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Full text of "Berndt, A. und Wedel, Oberst von - Deutschland im Kampf - Heftsammlung 1941-1944 (893 S.)"

Geleitwort 

„Deutschland im Kampf" ist der Titel dieser Sonderausgabe des Archiv. 

„Befindet sich das Reich nicht seit 1914 ununterbrochen im Kampf, im Kampf um seine innere und im 
Kampf um seine auBere Freiheit?" GewiB — aber nun hat dieser Kampf seine hochste Steigerung 
gefunden. Nun heiBt es fur das deutsche Volk, sich zu bewahren und, um mit einem Wort von Goethe 
zu sprechen: alien Gewalten zum Trutz sich zu erhalten; gilt es, den Ring zu sprengen, den 
Deutschlands Gegner um seine Grenzen zu legen sich miihten, das Wurgeband zu zerreiBen, das 
Deutschland erdrosseln soil. Das deutsche Volk ist in diesen Kampf mit einer Geschlossenheit und 
Entschlossenheit hineingegangen wie nie zuvor in der Geschichte. Es ist in diesen Kampf gegangen 
mit der festen GewiBheit, daraus als Sieger hervorzugeben und fur diesen Sieg ohne Rucksicht und 
ohne Zogern Alles einzusetzen. 

So tragt der Kampf, der Deutschland jetzt aufgezwungen wurde, einen ganz anderen Charakter als 
fruhere Kriege. Es fehlten die sturmischen Begeisterungskundgebungen beim Auszug der Truppen, es 
fehlten aber auch die groBen Siegesfeiern und die starken Worte. Es fehlt die Biertischpolitik und das 
Parlamentsgeschwatz, es fehlen die "Vereinsreden von der stolzen GroBe unserer Zeit". Um so mehr 
empfindet jeder Deutsche bis in die letzte Htitte hinein diese GroBe. Es ftihlt jeder, daB der 
geschichtliche Entscheidungskampf entbrannt ist, von dem Sein oder Nichtsein Deutschlands und des 
deutschen Volkes abhangen wird. Wir wissen, daB wir siegen werden, wenn wir niemals die Lehren 
der Geschichte und die Lehren der letzten 25 Jahre vergessen. 

Um das Geschehen dieser Tage, das fur jeden Deutschen zur stolzesten Erinnerung seines Lebens 
gehoren wird, fur alle Zeiten festzuhalten und jedem Deutschen die Moglichkeit zu geben, sich, 
riickschauend die Vorgange seit den letzten Augusttagen unseres Jahres 1939 wieder gegenwartig zu 
machen, ist dieses Werk ins Leben gerufen worden: „Deutschland im Kampf. 

Wer als Kind den Weltkrieg erlebte, der wird sich erinnern, wie damals die Schuler die wochentlich 
erscheinende Ausgabe des Gesamtwerkes erstanden, das den Titel trug „Der Weltkrieg". GewiB, sie 
verstanden oft noch gar nicht, welches Geschehen hinter diesen Schlachtberichten stand, die 
gezeichnet waren: Der Generalquartiermeister gez. von Stein. Trotzdem haben sie mit heiBem Herzen 
iiber den Heften gesessen und ein Bild daraus gewonnen, wie die Vater und Briider drauBen an den 
Fronten kampf ten. 

So soil diese Folge „Deutschland im Kampf nicht nur dem Erwachsenen in der Heintatfront, nicht nur 
unseren Soldaten und unserer kampfenden Wehrmacht das eigene Erlebnis festhalten, sondern auch 
der Jugend die Moglichkeit geben, die Geschichte unserer Zeit im Werden zu verfolgen und verstehen 
zu lernen, damit sie alle die groBe Verpflichtung sptiren, die der deutschen Nation vom Jungling bis 
zum Greis in diesem groBen Kampf am deutschen Schicksal erwachst. Im gesamten deutschen Volk 
aber soil sie das Gedachtnis an den Freiheitskampf Deutschlands verankern. 
Berlin, im September 1939. 
Die Herausgeber 



Ministerialdirigent im Reichspropagandaministerium Oberstleutnant des Generalstabes im Oberkommando der Wehrmacht 



pfifedfliit 



Herausgegeben von 

Ministerialdirektor A. J. Berndt 
Reichspropagandaministerium 

Oberst von Wedel 
Oberkommando der Wehrmacht 



1941 

Mai-Lieferung 

(Nr. 41/42 der Gesamtlieferung) 

Verlagsanstalt Otto Stollberg, Berlin WO 



Die Rede des Fiihrers im Reichstag 

Der Ftihrer gab in der Reichstagssitzung am 4. Mai folgende Erklarung der Reichsregierung ab: 

Abgeordnete! Manner des Deutschen Reichstags! 

73 In einer Zeit, da Taten alles und Worte wenig sind, ist es nicht meine Absicht, vor Sie als die erwahlten 
Vertreter des deutschen Volkes ofter- als unbedingt notwendig hinzutreten. 



|liiiisirlill,iii<i tm^amirF 1 

Zum erstenmal habe ich mich bei Kriegsausbruch an Sie gewendet in dem Augenblick, da dank der 
englisch-franzosischen Verschworung gegen den Frieden jeder Versuch eines sonst sicher moglichen 
Ausgleichs mit Polen gescheitert war. Die gewissenlosesten Manner der Gegenwart, die — wie sie es 
heute zugeben — schon seit dem Jahre 1936 den EntschluB gefaBt hatten, das ihnen in seiner friedli- 
chen Aufbauarbeit zu machtvoll werdende Reich in einem neuen blutigen Krieg zu verwusten und, 
wenn moglich, zu vernichten, hatten es glucklich fertiggebracht, in Polen endlich den Staat zu finden, 
der als erster bereit war, fur ihre Interessen und Ziele das Schwert zu ziehen. Alle meine Versuche, 
gerade mit England zu einer Verstandigung, ja zu einer dauernden und freundschaftlichen Zusammen- 
arbeit zu kommen, scheiterten damit an dem Wunsch und Willen einer kleinen Clique, die — sei es 
aus HaB oder aus materiellen Gesichtspunkten — jeden deutschen Vorschlag einer Verstandigung mit 
dem nicht verhehlten EntschluB abtaten, den Krieg unter alien Umstanden zu wollen. 

Der treibende Mann dieses ebenso fanatischen wie teuflischen Planes — koste es, was es wolle, ei- 
nen Krieg zu bekommen — war schon damals Mister Churchill; seine Gehilfen die Manner, die zur 
Zeit die britische Regierung bilden. Die starkste offene und versteckte Forderung wurden diesen Be- 
strebungen zuteil aus den sogenannten „groBen Demokratien" diesseits und jenseits des Ozeans. In 
einer Zeit steigender Unzufriedenheit der Volker mit ihren versagenden Regierungskunsten glaubten 
dort die verantwortlichen Manner am ehesten durch einen erfolgreichen Krieg der sonst doch nicht 
mehr losbaren Probleme Herr werden zu konnen. Hinter ihnen stand das groBe internationale judische 
Bank-, Borsen- und Rustungskapital, das wieder, wie schon einst, die Moglichkeit eines, wenn auch 
schmutzigen, so doch groBen Geschaftes witterte. Und so wie fruher war man ohne Skrupel bereit, 
zugunsten ihres Goldes das Blut der Volker zu vergieBen. So nahm dieser Krieg seinen Anfang! We- 
nige Wochen spater war der Staat, der sich als erster leichtfertig genug fur die Finanz- und Kapitalsin- 
teressen dieser Kriegshetzer einspannen lieB, 

74 geschlagen und vernichtet. Ich glaubte, es unter diesen Umstanden unserem eigenen deutschen Volk 
und zahllosen an sich ebenso anstandigen wie unschuldigen Menschen einer anderen Welt schuldig zu 
sein, erneut einen Appell an die Einsicht und das Gewissen der anderen Staatsmanner zu richten. Am 
6. Oktober 1939 stellte ich daher abermals fest, daB Deutschland weder von England noch von Frank- 
reich etwas verlangt habe, noch verlangen wolle, daB die Fortsetzung des Krieges Wahnsinn sei, daB 
vor allem der Schrecken der modernen Kriegswaffen, so wie diese erst einmal in Tatigkeit treten wur- 
den, groBe Gebiete vernichten muBten. Ich warnte vor dem Kampf der schweren und weittragenden 
Artillerie gegen zivile Orte in der Erkenntnis, daB daraus nur eine beiderseitige Zerstorung defer 
Landstriche kommen konnte. Ich wies vor allem darauf hin, daB der Einsatz der Luftwaffe mit ihrer 
Fernwirkung zur Vernichtung alles dessen ftihren muBte, was jahrhundertelange Arbeit muhselig auf- 
gebaut und in Europa als Kulturwerte geschaffen haben. 

So wie aber schon mein Appell am 1. September 1939 vergeblich blieb, so verfiel auch der neue ei- 
ner geradezu entrusteten Ablehnung. Die britischen Kriegshetzer und ihre jtidisch-kapitalistischen 
Hintermanner hatten fur meinen Appell der Menschlichkeit keine andere Erklarung als die Annahme 
des Vorhandenseins einer deutschen Schwache. Man versicherte den Volkern in England und in 
Frankreich, daB Deutschland vor der Auseinandersetzung im Fruhjahr 1940 zittere und aus Angst vor 
der ihm dabei bevorstehenden Vernichtung gerne Frieden schlieBen mochte. Man erklarte aber, daB so 
ein Friede unter keinen Umstanden kommen diirfte, bevor nicht das Deutsche Reich zertrummert und 
die deutschen Menschen so weit geschlagen und verelendet waren, bis sie endlich an den Feldkuchen 
ihrer Gegner anstehen wurden, um sich dort etwas Essen zu erbetteln. 

Schon damals begann, geblendet von den mit eiserner Stirn vorgetragenen Prophezeiungen Mister 
Churchills, die norwegische Regierung mit dem Gedanken einer britischen Invasion zu spielen, um 
iiber den Weg der Duldung einer Besetzung norwegischer Hafen und des schwedischen Erzgebietes 
zur Vernichtung Deutschlands beizutragen. So sicher wurden endlich die Herren Churchill und Paul 
Reynaud des Erfolgs ihres neuen Anschlags, daB sie — sei es aus Leichtsinn oder unter alkoholischem 
EinfluB — ihre Absichten glaubten, nicht mehr verheimlichen zu mtissen. Dieser Schwatzhaftigkeit 
der beiden Herren verdankte damals die deutsche Regierung die Kenntnis der gegen das Reich ge- 
schmiedeten Plane, das deutsche Volk damit vielleicht aber seinen entscheidendsten Gegenhieb in 
diesem Kriege. Denn der britische Anschlag gegen Norwegen war ohne Zweifel die fur das Reich 
bedrohlichste Aktion. 

75 Wenige Wochen darauf war diese Gefahr gebannt. Eine der kuhnsten Waffentaten der Kriegsge- 
schichte aller Zeiten vereitelte den Angriff der englischen und franzosischen Armeen gegen die rechte 
Flanke unserer Verteidigungsfront. Diese so uberaus erfolgreiche deutsche Abwehr ftihrte zu einer 



;liiiisirlill,iii<i tm^amirF 2 

solchen Starkung unserer europaischen Stellung, daB sie strategisch liberhaupt nicht hoch genug be- 
wertet werden kann. 

Sofort nach dem Versagen dieser Plane setzte ein erhohter Druck der englischen Kriegshetzer auf 
Belgien und Holland ein. Das Ziel war nunmehr — nachdem der Anschlag gegen die Erzzufuhr miB- 
lungen war — , durch das MitreiBen der belgisch-hollandischen Staaten die Front an den Rhein vorzu- 
tragen und damit die das Erz verarbeitenden Statten zu bedrohen und auszuschalten. 

Am 10. Mai des vergangenen Jahres begann der denkwurdigste Kampf vielleicht in unserer deut- 
schen Geschichte liberhaupt. In wenigen Tagen wurden die feindlichen Fronten aufgebrochen und die 
Voraussetzung zu jener Operation geschaffen, die zu den groBten Vernichtungsschlachten der Weltge- 
schichte flihrte. So brach Frankreich nieder. Belgien und Holland waren besetzt, die britischen Ver- 
bande verlieBen, zusammengeschlagen und waffenlos, in Trummern den europaischen Kontinent. 

Am 19. Juli 1940 rief ich daraufhin zum dritten Male den Deutschen Reichstag zusammen zu jenem 
groBen Rechenschafts- bericht, dessen Sie sich alle noch erinnern. Die Sitzung verschaffte mir die 
Moglichkeit, dem Dank der Nation an ihre Soldaten jenen Ausdruck zu verleihen, der der einmaligen 
GroBe der Ereignisse entsprach. Ich habe aber auch diese Zusammenkunft wahrgenommen, um noch 
einmal die Welt zum Frieden zu mahnen. Ich lieB keinen Zweifel dariiber aufkommen, daB meine 
Hoffnungen in dieser Richtung auf Grund der Erfahrungen nur geringe sein konnten. Denn die Man- 
ner, die den Krieg gewollt hatten, handelten ja nicht aus irgendeiner idealen Uberzeugung. Hinter ih- 
nen stand als treibende Kraft der judisch-demokratische Kapitalismus, dem sie verpflichtet und damit 
verfallen waren. Die von diesen Kriegsinteressenten aber schon festgelegten, weil investierten Milliar- 
denkapitalien schrieen nach Verzinsung und Amortisation. Daher erschreckte sie auch die lange Dauer 
des Krieges nicht nur nicht, sondern, im Gegenteil, sie ist ihnen erwlinscht. Denn dieses Kapital 
braucht in der Gestalt seiner Anlage in Fabriken und Maschinen Zeit zum Anlaufen und erst recht Zeit 
zur Ausschuttung der erwarteten Gewinne. 
76 Diesen judisch-demokratischen Kriegsinteressenten ist daher von vornherein nichts verhaBter als der 
Gedanke, es konnte einem Appell an die Vernunft der Volker vielleicht noch in letzter Minute gelin- 
gen, den Krieg ohne weiteres BlutvergieBen zu beenden, und damit die Gewinne ihrer angelegten Mil- 
Harden zu beschranken. 

So wie ich es damals vorausahnte und vorhersagte, kam es. Mein Friedensangebot wurde als das 
Zeichen der Angst und Feigheit hingestellt. Es gelang den europaischen und amerikanischen Kriegs- 
hetzern, die gesamte Vernunft der breiten Massen, die keinen Gewinn von diesem Kriege haben kon- 
nen, abermals zu benebeln, durch lligenhafte Darstellung neue Hoffnungen zu erwecken und damit 
endlich mittels der von ihrer Presse dirigierten offentlichen Meinung die Volker aufs neue fur eine 
Fortsetzung des Kampfes zu verpflichten. 

Auch meine Warnungen gegen die Anwendung des von Herrn Churchill propagierten Nachtbom- 
benkrieges gegen die Zivilbevolkerung wurde nur als Zeichen der deutschen Ohnmacht ausgelegt. 
Dieser blutigste Dilettant der Geschichte aller Zeiten glaubte im Ernst, die monatelange Zuriickhaltung 
der deutschen Luftwaffe nur als einen Beweis fur ihre Unfahigkeit, in der Nacht fliegen zu konnen, 
ansehen zu dlirfen. So lieB der Mann durch seine bezahlten Schreiber monatelang dem englischen 
Volk vorlligen, daB die britische Luftwaffe allein und als einzige in der Lage sei, auf solche Weise 
Krieg zu flihren, und daB man damit das Mittel gefunden hatte, um durch den rticksichtslosen Kampf 
der englischen Luftwaffe gegen die deutsche Zivilbevolkerung in Verbindung mit der Hungerblockade 
das Reich niederzuzwingen. Ich habe gerade davor immer wieder gewarnt, und zwar iiber dreieinhalb 
Monate lang. DaB diese Warnungen auf Herrn Churchill ohne Eindruck blieben, wundert mich nicht. 
Was gilt diesem Mann das Leben anderer? Was gilt ihm die Kultur, was gelten ihm Bauwerke? Er hat 
es ja bei Beginn des Krieges bereits ausgesprochen, daB er seinen Krieg haben will, auch wenn selbst 
die Stadte Englands dabei in Schutt und Trummer sinken sollten. 

Er hat nun diesen Krieg bekommen. Meine Versicherung, daB wir von einem gewissen Augenblick 
an jede Bombe — wenn no tig — hundertfach vergelten wurden, hat diesen Mann nicht bewegen kon- 
nen, auch nur einmal iiber das Verbrecherische seines Handelns nachzudenken. Er erklart, daB ihn dies 
nicht bedriicke, ja, er versichert uns sogar, daB auch das britische Volk ihn nach solchen Bombenan- 
griffen erst recht nur mit strahlender Heiterkeit angesehen hatte, so daB er immer wieder neu gestarkt 
nach London zuriickgekehrt sei. Es mag sein, daB also Herr Churchill in seinem an sich festliegenden 
EntschluB, den Krieg auch auf diesem Wege weiterzufuhren, neu gestarkt wurde. Wir sind aber nicht 
minder ent- 



|liiiisirlill,iii<i tm^amirF 3 

77 schlossen, flir jede Bombe auch in der Zukunft, wenn notwendig, hundert zuriickzuschlagen, und 
zwar so lange, bis das britische Volk sich dieses Verbrechers und seiner Methoden entledigt. Und 
wenn Herr Churchill von Zeit zu Zeit glaubt, die Kraft und Eindringlichkeit seines Krieges durch Pro- 
paganda verstarken zu mlissen, dann sind wir bereit, endlich auch auf diesem Wege den Krieg zu be- 
ginnen. Der Appell dieses Narren und seiner Trabanten an das deutsche Volk anlaBlich gerade des 1. 
Mai, mich zu verlassen, kann nur erklart werden entweder durch eine paralytische Erkrankung oder 
mit dem Wahn eines Saufers. 

Aus dieser anormalen geistigen Verfassung heraus stammt auch der EntschluB, den Balkan in einen 
Kriegsschauplatz zu verwandeln. Wie ein Wahnsinniger lauft dieser Mann seit bald flinf Jahren durch 
Europa und sucht irgend etwas, was brennen konnte. Leider finden sich immer wieder bezahlte Ele- 
mente, die diesem internationalen Brandstifter die Tore ihrer Lander offnen. Nachdem er es im Laufe 
des Winters fertigbrachte, dem britischen Volke durch eine Wolke von Behauptungen und Schwinde- 
leien die Meinung aufzuoktroyieren, als ware das Deutsche Reich, erschopft durch den Feldzug des 
vergangenen Jahres, vollkommen am Ende seiner Kraft, sah er sich nun verpflichtet, um dem Erwa- 
chen vorzubeugen, wieder einen neuen Brandherd in Europa zu schaffen. Er kehrte dabei zu jenem 
Projekt zuriick, das ihm schon im Herbst 1939 und Fruhjahr 1940 vorschwebte. Sie erinnern sich, 
meine Abgeordneten, Manner des Reichstages, an die veroffentlichten Dokumente von La Charite, in 
denen der Versuch enthiillt wurde, schon im Winter 1939/40 aus dem Balkan einen europaischen 
Kriegsschauplatz zu machen. Die hauptsachlichsten Arrangeure dieses Unternehmens waren damals 
Herr Churchill, Halifax, Daladier, Paul Reynaud, General Weigand und General Gamelin. Wie aus 
diesen Akten hervorgeht, rechnete man mit der Moglichkeit, im Falle des Gelingens dieses Attentats 
gegen den Frieden im Sudosten Europas, etwa hundert Divisionen fur die Interessen Englands mobili- 
sieren zu konnen. Der jahe Zusammenbruch im Mai und Juni des vergangenen Jahres brachte auch 
diese Plane zunachst wieder zum Einschlafen. Allein, schon itn Herbst des vergangenen Jahres begann 
Herr Churchill erneut, dieses Problem in den Bereich seiner Erwagungen zu ziehen. Wenn dieser Ver- 
such nun schwieriger geworden war, so deshalb, weil unterdes auf dem Balkan selbst insofern eine 
Wandlung eintrat, als durch die Veranderung in Rumanien dieser Staat fur England endgultig ausfiel. 
Das neue Rumanien unter Ftihrung des Generals Antonescu begann eine ausschlieBlich rumanische 
Politik zu treiben, ohne Rucksicht auf die Hoffnungen britischer Kriegsinteressenten. Dazu kam die 
Haltung Deutschlands selbst. 

78 Wenn ich, meine Abgeordneten, heute tiber diese Frage spreche, dann will ich zuerst eine kurze 
Darstellung der Ziele der deutschen Balkanpolitik geben, so wie sie mir vorschwebten und wie wir sie 
zu erreichen uns bemuhten. 

1. Das Deutsche Reich vertrat auf dem Balkan — wie seit jeher — keine territorialen und auch keine 
eigensuchtigen politischen Interessen. Das heiBt, das Deutsche Reich war an den Fragen der territoria- 
len Probleme und der inneren Verhaltnisse in diesen Staaten aus irgendwelchen egoistischen Griinden 
uberhaupt nicht interessiert. 

2. Das Deutsche Reich hat sich aber bemiiht, gerade mit diesen Staaten enge wirtschaftliche 
Beziehungen anzukntipfen und diese zu vertiefen. Dies lag aber nicht nur im Interesse des Reiches, 
sondern auch im Interesse dieser Lander selbst, denn, wenn sich irgendwo die Nationalwirtschaften 
zweier Handelspartner vernunftig erganzen, dann war es zwischen den Balkanstaaten und Deutschland 
der Fall. Deutschland ist ein Industriestaat und benotigt Lebensmittel und Rohstoffe. Die 
Balkanstaaten sind Landwirtschafts- und Rohstoffgebiete und benotigen Indus trieprodukte. Daraus 
ergab sich zwangslaufig die Moglichkeit eines auBerordenflich fruchtbaren Ausbaues der 
gegenseitigen Wirtschaftsbeziehungen. Wenn englische oder gar amerikanische Kreise darin ein 
unberechtigtes Durchdringen des Balkans durch Deutschland feststellen wollten, dann war dies eine 
ebenso dumme wie unverschamte AnmaBung, denn jeder Staat wird sich seine Wirtschaftspolitik nach 
seinen volklichen Interessen aufbauen und nicht nach den Interessen fremder, wurzelloser judisch- 
demokratischer Kapitalisten. AuBerdem: sowohl England als auch Amerika konnten in diesen 
Gebieten hochstens als Verkaufer, aber selbst niemals als Kaufer auftreten. Es gehort aber die ganze 
volkswirtschaftliche Beschranktheit kapitalistischer Demokraten dazu, um sich einzubilden, daB auf 
die Dauer Staaten existieren konnen, wenn sie wohl verpflichtet sind, bei jemand einzukaufen, der von 
ihnen selber aber weder etwas kaufen will noch kaufen kann. Deutschland hat aber nach den 
Balkanstaaten nicht nur verkauft, sondern es war dort vor allem auch der groBte Einkaufer, und zwar 
ein dauerhafter und solider Einkaufer, der die Produkte des Balkanbauern mit der Arbeit des deutschen 
Industriearbeiters bezahlte und nicht mit schwindelhaften Valuten und Devisen, die schon seit Jahren 



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nicht mit schwindelhaften Valuten und Devisen, die schon seit Jahren ohnehin an einer chronisch ge- 
wordenen Entwertung litten. 

3. In Anbetracht dessen hat das Deutsche Reich — wenn man uberhaupt von politischen Interessen 
sprechen will — nur ein Interesse gehabt, namlich die Handelspartner innerlich gesund und kraftig zu 
sehen. Das Deutsche Reich hat daher alles getan, um durch seinen EinfluB und durch seine Hilfe, 
durch 

79 Rat und Tat diesen Landern beizustehen und der Festigung ihrer eigenen Existenz, ihrer inneren 
Ordnung, ohne Riicksicht auf ihre besonderen Staatsformen. Die Befolgung dieser Gesichtspunkte 
ftihrte auch tatsachlich nicht nur zu einer steigenden Prosperitat in diesen Landern, sondern auch zu 
einem sich allmahlich anbahnenden gegenseitigen Vertrauen. 

Um so groBer war das Bestreben des Weltbrandstifters Churchill, diese friedliche Entwicklung zu 
unterbrechen und durch das unverschamte Aufoktroyieren von an sich ganzlich wertlosen britischen 
Hilfsversprechen, britischen Garantien und so weiter in dieses befriedete europaische Gebiet die Ele- 
mente der Unruhe, der Unsicherheit, des MiBtrauens und endlich des Streites zu tragen. Er fand dabei 
eine Unterstiitzung bei all jenen obskuren Erscheinungen, die, sei es wirtschaftlich, sei es ideell, unter 
britischem EinfluB stehend, bereit waren, die Interessen ihrer eigenen Volker gegenuber den Wiin- 
schen ihrer materiellen und geistigen Auftraggeber zuriickzustellen. Mit diesen „Garantien" wurde 
einst erst der rumanische Staat eingefangen und spater dann vor allem der griechische. DaB hinter 
diesen Garantien uberhaupt keinerlei Macht stand, wirkliche Hilfe zu geben, sondern, daB es sich nur 
darum handelte, Staaten auf die abschussige Bahn der britischen Interessenpolitik zu verlocken, dtirfte 
unterdessen wahrscheinlich doch schon geniigend bewiesen sein. Rumanien hat seine Garantie, die es 
mit Absicht den Achsenmachten entfremden sollte, bitter bezahlen miissen. 

Griechenland, das gerade diese Garantie am allerwenigsten vonnoten hatte, war ebenfalls bereit, 
dem englischen Lockruf folgend, sein Schicksal mit dem des Geld- und Auftraggebers seines konigli- 
chen Herrn zu verbinden. Denn ich muB auch heute noch — ich glaube, dies der historischen Wahrheit 
schuldig zu sein — einen Unterschiedmachen zwischen dem griechischen Volke und jener dtinnen 
Schicht einer verderbten Fuhrung, die von einem englandhorigen Konige inspiriert, weniger die wah- 
ren Aufgaben der griechischen Staats fuhrung im Auge hatte, als sie sich vielmehr die Ziele der briti- 
schen Kriegspolitik zu eigen machte. 

Ich habe dies aufrichtig bedauert, es war fur mich als Deutschen, der schon durch die Erziehung in 
seiner Jugend und durch seinen spateren Lebenslauf eine tiefste Verehrung fur die Kultur und Kunst 
eines Landes besaB, von dem einst das erste Licht menschlicher Schonheit und Wurde ausging, sehr 
schwer und bitter, diese Entwicklung zu sehen und nichts dagegen unternehmen zu konnen. Wir hatten 
durch die Akten von La Charite einen Einblick bekommen in das Treiben der Krafte, die friiher oder 
spater den griechischen Staat nur in ein maBloses Ungluck ftihren muBten. Im Spatsommer des ver- 
gangenen Jahres gelang 

80 es Herrn Churchill, die platonischen Garantieversprechen an Griechenland in den Kopfen gewisser 
Kreise so zu substantiieren, daB sich daraus eine ganze Reihe fortgesetzter Neutralitatsverletzungen 
ableiten lieB. In erster Linie war davon Italien betroffen. Es ftihlte sich deshalb auch veranlaBt, im 
Oktober 1940 der griechischen Regierung Vorschlage zu unterbreiten und Garantien zu fordern, die 
geeignet erschienen, diesem fur Italien unertraglichen Zustand ein Ende zu bereiten. Unter dem Ein- 
fluB der britischen Kriegshetzer stehend, erfuhr dieses Ersuchen eine briiske Ablehnung und damit der 
Friede des Balkans sein Ende. Die einbrechende Ungunst des Wetters, Schnee, Sturm und Regen ga- 
ben in Verbindung mit einem — ich muB es der geschichtlichen Gerechtigkeit wegen feststellen — 
uberaus tapferen Widerstand der griechischen Soldaten der Athener Regierung geniigend Zeit, um sich 
die Folgen ihres ungliicklichen Entschlusses zu iiberlegen und sich nach den Moglichkeiten einer ver- 
niinftigen Losung der Situation umzusehen. 

Deutschland hat in der leisen Hoffnung, vielleicht doch noch irgendwie zu -einer Klarung der Frage 
beitragen zu konnen, einerseits die Beziehungen zu Griechenland nicht abgebrochen. Ich muBte aber 
auch schon damals pflichtgemaB vor der ganzen Welt darauf hinweisen, daB wir einer Wiederaufnah- 
me der alten Saloniki-Idee des Weltkrieges nicht tatenlos zusehen wiirden. Leider wurde meine War- 
ming, daB, wenn sich irgendwo in Europa der Englander festsetzen wurde, wir ihn augenblicklich in 
das Meer zuriickzutreiben entschlossen seien, nicht ernst genug genommen. So konnten wir denn im 
Laufe dieses Winters sehen, wie England in steigendem MaBe begann, sich die Basen fiir die Bildung 
einer solchen neuen Saloniki-Armee auszubauen. Man begann mit der Anlegung von Flugplatzen, 
schaffte sich erst die notwendigen Bodenorganisationen in der Uberzeugung, daB die Belegung der 



;liiiisirlill,iii<i tm^amirF 5 

Platze selbst dann sehr schnell stattfinden konnte. Endlich kamen in laufenden Materialtransporten die 
Ausriistungen fiir eine Armee, die — nach der Auffassung und Einsicht des Herrn Churchill — dann 
im Laufe weniger Wochen nach Griechenland zu bringen waren. 

Der Rlickschlag, den die italienische Armee in Nordafrika infolge einer technischen Unterlegenheit 
der Panzerabwehr und der Panzerwaffe selbst erlitt, flihrte endlich Herrn Churchill zur Uberzeugung, 
daB nunmehr der Moment gekommen sei, um den Kriegsschauplatz von Libyen weg nach Griechen- 
land zu verlegen. Er veranlaBte den Abtransport der noch vorhandenen Panzer- sowie den der haupt- 
sachlich aus Australiern und Neuseelandern bestehenden Infanterie-Divisionen und war iiberzeugt, 
nunmehr jenen Coup starten lassen zu konnen, der mit einem Schlage den Balkan in Feuer setzen 
wtirde. Herr Churchill 

81 hat damit strategisch mit einen der groBten Fehler dieses Krieges gemacht. Sowie ein Zweifel iiber die 
Absicht Englands, sich auf dem Balkan festzusetzen, nicht mehr moglich war, habe ich die notwendi- 
gen Schritte eingeleitet, um auch deutscherseits Zug um Zug auf diesem fur uns lebenswichtigen Platz 
jene Krafte bereitzustellen, die notwendig waren, um jedem eventuellen Unfug dieses Herrn sofort 
entgegentreten zu konnen. Ich muB hier ausdrticklich feststellen, daB sich dies nicht gegen Griechen- 
land richtete. Der Duce selbst hat mich nie darum gebeten, ihm fiir diesen Fall auch nur eine deutsche 
Division zur Verfiigung zu stellen. Er war der Uberzeugung, daB mit dem Einbruch der guten Jahres- 
zeit der Kampf gegen Griechenland PO oder so schnell zu einem Erfolg fiihren werde. Ich selbst war 
derselben Meinung. Es handelte sich also beim Aufmarsch der deutschen Krafte nicht um eine Hilfe 
fiir Italien gegen Griechenland, sondern um eine vorbeugende MaBnahme gegen den britischen Ver- 
such, gedeckt im Getose des italienisch-griechischen Krieges sich auf dem Balkan im geheimen ein- 
zunisten, um von dort nach dem Vorbild der Saloniki- Armee des Weltkrieges eine Entscheidung her- 
beizufiihren, vor allem aber, um damit auch noch weitere Krafte in den Strudel des Krieges mit hi- 
neinzureiBen. Diese Hoffnung stiitzte sich dabei unter anderem auf zwei Staaten: 

auf die Tiirkei und auf Jugoslawien. Gerade mit diesen beiden Staaten aber habe ich mich seit den 
Jahren der Machtiibernahme bemiiht, eine enge, auf wirtschaftlichen ZweckmaBigkeiten basierende 
Zusammenarbeit herbeizufiihren. Jugoslawien war, soweit es sich um den serbischen Kern handelte, 
im Weltkrieg unser Gegner gewesen. Ja, von Belgrad aus hat der Weltkrieg seinen Anfang genommen. 
Trotzdem war im deutschen Volk, das von Natur aus nicht nachtragend ist, keinerlei HaB dagegen 
vorhanden. Die Tiirkei war im Weltkrieg unser Verbiindeter. Sein ungliicklicher Ausgang lastete auf 
diesem Land genau so schwer wie auf uns selbst. Der groBe geniale Neuschopfer der jungen Tiirkei 
gab als erster ein wunderbares Vorbild fiir die Erhebung der damals vom Gliick verlassenen und vom 
Schicksal so entsetzlich geschlagenen Verbiindeten. Wahrend sich nun die Tiirkei dank der realisti- 
schen Haltung ihrer Staatsfiihrung die Unabhangigkeit des eigenen Entschlusses wahrte, fiel Jugosla- 
wien britischen Intrigen zum Opfer. 

Meine Abgeordneten! Manner des Deutschen Reichstages! 

Die meisten von Ihnen, vor allem Sie, meine alten Parteigenossen, wissen, wie sehr ich mich be- 
miiht habe, zwischen Deutschland und Jugoslawien aufrichtige Beziehungen des Verstandnisses, ja 
der Freundschaft herzustellen. Ich habe daran jahrelang gearbeitet. Ich glaubte, mich dabei unterstiitzt 
zu sehen von 

82 einzelnen Vertretern dieses Landes, die, so wie ich, sich von einer engen Zusammenarbeit unserer 
beiden Staaten nur Niitzliches zu versprechen schienen. Als sich dem Balkan infolge der britischen 
Intrige die Gefahr naherte, friiher oder spater in den Krieg hineingerissen zu werden, war es erst recht 
mein Bemiihen, alles zu tun, um Jugoslawien vor einer so gefahrlichen Verstrickung zu bewahren. 
Unser AuBenminister, Parteigenosse Ribbentrop, hat in diesem Sinn mit der ihm eigenen Geduld und 
genialen Beharrlichkeit in zahlreichen Zusammenkiinften und Besprechungen immer wieder auf die 
ZweckmaBigkeit, ja Notwendigkeit hingewiesen, wenigstens diesen Teil Europas aus dem unseligen 
Krieg herauszuhalten. Er hat in diesem Sinne der jugoslawischen Regierung Vorschlage unterbreitet, 
die so hervorragend und loyal waren, daB sich endlich auch im damaligen jugoslawischen Staat die 
Stimmen zu mehren schienen, die einer solchen engen Zusammenarbeit das Wort redeten. Es ist daher 
vollkommen richtig, wenn Mister Halifax heute erklart, daB es nicht die deutsche Absicht gewesen 
war, auf dem Balkan einen Krieg herbeizufiihren. Ja, es ist richtig, daB es demgegeniiber unser auf- 
richtiges Bestreben war, iiber den Weg der Anbahnung einer engen Zusammenarbeit mit Jugoslawien 
vielleicht sogar noch die Moglichkeit einer fiir die berechtigten italienischen Wiinsche tragbaren Bei- 
legung des Konfliktes mit Griechenland zu erreichen. Der Duce hat dem Versuch, Jugoslawien in eine 



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enge Interessengemeinschaft mit unseren Friedenszielen zu bringen, nicht nur zugestimmt, sondern 
ihn mit alien Mitteln unterstiitzt. So wurde es endlich mogfich, die jugoslawische Regierung zum Bei- 
tritt zum Dreierpakt zu bewegen, der an Jugoslawien liberhaupt keine Forderungen stellte, sondern 
diesem Lande nur Vorteile bot. Denn ich muB dies heute der geschichtlichen Wahrheit wegen feststel- 
len, daB in diesem Pakt und durch die mit ihm verbundenen Zusatzabkommen Jugoslawien zu keiner- 
lei Hilfeleistung verpflichtet war. Im Gegenteil, es erhielt von den Dreierpaktmachten die feierliche 
Versicherung, nicht nur um keine Hilfeleistung angegangen zu werden, sondern wir waren bereit, so- 
gar auf jeden Durchtransport von Kriegsmaterial von Anfang an zu verzichten. Dariiber hinaus aber 
hatte Jugoslawien auf die substantiierte Forderung seiner Regierung hin die Zusicherung erhalten, im 
Falle von territorialen Veranderungen auf dem Balkan einen der jugoslawischen Souveranitat unter- 
stehenden Zugang zum Agaischen Meer zu bekommen, der unter anderem auch die Stadt S a 1 o n i k i 
umfassen sollte. So wurde am 25. Marz dieses Jahres in Wien ein Pakt unterzeichnet, der dem jugo- 
slawischen Staat die groBte Zukunft bot und dem Balkan den Frieden sichern konnte. 
Sie werden verstehen, meine Abgeordneten, daB ich an diesem Tage mit einem wahrhaft glucklichen 

83 Geftihl die schone Donaustadt verlieB, nicht nur, daB sich damit eine fast achtjahrige auBenpolitische 
Arbeit ihren Lohn zu holen schien, nein, ich glaubte auch, daB damit vielleicht noch in letzter Minute 
das deutsche Eingreifen auf dem Balkan liberhaupt uberflussig werden konnte. Zwei Tage darauf er- 
schutterte uns alle die Nachricht von jenem Streich einer Handvoll gedungener Putschisten, die jene 
Tat vollbrachten, die den britischen Premierminister zu dem Jubelruf hinriB, er habe nun endlich etwas 
Gutes zu berichten. Sie werden weiter verstehen, meine Abgeordneten, daB ich nunmehr aber sofort 
den Befehl zum Angriff gab. Denn es ist unmoglich, daB man in dieser Weise mit dem Deutschen 
Reich verfahrt. Man kann nicht jahrelang um eine Freundschaft bitten, man kann auch nicht einen 
Vertrag abschlieBen, der nur dem anderen zugute kommt, und es dann erleben, daB dieser Vertrag 
nicht nur liber Nacht gebrochen wurde, sondern daB nun als Antwort der Vertreter des Deutschen Rei- 
ches insultiert, der Militarattache bedroht, der Gehilfe dieses Militarattaches verletzt, zahlreiche ande- 
re Deutsche miBhandelt werden, daB man Biiros, Schulen, Ausstellungsraume und so weiter demoliert, 
die Wohnungen von Reichsdeutschen zerstort und Volksdeutsche liberhaupt wieder einmal als rechtlo- 
ses Wild hetzt und totet. Ich habe weiB Gott den Frieden gewollt. Wenn aber ein Mister Halifax mit 
Hohn erklart, daB man das sehr wohl wuBte und gerade deshalb uns zwang, zu kampfen, so, als ob dies 
also ein besonderer Triumph der britischen Staatskunst sei, dann kann ich einer solchen Bosheit ge- 
geniiber nichts anderes tun als die Interessen des Reiches mit den Mitteln in Schutz zu nehmen, die 
uns Gott sei Dank zur Verfugung stehen. 

Ich konnte diesen EntschluB in diesem Augenblick um so ruhiger treffen, als ich mich dabei in Uber- 
einstimmung wuBte: 

erstens mit der dem Deutschen Reich unwandelbar gleich treu gebliebenen Gesinnung und Haltung 
Bulgariens und zweitens mit der nunmehr ebenfalls mit Recht emporten Auffassung Ungarns. Unsere 
beiden alten Kriegsverblindeten muBten diesen Akt als eine Provokation empfinden, ausgehend von 
einem Staat, der schon einmal ganz Europa in Brand gesetzt und in der Folge fur Deutschland, Ungarn 
und Bulgarien so unsagbar groBes Leid auf dem Gewissen hat. 

Die noch am 27. Marz von mir durch das Oberkommando der Wehrmacht ausgegebenen allgemei- 
nen Operationsanweisungen stellten das Heer und die Luftwaffe vor eine sehr schwere Aufgabe. Es 
muBte formlich aus dem Handgelenk heraus ein neuer zusatzlicher groBer Aufmarsch eingeleitet wer- 
den, Verschiebungen bereits eingetroffener Verbande muBten stattfinden, der Materialnachschub muB- 
te sichergestellt sein, die Luftwaffe auBerdem zahlreiche improvisierte Einsatzhafen beziehen, die zum 
Teil zunachst auch unter Wasser standen. 

84 Ohne die verstandnisvolle Mithilfe Ungarns sowie die uberaus loyale Haltung Rumaniens ware es uns 
nur sehr schwer gelungen, in der vorgesehenen kurzen Zeit die befohlenen Anordnungen durchzufuh- 
ren. Als Termin des Angriffs wurde von mir der 6. April bestimmt. An diesem Tag war die in Bulgari- 
en stehende Sudgruppe angriffsbereit. Der Einsatz der weiteren Armeen sollte sofort nach der Herstel- 
lung ihrer Bereitschaft stattfinden. Als Termine waren vorgesehen der 8., 10. und 11. April. Der Ge- 
danke der Opera tionen war: 

1. Mit einer Armee aus dem bulgarischen Raum gegen das griechische Thrazien in Richtung auf das 
Agaische Meer vorzugehen. Der Schwerpunkt lag auf dem rechten Fltigel, wo unter Einsatz von Ge- 
birgsdivisionen und einer Panzerdivision 4er Durchbruch auf Saloniki erzwungen werden sollte. 



|liiiisirlill,iii<i tm^amirF 7 

2. Mit einer zweiten Armee in Richtung auf Skoplje durchzustoBen mit dem Ziel, auf schnell- 
stem Wege eine Verbindung mit den in Albanien stehenden italienischen Kraften herbeizufiihren. Die- 
se beiden Operationen sollten am 6. April beginnen. 

3. Die am 8. April anlaufende weitere Operation sah den Durchbruch einer Armee aus Bulgarien in 
der allgemeinen Richtung auf N i s c h vor mit dem Ziele, den Raum um Belgrad zu erreichen. Im 
Zusammenwirken damit sollte ein deutsches Korps am 10. April das Banal besetzen und damit von 
Norden her vor Belgrad eintreffen. 

4. Am 11. April sollte eine weitere in Karnten-Steiermark und Westungarn aufmarschierende Ar- 
mee zum Angriff in der allgemeinen Richtung auf Agram, Sarajewo und Belgrad antreten. 

Im Zusammenhang damit waren freie Abmachungen getroffen worden mit unseren Verbundeten 
Italien und Ungarn. Die italienische Wehrmacht hatte die Absicht, von ihrer julischen Front aus den 
Kiisten entlang in allgemeiner Richtung auf Albanien vorzugehen, von Albanien aus liber Skutari die- 
sen Verbanden entgegen die Hande zu reichen, ebenso die jugoslawischen Grenzstellungen an der 
jugoslawisch-albanischen Grenze gegeniiber Skoplje zu durchbrechen, um die Verbindung mit der 
dort vorgehenden deutschen Armee zu gewinnen und endlich die griechische Front in Albanien selbst 
zu durchbrechen und, wenn moglich, umfassend gegen das Meer zu driicken. Im Zusammenhang da- 
mit sollten die dalmatinischen und jonischen Inseln besetzt, alle sonstigen Stlitzpunkte genommen 
werden. Auch zwischen den beiden Luftwaffen waren Vereinbarungen iiber die Zusammenarbeit ge- 
troffen worden. 

Die Flihrung der gegen Mazedonien und Griechenland angesetzten deutschen Armeen lag in den 
Handen des schon in den bisherigen Feldziigen sich uberaus hoch bewahrt habenden Generalfeldmar- 
schalls 

85 von List. Er hat auch dieses Mai und unter den schwersten Bedingungen die ihm gestellten Aufgaben 
in wahrhaft uberlegener Weise gelost. Die aus dem Sudwesten des Reiches und aus Ungarn gegen 
Jugoslawien vorgehenden Krafte standen unter dem Befehl des General obers ten von W e i c h s. Auch 
er hat in klirzester Zeit mit den ihm unterstellten Verbanden seine Ziele erreicht. So haben die unter 
dem Oberbefehl des Generalfeldmarschalls von Brauchitsch und dem Chef des Generalstabes, 
Generaloberst Haider, operierenden Armeen des Heeres und der Waffen-SS schon nach fiinf Tagen 
die griechisch-thrazische Armee zur Kapitulation gezwungen, die Verbindung mit den aus Albanien 
vorgehenden italienischen Kraften hergestellt, Saloniki fest in deutsche Hand gebracht, nach zwolf 
Tagen Serbien zur Kapitulation gezwungen und damit die allgemeine Voraussetzung geschaffen zum 
ebenso harten wie ruhmvollen Durchbruch liber Larissa nach Athen. Die Kronung fand diese Operati- 
on durch die Besetzung des Peloponnes und zahlreicher griechischer Inseln. Eine eingehende Wiirdi- 
gung dieser wahrhaft geschichtlichen Leistungen aber wird das Oberkommando der Wehrmacht vor- 
nehmen, dessen Chef, Generalfeldmarschall K e i t e 1, und General J o d 1 wie immer auch bei diesen 
Operationen hervorragend arbeiteten. 

Die unter dem personlichen Oberbefehl des Reichsmarschalls und seines Chefs des Generalstabes, 
Generals Jeschonnek, eingesetzte Luftwaffe stand in zwei Gruppen gegliedert unter den Befehlen des 
Generalobersten L o h r und des Generals von Richthofen. Ihre Aufgabe war es: 1. die feindliche Luft- 
waffe zu zerschlagen, ihre Bodenorganisationen zu vernichten, 2. die Verschworerzentrale Belgrad in 
alien militarisch wichtigen Objekten anzugreifen und damit von Anfang an auszuschalten, 3. der 
kampfenden deutschen Truppe im aktivsten Einsatz durch Flieger und Flak liberall zu helfen, den Wi- 
derstand des Gegners zu brechen, seine Flucht zu erschweren, seine spatere Einschiffung — wenn 
irgend moglich — zu verhindern, durch den Einsatz von Luftlande- und Fallschirmtruppen den Auf- 
gaben des Heeres eine weitere wichtige Hilfe zu geben. 

In diesem Feldzuge hat sich die deutsche Wehrmacht selbst ubertreffen. Schon der Aufmarsch des 
Heeres bot ungeheure Schwierigkeiten. Der Angriff auf die zum Teil stark befestigten Stellungen, 
besonders an der thrazischen Front, gehorte mit zu den schwersten Aufgaben, die einer Armee gestellt 
werden konnen. In diesem Feldzug haben Panzerverbande in einem Gelande gekampft, das bisher fur 
den Tank als ganzlich unpassierbar gait. Motorisierte Verbande vollbrachten Leistungen, die fur sich 
das hochste Lob darstellen, fiir den Mann, sein Konnen, seinen Mut, seine Ausdauer, aber auch fur die 
Giite des Materials. 

86 Infanterie-, Panzer- und Gebirgs-Divisionen sowie die Verbande der Waffen-SS wetteiferten 
miteinander im rastlosen Einsatz an Tapferkeit und an Hingabe, an Ausdauer und an Zahigkeit in der 
Erkampfung der befohlenen Ziele. Die Arbeit des Generalstabes war wieder wahrhaft her- vorragend. 



;liiiisirlill,iii<i tm^amirF 8 

Die Luftwaffe aber hat ihrem schon geschichtlich gewordenen Ruhm einen neuen besonderen hinzu- 
gefiigt: 

Mit einer Aufopferung und einer Klihnheit, die nur der ermessen kann, der die Schwierigkeiten dieses 
Gelandes kennt, hat sie unter tagelangen, oft schlechtesten klimatischen Bedingungen Angriffe geflo- 
gen, die man noch vor kurzem fur ganzlich unmoglich gehalten hatte. Flakgeschutze begleiteten wie 
immer die Infanterie- und Panzer-Divisionen auf Wegen, die kaum als Saumwege gelten konnten. 
Uber diesen Feldzug kann man daher nur einen Satz schreiben; Dem deutschen Soldaten ist nichts 
unmoglich. Die Fahrer der Kampffahrzeuge sowohl als die der Kolonnen, die Fahrer des Nachschubs, 
der Zugmaschinen, der Artillerie- und der Flakwaffe miissen auf diesem Kriegsschauplatz besonders 
erwahnt werden. Im Kampf gegen die befestigten Stellungen sowie in der Herstellung von Brticken 
und StraBen haben sich unsere Pioniere ein besonderes Ruhmesblatt verdient. Die Nachrichtentruppen 
verdienen das hochste Lob. Auf grundlosen Wegen, liber gesprengte StraBen, auf Steinhalden und 
Geroll, in engsten Felspfaden und durch reiBende Gewasser, liber zerbrochene Brticken, durch him- 
melhohe Passe und liber kahle Felsenriicken hinweg hat dieser Siegeszug in kaum drei Wochen in 
zwei Staaten den Krieg geloscht. 

Wir sind uns dabei bewuBt, daB einen hohen Anteil an diesen Erfolgen unsere Verbundeten besit- 
zen, daB besonders der sechs Monate lange unter schwersten Bedingungen und groBten Opfern durch- 
gehaltene Kampf Italiens gegen Griechenland nicht nur die Hauptmasse der griechischen Verbande 
band, sondern sie vor allem so schwachte, daB ihr Zusammenbruch an sich schon unvermeidlich ge- 
worden war. Auch die ungarische Armee hat ihren alten Waffenruhm wieder unter Beweis gestellt. Sie 
besetzte die Batschka und marschierte mit motorisierten Verbanden liber die Save vorwarts. Die ge- 
schichtliche Gerechtigkeit aber verpflichtet mich, festzustellen, daB von den uns gegenlibergetretenen 
Gegnern besonders der griechische Soldat ebenfalls mit hochstem Todesmut kampfte. Er kapitulierte 
erst, als der weitere Widerstand unmoglich und damit zwecklos war. 

Ich bin nun aber auch gezwungen, nunmehr liber den Gegner zu sprechen, der AnlaB und Ursache 
dieses Kampfes war. Ich halte es als Deutscher und als Soldat fur unwlirdig, jemals einen tapferen 
Feind zu schmahen. Es scheint mir aber notwendig zu sein, die Wahrheit gegeniiber den Flunkereien 
eines Mannes 
87 in Schutz zu nehmen, der als Soldat ein miserabler Politiker und als Politiker ein ebenso miserabler 

Soldat ist. Herr Churchill, der auch diesen Kampf begann, versucht, so wie in Norwegen oder bei 
Dlinkirchen auch hier etwas zu sagen, was friiher oder spater vielleicht doch noch zum Erfolg umgelo- 
gen werden konnte. Ich finde das nicht als ehrenhaft, aber ich finde es bei diesem Mann allerdings als 
verstandlich. Wenn jemals ein anderer als Politiker so viele Niederlagen und als Soldat so viele Kata- 
strophen erlebt hatte, dann ware dieser wohl keine sechs Monate im Amt geblieben, es sei denn, er 
hatte sich ebenfalls im Besitz jener Fahigkeit befunden, die Mr. Churchill als einzige auszeichnet, 
namlich der Fahigkeit, mit gottergebener Miene zu lligen und die Wahrheit so lange zu verdrehen, bis 
am Ende aus den furchtbarsten Niederlagen sogar noch glorreiche Siege werden. Herr Churchill kann 
damit seine Landsleute benebeln, er kann aber nicht die Folgen seiner Niederlagen beseitigen. In Grie- 
chenland ist eine britische Armee von 60 oder 70 000 Mann gelandet worden. Vor der Katastrophe 
behauptete librigens der gleiche Mann, es seien 240 000 Mann gewesen. Das Ziel dieser Armee war, 
Deutschland vom Siiden her anzugreifen, ihm eine Niederlage beizufugen und von hier aus wie 1918 
den Krieg zu wenden. Der von Churchill wieder einmal in das Ungllick hineingejagte Mithelfer — in 
diesem Falle Jugoslawien — war kaum zwei Wochen nach Beginn der Aktion vernichtet. Die briti- 
schen Truppen aber selbst sind drei Wochen spater in Griechenland entweder gefallen, verwundet, 
gefangen, ertrunken oder verjagt worden. Das sind die Tatsachen. Ich habe also auch in dem Fall in 
meiner letzten Rede, da ich ankiindigte, daB, wo immer Briten auf das Festland kommen, sie von uns 
angegriffen und in das Meer gejagt wiirden, richtiger prophezeit als Herr Churchill. 

Er erklart nun mit seiner dreisten Stirn, daB dieser Krieg uns 75 000 Tote gekostet habe, also mehr 
als das Doppelte des Westfeldzuges. Ja, er geht noch weiter: er laBt seinen schon selten intelligenten 
Englandern durch eine seiner bezahlten Kreaturen mitteilen, daB sich die Briten, nachdem sie unge- 
heure Massen von Deutschen erschlagen hatten, endlich abwendeten aus Abscheu vor diesem Morden 
und sich sozusagen nur deshalb zuriickzogen. Also: die Australier und Neuseelander wtirden iiber- 
haupt noch in Griechenland sein, wenn nicht die Englander in ihrer seltenen Mischung von Lowenmut 
und Kinderweichherzigkeit so viele Deutschen erschlagen hatten, daB sie sich endlich aus Abscheu 
und Grauen vor ihren eigenen Heldentaten zuriickzogen, auf die Schiffe stiegen und auf und davon 



;liiiisirlill,iii<i tm^amirF 9 

fuhren. Daher kam es dann wohl auch, daB wir fast nur Australier und Neuseelander als Tote fanden 
oder zu Gefangenen machten. So was kann man also in einer Demokratie seinem Publikum erzahlen. 

88 Ich werde Ihnen nun die Ergebnisse dieses Feldzuges in ein paar kurzen Zahlen vorlegen: Im Zuge 
der Operationen gegen Jugoslawien wurden ohne Beriicksichtigung der Soldaten deutscher Volkszu- 
gehorigkeit sowie der Kroaten und Mazedonier, die zumeist sofort wieder freigelassen worden waren, 
an rein serbischen Gefangenen gemacht: 

6298 Offiziere, 
337864 Mann. 
Auch diese Zahlen sind keine endgiiltigen, sondern stellen nur das Ergebnis bisheriger Zahlungen 
dar. Die Zahl der griechischen Gefangenen mit rund 

8000 Offizieren und 
210000 Mann 
ist demgegenuber nicht gleich zu bewerten, da sie, insoweit es sich um die griechische, mazedonische 
und Epirus-Armee handelt, nur infolge der gemeinsamen deutsch-italienischen Operationen zur Kapi- 
tulation gezwungen worden sind. Auch die griechischen Gefangenen wurden und werden mit Riick- 
sicht auf die allgemein tapfere Haltung dieser Soldaten sofort entlassen. Die Zahl der gefangenen Eng- 
lander, Neuseelander und Australier betragt an Offizieren und Mannschaften tiber 9000. Die Beute 
kann zur Zeit noch nicht annahernd ubersehen werden. 

Der infolge der deutschen Waffenwirkung auf uns entfallende Anteil betragt nach den jetzt vorlie- 
genden Zahlungen schon tiber eine halbe Million Gewehre, weit tiber tausend Geschiitze, viele tau- 
send Maschinengewehre, Flakwaffen, Morser, zahlreiche Fahrzeuge und groBe Mengen an Munition 
und Ausriistungsgegenstanden. 

Hierzu mochte ich noch anfugen die Zahlen der durch die Luftwaffe versenkten feindlichen Tonna- 
ge. Es wurden vernichtet 75 Schiffe mit 400000 Tonnen, es wurden beschadigt 147 Schiffe mit 
700000 Tonnen. 

Diese Ergebnisse wurden erzielt durch den Einsatz folgender deutscher Krafte: 

1. Fur die Operationen im Sudosten waren insgesamt vorgesehen 31 voile und zwei halbe Divisio- 
nen. Der Aufmarsch dieser Krafte wurde in sieben Tagen bearbeitet. 

2. Davon sind tatsachlich im Kampf gewesen: elf Infanterie- und Gebirgsdivisionen, sechs Panzer- 
divisionen, drei voile und zwei halbe motorisierte Divisionen des Heeres und der Waffen-SS. 

3. Von diesen Verbanden waren elf mehr als sechs Tage und zehn weniger als sechs Tage im Ein- 
satz. 

4. Uberhaupt nicht zum Einsatz gekommen sind elf Verbande. 

5. Schon vor AbschluB der Operationen in Griechenland konnten drei Verbande herausgezogen 
werden; 

89 drei weitere Verbande wurden, weil nicht mehr benotigt, nicht mehr antransportiert; zwei Verbande 
sind aus dem gleichen Grunde in den Ausladeraumen angehalten worden. 

6. Mit den Englandern im Kampf gestanden sind davon uberhaupt nur fiinf Verbande. Von den dar- 
in enthaltenen drei Panzerdivisionen waren jedoch nur zwei eingesetzt. Die dritte wurde schon im Zug 
der Operationen angehalten und als nicht mehr benotigt zuriickgezogen. 

Ich stelle daher abschlieBend hier fest, daB im Kampf gegen Englander, Neuseelander und Austra- 
lier praktisch uberhaupt nur zwei Panzerdivisionen, eine Gebirgsdivision und die Leibstandarte ge- 
standen sind. 

Die Verluste des deutschen Heeres und der deutschen Luftwaffe sowie der Waffen-SS sind nun in 
diesem Feldzug die geringsten, die wir bisher hatten. Die deutsche Wehrmacht hat im Kampf gegen 
Jugoslawien, Griechenland und GroBbritannien in Griechenland verloren: 
Im Heer und in der Waffen-SS : 

57 Offiziere und 1042 Unteroffiziere und Mannschaften tot, 
181 Offiziere und 3571 Unteroffiziere und Mannschaften verwundet, 
13 Offiziere und 372 Unteroffiziere und Mannschaften vermiBt. 
In der Luftwaffe: 

10 Offiziere und 42 Unteroffiziere und Mannschaften tot, 
36 Offiziere und 104 Unteroffiziere und Mannschaften vermiBt. 
Meine Abgeordneten! Ich kann wieder nur sagen, daB wir die Schwere des Opfers fur die einzelnen 
betroffenen Familien empfinden, daB ihnen das ganze deutsche Volk aus tiefstem Herzen dankt. Im 



;liiiisirlill,iii<i tm^amirF 10 

groBen gesehen, sind diese Verluste aber so gering, daB sie wohl die hochste Rechtfertigung darstel- 
len, 

1. fur den Ansatz und die Zeitbestimmung dieses Feldzuges, 

2. fur die Flihrung der Operationen und 3. fur ihre Durchfuhrung. 

Es ist die liber alle Vergleiche erhabene Ausbildung unseres Flihrerkorps, das hohe Konnen unserer 
Soldaten, die Uberlegenheit unserer Ausrlistung, die Giite unserer Munition sowie die eiskalte Tapfer- 
keit des einzelnen Mannes, die uns einen geschichtlich wahrhaft entscheidenden Erfolg mit so gerin- 
gen Opfern erringen lieBen, und dies in der gleichen Zeit, da die beiden verblindeten Achsenmachte in 
Nordafrika in wenigen Wochen den sogenannten Erfolg der dortigen britischen Streitkrafte ebenfalls 
wieder zunichte machen konnten. Denn wir konnen diese mit dem Namen des Generals Rommel 
verbundenen Aktionen des Deutschen Afrikakorps und 

90 der italienischen Streitkrafte im Kampf um die Cyrenaika nicht trennen von dem Einsatz auf dem 
Balkan. Einer der stiimperhaftesten Strategen hat hier zwei Kriegsschauplatze mit einem Schlag verlo- 
ren. DaB dieser Mann, der in jedem anderen Volk vor ein Kriegsgericht kame, in seinem Lande als 
Premierminister eine neue Bewunderung erfahrt, ist nicht das Zeichen der antiken GroBe romischer 
Senatoren ihren ehrenvoll unterlegenen Feldherrn gegenuber, sondern der Beweis jener ewigen Blind- 
heit, mit der die Gotter diejenigen schlagen, die sie vernichten wollen. Die Konsequenzen dieses Feld- 
zuges sind auBerordentliche. Angesichts der durch die Umstande erwiesenen Moglichkeit, daB in Bel- 
grad immer wieder ein kleiner Kllingel von Verschworern in der Lage sein konnte, im Dienste auBer- 
kontinentaler Interessen einen Brandherd anzufachen, bedeutet es eine Entspannung fur ganz Europa, 
daB diese Gefahr nunmehr endgliltig beseitigt ist. Die Donau als wichtigste VerkehrsstraBe ist damit 
fur alle Zukunft gegen weitere Sabotageakte gesichert. Der Verkehr selbst ist bereits wieder in vollem 
Umfange aufgenommen. 

Das Deutsche Reich hat auBer einer bescheidenen Korrektur seiner ihm durch den Weltkriegsaus- 
gang verletzten Grenzen keine besonderen territorialen Interessen an diesen Gebieten. Politisch sind 
wir nur interessiert an der Sicherung des Friedens in diesem Raume, wirtschaftlich an der Herstellung 
einer Ordnung, die es ermoglicht, zum Nutzen aller die Erzeugung der Giiter zu fordern und den Aus- 
tausch der Waren wieder einzuleiten. Es liegt aber nur im Interesse einer hoheren Gerechtigkeit, wenn 
dabei auch jene Interessen ihre Bertie ksichtigung linden, die in ethnographischen, historischen oder 
auch wirtschaftlichen Bedingungen begriindet sind. An dieser Entwicklung aber ist Deutschland nur 
ein interessierter Zuschauer. Wir begriiBen es, daB unsere Verblindeten ihre gerechten nationalen und 
politischen Ambitionen nunmehr zu befriedigen vermogen. Wir freuen uns liber die Entstehung eines 
unabhangigen kroatischen Staates, mit dem wir fiir alle Zukunft hoffen, in Freundschaft und Vertrauen 
zusammenarbeiten zu konnen. Besonders auf wirtschaftlichem Gebiet kann dies nur zu beiderseitigem 
Nutzen flihren. DaB das ungarische Volk einen weiteren Schritt in der Revision der ihm einst auferleg- 
ten ungerechten Friedensvertrage vollziehen kann, erfullt uns mit herzlicher Anteilnahme. DaB an 
Bulgarien das ihm einst zugefugte Unrecht wieder gutgemacht wird, bewegt uns dabei besonders, 
denn indem das deutsche Volk diese Revision durch seine Waffen ermoglichte, glauben wir uns einer 
historischen Dankesschuld entledigt zu haben gegenuber unserem treuen Waffengefahrten aus dem 
groBen Krieg. DaB aber das mit uns verbundete Italien territorial und politisch den EinfluB in dem ihm 
allein zukommenden Lebensraum erhalt, hat es sich 

91 selbst mehr als verdient durch die uberaus groBe Blutlast, die es seit dem Oktober des vergangenen 
Jahres fiir die Zukunft der Achse zu tragen hatte. Dem besiegten, ungliicklichen griechischen Volk 
gegenuber erfullt uns aufrichtiges Mitleid. Es ist das Opfer seines Konigs und einer kleinen, verblen- 
deten Flihrungsschicht. Es hat jedoch so tapfer gekampft, daB ihm auch die Achtung seiner Feinde 
nicht versagt werden kann. Das serbische Volk aber wird aus dieser seiner Katastrophe vielleicht doch 
noch einmal den einzig richtigen SchluB ziehen, daB die putschistischen Offiziere auch fiir dieses Land 
nur ein Ungliick sind. 

Alle die Betroffenen aber werden vielleicht dieses Mai nicht mehr so schnell die so uberaus vor- 
nehme Art und Weise vergessen, in der sie der Staat und seine Flihrer, fur die sie die Ehre hatten, sich 
aufopfern zu dlirfen, abgeschrieben haben nach dem schonen Grundsatz, daB der Mohr, so er seine 
Schuldigkeit getan, dann ruhig gehen moge. Es ist wohl selten mit einem groBeren Zynismus des Op- 
fers kleiner Volker gedacht worden als in diesem Fall. Denn Nationen als Gehilfen in einen Krieg zu 
hetzen und dann zu erklaren, daB man von vornherein nicht an einen Erfolg geglaubt habe, sondern 
daB man es nur tat, um einen anderen, der auf diesem Kriegsschauplatz nicht kampfen wollte, zum 
Kampf zu zwingen, ist wohl das Schamloseste, was die Weltgeschichte zu bieten vermag. Nur ein 



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Zeitalter, in dem kapitalistische Geldgier und politische Heuchelei sich so vereinen, wie dies in unse- 
ren Demokratien heute der Fall ist, kann ein solches Verfahren als so wenig entehrend empfinden, daB 
seine verantwortlichen Macher sich dessen sogar noch offentlich riihmen dlirfen. 

Wenn wir diesen letzten Feldzug uberblicken, dann wird uns erst wieder so recht bewuBt, welche 
Bedeutung der besten Ausbildung des Soldaten, aber auch seiner besten Ausriistung zukommt. Es ist 
so viel Blut gespart worden, nur weil vorher sehr viel SchweiB geopfert wurde. Was in unentwegter 
muhevoller Ausbildung unseren Soldaten an Konnen beigebracht wurde, fuhrte gerade in diesem Ein- 
satz zu hohem Nutzen. Mit einem Minimum von Blut wird dank dieser Ausbildung, dank dem Konnen 
des deutschen Soldaten und seiner Fuhrung ein Maximum an Wirkung erreicht. Allein, das Minimum 
an Opfern erfordert auch ein Maximum an Waffen, an Gtite dieser Waffen, an Munition und an Gtite 
dieser Munition. Ich gehore nicht zu den Menschen, die im Krieg nur ein materielles Problem sehen; 
denn das Material ist tot, der Mensch allein belebt es. Allein, auch der beste Soldat muB scheitern, 
wenn ihm eine schlechte oder ungeniigende Waffe in die Hand gegeben wird. Das Leben vieler unse- 
rer Sonne liegt daher in den Handen der Heimat. Auch ihr SchweiB kann das Blut unserer Soldaten 
ersparen. Es ist daher die hochste Pflicht 

92 des deutschen Volkes, im Blick auf unsere kampfende Front alles zu tun, um ihr die Waffen zu geben, 
die sie benotigt, denn neben all den anderen Ursachen, die einst zum Verlust des Weltkrieges fuhrten, 
war es am Ende doch auch das Fehlen einer damals schon kriegsentscheidenden neuen Waffe fur den 
Angriff und das Fehlen der daftir geeigneten Waffen der Abwehr. Was unsere Soldaten zu leisten 
vermogen, haben sie gerade in diesem Feldzuge bewiesen. Die Summe der Anstrengungen im einzel- 
nen sowie im gesamten kann die Heimat nie ermessen. Was sie auch an eigener Arbeitskraft der Na- 
tionen in ihrem Schicksalskampf zur Verfugung stellt, steht in keinem Verhaltnis zu dem, was die 
Millionen unserer Manner an den Fronten geleistet haben, leisten miissen und leisten werden. Und ich 
mochte nicht, daB uns in dieser Leistung jemals ein anderer Staat ubertreffen wird. Ja, nicht nur das, 
wir alle sind verpflichtet, daftir zu sorgen, daB der Vorsprung, den wir besitzen, sich nicht verkleinert, 
sondern daB er standig groBer wird. Dies ist kein Problem des Kapitals, sondern ausschlieBlich ein 
Problem der Arbeit und damit unseres Willens und unserer Fahigkeiten. 

Ich glaube, daB dabei vor allem auch das deutsche Madchen und die deutsche Frau noch einen zu- 
satzlichen Beitrag leisten konnen. Denn Millionen deutscher Frauen sind auf dem Lande auf dem Fel- 
de und miissen dabei in hartester Arbeit die Manner ersetzen. Millionen deutscher Frauen und Mad- 
chen arbeiten in Fabriken, Werkstatten und Biiros und stellen auch dort ihren Mann. Es ist nicht un- 
recht, wenn wir verlangen, daB sich diese Millionen deutscher schaffender Volksgenossinnen noch 
viele Hunderttausende andere zum Vorbild nehmen. Denn wenn wir auch heute in der Lage sind, mehr 
als die Halfte Europas arbeitsmaBig fur diesen Kampf zu mobilisieren, dann steht aber als wertvollste 
Substanz in diesem ArbeitsprozeB weitaus an der Spitze unser eigenes Volk. Wenn heute die demokra- 
tischen Hetzer eines Landes, denen das deutsche Volk nie etwas getan hat, und deren Behauptung, daB 
es die Absicht hatte, ihnen etwas zu tun, geradezu eine absurde Luge ist, drohen, den ihnen unbeque- 
men nationalsozialistischen Volksstaat mit der Wucht ihres kapitalistischen Systems, ihrer materiellen 
Produktion zu ersticken, dann kann es dagegen auch nur eine einzige Antwort geben: Das deutsche 
Volk wird niemals mehr ein Jahr 1918 erleben, sondern zu einer nur noch hoheren Leistung auf alien 
Gebieten des nationalen Widerstandes emporsteigen. Es wird sich immer fanatischer zu jenem Satz 
bekennen, den ich schon in meiner ersten Reichstagsrede aussprach, daB weder Waffengewalt noch 
Zeit uns je zu beugen, geschweige denn zu brechen vermogen. Es wird daher die Uberlegenheit seiner 
Rustung festhalten und unter keinen Umstanden den Vorsprung vermindern lassen. Wenn der deutsche 
Soldat schon jetzt die besten Waffen der Welt be 

93 sitzt, dann wird er schon in diesem und im nachsten Jahr noch bessere bekommen. Wenn schon jetzt 
die materielle Seite des Kampfes ihn zum Unterschied vom Weltkrieg nicht belastet, dann wird dies in 
Zukunft erst recht nicht schlechter, sondern noch gunstiger werden. Wir sind daher verpflichtet, die 
Arbeitskraft der ganzen Nation in diesen gewaltigen RustungsprozeB der Weltgeschichte einzuglie- 
dern. Die dazu notwendigen MaBnahmen werden mit nationalsozialistischer Entschlossenheit und 
Griindlichkeit getroffen. 

Im ubrigen kann ich Ihnen, meine Abgeordneten, Manner des Reichstages, nur die Versicherung 
geben, daB ich mit voller Ruhe und hochster Zuversicht in die Zukunft blicke. Das Deutsche Reich 
und seine Verbundeten stellen militarisch, wirtschaftlich und vor allem moralisch eine Macht dar, die 
jeder denkbaren Koalition der Welt uberlegen ist Die deutsche Wehrmacht aber wird stets dann und 
dort eingreifen, wann und wo es notwendig ist. Das deutsche Volk wird dabei mit seinem Vertrauen 



;liiiisirlill,iii<i tm^amirF 12 

den Weg seiner Soldaten begleiten. Es weiB, daB der Krieg dieser Welt nur die Folge der Habgier ei- 
niger internationaler Kriegshetzer und des Hasses der dahinter stehenden jlidischen Demokratien ist. 
Diese Verbrecher haben jede deutsche Friedensbereitschaft abgelehnt, weil sie ihren kapitalistischen 
Interessen widerspricht. 

Wer aber dann zu einem so satanischen Beginnen sich auch noch untersteht, das Wort „Gott" in den 
Mund zu nehmen, der lastert die Vorsehung und kann nach unserem tiefsten Glauben nichts anderes 
ernten als die Vernichtung. So kampfen wir heute daruber hinaus nicht nur um unsere eigene Exi- 
stenz, sondern um die Befreiung der Welt von einer Verschworung, die in skrupelloser Weise das 
Gltick der Volker und Menschen ihrem gemeinen Egoismus unterordnet. Die nationalsozialistische 
Bewegung hat einst im Innern in einem funfzehnjahrigen Ringen diese Feinde bezwungen, der natio- 
nalsozialistische Staat wird sich ihrer auch nach auBen erwehren konnen. Das Jahr 1941 soil und wird 
in die Geschichte eingehen als das groBte Jahr unserer Erhebung. Die deutsche Wehrmacht, Heer, 
Marine und Luftwaffe, werden in diesem Sinne ihre hochste Pflicht erftillen. 

Lassen Sie mich nun an dieser Stelle meinen Dank aussprechen den deutschen Soldaten, die in dem 
neuen Feldzug wieder so Uberragendes geleistet haben, den Dank aber auch fur das deutsche Volk in 
Stadt und Land, das durch seinen FleiB mit die Voraussetzung fiir diese Erfolge geschaffen hat, be- 
sonders danken denjenigen deutschen Volksgenossen, die als Opfer dieses Krieges gefallen oder ver- 
wundet sind und jenen, die als Angehorige diese Opfer betrauern. Wenn wir bei alledem zum 
allmachtigen Lenker der 
94 Schicksale blicken, dann wollen wir besonders dankbar sein daftir, daB er es ermoglichte, diese groBen 
Erfolge mit so wenig Blut zu erreichen. Wir konnen ihn nur bitten, auch in Zukunft unser Volk nicht 
zu verlassen. Was in unseren Kraften liegt, uns unserer Feinde zu erwehren, das soil geschehen. In 
diesem Lande ist ein Geist lebendig geworden, den bisher die Welt noch nie uberwunden hat. Ein 
glaubiges Gemeinschaftsgefuhl erfaBt unser Volk. Was wir uns nach einem langen Irrweg innerer 
Kampfe erstritten haben und was uns so stolz macht anderen Volkern gegenuber, wird keine Macht 
der Welt uns mehr entreiBen. Im Zeitalter des judisch-kapitalistischen Geld-, Standes- und Klassen- 
wahns steht der nationalsozialistische Volksstaat wie ein ehernes Denkmal sozialer Gerechtigkeit und 
klarer Vernunft. Er wird nicht nur diesen Krieg uberdauern, sondern das kommende Jahrtausend. 





95 Am Anfang des Monats Mai steht der Feiertag des schaffenden deutschen Volkes, der Tag der 

Arbeit. Die deutsche Nation beging ihn auch in diesem Jahre in Arbeitsruhe. Einmal sollten die Ma- 
schinen und Motoren innehalten, um das fur den Verteidigungskampf arbeitende Volk zur Besinnung 
zu bringen, um ihm Zeit zum Nachdenken zu geben iiber die GroBe des gegenwartigen Schicksals- 
kampfes. Reichsleiter Dr. Ley erlieB an Arbeiter und Arbeiterinnen, Betriebsfuhrer und Gefolgschaf- 
ten einen Aufruf, in dem er erklarte, daB kein Volk der Welt das Fest der Arbeit mit mehr Recht feiern 
diirfe als das deutsche. Der Aufruf Dr. Leys schloB mit den siegesgewissen Worten, daB der Feind 
fallen werde: Der deutsche nationalsozialistische Staat der schaffenden Arbeit werde leben, die Frei- 
heit, die Schonheit und die Wtirde unserer deutschen Zukunft werde in der heutigen Zeit erstritten! 
Erstritten durch jeden Mann und jede Frau an den Platzen, an die sie gestellt sind! Durch den deut- 



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schen Soldaten im Einsatz an der Front, durch den deutschen Arbeiter und den deutschen Bauern, 
durch Mann und Frau am Arbeitsplatz in der Heimat. 

Am Ehrentag der deutschen Arbeit trat die Reichsarbeitskammer in feierlicher Tagung in einer 
Werkhalle der Messerschmitt-Flugzeugwerke in Augsburg zusammen. Bei dieser Gelegenheit erhiel- 
ten drei um die Entwicklung der deutschen Arbeitskraft hochverdiente Manner die hochsten Aus- 
zeichnungen, die das nationalsozialistische Deutschland in der Schlacht der Arbeit zu vergeben hat: 
Reichsleiter Max A m a n n , Reichspostminister Dr. Ohnesorge und Prof. Willy Messerschmitt 
wurden zu „Pionieren der Arbeit" ernannt. Zugleich erhielten 419 deutsche Betriebe goldene Fahnen 
der Arbeit als Anerkennung fur ihre auBerordentlichen Leistungen. 

Am Sonntag, den 4. Mai, trat der GroBdeutsche Reichstag zusammen. Auf seiner Tagesordnung 
stand die „Entgegennahme einer Erklarung der Reichsregierung". Der Ftihrer gab in dieser denkwiir- 
digen Sitzung den AbschluBbericht tiber die Vorgeschichte und Abwicklung des Balkanfeldzuges 
(siehe Seite 73). Es war eine Sieges- und Kampf rede, die der Fiihrer im Reichstag hielt. Sie war eine 
Abrechnung mit 

96 Churchill, wie sie in dieser Scharfe noch nicht erlebt worden ist. Sie war politisch und militarisch ein 
Rechenschaftsbericht, der vor der Welt zeigte, daB sich die Waage des Sieges endgultig zugunsten 
Deutschlands neigt. „Die deutsche Wehrmacht hat sich selbst ubertroffen, und dem deutschen Solda- 
ten ist nichts unmoglich!" Diese Satze stellte Adolf Hitler iiber seinen Bericht. Wenn uberhaupt Worte 
in der Lage sind, die Leistung des deutschen Soldaten und seiner Fuhrung in diesen beiden Feldziigen 
nachzuzeichnen, so hat das die Anerkennung aus dem Munde des Obersten Befehlshabers in dieser 
Reichstagsrede getan. „Aus dem Handgelenk heraus muBte in wenigen Tagen ein neuer Aufmarsch 
improvisiert werden. Der endliche Erfolg einer so hingeworfenen Planung stellt der Generalstabsarbeit 
und der Truppe das hochste Zeugnis aus." Der Ftihrer nannte die verantwortlichen Befehlshaber und 
spendet ihnen uneingeschranktes Lob: Generalfeldmarschall List und Generaloberst von W e i c h s, 
von der Luftwaffe Generaloberst LOhr und General von Richthofen, fiir die Gesamtleitung General- 
feldmarschall von Brauchitsch und Generaloberst Haider, der Reichsmarschall mit seinem General- 
stabschef, General Jeschonnek, sowie Generalfeldmarschall K e i t e 1 und General J o d 1. Bewun- 
dernswert fur die Kampfleistung der Truppen vor dem Feind ist die Tatsache, daB zahlreiche Divisio- 
nen uberhaupt nicht eingesetzt zu werden brauchten. Mit groBter Dankbarkeit vernahm das deutsche 
Volk, daB die Verluste bei den Kampfhandlungen iiber alles Erwarten gering waren: an Toten wenig 
mehr als 1000 Mann. Das ist in erster Linie der glanzenden Schulung des deutschen Soldaten, seiner 
hervorragenden Fuhrung und seiner unvergleichlichen Ausriistung zu verdanken. Das letzte Geheim- 
nis des Sieges aber liegt in dem Genie des Feldherrn Adolf Hitler, der die Ziele gewiesen und die Pla- 
ne im groBen entworfen hat. 

Am 10. Mai jahrte sich der Tag, an dem die deutsche Westarmee zum Angriff gegen die Feindmach- 
te Frankreich und England sowie ihre beiden Vasallenstaaten Belgien und Holland schritt. Die deut- 
sche Presse gedachte in wtirdiger Form in Artikeln und Betrachtungen dieser denkwiirdigen Stunde. 
Unter alien militarischen Wurdigungen der ruhmreichen Kampfe im Westen ist besonders bemer- 
kenswert ein Aufsatz von Reichsarbeitsfuhrer Oberst Konstantin H i e r 1 tiber die „Deutsche Oberste 
Fuhrung im Westfeldzug und der Schlieffenplan". In seinen Ausfuhrungen arbeitet Reichsleiter Hierl 
den Unterschied der strategischen Plane des einstigen Generalstabschefs und des Feldherrn Adolf Hit- 
ler heraus. Den Kern seiner Betrachtungen enthalten folgende Satze: „Wahrend im Geiste des Schlief- 
fenplanes und der Schlieffenschen Operationslehre die Fortfuhrung der Operationen mit starkem, rech- 
tem Heeresflugel westlich um Paris 

97 herum zur Umfassung ausholend gelegen hatte, entschloB sich der Ftihrer, die Entscheidung im 
Durchbruch durch die feindliche Front sudlich der Aisne herbeizufuhren." — „Nicht in Anlehnung an 
den Schlieffenplan oder auf dem Boden der Cannae-Doktrin oder sonstiger starrer Lehrmeinungen, 
sondern im freien kunstlerischen Schaffen, aus der Eingebung des kriegerischen Genius heraus hat der 
Ftihrer die deutsche Wehrmacht zum glorreichsten Siege ihrer ruhmreichen Geschichte gefuhrt." 
Reichsleiter Hierl schlieBt seine bemerkenswerten strategischen Betrachtungen mit der Erkenntnis, 
daB der Ftihrer durch diese genial angelegten Feldzugsplane im Westen auch auf dem Gebiete der 
Kriegfuhrung revolutionar gewirkt habe. 

Wahrend England noch glaubte, Deutschland benotige noch weitere Zeit, die Friichte seines Sieges 
im Balkan zu pflucken, schritt die deutsche Fuhrung zu weiteren ruhmvollen Taten. Am 24. Mai gab 
das Oberkommando der Wehrmacht bekannt, daB deutsche Fallschirmjager und Luftlandetruppen seit 
den friihen Morgenstunden des 20. Mai auf der Insel Kreta im Kampf gegen Teile des britischen Hee- 



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res stiinden. In klihnem Angriff aus der Luft eroberten sie, unterstiitzt durch Jagd-, Zerstorer-, Kampf- 
und Sturzkampffliegerverbande taktisch wichtige Punkte der Insel. Nach weiterer Verstarkung durch 
Verbande des Heeres gingen die deutschen Truppen zum Angriff iiber. In harten, zahen Kampfen auf 
unwegsamem Gelande drangen die durch Luft- und Seestreitkrafte gelandeten Verbande Schritt um 
Schritt vor. Die einzelnen deutschen Widerstandsnester vereinigten sich miteinander. Nach zehn Ta- 
gen war der Sieg entschieden, die Englander verlieBen fluchtartig, soweit sie nicht vernichtet oder 
gefangen waren, die Insel, von der Churchill gesagt hatte, sie wtirde bis zum letzten Mann verteidigt 
werden. In seiner ersten Erklarung iiber die Kampfe in Kreta erfrechte sich der britische Premier zu 
behaupten, daB deutsche Fallschirmjager in der Umform neuseelandischer Truppen abgesetzt worden 
seien. Selbstverstandlich war diese Behauptung unwahr. Diese liigenhafte Erklarung Churchills sollte 
offenbar nur eine nachtragliche Begriindung dafiir sein, daB deutsche Fallschirmjager, entgegen alien 
Regeln des Volkerrechts grausam miBhandelt und gequalt worden sind. Der Bericht des Oberkom- 
mandos der Wehrmacht kiindigte fur dieses neue britische Verbrechen eine entsprechende Vergeltung 
an der zehnfachen Anzahl britischer Kriegsgefangener an. Die gesamte Weltpresse, nicht zuletzt die 
englische Presse sah in dem siegreichen Feldzug auf Kreta den Beweis dafiir, daB der deutschen 
Wehrmacht nichts unmoglich sei. Die deutsche Luftwaffe hatte entscheidenden Anteil an diesem Sie- 
ge. Der Prestige-Verlust, den England mit dem Verlust Kretas erlitt, der Stimmungsriickschlag, den 
diese Niederlage in England selbst ausloste, war ungeheuer. 

98 Am 23. Mai meldete der Bericht des Oberkommandos der Wehrmacht einen schmerzlichen Verlust, 
an dem das ganze deutsche Volk Anteil nahm. „Das von Korvettenkapitan Giinther P r i e n gefiihrte 
Unterseeboot ist von seiner letzten Fahrt gegen den Feind nicht zuriickgekehrt. Mit dem Verlust dieses 
Bootes muB gerechnet werden." In ehrenden Worten gedachte der OKW-Bericht dieses vorbildlichen 
U-Boots-Kommandanten: 

„Korvettenkapitan Giinther Prien, der Held von Scapa-Flow, der vom Fiihrer in Anerkennung seiner 
iiberragenden Verdienste mit dem Eichenlaub zum Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes ausgezeichnet 
worden war, und seine tapfere Besatzung leben im Herzen aller Deutschen fort." Der Oberbefehlsha- 
ber der Kriegsmarine, GroBadmiral R a e d e r, wiirdigte in einem Tagesbefehl die Leistungen des 
Siegers von Scapa-Flow. 

Als 12. Offizier der deutschen Wehrmacht iiberreichte der Fiihrer dem Oberleutnant der Luftwaffe 
Miincheberg das Ritterkreuz zum Eisernen Kreuz. In 40 Luftkampfen war Oberleutnant Miincheberg 
Sieger iiber den englischen Gegner geblieben. — Der Oberbefehlshaber der Kriegsmarine, GroBadmi- 
ral Raeder, hat fur besonders hervorragende Taten der Schlachtschiffe und Kreuzer bei ihren weittra- 
genden und wagemutigen Unternehmungen ein Flottenkriegsabzeichen gestiftet. — Ein weiteres Ab- 
zeichen wurde fiir die Besatzungen der im Kreuzerkrieg eingesetzten Hilfskreuzer gestiftet. 

Die Soldaten des Deutschen Afrikakorps fiihrten wahrend des ganzen Monats Mai unter heiBer afri- 
kanischer Sonne mit dem zuriickgeworfenen britischen Gegner, der sich bei Solium und Tobruk ver- 
schanzt liat, einen erbitterten Kampf. Fiir hochsten personlichen Einsatz verlieh der Fiihrer mehrfach 
Offizieren des Deutschen Afrikakorps das Ritterkreuz zum Eisernen Kreuz. Im BewuBtsein, in Agyp- 
ten eine Schliisselstellung des britischen Empire zu verteidigen, kampfen die Englander mit einer au- 
Bergewohnlichen Zahigkeit. Die Hitze der afrikanischen Wiiste tut ein iibriges, um von den deutschen 
Soldaten das Hochste an Einsatz zu fordern. 

Am 22. Mai jahrte sich zum zweitenmal der Tag, an dem Deutschland und Italien den Freund- 
schafts- und Biindnisvertrag abschlossen, der die beiden autoritaren Nationen im Kampf gegen die 
Demokratien vereinte. An diesem Tage empfing der Fiihrer auf dem Obersalzberg den italienischen 
Botschafter, Dino A 1 f i e r i, in Gegenwart des Reichsministers des Auswartigen, von Ribbentrop, 
und des Reichspressechefs, Dr. Dietrich. Als vor zwei Jahren der deutsch-italienische Pakt in Kraft 
trat, waren die europaischen Spannungen schon sehr fiihlbar. Die Warming, die in diesem Paktab- 
schluB lag, wurde freilich damals ebensowenig gehort wie die Friedensbemiihungen, die auf Grund 
der deutsch-italienischen 

99 Solidaritat spaterhin von deutscher Seite und besonders auch vom Duce buchstablich bis in die letzte 
Minute fortgesetzt wurden. 

Ereignisse, die im deutschen Volke hochsten Stolz und zugleich tiefste Trauer auslosten, waren Sieg 
und Untergang des heldenmiitigen Schlachtschiffes „B i s m a r c k". Am 24. Mai meldete das Ober- 
kommando der Wehrmacht, daB die „Bismarck", die im Atlantik in einem Flottenverband unter Fiih- 
rung des Flottenchefs Admiral Liitjens operierte, im Kampf gegen schwere feindliche Seestreitkrafte 
die „Hood" vernichtet und ein weiteres englisches Schlachtschiff zum Abdrehen gezwungen habe. Seit 



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der Stunde dieses siegreichen Kampfes war die „Bismarck" das Ziel ausgedehntester britischer Flot- 
tenoperationen. Zur Niederkampfung des deutschen Schlachtschiffes zogen die Englander alle ihnen 
zur Verfligung stehenden schweren und schwersten Einheiten, unter ihnen zwei Flugzeugtrager, zu- 
sammen. Im Kampfe gegen die sich allmahfich verstarkenden feindlichen Seestreifkrafte focht das 
Schlachtschiff „Bismarck" in seinem bewegungsunfahigen Zustande, bis es endlich am 27. Mai vor- 
mittags das Opfer der Ubermacht von drei britischen Schlachtschiffen, einem Flugzeugtrager, mehre- 
ren Kreuzern und Zerstorern geworden ist. 

Wenn auch Trauer das ganze deutsche Volk erflillte iiber diesen schweren Verlust der jungen deut- 
schen Kriegsmarine, so bewegte doch Stolz jeden einzelnen Deutschen bei dem Gedanken, daB die 
„Bismarck" nur in ruhmvollem Kampfe uberwunden werden konnte. Der Verlauf des Kampfes hat 
gezeigt, daB der Mut der deutschen Seemanner unerschiitterlich und die Konstruktion des Schiffes 
hervorragend waren; denn erst nach dem neunten Torpedotreffer versank das Schlachtschiff in den 
Wellen, wahrend die „Hood" nach einem einzigen wohlgezielten Artillerievolltreffer in die Luft flog. 

Mit groBter Anteilnahme vernahm das deutsche Volk in seiner Gesamtheit das Schicksal von Ru- 
dolf H e B, der einen Weg ging, auf dem ihm das Verstandnis des Volkes nicht folgen konnte. Am 12. 
Mai wurde parteiamtlich mitgeteilt: „Parteigenosse HeB, dem es auf Grund einer seit Jahren fortschrei- 
tenden Krankheit vom Ftihrer strengstens verboten war, sich noch weiter fliegerisch zu betatigen, hat 
entgegen diesem vorliegenden Befehl es vermocht, sich in letzter Zeit wieder in den Besitz eines Flug- 
zeuges zu bringen. 

Am Samstag, den 10. Mai, gegen 18 Uhr, startete Parteigenosse HeB in Augsburg wieder zu einem 
Flug, von dem er bis zum heutigen Tage nicht mehr zuriickgekehrt ist. Ein zuriickgelassener Brief 
zeigte in seiner Verworrenheit leider die Spuren einer geistigen Zerruttung, die befurchten laBt, daB 
Parteigenosse HeB das Opfer von Wahnvorstellungen wurde. 

Der Fiihrer hat sofort angeordnet, daB die Adjutanten des Parteigenossen HeB, die von diesen Flu- 
gen 

100 allein Kenntnis hatten, und sie entgegen dem ihnen bekannten Verbot des Fuhrers nicht verhinderten, 
beziehungsweise nicht sofort meldeten, verhaftet wurden. 

Unter diesen Umstanden muB also leider die nationalsozialistische Bewegung damit rechnen, daB 
Parteigenosse HeB auf seinem Flug irgendwo abgestiirzt bzw. verungluckt ist." — So weit die Erkla- 
rung vom 12. Mai. Am Tage darauf gab die Nationalsozialistische Partei-Korrespondenz die Aufkla- 
rung dieses die deutsche Offentlichkeit erschutternden Vorganges. Diese zweite Veroffentlichung 
lautet: „Soweit die bisher vorgenommene Durchsicht der von Rudolf HeB zuriickgelassenen Papiere 
ergibt, scheint HeB in dem Wahn gelebt zu haben, durch einen personlichen Schritt bei ihm von friiher 
her bekannten Englandern doch noch eine Verstandigung zwischen Deutschland und England herbei- 
ftihren zu konnen. Tatsachlich ist er auch, wie unterdes durch eine Mitteilung aus London bestatigt 
wurde, in Schottland vom Flugzeug in der Nahe des Ortes, den er aufsuchen wollte, abgesprungen und 
wurde dort anscheinend verletzt aufgefunden. 

Rudolf HeB, der seit Jahren, wie es in der Partei bekannt war, korperlich schwer litt, nahm in letzter 
Zeit steigend seine Zuflucht zu den verschiedensten Hilfen, Magnetiseuren, Astrologen usw. Inwie- 
weit auch diese Personen eine Schuld trifft in der Herbeifuhrung einer geistigen Verwirrung, die ihn 
zu diesem Schritt veranlaBte, wird zu klaren versucht. Es ware aber auch denkbar, daB HeB am Ende 
von englischer Seite bewuBt in eine Falle gelockt wurde. 

Die ganze Art seines Vorgehens bestatigt jedenfalls die schon in der ersten Mitteilung gegebene 
Tatsache, daB er unter Wahnvorstellungen gelitten hat. Er kannte die zahlreichen, aus ehrlichstem 
Herzen gekommenen Friedensvorschlage des Fuhrers besser als irgendein anderer. Anscheinend lebte 
er sich nun in die Vorstellung hinein, durch ein personliches Opfer einer Entwicklung vorbeugen zu 
konnen, die in seinen Augen nur mit der vollkommenen Vernichtung des britischen Imperiums enden 
wurde. HeB, dessen Aufgabenbereich, wie bekannt, ausschlieBlich in der Partei lag, hat daher auch, 
soweit es aus seinen Aufzeichnungen hervorgeht, irgendeine klare Vorstellung iiber die Durchfiihrung 
oder gar iiber die Folgen seines Schrittes nicht gehabt. 

Die Nationalsozialistische Partei bedauert, daB dieser Idealist einer so verhangnisvollen Wahnvor- 
stellung zum Opfer fiel. An der dem deutschen Volke aufgezwungenen Fortfiihrung des Krieges gegen 
England andert sich dadurch nichts. Er wird so lange fortgefiihrt, bis — wie der Fiihrer auch in seiner 
letzten Rede unterstrich — die britischen Machthaber gestiirzt bzw. friedensbereit sind." 

101 Tief bewegt vernahm das deutsche Volk diesen Bericht von der menschlichen Tragodie eines 
Idealisten, der sich um die Partei, um die Wiederaufrichtung Deutschlands auBerordentliche Verdien- 



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ste erworben hat. Wenn London und alle Feinde des Reiches geglaubt haben, die Personlichkeit von 
Rudolf HeB benutzen zu konnen, um dem Reiche Schaden zuzufiigen, so sahen sie sich bald bitter 
enttauscht. Nach alien moglichen und unmoglichen Kombinationen, die das schwindende Selbstbe- 
wuBtsein der britischen Massen aufputschen und Zweifel erwecken sollten an dem Siegeswillen des 
deutschen Volkes, wurde es sehr bald still und stiller in der britischen Agitation zum Fall HeB. Es 
blieb den Briten nichts als ein Kriegsgefangener, der unter ungewohnlichen Umstanden und mit einer 
ungewohnlichen Vorstellung und Absicht nach England gekommen war. Fur die Partei und fiir das 
deutsche Volk war die Angelegenheit HeB abgeschlossen, nachdem der Ftihrer am 13. Mai die Reichs- 
leiter und Gauleiter bei sich empfangen hatte. Wie die Nationalsozialistische Partei-Korrespondenz 
mitteilte, bereitete die Parteifuhrerschaft dem Fiihrer, der zu den Versammelten sprach, eine vom ent- 
schlossenen Siegeswillen getragene uberwaltigende Kundgebung. 

Die bisherige Dienststelle des Stellvertreters des Fuhrers fiihrt, wie eine Verfugung Adolf Hitlers 
vom 12. Mai bekanntgab, die Bezeichnung „Parteikanzlei". Sie ist dem Fiihrer personlich unterstellt. 
Ihr Leiter ist wie bisher Reichsleiter Martin B o r m a n n. 

Einen bemerkenswerten ErlaB gab das Oberkommando der Wehrmacht am 23. Mai bekannt. Er ent- 
stand aus den Erfahrungen des Krieges. Schon im Frieden sei das Schwarzsenden vermittels einer 
Funkanlage grundsatzlich mit Zuchthausstrafe bedroht gewesen. Im Kriege store jedes Schwarzsenden 
alle fiir die Landesverteidigung unerlaBlichen MaBnahmen der Wehrmacht und leiste damit dem Fein- 
de Vorschub. „Wer im Kriege schwarz sendet, stellt sich daher auBerhalb der Volksgemeinschaft und 
hat damit zu rechnen, als Landesverrater mit Zuchthaus- oder Todesstrafe bestraft zu werden." 

Am 18. Mai beging das deutsche Volk den Muttertag. Eine Ringsendung des GroBdeutschen Rund- 
funks aus diesem AnlaB wurde eingeleitet durch eine Ansprache des Reichsministers Dr. F r i c k. Sein 
erster GruB gait den Miittern, die mit dem Verlust ihres Sohnes oder ihres Mannes das schmerzlichste 
Opfer bringen muBten. Er gedachte nicht minder herzlich der Frauen und Mutter, die heute noch um 
ihre Lieben im Felde bangen. Reichsminister Dr. Frick erklarte, daB das nationalsozialistische 
Deutschland sich bemiihe, diesen Frauen wenigstens die wirtschaftlichen Sorgen fiir sich und die Ihri- 
gen abzunehmen. Er gedachte mit besonderem Dank derjenigen Frauen, die dem Rufe des Fuhrers 
folgend sich in die Reihe der 
102 schaffenden Deutschen eingegliedert haben, um den Mann zu ersetzen im Munitions- und Riistungsbe- 
triebe, an Schaltern und Schreibtischen, in Ziigen und StraBenbahnen. Sie haben UnermeBliches dazu 
beigetragen, die Kraft des deutschen Volkes zu starken und zu erhalten. In herzlichen Worten sprach 
Dr. Frick auch von den Frauen, die dem deutschen Volke in diesem Jahre Kinder geschenkt haben. Er 
verkiindete, daB die Geburtenzahl des Jahres 1940 nicht hinter der des Vorjahres zuriickstiinde. — 
Frau Schollz-Klink, die Reichsfrauenfiihrerin, machte sich zur Sprecherin aller deutschen 
Frauen, um an diesem Tage dem Fiihrer die Liebe und Verehrung aller Mutter entgegenzubringen. 

Mit Riicksicht auf die Erfordernisse der Kriegswirtschaft sind in diesem Jahre der Himmelfahrtstag 
(22. Mai) und der Fronleichnamstag (12. Juni) auf die nachstfolgenden Sonntage verlegt worden. Mit 
Verstandnis nahm die Offentlichkeit diese Entscheidung auf. 

Auf Einladung des Reichswirtschaftsministers und Reichsbankprasidenten Funk fand am Freitag, 
den 23. Mai, im groBen Sitzungssaal der Reichsbank eine Tagung der Gauleiter, Reichsstatthalter, 
Oberprasidenten und Gauwirtschaftsberater aus alien Gauen GroBdeutschlands statt. Reichswirt- 
schaftsminister Funk gab vor diesem Gremium einen Uberblick iiber die kriegswirtschaftliche Lage im 
GroBdeutschen Reich und in den besetzten Gebieten, insbesondere iiber die Rohstoffe, den AuBenhan- 
del und das Geld- und Kreditwesen. Danach ist die kriegsnotwendige Rohstoffversorgung gesichert. 
Die Zinssenkung hat eine wesentliche Erleichterung der Kriegsfinanzierung herbeigefiihrt. All diese 
Probleme wurden weiterhin in Vortragen von Unterstaatssekretar General von Hanneken, Unterstaats- 
sekretar von Jagwitz und Ministerialdirigent Dr. Riehle eingehender zur Darstellung gebracht. Staats- 
sekretar Dr. Landfried hielt das SchluBreferat, das sich mit grundsatzlichen Fragen der deutschen 
Wirtschaftsstruktur unter besonderer Bertie ksichtigung des Handels befaBte. 

Ein Zeugnis fiir die ununterbrochene Betriebsamkeit der deutschen Wirtschaft legte die 2. Breslauer 
Kriegsmesse ab. Sie wurde am 21. Mai in Anwesenheit des Ministerialdirektors Gutterer sowie der 
Berliner Botschafter und Gesandten der an der Messe beteiligten Siidoststaaten, ferner Vertretern des 
Generalgouverneurs und des Reichsprotektors durch den Gauleiter von Oberschlesien, Parteigenossen 
Bracht, eroffnet. In seiner Rede gab Gauleiter Bracht Unterlagen dafiir, daB die Wirtschaft des gesam- 
ten Ostraumes auf verschiedenen Gebieten zu jener Hochstleistung aufgestiegen sei, wie sie die Indu- 



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strie im iibrigen Reiche seit langem schon zeige. Dadurch, daB die Breslauer Messe die Menschen des 
neuen deutschen 

103 Ostens mit jenen alten Reichsgebieten zusammenfiihre, sei sie nicht nur im wirtschaftlichen Sinne 
raumverbindend, sondern vielmehr gleichzeitig auch Mittlerin der engsten volkspolitischen Verbun- 
denheit. Durch die besondere Pflege der wirtschaftlichen Beziehungen zum europaischen Osten und 
Sudosten habe die Breslauer Messe die gegenseitigen Blickfelder in Gegenwart und Zukunft ausge- 
weitet. Die fur die Zukunft vorbereitete Verkehrsplanung unterstreiche die Briickenstellung, die Bres- 
lau als Bindeglied fur den deutschen Raum und dariiber hinaus im europaischen Raum zukomme. Es 
sei darum Breslaus Aufgabe, nicht nur zwischen der deutschen, besonders ostdeutschen Wirtschaft 
und jener des Auslandes, vor allem des Ostens und Siidostens, zu vermitteln, sondern dariiber hinaus 
Breslau zu einem Beriihrungspunkt der volkswirtschaftlichen Beziehungen zwischen den nordischen 
Staaten und dem Sudosten Europas zu machen. 

Am 23. Mai publizierte die deutsche Presse, daB der Fiihrer auf Vorschlag von Reichsminister Dr. 
Goebbels den Ministerialdirektor Leopold Gull erer zum Staatssekretar im Reichsministerium fiir 
Volksaufklarung und Propaganda ernannt habe. Mit dem Parteigenossen Gutterer iibernimmt ein er- 
probter Nationalsozialist die bedeutsamen Funktionen dieses Amtes, dessen Gewicht im Kriege be- 
sonders schwer und ausschlaggebend ist. 

Die Assimilierung des Altreichs und der dem Reiche eingegliederten Gebiete macht weiterhin Fort- 
schritte. In Bad I s c h 1 fand eine Tagung der Akademie fiirDeutsches Recht statt, die zum Ziele 
hatte, die Rechtsangleichung des osterreichischen Straf rechts an das Straf recht des Reiches vorwarts- 
zutreiben. Grundsatzlich geht man bei diesem Problem davon aus, daB das Strafrecht des Altreichs in 
der Ostmark nicht so eingefiihrt werden soil, wie es heute ist, daB vielmehr die beiden Rechtsformen 
vorerst nebeneinander bestehen bleiben, um nur schrittweise einander nahergebracht zu werden. Es 
wurden zuerst jene Gebiete behandelt, in denen Einrichtungen des osterreichischen Strafrechts im 
Altreich neu eingefiihrt werden sollen, und zwar aus dem allgemeinen Teil: der Versuch, die versuchte 
Verleitung, die Verjahrung. Aus dem besonderen Teil: die Strafbarkeit der unbeeideten falschen Aus- 
sage vor Gericht und weitere Einzelfragen, insbesondere auch die Verbesserung des strafrechtlichen 
Schutzes fiir den gesetzlichen Unterhalt, ferner Einrichtungen, die fur den StrafprozeB im Altreich eine 
wesentliche Vereinfachung und Beschleunigung des Verfahrens ermoglichen. Unter anderem auch die 
Wiederaufnahme des Strafverfahrens. Umgekehrt sollen auch Einrichtungen des deutschen Strafrechts 
in das osterreichische Strafrecht organisch eingebaut werden. Hier handelt es sich insbesondere um 
jene Neuerungen, die im Altreich seit der Machtergreifung durch den Nationalsozialismus durchge- 
fiihrt wurden. 

104 Weitere Fragen sollen in spateren Tagungen durchberaten werden, nachdem sie im Reichsjustizmini- 
sterium ausgearbeitet worden sind. 

Am Mittwoch, den 14. Mai, fiihrte Reichsminister Dr. F r i c k den Prasidenten des neuerrichteten 
Reichsverwaltungsgerichtes) Walther Sommer, feierlich in sein Amt ein. Diese oberste Behorde der 
Verwaltungsrechtspflege wurde durch ErlaB des Fiihrers vom 3. April fiir den Bereich des Gesamtrei- 
ches geschaffen. Dr. Frick wies darauf hin, daB dieser AbschluB im Aufbau der Verwaltungsgerichts- 
barkeit von der Gestaltungskraft des Reiches mitten im Kriege zeuge. Er stelle einen bedeutsamen 
Schritt dar auf dem Wege zur Vereinheitlichung des Reiches. Die bedeutungsvollen Aufgaben dieser 
obersten Spruchbehorde bestehen in der Fortbildung des deutschen Verwaltungsrechts und in der Ge- 
wahrleistung der Rechtseinheit und damit der Gerechtigkeit. 

Bei einer Feier aus AnlaB der Errichtung neuer Lehrstiihle fiir koloniale und auslandische Forstwirt- 
schaft, fiir koloniale Bodenkunde und Kulturtechnik, fiir koloniale Tierzucht, fiir Kolonial- und Wirt- 
schaftsgeographie an der Hamburger Universitat umriB Reichserziehungsminister Rust Aufgaben 
und Begrenzung des kolonialen Studiums. Die Errichtung kolonialer Lehrstiihle konne keinesfalls an 
alien oder mehreren Universitaten vorgenommen werden. Dies wurde dem Gesetz der Okonomie der 
Krafte widersprechen, denn es gebe weder die erforderliche Anzahl qualifizierter Lehrkrafte noch eine 
geniigend groBe Zahl von Horern. Auch der Gedanke einer eigenen Kolonialhochschule scheide aus. 
Die Vorbildung fiir die kolonialen Berufe sei der Hamburger und der Gottinger Universitat vorbehal- 
ten. Sie konne nur in einem Erganzungsstudium zu den abgeschlossenen Ausbildungen in den entspre- 
chenden Fachern bestehen. Die Atmosphare der Welthandelsstadt Hamburg lege es nahe, hier eine 
Universitat mit besonderem kolonialen Akzent zu entwickeln. Aus diesem Grunde seien die eingangs 
genannten vier neuen Lehrstiihle mit den dazugehorigen Instituten eroffnet worden. 



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Im BewuBtsein dessen, daB der Wehrdienst fiir jeden einzelnen Soldaten gewisse Nachteile in sei- 
nem blirgerlichen Beruf, in seiner Ausbildung mit sich bringt, bemtiht sich der nationalsozialistische 
Staat, auf der anderen Seite alle Schwierigkeiten fiir die Fortentwicklung des einzelnen beiseite zu 
raumen. Im Rahmen des schon bekannten Forderungswerkes fiir Kriegsteilnehmer, die sich einer wei- 
teren Ausbildung unterziehen wollen, hat der Reichserziehungsminister bestimmt, daB auf die prakti- 
sche Tatigkeit ein Teil der Wehrdienstzeit anzurechnen ist. Und zwar werden angerechnet der iiber 
zwei Jahre hinausgehende Wehrdienst bis zur Hochstgrenze eines Jahres bei nichttechnischen Truppen 
und bis zu zwei Jahren bei 

105 technischen Truppen. Unter diesen ErlaB fallt das Studium an Bau- und Ingenieurschulen, Textilschu- 
len, Chemieschulen, Bergschulen, Meisterschulen des Deutschen Handwerks, Seefahrtschulen usw. 
Besonders begabte Kriegsteilnehmer konnen unter bestimmten Voraussetzungen ein Semester iiber- 
springen, Versehrte brauchen kein Schulgeld zu bezahlen. — Mit Riicksicht auf mancherlei Schwie- 
rigkeiten, die durch die Einberufung insbesondere bei selbstandigen Gewerbetreibenden entstanden 
sind, hat der Reichsfinanzminister eine Anzahl von Erleichterungen und Vereinfachungen steuerlicher 
Art eingefiihrt. Oberregierungsrat Dr. Oeftering vom Reichsfinanzministerium behandelte sie in der 
Deutschen Steuerzeitung anfangs Mai. 

Um die Mitte des Monats legte Staatssekretar Fritz Reinhard! vor Vertretern der Presse einen Re- 
chenschaftsbericht iiber das Steuerjahr 1940 ab, das am 31. Marz abgelaufen war. „Man hatte bei Be- 
ginn des Rechnungsjahres das Steueraufkommen des Reiches auf insgesamt 25 Milliarden geschatzt, 
in Wirklichkeit aber ist eine Ziffer von 27,2 Milliarden Reichsmark erreicht worden, eine Entwick- 
lung, aus der sich ergibt, daB die Wirtschaftskraft des Reiches auch im Kriege noch fortgesetzt zu- 
nimmt, und daB die Aufwartsentwicklung ihren Hohepunkt noch nicht erreicht hat. Das Steuerauf- 
kommen im laufenden Jahre wird auf 30 Milliarden geschatzt." In seiner Rede kiindigte Staatssekretar 
Reinhardt an, daB nach dem Kriege mit einer Neugestaltung und Vereinfachung der Einkommensteuer 
zu rechnen sein wiirde. Es sei auch nicht beabsichtigt, den Kriegszuschlag zur Einkommensteuer zu 
verewigen. 

Diesem giinstigen Bericht iiber die Finanzlage des Reiches entspricht ein Uberblick iiber den Stand 
des deutschen Sparwesens. Der Bestand der deutschen offentlichen Spareinlagen hat im Jahre 1940, 
wie President Dr. Heinze vom Deutschen Sparkassen- und Giroverband mitteilte, die 33-Milliarden- 
Grenze iiberschritten. Das sind Zahlen, die in der Sparkassengeschichte ohne Beispiel sind. Die Er- 
gebnisse aller Vorjahre sind um das drei- bis vierfache iibertroffen worden, und auch in den ersten 
Monaten des Jahres 1941 hat sich der ungewohnlich giinstige EinlagezuschuB nicht nur fortgesetzt, 
sondern sogar weiter verstarkt. Wenn auch eine solche Kapitalansammlung groBtenteils darauf zu- 
riickzufiihren ist, daB der einzelne sein Geld in Waren und Gebrauchsgegenstanden nicht anlegen 
kann, so zeugt dennoch diese Anhaufung der Riicklagen auf eine in Kriegszeiten gesunde Entwicklung 
des deutschen Volksvermogens. — Im Reichsgesetzblatt vom 27. Mai ist eine Verordnung des Mini- 
sterrats fiir die Reichsverteidigung veroffentlicht iiber den weiteren Ausbau der knappschaftlichen 
Versicherung der Bergleute. Sie bringt erhebliche Ver 

106 besserungen in der Berufs versicherung dieses Standes, der von wesentlicher Bedeutung fiir die 
Wehrkraft des Reiches ist (siehe Seite 143). 

Im Reichsarbeitsblatt behandelt um die Mitte des Monats ein Bericht den Kriegsgefangeneneinsatz 
im zweiten Kriegsjahr. Er zeigt, daB die Arbeit der Kriegsgefangenen aus dem Westen eine bedeuten- 
de Rolle gespielt hat. Weit mehr als 1 1/2 Millionen westlicher Kriegsgefangener wurden dem Bericht 
nach zum Einsatz gebracht. Jetzt werden die ersten Kriegsgefangenen aus dem Siidosten zur Arbeit 
kommandiert. Die Organisation des Kriegsgefangenenwesens habe sich glanzend bewahrt. Zuzeiten 
sei der Kriegsgefangeneneinsatz in der Landwirtschaft 95% gewesen. Gegen Ende des Jahres betrug er 
noch 52%. Dagegen stieg der Einsatz im Bergbau, in der gewerblichen Wirtschaft und in offentlichen 
Verwaltungen von zunachst nur 5 auf 48%. Der Bericht gibt auch AufschluB iiber die groBe Aktion 
zur Erfassung und Umsetzung Kriegsgefangener Facharbeiter. Sie wurden fast ausschlieBlich von den 
Arbeitsamtern in ihren erlernten Berufen eingesetzt. 

Die Hoheitstrager der Auslandsorganisation der NSDAP aus 20 Landern traten im Mai in der 
Reichshauptstadt zu einer Kriegstagung zusammen, die an Stelle der groBen Kundgebungen stattfand, 
die zu Friedenszeiten in Stuttgart, der Stadt der Auslandsdeutschen, abgehalten werden. Den Hohe- 
punkt des Tages bildete eine Ansprache des Leiters der Auslandsorganisation, Gauleiters Bohle, iiber 
„Haltung und Tatigkeit des Auslandsdeutsch turns im Kriege". 



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Am 1. Mai, dem Tag, an dem in Deutschland das Fest der Arbeit gefeiert wird, wandte sich Reichs- 
kommissar Terboven in einer Massenversammlung, die iiber samtliche norwegische Rundfunksender 
iibertragen wurde, an das norwegische Volk, um einen Rlickblick liber dieses erste Jahr unter deut- 
scher Besetzung zu geben. Zunachst unterstrich der Reichskommissar noch einmal seine Erklarung 
vom 25. September, nach der die einzige staatstragende Partei in Norwegen die Quisling-Bewegung, 
Nasjonal Samling, sei. Er erklarte, daB Norwegen nur durch sie den Weg zu einer selbstandigen Stel- 
lung im Rahmen eines neuen Europa linden werde. Er wies sodann auf die Erfolge bin, die die Zivil- 
verwaltung des Landes unter seiner Leitung bisher gehabt habe. Vor allem gehore dazu das schnelle 
Verschwinden der Arbeitslosigkeit, die von 100 000 auf 20000 Arbeitslose zuriickgegangen sei. An 
praktischen Aufgaben, die bereits in Angriff genommen wurden, nannte der Reichskommissar den 
Ausbau der Wasserkrafte im Rahmen eines Zehnjahresplanes und die Durchfuhrung einer gesunden 
Forstwirtschaft, die den bisherigen Raubbau in Norwegens Waldern beendigen soil. Ferner nannte er 
die ErschlieBung der norwegischen Bodenschatze, von denen Norwegen selbst bisher noch nichts ge- 
wuBt habe, und die den wirklichen Reichtum 

107 des Landes ausmachen. Am SchluB seiner Rede ermahnte Reichskommissar Terboven seine 
norwegischen Horer, mitzuarbeiten an dem Werk der Wiederaufrichtung eines selbstandigen, unab- 
hangigen Norwegens. Den Feinden einer neuen Zeit gegen- tiber erklarte er, nicht einmal den norwe- 
gischen Englandfreunden zuliebe werde sich das Rad der Geschichte zurtickdrehen. 

Einen bedeutsamen Tag beging am 24. Mai die Nasjonal Samling. Von Oslo kommend besuchte an 
diesem Tage zusammen mit Vidkun Quisling Reichsfuhrer SS Himmler die erste Division norwegi- 
scher SS-Manner, die im Laufe der letzten Monate auf einem deutschen Truppenubungsplatz ausge- 
bildet worden war. Mit herzlichen Worten wandte sich Reichsfuhrer SS an die norwegischen Kamera- 
den: „Wenn ihr vom Einsatz heim- kommt, so werdet ihr Zeugen und Ktinder sein fur die groBe ger- 
manische Gemeinschaft. Denn ihr werdet sagen konnen, an der Gestaltung Europas haben wir mit der 
Waffe in der Hand teilgenommen ! " Vidkun Quisling uberbrachte seinen jungen Mitkampfern die Grii- 
Be der Heimat und sagte ihnen, daB der EinfluB ihrer Bewegung, der Nasjonal Samling, in Norwegen 
von Tag zu Tag zunehme. Wenn sich das Verstandnis fur die neue Zeit in Norwegen langsam Bahn 
bricht, dann ist dies nicht zuletzt dem deutschen Bemuhen zu verdanken, alle Gebiete der revolutiona- 
ren nationalsozialistischen Lebensgestaltung dem norwegischen Volke nahezubringen. Unter diesem 
Gesichtspunkte muB auch eine Ausstellung der Deutschen Arbeitsfront genannt werden, die am 15. 
Mai in Oslo eroffnet wurde. Sie zeigt Leistungen der Sozialfursorge, Siedlungshauser und zweckma- 
Bige Inneneinrichtungen, vermittelt einen Eindruck von der Aktion Schonheit der Arbeit und den zahl- 
reichen Moglichkeiten des deutschen Volksbildungswerkes und der NS -Gemeinschaft Kraft durch 
Freude. 

Nicht unerwahnt durfen auch bleiben die zahlreichen Reisen von maBgebenden Norwegern nach 
dem Reich. So folgten funfzehn Ftihrer der Nasjonal Samling einer 14tagigen Einladung von Reichs- 
organisationsleiter Dr. Ley zu einer Deutschlandreise. 

Nicht zuletzt hat auch die „Deutsche Zeitung in N o r w e g e n" in der Zeit ihres einjahrigen Beste- 
hens ein Wesentliches dazu beigetragen, deutsches Denken verstandlich zu machen und das politische 
Wollen des nationalsozialistischen Deutschlands den Norwegern nahezubringen. Das Blatt ist zur 
zweitgroBten Zeitung Norwegens geworden. Fur die Jubilaumsnummer am 20. Mai haben namhafte 
Manner, unter diesen Reichskommissar Terboven, der Wehrmachtsbefehlshaber von Norwegen, Gene- 
raloberst von Falkenhorst, und Reichspressechef Dr. Dietrich Beitrage zur Verfugung gestellt. 

Im ElsaB und in Lothringen macht der deutsche Kulturaufbau weiterhin auch im Kriege seine Fort 

108 schritte. In S t r a B b u r g ist die Erneuerung der Universitat fast schon vollendet. Das StraBburger 
Theater riistet sich, seine weitgesteckten Plane in die Wirklichkeit umzusetzen. Es ist das Ziel aller 
Verantwortlichen, daB StraBburger Theater zu einer reprasentativen Reichsbuhne zu erheben. Die 
Verpflichtungen fur Schauspieler, Orchester sind in die Wege geleitet. Man vergewisserte sich auch 
namhafter Krafte aus dem Reich zu Gastspielen. In Metz zeigen sich ebenfalls die ersten Ansatze einer 
neuen Bliite im kulturellen Leben dieser Stadt. Aus dem Wehrmachtstheater entwickelt sich langsam 
eine Btihne, an der die gesamte Bevolkerung Anteil nimmt. In der nachsten Spielzeit wird man sich 
der Pflege der Klassiker und des Gegenwartsdramas widmen. Die Griindung einer Tanzakademie ist in 
Aussicht genommen. Das Musikleben hat eine Keimzelle in der neugebildeten Kammermusikvereini- 
gung gefunden. 

Generalgouverneur Dr. Frank hat in seinem Aufbauprogramm die kulturelle Betreuung des Landes 
aufgenommen. Ihr dient, soweit die deutsche Fuhrerschicht in Frage kommt, das Institut fur deutsche 



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Ostarbeit und die Krakauer Volksbildungsstatte der NSDAP. Unter deutscher Flihrung soil aber auch 
das volkische Eigenleben Polens wieder erstarken. So beginnt man das Schulwesen des 14 Millionen 
zahlenden Generalgouvernements neu zu ordnen. Die Philharmonie des Generalgouvernements, be- 
stehend aus Professoren und Lehrern polnischer Musikschulen und Instrumentalisten frliherer Posener 
und Warschauer Orchester, hat ihre Konzerttatigkeit unter dem Mtinchner Dirigenten Dr. Hanns Rohr 
aufgenommen. — Am 8. Mai wurde im Institut fur deutsche Ostarbeit eine Veit-StoB-Ausstellung 
eroffnet, der durch Generalgouverneur Dr. Frank das Geleitwort gegeben wurde. In seiner Rede ver- 
kiindete Dr. Frank, daB er in Krakau eine „Veit-StoB-Akademie fur Bildende Ktinste" ins Leben rufen 
werde, ferner einen Preis von 50 000 Zloty fur hervorragende deutsche Kunstleistungen im General- 
gouvernement gestiftet habe. 

Am 11. Mai hatte die diesjahrige Buchhandler-Kantate in Leipzig ihren Hohepunkt. Vor fuhrenden 
Mannern des Geisteslebens der Partei und der Wehrmacht legte Reichsleiter Baldur von Schirach ein 
heiBes Bekenntnis des Zusammengehorens von Jugend und Buch ab. Er wtirdigte die Bedeutung der 
deutschen Sprache fur die Wesensbildung des deutschen Volkes. In bedeutsamen Ausfuhrungen 
befaBte sich Baldur von Schirach mit der notwendigen Verbindung von schopferischer Einsamkeit und 
dem Gemeinschaftsleben und erklarte: „Gerade die Polaritat von Einsamkeit und Gemeinschaft schaf- 
fe erst die schopferische Spannung, in der zu leben eine Lust und in der zu handeln eine Erlosung be- 
deutet. Der Gedanke ist einsam, aber seine Durchfuhrung kann das Werk der Gemeinschaft sein, und 
ohne Gemeinschaft 
109 scheint uns heute alles Denken sinnlos." Am SchluB seiner Rede richtete Baldur von Schirach einen 
Appell an die Verleger, neben den Werken der GroBen die Erstlingswerke der Kommenden nicht zu 
vergessen. 

Am Sonntag, den 25. Mai, sendete der GroBdeutsche Rundfunk das 75. Wehrmachtswunschkonzert, 
das letzte vor der Sommerpause. Heinz Goedecke gab dabei einen Ruckblick, eine stolze Bilanz: In 75 
Wunschkonzerten wurden insgesamt 52 797 Soldaten und Wehrmachtseinheiten genannt, die Geburt 
von 9297 Kindern wurde angezeigt. An Geldspenden allein gingen 15 477 375 RM. ein. Vom ersten 
bis zum letzten Wunschkonzert hat diese Veranstaltung des GroBdeutschen Rundfunks die Anteilnah- 
me und den Beifall von Front und Heimat gehabt. 

Auf Veranlassung von Reichsminister Dr. Goebbels sendet der GroBdeutsche Rundfunk ab 23. Mai 
allabendlich drei verschiedene Rundfunkprogramme, um sowohl dem einfachen wie auch dem an- 
spruchsvollen Horer Auswahl zu bieten. Wer die umfangreichen Kriegsaufgaben des Rundfunks 
kennt, wird diese kulturelle Leistung der deutschen Sender und ihrer politischen Flihrung zu wlirdigen 
wissen. 

Im Bereich des GroBdeutschen Rundfunks sind verschiedene Anderungen durch Reichsminister Dr. 
Goebbels verfugt worden. Eine Veroffentlichung vom 8. Mai verklindet, daB der bisherige stellvertre- 
tende Intendant des Deutschen Kurzwellensenders, Dr. Toni Winkeinkemper, zum Auslandsdirektor 
der Reichsrundfunkgesellschaft, der bisherige Abteilungsleiter Horst C 1 e i n o w zum stellvertreten- 
den Intendanten des Deutschen Kurzwellensenders, der bisherige Leiter des Drahtlosen Dienstes, Wal- 
ter Wilhelm D i 1 1 m a r , zum Intendanten der deutschen Europasender und Sendeleiter Dr. Harald 
Diettrich zum Auslandsinspektor der Reichsrundfunkgesellschaft ernannt wurde. 





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110 Deutschlands Politik und Kriegfuhrung hat die nach der Winterpause im April steil aufwarts 

gerichtete Kurve der Aktion und des Erfolges, liber die der Fiihrer am 4. Mai vor dem Reichstag sei- 
nen stolzen Bericht gegeben hat, im Mai fortgesetzt. Am 20. Mai begann die Eroberung Kretas, das 



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die Englander nach dem Ausbruch des italienisch-griechischen Konfliktes besetzt hatten, durch Luft- 
landetruppen von den Flugplatzen Griechenlands aus. Am 1. Juni konnte die vollige Besetzung der 
Insel und das Ende der Kampfhandlungen gegen die griechischen und Empiretruppen verkundet wer- 
den. 

Damit war eine Kriegshandlung abgeschlossen, die Deutschlands Kriegflihrung auf der Hohe wahr- 
haft revolutionaren Handelns gezeigt hat. Die Eroberung eines so groBen Landgebietes auf eine so 
groBe Entfernung liber See und durch die Luft hat erneut erwiesen, daB die Auswertung der neuen 
Kriegsmittel und die Einstellung der Strategic auf die neuen technischen Moglichkeiten nur von der 
deutschen Kriegflihrung erkannt worden sind. Die Luftmacht hat sich beim Kampf in engen Gewas- 
sern der Seemacht uberlegen gezeigt. 

Von englischer Seite wurde in einer Ubersicht tiber die Kriegslage am 21. Mai darauf hingewiesen, 
der Kampf um Kreta sei nur ein Teil der Schlacht um Suez, die die Achsenmachte von Libyen aus und 
aus der Richtung des Agaischen Meeres zu gewinnen suchten. Es sei die wichtigste Schlacht des gan- 
zen Krieges, und die Aussichten fur England wiirden duster sein, wenn Deutschland sie gewinnen 
wurde. Die Seeherrschaft der englischen Flotte im Mittelmeer sei in diesem Kampf der wichtigste 
Faktor zugunsten Englands. 

Die Seeherrschaft Englands im Mittelmeer ist jetzt bedroht. Ihre Stiitzpunkte konnen von Libyen 
und von den Inseln des Agaischen Meeres aus angegriffen werden. Eine mindestens zeitweilige 
SchlieBung des Suezkanals durch Luftangriffe ist moglich und hat sich bereits ereignet. Die Zersto- 
rung der Brennstofftankanlagen in Haifa und Alexandria, kombiniert mit einer Unterbrechung des 
Schiffsverkehrs im Suezkanal, wurde die englische Flotte im ostlichen Mittelmeer der Aktionsfahig- 
keit berauben, weil ihr bald der Brennstoff fehlen muBte. Die Eroberung Kretas bedeutet andererseits 
den AusschluB Englands aus dem Agaischen Meer und die Unmoglichkeit fur die Englander, mit 
Handelsschiffen ins Schwarze 
111 Meer zu gelangen, wahrend fur die Achsenmachte nunmehr der Seeweg vom Schwarzen Meer durch 
die Agais und den Golf von Korinth nach der Adria moglich wird, was besonders fur Italiens Versor- 
gung mit Treibstoff wichtig ist. 

Die historische Mittelmeerstellung Englands ist durch die Ereignisse der Monate April und Mai 
stark reduziert und schwer bedroht. Die Vision eines englandfreien Europas, das durch ein england- 
freies Mittelmeer mit einem englandfreien Vorderen Orient und Nordafrika in Verbindung steht, hebt 
sich zu Beginn des letzten Viertels des zweiten Kriegsjahres liber den Horizont der politischen und 
militarischen Wirklichkeit. Man kann sich unschwer ausmalen, was die Verwirklichung dieser Vision 
fur England, fur die Achsenmachte und fur die weitere Entwicklung des Krieges, besonders auch im 
Hinblick auf Englands Blockade und die Gegenblockade der Achsenmachte bedeuten wurde. Der Ring 
Englands um die Stellung der Achsenmachte, der liber Gibraltar, Malta, Kreta, Vorderer Orient liegt, 
ware zerbrochen, England aus gewaltigen Gebieten ausgeschlossen, die mit alien ihren Erzeugnissen 
nur mehr den Achsenmachten zur Verfugung standen. 

Die am 14. Mai bekanntgegebene Warnung der Reichsregierung vor dem Befahren des nordlichen 
Teiles des Roten Meeres (siehe Seite 71), die Antwort auf die Freigabe dieses Seegebietes fur die 
USA-Schiffahrt durch eine Erklarung Roosevelts vom 10. April, ist in diesem Zusammenhang zu be- 
achten. 

Mit dem Vordringen der Achsenmachte im ostlichen Mittelmeerraum geht die weitere innere Kon- 
solidierung ihrer Kontinentalstellung einher. Der Balkan ist dem politischen System der Achse nun- 
mehr ganz eingegliedert. Der neuerstandene kroatische Staat, mit dem Deutschland am 13. Mai einen 
Staatsvertrag liber die Festlegung der Grenze abschloB, und mit dem am 18. Mai entsprechende Ab- 
kommen durch Italien erfolgten, hat mit einem Umfang von etwa 115 000 qkm und einer Einwohner- 
zahl von sieben Millionen hierbei eine besondere Bedeutung. Im Westen hat Frankreich, das so lange 
gezogert hat, seitdem in Montoir der erste grundsatzliche Schritt zur Zusammenarbeit mit Deutschland 
getan worden war, durch das Abkommen vom 7. Mai und durch die Besprechung Darlans mit dem 
Fiihrer am 13. Mai den Weg der Eingliederung in das neue Europa praktisch betreten. Der Kontinent 
schlieBt sich immer mehr zusammen. 

Am 22. Mai konnte der zweite Jahrestag des Abschlusses des deutsch-italienischen Bundnisses, des 
stahlernen Paktes, wie er in Italien mit Vorliebe genannt wird, gefeiert werden. Die beiden seit dem 
PaktabschluB verflossenen Jahre gehoren zu den denkwlirdigsten der Geschichte Europas. Sie haben 
die Struktur des Kontinents griindlich geandert. Das politisch-militarische Bundnis der Achsenmachte 
hat sich als 



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112 ein Instrument von ungeheurer Durchschlagskraft erwiesen und ist zum politischen Kern eines neuen 
Europas geworden. Es ist ein seltsames Zusammentreffen, daB im gleichen Monat, am 10. Mai, sich 
der Beginn der deutschen Westoffensive des Jahres 1940, durch die die Achse in Westeuropa sich 
Raum schuf, zum ersten Male jahrt. 

Die Kampfgemeinschaft der Achsenmachte ist in und um Kreta besonders wirksam geworden. Sie 
hat von deutscher Seite ihre besondere Anerkennung gefunden. In der Cyrenaika, vor Tobruk und an 
der Grenze Agyptens ist diese Kampfgemeinschaft weiter erprobt worden. In Italienisch-Ostafrika hat 
der Ftihrer der italienischen Streitkrafte, der Herzog von Aosta, mit dem Hauptteil der noch iibrigen 
Truppen den Kampf aufgeben miissen, der jedoch von zwei weiteren italienischen Kampfgruppen 
gegen groBe feindliche Uberlegenheit zah fortgesetzt wird. Auch der Gegner hat die Tapferkeit der 
italienischen Truppen durch die ehrenvolle Form, in der sich die Ubergabe vollzog, anerkannt. Der 
Herzog von Aosta und der Duce haben in einem letzten Telegrammwechsel die GewiBheit der Erwar- 
tung ausgesprochen, daB die jetzt verlorengegangenen Gebiete wieder gewonnen werden. Ihr Schick- 
sal wird selbstverstandlich durch den Ausgang des Kampfes mit England im ganzen entschieden wer- 
den. 

Italien hat durch die Eingliederung der Provinz L a i b a c h ins italienische Konigreich und durch 
die Abmachungen mit Kroatien iiber die gegenseitige Grenzfestsetzung das politische Ergebnis seines 
Kampfes um den Balkan eingebracht. Die Provinz Laibach erhalt mit autonomer Verwaltung unter 
einem Oberkommissar, ohne Militardienstpflicht der slowenischen Bevolkerung und mit weitgehen- 
der Kulturautonomie eine Sonderstellung im Rahmen des italienischen Staates. Kroatien wird eine 
Monarchic unter einem Zweige des Hauses Savoyen. Die MaBnahmen, die der neue Staat hinsichtlich 
seiner Organisation und seines Aufbaues bisher getroffen hat, zeigen, daB er hierbei das politische und 
wirtschaftliche Gedankengut der Achse zugrundelegt. Am 18. Mai wurde eine Gruppe von Abkom- 
men zwischen Italien und Kroatien unterzeichnet, namlich ein Vertrag iiber die Festlegung der Gren- 
zen zwischen Italien und Kroatien, ein Abkommen iiber das adriatische Kiistengebiet betreffend mili- 
tarische Zonen, ein Vertrag der Garantie und der Zusammenarbeit, ein Notenaustausch beziiglich der 
Verwaltung der Stadte Spalato und der Insel Kurzola und ein SchluBprotokoll. Der gegen Italien be- 
griindete jugoslawische Staat, oder wie er urspriinglich hieB, das Konigreich der Serben, Kroaten und 
Slowenen, und die Erfindung einer „siidslawischen Nation", haben ihr Ende gefunden. Der Faschis- 
mus hat das Ziel, die Adria politisch und militarisch 

113 zum mare nostra zu machen, erreicht. Der siidslawische Traum ist ausgetraumt. Die Slowenen treten 
als autonome Provinz in den Verband des italienischen Staates, die Kroaten werden eine durch die 
Verwandtschaft des Herrscherhauses und durch politische Vertrage eng mit Italien verbundene Mon- 
archic, und die Serben werden ein ihrer Volkszahl entsprechendes Eigenleben fiihren. Die adriatische 
Kiiste ist militarisch in der Hand Italiens. Montenegro und Albanien sind weitere Glieder fur Italiens 
Sicherheit auf dem Balkan. 

Von den drei Halbinseln, mit denen sich der europaische Kontinent nach Siiden erstreckt, dem Bal- 
kan, Italien und der Pyrenaen-Halbinsel, sind die beiden ersteren nunmehr der politischen und militari- 
schen Einwirkung Englands entzogen. Die Pyrenaen-Halbinsel, an deren Siidende die englische 
Zwingburg Gibraltar liegt, und deren westlicher Teil Portugal das alteste Biindnis der Geschichte mit 
England verbindet, hat sich aus der geistigen Horigkeit Englands ebenfalls gelost. Ihre beiden Staaten 
sind, Portugal seit dem Mai 1926, Spanien seit dem Biirgerkriege, autoritar. Beide Staaten stehen des- 
halb, jeder auf seine Weise, in der groBen Auseinandersetzung der Gegenwart ideologisch auf der 
Seite des neuen Europa gegen die Angelsachsen. Dies gilt auch hinsichtlich der Lagerung der politi- 
schen Interessen. 

Es kann keinem Zweifel unterliegen, daB weder der Staat Salazars, noch der Francos einen Sieg der 
Angelsachsen iiberleben wurde. Jene Krafte, die in Portugal durch das ebenso weitblickende wie zahe 
Wirken Salazars ausgeschaltet wurden und niedergehalten werden, und die in Spanien durch einen 
beinahe dreijahrigen Krieg aus der Macht geworfen wurden, wurden wieder zur Macht gelangen und 
mit ihnen innere Zerrissenheit, auBere Machtlosigkeit und englische Gefolgschaft. Das wissen die 
Fiihrenden in Madrid und Lissabon sehr wohl, ebenso, daB der angelsachsische Imperialismus sich 
anschickt, ihnen die letzen geistigen und moralischen Positionen, die sie noch in ihren friiheren Kolo- 
nialreichen in Slid- und Mittelamerika besitzen, streitig zu machen. 

Diese Situation hat im Monat Mai durch verschiedene Ereignisse eine bemerkenswerte Beleuchtung 
erfahren. Als der zum AuBenminister seines Landes ernannte bisherige Botschafter Argentiniens in 
Rom, Ruiz G u i n a z u , auf der Heimreise durch Madrid und Lissabon kam, wurde er ostentativ ge- 



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feiert. Auf einem ihm am 2. Mai vom portugiesischen Ministerprasidenten Salazar gegebenen Essen 
sagte dieser: „Fiir uns alle, die beiden Staaten der Pyrenaen-Halbinsel, wie die Lander Latein- 
Amerikas gibt es ein gemeinsames Erbe an Traditionen, Anschauungen und Idealen, und damit geisti- 
ge Bande, die die Jahrhunderte iiberdauern, und Sympathien und Freundschaften, die in ihrem Kern 
auch von Zeitstromungen nicht 

114 beriihrt werden. Von dem jetzt so aufgewiihlten Europa aus scheint es, als wenn der Atlantische Ozean 
die lateinischen Lander Amerikas von ihm trennt, und doch konnen wir sie nur als zu ihm gehorig 
betrachten. Ohne sie ware Europa nur ein geographischer Begriff ohne geistigen Gehalt, weil fiir den 
schopferischen Geist und die Vitalitat Europas durch Jahrhunderte kein besserer und reicherer Zeuge 
existiert, als die gegenwartig hier versammelten Nationen, die wirklich Fleisch seines Fleisches und 
Blut seines Blutes sind. Im Grunde sind wir alle eine groBe Familie." 

Der flihrende Staatsmann Portugals hat damit Gedanken geauBert, wie sie vom spanischen AuBen- 
minister, wenn er tiber das Problem Hispanitat sprach, mehrfach zum Ausdruck gebracht worden sind. 
Die beiden Staaten der iberischen Halbinsel wollen nicht, daB ihr historisches Verdienst der Entdek- 
kung, ErschlieBung und Besiedlung von Slid- und Mittelamerika, die groBte Leistung, die sie auBer- 
halb des Mutterlandes vollbracht haben, ihnen von den Nordamerikanern sozusagen weggenommen 
wird, daB im Namen eines durchsichtigen USA-Interessen dienenden Panamerikanismus eine vollige 
Eingliederung der ibero-amerikanischen Welt in die der USA erfolgt. Denn es liegt auf der Hand — 
und die intensiven Bemuhungen der USA, auch kulturpolitisch die Ibero-Amerikaner zu uberfremden, 
beweisen es — , daB auch die aus den Mutterlandern uberkommenen Werte auf dem Spiele stehen. Die 
kulturelle Uberfremdung durch die Vereinigten Staaten wtirde auch die letzte Geltung, die Spanien 
und Portugal von ihrer Kolonisationstatigkeit in Amerika geblieben ist, in Frage stellen. 

