonne- 
rcents ersacbte nod dabei verlockend verspracb, dasa kunftig das 
Blatt wieder Mittwochs erscbeinen sollte. Und so erscbien daa 
Biatt in dieaer amtlicben Form noch ein voiles Jabr weiter. All- 
mHbLicb Uberwucbeite das galliscbe Uukraut das deuUehe Wcscn, 
Bodass schliesslich kaum noch die cine oder andere Anzeige 
doppeltsprachig erscbien. Die Fremdherrscbaft hatte fast obge- 
siegt. Docb ehe es zn spat, kam glUcklicb die Wendung. Am 
6. Febrnar 1814 kanien die ersten Preaasen nacb Crefeld, und daa 
Fenille d'afficbes venvandelt nich wieder in ein dentsches Wocben- 

blUttcben id alter boechcidonor Woiac, nor die Nammerirung aue der 
franztisiscben Zeit in kopfloser Verwirrnng weiter fortflihrend. 

Crtfthter Zeitung Nr. 7, !), 16 u. 23 torn f n &., 10. u. 23. Jcnuar 1692; die in 

ilen folgentten Am. 30, 37, 44 und 58 getjebenc GetchickU des Zeitungswesetis 

bis zum (/. 1870 konnte frier nicht beriicksichtigt loerden. 

10. 
Aus Crefelds Theatergeschiehte. 

Ween aacb Crefeld nicbt wie die benaebbarten Orte Kem- 
pen und Uerdingen auf dramatische Scbaustdlnngen zurlickblicken 
kann, die aaf tfffentlichem Marktplatze anter dern Znsamraenlaaf 
recbt vielen Volk3 von nah nnd fern die BUrgerssBbne — in Kera- 
pen sogar aach die BUrgerst&cbter — im 17. Jahrlinndert abge- 
halten baben, so sind docb ancb hierorts bereite frtlber von wirk- 
licben Schanepielern Veraache gemacbt worden, nnsere Vorfahren 
far die dramatische Kunst zn erwarmen, and wie e9 scheimV 
nicbt ganz ohne Erfolg. Sind ancb unaere Nacbrichten iramerhiD 
Itickenbaft genag, so viel gebt aus ihnen bervor, dass neben <iem 
Crania ancb die Oper hier vorzagsweise ibre Pflege faud. Be- 
reits im Jabre 177C warden in einem eigens dafttr errichteten- 
Holzbau von der deuiseben Sehanspielergesellscbaft Waeser dre* 
Monate lang Scbauspiele zur AafFubrung gebracht Nacb den- 
eraten Vorstellungen brach in Folge eines heftigen Windeturmes 
der nicbt sebr feste Tbeaterbau zosammen, ohne indess weiteren 
Schaden anzurichten, als dase eine kurze Zeit die AuffUhrungen 
nnterbrochen blieben. Das erwabnte Theatergebaude lag anf der 
Intberiscben KircbBtrasse noweit der Oartenstrasse. Von dem da- 
rxaligen Stadtbaumeister Leydel, einem angesebenen Archifekteu, 
der auch den Bau des jetzigen Ratbbanses geleilet bat, wurde 






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Beit rage our Oe«oKiohte CrcfolcU nncl d«« Niodorrhoino. 1S3 

kald ein neues an die Stelle gesetzt, welches cor in der n&chsten 
Folgezeit theatraliscben und anderen ktinstler ischen Zwecken diente. 
Jm Dezember 1779 vcrliess uns Direktor Waeser, nm in Osna- 
*rtick sein Gltlck welter zn veranchen. Im Jahre 1788 langte die 
Dietericb'scbe Scbanspielgesellscbaft bier an und gab in dew er- 
walinten Tbeatergebande ihre Voretellangen. Von dem Erfolge 
-derselben fehlen alle naheren Nachrichten. Bis zum Jabre 1799 
war wohl init Rtlcksicht anf die trtlbselige Lage der stadtischen 
«nd staatlieben Verbfiltnisse keine neue Th eater - Konzession er- 
tbeilt, vieileicbt ancb nicht nachgesucbt worden. In dem genann- 
ten Jabre erbielt Marianne Bbhm, eine anternebmende Daroe, die 
Krlanbniss, mit ihrer Gesellschaft bier theatraliscbe Vorstellnngen 
geben zu dtirfen. Ans der langen Daaer ihres Aafentbaltes dtirfen 
wir wohl schliessen, days dieselben niclt ohne, aucb materiell 
lobnenden Erfolg gewesen sein mtissen. Marianne Btihm veraagte 
auch bei gewissen Gelegenbeiten ibre Mitwirkung nicht, wenn es 
gait, eine fiffentliclie politische Feier mit mebr Glanz an&znstatten. 
Am 30. Floreal (Id. Mai) eroftaete sie die hiesige Bubne uiit der 
AufFlihrung des Kotzebne'scben Schauspiels „ Braderzwist oder die 
Yersttbnung*. Am Tage naehber wnrde die komische Oper von 
Oaveaax „Der junge Matrose" gegeben, dem sich ein grosses ko- 
raiscbes Ballett „Der F&ssbinder" anscbloss. So reibten sicb nnn 
fast Tag nm Tig bis zom November bin in banter Abwecbsluog 

-die crnston nnd hcitcron Erzcugnisac der dramatiecben Knnst an 
*lie Aufftlhrnngen der Oper, nnd bier war es anch die bnrleske 
-nnd leichtgescbtlrzte komiscbe, in der Kegel mit einem Ballett ver- 
bnnden, wolcho don Boifall nno^ror VorvUte* fand. Neboc Mozart, 

<lessen .Zauberflbie* eine dreimalige Wiederbolung in der knrzen 
Frifit von 8 Tagen fand, ist es Paisieilo gewesen, dessen Opera 
ira Repertoir der triesigen BHhne eine hervorragende Stelle ein. 
cabmen. Unter den komigchen Opern stossen wir ancb anf den 
*Bettelstndenten oder das Donneiwetter* von Winter. Ob der- 
selbe mehr als den Namen mit der bentigen Operette gemein hat, 
vermag icb nicht zu entscbeiden, indem mir inbaltlicb von der 
genannten Oper nichts bekannt ist Kotzebue's Scbanspiele scbeinen 
«ine grosse Anziehungskraft ansgettbt nnd die biesige Welt unge- 
mein angezogen zn hnben. Sie kamen dutzendweiee znr Aafftth- 
xnng; mehrere Abende nacb der Keihe gab es nichts als Erzeng- 
irisse der Kotzebne'scben Muse; sie waren ein beliebtes Mena, 
<lenn es hcisst bei der Anktindigang derselben: Anf vielseitiges 



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134 Hermann Keuaaen ten. 

Verlangen. Doch neben Kotzebne bebauptete 8icb glticklicber 
Weise aocli Iffland. „Die Jiiger", „Der Spieler", „Die Aussteaer 11 , 
.Die Hagestolzen* u. 8. w. kamen nacheinander zur Dar8telhng r 
letztere warde sogar wiederholt Selbst mit Schiller dnrften unsere 
Altvordcrcn scbon n&here Bekanntachaft mad en. „Kabale und 
Liebe* and „Uie Ktinber" gingen vor Ausgang des Jahrhnnderts 
Uber die biesigen Bretter. Leider wird uns nicht gesagt, ob die 
beidcn Scliauspiele sich eines besonderen Bei falls zu erfreaeo 
batten. Eine Wiederholung derselben fand nicht statt. and das 
lasst tief blicken, wenn neben Kotzebne'scben Stttcken aoch- 
,Aballino, der grosse Bandit" das Pnblikura unserer Vaterstadt 
mebrmala erfreaen darfte. Sbakespeares n Hamlet u gelangte glekb- 
falls nnter Bohm's Direktion bier zur AuffUbrang, daneben sogar 
„ Caesars Tod" in franzOsischer Sprache. Madame Bfibm war viel- 
seitig, und sie durfte das Bock'sebe Lustepiel; n Waa verowg eia 
vernlinftiges Fraaenzimmer nicht?", welches hier gletcbfaUs aaf- 
gefHbrt wnrde, wobl aaf ihre eigenen Leiatungen anwenden. Sie 
besasa die Ganat dee Publiknma in boh cm Grade, wie aocb ibro 
Rtickkebr im Jabre 1802 beweist. 

In clem genannten Jahre 1799 gab es far die Unterhaltnng 
und die Zeretrentmg aacb an den theaterfreien Abenden (ui>d derea 
waren nicht viele) Gelegenheit genng. Der Bfirger und Scbao- 
spieler Hermannstein gab z. B. eicb die Ebre, ein Divertissement- 
chen, besteheno* in einorc groeeen Vokal- und Instmmentat-Konzert, 

im Hipp'scben Saale xn veranstalten, eder der Burger und Tbeater- 
Feuerwerker Jonassohn nabra sich die Eh re, aaf Mlinkerhof eia 
grosses Fenerwerk, genannt »T)fr Tempel des Merknr", ahm- 

brennen. 

Das Jahr 1802 war weniger ergebnissvoil fttr die genannte 
Ilnternehmerin. Zanachst roachte die atMdtische Bebfirde ibr die 
Wlederaufnabme ihrer Yorstellungen dadurcb sebwer, dass sie «a 
dicaelbc die Fordernng stellte, sie solle 10% der Einnahrae ao 
die Armen abfUbren. Dazn bam noch ate weiterea Erachwernias 
die Konzessioiiirnng der Debach'schen Kunstreitergesellschaft, die 
dann aocb fast gleiebzeitig mit der B&bm ihre Vorstellnngen er- 
fiffnete, and der, wie es den Anscbein bat, die Gunst dea Fcbli- 
knros in eineni solchen Masse sich zuwandte, dass die arrae B$hro 
den Math verlor und Crefeld den R tick en wandte. 

Wabrend der Zeit der franzusischen Besetzung fauden nochr 
wiederholt deutscbe Scbauspielertrappen sich hier ein nnd erfreutem 



r. ; 



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Beitrige zur Geechichte Crefelds und den Niederrheioe. 185 

die Bewobner mit der Darstellnng deutscher TheaterstUcke. So 
spielte vom 21. April bis zum 17. Mai 1809 eine, wie es scheint, 
zufallig zusammengewtlrfelte Scbauspielergeselhchaft obne eigent- 
liche Leitung bier im Hipp'schen Saale. Ein StHck von Iff) and 
.Alte mid nene Zeit" erBffuete dieSchaustellungen, and Kotzebues 

Schauspiel v Die Unyennablto" acbloao eie. Man batto abcr auch 
den Math, mehrere Opera dem Publikum vorzufubren, so unter 
andern „Das Feat der Winzer* von Kunze. Nach Verlauf ernes 
Monats ging die Herrlicbkeit znr Neigo. ImJahre 1811 hatte aich 
der Schaaspieldirektor Dossy bier eingefunden, im Jahre 1815 — 

also nach Rtlckkebr der preuasischen Herrscbaft — der Direktor 
Thomala. Nan trat far lUngere Zeit eine trostloec Ebbe ein, die 

endlicb eine Anzahl Crefelder Bflrger veranlasste, zu einer musi- 
kali»ch-dramatiachen Geaellschaft mit dera friedfertigea Namen 
„Concordia u zusammenzutretec, rait der Aafgabe, das achlummernde 
geiatige Leben zu wecken. Bei festlichen Gelegenheiten trat die 
Geaellschaft an die Oeffcntlicbkeit und wagte die AuffUhrung 
kleiner Lnatspiela mit fraaangeinlagen. So gah sie im Jahre 1817 
am Namenstage ihrer Patron in, der bl. Cacilia, das Lustspiel 
„ J cannot". Aach das Verdienst bat sie eicb erworben, dasa sie 
den berllbmten Mnsiker L. Spohr veranlaaste, am 27. September 
1817 bier ein Konzert za geben, zu welebem ein Eintrittsgeld von 
1 Bthlr. gefordert werden darfte. Im Jahre 1819 versuchte dann 
die Muller'sebe Scbauspielgesellscbaft, wie aucn nocb mehrmals 
in der nachfolgenden Zeit, auf eigene Rechnung und Gefahr den 
Sinn fttr die dramatiBcbe Knnst in der hiesigen Stadt wieder zu 
beleben, aber mit geringem Erfolg. Freilieb waren ea auch Krafte 
zweiten und dritten Ranges, die der Direktor Mtlller zur Ver- 
fttgung hatte. 



11. 
Ein Ruckblick anf die Sanit&teverh&ltnisse der frfiheren Zeit. 

In den knappen und engen Verhaltnissen, in welchen unsere 
Vorfahren lebten, war nach der eanitaren Seite bin die Lage der 
burgerscfcaft eine ausserat traurige, ja fast trostlose. Die Sorge 
on die Pflege der Gesandbeit war ein den lieben Voreltern frem- 
des K&pitel, das nicbt zu den menachlicben Bedurfnissen gerechnet 
wurde. Die Stadtobrigkeit verbielt eich zu demselben kalt und 






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JHfi Hermann Keuasen sen. 

theilnabmlos. Nur zuweilen, wenn eine ansteckende Krankheit. 
die Pest, ihren Einzug hielt und ecbonungsloa ihr Opfer einbolte, 
wnrde man aus der Sorglosigkeit aufgerHttelt, um aber bald wieder, 
wenn die Gefabr vordber war, die HKnde in den Schoss zu legen. 
Kein Wander daber, wenn in solchen Zeiten die Zahl der Btlrger- 
scliaft auf die Halfte zusammenscbmolz, wenn Angst and Verzweif- 
lung die Bttrger zu den tollsten und widersiunigsten Mitteln greifen 
liessen, welehe die Gefabr der Ansteckung eher vermehrten, denn 
venninderten. Ee feblte an geeigneter Hulfe und Belebrung. Bin 
Ar/t oder eine Apotbeke war erst auf meilenweite Entfernung zu 
finden. In Kempen, Mors oder Neass war die nacfaftte Gelegen- 

heit, and diese war obne F&hrlicbkeiten nicbt zu errcicben. Bei 
den mangelbaften Verbindungen roit diesen Stadten war es nur 
einzclnen wenigen vermOgenden Familien moglicb, dieaelbe aufzu- 
suehen and zu benutzen. Reicbe oder begtiterte Familien gnb es 
aber damals nicbt, der Mittelstand, gentigsam in seinen Bedtirf- 
nisscn, verfUgte liber beschrankte Mittel, ein Beamtenstand war 
I: aura vorbunden. Seben wir nun zn ? wer es denn war, der 7c 
den studtischeii und kirchlicben EhrenRmtern emporstieg und da* 
Stadtregiment fHhrte: es waren echlicbte Burger, in einfacben Ver- 
haltnissen anfgewachaen und oft niobt ein ma I im Stande, ihren 
Namen zu scbreiben. Nicbt Belten kam ea vor, dass die SchOffen 
oder KircbmeiBter an Stelle ihrer Namen die bekannten anshelfen- 
den 3 Kreuzchen setzten. Die Regierung der Stadt rubte tra- 
ditioneli in den Handen einiger wenigen Familien ; fast kOnnte man 
jede Epocbe von 50 Jahren mit einer Ueberscbrift versehen, die 
etwa lautete: Nolden'sche Zeit. Scbirkens'sche Zeit, Pdll'scbe Zeit 
n. 8. w., and man wtirde nnr die einzelnen Familienbeziebungen 
nufzusucfaen haben, um za wisaen, wer auf dem Scbttffenstuhl oder 

im Kirchenratb wahrend dieser Feriode geseasen. Wer das GlUck 
hattc, durcb Heirath in eine solche Familie aufgenommen zu wer- 
den, der erstieg dadurcb die erste Staffel zur MagistraUwflrde. 
Die Vorstudien zu den BUrgermeister- and ScbOffenetellen wurden 
ini Kircben- und Armendienst gemaobt. Wem aicb die Anssicht 
zur Bekleidang obrigkeitlicber Stellen ersch liessen sollte, tnasste 
sicb erst als Armenprovieor und Kirchmeieter vorbereitet und das 
Vertrauen der KUrgerschaft erworben haben. Ueber den Kirch- 
nieister hinaus brachten es nur solehe, welcbe den berrscbenden 
Familien angebOrten. Auf dem Lande war ee nicbt viel andera: 
hier klebte das Hunen- und Schoffenamt an gewissen Hofen. 



r. ..... 



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Beitrasre zur Geschiobte Crefelds and dei Niederrheins. 137 

Unter solchen Umatanden blieben die kieinlichen nod bescbranktert 
Oesichtspunkte in Betreff der Verwaltuug derStadt atets dieselbeu, 
keiner wag-te daran zn rtitteln, tie waren gewissermassen das 
Yermachtniss der alteren Generation fdr die jdngere. Die regie- 
rcnden Familien wachten aber aach eiferstichtig dar&uf, dass nicht 
irgendwie fremde Elemente zar tteltung kamen and ihre tderr- 
scbaft durcfabrachen. So bat man aacb anffinglicb keineswegs mit 
freudigen Blicken die Einwauderaug der Mennoniten begrttest, ale 
dicsen von der oranischen Kegierang der Eintritt in die Stadt ge- 
stattet warde. Jabre lang wobnten sie draussen vor der Stadt 
auf den Hftfen ; ehe sie sich in der Stadt selbst ansiedeln konntea. 
Voni Stadtregiment blieben sie nocb Jabrzebnte ansgescblossen, 
trotzdem man ibnen die Erwerbung dee vollen Bttrgerrechts ein- 
raumen masste. Das war eben die traditionelle Feindscbaft gegen 
alle» Fremde, eiu koneervativer Zug, der uicbts wie kieinlichen 
Eigennute in sich barg. 1m Uebrigen ftihrten jene Familien das 
Stadtregiment nnr nominell, der recbtsgelehrte Stadtsekretar war die 
Scclc nud der Loiter doe Oanzcc. Ibm l&gon nicht alloin die 
AusfHhrungen und Anordnnngen ob, sondern er fUhrte auch alle 
Verbandlungen mit den Beborden und bereitete jede Entscbeidung 
vor. Nfibcn dem Pfarrer und Sehulmeiator war er vielleicht der 
Einzige, der sich in der Welt umgeseben and in die Recbts- und 
Venvaltuagsgescbafte der Stadt hineingelebt batte. Durcbgangig 
gehfirte der Stadtsekretar, set ee dureb Gebnrt, sei ee dureb Hei- 
rath, den regierenden Familien an, sodass man von seinem Ein- 
fluss rjicbts Bcdenkliches ftir dieselben selbst zu befbrchten brauchte. 
Sein eigenaa Intercast* war rait dem ibrigen enge verknttpft. Die 
Bllrgenneister nnd ScbOflen gebOrten in der Zeit, von der wir zu- 
n&cbst reden, entwedcr dem Stande der Handworker oder dem 
Banernstande an. In der alteren Zeit dorainirten namentlteh die 
Backer und Wirtbe, vereinzelt kam auch wohl der Eaufmann 
(Kramer), der Schmied oder Sohreiner zu der Ehre des Scbfiffen- 
arntes oder des Kircbenratbes. Der gelebrte Stand war allele 
durch den Stadtsekretar in der Stadtrsgierung vertreten. Als 
sp'dter um die Mitte des 17. Jahrbnnderts sich auch Leute mit 

gelebrter Bildung in der Stadt niederlieaaen, da wurde bald das 
bis her in Geltung gewesene System durebbrochen, das Regiment 
der Familien fing an zu erblassen und die Allmacht deB Stadt- 
eekretars erbielt einen fllblbaren Stoss, bis dann endlicb in der 
preussischen Zeit ein ganz veranderter Geschaftsgaug und die 



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138 Hermann Keutsen sen. 

stramme Yerwaltung die biaberige St&dtpolitik sub deu einaeitigen 
Bahnec g-itazHch berausbob. 

Unter dieaen in den allgeraeinen Umrisaen gezeichneten Ver- 
haltniBsen der frtlherea Zeit sab es, wie acbon angedentet warde, 
rait dem raaterielten Woblataade in der Stadt niebt aonderlich aua, 
mid wir braucben ung uicbt zu wnudern, dags eiu uervorrageudes 
Baadenkmal oder ein sonatiges Gebilde der Kunet aas jener Zeit 
nicht auf tins gekommen ist. Zur Untersttitzang der Kunst, zur 
Scbaffuug von grosaartigen Bauten feblten die Mittel. Die Be- 
wobuer der Stadt, die our vereinzelt etwaa Tucb- and Leinen- 
weberei trieben, waren auf die acbmalen Ertrage der Aecker an- 
gcwicecn, ftir die Violizucht feblten die gecigncton Wicson. Untor 
den Handwerkern ragten die Gerber hervor, die in ziemlicber 
Zahl wenigstens Ferbaltnissmaasig hier vorbanden gewesen sind. 
Die etadtischen EinkUnfte waren aebr gering, der stadtiecbe Sackcl 
daher stets leer, und kaura reicbte er bin, die geringen laufenden 
Ausgaben zu deckeu. Die uobedentendBten baulicben Einrichtuugen 
mnssten dureb Kfipitnlanfnfibme be! den benaebbsrten Kltf stern 
oder anderwarts erst mOglicb gemacbt werden. An Amortisation 
diescr Kapitalien wurde selten gedacht, Jabrbunderte lang plagte 
man sich ab, die falligen Zinaen beizutreiben. Gegen Ende des 
vergangenen Jahrbucderts verscbuldete die Stadt nocb Kapitalien, 
die im 15. Jahrbundert aufgenommen worden waren. 

Unter bo armlichen Verhaltnisaen tat es erklarlicb genug* 
daaa kein Arzt Neignng verapttrte, bier bei einer Zabl von etwa 
4—500 Einwohnern aein Gltlck zn veraucben. In den gewOhn- 
licben Zeitlauften bei normalen Ge8undheit8verbaltniS8en war dieser 
Mangel an beilkundigen Kr&ften scbon nicht sehr erbaulicb, in 
der Zeit der Seucbe gr&dezu erschrecklich, namentlicb wenn die 
beoaebbarten Ortsubaften ihre Thore acblcssen und keinen ein- 
liessen, der ans der infizirten Stadt kara. In derZeit des dreissig- 
jabrigen Kriegea hat die Pest in der biesigen Gegend furchtbar 
gebaust. Eb war in den Jabren 1623 und 1C36. Es liegen fUr 
die hiesige Stadt keine apeziellen Nacbricbten ttber deren heillose 
Wirkung vor, wobl aber aos unaerer Nacbbarstadt Mors, wo Arzt 
und Apotheker vorbanden warea Vom eratcn Auftreten der Pest 
am B. Oktober 1622 bis znm Erlttschen dersetben an 27. November 
1(323 waren dort im Ganzen 856 Peraonen hinweggerafffc worden ; 
es war das mehr nls die Halfte der Einwohner. In einzelnerj Mo- 
naten batte die Zabl der Todesfalle die erscbrecklicbe Utthe von 



r. ; 



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136—197 erreicbt. Aus diesen Notizen wird man sieh ein Bild 
des Elends ausmalen konneu, wie es sich ftlr nnsere hulflose Stadt 
gestalteu musate. Der einzige Scbutz bei solchen Epidemieen, so 
nnznreichend er auch immerbin war, gew&hrte das Siechen- oder 
Leprosenbans, das am 30. Januar 1447 der Graf Friedrich von 
Mors und Sarwerden im Verein mit seiner Gems hi in Engelherta 
gestiftet batte. Dieses Hospital mit einem geistlichen Eektor an 
der Spitze war mit aasreicheadeii EinkHnften and Rent en ausge- 
stattet, einer beschrHnkten Zahl von Kranken nnd Armen di& 
nOtbige Pflege za gew&hren. Hauptfi&cbHch war es zur Anfaabrafr 
pflegebedtlrftiger Armen nnd der Auesatzigen (Leprosen) bestiniiat* 
wie der im Munde des Volkes gebrfinchliche Namen .Gasthana* 
beweiaeo kOante. Andere Bezeichnungen, wie Blaeten-, Leprosen- T 
Melaten-, Sieche- oder Pestbaus, die gelegentlich vorkommen, ken- 
statirec wenigatens, dass dem Hospiiale eine doppelte Aufgabe ii> 
der angegebenen Weise geetellt war. Inde&s dieses Pestbaus oder 
dag Hospital Maria Magdalena bat wobl scbon frtih seinen Unter- 
gaug gefuuden. Ivb vennntue, dass es in dem allgeindiieu Stadi- 
brande im Jahre 1584 zerstOrt und nachber nicbt wieder aufge- 
bant warde. Nacb dieser Zeit 1st tod ibm nrkundlicb nicbt mebr 
die Rede. Es scbeint vor der Stadt in der Gegend des beutigco 
Xeumarktes aaf der Hocbstrasse gelegen zu haben 1 ). Sp'ater 
horen wir, cm 1610 etwa, von einem Rlaetenbaus binter dem 
Kosteil auf Krakau and um die Mittc dee 17. Jahrhundcrts voo 
einem ans mebreren kleinereu Gebftulichkeiten bestehenden Armen- 
bause, das in der Grabenstrasse in der Nabe des Evertzthannca- 
sich befand. Ob aacb bier die Aufaabme oneteekender Kranken 
zul&ssig war, 1st nicbt ersichtlicb. Jenes nrsprlingliche Hospital^ 
der hL Maria Magdalena gewidmet, batte jedenfalls das vor die- 
sem nenen vorans, daas ee niebt im WaSebhilde der Stadt lag nnd 
eine AbBperrung mOglich macbte. Bedenklich war es freilich, 
dass die gesanden Armen mit den Kranken zusammen nntergc- 
bracht waren. Von einer irztlichen Pflege in diesero Hospitale 
vernehmen wir nichts. Vielleicbt war der geistlicbe Rektor, dem 
ncben der geistlieben Pflege die Bediennng der Gasthanskapelle 
oblag. zcweilen in der Lage. mit seinen ira Laufe der Zeit ge- 



1) Auf der Karte im Tbeatrura Europaeum Ubtr die Schlacfat bei 
Crefeld v. 3. 1642 befindet «ich freilich das Siechenbaua nocb vrzeichnet^ 
nnd ZV/U.T an der angegebenen Stella. 



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140 Hermann Keussen ten. 

wonnenen Erfabrungen faelfend nod rathend einzatreten. Ira L'eb- 
rigen wird man sicb, so gut es anging, mit einfacben Hausmitteln, 
<iie s'icb von Geschlecbt za Gescblecbt wie eio Heiligtbum fort- 
-erbten, ausgeholfen baben. Sorgsara warden dieselben notirt, und 
nocb bentzatage findet wan sie anfgezeicbnet in alten Farailien- 
papieren, auf den hmpchiagen alter Btlcher, in KecbnungabHcbern 
und anderwarte. Sie vraren ein Hausscbatz, der wobl gebtttet and 
-verwabrt wurde. AU sacbverstandigen Berather zog man den 
Bader oder Barbier oder aucb wobl den Huf- Oder Knrscbraied zo 
Rathe. Sie standen in so gutem Rnfe, class selbst die stadtischen 
Behttrden keine Bedenken trngen, deren Htllfe bei Ungltlcksfallen 
-uder aueb bulbI iu Ausprucb zu nebuieii uud ibneu uaub Auswtis 
der erbaltenen Recbnungen ein Honorar dafUr za zablen. Die 
alteste Nacbricbt, die wir liber eine derartige Htilfeleistung babcn, 
■datirt aus dem Jabre 1631, und merkwurdiger Weise wurde diese 
von einer Frau verlangt, ebarakteristisch genng fur jene Zeit. Es 

heisst darUber in der Armenrechnung: Einer Frau von dem Heien- 
bom, die doe Nosen Peter Kind gchcilt, 2 Golden A Albas ge- 
gpben. Im selben Jabre empfing Meiater Jakob von Anrath, nm 
Elsies Kind zu sebneiden, 16 Gulden 10 Albus. Im Jabre 1634 
-warden an Meister Jan, dass er der Neben Katbarina Sohn das 
fiein gemeistert, 8 Golden 8 Albus und nochraals 6 Golden 9 
Albus gezahlt Weiter beisst es nocb von ibro: 2 Gulden 4 Albus 
■dass er Heinen Kinder gehetlt und 2 Gulden fflr die Heilnng von 
Moers Trinen. Im Jabre 1636 liess man einen wirklichen Arzt 
{artsitter) von aussen koramen; er logirte in Honaelers Haas (im 
jetzigen ..wilden Mann*). Neben ihm Hbte Meister Jan seine Kunst 
weiter; er erupflug am 27. Juli nacb Vereinbarung dafttr, dass er 
Fleuten Fran gebeilt, 6 Gulden 6 Alhns = V/ t Rtblr. Im Jabre 
1637 heisst es: Meister Jan dem Barbier zu Meisterlobn we<reu 
«iner bochdeutecben Frau, so ein Bein gebrocben, gegeben 8 Gol- 
den 8 Albus = 2 Rtblr. Danu weiter im Jabre 1638 erbielt er 
wegen der Frau in Flncken Haas 10 Galden 10 Albus and 1639 
nocb 1 Gulden 12 Albas, weil er eincm artnen Madcben, daa bei 
Tilmann Robr nnter der Linde wobnte, die Scbulter wieder ein- 
gerenkt batte. Im gleichen Jabre wurde mit Meister Jakob Httls 
accordirt, dass er Knits Merten Kind sebneiden sollte, auf 13 Gol- 
den 13 Albus. Von bier ab versturaraen auf mebrere Jabre alle 
derartigen Nacbricfaten, bis dann uocb einmal in der Zeit, wo der 
«rste studirte Arzt an die OeffentHcbkeittritt, unger alter bewabrter 



r. ..... 



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Bfitrage 2ur Oeschicht© Crefelds und dei fliederrheinB. 141 

MeiBter Jan in den Rechnungen erseheint Es war im Jahre 1659, 
wo dcrselbe an einer arm en Frau anf Leikes-Hof, die auf den 
Kopf gefallen war. seine Kunst versnchte und daftlr ale Lohn 2r> 
Albus nnd einen Weintruuk iron 6 Aibus aus dffentlichen Mitteln 
erupting. Gleicbzeitig neben ibra httreu wir dann noch im gleichen 
Jahre von eineni Meister Johannes Alexandria der far Kuren una 
Med i/, in 37 Gulden 12 Albas ans der Armenkasse vergtitet erbielt. 
Wir steben beim Wendepunkt in der Entwickelung nicbt allein 
der sanit&ren. sondern ttberbanpt der stadtischen Verbaltnisse. 

Mit der Einwandernng der Mennoniten, die urn 1650 etvra 
Ijegictt, hob aich die materielle Bedentung der Stadt alsbald zu- 
oebencU vod Jahr m JaLr. Mit ibnon began u oicb das gewcrb- 
licbe Leben zn entwickeln und znnacbat ataf dem Gebiete der 
Leinen-Industrie flberrascbende Resnltate zu liefern. Die Zahl der 
Bewobner wucba, znglcich damit der Wohlstand und das Bcdtlrf- 
niss. Dieser Umstand ermuthigte denn schliesalieh anch einen 
Crefelder, der seine mediziniscben Studien regelrecht auf derDuis- 
burger Umversit'at nbeolvirt hatte, sieh bier h&uBlieb niederzulaeeen 

und die roedizinische Praxis za tlben. Es war dies der im Jahre 
1633 geborene Sobn dee Btirgermeisters Mathias Ton Lumm, Dr. 
Konrad von Lumm. Seit dem Jabre 1660 iet er hier ansUssig. 
Alsbald fand er zwei Konkurrenten. Zun&chst stossen wir fast 
um dieselbe Zeit auf einen Dr. Leramee, der am 5, November 1677 
nber bereits mit Tod abging und in der reformirten Kirche seine 
RuhestUtte fand, wabrend vou Lnmms Thittigkeit sicb aocb bis 
znm Jahre 1680 verfolgen lasst. Neben den beiden genannten 
Aerzten erseheint seit dem Jahre 1665 als dritter im Bande znr 
Heilung der leidenden Btirgerschaft Dr. Jobann Brnckmann, gleich- 
falls ein Crefelder BUrgerkind. Es war ein Enkel dea ersten 
nacbweisbaren reformirten Scbnllehrers Christian Bruckmanu, der 
im Mai 1646 nach einer mehr als 20jabrigen Thatigkeit seine 
mtiden Angen scblosa. Der Vater dea Arztes, fieiuricb Brnck- 
mann, begegnet una zunachst wahrend der Erkranknng dea ge- 
nannten Lebrers ate dessen Stellvertreter; nach dessen Tode ftihrte 
er das Schnlamt noch eine Zeit lang weiter, bis die Wiederbe- 
getzung erfolgen konnte. Dass er selbst nicbt berufen wurdc t 
la sat daranf scbliessen, dass seine Quatitikation eine geringe gc- 
wesen sein muss. Spater nahm er sein Gewerbe als ebrsamer 
Bader wieder auf und ftthrte es bis zu seinem am 1. Mai K>5f> 
erfolgten Tode weiter fort. Dass er wie seine Kollegen sicb audi 



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142 Hermann Keussen sen. 

ntit der Heilkucdc besch&ftigt babe, wird nirgendwo berichtet. 
Seirj Sobn, der genannte Dr. Johann Bruckmann, wusste sick durcb 
seine Vermahlnng mit der Tocbter des Stadtsekret&rs Albert von 
Flodroif, Christine, in den berrschenden Ring einzugliedern and 
rascb eine angesebene Stellung zu erobern. Er erwarb sieh das 
Yertraneii seiner MitbUrger in w bouem Grade, dae» er von den* 
selben wiederbolt zum regierenden Btirgermei&ler crmiblt wnrde. 
Neben dem £rztlicben Berufe widmete er sicb anch der Rezeptier- 
kuuat und verwaltete eine Apotheke, die erste, die bier in der 
Stadt entstanden war. Wer der eigentliehe Grlinder derselben 
ist, 1st nicbt rnefar zn ermitteln. Mit der einfacben Notiz im 
Btcrbercgietcr, dose dee Apotbckcre Frau im Jabro 1687 goetorbcu 
sei, ist wenig zn macben. Zunachst lasst sicb ana derselben imr 
v.weierlei folgern, dass nftralich erstens urn diese Zeit eine Apo- 
theke vorhanden war nnd zweitens, dass dic&er Apotbeker nicbt 
JBruckraami gebeissen, denn (lessen Fran war nachweislicb 1704 
uocb am Leben. E& ist wabrsckeinlich, dass Brnckmann erst nm 
diese Zeit mit. Rflck«ieht anf cteinA bernnwAcheenrien Sttbne dnrch 
Kauf die Apotheke an sicb gebracbt bat. Als er am 10. November 
1702 aus dem Leben schied, bbernahm aein altester Sohn Dr. 
Heinrieh Crato Brnckmann die arztliche Praxis, wfihrend seinem 
zweiten Sohne Gottfried die Leitung der Apotheke zafieL Letz- 
terer tlbte, wie aus der Scbatzrecbnung vom Jabre 1728 hervor- 
gebt, aucb die Wundarzneikunst. Aus seiner Ebe mit Petronella 
Hauaer ging ein Sohn Namens Jobann hervor, der beim Tode dee 
Vaters am 26. Jannar 1735 noch minderjfihrig war. Die Mutter 
fabrte vor der Hand, wohl unter Beibalfe des oben genannten 
Schwagers, die Apotheke weiter, bis der Sobn nacb seiner Ver- 
heirathung mit Katharina Sobmann am 18. November 1752 die 
Yerwaltung der Apotheke fur eigeoe Becoming Ubernabm. Es 
war dies aber nor fttr knrze Zeit, da er bereita um 29. April 1758 
mit ZurQcklassang eines einzigen Tocbterleins Margaretba starb. 
Die Wittwe trat ein Jahr nach seinem Tode mit dem Chirnrgen 
Albrecbt Riedel ana Ulra, der biaher in der Apotheke als Pro- 
visor tbatig gewesen war, wieder in den EhestamL Die Hirech- 
apotbeke war die Mitgift, welche eic ibm znbraohte. Riedel er- 
warb sieh im Jabre 1762 das bflrgerrecbt and konnte aunmehr 
die Apotheke aaf seinen Namen weiterfllhren. Von ibm wisaen 
wir bestimmt, dass er diese in dem jetzigen Neu'schen Hause 
Ecke der Hocb- und Foststrasse, gefubrt hat Dass an dieser 



r. ..... 



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lieitrige zur Geschichte Crefelds und des Niederrheins. 143 

Slolle auch die Bruckraann'sche Apotheke geweaen, kann niclit 
mit He8timiatheit hehauptet werden- Albrecbt Hiedel vererbte bei 
seinem Tode die Apotheke auf seineu Sohn, den Dr. Adaui Rie- 
deL Dieser Scheie t keine Last gehabt zn faaben, neten der ftrzt- 

iicben Praxis sicb ancb uoch uro die Zubereitang der Anneien 
zn k limine rn. Er trat die Apotheke iro Jabre 1808 an die Be- 
sitzer der 3 Ubrigen damala vorhandenen Apotbeken Giesbers, 
Enlenberg nnd Kreitz, vrelcbe sicb tlber den Ankaaf geeinigt 
batten, ab. Jobann Wilbelm Kreitz ane Gcilenkirchon, der damale 
die Konzession zur Erricbtnng einer neuen Apotheke erhalten 
hatte, libera a hm die Bexeicbnung nnd ubertrug aie auf seine, Ecke 
der Rhein- uad FOtaigsstrasse neu gegrllndete Apotheke. Dan 
gegentiberliegende, auf den damaligen Stadtwall ftihrende Gass- 
cben erbielt den Namen Ilirecbgasse. 

Neben den nbftngenannten Aerzterf RtORsen wir vnr Ansgang 
deB 17. Jahrhunderts noch anf einen Chirurgen Namens Jobann 
NorfT, der sicb hier bleibend niederlieas. Derselbe atarnmte aae 
der Moselgegend ond lasst sich hier in der Zeit von 1687 — 1695 
rerfolgen. Als seinen aaebsten Nachfolger in der Wundarznei- 
kunde mttssen wir Jtirgen Heshansen aus MUIheim a. d. Ruhr be- 
zeiebnen. Er Ubte hier die arztlicbe Praxis bis zn seinem am 
€. Oktober 1732 erfolgten Tode aus. Bei seiner Beerdigung 
batte der Prediger PHI! in der Leichenpredigt einige harte Aus- 
<irUuke gebrancht. Hubert Rahr wurde dartlber so emport, dase 
er den Prediger in der Kirche zu nieht geringem Anfsehen zu- 
xecbtwies. 

Mit der preussiscfaen Besitznahrae am 25. M&rz 1702 nnter- 
lag das Medizinalwesen einer wesentlich verscbarften Kontrolle, 
und die Niederlassung einer jeden Meduinalperaon wurde von der 
Absolvirung der vorgescbriebenen PrUfungeu abhangig gemacbt, 
wahrend die Errichtang von Apotheken nur auf Grand der er- 
tbeilten Konzession gestattet wurde. Gegeu die Kurpfuscber 
wurde mit unnacheicbtlicber Strenge eingescbritten. Gleichwohl 
drangten sich nocb l&ngere Zeit hindurch nnberechtigte Individuen 
bervor und rersucbten sich in der arzilicben Praxis. Im Jabre 
1741 sah sich die Regierung genOthigt, die alte Verftigung von 
nenem wieder einzuscharfen, dass nur exarainirte Operate urs im 
Lande geduldet werden sollten. Ale ire Jabre 1743 zwei Barbiere, 
Gerhard Mjlins und Johann Gottfried Bruckmann, trotzdem fort- 
fuhren, chirurgiscbe Operationen vorzunebmeu, wurden eie vora 



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144 II erro ann KeoiBen sen. 

Magistral veranlasat, alsbalrl ibr Exam en bei dem Medizinalkolle- 
gium in Cleve zu machen. Nachdem sie dasselbe dort glUcklich 
bestanden batten, fand sich gegec die Foruetzung der chirur- 
gischen Praxis niehts mebr zu erinnera. Eta anderer nicht quali- 
fizirter Mediziner, Namena Johann Peter Daby, warde gleiehfalls 
aur Ableguug der Prtlfuug aujgefordert* da ei- dab Befabiguiigs- 
zeugniss nicht beibringen konnte. Ancb er verstand sicb dazu, 
dieser PrHfung sicb zu unterwerfeo, and bo linden wir ibn denn 
im Jabre 1749 ale qualiflzirten Gbirurgea wieder vor. Darcb 
seiche Anordnangen hob si eh das Ansehen der Aerzte nicht wenig; 
die Gesundheitspflege batte miter der gesetzlicben Regelnng einen 
gewoltigen Scbritt vorw&rte gothoiu 

Karz naeb dem angegehenen Zeitpnnkte giUndete Isaak 
Jakob Clauberg, der Sohn des Predigere in Freeh en, die zweite 
Apotheke in hieBiger Stadt. Der Aufscbwang der Industrie hatte 
die Erweiteruag derselben notbig geraacht. Die neue Adler-Apo- 
tbeke wurdc im neuen Stadtbeile auf der Hochstrasse erricbtet 
Der gftnanntft Apntheker Clauherg hattp aicb ninige Jahre frtiher, 
naralieb am 31. Mai 1707, das BBrgerrecbt erworben. Auf An- 
halten der Jnnggesellen - Kompagnie, der er eine Fahne verehrt 
hatte, war iiim dasselbe vom Magistral taxfrei verlieben wordeu, 
Clanberg hatte sicb ira selben Jabre mit Sophia Katbarina PtUI, 
der Tochter des Btirgermeisters, verheirathet. Bereits am 6. Sep- 
tember 1713 verlor er die Gattin darch einen friibzeitisen Tod. 
Die vier Kinder ana dieser Ehe starben alle im jugendlichen Alter. 
Clauberg verkanfte in Folge dessen die Apotheke im Jabre 1737 
an Go8win Ptlls aus Mors. Am 15. November 1740 wurde ibm 
gleieb seinera Vorgfinger „aus Consideration, weil er der Jung- 
geeellen- Kompagnie eine Fahne verebret", das BUrgerrecht ge- 
schenkt. Pule atarb nicht lauge nachber, am 18. Mara 1743, and 
so trat in knrzer Zeit ein abermaliger Wecbsel im Besitze ein, 
indem nanmehr die Apotheke in die Hande von Dietrich Bitter 
ttberging. Seine Thatigkeit war indees ancb nnr von knrzer 
Daoer. Scfaon am 27. Juni 1748 riss ibn der ufcerbittliche Tod 
im bltlbenden Alter von 36 Jahren hinweg. Der 38jahrigen 
Wittwe war es nicbt zu verdenken, dass sie sich naeb einer 
neuen Stutze nrasab und am 17. Angnst 1749 einen neaec Ebe- 
bnnd mit dem bisberigen Provisor Johann Adam Christian Tieseler 
sehloaa. 

Tieseler, der aus dem Lippeachen staminte, erfreute sich nicht 



r. .... 



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Bei trifle znr Geschichte Crefeldi and des Niederrheine. 145 

lange des erheiratheten Besitzes; am 30. Jnni 1758 schied er 
ans dem Leben. DieWittwe Bberlcbte ihn bis znrn 11. December 
1764. Von diesera Zeitpunkte ab verstnmmen anf 2 Jahrzehnte 
alle Nachricbten liber daa Schicksal dieaer Apotbeke, and es bat 
den Anschein, ale ob dieselbe w&hrend dieser Zeit volletftndig ge- 
schlossen gewesen sei. Die BevOlkernngstabelle vom Jabre 1780 
ftlhrt in der That nnr 2 Apotheken, die von Riedel and Btlrekn, 
anf. Zwei Jabre sp&ter tancbt dana als Besitzer der Adler&potheke 
Jobann Matbias Gottfried Kaspar Giesbers ans Wesel bier aof. Die 
Apotbeke befand sieh aaf der Hocbstrasae Ko. 45, in dem Hause, 
das jetzt von der Wittwe Thomas bewohnt wird. Matbias GieB- 
bcre> der am 8. Juli 1817 etarb, hinterlicss seiueiu Sobu Johauu 
Panl die Apotbeke, die nnterdesaen in das frUher Melsbach'sche 
Hans, Hochstrasse 58, verlegt worden war. Hier ist sie denn bis 
znr Jetztzeit verblieben, wahrend sie den Besitzer nocb ftfter ge- 
wechgelt hat Jobann Panl Giesbers starb bereits am 1. Febrnar 
1820. Nachdem hieranf die Apotbeke, ftir die sieh nicbt gleich 

ein Kaufer gefondeo batte, mehrere Jabre provieoriech verwaltet 
worden war, gelangte sie im Jahre 1827 in den Besitz des Apo- 
tbekers Georg Heinricb Kuhtze ans Halver. Nacb dessen frtlh- 
zeitigem Tode im Jabre 1835 wnrde sie abermaJs eine Reihe von 
Jabren dnrch Provisoren, unter anderen aucb von dem apfiteren 
Direktor Lobse, verwaltet, bis dann schliesslich der alteete Sohn, 
T>r. Heinrinh Ktthtze, die Apotbeke fUr eigena Reehnnng Mber- 
nahm. Im Jahre 1874 ging sie durch Kauf an M. Fickeisen tlber. 
Am 1. Jannar 1879 crwarb sie der jetzige Besitzer Dr. Friedrich 
Bertkaa 

Die Birschapotheke tbertrog der bereits genannte Apotbeker 
Johann Wiihelm Kreitz am 1. Jannar 1846 anf seiner altesten 

Sotan Gerhard, der dieselbe bis znm 1. April 1872 fortfuhrte. 
Zu der angegebenen Zeit ubernabm sie Dr. Puller, der sie bin- 
wiedernm am 1. September 1881 k&oflich an Wiihelm Knoch 
abtrat. 

Die drittc (Schwanen-) Apotbeke entatand nm das Jahr 1746. 
Ihr Begrtlnder ist Karl Max BrJrckh, der Sobn des Rentkammer- 
sekrtUirB Konrad Friedrieb Bttrckb in Stnttgart. In dem genann- 
ten Jahre am 24. April vermUblte er sieh mit einer hiesigen Dame 
Maria Katbarina Mailer. Die Apotbeke befand eicb wie die ab- 
rigen anf der Hochstrasse, in dem jetzigen Kocher'achen Hanse 
(No- 85). Btlrckh gelangte schon im Jahre 1755 zn der Ehre 

Anoalen des hilt Yereiai LIT. ■ *0 






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146 Hermann Keneaen sen. 

eine8 SchCffen in einem verhiltoisflmasaig frUhen Alter. Nacb 
dem ira Jahre 1758 erfolgten Todc seiner ersteu Fran vermahlte 
er 8icb am 16. Jul! 1761 mit Anna Elisabeth Petersen ana Gevels- 
berg, der Toehter de« dortigen Schnllehrers. Darch diese Ver- 
heiratbnng wurde er mit dem hieaigen Bttrgermeister and Stadt- 

k&mmcicr Dietrich Cbrietoph Peterson Yersehw&gcrt Einc Tochtcr 
fitlrekhs Katfaarina Dorothea trat mit dem geldrischen Kammer- 
aekretar Lebnhoff in die Ebe, wahrend eine zweite Sophia mit 
dem Bacbdrneker Peter SehCller sicb verheirathete. Von eeinen 
beiden SChnen Hbernahm der jflngere Theodor nm 1799 die Apo- 
theke. Er atarb aber bereits am 24. September 1803, cacbdem 
der Vflter am 12 Oktober 1801 ana dem Zftitlirbpn geachieden 
war. Karl Petersen, vermothlicb ein naber Verwandter, dbemahni 
die Fortfttbrnng der Apotheke, die apater bie zum Jahre 1816 fur 
Reebnnng der Wittwe Heppe ging. in diesem Jahre traten die 
drei Apotbeker Giesbere, Enlenberg nnd Kreitz wieder zusammen 
nnd erkanfteo sicb die Konzesaion dieser Apotheke. Darait er- 

losch die Scbwanen-Apotbeke, nm dann im Jahre 1835 aaf der 
Friedricbstraase ihre Wiederaoferstehnng zn feiern. Wilhelm Anton 
Ktfhler hatte dazn von der Regiernng die Erlaubmsa erhalten. 
Ende Febroar 1845 ging die Apotheke — die vierte in der 
Reibe - in die Hande ron C. IL H. Ritter aber. Im Jabre 
1854 flbernahm gie von diesem Johann Heinrich Ricbter, bis 
dahin Apotheker in Radevormwald, nnd von die&em im Jahre 1866 
Hermann Lndwig Bern hard Stephani, der jetzige Besitzer. 

Ziemiich zn derselben Zeit. wo Kreitz die Hirschapotheke 
aaf der Rhein8tras8e erricbtete, batte ScbrOder anf der Hocb- 
atraase (No. 113) die LSwenapotheke nen gegrdndet Er sfelbst 
ftihrte sie nnr anf karze Zeit Bereirs am 1. Jannar 1813 ging 
sie dnrch Verkaof in das Eigenthoru dea Apothekera Friedricb 
Wilhelm Enlenberg any MUlheim am Khein fiber. Dieser verlegte 

sie im Jabre 1819 ans dem bescbrankten and baafalligan Hanse 
in das achr&g gegenflber Hegende Evvald'gehe Haus (No. 112), wo 
aie bis anf die gegenw&rtige Zeit verblieben ist Nacbdem die 
beiden Konkarrenzapotbeken in der NShe, die Riedel'sche and 
Bttrckb'sche, eingegangen waren, blillite sie recht sehr empor, 
trotzdem Enlenberg ein etwas eigenartiger Herr war, der dnrch 
eine im Jahre 1855 erschienene Selbatbiograpbie sieh auch nocb 
fiber den Rah men dee engen Lebens hinana ein Andenken be- 
wabreu wollte. Dieee Selbatbiographie iai trotz alleiu Stadtklaiach, 



f. ; 



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Beilrage zur Geschichte Crefelds und des Niederrheins. 147 

•«ler darin euthalteo 1st, ein uiebt gaoz werthloser BeiUag zor da- 
<naligen Stadtgeschiehte. Am 1. April 1840 ging durch Verkauf 
-<iiese Apotheke in den Besitz des Apotbekers Lodwig Rtfbr ans 
fiees Uber. Am 1. Jannar 1852 erwarb sie von diesem Georg 
AVilhelm Albert Hoffmann, der sie kinwiederum nach kurzem 
45caitec an deu jetzigeu luhaber Friedriulj Kobbe iui Jabre 1859 
4ibertrug. 

Die fflnfte Apotheke, die Dclphin- Apotheke, errichtete im 
-Jabre 1851 anf dem Oetwall (No. 150* Christian Wilheliu Peter 
2opp. Bereits im Jabre 1855 verkanfte er dieselbe an den bis- 
fcerigen Apotbeker in Btlderich Gustav Adolf Roffhack, von dem 
ei© im Jabre 1870 dcr Sobn Dr. WUholm Ernst Lconhord Roffbock 
-ererbte. Am 1. April 1877 erMhete anf dem Earlaplatze (No. 2) 
Franz Baumeister ans Inden die sechste Apotheke zum Einboru. 
Am 1. Januar 1884 ging sie dnrcb Verkaaf in den Beeitz Ton 
Heinrich Siepraann ans KBln Uber. Im Jabre 1882 bereits warde 
«lie siebente, die Engel-Apotbeke anf der Uerdingerstrasse (No. 1), 
von Fripdrieh Wilhplrn Ftibr, higher Apotbeker in Rbeiiinerg, g«- 
.grtlndet, Ihr folgte dann im Frtthjahr 1887 die achte, die Sternen- 
Apotbeke anf der HUlserstraase (No. 10—12) von Karl Julius Hn- 
i)ert Schwaab nod im Herbitte 1887 die nennte von Alphona 
L#efite anf der Figcbelnerstrasse (46—48). Id dieser raaeh erfol- 
gendeu Vermehrnng der Apotheken in einem so kurzen Zeitraunue 
spiegelt sich das rapirie Anwachsen unserer Vaterstadt klar genng: 
wieder. 

Sehliessen wir hieran noch einen kurzen Rtickblick anf die- 
jenigen Persiinlichkeiten, in deren Hftnde das k&rperlicbe VYolil- 
befinden der Crefelder BHrger im vergangenen Jahrhnndcrt ge- 
gehen war. Dr. Heinrich Crato Brnckmann, den wir bereits 
gegen Ausgang des 17. Jahrhunderts nacb Absolvirung der 
mediziniscken Stndien za Daisbarg neben eetnem Vater in dem 
arztlicben Bemfe th'atig finden, war, wie wir in einem an- 
deren Aufeatze (8. 37) bereits mittbeilten, ein in der Stadt 
«ebr angesehener Mann, der sich qui seine MitbUrger aaeb 
-als Scboffe, Bargermeister nnd Scholarch grosse Verdienate er- 
warb. Ans seiner zweimaligen Ehe waren ibm 9 Kinder ent- 
apro&sen. lite beiden Stibne Johann Theodor Gotthard nnd Hein- 
rich widmeten sicb, wie anch achon frllher erwfibnt wnrde, dem 
-Studioin der Tbeologie. Er selbst starb am 15. November 1739 
jrn Alter von 70 Jahren. Seine Zeitgenossen sind die beiden 



r. 



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14$ Hermann Keiitmeu sen. 

Wond&rzte Hermann Coinpenius ond Johann Gottfried Uhle an» 
Witgendorf. ErstereT starb bereits am 24. September 1710, Uhle- 
starb dagegen erst am 4. August 1731), 59 Jahre alt. Am 14. Jul* 
1706 hatte er sich das BHrgerrecbt erworben. Im gleiehen Jabre 
hatte er aich mit Agnes Remkes, einer Nichte dee Bflrgermeisters 
Job. Reiukes, vorheiialliuL Eine cvroitc Ebo ecbloea cr im Jabro 
1732 mit Margaretha Vinmann, der Tochter des Predigerg in Hom- 
berg. Seit dem Jahre 1727 batte sicb Joh. Sam. Dorains, geb. in 
Mfirs am 8. Februar 1701, hier ah Wundarzt niedcrgclaaeen. Seine 
am 17. Oktober 1728 erfolgte Vermahlnng mit Gertrad Sade, der 
Toebter deg BUrgermeisters und Kaufmanns Melchior Sade, braehte 
thn in die regiortrndon Kreieo nod zu angeeohoner Slcllang. Er 
8tarb aber bereits am 13. Jnli 1738. Neben diesen heilknndigen 
M&nnern scheinen andere wie Dr. Hermanns (1718), Dr. Johann 
Wilbeim Bacboff (1728), Dr. Setels (1723) and Dr. Lnker (1738) 
keinen ausgiebigen Boden far ibre Tb&tigkeit gefnnden und bald 
anderweitig einen neuen Wirknngakreia gesnebt zu haben. Einem 
Chirmrgen Tramm gelang es dagegen, von 1739 bis zn seinem 
Tode am 15. April 1748 aein &rz.tliches Gewerbe zu linen. Neben. 
den bereits frtlber genannten Chirnrgen Brnckmann nnd Gerhard 
Mylius, welch letzterer am 19. Dezember 1782 im Alter von 72 
Jahren starb, versnehte sicb bier tod 1742 — 1758 in der wood* 
arztlichen Kunst Benjamin Engels aus Elberfeld. Im Jahre 1751 
erwarb er sicb da6 BUrgerrecht Er fllhrte nebenbei einen Kramer- 
laden, aodass anf die nicbt allzn grosse Bedentnng seiner Praxis 
wohl mit Kecht geacblossen werden darf. Sein gleichnamiger 
Sohn setzte gleicbwobl die v&terlicbe Praxis fort. Der Arzt Dr. 
Wilb. Blank, den wir einmal nnter bedenklichen Umstanden in 
den katholischen Taufregistern genannt finden, war nacbweisHch 
von 1745 — 1748 hier tb&tig. Seit dem Jahre 1756 bis zn seinem 
im Jahre 1781 am 21. Janoar erfolgten Tode fnngirte hier als 
Chirurg Georg van der Schloot aus Amsterdam. Ein Dr. Scbonen- 
berg, vielleicht ein Verwandter des gleichnamigen Arztee in Mlil 
heim, ist in der Zeit von 1747— 17(>9, ein Dr. von Hagen im Jahre 
1763 als Arzt in den hiesigen Akteu verzeiebnet Letzterer s&h 
wohl bald die Unmoglichkeit ein, sieh eine lobnende Praxis hier 
zn schaffen, da gleicbzeitlg mit ibin der Dr. Johann Gotthard 
Leon hard von Pempelfort sich in hiesiger Stadt niedergelassen 
hatte. Far diesen trat bald eine schwere Probezeit heran, indent 
nftmlicb im August des Jahres 1763 eine Pockenepidemie auftrav 



r. ; 



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Tfoitr&ge *nr G*M>>ieht«i Cr*fo1di nnd Hem NiederrLoin*. 14ft 

<lie namentlica verheerend bei den Kindern am sicb griff. Eg 
gelang ibm, bier helfend einzngreifen and dem weiteren Vordringen 
der Krankheit ein baldiges Ziel zn setzcn. Freilich schwcre Opfer 
warets gabracht worden. Dr. von Pempelfort drang anf die Ein- 
fBhruug der Impfang, und das wobl cieht obne Erfolg. Ira Jabre 
1775, wo abennals die Blatternkrankbeit sicb zeigte, Btarbec nor 
sebr weaige Kinder an dieser Krankheit, sodass sicb der Lehrer 
Eanimerstein zn folgendern Zeugniss ira Taufregister veranlasst 
fand: r In Vergleicb mit deti Jahren 1768 and 1769 sind nor we- 
nige Kinder in diesem Jabre den Kinderblattern zoni Opfer ge- 
failen. Solhe dies nicht dahcr rohreo, daas die Inoculation seit 
der Zeit bierselbst zienilicn im Schwang gekoimnen, eine ktlhie, 
luftige Behandlung der Patienten aber fast allgeuiein worden 
ist?" Man staunt, wean man dies liest and dabei erwfigt, 
dasp erst beatzntage die Hygiene diese Anscbaanng znr all- 
gemeinen Geltung gebracbt hat Wobl anf seine Veranlassung 
wnrde ira Jabre 1767 dag ans Tnffsteinen erbante Beinbans anf 

-dem alien Kirebbofe abgebrovbeu und die Gebeiue begrabeu. 
3 Mann batten 8 Tage darait za than. Leber Dr. von Pem- 
pelforte Lebensumst&nde baben wir bereits frttber (S. 48, 44) 
Mittbeilnngen bringen ktinnen. Neben ibiu vereucbte 1779 
bis 1780 ein Dr. Lndwig Kox vergeblich sicb eine Stellang 
zn erringen. Ebenso wenig gelang dies einem andern Arzte 
Dr. Jonas voa 1780 1701, wo cr von hicr noch Montjoio vor 
*/og. Dahingegen behanptete sieh Dr. Johann Rockogb von 
1770 — ? wobl nicht ganz ohne Erfolg neben ihm. In den Jabren 
1780- -1783 berrscbte Jahr nm Jabr im Herbste die roth© 
Rnbr in bedenklicber Weise in hiesiger Stadt, sodass rnebr als 

-die Haifte samiutlicber Todesfalle anf diese Krankheit zurllckzu- 
fttliren wnr Im Jflhre 1783 kehrte dieeelb« noeb e initial in v«r- 

starktem Masse wieder. Der Magistrat batte sicb veranlasst ge- 
sehen, die Leichenbegleitung ncd den Gebraccb der Leichentflcher 
zn nntersagen. Nach dem Erloscben der Epidemie wnrde der 
alte bedenklicbe Branch, die LeichentHcher und Mantel leibweise 
an die Leidtragenden zn tlberlassen, dem Kirchecrathe wieder ge 
stattet. Erst in der franzftsischen Zeit erging ein streuges Verbot 
-dagegen. Im Jabre 1795 trat die eben genacnte Krankheit noch 
einmal wieder aaf, dieses Mai aber obne die verheerenden Folgen. 
Eine zweite Krankheit, die sicb bier einznnisten schien, war die 
3falaria, das sogenannte kalte Fieber, das namentlich die ostliche 



r. ..... 



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150 HArmtnn Kniimnn «pn 

Stadtgegend ucd vor allem Diessem nnd In rath heirmuchte. 
Sctaon im vergangenen Jahrbnndert mirden dartiber lauie Klagei* 
erboben. 

Mit dera Ausgang des Jahrbnnderts brecben wir nnscreSkizze 
aib. Wir bedauero, dass dies el be sich nicbt eingebeuder mit den 
von Seiten der Obrigkeit getroffenen sanitaren Massnabmen der 
t rflheren Zeit beschaftigeu konnte ; das uinscblflgige Material wird 
vergebena in nnseren Akten gesocht. Wer jedoch ein balbes 
Jahrbnndert zarUckacbnoen daxf in der Entwicklongggescbichte 
unseier Siadt, der wird nicht allzn kohne Erwartungen Uber die 
liebeude Fttrsorge der Stadtobrigkeit in dieeer Beziebaog begen. 
In der Kegel rttbrte man sicb erst, wenn die Gefabr nabe nod 
die Regierung zn Voreichtemassregeln recht dringlich tnahnte. Die 
bier bestehenden KrankenbBuser sind ja erst Scbopfungen dieses. 
Jahrli under ts. 



. 



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Drei Jahresrechnungen des kclnischen Offteialategerichte 

in WerL 1495-1516. 

Von 
Dr. Richard Bettgrenhaeiiger in Braunschweig. 



In nachstebendera Abdrnck werdec 3 Jafaresrechnungen des 
kolnisch-westfaliscben Offizialatsgericbts aus den Jahren 1495/6, 
1409/1500 and 1615/6 vcrtfffcotlicbt 1 ). Sie hcrubco io» Kgl. Staats- 
archiv zn Mftaster, Herzogthnm Westfalen IX, 8a, vol. I— III s ). 

Die einzige bisher bekannt gewordene Recbnnng des kQlni- 
scben Offizialatsgerichte aus dcui Mittelalter iet die void Jahre 

1438/9. Sie ist von Hansen in der Westdeotseben Zeitschrift, 
Band VII, 1888, S. 35 ff. herausgegeben. Die ansserordentlicbe 
Seltenhoit soldier Reehnangen, nnf die nncb Hansen in eeinen 
einleiteodec Bemerkun^en hicgewiesen liat, nnd die Bedeotnns der- 
artiger bandechriftlicher Zcngnisse Uber die Thatigkeit der Offizial- 
gertehte im Mittelalter, die darin beruht, dass sie niebt nnr for die 
Verwaltungs- and Wirtbscliaftsgescbicbte werthvolle Anhaltspnnkte 
bieten, sondern dass eicb aus ihnen vor AHem aucb fttr die sittlichen 
Znst'ande der Landestbeile. in denen die Offizialatsgerichte ihre 
Wirksamkeit entfaltetcn s ), die zuverlassigsten Hacbricbten ent- 
c eh in en lassen, rechtfertigt den Abdrnck unserer drei Recbnangen 



1) Die Rechnungen sind mir von Herrn Stsdtarcbivar Prof. Dr. Han- 
sen zum Abdrnck zur Verfugung gcetellt worden. 

2) Leider fehlen in dem Kechnnngsbuch von 149s die letztan Blatter, 

•O'Ihqr die An«g«l.M*n nicWt vnllirtHndig verv*iolin*»t «intL 

3) Vgl. im allg. Hinscfcius, Kirchenrecht II, 205 ff. L T et>er das west- 
faliscbe Ofnzi&latsgericnt im besonderen vgl. anaaer Hanson noch Biischer, de 
iudicio officialafcua arcniepiscoporum ColoDicnaium in ducatu Gueatphaliae con- 
atitoto. Bonn. Diss. 1871. 



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159 fiiobfcrd S«ttgenh«0u«er 

udiso mehr, ale in den drei hierftir in Betracbt komrnenden Ar- 
chive!] zu Dflsseldorf, Koln and MCnster kein weiteres einscbla- 
giges Material aus dem Mittelalter erhalten i3t 

Die Einrichtong der Offizialatsgerichte ist, wie bekannt, atrf 
das Bestreben der Bfechttfe resp. Erzbischftfe zartlckzufabreu, neb 
ein Gcgengewicbt gegen die immer selbetandiger werdenden Ar- 
ch idiakonate zu scbaffen. In der Erzdifizese Koln bestebt ein 
solche8 Gericbt mit dem Site in Ktfln seit dem 13. Jahrhnndert 
Far den westfalischen Tbeii des ErzbisthatnR ist dagegen ein be- 
sonderes Offizialatsgericbt erst von Erzbischof Dietrich von Mors, 
also in der ersten Halfte des 15. Jahrbanderts, eingeeetzt worden. 
Eg hatte seinen Sitz anfangiich in Arnsberg, seit 1484 in Soest, 
urn 1440 wieder in Arnsberg; im Jabre 1450 worde es nacb WeA 
verlegt 1 ). 