Portugal hat aber gegenuber den Vereinigten Staaten noch unmittelbarere Sorgen. Am 9. Mai sah 
sich die portugiesische Regierung veranlaBt, in einer offiziellen Erklarung gegen in den Vereinigten 
Staaten lautgewordene Bestrebungen auf Besetzung der Kapverdischen Inseln und der Azoren Stel- 
lung zu nehmen. Die Erklarung schloB mit folgenden Feststellungen: „Der portugiesischen Regierung 
ist bisher kein Antrag oder Vorschlag bezuglich einer eventuellen Benutzung irgendwelcher Hafen 
oder Stutzpunkte der portugiesischen Kiiste oder Inseln durch irgendeinen der Kriegfuhrenden gegen 
den anderen oder durch dritte Staaten gemacht worden. Die Regierung hat sich mit der Verteidigung 
der drei Inselgruppen des Atlantik beschaftigt, und die bestehenden Einrichtungen verstarkt als Besta- 
tigung ihrer Souveranitat, aber auch um einem Angriff Widerstand leisten zu konnen, obwohl sie ihn 
nicht erwartet." Am 5. Mai wurde der erste von mehreren Transporten von Artillerie- und Infanterie- 
Einheiten nach den Kapverdischen Inseln, und am 23. Mai weitere Truppenverstarkungen nach den 
Azoren von Lissabon abgesandt. Portugal 

115 ist also offenbar nicht geneigt, dem Imperialismus der Angelsachsen seine Inselstellung im Atlantik 
kampflos preiszugeben. 

Am 28. Mai konnte Portugal den funfzehnten Jahrestag der Beseitigung des parlamentarisch- 
demokratischen Systems und des Ubergangs zum autoritaren Staat feierlich begehen. Das Regierungs- 
blatt „Diario da Manna" stellte dazu fest, die Revolution sei noch nicht abgeschlossen, sondern gehe 
weiter, bis auch der letzte Portugiese zum neuen Staat gefunden habe. Aus dem korrupten System des 
demokratisch-liberalistischen Niederganges habe Portugal durch diese Revolution sich selbst den Weg 
zu neuer GroBe und nationaler Wtirde geoffnet. 

Ein Jubilaum anderer Art beging Spanien am 2. Mai, dem Jahrestag seiner Erhebung gegen Napole- 
on. Der spanische AuBenminister hielt dabei eine Rede mit heftigen Angriffen gegen die Plutokratien 
und ihre Machenschaften in Spanien, und betonte, diejenigen, die Spanien zweihundert Jahre lang 
ihren Willen aufzwangen, hatten kein Wort mitzureden, wenn Spanien sein Schicksal heute selbst in 
die Hand nehme. 

In solchen Ereignissen und AuBerungen leuchtet eine iberische Schicksalsgemeinschaft auf, die zu- 
gleich eine europaische ist. Sie reicht als iberische und europaische hinuber tiber den Atlantik nach 
Siid- und Mittelamerika. Im weiteren Verlaufe der gegenwartigen groBen Auseinandersetzungen wird 
auch die Schicksalsfrage der iberischen und der ibero-amerikanischen Volker eine Antwort linden. 

Zur europaischen Schicksalsfrage, die allmahlich klarer auch als die eigene erkannt wird, hat Frank- 
reich im Monat Mai eine realistischere Einstellung gefunden. Sie hat sich nach geraumem Zogern zur 
praktischen Zusammenarbeit entschlossen. Das deutsch-franzosische Abkommen vom 7. Mai und der 
Besuch Darlans beim Fuhrer vom 13. Mai wurden schon erwahnt. Marschall P e t a i n hat in einer 
Rundfunkansprache am 16. Mai einen ebenso schlichten wie dringlichen Appell an das franzosische 



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Volk gerichtet, ihm auf dem Wege der Zusammenarbeit mit Deutschland als dem „der Ehre und des 
nationalen Interesses" zu folgen: „Wenn es uns gelingt, die im Gange befindlichen Verhandlungen bei 
einer straffen Disziplin unserer offenflichen Meinung zum Guten zu fiihren, kann Frankreich seine 
Niederlage iiberwinden und sich in der Welt den Rang einer europaischen und Kolonialmacht erhal- 
ten", so schloB der Marschall. Der stellvertretende franzosische Ministerprasident, D a r 1 a n, wandte 
sich am 23. Mai an die Franzosen. Er dementierte zunachst verschiedene Geriichte iiber angebliche 
deutsche Forderungen und sagte, von dem Wege, auf den Frankreich sich begebe, hange seine Ge- 
genwart und seine Zukunft ab. Es werde den Frieden bekommen, den es sich selbst erwerbe, und in- 
nerhalb der europaischen Organisation den Platz ein 

116 nehmen, den es sich selbst vorbereite. Frankreich habe in der Vergangenheit sich dazu hinreiBen 
lassen, fremde Interessen zu verteidigen und eine zusammenhanglose Politik gefuhrt. Jeder habe die 
Pflicht, jetzt Petain zu folgen und die Politik der Zusammenarbeit zu unterstiitzen. Noch deutlicher 
wurde Darlan in einem Interview mit der Zeitschrift „Gringoire" vom 29. Mai. „England hat diesen 
Konflikt angestiftet. Wir waren nur ein Spielzeug in seinen Handen. Von 1919 bis 1936 hat England, 
getreu seiner jahrhundertelangen Politik, allae getan, um Frankreich daran zu hindern, aus seinem Sieg 
zu profitieren." Darlan, der als einer der Schopfer der modernen franzosischen Flotte zu gelten hat, 
machte anschlieBend Angaben iiber die Bemiihungen der Englander, den Ausbau der franzosischen 
Flotte nach dem Weltkrieg hintan zu halten. Diese Bemiihungen sind bekannt, neu ist jedoch die Mit- 
teilung Darlans, daB die Englander noch nach 1936 die franzosischen Flottenbauplane durch direkte 
Einwirkung auf das franzosische AuBenministerium zu durchkreuzen versucht haben. 

Die Hinwendung der franzosischen Politik zur praktischen Zusammenarbeit mit Deutschland und 
zur Bejahung des neuen Europa hat zu scharfen Reaktionen in London und Washington gefuhrt. Eng- 
lische Flugzeuge warfen iiber Syrien Flugblatter mit der Aufforderung zum Abfall von Vichy und zum 
AnschluB an de Gaulle ab. Bald folgten Bombenabwiirfe auf syrische Flugplatze und auf die Hafen 
von Beirut in Syrien und auf S f a x in Tunis. Im englischen Unterhaus erklarte der Unterstaatssekretar 
im Foreign Office, kiinftig wiirden Navicerts fur franzosische Schiffe nicht mehr ausgegeben. Die 
englische Presse drohte mit Bombenangriffen auf das unbesetzte Frankreich, de Gaulle erlieB Aufrufe 
an die Bevolkerung Syriens und gegen die Zusammenarbeit mit Deutschland. Der franzosische Ober- 
kommissar in Syrien, General D e n t z, erklarte demgegeniiber am 19. Mai, er sei beauftragt, die Stel- 
lung Frankreichs in der Levante zu verteidigen. Gewalt werde mit Gewalt beantwortet werden. 

Beinahe symbolisch erscheint es, daB im Rahmen der Gedenkfeiern am Tage der Jeanne d'Arc am 
11. Mai die in Orleans wiederhergestellte Loire-Briicke, bei der Jeanne d'Arc im Kampf gegen die 
Englander verwundet wurde, wieder auf ihren alten Namen „Pont de Tournelles" umgetauft wurde. 
Das englandhorige Frankreich hatte sie vor Jahren auf englische Veranlassung „King George V.- 
Briicke" getauft! 

Da Roosevelt sich in der Rolle des englischen Sekundanten um jeden Preis und bei jeder Gelegen- 
heit gefallt, hat der EntschluB Vichys zur praktischen Zusammenarbeit mit Deutschland natiirlich das 
starkste MiBfallen in Washington erregt. Roosevelt beantwortete die erwahnte Rundfunkansprache 
Petains am 16. 

117 Mai mit einer Erklarung, in der er sich auf den deutsch-franzosischen Waffenstillstand berief, wie 
wenn er durch ihn Rechtsanspriiche an Frankreich erworben hatte, die es Frankreich verboten, eine 
Politik der Zusammenarbeit mit Deutschland zu betreiben. Er appellierte an das franzosische Volk 
gegen die eigene Regierung und konstruierte eine „Bedrohung fiir Friede und Sicherheit der westli- 
chen Hemisphare" aus einem Zusammengehen Frankreichs mit Deutschland. Gleichzeitig mit dieser 
Erklarung wurden zehn in amerikanischen Hafen liegende franzosische Schiffe, darunter das groBte 
Schiff der franzosischen Handelsflotte, die „Normandie", militarisch besetzt. Am 21. Mai erfuhr man 
aus New York, die amerikanische Regierung sei an die franzosische mit dem Verlangen herangetreten, 
sie miisse ihre Zukunftsplane gegeniiber Deutschland mitteilen. Hull habe dem franzosischen Bot- 
schafter eroffnet, die einzige Hoffnung auf eine Wiederherstellung der guten Beziehungen zwischen 
Frankreich und Nordamerika sei eine schriftliche Verpflichtung der franzosischen Regierung, sich in 
Zukunft bei den Verhandlungen mit Berlin streng an das Waffenstillstandsabkommen vom Juni 1940 
zu halten. Das bedeutet also, die Vereinigten Staaten verlangen von Frankreich, es solle seine Politik 
kiinftig unter die Aufsicht Washingtons stellen. Das MaB der Einmischung in die europaischen Ver- 
haltnisse von selten Roosevelts hat wirklich einen Grad erreicht, der kaum noch gesteigert werden 
kann! Die franzosische Regierung hat es denn auch an einer scharf ablehnenden Gegenerklarung nicht 
fehlen lassen. Die franzosische Presse unterstrich Roosevelts Mitverantwortung an Frankreichs Un- 



;liiiisirlill,iii<i tm^amirF 25 

gliick. Angesichts der in den Vereinigten Staaten lautgewordenen Absicht auf Wegnahme der franzo- 
sischen Besitzungen im Karibischen Meer erhielten die franzosischen Land-, See- und Luftstreitkrafte 
auf Martinique den Befehl, die notwendigen MaBnahmen zur Verteidigung der Inse3n gegen einen 
eventuellen Angriff der Vereinigten Staaten zu ergreifen. Dies erklarte auch der franzosische 
Botschafter Staatssekretar Hull in aller Form. Botschafter de Brinon erklarte gegenuber 
amerikanischen Pressevertretern, wenn die Vereinigten Staaten Dakar zu nehmen beabsichtigten, 
miiBten sie das mit Gewalt tun. Wenn die USA in den Krieg eintreten wtirden, wtirde die gemeinsame 
Aufgabe Europas darin bestehen, auch eine gemeinsame Verteidigung zu organisieren. 

Marschall P e t a i n und seine Regierung sind also offenbar willens, sich von dem friiheren Ver- 
biindeten, der Frankreich im Sommer 1940 im Stich lieB, und von den Kriegshetzern in USA nicht die 
Linie ihres Handelns vorschreiben zu lassen, sondern diese nach dem nationalen franzosischen Inter - 
esse festzulegen. Dieses Interesse fordert aber das Zusammengehen mit Deutschland und die Einglie- 
derung in das neue Europa. 

118 Es ist nur logisch, daB die franzosische Regierung gegen die im englischen Solde stehende 
Verraterbewegung des Generals de Gaulle im Wege der Strafverfolgung und mit anderen Mitteln vor- 
geht. De Gaulle und seine Anhanger versuchen durch Aufrufe und sonstige Propaganda die franzosi- 
schen Truppen in Syrien zum Abfall von Vichy zu bringen. Sie sind ferner bemtiht, mit Hilfe der eng- 
lischen Propagandamittel auch auf die Franzosen in Frankreich unmittelbar einzuwirken. In Vichy hat 
man dagegen wiederholt scharf reagiert. Der Staatssekretar fur die Kolonien, Admiral P 1 a t o n, konn- 
te in einem Presseinterview vorn 28. Mai die beruhigende Feststellung machen, daB nur ein Sechzehn- 
tel der Bevolkerung des franzosischen Kolonialreiches von der Bewegung de Gaulles erfaBt worden 
sei, und daB man diese schon seit dem Herbst 1940 als bezwungen ansehen konne. Tatsachlich hat de 
Gaulle nur in solchen Gebieten Erfolg gehabt, in denen er von den Englandern militarische und sonsti- 
ge Unterstiitzung erhalten konnte, und wo nur geringe franzosische militarische Krafte vorhanden 
waren. 

Im Innern hat Frankreich das Judenproblem energischer angefaBt. Man will 125 000 auslandische 
Juden, die sich in Paris und Umgebung aufhalten, ausweisen. Das gleiche beabsichtigt man mit den 
175 000 auslandischen Juden in der besetzten und unbesetzten Zone. Botschafter de Brinon, der dies 
mitteilte, ftigte hinzu: „Im Zusammenhang mit der Reorganisierung des neuen Europa miissen die 
Juden aus Frankreich entfernt werden. Wenn sie dies nicht konnen, werden wir sie in besonderen La- 
gern unterbringen." Dies wird verstandlich, wenn die franzosische Zeitschrift „Au Pilori" am 19. Mai 
feststellen konnte, daB der Besitzanteil der Juden bei Bankunternehmungen 57%, im Edelsteinhandel 
45%, im Pelzwarenhandel 56%, bei Feinmanufakturen 61%, im Musikverlag 71%, im Konfektions- 
handel 47% usw. betrug. 

Die neue nach dem Vorbild des Faschismus und Nationalsozialismus geformte Einstellung der Re- 
gierung Petain zu den sozialen Fragen kam am 1. Mai zum Ausdruck. Zum ersten Male wurde dieser 
Tag nicht wie bisher im Sinne marxistischer Klassenkampfideen, sondern im Zeichen des sozialen 
Friedens als Tag der Arbeit gefeiert. Arbeiter und Unternehmer nahmen an den veranstalteten Feiern 
teil. Marschall Petain sprach in einer groBen Versammlung von Arbeitern und Unternehmern. In einer 
Ansprache bezeichnete er die Arbeit als das versohnende Element fur alle Franzosen. Der 1. Mai, bis- 
her ein Symbol der Entzweiung und des Hasses, werde in Zukunft ein Symbol der Einheit und der 
Freundschaft sein. Die Arbeit sei eine Voraussetzung fur die gute moralische und physische Gesund- 
heit. Dies gelte fur den Einzelnen wie fur die Gesamtheit. Die in Vorbereitung befindliche soziale 
Neuordnung mtisse das Prinzip 

119 verlassen, daB der Einzelne isoliert gegenuber dem Staate stehe und Arbeitergewerkschaften und 
Unternehmerorganisationen sich gegeneinanderstellten. Die Neuordnung werde Arbeiter und Unter- 
nehmer in korporativen Gruppen vereinigen. Zum erstenmal erhielten die franzosischen Arbeiter am 1. 
Mai, der Feiertag war, Lohn gezahlt. 

Uber den Wiederaufbau Frankreichs seit dem Waffenstillstand machte Verkehrsminister Berthelot 
am 30. Mai interessante Angaben. Danach sind in Zusammenarbeit mit den deutschen Besatzungsbe- 
horden von 5200 km durch Kriegshandlungen unbefahrbar gewordener Wasserwege bereits 5000 km 
wieder befahrbar, von 2332 gesprengten Bracken 1674 wiederhergestellt. Uber 140 000 Arbeiter sind 
fiir derartige Arbeiten eingesetzt. 

In den Landern Nord-, Ost- und Sudosteuropas sind fur den Monat Mai nur wenige Ereignisse von 
Bedeutung zu verzeichnen. 



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In Schweden hat AuBenminister Giinther am 3. Mai eine Rede iiber die schwedische AuBenpolitik 
gehalten, in der er die Bedeutung eines guten Verhaltnisses zu Deutschland unterstrich. In einer weite- 
ren Rede am 28. Mai liber die AuBenhandelslage Schwedens betonte er die Wichtigkeit des Handels- 
verkehrs mit Deutschland, der einen groBen Teil des infolge des Krieges eingetretenen Ausfalls der 
alten Handelsbeziehungen wettgemachthabe. 

Wie sehr die Schiffahrt der nordischen Lander unter den Auswirkungen der volkerrechtswidrigen 
englischen Seekriegsfuhrung zu leiden hat, ergibt sich aus folgenden Ziffern: die norwegische Han- 
delsflotte hat bisher 186 Schiffe mit 681000 Bruttoregistertonnen, die schwedische 102 Schiffe mit 
392000 BRT und die danische ungefahr 100 000 BRT verloren. 

Die volkerrechtswidrige Besetzung Islands durch englische Truppen hat offenbar Englands angebli- 
chen Kampf fur die freien Volker befruchtet: Das islandische Alting hat am 17. Mai die Aufhebung 
des Bundes mit Danemark beschlossen und die Absicht bekundet, Island zu einer Republik zumachen. 

In Bulgarien konnte Ministerprasident Filoff am 14. Mai in der Kammer feststellen, daB die gluckli- 
che Beendigung des Krieges auf dem Balkan die Befreiung der bulgarischen Gebiete in Thrazien, Ma- 
zedonien und langs der Westgrenze, die sich unter griechischem und serbischem Joch befunden hatten, 
bedeute. Ein machtiges und geeintes Bulgarien von der Donau bis zum Agaischen Meere bedeute die 
Verwirklichung des nationalen Ideals des bulgarischen Volkes, das bei der Festigung der Neuordnung 
im Sudosten Europas eine wichtige Aufgabe zu erfullen habe. 

In RuBland wurde am 6. Mai bekanntgegeben, daB Molotow auf seinen Wunsch von der Erfullung 
der 

120 Pflichten des Vorsitzenden des Rates der Volkskommissare entbunden worden sei, daB Stalin den 
Vorsitz des Rates der Volkskommissare ubernommen habe, und daB Molotow zum stellvertretenden 
Vorsitzenden ernannt worden sei. Damit hat der machtigste Mann der Sowjetunion, der Stalin schon 
seit langen Jahren unbestreitbar ist, auch die nach auBen wichtigste politische Stellung, die Minister- 
prasidentschaft, ubernommen. 

Am 12. Mai hat die Sowjetunion mit dem inzwischen in den Krieg mit England eingetretenen Irak 
offizielle diplomatische Beziehungen aufgenommen. 

Fur England war auch der Monat Mai ein ausgesprochen schlechter Monat, der schwere MiBerfolge 
gebracht hat. Obwohl das englische Parlament mit Rucksicht auf die Wirkung im Auslande von dem 
Recht auf Kritik nur noch einen bescheidenen Gebrauch macht, war die Erregung und MiBstimmung 
iiber die dauernden MiBerfolge und Niederlagen so stark geworden, daB in den Parlamentssitzungen 
des 6. und 7. Mai eine heftige Debatte entstand. Das Parlament hatte sich in Spannung und gereizter 
Stimmung versammelt. Lloyd Georg und mehrere andere Redner gaben der MiBstimmung durch eine 
heftige Kritik an der Regierung Ausdruck. Lloyd George gab eine ziemlich realistische Schilderung 
der Lage Englands und der gegenwartigen Machtverhaltnisse und wies nach, wie sehr viel glinstiger 
die Lage Deutschlands heute gegenuber der Zeit des Weltkrieges sei. 

AuBenminister Eden verteidigte Politik und Kriegfuhrung der Regierung. Er schilderte die Entwick- 
lung der Verhaltnisse auf dem Balkan und im Nahen Osten. Die Hauptschuld am Zusammenbruch der 
englischen Politik auf dem Balkan schob er Jugoslawien zu, das unter der Regierung des Prinzen Paul 
sich den englischen Wunschen auf Mobilisierung der Armee versagt habe. Erst nach dem Staatsstreich 
habe die neue Regierung einen wirklichen und dringenden Versuch gemacht, ihre Armeen in Bereit- 
schaft zu bringen. „Aber, so fuhr Eden fort, es war beim besten Willen der Welt schon zu spat gewor- 
den, die Armeen zu mobilisieren und sie dort zu konzentrieren, wo sie die von uns geforderte Unter- 
stiitzung und Hilfe hatten leisten konnen. Und so kam es denn, wie es kommen muBte. Trotz aller Tap- 
ferkeit der jugoslawischen Armee war diese nicht mehr in der Lage, den deutschen VorstoB aufzuhal- 
ten." 

Eden sprach also nicht von der Hilfe, die England Jugoslawien bringen wollte, sondern von der Hil- 
fe Jugoslawiens fur England! Zynischer kann man den Sinn der englischen Politik nicht zum Ausdruck 
bringen. Nach einigen Komplimenten an die Adresse der Tiirkei, Drohungen gegen den Irak und der 
grotesken Behauptung, England kampfe fur die Freiheit der Araber, schloB Eden mit einem dringen- 
den Hilferuf an die Vereinigten Staaten. 

121 Zum AbschluB der Debatte sprach Churchill am 7. Mai. Er suchte sich gegen die Angriffe Lloyd 
Georges und der anderen Kritiker zu verteidigen. Er gab zu, daB der Verlust der britischen Stellung im 
Mittelmeer und im Niltal die schwersten Schlage sein wlirden, die man GroBbritannien zufugen konnte 
England sei jedoch entschlossen, fur diese Stellung zu kampfen und „Kreta und Tobruk bis zum Tode 
und ohne irgendeinen Gedanken an Rlickzug zu verteidigen". Drei Wochen spater war der Rlickzug 



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aus Kreta freilich eine Tatsache. Die Niederlage am Balkan suchte er mit der Bemerkung zu beschoni- 
gen, man habe Griechenland „aus Griinden der Ehre" helfen mlissen. DaB das englische gegeniiber der 
gewaltigen militarischen Uberlegenheit der Achsenmachte von vornherein illusorische Hilfsverspre- 
chen Griechenland uberhaupt erst in den Kampf getrieben hat, verschwieg Churchill naturlich. Auch 
er schloB mit einem Hilferuf an die Vereinigten Staaten. 

An englischen Ministerreden des Monats Mai sind noch die beiden Reden Edens vom 22. Mai im 
Unterhaus und vom 29. Mai im Mansionhaus zu erwahnen. Am 2. Mai griff Eden die Regierung Pe- 
tains wegen der Politik der Zusammenarbeit mit Deutschland scharf an und lieB es an Drohungen nicht 
fehlen. Besonders bezeichnend war Edens Rede vom 29. Mai. Er begann mit einem Lob- und Preisge- 
sang auf Roosevelt wegen seiner Kriegshetzrede vom 27. Mai. die Eden als Ereignis von weltge- 
schichtlicher Bedeutung feierte. Dann folgten wtiste Beschimpfungen gegen Deutschland und die 
deutschen Plane zur Neuordnung Europas, die naturlich als denkbar verwerflich und bose bezeichnet 
wurden. AnschlieBend entwickelte Eden das Zukunftsbild Europas, wie England es nach seinem Siege 
angeblich plant. Dieser typische Vertreter der englischen Gleichgewichtspolitik, d. h. der Politik des 
Gegeneinanderhetzens der europaischen Volker pragte dabei Satze von geradezu monumentaler Ver- 
logenheit wie: „Ein dauernder und internationaler Friede auf dem Kontinent ist unser einziges Ziel." 
Wie dieser Friede fur Deutschland aussehen wtirde, daftir nur folgendes Zitat: „Wir durfen niemals 
vergessen, daB Deutschland der schlimmste Herr ist, den Europa je gekannt hat. Funfmal im letzten 
Jahrhundert hat es den Frieden gebrochen. Niemals darf es in der Lage sein, dies wieder zu tun. Unse- 
re politischen und militarischen Friedensbedingungen werden so abgefaBt werden, daB eine Wiederho- 
lung der deutschen Untaten unmoglich ist." Offenbar ist also Eden der gleichen Meinung wie diejeni- 
gen, die glauben, daB das Versailler Diktat noch viel zu menschlich mit Deutschland verfahren sei. 

Der Erzbischof von Canterbury, der australische Ministerprasident M e n z i e s , der sudafrikanische 
Ministerprasident Smuts und Churchill selbst wiederholten bei den verschiedensten Gelegenheiten 
die 
122 bekannten Phrasen vom Kampf fur die Freiheit, die Zivilisation und gegen Tyrannei und Unfreiheit. Es 
wirkt besonders seltsam, wenn Leute wie Menzies, Vertreter des zuletzt entdeckten aller Erdteile, der 
bisher zur Menschheitskultur nicht einen Namen, nicht eine Schopfung beigetragen hat, gegen das 
Deutschland, das ein Vielfache solcher Namen und Schopfungen aufweisen kann als alle englisch- 
sprechenden Volker zusammen, den Kampf fur die menschliche Kultur durchfechten will ! 

Das A und der englischen Hoffnungen und Wunsche, ist die Hilfe der Vereinigten Staaten. Eng- 
land gibt sich deshalb die groBte Miihe, Roosevelt und seine Leute beim Aufhetzen der offentlichen 
Meinung in USA gegen die Achsenmachte und im Sinne des Kriegseintritts gegen diese zu unterstiit- 
zen. Englands Botschafter in USA, Lord Halifax, unternahm im Mai einen langeren Redefeldzug 
durch den Mittelwesten der Vereinigten Staaten, um der uberwiegend isolationistisch eingestellten 
Bevolkerung klarzumachen, daB die Hilfe fiir England ihre hochste Pflicht sei. Seine zahlreichen bei 
dieser Gelegenheit gehaltenen Reden gipfelten in Satzen wie: „Wir kampfen, um zu verhindern, daB 
die Zivilisation, und zwar die Zivilisation der ganzen Welt, gemordet wird. Das ist eine Angelegen- 
heit, die Amerika sehr ernsthaft angeht. Denn es gibt kein freies Amerika, wenn Europa in Ketten 
liegt." Auch der australische Premier Menzies machte eine Propagandatournee durch die Vereinigten 
Staaten. Der britische Wirtschaftsdelegierte in USA, J. M. Keynes, konstatierte trocken, England sehe 
die sieben Milliarden Dollar, die die Vereinigten Staaten fur die Englandhilfe bereitstellten, nur als 
erste Rate an. Die Summe muBte erhoht werden, und zwar bald. Am 21. Mai erklarte als erste engli- 
sche Zeitung „News Chronicle", jetzt miisse Amerika in den Krieg eintreten, wozu eine amerikanische 
Zeitung bemerkte, hierin spiegele sich das Geftihl der verzweifelt ernsten Lage Englands offenbar 
wider. 

Auch Irland mochten die Englander in ihren Krieg hineinziehen. Aber Irland ist entschlossen, auch 
weiterhin neutral zu bleiben. Am 17. Mai hat de Valera dies erneut bestatigt mit dem Hinzufugen, 
notigenfalls werde Irland sich bis zum auBersten verteidigen. Als die englische Regierung die Absicht 
aussprach, in Nordirland die Wehrpflicht einzufuhren, ging iiber Nord- und Sudirland eine so heftige 
Welle des Protestes hinweg, daB Churchill am 27. Mai im Unterhaus erklarte, die Regierung verzichte 
darauf, „da die Einfuhrung der Wehrpflicht mehr Arger verursachen wtirde als sie wert ist". 

Wie sehr die englischen Schiffsverluste, die im Monat April nach der am 10. Mai in London be- 
kanntgegebenen, wie wir wissen, noch sehr unvollstandigen Ubersicht die groBten seit dem Juni 1940 
waren, die englische Lebenshaltung einschranken, und wie andererseits der Schleichhandel in England 
bltiht, ergibt 



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123 sich aus vielen Meldungen. Die Rationierung wird immer weiter ausgedehnt und ebenso die Ein- 
schrankung. Am 5. Mai wurden Gemiisekonserven und Kase rationiert, am 15. Mai die Herstellung 
von Kakaoprodukten unter Lizenz gestellt, ab 1. Juni die Ausgabe von Zucker fur warme Getranke in 
offentlichen Gaststatten eingestellt. Das Bier ist ebenso knapp wie die Fische, fur die zudem uner- 
schwingliche Preise verlangt werden. Die Kohlenproduktion wird als ungeniigend bezeichnet. Auch 
Benzin ist knapp geworden, so daB einen Tag der Woche samfliche Heereskraftwagen stillgelegt wur- 
den. Der Benzinverbrauch wurde auBerdem allgemein erneut herabgesetzt. 

Die Kriegshetze, die von Roosevelt, Frau Roosevelt, Roosevelts Ministern, Staatssekretaren, Di- 
plomaten, Parteifreunden und journalistischen Mitlaufern in einem unaufhorlichen Crescendo auf das 
Volk der Vereinigten Staaten losgelassen wird, und von der man im April hatte glauben mogen, sie 
konne nicht mehr uberboten werden, hat sich im Mai erneut selbst ubertroffen und geradezu tiber- 
schlagen. Roosevelt hat sich in seiner Rolle als Weltfriedensfeind und Kriegshetzer Nr. 1 erneut besta- 
tigt. 

Wenn man die Reden und Proklamationen Roosevelts und seiner Leute aus dem Monat Mai hinter- 
einander liest und auf sich wirken laBt, greift man sich an den Kopf und fragt, ob man es mit einer 
Produktion aus dem Tollhaus zu tun habe; 

einer so haBerfullten Verzerrung der Tatsachen steht man gegeniiber. Aber, ist es schon Unsinn, hat es 
doch Methode. Allen diesen AuBerungen liegt in gleicher Weise HaB und Feindschaft und eine gera- 
dezu ubermenschliche Fahigkeit der Luge und Verdrehung zugrunde. 

Das Glanzstiick aller bisherigen Leistungen Roosevelts in der HaBpropaganda gegen die Achsen- 
machte und der Kriegshetze ist seine „Rede am Kamin" vom 27. Mai. Diese mehrfach verschobene 
und mit absichtlich gesteigerter Spannung erwartete Rede enthielt nur ganz wenige Gedanken, die aber 
mehrfach variiert und gesteigert wurden. Roosevelt begann mit der Behauptung, der ganze amerikani- 
sche Kontinent sei aufs schwerste bedroht. Schon nahere sich Hitler Afrika und den Inseln im A flan - 
tik, und wenn die „Demokratien" Amerikas ihm nicht zuvorkamen, wurden sie von ihm unterjocht 
werden. Deshalb sei es die nationale Pflicht, Widerstand zu leisten, und ein Teil dieses Widerstandes 
sei es, England zu unterstiitzen. Gegen die Kritiker seiner Kriegspolitik ging Roosevelt mit Anklagen 
und Verdachtigungen vor, um schlieBlich den ganzen verlogenen Phrasenschwall vom Kampf zwi- 
schen Freiheit und Demokratie usw. in Formulierungen zu wiederholen, die auch von den schlimmsten 
Entgleisungen der Ententepropaganda es 

124 Weltkrieges kaum ubertroffen worden sind. Er schloB mit einem Appell an die Amerikaner des 
gesamten Kontinents und erkundete den „Zustand eines unbegrenzten nationalen Notstandes". 

In England, wo man gehofft hatte, Roosevelt werde den Eintritt der Vereinigten Staaten in den 
Krieg bekanntgeben, war an enttauscht, weil Roosevelt zwar sich zum Kampf bereiterklart, aber nicht 
mitgeteilt habe, wann er in diesen eintreten wurde. Offenbar ist also Roosevelt noch nicht davon iiber- 
zeugt, aB seine und seiner Heifer Kriegshetze die Urteilsfahigkeit es amerikanischen Volkes geniigend 
verdunkelt hat, um es rotz seines gegenteiligen Willens in den Krieg zu treiben. Der on Roosevelt 
erklarte „Zustand des unbegrenzten nationalen Notzustandes" gibt Roosevelt freilich sehr erhebliche 
weitere Vollmachten, besonders auch zu Eingriffen n die personliche Freiheit und in die Wirtschaft. 
Roosevelt kann jetzt auBer einer Kriegserklarung so ziemlich alles durch einfache Proklamation ohne 
die Volksvertretung durchsetzen. er Vorkampfer gegen die Diktatoren hat sich diktoriale Vollmachten 
gegeben! 

Roosevelts Hetzrede am Kamin war aber nicht die einzige, ie er im Monat Mai gehalten hat. Am 4. 
Mai hielt er am Geburtshaus des Prasidenten Wilson eine kurzere, aber nicht in der gehassige und 
verlogene Rede iiber Freiheit und Demokratie, fur die angeblich Wilson stets gekampft habe. Die Me- 
thoden der Pariser Friedenskonferenz und des Versailler Vertrages sind fur Roosevelt also offenbar 
schonste Bliiten der Demokratie und der Freiheit! 

Mit Roosevelt singt ein ganzer Chor von Stimmen, Frau Roosevelt, die Minister Stimson, Knox, Ik- 
kes, der unvermeidliche Willkie und viele andere denselben lugnerischen HaBgesang, um das ameri- 
kanische Volk in Kriegspsychose zu versetzen und in den Krieg hineinzudrangen. 

Aber auch einige Stimmen der Vernunft machen sich bemerkbar. Die Lindbergh, Wheeler, Kenne- 
dy, Taft, Reynolds, Hutchins, Hearst, Karl v. Wiegand, Hoover, Clark, Fish und manche andere reisen 
ebenfalls durch das Land, halten Massenversammlungen ab, sprechen im Rundfunk und schreiben 
Artikel und Interviews. Sie zerpflucken Roosevelts Argumente, weisen ihre Halt- und Sinnlosigkeit 
nach und appellieren an den Realitatssinn und an den gesunden Menschenverstand ihrer Landsleute. 



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Noch steht der Kampf, noch kann Roosevelt offenbar den Sprung in den Krieg nicht wagen. Aber 
daB er alles darauf anlegt, ihn zu tun, und daB er auch vor den verwerflichsten Mitteln nicht zuriick- 
schrecken wird, um den Absprung in den Krieg zu vollziehen, dariiber kann kein Zweifel sein. 

Solange er noch nicht so weit ist, tut er weiterhin alles, um einerseits die Produktion von 

125 Rustungsmaterial und von Schiffen aufs auBerste zu steigern und zu beschleunigen, andererseits 
England in jeder nur denkbaren Weise zu helfen. In kurzen Abstanden drangt er die Industrie, mehr 
Schiffe oder mehr Bombenflugzeuge zu produzieren. Von den letzteren verlangte er eine Monatspro- 
duktion von 500 Stuck, wahrend bisher angeblich nur funfzig im Monat hergestellt werden. Entspre- 
chend werden die Rustungsausgaben sprung- haft gesteigert. Die Staatsausgaben sollen ab Juli ds. Js. 
2 Milliarden Dollar monatlich betragen. Das sind schon sechseinhalb Milliarden Dollar jahrlich mehr 
als der im Januar von Roosevelt dem KongreB vorgelegte Haushalt vorsah. Mit der unaufhaltsamen 
und uferlosen Steigerung der Rustungsausgaben kann aber offenbar die Industrie nicht Schritt halten. 
Vieles geht lange nicht so schnell, wie es sollte, besonders auch in der Flugzeugproduktion. 

Da die amerikanischen Werften nicht in der Lage sind, England den immer mehr fehlenden Schiffs- 
raum herzustellen, hat Roosevelt Befehl zur Bildung einer Art von Handelsschifffahrtspool gegeben, 
der mindestens 2 Millionen Tonnen umfassen und zu beschleunigter Hilfeleistung „fiir die bedrohten 
Demokratien" eingesetzt werden soil. Die durch die Herausnahme dieser Schiffe aus dem amerikani- 
schen Frachtverkehr entstehenden Folgen fur die Einschrankung der amerikanischen Versorgung 
selbst, miissen, so stellte Roosevelt fest, eben in Kauf genommen werden. Der Amerikaner muB sich 
also im Benzinverbrauch usw. Beschrankungen auferlegen, um damit „den bedrohten Demokratien zu 
helfen". Die GroBe der englischen Schiffsraumnot wird hierdurch drastisch beleuchtet. Im gleichen 
Sinne wurde ein Gesetz angenommen, durch das Roosevelt ermachtigt wurde, zu Zwecken der natio- 
nalen Verteidigung auslandische Schiffe, die unbenutzt in amerikanischen Hafen liegen, zu requirie- 
ren. Es handelt sich um 83 Schiffe. Begehrliche Blicke richten sich ferner auf den etwa eine Million 
Tonnen umfassenden Schiffsraum, der in slid- und mittelamerikanischen Hafen aufliegt. Die siidame- 
rikanischen Staaten sind jedoch bisher diesen Wiinschen im allgemeinen nicht entgegengekommen. 

Wie der„Patrouillendienst", der auf Roosevelts Befehl von der amerikanischen Flotte „in den Ge- 
wassern der westlichen Hemisphare" durchgefiihrt werden soil, gemeint ist, geht aus einer Meldung 
aus Washington vom 4. Mai hervor, wonach es nicht Aufgabe der patrouillierenden Schiffe sei, Schif- 
fe, Unterseeboote oder Flugzeuge der Achsenmachte zu vernichten, sondern ihre Anwesenheit festzu- 
stellen, dariiber zu berichten und in Kontakt mit ihnen zu bleiben, bis britische Streitkrafte eintrafen". 
Auch eine Illustration zu Roosevelts infamer Behauptung, die USA kampften fur die Freiheit der Mee- 
re! 

126 Im iibrigen hat Roosevelt seine Politik der Einmischung alliiberall, des schrankenlosen Imperialis- 
mus und der Kriegstreiberei rund um den Erdball auch im Mai fortgesetzt. Der polnische „Premiermi- 
nister" Sikorski erklarte am 20. Mai, er habe mit President Roosevelt ein Projekt fur die zukiinftige 
Gestaltung Europas besprochen, das Roosevelts Billigung gefunden habe. Das Projekt sieht die Auftei- 
lung Europas in einzelne „Blocks" vor, von denen keiner stark genug ware, eine Hegemonie in Europa 
aufzurichten. Aufgeteilt wiirde danach natiirlich vor allem Deutschland! Roosevelts Sohn James ist 
nach Kairo entsandt worden „als militarischer Beobachter". Er ist, wie sich das fur einen Abgesandten 
von so hoher S telle geziemt, kurz hintereinander von drei Konigen, namlich dem agyptischen, dem 
griechischen und dem jugoslawischen empfangen worden, obwohl es die beiden letzteren bekanntlich 
nur noch dem Namen nach gibt. Dem agyptischen Konig und dem griechischen iiberbrachte er person- 
liche Botschaften seines Vaters. DaB Roosevelt auch den Negus von Abessinien zu seiner Riickkehr 
nach Addis Abeba begliickwiinschte, durfte natiirlich nicht ausbleiben. Nach der Siidafrikanischen 
Union hat Roosevelt Wehrmachts-Attaches entsandt. Es soil angeblich iiber die Anlage von Flotten- 
stiitzpunkten an den Kiisten der Union verhandelt werden. DaB Roosevelt nicht nur die Inseln im At- 
lantischen Ozean, sondern auch die Westkiiste Afrikas, besonders Dakar, in die „amerikanische Si- 
cherheitszone" einbezieht, also am liebsten morgen in Besitz nehmen wiirde, hat er in seiner Kaminre- 
de vom 27. Mai selbst ausgesprochen. 

Roosevelts unbegrenzter Imperialismus umfaBt aber nicht nur ganz Nord- und Siidamerika, was er- 
neut demonstriert wurde, indem Roosevelt seine Kaminrede in Anwesenheit der diplomatischen Ver- 
treter aller amerikanischen Staaten von Kanada bis Argentinien und Chile hielt, und mit dem An- 
spruch, in ihrem Auftrag zu reden, sondern auch den ganzen Atlantischen Ozean, Europa, Afrika und 
natiirlich erst recht Asien. Die Demokratie, fiir die er in Asien kampft, ist das Diktatoriat von Tschi- 
angkaischek regierte Rumpfchina. Ende Mai ist mit Tschiangkaischek die Lieferung von Kriegsmate- 



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rial im Werte von 100 Millionen Dollar im Rahmen des Englandhilfsgesetzes vereinbart worden. Die 
panamerikanische Luftfahrtgesellschaft hat einen Flugdienst von den Philippinen nach Singapur eroff- 
net, der zwar kommerziell sei, „jedoch im Kriegsfall auch militarisch groBe Bedeutung haben wlirde, 
da er eine glanzende Gelegenheit fur USA-Piloten sei, sich mit den Flugproblemen auf der neuen Rou- 
te vertraut zu machen". Der Kommandeur der amerikanischen Luftwaffe auf den Philippinen ist Mitte 
Mai zu langerem Aufenthalt in 
127 Tschungking eingetroffen. Offenbar soil er die Moglichkeiten einer wirkungsvollen Unterstiitzung der 
chinesischen Flugwaffe durch die USA studieren. 

Auf die Staaten Mittel- und Sudamerikas laBt Washington Welle auf Welle der Propaganda, der Be- 
einflussung jeder Art, der Lockung und des Drucks los, um diese Staaten fur die eigenen Ziele gefugig 
zu machen. Man entsendet FilmgroBen, Wirtschaftsleute und Politiker, ladt sudamerikanische Militars 
und Marineleute zu Besuchen nach den Vereinigten Staaten ein usw. Neuerdings hat man begonnen, 
den gesamten sudamerikanischen Flugverkehr, der zum Teil von deutschen und italienischen Flugge- 
sellschaften aufgebaut worden ist, an sich zu reiBen. Mit amerikanischen Krediten sollen diese Flugge- 
sellschaften durch die betreffenden Staaten „nationalisiert" und dann mit Hilfe amerikanischer Flug- 
zeuge und Piloten „ausgebaut" werden. Unter Fiihrung von Nelson Rockefeller arbeitet ein „Buro zur 
Pflege der Beziehungen mit den ibero-amerikanischen Landern" daran, aus dem Handel zwischen 
Slid- und Nordamerika alle „achsenfreundlichen Vertreter und Firmen" auszuschalten. Demnachst soil 
durch Griindung eines Interamerikanischen Kulturinstituts eine Zusammenfassung samflicher kultur- 
propagandistischen Bestrebungen nach den ibero-amerikanischen Landern hin erfolgen. 

Gegenuber Japan wird, wie schon erwahnt, die Politik der Unterstiitzung Chinas, aber auch die der 
handelspolitischen Bekampfung fortgesetzt. Die Philippinen sind Ende Mai in die Kontrolle der Aus- 
fuhr einbezogen worden. Aus den Philippinen hat Japan bisher betrachtliche Mengen von Eisenerz, 
Kupferkonzentraten, Hanf u. a. bezogen. Diese Ausfuhr will Roosevelt nun verhindern, ohne Riick- 
sicht darauf, was aus der Wirtschaft der Philippinen wird. Die seit vielen Monaten im Gang befindli- 
chen Wirtschaftsverhandlungen Japans mit Niederlandisch-Ostindien sind auch im Mai nicht zum 
AbschluB, sondern anscheinend endgiiltig auf den toten Punkt gekommen. Natiirlich stecken hinter der 
ablehnenden Haltung Hollandisch-Ostindiens England und die Vereinigten Staaten. 

In Tokio laBt man offiziell und offizios keinen Zweifel dariiber, daB man bereit und willens sei, Ja- 
pans Verpflichtungen aus dem Dreimachtepakt jedenfalls zu erfiillen, d. h. der Kriegseintritt Amerikas 
werde den Japans zur Folge haben. Dies erklarte der japanische Kriegsminister Hidoki am 14. Mai und 
AuBenminister Matsuoka am 30. Mai. Der Sprecher des Marineministeriums gab am 27. Mai eindeuti- 
ge Erklarungen iiber Japans Bereitschaft im Stillen Ozean ab. 

Der Friedensfeind und Kriegshetzer in Washington hat es also in der Hand, ob der gegenwartige 
Krieg sich zum Weltkrieg im vollsten Sinne des Wortes ausweiten wird. 




WeiBbuch Nr. 7 

Dokumente beweisen die neutralitatswidrige Politik Jugoslawiens und Griechenlands 

Das Auswartige Amt veroffentlichte die in der Proklamation des Fuhrers und in den 
Erklarungen der Reichsregierung erwahnten Urkunden und Dokumente iiber die neu- 
tralitatswidrige Politik Jugoslawiens und Griechenlands in einem WeiBbuch Nr. 7. Aus 
dem in Vorbereitung befindlichen WeiBbuch wurden in mehreren Veroffentlichungen 
folgende Dokumente wiedergegeben: 

/. Die Westmachte wollten eine Balkanfront schaffen 
128 Aufzeichnung des Oberbefehlshabers der franzosischen Levantetruppen, General Weygand, vom 9. 
Dezember 1939 iiber eine Intervention der Alliierten auf dem Balkan 



|liiiisirlill,iii<i tm^amirF 31 

... Deutschland und die Westmachte stehen sich auf einem Schlachtfeld von begrenzter Ausdehnung 
gegenliber, das auf beiden Seiten mit guten Truppen dicht besetzt ist, deren Abwehrkraft aufs hochste 
gesteigert wird durch die machtvolle Organisation, auf die sie sich sriitzen. Diese Westfront bietet fiir 
sich allein, wenn sie nicht durch irgendein anderweitiges Unternehmen erweitert wird, wenig Aussich- 
ten auf entscheidende Manover oder Aktionen. Und doch ist zur Erreichung der Kriegsziele der Alli- 
ierten ein voller, unstreitiger Sieg notig. 

Bei dem gegenwartigen Stande der Dinge kann in Europa nur der Balkankriegsschauplatz die Mog- 
lichkeit gtinstiger Ereignisse bieten, sei es durch die Zermurbung, die die Eroffnung einer neuen Front 
fur den Gegner bedeuten wtirde, sei es durch einen erfolgreichen Umgehungsangriff auf seine lebens- 
wichtigen Punkte ... 

2. Griechische und serbische Hilfstruppen zur Erdrosselung Deutschlands 

Aufzeichnung des Oberbefehlshabers des franzosischen Heeres, 
General Gamelin, vom 10. Marz 1940. Streng geheim! 
Nr. 104/1. 

Aufzeichnung betreffend die Teilnahme franzosisch-britischer Streitkrafte an den Operationen in 
Finnland 

. . . Die Eroffnung eines nordischen Kriegsschauplatzes bietet vom Standpunkt der Kriegfuhrung aus 
gesehen ein hervorragendes Interesse. Abgesehen von den moralischen Vorteilen wird die Blockade 
umfassender, vor allem aber ist es die Sperrung des Erztransportes nach Deutschland, auf die es an- 
kommt. 

In diesem Zusammenhang ware ein Vorgehen auf dem Balkan, wenn es mit der skandinavischen 
Unternehmung kombiniert wtirde, geeignet, die wirtschaftliche Abdrosselung des Reiches zu verstar- 
ken. Deutschland verfugte dann nur noch iiber einen einzigen Ausgang aus dem 
129 Blockadering, namlich tiber seine Grenze mit SowjetruBland, wobei zu berucksichtigen ist, daB die 

Ausbeutung der russischen Rohstoffquellen noch langer Fristen bedarf. 

Auf militarischem Gebiet ware eine Aktion auf dem Balkan fur Frankreich viel vorteilhafter als eine 
solche in Skandinavien: der Kriegsschauplatz wurde in groBerem MaBstab erweitert. Jugoslawien, 
Rumanien, Griechenland und die Tiirkei wiirden uns eine Verstarkung von ungefahr 100 Divisionen 
zufuhren. Schweden und Norwegen wtirden uns nur die schwache Unterstiitzung von ungefahr 10 
Divisionen verschaffen. Die Starke der Truppen, die die Deutschen von ihrer Westfront wegziehen 
muBten, um gegen unsere neuen Unternehmungen vorzugehen, wtirden sich zweifellos in dem glei- 
chen Verhaltnis bewegen . . 

Unsere skandinavischen Plane miissen also entschlossen weiterverfolgt werden, um Finnland zu ret- 
ten oder doch mindestens, um die Hand auf das schwedische Erz und die norwegischen Hafen zu le- 
gen. Lassen wir uns aber gesagt sein, daB vom Standpunkt der Kriegfuhrung aus der Balkan und der 
Kaukasus, durch die man Deutschland auch vom Petroleum abschneiden kann, von viel groBerem 
Nutzen sind. Den Schliissel zum Balkan halt jedoch Italien in der Hand. 

M. Ga- 
melin. 

3. Vorbereitung der Landung in Saloniki mit Hilfe Griechenlands. 
Handschreiben des Oberbefehlshabers der franzosischen Levantetruppen. 

General Weygand. 

An den Oberbefehlshaber des franzosischen Heeres, 
General Gamelin. Beirut, den 9. 9. 1939. 

... Sie kennen die Griinde der Verzogerung meiner Reise nach Ankara. Ein Telegramm von Massigli 
laBt mich heute auf eine rasche Beseitigung der noch nicht behobenen Schwierigkeiten hoffen. Er teilt 
mir auch mit, daB der griechische Generalstab noch nicht in der Lage ist, meinen Besuch zu wiinschen, 
daB er jedoch einen Offizier entsenden wird, mit dem ich eine geheime Besprechung haben werde. 
Alle diese Verzogerungen und VorsichtsmaBnahmen, die ich begreife, sind mir auBerst unangenehm, 
weil sie die Frage von Saloniki in Verwirrung bringen. Falls die gegenwartige politische Stellung ge- 
geniiber Italien eine sofortige Festsetzung der alliierten Truppen in Saloniki nicht gestattet, so kann 
man meiner Ansicht nach von Griechenland zunachst verlangen, eine sehr weitgehende Vorbereitung 
dieser Besetzung zuzulassen — insbesondere die Entsendung von Spezialisten fiir die Einrichtung von 
Stutzpunkten und fiir die Aufstapelung von Vorraten und vielleicht auch die Ausfuhrung gewisser 



130 



|liiiisirlill,iii<i tm^amirF 32 

Arbeiten zum Ausbau der StraBen oder der Verteidigungswerke durch die Griechen selbst. Dies werde 
ich bei der ersten Unterhaltung zu erreichen suchen, die ich mit dem Griechen in Ankara haben werde. 

gez. Wey- 
gand. 

4. Griechische Wunsche fur die Zusammensetzung des Expeditionskorps. 

Der Oberbefehlshaber der franzosischen Levantetruppen, General Weygand, 

an den Oberbefehlshaber des franzosischen Heeres, General Gamelin. 

Telegramm. 
(Auszug) 

Beirut, den 15. September 
1939. 

3. Die von Oberst D o v a s, dem Leiter des 3. Griechischen B tiros, tiberreichte Note fordert aus 
Griinden gleicher Art die sofortige Verstarkung durch vollstandige franzosische oder englische Luft- 
waffenformationen und erklart, die Vorhut eines franzosischen Expeditionskorps in Saloniki miisse 
aus vollstandigen Luftwaffeneinheiten bestehen. 



5. Serbien laBt alles Kriegsmaterial fur Polen durch. 
Der franzosische Militarattache in Belgrad an das franzosische 
Krieg sminis terium . 
Telegramm. 
(in Ziffern) 
Nr. 0116. Belgrad, den 5. September 1939. 

21.16 Uhr. 
Jugoslawien hat Genehmigung aller Transporte fur Polen bestimmten Kriegsmaterials durch sein 
Gebiet erteilt. 

6. Sperrt aber Durchfuhr fur Deutschland und Ungarn. 
Der franzosische Militarattache in Belgrad an das franzosische Kriegsministerium 

Telegramm (Entzifferung). 
(Auszug) 
Nr. 127. Belgrad, den 9. September 

1939. 

21.35 Uhr. 

Deutsches Material fur Bulgarien weiterhin gesperrt. Versuch, zwei als Obsttransporte getarnte Zti- 
ge durchfahren zu lassen, ist gescheitert. 

Ungarn hat 65 Tonnen Antimon in Jugoslawien bestellt, 30 Tonnen sind geliefert. Es ist uns gelun- 
gen, den Rest zuriickzuhalten. 

Wir haben den Versand des Kupfers aus den Bergwerken von Bor nach Ungarn untersagt. 

300 Tonnen wurden auf Ragusa umgeleitet. Sie werden fur den Bestimmungshafen Antwerpen ver- 
laden werden. 

Sollten Sie mit dem Verbot nicht einverstanden sein, so teilen Sie mir dies bitte mit. 

7. Griechischer Staatssekretar stellt aktive Unterstutzung Saloniki-Unternehmens in Aussicht 

und wunscht Mitwirkung Jugoslawiens. 
Der franzosische Marineattache in Athen, Fregattenkapitan Pol-Lahalle, an den Admiral der Flotte, 
Oberbefehlshaber der franzosischen Marinestreitkrafte. 

Athen, den 5. Oktober 1939. 
Nr. 22. Geheim und person- 

lich! 
Betrifft: Ansicht der griechischen Regierung tiber die etwaige 
Landung alliierter Truppen in Saloniki. 



|liiiisirlill,iii<i tm^amirF 33 

In meinem Schreiben Nr. 11 vom 22. September wies ich darauf hin, daB trotz des Wohlwollens der 
griechischen Regierung uns gegeniiber das gegenwartige Stadium der diplomatischen und militari- 
schen Lage nicht gestattet, auf ihre Zustimmung zu der offenen Vorbereitung einer Expedition nach 
Saloniki zu rechnen. 

Diese Ansicht wird bestatigt durch die vollig zufallige Unterhaltung, welche der Unterstaatssekretar 
im AuBenministerium Herr Mavroudis und unser Gesandter in Athen iiber diese Frage gehabt haben. 

Im Verlauf dieser weder systematischen noch amtlichen Unterhaltung erklarte Herr Mavroudis 
Herrn Maugras, daB, wenn wir zu gegebener Zeit eine Armee in Saloniki landen wollten, Griechen- 
land dem nicht nur keinen Widerstand entgegensetzen, sondern sogar seine Streitkrafte den unseren 
beigesellen wiirde „unter der Voraussetzung, daB durch eine diplomatische und militarische Vorberei- 
tung der Erfolg der Operation sichergestellt ist". 

„Zu dieser Voraussetzung, prazisierte Herr Mavroudis, gehort die Mitwirkung Jugoslawiens, dessen 
Armee die Vorhut der Expedition bilden muBte." 
131 Herr Maugras hat in einem Telegramm vom 25. September seiner Behorde tiber die AuBerungen des 
Herrn Mavroudis berichtet, die, obwohl als personliche Ansicht dargestellt und im Verlauf eines Pri- 
vatgesprachs vorgebracht, voraussehen lassen, welchen Standpunkt die griechische Regierung ein- 
nehmen wiirde, wenn sie amtlich befragt ware. 

Lahal- 
le. 

8. Griechische Handeisschiffahrt erhalt amtliche Weisung, sich in Dienst Eng lands zu stellen. 

Bericht des franzosischen Marineattaches in Athen. 
(Auszug) 

Athen, den 30. Oktober 1939. 

Nachrichtenzusammenstellung Nr. 23 Griechenland. 

Kap. IX, Art. 90 der Nachrichtenzusammenstellung 

Nr. 23 Griechenland vom 1. November 1939. 

Inhalt: Die griechische Handelsflotte und England. 

Quelle: Griechischer Reeder. 

Ein griechischer Reeder teilt mit, daB unlangst der griechische Ministerprasident ihn zu sich in sein 
Arbeitszimmer hat kommen lassen gleichzeitig mit alien seinen Berufskollegen. 

Der Ministerprasident hat ihnen mitgeteilt, daB die englische Regierung von ihnen verlangt habe, die 
Halfte der griechischen Handelsflotte GroBbritannien zur Verfiigung zu stellen. Er hat hinzugefiigt, 
daB er im Namen der griechischen Regierung geantwortet habe, diese konne nicht ohne gegen ihre 
Neutralitat zu verstoBen und sich berechtigten Vorwiirfen auszusetzen, einen Teil der privaten griechi- 
schen Handelsflotte zum Nutzen einer kriegfiihrenden Nation requierieren, aber er hat nichtsdestowe- 
niger den anwesenden Reedern empfohlen, sich, soweit sie dies nur konnten und in streng personlicher 
Weise, in den Dienst Englands zu stellen. 

Einzelne Reeder haben um AufschluB gebeten iiber die Bedingungen, die die britische Admiralitat 
ihnen stellen wiirde. Es wurde ihnen geantwortet, daB diese letztere die Charterung 10 bis 15 v. H. 
teurer bezahlen wiirde als sie dies bei ihren eigenen Handelsschiffen tate; 

daB sie die Schiffe schiitzen wiirde, indem sie sie im Konvoy fahren lieBe, und daB die englischen 
Versicherungsgesellschaften die Versicherungspramien herabsetzen wiirden. 

.9. Serbien bittet um engere Zusammenarbeit mit dem franzosischen Generalstab. 

Schreiben des Generals Gamelin an den franzosischen Ministerprasidenten 

Geheim ! 

Nr. 26 — Cab./D-N. 

GroBes Hauptquartier. Den 27. November 

1939. 

Mit Telegramm Nr. 9177 vom 23. November 1939, wovon Sie eine Kopie erhielten, berichtet unser 
Militarattache in Belgrad iiber den Wunsch des Prinzregenten und des jugoslawischen Generalstabs, 
die Verbindung mit unserem militarischen Vertreter enger zu gestalten. Er berichtet gleichfalls die 
Bitte des Kriegsministers, eine jugoslawische Militarmission nach Frankreich schicken zu diirfen. 



;liiiisirlill,iii<i tm^amirF 34 

Was den ersten Punkt anlangt, so habe ich, im Einverstandnis mit Herrn Brugere, der in dieser Frage 
Ihre grundsatzliche Zustimmung besaB, die Ehre, Sie davon zu verstandigen, daB ich, in meinem eige- 
nen Namen, einen Offizier meines Generalstabs nach Belgrad schicke, um die zur Herstellung engerer 
Beziehungen notwendigen Verbindungen mit dem serbischen Oberkommando aufzunehmen. 
132 Was die Entsendung einer jugoslawischen Mission anlangt, so bin ich der Ansicht, daB sie nur von 
Vorteil sein kann, und unter dem Vorbehalt, daB Sie meine Auffassung teilen, werde ich unserem Mi- 
litarattache sagen lassen, daB wir die Entsendung dieser Mission nach Frankreich akzeptieren, 

gez. Gamelin. 

10. Griechenland bleibt den Westmachten treu! 

Aufzeichnung fur den franzosischen Ministerrat. 

(Auszug) 

20. September 1939. 
Griechenland: Bleibt den Westmachten treu. Es ist von der italienischen Regierung aufgefordert 
worden, einen Freundschaftsvertrag, der im kommenden Oktober ablauft, zu erneuern. Es wtirde je- 
doch vorziehen, nur einen Neutralitatsvertrag abzuschlieBen. Uberdies wird es einen solchen nur in- 
soweit abschlieBen, wie eine derartige Abmachung nicht die Bildung einer Ostfront behindern wtirde. 
(Erklarung des griechischen Gesandten Politis an Herrn Coulondre vom 18. September 1939.) 

11. Griechenland sabotiert italienische Freundschaftsbemuhungen. 

Der franzosische Marineattache in Athen, Kapitan zur See Po-Lahalle, an den Admiral der Flotte, 
Oberbefehlshaber der franzosischen Marinestreitkrafte. 

Athen, den 31. Oktober 1939. 
Nr. 55. Geheim! 

Betrifft: Italienisch-griechische Beziehungen. 

Mein Telegramm Nr. 45/46 vom 25. Oktober 1939 hat Ihnen die unmitteibar bevorstehende Verof- 
fentlichung eines Schreibens der griechischen Regierung angekiindigt, in dem die zwischen den bei- 
den Landern bestehenden freundschaftlichen Beziehungen testgestellt werden. 

Darin soil sogar das Wort „Zusammenarbeit" gebraucht werden: Diese Erklarung ist von Italien er- 
beten worden, dessen Nichtangriffspakt mit Griechenland abgelaufen war. Um der Erneuerung dieses 
Vertrages auszuweichen, hat die griechische Regierung den Briefaustausch angenommen, der, wie sie 
behauptet, nicht die gleiche Tragweite wie ein zweiseitiger Vertrag hatte und Athen freie Hande lieBe, 
Frankreich und England bei gewissen Moglichkeiten seine Mitwirkung zu gewahren. 

Ein Schreiben der faschistischen Regierung, das in den gleichen Ausdriicken abgefaBt ist wie das 
der griechischen Regierung, soil gleichzeitig veroffentlicht werden. 

Auf jeden Fall besteht kein Geheimvertrag zwischen Italien und Griechenland, wie man behauptet 
hat, und der angekundigte Briefaustausch darf nicht als eine Anderung in der politischen Orientierung 
Griechenlands ausgelegt werden. 

Anliegend wird Abschrift eines Berichts unseres Militarattaches vom 21. Oktober tiber das gleiche 
Thema vorgelegt. Lahal- 

le. 

12. Erklarung des griechischen Generalstabes: Griechenland bewahrt seine 
Handlungsfreiheit an der Seite der Alliierten. 
Der Militarattache bei der franzosischen Gesandtschaft in Griechenland an 
den Herrn Ministerprasidenten, Landesverteidigungs- und Kriegsminister 

(Generalstab der Armee — 2. Biiro — S.A.E.). 
(Auszug) 
Nr. 122/S. Athen, den 30. Oktober 1939. 

Betr.: Gesprach mit General Papagos. 



;liiiisirlill,iii<i tm^amirF 35 

Ich habe heute morgen General Papagos, den Chef des Generalstabes der griechischen Armee, auf- 
gesucht, um ihn zu seiner Ernennung zum Inhaber des GroBkreuzes der Ehrenlegion zu begllickwlin- 
schen... 
133 Der Generalstabschef der griechischen Regierung hat mir .versichert, daB der in meinem Bericht Nr. 
121/S vom 29. Oktober angekiindigte Briefaustausch sehr bald stattfinden wird, aber daB dies keine 
Bedeutung hatte und daB Griechenland sich geweigert habe, den Nichtangriffspakt zu erneuern, um, 
falls es notwendig ware, seine Handlungsfreiheit an der Seite der Alliierten zu bewahren . . . 

Ich habe diese Gelegenheit benutzt, um mit General Papagos liber die geheimen Kriegshafen in der 
Gegend von Kavalla zu sprechen . . . 

gez.: Oberstleutnant de Lobit, 
Militarattache. 



13. Griechenlands Neutralitatspolitik — eine heuchlerische Tarnung. 

Aufzeichnung des Unterdirektors der Europa-Abteilung des 

franzosischen AuBenininisteriums. 

(Auszug) 

Diplomatische Lage auf dem Balkan. 20. September 1939. 

...Griechenland: Die griechische Regierung ftihrt eine Neutralitatspolitik durch, die amtlich auBerst 
strikt, im geheimen jedoch in der Richtung auf eine etwaige franzosisch-englische Zusammenarbeit 
ausgerichtet ist. Ein griechischer Generalstabsoffizier ist nach Ankara geschickt worden, um mit Ge- 
neral Weygand in Fuhlung zu treten und an der Ausarbeitung gewisser Plane fur eine gemeinsame 
Aktion teilzunehmen. Italienische Fiihler zwecks Erneuerung von italienisch-griechischen Nichtan- 
griffsvertragen sind von General Metaxas nur mit auBerster Reserve aufgenommen worden . . . 

14. Serbien verbessert die Eisenbahnen nach Saloniki, dem Landungshafen der Alliierten. 
Der franzosische Ministerprasident und Minister des Auswartigen an das 

Kriegsministerium (2. Btiro) und an General Gamelin. 
Betrifft: Lieferung von Kriegsmaterial an Jugoslawien. 

Der Chef des Generalstabes gibt unserem Militarattach6 Beweise wachsenden Vertrauens. Schon 
jetzt werden MaBnahmen getroffen, um die Leistungsfahigkeit der Eisenbahnen in der Richtung nach 
Saloniki zu verbessern. 

Indem er betont, daB die Atmosphare, in der am 27. November unsere Handelsvertragsverhandlun- 
gen beginnen werden, sich als gunstig ankiindigt, teilt Herr Brugere mit, daB diese Verhandlungen, die 
eine ausschlaggebende Bedeutung fur unsere Interessen in Jugoslawien und fur die Verscharfung der 
Blockade Deutschlands haben sollen, nur in dem MaB Erfolg haben werden, in dem wir damit einver- 
standen sein werden, Jugoslawien das Kriegsmaterial zu liefern, das es unbedingt braucht. 

Herr Brugere zieht den SchluB, daB es daher Sache der franzosischen Regierung sei, zu entscheiden, 
ob die groBe Unterstutzung, die Jugoslawien bei der Verscharfung der Blockade Deutschlands leisten 
kann, die Uberlassung eines kleinen Teils unserer Reserven an Kriegsmaterial wert ist oder nicht wert 
ist. 

Ich beehre mich. Ihre Aufmerksamkeit auf die vorstehend entwickelten Gedankengange zu lenken. 
Das Schriftstuck tragt folgenden Vermerk: 
Herr des Boisanger, 10. November 1939. 
Tel. 834 vom 8. November aus Belgrad. 



134 



15. Besprechungen uber die Zusammenarbeit des serbischen Generalstabs mit Frankreich. 
Der franzosische Gesandte in Belgrad an das franzosische Ministerium des AuBern. 

Telegramm (Entzifferung). 
(Auszug) 
Nr. 938. Belgrad, den 5. Dezember 1939, 0.40 Uhr. 

Eingegangen: 5. Dezember 1939, 2.40 Uhr. 



135 



;liiiisirlill,iii<i tm^amirF 36 

Wenn wir zu unseren Gunsten ein wenig Ordnung in dem Chaos, das sich vorbereitet, sicherstellen 
wollen, so ist es dringlich, daB wir durch angemessene Militarabmachungen unsere Lage und unsere 
Bemuhungen sowohl nach der tiirkischen wie nach der jugoslawischen Seite hin konsolidieren. Unter 
diesem Gesichtspunkt besteht meiner Ansicht nach ein unmittelbares Interesse an den Besprechungen, 
die gegenwartig eingeleitet werden, sowohl auf dem Gebiet der Jugoslawien zu liefernden Rustungen 
wie liber die etwaige Zusammenarbeit der beiden Generalstabe. 

Bru- 
gere. 

16. Der griechische Generalstab regt Besprechungen uber die Landungshafen an. 
Der franzosische Militarattache in Athen an das franzosische Kriegsministerium. 

Chiffriertes Telegramm. 
Athen, den 4. Dezember 1939, 15.10 Uhr. 
Der Chef des hellenischen Generalstabes hat dem britischen Militarattache und mir selbst gegenuber 
den Wunsch geauBert, Besprechungen liber die militarischen Fragen aufzunehmen, die sich aus den 
Griechenland erteilten Garantien ergeben. 

Er mochte zunachst die Unterstiitzung durch die Luftwaffe und die Frage der Luftabwehr fur den Lan- 
dungshafen (Name ausgelassen) 

priifen, zur Wahrung einer vollstandigen Geheimhaltung lehnt er jedoch die Entsendung einer Mission 
oder einer offiziellen Personlichkeit nach Athen ab. 

Der franzosische Gesandte in Athen hat mit dem Unterstaatssekretar des AuBern in der gleichen 
Angelegenheit eine Besprechung gehabt. 

1 7. Griechische Regierung befiehlt Auslieferung militarischer Geheimnisse an die West- 

machte. 
Der franzosische Militarattache in Athen an das franzosische Kriegsministerium. 

Chiffriertes Telegramm. 

Athen, den 8. Dezember 1939. 
Der Unterstaatssekretar im AuBenministerium hat dem franzosischen Gesandten mitgeteilt, der Chef 
des Generalstabes habe Befehl erhalten, unsere Bitten um Auskunfte zu beantworten. Im Einverstand- 
nis mit dem britischen Militarattache bereite ich eine kurze Zusammenstellung der ersten zu stellenden 
Fragen vor und erwarte Ihre Weisungen, die ich Sie zur Ausnutzung der gunstigen Einstellung 
schnellstens zu senden bitte. 

19. Die Sondermission eines franzosischen Militarbevollmachtigten in Athen. 
Der Oberbefehlshaber des franzosischen Heeres, General Gamelin, 
an den Oberbefehlshaber der franzosischen Kriegsmarine, Admiral der Flotte Darlan. 
Nr. 163 Cab/DN Den 15. Dezember 

1939. 
Geheim ! 

Ich beehre mich, Ihnen mitzuteilen, daB ich 

den Obersten Mariot und 

den Bataillonschef Ganeval 
mit einer Mission betraut habe. Der erste begibt sich nach Griechenland, der letztgenannte nach 
Schweden und Finnland. Die Aufgabe dieser Offiziere besteht darin, an Ort und S telle die allgemeinen 
Bedingungen zu priifen, unter denen eine militarische Zusammenarbeit mit diesen Landern in Aussicht 
genommen werden konnte. 

Die Abreise der beiden Offiziere ist von mir auf Mittwoch, den 20. Dezember, festgesetzt worden. 

Falls Sie an einen der beiden Offiziere oder an beide bestimmte Fragen richten wollen oder die Akti- 
on dieser beiden Offiziere in einem bestimmten Sinn zu beeinflussen wlinschen, bitte ich Sie, mir dies 
sofort mitzuteilen, wenn notig durch Entsendung eines Verbindungsoffiziers. 

Ga- 
melin. 



|liiiisirlill,iii<i tm^amirF 37 

1 9. Griechenland ubernimmt Garantie fur Landung eines alliierten Expeditionskorps in Salo- 
nika 
Aufzeichnung iiber eine eventuelle interalliierte Intervention auf dem Balkan. 

(Auszug) 
GroBes Hauptquartier. 4. Januar 

1940. 

Der Chef des GroBen Generalstabes der griechischen Armee hat wissen lassen, daB er unter Vorbe- 
halt einer ausreichenden Unterstiitzung mit Luftstreitkraften und Luftabwehrkraften in der Lage ware, 
die Landung eines interalliierten Expeditionskorps in Saloniki zu garantieren. 

Das franzosische Oberkommando wird unter Wahrung der groBten Diskretion weiter mit dem 
jugoslawischen, dem rumanischen und dem griechischen Oberkommando Fuhlung halten, ohne die 
Chefs der britischen Generalstabe irgendwie festzulegen. 

Gamelin. 



20. Griechenland richtet Stutzpunkte fur die Luftwaffe der Westmachte ein. 

Armeegeneral Weygand, Oberkommandierender des Kriegsschauplatzes 

Ost-Mittelmeer, an den Oberbefehlshaber der Landstreitkrafte 

(Kabinett). 
(Auszug) 
Oberbefehlshaber des Kriegsschauplatzes Ost-Mittelmeer 
Generalstab 
3. Bliro. Nr. 333/3 S. 
Inhalt: Fuhlungnahme mit den Hauptquartier, den 14. Marz 1940. 

Generalstaben des Balkans. Geheim! 

Ich habe die Ehre, Ihnen zu berichten, wie weit unsere Fiihlungnahmen mit den verschiedenen Gene- 
ralstaben des Balkans gelangt sind und welche Ergebnisse erzielt wurden. ... 
136 In Griechenland hat ein Offizier der Leitung des Transport- und Trainwesens, Major Cherriere, 

soeben eine Erkundung iiber die Stutzpunkte beendet, welche ungefahr eine Woche gedauert hat. Der 
Bericht hieriiber ist noch nicht in meinem Besitz. 

Der griechische Generalstab hatte auch die Erkundungsreisen zweier Offiziere der Luftwaffe gestat- 
tet. Diese Offiziere sind soeben zuriickgekehrt. Ihr Bericht ist befriedigend. Ihre Erkundungen haben 
gestattet, festzustellen, welche erheblichen Bemiihungen der griechische Generalstab unternommen 
hat, um eine Bodenorganisation zu schaffen, welche das schnelle Eingreifen moderner Luftwaffen- 
gruppen ermoglicht. Der griechische Generalstab stellt uns von jetzt an folgende Stutzpunkte zur Ver- 
fiigung: 
In Thessalien: Kardista, Pharsala, Nea Agchicios, Turnavos, Almyros; 

in Mazedonien: Guida, Neo Pella, Lembet, Mikra Megala, Mikra, Gorgop Cheiseru, Livadogluri, 
Fiorina, Ptolimay. 

Abgesehen von einigen Abanderungen, um die wir gebeten haben, entsprechen diese Flugplatze den 
zum Ausdruck gebrachten Bediirfnissen. Sie werden mit den Nachschubbasen durch Zugangswege 
verbunden werden. Unsere Offiziere der Luftwaffe sind iiber ihre Aufnahme und die ihnen vom grie- 
chischen Generalstab gewahrten Erleichterungen sehr befriedigt gewesen. 

Der General 

Oberbefehlshaber des Kriegsschauplatzes Ost-Mittelmeer. 

gez.: Weygand. 

21. Griechenland zur Ubernahme von alliiertem Kriegsmaterial fur die Landungstruppen bereit — 

Tarnung durch Scheinkauf. 
Telegramm der franzosischen Admiralitat an das franzosische AuBenministerium vom 19. Mai 1940. 
Das Telegramm tragt auf dem Umschlag folgende handschriftliche Notiz: 

„Die griechische Regierung ist bereit, schon jetzt Material entgegenzunehmen, das fur etwaige alli- 
ierte Landungstruppen bestimmt ist." 
Text des Telegramms: 



|liiiisirlill,iii<i tm^amirF 38 

Nr. 4213. 

„... Dieses Material, welches von keinem Personal begleitet sein darf, wiirde zum Schein an grie- 
chische Regierung verkauft. Nach Landung im Piraus wiirde es auf griechisches Gebiet verteilt 
gemaB Angaben Generalstabs franzosischer Armee." 



22. Serbien bittet urn Verstarkung der militarischen Zusammenarbeit. 
Der franzosische Gesandte in Belgrad an das franzosische Ministerium des Auswartigen. 

Telegramm. 

Belgrad, den 16. April 1940, 21.35 
Uhr. 

Eingegangen am 17. April, 1.30 Uhr. 
Nr. 364—366. Ge- 

heim! 

Wie es mit dem Prinzregenten abgemacht war, habe ich heute nachmittag mit General Neditsch den 
Gedankenaustausch liber die beste Art der erneuten Aufnahme der Generalstabsbesprechungen weiter- 
gefuhrt. Da nach Ansicht General Weygands die Frage der Flugplatze und ihrer Ausnutzung die drin- 
gendste ist, wiirde General Neditsch zustimmen, daB ein geeigneter Mitarbeiter General Weygands 
unter groBter Geheimhaltung in Zivil hier- herkommt, der im Lande herumreisen konnte und dem ein 
jugoslawischer Oflizier, ebenfalls in Zivil, alle bestehenden Anlagen zeigen wiirde. 

AuBerdem wiirde man den jetzigen Militarattache in Ankara durch einen Oflizier ersetzen, der das 
voile Vertrauen des Oberkommandos genieBt und der bei uns ausgebildet ist. Dieser wiirde dann der 
zustandige 
137 Verbindungsmann bei General Weygand sein. Ich bin der Meinung, daB diese beiden Vorschlage 

geeignet sind, den Meinungsaustausch und die Nachrichtenubermittlung zu erleichtern, ohne die von 
einem auBerordentlich engen Netz deutscher Spione umgebenen Jugoslawen zu groBen Risiken auszu- 
setzen. Ich lasse dieses Telegramm General Weygand unmittelbar mitteilen. 

Bru- 
gere. 

23. Nach dem Zusammenbruch Frankreichs ist Serbien noch immer bereit, sofort auf die 
Seite der Westmachte zu treten, wenn das Blatt sich wenden sollte. 
Telegramm des franzosischen Gesandten in Belgrad. 
AuBenministerium 
Geheim 
M. D. Belgrad, den 11. Juni 1940, 22.10 

Uhr. 

Nr. 697. Eingegangen am 12. Juni, 8.00 Uhr. 

Ich nahm selbstverstandlich mit dem AuBenminister die Fragen wieder auf, die ich vor einigen Ta- 
gen mit dem Prinzregenten, besprochen hatte. Ich warnte den Prinzregenten vor der moralischen Un- 
terstiitzung, zu welcher Jugoslawien durch Abgabe einer offensichtlich iiberfllissigen Neutralitatser- 
klarung unseren Feinden gegeniiber bewuBt oder unbewuBt veranlaBt werden konnte. Der Minister 
versicherte mir, daB sowohl seine Gesinnung als auch die aller seiner Landsleute zu eindeutig auf un- 
serer Seite lage, als daB er die Lage, in der sich sein Land gegenwartig befinde, nicht schmerzlich 
empfinden miisse. 

Er rechnet damit, daB die gegenwartige Lage sich moglicherweise andern wird, und bei einer derar- 
tigen glinstigen Gelegenheit wird Jugoslawien sich beeilen, auf unsere Seite zu treten. 
Beim jugoslawischen Generalstab sind die gleichen Eindriicke gewonnen worden. 

Bru- 
gere. 




pMtsr|iiitM^iii}tf 39 

137 



pfifedfliit 



Herausgegeben von 

Ministerialdirektor A. J. Berndt 
Reichspropagandaministerium 

Oberst von Wedel 
Oberkommando der Wehrmacht 



1941 

Juni-Lieferung 

(Nr. 43/44 der Gesamtlieferung) 

Verlagsanstalt Otto Stollberg, Berlin WO 




pritsr|Iiit tm^imirF 



^liiMjiiiilliiill; 



95 Am Beginn des Monats Juni war die in der Geschichte in ihrer Art einzig dastehende Aktion der 
Eroberung Kretas mit dem vollstandigen deutschen Sieg abgeschlossen. Der Reichsmarschall des 
GroBdeutschen Reiches und Oberbefehlshaber der Luftwaffe, Hermann Goring, erlieB aus diesem 
AnlaB an seine Soldaten einen Tagesbefehl, in dem er den Fallschirmjagern und Luftlandetruppen, den 
Fliegern und den Kameraden des Heeres Dank sagte fiir ihren todesmutigen Einsatz. Der Tagesbefehl 
des Reichsmarschalls gipfelte in dem Satze, der Bezug nimmt auf ein friiheres Wort des Fuhrers: 

„Es gibt keine uneinnehmbaren Inseln mehr." — Am 4. 6. veroffentlichte auch der Oberbefehlshaber 
des Heeres, Generalfeldmarschall von Brauchitsch, einen Tagesbefehl an die auf Kreta eingesetzten 
Truppen des Heeres. In seinen Worten kamen noch einmal die besonderen Schwierigkeiten dieses 
Kampfes zum Ausdruck, die von den deutschen Kretakampfern unter hartester Anstrengung uberwun- 
den wurden. 

Eine Sondermeldung des OKW vom 21. 6. bezifferte die endgultige Zahl der auf Kreta Gefangenen 
mit 18 735, wovon 13 123 Briten und 5608 Gefangene Griechen waren. Mit dieser Meldung darf die 
ruhmreiche Kretaaktion als abgeschlossen gelten. Die deutsche Armeefuhrung hat damit eine Phase 
dieses Krieges wiederum mit dem volligen Sieg der deutschen Waffen beschlossen. 

Zur gleichen Zeit schon bereiteten sich neue Dinge vor, die das ganze Interesse der deutschen Of- 
fentlichkeit beanspruchten. Der Schwerpunkt aller weltgeschichtlichen Ereignisse im Juni liegt bei 
dem so plotzlich vor die Offentlichkeit getretenen deutsch-russischen Konflikt, bei dem Kriegsaus- 
bruch zwischen Deutschland und der UdSSR. Riickschauend diirfen wohl auch die Ereignisse darge- 
stellt werden, die lange schon das groBte Interesse der breitesten Kreise beschaftigten, ohne daB Presse 
und Rundfunk davon Notiz nehmen konnten. Seit Wochen sprach man in Deutschland von jenen 
Truppenverschiebungen, die vom Westen nach dem Osten vor sich gingen. Obwohl amtliche Verlaut- 
barungen tiber diese Vorgange nichts 

96 aussagten, so bewegte doch das ganze deutsche Volk die Frage, welche Entwicklung sich im Osten 
anbahne. Als dann am 22. Juni die Proklamation des Fuhrers den Schleier des Geheimnisses zerriB, 
und RuBland als der groBe Verrater, die Sowjetarmee als die gefahrliche Bedrohung der europaischen 
Sicherheit dastand, atmete ganz Deutschland auf. Viele Vorgange, die vorher keine Erklarung linden 
konnten, stellten sich nun als selbstverstandlich und zwingend dar. 

Dem groBen Ereignis voraus gingen zahlreiche hochst wichtige diplomatische Besprechungen. Am 
2. Juni trafen sich der Ftihrer und der Duce in Anwesenheit ihrer AuBenminister am Brenner. Am 14. 
Juni weilte ReichsauBenminister von Ribbentrop in Venedig, wo Kroatien seinen Beitritt zum Dreier- 
pakt vollzog. Am 7. Juni war Konig Boris von Bulgarien Gast des Fuhrers auf dem Berghof. Am 11. 
Juni weilte der rumanische Staatschef, General Antonescu, auf Einladung der Reichsregierung in 
Miinchen. Dort hatte er im Fiihrerbau der NSDAP eine Begegnung mit Adolf Hitler. 

Eine groBe Perspektive eroffnete auch der am 18. Juni in Ankara von dem deutschen Botschafter 
von Papen im Auftrage der Reichsregierung und dem tiirkischen AuBenminister Saracoglu namens der 
tiirkischen Regierung abgeschlossene Freundschaftsvertrag zwischen Deutschland und der Ttirkei. 
Dieses Abkommen, in dem sich die beiden Staaten verpflichten, gegenseitig die Integritat und Unver- 
letzlichkeit ihres Staatsgebietes zu respektieren und keinerlei MaBnahmen zu ergreifen, die sich direkt 
oder indirekt gegen den anderen Vertragspartner richten, wurde in Deutschland als ein Meisterstiick 
der deutschen Diplomatic, insbesondere des Botschafters von Papen gewiirdigt. In England empfand 
man diesen Vertrag als eine schwere Schlappe. In dem Notenwechsel, der anlaBlich dieses Vertragsab- 
schlusses zwischen Deutschland und der Tiirkei ausgetauscht wurde, zeichneten sich neue Moglichkei- 
ten fiir die Wirtschaftsbeziehungen zwischen den beiden Landern ab. Dazu kommt eine nicht unwich- 
tige gemeinsame Erklarung tiber Presse und Rundfunk, deren Auswirkungen sich insbesondere auf 
eine MaBigung der zum Teil sehr deutsch-feindlichen tiirkischen Presse richteten, wahrend Deutsch- 
land auf diesem Gebiete seinen alten Gepflogenheiten entsprechend stets eine korrekte Sprache ge- 
fiihrt hat. Zwischen dem Ftihrer und President Inonii sowie zwischen den beiden AuBenministern 
wurden Telegramme gewechselt. Am 19. Juni suchte der tiirkische Botschafter in Berlin den Ftihrer in 
der Reichskanzlei auf, um ihm ein Handschreiben des tiirkischen Staatsprasidenten zu iiberreichen. 

Auf dem Hintergrund der spateren Ereignisse gewinnen diese Besuche, wie auch der des kroatischen 
Staatschefs Dr. Pavelitsch am 6. 6., ihre ganz besondere Bedeutung, sie kiindeten an, daB zum 



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97 mindesten neue und groBe Entscheidungen bevorstiinden. Sie trugen dazu bei, die Spannung, die iiber 
dem ganzen deutschen Volke lag, zu erhohen. 

Die Proklamation des Flihrers vom 22. Juni bestatigt vollauf, daB dieses Geflihl des Volkes, einer 
Ungewissen Gefahr gegenliberzustehen, berechtigt war. Sagt doch der Flihrer in seiner Proklamation 
selbst, daB, von schweren Sorgen bedriickt, zu monatelangem Schweigen verurteilt, nun die Stunde 
gekommen sei, in der er endlich offen sprechen konne. Die ins einzelne gehende Darstellung des sei- 
nem Wesen nach von Anfang an kompliziert gelagerten deutsch-russischen Verhaltnisses klart alle 
Fragen, die von jedem Deutschen insgeheim, oft aber auch laut in den letzten Monaten gestellt wur- 
den. Sie zeigt die Gefahr der internationalen bolschewistischen Weltverschworung, die nunmehr den 
Zeitpunkt fur gekommen ansah, dem nationalsozialistischen Deutschland in seinem Lebenskampfe 
gegen die britische Plutokratie in den Rticken zu fallen. Jetzt erst erfuhr das deutsche Volk, daB die 
Politik des Kremls dem Reich gegenuber eine permanente Kette niedertrachtigster Erpressungen und 
ubelsten Verrates gewesen ist. Die weiteren Dokumente haben in einer Note an die Sowjetregierung 
ihren Niederschlag gefunden. Sie sind ferner in einem Bericht des Auswartigen Amtes tiber die Propa- 
ganda und politische Agitation der Sowjetregierung, des Oberkommandos der Wehrmacht iiber den 
sowjetrussischen Aufmarsch gegen Deutschland und des Reichsministers des Innern sowie des 
Reichsfiihrers SS und Chefs der Deutschen Polizei iiber die gegen Deutschland und den Nationalsozia- 
lismus gerichtete Zersetzungsarbeit der UdSSR zusammengefaBt. Sie beweisen auf das eindriicklichste 
die Gefahr, in der sich Deutschland und damit Europa befand. All diese Dokumente sind so reich an 
Beweisen fur die von SowjetruBland drohende Gefahr, daB die Umwandlung des Friedenszustandes in 
den Kriegszustand, wie er sich so plotzlich noch nie vollzogen hatte, von jedem einzelnen Deutschen 
begriffen und gebilligt wurde. Insbesondere die Angehorigen der Nationalsozialistischen Deutschen 
Arbeiterpartei, groB geworden im Kampf gegen den Bolschewismus, sahen in dem Aufbruch der deut- 
schen Wehrmacht am 22. Juni in der Morgenfriihe die geradlinige Fortsetzung des alten antibolsche- 
wistischen und antijiidischen Kampfes der friiheren Jahre. Nur zu gut war gerade in den Kreisen 
der Partei verstanden worden, daB der PaktabschluB mit SowjetruBland eine iiberaus weitsichtige und 
fur den Freiheitskampf des Reiches gegen die britische Plutokratie notwendige MaBnahme war, daB 
aber auch mancherlei Griinde bestanden, an der wirklichen Geisteswandlung der Herrscher im Kreml 
zu zweifeln. 

Die ersten Wochen des deutsch-russischen Feldzuges, die Hintergriinde der verhangnisvollen so- 
wjet 

98 russischen Angriffsabsichten, die unmenschlichen Methoden der GPU und der Sowjetsoldateska, die 
sich schon in den ersten Kriegstagen schonungslos enthiillten, haben in einer Art und Weise ein ge- 
meinsames Fiihlen und Denken der europaischen Volker enthiillt, wie man es bis dahin noch nicht 
gekannt hat. Noch vor Monatsende sind Rumanien, Finnland, Ungarn und die Slowakei an Deutsch- 
lands Seite getreten. Freiwillige aus alien anderen europaischen Staaten, ausgenommen aus der 
Schweiz, meldeten sich fur die Freiwilligenverbande zum Kampf gegen den Weltfeind. Sympathieer- 
klarungen aus anderen Teilen der Welt, insbesondere aus Siidamerika, sind dem deutschen Volke in 
solch spontaner Herzlichkeit dargebracht worden, daB mit Recht von einem „Kreuzzug fur Europa" 
gesprochen werden kann. Die nationalsozialistische Auffassung dieses Kampfes geht noch einen 
Schritt weiter. Sie erkennt und hat Beweise dafiir, daB die Plutokratien und der Bolschewismus aus 
einer Wurzel gespeist werden, daB in ihnen das internationale Judentum am Werk ist, dessen Ziel es 
immer war und auch bleiben wird, den Nationalsozialismus und damit das deutsche Volk zu vernich- 
ten. 

Zum denkwiirdigen 22. Juni erlieB der Fiihrer einen Tagesbefehl an die Soldaten der Ostfront, in 
dem er ihnen die Aufklarung gibt, die er der Heimat in seinem Aufruf an das deutsche Volk gab. Seit 
den friihen Morgenstunden des 22. Juni 3.05 Uhr kampfen die deutschen Divisionen mit dem gleichen 
Elan, der sie im Westen befliigelt hat, gegen die sowjetrussischen Regimenter. Die antibolschewisti- 
sche Parole, die fast zwei Jahre geschwiegen hatte, beherrscht nunmehr wieder das politische Feld. 
Die fiihrenden Manner der nationalsozialistischen Bewegung, unter ihnen Reichsorganisationsleiter 
Dr. Ley und Reichsleiter Rosenberg, nahmen kurz nach Kriegsausbruch zu den durch diesen Kampf 
aufgeworfenen Fragen Stellung. Dr. Ley sprach am 23. 6. in der Breslauer Jahrhunderthalle. Er wiir- 
digte die weltgeschichtlich bedeutsame Entscheidung des Fiihrers und zeigte die Gemeinsamkeiten 
zwischen Plutokratie und Bolschewismus auf. Der heutige Tag erinnere uns an jene Zeit, so betonte 
der Reichsorganisationsleiter, da wir den Kampf gegen den Marxismus begannen und damals schon 
dem Fiihrer glaubten, der ohne „wenn" und „aber" die Entscheidung zwischen dem Bolschewismus als 



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dem Triumph des Judentums und der neuen deutschen Weltanschauung predigte. Es sei immer ein 
Kampf zwischen beiden Welten gewesen und nur ganz harmlose Menschen konnten erhebliche Unter- 
schiede erblicken zwischen der Welt der Plutokratie eines Churchill und dem auf der gleichen materia- 
listischen Ebene fuBenden Bolschewismus. Beides seien Machte der Verneinung. Ihnen stehe gegen- 
iiber unsere Auffassung von Arbeit, Leistung, Ehre und Gemein- 

99 schaftsgeist. Deutschland kampfe um seine nackte Existenz, und zwar seit 1914. Fruher habe man nur 
nicht gewuBt, um was es gegangen sei. Deshalb sei ein 1918 gekommen mit dem vollkommenen Nie- 
derbruch Deutschlands. Als Dr. Ley ausrief: „Der Glaube Adolf Hitlers hat Berge versetzt, und ich 
glaube daran, daB dieser Glaube an das deutsche Volk starker ist als die Welt der Plutokratie und des 
Bolschewismus", wurde er minutenlang von sturmischem Beifall unterbrochen. Stalin habe sich ktirz- 
lich dahingehend geauBert, daB Deutschland nur noch bis August warten mtisse, dann sei RuBland 
auch so weit. „Deutschland wartet nicht, Adolf Hitler schlagt zu, wenn es Zeit ist." So mancher fruhere 
Marxist habe wohl heute im ersten Augenblicke gedacht, warum machen wir Vertrage mit den Russen, 
wenn sie unsere Feinde sind? Diese Pakte muBten versucht werden, wie der Fuhrer auch alles versucht 
hat, um mit England in Frieden auszukommen. RuBland hat sie gebrochen. Was wurde es uns helfen, 
wenn wir gegen England den Krieg gewinnen und seine judischen Verbundeten in Moskau wiirden 
dann liber uns herfallen? Wenn wir heute mit dem Fuhrer, der immer Recht hatte und dem wir deshalb 
vertrauen, den entscheidenden Kampf um die Freiheit, die zugleich unsere Nahrungsfreiheit ist, wa- 
gen, dann wissen wir, daB wir es schaffen. Wer nicht kampfen will, geht unter, heute oder morgen. 
Wenn wir unser tagliches Brot fur die Jahrhunderte sichern wollen, dann jetzt! 

In der Nationalsozialistischen Parteikorrespondenz veroffentlichte am 23. Juni der Reichsleiter Al- 
fred Rosenberg einen Artikel, dessen bemerkenswerteste Ausfuhrungen in den folgenden beiden Ab- 
satzen enthalten sind: „Wir alle haben gewuBt, welch eine Uberwindung und welche Harte einer ntich- 
ternen Staatseinsicht notwendig gewesen sind, um den Vertrag mit der Sowjetunion 1939 herbeizuflih- 
ren. Wir haben den Bolschewismus als die extremste Erscheinung der marxistischen Gedankenwelt als 
unseren Todfeind 14 Jahre bekampft, und wir haben erlebt, wie nach der Machtubernahme alle seine 
offenen und getarnten Freunde in der Welt eine Hetze gegen Deutschland entfachten. Der Pakt mit der 
Sowjetunion hatte zum Zweck, durch eine kalte Staatsraison Deutschland vor einem gleichzeitigen 
Zweifrontenkrieg zu bewahren und damit die Chancen des Krieges im Westen entscheidend zu erho- 
hen. 

Heute, wo durch die dauernden Erpressungen des Bolschewismus der Kampf um die nationalsozia- 
listische Revolution und ein verjungtes Europa in das Stadium der letzten Entscheidung getreten ist, da 
dtirfen wir wohl aussprechen, daB dieser fur den Fuhrer schwere, aber von der Staatsnotwendigkeit 
diktierte EntschluB wohl Zehntausenden und aber Zehntausenden deutschen Soldaten das Leben be- 
wahrt und die gesamte Kampfkraft der deutschen Wehrmacht entscheidend gesteigert hat." So ftihrt 
nun Deutschland einen 

100 Verteidigungskampf von weltgeschichtlichem AusmaB. Die deutschen Divisionen heften erneut Sieg 
um Sieg an ihre Fahnen. 

Im Zusammenhang mit dem schmerzlichen Verlust der „B i s m a r c k" standen noch zwei Meldun- 
gen im Juni. Die erste vom 5. Juni berichtete, daB kurz nach der Vernichtung der „Hood" der Fuhrer 
und Oberste Befehlshaber der Wehrmacht auf Vorschlag des Oberbefehlshabers der Kriegsmarine, 
GroBadmiral Raeder, dem Ersten Artillerieoffizier des Schlachtschiffes „Bismarck", Korvettenkapitan 
Schneider, das Ritterkreuz zum Eisernen Kreuz verliehen habe. Die Verleihung erreichte Korvetten- 
kapitan Schneider noch auf funkentelegraphischem Wege. Er hat durch den glanzenden Einsatz der 
schweren Artillerie des Schiffes den britischen Schlachtkreuzer „Hood" bereits nach 5 Minuten ver- 
nichtet und anschlieBend sofort nach dem Zielwechsel auf das britische Schlachtschiff „Prince of 
Wales" Treffer erzielt, die den Feind zum Abdrehen zwangen. Man wird auch nicht fehl gehen, wenn 
man annimmt, daB die schweren Beschadigungen der „Rodney", die Vernichtung der beiden vorderen 
Geschutzturme, ebenfalls auf die hervorragenden artilleristischen Fahigkeiten von Korvettenkapitan 
Schneider und seiner Mannschaft zuruckzufuhren sind. Sie wurden erst beim Einlaufen der „Rodney" 
in einen amerikanischen Hafen, wo das Schiff fur mehrere Monate ins Dock gehen muBte, anfangs Juli 
bekannt. Die zweite Meldung bestatigte den Tod des Flottenchefs, Admiral Luetjens, beim Untergang 
des Schlachtschiffes „Bismarck". Zu seinem Nachfolger hat der Fuhrer und Oberste Befehlshaber der 
Wehrmacht den bisherigen Chef des Stabes der Seekriegsleitung, Admiral S c h n i e wind, ernannt. 

Den beiden erfolgreichsten deutschen Jagdfliegern, Oberstleutnant G a 1 1 a n d und Oberstleutnant 
Molders, lieB der Fuhrer erstmalig eine ganz besondere Ehrung zuteil werden. Er verlieh den bei- 



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den Fliegeroffizieren am 23. Juni, Oberstleutnant Molders fiir die Vernichtung seines 72. Gegners und 
Oberstleutnant Galland fiir die Vernichtung seines 69. Gegners, das Eichenlaub mit Schwertern zum 
Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes. Der Fiihrer richtete an die beiden Offiziere aus diesem AnlaB herz- 
lich gehaltene Gliickwunschtelegramme. 

Drei weitere verdiente U-Bootskommandanten erhielten im Laufe des Juni vom Fiihrer das Eichen- 
laub zum Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes. Es sind dies Kapitanleutnant Liebe, Oberleutnant zur See 
E n d r a 6 und Kapitanleutnant Schultze. Hauptmann Ihlefeld, Kommandeur einer Jagdgruppe, errang 
am 26. Juni seinen 39. und 40. Luftsieg. Als 16. Offizier der deutschen Wehrmacht erhielt er das Ei- 
chenlaub zum Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes. 

101 Eine bemerkenswerte Leistung vollbrachte der Steuermannsmaat Paul Meyer, der vom Oberbefehls- 
haber der Kriegsmarine wegen besonderer Auszeichnung vor dem Feinde zum Leutnant zur See be- 
fordert wurde. Meyer befand sich als Unteroffizier an Bord eines deutschen Hilfskreuzers und erhielt 
den Auftrag, eine wertvolle Prise in die Heimat zu bringen. Er hat das aufgebrachte Schiff als Prisen- 
kommandant mehr als 10 000 Seemeilen sicher gefuhrt. Mit einer Prisenbesatzung von nur wenigen 
Mann hat der 23jahrige Unteroffizier die Besatzung des aufgebrachten Schiffes auf wochenlanger 
Seefahrt durch vom Feind patrouillierte Gewasser in Schach gehalten. Mit der gliicklichen Einbrin- 
gung dieses Schiffes in einen heimischen Stiitzpunkt ist fiir die deutsche Ernahrungswirtschaft ein 
besonders wertvoller Beitrag geleistet worden. 

Vom 3. bis 19. Juni haben in Berlin Verhandlungen zwischen Deutschland und Italien iiber die 
kriegswirtschaftliche Zusammenarbeit und iiber eine Reihe weiterer, die wirtschaftlichen Beziehungen 
zwischen den beiden Landern betreffenden Fragen stattgefunden. Insbesondere wurden dabei auch die 
Probleme behandelt, die sich aus den letzten politischen Veranderungen in Siidosteuropa fiir die wirt- 
schaftlichen Interessen Deutschlands und Italiens in den betreffenden Gebieten ergeben. Das wichtig- 
ste Ergebnis der Verhandlung war die Ausarbeitung eines alien Bediirfnissen der Kriegswirtschaft 
Rechnung tragenden gemeinsamen Programms fiir die Rohstoffversorgung der beiden Lander fiir die 
zweite Halfte des bis zum 31. Dezember 1941 laufenden Vertragsjahres. 

Auf Einladung des Reichsministers Dr. Goebbels traf am 21. Juni der italienische Minister fiir 
Volkskultur, Alessandro Pavolini, zu einem mehrtagigen Besuch in der Reichshauptstadt ein. Dr. 
Goebbels und Reichspressechef Dr. Dietrich hatten mehrfach Besprechungen mit dem italienischen 
Gast. Pavolini wurde auch vom Reichsminister des Auswartigen von Ribbentrop empfangen. Am 23. 
Juni empfing der Fiihrer Minister Pavolini in Gegenwart von Reichsminister Dr. Goebbels. 

Am 15. Juni bereitete die Stadt Hannover dem Kaiserlich Japanischen Botschafter in Berlin, General 
s h i m a, einen Tag deutsch-japanischer Freundschaft. AnlaB zu diesem Besuch war die Tatsache, 
daB die Universitat Gottingen Botschafter Oshima das Ehrenbiirgerrecht verlieh. Die Stadt Hannover 
empfing den japanischen Botschafter aufs herzlichste. Am Nachmittag fand im LeineschloB die Griin- 
dung einer Zweigstelle der Deutsch- Japanischen Gesellschaft start. Hierbei wiirdigte Gauleiter Lauter- 
bacher die Verdienste des Botschafters um das Zustandekommen des Dreimachtepaktes. General Os- 
hima erklarte in einer langeren Ansprache, das Verhaltnis zwischen der arteigenen Kultur Japans und 
Deutschlands zueinander sei 

102 erfreulich in die Breite und Tiefe gewachsen. Der Weg zu dem sich Deutschland, Italien und Japan 
zusammengefunden hatten, sei der geradeste und kiirzeste Weg zum Weltfrieden. 

Am 13. Juni gab Reichspressechef Dr. Dietrich im Kaiserhof zu Ehren des in Berlin weilenden Pres- 
sechefs der bulgarischen Regierung, Dr. Nicolaeff, einen Empfang, der im Zeichen der deutsch- 
bulgarischen Freundschaft und der Zusammenarbeit beider Volker auf dem Gebiet der Presse stand. 
An dem Empfang nahm auch der bulgarische Gesandte in Berlin, Draganoff, teil. In einer kurzen An- 
sprache hob Dr. Dietrich die freundschaftlichen Gefiihle hervor, mit denen Deutschland den Weg Bul- 
gariens in die Zukunft des neuen Europa begleitet. Der Reichspressechef skizzierte sodann die Grund- 
gedanken einer neuen Presseordnung, die getragen ist von der Idee wirklicher nationaler, journalisti- 
scher Verantwortung und der vertrauensvollen pressepolitischen Zusammenarbeit von Volk zu Volk. 
Der bulgarische Pressechef, Dr. Nicolaeff, brachte in seiner Erwiderung die politische und kulturelle 
Verbundenheit Deutschlands und Bulgariens zum Ausdruck. Der ewige Dank des bulgarischen Volkes 
gegeniiber dem deutschen Volk und seinem Fiihrer habe sich in Dank und Liebe fiir den deutschen 
Soldaten verwandelt, der nach kaum 24 Stunden das Herz des gesamten bulgarischen Volkes fiir sich 
gewann. Das Gelobnis Treue um Treue sei die starkste Prophezeiung fiir die Zukunft Bulgariens. 

Wahrend an der Grenze des Generalgouvernements die Bedrohung des Bolschewismus ihr Haupt 
erhob, plante Generalgouverneur Reichsminister Dr. Frank unbeirrt den weiteren Ausbau seines Re- 



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gierungssitzes. Nach seinem Wunsche soil die alte deutsche Handels- und Hansestadt Krakau wieder 
zu einem Zentrum des deutschen geistigen und kulturellen Lebens werden. Nachdem bereits vor mehr 
als Jahresfrist das Institut fur deutsche Ostarbeit gegriindet, das Staatstheater des Generalgouverne- 
ments geschaffen und eine Philharmonie ins Leben gerufen worden ist, wurde in diesem Jahre die 
Staatsbibliothek, das modernste Bibliotheksgebaude Europas, eingeweiht. Ferner hat der Generalgou- 
verneur durch Stiftung eines Coppernikus- und eines Veit StoB-Preises sowie durch die kiirzlich voll- 
zogene Griindung der Veit StoB-Akademie fur Bildende Kiinste in Krakau das Fundament des deut- 
schen Geisteslebens wesentlich erweitert. Als Kronung des groBen Aufbauwerkes ist die Schaffung 
der Copperniku s-Universitat anzusehen, die in einem eigenen Krakauer Stadtviertel unterge- 
bracht werden wird. Der mit der Planung fur dieses Werk beauftragte President der Hauptabteilung 
Wissenschaft und Unterricht in der Regierung des 

103 Generalgouvernements, W a t z k e , auBerte sich iiber die Aufgaben dieser neuen Ostuniversitat. Sie 
wird drei Fakultaten, eine geisteswissenschaftliche, eine biologische und eine mathematisch- 
technisch-physikalische besitzen, wobei hervorzuheben ist, daB die biologische Fakultat etwas Neues 
im deutschen Hochschulleben sein wird. Diese neue Ostuniversitat soil ein typisch nationalsozialisti- 
sches Geprage erhalten und auf dem Grundsatz der Gemeinschaftserziehung errichtet werden. 

Aus Den Haag wird unter dem 3. Juni berichtet, daB dort fiir die mannliche und weibliche Jugend 
vom 1 8. Jahre ab die Arbeitsdienstpflicht eingefuhrt ist. Es besteht der Plan, den Arbeitsdienst auf eine 
jahrliche Starke von 50000 Mann zu bringen, die in 160 Abteilungen untergebracht werden sollen. 

Am 17. Juni waren es ftinf Jahre, daB der Ftihrer den Reichsfuhrer Iflf, Himmler, zum Chef der 
Deutschen Polizei ernannte. Dieses Amt ist eine Neuschopfung der nationalsozialistischen Revolution. 
Im Zuge der Konzentration der Krafte hatte der Reichsfuhrer A seit den Marztagen 1933 zunachst 
schrittweise die Leitung der Landerpolizeien ubernommen, eine Entwicklung, die dann vor ftinf Jahren 
in der Schopfung des Amtes des „Chefs der Deutsehen Polizei" ihren AbschluB fand. So wurden auf 
einem der wesentlichsten Sektoren des offentlichen Lebens die Ziele der Reichseinheit und der Ein- 
heitlichkeit der staatlichen Exekutive eine noch nie vorhandene Starkung der polizeilichen Schlagkraft 
erreicht. 

Reichsfuhrer A Himmler hat in stiller, zaher und energischer Arbeit die deutsche Polizei geschaffen. 
Der Dienst in der Polizei ist soldatischer Dienst. Er entspricht den modernsten Anforderungen. Reichs- 
fuhrer SS Himmler hat in vielen Erlassen und bei vielen Gelegenheiten darauf hingewiesen, daB die 
deutsche Polizei alien anstandigen Menschen Freund und Heifer, den Volks- und Staatsfeinden aber 
ein stets uberlegener Gegner und ein gerechter Vollstrecker des Volkswillens sein soil. SS und Polizei 
stehen nach dem Willen des Fuhrers vereint bereit, die innere Sicherheit des GroBdeutschen Reiches 
zu gewahrleisten. Der Krieg hat die Aufgaben der deutschen Polizei vervielfaltigt. Die Manner der 
Polizei wurden in den letzten Jahren vor bisher unbekannte Aufgaben gestellt und haben sie uberall 
bewaltigt. Viele von ihnen kampfen in den Reihen der Wehrmacht, der Waffen-SS und der SS- 
Polizeidivision. 

In Anwesenheit des Reichsorganisationsleiters Dr. Ley eroffnete Reichspostminister Dr. Ohnesorge 
am 6. Juni das von der Deutschen Reichspost geschaffene Schulungsl a g e r fur die weiblichen Ge- 
folgschaftsmitglieder der Deutschen Reichspost. Dr. Ley zeigte den Teilnehmerinnen des ersten Schu- 
lungslagers den Weg der Partei von der Idee zu einer Macht auf, die iiber die Erde hinwegbraust. „Wir 
stehen an 

104 der Wende einer neuen Zeit, eine alte Welt bricht zusammen und wir sind die Trager einer neuen. 
Gerade in groBen Zeiten sei es notwendig, iiber die weltanschaulichen Fragen nachzudenken, und dazu 
sei auch das neue Schulungslager entstanden. Dr. Ley betonte auch, keine Frau solle bei aller Pflicht- 
erflillung und Berufstreue vergessen, daB es ihre hochste und wichtigste Berufung sei, einmal Mutter 
zu werden. 

Der Gauleiter und Reichsstatthalter von Mecklenburg, Hildebrandt, hat an die Parteidienststellen 
und Behorden Richtlinien fiir den Bau von Landarbeiterwohnungen und die Anlage von Wohndorfern 
gegeben, die von ihm auf Grund jahrelanger personlicher Studien bearbeitet wurden. Sie diirften in 
ihrer Klarheit richtunggebend fiir das ganze Reich werden, wo immer landlicher Wohnungsbau zur 
Debatte steht. Im Gau Mecklenburg werden diese Richtlinien und die darin enthaltenen Bedingungen 
zugleich Voraussetzung bilden fiir die Moglichkeit staatlicherseits Zuschiisse fiir den Wohnungsbau 
zu erhalten. Niemand, der die Frage des Arbeitermangels auf dem Lande und das Problem der Land- 
flucht kennt, wird die Bedeutsamkeit der Plane des Gauleiters und Reichsstatthalters Hildebrandt un- 
terschatzen. Wahrend der Landarbeiter- Wohnungsbau bisher durchweg nach materialistischen Ge- 



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sichtspunkten durchgeflihrt wurde, sollen die neuen Bauten losgelost vom Wirtschaftsbetrieb sein, 
unter Ausnutzung hygienischer und kultureller Erfahrungen und unter Betonung des Gemeinschafts- 
gedankens. In jedem Kreise Mecklenburgs wird mindestens ein Mustergut und ein Musterbauernhof 
entwickelt werden, die beispielgebend sein sollen fur die weiteren Planungen. Bei Neuanlagen von 
Wohndorfern sollen diese frei von Quellen und Wasseradern sein, da diese erfahrungsgemaB die Ge- 
sundheit beeintrachtigen und die Gefahren des Blitzschlages erhohen. AuBerdem sind sie in gtinstiger 
Sonnenlage zu errichten. Fur die Hauser sind Doppelfenster vorgesehen, sie sollen ausreichende Kel- 
ler besitzen, Wohn- und Schlafzimmer sollen zur Sonnenseite gerichtet sein, und die Wasserversor- 
gung soil unabhangig vom Hof angelegt werden. Diese Richtlinien sind Ausgangspunkt einer Ent- 
wicklung, die sofort nach der siegreichen Beendigung des Krieges beginnen wird. Gauleiter Hilde- 
brandt, der bekanntlich selbst aus dem Landarbeiterstand hervorgegangen ist, hat hier ein Programm 
aufgestellt, das unter Mitwirkung von Staat, Partei und Betriebsfiihrern auch in dieser Hinsicht eine 
Umwertung der Landarbeit bringen wird. 

Auch auf dem Gebiete des stadtischen Wohnungsbaues werden zur Zeit schon immer mehr Konse- 
quenzen aus dem ErlaB des Fuhrers vom 15. November 1940 gezogen, der eine grundlegende Umge- 
staltung des bisherigen sozialen Wohnungsbaues in Aussicht stellt. Obwohl die Grundsatze dieses 
Fiihrerer- 

105 lasses erst fur den Wohnungsbau in der Zeit nach dem Kriege Geltung haben sollten, hat der 
Reichskommissar fur den sozialen Wohnungsbau dennoch bestimmt, daB die vom Ftihrer Testgesetz- 
ten Richtlinien bezuglich der RaumgroBe und der Ausstattung auch schon auf die jetzt im Bau befind- 
lichen Wohnbauten, soweit wie irgend moglich angewendet werden. Nach Moglichkeit sollen auch 
jetzt schon wahrend des Krieges Vierraumwohnungen erstellt werden, da diese Kategorie der Woh- 
nungen am meisten gefragt ist. 

Die Deutsche Arbeitsfront hat auf Initiative von Reichsorganisationsleiter Dr. Ley eine grundsatz- 
lich neue bedeutsame Institution geschaffen, deren Aufgabe es sein soil, dem vorbildlichen nationalso- 
zialistischen Betriebsfuhrer von morgen das letzte Geprage zu geben. Bei der neuen Institution handelt 
es sich um die erste Betriebsfuhrerakademie der D A F., die demnachst in Wien ihre Arbeit aufnehmen 
soil. Eine zweite Akademie dieser Art wird spater in Berlin errichtet werden. Wie dazu vom Amt fur 
Berufserziehung und Betriebsfiihrung der DAF mitgeteilt wird, soil dieses Institut sinnfalliger Aus- 
druck der nationalsozialistischen Auffassung von Arbeit, Bewertung des Arbeiters und verantwor- 
tungsbewuBter Menschenfiihrung sein und damit den Gegensatz zu Bolschewismus und Plutokratie 
zeigen. Es sei, so wird weiter gesagt, nur selbstverstandlich, daB bei dieser Entwicklung der Betriebs- 
fuhrer ein „gelernter Betriebsfuhrer" sein mtisse, ein berufliches und menschliches Vorbild seiner Ge- 
folgschaft, ein Mann, der nicht deshalb auf seinem Platze steht, weil er der reichste, sondern weil er 
der beste ist. Wie ferner die Wehrmacht ihre Generalstabler hat, so solle auch die Wirtschaft einmal 
ihre „Werkstabler" haben. Schon seit langem hat die DAF Reichsschulen fiir Arbeitsfiihrung geschaf- 
fen, in denen Werkmeister, Anlernerinnen, Arbeitsfiihrungslehrgange fiir betriebliche Unterfiihrer 
durchgeflihrt werden. Die Ergebnisse der Leistungswettkampfe zeigen, wie stark das deutsche Unter- 
nehmertum schon vom nationalsozialistischen Gedankengut erfaBt sei. Die allerbesten der Betriebs- 
fuhrer, die Leiter der NS-Musterbetriebe und hervorragend bewahrten Inhaber von Gaudiplomen sol- 
len auf der neuen Betriebsfuhrerakademie fiir zunachst 10 Tage vereint werden. Personlichkeitsgestal- 
tung, Betriebskultur und Menschenpflege sind einige Grundthemen der Akademie, nicht zuletzt auch 
das fiir den Arbeitseinsatz so fundamentale Gebiet der Frau im Betriebe. Die Pioniere des vorbildli- 
chen nationalsozialistischen Betriebsfiihrertyps, die von hier ausgehen wiirden, bildeten iiberhaupt erst 
die Voraussetzung fiir die allmahliche Schaffung eines deutschen Betriebsfiihrernachwuchses. Dieser 
Nachwuchs wurde einmal nach AbschluB seiner schulischen und beruflichen Ausbildung mindestens 
ein halbes Jahr auf diese Akademie gehen. Er werde danach ein Betriebsfiihrerprakti- 

106 kum unter einem bewahrten Betriebsfuhrer selbst zu absolvieren haben, ehe er ein fertiger Betriebs- 
fuhrer sein konne. 

Die Aufgaben, die auf die deutsche Arbeitskraft nach dem Kriege warten, sind riesengroB, groBer 
als vor diesem und wahrend dieses Krieges. So wird ein groBziigiges Aufbauprogramm fiir das deut- 
sche Bauerntum durchgeflihrt werden miissen, fiir das ein Investitionsbedarf von mehr als 40 Milliar- 
den Mark veranschlagt worden ist. Die deutsche Kohlenwirtschaft wird fiir die Versorgung Europas 
mit Heizmaterial groBere Aufgaben zu bewaltigen haben. Dazu kommen der Ausbau deutscher Stadte 
und der Wiederaufbau in den neuen Gebieten, die Reichsautobahnen, die WasserstraBen, der soziale 
Wohnungsbau, die Energiewirtschaft. SchlieBlich werden wir auch in Zukunft dafiir sorgen miissen, 



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daB wir die beste und technisch vollkommenste Wehrmacht der Welt behalten. Dies alles erklart, daB 
man sich heute schon Sorge macht liber die Spannung zwischen dem Bedarf und dem Angebot an 
Arbeitskraften. In der „Wirtschaftspolitischen Parole" untersucht Dr. Stothfang, der personliche Refe- 
rent des Staatssekretars Syrup im Reichsarbeitsministerium, die Frage, wie diesem Problem entgegen- 
getreten werden kann. Die verstarkte Hereinnahme auslandischer Arbeitskrafte wird auch nach dem 
Kriege zur Deckung des Bedarfes beitragen miissen. Weiter wird es notwendig sein, einen hohen 
Stand der Frauenbeschaftigung aufrechtzuerhalten. Desgleichen wird Wert auf die starkere Mitarbeit 
der Alteren gelegt. Alters ftirsorge, Berufserziehungswerk, Nachwuchslenkung und Ausbau der Ge- 
sundheitsftihrung werden dazu beitragen, die Kapazitat der Arbeitskraft auszuweiten. Dr. Stothfang 
verbreitet sich des weiteren in diesem Aufsatz iiber die Probleme der starkeren Konzentration der 
volkswirtschaftlichen Produktion und fordert auch energisch eine Einschrankung der oft ungebuhrlich 
aufgeblahten Verwaltungstatigkeit. 

Das kulturelle Leben wird auch im kommenden Sommer nach Moglichkeit im bisherigen Umfange 
weiter gefuhrt werden. Die Festspiele der verschiedenen Art werden aber ganz besonders den deut- 
schen Soldaten zugute kommen. So werden die in der Zeit vom 2. bis 24. August wieder in Salzburg 
stattfindenden Festspiele auf Veranlassung von Reichsminister Dr. Goebbels in erster Linie von An- 
gehorigen der Wehrmacht besucht werden. Im Gedenkjahre des 150. Todestages von Mozart sollen 
besonders glanzvolle Auffuhrungen des „Don Juan" und von „Figaros Hochzeit" vorbereitet werden. 
Daneben werden der „Rosenkavalier" von StrauB und Shakespeares „Viel Larm um nichts" im Spiel- 
plan enthalten sein. Zahlreiche Mozartkonzerte werden das Salzburger Festspielprogramm umrahmen 
und den deutschen Soldaten Entspannung und Freude vermitteln. 

107 Im Laufe des Juni wurden von der Reichsjugendfuhrung erneut Richtlinien fur den Einsatz der 
Jugend in der Landwirtschaft herausgegeben. In Anlehnung an die Bestimmung des Vorjahres wird 
angeordnet, daB wegen der Verschiedenartigkeit der Verhaltnisse in den einzelnen Gauen die Gaulei- 
ter tiber den Umfang des Jugendeinsatzes und die Notwendigkeit einer SchlieBung von Schulen oder 
Klassen fur ihren Bereich die Entscheidung treffen. Eine allgemeine SchlieBung der Schulen auf lan- 
gere Zeit erscheint dabei unzweckmaBig und diirfte auch nicht notwendig sein. — Am 10. Juni sprach 
in der Aktion „Fronfkampfer sprechen zur Hitlerjugend" im Berliner Sportpalast Ritterkreuztrager 
Korvettenkapitan Erdmenger iiber den Einsatz der deutschen Kriegsmarine bei der Besetzung Norwe- 
gens im Fruhjahr 1940. Der Sportpalast stand im Zeichen des fur diese Aktion bezeichnenden Leitsat- 
zes: „Nicht Schiffe kampfen, sondern Menschen." 

In einem Staatsakt im groBen Saal des Gewandhauses zu Leipzig erfolgte am Sonntag, den 8. Juni, 
die Umbenennung des Landeskonservatoriums in die „Staatlichen Hochschulen fur Musik, Musiker- 
ziehung und Darstellende Kunst" durch Reichsminister R u s t. In seiner Eroffnungsrede erinnerte der 
Minister daran, daB vor nahezu 100 Jahren, im Jahre 1843, das erste Konservatorium fur Musik in 
Deutschland in der Stadt Leipzig gegriindet worden sei. Reichsminister Rust betonte, daB diese zweite 
Musikhochschule nach dem Muster der ersten Hochschule ihrer Art, wie sie vor 2 Jahren in Salzburg 
gegriindet wurde, aufgebaut sein soil. 

Am 24. Juni beging Staatsrat Heinz T i e t j e n , Generalintendant der PreuBischen Staats theater, 
seinen 60. Geburtstag. Der Fiihrer hat dem verdienten Kunstler aus diesem AnlaB in Anerkennung 
seiner erfolgreichen Arbeit im Dienst der deutschen Kunst die Goethe-Medaille fur Kunst und Wis- 
senschaft verliehen. Reichsmarschall Goring ubermittelte dem Generalintendanten ebenfalls seine 
herzlichen Gluckwunsche und wiirdigte dabei das verdienstvolle Schaffen Tietjens als Generalinten- 
dant der PreuBischen Staats theater und Leiter der Staatsoper. 

Am 4. Juni ist der ehemalige Kaiser Wilhelm II. um 11.30 Uhr im 83. Lebensjahre gestorben. Sei- 
nem eigenen Wunsche entsprechend wurde der friihere Kaiser im Park des Schlosses Doom mit mili- 
tarischen Ehren beigesetzt. Als Vertreter des Fuhrers nahm der Reichskommissar fur die Niederlande, 
Reichsminister Dr. SeyB-Inquart, an der Beisetzung teil. Er legte auch den Kranz des Fuhrers nieder. 
Die militarischen Ehren erwies ein aus den drei Wehrmachtteilen zusammengesetztes Ehrenbataillon. 
Unter den zahlreichen Trauergasten waren zugegen der greise Feldmarschall v. Mackensen, der Fiihrer 
des Nationalso- 

108 zialistischen Kriegerbundes, General der Infanterie Reinhard, als Vertreter der einzelnen Wehrmacht- 
teile waren erschienen General der Flieger Christiansen fur den Reichsmarschall und Oberbefehlsha- 
ber der Luftwaffe, Admiral Densch fur den Oberbefehlshaber der Kriegsmarine, Generaloberst Haase 
fur den Oberbefehlshaber des Heeres und Admiral Canaris fur den Chef des Oberkommandos der 



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Wehrmacht. Unter Trommelwirbel und der Retraite wurde der Sarg in der Gruft beigesetzt, wahrend 
drei Ehrensalven ertonten. 

Die deutsche Presse ging in Gedenkartikeln auf das Leben und die Person des friiheren Kaisers ein. 
Aus dem Gesichtspunkt unserer nationalsozialistischen Gegenwart wurden dabei auch Worte der Kri- 
tik gesprochen, denen allerdings — ein schones Zeichen fur den versohnenden Geist der Zeit — jegli- 
che Bitterkeit fehlte. In fast alien Aufsatzen wurden die glanzenden Anlagen Wilhelms II. anerkannt. 
Auch wurden nirgends Zweifel geauBert, an seinem ehrlichen Willen, als Herrscher das beste zu tun. 
Die in seiner Regierungszeit in Erscheinung tretenden Schwachen seines Wesens wurden erkannt als 
Folgen eines mangelnden festen Willens. In den Kreis der Betrachtungen wurden auch die Ereignisse 
gezogen, die zum Ausbruch des Weltkrieges fuhrten. Nie ist von deutscher Seite die Friedensliebe des 
Kaisers in Zweifel gezogen worden, sogar Geschichtsschreiber aus den Reihen der Gegner im Welt- 
kriege haben, nachdem die erste Zeit ungerechter Beurteilung nach dem Weltkrieg voriibergegangen 
war, dem friiheren Kaiser in dieser Angelegenheit Gerechtigkeit zukommen lassen. Wilhelm II. wird 
in der Geschichte, das ist im wesentlichen der Tenor der deutschen Presse gewesen, eingehen als ein 
typischer Vertreter seiner Zeit, ihres Glanzes und ihrer Schwache. Mit ihm scheidet der letzte Vertreter 
einer Zeit, die durch die kraftvolle Erscheinung der nationalsozialistischen Revolution geschichtlich 
iiberwunden ist. 





Aniljiriijiiiiiilliiilk 

109 Deutschlands Politik und Kriegfiihrung hat nach den groBartigen Erfolgen der Monate April und 
Mai im Juni neue Erfolge erzielt, und zu noch gewaltigeren Taten ausgeholt. Nachdem am 1. Juni die 
Eroberung von Kreta als abgeschlossen gemeldet werden konnte, ist am 18. Juni in Ankara ein 
Freundschaftsvertrag zwischen der Tiirkei und Deutschland (siehe Seite 93) unterzeichnet worden. 
Gleichzeitig wurde in einem Notenwechsel vereinbart, die wirtschaftlichen Beziehungen zwischen 
beiden Landern moglichst auszuweiten. Ferner wurde eine gemeinsame Erklarung abgegeben, nach 
der Presse und Rundfunk beider Lander in ihren Veroffentlichungen und Sendungen stets dem Geist 
der Freundschaft und des gegenseitigen Vertrauens Rechnung tragen sollen, der die deutsch-tiirkischen 
Beziehungen charakterisiert. 

Dieses Vertragswerk bedeutet einen wesentlichen Erfolg der deutschen Politik, wie allenthalben in 
der Welt bemerkt worden ist. Es stellt zugleich, wie auch der tiirkische AuBenminister Saracoglu in 
seiner anlaBlich der Ratifikationsdebatte iiber den Vertrag im tiirkischen Parlament gehaltenen Rede 
unterstrichen hat, die Riickkehr zu einem Zustand der deutsch tiirkischen Beziehungen dar, der als hi- 
storisch bezeichnet werden kann, und demgegeniiber die durch das Biindnis der Tiirkei mit England 
erfolgte Storung nur als ein Intermezzo anzusehen ist. Wenn man sich erinnert, welche Absichten und 
Hoffnungen die englische Politik hinsichtlich der Tiirkei seit dem Ausbruch des Krieges gehabt hat, 
wie sie auch durch die in den WeiBbiichern 6 und 7 veroffentlichten Dokumente vielfach bestatigt 
werden, so erscheint der deutsch-tiirkische Freundschaftsvertrag als vorlaufiger AbschluB einer diesen 
englischen Absichten und Hoffnungen zuwiderlaufenden Entwicklung. Das tiirkische Parlament hat 
den Vertrag am 25. Juni einstimmig gutgeheiBen. 

Vier Tage nach dem AbschluB des deutsch - tiirkischen Freundschaftsvertrages begann eine neue 
Aktion der deutschen Politik, die die an Uberraschungen von deutscher Seite allmahlich gewohnte 
Welt geradezu erschiitterte und die gesamte Menschheit irgendwie zur Stellungnahme zwang: In den 
friihen Morgenstunden des 22. Juni trat die deutsche Wehrmacht im Osten zum Kampf gegen den 
Bolschewismus, zur militarischen Auseinandersetzung mit der Sowjetmacht an. 

110 Durch den Aufruf des Fiihrers an das deutsche Volk (siehe Seite 73), den Reichsminister Dr. 
Goebbels im Rundfunk bekanntgab, durch die Note des Auswartigen Amtes (siehe Seite 80), die der 



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Reichsminister des Auswartigen, von Ribbentrop, im historischen Bundesratssaal des Auswarti- 
gen Amtes der Weltpresse und dem deutschen Volke mitteilten, und durch die gleichzeitig erfolgte 
Veroffentlichung eines Berichts des Auswartigen Amts liber die Propaganda und politische Agitation 
der Sowjetregierung, ferner eines Berichts des Oberkommandos der Wehrmacht an die Reichsregie- 
rung liber den sowjetrussischen Aufmarsch gegen Deutschland sowie eines Berichtes des Reichsmini- 
sters des Innern und des Reichsfuhrers A an die Reichsregierung liber die gegen Deutschland und den 
Nationalsozialismus gerichtete Zersetzungsarbeit der Sowjetunion erfuhr das deutsche Volk und die 
ganze Welt, daB die Stunde einer welthistorischen Entscheidung geschlagen habe, und erfuhren sie 
zugleich die Hintergrunde dieser Entscheidung: Die Periode des Ausgleichs und der Verstandigung 
zwischen Nationalsozialismus und Bolschewismus, zwischen GroBdeutschland und der Sowjetunion, 
die mit dem AbschluB eines Nichtangriffspakts am 23. August 1939 und eines Grenz- und Freund- 
schaftsvertrages vom 28. September 1939 begonnen hatte, war beendigt. Es begann die Phase des un- 
erbittlichen Kampfes, der letzten Auseinandersetzung auf Leben und Tod. Die genannten Dokumente 
beleuchten alle Seiten dieser groBen Wandlung und geben ihre Griinde bekannt: Mit dem Bolsche- 
wismus ist keine Verstandigung moglich, weil seine politische und soziale Doktrin die Vernichtung 
alles dessen bedeuten und bezwecken, was den Sinn unseres Lebens und unserer Auffassung von 
Staat, Gesellschaft, Kultur, vom privaten und offentlichen Leben ausmacht. 

Fur den Kreml war der gegenwartige Krieg von Anfang an nur eine Etappe auf dem Wege zur Welt- 
revolution und zur Eingliederung Europas in das wirtschaftliche und politische System der Sowjet- 
macht und des Bolschewismus. Die Verstandigung mit Deutschland hat Stalin nur angenommen, um 
den Kriegsausbruch sicherzustellen, um die Volker Europas auf das auBerste zu schwachen, dabei 
moglichst groBen territorialen Gewinn einzustreichen, und um dann im geeigneten Moment Deutsch- 
land und damit Europa in den Rue ken zu fallen. Die von Stalin und der ganzen bolschewistischen Leh- 
re stets vertretene Auffassung, daB die Rote Armee die Armee der Weltrevolution sei, daB der ganze 
mit ungeheuerlichem MenschenverschleiB durchgefiihrte Industrieaufbau der Ftinfj afire splane nur die 
machtmaBige Grundlage fur die militarische Durchsetzung der Weltrevolution schaffen sollte, all dies 
war durch die scheinbare deutsch-sowjetische Verstandigung des Herbstes 1939 unberlihrt geblieben. 
Ill Deutschland ist durch die ungeheuren Erfolge Adolf Hitlers in die Flihrerrolle in Europa 

hineingewachsen. Aus dieser Stellung ergibt sich zwangslaufig die Aufgabe der Auseinandersetzung 
mit dem Bolschewismus. Nachdem Deutschland den Kontinent englandfrei und militarisch zu einem 
geschlossenen Gebiet gemacht hat, fallt ihm in gleicher Weise die Aufgabe zu, diesen Zustand gegen 
die angelsachsischen Machte auf der einen und gegen den Bolschewismus auf der anderen Seite zu 
verteidigen und endgultig zu sichern. Der gegenwartige Krieg ist damit in eine neue entscheidende 
Phase getreten. Sein europaischer und grundsatzlicher Charakter enthlillt sich nun erst in ganzer Gro- 
Be. Deutschland erscheint nunmehr nicht nur als der Schopfer einer neuen europaischen Ordnung, 
sondern auch als der Verteidiger der abendlandischen Kultur gegen bolschewistisch-asiatische Barba- 
rei. Die Resonanz, die das gewaltige Ereignis des 22. Juni innerhalb und auBerhalb Europas gefunden 
hat, zeigt, daB die Erkenntnis solcher Zusammenhange auch in vielen Kopfen dammert, die bisher von 
der Phraseologie Englands und seiner Mitlaufer verdunkelt worden sind. Auch in der Tatsache, daB in 
den Kampf gegen den Bolschewismus Finnland, die Slowakei, Ungarn und Rumanien miteingegriffen 
haben, daB italienische Truppen auf dem Anmarsch zur russischen Front sind, und daB in den nordi- 
schen Landern und in Spanien sich Freiwillige in groBer Zahl sammeln, um an der europaischen Auf- 
gabe dieses Kampfes mitzuwirken, ist ein Beweis fur diese Erkenntnis. 

Uber der Wiirdigung der Bedeutung des 22. Juni darf man die genaue Lekture der an diesem Tage von 
der deutschen Regierung veroffentlichten Dokumente nicht vergessen. Sie stellen in ihrer Gesamtheit 
ein neues WeiBbuch von durchschlagender Beweiskraft dar, aus dem wir eine Flille hochst wissens- 
werter und wichtiger Dinge erfahren, die bisher unbekannt geblieben sind, weil, wie der Fuhrer selbst 
es in seinem Aufruf mehrfach unterstrich, die deutsche Politik sich lange Schweigen auferlegen muB- 
te. Die aggressive imperialistische Politik der Sowjetunion wird durch die neuen Dokumente erwiesen. 
Von hochstem Interesse ist besonders, was wir liber den Besuch Molotows in Berlin erfahren und von 
den vier Forderungen, die Molotow bei dieser Gelegenheit vorbrachte, namlich die Auslieferung Ru- 
maniens und Finnlands an die Sowjets, die militarische Besetzung Bulgariens und der Meerengen 
durch sowjetische Truppen, Forderungen, die natlirlich abgelehnt wurden, abgelehnt werden muBten. 
Betrachtet man die Karte Europas, wie sie nach Erfullung der Forderungen Molotows ausgesehen 
haben wlirde, so wird klar, daB der Bolschewismus dann nicht nur Skandinavien, sondern auch den 
Balkan militarisch beherrscht und damit die Aus- 



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112 gangsstellung zu einer Umfassung Europas von den beiden Fliigeln her besessen hatte. In den vier 
Forderungen Molotows enthlillt sich ein Imperialismus, der aufs Ganze gent, der Finnland, Schweden 
und Norwegen, die Tlirkei, Rumanien, Bulgarien, alle Volker des Donaubeckens und des Balkans 
eben- so umfaBt, wie die Mitte Europas selbst. Von allem Material, das die Dokumente des 22. Juni 
sonst noch enthalten, abgesehen, erweisen die vier Forderungen Molotows allein die ungeheure Ge- 
fahr, die die sowjetische Politik fur ganz Europa bedeutet, und damit die Zwangslaufigkeit der kriege- 
rischen Auseinandersetzung mit dem Trager dieser Gefahr, der bolschewistischen Rateunion. 

Unsere Kenntnis der auBenpolitischen Zusammenhange und der Hintergriinde der politischen und 
militarischen Ereignisse dieses Krieges ist noch durch zwei weitere deutsche Veroffentlichungen des 
Monats Juni wesentlich bereichert worden, namlich durch die vom Auswartigen Amt herausgegebenen 
WeiBbucher Nr. 6 und7. WeiBbuch Nr. 6 (Die Geheimakten des franzosischen Generalstabes) 
und Nr. 7 (Dokumente zum Konflikt mit Jugoslawien und Griechenland) beleuchten die Vorgeschich- 
te und teilweise auch den Ablauf des Krieges in Norwegen, der Schlacht im Westen und des Kampfes 
auf dem Balkan. Sie zeigen erneut, in welch engem Zusammenhang Deutschland den Krieg der Waf- 
fen und den der Dokumente ftihrt, d. h. wie eng Kriegfuhrung und Propaganda heute zusammengehen. 
Dies hat schon der ganze Verlauf des Krieges erwiesen. In jeder Phase hat die Fuhrung des Reiches 
die militarische Vorbereitung und Durchfuhrung durch eine gleich weitblickende und griindliche hin- 
sichtlich der Aufklarung des eigenen Volkes und des Auslandes erganzt. Die Funde in den eroberten 
Archiven unserer Feinde haben uns dabei sehr geholfen, und aus solchen Dokumenten sind die beiden 
neuen WeiBbucher wieder hauptsachlich zusammengestellt. 

WeiBbuchNr.6 gibt die Unterlagen fur die Bemuhungen der Westmachte im Jahre 1940 um die 
Ausweitung des Krieges im Sinne einer Umklammerung Deutschlands vom Norden und vom Stid- 
osten her. Was Molotow durch seine vier Forderungen vom Osten her erreichen wollte, wollten Eng- 
land — Frankreich durch ihre Kriegsausweitungsplane auf der skandinavischen und auf der Balkanseite 
vom Westen her. Die Umklammerung sollte in erster Linie der Vervollstandigung der volkerrechts- 
widrigen englischen Blockade dienen. Deutschland sollte von den kriegswichtigen Rohstoffen Erz und 
Erdol ausgeschlossen werden. Der russisch-finnische Krieg sollte in Form der Hilfeleistung der „west- 
lichen Demokratien" fur Finnland Gelegenheit zur militarischen Besetzung von Nordnorwegen und 
Nordschweden und damit der Erzgruben Skandinaviens bieten. Als durch den FriedensschluB zwi- 
schen Finnland und RuBland diese Moglichkeit verbaut war, sollte das gleiche Ziel durch 

113 Im Osten liefen die Plane der Westmachte ferner darauf hinaus, die Olfelder Bakus durch massive 
Luftangriffe aus Syrien und Mesopotamien zu zerstoren, damit die Lieferung von russischem 01 nach 
Deutschland zu unterbinden, auBerdem darauf, den Wasserweg der Donau durch Sabotage als Ver- 
kehrsweg fur Deutschland ungangbar zu machen, und schlieBlich die Zerstorung der rumanischen 
Petroleumquellen und Raffinerien ebenfalls im Wege der Sabotage herbeizufuhren. Zahlreiche Doku- 
mente beleuchten diese Plane bis in alle Einzelheiten. So linden wir als Dokumente Nr. 34 und 38 
genaue Aufstellungen tiber die Ziele, die im russischen Petroleumgebiet von Baku angegriffen werden 
sollten, sowie einen genauen Fahrplan fur die Zerstorungsaktion. Dokument Nr. 36 enthalt iiber einen 
von der rumanischen Regierung noch rechtzeitig entdeckten groBangelegten Versuch der Englander, 
die Donau durch Sabotageakte zu sperren, genaueste Angaben. 

Die auf die Schlacht im Westen bezuglichen Dokumente des WeiBbuches Nr. 6 werfen ein bezeich- 
nendes Licht auf die Art, wie die Englander sich gegenuber dem franzosischen Bundesgenossen ver- 
hielten, wie sie ihn ausnutzten, immer wieder die ganze Last des Kampfes auf ihn legten und ihn 
schlieBlich aufs schmahlichste im Stiche lieBen. Diese Dokumente sind heute, da England Vichy mit 
alien Mitteln von der Zusammenarbeit mit Deutschland abhalten mochte und sich als Vorkampfer fur 
eine spatere „Befreiung" Frankreichs aufspielt, besonders aktuell. Alle Franzosen sollten diese Doku- 
mente aufmerksam lesen, besonders die Dokumente 52 bis 55, 64, 69 und 70. Sie 
geben eine ganze Reihe immer dringlicher werdender Hilferufe des franzosischen Oberkommandos 
und der franzosischen Regierung um Unterstutzung fur die verzweifelt kampfenden franzosischen 
Truppen durch die englische Luftwaffe wieder. Diese aber kam nicht, sondern zog es vor, ihre Krafte 
fur die Verteidigung der englischen Insel zuriickzuhalten, d. h. den franzosischen Bundesgenossen 
einfach in Stich zu lassen. 