Dort Bind aocb nocb nnsere Recbnnngen ansgestellt worden 2 }. 
Der mit der Rechnnngsablage betrante Beamte ist auch jetzt noch, 
wie soboD 1438, der Siegeler des Gerichts. 

Das Eechonngsjafar begiunt 1495 and 1499 am 22. Februar, 
1515 am 1. M&rz. Das Jahr 1499 schloHS mit einem DeGzit ab, 
jedocfa nnr aasnahmaweise : in der ana der erzbiscfaBflicben Kanzlei 
statnmendeu Si-iilusgbeiuerkuug tti der Redlining wird aus- 
drUcklicb hervorgeboben, dass in den frtiberec Jahren ein be- 
deutender Ueberschuss der Einnahmen Qber die Ausgaben erzielt 
wnrdc *)■ 

Der Erzbischof konnte also mit dem finanziellen Ertrag der 
Tliatigkeit des Gericbts wohl znfrieden sein. Das nm so mehr, als 

die AciBg&ben zem grfteeten Theil gar niobt auf die Uokoeten doe 



1) HftDien, S. 37. 

2) Aucn dlejenige von 1499, obwotal elch auf foi. 1 derselbea (ilem 
I'machl&gFblait) dip Aufflcbrift B Arnsburg" findet. Denn unter drn Aus- 
gaben dieses Jabrei smd raebrmals die Kosteu for Reisen des Siegeler* nacb 
Arnsberg (B 14, 22, 26) und die Betrage fur nach Arnsberg geacbickte 
KauzloiutensUien (B 13, 20) verzeichcet; id B. 5 wird sogar die RGckkchr 
des Siegelera (von seiner PoppeUdorfer Reiee) oacfa Werl ausdriicklich er- 
tvRbnt („redeundo ad Wertis**). Vgl. auoh B 4. — Da die AufacHrift B Ara»- 
burg" ttuoulieiuead vvu Uarselben Hand herru&rt, von der cite BemeAuug 
iiber die Afcrecbniing in Bonn stammt, so ist wabrsebeirlinh, dats lie in der 
Kanslei dea Erzbiscbofa gemacht wortlen int. 

3) Aucb das Jahr 1515 sohtcss mit ei&em bedeutenden Ueberschuss ab. 
S. die ZusaromenBtellung auf S. 154. 



r. ; 



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Gericnts selber zorflckzuftihren warec, gondern anf Anweisang des 
Erzbiscfaofs ( n ioxta inandatara domini nostri gratiosissimi") fflr 
andere Zwecke geraacbt warden. 

So 7. B. die Liefernogen von Papier, Siegelwacbs and Tinte 
aa die Kanzlei Id Arasberg 1 ), Aoszahlungen an den erzbischof- 
lichen Kellner in Arnsberg*) (im Jahre 1495 in der H5he von 
480 fl!), and an den Erzbiscbof selber 8 ), wiederholt aucb an Per- 
sonen, zu denen der ErzbiBchof anscheinend nur in einem Schold- 
verb&ltniss stand 4 ). So erhielt z. B. ein Bernhard Hater anf Grand 
«iner Generalanweisung jahrlich 50 fl aos der Gericbtskasse. Nocb 
bedeotendere Summon mnsete der Siegeler der Famiiie Hatzfelt- 
JNesselrode 1499 and 1515 in bestimmten Katen auazahien. 

Zu den die Gericbtsunkosten selbst deckenden Aasgaben ge- 
httren in erster Lhrie die Gehalter der Beamten. 1438 uocb miter 
•den exposita extraordinarium peeuniarani aufgefuhrt, baben sie 
jetzt mebr den Charakter von ordentlicben Auagaben. Der Offizial 
erhalt 1495 B ) „pro sallario istius anni et pro tunica" 58 fl, 1499 6 ) 
„ad defalcation©!!) salarii" (vgL 1438 B II, 10) 52 fl, 1515 pro 
sallario 52 fl, pro tnnica 8 fl. Die hofaen Summon, die 1495 and 
1499 der Siegeler der GerJchtskasse entnimmt (120 bezw. 130 fl 
oline weitere Augabe, aasserdeio jedesraal 8 fl pro tunica) enthal- 
ten wohl nieht allein den Gebaltsbetrag ; derm 1515 7 ) bezieht der 
-Siegeler „pro sallario . . . ac tnnica" nor 47 fl. Der Untersiegeler 

orbiUt 14S5 R ) und 1400°) 25 fl „pro cxpcnais ac tunica". 

Als ordentliche Ansgfiben sind sodann nocb die Aufwendnngen 
fflr die Gerichtakanzlei 10 ) und — wenigstens theilweige — die 
Kostoa der Roiecc dee Sicgokra seu betr&obten ll ). 

Die Einnabmen baben sich, wie die nebenstebende Zuaammen- 
etellung zeigt, gegeu 1438 bedeutend erhobt, nod zwar niebt uur 

1) 1495, B 5, €; 1499, B 13, 20; 1615, B 5. 

2) 1495, B 17; 1499, B 30. 

3) 1495, B 14. 

4) 1495, B 10, 13; 1499, B 10, 28, 29; 1616, B 1, 2. 
6) B 12. 

Gi B 9. 

7)B 4. 

8) B 18. 

9) B 31. 

10) 1499. B 25; 1515, B 6. 

11) 1495 B 1—3; 1499, B 1-3, 6-8, 14, 22, 26; 1616, B 7. 



r. .... 



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164 KicbardBettgenhaeuBer 

1438 1495 1499 1515 

T191 80— j 1192A 70 — 



Eio- 

ii&hmen 



Ausgab. 



854 fl 402d 1032A 2p — 

lob. • 
478fl 807d | (833Q 5? -gd 1 ) 



7640 606d 1 745fi l/?Sd 



— 1246 4/?4dj(+jf$Sn 6fil0&)\ — i*4fl 7/96d I + 447A 5/*4d 
lob. I I 

deshalb, weil die Zalil der vorgekoramenen Faile uberbanpt ge- 
wachsen ist, sondern audi, weil das Goricht darcb Erweiterang 
seiner Konipetenz sich nene Einnahraeqnellen geschaffen hat 
„Au88erordentticbe 4< Einnahmen werden gar nicht niebr aufgefUbrt* 
Die in der Recbnung von 1438 enter dieser Bezeichnang znsammen- 
gefasstea Posten finden sich in unseren Kechnungen znm Tbeil 
ale aelbst&ndige Eimiahmekategorien wieder. So z. B. die Eia- 
nabmen de absoiutiombns and de relaxationibuS interdicti. Han- 
dell es eicb indessen bier recbt eigentlich cm causae ecelesiaaticac, 
60 rUhren die Einnabmen de inbibitionibns, arrestis, citation! bus, 
commissiGTubos etc., wobei die Parteien in der Mebrzabl der Falle 
Lateu wareu, docb von richterlicben Haudlougeu her, die sous! io 
den Amtsbereich der weltlicben Gerichtsbarkeit geb5rten. Bemer- 
kenswertb ist aucta, dass im Jahre 1515 im Gegensatz zo 149& 
and 1499 nicbt nur die Excesse der Geietlicben — vor allem Ver- 
gehen gegen das QSlibat nnd Wirthshausbesuch — , sondern anch. 
die der Laien vor das Forum dee Gericbts gezogen werden: vobv 

don 87 vorgoltom menen Fallen beziehen eion nur 38 anf Vergeben. 
von Geistlichen. 

Nacb wie vor werden natdrlicb die Ebesachen vor dem Offi- 
zisdatageriebt verbficdelt. Die enter der Rubrik de sententiie et 

decretU verzeichneterj Einnabmen rlibren fast ausscbliesslich von 
ricbterlichen Entscheidungen in causis matrimom&libus her'). 

Die Tii Grande gelegten Tflxen Inaspn aieh bet alien F.ln- 
nabmen roit Ausnabme derjenigen aus Besiegelungen, wobei die 
Falle nicht einzeln aufgeftthrt sind, nnsebwer erkennen. 

Es gab zwei Einbeitasatze: einen Sate in der HOhe von 1 ft 
2p«) (1499 und 1515 meist lfl 3p) and einen anderen in derHrJhe 

1) Onvollstandig, vgl. S. 151, Anm. 2, 

2) Ein dcorotum wird soltcti vom Ccrioht crlasoco \ rcgclm&Mig uuir 

bei Streitaachen von Geiatiicfaea und ritterburtigen Personen, die alt armiger 

ralidue reap, boneata hozeicbuet werden. 

3) Bei den Einnahmen de eententiis, licenoiatoriis, absoiutionibns, cor- 
rectionibiia, taxatiombna, relaxationibus, approbation ibus. 



r. ; 



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Tirp.i .Tnhrp«r««>i tin ngim Hm koIniw4u»n OffizinlRtfig-prirMfi in Wwl. 1&R 

von 2p 6d, 1515 8p») (nugefAhr gleich % des erstea). Diese 
Satze wertien je nacb der Art der zu verbandelndeo Sache, der 

Schwere dee Verbrechens oder — bei Testamentsapprobationen 
— nacb der Grt&se des VermCgens verdoppelt, Ferdreifactat etc., 
oder ancb aaf die Ilalfte herabgesetzt. Bei Armnth wird h&nfig 
eine kleine Ermassignng gewahrt. Anch sonst sind Abweiebnngen 
nicht selten. Ansserordentlich hoch sind zum Theil die Strafen 
der Gciatlichen fttr fleieohlicbe nod andere Vergeben 5 ), some die 
fttr Absolution and fttr relax atici interdicti gezahlten Suramen 8 ). 

RechaungsmUnze ist der Gulden zu 10 p 12 d. Der Gold- 
gnlden hat 1495 12 p, 1499 end 1515 13 p. 

Die Entwickelung der Th&tigkeit und der Einnabnien des 
-Gerichts sei durch folgende Tabellen veranschaulicbt 



I. Zahl der vorgefcommenen Falle. 
De sententiw, decretis, recognitis 

„ liMntiatoriis 

„ lablbltlontfcua, arre8tl», cltationtbos, executorial!- 

buB etc 

„ absolntionibus presbiterorum et armigerorum 

„ cadaverum 

correcUonibus et exceuibus 

t&xationibns regiitrorum 

relaxation ibus , . . . . 



>t 



31 



„ approbationibua leBtamentorum 



Summa 



1495 

85 

109 

64 

6 

10 

19 

9 

6 

22 



1499 

60 

80 

48 

12 
4 

16 
€ 
6 

20 



1515 

49 

174 

38 

19 

87 
6 
3 

31 



330 1 252 ! 407 



II. Hoh« dor Einnohmcn. 

Aua Beeiegelungen 
De aententiis, decretis, re 
o>jfuiti8 .... 
,, licentiatoriis . . 
„ inhibitionibas etc. 
„ absolntionibm presb. 

el arm 

„ absolutioniboe cada 
Teram . . , . . 



140o 
63fl 50 - 

129„3„6d 

144 „ 1„ 6„ 

17 ti 6 „ 6 K 



82 „ 

22 „ 4 „ 



2„6» 



1409 
109 fl 4fi 6d 

113 „ 7„6 W 
109 „ 6„ - 
22„3„6d 

32 „ 6„ - 
14„8„ - 



1515 

304 fl 81 lOd 



114„4„ 

224 n 2„ 

11«4„ 



6l„7 M -*) 



1) Bei den Einnahmen de inhibitionibas, correctionibu* etc. 

2) Vgl. *. B. 1495, A Vn, 17, 19; 1499, A Til, 12, 16, 16. 

3) Vgl..*. B. 1496, A XJ, 6! 

4) iccl. de rolaxationibui. 



. . 



Google 



156 



Richard Bettorenhaenser 
1495 1499 



De correctioaibua et ex 

cessibos .... 

„ taxatio&ibue rcgistro 

mm 

n relax ttioniba* [inter 

dicti) 

„ approbationibui testa 

mentorum 



■ • • 



Sumraa 



141 fl 6/ — 

7„7„tfd 

227,, 8„ - 

245 „ 7„ Gd 



lOOti 80 6d 
6„2„t>„ 
91„9„ - 
118 „ 2 f , 6d 



1515 

258fl Ifi — 

o» 8„ - 

211 „ 6 „ — 



1032 fl 2/9 — 719 fl 8/9 — = 1192 fl 7/9 — 



1. 

Sygeler zo Werll, anno etc. xcqninto. 

De anno nonogesimo q^ainto. 



A. F.lnnahmen, 
T. 



1 2a. 



Februarins 


[22- 


-28] 






40 6d 


H&reins 






4 flor 


6„ — 


April is 






28 


« 


2„6d 


Maine 






2 


•t 


- «„ 


Junius 






2 


»» 


€ - 


Julias 






3 


»» 


2„ 6.1 


Augustas 






3 


« 


4„ — 


September 






2 


)» 


5„ fid 


October 






2 




3 „ 6 „ 


November 






3 


" 


5 „ 6 „ 


December 






C 


i» 


»„ - 


Jaausrins 






2 


JT 


1,, ~ 


FebruHrinft 






1 




A., fid 



Summa snmmarnm de communi sigillo 63 flor. 5 p. 

f. 9a. II. De sententiis et decretis. 

1. Fro sentenrja absolutoria in causa matrimoniali 1 ) in Hammone inter 
Gerlacum Dcdengrever et Mettam Honnynges ... 2 flor. 4 {£ 

2. Iu Hammone inter Elizabeth Wantscberers et Georgian! op dem 
Bolwercke 1 fior. 4 fr 

8. In Bortrop inter Tbeodericnm op o'er Becke et Elisabeth ther Kra- 
nenbercb. • 2 flor. 

1) M j>. a. aba. i. c. iuatr." ist im folgeotleu fortgelaasen. 



. 



iv Google 



Drei JahreBrechnunjjen des kolniachen Offizialatsfferiohts in Werl. 157 

4. Pro decreto in Erwitte inter honestam Belam Koninges relict a in 
qnondam Hinrici Schelken et validnm Lndolphnm van der Boreh 
armigerum 2 flor. 4 (3 

5. Georgii Borneken et Elizabeth Custodia in parrochia Hasten 

1 flor. 2 p 

6. Pro decreto in Ecmelinchuaen inter religioaamm paellarum in Ga- f.9b. 
lilea ac Johannis Stalkneclit contra validum Johannem Knmp ar- 

jnigeruiL 2 flor. 4 {3 

7. Pro decreto in Kemelinchusen inter Johannem Frederic! de Mea- 
8chede et validum Johannem Knmp armigernm . . 2 flor. 4 

8. Pro decreto in Werle inter validnm Henricum Wnlff et honestam 
Ge-rtrudim relictam quondam Gerhardi Welling . . . 8 p 6 d 

9. Pro decreto in Snsato inter honestam dictam Perken et Johannem 

Brant fl g 6 d 

10. Pro decreto in Kemelinchusen inter religicsarnm pnellarura in Ga- 
lilea contra validnm Johannem Knmp 3 p 

11. In Bner Hinrici Molner et Gertrndia tho Velthuaen . 1 flor 2 {J f.lOa. 

12. Pro Bentemia adiudioatoria in Herdeke Margarete Bibbendycks 
contra Hinricnm Drogehorne - 2 flor. 

13. Pro decreto hone 8 to Katherine Konningea contra dictam Frense 
Konninges in Bokam 4 p 

14. InWeraoill inter Hanzonem Keyaer et Katbarinam Sebbekes con- 
inges de et super coneangtunitate 1 flor. 

10. In Parva Tremonia inter Rotgernm Nederman et Elizabeth op dem 
Cloister 2 flor. 

16. In Parva Tremonia inter Teclam Zurmans et Georgium Kreymerf-IOb. 

2 flor. 

17. In Parva Tremonia inter Criatinam Stotes et Johannem Wyeer- 
man 2 flor. 

18. In Hammone inter Grosteken Tyes et Adolphnm Barbitonsorem 

2 flor. 

19. In Breohten inter Ydam Vrenemana et Johannem Meyenstrop 2 flor. 

20. In Lnneren inter Knnnegnndim Weasels et Hensonem YVenner 

2 flor. 

21. Pro licenciatorio ad alia vota in Hammone inter Amandum then f. 11 a. 
Passche et Margaretam Unstes quia panper 6 9 

22. Pro decreto in Bnderoke contra pnelles in olneorio et pro parte 
abbatisee et conventns in Kentrop 1 flor. 2 

23. Pro licenciatorio ad alia vota in Balve pro parte Hinrici Feichen 
et contra Belam K. «jnia panper 5 (3 

24. In Dnna inter Mettam Bilveldia et Johannem Meynerahaghen 

2 dor. 2 

25. Pro decreto d. Hermanni Vrowin de Lippia contra dictum de Er- 
wette 6 p 

26. In Ryneren inter Gesam famulam der Bleeseechen et Lambertnm f. lib. 
Suderman • 2 flor. 

27. Pro decreto in Borgelen inter validum Gerhardnm de Galen et 
Gerhardnm Wedemor 5 p 



r. ; 



Google 



IsMS Richard Bettgenfaaeuser 

2P. Pro licenciatorio ad alia vota in Rynerer inter Elizabeth Brngge- 
mana et Godekinum Mormest&ill 1 flor. 

29. In Hnndem inter Sibillam N. et Hanzoneoa Remmeken . 2 flor. 

30. In Bronecappel inter Gockclinum de Brunsc&ppel et Annam 
Dyoks 2 flor. 

f. 19n. 81. In Hamxnone inter Margaretam W«rn«ken «t Georgian! Woden 

2 flor. 4 p 

82. Pro deereto in Werle ex parte Reynoidi Sartoris et eias uxoris 

contra Jnttam to den Blomendaell 4 p 

88. Pro sententia arbitrali ex parte d. Hinrici Ascboff contra Hir- 
ricurn Abell 1 flor. 

34. Pro deereto in Bremmen pro parte Kunegundim Smedes contra 
vaiidnm Fredericnm Foratenberfira 1 flor. 7 B 

35. Pro licenciatorio ad alia vota inter Hinricnm Konningee et Mar- 
garetam Muggen 1 flor. 2 f> 

f. 12b. 30. Pro deereto in Keyhem pro parte Johannie Leverinchasen contra 

Gertrudim under der Eycken 6 p 

ST. In Hammone inter Johannem Hardden et Elizabeth Hermans S flor. 

38. Pro licenciatorio ad alia rota in Dorsten inter Crifltinam de Boer 

et Arnold am Pioseo^aaot ...........3 flor- 

39. Pro deereto in parrochia Brilon inter Johannem Grammen et d. 
Hermannnm Lingen trinm fiorinorum contra proconanles et con- 
enlee in Radon 2 p 6 d 

40. In parroohia Bner inter Elizabeth Vantyaer et Johaunem Rot- 
man 1 flor. 2 p 

f. 13 a. 41. In parroohia Hagen inter Margaretam Mockinck et Georgium in 
der Aabecke .... 1 flor. 2 8 

42. In parroohia Bner inter Antnooinm de Teltorpe et Margaretam to 
der Lynden , 1 flor. 7 p 

43. In Tremonia inter Katharinam Goaielinges et Theoderionm Sme- 
dea 1 flor. 6 

44. In Helden inter Johannem Bilsteyn et Kunegundim Bremeker 

2 flor. 

45. In Beleke inter Elisabeth Pistorii et Hanzonem famulum venera- 
bilie d. praepoeiti ibidem 2 flor. 

f. 13b. 4*i. Pro deereto in Calenhardt inter d. Hermannnm Fomelen et Hin- 
rioum Lutter 5 P 

47. Pro licenciatorio ad alia vota in Metclcr inter Everhardam Hon- 
tow et Gertrudim Beckers J> P 

48. In Affelen inter Hinricnra famnlum Johannis to Howinge et Al- 
beidim Ernkena 1 flor. 8 p 

49. in Tremonia inter Hinricnm Wantscberer et Gertrudim Kercfe- 
hoirde 2 flor. 4 

50. Pro sententia diffinitiva inter validum Theodericum de Wicked t et 
Conradum Hotteken. Tilmannnm Dcaing et Andream famulum 
droseeti in Menden 2 flor. 4 



r. .... 



Google 



Drei JuKrenreobmmg^n d#o lcolni«ehen OffioiflljorioKt* in W«f»1. f -VI 

• 

51. Pro Hcenciatorio in Oistincbnsen inter Elizabeth Marckqnardea etf. 13V 
Rotgerom Kappe ad alia rota 1 flor. 2 j3 

52. Pro licenoiatorio ad alia vota in Werlle inter Botgerum Schnlten et 
Margaretam famnlam Godekini Gelhoieen 1 fior. 

53. Pro aententia diffinitiva in Snsato inter religiosum d. Johannem 
Eoep ordiniB Praedioatornm et Geihardum Than . 2 fior. 4 

54. Id Steel inter Johannem in dem Holteyg et Cristinam Meyen- 

trop 2 flor. 

55. In Parva Tremonia inter Johannem Bolte et Belekinam Swarte 

2 flor. 4 p 

56. In Reckelinchnaen inter Hermannuro Baken et Nalam Ules-f.tfb. 
broieks 2 flor. 2 P 

57. In Duraten inter Margaretam MasteH et Hinricnm Smedekinck 

1 flor. 2 P 

58. Pro eententia diffinitiva d. Jonannia Fabri in Saosto contra exe- 
cutores testament! quondam d. Johannis Hovet de Tremonia 

2 flor. 4 p 

59. Pro Ucenciatorio ad alia vota in Affelen inter Katherinam op der 
Stummelen et Anthoninm Smcdee 1 flor. 2 P 

60. Pro sententia diffinitiva in Bortrop inter provisores ecnlesie ibi- 
dem contra Johannem Scfanlteti de Znrbnsen ... 2 flor. 2 p 

Cl. In Wattenacbeit inter Hiuricam Hotusch et Elizabeth op den f. 14a. 

Vasten 2 flor. 

62. In Cszncn inter Frederiomn Koek etGertrudim Ellerokmane 2 flor. 

63. In Schon-Holthusen inter Weyrinchnaen et Theodoricam Ermer- 
linck 2 flor. 

64. Pro decreto provisorum fraternitatis eancte Katherinae in Bremmen 
contra cuatodem olim ibidem 2 p 6 d 

65. Pro decreto in Menden ' inter validnm Wilhelmnm de Halver et 
Hinricnm Gotfridnm Clopper 2 p 6 d 

6S. Pro decreto in Bokum inter d. Gerlacnra Clnnenbeeke vicariom inf. lib. 
Stippel et Winandmn Hakenbergh 6 p 

67. In Reckelinchnaen inter Rixam Peters et Hinricnm Reppeler 2 fior. 

68. In Aasindia inter Hermanncm Arnold) et Elizabeth de Risbecke 

2 flor. 4 p 

69. In Bokum inter Gerhard um Muaache et Hettaro Bndden 2 flor. 

70. Pro licenoiatorio anper affinitate in Herme inter Petrum Over- 
kamp et Cristinam Borgelmane 1 flor. 

71. In Mesechede inter Katherinam Ermest at Hinricnm Hasan f.loa. 

2 flor. 4 P 

72. In Berne inter Gertradim Velthoeen et Lndolpbom to Hoffetede 

2 flor. 4 p 

73. In Affelen inter Hermacnnm Barenhroick et Teclam Stanghe 

2 flor. 4 P 

74. In Wenbolthusen inter Gertrndim Bleisenoill et Hinricnm Red- 
decker 2 flor. 4 P 



r. ; 



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I*i0 Richard Bettgenhaeuser 

75. Fro licenciatorio ad alia vota in Reckelinchnsen inter HennannuJB 
Enlinck et Eatberinam ftmedes 1 flor. 2 P 

f. 15b. 76. In WicUede inter Theodoricum Sneppera et Margaretam Borck- 

raane 2 flor. 

77. In Harnmone inter Kathennam Bockeanster et Johannem Mollner 

1 flor. S p 

76. Id finer inter Margaretam de Losten et Hermanaon then Lacntcr 

1 flor. 2 p 

79. Pro Bententia adindicatora in BaWe inter Berhardnm Enulle et 
Hinricum Ernmme 2 6 d 

80. In Reckelinchaeen inter Gerhard am SegeBrinch et Gertradim 
Cloiatennaa 2 flor. 2 p 

f. 16a. 81- Pro decreto in Enchueen inter Elizabeth Hagen et Hinricnm Wa- 

peckneeht 9 R 6 d 

82. Pro decreto in Brilon inter Geyaam uxorem Johannis Eorten et 
rectorem scholarinm ibidem 2 P 6 d 

88. Pro licenciatorio ad alia vota in Waltrop inter Elizabeth Taber- 
naeken et Jobaunem ther Wyeachen 1 flor. 2 p 

84. Pro recognito venerabiliB abbatiBse in Campo Marie contra Her- 

mannnm Bnrditten 1 flor. 2 (3 € d 

85. Pro decreto Frederine Forstenberges contra Johannem Retberch 

2 flor. 
Snmma enrnmarnm de eententii et decretia 129 flor. 3 p 6 d. 

f. 17a. [II. De liccntiatoriie. 

1. Pro licentiatorio 1 ) d. Hinrici Donne week ad offioiandam in 
Swellem 1 flor. 2 p 

9. IV Bernhardt ordini* CflrmeUtarnm ad terniinum in Wnealia 

1 flor. 2 P 

8. D. Bemhardi Pawes ad officiandum in Borbecke . 1 flor. 2 P 

4. D. Johannis Sobnlteken vicecurati in Attendarne . 1 flor. 1 p 

0. D, Dernhardi oUukcbiLti ad uaiitautluui praeiuiuian . 1 flur. 2 p 

6. D. Johannis de Borgelen cappellani in Huaten . . 1 flor. 2 P 
f. 17b. 7. D. Hinrici de Dnraten cappellani in Mengede ... 2 flor. 4 p 

8. D. Georgii Tappe cappellani in Brecliten .... 1 flor. 2 p 

9. Fratris JofcanniB Anthonii ordinifi Praedicatornm eonventns Meyde- 
borgenaie ad contandnm praemicios euae 8 p 

10. D. Johannis Hegeman ad cantandnm suae praemicias in Snaato 

1 flor. 2 p 

11. D. Hinrici Wederman ad officiandum in Tremonia . 1 flor. 2 p 

12. D. Symonis Guteraloe cappellani in Home. ... 1 flor. 2 P 
f. 18a. 18. D. Theoderici de Holschede cappellani ibidem. . . 1 flor. 2 P 

1-4. D. Jobonma Hazclummee ad ofticinndum in Vlerckc ' flor. *3 P 

15. D. Jacobi de Delfftleff ad cantandum soaa praemicits in Tremonia 
et officiandum ibidem 2 flor. 4 p 

1) „Pro licentiatorio" ist im folgenden immer fortgelassen. 



r. .... 



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Drei Jnhresreehnung'eri de* koIni»ehen Offizialatafrerichta in Werl. 161 



* 



16. D. Wenn&nari Andrea ad offlciandnm in Marler . . 1 flor. 2 [3 

17. D. Hinrioi Vrede in Bcick ad cantandnm pr&emiciae suae ibidem 

I flor. 2 p 

18. D. Johannia Wegener ad offieiandom in Meteler . . 1 flor. 2 fl 

19. D. Johannis Hikemeker vicecnrati in Anrochte . . 1 flor. 2 pf.l8b. 
2ii. D. Theoderioi Piell ad cantandnm praemioiaa anas in Swerte 

1 flor. 2 p 

21. D. Johannis Plays ad cfficiandnm in Hoy achaean . 1 flor. 2 p 

22. D. Theoderici Banderi cappellani in Reckelinchusen . 1 flor. 2 P 
2S. Frntrie Johannis t«n Ryn ordinis sancti Angnatini terminarii in 

Reckelhichuseii 1 flor. 2 P 

24. FratrisN. ordinis Minorum teminarii in Reckelinchnaen 1 flor. 2 p 

25. D. Heynemanni Olpe vicecnrati in Apelerbecke . . 1 flor. 2 pf. 19a, 

26. D. Hermann! Pioveatiuck ad cantandnm praemicias in Heme 

1 flor. 2 p 

27. D. Einrici Haven deSus&to ad cantandnm praemicias anas ibidem 
et officiandum . • . . 2 flor- 4 p 

28. D. Gerbardi Gntman ad offlciandnm in Erwitte . . 1 flor. 3 p 

29. D. Hinrici Scbolle ad officiandum in Mengede . . 1 flor. 2 P 

30. D. Alberti Berchman de Aeeindia ad cantandnm praemicias suas 
ibidem . . 1 flor. 2 B 

31. D. Hinrici Vieecher cappellani in Boknm .... 1 flor. 2 pf,19b. 

32. D. Gerhardi Aleverdeg de Tremonia ad cantandnm praemicias ibi- 
dem et officiandnm ibidem 2 flor. 4 p 

33. D. Albert! Potgciter de Swerte ad cantandnm praemicias enae 
ibidem . 1 flor. 2 p 

34. C Hinrici op dem Steyne ad cantandnm praemicias anas in Unna 

1 flor. 1 P 
30. D. tficolai Glnns in Dursten ad cantandnm praemicias ibidem 

1 flor. 2 p 

36. D. Johannis Tydeman ordinis sancti Angustim ad terminnm in 

Brilon ; .* • 1 ^° n 2 fi 

37. Fratria Johannis Notken ordinis eancti Angnetini ad terminnm inf. 20a. 

Geseke 1 flor. 2 p 

38. D. Bmnonis Bertoldea de Brilon ad eantandnm praemicias suas 

iHdom 1 flor. 2 P 

39. D. Gnnteri Snndach ad ofnciandnm in Smalenberg . 1 flor. 1 p 

40. D. Gerbardi Ryn.ck vioeenrati in Wellinchove ... 1 flor. 2 P 

41. Fratria Hinrici Koep ordinis Minoruxn domae SneatieneiB ad ter- 
minnm in Esbecke et officiandum ibidem .... 2 flor. 4 p 

42. D. Theoderioi Nyehoff ad ofneiandam in Lndenschede 1 flor. 2 P 

43. D- Wilhelm'i de Wipperfoirde ordinis Carmelitarum ad terminnm f.20b. 

in Attendant 1 flor. 2 P 

44. T>- Petri Keffelinchnaen vicecnrati in Veisschede . . 1 flor. 2 p 

45. D. Goobelini Dnppen in Brilon ad cantandnm praemicias snas ibi- 
dem 1 flor. 2 p 

46. JTratris Hinrici Fabri ordinis Minoram ad terminnm in Medebecke 

ABBBl«n des hist. Verrin* LXV. 11 



r. .... 



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162 Richard Uetttrenhaeuaer 

47. D. Antbonii in Herffste ad officiandnm in Duraten ...70 
48- D. Teypelini ad officiandnm in Wintersbergh .... 1 flor. 

f. 21 a. 49. D. Hinrici de Herbede ad cantandnm praemicias anas in Hammone 

1 flor. 2 P 

50. D. Adolpbi de Schyda vkecurali in Kercborde . . 1 flor. 2 

51. D. Hinrici Garaen ordinia Minorum domua TremoniensiB ad ter- 
minnm in Unna 1 flor. 2 p 

52. D. Hinrici de Unna alias Leaemecker ordinia Minorum domue Tre- 
moniensis ad terminnm in Loen 1 flor. 2 

63. D. Jacobs Kottinck ad cantandum praemicias in Sneato et offician- 
dnm ibidem 2 flor. 3 p 

54. D. Johannis Orneyg ad officinndum in Stippel . . . 1 flor. 2 p 

f.21b. 55. I). Joimnuie filii achulteti in Bo ley ad cantandum jiraeniiciaH anas 
ibidem et offtciandum '. . . 2 flor. 4 p 

56. D. Jobanpis de Dreveren ad offtciandum in Marler . 1 flor. 2 p 

57. D. Gerbardi Wener vicecurati ad sanctum Petruin in Gesefce 

1 flor. 2 

58. D. Jobannis Hillebrandce ordinie Carmelitarum ad terminnm in 
Brilon 1 flor. 2 p 

59. 1*. Georgii Pellificis ad cantandnm praemicias in Aasindia et offi- 
ciandum ibidem . • .... 2 flor. -4 p 

60. D. Hinrici Honynck ad cantandnm praemicias in Duraten et offi- 
ci&ndum 2 flor. 4 p 

f.22a.61. D. Conradi Kukelheym ad cantandum praemicias euaa in Ruden 

1 flor. 2 p 

62. Ad celebrandom in ara portatili in caetro validi ot generoai viri 

Gerhardi Stecken comitis . 1 flor. 2 p 

68. Ti- Jotmnnia fVri«tv«lt ad eantandnm pra**rmnaa in (Tnna fit offi- 
ciandnm ibidem .2 flor. 4 p 

64. Johannis Roder de Geaeke ad minoreB ordinea . . 2 $ 6 d 

65. D. Weaaeli op dem Orde ad cantandum praemiciae in Vrebergh 
et officianduia ibidem ......2 flor. 4 f) 

66. D. Johannia Scherpe ad cantandum praeroiciaa in Lndenschet 

1 flor. 2 3 

f.22b.67. Fratris Francisci Krumoire ad terminnm in Geaeke . 1 flor. 2 P 

68. D. Johannis Ameken ad cantandnm praemicias in Menden et of6- 
ciandum . . . 2 flor. 4 P 

69. D. Johannis Plettenberg cappellani in Wattensoheit 1 flor. 2 P 

70. Fratrie Hinrici Heyee ordinia Minorum ad terminum in Watten- 
ecbeit 1 .flor. 2 p 

71. Fratris Jobannis Lntken prior conrentus Susatiensis ad terminnm 
in Werlle • ... 1 flor. 2 P 

72. D. Wyuandi Coci ad offlciandum in Holt .... 1 flor. 2 p 

f. 23a. 73. Fratris Hinrici de Lemego ordinie s&ncti Augaetini ad terminnm 

in Aaaindia 1 flor. 2 p 

74. D. Jobannis enstodis aaore theologie bachalarii ordinia Minoram 
domns Snaatiensia ad terminnm in Attendarne . . 1 flor. 2 p 



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Drei Jahresrechnungen des kolnischen Offizialategerichta in Werl. 163 

75. Fratris Rudolpbi ordinis Csrmelitarum ad terminam in Attsindia 

1 flor. 2 

76. D.Renoldi Ham meeker ad officiandum in Wattenecbeit t flor. 2 p 

77. D. Stepbani Romer vicecurati in Plettenberg . . 1 flor. 2 P 

78. DiscretiTbeoderici Scbeven de Yserenloic ad minores ordines 4 P 

79. D. Tneoderici Pjell de Swerte ad officiandum ibidem I fior. 2 p f. 23b. 
60. D. Jacubi S ley n hop de Huuden ad cantaiidum anas praemiciaa et 

officiandum ibidem 2 flor. 4 P 

81. D. Jobannie Hopman de Lippia ad officiandum ibidem 1 flor. 2 p 
62. D. Ciriaci Mattencloit de Geseke ad officiandum ibidem I flor. 2 p 
S3. D. Ada Frederici de Messcbede ad officiandum ibidem 1 flor. 2 p 
fc4. D. Hermann! Stoter de Lippia ad cantandnm praemkiae ibidem 

1 flor. 2 p 
8Fi_ Tl Wynnldi Handrop ad cantandnm praemiciftji nnaa in Lippia f 94a. 

1 flor. 2 P 
fefi. D. Gerlaci Barbitoneoria ad cantanduw praemiciaa in Swerte 

1 flor. 2 P 

^7. D. Jobaunie Fabri cappellani in Huston .... 1 flor* 2 p 

88. D. Johannia Cristiani cappellani in Velmede ... 1 flor. 2 P 

89. D. Gerhardi Wegener cappellani ad aanotnm Ciriacum in Geseke 

1 flor. 2 p 
Ma U Johannis Heckinck ad celebrandum in dyocesi . 1 flor. 2 p 

91. Religioei fratris Antbonii Kleynen ordinie Praedicatorum ad ter-f ( 24b. 
minum in Harnnjone 1 for. 2 p 

92. D. Petri de Tremonia ordinis Minoram ad terminam in Lnnen 

1 flor. 2 p 

1*3. Fratrii Eermaniii Hagen ordinis Minoram ad terminum in Hiit- 

tingen 1 flor. 2 p 

04. I). Tydcmaoni Eorbcck do Kaltbueen ad officiandum in dyoccsi 

1 flor. 2 p 
95. D. Jobannie then Vorwerek ad officiandnm in Dnraten 1 flor. 2 p 

90. D. Johannia Sweyve vicecorati ibidem 1 flor. 2 p 

97. I). Hirrici Klinchamer ad offlciandum in Sumo . X flor. 2 Pf.a5a. 

98. 1). Jobannia Warendorp ad offlciandam in Sueato 1 flor. 2 p 

99. D. Aodree Swuliuok ad officiandum in Saaato . . 1 flor. 2 p 

100. D. Rorici cappellani veteris ecciesie in Siuato . . 1 flor. 2 8 

101. D. N. cappellani in Wesseler 1 flor. 2 P 

102. D. Jobannis Kukelebeym cappellani ad sanctam Walburgim in 
Susato. . 1 flor. 2 p 

103. D, Jobannie Hegeman officiati vetorio eooleeie Suaatienoie f.25b. 

1 flor. 2 p 

104. D. Jobannis Roter cappellani in Snsato in pratis . 1 flor. 2 p 

105. D. Bertoldi de Yeerenloin cappellani ad aanctnm Georgium in 
Suaato . . . o 1 flor. 2 p 

106. D. Hinrici Bmn officiantis in pratis in Saaato . . 1 flor. 2 p 

107. Ad celebrandum in ara portatili Theoderici Wroden t> p 

108. D. Tilmanni Mullen de Attendance ad officiandum ibidem 

1 flor. 2 p 



r. ; 



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164 Richard Bett?enh aeaier 

f.26a. 109. In causa investiture pro Johanne Eyckqcyn qoam recepit pro 
coratorio nomine venerabiiis d. Rodolphne Abel canonicns So- 
satiensia 3 flor. 4 p 

Summa summarum de HcentiatoriiB 144 flor. 1 p r> d. 

f. 27a. IV- De inbibitionibua et arreetia. 

1. Pro inhibitione *) in Attendance pro parte religiose puelle Alheidis 
Bitters professe oonventus Maioria in platea sancti Gereonis contra 
omnee qni attend ere volunt bona quondam Gobelini Bitter patria 
dictae Alheidis 2 p t> d 

2. In Budercke pro parte Anne Voilenspettes contra omnee detinentes 

bona d«r Barokceeohen ........... il ^ € d 

3. Abbatirae conventua in Horde ordicis sancti Francisci contra Her- 
mannnni Trynthamer et Katherinaro eiua flliam . . . 9 p 6 d 

4* In Baden pro parte Jobannia Gramme contra Sophiam uxorcm 

Heynemanni in Meyringhe 2 [J 6 d 

f. 27b. 5. In Menden pro parte valid] Wilhelmi Vorstenberg contra validoa 
Hinricum et Walramom de Eickel 2 p G d 

6. In Swerte pro parte Gerhardi Bercbusen civis ibidem contra An- 
< I ream Vrilinck civem Asaindeneem 2 p 6 d 

7. Contra officiates! Buaatienaem pro parte venerabiliam ac bonora- 
bilinm dominorum decani et capitnli Measchedensis contra venera- 

bilem d. E-walduni Brockervelt reeepi 2 {3 € d 

8. In Werle pro parte Elizabeth Buckets contra Gcrhardum Mel- 
linghen 2&€d 

128a. 6. In Recbelinchuaen pro parte Hinrici Stoit et Elizabeth ene uxorie 
uonlnt Herinauauni Bitmcbop dictum Klover et piovisurcn saucte 
Crncis 2p6 d 

10. In Hundem pro parte Sophie an dem Marokede vidue contra in- 
dices seculares in Bilsteyn et Han zone ru Gronewalt . 2 p 6 d 

11. Pro monitions domini Johannis Ydem pastoris in Meldricke enper 
investitaram vioarie in Ruden contra d. Hinricum Bntiri pastorem 
ibidem 2 p 6 d 

12. In HomchoBfin inter valid nm Hulmicnm de Erwitto et validnm 
Gerhardnm Lnerwaldt. 2 p 6 d 

f. 28b. 13. In Raerbach pro parte provieorum ibidem contra Engelman de 
Welschennest et Margaret am Hen sen et fllioe dicti Schelle Jacobs 
in Attendarne 2p6 d 

14. Pro declaratione in Asaindia honorabilis d. Theoderici Nedermol- 
man canonici Aseindenaia contra Johannem Schrantz execntorem 
testament! quondam d. Thome Schrantz canonici AaBindensis 

2 f 6 d 

15. In Bokum pro parte d. Gerlaci Clnnenbecke contra d. Wynanduna 
Hakenberg pastorem ibidem 2 p 6 d 

» 1) Im folgendco ist ,jpio inhibitione" immer fortgelassen. 

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I>roi JahreorooLnnngon doe kolnieokon Offizialatogericlita in Worl. 165 

16. Pro citatione cum inhibitione in causa beneficiali appellationie inter 
d. Johannein Ydem appellantem et Heliuicum Nevelunck appella- 
ttim snper inveatituram in Rnden 2 $ (i d 

17. Pro revocatione inhibitionis ex parte d. Hermanni Lutzeri et Got-f.29a. 
fridi Langenstroit contra Jchannem Gramme .... 1 flor. 

18- Pro inhibition* et arrceto in pnrrocbia GoteUe inter honeetani 

inatronam Sophie de Suinmeren canonisse secnlaris et collegiate 
ecclesie sancti Ciriaci in Geseke contra validnm Casparnm de Tnlen 

anuigci'uiu 2 ^ 6 d 

19- Pro inhibitione et arresto in parrochia- Ryneren inter honestam 
et religiosain pnellam Haderich de Galen contra validnm Her- 
mannuin de Galen aTmigemm fratrem dicto ITadewiche 2 p 6 d 

20. In parrochia Esleve pro parte Anthonii de Esleve eiviB SusatiensiHf.29b. 
contra Gcrhardnm iu dice m temporalem ibidem . . . 2 p 6 d 

21. In Lippia Erwitte inter Johannem Calen contra religiosam prio- 
riasam monaster!! ibidem 2 p 6 d 

22. In Veieschede, Raerbecke, Hundeiu pro parto d. Jobannia Becker 
vicarii in Hcndem contra Petrrnn Luerwalt et nrorem eins, Jo- % 
hannem Cleyn, Johannein Coirdes et heredes Hermann! Hanse de 
Olpe 2p6d 

23. in jMarler inter d. Albertum op der Xzyse contra fiinricum Koeter 
et dictom Taoke 2 p 6 d 

24. Pro declaration* d. abbatisee et conventus in Hoirde contra Her-f.SOa. 
mannocn Trectkaroer et eins fUiam 2 p fi d 

25. Pro declaration© ui Warendorp contra Hennannuiu Scbiltniecker 
ad instantiam diet! de Pytkenaohe 2 {I 6 d 

26. Pro declaratione in Attendants inter Sopbiam an dem Harckede 
et Jlouzvuttui Gioucwalt 2 p J 

27. Pro declaratione in Hundem, Veisschede, Raerbecke pro parte d. 
Jobannia Pistons vicarii in Hundem contra Petrum Lnerwalt et 
eins nxoreiQ, Johannem Cleyn, Johannem Coirdes et Elizabeth 
quondam Petri Vollen 2 p 6 d 

28. In parrochia Henden ex parte venerabilis d. praepostti et con-f.30b. 

ventue in 01 inch a Ben contra validnm Everhardam de Eychell 

droseotnm ibidem . 2 p 6 d 

29. Pro arresto in Lippia inter Nollekinum Kreyiners civem Susatien- 
nem et venerabilem Benedictnm Duysterum praepositnm, Gerhar- 
dom DuyBtemm ct Pctrum Berhocn ac et qnoscumcjue alios debi- 
tores Georgii Gl&zemeckers ciris Monasterieneis . . . 2 p 6 d 

30. Pro arresto in Lippia ad instantiam Richardi Robert civie Tre- 
momensie ad arreetandam omnia et singula bona ad quondam 
JjQdekrnmn de Geest 2 p 6 d 

31. In Rellinebusen ex parte stacionarii sancti Anthonii contra va- 
lidnm Conradum Schelle 2 p 6 d 

32. Pro arresto in Werle inter Hinricum Blanckesteyn contra Hin-f.Sla. 

ricum Brandos [ex] parte Adriane Snydewint quam ipse Hiniicue 
Brandes tenet sub ae 2 p 6 d 



r. ; 



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1B6 Richard Betteenhaeuser 

33. In Susato ex parte Volmari de Messchede contra d. Hinricum 
Spornietker 2 ft fi A 

34. In Mendeu ex parte Gcrtrudia MelHngce et Gerhardi Meilingea 
contra omneB, qui possident bona quondam Volmari de "Wal- 
terincbnsen 2 £ 6 d 

85. Jn Meldricke inter Johannein Ydem filium pastoris ibidem ot it- 

dicem temporalem in Warsten 2 p 6 d 

f. 31b. 36. In EeckelincbnecD pro parte Johannia Meygboem contra veneia- 
bilea ac religiosos conventuales in VlaeBcbein . . . 2 p 6 d 
37. In Messchede ex parte venerabilium ac honorabilium dominorom 
praepositi, decani et capituli collegiate ecclesie eancte Walburgia 
in Messchede contra proconsnlea tt conaulea in Kuden in per- 
ceptione frnctuam cartis in Herminchasen 2 ft 6 d 

38. In Araebujfg *t Balv« pro parte ven»rabilu praepositi fit conven- 
ts in Olinchusen contra frigravinm, scabinos praeconesque etc. 

2 P 6 d 
89. In Battingcn ex parte d. Johannia op der Gotten contra oranea, 

qui se intromittant de fructibus ecclesie 2 p 6 d 

f. 32 a. 40. In Lippia ex parte d. Hermann! Korten plebani in Disteden contra 
iadicem in Lippia Johannem Hundrop, Bencdictam Hoirde et Lub- 
bertnm Aldehoff 2 f> d 

41. In Men den ex parte validi Hinrici de Eycfcell contra Jobannem 
de Eyckell ...." 2 ^ 6 d 

42. In Menden pro parte d. Goaswini de Eickell contra validoni 
droeeetam ibidem et Johannem Voretenbergb . . . . 2 £ 6 d 

43. In Attendame pro parte honorabiliuiu d. pastoris et vicariormn 
ibidem contra validum Johannem de Oill 2 [J 6 d 

41. Pro citatione in Tremonia ex parte religiose domine et convening in 
Horde vuiitia Ilciiuaunum Ticuthaiutr et KalLcriiiam ciue filiaui 

ad videndum statuta proioisaa deolarari 2 6 d 

Summa Eomroarnm de inhibitionibns 11 flor. 7 j) t> d. 



f.33a. V. Be absolationibns presbiterorum et armigerorum. 

1. Pro abaolntione 1 ) d. Gerhardi enstodia vicarii in Laneren ad men- 
sia spaciam 1 flor. 2 p 

2. Johannis Greven proconsulis in Geeeke 1 flor. 4 p 

3. D. Gerhardi enstodis vicarii in Luneren 2 flor. 

4. In Olpe Hinrici Gestrop, Petri Scbollera, Hanzonis op dem Werde f 
dicte Cluse et HanzoniB Menninghen ad instantiam d. Nieolai Sto- 
ven viceenrati in Attendarne 2 |J 6 d 

5. ' lit Heringeu validi Qulfridi Toick 2 flor. 4 p 

f.SSb. 6. I). pastoris in Dinslaken ex comma nicati auctoritate ofiicialis Arns- 
bnrgeneis et de facto ab offlciale Coloniensi absoluti, sed propter 



1) Ini folgenden fortgelassen. 



. 



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Drei Jsbresrechiiungen des kolniscben Offizialatgerichta in Werl. 167 

scripts reverendissiuii d. noetri per offleialem Coloniensem reintrus' 
et postmodum ab officiale Arnsburgensis absoluti ... 24 fior. 

Somroa 8 am martini de absolutions preabiteroruro etc. 32 flor. 2 p 6 d. 

VI. De absolntionibas cadaverum. f.34a. 

1. Pro abeolutione cadaveris 1 ) in Bortrop Rotgeri op den Schoen 
Hulfl ad instantiam theaaurarii Aaeindensis 4 Q 

2. In Geseke Jobaimia Bultappe ad instanriaiu Tilmanni Kibbekinck 
ac Johannie op dem Broicke 6 £ 

3. In Bortrop Herroanni Neveaoll excommunicato ad instantiam rclictc 

Saondam Hermanni Kreymer, magiatri Johannis Zotekiot, Gertru- 
ia relicte quondam Jobannis Amoldis etc. . . 1 flor. 1 £ 

4. In Gladenbachc then Buascbc excouimunicati ad inatantiain Her- 
mann* de Teneren et fiinrici then Nienhnyss 1 $ 

5. 1b Lippia dicti Synnemanache excoromnrjicati ad instantiam Jo- f. :14b. 
ban itie Days tor en in Tremonia 3 flor. 6 p 

6. In Scbonholtbn8en Hinrici Plettenbergfa excomraunicati ad instan- 
tiam Heynemanni Kreymera 8 flor. 

7. Io Paderborno Johannia Spelvelt excommunicati anctoritate statu - 
torum 5 p 

8. In Dattelen Godekini Beckamp excommunicati ad instantiam Her- 
manni Synneat 6 p 

9. In Menden Conradi Rancken excommunicati ad instantiam Conradi 
Kettelers I flor. 2 p 

10. In Reckelinchuaen Borcbardi de Galen excommunicati ad instantiam f. 35a. 
Gertmdie relicte quondam Dicke Willemea 6 flor. 

Summa summarum de absolutionibna cadaverum 22 flor. 4 p. 

VII. De correctionibue et excessibua. f.SCa. 

1. Pro correctione incontinentie 2 ) d. Wilhelmi Pistoris vicarii in 
Werle 1 flor. 2 £ 

2. D. Gerbardi Fabri vicarii in Ruden ecclesie aancti Nicolai 

2 fior. 4 p 
S. D. Tbeoderici Praell vicecurati in Swerte .... 1 flor. 9 p 
4- I). Hinrici Haner pastoris in Meughede 1 flor. 4 p 

5. Pro cassatione d. Theoderici Bodinck pastori8 in Borgelen ad in- 
«tatitiain d. Hinrici Odinchuaen 1 flor. 2 P 

6. D. Anthonii Hakenberg pastoris in Voir de recepi unum Bcbutonemf,S6b. 
Wiibelmi, tres aureos flor, et unum flor. Traiectensem facit 

5 flor. 9 p 

7. D. Johannis Varnhorat vicarii Asaindenais .... 1 flor. 1 p 

1) „Pro abeolutione cadaveris* ist im folgenden forteelasaen. 

2) „Pro correctione ioeontinentie 1 ' iat im fc-lgenden fortgelaasen. 



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168 Kiehard Bettgenbaeuser 

8. D. Gotfridi Wordeman vicarii in Hammone . . . 2 flor. 4 p 

9. D. Anthonii Cloit pastoria in Schcdingen .... 2 flor. 3 6 

10. Pro correctione Johannis Starcke propter certain violentiam cui- 

dam preabitero factam in Effelen 2 flor. 4 p 

f.37a. 11. D. Georgii Haverkainp vicarii in Hammone ... 2 flor. 4 p 

12. D. Brunonis Bock vicarii in Vlaesaem 1 flor. 2 p 

23. Pro correctione Johannis acnulteti in der Bremeke in parrocma 

Men don 2 flor. 4 P 

14. Pro correctione Johannie de Laer in parrocbia Reckeiinebusen qui 
invasit clericnm 2 flor. 4 

15. D. Job an n is pastoris in Blaenhorat reccpi .... 2 flor. 4 p 

£ 37b. 16. De certis duobus in Wesalia, qui in vase runt rectorem echolarium 

supra Mfithena pro correctione illorum, quia tamquam pauperes 

12 flu*. 

17. D. Hinrici de Ruden cappellani in Swellem et pro certarum vio- 
lontiarum per eundem ibidem coinroisBarum . . . . 12 flor. 

18. Pro exceasu incontinentie duraine Bemardi Louwen cappellani in 
Wesalia super Matbena, etiam qnia percussit famnlntn aomini (rer- 
laci Kotbon citra tamen sanguinis effusionem, idem est promotor 
iurisdictionia 1 flor. 2 p 

f. 36a. 19. Pastor in Ruden ottino.it rooennciii, qui propter divereoe exoesetu 

fait incarceratuB scilicet propter triginta sex artioulos, nee cavir 
do stando iuri pro centum aur. flor. aolvendis ad quattnor tem- 
pora, de primiB duobus minus 2 J fa flor. aur. eatiofecit, de tertio 
similiter minus tribue anr., de quarto termino nichil quia adhuc 
non venit tcrminnm, sic recepi 69ty 2 flor. anr. facit 83 flor. 4 $ 

Summa Bumniarum de correotionibns 141 flor. 6 p. 
£38b. VIII. De commiseionibna et citationibns. 

1. Pro r*mioeioin© e&U8« in Monden pro parte <3. Hinriei Dogonbnrt 
contra abbatiaaftm et conventum in Frondenberghe . . 2 p 6 d 

2. Pro conimissione contra offlcialem Susatiensem honeste Elizabeth 
relicte quondam Ewaldi Nevclunck contra conventum ordinie Mi- 
uoruiu doiuuts QutHUienaie 2 p d 

3. Pro commiasione facta domino Petri Yemmeren in Tremonia ad 
examinandoe teatea inter Wilhelmum Sartorem oppidanum Meesche- 
denseni et Hanzonein V r osken 2 (J 6 d 

4. Pro conimiBBione in Bner ad examinandos testes inter validnm 
Adolphum de Backum et quendam dictum Glenghen . 2 p 6 d 

f.3Sa. 5. Pro commisaione in Werlle ad examinandos testes inter Jobannem 

Arnold* ct Gcrbordum Berchuoon ........ ft (J 6 d 

6. Pro commresione et remissione cause in Brilon art conaulatnm ibi- 
dem d. inter Gossebaleum Henckel et Jobannem Wreden 2 f$ 6 d 

7. Pro. commiesione in Hammone inter relictam quondam Jobannis 
Voratenborgea et Annam et Bernbardum. Kodenberges - 2 p M 



r. ; 



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Drei Jshresrechnungen des kbUuschon Offizialatgerichti in Wert. 169 

3J. Pro cowmissione in Bortrop ad exaininandos testes inter provi- 
sores ecclesie ibidem et dictum Schultetum in Zuerhusen 2 g 6 d 

$. Pro ' coinmissione in Lippia ad examinandos testes inter Her- f. 39b. 
minchusen et quandam Elizabeth 2 |S 6 d 

10. Pro reinissione cause inter venerabilem d. abbatissam in Porta 

Celi et totum burschapiuui in Sunnen 2 p C d 

11. Pro uoniiiHHaioue ad eAtuuiuaudot) testes iu Culuuia iuler .Lumber- 

tum Horstman, Hinricuiu Heemer oliiu prooonsulem is Menden 
contra Johannem ct Hinricuiu de Ecyne 2 p 6 d 

12. Pro coinmissione in Lippia inter venerabilem d. Petram Roggen- 
becker canonicnm ecclesie eancti Cuniberti, Anthoninm Brilman 
executorena testament] quondam Anthonii Wilknynck et tntorem 
sive curatorem Melchior et Elizabeth Wilkninck . . 2 p 6 d 

151. Pro commissione in Brilon ad examinandos testes inter (rohelinnm f 40a. 

Rockert et Petrum Rose 2 P 6 d 

14. Pro remissione cause in Werlle ad consulatuin inter honestam 

Teclam relietam qnondam Johannis Krippen et Petmm Base 2 p 6 d 

Snmraa siimroarum de conimiBBionibns 3 flor. fi p. 

•IX. De taxationibos regiatrorum ae expensie roandatorum. £.41a. 

i. Pro taxaliuue regxstri 1 ) in oausa d. Jobtuiuia Fabri contra exeea- 
torem d. Jobaunis Bovet de Tremonia 1 flor. 1 p 

2. In causa d. pastoris ecclesie in Welvcr contra venerabilem d. 
praepositum et con yen turn in Olinchusen 4 p 6 d 

3. In causa iniuriarum in Snaato ex parte conventus ordinia Praedi- 
catorum contra d. Gerhardum Than .... 1 flor. 4 6 d 

4« In causa bonorum hereditariorum inter d. Johannem Degell alias 
Jjipi rnntm Johannem Greve proconanlem Qesekensem 

1 flor. Sped 

5. In causa bonorum hereditariorum inter Johannem Greve procon-£.41b. 
snlem Gesekenseni contra d. Johannem Degell alias Lupi 1 flor. 2 p 

G. In causa d. Jot an Die Frilllncliuyoe contra Araoldaiu Koepuan 

8 P 6 d 

7. In causa Arnold) Koepraan de Bokum contra d. Johannem 
FrilliDchaysB 8 p Gd 

8. Item pro taxations mandatoram inter Johannem LeveriuchuyBB et 
Gcrtrudim under den Eycken . 2 P 6 d 

9. In causa matrimoniali inter Ciistinam Walters et Gerhardum 
Kalthoff 2p6d 

Summa summarum de taxationibus 7 flor. 7 P 6 d 

X. Be certia citationibus. f.42b. 

1. Item pro citatione*) in causa appellationis in Sosato inter Ger- 
hardum Kickert ot Elizabeth Heynemans 2 p G d 

1) „Pro taxatione registri" irt im folgenden fortgelassen. 

2) f Pro citatione" ist im folgenden fortgelassen. 



r. .... 



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170 Richard Bettgenfaaeuser 

2. Inter Hinricum de Bodyncbusen layci Monasteriensis dioceaia con- 
tra honeetam Alheidim Bomekena 8 p 

3. In SuBato in causa matrimoniali coram venerabili d. Hinrico de 
Berincbuaeu comiuinoario decaro ecclesie aancte Walbur^ig iu 
Messohede inter Gerhard am Kickert et Elizabeth Heyneman* 

2 £ 6 d 

4. ComuHHtjarii Greneuiuiil ad iustantiam H in riot Boiitvkcu, Juliunnis 
Mellinghen contra Goesctalcnm Brandya et alios in Werle 2 ft 6 d 

f. 43a. 5. In causa lcgatioms contra indicem temporalem in Warendorp ad 

instantiam qaedam vidne ibidem ob precea novi lantdrosseti 6 p 

6. Pro executorialibus in Glad[ehecke] inter proviaorea ecclesie in 

Borbecke contra Johannem Schultetum in Zuerhueen . 2 p 6 d 

Sumnia aummaruui de certis citationibua 2 flor. 4 S. 



f. 44a. XI. De relax at ioni bus. 

1. Pro relaxatione interdicti in Velmede ad tempus. . 1 flor. 2 p 

2. Pro relaxatione interdicti ad integrum in Vebbelinckverde propter 
violentiam ibidem in eimiterio factam per diet am Frolick tlarde- 
loip et eias filiam 12 flor. 

3. Pro relaxatione interdicti poaiti in Smalenbergli propter certain 
■violentinm cuidain Anthonio Kcnninges factam per quendam Opi- 
lionem ibidem 2 flor. 4 p 

4. Pro relaxation* interdicti in parrochia F.rwitte contra validnm 
Ludolpbura de Castro - 7 flor. 

f.44b. 5. Pro relaxatione interdicti Servati in Menden propter assertarn vio- 
lentiam per iuniorem Hildorp pront famabatur factam sed idem 
so purgavit 1 flor. 2 P 

6. Dederont Wenderisea pro abaolutione et interdicti ibidem 204 flor. 
Snmma BommaruHi de relaxationibuR 227 flor. 8 p. 



f.45b. XII. De approbat ionibna testamentornm. 

1. Pro approhfttinnp teatampnti 1) d. Thpederiei Brinclr paatorta dnm 
vixit in Sibarch 81 flor. 1 p 6 d 

2. D. N. paatorie dam vixit. in Cobbenrode .... 7 flor. 2 P 

3. D. Hermanni Scriptorin paatoria dum vixit in Haminckel 19 flor. 

4. D. Johannia Dudincbuyss vicarii in Swerte cuius bona ae exten- 

debant ultra 2 milia f. 60 flor. 

5. D. Johannia Thome vicarii in Dinslaken .... 8 flor. 4 p 
f.46a. 6, N. quondam pastoria in Caatorp 24 flor. 

7. Quondam d. heriberti Vorst canon ici dum vixit in iJeUinchuaen 
et pro legatiB eimul 10 flor. 8 p 



1) „Pro absolution* teatamenti - set im folgenden fortgrelaweo. 



r. .... 



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Drei Jahresrechnunjren dee kolniaohen OfnzialatjrericbU in Werl. 171 

& B. Jofiannie Pntte et legatis 10 flor. 3 |3 

9. D. Dethmari Hakenbergh 9 flor. 6 [J 

10. Pro legatie . . . , 2 p 

11. D. Hinrici Reysegerne in Susato et legatii simul . 2 flor. 4 

12. Quondam d. Engelberti Kettel vicarii in Wanton . 28 flor. 8 ft f. 46b. 
IS. Pro legatis 5 ft 

14. AnthouiiWilkinck clerici coloniensia di ocean de Lippia 3 tlor. 6 

15. 1). Tbeoderiei ther Wylen oappellani ecclesie in Werderbroick Co- 
lonieoBiB diocesie dam visit et pro legatis ... 2 flor. 5 p 

16. D. Johannis Ydem paBtoria dum vixit in JTellercke 10 tlor. 8 p 

17. Pro legatie * 2 p 

18. D. Jobanuis Waltsmed 10 flor* 8 pf.47a. 

19. Pro legatis 1 flor. 

20. D, Binrici Theym© reotorie capo lie in Wilinok dam vixit ©t pro> 

legatis eimal 4 flor. 9 p 

21. D. Theoderiei Schellen vieecarati dam vixit in Welver et pro le- 
gatis aim ul 4 flor. 1 p 

22. D. Johannis de Alffelt cappellani in Attendarne dam vixit et pro 
legatis simal • . 2 flor. 6 p 

Somma suminarnm de approbationibna 245 flor. 7 p 6 d. 

3umuia sammarnm oiuniam reocpiorum 1032 tlor. 2 p. f.47b. 



JB. JSxpnaUa. 1148a. 

1. Inxta mandatnm domini veni ad Amsbargh et pemootavi . 3 p 

3. lux to mondatum domini roni ad Araabargh ct pornootavi . 3 f 

3. Inxta mandatnm domini fui in Anmburgh, quum recepi mandatnm 
ab illis militaribua de Graeechop pro expensis 3 p 

4. Iuxta mandntum domini misi nantiutn propter arrestum contra de 
Graesschop 2 p 

5. Inxta mandatnm miei ad cancellariam 1 risa papiri 1 flor. 2 p 

6. Inxta mandatom misi ad cancellariam Vg talentom cere et */g qoar- 
tuminoansti 2 B 

7. Dedi ad fratornitatem quae servator Werilia de consensu domini f. 48b. 
nostri graoiosis8imi } et est ibi congregatio quaei qninguaglnta 8a- 
cerdotnm - 2 flor. 

8. Dedi magietro Hinrieo Odinohneen qui fait in via ad Conflaenciam 
ad servandcm terminum contra dominam praepositum maioris ecclesie 
Coloniensis 2 flor. 4 p 

9. Dedi advocato seilicet inagintro Hinrieo Kerokhoff . 1 flor. 2 p 

10. Exposal imta man datum reverendlsBlml domini nostri ad manus 
praepositi in Rnmbeoke pro certo liqnore eive olei ad lampades 

6 flor. 

11. Dedi streDDco Philippo de Hoirde pro expensis paBtoria in Ruden 
inxta qnitantiam 7 flor. 9 $ 2 d 






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172 Riebarcl R«itgenha«ni»r 

f. 49a. 12. Bedi d. official! pro sallario latins anni et pro tunica inxta qoi- 
tantiam 58 flor. 