Besonders interessant ist sodann Dokument Nr. 61, das einen Vortrag des franzosischen Oberkom- 
mandierenden Weygand vom 22. Mai tiber die Kriegslage, also vier Wochen vor dem Waffenstill- 
stand, wiedergibt. Schon damals hielt Weygand die Schlacht im Westen fur verloren. Die Frage des 



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Abschlusses eines Sonderfriedens mit Deutschland wurde im AnschluB an seinen Vortrag erortert. 
Schon damals flihlte man sich von England verlassen, wie sich aus Dokument Nr. 61 klar ergibt. 

Das WeiBbuchNr.7 (Dokumente zum Konflikt mit Jugoslawien und Griechenland) enthalt als Einlei- 
tung 

1 14 den Aufruf des Flihrers an das deutsche Volk vom 6. April, die gleichzeitige amtliche Erklarung der 
Reichsregierung, das ihr als Anlage beigefligte Memorandum, die Note der Reichsregierung an die 
griechische Regierung vom 6. April und das ihr beigefugte Memorandum. Diese seit dem 6. April 
bereits bekannten Dokumente, die die Griinde von Deutschlands militarischem Eingreifen gegen Jugo- 
slawien, Griechenland und das englische Expeditionskorps auf griechischem Boden ausfuhrlich darle- 
gen, erhalten nun durch die anschlieBenden 144 Dokumente ihren dokumentarischen Unterbau. Vor 
uns wird die ganze Geschichte der deutsch-jugoslawischen Beziehungen seit dem Weltkrieg aufge- 
rollt, wir uberblicken die langjahrigen Bemtihungen der deutschen Politik, um mit diesem Staat, trotz- 
dem er einen wesentlichen Teil des Versailler Zwangssystems darstellte, sich zu verstandigen, eine 
Politik, die im AnschluB Jugoslawiens an den Dreierpakt und der damit verbundenen Garantierung 
seines Besitzstandes ihre Kronung fand. Wie diese Politik von den Westmachten systematisch gestort 
und bekampft wurde, wie die Politik Jugoslawiens immer wieder zweigleisig war, einerseits die 
Freundschaft mit Deutschland zu pflegen schien, andererseits mit Deutschlands Feinden engsten Kon- 
takt behielt, erfahren wir bis ins einzelne, nicht minder, wie schlieBlich Jugoslawien sich vollig zum 
Werkzeug der englischen Kriegspolitik machte. 

Die Dokumente hinsichtlich des Konflikts mit Griechenland (Nr. 103 bis 144) zeigen das enge Zu- 
sammenspiel der griechischen Regierung mit den Westmachten schon vor und erst recht nach dem 
Ausbruch des Krieges. Es ergibt sich ganz einwandfrei, daB Griechenland vom Beginn des Krieges an 
nicht neutral war, sondern auf der Seite der Westmachte stand, diese in jeder Weise unterstiitzte und 
ihnen das griechische Territorium fur ihre kriegerischen Vorbereitungen gegen die Achsenmachte zur 
Verfugung stellte, schlieBlich daB mindestens vom November 1940 an sich der Aufmarsch englischer 
Streitkrafte auf griechischem Boden vollzog. Deutschlands militarische Aktion erscheint so als der 
unausweichbare Gegenschlag gegen die englische Politik der Einmischung und Festsetzung auf dem 
Balkan. 

Mit den Dokumenten des 22. Juni und den WeiBbuchern Nr. 6 und 7 haben wir wiederum drei 
Sammlungen von Dokumenten vor uns, die in ihrer Gesamtheit die Schlagkraft der deutschen AuBen- 
politik in diesem Kriege glanzend bestatigen. Sie erweisen erneut die scharfe Durchdringung der poli- 
tischen Problematik, die hinter der kriegerischen Auseinandersetzung steht, und deren souverane Be- 
herrschung durch die deutsche Fuhrung. Sie beweisen auch erneut, wie die politische und militarische 
Fuhrung in diesem Kriege bei uns auf gleicher Hohe sind, ein geschlossenes Ganzes bilden, und wie 
alle Aktionen der deut- 

115 schen Fuhrung auf militarischem und politischem Gebiet' sich aus einer genialer Einsicht und 
Voraussicht entspringenden Planung entwickeln. 

Der Krieg gegen die Sowjetunion hat bis Ende des Monats Juni bereits zu gewaltigern Erfolgen ge- 
ftihrt. Die riesigen, von den Sowjets an den deutschen Grenzen gesammelten Streitkrafte wurden in 
scharfem Zupacken teils zerschlagen, teils zuriickgedrangt. Am groBten ist offenbar der Erfolg gegen 
die sowjetische Luftwaffe, der durch das schnelle und durchschlagende Eingreifen der deutschen 
Luftwaffe jede Moglichkeit offensiven Vorgehens gegen den deutschen Luftraum genommen worden 
ist, ein Erfolg, der angesichts der zahlenmaBigen Starke der sowjetischen Luftstreitkrafte und der im 
deutschen Osten und Sudosten liegenden industriellen und sonstigen Werte von kriegswichtiger Be- 
deutung nicht genug unterstrichen werden kann. DaB z. B. von den Tausenden sowjetischer Flugzeuge 
auch nicht eines die Reichshauptstadt erreicht hat, ubertrifft jede auch noch so optimistische Erwar- 
tung, die man vor dem Konflikt in dieser Hinsicht haben konnte. 

Die Wirkung des Beginns der kriegerischen Auseinandersetzung mit dem Bolschewismus ist auf der 
ganzen Welt ungeheuer. In England und den Vereinigten Staaten haben die Regierenden sich beeilt, 
die Sowjetmacht als Bundesgenossen im „Kampf fiir die Demokratie und Zivilisation" zu begriiBen! 
Niemand konnte von Churchill oder von Roosevelt etwas anderes erwarten. Man sprach von einer 
Atempause, die England dadurch erhalte, wenn man auch sehr schnell feststellen muBte, daB der Krieg 
zur See und in der Luft gegen die englischen Inseln mit gleicher Heftigkeit und mit gleichen Erfolgen 
weitergeht. In Europa jedoch hat Deutschlands Kriegserklarung an den Bolschewismus ein bemer- 
kenswertes Echo gehabt. Alle Staaten, die mit Deutschland das gefahrliche Schicksal teilen. Grenz- 



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nachbarn der Sowjetunion zu sein, sind an seiner Seite in den Krieg eingetreten, Finnland, die Slowa- 
kei, Ungarn und Rumanien. 

Finnland ist in Beantwortung russischer Angriffe in der Luft und zu Lande in den Krieg eingetreten. 
Am 25. Juni wurde in Helsinki ein BlauweiBbuch iiber das Verhaltnis zwischen Finnland und der So- 
wjetunion veroffentlicht, das den Nachweis fiihrt, daB Moskau sofort nach dem FriedensschluB vom 
12. Marz 1940 begann, immer neue Forderungen an Finnland zu stellen mit der deutlichen Absicht, 
Finnland dadurch und durch Einmischung in seine inneren Verhaltnisse ebenso zu unterjochen, wie 
dies mit den Randstaaten geschah. Molotows zweite Forderung wahrend seines Berliner Aufenthaltes, 
Deutschland solle Moskau gegenuber Finnland freie Hand lassen, erfahrt durch die im linnischen 
BlauweiBbuch veroffentlichten Dokumente eine eindeutige Beleuchtung. Die Feststellung des Blau- 
weiBbuches „es geht um die Existenz 

1 16 des ganzen Volkes, sie wird in diesem Kampf fur lange Zeit entschieden werden" ist nur zu richtig. Am 
27. Juni gab Finnlands Staatsprasident R y t i in einer eindrucksvollen Rundfunkansprache noch ein- 
mal einen Uberblick tiber die Politik der Feindseligkeit, Bedrohung und Einmischung, die von Moskau 
gegenuber Finnland gefuhrt worden ist. Er dankte dem Fiihrer daftir, daB er Molotows Forderung zu- 
riickgewiesen habe, und rief das finnische Volk zum Verteidigungskampf gegen den Erbfeind auf. 
Dies tat auch der greise Feldmarschall Mannerheim in einem Tagesbefehl an die finnische Wehrmacht 
vom 29. Juni. 

Die Reaktion Londons und Washingtons auf diese von der bittersten Notwendigkeit diktierte Hal- 
tung Finnlands war wirklich beschamend. Wahrend Finnland im finnisch-russischen Konflikt von 
1939/40 als der heldenhafte Vorkampfer fur die Demokratie und Freiheit, dem man mit alien Mitteln 
helfen miisse, gefeiert wurde, weil man damals im finnisch-russischen Krieg eine gunstige Gelegen- 
heit zu linden hoffte, um Deutschland das Erz Schwedens wegzunehmen und das Reich vom Norden 
aus anzugreifen, wurde nun in London und Washington heftig protestiert, die englische Blockade auf 
Finnland ausgedehnt und lieB Roosevelt die Guthaben Finnlands in USA einfrieren! 

Die Slowakei brach am 22. Juni die diplomatischen Beziehungen mit der Sowjetunion ab, und am 
24. Juni teilte President T i s o in einem Aufruf an das slowakische Volk mit, daB die slowakische 
Armee die Grenzen der Slowakei tiberschritten habe, um sich der kampfenden deutschen Wehrmacht 
anzuschlieBen. 

Ungarn erklarte am 27. Juni den Kriegszustand mit der Sowjetunion. Seine Divisionen fechten wie 
im Weltkrieg Seite an Seite mit der deutschen Wehrmacht. 

Rumanien erklarte in der Nacht des 22. Juni die allgemeine Mobilmachung, und General Antonescu 
erlieB einen Aufruf an die rumanische Wehrmacht und an das rumanische Volk zum Kampf gegen die 
Sowjets und zur Riickeroberung Bessarabiens und der Bukowina. Wenige Tage spater, am 28. Juni, 
war der erste Jahrestag des sowjetischen Ultimatums an Rumanien zur Abtretung Bessarabiens und 
der Nordbukowina. 

So herrschte an der ganzen langen Grenze der Sowjetunion vom Eismeer bis zum Schwarzen Meer 
der Kriegszustand, und hatte sich die vordere Linie einer gemeinsamen europaischen Phalanx gegen 
den Bolschewismus gebildet. In sie traten schnell neue Kampfer ein. Italien hatte sich am 22. Juni 5.30 
Uhr morgens als im Kriegszustand mit der Sowjetunion befindlich erklart, und bereits am 26. Juni 
besichtigte Mussolini die erste motorisierte Division des fur die russische Front bestimmten Expediti- 
onskorps. 

1 17 In Spanien loste die Kampfansage des Fiihrers an den Bolschewismus einen Sturm der Begeisterung 
und eine wahre Kreuzzugsstimmung aus. Die Bemuhungen der deutschen Politik um eine Verstandi- 
gung mit Moskau waren in Spanien nie popular; denn man hatte im spanischen Burgerkrieg das Wtiten 
des Bolschewismus allzusehr am eigenen Leibe zu spiiren bekommen. Um so uneingeschrankter be- 
griiBte man es nun, daB die deutsche Wehrmacht zum Entscheidungskampf gegen den Bolschewismus 
antral In alien Teilen des Landes meldeten sich Zehntausende von Freiwilligen. Die Aufstellung einer 
kriegsstarken Division, in der jedoch nur ein kleiner Teil der gemeldeten Freiwilligen Platz linden 
kann, ist im Gange. 

In Portugal gab die gesamte Presse der Uberzeugung Ausdruck, daB der Kampf gegen den Bol- 
schewismus einer Notwendigkeit entspreche, und das Regierungsblatt „Diario de Manha" auBerte am 
24. Juni, Portugal habe aus seiner antibolschewistischen Einstellung nie ein Hehl gemacht, und der 
Staat Salazars miisse fortfahren, wie dies im spanischen Burgerkrieg geschehen sei, einen scharf anti- 
bolschewistischen Kurs z.u steuern. 



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Danemark hat am 26. Juni die Beziehungen mit SowjetruBland abgebrochen. Freiwillige eilen aus 
Danemark, ebenso wie aus Schweden, Finnland zu Hilfe. In Norwegen gab Reichskommissar Terbo- 
ven am 29. Juni bekannt, daB der Flihrer der Aufstellung einer norwegischen Legion zugestimmt habe. 
In Schweden nahmen Ministerprasident Hansson und Kultusminister Bagge in offentlichen Reden 
Stellung. Sie begriindeten die von der schwedischen Regierung gegebene Erlaubnis zum Durchmarsch 
deutscher Truppen aus Norwegen nach Finnland, und erklarten im librigen Schwedens Absicht, aus 
dem Konllikt herauszubleiben. 

Die franzosische Regierung gab am 30. Juni folgende Erklarung heraus: „Die franzosische Regie- 
rung hat, nachdem sie die GewiBheit erlangt hat, daB die diplomatischen und konsularischen sowjet- 
russischen Agenten in Frankreich eine die offentliche Ordnung und Sicherheit des Staates gefahrdende 
Tatigkeit austibten, beschlossen, die diplomatischen Beziehungen zu Moskau abzubrechen." Botschaf- 
ter de B r i n o n teilte am 29. Juni der Presse mit, daB die Pariser Polizei in den letzten Tagen etwa 
250 auslandische Kommunisten verhaftet habe, die zu den seit dem Juli des letzten Jahres verhafteten 
16888 hinzukamen. Die kommunistische Propaganda versuche, die durch den Krieg in Frankreich 
verursachten Leiden der Bevolkerung, besonders die Schwierigkeiten der Lebensmittelversorgung, fur 
ihre Zwecke auszunutzen. Das Ziel sei, das gegenwartige Regime zu beseitigen und eine Sowjetrepu- 
blik in Frankreich zu errichten. 

118 Es ergibt sich also, daB Deutschlands Kampf gegen den Bolschewismus nicht nur in der Idee und in 
der Perspektive der Gestaltung der Zukunft, sondern in der politischen und militarischen Realitat der 
europaischen Gegenwart ein Verteidigungskampf Europas gegen eine gemeinsame Gefahr ist, und daB 
es sich nicht um eine Machtauseinandersetzung ublicher Art, sondern eine grundsatzliche Entschei- 
dung tiber das Schicksal unseres Erdteils handelt. 

DaB in diesem Kampf das verbundete Italien in selbstverstandlicher Kampfgemeinschaft mit GroB- 
deutschland zusammensteht, wurde schon erwahnt. Eine amtliche Erklarung vom 23. Juni schloB mit 
folgendem Satz: „Das faschistische Italien, das geschlossen hinter dem Duce, dem Htiter seiner hoch- 
sten Werte, als ein Block in Waffen steht, griiBt den Vormarsch der neuen europaischen Kultur gegen 
die dunklen barbarischen Krafte des Kommunismus, die dabei waren, den Plutokraten die Hand zu 
reichen, die in ungeheuerlichem ZusammenschluB der verneinenden Krafte heute gegen die junge 
Kraft der Achse und den schopferischen Geist der beiden Revolutionen des neuen Europa nicht auf- 
kommen konnen." 

Am 10. Juni beging Italien den ersten Jahrestag seines Eintritts in den Krieg. Der Duce hielt in einer 
Sitzung der faschistischen korporativen Kammer eine Rede, in der er einen Uberblick tiber den 
Kriegsverlauf gab mit interessanten Zahlenangaben tiber die italienischen Leistungen und Verluste. Er 
schilderte sodann die politischen Folgen des siegreichen Balkankrieges und unterstrich mit Befriedi- 
gung die Losung des Problems der Sicherheit in der Adria als Folge dieses Sieges. Ferner stellte er 
fest, daB Griechenland in den italienischen Lebensraum im Mittelmeer eintrete. Nach einem Uberblick 
tiber die Entwicklung des Krieges in Italienisch Nord- und Ostafrika formulierte Mussolini in seiner 
pragnanten und eindrucksvollen Art das Wesen der Achsenpolitik: „Wir arbeiten zusammen, wir mar- 
schieren zusammen, wir kampfen zusammen, und wir werden zusammen siegen. Die Kameradschaft 
zwischen den Kampftruppen ist im Begriff, zur Kameradschaft zwischen den Volkern zu werden 
.Zwei Volker — ein Krieg! Das ist die lapidare Formel, die unsere Handlungsweise eindeutig erklart, 
eine Handlungsweise, die auch nach dem Siege fortdauern wird." tiber Spanien sagte der Duce: „Es ist 
klar, daB Spanien trotz aller mit erpresserischen Drohungen abwechselnden Schmeicheleien nicht dar- 
auf verzichten kann, die einzigartige Gelegenheit wahrzunehmen, die Spanien geboten wird, um fur in 
anderen Zeiten erlittene Ungerechtigkeiten Wiedergutmachung zu erlangen. Wir verlangen von Spani- 
en in keiner Weise eine Entscheidung, die von den verantwortlichen Stellen in voller Freiheit getroffen 
werden muB. Wir beschranken uns darauf, zu denken 

119 und zu glauben, daB Spanien weiB, auf welcher Seite seine erprobten Freunde und seine ebenso 
erwiesenen Feinde stehen." Hinsichtlich der Vereinigten Staaten 'a-'te Mussolini: „Man moge wissen, 
daB der Eintritt Amerikas in den Krieg uns nicht ubermaBig aufregt. Eine ausdruckliche Kriegserkla- 
rung wurde an der gegenwartigen Lage nichts andern, die schon der Krieg de facto, wenn auch nicht 
de jure ist. Der amerikanische Kriegseintritt wurde auch nichts mehr andern. Der Kriegseintritt Ame- 
rikas wird erstens GroBbritannien den Sieg nicht schenken, sondern den Krieg verlangern, er wird 
zweitens den Krieg raumlich nicht beschranken, sondern auf andere Weltmeere ausdehnen, und wird 
drittens die Herrschaftsform der USA in eine autoritare und totalitare umwandeln." Mit einem flam- 
menden „wir werden siegen" schloB der Duce inmitten gewaltiger Begeisterung seine Rede. 



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Mit groBter Freude wurde in Italien die dreitagige Panzerschlacht bei Solium vom 15. bis 17. Juni 
zur Kenntnis genommen, die zur Vernichtung von liber zweihundert englischen Panzerwagen geflihrt 
hat, und den Versuch der Englander, Tobruk zu entsetzen und womoglich die Cyrenaika wieder zu 
erobern, vereitelt hat. 

Italiens Mitwirkung am politischen Geschehen kam im ubrigen im Zusammentreffen des Duce mit 
dem Fiihrer am 2. Juni, im Besuch des ungarischen Minis terprasidenten von Bardossy in Rom, am 5. 
Juni, und dem des Konigs Boris von Bulgarien sowie in der feierlichen Unterzeichnis des Dreimachte- 
paktes durch Kroatien am 14. Juni in Venedig zum Ausdruck. 

Der geistigen Unterbauung des politischen Verhaltnisses der Achsenmachte dient die Annahme des 
Statuts des italienischen Instituts fur deutsche Studien durch den italienischen KammerausschuB fiir 
auswartige Angelegenheiten am 7. Juni, bei der betont wurde, „daB es notwendig sei, eine immer gro- 
Bere Anzahl von Lehrern fur die deutsche Sprache und das deutsche Schrifttum an den italienischen 
Schulen heranzubilden und so zu einem immer groBeren Austausch zwischen den beiden befreundeten 
und verbundeten Nationen auf kulturellem Gebiet zu gelangen." 

In Spanien hat, wie schon erwahnt, die Eroffnung des Kampfes gegen den Bolschewismus eine wah- 
re Kreuzzugsstimmung ausgelost. Am Tage der Eroffnung der Meldeburos fiir die spanische Legion 
meldeten sich allein liber 40 000 Freiwillige. GroBe Sympathiekundgebungen fur Deutschland fanden 
im ganzen Lande statt, die spanische Presse feierte in zahlreichen Artikeln die geistige Kampfgemein- 
schaft zwischen Spanien und Deutschland im Kampf gegen den Kommunismus. 

Am 27. Juni hat Spanien mit dem Vatikan nach langen Verhandlungen ein Abkommen liber die 
Frage 

120 der Ernennung der Bischofe abgeschlossen, als ersten Schritt zu einem neuen Konkordat, daB das alte 
von 1851 ersetzen soil. Dieses, das der spanischen Krone in der Investiturfrage besondere Vorrechte 
sicherte, wird vom Vatikan als durch das Intermezzo seiner Nichtgultigkeit in der Zeit der spanischen 
Republik seit 1931 als obsolet geworden angesehen. Die ersten vier Paragraphen des Konkordats von 
1851, die Spanien als Staat katholischer Pragung definieren, bleiben jedoch in Gultigkeit. 

Hinsichtlich Spaniens Verhaltnis zu Siidamerika ist bemerkenswert, daB der 26. Juni, der Todestag 
des Eroberers von Peru, Pizarro, der aus Trujillo in Estremadura, woher bekanntlich viele der Eroberer 
Sudamerikas gekommen sind, stammte, sowohl in Spanien wie in der von Pizarro gegriindeten Haupt- 
stadt Perus, Lima, festlich begangen wurde. Die historische Verbindung Perus mit Spanien wurde 
hervorgehoben und die Hispanitat, die geistige Einheit der spanisch sprechenden Volker, gefeiert. 

Der andere Staat der iberischen Halbinsel, Portugal, hat sich auch im Monat Juni intensiv mit dem 
Imperialismus der USA auseinandersetzen miissen. Am 12. Juni wurde in Lissabon ein Notenwechsel 
mit Washington veroffentlicht: Die portugiesische Note vom 30. Mai brachte die Verwunderung und 
Beunruhigung Portugals iiber die auf die portugiesischen Inseln im Atlantik bezliglichen Ausfiihrun- 
gen Roosevelts in seiner kriegshetzerischen Kaminrede vom 27. Mai zum Ausdruck und verlangte 
Aufklarung daruber, wie diese Ausfuhrungen zu verstehen seien. Die portugiesische Note unterstrich 
ferner den absoluten Willen Portugals, die Neutralitat und die Souveranitatsrechte Portugals gegen 
jeden Angriff zu verteidigen. Die Antwortnote Hulls vom 11. Juni, die versicherte, die USA hatten 
keine aggressiven Absichten gegen Portugal, jedoch einer eindeutigen Stellungnahme auswich und 
indirekt die imperialistischen Ausfuhrungen Roosevelts aufrechterhielt, wurde in Lissabon als sehr 
wenig befriedigend angesehen und von der Presse auch entsprechend kommentiert. Ahnlich war die 
Reaktion in Brasilien, wo die Presse Portugal Hilfsstellung leistete. Beide portugiesisch sprechenden 
Lander sind eben vom Imperialismus der USA bedroht. 

Portugal hat es jedoch mit Worten nicht bewenden lassen, sondern im Laufe des Monats Juni lau- 
fend weitere erhebliche Verstarkungen an Truppen- und Kriegsmaterial nach seinen Inseln im Atlantik 
geschickt. Als Roosevelts Sohn James auf dem Ruckweg von seiner Informations- und Kriegstreiber- 
reise im Fernen, Mittleren und Nahen Osten nach Lissabon kam und sich von einer Lissaboner Zeitung 
interviewen lieB, verbot die portugiesische Zensur den groBten Teil des Interviews ebenso wie die 
Veroffentlichung von Bildern liber Ankunft und Abreise des Sohnes des imperialistischen USA- 
Diktators. 

121 DaB der angelsachsische Imperialismus sich gegen Europa im ganzen richtet, und daB jede 
Entwicklung, die sich im Sinne europaischer Einheit anbahnt oder vollzieht, von ihm mit alien Mitteln 
und ohne jede Einschrankung bekampft wird. Hat Frankreich im Monat Juni eindringlich erfahren 
miissen. Die Hinwendung der franzosischen Politik zur Zusammenarbeit mit Deutschland ist den Eng- 
landern und Amerikanern ein Dorn im Auge. 



;liiiisirlill,iii<i tm^amirF 15 

Vichy hat aber seine Entschlossenheit zu dieser Politik mehrfach mit aller Deutlichkeit geauBert. 
Admiral D a r 1 a n hat in einer Presseerklarung vom 31. Mai die Englander wegen der Luftangriffe auf 
den tunesischen Hafen Sfax scharf angegriffen und bei dieser Gelegenheit ein Sundenregister der Eng- 
lander aufgestellt. Die Bilanz der „Akte englischer Seerauberei" sei die folgende: „90 Schiffe mit 
370000 Tonnen wurden von England bis Ende Juni 1940 beschlagnahmt, 10 Schiffe mit 36000 Ton- 
nen wurden von den Englandern in den abtriinnigen Kolonien beschlagnahmt, 33 Schiffe mit 158000 
Tonnen wurden von den Englandern seit dem 26. Juni 1940 auf den Meeren beschlagnahmt, 13 Schif- 
fe mit 142 000 Tonnen wurden auf Verlangen der Englander in Amerika blockiert, 21 Schiffe mit 86 
000 Tonnen gingen seit Juli 1940 durch Bombardierung, Torpedierung oder freiwillige Versenkung 
angesichts der englischen Drohung der Wegnahme verloren. Im ganzen ist das ein Verlust von 792 
000 Tonnen, die einen Wert von 120 Milliarden Franken darstellen." Nach Aufzahlung weiterer Ge- 
waltakte der Englander erklarte Darlan, all dies sei bedingt durch Englands Willen, Frankreich als 
Seemacht zu zerstoren, trotzdem es bis Ende Juni 1940 der Verbundete GroBbritanniens gewesen sei. 
England habe in der ganzen Nachkriegszeit die Macht Frankreichs zu beschranken versucht. Als 
Deutschland dann als militarische Macht und als Faktor der Einigung Europas erschienen war, so ftihr- 
te Darlan weiter aus, habe sich England auf seine Allianz mit Frankreich besonnen und von der 
Dummheit franzosischer Politiker profitiert, um Frankreich in diesen Krieg zu verwickeln, in dem 
Recht und Freiheit die Vorwande waren. Weil heute Frankreich in Marschall Petain endlich einen 
klarsehenden Chef habe, stiirze sich England mit Heftigkeit und Heuchelei tiber es her. England wolle 
Frankreich aushungern und sich seiner Kolonien und Schiffe bemachtigen. Es wolle Frankreich ver- 
bieten, an einer neuen europaischen Ordnung teilzunehmen und es verhindern, die Einheit seines Ter- 
ritoriums und seines Kolonialreiches aufrechtzuerhalten. Beztiglich der Ansichten, daB ein Sieg Eng- 
lands Frank- reich wieder wie einst erstehen lassen wtirde, miisse man sagen, daB selbst in dem un- 
wahrscheinlichen Falle eines englischen Sieges man sehr gut wisse, daB England sich nur von seinen 
ei- 

122 genen Interessen leiten lassen wtirde, ganz gleich, welches die Haloing Frankreichs wahrend des 
Krieges gewesen ware. Man brauche nur an 1919 zu denken. In einer siegenden angelsachsischen 
Welt wtirde Frankreich nur ein Dominium zweiten Ranges sein, ein Fremdkorper in einem System, in 
dem es keine ehrenwerte Rolle spielen konnte. AbschlieBend erklarte Darlan, Frankreich sei immer 
noch stark genug, um die englische Gewaltpolitik abweisen zu konnen. 

Am 10. Juni hielt Darlan eine Rundfunkansprache an das franzosische Volk, das er warnte, der 
Propaganda de Gaulles zu glauben. Er umriB die schwere Aufgabe, vor der die Regierung Petains 
stehe und verlangte Mut und Glauben an den Marschall. 

Am 8. Juni schritten die Englander von Palastina aus, zusammen mit Streitkraften des Verratergene- 
rals de Gaulle, zum Angriff auf das franzosische Mandatsgebiet Syrien mit der fadenscheinigen und 
vollig unwahren Begriindung, daB sich in Syrien deutsche Truppen befanden. Der im Auftrag de 
Gaulles auftretende General Catroux richtete an die franzosischen Truppen in Syrien einen Aufruf mit 
der Aufforderung, nicht zu kampfen und Syrien zu ubergeben. Die englische Propaganda hatte es vor- 
her so dargestellt, als ob eine friedliche Besetzung Syriens zu erwarten sei. Dies erwies sich jedoch als 
ein groBer Irrtum. Die franzosische Syrien-Armee unter Befehl des Generals D e n t z nahm den 
Kampf an. Marschall Petain erlieB eine Botschaft an die Armee in Syrien, in der er den englischen 
Angriff als vollkommen unberechtigt bezeichnete und die Erwartung aussprach, daB die franzosischen 
Truppen die Integritat Syriens zu verteidigen wissen wurden. In Vichy wurden emporte und entriistete 
Erklarungen gegen die Englander und ihren Heifer de Gaulle ausgegeben: „England begeht einen neu- 
en ungerechtfertigten Angriffsakt gegen das franzosische Imperium, und wir werden dieses Imperium 
bis zur auBersten Grenze unserer Kraft verteidigen. Wir kampfen gegen einen Angreifer, der die au- 
genblickliche Lage Frankreichs feige ausniitzt." General Dentz rief seine Armee zum entschlossenen 
Widerstand auf. Die franzosische Regierung richtete iiber den englischen Botschafter in Madrid, Sir 
Samuel H o a r e , eine scharfe Protestnote an England wegen des ungerechtfertigten Uberfalls und 
erklarte ihre Entschlossenheit, bis zum letzten Widerstand zu leisten. Die englische Antwortnote vom 
13. Juni gipfelte in der impertinenten Forderung, Vichy solle die franzosischen Truppen in Syrien 
anweisen, keinen Widerstand zu leisten. Diese englische Note wurde in Vichy scharf abgelehnt und als 
AnmaBung bezeichnet. In einer Erklarung des franzosischen Kriegsministeriums vom 16. Juni wurde 
Englands Angriff gegen Syrien schandlich und jammerlich genannt. 

123 Die franzosische Syrien-Armee, die durch die Demobilisierung des groBten Teiles der weiBen 
Truppen nach dem Waffenstillstand eine starke Verminderung erfahren hatte, hat ich gegen den engli- 



;liiiisirlill,iii<i tm^amirF 16 

schen Angriff tapfer zur Wehr gesetzt, und trotz groBer Uberlegenheit konnten die Englander bis Ende 
Juni in drei Kampfwochen nicht weit vordringen. 

Am 21. Juni wurde aus Vichy gemeldet, daB die franzosische Regierung eine neue Protestnote an 
England gerichtet habe. diesmal wegen Englands Haltung gegeniiber Franzosisc h-Somaliland. 
Am 9. Juni hatte der Befehlshaber der englischen Streitkrafte in Afrika Franzosisch-Somaliland aufge- 
fordert, sich de Gaulle anzuschlieBen, und gedroht, im Weigerungsfalle die Kolonie zu blockieren und 
auszuhungern. Der franzosische Protest hiergegen hat jedoch offenbar bisher keine Wirkung gehabt. 

Die Politik der Zusammenarbeit zwischen Deutschland und Frankreich wird in Washington ebenso 
abgelehnt und bekampft wie in London. Roosevelt hat seinen Botschafter L e a h y ja hauptsachlich zu 
dem Zweck nach Vichy geschickt, um der Politik der Zusammenarbeit entgegenzuwirken. Admiral 
Darlan sah sich am 17. Juni veranlaBt, Leahy, der offenbar im gegenteiligen Sinne insistiert hatte, die 
Entschlossenheit Frankreichs zum Ausdruck zu bringen, Syrien mit alien Mitteln zu verteidigen. Der 
franzosische Botschafter in Washington, Haye, machte der USA-Presse ahnliche Erklarungen. 

So steht die Regierung von Vichy nach verschiedenen Seiten im Kampf. Sie muB sich zur Wehr set- 
zen gegen den Verrater General de Gaulle und seine von England finanzierte Propaganda drauBen im 
franzosischen Kolonialreich und tiber den englischen Rundfunk in Frankreich selbst, ferner gegen 
England und USA, die mit alien Mitteln der Propaganda, des politischen Drucks, der Blockade und der 
kriegerischen Gewaltanwendung den fruheren Verbundeten verhindern wollen das zu tun, was nach 
Lage der Sache fur ihn das allein mogliche ist, namlich die Niederlage anzuerkennen, aus ihr die Fol- 
gerungen zu ziehen und sich in das in der Bildung begriffene Europa einzufugen. 

Frankreichs Haltung gegeniiber dem Kampf Europas gegen den Bolschewismus wurde schon er- 
wahnt. Der Abbruch der diplomatischen Beziehungen mit Moskau hat Frankreich von der Verschwo- 
rerzentrale befreit, die diplomatische und konsularische Sowjetvertretungen in jedem Lande, darstel- 
len. 

Die Loslosung von bisherigen Anschauungen und Grundsatzen, die fur den Zusammenbruch mit- 
verantwortlich gemacht werden, geht aber weiter. In der Losung der Judenfrage hat Vichy durch die 
Veroffentlichung von zwei neuen Gesetzen am 13. Juni einen weiteren Schritt getan. Sie bringen Ver- 
scharfun- 
124 gen der bisherigen Vorschriften, z. B. totale Berufsverbote fur Juden in Rundfunk, Presse und Film, 
den numerus clausus fur jiidische Studierende an den Universitaten und genaue statistische Erfassung 
der Juden. Die endgiiltige Regelung der Judenfrage wird, besonders weil man die Juden gegenwartig 
nicht aus Frankreich entfernen konne, auf die Zeit nach II Kriegsende aufgeschoben. 

Die Nachrichten aus der Sowjetunion waren in den Wochen vor dem 22. Juni recht sparlich. Auf die 
besonders von London aus schon seit langerer Zeit verbreiteten Nachrichten von deutsch-russischer 
Spannung, bevorstehenden deutschsowjetischen Verhandlungen und nahem Konflikt antwortete Mos- 
kau mehrfach mit Dementis. Im Lichte der Dokumente des 22. Juni erklaren sich diese Dementis, de- 
ren gereizter Ton auffallig war, einfach genug: Es war Moskau unangenehm, wenn von einem 
bevorstehenden Konflikt geredet wurde, solange der Aufmarsch der Sowjetarmeen fur den 
beabsichtigten Angriff gegen Deutschland noch nicht beendigt war. 

Als der Schleier zerrissen war, zeigte sich das Gesicht des Bolschewismus wieder offen und unver- 
hiillt. M o 1 o t o w sprach im Rundfunk am 22. Juni, bezeichnete Deutschland als Angreifer und die 
Sache Moskaus als die gerechte Sache und den bolschewistischen Krieg als einen „Krieg des Vater- 
landes fiir Heimat, Ehre und Freiheit". Er rief die „Sowjetpatrioten" zum auBersten Widerstand auf. 
DaB die Rote Armee nun nicht fiir die Weltrevolution, sondern fiir Vaterland und Heimat kampfe, war 
schon eine Drehung der bisherigen Phraseologie um 180%, daB aber nach wenigen Tagen von London 
tiber die Welt verbreitet wurde „in der Kathedrale von Moskau und in alien anderen fiinfundzwanzig 
Kirchen der Hauptstadt hatten Gottes- dienste fiir den Sieg der russischen Waffen stattgefunden, und 
in der Kathedrale habe der Patriarch eine Botschaft verlesen, in der alien, die die Grenzen des Vater- 
landes verteidigen, der Segen erteilt worden sei", das iibersteigt doch alle Begriffe von Luge und Heu- 
chelei. Plotzlich sollte die jahrzehntelange systematische Ausrottung jeder Religion, die blutige Unter- 
driickung des kirchlichen Lebens, die vom Staat ins Leben gerufene und geforderte Gottlosenbewe- 
gung nicht mehr wahr sein, und wandelte sich der Staat der Weltrevolution, des Atheismus und der 
blutigsten Tyrannei in ein Vaterland betender Patrioten und Kampfer fiir Ehre und Freiheit! Nichts 
kann auch die Skrupellosigkeit der englischen Propaganda und ihre Instinktlosigkeit klarer dartun als 
die Tatsache, daB der Londoner Propagandaapparat sich voll und ganz in den Dienst derartig offen- 
kundiger und torichter Liigen stellte. England braucht eben Bundesgenossen und Hilfe um jeden Preis. 



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Nach dem Zusammenbruch aller seiner Bundesgenossen auf dem Kontinent kommt ihm die Aussicht, 
RuBland als Bundesgenossen zu haben, offensichtlich geradezu verlockend vor. 

125 Die Lage Englands auf dem vitalsten Gebiet, dem der Schiffahrt, gibt die Erklarung. Zwar wird die 
Lage von der Regierung moglichst verschleiert, wie schon die ganz unvollstandigen Angaben iiber die 
Schiffsverluste zeigen. Die englische Regierung hat sich denn auch dem aus parlamentarischen Krei- 
sen lautgewordenen Wunsch, die Lage der Schifffahrt und den Stand der „Schlacht im Atlantik" im 
Unterhaus zu diskutieren, versagt. Churchill erklarte am 19. Juni, „daB die Debatte iiber die Handels- 
marine in geheimer Sitzung stattfinden miisse, da sonst eine ernste Gefahr fiir das offentliche Interesse 
bestehen wiirde, wenn man die Angelegenheit offentlich diskutierte. Der Abgeordnete Shinwell erklar- 
te auf dem KongreB der Arbeiterpartei am 4. Juni, Roosevelts Erklarung, daB die Versenkungen drei- 
mal groBer seien als die Kapazitat der britischen Werften, lege die Lage nicht vollkommen klar. Die 
Lage sei viel schlimmer. Es handle sich nicht mehr um ein Schiffahrtsproblem, sondern um eine Fra- 
ge, die die Einfuhr, die Rationierung und die Herabsetzung des gesamten zivilen Verbrauchs beriihre. 
Jetzt sei eine Umlegung des gesamten Wirtschaftslebens notwendig. Wenn die Englander nicht schnell 
ihre beschadigten Schiffe reparieren und die verlorene Tonnage ersetzen konnten, dann wisse er nicht, 
ob ein Sieg in Sicht sei. 

Die Englander haben ihre im Stillen Ozean fahrenden Schiffe fast ganz aus der Fahrt nehmen miis- 
sen, um sie in der „Schlacht im Atlantik" einzusetzen, mit der Folge, daB die Verfrachtungsmoglich- 
keiten in den pazifischen Teilen ihres Reiches katastrophal geworden sind. 

Die unmittelbare Folge der Schiffsraumnot sind immer weitere Einschrankungen der englischen 
Versorgung und eine Erweiterung der RationierungsmaBnahmen auf immer neue Gebiete. Am 1. Juni 
wurde die Kleiderkarte in England eingefiihrt. Auch jede andere Art von Textilien, und sogar der 
Handel mit alten Kleidern soil baldigst rationiert werden, im England der Textilindustrie, in dessen 
Weltreich Baumwolle und Wolle in UberfluB produziert wird, gewiB ein bezeichnender Vorgang. 
tjber die Knappheit an Futtermitteln und die sich daraus ergebende Notwendigkeit umfangreicher 
Viehschlachtungen kamen Mitte Juni verschiedene Meldungen aus London. 

Arbeitsminister B e v i n wandte sich am 23. Juni in einem Aufruf an die Bergarbeiter und die 
Bergwerksindustrie und unterstrich die Notwendigkeit der Steigerung der Kohlenproduktion. Es miiB- 
ten wochentlich eine halbe Million Tonnen Kohle mehr gefordert werden, wenn England nur einiger- 
maBen fiir den kommenden Winter geriistet sein wolle. Auch Papier ist knapp, so daB man sogar die 
GroBe der Scheckformulare um ein Drittel verkleinert hat. Das auf seinen Individualismus so stolze 
England sieht 

126 sich genotigt, durch Gesetz eine Standardisierung von Stoffen, Trikotwaren und Hausrat festzulegen, 
ebenso von Kiichengeraten, EBservicen, Pfannen usw. Die Preise sind in Folge der Knappheit stark 
gestiegen, im GroBhandel durchschnittlich um 54% seit Beginn des Krieges, bei Lebensmitteln sogar 
um 59,5%. Neuerdings muB man sogar in den Gebieten, aus denen England seine Versorgung erhalt, 
an Einschrankungen denken. Nach einer Meldung aus New York haben Beamte des USA- 
Landwirtschaftsministeriums erklart, daB der Verbrauch in USA an Butter, Kase, Sahne und Milch 
und auch an Konserven eingeschrankt werden miisse, wolle man Englands Mindestforderungen erfiil- 
len. Die kanadische Bevolkerung wurde amtlich aufgefordert, den Verzehr an Schweinefleisch herab- 
zusetzen, um die Englandlieferungen zu erhohen, damit England seinen beliebten Friihstiicksspeck 
bekommen konne. Uber die Ernahrungslage der englischen Arbeiter machte ein Artikel der Zeitschrift 
„Spectator" vom 26. Juni interessante Angaben, der diese Ernahrung als vollig ungeniigend bezeichne- 
te. 

Die unaufhorlichen Niederlagen Englands, zuletzt die in Kreta, haben im Monat Juni zu einem An- 
schwellen der Kritik gefiihrt, wie es bisher in England noch kaum wahrzunehmen war. Der „Daily 
Herald" schrieb am 5. Juni: „Wir miissen sagen, was man nicht sagen darf. Wir miissen unsere Gedan- 
ken auf das Undenkbare konzentrieren. England kann den Krieg verlieren." Der parlamentarische Se- 
kretar des ersten Lords der Admiralitat, Fletcher, erklarte am 7. Juni: „Wir haben eine vollkommen 
neue Art von Krieg zu fiihren. Es geht um unsere Existenz. Bisher wurde viel zu viel dariiber gespro- 
chen, daB wir auch in der Vergangenheit schwierige Krisen iiberstanden und schlieBlich immer die 
letzte Schlacht gewonnen haben. Die Niederlage kann nur durch eine viel groBere Leistung vermieden 
werden sowie durch einen viel groBeren Erfolg als den, den wir bisher verzeichnen konnten." Der 
friihere jiidische Kriegsminister Hore Belisha kritisierte in einer Rede in Edinburgh am 25. Juni die 
englische Kriegfiihrung scharf. Jeder Riickzug finde die gleichen unvollkommenen Erklarungen, und 
immer werde falsches Vertrauen in die Zukunft als Narkotikum verabreicht. 



;liiiisirlill,iii<i tm^amirF 18 

Im Unterhaus fand am 10. Juni eine Debatte iiber Kreta statt, bei der die Regierung und die engli- 
sche Kriegfiihrung einer scharfen Kritik unterzogen wurden. 

Um so mehr muB sich die englische Propaganda bemiihen, dem eigenen Volke und der Welt die La- 
ge Englands im gtinstigen Lichte erscheinen zu lassen und den englischen Kampfwillen und die Sie- 
gesaussichten moglichst wirkungsvoll hinzustellen. Dieser Aufgabe hat sich Churchill in drei Reden 
unterzogen, 

127 am 10. Juni im Unterhaus, als er auf die Kritik wegen der Niederlage in Kreta antwortete, bei einer 
Konferenz der Vertreter aller Regierungen des englischen Reiches und der vielen Scheinregierungen 
von Englands besiegten Bundesgenossen auf dem Festlande, die am 12. Juni in London stattfand, und 
schlieBlich in einer Rundfunkrede vom 22. Juni, als Churchill zum Beginn des europaischen Kampfes 
gegen den Bolschewismus Stellung nahm. 

Die Unterhausrede war im ersten Teil ein gequalter Versuch, das Parlament und die englische 
Offentlichkeit iiber Kreta zu beruhigen, und durch phantastische Angaben iiber angebliche deutsche 
Verluste glauben zu machen, der Kampf um Kreta sei im groBen und ganzen gesehen doch fur 
England niitzlich gewesen. Dabei verstieg sich Churchill zu einer niedertrachtigen Verleumdung der 
deutschen Armee. Einige Tage zuvor hatte er gesagt, die deutschen Fallschirmtruppen seien in 
neuseelandischen Uniformen abgesprungen. Das widerrief er nun und sagte, sein Irrtum sei dadurch 
entstanden, daB die Deutschen auf Kreta gefangene Neuseelander vor sich hergetrieben hatten. Es 
wirft ein bezeichnendes Licht auf die moralischen Qualitaten Churchills, daB er sich auf ein so 
niedriges Niveau der Liigenpropaganda herunterbegibt. Im zweiten Teil seiner Unterhausrede 
versuchte er dann, die Lage Englands im ostlichen Mittelmeer und in Afrika moglichst giinstig 
hinzustellen, und auf diesem Hintergrund die Niederlage auf Kreta als geringfiigig erscheinen zu 
lasSimrchills Rede vom 12. Juni war eine reine Propagandarede, hauptsachlich fur die Wirkung im 
Ausland bestimmt. Er hielt sie zur Eroffnung einer Konferenz, die mit der Annahme einer Entschlie- 
Bung durch die Vertreter aller Teile des englischen Reiches und aller von Deutschland niedergekampf- 
ten Bundesgenossen Englands endete, und in der es hieB, daB alle diese „Regierungen", „die zusam- 
menstehen im Kampf gegen die Bedriickung, beschlossen haben, daB sie den Kampf gegen die deut- 
schen und italienischen Angreifer fortsetzen werden, bis der Sieg erreicht ist, und daB sie sich gegen- 
seitig in ihrem Kampf bis zur Grenze des Moglichen unterstiitzen werden". Auf dieser Versammlung 
einer Koalition machtloser Scheinregierungen hielt Churchill eine Rede, die ein wilder HaBgesang 
gegen den Fiihrer und das nationalsozialistische Deutschland und ein ebenso wilder Racheschwur war, 
Deutschland bis auf den Grund zu vernichten. Natiirlich erschien in dieser Rede England als der Vor- 
kampfer fur die Freiheit Europas und der ganzen Menschheit. 

SchlieBlich die Rede vom 22. Juni: Sie iiberbot an haBerfiillter Demagogie alles, was Churchill sich 
bisher geleistet hat. Man spurt in jedem Satz Churchills Wut dariiber, daB der so feingesponnene Plan, 
die bolschewistischen Massenheere an dem von' Stalin und Churchill gewahlten gtinstigen, d. h. fur 
Deutsch- 

128 land ungiinstigen Augenblick, im Riicken Deutschlands losbrechen zu lassen, durch den Fiihrer 
vereitelt und daB die bolschewistische Zange zerbrochen wurde, noch bevor sie zum Zugriff ansetzen 
konnte. Alle Register wurden von Churchill gezogen, und unversehens war es nicht mehr das blutbe- 
fleckte und verbrecherische Bolschewikenregime der Gottlosenbewegung, sondern das gute, fromme, 
betende russische Volk, gegen das sich die „blutdiirstige, tyrannische Nazikriegsmaschine" in Bewe- 
gung setzte. Ganz natiirlich folgte darauf die Ankiindigung Churchills, daB England die Sowjets mit 
alien ihm zur Verfiigung stehenden Mitteln unterstiitzen werde. „Die Gefahr RuBlands ist unsere Ge- 
fahr und die Gefahr der Vereinigten Staaten", so schloB Churchill. Diese in vieler Hinsicht aufschluB- 
reiche Rede enthiillte vor allem die Hohlheit der englischen Phrasen iiber Freiheit und Demokratie 
ebenso wie die schon lange im Gange befindliche Konspiration zwischen London und Moskau, denn 
Churchill gestand an einer Stelle seiner Rede, er habe Stalin schon lange vor Hitlers Planen gewarnt! 
Die Reise des englischen Botschafters in Moskau, Sir Staford C r i p p s , nach London Anfang Juni 
und was iiber ihren Zweck in die Offentlichkeit gedrungen ist, beweist das Zusammenspiel Moskau — 
London ebenfalls. England ist eben heute wie seit dreihundert Jahren jedes Mittel und jedes Biindnis 
recht, um Europa zu beherrschen. 

Londons Propaganda wandte sich aber nach wie vor in erster Linie an Amerika, besonders an USA, 
aber auch an Siidamerika. So suchte Eden in einer Rundfunkansprache an Siidamerika am 13. Juni 
seine Horer glauben zu machen, daB England einen Krieg des Glaubens und der Uberzeugungen und 
nicht des englischen Nutzens und Machtwillens fiihre, und daB ihm der Sieg sicher sei. Am 16. Juni 



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wandte sich Churchill an die Vereinigten Staaten in einer Rundfunkrede. Sie bestand aus den bekann- 
ten haBerfullten Phrasen vom Kampf fur hochste Ideale und endete naturlich mit der SchluBfolgerung, 
daB alle in diesem edlen Kampf England helfen muBten. Die Hilfe aus USA, letzflich die aktive 
Kriegsunterstiitzung, ist und bleibt das wichtigste Ziel der englischen Politik, die darin die einzige 
Chance der Rettung sieht. 

Seit dem 22. Juni hat die englische Propaganda jedoch eine neue Aufgabe und ein neues Ziel: Das 
politische und militarische Zusammengehen mit dem Kreml muB dem eigenen Volk und der Welt 
schmackhaft und notwendig erscheinen. Dabei ist man nicht verlegen in der Wahl der Mittel. Chur- 
chill begann diese Propagandaaktion in seiner Rede vom 22. Juni. AuBenminister Eden hielt am 24. 
Juni im Unterhaus eine Rede zu diesem Thema, in der die Sowjets als bedauernswertes Opfer eines 
vollig unprovozierten und ungerechtfertigten deutschen Angriffs hingestellt wurden. Eden hat aller- 
dings, ahnlich wie Churchill 

129 am 22. Juni, das Gestandnis nicht unterdriicken konnen, daB London schon seit Wochen mit Moskau in 
engem Gedankenaustausch gestanden habe „uber die Gefahr, in der RuBland schwebte". Eden teilte 
mit, daB eine enge militarische und politische Zusammenarbeit zwischen London und Moskau in Vor- 
bereitung sei, und daB Moskau mitgeteilt habe, das englische Angebot, militarische und wirtschaftli- 
che Missionen nach RuBland zu schicken, wurde gerne angenommen. Das Unterhaus stellte sich ohne 
Zogern in die Linie des Zusammengehens mit Moskau, und die konservative und aristokratische „Ti- 
mes" schrieben am 25. Juni, „der AuBenminister hat die voile und herzliche Unterstutzung des Unter- 
hauses fur die Politik der Zusammenarbeit mit RuBland". Das Oberhaus nahm dieselbe Haltung ein. 

In den Vereinigten Staaten folgte man nach kurzer Uberlegung dem englischen Beispiel hinsicht- 
lich der Stellungnahme zu Deutschlands Kampf gegen den Bolschewismus. Nachdem der englische 
Botschafter, Halifax, am 23. Juni zwei Stunden mit Sumner Welles konferiert hatte, gab dieser am 
gleichen Tage eine gehassige und beleidigende Erklarung heraus, die von deutscher Welteroberung, 
grausamer und brutaler Versklavung, verraterischem Angriff usw. sprach und mit dem Satz endigte: 
„Hi tiers Armeen sind heute die Hauptgefahr fur die amerikanischen Lander." Tags darauf erklarte R o 
o s e v e 11, die Vereinigten Staaten wurden RuBland alle nur mogliche Hilfe leisten. Vorlaufig seien 
freilich nur solche Dinge wie Socken oder Schuhe verfugbar. Der jtidische Finanzminister Morgenthau 
hob am 25. Juni die Einfrierungsbestimmungen betreffs der russischen Guthaben in den Vereinigten 
Staaten auf. Welles erklarte, es sei nicht beabsichtigt, Wladiwostok als Kriegszone zu erklaren, was 
bedeutet, daB USA-Schiffe jederzeit dorthin fahren, d. h. amerikanisches Kriegsmaterial nach RuBland 
bringen diirfen. 

Aber die Regierungsbegeisterung fur die Sowjets trifft offensichtlich auf erhebliche Widerstande 
und die Aussicht, Seite an Seite mit den Bolschewiken „fur Demokratie und Freiheit" zu kampfen, 
erscheint der Mehrheit der Amerikaner offensichtlich gar nicht verlockend. Der ehemalige President H 
o o v e r gab dieser Stimmung durch eine Rundfunkansprache am 30. Juni scharfen Ausdruck. 

Die Hinwendung Frankreichs zur Zusammenarbeit mit Deutschland stoBt dagegen auf scharfste 
Ablehnung in Washington. Hull gab am 6. Juni dieserhalb eine drohende Erklarung an Vichys Adresse 
ab. Wenn Vichy sich fur eine aktive Zusammenarbeit mit Deutschland gegen England entscheide, so 
muBte die USA-Regierung das als Angriffsakt und als feindliche Haltung gegenuber den Interessen 
des franzosischen Volkes betrachten. Zu Englands Angriff auf Syrien erklarte Hull am 14. Juni, er sei 
vollig gerechtfertigt. 

130 Deutschland und Italien sind auch im Monat Juni, wie schon seit langem, von der USA-Regierung mit 
offener Feindseligkeit behandelt worden. Am 16. Juni verlangte Welles durch Verbalnote an die deut- 
sche Botschaft in Washington die sofortige SchlieBung aller deutschen Konsulate und die Abreise aller 
Beamten und Angestellten bis zum 10. Juli mit der fadenscheinigen Begriindung, ihr weiterer Verbleib 
sei unvereinbar mit der Wohlfahrt der USA. Deutschland und Italien erwiderten diese Unverfrorenheit 
sofort damit, daB sie die SchlieBung der USA-Konsulate in ihrem gesamten Machtbereich verlangten 
bzw. veranlaBten. Wenige Tage zuvor hatte Roosevelt die deutschen und italienischen Guthaben ein- 
frieren lassen, was naturlich prompt mit entsprechenden MaBnahmen der Achsenmachte erwidert wur- 
de. 

Besonders bezeichnend war Roosevelts und seiner Heifer Haltung in der Frage der Versenkung des 
USA-Frachters „Robin Moor", der mit Bannware nach englischen Hafen unterwegs gewesen war. 
Roosevelt richtete an den KongreB aro 21. Juni eine von bosartigen und niedertrachtigen Beschimp- 
fungen Deutschlands strotzende Botschaft, durch die er aus dem Fall „Robin Moor" moglichst Kapital 
fur seine Kriegshetze zu schlagen sich bemuhte. Roosevelts AuBenminister aber trieb die Unverfro- 



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renheit so weit, dieses minderwertige Pamphlet mit Verbalnote der deutschen Botschaft zu iibersen- 
den! Das schon seit langem beobachtete Bestreben Roosevelts, Deutschland zu provozieren, Zwi- 
schenfalle zu schaffen, um weiteren Stoff fur seine Kriegshetze zu finden und das widerstrebende 
amerikanische Volk endlich doch noch in den Krieg hineinzustoBen, gibt die Erklarung fiir derartiges, 
den guten Sitten und dem primitivsten Rechtsgeflihl gleichermaBen widersprechenden Verhalten. 

Genau umgekehrt wie zu Deutschland verhalt sich Roosevelt natiirlich gegeniiber England. Beinahe 
taglich wurde im Monat Juni irgendeine MaBnahme zur Unterstiitzung Englands gemeldet, besonders 
nachdem Roosevelts Botschafter Winant, der zur Berichterstattung nach Washington gekommen war, 
iiber Englands Lage einen offenbar sehr pessimistischen Bericht geliefert hatte. Was an Schiffen nur 
aufzutreiben ist, wird England zur Verfugung gestellt. Man legt sich selbst Beschrankungen auf, um 
Schiffe fiir die Englander frei zu machen. Roosevelt erklart, jeder Amerikaner konne ohne weiteres in 
die englische Armee eintreten. Englische Piloten werden in USA ausgebildet usw. Die Kriegslieferun- 
gen werden immer noch groBer geplant und immer neue Milliardenbetrage bewilligt. Als Jedoch Roo- 
sevelt am 11. Juni den im Englandhilfsgesetz vorgesehenen Bericht iiber die zwischen dem 11. Marz 
und 31. Mai d. J. auf Grund dieses Gesetzes gemachten Lieferungen „an die Demokratien" vorlegte, 
ergab sich, daB in diesen beinahe 
131 drei Monaten fiir ganze 75 Millionen Dollar geliefert worden war! Die Anglophilen fanden die 

Summe denn auch enttauschend niedrig. die weiteren Plane Roosevelts ist besonders bezeichnend, 
sein Kriegsminister am 28. Juni den KongreB in einem vertraulichen Schreiben aufforderte, ein Gesetz 
zu erlassen, da die Entsendung einer amerikanischen Expeditionsarmee nach irgendeinem Teil der 
Welt gestatten wurde. Die juristische Voraussetzung fiir die Entsendung amerikanischer Truppen auf 
die Schlachtfelder Englands soil also offensichtlich geschaffen werden. 

Nur mit solchen Absichten konnen die ungeheuerlichen Kredite erklart werden, die Roosevelt fiir 
den Ausbau der Armee anfordert. Am 10. Juni nahm das Reprasentantenhaus einen Rekordkredit von 
10 009 Millionen Dollar fiir die Armee an. Vorlaufig ist nach der Manoverkritik eines USA-Generals, 
die von einer USA-Zeitung am 21. Juni wiedergegeben wurde, freilich der Stand der Ausbildung und 
Bewaffnung der Armee offenbar noch ganz in den Anfangen. Dies diirfte auf die Kriegslust Roose- 
velts einstweilen noch etwas dampfend wirken. 

Auch die offentliche Meinung ist noch nicht weit genug. Zwar hammern Roosevelt und seine Leute 
nach wie vor beinahe taglich mit ihrer hetzerischen und verlogenen Phraseologie auf die Seele des 
amerikanischen Volkes, aber auch die Gegner des Krieges sind nicht miiBig, und die neue Freund- 
schaft mit Moskau hat den Krieg offensichtlich nicht popularer gemacht. Das Ansteigen der Preise fiir 
Lebenshaltung wird allmahlich fiihlbar. Streiks kommen weiter vor. Neuerdings hat Roosevelt sie 
jedoch mit dem Einsatz von Militar bekampft. 

Auch hinsichtlich Siidamerikas verfolgt Roosevelt seinen schrankenlosen Imperialismus unentwegt 
weiter. Wirtschaftliche, militarische, politische und propagandistische Uberfremdung ist nach wie vor 
die Parole, natiirlich mit dem Ziel, nachdem es Roosevelt gelungen sein sollte, sein Land in den Krieg 
zu bringen, auch die Staaten Ibero-Amerikas dazu zu veranlassen. Vorlaufig sind freilich, besonders in 
den ABC-Staaten, die Widerstande gegen eine derartige Politik recht betrachtlich. Man kennt dort aus 
Erfahrung die Gefahrlichkeit der „Politik der guten Nachbarschaft" Onkel Sams zur Geniige. Aber je 
langer Siidamerika von Europa wirtschaftlich abgeschnitten ist, um so groBer werden die Moglichkei- 
ten der USA, durch wirtschaftlichen Druck ihre imperialistischen Ziele in Siidamerika zu verfolgen. 




pfifedfliit 



Herausgegeben von 

Ministerialdirektor A. J. Berndt 
Reichspropagandaministerium 

Oberst von Wedel 
Oberkommando der Wehrmacht 



1941 

Juli-Lieferung 

(Nr. 45/46 der Gesamtlieferung) 

Verlagsanstalt Otto Stollberg, Berlin WO 




^liiMjiiiilliilll; 



86 Der gesamte Monat August stand im Zeichen des gigantischen Ringens gegen die Heere der Sowjet- 
Union. Am 21. Juli waren es vier Wochen, daB die deutschen Truppen gegen die bolschewistische 
Bedrohung der deutschen Ostgrenze angetreten waren. Die deutsche Presse wiirdigte in diesen Tagen 
den Kampf, dessen AusmaBe die Welt bisher noch nicht erlebte. Der Kriegsschauplatz umspannt die 
riesige Front von 2500 Kilometern. Dem OKW-Bericht vom 17. Juli zufolge stehen an der Ostfront im 
Ringen um die Entscheidung 9 Millionen Soldaten einander gegenuber. An diesem Tage, wie auch an 
alien anderen meldete das deutsche Oberkommando, daB sich die Operationen planmaBig und erfolg- 
reich entwickeln. 

Die unvergleichlichen deutschen Soldaten sind schneller als jeder Optimismus es erwartete, in die 
weiten Lander RuBlands hineinmarschiert und haben Siege erfochten, die von weltentscheidender 
Bedeutung sind. In 20 Tagen sind die deutschen Armeen stellenweise mehr als 550 Kilometer tief in 
die Sowjet-Union vorgestoBen. Sie haben riesige feindliche Armeen vernichtet und die Stalin-Linie, 
auf die der Feind alle Hoffnung gesetzt hatte, uberall durchbrochen. Ostwarts dieser Befestigung toben 
bereits neue groBe Vernichtungsschlachten, die den Feind zwingen, letzte Reserven, schlecht ausge- 
bildete Truppen, fur andere Zwecke vorgesehene Spezialverbande in die Schlacht zu werfen. Sie alle 
werden von dem unvergleichlichen Zusammenspiel des deutschen Heeres und der Luftwaffe niederge- 
rungen. „Die deutsche Offensive ist heute souveran", stellt in einem Kommentar der franzosische Ge- 
neral Duval im Journal fest, „und niemand findet gegen sie eine gunstige Parade." 

Die Kampfe im Osten sind auBerordentlich schwer, der Gegner kampft zah, haBerfullt und erbittert. 
Der deutsche Soldat aber ist ihm an jeder Stelle der Front an Geist und Waffen uberlegen. Er kampft 
aus dem tiefen BewuBtsein heraus, daB es in diesem Krieg gegen die Sowjet-Union keinen Kompro- 
miB gibt, daB nur die Vernichtung des Gegners die Schlacht und den Feldzug entscheidet. Der deut- 
sche Soldat weiB 

87 zugleich, daB er hier im Osten nicht nur fur Deutschland, sondern auch fur Europa kampft. Dieses 
Wissen hat sich auch in anderen Landern Europas durchgesetzt. An der Seite der deutschen Divisionen 
kampfen darum heute nicht nur die verbundeten Italiener, Finnen, Slowaken, Ungarn und Rumanen, 
sondern auch Kroaten, Schweden, Norweger, Danen, Flamen, Belgier, Franzosen, Spanier. Der 
Kreuzzug fur Europa ist Wirklichkeit geworden. Der Leiter des danischen Freikorps, Oberstleutnant 
Kryssing, erklarte im danischen Rundfunk, das Freikorps der Danen wolle beweisen, daB es mehr gebe 
als nur eine „Phrase von der nordischen Briiderschaft". Auch er nennt den Krieg gegen den Bolsche- 
wismus einen Kreuzzug gegen das Vaterland der Gottlosen. Der Wert des danischen Einsatzes liege 
darin, daB sich die Danen als Nation und freies Volk in Waffenbruderschaft mit denjenigen Nationen 
zusammengeschlossen hatten, die gegen den Feind Europas angetreten seien. 

AnlaBlich der Aufstellung der beiden Freiwilligen-Regimenter „Flandern" und „Wallonien" schrei- 
ben die belgischen Blatter, daB nunmehr auch „Belgien am gigantischen Kampf dieser Zeit fur die 
Zivilisation, fur die Einheit und Freiheit Europas, fur die Herstellung einer besseren sozialen Ordnung 
und eines dauerhaften Friedens teilnehmen wolle". 

Der Kampf gegen den Bolschewismus hat seine weltgeschichtliche Bedeutung, er ist aber auch in 
gleicher Weise innenpolitisch gesehen ein entscheidendes Ereignis, gewissermaBen die uberzeugende 
SchluBphase der innerpolitischen Auseinandersetzung zwischen Nationalsozialismus und Bolsche- 
wismus. Umfangreich ist das Material, das in den Jahren des Aufstiegs des Nationalsozialismus iiber 
das Wesen der Sowjet-Union und iiber die Zustande in diesem „Arbeiterparadies" veroffentlicht wur- 
de. Die deutsche Aufklarungsarbeit hat in jenen Jahren bereits Unendliches geleistet, um aller Welt 
das wahre Gesicht des Bolschewismus zu zeigen. In diesen Tagen und Wochen haben nun Hundert- 
tausende deutscher Soldaten die Grenze des alten eigentlichen Sowjetreiches iiberschritten. Dabei 
muBten sie erkennen, daB all das, was sie bisher iiber das bolschewistische Paradies wuBten, so grau- 
enhaft es auch war, noch in keinem Verhaltnis steht zu dem, was sie mit ihren eigenen Augen nun- 
mehr sehen. Die Worte der menschlichen Sprache reichen nach den jetzt vorliegenden Erlebnissen, 
wie sie in den Berichten der Presse und in Hunderttausenden von Briefen geschildert werden, kaum 
aus, um das MaB an Elend zu zeichnen, das die bolschewistische Diktatur entstehen lieB und schlieB- 
lich iiber den ganzen Erdball ausdehnen wollte. Wenn es wirklich noch Deutsche gab, die sich iiber die 
wahren Zustande Sowjet-RuBlands Illusionen machten, dann werden sie durch die Schilderung all der 



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grauenhaften Zustande belehrt worden sein, denen die deutschen Soldaten auf ihren Siegesmarschen 
iiberall begegnet sind. So gesehen, bedeutet der Krieg gegen 

88 Sowjet-RuBland innerpolitisch eine ungeheure Starkung der Nation in ihrem Existenzkampf gegeniiber 
Bolschewismus und Plutokratie. 

Von Millionen deutschen Soldaten werden Einzelleistungen vollbracht, die allerhochster Bewunde- 
rung und hochsten Lobes wert sind. Aus ihnen heraus aber heben sich Taten, die der Fiihrer ganz be- 
sonderer Ehrung wtirdigte. Im Laufe des Juni wurde zahlreichen Offizieren das Eichenlaub zum Rit- 
terkreuz des Eisernen Kreuzes verliehen. Die Reihe der Ritterkreuztrager erganzt sich vom 17. bis 
zum 25. Trager des Ritterkreuzes in folgender Reihenfolge: Hauptmann der Luftwaffe Balthasar; 
Leutnant der Luftwaffe Schnell; Kommandierender General eines Armeekorps General der Panzer- 
truppen Schmidt; Oberleutnant der Luftwaffe Baumbach; Oberstleutnant D i n o r t, Kommodore ei- 
nes Sturzkampfgeschwaders; Major S t o r p , Kommodore eines Kampfgeschwaders; Korvettenkapi- 
tan Schiitze, Kommandant eines Unterseebootes; Befehlshaber einer Panzergruppe Generaloberst G u 
d e r i a n; Befehlshaber einer Panzergruppe Generaloberst Hoth; Kommandierender General eines 
Fliegerkorps, General der Flieger Freiherr von Richthofe n; sie alle haben AuBergewohnliches voll- 
bracht im Kampfe gegen den Feind in Ost und West. 

Im Laufe des Juli uberreichte der Ftihrer den verdientesten aller deutschen Jagdflieger personlich 
das Eichenlaub mit Schwertern zum Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes: Oberstleutnant Gall a n d als 
erstem Offizier, Oberstleutnant M o 1 d e r s als zweitem und Hauptmann e s a u als drittem Offizier 
der deutschen Wehrmacht. Oberstleutnant Galland, der bei Luftkampfen im Westen verwundet war 
und eine Kampfpause einlegen muBte, war am Ende des Monats schon wieder am Feind. 

Das Jagdgeschwader des Oberstleutnants Molders schoB seit Beginn der Kampfhandlungen im 
Osten bis zum 12. Juli 500 Sowjetflugzeuge bei nur drei eigenen Verlusten ab. Das Geschwader hat 
damit am 12. Juli insgesamt 1200 Luftsiege erkampft. 
Am 16. Juli gab das Oberkommando der Wehrmacht bekannt: 

Bei den Kampfen an der Ostfront schoB Oberstleutnant Molders, Kommodore eines Jagdgeschwaders, 
gestern ftinf Sowjetflugzeuge ab. Er hat damit in diesem Kriege insgesamt 101 Abschusse erzielt und 
einschlieBlich seiner 14 Abschusse im Spanien-Feldzug insgesamt 115 Luftsiege errungen. Der Ftihrer 
und Oberste Befehlshaber der Wehrmacht hat diesem heldenhaften Vorbild der Luftwaffe und erfolg- 
reichstem Jagdflieger der Welt als erstem Offizier der Wehrmacht die hochste deutsche Tapferkeits- 
auszeichnung, das Eichenlaub mit Schwertern und Brillanten zum Ritterkreuz des Eisernen K r e u z e 
s verliehen. Der 

89 Ftihrer wtirdigte diese Tat des Oberstleutnant Molders durch ein Handschreiben, in dem er dem 
verdienten Offizier seinen und des ganzen deutschen Volkes Dank sowie seine besten Wunsche fur die 
Zukunft ubermittelte. Auch Reichsmarschall Hermann Goring sandte an Oberstleutnant Molders einen 
herzlich gehaltenen Gluckwunsch. 

Auch das Jagdgeschwader Trautloft hat am 18. Juli seinen 500. Luftsieg an der Ostfront errungen 
und damit insgesamt seine Abschusse seit Kriegsbeginn auf mehr als 800 Luftsiege erhoht. 

Am 17. Juli empfing der Ftihrer in seinem Hauptquartier die fur ihren heldenhaften Einsatz beim 
Angriff auf Kreta mit dem Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes ausgezeichneten Angehorigen der Fall- 
schirmtruppe und der Gebirgsjager. Mit anerkennenden Worten dankte der Ftihrer den Kreta- 
Kampfern, an ihrer Spitze den Befehlshabern des Unternehmens, General der Flieger Student, und 
Generalmajor Ringi, Kommandeur einer Gebirgsdivision. Der Ftihrer brachte zum Ausdruck, daB die- 
se kiihne Tat mit eine der Voraussetzungen fur die erfolgreiche Durchfuhrung unseres Freiheitskamp- 
fes schuf. Er ehrte mit diesem Empfang zugleich die vorbildliche Tapferkeit aller Kretakampfer. 

Am 10. Juli berichteten die deutsche Presse und der deutsche Rundfunk den Heldentod des soeben 
mit dem Eichenlaub zum Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes ausgezeichneten Hauptmanns Balthasar. 
Mit ihm fiel einer der Besten der deutschen Luftwaffe. 

Ein beinahe in der Offentlichkeit unbeachtetes Ereignis, das dennoch von groBer politischer Bedeu- 
tung ist, war der Austausch der Ratifikationsurkunden des deutsch - tiirkischen Freundschaftsvertrages 
am 5. Juli in Berlin. Den Austausch nahmen vor von deutscher Seite der Staatssekretar im Auswarti- 
gen Amt, von Weizsacker, von tiirkischer Seite der riirkische Botschafter in Berlin, Hiisrev Gerede, 
und der stellvertretende Generalsekretar im tiirkischen AuBenministerium, Cevad Acikalin, der zu 
diesem Zwecke aus Ankara nach Berlin entsandt worden war. 

SA-Obergruppenfuhrer von J a g o w, der in den diplomatischen Dienst ubergetreten ist — er wurde 
als Gesandter nach Budapest geschickt — , legte am Grabe Horst Wessels am 22. Juli auf dem Nikolai- 



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Friedhof einen Kranz nieder. Mit dieser Ehrung der im Kampf um Berlin gefallenen SA-Manner ver- 
abschiedete sich Obergruppenfiihrer v. Jagow von der SA-Gruppe Berlin-Brandenburg, an deren Spit- 
ze er sieben Jahre gestanden hatte. 

Im Rahmen der „Weimar-Festspiele der deutschen Jugend" feierte in diesem Jahre die Hitlerjugend 
den 

90 15. Jahrestag ihrer Namensgebung. Am 4. Juli fand eine Feierstunde im Deutschen Nationaltheater 
statt, bei der der bevollmachtigte Vertreter des Reichsjugendflihrers, Stabsfiihrer Helmut M 6 c k e 1, 
das Wort nahm, um einen Ruckblick auf die Tage der Kampfzeit zu geben und der bedeutsamen Ent- 
scheidung zu gedenken, da der Fiihrer der Jugend des Reiches seinen Namen gegeben hatte. Auch 
Reichsleiter von Schirach lieB in einer Ansprache noch einmal die Erlebnisse jener Tage aufklin- 
gen. Mannigfach seien die Ausstrahlungen Weimars im GroBdeutschen Raum in den vergangenen 
Jahrhunderten gewesen. Der deutschen Jugend, die hier Jahr um Jahr an den klassischen Statten deut- 
schen Geistes weilt, rief der Redner ins Gedachtnis, daB die wahre GroBe aus der Einsamkeit und der 
inneren Schau erwachsen mtisse. Der Reichsleiter kam sodann auf die gegenwartig in Weimar stattfin- 
denden Festspiele der deutschen Jugend zu sprechen und sagte, es scheine ein Gegensatz zu bestehen, 
wenn gewissermaBen im Schatten der Schlacht sich hier in Weimar die Jugend mit den Dichtern und 
Denkern ihres Volkes befasse. Wer dieser Auffassung huldige, habe aber den Sinn des deutschen 
Kampfes nicht begriffen. Es gehe nicht um den auBeren Ruhm, sondern um die Behauptung und 
Durchsetzung der deutschen Kulturidee. Die nationalsozialistische Revolution habe aus der Tiefe der 
deutschen Sprache geschopft und mit dieser Sprache den deutschen Menschen bezwungen. Nachdem 
v. Schirach die fur die Hitler-Jugend in den vergangenen 15 Jahren geleistete Arbeit kurz gewiirdigt 
hatte, gedachte er in ehrenden Worten des Einsatzes der jungen Deutschen im jetzigen Kriege. Viele 
Fiihrer der HJ hatten ihre Treue zu Fiihrer und Volk mit dem Tode besiegelt. Der Reichsleiter schloB 
mit den Satzen: „Nicht allein das GroBe zu wollen, sondern das GroBe zu t u n ist entscheidend. Das 
hat uns Adolf Hitler vorgelebt, wir tragen nicht nur seinen Namen, sondern wir tragen auch seine Idee. 
Generation auf Generation deutscher Jugend wird sich in seinem Geiste in Weimar versammeln, um 
das Treuegelobnis zu erneuern. Reichsleiter von Schirach nahm am Tage darauf die Enthiillung einer 
Gedenktafel an den Armbrust-Gaststatten vor. Er iibergab sie in die Obhut der Stadt Weimar. Die Ta- 
fel tragt die Inschrift: „In diesem Hause erhielt die Jugend GroBdeutschlands auf dem Reichsparteitag 
der nationalsozialistischen deutschen Arbeiterpartei am 4. Juli 1926 den Namen des Fiihrers: „Hitler- 
jugend." 

Eine an sich weniger bedeutende Tagung im Rahmen der groBen Ereignisse war die Fiihrerschafts- 
tagung des Kreistages Miinchen der -NSDAP. Sie verdient aber dennoch gewtirdigt zu werden, da sie 
beispielhaft ist fur Geist und Haltung der Partei im Kriege. Eingeleitet wurde der Kreistag durch einen 
Tag der schaffenden Front und Tag der Deutschen Frau. Darauf folgte ein Tag der Kultur, der zu ei- 
nem ein 

91 dringlichen Appell an die Kunstschaffenden in der Stadt der deutschen Kunst wurde, ihr Werk in 
nationalsozialistischem Geiste zu vollenden. Im festlich geschmiickten Saal des Deutschen Museums 
sprach Gauleiter Staatsminister Adolf Wagner zu den Kulturschaffenden der Stadt. Seine Rede wurde 
zu einem mitreiBenden Aufruf. Die gewaltigen Aufgaben, aber auch die Plane, die der Fiihrer gerade 
fur Miinchen, die Stadt der deutschen Kunst und die Hauptstadt der Bewegung, vorsehe, seien eine 
Verpflichtung, deren wir gerecht werden miissen. Miinchen werde die groBte und schonste Oper der 
Welt bekommen. Neben dem Hause der deutschen Kunst werde das Haus der Architektur erbaut, das 
neue Odeon werde zu einer einzigartigen Pflegestatte der Musik werden. Neue wissenschaftliche Insti- 
tute, ein Museum fur Zeitgeschichte seien vorgesehen, die Grundlage der Planungen seien fertigge- 
stellt. Der Gauleiter rief alle Schaffenden auf, Anteil an diesen Planen zu nehmen und das Erlebte 
wahrhaft kiinstlerisch zu gestalten. — Eine bedeutsame Rede im Rahmen dieses Kreistages hielt 
Reichsschatzmeister Schwarz vor den Politischen Leitern. Der Reichsschatzmeister betonte dabei ein- 
leitend, daB sich infolge der Opferwilligkeit der Parteigenossen die finanzielle Lage der Bewegung 
trotz des Krieges befriedigend gestaltet habe. Sie sei auch von dieser Seite her in der Lage, die ihr vom 
Fiihrer gestellten groBen Aufgaben voll zu erfiillen. Die Grundlagen der Finanzen der Partei seien die 
Mitgliedsbeitrage. Der Reichsschatzmeister streifte das Verbot der Partei, Sammlungen vorzunehmen, 
sowie das Verbot, Geldmittel von Gemeinden und Gemeindeverbanden anzunehmen. In der Frage der 
Versorgungsordnung innerhalb der Partei bekannte sich der Reichsschatzmeister zu dem Grundsatz, 
daB die erste Sorge den Hinterbliebenen von Gefallenen und den Kriegsbeschadigten zu gelten habe. 
Zu den Bauplanen des Fiihrers in den Gauen der NSDAP erklarte Reichsschatzmeister Schwarz, daB 



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der Fiihrer gerade in der Hauptstadt der Bewegung nach dem Kriege groBe Bauten vorgesehen habe. 
Im Rahmen dieser Planung beabsichtige er in Mtinchen ein beispielgebendes Mustergemeinschafts- 
haus fur eine Ortsgruppe zu bauen. An ihm solle man erkennen, wieviel ihm als Reichsschatzmeister 
daran liege, die politische Flihrung gerade auch im Bereiche der Ortsgruppe in zweckmaBige Weise 
unterzubringen und auszustatten. Aber nicht nur mit diesem groBen Bauvorhaben der NSDAP selbst 
habe er sich zu befassen, sondern auch mit der Errichtung einer mustergiiltigen Wohnstadt in Miin- 
chen, der sogenannten Siidstadt, die ein ganz neuer Stadtteil sein werde. Er habe sich als Reichs- 
schatzmeister der NSDAP an diesem Wohnungsbeschaffungsvorhaben gerade in Mtinchen mit Riick- 
sicht darauf beteiligt, daB die Hauptstadt der Bewegung als Urheimat der Partei die besondere Unter- 
stiitzung 

92 der nationalsozialistischen Bewegung genieBen mtisse. Zum AbschluB seiner Rede befaBte sich der 
Reichsschatzmeister mit der Frage der Parteiverwaltung und den besonderen Schwierigkeiten dieser 
Riesenorganisation, die zur Zeit gekennzeichnet ist durch die starken Einberufungen aus den Kreisen 
der Parteigenossenschaft. Stets sei es seine oberste Sorge gewesen, die Sauberkeit der Bewegung zu 
gewahrleisten. Er werde auch in Zukunft mit allem Nachdruck daftir Sorge tragen, den Schild der Be- 
wegung vor dem deutschen Volke rein und sauber zu halten. Die politische und weltanschauliche Flih- 
rung mtisse fehlschlagen, wenn nicht eine gute, straffe und saubere Verwaltung die Voraussetzung 
daftir schaffe. Seine Arbeit und die seiner Mitarbeiter stiinden immer unter dem Leitsatz: Nichts fur 
uns, alles fur den Ftihrer und die Bewegung! 

Welch tiefgreifende Wirkungen die Einbeziehung der friiher dem Reich benachbarten deutschen 
Gebiete auf das Leben und die Struktur dieser Lander austibt und ausgetibt hat, ist oft nur mittelbar zu 
erkennen. Aus dem Bericht, den Stadfkammerer Dr. Hanke vor den Wiener Ratsherren am 12. Juli 
iiber das letzte Rechnungsjahr gemacht hat, ergeben sich in dieser Beziehung interessante Schlusse. 
Sie beweisen, daB der Wirtschaftsaufschwung seit dem Umbruch im Jahre 1938 auch fur Wien ein 
entscheidender und bedeutender gewesen ist. Der Geburtenzuwachs in Wien ist seit dieser Zeit so 
stark, daB im Jahre 1945/46 mehr als doppelt soviel Kinder mit dem Schulbesuch beginnen werden als 
heute. Aus diesem Grunde wird die Stadt Wien in Ktirze den Neubau von Schulen anfangen und die 
lange vernachlassigten 343 Schulgebaude von GroBwien moglichst bald erneuern und ausbauen. Wie 
es mit Wien ohne den AnschluB rapid abwarts gegangen ware, zeigt die Tatsache, daB fur das begin- 
nende Schuljahr 1941/42 in den Wiener Volksschulen nur 10 920 Kinder eingeschrieben wurden, um 
1975 Schiiler weniger als im Vorjahr; es ist ein Absinken, das noch andauern und erst 1945 durch ein 
Anwachsen abgelost werden wird. 

Als Kronung einer langjahrigen Erziehungsarbeit ist der Kriegseinsatz der deutschen Studen- 
tinnen anzusehen. Wie das Amt der Reichsstudentenftihrung mitteilt, werden auch in diesem Jahre die 
deutschen Studentinnen geschlossen in den vorlesungsfreien Monaten dieses Sommers als zusatzliche 
Arbeitskrafte in die Rustungsindustrie gehen. Der Fabrikdienst als jiingstes Arbeitsgebiet im Frauen- 
dienst wurde im Jahre 1934 erstmalig freiwillig durchgefuhrt. Seit dieser Zeit haben Studentinnen in 
jedem Jahre erholungsbedurftige Frauen in den Betrieben abgelost und ihnen durch ihren Einsatz ei- 
nen zusatzlich bezahlten Urlaub verschafft. Nunmehr ist der Fabrikdienst 1940 pflichtmaBig einge- 
ftihrt worden. Es kann nach den 

93 Erfahrungen dieser Kriegsmonate gesagt werden, die Erziehung zum Einsatz hat Stand gehalten. Im 
Vorjahre haben etwa 4000 Studentinnen 1 Million Arbeitsstunden in den Betrieben abgeleistet. Das ist 
eine beachtliche Zahl, die nicht nur einen ideellen Wert verkorpert, sondern auch einen sehr prakti- 
schen Nutzen im Rahmen der Produktion in sich beschlieBt. 

Einen bedeutsamen Schritt, das Problem der Hausgehilfinnen der Losung naher zu bringen, ist mit 
einer Durchfuhrungsvorschrift des Reichsarbeitsministers zu einer Verordnung des Beauftragten fur 
den Vierjahresplan vom 12. Mai 1941 getan worden. Demzufolge werden Haushaltsgehilfinnen deut- 
scher Volkszugehorigkeit eine Ausstattungsbeihilfe erhalten, wenn sie in Haushaltungen deutscher 
Staatsangehoriger mit mindestens 3 Kindern unter 14 Jahren wenigstens 4 Jahre tatig waren. Die Bei- 
hilfe kann auch fur eine Tatigkeit in Volksdeutschen Haushalten gewahrt werden. Es sollen hierbei 
Beschaftigungszeiten oder Lehrzeiten im kinderreichen Haushalt seit dem 1. Januar 1939 beriicksich- 
tigt werden. Die Beihilfe betragt nach vierjahriger Tatigkeit 600 RM und erhoht sich fiir jedes weitere 
Jahr um 150 RM. Der Hochstbetrag der Beihilfe, der nach 10 jahriger Haushaltshilfe erreicht wird, 
betragt 1500 RM. Die Ausstattungsbeihilfe wird der Hausgehilfin bei ihrer Heirat oder nach Vollen- 
dung des 30. Lebensjahres ausgezahlt. Ist die Anwartschaft schon friiher erworben, so wird die Beihil- 
fe bis dahin auf einem verzinslichen Sperrguthaben bei einer Sparkasse angelegt. Nach einer dritten 



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Durchflihrungsverordnung zur Verordnung liber die Beschrankung des Arbeitsplatzwechsels vom 10. 
Juli 1941 mlissen Haushaltungen, die am 15. August 1941 mehr als eine Hausgehilfin oder Haushalts- 
angestellte beschaftigen, dies bis zum 1. September 1941 dem Arbeitsamt anzeigen. Dem Arbeitsamt 
ist die Moglichkeit gegeben, nach entsprechender Prufung eine dieser Arbeitskrafte einem anderen 
Einsatz zuzuflihren. Soil zu einer Haushaltshilfe spaterhin in einem Mehrkinderhaushalt eine zweite 
Arbeitskraft eingestellt werden, so bedarf auch dies der Zustimmung des Arbeitsamtes. 

Der Reichsminister des Innern hat die Bestimmungen iiber die Abgeltung von Kriegsschaden und 
Nutzungsschaden weiter erganzt. Nach der neuen Anweisung konnen auch schriftliche Ausarbeitun- 
gen, z. B. Handschriften fur Aufsatze in Zeitschriften, groBere Arbeiten in Buchform, Gutachten oder 
Urkundensammlungen bei Verlust oder Beschadigung unter den Voraussetzungen der Kriegschaden- 
Verordnung mit Kriegsentschadigung bedacht werden. Eine allgemein gliltige Richtlinie liber die 
Wertermittlung laBt sich zwar nicht feststellen, es soil aber auf die Umstande im einzelnen Falle Riick- 
sicht genommen werden, die Beurteilung bleibt dem pflichtgemaBen Ermessen der Entschadigungsbe- 
horde iiberlassen. 

94 Nachdem das Oberkommando der Wehrmacht durch eine Verordnung vom 20. April 1941 die 
Zuwendung fur Fronfkampfer und Kriegsbeschadigte des Weltkrieges durch Gewahrung einer Alters- 
zulage erhoht hat, ist durch eine weitere Verordnung vom 12. Mai eine weitere Verbesserung in der 
Versorgung der Kriegsbeschadigten des Weltkrieges und ihrer Hinterbliebenen angeordnet worden. 
Unter den Bestimmungen sind folgende Punkte von Wichtigkeit: 1. Die Voraussetzung der Bediirftig- 
keit wird fur die Hinterbliebenen im allgemeinen beseitigt. 2. Schwerbeschadigte erhalten klinftig 
Zusatzrente, wenn sie nicht mehr in der Lage sind, eine ihren Kenntnissen und Fahigkeiten billiger- 
weise zumutbare Erwerbstatigkeit auszuiiben. 3. Die Zusatzrenten der Schwerbeschadigten sind um 15 
RM monatlich erhoht worden. 4. Witwen und Waisen erhalten die Zusatzrente klinftig ohne Riicksicht 
auf ihre wirtschaftlichen Verhaltnisse. — Diese Regelung zeigt, daB der nationalsozialistische Staat 
nach Kraften bemiiht ist, den Dank an den Frontkampfer des Weltkrieges abzustatten. 

Zur Schaffung einer textilen Rohstoffreserve hat der Reichskommissar fur Altmaterialverwertung 
und Reichsbeauftragte der NSDAP fur Altmaterialerfassung, Hans Heck, einen Aufruf erlassen zur 
Reichsspinnstoffsammlung in der Zeit vom 28. Juli bis 23. August 1941. Alle Abfalle von Stoffen, 
Teppichen, Vorhangen, Kleidungs- und Waschestiicken sollen dieser Reserve zugefuhrt werden, die 
eine groBe Bedeutung fur die Neuproduktion auf dem Gebiete des textilen Marktes hat. 

Gegen Ende des Monats Juli stand die Ordensburg Sonthofen im Zeichen der Leistungswoche der 
Adolf-Hi tler-Schule n. 1400 Adolf-Hitler-Schiiler legten hier Zeugnis ab von ihrem Konnen auf wis- 
senschaftlichem, musischem und sportlichem Gebiete und maBen sich im Wettkampf. Nachdem 
Reichsminister Rust zu Beginn des Monats die Leistungen der Adolf-Hitler-Schliler auf der Ordens- 
burg iiberpriift hatte, trafen am 24. Juli Reichsorganisationsleiter Dr. Ley, Reichsschatzmeister 
Schwarz, Reichsleiter v. Schirach sowie Stabsfuhrer Mockel auf der Ordensburg ein, um die Schiiler 
in ihrem Wettkampf zu sehen. Die Gaste liberzeugten sich von der systematischen wissenschaftlichen, 
musischen und korperlichen Erziehung, die auf diesen Schulen in revolutionarer Weise aufgebaut 
worden ist. 

Zu Beginn des Ernteeinsatzes der Hitler-Jugend legte Oberstammfuhrer Stolle, Abteilungsleiter im 
Amt Bauerntum und Landdienst der Reichsjugendfuhrung, Rechenschaft ab iiber den Arbeitseinsatz. 
Ein wesentliches Kriterium fur die Bedeutung der Landdienstlager ist die Zahl der Jugendlichen, die 
spaterhin, 

95 auch nach ihrem Einsatz im Landdienst bleiben wollen. 75% aller Landdienstfiihrer haben diesen 
Wunsch, und das ist zweifelsohne eine hohe Zahl. Am 1. April des Jahres 1940 wurden 1063 Land- 
dienstlager eroffnet. 18 400 Jugendliche waren in 406 Jungen- und 657 Madelscharen eingesetzt. 26 v. 
H. der mannlichen und 25 v. H. der weiblichen im Landdienst eingesetzten Jugendlichen wahlten 
landwirtschaftliche Berufe und sind damit fiir das Land zuriickgewonnen. Von den Jungens sind im 
Landdienst im vergangenen Jahr 1 500 000, von den Madel 2 680 000 Arbeitstage geschafft worden. 
Heute laBt sich schon libersehen, daB der Gesamteinsatz im neuen Jahr um 25% steigen wird. 

Die Reichsjugendfuhrung hat mit der bulgarischen Staatsjugendfuhrung ein Abkommen getroffen, 
wonach 125 deutsche und 125 bulgarische Jugendflihrer wechselseitig eine Reise in das befreundete 
Land machen. Am 29. Juli reisten die deutschen Jugendflihrer zu einem achttagigen Aufenthalt in die 
Lager der bulgarischen Staatsjugend, um daran anschlieBend eine mehrtagige Fahrt durch verschiede- 
ne bulgarische Provinzen zu unternehmen. Vor ihrer Abfahrt wurden die HJ-Flihrer dem bulgarischen 



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Gesandten in Berlin, Draganoff, vorgestellt, der sie verabschiedete mit einer kurzen Rede liber die 
Grundlage und die Bedeutung der deutsch-bulgarischen Zusammenarbeit. 

Am 12. Juli begannen in Bayreuth die diesjahrigen Kriegsfestspiele. Wie im vergangenen Jahre 
wehte auch dieses Mai in Bayreuth eine ganz besondere Atmosphare, die vom Geist des Nationalso- 
zialismus erflillt ist: deutschen Soldaten, Urlaubern und in der Genesung begriffenen Verwundeten, 
deutschen Arbeitern aus den Riistungsbetrieben, Arbeiterinnen und Rote-Kreuz-Schwestern, all denen, 
fur die es Herzenssache ist, deutsche Kunst in sich aufzunehmen, hat der Fiihrer die Moglichkeit gebo- 
ten, in der Festspielzeit die Werke Richard Wagners in Bayreuth zu erleben. Bis Ende des Monats war 
die Wagner-Stadt erflillt vom Gehen und Kommen immer neuer Gaste, die, aufnahmebereit wie nur je 
Besucher dieser Festspiele, Wort und Musik des Bayreuther Meisters erlebten. Unter der Betreuung 
von „Kraft durch Freude" haben Tausende in diesen Tagen Entspannung und Bereicherung gefunden. 
Frau Winifried Wagner als die Leiterin der Festspiele, aber auch alle Kiinstler gaben ihr Bestes, um 
den Gasten das wahre Bild Bayreuther Kunst nahe zu bringen Dr. Ley und andere ftihrende Manner 
des nationalsozialistischen Staates bekundeten durch kurze Besuche ihre Anteilnahme an diesem Werk 
nationalsozialistischer Kultur und Gemeinschaftssinns. 

Am 26. Juli wurde in Munchen die GroBe deutsche Kunstausstellung von Reichsminister Dr. Goeb- 
bels 

96 in Gegenwart zahlreicher Mitglieder des Diplomatischen Korps, zahlreicher Reichsminister und 
Gauleiter, vieler Kiinstler und Kunstfreunde im Haus der deutschen Kunst eroffnet. An S telle des Ftih- 
rers, der sonst alljahrlich diese Schau eroffnete, sprach in diesem Jahr Reichsminister Dr. Goebbels. 
Der Minister ging in seiner Rede davon aus, daB in diesen Wochen die deutschen Soldaten in trium- 
phalen Feldziigen die Existenz des deutschen Volkes verteidigen, aber auch ihr Schwert erheben fur 
die deutsche Kultur, fur die deutsche Kunst. Denn auch die Kunst gehore zu den unabdingbaren Funk- 
tionen unseres nationalen Daseins. Und das erst gebe dem gegenwartigen Kriege seine unwiderstehli- 
che StoBkraft, daB er fur dieses nationale Dasein unseres Volkes insgesamt gefuhrt werde. Unsere 
Soldaten verteidigten alles, war wir besaBen: unsere Acker und Felder, unsere Fabriken und Maschi- 
nen, unsere Stadte und Provinzen, unsere Frauen, Kinder und Familien, aber auch das, was wir den 
deutschen Geist schlechthin nennen. Die deutsche Kunst und die deutsche Wissenschaft, die Freiheit 
der Forschung, die Ehre und die Wurde der Nation. Es sei eine AnmaBung sondergleichen, wenn unser 
Gegner im Osten auf seine kulturschiitzerische Mission pocht, dessen ganze Geschichte doch von den 
blutigen Spuren seines Barbarismus, seiner Kulturlosigkeit und Zivilisationsfeindschaft gekennzeich- 
net sei. Die westlerische Plutokratie dagegen empfinde auch jetzt nicht einmal eine Spur von Scham 
darliber, wenn sie das aufreizende Konkubinat mit dem Bolschewismus heuchlerisch als Schutzwehr 
gegen die angebliche Bedrohung des freien Geisteslebens durch uns preise. Europa stehe heute vor 
einem ahnlichen ProzeB, wie wir ihn im Inneren durchgemacht haben, als wir die in der demokrati- 
schen Republik getarnten Krafte der geistigen Unterwelt aus dem Wege schafften. Im Zeichen dieser 
neuen geschichtlichen Auseinandersetzung, in der Reiche zerfielen und in der unser Erdteil in einer 
erdbebenartigen Erschutterung seine neue Formung erfahre, versammle sich die deutsche Kunstwelt 
wie alljahrlich in Munchen im Haus der deutschen Kunst zur Eroffnung der groBen deutschen Kunst- 
ausstellung. Dr. Goebbels wtirdigte sodann diese Schau als Sache des ganzen deutschen Volkes. Er 
schloB mit einem GruB an den Fiihrer. Gauleiter Staatsminister Dr. Wagner eroffnete sodann die Gro- 
Be deutsche Kunstausstellung 1941. Die 5. Jahresschau der deutschen Bildenden Kunst umfaBt 1350 
Werke. Bemerkenswert ist, daB neben alien Themen die Gestaltung des Kriegserlebnisses in den Vor- 
dergrund tritt und eindrucksvolle Werke aufweisen kann. 

Am Montag, dem 21. Juli, empfing Reichsminister Dr. Goebbels im Thronsaal seines Ministeriums 
die zur Tagung der Internationalen Filmkammer in Berlin versammelten Delegationen aus 17 Landern 
Europas. Im Auftrage des neugewahlten Prasidenten der Internationalen Filmkammer, Graf Volpi di 
Misurata, 

97 gab der Generaldirektor der Abteilung Film im italienischen Ministerium fur Volkskultur, Aw. comm. 
Eitel Monaco, einen Uberblick liber die auf der Tagung geleistete Arbeit. In einer langeren Ansprache 
behandelte sodann Reichsminister Dr. Goebbels grundsatzliche Fragen der europaischen Zusammen- 
arbeit auf dem Gebiete des Films. Bisher habe Europa anderen Kontinenten gegentiber ein Bild volli- 
ger Atomisierung geboten. Es sei deshalb auch in seiner Entwicklung weit hinter den anderen Erdtei- 
len zuriickgeblieben. Solange dieser Zustand angedauert habe, hatte das Lebensniveau in ganz Europa 
zwangslaufig absinken mlissen. Eine Losung auf revolutionarem Wege konnte sich einmal drohend 
am Horizont abzeichnen, wenn nicht im gegenwartigen Kriege die Losung all dieser Probleme in die 



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Wege geleitet wlirde. DaB eine Bereinigung auf bloBem Verhandlungswege nicht mehr moglich gewe- 
sen sei, habe die Vergangenheit zur Evidenz erwiesen. Dr. Goebbels zeigte im einzelnen, ein wie un- 
wlirdiger Zustand es gewesen sei, daB bisher der Erdteil, der der wahrhaft kulturtragende sei, so stark 
auf die Filmeinfuhr aus einem Lande angewiesen war, das einen groBen Teil seiner Kultur von Europa 
bezogen habe. Die bisherige Zersplitterung in Europa habe sogar dazu geflihrt, daB kulturschopferi- 
sche Krafte, die sich hier segensreich hatten auswirken sollen, in das Land der bisher groBeren Mog- 
lichkeiten ausgewandert seien. Wenn sieh der europaische Film gegen diesen Zustand nicht energisch 
zur Wehr setzen wolle, so sei er allerdings fur die Zukunft dem amerikanischen gegentiber hilflos un- 
terlegen. 

Deutschland stehe nun freilich auf dem Gebiete der Filmproduktion so sehr auf eigenen FuBen, es 
sei so unabhangig von alien Fragen der Einfuhr und Ausfuhr auf diesem Gebiet, daB ihm diese Ent- 
wicklung gleichgultig sein konnte, wenn es nicht wirklich ganz uneigenntitzig die europaischen Inter- 
essen tiber seine eigenen stellte. Dr. Goebbels entwarf sodann das Bild eines groBen europaischen 
Filmkongresses, auf dem sich nach dem Kriege in einer gewaltigen Demonstration europaisches Kul- 
turbewuBtsein werde manifestieren konnen. Dann werde der fur jeden europaischen Kulturmenschen 
unertragliche Zustand der Vergangenheit angehoren, daB sich die USA jede Krankung gerade der klei- 
nen Lander Europas auf diesem Gebiete erlauben konnen, weil der Kontinent mit der weitest- und 
tiefgreifendsten Kultur auf die Einfuhr amerikanischer Filmerzeugnisse bedingungslos angewiesen 
war. Deutschland liege nichts ferner als die Absicht, das Filmschaffen kleinerer Lander zu unterdriik- 
ken. Es wolle seinen Ehrgeiz daransetzen, nicht so sehr in der Zahl wie in der Qualitat der Filme zu 
glanzen. Daneben bleibe mehr als genug Spiel 

98 raum und Betatigungsfeld fur alle anderen filmschaffenden Volker in Europa. Es seien wirklich alle 
Voraussetzungen fur eine fruchtbare und erfolgversprechende Zusammenarbeit gegeben. Aus der In- 
ternationalen Filmkammer aber konne eine bahnbrechende Organisation werden, die den Weg frei 
mache — auf einem zunachst klein erscheinenden Gebiete — fiir eine moderne Zusammenarbeit der 
Volker Europas. 

Diese von Dr. Goebbels angedeuteten Perspektiven scheinen hier und dort schon Wirklichkeit wer- 
den zu wollen. Bisher hatte es z. B. kein norwegischer Regisseur gewagt, sich des Kulturfilms anzu- 
nehmen, da bei der ubermachtigen Konkurrenz der amerikanischen Filme, die von der fruheren nor- 
wegischen Regierung sogar noch gefordert wurde, auch nicht annahernd mit einem Kassenerfolg ge- 
rechnet werden konnte. Vor einem Jahr wurde in Norwegen endlich begonnen, zunachst versuchswei- 
se kleine Vorfilme zu zeigen, deren Niveau allmahlich gesteigert wurde, bis man schlieBlich auch die 
deutschen Kulturfilme zeigte. Diese Art der Filme hat sich in Norwegen nicht leicht, aber nun doch 
entschieden durchgesetzt. Nach diesen Erfahrungen hat sich nun der norwegische staatliche Filmdirek- 
tor Leif Sinding entschlossen, zwei norwegische Filmregisseure zu beauftragen, mit der Herstellung 
norwegischer Kulturfilme zu beginnen. Der erste Film wird in erster Linie unbekannte Gegenden 
Nord-Norwegens, der zweite Film die Landschaft Telemark im Sommer zeigen. Mit dieser Eigenpro- 
duktion wird die norwegische Filmindustrie sicherlich nicht nur in der Heimat, sondern auch jenseits 
ihrer Grenzen Erfolg haben. 

Um den groBen Aufgaben der Zukunft gerecht zu werden, hat der President der Reichskulturkam- 
mer, Reichsminister Dr. Goebbels, einen groBziigigen Ausbau der Reichskulturkammer veranlaBt. Es 
wurden der Wichtigkeit der Sachgebiete entsprechend fiinf Abteilungen gebildet: Organisation, an der 
Spitze der bisherige Geschaftsfuhrer der Reichsfilmkammer Heinz Tackmann; berufsstandische Be- 
treuung SS-Standartenfuhrer Waldemar Owens; Abteilung Propaganda Referent Erich Kochanowski; 
Abteilung Kulturpersonalien Obersturmfuhrer Helmut v. Loebell; Abteilung Sonderaufgaben NSKK- 
Standartenfuhrer Regierungsrat Hans Schrade. Den Leiter der Abteilung Reichskulturkammer im Pro- 
pagandaministerium, Hans H i n k e 1, bestellte Reichsminister Dr. Goebbels zum Hauptgeschaftsfuh- 
rer der Reichskulturkammer mit der Dienstbezeichnung Generalsekretar. 

In der Nacht zum 8. Juli ist Agnes Straub, die groBe deutsche Schauspielerin, im Alter von 51 Jah- 
ren unvermutet einer Embolie erlegen. Das deutsche Theater hat mit ihr eine seiner starksten, eigen- 
willigsten Begabungen verloren. Vor dem Weltkrieg war Agnes Straub zuerst auf dem Kleinen Thea- 
ter Unter den 

99 Linden aufgetaucht. Unverkennbar waren an ihr die Ziige einer groBen Schauspielkunst. Nach dem 
Weltkrieg sah man sie als Penthesilea, Minna von Barnhelm, aber auch in Werken, die mit der ganzen 
Problematik der damaligen Zeit geladen waren, etwa in Barlachs „Toter Tag", ferner in vielen moder- 
nen Gesellschaftsstticken. Am hinreiBendsten war sie in den Momenten, in denen ein Mensch oder ein 



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Werk ihr die Grenzen entgegenbaute, deren wohl jeder zur letzten Vollendung bedarf. Im Herbst 1938 
hatte Agnes Straub einen schweren Autounfall erlitten, der ihr die Bewegungsfreiheit des rechten Ar- 
mes lahmte. Ihre Leidenschaft zur Darstellung kampfte auch diese Behinderung nieder. Gleichsam 
mitten aus der Szene heraus wurde sie von der Biihne abberufen, die ihre ganze Welt gewesen ist. 

An den Folgen eines Unfalls, den er in Belgrad, wo er als Militarbefehlshaber Serbien wirkte, erlit- 
ten hat, ist der President des Reichsluftschutzbundes, General Ludwig v. S c h r o d e r, in Hohenly- 
chen gestorben. Der General hatte sich bei einem Flugzeugunfall einen Oberschenkelbruch zugezogen, 
einer plotzlich aufgetretenen Embolie ist er am 29. Juli 1941 erlegen. Seit 1937 gehorte General v. 
Schroder dem Presidium des Luftschutzbundes als Vizeprasident an. In den letzten Jahren ftihrte er 
diese riesige Organisation, in der 13 Millionen Deutsche zusammengefaBt sind, verantwortlich. Seiner 
Tatigkeit ist es zu danken, daB das Amtstragerkorps des Reichsluftschutzbundes in unermudlicher 
Schulung heute zu einem zivilen Schutzkorper der Nation ausgestattet worden ist, der sich vielfach bei 
den britischen Angriffen auf die deutsche Zivilbevolkerung bewahrt hat. An den Erfolgen der moder- 
nen deutschen Luftverteidigung ist v. Schroder, der der zweite General der Flakartillerie der deutschen 
Wehrmacht war, in hervorragender Weise beteiligt. 





.-Miiiliiiniijiiiiillifiilk 



100 Deutschlands Politik und Kriegfuhrung im Monat Juli kennzeichnen sich durch die erste Phase des 
siegreichen Kampfes gegen die Sowjetunion, die zur Durchbrechung der beiden an den neuen und an 
den alten Grenzen der Sowjetunion errichteten Befestigungszonen gefuhrt hat, durch eine weitere Be- 
kraftigung des gesamteuropaischen Charakters dieses Kampfes mit einer Verstarkung der militari- 
schen Mitarbeit aus Gesamteuropa, durch die unerbittliche Fortsetzung des Kampfes gegen England 
und durch eine weitere ganz der Gegenseite zur Last fallende Verscharfung der Beziehungen zu den 
USA. 

Der Kampf gegen den Bolschewismus hat sowohl durch seinen Verlauf selbst, wie durch das Be- 
kanntwerden weiterer Dokumente zu seiner Vorgeschichte und durch die Entwicklung der Beziehun- 
gen zwischen SowjetruBland und den angelsachsischen Machten eine neue Rechtfertigung erhalten, 
die freilich an sich gar nicht no tig ware. 

Die ungeheueren an den deutschen Grenzen aufmarschierten Massen an sowjetischen Menschen und 
Kriegsmaterial, besonders an Tanks und Artillerie, die verbissene Harte des Kampfes und die wilde, 
durch Fanatismus und Zwang gesteigerte Einsatzbereitschaft der bolschewistischen Truppen haben 
erst die GroBe der Gefahr enthullt, der Deutschland und Europa sich gegenuberbefanden. Der von 
Moskau aus immer wieder zur Schau gestellte angebliche „sozialistische Aufbau" in der Sowjetunion 
hat sich vor aller Augen jetzt als das erwiesen, was er fur Kenner schon immer gewesen ist, der Auf- 
bau einer industriellen und militarischen Angriffsmaschinerie zur Vollstreckung der bolschewistischen 
Weltrevolution. 

Zwei im „Journal de Geneve" am 12. Juli veroffentlichte oder besser gesagt friiher vertuschte und 
jetzt wieder in Erinnerung gebrachte Dokumente bestatigen dies. Das eine Dokument enthalt Erkla- 
rungen, die Stalin am 19. August 1939 unmittelbar nach der Unterzeichnung der deutsch-russischen 
Verstandigung vor dem Politburo, dem hochsten sowjetischen Parteigremium, abgegeben hat. Stalin 
verteidigte den AbschluB mit Deutschland als einen Akt der Realpolitik. Er ftihrte aus, das Abkommen 
mit Deutschland habe den Zweck, den Ausbruch des Krieges sicherzustellen. Die kommunistische 
Diktatur sei nur moglich 

101 durch einen groBen Krieg. Man miisse wahrend desselben Deutschland wirtschaftlich helfen, damit es 
den Krieg moglichst lange aushalten konne mit der Folge einer allgemeinen Schwachung, die dann der 
am Kriege nichtbeteiligten Sowjet-Union seine Chance geben werde. Stalin kam zu der SchluBfolge- 



;liiiisirlill,iii<i tm^amirF 9 

rung: „Es ist in unserem Interesse, daB der Krieg zwischen Deutschland und dem englisch- 
franzosischen Block ausbricht. Es ist wesentlich fur uns, daB dieser Krieg solange als moglich dauert. 
Wir miissen die kommunistische Arbeit in den kriegfuhrenden Landern intensivieren, um gut vorberei- 
tet zu sein fur den Moment, wo der Krieg zu Ende geht." Das zweite Dokument ist eine Instruktion an 
Kominternbeauftragte in Frankreich und Belgien vom 25. November 1939, die die Gedanken Stalins 
tiber den Krieg, der die giinstigen Umstande und Bedingungen zur Entfesselung der Weltrevolution 
schaffe, naher ausfuhrt. 

Es entspricht diesem europaischen Charakter, daB die im Juni bereits klar abgezeichnete Bewegung 
innerhalb der europaischen Volker, den Kampf gegen den Bolschewismus als europaische Aufgabe zu 
begreifen, sich weiter verstarkt hat. In A g r a m hat der Staatsfuhrer am 2. Juli kroatische Freiwillige 
aufgerufen, um „mit der Waffe in der Hand, Schulter an Schulter mit seinen jahrhundertealten Kriegs- 
kameraden, den unbesiegbaren deutschen Soldaten zu kampfen, und die geschichtliche Waffenbriider- 
schaft zu erneuern." Das erste Bataillon des Freiwilligenkorps Danemark ist am 19. Juli aus Kopenha- 
gen ausgeriickt. Auch in Frankreich ist ein zahlenmaBig anscheinend sogar recht starkes Freikorps in 
der Bildung begriffen. Die spanische „Blaue Division" ist bereits in Deutschland eingetroffen. Die 
Bundesgenossen aber, Finnland, die Slowakei, Ungarn und Rumanien stehen mit ihren Verbanden 
Seite an Seite mit der deutschen Wehrmacht schon tief im Feindesland, und die italienischen Verbande 
sind auf dem Wege zur Front. Das einzige Land, aus dem bisher keine Freiwilligen sich gemeldet ha- 
ben und wo dies sogar als mit der „historischen Neutralitat" unvereinbar erklart wird, ist die Schweiz. 

Hinsichtlich der politisch-diplomatischen Hintergriinde des Kampfes gegen die Sowjets haben wir 
aus dem erst im Monat Juli im einzelnen bekanntgewordenen finnischen Blau-WeiB-Buch iiber die 
Entwicklung der Beziehungen zwischen Finnland und der Sowjetunion seit dem „FriedensschluB" des 
11. Marz 1940, der den russisch-finnischen Krieg beendigte, und aus einer am 18. Juli dazu erfolgten 
Verlautbarung des schwedischen AuBenministeriums recht bemerkenswerte Einzelheiten erfahren. 
Das finnische Blau-WeiB-Buch bringt ein umfangreiches Material iiber die feindselige, erpresserische 
und drohende Haltung 
102 Moskaus gegeniiber Finnland. Es ergibt sich zweifelsfrei, daB die Sowjetunion ihr Ziel, Finnland zu 
unterjochen, dem sie zuerst durch den Krieg mit Finnland nachgegangen war, nach AbschluB des Frie- 
dens durch eine extensive und rauberische Anwendung des Friedensvertrags, durch die Stellung im- 
mer neuer iibersteigerter Forderungen sowie durch innere Aushohlung des finnischen Staatswesens auf 
dem Wege kommunistischer Propaganda und der Gewinnung wirtschaftlicher Positionen in Finnland 
zu erreichen gesucht hat. Als die drei nordischen Staaten, aufgeschreckt durch den sowjetischen An- 
griff gegen Finnland, wahrend der finnisch-sowjetischen Friedensverhandlungen und nachher die Fra- 
ge des Abschlusses eines gemeinsamen Verteidigungsbiindnisses priiften, griff Moskau scharf ein mit 
der Drohung, ein solches Defensivbiindnis als die AuBerkraftsetzung des finnisch-sowjetischen Frie- 
densvertrages anzusehen. Finnland sollte eben jeder Stiitze entbehren, um dem sowjetischen Imperia- 
lismus im gegebenen Moment allein und moglichst schwach gegeniiberzustehen. Natiirlich war Finn- 
land fur Moskau nur eine Station auf dem Wege nach den eisfreien Hafen an der Nordkiiste der skan- 
dinavischen Halbinsel und nach den wertvollen Rohstoffen der skandinavischen Lander. 

Diese Erkenntnis wird heute auch in Schweden offen ausgesprochen, obwohl betrachtliche Teile der 
schwedischen Presse und die politisch Fiihrenden aus ideologischer, parlamentarischdemokratischer 
Voreingenommenheit sich der Anerkennung der Folgerungen aus solcher Erkenntnis hinsichtlich der 
Rolle Deutschlands und der Notwendigkeit fur Schweden, zu ihr positiv Stellung zu nehmen, entzie- 
hen mochten. Aber Schweden wird, wie es die englische Wirtschaftszeitung „Economist" ausdriickte, 
„standig und unentrinnbar zu einem Teil des deutschen Europa verwandelt", oder wie „Svenska Dagb- 
ladet" vom 4. Juli sagte, Schweden sei eine Enklave in der Machtsphare der Achse geworden. In der 
gewaltigen Auseinandersetzung zwischen dem neuen Europa der Achse und dem Bolschewismus gibt 
es im Grunde keine Moglichkeit der Neutralitat, eine Erkenntnis, die in Schweden freilich noch lange 
nicht allgemein geworden ist, aber doch auch von bedeutenden Presseorganen bereits offen vertreten 
wird. 

Die innere und auBere Zwangslaufigkeit der Entwicklung der neuen Struktur Europas unter der Fiih- 
rung der Achse, die im Osten eine Befreiung vom Druck der Sowjetmacht und des Bolschewismus 
und im Westen eine solche von der historischen Einmischungs- und Veruneinigungspolitik Englands 
bedeutet, findet seit dem Beginn der kriegerischen Auseinandersetzung mit dem Bolschewismus bei 
den Volkern Europas offensichtlich wachsendes Verstandnis. 



|liiiisirlill,iii<i tm^amirF 10 

Im auBereuropaischen Bezirk hat die deutsche Politik durch die am 1. Juli erfolgte Anerkennung der 
na 

103 tionalen chinesischen Regierung in Nanking, die gleichzeitig mit der durch Italien erfolgt ist, zu der 
Lage im Fernen Osten Stellung genommen. Die von Japan begonnene Neuordnung des ostasiatischen 
Raumes hat hierdurch von selten von Japans Verbundeten im Dreierpakt eine Anerkennung und di- 
plomatisch-politische Unterstiitzung erhalten. 

Dafiir ist das Verhaltnis zu den Vereinigten Staaten womoglich noch schlechter geworden, obwohl 
die offene Feindschaft und haBerfullte Gesinnung Roosevelts und seiner Leute Deutschland gegenuber 
eigentlich keiner Steigerung mehr fahig erscheint. Ein bekannter USA-Publizist schrieb, zwischen den 
USA und Deutschland bestehe bereits der ideologische und der Wirtschaftskrieg, es fehle nur noch der 
offene Ausbruch des „SchieBkrieges". Das Buch des Prasidenten der amerikanischen Friedensliga, 
Theodor N. Kaufmann, „Deutschland muB vernichtet werden", liber das die deutsche Presse am 23. 
Juli ausflihrlich berichtete, ist bezeichnend. Die von der deutschen Presse veroffentlichte, in einer 
norwegischen Freimaurerloge gefundene Fotografie, die Roosevelt als Hochgradfreimaurer mit seinen 
drei Sohnen in mitten einer judisch-freimaurerischen Gesellschaft zeigt, ist eine weitere Illustration. 
Ganz offensichtlich ist der HaB- und Vernichtungswille des Kreml gegen die Achsenmachte nicht 
groBer als der des WeiBen Hauses. Beidemal ist die ideologische Feindschaft eng verkntipft mit impe- 
rialistischem Machtstreben. Molotows Forderungen bei seinem Aufenthalt in Berlin und Roosevelts 
Griff nach Gronland, Island, Nordirland, den Inseln des Atlantik und der Westkuste Afrikas geschehen 
mit ideologischen Begriindungen sehr antithetischen Charakters, aber mit grundsatzlich gleichartigem 
machtpolitischen Wollen: Das in der Bildung begriffene geeinte Europa, nach Volkszahl und Lei- 
stungsfahigkeit die starkste Potenz des zuktinftigen Weltgeschehens, soil im Entstehen erstickt, um- 
klammert, unmoglich gemacht werden. 

Den Kampf um den Sieg des neuen Europa ftihrt auch das verbundete Italien unentwegt weiter. In 
Italienisch-Ostafrika ist die Kampfgruppe von Galla und Sidamo nach langem Ringen gegen eine ge- 
waltige Ubermacht und nachdem alle Vorrate an Lebensmitteln und Munition verbraucht waren, aus- 
geschieden. Sie muBte in ehrenvoller Form die Waffen strecken. Jetzt halt nur noch eine italienische 
Kampfgruppe, die im Gebirgsland von G o n d a r , stand. Im Mittelmeer, im Atlantischen Ozean und 
an der Grenze Agyptens geht der Kampf mit England weiter. 

Auf dem Balkan ist Montenegro am 12. Juli durch die Proklamation der Unabhangigkeit seiner kon- 
stituierenden Nationalversammlung zu neuem staatlichen Dasein wieder erstanden. Punkt 3 der Pro- 
klamati 

104 on besagt, Montenegro werde als souveraner und unabhangiger Staat in der Form einer konstitutionel- 
len Monarchic wiederhergestellt. Weg und Schicksal Montenegros sollten mit denen Italiens verkntipft 
und der Konig von Italien gebeten werden, einen Regenten zu ernennen. Italiens Stellung an der Adria 
und auf dem Balkan erfahrt dadurch eine weitere Konsolidierung. 

Es liegt auf der Hand, daB Italiens neue Stellung am Balkan es zu jenem Staat, der als der starkste 
Balkanstaat aus dem Kampf hervorgegangen ist, zu Bulgarien, in ein neues Verhaltnis bringen muB. 
Beide Staaten sind Grenznachbarn geworden. Die bulgarischen Staats manner Ministerprasident F i 1 o 
f f und AuBenminister P o p o f f haben sich vom 20. bis 23. Juli in R o m aufgehalten. Wie offizios 
verlautet, wollte man sich u. a. liber die durch die Auflosung des ehemaligen Jugoslawien ergebende 
Lage auf dem Balkan unterhalten, ausgehend von der Uberzeugung, daB die italienisch-bulgarische 
Solidaritat gegenwartig das starkste Element der Ordnung und Sicherheit auf dem Balkan darstelle. 

Im fernostlichen Raum hat Italien gleichzeitig mit Deutschland im Geiste des Dreierpaktes die An- 
erkennung der chinesischen Nationalregierung in Nanking vollzogen. 

Die als Staaten autoritarer Herrschaftsform ideologisch und durch ihre Interessenlage auch materiell 
im gegenwartigen Weltkonflikt auf der Seite des neuen Europa stehenden Lander der iberischen Halb- 
insel haben diese Einstellung und Interessenlage auch im Monat Juli in bedeutsamer Weise unterstri- 
chen. 

Spaniens AuBenminister Serrano S u n e r hat in einem Gesprach mit dem Madrider Vertreter der 
„Deutschen Allgemeinen Zeitung" die Stellung Spaniens klar umrissen: „Spaniens Stellung gegenuber 
dem deutsch-russischen Kriege kann nur die der entschlossenen moralischen Kriegflihrung an der 
Seite unserer Freunde und gegen den am meisten verhaBten Feind aller Spanier sein. Diese moralische 
Kriegflihrung muB und wird ihre Erganzung in der Teilnahme spanischer Kampfer auf dem Schlacht- 
feld finden Deutschlands Kampf ist ein Kreuzzug der europaischen Ordnung gegen die asiatische Bar- 



;liiiisirlill,iii<i tm^amirF 1 1 

barei. Der Sieg iiber RuBland ist die unbedingte Voraussetzung flir die Reorganisation und die Zukunft 
Europas." 

Noch deutlicher auBerte sich Spaniens Staatschef, General Franco, am flinften Jahrestage der na- 
tionalen spanischen Revolution in einer feierlichen Sitzung des Nationalrates der Falange am 17. Juli. 
Franco fiihrte aus: In dieser Stunde wird um das Schicksal Europas gekampft, das auch das unsrige ist. 
Aber dieses Schicksal ist bereits entschieden, denn der Untergang des russischen Kommunismus, der 
wie ein Alpdruck auf unserer Generation lastete, ist unvermeidlich. Keine menschliche Gewalt wird 
diesen Lauf des 

105 Schicksals andern konnen, auch nicht der Irrsinn, mit dem die Politiker gewisser Lander Europa in ein 
neues Ungliick stiirzen mochten. Gegen solche Versuche miissen wir gewappnet sein, damit die Welt 
weiB, daB wir uns unsere Unabhangigkeit und Rechte nicht nehmen lassen. Spanien ist wie kein ande- 
res Land dazu berechtigt, festzustellen, daB Europa keinerlei Ambitionen in Amerika hat. Ein Ent- 
scheidungskampf zwischen den beiden Kontinenten ist unmoglich; er wtirde nur einen ergebnislosen, 
unabsehbar langen Krieg bedeuten mit ungeheuren Schiffsverlusten, unerhorten Kriegsgewinnen eini- 
ger Weniger und den Niedergang jeglichen friedlichen Welthandels bedeuten. 

Nach einem Uberblick iiber die bisherige Entwicklung des Krieges sagte Franco weiter: „Der ame- 
rikanische Kontinent kann an keine Intervention in Europa denken, ohne sich selbst in eine Katastro- 
phe zu stiirzen. Ebensowenig kann Amerika behaupten, daB seine Kiisten durch europaische 
Kriegsziele bedroht seien. Dies ware eine Verdrehung der Tatsachen. Die Freiheit der Meere ist ein 
Sarkasmus flir die Volker, die unter dem Krieg leiden. Ebenso ist der Begriff internationales Recht, 
dem die unmenschliche Hungerblockade Hohn spricht, und die sogenannte Verteidigung der 
bedrohten Volker nichts als ein groBartiger Schwindel, an den kein Mensch mehr glaubt. Die 
Behauptung, daB das Schicksal dieses Krieges durch den Eintritt eines dritten Landes geandert werden 
konnte, ist auf Grund dieser Erkenntnis ein verbrecherischer Wahnsinn und wtirde zu einem Weltkrieg 
ohne absehbares Ende fiihren, der jahrelang dauern und den Ruin aller Nationen herbeifiihren wiirde, 
die im Welthandel ihre natiirliche Existenzgrundlage haben. An diesen Tatsachen laBt sich nicht 
riitteln. Die Blockierung Europas wtirde eine Autarkie im Gefolge haben, die auch Siidamerika schwer 
schadigen wiirde. Der Krieg wurde ungeschickt vom Zaun gebrochen. Die Alliierten haben ihn 
verloren. Die verantwortlichen Manner geben selbst unumwunden zu, daB sie aus eigener Kraft nichts 
mehr zu erreichen vermogen und daB sie daher ihre letzten Hoffnungen auf einen neuen Krieg setzen, 
den Krieg zwischen den Kontinenten, der ihre Agonie verlangern und ihnen noch ein Schattendasein 
gewahren soil. Aus Liebe zu Amerika wiinschen wir, daB dieser neue Krieg nicht kommt. Der Feldzug 
gegen SowjetruBland, mit dem sich die plutokratische Welt solidarisch erklart, wiirde an den 
verheerenden Folgen des Krieges zwischen den Kontinenten nichts andern. 

Die Welt steht seit zwanzig Jahren unter dem Druck der verbrecherischen Agitation des russischen 
Kommunismus, und Spanien kann wie kein anderes Volk die Reichweite der Folgen des gegenwarti- 
gen Kampfes beurteilen, denn es lieferte dem Kommunismus die erste und blutigste Schlacht. Das 
kommuni 

106 stische Gold und die jiidische Presse mogen vielleicht die Welt gegeniiber den revolutionaren 
Umtrieben der Komintern blind gemacht haben, auch die siidamerikanischen Nationen mogen bislang 
nicht gewuBt haben, daB die Komintern sie als semikoloniale Volker bezeichnete und ihnen ihre be- 
sondere Aufmerksamkeit widmete, jetzt ist aber die Stunde gekommen, in der sich niemand der Er- 
kenntnis dessen verschlieBen kann, was fur eine ungeheure Gefahr das schandliche Sowjet-Regime in 
sich birgt. Unsere nationale Erhebung hat heute vor der Welt ihre allerhochste Rechtfertigung erfahre 
n. In dieser Stunde, da Deutschland eine Schlacht aufnimmt, die Europa und die ganze Christenheit 
seit so vielen Jahren herbeisehnte, und bei der auch unsere Jugend zugegen ist, erneuert Spanien das 
felsenfeste Vertrauen auf seine Zukunft, iiber die die Wehrmacht und die Falange gemeinsam wa- 
chen." 

Die von den Angelsachsen gegeniiber Spanien in seiner schweren wirtschaftlichen Not geiibte Er- 
pressung kennzeichnete Franco wie folgt: „Zwei Millionen Tonnen Getreide muBten aus fernen Lan- 
dern herbeigeschafft werden. Als die Not im vergangenen Jahre am groBten war und das Brot fiir un- 
ser Volk zur Neige ging, verhinderte Nordamerika die Verschiffung von hunderttausend Tonnen Ge- 
treide, das bereits gekauft und verschiffungsbereit lag. Alle unsere Bemiihungen scheiterten an den 
Verfiigungen der nordamerikanischen Regierung. Jede wirtschaftliche Hilfe, die man uns anbot, wurde 
mit politischen Forderungen verkniipft, die mit der Wtirde und Unabhangigkeit eines freien Volkes 
nicht vereinbar waren. Die Stunde ist gekommen, wo ich offen zu euch iiber diese hinterlistigen Ma- 



|liiiisirlill,iii<i tm^amirF 12 

chenschaften sprechen kann. Jedes Volk kann sich nur auf Grund seiner eigenen Arbeitskraft und Op- 
fer behaupten. Es ist ein schwerer Irrtum, zu glauben, daB die Plutokratien ihr Gold fur groBmiitige 
Hilfsaktionen hergeben. Das Gold erniedrigt die Nationen ebenso wie die Menschen. Gibt es einen 
besseren Beweis daflir als den Tausch von den Gliedern des Korpers eines Imperiums gegen funfzig 
veraltete Zerstorer?" 

Der spanische Staatschef schloB mit einem Appell an die Einheit, den Opfergeist und den Selbstbe- 
hauptungswillen des spanischen Volkes. 

Francos Worte haben an der Adresse, an die sie gerichtet waren, in London und Washington, verar- 
gerte Unfreundlichkeit und erneute Drohungen mit wirtschaftlichen ZwangsmaBnahmen hervorgeru- 
fen. 

Der englisch-amerikanische Imperialismus bedroht auch den anderen Staat der iberischen Halbinsel, 
Portugal, mit wachsender Starke. Aber auch im Monat Juli hat Portugals Regierung sich in ihrem ent- 
schiedenen Willen zur Selbstbehauptung nicht beeintrachtigen lassen. Staatsprasident C a r m o n a hat 
am 

107 23. Juli eine auf einen Monat berechnete Reise nach den Azoren angetreten. Als politischen und 
moralischen Zweck der Reise bezeichnete das Regierung sblatt „Diario da Manha", durch die Anwe- 
senheit des Staatsprasidenten sollten die physischen und seelischen Bande, die die Volker und Lander 
des portugiesischen Imperiums verbinden, wenn moglich noch enger gestaltet werden. Die Reise des 
Prasidenten zeige die enge Verbundenheit, die das ganze portugiesische Volk mit seinem uberseei- 
schen Besitz verbinde. Weitere betrachtliche Truppentransporte sind im Monat Juni, wie schon in den 
vorhergehenden Monaten, nach den Kapverdischen Inseln und nach den Azoren verschifft worden. Es 
ist klar: eine Besetzung der portugiesischen Inseln im Atlantik in der Art, wie Roosevelt Gronland 
oder Island besetzte, namlich mit dem durch verlogene Manover bewirkten Schein der Zustimmung 
der Vergewaltigten, wird nicht moglich sein. 

Am 9. Juli haben sich auf Einladung der brasilianischen Regierung der Direktor des portugiesischen 
Propagandasekretariats und der Leiter der Kolonialverwaltung im Kolonialministerium nach Brasilien 
eingeschifft, um dort eine Reihe von Vortragen zur Vertiefung der portugiesisch-brasilianischen 
Freundschaft zu halten. Die portugiesische Presse unterstrich bei dieser Gelegenheit, wie schon ofter 
in den letzten Monaten, die historische und kulturelle Verbundenheit der beiden Lander, die Interes- 
sengemeinschaft, die sie iiber den Atlantik hinweg verbindet, und die Notwendigkeit, „irgendwelche 
egoistische Einmischungen, Intrigen und Begehrlichkeiten auszuschalten." 

Den angelsachsischen Imperialismus hat auch Frankreich im Monat Juli in gesteigertem MaBe er- 
fahren mtissen. Nach funfwochigem tapferen und hartnackigen Kampf gegen die technisch und zah- 
lenmaBig stark uberlegene englische Invasionsarmee haben sich die franzosischen Truppen in Syrien 
vor der Unmoglichkeit gesehen, den Kampf fortzusetzen. Die zuerst von englischer Seite gestellten 
Bedingungen fur einen Waffens tills tand enthielten die Forderung, den Verratergeneral de Gaulle als 
Vertragspartner anzuerkennen und den franzosischen Offizieren und Soldaten den Eintritt in die 
Streitkrafte de Gaulles freizustellen. Vichy hat dies rundweg abgelehnt und ausdruckfich festgestellt, 
Frankreich sei nicht bereit, aus welchem Vorwand es auch sei, mit Leuten wie de Gaulle und Catroux, 
die ihr Land verraten hatten, in Verhandlungen einzutreten. Gleichzeitig wurde der Kommandeur der 
franzosischen Truppen in Syrien, General D e n t z, ermachtigt, „die der tatsachlichen Lage entspre- 
chenden MaBnahmen zu ergreifen". Am 14. Juli kam dann zwischen dem englischen Kommandeur 
Wilson und General Dentz ein Waffenstillstand streng militarischen Charakters zustande, der die Ehre 
der franzosischen Waffen respektierte, und vor 

108 allem jede Anerkennung de Gaulles vermied. Syrien wurde nun, soweit es nicht schon wahrend der 
Kampfhandlungen von den Englandern erobert worden war, von diesen besetzt. Nachdem die Erhe- 
bung des Irak gegen England, die Anfang Mai begonnen hatte, Anfang Juni nach vier Wochen Kampf 
gegen materiell und personell weit uberlegene englische Truppen mit der Eroberung Bagdads und dem 
Zusammenbruch der irakischen Nationalregierung geendigt hatte, hat England durch die Besetzung 
des Iraks und Syriens eine betrachtliche Verstarkung seiner Position im vorderen Orient erreicht. Uber 
die Interessen seines fruheren Bundesgenossen Frankreich ist es dabei mit der ublichen Rucksichtslo- 
sigkeit hinweggegangen. Die erfolgreichen Angriffe der deutschen und italienischen Flugwaffe auf 
Englands Stiitzpunkte auf Cypern, in Haifa, Suez und Alexandrien zeigen jedoch, daB England sich 
dieser Position nach der Besetzung des gesamten Balkans, Kretas und der Inseln des Mittelmeers kei- 
neswegs ungestort erfreuen kann. 



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In einem anderen, dem fernostlichen Ted des franzosischen Kolonialreichs, in Indochina, haben die 
Dinge jedoch einen anderen Verlauf genommen, als England es wohl beabsichtigt hat. Dort ist Japan, 
das durch seine Vermittlung den Streit zwischen Thailand und Indochina seine Stellung als flihrende 
Macht in Ostasien bewiesen hat, dem englisch-amerikanischen Zugriff zuvorgekommen. Am 24. Juli 
wurde zwischen Vichy und Tokio ein Abkommen iiber die gemeinsame Verteidigung von Franzo- 
sisch-Indochina abgeschlossen. Unter Wahrung und Garantierung der franzosischen Souveranitat und 
territorialen Integritat wurde die Besetzung der strategisch wichtigsten Punkte Indochinas durch Japan 
bestimmt. Japan hat dadurch seine Stellung wesentlich verstarkt, und zwar sowohl fiir seinen Kampf 
mit Tschiangkaischek, wie fiir den Fall einer kriegerischen Auseinandersetzung mit England und 
USA, nicht zuletzt aber auch in wirtschaftlicher Hinsicht, da Indochina eine bedeutende Ausfuhr von 
Reis, Gummi u. a. kriegswirtschaftlich wichtigen Rohstoffen hat. Die Bereitschaft Vichys zu dem 
Vertrag mit Japan ist sicher durch Englands Angriff auf Syrien wesentlich herbeigefuhrt worden. 

Hinsichtlich des Krieges in Europa ist festzustellen, daB die positive Stellungnahme Frankreichs im 
Sinne der Achsenmachte verstarkt erscheint. Die Bildung eines zahlenmaBig recht starken Korps von 
Freiwilligen zum Kampf gegen den Bolschewismus ist im Gange. Die kommunistischen Zellen in 
Frankreich werden, wo man sie zu fassen bekommt, ausgehoben. 

Marschall P e t a i n hat vor dem Nationalrat, der mit der Ausarbeitung einer neuen Verfassung be- 
auftragt ist, am 8. Juli eine bemerkenswerte Rede gehalten, in der er die Grundsatze, nach denen die 
kunftige Verfassung ausgerichtet werden soil, dargelegt hat. Diese Grundsatze enthalten eine Absage 
an die bishe 

109 rige parlamentarisch-demokratische Einstellung und an die Prinzipien der Revolution von 1789, ein 
Zuriickgehen auf die konstitutionellen Werte und Krafte der Nation, besonders die Familie, den Ge- 
meinschaftssinn und die Autoritat. Man wird gespannt sein diirfen, wie die neue Verfassung im ein- 
zelnen aussehen und wie der neue politische Kern der franzosischen Nation, dessen Bildung Petain als 
notwendig bezeichnete, entwickelt werden wird. 

Wie sehr sich Frankreich bemtiht, im Staatsleben wieder Ordnung zu schaffen, zeigt die Tatsache, 
daB bereits Anfang Juli fur das zweite Halbjahr 1941, zum erstenmal seit Frankreichs Zusammen- 
bruch, wieder ein ordentlicher Staatshaushalt aufgestellt worden ist. 

Die Sowjetunion, der Feind Europas, ist durch die gewaltigen Erfolge der deutschen und verbiinde- 
ten Truppen bereits in schwere Bedrangnis geraten. Die wenigen Nachrichten, die, auBer Propagan- 
dameldungen, zu uns gelangen, zeigen dies deutlich. Stalin sah sich genotigt, am 1. Juli den Vorsitz 
des neugebildeten Verteidigungsrates zu ubernehmen, in dessen Hande die gesamte Regierungsgewalt 
gelegt wurde. Als Grund fiir die Bildung des Verteidigungsrates wurden die „augenblicklichen auBer- 
gewohnlichen Umstande" angegeben. Wenn man sich erinnert, bis zu welchem Grade in der Sowjet- 
union die Staatsmacht bereits zentralisiert war, und wie absolut Stalins Wille schon immer Gesetz 
gewesen ist, dann muB man zur SchluBfolgerung kommen, daB die Bildung des Verteidigungsrates, zu 
dem auBer Stalin nur Molotow als stellvertre tender Vorsitzender und Woroschilow als Verteidigungs- 
kommissar und der Innenkommissar Beria gehoren, der Ausdruck eines schon weit fortgeschrittenen 
Notzustandes sein muB. 

Nicht minder bezeichnend war der Aufruf, den Stalin am 3. Juli als Vorsitzender des Verteidigungs- 
rates erlieB. Er verheimlichte nicht die GroBe der Gefahr, sprach von einem Kampf auf Leben und 
Tod, sagte alien Panikmachern, die den Widerstand lahmten, den Kampf an und rief unter heftigen 
Beschimpfungen gegen Deutschland und seine Fuhrung zum Kampf bis aufs Messer auf. Als wesent- 
lich fiir diesen Kampf bezeichnete er, daB dem Feinde nichts, was ihm von Nutzen sein konnte, in die 
Hande fallen diirfe. Das rollende Material der Bahnen, alle Vorrate, alles Getreide muBten zerstortund 
die Walder niedergebrannt werden. Hinter der Front miisse der Partisanenkrieg, d. h. also der volker- 
rechtswidrige Heckenschiitzenkrieg, bis aufs auBerste gefiihrt werden. Im gleichen Atem sprach Stalin 
von „der demokratischen Einheitsfront aller freigesinnten Volker" und berief sich auf die Unterstiit- 
zung Churchills und Roosevelts! In einer fiir England bestimmten Rundfunkrede auBerte der friihere 
langjahrige AuBenkommissar der So 

110 wjetunion, der plotzlich von Stalin wieder aus der Versenkung hervorgeholte L i t w i n o w: „Wir 
fiihren diesen Kampf gemeinsam fiir Wahrheit und fiir die Befreiung versklavter Volker! " 

Die „Freiheit", in der die Volker der Sowjetunion leben, erfuhr eine besondere Beleuchtung durch 
ein am 17. Juli veroffentlichtes Dekret des Obersten Verteidigungsrates iiber die Reorganisierung der 
politischen Propagandabehorden und die Einfiihrung des Instituts militarischer Kommissare in der 
Roten Armee. Danach werden die politischen Kommissare, deren Tatigkeit in der nach dem finnisch- 



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russischen Krieg durchgeflihrten Reorganisation der Roten Armee wesentlich eingeschrankt worden 
war, wieder bis hinunter zu den Kompanien, Batterien und Schwadronen eingefuhrt. Diese Kommissa- 
re miissen Kommandeure und Soldaten liberwachen, melden, „wenn die Kommandeure nicht die Be- 
fehle erflillen und nicht ehrlich ihre Pflicht tun . . ., miissen erzwingen, daB die militarischen Befehle 
erflillt werden . . ., miissen einen unerbittlichen Kampf gegen die Feiglinge, die Panikmacher und De- 
serteure flihren, miissen bis auf den Grund den Verrat ausmerzen". 