13. Dedi Bernhardo Hater inxta mandatnm generate et inxta quitan- 
tiaiu neqne ad sninnam certain 50 flor. 

14. Eecepit dominus mens graciosissiums ad maims iuxta ciro- 
jfraphnm 86 flor. 5 B- 

15. Sigillifero centum anreoe facit 120 flor- 

16. Fro tunica 8 flor. 

17. Cellerario in Arnsburgh 406 aureos facit 480 flor. 

18. Subsigillifero pro expensis et tunica 25 flor. 

f. 49b. 19. Venemnt in cam pis Werlensibus de familia Johannia Volmers ini- 

mici mei capital ea nnacnm quintjaginta dnobns neqnaiu sibi aaso- 
ciatis iaxta litcram diffidentie ad valuae portaram opidi praedicti 
affixnm, quoe famulns mens unacum WerlenBlbus insecutus fuit do 
prope Swerts et eqnus mens nimio cursu ac labore fatigatns ce- 
oidit et mortnns ante portas Werlensea, uti plnribue constat et 
omnibus WerlensibuB, quem non dimisissem pro triginta anr. sed 

valorem ego non extendam nltra 25 flor. 

20. Dedi magiatro Johanni Hennemao de Lippia iaxta qnitantiam vice- 
official is ad medium qnia officials principalis licentiatua a domino 

ncvatro grftriOBinaimo fiontinnnvifc leotnrfttn B«rfori1ie . 10 flnr_ 



2. 

Arnsberg sygeler de anno 1499 l ). 

De anno XC1X. 

Coiuputavit anno etc. primo Bonne octava aacrauienti 1 ). 

A. Jtiinnahmen. 
f. 2a. I. De oommuni eigillo et parte mentis 

tfebruarii [22— 2S] 4 flor. 2 p — 



Ma re ins 


69 


W 


5 „ - 


Aprilie 






9„6d 


Mains 


4 


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1 » — 


Jamas 


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4 „ - 


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Augnetns 


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2 „ - 


September 


2 


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4 „6d 


October 


3 


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November 


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8 „ 6 „ 


December 


4 


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8„ - 


JauuarmH 


2 


i) 


2 ,, — 


Febrnarius 


3 


*» 


5 ., — 



Summa summaram de oommuni sigillo 109 tior. 4 3 6 d* 



1) Von anderer Hand. 



. 



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Drei Jahreerechnungen des kolniecben Ofnzialatgerichta in Werl. 173 



II. De senttn 1 iis et decretie. f.lOa. 

1. Pro sententia ahsolatoria 1 ) inter Ilinricnm Hacrhoff et Margaretam 

Swarten de Aldenruden 2 flor. 2 P 

2. Pro sententia inter Theodericum Rydden actorera et Hermannum 
Vyffhne de Aeaindia 2 flor. 

3. Inter Margaretam Tyntboe et Johannem Schalten In Dinoker quia 
pauper 1 flor. S p 

4. Inter quondam Eggerden et Katherinaui Graffwecb de Yseren- 

loen 2 flor. 6 p 

5- Inter Engelnian Erandes et Johannem Krabuich de Morca 

2 flor. 4 p 

6. Inter Martinum Meamecker et Gesam Holthus de Brsckel- 

velde 2 flor. 4 p 

7. Inter validnmVolpertnm KobbenratetTeclamKreymers 2 flor, 6 pf.lOb. 

8. Pro sententia ad alia vota inter Georgium Saltenbecke etKnnnam 
Steynbach de ReckelinchuBen quia pauperee 5 p 

9. Inter Johannem Steynhoff et Elizabeth Kickerdes de YYerle 2 flor. 

10. Inter Theoderknm Werninchoff et Katherinam Spysekendes qnia 
pauper 1 flor. 2 P 

11. Inter Johannem Drees et Engelman Rudensche de Asaindia 

2 flor. 4 P 

12. Inter Johannem in den Roeenbrach et Ceciliam Steffken t fior. 6 p 

13. Pro 8ententia ad alia vota inter Volinaram Goddeken et Belamf.lla. 
Petri de Eeleve quia pauperee 6 ^ 6 d 

14. Inter Gerkinum de Sprucken et NesamdeVoerde Elape 2 flor. 6 p 

15. Pro sententia adiudioatoria inter Gertrudim Sartorem et Georgium 
Lacke de Hattingen 2 flor. 6 p 

16. In TJnna inter Johannem Njehoff et Claxaui MaktwiU 2 flor. 6 p 

17. In Tremonia inter Johannem Gerlich et Margaretam de Delvelde 
quia pauper 1 flor. 6 p 

18. Pro sententia ad alia vota inter Christinam op dem Plasae et Jo- 
hannem Kaeck de Wattenschede 1 flor. 8 P 

19. Inter Johannem Sebomecker et Crietincun Graven de Asnindia f. lib. 

2 flor. 3 p 

20. Inter Gertrudim Sartorem et Georgium de Lack de Hattingen 

2 flor. 4 p 

21. Inter Elizabeth Brocken et Gotfridum Schotteler ... 2 flor. 

22. Pro sententia ad alia vota pro Elaa Nenera contra Theodericum 

Ilnnerpopell 1 flor. 8 p 

23. Inter Elsam Kostere et Rotgerum Ravens «... 2 flor. S p 

24. Pro sententie adiudioatoria in Rade inter Eermannum Harbeeke et 
Katherinam Lomaim 2 flor. 6 p 

2d. Pro eententia ad alia vota inter Oistianum Trippenmecker et Eli- 
zabeth Ulenbroicke 5 p 



1) P. t. aba. ist im folgenden fortgeUssen. 



r. 



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174 Richard Bettgenhaeneer 

f. l2a.26. In Attendant inter Johannem Frorer et Dorothe&m Vromraen 
qnia pauper 1 flor. 5 p fi d 

27. inter Johannem TJlenbroick et Katherinam Latengarn 1 flor. 8 p 

28. Pro sententia ad alia vota pro Georgio up dem Thie contra Eli- 
sabeth up der Wiach 1 flor. 8 

29. Inter Elizabeth Hoiffnageil et Andream Konynck . 2 flor. 4 p 

30. Fro Heraanno Borger contra Batam Voicknoill . . l fior. 9 p 

31. Pro sententia adindicatoria inter Alheidim Mandags et Stephanura 
PolviBct quia pauper 6 p 

82. Pro EngelbertoGrnter contra Alheydim SturmanB 2 flor. 3 6 d 
f. 12b. 33. Pro sententia Lamberti Stappert contra Revoet . . 2 flor. 4 p 

34. Elizabeth Wolffs contra Lambertniu de Baesche in Vlerich 

1 fior. 3 p 

35. Pro sententia ad alia vota pro Job ft one Vagct oostra Nftlam 

Greven 1 flor. 2 p 

86. Inter Hillam Dnnemana et Johannem Wedelinck . . 2 flor. 4 P 

37. Inter Hinricum ter Mellon et Katharinam Lnbben . 2 fior. 6 p 

38. Inter Johannem Kock et Elizabeth Grever .... 2 flor. 6 

39. Pro qnodam Tilmanno Grever extracts .... 1 flor. 2 p IS d 

40. Pro Hilleke in Demerholle contra Johannem ter Brnggen 2 flor. 4 p 
f. 13a. 41. Pro Ottonis Gerkens contra Gerlacura Blaeen. . . 2 flor. 6 p 

42. Pro sententia ad alia vota inter Hillam in dem Horle contra Ger- 
hardnm Relinchaeen in Wattensche ...;.. 1 flor. 3 p 

43. Inter Aghatam Vestemmens et Arnoldum Goesen de Wickede 

1 flor. S P 

44. Inter Johannem Keiuerlinok et Elsaiu Baicke de Hat tin gen 

2 flor. A 3 

45. Pro sententia ad alia vota inter Rotgerum de Sarn et Fien Kie- 
hofle 1 floi. 

46. Inter Elsam Dorhoff et Johannem EniRincfcoff .... 2 flor. 

47. Pro sententia honorabiliam dominoram Hermanni Lntgeri et Ger- 
bardi Fabri contra Volmaram de Messchede ... 2 flor. ti 

f. 13b. 48. Validi Gerhardi de Ruer contra honeatam Elizabeth tterdee de 
finer 2 flor. 6 

49. Hermanni Quegener de Hammone contra Elsam Kannengnters et 
Margaretam Thames 4 flor. 

50. Pro sententia ad alia vota inter Hcrmannum Tymaa et Elizabeth 
de Brock I flor. 3 p 

51. BrnnoniR de Affelen contra Katherinam Lodenbeeke 2 flor. 6 p 

52. Pro sententia ad alia vota inter Johannem Nollen et Katherinam 
Dyokruan de Tremonia 2 flor. 

53. Henzekini Smendemoit contra Gertrndim 8weven de Ryneren 

2 flor. 4 p 
04. Vroliei Kaffelenbuer contra Elsam Sartorem de Neyhem 2 flor. 4 p 
f. 14a. 56. Inter Johannem Kepperhove et Alheidim Schnlteti in Ryneren 

2 flor. 

Suiuiua aumuiaruiii de sententiis et decretis 109 flor. 5 p. 



r. ; 



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Hi. De licenciatoriie. f.!6a. 

1. Pro lioonciatorio l ) ordinandi Wore bens do Lippia . 1 flor. 3 p 

*2. Ordinandi Johannis da Rnespe da Oell 1 flor. 3 p 

3. Ordinandi JchanniB do Odingheo 1 flor. 3 p 

4. Ordinandi Bernhardi Sein do Affelen 1 flor. 8 B 

5- Ordinandi Gerhafdi Piper da Parva Tramoaia ... 1 flor. 3 p 

€. Ordinandi Petri up den Leygen de Eyokenhagen . . 1 flor. 3 p 

7. D. Theoderioi onstodis de Parva Tremonia ad offloiandum in 

Wattensohede 1 flor. 3 p 

K Ordinandi Johannis Yden de Warsten 1 flor. 8 p 

9. 1). Johanma Molitoriit ad offieiandnm in Wenden . 1 flor. S p f . 1 T> b- 

10. Religiosi d. Johaanis Nottekea nd terminam in Geseke 1 flor. 8 

11. Ordinandi Victoria Vleygen tie Swerten 1 flor. 3 p 

12. D. Johannis Claynmister ad cantandnm praemiciafi in Aasindia 

1 flor. 3 3 

13. D. Alberti. N. ordinis Praemonstratenainm ad offloiandum in Hain 
et Bcanyp oapellaa 2 flor. B p 

14. D. Johannis Vorworok ad offioiandnm in Lippia . . 1 flor. 3 p 

15. Ordinandi Johannis Berghede Caraen 1 flor. 3 p 

16. I). Jnhannia rTnlenhoff ad nfftoiandnm in TTilhankft de tritina nnnin 

3 flor. 6 p 

IT. D. Syfridi K. ad officiandnm in Grovensteyn ... 1 ilor. 3 pf-16a. 

18. T). Gerhardi Piper ad oantandum praemioias ... 1 flor. 3 p 

10. D.Werneri Huser ad cantanduni prneniioiafl in Hattingen 1 flor. 3 p 

20. D. Herraanni Provesticker ad offioiandnm in Drochen 1 flor. 3 p 

21. D. Simonie vioeonrati in Ham recepi 1 flor. 3 p 

22. Religion) domini Hinrioi de beekom 1 flor. 8 p 

23. D. Johannis vicecnrati in Velmede 1 flor. 3 ji 

24. D. Adriani Roemer vioeonrati in Mengede .... 1 flor. S p 

25. D. Hinrici viceourati in Uattinghen 1 flor. 8 pf.!6b. 

26'. Ordinandi Johannis Vnlheriiiek de Hammone ... 1 flor. 3 P 

27. Ordinandi Miohaelie de Breokelrelde 1 flor. 8 p 

28. D. Johannis N. ad officiandnm in Beliofa .... 1 flor. 3 p 

29. J). Johannis tar Molten ad offioiandnm in Plettenbergh 1 flor. 3 p 

30- D. Hinrici viooourati in Wattenaohodo 1 flor. 8 

31. D. Johannis Smedeken ad cantandnm praemioias in Ludenscheit 

1 flor. 8 p 

32. D. Hinrioi Klntioh ad cantandnm praemiciaa in Bade 1 flor. 3 p 

83. D. Hinrioi Dunnewoch ad offloiandum in Swolm quia pauper 1 flor. f. 17a. 

84. D. Johannis Fabri capellani in Elspe 1 flor. 3 p 

36. I). N, paetoria in Holatehusen 1 flor. 8 p 

36. D. Gerhardi Grotman ad offioiandnm in Erwitte . . I flor. 3 B 

37. D. Johannis Baaemann ad cantandnm praemioias in Stooknm 

1 flor. 8 p 



1) Im folgenden ist p. I. liberal I fortgelauen, 



r. ; 



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176 Richard Bettffenliaeuaer 

38. Religiosi d. Gerbardi Krcia ad terminnm in Baden ordinia Prae- 
dicatornm 1 flor. 3 {$ 

39. D. Johannia Koipman ad cantandum praemiciaa in Eslere 

1 flor. 3 (J 

40. B. Jobannis Piatoria ordinis Minorum domne Tremonienaia nd ter- 
minnm in Hattinghen 1 flor. 3 p 

f. 17b. 41. B. Jobannis Hag hen ad offieiandnm in Balve ... 1 flor. 3 p 

42. B. Jobannis Knapateyn vicecurati in Call© .... 1 flor. 3 p 

43. B. Hermann! Woratken ad cantandum praemiciaa in Lip pi a 

1 flor. 3 P 

44. B. Adolpbi de Scheda ad officiandum in Unherdicke [!J 1 flor. 3 p 

45. B. Victoria Vleygen ad cantandnm praemiciaa in Swerte 1 flor. 3 p 

46. B. Johannia Sohenokert ad cantandom praemioiaa in Tremonia 

1 flvr. Q p- 

47. B. Hormanni Becker ad cantandnm praemioiaa in Nienrade 

1 flor. 3 p 

4S. I). Hinrici Ottonia ad cautandum praemioiaa in Wesalia 1 flor. 3 p 

f. 18a. 49. D. Hinrici Hoistein ad officiandum in WeaaliA . . 1 flor. 3 p 

50. B. Hinrici Stner ad oantandum praemiciaa .... 1 flor. 3 (3 

51. B. Bernhardt Hilberga cappellani in Werlle ... I flor. 3 p 

52. B. Hinrici Holtwiokede ad offioiandnm 1 flor. 3 B 

53. B. Jobannis Dort ad cantandom praemiciaa ... 1 flor. 3 p 

54. B. Reynoldi de Balre ad officaindnm in Tremonia . ! flor. 3 P 

55. Ordinandi domini Georgii Raffenberg 1 flor. 3 

56. B. Bernhardt Semmede 1 flor. 3 {3 

57. B. Siffride ad officiandum in Grevenateyn .... 1 flor. 3 P 
f. 18b. 58. Religiosi d. Franoiaoi Krnmoge ad terminnm in Brilon et Geseke 

1 flor. 2 P 

59. D. Rotgeri Scnutten ad cantandum praemiciaa in Eobum l tlor. 3 £ 

60. Religiosi d. Hinrici Beloken ordinia Angnatini ad terminnm in 
Ruden 1 flor. 3 

61. Officiaodi d. Jobannis de Hammone viceonrati in VIercke 

1 flor. 3 p 

62. Magiatri Petri Wacker reoipiendi ordinee et cantandi prnemiciae 

2 flor. 4 P 

€3. Ordinandi M. de W*tten«oh«do 1 flor. 3 p 

64. Ordinandi SihoWi Hononia 1 flor. 3 p 

65. Officiandi d. Conradi Wennegber 1 flor. 3 P 

f. 19a. 66. B. dementia de Brolabagen ad ofBeiandom ... 1 flor. 8 p 

67. Ordinandi Evorhardi 8traesbergh 1 flor. 3 p 

68. Religioai d. Jobannis Swelm ad terminnm in Hammone 1 flor. 3 P 

69. Ordinandi Mathie Beoker de Swelm 1 flor. 8 P 

70. B. Johannia Brebeoke ad offioiandnm 1 flor. 3 p 

71. B. Hinrici Zicbterman ad offieiandnm in Erwitte . . 1 flor. 3 p 

72. B. Miobaelie de Breckelvelde ad cantandnm praemiciaa 1 flor. 8 p 

73. Ordinandi Hermanni Bluwel de Graeaohop .... 1 flor. 3 p 
£ 19b. 74. Religioai d. Antbonii Kalden ordinis Praedinatomm domna Scaa- 

lienaie ad terminnm in Hammone ....... 1 flor. 8 p 



r. ; 



Google 



Droi JobrcorcobnnngCD Son kolniochon OFfiaWlotgeriolito in Worl. 177 

75. D. Johannis Keyeen ad officiandnm in Heme ... 1 flor. 3 £ 

76. D. Alberti Potgeiter ad officialdom id Haghen . . 1 flor. 3 p 

77. D. Antbonii Kcnninok ad officiandnm in Holte . . 1 flor. 3 ft 

78. Ordinandi Johannis Potgeiter do Tremonia .... 1 flor. 3 p 

79. Ordinandi de Gterhardi Gilspach de parrochia Smalenbergh 

, 1 flor. 3 ft 

80. Pro licentiatoriia d. Johannis K. cantandi praemioiaa et officia-ndi 

in Cameo 2 flor. 6 (3 

Summa summarum de licenciatoriis 1U9 tlor. 6 0. f.20a. 



IV. De inbibitionibnsv arrestis, deolarationibus at com- f. 21a. 

raisaioni boa. 

1. Pro inhibition© Johannis Scholteti de Suaato contra Nannon 2 p 6 d 

2. Pro oommiraione Gerkini Sporkeyg contra Neaam Molnera de 
Aldanmden 2 p 6 d 

3. Pro inhibitiono honorabilinm dominoram vicariorum eoeleaie sanoti 
Petri SuaatienBiB contra provisores ecclesie in Rnden . 2 [J b d 

4. Pro inhibition* d. Johannia Lardi in Oiatinnhnwm nnntra Tohnnnnm 

Kock 2p6d 

5. Pro inhibitione d. Hinrici Vagt in Attendarne contra Gerwinum 
in deno Mnrokte 2 p 6 d 

6. Pro inhibitione d. Gotfridi Sohorlemer contra validum Hiorioum 

Haversberg . 2 fl 6 d 

7. Pro inhibitione Wennemari de Beeok contra Annani famulam Petri f 21b. 
de Scboell 2 p 6 d 

8. Fro inhibitione d. JohanoiB Kaleo contra Hinricum Weaken de 
Lippia 2 p 6 d 

9. Pro inhibitione honeste Sophie relicte quondam Knyppingen con- 
tra abbatisaam in Kentrop 2 B 6 d 

10. Pro commission© d. Gotfridi Schorrenboroh contra Gertrudim Klu- 
senere 2 9 6 d 

11. Pre declaration© Johannis Bremmen contra d. Hinricum Straitraan 
de Aeecn i> p 6 a 

12. Pro inhibitione Eggeberti Eerren contra Annam de Erwitte 

2 m a 

18. Pro inhibitione d. Hermann I cappellani in Altena contra Hinricom 
vor demme Loe 2 p 6 d 

14. Pro declaration* venerabilia d. abbatia in eampia Marie contra f. 22a. 
Hermannum Miteken 2 p 6 d 

15. Pro commiaaione honorabilit d. Johannis Kyff contra Hinrici op 
ten Brinoke in Smalenbergh 2 p 6 d 

16. Pre inhibitione d. Hinrici. Broiokhuyaa contra Hinricum Norman 
et Hinricum Bulinck 2 6 d 

17. Pro declaration© honeste Sophie relicte quondam Johannie Knyp- 
pingen contra abbatisaam in Kentrop 2 p 6 d 

Annilcn dta Wtt. Tmles LXV. 12 



Google 



178 Richard Bettgenhaeuser 

18. Pro declarations vcnerabilis d. Theodorioi Nedermolman contra 
dictum Panes 2 6 d 

19. Pro remiesione oauu mngiatri Gerhardi Ficqoini contra Jobannem 
Wever 2pCd 

20. Pro commissione pro Hermanno Schomeoker contra Conradum 
Groten in Assindia 2 (3 6 d 

i. 22fc. 21. Pro inhibit iune honeste Sophie Vnigta contra colonoe eiusdeui in 

Attendance 2 P 6 d 

22. Pro deolaratione Jobannis Biohien contra Gotfridum et Jobannem 
de Graesscbop 2 p 6 d 

23. Pro inhibitions d. Johannis Sohnlteti contra Arnoldnm in rtemme 
Sporkey in Attondame 2 p 6 d 

24. Pro commissione in Assindia d. Jaoobi Arnoldi faotoris Johannis 
Lyndeman contra Thaodarinnm Greveken 5 p 6 d 

25. Pro inhibitions honeste Meobeline Pinsequaden oontra validum 
Gotfridom Pinseqnaet in Reckelinohneen 2 p 6 d 

26. Pro deolaratione Jo ban n is Scbelken oleriei contra Everhardum 
Soheyper 2 p d 

27. Pro commission© Johannis Pagenhovet contra Tymanmtm in der 
Berenbrcick 2 P 6d 

f. 23a. 28. Pro commissione Gertrudis do Endorpe contra Gerbardum Kroiaen 

2 p 6 d 

29. Pro inhibitione Johannis Soumer contra N 2 p 6 d 

30. Pro commissione oanse Alberti Smyt contra Nienbuyss 2 p 6 d 

31. Pro deolaratione der Pinzeqnadessohen contra Emnonem in der 
Snnnen 2 p 6 tl 

32. Pro deolaratione pro d. Johanne varame Steynhusen contra Ear 
denberg Staell 2 fl 6 d 

38. Pro inbibitione Johannis Sobclken oontra Men god o . . 9 p 6 d 

34. Pro inhibitione validi eiusdera vamme Broiok contra Gronewalt 

2 fj 6 d 

35. Pro inbibitione dieti Dobben oontra Lodevrionm . . . 3 p 6 d 
f. 25b. 36. Pro Inhibitione stacionarll sancti Anthonii oontra Baseman zp N 

37. Pro inbibitione provisorom in Hilbecke contra olim pastorem ibi- 
dem 2 p 6 d 

38. Pro inhibitione honeste Sophie Knyppinjren oontra sonores in Ry- 
neren 8 g 6 d 

39. Pro commissione Johannis Ubbinokhuysa oontra vnlidum Rutjreruni 
de Galen 2 6 d 

40. Pro inhibitione dicti Homeokera oontra Jobannem Vamtnere in 
ReokeLiachusen 2p6d 

41. Pro inhibitione Hinrioi firoisen oontra Mariam relictam Tbeoderioi 
Eroisen 2 6 d 

42. Pro icuiissione cause aupelhuiouis vicarionuu Susaiiensinm contra 
Jobannem Mellingen seniorem 2 p 6 d 

f. 24a. 43. Pro inhibitione Johannis Sohelken oontra Petrnm Berkarner 

2 p 6 d 
Summa flummarnm de inhibitionibua 10 flor. 7 p 6 d. 



r. .... 



Google 



Drei Jahresrechnuinren des kulniechen Offizialategerichta in Werl. 379 

V. De taxRtio nibuh registrorum. f.25a. 

1. Pro regUtro*) validi Everhardi de Broick contra Hanzonem 
Groniwalt 6 p 6 d 

2. D. Hermanni Lutgeri contra validnm Conrad nm de Mesachede 

1 flor. 8 p 

3. Krovidi Johannis de Hoveli contra Hinricum liravenkamp 

1 flor. 2 fi 

4. Venerabilium dominorum decani et capituli Susatienajs contra va- 
lidtnm Anthoninm Schumann 8 3 

->. Lumberti Stappert contra Renait 1 flor. 3 p 

6. Yolmari de WesBchede contra d. Hermannum Rnbergh . 1 flor. 

Smiimn Bummarom de taxationibue C flor. 2 B.6 d. 

VI. De exeqnutori aliboa, f.26a. 

1 Fro exequDiorialibus 8 ) Adolpbi N. contra d. Hinricum Pisoatorem 

1 flor. 
2. Reynoldi Treckelenbusch contra Alheidim relictam quondam Jo- 
hannis Greven 1 flor. 2 

5. D. Volmari Loaeken contra dominum Johannem Paeleaet 7 flor. 7 p 

4. Tbeoderioi Ridderer contra Hermannum then VrffhuyM et Gobe- 
limim thee SteynhuyRB 9 p 

5. Valid! Everhardi vamme Broick contra Hanzonem Grose wait in 
parrocbia Hondemme 8 p 

Summa Rummarnm de exequntorialibus 11 flor. 6 fi. 

VII. De correctionibua incontinentia aaoerdotnm* f. 27a. 

1. Pro ocrrectione 8 ] inoontinentie d. JohanniB Wennegell 3 flor. 9 p 

2. Tneonfcinentie A. (Vfltonin paaloric in Relieve S flor. 0, p 

3. Incontinentia d. Hbrioi cappellani in Esleve ... 2 flor. 6 p 

4. 1>. Theoderici olim vicecurati in ABseien .... 6 flor. 5 P 

5. D. Johanni Toapell 6 p 6 d 

0. D. Job aim io Knapetcyn in Colic 1 flor, S p 

7. D. JohanniR Hauwerbecke eo quod quendam Jobannem ran der 
Recke verbis iaiuriosia affecit et in eoo caatro invaait 6 flor. 5 p 

8. D. Anthonii vicarii in Calle 1 flor. 8 pf.27b. 

9. D. Siffridi in (irevensteyn 1 flor. 

10. Incontinent™ d. Jobannia Kolenberg in Hagen . . . 8 flor. 9 p 

11. iDContiuente pastoris in Steell 2 flor. € p 

12. D. Eeynemanni oappellani in Apelerbeeke ao qnod qnandam fk- 
mulam ex domo eua non expulit 3 flor. 9 p 

1) „Pro registro" iat im folgenden fortgolaasen. 

9) »Pro eo»TeotioTie u iat im folgenden fortgelajwen. 

3) „Pr« executorial! bus" i«t im folgeuden fcrtgelassen. 



r. ;. 



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180 Richard Bcttgcnhaeoacr 

f. 28a. 13. Nonnnllornm saoerdotum Measohedemium *) pro incontinentia 

13 Bor. 

14. Fro exoessu incontinence d. Hermanni pastoris in Bcdercke 2 tier. 

15. Pro excessn incontinentia d. >T. paatoria in Oistnnnen 2 flor. 6 p 

16. D* died Bower paatoria in Attendance pro et ex eo quod in sue- 
pensione celebravit 31 flor. 2 $ 

17. Pro correction* Hinrici Smeodabeyr pro ot ex oo quod ausoitavit 

prolem filie Bororis 14 flor. 

Summa summarum do correctionibua 100 flor. 8 p 6 4 

f. 29a. VIII. De absolutionibue saoerdotnm et armigerorum. 

1. Pro absolution©*) valid© Jobannis Ovelaoker reoopi 18 flor. 2 p 

2. Honeste Rome Knyppenbergh dp 

8. Validi Volperti Kobbenraidt 1 flor. 3 P 

4. D. Wilhelmi Wever vicecurati in Gelstenkercken . 2 flor- 6 P 

5. [Pro] relaxatione honorabilis d. Bernhardi paatorit in Galen 

1 flor. 3 p 

6. Validi Riobardi Droaten 1 flor. 8 P 

7. Validi Bertoldi Bnldener 2 flor. 6 P 

f.29b. 8. Clamdeetini validi Hermanni de Endorpe et Katfaerine de Eyckell 

uuuiugia X flor. 2 p 

9. D. Jobannis Stiven de Snaato 1 flor. 3 

10. Pro absolution© oum reincidentia validi Riobardi Droaten 6 ft 6 d 

11. Validi Anthonii Forstenberg et uxoris contra Hermann um Voncken 

6 p fi d 

12. Cuiusdem Hermanni Mnlhoip qui interfnit riolentiia in Steell 
factis • 1 flor. 

Summa summarum Oe abttolutiuiiibu* sttuerduUiui 32 flui. P- 

f.30b, *X. De absolutionibus oadaverum. 

1. Pro absolotione oadaveris 8 ) validi Conradi Kecceler 11 flor. 7 p 

2. Henckonis de Zelfcuaen in parroehia Menden ...... 8 ft 

8. Jobannis Scbonppen in Datteln ©xcommunicati ad instantiam Jo- 
bannis Korten 1 flor. 

4. Hanzonis Weetelinok in Smalenbergh 1 flor. 3 p 

Summa eummarum de nbeolutionibua cadaveria 14 flor. 8 P» 

f.31b. X. De recognitis. 

1. Pro reoognito 4 ) Gorbardi Nienbuseu contra Georgium de Loe 

1 flor. 6 ft 

1) ,,eo videlicet" nach M. dnrcfcgestrioben. 

2) „Pro absolution©" iet im folgendeu fortgelassen. 

3) „Pro absolution© cadaveria" iat im folgenden . fortgelawen. 

4) „Pro recognito" iat im folgendeu fortgtdaaaen. 



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Drei JahresrechnuiiKen des kolnischen OffizialataterichU in Wert. 181 

2. Goswini Roggen contra Hanzonem Mnoken ...... 6 p 

3. Gecrgii Stuffort contra validum J oh an nam Kobbenraidt 6 p 6 d 

4. Hermmmi Thummtin in Lippia contra d. Hormannum titotcr 6 

5. Validi Jobannis de Dalhusen contra d. Adolphum in dem Steyn- 
hnyae 9 p 

Sutninn BBmmarur do roeognifcis 4 flor 2 |3 6 <1_ 



XI. De re laxati odi fcne interdict!. f.82b. 

1. Pro relaxatione interdicti ') in Vlaeaeem propter preabiterioidium 

13 fior. 

2. Poaiti.in Boer 1 flor. 2 p 

3. In Hattingen propter ccrtaa violcntiae cnidam sacordoti fnctaa 

13 flor. 

4. Poeiti in Camen propter violentiaa ibidem in eccletia factaa 

45 flor. 2 p 

5. In Berne propter violentiaa ibidem saoerdoti factaa . 6 flor. 5 p 

6. Positi in Eyginchuten propter violentiaa ibidem in oimiterio factaa 

13 flor. 



Snmma Bummarom de relaxatiombua yi flor. « p. 



XII. De approbationtbna testamen tornm. 134a. 

1. Pro approbation* teatamenti 2 ) d. Theoderioi qnondam paetoris in 
Berchem reoepi • . . . 2 flor. 6 p 

2. Pro legatis . . . . 2 6 6 d 

3. Quondam d. et magietri Andree paetorie in Stochem 23 flor. 4 p 

4. Pro legatis * .... 8 fj 

5. Qnondam d. Conradi Kooekinck in Lippia .... 9 flor. 1 p 

6. D. Conradi £odd«n , 16 flor. 9 p 

7. Pro legatig. .2p6d 

8. Qnondam d. Johannis paatork in Opberdicke ... 2 flor. 6 p 

9. Pro legatie 6 P 6 d 

10. Qnondam d. Johannis Kncpfcen 9 fior. 1 pf.34b. 

11. Pro legatis 2 p 6 d 

12. Quondam d. Hinrici Hackebioke 3 flor. 9 p 

13. Pro legatis 2 p 6 d 

14. Quondam d. Johannis Vorman vicarina [1] Tremonieneis 24 flor. 7 p 

15. Pro legatis 2 p 6 d 

16. Qnondam d. Johannis Stnetewerg vicarius [!] in Hatnegge 

9 flor. 1 p 

17. Pro legatis 2 p 

1) „Pro relaxation* interdicti* itt im folgenden fortgelasten. 

2) „Pro approbation* teatamenti* iat im folgenden fcrtgola&aen. 






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■ 182 Rictard Be t tgen ha t u aer 

18. Quondam d. Everhardi ter Porten 10 flor. 4 g 

19. Pro legatis 2 6 d 

f. 35a. 20. Quondam de Anthonii Beyste 3 flor. 9 P 

Summa nummarum de approbat'ionibus 118 flor. 2 p fi d. 
Snmma summarum omnium reeeptorum 719 flor. 8 p. 



f.36a. JR. EorpoHltn. 

1. Inxta mandatum accesm dominom meum graciosiBftimnm ad Pop- 
pelstorp diebus PaBcnlibus cam tribos equia et cum domino Hin- 
rico, qni conswerit compntare in prandio Swertom 13 p et haboi 

duos ductorie ad Wipperam, qnibus dedi 6 p; et ibidem pernocta- 
vimoB conaumpBimns 17 p facit 8 flor. 6 p 

2. Altera die ad Coloniam et ibidem expoeui qnia pabulum pro equip 

in praecioso sive caro foro 1 flor. 5 p 

3. Tertia die ad Poppelstorp oum tribns equia et eram ibidem ad 
quinque dies, antequam recepta fuit mea compututio, et ibidem 
consnmpsi pre feao in hospicio et aliia 2 flor. 5 p 

4. Dedi domino Hinrico de Monasterio qui facta computation re- 
cessit iterum ad Werllnm 1 for. 5 P 

1. 36b. 5. Mmihi apudt dumiuum meum graoiuHiamwuiu computations facta 
ad qninqne septimanas propter persortahim in (xrevenrode et 
propter praeberrdam ad sanotnm Andream tnno vaeantem, de quo 
tempore non fatio computation era, quia in causa mea propera, sed 
in via rcdenndo ad Weriis parooctavi in Wormkeroken cnm tri- 
bus equis > 1 flor. 8 p 

6. Altera die super Wipperam in prandio I flor. 2 p 

7. Poiiiocldvi in Swcrtuui 1 flor. 7 p 

8. Dedi duobns auctoribue qui mecum eqnitabant de Swelm prope 
Swertum j p 

9. Dedi domino officials in defalcationem salarii inxta cirographum 
suum 52 flor. 

10. Dedi Bernardo Hnter iuxta mandatnm generals . . .50 flor. 
f.37.all. Michi sigillifero oentnm anrei facit ....... 130 flor. 

12. Pro tunica 8 flor. 

13. Inxta znandatam misi ad Amsberg 1 rise papiri, 1 talentum cere. 
Va qnartam inoausti 1 flor. 6 fi 

14. Iuxta mandatum fni in Amsberg ad tres noctes . . 7 p 6 d 

15. Inxta mandatum dedi nnnoiie, qni ivernnt cum Uteris contra Bi- 
dezeel et Philippnm de Yennunrte ad plures parrocfciaa . . 7 p 

16. Dedi lapioide magiatro Johanni pro lapide in novo oastro proprie 
[!] de Hevenboroh pro altari erigendo et benedioendo . 3 p 6 d 



r. .... 



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I>rei Jabreerechnungren dea kolnischeo OffizialatsRerichU in Werl. 183 

IT. Dedi antedicto magiRtro, quiraet ivit ad dictnra castram pro sin* 
gulia oeoeRsariifi inspeotoro et reformatur© 2 p '.'» d 

38. Pro pi urn bo et cert it* ferrets inatrumentis, quae secozn detalit 2 pf.87b. 

li*. Misi ibidem duoa leotos, nnum cmi a Hinrico Bortrop, pro quo 
eibi dedi enm pnlvinari 6 flor- 3 (3 6 d et aliuro lectum reoepi 
tie dwuo mea ft coutuli domino meo gr&cioRiaeimo. 

20. luxta mandatnm misi ad A me berg 1 rise papiri et I t&lentum 
ceri 1 flor. 5 

21. luxta mandatnm roisi Gosswiuum ad revereodiBBimuni dominom 
menm enm informations contra Snydewint, cui dedi. 1 fior. 1 P 

22. luxta mandatum fui in Arnaberg ad dnaa noctee ■ . . 7 p 6 d 

23. luxta mandatum dedi Borchardo Kreymer in Arnaberg . 4 flor. 

24. Inxta mandatnm assign avi duos armato* dootori AfFelen, qui duxe-f.88a. 

rant oun^om nd H a mm one m 3 j3 6 J 

25. Pro cero eigilli hoc anno 15 talentn, unnm talentum pre 3 p, 
facit 4 flor. 6 p 

26. luxta mandatum veni ad Arnaberg, fui ibidem per duae noctee 

b(6d 

27. 3lisi ad novum cafltrnro viginti quatoor ulnas mupparnm proprie 
dvelen, pro qualibet ulna 2 p, faoit 4 flor. 8 p 

28. luxta mandatnm et rjuitanciam dedi validis fratribus de Haitz- 
felt : 350 flor. 

29. luxta mandatnm et quitanciam dedi Jofaanni Scfaungell 21 flor. anr. 
facit 27 flor. 3 p 

30. luxta mandatum et quitanciam dedi Perro de Lyne oellerario qua- f. 38b. 
draginta flor. aur. facit 52 flor. 

31. Pro BxpenniR et tunica aubeigiUiferi 25 flor. 

32. Obiit equie meus, quando redii a domino, pro quo cxposuit domi- 
minus Rutgerus pastor inWelver 14 flor. aur. faoit 18 flor. 2 p 

Snmma summaruin omnium expoeitarum 754 flor. 5f (id, 

4 1 q o 1) dye innano enthgvn die uiegifft afgezogen nemlien 

719 g. 8 p 
blyfft myn gnediger her dem sygeler schuldich 

38 g. 7 p 6 d. 

Der golden vur 10 p gerecbent. 

Notandum in prioribne computationibui multnm aygillifer tenetor 
domino gracioRis«imo. 



1 J Das Folgeode von anderer Hand. 



r, ; 



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1&4 Richard Befctge n haeua er 

3. 

f. la. Computatio tfgilllferi Werlensis de anno domini mlllesimo 

qningentesimo qninto decline. 

Sigeler zo Werl de anno 15. 

Dfominue] 1 ) Jufhannea] Decker computavit poaiticnea de anno 15 feria 
second a poat Miaerkordiaa domini. 

A. Etnnahmen* 

1 2a. 1. Ad sigillum com tine anno domino mtllesimo <|ningen- 

teaimo quinto decirno meneta 

More [i— 24] 

Marz 25— April 19 

April SO— Mai Id 

Max 15—Juni <j 

.Turn 10—Juli 5 

Jtdi G—31 

August 1—27 

Angusf 28 -September 23 

September 24— October 19 

October 20— November 15 

Korewber 16— December 11 

December 12—Januar 6 

Janitor 7—31 

Febrttar 1—23 

FeVntar #4—29 

Summarnm aigilli communis facit 304 f. or. 8 fl 10 d. 



f 10a. II. De citationibna, inhi bitioni boa, arreatia at declara- 

t ioniba a etc 

1. Pro inhibition© 8 ) in canea appellaoicnie Sneatieceie Hinrioi Merck 

contra 1 Ttaeodericum Botterbrot recepi 3 P 

2. In Werdena pre arreato domini abbatia ibidem aoper qnodam 
manso in Bremmen reoepi 3 p 

3. In Hammone Lamperti Preater contra pastorem in Berge 
recepi 3 p 

4. In (Jnna pro arreato Lamberti Trnrnicht contra reotorem oapelle 
sancti Spiritaa in Swerten recepi • . • • 3 6 

5. In Lippia pro oompnleorio domini J aspen Denaekinck Contra do- 
minurn praepositum Lippienaera reoepi 3 p 

1) Dieser Sat* von anderer Hand, vgl. S. 201 Anm. I. 

2) Ira folgenden fortgelasaen. 



S6 


f.or. 





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Drei Jfibwsrrfhnungpn d*s kBIniscben OffizialatAgericbta in Werl. 185 

€. In Beek execntoris tealamenti quondam domini Rotgeri Wreden 

recepi 3 p 

7. Id Upwerjegern d. Hiorici Howarde contra d. Antoninm de Enede 

recepi 3 p 

8 Id Geyeeke pro arreato Johannia Brantb super curte dc Holthunen 

recepi 3 p 

9. In Werle Michaelia Mellien contra indicem temporalem ibidem 

recepi ■ 3 p 

10. In Recklinchusen pro conimisBione examinia testinm Katherine 
Ennvekens contra Jobannem Butterman recepi 3 p 

11. Id UnDa ad instaotiaro iudicis ibidem contra Tbeodericum Drncbcl- 1 10b. 
man recepi 3 P 

12. In Droilshagen Margarete Scbrivere contra indicem ibidem 
recepi , dp 

13. Bernbardi Weaterholt contra HinricDm Heaecbues reoepi . 3 p 

14. D. abbatie in Graaaobap contra buob fendalea recepi . . 3 p 

15. In Allagen d. Gotfridi Bock contra achultetum imme Schoenhove 
recepi 3 p 

16. Id Lippia Eogeline de Verne contra Gerhardnm Ram pel man cle- 
ricnm recepi 3 P 

17. Pro commiaBione examinis teatinm valid! Jobannia Scborlemer con- 
tra Margaretam vao Gaelen recepi 3 p 

18. Conventas in Reclinohueen contra Vincentinm Delaer recepi 3 p 

19. In Geyseke appellacioniB Bertoldi Ymminck contra execotorea 
teetumenti qnondam d. Jobannia Ymminck recepi .... 3 p 

20. In Lippia pro declaratione Engeline de Verne contra Kamppell- 
man recepi .- 8p 

21. Pro intimatione literarum pendcocie Suaatienaia pro paatore inf. 11 a. 
E vera berg contra Volpertnm Doebber recepi 3 )t 

22. Id Lippia pro Hteria compnlaoriie ad inat&ntiam d. Jobannia Dneeter 
contra execntorea quondam d. Hermanoi Dnester recepi . 3 p 

S3. Pro citatioce in causa appellacionis Sosatienns Margarete Schri- 
vera contra Bernbardum Gerwine reoepi S p 

24. Pro citatione in causa appellacionis Suaatiensis Buracapii in Te- 
ginohu8en contra beredea in Meyninckhuaen recepi . . 3 p 

25. Id Droilnnagcn Hinrioi Nolion recepi 8 p 

26. In Aseindta relicte ter Heide contra Katherinaut torn Bogen 
reeepi 3 p 

27. In Corbecke Johannia Scborlemer contra indicem ibidem reoepi 8 p 

28. In Mention Helmioi de Erwitte contra Gerhardnm Snydewint re- 
cepi . , . 3 P 

29. Decani et oapitali Mesacbedeoaia contra Fredericum de Sobap- 
husen recepi . . 3 p 

30. Hermanci KampeB contra Symonem Schaden et reliquoa 3 pf. lib 

31. In Geyseke valid! Frederioi de Hoerde contra villanoe in Erwitte 
recepi 3 P 

32. In Balve d. Jobannie Niggebecker vioarii Stxaatiensia contra iudi- 
oem in Balve recepi 3 P 



r. ; 



Google 



186 Riohard Bettgenbaenser 

S3. Id Marler Georgii vamme Ley contra acbultetum in Ophove re~ 
cepi ; . . . 8 p 

34. In EuHnchunen eonventue ibidem Centra certoe cnrciarioe eornn- 

deni recepi . # 8 p 

85. Id Olpe pro citacione in causa commissionis domioi gratioffleeimi 

ad instantiam proccnsnlnni contra pastorcm ibidem recepi . S p 
3G. In Ervrittc pre declarations innibicionia ad iutsuuitiaiu reliote Oe 

Verne contra Mcnnekinnni Piper recepi 3 P 

37. Pro intiihicione appellaoionis Susacienaia ad inatantiam domine 

alibatiste in Paradiso recepi 3 p 

88. In G-eyaeke Johanrna Brandt contra proconanles in Geyseke 

recepi 3 p 

Summarum de inhibiciooibus facit 11 £ or. 4 fi. 



iA3a.AH. De abaoluti onibu© et relaxaoionibna interdictornm etc. 
1. In Bner pro abeolnciooe 1 ) validi Conradi dc Darle recepi 

1 f . or. 2 P 6 d 
9. In Boer pro contumacic. Berobardi Weaterbolt recepi . 1 f. cr. 

3. In Droilahagen ouiusdam pauperis duduin eepulti Petri lapanier 
recepi 8 p 

4. Bernhardi de Lethmate excoramnnicati pro debitia recepi . $ p 

5. ExoommuDicati ex levi causa Wilbelrai Groven id Poelsbem re- 
cepi & Md 

6. In Assindin d. Jobannie Berndea pro contumacia recepi . 13 p 

7. Eermanni de BerninchuaeD excommunitati pro debitia recepi 5 p 6 d 

8. In Salve de clamdestino Jasperi Wreden et relicts Supetntb re- 
cepi 2 f. or. 5 p 

9. Super affidacione Theoderici de Galen cum Margaret* VolleEspitz 
recepi 2 f. cr. 6 P 

1. 18b. 10. De olamdeatino Wenemari de Bodelswingc et Barbare Eombcrg 
recepi Z f.cr. d P 

11. [Pro] relaxations interdicti in capella Hamme propter lesionem 
cniuadam in domo dotie recepi 10 f.cr. 

12. Id Olpe excommunicato pro contumacia qnondam Hermann! Maes 
de Terinohusen pauperis recepi 1 f.cr. 3 p 

13. D. Jobannia Berswort vicarii Tremocieneie pro contumacia excom- 
municati recepi 1 f.cr. 1 P 

14. Valid! Jobannis de Bernioobuften pro debitia excommunicati re- 
cepi 5p6d 

15. D. paatoris in Olpe ad instantiam procuratoris fiscalis excommu- 
nicati reoepi 1 f . cr. t> p 

10. In Cttmcu J. Hinrioi Pilken excuuunuuiuali recepi * 1 f. cr. 3 p 

17. Id Unna a d. Tihnanno d. Damheuger vicario auctoritate statu- 

torum recepi 1 f. or . 3 p 

1) *Pro abaolucione* ist im folgeuden fortgelassen. 



r. .... 



Google 



Drei Jabresrechnunaren dee kolniachen Offizialatatrerichts zu Werl. 187 

18. Pro relaxatiose interdict! in Sondern propter modicaa violeccias 
ibidem in doroo dotis factas recepi 7 f. cr. 8 p 

19. Pro rclaxatione interdict! in Poerde propter homicidium in curia f. 14a. 
donms dotis commissnin recepi 15 f. cr. 6 p 

20. In Wattenscbede de olamdeatino validi Gerhardi Dobben et Mar- 
garete Gogreven recepi 2 f. or. 6 

21. Id Lippm pro absolnotone ex decreto dicti Qwatvasel ad iCBtantiam 
recepi 1 f. or. 8 p 

22. Id Geiseke Hermanni Roegeoer qui ignoranter clericnm lesit le- 
niter recepi 2 f. cr. 6 P 

Stimmanim de absoliieionibus faeit 61 f or. 7 p. 



IV. De sentenciis, decretis et recognitie. f.l6a. 

1. In Doraten pro eentenoia matrimoniali adindioatoria Everharde 
ram Bermelinckloe contra Hinricnm vac der Hove recepi 

2 f. cr. 6 p 

2. In Harpen pro aentencia absolatoria matrimoniali 1 ) Acne Flaaschen 
contra Wilbelmum Schroder 2 f. cr. 6 P 

3. In Boenen inter EUani Potea et Gerhardnni Ravens recepi 

2 tcr. 6 p 

4. In Balve Johannis Wineken centra suam reoepi . . 2 f. or. 6 p 

5. In Boenen Johannis Leppelaack contra Elsam Wilken recepi 

2 flor. 6 p 

ri. In Aldenruden Katberine Holsachers contra Georgium Scheper 

reoepi 2 flor. 6 p 

7. In Swehuedc Alhcidio opter Mullen euulra Juhuiuiciu uptem Scbeide 
recepi 2 f . cr. 6 p 

8. In Camen de permatacione caiusdam Orti cum sorer i bus ibidem 
recepi I f. cr. 1 p 

9. In Heringen Gertrudia Riddera contra Reinoldnm Bidders recepi 

2 f. cr. 6 p 
10. In Attendam pro Bentenoia matrimoniali adindioatoria Anthonii f. 1 6b. 

Tiincken et Anne Heuscboitters renepi 2 f cr. 6 p 

H. Id Boicbem Gertrodie Blombergea contra Theoderioum Badden 

reoepi . 2 f. cr. 6 

12. In Asselen Hinrioi torn Cloister contra Telam Stangela recepi quia 
panperes 2 £ cr. '2 p 

13. In Bammone pro recognito Johannis Piper contra d. Siboldum 
Hngen reoepi 9p 

14. In Attendarn Liae Snidewindes contra Gbristianum Hushern re- 
cepi • . 2 ff. cr. © p 

15. In Everaberg Gertrudia Koeters contra Haneonem Scheper recepi 
2 f. cr. 6 p 

1) „Pro sentencia abeolutoria matrimoniali" iet im folgenden fortgelasaen 

Google 



188 Richard Bettreohaeuaer 

16. Id AVareten Anne do Herbagen contra Johannem Gordea quia 
panperea recepi 2 f. cr. 2 ft 

17. In Bnr Wenneniare contra Hinricom Branch or st recepi 2 f. or. fi (£ 

18. Id Unna pro sentencia arbitral! d. Antonii Vinckenburg et Himici 
Crippenmecker 1 f. or. 3 p 

f. 17a. 19. In Unna inter Joliannem Herneman contra Margaretam Volck- 
uiQiui reoepi -.,... 2 f. or. 8 p 

20. Id Tremonia Antonii Mollener contra Katherinam Wemera recepi 

2 f.or. 6 £ 

21. In Doreten Knueeat oontra Kannam Enckentrop recepi 2 f. cr. 6 p 

22. In Luoereo Wtlbelmi Bungen contra Katherinam Riphagena re- 
cepi 2 f. cr. 6 JJ 

23. Id Swelmede Margarete Hillerincbueen contra Petruni Dremmere 
recepi 2 f. cr. 6 P 

24. Pro decreto inter Godekicum de Werle et Uinricnm Sedeler re- 
cepi 5 j* 

25. In Recklinchoeen Anne van Galen contra Jofaannem Elpc recepi 

2 f.or. 6 £ 

26. Id Hemnede Gerhard! Koonlock centra Gertrudim Kravenelt 

2 f. cr. 6 [3 

27. In Reckelinchuaen pro decreto debitorie Jobannie de Keyhen con- 
Ira Jobauneui Reueri reuepi If. or. 

28. In Bochem Conradi Bwarten contra Margaretam Struockede pan- 
peree recepi 2 f. or. 

f. 17b. 29. In Tromonia Goawini Mallinchrot contra Gertrudim Kralo recepi 

2 f.cr. 6 p 

30. In Delwick Stcphani Bodeker contra Stinam Kranen recepi 

2 f. cr. 5 p 6 d 

31. In Werle Hinriei Werth contra Gertrndim Ververa reoepi 

2 f. cr. 5 p 6 d 

32. In Dattelen Margarete de Snten contra JobaDoem de Dribbern 
recepi 2 f. cr. 6 p 

33. Id Asmod'm J ebon u is Bobultoo oontra Margaretam Laoggco recepi 

2 f.cr. 6 £ 

34. In Swerten Jobannie Swertell contra Margaretam Groell recepi 

2 f.cr. 6 p 

35. In Opherdecke Gertrudis Kranenberg contra Johannem Mortrop 
recepi 2 f.cr. 6 P 

36. In Kecklinclmeen Else Baascben et Bcrnhardi Xikinck pauperum 
recepi 2 f.cr. 2 P 

37. Pro lilerie executorialibns Herman ni do Hanxlede contra Johannem 
de Bernincbusen recepi 2 f. cr. 5 p 

f. If a. 38. In Swelmede Katherine de Wigerinchuaen contra Petrnm Loyman 

recepi .* 2 f. or. 6 p- 

39. In AViblincwerde Johannis Herreger contna Anoam de Veaererde 
recepi quia panperes 2 f. cr. 2 ffc. 

40, In IJale I'elronille ran Mule contra Conradum de Hnzinchuaen, 
quia paupereB recepi 2 f . cr* 



r. ; 



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Prei Jahresrechnungen dea kdlniachen Ofiuialatsgerichta in Werl. 189 

41. Id Tremonia pro sentencia adiudicatoria matrimoniaii Hermanni 
Dorstvelt et Anne Rumpes recepi 2 f. cr. 1 ft 

42. In Hagen Evcrbardi Baffenbocl contra Sophiam Meiers recepi 

2 f . cr. 6 p 

43. In Hammone Albert! Snyrman contra Elsam Teokenberg recepi 

2 f.cr. 6 p 

44. In Hagen Gobelini tfolten contra Katberioam We vera recepi 

2 f . cr. 6 p 

45. Id Brecbten Jacobi Tappen contra Elsam Oetrinchueen recepi 

2 f . cr. 6 p 

46. In Hagen Katherioe Doven contra Petrom to Xiggehns recepi 

2 tcr. 6 p 
4i. In Overnhundem pro sentenoia matrimoniaii adiudicatoria Jobannia f.lSb. 

Kaeter et Margarets Beermone recepi 2 I . or. 6 p 

48. In Unna pro decreto examinia teatium Platern contra Annam de 
Uffeln recepi . 1 f. cr. 3 3 

49. In Bepperc Jobannie Peters contra Belam Paatoria recepi 

2 f. cr. 6 p 

Summarum de sentenciia factis 114 f.cr. 4 p 2 d. 

V. De li cenc iatoriie ac Uteris dimiseorialibna etc. f.21a. 

1. In Kara en pro lieenciatorio matrimoniaii Engeline de Hcrnficbede 
et Johannis Drosten recepi 1 f. cr. 3 p 

2. Pro licenniatorio l ) celebrandi in Swelmede d. Hinrici Danne 
wegge recepi • . 1 f. cr. 3 p 

3. Cantandi primam missam in Holt d. Sanderi Rnnieskerke recepi 

1 f.cr. 3 B 

4. Pro dimieaoriario in Swelmede d. Johannis Hombercb recepi 

1 f. cr. 3 p 

5. Pro dimissoriario in Doeaberg Mjobaelia Rumswinkel recepi 

l f.cr. S p 

6. Pro dimiaBoriario in Sosato Helmici Halvetappen recepi 

1 f. cr. 3 p 

7. Pro dfrniasoriario in Duessel Giaeberti Demedden recepi 

1 f.cr. 3 p 

8. Pro dimissoriario in Gummersbach AdolpLi Beringer recepi 

1 f.cr. 3 p 

9. Pro lieenciatorio matrimoniaii in Steel Henzonia ter Becke et £a- r 
tberine SevenB recepi 1 f . cr. 8 p 

10. Id Geiseke pro dimissoriario ad ordines Johannis Risaincb recepi 

1 f.cr. S p 

11. In Geletenkcrben celebrandi d. Roneri Sobutten recepi 1 f. or- 3 p 

12. In Geyaeke cantandi primam misaam d. Johannis Quackert recepi f. 21 b. 

1 f.cr. 3 p 



1) „Pro lieenciatorio* ist im fnlgenden fortgelaasen. 



r. ..... 



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190 Kichard Bettgenbaeuser 

13. In Metaler celebrandi in portatili Herman ni van der Heide recepi 

1 f . cr. 3 p 

14. In Olpe caut&ndi primam missam d. Jobannia de Olpe recepi 

1 f.or. 3 p 

15. Id Kurten caotandi ibidem Jobannis de Monte recepi 1 f. cr. 3 p 

16. In Wippervorde cantandi d. Conradi de Meee recepi 1 f. cr. 3 p 
IT. Iu AUeudacu pro diuiieeoiierki Joliaooia Baetunor • 1 f. a. 3 p 

18. In Unna caotandi d. Johannis Wulff 1 f. cr. 3 P 

19. Id Anroehte officiandi ibidem d. Nicolai recepi . . 1 f.or. 3 p 

20. In Tremonia cantandi WHhelmi de Hackerde recepi 1 f. cr. 3 p 

21. Cantandi in Wormskirchen d. Christiani in dem Berge recepi 

1 f. cr. 3 p 

22. In Lippia pro Uteris dimisgorialibuB ad ordines minores Gerhardi 
Grevel recepi H P 

23. Cclebrandi in Wenden d. Jacobi Varnholt recepi . 1 f. cr. 3 p 

f.22a. 24, In Drolshagen cantandi d. Tilmanni de Morsbacb ibidem recepi 

1 f . cr. 8 p 

20. In Kinern celebrandi ibidem d. "Wilhelmi Duickernian recepi 

1 f. cr. 3 p 

26. In Assindia cantandi ibidem <L Gerhardi Swane recepi 1 f. cr. 3 p 

27. In Attendarn pro dimissoriario ad ordines minores Johannis Hentzen 
recepi 3 p 

28. In Attendarn pro licenciatorio matrimoniali Hinrici van der Neger 
et Katherine Bntteler recepi 1 f. or. 3 p 

20. In Wattenschede pro diruisaoriario ad ordines maioree JohanniB 

Busfichman recepi 1 f. cr. 3 p 

30- In Meden cantandi ibidem d. Giaeberti Bremmer recepi 1 f. cr. 3 p 

31. In Molhem super Raram cantandi Adolpbi Beringer recepi 

1 f or. 3 P 

32. Id Callenhart celebrandi ibidem d. Johannis Ide recepi 1 f. cr. 3p 

33. In Hammone pro licenciatorio matrimoniali Katherine van Sarden 
cfc JohaoDiB Pot rcocpi 1 f. ci . 3 p 

34. In Susato cantandi primam miasam d. Helmici Halvetappe recepi 

1 f . cr. 3 P 

f. 22b. 35. In Brekelvelde cantandi d. Johannie Schonenberg . 1 f . cr. 3 p 

36. In Medebeoke celebrandi d. Nicolai Yeger ibidem recepi 1 f. cr. 3P 

37. In Medebeoke celebrandi d. Petri Gevebenne recepi 1 £ cr. 3 p 
( 38. In Hammone celebrandi d. Tbeoderici Scholer recepi 1 f. cr. 3 p 

30. In Hammone celebrandi d. Tbeoderici Volmenateyn recepi 

1 f . cr. 3 P 

40. Celebrandi in portatili validi Sob ben de Gunberg recepi 

1 for. 3 p 

41. In Gummeisbacb cactoodi d. Jobouuio d. Wintbagcn recepi 

Iter. 3 p 

42. In Waltrope celebrandi d. Hinrici Schalten recepi . I f.cr. 3 p 

43. In Ladensschet cannindi d. Tbeoderici Hemnan recepi 1 f. cr. 3 p 

44. In Medebeoke cantandi d. Johannis Senger recepi . 1 f. cr. 3 p 



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Drei Jahresrechnuncen dea kolniachen Offiziilatajrerichta in Werl. 191 

45. In Hammone pro praesecUcione fratria Bernhardt ad terrain am 
ibidem 1 f. er. 3 P 

46. In BruDscappel celebrandi d. Johanuie Helliock cappellnni rccepi 

1 f. cr. 3 P 

47. Id Assindia pro diraiseoriario ad dyooeaim Bremenaeni Bernha.rdif.28a. 
de Aaaindia recepi 1 f. cr. 3 J 

4H. In i ueaoben cantandi d. Kotgen Sundach recepi 1 f. cr. 3 P 

49. Id Camen celebrandi d. Hermanni Brinckhoff recepi 1 f. or. 8 p 

50. Id IJnna baptizandi campanam recepi 5 fj ti ?! 

51. In Susato celebrandi d. Michaelia CDatodia recepi 1 f. cr. 3 P 

52. In Susato celebrandi d. Tbome de Reoklinchnsen recepi 1 f. cr. 3 p 

53. In Susato celebrandi d. Cratonia Rotors . . . . 1 f. cr. 3 p 

54. In Dattelen celebrandi d. Goswini Gnnterroan recepi 1 f. cr. 8 P 

65. In Swelmedo cantandi d. Jobanoie HotnHcrg rocepi . 1 f. or. 3 p 

56. In Lanen cantandi d. Georgii Sporenmecker recepi . I Per. 3 p 

57. In Snaato celebrandi d. Bernhardi de ArTelen recepi 1 f. or. 3 p 

58. Id Wormelte celebrandi d. Hermanni Blaggel recepi 1 f. cr. 3 p 

09. In Revate celebrandi d. JohanniB Fabri recepi . . 1 f . cr. 3 pf.23b. 

60. In Hnndeni celebrandi d. Jcfaannia de Bigge reoepi 1 f. cr. 3 p 

61. Id Fredebnrg celebrandi d. Roderici Mclner recepi . 1 f. cr. 3 p 

€2. In Tremonia pro ticenciatorio matrimooiali Georgii de Same et 

Dorotbee Bcdebera recepi 1 f. or. 3 p 

63. In Derne celebrandi d. Hinrici Kemmincbaeen recepi 1 f cr. 3 p 

64. In Olpe celebrandi d. Hinrici de Sigen recepi . . 1 i . cr. 3 P 

65. In Glad beck celebrandi d. Antonii Bockeler recepi . 1 f. or. 3 ^ 

66. Id Droilsbagen celebrandi d. Gottfridi vioecurati ibidem recepi 

1 f . cr. 3 P 

67. In Elape celebrandi d. Tomerolantb recepi . . . 1 f. cr. 3 p 
08. Iii Geyseke pro dimiaanriariu Bernbardi Stuoekranen beneficial! 

ibidem recepi . . . , . 1 f. or. 3 

69. Id Dorsten celebrandi d. Jobanma de Warendorp recepi 1 f. cr. 3 p 

70. In Tremonia celebrandi d. Stephani Oenterrick recepi 1 f. cr. 8 B 

71. In Susato oelebrandi d. Johannis Sweina recepi . 1 f. cr. 3 pf.'J4a. 

72. In Lippia cantandi d. Jobanma Repenwinder recepi 1 t*. cr. 3 P 

73. In Gejseke celebrandi d. Johannis Caetodis recepi . 1 f. cr. 3 p 

74. In Aswden celebrandi d. Thenderioi nfflniantie ibidem recepi 

1 f. or. 3 p 

75. In Grevensteyn pro licenciatorio matrimoniali Antonii Richters et * 
Margarets Gorde» recepi 1 f. cr. 3 p 

76. Id Grevensteyn celebrandi d. Thecderici Snider recepi 1 f. or. 3 p 

77. In Borbeck celebrandi d. Hinrioi Middeldorp vicecarati ibidem 
recepi 1 f. cr. 3 p 

78. In Dorsten celebrandi d. Hinrici de Galen recepi . 1 f. cr. 3 P 
VS. In Geyseke celebrandi d. Weneman fabri recepi . 1 f. cr. 3 p 

80. In Esleve celebrandi d. Johannia Fnncken recepi . I f. cr. 3 p 

81. In Elape celebrandi d. Gotfridi Boesen recepi . . 1 f. cr. 3 p 

82. Id Scbonbolthnsen pro licenciatorio matrimoniali Marparete Kre- 
mere et Hinrici Fancken recepi 1 f. cr. 3 p 



r. ; 



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1! *:> It i c b a r d Hettgeohaeuaer 

f.24b. S3. In Scbonholtnnsen celebrandi d. Petri Fnncken recepi 1 f.cr. 3 P 

84. Id Sueato pro dimiseoriario Jobannis Vedder recepi 1 f.cr. 3 p 

85. In Farva Tremonia d. Herman ni Bertinchoff recepi 1 f.cr. 3 p 
fifi. In Lippia cantandi d. Hermanni Kernmer . . . . 1 f.cr. 3 p 
87. In Wesalia pro dimiaecriario ad ordiaem magiHtri Jobaoma Oelies- 

leger recepi 1 f. cr. 3 P 

§8. In Atter.dnrn cantandi d. Jonannia Bactonen recepi 1 f.cr. 3 p 

89. In Warier pro dimissoriario Johanois Voelbaver recepi 1 f.cr. 3 6 

90. In Helden celebrandi d. Antonii de Sigen recepi . 1 f. cr. 3 p 

91. Id Hammone pro licenciatorio matrimoniali Margarete Kellermanc 
et Jobannis Haverlant quia panperes recepi . . . 1 f.cr. 3 p 

92. In Hagen cantandi d. Greven ilinrici recepi . . . 1 f.cr. 2 p 

93. In Medman cantandi d. Theoderici de Mcdem recepi 1 f.cr. 3 p 

94. In Lndenschet pro licenciatorio matrimoniali Rotgeri Pnppen et 
Sophie Stopeken recepi 1 f. cr. 3 p 

f.25a. 95. In Waltroppe baptizandi campanaxn recepi . . . I £ , cr. 3 p 

96. In Hammone pro licenciatorio matrimoniali Stepbani Steytuau 
et He7eline Wevera recepi 1 z. er. 8 p 

97. Id Brilon caotandi d. Hinrici Hichter6 recepi . . I f. cr. 3 p 

98. In Bedelke celebrandi d. Jobannis de Hanxlede recepi I f. cr. 3 P 
9ft. In Bedelke cantandi d. Hinrici Ricbters recepi . 1 f. «r. 3 p 

100. In Ooisekc cautandi d. Johannie Itio&inck recepi . If. cr. 3 p 

101. In Boderke pro licenciatorio matrimoniali Bernhardi Veltman et 
Else Mues reoepi . . : 1 f. cr. 3 P 

102. In Erwilte celebrandi d. Jobannis Lake recepi . . 1 f.cr. 3 p 

103. In OiBti&chnsen baptisandi campanam recepi. . . 1 f.cr. 3 p 
101. In OistinchuRen celebrandi d. Hermanni Sibolt recepi I f. cr. 3 P 

105. In Ksbecke baptisandi parvam campanam recepi . I f. cr. 1 P 

106. In Bnyr cantandi d. Lntjjeri Woltinck recepi ..If. cr. 3 B 
f.2>b. 107. In Unna d. Jobannis Grnbe recepi 1 f. cr. 3 p 

208. In Keckliocbusen celebrandi d. Nicolai de Doreten recepi 

I f . er, 3 p 

100. Id Sproohovcl bcncdicoodi campanam . • • • 1 f.cr. 3 P 

HO. In Geyseke celebrandi d. Johannis Plaggemer recepi 1 f.cr. 3 p 

111. In Neteler celebrandi d. Bernbardi Fruechten recepi 1 f.cr. 3 p 

112. In Iluudem benedicendi campanulam in capella Havenecbat recepi 

1 f . cr. 3 p 

i 113. Pro praeeentacione Minorura in Brilon eonventna Paderbornenai* 

recepi : . 1 f. cr. 3 P 

114. In Merged e benedicendi campanam ibidem recepi . 1 f. cr. 3 p 

115. Id Buyr pro licenciatorio matrimoniali Xicolai Epman et Erme- 
gardis rieddinck recepi 1 f. cr. 3 p 

Hti. In Cameo celebrandi d. Jobannis Brechten recepi . 1 f. cr. 3 p 

117. In Wiolco'lo eclabrandi d. THwanni Lappen r«cepi 1 f. or. 3 P 

118. In Aldenruden celebrandi d. Jobannis Cappelrnan recepi 

1 f. cr. 3 p 
f. 26a. 119. In Rmlen pro praesem&cione termin&rii .Augustincnsium recepi 

I f . cr. 3 p 



r. 