Der Militarsachverstandige der „New York Times" vom 18. Juli meinte hierzu, die Wiedereinfiih- 
rung des Systems der politischen Kommissare sei hochst entmutigend. Wenn Stalin es fiir notig finde, 
die Zuverlassigkeit und Treue seiner Generale zu iiberwachen, sei dies nur ermutigend fur Hitler. 

Wie die Verordnung vom 17. Juli im einzelnen durchgeflihrt wird, und welch blutigen Terror die 
Kommissare gegenliber Soldaten und Offizieren der Roten Armee ausliben, ist im ubrigen durch zahl- 
reiche Gefangenenaussagen und durch die Beobachtung der deutschen Truppen hundertfach bestatigt 
worden. Ein Ende Juli von finnischen Truppen erbeuteter Tagesbefehl Stalins vom 22. Juli gab be- 
kannt, es seien „wegen schimpflicher Flucht, Panikmacherei, Unfahigkeit zum Flihren, Untergrabung 
der Kriegflihrung, kampfloser Preisgabe von Waffen an den Feind und eigenmachtigem Verlassen der 
Stellung" eine ganze Anzahl von Sowjetgeneralen, die einzeln genannt werden, verhaftet und vor das 
Kriegsgericht gestellt worden. Der Tagesbefehl schloB mit dem Aufruf an alle Kommandeure und 
politischen Kommissare, alle Feiglinge, Panikmacher und Deserteure zu beseitigen und selbst mit 
gutem Beispiel voranzugehen. 

Blutiger Terror, die Bedrohung mit Mord, ist eben im Kriege wie im Frieden des Bolschewismus 
und Stalins einziges Argument. Stalins Aufruf zum Heckenschiitzenkrieg, zum Terror gegen die eige- 
ne Truppe und zur Verteidigung der demokratischen Freiheit ist eine wahrhaft bezeichnende 
Kombination! 

Was im ubrigen nach dem Einmarsch der deutschen Truppen in die von der Sowjetunion im Verlauf 

111 dieses Krieges neu unterjochten Gebiete an blutigstem Verbrechen, an qualvollem Morden und 

barbarischer Zerstorung aller Kulturwerte zur Kenntnis der Welt gelangt ist, ist wahrhaft erschlitternd 

und kann den Wunsch und die Entschlossenheit, das bolschewistische Regime mit Stumpf und Stiel 

auszurotten, nur noch verstarken und als eine europaische Notwendigkeit erweisen. 

England jedoch, und zwei der Scheinregierungen, die es in London aushalt, die polnische und die 
sogenannte tschechoslowakische, schlossen mit Moskau Biindnisvertrage! ! 

Die Haltung Englands zur Frage von Krieg und Frieden hat durch die Tatsache, den Bolschewismus 
als offenen Mifkampfer zu haben, nur noch eine weitere Vertiefung erfahren — falls dies liberhaupt 
noch moglich war. Der zahe russische Widerstand und die gewaltigen AusmaBe des Kampfes haben 
der englischen Propaganda reichlich Stoff gegeben, um das eigene Volk und die Weltoffentlichkeit 
glauben zu machen, daB die deutsche Kraft zum Sieg nicht ausreichen oder doch bei der Niederrin- 
gung des Bolschewismus eine wesentliche Schwachung erfahren werde. Nach der Niederwerfung aller 
Verblindeten auf dem europaischen Festlande nun in der Sowjetunion einen neuen Festlandsdegen zu 
besitzen, und gar einen, der sogar starker erscheint wie alle anderen, wird von der englischen Propa- 
ganda besonders freudig ausgewertet. Freilich fehlen die kritischen Stimmen nicht, und die Erfolge der 
deutschen Wehrmacht und ihrer Verbundeten tun das ihrige, um allzu laute Freudenausbriiche an der 
Themse einzuschranken. 

Die Kritik an der eigenen Regierung ist in England denn auch im Monat Juli keineswegs verstummt. 
Bezeichnend waren hierfur die Debatten iiber das Informationsministerium, in dem Ende Juli schon 
der vierte Ministerwechsel stattgefunden hat, und liber die Rlistungsindustrie. Die Regierung muBte 
beide Male scharfe Vorwlirfe hinnehmen, wenn es auch Churchill gelang, sich schlieBlich durchzuset- 
zen. General Wave 11, einst wegen seiner Erfolge in Italienisch-Nordafrika als „Napoleon der Wii- 
ste" laut gefeiert, wurde Anfang Juli nach Indien versetzt. Churchill weigerte sich, im Unterhaus die 
Griinde, die in den deutsch-italienischen Erfolgen in der Cyrenaika und dem katastrophalen Ausgang 
der Schlacht von Solium klar zutage liegen; anzugeben. Gegeniiber dem von Churchill meist zur 
Schau getragenen Zweckoptimismus steht die Erklarung des Ersten Lords der Admiralitat, Alexander, 
vom 16. Juli, der schlimmste Teil des Krieges stehe noch be vor. 

An Ministerreden, die in England ja immer gewisse, wenn auch oft nur in Spiegelschrift zu lesende 
Erlauterungen der Situation bieten, sind eine Rede Edens vom 5. Juli in Leeds und zwei Reden Chur- 
chills vom 14. Juli im Londoner Rathaus und vom 29. Juli im Unterhaus zu erwahnen. Eden gefallt 
sich hin und 



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112 wieder in vagen Erklarungen liber die Friedensziele Englands. Diesmal klindigte er ganz offen als Ziel 
Englands nach einem Sieg liber Deutschland einen bewaffneten Frieden zwecks dauernder Niederhal- 
tung Deutschlands an. England hat natiirlich nach Eden keinerlei materielle, sondern nur ideelle 
Kriegsziele. Wie Churchill es bei jeder Gelegenheit tut, erklarte auch Eden, mit Hitler werde unter 
keiner Bedingung Frieden gemacht werden. Denn die Vernichtung Hitlers und seines Regimes sei das 
Ziel. Deshalb sei auch jeder willkommen, der bei diesem Kampf mithelfe, der Bolschewismus also 
jetzt vor allem. Den Sowjets versprach Eden „auf militarischem und wirtschaftlichem Gebiet mit unse- 
rer gesamten Starke und Loyalitat" zu helfen. Wie diese Hilfe durchgefuhrt werden solle, hat Eden 
freilich nicht gesagt. Eden hat auch ebenso wie der englische Botschafter in USA, Halifax, dies am 18. 
Juli in San Franzisco getan hat, davon gesprochen, Hitler werde wohl bald ein Friedensangebot ma- 
chen, aber England werde es auf jeden Fall und unbesehen ablehnen. Solche angeblich bevorstehenden 
Friedensangebote des Fuhrers werden von der englischen Propaganda immer wieder erfunden. Man 
will dadurch den Eindruck erwecken, als ob Deutschland es notig hatte, sich um Frieden zu bemuhen, 
d. h. man will die deutsche Lage als schwierig erscheinen lassen, um dann mit der Betonung, man 
werde jedes Friedensangebot ablehnen, sich selbst um so starker hinzustellen. Die wiederholte An- 
wendung dieses Tricks macht ihn weder wirksamer, noch vergroBert er den Eindruck wirklicher 
Selbstsicherheit und Starke. 

In seiner Rede vom 14. Juli im Londoner Rathaus gab Churchill einen Uberblick tiber die Wirkung 
der deutschen Luftangriffe auf London im letzten Herbst und Winter, der gegenuber der Vertuschung 
von friiher bemerkenswerte Eingestandnisse enthielt. Darauf malte er aus, wie kunftig die deutschen 
Stadte bombardiert werden wtirden, wenn erst England dazu geniigend vorbereitet sei. Churchills wil- 
de und haBerfullte Natur kam dabei wieder einmal klar zum Durchbruch. Churchill wiederholte auch 
die Luge, daB Deutschland mit „dem unbeschrankten Bombardieren" von Stadten angefangen habe, 
und nannte Warschau und Rotterdam als Beispiele. In Wirklichkeit handelte es sich dabei bekanntlich 
nicht um offene, sondern um mifitarisch verteidigte Stadte, und es ist die englische Luftwaffe gewe- 
sen, die im Sommer 1940 mit der wahllosen Bombardierung offener Stadte begonnen hat. Erst nach 
mehrmonaflichem Warten und Warnen ist dann die deutsche Vergeltung erfolgt. 

Churchills Unterhausrede vom 29. Juli enthielt einige bemerkenswerte Gestandnisse. Churchill 
muBte die Regierung gegen Vorwurfe verteidigen, daB die Rustungsproduktion nicht geniigend arbei- 
te, die Leistung der Arbeiter nur noch 75% von friiher betrage und die Organisation der Industrie gro- 
Be Mangel auf 

113 weise. Natiirlich wies Churchill alle diese Vorwurfe zuriick, gestand aber dabei, daB die Leistungen der 
Arbeiter tatsachlich nicht mehr auf der fruheren Hohe hatten gehalten werden konnen. Er sagte: 
„Uberdies muB auch die sehr ernste Veranderung in der Ernahrung der Schwerarbeiter beriicksichtigt 
werden, die jetzt bedeutend weniger arbeitsfordernd wirkt als vor einem Jahr. Mit Ausnahme unserer 
Wehrmachtsteile sind wir in groBem AusmaBe von Fleischessern zu Pflanzenessern geworden, was 
Ernahrungswissenschaftlern Grund zur Genugtuung verschaffen mag, jedoch eine entschiedene Aus- 
wirkung auf die Leistungen der Schwerarbeiter zur Folge gehabt hat." Das andere Eingestandnis Chur- 
chills ergibt sich aus seinen Bemerkungen zu der Kritik an der Organisation der Riistungsindustrie. Er 
teilte mit, daB Roosevelts Beauftragter fur die Kontrolle der Durchfuhrung des Pacht- und Leihgeset- 
zes, Harry Hopkins, an Besprechungen iiber die englische Riistungsindustrie teilgenommen habe, 
und fuhr fort: „Wir sind natiirlich mit unseren amerikanischen Freunden und Helfern zu einem genau 
umrissenen Abkommen gelangt. Sie unternehmen in der gemeinsamen Sache ungeheure Anstrengun- 
gen, und sie verlangen daher natiirlich sehr vollstandige Angaben dariiber, was mit den von ihnen ge- 
lieferten Giitern geschieht, und ob irgendwelche Verschwendung oder schlechte Leitung besteht. Es ist 
unsere Pflicht, sie dariiber zu vergewissern, daB es kein Durcheinander gibt oder daB das Durcheinan- 
der bis auf ein Minimum reduziert wird, und daB sie fur ihr Geld auch den entsprechenden Gegenwert 
bekommen." Deutlicher kann nicht gesagt werden, daB das einst weltbeherrschende England unter 
Kuratel der USA steht! 

Uber die Wirkungen des Krieges auf Englands Wirtschaft und Finanzen liegen aus dem Monat Juli 
mancherlei Nachrichten vor. Man will alle Frauen bis zum Alter von 40 Jahren und alle nichtwehr- 
pflichtigen Manner bis zum Alter von 50 Jahren allmahlich mobilisieren, um sie in der Kriegsindustrie 
einzusetzen. Moglicherweise erfolgt diese der „englischen Freiheit" so widersprechende MaBnahme 
unter sanftem Druck aus USA. 

Die englischen Staats finanzen stehen unter dem immer starker werdenden Druck der Kriegsausgabe 
n. Die Ubersicht iiber die Entwicklung der Staatsausgaben im ersten Vierteljahr des Rechnungsjahres 



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1941/42, die vom Schatzamt Anfang Juli herausgegeben wurde, zeigt, daB die Einnahmen mit 319 
Millionen Pfund nur erheblich weniger als ein Drittel der Ausgaben mit 1,1 Milliarden Pfund aus- 
machten, und daB die Einnahmen erheblich unter dem Voranschlag zuriickblieben, wahrend die Aus- 
gaben iiber ihn hinausgingen. Steuern zahlen, Sparen zwecks Bereitstellung des Geldes fur Anleihen 
und drastische Ver 

114 minderung des zivilen Verbrauches sind daher die immer wieder verkundete Losung. Damit ist jedoch 
die Tatsache, daB die Preis- und Lohnschraube sich immer schneller und beangstigender dreht, wie 
„Financial News" am 1. Juli feststellte, nicht in Einklang zu bringen. Noch scharfere Rationierung und 
noch rigoroseres Sparen sei deshalb zu fordern. Die „Times" schrieben am 23. Juli in einem „die 
Schraube ohne Ende" betitelten Leitartikel, die Inflation mtisse auf jeden Fall vermieden werden. Jede 
Erhohung der Produktionskosten und der Preise sei zu vermeiden. 

Die RationierungsmaBnahmen und ihr weiterer Ausbau beschaftigen die englische Offentlichkeit 
sehr. „Daily ExpreB" vom 14. Juli wuBte mitzuteilen, daB die neuen Versuche der Regierung, eine 
Steigerung der Kohlenproduktion hervorzurufen, unter den Bergleuten „einfach verhaBt seien". Mini- 
ster und Gewerkschaftsfuhrer wenden sich immer wieder mit Aufrufen an die Bergarbeiter, doch ja 
mehr zu produzieren, da davon der Sieg und im nachsten Winter die Moral des ganzen englischen 
Volkes abhange. Die Lebensmittelknappheit, die Verteilung der Lebensmittel, der Schleichhandel 
usw., auch der Benzin-, Bier- und Tabakmangel beschaftigen die englische Presse erheblich. Neuer- 
dings dtirfen die Inspektoren des britischen Ernahrungsministeriums, um das Hamstern zu verhindern, 
sogar — ein schrecklicher Eingriff in die private Freiheit und die Unantastbarkeit des hauslichen Her- 
des — die Speisekammern untersuchen! 

Daftir traten Mitte Juli in Washington Vertreter der Vereinigten Staaten, GroBbritanniens, Kanadas, 
Australiens und Argentiniens zusammen, um Probleme zu besprechen, die aus dem enormen Weizen- 
uberschuB entstanden sind, den die englische Blockade in diesen Landern hervorgerufen hat. Auch 
tiber die Uberschusse an Baumwolle in verschiedenen Landern sowie an Meiereiprodukten in Austra- 
lien und Neuseeland wurde gesprochen. Zwischen England und seinen Dominien steht ferner das Pro- 
blem, wie die durch die Forcierung der Rtistungsindustrie in den Dominien schnell fortschreitende 
Industrialisierung derselben nach dem Krieg sich auf die Absatzmoglichkeiten der englischen Indu- 
strie auswirken werde. 

Die groBte und dringlichste Sorge Englands ist und bleibt aber die Frage des Handelsschiffsraums, 
besonders auch an Tankschiffen. Die Vereinigten Staaten haben schon alles Verfugbare abgegeben, 
aber Roosevelt plant weitere Abgabe von Tankern mit der notwendigen Folge einer Einschrankung der 
Versorgung in den USA selbst. Neuerdings planen nach einer Mitteilung der „Financial News" vom 
22. Juli die in beiden Landern fur Handeisschiffahrt zustandigen Behorden, samtlichen neutralen 
Schiffsraum fur ihre 

1 15 Rtistungstransporte in Anspruch zu nehmen, d. h. zu requirieren mit der Drohung, daB im Weigerungs- 
falle den neutralen Schiffen das Anlaufen britischer und amerikanischer Hafen verboten wurde. Auch 
dies ein Beitrag zu dem angeblich von Roosevelt gefuhrten Kampf fur die Freiheit der Meere! 

AuBenpolitisch ist in London neben den Vereinigten Staaten, die immer noch an erster Stelle stehen, 
die Sowjetunion Trumpf. Mitte Juli wurde zwischen Moskau und London ein Vertrag gegenseitiger 
Waffenhilfe mit der Verpflichtung, nur gemeinsam Frieden zu schlieBen, unterschrieben. Eine sowjeti- 
sche Militardelegation wurde am 8. Juli in London enthusiastisch empfangen und gefeiert. In der Ka- 
thedrale von Canterbury beteten der Dompropst und die Gemeinde zusammen fur die Sowjetunion, 
und eine Londoner Zeitung verstieg sich zu der Behauptung, daB drei groBe Personlichkeiten fuhrend 
in der Verteidigung der menschlichen Freiheit seien, namlich Churchill, Stalin und Roosevelt! Im Un- 
terhaus aber sagte Churchill am 15. Juli, England segne die Waffen der Sowjets und wunsche ihnen 
alien Erfolg. 

Die finnische Regierung hat aus dieser Haltung Englands am 29. Juli die SchluBfolgerung gezogen, 
die diplomatischen Beziehungen mit England abzubrechen. 

Englands Beziehungen zu Spanien sind durch die oben erwahnten Erklarungen Francos nicht ver- 
bessert worden. Eden erwiderte am 24. Juli im Unterhaus mit einer verlogenen Darstellung tiber die 
angebliche uneigennutzige Hilfe, die England Spanien bei seinem Wiederaufbau nach dem Biirger- 
krieg habe angedeihen lassen, und schloB mit unverhtillten Drohungen gegen Spanien. 

Auch mit Japan haben sich Englands Beziehungen weiter verschlechtert. Das franzosisch-japanische 
Abkommen iiber die gemeinsame Verteidigung von Indochina erregte den groBten Unwillen Londons. 



;liiiisirlill,iii<i tm^amirF 17 

England klindigte am 26. Juli den britischjapanischen Handels- und Schiffahrtsvertrag von 1911 und 
die Handelsvereinbarungen Japans mit Indien und Burma von 1934 und lieB die japanischen Guthaben 
einfrieren. Die englischen Dominien folgten England sofort auf diesem Wege. 

Irland hat mit einer Diskussion im Parlament am 25. Juli erneut seinen Willen zur Neutralist zum 
Ausdruck gebracht. UnmiBverstandlich erklarte Ministerprasident de V a 1 e r a , ahnlich wie bei ver- 
schiedenen anderen Gelegenheiten, Irland werde sich gegen jeden Angriff zur Wehr setzen, woher er 
auch kommen moge. Solange Irland nicht seine Einheit gefunden habe, habe es „keinen Zweck, tiber 
die groBen Prinzipien zu reden, fiir die die eine Seite angeblich kampft, und die die andere Seite an- 
geblich vernachlassigt". 

1 16 Diese AuBerung de V a 1 e r a s paBt auf die verlogene Phraseologie Londons so gut wie auf die 
Washingtons, und Irland hatte als Bestatigung fur die Richtigkeit seiner Neutralitatspolitik das Schick- 
sal Islands. In einer Sonderbotschaft an den KongreB teilte Roosevelt am 7. Juli mit, daB „amerikani- 
sche Truppen auf Grund eines Ubereinkommens zwischen ihm und dem Ministerprasidenten in Island, 
heute in Island eingetroffen seien. Die amerikanischen Marinetruppen sollten die britischen Streitkraf- 
te erganzen und moglicherweise ersetzen. Die Vereinigten Staaten konnten eine Besetzung von strate- 
gischen Vorposten durch Deutschland, die als Luft- oder Flottenbasen fur einen eventuellen Angriff 
auf die Westhemisphare benutzt werden konnten, nicht dulden". Gleichzeitig wurde de" Briefwechsel 
zwischen Roosevelt und dem Ministerprasidenten Islands veroffentlicht. Der Brief des Islanders laBt 
aus den darin fiir die Besetzung formulierten Bedingungen deutlich die Besorgnisse der Islander, ihr 
inneres Widerstreben und damit die unter dem Schein der Freiwilligkeit erfolgte Vergewaltigung der 
Islander erkennen. 

Die Besetzung Islands wurde allenthalben als ein offensiver Akt gegen Europa und ein Hinausgrei- 
fen tiber die westliche Hemisphare erkannt, und von der gesamten nicht England- und USA-horigen 
Presse, besonders auch der mit Island stammverwandten nordischen Lander, scharf kritisiert. 

DaB Roosevelt diesen Angriffsakt auf einen zweifellosen Teil des europaischen Raumes unternahm, 
in einem Augenblick, in dem Europa im Existenzkampf gegen den alle menschlichen Werte bedro- 
henden Bolschewismus steht, ist ein neuer Beweis fur seine wirkliche Gesinnung. Sie kam iibrigens 
treffend zum Ausdruck, als Roosevelt am 9. Juli von Pressevertretern darauf hingewiesen wurde, daB 
er doch noch vor wenigen Monaten Island als nicht zur westlichen Hemisphare gehorig bezeichnet 
habe. Roosevelt erwiderte lachelnd, seine Ansicht, was zur westlichen Hemisphare gehort, richte sich 
danach, mit welchem Geographen er zuletzt gesprochen habe. Er habe es aufgegeben, Gebiete und 
Interessenspharen der westlichen Halbkugel innerhalb genauer Grenzen zu definieren. 

Derselbe Roosevelt hat am 21. Juli in einer an den KongreB gerichteten Botschaft, mit der er die 
unbeschrankte Verlangerung der Dienstzeit der USA-Armee forderte, gesagt, es sei die 
ubereinstimmende Meinung aller sachlich unterrichteten, „daB die Absichten und Plane der 
Angreifernationen so augenscheinlich gegen die amerikanische Sicherheit gerichtet sind, daB die 
Vereinigten Staaten und die iibrigen amerikanischen Lander tatsachlich in ihren nationalen Interessen 
bedroht sind. Aus diesem Grunde stelle ich widerstrebend fest, daB ein unbeschrankter nationaler 
Notstand besteht". Als Grund fiir diese unsinni 

117 ge Behauptung gab Roosevelt u. a. den AnschluB der Ostmark an das Reich an! Wahrhaftig, die 
zynische Verlogenheit dieses Mannes kann kaum noch iibersteigert werden. 

Die Minister und engsten Mitarbeiter Roosevelts, die Stimson, Knoxs, Ickes, Willkie usw. setzen ih- 
re Kriegshetze natiirlich ebenso unentwegt fort wie ihr Meister. Der stellvertretende AuBenminister, 
Sumner Welles, trieb die heuchlerische Verlogenheit in einer Rede vom 23. Juli so weit, fiir die 
Nachkriegszeit einen neuen Volkerbund im Stile Wilsons mit allerlei angeblichen idealen Zielsetzun- 
gen zu fordern. Die Presse so ziemlich aller europaischen Lander, besonders die deutsche, hat darauf 
unter ausgiebiger Verwendung von historischen Hinweisen auf den Genfer Volkerbund und sein 
schmahliches Versagen die entsprechende Antwort erteilt. 

Die Gegner von Roosevelts Kriegspolitik, Wheeler, Lindbergh, Taft, Clark, Hearst u. a. haben auch 
im Monat Juli ihren Kampf zah fortgesetzt, um die USA aus dem Kriege herauszuhalten. Offensicht- 
lich ist die groBe Mehrheit der Bevolkerung der USA nach wie vor gegen einen Kriegseintritt. Roose- 
velt, der durch Strohmanner die Aufhebung des bisher noch bestehenden gesetzlichen Verbotes, USA- 
Truppen auBerhalb der Westhemisphare zu entsenden, betrieben hatte, muBte angesichts der starken 
Reaktion im KongreB und in der offentlichen Meinung gegen diese Absichten diese zunachst aufge- 
ben. Er hat jedoch, ohne den KongreB zu fragen, unter Hinweis auf seine Befehlsgewalt als Oberbe- 
fehlshaber der Armee, Truppen nach der ostlichen Hemisphare, und zwar nach Island geschickt. 



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Wenn man sich die Riistungsziffern der USA ansieht — ein neuer Kredit von iiber 8 Milliarden Dol- 
lar ist gegen Ende Juli vom KongreB verlangt worden — , wenn man erfahrt, daB allein die Armee fiir 
das am 1. Juli beginnende Finanzjahr liber 15,3 Milliarden Dollar verfugen soil, daB die USA-Armee 
sich jetzt bereits der Zwei-Millionen-Grenze nahert und auf drei Millionen vermehrt werden soil, so 
kann kein Zweifel daruber bestehen, daB all diese riesigen Rlistungen nie und nimmer fiir die Vertei- 
digung des amerikanischen Kontinents, sondern zum Angriff gegen andere Kontinente gedacht und 
geplant sind. Die sogenannte Verteidigung der westlichen Hemisphare, die angebliche Gefahrdung der 
USA, die Notwendigkeit der Rustung, um dieser Gefahr zu begegnen, sind nichts anderes als verloge- 
ne Schlagworte. Roosevelts Politik zielt auf Einmischung liberall, ist in Wirklichkeit unbegrenzter 
Imperialismus, bedeutet Aggressivitat nach alien Richtungen, besonders aber gegen Europa. 

Allerdings zeigen sich auch gewisse Schranken fur diesen Imperialismus auf dem Gebiet von Wirt- 
schaft 

118 und Produktion. Selbst die sehr groBe Produktionskraft der USA-Wirtschaft ist dem Ansturm immer 
neuer Milliardenziffern an Riistungsauftragen nicht gewachsen. AnlaBlich der Beendigung des Haus- 
haltsjahres am 1. Juli erfuhr man aus einem Artikel des „Washington Evening Star", daB von den im 
abgeschlossenen Haushaltsjahr gesetzlich fur Rustungszwecke zur Verfugung gestellten 20 Milliarden 
Dollars vom Schatzamt nur 6 Milliarden ausgegeben waren, daB fur weitere 5,7 Milliarden Auftrage 
erteilt, fiir 8,7 Milliarden aber noch keine Verwendung gefunden war. Nach dem 1. Juli sind weitere 10 
Milliarden allein fiir die USA-Armee bewilligt worden, ohne nahere Einzelpriifung, „weil man iiber- 
haupt nicht mehr ubersehen konne, was, wann und wie teuer fabriziert werden konne". Eine ernste und 
gefahrliche Verknappung von Aluminium, Stahl, Mangan, Kautschuk und anderen Rohmaterialien, z. 
B. auch Zinn und Zink, sei eingetreten. Am 14. Juli erklarte der Preiskoordinator Henderson, die 
wachsenden Anforderungen an diesen Rohstoffen zwinge dazu, deren Verbrauch in der Privatindustrie 
einzuschranken. Diese Rationierung sei der Preis, den man fiir die Rustung zahlen miisse. Es bestehe 
auch eine schwere Gefahr der Inflation, der man nur durch verstarktes Sparen und gesteigerte Steuern 
vorbeugen konne. 

Neuerdings sieht man sich in den USA und England gezwungen, sich mit der Frage einer Neuvertei- 
lung der Rustungslieferungen aus USA zu beschaftigen. Harry Hopkins hat sich gegen Ende Juli 
nach England begeben, um festzustellen, „ob England in den kommenden Monaten einen Teil der 
urspriinglich vorgesehenen USA-Materialhilfe entbehren konne, damit diese nach dem Fernen Osten 
geleitet werden konne. Die Bedurfnisse dort seien gestiegen, sowohl fiir China wie fiir Niederlandisch- 
Indien und auch fiir RuBland. Die USA-Regierung erwarte, daB die Englander ihre Anspriiche verrin- 
gern konnten." Hopkins hat dann im englischen Rundfunk durch eine aufmunternde Rede den Englan- 
dern die im Gang befindliche Riistungshilfe der USA, freilich ohne Zahlen zu nennen, in den gliihend- 
sten Farben geschildert. 

Der nach alien Seiten ausgreifende Imperialismus Roosevelts beunruhigt weiterhin auch die Lander 
der Iberischen Halbinsel. Dem Unterstaatssekretar Sumner Weites ist am 21. Juli bei einer Bemerkung 
an die Adresse des spanischen Staatschef Franco iiber dessen Rede (siehe Seite 104) ein bemerkens- 
wertes Gestandnis entschlupft. Er sagte, was Francos AuBerungen iiber die Freiheit der Meere angehe, 
„sei die amerikanische Geschichte auf die Bedingung gegriindet, daB die Meere vollig frei, oder in der 
Kontrolle befreundeter Machte seien. Die Kontrolle durch unfreundliche Machte wiirde Amerikas 
Freiheit der Meere toten". Es darf als nur jene „Freiheit der Meere" geben, iiber die die Angelsachsen 
ausschlieBlich zu bestimmen haben! 

1 19 Das Zusammengehen mit dem Bolschewismus ist fiir Roosevelt und seine Leute im Monat Juli schon 
eine Selbstverstandlichkeit geworden. B u 11 i 11, einst Roosevelts Botschafter in Moskau und spater 
in Paris, auBerte in einer Rede am 15. Juli, Stalin bekampfe die Macht Hitlers und helfe dadurch der 
Zivilisation ! 

Uber die tatsachliche, wirtschaftliche und Kriegsmaterialhilfe der USA, an die Sowjets ist bisher 
noch nicht viel bekannt geworden. Am 25. Juli teilte Sumner Welles mit, Moskau wolle eine Son- 
derkommission nach den USA entsenden, um iiber den Ankauf von Kriegsmaterial zu verhandeln. 
Eine Einbeziehung der Sowjetunion in das sogenannte Pacht- und Leihgesetz ist bisher wenigstens 
noch nicht erfolgt. Es scheinen doch noch erhebliche Widerstande dagegen zu bestehen, daB das Geld 
der USA-Steuerzahler in Form von Kriegsmaterial den Bolschewiken zur Verfugung gestellt wird. 
Einstweilen betont man in Washington, man werde an Moskau nur gegen Barzahlung liefern. Auch hat 
die USA-Regierung das Ersuchen der Sowjets, ihre diplomatische Vertretung in Vichy mit zu iiber- 
nehmen, abgelehnt. 



;liiiisirlill,iii<i tm^amirF 19 

Hinsichtlich des Fernen Ostens hat sich die Haltung des USA-Imperialismus weiter verscharft. Am 
9. Juli verlautete aus Washington, daB die Hilfe an die Tschungking-Regierung weiter verstarkt wer- 
den solle. Die Burma-StraBe, der einzige Verkehrsweg, der Tschungking noch einigermaBen offen- 
steht, solle mit amerikanischer Hilfe verbessert und das zu seiner Benutzung notige Transportmaterial 
geliefert werden, ferner Benzin, 01, Flugzeuge und andere Waffen. Die Hilfe an China erscheine Wa- 
shington sogar noch wichtiger als die an RuBland. 

Entsprechend wachst die Feindschaft und die Gegenaktion gegen Japan. Die gemeinsamen franzo- 
sisch-japanischen VerteidigungsmaBnahmen in Indochina haben in Washington Ausbriiche heftiger 
und feindseliger Ablehnung hervorgerufen. Das AuBenamt gab eine Erklarung heraus, in der es u. a. 
hieB: 

„Die japanische Regierung hat durch die Art ihres Verhaltens, welches sie in bezug auf Indochina 
beobachtet hat und weiter beobachtet, den klaren Beweis daftir geliefert, daB sie entschlossen ist, ein 
Expansionsziel durch Gewalt oder Gewaltandrohung zu erreichen ... Im Lichte der vergangenen Ent- 
wicklungen bringen derartige MaBnahmen, wie sie jetzt die japanische Regierung ergriffen hat, die 
Benutzung des Pazifik durch die friedliebenden Volker in Gefahr. Sie bringen die Belieferung der 
Vereinigten Staaten mit wichtigen Rohstoffen, wie Zinn und Kautschuk, die fur den normalen Wirt- 
schaftsgang Amerikas und fur die Durchfuhrung unseres Rustungsprogrammes notwendig sind, in 
Gefahr. Das Recht zum Einkauf von 

120 Zinn, Kautschuk, Erdol oder von anderen Rohstoffen im Pazifikraum auf der Grundlage der 
Gleichberechtigung mit anderen Nationen ist Japan niemals verweigert worden. Die MaBnahmen, die 
die japanische Regierung ergriffen hat, bringen auch die Sicherheit anderer Gebiete im Stillen Ozean, 
darunter auch die Philippinen, in Gefahr. Die Regierung und das Volk der Vereinigten Staaten sind 
sich vollstandig dariiber im klaren, daB derartige Entwicklungen unmittelbar das lebenswichtige Pro- 
blem unserer nationalen Sicherheit beriihren." So viel Satze, so viel Verdrehungen der Tatsachen. Na- 
her an der Wirklichkeit blieb — ausnahmsweise — Roosevelt, als er am 24. Juli erklarte, man habe 
bisher Japan Ol geliefert, um zu verhindern, daB Japan Niederlandisch-Indien besetze. Diese Hoff- 
nung, Japan aus dem Krieg herauszuhalten, sei seit zwei Jahren im Interesse Amerikas, Englands und 
der Freiheit der Meere in Erfullung gegangen. Amerika habe sich seit Kriegsausbruch bemtiht, eine 
Ausweitung des Weltkrieges auf dem Pazifik zu verhindern, denn es beziehe wichtige Materialien, 
darunter Gummi und Zinn, aus Niederlandisch-Indien, den Straits Settlements und Indochina. AuBer- 
dem habe Amerika helfen mtissen, australische Uberschusse an Fleisch und Getreide nach England zu 
schaffen. Es seien also eigennutzige Grtinde gewesen, wenn man versucht habe, in der dortigen Ge- 
gend einen Kriegsausbruch zu verhindern. 

Am 26. Juli lieB Roosevelt als VergeltungsmaBnahme gegen die nach vertraglicher Vereinbarung 
mit der franzosischen Regierung erfolgte Landung japanischer Truppen in Indochina alle japanischen 
Guthaben in den Vereinigten Staaten einfrieren und die gesamte Ausfuhr nach Japan blockieren, bzw. 
unter Lizenzzwang stellen. Offenbar hatte man auch Absichten auf die in USA-Hafen liegenden oder 
dort ankommenden japanischen Schiffe. Funfundvierzig japanische Schiffe, die in Fahrt auf USA- 
Hafen waren, wurden jedoch von der japanischen Regierung durch Funkspruch angehalten, und erst 
nach entsprechenden Sicherungen wurde ihnen das Einlaufen in die USA-Hafen erlaubt. Die Durch- 
fahrt durch den Panamakanal wurde einer Anzahl japanischer Schiffe durch Verwaltungsschikanen 
unmoglich gemacht. Die angelsachsische „Freiheit der Meere" hat eben immer wieder dasselbe Ge- 
sicht! Nach einer Erklarung von Sumner Welles vom 29. Juli wollen die USA auch die Staaten Stid- 
und Mittelamerikas zu ahnlichen MaBnahmen der Wirtschaftsblockade gegen Japan veranlassen, 
ebenso wie man durch Aufstellung von Schwarzen Listen, auf die man alle Firmen dieser Lander, die 
mit den Achsenmachten Handel treiben, gesetzt hat, die englische Blockade und den eigenen Wirt- 
schaftsimperialismus gegenuber Slid- und Mittelamerika zu fordern bemiiht ist. Am 29. Juli hat Roo- 
sevelt einen Teil der Streitkrafte der Philippinen in die USA-Armee einberufen. 

121 Rossevelts Imperialismus zielt seit der franzosisch-japanischen Vereinbarung iiber Indochina im 
Fernen Osten offener und rticksichtsloser als bisher auf die wirtschaftliche Niederringung und militari- 
sche Einkreisung Japans. Durch eine moglichst luckenlose Wirtschaftsblockade soil Japan wirtschaft- 
lich niedergerungen werden. Die verstarkte Unterstiitzung Tschungkings und die Hilfe fur die Sowjet- 
union bezeichnen die zwei Seiten einer Zange, die vom asiatischen Kontinent gegen Japan angesetzt 
werden soil. Schon spricht man von Stiitzpunkten an der Nordosfkuste Asiens, von einer angeblichen 
Bedrohung Alaskas, wenn die Sowjetunion unter den deutschen Schlagen vollig zusammenbreche, 



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und stellt Erwagungen dariiber an, welche niitzliche Rolle die fernostliche Armee der Sowjets und 
deren Bombengeschwader in Wladiwostok gegen das japanische Inselreich spielen konnten. 

Der USA-Imperialismus gegeniiber Slid- und Mittelamerika ist im Monat Juli noch gesteigerter ak- 
tiv gewesen. Was zunachst die Propaganda angeht, so hat Roosevelt selbst anlaBlich des Unabhangig- 
keitstages Argentiniens am 9. Juli eine Rundfunkbotschaft verlesen, in der folgender Passus vorkam: 
„In diesen kritischen Zeiten, wo die amerikanischen Republiken sich einer aktiven Gefahr gegeniiber- 
sehen in Form einer Herausforderung von auBerhalb an die christliche Zivilisation, die sie als ein kost- 
liches Erbe hochhalten, ist es besonders herzerfrischend, teilzunehmen an den beredten Ausdruck ge- 
meinsamer Ideale, die die Kette der freien Republiken dieses Erdteils fest verbinden." Ein bemer- 
kenswertes Stiick Heuchelei von dem Hochgradfreimaurer Roosevelt, der sich als Bundesgenosse des 
antichristlichen, jede Freiheit und Menschenwurde zertretenden Bolschewismus ftihlt und betatigt! 

Diese Art der Propaganda ist in Washington langst aufs beste organisiert. Roosevelt hat fur sie mit 
Geldmitteln reichlich ausgestattete Heifer und Organisationen bereit. Nelson A. Rockefeller aus der 
bekannten Plutokratenfamilie dirigiert ein „Biiro fur Angleichung der wirtschaftlichen und kulturellen 
Beziehungen zwischen den amerikanischen Republiken zur nationalen Verteidigung", das iiber 5 Mil- 
lionen Dollar verfugt und iiber dessen Plane Mitte Juli interessante Einzelangaben bekannt wurden. 
Fur Presse-, Film-, Radio- usw. Beeinflussung in Slid- und Mittelamerika sollen Millionenbetrage 
ausgegeben werden. Freilich haben der Filmschauspieler Douglas Fairbank s, der Anfang Juli von 
einer im Auftrag Roosevelts mit groBem Tamtam durchgefuhrten Propagandatournee aus Sudamerika 
zurlickkehrte, und der Ibero-Fachmann Leon Pearson darauf hingewiesen, daB die Ibero- 
Amerikaner nicht so sehr erpicht seien, die Demokratie und das britische Empire zu retten, da England 
jahrelang und zuerst Ibero-Amerika wirt 

122 schaftlich ausgebeutet habe. Was mit der „kulturellen" Filmbeeinflussung Sudamerikas in Wirklichkeit 
gemeint ist, geht aus Zahlen tiber die gewaltigen Einnahmeverluste Hollywoods im Auslandsfilmge- 
schaft hervor. Wahrend in Normalzeiten 40% der Bruttoeinnahmen aus dem Ausland stammten, ver- 
minderte sich dieser Anteil im letzten Jahre auf etwa 15%. Durch die Kriegsereignisse seien die USA- 
Filme aus iiber 20 000 Filmtheatern ausgeschlossen worden. Demgegentiber besaBen die iberoameri- 
kanischen Staaten, der Feme und Nahe Osten, Kanada und Afrika insgesamt nur 15000 Filmtheater! 
Man redet von Kultur und meint Profit aus den Kinos der ganzen Welt. Sicher will man auch der Kul- 
tur in erster Linie dienen, wenn man, wie „New York Times" am 7. Juli meldete, fur das USA-Heer 
ein militarisches Worterbuch in portugiesisch-englisch herausbringt! 

Ziel der USA-Propaganda in Slid- und Mittelamerika ist wesentlich die Hetze gegen Deutschland 
und die Achsenmachte. Sie hat im Monat Juli zu zwei Zwischenfallen gefuhrt, die geradezu unerhort 
in der Geschichte der Diplomatic genannt werden mlissen. Mitte Juli wurde dem deutschen Gesandten 
in Bolivien vom bolivianischen AuBenministerium plotzlich eroffnet, er sei nicht mehr persona grata 
und solle schleunigst das Land verlassen. Gleichzeitig wurde ein angeblicher Brief des bolivianischen 
Militarattaches in Berlin, des Majors Belmonte, an den deutschen Gesandten veroffentlicht, der ge- 
meinsame Plane zu einem Umsturz in Bolivien enthullen sollte. Der deutsche Gesandte erklarte, die- 
sen Brief nie erhalten und Belmonte, ihn nie geschrieben zu haben. Er ist also eine Falschung, wie sich 
inzwischen ergeben hat, eine in Washington hergestellte und von dort der bolivianischen Regierung 
zugespielte. Das „Deutsche Nachrichtenbliro" hat in einer Verlautbarung vom 26. Juli dazu bemerkt: 
„Dem Prasidenten Roosevelt blieb es vorbehalten, nun auch auf dem Gebiete der Diplomatic zwischen 
Kulturvolkern die Mittel und die Moral von Gangstern eingefuhrt zu haben." In Argentinien lieB ein 
nach nordamerikanischem Vorbild und unter USA-EinfluB gebildeter parlamentarischer Untersu- 
chungsausschuB deutsches diplomatisches Kuriergepack wegnehmen und offnen, um mit dem Inhalt 
eine wliste Pressekampagne zu inszenieren. 

Die deutsche Regierung hat in beiden Fallen energisch protestiert, den bolivianischen Geschaftstra- 
ger in Berlin aus dem Reichsgebiet verwiesen und von der argentinischen Regierung Genugtuung ver- 
langt. 

Der USA-Imperialismus in Ibero-Araerika ist bekanntlich stets stark wirtschaftlich orientiert gewe- 
sen. Das Geschaft in Ibero-Amerika, die Ausbeutung der dortigen Bodenschatze, die wirtschaftliche 
Beherrschung sind das Ziel. Dazu kommt, daB die Verknappung aller kriegswirtschaftlich wichtigen 
Rohstoffe, 

123 die moglichst ausschlieBliche Erfassung derselben in Ibero-Amerika den USA als besonders dringlich 
erscheinen laBt. Geplant sind Ankaufe in Hohe von 500 Millionen Dollar. Mit Brasilien und neuer- 
dings mit Mexiko sind entsprechende Abkommen bereits abgeschlossen, wahrend mit Argentinien 



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iiber ein solches verhandelt wird. Natiirlich ist wichtiges Nebenziel hierbei, Japan den Bezug solcher 
Rohstoffe aus Ibero-Amerika unmoglich zu machen. 

Japan hat sich nach dem Beginn des Kampfes Europas gegen den Bolschewismus zu einer griindli- 
chen Uberpriifung seiner weltpolitischen Lage veranlaBt gesehen. Diese Uberpriifung gipfelte in einer 
Kaiserkonferenz am 2. Juli, nach der erklart wurde, daB auf ihr eine Entscheidung liber die National- 
politik Japans getroffen worden sei, um der gegenwartigen Lage zu begegnen. Wie diese Entscheidung 
ausfiel und welche Politik Japan auf Grund derselben einschlagen wurde, wurde nicht bekanntgege- 
ben. Wenige Tage spater, am 5. Juli, trat das japanische Volk in das fiinfte Jahr des Krieges mit China 
ein. In zahllosen Versammlungen und Demonstrationen wurde der Wille zur Entschlossenheit, den 
Chinakonflikt gegen alle Widerstande zum erfolgreichen Ende zu bringen und den ostasiatischen 
Raum gegen alle Eingriffe und Bedrohungen der Angelsachsen zu sichern, zum Ausdruck gebracht. 
Ein weiteres Durchgreifen der Regierung im Innern im Sinne autoritarer Staats- und Wirtschaftsfuh- 
rung wurde zugleich als notwendig bezeichnet. 

Um diese Politik nach innen und auBen mit moglichster Starke durchzufuhren, erschien eine Regie - 
rungsneubildung notwendig. Das Kabinett K o n o y e trat am 16. Juli zuriick, genau ein Jahr nach 
seiner Bildung. Es hatte innerpolitisch die Auflosung aller politischen Parteien zwecks Aufbaues einer 
totalitaren nationalen Struktur, auBenpolitisch den AbschluB des Dreimachtepaktes und die Unter- 
zeichnung des Vertrages mit der Nankingregierung Wangtschingweis durchgeflihrt. Am 18. Juli bilde- 
te Konoye ein neues Kabinett, in dem AuBenminister Matsuoka durch Admiral T o y o d a ersetzt 
wurde. Am 22. Juli wurde offiziell erklart: „Es gibt keinerlei Wechsel in der auswartigen Politik Ja- 
pans, welche sich um den Dreimachtepakt dreht, trotz der Veranderungen im Kabinett. Wir unterstiit- 
zen auch weiter den Geist und die Ziele des Dreimachtepaktes." 

Es lag in der Linie dieser Ereignisse, daB Japan, fur das die Beendigung des Krieges mit China das 
A und der Politik sein muB, den angelsachsischen Bemuhungen, das Rest-China von Tschungking in 
verstarktem MaBe zu untersoitzen, einen Riegel vorzuschieben sich entschloB. Die fruheren erfolgrei- 
chen Verhandlungen zur Wiederherstellung des Friedens zwischen Thailand und Indochina, die durch 
den feierlichen Austausch der Ratifikationsurkunden des Friedensvertrages und seiner Zusatzprotokol- 
le am 5. Juli 
124 in Tokio ihren AbschluB gefunden hatten, boten dazu eine ausgezeichnete diplomatische Grundlage. 
Englands unprovozierter Angriff gegen Syrien und die angelsachsischen Rustungen und sonstigen 
Vorbereitungen im hinterindischen Raum brachten Japan und Frankreich am 25. Juli zu dem schon 
erwahnten Einverstandnis liber die gemeinsame Verteidigung Indochinas. Damit hat Japan eine starke 
Flankenstellung gegen Singapur und Niederlandischindien sowohl wie gegen die BurmastraBe, die 
Lebensader fur Tschungking, bezogen. Auf die ebenfalls schon erwahnten von den Angelsachsen und 
ihren Hilfsvolkern gegen Japan ergriffenen wirtschaftlichen ZwangsmaBnahmen hat Tokio mit densel- 
ben MaBnahmen gegen alle auf der Gegenseite Beteiligten geantwortet. Inwieweit der gegenseitige 
Handel, besonders auch die Zufuhr von 01 aus den Vereinigten Staaten und Niederlandisch-Indien 
nach Japan dadurch abgeschnitten wird, d. h. praktisch in welchem MaBe durch die Erteilung von Aus- 
fuhrlizenzen nach Japan ein Wirtschaftskampf bis zum auBersten vermieden oder doch gemaBigt wird, 
ist noch nicht zu libersehn. Es scheint, daB man in Washington und London die Gefahr, Japan zu au- 
Bersten MaBnahmen zu zwingen, nicht unterschatzt. Nicht unwichtig wird auch Japans Haltung ge- 
gentiber den geplanten Kriegsmaterialzufuhren aus USA nach Wladiwostok sein. Man hat in Tokio 
bereits erklart, daB diese Frage Japan nicht gleichgliltig lassen konne. 




Moskaus Verrat an Europa 

Wir bringen nachstehend von den zu Beginn der Operationen im Osten von deutscher Seile 
veroffentlichten Berichten und Dokumenten den Bericht des Auswartigen Amtes iiber die Pro- 
paganda und politische Agitation der Sowjetregierung. 



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125 Der Bericht des Auswartigen Amtes 

Das Auswartige Amt ist im Besitz umfassender Beweise, daB von Moskau aus in dritten Landern ei- 
ne groBangelegte Wiihl- und Umsturzpropaganda in betont deutschfeindlichem Sinne betrieben wird. 
Der alte Gedanke der Weltrevolution wird unverandert weiterverfolgt. Deutschland aber wird auch 
nach AbschluB des deutsch-sowjetischen Freundschaftsabkommens auf eine Stufe mit England und 
Frankreich gestellt und gilt auch weiterhin als kapitalistischer Staat, der vernichtet werden muB. Die 
Vertrage mit Deutschland dienen hierbei lediglich als taktisches Mittel zur Ausnutzung einer giinsti- 
gen politischen Konjunktur. 

Diese Tendenzen zeigen sich ubereinstimmend in der von SowjetruBland in alien Landern betriebe- 
nen Propaganda. Sie werden besonders klar defmiert in den im Oktober 1939 herausgegebenen „Richt- 
linien ftir die innerparteiliche, organisatorische und ideologische Kampagne der kommunistischen 
Partei der Slowakei". Diese Richtlinien kniipfen an einen Ausspruch Lenins an, wonach auch mit ein- 
zelnen kapitalistischen Landern Pakte abgeschlossen werden konnen, wenn sie den Interessen der So- 
wjetunion dienen und die Moglichkeit schaffen, den Gegner unschadlich zu machen. Die taktische 
Zusammenarbeit mit Deutschland, so heiBt es in diesen Richtlinien weiter, entspreche vollig diesen 
Worten Lenins. Das Ziel der sowjetischen Politik wird mit folgenden Worten gekennzeichnet: „Die 
Sowjetunion und ihre rote Armee konnen sich ohne Verluste bereit halten, im geeigneten Augenblick 
an geeigneter S telle den geschwachten Feind anzugreifen." 

Der gleiche Gedankengang kehrt in Flugblattern wieder, die in verschiedensten Landern Europas 
verbreitet worden sind. So wird in einem in der Schweiz gedruckten Flugblatt die aktuelle Sowjetpoli- 
tik mit einem anderen Ausspruch Lenins umschrieben: „Sobald wir stark genug sein werden, um den 
gesamten Kapitalismus niederzuschlagen, werden wir ihm sofort an den Kragen gehen." 

Auch die in Moskau erscheinenden Zeitungen und Zeitschriften geben den Kommunisten aller Lan- 
der immer wieder die Parole der Weltrevolution. Bezeichnend ist z. B. ein Leitartikel der Zeitschrift 
„Internationalnij Majak" (1941 Nr. 1), der unter der Uberschrift „Die Sache Lenins wird in der ganzen 
Welt siegen" ausfuhrt: „Unter der Fiihrung des groBen Fortsetzers des Werkes Lenins, des Genossen 
Stalin, schreitet unser Land kiihn und iiberzeugt vorwarts zum Kommunismus. Das internationale Pro- 
letariat, die unterdriickten und verelendeten Massen der ganzen Welt wiederholen in fester Hoffnung 
die prophetischen Leninschen Worte: Soil die Bourgeoisie vorlaufig noch wiiten, soil sie ruhig Tau- 
sende von Arbeitern morden, der Sieg ist mit uns, der Sieg der kommunistischen Weltrevolution ist 
gewahrleistet." Und weiter: „Unter diesem kampferischen revolutionaren Banner, dem Banner der 
kommunistischen Internationale, vereinen sich die Proletarier und Werktatigen der ganzen Welt zu 
dein letzten und entscheidenden Schlag gegen den Kapitalismus, fur den Sieg der sozialistischen Re- 
volution, fur den Kommunismus." (Jahrg. 41 Nr. 4.) 

Im gleichen Sinne betonen die fuhrenden Personlichkeiten in Moskau immer wieder die internatio- 
nale Mission der Sowjetunion, so Molotow in einer Rede vom Dezember 1939: „Fiir die internationale 
kommunistische Bewegung ist Stalin nicht nur der Fiihrer des Bolschewismus und der UdSSR, son- 
dern auch 

126 der natiirliche Fiihrer des Weltkommunismus"; und in einem Artikel vom Marz 1940: „Wir werden 
dem Vermachtnis, daB der Kommunismus stets international bleiben muB, bis ans Ende treu bleiben." 
Und Stalin sagt in einer Rede im Januar 1940: „Mit Lenins Fahnen haben wir im Kampfe fur die Ok- 
tober-Revolution gesiegt. Mit derselben Fahne werden wir bei der proletarischen Revolution in der 
ganzen Welt siegen." 

Hand in Hand mit dieser Aufhetzung zur Weltrevolution geht eine fur das Inland bestimmte und 
sich standig verscharfende Kriegs- und Riistungspropaganda in der Sowjetunion selbst. In zahllosen 
Reden und Proklamationen wird das Volk zur militarischen Bereitschaft und Einsatzfreudigkeit aufge- 
rufen. Es geniigt in diesem Zusammenhange, an das Manifest des Marschalls Budjenny zum Jah- 
reswechsel 1940,41 zu erinnern, in dem die Jugend aufgefordert wird, immer daran zu denken, „daB 
im Augenblick, in dem fast die ganze Erdkugel vom Kriege ergriffen ist, die Weisung Stalins heilig 
erfiillt werden muB: Unermiidlich das ganze Land im Zustandstandiger kampferischer mobilisierter 
Bereitschaft zu halten. Man muB sich taglich, stiindlich der Kriegswissenschaft bemachtigen. indem 
man sich auf die Erfiillung des Kampfbefehle vorbereitet. Man muB beharrlich daran denken, daB nur 
ein Krieger, der sich in vollem Umfang der Militarwissenschaften bemachtigt hat, dem Feind den tod- 
lichen StoB versetzen kann." Ende Mai 1941 schreibt Gebietskommissar Batanowin der „Praw- 
da", es sei notwendig, „daB die Sowjetunion sich von Tag zu Tag auf den Krieg vorbereite t." Immer 



;liiiisirlill,iii<i tm^amirF 23 

wieder bringt die gesamte Sowjetpresse das gleiche Motto: „Unsere rote Armee ist eine Armee der 
Weltrevolution und des Weltproletariats." 

Diese allgemeinen, iiberall in Europa propagierten Gedankengange der fortdauernden Hinarbeit auf 
die Weltrevolution und die innersowjetische militarische Vorbereitung darauf werden unter dem Ein- 
druck der militarischen Erfolge der Achsenmachte in zunehmendem MaBe auf Deutschland abgestellt 
und in den einzelnen Landern durch eine konkrete, sich standig verstarkende Agitation gegen das 
Reich erganzt. Alle auBen- und innenpolitischen Schwierigkeiten der verschiedenen europaischen 
Staaten miissen in diesem Hetzfeldzug Argumente liefern. In Rumanien ist die Hetze der Kommuni- 
sten nicht einmal in den ersten Monaten nach AbschluB des deutsch-russischen Freundschaftsvertrages 
gemildert worden. Von amtlicher rumanischer Seite wurde dem deutschen Gesandten am 15. Februar 
1940 erklart, die rumanischen Kommunisten seien in ihren AuBerungen und Rundschreiben stark anti- 
nationalsozialistisch und antideutsch; durch die offizielle Politik von Moskau und Berlin lieBen sie 
sich in keiner Weise beeinflussen. In Ubereinstimmung mit dieser Feststellung betont die kommunisti- 
sche Propaganda in Rumanien, daB fur die innerpolitischen Schwierigkeiten und fur die wirtschaftli- 
che Notlage lediglich Deutschland verantwortlich sei. Die durch die Losung der siebenburgischen 
Frage aufgewuhlten nationalistischen Leidenschaften werden zur Hetze gegen den Wiener Schieds- 
spruch und damit gegen die Reichsregierung ausgebeutet. Nach dem Beitritt Rumaniens zum Drei- 
machtepakt wird — wenn auch vergeblich — versucht, die Bevolkerung gegen die deutschen Truppen 
aufzuhetzen. Und das alles geschieht mit Druckschriften und Flugblattern, deren Form- und Druck- 
technik erkennen laBt, daB sie im Ausland hergestellt wurden, und die nach Mitteilung der zustandigen 
rumanischen Behorden durch Kuriere der Sowjetgesandtschaft nach Bukarest gebracht worden sind. 

In Jugoslawien laBt sich vom Spatsommer 1940 an gleichfalls eine Wendung der kommunistischen 
Propaganda in antideutschem Sinne beobachten. In einem Rundschreiben der Verwaltung des Drau- 
Banats in Laibach an die nachgeordneten Behorden vom 5. August 1940 heiBt es, daB nach den zur 
Verfiigung stehenden Unterlagen die kommunistische Propaganda im Gegensatz zu friiher darauf aus- 
gehe, „in Zukunft Manifestationen im feindlichen Sinne gegen Deutschland und Italien zu veranstal- 
ten". Diese Behauptung 
127 der serbischen Behorden wird durch die besonders in Slowenien verbreiteten kommunistischen 
Flugblatter bestatigt. So wird in einem anlaBlich des Jahrestages des deutsch-russischen Vertrages am 
23. August 1940 verbreiteten Flugblatt die jugoslawische Regierung angegriffen, weil sie eine Anna- 
herungspolitik an Rom und Berlin betreibe und Jugoslawien „vor den imperialistischen Wagen 
Deutschlands und Italiens spannen" wolle. AuBenpolitisch verlangt diese Propaganda die Anlehnung 
Jugoslawiens an RuBland. Ahnlich wird in einem im November in Agram vertriebenen kommunisti- 
schen Flugblatt Macek angegriffen, weil er das Land „an die faschistischen Imperialisten in Berlin und 
Rom verkaufen wolle". In einem in Slowenien zirkulierenden Flugblatt zum russischen Revolutionstag 
am 7. November 1940 wird zum Protest aufgerufen „gegen das Paktieren des Regimes Cvetkovic mit 
den imperialistischen Regierungen von Berlin und Rom". Dem gleichen Ziel dienten Massendemon- 
strationen, die von sowjetischer Seite in Szene gesetzt wurden; als gelegentlich einer solchen Kundge- 
bung von der jugoslawischen Polizei Verhaftungen vorgenommen wurden, stellte sich heraus, daB sich 
unter den Verhafteten Angestellte der Belgrader Sowjetgesandtschaft befanden. 

Mitunter werden in kommunistischen Kreisen offen russische Eroberungsabsichten auf dem Balkan 
und gegen Deutschland proklamiert. So berichtet die Deutsche Gesandtschaft in Belgrad am 13, Sep- 
tember 1940, vor einigen Wochen sei auf einer Tagung kommunistischer Parteifunktionare in Agram 
von einem Teilnehmer erklart worden, „daB nach den aus RuBland eingegangenen Informationen die 
Gebiete der Slowakei, Ungarns, Jugoslawiens, Bulgariens, Rumaniens sowie des zur Zeit von den 
deutschen Truppen besetzten polnischen Raumes als russisches Protektorat bezeichnet werden sollten. 
Die Neuregelung konne aber erst nach Eintritt der zu erwartenden militarischen Schwachung Deutsch- 
lands durchgefuhrt werden". 

DaB derartige Parolen iiber ein kommendes Vorhaben SowjetruBlands gegen Deutschland wirklich 
von russischer Seite den serbischen Kommunisten und Sowjetfreunden erteilt worden sind, zeitigt ein 
nach der Besetzung Belgrads in der dortigen Sowjetgesandtschaft aufgefundenes Schriftsttick, in dem 
zusammengefaBt ist, in welcher Weise man russischerseits die Haltung der Sowjetunion nach dem 
AnschluB Rumaniens an die Achsenmachte den russophilen serbischen Gruppen darstellte. Es heiBt in 
diesem in russischer Sprache abgefaBten, nach seinem Inhalt aus dem Herbst 1940 stammenden 
Schriftsttick: 



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„Die UdSSR wird erst im gegeben e.n Moment reagieren. Die Achsenmachte haben ihre Streit- 
krafte weiter verzettelt und deshalb wird die UdSSR plotzlich gegen Deutschland losschlagen. 
Dabei wird die UdSSR die Karpaten iiberschreiten, was das Signal fiir eine Revolution in Ungarn 
sein wird, und durch Ungarn werden die Truppen nach Jugoslawien ziehen und an die Adria vor- 
dringen, werden den Balkan und den Nahen Osten von Deutschland trennen. Wann wird das ge- 
schehen? In dem Augenblick, den die Sowjets fur einen Erfolg dieses Unternehmens am geeig- 
netsten halten! Gleichzeitig damit wird die Revolution in Frankreich ausbrechen. In Jugoslawien 
werden die Massen in dem MaBe, wie sich die heutige wirtschaftliche Lage verschlechtert, immer 
mehr radikalisiert werden. Wenn der Winter ebenso kalt wie hungrig wird, dann wird Jugoslawi- 
en im Friihling zu einem PulverfaB, an das man nur ein Streichholz zu halten braucht." 
In Bulgarien wurde der deutsch-sowjetische Freundschaftspakt von der kommunistischen Propagan- 
da als voile Kapitulation Deutschlands vor der Starke RuBlands ausgegeben, und unter ungeheuerli- 
chen Beschimpfungen Deutschlands wurde zur Weiterfuhrung des Kampfes gegen den Faschismus 
und die deutsch-italienische Aggression aufgerufen. Von bulgarischer amtlicher Seite muBte im Som- 
mer 1940 eine allgemeine Verstarkung der bolschewistischen Propaganda in den sudosteuropaischen 
Staaten fest- 
128 gestellt werden. Auch in Bulgarien suchte sich die bolschewistische Propaganda nationalistischer 
Parolen zu bemachtigen. So wurde in der Dobrudschafrage die maBvolle und verantwortungsbewuBte 
Politik der bulgarischen Regierung als schwachlich gebrandmarkt und die Unterstiitzung der Sowjet- 
union fur ein weitergehendes Vorgehen in Aussicht gestellt. 

In Ungarn konnte die bolschewistische Propaganda kaum Heifer finden, da hier die Erinnerung an 
die Schreckensherrschaft Bela Khuns noch lebendig ist. Um so ungehemmter verfolgt deshalb die 
Sowjetunion in den im Marz 1939 Ungarn zuriickgegebenen Gebieten mit ruthenischer Minderheit 
ihre unterirdische Propaganda, die sie hier mit annexionistischen Zielen verbindet. So berichtet z. B. 
die Amsterdamer Zeitung „Algemeen Handelsblad" am 30. Dezember 1939, daB man in jenen Gebie- 
ten uberall Sowjetsterne und Hammer-und-Sichelzeichen auf den Mauern sahe. Es wiirden fortwah- 
rend und in groBem Umfang Flugzettel verteilt, die hochstwahrscheinlich aus RuBland eingeschmug- 
gelt seien. Die Flugzettel besagten, daB Vaterchen Stalin, der Vater aller Russen und stammverwand- 
ten Gruppen, und Bruder Woroschilow das arme unterdriickte ruthenische Volk von seinen ungari- 
schen Gewaltherrschern befreien wollten. DaB die Sowjetunion tatsachlich aggressive Absichten ge- 
gen Ungarn hegte, wird in einem in Athen aufgefundenen Bericht des griechischen Gesandten in An- 
kara vom 3. Februar 1941 bezeugt. Danach hat der Sowjetgesandte seinem griechischen Kollegen 
gegenuber erklart, „daB Ungarn noch nichts von seiten RuBlands zu befurchten habe", wobei er „das 
Gegenteil fur die Zukunft keineswegs ausschloB". 

In der Slowakei stand die Propaganda ganz im Geiste der bereits erwahnten „Richtlinien", die ins 
einzelne gehende Anweisungen fur die Arbeit der komunistischen Partei enthielten. Der Kampf gegen 
die bestehende Regierung sollte durch Eindringen in die Hlinka-Garde und die staatlichen Gewerk- 
schaften vorangetrieben werden. Tatsachlich ist eine iiberaus rege Agitation mit Flugblattern. Mauer- 
anschriften. Handzetteln und kommunistischen Symbolen betrieben worden, wobei die scharfe anti- 
deutsche Tendenz Hand in Hand ging mit Bestrebungen, die offen auf eine Angliederung des Landes 
an die Sowjetunion hinzielten. Die Leitung der Propaganda durch die Sowjetgesandtschaft in PreBburg 
ist hier besonders augenfallig in Erscheinung getreten; wie Havas Anfang Marz 1940 bezeugt, wurde 
das Agitationsmaterial im Gebaude dieser Gesandtschaft gedruckt. Besonders intensiv waren die so- 
wjetrussischen Umtriebe in der Ostslowakei, wo die verwickelten Voikstumsverhaltnisse den Vor- 
wand fur nationalistische und panslawistische Parolen boten. 

In Schweden ist die kommunistische Partei zwar zahlenmaBig nicht besonders groB, doch kommt ihr 
im Rahmen der internationalen Tatigkeit der Komintern eine besondere Bedeutung zu. Da Schweden 
das einzige Land Europas ist, das den Kommunismus nicht verboten hat, ist ein Teil der friiher in der 
deutschen Ostmark, der ehemaligen Tschechoslowakei, der Schweiz und Frankreich ausgetibten 
kommunistischen Tatigkeit nach Schweden verlegt worden. So wird z. B. das friiher in Basel erschei- 
nende offizielle Organ der Komintern „Die Rundschau" nunmehr in Stockholm gedruckt. Hauptpropa- 
gandaorgan der schwedischen Kommunisten ist die Tageszeitung „Ny Dag", die fiir die Sowjetunion 
von besonderer Bedeutung ist, da sie wohl die einzige noch regelmaBig legal erscheinende kommuni- 
stische Tageszeitung in einem neutralen Lande Europas darstellt. Die Haltung dieses von SowjetruB- 
land ausgehaltenen Blattes ist zunehmend deutschfeindlich; iiberdies wird dafiir Sorge getragen, daB 
die deutschfeindlichen Veroffentlichungen des „Ny Dag" in der ganzen Welt Verbreitung finden. So 



;liiiisirlill,iii<i tm^amirF 25 

publizierte das Blatt z. B. Ende April 1941 ein angebliches Manifest der deutschen kommunistischen 
Jugend, in dem die deutschen MaBnahmen gegen Jugoslawien aufs scharfste verurteilt wurden. Wie 
fur die internationale Weiterleitung dieses deutschfeindlichen Artikels Sorge getragen wurde, schildert 
die folgende Meldung des Berichters tatters 

129 der „New York Times" in Stockholm vom 29. April d. J.: „Die heutige Ausgabe der kommunistischen 
schwedischen Zeitung wurde den englischen und amerikanischen Zeitungskorrespondenten in ver- 
schlossenem Umschlag zugeschickt. Das erwahnte Manifest war blau angestrichen, als legte die 
schwedische Sektion der kommunistischen Internationale besonderen Wert auf die Veroffentlichung 
des Manifestes im Ausland. Dieses ungewohnliche Dokument mit dem heftigen Angriff auf Hitler und 
dessen Politik enthalt einen klaren Aufruf zum Aufstand und zum Defaitismus. Es droht mit Moskaus 
MiBbilligung. Das Dokument kommt in Wirklichkeit, so ist die allgemeine Auffassung hier, von den 
Komintern in Moskau. Beobachter in Stockholm betrachten das Manifest als ein neues und eindrucks- 
volles Zeichen fur die schnelle Verschlechterung der Beziehungen zwischen SowjetruBland und 
Deutschland." 

In Finnland war die bolschewistische Propaganda wahrend des finnisch-russischen Krieges zum 
Stillstand gekommen. Nach FriedensschluB ging die Sowjetgesandtschaft in Helsinki sofort an den 
Wiederaufbau der kommunistischen Partei, die zunachst in Form von kleinen Zellen organisiert wur- 
de. Fur die eigentliche Propaganda wurde die „Vereinigung fur Frieden und Freundschaft mit der So- 
wjetunion" geschaffen, unter deren Mitgliedern sich — laut finnischem Gerichtsurteil — zahlreiche 
kriminelle Elemente bestanden. Fur die Propaganda wurde vom russischen Staatsrundfunk in der Nahe 
der finnischen Grenze der Sender Petroskoi errichtet, der in zahllosen Affitationssendungen das inner- 
politische Leben Finnlands zu storen und die finnische Regierung standig unter Druck zu halten such- 
te. Auch hierbei wird dag Ziel verfolgt, die freundschaftlichen Beziehungen zwischen Finnland und 
dem Deutschen Reich zu triiben. 

In Frankreich wurden die Bemuhungen franzosischer Politiker, die nach der Niederlage der 3. Repu- 
blik die franzosische Bevolkerung fur eine Politik der Zusammenarbeit mit Deutschland und der euro- 
paischen Solidaritat zu gewinnen suchten, von Moskau systematisch gestort. Die Mitglieder der Regie- 
rung Petain wurden als kaufliche Verrater und Soldlinge kleiner hochkapitalistischer Gruppen hinge- 
stellt. Die wirtschaftlichen und sozialen Schwierigkeiten Frankreichs nach der Niederlage wurden 
ausschlieBlich auf die Besetzung des Landes durch Deutschland zuriickgefuhrt. Fast alle Flugblatter 
und illegalen Zeitungen enden mit dem Aufruf zur bolschewistischen Revolution und zur Zusammen- 
arbeit mit Sow jetruBland, die zur Behebung aller Note der Gegenwart ftihren werde. Auch in Belgien 
und Holland ist die antideutsche kommunistische Agitation im gleichen Sinne uberaus rege. 

Im Generalgouvernement hat sofort nach Abgrenzung der deutschen und russischen Interessengebie- 
te die Sowjetpropaganda eingesetzt. Sie wendet sich hier vor allem mit der panslawistischen Idee an 
den polnischen Nationalismus und sucht sich diesen Kreisen als zukunftiger Befreier von der deut- 
schen Herrschaft vorzustellen. Andererseits verschmahen es die Russen natiirlich nicht, sich besonders 
der Juden fur PaBfalschungen und Nachrichtenubermitflung zu bedienen. Neuerdings wird auch der 
vergebliche Versuch unternommen, mit hetzerischer Zersetzungspropaganda an die deutschen Trup- 
pen heranzutreten. 

Sogar in Griechenland haben nach Berichten des dortigen Bevollmachtigten des Reiches in den we- 
nigen Wochen, die seit dem deutschen Einmarsch verstrichen sind, die Bolschewiken bereits versuch t, 
das von England im Stich gelassene griechische Volk erneut gegen Deutschland und Italien aufzuhet- 
zen. Wie iiberall in den besetzten Gebieten wird auch hier fur den Fall eines deutsch-russischen Krie- 
ges die Revolution vorbereitet und der AnschluB an die Sowjetunion als Allheilmittel fur die Uber- 
windung der Schwierigkeiten verkundet. 

So hat die russische Propaganda in alien Landern Europas die Schwierigkeiten und Umwalzungen, 
die der Krieg mit sich brachte, fur ihre weltrevolutionaren Umtriebe auszunutzen versucht. Uberall ist 
diese 

130 revolutionare Agitation mit einer von Monat zu Monat zunehmenden Hetze gegen das Reich und seine 
Versuche, eine neue stabile Ordnung in Europa zu schaffen, verbunden worden. 

II. 

In genauer Ubereinstimmung mit der vorstehend geschilderten unterirdischen Propaganda stehen die 
sonstigen Mittel der politischen Agitation, die die Sowjetunion in den genannten Landern verwendet. 



;liiiisirlill,iii<i tm^amirF 26 

So hat Moskau immer wieder versucht, die vermittelnde Rolle Deutschlands bei der Beilegung der 
territorialen Streitigkeiten zwischen Rumanien, Ungarn und Bulgarien zu storen und den Beitritt der 
Balkanstaaten zum Dreimachtepakt zu verhindern. Die deutsch-italienische Garantie fur die neuen 
rumanischen Grenzen wurde von der kommunistischen Agitation in eine antirussische KampfmaB- 
nahme umgefalscht. Gegen den AnschluB Bulgariens an den Dreier-Pakt hat Moskau mit besonderem 
Nachdruck gearbeitet. Ein Sonderdelegierter der Sowjetunion wurde Ende November 1940 zu Konig 
Boris entsandt, um die Annaherung Bulgariens an die Achsenmachte zu hintertreiben und gleichzeitig 
Bulgarien durch das Angebot eines Garantiepaktes in das sowjetische Fahrwasser zu ziehen. Die 
Russen versuchten, diese Mission durch Mobilisierung der bulgarischen Kommunisten zu unterstut- 
zen, die fingierte Massenpetitionen an die Regierung in Szene setzen muBten. Als wenige Monate 
spater Bulgarien die Zustimmung zum Einmarsch deutscher Truppen erteilte, machte sich die Sowjet- 
regierung, obwohl sie vorher von der Reichsregierung iiber die Griinde und Ziele der deutschen MaB- 
nahmen auf dem Balkan auf das genaueste unterrichtet worden war, geradezu zu einem Werkzeug der 
britischen Propaganda, indem sie in einer gewollt feindlichen offentlichen Erklarung behauptete, daB 
die bulgarische Haltung zur Hineinziehung dieses Landes in den Krieg ftihren wurde — eine Behaup- 
tung, die inzwischen durch die Tatsachen hinreichend widerlegt worden ist. 

In Rumanien verfolgten seit dem Herbst 1940 die russischen Bestrebungen das Ziel, die innerpoliti- 
schen Schwierigkeiten des neuen Regimes in jeder Weise zu verstarken und durch Hervorrufen von 
Unruhen den Burgerkrieg vorzubereiten. Schon im November 1940 wurden Kommunisten und bezahl- 
te Agenten in die Legionar-Bewegung eingeschmuggelt, die die inneren rumanischen Gegensatze fur 
die trtiben Zwecke Moskaus auszunutzen versuchten. Den Hohepunkt der kommunistischen Aktion, 
die sich bereits im November 1940 in lokalen Putschplanen, insbesondere im Erdolgebiet angekundigt 
hatte, bildete der Aufstandsversuch der extremen Legionare am 23. und 24. Januar 1941, der, wie ein- 
wandfrei feststeht, weitgehend von bolschewistischen Agenten und lokalen Kommunistenfuhrern ins 
Leben gerufen worden ist. Nach Scheitern des Putsches fluchteten sich einige Ftihrer des Aufstandes 
in die Sowjetgesandtschaft, um so ihrer Festnahme zu entgehen. Der deutsche Gesandte in Bukarest 
hat am 11. Februar 1941 tiber die Hintergriinde des Putschversuches zusammenfassend folgendes be- 
richtet: „Der Umsturz ist geplant von russischen Elementen, die hierdurch die Brticken bilden wollten 
nach Bulgarien tiber Rumanien sowie durch Agenten des Secret Service. Beide haben die Situation 
sofort erkannt und haben sie sich zunutze gemacht. Wer ihre Methoden kennt, ist sich vollkommen 
klar dariiber, daB sie ihre Hand im Spiel gehabt haben. Plan: Mache Wirrwarr um jeden Preis, um Ru- 
manien als Wirtschafts- und Aufmarschgebiet fur Deutschland in Unruhe zu bringen." 

Ebenso deutlich zeigen sich die russischen Intrigen in der Haltung Moskaus gegeniiber Jugoslawien. 
Aus aufgefundenen franzosischen Dokumenten sind der Reichsregierung AuBerungen des russischen 
AuBenkommissars M o 1 o t o w bekannt geworden, die dieser im Mai 1940 gegeniiber dem jugoslawi- 
schen Delegierten Georgewitsch getan hat und die deutlich beweisen, daB Molotow in den Gesprachen 
mit Jugoslawien von vornherein bemtiht war, sich als gegen Deutschland eingestellt zu zeigen, wah- 
rend er tiber 
131 Frankreich und England in Ausdrticken sprach, die kein ubelwollen zeigten". Dabei hat Molotow, wie 
Georgewitsch berichtet, offen die Moglichkeit angedeutet, daB sich RuBland jedem Vorgehen Italiens 
und Deutschlands im Donaugebiet widersetzen wurde. Uberdies hat die Sowjetregierung bei dieser 
Gelegenheit Jugoslawien zu beschleunigter Aufrustung angetrieben und mitgeteilt, daB sie bereit sei, 
diese Aufrustung durch Lieferung von Waffen auf Kredit zu unterstutzen. 

Georgewitsch hat in Moskau den Eindruck gewonnen, daB man Deutschland dort als den Gegner 
von morgen ansah. „Schon jetzt ist Deutschland der machtige Feind, gegen den man sich in Moskau 
vorbereite t." Auch glaubt der jugoslawische Delegierte sagen zu konnen, daB man in RuBland „mit 
alien Mitteln die Deutschland versprochenen Lieferungen zu verlangsamen und nicht zu erleichtern 
sucht". Von den militarischen Stellen Belgrads wurde die russische Haltung ahnlich beurteilt. In einer, 
in den Akten des jugoslawischen Generalstabs aufgefundenen Aufzeichnung vom 24. Juni 1940 wird 
gesagt, daB „die AuBenpolitik der UdSSR vollig unabhangig von Deutschland ist und daB daher auch 
fur Deutschland selbst Uberraschungen nicht ausgeschlossen sind". 

Die Grundhaltung RuBlands zeigt sich besonders deutlich in der Frage der russischen 
Waffenlieferungen an Serbien, wortiber die in Belgrad aufgefundenen Akten des serbischen 
Kriegsministeriums AufschluB geben: 

Entsprechend der Anregung der Sowjetregierung uberreicht am 14. November 1940 der serbische 
Gesandte in Moskau dem Gehilfen des AuBenkommissars Wischinski ein Verzeichnis des von Serbien 



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gewiinschten Kriegsmaterials. Bereits eine Woche spater, am 21. November, wurde dem serbischen 
Militarattache vom russischen Generalstabschef die Antwort erteilt: „Wir geben alles Angeforderte, 
und zwar sofort." Das russische Entgegenkommen ging noch weiter: noch mehr Material konne gelie- 
fert werden; auch konne Jugoslawien die Preise und die Zahlungsweise selbst bestimmen. Der jugo- 
slawische Militarattache konnte melden, daB russischerseits „die Bereitschaft zu einer umfassenden 
Kriegsversorgung bestehe". Einzige Bedingung der Russen war absolute Diskretion; insbesondere 
sollte verhindert werden, daB Deutschland, Bulgarien oder Rumanien etwas von den Lieferungen er- 
flihren. Seitens des jugoslawischen Militarattaches in Moskau ist wiederholt der Wunsch ausgespro- 
chen worden, daB diese Verhandlungen ausschlieBlich iiber die militarischen Stellen laufen sollten, da 
sonst Indiskretionen zu befurchten seien. Die Beftirchtungen der Militars gingen vor allem dahin, daB 
die Achsenmachte von den geplanten Kaufen Kenntnis erhalten konnte n. Hieraus ist ersichtlich, daB 
die jugoslawischen Militarkreise die von RuBland angeregte Aufriistung als eine gegen die Achse ge- 
richtete MaBnahme verstanden. Das Drangen der Russen auf schnellen AbschluB der Verhandlungen 
auBerte sich weiter darin, daB bereits am folgenden Tage — dem 22. November — vom russischen 
Generalstab verlangt wurde, schon bis zum nachsten Tage Einzelangaben iiber den Typ der angefor- 
derten Waffen zu geben. Die Russen betonten dabei, es lage im eigensten Interesse der Jugoslawen, 
sofort zu antworten. „Jede Verzogerung sei sehr gefahrlich." Die Jugoslawen iibersandten daraufhin 
am 23. November die angeforderten Einzelangaben. In den folgenden Wochen werden dann aber die 
Verhandlungen russischerseits verzogert. Als Begriindung gibt man zunachst technische Umstande, 
spater aber auch offen politische Argumente an. Offensichtlich soil der Waffenhandel als Druckmittel 
gegen die damals beginnende Annaherung der Cvetkowic-Regierung an die Achsenmachte benutzt 
werden. Nachdem einige Wochen mit Versuchen der Behebung der von RuBland vorgeschobenen 
technischen Griinde vergangen waren, meldet der jugoslawische Militarattache in Moskau am 4. Fe- 
bruar 1941 wortlich folgendes: „Am 4. Februar hat mir das sowjetrussische Kriegsministerium mitge- 
teilt, die Verhandlungen iiber die Lieferung des Kriegsmaterials seien durch die Unterzeichnung 
132 unseres Paktes mit Ungarn und des Handelsvertrages mit Deutschland verzogert worden. Diese 

Vertrage legt man als Abkehr von RuBland aus. Hierin zeigt sich ebenso wie in der Betonung, der 
Preis spiele keine Rolle, daB sie unseren Wunsch fur ein politisches Spiel auszunutzen versuchen." 
Offenbar ist es unter der Regierung Cvetkowic nicht zum AbschluB dieser Verhandlungen gekommen. 

Bekanntlich wurde der Belgrader Staatsstreich und die Regierung Simowitsch vom russischen Rund- 
funk und von der russischen Presse lebhaft begriiBt. Zweifellos sind die Putschisten bereits vor dem 
Umsturz durch Hoffnungen auf russische Hilfe in ihren Planen bestarkt worden. Die Erwartungen der 
Simowitsch-Gruppe schienen sich zu erfiillen, als am 5. April 1941 der russisch-jugoslawische 
Freundschafts- und Nichtangriffspakt in Moskau unterzeichnet wurde. Dieser Vertrag kann nach der 
ganzen Lage der Umstande nur als eine direkte Provokation Deutschlands und als eine Ermutigung der 
antideutschen Haltung der Regierung Simowitsch aufgefaBt werden und hat in der ganzen Weltpresse 
seinerzeit ein entsprechendes Echo gefunden. Uberall wird die Unvereinbarkeit dieses Vertrages mit 
den deutsch-russischen Abmachungen hervorgehoben. Er wird als entscheidende Wendung in den 
deutsch-sowjetischen Beziehungen angesehen: es wird sogar von der Moglichkeit eines Kriegseintritts 
der Sowjetunion gegen Deutschland gesprochen. 

Der Unterstaatssekretar der Vereinigten Staaten, Sumner We 11 e s, kommentiert den russischen 
Schritt folgendermaBen, nachdem er vorher mehrere Besprechungen mit dem Sowjetbotschafter in 
Washington gehabt hatte: „Der jugoslawisch-russische Freundschaftspakt kann unter Umstanden von 
allergroBter Bedeutung sein. Der Pakt wird auf vielseitiges Interesse stoBen. Es sind Griinde vorhan- 
den, um anzunehmen, daB e r mehr als lediglich ein Freundschafts- und Nichtangriffspakt ist." DaB der 
VertragsabschluB auch von der Regierung Simowitsch als Aufforderung zum Kampf gegen das Reich 
verstanden wurde, geht aus einer urkundlich vorliegenden Feststellung des Gesandten Nintschitsch — 
des Bruders des AuBenministers der Staatsstreichregierung — einwandfrei hervor. Fur die starke Ver- 
bundenheit zwischen Simowitsch und SowjetruBland spricht weiter der Umstand, daB nach Ausbruch 
der Kampfhandlungen eine groBe Anzahl jugoslawischer Militarflugzeuge nach RuBland geflogen 
sind, um sich der Vernichtung zu entziehen. AuBerdem wurde nach zuverlassigen Nachrichten jugo- 
slawischen Offizieren von der Sowjetregierung die Verwendung im Sowjetdienst angeboten. 

Ferner liegen urkundliche Beweise dafiir vor, daB SowjetruBland dem jugoslawischen und griechi- 
schen Generalstab Nachrichten iiber Stand und Bewegung deutscher und italienischer Truppen iiber- 
mittelt hat. Aus einwandfreier Quelle ist schlieBlich bekannt geworden, daB die Sowjetregierung am 
10. April dem jugoslawischen Gesandten die Lieferung von Kriegsmaterial durch das Schwarze Meer 



;liiiisirlill,iii<i tm^amirF 28 

vorgeschlagen hat. Das Kriegsmaterial sollte zunachst nach dem Piraus gebracht werden. Diese Nach- 
richt zeigt, daB die Sowjetregierung den jugoslawischen Kampf gegen das Reich wenigstens durch 
Waffenlieferungen zu unterstiitzen und damit dem Reich in seinem Existenzkampf in den Rlicken zu 
fallen gewillt war. 

Diese ganze Politik beruht offenkundig auf einer politischen und militarischen Zusammenarbeit der 
Sowjetunion mit England und neuerdings auch mit Amerika. Ein weiteres Zeichen dieser Zusammen- 
arbeit ist z. B. in der am 18. Marz ergangenen Verordnung des AuBenhandelskommissars Mikojan zu 
erkennen, wonach der Durchtransport von Kriegsmaterial durch das Gebiet der Sowjetunion verboten 
wird. Es ist ganz offensichtlich, daB diese Bestimmung, die in erster Linie gegen die Zufuhr Deutsch- 
lands aus Ostasi 
133 en gerichtet ist, einseitig die Interessen der Gegner Deutschlands begunstigt. Sie wird von der 
englischen und amerikanischen Presse ganz offen in diesem Sinne kommentiert und begruBt. 

Etwa zu gleicher Zeit tritt auch die diplomatische Unterstiitzung, die RuBland der englischen Regie- 
rung auf dem Balkan gewahrt, offen zu Tage. Bekanntlich verfolgte die Reise des englischen AuBen- 
ministers Eden nach Istanbul den Zweck, eine Balkanfront unter Einbeziehung der Ttirkei aufzubauen 
und womoglich auch die Sowjetunion in diesen Kreis einzuspannen, was durch eine Reise Edens nach 
Moskau angebahnt werden sollte. Wenn auch diese Reise nicht zustande kam, weil die Sowjetunion 
den Zeitpunkt noch nicht fur gekommen ansah, um formlich auf die Seite der Gegner Deutschlands zu 
treten, so war Moskau doch entschlossen, in engem Kontakt mit England vorzugehen, was durch die 
Reise des englischen Botschafters Cripps mit einem russischen Militarflugzeug nach Ankara und 
durch Vermittlung des dortigen Sowjetbotschafters erreicht wurde. Das Ergebnis dieser Besprechung 
war die am 25. Marz 1941 veroffentlichte Erklarung, in der die Sowjetunion unter Berufung auf den 
bestehenden Nichtangriffspakt der Tiirkei vollste Neutralitat fur den Fall etwaiger Konflikte zusicher- 
te. Welches hierbei das Ziel der Sowjetunion war, wurde von dem Korrespondenten der Associated 
PreB in Ankara mit folgenden Worten gekennzeichnet: „Durch Ausschaltung einer moglichen russi- 
schen Gegenaktion fur den Fall eines turkischen Kriegseintritts an der Seite Englands arbeitet Moskau 
zum ersten Male offen und eindrucksvoll gegen die deutsche Diplomat i e." Wenn die englischen 
Kriegsausweitungsplane damals an der realistischen Haltung der Ttirkei scheiterten, so andert das 
nichts an der Tatsache, daB RuBland den englischen Absichten Vorschub leistete. Die gleiche Politik 
verfolgte Moskau mit mehr Erfolg gegeniiber Jugoslawien, als es die Belgrader Putschisten in voller 
Ubereinstimmung mit England zum Staatsstreich ermunterte und durch AbschluB des Freundschafts- 
vertrages in ihrem Kriegswillen bestarkte. Seitdem haben sich die Beziehungen zwischen der Sowjet- 
union und England auf politischem und militarischem Gebiet immer enger gestaltet, wie namentlich 
aus den in letzter Zeit eingegangenen Nachrichten tiber die Reise des Botschafters Cripps nach Lon- 
don hervorgeht. 

SchlieBlich liegen noch urkundliche Beweise daftir vor, daB auch Verhandlungen zwischen Moskau 
und Washington im Gange sind, die eine engere politische Verbindung zwischen diesen beiden Staa- 
ten zum Ziele haben. Ein vertrauliches Zirkularschreiben, das der Sowjetgesandte in Bukarest am 8. 
Juni an eine Reihe von ihm politisch nahestehenden Diplomaten gerichtet hat, bezeichnet ein solches 
Bundnis triumphierend als die groBte militarische und wirtschaftliche Macht der Welt. 




pfifedfliit 



Herausgegeben von 

Ministerialdirektor A. J. Berndt 
Reichspropagandaministerium 

Oberst von Wedel 
Oberkommando der Wehrmacht 



1941 

August-Lieferung 

(Nr. 47/48 der Gesamtlieferung) 

Verlagsanstalt Otto Stollberg, Berlin WO 




^liiMjiiiilliilll; 



75 Der Siegeslauf der deutschen Armeen im Osten pragte auch im Monat August dem innerdeutschen 
Leben seinen Stempel auf. Gewaltig war der Eindruck, den der Rechenschaftsbericht des Oberkom- 
mandos der Wehrmacht vom 6. August machte, der das bisherige Ergebnis der Siege im Osten durch 
ungeheure Vernichtungszahlen umriB: 895 000 Gefangene, dariiber hinaus schwerste blutige Verluste 
der Bolschewisten, 13145 Panzerkampfwagen, 10 388 Geschutze, 9082 Flugzeuge kennzeichnen die 
GroBe der Waffentaten der deutschen Wehrmacht, zugleich aber auch das katastrophale AusmaB der 
Niederlage der Roten Armee. Das deutsche Volk erfuhr durch diesen Bericht zum erstenmal zusam- 
menfassend von dem Ablauf der grandiosen militarischen Operationen an der Ostfront, von dem Vor- 
marsch in den Ostseelandern, von dem Durchbruch zur Umfassungsschlacht in der Ukraine und von 
dem entscheidenden Sieg von Smolensk, von Unternehmungen, in denen feindliche Millionenheere 
nicht nur geschlagen, sondern vollig vernichtet wurden. 

Wie sprunghaft die Erfolgszahlen im Laufe dieses Ostfeldzuges in die Hohe schnellten, erwies eine 
weitere Erfolgsmeldung des Oberkommandos der Wehrmacht am 22. August. Es war zugleich der 
Rechenschaftsbericht tiber 2 Monate Krieg gegen den Bolschewismus. Er zahlte 1 250 000 Gefangene, 
14 000 Panzer, 15 000 Geschutze, 11 250 Flugzeuge auf. Aus diesem Bericht erfuhr das deutsche 
Volk, daB seine Armeen tief in Feindesland, am Dnjepr, ostwarts von Gomel und nicht weit vor Le- 
ningrad stiinden. Am 19. August war das ganze Gebiet westlich des Dnjepr in deutscher Hand, der 
Angriff auf Odessa eingeleitet, das groBte Erzgebiet der Sowjet-Union, das Industrierevier von Krywoi 
Rog ebenfalls in deutschem Besitz, Nikolajew, die wichtige Industrie- und GroBstadt der Sudukraine 
genommen. Am 20. August kundigten die Fanfaren des deutschen Rundfunks eine neue Sondermel- 
dung an, derzufolge im Raum um und nordlich Gomel eine Schlacht stattgefunden habe, in der 17 
sowjetische Schutzendivisionen, 1 motorisierte, 2 Panzer- und 5 Kavalleriedivisionen sowie 2 Luftbri- 
gaden geschlagen, vernichtet oder ge 

76 fangengenommen worden waren. Am 26. August berichtete eine weitere Sondermeldung, daB nach 
schwerem Kampfe der Briickenkopf von Dnjepropetrowsk sowie die Stadt selbst im Sturm genommen 
sei. Wiederum werden 83 596 Gefangene eingebracht und zahlloses Kriegsmaterial erbeute: 

Das Ende des Monats stand im Zeichen der Siege an der Nordfront. Am 21. August war Nowgorod 
und Narwa genommen, am 29. August wurde Reval nach hartem Kampfe bezwungen und der sowjeti- 
sche Kriegshafen Baltisch Port erobert. Hier haben die deutsche Luftwaffe und die deutsche Kriegs- 
marine der Sowjetflotte gewaltige Verluste beigebracht: 19 Truppentransporter und 10 Kriegsfahrzeu- 
ge wurden versenkt, 1 Schwerer Kreuzer und 6 weitere Kriegsschiffe wurden schwer beschadigt. 

Diese nuchterne Aufzahlung umreiBt eine Reihe beispielloser Siege. Es sind in erster Linie Waffen- 
taten der deutschen Truppen. Bei zahlreichen Gelegenheiten aber hat das Oberkommando der deut- 
schen Wehrmacht nicht versaumt, darauf hinzuweisen, daB sich auch die Truppen der verbundeten 
Machte hervorragend geschlagen haben. Rumanen, Finnen, Slowaken und Ungarn wetteiferten im 
heldenmutigen Einsatz mit den deutschen Divisionen. — Aus AnlaB der Befreiung Bessarabiens von 
bolschewistischer Zwangsherrschaft verlieh der Flihrer und Oberste Befehlshaber der deutschen 
Wehrmacht dem rumanischen Staatsfuhrer und Oberbefehlshaber deutscher und rumanischer Truppen, 
dem General Antonescu, das Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes. Der Flihrer nahm die Auszeichnung 
am 6. August an der Sudfront des ostlichen Kriegsschauplatzes personlich vor. — Am Ende des Mo- 
nats nach der Eroberung der karelischen Hauptstadt durch finnische Truppen verlieh der Fiihrer dem 
Oberbefehlshaber der finnischen Armee, Feldmarschall Mannerheim, ebenfalls das Ritterkreuz zum 
Eisernen Kreuz. Solche Ehrungen von Heerfuhrern der verbundeten Nationen fuhrten dem deutschen 
Volke und der Welt vor Augen, daB dieser Krieg, dessen Hauptlast zwar von der deutschen Wehr- 
macht getragen wird, eine Sache aller europaischen Volker ist. Dies BewuBtsein, im gegenwartigen 
Schicksalskampfe eine internationale Mission zu erflillen, hat immer tiefer im deutschen Volke Wur- 
zel geschlagen. 

Im August verlieh der Flihrer an weitere deutsche Fliegeroffiziere das Eichenlaub zum Ritterkreuz 
des Eisernen Kreuzes: Rittmeister Niemack, Kommandeur einer Aufklarungsabteilung in einer Infan- 
teriedivision fur seinen heldenhaften Einsatz im Ostfeldzug; Leutnant Bar erhielt diese Ehrung aus 
AnlaB seines 60. Luftsieges, Hauptmann Hahn, Kommandeur einer Jagdgruppe, aus AnlaB seines 42. 
Abschusses und Oberleutnant Philipp anlaBlich seines 62. Luftsieges. — Am 29. August meldete der 
Wehrmachtbericht 



;liiiisirlill,iii<i tm^amirF 2 

77 einen schmerzlichen Verlust: Hauptmann J o p p i e n, Inhaber des Eichenlaubes zum Ritterkreuz des 
Eisernen Kreuzes, Gruppenkommandeur in einem Jagdgeschwader, war nach seinem 70. Luftsieg vom 
Feindflug nicht zuriickgekehrt. Mit ihm verlor die Luftwaffe einen ihrer kiihnsten und erfolgreichsten 
Jagdflieger. 

Die englische Agitation versuchte wahrend der Zeit der groBen deutschen Erfolge im Osten der Welt 
einzureden, daB die Royal Air Force in einer Non-Stop-Offensive die deutsche Luftwaffe schwer be- 
drange, ihre Stiitzpunkte schwer beschadige und die deutsche Rustungsindustrie vernichtend treffe. 
Die Wirklichkeit sah allerdings ganz anders aus. Jedesmal, wenn die englischen Flieger tiber dem be- 
setzten Gebiet oder iiber Reichsgebiet erschienen, holten sie sich schwere Verluste. Um die Mitte des 
Monats, am 12. und 13. August, sind allein 60 britische Flugzeuge abgeschossen worden. An anderen 
Tagen waren die Ergebnisse von gleicher Hohe. Eine Addition der Verlustziffern der britischen Luft- 
waffe in der Zeit ihrer „Non-Stop-Offensive" vom 22. Juni bis 20. August ergibt die stattliche Summe 
von 931 Flugzeugen und 2800 Piloten. Demgegenuber stehen ganz minimale deutsche Verluste. Die 
EinbuBe an Maschinen ist fur die Englander sicherlich recht spiirbar, noch empfindlicher aber wird sie 
der Verlust an fliegendem Personal treffen, an dem die britische Luftwaffe ohnehin starken Mangel 
leidet. 

Am Ende des 2. Kriegsjahres zeigt sich dem deutschen Volke somit ein Bild, das jedes Vertrauen, 
auch das hochstgespannte, auf den Endsieg rechtfertigt. Nichts vermag dieses Volk von seinem mit 
Entschlossenheit eingeschlagenen Wege abzubringen, am wenigsten aber Schalmeienklange, die alt- 
bekannte Melodien in neuer Tonart lebendig werden lassen: wir meinen die Churchill - Rooseveltsche 
Atlantik-Erklarung ! „Heisere Trompeter" hat man mit Recht diese beiden Verschworer genannt, die 
Wilsons Programm in neuer Auflage der Welt und dem deutschen Volke offerierten. Der Nationalso- 
zialismus hat das deutsche Volk erkennen gelehrt, daB alles Ungluck Deutschlands in den Jahren 1918 
bis 1932 herriihrte von dem Vertrauen, das es auf das Wort eines amerikanischen Prasidenten gesetzt 
hat. 

Die Kommentare der deutschen Presse haben diese Roosevelt-Churchill-Erklarung scharf angegrif- 
fen und im richtigen Lichte dargestellt. Die wahre Absicht und die letzten Hintergriinde dieser Uber- 
einkunft hat aber Churchill wenige Tage spater durch eine neue Rede gedeutet, in der er eine Herr- 
schaft der englisch sprechenden Volker iiber alle Kontinente proklamierte. Einen Kommentar zu die- 
sen Worten stellte vollends der englisch-sowjetische Uberfall auf den Iran dar. Er demonstrierte dem 
deutschen Volk und der Welt in der Praxis, was von den amerikanisch-englischen Weltbegliickungs- 
planen zu halten ist. 

78 Demgegenuber steht die festfundierte Erklarung aus dem Fiihrerhauptquartier vom 31. August, die 
dem deutschen Volke Kunde gab von dem Treffen des Fiihrers mit dem Duce (siehe Seite 72). Hier 
an der Front, inmitten ihrer kampf enden Truppen hielten die beiden Staatsmanner Zwiesprache iiber 
den Stand der militarischen Operationen und iiber die Konsequenzen, die sich aus Siegen der deut- 
schen Waffen und aus der vernichtenden Niederwerfung der bolschewistischen Armeen ergibt. Als 
Wesentlichstes an dieser Erklarung aber wurden von der gesamten Weltpresse die Satze gewiirdigt, die 
sich auf die Organisation des Friedens und auf das Zusammenleben der europaischen Volker nach dem 
Kriege bezogen. Hier handelt es sich nicht um Phrasen, sondern um Worte, die gegriindet sind auf 
Tatsachen und Ereignisse, die aller Welt sichtbar sind,, die nicht von einer Gewaltherrschaft, sondern 
von einer gerechten und neuen Ordnung kiinden. Das deutsche und italienische Volk, dariiber hinaus 
aber auch alle Volker wissen, daB auf solchen Begegnungen Taten folgen, daB es nicht bei leeren pro- 
grammatischen Erklarungen bleibt, wie sie die Welt von den demokratischen Politikern seit Jahren 
kennt. 

Auf dem innerpolitischen Sektor hat der Fiihrer eine fur die Zukunft bedeutsame Entscheidung ge- 
troffen. Er hat fur alle Aufgaben der Wasser- und Energiewirtschaft eine Neuregelung unter einheitli- 
cher Leitung angeordnet. Die bisher in vier verschiedenen Ministerien liegenden Zustandigkeiten ge- 
hen an den vom Fiihrer bestellten „Generalinspektor fur Wasser und Energie" iiber. Dieser hat die 
Stellung und Befugnisse eines Reichsministers. Der Fiihrer ernannte zum „Generalinspektor fiir Was- 
ser und Energie" Reichsminister Dr. Ing. T o d t. Dr. Todt behalt seine bisherigen Aufgabengebiete 
bei. StraBenbau, Wasserbau, Energieausbau und Regelung der Bauwirtschaft sind damit durch diese 
Neuordnung im Interesse erhohter Leistung, einheitlicher Fiihrung des Personals und auch im Sinne 
wesentlicher Vereinfachung der Verwaltung zusammengefaBt. Die GroBe der Aufgaben, die nunmehr 
Dr. Todt in seiner Hand vereinigt, ist bisher einmalig. Die Perspektiven, die sich der Energiewirtschaft 
in den kommenden Jahren im Leben der europaischen Volker eroffnen, lassen dieses Aufgabengebiet 



;liiiisirlill,iii<i tm^amirF 3 

als besonders wichtig erscheinen. Die Bildung eines ersten groBen technischen Ministeriums wird die 
sich stellenden Probleme am ehesten zu meistern vermogen. Nicht nur fur Deutschland, sondern auch 
fur die besetzten Gebiete ist der neue, dem Reichsminister Dr. Todt erteilte Auftrag von besonderer 
Bedeutung, ermoglicht er doch den planmaBigen Einsatz der besten Ingenieure und die Zusammenfas- 
sung der wichtigsten Aufgaben in einer Hand. Daher werden fur die besetzten Gebiete keine Einzel- 
stellen fur Wasser, Kulturbau usw. vorgesehen, die von ver 

79 schiedenen Ressorts abhangig; sind, sondern es wird jeweils ein Ingenieur fur die Leitung der drei 
Arbeitsgebiete Wasser-, StraBen- und Kulturbau eingesetzt werden. Der dem Reichsminister erteilte 
Auftrag bietet einen besonderen Vorteil, als die Erzeugung von Aluminium, Treibstoff, Pulver, Brenn- 
stoff und Buna groBe Energiemengen voraussetzt, abgesehen davon, daB fur die Rustung ganz allge- 
mein die Schaffung neuer Energiequellen, ihre zweckvolle Ausnutzung sowie beste Verkehrswege 
uberaus wichtig sind. 

Im Bereich des Bildungswesens ist ein ErlaB des Reichserziehungsministers erschienen, der das 
schwierige Problem der richtigen Auslese der Schuler der Hauptschule fur die Oberschule bewaltigen 
soil. In diesem, Zusammenhang interessiert ein Aufsatz iiber die deutsche Hauptschule in der Zeit- 
schrift des NS-Lehrerbundes, den mit berufener Feder Dr. Roller, Gauhauptstellenleiter fur Erziehung 
und Unterricht in Oberdonau geschrieben hat. Aus. den Erfahrungen, die wahrend des 70 jahrigen 
Bestehens der Hauptschule im alten Osterreich gemacht worden sind, bestatigt Dr. Roller, daB das 
Verhaltnis zwischen Oberschule und Hauptschule stets ungetriibt war. Durch das gute Einvernehmen 
mit den Hauptschullehrern hatten sie einen tieferen Einblick in die Verhaltnisse der Hauptschulen 
erhalten, hatten ihre Bedurfnisse und Anforderungen kennengelernt. Wahrend die Oberschule in erster 
Linie zur Hochschulreife zu ftihren habe, bestehe die Aufgabe der Hauptschule darin, eine iiber das. 
Volksschulziel hinausreichende, abschlieBende Bildung zu vermitteln und ihre Schuler vor allem zum 
Eintritt in das praktische Leben, aber auch zum Ubertritt in weiterfiihrende Bildungsanstalten vorzube- 
reiten. Sie sei Lebensschule und habe nie eine „verkleinerte Oberschule" sein sollen. 

Auch die im Altreich so bekampfte und fur die Forderung der begabten Schuler so hinderliche 
Schulgeldbarriere der Oberschule habe in der Ostmark im Verhaltnis zur schulgeldfreien; 
Hauptschule so gut wie gar keine Rolle gespielt, da das Schulgeld an der Oberschule sehr niedrig ge- 
wesen sei. Im Altreich wiirden nun auch gewisse Verbindungen organisatorischer und lehrplanmaBiger 
Art zwischen alien Schulen geschaffen werden miissen. Die wirklich sozialen Schulgeldeinrichtungen 
der Ostmark miiBten beibehalten und auf das ganze Reich ausgedehnt werden. Die vollkommene 
Schulgeldfreiheit werde das End- ziel sein. 

Millionen deutscher Frauen leisten heute in Biiros, Fabriken, Rrankenhausern und vor allem auch in 
der Landwirtschaft einen zusatzlichen Dienst, in dem sie die Arbeitskraft der Manner ersetzen miissen. 
Aber auch an die Hausfrauen und die Mutter, die nicht in einem Rriegsberuf stehen, werden heute 
erhohte Anforderungen gestellt. Ihnen alien Erleichterungen zu schaffen. ist das Ziel des Deutschen 
Frauenwerks, 

80 dessen Mitglieder freiwillig und ehrenamtlich neben ihrer Arbeit Rriegseinsatz leisten. Wie groB die 
Bereitschaft zu diesem Rriegseinsatz ist, zeigt die Tatsache, daB seit Rriegsbeginn die Mitgliederzahl 
des Deutschen Frauenwerks um 20%, das sind 1,1 Millionen Mitglieder, stieg. In mehr als 200000 
Rursen wurden seit Rriegsbeginn 10350400 Frauen mit den besonderen Bedingungen der Rriegswirt- 
schaft in ihrem Wirkungskreis vertraut gemacht. Jede 10. Frau im Deutschen Frauenwerk hat z. B. 14 
Tage im Jahr in der Nachbarschaftshilfe gearbeitet. 4129 000 Frauen halfen jede 12 Sonntage oder 
eine entsprechend lange Urlaubszeit in der Ernte, 1 Million Frauen haben in 20 Millionen Stunden 
Arbeiterinnen von ihrem Arbeitsplatz abgelost, damit diese einen zusatzlich bezahlten Urlaub erhalten 
konnen. Dazu wurden IVz Millionen Mahlzeiten fur Rranke und Wochnerinnen gekocht. AuBerdem 
sind an Militartransporte auf den Heimatbahnhofen mehr als 8 Millionen Essensportionen ausgegeben 
worden. Und schlieBlich haben 353 000 Frauen in der Lazarettbetreuung ihren Teil am groBen Dienst 
erfiillt. So zeigt dieser Ausschnitt aus der Arbeit des Deutschen Frauenwerks einen Teil des Rriegsein- 
satzes, zu dem sich alle Schichten des Volkes verpflichtet fiihlen. 

Auch das tschechische Volk, das im Schiitze der deutschen Waffen ruhig seiner Arbeit nachgehen 
kann, hat in weiten Rreisen den Wunsch, seinen Beitrag zu leisten am Schicksalskampf, der von den 
deutschen Waffen fur ganz Europa ausgefochten wird. Eine unter der tschechischen Bevolkerung des 
Protektorats durchgefiihrte Sammlung zugunsten des Deutschen Roten Rreuzes hat einen Betrag von 
4,35 Millionen Reichsmark erbracht. Staatsprasident Dr. H a c h a und die Regierung des Protektorats 
stellten hierzu in zwei Rundgebungen fest, daB mit diesem Ertrag das Ergebnis der gleichen Samm- 



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lung im Vorjahre betrachtlich iibertroffen wurde, und daB insbesondere auch die Zahl der kleinen 
Spender stark angestiegen sei. Die Sammlung sei ein beredtes Zeugnis daflir, daB das tschechische 
Volk auf den Boden der realen Erfassung seiner Lage beharre und sich in keiner Weise von dem Wege 
der Arbeit der Ruhe und der Ausdauer abbringen lasse. Die tschechische Bevolkerung habe damit ihr 
Verstandnis fur den groBen Kampf bekundet, den das Deutsche Reich gegenwartig ftihrt. — Am 2. 
August fand in Luxemburg eine GroBkundgebung der Volksdeutschen statt. Auf ihr sprach Dr. Ley, 
der in groBen Ziigen den Schicksalskampf des deutschen Volkes vor seinen Horern schilderte. Die 
Entwicklung und die Festigung der Volksdeutschen Bewegung in Luxemburg, die durch diese macht- 
volle Kundgebung groBartig demonstriert wurde, zeigt, daB das Deutschtum auch auf diesem Vorpo- 
sten des Reiches vorwartsschreitet. 

81 Am 12. August wurde aus Krakau gemeldet, daB der bisher unter Militarverwaltung stehende Teil 
des fruheren polnischen Galizien unter die Verwaltung des Generalgouverneur Dr. Frank gestellt wur- 
de. Der Militarbefehlshaber von Lemberg, General von Roques, ubertrug seine Funktion an den Gene- 
ralgouverneur, Reichsminister Dr. Frank, im Beisein von Vertretern der Wehrmacht, von Abordnun- 
gen der verbundeten slowakischen Armee mit ihrem Oberkommandierenden, General Catlos, und der 
verbundeten konigl. ungarischen Armee mit Feldmarschalleutnant von Scombathelyi. Zu den bisher 
bestehenden vier Distrikten des Generalgouvernements: Krakau, Warschau, Radom und Lublin ist 
damit ein funfter getreten. An seine Spitze hat Reichsminister Dr. Frank den bisherigen Chef des Di- 
strikts Radom, Gouverneur Dr. Karl Lasch, berufen, an dessen Stelle in Radom der bisher in der Re- 
gierung des Generalgouvernements als Unterstaatssekretar tatige Ernst K u n d t trat, der aus dem su- 
detendeutschen Freiheitskampfe bekannt ist. Der neue Distrikt umfaBt die ehemaligen polnischen Wo- 
jewodschaften Lemberg, Tarnopol und Stanislau. Er weist eine Bevolkerung von etwa 6 Millionen 
Menschen auf. Dadurch hat sich die Einwohnerzahl des Generalgouvernements auf etwa 1 8 Millionen 
Einwohner erhoht. Amtssitz des Distriktschefs ist Lemberg. Mit dieser VerwaltungsmaBnahme ist 
Galizien wieder in die europaische Kulturgemeinschaft eingegliedert, aus der es durch den Bolsche- 
wismus herausgedrangt worden war. Der deutschen Verwaltung harrt in Galizien eine gewaltige Auf- 
gabe. Man denke nur allein an die riesigen Probleme, die die Wiedereinfiihrung des Privateigentums 
nach der Enteignung samtlicher Hauser, Geschafte, Landbesitzungen und Industrieunternehmungen 
mit sich bringt. Wie weitgehend die gesamte Bevolkerung dieses Gebietes bewuBt proletarisiert wor- 
den ist, geht daraus hervor, daB die Bolschewisten im November 1939 von einem Tage zum andern 
das polnische Geld als Zahlungsmittel abschafften, ohne daB die Moglichkeit des Umtausches bestand, 
so daB mit einem einzigen Federstrich samtliche Ersparnisse und Barvermogen vernichtet wurden. 

Um die Mitte des Monats August fand in Krakau ein Generalmitgliederappell der Nationalsozialisti- 
schen Deutschen Arbeiterpartei statt. Dr. Frank umriB auf einer GroBkundgebung die bisher geleistete 
Arbeit und den bis jetzt vollzogenen organisatorischen Aufbau der Partei und der Verwaltung im Ge- 
neralgouvernement. Die Partei sei hier im Osten das Riickgrat der Gesinnung jedes einzelnen und da- 
mit der Garant fur die Zukunft des Ganzen. Dr. Frank bezeichnete es als vornehmste Aufgabe der Par- 
tei, einen harten, verantwortungsvollen Typ von deutschen Menschen zu erziehen, denn hier im Osten 
gelte nicht die Theorie, sondern einzig und allein die harte praktische Arbeit. Im Rahmen dieses Deut- 
schen Tages 

82 sprachen u. a. Dr. Ley, Frau Scholtz-Klinck und Reichshauptamtsleiter Sundermann. Seinen 
Hohepunkt fand dieser Deutsche Tag mit einem Appell der politischen Leiter vor Dr. Ley auf dem 
Burghof. Generalgouverneur Dr. Frank lieB ihn ausklingen mit einer Heldenehrung. 

Zum AbschluB einer Gauschulungswoche sprach in der Bremer Kampfbahn Reichsleiter Alfred Ro- 
senberg vor vielen tausend Bremern. Reichsleiter Rosenberg stellte am Eingang seiner Rede die fur 
den Schicksalskampf so bedeutsame Frage, ob dieser Krieg notwendig gewesen oder ob er irgendwie 
zu vermeiden gewesen sei. Diese Frage, so sagte er, ist tatsachlich fiir den Kampf und das ganze iibri- 
ge Leben des Einzelnen entscheidend. Denn es ist nicht gleichgultig, wie eine Nation diese Frage be- 
antwortet. Rosenberg schilderte sodann in groBen Ziigen das Bemiihen des Fiihrers, immer wieder 
sichere Grundlagen fiir einen dauernden Frieden zu linden. Systematisch und bewuBt haben aber zur 
gleichen Zeit alle Feinde an der Vernichtung der deutschen Nation gearbeitet. Der Fiihrer selbst hat in 
Erkenntnis dieser Gefahr iiber Deutschland gewacht, und gerade in diesen Wochen erlebten wir, wie 
notwendig diese Wachsamkeit gewesen sei, wie bedroht Deutschland und der ganze europaische Kon- 
tinent gewesen seien. Wenn nun die demokratischen Politiker iiber dem Atlantik die alten verlogenen 
Parolen von einst wieder aufleben lassen wollten, so wisse das deutsche Volk aus bitterer Erfahrung, 
was es davon zu halten habe. „Als dieser Krieg uns aufgezwungen wurde", so schloB Reichsleiter Ro- 



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senberg, „hatten wir vor der Weltgeschichte nur die eine Wahl: entweder zu kampfen oder kampflos 
zu fallen. Nicht wir sind unersattlich, sondern sie, die die halbe Welt beherrschen und nun noch ein 
80-MillionenVolk versklaven wollen." 

Die Fragen kriegsbedingter, standig zunehmender Arbeitsflille, die von der Partei der NSV ubertra- 
gen worden sind, veranlaBten um die Monatswende Juli/ August Oberbefehlsleiter Hilgenfeldt, zu einer 
Besprechung in der Gauschule der NSV in Berlin- Wannsee einzuladen. Immer starker, so ftihrte er vor 
den Anwesenden aus, trete in den Mittelpunkt der Aufgaben die fachliche Vertiefung der volkspflege- 
rischen Arbeit der NSV. Der reiche Arbeitsanfall machte es notwendig, daB die ehrenamtliche Tatig- 
keit weiter ausgedehnt wurde, und so sind heute trotz des Krieges insgesamt 150 000 Blockwalter und 
Blockwalterinnen in der volkspflegerischen Arbeit mehr eingesetzt als im Frieden. Die Ausbildung 
von Fachkraften hat weiterhin 10 000 ausgebildete Mitarbeiter in die NSV-Arbeit einschalten konnen. 
Vor allem sind es die Strukturveranderung mancher Gaue und die Volkstumsfragen in Grenzgebieten 
sowie die gesundheitliche Betreuung in den neuen Gauen, die das Gesetz und das Arbeitstempo der 
volkspflegerischen Tatig 

83 keit bestimmen. Die groBen Gesichtspunkte dieser vielfaltigen Arbeitsgebiete verlangen vor allem eine 

groBere Zahl verantwortungsbewuBter Volkspflegerinnen und Schwestern. Man werde in Zukunft die 
sozialpflegerischen Frauenberufe noch starker in den Mittelpunkt der Berufswahl stellen mtissen. Hier 
habe die Nachwuchslenkung ganzbesondere Aufgaben zu erfullen. 

Reichsminister S e 1 d t e gibt in einem Aufsatz in der neuen europaischen Wirtschaftswochenzei- 
tung „Europa-Kabel" eine Leistungsbilanz liber den Arbeitseinsatz im Westen. Die Arbeitseinsatzver- 
waltung hatte in den Westgebieten aus dem Nichts in kiirzester Zeit geschaffen werden miissen. Ob- 
gleich man sich bei der Organisation auf deutscher Seite auf ein MindestmaB beschrankte, konnten 
auBerordentliche Erfolge erzielt werden. AuBer der Bereitstellung von Arbeitskraften fur die Land- 
wirtschaft, fur die noch im vorigen Herbst mit einem Fehlbetrag von 400 — 500000 gerechnet wurde, 
konnten aus dem Gebiet des Militarbefehlshabers in Frankreich bisher etwa 70000 Arbeiter nach dem 
Reich vermittelt werden, wobei der Prozentsatz der Nationalfranzosen dauernd gestiegen ist, der heute 
rund 80% betragt. Wahrend im November 1940 im besetzten Frankreich noch iiber eine Million Ar- 
beitslose gezahlt wurden, ist die Zahl jetzt auf 120 000 mannliche Arbeitslose gesunken. Aus Holland 
sind fur den Einsatz in Deutschland 156 000 niederlandische Arbeitskrafte geworben worden, wozu 
noch 27 000 Vermittlungen in die besetzten Westgebiete sowie weitere 40 000 zu wichtigen kriegs- 
wirtschaftlichen Arbeiten kommen. Auch die Arbeitslosigkeit in Belgien, die wahrend der Kriegstage 
auf 600 000 hinaufschnellte, habe jetzt den Stand der Arbeitslosigkeit des gleichen Monats im Jahre 
1938 bereits um 200 000 unterschritten und betrage nur etwa 86 000 Arbeitslose. Auch aus Belgien 
sind 190 000 Arbeitskrafte fur den Einsatz in Deutschland angeworben worden. Reichsarbeits minister 
Seldte schlieBt seine Ausfuhrungen mit dem Hinweis auf die Leistungen, die damit die deutsche Ar- 
beitseinsatzverwaltung in den besetzten Westgebieten nicht allein fur das Reich, sondern auch zum 
Wohle dieser Lander selbst aufweisen kann. 

Eine Ausstellung, die Beachtung verdient wegen der Breite des Fundaments, auf der sie gegriindet 
ist, wurde in Koln am 16. August eroffnet. Es ist die Ausstellung „Seefahrt ist not", die wie der 
gleichnamige Schulerwettbewerb von der Reichswaltung des NS-Lehrerbundes in Verbindung mit 
dem Oberkommando der Kriegsmarine veranstaltet wird. Millionen deutscher Jungen und Madel 
machten diesen Wettkampf mit. Die Ausstellung zeigt in den Kolner Messehallen 20 000 der besten 
Arbeiten, die aus einigen hunderttausend Einzelarbeiten ausgewahlt sind. Gebietsfuhrer Hohoff erklar- 
te vor den Gasten der Ausstellungseroffnung, daB die Hitlerjugend die Nachwuchssicherung fur die 
Kriegsmarine und die Handelsmarine als 

84 eine besonders wichtige Aufgabe betrachte. Vizeadmiral Warzecha wtirdigte in warmen Worten die 
groBe Arbeit, die in diesem Wettbewerb von Erzieherschaft und Jugend geleistet wurde — eine Arbeit, 
die in der Stille getan worden sei und die nun um so glanzender vor die Offentlichkeit trete. Die ei- 
gentliche Eroffnung der Ausstellung nahm Gauleiter Wachtler, der Reichswalter des NS- 
Lehrerbundes, vor. 

Der Ftihrer hat, so meldete am 2. August das „Deutsche Nachrichtenburo", den Obergeneralarbeits- 
ftihrer Konteradmiral z. V. B u s s e als Nachfolger des verstorbenen Admirals Staatsrat v. Trotha zum 
Leiter des Reichsbunde' Deutscher Seegeltung ernannt. 

In der Leitung des Deutschen Auslandsinstituts in Stuttgart ist in der letzten Zeit eine Anderung 
eingetreten. Am 20. August wurde gemeldet, daB zum neuen Leiter des Deutschen Auslandsinstituts 
Dr. Hermann Rudiger berufen worden sei, der bisher schon Stellvertre tender Leiter des Instituts gewe- 



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sen ist. Der bisherige Direktor des DAI, Dr. C s a k i, libernimmt den wissenschaftlichen Ausbau und 
die Intensivierung der Auslandskunde, namentlich im Rahmen der Arbeitsgemeinschaft fur Auslands- 
kunde an den wurttembergischen Hochschulen sowie die Neuplanung des auslandskundlichen Muse- 
umswesens. 

Vor einem kleinen Kreise geladener Gaste machte Reichsintendant Dr. G 1 a s m e i e r bemerkens- 
werte Mitteilungen iiber die Rundfunkarbeit im Kriege und liber Neuerungen, die in technischer Hin- 
sicht aber audi in der Programmgestaltung demnachst ihren Ausdruck finden werden. Wahrscheinlich 
schon im September werde das Wunschkonzert in seiner bewahrten Form wieder aufgenommen wer- 
den. Die Truppenbetreuung betrachte der deutsche Rundfunk als eine seiner vornehmsten und zugleich 
dankbarsten Aufgaben. Uber den Auslandsrundfunk gab Dr. Winkeinkemper interessante Einzelheiten 
bekannt. Die Leistungen, die der Auslandsrundfunk taglich vollbringe, ubersteigen alle Vorstellungen. 
Allein die deutschen Europasender, die taglich in 27 verschiedenen Fremdsprachen senden, bewalti- 
gen ein Programm, das ein Vielfaches der Sendeleistung eines Reichssenders darstellt. Hinzu komme 
der Deutsche Kurzwellensender, der, in verschiedene Regionen gegliedert, bis in die entferntesten 
Winkel der Erde reiche. Eine groBangelegte Abhoreinrichtung, die alle wichtigen auslandischen Sen- 
der kontrolliere, insbesondere den Nachrichten- und Propagandadienst der Feindmachte, versetze den 
deutschen Auslandsrundfunk in die Lage, sich taglich ein klares Bild der feindlichen Propagandaab- 
sichten zu verschaffen und darauf entsprechend zu reagieren. So sei es dem deutschen Rundfunk ge- 
lungen, die vom Feinde beabsichtigte geistige 

85 Blockade Deutschlands zu durchbrechen. Die deutsche Rundfunkpropaganda stelle eines der 
wirksamsten Kampfmittel in diesem Kriege dar. Als interessante technische Neuerung wurde bei die- 
ser Gelegenheit das neue Magnetophonverfahren gezeigt, ein neues Tonaufzeichnungssystem, das von 
der AEG im engsten Einvernehmen mit dem Rundfunk entwickelt worden ist. Es lost die Schallplatte 
und die Lichttonaufzeichnung ab und setzt an die Stelle der bisherigen Verfahren das magnetisierbare 
Filmband, das sowohl technisch wie auch kunsflerisch den bisherigen Tonaufzeichnungsverfahren 
weit uberlegen ist, zumal es praktisch leichter zu handhaben und bedeutend billiger ist als die Wachs- 
platte oder das tonende Lichtband. 

Die innere Verbundenheit zwischen Deutschland und dem faschistischen Italien kommt in verschie- 
denen Besuchen namhafter Italiener zum Ausdruck, die sie auch im Laufe des Monats August im 
Reich abstatteten. So empfing Reichsminister Dr. Goebbels verschiedene italienische Journalisten, die 
sich auf einer Deutschlandreise befinden: den Direktor der „Gazetta del Populo", Bertuetti, den Haupt- 
schriftleiter des „Popolo d'ltalia", Dr. P i n i, und den militarischen Schriftleiter der gleichen Zeitung, 
General Fetterappa, sowie den auBenpofitischen Schriftleiter der „Tribuna , Prof. P u c c i o. — Am 
21. August suchten der Chef der Abteilung Wehrmachtpropaganda im Oberkommando der italieni- 
schen Wehrmacht, Oberst der Luftwaffe V e c c h i, der Chef der Propagandaabteilung im italieni- 
schen Luftfahrtministerium, Oberstleutnant Cepeccione, und der Korvettenkapitan M a z e 1 1 i von 
der Propagandaabteilung des italienischen Marineministeriums Reichsminister Dr. Goebbels auf. — 
Am 26. August trafen 64 Jugendfuhrer der ungarischen Jugendorganisation zu einem mehrtagigen 
Besuch in Berlin ein, nachdem sie sich schon 14 Tage im Deutschen Reich aufgehalten hatten. Nach 
einem kurzen Aufenthalt in Wien hatten die ungarischen Jugendfuhrer der Stadt der Reichsparteitage 
einen Besuch abgestattet und waren dann iiber Jena nach Weimar gefahren, von wo aus sie das Ge- 
bietsausbildungslager Bad Berka und das Segelfliegerlager der Hitler- Jugend in Blankenhain (Thlirin- 
gen) besuchten und mit Einrichtungen und Organisationsformen der Hitler-Jugend bekanntgemacht 
wurden. Zum AbschluB ihrer Reise fuhren die ungarischen Jugendfuhrer nach Breslau, um dort den 
Sommerkampfspielen der Hitler-Jugend beizuwohnen. 

Nachdem Ende Juli mit der „Gotterdammerung" als der letzten „Ring"-Vorstellung die diesjahrigen 
Kriegsfestspiele in Bayreuth zu Ende gegangen waren, begannen am 2. August die Salzburger Fest- 
spiele. Auch sie standen im Zeichen des Dankes an die deutsche Wehrmacht. 20 000 Platze sind in 
Salzburg fur 

86 Soldaten reserviert worden, aber auch Manner der Organisation Todt und des Arbeitsdienstes sind 
eingeladen worden. Fur die Auswahl der Gaste waren Musikverstandnis und Vorliebe fur hervorra- 
gende Darstellungskunst maBgebend. Bevorzugt wurden in erster Linie Trager von Kriegsauszeich- 
nungen und genesende Verwundete. Die Festspielgaste sahen stets zwei Vorstellungen, da sich ihr 
Besuch in Salzburg auf zwei Tage erstreckte. Vorgesehen waren insgesamt 16 Opernauffuhrungen von 
Mozarts „Zauberflote", „Don Giovanni", „Figaros Hochzeit" und des „Rosenkavaliers" von Richard 



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StrauB, 6 Schauspielvorstellungen von Shakespeares „Viel Larm um nichts" sowie verschiedene Kon- 
zerte. 

Ein eindrucksvoller Beweis fiir die Anziehungskraft, die die Kunst auch in Zeiten des Krieges auf 
breite Massen des deutschen Volkes ausiibt, sind die Besucherzahlen, die auch in diesem Jahre das 
Haus der Deutschen Kunst aufzuweisen hat. Seit der am 26. Juli erfolgten Eroffnung der Ausstellung 
halt der gegeniiber dem Vorjahr noch erheblich verstarkte Besucherandrang unvermindert an. In 14 
Ausstellungstagen haben nicht weniger als 100 000 Volksgenossen die Ausstellung besucht. Die 
Schau hat auch in diesem Jahre einen ungewohnlich starken Verkaufserfolg zu verzeichnen. Bisher 
wurden 380 Werke, also beinahe die Halte aller ausgestellten Arbeiten verkauft. Der der Kiinstler- 
schaft hieraus zuflieBende Betragerlos betragt 1,5 Millionen Reichsmark. 

Ein Jubilaum besonderer Art verzeichnete der deutsche Film im Monat August: In den ersten Au- 
gusttagen lief zum ersten Male die 100. Kriegswochenschau iiber die Leinewand. Dieses Ereignis ist 
erwahnenswert, besonders, wenn man bedenkt, welch ungeheuer wichtige Rolle als Vermittler des 
Kriegserlebnisses die deutsche Wochenschau in diesem Kriege ubernommen hat. All die groBen Erei- 
gnisse vom ersten Kriegstage an sind durch die Wochenschauen Millionen und aber Millionen nahe- 
gebracht worden. Der heldenmiitige Kampf der deutschen Armeen an alien Fronten ist durch sie jedem 
einzelnen Deutschen in seiner GroBe und in seiner Schwere zum BewuBtsein gebracht worden. Wenn 
das deutsche Volk leidenschaftlichen Anteil nimmt an dem Geschehen drauBen, so ist das nicht zuletzt 
ein Verdienst der Wochenschauen, die unter Einsatz des Lebens der Kameramanner aufgenommen 
worden sind. Die 100. Kriegswochenschau, die noch unter dem Eindruck der iiberwaltigenden deut- 
schen Siegesmeldungen vom ostlichen Kriegsschauplatz stand, zeigte den Ftihrer und Obersten Be- 
fehlshaber an der Front im Osten, sie brachte eindrucksvolle Aufnahmen von alien Teilen der Ostfront, 
von dem Einsatz der Luftwaffe und auch vom verantwortungsvollen und schwierigen Werk der Orga- 
nisation Todt. 

Im Kunstlerhaus zu Munchen fand im August die 8. Tagung der Auslandslektoren der Deutschen 
Aka 
87 demie statt. Der Rektor der Universitat Munchen, Prof. Dr. Walther Wiist, stellvertretender President, 
stellte dabei fest, daB sich die Deutsche Akademie im Laufe der letzten Jahre in sehr starkem MaBe 
entwickelt und im In- und Auslande mit ihrer Arbeit weitgehendste Beachtung gefunden habe. Die 
Kulturarbeit der deutschen Akademie und besonders ihre Ausstrahlung ins Ausland ist wahrend des 
Krieges nicht nur machtvoll vorwarts getrieben worden, sie hat auch einen tieferen Sinn bekommen. 
Deutschland schicke sich an, ein neues Europa aufzubauen. In diesem Kampf hat auch die deutsche 
Akademie ihren Platz. Die Lektoren sollten nicht Sprachlehrer im verflachten Sinne des Wortes sein, 
sondern ausgezeichnete Methodiker, sattelfeste Germanisten, Kenner der auswartigen Kulturpolitik, 
Sendboten des geistigen Deutschland. Der Leiter der Abteilung Auslandslektorate, Dr. Heinz Nitsch- 
ke, umriB im einzelnen die besonderen Aufgaben eines Lektors. Er solle an seinem Platz im Auslande 
Sprachlehrgange fiir erwachsene Auslander veranstalten, die an der deutschen Kultur anteilnehmenden 
Menschen um sich sammeln und allmahlich ein deutsches Haus entstehen lassen, das alien Menschen 
offen steht, denen deutscher Geist etwas zu sagen hat. Hochster Sinn und Zweck der Auslandsarbeit 
bestehe darin, unserer heiligen deutschen Muttersprache zu dienen und fiir sie in aller Welt zu werben. 

Der Goethepreis der Stadt Frankfurt a. M. wurde in diesem Jahre dem Dichter Dr. h. c. Wilhelm 
Schafer verliehen. Damit erfuhr ein Dichter eine verdiente Ehrung, der seit langem in der Reihe derje- 
nigen Manner steht, die Zeit ihres Lebens in ihrer Kunst bewuBt aus dem Volksganzen und fiir dieses 
Ganze gewirkt haben. 

Am 1. August konnte Reichspressechef Dr. Dietrich auf eine 10 jahrige Tatigkeit als Reichspresse- 
chef der NSDAP zuriickblicken. Die deutsche Presse wiirdigte anlaBlich dieses Tages die Arbeit und 
die Leistungen Dr. Dietrichs. Auch die Presse der befreundeten Nationen widmeten dem Reichspres- 
sechef anerkennende Worte, die seine Arbeit umrissen. So stellte der „Popolo d'ltalia" zu der 10 jahri- 
gen Tatigkeit Dr. Dietrichs als Reichspressechef fest, daB er stets die Liigen der plutokratischen Presse 
aufs heftigste bekampft und schon lange vor dem Kriege die gefahrlichen Auswirkungen ihrer verant- 
wortungslosen Hetze aufgezeigthabe. 




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Aiiiljiriuiiiiiilliiilk 

88 Im Monat August haben Deutschlands Politik und Kriegfiihrung mit der unerbittlichen Konsequenz 
und Zahigkeit, die sie kennzeichnen, das begonnene groBe Werk erfolgreich fortgesetzt. Der Kampf 
gegen den Bolschewismus hat zu neuen gewaltigen Erfolgen gefiihrt, die am 22. August, am Ende des 
zweiten Kriegsmonats gegen den Bolschewismus wie folgt unterstrichen werden konnten: Nach 
zweimonatiger Dauer 
des Ostfeldzuges steht die deutsche Wehrmacht mit ihren Verbiindeten in ungebrochener Kraft tief in 
Feindesland. Auf der gesamten Front sind die Operationen in vollem FluB. In der Sudukraine werden 
die letzten Stiitzpunkte des Gegners am Dnjepr planmaBig und unter schwersten Verlusten des Ge- 
gners beseitigt. Nordwestlich Kiew weicht der Feind hinter den Dnjepr. Im Raum ostwarts Gomel 
wird die Verfolgung des geschlagenen Gegners fortgesetzt. An der Front vor Leningrad und in Estland 
kampfen sich unsere Truppen stetig vorwarts. Auch die Angriffe an der finnischen Front beiderseits 
des Ladogasees gewinnen taglich an Boden. In einer Folge schwerer Vernichtungsschlage hat die So- 
wjetwehrmacht unvorstellbar blutige Verluste erlitten. Seit Beginn des Feldzuges sind nunmehr iiber 1 
250 000 Gefangene eingebracht, rund 14000 Panzerkampfwagen und 15000 Geschiitze erbeutet oder 
vernichtet worden. Die Sowjetluftwaffe verlor insgesamt 11 250 Flugzeuge; davon wurden 5633 am 
Boden zerstort, die iibrigen in Luftkampfen und durch Flakartillerie abgeschossen. AuBerdem wurde 
schon jetzt der feindlichen Kriegsfuhrung durch die Wegnahme wichtiger Rohstoff- und Industriege- 
biete schwerster Schaden zugefugt. 

Bis zum Ende des Monats August war der untere Dnjeprbogen und das ganze darin liegende reiche 
Industriegebiet in deutscher Hand. Die Sowjets hatten das erste ihrer fur die Kriegswirtschaft lebens- 
wichtigen Industriegebiete verloren. Im Norden war die Sauberung Lettlands und Estlands vollendet 
oder im Gange und zeichnete sich der konzentrische Angriff auf Leningrad ab. Konnte man Ende Juli 
feststellen, daB die im Aufmarsch begriffenen Angriffsarmeen Moskaus zerschlagen, die beiden Befe- 
stigungslinien, 

89 die erste an den deutschen Grenzen liegend, und die zweite, hinter der alten Grenze der Sowjetunion 
errichtete Stalinlinie, durchstoBen und damit der Zugang zur inneren Sowjetunion aufgebrochen war, 
so brachte der Monat August die Eroberung der Ukraine bis zum Dnjepr, den Besitz des ersten groBen 
Industriegebietes der Sowjets und eines bedeutenden Teiles der Schwarzmeerkuste. Der deutsche 
Vormarsch hatte auf der ganzen Front zwischen Ostsee und Schwarzem Meer eine Tiefe von 700 bis 
800 km und dariiber erreicht und war iiberall in weiterem Fortschreiten. 

Die bedrohliche Lage der Bolschewiken verursachte in Moskau selbst und bei den Verbiindeten und 
Helfern in London und Washington die groBten Besorgnisse, die mit propagandistisch bedingtem 
Zweckoptimismus abwechselten, wenn der deutsche Vormarsch zeitweilig langsamer fortschritt oder 
an einzelnen Stellen der Front verhielt. Dann wurden abwegige Vergleiche mit Napoleons RuBland- 
feldzug von 1812 gezogen, bei denen die wesentlichsten Vergleichspunkte absichtlich iibersehen oder 
verdreht wurden. Die wesentlichsten Unterschiede zwischen damals und heute sind, daB Napoleon auf 
einer StraBe iiber Smolensk nach Moskau vorstieB und sich dadurch im russischen Raum verlor, wah- 
rend sich der deutsche Vormarsch auf der ganzen Front vom Eismeer bis zum Schwarzen Meer voll- 
zieht, und die ganze gewaltige Landermasse, die von den deutschen und verbiindeten Truppen durch- 
schritten wird, gleichzeitig militarisch gesaubert, verkehrlich organisiert und wirtschaftlich nutzbar 
gemacht wird. Wahrend sich die russische Armee 1812 Napoleon nicht zum Kampf stellte, ist mit dem 
deutschen Vormarsch die systematische Vernichtung der bolschewistischen Millionenarmeen und 
ihres in vielen Jahren durch Sklavenarbeit und Entbehrungen von 180 Millionen Menschen erzeugten 
Kriegsmaterials erfolgt. Wie eine riesige, unwiderstehlich einmal schneller, dann wieder langsamer 
sich vorwartsbewegende Maschine greift die deutsche Wehrmacht mit ihren Verbiindeten iiber den 
sowjetrussischen Raum, zertriimmert die Angriffs- und Verteidigungskraft der bolschewistischen Hee- 
re und unterwirft das von der bolschewistischen Herrschaft befreite Gebiet dem politischen Willen 



;liiiisirlill,iii<i tm^amirF 9 

Deutschlands und seiner Verbiindeten. Die Organisierung und Ordnung des gewonnenen Raumes ist 
mit den modernen Verkehrsmitteln ein durchaus losbares Problem. Uberblickt man am Ende von zwei 
Monaten Krieg im Osten die militarischen Ereignisse seit dem 22. August, so kann man sie kaum an- 
ders als wie den Gang eines eisernen, unabwendbaren Schicksals empfinden, das sich am Bolsche- 
wismus vollzieht. 

Wenn die angelsachsischen Pluto kratien den Beginn der militarischen Auseinandersetzung mit dem 
Bolschewismus freudig begriiBt hatten in der Hoffnung, dieser Kampf werde Deutschlands Krafte 
verzehren und von ihm nicht gewonnen werden, und er werde eine sofortige und dauernde fuhlbare 
Entlastung 

90 fur England bedeuten, so wurden diese Hoffnungen schwer enttauscht. Kaum zwei Monate nach 
Beginn der Auseinandersetzung im Osten sah sich Churchill veranlaBt, sich in aller Heimlichkeit mit 
Roosevelt im Atlantik nahe der USA-Kiiste zu treffen, um iiber die Lage zu beraten, weitere Hilfe zu 
fordern und nach Auswegen aus den Schwierigkeiten zu suchen. Dieses Zusammentreffen war ein 
deutlicher Hinweis auf die Lage am Ende des zweiten Kriegsjahres, an das uns der Ablauf des Monats 
August herangeftihrt hat. 

Jedem sind die politischen und militarischen Erfolge der Achse in den zwei ersten Kriegsjahren ge- 
genwartig. Man braucht sie nicht im einzelnen aufzuzahlen, und ein Blick auf die Karte Europas, wie 
sie in diesen zwei Jahren gestaltet worden ist, vermag jedem die GroBe der Ereignisse, unserer Erfolge 
und die der gegnerischen Niederlagen vor Augen zu fiihren. Auch die letzte Karte Englands auf dem 
Kontinent, die bolschewistische, hat sich als schlecht erwiesen; sie sticht nicht, und der Zeitpunkt, wo 
sie ebenso wie friiher die polnische, franzosische, serbische und griechische aus dem Spiel ausfallt, ist 
bereits in Sicht. Da bleibt fur England nur eine Hoffnung, die Hilfe der Vereinigten Staaten, besser 
gesagt, Roosevelt und seine Hintermanner und die vage Spekulation auf die Auswirkungen der Blok- 
kade auf Wirtschaft und Psychologie der Achsenvolker. 

Churchills Reise zu Roosevelt erhalt dadurch ihren Sinn als Bittgang in der Not, als Reise zum letz- 
ten Freund, als Griff nach dem letzten Hoffnungsanker. Nachdem alles und alle versagt haben, sollen 
die Vereinigten Staaten in allem und jedem helfen. Aber sie mtissen zunachst sich selbst helfen, d. h. 
ihre eigene Rustung entwickeln, sie miissen England helfen und China und jetzt auch noch RuBland. 
Eines der Gesprachsthemen zwischen Churchill und Roosevelt war denn auch zugegebenermaBen, wie 
man England und den Bolschewisten gleichzeitig helfen konne und was Churchill eventuell entbehren 
konnte, damit es Stalin zugute kame. Freilich kann man sich des Eindrucks nicht erwehren, daB diese 
Hilfe fur Stalin in erster Linie ein Propagandatrick ist. Wies doch die Presse in England und USA im- 
mer wieder darauf hin, daB es, abgesehen von der Bereits tellung des Kriegsmaterials fur die Sowjets, 
so sehr schwierig sei, dieses Kriegsmaterial nach RuBland zu bringen. Tatsachlich muB man, wenn 
man die gewaltigen Verlustziffern der Bolschewiken an Kriegsmaterial und Gefangenen sich verge- 
genwartigt, fragen, wie diese Verluste zunachst produktionsmaBig von England und USA ersetzt wer- 
den konnten, vor allem aber, wie sie auf die Schlachtf elder des Ostens gebracht werden konnten. Dies 
ist, da weder vom Eismeer noch vom Schwarzen Meer etwas nach der Sowjetunion gelangen kann, 
und also nur die transsibirische Bahn zur Verfugung 

91 steht, ein unlosbares Problem. Deshalb hat man offenbar einen anderen Weg im Auge, den tiber den 
Vorderen Orient, iiber den Irak und Iran, den Kaukasus und die Landbriicke zwischen dem Schwarzen 
und Kaspischen Meer. 

Auch hier steht freilich nur eine eingleisige Bahn von geringer Leistungsfahigkeit zur Verfugung 
und miissen Entfernungen von 2000 km und mehr allein auf dem Landweg zuriickgelegt werden. Ob 
im iibrigen die Englander, wenn sie Hilfe fur RuBland sagen, ihrer Gewohnheit entsprechend, nicht 
etwas ganz anderes meinen, in diesem Falle Ausdehnung des Glacis vor den Olquellen des Iraks und 
Irans und zum Schutz Agyptens und des Suezkanals und, wenn der deutsche Angriff bis zum Kauka- 
sus vorgedrungen ist, die Zerstorung der sowjetrussischen Olfelder nach dem Vorbild der Zerstorung 
der rumanischen Olquellen wahrend des Weltkrieges, ist noch wieder eine andere Frage. Vor allem 
aber soil durch die laut verkiindete „Hilfe fur die Sowjetunion" deren Kampf- und Opferbereitschaft 
gesteigert werden. Sie hat fur England und USA propagandistisch einmal den Sinn, die Sowjets selbst 
widerstandsbereiter und ausdauernder zu machen, sodann die Kommunisten in der ganzen Welt fiir 
den Krieg der ansonsten verhaBten Plutokratien zu gewinnen, schlieBlich dem eigenen Volk das Phan- 
tom eines Zweifrontenkrieges vorzutauschen, in dem Deutschland angeblich begriffen ist und seine 
Krafte erschopft. 



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Was den zweiten Punkt angeht, so treffen sich die Kominternbemiihungen mit denen der Plutokrati- 
en. Schon lange arbeitet die Propaganda Englands und der Vereinigten Staaten mit dem Schlagwort, 
man kampfe fur die „Befreiung der unterdriickten Volker", d. h. also der unter militarischer Besetzung 
der Achsenmachte stehenden Gebiete, und deren Einwohner mliBten sich daher in gleichem Sinne 
betatigen, mit anderen Worten Anschlage gegen das Leben der Besatzungstruppen, Sabotage gegen 
Verkehrseinrichtungen, die Lebensmittelversorgung und gegen die industrielle Produktion begehen, 
mit dem Endzweck, sich gegen die „Unterdrucker" in Massen zu erheben und zusammen mit einer 
zukunftigen englischen Landungsarmee das Gebaude der Machtstellung der Achsenmachte zum Ein- 
sturz zu bringen. Die Weltrevolutionsplane der Sowjets und die „Befreiungsplane" der Plutokratien 
bewegen sich also bruderlich auf derselben Ebene und in gleicher Richtung. In Attentats- und Sabota- 
geversuchen linden sich der Intelligence Service der Plutokraten, iiber dessen Wirken in Bulgarien 
Anfang August beim ProzeB gegen den englischen Hauptagenten Dimitroff und Konsorten hochst 
aufschluBreiches Material bekannt wurde, und das kommunistische Verschworertum, ob es sich um 
Aktionen serbischer Banden oder die von Attentatern in Norwegen oder dem besetzten Frankreich 
handelt. Die einzige Wirkung solcher Betatigung kann nur sein, 

92 die militarische Besetzung dieser Lander, die grundsatzlich so milde und schonend gehandhabt wird 
wie moglich, fur die Bevolkerung driickender zu machen und den Sieger zu zwingen, seine durch 
nichts zu erschutternde Kraft fuhlbarer zu zeigen. 

Diese unerschutterhche Kraft und SiegesgewiBheit ist durch die Begegnung des Duce mit dem Ftih- 
rer der Welt erneut vor Augen gefuhrt worden (siehe Seite 72). Bedingungsloser Siegeswille, europai- 
sches VerantwortungsbewuBtsein, Ausschaltung der das Leben unseres Kontinentes und seine Eini- 
gung bedrohenden Krafte, also ganz klar umschriebene realistische Zielsetzungen wurden aufgestellt 
bzw. neu bekraftigt; keine nebelhaften, unaufrichtigen angeblichen Weltverbesserungsplane, wie sie in 
dem von Churchill und Roosevelt am 14. August nach ihrer Zusammenkunft bekanntgegebenen „Pro- 
gramm" vorkommen, sondern klare, offene Realpolitik auf der Grundlage kraftvoller Selbstsicherheit. 

Die Beurteilung der acht Churchill-Roosevelt-Punkte ist im gesamten nichtbolschewistischen euro- 
paischen Raum ziemlich einheitlich gewesen: Eine verschlechterte Neuauflage einiger von Wilsons 
vierzehn Punkten, grobes Tauschungsmanover, Spekulation auf das kurze Gedachtnis der europai- 
schen Menschheit, die jedoch keineswegs vergessen hat, am wenigsten in Deutschland selbst, daB die 
Angelsachsen schon einmal die Macht in der Hand hatten, um die Welt besser und glucklicher zu ma- 
chen, namlich nach dem Weltkrieg, und daB sie bei dieser Aufgabe vollkommen versagt haben, daB sie 
weder das Seibstbestimmungsrecht der Volker geachtet, noch die wirtschaftlichen Notwendigkeiten 
erkannt oder zu befriedigen vermocht haben, daB sie weder Abriistung noch Sicherheit zu bringen 
vermochten, kurz, daB sie alle acht Punkte der „Atlantik-Deklaration" schon fruher einmal als Plan 
und Versprechen verkundet und nachher aus Unfahigkeit und schlechtem Willen in der Durchfuhrung 
schmahlich versagt haben. Die mit der Churchill-Roosevelt-Erklarung beabsichtigte Propagandaaktion 
war schon drei Tage nach ihrem Beginn gescheitert. Es erwies sich wieder einmal die Wahrheit des 
Satzes, daB Propaganda nur wirksam ist und sein kann, wenn sie durch Tatsachen gestiitzt wird und 
nicht auf unuberwindfiche psychologische Hindernisse stoBt, im Kriege also nur dann, wenn sie mit 
militarischen Erfolgen parallel geht. Diese aber waren auch im Monat August beim Gegner, namlich 
bei den Achsenmachten. 

Um so eifriger waren die „Demokratien" um politische und propagandistische Erfolge gegen die 
Achsenmachte auf anderen Schlachtfeldern bemiiht. In Mittel- und Sudamerika ging die Hetze gegen 
Deutschland und seine diplomatischen und konsularischen Vertreter, sowie gegen die dort ansassigen 
Reichsund Volksdeutschen in verstarktem MaBe weiter. In Argentinien wurde mit der unter Bruch des 
Volkerrechts 

93 erfolgten Durchsuchung von Kuriergepack der deutschen Botschaft in Buenos Aires eine laute 
Hetzkampagne gegen die deutsche Botschaft und den deutschen Botschafter personlich durchgefiihrt. 
Der argentinische sogenannte Taborda-AusschuB, eine Nachbildung des beriichtigten Dies- 
Ausschusses in den Vereinigten Staaten, der mit diesem in engster Arbeitsgemeinschaft steht, d. h. ein 
Instrument Rooseveltischer Kriegshetze ist, hat sich dabei besonders hervorgetan und sich auch nicht 
gescheut, den argentinischen AuBenminister, der sich bemuhte, die volkerrechtlichen Spielregeln zu 
wahren, dieserhalb scharf anzugreifen. Mexiko, auf das der US A-Dollarimperialismus seine besondere 
Aufmerksamkeit konzentriert, hat am 22. August die deutschen Konsuln unter fadenscheinigen Vor- 
wanden ausgewiesen und die deutschen Vorstellungen wegen Duldung der Schwarzen Listen der USA 
gegen den deutschen Handel Anfang August briisk abgelehnt. Die wirtschaftliche und geistige Horig- 



;liiiisirlill,iii<i tm^amirF 1 1 

keit gegeniiber dem Dollarimperialismus ist eben in manchen Kreisen von Slid- und Mittelamerika 
offensichtlich sehr weit vorgeschritten. Wie sehr dies nach siegreicher Beendigung des Krieges durch 
Deutschland fur die Staaten Ibero-Amerikas und ihrer Wirtschaft schadlich werden kann, ist in der 
deutschen Note an die mexikanische Regierung deutlich genug zum Ausdruck gebracht: „Die resi- 
gnierte Annahme der fraglichen MaBnahme (Schwarze Listen) durch die mexikanische Regierung, 
wird nicht ohne EinfluB auf die EntschlieBungen der deutschen Regierung bei Wiederaufnahme der 
Handelsbeziehungen nach dem Kriege bleiben." Der wirtschaftliche Neuaufbau Europas wird 
Deutschland in ein ganz anderes, sehr viel freieres wirtschaftliche s Verhaltnis zu Amerika setzen, das 
es gestatten wird, Kauf und Verkauf ausschlieBlich so zu lenken, wie es unseren eigenen Interessen 
entsprechen wird. 

Der Gedanke der Einordnung in dieses in der Bildung begriffene Europa hat bisher am wenigsten 
Fortschritte in der Schweiz gemacht. Die Gedenkfeiern aus AnlaB des 650. Jahrestages der Begriin- 
dung der Schweizer Eidgenossenschaft, die dabei gehaltenen Reden und veroffentlichten Presseartikel, 
haben dies wieder gezeigt. Eigenbrotlerisch, will man das bleiben, was man bisher war, und stellt ei- 
nen veralteten einseitig individualistischen Freiheitsbegriff, sowohl innerpolitisch und innerwirtschaft- 
lich, wie auBenpolitisch und auBenwirtschaftlich in den Vordergrund. Ahnliches ist in Schweden zu 
beobachten, wo man sich immer noch nicht zu durchgreifenden MaBnahmen gegen den Kommunis- 
mus hat entschlieBen wollen, wie dies in Danemark Ende August durch ein Gesetz gegen den Kom- 
munismus geschehen ist. 

Am Krieg gegen den Kommunismus, zweifellos eine der groBten Unternehmungen der Weltge- 
schichte, nehmen auch italienische Divisionen, die Blaue Division aus Spanien und Verbande aus 
Frankreich teil. 

94 Wo und seit wann sie eingesetzt sind, ist nicht im einzelnen bekannt. In Frankreich sind die ersten 
Verbande noch in der Bildung begriffen. So ist tatsachlich von alien Staaten Europas nur die Schweiz 
an diesem gesamteuropaischen Unternehmen nicht beteiligt. 

Frankreich befindet sich hinsichtlich des Kampfes gegen den Kommunismus in einer besonderen 
Lage. Noch vor wenigen Jahren herrschte in Frankreich die Volksfront und waren die Kommunisten, 
wenn auch nicht in der Regierung, so doch regierungsfahig. Die kommunistische Irrlehre hatte weite 
Volkskreise erfaBt, und die Kommunistische Partei zahlte etwa dreihunderttausend eingeschriebene 
Mitglieder und tiber eine Million Wahler. Die Beamtenschaft, besonders die Lehrerschaft, war weitge- 
hend kommunistisch infiziert. Dazu kam, daB Marxismus und Radikalsozialismus in ihren verschiede- 
nen Spielarten Kinder derselben Ideologic waren wie der Kommunismus. 

Die durch die Niederlage verursachte Abkehr von der Ideologic der Revolution von 1789 und die 
Gegnerschaft gegen die daraus erwachsenen Staats- und Gesellschaftsauffassungen haben das Frank- 
reich Petains auch in eine scharfe Kampfstellung gegen den Kommunismus hineingezwungen. Trotz 
Verhaftung von Zehntausenden von Kommunisten, dem Verbot der Kommunistischen Partei und der 
Verfolgung aller ihrer LebensauBerungen, der sich besonders der Innenminister P u c h e u widmet, ist 
der Kommunismus in Frankreich keineswegs tot, sondern offenbar nach wie vor eine durchorganisier- 
te und tatige Organisation und Macht. Seit Beginn der militarischen Auseinandersetzung mit der So- 
wjetunion steht diese Organisation sowohl im unterirdischen Kampf gegen die deutsche Besetzungs- 
macht in Frankreich wie gegen die Regierung Petain und gegen die Politik der deutsch-franzosischen 
Verstandigung. Der Kommunismus in Frankreich vollstreckt die Befehle Moskaus und handelt als 
Verbundeter Englands und des franzosischen Landesverraters de Gaulle. Der europaische Kampf ge- 
gen den Bolschewismus reicht somit ins Innerste des franzosischen Lebens und beriihrt unmittelbar 
die wichtigsten Fragen der franzosischen Existenz. Fur das Frankreich Petains ist der Sieg Europas 
liber den Bolschewismus eine Lebensfrage. Hinsichtlich der Bekampfung des Kommunismus im In- 
nern Frankreichs besteht hiertiber in Vichy wohl auch kaum ein Zweifel. Aber die Propaganda de 
Gaulles, fur den der Kommunismus ebenso wie fur London der Bundesgenosse ist, verwirrt viele fran- 
zosische Kopfe. So wird das militarische Geschehen in den Ebenen RuBlands vielfach mit stillen 
Wunschen und Hoffnungen begleitet, die sich gegen den Sieg Deutschlands richten, und die nicht 
erkennen wollen, daB die militarische Niederwerfung der Sowjetmacht und die Liquidierung des 
Kommunismus in Frankreich nur zwei Seiten desselben Problems sind, und daB 

95 der Sieg der Sowjets zugleich der Untergang des burgerlichen Frankreich und die Vernichtung aller 
geistigen und kulturellen Werte und Traditionen der franzosischen Nation zur Folge haben wtirde. 

Seit Versailles war die franzosische AuBenpolitik immer und immer wieder eine solche der verpaB- 
ten Gelegenheiten. Die Politik Vichys bleibt trotz der grundsatzlichen Bejahung der Zusammenarbeit 



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mit Deutschland in dieser Linie. Man kann sich nicht entschlieBen, die neue Lage in Europa vorbehalt- 
los anzuerkennen, den deutschen Sieg als entschieden zu betrachten, und sich entschlossen in der 
Richtung dieser Erkenntnis und der sich aus ihr ergebenden Folgerungen zu orientieren. Immer noch 
haben viele und maBgebende Franzosen die innere Umstellung von der historischen Europapolitik im 
Geiste Richelieus auf das im Werden begriffene neue europaische Dasein nicht vollzogen und traumen 
von der Wiederkehr des Vergangenen. Sie machen sich nicht klar, daB das Vergangene selbst im Falle 
einer glucklicherweise auBer jedem Betracht stehenden Niederlage der Achsenmachte niemals wieder- 
kehren konnte, und daB Frankreich nur die Wahl hatte, eine Provinz der Sowjetunion oder ein Briik- 
kenkopf und damit ein Dominion Englands zu werden, wahrend es im Rahmen des neuen Europas die 
seinen geographischen und volkischen Gegebenheiten entsprechende Stellung zu erwarten hat. 

Inzwischen bemuhen sich Petain und seine Mitarbeiter wie bisher, zwischen den vielen Schwierig- 
keiten hinsichtlich der Versorgung der Bevolkerung mit dem Notigsten, der Heilung der Kriegsfolgen, 
durch das staatliche und innerpolitische Trummerfeld den Weg in die Zukunft zu linden bzw. offen zu 
halten. Der alte Marschall ist als Staatschef das Symbol fur die Werte der Vergangenheit und fur die 
nationale Wiedergeburt. Sein Name und seine Gestalt sind der Mythos, um den sich die Krafte der 
Nation gruppieren und aufrichten sollen. Ein autoritarer Staat, der sich auf Biirokratie, Polizei, Armee, 
Besitz und Kirche sttitzt und zugleich sozialen Tendenzen huldigt, der die wirklichen Werte des Bo- 
dens, der Familie, den Gemeinschaftsgedanken und den nationalen Selbstbehauptungswillen pflegt, 
und der im Namen des Marschalls eine neue Intekration dieser Werte in Staat und Gesellschaft er- 
strebt, das ist die staatliche Doktrin, die von Vichy ausgeht. Sie ist von ihrer Verwirklichung weit ent- 
fernt. Dessen ist man sich in Vichy sicher sehr bewuBt. Man ftihlt dort auch das Bedurfnis, auBer der 
mythischen Figur des Marschalls und den ausfuhrenden Organen, die ihm zur Verfugung stehen, noch 
andere tragende Krafte zu entwickeln. Die Legion der Frontkampfer des gegenwartigen und des Welt- 
krieges, verstarkt durch die Aufnahme auch von Nichtfronfkampfern, soil die tragende Bewegung 
innerhalb des Volkes werden. In diesem Sinne wurde am 
96 31. August der erste Jahrestag der Begriindung der Legion gefeiert. Marschall Petain richtete an 

diesem Tage an die Legion eine Botschaft, in der er ihre Mitglieder zur Arbeit an der Wiedergeburt, 
zur beispielhaften Haltung im privaten und offentlichen Leben und die Nation zur Einheit und zur 
Arbeit fur die Gemeinschaft aufrief. 

DaB Petain sich wohl keiner Tauschung iiber die Schwierigkeit seiner Aufgabe und iiber die keines- 
wegs geklarte innere Lage des franzosischen Volkes hingibt, kam in einer langeren Rundfunkanspra- 
che zum Ausdruck, die er am 12. August gehalten hat. Mit bemerkenswerter Offenheit ging er auf die 
krisenhafte psychologische Lage der Nation ein und entwickelte anschlieBend zwolf Programmpunkte: 
1. Die Bestatigung der politischen Parteien und der Gruppen politischen Ursprungs ist bis auf wei- 
teres in der Freien Zone suspendiert. Diese Parteien werden weder offentliche noch private Versamm- 
lungen mehr abhalten konnen. Sie werden auf jede Verteilung von Flugschriften und Plakaten verzich- 
ten miissen. Diejenigen, die sich diesen Bestimmungen nicht fiigen sollten, werden aufgelost. 

2. Die Auszahlung der parlamentarischen Tagegelder wird vom 30. September ab eingestellt. 

3. Die ersten disziplinarischen StrafmaBnahmen gegen diejenigen Beamten, die sich falscher Erkla- 
rungen hinsichtlich der geheimen Gesellschaften schuldig gemacht haben, sind ergriffen worden. Die 
Namen dieser Beamten sind heute morgen im Staatsanzeiger veroffentlicht worden. Die Inhaber der 
hohen freimaurerischen Grade, deren erste Liste soeben veroffentlicht worden ist, werden kein offent- 
liches Amt mehr ausiiben konnen. 

4. Die Legion bleibt in der Freien Zone das beste Werkzeug der nationalen Revolution. Aber sie 
wird ihre Aufgabe nur dann richtig und rasch erfiillen konnen, wenn sie hinsichtlich aller ihrer Dienst- 
grade der Regierung untergeordnet bleibt. 

5. Ich werde die Aktionsmittel der Polizei verdoppeln, deren Disziplin und Loyalitat die offentliche 
Ordnung gewahrleisten miissen. 

6. Es ist ein Cadre fur die Kommissare der Regierungsgewalt geschaffen worden. Diese hohen Be- 
amten werden beauftragt sein, den Geist zu priifen, in welchem die Gesetze, Verordnungen, Verfii- 
gungen und Weisungen der Zentralgewalt durchgefiihrt werden. Sie werden die Aufgabe haben, die 
Hindernisse aufzudecken und zu vernichten, wo die Betatigung der geheimen Gesellschaften sich dem 
Werk der nationalen Wiederaufrichtung widersetzt. 

7. Die Vollmacht der regionalen Prafekten wird verstarkt, ihre Initiative gegeniiber den Verwal- 
tungsbe 



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97 horden ist erhoht, ihre Befehlsgewalt iiber alle leitenden Beamten der orflichen Amtsstellen wird 
unmittelbar und vollstandig sein. 

8. Das Arbeitsgesetz, das bestimmt ist, gemaB den Grundsatzen meiner Rede von St. Etienne die 
Beziehungen der Arbeiter, der Handwerker, der Techniker und der Betriebsfiihrer in Eintracht und 
unter gegenseitigem Verstandnis zu regeln, war Gegenstand eines soeben abgeschlossenen feierlichen 
Abkommens, das unverziiglich verkiindet werden wird. 

9. Das vorlaufige Statut fur die Wirtschaftsorganisation wird auf der Grundlage der Lockerung und 
der Umgestaltung der Komitees umgebildet werden. Es wird eine breitere Vertretung der Kleinindu- 
strie und der Handwerker eingerichtet werden. Eine Umgestaltung der Grundbesitzverwaltung und 
ihrer Durchfiihrung zusammen mit den provinzialen Schiedsgerichtskommissionen wird vorgenom- 
men werden. 

10. Die Vollmachten, die Rolle und die Organisation der nationalen Versorgungsamter werden ge- 
maB Richtlinien abgeandert, die unter Wahrung der Verbraucherinteressen die Ausiibung der Staatsau- 
toritat auf dem nationalen und auf dem regionalen Gebiet ermoglichen. 

11. Ich habe beschlossen, die Vollmachten auszuiiben, die mir die Verfassungsakte Nr. 7 verleiht, 
um die an unserem Unheil Schuldigen abzuurteilen. Ein politischer beratender Gerichtshof ist fur die- 
sen Zweck geschaffen worden. Er wird mir seine Vorschlage noch vor dem 15. Oktober unterbreiten. 

12. In Anwendung derselben Verfassungsakte werden mir alle Minister und hohen Beamten den 
Treueid schworen und sich verpflichten mtissen, ihre Amtsobliegenheiten zum Besten des Staates 
nach den Gesetzen der Ehre und Rechtschaffenheit auszuiiben. 

Zugleich gab Petain bekannt, daB der Vizeprasident seines Ministeriums, Admiral D a r 1 a n , erwei- 
terte Vollmachten erhalten habe, und unterstrich die Notwendigkeit der Einheit des Volkes. 

Die zwolf Punkte sind kein Programm, sondern eine Reihe von EinzelmaBnahmen sehr unterschied- 
licher Trag- weite. Ihre Lektiire vermittelt einen ziemlich deutlichen Eindruck dessen, was Vichy be- 
deutet und was es nicht bedeutet. Die schopferische Personlichkeit, die das Neue intuitiv erkennt und 
gestaltet, fehlt in Vichy. Inmitten eines Triimmerfeldes, das durch den gewaltigen Ansturm einer neu- 
en Ideologic und einer sie vollstreckenden und von ihr erfiillten iiberlegenen Wehrmacht entstanden 
ist, sucht der alte 

98 Marschall mit einer Gruppe sehr unterschiedlich zu bewertender Mitarbeiter, von denen die einen vom 
Hauch der Zeit beriihrt sind, wahrend die anderen sich nur notgedrungen damit abfinden, seinen Weg. 
Frankreich, das im Laufe der europaischen Geschichte mehr als einmal die Rolle des zukunftssicheren 
Fackeltragers zu spielen vermochte, ist miihsam bestrebt, dem Zeitgeschehen zu folgen und sich in 
ihm, so gut es gehen mag, zurechtzufinden. Die nach einer langen Periode des Individualismus nach 
wie vor auseinanderstrebenden Krafte sollen durch die Autoritat des Marschalls zusammengehalten 
werden. Diesem Zweck dienen auch die am 17. August neuerdings veroffentlichten Verfassungsakte 
Nr. 8 und 9, die die Ablegung eines Treueides auf den Staatschef zur Bedingung jeder Stellung in Ar- 
mee und Verwaltung machen. Die Gefolgschaftstreue zum Staatschef soil der Kristallisationspunkt der 
staatlichen Ordnung sein. Eine wichtige Stelle hat neben dem Staatschef der Staatsrat, bei dessen Ver- 
eidigung am 19. August Petain seine Rolle im Staatsleben und sein Verhaltnis zum Staatschef darleg- 
te. 

Schon im Monat Juli war von London und Moskau aus eine Propagandaaktion gegen den Iran be- 
gonnen worden, durch welche die im Iran lebenden Deutschen als angebliche „fiinfte Kolonne" de- 
nunziert und die iranische Regierung bedroht und von ihr gefordert wurde, alle Deutschen im Iran des 
Landes zu verweisen, da durch ihre Anwesenheit die Sicherheit der Sowjetunion bzw. des englischen 
Empires bedroht werde. Die offiziose iranische Telegrafenagentur und die iranische Presse wiesen 
diese Propaganda gebiihrend zuriick. 

Auf die Pression iiber Presse und Rundfunk folgte schnell die diplomatische in der Form von Vor- 
stellungen und Forderungen des britischen und des sowjetischen Gesandten bei der Regierung in Te- 
heran. Diese hielt ihre von Anfang an eingenommene Stellung, daB es keine fiinfte Kolonne gebe, und 
daB keine Veranlassung zur Ausweisung der Deutschen vorliege, aufrecht. Darauf antworteten Mos- 
kau und London am 25. August mit einer durch ihre Gesandten beim iranischen AuBenminister ge- 
meinsam vorgenommenen Demarche, durch die der Einmarsch sowjetischer und englischer Truppen 
mitgeteilt wurde. Gleichzeitig wurden iranische Hafen und offene Stadte von sowjetischen und engli- 
schen Flugzeugen bombardiert. Etwa sieben sowjetische und vier bis fiinf englische Divisionen dran- 
gen in den Iran ein, dessen Wehrmacht gegen die Invasion Widerstand leistete. Aber schon am 28. 
August sah sich die iranische Regierung gezwungen, angesichts der ungeheuren Uberlegenheit der 



pritsr|Iiit tm^imirF 



14 



Angreifer, besonders hinsichtlich der Luftwaffe und der schweren Angriffswaffen, den Befehl zur 
Einstellung der Feindseligkeiten zu geben. Eine neugebildete Regierung in Teheran sah sich genotigt, 
ein englisch-sowjetisches Diktat anzunehmen, durch das den Eindringlingen die Besetzung aller wich- 
tigen Punkte des Landes und die vollige 



99 




E IScfier 

w Erdolgebiete 



Zum englisch-sowjetischen Uberfall auf den Iran 



100 Unterwerfung zugestanden wurde. England sicherte sich besonders die Besetzung der iranischen 
Olquellen. 

England und die Sowjetunion sind damit zu einer Politik zuriickgekehrt, die durch das Abkommen 
von 1907 zwischen dem zaristischen und englischen Imperialismus ihre erste vertragliche Form erhal- 
ten hatte, zur Politik der Aufteilung Irans in Interessenzonen. Der bolschewistische und der englische 
Imperialismus haben sich nunmehr wiederum auf ahnlichen Wegen an einem Schnittpunkt weltpoliti- 
scher Interessen begegnet, freilich in wesentlich anderer Lage: RuBland ist hilfsbedurftig, es braucht 
dringend Zufuhr an Rustungsmaterial. Die Vergewaltigung Irans soil hierzu den Weg offnen. England 
ist es auBerdem ebensosehr um den Besitz der Olquellen des Irans wie darum zu tun, zu verhindern, 
daB die russischen Olfelder des Kaukasusgebietes in deutsche Hand fallen. 



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Die Reaktion auf die Vergewaltigung des Iran war recht bemerkenswert. Uberall in Europa auBer- 
halb des bolschewistischen Machtbereiches wurde die sowjetisch-englische Handlungsweise als das 
bezeichnet was sie war, als Uberfall und Gewalttat gegen eine Regierung und ein Volk, die keinerlei 
AnlaB hierzu gegeben hatten. Diese Auffassung brachte audi die turkische Presse ohne Umschweife 
zum Ausdruck, wahrend die turkische Regierung ihre Neutralitat erklarte. In London, Washington und 
Moskau bemuhte man sich, den Gewaltakt zu beschonigen und Englands AuBenminister Eden gab 
hieriiber am 31. August im Unterhaus eine jener salbungsvollen und heuchlerischen Erklarungen ab, 
mit denen englische Staatsmanner in solchen Fallen darzutun pflegen, daB die englische Politik nicht 
nur durchaus begriindet und richtig, sondern sogar im Interesse des Vergewaltigten selbst liegt. In 
Washington enthielt man sich oflizieller Kommentare, wohl in dem BewuBtsein, daB die englisch- 
sowjetische Gewaltpolitik gegen den Iran in allzu schreiendem Gegensatz gegen die acht Punkte der 
Roosevelt-Churchill-Erklarung vom 14. August stehe. Daftir war aber die Presse um so deutlicher, 
wenn sie ihre Befriedigung dariiber zum Ausdruck brachte, daB durch die Besetzung des Irans nun- 
mehr ein neuer Weg fur die USA-Waffenlieferungen nach der Sowjetunion offen stehe. 

Das stetige Vordringen der deutschen Armeen in der Sowjetunion und die riesigen Materialverluste 
der Sowjets lassen deren Lage eben immer gefahrlicher und unhaltbarer erscheinen. Hierfur ist auch 
die Tatsache bezeichnend, daB die sowjetische Fuhrung, fur die Volkerrecht wie Recht iiberhaupt 
grundsatzlich nur Propagandawert haben, jede Riicksicht habe fallen lassen und in wiederholten Auf- 
rufen an die Zivilbevolkerung sowohl der von den deutschen Armeen schon besetzten wie der noch 
unbesetzten Gebiete 

101 diese zur aktiven Teilnahme an den Kampfhandlungen, zum Heckenschiitzen- und Partisanenkrieg 
aufgerufen habe. DaB die Folge davon nur eine entsprechende Gegenaktion der deutschen Truppen 
sein kann, die fur die Zivilbevolkerung auBerst nachteilig sein muB, liegt auf der Hand. 

Zusammen mit London hat Moskau die Vergewaltigung des Irans auch durch eine diplomatische 
Aktion in der Ttirkei vorbereitet. Am 14. August iibergaben der sowjetische und der englische Ge- 
sandte in Ankara gleichlautende Noten, die das Versprechen der Respektierung der territorialen Inte- 
gritat der Tiirkei und das der Hilfeleistung im Falle eines Angriffs einer dritten Macht auf die Tiirkei 
enthielten. Man wollte die Tiirkei beruhigen und davon abhalten, etwa dem Iran zu Hilfe zu kommen. 

Auch in Kabul erhoben England und die Sowjets Vorstellungen wegen der angeblich in Afghani- 
stan sich aufhaltenden „deutschen Techniker". Aber der Konig von Afghanistan erklarte am 27. Au- 
gust, sein Land sei nie von einem fremden Eroberer bezwungen worden und wurde sich gegen jeden 
derartigen Versuch verteidigen. 

In England haben verschiedene Minister im Monat August wieder ziemlich viel Reden innerhalb 
und auBerhalb des Parlaments gehalten. Besonders AuBenminister Eden war gesprachig und nahm 
mehrfach zu Fragen des Nahen, Mittleren und Fernen Ostens, des Verhaltnisses zu den USA, zur Fra- 
ge des Friedens und der Zeit nach dem Kriege Stellung. Viel Neues ist bei all diesen Reden nicht zum 
Vorschein gekommen. Die englische Propagandathese, man werde keineswegs mit Hitler Frieden 
schlieBen oder auch nur in irgendwelche Besprechungen eintreten, wurde von Eden mehrfach wieder- 
holt, zugleich mit der sinnlosen Unterstellung, „demnachst" sei ein Friedensangebot des Fiihrers zu 
erwarten, weil der Krieg gegen die Sowjets angeblich nicht den deutschen Wiinschen entsprechend 
verlaufe, England denke aber nicht daran, auf ein solches Angebot einzugehen. Eden hat damit nur 
nach der bekannten Methode gehandelt, dem Gegner den Wunsch auf Eroffnung von 
Friedensverhandlungen anzudichten, dadurch dessen Stellung als geschwacht und des Friedens 
bediirftig hinzustellen, um dann mit der Ablehnung solcher angeblichen Wiinsche die englische 
Stellung als besonders stark erscheinen zu lassen, und damit Eindruck zu machen. Dem entsprechend 
tat Eden in seinen Reden auch betont siegesgewiB, mit dem ja auch nicht mehr gerade neuem Hinweis 
auf die angeblich unbegrenzten englischen und amerikanischen Hilfsquellen. SchlieBlich entwarf Eden 
Wunschbilder davon, wie der Friede aussehen sollte. Auch hierbei sagte er nichts Neues. Die „Daily 
Mail" gab im AnschluB an eine der Reden Edens am 20. August den Sinn des Krieges fur Eng 

102 land und das englische Kriegsziel etwas deutlicher als Eden selbst u. a. wie folgt an: Das Ziel der 
Alliierten bei einem FriedensschluB muB sein, PreuBen zu schwachen und die Einheit des Reiches zu 
zerstoren. PreuBen im alten Sinne diirfe nicht mehr bestehen bleiben, sondern werde auf Gebietsteile 
jenseits der Elbe beschrankt und umfasse etwa 70000 Quadratmeilen und 20 Millionen Einwohner. 
Dieses PreuBen wurde kein Land fur sich darstellen, sondern bilde den Teil einer autonomen deut- 
schen Staatengemeinschaft, sei wirtschaftlich und verwaltungsmaBig — aber nicht politisch — selb- 
standig. 



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Wir wissen also wieder einmal, woran wir sind, und was wir von all den Phrasen iiber Freiheit und 
Selbstbestimmung zu halten haben. Es fehlte freilich im Laufe des Monats August auch nicht an Er- 
klarungen englischer Minister, die auf die GroBe der England drohenden Gefahren und auf die unge- 
heuren Schwierigkeiten der englischen Lage hinwiesen. So stellte Attlee fest, die Atlantikschlacht sei 
noch keineswegs gewonnen und es standen noch schwere Priifungen bevor. 

Der Wert der bolschewistischen Karte im englischen Spiel, d. h. die Kamplkraft der sowjetischen 
Armeen, beherrschte nach wie vor die Gedanken der Englander. Freilich haben die Erfolge der deut- 
schen Wehrmacht die englischen Hoffnungen schon stark heruntergedriickt, und die Aktion gegen den 
Iran ist ja nur ein Ausdruck fur die Erkenntnis der Gefahr, in der sich die Sowjets befinden, nicht min- 
der die wiederholten Aufforderungen hoher englischer Geistlicher, die Bolschewiken in die englischen 
Gebete fiir den Sieg einzuschlieBen. Der hochste Geistliche der englischen Hochkirche, der Erzbischof 
von Canterbury, der Anfang August durch Rundschreiben die ihm unterstehenden Geistlichen auffor- 
derte, fur die Sowjets zu beten, erfuhr von Seiten des finnischen Erzbischofs Erkki unter Hinweis auf 
die Erfahrungen, die man in Finnland mit den Sowjets gemacht hat, eine energische Abfuhr. Erkki 
erinnerte daran, daB am 1. Februar 1940, als die Englander aus bekannten Griinden noch mit den gegen 
die Sowjets kampfenden Finnen sympathisierten, derselbe Erzbischof von Canterbury erklart habe, 
Finnland verteidige die christliche Kultur gegen Gottesleugnung und rohe Gewalt. 
. Die groBte Anstrengung der englischen und USA-Propaganda kniipfte sich aber an die Zusammen- 
kunft zwischen Churchill und Roosevelt in der Nahe der USA-Kuste im Atlantik, und das im An- 
schluB daran am 14. August veroffentlichte „Programm" von acht Punkten. Man hatte dadurch, daB 
die Zusammenkunft heimlich, ohne vorherige Ankiindigung und ohne Zuziehung der Presse, stattfand, 
und daB man nur allmahlich etwas iiber sie durchsickern lieB, den Eindruck erwecken wollen, es sei 
etwas ganz GroBes im Gange, und die offentliche Meinung absichtlich in einen Spannungszustand zu 
versetzen sich bemiiht. Am 

103 14. August wurde dann eine offizielle Verlautbarung herausgegeben, in der es u. a. hieB: „Der 
President und der Ministerprasident haben mehrere Begegnungen gehabt. Sie haben' die Gefahren 
gepriift, denen die Weltkultur dadurch ausgesetzt ist, daB die Hitlerische Regierung in Deutschland 
eine Politik der Beherrschung und der militarischen Eroberung verfolgt, und sie haben die MaBnah- 
men klargestellt, die ihre beiden Lander ergreifen, um angesichts dieser Gefahren ihre Sicherheit zu 
gewahrleisten. Sie haben sich darauf geeinigt, folgende gemeinsame Erklarung zu veroffentlichen: 
„Nach ihrer Begegnung waren Roosevelt und Churchill der Meinung, es sei richtig, die gemeinsamen 
Grundsatze der Politik ihrer beiden Lander bekanntzumachen, auf die sie ihre Hoffnung auf eine bes- 
sere Welt griinden: 

1. England und die Vereinigten Staaten erstreben keinen territorialen Gewinn. 2. Sie wiinschen keiner- 
lei territoriale Veranderung, die nicht in Ubereinstimmung mit der frei zum Ausdruck gebrachten 
Meinung der interessierten Volker in Einklang ware. 3. Sie erkennen das Recht aller Volker an, die 
Regierungsform zu wahlen, unter der sie zu leben wiinschen, und sie wiinschen die Wiederherstellung 
der Unabhangigkeit und der selbstandigen Regierungsform bei all den Volkern, denen dieselben mit 
Gewalt genommen worden sind. 4. Sie werden sich bemiihen, unter Beriicksichtigung ihrer gegenwar- 
tigen Verpflichtungen alien Volkern, ob groB oder klein, ob Sieger oder Besiegte, Rechtsgleichheit 
hinsichtlich des Handels und des Zuganges zu den Rohstoffen in der Welt, deren sie bediirfen, zu si- 
chern. 5. Sie wiinschen eine moglichst vollstandige wirtschaftliche Zusammenarbeit unter alien Natio- 
nen zu verwirklichen, um alien bessere Arbeitsbedingungen, wirtschaftlichen Fortschritt und soziale 
Sicherheit zu gewahrleisten. 6. Nach der endgiiltigen Zerstorung der Nazityrannei hoffen sie, Zeugen 
der Herbeifiihrung eines Friedens zu sein, der alien Nationen erlaubt, innerhalb ihrer Grenzen zu leben 
sowie alien Menschen ihr Leben frei von Gefahr und Not zu leben. 7. Ein solcher Friede wurde alien 
Menschen die Benutzung der Meere und den freien Verkehr auf ihnen ermoglichen. 8. SchlieBlich sind 
sie der Ansicht, daB alle Nationen der Erde aus materiellen und geistigen Griinden auf den Gebrauch 
der Gewalt verzichten sollen. Da kein kiinftiger Friede aufrecht erhalten werden kann, solange die 
Riistungen von solchen Staaten benutzt werden konnen, die andere Staaten auBerhalb ihrer Grenzen 
mit Angriff bedrohen, sind sie der Meinung, daB die Entwaffnung dieser Nationen grundlegend wich- 
tig ist, bis die Herbeifiihrung eines dauernden und umfassenderen Systems der nationalen Sicherheit 
gelungen ist. Deshalb werden sie auch alle praktischen MaBnahmen unterstiitzen und ermoglichen, die 
den Druck der Riistungen fiir die friedlichen Volker erleichtern." 

104 Die gesamte nichtengland- und USA-horige Weltpresse hat auf dieses wahrhaft erstaunliche 
Dokument spontan die richtige Antwort gegeben und es als eine verschlechterte Neuauflage der vier- 



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zehn Punkte Wilsons, als ein Dokument der Heuchelei und zugleich der Schwache bezeichnet. Bei 
einer naheren Priifung kann man nur zum selben Ergebnis kommen. Es ist ein schwaches und geistes- 
armes Dokument, ein kiimmerliches Programm und ein deutlicher Beweis daflir, wie sehr die Angel- 
sachsen sich ideologisch in der Defensive befinden, wie wenig sie in der Lage sind, zu der gegenwar- 
tigen groBen Auseinandersetzung etwas Neues, In-die-Zukunft-Weisendes zu sagen. Nichts anderes 
als diese langst durch die Tatsachen widerlegte Phraseologie, deren Verlogenheit dieselben Machte 
durch ihre Politik seit dem Weltkrieg hundertfach erwiesen haben, vermogen sie zu wiederholen. Die 
Englander haben diesen Krieg ganz nach dem Vorbilde des Weltkrieges von 1914/18 vorbereitet, be- 
gonnen und bisher gefuhrt. Sie betreiben auch ihre Propaganda ganz nach dem Vorbild des Weltkrie- 
ges, und sie wollen auch den ideologischen und propagandistischen Kampf um den Frieden genau so 
ftihren. Dies wird durch das Programm der acht Punkte klar erwiesen. Aber die Geschichte wiederholt 
sich nie, und wie sehr die Lage heute von der des Weltkrieges verschieden ist, ist offenkundig genug. 
Die Bemuhungen der englischen und USA-Propaganda, die acht Punkte vom 14. August als ein groBes 
Programm des Friedens und der zukiinftigen Weltentwicklung hinzustellen, sind denn auch klaglich 
gescheitert. Die Propaganda Londons und Washingtons hat diese Bemuhungen deshalb schon wenige 
Tage nach der Veroffentlichung der acht Punkte aufgegeben, besonders wohl auch deshalb, weil die 
Reaktion in den Vereinigten Staaten selbst durchaus negativ war. 

Dafiir sprechen die Nachrichten aus England iiber die Auswirkungen des Krieges auf das englische 
Leben eine um so deutlichere Sprache. Weitere RationierungsmaBnahmen und Herabsetzungen der 
bisherigen Rationen wurden gemeldet. Uber die steigende Verknappung aller Konsumguter, die infla- 
tionistische Erscheinung in der englischen Geldwirtschaft, die steigende Differenz zwischen den Ein- 
nahmen und Ausgaben im Staatshaushalt, horte man aus England ebenfalls vielerlei Nachrichten. 

Gegen alle diese libel sollen die USA helfen. Von ihnen erwartet London nicht nur unbeschrankte 
Geldmittel — Roosevelt hat denn auch weitere sechs Milliarden Dollar im Rahmen des Englandhilf- 
gesetzes angefordert — , sondern auch gesteigerte Zufuhren an Lebensmitteln, Treibstoffen, neuen 
Schiffen und besonders an Flugzeugen. Hierzu ist Roosevelt vollkommen bereit. Seine Bereitschaft 
wird nur einge 
105 schrankt durch die noch lange nicht geniigende Produktionsfahigkeit der USA-Industrie, die Transport- 
schwierigkeiten und dadurch, daB auch andere Lander als England starke Bedurfnisse zeigen. Die un- 
geheuren Material verluste der Sowjets werfen neue schwere Probleme auf. 

Im AnschluB an die Acht-Punkte-Erklarung vom 14. August haben England und die USA an Stalin 
eine Botschaft gerichtet, in der sie ihm jede materielle Hilfe zusagten und anregten, mit moglichster 
Beschleunigung in Moskau eine Dreimachtekonferenz zu veranstalten, um die Frage der Hilfeleistung 
an die Sowjets gemeinsam zu priifen. Wahrend in der Acht-Punkte-Erklarung von SowjetruBland of- 
fenbar absichtlich — man wollte die Verlogenheit dieser Friedensphraseologie nicht durch Nennung 
der Bolschewiken noch besonders unterstreichen — nicht die Rede war, hat die Besorgnis wegen der 
unaufhorlichen sowjetischen Niederlagen bei den Beratungen zwischen Churchill und Roosevelt of- 
fenbar eine groBe Rolle gespielt und ebenso das sich aus der Notwendigkeit groBer Lieferungen an die 
Sowjets sich ergebende Problem, wie dann die Bedurfnisse Englands befriedigt werden konnten. 
Schon Ende Juli hatte Hopkins Stalin in Moskau eine Note Roosevelts mit Versprechungen iiber Hilfe- 
leistung iiberreicht, in der er auch Roosevelts „festen Glauben, daB RuBland seinen Anteil bei der Zer- 
storung des Hiflerismus beitragen werde" zum Ausdruck brachte. Roosevelt treibt also RuBland ge- 
geniiber dasselbe Spiel wie friiher gegeniiber Polen, Frankreich, Jugoslawien und Griechenland: Er 
hetzt zu Krieg und Widerstand, obwohl er im Falle der Sowjetunion genau so wenig helfen kann, wie 
in den friiheren Fallen. 

Umgekehrt versucht man von Washington aus Japan im Verein mit England in steigendem MaBe 
unter Druck zu setzen. Die nach AbschluB der Vereinbarungen zwischen Japan und Frankreich iiber 
die gemeinsame Verteidigung von Indochina von den Angelsachsen und den Hollandern ergriffenen 
finanziellen und wirtschaftlichen SperrmaBnahmen wurden weiter verscharft, und den bald einsetzen- 
den japanischen Bemuhungen auf einen, wenigstens teilweisen Abbau dieser MaBnahmen zaher Wi- 
derstand entgegengesetzt. Am 27. August teilte Roosevelt der Presse mit, daB er eine Militarmission 
nach Tschungking entsenden werde, und Hull erklarte am gleichen Tage, daB die USA fur die Entsen- 
dung von Kriegsmaterial nach Wladiwostok am Grundsatz der Freiheit der Meere festhielten. Also 
wirtschaftliche Abschniirung und Unterstiitzung der tatsachlichen oder moglichen Kriegsgegner Ja- 
pans. 



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Im gleichen Sinne fand man in Washington jedesmal Worte scharfer Kritik und ernster Drohung, 
sobald man Anzeichen fur eine verstarkte Neigung der franzosischen Regierung zur Aktivierung der 
Politik der 

106 Zusammenarbeit mit Deutschland zu erblicken glaubte. Die Rede des Marschalls Petain vom 12. 
August, in der die Notwendigkeit dieser Zusammenarbeit unterstrichen wurde, wurde in Washington 
scharf abgelehnt, und ebenso die kurz darauf erfolgte Umbildung der franzosischen Regierung und die 
damit verbundene Erweiterung der Machtbefugnisse des Admirals Darlan. 

Roosevelts Politik der Kriegsverlangerung fand in Presseerklarungen des Prasidenten nach seiner 
Ruckkehr von der Begegnung mit Churchill einen besonders deutlichen Ausdruck in Roosevelts Mit- 
teilung, er habe Anweisung gegeben, nicht nur Aufstellungen iiber die Rustungsbedurfnisse fur 1942, 
sondern auch fiir 1943 zu machen. Der Krieg miisse notigenfalls solange gefuhrt werden. Mit der ihm 
eigenen Unwahrhaftigkeit ftigte Roosevelt hinzu, seine Zusammenkunft mit Churchill habe die Verei- 
nigten Staaten nicht naher an den Krieg herangebracht. 

Die Kriegsgegner in USA waren freilich anderer Meinung und kritisierten Roosevelts kriegstreiberi- 
sche Politik kraftig. Roosevelts Hilfeleistung an die Bolschewisten hat offensichtlich den Kriegsgeg- 
nern in USA erheblichen Auftrieb gegeben. Die Aussicht, Hand in Hand mit dem blutbefleckten und 
verbrecherischen Moskauer Regime aufzutreten oder gar Krieg zu fiihren, geht offenbar der groBen 
Mehrheit der Amerikaner doch sehr gegen den Strich. Die Krieg sstimmung in USA wird auch zweifel- 
los nicht dadurch gefordert, daB Roosevelts Rustlings- und Kriegspolitik fur Wirtschaft und Lebens- 
haltung der Amerikaner in steigendem MaBe unerfreuliche Ruckwirkungen zeitigt. Es wird ihnen zu- 
gemutet, weniger Benzin zu verbrauchen, weniger zu essen und sich auch in anderen Dingen einzu- 
schranken, damit die Englander geniigend beliefert werden konnten, von erhohten Steuern ganz abge- 
sehen. Es scheint durchaus, als ob die groBe Masse des USA-Volkes heute innerlich einer aktiven Be- 
teiligung am Kriege abgeneigter ist als vor drei oder vor sechs Monaten. 

Diese Stimmungslage in USA ist offensichtlich das einzige Hemmnis fur Roosevelts haBerfullte 
kriegstreiberische Politik. Er sucht mit alien Mitteln dieses Hemmnis loszuwerden, um doch noch 
aktiv in den Krieg eingreifen zu konnen. Er hofft auf Zwischenfalle, mit deren Hilfe es ihm gelingen 
konnte, einen Stimmungsumschwung zu erzielen, und die Amerikaner mit sich fort und in den Krieg 
hineinzureiBen. 

Sowohl im Fernen Osten wie in Slid- und Mittelamerika hat Roosevelt auch im Monat August seine 
Politik imperialistischer Expansion fortgesetzt. Die in Sudamerika durch diese Politik hervorgerufenen 
Zwischenfalle wurden bereits erwahnt. Im Fernen Osten hat diese Politik zu einer erheblichen Ver- 
starkung der politischen Spannungen gefuhrt. Es ist nicht klar ersichtlich, ob man Japan zum Kriege 
provozieren oder 

107 es beruhigen will, das letztere mit dem Ziel, es dem Dreierpakt zu entfremden. Japan scheint 
demgegenuber die Politik des elastischen Widerstandes bei grundsatzlicher Aufrechterhaltung seiner 
Positionen und gleichzeitigem Bemuhen um Abschwachung des wirtschaftlichen Druckes zu verfol- 
gen. 




Moskaus Verrat an Europa 

Die Berichte des Oberkommandos der Wehrmacht 

Oberkommando der Wehrmacht 

F. H. Qu., den 13. 1.1941. 

WFST / Abt. L (1 Op) 

Geheime Kommandosache 
Nr. 00 110 a/41 g. Kdos. 
Betr.: Sowjetrussische Grenzverletzungen. 



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An das Auswartige Amt, z. H. Herrn Botschafter Ritter. Nachdem bereits im Herbst des vergangenen 
Jahres vereinzelt Flugzeuge der UdSSR die Demarkationslinie nach Westen in groBer Hohe iiberflo- 
gen, teilt das Oberkommando der Wehrmacht mit, daB neuerdings am 10. 1. 1941 bei Wojciechowice 
eine fremde Maschine bis tief iiber deutsches Gebiet einflog. Flughohe ca. 1200 m. Gestalt und Abzei- 
chen lieBen einwandfrei erkennen, daB es sich um ein Flugzeug der UdSSR handelte. Das Oberkom- 
mando der Wehrmacht wird von GegenmaBnahmen zunachst absehen, hat aber Anweisung erteilt, 
etwaige weitere Grenzverletzungen fortlaufend zu melden. 
Das Auswartige Amt wird von hier entsprechend unterrichtet. 

Der Chef des Oberkommandos der Wehrmacht. 
Im Auftrag: (gez.) Warlimont. 

Oberkommando der Wehrmacht F. H. Qu., den 1. Marz 1941. 

WFSt / Abt. L (1 Op) Geheime Kommandosache 

Nr. 00369a/41 g. Kdos. 

Betr.: Sowjetrussische Grenzverletzungen. 

An das Auswartige Amt, z. Hd. Herrn Botschafter Ritter. 

Das Oberkommando der Wehrmacht teilt mit, daB in den Monaten Januar und Februar wiederum, 
abgesehen von dem im Schreiben vom 13. Januar erwahnten Falle, an den verschiedensten Stellen der 
Demarkationslinie sowjetrussische Grenzuberfluge stattfanden. Meldungen liegen insbesondere aus 
der Gegend ostwarts Cholm und Ostrolenka vor. 

Da in dieser Gegend die deutsch-russische Interessengrenze durch den Bug besonders deutlich ge- 
kennzeichnet und daher eine Orientierung aus der Luft sehr leicht ist, ist das Oberkommando der 
Wehrmacht nunmehr zu der Uberzeugung gelangt, daB es sich bei den Grenzverletzungen um bewuBte 
Provokationen handelt. 

In diesem Zusammenhang wird auch auf die dem Auswartigen Amt bekannten AuBerungen sowjet- 
russischer Offiziere tiber deutsch-russische Spannungen hingewiesen, die in ihrer haBerfullten Art der 
deutschfeindlichen Propaganda nicht nur in der russischen Wehrmacht, sondern auch im russischen 
Volke Vorschub leisten. 

Das Oberkommando der Wehrmacht weist auf den Ernst der hierdurch moglicherweise entstehenden 
Folgen hin. 

Die deutsche Luftwaffe ist nach wie vor zur auBersten Zuruckhaltung angewiesen worden. 

Der Chef des Oberkommandos der Wehrmacht. 
Im Auftrage: (gez.) Jodl. 

Oberkommando der Wehrmacht 

F. H. Qu., den 23. April 1941. 

WFST / Abt. L (1 Op) Geheime Kommandosache 

Nr. 00731a/41 g. Kdos. 

Betr.: Sowjetrussische Grenzverletzungen. 

An das Auswartige Amt, z. Hd. Herrn Botschafter Ritter. Fast taglich einlaufende Meldungen tiber 
weitere 
109 Grenzverletzungen sowjetrussischer Flugzeuge bestatigen die im Schreiben vom 1. Marz dem 

Auswartigen Amt ubermittelte Auffassung des Oberkommandos der Wehrmacht, daB es sich hierbei 
um bewuBte Provokationen von sowjetrussischer Seite handelt. 

Am 11. April uberflogen zwei zweimotorige Flugzeuge vom Typ SB 2 die Stadt Beiz in groBer Ho- 
he. Am 11. April wurde je ein Flugzeug bei Malkinia und Ostrow-Mazowike gesichtet. Ebenfalls wur- 
de am 14. April ein sowjetrussisches Flugzeug tiber Langszorgen gemeldet. Mehrere Flugzeuge uber- 
flogen am 15. April im Raum Dynow-Lodzina — s. Losko — die Interessengrenze. Am 17. April 
wurden allein 8 Flugzeuge iiber deutschem Gebiet festgestellt, und zwar je 4 bei Deumenrode und 
Swiddern, am 19. April zwei Flugzeuge iiber Malkinia, ein weiteres in 200 m Hohe (!) iiber Ostrowi- 
ce. 

AuBerdem wurde noch eine Reihe weiterer Flugzeuge gemeldet, deren Nationalitat jedoch infolge 
der Flughohe nicht einwandfrei erkannt werden konnte. Es besteht jedoch nach Flugrichtung und den 



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bei den dort eingesetzten deutschen Verbanden gemachten Feststellungen kein Zweifel, daB es sich 
hierbei ebenfalls um Grenziiberfllige durch Flugzeuge der UdSSR handelt. 

Das Oberkommando der Wehrmacht muB nunmehr feststellen, daB die sich standig steigernden 
Grenzuberfliegungen nur noch als planmaBiger Einsatz der Luftwaffe der UdSSR iiber dem Hoheits- 
gebiet des Reiches gewertet werden konnen. Da inzwischen auf Grund der Truppenverstarkungen auf 
der anderen Seite der deutschen Ostgrenze auch weitere deutsche Verbande zur Sicherung herange- 
ftihrt werden muBten, ist mit erhohter Gefahr von folgenschweren Grenzzwischenfallen zu rechnen. 

Die Anordnungen des Oberkommandos der Wehrmacht zur auBersten Zuruckhaltung sind trotzdem 
weiterhin in Kraft. 

Der Chef des Oberkommandos der Wehrmacht. 
Im Auftrage: (gez.) Jodl. 

Oberkommando der Wehrmacht 

F. H. Qu., den 6. Mai 1941. 

WFST / Abti. L (I Op) Geheime Kommandosache 

Nr.: 00805/41 g. Kdos. 

Betr.: Sowjetrussische Grenzverletzungen. 

An das Auswartige Amt, z. Hd. Herrn Botschafter Ritter. Im Nachgang zum Schreiben vom 23. April 
teilt das Oberkommando der Wehrmacht mit, daB nunmehr auch Grenzverletzungen sowjetrussischer 
Soldaten in besorgniserregendem Umfange zunehmen. 

1. Bereits Anfang Dezember 1940 wurden im Gebiet zwischen Jaroslau und Sokal an verschiedenen 
Stellen bewaffnete Offiziere und Soldaten gesichtet, die offenbar systematisch das deutschrussische 
Grenzgebiet beobachteten. In Einzelfallen wurden fotografische Aufnahmen gemacht. Ob es sich hier- 
bei um Angehorige der sowjetrussischen Wehrmacht oder um Beamte des russischen Zollgrenzschut- 
zes handelt, konnte nicht immer einwandfrei festgestellt werden. In jedem Falle gelang es den Russen, 
bei Annaherung deutscher Grenzposten in dem dichten Unterholz zu entkommen. 

2. Neuerdings wurden gleiche Beobachtungen auch bei Smalodarsen, Kamienczyk, Terespol und 
Cabuce gemacht. In den drei letzten Fallen handelt es sich um sowjetrussische Offiziere und Soldaten, 
die mit einem Motorboot am deutschen Bugufer anlegten und anschlieBend langere Zeit das deutsche 
Grenzgebiet mit Doppelglasern absuchten. 

3. Unter Bezugnahme auf die fernschriftlich vorausgemeldete BeschieBung des Obltn. Dallinger vom 
Div.-Stab der 291. Div. gibt das Oberkommando der Wehrmacht nachstehend den ausfuhrlichen Be- 
nefit des AOK 18 im Wortlaut wieder: 

„Der Obltn. d. R. Dallinger, Leiter der Kartens telle der 291. Inf. -Div., hatte den dienstlichen Auftrag, 
mit 
110 dem Gefr. GieBen der Div.-Kartenstelle die durch Bodensicht und durch die russischen Beobachtungs- 
turme eingesehenen Raume zu uberpriifen und genau festzulegen. 

Bei Ausiibung dieser Tatigkeit in der Nahe des Grenzgrabens wurde Obltn. Dallinger am 25. April 
1941, um 16.30 Uhr, im Raum nordostwarts von Ramutten von einem russischen Posten beschossen. 
Obltn. Dallinger und der Gefr. GieBen nahmen sofort Deckung, stellten Uhrzeit und genauen Aufent- 
haltsort fest und setzten darauf ihre Erkundungen, nunmehr allerdings in mehr als 100 m Entfernung 
von der Grenze, fort. Einem in der Nahe befindlichen Beamten der Grenzaufsicht, der durch den 
SchuB auf den Vorfall aufmerksam gemacht war, hat Obltn. Dallinger den Vorfall sofort mitgeteilt. 

Obltn. Dallinger, dem der Verlauf der Grenze genau bekannt war, befand sich einwandfrei auf deut- 
schem Gebiet. Genaue Lageskizze wird beigefugt." 

Das Oberkommando der Wehrmacht muB aus diesen Tatsachen in Verbindung mit den zahlreichen 
sich fortwahrend noch steigernden Grenzuberflugen die Uberzeugung gewinnen, daB die sowjetrussi- 
sche Heeresleitung alle ihr zur Verfugung stehenden Aufklarungsmittel systematisch einsetzt. 

Wenn auch die Anordnungen des Oberkommandos der Wehrmacht, vollige Zuruckhaltung zu be- 
wahren, nach wie vor aufrecht erhalten werden, so muB das Oberkommando der Wehrmacht doch 
nachdrticklichst darauf hinweisen, daB sich aus dem Grade des Spannungszustandes, der nunmehr 
vorliegt, jederzeit bewaffnete ZusammenstoBe, auch groBeren Umfangs, entwickeln konnen. 

Der Chef des Oberkommandos der Wehrmacht. 



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Im Auftrage: (gez.) Jodl. 

Der Chef 
des Oberkommandos der Wehrmacht 

F. H. Qu., den 11. Mai 1941. 

WFSt / Abt. L, (I Op) Geheime Kommandosache 

Nr.: 00886/41 g. Kdos. 
An den 

Herrn Reichsminister des AuBern. 

Sehr verehrter Herr Reichsminister! 

Das Oberkommando der Wehrmacht beobachtet seit Monaten mit standig wachsender Besorgnis die 
Entwicklung, die der Aufmarsch russischer Streitkrafte entlang der deutschen Ostgrenze nimmt. 

Nach den hier vorliegenden Meldungen befanden sich bei Kriegsausbruch 1039 etwa 77 russische 
Schutzen-Divisionen im europaischen RuBland, davon nur wenig mehr als die Halfte im west- 
russischen Grenzraum. Nach Beendigung des Polenfeldzuges erhohte sich diese Zahl auf 114. Wenn 
das Oberkommando der Wehrmacht damals eine gewisse Begriindung dieser MaBnahme in der aller- 
dings fast kampflosen Besetzung Ost-Polens durch russische Truppen sah, so muBte es nach planma- 
Bigem AbschluB dieser Operationen mit um so groBerem Befremden ein noch weiteres Anwachsen 
dieser Zahl auf 121 feststellen. 

Seit Beginn dieses Jahres aber liefen fast taglich beim Oberkommando der Wehrmacht von alien 
Teilen der Grenze Meldungen ein, die in ihrer Gesamtauswertung das Bild einer umfassenden russi- 
schen Truppenkonzentration an der deutschen Ostgrenze ergaben. Unter rticksichtslosem Abtransport 
von Schutzen-, mot. und Pz.-Divisionen aus dem asiatischen Raum und Kaukasien — besonders nach 
dem russisch-japanischen Nichtangriffspakt — erhohte sich die Zahl allein der festgestellten Schut- 
zen-Divisionen im europaischen RuBland am 1. Mai 1941 auf 143. Davon befanden sich 119 Divisio- 
nen im deutsch-russischen Grenzraum. 

Bei den Pz.-Brigaden und Pz.-Divisionen ist diese wachsende Schwerpunktbildung noch erheblich 
ausgesprochener. Seit Jahresbeginn befinden sich fast samtliche uberhaupt festgestellten mot. und. 
Pz.- 
111 Einheiten in West-RuBland. Hinzu kommen weitere 20 Kav.-Divisionen und mehrere Fallschirm- 
Bataillone. 

Eine gleiche Entwicklung ist auch bei der russischen Luftwaffe zu erkennen. Mit der standig zuneh- 
menden Anhaufung leichter Fliegerverbande zur Unterstutzung des Heeres laBt der rasche Fortgang 
des Ausbaues der Bodenorganisation in Grenznahe die Vorbereitung weitreichender Bombenangriffe 
starker Kampffliegereinheiten in das Deutsche Reich hinein erkennen. 

Weiterhin weist das Oberkommando der Wehrmacht erneut auf die wiederholten AuBerungen hohe- 
rer sowjetrussischer Offiziere hin, die bei Planspielen und Truppenubungen offen von einer baldigen 
russischen Offensive sprachen. 

Das- Oberkommando der Wehrmacht ist durch diese Tatsachen in Verbindung mit den dem 
Auswartigen Amt laufend mitgeteilten Grenzverletzungen sowjetrussischer Flugzeuge und Soldaten 
zu der Uberzeugung gekommen, daB dieses, einer Mobilmachung praktisch gleichkommende AusmaB 
des russischen Aufmarsches an der deutschen Ostgrenze, nur noch als Vorbereitung fur russische 
OffensivmaBnahmen groBten Umfanges gedeutet werden kann. Die Gefahr eines bewaffneten 
Konflikts riickt daher in bedrohliche Nahe. 

Der annahernd abgeschlossene Aufmarsch ihrer Wehrmacht ermoglicht der sowjetrussischen Staats- 
flihrung dabei die freie Wahl des Angriffsbeginns. Entsprechende deutsche GegenmaBnahmen werden 
nunmehr unumganglich. 

Heil Hitler! 
Ihr sehr ergebener 
gez. Keitel. 

Geheime Kommandosache. 
Oberkommando der Wehrmacht 

F. H. Qu., den 8. Juni 1941. 

WFST / Abt. L (I Op) 
Nr. 00 1096a/41 g. Kdos. 



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Betr.: Sowjetrussische Grenzverletzungen. 

An das 

Auswartige Amt 

z. Hd. Herrn Botschafter Ritter. 

In der Anlage iiberreicht das Oberkommando der Wehrmacht eine Zusammenstellung der Grenzver- 
letzungen durch russische Flugzeuge und Soldaten seit Jahresbeginn. Dazu wird bemerkt, daB sich 
diese Liste auf solche Falle beschrankt, deren Tatbestand von verschiedener Seite bestatigt wurde. DaB 
dariiber hinaus noch eine Anzahl weiterer Grenzverletzungen vorgekommen sind, wurde bereits im 
Schreiben vom 23. April erwahnt. 

Auf die im Schreiben vom 6. Mai aufgezeichneten bedrohlichen Folgen dieser Verhaltnisse an der 
deutschen Ostgrenze wird aus diesem AnlaB erneut und mit starkstem Nachdruck hingewiesen. 

Der Chef des Oberkommandos der Wehrmacht. 
Im Auftrage: gez. Jodl. 
(Anlage enthalt Verzeichnis von 41 Grenzverletzungen in der Zeit vom 
10. Januar bis 6. Juni 1941.) 

Geheime Kommandosache. 

Oberkommando der Wehrmacht Berlin, den 11. Juni 1941. 

Aus!. Nr. 212/41 g. Kdos. Chefs. 

Chefsache. Nur durch Offizier! 

An die Reichsregierung, tiber den Herrn Reichsminister des Auswartigen. 
Das Oberkommando der Wehrmacht hat die Reichsregierung fortlaufend dariiber unterrichtet gehal- 
ten, 
112 wie sehr die militarische Haltung SowjetruBlands in wachsendem MaBe einen bedrohlichen Charakter 
angenommen hat. Wenn die politische Haltung der Sowjetunion ein wechselndes Gesicht zeigte und 
die Erfiillung der Vertrage auf wirtschaftlichem Gebiet im wesentlichen keine Veranlassung zu Bean- 
standungen gab, so hat sich doch inzwischen klar erwiesen, daB die militarischen MaBnahmen der 
Sowjet-Union eindeutig auf die Vorbereitung eines Angriffs auf das Deutsche Reich eingestellt sind. 

Diese Entwicklung, die zu einem GroBaufmarsch der Roten Armee vom Schwarzen Meer bis zur 
Ostsee gefiihrt hat, stellt sich wie folgt dar: 

Um die Jahreswende 1939/40 bestanden noch keine Besorgnisse fur die Sicherheit der deutschen 
Ostgrenze. Die Sowjet-Union hatte bei der Liquidierung Polens eine auBerlich freundschaftliche Hal- 
tung gezeigt. Bereits Anfang 1940 muBte jedoch mit Befremden festgestellt werden, daB die Sowjet- 
Union nicht nur ihre Westgrenze stark zu befestigen begann, daB sie nicht nur die bekannte tote Zone 
entlang der Grenze schaffte und die Verlegung der Industrie in das Innere einleitete, sondern daB sie in 
immer steigendem MaBe eine Verstarkung der Grenztruppen vornahm. 

Am 1. September 1939 hatten in dem Gebiet westlich der Linie Archangelsk — Kalinin — Poltawa — 
Westspitze Krim gestanden: 

44 Schiitzen-Divisionen, 

20 Kavallerie-Divisionen und 

3 motorisierte und Panzer-Brigaden. 
Aus AnlaB des Polenfeldzuges hat die Sowjet-Union bis zum 28. November 1939 diese Truppen um 
47 Divisionen und motorisierte und Panzer-Brigaden verstarkt auf 
76 Schiitzen-Divisionen, 

21 Kavallerie-Divisionen und 

17 motorisierte und Panzer-Brigaden. 
Trotz der Beendigung des Polenfeldzuges wurden die Verstarkungen in groBein Umfange fortge- 
setzt. So kamen bis zum 12. Marz 1940 mindestens weitere 16, wahrscheinlich sogar 25 Divisionen 
und motorisierte Brigaden neu hinzu. Die Gesamtstarke der sowjetrussischen Truppen im westlichen 
Grenzgebiet betrug danach Mitte Marz 1940: 

86 — 95 Schiitzen-Divisionen, 

22 Kavallerie-Divisionen und 

22 motorisierte und Panzer-Brigaden. 
Nachdem anfanglich die Zusammenarbeit der deutschen und sowjetrussischen Stellen an der 
neuen Grenze im friiheren Polen scheinbar forderlich und reibungslos vor sich gegangen war, kam es 



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im Winter 1939/40 immer haufiger zu ernsten Zwischenfallen. Diese Zwischenfalle enthiillten eine 
ausgesprochene Abneigung und deutschfeindliche Einstellung der sowjetrussischen Grenztruppen. Ihr 
Verhalten war vollig unbegriindet, da man deutscherseits offen seine friedlichen Absichten zeigte und 
sich um ein friedliches Zusammenleben an der Grenze bemuhte. Wahrend die deutschen Grenzverlet- 
zungen sich ineist als geringfligig und immer als unbeabsichtigt erwiesen, waren die sowjetrussischen 
Grenzverletzungen viel zahlreicher, ungleich schwerer und hatten haufig Todesfalle auf deutschein 
Gebiet zur Folge. Erst auf ernstliche Vorstellungen der Deutschen Reichsregierung hin sind die so- 
wjetrussischen Grenzverletzungen wenigstens zeitweise zuriickgegangen. 

Bei der Besetzung der baltischen Staaten durch Sowjet-RuBland war durch Vertrage eine Hochst- 
starke der Besatzung von insgesamt 70 000 Mann vereinbart worden. Diese Zahl ist zunachst nicht 
einmal erreicht worden. So war die Starke der Besatzungsarmee am 28. Januar 1939 53 000 Mann und 
am 1. Februar 1940 57 500 Mann. Die Besetzung ging widerstandslos vonstatten; auch in der weiteren 
Besatzungszeit 
113 ist es in den besetzten Gebieten niemals zu einem Zustand gekommen, der eine Erhohung der 

sowjetrussischen Besatzungszahlen militarisch erforderlich gemacht haben wtirde. Trotzdem ging die 
Sowjet-Union, nachdem sie die drei Lander vollig einverleibt hatte, daran, diese Gebiete mit einer 
uberstarken Truppenmacht aller Waffengattungen zu besetzen. Im Fruhsommer 1940 hatte die Bele- 
gung eine Gesamtstarke von rund 250000 Mann erreicht; zur Zeit stehen schatzungsweise 650000 
Mann in dem Gebiet der fruheren baltischen Staaten. Eine weitere schwere Bedrohung Deutschlands 
stellte der Aufmarsch russischer Krafte an der russisch-rumanischen Grenze dar, der im Oktober 1940 
begann. Als im September 1940 auf Wunsch der damaligen rumanischen Regierung die Entsendung 
einer deutschen Militarmission nach Rumanien erwogen und spater durchgefuhrt wurde, benutzte die 
Regierung der UdSSR diesen Umstand zum AnlaB, erhebliche Truppenmengen des Heeres und der 
Luftwaffe in Bessarabien und in der Bukowina an der rumanischen Grenze zusammenzuziehen und 
dort zu belassen. Aufgabe dieser Krafte war zunachst, durch Ausiibung eines Drucks auf die Balkan- 
staaten den deutschen EinfluB auf dem Balkan zu mindern und die auf friedliche Durchflihrung gerich- 
teten Absichten Deutschlands auf dem Balkan zunichte zu machen. Seit dem immer starker werdenden 
Auftreten englischer Krafte in Griechenland bestand jedoch die Aufgabe der an der rumanischen 
Grenze versammelten russischen Krafte offensichtlich darin, bei der nach dem Putsch in Belgrad vom 
27. Marz 1941 unvermeidlich gewordenen bewaffneten Auseinandersetzung einzugreifen und, in 
westlicher Richtung vorstoBend, die Verbindung mit der jugoslawischen Wehrmacht aufzunehmen 
sowie die deutschen Balkankrafte von ihren Nachschublinien abzuschneiden. Die Voraussetzungen fur 
einen angriffsweisen Einsatz wurden geschaffen, grenznahe Flugplatze angelegt. Versorgungsbasen 
geschaffen, Panzerverbande herangefuhrt, die ruckwartigen Verbindungen verbessert und zahlreiche 
Vormarschmoglichkeiten durch das Gebirge zur Grenze geschaffen. Nur durch die schnellen und ent- 
scheidenden deutschen Waffenerfolge wurden diese Plane durchkreuzt. 

Wie ein roter Faden zieht sich durch die Jahre 1940 und 1941 eine ununterbrochene Kette von Ver- 
letzungen der deutschen Hoheitsgrenze durch die sowjetrussische Luftwaffe. So ist allein im Monat 
Mai 1941 die deutsche Grenze von sowjetrussischen Flugzeugen 27mal liberflogen worden. Auch die 
Grenzverletzungen durch sowjetrussische Soldaten lebten mit Beginn des Jahres 1941 wieder auf und 
nehmen allmahlich unertragliche Formen an. 

Ein eindringliches Bild der auBerordentlichen sowjetrussischen Truppenzusammenziehungen an der 
Westgrenze gibt die nachstehende Aufstellung: 
1. September 1939: 

44 Schutzen-Divisionen, 

20 Kavallerie-Divisionen, 

3 motorisierte und Panzer-Brigaden 
(zusammen ca. 65 Divisionen). 28. November 1939: 
76 Schutzen-Divisionen, 

21 Kavallerie-Divisionen, 

17 motorisierte und Panzer-Brigaden 
(zusammen ca. 106 Divisionen). 1. Mai 1941: 

118 Schutzen-Divisionen, 

20 Kavallerie-Divisionen, 

40 motorisierte und Panzer-Brigaden 
(zusammen ca. 158 Divisionen). 



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Das Oberkommando der Wehrmacht hat angesichts dieser Truppenverstarkungen der Roten Armee 
nach und nach erhebliche Krafte an die deutsche Ostgrenze verlegen mlissen. Diese Umgruppierung 
ist unmit 

114 telbar und ausschlieBlich durch den bedrohlichen sowjetrussischen Aufmarsch veranlaBt worden. 

Der Bedrohung, die aus dem Aufmarsch der sowjetrussischen Armee fur Deutschland erwachst, ent- 
spricht der in ihr hochgeztichtete deutschfeindliche Geist der dauernd geschurt und wachgehalten wird 
durch eine feindselige Propaganda. Hierfur liegen zahllose Nachrichten auch von befreundeten und 
neutralen Beobachtern vor. 

Daraus ergibt sich, daB der Aufmarsch der Roten Armee im wesentlichen als abgeschlossen angese- 
hen werden muB. Denn von insgesamt 
170 Schutzen-Divisionen, 
33 1/2 Kavallerie-Divisionen, 
46 motorisierten und Panzer-Brigaden 
befinden sich im westlichen Grenzgebiet: 
118 Schutzen-Divisionen, 
20 Kavallerie-Divisionen, 
40 motorisierte und Panzer-Brigaden, 
im ubrigen europaischen RuBland nur 
27 Schutzen-Divisionen, 
5 1/2 Kavallerie-Divisionen, 
1 motorisierte und Panzer- Brigade, 
im Fernen Osten lediglich 

25 Schutzen-Divisionen, 
8 Kavallerie-Divisionen, 
5 motorisierte und Panzer-Brigaden. 
Es ergibt sich also das Bild, daB der russische Aufmarsch immer naher an die Grenze vorgeschoben 
worden ist. Die einzelnen Verbande des Heeres und der Luftwaffe haben in sich nach vorne aufge- 
schlossen: grenznahe Flugplatze sind mit starken Verbanden der Luftwaffe belegt worden. Die Erkun- 
dungstatigkeit hat auffallend zugenommen und ist teilweise durch hochste Offiziere mit groBen Staben 
ausgefuhrt worden. 

Alle diese Tatsachen, verbunden mit dem in der russischen Wehrmacht gezuchteten Vernichtungs- 
willen gegen Deutschland zwingen notwendig zu dem SchluB, daB die Sowjetunion sich bereit macht, 
in jedem ihr geeignet scheinenden Augenblick zum Angriff gegen das GroBdeutsche Reich anzutreten. 
Der Chef des Oberkommandos der Wehrmacht. 
gez. Keitel. 

Oberkommando der Wehrmacht Berlin, den 20. Juni 1941. 

WFST / Abt. L. (I Op) 

Nr. 001 161/41 g. K. 

Betr.: Sowjetrussische Grenzverletzungen. 

Geheime Kommandosache. 
An 

das Auswartige Amt 
z. Hd. Herrn Botschafter Ritter. 
Am 17. Juni 1941 um 8.25 Uhr liberschritten bewaffnete russische Soldaten im Abschnitt des deut- 
schen VI. A.-K. ostrich der Romintener Heide bei Eiszeryszki (15 km westl. Kalvarija) die russische 
Grenze und bewegten sich sichernd auf deutschem Gebiet. Als deutsche Posten Gewehrschtisse auf die 
russischen Soldaten abgaben, nahmen sie Deckung. Nach einem kurzen Feuergefecht zogen sich dann 
die Russen wieder auf ihr Gebiet zuriick. 

Dieser Vorfall ist im Zusammenhang mit dem gerade gegenuber OstpreuBen besonders massierten 
Aufmarsch sowjetrussischer Krafte ein erneutes Anzeichen fur die provokativen Absichten SowjetruB- 
lands. 

1 15 Seit 11. Juni d. J. sind allein gegenuber dem Grenzabschnitt Suwaiki — Memel 20 Inf.-Div., 2 Pz.-Div. 
und 5 Pz.-Brigaden einwandfrei festgestellt. 

In dem weit nach Westen vorspringenden Bogen um Bialystok sind 19 Inf.-Div., 7 Kav.-Div., 1 Pz.- 
Div. und 5 Pz.-Brigaden zusammengezogen. 



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Dahinter um Baranowitschi ist eine Reserve-Armee von 10 Inf.-Div. und 2 Pz.-Brig. versammelt. 

Daraus geht hervor, daB sich jeden Augenblick eine ungeheure sowjetrussische Truppenmacht, die in 
4 Armeen gegliedert ist und 

49 Inf.-Div., darunter zahlreiche motorisierte, 
3 Pz.-Div., 12 Pz.-Brigaden und 
7 Kav.-Div. 
umfaBt, von Osten und Sudosten her gegen OstpreuBen und gegen das Mlindungsgebiet von Bug und 
Narew nordlich Warschau in Bewegung setzen kann. 

Ein solcher Angriff kann nach den vorliegenden Meldungen iiber die Belegung der sowjetrussischen 
Flugplatze nordlich der Pripet-Siimpfe von nahezu 2000 Flugzeugen unterstiitzt werden. 

DaB auch an der gesamten ubrigen Ostfront die sowjetrussischen Krafte in ahnlicher, wenn auch 
nicht solch ausgesprochener Masse konzentriert sind, wurde dem Auswartigen Amt schon am 11. Mai 
eingehend erlautert. In den letzten Wochen hat sich das Lagebild iiber den Aufmarsch der Sowjettrup- 
pen nur insofern geandert, als in Siidbessarabien ausschlieBlich schnelle Krafte (Panzer-Div. und - 
Brigaden sowie motorisierte und Kav. Div.) versammelt sind, was eindeutig auf offensive Absichten 
schlieBen laBt. 

AbschlieBend muB das Oberkommando der Wehrmacht feststellen, daB eine derartige militarische 
Situation einem Staate gegeniiber, mit dem ein Freundschaftspakt besteht, als einzigartig zu bezeich- 
nen ist. 

Es kann kein Zweifel dariiber bestehen, daB SowjetruBland diesen Pakt seit Monaten nur mehr als 
eine Sicherung betrachtet hat, um moglichst ungestort im Sinne Englands den gewaltigsten militari- 
schen Aufmarsch seiner Geschichte gegen Deutschland zu vollziehen. 

Die Sicherheit des Reiches macht es erforderlich, diese Bedrohung unverziiglich zu beseitigen. 

Der Chef des Oberkommandos der Wehrmacht. 
i. A.: gez. Jodl. 

Der Bericht des Reichsministers des Innern und des 
Reichsfuhrers SS und Chefs der Deutschen Polizei 
an die Reichsregierung 

Der Chef der Sicherheitspolizei Berlin, den 10. Juni 1941. 

und des SD. 

IV E L 17/41 gRS. Geheime Reichssache. 

Bericht 

an den Reichsfiihrer SS und Chef der Deutschen Polizei. Die zersetzende Tatigkeit der kommu- 
nistischen Internationale bis zum AbschluB des deutsch-sowjetrussischen Konsultativ- und Nichtan- 
griffspaktes vom 23. August 1939 gegeniiber den Achsenmachten, insbesondere gegen das national- 
sozialistische Deutschland, ist allgemein bekannt. 

Die Hoffnung, SowjetruBland wurde sich nach AbschluB dieses Paktes entsprechend den Vertrags- 
abmachungen loyal verhalten und die Wiihlarbeit gegen das Reich einstellen, war triigerisch. Im Ge- 
genteil: Kommunistische Zersetzung, Sabotage- und Terrorversuche und auBerste Forcierung des mili- 
tarischen, 
116 wirtschaftlichen und politischen Nachrichtendienstes waren die unverriickbaren — jedoch erkannten 
— Ziele der sowjetrussischen Machthaber. 

Das einzige, was man geandert hatte, war die Methode, die durch stets neue Formen und raffinierte 
Tarnungen der Abwehr dauernd neue Aufgaben stellte. 

7. Aufbau und Zielsetzung der Komintern. 

Die kommunistische Internationale (Komintern) ist die sowjetrussische Organisation (Sitz Moskau) 
mit dem Ziel (§ 1 des Statuts): „Die kommunistischen Parteien aller Lander zu einer Weltpartei zu 
vereinen, fur die Gewinnung der Arbeiterklasse sowie die Grundsatze des Kommunismus und der 
Diktatur des Proletariats zu kampfen." Noch heute gehoren Stalin — als 1. Sekretar der kommunisti- 
schen Partei der SU — dem Presidium des Exekutivkomitees der Komintern an, ebenso wie Molotow, 
ferner der deutsche Emigrant P i e c k, als Vertreter der deutschen Sektion der kommunistischen In- 
ternationale, der franzosische Kommunistenfuhrer T h o r e z und als Vorsitzender der aus dem 
Reichstagsbrand bekannte bulgarische Terrorist Dimitroff. 



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Fiir die amtlichen Stellen der SU bedeutet die Komintern den unbelasteten — inoffiziellen, d. h. 
nicht staatlichen Apparat — , der fiir jede Zersetzungsarbeit im internationalen MaBstab eingesetzt 
werden kann. Neben den Spezialnachrichten- und Spionagediensten wird aber auch die Komintern zu 
diesen Spezialaufgaben im Ausland angesetzt, so daB eine genaue Trennung bei der Bekampfung nur 
schwer durchzufiihren ist. 

Mit einem intensiven Aufwand an Menschen und Geld wurde gerade wahrend des Krieges die 
Wiihlarbeit der Komintern gesteigert. Ganz Europa wurde mit Aufrufen und Weisungen der einzelnen 
Landersektionen iiberschiittet mit dem Ziel, die Anhanger der kommunistischen Ideologic zu ange- 
strengtester und ausdauerndster Zersetzungsarbeit gegen den „imperialistischen Krieg Deutschlands" 
anzufeuern, nicht zuletzt, um durch diese Steigerung der Aktivitat die fiir die Sowjetunion vermuteten 
nachteiligen Wirkungen des Paktabschlusses mit dem nationalsozialistischen Deutschland auszuglei- 
chen. 

//. Die neue Methode der illegalen Zersetzungsarbeit. 

1. Gegen das Reich. 

Infolge der riicksichtslosen Bekampfung und Vernichtung der kommunistischen Partei — von 1933 
an — als notwendige Folge der kompromiBlosen Kampfstellung des Nationalsozialismus — waren in 
der Zeit vor dem PaktabschluB sowohl die scharfsten Bemiihungen der Komintern vom Ausland her, 
als auch die — iiberwachte — Arbeit kleinerer Restbestandteile der KP, mit ihren AM- und BB- 
Gruppen (AM = Abteilung fiir Militarpolitik, BB = Betriebsspionage) umsonst. 

Dem gesteigerten Druck der polizeilichen Abwehr gegeniiber antwortete die Komintern mit metho- 
dischen Anweisungen einer verfeinerten Zersetzungstaktik. Nach dem Beispiel des „Trojanischen 
Pferdes" sollte noch mehr von innen heraus — nach dem Schulbeispiel des spanischen Biirgerkrieges 
— gearbeitet werden. Durch den PaktabschluB vom 23. August 1939 wurde diesem Vorgehen jede 
propagandistische Resonanz genommen, der das Exekutivkomitee der Komintern mit einer gesteiger- 
ten Tatigkeit zur Erneuerung eines umfassenden AM- und BB-Apparates begegnen wollte. Wahrend 
in den besetzten Gebieten durch die immer noch bestehenden starken Auffangapparate der kommuni- 
stischen Parteien selbst die Komintern leichtere Arbeit hatte, kamen ihre Bemiihungen gegen das 
Reich aus dem Stadium des Versuches durch rechtzeitigen Zugriff nie heraus. 

Durch fortlaufende Beobachtung wurde festgestellt, daB in den europaischen Landern die Verbin- 
dungsstellen der Komintern erneut stark ausgebaut wurden mit dem alleinigen Ziel, die zersetzende 
und nachrichtendienstliche Tatigkeit nach Deutschland zu steigern. 
117 So befindet sich eine Hauptverbindungsstelle bei der schwedisch-kommunistischen Partei in 

Stockholm. Diese Stelle ist eine der riihrigsten und gefahrlichsten Einsatzzentren der Komintern. Ihre 
Methode gegen das Reich soil aus der Vielzahl des vorliegenden Materials im nachstehenden naher 
beschrieben werden. 

Zur Arbeit gegen das Reich wurden ehemalige deutsche kommunistische Spitzenfunktionare, die in 
langjahriger Ausbildung in Moskau und anderen Stadten Europas geschult waren, bevorzugt benutzt. 
Sie wurden erstmalig im Jahre 1939 in das Reich eingeschleust. Einem der Gerissensten gelang es, in 
umfassender Weise mit den von friiher her bekannten Genossen in Berlin in Verbindung zu kommen 
und in systematischer Arbeit in Berliner GroBbetrieben, in denen wehrwichtige Arbeit durchgefiihrt 
wurde, erneut kommunistische Betriebszellen aufzuziehen. Der eindeutig verfolgte Zweck dieser Un- 
ternehmung war sowohl die Belegschaft zu zersetzen als sie zur Sabotage anzuleiten und dabei gleich- 
zeitig Betriebsspionage auszuiiben. Auf geschickt ausgebauten Kurierwagen wurden fortlaufend Mate- 
rial, Befehle und Geld von den Komintern-Instrukteuren aus Stockholm und Kopenhagen bezogen. 
Fiihrenden Anteil in der Steuerung dieser im gefahrlichen MaBe sich ausbauenden Organisation hatte 
der schwedische Reichstagsabgeordnete Linderoth, der der Vertreter des europaischen Biiros der 
Komintern in Stockholm ist. Er erledigte besonders Auftrage, die ihm vom Exekutiv-Komitee der 
kommunistischen Internationale fiir die einzelnen Lander iibertragen wurden. Linderoth aktivierte von 
Stockholm aus in Kopenhagen unmittelbare Beauftragte der Komintern in der Arbeit gegen das Reich, 
die auch von ihm finanziert wurden. Um die zum Einsatz gelangenden Spitzenfunktionare, wie z. B. 
Arthur Emmerlich, geb. 20. September 1907 in Niederwiese, oder Willy Gall, geb. 3. Oktober 1908 
in Falkenstein/Vogtland, oder Rudolf Hallmeyer, geb. 3. Februar 1908 in Flauen, oder Heinrich S c h 
m e e r, geb. 20. Marz 1906, gegen Zugriffe der Sicherheitspolizei (SD) weitgehend zu schiitzen, wur- 
den sie iiber die vermutliche polizeiliche Arbeitsweise von den Beauftragten des Linderoth geschult. 



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Die Schulung wurde durch den hier bestens bekannten Kommissar der GPU — die seit dem 3. Februar 
1941 Teil des vereinigten Volkskommissariats fur innere Angelegenheiten geworden ist, mit dem Titel 
„Volkskommissariat fur Staatssicherheit" — Dimitri Fedoseiewitsch Krylow betrieben. 

Die von den obengenannten Spitzenfunktionaren ausgebaute Organinisation arbeitete liber eine 
inzwischen in Hamburg fest eingebaute Kuriers telle iiber Kopenhagen, Stockholm nach Moskau mit 
dem Ziel, gegen Erhalt von Geldmitteln und Weisungen liber den wichtigsten Fabrikations- und Pro- 
duktionsstand neuartigster Waffen in Deutschland zu berichten. 

Der Organisation oblag neben diesen Aufgaben auch die laufende Herstellung zersetzender Flugblat- 
ter. Aus dem zuletzt — Ende Mai 1941 — an Emmerlich gelangenden Befehl der Komintern aus 
Moskau ist auffallend ersichtlich, daB gerade fur die nachsten zwei Monate die Entsendung einer gro- 
Beren Zahl weiterer Instrukteure, aufgegliedert nach den einzelnen Gauen des Reiches, vorbereitet und 
in Durchfuhrung begriffen war. 

Da die fortlaufende Beobachtung durch den Umfang der Organisation nicht mehr in der Lage war, 
tatsachliche Schaden zu verhindern, erfolgte Ende Mai 1941 rechtzeitig der Zugriff und die Festset- 
zung samtlicher Beteiligten. 

2. Gegen die von Deutschland besetzten Gebiete. 

Die Technik der illegalen Zersetzung durch die Komintern in den von Deutschland besetzten Ge- 
bietsteilen verlauft in der Form ahnlich wie oben beschrieben. 
118 Im einzelnen ist hervorzuheben: 

a) Im Protektorat. 

Bereits vor der Besetzung der ehemaligen Tschecho-Slowakei war die kommunistische Partei sehr 
rege, die aber vor allem nach Errichtung des Protektorats in ihrer Illegalitat voll zur Auswirkung ge- 
langte. In den letzten Jahren waren aus diesem Gebiet laufend kommunistische Funktionare auf die 
Lenin-Schule nach Moskau berufen worden, wo sie in einem militar-politischen Unterricht in der 
Theorie und Praxis des Burger- und Terrorkriegs geschult wurden. 

Diese qualifizierten Funktionare wurden nach Errichtung des Protektorats in Ansatz gebracht. Sie 
begannen unverzliglich mit dem Auf- und Ausbau der illegalen KPD. Die Verbindung mit der Komin- 
tern und die Uberwachung und Leitung der Parteiarbeit wurde durch das Generalkonsulat der UdSSR 
in Prag aufrecht erhalten und durchgefuhrt. Als Verbindungsmann zum sowjetrussischen Generalkon- 
sulat arbeitet der T a B korrespondent und Pressereferent beim sowjetrussischen Generalkonsulat Kurt 
Beer (Jude!). In Ausiibung seiner Funktion erhielt er von der diplomatischen Vertretung russische 
Zeitungen und kommunistisches Propagandamaterial, das er weisungsgemaB den Spitzenfunktionaren 
der KPD uberlieB. Er war auch Vermittler riesiger Geldbetrage fur die Unterstlitzung der illegalen 
Parteiarbeit. 

AuBer dieser Verbindung iiber das sowjetrussische General-Konsulat bestand im Protektorat noch 
eine direkte Funkverbindung der Komintern mit Moskau. Die mit der Leitung dieses Kominternge- 
heimsenders in Prag beauftragten Funktionare waren ebenfalls in einem Spezialkursus in Moskau auf 
der Schule fur Radio-Telegraphie ausgebildet. (Diese Schule wird von den Komintern beaufsichtigt 
und steht unter Bewachung der roten Armee.) Die Lehrgange werden auf breitester Basis durchgefuhrt 
und haben die Bezeichnung „Oms", d. h. Organisacia mezdunarodnowa sojedinemina (Organisation 
der internationalen Verbindungen). 

Der funktechnische Apparat in Prag, der bis vor einigen Tagen in Tatigkeit war, bestand aus einer 
groBen Sende- und Empfangsanlage. 

Auf funkentelegraphischem Wege wurden von Prag aus Berichte liber die allgemeine innenpoliti- 
sche Lage, iiber die Anleitung und den Verlauf der durch die Partei durchgefuhrten Aktionen, liber die 
Sitzungen der gesamten Zentralleitung und die dabei getroffenen Entschliisse sowie iiber die Lage, 
Stimmung und Tatigkeit der Partei durchgegeben und entsprechende Befehle und Anweisungen des 
Exekutivkomitees der Komintern aus Moskau empfangen. Die sichergestellten beiderseitigen Funk- 
spriiche sind der vollendete Beweis fur die unnachsichtige Revolutionsidee der Komintern, gerichtet 
auf die Vernichtung des Nationalsozialismus. 

b) Im besetzten Teil Frankreichs. 

Weiteres Augenmerk hat die Komintern besonders der franzosischen kommunistischen Partei ge- 
schenkt, zumal Frankreich schon nach Ansicht Lenins das bolschewistische Bollwerk Westeuropas 
werden sollte. Bei der derzeitigen Zersplitterung und inneren Schwache Frankreichs hofft die kom- 



|liiiisirlill,iii<i tm^amirF 28 

munistische Internationale, die vor dem Krieg iiber eine zahlreiche Anhangerschaft verfiigte, zum 
Erfolg zu gelangen. 

Auch hier wieder wurde die einwandfreie Feststellung getroffen, daB die Kommunisten in Frank- 
reich von den diplomatischen Vertretungen der Sowjetunion in jeder Form mit Geld und Propagan- 
damitteln ausgestattet werden. 

Auch hier spielte der Pakt vom 23. August 1939 keine Rolle, hochstens insoweit, als man von die- 
sem Zeitpunkt ab in indirekter Arbeit die Aktivitat der franzosischen Kommunisten gegen Deutsch- 
land steigerte. Schlagkraftigster und zugleich objektivster Beweis hierfur 1st ein bei der Uberpriifung 
in Paris sichergestellter Akt der „Surete nationale" (franz. Geheimpolizei) betr. die franzosische Ta- 
geszeitung 

119 „L'Ordre". Ausweislich der authentischen Unterlagen der franzosischen Polizei war an der im 
November 1939 durchgefuhrten Sanierung neben dem Chef des Pressedienstes der jugoslawischen 
Gesandtschaft, Vutzevitsch, und Jaques E b s t e i n , Liebhaber der Lady Stanley, einer Schwe- 
ster des Lord Derby, der tschechische Jude Otto K a t z alias Karl Simon, der im sowjetrussischen 
Dienst stand, beteiligt. Im November 1939 hat der Sowjetbotschafter S u r i t z in Paris zusammen mit 
dem ehemaligen rot-spanischen Minister N e g r i n und im Januar/Februar 1940 mit dem Sekretar der 
Botschaft, Biriukotf, den Hauptschriftleiter der Zeitung „Bure" in seiner Villa in Saint Cloud 
besucht. Bei dieser Gelegenheit wurde vereinbart, daB ein gewisser Etevenont als offizieller Beauf- 
tragter der sowjetrussischen Botschaft in der Verwaltung des „L'Ordre" beschaftigt wird. Die hierfur 
gewahrte Unterstiitzung wurde Ende Marz auf 800000 Francs monatlich erhoht. Den kommunisti- 
schen Fiihrern wurde nach der Auflosung ihrer Partei in Frankreich der ausdruckliche Befehl gegeben, 
ihren Anhangern Weisung zu erteilen, den „L'Ordre" als deutschfeindlich-zuverlassig zu lesen. 

c) In den iibrigen besetzten Gebieten. 

In Norwegen ist es ebenfalls die Sowjetgesandtschaft in Oslo, die den Mittelpunkt der Komintern- 
Zersetzungspropaganda darstellt. Hier konnten Angehorige der Gesandtschaft bei Ausfuhrung der Tat 
ermittelt werden. 

In Holland, Belgien, im ehemaligen Jugoslawien ist die gleiche Arbeitsmethode, wie gegen das 
Reich zum Einsatz gebracht, bewiesen. 

Es wiirde den gestellten Rahmen dieses Kurzberichts weit iiberschreiten, wenn das umfangreich 
dokumentarisch belegte Zeugen- und Schriftmaterial, was tiber die Zersetzungs- und 
Ausspahungsarbeit der Komintern im einzelnen vorliegt, erschopfend angefiihrt wurde. 

Wichtig hervorzuheben bleibt die immer wieder festzustellende Erkenntnis, daB das Verhalten der 
Sowjetunion gegenuber dem Reich und den von ihm besetzten Gebieten unaufrichtig und die Zerset- 
zungsarbeit der Komintern seit 1940 fieberhaft zugenommen hat. 

///. Sabotage durch die Komintern. 

Bereits ein Jahrzehnt vor Ausbruch des Krieges war die Komintern dazu ubergegangen, erprobte 
Kommunisten aller Sektionen nach SowjetruBland zu beordern und sie dort auf den einschlagigen 
Schulen insbesondere im Sabotage- und Sprengstoffwesen zu unterrichten. So wurden seit dem Jahre 
1930 die sogenannten militarpolitischen Schulungskurse in Moskau 
mit besonderer Intensitat wieder aufgenommen und bis heute nicht wieder 

eingestellt. Da die Komintern bei Verwirklichung ihrer weltpolitischen Machtgeliiste stets mit der 
Moglichkeit einer kriegerischen Auseinandersetzung rechnete, gab sie auf ihren Weltkongressen 
Richtlinien heraus, die eindeutig ihre Anhanger zur Durchfuhrung von Terror- und Sabotageakten 
aufforderten und diese Gewaltverbrechen als politische Notwendigkeit hinstellten. 

Die Vielzahl der von der Sicherheitspolizei (SD) im Reichsgebiet aufgedeckten Terror- und 
Sabotagegruppen, die auf Befehl der Komintern gegriindet worden sind, ist bezeichnend fur die 
Haltung der Sowjetunion dem Reich gegenuber. Sabotageanschlagsvorbereitungen gegen 
kriegswichtige Objekte, Briicken, Sprengungen wichtiger Eisenbahndurchgangsstrecken, Zerstorung 
und Lahmlegung bedeutender Industrieanlagen sind Angriffsziele dieser rein kommunistischen 
Gruppen gewesen, die bei Durchfuhrung ihrer Aktionen auch davor nicht zuriickschreckten, 
Menschenleben zu vernichten. Neben den Auftragen zur Ausiibung von Sabotageakten erhielten die 
Tater Anweisung zur Durchfuhrung von Attentaten gegen fuhrende Personlichkeiten des Reiches. 

120 Obwohl angenommen werden konnte, daB die Serie dieser von der Komintern durchgefuhrten bzw. 
in Vorbereitung befindlichen Gewaltverbrechen mit AbschluB des deutsch-russischen Konsultativ- 
und Nichtangriffspaktes vom 23. August 1939 ihren AbschluB finden wiirde, haben sich durch die 



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umfassenden Ermittlungen, insbesondere auch in den von Deutschland besetzten Gebieten, Beweise 
ergeben, daB die Komintern nicht gewillt ist, ihre verbrecherische Tatigkeit gegen das Reich einzustel- 
len. 

Neben den von England auf Weisung des Secret Service gebildeten Schiffssabotagegruppen, deren 
Ziel schon im Frieden die Vernichtung deutschen Schiffsraums, bestand eine noch weit verzweigtere 
von der Komintern aufgezogene Terrororganisation, deren Aufgabe hauptsachlich in der Vernichtung 
der Schiffe derjenigen Staaten bestand, die seinerzeit im Antikominternblock zusammengeschlossen 
waren. 

Nachweisbar waren Mitglieder dieser Organisation bis Ende 1940 tatig und versuchten, von Dane- 
mark aus erneut ins Reichsgebiet hineinzuarbeiten. Leiter dieser Organisation war der deutsche Emi- 
grant Ernst Wollweber, der 1931 Mitglied der Reichsleitung der RGO (Rote Gewerkschafts- 
Opposition) war und im November 1932 als Abgeordneter der KPD in den Reichstag gewahlt wurde. 
Wollweber ubernahm nach seiner Emigration nach Kopenhagen im Jahre 1933 die Leitung der ISH, 
die als Berufsinternationale der Seeleute und Hafenarbeiter die Tragerin der von der Komintern ange- 
ordneten Sabotageaktionen, insbesondere gegen deutsche Schiffe, ist. Er ist maBgeblich verantwortlich 
fur den Aufbau und aktiven Einsatz der auf Weisung Moskaus gebildeten Sabotagegruppen in 
Deutschland, Norwegen, Schweden, Danemark, Holland, Belgien, Frankreich und den ehemals balti- 
schen Randstaaten. Im groBen MaBstab uberwachte er die Beschaffung und den Transport von Spreng- 
stoffen und anderem Sabotagematerial und verfugte tiber die in reichem MaBe zur Finanzierung der 
Organisation und zur Entlohnung der Agenten von der Komintern bereitgestellten Geldmittel. Woll- 
weber floh nach dem Einmarsch der deutschen Truppen in Oslo im Mai 1940 nach Schweden, wo er 
sich bis zum heutigen Tage in Stockholm in Haft befindet. Von Seiten der Sowjetregierung sind bei 
der schwedischen Regierung Schritte unternommen worden, Wollweber nach SowjetruBland auszulie- 
fern, zumal ihm inzwischen wegen seiner erfolgreichen Arbeit fiir die Komintern die sowjetische 
Staatsangehorigkeit zuerkannt worden ist. 

Auf die Tatigkeit dieser iiber ganz Europa verbreiteten kommunistischen Terrorgruppen sind fortlau- 
fend Sabotageanschlage auf 16 deutsche, 3 italienische, 2 japanische Schiffe zuriickzufuhren, die in 
zwei Fallen zum Totalverlust wertvollster Schiffe fuhrten. Wahrend die Tater zuerst die Vernichtung 
der Schiffe durch Brandsatze herbeizufuhren versuchten, gingen sie, da diese Methode meist nicht 
zum Totalverlust der Schiffe fiihrte, in neuester Zeit dazu iiber, Sprengstoffanschlage gegen die in der 
Ost- und Nordsee verkehrenden Schiffe durchzufiihren. Ihre Hauptstiitzpunkte befinden sich insbe- 
sondere in den Hafen Hamburg, Bremen, Danzig, Rotterdam, Amsterdam, Kopenhagen, Oslo, Reval 
und Riga. 

Die in Holland, Belgien und Frankreich gebildeten kommunistischen Sabotagegruppen standen unter 
der Leitung des hollandischen Kommunisten Josef Rimbertus S c h a a p , der als Leiter des Interklubs 
in Rotterdam tatig war und engste Verbindung mit den Spitzenfunktionaren der Gesamtorganisation in 
Skandinavien unterhielt. Ihm unmittelbar unterstellt war der friihere Hamburger RFB- 
Organisationsleiter Karl Bargstadt, dem in der Gesamtorganisation die technische Durchfiihrung 
der Sprengstoffanschlage oblag. Das fiir die Sabotageakte notwendige Sprengmaterial stammte aus 
nordskandinavischen Erzminen und wurde den kommunistischen Sabotagegruppen in Holland, Belgi- 
en und Frankreich durch hollandische Seeleute iiber den norwegischen Erzhafen Narvik und den 
schwedischen Erzhafen Lulea zugefiihrt. Als 
121 einer der markantesten Sprengstoffkuriere konnte der hollandische Kommunist Willem van Vreeswijk 
in Rotterdam festgenommen »werden. 

Sowohl die hollandische als auch die belgische Gruppe unterhielten einige Laboratorien, in denen 
sie Brand- und Sprengbomben herstellten. Die Sabotageanschlage auf den italienischen Dampfer 
„Boccaccio" und den japanischen Dampfer „K a s i j M a r u" sind auf die Tatigkeit dieser Gruppen 
zuriickzufuhren. Vorbereitete Sabotageaktionen gegen deutsche Schiffe in den Hafen von Amsterdam 
und Rotterdam konnten rechtzeitig entdeckt und verhindert werden. 

Im Zuge der weiteren Ermittlungen gelang es der Sicherheitspolizei (SD), 24 kommunistische 
Terroristen festzunehmen, unter denen sich auch der Leiter der hollandischen Sabotagegruppe Achille 
Beguin und der Leiter der belgischen Sabotagegruppe Alfons Fictels befinden. 

S c h a a p selbst konnte am 1. August 1940 von der danischen Polizei in Kopenhagen festgenommen 
werden, als er im Begriff war, die schon in Danemark bestehende Schiffssabotageorganisation erneut 
in Aktion zu setzen. 



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Wie sehr die Komintern bestrebt ist, auch im Ostseeraum die deutsche Schiffahrt durch Sabotageak- 
te vernichtend zu treffen, geht daraus hervor, daB es in den Monaten Februar bis April 1941 der Si- 
cherheitspolizei (SD) zusammen mit der danischen Polizei gelang, flihrende Funktionare der Kommu- 
nistischen Partei Danemarks festzunehmen, die kommunistische Sabotagegruppen aktiv handelnd 
unterstlitzt haben. Unter ihnen befinden sich u. a. da; Mitglied des Exekutivkomitees der Kommunisti- 
schen Partei Danemarks und der Generalsekretar der ISH, Richard Jensen, der Redakteur der dani- 
schen kommunistischen Zeitung „Arbeiterblatt" in Kopenhagen, Thoser Thogensen, und das Vor- 
standsmitglied des Bundes der Freunde der Sowjetunion Danemarks, der Halbjude Otto Melchior. 

Auf das Konto der kommunistischen Sabotagegruppen in Danemark sind insbesondere die Anschla- 
ge auf den deutschen Dampfer „S a a r" im Hafen von Reval und den deutschen Frachtdampfer „Phil 
a" im Hafen von Konigsberg zuriickzufuhren, wobei bei letzterem durch eine heftige Explosion ein 
groBes Leek in der Schiffswand des Vorderschiffes in Hohe der Wasserlinie entstand. Die Anbord- 
bringung der chemischen Zeitzunderpackung erfolgte im Hafen von Riga. 

Von der danisch-kommunistischen Organisation verwandte chemischmechanische Ziindsprengstoffe 
und Ziindschniire kamen aus Schweden und wurden jeweils durch besonderen Kurier aus einem 
Herrenbekleidungsgeschaft in Malmo, wo sie lagerten, nach Kopenhagen transportiert. 

Wichtigste Hinweise fur die Arbeit der Komintern gegen Deutschland haben sich auch durch die 
Aussagen weiterer kommunistischer Terroristen in Danemark ergeben. 

So wurde von der Komintern besonderer Wert auf die Gewinnung skandinavischer Seeleute als 
Mitarbeiter gelegt, da man die Ansicht vertrat, daB in einem kommenden Kriege die skandinavischen 
Staaten allein neutral bleiben wurden und nur die Angehorigen dieser Lander dann die Moglichkeit 
besaBen, in deutschen Hafen bzw. auf deutschen Schiffen Terrorakte durchzufuhren. Dartiber hinaus 
bestand die dringende Anweisung, die Ladung ihrer eigenen Schiffe durch Brand- und Sprengsatze zu 
vernichten, falls dies den Interessen der Sowjetunion dienlich sei. Wollweber selbst hatte an die ein- 
zelnen Sabotagegruppen in den Ostseestaaten und den deutschen Nordseehafen die Anweisung erteilt, 
auf alien in diesem Raum fahrenden Schiffen mindestens einen zuverlassigen Mitarbeiter zu werben, 
der fur seine kunftige Arbeit im Sinne der 3. Internationale bestens geschult werden sollte. 

Auf seine Anordnung ist auch der Versuch einer Griindung einer Sabotagegruppe in Danzig 
zuriickzufuhren. 

Fiihrende ISH-Funktionare dieser Gruppen, unter ihnen der aus Oslo stammende norwegische 
Staatsangehorige Arthur S a m s i n g, der langere Zeit in der Sowjetunion aufhaltlich war, konnten 
inzwischen 
122 festgenommen werden und haben ausfiihrliche Angaben iiber ihre im Auftrage Wollwebers gegen das 
Reich gerichteten Sabotageakte gemacht. Im Auftrage der Komintern errichtete Wollweber gleichfalls 
Stiitzpunkte auf den Ostseeinseln Dago und s e 1. Die auf diesen Inseln angeworbenen Mitarbeiter 
sollten jedoch erst in Aktion treten, falls in einem Krieg zwischen Deutschland und der Sowjetunion 
diese Inseln von deutschen Truppen bzw. von der Kriegsmarine in Besitz genommen wurden. Die 
Sabotageakte sollten sich dann in erster Linie gegen U-Boot-Basen, Flugplatze und 11 a g e r rich- 
ten. 

Wie sehr der Bolschewismus auch im Reich selbst eine Tatigkeit zu entfalten versuchte, geht aus der 
Tatsache hervor, daB seit Marz 1941 Feststellungen in Oberschlesien und im Generalgouvernement 
durch die Sicherheitspolizei (SD) getroffen werden konnten, wonach als Leiter polnischer Sabotage- 
und Terrororganisationen in vermehrtem Umfange kommunistische Elemente eingesetzt worden sind. 
Auch hier zeigt die Organisierung von in letzter Zeit durchgefiihrten Gewaltverbrechen typisch kom- 
munistische Ausfiihrungsmethoden, wie sie von der Komintern bei Aufstellung der „Kriegsthesen" auf 
dem VI. und VII. WeltkongreB in Moskau an alle Sektionen herausgegeben worden sind. 

IV. Die sowjetrussische Spionage (wirtschaftlicher, militdrischer und politischer Nachrichtendienst) 
gegen das Reich. 

1. GPU-Methoden gegen Volksdeutsche Umsiedler. 

Als durch den deutsch-russischen Grenzvertrag vom 29. September 1939 RuBland die Friichte des 
deutschen Sieges iiber Polen durch einen erheblichen Gebietszuwachs in einem groBen Umfange auch 
fur sich verbuchen konnte, hat es die Aufrichtung der deutsch-russischen Interessengrenze dazu be- 
nutzt, die erstmalig wieder in Erscheinung getretene Landberiihrung mit dem GroBdeutschen Reiche 
zum Einfallstor fiir zahllose Spionageagenten im Gebiet seines Nichtangriffspartners auszubauen. 



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Die groBziigige Aktion des Fiihrers zur Heimfiihrung der auf russischem Territorium lebenden 
Volksdeutschen wurde in schmahlicher Weise zu obengenannten Zwecken ausgenutzt. 

Als die Volksdeutschen, dem Rufe des Fiihrers folgend, sich in Massen zur Umsiedlung meldeten, 
trat die beriichtigte GPU — die seit dem 3. Februar 1941 Teil des vereinigten Volkskommissariats fur 
innere Angelegenheiten geworden ist, mit dem Titel „Volkskommissariat fur Staatssicherheit" — auf 
den Plan, und zwar um viele dieser deutschen Menschen unter Anwendung verwerflichster Mittel, sich 
fur eine Spionagetatigkeit gegen das Land, in das sie von Heimatliebe getrieben zuriickzukehren sich 
anschickten, zu verpflichten. Wenn auch die GPU kaum praktische Erfolge zu verzeichnen hatte, weil 
die meisten dieser so mit Gewalt zu Spionageverpflichtungen GepreBten auf deutschem Boden hiervon 
sofort Mitteilung machten, so bleibt trotzdem diese Tatsache als ein Schandmal fur die Arbeitsmetho- 
den der GPU und damit der sowjetischen Machthaber bestehen. 

Die deutschen Umsiedler wurden in solchen Fallen von der GPU vorgeladen, stundenlang verhort 
und es wurde ihnen angedroht, daB sie von der Umsiedlung ausgeschlossen wurden, wenn sie sich 
dem Ansinnen der GPU nicht gefugig zeigten. Beliebt war auch die Methode, den angegangenen Um- 
siedlern zu erklaren, daB man sich an zurtickbleibenden Angehorigen schadlos halten und diese als 
Geiseln behandeln wurde, wenn sie den unter Zwang ubernommenen Verpflichtungen nicht nach- 
kommen oder es wagen sollten, in Deutschland Anzeige zu erstatten. Man drohte ihnen weiter, daB der 
lange Arm der GPU sie auch in Deutschland erreichen wurde, eine Drohung, die auf den einzelnen — 
kleinen — Umsiedler ihren Eindruck nicht verfehlte. Nicht nur Manner, sondern auch Frauen wurden 
in dieser schamlosen Weise zu Verpflichtungserklarungen gepreBt. Nachstehend sollen aus den in die 
Hunderte gehenden Fallen einige 
123 angefuhrt werden, die ein bezeichnendes Beispiel darstellen, wie man mit deutschen Menschen 

verfahren hat. 

a) Im Zuge der Umsiedlung von Bessarabiendeutschen ins Reich erschien die Frau Maria Baumann 
aus Tschernowitz, die durch andere Zeugeneide erhartet angab, daB der russische Geheimdienst sie fur 
Spionagezwecke in Deutschland pressen wollte. Sie sei wiederholt zu maBgebenden Dienststellen der 
GPU bestellt worden, wo man mit alien Mitteln auf sie einwirkte, sich dem Ansinnen der Spionagear- 
beit gefugig zu zeigen. Da sie Mutter von fiinf unversorgten Kindern ist (Witwe), versprach man ihr 
hohe Verdienstmoglichkeiten, wobei man auBerte, daB auch Summen von 10 000 RM und hoher keine 
Rolle spielten. Sie war fur eine Spionagetatigkeit in Prag eingeteilt. Sie ftihrte bereits Material und 
Unterlagen mit sich, die den Umfang der spezialisierten Schulung erkennen lieBen. 

b) Die Ehefrau Elisabeth K r e u t e 1, deren Mann in Tschernowitz ein Bandagengeschaft betrieb, 
wurde gelegentlich der Vorlage der Reisepasse 

Gleichfalls von der GPU angegangen. Sie sollte in Sachsen russischen Spionagedienst ausiiben. Auch 
sie brachte wichtiges Schulungsmaterial zur Kenntnis der deutschen Abwehr. 

Diese Anfuhrung von begriindeten Einzelbeispielen konnte auf Hunderte von Fallen ausgedehnt 
werden, da es feststeht, daB die GPU nach vorsichtiger Schatzung an etwa 50% der Umsiedler heran- 
getreten ist, um sie durch erpresserische Drohungen oder riesenhafte Geldversprechungen zur Mitar- 
beit zu zwingen. 

Aber nicht genug damit, daB die GPU diese deutschen Menschen, unter Anwendung verwerflichster 
Mittel, zu Verratern an ihrer Heimat zu machen versuchte, haben es ihre Organe sogar fertiggebracht, 
diese Leute in vielen Fallen auszufleddern, ihnen Ausweispapiere, Geld und Wertsachen zu s t e h 1 e 
n. In 16 Fallen liegen Beweise daftir vor, daB der Diebstahl von Ausweispapieren zu dem Zweck ge- 
schehen ist, um damit russische Spionageagenten auszustatten. In sechs weiteren Fallen besteht sogar 
der dringende Verdacht, daB die GPU fur diesen Zweck Volksdeutsche gemordet hat, um deren Papie- 
re fur den unauffalligen Agentenschmuggel ins Reich zu benutzen. 

2. Sowjetrussische diplomatische Vertretungen als Zentren der wirtschaftlichen, politischen und mi- 
litarischen Nachrichtendienste gegen das Reich mit der eindeutigen Zielsetzung, einer Kriegsvor 
b e r e i 
t u n g zu dienen. 

Seit dem PaktabschluB hat sich der russische Spezial-Spionagedienst in einer fast provozierend wir- 
kenden Form in seiner Arbeitsweise gezeigt. Er ging bei seinen bereits tiblichen rticksichtslosen Me- 
thoden nunmehr auch dazu iiber, die russischen Vertretungen im Reich — und hier an der Spitze die 
Russische Botschaft in Berlin — fur seine Ausspahungszwecke weitgehendst einzuschalten. Als vor 
einiger Zeit der damalige russische Botschafter Schkwarzew in Berlin abberufen und durch den Bot- 



|liiiisirlill,iii<i tm^amirF 32 

schafter Dekanasow ersetzt wurde, war dieser Wechsel auf dem Botschafterposten das Signal zu noch 
starkerer Intensivierung der Ausspahung in Form der politischen, wirtschaftlichen und militarischen 
nachrichtendienstlichen Tatigkeit. Dekanasow, ein Vertrauter Stalins, war in RuBland Leiter der Nach- 
richtenabteilung des NKWD (des russischen Volkskommissariats des Innern), dem die GPU als Spio- 
nage-Spezialabteilung angehort. Seine Aufgabe, die er aus Moskau mitbrachte, war dahin festgelegt, 
durch ein auszubauendes Vertrauensmannernetz in die Reichsbehorden Eingang zu finden und vor 
allem Berichte iiber militarische Starke und die operativen Plane des Reiches zu beschaffen. Sein ge- 
treuer Gehilfe war der GPU-Angehorige und sogenannte „Botschaftsrat" K o b u 1 o w, der eine inten- 
sive Tatigkeit auf dem Spionagegebiet entwickelte 

124 unter riicksichtsloser Ausnutzung seiner exterritorialen Stellung. Das Ziel der russischen Spionage im 
Reich ging dahin, neben der rein militarischen Nachrichtengewinnung die politische Planung des Rei- 
ches zu erfahren und durch Ausbau geheimer Schwarzsendeanlagen an vielen Stellen Deutschlands 
Meldekopfe bereit zu haben, die nach einem ausgeklugelten Chiffriersystem alle fiir RuBland wichti- 
gen Meldungen durchgeben sollten. Es war also seit 1940 eine groBangelegte Mobilisationsvorberei- 
tung auf dem Spionagegebiet im Gange, die unter Einsatz unvorstellbarer Geldmittel in Szene gesetzt 
wurde. (Der deutsche Abwehrdienst konnte sich rechtzeitig einschalten.) 

Die Erfahrung, daB der wachsende Druck der russischen Spionage vor allem in den deutschen Ost- 
gebieten — und hier an erster S telle im Generalgouvernement und im Protektorat — in Erscheinung 
trat, war die Veranlassung, gerade diesen gefahrlichen Gebieten besondere Aufmerksamkeit zuzu- 
wenden. Es wurde dabei festgestellt, daB der Angehorige des russischen Generalkonsulats in Prag, 
Leonid M o c h o v, der Kopf eines russischen Spionagenetzes war, das die GPU im Protektorat auf- 
gezogen hatte. Man hatte ehemalige Angehorige der tschechischen Legion, die im Krieg gegen Polen 
auf polnischer Seite kampften und sich hauptsachlich aus Kreisen von Anhangern der ehemaligen 
kommunistischen Partei in der Tschecho-Slowakei zusammensetzten und die nach dem Niederbruch 
Polens in russische Kriegsgefangenschaft kamen, zum russischen Spionagedienst gepreBt und vor 
allem in der Bedienung von Schwarzsendern geschult. Man sandte diese Leute mit gefalschten Aus- 
weispapieren in das Protektorat, wo sie unter Leitung des erwahnten russischen Konsulatsmitgliedes 
Mochov tatig wurden. Als der Zugriff erfolgte, konnten weit tiber 60 Personen dieses russischen 
Spionagenetzes festgenommen und ein Dutzend in Betrieb befindliche Schwarzsendeanlagen be- 
schlagnahmt werden. (Hinweis: Dieses Netz arbeitete vollig unabhangig von dem durch die Komin- 
tern im Protektorat aufgezogenen illegalen Apparat.) 

In Berlin war inzwischen der russische Botschaftsrat und GPU-Beamte K o b u 1 o w auch nicht un- 
tatig. Es ist nicht ohne Interesse, hier die Aussage eines der Deutschfreundlichkeit nicht verdachtigen 
ehemaligen jugoslawischen Diplomaten, des fruheren jugoslawischen Militarattaches in Berlin, 
Oberst V a u h n i k, anzufuhren, der mit Bezug auf den Gehilfen des russischen Militarattaches in 
Berlin, Oberst Korniakow, erklart hat, daB dieser sich ausschlieBlich mit dem Nachrichtendienst — 
mit soviel Geld als irgendwie notwendig — abgebe. Ziel des Kobulow an der Spitze gemeinsam mit 
dem russischen Militarattache Tupikow und seinem Gehilfen Skornjakow war, in der Reichshaupt- 
stadt sowie alien wichtigen Stadten des GroBdeutschen Reiches Schwarzsendeanlagen zur Nachrich- 
tenubermittlung aufzubauen. 

Aus dem umfangreichen vorliegenden Material iiber die Tatigkeit dieser Herren und ihres weiteren 
Mitarbeiterstabes sollen als Beispiel nur folgende zwei Falle angefiihrt werden: 

a) Der Backermeister Wietold P a k u 1 a t aus Mariampol im Litauischen, der Mitglied des Deut- 
schen Kulturbundes in Litauen war und im Reich — vor allem in Berlin — Verwandte besaB, wurde 
eines Tages nach Kowno vor die GPU zitiert. Hier drohte man ihm, einen SpionageprozeB gegen ihn 
anzustrengen. Die Tatsache, daB er Angehoriger des Kulturbundes war und zwecks Besuchs seines 
Bruders in Memel einige Male von Litauen nach Deutschland gegangen war, war der GPU genug, 
gegen ihn ein Polizeiverfahren wegen Spionage einzuleiten. Dem verangstigten Manne versprach man 
Straffreiheit nur dann, wenn er sich bereit erklarte, unter der Maske eines Volksdeutschen Fliichtlings 
nach Berlin umzusiedeln und dort nach bestimmten Weisungen fiir RuBland zu arbeiten. Unter Zu- 
riicklassung von Frau und Kind, die als Geiseln in den Handen der GPU blieben, wurde er ins Reich 
geschickt. Auch ihm gab man die 

125 Drohung mit, daB der Arm der GPU lang sei und ihn in Berlin bei Verrat sicher treffen wurde. Trotz 
dieser Drohung und obgleich er Angehorige in der Macht der GPU zuriicklassen muBte, hat auch die- 
ser Volksdeutsche seine Pflicht erkannt und sich mit der Sicherheitspolizei (SD) in Verbindung ge- 
setzt. So gelang es, in dem den Russen unbekannt gebliebenen Gegenspiel alle ihre Absichten zu 



;liiiisirlill,iii<i tm^amirF 33 

durchkreuzen und ihre Tatigkeit von Anfang an unter Kontrolle zu halten. In Berlin wurde Pakulat 
durch einen Mittelsmann der GPU aus der russischen Botschaft mit laufenden Weisungen und Befeh- 
len versehen. Er muBte hier eine Wohnung mieten, in die die GPU eine groBe Schwarzsendeanlage 
einbaute. Er muBte weiter auf russischen Befehl ein kleines Hotel mit Bierlokal iibernehmen, um des- 
sen Raume als Quartier fur durchreisende russische Agenten und Kuriere bereitzustellen. Er bekam 
fortlaufend Auftrage, sich an Spezialarbeiter der Rustungsindustrie heranzumachen, um Verratsmate- 
rial zu erlangen. Der russische Spionagedienst zielte mit Vorbedacht auf eine kriegsmaBige Vorberei- 
tung ab, die neben der Bezeichnung von Zielpunkten fiir kunftige Luftbombardements auch auf unauf- 
fallige Verstecks auf offentlichen Platzen und Anlagen, an denen Verratsmaterial und Sabotagegegen- 
stande zur Abholung im geeigneten Augenblick bereit gelegt werden konnten, sich erstreckte. 

Allein in diesem Fall zahlte die GPU rund 100 000 RM, um alle die oben nur kurz skizzierten Vor- 
bereitungen in die Wege zu leiten. Fiir seine Schwarzsendeanlage hat der russische Nachrichtendienst 
iiber Pakulat einen deutschen Funker von der Fa. Siemens geworben, den ihm die Sicherheitspolizei 
(SD) — im Gegenspiel — zur Verfiigung gestellt hat. Der russische Nachrichtendienst rechnete fest 
damit, daB Pakulat inzwischen ein zuverlassiges Vertrauensmannernetz von 60 Deutschen geworben 
hatte, die neben reichlichen Spionageauftragen auch zersetzend wirken sollten. Das im Gegenspiel 
gesteuerte Netz hatte bereits eine Ausdehnung bis Konigsberg, wo gerade jetzt begonnen werden soll- 
te, kriegswichtige Betriebe im Stadtplan zu markieren. 

b) Ein anderer Fall verwerflicher Erpressung eines Reichsdeutschen wurde gleichfalls in Berlin 
aufgegriffen. Dieser in Petersburg geborene Reichsdeutsche, dessen Name aus begreiflichen Griinden 
zur Zeit noch nicht genannt werden kann, kehrte nach wiederholtem Aufenthalt in Deutschland im 
Jahre 1936 endgiiltig nach Berlin zuriick. Er hatte in RuBland nach russischem Recht geheiratet. Aus 
der Ehe war eine Tochter hervorgegangen. Da nach russischem Recht die Ehefrau russische Staatsan- 
gehorige geblieben war, wurde ihm nicht erlaubt, sie in das Reich mitzunehmen. Von Berlin aus be- 
miihte er sich mit Unterstiitzung des Auswartigen Amtes wiederholt um die notwendigen Personalpa- 
piere, um die russische Ehe nach deutschem Recht anerkannt zu bekommen. Da er schwer lungen- 
krank ist und daher auch schon aus diesem Grunde auf eine baldige Vereinigung mit seiner Familie 
Wert legte, sah er in seiner Lage keinen anderen Ausweg, als selbst noch einmal nach Petersburg zu 
fahren, um dort die Beschaffung der Urkunden zu betreiben und Frau und Kind endlich ins Reich zu 
bekommen. Er wandte sich zu diesem Zweck an das russische Reisebiiro Intourist und erbat dort die 
notwendigen Papiere zur Einreise nach RuBland. Als der Leiter dieses Biiros, der Russe Schach a n o 
w, aus seinen Schilderungen heraushorte, daB dieser kranke Mann in groBer Sorge um seine Familie 
lebte, begann er mit ihm ein Spiel schmahlichster Niedrigkeit. Schachanow stellte ihm die Einreise 
nach Petersburg in Aussicht unter der Voraussetzung, daB er sich als Deutscher zum Verrat gegen sein 
Vaterland bereitfinden wurde. Immer wieder drang Schachanow auf den verzweifelten Menschen ein, 
der damit dem Selbstmord nahegebracht wurde. Schachanow spielte immer wieder Frau und Kind 
gegen ihn aus und machte Andeutungen dahin, daB sie als Geiseln in der Hand der GPU waren. Der in 
Rede stehende Reichsdeutsche offenbarte sich schlieBlich der deutschen Abwehr. Unter ihrer Anlei- 
tung ging er zum Schein auf die Wiinsche des GPU-Agenten Schachanow ein und mietete in 

126 dessen Auftrag eine groBe Wohnung, die gleichfalls fiir die Installierung eines Schwarzsenders in 
Angriff genommen wurde. 

Zur Abrundung diene die Tatsache, daB engstes Einvernehmen zwischen Schachanow und dem 
„Botschaftsrat" Kobulow bestand. 

c) Durch fortlaufende Beobachtung des Funkspezialisten der Berliner russischen Botschaft, der ver- 
schiedentlich in Danzig auftauchte, konnte auch hier — im Gegenspiel — die Installierung eines 
Schwarzsenders nebst zugehorigem politischem und wirtschaftlichem Vertrauensmannernetz in die 
Wege geleitet werden. Auch hier ist durch rechtzeitige Anzeige der Danziger Staatsangehorigen 
Gebriider Formella, die in die Dienste der GPU gepreBt werden sollten, der Erfolg des russischen 
Spionagevorhabens durchkreuzt worden. 

Diese Serie von Beispielen konnte beliebig fortgesetzt werden, da der russische Nachrichtendienst 
in alien ihm wichtig erscheinenden deutschen Stadten in der gleichen Weise gearbeitet hat. 

V. Grenzzwischenfalle. 

AbschlieBend muB noch darauf hingewiesen werden, daB seitens der Sowjets fortlaufend, aber seit 
Februar 1941 gesteigert, Grenzzwischenfalle hervorgerufen werden, die auf der deutschen Grenzbe- 
volkerung im Osten wie ein Alpdruck liegen. Schuldhafte ErschieBung deutscher Staatsangehoriger 



;liiiisirlill,iii<i tm^amirF 34 

und fortlaufende Abgabe von Schiissen von russischer Seite auf deutsches Hoheitsgebiet wechseln in 
nichtabreiBender Kette miteinander ab. 

VI. Zusammenfassung. 

Die gesamte, gegen das nationalsozialistische Deutschland gerichtete Tatigkeit der Sowjetunion 
zeigt an den aus der Fiille des Materials herausgegriffenen namentlich angeflihrten Beispielen, in wel- 
chem Umfange illegale Zersetzung, Sabotage, Terror und kriegsvorbereitende Spionage in militari- 
scher, wirtschaftlicher und politischer Hinsicht betrieben wurde. 

Diese feindlichen Bestrebungen haben nach dem AbschluB des Konsultativ- und Nichtangriffspaktes 
vom 23. August 1939 sich nicht vermindert, sondern sind im Gegenteil in Umfang und Starke gestei- 
gert worden. 

gez. Heydrich. 







Herausgegeben von 

Ministerialdirektor A. J. Berndt 
Reichspropagandaministerium 

Oberst von Wedel 
Oberkommando der Wehrmacht 



1941 

September-Lieferung 

(Nr. 49/50 der Gesamtlieferung) 

Verlagsanstalt Otto Stollberg, Berlin WO 



pritsr|Iiit tm^imirF 




liiM|»lifih 



94 Anfangs September jahrte sich zum zweiten Male der Tag, an dem Deutschland die Waffen erhob 
zum gigantischen Ringen um seine Freiheit, um das Recht, „nach seiner Art zu leben". Das deutsche 
Volk blickte an diesem Tage zuriick auf eine Reihe unvergleichlicher Feldziige, in denen England und 
seine Trabanten vernichtend geschlagen wurden, wo auch immer sie sich den deutschen Armeen ent- 
gegengestellt hatten. Alles Denken und alle Erinnerung an diese zwei Jahre des Kampfes wurden aber 
uberschattet durch die Gegenwart, in der das deutsche Millionenheer in entscheidungsvollen Schlach- 
ten vom Finnischen Meerbusen bis hinunter zum Schwarzen Meer den bolschewistischen Gegner ver- 
nichtet. Mochte auch mancher Deutsche vor zwei Jahren geglaubt haben, daB dieser Krieg in ktirzeren 
Zeitraumen sein Ende linden wtirde — der Blitzkrieg der 18 Tage gegen Polen schien diese Hoffnung 
zu bestatigen — , so hat doch inzwischen das ganze deutsche Volk erkannt, daB dieser Krieg Entschei- 
dungen bringen wird, die fur Jahrhunderte das Gesicht Europas, ja das der Welt bestimmen werden. 
So steht neben dem Geftihl der SiegesgewiBheit der Wille unbedingter Entschlossenheit. In solcher 
Geisteshaltung tritt GroBdeutschland in den dritten Kriegswinter. Nicht die Frage der Dauer des Krie- 
ges steht fur das deutsche Volk an erster Stelle, sondern jeder einzelne Deutsche weiB, daB es heute 
darauf ankommt, eine eindeutige Entscheidung fur Jahrhunderte zu erzwingen, einen vollstandigen 
deutschen Sieg zu erringen. 

Die Stimmung des deutschen Volkes ist nicht zuletzt dadurch bestimmt worden, daB von der Ge- 
genseite, die sich auch nach den letzten furchtbaren Schlagen noch in Illusionen zu wiegen versucht, 
Stimmen laut werden, die den Vernichtungswillen der britisch-amerikanisch-judischen Plutokratie 
aufs deutlichste kennzeichnen. Wenn der „Manchester Guardian" am Beginn des 3. Kriegsjahres er- 
klart, „man moge zwar die Notwendigkeit, Zivilisten anzugreifen, aus christlichen Griinden beklagen, 
es sei aber notwendig, so viel Deutsche zu toten, wie man konne, ob sie nun Uniform triigen oder 
nicht", wenn Roosevelts Ratgeber 

95 Kaufman verkiindet, Deutschland muB vernichtet werden, seine Volkskraft zerstort, samtliche 
deutsche Soldaten muBten sterilisiert werden, dann sind das AuBerungen, die den Lebensund Wider- 
standswillen der gesamten Nation bis zum letzten aufpeitschen. 

Mit Genugtuung wurden darum allenthalben in Deutschland die groBen Erfolge der Unterseeboots- 
und Luftwaffe im Kampf gegen England zur Kenntnis genommen. Mehrfach wurden im September 
groBe Geleitzuge angegriffen und vernichtet. Der Taktik der deutschen Seekriegsfuhrung hat die briti- 
sche Admiralitat kein wirksames Mittel entgegenzusetzen. 683 460 BRT wurden im September ver- 
senkt. Der Anteil der U-Boote betragt allein daran 452 000 BRT. — Demgegenuber erlebte die briti- 
sche „Non-S top-Offensive" erneut so starke MiBerfolge, daB man von ihrem volligen Zusammenbruch 
sprechen kann. 

Die eindrucksvollen Ereignisse des Krieges spielten sich aber auch im Monat September im Osten 
ab. Am 19. September meldete der OKW-Bericht, daB die Heeresgruppen Rundstedt und Bock ost- 
warts Kiew einen riesigen Kessel geschlossen hatten, in dem 4 Sowjet-Armeen isoliert wurden. In 
gigantischen Vernichtungskampfen ist hier das Heer Budjennys vernichtet worden. Am 27. September 
meldete der OKW-Bericht aus dem Fuhrerhauptquartier, daB die groBe Schlacht bei Kiew beendet sei. 
Im Verlaufe der in engstem Zusammenwirken von Heer und Luftwaffe durchgefuhrten Operationen 
wurden insgesamt 665 000 Gefangene eingebracht, 884 Panzerkampfwagen, 3718 Geschutze und un- 
gezahlte Mengen an sonstigem Kriegsmaterial erbeutet oder vernichtet. Damit war ein Schlachtensieg 
errungen, wie ihn die Geschichte bisher nicht gekannt hat. Der vielsagende Satz des OKW-Berichts, 
„die Ausnutzung dieses Erfolges ist im Gange" lieB auf weitere groBe Operationen schlieBen. 