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Drei Jahresrechnungen dea kolnischen Offizialatsgerichts in Werl. 193 

1 20. In Hammone pro praeaentacione terminarii Minorom Susatienainm 
recepi 1 f . or. 3 f 

121. Id Brunecappcl pro licenciatorio matrimoniali Hargarctc Vriggers 
et Hansonis Voet reeepi 1 f.cr. 3 ft 

122. In Ealcve benedicendi uram nolani capelle in Frilinchuaen recepi 

5 ft 

123. In Aaeindia contrahendi Johannis Konniock et Hille Kellerraans 
recepi 1 f.cr. 8 ^ 

124. In Lanen celebrandi d. Jobannia Grnntacbottel recepi I f.cr. 3 g 

125. Pro approbacione atatutoraru fratcrnitntis bcate Marie in Watten- 
schede recepi 3 f . cr. 9 g 

126. In Volmenatevn celebrandi d. Hiarici Oerdinchne recepi 

X I cr. 3 g 

127. In Wennegern o&ntandi prim&m misaam d. Jobannie Reisachop 
recepi 1 f.cr, 3 3 

126. Id Herbede cantandi d. Johannis Foeste . . . . I t cr. 3 g 

129. In Si end en pro licenciatorio matrimoniali Fredcrici Zemer ct Mar- 
garete torn Broke recepi I f.cr. 3 g 

130. In Brilon pro dtmisaoriario Gotfridi Forstenberg vicarii ibidem 
recepi 1 f. cr. 3 g 

IB!. In Hammone pro dimiaaomrio Tbeoderici Plenter recepi f. 26b. 

1 f . cr. 3 g 

132. Id Swelmede pio dimiasoriario Johanoia Langervelt recepi 

1 f. cr. S g 

133. In Tremonia pro dinitssoriario Jobannie Swellem de Tremonia 
recepi. 1 f.cr. 3 g 

134. In Marler celebrandi d. Jobannia Drever recepi 1 £ cr. S 3 

135. In Esbeche celebrandi <1. Einrici Braniwagen . . 1 f. cr. 3 g 

136. In Bnjr pro licenciatorio matrimoniali Lamperti to Haeaelt cum 
ana recepi 1 f.cr. 3 g 

137. In Hngen celebrandi A. Everhardi 81«j>er capjiellani ibidem recepi 

1 £ or. 8 g 

138. In Attendarn pro licenciatorio matrimoniali Johannis Habelen et 
Katherine Stoven recepi 1 f. or. 3 g 

139. In Stocheym pro flimiasorlRrio ad ordioes maiores Andree Cnsto- 
dis recepi 1 f. er. 3 g 

140. In Meynerabagen pro licenciatorio matrimoniali Wilbelmi van 
ileynershagen et Anne Tymmermans recepi • . . 1 f . cr. 3 (J 

141. In Attendarn celebrandi d. Degenhardi Stippe cappeltani ibidem 
recepi 1 f. cr. 3 g 

142. In Attendarn celebrandi d. Wilkmi Blanc b fort cappellani ibidem f. 27a. 
recepi 1 f. cr. g 

143. In Lippia pro praeaentacione fratris Wilhelmi ordinis Micornm 
conventna Stasatiensia recepi 1 f. cr. 3 g 

144. In Werle pro praeaentacione fratris Everhardi Rasscbe ordinis 
3Iinoru.ni conventna Susatiensis recepi 1 f. cr. 3 g 

Annalen de* hiit. VeroCna LXV. 13 



r. ; 



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194 Richard B et tgen h ae user 

145. Id Uooa pro Hcenciatorio matrimoniali Lndowici Richtera et Else 
SraydeH recepi 1 "f. cr. 3 p 

146. In Eammooe pro Hcenciatorio matrimonial! Alberti Snyrman et 
Katharine Koettera recepi 1 f. cr. 3 

147. In Kerspe pro licenciatorto matrimoniali Hermanni HalBtenberg 
et Anne vac Haletenberg recepi 1 f.cr. !! p 

146. Id RecklincbUBen uantautli priuiaui uiiaaaui in WcBierbulL d. Jo* 
hannis Ikynck recepi 1 f. cr. 3 p 

149. In Anrochte celebrandi d. Nicolai vicecnrati ibidem recepi 

1 f.cr. 3 a 

150. In Kamen pro Hcenciatorio matrimoniali Katberine Eyrifenger et 
Uinrici Wittoff recepi 1 f. cr. 3 p 

f. 27b. 151. in Eeringen celebrandi d. Matbie Hamen recepi . 1 f.cr. 3 p 

162. Id Gcyocbc celebrandi d. G corgi i Twinge recepi . 1 f. cr. 3 f 

158. In Wattenachede celebrandi d. Jobannia Mollenbrecker capellani 
ibidem recepi If. cr. 3 p 

154. In Hammone celebrandi d. Ludolpbi Reffelman recepi 1 f. cr. 3 p 

155. In Sueato celebrandi d. Theoderici op dcr Borob recepi 

1 f.cr. 3 p 

156. In Dattenfelt ad ordinea Lanrentii Dreisael recepi 1 f. or. 3 (3 

1%>7. In WaKbruell pro dimiaHoriariu uOl oulinea Tbeoderioi Draveuboe 
recepi I f. cr. 3 fl 

158. In Wiebc pro dimisaoriario ad ordinee Ailolphi Dreiape recepi 

1 f.cr. 3 p 

159. Celebrandi d. Theoderici vicecnrati in Weaseler recepi 1 f. or. 3 p 

160. In Lunen pro dimisaoriario Bernhardi NiggebnBB recepi 

1 f. cr. 3 p 

161. In Incrnloyn pro dimioooriorio Jobanmo Sootinobue reotorie eobo- 

larinm recepi I f.cr. 3 p 

162. In Plettenberg pro dimieaoriario Tilmanni Eckel man reoapi 

lf.cr.lf 
lo3. In Borbeck pro dimiasoriarin Johanni* by flem Hove recepi 

1 f. cr. 3 p 
164. Celebrandi in Tremooia d. Stepbani Oesterrick recepi 1 f.cr. 3 p 

16R. Cantandt tn TTnnft d. frotfridi d« Oelpe reflepi . . 1 f.cr. 3 ^ 

166. Fro dimiasoriario ad ordises Jasperi Oroven benefit iati in Got- 
tingen de parrocbiali recepi - . 1 f. cr. 3 P 

167. Pro praeaentacione fratria Reimboldi terminarii in Attend am Mi- 
nornm recepi 1 f . cr. 3 p 

168. Celebrandi in Geyaeke d. Jobannia Veeiea recepi - 1 f. cr. 3 p 

169. In Geiaeke celebrandi d. Volrnari recepi .... 1 f.cr. 3 p 

f. 28b. 170. In Gey soke d. Jobaaoie Cuotodio recepi • . . • 1 f . «r. 3 p 

171. Pro dimiasoriario in Aldendorp domini Jobannia vicarii ibidem 
recepi 1 f.cr. H p 

172. In Tremoma cantandi priniam niiaaam d. ReymLoldi Beckfcoff 
recepi 1 f.cr. 2 g 



r. 



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Drei Jahresrcchnungen des kolnisehen Ofnzialfitsgcrichts in Werl. 595 

173. In Kerepe pro lioenciatorio matriraoniali Jofcannis van den Hove 
et Engeline van der Wiltzenborg recepi . . . . 1 f. cr. 3 ft 

174. Id Eercfaelden celebrandi d. Gerhardi de Backheym recepi 

1 f.cr, 3 p 

Snramarura de licenciatoriis facit 224 f.cr. 2 p. 



VI. De excessibus et correctionibus. f. 20a. 

1. In Dorsten a Gertardo ter Hart, qui post correctionem decani 
continnavit cnm quadam Elsa Kellinchoven sua affine, recepi 

3 f. or. 2 p fi d 

2. In Droilebagen a Jobanne Scbriverahoff panpere, quia dispensa- 
cicnem cnm sua non oatendit, recepi 3 f. cr. 3 fi 

3. In Westonuen a Johanna Kack de eimplici copula cum Gertrudi 
Molners recepi . . . . * 5 p 6 d 

4. In Droilshagen a Jobanne Braman, quia diapenaacionem invaHdam 
in gradibos prohibitis non revalidavit, recepi . . . 2 f. cr. 5 fl 

5. In Tremonia a qnodani panpere Johanne Kock cnm quadam affi- 
dato reliquam accedente recepi 1 f. it. 1 f 

6. In Hagen ft d. Antonio Schroder patttorc occulte cjuandani cog- 
noscente recepi 2 f. cr. 6 $ 

7. In Menden a Johanne Costode ten Kotten, quia duae cognovit 
quarum altera affidata dicitur recepi 3 f. cr. 5 (£ 

8. In Droilshagen a qnodam Fetro Kotgera seniore, qni accusatus 
per qnandam nolnit earn vocara iudicialiter ad iurandum recepi 

5 I cr. 2 p 

9. A d. vicecnrato in Corbecke qui tabemam freqnentavit, recepi 

5 p 6 ,1 

10. In Elspe a qnodam Hansone Schupperth adnlteriiim cominittente f.29b. 
cnm vilia Schottelere in Hachen, qnia pauper recepi 3 f . cr. 9 

11* In Wcndon ft ijuodam Johanne Biooohopo ouro qnodam eoluta dn- 

dom ex officio excommunicato recepi. 1 f.cr. 1 J 

12. In Elspe a qnodani Hansone de Bonssel cnm Katherina Eckel- 
mans solnta recepi 5 P 6 d 

13. In Anendarn a Jacobe optera fiove cnm sua de si raphe! recepi 

5 p 6 d 

14. In Helden a qnodam Hansone famulo paatoris cum ilia Ilarael- 
niace de simplici recepi 5 $ *> d 

15. In Buyr a Kicclao Epmane cum Hilla Kremers de eimplici copula 
recepi ■ 5 p 6 d 

16. In Tremonia a qnodam d. Gerhard o de Colonia sponte veniente 

panpere do prole eueoit&to rjondnni genito recepi . 1 f. cr. 3 (£ 

17. A d. Johanne vicecnrato in Corbeke, quia qnendara Johannem 
Berchoffexcommnnicatnm eornmnnicavit Pasche, recepi 6 f.cr. o [i 

16. In Corbeohe ab eodem Johanne Berchoff, qnia coramuuicavit ex- 
coramnnicatnfl pastorern decipiendo 2 £cr. 6 £ 



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I9K Richard Bet tgan h s b h s p r 

f. 30a. 19. A d. Johanne Schriver vicecnrato in Stocheym, quia qnandam 
St in am carnaliter cognovit, recepi 2 f. cr. G ft 

20. In Hasten a quodam Thoma Schomecker de slroplici * com hlia 
Boevera recepi 5 p 6 d 

21. In Droil»hagen ab Antonio Heexde Je siraplici copula cam qua- 
darn Rolnta recepi 5 (3 G d 

22. In Drolihagen a quod am Echardo Brandenburg, qui Htigavit cum 

quodam in ciraiterio, recepi I f. cr. 

23. In DrolBhagen a quodam Hansone Stailsmith de Halffhnsen de 

adnlterio ccro famnla sua recepi 5 f. cr. 2 f 

24. In Schonbolthueen a Johanne in der Lucht to Deitlimeke, quia 
commisit adnlteriam cnm qnadara soluta, recepi . . 5 f. cr. 2 p 

25. In Attendarn a quodani Jobanne de Litterichueen eolnto servilis 
condicionis, quia cognovit quautloiu Stloaiu atbi affinem, recepi 

7 f. cr. 8 9 

26. In Bamraone a quodam G-erhardo Vareheym paapere vicario aponta 
venieute de prolis Buscitacioue recepi 1 f. cr. 8 p 

27. In Stocheym a Jobanne Kloite de aimplici copula cum ma recap 

7p64 

f.30b.28. In Camen a d. Johanne Wegener, quia quandam Elizabeth Bruggt- 

mana cognovit, recepi 2 f. cr. 6 

29. In Datteleu a d. Goawino vicecnrato ibidem, qui leeit quendam 
famulum in brachio -et 1 mandatum contumacie dedit parti ad- 
verse, recepi lft f. cr. 

30. In Camen a d. Tbeoderico de Boenen dc prolis suecitacione 

2 f. or. 6 3 

31. In Buyr a qnodam Lamperto to Haeaelt de aimplici copula cum 
eua recepi , . . 5 p C d 

32. In Attentiarn a d. Petro SchDlten cappellano ibidem de prolis 
enecitacione a qnadam Rosa recepi 2 f. cr. 6 3 

33. In Lnenen a d. (reorgio Cappea, quia continuavit cum Elizabeth 
FiaBchers, reeepi 2 f. or. 6 B 

34. In Halver a d. Herman no vioario ibidem qui frequeutavit tabemas, 
recepi 1 f. cr. 3 p 

35. In Lnenen a d. Tbeoderico Reynoldi vioario ibidem, qnia secrete 

cognovit quaudaxa Margaret am, recepi 2 f . «r. 6 

36. A d. pastore in Westonnen de prolis snscitacione recepi 

3 I cr. 9 P 
F. 31a. 87. In Neyhera a Petro Moeller faraulo molendini oura qnadam mari- 

tata adnlteriam reoepi 3 f . cr. 2 £ 6 d 

38. In Drolsfcagen a Petro Hispanier, quia distulit laborare pro sen- 
tencia divorcii et se aeparavit ab uxore, recepi 4 f. cr. 4 p d 

39. In Wormbecke a d. Hermanno Blmrgel capellano ibidem de prolis 
auacit&cione recepi 2 f ex. 6 p 

40. In Unna a cL Johanne deBroick preabitero, qnia freqnentavit ta- 
beraas, recepi 5 p 6 d 

41. In Wenegern ab uxore Slakes praeconis ibidem, que trazit filiara 
KebeenB in crinibus in ecolesia, recepi % f. cr. & t i 



r. ; 



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t>tei Jahreorccbatmgeu tics kuku&cbea Offtgjqlatogcrichto iu Weil. J!*T 

42. In Reyate a quodam Hansone Wieen layoo uxorato de adulterio 
recepi 6 f. cr. 5 P 

43. In MeaBchede a quodam Hinrico Glorek, qui impregnavit sororem 
uxoris sue anteqnara fuisaet sibi copulata, recepi . 20 f. cr. 6 p 

44. In Wenden d. Jacobus Vaxnbolt viceenratns ibidem, quia partes 
non rcmibit ad coneietorinm euper impedinteoto ra&trimoniaU allcgato 

3 f.cr. 9 p 

45. In Drolshagen a d. Gotfrido vicecurato ibidem, quia iadicem no- 
rainatim excommumcatuin non vit&vit, recepi . . . 2 f. cr. 6 p 

46. Id Hueten a quodam Hermanno Boesen solnto, qui ignoranter f.3Ib. 
affinem bui quarto gradti cognovit recepi . . . . 3 f. cr. 9 p 

47. In Groenenbecke a d. pasture paupere ibidem quia quandam so- 
lutam cognovit Werlensera recei»i 1 f. cr. 3 B 

48. In Castorpe a d. Hermanno Gerdeu vicario ibidem, quia quandam 
secrete cognovit, recepi 2 f. cr. 

49. In Rnden a Jobanne Beerman de simplici copnla recepi 5 (J 6 d 

50. In Tremonia a quo dam Theoderico Scbulten layco propter oopu- 
lam simplicem d coram recepi 1 f. cr. 3 p 

51. In Attendam a d, vicecurato ibidem, quia copulavit duos in ex- 
communicatione, recepi 3 f. cr- 4 p 

52. In Hellevelde a qnooam, qni adnlterium commisit et correctus it 
decano MesBchedensi extra tempua, recepi 5 f. cr. 

53. In Wenegern a domino Conrado Mnmmen vicario de pro lis aus- 
citocione recepi 3 f. 6 d 

54. In Tremonia a qnodam Johanna Rapinch, quia sponte venit de 
adulterio recepi . 'i f . fi p 

55. In Aldenrudon a quodam Ilermanno Dalhoff pro simplici copula 
recepi 5 p (> d 

56. In Boenen a d. Johanne Piscatore, qnia reaccessit snam, recepi 132a, 

2 f. cr. 4 P 

57. In Geyseke a d. Volmaro presbitero, quia quedam suepecta do- 
raum euam visitavit, recepi 1 f. cr. 3 p 

58. In Poeleheym a d. Theoderico vicario, qui percusrit cum oantaro 
latorem, recepi 2 f. cr. 

60. In Eeleyc * qnodam Beinoken, qni luriedictionom nostram Snipe* 

divit enm iudicio temporal!, recepi 3 f. cr. 5 p 

60. In Olpo a qnodam Lentzcn Hane pro eimlici copula recepi 

5 P 6 d 

61. A d. Henrico iScbolle vicecurato in Waitrope, qnia deceptus per 
falaam soriptaram copulavit duos, quorum unua reclamatua in alia 
parrochia, recepi 5 f. cr. et 2 p 

62. A d. Johanne Foratenberg pastors in Voswinokell da prolis bur- 
citationc recepi 2 f. cr. 6 p 

63. In fjo8enbagen a quodam Johanne Rissen paupere, qui cognovit 
quandam sui affinera, recepi 2 f. cr. 6 p 

64. In Feioecho a quodam Hansonc Wilhelraa do simplici copula recepi 

5 p 6 d 



r. ; 



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I&8 Richard Bett gen haeuser 

65. In Hellevelde a quodara Hansone Pannekoken pro simplici copula 

recepi 5 {3 6 d 

(Jti. In Holheym ab Aatoaio scbolteto ibidem, quia cognovit eemel 

coramatrera enam, recepi 19 f. cr. 5p 

32b. t>7. In Lippift a d. Jolianne Kaelen, quia prolem enncitavir, recepi 

2 f. cr. 6 p 

68. In Camen a d. Theoderici de Drechen de prolie Rnscitacione a 
fain nl a paetoris recepi 3 f. cr. l .> ji 

69. In Dale a d. Antbonio Massen de prolis snscitacione dndum a per- 
sona dcfoncta recepi 2 f. cr. 6 p 

70. In Hagcn a d. Gcorgio Richard! vicario, quia qnandam Annam 
secrete cognovit, recepi 1 f. cr. 3 P 

71. !n WeRtonnen a Gerhardo Oistboffde simplici copnla recepi 5 p 6 d 

72. In Swelraede a qnodam Johanne Homberg clerica [!j, qnia aobola- 
rem cognovit ft Ham in domo, recepi I f cr. 

73. In Menden a d. Petro Matbie pastore ibidem de prolie suseitacione 
Anne Stephani recepi 3 f.cr. 9 f 

74. In Boele a d. Timanno pastore ibidem* qnia qnandam verolam 
cognovit, recepi 2 f.cr. 6 p 

75. In Overobundem a d. Eckhardo Costodis solnto, qnia cognovit 
quandam deflponsatam alteri 2 f. cr. 6 p 

76. In Kammone a d. Rvarhardo Wiohaxdi vicario ibidem, quia oonti- 

nuavit cam ana, recepi 2 f . cr. 6 p 

f. 33a. 77. In Bnyr a d. !Nicolao Gockeln vicario ibidem, qnia visitavit 
snepeetam, recepi 2 f.cr. 2 p 

78. In Upwenegern a d. Johanne Sobben vicario ibidem de prolin 
snscitacione cnm Albeidi recepi ....... 2 f.cr. 6 j> 

79. In Hammone a d. Herraanno Drowen, qnia secrete qnandam aom- 
tam cognovit, recepi 1 f. cr. 2 f 

80. In Menden a cnstode ten Koitten nxorato, qnia vinitavit qnandam 
eolutam, recepi $ f. cr. 5 P 

81- In Werdena a d. Herman no Boickholt, qui vendidit una diernm 

r-erviniflin. r#»nepi _ S fl 

82. In Tremonia a d. Hinricc Schat paupere de prolie enscitacione, 

recepi 2 f. cr. 2 

*3. In Geineke a Johanne Sidinckhus, qnia uxoratns frequentavit sus- 

peot&Bi, iccrpi 2 f . *."■ p 

84. In Hnndem a d. Kotgero pastore ibidem de prolis snscitacione 
cum Gertrudi recepi 3 f. or. 9 (i 

85. In Bnyr ab Adolpho tomrae Busecbe de simplici copula recepi 

5 P 6 d 
8«>. In Hundem a qoodara Hanaone Vobb de eimplici copnla recepi 

C p 6 d 

f. 33b. 87. A qnodam Zandero deStralen lalore liter arum in Glad beck e. qnia 

rccepit quinque absolnciones sine nominibus in clandeetinLs alteri 

raissag, qtas restitnit 4 f- cr. 4 3 

Snraraaram de correctionibue facit 258 f. cr. 7 p. 



r. ; 



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Dr«i JfJu-«Br»clinutig*n do* lcoln»«e]Dcri Offi»i«J»t«g«rielii» in Wor). 199 

VII. De testamentis et approbaoionibua. f.35a. 

1. Fro approbacione testamenti *) qnondam d. Gobelini Plettenberg 
vioarii Unceasin recepi 13 f.cr. 

2. In legatis pro domino recepi 1 f.cr. 3 

3. Quondam d. .Tohannia Rrnyii vioarii in Warsten rnnepi 5 f. er. 2 p 

4. In legatis nihil 

o. Quondam d. Bernhardi de foro vicarii pauperis in Affelcn recepi 

2 f. cr. 6 p 

6. In legal i* pro domino recepi 1 f 3 d 

7. Quondam d. Bermaimi Smydekint vicarii in Recklinokhusen recepi 

9 f.cr. 1 p 

8. In legatis pro domino recepi 3 jj 

9. Quondam d. Johanms Boemeken vicarii in Boikera recepi 

3 f.cr. 9 p 

10. In legatis pro domino recepi 3 p 

11. In Lippia qnondam d. Herraanni Daystem vioarii ibidem recepi 

18 f.cr. 2 p 
12- In legatis recepi 3 p 

13. Qnondam d. Conradi Ovelnngen presbiteri pauperis non beneficisti f. 36b. 

rccopi 2i.cr.fip 

14. Id legatis pro domino recepi I p G d 

15. Qnondam d. Anthonii Wreden vicarii in Beeck . . 10 f. cr. 4 p 

16. In legatis reoepi J. p 3 d 

17. De quodam testamento in Luenen qnondam d. Johannis Tenin 
absque beneficio Colonie ordinati qnia pater eios tenebatur qnin- 
quaginta fflorinos] solvere Colonie in studio conaumptos cuique 
bona combnsta recepi 1 f, cr. 

18. In legatis pro domino recepi Ip6d 

19. Qnondam d. Johannia Scnrodere vicarii in Eallenhart recepi 

5 f . cr . 2 p 

20. In legatie pro domino r#pep« 1 p C i] 

21. Quondam d. Johannis Slebusch reotoris capelle in Altena recepi 

11 f.cr. 7 p 

22. In legatis recepi 1 fl 3 d 

23. Quondam de Berulmrdi Lauweu vicarii domus Leprosorum prope 
Wesaliara recepi 6 f . cr. 5 p 

24. In legatis pro domino recepi 1 fl 3 d 

25. Qncndam d. Johannis Teigeler paetorie in Marler recepi f. 36a. 

15 f.cr. 6 p 

26. In legatis pro domino recepi 3 p 

27. Qnondam d. Hermanni Krop past oris in Camen recepi 19 f.cr. 5 £ 
QR. In legatis rACppi 3 p 

29. Quondam de Vopelini praeroissarii in Halinberg reoepi 5 f. cr. 2 p 

30. In legatis pro domino recepi 1 fl 6 d 



1) P. a. t. ist im folgeaden fortgelassen. 

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9fl0 Richard RottgAnhn^K^r 

31. De peouniia inventia apod quondam d. Johannem Krosschen de 
Medebccke pa e to rem in Bremmen inteatatuni recepi, quae facit 60 

aureos 78 f. cr. quasi 

fit de reliquis bonis inventis iuxta tenorem inventarii et de ere- 
ditie faciam raciouem 

Snraraarum de testamentis 211 f. cr. 6 

f.37a- VIII. De aotie et registris. 

1. Pro taxa aotomni iu causa Frederioi de Ooerde contra Baltazar 

Papera recepi 1 f. cr. 7 

2. De actiaHinriciCrippenmecker layei Unnentie contra d. A nthoniom 
Finckenberg recepi 1 f.ur. I p 

3. In actis aummama Herraauni Osthelder in Olpe contra provisores 
eancti Johannis ibidem recepi 1 f. or. 2 6 d 

4. De actis in causa d. paBtoria in Olpe contra prooonauleB ac con- 
soles ibidem recepi 1 f.cr. 2 f) 6 d 

5. Pro actis in cauea matrimoniali Tremonienei Anne Rem pee contra 
fiermannnm Dorstrelt recepi 4 $ 

6. Pro actiB Henkonis Sondages contra Anthoninm Houwerer recepi 

1 tor. 

Soramarum 5 f.cr. 8 p. 
f.37b. Snmmarum omninm reoeptorura facit 1192 f.cr. 7 p. 

faoit in anr. 917 B6 d. 



J8# Sequwntur expo&ita super mandatis ac qui- 

tancii* etc. 

1. Expoani super mandato domini mei gracioaieeiini ac qnitaacia 
data Elisabeth de NesBelrode relicte de Hatzfelt 

In termino Nativitatia domini in anno 1515 cesao 125 f. er. 
In termino Nativitatie Johannis baptists in eodem anno 

125 f.cr. 

Tn termino Nativitatia domini in anno 1516° oeaao 125 f. er. 

facit siroul 375 f. or. 

2. Exposui de mandato domini mei graciosissimi et quitancia valido 
Hermanno de Hat2felt etc. 

In primo termino Nativitatia domini in anno milleaimo 411111- 
qnageBimo quinto decimo ceaso 125 f.cr., quos dominus 
mens gracioBiseimoe in Arnaberg personaliter exposuit, de 
qoibna habeo quitanciara. 

In termino JSativitatia Johannis baptiste ego expoani praefato 
Hermanno de Hatzfelt 125 f. cr. 

In termino Nativitatia domini in anno 1516° cesso ego ex- 
poani eidem Hermanno de Hatzfelt .... 125 f. cr. 
facit eironl 250 f. cr. 



r. 



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Droi Jakrcwcclmuugeu dco Loluiscbca Ol?iziivl»togcrichte m W«rL 201 

3. Dedi domino cfficiali curiae archiepiacopalia pro eallario 40 f. anri 
et 8 f.cr. pro tunica, facit 60 f. or. 

4. Pro Rallario meo ac tardea 47 f. or. 

5. Super mandate oancellario de 16 libris papiri, I talento cere et 
1 qnarta incausti Borchardo in Arnsberg Boluti facit . lb $ 7 d 

fi. V.xpnnni pro 9ft tnlanrio e#re, prn qiMttihat 3 p, Herman no K"ronn>r f.Sftft. 

in Werl, facit 7 f cr. 5 3 

7. Expose! in dieta in Wenden inxta scripta doraini mei graoioeisBimi 
pro roe cam tribna equia 1 f.cr. 5 p 

8. Pro coiisumptie nltime computaoionis in anno praeterito per me 
facte expoeui 2 f . anri. 

Snrnma oroninm expositorum facit 745 f.cr. 1 $ 8 d» 

facit in ftureis 57S nor. 9 8 d. 

Sic snrama receptornm excedit Buramam expositorum in 

447 f. cr. 5 p 4 d, 
facit in anr 344, p 3, d -k 

latam 1 ) auromam eolvit do minus eigillifer domino graoioaiaeirao etatim 
post compntacionem factani. 



1) Das Folgende von aiiderer Hand (vgl. S. 184, Anm. 1J. 



. 



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Ungedrockte Orkunden der Erzbischofe von KOln 
aus dem 12. und 13. Jahrhundert 

Mitgetheilt von 
Dr. Richard Snipping. 



I. 

1117-1205. 

Erzbischof Friedrich I — Erzbischof Adolf I. 

Die nachfolgende Urkundensammlung verdankt ibr Entstehen 
der von der Gesellschaft fdr Rheiniscbe Gescbicbtskunde veran- 
lassten Bearbeitung der Regesten der Kttlner ErzbischSfe des Mittel- 
alters. Gem&ss einem der fHr dieses Unternebmen mas&gebenden 
Grundaatze, der die grOsBtiiiOgliub&te Y<illt»lHiHligkeit in der Bei- 
bringung des in Betracht kommenden Materiale fordert, gait ee, 
Nacnforschungen nach alien noch unbekannteu Nachricbtet zur Ge- 

schichte der gen an n ten geietlichcn Fllratcn, roruehmlicb abcr nacb 

bisher nieht ged ruck ten Urkunden derselben anzuatellen. 

Das Suchen war von Erfolg begleitet in den nachstebend anf- 
geflihrten Archivon: in dem Staataarchiv von Dttescldorf, das na 
turgemftss die reiebste Ausbeute lieferte, dem bistoriscben Archiv 
der StadtKtiin, welches ausser den in Betracht kommenden Origi- 
nalurkunden die flir die Rheinische Geschicbte eo wertbvollon SchBtze 
der Farragines Gelenii und der Alftef scben Saramlungen aufbewahrt, 
den Staatsarchiven zu Mtin&ter and Wiesbaden, dem Geheimen ilaus- 
nnd Stftfttsnrehiv zti Stuttgart, der National bibliothek 211 Paris, der 
UniversitUUbibliothek zu Bonn, dem Germaniscben Nationalmaseam 
za Ntirnberg, den Stadtarchiven vou Trier, Aachen, Neuss, Rhein- 
berg nnd Soest, dem Klosterarehiv zc Grafenthal und den Kirchen- 
archiven von S. Peter, S. Severin, S. Maria im Capitol und S. An- 



r. ; 



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L'ngcdruclUt; Urkundcn der ErafcisoHofc von Koln. 20? 

dreas zu KOln. Icb verfeble nicbt, auoh an dieser Stelle den Vor- 
stfnden der genannteo Archive fflr ihr liebenswllrdiges Entgegen- 
komoien meinen Dank auszosprecben. 

Was den Inbalt der Urkanden angebt, so wird der Benutzer 
tiiulen, dass sie nicbt allein als RegierungBakte der Ei'zbisuhofe 
von Bedeutung Bind, sondern ancb eine Ftllle too Nacbricbten zur 
Gescbichte der geistlichen Institute, znr Geschicbte der Territories 
sowie zur Rechts- und Wirtbscbaftsgeschichte der rbeinischen Lande 
darbieten. 

Bei der Textbebandlung Bind die tod der Gesellscbaft flir 
Ilheiniscbe Gescbichtskunde aufgestellten Vorschriften zur An wen- 
dung gekoramen. 

I. - 1117. KOlo. Erzbiscbof Friedricb I. etelit der Abtei S. PanUleon 
zu Kttln Gttter in H&rtene, Roden und Assemere zurilck. 

In nomine sanct§ et individn§ trioitatia. Frithericus del gratia 
sancte Coloniensis eccleaif archiepiacopne not urn fieri deeiderareuo uo stria 
enccesaoribus, immo cnnctia Chrieti et §Ccleai£ fidelibnR, | Richezonem 
beati Petri et nostrum minieterialem domni Annonis predecessoris nostri 
oogente jusaiooe benefioiom qnoddani ab Heinrico abbate extoraisse, 
qnod antiquitns fratmra Btipendio depntatom ante predictum Riohezonero 
in beneficio nulli fuerat coramendatnra. Unde divin? ^quitatis inapt* 
ratione ammoniti nee non petioione venerabilie fratria noetri Heriniar.nt 
abbatia eiusdem cenobii, cam idem JKiebezo sine lierede obieeet et 
pOBseeeiones ^oclesie. libera** reliquieset, eaedera nsni fratrum resig- 
ned decrevimna, confirmantes beati Petri et domni pap§ Gelaaii sen 
nostra auctoritate, ne quia postmodura presnmat £cc)esiam sancii Pan- 
taleonia inqnietare in oinrubue hie posBeasionibne, quaa Riobczo tennerat, 
per hec loca, videlicet Hartene, Roden et Assemere. 8i vero qni6qoara 
teiuerariua alleuijrlavexit cuseurc, quvd Leataiuenti liuiua astipulation© 
et aigilli nostri impreeeione enravimae £ccleai§ confirniando corroborare 
banno subiaceat et, nisi resipuerit, collata beato 1'etro potegtate et domni 
pape, Gelasii noetraque aucturitate eententiam dampnationia inenrrat. 
Actnm eat autem boo et confirmatnm a nobis in ipea beati Pantaleonis 
£coleaiaanno dominicg incarnatonU MCXYII, indictione undeciraa, anno 

otiam oatbedre. noetr^ XVIII, preoidente dorano Oolaoio Reman Q ocai* 

anno pontificatus aui I, cuius vicea apnd ncs tnne teniporis agens vene- 
Tabilis Cuno Preneatinus episcopae anctorilatis sue, presentia una no- 

tie cum h§c confirmavit omnia, Huine rei teetea auot Leodegariue Vi- 

variensis epi6Copns, Teodricus Jlonasteriensis electns, Marcwardus ab- 



r. ; 



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904 Diehard Kninr-ing 

bae Tnioienaifi, Ciino abbas Sigebergenais, Johannea prepofiitne de aanero 
Petro, Heinricus dekanua, Herimannns prepoaitUB de sanoto Gereone, 
Egibertua aanoti Severini, Heinricus sanctorum Apostolorum, Theodericua 
aancte Marig in gradibue, Tbeodericua, Heriberttm, Amolfua canonici 
aancti Petri. Mobiles: Gerbardue de WasRenberg, Heinricna frater eiaf, 
Heinricus de Suffenna, Fridericua de Arneaberg, Godefridus de Cappen- 
berg, AdolfQB de Saffenberg, Herimannua de Heingebach et plores alii. 
Ninisterialea: Alraarna advocatna, Heinricua de Aldentorpb, Tbitmarus 
de Tbornalar, Gnnceltnns, Ricnolftis, Bruno, Thiemo de Susatio, Cfin- 
radns et plnies alii. De farailia eiuadem ^cclesi^: Marcwardue, Razo, 
Godefridaa, Waldo, Wolbero, Herimannua, Adelbertus et plurea alii. 

Paris, Nationalbibliothek, Cod. Lat. 9284 n. 1. Original, Pergament mit 
aufgedriicktem verletztem Siegel. 

Koln, Stadtarchiv. Alftersche Urknndenabaohriften XXIII S. 267». 

*2. — 1122. Ktfln. Erzbischof Friedricb I beknndet, dass aich die 
Freie Thiezeka dem Stift S. Knnibert zu KCln als Wacbs- 

r.inaigc ttbcrgcbcu babe 

In nomine sonde et individue trinilatis. Friderious divkia an- 
nuente elemencia archiepiacopna Colo'ni£. Justum eat, ut, qni rectorea 
«cclesi§ catholic^ non noatria virions aed deo aoxiliante ad tempos au- 
diiib, tradicionea legitimae pro posae noetro muniamua et ab ininata 
violacione defendants. Unde notum ease volnmua ennctia fidelibna 
tain futuris qiittm preaentibut*, qu&liter fllia Godefridi nomine Thiezeka 
patre sno perauafdentc, cum] enact [libera, obtolitj* se ipaani legitima 
traditions beato Kuniberto pro remedio anim§ au§ et parentnm 8oo- 

runi ca condioiouo, nt singaUe amiie duos denarioa poroolvovet ad al- 
tare eaneti Knmberti. Post obiiom antem eiua veatie, qnam precioaissi- 
mam auiaqne manibua elaboratam reliquerit, ad idem alt&re offeratur. 

Pater 0.000,00 cine ej.© cterne, bcatitndinie induotna do torra one. propric- 
tatie unnm iurnale et nnam aream iuxta manaionem anarn locatam ad 
idem altare ealubriter optnlit eo videlicet paoto, ut inde ainiiliter duo 
denarii singulis annis beato Koniberto in aux ilium laminia pereolverentor. 
Ob cuine rei memoriam eternam et fidele teatimoniam cartam banc 
-conscribi ao eigilli nostri impreeaione placuit aignari. Ineuper et banno 

noatro in conepeetu mnltomm confirm ftvimn « Qnndm ipa* Qndefridnii, 



1 Ich verdanke die Abschrift dieser Urkunde nacb dern Original dem 
vers tor be neu Herro Profeeaor Dr. E. Meaxel. 

2 So Claasea. 



r. 



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L'nffedrnckte Urkunden tier Krzbischofe von Koln. 20& 

quod absit, vel quicnnque pTofanua has traditiones anniehilare temp- 
taverit, a domino nostra Jesu Cfaristo et a beato Fetro apostolo et a 
noli* anatbematis sententia feriator. Testes aunt barum tradicionum 
Arnold us propositus e&ncti Petri* Ecbertns decanus sanoti Petri, Be- 
reugerus prepositue sancti Kuniberti, Christianas decanus eancti Ku- 
niberti, Udellolfua, | Cevehardns, Gerardus comes de Guleche, Here- 
nrnnnus advocates C'oIoni§. Gesta sunt hec Colonial anno dominicg in- 
carnacionie MCXXII, indictione XV, Hciorico imperatore regnante. 

Amen. 

Minister, Staatsarchiv, angeblicheB Origiual, Perg&ment init aufgeUrilcktem 
btannem Siegel. — Koln, Stadtarchiv, Abachrift nach dem angeblichen Ori- 
ginal von dor IX%ac! Clnaocne. 

Fiilachung. Der Zeuge Arnold tritt erst 1127 ala Domprobst auf. 

Drr Titel archicpiacopus Colonic ist ganz ungewohnlich. Die Falscbung von 
lllt> -Marz 17, Lacomblet I n. 277, hat als Vortage gedient. Die Schrift ist 
tcitgeniass uud ruhrt anBcheinend von deraelben Hand wie die" Falschnng von 
1193 Febr. 20 (a. unten) her. Daa Siegel roit richtiger Legends und rich- 
tigcm hild zeigt verscbwommene, nicht scharf ansgepragte Eonturen. Das 

Fuimat let dftsoclhc, 16 om br<: it, BO cm Loch, vie boi ocr FiUo«bung von 

1133 Febr. 20. Auch die VYacbszinaurkunde von 1185, Lacomblet I n. 32TJ, 
ist onecbt. 

3. — 1118—26. Erzbischof Friedrich 1 beknndet, dass Propst Tie- 
derich yod S. Mariengraden zu K61n Flir das Kapitel seines 
StiftsS Mauser und einen Hauszins zu Kfilnauseigenen Mittel 
ewurbeu babe. 

C. In nomine sancte. et individue. trinitatis. Friderious dei gratia 
Colonienmn archiepiecopue |. Cam domino nostro generaliter in be am or 
vovere et reddere, non dubinm, quia ipei deo acceptum sit, pile votis 
afcsenanm prebere et, ut sol|vantur, efficaciter elaborare. Quod ego 
collicita consideratione perpendens, cum in episcopate meo quorumlibet 
8ancta desideria pro meis virions iuvare aatagerem, fidelem meum 
Ticdericnm prepositnm monasterii sancte, Marie,, quod eat in gradibus r 
in qcadam sua petitions exandivi, nbi micbi visum est, quod caritatem 
circa fratree snos in animo gereret et opere vellet ostendere. Ipse 
«ane predictus propositus tres demos, quas in civitate nostra ^cclesia 
sancte. Marie, pro XX marcis auri oppignorat&s habuit, in proprietalein 

Cccl&pie; quo laboic ruisqac prir&tis oumptibuo ada^uiaivit, vctuotate ct 
eitu iam futuras inntiles eo nsqne renoravit, extruxit, ut supra statu- 
tura fratribuB censum usque ad tree marcaa pereolvant. Quod videlicet 
ultra etatntnin frotribua rcditum remanent, cum ipse suo usai totum 
posset insumere, de unius domus censibns, que, supra Rennm sita est, 



r. ; 



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BOti Richard Knipping 

raarcam singnlia finnifi pro anim£ en£ remedio malnit fratribus in cow- 
mune conferee quam solus consumere. In hac traditione partem premii 

ouidam ancill^ dei nomine Svronihild deetinavit, qu$ cliquantulara sub- 

stantiara in usura ^cclesie. confereus prepositum in suia circa fratrnru 
negocia laborious et sumptions aliqnantulurn proraovit. Hie ne quis 

inpofiternm prepositno obmnrmoret, vionra mi obi est eum gccleoi^ nostr^ 

sapientioribns tantnndem prenorainato preposito ad Balutem snam valere 
nee minus tr&ditioncm eius stabilera esse, quam si £cclesi£ novum eius- 
dem precii predinm contnlisaet. Unde banc eartaro mea anctoritate 

-conscriptam proprio meo aigillo insigniens oinnem, qui inposterum sua 
privata malivolentia banc tradition em annul lare teroptaverit f perpctuo 
anathematis vinculo, nisi resipueirit, constrinjro. Quod ne aliquis atternp- 
tare andeat subscriptis testibus confirmaviinus, quorum hec nomina 
sunt: Heinricus maioris ^ccleei^ prepoeitup, Ekebertus decanus, Heri- 
mannuB prepositus, Godefridus prepoBitus, Christianas prepositUB, Hein- 
ricus prepositus, Tiedericus prepositus. 

Diisseldorf, StaatsarcMv, Original, Pergament mit anfgedrucktera 
braunem Siegel. Riickaufachrift des 14. Jabrh.: de domibua infra muros civi- 

tatls, de qui imp officium flominorum recipii censnm. — Kola, staatarcniv, 

Gelenii fsrragines I f. 130. — Die Zeit ist nach den be:den ereten Zengen 
besti mm t. 

4. — 1128. Gladbaeb. Erzbiscbof Friedrich I. Ubergiebt dem Stift 

S. Georgzu Kiiln eine Rente aus dem Erblebn des erzbischOf- 
lichea Ministerials Widiko. 

C. In nomine aancic ct inttivicluc trinUatto. RcKgioeie denidcriie 
cornpetens est facilem prebere consensum, ut fid el is devotio celerem 
sorTiatur effectum. Hac enim ratione, si ecclesiarura necessitate bus 

habita compassions benigna liboralitate concurrimua, noetris procul 

dubio petitionibus besle recompensationis vicissitudine cleraentem do- 
minuin reperiraus. Et; quia sacerdotalis est officii, deo aervienlium 

•eommnditatibiift pronpseere ot ecpleniarnm profWtibtm pnt«*»a aollioitn- 

dine per omnia invigilare, notum sit omnibus tam futuri quam pre- 
aentis temporia fidelibus, quod ego Frithcricus dei gratia c>ancte Co- 
loniensiB eccleeie arcniepiscopus ecclesie beati Georgii ob specialem 

*iuedem patrom devotionem volnntario fidelium meorum asseusu et con- 
eilio contulerim et preeentis carte inrefragabili auctoritate con firm a^ 
verim. Widiko naraque unus ex ministerialibuB ecolesie nostra Btndio 
propositi artioris provocates, cum a tumultibus eeculi remotes ease 
appeteret et idcirco predicte ecolesie per prebende investituram iocor- 
porari elaborasset, nos, qui quasi extreme oianus consummation em hnio 
negotio imponere debuimus, bumili devotione rogavit, quatiuus ex be- 



r. .... 



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Ungedruckte Urkunden der Erzbischofe von Koln. 207 

neiicio, quod hereditaria jure n nobis tenebat, XXIIII solidos redituuni 
Dsibus fratnira predict© ecclefiie ooncederemue. Nob autem considerantea, 
non inmerito iraplenda esse postulantiura desideria, si non deviant a 
ratione postulate, vol unto ti ipsiue benigne annuimus et tarn ofc spe- 
cifilem erga heatum Georgicm devotionem, quam propter noBtram et 
einsdem Wldikonia meraoriara in eadem ecclesia et in vita et in raorte 
artine obecrvondam annuuxn predicte samme rediturn ecclesie et fratrum 
usibuB celebri facta donatione tradidimus. Ut aatem hec nostra tra- 
ditio rata et immutabilis oroni tempore permanent, carte huius aucto- 
ritatem super hoc conecribi fecirans et tarn eigilli nostra impressione 
quam fidelium testium aetipulatione necnon et banni noBtri tnetuenda 

ammadvcraionc roborat&sn cose voloiraua. Tcotco ; Arnoldua ranzorie 
ecclesie prepositns, Brano propositus s&noti Gereonis, Godefridus pre- 
positue SanctenBis, Arnoldns prepositus sancti Andree, item Arnoldus 
prepositUB eanote Marie, Godefridus dekanus ecclesie nanoti Georgii 
euro toto eiaedem ecclesie conventu. No hi lee: Gerardus comes de 
Gelre, Arnoldus comes de Clivo, Gerardus comes de Iuliaco, Cunradus 
comes Bunnenoie, Gerardas de Hostaden, Adolphas onmea de MnntP. 

Teodericus de Gladebach. Ministeriales: Cunradus advocatua Colo- 
uiensie, Almarus, Henricus de A Idee dorp, Iohannea de Bredenvels, 
Henricus de Alpem, Timo Susatiennis, Reinnldas, Volmarue, Pelegriuua, 
Timo, Amelricus, item Amelricue, Rabodo et alii multi. Si quis au- 
tem teraerario aueu Contra huius nostre auctoritatis Beriem pie a nobis 
promnUatam agere temptaverit, anathematis vinculo innodatuB a regno 
dei sit alienue, niwi reeipiscat. Actum et eonnrmatum est boo in celebri 
episcoporum et principum conventu apud Gladebacenae cenobium anno 
singularis nativitatis millesimo CXXVIII, indictione VII, regnante do- 
mino Lothario rege, Romane autem ecclesie curium aurigante domno 
Honorio papa sanctisairao, anno epiBCopatua tiostri XXX feliciter. 

Koln, Stadtarcbiv, Alfterache Urkundenabschriften IX S. 77 nacb dem 
Original 

5. — 1127—31. Erzbischof Friedrich L besUttigt dem StiftS.Georg 
zu Koln G liter und HSrigc ira Bczirk Wcpcrevorthc and im 
Kircbspiel Halvere, die Atholf^ Kanonikns des Stifts, demselben 

geschenkt hatte.* 

In nomine sanote et individtie trinitatia. No turn eit orambuo fide* 

libuR tam presentibua quam futuris, qualiter ego Frithericus dei gratia 
Coloniensis ecclesie arohiepiacopus rogatu A mold i propositi aancti Petri 
et decani totiosijne congregationia eancti Georgii renovari decrevi ea, 
que Atholfug canonicus sancti Georgii duos videlicet mansus eidem 



r. : 



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2(W Richard Knipping 

aancto Georgio ad nana fratrum ibidem deo aervientium pro communo- 
ratione ac remedio aniraarum Bcilicet patris ao fratria aui in perpetuum 
tradidcrit ao mannmiaerit cum f am ilia omnicue utilitate, unam quidem 
in aaltu, quod dicitur Lo, infra terminam Weperevorthe solventera trea 
Bolidos et duos denarios et cum eo Azzelinura cum uxore et filia ac 

quinque filiJa, «lt#rum in terraano eecleaie, que est Hfilfere, item tree 

eoIidoB et duos denarios Bolventem cum Wezelino solo. Familiam autem 
Lac lege atatuit, quatinua viri singulis annia anpr&dictis fratribos qua- 
tuor peraolvant denarioa, mnlierea vero dims. In auo antem ab hac 
vita disoesau vir melius, quod habuerit, pecuB debit, femina autem ca- 
riorem, quam h&bucrit, veptcra. Ut autem hec firraa et inconvulea in 
perpetuum permaneant, banno nostro confirmavimue et sigilli nostri 
impresaione aignavimuB. Et «i quiaquam, quod abait, banc privare 
ecclesiam temptaverit, autoritate patris et filii et Bpiritue aancti mBgnis 
etiam meritie sanctiBsime dei genitricia Marie ac aancti Petri apoato- 
lorum principle potestatem ligandi atque aolvendi retinentia attendat 
ne esse anathematizatam et a aancte roatria eccleeie liminibns aeque- 

atratum. 

Koln, Stadtarehiv, Alftersche Urkundenabschriften XIV S. 109 ex 
nrchaeo loci. — Arnold iat aeit 1128 Dompropet 

*& — 1138 Febr. 20. Erzbisctaof Bruno II. beattttigt, daas sich eine 

Anzabl von Freien dern Stift S. Humbert zu K51n als Wachs- 

zin&ige libergeben haben. 

In nomine sancte et tndtvulue trimtatis. Bruno burailis et pec- 
cator tamen Coloniensie ecclesi£ divina | gratia dieponeute pastor electua 
et constitotue. Notum eeae volumns omnibus fidelibua tarn foturia quam 
presentibuB, quod Hecelen et <lu^ filie elus Jutta et Buzela et Adolfus 
et Adalbero homines liberi dei inapirantc dementia premoniti et in- 
dncti ee ipsos legitima traditione tradidernnt beato Kuniberto ea lege 

et cunditioue, ut singulis uunis in feato bead Kuniberti afleiaiit duae 
denariat&B cer§ unuaquiaque illorum ad altare aancti Kuniberti. Pre- 
terea etiam fidelibua notificamus, qood Riqvinus de Waldehfelt deo 
inapirantc predoctua euro consensu patiia aui Bertoldi et choercdnra 
Rnorum trad id it etiam legitima traditione ad altare beati Kuniberti 
Hazechin f&mulam euaiu et duos filioB ipaiua Godefriduiu et Riqvinum 

et unam £ liana nomine I.unegnnt einodera one; famalc; eadeni condition** 

et iure, quo et predicti dati sunt, scilicet ut singulis annis altari beati 
Kuniberti solvant duaa denarias cere, unuBquiaque illorum, ut predictum 
eat. lure autem tali corarauniter et venerabiliter utantur, quali hone- 



r. ..... 



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Ungedruckte Urkundeu der Erzbiacbofe von Kb'ln. 209 

stiorea utuntur inter illos, qui de ae Bolrunt censum cer£ altaribue 
sanctorum. Si quia igitur malignaa nefaria preaumptione has traditionea 
annullare vel labefactare contenderit, a domino nostro Ibbu Chrieto et 
a beato Petro ct a sancto Xuniberto et ab omnibuB eanctia anatbe- 
niatis sentential!) incurrai. Quod ne fiat, banc cartam scribi iussi 

couique eigilli uootil inprcaaione nigimii subacriptia teetibua; Avuoldue 
prepoaitua, Hugo dekanus beati Petri, Perno prepositus, Folcoldus de- 
kanuB sancti Kuniberti. Comes GerharduB de | Gulechin, Adolf ns co- 
rnea, Cunradua ct Almarue mimeterialca. Facta aunt hcc X. kalendae 
martii | anno dominic§ incamationia MCXXXHI, indictione XI, reg- 
nante piisBimo rege Luthero. 

Miirotflr, Rtnabmrnliiv, ang^hlinhea Original mit rlf»m an Pprgampnt- 

atreifen hangenden (!) StifUaiegel.— Koln, Stadtarchiv, Alfterache Urkunden- 
abacbriften XXX S. 257. 

Falaohung. Die Urknnde iet cicht mit dem erzbiackoflichen, aon- 
dem mit dem StifUsiegel (BniBtbild eines Heilisren mit der Le^ende: Cuni- 
bertua Colomenna archiepiscopus) versehan. Sie hat ricb als Vorlage der 
Falschurg von 1122 bodient und ist aaob anscheinend von deraelben Hand 
wie diaae gpaeHrieban. Baide I Jrkunden b&ben dan gleicne auffallende Format. 
Vgl. obeo S. 4. 

7. — 1138. Erzbiechof Arnold L gewabrt dem Marienstift zu Bedburg 
Frciheit vom Rhcinzoll und tod der Marktabgabe za Ncuss. 

In nomine aaucte et individue trinitatia. Ego Arnoldua auper- 
babundante dei miaericordia Bancte ColonienBis ecclesie dictua archiepis- 
copaa. De aacris Bcripturia intelligens, quod terrenis celestia, quod 
temporalibua eterna mercibca poeaent comparari deo eimul eterna dia- 
ponenti vel temporalis pro bac nobis concesaa raieericordia sepe pratiae 
et laudee egimua. Verum quod canticum paalterio, quod simplex in- 
tentio boniylebet operations comitari, dignum dnxiraus, ut eura, a quo 
omnia, per quern omnia, in quo omnia in membriB eiue in pauperibus 
videlicet fratritua honoraremus. MembriB ergo Cfcriati fratribua inde 
licet ecclesie beate Marie de Betenbur ob honor em eiusdem perpetue 
virginis, ob remediura pecatricia anime nostre rogatus a fratre Her- 
tuanno eiuadem ecclesie venerabili prepoeito conceaaimua et imperpe- 
tunm per huius adstipulationem pagine tradidimufi, ut si quae navis 
eoruza per Bcnara ascendendo vel deacendcndo ante Niuaam transient, 
nnllnm solveret ibi tribntnm ; si vero in eiusdem loci foro frater de 

eccleaia ilia vel serviens aliquiB ad opus f rat rum aliquid vel venderet 
vel emeret, nullum proreus theloneum daret, Ob quam donationem 
nos quidem petivimus et concessum est nobis, nt in prefata eccleaia 

Anaaleo tlca hlat. Verclaa LXT. 14 



r. ; 



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210 Richard Knipping 

tarn in vita nostra quam post vitnm noatri memoria cotidic fieret ct 
ad dominum pro peccatis nostris frequens deprecatio. Hancque dona- 
tion em et banni nostri firmamuB aactoritate et uostre imaginie [impree- 

sione] aignamuB eandem in presentia probatorura teatium in 

presentia videlicet domini Walteri raaioris eccleBie decanus, Theobaldi 

propositi Bonoti BeTcrini, Walter! oaoomci noaiorie eoclcmc, Gorlaoi 
canonici ecclesie aancti Gereonia. De liberis hominibua in presentia 
comitJB Adnlfi de Sapbenberg, Eethere et Heinrici de Diccha, Cristiani 

dc WivclcncbchoTC. Dc fomilia in presentia Amclrici dapifcri, Hcri- 

manni pineerne, Heriraanni procuratoris de Nussia, Herrati et aliorum 
virorum multorum et hcneBtorum testimonii. Actum est autem anno 

pcntifieatUB nostri prixao, rftgnanto victorioeiseJmo rog« Conrad© anno 

prirao, eanctieeirao et univeraali papa Innocentio apoetolice sedi pre- 
sidents anno a octavo, ab incarnations domini milleaimo centesiiao tri- 
ceeimo octavo, indictione prima, domino Jeea Cbrieto naaviter omnia 
disponente, cni cum deo patre et apiritn sancto virtns et gloria per 
usmortalia eccnla scculorum amen. 

Diisseldorf, Staatoarchiv, Copiar B 138 f. ;*. Moderae Absohrift nach dem 

Original im Rcichsercbiv im Baag. 

8. — 1139 Febr. 14. KOln. Erzbischof Arnold I. schenkt der Abtei 
Siegburg den Zehnten von Rodungcn bei ibrcro Hof Strala, 
C. In nomine sonde et individue trinitatis. Amoldus dei gratia 

sancte Coloniensis aecclesie archiepiscopus. | Quia valde necesearium eat, 

ut ait beatuc Gregoriun. monaetwioram qui«ti proepioere at dc eornm 

perpetua secaritate tractare, fratribna nostris in cenobio | Sigebergensi 
domnu mititantibus paterno affectu, in qui bus possumus, non tardamus 

rnnanl«ro r nl in benediptionibtio AcuninnntaK do hAn*dirtinnibn« valeamnn 

et metere. Qaoniam igitur fratri noatro Cfinoni abbati predict! cenobii 
visum eat, quedam loca palustria ac ailvosa, priua inculta^curig aug, 
quq Strata appellator, adiacentia ad ctilturam redigere, decimationea 
eornndem novalium, qu§ noa deberent contingere, ob memoriam noatri, 
predecesBorum eucceesorumque noetrorum beato Micbaeli in predioto 
tradimus eerobio, ut quicquid utilitatia accreverit in eiedem rovalibuB, 
aire ceptia sive incipiendiB in terminiB prefate, curie,, secundum diapo- 
eiticnera abbatis fratmm aBecribatnr ministerio. Itaque eundem locum 
libemm a deciraiB, ab advocatis, a debito cuiuscuraque exactionia pri- 
vilegio noatro confirmamua, aicuti teatimonio predeceaeoria noatri domni 
Friderici confirmatnm fuiaae cognovimus. Et ut h$c rata et incon- 
vulaa permaneant, hoc privilegium eigilli nostri iinprcBsione corroborari 
fecimue, auctoritate beati Petri apostoli et nostra Bub divini nominia 



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Uneedmckte Urkunden der Erabisohofe vcn Koln. 211 

■cocteHtatione hoc sanctientes, neqiiiB in posternui minuere Tel infringere 
preeamat, quod beato arcbangelo Micbaeli et fratrura necessitati carr 
tatia devotio ■ubminiatrat. Actum est et confirmatum a nobis Colonie 
anno dominicg incarnationiB raillesirao CXXXVIIII, indictione II, anno 
etiam arcbiepiecopatua nostri II, XVI kalendae martii t presentituB nostris 
homimbus, clericis et laicis, liberis et ministenalibuB, quorum nomina 
subnotari decrevimue : Bruno prepositus aancti GereomB, Tipoldus pre- 
positna saucti Severini, Beringeros magiater scolarum sanct£ Marit* et 
plures alii. Laid: oomes Adolfua de Monte, | Udo de Bruche, Cfin- 
radus advocatus, Pnilippue, Gonzelious de B^renbrucbe et filius eiua 
Thidricae, Aeberhardus | de Heldin, Aezelinus de Grimsich, Meginherus, 
HeinrlcuB de Milnbeim et alii quam plurea. 

Duseeldorf, Staatsarohiv, Abtei Siegburg JCo. 33. Original, Pergament 
mit aufgedriicktem brannem Siegel. Ruckaufacbrift dea 13. Jahrh. : Arnold! 
archiepiacopi de novaHbua in Strata. B III. — 24 am hoch, 4? etn br«t. — 
Copiar B 119a S. 97. 

9. — 1144. Erzbfochof Arnold 1. bekundet, dass sich die Freien 

Wenneken, Haszecha, Mudreken und Hanno ans Plettenberg 

dem S. Severinstift zu KBIn al8 Wachezinsige libergeben taaben. 

In nomrte sanct§ et individu$ trinitatis. Ego Arnoldus dei gratia 
BHiict£ Coloniensia | ^ccleei^ arcbiepiacopna inperpctuum. Noturo eeee 
volumnR omnibus tarn presentibns quam fnturis, quia qnidam viri | 

de Pletenbreth, condicione liberi, Wenneken videlicet, Haszecha, Mu- 
dreken, Hanno am ore dei et pro salute animarum auamra ^cc]esi§ 

beati Blasii, qu^ in dormitorio fratmm Colonic in claustro Bancti 
Severini eita eat, ae tradiderunt ea lege, ut annie singulis ecu sum cer£, 
duas videlicet denariatas persolverent et ab omni alia exactione im- 
muneB existerent. Et quia genus humanum ad malum facile se irt- 
clinat, ne aliqua persona iua corum infringere presumeret, anctoritate 
dei et nostra sub anatbemate interdiiimus, et ne temporia diuturnitate 
oblivion! traderetur, per preBentem paginam imaginis nostra impressione 
signatam memori^ firmiter commendavimus. Actum eat ab incarnatione 
domini anno MCXLIIU, indictione sexta, in nomine domini amen, 
optinente sedia apostolic^ catbedram BanctiBaimo papa Innocentio, reg- 
n a rite glorioso Romanorum rege Cunrado, | archiepiscopataa nostri anno 
sexto. Amen. 

Verdachtig. — Koln, Kirchenarchiv von S. Severin, Original, Perga- 
ment, mit an Fergamentatreifen hangendem (I) braunem, stark beschadigtem 
Siegel, das nicbts mebr erkennen laeat. Ruck&uffiehrift dea 16. Jshrb. : littara 
cerocensualis script&s (1) ad altera s. Blaaii in dormitorio. Registrata et col- 



r. .... 



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212 Richard Knipping 

lacionata. E. 17*/a cm hoch, 25 x /a cm breit. — Kcln, Stadtarcbiv, Geleniu 
farraginea XX S. 617. Alftarsche L'rkundei;abicbrifteii XXX 8. 69 ex Gel. 
— Papst Innocent II. starb am 24. Sept. 1143. 

10. — 1144. Erzbischof Arnold I. best&tigt dem Kloster KCnigsdorf 
die Erwerbung von Gatcrn zu Enibe, Franckenhove, Kente- 
nich und Bungard. 

In nomine saiicte et individue trinitatiB. Arnoldna dei gratia 
bum ilia provisor aancte ColomeneiB eccleaie univeraitati credentium 
tarn futurorom qaam presentium. Cnra ex debito paetoraliR officii 
omnibus noerre paBtoralitati subjectis curam impendere jubeamur, turn 
precipue dco servientium utilitatee ac ei propriae oranimodis tueri la- 
boramus. Per hoc enira etiam spiritual is eorum exercitii coopetatorea 
fieri speramuB, si ipaorum temporalia bona iuate adqnisita legitime ro- 
borata etiam noatre auctoritatis cautione ac tuittone illibata coneer- 
vare curamns. ITrde notum ease volnmua cunetis Cristi fidelibuB, qnod 
liuiLilifc congregatio aanctimonialium in Konynckstorp deo et eius geni- 
trici militantiam allodium cuiuadam Theoderiei de Embe pretio com- 
paravent videlicet mansum arum sexaginta jugerum cum domo et area* 
que omnia tam ipso quam ab bcredibua eiua exfestucata predict* con- 
gregatio fiuscepit sine alia contradictions vel reclamatione in perpetuum 
possidentis. Ad hec etiam viginti jugera eidem terra proxima, que 
Adclbcro quidara civie Colonieneie ab eccleaia beati Panthaleonie in 
beneficinm habehat, ipao tradenle cam consensu abbatiB, fratrum ac 
miuisterialium prenouinate MUictiiuo males pecuuiu vomp&ruveruul et 
apud Franckenbove viginti jugera cum domo et area et in Kentenicb. 
censura quatoor solidornm et tram deoariomm annuatim solvendum 

dc BC&. poascosiunculift eub ydoncie toetibue coDquieicruat, in loco ni- 
chilominuB, qni dicitnr Bungard, mausum cnum aexaginta jugerum et 
alia viginti quatoor jugera com domo et area a quodara Johanne atque 

hcrcdibno ciue pretio acqaieienant, que ab orani oondioione ecu con- 

tradictione libera proprietatia jure obtinuernnt. Nob qucque eupra- 
dictiB rebus bene acquisitiB acctoritatiB nostre coriflnnatiouem imponente* 

eub divini jndicii obteetatlone noetriqae regiroinis astipulatione necnon 

et testiura annotatione confirmamus, ut nullue uraquam hominum in 
qualibet potestate vel dignitate constitutue buius traditionis fcrmam 
preaumat infring*»r«_ Si rero, qnod abaft, qniaqnam prescriptam emjv 
tionem violare temptarerit, iram dei ommpotentis et omnium Banctomm 
nostrique banni vinculum, niai quantociua reeipuerit, euatinebit Huius 
rei testes sunt: Almenia advocatus, Waldever de Malzbuchel, Her-* 
mannuB frater YogeloniB, Ricbwinas et Hermannus frater eius, Her- 



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UngelraeVU Urfeuudon &mr Ersbitobofe von Koln. SlS 

mftonue de Wichna et Arnoldus frater eiua, Hermaunua niger de Embe 
-et Hermannas filius eius, Rether de Rudinch, Hermannas albas, Kar- 
silius de Embe, Hermannua de A act a, Godefridus rufus, Emioho, Marc- 
ir.ardiiH (!) dapifer, TbidericuB coqnus, Albertua pictor, AlbertuB cum 
barba, Gozelo, RicholfuB martchalcus et alii mult) torn ecclesiastic! 
quam aecularea viri. Acta sunt bee dominice incaraationis anno MCXLIV, 
indictione VIII, gubernante sedem apostolicam domino Lucio venera- 
bili papa, regnante vero glorioso Conrado Bomanornm rege, anno pon- 
tificatns nostri aeptimo, feliciter amen. 