Der Kampf gegen den Bolschewismus ist von Monat zu Monat starker die gemeinsame Sache aller 
europaischen Volker des Kontinents geworden. Der belgische Rexistenfuhrer Degre 11 e bekannte 
sich in einem Aufruf, der am 16. September durch die deutsche Presse ging, zu Deutschlands Kampf 



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gegen den Bolschewismus. Wie iiberall, so stiinden auch heute in Belgien die jungen Krafte der natio- 
nalsozialistischen Revolution im Kampf gegen die rote Gefahr. Zahlreich seien die rexistischen Kame- 
raden, die sich in der wallonischen Legion an die Ostfront begeben hatten, um ihre Krafte und ihr Le- 
ben fur die gemeinsame Sache einzusetzen. Zahlreich seien auch jene, die im Lande selber kampften. 
Die flamischen Nationalisten machten die gleichen Anstrengungen. Alle seien von demselben revolu- 
tionaren Glauben beseelt. — Im Laufe des September begab sich auch die franzosische Legion, die 
zum Kampf gegen den Bolschewismus aufgestellt wurde, an die Ostfront. — In dem groBen Ringen 
im Osten leisten die Bundesgenossen 

96 des Reiches, in erster Linie die Finnen, Rumanen und Italiener, aber auch die Ungarn und Slowaken 
ihren wertvollen und von selten des Reiches stets anerkannten Beitrag. 

Aus AnlaB des ersten Jahrestages der Unterzeichnung des Dreimachtepaktes fanden in Berlin ver- 
schiedene Veranstaltungen statt, die alle erkennen lieBen, daB der Dreimachtepakt, dieses Instrument 
zur Herbeiftihrung einer gerechteren Weltordnung, heute so lebendig und wirksam ist wie vor einem 
Jahre. Am 27. September veroffentlichte die deutsche Presse die Telegramme, die der Ftihrer (siehe 
Seite 93) und ReichsauBenminister von Ribbentrop mit den fuhrenden Staatsmannern Italiens und 
Japans wechselten. Der ZusammenschluB der drei autoritaren Machte wird in diesen Botschaften als 
die Voraussetzung und Vorbedingung fur eine Neuordnung und eine gliickliche Zukunft der Welt ge- 
feiert. Ein Presseempfang des ReichsauBenministers in Berlin, an dem auch die Botschafter und Ge- 
sandten aller dem Dreimachtepakt angeschlossenen Machte teilnahmen, unterstrich die Bedeutung 
dieses Tages ebenso, wie ein Empfang namhafter politischer Personlichkeiten durch die Deutsch- 
Italienische Gesellschaft im Haus der Flieger zu Berlin. — Nicht nur an Jubilaumstagen, auch im All- 
tag sind die Beziehungen zwischen den Dreimachtepakt - Staaten lebendig. Dies bewies das deutsch- 
italienische Kulturtreffen in Hannover, bei dem Staats minister Farinacci und Gauleiter Lauterbacher 
iiber den gemeinsamen Kampf fur Europas Kultur sprachen. Bei einer GroBkundgebung in der Stadt- 
halle zu Hannover kniipfte S taats minister ¥ a rinacci seine Rede an das gemeinsame geschichtliche 
Erleben Italiens und Deutschlands im Heiligen Romischen Reiche an. Die moderne europaische Kul- 
tur, so unterstrich er, sei die Frucht eines Italiens, das in der Zeit von Dante bis Galilei lebte und eines 
Deutschlands aus der Zeit von Luther bis Fichte. Gauleiter Lauterbacher betonte, daB die deutsch- 
italienische Begegnung in Hannover im Zeichen der gemeinsamen Revolution beider Volker stiinde, 
jedem sei es heute klar, daB der gegenwartige Kampf nicht allein um die Freiheit des Brotes, sondern 
auch um die Freiheit der europaischen Kultur gehe. — Am 25. September fand in B r e s 1 a u die fei- 
erliche Griindung einer Zweigstelle der Deutsch-Japanischen Gesellschaft statt. Gauleiter Oberprasi- 
dent Hanke gab bei dieser Gelegenheit der Erwartung Ausdruck, daB die Arbeit der Gesellschaft, der 
durch die Anwesenheit von Botschafter Oshima ein so hoffnungsvoller Auftakt gegeben worden sei, 
sich fur die Festigung der deutsch-japanischen Freundschaft bedeutsam und segensreich auswirken 
moge. — Nicht minder bedeutsam ist die Griindung einer Deutsch-Slowakischen Gesellschaft, die auf 

97 einer Freundschaftskundgebung beider Volker am 12. September in Berlin vollzogen wurde. Der 
President der Vereinigung zwischenstaatlicher Verbande und Einrichtungen, SS-Obergruppenfiihrer 
Lorenz, hat zum Prasidenten der Deutsch-Slowakischen Gesellschaft den Generaldirektor Dr. V o s s, 
einen hervorragenden Kenner slowakischer Verhaltnisse, berufen. Zu Ehrenprasidenten der Gesell- 
schaft wurden die Staatssekretare Gutterer, Keppler und Alpers ernannt, zu Ehrenmitgliedern der slo- 
wakische Staatsprasident Dr. Tiso, der slowakische Ministerprasident Dr. Tuka, der slowakische Ge- 
sandte in Berlin, Cernak, sowie der Ftihrer der Deutschen Volksgruppe in der Slowakei, Staatssekretar 
Karmasin. 

Staats minister Farinacci, der sich nach seinem Besuch in Hannover nach Berlin begeben hatte, be- 
suchte dort Reichsminister Dr. Goebbels, mit dem er eine langere Aussprache iiber Fragen des 
deutsch-italienischen Kulturaustausches hatte. — Gegen Ende des Monats traf der italienische Minister 
fur nationale Erziehung Giuseppe Bo 11 a i zu einem mehrtagigen Besuch in Berlin ein. Als Gast des 
Reichsministers Rust lieB er sich iiber die verschiedensten Fragen des deutschen Erziehungswesens 
unterrichten und nahm in zahlreiche Erziehungsstatten und wissenschaftliche Institute Einblick. — 
Auch mit Spanien wurde im September der Gedankenaustausch weiter gepflegt. Die Reichsfrauenfiih- 
rerin Frau Scholtz-Klink empfing am 2. September die in Deutschland weilende Leiterin der spani- 
schen Frauen- und Madelschaft, Pilar Primo de R i v e r a. Bei dieser Begegnung wurde iiber die ge- 
meinsamen Ziele der deutschen und spanischen Frauenarbeit gesprochen. 

Eine sehr bedeutsame Entscheidung auf dem innerpolitischen Gebiete wurde vom Ftihrer am 27. 
September fur das Protektorat getroffen. Der Reichsprotektor in Bohmen und Mahren, Reichsminister 



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Freiherr von Neurath, hat sich genotigt gesehen, beim Flihrer einen langeren Urlaub zur Wiederher- 
stellung seiner angegriffenen Gesundheit zu beantragen. Mit Rlicksicht darauf, daB die gegenwartige 
Kriegszeit den vollen Einsatz des Reichsprotektors verlangt, hat Herr von Neurath den Flihrer gleich- 
zeitig gebeten, ihn bis zur Wiederherstellung seiner Gesundheit von seinen Geschaften voriibergehend 
zu entbinden und wahrend dieser Zeit einen Vertreter fur ihn zu bestellen. Der Fiihrer hat unter diesen 
Umstanden nicht umhin gekonnt, dem Ansinnen des Reichsprotektors zu entsprechen und hat den SS- 
Obergruppenfuhrer Heydrich fur die Dauer der Erkrankung des Reichsministers von Neurath mit der 
Fuhrung der Geschafte des Reichsprotektors in Bohmen und Mahren beauftragt. Es ist kein Zweifel, 
daB mit dem Amtsantritt des SS-Obergruppenfuhrers Heydrich ein neuer Abschnitt in den Beziehun- 
gen des Protektorats zum Reich begann, nicht auf Veranlassung des Reiches, sondern hervorgerufen 
durch eine kleine Clique englandhoriger, chauvinistischer Politiker und Verschworer, die im Laufe der 
vergangenen Monate reichsfeindliche 

98 Bestrebungen angezettelt hatten. An der Spitze standen, wie die Erhebungen der Geheimen Staatspoli- 
zei ergaben, ehemalige tschechische Offiziere, darunter der Ministerprasident der Protektoratsregie- 
rung, Ingenieur E 1 i a s. Am 28. September sind eine Reihe dieser Verschworer verhaftet und den 
Sondergerichten zugeleitet worden, die eine harte und gerechte Siihne verlangten. Eine Anzahl dieser 
Verschworer wurden nach kurzer Verhandlung, die ihre Schuld erwies, erschossen. In einzelnen Be- 
zirken des Protektorats wurde zugleich der zivile Ausnahmezustand verhangt. Jedem Einsichtigen ist 
klar, daB das Reich in seinem Existenzkampf weder Verschworung noch Sabotage dulden kann. Am 
ehesten hatten sich das die tschechischen Politiker sagen sollen, deren Volk in diesem Kriege keinen 
Blutzoll zu zahlen hat, das vielmehr im Schtitze der deutschen Wehrmacht seiner friedlichen Arbeit 
nachgehen kann. 

Im Monat September hat die deutsche Presse mehrfach Gelegenheit genommen, sich mit der Frage 
des Abhorens feindlicher Sender zu befassen. Aus verschiedenen Anzeichen muBte geschlossen wer- 
den, daB unverantwortliche Kreise trotz des strengen Verbotes ihre Apparate auf auslandische, insbe- 
sondere englische Sender einstellten. AnlaB dazu mag gewesen sein, daB die deutsche Presse wochen- 
lang Schweigen bewahrte tiber die im Gang befindlichen groBen militarischen Operationen im Osten, 
ein Schweigen, das den Feind in Unkenntnis lieB iiber den Stand der Ereignisse und dadurch Tausen- 
den und Zehntausenden deutscher Soldaten das Leben erhielt. Die Korrektheit der deutschen Wehr- 
machtberichte hatte auch diese Kreise bestimmen sollen, Disziplin zu wahren. Da sie es nicht taten, 
haben die Sondergerichte mehrfach zu schwersten Strafen gegriffen und Todesstrafen sowie schwere 
Zuchthausstrafen ausgesprochen. Staatssekretar Freisler befaBte sich am 23. September im „Rund- 
funkarchiv" mit dem Rundfunkverbrechen. Er wies darauf hin, daB im totalen Krieg auch der Rund- 
funk als Waffe eingesetzt wird. Die Erfahrungen des Weltkrieges hatten uns voraussehen lassen, daB 
England den Atherkrieg nicht mit der Mannhaftigkeit der Wahrheit, sondern mit der Giftwaffe der 
Luge ftihren wurde. Deshalb muBte die notwendige Abwehr bereitgestellt werden. Sie liegt zunachst 
und in erster Linie in der Immunisierung des deutschen Volkes gegen die Luge des Feindes. Das Ver- 
bot des Abhorens wird in den breitesten Kreisen des deutschen Volkes durch das Anstandsgefuhl der 
Volksgenossen und durch ein Gebot der gesunden Vernunft gesichert. Die Rundfunkgesetzgebung 
richtet sich darum nur gegen die wenigen Unbelehrbaren und Verstockten, die zumeist Reichsfeinde 
sind und die das Gesetz mit voller Strafe treffen muB. Es verhangt deshalb Zuchthausstrafen, in 
schweren Fallen sogar die Todesstrafe. 

99 Am 12. September wurde das deutsche Volk wie in jedem Jahre zum Winterhilfswerk aufgerufen. 
Diesmal begann das neue Kriegswinterhilfswerk zu einer Zeit, in der die Front in vollem Einsatz ge- 
geniiber einem an Masse und Material gewaltig starken Feinde stand. Das soziale Hilfswerk des 
WHW ist seit dem ersten Male ein besonders sinnfalliger Ausdruck der neuen sozialen Auffassung des 
nationalsozialistischen Reiches geworden. Der Fiihrer sprach in seinem am 12. September veroffent- 
lichten Aufruf (siehe Seite 91) von der dem Reiche heute feindlichen Welt des jlidischen Kapitalismus 
und des Bolschewismus, die sich gegen Deutschland verbiindet haben. Das neue Deutschland, das sich 
in den vergangenen acht Jahren aus Not und Elend durch nichts als eine epochale gemeinschaftliche 
Arbeitsleistung zu seinem heutigen Stand erhoben hat, ist sich bewuBt, daB das wesentlichste Binde- 
mittel fur die Starke und den Erfolg in der Zukunft die aufgeschlossene soziale Haltung gegenuber 
alien Menschen seines Reiches ist. Wenn der Flihrer sagt, daB der Einsatz der Heimat in diesen ent- 
scheidenden Monaten dazu mithelfen soil, das groBe nationalsozialistische Gemeinschaftsideal zu 
verwirklichen, so ist in diesem Appell die GewiBheit eingeschlossen, daB Front und Heimat wie in 
keinem anderen Lande der Erde untrennbar zusammenstehen. 



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In feierlichen Kundgebungen im ganzen Reich wurde am Sonntag, dem 28. September, die Uber- 
weisung des Jahrganges 1923 aus der Hitlerjugend in die Partei und die Uberfuhrung in die Gliede- 
rungen vollzogen. Nach vierjahriger Erziehung und Schulung in HJ und BDM beginnt nun fur diese 
jungen Menschen die neue hartere Bewahrungsprobe. Der Bedeutung dieses Tages gedachte bei einer 
Sportveranstaltung in Berlin-Griinau der bevollmachtigte Vertreter des Jugendflihrers des Deutschen 
Reiches, Stabsflihrer Helmut M o c k e 1. In dem stolzen BewuBtsein, daB die Partei einst dieses Reich 
erkampft und den Aufbau vollzogen habe, sei die Jugend in die NSDAP aufgenommen worden. Jeder 
der sich fur die Nation einzusetzen wisse, gleich wo er hingestellt sei, diene durch diesen Einsatz dem 
Ftihrer. 

Trotz dem Kriege ftihrt die Partei auch in den Gliederungen ihre politische Arbeit weiterhin durch, 
erfullt von dem BewuBtsein, daB sie mitten im Kriege, aber auch nach dem Kriege groBe Aufgaben zu 
losen hat und haben wird, die nur sie allein ubernehmen kann. Eine Veranstaltung groBeren AusmaBes 
ftihrte die SA-Gruppe Berlin-Brandenburg mit ihrem zweitagigen groBen Fuhrerappell durch, der am 
14./15. September auf dem Reichssportfeld stattfand. An diesem Appell nahmen die Ftihrer samtlicher 
Brigaden, Standarten, Sturmbanne und Stiirme, die Verwaltungs- und z. V. -Ftihrer sowie als geladene 
Gaste ftihren 

100 de Vertreter der Wehrmacht, der Polizei, des Reichsarbeitsdienstes und der Gauleitung teil. Obergrup- 
penfuhrer L u y k e n kennzeichnete die innere Geisteshaltung und die historische Mission der SA im 
Rahmen des Werdens und Wachsens der Partei, das Aufbauwerk nach der Machtergreifung und das 
weltgeschichtliche Ringen der Gegenwart um Freiheit und Weltgeltung des Reiches. Nach dem Willen 
des Ftihrers von Anfang an Tragerin und Kunderin des Wehrgedankens, habe sich die SA unentwegt 
ihrer Aufgabe gewidmet, Wehrgeist und Wehrwillen in das deutsche Volk zu tragen. Auf die besonde- 
ren Aufgaben der SA eingehend, betonte der Obergruppenfuhrer, daB man iiber die vordringliche Ge- 
genwartsaufgabe der Aufstellung und Ausbildung von SA-Wehrmannschaften niemals den eigentli- 
chen Auftrag der SA vergessen dtirfe: die Wehrgemeinschaft des deutschen Volkes in seiner Gesamt- 
heit zu schaffen, sie zu erhalten und bis zum Siege zu vertiefen. Aus einem Rechenschaftsbericht tiber 
die Arbeit der SA-Gruppe in den beiden ersten Kriegsjahren ging deutlich hervor, daB die SA in au- 
Bergewohnlich hohem Prozentsatz ihre Ftihrer und Manner an die Front gestellt hat. Samtliche 6 Bri- 
gadefuhrer, 26 von 29 Standartenfuhrern und 80% der Sturmbann- und Sturmfuhrer des Gruppenbe- 
reiches sowie weitere 27 000 SA-Kameraden, darunter 2100 als Offiziere und 5500 als Unteroffiziere 
stehen an der Front. Solche Zahlen unterstreichen sehr nachtraglich den Kriegseinsatz der Partei. 

Um die Mitte des Monats hat die Partei erneut das groBe soziale Werk der Kinderlandverschickung 
aufgenommen. Nach dem Willen des Ftihrers soil es der Gesunderhaltung jener Jugendlicher dienen, 
deren Eltern durch die angespannte Kriegsarbeit im Einsatz stehen. Die Verschickungsdauer betragt 
fur die kommende Periode mindestens 6 Monate. Die Eltern verpflichten sich durch Unterschrift auf 
dem Anmeldebogen, diesen Termin einzuhalten. Die Kinderlandverschickung zeigt fur diesen Winter, 
gesttitzt auf die Erfahrungen des ersten Jahres, eine sehr klare Gliederung. Die wichtigsten Fragen sind 
nunmehr reichseinheitlich geklart. 

Am Anfang des Monats September gedachte die Hitlerjugend in zwei groBen Veranstaltungen zwei- 
er Ereignisse, die am Beginn dieses Krieges standen: Am Vorabend des Tages, an dem vor zwei Jah- 
ren Hunderte von Volksdeutschen Burgern Brombergs und seiner Umgebung dem polnischen Blutter- 
ror zum Opfer fielen, vereinte sich am Dienstag die deutsche Bevolkerung Brombergs mit der Hitler- 
jugend des Gaugebietes zu einer feierlichen Stunde des ehrenden Gedenkens. Die Kundgebung bildete 
zugleich den AbschluB und Hohepunkt des Sternmarsches der Hitlerjugend des Gaues Danzig- 
WestpreuBen, die aus alien Bannen des Gaues Abordnungen mit 645 Fahnen nach Bromberg entsandt 
hatten. 

101 Und weiterhin trafen sich Abteilungen der Hitlerjugend aus alien Bannen des Warthelandes am 1. 
September zu einer Gedenkfeier an den groBen Sieg von K u t n o, der ersten Einkreisungsschlacht, 
die Entscheidung brachte iiber das Schicksal sowohl der polnischen Armee wie des polnischen Staates. 
Auf ihrem Marsch nach Kutno sind die Jungen die gleichen StraBen entlang marschiert, auf denen vor 
zwei Jahren die Volksdeutschen von polnischen Terrorbanden getrieben wurden und zu vielen Tau- 
senden ihre Treue zum deutschen Volkstum mit dem Tode besiegelten. 

Wie alljahrlich im Herbst, so fand auch in diesem Jahre anfangs September in Leipzig die groBe 
Reichsmesse statt, deren Eroffnung zahlreiche diplomatische Vertreter auslandischer Staaten beiwohn- 
ten. Bei einem Empfang des Reichsmesseamtes brachte der President, Ludwig Fichte, zum Ausdruck, 
daB Deutschland heute mitten im gewaltigsten Volkerringen die Hand am Pfluge habe, um das Feld 



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der wirtschaftlichen Beziehungen unter den Volkern neu zu bestellen, damit es in Zukunft Friichte fur 
alle tragen konne. Im Namen der Ehrengaste dankte der tlirkische Botschafter Gerede. Es bedeute ein 
wertvolles Erlebnis, die vielfachen Eindriicke Leipzigs auf sich wirken zu lassen und an dieser wahr- 
haft kulturfordernden volkerverbindenden Wirtschaftsschau teilzunehmen. Im Laufe der Zeit sei das 
Ausland immer mehr dazu libergegangen, die Reichsmesse zu besuchen und sich hier den bedeutenden 
Absatzmarkt Deutschlands zu erschlieBen. Zum SchluB seiner Rede nahm der tiirkische Botschafter 
die Gelegenheit wahr, seiner Befriedigung iiber den deutsch-tiirkischen Freundschaftsvertrag Aus- 
druck zu geben. Dieser Vertrag, so erklarte er, sei seiner Ansicht nach kein lediglich zeitgebundener 
und formeller Pakt, sondern er sei nur ein neuer Ausdruck und eine neue Bestatigung der seit Jahrhun- 
derten zwischen den beiden Nationen bestehenden aufrichtigen Freundschaft. Deutschland und die 
Ttirkei seien zwei Lander, die einander in okonomisch struktureller Beziehung hervorragend erganz- 
ten. Er schloB mit dem Wunsche, daB die zur Zeit laufenden Verhandlungen tiber einen neuen deutsch- 
tiirkischen Handelsvertrag mit einem vollen Erfolg enden mochten. — Im Rahmen eines Empfanges 
aus AnlaB der diesjahrigen Leipziger Herbstmesse sprach auch Staatssekretar Dr. Landfried. Er erklar- 
te, daB nach dem Willen des Fiihrers die Leipziger Herbstmesse halbjahrlich die Bilanz der deutschen 
Wirtschaft ziehen solle, um die Erfolge und Fortschritte nationalsozialistischer Wirtschaftsfiihrung vor 
der breitesten Offentlichkeit aufzuzeigen. — Unter den Ehrengasten der Leipziger Messe weilte in 
diesem Jahre auch der spanische Wirtschaftsminister D. Demeetri Carceller-Fegura. Die Gelegenheit 
seines Besuches hat der Minister zu Aussprachen mit dem 

102 Staatssekretar im Reichswirtschaftsministerium Dr. Landfried und Staatssekretar Korner iiber 
schwebende Wirtschaftsfragen benutzt. 

Kaum hatte die Leipziger Messe ihre Pforten geschlossen, wurde die Wiener Herbstmesse eroffnet. 
Zahlreiche Ehrengaste waren bei der Eroffnung zugegen, sie alle horten mit groBter Spannung einen 
Vortrag des Generalbevollmachtigten fur das Kraftfahrwesen, Generalmajor und Unterstaatssekretar 
im Reichsverkehrsministerium v. Schell. Seinen Vortrag erganzten in anschaulichster Weise eine 
Schau von Traktoren, bei der auch die neuesten Sauggaskraftfahrzeuge und Maschinen zu sehen wa- 
ren. Die Wiener Herbstmesse vermittelte in ihrer Gesamtheit eine lebendige Anschauung von 
Deutschlands wachsendem WirtschaftseinfluB und steigendem Giiteraustausch auf dem Balkan. 

Mit groBerer Anteilnahme als in Friedenszeiten verfolgt das deutsche Volk im Kriege das Wachsen 
und Gedeihen der Ernte. Jeder weiB, daB vom FleiB und Einsatz des Bauern fur die Gesamtheit der 
Nation unendlich viel abhangt. So begegnet auch die Tatsache groBem Interesse, wenn Reichsminister 
Darre Bauern empfangt, die sich in der Erzeugungsschlacht besonders hervorgetan haben. Am 18. 
September ehrte er auf einem Empfang im Reichsernahrungsministerium 104 Reichssieger des Milch- 
leistungskampfes. In einer Ansprache dankte der Minister den Bauern und Bauerinnen fur ihren Ein- 
satz. Wertvoller als der Dank der Gegenwart werde fur unser Landvolk die Anerkennung vor der Ge- 
schichte und der Dank der Kinder und Enkelkinder sein, den diese einst dem deutschen Landvolk fur 
seine entscheidenden Kriegsleistungen zollen werden. Man werde dann allgemein erkennen, daB die 
Landwirtschaft die Gardetruppe der deutschen Wirtschaft im nationalsozialistischen Deutschland und 
in dem entscheidenden Freiheitskampfe des deutschen Volkes gewesen ist. Auf die Fragen der gegen- 
wartigen Auseinandersetzung mit dem Bolschewismus iibergehend, erklarte der Minister, daB es zwi- 
schen Bauerntum und Bolschewismus keinen KompromiB geben konne. Um so fanatischer aber werde 
gerade deshalb das deutsche Landvolk an seinem Frontabschnitt kampfen, um den Krieg zu gewinnen. 

Zu der so sehr wichtigen Frage der Kartoffelversorgung im kommenden Winter nahm Staatssekretar 
Backe Stellung. Er stellte fest, daB wir mit einem guten Ergebnis der Kartoffelernte zu rechnen hatten, 
daB die Anspriiche in diesem Jahre aber auBergewohnlich hoch seien. Darum miisse mit auBerster 
Sparsamkeit umgegangen werden. An der Spitze des zu befriedigenden Kartoffelbedarfs stehe die 
Versorgung des Volkes mit Speisekartoffeln. Die Frage der Kartoffelversorgung werde kompliziert 
durch die angespannte Transportlage der Reichsbahn. Aus dem Artikel von Staatssekretar Backe ging 
erneut hervor, daB die fiih 

103 renden Manner der deutschen Ernahrungswirtschaft aus verschiedenen Griinden die Kartoffel nicht 
bewirtschaften wollen. Es soil aber dafiir Sorge getragen werden, daB die Einkellerung sachgemaB 
geschieht. Staatssekretar Backe gab verschiedene Hinweise fur eine pflegliche Behandlung. Zugleich 
verkiindete er die Absicht, in Gaststatten die sogenannten „Salzkartoffeln" von der Speisekarte zu 
streichen und nur Schalkartoffeln zu verabfolgen. 

Reichsgesundheitsfiihrer Dr. C o n t i ist zusammen mit dem Reichsminister fur Ernahrung und 
Landwirtschaft bestrebt gewesen, die wissenschaftliche Forschung iiber die Vitaminfrage und deren 



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Umsetzung in die Ernahrung spraxis durch eine bisher noch fehlende zentrale Arbeitsstatte in die Wege 
zu leiten. Beide Dienststellen gingen dabei von der Uberlegung aus, daB die Ernahrung im Kriege 
nicht nur mengenmaBig ausreichen, sondern auch in bezug auf die Qualitat alien Anforderungen ent- 
sprechen und dem neuesten Stand der Wissenschaft entsprechen muB. Durch einen ErlaB des Fiihrers 
vom 15. August tiber die Errichtung einer „Reichsanstalt fur Vitaminpriifung und Vitaminforschung" 
mit dem Sitz in Berlin hat dieses wichtige Aufgabengebiet nunmehr die ihm zukommende ideelle und 
materielle Anerkennung erfahren. Die neue Reichsanstalt soil nach dem Wortlaut des Fuhrererlasses 
zur Beratung der Reichsregierung bei den auf dem Gebiete der Vitaminversorgung des deutschen Vol- 
kes entstehenden Fragen tatig werden. Ihre Unterstellung unter die gemeinsame Aufsicht der Reichs- 
minister des Innern und fur Ernahrung und Landwirtschaft bringt zum Ausdruck, daB sie sowohl fiir 
die Erzeugung und Gewinnung der Lebensmittel als auch fiir deren Verbrauch wichtige wissenschaft- 
liche und praktische Grundlagen erarbeiten soil. Die Reichsanstalt wird bis zur Fertigstellung des fiir 
sie vorgesehenen Dienstgebaudes in Berlin ihre Arbeit unter Leitung des bekannten deutschen Vit- 
aminforschers Prof. Dr. Scheunert im raumlichen AnschluB an die Leipziger Universitat aufnehmen. 

Der Staatssekretar im Reichsfinanzministerium, Reinhardt, gibt in der Deutschen Steuerzeitung im 
Rahmen eines Aufsatzes tiber den Finanzbedarf des Reiches interessante Zahlen tiber Ehestandsdarle- 
hen, Kinderbeihilfen und Ausbildungsbeihilfen. Demnach sind seit August 1933 1,8 Mill. Ehestands- 
darlehen, seit Oktober 1935 1,1 Mill, einmalige Kinderbeihilfen, seit April 1938 400000 Ausbildungs- 
beihilfen und seit Oktober 1938 180000 Einrichtungszuschiisse und Einrichtungsdarlehen fiir die 
Landbevolkerung gewahrt worden. Seit August 1936 werden auch laufende Kinderbeihilfen gewahrt. 
Gegenwartig an 2,5 Mill. Familien fiir 5 Mill. Kinder. Die Aufwendungen fiir diese MaBnahmen sind 
mit dem Aufbau von Jahr zu Jahr gestiegen. Sie betragen bis jetzt etwas mehr als 3 Milliarden Reichs- 
mark und erreichen im laufenden 

104 Rechnungsjahr mindestens 1 Milliarde. Die Zahl der EheschlieBungen im Altreich sind von 527 000 im 
Jahre 1933 auf 772 000 im Jahre 1939 gestiegen. Im ehemaligen Osterreich von 49 000 im Jahre 1937 
auf 121 000 im Jahre 1939. Die Zahl der lebend Geborenen hat im Altreich betragen im Jahre 1933 
971 000 oder 14,7 vom Tausend der Bevolkerung, im Jahre 1939 1 407 000 oder 20,3 vom Tausend 
der Bevolkerung. 

Der Reichsminister des Innern hat kiirzlich ein Sonderrecht fiir die Kriegerbraut und das etwa vor- 
handene uneheliche Kind auf den Namen des Brautigams geschaffen. Es werden darin der Krieger- 
braut Vergiinstigungen eingeraumt, die sie bei der Namensgebung so stellen, als ob die beabsichtigte 
Ehe nicht durch den Heldentod des Brautigams unmoglich gemacht worden ware. Wahrend andere 
Namensanderungsantrage wahrend der Kriegszeit aus Personalmangel nicht bearbeitet werden, sind 
diese Antrage nach der Vorschrift des Ministers sofort zu erledigen. 

Im Laufe der Zeit sollen in alien Teilen des Deutschen Reiches deutsche Heimschulen errichtet wer- 
den. Sie sind bestimmt, Kinder Gefallener aufzunehmen und Kinder von Eltern, die im Auslande ihren 
Wohnsitz haben oder auBerhalb des Reiches ihrem Beruf nachgehen, die als politische Leiter, Offizie- 
re, Beamte oder Kaufleute ihren Dienst haufig wechseln miissen, oder aus beruflichen Griinden sich 
nicht in ausreichendem MaBe der Erziehung ihrer Kinder widmen konnen. Die Heimschulen werden 
fiir Jungen und Madchen eingerichtet, und zwar als Schulen aller Gattungen. Reichsminister Rust hat 
die oberste Leitung der deutschen Heimschulen dem SS-Obergruppenfiihrer HeiBmeyer als „Inspek- 
teur der deutschen Heimschulen" iibertragen. Die mittlere Schulaufsicht verbleibt in den einzelnen 
Gauen bei den bisher zustandigen Schulaufsichtsbehorden des Reiches bzw. der Lander. 

Der Reichsarbeitsminister hat durch ErlaB vom September 1941 Mittel bereitgestellt, um Reichszu- 
schiisse fiir Instandsetzungsarbeiten an Wohngebauden und Wohnraumen auch in den Teilen des Rei- 
ches zu gewahren, die nicht zu den Grenzgebieten gehoren. Die Arbeiten miissen notwendig sein, um 
zu verhindern, daB die Wohngebaude oder Wohnraume unbenutzbar werden. Eine Priifung der Dring- 
lichkeit unterliegt der NSV; die Genehmigung erteilt der Landrat oder Oberbiirgermeister. Die Zu- 
schiisse betragen in der Regel 20% und steigen in Ausnahmefallen bei Bediirftigkeit des Antrags tellers 
auf 50, ja sogar auf 75%. 

Zur planmaBigen kulturellen Durchdringung,, und ErschlieBung des in der Tradition des Deutschen 
Ritterordens wurzelnden Reichsgaues Danzig-WestpreuBen hat Gauleiter Reichsstatthalter Forster das 
Kulturwerk „Deutsches Orden s 1 a n d" errichtet. President dieses Werkes ist der Gauleiter selbst, den 
Ehren 

105 schutz iibernahm Reichsminister Dr. Goebbels. Das Kulturwerk hat die Aufgabe, aller deutschen 
Kulturinstitutionen des Gaues sowie die schaffenden Kiinstler zu fordern und zu unterstiitzen. Soweit 



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es sich um den ostdeutschen Dichterkreis handelt, soil diesen Dichtern Gelegenheit gegeben werden, 
das Ordensland kennenzulernen, um sie zu neuem Schaffen anzuregen. 

In zwei Jahren deutscher Herrschaft ist im ehemaligen Ostoberschlesien viel Elend in den Kreisen 
der Volksdeutschen gelindert worden. Anfang September hat aber Gauleiter Bracht erneut eine groBe 
Sanierungsaktion, die der NSV. ubertragen wurde, in die Wege geleitet. Dieser bisher in Art und 
AusmaB wohl einzig dastehende Plan, der in seinen Anfangen bereits in die Praxis umgesetzt ist, sieht 
im einzelnen vor: Instandsetzung von etwa 21 000 Wohnungen im Werte von iiber 1,5 Millionen 
Reichsmark, die Beschaffung von tiber 66 000 Mobeln aller Art im Werte von 2,8 Millionen Reichs- 
mark sowie die Deckung eines Kleider- und Waschebedarfs im Werte von 4 Millionen Reichsmark. 
Der Plan umfaBt ferner eine Betreuung von 40000 Muttern und Kindern sowie 20000 Sauglingen mit 
Milch. Weiterhin werden an 60 000 Kinder ein halbes Jahr hindurch je 1 kg Obst wochentlich zusatz- 
lich ausgegeben. 60 000 Mutter, Sauglinge und Kleinkinder erhalten zusatzliche Starkemittel. Insge- 
samt erfordert diese Sanierungsaktion, die auch einen Teil des alten beim Reich verbliebenen Ober- 
schlesiens umfaBt, einen Aufwand von tiber 1 6 Millionen Reichsmark. Auf diese Weise wird hier im 
Sudosten des Reiches, wo die Not unter den Volksdeutschen groB war, eine wirkliche Tat des deut- 
schen Sozialismus durchgefuhrt. 

Am 13. September ftihrte Generalgouverneur Dr. Frank auf der Burg zu Krakau Staatssekretar Dr. B 
o p p 1 e in sein neues Amt als Stellvertreter des Leiters der Regierung des Generalgouvernements ein. 
— Am 10. September fand unter dem Vorsitz des Generalgouverneurs Dr. Frank in Anwesenheit des 
Stellvertretenden Leiters des Arbeitsbereichs der NSDAP, des Distriktschefs sowie des Bevollmach- 
tigten des Generalgouverneurs in Krakau eine Regierungssitzung start, auf der alle vordringlichen 
Fragen erortert wurden, die insbesondere durch den Ostfeldzug dem Generalgouvernement gestellt 
wurden. Bei dieser Gelegenheit erklarte Dr. Frank, daB das Generalgouvernement nicht nur ein Be- 
standteil des deutschen Machtbereichs, sondern des GroBdeutschen Reiches schlechthin sei. Es gelte 
darum heute mehr denn je, alle Energiequellen auch dieses Landes bis aufs auBerste einzuspannen, um 
dem GroBdeutschen Reich in dem gewaltigsten Ringen aller Zeiten den Endsieg zu sichern. Der Leiter 
des neu eingegliederten Distrikts Galizien, Gouverneur Dr. Lasch, wies auf die in seinem Distrikt be- 
sonders groBen Aufgaben des StraBenbaues hin, wo 
106 durch ein hoher Bedarf an Arbeitskraften vorliege. Er berichtete ferner von der Stabilisierung des 
Brotpreises und der Wohnungsmieten sowie von der erfolgten Einfuhrung der Zloty-Wahrung als 
UbergangsmaBnahme. Andere Referate berichteten iiber die Einbringung der diesjahrigen Ernte, aus 
der die Volksernahrung im Generalgouvernement sichergestellt sei. — Am 13. September wurde in 
Krakau die Ausstellung „Germanenerbe im Weichselraum" durch Generalgouverneur Dr. Frank eroff- 
net, die vom Institut fur Deutsche Ostarbeit in Krakau veranstaltet wird. In seiner Eroffnungsanspra- 
che betonte Dr. Frank die hohe Aktualitat dieser Ausstellung, die darin liege, daB sie in wissenschaft- 
lich exakter Weise den uberzeugenden Beweis dafiir erbringe, daB in diesem Raum germanisches Blut 
schon seit Jahrtausenden anwesend war. Friihgeschichtliche Funde und Zeugnisse bis in die letzten 
Jahrhunderte dokumentieren, wie lebendig von fruhester Zeit an germanisches Leben und germanische 
Kulturmission in diesem Ostland gewesen sind. 

Die Lebendigkeit des deutschen Kulturlebens im Kriege erwies sich auch im Monat September 
durch verschiedene groBere Veranstaltungen. Die bedeutendste dieser Veranstaltungen war die Ta- 
gung „Deutsches Kulturschaffen" in Munchen um die Mitte des Monats. Unter den Referaten seien als 
bedeutendste hier aufgefuhrt der Vortrag des Vizeprasidenten der Deutschen Akademie Prof. Walter 
Wtist mit dem Thema „Die deutsche Akademie und ihre Spracharbeit", ferner der Vortrag von Mini- 
sterialrat Dr. Ziegler „Der deutsche Schicksalsweg". Und schlieBlich die Rede von Staatssekretar 
Gutterer, der die Grundziige der deutschen Kulturpolitik und des deutschen kunsflerischen und kultu- 
rellen Schaffens darlegte. — Eine Tagung, die iiber den Rahmen einer innerdeutschen Veranstaltung 
hinausging, war die Paracelsus F e i e r in Salzburg am 23. September. Hier gedachten Vertreter deut- 
scher Wissenschaft und Wissenschaftler aus weiteren 18 Nationen des genialen Theophrastus von 
Hohenheim. Reichsminister Dr. Frick wohnte dieser Feier bei; Reichsgesundheitsfuhrer Dr. Conti 
wlirdigte in einer groBangelegten Rede die Personlichkeit und das Werk des Paracelsus. 

Am 28. September fand im Leipziger Gewandhaus ein Festakt zur Einweihung des in Leipzig ge- 
grundeten Musischen Gymnasiums statt. Reichsminister Rust und der italienische Minister fur 
nationale Erziehung Bottai wohnten der Feier bei. 

Ein Zeugnis von der starken Kraft kultureller Eigenstandigkeit erbringen von Zeit zu Zeit in der 
Reichshauptstadt einzelne Gaue durch Veranstaltungen, in denen sie schopferische Leistungen ihrer 



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Kiinstler darstellen. Im September trat der Gau Moselland mit einer ganzen Veranstaltungsreihe an die 
Berliner 

107 Offentlichkeit. Gastspiele des Mosellandischen Landestheaters, der Moselland-Puppenspiele und eine 
Kunstausstellung im SchloB Schonhausen hinterlieBen in Berlin nachhaltigen Eindruck. Derartige 
Kulturveranstaltungen haben im Laufe der letzten Jahre mehrfach das geistige Leben der Reichshaupt- 
stadt angeregt und befruchtet. 

Mit Beginn der Spielzeit hat Generalintendant Lothar M u t h e 1 in Wien, wo er schon seit zwei Jah- 
ren Direktor des Burgtheaters ist, offiziell die Gesamtleitung der Wiener Staats theater, also auch 
der Staatsoper, ubernommen. 

Die zweite Posener Musikwoche wurde am 1. September mit einem Festakt in der Aula der Reichs- 
universitat eroffnet. Nach einer BegruBungsansprache des Landeskulturwalters Maul gab Oberbur- 
germeister Dr. Scheffler die Trager des Musikpreises Reichsgau Wartheland bekannt. Es sind dies zu 
gleichen Teilen der Kapellmeister an den Reichsgautheatern zu Posen, Willfried Zillig, und der bal- 
tendeutsche Komponist A. M. Schnabel, der Posener und Litzmannstadter Bachchor sowie der Balten- 
deutsche Prof. Johannes Paulsen. 

Zum Nachfolger des als Ministerialdirektor in das Reichsministerium des Innern berufenen Sonder- 
treuhanders fur die kulturschaffenden Berufe, Regierungsprasident Riidiger, ist auf Vorschlag von 
Reichsminister Dr. Goebbels der Generalsekretar der Reichskulturkammer und Ministerialdirektor im 
Reichsministerium fur Volksaufklarung und Propaganda, Hans H i n k e 1, ernannt worden. 

Am Anfang des Monats verschied in Munchen der um das deutsche Verlagswesen hochverdiente 
Verleger Hugo Bruckmann. Der Ftihrer hat fur ihn ein Staatsbegrabnis angeordnet. In Anwesen- 
heit namhafter Vertreter des Staates und der Partei wtirdigte bei dieser Trauerfeier Gauleiter Adolf 
Wagner die Personlichkeit und das Werk des Verstorbenen. In einer Zeit, in der nur eine kleine Schar 
von Mannern sich um Adolf Hitler versammelte, habe sich Bruckmann schon als einer der ersten Ver- 
treter des deutschen Geisteslebens auf die Seite der jungen nationalsozialistischen Bewegung gestellt 
und ihr jede nur mogliche geistige und materielle Hilfe gegeben. Im Namen und Auftrag des Fuhrers 
legte Gauleiter Wagner einen Kranz am Sarge des Verstorbenen nieder. — Am 23. September wurde 
Robert Bosch, der weltbekannte deutsche Erfinder und Wirtschaftler, 80 Jahre alt. Der Ftihrer hat 
den Dr. Ing. Geh. Robert Bosch zu diesem Tage telegraphisch herzlichste Gliickwunsche ubermittelt 
und verlieh ihm durch Reichsorganisationsleiter Dr. Ley die Urkunde und Ehrennadel in Gold zur 
Auszeichung „Pionier der Arbeit". — Am 16. September feierte Generaldirektor Ludwig Klitzsch den 
60. Geburtstag. Die 

108 Verdienste des Jubilars um Film und Verlagswesen wtirdigte Reichsminister Dr. Goebbels personlich 
bei einem Besuch in herzlichen Worten. 

Einer der hervorragendsten Soldaten des nationalsozialistischen Reiches, Generalfeldmarschall Rit- 
ter von L e e b, feierte am 4. September seinen 65. Geburtstag. Der Ftihrer ubermittelte dem Feldmar- 
schall seine Gluckwiinsche zu diesem Tage durch ein Handschreiben. — Am gleichen Tage feierte 
Generalmajor Dr. T o d t seinen 50. Geburtstag. Auch ihm ubermittelte der Ftihrer seine Gliickwun- 
sche. — Am 12. September wurde der Ftihrer des NSKK, Reichsleiter Adolf H u h n 1 e i n, 60 Jahre 
alt. Auch dieses Tages gedachte Adolf Hitler, der sowohl in Dr. Todt wie in Reichsleiter Huhnlein 
treue und um die Nation hochst verdiente Mitarbeiter besitzt. 

Am 12. September meldete der Wehrmachtbericht, daB Generaloberst Ritter v. Schober t, Oberbe- 
fehlshaber einer Armee, in den Kampfen an der Ostfront gefallen sei. Die Tatsache, daB wiederum ein 
so hoher militarischer Ftihrer vor dem Feinde geblieben ist, bezeugt den heldenhaften Einsatz des 
deutschen Soldaten in diesem Kriege, in dem kein Unterschied im Heldenmut bei Offizier und Mann 
zu finden ist. 

Unter den fuhrenden Mannern der Partei, die an der Front ihr Leben lieBen, sind im September zu 
nennen SA-Obergruppenfuhrer M a n t h e y, der im Osten fiel, und SA-Obergruppenfuhrer R a e c k 
e, der in einem Luftwaffenlazarett auf Kreta starb. 

SchlieBlich beklagt die Partei einen sehr verdienten Parteigenossen: Am 25. September starb in 
Munchen der nationalsozialistische Reichstagsabgeordnete Gottfried Feder. Als Vorkampfer und 
Theoretiker der Partei hat er sich in der Kampfzeit hochverdient gemacht. In dem Nachruf heiBt es: 
sein Name werde fur immer in der Geschichte der nationalsozialistischen Bewegung unvergessen blei- 
ben. 



pritsr|Iiit tm^imirF 





^tiflnjiiliflfe 

109 Deutschlands Politik und Kriegflihrung standen im Monat September im Zeichen neuer groBer 
Erfolge, die durch zwei Gedenktage, die in diesen Monat fielen, den zweiten Jahrestag des Kriegsaus- 
bruchs und den ersten des Abschlusses des Dreierpaktes, in ihrer Bedeutung noch besonders unterstri- 
chen wurden. 

An alien Fronten des Krieges haben die deutschen und verbiindeten Truppen neue gewaltige Erfolge 
errungen. Im Osten hat die gewaltige Schlacht im Raum ostlich Kiew die Uberwindung der Dnjeprli- 
nie und die Vernichtung von vier Sowjetarmeen gebracht. Auf einem Raum, der in den GroBenmaBen 
etwa dem des Dreieckes Koln — Munchen — Stettin entspricht, wurde die groBte Vernichtungsschlacht 
der Weltgeschichte ausgefochten, mit Gefangenen- und Beutezahlen, wie sie die Kriegsgeschichte 
bisher nicht gekannt hat. Das wichtigste Industriegebiet der Sowjetunion, das Donezbecken, wurde 
dem deutschen Zugriff geoffnet, und ebenso der Weg nach Rostow am Don, wo die Olleitung aus dem 
Kaukasus endigt und die einzige leistungsfahige Bahn aus dem Kaukasusgebiet nach Moskau vorbei- 
fuhrt. 

Am 22. September, drei Monate nach Beginn der kriegerischen Auseinandersetzung mit dem Bol- 
schewismus, ist der Krieg im Osten in seine entscheidende Phase eingetreten. Das Ziel der Vernich- 
tung der bolschewistischen Kampfkraft ist in greifbare Nahe geriickt, und mit eisernem Schritt geht 
das Schicksal seinen Gang iiber die weiten Ebenen RuBlands. Das groBte militarische Unternehmen, 
das die Weltgeschichte bisher zu verzeichnen hat — nie ist auf so langer Front, unter Einsatz von so- 
viel Menschen und Kriegsmaterial und in so weitem Raum um die militarische Entscheidung nicht nur 
zwischen zwei militarischen und politischen Gegnern, sondern zwischen zwei grundverschiedenen 
Auffassungen von Mensch, Staat und Gesellschaft gerungen worden — , nahert sich wie eine gewalti- 
ge Tragodie dem Moment der hochsten Spannung und dem Umschwung. 

Kein Wunder, daB von interessierter gegnerischer Seite Waffenstiilstandsgeruchte ausgestreut wur- 
den. Sie haben deutscherseits sofort die einzigmogliche Richtigstellung erfahren: 

110 Mit dem Bolschewismus gibt es keinen Waffenstillstand, er wird vielmehr besiegt und vernichtet. 
Dieser gefahrliche Infektionsherd im Korper Europas muB verschwinden, wenn Europa endlich seine 
politische und wirtschaftliche Einheit finden soil. Zum erstenmal steht gegen das Riesenreich im 
Osten, das den groBeren Teil der Flache von Gesamteuropa umfaBt, eine Kriegsmacht, gegentiber der 
jener Faktor, der bisher immer eine wirkliche militarische Niederwerfung des russischen Staatsgebil- 
des unmoglich gemacht hat, der der Weite des russischen Raumes, sich nicht mehr durchsetzen kann. 
Dies muB in der Zukunft weittragende Auswirkungen haben. Die militarische Beherrschung dieses 
Raumes durch die Krafte aus der Mitte Europas erscheint geeignet, das ganze Bild unseres Kontinents 
auf lange Zeit grundlegend zu verandern. Eine ungeheure Perspektive offnet sich vor uns, wenn wir 
das militarische Geschehen in den weiten Raumen des Ostens unter historischen Gesichtspunkten be- 
trachten: Eine Umgestaltung Europas von wahrhaft welthistorischem AusmaB ist in Sicht, wenn die 
alten Kernlande der europaischen Kultur auf absehbare Zeit von der Bedrohung aus dem Osten befreit 
werden, wenn andererseits die Eingliederung des Ostens in den Kreislauf europaischen Lebens und die 
Nutzbarmachung ihrer groBen wirtschaftlichen Werte und Moglichkeiten in Aussicht steht. Das milita- 
rische Geschehen im Osten erscheint so als die Vorbereitung einer Strukturwandlung unseres Konti- 
nents, deren Folgen und Auswirkungen sich heute noch gar nicht ubersehen und nur mit einer an ge- 
schichtlichen VergleichsmaBstaben orientierten Phantasie ahnen lassen. 

Das Zarenreich ist stets ein kulturell und wirtschaftlich hinter Mittel- und Westeuropa weit riick- 
standiges Gebiet gewesen, dessen Bodenschatze, landwirtschaftliche Moglichkeiten und Menschen- 



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krafte nie wirklich dem wirtschaftlichen Kreislauf Europas und damit dessen wirtschaftlicher Kraft 
nutzbar geworden sind. Der Bolschewismus hat darin nichts geandert. Er hat zwar riesige Programme 
industrieller Entfaltung aufgestellt und z. T. auch durchgeflihrt, aber einseitig zu militarischen Zwek- 
ken, in der Absicht, mit diesen Rustungen die Weltrevolution zu machen, wozu der erste Schritt die 
Eingliederung Mittel- und Westeuropas in den Sowjetstaat sein sollte. Die Weite, die Menschenfiille 
und die Wirtschaftskrafte des Ostens sollten dazu benutzt werden, um auch wirtschaftlich und poli- 
tisch aus dem ubrigen Europa das zu machen, was es geographisch eigentlich darstellt, namlich eine 
vielgegliederte Halbinsel am eurasischen Kontinent. Der gewaltige Waffengang, der sich in den Rau- 
men des Ostens abspielt, fuhrt zu der entgegengesetzten Entwicklung: der geographisch, volkisch, 
politisch und kulturell so reich gegliederte und bisher des- halb auch so gespaltene und uneinige We- 
sten, uberwaltigt unter Deutschlands Fuhrung den ungestal 

111 ten Osten und unterwirft ihn seinem Gesetz. Das Abendland riickt siegreich weit in den Osten vor und 
wird ihm seine Form aufzwingen. 

Zu solchen Ausblicken konnten auch die beiden Gedenktage des Monats September anregen, der 
zweite Jahrestag des Dreimachtepaktes am 26. September. 

Seitdem am 3. September 1939 England den Krieg entfesselte — heute wissen wir, daB England 
Frankreichs ihm horige Regierung in den Krieg gefuhrt hat — , hat die Welt eine ununterbrochene 
Folge deutscher Siege und englischer Niederlagen gesehen. Alle Bundesgenossen Englands auf dem 
Festlande sind niedergerungen, und der Kampf mit dem letzten, dem Bolschewismus, ist ins Endstadi- 
um eingetreten. Der europaische Raum wird damit ganzlich von England frei, und keine Macht der 
Welt wird dieses Ergebnis von zwei Kriegsjahren andern konnen. Weder die Mengen an Kriegsmate- 
rial, noch die Truppen, die notig waren, um dieses Ergebnis in Frage zu stellen, sind irgendwo auf der 
Welt vorhanden oder konnten in Zukunft bereitgestellt und ins Spiel gesetzt werden. Dies ist das Er- 
gebnis zweier Kriegsjahre auf dem europaischen Festlande. Auf der See ist Englands Macht an alien 
Ktisten Europas ausgeschaltet oder in Frage gestellt, wahrend die Schlacht im Atlantik mit schwersten 
englischen Verlusten und gefahrlichen Auswirkungen auf Englands Leben unentwegt weitergeht. 

Der zweite Gedenktag des Monats, der erste Jahrestag des Abschlusses des Dreimachtepaktes, der 
am 26. September gefeiert wurde und in einem Telegrammwechsel zwischen dem Ftihrer, dem Duce 
und dem Fursten Konoye (siehe Seite 93) sowie in einem solchen zwischen den AuBenministern der 
drei Lander unterstrichen wurde, bot Gelegenheit, Kriegftihrung und AuBenpolitik Deutschlands unter 
noch weiterem Gesichtswinkel als dem europaischen zu betrachten. 

Der Dreierpakt, der das Zusammengehen der Achsenmachte und Japans zum Zwecke der Durchset- 
zung einer neuen Ordnung in Europa und im Fernen Osten und der Verhinderung einer weiteren Aus- 
dehnung des Krieges abgeschlossen wurde, hat die auf ihn gesetzten Hoffnungen durchaus erftillt. Er 
hat in Europa durch den Beitritt der Slowakei, Ungarns, Rumaniens, Bulgariens und Kroatiens die 
neue Ordnung betrachtlich gefordert. Im Fernen Osten hat er Japan bei seinen Bemuhungen um eine 
neue Ordnung in Ostasien unterstiitzt und sicher auch sehr zur Einschrankung des Kriegswillens in den 
Vereinigten Staaten beigetragen. Die Anerkennung der Regierung in Nanking, Japans Vermittlung im 
Streit zwischen Thailand und Indochina und die gemeinsame Verteidigung Indochinas durch Japan 
und Frankreich, all diese 

112 Ereignisse standen im Zeichen des Dreierpaktes. Er hat sich in Europa und in Ostasien als Kern- und 
Kristallisationspunkt einer neuen Ordnung durchaus bewahrt. 

Der Telegrammwechsel zwischen den Regierungschefs und AuBenministern der Dreierpaktmachte 
war im ubrigen ein eindrucksvolles Dementi aller jener Zweckmeldungen, die im Zusammenhang mit 
den Verhandlungen, die Japan iiber Einzelfragen in den USA fortlaufend fuhrt, von gegnerischer Seite 
immer wieder in die Welt gesetzt worden sind. Im gleichen Sinne wirkte die Art und Weise, wie die 
japanische Presse den Jahrestag der Unterzeichnung des Paktes herausstellte. 

Wenn es der im Texte des Dreierpaktes ausdrticklich genannte Zweck des Paktes war und ist, einer 
weiteren Ausdehnung des Krieges entgegenzuwirken, so hat die Regierung der Macht, deren Eintritt in 
den Krieg die Interessen aller Dreierpaktmachte wesentlich beriihren muBte, namlich die der Vereinig- 
ten Staaten, auch im Monat September alles getan, um dieser friedwilligen Zielsetzung des Dreierpak- 
tes entgegenzuwirken. Roosevelt und seine Leute setzen ihre bisherige Taktik ununterbrochener 
Kriegshetze, verbunden mit einem hartnackigen Bemuhen um die Schaffung von Zwischenfallen, mit 
Hilfe deren sie die Kriegsstimmung steigern und den Kriegsintritt der USA herbeifuhren wollen, eifrig 
fort. Ihre kriegshetzerischen Reden linden in Deutschland die Beachtung, die sie verdienen. Ihre ver- 
logene und hinterhaltige Argumentation wird von der Presse und auch in offizioser Form zuriickge- 



;liiiisirlill,iii<i tm^amirF 1 1 

wiesen, aber die flihrenden Personlichkeiten des Reiches haben es bisher noch kaum fur notig befun- 
den, sich mit der schmutzigen Flut von Beschimpfungen und Verleumdungen zu beschaftigen, die der 
USA-Prasident und seine Heifer beinahe taglich in Gang setzen. Gegenliber Roosevelts Politik der 
Schaffung von Zwischenfallen wird eine ahnliche Haltung eingenommen. Die Fahrt von im USA- 
Auftrag tatigen Handelsschiffe in die von Deutschland erklarten Sperrzonen um England kann natiir- 
lich die deutsche Seekriegsfuhrung in keiner Weise aufhalten. Mehrere dieser Schiffe wurden bereits 
torpediert, und jedesmal stellte es sich heraus, daB die Versenkung seekriegsrechtlich vollig einwand- 
frei war. Das Geschrei Roosevelts und seiner Pressemeute blieb, auch in USA, ohne wesentliche Wir- 
kung. Besonders bezeichnend war der Zwischenfall mit dem USA-Zerstorer „G r e e r", den Roose- 
velt, da es sich um ein USA-Kriegsschiff handelte, besonders aufdringlich fur seine Hetzzwecke aus- 
zunutzen sich bemuhte. Am 6. September erfolgte dazu von deutscher Seite folgende amtliche Fest- 
stellung: 

„Am 4. September wurde auf 62 Grad 31 Minuten Nord und 27 Grad 06 Minuten West ein deut- 
sches U-Boot um 1 1 Uhr 30 im deutschen Blockadegebiet mit Wasserbomben angegriffen und laufend 
verfolgt. 

1 13 Das deutsche U-Boot war nicht in der Lage, die Nationalitat des angreifenden Zerstorers festzustellen. 
Es hat in berechtigter Abwehr daraufhin um 14 Uhr 39 als Abwehr einen Zweierfacher geschossen, 
der fehlging. Der Zerstorer setzte die Verfolgung mit Wasserbomben bis gegen Mitternacht erfolglos 
fort. Wenn von einer amtlichen amerikanischen Stelle, namlich dem USA-Marinedepartementbehaup- 
tet wird, der Angriff sei von dem deutschen U-Boot ausgegangen, dann kann das nur bezwecken, dem 
neutralitatswidrigen Angriff eines amerikanischen Zerstorers auf das deutsche U-Boot wenigstens den 
Anschein eines Rechtes zu verleihen. Der Angriff selbst ist der Beweis dafiir, daB Herr Roosevelt ent- 
gegen seinen Behauptungen schon friiher den amerikanischen Zerstorern allgemein den Befehl erteilt 
hat, den Standort deutscher Schiffe und U-Boote nicht nur neutralitatswidrig zu melden, sondern dar- 
tiber hinaus diese selbst anzugreifen. Herr Roosevelt versucht auch dadurch mit alien ihm zu Gebote 
stehenden Mitteln, Zwischenfalle zu provozieren, um das amerikanische Volk gegen Deutschland in 
den Krieg zu hetzen." 

Dieser amtlichen Verlautbarung braucht nichts hinzugefugt zu werden. 

Die Stimmungsmache gegen Deutschland und die offene Kriegshetze Roosevelts und seiner Leute 
beschrankt sich aber nach wie vor nicht auf die USA, sondern ist auch weiterhin besonders lebendig in 
Sudamerika, mit dem Zweck, die Staaten Sudamerikas dadurch immer mehr in die Gefolgschaft der 
USA hineinzuzwingen und sie den Kriegsplanen und -Vorbereitungen Roosevelts gefugig zu machen, 
zum andern, um die deutschen Interessen in den Landern moglichst auszuschalten. Auch im Monat 
September haben daher die USA-horigen und direkt oder indirekt von den USA ausgehaltenen Verei- 
nigungen, Verbande und Einzelpersonen mit den niedrigsten Mitteln gegen Deutschland, die in Siid- 
amerika ansassigen Deutschen und sogar die konsularischen und diplomatischen Vertretungen 
Deutschlands in Slid- und Mittelamerika gehetzt, wobei sich besonders der beriichtigte Taborda- 
AusschuB in Argentinien hervorgetan hat. Hiergegen muBte sich der deutsche Botschafter in Buenos 
Aires, von Thermann, am 17. September in einer energischen Erklarung wenden, die unge- 
schminkt die unerhorten Methoden des Taborda-Ausschusses, der immerhin eine Kommission des 
argentinischen Parlamentes ist, kennzeichnete. 

Die wiederholten Verhaftungen von Reichsdeutschen, die in verschiedenen Staaten Sudamerikas 
unter fadenscheinigen Vorwanden erfolgten, und die nichts anderes darstellten als einen Teil der gegen 
Deutschland und alles Deutsche betriebenen Hetze, ist damit beantwortet worden, daB man sich in 
Deutschland und in den von deutschen Truppen besetzten Gebieten die Staatsangehorigen der fragli- 
chen 

114 sudamerikanischen Lander etwas naher auf etwaige staatsgefahrliche Betatigung ansah. Das 
GroBdeutsche Reich wird heute und in Zukunft Mittel und Wege finden, um Verunglimpfungen abzu- 
wehren und sich mit alien Mitteln, die ihm zur Verfugung stehen, durchzusetzen. 

Die Bekampfung und Verfolgung alles Deutschen, wie wir sie aus dem Weltkrieg kennen, und wie 
sie England jetzt wieder mit Hilfe der USA mit Schwarzen Listen, Pressekampagnen, bestellten Par- 
lamentsdebatten, mit durch allerlei Machinationen bewirkten Verhaftungen und vielen anderen Mit- 
teln, durchzufuhren sich bemiiht, hat im Iran einen Hohepunkt erreicht. Nach dem Einmarsch der so- 
wjetischen und englischen Truppen muBten alle Deutschen das Land verlassen oder wurden in Gefan- 
genschaft gefuhrt. Die Frauen und Kinder der Reichsdeutschen im Iran haben nach entbehrungsreicher 
Fahrt die Heimat erreicht, wahrend die Manner groBtenteils zuruckgehalten und zum Teil den Bol- 



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schewiken ausgeliefert wurden. Dieselbe Taktik, die England im Weltkrieg befolgte, als es Deutsche, 
um das deutsche Ansehen zu treffen, durch Neger verhaften und bewachen lieB und iiberhaupt die 
Auslandsdeutschen der Verunglimpfung durch Kolonialvolker preisgab, wird auch in diesem Kriege 
wieder angewandt. Die vollige Auspliinderung der aus dem Iran vertriebenen deutschen Reichsange- 
horigen auf dem Weg zwischen Teheran und der tlirkischen Grenze trotz der vorherigen Zusicherung 
freien und sicheren Geleites, reiht sich den vielen Schandtaten, die England auf sein Schuldkonto zu 
buchen hat, wtirdig an. 

Auch sonst handelt die englische Politik nach den im Weltkrieg angewandten Methoden. Damals 
hatte sie schlieBlich Erfolg mit der unterirdischen Wuhlarbeit in den Landern der Mittelmachte. Sie 
ftihrte in Deutschland zur Revoke von 1918 und im damaligen Osterreich-Ungarn zum Aufstand der 
Nationalitaten gegen die Doppelmonarchie. Englands Propaganda verfolgt heute offen ahnliche Ziele 
mit gleichen Methoden wie ehemals. Sie ubersieht nur, daB die Ansatzmoglichkeiten hierfur heute 
nicht mehr bestehen. Eine Reihe von Attentaten im besetzten Frankreich, die der englisch- 
kommunistischen Wuhlarbeit zuzuschreiben sind und dazu bestimmt waren, das gute Verhaltnis zwi- 
schen der Bevolkerung und der Besatzungsarmee zu storen, sind ohne diese Wirkung geblieben und 
haben zu entsprechenden GegenmaBnahmen gefuhrt. Ahnlich ist die unterirdische Wuhlarbeit im Pro- 
tektorat durch schnelles und scharfes Zugreifen gefaBt worden. In beiden Fallen, im besetzten Frank- 
reich wie im Protektorat, wurde die Wuhlarbeit vom Kommunismus und Chauvinismus im engsten 
Verein mit der englischen Propaganda getragen. Die Opfer, die die Ausmerzug solcher Wuhlarbeit 
erforderte, kommen auf Londons. und Moskaus Konto. 

115 Die englisch - gaullistisch - kommunistische Propaganda in Frankreich richtet sich nicht nur gegen 
Deutschland, sondern ebensosehr gegen die franzosische Regierung in Vichy selbst. Marschall Petain 
sah sich deshalb am 21. September veranlaBt, in einer Rede an die Bevolkerung des besetzten Gebietes 
diese vor derartigen Wuhlereien zu warnen. Die franzosische Polizei und Justiz aber faBten Kommuni- 
sten und de Gaullisten scharf an. 

Fur das gegen die Interessen Frankreichs gerichtete Wirken de Gaulles ist dessen Haltung in Syrien 
besonders bezeichnend. Sein Beauftragter in Syrien, General Catroux, hat am 27. September die Be- 
seitigung des franzosischen Mandats tiber Syrien und die Unabhangigkeit Syriens erklart. Ein Leitar- 
tikel der „Times" vom 29. September machte dazu bemerkenswerte Ausfuhrungen, die deutlich zeig- 
ten, was in Wirklichkeit hinter der Unabhangigkeitserklarung Catroux steckt. Die „Times" stellten es 
so dar, als ob die im Schatten der englischen Bajonette gebildete „Regierung" Syriens sich in volliger 
Unabhangigkeit bilde und Syrien tatsachlich frei wurde. Die zukunftigen Beziehungen Syriens zu den 
benachbarten arabischen Staaten seien im Rahmen der Zukunfts vision einer arabischen Foderation zu 
betrachten, d. h. also, England beabsichtigt, das nach dem Weltkrieg im Vorderen Orient aufgebaute 
System scheinbar unabhangiger, aber in Wirklichkeit von England abhangiger Staaten weiter auszu- 
bauen und Syrien diesem System einzugliedern, d. h. es Frankreich wegzunehmen. 

Die Reaktion Vichys gab am 29. September ein Sprecher der dortigen Regierung wie folgt wieder: 
„Die Unabhangigkeitserklarung Syriens durch den Verrater-General Catroux andert nichts an der von 
der franzosischen Regierung schon mehrfach gemachten Feststellung, daB Frankreich auf seine Rech- 
te in der Levante nicht verzichte und irgendwelche politischen und territorialen Veranderungen, die 
Syrien und Libanon betreffen, nicht anerkennt." Der Sprecher der franzosischen Regierung ftigte hin- 
zu, daB die Proklamation von Catroux in keiner Weise die Haltung Frankreichs beeinflussen konne. 

De Gaulle wird von seinen englischen Auftraggebern auf dem Wege des Verrats immer weiterge- 
trieben. Am 25. September gab er die Bildung eines „franzosischen Nationalausschusses" von neun 
Mitgliedern, also die Bildung einer Gegenregierung gegen Vichy, bekannt. Durch einen Briefwechsel 
zwischen de Gaulle und dem Sowjetbotschafter M a i s k y in London fand diese neue „Regierung" die 
freilich etwas verklausulierte Anerkennung Moskaus. London beherbergt also nun noch eine weitere 
Scheinregierung, die ebenso wie alle anderen, die es dort gibt, Instrumente gegen die in der Bildung 
begriffene Einheit Eu 

116 ropas sein sollen. Mit blinder Konsequenz geht England seinen Weg weiter und will es in den alten 
Bahnen der „Gleichgewichtspolitik", d. h. der Veruneinigung und Beherrschung Europas verharren, 
obwohl die Siege der deutschen Waffen dieser Politik bereits den Boden entzogen haben und die Nie- 
derwerfung der Sowjetunion den letzten Zweifel am Ergebnis des Krieges beseitigen muBte. 

Die franzosische Regierung in Vichy bemtiht sich unter der Fuhrung des Marschalls Petain wei- 
terhin, mit den vielen schweren Problemen, vor denen Frankreich steht, so gut es gehen will, fertig zu 
werden. Die Umbildung des staatlichen, administrativen, gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Le- 



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bens vom individualistischen, parlamentarisch-demokratischen auf das autoritare System wird weiter 
fortgesetzt. Die Ausschaltung der Freimaurerei, der alten Parlamentarier und der bisherigen Organisa- 
tionsformen geht weiter. Es fehlt jedoch bei diesem Tun der schopferische Hauch des Revolutionaren 
und der geistige und moralische Schwung, wie er nur von einer groBen Personlichkeit und einer auf- 
steigenden Idee ausgeht. Alles, was sich in Vichy vollzieht, geht langsam und muhevoll vor sich. Das 
Neue ist Stiickwerk und tragt den Stempel des Ausgleichs divergierender Einflusse und nicht selten 
auch den der Zusammenhanglosigkeit an der Stirne. Frankreich hat den Weg in die Zukunft im Innern 
und nach auBen noch nicht gefunden. Es bietet sich auch weiterhin das Bild eines Landes und Volkes, 
das sein Gleichgewicht noch nicht wiedergefunden hat, und das nur zogernd sich vom Alten lost und 
den Weg in die Zukunft unsicher und schwankend beschreitet. 

Gegenuber England und den Vereinigten Staaten befindet sich Vichy nach wie vor in einer wenig 
erfreulichen Lage der Verteidigung. Die englische Begehrlichkeit richtet sich nicht nur auf Syrien, 
sondern auch auf Franzosisch-Somaliland, das die Briten auf dem Wege der Blockade und der buch- 
stablichen Aushungerung zum AnschluB an de Gaulle zwingen und damit zur Einordnung in englische 
Machtplane bringen wollen. Auch im Monat September hat England franzosische Schiffe aufgebracht 
und versenkt. Von Washington wird alles nur Mogliche getan, um de Gaulle zu fordern und auf Vichy 
in einem gegen den AnschluB Frankreichs an die neue europaische Ordnung gerichteten Sinne Druck 
auszuiiben. 

Es liegt auf der Hand, daB die Moglichkeiten dieses Drucks um so geringer werden, je schwacher 
die Stellung Englands im ganzen wird und je geringer in Vichy selbst die Bereitschaft ist, diesem 
Druck nachzugeben. Beide Faktoren hangen wesentlich mit der Kriegslage im Osten zusammen. So 
lange die englische Propaganda noch mit einem Schein von Glaubhaftigkeit es so hinstellen konnte, 
als ob die Sowjets wenn nicht zeitlich unbeschrankt, so doch noch auf lange hinaus Widerstand leisten 
konnten, und daB die 
1 17 deutsche Kraft in den Kampfen im Osten sich erschopfen wtirde, fuhlten sich alle jene Kreise in Vichy 
gestarkt, die im Abwarten, im Fuhlunghalten mit Washington und in mehr oder weniger verschleierter 
Nachgiebigkeit gegenuber England und USA den richtigen Sinn einer nationalen franzosischen Politik 
sahen. Das rasche Fortschreiten der militarischen Operationen im Osten ist geeignet, diese Leute zum 
Nachdenken zu veranlassen. 

Die Lage der Sowjetunion ist durch die kriegerischen Ereignisse des Monats September schon sehr 
schwierig geworden. Das beweisen am deutlichsten die wiederholten und immer dringlicher werden- 
den Hilferufe, die aus Moskau nach London und Washington gesandt werden, ebenso aber auch die 
Deklamationen der Sowjetpropaganda, durch die auf die offentliche Meinung in den „demokratischen 
Landern" Eindruck gemacht werden soil und von denen eine Erklarung des Sowjetbotschafters in 
London, Maisky, vom 14. September auf der dort abgehaltenen „interalliierten Konferenz" ein beson- 
ders treffendes Beispiel darstellt. Maisky erklarte, der Angriff Hitlers auf die Sowjetunion bringe Kul- 
tur und Zivilisation in Gefahr. Man dtirfe nicht dulden, daB die „friedlichen Volker der Sowjetunion 
unter das Nazijoch kamen". Seine Erklarung schloB mit folgender in der Geschichte der Verwendung 
der Luge zu politischen Zwecken wirklich bemerkenswerten AuBerung: 

„Die Sowjetunion verteidigt das Recht einer jeden Nation auf Unabhangigkeit und territoriale Inte- 
gritat. Sie kampft ebenso fur das Recht eines jeden Landes, seine soziale Struktur und seine Regie- 
rungsform, die es fur gunstig und notwendig halt, um seinen Wohlstand auf wirtschaftlichem Gebiet 
zu steigern, selbst zu wahlen. Die Sowjetunion hat immer jede Verletzung der souveranen Rechte der 
Volker durch Aggression verurteilt. Die Regierung der Sowjets teilt mit, daB sie die grundlegenden 
Prinzipien der Erklarung Churchills und Roosevelts anerkennt. Die energische Anwendung dieser 
Prinzipien wird die unbedingte Unterstiitzung der Sowjet-Regierung linden. Die Sowjetunion ist in der 
Lage, den Volkern, die das Opfer einer Aggression wurden und fur die Unabhangigkeit ihres Heimat- 
landes kampfen, jede nur mogliche Hilfe zukommen zu lassen. RuBland war immer fur eine allgemei- 
ne Abriistung." 

Es liegt in der gleichen Linie, wenn Moskau an die bulgarische Regierung eine entriistete Note 
schickte, in der Bulgarien mit Vorwurfen wegen Begunstigung der Feinde der Sowjetunion und angeb- 
licher kriegerischer Vorbereitungen gegen diese uberhauft wurde, wahrend gleichzeitig aus England 
und den USA eine scharfe Propagandakampagne gegen Bulgarien inszeniert wurde. Die bulgarische 
Antwortnote vom 15. September lieB an Deutlichkeit nichts zu wunschen iibrig. Sie konnte darauf 
hinweisen, daB iiber bulgarischem Gebiet mehrfach sowjetische Fallschirmspringer abgesprungen 
seien, die Propaganda und Kriegs 



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118 material in groBen Mengen mit sich flihrten. Aus wiederholten Veroffentlichungen der bulgarischen 
Polizei erfuhr man Einzelheiten liber diese sowjetischen Fallschirmspringer, deren Aufgabe es war, 
Verkehrseinrichtungen zu sprengen, kommunistische Propaganda zu machen und Unruhe zu stiften. 
Sie wurden aber alle in klirzester Zeit unschadlich gemacht. 

Aus Schweden und der Schweiz kamen im September mehrfach Meldungen iiber verstarkte kom- 
munistische Umtriebe. Die Komintern-Propaganda sollte offenbar allenthalben die bedrangte Sowjet- 
union entlasten. 

Am 28. September begann in Moskau eine Konferenz zwischen sowjetischen, englischen und USA- 
Vertretern tiber die Frage der den Sowjets durch England und USA zu liefernden Kriegsmaterialien, 
auf deren „Ergebnisse" man neugierig sein kann. 

In England verfolgt man die Entwicklung des Krieges im Osten mit wachsender Besorgnis. Man un- 
terstreicht einerseits, daB England alles nur Mogliche tun werde, um RuBland zu helfen, andererseits 
weist man auf die groBen produktionsmaBigen, verkehrlichen und strategischen Schwierigkeiten hin, 
die dieser Hilfe Einschrankungen auferlegten. Der englische GewerkschaftskongreB beschloB am 2. 
September, „der Sowjetunion jede nur mogliche Hilfe zu leisten". Ferner wurde die Bildung eines 
britisch-sowjetischen Gewerkschaftsrates beschlossen, der alljahrlich abwechselnd in England und in 
der Sowjetunion tagen soil. Am 6. September erklarte Schatzkanzler Kingsley-Wood, England werde 
der Sowjetunion jede nur mogliche Hilfe gewahren, und die finanzielle Hilfe werde unbegrenzt sein. 
Das sagte derselbe englische Schatzkanzler, der ohne die auf Grund des Pacht- und Leihgesetzes von 
Roosevelt England zur Verfugung gestellten Dollarmilliarden langst am Ende seines finanziellen La- 
teins ware. Am 8. September erfuhr man aus London, daB britische Frauen aus alien berufstatigen 
Kreisen und religiosen, politischen, sozialen und sportlichen Gemeinschaften eine BegruBungsbot- 
schaft an eine Massentagung der Sowjetfrauen gesandt hatten, in der es u. a. hieB: „Wir Frauen GroB- 
britanniens begriiBen die sowjetischen Frauen als unsere Kameradinnen im Kampf aller freien Volker. 
Wir sind durch euren Heroismus und eure Bestandigkeit bewegt und ermutigt. Wir erwarten den Tag, 
wo die Frauen der Welt an dem Aufbau der zukunftigen Freiheit und Gerechtigkeit fur die gesamte 
Menschheit mitarbeiten werden." Vom 7. bis 14. September wurde in der ehrwlirdigen und feudalen 
Universitatsstadt Cambridge eine britisch-sowjetische Freundschaftswoche abgehalten. Die Woche 
wurde durch den Burgermeister von Cambridge eroffnet. Das Organisationskomitee bestand aus vier- 
undzwanzig prominenten Burgern, darunter dem stellvertretenden Rektor der Universitat, zwolf Pro- 
fessoren und Vertretern der Kirche. In London wurde eine Ausstellung 

119 „Leben in der Sowjetunion" eroffnet, die am ersten Tage so uberfullt gewesen sein soil, daB sie 
geschlossen werden muBte. „Bilder und Photos von den Sowjeterziehungsmethoden, von Ackerbau, 
Industrie und besonders vom Theater in der Sowjetunion erregten tiefes Interesse", so hieB es in der 
Londoner Meldung dariiber. Der britische „AusschuB fur Pressefreiheit" nahm gar eine EntschlieBung 
an, in der die sofortige Aufhebung des Verbots der kommunistischen Zeitung „Daily Worker" „ange- 
sichts der durch das Bundnis Englands mit der Sowjetunion geschaffenen Lage" gefordert wurde. Der 
englische Rustungsminister Lord Beaverbrook richtete, bevor er London verlieB, um sich nach 
Moskau zu einer sowjetisch-englisch-amerikanischen Konferenz liber die Unterstiitzung der Bolsche- 
wiken mit Rtistungsmaterial zu begeben, eine Botschaft an die englischen Rustungsarbeiter mit der 
Aufforderung, ihm an die sowjetischen Arbeiter das Versprechen mit auf den Weg zu geben, die eng- 
lische Rlistungsproduktion aufs hochste zu steigern, damit er den russischen Soldaten und Arbeitern 
dieses Versprechen tibermitteln konne. Churchill hat nach einer Londoner Meldung vom 22. Septem- 
ber Sir Charles Wilson, den Prasidenten des Royal Medical Institut, nach Moskau geschickt, damit er 
iiber die fur die Sowjets notwendige medizinische Hilfe berichten konne. 

Die innige geistige gegenseitige Durchdringung mit den Bolschewiken und die Hilfe fur sie ist also 
den humanen Englandern offenbar schon geradezu ein Herzensbedlirfnis geworden ! 

Die Kommentare liber die Lage in der Sowjetunion sind freilich mit dem immer weiteren Ansteigen 
der deutschen Siegeskurve immer dusterer geworden. Noch vor dem Fall Kiews sagte der bekannte 
Kommentator Cyrill Laykin im englischen Rundfunk, „die Lage ist definitiv kritisch". Am 19. Sep- 
tember sagte der Erste Lord der Admiralitat, Alexander, England verfolge mit auBerster Besorgnis die 
Entwicklung des Widerstandes der Bolschewiken. Bei den schrecklichen Schlachten im Osten stehe 
fur England viel auf dem Spiele. England erkenne auch an, was von den Bolschewiken fur die engli- 
sche Sache getan werde. Englands guter Wille und Entschlossenheit zur Hilfeleistung an die Sowjet- 
union werde leider durch physische Schwierigkeiten begrenzt. Alles, was getan werden konne, um den 



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Bolschewiken zu helfen, werde bereits getan. „Wir gehen in dieser Sache mit den Bolschewisten bis 
zum Tode", so schloB Alexander. 

Englands schwere Besorgnis um den sowjetischen Bundesgenossen war auch eine wesentliche Ur- 
sache fur den gemeinsamen englisch-bolschewistischen Uberfall auf den Iran, der im August begann 
und im September sich fortsetzte. 

Das englisch-russische „Zusammenwirken" im Iran hat sich in sehr bezeichnenden Formen vollzo- 
gen. 

120 Schah Pahlaevi, der zwanzig Jahre lang sein Land mit groBem Erfolg durch alle Schwierigkeiten 
hindurchgeftihrt hat, die sich besonders au& dem Verhaltnis zu England ergaben, und der fur die Ent- 
wicklung des Verkehrswesens, der Landwirtschaft, der Industrie und des Unterrichtswesens AuBeror- 
dentliches geleistet hat, muBte am 16. September abdanken. Der Iran wurde dadurch der starksten 
Kraft fur die Durchfuhrung einer nationalen Politik beraubt. Schon am 12. September hatte Reuter 
freudig gemeldet, daB die iranischen Erdolfelder jetzt ganz unter englischer Kontrolle standen. Die 
Meldung besagte weiter, die britischen Streitkrafte hatten zusammen mit den sowjetischen die strate- 
gisch wichtigen Punkte der iranischen Verkehrslinien besetzt. Die britische und sowjetische Regierung 
priifen jetzt eingehend das Problem der Transporte von Kriegsmaterial nach der Sowjetunion durch 
den Iran. Nur eine Bahn durchquere das Land, das dreimal so groB sei wie Frankreich. GroBe Schwie- 
rigkeiten wtirden zu uberwinden sein. Da die Bahnlinie von Teheran iiber das Gebirge nach dem Kas- 
pischen Meer ftihrt, sei es wahrscheinlich, daB diese Linie sehr bald verschneit sein werde. Das Mate- 
rial, das mit der Eisenbahn vom Persischen Golf nach Teheran transportiert wurde, mtisse nach dem 
Kaspischen Meer weitergeleitet und von dort nach Baku verschifft werden. Zu den weiteren Schwie- 
rigkeiten gehort, wie Reuter betont, daB die iranischen Eisenbahnen knapp an rollendem Material sei- 
en und weiterhin das Problem des Schnees auf den Gebirgslinien drei oder vier Monate lang bestehe. 

Schon Mitte September gingen Nachrichten ein, daB die Sowjetunion die Bolschewisierung der von 
Sowjettruppen besetzten Teile des Iran und dariiber hinaus von ganz Nordiran in sehr raschem Tempo 
nach den in den fruheren Ostseestaaten angewandten Methoden vorbereitete. Die staatliche 
Selbstandigkeit Irans hat praktisch aufgehort zu bestehen. Das Land ist ahnlich wie nach dem russisch- 
englischen Vertrag von 1907 ein britisch-russisches Kondominium geworden. 

Am anderen Ende der langen Ostfront hat England im September mit einer diplomatischen Entla- 
stungsoffensive zugunsten der Sowjetunion begonnen. Es lieB in Helsinki eine am 26. September ver- 
offentlichte Note uberreichen, in der es u. a. hieB: 

Solange Finnland im Bundnis mit Deutschland einen aggressiven Krieg gegen die Sowjetunion fort- 
setzt, wird die Regierung seiner Majestat gezwungen sein, Finnland als ein Mitglied der Achse zu 
betrachten, da es unmoglich ist, den Kampf, den Finnland gegen die Sowjetunion ftihrt, von dem all- 
gemeinen europaischen Kriege unterscheiden zu konnen. GroBbritannien wird also gezwungen sein, 
Finnland — nicht nur wahrend des jetzigen Krieges, sondern auch nach FriedensschluB — als Feind 
zu betrachten. Die Regie 

121 rung seiner Majestat wurde, angesichts der traditionellen Freundschaft, die zwischen beiden Landern 
existiert hat, diese Lage auBerst bedauern. Obwohl die finnische Regierung den britischen Gesandten 
in Helsinki ausgewiesen hat, ware GroBbritannien bereit, diese unfreundliche und unhofliche Geste zu 
vergessen und eine Wiederaufnahme der diplomatischen Beziehungen zu begriiBen. Die Vorausset- 
zung dafur ware aber selbstverstandlich die Einstellung der Feindseligkeiten Finnlands der Sowjetuni- 
on gegenuber und die Raumung aller Gebiete jenseits der Grenze von 1939. Sobald dies geschehen 
sei, ware die Regierung seiner Majestat bereit, die Verbesserung der Beziehungen zwischen den bei- 
den Landern im freundschaftlichen Sinne zu untersuchen, wenn auch die Anwesenheit deutscher For- 
mationen auf dem finnischen Hoheitsgebiet eine vollstandige Aufnahme normaler diplomatischer Be- 
ziehungen vorlaufig verhindern wurde. 

Die finnische Antwort wurde bereits durch eine Erklarung, des finnischen Handelsministers T a n n 
e r vom 24. September vorweggenommen, der sich unter Bezugnahme auf die von London aus ver- 
breiteten Zweckgeriichte, Finnland beabsichtige einen Separatfrieden mit den Sowjets, sich dahin au- 
Berte, daB von einem Separatfrieden mit der Sowjetunion keine Rede sein konne. Die wiederholten 
Wort- und Vertrag sbruche der Sowjets, besonders in der letzten Zeit, hatten Finnland jedes. Vertrauen 
zu den Machthabern im Kreml verlieren lassen .Finnland werde an der Seite Deutschlands bis zum 
Endsiege kampfen. 

Das englische Interesse an einem Separatfrieden Finnlands mit der Sowjetunion liegt auf der Hand. 
Abgesehen von der betrachtlichen militarischen Entlastung, die er den Bolschewiken bringen wurde, 



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wlirde er den Weg fur eine Unterstiitzung der Sowjetunion iiber das Nordliche Eismeer und die Hafen 
Murmansk und Archangelsk freizumachen geeignet sein. 

Je hilfsbediirftiger aber die Sowjetunion wird, um so entscheidender erscheint London die Unter- 
stiitzung aus USA. Dort mit alien Mitteln zu arbeiten, ist deshalb das Gebot der Stunde. Am 8. Sep- 
tember meldeten die „New York Times", daB der Stab der englischen Diplomaten, Beamten, Techni- 
ker und Propagandisten in den USA die noch nie dagewesene Zahl von 4626 Personen gegeniiber 219 
Personen bei Kriegsausbruch erreicht habe. Allein das britische Botschaftspersonal sei von 45 auf 288 
Personen, das Konsulatspersonal von 150 auf 449 gestiegen. Diese Tatsache habe bereits dazu gefiihrt, 
daB die Isolationisten im KongreB eine Untersuchung iiber die englischen Missionen in den USA ge- 
fordert hatten. Senator Wheeler habe erklart, England gebe 150 Millionen Dollar aus, um die USA in 
den Krieg hineinzuziehen. 

122 Die groBe Mehrheit der US-Amerikaner wiinscht aber nach wie vor dem Kriege fernzubleiben, so 
sehr die Unterstiitzung Englands von ihr vielleicht gebilligt wird. Freilich ist man in England mit der 
Produktionsleistung der us-amerikanischen Riistungsindustrie langst nicht zufrieden, obwohl man ihr 
angebliches lawinenhaftes Anschwellen aus Propagandagriinden gerne unterstreicht. So schrieb der 
bekannte Publizist Garvin am 20. September im „Observer": Es gibt keine Aussichten eines Sieges 
weder in der Atlantikschlacht, noch auf anderen Fronten, ehe die Proportion der industriellen Produk- 
tionskapazitat der Vereinigten Staaten auf dem Gebiet des Riistungsmaterials verdoppelt oder verdrei- 
facht wird. Amerikanische Sachverstandige schatzen die gegenwartige Produktion auf ungefahr 20% 
des Gesamtpotentials ein. Die einzige Moglichkeit auf der Welt, die hitlerische Produktion zu iiber- 
treffen und damit den Krieg und den Frieden zu gewinnen, ist, diesen Prozentsatz zu verdoppeln und 
zu verdreifachen. Ahnliche Stimmen gab es im Monat September in England ziemlich viele. 

Auch die Rede, die Churchill am 29. September in einer AusschuBsitzung des Unterhauses iiber die 
Kriegslage hielt, brachte die Besorgnis um die Zukunft deutlich zum Ausdruck. Churchill sagte, er und 
seine Kollegen muBten in ihren Erklarungen und Voraussagen sehr vorsichtig sein, da sie auch auf die 
alliierten Regierungen Riicksicht nehmen muBten, d. h. also mit Riicksicht auf die alliierten Bolsche- 
wiken hielt es Churchill offenbar nicht fiir angebracht, iiber die Lage in der Sowjetunion zu sprechen. 
In der weitverbreiteten USA-Zeitschrift „Life" schrieb Ende September ein bekannter Militarschrift- 
steller iiber die Lage Englands, daB die deutschen Streitkrafte voll ausgeriistet, gut ausgebildet und mit 
der Schlachterfahrung siegreicher Feldziige gewappnet seien. Von den englischen Landdivisionen 
konne nur ein kleiner Prozentsatz als gut ausgebildet betrachtet werden und ein noch kleinerer als gut 
ausgeriistet. Weiterhin wird festgestellt, daB die deutsche Produktionskapazitat im Flugzeugbau die 
britische weit iibertreffe. AuBerdem habe die britische Riistungsindustrie mit mancherlei sehr ernsten 
Schwierigkeiten zu kampfen, die durch die deutschen Luftangriffe und die Rohstoffknappheit hervor- 
gerufen wiirden. Die deutsche Krieg sproduktion laufe miihelos, weil Deutschland vorgesorgt habe und 
infolgedessen die Anforderungen begrenzt seien. Baldwin halt die deutsche Blockade Englands fiir 
wirksamer als die britische Blockade des europaischen Kontinents. Deutschland habe England gegen- 
iiber hundert Hafen in dem gewaltigen Kiistenbogen von Spitzbergen bis zur Biscaya zur Verfiigung. 
Heute verspiire England und nicht Deutschland wirklichen Hunger und wachsende Verknappung. Kei- 
ner der Hafen der britischen Ostkiiste siidlich von 

123 Schottland und kein Hafen der Siidkiiste werde noch viel benutzt, es sei denn fiir Kiistenverkehr. 
England „atme" durch Glasgow, Liverpool und die Stadte des Bristol-Kanals, und auch diese seien 
von Bomben gezeichnet und weiter verletzlich. Die Chancen seien fiir Deutschland, erklarte Baldwin, 
und wenn Deutschland die Sowjetunion besiegt habe, werde die britische Blockade iiberhaupt zur 
Farce werden. England sei im Begriff gewesen, die Schlacht im Atlantik zu verlieren, es habe sich 
kaum in der Schlacht um England halten konnen, die Schlacht im Mittelmeer habe es klar verloren. 
Ohne die „Shooting"-Hilfe der USA habe England vor der Niederlage gestanden. Wenn Deutschland 
nach einem Siege iiber die Sowjetunion noch niedergerungen werden konne, dann augenscheinlich 
nicht durch das britische Empire. Denn wenn die Sowjetunion und ihre Hilfsquellen in den Kreis 
Deutschlands fielen, liege der Sieg auBerhalb der britischen Reichweite. 

Angesichts solcher Einschatzung der Lage durch niichterne Beobachter klingt das, was wir aus Eng- 
land iiber englische Kriegsziele und Friedensvorstellungen horen, wahrhaft grotesk. Forderte doch das 
bekannte englische Finanzblatt „Financial News" am 11. September die Vernichtung der hochentwik- 
kelten deutschen Industrie, insbesondere der Werkzeugmaschinenfabriken, die fiir den Aufbau der 
neuen Industrien aller jungen Lander von groBter Wichtigkeit ist. In der Vernichtung dieser Fabriken 
sieht „Financial News" das hauptsachlichste Kriegsziel Englands und der USA. Durch die Niederle- 



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gung ganzer deutscher Industriekomplexe soil die Wiedereroberung der durch die deutsche Konkur- 
renz verloren gegangenen liberseeischen Markte fur die englische und nordamerikanische Industrie 
erzwungen werden. Die Zeitung weist auf den hohen Anteil der deutschen Werkzeugmaschinenindu- 
strie bei der Wiederaufrichtung Deutschlands hin. Deshalb muBten nicht nur samtliche Werkzeugma- 
schinen an die „Sieger" ausgeliefert, sondern auch die kunftige Herstellung dieser Maschinen in 
Deutschland miiBte unterbunden werden. Die Zeitung fordert als eine notwendige kunftige MaBnahme 
Deutschland gegenuber eine Zerstorung derartiger deutscher Fabrikanlagen vom Dach bis zum Keller, 
desgleichen die Vernichtung aller Anlagen zur Herstellung synthetischen Benzins, kiinstlichen Gum- 
mis und der Zellwolle. SchlieBlich bezeichnet das Blatt die Beschrankung der deutschen Handelsbe- 
ziehungen zum europaischen Siidosten und zum ubrigen Europa als letzten Abschnitt der wirtschaftli- 
chen Abriistung Deutschlands. Seine Rohstoffe solle Deutschland von Ubersee einfuhren. 

Am 24. September wandte sich dasselbe Blatt energisch gegen den Gedanken, daB „ein bluhendes 
und wirtschaftlich starkes Deutschland geduldet werden diirfe". Denn ein solches Deutschland wtirde 
immer eine Gefahr fur England bedeuten. Den Wahnsinn des Versailler Diktates mit der militarischen 
und wirt 

124 schaftlichen Abriistung Deutschlands mochte man also offenbar in verstarkter Auflage wiederholen — 

wenn man dazu nur in der Lage ware ! 

Hierzu ist noch der luftmilitarische Mitarbeiter der „Sunday Times" vom 7. September zu zitieren, 
der schrieb, erst im Sommer 1943 werde die englische Luftwaffe so groB sein, daB Deutschland sie 
nicht mehr schlagen konne. Noch vor wenigen Monaten las man es anders, daB namlich die englische 
Luftwaffe infolge der ungeheuren Lieferungen aus USA spatestens 1942 so stark sein werde, daB der 
Himmel Europas von deutschen Flugzeugen leer gefegt werden wtirde. Jetzt vertrostet man sich schon 
auf 1943 und mit der Hoffnung, daB Deutschland die englische Luftwaffe dann nicht mehr schlagen 
konne. 

Wie wenig der von England vom Zaun gebrochene Luftkrieg im ubrigen zugunsten Englands ver- 
laufen ist, geht aus einer am 28. September veroffentlichten offiziellen Mitteilung iiber die Verluste 
bei der deutschen Zivilbevolkerung infolge englischer Luftangriffe hervor: Bis Anfang August 1941 
hatte die deutsche Zivilbevolkerung 3853 Todesopfer zu beklagen, wahrend die englische nach offizi- 
ellen englischen Angaben 41 900 Tote verloren hatte. 

Je triiber Englands Aussichten werden, um so leidenschaftlicher betreibt Roosevelt mit seinen Leu- 
ten seine Kriegspolitik. Auch im Monat September ist er dieser Politik der Kriegshetze und des Nach- 
laufens hinter dem Krieg treu geblieben. Den Hohepunkt der Kriegshetze dieses Monats bildete Roo- 
sevelts Rede am 12. September. Er nahm den schon erwahnten Zwischenfall mit dem USA-Zerstorer 
„Greer" zum AnlaB, um es den Amerikanern und der Welt gegenuber so hinzustellen, als ob die USA 
angegriffen seien. Es folgten die iibliche verlogene Phraseologie von der angeblichen Bedrohung der 
Freiheit der Meere durch Deutschland und dessen angebliches Bestreben nach Beherrschung der 
Weltmeere. Weiter gab Roosevelt eine lange Liste von Sabotageakten, Verschworungen und Umtrie- 
ben, die angeblich auf das Schuldkonto der bosen Nazis zu setzen seien, um daraus die SchluBfolge- 
rung zu ziehen, daB die Amerikaner jetzt endlich einsehen muBten, sie diirften nicht langer die unge- 
heure Gefahr iibersehen, die ihnen von Deutschland drohe. Jetzt muBten die USA gegen die Piraten 
und internationalen Verbrecher verteidigt werden und sei die Stunde der aktiven Verteidigung ge- 
kommen. Die USA-Flotte und -Luftwaffe werde von jetzt an „alle Handelsschiffe, nicht nur die ame- 
rikanischen, sondern auch alle anderen unter anderer Flagge, die in den amerikanischen „Verteidi- 
gungsgewassern" Handel treiben, schiitzen. Es ist keineswegs ein Kriegsakt, wenn wir uns entschlie- 
Ben, die Meere zu schiitzen;, die fur die amerikanische Verteidigung lebenswichtig 

125 sind. Der Angriff kommt nicht von uns, fiir uns handelt es sich lediglich um eine Verteidigung". 

Das war wieder eine echte Roosevelt-Rede, scheinheilig und verlogen von A bis Z! Weil Roosevelt 
sich in Europa einmischt, das ihn nichts angeht, weil er den Englandern um jeden Preis helfen will, 
nachdem sie Deutschland aus rein machtpolitischen Griinden den Krieg erklart haben, und weil die 
deutsche Seekriegsfiihrung die Waffenlieferungen aus USA, die diesem Zwecke dienen, so behandelt, 
wie sie nach Volkerrecht behandelt werden miissen und diirfen, namlich als Bannware, sind die USA 
angegriffen und miissen sich verteidigen! 

Roosevelt hat in seiner Rede eine Definition dessen unterlassen, was er unter Verteidigungsgewas- 
ser der USA versteht. Eine solche Definition ist auch von niemand anders gegeben worden. Ob man 
nur die Gewasser zwischen USA und Island, den ganzen Atlantik zwischen USA und England und 
eventuell auch zwischen USA und Afrika meint, wird verschwiegen. Der USA-Admiral Stirling auBer- 



pnitar| (nt f ■ ^Hmpf 1 8 

te am 13. September, daB zwar samtliche Meere mangels genauer Definierung des Prasidenten als 
wichtige Verteidigungsgewasser bezeichnet werden konnen, daB aber die USA-Flotte unmoglich ein 
derart riesiges Seegebiet durchsuchen und patrouillieren konne. Die USA-Flottentatigkeit werde daher 
zum groBten Teil auf die Seegebiete um Amerika beschrankt sein sowie auf die wichtigen USA- 
Lieferrouten: Fiir England Mittel- und Nordatlantik, fur Sudafrika Sudatlantik, liber den zur Zeit viele 
USA-Lieferungen gingen. Dann die Strecken, liber denen amerikanische Kriegsflugzeuge nach Eng- 
land bzw. dem alliierten Afrika geflogen werden, weiter die Pazifikroute nach Wladiwostok und Ran- 
goon, zuletzt der Seeweg zum Roten Meer. 

Es ist also offenbar Roosevelts Politik, Zwischenfalle, d. h. ZusammenstoBe mit deutschen See- 
oder Luftstreitkraften iiberall da zu suchen, wo sie iiberhaupt zu finden sind, ob im Nord-, Mittel- oder 
Sudatlantik, im Roten Meer oder sonst irgendwo. Es ware ja auch zu argerlich, wenn man die USA- 
Verteidigungsgewasser irgendwie durch eine offizielle Erklarung begrenzt hatte und es wiirde ein 
propagandistisch wertvoller, d. h. fiir die Kriegshetzer besonders geeigneter Zwischenfall dann auBer- 
halb dieser Grenzen sich ereignen. 

Aber auch dies scheint Roosevelt fiir seine Kriegspolitik noch nicht zu geniigen. Er hat deshalb 
gleich im AnschluB an seine Rede vom 12. September eine lebhafte Kampagne zur Beseitigung oder 
mindestens zur Anderung des Neutralitatsgesetzes begonnen, das bekanntlich den USA-Schiffen das 
Befahren der Kriegszonen untersagt. Die sattsam bekannte Garde der Kriegshetzer, Stimson und Knox 
an der Spitze, fiihren seitdem diese Kampagne mit der erklarten Absicht, dadurch eine Gesetzesvorla- 
ge an den KongreB vorzubereiten 

126 Roosevelts Rede vom 12. September ist von den Gegnern seiner Kriegspolitik scharf kritisiert 
worden. Diese setzen auch der Propaganda fur die Anderung des Neutralitatsgesetzes zahen Wider- 
stand entgegen. Oberst Lindbergh fiihrte in einer Rede am 12. September aus, die drei Gruppen, die in 
der Kriegshetze in Amerika fuhrend seien, die Englander, die Juden und die USA-Regierung selbst, 
hatten zuerst den Plan gehabt, Amerika unter der Tarnung einer „Verteidigung" in den Krieg hineinzu- 
fiihren. Der zweite Schritt, den sie getan hatten, sei der Versuch gewesen, Amerika in den Krieg zu 
verwickeln, ohne daB sich das USA-Volk dieser Tatsache bewuBt wiirde. Dann hatten sie versucht, 
Zwischenfalle herbeizufuhren, die Amerika zwingen wiirden, in den Krieg einzutreten. Jedoch hatten 
bisher solche fur einen Kriegseintritt geniigenden Zwischenfalle gefehlt, obwohl sie bereits sichtlich in 
Vorbereitung seien. Englands Lage bezeichnet Lindbergh als „verzweifelt". England sei nicht stark 
genug, um auf dem europaischen Kontinent einzufallen und den Krieg zu gewinnen, den es an 
Deutschland erklart habe. England konne auch nicht den Krieg in der Luft gewinnen, gleichgiiltig, 
wieviel Flugzeuge ihm aus Amerika geschickt wiirden. Selbst ein Eintritt der USA in den Krieg konne 
kaum die Lage andern. Wenn England, so meinte Lindbergh, nicht von den USA finanziell wie milita- 
risch unterstiitzt worden ware, hatten die Englander bereits vor Monaten Friedensverhandlungen anzu- 
bahnen versucht. Lindbergh warnte dann die Juden davor, sich fiir eine Kriegsteilnahme der USA ein- 
zusetzen, da sie die ersten sein wiirden, die die Konsequenzen zu fiihlen bekamen. Lindbergh fiihrte 
weiter aus, die internationale Lage sei dazu benutzt worden, um Roosevelt einen dritten Amtstermin 
als USA-Prasidenten zu sichern. Roosevelts Machtbeibehaltung sei abhangig von der Aufrechterhal- 
tung des nationalen Krisenzustandes. Die Regierung Roosevelt sei gefahrlich, weil sie mit Ausfluchten 
arbeite. Wahrend sie dem Volk die Erhaltung des Friedens verspreche, habe sie die USA tatsachlich an 
den Kriegsbrand gefuhrt, ungeachtet der gegebenen Versprechungen, das Land aus dem Krieg fernzu- 
halten. Sobald die Englander, Juden und die Roosevelt-Administratoren ihre Kriegsagitation einstell- 
ten, bestehe keinerlei Gefahr mehr, daB die USA in den Krieg verwickelt wiirden. Lindbergh griff 
dann das England-Hilfsgesetz an, daB die Uberlastung der Hauptproduktion der Rustungswirtschaft 
der USA an England vorsieht. Heute, zwei Jahre nach Kriegsbeginn, hatten die USA nur einige hun- 
dert Flugzeuge fiir ihre eigenen Zwecke zur Verfugung, stellte Lindbergh fest. Weiter kritisierte er das 
Rustungsprogramm der USA, das in der Hauptsache von einer Kriegsfuhrung in Europa an Stelle einer 
Verteidigung der USA ausgehe. 

127 Recht bezeichnend ist, was eine amerikanische Zeitschrift von AuBerungen des Marineministers K n 
o x zu berichten wuBte, die Knox getan hat, als er noch nicht Kabinettsmitglied war, sondern noch zur 
republikanischen Opposition gehorte. Knox habe in verschiedenen Reden iiber Roosevelt erklart: 

„Er hat praktisch jedes Versprechen gebrochen, das er je dem Volk gegeben hat", oder „wenn der Pre- 
sident sich auch als beides hinstellt, so ist er dennoch weder ein wahrer Demokrat noch ein wahrer 
Liberaler, sondern ein aristokratischer Dilettant mit radikalen Neigungen und einem auBergewohnli- 
chen Hunger nach personlicher Macht". Uber Roosevelts Fuhrerrolle im Falle eines Krieges habe 



pnitar| (nt f ■ ^Hmpf 1 9 

Knox gesagt: „Es ist schlimm genug, in Friedenszeiten als President einen Mann zu haben, der allzu 
anmaBend, unvorsichtig, selbstherrisch, unsicher und unzuverlassig ist. In Kriegszeiten ware das kata- 
strophal." 

Man versteht, wamm Roosevelt gerade Herrn Knox, obwohl er zur republikanischen Opposition ge- 
horte, zum Minister gemacht und damit aus der Reihe seiner Gegner und Kritiker ausgeschaltet hat! 

Da die Politik der USA sich vollig der englischen untergeordnet und sich mit der Hilfe fiir England 
als identisch erklart hat, sind Englands Feinde auch die Feinde der USA und dessen Bundesgenossen 
auch die der Vereinigten Staaten. Also muB RuBland geholfen werden, wird der Uberfall auf den Iran 
gebilligt, ist man gegen Japan unversohnlich und untersttitzt China und sogar den Verratergeneral de 
Gaulle. Die Bolschewiken erhalten Waffen und Kredite und ihr Krieg ist Amerikas Krieg. USA- 
Kommissionen fahren nach Moskau und bolschewistische Kommissionen nach den USA, um iiber 
amerikanische Lieferungen und iiber die Moglichkeit ihrer Durchfiihrung zu beraten. Sogar den Vati- 
kan will man fiir die Zwecke von Roosevelts Kriegspolitik bemiihen, wozu im Auftrag des Prasidenten 
dessen „personlicher Botschafter fiir den Vatikan, Myron Tayior, nach Rom geschickt wurde, ohne 
indes das anscheinend erstrebte gute Leumundszeugnis fiir die Machthaber im Kreml vom Papst zu 
erreichen. 

Um alien und iiberall helfen und den Krieg auszudehnen und verlangern zu konnen, soil die 
Riistungsproduktion immer weiter gesteigert werden, und immer neue Milliarden muB der KongreB 
bewilligen, was immer weitere Milliarden an Steuern notwendig macht. Aber mit der forcierten und 
unproduktiven Riistungsproduktion steigen die Preise, die der Lebensmittel auch deswegen, weil 
groBe Mengen nach England ausgefiihrt werden. Die Folge sind zahlreiche Streiks, da die Arbeiter die 
Steigerung der Lebenshaltungskosten natiirlich durch Lohnerhohungen ausgeglichen haben wollen. 

Roosevelts Kriegspolitik und die angelsachsische Wirtschaftsblockade gegen Japan haben Tokio ve- 
ran 
128 laBt, die Konzentration aller Krafte des Landes und des von Japan politisch und militarisch beherrsch- 
ten Raumes mit der groBten Energie zu betreiben, und andererseits um eine Entspannung mit den USA 
bemiiht zu sein. Es scheint jedoch, daB in Washington keinerlei Bereitschaft zu irgendwelchen nen- 
nenswerten Entgegenkommen besteht, daB man dort vielmehr darauf aus ist, Japans gesamte Stellung 
im ostasiatischen Raum in Frage zu stellen und Entgegenkommen auf dem Wirtschaftsgebiet von einer 
politischen Unterwerfung Japans abhangig zu machen. Es liegt auf der Hand, daB Japan diesen Weg 
nicht betreten kann, da es damit seine ganze Politik der letzten zehn Jahre verleugnen und seinen Fiih- 
rungsanspruch in Ostasien aufgeben rruiBte. DaB es dazu nicht bereit ist, hat es anlaBlich des ersten 
Jahrestages des Abschlusses des Dreimachtepaktes zum Ausdruck gebracht. Was Washington von 
Japan fordert, ist ein Verzicht, zu dem Japan nur nach einem verlorenen Kriege sich bereit finden 
konnte. In solcher Lage pflegen Volker den Krieg vorzuziehen, selbst wenn die Siegeschancen gering 
sind, was bei Japan jedoch keineswegs der Fall ist. 







Herausgegeben von 

Ministerialdirektor A. J. Berndt 
Reichspropagandaministerium 

Oberst von Wedel 
Oberkommando der Wehrmacht 



1941 

Oktober-Lieferung 

(Nr. 51/52 der Gesamtlieferung) 

Verlagsanstalt Otto Stollberg, Berlin WO 



Die Rede des Fiihrers zur Eroffnung des Kriegswinterhilfswerkes 

Bei der Eroffnung des Kriegswinterhilfswerkes 1941/42 im Berliner Sportpalast hielt der Fiih- 
rer am 3. Oktober folgende Rede (DNB); 



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Meine deutschen Volksgenossen und -genossinnen! 

77 Wenn ich heute nach langen Monaten wieder zu Ihnen spreche, dann geschieht es nicht, um etwa 
einem jener Staatsmanner Rede und Antwort zu stehen, die sich vor kurzem wunderten, warum ich so 
lange geschwiegen habe. Die Nachwelt wird einmal abwagen und feststellen konnen, was in diesen 
dreieinhalb Monaten mehr Gewicht hatte: Die Reden des Herrn Churchill oder meine Handlungen. 

Ich bin heute hierher gekommen, um wie immer dem Winterhilfswerk eine kurze Einleitung zu ge- 
ben. Dieses Mai wurde mir das Herkommen allerdings sehr schwer, weil sich in diesen Stunden an 
unserer Ostfront eine neu eingeleitete Operation wieder als gewaltiges Ereignis vollzieht. Seit 48 
Stunden ist sie in gigantischem AusmaB im Gange! Sie wird mithelfen, den Gegner im Osten zu zer- 
schmettern. 

Ich spreche nunmehr zu Ihnen im Namen der Millionen, die in diesem Augenblick kampfen, um Sie, 
die deutsche Heimat, aufzufordern, zu alien sonstigen Opfern auch in diesem Jahr das zusatzliche 
Winterhilfswerk auf sich zu nehmen. 

Seit dem 22. Juni tobt ein Kampf von einer wahrhaft weltentscheidenden Bedeutung. Umfang und 
Auswirkung dieses Ereignisses wird erst eine Nachwelt klar erkennen. Sie wird dereinst feststellen, 
daB damit eine neue Zeitenwende begann. 

Aber auch dieser Kampf wurde von mir nicht gewollt. Seit dem Januar 1933, in dem mir die Vorse- 
hung die Fuhrung und Lenkung des Reiches anvertraute, hatte ich ein Ziel vor Augen, das im wesent- 
lichen im Programm unserer nationalsozialistischen Partei umrissen war. Ich bin diesem Ziel nie un- 
treu geworden, ich habe mein Programm niemals aufgegeben. Ich habe mich damals bemiiht, den in- 
neren Wiederaufbau eines Volkes herbeizufuhren, das nach einem durch eigene Schuld verlorenen 
Krieg den tiefsten Sturz in seiner Geschichte hinter sich hatte. — Allein schon eine riesenhafte Aufga- 
be! Ich begann dabei diese Aufgabe in dem Augenblick, als alle anderen an ihr entweder gescheitert 
waren oder nicht mehr an die Moglichkeit der Erfullung eines solchen Programms glaubten. 

Was wir nun in diesen Jahren im friedlichen Aufbau geleistet haben, ist einmalig. Fur mich und 
meine 

78 Mitarbeiter ist es daher oft geradezu eine Beleidigung, uns mit jenen demokratischen Nullen abgeben 
zu mtissen, die selbst noch auf keine einzige wahre groBe Lebensleistung zuriickzublicken in der Lage 
sind. 

Ich und meine Mitarbeiter hatten diesen Krieg nicht notwendig gehabt, um dadurch etwa unsere 
Namen zu verewigen. Dafur wtirden die Werke des Friedens gesorgt haben, und zwar genugend ge- 
sorgt. Und auBerdem: Wir waren nicht etwa am Ende unserer schopferischen Arbeit angekommen, 
sondern wir standen auf manchen Gebieten erst am Beginn. So war die innere Sanierung des Reiches 
unter den schwersten Voraussetzungen gelungen. Denn immerhin miissen in Deutschland 140 Men- 
schen auf den Quadrafkilometer ernahrt werden. Die andere Welt hat es hier leichter. Trotzdem aber 
haben wir unsere Probleme gelost, wahrend die andere demokratische Welt zum groBen Teil gerade an 
diesen Problemen scheiterte. Unsere Ziele waren dabei folgende: 

Erstens die innere Konsolidierung der deutschen Nation, zweitens die Erringung unserer Gleichbe- 
rechtigung nach auBen und drittens die Einigung des deutschen Volkes und damit die Wiederherstel- 
lung eines naturgegebenen Zustandes, der durch Jahrhunderte nur kunsflich unterbrochen worden war. 
Damit, meine Volksgenossen, war also auch unser auBeres Programm von vornherein festgelegt, die 
dazu notigen MaBnahmen von vornherein bestimmt. Keineswegs aber war damit gesagt, daB wir je- 
mals nach einem Kriege strebten. Nur eins war sicher, daB wir unter keinen Umstanden auf die Wie- 
derherstellung der deutschen Freiheit und damit auf die Voraussetzung zum deutschen Wiederaufstieg 
verzichten wiirden. 

Ich habe aus diesen Gedanken heraus der Welt sehr viele Vorschlage unterbreitet. Ich brauche sie 
hier nicht zu wiederholen; das besorgt die taglich publizistische Tatigkeit meiner Mitarbeiter. Wie 
viele Friedensangebote ich aber auch dieser anderen Welt machte, Abriistungsvorschlage, Vorschlage 
zur friedlichen Herbeifuhrung neuer vernunftiger wirtschaftlicher Ordnungen usw. — sie sind alle 
abgelehnt worden, und zwar im wesentlichen von jenen abgelehnt worden, die ersichtlich nicht glaub- 
ten, durch eine Friedensarbeit ihre eigenen Aufgaben erfullen oder, besser gesagt, ihr eigenes Regime 
am Ruder erhalten zu konnen. 

Trotzdem ist es uns allmahlich gelungen, in jahrelanger friedlicher Arbeit nicht nur das innere groBe 
Reformwerk durchzufuhren, sondern auch die Einigung der deutschen Nation einzuleiten, das GroB- 
deutsche Reich zu schaffen, Millionen deutscher Volksgenossen wieder in ihre eigentliche Heimat 



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zuriickzuholen und damit auch das Gewicht ihrer Zahl dem deutschen Volk als machtpolitischen Fak- 
tor 

79 zur Verfligung zu stellen. In dieser Zeit gelang es mir, eine Anzahl von Bundesgenossen zu 
erwerben, an der Spitze Italien, mit dessen Staatsmann mich eine personliche enge und innige Freund- 
schaft verbindet. 

Auch zu Japan wurden unsere Beziehungen immer besser. In Europa hatten wir auBerdem von frii- 
her her eine Reihe von Volkern und Staaten, die uns in einer immer gleichbleibenden Sympathie 
freundschaftlich gegenliberstanden, vor allem Ungarn und einige nordische Staaten. Es sind zu diesen 
Volkern andere hinzugekommen, leider nicht das Volk, um das ich in meinem Leben am meisten ge- 
worben habe, das britische. Nicht, daB etwa das englische Volk in seiner Gesamtheit daftir allein die 
Verantwortung tragt. Nein: aber einige Menschen sind es, die in ihrem verbohrten HaB und Wahnwitz 
jeden solchen Versuch einer Verstandigung sabotierten, untersriitzt von jenem internationalen Welt- 
feind, den wir alle kennen, dem internationalen Judentum. So gelang es leider nicht, GroBbritannien, 
vor allem das englische Volk, mit Deutschland in jene Verbindung zu bringen, die ich immer erhofft 
hatte. Deshalb kam eben, genau wie 1914, der Tag, da die harte Entscheidung getroffen werden muB- 
te. Ich bin nun allerdings auch davor nicht zuriickgeschreckt. Denn tiber eines war ich mir im klaren: 
Wenn es eben nicht gelingen konnte, die englische Freundschaft zu erringen, dann war es besser, sei- 
ne Feindschaft traf Deutschland in einem Augenblick, in dem ich selbst noch an der Fuhrung des Rei- 
ches stand. Denn wenn durch meine MaBnahmen und durch mein Entgegenkommen diese englische 
Freundschaft nicht zu erwerben war, dann war sie fur alle Zukunft verloren; dann blieb nichts anderes 
librig als der Kampf, und ich bin dem Schicksal nur dankbar, daB dieser Kampf denn von mir selbst 
gefuhrt werden kann. 

Ich bin daher auch der Uberzeugung, daB es mit diesen Mannern wirklich keine Verstandigung gib 
t. Es sind das wahnsinnige Narren, Leute, die schon seit zehn Jahren kein anderes Wort mehr kannten 
als das eine: „Wir wollen wieder einen Krieg mit Deutschland!" Denn in all den Jahren, in denen ich 
mich bemuhte, unter alien Umstanden eine Verstandigung herbeizuftihren, da hat Herr Churchill im- 
mer nur eines gerufen: „Ich will meinen Krieg haben!" Er hat ihn jetzt! Und alle seine Mithetzer, die 
nichts anderes zu sagen wuBten, als daB das „ein reizender Krieg" sein wird, und die sich damals am 1. 
September 1939 gegenseitig begluckwunschten zu diesem kommenden reizenden Krieg — sie werden 
wohl unterdes iiber diesen reizenden Krieg schon jetzt anders denken gelernt haben! Und wenn sie es 
noch nicht wissen sollten, daB dieser Krieg fur England keine reizende Sache wird, so werden sie es 
sicher mit der Zeit noch merken, so wahr ich hier stehe! 

80 Diese Kriegshetzer — nicht nur in der Alten, sondern auch in der Neuen Welt — haben es fertig 
gebracht, zunachst P o 1 e n vorzuschieben. Schlau haben sie ihm eingeredet, daB erstens Deutschland 
sowieso nicht das sei, was es zu sein vorgebe, und zweitens, daB man ja die Garantie besaBe, unter 
alien Umstanden die notwendige Hilfe zu bekommen. Das war die Zeit, in der England noch nicht 
seinerseits in der Welt um Hilfe herumgebettelt hat, sondern noch jedem groBmutig seine Hilfe ver- 
sprach. Das hat sich ja seitdem schon wesentlich geandert. Jetzt horen wir ja nicht mehr, daB England 
einen Staat in den Krieg fiihrt mit dem Versprechen, ihm zu helfen, sondern jetzt horen wir, daB Eng- 
land in der Welt herumbettelt, es mochte ihm in seinem Krieg geholfen werden. 

Ich habe damals gerade Polen gegenuber. Vorschlage gemacht, von denen ich heute, nachdem die 
Ereignisse gegen unseren Willen einen anderen Verlauf genommen haben, geradezu sagen muB: Es 
war die Vorsehung, die allmachtige Vorsehung, die es damals verhindert hat, daB dieses mein Angebot 
angenommen wurde. Sie hat wohl gewuBt, warum das nicht so sein durfte, und heute weiB auch ich es 
und wir alle wissen es! Diese Verschworung von Demokraten, Juden und Freimaurern hat es also da- 
mals vor zwei Jahren fertig gebracht, Europa in den Krieg zu stiirzen. Es muBten die Waffen entschei- 
den. 

Seitdem findet nun ein Kampf statt zwischen der Wahrheit und der Luge. Und wie immer, so wird 
aber auch dieser Kampf am Ende fiir die Wahrheit siegreich ausgehen. Das heiBt mit anderen Worten: 
Was immer auch die britische Propaganda, was immer das internationale Weltjudentum und seine 
demokratischen Helfershelfer zusammenlugen, an den historischen Tatsachen werden sie nichts an- 
dern! Und die historische Tatsache ist, daB nicht die Englander in Deutschland stehen, daB nicht die 
anderen Staaten etwa Berlin erobert haben, daB sie nicht nach dem Westen oder nach dem Osten vor- 
geriickt sind, sondern die historische Wahrheit ist, daB seit nunmehr zwei Jahren Deutschland einen 
Gegner nach dem anderen niedergeworfen hat. Ich habe das gar nicht gewollt. Sofort nach der ersten 
Auseinandersetzung gab ich ihnen wieder meine Hand. Ich war selbst Soldat und weiB, wie schwer 



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Siege zu erkampfen, wieviel Blut und Elend, Jammer, Entbehrungen und Opfer damit verbunden sind. 
Meine Hand wurde aber noch briisker zuriickgestoBen, und seitdem haben wir es ja erlebt, daB jedes 
Friedensangebot von mir sogleich dem Kriegshetzer Churchill und seinem Anhang dazu diente, um 
den betrogenen Volkern zu erklaren, das sei der Beweis der deutschen Schwache. Das sei der Beweis, 
daB wir nicht mehr kampfen 

81 konnte n und vor der Kapitulation stiinden. Ich habe es daher aufgegeben, noch einmal diesen Weg zu 
versuchen. Ich habe mich zu der Uberzeugung durchgerungen: H i e r m u B nunmehr eine ganz klare 
Entscheidung, und zwar eine weltgeschichtliche Entscheidung fur die nachsten hundert Jahre erkampft 
werden ! 

Immer in dem Bestreben, den Umfang des Krieges zu begrenzen, habe ich mich im Jahre 1939 zu 
etwas entschlossen, was vor allem Sie, meine alten Parteigenossen, als das schwerste begreifen, was 
ich, ich mochte fast sagen, an menschlicher Demlitigung hinnehmen muBte: Ich habe damals meine 
Minister nach Moskau geschickt. Es war die bitterste Uberwindung meines Gefuhls, aber in solchen 
Augenblicken, in denen es sich um das Wohl von Millionen anderer handelt, darf ja nicht das Gefiihl 
entscheiden. Ich habe versucht, hier zu einer Verstandigung zu kommen. Sie wissen selber am besten, 
wie ehrlich und aufrichtig ich diese Verpflichtungen dann gehalten habe. Weder in unserer Presse ist 
damals auch nur ein Wort mehr gegen RuBland geschrieben, noch in unseren Versammlungen ein 
Wort tiber den Bolschewismus gesagt worden. Leider hat sich die andere Seite von Anfang an nicht 
daran gehalten. Die Folge dieser Abmachungen war ein Verrat, der zunachst den ganzen Nordosten 
Europas liquidierte. Was es fur uns damals bedeutete, stillschweigend zusehen zu mtissen, als das 
kleine finnische Volk abgewurgt wurde, das wissen Sie alle selbst. Ich habe aber geschwiegen. Wie es 
uns endlich traf, als die baltischen Staaten ebenfalls iiberwaltigt wurden, das kann nur der ermessen, 
der die deutsche Geschichte kennt und weiB, daB es dort kein Quadrafkilometer gibt, der nicht einst 
durch deutsche Pionierarbeit der menschlichen Kultur und Zivilisation erschlossen worden war. Trotz- 
dem habe ich auch dazu geschwiegen, erst als ich von Woche zu Woche mehr empfand, daB Sowjet- 
ruBland nunmehr die Stunde gekommen sah, gegen uns selbst vorzugehen, als sich in einem Augen- 
blick, da wir knapp drei Divisionen in OstpreuBen besaBen, 22 sowjetische Divisionen dort ansammel- 
ten, als ich allmahlich die Unterlagen erhielt, wie an unserer Grenze Flugplatz an Flugplatz entstand, 
wie eine Division nach der anderen aus dem riesenhaften Sowjetreich hierher zusammengeballt wurde, 
da war ich nun verpflichtet, auch meinerseits besorgt zu sein. Denn es gibt in der Geschichte keine 
Entschuldigung fur ein Versehen, eine Entschuldigung, die etwa darin besteht, daB man nachtraglich 
erklart: Ich habe das nicht gemerkt, oder ich habe nicht daran geglaubt. An der Spitze des Deutschen 
Reiches stehend, ftihle ich mich nun einmal verantwortlich fur das deutsche Volk, fur sein Dasein, fur 
seine Gegenwart und, soweit moglich, gerade auch fur seine Zukunft. Ich war 

82 daher gezwungen, AbwehrmaBnahmen einzuleiten. Sie waren rein defensiver Natur. Immerhin ergab 
sich bereits im August und September des vergangenen Jahres eine Erkenntnis: Eine Auseinanderset- 
zung im Westen mit England, die vor allem die ganze deutsche Luftwaffe gebunden hatte, war nicht 
mehr moglich, denn in unserem Riicken stand ein Staat, der sich taglich mehr fertig machte, in einem 
solchen Augenblick gegen das Reich vorzugehen. Wieweit allerdings diese seine Vorbereitungen be- 
reits getroffen waren, das haben wir erst jetzt in vollem Umfang kennengelernt. 

Ich wollte damals noch einmal das ganze Problem klaren und habe deshalb M o 1 o t o w nach Ber- 
lin eingeladen. Er stellte mir die Ihnen bekannten vier Bedingungen. Erstens: 

Deutschland mtisse endgultig einwilligen, daB, nachdem sich die Sowjetunion erneut von Finnland 
bedroht ftihle, sie zu einer Liquidierung Finnlands schreiten durfe. Ich konnte nicht anders, als diese 
Zustimmung verweigern. 

Die zweite Frage betraf Rumanien. Es war die Frage, ob die deutsche Garantie Rumaniens auch ge- 
gen SowjetruBland schutzen wurde. Ich muBte auch hier zu meinem einmal gegebenen Wort stehen. 
Ich bereue es nicht, daB ich es getan habe, denn ich habe auch in Rumanien in General Antonescu 
einen Ehrenmann gefunden, der auch seinerseits blind zu seinem Wort gestanden hat. 

Die dritte Frage betraf Bulgarien. Molotow forderte, daB SowjetruBland das Recht erhalte, nach 
Bulgarien Garnisonen zu legen, um damit tiber diesen Staat eine russische Garantie auszuiiben. Was 
das heiBt, wuBten wir ja unterdes von Estland, Lettland und Litauen her zur Geniige. Ich konnte mich 
hier darauf berufen, daB eine solche Garantie doch bedingt sei von dem Wunsch des zu Garantieren- 
den. Mir sei aber von einem solchen Wunsche nichts bekannt, und ich muBte mich daher erst riicker- 
kundigen und mich mit meinen Verbundeten besprechen. 



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Die vierte Frage betraf die Dardanellen. RuBland forderte Stiitzpunkte an den Dardanellen. Wenn 
Molotow das jetzt abzustreiten versucht, ist es nicht weiter verwunderlich. Er wird, wenn er morgen 
oder libermorgen nicht mehr in Moskau sein wird, wahrscheinlich audi abstreiten, daB er nicht mehr 
in Moskau ist. Er hat aber diese Forderungen gestellt, und ich habe sie abgelehnt. Ich muBte sie ableh- 
nen, und damit war ich mir allerdings klar, daB nunmehr hochste Vorsicht am Platze war. Ich habe 
seitdem SowjetruBland sorgfaltig beobachtet. Jede Division, die wir feststellen konnten, wurde bei uns 
gewissenhaft eingetragen und durch GegenmaBnahmen pflichtgemaB beantwortet. Die Lage war be- 
reits im Mai so weit verdustert, daB es keinen Zweifel mehr dariiber geben konnte, daB RuBland die 
Absicht hatte, bei der ersten Gelegenheit iiber uns herzufallen. Gegen Ende Mai verdichteten sich die- 
se Momente 

83 so, daB man nunmehr den Gedanken einer drohenden Auseinandersetzung auf Leben und Tod nicht 
mehr von sich weisen konnte. 

Ich muBte nun damals immer schweigen, und es ist mir das doppelt schwer geworden. Nicht so 
schwer vielleicht der Heimat gegentiber; denn letzten Endes muB sie begreifen, daB es Augenblicke 
gibt, in denen man nicht reden kann, wenn man nicht die ganze Nation in Gefahr bringen will. Viel 
schlimmer ist mir das Schweigen meinen Soldaten gegentiber gefallen, die nun Division an Division 
an der Ostgrenze des Reiches standen und doch nicht wuBten, was eigentlich vor sich ging, die keine 
Ahnung hatten von dem, was sich unterdes in Wirklichkeit verandert hatte, und die aber eines Tages 
vielleicht zu einem schweren, ja dem schwersten Waffengang aller Zeiten antreten muBten. Und gera- 
de ihretwegen durfte ich ja nicht reden, denn hatte ich auch nur ein Wort verloren, dann hatte dies 
nicht im geringsten Herrn Stalins EntschluB geandert, aber die Uberraschungsmoglichkeit, die mir als 
letzte Waffe blieb, ware dann weggefallen. Und jede solche Voranktindigung, ja jede Andeutung hatte 
Hunderttausenden von unseren Kameraden das Leben gekostet. 

Ich habe deshalb auch in dem Augenblick noch geschwiegen, in dem ich mich endgtiltig entschloB, 
nunmehr selber den ersten Schritt zu tun. Denn wenn ich schon einmal sehe, daB ein Gegner das Ge- 
wehr anlegt, dann werde ich nicht warten, bis e r abzieht, sondern dann bin ich entschlossen, lieber 
selber vorher abzudrticken. Es war, das darf ich heute hier aussprechen, der schwerste EntschluB mei- 
nes ganzen bisherigen Lebens. Ein jeder solcher Schritt offnet ein Tor, hinter dem sich nur Geheimnis- 
se verbergen, und erst die Nachwelt weiB genau, wie es kam und was geschah. So kann man sich nur 
im Innern mit seinem Gewissen abfinden, das Vertrauen auf sein Volk, auf die selbst geschmiedete 
Waffenstarke und schlieBlich — was ich friiher oft sagte — den Herrgott bitten, daB er dem den Segen 
gibt, der selbst bereit und gewillt ist, heilig und opfervoll fur sein Dasein zu kampfen. 

Am 22. Juni morgens setzte nun dieser groBte Kampf der Weltgeschichte ein. Seitdem sind etwas 
iiber 3 1/2 Monate vergangen, und ich kann heute hier eine Feststellung treffen: Es ist alles seitdem 
planmaBig verlaufen! Was immer auch vielleicht im einzelnen der Soldat oder die Truppe an Uberra- 
schendem erleben muBte — der Ftihrung ist in dieser ganzen Zeit in keiner Sekunde das Gesetz des 
Handelns aus der Hand gewunden worden. Im Gegenteil: Bis zum heutigen Tage ist jede Aktion genau 
so planmaBig verlaufen wie einst im Osten gegen Polen, dann gegen Norwegen und endlich gegen den 
Westen und auf dem Balkan. 

84 Und noch eines muB ich hier feststellen: Wir haben uns weder in der Richtigkeit der Plane getauscht, 
noch in der Ttichtigkeit, in der einmaligen geschichtlichen Tapferkeit des deutschen Soldaten — wir 
haben uns schlieBlich auch nicht getauscht tiber die Gtite unserer Waffen! 

Wir haben uns nicht getauscht tiber das reibungslose Funktionieren unserer ganzen Organisation 
der Front, iiber die Beherrschung der gigantischen hinteren Raume und auch nicht getauscht iiber die 
deutsche Heimat. 

Wir haben uns aber iiber etwas getauscht: Wir hatten keine Ahnung davon, wie gigantisch die Vor- 
bereitungen dieses Gegners gegen Deutschland und Europa waren und wie ungeheuer groB diese Ge- 
fahr war, wie haarscharf wir diesmal vorbeigekommen sind an der Vernichtung nicht nur Deutsch- 
lands, sondern ganz Europas. Das kann ich heute hier aussprechen! 

Ich spreche das erst heute aus, weil ich es heute sagen darf, daB dieser Gegner bereits gebrochen 
und sich nie mehr erheben wird! 

Hier hat sich gegen Europa eine Macht zusammengeballt, von der leider die meisten keine Ahnung 
hatten und viele heute noch keine Ahnung besitzen. Es ware dies ein zweiter Mongolensturm eines 
neuen Dschingis Khan geworden. DaB diese Gefahr abgewendet wurde, das verdanken wir zunachst 
der Tapferkeit, der Ausdauer und Opferwilligkeit unserer deutschen Soldaten und dann auch den Op- 



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fern aller derer, die mit uns marschiert sind. Denn zum erstenmal ist diesmal doch so etwas wie ein 
europaisches Erwachen durch diesen Kontinent gegangen. 

Im Norden kampft Finnland — ein wahres Heidenvolk. In seinen weiten Raumen steht es oft ganz 
allein, nur auf seine eigene Kraft, auf seinen Mut, auf seine Tapferkeit und seine Zahigkeit angewie- 
sen. Im Stiden kampft Rumanien. Es hat sich aus einer der schwersten Staatskrisen, die ein Volk und 
ein Land befallen konnen, in staunenswerter Schnelligkeit erholt unter einem ebenso tapferen wie 
entschluBfreudigen Mann. 

Und damit umfassen wir auch bereits die ganze Weite dieses Kriegsschauplatzes vom WeiBen bis 
zum Schwarzen Meer. Und in diesen Raumen kampfen nun unsere deutschen Soldaten und in ihren 
Reihen und mit ihnen gemeinsam Italiener, die Finnen, die Ungarn, die Rumanen, Slowaken, Kroaten 
sind im Anmarsch, Spanier — sie riicken jetzt in die Schlacht, Belgier, Hollander, Danen, Norweger, 
ja selbst Franzosen sind eingeriickt in diese groBe Front oder werden es demnachst sein. 

Der Ablauf dieses einmaligen Geschehens ist Ihnen, soweit es zuriickliegt, im groBen bereits jetzt 

85 bekannt. Drei deutsche Heeresgruppen traten an. Eine hatte die Aufgabe, die Mitte aufzubrechen. Eine 
der beiden Flanken hatte den Auftrag, gegen Leningrad vorzustoBen, und die andere, die Ukraine zu 
besetzen. Im wesentlichen sind diese ersten Aufgaben gelost. 

Wenn die Gegner in dieser Zeit gewaltigster, weltgeschichtlich einmaliger Kampfe oft sagten: 
„Warum geschieht jetzt nichts?" — nun, es ist immer etwas geschehen! Gerade weil etwas geschah, 
konnten wir auch nicht reden! 

Wenn i c h heute englischer Minis terprasident sein muBte, wtirde ich unter diesen Umstanden viel- 
leicht auch dauernd reden — weil dort eben nichts geschieht. Aber gerade das ist der Unterschied! 
Meine Volksgenossen, ich muB das heute hier vor dem ganzen deutschen Volk einmal aussprechen: Es 
konnte oft einfach nicht geredet werden: nicht etwa, weil wir die ununterbrochenen gewaltigen Lei- 
stungen unserer Soldaten nicht geniigend wiirdigen, sondern weil wir dem Gegner nicht voreilig von 
Situationen Kenntnis geben diirfen, die ihm selbst, bei seinem miserablen Nachrichtendienst, oft Tage, 
ja manchmal erst Wochen spater bewuBt werden. 

Denn — ich habe das neulich schon im Wehrmachtbericht bringen lassen — : Der deutsche Wehr- 
machtbericht ist ein Bericht der Wahrheit. 

Wenn irgendein bloder britischer Zeitungslummel nun erklart, das muBte erst bestatigt werden: Der 
deutsche Wehrmachtbericht ist bisher schon griindlich bestatigt worden! Es gibt doch wohl keinen 
Zweifel, daB w i r in Polen gesiegt haben und nicht die Polen, obwohl die britische Presse es anders 
behauptet hat. Es gibt auch keinen Zweifel, daB wir in Norwegen sitzen und nicht die Englander. Es 
gibt auch keinen Zweifel, daB wir in Belgien und in Holland erfolgreich gewesen sind und nicht die 
Englander. Und es gibt auch keinen Zweifel, daB Deutschland Frankreich besiegt hat und nicht umge- 
kehrt. Es gibt endlich auch keinen Zweifel, daB wir in Griechenland sind und wiederum nicht die Eng- 
lander oder Neuseelander, und auch auf Kreta sind nicht sie, sondern wir. Also hat der deutsche Hee- 
resbericht die Wahrheit gesagt und nicht der.. .(das Ende des Satzes geht im tosenden Beifallsjubel der 
Tausenden unter). 

Und jetzt im Osten ist es nicht anders. Nach der englischen Version haben wir dort seit drei Mona- 
ten eine Niederlage nach der anderen erlitten. Aber wir stehen tausend Kilometer jenseits unserer 
Grenzen, wir stehen ostlich von Smolensk, wir stehen vor Leningrad, und wir stehen am Schwarzen 
Meer. Wir stehen vor der Krim, und nicht die Russen etwa am Rhein. Wenn bisher die Sowjets dau- 
ernd gesiegt haben, dann haben sie ihre Siege jedenfalls schlecht ausgenutzt, sondern sie sind nach 
jedem Sieg hundert 

86 oder zweihundert Kilometer sofort zuriickmarschiert, wahrscheinlich, um uns in die Tiefe des 
Raumes zu locken! 

Im ubrigen sprechen fur die GroBe dieses Kampfes Zahlen. Es sind viele unter Ihnen, die noch den 
Weltkrieg mitgemacht hatten, und die wissen, was es heiBt, Gefangene zu machen und gleichzeitig 
hundert Kilometer vorwarts zu erobern. Die Zahl der Gefangenen ist nunmehr auf rund 2,5 Millionen 
Sowjetrussen gewachsen. Die Zahl der erbeuteten oder vernichteten, also bei uns befindlichen Ge- 
schutze betragt jetzt rund 22 000. Die Zahl der vernichteten oder erbeuteten, also bei uns befindlichen 
Panzer betragt jetzt bereits iiber 18 000. Die Zahl der vernichteten, zerstorten und abgeschossenen 
Flugzeuge iiber 14% Tausend. Und hinter unseren Truppen liegt nun schon ein Raum, der zweimal so 
groB ist, als das Deutsche Reich war, als ich 1933 die Fiihrung erhielt, oder viermal so groB als Eng- 
land. 



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Die Luftlinie aber, die die deutschen Soldaten zuriickgelegt haben, betragt fast durchgehend heute 
iiber 800 bis 1000 Kilometer. Das ist Luftlinie. An Marschkilometern bedeutet das oft das 1 1/2 fache 
und Doppelte — auf einer Fronflange, die gigantisch ist, und einem Gegner gegeniiber, der — das 
muB ich hier aussprechen — nicht aus Menschen besteht, sondern aus Tieren, aus Bestien. 

Was der Bolschewismus aus Menschen machen kann, das haben wir jetzt gesehen. Wir konnen der 
Heimat gar nicht die Bilder bringen, die uns da zur Verfugung stehen. Es ist das Grauenhafteste, was 
Menschengehirne sich ersinnen konnen, ein Gegner, der einerseits aus tierischer Blutgier kampft und 
zugleich aus Feigheit und Angst vor seinen Kommissaren andererseits. Es ist ein Land, das nach fast 
25jahrigem bolschewistischem Dasein unsere Soldaten nunmehr kennengelernt haben. Und ich weiB 
eines: Wer dort war und im Herzen in irgendeiner Falte vielleicht noch Kommunist gewesen sein soll- 
te, sei es auch nur im idealsten Sinne, der kehrt von dieser Auffassung geheilt zurtick. Davon konnen 
Sie iiberzeugt sein. 