Koln, Stadtarcbiv, Alftereche Urkundenabschriften XXIII S. 57 ex 

archaoo a. Panthaleonis. 

11. -1158. Erzbischof Friedrich II beatatigt, daas die Grfifin tfthil- 
bildis von Udinkirchin dem StiftS. Georg zu Koln eine Mtihle 

zu Odenkirchen geachenkt habe. 

In nomine s&ncte et individue trinitatis. Frithericns secundnB sancte 

Agrippinensis ecclesie archiepiBcopus universiB fidelibcs in Cristo. Quo- 

niam ecclesie dei regecde iuxta sanctorum patrum inatitutionea nobis 

a Bummo pastore amministratio credita eat, eqnum eat, ut in iato regi- 

mine, cum adepti aumua honorem, cou recuaemus onua et laborem, 

veramtamen vigilantiasime cogitemus et faciamuB cum peraever&ntia, 

que dei aunt Nob igitur ista mente pertractantes tam presentibus quam 

iuturie ecclesie fidelibus notum facimce, quod nobiliBsima comitiesa 

TJthilhildiB de Udickircbin quoddam molendinum juxta eandem villain 

aitnm sue priuB deservienB utilitati, quod annuatim solvit duas marcas, 

basillcc eancti Georgii fratribusquc ibidem dco militantibus largissimo 

-animo pro remedio anime sne contradidit Quod quidem divine remu- 

nerationLB intuitu et Bedula prefate matrone deo devote precura instantia 

-eommoniti auctoritate nobis a deo concessa confirmamua et preeenti 

privilegio in perpetuura communimus. Ut autem hec nostra conlirmatio 

•omni evo rata et inconenssa permanent, banc inde paginam conecribi 

-«t noatre imaginia caractere jnaaimue inaigniri. Si quia igitnr in tantam 

temeritatera irmperit, ut banc noetram conftrmationem aliquo modo te* 

■merarc preBUmpeerit, auctoritate beatissimi Petri et nostra excommuni- 

-cationi subjaceat, donee reBipiecat et enclesie aancti Georgii pretioBissinii 

mm! ^ lie cou digue satief&ciat, aut si uou reaipuerit, iu present! vita 
•omnium saeramentornm catbolice eccleeie communione careat et in fu- 
ture district! judicia indignationem incurrat. Huius rei testes subter- 

•tiotari fecimua, quorum nomina bee sunt; Adelhelmua pvepoaitua beati 

iPetri, PhilippuB decanus ejusdem eccleeie, m&gister Radolfus, Bruno 



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214 Richard Knipping 

prepoflitns eccleaie sancti (reorgii, HerimannuB decanus in eadem ec- 
cleaia, magieter Johannes, Godeacalcua, Widego, Herimannoe de Glade- 
Lach ceterique quara pi urea. Actum anno dominice iccarnationia mille* 
flimo oenteeimo quinquageeimo Till, indictione VI, epacta XVIII, reg- 
nante glorioeissimo Romano imperatore Fritherico, tcrtio anno ejus im- 
perii, preeidente Colonie Fritherico eecundo Agrippinenflis eccleaie arehi- 
episcopo, domino deo gnbernante feliciter amen. 

Koln, Stadtarchiv, AlfUrsche CrkundenabBchriften XXIII 8. 295 a* 
archaeo loci. 

12. — 1176. Erzbischof Pbifipp bekundet, dags dem Kloster auf dem 
Strom berg eio an die" Dewobuer vou Ktinig&wiuter z.u cab- 
lender Zins durob einen gew. Cesarius abgelftst worden sei, 
und bestatigt die dem Kloster von Erzbischof Bruno II. unci 
Arnold I. und ibrcn Nacbfolgcm gemachtcn Scbcnkungon. 

In nomine aancte et individue trinitatie. Ego Pbilippua divina 

favente. eleraencia Coloniensium arcfciepiacopiiB. Notum ire volumus 

taui futuria i^uaiu jjicbeiilibuo uuuelie Cbiiali fidclibuo, qualiter in cc- 
eleaia beate dei genitricis Marie, que sita eat in monte, qui dicitnr 
Stroniberc, opus bonam, quod alii iiichoaverunt, deo presule consum- 
raavimae. Qaidam eane fratcr et Cbrieti pauper Waltorua nomine, cum 
nanfragium buius mnndi nndoB evtuiaaet et voluntariam panpertatem 
eligens eub regulari habitu milicie CtriBti Be devoviBBet, concedente pie 

racmorlc archiopieoopo Brunone aontem pretoxatura in ha bit are oepit 

aatipulante et consenciente plebe vicine ville Wintere, in cuius com- 
muni poBBes&ione mona predictus ex parte fuit. Quod tamen hac con- 

ilirinnp interpooitR firmfttnm eat, qnatinn* predietaa fratar aingnl'm annua 

XVI numtnoB pro debito censu persolveret vel fort€ predium aliqood 
in recompeneacione XVI nummorum tribueret, ipse et omnee euoceaaoras 
Bui liberum montem et ab omni cenen absolutum in perpetnnm opti- 
nerent, quantum inde ad jus predicte plebis pertinuiBset Bono itaque 
viro pie defancto alioque iam et tertio anccedente tandem in diebus 
rostra inventue est homo fidelis ac deo devotus Ceaarius nomine, qui 
conBenciente uxore eua Ittargareta pariter com omni prole eua de bonis 
pro commutacione meniorati ceneue tantum ville eontulit, quod bis vel 
ampliu8 predictum censum equiparare posset. Hanc igitur commuta- 
cionem rillani voluntarie recepemnt couaenau et conailio tarn dominorum 
quam familiarum omnium enriarum ad eandem villain pertinencium. 
HiiB itaqae actin, cum noB divina miseracio ad buiua metropolitane 
apioem eedia provexieaet, £ratrum in eodem loco deo aerviencium peti- 



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Ungedruckte IJrkunden der Erzbiscbofe von Koln. 215 

eigne et omni aane consulenoium euggeetione omnia, que eia conceaaa 
fuerant ab antecesBoribna nostril venerabilibus arohlepiacopia domino 
Brunone, domino Arnoldo ceteriacjue eornro successoribua usque ad noe, 
firmare et benigne ampliare deoernimna addentes et donantea nos <^uo- 
que cam ipais predeoeBBoribna nostria et post eoa omnibus in eodem 
loco regulariter viuturia deuiiuau Ca vniuibua ituv&libuti uuIijm cL u/lcudia 
in frogibus, vineia vol animal ibae. De cetero quamqnam secundum 
tenorem privilegiorum auorum licebat eia eligere advocatum, quemcum- 
que voluisaent, nctum vubia faoiniuB, quod Colonieneem arcbiepiscopum 
in perpetuum eibi delegernnt advocatum. Acta sunt beo anno domi- 
nice incarnationis MCLXXYJ, indictione IX. 

Diieseldorf, Staataaroniv, Copiar B 117 c & 4. Absohrift dea l&.Jahr- 

hunderto, — Vgl. Hector in der Zeitscbrift del Berg. Gesohichtavereins 22 
8. 241, 



13. — 1169—79. Erzbischof Phillpp bekundet, class Hugo, Domdekan 
und Probst von S. Mariongraden zu KOlu, dieseni Stift das 
servicimii des Hofes Blissine als Pfandbesitz erworben habe. 

In nomine aaaote et individnc triuitatio. Ego Philippic eancto 
Coloniensis ecclesie humilia minister et eervu* omnibus fidelibus tarn 
presentibus quam fnturis in perpetunm. Noverit aancta dei eccleaia 

pr«aontea ©t fota»*a»(*)j «juo<3 venerabilio frater no«ter Hugo eeolette 

beati Petri in Colonia decanus, eocleaie aancte Marie [ad gradus], cu- 
ius eat propositus, quia videbat et dolebat tantnm esse defectum in 
prahanriia r.Rnonip.orn™, qn&ntnmcnnqne potnit, haIvr inntitia eia tnb- 

venire curavit. A quodam igitur Lamberto de Bliaseuiie accepit in 
v&dio pro XX marois eervioium eiusdem curie, quod in proximo nolemni 
plaoito post pasoha dari solet, ojiod ipse habe bat in feodo a domino 
Hermanno de Hengebaeb ; et hoc postea renovatnm est per manna fra- 
trifi eius domini JEverardi et consensu domioi Theoderiei sanctorum 
Apostolorum propositi, qui mundibnrdi erant parvi fratria eomm Her- 
m an ui de Hengebaob, et conoeeaione matTia eiuadem parvi, que bene- 
ficinm habebat cum filio, ea interpoeita conditions, ut redimeret idem 
aervieium, niai de suis bonis vel bonis filiorum suorum sice sliqua 
fraud© nnlli etiam infeodaret neo aliquo raodo ab ecolesia alienaret, 
nisi price reddita, sicut predictam est, pecunia, Quod si interim pre- 
dictnm decanum beati Petri, prepositnm beate Marie, de bao vita mi- 
gr&re contigerit et aervieium prenominatnm solvi debeat pretaxata pecunia 



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216 Richard Knippinjr 

cum sea integritate convectui Bancte Marie asaignabitur. Facta snut 
hec et confirmata in nostra preeentia et idem Lambertus pecuniam 
accepit in predicta curia videntibus et andientibus acabinis et fa m ilia 
curie et miniBterialibus et tota paroefcia. Rogati itaque tie teeliiuouio 
preeentem paginam utrique parti concesnimUB et quoniam in bene mo- 
dum debitum finem aoceperunt, ut iusta astipulatione legit i ma conditione 
rata eaae debeant, aactoritate beatorum apostolorum Petri et Pauli et 
nostra decrevimns, ne quia factum istnd a die lac tBqne in perpetunm 
in irritum ducere preaumat. Quod si fecerit, anathemati, donee a pra- 
vitate oessaverit, eubiaceat. Testes aunt huiue rei de hominibna parvi 
de Hengebach: Godofridua de Wolkenberg, Couradua rufua, Henricua 

MuiBCvin. 

Kola, StadUrcbiv, Gelenii farragine* I f 127 b; Alftorscbe Crkaitdeti- 
abschriften XIV S. 227 ex arcbaeo loci. — Die Datirung richtet aich nach dem 

Domdekan and Probtt an S. Mariengraden Hngo, der 1180 t/>dt i«t- Vgl. 
die Zeugen in der Urkunde Erzbiachof Philippe, Quellen zur GeBcfcicbte der 
8tadt Kdln I 580 n. 93. Der Abdmck folgt Alfter als der tesserer Vorlage. 



14. — H87.Erzbi8chofPhilipp beknndet, dassdieKirchspielsleutevon 
Bdrrig anerkannt haben, dass der dritte Tbeil ibres Allajende- 
waldes zu dem von dem Edelherrn Ulrich von Hemersbach 
dem Kloster Himmerode tibertragenen HerreBbof gehiire, und 
daas Bie dort holzdingpflichtig seieu. 

Pbillipua dei gratia aancte Colonienaie eccleeie humilia minieter 
omnibna Chriati fidelibna in perpetuum. Kotum eea© rolnmue tam 
presentibua quam futurii, quod parrocbiaui de Burge in communi silva 
et in omnibus, que eorum gemeinde vocantur, quid quid utilitatis et 
commodi in oedendia lignii vel pasta porcoruiu vel aliia quibualibet 

commodis pervenire poterit ad allodium, quod Ulricas de Eemerabacb, 
vir nobiliB, ccnobio de Hemmenroth cum omni integritate contnlit, aiout 
ad enm hereditaria euroeaaione devolutum ipse qnoque poaaideret, iu 
preeencia nostra tereiam partem recognoverunt pertinere. Eecogno- 
versnt eoiam, quod quociene sibi viderit expedire ad habendum plaei- 
tum, quod holzdinck vooant, in dominicali curia eiusdem allodii con- 
venire tenentur ita, ut pro excessibaa wagiorum, qui obvenerint, para 
tercia curie cedat. Ut igitnr in poateram omnie dubietaa aoccreacenB 
deoidatur penitus et rei huius Veritas perpetua stabilitate firmetur, 
acripto nostro roborazi et eigilli nostri atteetacione fecimaa oommnniri 
danotatia qnoqne testinm nominibua, qui audierunt et viderunt: Bruno 



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Ungedruckta Urkunden der Erabischofe von Koln. 217 

maior prepositns, Adolf us maior decanue, Cfttirodte propositus de 
saucto Sererino, Ulricua prepoaitua de Eeze. Eeoricue dux de Lym- 
bnrch, Renerae de Froisbreit, Gerardua de Randenroid, Willelmns 
de Hemerabach, Gerardua advocates. Acta aunt heo anno ab incar- 

natione domiui MCLXXXVII. 

UusaeJdon, Staatsarcbiv, Copiar B il7o S. 0. Abacbrift dee 10. Jabr* 

huaderU. — Vgl. Hacker in der ZeiUcbrift de« Berg. Getchiobtavereina 22 
S. 2&L 

15. — 1168— 91. Erabischof Philipp befiehlt dem Propst nud dem 

Prior des Klosters flaruborn, in dem ihnen uuterstellten Nonnen- 

kloster zu Fflssenich nicht mehr and nicht weniger als 50 

Scbwestern zuzulassen. 

Philippus dei gratia sannfe Coloniensia ecclesie bnmilia minister 
tt eervum (!) dilectis in Christo A. sancte dei eccleaie in Hangen- 
burn$ venerabili prepoaito, T. priori oum cetero conventu eororum, 
pat rum. Quantum homo potest in gradu virtntnm seqni vestigia vizi 
fratres tamquam aanctos virtatibaa et soientia inbotoa alloquimur, vos 
in cbaritate nor, ficta commonemus, nt attente cogitetia, eicut et 

facitia, qnod inbecillie sexus per se minus sibi aufneiene vestre 
sanctitati commieeue eat, aanotimoniales in Viesenich. Scimua autem, 
qood bomines huius temporia ad boo prom aunt, nt potiaa ad boo 
■tudeant, nt de bonis tanote ecclesie amiou snis qnomodocumque pro- 
videact, quam eazictam ecoleaiam de enia inposterum ditnre laborent. 
Ne igitor simplicitaa vestra snb nomine obaritatie fraudulenter, quod 
absit, decipiatnr, precipiendo mandamus vobie- in virtute obedientie., 
ne numernm 50 sorornm in ilia ecolesia trausgrediamini nee micas 
babeatis, si bona eoelesie poesunt anstinere, nee in aliqno in virtute 
k&ritatis neo ad dextram nee ad sinistram declinetia. 

Dusseldorf, Slaatsarchiv, Copiar A 93 f. 6. Abachrift dea 17. Jahr- 

kondcrto- 

16. — 1168—91. Erzbischof Philipp besttttigt eine Anniveraaratiftung 
der A^btisfiin Irniindrndis von Dietkirchen. 

In nomine $andf> el ind'ividu§ trinitatis. Ego Pfailippns Coloniensis 
archiepiscopaa notum facio tam preseutibus | quam futnris, quod Ir- 

mindrudia vanerabilia abbatiaaa da DtOilrirkin onm divine operant© gra- 
tia nominis sui pium memoriaJe | reliquerit per bona plurima, que. tan- 
quam ronlier fortia operata est in £oclesia ilia. Appoauit etiam in an- 
Biversario obitna ani die memoriam ani §ternam nonatitnere dans eadem 
die fratribus et sororibus ibidem deo aervientibas XII aolidoa eolo- 



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218 Richard Knipping 

nieneia monetf;, inclueia per oivitatem et aororibue campanae pulaanti- 
bns VI denarioa, nt memoria illiue celebrior et devotior habeatui in 
perpetaam; in anniversario domiui Reiiialdi Colouienaia arcbiepiecopi 11 
Bolidoe ; in anniversario fratria Bertolfi Bunnenaia canonici, qui eat in 
die ianct§ Katerine, II Bolidos, at et memoria defuncti fratria habe&tar 

ct tonor doi in aorritio beetle. Virginia angoatnr; in dio enacts Auguetisi, 

at convents* e& die devotior ait et attentior in aervitio dei, communem 
conatituit comolationem de tribna Rolidia, quoe eie asBignari volnit in 
perpetuum; in die aancti Servatii II eolidoe, in die aancti Domicieai 
XVIII denarioa, in die sanct$ Gertbrudie XII denarios. Summa borom 
aunt II marc$, qa§ aolvuntur ex decimia de Cullinge, quas inbeoeS- 

oiataa at «d ^oo Ionia din alianntaa ani« propriia bonis anhniUoa r*- 

ciiperavit, nt deinceps subservlant ad prediotos nans. De elemoeina 
quoque fratria Adolfi et fratria ilerhiuumi, ouiua ope et conailio eccleaia 
plnrima bona reenperavit, qoedam decime vinearnm in Bunna ad ec- 
oleeiam aunt redact?, solventea Villi solidos, quos Villi aolidoa et de- 
oimam de IIII iorualibntf vine&rum ^ocleeia ordinavit in anniveraariia 
eorum dimidiam partem in unina et alteram in alterins. Hec igitnr, 
qnnm commnni aaaenau et coneilio totius ecclesie rationabiliter sunt or- 
dinata, rata et inoonoueaa perm an ere atatcimue in perpetuum adioientea 
super beo difitrictionem banni nofitri et impreasionem aigilli noatri pa- 
riter cam sigillo ecclesie. Qaicanque bee infringere vel im mut*re|attemp- 
taverit, iram omnipotent^ dei incurrat et 7 nisi cito per penitentiam 
reaipiacat, maledicto anathematia aubiaceat | in perpetuus. 

Duawddorf, StasUarchiv, Original, Pergament. Von Spuren eiaer Be- 
fliegelung zeigt sich our ein Siegeleinschnitt, obwohl im Text der Aufdruck 
7.voicr Siegel angezeigt wird. Bnckaufacbrift dee 15. Jahrhdta.: memoria van 
VI m. van VII tzljnoerj, IIII morgen wyngarclen; des jr>. Jahrhdu.: Irmeaxoidt 
abdiasen bestifftungh. 26 cm hocb, 25 cm breit. — Cogiar B 84 t 11. 

17. — 1191. Krzhi&chof Brano III. beatUtigt deni Kloster S. Martin 
zu Ktiln den Emerb von Zehuteo zu Soller. 
f In nomine sonde et individue trinitatis. | Bruno dei gratia Co- 
lonieDBis arrfuepiacopua omnibus Chriati fidelibus in perpetuus. Qno- 
niam mortalium labilia eat | memoria, vita brevia super terrain, ideo re 
ret veritae occnltetnr, que coram nobis geRta aunt, acribi inaaimna et 

sigillo noBtro commnniri. Moiiaateriurn aiqaidem aancti Martini in 
Colonia apud villam, que Solre dicitur, deciraae habebat, iuxta qaas 
miles qaidam nomine Vortlivna etiam decimas aliqaaa ab Everbardo 
viro nobili de Eengebacb feodali iure tenebat. Locorum itaque con- 
tinuacio et indiatineta terminorum confusio fratribus [predicti] mo- 



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Ungedmobto tfrlronden der Ewti»eh5fo won Koln. 21£> 

nasterii non parvum dispendinm generabat Igitur nt omnia contends 
sopiretur, prefatuB milea Vortlivua auctoritate nostra et conaensu Ever- 
hardi prememorati y a quo feodum tcoebat, anas decimae predioto mo- 
imsterio sub eerta pentioite concessit, tali videlicet conditions, nt quam* 
din ipai auieve heredibua singulis annis in feato b. Remigii decern 
maldra tiliginia et totidem ordei in horreo abbatie solvereutur, ipeuro 
monaaterium eas baberet ao perpetua firmitate teneret. Si vero pre- 
fatas decimas Everhardo vel suie lieredibue vacare contigerit, quod 
statute m est, bona fide ao perpetna atabilitate aervabunt. Quod ai 
aliquia, quod non putamua, contra hanc ordinationem venire tempta- 
verit, d&mpnationem ex communication is bo noverit inourauram. Teates: 
Adolfus maior prepoBitua, Kudolfus maior decanus, Teoderiona sanctorum- 
Apostolorura propositus. Heinrioua comes de Seine, EverharduB frater 
eina, Rein ems de Frusbretb, Herimannue advocates, Otto camersriue, 
Wilhelmua | Schillino et multi alii. Acta aunt bee I anno incarnation! e 
dominice MCXCI. felioiter. 

Dusaeldorf, Staataarcbiv, Original, P erg am en t mit an gran-weua-rothet* 
Seiileafadeu fcUngendem beachadigtein Siegel. Ebeudort elne zweite Auaferti- 
gung von anderer Hand, bei der es fraglicb iat, ol- aie besiegelt war. — 
Kola, Stadtarchiv, Alfterecne UrkuBdeuabachriflan XIX 49. 

18. — 1193. Erzbischof Bruno III. beknndet, dass der Edelberr 

Wilhelni von Hemersbach auf die von ihm usurpirte Vogtei 

Uber den Hof zu Monunienthe, den Erzbischof Philipp dem 

Domatift und dieses dem Kloeter Kanip tibertragen bat te, Ver- 

zicht geleistet babe. 

In nomine aancte et individue trinitatia. Bruno dei gracia sancte 
Colonienaia eccleeie arebiepiaoopua omnibua Christi fidelibna tarn pre- 
aentibua quam futuria inperpetuum. Si ea, que in eontractibca sive 
in prediorum traditionibus intuitu dei ac pietatia ad eccleeiarum pro- 
motionem reote agnntur, nuaquam ab ininriantibna calumpniarentur, nul- 
lam privilegii paginam aeu attestationie cartam fade fieri oporteret. 
Verum quia malignant »nm temeritae ea frequenter attemptare et lapsus 
teraporia acrupulum dnbitationis ingerere aolet, ideo necesse est, ut 
scripto mandentur atque privilegio corroborcntur, que stabilitatia robur 
in poatemm habere niturtur. Cnm igitur ecclesiamm nobis comnusaarum 
ad noa cure, pertineat, dlgnum duximus moderate ao oinni peat noa 
poateritati cognitum faoere, quod felicie memorie predeoeaeor noeter 
FbylippuB archiepiaoopus curtim in Monumenthe cum toto allodio ad 
earn pertinente a nobili viro TJIrico de Hemerebacb, qui eandem cur* 
tim in feodo fcennit, placita et acceptata reoompeuaatione redemit ipaam- 



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i^iO Ricbard Knippin? 

<jue poetmodum cum toto allodio et cum omni plenitudine et integri- 
tate iuris ac proprietatia in agris, in silvis, in pascuie et is piecatoris 
atque ab omni onere advooatie liberam in ecclesiam maiorem ex con- 
sensu priorom, beneficiatorom atqne ministerialium beati Petri libera 
-donatione contulit. Quam curtim poetea onm toto allodio et universia 
attinentiis suis, sicut prefatus antecessor noster earn m&iori eoclesie tra- 
diderat, ita eiusdem maioris eocleeie capitulum coadunatis universia pre- 
tatia et fratribua auu in Campenaem eocleaiam, oui tunc temporia rene- 
rabUiB sbbas Gerard ui preerat, competent* et utrique parti complacita 
recompenaatione accepta imperpetuum poasidendam coram nobis et prio- 
ribua Colonieneibns onm noatro asaerum et priorum transtnlit et atabili 
donatione iradWit. Quo facto quldam nobills vir Wllhelmus de He- 
Tnerabach advocatiam eiusdem allodii aibi naurpare volena Buper cadem 
advocatia factnm calnmpniatua eat; qai tamen monitu et conailio sanio- 
rum inductus poatmodum in preaentiam noatram venit ibique tandtni 
advocatiam exfeatucavit et quicquid juris in ea ae nabere prins aase- 
ruerat, boc in mauus nostras resignavit eo pacto et oonditione tali, ut 

nco noe hoc aliquia eucceasorum noetrorum banc noijuam adTocatiam in 
personam sen poteatatem laicam tranaferremns sed, qnicumqne archiepis- 
<Jopus Coloniensis exiateret, ille earn in manu sua et penes se retineret. 
Quod noe ob paoem et qaietem predioti oenobii fir-miter et coram prio- 
ribus, beneficiatiB ac miniRterialibufl beati Petri approbavimuj et incon- 
vulsa atabilitate sanccivimue. Sana advocatie huiuB termini a ponte 

ville, out nom«n Vinen, uoqne rivnm vocabnlo .L*dam protaachivtnr et 

-omnem infra locorum capedinem longe lateqae eidem advocatie obno- 
xiam tenent. Ut igttur bee inoonvulea et intemerata ab bine et in 
-omne evum perseverent, presentia pagine continent! am annotari fecimua 
et aigilli noetri impreaBione corroboravimns ipssmque in presentia prio- 
rum et probabilium virorum diligenter recitari iusaimua. Si quia vero 
postmodum aasu temerario banc noatre oonrtrmationis et auctoritatia 
p&ginam perturbare aut in irritum revocare preauxnpaerit, ille iram et 
indignationem dei omnipotentis et apostolornm Petri et Pauli condign am 
animadversionem sevo exemplo incurrat in anathematia vincnla tarn din 
^onieotus, doneo iniuste invaaionia re a turn recognoeoat et ab iniuria ma- 
num reducat. Acta snnt beo anno dominioe incarnationis millesiuio 
-centeairao nonagesimo tertio, indictione XI, regnante Heinrioo Roma- 
norum imperatore angueto, anno pontifloatus noetri primo in preeentia 
testium, quorum nomina subaoripta sunt: Adolfns maior propositus, Cun- 
radua Xancteuaia prepoaitna, Godefridua prepoaitua aanoti Gerconia, 
Tirricus prepoaitna sanctorum Apostolornm, Bruno prepositua saucte 






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Uneedraokte Crkunden der Erzbiichofe von Koln. 221 

Marie ad gradus, UlricuB cappellariua, Kfidolfus BcolasticnB. Hein- 
ricue dux de Limburg, Heinricu* cornea de Seine et frater auua Eve- 
rardue , Wilhelmna cornea luliaoenaia, Hemiannus advccatue Colo- 
nieoaia , Wilhelmos Schillinc , Otto de Belle , TirricuB decanue ad 
Gradua et alii quamplurea. 

Dnaaeldorf, Stantaarohiv, Copiar B 138 f. 17. Moderne Kopie nach denv 
ira Pfarrarchiv zu Xanteu beruhenden Original. 

19. — 1194. Errbiachof Adolf I bekundet, dags der Graf Theo- 
derich von HochstadeD dem Kloster Steiofeld die H&lfte des 
Patronatarechts, eine Haussttttte and den halben Zelicteo 
zu Hoynkyrcbin flbertragen habe, 

In nomine sonde et individue trinitatis. Adolfna dei gratia Co- 

Ionienaia archiepiecopua ouuctia fidelibua presentibns et poateria in perpe- 

tuum. Divina miserieordia ex debito noatri officii hoc a nobis requirit r 

ut qu§ in noatra preaentia pie et racionabiliter fiunt, nostra | anctori- 

tate mereantnr habere inate oonfirmationie robar debitam. Notam ait 

itaqne omnibue oredentibua in Christum, Theoderieum nobilem comitem. 

de Hoatadin medietatem iuria patronatue in Hoynkyrcbin et aream 

quandam cam medietate decime, eiuadezn matricia §cclesi§, quaxc iuete 

possedit a snm predeceBsoribns iure hereditaria ad ipaum pertinentem, 

iu Steinveldenaem eccleaiam contaliaae pro salute ana et su§ uxoria, 

filiorum et filiarnm anarum, ut eum haherent remuneratorem, ad quern 

nnlversitaa hominum lam paaperam qnam diyitnm pinm refugium habet. 

Filina domnne Lotbariue cum patre banc donationem ad honorem dei 

fecerunt(l), alie etiam persone, ad quae bee decirca pertinere visa est, 

libcrc et de vuluutalc } -quicquid iuria viucb&utur habere, ofieatucavciuiil. 
FA qnoniam racioni convenit, ut qu^ racionabiliter fiunt, perpetuam 
babeant atabilitatem, precepimuB kartam hano congeribi et muntri 

noatro eygillo, at fact! memoria ad pootcroe tranamittcretur ct vcritaa 
expreeaa mutari ncn aineret, qnod pietatia interventu invenitur factum. 
£t quia universe ecclesiamm bona anb diatrictione banni pesita ennt, 
onotoritate dei et beati Petri, apoetolorum principle et noatro ban no 
precipimns, ne pretaxatam donationem aliqnis and eat infringere. Facta 
aunt bee anno dominice incarnationia MCXCIIII regnante Bomanorum 
imperatnre Henrico Taetee horum ennt: domnne Lodntciona maior 

prepositUB et archidiaconue, Ulricas maior decanue et archidiaconua, 
Conradua Sancteneie prcpoeitoa et archidiaconua, Bruno Bunnensie pre- 
poaitua et arohidiaconna, Godefridne prepoaitus eccleaie a. Gereonis, 
TeodericuB preposituB eccleaie sanctorum Apoatoloram, TheodericuB 1 






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222 Richard Koippiug 

prepoaitua a. Audrey in Colonia, Rodolfua prepoaitua a. Cuniberti, Lu- 
-dewicna decanne eeclesi§ 8. Severini, Giailbertua decanua eocUaie a. 
Andrew, Teodericus decanua eccleaie 8. Marie ad gradus, Rodclfua ma- 
gxeter maiorie ecclesie, Pyramua magister ccclcsio a. Gereonia, lvo 
tnagiater eccleaie aa. Apoatolorum. Gevardue comes de Ara, Wilbelmua 

comes de Iuliuuo, Ainu! |du« uuwcm de AlzcutL el Fiidcricus evince 
frater eina, Symon comes de Tykilinbnrch, Heinricua de Voimuntateine 
a. Petri mini |aterialw f Rychzo de Mfilinheim et frater eina Antonius, 
Herimanuus Colonienaie uobilie advocatua, Wilbelmua Sc bill inc. 

Aachen, Stadtarchiv, Original, Pergement mit an grfanrothen Seiden- 
faclcn hangendem Siegel. Ruckaufacbriit dea 15. Jahrh.: Uokicben. 34*/* cm 
h orrh. 35 on brat. — Vgl. Lacoroblet I 379 n. 544. 

20. - 1196. Erzbiscbof Adolf Ibestatigt.dassAleidis.FraudesRickol- 

pbne scoltetus Aquensis, tnit ibrem Sobn Rickotpbus darch 
die Hand des Erzbiscbofs Philipp, sowie der hammerer Hert- 
manaue mit seineiu Sofao Cbunradua durch die Hand dee 
Erzbiachofs Bruno dero Kloeter S. Msntimin an Kttln Grnnd- 
stucke zu Buckelmunttie geecbenkt bezw. verkauft haben. 

In nomine eanote et mdividue trinitatia. Adolpbue dei gratia 
eanote Colonienaie eooleeie archiepiacopue preeentibue et poeteria in 
perpetUEm. Ex officio, cni noa divina miaericordia, non de noetro 
merito aed de aua gratia prefecit, tenemur omnibua nobia commissie 
patem* pr*ease «t benigne proaptoerA, «t maxim* iltin y ijbo« annnta 

■convcrsatio et maior religio magia fooit commendabiles. Ad relevan- 
dam magnam paapertatem paupercularum sorornm, que ee oollegerunt 
in eeeleaia beati Maximini Colonic ad aerviendnm deo. Aleidie uror do- 
mini Rickolpbi scolteti Aquenaia manaum, qnem tenuit in Buckelmuntbe 
in maim anteoeaaorie noetri doroini Pbilippi arobiepisoopi pie reeorda- 

tionie reaignavit et ea cum prioribne inatanter poatalante do minus ar- 
obiepiacopna manaam eundem contalit in ecoleaiam beati Maximini poa- 
■idendum a eororibuo iure perpetno. Predicte matron* fiiiua Rickolpbua 
matri in hoc facto consensu et qnicqnid inris videbatur habere in 
maneo, reaignavit ad opua dominarum. In preeentia multorum priornm 
matrona totiena nominata et fiiiua eina inauper XVII iornalee allolii 
in eadem villa iam dicte eccleaie et dominabna dedernnt ea pecunia ab 
«ia aocepta, de qua inter eoa oonvenerat. Teatee antem hii: Brano 
maior prepoaitua, Adolphna maior decanua, Luthariua prepoaitu*: Bnn- 
nextaia, Godefridua aancti Gereonia prepoaitua, Cunradue aancti Severini 
propositus, Tbeodericua aanotorum Apoatolorum prepoaitua, Bruno aanote 



r. .... 



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UngfedmoV*© UvkuncLen dar liVffbiM&nfe von KAIn. 593 

Marie in gradibua propositus, Rudolpnus maioris ecclesie seolasticus, 

Ulricas oapellarius. Theodericus comes de Hostaden et frater eiua 
Otto, Wilhelmua comea luIioceiiBia, Fridericua oomee de Altbena et fra- 
ter eiufl comes Arnoldua, Heuricua comea (!) de Volmustheine et frater 
cine Gerardua, Adam pincerna, Otto camerariua, GerarJue tbelcneariua 
et frater eius Theodericus, Biokolpbus Perfuaua et alii quampluree. 
Acta sunt hec anno dominice incarnationis MCLXXXVI. 1'oetmodum 
Herimanuus oamerarias mansum, quern in eadem villa poesederat in 
manu domini Branonis arohiepiacopi antecessor^ nostri reaignavit. 
Idem vero archiepiacopuB piis preoibuB ad hoc inductus manaam 
resignatum asaignavit dominabaa totiena prenominatis iure perpetuo 
poasidendnm. Chnnradua maior natn tiliua camerarii, ad quern feoda 
opecialiter pertinebant, ratum habuit factum patria et in multorum 
present!* reaignavit, qnicquid iuris videbatnr habere in manse dato 
dominabus. Has donationea intuitu dei factas quicumque infringere 
attemptaverit, dei et aauctomm indignationem incurrat, donee ab incepta 
iniuria manum et mentem revocet. Hen karta a nobis conacribi et 
ftifilli nontri unpreHBione communiri iusaa eat anno dominice incarna- 
tion is MCXCVI, indictione XIIII. Priores teetee prime do cat ion is eunt 
etiam testes aecunde donatiouia. Secunda vero donatio facta est Co* 
lonie iu eccleaia beati Petri Gerardo theloueario et Constantino mone- 
tario et mnltia aliis presentibue, qui ex magna pietate favorem eunm 
inclinaverant ad pium auxilium dcminaram. 

K6lt>, St»dt*ro2uv v Xltleraoho Urkundenabscbriften XIX 8. 48 ex ar- 

chaeo loci. 

*2L — [1196]. Erzbiecbof Adolf I. bestatigt, dass Abt Waldever von 
S. Pantaleon zn Ko*ln dem Kloeter Kcnigsdorf das bei dera 

Kloster gelegene GrundstUck Hart geschenkt habe. 
In nomine sanct$ et individue trinitatis. Adolphua dirina favente 
clementia sanot§ Colonienaia §cclesi§ | archiepiacopns omnibnB Christi 
fidelibua tarn futuris quam preaentibus in perpetuum. Paatoralis cure, 
qua, at speramus, deo auetore funjgimar, debitorea noa facit, omnibus 
nobis Bubieotifi et maxime in cenobiia deo servientibuB sollicitndinem 
iwpendere, ut quod aecularibua negociia occupati per nos plene non 
posBumun, eorum orationibua apud patrem miaericordiarum coneequi 
mereamur. Et cum apud iuatum iudioem illi raeroeae non careant, qui 
res eccleaiasticaa bene diepoaitas, ne in deteriue labantur, oonservant, 
multo magia de hiia sciendum, qui possessions aliquaa neglectaa et 
mnltis retroactie anniB nullum emolumentum praestanteB consilio et 
impeneie ad ntilitatem multorum profutura (!) oonvertunt. Unde notura 



r. ; 



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224 Richard Snipping 

facimua presentibus at que futurie Cbrieti fidelibua, quod dilectua no»ter 
Waldeverue vir prudena et religioaua, monaaterii aancti PantaJeonis 
abbas, fundum quondam habeas, qui Hart cognominatur, coniaoctnm 
cenobio aororum de K&ningiBtorp, qu§ sub regimine et obedientia cine 
sunt, ipaam poaeeaaionem predictia dei anoillia in presentia nostra et 
priorum i^ccieBl^ ColonitneiB tradiderit, ut ai quid cuiuuiudi et utiliuain 
su$ ibidem poeeent olaborare, ml line malivolentia inquietudinem pa- 
tiantur. Ipse enim fundus, cum eeeet appenditiam cuiusdam beneficii 
ab abbate inbenenciati, propter euaia sterilitatem treceutia annia et 
ampliua ineulter iaeuit, mohil niai tribnloa et arbuata spinola prodn- 
cenB. Cum igitur ipsa posseeaio in manu abbatis libera rediaset, at 

potuissct earn liter© confer re, coi vollei, prefati monaatorii eanctimo- 

nialibua, nt dictum eat, earn tradidit, ut in loco aterili et arido com- 
morantee aliquod inde suorum defectuum capereut rapplemeutum. In 
ipso igitur loco, qui nullie fere bominum uaibna nxnquam servient, 
oonailio eorum, qui rebus earum disponendis preaunt, magno labore et 
iznpensia oollocare vineazn inatitueruut, quia, ut diximua, ex natura loci et 
■iocitate amplius gravamen palinctnr. Ut ant em b£c donatio coram nobis 

et prioribua Colonieraia §colesie Bollempniter facta rata et inconvulsa 
permaneat, preeentem paginam inde conecribi et sigilli noetri et sijrilli 
Qcoleai$ beati Pantaleonia impressions mnniri fecimua, statnentea, nt si 
quia, quod abeit, banc infricgere attemptaverit, onimpctentie dei et 
beatorum apoatolorum Petri et Paali irara et indignationem incurrat 
et perpetuo anatbemati. nisi reaipiscat, se subiacera cognoficat. Huius 
rei de prioribua et nobilibua et beati Petri mioiateiialtbua et §cclesi$ 
beati Pantaleonia nominibus teatea Lii sunt, quorum nomiua subscripts 
videntur: Bruno Bunnenaie prepositUB, Lndewicue maior prepoaitue, 

D 

UdelricuB maior deoanus, Kudolfua scola&ticuB, Theodericue prepositua 
beati Gereonia, Tbeodericua urbia decanua, Theoderioua de aanctia 
Apostolis, Cunradus propositus beati Severini. Herimannus kamerariue, 
Gerardua de Belle, Otto frater eiua, Godefridne dc Kerpene, Eermannue 
advocatua, Eermannue de Alftre, | Rite de Mulbeim, Eerman de Sin- 
dorp, Cunradus dapifer abbatis, Henricus villicua, Cunradus. 

Dusseldorf, Sta&ta&rcbiv, P&ntalcon no. 29, angeblicnea Original mit 
dem an eiuem Pergamentatreifeu bangeaden, bescbSdigten Siegel dea Ert- 

biachofB Philipp (I), von dessen Legende noch zu lesen 1st: BIL1PPVS DI 

GRA COLONIEN, und &cn* an graoor Hanfkordol h&ngcndon Siege! daeAbta 

Waldever. Eucleanfachrift dei 15. Jahrhts.: Pantaleon, van der Hart; dee 
Ifi. Jabrhta.: van den goedern, de an onaa ctoster licte. 44 cm hoA, 
82 cm breit. 

Der Umatand, daaa die Urkunde, die von einer gleicbzeitigen Hand 



r. ; 



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Ungedruckto L'rkimden der Erzbischofe vou Kulu. 225 

gtscliriebca trad im iibrigen inbaltlicb wie forxnell unverdEchtig ist, mit dcm 
-Siegel dea Kr2biachofs Philipp atatt mit dem dee Erzbischofa Adolf veraehen 
iat. Hast «icib wotl kaum ander* ale durch die Annahme einer gleicbzeitigen 
Falachung erklaren. In Ermanglung ernes Siegela dea Erzbischofa Adolf IBste 
man von einer alteren LVkunde das Siegtf dea Erzbiachofs Philipp, sowie das 
Siegel dea Abtes Waldever «nd bing aic an die neue Urkuude mit der Er- 
wartnng, eine oberttachliche Prolung dereelben irrezuleiten. — J>ie L'rktmde 
ist in das Jahr 1196 zu aetzen, da von den Zengcn Theodorich in diesem 
Jahr Propst von S. Gereon wird, und im J. 1197 Hermaun scbon Probst von 

S. Snvprin i«t. 

22. — 11»8. Erzbiecbof Adolf I. bestatigt, da&e das Stift S. Ursula zo 
Kflln der K51ner Bttrgerin Kigmodie bei Kttln am Weiher ee- 
Itgene fritter, die ibr Mans Gerard, Subo dea Vogtes Theo- 
derich, zu Lebn- und Zinsrecbt be&eesen batte, zu demaelben 
Recht tlbertragen babe, und dass Ripnfidis mit den&elben 
das von ibr erbaute Kloater Weiher ausgeetattet babe. 
Adolfns 1 dei gratia sancte Colonienfii8 ecclesig arehiepiscopus 
fidelilus Cbristi pecem tt veritatem aniautibua. Temporia nostri dis- 
ciplina non patitur, nt ea, que piia fidolium ataduR ad landem et glo- 
riam del riven |ti« pie et landabiliter ordinantur. snspecta vel aubdola 
quorundam adinventione iuprobe retractentar. Proinde pactum bone 
fidei et ordinatam corventionem, qa£ inter ecclesiam. sanctartim Vir- 
ginum | et quandam matronam Rigmudim vidaain civem nrbia Colonic, 
axorcxn Gerardi filii Tbcoderici advocati, sollempniter habita eat anpor 
qnibusdam agria inxta piecinam alt.rhie.ecun adiacentihns presentis scrip- 
tare fldeli teetimonio man i end am duximus, ne temporia antiqaitate 
oblitterari contingat vel recidivo dolore in qneationem revocari possint, 
qne. litterarum beneficio in theaanna memorie reponnntnr. Jioverit 
ergo presentis et postere etatia pia fidelinm multitndo, quod Gerardua 
filing Theoderici adrocati LXXXX iomales agri inxta pnblicam atra- 
tam a ailva, qu$ vocatur Langinbegge, ad piHcinam contlnno spacio in 
longam latatnqne porrectos ab ecclesia eanctarum Virginum et a mnnu 
abbatisse inre pheodali tennit. Ad oppoeitam vero partem piacine 
maosum unurn et alios XVI iomales Sure censnali ad annoam peubio- 
nem VII solidormn prefatus Gerardus ab eadem ecclesia et a manu 
abbatiase tenuit. De aaBeuea itaque abbatisse et totine conyentus et 

conailio benoficiatorum abbatiase, qui fidclitatom bomiiui abbatincc tccc 

rant, iam dicta RigmBdis prenominatoa LXXXX iomales, qaoa Gerardns 
vir eins inre hominii a manu abhati»8e tenuit, ab eadem abbatissa tenen- 



I ) II. A usfertigung: 1 In nomine aancte et iudividue trinitatia. Adolfua . 

Anoalen d«a hilt. Variliu IAV. 15 



r. ; 



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236 Richard Knipping 

dos Buacepit eo pacto, ut ad redimendnm perpetuo aervitium, quod 
vulgo appellatar hergvede 1 , et omnia in universum onera, qu§ ratione 
hominii deberi vel ey.igi possent, eedem Rigm&dis vel qnicnnqne eos- 
dem agros per earn habuerit, qnicque solidos ecclesi£ sanctarum Vir- 
ginum annuatim inde persolvat, ita ut mcbil place ampliua de eisdem 
agrU dwhari vel e*igi pncmit. Mnniinm nntaim et alinn XVT lArnalfHi 

ad oppoEitam partem conetitutos de consilio et appro batione familie 
curtie in Ossindorp prefata Kigmudis & manu abbatiase eo pacto tenen- 
doH anscepit, nt VII Bolidos, qui de artiqno inde annuatim peraolve- 
bantnr in curtem in Osfindorp, ipsa nichilominns vel, quicunque eoe- 
dom. agros per manum ciaa habuerit, de cetero annuatim persolvat et 
ad redimendnm onus sen aervitium corimedis et gravamen quod vulgo 
dicitur dhyncsbuche 2 XII denarios annuatim aolvendo adiciat et iam dic- 
tam m&naam cam XVI iornalihna adiacentibua ab omni in totnm oxiere ah- 
solntam libere possideat prefate Rigmfrdi libera facilitate conceasa omnes 
iam dictos agree eodem iure, quo ipsa eoB saacepit, possidendos, quos- 
eumque voluerit, transferendi 8 . Qu§ ergo in diehus sacerdotii nostri 
ad profectcm et commodum eccleai^ a&nctarum Virginum provide acta 
aunt, ne pravis aliquorum adinventionibua in poster am retractentur, 
sub horrendi anathematis vinculo districte interdicimas. Et banc 
no8tr£ confirnjationiB paginam ad indelebilem boiu8 rei memoriam si- 
gilli nostri* impreaeione munitam eccleai^ sanctamm Virginum et pre- 
fate Rigmiidi vidu§ omnibuaque, quos eadem Rigmudis hoc scripto 
gaudere volnerit, inperpetnum concedimns. Testes huins rei designati 
sunt: Ludewicus in Co Ionia maior propositus , [Terardna Xanctensis 
propositus, Bruno Bunnensis propositus, Tirricus prepositus sancti 
Gereonis* 1 , Tirricns prepositus aancti Andree, Tirricua prepositus eancto- 



1) 11. Ausfertigung: herggvedc. 

2) II. Auafertigung: dincsuche. 

3) II. AuBfortiguop feat nooh tranaferenclj: Iam dicta voro Higmfcdi* 

post obituni mariti sui Gersrdi divina inspirante monita convcntualem eccle- 
•iam ad Piscinam in honcre perpetu* Virginia Marie const ruxit. Quam cum 
ditare studeret, supradictos agros cum universis, qug poasedit, per manum 
abbatiB8© ao totiua conventus ecclesie. sanctarum Virginnm eoclesie ad Pisci- 
nam ad »erviendum ibidem deo viventi ac beate virgini in perpetuuni conttilit. 

4) II. Auafertigung: sigilli nostri et ecclesie sancUrum Virginum ac 

einadem 1o«a abhatiMA tmpraaaione mnnitam conv«ntni eoclecic s<3 Piomnam 

in perpetuum concedimus. 

5) II. Ausfertignng uoch: Udo maior decanns. 

6) II. Auefertigung noch: Tirricus prepositus sancti Kuuiberti, Ileri 
mannuB prepositus sancti Severmi. 



. 



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L'ngedruckte Urkunden der Frzbiscncife von Koln. 227 

nm Apoetolorum *), Gerard as decanns sancti Gereonis, LndewicuB de- 
rmis sancti Severim, HildebranduB decanua sancti Knniberti, GvbiI- 

bertuo dcc&xmB sancti Audrey, Ivo deoanns sanctorum Apoetolorum, 

Tirrieus decanns ad Gradus, Ysfridua decanns aancti Georgii, Waldeverus 
abbas sancti Pantaleonis, Foitlivus abbas sancti Martini, Erinvurt abbas 
J* Steinvolt, Gozwinne abbas do MontA, Rndalfna acAla«timifi nanoti 

Petri, Pyramns scolasticus sancti Gereonis, Gedefridtis scolaHticuB aancti 
Severini, HerimannuB scolasticus sancti Knniberti, Godefridus scolasticus 
sancti Andre£, Lambert n A scolasticUB Ranctornm Apostolormn 8 ); pre- 

sente et approbante abbatisaa dementia, Irmindrudi decana, Mabilia 8 ). 
Hcrricue dux dc Lymburg, Henricus ot Everardus comites de Seyna, 
Wilhelmns comes Inliacensis. Gerardus Iutiacensis frater suns. Lotharios 
comes de Hostadin, A do If us comes de Monte, Herimannus Coloniensis ad- 
vocates, Herri cub et Gerardus de Volmutsteine, Hermann us oftmereriua, 
Otto cameranus, | Henricus dapifer, Adam pincerna, Tirrieus advocates, 
Ladolfue de Osniudorp. Acta sunt hec anno dominice incarnationis 
MCLXXXXVIH. 

Dusseldorf, Staatsarchiv, 2 Ausfertigungen : I (Uranlastift Nr. 13), Ori- . 
ginal, Pergament, mit an roth-weissen seidenen Faden hangendem Siegel des 
Enbuchofs ; II (CaecHieosUft Nr. 179, Woiber Nr. 2) Original, Pergament, mit 
au weissen Seidenfaden hangenden Siegeln dea Stifts S. Ursula, des Erzbischofs 
nnd der AebtiBsin Clemen tin. Die II. Ausfertigung war fur da* Elostor Woiber 
beatimmt. — Koln, Stadtarchiv, Kopinr dea Klouters Weiher f. 3b und 4b. 

•28. — 1199. KQln. Erzbischof Adolf 1 schenkt dem Georgetitt 
en KOln den Rottzehnten %u Polbeim. 

In nomine sonde el indwidue trtnitatis. Adolfus dei gratia sanct£ 
•Cobniecsis ecclesiy archiepiscopas omnibns Cbristi flde|libus in perpe- 
tnnm. Quia dignnm est et iaetom, ut nos, qui deo propicio proviseree 
ecclesiaram aliqaandin | et dicimur et sumus, profectibna ecclesiarum 
invigilare studeamus, idcircc et nos Banctorum eccleaias, ut eorum in- 
terceasionibuB adinvari valeamus, ex bis, que nobia obveniont, honorare 
decrevimoa. Universis igitur sacrosanct^ matris eccleei£ filhe tarn pre- 



1) II. Ausfertigung nocb: Engilbertus propositus sancti Georgii. 

2) II. Ausfertigung noch: Henricus Bcolasticns sancte Marie ad gradus. 

3) II. Ausfertigung: Mabilia celleraria et canom'cis eiusdem occlesic 
Alberto, Wilnelmo, Uodetrido, Fbilippo, Wilbelmo et nniverso eonvento. In- 

tererant etiam beneficiati a dornine abbatissa Lndolfus de Cesindorp, Gode- 
fridus de Lunrecke, Vogelo, Bernerus, Reterus, Vogelo et omues, qui homi- 
niatn ei fecerant, totaque fa m ilia curtia in Ossindorp. 






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228 Richard Snipping 

gentibns qnam fiit.itria notum esse volumua, quod noa decimas novalinia 

nemoris caiuadam aectis Polheim, qaod Camervorat vocatur et ad eccle- 
eiaoi b. Georgii portinet, coneentiente et annitente advocato Wilhelmo 
scilicet comite Iuliacenae eidem prefate eceleai§ sancti Georgii jure 
perpetno poesidendas contulimus, at ex hoc defectus prebend^ fratrnm, 

qui eis mnltifortnitcr evenir* eolet, alaquatenua cupploatur «t nostri 

raemoria ibidem in perpetcom habeatnr. Ut autem hec elemosinamm 
nostrum oi larjritio rata et atabilis permanent, preaentem paginam con- 

Rorihi et sigilli nontri impressiona comronniri fprimus, hoc atAtaentPs 

et sob perpetua excomraunicatione prohibehtea, ne quia auan temerario 
hoc infringcre act aliqaa malignitate labefactare audeat. Hnica rci 
teitee Bant: Lndewicus maioris ecclesic prepofiitna, Udo maioria ec- 
cleai^ decaniis, Teodericua aancti Gereonis prepoaitns, Tidericua sancti 
Andree, prepositua, Tidericua sanctorum Apoetolornm prepoaitun, Engil- 
bertna aancti Georpii prepoaitns, Gerlacua Traiectensis prepositus 
Waldeverua abbaa saacti Pantalconis, Godefriflua abbae Tnicienais", 
Gerardua sancti Gereonis dee anna, Ludevicna eancti Severim dec an no, 
Ivo sanctorum Apostolorum decanus. Henricaa cornea de Seine, Gerardua 
cornea de Are, Hermannue Colonie/adrocatue, Henricne «Ie Volmnt- 
ateine. Otto camerarins. Acta aunt bee Colonic aput aanctnm Gecr- 
gium anno domiuice incamationis niilleshno centeaimo LXXXXYIIII 
feliciter in nomine dotnini. 

Dcsseldorf, Staataarchiv, Original, Pergameutmit an grun-rothen Seideu- 

faden hangendent Siegel. Kucksufechrift dee 13. Jabrhta,: de decima apud 
Poilbeim Camervorst dicta roitziende. 56 cm hoch, 45 cm breit. — Koln,. 
Stadtarcbiv, Alfter'acbe Urkundenabscfariften XX 8. 261. 

24. — 1200. Erzbiechof Adolf I. beknodet class Abt Godefrid von. 

Ecbternach die Kirclie m Drurnthe in der DiOceee Utrecht 
der Kircbe zu Tyle Ubertrngen babe. 

In nomine aancty et individa§ trinitatis. * Ego Adnlfua aanct§ 
Colonienais eccleai£ arcniepincopue omnibus Cbrieti fidelibne inper- 
petnnm. Ne | rernm gestarum memoriam abclere poaait oblivio, ad 
noticiam tarn preeentium qnam futurcrum presents scripto transmitti- 
mue, | quod abbas Godefrtdus eccleai§ Eptemacenaia couailio ct consensu 
capituli sai quandam eeclesiam in dyoeesi Trajeetenei aitam nomine 
Drumthe concessit ecclesie de Tyle sub bac forma, ut videlicet ipsa 
ecclesia de Tyle uBsignet unum de sacerdotibua auie, qui recipiat an- 
abbate in eccleaia Epternacenai iam dictam eccleeiam loco pastoris et 



r. ; 



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Uugediucfeto Urkunden dcr Ersbwchofc von K31u. 220 

persolvat omnia iura episcopo el archidiacono similiter, quicquid de 
predictfl eccleftia peraolvere tanetnr, ipsi vero abbati et omnibus suc- 

ceseoribuB eins annnara pactionem, qnam omites pastores eiufidem ec- 
clcftig abbati et eccleai^ sue. arteritis persolverunt, videlicet quinque 
fertooee examined anrenti singulis acme incipiente maio persolvet. 
Quod ai aliquo modo neglexerit, ammoneri debet eccleeia de Tyle a 
naneiis abbatis, ut pereolvat predictam pactionem. Quod ei non fecerit, 
liberum erit abbati resilire a conventione iata et elium aubetituere 
paetorem, qui reddat ei penaionem suam tempore suo non obstante do- 
natione archidiaconi, qnam eacerdoti de Tyle fecerit. Acta sunt bee 
anno MCC incarnationis domini nostri Jesn Criati in presentia priorum 
nostrorum, quorum nomine hie annotata aunt: Udonie | maioria decani 
in Colonia, Theoderiri prepositi saucti GereomB, IvoniH deoani de senctia 
ApostoliH, Gerardi propositi | Sanxtensis , Frederic! decani, magiatri 
Bertoldi. Vt antem bee rata et inconvnlsa permaneant cartam istam 
aigilli | noatri impreBSione mnniri fecimus. 

Trier, St&dtbibliotbek, no. 14, Original, Pergaraent mit grunen Soiden- 
fjiden. Da* etwas heschfiaigtc Slegel, welches daran jjehengen (!) hat, 1st atj- 
pe*chnitten. Ruckaufschrift des 13. Jahrh.: de eoolesia de Drumthe; des 
16. Jahrh.: H 20. — 24 l / a cm bocb, 16 cm breit. 

25. — 1201 Mai 19. KSlo. Erzbiecbof Adolf I. flhertriigt den Schuta 

dee ihm nnterotellten Nonnenkloatera S. Maxirnin zn KOln 

dem Domdekan uad giebt dem Kloster dafi BegrKbnissrechL 

In nomine sancte et individue trinitatia. Adolphus dei gratia 

-sancte Uolonieneis ecclesie hnmilia minister omnibus Christi fidelibus 

in perpetuum. Quae aancte et religiose finnt, quanto Cbriato graciora 

aunt, tanto meiori diligencia transmitti mereotur ad noticiam postero- 

rum. Series enim annornm nonnumquam reddit obscurum, quod pre- 

teriit, et ideo neceaaaria eat scripti inapectio, ut per earn eervetur in 

rnemoria, quod ez karitate principinm accepit et prornotionem. Ecclesia 

b. Maximini, cum ex devocioue bonorum bominum in constructione 

-aliquautulum accepiaBet incrementam et quibuadam bonaaculia dotnta 

-e*Bet, data est sanctimoniftlibus, nt in ea religiose viverent et persanctam 

reiigionem pro ee et pro aliia iudesinenter deo supplicarent. Ecclesiam 

prenominatam et univeraa ad earn pertinentia sanctimoniales ibidem deo 

mfilitantes ana com viris religlosis tarn clericis qaam iaicie, quo rem maior 

pro deo circa ipaum locum exritit affect us. in menus nostras resigna- 

vernnt nostre provision! et eornm, qoi nobis in dignirate aticcedunt, 

regimen loci, defenaionem et protectionem fideliter committentes, ut 

-ego et auccesaoree mei semper huiue loci patron! pro redemption ani- 



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3S0 Raofcard Knipping 

marum nostrarum exieteremus. Nob vero, quia mnltie et ardnis eepe- 
negociis occapati Buraus, communicalo priornm noBtromm consilio. ne 
iamdicte sorores in rebus Huia aliquem mei propter absentiam re! oc- 
cupationem alteriue negocii defectum aentirent, predictum locum decano 
cnnctieqne suie succeasoribaB et toti capital© maiorip ecclesie commi6i- 
mua, ut sepedicto sorores religiose virerent iuxta maioris decani pre- 
ceptnm et consilium, et eia tam in secnlaribaa qnam in apiritualihua 
auctoritate nostra fideliter preesset. Ad consolationem qaoque et rele- 
vandam pnupertatem iamdictarum Chrifiti ancilleram cidem loco con- 
ceBeimue, ut qaiconque in eo sepeliri desiderat, sorores earn funerandi 
liber am liabeant poteatatem ita (amen, ut propinqui defnncti a nacer- 
dote, de cuina parrocliia defunctus eat, propter debitam obedientiam 

licenciam priaa enm reverencia, qca decet, requirant. Ut antem bee 
rata et inconrulsa permnneant, present cm paginam inde cocacribi et 
aigilli noatri impressione feeimns commtmiri, dietricte precipientes, ne 
quia qua in contra hoc racionabile faeiaro ausu temerario Ulicite aadeat 
venire. Testes baius rei sunt: Udo maior decanua, cui et idem locos 
et ccra soromm a nobis prinum commissa est, Bran© finnnensis pre* 
positue, Tirricos 8. Gereooia prepositus, Herimannus a. Severini pre- 
positas, Tirricus s. Andree prepoaitus, Lndewicns a. Severini decanua, 
Gisilbertue 8. Andree decanus, Ivo ss. Apostolorum decanus, Heri- 
mannus meiorie ecclesie eecundus decanus, Herimannua choriepiscopus,. 
Albertus cellerarius, Herimarftins seenndna castes. Ensfridas custoa 
Magui urn et tutus etuaOeiu ecclesie cvuveutus. fieri uiuuu us advocaluv- 
Colonieneis, Otto camerariua, Adam pincema, Henricua dapifer, Tirricn* 
gecandus advocatus et ceteri qaampiures. Acta aunt bee anno domi- 

uicc incarnation!* MOCf, datum Colonic XUII kalendaa iunii per nxa- 
nufi prothonotarii nostri Brnnonii de Benisbeim. 

K6ln, Stadtarcbiv, Museum Alfterianum No. 87 Bd. 10 S. 183d. Copie 
ex archivio loci. 

26. - 1302 Juli 5. Koln. Erzbischof Adolf I. bestUtigt der Abtci Vilick 
den Zebnten der ganzen Pfarrei Vilieb vom Roenbaeh bis znm 
Siegfluss Bowie den Rottzetmtea id demselben Bezirk. 
In nomine sanctc et mdividuc trinitatis. Adclfas dei gracia eancte 

Coloniensis ecclesie archiepiscopus dilectis in Christo filiabaa Elrea- 
betb | abbatisse ct omni deo famulancium conventui in Vilioa cunctia- 
que in eodem loco et voto eis sneceasuris imperpetnam. Quamvis ex 
pie devocionia | proposito et iniuncti nobis miniBterii debito omnibua 
ecclesiis in noatro regimine constitutis auctoritate a deo nobis collatav 



r. ; 



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Ungodruoko Urkucdcn der Erabistnofe voa Eoln. SJ3I 

tna inra conservare et tempore oportnno meliorare teneamur, loca ta- 

men religioaa devocius semper manutenere ac eacre professions per- 

wmas tauto maiore pietatis studio promovere intendimue, quanto earum 

pi'w orationibne et beneplacitia deo serviciis noa et nobis commiaaos 

adiuvari apad deum posse ac debere oonfidimns. Notnm igitur esse 

volumus univereia tarn preeentibus qoam futuriB, quod nos divine 

gncie intuitu et aancte conversationia vestre respecto decimam tocina 

Vilicenais parrocbie a rivo, qui dicitur Roenbacb, usque ad fmvium, 

qui dicitur Sege, que multo iam tempore ex antiqna principum colla- 

noneetpredecessorura riostroram pia conceasione veatris cesserat usibus, 

auctoritate dei et nostra vobis confirmamns. Preterea decimationera 

omnium novalinm, que infra prescriptnra terminum usque ad tempera 

nogtri pontificatus culta sunt vel deinceps coler.tur, ram in vineis qnam 

in agria eocleaie ventre concedimus et pcrpctuo babendam confirmamue, 

ita tamen nt sub ipaiaa abbatisse respectu et cura permaneat et unnm- 

fructum semper ipa percipiat, quatinus secundum varios reram eventus 

varifts eccleeie sue necessitates melius cam effect u respicere atque com- 

modiuft in sue commissionis officio valeat mimstrare. Auctoritate igitur 

a deo nobis collate atatuimus ac dietricte precipimua, ne nmquam ali- 

que ecclesiastica secnlariave persona banc largitionem et confirmationem 

nostram xnfringere preaumat. Quod si quia temerario ansa attempta- 

verit ct commonitus non eraendarerit, indignationem dei et beati Petri 

apoRtoli excommnnicatus incurrat et ream super hoc divino fore iudicio 

cerlisHinie bc cuguunual. Huiub rei testes suul : Udu m&iur in Culoniu de- 

caimp, Bruno Bunnensis propositus, Tbeodericafiprepositus aancti Gereoms, 

HerimannuB prepositus sancti Severini, Theodericus propositus sancti 

Kuniliorli, Tlicodcricuo prepoaituo eancti Aodrcc, Tbeodcricua propositus 
sanctorum Apoatoloruro, Gerardus decanus sancti Gereonie, Crietianus 
Bmmenaie decanus, Ludewicns decanus sancti Severini, Hildebrandus 

dcoanae | nartcti Kunibcrti, Gyoclbertap decanee aancti And roc, Ivo dc- 
canna sanctorum Apostolorum, Godeschalcus decanus aancti Georgu, 
Henricue sancte Marie ad gradue et alii tarn laid quam | clerici qaam- 
plorea. Factnrn est hoc anno ab incarnations domini MCCII. Datum 

Colonic III Donas iulii. 

I>ue«oIdorf ( Staataarcbiv, Original, Pergament mit grim-rotten Seiden- 
faden, Siegel abgefallen. Kuckanfechrift des 15. Jahrhts. : confirmacio deci- 
jnarum de Rcenbach usque thivium Sege. Alte Signatnr LI. 55 cm hoch, 
46 cm breit. — Copiar B 99 f. 3. — Koln, Stadtarchiv, Geleni farragines 
XXX 3 Regeat mit Zeogen. 



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232 Richard Knipping 

27. - 1203 Jnni 13. Kaiserewerth. Erzbischof Adolf I. verfdgt, das* 
der dem Kloster Meer gehorige Hof tu Wolleadorp zu der 
erzbischoflichen Bede nicbt ruebr ala 18 Dcnare zu zahleu 
brauche. 
Adolphns dei gratia sancte ColonienRis eecleaie archiepiscopus, 

Kotum ait omniboe Chrieti fidalibae, quod noe attendoatee dovotionem 

panpemm Cbristi in ecclesia de Mere deo servientiara eorara iudemp- 
nitftli duxirous providendum. Curtini iUque apud Wolleadorp eidem 
ecdenie attinenti ('.) eb omri inrtebita exactione eximimua stAtnentee, 

at in petitione nostra facienda altra servicium XVIII denariomm non 
dampnificetnr, aed eo iure, quo hactenua gandebat, ntatar nee a nobis 
nee a noetris snccessoribuB infringendo. Ut ergo id rafnm permaneat 

et inconvnlsum presenters paginam eonscribi fecimus et sigillo noetro 
mnniri. Teatee erant: Godefridna capellarina, Godefridna beali Aodree 
caronicua. Leo de Werda, Ecbertne notarius, Herimannns advocator 
Colonic et alii quamplurea. Actum anno dominie^ incarnationis rail- 
leaimo CCIH. Datum idns iunii apud Werda. 

Duasetdorf, StaaUarchiv, Copiar B 98 f. 21 b. KoUriell beglauuigte 
Abschrift den 17. Jahrhnnderta nach dem Original. 

28.-1203. Erzbischof Adolf I. bestHtigt einen Tauschvertrag zwi- 
schen dem Stift zu Born und dem Stifl S. Severin zn Koln 
betreffend Guter zn Fridericbdorp und Btitbirsdorp. 

t In nomine eanctf et individuf trinitatis. Ego Adolphua divina 
dignatione sanct§ CoIoniensiB §colesi§ arcbiepiscopos tarn presentibns 
quam | futuria in perpetnum. Pastoralia ratio soHicitudinis post ul at, 
ut ea, qu£ noitri archipreenlatua tempore ad ntilitatem ^ccleaiaram in 
nostra dyocesi conatitutaram deo | aoctore et noetro minister io acce- 
dente provide et s&lubriter ordinantnr, contra calnmpniatorom impro- 
bitatem et vetnatatie oblitter&tionem, omni firm it ate qna poasnmna nro- 
nire et roborure saiagamas. Qood itaqne ex officio flee emus, bona 
volnntote effectai mancipare deeideramus. Eapropter in noticiaxn venire 
volnmns tam modernis quam fntnri evi Bucceesoribns rationabilem 
et ordinatam commotationem quarnmdam puNseBaionura factam inter 
dilectoe nobis Br a none m Bunneneem et Herlmannum sancti Severini 
prepositoa et inter easdem B&nnensem scilicet et tancti Severini in 

Colo nia Ccclcoiao. Cntae actio me eorice Kino aumpeit exordium. Gc- 
varduH venerabilia abbas et fratres monasterii, qaod sitcm est in valle 
sancti Petri in St mm berg, titulo emptionis optinuerunt a quod am mi- 
lite nomine Herimanno de Blitberedorp qnedam bona videlicet duos 



r. ; 



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Ungcdracktc Urkundcn dcr ErabiocHofc von Kola. 933 

iurnales vinoarum et LV et dimidium ogrorum cum decimis*). Varum 
cum idem miles eadem bona teneret ratione beneficii de Bunnell si pre- 
posito, bona, qu$ de aliena man a tenuit, pro allodio vendere non po- 
tuit. Inde ad expediendum, quod oportuit, hniuamodi iudnstria acceesit. 
Herimannua §cclesi§ sanctorum ApoBtolornm custos ad cenaum tenuit 
quoddam predium de manu prepositi sancti Beverini iaceue in villa, 
qu£ Fridericbdorp nominator, solvent inde annnatim preposito Till 
am as vini preter emergen tin ex decessn et acceeau personarum ius 
hereditaria aibi vendicanfcium. Hoc predium mercatua est predictas 
miles H[erimannua] a prefato sanctorum Aposioloruin cuttode et ipaom 
€inptum et libere poaseKsuro asHi^uavit preposito Bui.nen&i et £oclesi£ 
«idera in recompeusationem bor.orum, que, priua de prepoaito tenuerat, 
et ilia priora bona pic a iurisdictione prepositi exempts libere et li- 
<ite prememorato monaaterio de valle sancti Petri nuraerata pecania 
vendebat. Conanlendnm igitur fait indempniteti £celesi£ sancti Se- 
vering ne per buiusmodi contractura amittent su£ proprietatis privi- 
legium. Proinde utili diepeneatione preordinatum et actum eet ex 
conniventia et bona voluntate utriuaque prepositi et utricsqne Qcclesi£, 
ut antedictus abbas et monacbi prefata'bona a prefato H[erimanno] 
milite empta in Blithiradorp iacentia ^cclesig sancti Severini et pre- 
posito pro fluis recompenaata contraderent et, si eatimatio istorum non 
flufficeret, plura de propriis ex euporhabundanti ad ice rent. H^c pactic 
«ic firmata eat, nt monacbi de bonis, qu£ sic proprietati pancti Severini 
assjguaruut, eiudtsm aibi ad cenauin re ten tie per singulae annorura re- 
volntiones eolverent VI atnae vini, V prepoaito, reUquam canonioorum 
consolatiorji cesBuram. Hac ratione censui augmentum acceasit, quia 

uec propositus nee ^ectasia aliqua do cetcro ex occasu retorum vcl 
«x ortu novorum heredura expectabit emolnmenta. H§c est recornpen- 
*atio, quam ^cclesia sancti Severini recepit, duo iumales vineamm in 

Dlitborsdorp et X*V" et dimidiam iuraalce orabilie torre ibidem et uddb 
inrnalis vine§ et XV agrorum in Crutbe loco VTII inrnalium vineamm 
«t XL agrornm et XII ail varum, quorum proprietaa ad Bfinnensem 

trausivit £ccleeiam. Insuper tarn preeentibus quam generation! omni, 

<jn? ventura est, innotescere volumes, quod iam sepiua dictum mona- 
ererium decimara de vioeis in Blitberadorp a frequenter dicto H. mi- 
lite ©mpta.ro a predominate Bitnnenei prepnaite, de quo miles earn 

tenuerat, iure perpetuo accepit et in recognitionem proprietatis singulis 
ami is unum aureum equip ollentem XII argenteis prepoaito peraolvit. 



I) Mit acfawarzerer Xinta aul Rasur. 

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f. :... 



234 Richard Snipping 

Not vero quia religionem libenter confovenns et monaaterinm totieuB 
iam dictum cam personis nobin in Chriato dilectia special i affectu am- 
plectimur, hgc acta et feliciter consnmmata nobis mediantibna sic ex- 
preaae ecripto inuodarimua, ne vel temporaro traoeitione vel personarutn 
mntabili soccesaione alio tempore valeant mntari vel in irritum dad, 
de abbatis qnoqne et fratrum peticione et prepositorom et ^ocleaiaram 
bona vcluntate hnnc contractam firm are digram daximaa et in mani- 
mentam firm it a tip acriptnm aigilli nostri impressione additis appenaia 
prepositorom, quorum id interest, comronnimus et auctoritate dei ouuti- 
potentie et beati Petri apostolornm principle et nostra sub ban no sta- 
bilivimos. Si qui*; igitur poatmodnm sn§ salutia oblitua hoc infrin- 

gerc, mutare vel caooaro tcuiornrio anon prooumpaerit, hou* suppreiai 
ndicis ot indignationem beat§ dei genitricis semperqne virgineia Mari§ 
incorrat et, nisi resipiecens errorem corrigat et pro temeritat satis- 
fnciat, aiige I o SathanQ ad perpetuum tradatar interitum. Haias rei 

testes aant: maioria £cclesi£ Tbeodericua maior prepoaitns, Udo maior 
decanaa, Herimannus aecnndus decanus, Herirnaunne choriepiscopus, 

Olyvorao ecoloeticue, eancti Gcreome Thirrioun prepositue, Gerardue 

decanus, aancti Cfiniberti Tirricna propositus, Hildebrandos decanaa, 
aancli Andre^ Tirricua prepoaitua, Giailbertus decanua, sanctorum Apc- 
etolorum Ivo decanns, Larabertus Bcolasticua, sancti Georgii Engil- 

bertos propositus, Heriraannns scolasticos, Henricna acolasticca sancti 
Gereoois. Laice, person^ de nobilibua: Adolpbns cornea de Monte, 
GerardoB comes de Are, Lotharios cornea de Hoataden, Henricoa cornea 
de Seyna. De mimsterialibu8: Henricus de Volmfitateine, Henricns de 
Alpbeim, HerimannaB advocatae, Heriroarraua de Alfthera, Otto carae- 

rariuR, Albero Cirvin, Lambertua Blendehane, Henricoa Asdorn, Go* 
descalcus acoltetua B&nne. De | burgeaeibua: Tbeodericos de Eren- 
porten, Henricaa de Witberke, Paniel de Ljnthgaazen, Iobannea de 
Linthgaazen et alii q nam pi a res tam ^cclesiastiee qnam | laice lonora- 
bilea person^. Acta aunt b§c et etabilita anno dominicc. incarnationis 
MCCIII, indictione VT 1 )* regnante domino noatro lean Chriato, qui est 
benedictua in secola. 

Dusseldorf, SUatsarcbiv, BX Abtei Heieterbacb No. II, Original, Per- 
gament mit 3 an grun-rotben Seidenfaden hSugenden Siegeln: 1. desProjwtea 
Brnno von Bonn, 2. des Erzbiscbofs Adolf, 3. des Propstes Hermann von S. 

Scvcrin. Iiiicknu feet rift <Ue 13. J*ferlie.: do dcoimu in Blytcrodorpj <J© cmr- 

rata vim, que dominie de a. Severiiio datur. 59 cm both, 47 cm breit. — 
Copiar B 117 b f. 257. — Koln, Stadtarchiv, Gelenii farragines XX f. «18, 
Alfterscbe Urkundenabscbriften XXVIII 15. 

I) Mit achwarzerer Tinte. 

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Ungodrucktc UrirandcD dor EribiadiGfo vou KOlu. 23& 

20. — 11U3 — 1203. Erzbiscbof Adolf I. besUtigt den Vertrag, wonach 
das Kloster anf dem Stromberg der Abtei Vilicb fortan ale- 
Zehnten von seinen Besitznngen zc Heisterbacb, Aldenrode 
and Hattenrode 15 Malter Weizen zablt 
In nomine sancte et ntdividae trinitatis. Adolphns dei gratis 
sancte Cotoniensis eccleaie archiepiscopus tnivereie Cbristi fidelibus 
tarn futuria quam preBentibae in perpehmm. Qnoniam ea, que inter 
vivos et preBentes racionabiliter et inste plerumque disponnntur, partium 
quoque consensu accedente legitime confirmantnr, humane conditionis 
fragili permutatione ex variarum personarnm succefiBiva alteratioue 
frequenter permutantur atqne diBBolvuntur, neceRearium dnximus con- 
ventionem inter ecclesiero Vilicensera et monaaterium de Stromberg; 
habitam super decima posseBBionum suarnm in Heinterbach cum huib 
pertinenliis Aldenrode scilicet et Hattenrode ecriptie commendare. 
Itaque pro utriueque monasterii pace, commodo ao tranquil litate per- 
petua annuam peneionem vel pactum, quod incolae predicti loci vel 
aliquando vicini eccleaie Vilicenai sub quadam incertitudine pro agro- 
mm culture vel aitu aut etiam measium qualitate annuatim persolvere 
Bolebant, fratres de Stromberch competenter adaugentes in anam et 
certam summam videlicet quindecim maldrorum tritici poblice et Bun- 
nensifi mensnre singulis annis in feato aancti Andree ae Bolaturos ec- 
clesie Yilicenei promiserunt, ut sic ab omni impetitione vel inquieta- 
tione eccleaie ViliceuMB aut nnutiorum eiue de decima prenominatarnm 
poeeeBsionum tarn in frugibus quam animalibQB et nutrimentis suis de 
oetero liberi eeeent et abeoluti. Licebit qocque iam dictie irarrifeos 
terras auaa cultan vel incultaa in pTeacriptia terminia constitutes colere, 
rneliorare, arbores conserere, vineas plantare et, prom meliuB poterunt,. 
ad nana buos et utilitatem convertere eupradioto pacto scilicet quiri- 

decim maldrorum tritici nibilominua in euo statu absque augmentation* 
aliqua peruiaueule, hec ounc cundStluuc adiccU, quud ei iam diet! fro- 
trea ex negligentia vel alio caeu interveniente terraino statuto vel infra 
proximos quindecim dies eccleaie Vilicensi summam prelibati pacti ex 
iutegro non exhibnerint, finitia quindecim diebue in poenam solutionis 
retardate alios duos maldros snperaddere teneantur et sic de aeqnen- 
tibus quindecim diebus alios duos similiter de omnibus, quousque inte- 

gralie flat peroolntio. Iliad quoque ooleudutn, quod de aliie poaeesaio- 

nibus snis, qnascumQue extra memoratcs terminos Heisterbacb videlicet 
Aldenrode et Hattenrode habuerint, supradieti fratres consuetaa decimas 
pereolvere tenebuntnr. Testes hniue rex aunt : Lodcwicue maioris ec- 
cleaie prepositus, Bruuo Bunnensis prepoeitua, Tirricus eccleaie sancti 



f. ; 



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"3S6 Richard Knipping Un<y«drueUto Urltunden a\ar ErsMtobofo von Koln 

Andree prepoeitus, Cbristtfinus Bunneneie decamis, Ivo decanus ec- 
oleeie sanctorum Apostolorum, GotzwinuB abbas Berffensis. 

Diioseldorf, Staatsarchiv. 1. Copiar von Vilich B 99 f. 6 b, Absohrift 
•des 14. Jabrhunderts. 2. Copiar von Heiaterbach B U7Ba S. 14, nctarielle 
Abcchrift ncoh dem besitgelten Original aut dem 18. Jahrhundert. IW 
Druck fulgi dwu Copiar D 117 Da. — 1203 wild Eugclbert Douijiwvpet. 

30. — 1205. Erzbischof Adolf L bestatigt dem Kloster Ftlrstenberg 
das Nntzungsrecht an dem erzbischSflicben Walde Berinkart 
Adfilphufi dei gracia Colonieneis ecclesie homilis rniaipter. Quia 

nostri racio exigit officii, ecclemis dei in nostra dyocesi conetitulie ad 

coiiporvacionem bonorntn aaomm pi«tatia atadio provider©, tiotnra fa- 

ciniUB tam presentibufi quam futuris, quod iuridicis testimcniis didici- 
muK, eccleeiam dei, que est in Voreteberg, equal iter ministerial ibu« 
nofitrifl arbornm aectionem et gland in m paationern ex antiqna prede- 
CPRBoram nostrorara beneficiencia in ailva nostra, que dicitur Berinkart, 
optirui&ae. Quern donocionem iam dicte domui beatc dei genitricia in 
convuleam esse cupieutes "perpetue dampnacionis sentenciam in omnem 
hominem proferimus, qni huius beneficli graciam prefate ecclesie, qua 
ab ins titu clone eui concedente predecessomm nostrorara auctoritaU 
munerata est, infringere presumpserit. Acta Bunt hec anno incarnaci- 
onis dcminice MCCV coram testibus Engelberto maioris eoclesie pre- 
pooito, Gerardo Xanctenai preposito, Hermanno Colonienai advocate, 
Henrico dc Alpem, Henrico marecalco, Gozwino magiatro coquine aliia- 
que qaatn pluribus noetrie familiaribue. 

Diisseldorf, Staatsarchiv, Tranasumpt dea Erzbischofs Heinrich II. vom 
29. November 1319. — K61n, Sladtarcbiv, Alfterscbe UrkundenabBchriflen 
XX 190 trx arulwev loci. 



r. 



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Miscellen. 



Zur Lebenegeschichte des Caesarius von Heisterbach 

Vou 
H. IIMer. 



Die Lebensunistande des Caesarius von Heisterbach, nber 
weJchc uns direkt nichts tlbermittelt iet, mtissen milbsam ana seiner* 
•Sehriften konstruirt. werden. Wennnns anch dieses Bild inifianzen 
als &ctiaiteiirisft eutgegentritt, eo iHsst es tins doci eiue Fei-»OuliuKi- 
keit erkennen, an Geist gebildet end edel von Herzen. Nach dcr 
allgenieinen, zuletzt von Kaofmann (C&sarins von Heisterbach etc.) 
and Dr. Kessel (Kircbenlexikon von Wetzer and Welte, 2. Aufl. 1883) 
vertretenen Ansicht, wnrde Caesarius nm 1180 in oder bei Ktfln 
geboren. Die Festsetzung dieses Daturas beruhtdaranf, dassman von 
■feuiJahi-e 1 100, welches ale dnejenige feetsteht, in welohem CaeBariue 
in Heisterbach eintrat, znrttckrechnete, indent man annahra, Cae- 
sarius sei damals etwa 19—20 Jahre alt gewesen. Die Stelle m 
Dialog VIII, 78 der Wcndergeachicliten ist fiber hierbei au^em- 

scheinlich nicbt in Betracbt gezogeo worden. Hier erz&hlt Cae- 
sarios wortlich: n Abt Gerhard von Clairvanx ael. Andenkcns, dcr 
vn nnw»ppn Zeiten gewespn tat, knm einmstl nnr*h Himrnerode. nm 
das Kloster zu visitiren." (Bonae memoriae dominus Gerhardus 
abbas Ciaraevallis, qui nostris temporibus ftrit) Nacb dem liblichen 
Sprachgebrauch will der Ansdrock .der zn nnseren Zeiten geweseu 
ist", d. b. geleht, hat besagen, dass die letzten Lebensjahre Gerbarda 
zusannnenfallen mit den eraten Lebensjahren dee Caesarius. Da 
Abt Gerhard i. J. 1177 start (Annalen 47. S. 174. Anm. 1), so muss 
Caesarius sp&testens i J. 1170 geboren worden sein. Hiermit 
stitnrnt aucb die Angabe des Caesarios in Distinction IV, 79 seiner 
Wundergescbichten (edit. Strange), wo er erzfthlt, wie derKardinal 
Hcinrich von Albano i. J. 1188 im Auftrage des Papstes Clemens 



r. ; 



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23*5 H. Hdfer. 

nach Deutscbland gescbickt worden Bei, urn dasKrenz zu predigen. 
Caesarins fahrtdann fort: Nocb als Knabe babe ich den ebrwilrdigen 
Biscbof und Miiuch in der Kirch e des bl. Petrus zu KBln das Krenz 
predigen bttren. (Ego eandem venerabilem episcopum et monachnm 
in ecelesia sancti petri Coloniae adbuc poeraudivi.) DieBezeicb- 

nung peer bcdcatct hicr niolit ctwa Knabc — Kind wie Annalen47, 
S. 14, Amn. 1 angegeben, sondern Knahe = Jangling, wie dies anch 
der ganze Sinn der angezogenen Stelle verlangt. Denn wUre Cae- 
sarins nm 1180 geboren, dann ware er i. J. 1188 erst etwa 8Jabre 
all d. h. nocb ein Kind gewesen und batte in diesem Alter weder 
das nbtbige Interesse noch anch die Auffassungsgabe besesseo, urn 
*lie Rede eine« Cnrdinftlpa fixirsn zn kftnnen. Ra wird dies aber 
wesentlieh anders, wenn die Gebart des Caesarins 10 Jahre fruber, 
<1. b. wie oben angegeben nm 1170 angesetzt wird. 

Dass er in Kbln geboren wurde, ist wenn anch nicbt zu er- 
weisen, so docb selir waLrsciieinlicb. Sicber ist, dass er seine 
Knaben- nnd Jugendjabre in KOIn verlebte. In Dialog I, 29 er- 
zuhlt er, dass er die Stiftsschule von St Andreas zn KOln besncbt 
babe. Eine Szene ans dieser seiner Schulzeit gibt er Dialog VI, 5, 
wo er erzablt, wie der nmgister im Begriff war, einen Sehlller in 
dem Augenblick zu ztlcbtigen, als gerade derDechant Ensfried von 
St Andreas anderScbuIe vorbeikam: Ensfried stUrzt in die Sehule, 
vor ..nnseren Augen" den Stock erhebend. In Dialog XI, 55 : Als 
in KbMn einmal drei Diebe geradert worden waren, lief icb am 
folgenden Tage nebst anderen Schtilern auf die Ricbtstatte. Als 
Scbuler hat er auch der eretec Messe beigewohnt, die ein Diakon 
aus Steinfeld in der Michaelskapelle an der Marspfortc gelesen 
iiatte. (Dialog IX, bl.) In K5ln ist Caesarins gut beksnnt Die 
Hobestrasse scbildert er als eine enge Strasse, welcbe icb oft ge- 
gungen bin, wie er Dialog IV, 98 sagt Von dem Kreuz zu St. 
Georg auf dem Waitimarkt erzatilt er ein Wunder, dessen er sich 
nocb ganz deutlicb erinnere nnd das stadtbekannt gewesen 
sei. (Dialog VIII, 25.) Im Jabre 1188 weilte Caesarins in 
Koln, wo er, wie erwahnt, die Rede des Cardinals heinrich 
von Aibano in St. Peter htirte. Von besonderem Interesse ist 
noch eine Stelle in Dialog X, 25, woraus hervorgeht, dass Cae- 
caries auch i. J. 1196 in K»ln weilte. Er beitcbtet uttmlicb vou 
einem hellen Sterne, der sicb am bellen Nacbmittage zn KSln gezeigt 
babe. Es war gerade als man im Falast zn Kcin liber einen Nacb- 
folger dee vcrstorbenen Kaisers Heinricli Verbandlungen pflog, als 



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Znr Lcberageschichte de3 Caesarius von Heifiterbach. 289 

sicb dcr Stem zeigte. Wirliefen imBischofshofzusarnnien.wassten 
jedocb nicht, was die ausserordettliche Erscheinung zo bedeaten 
babe, sagt Caesaris. Die Erscheinans des Sternes fallt anf den 
1. Man; 1198. Die Stelle verdient aber aacfa mit Bezag anf die 
Ortsbezeichnnng im Bischofsbof Beachtung. Der Palast, wo die 
Yertmudliiiigeii btallfaudeu, 1st dcr bi&cliOflichePala&t. Dieter Pal&at 
lag auf dem Dorohof, der Stldseite des jetzigen Domes gegenflber. 
Uier lageu auch die zora Domstift gehCrigen Gebflode and die 
Wobnungen der Stiftsberren. Dort lag aacfa der Bischofehof. Die 
ganze angezogene Steiie scheint darauf hinzuweisen, dass Caesarins 
darnels in der Nabe ^ewohnt bat, d. h. Mitgtied des Domstifts oder 
dee bcaachbarten Maricngradcnstifta goweeen iet. Letztorem b&tte 
aacb Abt Gevard von Heisterbacb angchtfrt. Im Oktober desselben 
Jahres treffen wir Caesarins in Begleitung des Abtes Gevard anf 
dem Wege von Walberberg nach Koln, wo der Abt ihn fHr den 
Orden zu gewinnen snchte. Der Zufall hatte beide Manner sicher 
nicht zusarnmengefflbrt Caesarius war gegeu die Ermahnnngen 
des Abtf*s niclit fthgpneigft, rltireh sin« Wallfahrt jedneh, di« #»r 

zur hi. Maria von Rocaroadoor bei Cabors gelobt batte, vorttofig 

noch gebnndcn. Ala er die Wallfabrt nach 3 Mouaten vollendet 
hatte, begab er sich, ohnedass einer seiner Freunde davon wusste, 
im Januar 1199 nach Heisterbach, urn daselbst Bein Probejahr ab- 
zn lege n. 

Gleichzeittg mit Caesarius machten ein Ritter Bennaco von 
Palmersdorf and Godefried, Scbolaster von St Andreas zu Kttln, 
das Probejahr. Beide waren, wie Caesarius berichtet, schon be- 
jabrte Manner. Caesarius war daraals, wenn das obige Geburts- 
daturu slinimt, etwa29— 30 Jahrealt Kessel (Kircbcnlexikon) nnd 
Kanfniann (Annalen, Heft 53) nehmen an, Caesarins habe dauernd 
in Heisterbacb gelebt, eine Annahme, die sicb aus den Dialogen 
in&ofcrn zu bestatigen scheint, als die auf Heisterbacb bezttgliehen 
Erzabluugen den Eindrnck von Selbsterlebtem machen. Beraerkens- 
werth sind tlbrigenseinige Stellen der Dialoge, die anf einen Anfcnt- 
halt des Caesarins in Him rue rode hinweisen. In Dialog Vlll,13, 
wo Caesarins das Leben des MOnchsPetrus in Himmerode beschreibt, 
erzahlt er, wie demselbeu eine grosse Gabe der Thranen verlieben 
worden sei. Hierfflr kann ich selhst Xeugniss ablegen, sagt (Jae- 
sariue, indent icb wahrend des Chorgesanges einige Zeit neben 
ihm gestanden habe. Huius rei testis sum ego, qui juxta ilium ad 
psalmodiam stabam aliquanto tempore (ed. Strange). Vondernwegen 



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240 H. Hofer. 

* 

seines heiligraBssigen Lebens verebrten Mficche Waltber von Fir- 
bacb der ebenfalis in Himmerode lebte end dessen Leben Caesariui 
in Dial. VII 38 bescbreibt, erzULIt er t demsclbcn sei einmal an 
einem sehr kalten Tage ein Schdler barfues begegnet Von Wit- 
leid ergriffen, sei Walther vom Pferde gestiegen, babe den ScfatKer 
angehslten and babe ihm seine eigeneti Scbnbe gegeben. Dies ist 

in meinem Beisein geschehen, eagt Caesarius, woraos bervorgebt 
dass Caesarius mit Waltber auf Reieen war. An derselben Stdle 
erzahlt Caesarius: A Is icfa micb einmal fiber etwas mit Walther 
besprach, nahci er micb beiseite und sagte: auch ich leide maneh- 
raal anter schweren Versuchnngen. AcfGrund dieserStellen kaim 
ein Aufenthalt des Caesarins in Himmerode nicbt bezweifelt wer* 
den; dieser Aufenthalt kann aber nor ein vortlbergebender gewesen 
sein, so dass die Annahme, Caesarius habe danernd in Heister- 
bach gelebt, bierdnrch nicbt beeintrfichtigt wird. 

Wegen seiner Frftmmigkeit wnrde Caesarius bald sum Noviten- 
meister ernannt. Zum Priorat gelangte er am 1228. In einerUr- 
kunde vom 30. Dezember 1227 wird ein Prior H. von Heisterbach 
genannt 1 ). Caesarius mags also nacb diesem Datum zum Prior 
erboben worden seiu. Die Angabe bei Kessel (Kircherdexikonf 
Caesarius sei scbon beim Abgange seines Freuudes . Karl als Abt 
nach Villers znm Prior erboben worden, iet also nicht ricbtig; 
ebenso ist die Zeitbestimmung in den Annalen, Heft 21, wouach 
Caesarius bereits Ende 122C zum Priorat gelangte, verfrtiht 



1) Mittheilnngen aus dem Stadtarchiv von Kola IX, 121. 



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Die historische Litteratur 1 ) des Niederrheins 
ftir das Jahr 1895. 



Von 
Kaapar Keller. 



A. Eoroische Zeit. 

I.J. Klein. Museographie. Bonn, Provinzialnmsenm. WZ. 
14, S. 399—402. 

U. a. Bericht nber die vom Provinzialmimerim veranstaltptfln Ans- 
pi-abung-cn zu Blankenheiro nnd Neuaa. 

2- A. K i 8 a. Mnseographte. KBln, Museum Wallraf-Richartz. 

WZ. 14, S. 402—403. 
3. P. Berndt Museograpbie. Aachen, St&dtiscbes Snermondt- 

Moseum. WZ. 14, S. 404. 
4. Mnaeographie. Krefeld, Sammlung dee Mnseumvereins. WZ. 

14, S. 405-407. 
& O. debt} 11. Museogntplite. Elberfcid, Sauiiuluugeu des 

Bergischen GeBcbiebtsvereins. WZ. S. 404—405. 

6. A. Riese. Zar Provinzialgeschichte des rOmischen Ger- 
maciens. KBWZ. 14, 8. 146—160. 

R. weiat nach, dass die Errichtnng der Provinzen Uerroania superior 
und inferior mil daa Jahr 90 n. Chr. stattgefonden hat. Vorher gab cs nnr 
einen zur Provinz Gallia Belgica gehorigen Heereabezirk Germania, dessen 
exercitua Oermanicua in zwei von Legatee befehligte Unterabthcilungtm 
exercitus Germamcua superior und inferior zerfiel. 



1) Die Herren Autoren und VerUger von Arbtilen auf dent Qehiete der 
GesehtehU der Mhemprovirus werden gebeteiif im Interessc der Vollatunditjkeit des 
IAtteraturteruicknissea die Anzeige-Esemplare mcglichst fruhzeitig an die Be- 
daJetion der AnnaUn (Bonn, Kurfurstcnetrame 70) einsusenden. 
Annalen des Wat. Vcrcbs LXF. 16 



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442 Kaapar Keller 

7. H. N i s 8 e n. Rheinland in rfimischer Zeit Rede zam Antritt 
des Rektorats am 18. Oktober 1894 gelialten. JVARh. 96/97, 
S. 1-17. 

8. J. Sch n eider. Das rfonische Strassennetz in dem mitt- 
leren Theile der Rheinprovicz und die r&mischen Itinerarien. 
Mit 1 Kartentafel. [A- n. d. T. Die alten Handetewege der 
Gennauen, ROruer uud Franken im Deutscben Reiche. Nacii 
Ortlichen Untersuchungen dargestellt Heft 10.] Frankfurt a. 
M., Jaeger. 22 S. 

9. R. Schultze, C. Steoernagel und H. Nissen. Co- 

Ionia Agrippinen6i8. Festschrift, der 43. Versammlung deuUcher 

Philologen und Schulmanner in Kttln am 25. September 1895 

gevrkbiet vom Verein von Alterthurasfreunden im Rheinlande. 

Mit 17 Tafein and 6 Textfignren. Bonn, GeorgL 171 S. 

Auch chne daa beaondere Titelblatt ale Band 98 der JVARh. Vgt. 
die folgenden Nummern. 

10. H. N i88 en. Das rtfnrische KOln. JVARh. 98, & 145—171. 

11. R. Su h u I i'i e uud C Steueruagel. Coluula Agrlppjneu- 
818. Ein Beitrag zur Ortaknnde der Stadt Kttln znr Rtimerzeit 
JVARh. 98, S. 1—144. 

Durth diese beideu Arbeitcn wird uuaere Kenntnire des rOmischen 
Koln in reichetem Maaese gefdrdert Nissan atellt die Entstehung nnd Grfin- 
dung der Ara ubiorum und der Colonia Agrippinenrio dar, Sehr worth voll 
ist die Toposraphie Kblns, die wir den stadtkolniachen Bauinapektoren Schultze 
und Stenornagcl verdanken. Dae bier gegebeoe iet zum grossteo Tbeil 
das Resnltat eig-ener jabrelariger Ausgrabungen, Untersuchnngen und Mes- 
sungen. Dock Bind aucb die alteren Berionte hier zum ersten Male im Zu- 
BBiJiiiicuhaiigo feofama\nni»cb bciuthoill und bcrivlitigt. Die Siwltinauer uiit 
ihren Thorraen und Thoren wird sorgfaltig untersncht. Anlage, Technik und 
Durchbildung der Einzelheiten der Stadt befeMigung laesen erkennen, daw eie 
ein n&ch einheitlichem, groaaartig entworfenem Plane durchgefiihrtes Werk 
ietf dcsaen Entstehung in die Zfiit gleich nacb der Griindung der KolorJo im 
Jahre 50 n. Chr. ftllt. Fur eine von Duntzer angenommene Stadterveiterang 
in romiacher Zeit hat elch kein Anhalt ergeben. In den uraprunglicben Plan 
Fallt aucb die Legung dee Straaaenuetzea iimerbalb der ummaiierUn Stadt. 
Die Anlagen fur Versorgung der Stadt mit Trinkwaaser und fur Entwas&erung 
warden untersucht; die Vff. konnten ausser dem bekannten Kanal in der 
Budengasse noch zwei andere zum Rhein fuhrende Entwaaaerungakanale nach- 
weieen. Die zahlreichen Ueberreste von romuchen Gebaudea werden scrg- 

faltig verzeichnet. Diese Bauten gehorten zwar rerschiedenen Bauperioden 
an, waren jedocb mit einer einzigen Ananabroe aammtn'ch dem romuchen 
Strassennetz entsprecbend orientirt. Die alte Annabme, dasa auf dem l*om- 

hiigel ein hervorragendea, religiosen oder stadtischen Zwecken dienendoa 



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Die fciaUriacfce Litteratur dea Kiederrheina fur das Jehr 1895. 243 

Cebaude (nach Diintzer der Haupttempel) gestanden haben muss, fanden die 

Vff. beatatigt; daraue erklart sich auch wohl die beeon&ers praehtige Ge- 
ataltung dea nahe gelegenen neuerdinga so viel beaprochenen Nordthores 
{Porta Paphia). Dagegeu gehoren die achon aeit Jabrhunderten bekannUn 
iteste von Monnmentalbanten auf dem Rathhausplatz, wohin mas das Prae- 

torium verleeen wcllte, nnoh dieeen neuesten Untersuchungea einer viel 
spate r en Zeit, zum Theil eogar erst dem 11. und 12. JaHrhundcrt an. Auch 
•die Komerbrucke, welche jedoch nicht als Massivbau mit gewdlbten Bogen- 
slellnngen und masniven Strompfeilern, sondern als eine mit Steinen beaohwerte 
BockbrQcke zu denken sei, und das jcegenflberliegende Kastell Deutz. deaden 
Errichtuiig in eine viel epatere Zeit fallt, werden von den Vff. in ihre Unter- 
auchungen einbezogen. Ea iat ein hervorragendea Verdienat der beiden Vff., 
dnrch ihre unbefangenen nnd planmassigen L'nterauchungen den alten will- 
kiirlichen Annahmcn ein Ende gemacht nnd fur dio kunftige Alterthuma- 
forschung in K61n ein sicherea Fundament gelegt zu haben. 

12. A. K i 8 a. Der Kauai in der Budengasee. KBWZ. 14, S. 2—6. 

Nachweis, dass der Kanal kein Wehrgang, aoudern ein Entwasserunga- 
Icanal war. 

13. J. Schneider. Vetera, Castra DIpia nnd Colonfa Trajana. 
RheinGBU. 2, Z. 84-04. 

Verlegt das im Bataverkriege zerstorte, fur zwei Legtooen bestimmte 

l-ager Vetera auf den Fiiratenberg bei Xanten; Castra Ulpia aei fur die 30. 
l/Cgion innerhalb des alten Lagers errichtet worden. Die Colonia Trajana 
babe vor dero Kleverthore zu Xanten gelegen. Vf. beetreitet, daaa dort eine 
rumieche Ffahlbrticke beatanden hntte; die sp&ter gefundenen Pfahle h&tlen 
in dem aumpfigen Terrain der Romorstraaae als Unterlage gedient. 

14. 0. Eocdcd. Zrnn VcraUlndmss der linksrheimachcn rbraiacben 
Grenzschutzlinie. (RCmische Militar- und Privatbauten anf dem 
Reekberg bei Neuss). JVARh. 96/97, S. 351-359. 

Dnroh wejt«rv> Unternuptiungen It on rite K. die TJmriao*» diet Zwiaetutn* 

Jtastells genauer festatellen. Jn allemfichster Nahe legte er die Fnndamente 
eines groaaeren romiaclien Privatbauea und ein romiscbea Graberfeld, und auf 
einem nahen, daa Lagerterrain uberragenden Iliigel einen Wachtthurm blosa. 
In einer itatfernung von WW Metern vom Keckberg worde ein neues Zwischen- 
It as tell aufgefunden. 

15. K. Koeuen. Ueber das Bauinaterial im Legiunslager von 
Novae&ium. RbeinGBH. 1, 8. 355—356. 

1 6. J. Schneider. Der Tuffetein, kein rSmisches Hochbau- 
material am Niederrhein. RheinGBH. 1, S. 351— 3. r )4. 

17. K. Kocncn. Gefdaekundc der vorrSmiechen, rSmiecbcn und 
frankiscben Zeit in den Rheinlanden. Mit 590 Abbildnngen. 
Boon, Hanstein. IV, 155 S. 

Daa Alter der Niederlaaaungen, Befeetigungen, Graber u. s. w. lmast 
sich nach den in ibnen gefundenen Thongefasaen beatimraen. Durch Koenens 



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244 Kaspar Keller 

Gefasskunde ist es nnn jedermann ermoglicbt zu beetimmen, ob ein gefundeaes: 
Gefiua oder Scberbe vorromiieh, romisch oder frankisch i>t und in welcbe 
Kpoche der genaanten Zeitraume daa i.u beatimmonde Stuck gebort. Aucl> 
die lokalen Unterschiede werden gebuhrend beriicktichtigt. Die Orientirnnjj 
wird durcb zahlrciche Abbildungen noch crlcichtcrt, bei dencu nur das 
Feblen der Maassangabeii und der Kolorirung zu bedanern igt. 

18. C. Stedtfeldt. Kbln. Massenfand rttmischer MttnzeD. 
KBWZ. 14, S, 184—189. 

19. P. Braa n. Sp&trtfiuiscber Mtinzenfund in KOJn. RheinGBll. 

2. S. 158-160. 
Bei Anescbacbtungaaibeitcn neben der Kirche Maria im Capitol warden 

ein Fasg und mehrere Topfe mit romiscben Mnnzen, deren Anzahl auf 
160—200000 St&ck geach&tst wird, gcfUnden. Dio Mfiuscu geborco hnupt- 

sachlich der konstantinischen Zeit an, stammen aber aus verschiedenen Prage- 

ortcn nnd haben wahrscheinlich den Beotand einer dffentlichen Kawe 
gebildet. 

20. E b e r I e i n. Kbln. Funde rCmischer Alterthtaer am Apostel- 
markt N. 25. JVARh. 96/97, S. 843—345. 

In den aufgedeckten Baurcaten einea ronmchen Hauaea fanden sicb 
viele, zum Xheil gut erhaltene Kaple, zagedeckte Terrasigillataachusaeln nut 
Speiaereeten, G laser, Mtinxen, Kncoben von Memcben and Ttueren. Die 
vielen Brandspuren: geschmolzenee Glas und Eisen, verbrannte Knochea, 
Hnl?kohlen u. *. w. den ten anf gewalttamo Zerstorung dea wohl gTowtentbeila 
aua Holz gebauten Hauaea durch Brand hin, welche Eberlein nach den auf- 
gefundenen Munzen in die Mitte dea 4. Jahrhnnderts setzt. 

21. J. K 1 e i n. Kleinere Mittbeilungen ans dem Provinzialmuseum 
zu Bonn. JVARh. 98/97, S. 156— 171. 

Zwei den AUtroais Fachinehjs oder -eihis, die bier zum erstea Hale 
vorkommen, gesetzte Steine; mehrere in Koln gefnndene Grabateine, anf 
dcrcn wnem oicb ©boa iu eiucr Niotbc eine Dare tell ung des Todeumohle* 
befindet, und eine Kaiserinscbrift aus Bonn, von der EL annimmt, daaa sie 
dem Kaiser Claudius im Jahre 43 bei seiner Acweoenheit in Gallien ans 
Anlass eeines Zuges nach Britannien fjeaetzt worden sei. 

22. J. Klein. Grabfunde aus Bonn. JVARh. 96/97, S. 365—368. 

ZuBammemtellung der hauptaacblichsten Funde im Jahre 1894. 

23. J.Klein. KCln. Fragment einer Fignr. JVARh.96/97,S.S68— 370. 

Figur einer Fortuna aua der Fabrik des Alfius; dieae Fabrik wnrde 
1885 ftuf der Aachener Straaae in K6bo entdeckt. 

24. A. Kisa. Neue Inschriften. KBWZ. 14, Sp. 85-92. 

Ein Votivefcoin an Jupitor Doliohenuo nnd ©in Grnbot&in einoa Vctci-auo* 

und seiner Gattin, mit Relief; beide Bteine sind im Monat Mai in Koln ge- 
funden worden. 

25. M. S i e b o n r g. Beitrfige zor Alterthnmsknnde dee Nieder- 
rheina JVARh. 9G/97, S. 249—271. 



r. ; 



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THa hiatnritcbe I,iH«*r»i«ir Atm Niedarrlwina fnr da* 3m.hr 1H95- 94ft 

S. beachreibt zunachst einen Weiheatein ana Nieukerk, Kreis Geldern. 
•der den Deae Malviaiae von dem Kommandanten der Leg. I Mio. P. F. tttr 
-das Wobl des Kaisers Commodus zwisohen 185 nnd 193 gesetet und aucfe 

-daduroh merkwiirdig ist, daw er eine chriatliche Inachrift enthalt, da er 
apftter ala Altarstein benutzt worden war. Ferner verOffentlicht Siebourg 
Insclirifteii von einom Ziegelstempel bus Gellep, von einem Thonbecher aus 
Asberg, Fabrikautenetempel und uiiedirte Inechriften von Terrasigillatanapfen 

uod Glasschalcn aus Asberg und Xanten. 

26. J. Klein. Blankenbeira in der Eifel. RiSinische Inschrift. 
JVARh. 96/97, S. 370-371. 



B. Mittelalter und neuere Zeit. 

I. QaeHen and Quelleuknnde. 

'28. A. Decker. Die Hildebold'sche Mannsciiptensaramlung des 
KOlner Domes. Mit I Tafel- — Festschrift, der 23. Versamm- 

lung dcutecbcr Philologcn nnd Schnlm&nncr dargcbotcu von 

den httheren Lehranstalten Ktfns. S. 215—251. Bonn, Georgi, 4°. 
I), veriiflentlicht den za der Hildebold'achen ManuscriptensamnUung 
-des Kolner Domes gehorenden lange vermissten Katalog der von Papat Leo 
an Earl den Groaueii goeandten Bucher und reiht da ran eine Beecbreibung 
der gegenwartig noch in der Dombibliothek vorhandeneii Nummern des 
Kataloga. Eine kurze Lcbensbosckreibung Hi Heboid 3 loitet die Publikation em 
29. L. Scbmitz. Die Kosten der papstJicnen Bestatigung 

Ruprecbts von der Pfalz zum Erzbiscbof yod KOln, 14G4 

RheinGBU. 2, S. 113—115. 
30- L. Budget des korkolnischeD Hofes im Jabre 1700. XUietiiOBII 

2, S. 374-379. 

31. W. Anfschwfinmg des Herzogs Franz von Braunschweig-Giff 
nuru (1508— 1044> Ittr das Kolucr DuuiKapitoI. KDWZ. 14 
Sp. 47-48. 

32. K. Hayn. Ans den Annatenregistern der Fapste Eugea IV. 
Pius IL und Sixtus (V. (1431—1447, 1458-1489>. AnnHV 
Niederrh. 61, S. 129-186. 

33. St. EhseB und AL Meister. Nuntiaturberichte aus Deutsch 
iond. Nebat erftunzenden Aktcnetttckcn. 1585 (1584) 1500 
1. Abtheilnng. Die Kttlner Nnntiatur. 1. HiLlfte. Bonomi in 
KOlc, Sautonio in der Schweiz, die Strassburger Wirren 
[A. n. d. T. Qaellen and Foreebnngen auf dem Gebiete der 
Geschichte. In Verhindung mit ihrem historischen Institut in 






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5MG Kaapar Keller 

Rom herausgegeben von der GttrresgeBellscbaft. 4. Band.} 
Paderborn, ScbOningh. LXXXV, 402 S. 

Die GorreBgeeeUschaft hat die Herauagabe der Nuntiaturberichte aw 
den Jahreti 1585—1605 iibernoromen. Von dieeer Abtbeilung liegt derertte 
Band vor. Die beiden Herauageber haben das bandscbriftliche Materiel ge- 
meinaam geaammelt nnd spater bei der redaktionellen Behandlung aid in 
die Arbeit derartig getbeilt, dans Ehae» die Kolner uad Scbweizer Bericbte r 
Meister den Strassburger Kapitelatreit bearbeitete. Die Kolner Nuntiatur- 

bcriclitc aind die umfangreichaten and wichtigsten und dahor ar.ch bestiramend- 
fur die Bezeicbnung dee ganzen Bandes: Kolner Nuntiatur. Bonomi war der 
erste Inheber der 1584 neu erriehteten ttfndigen Kolner Nuntiatur. Die 
poHtiache Thati^keit des Nuntius trat nacta der Absetzung dea Erzbischcfs 
Gebhard Truefaeeaa [vgl. Litteraturbericht 1892. n. 32.) gegenfiber der refor- 
matori^cben zuriick. Neben den eigtntliclien Nuntiaturberichte n Bind aucb 
erne Meuge erganzender Aktenstiicke auB deutscheu, oaterreicbischen und 
italienieohen A re bi von aufgenozntnen. Der Kdiiition gebt cine langere Ein- 
leitung versus, welcfce neben einer Wiirdigung der Quellen namentlich eine 
nmfangreiche Biograpbie Bonomla enthBlt. 

34. M. Loss en. Kfimiscbe Nmitiaturberichte ale Qaelleu der Ge- 
scbicbte dee KOIniscbeu KxicgcH- — Sybcle Ilistciiecbt; Zeit- 
schrift 75, S. 1-18. 

In einer im allgemeinen giinBtigen Besprechung von Hansens Ausgabe 
der NnntiatwrberiehtB [vgl, I.itierafcnrlierichte 1899, n. 39, 1894, n. U] vrirft 
L. dem Herausgeber Ueberscbatznug des kurialen Einfiusses auf die Losuog 
der Ktilmschen Frage, nnd datnit aach Ueberscbatzung der Nuntiaturberichte 
als Quelle fur die Geschichte dee Kolniachen Eriegea vor, will auch dessea 
Einwiirfe gegen seine Auftaaeung der Uropper'achen .Sr.ntiatur als einer 
stacdigen nicht gelten lasten. 

35. J. Hansen. ROmische Nuntiaturbericbte als Qnellen zur Ge- 
ecbiobto des Kolner Kriegce (1576—1584). WZ. 14, 8. 105—203. 

Zuruckweiaung von Loaaena Ausstellungen. 

36. L. Keller. Die Gcgenreformation in Westfalen und am- 
Niederrbein. Aktenetttcke und Erlanterungen. 3. Theil. 160(V 
bis 1623. [A. n. d. T. Publikationen ans den preusaischea 
StaaUarcbiven. Bd. 62.] Leipzig, Hirzel. VIII, 693 S. 

Fur una kommt der erate t die Jiilich-kleviacben Lander betreffende- 
Thtil des I.andes in Betracht. tileich u&ch der Brandenburgiacbea Besita- 
ergreifutig trat eine auffallende Entwicklung und Vennehrung der reformirteav 
Oemeinden am Niederrhetn hervor. Durch den ReUgionawechsel der beiden 
Pratendenten una andere Ereigniaae erfolgte jedoch ein Umsclwuug der 
politiechen Luge zu Gunaten der Katboliken, der durcb die Waffenerfolg» 
dea Kaisers nnd der Liga nocb verslarkt wurde. Die Folge war ein Zarfick- 
drangen der Proteatanten und ein Vorrucken der Katholiken. 

37. H. Loerecb. Rheiuisebe WeistbUmer and verwandte Urknndea 



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Die histon'scbe Litteratur dea Xiederrheins fur das Jahr 1895. 247 

imKOlnerStadtarchiv. Mevissen-Festechrift. n. 12. S. 333— 360. 

KBln, Du Mont-Schanberg, VH, 407 S. 

Die znm Theil erst darch die neuerec Ordnungs&rbeiten znm Vorschein 
gekommenen Weiathiimer, zugleich eino Ergansung und Berichtigang dee 

IbSo erachienenen Verzeichniasea Raeinischer Yi'ei&thuiTier. AU Beilage werden 

Y©roii»t>ainm(y»n des Geriolit* un<3 der Buiiernhnnk m»f Hem Rigplafam unil 

die Crfiindungflurkunde einer Bauernbank von S. Severin von 1384 abgedruckt- 

38. G. von Below. Landtagsakten von Jliiich-Berg. 1400-1610. 
1. Rand. 1400—1562. [A. u. d. T. Pnblikationen der Geaell- 
schaft ftlr Rheini8che Geschichtsknnde. XL] DUsseldorf, Yobs. 
XVI. 824 S. 

Der erste Band dieser durch mehrere vortpeffiiche Arbeiten uber die 
landat'andiacbe Verfassung vorbcreiteten Edition. Tn einer nmfangreiehan Ein- 

leitung orientirt una Below in ansfuhrlictaster Weiae Uber die Landtagaver- 
fasaung. wie aie rich 1538 herauigebildet hatfce; er unieriuchtdieOrganiaation 
des landtagea, die allgemeine SteUnng der Landatande, die Kompeteozen dea 
Landtag ea in Bezog auf die landeaherrliche Familie und dfB Territonum, 
BUBwiirtige Politik and Kriegawesen, Recbt und Gericbt, Verwaltung, Polizei 
nnd Finanzen. Die eigentlichen Landtagsakten 8ind erst aeit 1538 erhalten, 
aui alterer Zoit nur einige Berufungaechreiben, Privilegien und Steuerreverae 
vorbanden. Die Akten Bind nicht in rein cbronologiacher Folge abgedruckt, 
anndern in Gruppen geordnet. Der grosete Theil der mitgetheilten Akten- 
otiicke bezieht aicb auf deu geldriachen ErbfolgeBtreit -, andere betreHVn den 
Streit urn die geiatliche Jurisdiktion (1550), Turkenbulfe (1542) nnd Rekha- 
ateuern, Polizei- nnd Bechtaordnungen nnd Featungabauten. 

Kfl. G. von Below. D©r Streit den Herooga Johann von JHlioh* 

Berg nrit dem Julicher Erbmarachall Engelbert Hurdt von 
Scbttnecken in den Jahren 1513—1514. (Beachwerden ttber 
Miesstfinde in der Verwaltung.) BGNiederrh. 9, & 76—105. 

Dieae Aktenatiicke bieten den Slteateu Beriuht Uber die Form der 

Landtagaverhandlungen, 

40. H. Keussen. Urknnden zur Geschiehte der Julicher Reicbs- 
pfandschaften. ZAacbenGV. 17, S. 257—250. 

41. J. Th. de Raadt. Beitrage znr Geschiehte dee Knrfuraten 

Johann Wilhelm. BGNiederrh. 9, S. 162—197. 
22 Aktenatucke aua den Jahren 1690—1705, ana dem Arcbiv dea Herro 
von Vervier in Gent. 

42. M. Kohtz. Jtllich-Bergfsche Accisordnuug void Jahre 1624. 
BGNiederrh. 0, S. 254—263. 

43. Die Jagdgrenzen des Hanses zam Hau8 in Ratingen, des 
Hansea Overheid bei Benrath nnd des Hanses Mickeln bei 
Himmelgeiet. BGNiederrh. 9, S. 267-268. 



r. ; 



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248 Kaapar Keller 

44. P. Kttch- Antzeicbnungen Redingbovens 1650—1651. BG- 
Niederrh. 9, S. 264-267. 

45. 0. Dresemann. Die Jttlich'scfae Fehde 1542-1543 Zeit- 

genOssischer Bericht des Michael Locff, Johannitere in Kie- 
ringen. AnnHVNiederrh. 61, H. 57-78. 

46. EL Keussen. Eine Kttlner Steinurknnde ane dem 12. Jahr- 
hundert. KBWZ. 14. Sp. 216-222. 

Eine in alterer Zeit am Eigelateinathor eingemauert gcweaene Inechrift 

ist frtiher von Gelen und Hupscfa und in jungeter Zeit nach dieaen beiden 
Drocken von Kraua ver5ffentHcht worden. Die Vorlage Gelen'a, eine im 
10. Jahrhundert sngefertigte Holztafel, ist neuerdings wieder aufgefunden 
worden. Aus dera Schriftcharakter schliesat Keusaen. daaa aie Bine genaup 
Nachbildung der originalen Steiainechrift eei. Dee weitereu weiet Keussen 
nacb, daaa eie der Schluss einer Urkunde ist, dorch welche zviachen 1138 
und 1151 der Erwerb der Worringer Vogtei durch den Domprobat Arnold 
bekundet wird. 

47. W. Stein. Akten zur Gescbiehte der Verfassuog und Ver- 
waltung der Stadt KOln im 14. nnd 15. Jahrhundert 2. Band. 
Mil ReglBtern zu twlden Banden- [A. u. d. T. Fublikationen 
der Gesellechaft fllr Rheinische Gesehichtskunde. X. 2. Band.] 
Bonn, Behrendt XXII, 800 S. 

Dieeer zweite Baud bringt die Akten zur Verwaltung der Stadt Koln 
im 14. und 15. ■ Jahrhundert [vg\, Litteratarbericht, 1893, n. 37], ein OrU- 
uod Personenverzeichniaa, ein Sachregiater und endlich eine chronologisohe 

Uebereicht fiber den Inhftlt der heiden Mode. Daa Iiob, dai dem ersteti 
Band geependet wurde, kcmmt audi dieaem zweiten Bande in vollem Maaaae au. 

48- F. Lao. Ein Verzeichniss der KBlner Ricberzeche (9. August 
1389 bis 9. August 1891), zugleich ein Beitrag zur Erganzung 
des „Neuen Buches". KBWZ. 14, Sp. 239—254. 

Diese Famenliate gait fruher ala ein Verzeichnisa der Schoffenbruder- 
scbaft ; Lau weiat nach, dasa aie ein Verzeichniee der Rioherzeohe iat, welcbea 
aua An I ass der vom Rath in Augrlff genommenen AblCsung der Rechte der 
Rieherzechenmit#lieder angelegt worden iat. Ana anderen Qnellen wird auich 
die Quote dieser Abloaung nachgewiesen. 

49. Intercasantc, den Kbiner Dom betrcffende Urkunde. Kbiner 
Pastoralblatt, 29, S. 376—378. 

Indult Papal Bonifaz VIII. fur Abgesandte des Erzbiacbofa und Dona- 

kapitela. welche aueh an den mit dem Interdikt belegten Orten feierlichen 
Gottesdienat haltcn durften. 

50. Br. A 1 b e r s. Daa Verbrliderungsbuch der Abtei Deutz. 
Studien und Mittbeilungen aus dem Benedictiner- und Cister- 
cieneerorden, 16, S. 96-103. 



r. 



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IK© Metorieetie L5fUro*nr &fi* Nfederrfceinft fiir Aa* Jahr 1ft$5. 949 

51." W. Harless. Das Meroorienregiatcr. der Abtei Altenberg. 
ZBergGV. 81,8. 119—150. 

Brnchstucke dea im 18. Julirhundert angelegten Memorienbuche* mit 
eelir intereasanten Eiutragungen. 

52. H. H5fer. Regesten zur Gesehfehte der AbteJ Heisterbaeh. 
RueiuGBIl. 2, S. 80—84, 119—121, 152—155. 

53. Agnes, Burggriifin von Wolkenbarg tlberwcist nnter Mitbesiege- 
Inng ihre8 Gemahls, des Burggrafen Ludwig, dem Cistercienser- 
nonnenkonveut zn Ilerchen eine Erbrente von eiucr Ohm Weill 
aim einem Weingut zu KOnigawinter. ZBergGV. 31, S. 78. 

54. Ferd. Schmitz. Weisthumer des Kirchapiels Oberdollendorf 
. im Amtc Lt5 wen burg and Verordnungen doe dortigen Mnrkfc- 

gedings. BGNiederrh. 0, S. 106-132. 

55. M. Scheiri8. Urkundliuhe BeitrUge znr Gescbichte der Stadt 

Mttnetercifel und ihrer Umgebung. 1. Band, 2. HiUfte. S. 241 

bis 534. [A. u. d. T. Publikationen aus der Rbeinischeo Ge- 

schichte. 16.] Bonn, Hanetein. 294. 

Auixiice aua den Rathsprotokollen der Jahre 1660—1687. and Reffister 
zu den beiden Abtheiluagen. [Vgl. Littcratnrbericbi 1894, n. 45.] 

56. Alf. Bell es he i m. Studenten aus der alten Reichsstadt Aachen 
im Collegium Germanicum-Hungaricum in Rom. ZAachenGV. 
17, S. 252-254. 

Aob: A. Steinbuber, Geachichte des Collegium Germanicum-Hungaricum 
in Rom. Freiburjr, Herder. 2 Bande. XVI f 472 uad VII, 5S0 S. 

57. O. Dreseuiaiin. Aue eiucr Cliiuuik dee Kartli&u&erklusLera 
Vogelsang bei Jtilieh. AnnHVNiederrh. €1, S. 79—96. 

58. G. von Below. Privileg flr die WaidhandlerzuBft der Stadt 
Jttlich. 10. Aufcuet 1424. BGNiederrh. 9, 6. 186—189. 

59. F. K fl c h. Die Dilsseldorfer Stadterbebungsnrkunde and ihre 
Schicksale. BGNiederrh. 9, S. 249-254. 

€0. Knifflor. Lateiniechee Godioht anf dns Bombardomont Dlieeol- 
dorfs 6./7. Oktober 1794. BGNiederrh. 9, S. 273-275. 

4J1. H. For st. Ein Schreiben der evaugeliseheu Geistlichen der 
Stadt Wesel an ibre aos der Oberpfalz vertriebenen Amts- 
brUder (im Jahre 1630). BGNiederrh. 9, S. 142-145. 

4>2. Th- II gen. Die Chroniken der westf&lischen and niederrhei- 
nisfhen Stftdta. 3. Band. Soeat nnd Diiinhnrg. [A. n. d. T. 
Die Chroniken der dentschen Stfldte vom 14. bis 16. Jabrhun- 
dert. Heransgegeben dnrcb die historische Kommtesion bei 
der kflniglichen Akademie der Wia&enschaften. 24. Band.) 
Leipzig, Hind. CLXXIV, 283 S. 



r. 



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250 Kaanar Keller 

Bei der 'ecijen Vorbindtmg, in der die Stadt Soeet action jzleieh von 

ihrer eraten Erwfchnung an xu dem Kolner Erzatift und aeinen Erzbiaehofan 
sp&ter zu deu Klevieckeri Herwigeu stand, iat oa erklarlich, dan no wo hi id 
dem Text der mitgetheilten Auazuge una den Soeater Rathshuchern (1417 his 
1500), wie in der umfangreichen Einleitung, die oine Uebersichfc fiber die 
auasere Geecbicbte und die Verfasaung der Stadt bietet, dieae Beziehungeo 
anefdhrlich erlautert werden. Der zv-eite Theil dee Bandea enth5.lt die 
Duisburger Chronik dea Johanniters Johann von Wasscnberg. Die Einleitung 
orientirt una fiber die erbaltene Originalhandachrift und die Lebensschick- 
aale des Autori. Die Chronik nmfasst die Jahre 147fe— 1517 und gebort zu 

den werthvolleten Quellen dieaer Zeit, so dass ee aufiallig iat, daaa aie gar 

keine Verbreitung gefunden bat und nachweielich nur von oincm einzigsn 
spateren Duiiburger Gaschichtssobreiber benutzt worden lit. 

63. C. vom Berg jr. Inhalteverzeichniss des Archivs der Stadt 
Lennep vom Jahre 1790. MechrBergGV. 2, S. 88—90. 

64. E. Johanny. Eire Urkunde aus dem Jahre 1747. Mscbr- 
BergGV. 2, S. 12-14, 23-26, 39—41, 56-60. 

Fiir das Wollenamt zu Huekeswagen. 

65. E. Pauls. Die Beckhaus'scbe Sammlung in der Kttnlglicben 
Landeebibliothek zu DHeseldorf. BGNiederrh. 9, S. 218—238. 

Beckhaus ist gestorben els Profeasor der Theologie zu Marburg. S€*n 

Manuscript ciner auf ti Bande berechneten Gelehrtengeachicbte Westfaleni 
und des Niederrheins ist seit 1S4& in der Kdniglichen Landesbibliothek zu 
DuBseldorf deponirt. 

66. E. Voollieme. Die Inknnabeln der Kfiniglichen Univereitftts- 
biblioihek in Bonu. 10. Dei b eft sum CentralblaU fdr Dlblio- 

tbekswesen. Leipzig, Harraasowitz, 262 S. 

67. E. Froinm. ZeitgenOssische Berichte Hber Einzng und Kr5- 
uung Karta V. in Aachen 22. and 23. October 1520. ZAachtsa* 
GV. 17, S. 207—251. 

BibJiographisch genaues Ver/eicfcnias aller bekannt gewordenen zeit- 

gonoaoigchon Beriobte fiber Einsog unci Kronung Karls V., doe latxten in 

Aachen gekronten Kaisers. F. bestimmt ihr gegeuseitigea Verhaltniss nfiher. 
Der ausfuhrliehate Bericht iiber den Einzng und der die Kronong betreffende 
Theil eines vlamiaulien Druckes warden abgedruckt 

68. Konst Schultbeia Eriauterungcn zum geschichtlichec Atlas 
der Rheinprovinz. 1. Band. Die Karten von 1813 nnd 1818. 
[A. u. d. T. Publikaiionen des Gesellschaft fttr Rheinische 
Geschichtakunde. 12.] Bonn, Behrend. 204 S. 

69. F. Wissowa. Bibliographische Ueberaicht des in Aacbener 
Zeitungen von 1819—1890 enthaltenen lokalgeschichtlichen 
Materials. ZAacbenGV. 17, S. 268-326. 



r. ; 



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Dip hntnriftch* l.iHcrolur d«i NiPfWrtieinii ffir Attn Jahr 1RQR 9f»T 

70. Ph. Nottbrock. Zeitschrift des Aachener Geschichtsvereins. 
Register zu Band 8—15. Aachen, Cremer. VII, 294 S. 

71. Beitrage zur Geschichte vornehrolich Kfilns und der Rheinlande. 
Zom 80. Geburtstage Guatav von Mevissens dargebracht von 
dem Archiv der Stadt K81n. K61n, Du Mont-Schauberg. VII r 
407 S. 

Bei den einzeluen Aufgi&tzeQ dtirtals n Mevi8Ben-Feet&chrift b . Vgl. obenu. 
n. 37. 

72. R. Pick. Aus Aachena Vergangenheit. Beitrage zur Ge- 
schichte der alten Kaiserstadt. Mit 5 Abbildungen. Aachen, 
Creutzer. VII, 632 S. 

Ito Folgondon fcoi don oinaolrwa Aufcat^on cttirt al»; Aoe A not on* 

Vergangenheit, 

II. Darstellende A i bei ten. 
1. Allgemeiueren Inhalts. 

73. L. Wiloei. Stanimbaum und Auebreiluug der Geriuaueu. 
Bonn, Hanetein. X, 59 S. 

In diese Schrift ist auch der im Litteratnrbericht fur das Jahr 1894, 
n. fi9 verveiehnetG Aufaatz nufgenommen. 

Vergl. die eehr absprecbende Recension dutch G. Koaainna in der 
Deut*chen Zeitschrift fur GeschichtswiBsenschaft, Jahrgang 1W>(», Monataheft 
1, S. 1*— 21. 
73a. G. KoBSina. Ursprang des Germanennamens. Beitrage zur 

Geschichte der deutschen Spracbe, 20, S. 258—301. 
Von allgemeiner Wichtigkeit fur die Crgeacnkhte der Rheinlande. 
V«rf. otcllt die droi vinhiotormcboii EiubrQcbe der Germoucu in da» liuks- 
rheinische Keltengebiet am Niederrhein fest 1. l>ie germaniache Beimischung 
der oatHcnen Belgenstfimme ; 2. Uebergang der Germani cisrhenani in Hnka- 
rheinisobea Gebiet urn lt>0 v. Chr., Aufrommen des Qermanennamena fur das 
geaammte Muttervolk reehta de« Rheines; 3. GermaniBchG Beimischung bei 
Nerviern und Trevereru. 