Das „Paradies der Arbeiter und Bauern" habe ich immer richtig geschildert. Nach Beendigung die- 
ses Feldzuges werden fiinf oder sechs Millionen Soldaten mir bestatigen, daB ich die Wahrheit aus- 
sprach. Sie werden Zeugen sein, die ich dann aufrufen kann. Sie sind iiber die StraBen dieses Paradie- 
ses marschiert. Sie haben in den elenden Katen dieses Paradieses nicht leben konnen, denn sie gehen 
gar nicht hinein, wenn es nicht unbedingt notwendig ist. Sie haben die Einrichtungen dieses Paradieses 
gesehen. Es ist nichts als eine einzige Waffenfabrik auf Kosten des Lebens standards der Menschen. 
Eine Waffenfabrik gegen Europa! 

Und gegen diesen grausamen, bestialischen, tierischen Gegner, gegen diesen Gegner mit seiner 

87 gewaltigen Riistung, haben unsere Soldaten ihre gewaltigen Siege erkampft. Ich weiB kein Wort, das 
ihrer Leistung gerecht werden konnte. Was sie an Mut und Tapferkeit hier dauernd vollbringen, an 
unermeBlichen Anstrengungen — das ist unvorstellbar! Ob es sich um unsere Panzerdivisionen oder 
die Motorverbande handelt, ob es sich um unsere Artillerie oder Pioniere dreht, ob wir unsere Flieger 
nehmen — Jager, Sturzkampfbomber oder Schlachtflieger — oder ob wir an unsere Marine denken, an 
die Besatzungen der U-Boote, ob wir endlich von unseren Gebirgstruppen im Norden sprechen oder 
von den Mannern unserer Waffen-SS: Sie sind alle gleich! liber allem aber — und das mochte ich 
wieder besonders betonen — , iiber allem steht in seiner Leistung der deutsche Infanterist, der deutsche 
Musketier! 

Denn, meine Freunde, wir haben dort Divisionen, die seit dem Friihjahr iiber 2500 bis 3000 Kilome- 
ter zu FuB marschiert sind, zahlreiche Divisionen, die ein- und anderthalb- und zweitausend Kilometer 
zuriickgelegt haben. Das spricht sich leicht aus. Ich kann nur sagen: Wenn man von Blitzkrieg redet, 
dann verdienen es diese Soldaten, daB man ihre Leistungen als blitzartig bezeichnet! Denn in der Ge- 
schichte sind sie im Vo rwartsmarschieren noch nie iibertroffen worden, hochstens im Riick- 
zug von einigen englischen Regimentern. 

Es gibt da ein paar historische Blitzriickziige, die diese Aktionen an Schnelligkeit iibertroffen haben. 
Aber dabei handelte es sich nicht um so groBe Entfernungen, weil man sich von vornherein immer 
etwas naher an der Kiiste hielt. Ich will nun nicht etwa den Gegner schmahen; ich will nur dem deut- 
schen Soldaten die Gerechtigkeit zuteil werden lassen, die er verdient! Er hat Uniibertreffliches gelei- 
stet! Und mit ihm auch alle die Organisationen, deren Manner heute Arbeiter sind und zugleich auch 
Soldaten. Denn in diesem gewaltigen Raum ist heute fast jeder Soldat. Jeder Arbeitsmann ist Soldat, 
jeder Eisenbahner dort ist Soldat. In diesem ganzen Gebiet muB jeder dauernd mit der Waffe Dienst 
tun. Und es ist ein Riesengebiet! Was hinter dieser Front geschaffen wird, ist in seiner Art genau so 
gewaltig wie die Leistungen der Front. Uber 25 000 Kilometer russische Bahnen sind wieder im Be- 
trieb, iiber 15 000 Kilometer russische Bahnen sind wieder auf deutsche Spur umgewandelt worden. 
Wissen Sie, meine Volksgenossen, was das heiBt? Das heiBt, daB der groBte Querschnitt des Deut- 
schen Reiches von einst, etwa von Stettin bis zu den bayerischen Bergen, also eine Linie von rund 
1000 Kilometern, fiinfzehnmal nebeneinander im Osten auf deutsche Spur gelegt worden ist. Was das 
an Anstrengungen und SchweiB kostet, das kann vielleicht die Heimat noch gar nicht so recht ermes- 
sen. Und hinter dem allem da sind die 

88 Arbeitsbataillone des Arbeitsdienstes, unserer Organisationen, vor allem die Organisation Todt und 
die Organisationen unseres Berliners S p e e r, und all die anderen, die wieder zu deren Betreuung da 
sind. 

Im Dienste dieser ganzen gigantischen Front steht unser Rotes Kreuz, stehen Sanitatsoffiziere, Sani- 
tatspersonal und Rote-Kreuz-Schwestern. Sie alle opfern sich wahrhaft auf! Und hinter dieser Front 
baut sich bereits die neue Verwaltung auf, die dafiir sorgen wird, daB, wenn dieser Krieg langer dauert, 



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diese riesigen Gebiete der deutschen Heimat und unseren Verblindeten niitzen werden. Ihr Nutzen 
wird ein ungeheurer sein, und keiner soil zweifeln, daB wir diese Gebiete nicht zu organisieren verste- 
hen. 

Wenn ich Ihnen so in kurzen Ziigen ein Bild der einmaligen Leistungen unserer Soldaten und all de- 
rer gebe, die heute hier im Osten kampfen oder tatig sind, dann mochte ich auch der Heimat den Dank 
der Front iibermitteln! Den Dank unserer Soldaten fur die Waffen, die 'die Heimat geschaffen hat, fur 
diese ausgezeichneten und erstklassigen Waffen, den Dank fur die Munition, die dieses Mai zum Un- 
terschied des Weltkrieges in unbegrenzten Massen zur Verfugung steht. Das ist heute nur ein Trans- 
portproblem. Wir haben so vorgesorgt, daB ich mitten in diesem gigantischen Materialkrieg auf groBen 
Gebieten die weitere Produktion nunmehr einstellen kann, weil ich weiB, daB es jetzt keinen Gegner 
mehr gibt, den wir nicht mit den vorhandenen Munitionsmengen niederringen wiirden. 

Wenn Sie aber manches Mai in der Zeitung etwas lesen tiber die gigantischen Plane anderer Staaten, 
was diese alles zu tun gedenken und was sie alles beginnen wollen, und wenn Sie dabei von Milliar- 
densummen horen, so, meine Volksgenossen, erinnern Sie sich an das, was ich jetzt sage: 

l.Auch wir stellen in den Dienst unseres Kampfes einen ganzen Kontinent, 

2. wir reden nicht vom Kapital, sondern von Arbeitskraft, und diese Arbeitskraft setzen wir hundert- 
prozentig ein, und 

3. wenn wir dariiber nicht reden, dann heiBt das nicht, daB wir nichts tun. 

Ich weiB ganz genau, daB die anderen alles besser konnen als wir. Sie bauen Tanks, die uniiberwind- 
lich sind, sie sind schneller als die unseren, starker gepanzert als die unseren, sie haben bessere Kano- 
nen als die unseren, und sie brauchen gar kein Benzin. — Aber im Kampf haben wir sie bisher noch 
uberall abgeschossen! Und das ist das Entscheidende ! Sie bauen Wunderflugzeuge. Es sind immer 
Wunderdinge, die sie machen, alles unbegreiflich, auch technisch unbegreiflich. Aber sie haben noch 
keine Maschinen, die die unseren ubertreffen. Und die Maschinen, die bei uns heute fahren oder 
schieBen oder fliegen, sind 

89 nicht jene Maschinen, mit denen wir nachstes Jahr fahren, schieBen oder fliegen werden! Ich glaube, 
daB das fur jede Deutschen gentigen wird. Alles andere, das wird durch unsere Erfinder und durch 
unsere deutschen Arbeiter und auch durch die deutsche Arbeiterin besorgt. 

Hinter dieser Front des Opfers, des Todesmutes und des Lebenseinsatzes steht die Front der Heimat, 
eine Front, die gebildet wird von Stadt und Land. Millionen deutscher Bauern, zum groBen Teil auch 
oft ersetzt durch Greise, Jugendliche oder durch die Frauen, sie erfiillen im hochsten Grade ihre 
Pflicht. Millionen und aber Millionen deutscher Arbeiter, sie schaffen unentwegt, es ist bewunde- 
rungswiirdig, was sie leisten. Und iiber alien auch hier wieder die deutsche Frau, das deutsche Mad- 
chen, die Millionen von Mannern ersetzen, die heute an der Front sind. 

Wir konnen wirklich sagen: Zum ersten Male in der Geschichte ist ein ganzes Volk jetzt im Kampf 
— teils an der Front, teils in der Heimat. 

Wenn ich aber das ausspreche, dann ergibt sich fur mich als altem Nationalsozialisten daraus eine 
zwingende Erkenntnis: 

Wir haben nun zwei Extreme kennengelernt. Das eine sind die kapitalistischen Staaten, die mit Ltigen 
oder mit Betrugereien ihren Volkern die natiirlichsten Lebensrechte verweigern, die ausschlieBlich 
ihre Finanzinteressen im Auge behalten, die jederzeit bereit sind, daftir Millionen Menschen zu opfern. 
Auf der anderen Seite da sehen wir das kommunistische Extrem, einen Staat, der unsagbares Elend 
iiber Millionen und Millionen gebracht hat und auch das Gliick aller anderen nur seiner Doktrin opfert. 

Daraus kann sich nun in meinen Augen fur uns nur eine Verpflichtung ergeben: unserem nationalen 
und sozialistischen Ideal mehr den je zuzustreben! Denn iiber eines miissen wir uns im klaren sein: 
Wenn dieser Krieg einst beendet sein wird, dann hat ihn der deutsche Soldat gewonnen, der aus den 
Bauernhofen, aus den Fabriken usw. stammt, der in seiner Gesamtheit wirklich die Masse unseres 
Volkes darstellt. Und es hat ihn gewonnen die deutsche Heimat mit den Millionen Arbeitern und Ar- 
beiterinnen, Bauern und Bauerinnen. Es haben ihn gewonnen die schaffenden Menschen im Kontor 
und im Beruf. Alle diese Millionen Menschen, die tatig sind, die haben ihn gewonnen! Und auf diese 
Menschen hin muB dann dieser Staat ausschlieBlich ausgerichtet werden. 

Wenn dieser Krieg zu Ende sein wird, dann werde ich aus ihm zuriickkehren als ein noch viel fana- 
tischerer Nationalsozialist, als ich es friiher war! Ebenso wird es bei all denen sein, die zur Fiihrung 

90 berufen sind; denn in diesem Staat herrscht ja nicht, wie in SowjetruBland, das Prinzip der sogenann- 
ten Gleichheit, sondern das Prinzip der Gerechtigkeit. Wer als Fiihrer geeignet ist, sei es politisch, 
militarisch oder wirtschaftlich, der ist uns immer gleich wert. Aber genau so wert muB auch derjenige 



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sein, ohne dessen Mitarbeit jede Fiihrung ein leeres Tun und nur Gedankenakrobatik bliebe. Und das 
ist das Entscheidende. Das deutsche Volk kann heute stolz sein: Es hat die besten politischen Fiihrer, 
es hat die besten Feldherrn, es hat die besten Ingenieure, Wirtschaftsfuhrer und Organisatoren, es hat 
aber auch den besten Arbeiter und den besten Bauern. 

Alle diese Menschen in eine Gemeinschaft zu verschmelzen, war einst die Aufgabe, die wir uns als 
Nationalsozialisten stellten, eine Aufgabe, die uns heute noch viel klarer ist als je zuvor. Ich werde aus 
diesem Krieg einst zuriickkehren wieder mit meinem alten Parteiprogramm, dessen Erfiillung mir jetzt 
noch wichtiger erscheint als vielleicht am ersten Tag! 

Diese Erkenntnis hat mich auch heute nur ganz kurz hierher gefiihrt, um zum deutschen Volke zu 
sprechen. Denn es hat auch im Winterhilfswerk wieder eine Gelegenheit, den Geist dieser Gemein- 
schaft zu bekunden. 

Was die Front opfert, das kann uberhaupt durch nichts vergolten werden. Aber auch das, was die 
Heimat leistet, muB vor der Geschichte dereinst bestehen konnen! 

Es ist notwendig, daB der Soldat an der Front weiB, daB zu Hause sich die Heimat um jeden Zuriick- 
gebliebenen bekummert und fur ihn nach bester Moglichkeit sorgt. Das muB er wissen, und das muB 
sein, damit auch diese Heimat dereinst in Ehren genannt wird neben den gewaltigen Leistungen der 
Front. 

Jeder weiB, was er tun muB in dieser Zeit. Jede Frau, jeder Mann, sie wissen, was man mit Recht 
von ihnen fordert und was zu geben sie verpflichtet sind. 

Wenn sie nur einmal auf die StraBen gehen und im Zweifel sein sollten, ob sie noch einmal geben 
sollen, geben miissen oder nicht, dann mogen sie nur einen Blick seitwarts wenden: 
vielleicht wird ihnen dann einer begegnen, der viel mehr als sie fur Deutschland geopfert hat. Nur 
dann, wenn dieses ganze deutsche Volk zu einer einzigen Opfergemeinschaft wird, dann allein konnen 
wir hoffen und erwarten, daB uns die Vorsehung auch in der Zukunft beistehen wird. 

Der Herrgott hat noch niemals einem Faulen geholfen, er hilft auch keinem Feigen, er hilft auf kei- 
nem Fall dem, der sich nicht selber helfen will. Hier gilt im groBten der Grundsatz: 

Volk hilf dir selbst, dann wird auch der Herrgott dir seine Hilfe nicht verweigern! 





.Iiiiiiiiiii-iiijiiiiiilliiih'lk 



91 Das Ereignis, das dem Monat Oktober seinen Stempel aufdriickte, war die Eroffnung des Winter- 

hilfswerkes am 3. Oktober, bei der der Fiihrer eine groBangelegte Rede (Wortlaut siehe Seite 77) hielt. 
Erst am Mittag dieses Tages wurde die Fiihrerrede dem deutschen Volke angekiindigt. Es war die 
Stimme des Siegers an der Ostfront, die an diesem Tage zum deutschen Volke und zu der Welt sprach. 
Zu Beginn dieser Sportpalastkundgebung gab Reichsminister Dr. Goebbels den Rechenschaftsbericht 
iiber das Kriegs-Winterhilfswerk 1940/41. Er teilte dabei mit, daB das Gesamtaufkommen der Samm- 
lungen des vergangenen Winters 916 240 000 Reichsmark gegeniiber 681 Millionen Reichsmark im 
vorvergangenen Jahre betrage. Nahezu 2/3 des Gesamtaufkommens des vorjahrigen Kriegs-WHW 
konnten als Zuwendung an die Hilfswerke der NSV abgefiihrt werden, wahrend das letzte Drittel zur 
Linderung von Not, vor allem in den neu zum Reich gekommenen Gebieten aufgewendet worden sei. 



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Dr. Goebbels nannte im weiteren Verlauf seiner Rede imponierende Zahlen, die die GroBe dieses So- 
zialwerkes vor aller Welt anschaulich belegten. Das Erfreulichste wohl ist, daB der 1. Opfersonntag in 
diesem Jahre, der 14. September, mehr als 23 Millionen Reichsmark erbrachte und damit eine Steige- 
rung um mehr als 24% gegeniiber dem Vorjahre ausmachte. 

Dem Ftihrer wurde im Sportpalast ein stiirmischer, jubelnder Empfang bereitet. Die ersten Worte 
seiner Rede waren ein Bekenntnis zur Front. Er eroffnete dabei zugleich der Nation die Tatsache, daB 
seit 48 Stunden neue militarische Operationen in Gang gesetzt wurden von einem AusmaB, wie sie die 
Welt bisher noch niemals gesehen hat. Der Feldherr sprach, seines Sieges sicher. Im weiteren Verlauf 
seiner Rede, in der jede Minute das ungeheure Ringen unserer Soldaten vom Eismeer bis zum 
Schwarzen Meer gegenwartig war, enthullte der Ftihrer das ganze gigantische AusmaB der bolschewi- 
stischen Gefahr, einer Gefahr, von der wir keine Ahnung gehabt hatten, so daB Deutschland und Euro- 
pa haarscharf an der Vernichtung vorbeigekommen sind. „Ich spreche das erst heute aus, weil ich heu- 
te sagen darf, daB dieser 

92 Gegner bereits gebrochen ist und sich nie mehr erheben wird." Tiefen Eindruck hinterlieB bei seinen 
Horern wiederum die Erkenntnis, daB zu ihnen ein Mann sprach, der den Krieg nicht gewollt hat, der 
ihn nie gebraucht hatte, um sein hohes Ziel zu erreichen, der ihn aber seit der Stunde seiner Unab- 
wendbarkeit im vollen BewuBtsein seiner personlichen und historischen Verantwortung annahm und 
ftihrte. So zeichnete der Ftihrer noch einmal in groBen Ziigen die Vorgeschichte des Krieges, in der 
von seiner Seite alle Moglichkeiten einer friedlichen Regelung der europaischen Probleme erschopft 
worden sind. Er fand fur den deutschen Soldaten Worte heiBen Dankes und vermittelte der Heimat 
einen Uberblick in die gewaltige Arbeit, die hinter der Front heute schon geleistet wird. Zum SchluB 
richtete Adolf Hitler den Blick der Nation auf die noch in der Zukunft liegende siegreiche Beendigung 
des Krieges: „Wenn dieser Krieg", so sagte er, „zu Ende sein wird, dann werde ich aus ihm zuriickkeh- 
ren als ein noch fanatischerer Nationalsozialist, als ich es friiher war... Ich werde aus diesem Kriege 
einst zuriickkehren wieder mit meinem alten Parteiprogramm, dessen Erfullung mir jetzt noch wichti- 
ger erscheint als vielleicht am ersten Tage." Diese Rede des Fuhrers hinterlieB im deutschen Volke 
tiefsten Eindruck, sie wirkte in Tagen und Wochen nach, zumal schon wenige Stunden danach die 
ersten Erfolge jener Operationen offenbar wurden, von denen der Ftihrer am Anfang seiner Ausfiih- 
rungen gesprochen hatte. Es ist aber auch kein Zweifel, daB Europa den Ftihrer verstanden hat. In den 
Kommentaren der italienischen, japanischen, ungarischen, rumanischen, finnischen und slowakischen, 
ja sogar aus der franzosischen Presse ging hervor, daB die Volker des Kontinents das Gemeinsame 
dieses Verteidigungskampfes zutiefst empfinden. In all diesen Landern sah man in des Fuhrers Worten 
den Ausdruck der Kraft und der unerschiitterlichen Siegeszuversicht, die das deutsche Volk beherr- 
schen. Die Blatter unterstreichen insbesondere die Stellen der Fiihrerrede, in denen die Uberzeugung 
des siegreichen Feldherrn zum Ausdruck kam, daB die Gefahr des Bolschewismus von Europa nun- 
mehr endgultig gebannt sei. 

Der Rede folgte, wie immer beim Ftihrer, die vollbrachte Tat: Am 8. Oktober gab das Oberkom- 
mando der Wehrmacht aus dem Fiihrerhauptquartier bekannt, daB in der Ukraine die Angriffs- und 
Verfolgungsoperationen im Flusse seien und der am 2. Oktober eingeleitete Durchbruch in der Mitte 
der Ostfront zu einer neuen Folge gewaltiger Vernichtungsschlachten gefuhrt habe. Allein im Raum 
von Wjasma seien mehrere sowjetische Armeen eingeschlossen. Am 9. Oktober meldete das Ober- 
kommando einen weiteren Erfolg: die Einkesselung von drei weiteren bolschewistischen Armeen bei 
Brjansk, die 

93 ebenfalls ihrer Vernichtung entgegengehen wurden. Marschall Timoschenko habe damit die letzten 
vollkampffahigen Armeen der sowjetischen Gesamtfront geopfert. 

Am gleichen Tage veroffentlichte die deutsche Presse einen Tagesbefehl des Fuhrers vom 2. Okto- 
ber (siehe Seite 74), in dem der Ftihrer die Soldaten der Ostfront zur letzten Entscheidungsschlacht 
dieses Jahres aufgefordert hatte. Zwei Erkenntnisse unterstrich der Ftihrer in diesem Aufruf: 1. DaB 
dieser Gegner sich fur seinen Angriff militarisch in einem so enormen AusmaB gertistet habe, daB die 
starksten Befurchtungen noch ubertroffen worden seien, 2. Gnade Gott unserem Volk und der gesam- 
ten europaischen Welt, wenn dieser barbarische Feind seine Zehntausende von Panzern vor uns in 
Bewegung hatte setzen konnen. Ganz Europa ware verloren gewesen. Denn dieser Feind bestehe nicht 
aus Soldaten, sondern zum groBen Teil nur aus Bestien. Vor seinen Soldaten, die den Bolschewismus 
mit eigenen Augen gesehen haben, weist der Ftihrer auf die Trager dieses Systems hin: es seien Juden 
und nur Juden. Der Aufruf schlieBt mit einer Bitte an den Herrgott, er moge den deutschen Armeen 
den Sieg verleihen, die wichtigste Voraussetzung fur den Frieden. 



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Am gleichen Tage, am 9. Oktober, sprach Reichspressechef Dr. Dietrich vor der Pressekonferenz 
der Reichsregierung liber die Bedeutung der angelaufenen, gigantischen Operationen. Die Ausfuhrun- 
gen des Reichspressechefs gipfelten in der Feststellung, daB mit der Zertriimmerung der Heeresgruppe 
Timoschenko — nachdem Woroschilow in Leningrad eingeschlossen und Budjenny im Siiden ver- 
nichtend geschlagen wurde — der Feldzug im Osten entschieden sei. Damit ist sehr klar gesagt, daB 
weder der Krieg beendet noch der Ostfeldzug zu Ende ist, wohl aber, daB dem Feinde das Ruckgrat 
gebrochen ist. 

Es bleibt nun noch chronologisch zu verzeichnen, wie die Vernichtung des Gegners vor sich ging: 
Am 14. meldete das OKW, daB die Feindkrafte im Raum von Wjasma vernichtet seien. Die Gefange- 
nenzahl betrug mehr als 500 000, die Gesamtzahl aller seit Beginn des Ostfeldzuges eingebrachten 
sowjetischen Gefangenen hatte zu diesem Zeitpunkt die Hohe von 3 Millionen weit uberschritten. Am 
18. berichtete das OKW, daB auch die Schlacht von Brjansk siegreich beendet sei. 648 000 Gefangene 
wurden dabei gemacht, unubersehbares Kriegsmaterial fiel in deutsche Hand. Man rechnet, daB bis 
zum 24. Oktober 260 sowjetische Divisionen, darunter 226 Schutzendivisionen, ferner 40 Panzerdivi- 
sionen und zahlreiche andere Einheiten aus dem Felde geschlagen wurden, d. h. vernichtet oder gefan- 
gen sind. 

Auch an der Slidfront reihte sich ein Erfolg an den anderen: Am 16. Oktober haben die rumanischen 
Truppen Odessa eingenommen. Wenige Tage darauf naherte sich der deutsche VorstoB dem 

94 Donezbecken, einem der wichtigsten Rustlings- und Wirtschaftszentren der Sowjetunion. Am 24. 
Oktober wurde Charkow genommen. Am 29. berichtete das OKW, daB in hartnackigen Kampfen In- 
fanteriedivisionen im Zusammenwirken mit Verbanden der Luftwaffe den Zugang zur Halbinsel Krim 
erzwungen hatten. Im Zusammenhang mit diesen Operationen wurden die sowjetischen Seestreitkrafte 
im Schwarzen Meer hart bedrangt. 

An der Nordfront brachte auch das Monatsende abschlieBende Erfolge: Am 21. gab das Oberkom- 
mando der Wehrmacht bekannt, daB die Insel Dago genommen sei. Damit waren alle baltischen 
Inseln in deutscher Hand und der gesamte baltische Raum vom Feinde befreit. Ein AbschluBbericht 
iiber die Operationen der hier kampfenden Heeresgruppe Leeb nannte neben den operativen und stra- 
tegischen Erfolgen die Zahl von 300000 Gefangenen. 

Wahrend dieser weltgeschichtlich bedeutsamen Kampfe im Osten wurde der Kampf gegen die briti- 
sche Insel mit unverminderter Harte fortgefuhrt. Die Versenkungsziffer fur den Monat September, am 
3. Oktober veroffentlicht, betragt 700 000 Bruttoregistertonnen. Damit haben die feindlichen Handels- 
schiffsverluste die Gesamtziffer von fast 13,8 Millionen BRT erreicht. Auch im Oktober selbst ftihrte 
die Kriegsmarine und die Luftwaffe harte Schlage gegen Englands Versorgungsschiffahrt. Eine Son- 
dermeldung vom 18. Oktober berichtet, daB ein von USA nach England fahrender Geleitzug von deut- 
schen U-Booten gefaBt wurde, die 10 feindliche Handelsschiffe, darunter drei vollbeladene Tanker, 
mit zusammen 60 000 BRT herausschossen. Am 23. versanken wiederum vier feindliche Schiffe mit 
zusammen 32 000 BRT in den Fluten, unter ihnen war der 14 000 BRT groBe britische Truppentrans- 
porter „Aurania". Am 29. Oktober wurde schlieBlich wiederum ein Geleitzug, diesmal auf der Gibral- 
tar-Route, vernichtet. 27 000 Bruttoregistertonnen sowie einen Zerstorer verlor die englische Marine. 

Das Echo der groBen Ereignisse an der Ostfront nahm sich in russischer oder englischer Sprache 
zumeist sehr sonderbar aus, stimmte jedenfalls nie mit der Wirklichkeit uberein. Moskau, London und 
Neuyork setzten taglich liber den Gang der Operationen die haarstraubendsten Lligen in die Welt. 
Aber die Welt hat sich langst an die Zuverlassigkeit der OKW-Berichte und der Nachrichten sowohl 
der deutschen Presse als auch des deutschen Rundfunks gewohnt, deren Zuverlassigkeit und Wahr- 
heitstreue bisher niemand in der Welt erschlittern konnte. 

So flihlte man auch in anderen Landern instinktiv, daB gerade das deutsche Pressewesen in hervor- 
ragendem MaBe Ausdruck einer neuen Geisteshaltung darstellt. Dies ist wohl auch der Grund, 

95 weshalb immer wieder Pressedelegationen aus anderen Staaten nach Deutschland kommen. Am 17. 
Oktober weilten unter Flihrung des bulgarischen Pressechefs, Gesandten Dr. Nikolaeff, bulgarische 
Journalisten in Deutschland. 

Auf Einladung des Flihrers weilte am 21. Oktober der slowakische Staatsprasident, Dr. T i s o, und 
der slowakische Ministerprasident, Dr. T u k a, in deren Begleitung sich u. a. Innenminister Sano 
Mach und der Verteidigungsminister General Catlos sowie der slowakische Gesandte in Berlin, Cer- 
nak, und der deutsche Gesandte in PreBburg, Ludin, befanden, zu einem Besuch im Fuhrerhauptquar- 
tier. Die politischen und militarischen Besprechungen beim Flihrer verliefen im Geiste der herzlichen 
Freundschaft zwischen den beiden Volkern und standen im Zeichen der Waffenbriiderschaft, die durch 



;liiiisirlill,iii<i tm^amirF 1 1 

den Kampf deutscher und slowakischer Truppen gegen den gemeinsamen bolschewistischen Feind 
erneut ihre Bewahrung findet. Die slowakischen Staatsmanner besuchten auch das Hauptquartier des 
Reichsmarschalls und des Oberbefehlshabers des Heeres. 

Der Chef des Generalstabes der italienischen Luftwaffe, Unterstaatssekretar Generaloberst P r i c o 1 
o, besuchte in der Zeit vom 30. September bis 8. Oktober auf Einladung des Reichsmarschalls das 
Hauptquartier der deutschen Luftwaffe und unternahm von dort aus eine Inspektionsreise zu den ita- 
lienischen Einheiten an der Ostfront. In den Gesprachen zwischen den Oberbefehlshabern der deut- 
schen und der italienischen Luftwaffe wurden alle wichtigen Probleme erortert, die die Luftstreitkrafte 
der Achse interessieren. 

Zu einer erneuten Bestatigung der deutsch-italienischen Freundschaft wurde eine Kundgebung der 
Deutsch-Italienischen Gesellschaft im Haus der Flieger am 28. Oktober, die damit in ein neues Ar- 
beitsjahr eintrat. Der Fiihrer hatte dem Prasidenten der Gesellschaft, Reichssportfuhrer von T scham in 
er und Osten, die besten Wiinsche fur eine erfolgreiche Tatigkeit der Gesellschaft ubermittelt. Nach- 
dem President von Tschammer und Osten das gemeinsame Streben beider Volker gewiirdigt hatte, 
hielt der Militarattache an der Koniglich Italienischen Botschaft in Berlin, Generalleutnant M a r r a s, 
einen Vortrag tiber „Die militarische Geschichte Italiens in den letzten 30 Jahren". Der Vortrag klang 
aus in einem Gelobnis zum gemeinsamen Kampf bis zum Endsieg. — Am Vortage des Dia de la Raza 
wurde in feierlicher Form das neue Gebaude des Ibero-Amerikanischen Instituts in Berlin-Lankwitz 
eingeweiht. In dem groBen Saal der einstigen Siemens-Villa versammelten sich die Vertreter von 
Staat, Partei, Wehrmacht, Wissenschaft und Wirtschaft gemeinsam mit den Botschaftern Spaniens und 
Chiles, den Gesandten von Portugal und den Geschaftstragern und Mitgliedern der Missionen Ibero- 
Amerikas. Der 

96 President des Instituts, Botschafter a. D. General F a u p e 1, sprach den anwesenden Diplomaten 
seine Gliickwiinsche zum Dia de la Raza aus. Er gab seiner Hoffnung Ausdruck, daB der Atlantische 
Ozean sich in Zukunft wieder als verbindende Briicke zwischen den Landern Ibero-Amerikas und dem 
europaischen Kontinent erweisen moge. Die ibero-amerikanische Kultur werde in dem neuen Hause 
wie bisher in dem alten und langst zu eng gewordenen Institut jedes Verstandnis und treueste Pflege 
finden. — In Fortsetzung einer ersten deutsch-franzosischen energiewirtschaftlichen Tagung in Paris 
im Juli dieses Jahres hat der Generalinspektor fur das deutsche StraBenwesen, Reichsminister Dr. T o 
d t, auf Vorschlag des Militarbefehlshabers in Frankreich eine Gruppe franzosischer Ingenieure aus 
der Elektrizitats- und Bauwirtschaft nach Deutschland eingeladen. Die franzosischen Ingenieure weil- 
ten vom 13. bis 18. Oktober zu einer Vortragsveranstaltung in Freiburg im Breisgau, um anschlieBend 
eine Studienfahrt zu sudwestdeutschen Wasserkraftanlagen zu unternehmen. Deutsche Ingenieure von 
Elektrizitatsversorgungsunternehmen von Wasserwirtschaftsverbanden und Baugesellschaften nahmen 
an den Besprechungen teil, um Erfahrungen iiber den Ausbau von Wasserkraften auszutauschen. 
Gleichfalls wurden erneut Fragen eines deutsch-franzosischen Hochstspannungs-Verbundbetriebes 
erortert, nachdem in der Zwischenzeit die wesentlichen Voraussetzungen zur Aufnahme eines derarti- 
gen Betriebes geklart werden konnten. 

Der President der Stiftung deutsches Auslandswerk, Dr. Hans Friedrich B I u n c k, hat auf eigenen 
Wunsch wegen Arbeitsuberlastung sein Amt niedergelegt. Der Reichsminister fur Volksaufklarung 
und Propaganda und der Reichsminister des Auswartigen haben daraufhin SS-Obergruppenfuhrer 
Lorenz zum Prasidenten und Dr. Blunck in Anerkennung seiner Verdienste zum Ehrenprasidenten der 
Stiftung ernannt. Dr. Blunck wird sich auch weiterhin an den Aufgaben des deutschen Auslandswerks 
beteiligen. 

In der Zeit vom 7. bis 12. Oktober fand in Berlin im Gastehaus der Reichsfrauenfuhrung ein interna- 
tionales Frauentreffen statt. Vertreterinnen aus 14 Staaten versammelten sich hier, um eine Aussprache 
iiber die im Augenblick wichtigen Frauenfragen herbeizufiihren und um sich kennen und verstehen zu 
lernen. Bedeutsame Referate hielten auf dieser Tagung die Gattin des japanischen Botschafters, Frau 
O s h i m a, die spanische Frauenfiihrerin, Pilar P r i m o de R i v e r a, fur Italien Marchesa Olga M e 
d i c i und fur Finnland Frau Helle K a n n i 1 a, Prasidentin des Verbandes nationalfmnischer Frauen, 
und die Prasidentin der Lotta-Bewegung, Frau Fanny Luukkonen. 

Ihrer Aufgabe, das Volk zu fiihren und die Probleme der Gegenwart in aller Offenheit zu erortern, 
hat 

97 sich die Partei auch im Monat Oktober mit Gewissenhaftigkeit unterzogen. Im BewuBtsein, daB der 
kommende Winter harte Anforderungen an die geistigen und physischen Krafte des deutschen Volkes 
stellen werde, hat die NSDAP, in fast alien Gauen groBere Versammlungsaktionen eingeleitet. Der 



;liiiisirlill,iii<i tm^amirF 12 

Gau Berlin flihrte vom 5. bis 19. Oktober eine Versammlungswelle durch. Der Kreis IV des Gaues 
Berlin veranstaltete am 31. Oktober eine GroBkundgebung im Sportpalast, auf der 
Reichshauptamtsleiter Wachter sprach. Er stellte in den Mittelpunkt seiner Ausflihrungen die 
Forderung, alles Trennende auszuschalten und die Volksgemeinschaft noch enger 
zusammenzuschlieBen. Gegenliber den Strapazen und den Opfern der Soldaten an der Front sei alles, 
was die Heimat an Erschwerung und Entbehrung zu ertragen hatte, ein Nichts. Alle Einschrankungen, 
die wir auf uns nehmen miiBten, seien notwendig im Dienste des Sieges. Am Ende stiinde das Ziel: 
Deutschlands Sieg — Brot und Freiheit fur unser Volk und Europa. 

Reichsminister Dr. Goebbels sprach am 15. Oktober auf einem Appell der Berliner SA-Fiihrerschaft 
im Kriegervereinshaus. Der Feind habe es allmahlich erfahren miissen, so sagte der Minister, daB das 
Reich sowohl militarisch als auch wirtschaftlich unangreifbar geworden sei. Daher unternehme er in 
seiner letzten Verzweiflung einen hoffnungslosen Ansturm auf die Seele des deutschen Volkes. Es 
entspringe daher einem Gebot der Selbstdisziplin und der Selbsterhaltung, wenn die nationalsozialisti- 
sche Staatsfuhrung das deutsche Volk abschirme gegen das Gift, das die Feindpropaganda standig der 
Nation in ihrer Gesamtheit einzuimpfen versuche. Die Partei sei heute das stets wache Gewissen unse- 
res Volkes, ihre vornehmste Aufgabe bestehe darin, die Heimat stark zu machen in ihrem opferberei- 
ten Einsatz fur den Sieg. — Reichsminister Dr. Goebbels sprach auch am 6. Oktober in zwei GroB- 
kundgebungen der NSDAP, in Saarbriicken und Metz. Der Minister wiirdigte zu Beginn seiner Rede 
in Saarbriicken die tapfere Haltung der Bevolkerung dieser Stadt, einer Stadt, die im ersten Kriegsjah- 
re am meisten habe leiden miissen. Er gab sodann ein groBziigiges Bild des gegenwartigen deutschen 
Schicksalskampfes. Er schloB mit der Aufforderung, daB der Vernichtungswille unserer Gegner an 
zwei uniiberwindlichen Fronten zerbrechen miisse: an der tapf ersten und bestgeriisteten Wehrmacht 
der Welt und an der unermiidlich schaffenden Heimat, die alle Krafte auf den Sieg konzentriere und 
bereit sei, jedes Opfer dafiir zu bringen. In Metz erinnerte Dr. Goebbels an die wechselvolle Geschich- 
te dieser Stadt, die im Wandel der Jahrhunderte immer Gegenstand blutigen Streits gewesen sei. Nun 
aber sei sie endlich heimgekehrt in den SchoB eines machtigen Reiches, das als fiihrende Macht Euro- 
pas auch Metz die Moglichkeit einer groBen Entwicklung erschlieBe. 
98 Auch in Sachsen wurde gegen Ende des Monats eine Versammlungswelle unter der Losung „Wo 

Adolf Hitler fiihrt, ist der Sieg" durchgefiihrt. Machtvoller Auftakt dieser Aktion war eine GroBkund- 
gebung in Dresden, bei der Reichsinnenminister Dr. F r i c k zu 5000 Dresdnern sprach. 

Einen Gedenktag, der die Erinnerung an ein entscheidendes Datum der Parteigeschichte weckte, 
beging der Gau Berlin der NSDAP am 27. Oktober: Vor 15 Jahren wurde an diesem Tage Dr. Goeb- 
bels vom Fiihrer in die Reichshauptstadt gerufen, um die Leitung des Gaues Berlin zu iibernehmen. 
Gauleiter Dr. Goebbels wandte sich an diesem Erinnerungstage riickblickend an seine Berliner, um 
ihnen Dank zu sagen fiir alle Beweise der Anhanglichkeit und Gefolgschaftstreue, die sie ihm in guten 
und schlechten Tagen stets entgegengebracht hatten. Daneben sprach er der gesamten Berliner Bevol- 
kerung Worte der Anerkennung aus fiir die tadellose Haltung, die sie besonders in den zwei Kriegs- 
jahren gezeigt hatten. Der Artikel des Ministers, der in alien Berliner Zeitungen erschien, ist ein war- 
mes Bekenntnis zu dieser so viel geschmahten Stadt und ihren so oft verkannten Bewohnern. 

Am 18. Oktober erfolgte in Wiirzburg in Gegenwart des Reichsstudentenfiihrers die feierliche Neu- 
griindung des Nationalsozialistischen Altherrenbundes. Am 1. Oktober war der NS-Altherrenbund 
vermogensrechtlich aus der Reichskassenverwaltung des NSD-Studentenbundes ausgegliedert worden 
und hatte seine eigene Verwaltung bekommen. Der Leiter der Parteikanzlei hat den weltanschaulichen 
Erziehungsauftrag des Studentenbundes auch auf den NS-Altherrenbund ausgedehnt und damit engste 
politische Zusammen- arbeit auf dem Gebiet der Hoch- und Fachschule ermoglicht. Der Reichs- 
schatzmeister nahm die Vermogensselbstverwaltung des Bundes in seinen Schutz und die Reichsor- 
ganisationsleitung hat die zur weiteren festen Verankerung in der Bewegung notwendigen Organisati- 
onsmaBnahmen verfiigt. 

Bei AbschluB der Semesterferien hat der Reichsstudentenfiihrer dem Fiihrer Meldung erstattet iiber 
den Kriegseinsatz der deutschen Studentenschaft. Demnach sind 26000 Studentinnen und Studenten 
fiir 10 Wochen im GroBeinsatz der Riistungsindustrie verpflichtet gewesen. Der Fiihrer hat den 
Reichsstudentenfiihrer gebeten, den Studenten und Studentinnen seinen Dank zu iibermitteln. 

Reichsarbeitsfiihrer H i e r 1 versammelte am 15. Oktober seine altesten Mitarbeiter aus dem ganzen 
Reich zu einem Erinnerung stag an den 15. Oktober 1951, an dem mit der Schaffung des „Vereins zur 
Umschulung freiwilliger Arbeitskrafte" der Grundstein zu dem heutigen gewaltigen Instrument des 
Reichsarbeitsdienstes gelegt wurde. Bei dieser Gelegenheit konnte Reichsarbeitsfiihrer Hierl den 



IliiiisirlilLiiiii ie^iinitf 13 

99 dienstaltesten 38 Arbeitsflihrern, darunter zwei Generaloberarbeitsfiihrern und vier Generalarbeitsfuh- 
rern, als Zeichen der Anerkennung und des Dankes im Auftrag des Fuhrers ein Bild des Fuhrers mit 
dessen eigenhandiger Unterschrift iiberreichen. Der Reichsminister des Innern Dr. F r i c k empfing 
diesen Kreis der Arbeitsflihrer am gleichen Tage. Er dankte ihnen fur ihren unermudlichen und bei- 
spielhaften Einsatz. 

Der 13. Oktober war ein Ehrentag unserer Verwundeten. Reichsminister Dr. Goebbels empfing an 
diesem Tage eine groBere Anzahl von ihnen und lud sie anschlieBend zu einem Mittagessen in die 
blaue Schinkelgalerie seines Ministeriums ein. Der Minister widmete sich den ganzen Tag seinen Ga- 
sten und sprach am Nachmittag bei der 300. Veranstaltung der Berliner Kunstlerfahrt im Kuppelsaal 
des Reichssportfeldes zu den Verwundeten. 2000 Verwundete hatten sich hier eingefunden, um ein 
erlesenes kunsflerisches und kabarettistisches Programm zu sehen. Mit Worten tiefsten Dankes hatte 
der Minister zu Beginn der Veranstaltung des Heldentums und der ubermenschlichen Leistungen unse- 
rer gegen den Bolschewismus kampfenden Soldaten gedacht. Diesen tapferen Mannern gehore die 
ganze Liebe der Heimat, die sich erst recht offenbare, wenn es darum gehe, die Verwundeten zu um- 
sorgen und zu betreuen. Der nationalsozialistische Staat betrachte es als seine Ehrenpflicht, fur die 
Zukunft der Verwundeten in der groBziigigsten Weise zu sorgen. Im Gegensatz zu den hohlen Phra- 
sen, mit denen vielfach in der Zeit der Republik die Verwundeten vertrostet worden seien, indem man 
ihnen versicherte, „der Dank des Vaterlandes ist euch gewiB", werde sich die heutige Fuhrung des 
Staates in praktischer Flirsorge fur unsere Verwundeten betatigen. Verwundete, denen eine Fortfuh- 
rung ihres bisherigen Berufes nicht moglich sei, wlirden in besonderen Lehrgangen und Instituten auf 
einen neuen Beruf vorbereitet werden. Die wenigen jedoch, die keinerlei Beruf mehr ausiiben konnten, 
wlirden als Ehrenpensionare der Nation fiir dauernd in die Obhut des Staates genommen. An der Ver- 
anstaltung nahmen neben Reichssportfuhrer von Tschammer und Osten Generaloberstabsarzt Kafer, 
Generalleutnant Reinecke, der Koniglich Italienische Botschafter Alfieri sowie der Koniglich Bulgari- 
sche Gesandte Draganoff teil. 

Der Reichsminister der Luftfahrt und Oberbefehlshaber der Luftwaffe hat anfangs des Monats Ver- 
anlassung genommen, einen ErlaB herauszugeben, der die Pflicht zur Hilfeleistung bei Luftangriffen 
genau umschreibt. Demnach konnen bei Gefahr im Verzuge die ordentlichen Polizeibehorden und die 
polizeilich herangezogenen Werkluftschutzleiter, Betriebsluftschutzleiter und Luftschutzwarte alle in 
ihrem Zustandigkeitsbereich Anwesenden zur voriibergehenden Hilfeleistung heranziehen. Wer sich 

100 fahrlassig oder boswillig aus der Schutzgemeinschaft ausschlieBt, kann empfindlich bestraft werden. 

Am 17. Oktober wurde in Prag in feierlicher Weise ein Staatsakt vollzogen, der weit iiber die Gren- 
zen des Protektorats hinaus als ein Markstein in der Entwicklung des deutschen Kulturlebens von blei- 
bender Bedeutung sein wird. Das einst als deutsche Kulturstatte geschaffene, durch das ehemalige 
tschechische Regime enteignete Rudolphinum, das bis zum Jahre 1938 als Parlamentsgebaude ver- 
wendet wurde, ist seiner ursprunglichen Zweckbestimmung zuriickgegeben worden. In Gegenwart 
zahlreicher Ehrengaste gab der stellvertretende Reichsprotektor, SS-Obergruppenfuhrer Heydrich, 
dieses Haus seiner ursprunglichen Bestimmung zuriick: der Durchfiihrung deutscher Konzertveranstal- 
tungen. Nachdem der erkrankte Reichsprotektor Freiherr von Neurath am 11. April 1940 eine bauliche 
Erneuerung dieses Hauses angeordnet hat, entspricht das Rudolphinum nunmehr in geradezu idealer 
Weise den an dieses Haus gestellten Anforderungen. Bei dem festlichen Staatsakt schilderte SS- 
Obergruppenfuhrer Heydrich den Werdegang und die Geschichte des Rudolphinums, um es schlieB- 
lich dem Fiihrer Adolf Hitler als dem groBten Kunsfler und Gestalter unserer Gegenwart zu weihen. 

Zum AbschluB des diesjahrigen studentischen Facheinsatzes Ost fand in der Reichsuniversitat Po- 
sen am 6. Oktober ein Empfang start, bei dem ein Bild von der Bedeutung des studentischen Sied- 
lungs- und Facheinsatzes gegeben wurde. Der Leiter des Presseamtes der Reichsstudentenfuhrung, Dr. 
Wolff, wies bei dieser Veranstaltung darauf hin, daB das junge Akademikertum in der gesamten 
Beruf sausbildung systematisch nach dem Osten ausgerichtet werden miisse. Seit Beginn des Sied- 
lungseinsatzes seien rund 4000 Studierende nach dem Osten gekommen. Seit 1936 seien es bisher 60 
000 Studierende gewesen, die in der praktischen Ostarbeit tatig waren. Als letzte groBe Aufgabe des 
studentischen Facheinsatzes Ost habe sich der Leistungskampf im Interesse der stadtebaulichen Neu- 
gestaltung des Ostens herausgebildet. Eine kleine Ausstellung gab ein eindrucksvolles Bild von den 
bisher geleisteten wertvollen Arbeiten im Interesse des kunftigen Wiederaufbaus. 

Am 28. Oktober wurde im Rahmen des warthelandischen Freiheitstages in Posen der Clausewitz- 
Preis durch Gauleiter und Reichsstatthalter Arthur Greiser verliehen. Die in diesem Preis ausgeworfe- 
nen Geldmittel sollen den Tragern gestatten, im Warthegau Grund und Boden zu erwerben, um so ihr 



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Leben und das ihrer Familien fest mit diesem heiBumstrittenen Ostgau zu verbinden. Er ist in diesem 
Jahre auf 20000 Mark festgesetzt worden und gelangt in die Hande solcher Manner, die durch ihren 
personlichen 

101 Einsatz und durch ihr Wirken entscheidend zur Forderung und Starkung des Wehrwillens und der 
Wehrkraft des deutschen Volkes beigetragen haben. Der diesjahrige Preis wird geteilt, ihn erhalten zu 
gleichen Teilen Sturmmann Fritz Christen, ein verdienter Ritterkreuztrager aus Pommern, und der 
Schrifts teller und Dichter Ehrhard Witteck, der in dem warthelandischen Stadtchen Wrongrowitz ge- 
boren ist. Die bekanntesten seiner Werke sind sein Kriegsbuch „Durchbruch anno 18" und sein Buch 
„Manner", das mit einem starken Bekenntnis des Dichters zu dem Land an der Warthe ausklingt. 

Am 26. Oktober vollendete das Generalgouvernement das 2. Jahr seines Bestehens. In den vergan- 
genen Monaten hat es als Aufmarschgebiet des zum Kampf gegen den Weltfeind Bolschewismus an- 
tretenden deutschen Heeres eine Aufgabe von wahrhaft geschichtlicher Bedeutung erfullt. War das 
erste Jahr des Generalgouvernements dem Ausbau des deutschen Fuhrungsapparates und den Haupter- 
fordernissen des schnell vorwartsgetriebenen Aufbaus gewidmet, so stellt das Jahr 1941 die wichtige 
Epoche der Konsolidierung und der Bewahrung des Geschaffenen dar. Die gewaltige Summe der Ar- 
beit, die die Deutschen im Generalgouvernement mitten im Kriege im Aurbau des durch den Krieg 
zerstorten Gebietes geleistet haben, erhielt ihre schonste Anerkennung dadurch, daB das erste durch 
die deutsche Wehrmacht von den Bolschewisten befreite Gebiet im Osten, der Distrikt G a 1 i z i e n 
dem Generalgouvernement eingegliedert wurde. Damit umfaBt das Generalgouvernement auf 150 000 
qkm eine Bevolkerung von etwa 17 Millionen Menschen. Am Sonntag, dem 26. Oktober, stand Kra- 
kau im Zeichen nationalsozialistischer Flaggen. An den Feiern nahmen Reichsminister Dr. SeyB- 
Inquart und Staatssekretar Gutterer vom Propagandaministerium, der bei der Eroffnung der Ausstel- 
lung „Kampf im Osten" die Festrede hielt, teil. Es gelte, so flihrte er aus, in den deutschen Schicksals- 
raum im Osten nicht die Schlechten, sondern die Besten zu schicken. Die Starke der Grenzraume si- 
chere die Kraftzentren des Kerns, und es sei nicht nur eine geistige, sondern in vielen Fallen auch eine 
organisatorische Frage, den Ostraum geistig und kulturell so stark zu machen, daB er ein fur allemal 
gegen jedes Abgleiten und Zerflattern geschutzt und gesichert wird. Es blieb dem groBten Sohn der 
deutschen Ostmark, Adolf Hitler, vorbehalten, den deutschen Ostkampf und den deutschen Kolonisa- 
tionsgedanken zum tragenden Reichsgedanken schlechthin und damit zum deutschen Schicksal zu 
machen. Den Hohepunkt der 2-Jahres-Feier des Generalgouvernements bildete ein Staatsakt auf der 
Burg. Dabei stellte Generalgouverneur Dr. Frank fest, daB man heute auf alien Gebieten einen Auf- 
stieg feststellen konne, der zu den groBartigsten Hoffnungen berechtige. Das Generalgouvernement sei 
nunmehr nach der 

102 Unterstellung unter die deutsche Fuhrung dazu berufen, alle fruheren Vorurteile tiber Ostarbeit und 
Osteinsatz zu beseitigen. Mit der Einbeziehung des Distrikts Galizien habe das Generalgouvernement 
am 1. August eine Verkehrs- und ernahrungsmaBig sowie der Wirtschaftsstruktur nach auBerordentlich 
zukunftsreiche Erweiterung erfahren. Das Generalgouvernement hat in diesen beiden Jahren, das ging 
aus alien Riickblicken hervor, vorbildliche Arbeit geleistet. Es ist zugleich eine harte Schule fur alle 
diejenigen gewesen, die ihre Osterfahrung nun in weiteren ostlichen Gebieten einsetzen konnen. 

Am 13. Oktober hat die 29. deutsche Ostmesse in Konigsberg ihre Pforten geoffnet. Seit je hat sich 
die Konigsberger Messe die Aufgabe gestellt, der deutschen Wirtschaft den europaischen Osten zu 
erschlieBen und die so lange vom Reich geographisch getrennte Provinz an die Wirtschaft des Reiches 
zu binden. Aus der diesjahrigen Messe, die ein eindrucksvolles Bild auch der ostpreuBischen Wirt- 
schaft vermittelte, konnte man die strukturelle Wandlung der Wirtschaft dieser Provinz erkennen, die 
sich immer mehr von der reinen Landwirtschaft zu einer gesunden Mischung von agrarischem und 
industriellem Charakter wandelt. Ein besonderer Teil der Ausstellung gab an Hand von realistischen 
Darstellungen und Modellen einen Einblick in die sowjetische Landwirtschaft. Sie zeigte, wie der 
ungeheure und unfruchtbar arbeitende Apparat der Verwaltung und Organisation den Lebensstandard 
des Kolchosbauern herabgedrtickt hat und wie wenig bei diesem System aus dem Boden herausgeholt 
wurde, obwohl in den kollektivierten Betrieben der Theorie nach alle modernen Hilfsmittel zur Verfii- 
gung standen. Vergleichszahlen mogen dies belegen. Der Ernteertrag je Hektar bei Weizen stellte sich 
im Durchschnitt der letzten Jahre in SowjetruBland auf 7,3 dz, in Deutschland auf 21,2 dz, bei Roggen 
wird der Ernteertrag in Deutschland mit 17,2 dz, in SowjetruBland mit 8,7 dz angegeben. Diese Zahlen 
mogen ahnen lassen, welche Moglichkeiten im Ostraum fur die Ernahrung Europas liegen. Bei der 
Eroffnungsfeier der Messe sprach der Reichswirtschaftsminister, Reichsbankprasident Walther Funk. 
Er entwickelte groBziigige Gedanken fur eine politische und wirtschaftliche Neugestaltung des osteu- 



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ropaischen Raumes. Durch die Gewinnung eines unermeBlichen Hinterlandes eroffne sich fur die ost- 
deutsche Wirtschaft, nicht zuletzt fur die OstpreuBens und Konigsbergs, eine groBe Zukunft. Als vor- 
dringlichste Aufgabe betrachtete es der Minister, die im wesentlichen agrarische Produktion der balti- 
schen Lander der Ernahrungswirtschaft des Reiches dienstbar und nach der Beseitigung der katastro- 
phalen wirtschaftlichen Desorganisation der ehemals russischen Gebiete auch diese der Ernahrung 
Europas nutzbar zu machen. Auch die Werte und 

103 Krafte des weiten rohstoffreichen Gebietes gelte es fur unser Kriegspotential auszunutzen. Aus all 
dem ergibt sich, daB der europaische Kontinent nach dem Siege der deutschen Waffen eine weitge- 
hende, in sich geschlossene Erganzung finden kann. Als Ziele stellte Reichsminister Funk heraus: Wir 
wollen einmal das System des plutokratischen Imperialismus zerbrechen und den internationalen Han- 
del zu einem sauberen Instrument gegenseitiger Wirtschaftsforderung neugestalten. Wir wollen wei- 
terhin, daB der Schwerpunkt des Europahandels, vor allem in den Ernahrungsgrundstoffen und den 
lebenswichtigen Rohstoffen im europaischen Machtbereich bleibt. Denn kunftige Kriege werden am 
sichersten dadurch unterbunden, daB wirtschaftliche KampfmaBnahmen keine Aussicht auf Erfolg 
mehr bieten. 

Der Staatssekretar im Reichsfinanzministerium, Fritz Reinhardt, hat am Vorabend des Nationa- 
len Spartages im Rundfunk eine Rede gehalten, in der er auf eine gegen Ende des Monats erscheinen- 
de Verordnung des Ministerrats fur die Reichsverteidigung hinwies, die ein steuerfreies „Eisernes 
Sparen" ermogliche. Es sei Pflicht, so sagte er, fur jeden Volksgenossen, seinen privaten Bedarf an 
Gtitern und Leistungen auf das unbedingt Erforderliche einzuschranken, der Verzicht der Heimat sei 
aber die Voraussetzung fur eine fortgesetzte Steigerung der Schlagkraft unserer Wehrmacht an der 
Front. Jeder mtisse daher bestrebt sein, den groBtmoglichen Teil seines Einkommens fur die Zeit nach 
Beendigung des Krieges zuriickzulegen. Es sei ein Gebot der Stunde, zumindest einen Teil der verein- 
nahmten Gelder zur Sparkasse oder zur Bank zu bringen. Dieses Sparen solle nunmehr belohnt werden 
durch einen sptirbaren SteuernachlaB. Voraussetzung fur diese Belohnung aber ist, daB der Lohn- und 
Gehaltsempfanger fur die Dauer des Krieges darauf verzichtet, das Sparguthaben zu kiindigen. Spar- 
konten solcher Art sind eiserne Sparkonten. Durch diese MaBnahme erwartet der Staat eine Einspa- 
rung von etwa 4 bis 5 Milliarden Reichsmark. Zum Vergleich sei bemerkt, daB sich die Sparkassenein- 
lagen bei Kriegsanfang auf etwa 19 bis 20 Milliarden stellten, sie betragen jetzt etwa 35 Milliarden 
Reichsmark, so daB der hier sichtbare Sparbetrag bisher jahrlich rund 7 Milliarden betragt. Um diese 
Summen ist die Kaufkraft gebunden worden und soil in Zukunft durch die neue MaBnahme noch star- 
ker festgelegt werden. Die Wirkung des eisernen Sparens liegt also auf warenmarktpofitischem und 
preispolitischem Gebiet. Die Verordnung sieht die Anlage von Sparkonten vor, die nach Beendigung 
des Krieges mit 12monatiger Frist gekiindigt werden konnen. Der Staatssekretar unterstrich ausdriick- 
lich die Sicherheit dieser Sparguthaben, sie wtirden dem Sparer niemals irgendwelchen Nachteil, son- 
dern nur Nutzen bringen. 

Am 15. Oktober wurde die neue, die dritte Reichskleiderkarte verteilt. Sie enthalt 120 Punkte, ihre 

104 Geltungsdauer lauft bis zum Dezember 1942. Die Kurzung ist das Ergebnis einer sehr sorgfaltigen 
Bilanz der gesamten zivilen Versorgung, die selbstverstandlich den ungeheuren Anspruchen der 
Wehrmacht gegenuber zuriickzustehen hat. Einmal ist die Rohstoffdecke in mancher Hinsicht knapper 
geworden, vor allem in Baumwolle und Wolle. Und zweitens sind die Fabriken so haufig „durchge- 
kammt" worden, daB fur die zivile Produktion nur noch eine beschrankte Zahl von Arbeitskraften zur 
Verfugung steht. 

In Franzensbad, dem beruhmten Moorbad im Sudetenland, wurde am 16. Oktober eine neue For- 
schungsstatte der deutschen Baderwissenschaft, das „Moorforschungsinstitut fur das deutsche Bader- 
wesen" feierlich eroffnet. Dieses neue Institut schlieBt eine Liicke in der groBangelegten wissenschaft- 
lichen Arbeit, die in den Jahren seit 1933 in Deutschland so planmaBig vorwartsgetrieben wurde, daB 
wir heute in der Balneologie unbestreitbar den ersten Platz in der Welt einnehmen. Die Eroffnungsfei- 
er fand statt in Gegenwart von Staatssekretar Esser und Gauleiter Henlein. — Gegen Ende des Monats 
eroffnete Staatssekretar Esser ein weiteres Institut, das „Institut fur Kochwissenschaft" in Frankfurt am 
Main. In seiner Rede wies Staatssekretar Esser auf die Wichtigkeit einer ausreichenden und richtigen 
Verpflegung im Kriege hin. Sie sei fur die Heimat wie fur den Frontsoldaten gleich wichtig. Die Be- 
deutung einer hochwertigen Ernahrung fiir den Soldaten erklart auch das Interesse und die Anteilnah- 
me des Oberkommandos der Wehrmacht an dieser neuen Forschungsstatte. 

Eine Anregung, die fur die kunftige Volksgesundheit nicht unwichtig sein mag, gab Reichsgesund- 
heitsfuhrer Dr. C o n t i, auf den Erfahrungen fuBend, die deutsche Soldaten in Finnland gemacht ha- 



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ben. Der Reichsgesundheitsflihrer ordnete an, daB sich die Arzte mit dem Saunabad eingehender be- 
fassen und Erfahrungen sammeln sollen, um das Saunabad auch in Deutschland allgemein zur Ge- 
sunderhaltung und schnelleren Wiederherstellung nach bestimmten Krankheiten heranzuziehen. Er 
regte weiterhin an, auch bei der klimatischen Forschung und Heilung die Sauna in Forschungsstatten 
aller Art einzurichten, in Heilbadern, Kurorten und Erholungsstatten. Sie sei auch ein unentbehrliches 
Mittel der Korperpflege in alien Schulungsstatten und Lagern und solle bei der Auslibung des Sports 
und in der militarischen und vormilitarischen Ertiichtigung eingeftihrt werden. 

Am Anfang des Monats veroffentlichte die deutsche Presse eine Verordnung des Fuhrers vom 28. 
September, in der ein „Kriegsorden des Deutschen Kreuzes" gestiftet wurde. Der Orden wird in Silber 
verliehen fur vielfache auBergewohnliche Verdienste in der militarischen Kriegsftihrung. Das Deut- 
sche 

105 Kreuz in Gold wird verliehen fur vielfach bewiesene auBergewohnliche Tapferkeit oder fur vielfache 
hervorragende Verdienste in der Truppenfuhrung. Voraussetzung fur die Verleihung des Deutschen 
Kreuzes in Silber und Gold ist der Besitz des Eisernen Kreuzes Erster Klasse von 1939 oder die Span- 
ge zum Eisernen Kreuz I. Klasse des Weltkrieges oder des Kriegsverdienstkreuzes I. Klasse mit 
Schwertern. 

Am Sonnabend, dem 25. Oktober, wurde in Weimar in Anwesenheit von Reichsminister Dr. Goeb- 
bels dieKriegsbuchwoche eroffnet. Der Minister gab einen Rechenschaftsbericht tiber die 
Leistungen und Erfolge des deutschen Schrifttums im zweiten Kriegsjahr und umriB in umfassender 
Darstellung die Bedeutung des deutschen Buches als Spiegel unserer Zeit und als Bindeglied der Hei- 
mat zur kampfenden Front. Dr. Goebbels zeigte in einer Reihe imponierender Zahlen den Erfolg unse- 
rer Buchpflege, die der Krieg zu noch groBeren Leistungen angespornt habe. 250 Millionen Bticher 
und Schriften seien im abgelaufenen Berichtsjahr im Reich herausgebracht worden. An erster Stelle 
steht auch in dieser Zeit das schongeistige Schrifttum mit einer Gesamterzeugung von 72 Millionen 
Buchern, worunter wiederum 39 Millionen Bticher Neuerscheinungen seien. An zweiter Stelle stehe 
die politische und dokumentarische Literatur unserer Zeit mit einer Gesamtauflage von tiber 56 Mil- 
lionen. Daneben sei im deutschen Volke starkes Interesse am Schrifttum der uns befreundeten Natio- 
nen lebendig; allein 641 auslandische Werke seien im Berichtsjahr ins deutsche ubertragen worden. 
Der Minister unterstrich die Notwendigkeit, auch im kommenden Winter den deutschen Soldaten mit 
Millionen von Buchern zu versehen. Diesem Zwecke dienten auch "Aufrufe der Oberbefehlshaber der 
drei Wehrmachtteile, Aufrufe des Reichsministers Dr. Goebbels und des Reichsleiters Rosenberg an 
die deutsche Offentlichkeit. Ein weiteres Ergebnis des deutschen Dichtertages in Weimar ist die Griin- 
dung eines europaischen Schriftstellerverbandes unter Vorsitz von Hans Carossa. 

Am 13. Oktober eroffnete Reichsminister Dr. Goebbels in einer Feierstunde im Ufapalast am Zoo zu 
Berlin die diesjahrigen Filmfeierstunden der deutschen Jugend. Der Minister wies in seiner Rede dar- 
auf hin, daB die groBten Filmkunstwerke der vergangenen zwei Jahre Ergebnisse von Auftragsertei- 
lungen der staatlichen Fuhrungsinstanzen gewesen seien. Der Minister erwahnte in diesem Zusam- 
menhang die Filme „Ohm Kriiger", „Bismarck", „Jud SuB", „Wunschkonzert", „Annelie", „Ich klage 
an" und „Heimkehr". Wir wollen mit diesen Filmen, so sagte Dr. Goebbels, keine Propaganda treiben, 
wir wollen mit ihnen Kunst schaffen, und zwar Kunst, die ihrem hochsten Sinne nach volkserziehe- 
risch wirkt. 

Am 4. Oktober feierte der Oberbefehlshaber des Heeres Generalfeldmarschall v. Brauchitsch seinen 
60. 

106 Geburtstag. Der Fiihrer und Oberste Befehlshaber uberbrachte dem Generalfeldmarschall v. 
Brauchitsch personlich seine Gluckwunsche. Der Oberbefehlshaber des Heeres konnte an diesem Tage 
auch von alien fuhrenden Mannern des nationalsozialistischen Deutschland aufrichtige und herzliche 
Gluckwunsche entgegennehmen. Aus den Reihen der kampfenden Truppe empfing er vielfache Be- 
weise des Treuegelobnisses seiner Soldaten. 

Im Laufe der letzten Monate erhielt eine Anzahl von Offizieren der deutschen Wehrmacht und auch 
ein Oberfeldwebel das Eichenlaub zum Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes. Der Fiihrer uberreichte ih- 
nen die Auszeichnung personlich und begluckwunschte jeden von ihnen herzlich dazu. Im einzelnen 
erhielten das Eichenlaub zum Ritterkreuz: Major L u t z o w und Oberleutnant P r i 1 1 e r am 20. Juli 
1941; Major Freiherr von Maltzahn am 24. Juli 1941; Rittmeister N i e m a c k am 10. August 1941; 
Hauptmann Hahn und Leutnant B a er am 14. August 1941 ; Oberleutnant Philipp am 25. August 1941 ; 
Generalleutnant C r u w e 1 1 am 1. September 1941 ; Oberleutnant Nordmann am 17. September 1941 ; 



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Oberfeldwebel Hoffmann am 19. Oktober 1941; Oberst Freiherr von Liitzow am 22. Oktober 
1941; Hauptmann Goll o b am 25. Oktober 1941 und Oberleutnant Graf von Kageneck am 27. 
Oktober 1941 (siehe auch die Bildbeilage). 





Aiiiljiriiijiiiiiillifiilk 



107 Deutschlands Politik und Kriegfuhrung im Monat Oktober, dem sechsundzwangzigsten des Krieges 
und dem zweiten des dritten Kriegsjahres, haben sich, uneingeschrankt durch die beginnende schlechte 
Jahreszeit, auf der gleichen Hohe des Erfolges gehalten, wie in den vorhergehenden Monaten des 
Sommers und des Herbstes. 

Der Ftihrer hat zu den Ereignissen zweimal im Monat Oktober selbst das Wort ergriffen, am 3. bei 
Eroffnung des dritten Winterhilfswerkes (siehe Seite 77) und mit seinem Aufruf an die Wehrmacht 
vom 2. Oktober (siehe Seite 74). 

Bei Eroffnung des Winterhilfswerkes 1941/42 hat der Ftihrer och einmal die Hintergriinde und das 
Wesen des Kampfes gegen die Sowjetunion aufgezeigt. Er unterstrich die Verantwortung Englands 
und besonders Churchills am Ausbruch des Krieges, erinnerte an seine eigenen Verstandigungsbemu- 
hungen, auch mit Moskau, und an die vier Forderungen Molotows, als dieser auf Einladung des Fiih- 
rers im November 1940 in Berlin war, jene vier Forderungen, die darauf hinausliefen, Finnland, Ru- 
manien, Bulgarien und die Dardanellen, und damit die Tore zu Nord- und Sudeuropa, dem Bolsche- 
wismus auszuliefern. Die Bedeutung des sowjetischen Faktors im Kampf gegen England kennzeichne- 
te der Ftihrer mit den Worten: „Es ergab sich bereits im August und September des vergangenen Jah- 
res eine Erkenntnis: Eine Auseinandersetzung im Westen ist England, die vor allem die ganze deut- 
sche Luftwaffe gebunden hatte, war nicht mehr moglich, denn in meinem Riicken stand ein Staat, der 
sich bereits fertigmachte, in einem solchen Augenblick gegen uns vorzugehen." 

Der Bolschewismus war also der stille Bundesgenosse Englands, lange bevor die kriegerische Aus- 
einandersetzung mit hm von Deutschland begonnen wurde. 

Der Ftihrer unterstrich dann den planmaBigen Verlauf der Operationen im Osten, um fortzufahren: 
„Wir haben uns allerdings iiber etwas getauscht: Wir hatten keine Ahnung davon, wie gigantisch die 
Vorbereitungen dieses Gegners gegen Deutschland und Europa waren und wie ungeheuer groB die 
Gefahr war, wie haarscharf wir diesmal vorbeigekommen sind an der Vernichtung nicht nur Deutsch- 
lands, 

108 sondern Europas. DaB dann ich heute hier aussprechen. Ich spreche das erst heute aus, weil ich es 
heute aussprechen darf, daB dieser Gegner bereits gebrochen ist und nie sich mehr erheben wird. Hier 
hat ich gegen Europa eine Macht zusammengeballt, von der leider die meisten keine Ahnung hatten 
und viele heute noch keine Ahnung besitzen. Es ware dies ein Sturm eines Dschingis Kans geworden." 

Dem gesamteuropaischen Charakter der Gefahr entspricht er europaische Charakter des Feldzuges 
im Osten, den der Ftihrer mit den Worten unterstrich: „Und in diesen Raumen kampfen nun unsere 
deutschen Soldaten. Und in ihren Reihen und mit ihnen gemeinsam die Finnen, die Italiener, die Un- 
garn, die Rumanen, Slowaken. Die Kroaten sind im Anmarsch, die panier, sie riicken jetzt in die 
Schlacht. Belgier, Hollander, Danen, Norweger, ja selbst Franzosen sind eingeriickt in diese groBe 
Front." 

Die wirtschaftliche Bedeutung des siegreichen Krieges im Osten hat der Ftihrer in seinem Geleit- 
wort zur Eroffnung der neunundzwanzigsten deutschen Ostmesse in Konigsberg wie folgt unterstri- 
chen: „Die durch den aufopfernden Einsatz der deutschen Soldaten im Osten geschaffenen neuen Ver- 
haltnisse eroffnen der neunundzwanzigsten deutschen Ostmesse neue Wege fur die wirtschaftliche 
ErschlieBung weitester Gebiete." 



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Die gewaltigen militarischen Erfolge, die bereits Anfang Oktober im Osten erzielt waren, und die 
ungeheure Leistung inter der Front in der Organisation des riesigen Raumes, charakterisierte der Fiih- 
rer mit eindrucksvollen Zahlen: Zweieinhalb Millionen Kriegsgefangene, zweiundzwanzigtausend 
Geschiitze, achtzehntausend Panzerwagen, vierzehntausendfunfhundert Flugzeuge in deutscher Hand, 
fiinfundzwanzigtausend Kilometer russischer Eisenbahn wieder in Betrieb, davon funfzehntausend auf 
deutsche Spurweite umgenagelt, dazu der Beginn des Aufbaus einer neuen Verwaltung. 

Der Fiihrer verwies schlieBlich auf eine Tatsache, die ebenso en europaischen Sinn dieses Kampfes 
wie seine soziale und kulturelle Tragweite beleuchtet, darauf namlich, daB die Sowjetunion eine einzi- 
ge Waffenfabrik auf Kosten des Lebens standards der in ihr lebenden Volker darstellt. Die ungeheuren 
Massen von Rtistungsmaterial, die im Osten gegen Deutschland und ganz Europa angehauft worden 
sind, konnten nur produziert werden, weil eine Bevolkerungsmasse von 180 Millionen Menschen zur 
Fronarbeit fur die Rtistung eingesetzt und die Herstellung von Verbrauchsgiitern auf ein Minimum 
eingeschrankt wurde. Niedrigster Lebensstandard, um eine riesige und unwiderstehliche Rustung auf- 
zubauen, das war die soziale Realitat in der Sowjetunion. Sie war nur die Folge des Programms der 
Weltrevolution: Nicht das Gliick der im Sowjetstaat lebenden Menschen, sondern ihre Organisation, 
Ausntitzung und ihr Einsatz 
109 zur Bekampfung und Vernichtung jeder anders gearteten sozialen Ordnung in Europa, war der Sinn 
der Politik der Sowjetmacht. 

Die sich geschichtlich aus dem antiken Casarentum herleitende universal-monarchische Tendenz 
des Zarentums und die Ideologic der kommunistischen Weltrevolution, asiatischer rang ins Grenzenlo- 
se, auch hinsichtlich der Beherrschung von Mensch und Raum, und marxistischer Materialismus im 
Sinne er Mobilisierung der Massen und der Ausbeutung der wirtschaftlichen Hilfsquellen sind in der 
Politik Moskaus zu einer Gesamterscheinung zusammengeflossen, deren damonische, unmenschliche, 
gewalttatige, kulturzerstorende Physiognomie jeden Betrachter, der aus der europaischen Sphare 
kommt, mit Schrecken erfullen muB. Voile Dankbarkeit schulden wir alien, deren Tat und Opfer wir 
es verdanken, daB dieser neue Sturm eines Dschingis Khan, wie der Ftihrer es so treffend ausgedrtickt 
hat, nicht iiber Europa hereinbrechen konnte. 

Der SchluB der Fuhrerrede hat die soziale Problematik des Kampfes im Osten noch einmal klarge- 
macht: Das Erlebnis des „Sowjetparadieses" durch Millionen deutscher Soldaten ist die endgtiltige 
Desavouierung der kommunistischen Phraseologie. Fur sich selbst aber stellte der Fiihrer fest: „Wenn 
dieser Krieg zu Ende sein wird, dann werde ich aus ihm zuriickkehren als ein noch viel fanatischerer 
Nationalsozialist als ich es friiher war. Ich komme aus diesem Krieg einst zuriick wieder mit meinem 
alten Parteiprogramm, dessen Erfiillung mir noch wichtiger ist und zu sein scheint als vielleicht am 
ersten Tag." 

Die sozialen Inhalte des Nationalsozialismus werden durch den Sieg im Osten ihre tatsachliche Uber- 
legenheit iiber den Kommunismus erweisen. Der Fiihrer aber bekennt sich am Beginn des dritten Win- 
terhilfswerkes, nachdem die deutsche Wehrmacht das „Paradies der Arbeiter und Bauern" personlich 
erlebt hat, iiberzeugter denn je zum nationalsozialistischen Programm, zur sozialen Tat. DaB fur das 
Ende des Krieges der Sieger den Aufbau eines Europas sozialer Gestaltung sieht und plant, gibt fur die 
europaischen Volker, besonders fur deren breite Massen, dem gewaltigen Ringen im Osten seinen 
wahren Sinn. 

Am 2. Oktober wandte sich der Fiihrer mit einem Aufruf an seine Soldaten und kiindigte eine neue 
Offensive an, die an diesem Tage begann und wiederum gewaltige Erfolge gebracht hat. 

Die Bilanz der kriegerischen Ereignisse, die Anfang Oktober gezogen werden konnte, enthielt fiir 
den September eine Versenkungsziffer von 683 400 Tonnen und fiir den Ostfeldzug fiir die Zeit vom 
22. Juni bis Ende September die Vernichtung von 260 Sowjet-Divisionen, darunter 226 Schiitzendivi- 
sionen und 40 Panzer-Divisionen. In einer Verlautbarung vom 2. Oktober hieB es hieriiber: 260 Divi- 
sionen mit dem dazu 
no gehorigen Kriegsgerat, das bedeutet nicht nur die Zerschlagung der zum Angriff gegen das 
Reich und Europa bereitgestellten Sowjetarmeen, sondern dariiber hinaus auch der hinter der 
Aufmarschfront angetretenen zweiten und dritten Welle. Die deutsche Wehrmacht hat die 
bolschewistische Gefahr fiir Europa endgultig gebannt. 

Diese ungeheuren Erfolge haben im Oktober ihre Fortsetzung erfahren. Am 14. Oktober konnte der 
deutsche Heeresbericht melden, daB die im Raume von Wjasma eingeschlossenen Krafte vernichtet 
und iiber 500 000 Gefangene gemacht, daB damit die Gefangenenzahl auf iiber 3 Millionen angestie- 
gen sei. Am 16. Oktober wurde die Einnahme von Odessa, am 21. Oktober die Besetzung der Insel 



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Dago und damit die vollige Befreiung des baltischen Raumes vom Feinde, am 24. Oktober die Ein- 
nahme von Charkow, des Zentrums des Donezbeckens, gemeldet. 

Alle Hoffnungen und Wlinsche unserer offenen und versteckten Gegner, die Weite des russischen 
Raumes und die GroBe der sowjetischen Rustungen an Menschen und Material konnten uns aufhalten 
und schlieBlich unsere Krafte verzehren, sind also auch im Monat Oktober wieder gescheitert. Das 
gleiche gilt fur die Bemuhungen Englands, eine zweite Front im Westen, wenigstens hinsichtlich des 
Luftkrieges zu bilden. Die immer wieder mit groBer Propaganda angekundigten englischen Luftoffen- 
siven im Westen sind klaglich zusammengebrochen, und die Hilferufe und -forderungen aus Moskau, 
eine Entlastungsfront auf dem Kontinent durch eine Landung englischer Streitkrafte zu schaffen, ha- 
ben aus England nur das Echo wiederholter Erklarungen, daB England dazu nicht imstande sei, gefun- 
den. 

Es liegt auf der Hand, daB dieses offene Eingestandnis englischer Unfahigkeit, dem verbundeten 
Bolschewismus, dem die deutschen Waffen eine schwere Niederlage nach der anderen zufugen und 
der bereits die wertvollsten .Landwirtschafts- und Rustungsgebiete verloren hat, auf alle Volker Euro- 
pas einen tiefen Eindruck machen muB, besonders aber auf die Bewohner jener Lander, die von der 
englischen Propaganda immer wieder als diejenigen bezeichnet werden, von denen die „Befreiung" 
Europas ausgehen soil, in erster Linie also in Frankreich. Wenn die Franzosen erleben, wie die Ver- 
nichtung des Bolschewismus, ungehindert durch England, fortschreitet, wenn sie horen, daB London 
selbst sich auBerstande erklart, etwas fur die Sowjets zu tun, daB es nicht daran denken kann, im We- 
sten , einen Landungsversuch zu unternehmen, wahrend es die Bevolkerung der besetzten Gebiete, die 
waffenlos ist, zum Aufstand auffordert, und Attentate gegen die Besatzungsmacht anzettelt, mtissen 
die Franzosen ganz 

111 von selbst zu der Uberzeugung kommen, daB England sie fur selbstsuchtige Zwecke in ein hoffnungs- 
loses Abenteuer treiben will. Die Verbreitung dieser Erkenntnis bedeutet aber fur die englische und 
die Gaullistische Propaganda eine entscheidende Niederlage. 

Deutschlands AuBenpolitik hat im Monat Oktober auf den bisherigen Linien mit Erfolg weiterope- 
riert. Der grundlegende Tatbestand im Verhaltnis zwischen Deutschland und seinem Bundesgenossen 
in Europa ist der gemeinsame Krieg im Osten. Immer wieder unterstreicht der deutsche Wehrmachtbe- 
richt den Anteil der verbundeten Truppen, und der Fiihrer hat ihn in seiner Rede vom 3. Oktober be- 
sonders hervorgehoben. Der Besuch der fuhrenden slowakischen Staatsmanner im Fuhrerhauptquartier 
am 20. und 21. Oktober, der des italienischen AuBenministers, Grafen Ciano, am 25. Oktober, der 
herzliche Telegrammwechsel zwischen dem Ftihrer und dem Konig von Italien sowie dem Duce an- 
laBlich des Jahrestages des Marsches auf Rom, der Besuch des Reichswirtschaftsministers Funk in 
Rom waren weitere Anzeichen der dauernden und engen Verbindung zwischen der Fuhrung des Rei- 
ches und den leitenden Mannern unserer Bundesgenossen. Rumanien konnte durch die am 19. Oktober 
erklarte Eingliederung Odessas in das rumanische Verwaltungsgebiet jenseits des Dnjestrs als Haupt- 
stadt von Transnistriens dem militarischen Erfolg bereits den politischen hinzufugen. Die deutsche 
AuBen- und AuBenhandelspolitik hat mit dem am 9. Oktober abgeschlossenen deutschturkischen Han- 
delsvertrag einen sehr bedeutenden Erfolg erzielt. Die Verhandlungen, die mit diesem Vertrage 
schlieBlich erfolgreich beendigt wurden, haben sehr lange gedauert, und wurden immer wieder durch 
politische Einflusse gestort. Noch kurz vor dem AbschluB haben London und Moskau diese Stoning 
mit alien nur denkbaren Mitteln betrieben. Die deutsche und die turkische Regierung sahen sich des- 
halb am 8. Oktober zu folgender gemeinsamer Erklarung veranlaBt: „In den letzten Tagen haben Pres- 
se- und Radiomeldungen verschiedener fremder Quellen zu wiederholten Malen und in verschieden- 
sten Variationen versucht, den Eindruck zu erwecken, als ob das Deutsche Reich durch Forderung und 
Pressionen sowie Truppenaufmarsche in Bulgarien im Begriff stande, die Turkei anzugreifen. Die 
turkische und die deutsche Regierung, welche in keinem Augenblick diesen tendenziosen Geriichten 
auch nur die geringste Bedeutung beigemessen haben, sind trotzdem ubereingekommen, festzustellen, 
daB solche jeglicher Begriindung entbehrenden Veroffentlichungen in gar keiner Weisegeeignet sind, 
die Beziehungen der vertrauensvollen Freundschaft zu storen, welche die beiden Lander durch ihr 
Ubereinkommen vom 18. Juni betatigt haben." Das war eine deutliche Abfuhr fur die britisch- 
bolschewistischen Brunnenvergifter! 

Ihr folgte am 9. Oktober der AbschluB des Handelsvertrags auf dem FuBe. Er regelt den Handels- 
verkehr 

112 zwischen den beiden Landern bis zum 31. Marz 1943. Wie der Staatssekretar im turkischen AuBenmi- 

nisterium, Menemcioglu, in einer Unterredung mit der turkischen Zeitung Ulus am 15. Oktober fest- 



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stellte, fanden die Interessen beider Lander wert- und warenmaBig in gleicher Weise Beriicksichti- 
gung. Im Rahmen des Abkommens haben die Staatsauftrage den Vorrang vor privaten. In zwei Listen 
sind im einzelnen die Waren aufgefiihrt, die gegenseitig zur Lieferung kommen. Die erste Liste bezif- 
fert sich wertmaBig auf 110 Millionen RM. Sie sieht seitens des Reiches die Lieferung von Kriegsma- 
terial vor, wie von Eisen- und Stahlwaren, Maschinen, Transportmitteln, Lokomotiven, pharmazeuti- 
schen Produkten, Papier, Zellulose und Zuckerriibensamen. Die Tiirkei exportiert im Rahmen dieser 
ersten Liste Mineralien und Metalle, Olivenol, Erbsen, Kleie, Putzwolle und kondensierte Milch, 
Baumwolle, Olsamen, Opium, Haute, Hanf, Flachs, Rohseide, Bohnen, Linsen. Die zweite Liste um- 
faBt Waren im Gesamtwert von 82 Millionen RM und sieht fur die Tiirkei den Export von frischem 
Tabak, getrockneten Friichten, Niissen, Eiern, Wein, Kognak und anderen Waren vor. 

Die Tiirkei ist mit diesem Abkommen zu dem traditionellen Status der wirtschaftlichen Beziehun- 
gen mit Deutschland zuriickgekehrt, der dadurch gekennzeichnet ist, daB nach dem Handelsvertrag 
vom 19. Mai 1936 48% der tiirkischen Einfuhr aus Deutschland kam, wahrend 52% der tiirkischen 
Ausfuhr nach Deutschland ging. Es hat sich in der Folgezeit gezeigt, nachdem die Tiirkei die englische 
Garantie angenommen und sich zeitweilig wirtschaftlich wie politisch stark nach England orientiert 
hatte, daB England trotz aller Bemiihungen nicht in der Lage war, als Abnehmer und Kunde an die 
Stelle Deutschlands zu treten. Der deutsch-tiirkische Handelsvertrag bedeutet einen ebenso groBen 
Erfolg fur die deutsche Politik, wie er ein MiBerfolg fur die englische ist. Das natiirliche Schwerge- 
wicht des infolge des bisherigen Verlaufes des Krieges zusammengeschlossenen Wirtschaftsraumes 
macht sich auch iiber Europa hinaus auf dem Vorderen Orient geltend. Die Tiirkei ist durch den neuen 
Vertrag an diesen Wirtschaftsraum herangeriickt und hat sich fur die Zukunft ihren Platz an der Seite 
der neuen europaischen Wirtschaftsordnung gesichert. 

Um so mehr bemiiht sich England, im Mittleren Orient jeglichen EinfluB Deutschlands und der 
Achsenmachte mit alien, auch den fragwiirdigsten Mitteln auszuschalten. Nachdem durch die britisch- 
bolschewistische Vergewaltigung Irans eine Landverbindung mit der Sowjetunion hergestellt wurde, 
setzte ein verstarkter Druck auf Afghanistan ein, um auch von dort die diplomatischen Vertretungen 
der Achsenmachte zu entfernen und deren Staatsangehorige aus dem Lande zu vertreiben. Am 22. 
Oktober 
113 meldete „Stephani" aus Kabul, der Generaldirektor fiir auswartige Angelegenheiten im afghanischen 
AuBenministerium habe im Rundfunk eine Erklarung iiber die erzwungene Heimschaffung der deut- 
schen und italienischen Staatsangehorigen abgegeben, aus der sich ergab, daB diese Heimschaffung 
der Regierung Afghanistans aufgezwungen worden ist. Nach einer langeren Pressekampagne hatten 
schlieBlich am 17. und 19. Oktober der britische und der sowjetische Botschafter die Ausweisung und 
Heimschaffung der Deutschen und Italiener gefordert. Der afghanische Ministerrat habe sich dieser 
Forderung gebeugt. Die afghanische Regierung sei auBerst schmerzlich durch die Abreise der Deut- 
schen und Italiener beriihrt, sie habe aber zugestimmt, um jedes Motiv fiir Kontroversen zu beseitigen. 

Afghanistan hat also, durch das Schicksal des Iran eingeschiichtert, dem britisch-bolschewistischen 
Druck nachgegeben. Auch ein Beitrag fiir Englands angeblichen Kampf fiir die kleinen Volker! 

Deutschlands Verhaltnis zu den Vereinigten Staaten oder besser gesagt zu Roosevelt und seinem 
Kriegshetzerkreis ist nach wie vor gespannt und denkbar schlecht. Roosevelt tut auch weiterhin alles, 
was in seinen Kraften steht, um es zu verschlechtern, mit dem Endziel, die in der groBen Mehrheit 
widerstrebende USA-Bevolkerung in den Krieg gegen die Achsenmachte zu bringen. Die deutsche 
Reaktion gegen Roosevelts und seiner Leute wiiste Kriegshetze hat sich sichtlich verscharft. 

Mit England war im Monat Oktober ein Austausch von Schwerverwundeten vorgesehen, der leider 
im letzten Moment daran gescheitert ist, daB man in London auf die von Deutschland vorgeschlagene 
Austauschmethode nicht eingehen wollte. 

Gegen Ende des Monats wurde von London her, wie schon mehrfach wahrend dieses Krieges, Be- 
hauptungen iiber angebliche deutsche Friedensfiihler in die Welt gesetzt, bei denen der Name des 
Herzogs von Bedfort eine Rolle spielte. Diese Geriichte erfuhren von Berlin eine scharfe Zuriickwei- 
sung mit dem Hinweis darauf, daB der Krieg nicht durch Friedensgeriichte und bestellte Unterhausde- 
batten, sondern allein durch den Sieg der deutschen Waffen sein Ende finden werde. 

Hinsichtlich des Fernen Ostens hat die deutsche Politik durch die am 17. Oktober bekanntgegebene 
Ernennung des Botschafters Stahmer zum Botschafter in Nanking einen weiteren Schritt auf dem Weg 
der im Rahmen des Dreierpaktes orientierten Auffassung von der zukiinftigen Gestaltung des fernost- 
lichen Raumes getan, die mit der Anerkennung der Regierung von Nanking bereits ihren volkerrecht- 
lichen Ausdruck gefunden hatte. 



|liiiisirlill,iii<i tm^amirF 21 

Deutschlands Verhaltnis zu dem besiegten und zu Dreiflinfteln von deutschen Truppen besetzten 

114 Frankreich hat im Monat Oktober zeitweilig eine Belastung dadurch erfahren, daB in Nantes und in 
Bordeaux in kurzem Abstand je ein deutscher Offizier hinterhaltig niedergeschossen worden ist und 
die Attentater entkommen konnten. Die deutsche Antwort war die ErschieBung von je 50 Geiseln, die 
wegen irgendwelcher Verbrechen und wegen kommunistischer Umtriebe bereits lange verhaftet wa- 
ren. Die Vergeltung traf also Personen, die zweifellos zum Kreis der geistigen und materiellen Urhe- 
ber der Attentate gehorten. Die franzosische Polizei, die von der Regierung in Vichy zu auBerster Ak- 
tivitat angetrieben wurde, konnte bald darauf in Paris und in anderen Orten zahlreiche Verhaftungen 
vornehmen und dabei wichtige kommunistische Zentralen mit geheimen Druckereien und groBen 
Geldbestanden ausheben. Marschall Petain und Admiral Darlan wandten sich in ernsten Aufrufen an 
das franzosische Volk und warnten vor solchen im Auftrage des Auslandes vollbrachten verbrecheri- 
schen Attentaten gegen Mitglieder der Besatzungstruppen. 

Interessant war in diesem Zusammenhang die Haltung der englischen und de Gaullistischen Propa- 
ganda. Sie sprach zuerst davon, daB „franzosische Patrioten" sich gegen die Besatzungsmacht erhoben 
hatten und „daB die ErschieBung der Geiseln den Widerstand Frankreichs noch verstarken wurde". 
Man sprach auch davon, daB die „deutsch-franzosischen Beziehungen zu einem plotzlichen Stillstand 
verurteilt seien". In Wirklichkeit hat die gemeinsame Abwehr gegen so sinnlose und letzten Endes das 
franzosische Volk selbst am meisten schadigende verbrecherische Anschlage die deutschen Besat- 
zungsbehorden und die franzosische Regierung und deren Organe nur zu einer um so engeren Zu- 
sammenarbeit auf polizeilichem und auf anderem Gebiet gefuhrt, wahrend die ungeheure Mehrheit 
des franzosischen Volkes im besetzten und im unbesetzten Gebiet, besonders auch durch Vermittlung 
der Presse, ihren Abscheu tiber solche Taten zum Ausdruck brachte und alle Franzosen dazu auffor- 
derte, mitzuhelfen, um die Tater aufzuspuren und weitere Attentate zu verhindern. 

Die Attentate des Monats Oktober gegen Angehorige der deutschen Besatzungsarmee in Frankreich 
haben offensichtlich das Gegenteil von dem erreicht, was sie erreichen sollten, namlich eine tiefge- 
hende Storung des an sich guten Verhaltnisses zwischen der Besatzungsarmee und der franzosischen 
Bevolkerung und die besonders auf wirtschaftlichem Gebiet sich gtinstig entwickelnde Zusammenar- 
beit zwischen Deutschland und Frankreich. 

Es war sicher kein Zufall, daB die beiden Attentate gerade in die Zeit fielen, als am 22. und 24. Ok- 
tober sich der Tag von Montoire jahrte, an dem der Fiihrer dem damaligen franzosischen Ministerpra- 
sidenten Laval und dem Marschall Petain zur Zusammenarbeit die Hand bot. Die franzosische Presse 
hat diesen 

115 Jahrestag sehr stark unterstrichen und seine historische Bedeutung herausgestellt, freilich auch nicht 
unterlassen, darauf hinzuweisen, daB lange nicht alle Hoffnungen sich verwirklicht hatten, daB die 
Politik der Zusammenarbeit lange nicht die Friichte getragen habe, die man von ihr erwartete, und daB 
dafiir die Haltung von Vichy in erster Linie verantwortlich zu machen sei. 

Tatsachlich muB man ruckblickend feststellen, daB die franzosische Politik, die seit dem Versailler 
Diktat in beinahe ununterbrochener Folge die der verpaBten Gelegenheiten war, diesen Charakter auch 
nach Montoire grundsatzlich behalten hat. Sie hat die groBe Gelegenheit, die ihr der Ftihrer in Montoi- 
re geboten hat, nicht oder doch nur sehr unvollstandig ergriffen. Laval hatte die Bedeutung des Au- 
genblickes zweifellos verstanden und gedachte ihn fur sein Land zu niitzen, aber er wurde durch einen 
in seinen Hintergriinden auch heute noch nicht vollig aufgeklarten Gewaltstreich am 13. Dezember 
1940 aus der Macht geworfen, und in Vichy wurde an Stelle einer Politik des Zugreifens, der aktiven 
Beteiligung am politischen Geschehen eine solche des Abwartens und des Hinhaltens gemacht. Die 
franzosische Politik hatte die Chancen, sich aus der Rolle des besiegten Feindes in die des mitkamp- 
fenden und damit schlieBlich mitsiegenden Freundes zu begeben und damit sich einen moralischen 
Anspruch auf einen besonders bevorzugten Platz im neuen Europa zu erwerben, wahrend bisher das 
Konto Frankreichs mit der Verantwortung fur den Ausbruch des Krieges belastet ist, und der katastro- 
phale Zusammenbruch der franzosischen Machtstellung, das Versagen des franzosischen Volkes in der 
groBen Auseinandersetzung der Gegenwart jedenfalls nichts weniger als eine positive Bewertung ver- 
dient. 

In dieser Perspektive gesehen sind die wahren franzosischen Patrioten zweifellos nicht jene, die mit 
Bitterkeit im Herzen abwarten, ob nicht vielleicht doch die Angelsachsen das Kriegsgluck zu ihren 
Gunsten wenden oder doch vielleicht bei kunftigen Friedensverhandlungen ihren EinfluB fur Frank- 
reich in die Waagschale werfen konnten, sondern jene, die sich entschlossen und offen zum neuen 



;liiiisirlill,iii<i tm^amirF 22 

Europa bekennen und sich bemiihen, an der Seite der Achsenmachte an seiner Gestaltung mitzuwir- 
ken. 

Von den heute flihrenden Mannern Frankreichs haben offenbar nur die wenigsten die Lage ihres 
Landes und seine Aufgabe in diesem Sinne begriffen. Man bemliht sich in Vichy, das Notigste, das, 
was sich nicht vermeiden laBt, zu tun. Die Verantwortlichen fiir die Niederlage sollen nun endlich 
verurteilt werden. Der Beginn des Prozesses von Riom ist nunmehr endgultig auf den 15. Januar fest- 
gesetzt. Marschall P e t a i n hat am 16. Oktober vorlaufige StrafmaBnahmen gegen die Hauptverant- 
wortlichen 

116 bekanntgegeben und die Internierung Daladiers, Leon Blums und des Generals Gamelin in Pourtalet, 
einem Felsenfort in den Pyrenaen, und von Guy la Chambre und Jacomet in Bourassol verfugt, wah- 
rend Paul Reynaud und George Mandel, die als besonders schuldig betrachtet werden, ebenfalls vor- 
laufig interniert wurden. Die genannten Personlichkeiten werden in erster Linie fur die franzosische 
Niederlage verantwortlich gemacht. 

tjber die Anklagen, die gegen die einzelnen erhoben werden, wurde am 17. Oktober aus Vichy auf 
Grund des Berichts des von Petain zur Beurteilung der Verantwortlichkeiten gebildeten politischen 
Rates folgendes gemeldet: 

Bezuglich Daladier wird angefuhrt, daB Frankreich unter seiner Regierung ohne ausreichende Vor- 
bereitung und ohne Betragen des Obersten Kriegsrates in den Krieg eintrat. Es sei volliges Versagen 
bei nahezu alien fur die militarische Bereitschaft Frankreichs notwendigen MaBnahmen festgestellt. 
Ferner falle Daladier zur Last: schlechte Organisierung des Oberkommandos, schuldhafte Unterwer- 
fung unter politische Einfllisse, Lieferung zahlreicher Flugzeuge an die spanische Volksfront sowie 
zahlreiche andere VerstoBe, die im Zusammenhang mit den erwahnten Handlungen stehen. Infolge 
dieses Versagens habe sich Frankreich im Kriege moralisch und materiell entwaffnet und ohne uner- 
laBliche Mittel fiir die Durchfuhrung seiner Aufgaben gesehen. Daladier habe seine Amtspflichten 
verletzt. 

Dem Generalstabschef, General Gamelin, wird zur Last gelegt, daB er aus Mangel an Energie und 
Charakter eine Erhohung der Mangel in der Rustung und Kriegsvorbereitung zugelassen und im Laufe 
des Krieges durch seine katastrophalen Entscheidungen das Kommando desorganisiert habe. Leon 
Blum habe seine Pflichten miBachtet und es versaumt, der Rustungsindustrie den der Lage entspre- 
chenden Impuls zu geben. Durch seine Autoritat habe er die unheilvolle Tatigkeit seiner Minister Da- 
ladier und Pierre Cot gedeckt. Reformen der Arbeitsordnung habe er zu Instrumenten des Klassen- 
kampfes und die moralische Starke des Landes in gefahrlicher Weise geschwacht. Er habe Frankreich 
ins Verderben gestiirzt. Pierre Cot habe wahrend seiner zweimaligen Amtstatigkeit als Luftfahrtmini- 
ster trotz wiederholter Warnungen vernachlassigt, Frankreich die Luftwaffe zu geben, die die Lage 
verlangte. Er habe die Luftarmee desorganisiert, die Disziplinlosigkeit begunstigt und seinen parteipo- 
litischen Ideen die Interessen des Landes geopfert. Durch lugenhafte Versicherungen habe er das Par- 
lament und das Land zu tauschen versucht, obwohl Frankreichs Sicherheit in nicht wiedergutzuma- 
chender Weise kompromittiert war. 

Die Formulierung der Verantwortlichkeit, d. h. der Schuldfrage, ist bemerkenswert. In Versailles 
wurde 

117 Deutschland bekanntlich im Artikel 231 des Diktates und in anderen Dokumenten die alleinige 
Verantwortung fur den Ausbruch des Weltkrieges aufgeblirdet. Deutschlands angebliche Schuld am 
Kriege war der groBe Vorwurf, mit der man die Harte des Diktates begrunden wollte. Die deutschen 
Linksparteien haben diese Propagandathese der Gegner zu der ihrigen gemacht und sogar einen par- 
lamentarischen UntersuchungsausschuB des Deutschen Reichstags zum Beweis dieser These einge- 
setzt, um damit dem kaiserlichen Deutschland den ProzeB zu machen. Freilich haben die Verhandlun- 
gen dieses Ausschusses dann zu gegenteiligen Ergebnissen gefuhrt. 

Die Anklage, die das besiegte Frankreich gegen die von ihm als verantwortlich erklarten Manner er- 
hebt, lautet ganz anders: 

Nicht daB sie den Krieg erklarten und daB sie durch ihre wesentlich unter englischem EinfluB getatigte 
Politik den gegenwartigen Krieg mit alien seinen Opfern auf dem Gewissen haben, wird ihnen zum 
Vorwurf gemacht, sondern daB sie den Krieg nicht genugend vorbereitet und nicht erfolgreich gefuhrt 
haben. Die Schuldfrage wird also in Vichy und in Riom ausschlieBlich vom Standpunkt des franzosi- 
schen Nationalinteresses, ohne jede moralische Note und keineswegs vom Standpunkt europaischer 
oder menschlicher Verantwortung gestellt. Dies liegt freilich ganz in der Linie franzosischer politi- 
scher Tradition. 



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Innerpolitisch wurde in Frankreich im Monat Oktober der Kampf auBer gegen den Kommunismus 
auch gegen die Freimaurer fortgesetzt. Es wurden Hunderte von Namen im Gesetzblatt veroffenflicht, 
deren Trager Freimaurer sind oder waren, und die daher als unfahig erklart wurden, klinftig amtliche 
Stellungen einzunehmen. Die Zahl der aktiven franzosischen Freimaurer hat nach einer auf Grund der 
beschlagnahmten Freimaurerarchive aufgestellten Statistik in Frankreich liber 60000 betragen. Es ist 
auch festgestellt, daB iiber die Freimaurerei der englische EinfluB in Frankreich sich stark geltend ge- 
macht hat. 

Vielleicht das bemerkenswerteste Ereignis der inneren Politik in Frankreich war aber der Besuch 
des Erzbischofs Suhard von Paris in Vichy, der den Fragen des weltlichen und geistlichen Unterrichtes 
gait. Die kirchlichen Kreise haben anscheinend eine Subventionierung der „freien", d. h. religiosen 
Schulen erreicht, ein vom Standpunkt der Geschichte der dritten franzosischen Republik ganz unerhor- 
ter Vorgang. Wenn man sich erinnert, daB einer der Kernpunkte des Programms dieser Republik, wie 
es im wesentlichen im Programm der radikalen Partei auf deren KongreB von Belleville im Jahre 
1869, also noch unter dem Kaiserreich formuliert worden war, der Laizismus, d. h. die grundsatzlich 
freidenkerische, 

118 religions- und kirchenfeindliche Haltung gewesen ist, daB obligatorischer, staatlicher und religionslo- 
ser Unterricht gefordert und daB die Durchfuhrung dieses Programms die innere Politik der dritten 
Republik jahrzehntelang immer wieder leidenschaftlich bewegte, daB schlieBlich diese Programm- 
punkte durchgefuhrt und gesetzlich verankert wurden, dann wird man das grundsatzlich Neue des 
Vorgangs der staatlichen Subventionierung religioser Schulen in Frankreich verstehen. 

Was man aus der Sowjetunion und iiber dieselbe auBer aus den deutschen Wehrmachtberichten im 
Monat Oktober erfahren hat, ist bezeichnend fur deren Lage. Das Diplomatische Korps hat Moskau 
Mitte Oktober auf Befehl der Sowjetregierung plotzlich verlassen mlissen. Die Sowjetregierung selbst 
ist nach Samara und Kasan, viele hundert Kilometer hinter Moskau, ubergesiedelt. DaB die Lage kri- 
tisch, ja auBerst kritisch sei, wurde in Moskau selbst ebenso betont wie in London und Washington. 
Der bestialische Charakter der bolschewistischen Kriegsflihrung, der letzten Endes in wilder Zersto- 
rungswut endet, auBerte sich auch darin, daB man von dem festen EntschluB der sowjetischen Flihrung 
sprach, Leningrad und Moskau nur als Trummerhaufen in deutsche Hand fallen zu lassen. Das Schick- 
sal der Millionen Einwohner dieser Stadte ist den bolschewistischen Machthabern natiirlich grundsatz- 
lich ebenso gleichgliltig wie das der vielen Millionen Menschen, die sie ihrer Tyrannei und ihren bol- 
schewistischen Wirtschaftsmethoden seit der Oktoberrevolution von 1917 geopfert haben. 

Neues dokumentarisches Material aus Bulgarien, Rumanien, Finnland, Estland und Spanien, das im 
Monat Oktober bekanntgeworden ist, hat die GroBe der bolschewistischen Gefahr fur Europa und den 
Charakter des bolschewistischen Systems wieder erneut bewiesen. Nicht weniger als 160 000 Estlan- 
der sind in der kurzen Zeit der bolschewistischen Herrschaft entweder ermordet oder verschleppt oder 
in die Reihen des bolschewistischen Heeres gezwungen worden. Allein in Reval werden 40 000 Men- 
schen vermiBt. Es waren offensichtlich Vorbereitungen getroffen worden, um die gesamte estnische 
Bevolkerung zu evakuieren, d. h. also praktisch auszuloschen. 

In Bessarabien hat man, wie die Bukarester Zeitung „Universul" am 6. Oktober meldete, eine weit- 
verzweigte bolschewistische Terroristen-Organisation aufgedeckt, mit Terroristenschulen, Folter- 
kammern und all den vielen schon bekannten Requisiten bolschewistischer „Menschheitsbegluckung". 

In der bulgarischen Hauptstadt Sofia wurde im Oktober eine Ausstellung aller jener Gegenstande 
gezeigt, die man bei den rechtzeitig unschadlich gemachten sowjetischen Fallschirmspringern gefun- 
den hat, mit deren Hilfe Moskau in Bulgarien eine Revolution entfesseln und eine transdanubische 
Sowjetrepublik auszurufen gedachte. Fallschirmspringer und von sowjetischen U-Booten gelandete 

1 19 Sabotagegruppen sollten Bulgarien von innen heraus fur das Sowjetparadies gewinnen; ein schlechter 
Scherz mochte man sagen, wenn man den nationalen Elan der Bulgaren und die groBen Erfolge des 
Landes auf auBenpolitischem Gebiet wahrend der letzten Jahre liberdenkt, aber ein Zeichen daflir, wie 
sehr man in Moskau durch intensive unterirdische Propaganda das Terrain vorbereitet zu haben glaub- 
te. 

In Helsinki wurde ebenfalls interessantes Material iiber bolschewistische Umtriebe bekanntgegeben. 
Dort haben die Sowjets nach dem sowjetisch-finnischen „Frieden" vom 31. Marz 1940 unter der Firma 
der „Gesellschaft der Freunde der Sowjetunion" eine systematische Wlihlarbeit gegen den finnischen 
Staat und die bestehende soziale Ordnung durchgefuhrt, die dazu bestimmt war, der politischen Ein- 
mischung Moskaus Handhaben zu verschaffen und die Vernichtung der staatlichen Selbstandigkeit 
Finnlands in die Wege zu leiten. 



;liiiisirlill,iii<i tm^amirF 24 

In Lissabon wurde Mitte Oktober ein Sonderbeauftragter der Kommunistischen Partei verhaftet, der 
mit Hilfe anderer inzwischen in Spanien dingfest gemachter Kommunisten ein neues rotes Regime in 
Spanien vorbereiten sollte. Das Verhor dieses Agenten fiihrte auBerdem zu Gestandnissen liber kom- 
munistische Zentralen in Mexiko und in ibero-amerikanischen Landern. 

So sehen die Bundesgenossen Churchills und Roosevelts im „Kampf fiir die Freiheit" aus, mit de- 
nen zusammen General Wavell die Verteidigung des Kaukasus vorbereitet. Dieser fur die moralische 
Stellung der Angelsachsen so abtragliche Verblindete ist auch sonst nicht bequem. Er fordert nicht nur 
Waffen- und Kriegsmaterial jeder Art in groBten Mengen — Stalin hat nach USA-Meldungen gegen- 
iiber den Abgesandten Roosevelts und Churchills, Harry Hopkins und Lord Beaverbrook, wahrend der 
Moskauer Tagung liber die den Sowjets zu gewahrende Hilfe „sehr unverblumt gesprochen" und an 
Kriegsmaterial die Halfte der britischen Produktion und von der in USA den groBten Teil gefordert — , 
er verlangt auch, daB England, wie der diplomatische Mitarbeiter von Reuter in Bestatigung von Wa- 
shingtoner Berichten zu melden muBte, Finnland, Ungarn und Rumanien den Krieg erklaren solle. 
London scheint dieser Forderung Moskaus nicht entsprechen zu wollen. Denn es hat zunachst die Re- 
gierungen der Dominien befragt, was man in London meist dann tut, wenn man sich nicht entschlieBen 
will oder kann und Zeit zu gewinnen sucht. 

Darauf ist letzten Endes Englands Gesamtpolitik eingestellt. Man will Zeit gewinnen, um die eige- 
nen Rustungen, die man selbst immer wieder, sowohl in personeller wie in materieller Hinsicht, als 
ungeniigend bezeichnet, zu entwickeln und auf den hochsten Stand zu bringen, man will Zeit gewin- 
nen, 

120 damit die Vereinigten Staaten ihre Aufrustung ebenfalls so weit als moglich steigern konnen, man 
will Zeit gewinnen, bis Deutschlands Kraft sich vielleicht erschopft haben konnte, und man will Zeit 
gewinnen, weil man immer noch auf die Wirkungen der Blockade hofft. 

Inzwischen muB man feststellen, daB der Seekrieg gegen die englischen Inseln unentwegt weiter- 
geht, daB der Luftkrieg, obwohl die deutsche Luftwaffe im Osten und im Mittelmeer sehr stark enga- 
giert ist, gegen die englische Versorgung und gegen die englische Insel selbst wirkungsvoll weitergeht 
und daB z. B. die Zahl der Toten, VermiBten und Schwerverletzten, die der Luftkrieg zwischen April 
und September d. J. den Englandern gekostet hat, erheblich groBer ist als im vergangenen Jahr, daB der 
Krieg im Osten also in der Luft England keine Entlastung gebracht hat. Der englische Luftfahrtmini- 
ster Sinclair erklarte denn auch in einer Rede am 2. Oktober, England miisse darauf vorbereitet sein, 
daB die deutsche Luftwaffe im bevorstehenden Winter wieder schwere Angriffe gegen England flihren 
werde, die ebenso hart, wenn nicht noch harter sein wlirden als im letzten Jahre. AnschlieBend kam er 
dann auf den alten englischen Wunschtraum zuriick, Deutschland durch immer starkere Bombenan- 
griffe auf die Knie zu zwingen. Die Londoner „Daily Mail" bemerkte dazu am 3. Oktober, die briti- 
sche Luftoffensive sei ungewohnlich verlustreich, und die besten englischen Flieger seien dabei be- 
reits umgekommen. Englands Luftkrieg gegen Deutschland wird neuerdings besonders unter dem 
Gesichtspunkt der Hilfe fur RuBland gesehen und diskutiert. Die gewaltigen Erfolge der deutschen 
Wehrmacht im Osten erregen in London die schwersten Besorgnisse. Sie sind im Monat Oktober in 
Unterhausdebatten, in der Presse und in offentlichen Reden aufs starkste zum Ausdruck gekommen. 
So erklarte der bekannte Labour-Abgeordnete Noel Baker am 23. Oktober im Unterhaus: „Es herrscht 
eine stark ausgepragte Unruhe iiber den Verlauf des Krieges in SowjetruBland und daruber, was GroB- 
britannien unternahm, um RuBland in seiner schweren Stunde beizustehen. Manche Beobachter mei- 
nen, Hitlers Heer und Luftwaffe seien in gefahrlicher Weise vorgedrungen. Englands Front liege an 
der Wolga und am Don. Indien, Irak, Agypten und Afrika muBten an der ukrainischen Front verteidigt 
werden. AuBenminister Eden stellte wahrend derselben Unterhausdebatte die besorgte Frage: 
„Was wird aus uns, wenn RuBland nicht aushalt?" 

Der englische Arbeitsminister B e v i n forderte in einer Rede am 20. Oktober die britischen Rli- 
stungsarbeiter auf, nachdrucklicher und schneller zu arbeiten, und der englische Rustungsminister 
Lord Beaverbrook rief am 22. Oktober im Oberhaus die Werktatigen auf, fiir RuBland zu arbeiten, 
denn nach der Niederringung RuBlands wlirde England darankommen. 

121 Wenn es sich so um Englands hochste Interessen handelt, diirfen die englischen Bischofe nicht 
fehlen. Der Erzbischof von Canterbury hat auf einer in London abgehaltenen Bischofskonferenz zu 
einer Sammlung zugunsten der Sowjetunion aufgerufen und dabei folgendes erklart: „Wir haben gute 
Griinde, auf unseren Alliierten stolz zu sein. Zweifellos, wenn wir an die Vergangenheit denken, kann 
dieses Bundnis als sonderbar empfunden werden. Es gibt Leute, die dieses Bundnis bis jetzt noch nicht 
vor ihrem Gewissen rechtfertigen konnen; wir mlissen aber alle in dieser Frage nicht an die Vergan- 



;liiiisirlill,iii<i tm^amirF 25 

genheit, sondern vor allem an die jetzige Lage und an die Zukunft denken. Wir miissen daran denken, 
daB die Hauptnot der sowjetischen Armeen und der zivilen Bevolkerung, die an ihrer Seite kampft, in 
dem Mangel an Medikamenten und sonstigen sanitaren Mitteln besteht." 

Dariiber freilich, wie den Bolschewiken praktisch geholfen werden konne, gingen die Meinungen 
stark auseinander. Es wurden viele Stimmen laut, die die einzige Rettung in der Schaffung einer zwei- 
ten Front gegen Deutschland sahen. Offenbar waren die sowjetische Botschaft und die kommunistisch 
eingestellten Arbeiterkreise eifrig tatig, um diese Meinung zu propagieren. Versammlungen in Indu- 
striebetrieben nach sowjetischem Muster wurden abgehalten, die mit EntschlieBungen zugunsten einer 
englischen Offensive auf dem Kontinent endigten. In einer EntschlieBung, die angeblich 500 000 Fa- 
brikarbeiter hinter sich hatte, wurde der Verdacht ausgesprochen, daB die britische Regierung die So- 
wjets verraten hatte und daB gewisse Regierungsmitglieder absichtlich die Bildung einer zweiten Front 
verhinderten. England miisse dieselben Opfer bringen wie die Sowjetunion, und es miisse beschleunigt 
eine Westfront gegen Deutschland hergestellt werden. Am 26. Oktober demonstrierten Zehntausende 
von Menschen im Zentrum Londons und verlangten mehr Hilfe fiir die Sowjetunion. Die Kundge- 
bung, die von der Arbeiterpartei ausging, endigte mit Hochrufen auf die Sowjets, dem Absingen der 
Internationale und dem Schwenken roter Fahnen. 

Die maBgebliche englische Presse erklarte sich aber gegen jedes Abenteuer auf dem Kontinent und 
warnte vor unuberlegten Aktionen. Am besten konnte den Sowjets durch Kriegsmateriallieferungen 
geholfen werden, es sei besser, dieses Kriegsmaterial fur die russischen Millionenarmeen in England 
zu produzieren anstatt englische Soldaten in den Kampf zu schicken. Die alte englische Methode, an- 
dere Volker fur sich bluten zu lassen und das eigene teure Leben moglichst zu schonen! Ein merkwur- 
diges Durcheinander der Meinungen, das eine deutliche Ratlosigkeit verriet, kam in der Unterhausde- 
batte vom 25. Oktober zum Ausdruck. Einem der Abgeordneten erschien als der Weisheit letzter 
SchluB, die 
122 englische Luftwaffe miisse ihre Angriffe gegen, die Moral der deutschen Bevolkerung richten. 

Deutschlands Kriegspotential sei bereits so gewaltig geworden, daB ihm die englische Luftwaffe 
nichts mehr anhaben konnen. 

Mehrere Berichte aus London wahrend des Monats Oktober schilderten die gedriickte und miBmuti- 
ge Stimmung, die sich besonders aus der Beobachtung ergab, die die Englander machen muBten, daB 
die deutsche Wehrmacht im Osten unaufhaltsam vordrang, daB Deutschland ungestort die russischen 
Armeen vernichten konnte, ohne daB die Englander selbst etwas dagegen zu unternehmen vermochten. 
Diese Beobachtung fiihrte in Presse und Parlament zu scharfer Kritik an der Regierung und besonders 
gegen einzelne Minister, die man fiir diese unbefriedigende Lage hauptsachlich verantwortlich mach- 
te. 

Ernste und sachlich denkende Beobachter der Lage machten sich Gedanken dariiber, auf welchem 
Wege die englische und amerikanische Hilfe nach der Sowjetunion gelangen konne. Sie priiften die 
drei Wege, den iiber Archangelsk, den iiber Iran und den iiber Wladiwostok, um festzustellen, daB der 
erste demnachst zufrieren wurde, daB der zweite vollig ungeniigend und daB der dritte viel zu lang sei. 
Es gab deshalb sogar Stimmen, die rieten, man solle den Sowjets dadurch helfen, daB man ihnen er- 
mogliche, ihre fernostliche Armee nach dem Westen zu ziehen, indem England und die Vereinigten 
Staaten die fernostlichen Grenzen der Sowjetunion gegen Japan garantierten und Stiitzpunkte in diesen 
Gebieten besetzten. 

Man wird annehmen diirfen, daB die englische Regierung sich dieser schwierigen Sachlage durch- 
aus bewuBt ist. Wenn die englischen Minister trotzdem immer wieder erklaren, England werde alles 
tun, um den Sowjets zu helfen, wenn sie Kabinettsmitglieder nach Moskau schicken, um mit Stalin 
iiber das AusmaB und die Einzelheiten dieser Hilfe zu verhandeln, wenn der englische Gewerkschafts- 
fiihrer Walter Citrine, der vor Jahren nach langerem Aufenthalt in der Sowjetunion ein dickes 
Buch geschrieben hat, das eine einzige vernichtende Kritik des Bolschewismus und seiner politischen 
und wirtschaftlichen Methoden darstellt, nun wieder in der Sowjetunion herumreist und die sowjeti- 
schen Arbeiter zur Arbeit in den Riistungsfabriken und zum letzten Einsatz auf dem Schlachtfeld auf- 
ruft, dann liegt auf der Hand, daB dies alles nicht in der ehrlichen Uberzeugung geschieht, den Sowjets 
wirksam Hilfe leisten zu konnen, sondern in der Absicht, sie bis zum letzten fiir England zum Einsatz 
zu bringen. Ein amerikanischer Journalist hat auf einer Pressekonferenz, die Roosevelts Sendbote, 
Harriman, nach seiner Riickkehr aus Moskau Mitte Oktober in London abhielt, auf dessen Erklarung, 
daB England und die Vereinigten Staaten 



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123 hinter der Sowjetunion standen, die wirkliche Lage recht treffend durch die Frage gekennzeichnet: 
„Sagen Sie, Mister Harriman, wie weit hinten stehen eigentlich England und die USA?" 

Tatsachlich konnen die ungeheuren Material verluste der Sowjets und der Ausfall ihrer von der deut- 
schen Wehrmacht besetzten Rtistungsindustrien nicht ausgeglichen werden, am wenigsten durch Eng- 
land, dessen Bevolkerung von 46 Millionen einfach nicht ausreicht, um die englische Flotte zu be- 
mannen, eine Millionenlandarmee aufzustellen, eine Luftwaffe, die starker sein soil als die deutsche, 
zu entwickeln und nun noch fur diese die Menschenreserven Englands bereits in anspruchnehmende 
militarische Anstrengung das notige Rustungsmaterial herzustellen und auBerdem noch groBe Mengen 
davon an die Sowjetunion zu liefern. 

Einen Einblick in die wirkliche Lage gab AuBenminister Eden, als er im Unterhaus am 23. Oktober 
ausfuhrte: „Wir verloren in Frankreich ungefahr tausend Kanonen, und damals blieben uns in England 
viel weniger als tausend. Wir besaBen einmal in unserem Lande sogar keine einzige ausgebildete und 
ausgeriistete Division. Unsere Verteidigungsmittel waren einfach nicht vorhanden und unseren Trup- 
pen im Mittleren Osten fehlte es buchstablich an jeglicher moderner Ausriistung." Dies war Englands 
Lage im Sommer vor einem Jahr! Die Sowjets aber haben nicht tausend, sondern zweiundzwanzig tau- 
send Geschutze verloren. 

Nicht weniger bezeichnend ist eine Erklarung des Lordsiegelbewahrers A t 1 1 e e bei seiner An- 
kunft in Neuyork am 25. Oktober, England leide unter betrachtlichem Arbeitermangel. Deshalb muB- 
ten England und die Vereinigten Staaten ihre Rohstoffquellen und ihr Menschenmaterial in groBtmog- 
lichem Einsatz gemeinsam ausnutzen. Associated PreB meldete am 2. Oktober aus London, es verbrei- 
te sich dort die Auffassung, das Menschenmaterial Englands sei, soweit nicht aus den Kolonien ver- 
ftigbar, erschopft. Eine VergroBerung der Armee fur Offensivzwecke werde kaum moglich sein. 
Wahrscheinlich werde das Unterhaus demnachst in einer Geheimsitzung die Frage erortern, ob Eng- 
land weitere Aushebungen vornehmen konne, ohne die Kriegsindustrie ernstlich zu schwachen. Es 
verlaute auch, daB keine rein britischen Truppenverbande mehr aufgestellt wtirden, da die wichtigen 
Industrien jeden Mann brauchten und der Einsatz der Frauen bei weitem nicht geniige, um die Lticken 
zu ftillen. 

Wie weit der Kampf Deutschlands gegen die englische Versorgung im einzelnen wirksam ist, laBt 
sich infolge des englischen Bemuhens, diese Frage moglichst ungeklart zu lassen, schwer nachweisen. 
Immerhin erklarten zwei von einer Englandreise zurtickgekehrte Beamte des USA- 
Landwirtschaftsministeriums 

124 nach einem Bericht von Associated PreB vom 1. Oktober in einem Presse-Interview, jeder von ihnen 
habe wahrend seines vierwochentlichen Aufenthalts in England 8 Pfund an Gewicht verloren. 

Nachdem es den Englandern immer klarer wird, daB die russische Karte nicht sticht und daB sie 
selbst militarisch nicht in der Lage sein konnen, das Blatt zu wenden, richten sich ihre Hoffnungen 
erneut auf die Vereinigten Staaten, von denen man allein noch eine gunstige Wendung erhofft. Der 
sudafrikanische Premierminister Smuts erklarte denn auch ganz offen am 4. Oktober, er glaube 
nicht, daB England den Krieg gewinnen konne, wenn die Vereinigten Staaten nicht in den Krieg 
eintraten. Um den letzten Weltkrieg zu gewinnen, sei die Teilnahme der USA am Kriege notwendig 
gewesen. Um diesen Krieg zu gewinnen, sei die Teilnahme der USA ebenfalls notwendig. Smuts pries 
die Widerstandskraft Englands, betonte aber, Widerstand leisten und den Krieg gewinnen seien zwei 
verschiedene Dinge. 

Eine empfindliche diplomatische Zurechtweisung muBte sich England Anfang Oktober von Finn- 
land gefallen lassen. Die englische Regierung hatte sich durch Vermittlung der schwedischen an die 
finnische gewandt und sie mit Versprechungen und Drohungen zu einem Separatfrieden mit der So- 
wjetunion aufgefordert. In einer ausfuhrlichen Note wies die finnische Regierung dieses Ansinnen 
zuriick. In dieser Note, die am 6. Oktober durch schwedische Vermittlung nach London geleitet wur- 
de, heiBt es u. a.: „Die finnische Regierung halt es fur angebracht, auf folgende Tatsachen hinzuwei- 
sen: Am 30. November 1939 begann die Sowjetunion einen unbegriindeten und unprovozierten An- 
griff auf Finnland. Am 14. Dezember erklarte der Volkerbund aus diesem Grunde gemaB Artikel 16 
des Volkerbundstatuts die Sowjetunion zum Angreifer und schloB sie aus dem Volkerbund aus. Eng- 
land nahm an dieser Abstimmung teil. Finnland wurde in seiner Kriegfuhrung allein gelassen, und es 
wurde nicht die Frage aufgeworfen, wie der Angreifer die Folgen seines Angriffes wiedergutzuma- 
chen hatte. Am 12. Marz 1940 muBte Finnland mit der Sowjetunion den Moskauer Zwangsfrieden 
abschlieBen. Hierbei konnte Finnland die Abtretung wesentlicher Teile seines Territoriums an den 
Feind nicht vermeiden, woriiber hinaus es seine Einwilligung zu dem Bau einer die Sicherheit Finn- 



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lands und ganz Skandinaviens bedrohenden strategischen Eisenbahn zugunsten des Angreifers erteilen 
muBte. Gleich nach AbschluB des Friedens setzte von selten der Sowjetunion eine riicksichtslose Er- 
pressungspolitik Finnland gegenliber ein, ebenso wie eine zum Teil von innen her erfolgende Einmi- 
schung in das staatliche Leben Finnlands. Mit dieser Tatigkeit strebte die Sowjetunion dasselbe End- 
ziel an wie schon durch den einige Zeit friiher erfolgten bewaffneten Angriff: 

125 Die Vernichtung Finnlands. Am 22. Juni 1941 leiteten die Streifkrafte der Sowjetunion wieder die 
Feindseligkeiten gegen Finnland ein. Am 25. Juni entwickelte sich die Feindseligkeit von Seiten der 
Sowjetunion zu einem systematischen Angriff. Nachdem Finnland festgestellt hatte, wiederum Gegen- 
stand eines bewaffneten Angriffs geworden zu sein, ging es erst Anfang Juli zu aktiven AbwehrmaB- 
nahmen tiber. Der Kampf Finnlands war und ist Selbstverteidigung. Wichtige Gebiete innerhalb der 
Grenzen von 1939 sind immer noch in Feindeshand und diese ebenso wie die auBerhalb der erwahnten 
Grenze befindlichen Gebiete, bis zu denen finnische Truppen im Verlaufe der Kampfe vorgedrungen 
sind, wurden als Ausgangspunkt eines Angriffes auf Finnland benutzt. Die Sowjetregierung hat diese 
Gebiete als denkbar vollstandige Stutzpunkte fur nach dem Westen gerichtete Angriffe ausgeriistet. 
Dies konnte nunmehr an Ort und Stelle festgestellt werden. Die sowjetischen MaBnahmen enthullen 
unbestreitbar die Angriffsplane der Sowjetunion und die unhaltbare strategische Lage, in die Finnland 
auf Grund dieser Vorbereitungen geraten war. Eine effektive Verteidigung, zu der niemand Finnland 
das Recht versagen kann, ist fur das Land nur moglich durch die Verschiebung seiner Verteidigung 
auf diese Gebiete selbst. Diese jenseits der alten Ostgrenze liegenden Gebiete sind auch nicht „rein 
russisch", sondern ihre Bevolkerung ist in erster Linie finnisch. Finnland ftihrt seinen Verteidigungs- 
krieg ohne politische Verpflichtungen. Das Land ist daftir dankbar, daB es diesmal nicht allein zu 
kampfen braucht. Finnland kann es nicht verstehen, daB GroBbritannien, mit dem es die Beibehaltung 
friedlicher Beziehungen gewunscht hat und dies noch immer tut, nur aus dem Grunde, weil Finnland 
jetzt nicht allein gegen die Sowjetunion kampft, sich als berechtigt oder gar als verpflichtet ftihlen 
kann, Finnland als offenen Feind zu behandeln." 

Die Politik der Vereinigten Staaten ist auch im Oktober, und sogar in verstarktem MaBe, in den 
Bahnen weitergelaufen, die ihr Roosevelts HaB und Machtgier seit langem vorgezeichnet haben. Die 
Rede, die Roosevelt am 27. Oktober anlaBlich des sogenannten Tages der Marine gehalten hat, war ein 
neuer Gipfelpunkt seiner schon krankhaft anmutenden haBerfullten Kriegspropaganda. Diesmal 
schreckte er auch nicht davor zuriick, mit bewuBten Falschungen zu arbeiten. Er sprach von einer 
Landkarte, die in seinem Besitz sei und aus der sich ergebe, daB Deutschland Slid- und Mittelamerika 
unter seine Herrschaft bringen und neu aufteilen wolle. Weiter behauptete er, Dokumente in Handen 
zu haben, die bewiesen, daB Deutschland alle Religionen auf der ganzen Welt ausrotten und den Na- 
tionalsozialismus als Religion an ihre Stelle setzen wolle. Deshalb mtisse USA alles daransetzen, um 
sich selbst den amerikanischen 

126 Kontinent und die hochsten Giiter der Menschheit zu verteidigen. Deshalb auch muBten die 
amerikanischen Handelsschiffe bewaffnet werden, habe die amerikanische Kriegsflotte den SchieBbe- 
fehl, muBte die Sowjetunion unterstiitzt und ein HochstmaB von Rustungen durchgefuhrt werden. Eine 
der bedeutendsten USA-Zeitungen, die „Chicago-Tribune", nannte diese Rede eine Politik des Selbst- 
mordes. Staatssekretar Hull aber rtickte von den angeblichen Dokumenten Roosevelts, als er von der 
Presse darauf angesprochen wurde, mit der Bemerkung ab, er habe damit nichts zu tun gehabt und die 
Journalisten sollten sich „an direktere Stellen" wenden. Derselbe Hull hat freilich, als ihn am 20. Ok- 
tober die Presse fragte, ob die USA-Regierung gegen die Torpedierung des USA-Zerstorers „Kearney" 
protestieren wurde, zu auBern gewagt: „Diplomatische Noten werden selten an internationale Banditen 
geschickt." 

Auf dieser Tonart ist die HaB- und Hetzpropaganda Roosevelts und seiner Leute also angelangt. Ei- 
ne Steigerung in Worten ist kaum mehr denkbar. Aber wir wuBten ja auch so schon langst, wie es ge- 
meint war. Roosevelt ist in seinem Hasse gegen uns jeder Bundesgenosse, und wenn es der Teufel 
selbst ware, recht, und Stalin und die Bolschewiken sind als Freunde und Heifer hochwillkommen. 
Roosevelt verstieg sich, als er von Presseleuten gefragt wurde, wie es denn mit der Religionsfreiheit in 
RuBland stehe, da er doch die Freiheit und besonders auch die Religionsfreiheit gegen die bosen Nazis 
verteidige, zu der Behauptung, die Sowjetverfassung gewahrleiste die religiose Freiheit genau so wie 
die amerikanische. Diese freche Luge hat denn doch einen wahren Sturm der Entrustung in „Gottes 
eigenem Land" hervorgerufen. Der groBte Teil der Presse, vor allem aber die kirchlichen Kreise, pro- 
testierten heftig, erinnerten an die systematische Unterdriickung und Vernichtung jeder Religion in der 
Sowjetunion und kritisierten aufs scharfste, daB die Sowjets mit Waffen und gar mit Geld unterstiitzt 



IliiiisirlilLiiiii ie^iinitf 28 

wlirden. Aber Roosevelt laBt sich dadurch natiirlich nicht beirren. Er hat seine Stellung langst bezo- 
gen. Dies zeigte der am 8. Oktober veroffentlichte Brief an Stalin, den Roosevelt durch Harriman, den 
Leiter der USA-Delegation auf der schon erwahnten Konferenz in Moskau iiber die englisch- 
amerikanische Unterstiitzung an die Sowjets uberreichen lieB. Der Brief hat folgenden Wortlaut: 
„Mein lieber Freund Stalin. Dieser Brief wird Ihnen durch meinen Freund Harriman uberreicht wer- 
den, den ich beauftragt habe, der Leiter unserer Moskauer Delegation zu sein. Herr Harriman ist ein 
guter Kenner ihrer Probleme und wird, das weiB ich, alles tun, was er kann, um die Verhandlungen in 
Moskau zu einem erfolgreichen AbschluB zu bringen. Harry Hopkins berichtete in langen Ausfuhrun- 
gen tiber seine erfolgreichen und befriedigenden Besuche beim AuBenministerium. Ich kann nicht 
sagen, wie tief wir alle 

127 beeindruckt sind von den Leistungen der tapferen sowjetischen Armeen. Wir werden geeignete Wege 
linden, das Material und die Ausriistung zu beschaffen, die erforderlich sind, um Hitler an alien Fron- 
ten zu bekampfen, einschlieBlich der Sowjetfront. Ich mochte die Gelegenheit wahrnehmen, um mein 
groBes Vertrauen dariiber zum Ausdruck zu bringen, daB Ihre Armeen zum SchluB tiber Hitler siegen 
werden und versichere Sie der groBten Entschlossenheit, den erforderlichen materiellen Beistand zu 
leisten. Ihr in Freundschaft ergebener Franklin D. Roosevelt." 

Dieser Brief, der natiirlich keineswegs zur Veroffentlichung bestimmt war, hat allenthalben, beson- 
ders aber in USA selbst, berechtigtes Aufsehen erregt. Aber im Grunde besagt er auch nicht viel mehr 
als die am 1. Oktober in Moskau veroffentlichte Erklarung der Chefs der englischen und USA- 
Delegation auf der genannten Konferenz, des Lords Beaverbrook und Harrimans, die wie folgt lautet: 
„Die Konferenz der Vertreter der Regierungen SowjetruBlands, der Vereinigten Staaten und GroBbri- 
tanniens hat ihr Ende erreicht. Die Mitglieder der Konferenz waren beauftragt, zu priifen, welche Lie- 
ferungen aus den USA und GroBbritannien SowjetruBland benotigt, um die Achsenmachte zu besie- 
gen. Die Konferenz fand unter dem Vorsitz Molotows statt und tagte seit Montag. Alle moglichen der 
Sowjetunion zur Verfugung stehenden Hilfsquellen und die Herstellungsmoglichkeiten der USA und 
GroBbritanniens wurden gepriift. Es wurde beschlossen, der Sowjetunion fast jedes von Militar- und 
Zivilstellen geforderte Material zur Verfugung zu stellen- Die Sowjetunion wird GroBbritannien und 
den USA groBe Mengen von Rohstoffen liefern, die diese Lander dringend benotigen. Transportmog- 
lichkeiten waren Gegenstand eingehendster Untersuchungen; Plane zur Erweiterung des Verkehrs 
nach alien Richtungen hin wurden ausgearbeitet. Stalin ermachtigte Harriman und Beaverbrook, den 
USA und GroBbritannien seinen Dank fur die reichliche Hilfe an Rohstoffen, Maschinen, Munition 
und Kriegsmaterial auszusprechen. Die Hilfe sei groBmutig gewesen und hatte sofort die Sowjet- 
Truppen instandgesetzt, ihre Verteidigung hartnackig zu gestalten und gewaltige Angriffe gegen den 
eindringenden Feind zu unternehmen. Harriman und Beaverbrook sagten im Namen ihrer Regierun- 
gen, diese Staaten erhielten groBe Mengen Rohstoffe von der sowjetrussischen Regierung, was die 
Rustungsproduktion sehr steigere. Harriman und Beaverbrook unterstrichen besonders die freund- 
schaftliche Atmosphare der Konferenz, die den schnellen AbschluB — ein Rekord — der Verhandlun- 
gen ermoglichte. Sie betonten vor allem, Stalin brachte stets Beweise des Verstandnisses und der Ka- 
meradschaftlichkeit entgegen. Sie dankten Molotow fur die sachkundige Art, der Konferenz vorzuste- 
hen, und alien sowjetrussischen Vertretern fur ihre Mitarbeit. 

128 Zum AbschluB kommt die Konferenz zu dem EntschluB der drei Regierungen: Nach einer endgulti- 
gen Vernichtung der Nazityrannei soil der dann entstandene Frieden alien Menschen gestatten, in ih- 
ren diesbeztiglichen Landern ohne Furcht und ohne Not zu leben." 

Allerdings stellte sich bald heraus, daB die in dieser Erklarung zum Ausdruck gebrachte 
Ubereinstimmung und Zuversicht offenbar nicht vorhanden war, und in der amerikanischen 
Offentlichkeit selbst erhoben sich zahlreiche Stimmen, die darlegten, daB eine Unterstiitzung der 
Sowjets schon aus Transportgriinden in irgendeinem namhaften Umfang gar nicht moglich sei. 

Was man liber den Fortschritt des USA-Rlistungsprogrammes hort, weist in die gleiche Richtung. Es 
zeigt sich immer mehr, daB man den Mund zwar ungeheuer voll nimmt, daB die Wirklichkeit aber 
doch ziemlich anders aussieht: So wurde am 1. Oktober aus Washington gemeldet: „Die wirtschaftspo- 
litische Erorterung des Rlistungsprogramms verrat immer mehr, daB sich sowohl in der Finanzpresse 
als auch in den Kreisen der Regierung neuerdings eine wachsende Beunruhigung bemerkbar macht, 
die auf das unveranderte MiBverhaltnis zwischen der tatsachlichen Erzeugung von Kriegsgerat und 
den unvergleichlich hoheren Anspriichen des Auslandes und der USA-Wehrmacht an die Wirtschaft 
der Vereinigten Staaten zuruckzuftihren ist. Durch die Bildung der gewaltigen Fronten in RuBland und 
im mittleren Osten erfahrt das bisher in den USA produzierte Kriegsgerat eine starke relative Verrin- 



;liiiisirlill,iii<i tm^amirF 29 

gerung. Gleichzeitig unterstreichen die Kritiker, was bisher in puncto Wirtschaftsplanung grundlegend 
versaumt worden ist. Hierbei werden folgende Hauptmangel hervorgehoben: 1. Da bis Mitte 1940 eine 
Wehrwirtschaft in den USA praktisch so gut wie .nicht bestanden hat, ergibt sich die Notwendigkeit, 
eine solche vollig neu von unten her aufzubauen. Demgegentiber ist fest- zustellen, daB das aufgestell- 
te Programm noch nicht einmal im Baustadium durchgefuhrt worden ist. Der Leiter der OPM, William 
Knudsen, hat erst neuerdings zum Ausdruck gebracht, daB mit voller Kapazitatsausnutzung der neuen 
Rustungswerke nicht vor dem Friihjahr 1943 zu rechnen ist. 2. Die von vornherein unzureichende 
Planung einer Erweiterung der Rohstoffkapazitat hat die Erschopfung der ohnehin knappen Rohstoff- 
lager, besonders bei Metallen, beschleunigt. Auch durch diese Produktionseinschrankung konnen nicht 
mehr zusatzliche Rohstoff-Reserven geschaffen werden. 3. Immer starker macht sich jetzt der Fehler 
bemerkbar, daB man einseitig nur die groBen Firmen in die Durchfuhrung des Rustungsprogramms 
eingeschaltet hat. Es wurden also lediglich die groBindustriellen Energien mobilisiert, durch die nur 
etwa 20 bis 25% der USA- Industrie reprasentiert werden. Die 

129 Mittel- und Kleinindustrie aber steht heute vor einer schweren Massenkrise. Auf lange Sicht hofft 
man das Problem der jetzt wtinschenswert erscheinenden Einschaltung der mittleren und kleinen Be- 
triebe zu losen, fiirs erste diirfte aber die laufende Erzeugung durch die Einschaltung eher vermindert 
als vermehrt werden. Als Ergebnis dieser drei Versaumnisse wird festgestellt, daB Washington auf 
eine eigene Aufrustung ganz verzichten muBte, wenn es den dringenden Bedarf der Sowjetunion an 
Kriegsgerat auch nur teilweise decken will. 