74. W. Reeb. Germanische Namen auf Rheinisclien Inscbriften. 
Beilage zu dem Programra des grossherzoglichen Gymnasiums 
zu Mainz. Mainz, Druck von Prickart8. 4°. 48 S. 

75. P. Vogt. Die Ortenamen auf -scheid und -anel (ohl). Fin 
Beitrag zur Geschichte der frHukieebeu Wauderuugeu uud 
Siedelungen. Programm des Gymnasiums zu Neuwied. Neu- 
wied, Henser. 63 S. 

Diese Ortanamen, die in drei KiemHcb geachloeeenenen Gruppcn in> 
Sauerland, an der unteren Sieg und Wied und in der Schneifel vorkommen. 



r . ii 



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252 K a s p a r Keller 

vie'at Vogt sis echt deutich nach; nach ihm Btehen sie im Zusamni enhance 
mit den Wanderungen des apateren frankiBclien Stammes der Ampsivarier. 

76. P. Vogt Der Name Eiiel. BheinGBl. 1, S. 829-330. 

V. bringt den Kamen Eifel mit der vorher erwahnton Oruendunjr 
auel in Verbindung, abweicheud von fruheren Erklarungsveraucnen, nament- 
lioh von Marjan und Lolirnan. 

77. Frz. Cramer. Niederrheinieche Ortsnamen. BGKicderrb. 10, 
S. 126-185. 

C. Btellt fiir die drei Regierungsbezirke Koln, Aacben und OUseeldorf 
dlejenigen Ortsnamer. ziisammeri, deren Herleitnug a us dem Lateinisclu-n fesl- 
ateht Ferner sucbt er im Antchluase an Joubainville's Buch: Lea premiers 
habitants Ue J'Europe und deasen Annabme vou der fruheren grossen Ver- 

fcreitung do« ligarioohon Stammoe vor dem Zuge dor Koltcn nooK Weeten 

und Siidweaten auch fur unaeren Bezirk ligurische (Mb- und Flussnamen 
nachzuweisen. 

78. C. Kadenjacher. Die germani6chen Begrabcissstatten 
zwischen Sieg und Wupper. lUschrBergGV. 1, S. 161 — 163, 
173-177; 2, S. 7—10. 

79. W. Bosch. Die Alamannenschlacht Chlodwigs. 2. Tbeil. 
Programm des Gymnasiums zn M.-Gladbach. M.-Gladbach. 
Schellmann. 4° 37" S. fVgL Litteratorbericht 1894, n. 65"). 

B. schildert VeranlasBung, Verlauf und Folgen des Karnpfes zwischen 
Alsmannen und Franken, der in der gTOBsen Alamannenschlacht entschieden 
wurde. Er setzt diese bcl.Ucht in daa .Janr 60t5 (nicht 43ti) und verlegt 
iliren Schauphitz in daa Gebiet der Fipuariachen Frankeo, wenn auch nicht 

dirakt uaoh ZulpieU. 

SO. C. Koenefi. Karolingische Grenzbefestignngsliuie zwischen 
Ost- uud Westlothringea JVARh. 96/97, S. 359— 36a 

GrefizbeFoatignngaliniefi mit Kastellnnlagea an der prou*Bisob-boll&Ti<lischc>n 

Grenze unweit von Heinaberg setzt K. auf Grand der aufgefnndcnen Thon- 
gefaese in die apatkarolingiscbe Zeifc. Er nimmt an, daaa aie nach dem Ver- 
trage von Mersen unter Ludwig dem Deut adieu zum SchuUe Oatlothringens 
gegen Westlotaringen unter Karl dem Kahlen erricbtet worden aeien. K% 
ware dies also die erste Grenzvertheidigungsanlage DentichlandB gegen 

seinen veatlicben Nachbarn. 

8L Ferd. Bchinitz. Der Neusser Krieg. RheioGBl. 2, & 1— 10, 
33—60* 65-80, 97—113, 129—145, 161-177. 

82. J. Mil Her. Der Konflikt Kaiser Rudolfs II. mit den dent- 
selieii Beiciiwladteu. WZ. 14, & 257—293. 
Dieser Konflikt war gegen Ende der 70er Jahre des 16. Jahrhunderta 
entatanden wegen des der Reichsstadt Aachen bestrittenen jus reformandi, 
da Aachen zur Zeit des AugBburgiachen Religionafriedena noch ganz katbo- 
lisch geweaac aei. Muller giebt eine Darstellung liber die Entstehung uud 






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Din hiatnriaphn Ijtfcpratur dM \ii»Hprrh*in« flip du Jahr lH95. 55-t 

Entwicklung der Keformationsbeweg'aug in Aachen und ecbildert den Veriauf 
-und Auegang dcs Konflikte*. 

83. E. Go the in. Rheinische Zollkongresse und Handelsprojekte 
am Ende des 17. Jalirhunderts. Merissen- Festschrift n. 13, 
a 360-400. 

Der Rheinhandel ging im 16. und 17. Jahrhundert durch den nocb> 

stets wachsenden Druck dor Flusszblle zuruclc, weil die Kaufleute den 

billigerea Landtr&neport verzogen. Auf den Zollkapiteln der an den Rhein- 
ztillen betheiligten Herrschaften wurde viel iiber die Hebung den Handels 
debattirt, und viele Denksohriften fiber die Besserung dieses Zustandes wurden- 
verfaset. Besondera interessant ist eict* Denkschrift der kurkdlmscben Re- 
g-ierun? an die kurpfalzische, ebenso eine solche der Amsterdamer Kauf- 

mannschaft fur den 1699 in Kolu zusarnmengetrotcnon Zollkongrcaa, auf 
welcfcem die Missstande endgiiltig a'ogethan werden sollten. Auch macht G. 
tnit dem abenteuer lichen Plane der K diner Patrizier Arnold nnd Gerwin 
von beywegh bekannt, die auf dem Rheiue eine Galeerenflotto errtohten und 
den Handelsweg von Italien nach Deutschland each dem Rhein herUberziehen 
wollten. Das Projtkt fand die Zuaiitnmung der Zollaiaateo, acheiterte jedoch 
an dem Widerspruch des Kaisera. 

84. E. Go the in. Zur Geschichte der Rheinschifffahrt WZ. 14, 
S. 234-256. 

85. J. Kohler und E. Liesegang. Entausserunfc und zukunt- 
tiger Rechteerwerb. Mit beeonderer RUoksicht aul ein im 
Jahre 1352 von Kttlner Kanonikern erstattetes Gutachten. 
Zuglefcb ein Deilrag zuui Aatorrecht and sur Kezeptiouege- 
schicbte. Archiv ftr Bilrgerliches Recht, 10, S. 5S— 103. 

Eiu interesaanter Zollatreit brach gegen Ende des 13. Jahrhunderta 

evciocboc dom Hcrsog von Klovc und der Studt Woecl quo. Boi der Stack 

erhebung war Wesel 1241 Befreiung von alien Elevischen Zolien zugestanden 
word en. Dam Gralen Dietrich VIII. von Klere wurde 1390 bei seiner Vei- 
loftlilucg mit Margaretha von Kiburg, einer Nichte Rudolfs von Habsburg, 
der Zoll zn Buderich flip die Mitgift verpfandet. Et entstand nun die Fraye, 
iib jene alte Zollbefreiung anch iur dieeen neuen Zoll Geltung babe, was 
AVesel und die andern nach Weseler Vorbild vom Zoll befreitec klevischeii 

Btadbe bejahten, wahrend Dietrich cb bcotritt. Nach langen Streittgkcitcn, 

in denen je nach der allgemeinen poIitiBchen Lage bald der Furst, bald die 

Stadte die Oberband zu gewicnen ecMenen, erging 1352 ein Gutachten 
Kolner Rechtagelehrter, welches die'Geliung der Zollbefreiung fur den Biide- 
ricber Zoll verneinte. Damit war aber der Streit noch langn nieht ent- 
scbieden. SchUewlich wurde allerdings doch der Stadt Wesel die Zotlbe- 
freiong gegen ein holies Darlehea gewahrt. Das Kolner Gutachten gewinnt 
vor AUem dadurch ein lioheres Interesso, weil ea den Beweie fur dae Kin- 
dringon des romischen und kanonischen Rechtea am Niederrhein Iiefert, 



r. ..... 



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254 Kaspar Keller 

wofur aich aucb in dem Wewler Stadtbuchc von 1364 intereesante A.nhalts- 
punkte ergeben. 

86. F. L a a. Die erzbiechttflicben Beamten in der Stadt Kclti 
wahrend deft 12. Jahrhunderifi. II. KBWZ. 14, Sp ; 121—125. 

Weist Etnweudungen von Varies gegcn seine Auffaasung dea Burg- 

grafen rind Untererafen zuruck. 

87. AL Meieter. Die Haltung der drei geistlichen Karfttraten in 
der Strasfiburger Stiftsfehde 1583—1592. AnnHVNiederrb. 61, 

S. 95-128. 

Die Straaaburger Stiftafehde sat din Naebapiel der Kolner Truchaesa- 
Wirren. Eine thatige Parteinabme, die nach dem Sinne dee Kolner und 
Trier«r KurfOrsten gewesen ware, wurde durch die vorsichtige Pclitik den 

2d*in£cr Kurfuratcn Tcrhindort. 

88. M. Jan sen. Die Herzogagewalt der Erzbischtife von KOln 
is Westfalen Beit dem Jabre 1180 bis mm Ausgaoge des 14. 
J&brbnnderts. Eine verfasaungsgeecbichtliche Studie. [A. u. 
d. T. Historische Abhandiongen. Herausgegeben von Th. Heigel 
and H. Gr&uert. Heft 7.] Mtinchen, LUneburg, 139 8. 

89. W. ThUmmel. Wcram mieelang der Re formation ever each 
dee Erzbischofte Hermaan von Wied ? Vortrag. [A. n. d. T. 
Freundscbafilicbe Streitscbriften. Nr. 56.J Barmen, Wie- 
niaun. 24 fe. 

\H\. Otto K. Kedlicb. Jltlieh und Geldern am Ausgang des 15. 

JaLrbunderts. BGNiederrh. 9, S. 38—75. 
Hauptaachlich auf Grund ungedruckter Urkonden des Duweldorfer 
StaaUarcbivs giebt R. eine Darstellnng dt-a Streitea zwiacnen Heraog Wilbelm 
von Jiilich und Karl Egmond von Geldern wegen der gegenaeitigen Anapruche 
auf Geldern und Jiilich. Von beiden Seiten wurde die Einmisobnng dea 
irauzvainchtm Kouiga Uerbei Refill lrt, den Herzog Wilbelm jierBOuliuli in Orlenuo 
nufgesucht hatte. Dnrcn einen Schiedasprucb des Koniga vrurde der Streit 
dabin entechiedea, daas Wilbelm das Herzogtbum JDlicb und Karl Geldern 
behalten, dieaer aber den Xitel eines Herzoga von JDlicb ablegen solle. 

91. M. Lessen. Die Verheirathung der Markgrafin Jakobe von 
Baden mit Herzog Jobann Wilhelm Yon JUlich-Kleve-Berg 
(1581—1585). ZBergGV. 31, S. 1—77. 

92. M. Los 8 en. Die Verbeirathung der Markgrafin Jakobe von 
Baden mit Herzog Johanu Wilbelm von Jttlich-Kleve-BeTg 
(1581 — 1SB5}. — Sitznngsh#»rii»bt*» d«r philoftophiemh-philologisch 

und historischen Klasse der KOniglich bayrischen Akademie 
der Wissenecbaften zu Htlncben, 1895. 
Der Verheirathung ginjren lanjfe Verhandlunpen voraua, die L. in an- 
aehaulicher Weiee klarlegt. Der Plan tauchte zuerat 1581 auf nnd ging von 



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Die hiatorische Litteratur des Niederrheins fur das Jahr 1895. 255 

atreng katholischen Rathen dea Herzogs a us; gefordert wurde er von der 
alten Herzogin von Bayern, Anna von Oeeterreich, nnd von Herzog Wilhelm 
von Uavera. War ja doch Jacobe eine nabe Yerwaudte der bavriacken 
Hauaes und Btand doch nach dor Verbeirathung Johann Wilhelms, der Ad- 
ministrator des Stiftea Munaler war, dte Erwerbung dieaea Stiftes fur Herzog 
Ernst von Bayem in Auasicht. Auch der Papat, der Kaiaer nnd Spanien 

wurden fur daa Projekt gewonuen, indeni man vorgab, ea drohe eonit eine 
Verbindung init dem protestantiachen braunachweigischen Hause. Im Anhang 
werdeo ungedruckte Briefe mitgetheilt, die dem Mfinchener Reichsarchiv 
entuommen eind. 

93. R Hasseukarap. Ein brandenburgiscb-bergiechee Ehepro- 

jekt im Jahre 1641. BGNiederrh. 10, S. 225—243. 

ZwiBchun dem Erbprinzen Pnilipp Wilnelm und Louise Charlotte, tier 
Sch wetter dee Groaen Kurfursten. 

94. F. Ktlch. Pialzgraf Wolfgang Wilhelm in Brttssel 1632. 

BGNiederrh. 10, S. 190—224. 

Pfalzgraf Wolfgang Wilhelm unternabm im Herbet 1632 trotz Abmab- 
nurg der Stande und der schwierigen Zeitverhaltnisse eine Feise nach Bruasel 

sur In&ntiu Ioabclla, um dio Sptuiier jsar It&utnuiig dor ira Howsogtbum 

Jiilich vou ihnen besetzten Platze zc veranlassen, aucb ihre Unterstutzung 

zur Erwirkung dee papslichen Dispens fur seine Heirath init Katharina Char- 
lotte von Pfalz-Zweibriicken und endlich zur Erwerbung der pfalziachen Kur 
fiir sein Haua sen gewinnen. Ueher semen Briieaeler Anfenthalt bat der 
Pfalzgraf ein Tagebuch gefukrt, daa Kficb zum Abdruck bringt. 

95. P. Each bach. Der Krieg des Knrflireteii Friedrich Wilhehu 

von Brandenbnrg gegen Pfalzgraf Wolfgang Wilhelru von 
Nenbnrg 1651. Programm des Realgymuasiams zii Duisburg. 
Duisburg, Niesen. 54 S. 

96- B. ScbttDueshofer. Gescbichle des Bergischeu Landew. 

Mit 1 Titelbild. Heransgegebeu rait UnterstUtznng des Bergi- 

schen Geschichtevereius. Elberfeld, Baedecker. V1U, 543 S. 

Das Buch bietet eiae auf Grund der neuesten Forachungen und unter 

ziemlich ausgiebiger Benutzung des urkundlichen Materials gegebene Gesaninit- 

darstellung der Schickaale dee ehemaligen Herzogthums Berg und der an- 

grenzendeu Gebiete in popularer Form. Der Verf. unterscheidet drei Perioden: 
1. Bis zur Entatehuug der Grafschaft Berg (U01). 2. Die Zeit, in welcber 
Berg ein selbetandigea Gebiet ala Grafachaft, apater als Herzogthum bildete 

bio sar Einvarleibung in Preunesn (1815) und 3. Dio Zeit d«r pwnin*iw*hefi 

Herrschaft. Bei der Darstellung der Reformation nnd Gegenreformation tritt 
<ler einaeitig protestantische Standpunkt dea Verfassers stark bervor, wenn 
Bich ja aucb das Streben nacb Objectivitfit nicht verkennen least. 

97. 0. Schell. Hiatorischc Wanderungen dureh das Bergfeche 



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256 Kaspar Keller 

Und, - MacbrBergGV. 2, S. 87—88, 97—102. 114-119. 
129-133. 

98. E. Pauls. Eiu Mauseiigrab im Dom zu Alteuberg. ZBergGY. 
31, S. 105-112. 

99. Wold. Harless. Die Fttrstengroft za Altenberg. ZBergGY. 
31, S. 113-118. 

Der Altenbtrger Dom diente den alteren bergischen Furaten ale Grab- 
kirche. Bei neueren Reataurationoarbeiten muaaten eine Anrahl Graber aaber 
untersucht werden, und ea wurde hierbei ein bie jetzt unbekanntea Masseu- 
^rub entdeckt. Darin fand aioh oine Schiofertafel mit ciner Inschrift, in 
welcher die Zeit der Grabanlage und die Namen der vornehrasten beigesetzten 
Pefsonen angegebea rind. Nach verachiedenen Listen dea DCisaeldorfer Staats- 

nrcbivo #iebt Harlow cm VersoichmM der s&mmtficbcii too Cher des Dome* 

beigesetzten bergischen Landeaberrn und der andern furstliohen Personen 
geistlicnen und welt lichen Standee. 

100. Otto R. Kedlich. Diiseeldorf und das Herzogtbum Berg 
nach dem RtickzuK der Oeaterreicber au* Belgien, 1794 und 
1795. Zngleich ein Beitrag znr Geachichte des kurpfalzischen 
Heeres. BGNiederrh. 10, S. 1-125. 

R. Bchildert die Iiastcn und Bedriickungen durch die oaterreicbatcbeii 
Truppen, und weiter daa echmachvolle Verhalten der knrpfalziachen Truppen 
bei dem AnriicUen der Franaosen und dem Bom bard ement der Featnng 
Duuseldorf durch die leUteren. Nach den Akten dea StaatsarchivB giebt B. 
sodann eine Aufetellung der dnrcb das Bombardement an dem knrfurstlichen 
Schlowe mid seiner iunern Einricbtung angericbteten Scbadcn. 

101. H. Httffer. Ans den Jahren der Freradherrschaft 1. De* 

knrkCluischen Hofrathee B. M. Alstatten poetische Beachrei- 
bnng seiner Flucht von Bono nach WeBtfalen 1794/5. II Die 
Familie von Lombeck-Gndenau wahrend der Zeit der Revo- 
lution. III. Lezay-Maraesia nnd Maximilian Friedrich von 
Gndenan. AnnHVNiederrh. 61, S. 1—56. 

102. K. S c h o r n. Bertthmte Manner in der mittelalterlicbeu Ge- 
sebichte der Eifel. BheinGBll. 2 t S. 145—151, 186-J89. 

103. H. J. Gross. Reinard von'Schdnan, der erste Herr von 
Schttnforst. Aacben, Cremer. 57 S. 

Sonderabdrnck ans Aachens Vorzeit! 
Reinard war Vertrauensmann der Erabischofe von Koln und der Bi- 
echofe von Luttich, der Herzoge von Julich und Brabant, und wurde anch 

von Kaiser Karl IV. wieaer&oU zu diplomaiiechen Senduugen benuut. Kr 

brachte ea, obscbon aua beinabe armlichon Verbaltniaaen hervorgegangen, 
durch kaufmannieohe Gewandtheit und kriegeriacbe und BtaatfmfinnischB Tfich- 
tigkeit zu einer aehr einfluaareichen Stellung in den Gebieten zwiscken Maas 
und llhein in der zweiten Halfte de« 14. Jahrbunderts, nnd erwarb aich am- 



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Die historische Litteratur dee Niederrheins fur das Jahr 1895. 257 

faagreichen Linderbeaitz. Die sear fleiraige Arbeit von Gross stellt eioh viel- 
fach aIs eine Apologie Reinardi gegen iiltere Darrtelluogen von HamricourU 
und De Cbe&tret dar. 

104. J. X. C. Scheibler. Geschichte and GeBclileehtsregisler 
der Fatailie Scheibler. Hit 36 Tafeln. KCln, Dn Mont- 

Schaubcrg. 4° VI. 134 8. 

105. W. Rintelen. Geschichte des Niederrheinischen Fflsilierregi- 
roents Nr. 39. Berlin, Mittier. XII, 536 S. 

2. Lokalgescbichtliche Darstellnagen. 

106. R. K nipping. Ein mittelalterltcher Jahreabanshalt der 
Stadt KOln (1879). Mevissen-Festschrift n. 5, S. 131—159. 
Dieses Jahr wurde gewahlt eintnal weil es keio Kriegsjahr mit zu 

anormaler Hohe geateigerten Anagaben war, sodann weil in ihm die Ein- 
nabmcquellra in relativer Vollatiindigkeit flieasen. Zua'acbat wird cine tabella- 
rischa Uebersicht uber die Ansgaben und Einnahmen gegeben, wubei die 
vcrwaudteu einzelnen kleineren Posten dor Rechnungabucher zuaarnmengezogen 
eind, and dann werden die einzelnen Etataposten untereucht. Die Ausgaben 
werden unterachieden in seiche fur den Scbutz der Stadt nach aussen und 
solche filr die innere Verwaltung. Auf eratere entfallen 82 Prozent der 
Gesamratausgaben. £ei den letzteren fallt im Gegenaatz zu modernen Ver- 
haltaisaen der niedrige Etat fiir Beamteabeaoldungen auf, da die atadti&che 
Verwaltung fast durchwejj einen ehrenamtlichen Charakter trug, sowie far 
Wohlfahrta- und Kulturzwecke; die Furaorge hierfur ruhte fast ausschlie&e- 
lich in Privatbanden. Die Einnahmen zerfallen in regelmassige und unregel- 
maasige. Diese beatehen aua zufalligen Einnahmen (Buaaen u. dgl.) und 
AnleibeQ. Die regelm&aaigen Emuabnien aetzen sich aua Gebiinren und in- 
direklen Steuera (Verkaufa-, Verkehw- und Gewerbeateuer) zuaammen ; die 

lolctcrcn xaooben ungefixkr vicr FCini'tol der Gcetunmteinna-bcnoa aue. 

107. F. La a. Beitr&ge znr Verfasenngsgescbicbte der Stadt 
Kblo. I. Das SchOffenkollegium des Hochgerichta zu K<5ln 
bis znm Jahie 1396. WZ. 14, S. 172—105. 

108. F. ban. Das SchOffenkolIeginm des Hochgerichta za KOln 
bis znm Jahre 1896. Meviseen-FeBtachrift n. 4, S. 107—130. 
Unteraucht Alter, Organisation und Mitgliedachaft, eowie die Befugnisse 

des SchoffenkoHeginms ala Gerichta-, Sctrexna- und koxxucunalo Verwaltncgs- 

behorde. 

109. F. La a. Beitr&ge zur Veifaeenngegeschicbte der Stadt Keln. 
II. Das Kfilner Fatriziat bis znm Jahre 1396. WZ. 14, s. 

315-843. 

L. stellt zuerat den Begriff feat. Von einem Patriziat kann erst dann 
die Rede seiu, wenn innerhslb der brciten Masse der Burgcrachaft oin engcror 
Kreis von Personen und Familien eich der politiechen Herrachaft bemachtfgt 

Annalen B«m hist Yerelni I-XV. 1 ' 

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268 Kaepar Keller 

niid zugleich auch sozial nach unten rich abgeachkMeen hat. Das blosae 
Vorkommen angesehener Familien liefert noch keinen Beweia far das Vor- 
haudenaein einea Patriziatee. Ala Kritorieu fur die Zugefcorigkeit einer Fa- 
milie zum Kdlner Patriziat etellt Lau die Mitgliedachaft an der Ricberzecte, 
dem Schoffenkollegium dea bohen Gerichta und am ongcn Rett, oder oine 
melirfache verwandtacnaf tliche Yerbindnng mil den so festgeetellten Geechlech- 
tern nach deren sozialem Abachlusa nach unten feat. Die Frage, aula welch en 
Elementen und Standen der Burgerachaft aich dai Patriziat herausgebildet 

hat, mora Lau offen laaaen, wean er auch der von Gottfried Hagen schou 

bctonton Abstammnng von frcicn Vorfahren alle Wahracheinlicbkeit vindiziren 
muaa. Sicher iat, daas die weitaue groeate Mehrzahl der Geachlechter aui 
dem Kanrmannaitand hervorgegangen iet, wobei beaondcre der Wein- und 
Tachhandel in Betracht konsmen, wenn aich auch schon in aebr frflher ZeJt 
Fur einzelne Familien em auigedehnter Grundbeaitr nacbweisen liUst. Du 
orworbene Kapital worde roeiat in Grundbesitz in Koln und auaaerhalb an- 
gelegt. Hierdurcb ergaben sice hSufig Yerbindungen mit dem benachbarteB 

Landadcl. Eb kam abtr auch dae Btrebon nach aneeercr Glcichatcllcng nil 
dieaem auf, welches durch verahiedene Umat&nde, wie KrenzziigB und finan- 
zielle Abhangigkeit der FRraten und dee Adela, gelordert und erleicbtert 
wurde. Viele Palmier erlangten die RitterwBrde, ohne aber ihre Handela- 
thatigkeit aufzupeben, nur wenige zogen auf ihre Landaitxe und gingen in 
don Landadel iiber und auf. Nachvruche erhielt das Patriziat durch reiet 
gewordene Biirgerfamilien. 

110. R. HCnigcr. Die Hi teste Urkunde der Kdlner Richeraecbe, 
Mevibsen-Festschrift n. 10, S. 253—298. 

H. aetzt die Abfaaaungszeit geuauer zwiachen 1178 und 1183 feat. Ads 
deu Sch reins k arte n verniag er eine Fiille von Kachrichten fiber die aozule 
Stellung und die Beaitzungcn der genannten IB Amtleute beizubringen. Im 
Anschluss hieran erortert H, sodann das Verhaltnisa zwiBchen Gilde und 
Richerzeche und den Ursprung dea Burgermeiateramtea. Er weiat nach, daw 
die Befuguisse der Btirgenneialer friiber zuiu Theil von den bCirjcerliubeu 
Richtern und zum Thefl von den Z511nern auageGbt wurden. Das Amt der 
Biirgerlichen Ricbter und daa Amt der Zollner bilden also die Wurxeln for 

das Bur^rermeuteramt. Die Entwicklunc sei zwiachen 1169 nod 1177 zunt 

AbacMuae gediehen nnd babe dann 1180 die AnerkenAting dee Kaieere wie 

dea Stadtherrn, dea Erzbiachofa, gefundec. 

111. W. Stein. Deutsche Stadtechreiber im Mittelalter. Mevissen 
Festschrift n. 2, S. 27-70. 

St. unterencht Aufkommen, 8tellung und Amtibefugnisae der deatacheD 
Stadtachreiber im Mittelalter, wobei er aich fur Koln hauptaaohlicn anf das 

von ihni publicirtc Urkundccinafccrial otuticu kauu. Eino futuptaufgabo der 

StadUchreiber war die Aoafuhrung von Geaandtschaften und diptomatiachen 
Verrichtuugen. 

112. H. Diemar. Johann Vrunt von KOln als Protonotar (1442 
bie 1448). MeviBeea-Festechrift a. 3, 8. 71—106. 



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Die hiatoriache Litteratnr dea Xiederrheins fur das Jahr 1895. 2u9 

Unter den koluiechen Stadtftchreibern ragt besonders Johacn Vrunt 
liervor, dcr una auch besondera wegen seiner Jugendfreundachaft mit Enea 
"Shio, dera apatcren Papat Piua II. intereasirt; mit dieaem war er wahrend 
<les Baseler Konzila bekannt geworden. D. schildert VrunU diplomatiache 
Thitigkeit im Dienete der Siadt wahrend der aecha ersten Jahre seines 
Dienstverhaltnisses. Eiren grossen Theil dieaer Zeit musate er in Wien 
zubringen, wo auch Enea Silvio in der Reichakanzloi thStig war. 

US. R. Banck. Die Bevolkernngszabl der Stadt KOln in der 
zweitcn H&lfte dee 16. Jahrhnnderts. Mevieaen-Festscbrift 
d. 11, S. 299-332. 

Ala Grundlttgen fiir die Bestimmung der BevSlkerungszahl dienen B. 
vor altera Listen einer Bevolkerung-saaftiahnie von 1574. Damala ordoete 

4er Rath, am die Zahl der verdlohtigon fremden Pcrrtonon (ror allom go 

fluchtete niederlandische Proteatanten) festzuatellen , kirchspiehweise eine 
Ziblung der orteanweeenden Bevolkerung an. Zwolf dieter naturlich sehr 
verschieden vollstandig und gewissenhaft gefuhrten Z&hlungsliBten liegen 
una nock vor. Ergslnaungsweiae warden damn herangeiogen listen der webr- 
hafien Burgen von 1566, Verzeichniaee der GerUsfceten von 1576" und 1579, 
Liaten der Herd- und Schornstemfeaer von 1582 und Verzeichnisse der 

Staner dee 100. Pfennigs von 1689. A«f Grand dieeer, sEmmtlioa nur fcrucK 

atuckweise erbalten Listen berechnet Banck die Bevolkerung Kolns fiir daa 
Ja.hr 1B75 anf 37 000 Pereonen- Banck glanbt seine wenn auch jiingere 
Zahlung fiir KSln den beiden beriihmten Zahlungen fiir Niirnberg von 1449 
und fur Frankfort von 1440 ads dritte an die Seite atellen zu konnen. 

114. B. Freimofch. Der zweimalige Uiitergang vou Molheim am 

Rhein. KtHn. Volksztg. 1895, n. 468. 
JIB. J. Schnorrenberg. Noeb einmai J. P. A. Madden and 

die Druckerei im Kloeter Weidenbach zu Keln. Centralbl. 

fflr Kbliothekswesen. 12, S. 502—507. 
'116. L. ScbvrOrbcl. Die ehemaligt Cbtercieueerabtei Alteuberg 

im Dtinthal. K6ln, Druck von Du Mont-Schauberg. 65 S. 

117. A. Wiedemann. Siegbnrg. Scherbenbligel. - JVARh. 96/97. 
8. 047— 350. 

Soil der friiaeaten Periods der apater zu hoher kunatleriacher Ent- 
wicklang ausgebildeten 8iegbnrger Thonindustrie angelioren. 

118. G. Raderniacher. Die alte Siegbnxger Tfipferknnst Mit 

Abbildnngen nach den VertJffentlichnngen von Dornbosch. 
Wrstermaane lllustrirte Deutsche Mouatshefte, 39, S. 334 

bis 341. 

119. M. Bethany. WemgehtSrten die GUterzu Kruchtund Plitters- 
dorf, ebe sie dnrch Kauf an die Abtei Heisterbach kamen ? 
MschrBergGV. 2, & 77-79. 

I>em Kloater Ganderaheim. 



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260 Keeper Keller 

120. L. Korth. Schloss Gndenan and seine Besitzer. Als Mann- 
script gedrnckt. Mit Titelbild. Kftln, On Mont-Schanberg. 
4°. 17 S. 

121. W. BrUlL . Chronik dcr Stadt DUren. Hit 12 Holzschnitten 
cod 1 lithograph irten Stadtplan. Dttren, Vetter. 214 S. 

Vorf. vriii Bur *lno zueamrcenga<ir£ng4e Itfefatung und Ne*xb«arl>eitiinjy 

der selten gewordenen Materialieneammlung von Bonn, Rumpel und Fiacb- 
bach geben. 

122. K. Pick. Die St Foilanskircbe in Aachen. Aus Aachens 
Vergangenheit, S. 21—29. 

£?achweia, dass die Kirche erst 1180, nicht wie Khon behsuptet, 116ft 
erbaut eei. 

123. R. Pick. Hat Kaiser Otto IIL die St. Adalbertsklrcbe iu> 
Aachen gegrUudet? Ans Aachens Vergangenheit, S. 80 — 35. 
Nein, sondern Heinrich II. 

124. R. Pick. Hat Karl der Grosse Sacheen nach Aachen ver- 
pflanzt? Ans Aachens Vergangenheit, S. 105 — 108. 

Xein. 

125- R. Pi ok. Der angfhimhft Aaohpner Stadthrand 1196. Acs- 
Aachens Vergangenheit, S. 109—112. 

In dieeem Jabre hat kein grosser Stadtbrand stfittgefunden. 

126. R. Pick. Aachens Befestignnp; ira Mitteklter. Ads Aachens 
Vergangenheit, S. 113-171. 

P. weiat nach, daaa achon vor der zwischen 1172 und 1176 anf Befehl 
Kaiser Friedrioha erfolgten Befestigung dorch eirie Mauer die Stadt durch 
wan und Graven geacnuut gevresen sei. Nacn der Kinnanrne der Stadt 
durch Wilhelm von Holland wurde mit der zweiten Ummanernng hegonnen* 
welche die inzwiachen entstandenen Vorst&dte mit einbozog und bis ins 18. 
Jahrhundert beatehen blieh. 

127. R. Pick. Das ehemalige Scherpthor in Aachen. Aus Aachens 
Vergangenheit, S. 172—183. 

128. R. Pick. Der lange Thnrm in Aachen. Aus Aachens Ver- 
gangenheit, S. 184—192. 

129. R. Pick. Die ehemaligen ManerthfJnne zwischen Maraehier- 
rjnd Rostthor in Aachen. Aus Aachens Vergangenheit, S. 
193—207. 

130. R. Pick. Der B hasinns* an den Aachener Stadtthoren. — 

Ans Aachens Vergangenheit, 8. 208 — 212. 

Bedeutet nicht Hacachen, Bondern Eaelehrucke rum Aufwinden von 
Lasten, bier der Zngbrucken. 

131. R Pick. Das Grashans in Aachen. Ans Aachens Vergangen- 
heit, S. 213-209. - 



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Die bistorisc-fce Litteratur dea Niederrheins ftir das Jehr 1895. SKJI 

Nachat dem Rathhauae unci dem Miinster das mtereasanteste Gebaude 
<3er Stadt, znit der Rathskammer, in welcher bia jura Ausgang der reiche- 
atadtiacben Zeit die Sitzungen des grossen Rathee abgebalten wurden, und 
-dem stadtischen Gefangniss. 

132. R. Pick. Das Rathbaus in Aachen. Ans Aachens Vergangen- 
heit, S. 270—330. 

133. R. Pick. Das SclUiffenhans Brtlssel in Aachen. — Ans 
Aachens Vergaugenheit, S. 352—359. 

In diesem Hause wurden bis zur Ferttgatellung des Rathhausea x,u 
Anfanp des 15. Jahrhunderta die Ech6ffeiiait?:ungen abgehalten. 

134. J. Bncfakremer. Bangeschichte des Hanses Friesheiin (seit 
1717 Armenbaus). — Aachen, Bergdriesch Nr. 2. Mit 3 
Blatt Abbildnngen. MVAachen, Vorzeit, 8, S. 1-14. 

135. R. Pick. Das Haas zum L&wenstein in Aachen. Ans 
Aachens Vergangenheit, S. 556—573. 

136. R. Pick. Das Hans mm Bimbanro in Aachen. Ans Aachens 
Vergangenheit, S. 574—594. 

137. R. Pick. Das Hans zum Schafsberg in Aachen. A us Aachens 
Vergangenheit, 8. 595—604. 

138* R. Pick. Der angebliche Eisenmarkt iu Aachen. Aus Aachens 

Vergangenheit, S. 340—347. 

Nacbweis, dass der Parvisob oder Fiechmarkt niemali Eiaeumarkt ge- 
heissen habe oder geweaen sei. 

139. R. Pick. Die Aacbeoer B&cbe. Ans Aachens Vergangenheit, 
& 884-446. 

140. R. Pick. Die angeblich im Jabre 1397 zerstCrten Weinberge 
vor Aachen. Ans Aachens Vergangenheit, S. 360 — 365. 
Unter dem Ausdruck: die wijn vur Aichen, die 1397 durcb das Bra- 

bantiscbe Eeer zerstort worden aein sollen, Bind nicht Weinberge, eondern daa 
im Aachener Reich liegende Dorf Weiden zu verstehen. 

141. R. Pick. Die vcrmeintlicben Sporen in der Aachener Stadt- 
rechnnng von 1838/9. Ans Aachens Vergangenheit, S. 5148 
—351. 

Unter kroeelina aind nicht Sporen, eondern Kannen xn verstehen. 

142. R. Pick. Das Aachener Theater in reiehsstUdtiscber Zeit. 

Ans Aachens Vergangenheit, S. 447—495. 

143. R. Pick. Die Bildnisse im Rathbause zn Aachen. Aus 

Aachens Vergangenheit, 8. 496—532. 

144. R. Pick. Die Beziehnngen Johanna I. von Heinsberg zur 
Stadt Aachen. Ans Aachens Vergangenheit, S. 366—383. 

145. R. Pick. Peter der Grosse in Aachen, 1717. Aus Aachens 
Vergangenheit, S. 533—543. 



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262 KftBp&r Keller 

146. R. Pick. Kltoig Friedrich IV. tod D&aemark in Aacbe&r 

1724. Aue Aachene Vergangenheit, S. 544—551. 

147. R. Pick. RaiRer Joseph II. in Aachen, 1781. AnBAachens 
Vergangenheit, S. 552—555. 

148. E. Kelleter. Gefangene Aaehener in Algier. ZAachenGV, 
17, S. 259—260. 

Au» dem Ilecre deB Koniga Sebastian von Portngsl. 

149. F. Op pen toff. Die Familie tod Friesheim in Aachen m 
17. and 1& Jahrbandert MVAacbener Vorzeit, 8, S. 97— 112* 

150. C. Rheen. Etwas tiher Bortscbeid. Aachen, Cremer. 32 S. 

151. W. Schjerning. Aachen and seine Umgebnng. Fine geo- 

graphischc Skizze. Programm dos Kaieor Wilhelme Gvnica 

sinrus zu Aachen. Aachen, Meyer. 80 S. 

Mit kurzem „gC8cliichtliclieiu Ueberblick". 

152. F. W. Stranss. Geschichte der Stadt Mlinchen-Gladbach 
vou den aitesten Zeiten bis zur Gegeuwart In kurzen Um- 
rissen dargestellt Mit einer Ansicht. M.-Gladbach, Strauw. 
VI, 99 S. 

152a. L. Henricha. Die St Sebastianas-Braderechaft za Wachten- 
donk. Gelderosches Wochenblatt, 1895, n. 49. 

153. Mestwerdt. Znr Klevfschen Geschichte zur Zeit der fran- 
zOaiachen Revolntiou. II. 1795 — 1798. Programm des Gym- 
nasia ms zn Kleve. Kleve, Stens. 4°. 25 S. 

lm Uanler Separatfrieden war durcb die gebeimea Artikel zwir die Ab- 
tretung der linkBrheiniBchen tiebiete vorgeseaeii, vorlRchg aber Mllte die 
Verwaltung dee GebieU den preusaischen Beborden vcrbleiben. M. ecbiWert, 
wie die franzosischen Civil- und Nihtarbehorden in Kleve end dem Kleviachen, 

Gphietp nnter gfinzlinhpm tTftbprsphpn dar prpusaischpn Rnhfirdan ■nnilletea 

und vfslteten. 

154. Bad Kleve. Praktischer Fuhrer dnreh die Stadt end Urn- 
gebung nebst Angabe empfehlenswertber Ansflllge and der 
Soge von Lohengrin. 4. Auflage. Mit einer Karte der Stadt 
Kleve nnd des Reichawaldes nach der Landesaafnahme von 

1894. Kleve, Char. 82, 1G S. 

155. H. Heimhali Die Blockade der Festnng Wesel vom No- 
vember 1813 bis 10. Mai 1814. Ein Beitrag znr Geschichte 
Weacle ana dem Anfang nnsers Jahrhunderte. — Bcilage zom 
Jahreshericht des kftniglichen Gymnasiums zn Wesel Oaten 

1895. Wesel, Drnck von Kuhler, 32 S. 

156. H. Averdunck. Geschichte der Stadt Dcisbnrg bis zorVer- 
einignng mit dem Hanse Hohenzollern. 2. Abtheilnng, S. 341 
—776. Duisbnrg, Ewicb, 436 S. 



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Die hiatorische Litteratur dea Niederrheins fur das Jahr 18&5. 263 

Dieae zweiteAbtheilung Ut ebenso fleieaig und oorgfSltig gearbeitet wie 
die erste [vgl. Literaturbericfet 1894, n. 138]. Es wird sunichst daaVernalt- 
nioa der Stadt zum Reich, daa sich in der liefctaiignrig ihrcr Privilogien durch 

jedeii neuen Konig und durcfa Zahlung von Reichssteuarn dokumentirte, nnd 

zu den Landeefuraten behandelt. Daun werden die inneren stadtiacben Ver- 
haMtnisse im apateren Mittelalter, die verschiedenen Einwohnerklatsen, stadtiache 
Behorden nnd Verwaltung, Kriega-, Gwrichts-, Finanr- und Mfinzwesen unter- 
aucbt. Duisburg bes&aa eine alte kduiglicbe Mttnze. Ausgeaeichnet durcfa 

ruhige Objektivitat ist die DarateHung der Zeit der Reformation, die erst 

zierolioh opnt und aehr nllmahlich cingefuhrt wurde, und der Gegenrefonna- 
tion, aowie der spateren kirchlichen Verhaltnisae bia zur preusaiscben Zeit. 
Tranrige Zeiten kamen fur die Stadt im julich-klevischen Erbfolgeatreit, wo 
bit, bald von den Neuburgisoben, bald von den Brandenburgern und ihren 
Helfern, den Spaniern nnd Hollandern bedrangt, nacb beiden Seiten laviren 
musbtc, und im SOjahrigen Kriege. DurcL den Vertrag von Kleve arn 19. 
September 1GG(J ging Duisburg definitiv m Preusaiscben Beeitz fiber. Zum 
Schluafl werdcn die SchulverhfiltniBoe bia zu diesem Zeitpunkt bebandelt und 
dabei aucb dea langern dea Gerhard Mercator gedacht, 

157. J. Schneider. Diepargum RheinGBll. 1, S. 324-327. 
Stiromt Plathi Deutung von Dispargum gleich Duisburg a. Rhein bei. 

158. F. Kllch. Znr Wirthschaftageschichtc DtacldorfB. — BG- 
Niederrh. 9, S. 17-37. 

159. F. Kllch. Die Uteres Dtieseldorfer Scfatiffensiegel. Hit einer 
Siegeltafel. BGNiederrb., S. 1—16. 

160. A. Koeruicke. Die Huntschaft ncd das Hofgericht desHer- 
zogs von Berg zn Untorf. BGNiederrh. 9 f S. 146-161. 

161. A. Weyersberg. Die in den privilegirten Uandwerken der 
Solinger Industrie vertretenen Familiennameu. MscbrBergGV. 
2, S. 1-3, 20—23, 36-39. 

162. A. Weyersberg. Ana rergacgenen Tagen, Solinger Kreis- 
intelligenzblatt, Jahrgang 84 (1892) bis Jahrgaog 87 (1895). 

163. J. Holtmanne. Croncnberga Postgeschichte bis znm Jahre 
1B13. MschrBergUY. 2, S. (55-68. 

164. K. von Berg jr. Beitrage znr Geschicbte der ehemaligen 
bergiscben Hauptstadt Lennep. Fortsetzung. RbeinGBll. 1, 
S. 284—295, 319—324. 

165. Gohlstrass. Gimborn. Ana der Cbronik der Sehnle zn 
Gimborn. Zasamniengestellt ans den ini biesigen Seblossarchiv 
befindlichen Doknmenten. MschrBergGV. 2, S. 106—109, 
169-172. 

166. W. Brei den bach. Burg Nenenbnrg bei Lindlar. Mschr- 
BergGV. 2, S. 26-28, 46—47, 60-62. 



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264 Kaspar Keller 

3. Kultnrgeschichte. 

167. F. Moldenbaner. Geschichte dee boheren Schnlwesens in 
der Rheinprovinz miter preussisclier Uegieruug. Festschrift 
znr 43. Versammlnng deutseher Philologen nod Sehul manner 
iu Koln. KDhi, Nenbner. Vin, 120 S. 

Von dem bl fib end en Schulwesen der Rheinlande vor der fr&nzosiechen 
Revolution wareu nach der franzosischeii Zeit nur noch einige traurige Ruiuen 
iibrig geblieben. Es gab nur noch seche Schulen, die auf den Nataen Gym- 
nasium Anapruch mac hen konnten, und nntor diesen entapracben nur cwei 
Anatalten, die zu K61n und Dusaeldorf, den Anforderungen, die von derneuen 
preussiechen Regierung gestellt wurden. M. Rcbildert die Ent wick lung, die 
das hohere Schulwesen unter der neuen Verwaltung nahm, und behandelt be- 
sondera auBfuhrlich auch die Realschulfrage, die f£ir unner niederrheinreches 
Gebiet mit seinen zahlreicfcen Handel und Industrie treibeoden Stadten be- 
eondera wichtig ist Einen Beweis fiir die erataunliche Entwicklong des 
bpheren rheiniechcn Scbulweecne biotot die Zabl der jetat b catch en den An- 
staiten: 5L Gymnaaien und frogymnaeien und 93 ReaUchulen der verschie- 
denen Art. Auch die Geataltung dea innerea Lebens an den einzelntm An- 
atalten wird vom Vf. geachildert. 

168. Th. Prenzel. Das Martinsstift in Fild bei M8re. Die Ge- 
schichte seiner Begrttndnng nnd die ersten zehn Jahre seines 
Bestehens. Programin des Gymnasiums zn MCra. 71 S. 

169. R. Pick. Eine alte Aachener Scbolfibel. Ana Aacbens Ver- 
gangenheit, S. 605—610. 

170. Die GrUudncg nnd Thatigkeit des Vereins vom hi. Karl Borro- 
mins. Festschrift zum 50jilhrigen Jnbelfest des Vereins am 
30. Mai 1895. Mit (5 Portrats. Im Aoftrage des Vorstandes 
heiansgegeben vom Ccntralverwaltangs-Ausschnss. Koln, 
Bachero. 144 8. 

171. Lent Festrede beitn 25j&hrigeu Besteheu des Niederrhei- 
nischen Vereins fttr GesuDdheitspflege, gehalten in Dfleseldorf 
am 10. November 1894. Koln, Gehly. 16 S. 

172. K. Dirkseu. Volksknndliches aus Meiderich. EheinGBU. 

1, S. 2(36—284, 305-319, 336—356, 364—374. 

Auch aeparat unter folgendem Titel. 

173. K. Dirk sen. VoIksthUmliches aus Meiderich. [A. u. d. T. 
Znr Dentschen Volksknnde n. 2]. Bonn, Hasstein. 59 S. 

Mit anerkeiineii»wcrtl«m Fleiaae bat Voct alleo geoauiiuelt, was sicfa iu 
Meiderich an volkekundlichen Stoffen noch ermitteln liess; hierbei Bind alle i 
Vorgange des tfigltcben Labene herangezogen worden. Vielea ist jcUt nicbt 
mehr in Uebung, ea mnsste also ana den Mittheilungen alterer Leute jreschopft 
werden. 



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Die historiBcne Litteratur des XiederrheinB fur das Jahr 1895. 265 

174. R. Pick. Aachener Sitten and Br&ucbe in Slterer Zeit Aus 
hatklschriflichenQuellen gesamnielt. RheinOBIL 2, S. 177-186. 

175. A. Pauls. Der Ring der Fastrade. ZAachenGV. 17, S. 1—73. 
Yerf. kommt nach einer weitlSufigen genauen Uctersuchcng der Aachener 

Faatradesage und verwandter Sagen zu dem Ergebnisa, class der Sage aller 

"WttbrotJacinUcfckeil nach ein MytKu» vow Oowittcrgotto Tbor .und ocincr Gc- 

mablin, der Sommergottin Sif zu Grnnde liegrt. 

176. H. Gierlichs. Das Martinsfeuer in der Eifel und amNieder- 
rfaein. RbeinGBll. t t S. 302-305. 

177. H. Gierlichs. Kirmesbrfiuche in den Rheinlanden. Rhein- 
OBII. 1, S. 361-364. 

178. E. Pauls. Kulturgeschichtliches. ZBertrGV. 31. S. 79—104. 

1. Entaeaduog ernes Wahrzeichens aa den Herzog von Jiilicb-Berg, 1434. 
2. Amtlicher Bericht an Pfalzgraf Wolfgang Wilhelm iiber eine Hexe zu Eil, 
1637. *3. Eic Hawunventar aue dera J ah re 1488. 4. Dietatieche Mittel gtgen 
<iie Faflaucnt [15. Jahrhnndert]. 

179. C. Koenen. Zur Erforscbnng vcrgeeehichtlicher Wolmungen 
in den rlieinischen Donken und Maaren. RbeinGBll. 2, S. 
18©— 101. 

180. A. Braselmann. Die Haus- und Hofmarken und Steinmetz- 
zeicben im Bergischen. MschrBergGV. 2, S. 49—53. 

4. Kicbengescbichte. 

181. J. P. Ferdinand. Handbuch der Erzdiozese KOln. 17. nmt- 
iichc Ausgabe. Kflln, Hacbem. 492 S. 

182. Die KOlner Agende. Kolner Pastoralbl. 29, S. 69-78, 151 
—152. 

183. Die Abendmablslehre dee Albero von Mercke und die alteste 
Sakramentsbruderschaft in der Kolner ErsdiOzese. K&lner 
Pastoralbl. 29, S. 306—311. 

184. A. BoBedow. Die Inklusen in Deutscblaud, voruehuilicfa in 
der Gegend dee Niederrbeine, um die Wende des 12. und 13. 
Jahrhunderts. Unter besonderer Berlicksichtigung des Dia- 
logue Miraculorum des Caesarius von Heisturbacli dargestellt. 
Heidelberg, Horning. 52 S. 

185. F. Bock. Die textilen Byssus-Reliquien in Koln, Aachen, 

KornclimUnetor, Main/, and Pi'&g. Aachen, Cromer. 26 S. 
B. stcllt zunfiebst fast, dasB unter Bysens kein Seidengewebe, sondern 
cin mehr oder miader durebsicbtigee, moiet in Aegypten hcrgcatelltce Linncn- 

frewebe ru verstehen sei, und weist dann each, daaa die in den Rheinlanden 

noch erhalteneo Byaeuigewebe: die Stu'cke, die zur Umwicklong der Gebeine 



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26* Kaopar Heller. 

<W hi. drei Konige in Koln gedient haben, das Gewand der hi. Maria in 
Aachen und der Theil dea SchweiaatucheB den Herrn ui Kornelimunster wirk- 
lich der Zeit angehoren, der sie durch die Tradition angeichrieben werdea. 

186. R. Berg. Der hi. Mauritius und die tbebaische Legion. Halle, 
Mtthlmann. 59 S. 

187. 0. PfUlf. Die Heerfahrt dea Beligen Heinrich von Boon und 

seiner Gefahrten. Stimmen aus Maria Laach 47, S- 24—28. 

188. J. Kleinermanns. Der hi Agilophna. Nach den Quellen 
dargestellt K&lner Paetor&lbl. 29, S. 15—21. 

189. J. Kleinermanns. Der aelige Bruno, Erzbiechof von KCln. 
Nach den Qoellen dargestellt. Kolner Pastoralblatt 29, S. 48 
—49, 78-83, 105—110, 142—149, 170—176, 200—205, 239 
—245, 276— 277. 

190. H. Kelleter. Zur Geschichte des Kolner StadtpfarrsyBtems 

im Mittelalter. Mevissen-Festechrift n. 8, S. 222—241/ 

K. unteracheidet drei Perioden: die der Bischofspfarrei, die der stifti- 
aohen und die der eigentlich atndtischen Pfarreien, da je der Biacnof, die 
Kollegiatstifter und die stadtischeii Pfarrer die rechtlichen und verantwort- 

lit&en Spit hob «lor Kolner PforrverbiLndc vraren. In «Llto«tor Zeit war d«r 

Biichof der Pfarrer der Stadt, wurde aber bei der Verwaltang von den Geist- 
lichen seiner Mens* unterstutat. Untar Erzbiechof Gunthar beginnt die zweite 
Periods; eine nachher durob die Kolner Synode von 873 genehmigte Verord- 
nnng dieses Bischnfe wiea den Kolniaohen und ausw'irtigen Stiftern besondere 
Theile dee gemeinaamen Kirchengutea zu. Mit den L&ndereien und Zehnten 
erhielten die Stifter auch das Mutterrecht fiber die in ihren Sprengeln ge- 

legenen Kirohon. Pool, atiosn dies© Incorporation ouf stftrken Widoratunn, 

Bodass aie erst nach und nach und nicht bis znr letzten Konseqnenz durch- 
gefuhrt warden konnte. Mit dem J&hre 1170 beginnt diB dritte Periode; eie 
fillt zuaarmiien mit dem Abachlusa eiiier auch fur die Stadtverfaasang wich- 
tigen EntvneklQngsperiode. Ixwgeloat von dem stiftischen Eintiuss erscheinen 
die Pfarrer, von jotzt an meiet Plebani genannt, die Pfarrmeiater und Amt- 
leute als selbstandige Urkundspersonen bei Erwerb von Gnmdstiicken nnd 

Rpnten. Dpi* Znge A*r Zait Fnlgend fratan- dia Pf»rr*»r aneh mi *»»©r fraier- 

nitas plebanornm zusamraen, welcher eiiie fraternitas der vornebraen PraMaten 
und Herren gegeniiheratend. Doch ging auch diese letzte Entwicldung, die 
von den Erzbiachofen Reinald von Dassel und Philipp von Heinaberg begun- 
stigt wurde, nicht ohne Widerspruch von Statten, der diesmal von den Stif- 
tern aueging. Unter den Plebancn finden wir die Kolner Patrieierfamilien 
zahlreich vertreten. Seit 1200 war der Einfluss der Pfarrer im Wacheen; 

nnd wenn ihnan auch daa Anftretpn d»r Bfittelnrdnn maUriftllfi Einbu&se 

bracbte, so wneaten sie sich durch Ausdehnung ihier Sy nodal gerichtebarkeit 
aoderweitig Ersatz zu schafien. Einen Rest der fruheren Abhangigkeit bil- 
dete daa Patronatarecht der Stifter fur die Kolner Pfarrkirohen. Den Pfarr- 
gemeinden stand vielfacb das Kecht der Pfarrerwabl eu. 



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Cioogle 



Die hiitoriache Litteratirr des Niederrheina fiir dan Jahr 1895. 267 

191. J. Hansen. Die erste Niederiassung der Jesuiten in KClo 

1542 — 1547. Zugleicb ein Beitrag asur Kritik tier Litteratur 

des Ordene. MeviBsen-Festgchrift n. 6, S. 160-205. 
Anf Grand des neuerdingB von den Jesuiten acJoBt verOffentlicbten Quel- 
lenmateriala tritt H. der landlfiufigen Darstellnng fiber ihre erate Niederlaa- 

aung la Koln cotgcgcu ; diosc Dar»tolluxig ooi dar&nf auogogaiigen, die Vcr- 

dienete Peter Fabera, dee Begriinders dieser ersten NiedeHasaung, um die 
Erhaltung dea Katholizisnana in Koln in einem raoglichet bellen Licht er- 
atrahlen zn laaaen. Und doch befanden sich Rath, Klerns ui)d Universitat 
achon in hellem Kampfe gegen die Plane des Erzbiachofs Hermann von Wied, 
ala Faber nach Koln karn und hier die erste Kiederlassung der Jesuiten in 
Doutacbland begracdete. Piese fand bei Mitgliederu des Klerus und einigen 

bervorrngenden Kolncr Familion UotoretStenog. JDocL rcicbtc dcrori EinBuao 

nicbt hiu, aie gegen das Vorgehen dei Rathes zu schutzen, welcber keine nene 
Ordeneniederlasanng, deren Mitglieder von Almoaen leben muss ten, in der 
Stadt dnlden wollte. Der Auaveisui^Bbefehl wurde zwar zurtickgeuommen, 
doch rauBBte das gerneinsame Leben aufhoren. Darauf eogen die Mitglieder 
weg bis auf Petroa Canisius und Leonbard Keasel, den Letter der Niederlaa- 
sung, der bis zu aeinem Tode in Koln blieb und in uberau* segensreicher 

Woiao fur coinon Ordcn und fur Erweolcung dee kiroMichen Lobene in Koln 

thatig war 

192. K. Unkel. Der crate Ktflner Nuntiaturetreit und sein Ein- 
fluss auf die kirchlichen Reformbestrebungen im ErzbiBtbnm 
KDln am die Wende des 16. Jahrbunderts. Historiscbes Jabr- 
bucb der Gttrresgesellschaft, 16, S. 784—793. 

193. J. PobL Ueber ein in Deutscbland verscbollenes Werk des 
Thomas von Kempen. Programm des Gymnasiums zu Kempen. 
Kempen, Klbckner a. Mansberg, 4°, 28 S. 

Betr. die Meditationes de vita et beneficiis Jeau Christi. 

194. R. Pick. Die kirchlicben Zimtande Aacbens in vorkarolingi- 

scber Zeit Aus Aacbens Vergangenheit, S. 1—20. 

P. nimmt eine Kontinuitat zwischen der zur Romerzeit neben dem 
KasLtll bwtehenden bllrgerlicheii Ansiedelung und tier erst ini 8. Jahrhun- 
dert wieder erwshnten Villa Aachen an. Ala die Zahl der Christen sich 
inehrte, aci wic na vielen auderi. Ortec am Rheiu, auf romiacbem Fiakalbodeu 
eine Taufkirche errichtefc worden, wahrschcinlich auf der Stelle der apateren 
Pfalzkapellc. Dies sei die alteste Pfarrhirche gewescn, wahrend die in dor 
eraten Halfte des o. Jahrhunderts gegrundete Aldegundiakapelle eine Hofka- 
pelle dea Kloatfra Stablo gewesen sei. An die Stelle dieser Taufkirche sea 
•piiter die dutch Ixarl d«u Qrmweu erriuktele Ffelzkapelle gelreten. Aus dieter 
EigcitBcbaft als altester Pfarrkirche fiir die GesaromtBtadt and auch wohl fur 
das Aachener Reich aei auch der bia 1800 beatehende Gcbrauch berzuleiUu, 
dass alle katholiacben Kinder der Stadt im Minister getauft vx-rden roussten. 
Diese alteste Pfarrei Aachen habe zum Kolner Sprcngel gehort, wahrend 
Aachen spftter zur Diczese Liittich geborta 



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268 Kaepar Keller. 

195. R. Pick. Die Schule und das Kollegium der Jesuiten iu 
Aachen. A us Aachena Vergangenbeit, S. 36 — 58. 

Erate Niederlasanng 1601, Erichtung der Schule 1615, Errichtung des 

neuen Kollegiums, nach dem grossen Stadtbrand von 165f>, im Jahre lfi6?. 

196. R. Pick. Das Kloster der Karmeliterinnen in Aachen. Aus 
Aachen© Vergangenbeit, S. 5© — 73. 

Nach linger Weigerung vurde im Jahre Kil-'l* die iKiederlassung end 
im Jahre 16R2 der Bbu des Kloitero anf dam Terrain dee ebemaligeii Bim- 
felder Hofes vom Rathe gecebmigt. 
197- R. Pick. Das Kapuzinerklosler in Aachen. Aus Aachens 

Vergangenbeit, S. 74—95. 

Im Jahre 1614 zogen die Kapuziner in das vordem von den Webebeg- 
garden bewohnte Servatiuskloster; 161» wurde der Ban der Kirche begonnen. 

198. R Pick. Die Klause and Kapelle am LinzenhSuscben. Aus 
Aachens Vergangenbeit, S. 96—104. 

199. H. Forst Ueber die Aufhebung des Klosters der Regulier- 
berren zn Nenss, im Jahre 1623. BGNiederrh. 9. 8.133-141. 

2(H). Leop. Henricbs. Die Verehrnng des hi. Einsiedlers An- 
louiue iui Mittelaher iu Geldern und Umgcgeud. Gelderu, 
Dr. von MHller. 8 S. 
Soqderabdruck aus der Gelderu'schen Zeitung. 

5. Kanstgeschicbte. 

SOI. P. Clemen. Die KanstdeukmaJer des Kreises Nenss. Im 
Anftrage des Provincial verbandeg der Kheinprovinz herausge- 
geben. Hit 7 Tafeln und 67 Abbildungen im Text [A. u. 
d. T. Die Kunstdenkmaler der Kheinprovinz. 3. Bd. 1IL] 
DusseiaoTf, Schwann. VI, 127 S. 

Die erate Stelle nimmt die Stadt Neusa selber ein. Es werdea hier 
zunachet die baulicfaen Ueberreate flee alien raraiachen Lagers, daa im Auf- 

troftc deo Bonner Prorinxlalmuocurao bloosgologt wordon lot, boochriebco. Dwa» 

folgt eine auafuhrliche Ltaugeschiohte und Beachreibung der Stiftakirche zn 
St. Qoirin. Von Interesse and auch eine Anzobl Privathauscr bus dem 16- 
Jahrbondert and die alten Stadttbore. Gleich bervorragend wie die Quirta** 

kircbe ist die urn die Mitte des 12. Jahrhunderts errichtete Pramonstraten»erJ 
abteikirche zu Knechtateden. Bodann find en «icb auch hier wie in dem 
gegeniiberliegenden reehtarheiniBcben Qebiete eine Anzahl romaniacher Kirchen, 

dio bu jonor baugooohiohtlioh duroh doe Vorbild der Kiroto su Kaicrow«rtK 

beeinflusaten Gruppen romaniacher Kirchen gehoren. Von Prcfaubauten ver- 
dienen neben einer Anzahl Burganlagen vor Allem noch die aebr interessanten 

vom Kolner Erzbiachof Friedrich von Saarvrerden im Jahre 1362 aogelegten 

Befestigungen von Zona Erw&hnung. 



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Die histori8che Litterstur des Niederrheins fur das Jahr 1895. 2l»J> 

202. E. Firmenich Richartz. KOlnische Kttnsfler ans alter und 
nener Zeit. Jobann Jakob Merlos Neu bearbeitete und 
erweiterte Naclirichten von dem Leben und den Werken K&l- 
riscber Kiitoatler. Herausgegeben unter Mitwirkung von H. 
Keussen. Mit zablreichen bildlichen Beilagen. [A. u. d. T. 
Tublikationen derOeseltecliaft fur Rheiniscbe Gesciuehtekniide 
IX]. DUsseldcrf, Schwann, 4°. XVIII S., 1200 Sp. 

Es sind mehr els 40 Jabre verflossen, aeit Mertoe damals epochemachen- 
des Bucb; Nachrichten von d«m Lcbcn und den Werken Kcloischer Kunstlcr 
erachienenist. Sein Bestreben war dahin gegangen, ein vollstandiges Ver- 
zeichniss aller Kiinetkr en geben, die in Koln geboren sind oder jomals dort 
gelebt und gewirkt haben, sllea anf ihrc biirgerliche Stellurig, Familien- und 
Le hens verbal tnisse und Leben sbegeben he i ten Beziiglicbe zu sammeln end ihre 
in Koln entatandenen und erhaltenen Werke zu verzeichnen. Yon manchen 
Kumtlern war nicht mehr ale der Name hekannt. Dahei war der Kreis der 
KUnstler moglichst weit gezogen. Eine reiche Fundgrube fur die „ Nachrichten*' 
bildeten die Kolner Schreinsbiicher und Rathsprotokolle; alio dort gefondentn 
Urkunden warden in vollcm Wortlaut ahgedruokt. Seit dem eraten Erscheincn 
batte Merlo fiir eine tweite Aufiage neuea reichea Materia) gesamnelt und 

hintftrlieas hei seinem Tode [-J8. October 1890] ein druckfertiges Manuscript. 
Dieses wurde von den Erben der Geaellschaft fur Rheiuiscbe Geschichtskuado 
iiberwiesen, die eine Pflicht der Pietat gegeu den verdienstvollen Forscher 
erfullte, indent sic scin Lebcnswerk pnblicirte. Die Horausgabe hat Firruenich- 
Kicfcartz besorgt, untor Mitwirkung von Keusaen, welcher vor Alien das von 
Merlo gesammelte und bemitzte orkundliche Material nachzupriifen batte end 
hierbei deesen peinliche Gewisgenheftigkoit fertstellen koncte. Die Aufgabe 
des Bearbeitera war keine leichte, wurde aber glueklich gelost Einnal ge- 
bot die PietSt gegen den Verfasser, der Darstellung moglichst ihr Original- 
geprage zn lassen; andereraeits war es ncthig, die oft allzuwcitacbweifigeo 

Anefuhrungen Morloe ea kiireon und don bentif^eTi Anfordorungon d«r Kunot- 

vrissenschaft anzupaasen. Ee wurde daber der ganze urkuudliche Apparat, 
wie er sich in der ersten AnBage fand und seit dem urn das Poppelte gestiegen 
war, furtgelasaen. Ebenau wurde a us den Heihen der Kolmschen Kuustler 
eine Anzahl bernhmter Meister gestrichen, deran ZiiBammenhang nit Koln 
nich nicht rnehr aafrecht erhalten liess, wie DUrer, Rubens, Msssys, Scborcl 

n. a. Mauche Artikel wnrden ganz urngearbeitet, wie der tiber MeisteT Wil- 

heim. Tie es Merlo in enter Linio darnuf angekommen war, iibur die auescrcn 
Lebensumstande der Kiimtler zu informiren, so batte er alle namenlcsen 
Kunstler, nannentlich Maler, unberiieksichtigt gelasaen. In einem \achtrage 
werden nun vom HerauBgeber die „Werke anonymer Meietor" behandelt. Diese 
Meister werden naoh ihren bekanntenten oder eharakterietischen Werken be- 
nannt, so der Meister der Glorifikation Maria, Meister des Marienlebena, der 
heiligen Sippe n. a. 

203. H. Tbodc. Die altkftlniscbe Malerscbule in ibrer geechiobt- 

lichen Entwicklnng. Aula, 1895, n. 7—9. 



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270 Kaspar Keller 

204. H. J. Friedl&nder. Die Kflniacbe Malerechule. Frankfurter 
Zeitung. 1895, n. 51. 

205. E. Firmenich-Richartz. Wilhelm von Herle nnd Her- 
mann Wynricb von Wesel. Mit Lichtdrucken und Textab- 
bildungen. ZChrK. 8, Sp. 97—110, 129—154. 288—250. 

206. E. Firmenich-Ricbartz. Die Verkttndigung des Erzengels 
Gabriel. TafelgeinMde der Kttlniscfaen Scbole urn 1480. Mit 
Licbtdruck. ZChrK. 8, Sp. 265—266. 

207. A. Scfanutgen. AltkolniBcbes FlUgelaltarchen, mit Tfaon- 
grllppchen im erzbischb'flichen Museum zu Koln. Mit Licht- 
drack. ZChrK. 8, Sp. 1-2. 

208. F. W. E. Rutb. Die freiberriicu wit Zwierleiniscbe Sawiu- 
lung von Glaemalereien zu Geisenbeim am Rhein. Eine kunst- 
bistorische Stadie. JVARh. 96/97, S. 293—303. 

Viele Stiicke atoimiien hub Eijln, namentlich aus der Sammlung dea 

Optikera W. DusaeL 

200. Ftlhrer durch die Mttnsterkircbe zu Bonn. Mit 1 TafeL Bonn, 
Henry. 40 S. 

210. H. Htlffer. Der Grabetein des Burggrafen Heinrich von 
Drachenfela zu RhCndorC Mit 1 Tafel. AnnHVNiederrfa. 61, 
S. 237—244. 

211. H. Kelleter. Vorkaroliugisehe Bauten zu Aachen. KBWZ. 
14, S. 6—12. 

Auf dem Katacbhofe in Aachen Bind die Ueberreate zweier romiacber 
Bitiianlagen aufgedeokt worden. Die alteste Anlage bildete ein grosses Qi:r- 
drat; ihre Beatimmung 1st uubekannt. Die jfingere Anlage war eine Basilika, 
vielleicht die filteate Kirohe Aaohena. Naeb Kelleter war aie noch in karo- 

lir.gUoaor Zoit orfcalt*ii und bildoto oincn Annexbau auva OUtogon. Zwiachen 

beiden aei apater die Karlakaj»elle eingebaut worden. Wiohtig set die Baailika 
vor allam deahalb, weil aich in ifcr dae Grah Karls dea Grosaen be fun don 

babe. 

212. C. Rhoen. Der ehemalige malerische und plastische Wand- 
ecbmuck im karolingischen Tbeile des Aacbener Mdneters. 
MVAachen Vorzeit, 8, S. 113-124. 

213. B. M. Lersch. Der Reliquienbeh&lter des hi. Anastasius im 
Aacbener Dom. Mit einer Tafel. MVAacheu Vorzeit, 8, S. 
74-90. 

214 J. Bncbkremer. Die Arcbitekten Jobann Joseph Convert 
und Jakob Couven. Mit lb Tafeln. ZAachenGV. 17, S. 89 
—206. 
Ura die Mitte dea vorigen Juhrhunderta entvrickeltt der Aachener Ar- 



r. ; 



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Hio bUtoriocbo Litteratur clsa Nio^orrbeirn fiir dut Jahr 1K9&. 97t 

chitekt Joh. Jot. Couven eine ungemein ausgedehtite Bauthatigkeit. Eine 
groeae Au7.ahl seiner Zeichnungen and Entwiirfe eind noch im Original er- 
halten. Viele Frofanbauten und Kirchen von ibm stehen heute noch. Yon 
jenon itt am bekannteBten d*r Jagerhof in DuBaeldorf, von dieeen die Abtci- 
kirche in Burtscheid. Wo Couven seine Ausbildung genossen hat, ist nicht 
bekannt.. Wnnignr iiRilputPnd war apin $v>hn Jakob Ohivpii, d«r nneb in 
franzoaiBcher Zeit in Aacben thatig war. 

215. St Beissel. Spatgothische Skalpturen and Malereien zu 
Lendersdort: ZChrK. 8, Sp, 203-208. 

216. W. Jo si Die Schnitzwerke am Maretall des Jiigerbofee za 
Dttsseldorf. Mit 2 Lichtdracktafeln. Herauagegeben vom 
Dllsseldorfer Geschicbteverein zum 14. August 1895.' Dlissel- 
dorf, Lintz, 20 S. 

217. F. Goebel. Die Mtlimterkircbe zu Essen and ihre Kunst- 
schaize. Ein FUhrer fllr die Besucher der Mttnsterkirche. Mit 
1 Tafel. Essen, Vosa. 58 & 

218. R. Keller. Die St Markuakapelle zu Altenberg. Mschr- 
BeifcGV. 2, S. 137—142. 

6. Biographien and Aebnlichee. 

219. A. Cartellieri. Heinricta von Klingenberg, Propst von 
Aacben, 1201—1293. ZAachenGV. 17, S. 74-88. 
Heinrich, Protonotar Konig Rudolfs und Bpater Biechof von Komtanz, 

war 1291 — 1293 aucb Propet dea MarienBtifte in Aachen; eeine Ernennung 
echeint nlcfat auf oranungsmaBsigetn Wege zu Stancle gekcmruen zu seln. Von 
einer Thfitigkeit fur die Stadt Aachen oder dae Marienttift ist nichts bekannt, 
wahrend Bpater sein Wirken fiir den Konatanwr Sprengel Bebr BegeiiB- 
reich war. 

220. B. Pick. Der Dechant Peter Wimars von Erkelenz. Aus 

Aachens Vergatgenheit, S. 611—618. 

Wimars war Bekretar dea Kardinala Nikclaus von Cues, dann Kanonikua 
and Dechant am Marienstift in Aachen, in semen letzton Lcbtnsjahron Rektor 
dea von Nicolaua in seinem Heircathstadtcben Cues errichteteii EoBpitale. 
t 1494. 

221. E. Wiepen. Mattbias Quad von Kinkelbacb und sein Bach 
„Teutacher Nation herligkeitt". RheiaGBH. 2, S. 10—27. 

Auf Grund nen aufgefandenen Materials giebt W. eineu LebensabrisB 
des K&lucr KupferatechetB, 1'ui mcuouliutjiderD uuii fruubUjtu cu hiatorucb- 

geographischen Schriftstellers Matthias Quad. 

222. J. Scbnorrenberg. Bartholomaus de Unckel. ADB. 39, 
S. 278-270. 

Kolner Buchdrucker dea 15. Jahrhnnderts. 



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272 Kaspar Keller 

223. H. Kens a en. Kaspar Ulenberg in Kbln ale Erzieher der 
badiscben Markgrafen Wilhelm und Hermann, 1600—1606. 
Mevissenfestscbrift, u 7, S. 206—221. 

lm Jahre 11500 wurden die beiden Sdhne des Markgrafen Ednard Forta* 
natus von Baden-Baden dem dainalijren Regens der Laurentianer- Burse in Koln, 

Kaapar Ulenberg. zar Erziebunc ubergeben. Aua den Briefen Ulenbergs an 

die Matter seiner Zoglitige and bub seinem Protokollbuch voiss Keuwen 
seine erzieherieche Th&tigkeit sehr anachaulich zn schildern. Wilhelm wurde 
sptiter einer der tiicbtigsten badiscben Reg on ten. 

224. F. H. Reuscb. Kaspar Ublenberg, katholiscber Theologe. 
ADB. 39, S. 181—183. 

225. N. Fan! us. Matthias Sittardas, ein kaiserlicber Hofprediger 
dc» 10. JahrbunderU. HisCoriscb-PolUiscbe Blatter, 110, 8. 
237-269, 329-340. 

226. N. Paul as. Johannes Weyer, der BekSmpfer dee Heien- 
wahues, war Protestant Katbolik, 1895, S- 278—288. 

227. R. Pick- Der Gescbicbtscbreiber Eberbard Wassenberg in 
Aachen. Aus Aacbens Vergangenbeit, S. 619—625. 

228. R. Haeec n kam p. BcitrHgc zar Gcechiohto dor BrUder Jaoofai. 
BGNiederrh. 9, S. 198-217; 10, S. 244—254. 

229. O. Pfalf. Kardinal von Geissel. Aus seinem bandschrift- 
licben Nachlass geecbildert. 1. Band. Mit dem Bildniss dee 
Kardinals Ton Geissel. Freiburg, Herder. XVI, 696 S. 

Vgl. Beaprechung AnnHVNiederrb. 61, S. 245—247. 

230. Au*r. Reichensperger iro Frankfurter PariamenL KWa 
Volksztg. 1895, n. 491, 492, 494, 499. 

231. J. Asbacb. Zur Erinnerung au Arnold Dietrlcb ScbSfer. 

Mit 1 Bild. Leipzig, Teubner. 80 S. 

232. J. Joesten. Wolfgang MUller von KOnigswinter. Sein Leben 
und die Bedeutung seiner Werke flir das dentsche Vclk. Mit 

1 Bildniss. Kttln, Kuluer Verlagsanstalt. 54 S. 

233. Nacb vierzig Jahren. Rcligionspbiloeopbiscber Briefwecbsd 

zweier Jugendfreunde in sp&tester Lebenszeit. Leipzig, Aka- 
demiscbe BuchbandluDg. VII, 232 a. 

Zwischen dem Konvertiten Friedrich Pilgraro, i 1890 zu Monnehn bei 
MHlheim am Rhein, und Professor Zehender in Rostock. 



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Berichte und Notizen. 

In dieser jRubrik btabtkhtxgt die Bedaktinn eitie Centralstetie far die 
gisatnwte getchichitfche Bethdligung in <kr Bheinprovinz en errichten und 
cum trexmm uoer aue Oamit verwandten X'ragen zu bieten. Es ergeht 
daher an AXU die ergebenste Bitte, jette einechfagige Nachricht an die Adresse 
da- Bedafaion {Bonn, KurfurstenHrasse 79) gdangen lassen zu tootlen, insbe- 
sondere werden die Genenichtfrncreiru urn regelmawige Fir.ser.dnng «Arw Be- 
richte gebeten. A. Mzister. 



FiUbjabrBversammlona; des Hlstorlscben YerelnB fBr den Meder- 
rfcein tn DfUse-ldorf AM 2. Junl 18W. Die Stadtverwaltung hatte der Ver- 
Bammlimg den herrlichen neuen Rathb&ussaal zur Verfugung gestellt und 
tier befreundete Diisseldorfer Geftchichtsverein batte an den Vorbereitungen 
nod an der Yersauimluiig etelbst sicb wirkstuu bethtiligt. Der Yorsitzecde, 
(Jebeimer Justizratb Professor Huffer, begruaste zunachst den anvresenden 
Vcrtreter der Stadt, Beigeordneten Beckers , deu Regierungsprasidenten 
t. Rheinbaben, nnd den Diisseldorfer Verein, worauf im Namen der Stadt 
Dr. Beck ere und im Nam en des Duseeldorfer Vereina der President dce- 
selben, Professor Dr. Hassenkarap, den Versamraelten den YVillkomnien- 

gross entboten, insbesondere die gescbichtliche Vergangenbeit Diisseldorfs in 
kunathistorischcr und litcrar-Iiietoriacbor De/.ieuuug bctouond. Daiauf or- 

folgtc ein Ueberblick iiber die Gescbaftslage des Yereine, woraus bervorging, 
(lass dersclbe iiber 700 Mitglieder zable und dasa trotz der koatapieligen, in 
den leUten Jabren veroffentlichten Arcbiv-lnvcntare und des Registers, der 
Yermogensstand etwa 10000 Mark betrage. Der Yorsitzende nnd der Schatz- 
taeister gedachten der verstorbeneu Mitglieder des Vereics, insbesondere 
Professors Meneel aus Bonn und des Gebeimratbs R e n n e n aus Knln ; 
die Veraaramelten erhoben sich zum cbrendon Andenkeu von ihrec Sitzen- 
Sodann lag der VerBammlong ob, den Yorstand fur die nacbsten drei Jahre 
zu w alien; auf einen Vorschlag aus der Mitte der Versomtniung wurdo 
der alte Yorstand durch Acclamation wiederernannt, nnr Professor Karl 
Lamprecht iu Leipzig batte in einem Schreiben darauf bestanden, seine 
Secretarstelle im Vorstande wegen Ueberbtirdung niederlegeu au rnuseen, 
an seiner Stella wurde Privatdocent Dr. M sinter in Bonn einatimmig 
in den Vor&tand gewablt. Ala Ort der n ache tea Qcnerol-Versammlung wurde 
Essen festgesetzt. 

Daran eohlossen sicb drei Vortrage. 

Anaakra des hiat Ycrdia LXv. W 

r a ,CiOOglC 



374 B«piokto und Kotir«n. 

Zunachat hehandelte Conservator Fr. Scbaarachmidt die hiato- 
riscbe Entwickelung der Stadt Diiaseldorf in kiinatleritcher Hinsicht und 

stellte an die Spitze seiner Darlegung die Bemerkung, dass die Stack in 

dieaer Beziebung hinter Koln und eelbat hinter einzelnen kleinern St&dten 
Ruriickatehe und ihre allere iiunstbethatigung ausschliesslich kunatsinnigen 

Fnraton vorHnnl-p Aln filfc«»t*» W«rk der A rnlift aIc f n r oni d«» im 19. Jafcr- 

hundert entstandene Kapelle zu betracbten, welche sich an Stelle der 1206 
znr Pfarre erhobenen Lambert ikirohe befaud, die spater Collegiat-Stift ge- 
worden sei und im Beginn dea 16. Jahrhunderts ibren b&ulichen Abschluei 
gefanden babe. Dai wenig achmuckvolle Innere wird duroh ein prachtigei 
apatgothischea Sacramentshttuscnen, eovrie durch Wandgem&lde des 14. und 
16. Jahrhunderts belebt, "namentlicb aber dnrch das impoaante Grabdenkmal 
Herzng Wilhelnis, der durch die Erweiternng des friihgothiaohen Schlrase*. 
die Erbauung dea (1749 uragebauten nod neuerdings erweiterten) Rathhauaea, 
gowie durch Beziehucgsn zn Zeichnern, wie Heinricb Aldegrever, und Malern, 
wie Malthain, desaen emziges bekanntee, authentiachea Portrait ein vor Kurzera 
aufgefundenes Bildniss der Jacobe von Baden iet, Yerdienate urn die craten 
kunatlerischen Regungen in der Stadt sicb erworben babe. Unter so in era 
geietesschwachen Sohne and Nachfolger Jobann Wilhelm sei sein, so eben er- 
wahntea, 1595 hegonnenes, groasartigea Grabdenkmal cntatanden, ala deaaen 
Urheber neuerdinga von Dr. Kiicb der Bildhauer Gerhard Scheben nach- 
gewiesen sei. In dem nach dem Vorbilde Sansovino's triumphbogenartig be- 
handelten, mit allegorischen Figuren raid) gesoomfickten, sehr malerisch 
wirkenden Epitaph komme die in voller Rustttng liegende Figur dee Herzoga 
zu voller Geltung. Der Grander der neuen Dynastic Wolfgang Wilhelm 
liesB 1622 — 1621* fur die Jesuiten durch den Architekten Antonio Serro 
p/en. Krauss nacb dem Vorbilde der, von dentselben gebauten Neuburger 
Kircbe, die Andreaskirche errichten nnd die Stuckverzitrungen dereelbeu 
durch den Strassburger Kalksclneider Kuhn 1032 — 1641 auBfuhren. Ausser- 
dera entstanden duroh seine Mittel zahlreiche Kloeter und Privatbauten ; 
Del Rubens nnd van Dyk besiellte er Gemnuie, flte ailerdlugs beute nfcbt 
mehr in Dfiaseldorf vorbanden sind, wahrend einige damala von J. Spit berg 
gercalten Bildnisae furstticher PersOnlickeiteu, aich nocb in der Akademie- 
sammlnnc: beRnden. Yon diesero Hofmaler Jobann Spilberg stammt anoh 
eiu in der Akademie beHndlicbes Bild dee Sobnee and Nachfolgers Wolfgang 
Wilhelms Philipp Wilhelro, der zumeist in Neuburg residirte, aber doch in 
Daeseldorf 1655 die Franciscanerkirche erbauen lieas, an deren Stelle BpUter 
die Maxlcirche trat. Den eigentlichen Grnnd zu DUaseldorfs Kunstbedeutung 
legte erst Kurfiirst Johann Wilhelm; ein durch Matheo Alberti, den Bau- 
raeiater dee Scbloesea Benaberg, geplauter Schloasban niusste freilich wegen 

Mange) an Geld unterbleiben; dagegen entstand ein Galleriegebonde fur de> 

Kurfursten Gemaldcaatantlung, von dom nocb heute ein Flogel otcht und bi» 
auf Weiteres den Zwecken des histoririacben Museums und der Landes- 
bililiothek dient. Ferner entstanden um diese Zeit cine Anzabl plastiscber 
Arbeiten, die der KurfiirsT durch aeinen n Statuario M Gabriel von Gmpello 
auafuhren lieaa, der auch das beruhrnte Reiterstandbild auf dem Markte, die 



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Berickto end Notwaa. 27& 

beiden Bronzebiisten an dem gegemlbergelegenen, ihm vom Knrfursten ge- 
acbenkten Hauee unci die prachtvolleu Biiaten ia iltr Aula der Akademie ge- 

sdiaffen hat. Die iiberana koBtbare, alleiii 47 Bilder von Rubens umfaasende 

Gemaldeaammlung, die der Kurfiirst zuaammen gebracht hatte, i&t ap&ter 
leider naoh Miinchen gelaagt, mit Ausnabme der Himmelfahrt Mariae von 
RnKma und dar DaratAlInng Stmaon'a nnd Delila'e von d© Wingbo. Dor 
Broder und Nachfolger Jchanc Wilhelma, Karl Philipp 8orgte mehr fur 
seine Residenzen Heidelberg nnd Mannheim, aein Nachfolger Earl Theodor 
hingegen wiederura mehr fur Dueaeldorf u. A. durcb die Neugrundung der 
Akademie, er liess anch das Jagerhans in Pempelfort mit den grosaen Giebel- 
Reliefc aue der Schule Grupello'e errioHten. Der Classicismus bildote den 
Uebergang zar neuen Zeit, und der preuesisohen Regierung blieb es vorbe- 

hilten, der Akadptnie zu neuer Fliithp ru verhplFen und an din R'nonhA d«r 

modemen Malerei herbeisufuhreii, ala deren bedeuteudate Vertreter Cornelius 
Schadow und Bethel genannt wurden. 

Darin knupfte Domcapitular Schniitgen die Bemerkung, dasa 

die Diiaseldorfer Jesuitenkirohe in den Kreia der rheiniech-westfaliBchen 

Jetuitenkirohen gehore, die durcb ihre Nachbliithe dee sp'atgothisehen Stilee 
mit romanisirenden Anklingen Veranlassung gegeben batten zu dem vom 
Vorredner erwahnten Irrthum Gnrlitta, daaa aie ana mittelfllterlinhon An- 
lagen herausgewachseu aeien. 

Den zweiten Vortrag bielt Geheimratb Prof. Buffer fiber die fiesie* 
hnngan Sulpiz Boisaereea zu Goothc. In dem grossen, 1861 fiber Snlpiz 
Boiiseree veroffentbchten Werke bringt der erste Band die Xagebucher und 

die Freundeskor respondent, der zweite auseoalies slick den Briefwecbeel mit 
Goethe: auf 596 Seiten mehxere Huudert Briefe. Die Goetheschen Auto- 
frraphfm. durcb letztwilliga YerRigung dW Bonner ITaivpraTtMa-RibliotheV 
vermacht, werden in der soil einer Rwihe von Jabren unter dem Schutze der 
verewigten Groasherzogia Sophie zu Weimar erscheiuenden GesammUusgabe 
abermals znm Abdruck kornmcn, wobei der Text zugleieh einer griindlioben 

Revision zn nnterwerfen ist. 2wei Briele Goetbea, nicnt die am wenigaten 
intereaaanten, aind noch nicht gedruckt. Sie wurden nebst den entaprecheu- 
den Briefen Boiasereea von dem Yortragenden vorgeleaen. Yor allem zeugen 
aie von dem unbegrenzten Werth, den Boisseree auf die Verbindnng mit 
Goethe lcgtc, welche im Fruhliug 1810 durcb einen gemeiuacbaftlichen Freund, 
den Grafen Keinhard, vermittelt, im Mai dee folgenden Jahres naoh einem 
Beanche Boiseerees in Weimar eiob zu einer nie gctrfibton, das ganze Lcbcn 
erwarmenden Freundschaft ateigerte. In den dringendaten Worten lud Boia- 
eeree den Dichter ein, den vielversprechenden Herbst von 1811 am Rheine 
zu verleben, und als Goethe darauf nicht eingiug, macbt Boisaeree am 7. 0k- 
tober den Vorachlag, mit einem betrachtlichen Theil seiner Gemaldeaamm- 
>™g usch "Weimar uberzuaiedeln. Goetke kann nicht dazu rathen und hebt 
*m 20. Oktober die 8cbwierigkeiten, die aich in Weimar bieten konnten, 
horror. Als aber BoiBseree am 2. December seine Absiebten und Wuneche 
eingebend auseinanderaetzt, verapricht Gotbe am 17. Dezember, iaamer freund- 
Kcb und bereitwQlig den Plan, soweit an ibm liege, zu fordern. Die Aua- 



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97€ Ben'oMo und Notizcn. 

ffibrung wurde freilieb, was gewiss nicbf an bedauern int, dureb die Kriegs- 
vrirren tier folgenden Jabre und weiter durcfa Goethea Aufeutbalt am Rheint 
1814 and 1815 vertindert Neben dieser Hanptsnche entbalten die Brief* 

noch interessanto Notizen uber weimoriacbc Zustandc, Bois«er£ea Domwerk r 
den Beaucb der Kaiaerin Maria Luise im Dom and zwei Schriftstellerinneik 

dca HeidelHorger Kreieea, AmaKo v. 17 oil wig- nod Holmine. Oi©7y. 

An dritter titelle mtattete Dr. Title aus Kesaenicb eine Ueberaicbt 
uber seine Erlebniaae in der Repertoriairung der Arcnive der Rbeinlande. 

Ei zeigte, wie oft au oicli nnbedeutende Urkunden in Hirer Geaammtbeit 
Bedeutung erlangen end cbarakterisirt sodann die einzelnen Archivgruppeu. 
Unaer Quell en material jet nicbt unerbeblicb bereiefcert worden dnrcb eine 
Anzafcl aufgefundener Weiatbumer, einige Urkunden Kblner Erzbischofe, 

Kolnittfhe r>Rn^ofng«alcf«n, Ptmgfi KaionmrUnndpn »i a. m 

Lie praohtige Tonballe vereinigte sodann die Theilnebmer zu einem 
aolennen Festmable. Darauf erfolgte die Besichtigung dea reuen, ehen so 
reicb auagaatatteten wie praktiecb eiagericbteten Kunatgewerbe-Museamt unter 
der Fiibrung des Directors der Kunat-Akademie Krauberger, ntmentlioh des 
groaeen neuerdingt dnrob dou Director Prof. Jansaen anagemalten Festsaales 
enter der Leitung des ConservatoreScbaarachmidt. Eiuzelne Gruppen be- 

■tv»nteTi die altfi T.fimh*»rtikiK»bp mil. Jbrpm reinhpn Rebate, amvie die von 

Prof. Kleeaattel in roraaniachem Stile gebaate f^t. Kocbne-, uud die von Bau- 
meister Becker in hoobgotbiscben Formen ansgefribrte Maria-Empfangmas- 
Kircbe, bis zulotzt wirder eine Vereinigung im Malkaatcn atattfand, die dero 

an Anregungen ao reichen Tape einen wurdijfen Abecfaluas gewabrte. 



Dl« NcrbttTeraammlnny rtes Hlstorlseben Vereins fHr don NI»4#r- 

rheln zu Essen am 18. October 1897. Die Versammlnng tagto in dem vor 
zwolf .Tabren von Zindel erbauten RathbanRsnale. Den Veraitz fubrte Dora- 
capitular Scbniitgen. Begriisst \vurde die Yersainmlung voir. Oberbiirger- 
meiater Xweigert, weJcher netonte, daaB Essen zwar eine moderne Stadt 
eei, abcr voller Hochacbtnng fur ihre alte Geecbiobte, die in der Munster- 
kirohe nocb einen glanzeudeu Zengen der Vergangenbeit und in dem histo- 

ri*cb©n Vprftin fiir Ti'juiAn iVivp Dtfrigpn Vor+rot*»p hahf>- T^»flfnr rl ■ y n © r * 

bracbte sodann ein WilVkomm aus im Namen dor Geiatlicbkeit nnd lnd ina- 
beaondere ein zur Beflicbtigung seiner Kirche nnd des Stiftascbatzes. Darauf gab 
Scbatzmeiater Helmken einen KaaBenbericbt, vomuB bervorging, dasa die 

VerSffentlichungren dea Vereins in den letzten Jabren insbesondere durch die 

InveDtariBirung der Archive ungemein koatapielig gevreaen seien und (labor 
eine Verminderung des Vermogena um 16t>3 M. eingetreten api. Zu Reviaoren 

der Recrimmgnn uriirdAn die rTf*rr<m rfiif gnnn nnd Snbftbp.n *»r\v5n1f. 

Nach einem knrzen Berichte Qber den Stand der Annalen, deren 64. Heft 
drunkfertig und Heft 65 acbou ao weit vorgeacbritten, daaa ea zu Beginn 
dea Jahrofl eracbeinen k&nn and einem Referate Dr. Tille'a uber eeine 
Repertoriainrngfithfitigkeit wurde Nideggen als nachater Versamrolungsort 

beat i mm t. 






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Bericfate und Notion. 277 

Die Reibe der Vortrage begann Kammerpraaident Schora liber die 
Etymologic des NaraenB Essen. 

Nachdcm cr die Ablcitung dcasclbcn aua Aschc oJcr Eecbc, eowic ana 

Esse verworfen hatte, wies er auf die verdienstvollen etymologischen Unter- 
aucbungen von Forstomaun und Arnold, sowie in Bezug auf Westfalen von 
Jeningbaus und Volkmann, nameutlich auf die Beihillfe bin, die er in seiuen 
beziiglichen Studien durch Dr. Selmann iu Bonn erfahreu habe. Dieae batten 
ihu &u dem Ergebtiisa gefubrt, dans der Urapruug des Nameua nor attsacb- 
sisch aein konne und die alteate Form desselben Astnide oder Aanide sei, 
■wie tr zueret in der Stiftunganrkande Alfredo vorkomme. J>er Weobsel mit 
t und ohne t sei nicbt auffallig, da dieses als dentate Einschiebung sicb zu 
«rkennen gebe, so dase Aan ale die Hauptsilbe, ide als Endailbe zu betrach- 
ten sei, als Suffix. Dieses ursprilnglicb eti, bedeute im Altaacbsischen ho 
viel als Anaiedelung, Hof, Gut nrd das Hauptwort Aan biete also dessen 
oiabere Bestimmung. Dieses aber sei eine Abktirzung von A ana, Zine oder 
Paclit, bo dass das gauze Wort ale Paohthof oder Zinshof, namlich des heil. 

Alfreds, dee Grunderu von Essen, ersobeine. Die weitore Entwickelung des 
Namens in Assindensis, Essiudensis (zuletzt Essender) Bei ganz correct. Im 
Anschluaae daran. wies der Redner auf die Entstehung anderer Namen in 
*ltr Nachbarschaft bin, wie Kettwig aua Cliattorum vicus, Werden ana Werth 
{Intel), Bredeney aus Zwe Breden (Land) und ermunterte zu weitern For- 
acbnngen auf dieaem intereaeanten Gebiete. 

Kentr.er Franz Arens bericbtete iiber den Liber ordinarius der 
Essener Stiftakirahe, von dem zwei Exemplare erbalten eeien, da* jiingere 
aus dem 16. Jahrhundert in der Dusseldorfer Bibliothek als eine aus 
140 Seiten bestehende Abecbrift des altera aus dem Anfange des 14. .lahr- 
Jiunderts in der Easener St. Gertrndiskircbe. Dieae 15b Seiten nmf&Mende, 
izn lb. Jabrbundert in ljeder gebundene und mit einer Oese fur die An- 
kettung versebene Pergament-Handscbrift legte der Redner vor und erstattcto 
iiber ibren zura Tbeil aebr eigenartigen, weil auf drtliohen Einrichtungen 

.iind Gi)wnhnboit«n bernbandon In ha It. mbi* eingahemrian, Hhornim intAroanant>*n 

JJericbt. Da das Esaener Siift den Conventns der Stiftsdamen, seit dem 13. 
-TabrbiinrlerL such das Canonichen-Capitel, sowie die Scholaren der Stifts- 
*chule umfasste, so beziehen aicb die Vorachriften dea Libor ordinariua (dtrr 

aucn Urdo, Ordo ofnciorum, Ordinate, Kituale heisst nnd im Allgememen 

<lie Anweisungen fur die Abbaltnng dea Gotteadienatea, fur die PBichten der 
^inzelnen dienstthuenden Priester, den Ornat der Altire usw. entbalt) im 
vorliegenden Falle anf jene drei Kategorieen ? von denen die zwpitp der Ca- 
ocnici aus 20 Mitgliedern beatand, namlicfa zwolf Presbytern, vier Diakouen 
und vier Snbdiakonen, deren Spitze der Dechant bildete, als das Os caroni- 
«orum. Dieae Voraobriften zerfallen in aieben Tbeilc, von denen dor erste 

xlie Dienst-Ordnung fur den Hebdomaaar bringt, die genaue instruotion, wo 

ond warm dereeLbe in seiner Uauptwocbe nnd den ibr folgenden drei Wocben 
xu functioniren hat. In dem zweiten Theile werden die Anweisungen fiir die 

Oiakonen und Snbdiakonen gegeben. Leber die besondere Feier dw Gottes- 
^ienates finden aicb die nahem, aehr viele Einzelbeiten und Eigentbumlicb- 



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278 Berichte mid Notizen. 

keiten aufwciaecden Beatiminuogen io dem dritten Theile, dem der Bedner 
zahlreiche liturgisch merkwurdige Angaben entnimmt, im AnscbluBae an die 
einzelneu Festtage dea Kirchenjabrea, welcbea roit dem eratctt Adventa-Sonn- 
tage beginnt. Das Chriatfeat, deaeen Anfang der Besuch des Begrabnisa- 
platzea in dor Nacbt bildet, dan St. Stepbansfeet, der Tag der unacbuldigen 

Kindlein, der mit besonclerer Bewirtbung verbundene Sylvester- wie der 
Liehtrnesa-Tag zeichnen mch aucb durch besondere, genau vorgeaebriebene 
Processionen aua. Eine Kette eigentbumlicber Ceremonien bildet die Cbar- 
wocbe, deren Einzug dnrch den bolzernen Palmesel cbaracterisirt wurde. 

Dies ist be eon dorp bcmcrkenswcrth, da der Palmescl in Norddeutechlnnd ocltea 
vorkommt. Am Griindonuerstag, an dem drei Hoatien coniecrirt wnrden, 
fand process io ad mandatum, aber keine Fuwwaschung Btatt; am Cbarfreitag 
die Enlhiillung yon zwei Kreuzen, von denen das eine fur den Chor der 
Stifts-Damen, das andere ffir den Kreuz- oder Yolka-Altar bestimmt war; am 
Cbarsamstag die Weibe der Oaterkerze, in welche ans&er dem noch jetzfc 
iihlicheu Krenz ffir die Tnnf Weibrauchkorner eine Figur eingegraben wurde* 
die das Won op ram m der Dreieinigkcit darstollto: daa Alpha und Omega, da* 
Chi mit dem Rho and das Pbi, und die Weihe des Taufwassera unter aparteu 
Gehrauchen ; am Oaterfeste die Auferatebungefeier um Mitternacht in hocb- 
dramatiaober Weiae. Am Frobnleichnam stage wurde eine Procession mit dem 
h, Sakramenteo um den Kirchbof gebalten, sodann am folgenden Page mit 
Sonnenaufgang eine grosee Sakramentsproceasion darcb die Felder. Am 
Sonnt&g nach Maria Himmelfahrt fand die Liebfrauentracbt Btatt. Die beiden 
StifUpatrone, die hli. Koama* and D&mi&n, standen in grower VerebroDg. 
Ibr Festtag am 27. September wurde mit grotsem Glauze gefeiert. An diesem 
Tage begann dns Eanonicbenkapitel aein Reobnungsjahr. Ausser dem Hoeb- 
altar, vrelcher im 14. Jabrhundert ale Flflgelaltar daa Hochcbor cierte, 
werden in dem OrdinariuB inoch 18 Altare erwahnt. Ub der Griinder 
Bischof Alfredus von Hildeaheim ale Heiliger verehrt wurde, ergibt siek ana 
dem Ordo nicht, obwobl er ia demselben zwei Mai aU eanctus, haafig ate 
beatua, in <W Rpgal »b*r emtaek ate fandalnr »\na*Ar lv*7Attbnet wird. I>«r 
vierte Tbeil des Ordo beziebt aich auf die Exequien und Anniveraarien, der 
fiinfte anf die Pflichten der Inhaber einzelner Officien, der aeebste auf die 
Vertheilung gewisser Gaben und Geschenke, der siebente endlicb auf allerlei 
Verbaltmaae, die nur angedeutet, tuoht naher auigefuhrt Bind. Die Ergan- 

zung zu diesem Bnobe bildet das Katenat oder Kettenbuch. 

Oberlebrer Dr. Rihbeck meldet als Yoraitzender dea Essener Gre- 
achicbta-Veraine znnaebst dwi finitu deaaelhen, um dann in lichtvoller Aua- 
fubrung die Glanzzeit dee Eisener Stiftes unter den B&chaiscben uud salischen 
Kaiaern zu bebardeln. Altfrid, der vierte Biscbof von Hildesbeim, vertrauter 
Katbgeber Ludwig'a deaDeutscben, war an der Grdndung der Klo&ter Laznm- 
apringe und Ganderaheim betheiligt, griindete fiirMoncne daa Kloster Saligen- 
atad, fur Jungnrauen das Benediotinerinnen-Kloater Aenide, welcbet er von 
Anfang an reich au&Btattete und der Leitung seiner Schwester Gerswinde an- 
vcrtraute. Dieae fand ihre Begr'abniaastatte in der Quintini-Kapelle. der 
Grander selbat in der ron ihm erbauten Stiftskircbe, in der aeioe Gebeine 



r. ; 



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Berichte und Notizen. 279 

noch jetzt ruben in einem prficbtigen Hochgrabe aus dem Anfange des vier- 

zebnten Jabrhunderts. Auf dem bei der Einweihung de« Kolner Domes 873 
gebaltenen Concil wusste Altfrid auch seine Mitbischofe fur die neue Stiftung 
zu begeiatern und zu allerlei Privilegien zn bestimmen. Auch die frankiachen 
Konige fuhren fort, ihr manchcrlei Sohenkungen zazuwenden, namentlich ira 
Rheinknd gelegene L&cdg-iiter. Im zehnten Jahrhundert ah Canonieten-Stift 

bocKatigofpLtid, Iconnte ©e eioh dor gaos beBondora Guntt des ottoniochen 

Kaiserhaases rtihmen, welches ihm namentlich ia Sachsen meiiche Besitzungen 
iibertrug und zu ihm in die engstan Baziehungeu trat durch den Eintritt 
seiner Tochter. Der erst nacb dem Jahre 1614 entstaiklene, vielleicht auf eiuem 
Xekrologium dee dreizehnten Jahrhnnderts basirende Aebtiasinnen-Katalog fiihrt 
nicht weniger ale acbt dieser Farstentochter auf, von denen aber mehrere legen- 
darisch aind, wie auch die ale vierte Aebtirain genannte Pinnoaa. Auch iiber 

Hathwig unci Ida aind die Naonriohton tiooh uxiznTerlSsaig, bit endlicK Mathilde 7 

die Enkelin Otto's I. in das hellste Licht tritt. AH Tochter Ludolft 947 geboren, 
trat sie c. 966 in das Stift nnd e 973 an desaen Spitze, und wurde mit ihrem scbon 
9#2 gestorbenen Bruder, Herzog Otto von Schwaben deaaengroase Wohltb'iterin 
dnrch die Stiftung des ftltesten Kreuzea und sp'ater durch mancherlei andere zum 
Theil noch erhaltene Schenkungen. Auch ihren Onkel Otto II. wuaete eie for das 
Stift zu gewinnen, so dass er ihm sogar seine Tochter Matbilde zur Erziehung an- 

vertrante ; nicM". rmndwr bedanlite m* Otto TIF., der ft$3 Kaoen beimontA nnd 

es 996 von Dortmund aus welter beschenkte, auch Heinrich II. 1003. Ma- 
thilde starh 1011, nachdem sie 998 auch die Filiale Reltinghansen ge- 
griindet hatte, in der sie %inter einer Mosaikplatte beigesetzt wurde. Eine 
glanzvolle Erscheinung war wiederum Theophanu, die Tochter Ezzo's und 

Matbilde's, Sohwester der Kcnigin Richeza von Polen und des Erzbischofs 

Hermann von Koln, der 1061 die von ihr erweiterte Krypta der Stiftskirche 

**inwpihtp. Sie •nhenkt* dua visrte Kren*, vnllendete den ManuRMhrein und 
erwirkte von Kaiser Heinrich HI. das Markt- und Zoll-Recht. Kach ihrem 
Tode erlosch allro&hlich der Glanz, welcher bis dahin das Stift umgeben hatte. 

Fur dieae vortreffliche Einleitung zur Besiofctignng der Munaterkirche 

nnd itarer schaue dankte dem Redner der Vorsitzende. Darauf begab sich 

die grow Vewammlung zunachst in das Nebenzimmer, in welch em der 
Herr Oberblirgermeister ein Buffet eingerichtet hatte, eine in den Annalen 
des Historischen Vereina noch nicht verzeiohnete Aunnerksamkeit, welche 
den. Vorritzendeu veranlasste, auf den groasmutbigen Spender ein kriiftiges 
Hoch auszubringen. 

Nach dieeer uberaus wohlgefaUig aufgenommenen Starkung erfolgte 

der Besnch der Mfinsterkirche, in deren festlich belenchteten Raumen eine 
grosse Schaar sich einfand. Dieter erklftrte Religionalehrer Prill zunftchat 
das merkwSrdige Baudenkmal, dessen einzelne Epocben von der zweiten 
H'alfle des neunten bis in den Schluss des vierzebnten Jahrhuuderts er in an- 
echaulichor Darlegung crlantcrte: daa Langhaus ale den Rest aus der LV- 
aprungazeit, den Westbau und die erste Krypta als ScbSpfungen ans dem 
zebnten, die zwe'ite Krypta als Erzeognias der Mitte dei elften, das Transept 
als Umbau aus der Mitte des zwolftin, das Cher und die GewOlbe des Lang- 



r. ; 



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280 Bericbte und N'otizen 

hauses als Producte dee vierzebnten Jahrhunderts. Auch den Gemalden aus 

der Mittc dcs elflen J&brhunderts im Westbau, aus dem Schlua* des zwolfUn 
in der Vierung, dem Ende des vierzehnten an den Eingangepfeilern zum 
Chor, aovvie dem beriihmten Reliquifm-Altar mit den Flu gel n de Bruyn'a, der 
Heiliggrab-Gruppe, dem kostbaren Biobenarmigen Leucbter und der grossen 
antiken S'aule wurde die Aufmerkaamkeit zngewendet. Endlich wurde von 

dem Vorait&cndex* dor unYorglescblicbe Schatn gescigt und trlautcit, der »uf 

dem Chore eine sehr uberaichtliche Aufstellung erfahren hatte. Die vier 

Praohtkreuze mit den merkwiirdigen Zellen-Emaila und die acbt iihrigen 
nicht minder wichtigeu Erzeagnisse der ottonischen Periode, die uberaus 
zshlreichen Artnreliquire, Monstr&nzen, Ostensorien, Kelche des zwolften Mi 
fuufzshnten Jahrhunderts, die ungemein mannigfaltig in ifaren Formen uud 
mustergoltig in ihrem Anfbau wie in ihren Verzierungen, die herrliche Gold- 

cmailkcttc bud Burgund, die koetbaron Ev flJ igcHari&Ti wxr. fenden cingchcndc 

Erklirang nnd allgemeine Bewunderung, so dass der Abacbied von alien 
diesen Kleinodieu Uebcrwindung koetete und erst nach vier Ubr das Festessen 
im Hotel Hartmann beginnen konnte. 

Hier fand zunachst die Vertbeilung von ncei freundlichnt der 
Versammlung gewidmeten Druckaachen etatt, einem Separat - Abdruck 
aus dem „General-Anzeiger fur Essen and Umgegend", in welebem 

oin „Fround dor UciroftihUohoii CcaoHiobto" die Prmsoeainnon do* oicb- 

siechen Konigs- und Kaiserbauses als Aebtisainnen von Gandersheim, 
Enen and Quedlinburg vom neunten bis elften Jahrhundert behandelt, aowie 
einem kleinen Hefte mit dem Xitel: Den zur General- Versammlung am 13. 
October 1897 in Essen vereinigten Mitgliedern dea Historischen Vereins fur 
den Niederrbein uberreicht vom Historischen Verein fur Stndt nnd 
Stift Essen, In dieaer inatructiven, und iUastrirten Studie nntersucht 

Gcorg Hamasp, dor 1 eider verhindort war, der Vereuamlung boiauvohnon, 

mehrere merkwiirdige Einzelheiten deB Easener Scbatzee, in Bezug auf Alter, 
Herkunft, Bastimmung, namentlich die geaebnittenen Bergcrystall-Knaufe an 
zwei Kreuzen und etne Reliquieu-Phiole, die er mit Reobt fur arabische Er- 
zeiignisse des zehuten Mb elften Jahrhunderts erklart und mit veracbiedenen 
abulichen Arbeiten (die nocb urn mancbe Beispiele yermebrt werden konntcnj 
zusammenstellt Wie wir horen soil die fleissige Arbeit mit einem kleinen 

Mftobirage irn nSokaten Hcfto dor Seitrego our Goaonicbte con Stadi und 

Stift Essen erscheiuen. 



Aachen. V>reln fir Knnde der Aa< bener Vorxeit, Mitgliederzahi 
ca. 230. Sitzung vom 15. Januar 1896 zwei Vortrage: ReferendarSchollen 
fiber den Empfang einer Gosandtsohaft der Hansastadte in Aachen 1G06; 
Oppenboff uber militarische Revolten untor Aachens Besatzung 1795. 
Kit7iing vom II. M&rv dr*i Vortrigp? C. Rhnaii fiber eltfl AnairJitan von 
Befestigungswerken in Aachen; Dr. Pruning uber Frnr. von derTrcnck; 
Pfr. Schnock uber die Diocesan angeborigkeit Aachens and Burtscheids. 
General versiiiimiiiiiig am 11. November: Jahrasbericht uud Kwei Vortrage: 
Keferendar Schollen uber Aacbener Strafrechtapflege im Mittelalter; Dr. 



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Bcriohto und Kotizen. 281 

Bruning fiber Beziehuugen Eugene von Savoyen 211 Aaohen. Aueserdem 
nntemahm der Verein zwei wiesenschaftliche Ausfliige am 4. August nach 
der Burg Sohimper iro Geultbale und Atart Altenberger Dome, wobei Pfr. 
Sc h nock einen Vortrag hielt iiber du neutrale Gebiet von Moresuet; ferner 

am 4. October nacb der Ruine Wilhelmstein, bei welcber Gelegenheit Pfr. 
Schnock und Referendar S o h o 1 1 e n uber die Gesobiobte Bardenbergs 
und der Burg WUhelmetein sprachen. 

Der IX. Jahrg. der von Pfr. S o fa n o c k redigirten Zeitachrift H Aue 
Aachens Yorzeit" enthalt ausser einer Anzabl icleinerer meist kultUTgeschicht- 
licber Mittheilungen einen Aufsatz von J. Gross iiber Burg Schoenau bei 
Aacben; Eine Abhandlung von Pfr. Sch nock uber daa Zusammenleben der 

StifogeiBtlicbkeit zar Zeit der Karolinjrer; and tod J. F e y eine Lebensbe- 
sohreibung dea Aachener Malere Job. Adam Efeerle. 

Bona. Teraln Alt-Bonn. In der GeneraWergummlung am 2fi. Oct. 
1 800 hielt Dr. F. Hauptmaun einen Vortrag uber das Cussiuaatift in 
Bonn (abjrcdrucW bei F. Hauptmaun, A Her lei aus alten Tagen, Milder sua 
der Geecbichte Bonn uud L'mgegend S. 89—128). W. Fnabahn berichtele 
uber zwei im vorigen Jahrh. nach Bonn gekommene Tfcrkenfahnen (gedruckt 
im Bonner Generalanzeiger 99. Oct 18%). Auuerdem wurde referirt iiber 
dio vom Voieia ueu eiwurlcueu lokttlgeauliiulillicbeii SlUukc — Iu der Ac- 
neralveraammlung vom 18. November 1897 Bprach Dr. Tille iiber das 
Archidiakotiat Bonn uud W. Fusbahn uber ein Spottgedicht auf den Tod 
und das LeichenbeRangniss des Kurfursten Max Franz. Die neuen Erwer- 
bnngen dee Vereine warden der Veraammlung vorgelegt. 

Dflsaeldorf. Dflsseldorfer Gescaichts-Yereln. Mitgliederzahl 340. 

Eo f cm den 180G ooeba Sittungcn out VortrUgen etatt; am 21. Jenuar Prof. 

Dr. B. Hasiencamp: Der englische Konig Karl II. in Dtaeldorf und 

seine Beziehungen znxn Pfalzgrafen Pbilipp Wilhelm (abgedruckt in Deutsche 
Ztachr. f. Geschicbtswissenscbaft 1S96/97 S. 238 f.); am 14. Febr. Ditgea 
iiber Dfitseldorf im Anfange dieses JahrbunderU; am 10. Marz Dr. Cramer 
iiber n HbeiniBche Ortsnameu" und B loos fiber nDusseldorfs altesten leben- 
den bistorischen Zeugen"; am 27. Oct. Prof. Dr. Hassencamp uber Karl 

Im merman n (abgedruckt iro Jabrbnch dco Veroina, a. Annolen H. 68 9. 943); 

am 17. Nov. Marseille nber die zweite Heirath des Pfalzgrafen Wolfgang 
Wilhelm 1(81; am 8. Dez. Dr. Kiioh uber die Banthatigkeit de* Kurfureten 
"Wolfgang Wilhelm in Diisseldorf. — Znm Jahrestag der Stadterhebung 14. 
Aug. gab dar Verein eine Deukschrift her aw; : F. Schaarschmidt, Ga- 
briel Bitter von Grupello und seine Broucestatuette des Kurfursten Jobann 
Wilhelm im Jagerbof zu Diisseldorf. 



Kffla. Yeretn von AltertianufreanddB. Mitgliederzahl oa. 60. Vor- 
trage bielten bis Marz 1897 Rector Schwoerbel: Geschichte dea Ball- 
spiels und seine eiustige Pflege in Koln; Hofralb Aldenboven: der 
Salon 18% ; Director Dr. v. F a 1 k e : uber mederrheinisches Steinzeug ; Bau- 



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282 Berichte und Notizen. 

rath 3 t u t> b e n Raguaa nnd Callarro ; S t ii h b e n : Spoleto; S tad t arch ivar 
Prof. Dr. Hansen: die Ifniveraitat Koto nnd der Hexennammer; Han n en: 
Deuteche Kmncniegel; Dr. Hie a: Hber moderne Radirungen. Der Kolner 
Stadt-Anzoiger bracbte Au8zuge aua den Yortragen. 



Frln. GeBellsebaft fur Altertkunsknnde. Am 6. Oct. 1896 Vor- 
trag dea Gymnaaialdirectorfi Dr. A b b a c h iiber die romiache Waaaerleitnng 
in der Eifel und die romiecbe Villenniederlassung bei BlankenLelra. In der 
Sitzung am 27. Not. V or trap deaaelben iiber Georg barech und die 
Jiiflia illuBtrata nach Borsch's r Eriimorungon aim meinem vielhowegten 

Leben", und fiber die Bearbeitung der Eiflia illnstrata von Friedr. Sohanuat. 
Sodann aprach Kreiabauraeister Scbrader fiber die Ruinen von Baalbeck 
In Syrien. Am 13. Febr. Vortrag dee Oberlebrera Donabaoh iiber den 
Mithraadienat im romiacben Keiche. In der Vorstandaaitzung vom 22. Febr. 
verbrcitoto sicii Dr. Aebaoh fiber die Sohl&cht, in welcher Cerialia i. J. 70 
n. Cbr. die Bataver von Trier zuriicktrieb; eie soil auf dem rechien Mosel- 

nfer nnter den Mauern der Kolonie stattgefunden haben. 



Rheydt Yerein ffir Heimatkinde In Rheydt. Der kurtlich ge- 
grfindete Verein bezweckt, laut der una eingeaandten Statute©, „die Ge- 
achichte der fctadt Kheydt und ihrer Umgebung zu erforacnen, im Beaonderen 

die hier vorkommenden Alterlbamer im weifceaten Sinne zu einer Sammlungf 
zu vereinigen, die EigenthQmlicbkeiten der heimatblichen Spracbe und Rede- 
weiae featzuBtellen, die Sitten und Gehr'ancbe unaerer Vorfanren zu erkunden 
und die gewonnenen Ergebmsae dnrch Beaprecbnngen und VerSflentlichungeu 
zur gemeinaamen Kenntniaa zn bringen". Jahrlicb im September findet eine 
General versammlung etati. — Von dem regen geeoniebtlichen Siune in Rheydt 
glebt Zeugniaa die zu Anfangdiesea Jahrea von S t r au a a verOffentUchte Geachicnte 

der Stadt, und die unlangat eraonienenen beiden Arbeiten: das Rathhana za 
Rheydt (Boilage,V, 64 S. m. 12BUdern) nnd von Dr.L.Schmitz: Geschicute 
der Herrschaft Rheydt (XVI, 299 S. ra. 16 Bild. u Beil). Dieee letztere 

mit grosser Sachkonntnias verfaaate Scbrift behandelt die smsaere Geachichte 
in den Abacfcmtten: 1) Die LehnBherrn liheydt'a, 2) die Lehnstrftger dea 
Schlosses und der Herrlichkeit Rheydt, 3) Rbeydt unter franzosischer Herr- 
Hcliaft uud L'ebvrgBug an Preusseu. Don reiuneu Inhalt der iiui&rwi Oc- 
Bcbiohte mogen die Unterabtheilungen veranscbaulichen: 1) Das Gebiet der 
Unterberrscbaft, 2) Herr und Untarthaneu, 3) Sohoffmgericht und Vogtgeding, 
4) die Gemeinde wihrend der franzdaiBchen Herrachaft, 5) die kath. Gemeinde 
bis 1816, 6) die evang. Gemeinde bis 1815, 7) Scbulen bie 1815. 8) das Ter- 
tiorierinnenklOBter St Alexandri, 9) Kriegedrangaale bea. wahrend dea dreiaaig- 

jahrigen Krieges. 

Trier. GesellBchaft fllr nBlilicne ForahuugtD la Trier. Mit- 

gliederzabl ca. 800. In der Generalversammlung vom 19. Juli 1896 hielt 
Gymnaaialdirector A a bach aua Priim einen Vortrag iiber Domitian und 
seine Th'atigkeit am Rbeine (im Anazug gedruckt im Correspondemblatt der 



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Berielita und Xotwen. 9i& 

Weatd. Zeitschr. XV. 1896 Nr. 107); Dr. Lehner berichtete uber die Aua- 

grabuugen und Erwei-buuger. 8«itena dea Provinzialmuseums, Dio HitgLiodcr 

orhielten als aueserordentUche Yerein02a.be: Dr. Lehner, die romisohe 

Stadtbefeatigung von Trior, gedr. Weatd. Zeitsohr. XV. und gesondert bei 

Linz iu Trier. Ein Jahreebericht ist eeit 1894 nicht eraohienen. 



Werden. Hlstoriaxher Verein f fir das fteMet des ehemaligen Stifle & 

Werden. Mitgliedertahl ca. 150. Auf der Generalveraamxnlung vom 13. 

November 1896 hielt Conservator Dr. Clemen einen Vortrag Uber dje 

il tester) Wandraalereien der Rheinprovinz mit beaonderer Beruokaiohtigung 
der Werdener Lncinakirohe. Die praktische Folge dieser Veraammlung war, 
dies die Lncirakirche aua deni Beaitze des Kaplan Hellinga in daa Eigenthnm 

der katb. Kircbengemeiade twocko Erbaltung dor Cemiltlcrcoto ubcrging. 

Ea erschien Heft 5 der vom Verein herauagegebenen Beitrage zur Gescaichte 
dee Stiftea Werden, wonn P. Jacobs Werdener Annalen veroffentbeht. Im 
Verein mit Prof. Effmann (Freiburg, Schweiz) liesa der Verein die Rests 
der im X. Jabrh. erbsuten St. Clemenakircbe auegraben. 



Prelsaufgnbfln der Hevlasen-Stlftaags 1) Darstellung der durob 
die frauzoaiacbe Revolution in. der Rbeinpruvlnz bewirkten agr&rwirthauhitft- 
lichen Veranderungen. 2) Aufnahme und AuBgasfaltung dea gothiachen Bau- 
stila in der heutigen Rheinprovinz bia zum Jahre 1050. 3) Die Gaue und 
Grafachaften im Umfang der hentigen Rheinprovinz sind fur die Zeit der 
aweiteii Halftc dea 9. J&hrh. bis zum Beginne dea 12. Jahrh. noob Beatand, 
Grenzen und Verfossung nebat den in ihnen nachweisbaren Orten festzuBtellec. 
Im ZuaaniTTienhfing mit der Au Homing der Grafachaftgverbande Bind die An- 
fange der Dilduug und Organisation gelsllkiber und weUHcber Tcraltoriea 

darzalegen. 

Die Bevrerbungen Bind bia zuxn 31. Januar 1901 an dea StadtarchiTar 
Prof. Dr. HanBen in Koln einzusenden. 



Prelsaurgnbe der Wedeklnd'scfaen PreUstlftong fttr deetsche t*e- 
tefaiebte: Eine arcbivaliech begrundete Gesobiehte der inneren Verwaltung 
dea KurfurBtenthuma Mainz unter Ksnnerich Joaepn l?t>3— 1714 undFriedrlch 
Karl Joseph 1774—1802. Beaonderer Worth wird auf die Ermittelnng der 
Theilnabme von Johannes 111 filler gelegt Friat bia 1. August 1900, Preia 
3300 M. Vgl. Nachriehten d-Geaellsch. d.Wiaaensob. zuGottingen, geeeh&ftl. 
Mittbeilungen 1896 H. 1. 



Die Begotten der Erxblachttfe r*n Mainz, die Cornelius Will bis 
12'cQ beaiboitct balte wenlen auf Beavblusa der Auiiuuiatralureu doa BCbmer- 
echen Nachlaaaes nnter der Leitung von Prof. Hohlbaum von Privatdocent 
J. It. Dieterich in Gieaten fortgeaetzt. Bei dieaer Fortaetzung soil aucb das 
archivaliacbe Material beruckaichtisrt werden. 






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284 Bericbte uud Kotizen. 

Staatsarehlv zn Dfletcldorf. Das Gebaude, in welchem sich das Arcbiv 
befand, muss geraumt werden und ea ist daher ein Keufaan nothig. Bet 
diesar Gelegenheit wurde die vor Jahren achon anfgeworfene Frage der Ver- 
]egung dieses Archiva nach Bonn wieder brennend und alsbald auch rum Geger*- 

stand lehhafter Agitation und Erorterung in der Tagespregae gemacbt Vereine 

der dortigen Gegend, wie der Bergisobe Gcscbiobteverein and der Duaseldorfer 
KGmjilerverei[i,macbt<:u Eingaben ueimMiniBLerium und die SiadtPUsseldorf boi 
einen Bauplatz anentgeltlich an. Derartige Anatrengrngen. das Arcbiv tu behal- 
ten, aiud sehr begreiflich. Die fur die Beibthalt ungdea Archiva geltend geroachten 
Grunde eindaber zumeist solche cineaplotzlicherwacbten lokaler, Intercedes, 8 ach- 
liche allgemeine Gcsicbtspunkto mueaten unbedenklich rum Gegentheile, zur 

VerleRung nach Bone fubren. Die vortrefflichen Arbeiten, welche zumTUeil 

ira Diieaeldorfer Jahrhuche und der Zeitsehr. des Bergischen Geaebichtsvereins 
erscbieueu siud, kOuuleu ebeueu gut in liumi eulBieben, da &ie zumeiat von 
den Arcbivbeamten oder auawartigen Benutzem herrfihren. Auf einen „ge- 
acbiuIitUcb gewordenen" Anaprucb kann sicb Duaaeldorf nicbt berufen, deim 
erst Lacomblet hat das Archiv in seiner jetzigen Geatalt zusammengebracht 
und einzig und alle in seiner rubrigen organisatoriachun Tbatigkeit ist es zu 
danken, daas die Kurkolniscben Archivalien damals nach Duaaeldorf kuneu. 
W&reer in Koln oder Bonn angeatellt gewesen, erhattees vielleicht ebenso durch- 
geseUL, da»» die Ceulrtitiisiruug an eiueui UitaserOrte ataltgefundeu bStte. lu 
dem Bentandedes AruhivB aber neb men die Archive Kurkolns und der aakulari- 
eirten Kloster und Stifler einen hervorragenden Hang ein, auf eie alle bat 
Duaaeldorf mit aUeiniirer Auanabme derer der Julich-BergiBchen Landa keinco 
r gcscbicbtlichen Anspruch". Dasa in Bonn die wissenaohaftliohe Fruchtbar- 
machung der Archivalien eine ganz andere sein wird als in Dusaeldorf, das 
wird Niemand hezweifeln. In Duaaeldorf kameu neben den ArchivheamUn 
nur wenige Deuutzer sub der Stadt uud der uKhercu Umgegcud in Ectrachtj 

man vergleiche einmal die BenutzerliBte und man wird staunen, in welch un- 
giinstigem Vcrbaltnicse die achwache Bcnntzungdurch KiuhcimiHcbezu der jctzigen 
Agitation stent. In Bonn aber wfirden neben den Arcbivbeamten zablreiche 
mit der Univeraitat ausammenhangetide Kreise in die Reihe der standigen 
Beaucber eintreten. Juristen, Nationalokonomen, Pbilologen, Tbeologen war- 
den kaum weniger wie die Fachbiatoriker von der sicb bietenden Gelegeubeit 

xu ercluvnliscbeti Studio" Cebraucb m achon, die ibnen bci dem jcttigon Zu- 

Btand nnrooglich Bind. Mit Recht ist das Arcbiv fiir die akaderniscben histo- 
riechen Studien mit den I/aboratorien fiir naturwisBenBchaftliche Studien ver- 
glicuen worden ; erst an der Hand fles archival iscben Materials kann der Student 
in die Forscbungsmethode auf dem Gebiete der beimatblicben Geacbicbte ein- 
gefiihrt werden. Woran liegt ea denn, dass an der rbeiniachen Unirersitat 
die Geschicbte der Rbeinlande noch fast keine Pflege gefunden, woran anders 

ale an der Trcnnung von dem £aiae des Archivo uud soiuce Arbciionracnal*. 

Nicbt einer, sondern alle rheiniscben Geechichtsvereine wurden Kutzen dsraoB 
zichen, wenn bier wabrend der Studienzeit das Intereese an der Heimatb- 

kunde geweckt und in die richtigen "Wege geleitet werden konnten. PalSo- 

graphiache und diplomatiache Uebungen an Originalen aind jetit fatt un- 






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Rerichte nnd Xotizen. 286 

mbglich an der Universitat, die historiscfae Ausbildung bleitt deshallj da- 
selbst unvollstandig. In den vielen Geaohichtavereinen dea Khe mlao des wtirde 
noch viel Tuohtigerea geleistet werden kdnnen, wenn ihra MitgHeder wahrend 
der fruheren Studienzeit in die Forschungsmethode en der Hand der Archi- 
valien eingeweiht werden U6nnten. Fur die Verbreitung der historisobtn 
Arbeitsweiseistebennurder Sitz einer Universitat geeijmet in einer anderen 
Stadt leistet das Archiv in dieser Ilineitht nichta. Alle Berufsz-wcigc, gans 
besonders aber die Thtologen wurden daraus Vortheil ziehen konnen. Wie vide 
Pfarrarchive beiapieUweiee giebt e» noch, die vermodern und ungenutzt zu Grunde 
gehen; hier wtirde der Theologe Bcbcn wabrend der Studienzeit auf die Be- 
deutung der ArchivaHen hingewieaen, in ibrer Behandlung und Erforachung 
uutemchtet, in der Adage der Pfarrarcbive unterwieseo und achon dadurch 
wiirde dem Untersrange vieler hiBtorischer Denkmaler jresteuert werden 
konnen. Aehnlich verb alt es sich mit den Stadt- und Gemeinde-Archiven. 
l>aB allgemeine Interesee verweist also anf Verlegung nach Bonn. Die 
Archivbeamten Diisaeldorfs sdbst wurden die Uebersiedelung nach Bonn 
begriiesen, wu ihnen eine reiche Bibliutbek zur YerfUgung ateht und viel- 
facbe Anregung zn Tneil werden kann. Die Bonner Universitat bat dene 
auch ebtnfalla einen Bauplatz zur Verfiigung geatellt, nnd die chilosophiache 

FakulUt hat nachtraglich eine Eingabe an den Minister eirigereicht, der sich 

die jnriatiBobe Fakultat anschlow. 

^euerdings hat auf Anregung des DUsseldorfer Geaohichtavereine 
der Provinzial-AusacbuBs sich fur die Beibehaltung des Arch ivs in Diisaeldorf 
erkl&rt. 

Merkwordtger Weise hat die Stadt Bonn noch keinerlei Schritte ge- 
than, das Archiv en gewinnen. 

Bom, Aoo. 1897. Meister. 

— Der bisberige Archivassistent in DCiseeldorf Dr. K e d 1 i c h ist zum 
Archiv&r daselbst ernannt; der bisher am Staatsarchive zu Wiesbaden (friiher 
rid Stadtarchiv iu Koln) besch&ftigte Dr. R. Knipping ist seit 1. Oc- 
tober als ArchivasBiatent an daa Diiaseldorfer Archiv herufen. 



Bonner UuivendtatsbibUothek. Der Oberbibliotbekar Dr. H. Rau 
iat unter Verleihung des Professortitels in den erbetenen Ruhestand getreten; 
der Aesistent Dr. We aze I ist nach Berlin versetzt. Neu traten ein als 
Bibliothekar Dr. Dorsch und ala Bibliotheks&asi&tent Dr. JurgeB. 



KOln. Stadtarehlv. Der Volontar Dr. Bettgenhauser ist an 
an die Handelskammer in Braunschweig iibergetreten. 



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UnlvcrMt&tvBucndruakerei von Carl Oeorgl In Boon. 



r. ; 



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