Knudsen, der Direktor des Produktionsamtes, erklarte am 6. Oktober, die Amerikaner muBten alle 
moglichen Anstrengungen machen, damit die Kriegsmaterialherstellung der USA „in ein oder zwei 
Jahren die Deutschlands ubersteigt". Noch vor wenigen Monaten tat man so, als ob die Rustungspro- 
duktion der USA die deutsche bereits uberholt hatte. Jetzt rechnet man schon mit zwei Jahren, bis dies 
der Fall sein konnte! Nach einer Meldung vom 18. Oktober hat Roosevelt Armee, Marine und Produk- 
tionsamt beauftragt, ein „Siegesprogramm" auszuarbeiten und die Rustungsproduktion noch einmal zu 
verdoppeln. Ein bekannter amerikanischer Publizist kam bei einer genauen Untersuchung des bisher 
von USA an England gelieferten Rtistungsmaterials zu dem SchluB, daB „anstatt eines Niagara- 
Wasserfalles nur ein Tropfeln festzustellen sei". 

Trotzdem ist nach einer Mitteilung des USA-Finanzministeriums ein Defizit der USA-Finanzen 
von 12 1/2 Milliarden Dollar im laufenden Finanzjahr zu erwarten. Fur den Amerikaner wirkt sich die 
Verlagerung der Produktion auf den Rustungssektor bereits in RationierungsmaBnahmen auf dem zivi- 
len aus. Seit August dieses Jahres haben bereits 700 000 Arbeiter der Zivilindustrie infolge des Man- 
gels an Material ihre Stellung verloren. Kein Wunder, wenn man hort, daB z. B. Kupfer vom 1. Januar 
1942 an fur zivile Zwecke nicht mehr benutzt werden darf 

So groBe Miihe sich Roosevelt und seine Leute auch geben, das widerstrebende amerikanische 
Volk kriegswillig und kriegsbereit zu machen, um so aktiver werden die zahlreichen Personlichkeiten 
und Krafte, die dagegen arbeiten. Auch im Monat Oktober hat es an Versammlungen, Reden, Erkla- 
rungen und publizistischen AuBerungen dieser Art nicht gefehlt. Roosevelt gab durch seine AuBerun- 
gen iiber die angebliche Religionsfreiheit im Sowjetparadies und durch andere offenkundige Ltigen 
seinen Gegnern auch reichlich Anhaltspunkte zur Kritik und Widerlegung. 

Er geht jedoch stur seinen Weg weiter und raumt juristische und sonstige Hindernisse auf seinem 
Wege zum Kriege so gut er kann beiseite. Am 8. Oktober richtete er eine Botschaft an den KongreB, 
um die Anderungen des Neutralitatsgesetzes herbeizufuhren. Das Verbot der Bewaffnung von Han- 
delsschiffen und 

130 das ihrer Entsendung in die Kriegszone soil beseitigt werden, damit die USA um so besser hinter dem 
Kriege herlaufen und ihn vielleicht doch noch erreichen konnte. Die zweite Frage war die Erhohung 
der im Rahmen des Pacht- und Leihgesetzes England zur Verfugung zu stellenden Mittel. Am 28. 
Oktober konnte Roosevelt ein Gesetz unterzeichnen, das weitere Mittel in Hohe von fast 6 Milliarden 
England zur Verfugung stellt. Gleichzeitig wurde das Pacht- und Leihgesetz auch auf Mittel- und Siid- 
amerika ausgedehnt. Roosevelt hat damit praktisch unbeschrankte Mittel zur Durchfuhrung seines 
Dollarimperialismus in Ibero-Amerika erhalten. 

Mit welchen Methoden der USA-Imperialismus in Ibero-Amerika arbeitet, zeigte ein Zwischenfall 
in Panama. Da das Neutralitatsgesetz USA-Schiffen das Fahren in die Kriegszone bisher verbot, wur- 
den zahlreiche USA-Reedereien gehorende und mit Kriegstransporten nach England fahrende Schiffe 
in Panama registriert und fuhren unter der Flagge dieses Landes. Als Roosevelt die Bewaffnung der 
USA-Handelsschiffe in Angriff nahm, erschien Washington auch die Bewaffnung der unter ihrer 



|liiiisirlill,iii<i tm^amirF 30 

Flagge fahrenden Schiffe notig, da man deren fur England bestimmte Ladungen moglichst schiitzen 
wollte. Die Regierung von Panama aber weigerte sich. Dies machte in Washington natiirlich einen 
„hochst- ungiinstigen" Eindruck, um so mehr, als die Bewaffnung der panamesischen Schiffe von der 
USA-Marine praktisch bereits durchgefuhrt war, ohne daB man sich dariiber vorher mit Panama ver- 
standigt hatte. Dies erklarte Hlill am 7. Oktober ganz ungeniert vor der Presse. Wenige Tage spater 
wurde bekannt, daB der Staatsprasident von Panama, Arias, plotzlich nach Cuba geflohen sei. Dort 
erklarte er dem Vertreter einer amerikanischen Zeitung, ernste Schwierigkeiten hatten ihn gezwungen, 
die Prasidentschaft Panamas aufzugeben und nach Cuba zu fliehen, um sein Leben zu retten. Seine 
Weigerung, die Schiffe Panamas zu bewaffnen, wie es von Washington verlangt wurde, habe einen 
starken diplomatischen Druck auf sein Land und eine unmittelbare Lebensgefahr fur ihn selbst hervor- 
gerufen. 

Herr Roosevelt und Herr Hull sind wahrlich auBerordentlich legitimiert, von den Regierenden ande- 
rer Lander als von Banditen und Gangstern zu sprechen! 

Was man dem kleinen Panama gegenuber ohne weiteres riskiert, mochte man am liebsten natiirlich 
auch gegenuber den anderen Staaten Amerikas tun. Vorlaufig bevorzugt man aber noch die indirekte- 
ren Methoden. Man kauft die Presse, finanziert hetzerische Ausschiisse, wie den Untersuchungsaus- 
schuB des Madchenhandlers Taborda in Argentinien, gibt Anleihen iiber Anleihen, stiitzt Wahrungen, 
die man vorher selbst ins Wanken gebracht hat, bietet mit Hilfe des Pacht- und Leihgesetzes Millio- 
nenbetrage fur 
131 Riistungen gegen den angeblichen gemeinsamen Feind, und bei alledem verdienen so viel einfluBrei- 
che Leute, daB der politische Widerstand gegen den USA-Imperialismus schwacher und schwacher 
wird. 

Gegenuber Japan versucht man es in erster Linie mit wirtschaftlichem Druck und politischer Ein- 
kreisung. Der Riicktritt des Kabinetts Konoye am 15. Oktober und die Neubildung des Kabinetts durch 
den General Tojo war offensichtlich die Antwort auf diese Politik der USA. Man wollte ein Kabinett 
der starksten Personlichkeiten, nicht zuletzt wohl, um die Verhandlungsposition gegenuber der USA- 
Regierung zu starken. Ob die zur Zeit im Gang befindlichen Verhandlungen von beiden Seiten etwas 
anderes bedeuten als ein Arbeiten auf Zeitgewinn, ist noch nicht ersichtlich. 




9" 131 



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Herausgegeben von 

Ministerialdirektor A. J. Berndt 
Reichspropagandaministerium 

Oberst von Wedel 
Oberkommando der Wehrmacht 



1941 

November-Lieferung 

(Nr. 53/54 der Gesamtlieferung) 



Verlagsanstalt Otto Stollberg, Berlin WO 



Die Rede des Fiihrers in Miinchen 

Die Rede des Fiihrers am Vorabend des 9. November in Miinchen hatte folgenden Wortlaut 

(DNB): 



|liiiisirlill,iii<i tm'^lampf 1 

Parteigenossen, Parteigenossinnen! Deutsche Volksgenossen! 

84 Ich bin wieder auf wenige Stunden hierhergekommen, um, dem alten Brauche treu, mit Ihnen, meine 
ersten Anhanger und Mitkampfer, zu sprechen und jene zu ehren, die damals das groBte Opfer, das sie 
bringen konnten, fur unsere Bewegung und damit fur Deutschland gebracht haben. Als ich das letzte- 
mal hier vor Ihnen stand, lag hinter uns ein ruhmvolles Jahr groBer Geschehnisse. Ich weiB nicht, wie 
viele Menschen auBerhalb des Reiches sich vor dem Jahre 1940 eine klare Vorstellung von dem ge- 
macht hatten, was sich ereignen wtirde. Selbst in unserem eigenen Volk gab es wohl nur ganz wenige, 
die eine Ahnung besaBen von dem, was damals bevorstand, was gelingen muBte und was gelungen ist. 

Als im Jahre 1939 auch meine letzten Bemuhungen, die notwendige Revision auf friedlichem Wege 
zu erreichen, schlieBlich gescheitert waren, nachdem es also endlich den internationalen demokrati- 
schen Hetzern gelungen war, Europa in den Krieg zu stiirzen, war zunachst unsere erste Aufgabe, den 
einen Feind im Osten zu beseitigen. Das geschah in 18 Tagen. Eigentlich hatten sich die nicht ganz 
vom Geist Verlassenen schon nach wenigen Wochen Rechenschaft dariiber ablegen miissen, wie aus- 
sichtslos ihr Versuch war, das Deutsche Reich noch einmal niederzuzwingen. Sie taten es nicht, im 
Gegenteil, die Friedenshand, die ich ihnen entgegenstreckte, wurde zuriickgestoBen. Ich wurde per- 
sonlich daftir beschimpft und der Feigheit bezichtigt. So blieb nichts anderes iibrig, als das Jahr 1940 
mit dem EntschluB zu beginnen, nunmehr den westlichen Gegner des Reiches endgultig niederzuwer- 
fen. Nur durch Unvorsichtigkeiten und Schwatzhaftigkeit der Gegner erfuhren wir, daB man unter 
dem Motto, Finnland helfen zu wollen, einen Handstreich gegen Norwegen, in Wirklichkeit gegen die 
schwedische Erzbahn und die schwedischen Erzgruben, plante. Sie haben schon damals nicht mit un- 
serer und mit meiner EntschluBkraft gerechnet! Sie haben sich das Bild meiner Personlichkeit von 
jenen Emigranten zeichnen lassen, die gerade wegen mir Deutschland verlassen muBten. 

Dieses Bild stimmt allerdings nicht ganz genau; es ist falsch. Ich habe mich namlich im Gegensatz 
zu den Erwartungen dieser Gegner sehr schnell entschlossen, zunachst die norwegische Frage in unse- 
rem Sinn zu losen. Das ist gelungen. Und kurze Zeit darauf kam dann jener beispiellose Siegeszug, 
der den 

85 Gegner im Westen niederwarf und England zu jenem „ruhmvollen" Ruckzug zwang, der, wie man 
behauptet, einer der Ehrentitel der britischen Militargeschichte fur alle Zeiten sein wird. Ich habe die 
Spuren dieser „ruhmreichen" Aktion personlich gesehen, sie sahen aber sehr unordentlich aus. 

Ich habe mich auch dann noch einmal, zum letzten Male — und dies habe ich ausdriicklich betont 
— entschlossen, England die Hand hinzustrecken und es darauf hinzuweisen, daB eine Weiterfuhrung 
dieses Krieges gerade fur England nur sinnlos sein konnte, und daB es nichts gebe, was einen vernunf- 
tigen FriedensschluB verhindern konnte, ja, daB zwischen England und Deutschland an sich keine Ge- 
gensatze vorhanden seien, auBer solchen, die kiinstlich gemacht wtirden. Der wahnsinnige Saufer, der 
nun seit Jahren England dirigiert, hat auch darin sofort wieder ein neues Zeichen meiner Schwache 
erblickt. Ich wurde abermals als ein Mann hingestellt, der sich die Zukunft schwarz vorstellt und sich 
deshalb nicht mehr getraut, den Kampf fortzusetzen. In Wirklichkeit habe ich die Zukunft nicht anders 
gesehen, als sie sich abspielte. Aber ich habe neben all dem Glorreichen auch die Opfer vorausgese- 
hen, und ich wollte diese Opfer nur alien Seiten ersparen. 

Zuerst wollte ich sie unserem eigenen Volke ersparen, aber auch der ubrigen Welt gegenuber glaub- 
te ich als Sieger es verantworten zu konnen, die versohnende Hand hinzuhalten. Das wurde, wie ge- 
sagt, von jenen nicht begriffen, die ja selbst noch nie in ihrem Leben Opfer gebracht hatten und die 
auch keine nahere Beruhrung mit den Opfern ihres eigenen Volkes besaBen. 

So blieb uns nichts anderes iibrig , als nunmehr den Helm endgultig festzuschnallen und den Weg 
anzutreten, der uns fur alle Zeit von den Gefahren befreien wird, die nicht nur das Deutsche Reich, 
sondern ganz Europa bedrohen. 

Als ich das letztemal hier zu Ihnen sprach, meine alten Parteigenossen, da konnte ich im Vollgefuhl 
eines Sieges sprechen wie kaum je ein Sterblicher vor mir. Und trotzdem lastete damals auf mir eine 
schwere Sorge, denn ich war mir im klaren, daB hinter diesem Kriege als letzter derjenige Brandstifter 
zu suchen ist, der immer von den Handeln der Nationen gelebt hat: 

der internationale Jude! Ich ware kein Nationalsozialist mehr gewesen, wenn ich mich von dieser Er- 
kenntnis je entfernt hatte. Wir haben seine Spuren verfolgt durch so viele Jahre, wir haben, wohl zum 
erstenmal, in diesem Reich wissenschaftlich planmaBig dieses Problem fiir alle Zeiten geklart und so 
recht die Worte eines groBen Juden begriffen, der sagte, die Rassenfrage sei der Schliissel zur Weltge- 
schichte. Wir wuBten daher auch ganz genau, und ich wuBte es vor allem, daB hinter diesem Gesche- 
hen der Jude die treibende Kraft war, und daB es — wie immer in der Geschichte — Strohkopfe sind, 



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die bereit waren, fur ihn einzutreten: teils charakterlose, bezahlte Subjekte, teils Leute, die Geschafte 
machen wollten und 

86 nicht davor zuriickschreckten, fur solche Geschafte jederzeit Blut vergieBen zu lassen. Ich habe diese 
Juden als die Weltbrandstifter kennengelernt. Man sah ja, wie sie in den Jahren vorher liber den Um- 
weg von Presse, von Rundfunk, von Film und Theater usw. langsam die Volker vergiftet hatten, man 
sah, wie diese Vergiftung weiterlief, man sah, wie ihre Finanzen, ihre Geldgeschafte in diesem Sinne 
arbeiten muBten. Und in den ersten Tagen des Krieges haben es ja gewisse Englander — es waren nur 
Rlistungsaktieninhaber — auch ganz offen ausgesprochen: „Der Krieg muB mindestens drei Jahre 
dauern! Er wird und darf vor drei Jahren nicht enden!" — So sagten sie. Das war selbstverstandlich, 
denn sie hatten ja ihre Kapitalien festgelegt und konnten nicht hoffen, "daB sie unter drei Jahren eine 
Amortisation wlirden erreichen konnen. GewiB, fur uns Nationalsozialisten, meine Parteigenossen und 
-genossinnen, ist das fast unverstandlich. Aber in dieser demokratischen Welt ist es eben so. Man ist 
Ministerprasident oder Kriegsminister und zugleich Inhaber zahlloser Aktienpakete von Rustungsfa- 
briken. Die Interessen sind damit geklart. 

Wir haben diese Gefahr als die treibende Kraft in unserem inneren Kampf einst kennengelernt. Wir 
hatten diese schwarz-rot-goldene Koalition vor uns, diese Vermischung von Heuchelei, MiBbrauch 
von Religion auf der einen und Kapitalsinteressen auf der anderen Seite, und endlich die wirklich jli- 
disch-marxistischen Ziele. Wir sind mit dieser Koalition im Innern in einem harten Kampf restlos fer- 
tig geworden. Nun steht dieser Feind im AuBeren genau so vor uns, er ist ja der Inspirator der Weltko- 
alition gegen das deutsche Volk und gegen das Deutsche Reich. 

Er hatte einst Polen vorgeschoben, dann spater Frankreich, Belgien, Holland und Norwegen in den 
Bann seiner Dienste gezwungen. England war dabei von vornherein eine treibende Kraft. Aber was 
war verstandlicher, als daB eines Tages auch die Macht gegen uns antreten wtirde, die diesen jiidi- 
schen Geist als klarsten Herrscher besitzt: die Sowjetunion, die nun einmal der groBte Diener des Ju- 
dentums ist. Die Zeit hat unterdessen das bestatigt, was wir Nationalsozialisten viele Jahre hindurch 
behauptet hatten; es ist wirklich ein Staat, in dem die gesamte nationale Intelligenz abgeschlachtet 
worden war und ein geistloses mit Gewalt proletarisiertes Untermenschentum ubrigblieb, iiber dem 
sich eine riesige Organisation jlidischer Kommissare — das heiBt in Wirklichkeit Sklavenhalter er- 
hebt. Es gab oft Zweifel, ob nicht vielleicht doch in diesem Staat die nationale Tendenz siegen wtirde. 
Man hat dabei nur ganz vergessen, daB es ja die Trager einer bewuBten nationalen Einsicht gar nicht 
mehr gibt, daB letzten Endes der Mann, der voriibergehend der Herr dieses Staates wurde, nichts ande- 
res ist als ein Instrument in der Hand dieses allmachtigen Judentums, und daB, wenn Stalin auf der 
Btihne vor dem Vorhang sichtbar ist, hinter ihm 

87 jedenfalls Kaganowitsch und alle diejenigen Juden stehen, die in einer zehntausendfachen Verastelung 
dieses gewaltige Reich ftihren. 

Als ich damals im vergangenen Jahr zu Ihnen hier sprach, bedriickte mich bereits die Einsicht in ei- 
ne Entwicklung, die nicht mehr miBdeutet werden konnte. Wahrend wir gerade den Aufmarsch im 
Westen durchfuhrten, begann SowjetruBland schon mit dem Aufmarsch im Osten. Es trat ein Moment 
ein, da standen von uns in OstpreuBen 3 Divisionen, wahrend RuBland im baltischen Raum 22 mobili- 
siert hatte. Und das verstarkte sich nun von Monat zu Monat. Es blieb uns das nicht verborgen, fast 
Monat fur Monat konnten wir bei jedem einzelnen Verband genau feststellen, wo, wie und wann er 
einriickte. Damit verbunden war eine ungeheure Arbeit an unseren Ostgrenzen, die auch nicht liberse- 
hen werden konnte. Im Laufe von wenigen Monaten wurden nicht weniger als 900 Flugplatze in Bau 
gegeben und zum Teil fertiggestellt; man konnte sich ausrechnen, zu welchem Zweck eine so giganti- 
sche, tiber alle Vorstellungen hinausreichende Massierung der russischen Flugwaffe stattfand. Dazu 
begann nun das Auffullen einer Basis fur einen Aufmarsch, einer Basis, die so gewaltig war, daB man 
schon daraus wieder auf die GroBe des Aufmarsches schlieBen konnte. Parallel damit ging eine ins 
Unerhorte gesteigerte Rtistungsproduktion. Neue Fabriken wurden eingerichtet. Fabriken, von denen 
Sie sich, meine Parteigenossen, zum Teil vielleicht keine Vorstellungen machen konnen. Wo vor zwei 
Jahren noch ein Bauerndorf stand, wurden in dieser Zeit Rustungsfabriken aufgerichtet, die nunmehr 
65 000 Arbeiter beschaftigten! Vor Lehmhohlen wurden Fabrikanlagen und Verwaltungsgebaude der 
GPU gebaut. Vorne Palaste, riickwarts Gefangniszellen fiir grausamste Marterung! Parallel damit ging 
nun eine Verschiebung von Truppen an unsere Grenze, nicht nur aus dem Innern RuBlands, sondern 
sogar aus dem fernen Osten dieses Weltreiches. Division reihte sich an Division. SchlieBlich waren es 
iiber 100, dann 120, 140, 170 Divisionen und dariiber hinaus. 



;liiiisirlill,iii<l iii^iB|if 3 

Unter diesen bedriickenden Erkenntnissen habe ich damals M o 1 o t o w nach Berlin geladen. Sie 
kennen die Ergebnisse der Berliner Besprechung. Sie lieBen keinen Zweifel dariiber, daB RuBland 
entschlossen war, spatestens in diesem Herbst vorzugehen, moglicherweise bereits im Sommer. Er 
verlangte, daB wir selbst, ich mochte sagen, das Tor des Aufmarsches friedlich offnen sollten. Ich ge- 
hore nun nicht zu den Menschen, die gewisse Tiere nachahmen, die sich ihre Schlachter selbst aussu- 
chen. Ich habe daher auch Molotow damals in Berlin kurz verabschiedet. Ich war mir im klaren, daB 
nunmehr die Wiirfel gefallen waren, und daB uns der schwerste Gang nicht mehr erspart bleiben wiir- 
de. Dies wurde 

durch die Tatigkeit SowjetruBlands vor allem auf dem Balkan bestatigt, durch jene unterirdische 
Wiihlarbeit, die wir ja von Deutschland her zur Geniige kennen. Uberall bolschewistische Agenten, 
iiberall Verhetzung und Zersetzung, die man nach kurzer Zeit schon gar nicht mehr verheimlichen 
wollte und auch gar nicht mehr verheimlichen konnte. Auch bei uns begann man aufs neue mit der 
bolschewistischen Propaganda. Sie war allerdings nicht erfolgreich; 
denn die Wirksamkeit der nationalsozialistischen Arbeit hatte sich unterdes gezeigt. 

Endlich kam der Moment, da man den AbschluB des russischen Aufmarsches daran erkennen konn- 
te, daB es — ausgenommen ein paar Divisionen in Moskau, die man ersichtlich zuriickhielt als Hand- 
habe gegen das eigene Volk, und einige Divisionen im Osten — nichts mehr gab, was nicht an der 
Westfront war. Und zu all dem brach in Serbien, von RuBland geschurt, der Ihnen bekannte Aufstand 
los, der Putsch der bolschewistischen Agenten, von englischen Emissaren angezettelt, und gleich dar- 
auf der Unterstiitzungspakt RuBlands mit Serbien. Damals war Herr Stalin der Uberzeugung, daB 
schon dieser Feldzug uns vielleicht das ganze Jahr festhalten wurde, und daB dann bald der Moment 
kommen konnte, wo er nicht mit Waffen und Material, sondern mit seinem ganzen Menschenreservoir 
wurde in Erscheinung treten konnen. Heute aber kann ich es zum ersten Male aussprechen: Es war 
noch etwas weiteres, was uns dariiber belehrt hat. 

Im Jahre 1940 fanden in London eine Anzahl von sogenannten Geheimsitzungen des britischen Un- 
terhauses statt. Und in diesen Geheimsitzungen hat der whiskyselige Herr Churchill seine Gedanken 
geauBert, seine Hoffnungen und endlich seine Uberzeugung, namlich daB RuBland zu England hin auf 
dem Marsch sei, daB er von Mister Cripps die absoluten Unterlagen besitze, daB es hochstens 1 bis 1,5 
Jahre dauere, bis RuBland in die Erscheinung treten wurde und man daher hochstens noch 1 bis 1,5 
Jahre aushalten muBte. Das war auch der Grund fur diesen damals nicht begreiflichen Mut dieses 
Herrn. Wir haben davon Kenntnis erhalten, laufend Kenntnis erhalten. 

Ich habe nun daraus die Konsequenzen gezogen. Die erste war die der Freimachung unserer Siidost- 
flanke. Ich kann nur sagen, wir miissen heute, nach Kenntnis von all dem, was vorgefallen war, Mus- 
solini wirklich danken, daB er noch im Jahre 1940 in diese Eiterbeule hineingestoBen und gestochen 
hat. Es war uns in wenigen Wochen mit Hilfe der zu uns stehenden europaischen Staaten gelungen, 
dieses Problem endgiiltig zu losen und mit der Einnahme von Kreta und damit der Vorlegung eines 
Riegels vor die Dardanellen siegreich abzuschlieBen. 

Ich habe schon oft iiber die Leistungen unserer Wehrmacht gesprochen. Sie hat sich auch in diesem 
Feldzug ruhmvoll bewahrt, sowohl da? Heer als auch die Luftwaffe. 

Und nun achtete ich auf jede Bewegung unseres groBen Gegners im Osten. Ich war seit April und 
Mai, ich mochte sagen fortgesetzt, auf der Beobachtungs station und sah mir ununterbrochen jeden 
Vorgang an, entschlossen, in jedem Moment, in dem mir bewuBt wurde, daB der Gegner Anstalten 
machte, seinerseits anzugreifen, wenn notwendig 24 Stunden vorher loszuschlagen. 

Mitte Juni wurden die Anzeichen drohend, und in der zweiten Halfte des Juni konnte es keinen 
Zweifel mehr geben, daB es sich hier um eine Frage von Wochen, ja vielleicht Tagen handeln wurde. 
So gab ich den Befehl fur den 22. Juni, nun unsererseits sofort anzutreten. Glauben Sie mir, meine 
alten Parteigenossen, es war das der schwerste EntschluB meines ganzen bisherigen Lebens, ein Ent- 
schluB, von dem ich wuBte, daB er uns in einen sehr schweren Kampf verwickeln wurde, von dem ich 
aber hoffte, daB die Chancen, ihn zu gewinnen, um so groBer waren, je schneller wir dem anderen 
zuvorkommen wurden. 

Wie war nun damals die Lage? Der Westen war an sich gesichert. Dabei mochte ich gleich eines 
vorwegnehmen: es gibt sogenannte geniale Politiker im Lager unserer Gegner, die jetzt sagen, ich 
hatte gewuBt, daB man uns im Westen nicht angreife, daher hatte ich den Mut gehabt, im Osten anzu- 
packen. Diesen Genies kann ich nur sagen: sie verkennen meine Vorsicht. Ich habe mich im Westen so 
vorbereitet, daB sie jederzeit antreten konnen. Wenn es den Herren Englandern beliebt, sei es in Nor- 
wegen, sei es an unserer deutschen Kiiste oder sei es in Holland, in Belgien oder in Frankreich eine 



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Offensive zu unternehmen, so konnen wir nur sagen: Tretet an, ihr werdet schneller wieder abtreten, 
als ihr gekommen seid! Wir haben diese Kiisten heute in einen anderen Zustand verse tzt als sie es 
noch vor einem Jahr gewesen waren. Es ist dort gearbeitet worden, und zwar mit nationalsozialisti- 
scher Griindlichkeit. Der Chef eines groBen Teiles dieser Arbeit — um nur einen einzigen Namen zu 
sagen — war unser T o d t. 

Und es wird dort naturlich dauernd noch weiter gearbeitet. Sie kennen mich ja aus unserer Parteizeit 
her. Ich habe niemals den Stillstand gekannt, sondern wenn irgendwo zehn Batterien stehen, dann 
kommen noch fiinf dazu, und wenn funfzehn stehen, dann noch einmal ftinf weitere und noch weitere 
dazu — unsere Gegner liefern uns ja die Kanonen selber. 

Wir haben auch uberall geniigend Krafte gelassen, um jederzeit bereit zu sein. Sie sind nicht ge- 
kommen. Auch gut! Ich will gar kein Blut vergieBen. Aber wenn sie gekommen waren, dann — wie 
gesagt — wtirden sie langst wieder gegangen sein. Hier waren wir also sicher. 

90 Den Balkan hatten wir auch gesaubert. In Nordafrika war es unseren gemeinsamen Bestrebungen 
gelungen, ebenfalls eine stabile Ordnung herzustellen. Finnland erklarte sich bereit, an unsere Seite zu 
treten. Rumanien desgleichen. Bulgarien begriff ebenfalls die Gefahr. Ungarn erkannte die groBe hi- 
storische Stunde und faBte einen heroischen EntschluB, so daB ich es, als der 22. Juni kam, vor mei- 
nem Gewissen verantworten zu konnen glaubte, dieser Gefahr — und wenn auch nur mit wenigen 
Tagen Vorsprung — entgegenzutreten. 

Dieser Kampf ist nun, meine alten Parteigenossen, ein Kampf wirklich nicht nur fur Deutschland, 
sondern fur ganz Europa, ein Kampf um Sein oder um Nichtsein! 

Sie kennen unsere Verbundeten, angefangen vom Norden das tapfere kleine Heldenvolk der Finnen, 
das sich wieder so tiber alle MaBen bewahrt hat. Aber dazu sind dann gekommen Slowaken, Ungarn, 
Rumanen und endlich Verbundete aus ganz Europa: Italiener, Spanier, Kroaten, Hollander, danische 
Freiwillige, selbst franzosische und belgische Freiwillige. Ich kann wirklich sagen, daB im Osten viel- 
leicht zum ersten Male in einer gemeinsamen Erkenntnis ganz Europa kampft: so wie einst gegen die 
Hunnen, so diesmal gegen diesen Mongolenstaat eines zweiten Dschingis Khan. 

Das Ziel dieses Kampfes war 1. die Vernichtung der feindlichen Macht, d.h. der feindlichen Streit- 
kraft, und 2. die Besetzung der feindlichen Rustlings- und Ernahrungsgrundlagen. Prestigemomente 
spielen bei uns uberhaupt keine Rolle. Wenn daher heute einer sagt: „Sie sind bei Leningrad ja in der 
Defensive", dann komme ich und antworte: Wir waren vor Leningrad genau so lange offensiv, als dies 
notwendig war, um Leningrad einzuschlieBen. Jetzt sind wir defensiv, und der andere muB jetzt aus- 
zubrechen versuchen, aber er wird in Leningrad verhungern! 

Ich werde sicher nicht einen Mann mehr opfern, als unbedingt notwendig ist. Wenn heute jemand da 
ware, um Leningrad zu entsetzen, dann wtirde ich den Befehl geben, es zu sturmen, und wir wtirden es 
sturmen. Denn wer von der ostpreuBischen Grenze bis 10 Kilometer vor Leningrad gesturmt ist, der 
kann auch noch die 10 Kilometer vor Leningrad bis in die Stadt hinein marschieren. 

Aber das ist nicht notwendig. Die Stadt ist umklammert. Niemand wird sie mehr befreien, und sie 
fallt in unsere Hand. Und wenn man sagt: „Nur als Trummerhaufen" — ich habe gar kein Interesse an 
irgendeiner Stadt Leningrad, sondern nur an der Vernichtung des Industriezentrums Leningrads. Wenn 
es den Russen gefallt, ihre Stadte in die Luft zu sprengen, ersparen sie uns selbst vielleicht manche 
Arbeit. 

91 Prestigemomente — ich wiederhole es — spielen bei uns uberhaupt keine Rolle. Wenn man z. B. sagt: 
„Warum marschieren wir denn jetzt nicht?" — Weil es momentan regnet oder schneit, oder vielleicht, 
weil wir die Bahnen noch nicht ganz fertig haben! Das Tempo dieses Vormarsches bestimmen nicht 
jene wunderbaren britischen Strategen, die das Tempo ihrer Ruckzuge bestimmten, sondern das 
bestimmen ausschlieBlich wir. Und zweitens: 

Besetzung der feindlichen Rustlings- und Ernahrungsgrundlagen. Auch hier werden wir planmaBig 
vorgehen! Es gentigt manchmal die Zerstorung eines einzigen Werkes, um sehr viele Werke lahmzu- 
legen. 

Wenn ich nun zusammenfassend den bisherigen Erfolg dieses Feldzuges umreiBen will, dann hat die 
Zahl der Gefangenen nunmehr rund 3,6 Millionen erreicht, d. h. 3 600 000 Gefangene, und ich verbitte 
mir, daB hier ein englischer Strohkopf kommt und sagt, das sei nicht bestatigt. Wenn eine deutsche 
militarische S telle etwas gezahlt hat, dann stimmt das! 

Zwischen einem deutschen Offizier und einem britischen Borsenjobber ist jedenfalls immerhin noch 
ein wesentlicher Unterschied. Das stimmt also genau so, wie ja auch unsere Angaben iiber die franzo- 
sischen und die englischen Gefangenen gestimmt haben! 



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Die Englander wissen es ja selbst sehr gut, weil sie sich ja dauernd um ihre Gefangenen klimmern 
wollen. Wenn ich nun 3,6 Millionen Gefangene auf der einen Seite sehe, und ich nehme nur die Welt- 
kriegsverhaltnisse, dann entspricht dies mindestens der gleichen Zahl an Gefallenen. Es wlirde fiir 
Herrn Stalin ein schlechtes Zeugnis sein, wenn seine Leute jetzt weniger tapfer kampfen wtirden, als 
sie das im Weltkriege getan haben; im Gegenteil, sie kampfen ja teils aus Furcht und teils mit tieri- 
schem fanatischem Wahnwitz. Wenn ich nun annehme, daB in RuBland ahnlich wie bei uns auf einen 
Gefallenen drei bis vier Verwundete kommen, dann ergibt das eine Zahl, die einen absoluten Ausfall 
von mindestens acht bis zehn Millionen bedeutet, und zwar ohne die leichter Verwundeten, die viel- 
leicht noch einmal geheilt und eingesetzt werden konnen. Meine Parteigenossen, davon erholt sich 
keine Armee der Welt mehr, auch die russische nicht! Wenn nun Stalin plotzlich sagt, wir hatten 4Y2 
Millionen Menschen verloren, dagegen RuBland nur 378 000 VermiBte — und das konnen dann nur 
Gefangene sein — , 350 000 Tote und 1 000 000 Verwundete, dann kann man nur fragen: Warum sind 
die Russen dann eineinhalbtausend Kilometer zuriickgelaufen, wenn sie bei ihren riesigen Truppen- 
massen nur die Halfte der Opfer hatten als wir? 

Es ist wirklich schon stark jtidisch, was dieser Kremlgewaltige hier von sich gibt. Im ubrigen wer- 
den 

92 sich ja die Gefangenen langsam den europaischen Gefilden nahern. Hier werden wir sie nutzlich in die 
Produktion einbauen, und man wird sehen, daB es nicht 378 000, sondern wirklich 3,6 Millionen sind. 

Das Material, das wir in dieser Zeit erbeuteten, ist unermeBlich. Zur Zeit sind es 15000 Flugzeuge, 
liber 22000 Panzer, liber 27 000 Geschlitze. Es ist ein wirklich gewaltiges Material. Die ganze Indu- 
strie der Welt, einschlieBlich selbst unserer deutschen, konnte dieses Material nur langsam ersetzen. 
Die Industrie unserer Demokraten ersetzt es jedenfalls in den nachsten Jahren nicht! 

Und nun komme ich zum Territorialen. Wir haben bisher 1 670 000 Quadratkilometer besetzt. Das 
ist also immerhin ein Gebiet, das rund drei- bis viermal Frankreich und etwa funfmal England umfaBt. 
In diesem Gebiet liegen 60 bis 75 v. H. aller Industrien und aller Rohstoffe, die RuBland besitzt. Ich 
hoffe, daB wir in kurzer Zeit noch ein paar weitere MaBnahmen treffen konnen, durch die wir ihnen 
Strang um Strang langsam aber sicher abschneiden werden. 

Wenn nun jemand sagt: „Ja, aber Sie haben sich in der Zeit geirrt" — diese Leute also wissen genau, 
was ich fur ZeitmaBe habe! Wir haben Frankreich in rund sechs Wochen befliegt; 
das besetzte Gebiet ist nur ein Bruchteil dessen, was wir im Osten eroberten. — Jetzt kommt jemand 
und sagt, wir hatten erwartet, daB wir im Osten das in eineinhalb Monaten machen. Blitzkriege in alien 
Ehren! Aber marschieren muB man dabei trotzdem! Und was nun unsere Infanterie hierbei geleistet 
hat im Marschieren, ist weltgeschichtlich liberhaupt einmalig. Naturlich, wenn man von Dlinkirchen 
nach Ostende geht und sich dann von Ostende wieder nach Dlinkirchen zuriickzieht, dann geht das 
leichter, das gebe ich zu. Aber wenn man immerhin von der deutschen Grenze bis nach Rostow oder 
bis zur Krim oder bis nach Leningrad marschiert, dann sind das Entfernungen, besonders wenn man 
die StraBen des „Paradieses der Arbeiter und Bauern" berticksichtigt. Ich habe noch nie das Wort 
Blitzkrieg verwendet, weil es ein ganz blodsinniges Wort ist. Wenn es sich liberhaupt auf einen Feld- 
zug anwenden laBt, dann aber auf diesen! Noch niemals ist ein Riesenreich in kiirzerer Zeit zertriim- 
mert und niedergeschlagen worden als dieses Mai SowjetruBland! Geschehen und gelingen konnte 
dies nur durch die unerhorte einmalige Tapferkeit und Opferwilligkeit unserer deutschen Wehrmacht, 
die unvorstellbare Strapazen auf sich nimmt. 

Was hier alles die deutschen Waffen geleistet haben, das ist in Worten nicht auszudriicken. Wir 
konnen uns nur vor unseren Helden auf das tiefste verneigen. Ich habe schon in Berlin gesagt, ob wir 
unsere 

93 Panzerschiitzen nehmen oder unsere Pioniere, unsere Artillerie, unsere Nachrichtentruppen, unsere 
Flieger, unsere Sturzkampfbomber, unsere Jager oder Aufklarer oder unsere Marine — wen wir immer 
nehmen, am Ende kommt man doch stets zu dem Resultat: Die Krone geblihrt dem deutschen Infante - 
risten, dem deutschen Musketier. Er marschierte in endlosen Weiten auf grundlosen Wegen, durch 
Morast, durch Siimpfe, er marschierte im Sonnenbrand liber die endlosen Felder der Ukraine oder im 
Regen, Schnee und Frost, und er kampfte Bunker um Bunker nieder. Mit seinen Sturmpionieren reiBt 
er Front um Front auf. Es ist wirklich ein Heldenlied, was er sich hier selber singt. 

Hinter dieser Front aber steht nun die zweite Front, und das ist die deutsche Heimat. Und hinter die- 
ser deutschen Heimat steht eine dritte Front, und die heiBt Europa. Wenn mir in der letzten Zeit so oft 
gesagt wird, daB nunmehr die Demokratien riisten — so habe ich es schon oft erwahnt, daB wir doch 
nicht nichts tun. Ich habe ja die deutsche Riistung in den Jahren 1939/40 und 1941 nicht eingestellt. 



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Was wir bisher auf diesem Gebiete leisteten, war doch allerhand. Und wir riisten weiter. Ich habe nur 
die Rustung jetzt auf einige besondere Gebiete verlagert. Wenn die Herren dauernd mit ihren Zahlen 
kommen — ich rede nicht von Zahlen, aber ich spreche nur das eine aus: Sie werden staunen, mit was 
wir eines Tages antreten! 

Wir haben das, meine alten Parteigenossen, ja auch im Innern erlebt. Jedes Jahr horten wir, was die 
Demokraten machen, was die Sozialdemokraten machen, was das Zentrum oder die Bayerische 
Volkspartei macht, was meinetwegen die burgerlichen oder sonstigen Gruppen machen oder was gar 
die Kommunisten tun. Wir haben auch etwas gemacht, und zwar am Ende mehr als diese ganze Koali- 
tion zusammen: denn wir haben sie niedergeschmettert! 

Man sagt mir: „Ja, aber da ist Amerika mit 125 Millionen Menschen." — Das Reichsgebiet mit Pro- 
tektorat und Gouvernement umfaBt aber auch 125 Millionen Menschen! Das Gebiet, das heute direkt 
fur uns arbeitet, umfaBt weit mehr als 250 Millionen Menschen. Das Gebiet, das in Europa indirekt 
aber fur diesen Kampf arbeitet, umfaBt schon jetzt tiber 350 Millionen! Soweit es sich nun um das 
deutsche Gebiet handelt, das Gebiet, das wir besetzt haben, das Gebiet, das wir jetzt in unsere Verwal- 
tung genommen haben — so soil man nicht daran zweifeln, daB wir es fertig bringen, es in die Arbeit 
restlos einzuspannen. — Das kann man uns glauben! 

Es ist nicht das deutsche Volk des Weltkrieges, das heute im Kampfe steht. Es ist ein ganz anderes 

94 deutsches Volk! Es ist das Ungluck unserer Gegner, daB sie das nicht begriffen haben, und daB sie 
diesen judischen Strohkopfen nachlaufen, die immer wieder erklaren: „Man braucht es nur genau so 
zu machen, wie man es schon einmal gemacht hat." — Das nehme nicht einmal ich von unseren Geg- 
nern an, obwohl ich sie nicht fur gescheit halte. Selbst ich tue niemals das gleiche, sondern immer 
etwas anderes. Sie sollten es erst recht aber endlich aufgeben, immer auf das Alte zu hoffen! So sagen 
sie jetzt z. B.: „In der Etappe wird ein Aufruhr ausbrechen." — Es kann vielleicht irgendeinen Dumm- 
kopf geben, der auf englische Rundfunkmeldungen sich plotzlich riihrt. Aber nicht lange ! Wir werden 
mit solchen Dingen fertig! Man soil sich dariiber keiner Tauschung hingeben, solche Versuche bre- 
chen sehr schnell zusammen, denn heute tritt ihnen nicht mehr ein burgerliches Deutschland mit Gla- 
cehandschuhen entgegen, sondern das nationalsozialistische, und das hat harte Fauste! 

Wir sind iiberall dort, wo wir Gebiete besetzen, sehr hoflich und sehr anstandig zur Zivilbevolke- 
rung, vielleicht manches Mai zu anstandig, zu entgegenkommend. Bei uns wird niemand vergewaltigt 
da driiben, aus vielerlei Griinden nicht. Es linden auch keine Einbruchsdiebstahle der deutschen Solda- 
ten statt, die dort auf Raub und Pliinderung ausgehen. So etwas wird dort sogar harter bestraft als in 
der Heimat. Wir schutzen diese Bevolkerung. Wenn aber einer glaubt, sich gegen die Besatzung auf- 
lehnen oder durch Meuchelmord sie vielleicht erschtittern zu konnen, dann werden wir zuschlagen, so 
wie wir es zu Hause getan haben in den Jahren, wo unsere Gegner glaubten, uns terrorisieren zu kon- 
nen. Am Ende sind wir mit ihrem Terror fertig geworden; wir hatten uns die Organisationen dafiir 
geschaffen. Wir werden auch mit dem Terror unserer heutigen Gegner fertig ! 

Dann kommen nun die allerblodesten Hoffnungen, namlich, in Deutschland breche ein Aufstand, 
eine Revolution aus. Die Leute, die hier eine Revolution machen konnten, die sind gar nicht mehr da. 
Die sind namlich schon lange in England, in Amerika und in Kanada usw. Die haben wir also nicht 
mehr. Die Leute aber, die vielleicht eine Revolution machen wollten, sind so wenige und so belanglo- 
se, daB es geradezu ein Witz ist, auf ihre Hilfe zu hoffen. Sollte aber irgendeiner ernstlich bei uns hof- 
fen, unsere Front storen zu konnen, ganz gleich, woher er stammt, aus welchem Lager er kommt, so — 
Sie kennen meine Methode — sehe ich dem immer eine gewisse Zeitlang zu. Das ist die Bewahrungs- 
frist. Aber dann kommt der Augenblick, an dem ich blitzartig zuschlage und das sehr schnell beseitige. 
Und dann hilft alle Tarnung nicht, auch nicht die Tanning mit der Religion. Aber, wie gesagt, das wird 
ja bei uns gar nicht notwendig sein, weil ja vor allem dieses ganze deutsche Volk heute in einer Bewe- 
gung organisiert ist, was 

95 unsere Gegner nur nicht begriffen haben, eine Bewegung, die bis in jedes Haus hineinreicht, die 
eifersuchtig dariiber wacht, daB sich ein November 1918 niemals mehr wiederholt. Ich bin so oft Pro- 
phet gewesen in meinem Leben. Man hat mich immer ausgelacht, aber ich habe doch recht bekom- 
men. Ich mochte es wieder sein: 

Niemals wird sich in Deutschland ein November 1918 wiederholen! Er kann sich gar nicht wiederho- 
len. Alles ist denkbar, nur eines nicht: daB Deutschland jemals kapituliert! 

Wenn unsere Gegner sagen: „Ja, dann dauert eben der Kampf bis zum Jahre 1942" — er kann dau- 
ern, solange er will — das letzte Bataillon aber auf diesem Feld wird ein deutsches sein! 



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Es ist auch ganz zwecklos, mich irgendwie einschlichtern zu wollen. Sie wissen, daB ich oft monate- 
lang, ja oft jahrelang iiber eine Sache schweige. Es heiBt nicht, daB ich sie nicht beriicksichtige oder 
daB ich sie nicht erkenne. Wenn heute, besonders von Amerika aus, immer neue Drohungen gegen 
Deutschland ausgestoBen werden, so habe ich auch das beizeiten ins Auge gefaBt. Ich habe schon vor 
iiber einem Jahr erklart: Was fur ein Schiff auch immer Kriegsmaterial bringt, also Material, um 
Mannschaften zu toten, es wird torpediert werden! Wenn nun der amerikanische President Roosevelt, 
der einst schon verantwortlich war fur den Eintritt Polens in den Kampf, der, was wir ihm heute genau 
belegen konnen, Frankreich bestimmte, in diesen Krieg einzutreten, glaubt, durch einen SchieBbefehl 
uns vielleicht mtirbe machen zu konnen, so kann ich diesem Herrn nur eines zur Antwort geben: Herr 
President Roosevelt hat seinen Schiffen befohlen, zu schieBen, sobald sie deutsche Schiffe sehen. Und 
ich habe den deutschen Schiffen befohlen, wenn sie amerikanische sehen — nicht darauf zu schieBen, 
aber sich zu wehren, sobald sie angegriffen werden. Einen deutschen Offizier, der sich nicht wehrt, 
stelle ich vor ein Kriegsgericht. 

Wenn also ein amerikanisches Schiff auf Grund des Befehls seines Prasidenten schieBt, dann wird 
es das auf eigene Gefahr hin tun. Das deutsche Schiff wird sich wehren, und unsere Torpedos werden 
treffen. 

Ich habe auch gar keine Lust, mich mit diesen lacherlichen Falschungen abzugeben, z. B. daB ich 
durch deutsche Experten eine Landkarte fabriziert hatte. Da kann ich Herrn Roosevelt nur sagen: Ich 
habe auf gewissen Gebieten liberhaupt keine Experten. Bei mir geniigt immer mein Kopf ganz allein. 
Ich habe keinen Gehirntrust zu meiner Unterstlitzung notwendig. Wenn also wirklich eine Verande- 
rung irgendwo 

96 stattfinden soil, dann entsteht das zunachst in meinem Gehirn und nicht im Gehirn anderer, auch nicht 
in dem von Experten. Ich bin auch kein Gymnasiast, der in einem Schulatlas Karten einzeichnet. Siid- 
amerika liegt so weit weg wie meinetwegen der Mond. Es sind das dlimmste Behauptungen. 

Aber nehmen wir die zweite Falschung, wir wollten alle Religionen der Welt ausloschen. Ich bin 
jetzt 52 Jahre alt und habe etwas anderes zu tun, als mich mit Kindereien oder Dummheiten zu be- 
schaftigen. AuBerdem interessiert es mich gar nicht, welche Arten von Religionen in der Welt sind 
und wie die Volker zu diesen Religionen stehen. Das interessiert nur den Herrn amerikanischen Prasi- 
denten Roosevelt. Im Deutschen Reich — und nach unserer Auffassung kann jeder nach seiner Fasson 
selig werden! 

Ich habe gelesen, daB es in den Vereinigten Staaten verboten ist, daB ein Prediger gegen den Staat 
redet, und daB es Soldaten verboten ist, solche Predigten zu besuchen. Es ist das gleiche wie bei uns, 
nur mit einem Unterschied, namlich dem, daB im Deutschen Reich die Konfessionen fast 900 Millio- 
nen Mark jahrlich von Staats wegen bekommen, in Amerika aber keinen Pfennig! Es ist auch im 
Deutschen Reich kein Priester jemals wegen seiner Glaubensgrundsatze verfolgt worden, sondern nur 
dann, wenn er von den Glaubensgrundsatzen weg sich in Staatsgrundsatze einmischte. Das haben aber 
immer nur sehr wenige getan. Die groBe Mehrzahl steht in diesem Kampf hinter dem deutschen Staat. 
Sie weiB ganz genau, daB, wenn dieser Kampf fur das Deutsche Reich verloren wlirde, unter dem Pro- 
tektorat von Stalin jedenfalls die Religion schlechter fahren wiirde als unter unserem. 

Alle Versuche, von auBen her vielleicht auf das deutsche Volk einzuwirken, sind kindisch und la- 
cherlich. Das deutsche Volk kennt nun das nationalsozialistische Regime als Partei seit bald zwanzig 
Jahren, als Staatsfuhrung jetzt ebenfalls schon acht Jahre, und ich glaube, daB es keine Zeit der deut- 
schen Geschichte gibt, innerhalb der in acht Jahren so Gewaltiges geleistet worden ist als im Deut- 
schen Reich unter der Flihrung der nationalsozialistischen Bewegung. 

Die groBten Zeugen fur das Wirken unserer Bewegung werden diejenigen sein, die von der Front 
zuruckkommen und ein 23jahriges Wirken des Kommunismus mit dem unsrigen vergleichen konnten. 
Sie konnen ein Urteil abgeben, was der Nationalsozialismus geleistet hat und was unserem Europa 
bevorstlinde, wenn diese andere Welt siegreich sein sollte. Sie verstehen unsere groBe Zielsetzung: 
daB wir in diesem Kampf nunmehr endlich die Gefahr des Ostens von Europa nehmen und dadurch 
diesen Osten in seiner unermeBlichen Fruchtbarkeit, mit seinem unermeBlichen Reichtum an Boden- 
schatzen und 

97 Erzen nicht mehr gegen Europa mobilisieren lassen, sondern ihn in den Dienst Europas stellen. 

Das ist ein gewaltiges Ziel, das weit liber die Grenzen unseres Deutschen Reiches hinausreicht, ge- 
waltig nicht nur als Leistung, sondern auch gewaltig in den Folgen. Der bisherige Zustand ist doch ein 
Wahnsinn — dieses Europa, in dem auf manchen Gebieten — ich brauche nur an den Westen zu den- 
ken — bis zu 260 Menschen auf dem Quadrafkilometer leben! 



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Ich sehe alle diese Dinge von einer — ich darf wohl sagen — hoheren Warte. Ich unterscheide zwi- 
schen den Franzosen und ihren Juden, zwischen den Belgiern und ihren Juden, zwischen den Hollan- 
dern und ihren Juden. Ich weiB, daB dort zahllose Menschen leben, die auch die Opfer dieser wahn- 
witzigen europaischen Konstruktion sind, nach der tatsachlich der reichste Teil Europas gegen Europa 
fortgesetzt mobilisiert wird, ohne daB dabei die eigenen Menschen dort auch nur den primitivsten Le- 
bensstandard besitzen. Das haben ja auch unsere Soldaten gesehen: In einem Land, in dem die 
Fruchtbarkeit nur so aus dem Boden quillt, in einem Land, in dem man mit einem Bruchteil der Arbeit 
ein Vielfaltiges an Gewinn erzielen wiirde wie bei uns, da haben die Menschen kaum so viel, daB sie 
auch nur einen Kochtopf ihr eigen nennen; in elenden Katen hausen sie, verkommen, verlaust und 
verdreckt. Vor wenigen Tagen habe ich gelesen, daB man bei einem deutschen Kriegsgefangenen im 
Osten Lause gefunden haben sollte. Das laBt Herr Stalin verbreiten. Ich nehme an, daB er doch nicht 
glauben machen will, dieser Kriegsgefangene habe die Lause etwa von Munchen oder von Berlin 
nach RuBland mitgebracht. Im Sowjetparadies existiert wirklich das Miserabelste, was es an Sklaven- 
tum iiberhaupt auf dieser Welt je gegeben hat, Millionen verangstigter, unterdriickter, verkommener 
Menschen, halbverhungert! Dariiber allerdings steht ein Regime von Kommissaren, zu 90 Prozent 
jiidischer Herkunft, das diesen ganzen Sklavenstab dirigiert. 

Es wird fur Europa eine wahre Erlosung sein, wenn nicht nur diese Gefahr verschwindet, sondern 
wenn die Fruchtbarkeit dieser Erde ganz Europa zugute kommt. Das ist eine gewaltige Aufgabe, die 
uns gestellt ist, und ich bin nun allerdings so viel Materialist, daB ich sie als viel wichtiger ansehe, als 
mich etwa darum zu kummern, welche Religionen in den verschiedenen Landern herrschen. 

Wir haben ein Ziel, es umfaBt diesen Kontinent, primar unser Vaterland, dann dariiber hinaus aber 
auch alle diejenigen, die in gleicher Not leben wie wir auch. Und dann bin ich der Uberzeugung, daB 
dieser Kontinent nicht der zweite der Welt sein, sondern daB er nach wie vor der erste bleiben wird. 

Und wenn Herr Willkie, dieser Ehrenmann, erklart, es gebe nur zwei Moglichkeiten, entweder Ber- 
lin wird Welthauptstadt oder Washington — dann kann ich nur sagen: Berlin will gar nicht Welt- 
hauptstadt 

sein, und Washington wird nie Welthauptstadt werden! In Europa wiirde, so glaube ich, ein halbes 
Hundert sogar von Mittelstadten gegen eine derartige Kulturbelastung der Menschheit protestieren. 

Unser groBes Ziel im Osten ist im Grunde genommen nur die letzte Auswertung unseres Pro- 
gramms, nach dem wir einst angetreten sind, dieses niichternen Programms, das die menschliche Ar- 
beit und damit den Menschen selbst in den Mittelpunkt des Handelns, des Strebens und auch des Er- 
fiillens riickt. Wir haben damals gegen die Begriffe von Gold und Kapital den Begriff, Mensch, 
Volksgenosse und Arbeit gesetzt, und wir setzen heute gegen diese Begriffe wieder den Menschen 
und seine Arbeit. Wir umfassen damit auch alle diejenigen, die mit uns heute als Verbiindete stehen, 
in erster Linie den Staat, der unter der gleichen Not, zum Teil unter einer noch viel groBeren leidet als 
Deutschland selbst: Italien. Der Duce — ich weiB es — , er empfindet diesen Kampf nicht anders als 
wir: auch sein Land ist arm, iibervolkert, immer benachteiligt, nicht wissend, woher das tagliche Brot 
genommen werden soil. E r h a t sich mit mir verschworen, und diesen Bund wird und kann keine 
Gewalt der Welt losen! Es sind zwei Revolutionen, die zu verschiedenen Zeiten, in verschiedenen 
Formen, aber doch mit gleichen Zielen angetreten sind. Sie werden gemeinsam diese Ziele erreichen. 

Zu uns sind nun eine ganze Anzahl weiterer europaischer Staaten gestoBen. Wir konnen sagen, daB 
fast ganz Siidosteuropa heute in unserem Lager steht, und daB groBe Teile des iibrigen Europa sich, 
wenn auch nicht staatlich, dann wenigstens gesinnungsmaBig in unserer Front befinden. So kampfen 
wir als Nationalsozialisten heute nicht mehr allein, sondern in einer gewaltigen europaischen Front. 
Und wir konnen am Ende dieses Jahres wohl sagen, daB durch diese europaische Front die groBte Ge- 
fahr bereits abgewendet worden ist. Als ich neulich in Berlin sprach, da standen wir gerade vor dem 
Anlauf zu einem letzten gigantischen Hieb. Er ist iiber alle MaBen gelungen. Rund 75 Divisionen 
wurden mit einem Schlag ausgeloscht und vernichtet. 

Und die Fiihrung dieses Kampfes sowohl als die Ausfiihrung wird nicht ermiiden und nicht ermat- 
ten. Was der Heldenmut an der Front geleistet hat, ist unsterblich, und fur eine so u n sterbliche Tat 
wird auch — das konnen wir als Menschen, die an eine Vorsehung glauben, annehmen — ein unver- 
ganglicher Lohn kommen! 

Wir diirfen keinen Zweifel dariiber haben, daB in dieser Zeit jetzt das Schicksal Europas fur die 
nachsten tausend Jahre entschieden wird. Wir alle konnen gliicklich sein, daB wir diese Zeit anbahn- 
ten, und Sie, meine Freunde aus alter Zeit, Sie konnen stolz darauf sein, daB Sie mir, den die Vorse- 
hung 



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99 bestimmt hat, diesen Weg zu beschreiten, schon damals in einer Zeit und unter Umstanden folgten, in 
denen ich in dieser Stadt noch als ein unbekannter Mann meinen Weg begann. 

Wir dlirfen gerade in diesem Jahr mit noch mehr Stolz vor die Graber unserer alten Kameraden hin- 
treten. Im vergangenen Jahr konnte uns vielleicht vor ihnen etwas belasten. Wir haben nicht mehr 
gegen Rotfront gekampft, das Schicksal hatte uns gezwungen, mit ihm einen Waffenstillstand zu 
schlieBen. Ich habe diesen Waffenstillstand ehrlich gehalten. Von der anderen Seite ist die Entbindung 
von dieser Verpflichtung erfolgt. Ich blicke jetzt fast wie erlost in diesem Jahr zu den Grabern unserer 
Parteigenossen hin, denn ich weiB, daB diese Parteigenossen ja einst alle das gleiche Ziel hatten: den 
Kampf gegen diesen marxistischen Weltfeind und seine Verbundeten. Sie sind damals unter den Ku- 
geln dieser Front, die sich von einer dummen Reaktion bis zum fanatisierten Wahnwitz des Bolsche- 
wismus hin erstreckte, gefallen. 

Wir erinnern uns gerade in diesem Jahr dieser Gefallenen mit besonderer Ruhrung und mit besonde- 
rer Ergriffenheit. Meine eigenen Empfindungen werden Sie verstehen. Ich bin nur wenige Stunden 
wieder hier in dieser Stadt, von der ich einst auszog, aber ich bin so glticklich, Sie wieder hier zu se- 
hen, meine alten Gefahrten, meine alten Kampfgenossen. Und Sie diirfen mir schon glauben, daB mir 
in diesem Jahre eine ungeheure Last vom Herzen genommen worden ist. Ich empfinde so recht die 
ganzen Opfer, die wir bringen muBten: alle unsere vielen jungen und alten Freunde, die jetzt wieder 
mit ihrem Blut Deutschlands Rettung bezahlen muBten und vielleicht noch bezahlen miissen. 

Allein es ist der alte, ewige Streit und der alte, ewige Kampf. Er fand eben im Jahre 1918 kein Ende. 
Damals hat man uns um den Sieg betrogen. Damals haben wir zwei Millionen Tote geopfert, liber 7 V- 
s Millionen Verwundete gehabt und sind trotzdem durch den Wahnwitz einer inneren Revolution um 
den Sieg gebracht worden. Es war aber nur der Anfang, das erste Stuck dieses Dramas, das zweite und 
der SchluB werden jetzt geschrieben, und wir werden diesmal nun das einholen, um was man uns da- 
mals betrogen hat. Punkt um Punkt und Position um Position wird jetzt wieder in Rechnung gestellt 
und einkassiert werden. 

Es wird die Stunde kommen, da wir auch vor die Graber der Gefallenen des groBen Krieges hintre- 
ten und sagen werden konnen: „Kameraden, auch ihr seid nicht umsonst gefalle n." Das, was wir einst 
vor der Feldherrnhalle aussprachen, das werden wir noch mit einem tausendmal groBeren Recht vor 
den Grabern unserer Weltkriegssoldaten verkunden konnen: „Kameraden, ihr habt doch gesiegt!" 





Jnrijiiiilliiill; 



100 Mit groBer Spannung erwartet in jedem November das deutsche Volk die Rede des Fuhrers zum 
Gedenktag der Munchner Heldenehrung. Noch in jedem Jahre hat der Ftihrer in seiner Rede, die dem 
Gedachtnis der Toten vom 9. November gewidmet ist, grundlegende, richtungweisende Worte zum 
deutschen Volke gesprochen. So auch in diesem Jahre. In groBen Ziigen schilderte der Fiihrer in seiner 
Rede die politische Entwicklung, die zum Ausbruch der Feindseligkeiten zwischen Deutschland und 
der Sowjetunion fiihrte. Erschutternd war es zu horen, welch schwere Sorgen den Fiihrer schon zu 
einer Zeit bedriickt hatten, als die Welt noch meinte, zwischen dem Reich und seinem ostlichen Nach- 



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bar ware alles zum Guten geregelt. Mit groBer Eindringlichkeit schilderte er das ungeheuere AusmaB 
der Gefahr, von der das Reich und Europa bedroht waren. Eindrucksvoll waren die Zahlen, die er fur 
die bisherigen Erfolge im Ostfeldzug anflihrte. Scharf war seine Abrechnung mit London und Wa- 
shington, flammend sein Bekenntnis zu den alten Kampfparolen der Bewegung. Der Appell an die 
gesamte Nation, diesen Kampf alien Fahrnissen und Widerwartigkeiten zum Trotz bis zum endgulti- 
gen Sieg durchzufechten, ist von alien Deutschen bis zum letzten Mann begriffen worden. Wie immer 
ging von dieser Rede des Fuhrers ein Kraftstrom ins Volk, der Heimat und Front mit dem gleichen 
Willen zum Sieg beseelte. Wortlaut der Fuhrerrede siehe Seite 84). 

Die Munchner Feiern fanden im traditionellen Rahmen statt. Die Feiern, die allenthalben im Reich 
stattfanden, waren in schlichter Form gestaltet worden. Vielfach hatte man mit ihnen eine Totenehrung 
der Gefallenen des Weltkrieges und des gegenwartigen Schicksalskampfes verbunden. 

Die Kriegsereignisse im Osten und im Kampf gegen England nahmen im Laufe des November wei- 
terhin ihren Fortgang. Hart und schwer war das Ringen insbesondere an der groBen Front vom Finni- 
schen Meerbusen bis hinunter zum Schwarzen Meer. Die Ungunst des Wetters verzogerte den 

101 Siegeslauf der deutschen Armeen im gewissen Sinne und bereitete den Soldaten unendliche 
Strapazen, deren sie mit der ganzen zahen und verbissenen Kraft des deutschen Menschen Herr wur- 
den. Am 8. November veroffentlichte das OKW die Zahl der Gefangenen, die bis zum 1. November im 
Ostfeldzug gemacht wurden: 

3 230 614 bolschewistische Gefangene waren bis dahin in deutscher Hand. Die Masse des vernichte- 
ten sowjetischen Kriegsmaterials, die Zahl der erbeuteten Tanks, Fahrzeuge, Geschutze und sonstiger 
leichter Waffen ist gar nicht zu ubersehen. Aus alledem ergibt sich, daB des Fuhrers Wort, von einem 
solchen Schlage konne sich keine Armee der Welt erholen, auf harte Tatsachen gegriindet ist. Den 
bisherigen Gesamtverlust der Sowjetarmeen beziffert das OKW mit 7 bis 8 Millionen Sowjetarmisten. 
Eine genaue Nachpriifung ergab, daB in der Zeit zwischen dem 22. Juni und 30. September 1941 na- 
hezu 300 sowjetische Divisionen mit der Masse ihrer Mannschaften und ihres Kriegsgerats vernichtet 
worden sind. Im Laufe des Oktobers setzten sich die schweren Verluste fort. Allein zwischen 30. Sep- 
tember 1941 und Anfang November verloren die Sowjets 76 Schutzendivisionen, 6 Kavalleriedivisio- 
nen, 7 Panzerdivisionen und 6 Panzerbrigaden. Insgesamt rechnet man, daB 389 geschlossene groBere 
Verbande des bolschewistischen Feindes zerschlagen sind, deren Ersatz ihm nicht mehr moglich sein 
wird. Diese Zahlen umreiBen vollig eindeutig die GroBe der Gefahr, in der sich die europaische Kultur 
durch den Aufmarsch dieser Krafte befand. Die deutsche Wehrmacht hat diese Gefahr beseitigt. Im 
Kampf gegen England war die U-Bootswaffe auch in dem durch Witterungsunbilden so gefahrvollen 
Monat weiterhin erfolgreich. Vor allem die britische Kriegsmarine hat schwere Schlage erhalten. 

Mit groBem Aplomb- starteten die Englander um die Mitte des Monats mit einer riesigen Ubermacht 
an Panzer- und motorisierten Verbanden einen wohlvorbereiteten Angriff auf die Divisionen des Ge- 
nerals Rommel und die italienischen Verbande in der Marmarica. Die gesamte englische und amerika- 
nische Presse sprach von „Blitzkrieg" und der in wenig Tagen abzusehenden volligen Vernichtung der 
deutsch-italienischen Truppen. Die gesamte Propagandamaschinerie Churchills lief auf hohen Touren. 
Demgegenuber hielt sich das deutsche Oberkommando auBerst zuriick. Wie immer, wenn schwere 
Kampfe im Gange waren, verlautete nichts tiber den vermutlichen Ausgang und die Entwicklung der 
Operationen. Gegen Ende November wurde es aber offenbar, daB die Truppen Rommels, hervorra- 
gend gefuhrt, mit unerhortem Schneid kampfend, zusammen mit den vortrefflich fechtenden italieni- 
schen Divisionen den englischen Angriff aufgehalten und dem Feinde schwere Verluste zugefugt hat- 
ten. Am Monatsende waren die Kampfe noch im Gange, aber die englische Presse und der englische 
Rundfunk sind wesentlich kleinlauter geworden. 

102 Auch die britische Non-stop-Offensive, die den Russen Entlastung bringen sollte, erfuhr im Monat 
November schwere Ruckschlage. Bei den starkeren Angriffen, so in der Nacht vom 7. zum 8. Novem- 
ber und am Monatsende, wurden auBerordentlich zahlreiche britische Maschinen abgeschossen und 
vernichtet. In der Nacht vom 7. zum 8. November fielen allein 27 der angreifenden Bomber der deut- 
schen Abwehr zum Opfer. Ein weiteres knappes Dutzend erreichte ebenfalls in dieser Nacht die hei- 
mischen Flugplatze nicht mehr. Auch die Verluste der Briten in der Nacht vom 30. November auf den 
1. Dezember waren unverhaltnismaBig hoch. 19 englische Maschinen gingen dabei verloren- 

Ein groBes Ereignis, das weit tiber die Bedeutung eines innerpolitischen Vorgangs hinausging, war 
der Staatsakt anlaBlich der Verlangerung des Antikominternpaktes, der am 25. November im Bot- 
schaftersaal der Neuen Reichskanzlei stattfand. Die Bedeutung dieses Staatsaktes wurde dadurch er- 
hoht, daB weitere sieben Staaten, und zwar Bulgarien, Danemark, Finnland, Kroatien, Rumanien, Slo- 



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wakei und China diesem Pakt beitraten. Reichsminister von Ribbentrop hielt dabei eine vielbeachtete 
Rede, die Deutschlands Stellung in Europa, Europas Haltung zu den Problemen der Weltpolitik in 
klarer und eindeutiger Weise festlegte. Der Rahmen, in dem diese Feierlichkeit stattfand, lieB erken- 
nen, welches Gewicht die nationalsozialistische Staatsflihrung der Erweiterung dieses Paktes beimiBt. 
In der Tat deutete sich an diesem 21. November zum erstenmal die Form des neuen Europa an, das 
sich ebenso gegen den Bolschewismus geeint flihlt, wie es eine gemeinsame Abwehrfront gegen den 
Blockadekampf der westlichen Demokratien England und die Vereinigten Staaten zu bilden bereit ist. 
Nachdem der Reichsminister des Auswartigen am Mittwoch Einzelbesprechungen mit den verschie- 
denen Staatsmannern gefuhrt hatte, empfing am 27. November der F u h r e r in Gegenwart des 
ReichsauBenministers die einzelnen Delegationsfuhrer. Alle die verschiedenen, die Volker Europas 
bewegenden Fragen wurden bei dieser Gelegenheit unter dem Aspekt der neuen Ordnung unseres 
Kontinents besprochen. Am Mittag des gleichen Tages sah der Fiihrer die anwesenden Staatsmanner 
und die Berliner Missionschefs der Antikominternmachte bei sich zu Gaste. Fuhrende Manner des 
nationalsozialistischen Staates waren bei diesem Empfang zugegen. 

Aus AnlaB der Unterzeichnung des Protokolls iiber die Verlangerung des Abkommens gegen die 
kommunistische Internationale und des Beitritts weiterer sieben Staaten sandte der Ftihrer an die 
Staatsoberhaupter der im Antikominternpakt vereinigten Machte sowie an den Duce und den Staats- 
chef Rumaniens herzlich gehaltene Gliickwunschtele gramme. Diese GriiBe wurden auf das herzlichste 
erwidert. Auch Reichsmarschall 

103 Hermann Goring gab den in Berlin weilenden Vertretern der Vertragsmachte am 26. November in 
seinem Berliner Hause einen Nachmittagsempfang. Der Bedeutung dieses Berliner Paktabschlusses 
entsprach weiterhin das deutsche und das auslandische Presseecho. In Deutschland und in den ubrigen 
Staaten des Antikominternpaktes wurden die Berliner Tage als Beginn einer neuen europaischen Epo- 
che gewurdigt, vom feindlichen Ausland her aber mit gehassigen und verkleinernden Kommentaren 
begleitet. Aber sogar aus diesen Stimmen des feindlichen Auslandes ging hervor, welch entscheidende 
Bedeutung man dort diesem groBartigen politischen Akt fur die weitere Entwicklung des Krieges bei- 
miBt. 

Der Monat November brachte der deutschen Wehrmacht eine ganze Reihe schmerzlicher Schlage 
durch den Tod hervorragender Offiziere. Am 17. November erlitt der Generalluftzeugmeister, Gene- 
raloberst U d e t, bei Erprobung einer neuen Waffe einen so schweren Unglucksfall, daB er an den 
Verletzungen auf dem Transport verschied. Der Ftihrer hat fur den auf so tragische Weise in Erfullung 
seiner Pflicht dahingegangenen Offizier ein Staatsbegrabnis angeordnet. In Anerkennung der hervor- 
ragenden Leistungen des im Weltkrieg in 62 Luftkampfen siegreichen Jagdfliegers und in Wurdigung 
der hohen Verdienste bei dem Aufbau der Luftwaffe hat der Ftihrer den Generaloberst Udet durch 
Verleihung seines Namens an das Jagdgeschwader 3 ausgezeichnet. Am 21. November fand im Eh- 
rensaal des Reichsluftfahrtministeriums der Staatsakt fur Generaloberst Udet in Gegenwart des Fiih- 
rers statt. Reichsmarschall Goring wtirdigte in seiner Rede die Personlichkeit und das Werk Ernst 
Udets. Auf dem Invalidenfriedhof in der Nahe des Grabes Manfred von Richthofens fand der erste 
Generalluftzeugmeister der nationalsozialistischen Luftwaffe seine Grabstatte. 

Ein hartes Geschick hat es gefiigt, daB die deutsche Luftwaffe wenige Tage nach dem Heimgange 
des Fliegerhelden aus dem Weltkriege auch den kuhnsten und besten aus dem Reich ihrer jungen 
Jagdflieger verlor. Der Inspekteur der Jagdflieger, Oberst Werner M o 1 d e r s , ist am 22. November 
auf einem Dienstflug bei der Ruckkehr aus der Krim nach einer Zwischenlandung in Lemberg durch 
Ausfall beider Motoren — eine tragische und seltene Verkettung von Umstanden — in einem Kurier- 
flugzeug, das er nicht selbst steuerte, bei Breslau abgestiirzt. Vom Feinde unbesiegt, fand der Sieger in 
115 Luftkampfen auf so tragische Weise den Fliegertod. In Wurdigung des einmaligen Verdienstes 
des Obersten Molders hat der Fiihrer und Oberste Befehlshaber der Wehrmacht verfugt, daB das bisher 
von Molders zu gewaltigen Siegen gefuhrte Jagdgeschwader in Zukunft seinen Namen tragen soil. 
Zugleich hat der Ftihrer 

104 fur den jungen Helden ein Staatsbegrabnis angeordnet. Unter gewaltiger Anteilnahme des ganzen 
deutschen Volkes wurde Werner Molders, der erste und bisher einzige Trager des Eichenlaubs mit 
Schwertern und Brillanten zum Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes, am 28. November nach einem feier- 
lichen Staatsakt, der ebenfalls in Anwesenheit des Fuhrers stattfand, auf dem Invalidenfriedhof beige- 
setzt. — Der bevollmachtigte Vertreter des Reichsjugendfuhrers, Stabsfuhrer M o c k e 1, erlieB aus 
AnlaB des Todes dieser beiden vorbildlichen Soldaten einen Tagesbefehl, der die Jugend aufforderte, 



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im Geiste der beiden Flieger, des Generaloberst Udet, des Oberst Werner Molders, zu leben und wie 
sie im Einsatz fur das Reich niemals mlide zu werden. 

Auch General der Flieger W i 1 b e r g, einer der altesten Fliegeroffiziere der deutschen Wehrmacht, 
verungluckte am 20. November todlich auf einem Dienstflug. General der Flieger Wilberg hat sich im 
Weltkriege als Inspekteur der Fliegertruppen und als Kommandeur der Flieger der IV. Armee groBe 
Verdienste erworben. Nach dem Kriegsende wirkte er im Reichswehrministerium und kampfte um die 
Erhaltung des Fliegergedankens in Wehrmacht und Volk. An der Aufstellung der Legion Condor war 
er maBgebend beteiligt, seit Kriegsbeginn stellte General der Flieger Wilberg sein Konnen und seine 
Erfahrung als hoherer Fliegerausbildungskommandeur in den Dienst der Luftwaffe. 

Am 22. November meldete der Wehrmachtbericht, daB der Kommandierende General eines Armee- 
korps, General der Infanterie von Briesen, in den Kampfen der Ostfront den Heldentod starb. General 
von Briesen hat mehrfach bei den Operationen im Osten sowohl im Polenfeldzug als auch jetzt bei den 
Kampfen in der Sowjetunion in vorderster Linie gestanden und seinen Soldaten ein ganz personliches 
Beispiel gegeben. Im Polenfeldzug wurde der General verwundet, trotzdem blieb er nach Anlegung 
eines Notverbandes auf dem Schlachtfelde. Der Ftihrer hat dieses tapferen Offiziers in seiner 
Reichstagsrede vom 6. November 1939 gedacht. General von Briesen war es auch, der vor dem Are de 
Triumphe in Paris den Vorbeimarsch der deutschen Truppen abnahm. 

Um die Mitte des Monats weilte der rumanische Handelsminister Marinescu in Berlin. Er hatte hier 
mit Reichswirtschafts minister Funk bedeutsame Besprechungen iiber den deutsch-rumanischen Han- 
delsverkehr. Auf Einladung des Reichskriegerfuhrers Generals der Infanterie, SS-Gruppenfuhrers 
Reinhardt, weilte zu Anfang des Monats der Ftihrer des italienischen Kriegerbundes, Generalleutnant 
Rossi, in Deutschland. 

Ein FuhrererlaB von weittragender Bedeutung wurde am 17. November veroffentlicht. Er ernannte 
den 

105 Reichsleiter Alfred Rosenberg zum Reichsminister fur die besetzten Ostgebiete und bestimmte die 
Einrichtung der Zivilverwaltungen im Osten. Zum standigen Vertreter von Reichsminister Rosenberg 
hat der Ftihrer den Gauleiter und Reichsstatthalter Dr. Alfred Meyer bestellt. Zunachst sind die Zivil- 
verwaltungen in dem Gebiet der fruheren Freistaaten Litauen, Lettland, Estland und in Teilen von 
WeiBruthenien eingefuhrt worden. Die Gebiete bilden zusammen das Reichskommissariat O s tl a n d. 
Zum Reichskommissar fur das Ostland hat der Ftihrer den Gauleiter und Oberprasidenten Hinrich L o 
h s e bestellt. Auch in Teilen der Ukraine ist bereits die Zivilverwaltung eingerichtet worden. Hier 
wurde Gauleiter und Oberprasident Erich Koch zum Reichskommissar bestellt. Damit ist fur die Ent- 
wicklung der vom Bolschewismus befreiten Gebiete eine neue und bessere Zukunft vorgezeichnet. 
Die ersten Aufgaben dieser Zivilverwaltung sind die Wiederherstellung und Aufrechterhaltung der 
offentlichen Ordnung und des offentlichen Lebens. 

Zum Generalkommissar in Litauen wurde der Hauptdienstleiter der NSDAP Dr. v. Renteln, zum 
Generalkommissar fur Lettland der Oberburgermeister von Liibeck, Drechsler, zum Generalkommis- 
sar fur Estland der SA.-Obergruppenfuhrer Litzmann und zum Generalkommissar fur WeiBruthenien 
der Gauleiter und Oberprasident a. D. K u b e ernannt. 

Die Verwaltungsakademie eroffnete am 19. November in der Berliner Universitat eine kriegs- und 
wehrwirtschaftliche Vortragsreihe mit einem Vortrag des Generalgouverneurs, Reichsminister Dr. 
Frank, iiber das Generalgouvernement. Dr. Frank leitete aus der geschichtlichen Entwicklung und der 
ErschlieBung dieses Raumes durch deutsche Stamme und deutscher Kolonisatoren das Recht des 
Deutschtums her, an der Weichsel wiederum die Fuhrung zu ubernehmen. Lange bevor die slawischen 
Volksteile ins Land kamen, hatten in diesem Raum schon germanische Stamme, besonders Goten und 
Vandalen, gelebt und gewirkt. Durch die ganze mittelalterliche Geschichte lieBe sich die dauernde 
Abhangigkeit des Polentums vom Deutschen Reiche liickenlos verfolgen. Deutsche Kunsfler und Stad- 
tebauer seien es gewesen, die den Weichselraum mit Kultur erfiillt hatten. Allein 181 Stadte verdank- 
ten ihr Entstehen dem Magdeburgischen Recht. Der Polenkrieg 1939 habe die polnische Gefahr fur 
alle Zeiten gebannt und damit eine endgultige Sicherung des deutschen Lebens geschaffen. In seinen 
weiteren Ausfuhrungen ging Dr. Frank auf Verwaltungsfragen im Generalgouvernement ein. Die Er- 
folge, die die deutsche Verwaltung in zwei Jahren errungen habe, seien ungeheuer groB. Heute herr- 
sche wieder Ordnung, die Aufbauarbeit sei in vollem Gange. Fast eineinhalbtausend Kilometer Stra- 
Ben seien gebaut, 

106 die Eisenbahnstrecken uberholt und 1700 Kilometer zusatzlich dem Verkehr ubergeben. Samtliche 
groBen Fabriken seien in den Produktionsapparat eingespannt worden. Der Boden wurde bestellt und 



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die Ernte iiberall geborgen. Uber 2000 Schulen wurden neu eroffnet, das Bauwesen belebt; in Krakau 
selbst wurden ein groBes Theater und die Philharmonie gegriindet. Besondere Bedeutung komme dem 
Ausbau der Weichsel als einer der wichtigsten WasserstraBen des Ostens zu. Ein Polenproblem, so 
schloB der Generalgouverneur, gabe es nicht mehr. Die vom Kriege hart mitgenommene Bevolkerung 
stehe heute wieder in Arbeit und Brot. Diese Tatsache allein beweise die Richtigkeit der von der deut- 
schen Verwaltung beschrittenen Wege. 

Am 20. November fand in der Wenzelskapelle des Veitsdoms in Prag ein symbolischer Akt statt. 
Der stellvertretende Reichsprotektor, SS-Obergruppenfuhrer General der Polizei H e y dr i c h , und 
der Staatsprasident Dr. Emil H a c h a besichtigten die bohmischen Kronungskleinodien. Bei dieser 
Gelegenheit uberreichte der Staatsprasident dem Reichsprotektor als dem Beauftragten des Fuhrers im 
Protektorat die in seinem Besitz befindlichen Schliissel der Kronungskammer. Der Reichsprotektor 
ubernahm sie und damit den Schutz der Insignien. Er richtete dabei folgende Worte an den Staatspra- 
sidenten: „Wie die Kronungskleinodien als Symbol der Treue Bohmens und Mahrens zum Reich gel- 
ten, sind Sie, Herr Staatsprasident, heute der vom Fiihrer anerkannte Garant der Verbundenheit und 
Treue des Protektorats zum Reich. So gebe ich Ihnen von den in meinem Besitz befindlichen sieben 
Schliisseln drei in Ihre Obhut zuriick. Sehen Sie darin Vertrauen und Verpflichtung zugleich. Ich bitte 
Sie, Herr Staatsprasident, mit mir die Kronungskammer zu betreten." 

Generalleutnant von Hanneken, der Generalbevollmachtigte fur die Eisen- und Stahlbewirtschaf- 
tung und Unterstaatssekretar im Reichswirtschaftsministerium, hatte der schwedischen Zeitung 
„Svenska Dagbladet" ein Interview gegeben, das von diesem Blatt unter der Uberschrift „Das deutsche 
Kriegspotential reicht fur den Sieg" veroffentlicht wurde. Die deutsche Presse entnahm diesen Ausfiih- 
rungen bedeutsame Absatze. General von Hanneken weist in seinen Ausfuhrungen darauf hin, daB die 
deutsche Luftriistung bei Ausbruch des Krieges bedeutend iiber der englischen Produktion lag und 
wahrend des Krieges standig gesteigert wurde. Deutschlands Vorsprung auf diesem Gebiet konne 
nicht mehr eingeholt werden. Zur Frage der amerikanischen Rustung erklarte der General: „Wir besit- 
zen bereits die Rustungsmaschinerie, die auf der anderen Seite des Ozeans als „nachstes Ziel" jetzt 
angesetzt wird. Wir haben bereits Methoden fur die Bewirtschaftung und die organisatorischen und 
personlichen Erfahrungen, die uns in die Lage versetzen, unter alien Umstanden das fur die Kriegfuh- 
rung notwendige 
107 Material herbeizuschaffen und dieses auf anderem, nicht kriegswichtigem Gebiete einzusparen." Die 
Rohstofferzeugung des sich jetzt abzeichnenden europaischen GroBraumes liege hinsichtlich der wich- 
tigen Rohstoffe wie Eisen, Kohle und Aluminium weit tiber dem, was Deutschland selbst 1938 her- 
vorbringen konnte. Kein Weltmeer schiebe sich zwischen unseren Produktionsplan und seine Durch- 
fiihrung. 

In drei maBgebenden Fuhrungsstellen des Reiches, in den Gauen Salzburg und Karnten, hat der 
Ftihrer Neuernennungen vorgenommen. Gauleiter in Westfalen-Stid wurde der stellv. Gauleiter SA- 
Obergruppenfiihrer Paul G i e s 1 e r. Den Gauleiter und Reichsstatthalter in Salzburg, Dr. Friedrich 
Rainer, ernannte der Fiihrer zum Gauleiter und Reichsstatthalter des Gaues Karnten und den Reichs- 
studentenfiihrer, Oberdienstleiter Dr. Gustav Adolf Scheel, zum Gauleiter und Reichsstatthalter des 
Gaues Salzburg. Gleichzeitig hat der Reichsfiihrer SS mit Genehmigung des Fuhrers den Stellvertre- 
tenden Gauleiter A -Brigadefiihrer Franz Kutsch era, der an S telle des verstorbenen Gauleiters Klaus- 
ner die Geschafte der Gauleitung Karnten gefiihrt hat, in die Dienststelle des Reichskommissars fiir 
die Festigung des deutschen Volkstums berufen. Reichsorganisationsleiter Dr. Ley fiihrte am Sonn- 
abend, dem 29. November, Gauleiter Scheel und am 30. November Gauleiter Dr. Rainer in ihre Amter 
ein. 

In einem aufschluBreichen Vortrag vor Vertretern der Wirtschaft, Partei, Wehrmacht und Verwal- 
tung iiber die wirtschaftlichen Aufgaben und insbesondere iiber den Aufbau Niederschlesiens gab 
Gauleiter Hanke bekannt, daB der Gau Niederschlesien in demselben Umfang wie die Ostmark und 
der Sudetengau in den GenuB der Oststeuerhilfeverordnung kommen wird. Mit dieser MaBnahme ist 
der erste Schritt zu einer wirtschaftlichen Angleichung des Gaues Niederschlesien an den Aufschwung 
all jener Gebiete gemacht worden, die durch die deutschen Siege im Osten vor einer groBen Zukunft 
stehen. 

Aus dem Gau Oberschlesien wird von der Inangriffnahme einer groBen Wohnungsbauaktion berich- 
tet. In der Polenzeit ist dieses vordringlichste Problem Oberschlesiens vollig vernachlassigt worden. 
Zur Zeit rechnet man mit einem Fehlbestand von 16 000 Wohnungen, der sich jahrlich um 22 400 
Wohnungen vergroBern wird. Im Regierungsbezirk Kattowitz werden zur Zeit mehrere tausend Woh- 



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nungen gebaut, in Laband bei Gleiwitz entsteht zur Zeit eine neue Wohnstadt aus zwei- und dreige- 
schossigen Heimstatten von insgesamt 3000 Wohnungen. 700 Wohnungen dieser in Griinflachen ein- 
gebetteten Stadt werden um die Jahreswende bezugsfertig sein. Auch in Kattowitz und Konigshiitte 
sind bereits Hunderte von Wohnungen im Bau, an anderen Orten in der Planung begriffen. 

108 Oberschlesiens Gauleiter ist sich dariiber klar, daB das Wohnungsproblem ein Volkstumsproblem ist, 
und daB die Schaffung von Stadtesiedlungen, die alle Forderungen nationalsozialistischer Wohnungs- 
und Lebenskultur erflillen, die Grundlage der restlosen Wiedereindeutschung der riickgegliederten 
Teile des Gaues ist. Deshalb wird diese Aufgabe auch fur nicht weniger wichtig betrachtet als die Ra- 
tionalisierung der oberschlesischen Industrie. Die Kronung der groBangelegten Stadtebauplanung in 
Oberschlesien soil die Errichtung einer neuen Gauhauptstadt sein. 

Am 27. November veroffentlichte der Staatssekretar fiir den Fremdenverkehr im Reichsministerium 
fur Volksaufklarung und Propaganda, Esser, eine Anordnung, die bestimmt, daB der Beherbergungs- 
raum in alien Fremdenverkehrsorten in diesem Winter nur denen zur Verfugung gestellt werden kann, 
die kriegswichtige Arbeit leisten und somit der Erholung bediirfen. Man hat jedoch diesen Rahmen 
weit gezogen. AuBer den Urlaubern der Wehrmacht, des Reichsarbeitsdienstes und anderen ahnlichen 
Organisationen darf jeder zur Wintererholung fahren, der nachweist, daB er kriegswichtige Arbeit in 
einem Betriebe, einer Behorde oder Dienststelle leistet und daB ihm rechtmaBig Urlaub zusteht. Das- 
selbe gilt fur selbstandige Gewerbetreibende und fiir Angehorige der freien Berufe. AuBerdem hat 
jeder, der ein begriindetes arztliches Attest vorlegt, die Berechtigung zu einem Kuraufenthalt. Grund 
fiir diese MaBnahme ist, daB von dem vor dem Kriege .vorhandenen Beherbergungsraum nur etwa 50 
Prozent zur Verfugung stehen. Die andere Halfte muBte fiir Zwecke der Wehrmacht oder des groBen 
sozialen Hilfswerks der NSV abgegeben werden. Demgegeniiber waren in den letzten Jahren die Zif- 
fern der Beherbergungen in alien Erholungs- und Wintersportplatzen gewaltig in die Hohe gegangen, 
zum Teil mehr als 100 Prozent. Aus diesem Grunde miissen nun alle Reisen, die nicht notwendig sind, 
zuriickgestellt werden. 

Die gesundheitliche Betreuung der Schulkinder ist zum erstenmal in Sachsen mit der HJ- 
Gesundheitspflege unter dem Begriff „Jugendgesundheitspflege" vereinigt worden. Die Jugend wird 
durch sie vom 6. bis 18. Jahre auch iiber die Schule hinaus erfaBt. Rontgen-Reihenuntersuchungen, 
besonders der Lunge und des Herzens, sind als wichtigste Teile der Untersuchungen vorgesehen. In 
den groBten sachsischen Stadten Dresden, Chemnitz und Leipzig sind bisher 40000 Jugendliche unter- 
sucht worden. Diese Reihenuntersuchungen sollen, wenn sie sich in Sachsen bewahren, auf das ganze 
Reich ausgedehnt werden und die Grundlage fiir neue gesetzgeberische MaBnahmen schaffen. Diese 
Arbeiten werden von Jugendarzten, die man rich tig erweise wohl als Jugendfacharzte bezeichnet, 
durchgefiihrt. In Sachsen 

109 plant man fiir die Zukunft die Errichtung einer Jugendarztlichen Akademie in Leipzig. Hier sollen alle 
Voraussetzungen geschaffen werden fiir die groBziigige Inangriffnahme der Jugendgesundheitspflege. 

Am 10. November wurde eine Durchfiihrungsverordnung iiber das Eiserne Sparen veroffentlicht, 
die im einzelnen den Kreis der sparberechtigten Personen, die Hohe der Sparbetrage, die Geltungsdau- 
er der Erklarung und ahnliches festlegt. 

Interessante Ausfiihrungen iiber die deutsche Kriegsfinanzierung machte Reichsfinanzminister Graf 
Schwerin von Krosigk in einem Vortrag vor der bulgarisch-deutschen Gesellschaft in Sofia. Die deut- 
sche Wirtschaftskraft werde durch ein Volkseinkommen dokumentiert, das wahrend des Krieges nicht 
gesunken, sondern noch gestiegen sei und rund 100 Milliarden betrage. Deutschland habe bisher die 
Halfte der gesamten Aufwendungen wahrend des Krieges durch ordentliche Einnahmen gedeckt und 
werde das auch zukiinftig tun. England stehe auch auf diesem Gebiet — im Gegensatz zum Weltkrieg 
— weit hinter Deutschland zuriick. Die Reserven, die Deutschland noch auf steuerlichem Gebiet und 
im Sparwillen des deutschen Volkes habe, wiirden ausreichen, um auch kiinftig, wie lange der Krieg 
auch dauern moge, den Vorsprung gegeniiber den Feindmachten zu erhalten und Deutschland vor 
einer Inflation zu bewahren. Die Verschuldung des Reiches stehe zur Finanzkraft des deutschen Vol- 
kes in einem Verhaltnis, das zu keinerlei Sorge AnlaB gebe. Wahrend die Staatsschuld der Feindlander 
das Volkseinkommen langst weit iiberschritten hat, habe die deutsche Reichsschuld erst Mitte 1941 
den Betrag des jahrlichen Volkseinkommens erreicht. 

In Braunschweig wurde Anfang November in feierlicher Form ein Haus der Technik eroffnet, des- 
sen Aufgabe es sein soil, unter Fiihrung des Amtes der Technik der NSDAP den Technikern in enger 
Zusammenarbeit mit den im NS-Bund Deutscher Technik zusammengefaBten technisch- 
wissenschaftlichen Organisationen den neuesten Stand der Wissenschaft und der Praxis zu vermitteln. 



IliiiisirlllLiiiil iii^iB|if 15 

Ministerialrat Dorsch von der Organisation Todt sprach aus diesem AnlaB iiber den Fronteinsatz der 
Technik. Ihr Einsatz und der Einsatz des lebenden Menschen seien in der Organisation Todt zur hoch- 
sten Synthese gekommen. Aus dem verachteten Schipper von 1914 — 18 habe sich der Frontarbeiter 
entwickelt, der diesen Namen mit Stolz trage. Ein groBer Erfolg sei es auch, daB es gelungen sei, die 
auslandischen Arbeiter im Rahmen der Organisation Todt fur lebenswichtige Arbeiten einzusetzen. 
Der braunschweigische Ministerprasident, K 1 a g g e s , erklarte in seinem SchluBwort, Reichsminister 
Todt habe mit den Hausern der Technik etwas geschaffen, dessen Bedeutung sich erst in der Zukunft 
zeigen werde. Diese Griindung werde dazu beitragen, daB die deutsche Technik alle Aufgaben, die ihr 
der Ftihrer 

1 10 fur Krieg und Frieden gestellt habe, losen werde. 

Ende Oktober fand, wie die deutsche Presse am 1. November berichtete, im Thronsaal des Reichs- 
propagandaministeriums unter Leitung von Ministerialdirektor B e r n d t die Mitgliederversammlung 
der „Deutschen KongreBzentrale" statt. Geschaftsfuhrer Dr. Schweig gab den Jahresbericht. Aus ihm 
war die ungeheuer umfangreiche und segensreiche Tatigkeit der KongreBzentrale zu erkennen. Auch 
im vergangenen Jahr wurden wieder rund 160 genehmigungs- und meldepflichtige Veranstaltungen 
mit internationalem Charakter betreut. Betreuung heiBt hier: Planung und Garantierung eines reibungs- 
losen Verlaufes eines jeden Kongresses. Einen groBen Teil ihrer Aufmerksamkeit hat aber auch jetzt 
schon die KongreBzentrale den Vorbereitungen fur die neuen groBen Aufgaben gewidmet, die nach 
dem Kriege an sie herantreten werden. Als Aufgaben solcher Art zeichnen sich eine groBe Zahl neuer 
Kongresse und die Ubernahme mancher Verbande, die bisher ihren Sitz im Ausland hatten, sowie eine 
Neuordnung des gesamten recht verwickelten internationalen Verbandswesens an. Die Fuhrung der 
KongreBzentrale wird in Zukunft als President Staatssekretar Gutterer, als Vizeprasident Ministerialdi- 
rektor B e r n d t und als geschaftsfiihrender Vizeprasident Dr. Schweig innehaben. 

Der Reichswalter des NS-Lehrerbundes, Gauleiter Wachtler, nahm am 28. November in den Rau- 
men der Verbindungsstelle des NSLB in Berlin die Verteilung der Preise im Wettbewerb des „Hans- 
Schemm-Preises" und des „H i 1 f - mit-Preises" vor. Die Themenstellung fur die Jugendwettbewerbe 
lehnte sich nahe an die Aktion „Seefahrt ist not", diese Gemeinschaftsarbeit des NS,LB und des Ober- 
kommandos der Kriegsmarine, an. Den ersten Preis erhielt das Buch „Mein Weg nach Scapa Flow" 
von Giinther P r i e n , den zweiten Preis erhielten die ausgezeichneten Biicher von Frau Erika Miiller- 
Hennig, Biicher, in denen RuBlandschicksale in lebensnaher Schilderung Gestalt geworden sind. An- 
schlieBend eroffnete Gauleiter Wachtler eine kleine, aber eindrucksvolle Schau unterhaltenden und 
lehrhaften Schrifttums, das sich mit dem Gedanken der Seegeltung und der Seefahrt befaBt. 

In Anwesenheit des Chefs der Kanzlei des Fiihrers, des Reichsleiters Bouhler, wurde am 28. No- 
vember die erste Arbeitstagung der „Reichsarbeitsgemeinschaft fur das Geschichtsbuch" eroffnet, bei 
der Oberdienstleiter Hederich iiber den gegenwartigen Stand des Geschichtsunterrichts und im beson- 
deren iiber die Aufgaben des Geschichtsbuches fiir die Volksschulen sprach. Vom nationalsozialisti- 
schen Gesichtspunkt aus muBte das Geschichtsbuch, so fiihrte er aus, fiir alle Schularten von ein und 
denselben 

111 politischen Grundsatzen und Zielsetzungen bestimmt werden. In groBen Ziigen umriB der Redner 
hierauf die weltanschaulichen und wissenschaftlichen Aufgabenstellungen des neu zu schaffenden 
Geschichtsbuches, dem wissenschaftliche Treue, verbunden mit politischer Bestimmtheit und Eindeu- 
tigkeit, als vordringlichste Forderungen gestellt sind. Aus den Geschichtsbiichern miiBten alle partiku- 
laristischen, dynastischen oder gar konfessionellen MaBstabe iiberwunden werden. Es sei selbstver- 
standlich, daB im Geschichtsunterricht nicht der Einzelfall, sondern das Ganze, nicht die Heimat, son- 
dern das Reich Ausgangspunkt und Mittelpunkt jeder geschichtlichen Betrachtung zu sein habe. 

Am 24. November wurde in Gegenwart des Reichserziehungsministers R u s t in groBer Feierlich- 
keit die Reichsuniversitat StraBburg eroffnet. Aus diesem AnlaB hielt der Reichserziehungsminister 
eine Rede, in der er Lehrende und Lernende aufforderte, in das Erbe der kampfenden Geschlechter mit 
den Waffen des Geistes einzutreten, um fiir eine Erneuerung eines kampferischen, nur der Wahrheit 
verschworenen Forschergeistes eines erwachten Europas zu wirken. Bezugnehmend auf die jiingste 
politische Entwicklung Europas erklarte der Minister, dieser Krieg werde zugleich zur geistigen 
Selbstbefreiung des Kontinents fiihren, zur Befreiung nicht nur von der Bedrohung durch ein Zwie- 
tracht saendes und von der Zwietracht lebendes England, sondern zugleich zur Befreiung von dem 
Alpdruck einer seelisch geistigen Bevormundung durch unwahrhaftige Doktrinen. Reichsminister Rust 
gab seiner Zuversicht Ausdruck, daB die Universitat StraBburg, ihres alten Ruhmes eingedenk, an der 



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Grenzscheide zweier Volker nicht nur eine Statte freier Wissenschaften sein, sondern auch zu ihrem 
Teil an der Befreiung und Einigung Europas mitwirken werde. 

Im groBen Konzerthaussaal zu W i e n fand am 28. November die festliche Eroffnung der Mozart- 
Woche des Deutschen Reiches aus AnlaB der 150. Wiederkehr des Todestages Mozarts statt. Bei die- 
ser Feier wlirdigte Reichsleiter von Schirach die hohe Bedeutung, die Mozarts Werke fur die deut- 
schen Biihnen haben. Baldur von Schirach feierte den Genius Mozarts als eine der edelsten Gestalten 
der deutschen Nation, die zum Symbol der menschlichen Kunst iiberhaupt geworden ist. Nie sei Mo- 
zart lebendiger gewesen als heute. Hundertfunfzig Jahre, nachdem er einsam zu Grabe getragen wur- 
de, sei er alien Guten gegenwartig. 

Dem Meister der Operette Paul Linke wurde am 7. November im Festsaal des Berliner Rathauses 
aus AnlaB seines 75. Geburtstages der Ehrenbiirgerbrief der Reichshauptstadt und die Goethemedaille 
uberreicht. In einer Rede umriB Reichsminister Dr. Goebbels das Lebenswerk Paul Linkes, dessen 
Musik 
1 12 stets von neuem ein Quell der Lebensfreude in unserer so ernsten Zeit war und geblieben ist. 

Wahrend einer Kulturtagung des Deutschen Gemeindetages wurde durch Reichsleiter Rosenberg an 
die beiden Schrifts teller Berchtold Gierer und Karl Gotz der Volkspreis der deutschen Gemeinden fur 
deutsche Dichtung verteilt. Berchtold Gierer erhielt den Preis fiir den Roman „Geschlechter am See", 
Karl Gotz fiir „Die groBe Heimkehr", seine Darstellung der Heimkehr der Wolhyniendeutschen. 

Am 24. November feierte der groBe deutsche Chirurg und Philosoph August Bier seinen 80. Ge- 
burtstag. Der Fiihrer iibermittelte dem Jubilar telegraphisch seine herzlichsten Gliickwiinsche und lieB 
ihm durch SS-Oberfeldarzt Prof. Dr. Karl Brandt sein Bild mit herzlicher Widmung iiberreichen. 
Reichsgesundheitsfiihrer Dr. Conti iiberbrachte dem um die Heilkunde und um die Biologie hochver- 
dienten Arzt die Gliickwiinsche der deutschen Arzteschaft. 

Am 19. November ist der beriihmte Physiker Geheimrat Prof. Dr. Walter N e r n s t auf seiner Besit- 
zung bei Muskau im Alter von 77 Jahren gestorben. Mit diesem groBen Physiker, der einst als Lehrer 
an der Berliner Universitat wirkte, verlieren die deutschen Naturwissenschaften eine ihrer fiihrenden 
Gestalten, einen Wissenschaftler, der vom theoretischen wie vom praktischen her der Physik eine Fiil- 
le von Anregungen gegeben hat und der als Denker und praktischer Konstrukteur die abstrakten wie 
die konkreten Bereiche seiner Wissenschaft in gleicher Weise befruchtend erweitert hat. 





Aiiiljiriuiiiiiilliiilk 

113 Deutschlands AuBenpolitik und Kriegfiihrung im Monat November haben wiederum groBe Erfolge zu 
verzeichnen. Der gefahrliche und bosartige Gegner im Osten, die bolschewistische Sowjetunion, hat 
weitere schwere Schlage erhalten, auf dem Schlachtfeld und in der Politik. Nach fiinf Monaten Ost- 
feldzug am 22. November waren 1 700 000 qkm Gebiet im Osten besetzt mit 75 Millionen von den 
insgesamt 190 Millionen der Sowjetunion. Die sowjetische Wehrmacht hatte 3 792 600 Gefangene 
verloren, 389 Divisionen waren zerschlagen und ein Gesamtausfall von iiber 8 Millionen Soldaten 
eingetreten. Mehr als 22000 Panzerkampfwagen, 27452 Geschiitze, 15877 Flugzeuge wurden zerstort 
oder erbeutet. Dazu kommen gewaltige Verluste an Kriegs- und Handelsschiffen, an Transportmateri- 
al und drei Viertel der gesamten Industrie des Landes. Jene Teile des Sowjetgebietes, in denen die 
Kriegshandlungen zu Ende sind, konnten unter dem hierzu neugeschaffenen Ostministerium unter 
deutsche Verwaltung genommen werden. Der „Berliner KongreB von 1941", die feierliche Erneuerung 
des Antikominternpaktes und der Beitritt von sieben weiteren Staaten zu ihm am 25. November, war 
zugleich ein neuer diplomatisch-politischer Triumph iiber die Sowjetunion und ein Grundstein fiir das 
neue in der Bildung begriffene Europa. Die zornige und haBvolle Reaktion, die dieses Ereignis in 



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London und Washington gefunden hat, zeigte, wie sehr man dort den wahren Sinn und die Tragweite 
des Berliner Kongresses begriffen hat. 

Die Erfolge im Osten fanden ihre Parallele durch hervorragende Taten unserer Kriegsmarine gegen 
die englische Flotte und durch die energische Abwehr der von Churchill selbst geradezu als kriegs- 
wendend angekiindigten und mit einer vielfachen Ubermacht begonnenen englischen Offensive in 
Libyen durch die Truppen der Achse unter dem Befehl des Generals Rommel. 

Deutschlands militarische und politische Aktion, seine Erfolge auf beiden Gebieten, die Kriegslage 
im ganzen und die weltpolitische Situation, wurden dem deutschen Volke und der Welt durch zwei 
uberaus wichtige Reden verdeutlicht, durch die Rede des Fuhrers am 8. November in Munchen (siehe 
Seite 84) und die des Reichsministers des Auswartigen von Ribbentrop am 26. November in Berlin. 
Beide Reden 

114 sind das Bedeutsamste, was im Monat November uberhaupt tiber die militarischen und politischen 
Fragen der Gegenwart geauBert worden ist. Sie stehen natiirlich in einem engen inneren Zusammen- 
hang und erfordern eine grundliche Lektiire und Analyse, weil sie alle wesentliche Elemente fur die 
Beurteilung der genannten Fragen enthalten. 

Das vom Ftihrer in seiner Rede berufene neue geeinigte Europa trat sichtbar als politische Tatsache 
in Erscheinung, als sich am 25. November die Vertreter Deutschlands, Italiens, Japans, Ungarns, 
Mandschukuos und Spaniens in der Neuen Reichskanzlei in Berlin zu einem feierlichen Staatsakt zu- 
sammenfanden, um ein Protokoll iiber die Verlangerung des Antikominternpaktes auf weitere fiinf 
Jahre zu unterzeichnen, und als im AnschluB hieran die Vertreter Bulgariens, Danemarks, Finnlands, 
Kroatiens, Rumaniens und der Slowakei den Beitritt ihrer Lander zu diesem Pakt vollzogen und der 
Beitritt der chinesischen Nationalregierung in Nanking mitgeteilt wurde (siehe Seite 74). 

Die Erklarungen, die bei diesem Staatsakt von den Vertretern der genannten Machte abgegeben 
wurden, waren vom Willen zum gemeinsamen Kampf gegen den Kommunismus durchdrungen. Die 
versammelten Staatsmanner gaben alle ihrem Vertrauen darauf Ausdruck, daB aus dem gegenwartigen 
Kampf gegen den Bolschewismus sich der Sieg der europaischen Ordnung und Einheit ergeben werde. 

Der Ftihrer empfing in Gegenwart des Reichsministers des Auswartigen von Ribbentrop am 27. 
November die in der Reichshauptstadt weilenden europaischen Staatsmanner der in der antibolschewi- 
stischen Front vereinigten Machte: den slowakischen Ministerprasidenten, Professor T u k a, den un- 
garischen Ministerprasidenten und AuBenminister von Bardossy, den rumanischen Vizeministerprasi- 
denten Mihai Antonescu, den italienischen AuBenminister Graf C i a n o , den bulgarischen Minister 
des AuBern P o p o f f , den danischen AuBenminister Scavenius, den spanischen AuBenminister Ser- 
rano S u n e r, den finnischen Minister fur Auswartige Angelegenheiten Witting, den kroatischen 
AuBenminister Lorcovic sowie die Bevollmachtigten der kaiserlich japanischen Regierung, Bot- 
schafter s h i m a , und der Regierung des Kaiserreichs Mandschukuo, Gesandten Lu-I-Wen. 

Auf einem Empfang, den ReichsauBenminister v. Ribbentrop am 26. November den auslandischen 
Staatsmannern gab, hielt er eine hochbedeutsame Rede, die er selbst als „einen Uberblick tiber die 
Entstehung und den Verlauf des Krieges und iiber die Auffassung der Reichsregierung zur gegenwar- 
tigen auBenpolitischen Lage" bezeichnete. ReichsauBenminister v. Ribbentrop zeichnete das Bild der 
historischen Entwicklung, die zum gegenwartigen Krieg gefuhrt hat, die englische Politik der 

115 Veruneinigung des Kontinents und der Niederkampfung jedes Gegner? dieser Politik durch europai- 
sche Bundnisse. Nach Niederwerfung aller Bundesgenossen Englands galten alle Hoffnungen Chur- 
chills und seiner Helfershelfer dem Osten. Auch der ReichsauBenminister erwahnte jene Geheimsit- 
zungen des englischen Unterhauses, von denen der Ftihrer am 8. November in Munchen gesprochen 
hatte. Aus den Unterlagen der Reichsregierung iiber diese Geheimsitzungen, so stellte der Reichsau- 
Benminister fest, geht vollig einwandfrei hervor, daB das Unterhaus nach dem Zusammenbruch Frank- 
reichs iiber den Fortgang und die Chancen des Krieges begreiflicherweise auBerordentlich besorgt 
war. Herr Churchill hat nach den uns vorliegenden Unterlagen dann versucht, das englische Volk er- 
neut fur seine Kriegspolitik zu gewinnen, indem er vor dem Unterhaus folgendes erklarte: 1. Er habe 
auf Grund der in Moskau gefuhrten Verhandlungen nunmehr die prazise Zusage erhalten, daB Sowjet- 
ruBland in den Krieg auf englischer Seite eintreten wurde, und 2. er habe die uneingeschrankte Zusage 
des Prasidenten Roosevelt zur Unterstutzung der englischen Kriegfuhrung. Das Ziel des englisch- 
russischen Planes war, die auf dem Balkan befindlichen deutschen Truppen nach Moglichkeit von drei 
Seiten anzugreifen, ein Plan, der bekanntlich dank der Haltung unserer Balkanfreunde und der tiirki- 
schen Regierung durch die schnellen und entscheidenden Siege der Achse vereitelt wurde. Die kurz 
nach Ausbruch der deutschrussischen Feindseligkeiten zwischen London und Moskau veroffentlichte 



IliiiisirlllLiiiil iii^iB|if 18 

Biindnisabmachung war nur die offizielle Bestatigung eines Zustandes, der in Wirklichkeit bereits im 
geheimen seit langem bestanden hatte. Tatsachlich liegt heute vor aller Welt klar, daB der Vabanque- 
Spieler Churchill, indem er SowjetruBland zum Bruch mit Deutschland trieb, wobei sich seine Wiin- 
sche mit denen Roosevelts und Stalins trafen, seine letzte Karte in Europa gegen Deutschland 
ausspielte und sich von dieser alles erhoffte. 

Die Haltung der „Demokratien" zum Kampf gegen den Bolschewismus geiBelte der ReichsauBenmini- 
ster wie folgt: 

In selten unwurdiger Weise wurde jetzt von den westlichen Demokratien iiber Nacht das aggressive 
Biindnis mit dem Bolschewismus verherrlicht. Sogar Erzbischofe, Bischofe und Kardinale, die noch 
bis vor kurzem RuBland als Wiege des Atheismus in heiligem Eifer bekampft hatten, verkundeten 
plotzlich, die Sowjetunion sei immer die Wiege des Christentums gewesen und heute ihr Beschiitzer, 
und der Erzbischof von Canterbury betete im offiziellen Gottesdienst fiir die Rote Armee und seinen 
Freund Stalin. Alles iiberschlug sich in den westlichen Demokratien an erbarmlichen Liebes- und 
Sympathiebezeugungen fiir den jiidisch-bolschewistischen Verbrecherstaat, wahrend die von Stalin 
ersehnte materielle Hilfe allerdings ausblieb. 

1 16 Angesichts der deutschen Erfolge im Osten klammert sich nun Churchills letzte Hoffnung an die Hilfe 
des letzten noch moglichen Bundesgenossen, die Vereinigten Staaten. An diese Feststellung lieB der 
ReichsauBenminister eine an Scharfe und Deutlichkeit nichts zu wiinschen iibriglassende Klarstellung 
unseres Verhaltnisses zu den USA und zu Roosevelt folgen. Die infame Kriegshetze Roosevelts wurde 
an den Pranger gestellt, ebenso wie die geheimen Hintergriinde seiner Kriegspolitik. Der Reichsau- 
Benminister erinnerte an die verhangnisvolle kriegshetzerische Tatigkeit Roosevelts schon vor dem 
gegenwartigen Kriege, wie sie uns aus den inzwischen veroffentlichen Berichten seiner Botschafter 
bekanntgeworden sind, und stellte fest: „Aus diesen Berichten sowie aus zahllosen weiteren authenti- 
schen Nachrichten, die iiber die Haltung des amerikanischen Prasidenten in den letzten Jahren be- 
kanntgeworden sind, ergibt sich die erschreckende Tatsache, daB President Roosevelt als der letzte 
Urheber und damit als der Hauptschuldige an diesem Kriege bezeichnet werden muB." v. Ribbentrop 
schloB mit folgender, auf die politische Zukunft Europas und des Fernen Ostens hinweisenden Fest- 
stellung: „Uber eines sind sich die meisten Menschen Europas schon heute vollig einig: DaB England 
auf dem Kontinent fiir alle Zukunft nichts mehr zu suchen hat. Europa will von der englischen Politik 
ein fiir allemal nichts mehr wissen. Selbst in Frankreich beginnt sich in diesem Sinne das europaische 
Gewissen zu regen. Die Volker Europas sind naher zusammengeriickt. Europa zum erstenmal in seiner 
Geschichte auf dem Wege zur Einigung. Fiirwahr, eine bedeutsame Entwicklung. Heute kampfen die 
Sonne von fast alien europaischen Landern im Osten fiir die Erhaltung des Lebens und der Kultur 
unseres Erdteils. Das in diesem gemeinsamen Kampfe vergossene Blut aber wird schwerer wiegen als 
alle Uberlieferungen eines vergangenen Zeitalters. Das neue Europa marschiert. Unbeirrbar — unauf- 
haltsam. Ob Herr Churchill und Herr Roosevelt und deren jiidische Hintermanner dies wollen oder 
nicht. Militarisch unangreifbar und wirtschaftlich gesichert konnen wir unseren Erdteil politisch orga- 
nisieren, als ob Frieden ware. Tatsachlich konnte Europa heute, wenn es sein muBte, einen dreiBigjah- 
rigen Krieg fiihren, ohne daB unser Kontinent dadurch jemals in ernste Gefahr geraten wurde. Und mit 
der neuen europaischen Ordnung unter Fiihrung der Achse und ihrer Freunde marschiert die Neuord- 
nung in Ostasien unter der Fiihrung von Japan und seinen Freunden. Niemand kann diese Entwicklung 
auf die Dauer aufhalten. 

Die Rede des Reichsministers des Auswartigen hat den historischen und weltpolitischen Rahmen 

117 gezeichnet, in dem die Staatsmannerzusammenkunft in Berlin vom 25. November, der Berliner 
KongreB von 1941, zu sehen ist. Mit diesem KongreB wurde das Fazit aus dem bisherigen Verlauf des 
gegenwartigen Krieges gezogen und die Planung fiir die Zukunft aufgestellt. KongreB und Rede er- 
scheinen als auBenpolitisches Ereignis von groBter Tragweite. Deutschlands Politik und Kriegfiihrung 
haben damit einen neuen Erfolg erreicht, von dessen Hohe die kiinftige Entwicklung klar abzusehen 
und das Bild Europas nach dem Siege bereits deutlich zu erkennen ist. 

Die am 17. November bekanntgegebene Verordnung des Fiihrers, daB in den Teilen der von deut- 
schen Truppen neubesetzten Ostgebiete, in denen die Kampfhandlungen beendet sind, Zivilverwaltun- 
gen eingerichtet werden, gehort bereits zu diesem Zukunftsbild. Deutschland hat damit eine neue ge- 
waltige Aufgabe von geschichtlichen AusmaBen angetreten, die des Neuaufbaus im Osten, der Ein- 
gliederung des Ostens in Europa und fiir die Dauer des Krieges der Nutzbarmachung dieser Gebiete 
fiir den Sieg der neuen europaischen Ordnung. 



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In den Rahmen dieser Ordnung, deren Kern die Achse ist, gehort das deutsch-italienische Abkom- 
men iiber die Umsiedlung deutscher Staatsangehoriger und Volksdeutscher aus der Provinz Laibach. 
Wenn es sich dabei auch um eine verhaltnismaBig geringe Zahl von Volksdeutschen, namlich um 
vierzehntausend, handelt, so unterstreicht sie doch die vorbildliche Art der Losung von Volkstumsfra- 
gen zwischen den Achsenmachten. 

Bulgariens Rolle beim Kampf um die neue Ordnung unterstrich Ministerprasident Filoff am 19. No- 
vember in der Sobranje. Er wies auf das Schicksalhafte des gegenwartigen Kampfes hin, in dem die 
Machte der Achse fur die neue Ordnung Europas kampfen. Bei diesem Kampf, so erklarte Filoff, kann 
Bulgarien nicht zur Seite stehen. Es vollzog den AnschluB an die Achsenmachte, denen es schon seit 
langem herzlich und tief verbunden war. Die Ungerechtigkeiten der Friedensvertrage waren der 
Grundstein einer spateren Politik, die dagegen ankampfen muBte. Aus diesem Grunde verhinderte 
Bulgarien die Vollendung des Balkanpaktes und machte das Ziel der 100 Divisionen zunichte, die 
gegen die Achse einmal eingesetzt werden sollten. Als der italienisch-griechische Krieg ausbrach, war 
die Zeit fur Bulgarien gekommen, sich dem Dreierpakt anzuschlieBen. Filoff erinnerte an seinen Be- 
such in Wien und an den Einmarsch deutscher Truppen. Die Art, wie das bulgarische Volk die deut- 
schen Soldaten aufnahm, sagte Filoff, sei das beste Plebiszit fur die bulgarische Regierung gewesen. 
Das Verhaltnis zur Achse habe sich auch weiter auf das gunstigste entwickelt und sei durch die Worte 
zu umschreiben: Gegenseitiges Vertrauen und Freundschaft. Bulgariens Politik sei vollig klar. Sein 
Weg entspreche einzig 

118 und allein den Belangen des bulgarischen Volkes. Bulgarien glaube an den Sieg Deutschlands, weil 
Deutschland und seine Bundesgenossen fur den Sieg der Gerechtigkeit kampfen. Filoff wandte sich 
darauf gegen die Sendungen des englischen und des sowjetischen Rundfunks in bulgarischer Sprache. 
Ihre Agitation, so erklarte er, sei vergeblich, weil ihr der gesunde nationale Geist des bulgarischen 
Volkes entgegenstehe. Dafiir sei auch ein Beweis die Angelegenheit der Failschirmspringer, die in 
Ktirze festgenommen werden konnten dank der Mithilfe bulgarischer Bauern und Burger. Bulgarien 
miisse gegen den Bolschewismus kampfen, nachdem es bisher schon eine ablehnende Haltung gegen- 
iiber dem Bolschewismus eingenommen habe. Der Bolschewismus stelle eines der groBten Hindernis- 
se bei der Schaffung der Neuordnung dar." 

In diesem Zusammenhang ist auch die Rundfunkansprache zu erwahnen, die Staatsprasident H a c h 
a am 28. November an das tschechische Volk richtete, und in der er nachdrucklich darlegte, daB des- 
sen Interesse aufs engste mit dem des GroBdeutschen Reiches verbunden sei, und daB es deshalb die 
hochste Zeit sei, mannlich und entschlossen an die realste und aufrichtige Erfullung der Pflicht dem 
Reiche gegenuber zu gehen. 

Man muB andererseits leider feststellen, daB aus zwei Landern Europas miBtonende Stimmen iiber 
den Berliner KongreB von 1941 und die in ihm angekiindigte neue Ordnung Europas zu horen waren, 
namlich aus Schweden und aus der Schweiz. In Schweden, wo man mit historischem Romantizismus 
noch Fiihrerideen im Sinne des nordischen Gedankens nachhangt, fiihlt man die Isolierung, nachdem 
sich Finnland und Danemark dem Antikominternpakt, d. h. dem neuen Europa, angeschlossen haben. 
Was die Schweiz angeht, so kennt man deren eigenbrotlerische, uneuropaische und kurzsichtige Hal- 
tung zu gut, um sich iiber schweizerische Pressestimmen noch zu wundern. 

Besondere Aufmerksamkeit durfte im Monat November Finnland beanspruchen. „Das tapfere 
Heldenvolk der Finnen", wie der Fiihrer es in seiner Miinchener Rede vom 9. November nannte, hat 
diesem Namen nicht nur auf dem Schlachtfeld, sondern auch auf dem Felde der Diplomatic alle Ehre 
gemacht. Nachdem schon friiher zunachst England vergebens versucht hatte, zwecks Entlastung des 
bolschewistischen Bundesgenossen die finnische Regierung zur Aufgabe des Kampfes und zum Ab- 
schluB eines Waffenstillstandes mit Moskau zu bringen, hat sich am 30. Oktober die USA-Regierung 
in gleicher Richtung bemiiht und die Einstellung der Kriegshandlungen durch Finnland und die Zu- 
riickziehung der finnischen Truppen auf die Grenzen von 1939 verlangt. Hierauf hat die finnische 
Regierung mit einer 

119 ausfiihrlichen Note geantwortet, die am 7. November durch den finnischen AuBenminister dem USA- 
Gesandten in Helsinki iiberreicht wurde. 

Sie ist ein vortreffliches diplomatisches Dokument. Unter den verschiedensten Gesichtspunkten 
weist es die Halt- und Sinnlosigkeit der USA-Forderungen nach. Der zweimalige Angriff der Sowjets 
auf Finnland 1939 und 1941, die zwischen den beiden Kriegen liegenden unaufhorlichen Versuche der 
Sowjets, die finnische Kraft von innen heraus zu unterhohlen, und die ungeheuren Angriffsvorberei- 
tungen der Bolschewiken gegen Finnland werden eindrucksvoll aufgezahlt. Die finnische Note stellt 



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fest, daB die Forderungen der USA-Regierung fur die Sicherheit Finnlands verhangnisvoll seien und 
im Widerspruch mit den Lebensinteressen Finnlands stlinden. Gegenliber der in dem USA- 
Memorandum vom 30. Oktober aufgestellten grotesken Behauptung, die finnischen Operationen seien 
eine direkte Gefahr fur die Sicherheit der USA, sagt die finnische Note: „Die von zwei Weltmeeren 
geschutzten und durch zahlreiche Stiitzpunkte gesicherten USA konnen von der finnischen Wehr- 
macht nicht bedroht werden, und die finnische Regierung kann auch nicht glauben, daB eine Beset- 
zung derjenigen Gebiete durch finnische Truppen, von denen aus die finnische Sicherheit fortwahrend 
bedroht wurde, im Widerspruch mit den Forderungen der amerikanischen Sicherheit stehen konne. Die 
Besorgnis der USA fur ihre eigene Sicherheit gibt Finnland das Recht, bei Regierung und Volk der 
USA Verstandnis daftir zu erwarten, daB Finnland gewillt ist, sein Leben zu schutzen, seine Sicherheit 
zu erhohen und seine alte demokratische Freiheit zu verteidigen, zumal es in einer Zeit von nicht ein- 
mal zwei Jahren zweimal durch das machtige bolschewistische Regime zum Gegenstand eines unbe- 
rechtigten bewaffneten Angriffs gemacht wurde, ohne daB dies Amerika oder irgendein anderes Land 
verhindern oder Garantien daftir abgeben konnte, daB sich dieser Angriff nicht mehr wiederholt." 

Auf die Bedeutung der deutschen Hilfe weist die finnische Note mit dem Satze hin: „Es ist ohne 
weiteres klar, welch eine ungeheure Bedeutung fiir Finnland darin liegt, daB wahrend es in einen fort- 
gesetzten Verteidigungskrieg gegen die Sowjetunion geraten ist, gleichzeitig auch Deutschland gegen 
diesen Feind Finnlands kampft. Ein neuer Krieg, in dem Finnland wiederum allein gestanden hatte, 
ware gleichbedeutend mit der Vernichtung Finnlands und aller nordischen Lander gewesen." Die fin- 
nische Note schlieBt mit folgender Absage an das groBenwahnsinnige Begehren der USA-Regierung: 
„Das finnische 

Volk, das die Rechte von niemandem verletzt und nichts anderes wtinscht, als in Frieden zu leben und 
arbeiten zu diirfen, ftihrt den Krieg gegen die Sowjetunion nur so lange weiter, bis seine Sicherheit 
und sein Arbeitsfrieden endgultig sichergestellt sind." 
120 Ein Aufruf des Feldmarschalls Mannerheim an das finnische Volk und eine Erklarung des finnischen 
Ministerprasidenten, Range 11, vom 30. November haben Finnlands Entschlossenheit und gutes 
Recht zur Sicherung seines Lebensraumes und seines Volkstums nochmals energisch unterstrichen. 
Gleichzeitig wurden dem finnischen Reichstag mehrere Gesetze vorgelegt, die die Beseitigung des 
Moskauer Friedens vom 12. Marz 1940 und aller seiner Folgen, vor allem die Wiedervereinigung aller 
in ihm abgetretenen Gebiete mit der finnischen Heimat vorsehen. Der finnische Reichstag billigte 
einhellig die Haltung der Regierung. Finnland hat so die politischen Friichte seines opferreichen Rin- 
gens noch mitten im 

Kriege pfliicken konnen. 

Der Bundesgenosse am anderen, am sudlichen Ende der europaischen Front gegen den Bolsche- 
wismus, Rumanien, hat im Monat November durch eine Volksabstimmung, die beinahe mit Einstim- 
migkeit zugunsten des Marschalls Antonescu entschied, die groBe Leistung dieses Mannes und seiner 
Regierung anerkannt und sich zum weiteren Kampf gegen den Bolschewismus und zum neuen Europa 
bekannt. 

Der sudliche Anlieger des Schwarzen Meeres, dessen nordliches Ufer durch die Erfolge der deut- 
schen und verbundeten Truppen dem Machtbereich des neuen Europa eingegliedert worden ist, die 
Tiirkei, befindet sich nach dem siegreichen Balkanfeldzug dieses Fruhjahrs und nach unseren Waffen- 
erfolgen gegen die Sowjetunion, nach der Besetzung Syriens, des Iraks und groBer Teile des Irans 
durch die Englander mitten zwischen den feindlichen Fronten. Diese Lage, die den Vorteil bietet, von 
beiden Seiten begehrt zu sein, hat aber auch zur Folge, sich mit den antithetischen Interessen der 
Kriegsgegner dauernd in Ftihlung zu befinden. Die tiirkische Politik, die sich seit der Annahme des 
englischen Garantieangebotes nach dem AnschluB Albaniens an Italien zeitweilig sehr stark nach Eng- 
land hin orientierte und auch wahrend des gegenwartigen Krieges lange in dieser Haltung verharrte, 
hat sich allmahlich wieder in die Bahnen des traditionellen freundschaftlichen Verhaltnisses zu 
Deutschland zuruckgefunden. 

Uber die gegenwartige auBenpolitische Einstellung der Ttirkei machte Staatsprasident Ismet Inonti 
am 1. November im turkischen Parlament bemerkenswerte Ausfuhrungen. Die militarischen Bewegun- 
gen, so ftihrte er aus, die sich nach und nach auf alle Nachbarlander der Tiirkei bezogen und schlieB- 
lich zur Tragodie der Besetzung Irans gefuhrt hatten, hatten die Wachsamkeit der Ttirkei auf das aller- 
hochste gesteigert, deren Wunsch nach Frieden und nach Wahrung ihrer Ehre und Sicherheit stets der 
Angelpunkt ihrer Politik gewesen sei. Nachdem die Regierung ihre Neutralitat im gegenwartigen Kon- 
flikt erklart 



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121 hatte, seien die Beziehungen der Tlirkei zu alien kriegflihrenden Staaten durch alte oder neue Vertrage 
bestimmt gewesen. Die Bestimmungen dieser Vertrage seien in vollem Umfange in Kraft. 

Uber die Beziehungen zu Deutschland fiihrte Inonii aus: „Unsere Beziehungen zu Deutschland 
durchschritten die schwierigste Probe wahrend der Ereignisse auf dem Balkan. Im damaligen Augen- 
blick hat das hervorragende Oberhaupt des Deutschen Reiches, Hitler, der unsere Interessen und unse- 
re Beunruhigung sah und vollig verstand, in einer personlichen Botschaft, die er an mich richtete, sei- 
ne Freundschaft fur unser Land bekundet. Die Antwort, die ich ihm im Einvernehmen mit der Regie- 
rung sandte und der darauffolgende neue Austausch von Botschaften schaffte eine Atmosphare gegen- 
seitigen Vertrauens, die dem deutsch-ttirkischen Vertrag vom 18. Juni als Grundlage diente. Ich moch- 
te dies mit groBer Befriedigung hervorheben. Die deutsch-ttirkischen Beziehungen entwickelten sich 
seither in einer ungetrubten Freundschaft. Die Bestimmungen des Vertrages der Freundschaft und 
Nichtangriffes vom 18. Juni haben ihre Wirkungen gezeigt und werden es in vollem Umfange weiter 
zeigen. Das deutsch-tiirkische Wirtschaftsabkommen, das kurzlich unterzeichnet wurde und das Ihnen 
bald zur Genehmigung vorgelegt werden wird, darf als gluckliche Folge dieser Politik der Freund- 
schaft und des Vertrauens betrachtet werden." 

Nachdem der Staatsprasident erklart hatte, daB die Tlirkei ihren Bundnisverpflichtungen gegeniiber 
England treu bleiben wolle, fuhr er fort: „Unsere AuBenpolitik, die sich auch fernerhin auf die glei- 
chen Grundsatze der Verteidigung und der Unversehrtheit soitzen wird, betrachtet die Treue zu Ver- 
pflichtungen als den einzigen Grundsatz, der dem Charakter des tiirkischen Volkes, den Interessen der 
Allgemeinheit und der internationalen Moral entspricht. Die Politik, die ich Ihnen erlautert habe, ent- 
springt der geographischen Lage unseres Landes und der Besonderheit der Entwicklung des Krieges. 
Diese Politik findet ihren Ausdruck in Loyalitat, die nunmehr uberall angenommen und als solche 
gewiirdigt werden muB. Unabhangig, stark und Herrin ihrer Handlungen fordert die Tlirkei niemanden 
heraus. Wir haben ein Recht darauf, zu glauben, daB die Ziele der Politik unseres Landes nach ihrem 
wirklichen Wert beurteilt werden. Die Tlirkei will also eine nlichterne nationale Interessenpolitik der 
Selbsterhaltung und des Fernbleibens vom Kriege betreiben. Dementsprechend hat die tiirkische Re- 
gierung, wie am 15. November aus Ankara gemeldet wurde, eine Note an die britische Botschaft ge- 
richtet mit der Forderung, die britische Propaganda in der Tlirkei einzuschranken und vor allem von 
einer Art Propaganda abzusehen, die der 

122 Tlirkei befreundete Machte beleidige und die Beziehungen der Tlirkei zu dritten Machten belasten 
konnte. 

Die Vergewaltigung des Irans durch die Sowjets und durch England hat offenbar in der Tlirkei er- 
nlichternd gegeniiber England gewirkt. Diese Vergewaltigung wurde wieder in lebhafte Erinnerung 
gerufen, als der friihere deutsche Gesandte in Iran, E 11 e 1, am 10. November vor der in- und auslan- 
dischen Presse in Berlin liber das Verhalten der Englander und der Sowjets gegeniiber den diplomati- 
schen Vertretern des Reiches und der deutschen Kolonie in Iran Erklarungen abgab. Wir kennen briti- 
sche FairneB in Kriegszeiten ja aus dem Weltkrieg zur Geniige. Im Iran gab es davon eine neue Aufla- 
ge schandlichster Art, die darin gipfelte, nicht nur diplomatische Vertreter gegen jede volkerrechtliche 
Verpflichtung und Frauen und Kinder als Freiwild zu behandeln, sondern schlieBlich sogar deutsche 
Manner den Bolschewisten auszuliefern. Ein ahnlich iibles Verhalten der Englander muBte auch der 
deutsche Generalkonsul in Island liber sich ergehen lassen. Die Briten haben freilich seit Jahrhunder- 
ten ihren angeblichen Kampf fur Recht und Zivilisation immer in dieser Weise gefuhrt! 

Ihr Bundesgenosse jenseits des Ozeans, mindestens soweit er durch die Person Roosevelts vertreten 
wird, bleibt in dieser Hinsicht allerdings nicht zuriick. Wenn Lligen eine Kunst ist, dann wird diese 
Kunst von Roosevelt wirklich virtuos beherrscht. In seiner Rede vom Ende Oktober hatte er dafiir 
neue Beweise gegeben. Wahrend man von deutscher Seite gegeniiber Roosevelt lange Zeit eine real- 
politisch wohlbegriindete Zuriickhaltung libte, ist diese neuerdings aufgegeben worden. Aus dem Flih- 
rerhauptquartier wurde am 1. November eine Verlautbarung der Reichsregierung bekanntgegeben, die 
sich in scharfster Form gegen Roosevelts Falschungen richtete (siehe Seite 72). 

Die Verlautbarung der Reichsregierung wurde alien neutralen Regierungen notifiziert, ebenfalls der 
franzosischen Regierung. Der Fiihrer hat in seiner Rede vom 8. November und der ReichsauBenmini- 
ster in seiner Rede vom 26. November eine scharfe Abrechnung mit dem Kriegstreiber und Kriegsver- 
antwortlichen Roosevelt gehalten. 

Das mit den westlichen Demokratien bis zu seinem Zusammenbruch verbiindete Frankreich hat im 
Monat November neue drastische Beweise fur die Haltung und Gesinnung bekommen, die England 
seinen Bundesgenossen gegeniiber zur Anwendung zu bringen pflegt. Am 2. November wurden 200 



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Kilometer siidlich des siidafrikanischen Hafens Durban flinf franzosische Handelsschiffe, die im Ge- 
leitzug unter dem Schutz eines kleinen Kriegsschiffes auf dem Wege von Madagaskar nach Dakar 
fuhren, von einem britischen Geschwader in Starke von vier Kreuzern und sechs Patrouillenbooten 
aufgebracht. 

123 An Bord der fiinf Schiffe befanden sich zahlreiche franzosische Kolonisten, die nach Frankreich 
zuriickkehren wollten, sowie umfangreiche Ladungen an Lebensmitteln fur Franzosisch-Westafrika 
und das unbesetzte Frankreich, u. a. 9000 t Zucker, 5000 t Kaffee, 2000 t Reis und vieles andere. Die 
Proteste der franzosischen Regierung gegen diese GewaltmaBnahme, die das franzosische Volk groBer 
Mengen in seinen gegenwartigen Ernahrungsschwierigkeiten besonders wertvoller Waren beraubte, 
blieb naturlich vollig wirkungslos. Frankreich hat seit dem Waffenstillstand im ganzen tiber 800 000 t 
Handelsschiffsraum infolge englischer GewaltmaBnahmen verloren. 

Am 1 1 . November kehrte der franzosische Kolonialminister, Admiral P 1 a t o n, von einem auf dem 
Luftwege durchgefuhrten Besuch in Dschibuti, der Kolonie Frankreichs am Roten Meer, zuriick. Die- 
se Kolonie wird von England seit Monaten blockiert, um sie zur Ubergabe zu zwingen. Platon erklarte 
nach der Riickkehr, der Zweck seiner Reise sei gewesen, zu beweisen, daB fur die gegenwartige Situa- 
tion Dschibutis nicht die franzosische Regierung die Schuld treffe, sondern daB deren Standpunkt dar- 
in bestehe, daB Frankreich seine politische Freiheit wiedergewonnen habe, und daB die Zeit voriiber 
sei, wo die franzosische Regierung jeden Befehl Englands willenlos durchftihre. Die Treue Dschibutis 
zur Regierung in Vichy stehe iiber jeden Zweifel. Die franzosische Presse stellte die Erklarungen Pla- 
tans stark heraus und griff London scharf an. 

Hinsichtlich des von England Frankreich gewaltsam entrissenen Syrien erklarte der de Gaulleisti- 
sche General Catroux am 26. November die Unabhangigkeit des Libanon. „Unabhangigkeit" bedeutet 
die Loslosung von Frankreich und Einordnung in die Gruppe britischer Vasallenstaaten im Vorderen 
Orient. 

Am 20. November trat der Generaldelegierte Vichys fur Afrika, General W e y g a n d, der nach der 
Schlacht in Flandern und dem Einbruch der deutschen Heere ins nordliche Frankreich als franzosi- 
scher Generalissimus versuchte, in der sogenannten Weygandlinie den Widerstand neu zu organisie- 
ren, der Schiiler und Vertraute des Marschalls Foch beim Waffenstillstand 1918 und wahrend der 
Friedensverhandlungen, in einem Alter, das erheblich iiber der fur franzosische Offiziere festgelegten 
Altersgrenze liegt, in den Ruhestand. Zugleich erfolgte eine Neuorganisierung der Befehlsverhaltnisse 
in den west- und nordafrikanischen Teilen des franzosischen Kolonialreiches. In London und Wa- 
shington erhob sich ein wahrer Sturm der Entriistung, ganz, als ob Frankreich noch der „Bundesgenos- 
se" ohne eigenen politischen Willen sei, der wie zu Reynauds und Mandels Herrschaft nichts ohne 
Zustimmung 

124 und Auftrag Churchills und Roosevelts tun diirfte. Man hatte nach Weygands ganzer Vergangenheit 
in London und Washington, besonders aber auch im Kreis de Gaulies, groBe Hoffnungen auf den an- 
geblichen Widerstand Weygands gegen die Politik der Zusammenarbeit mit Deutschland gesetzt und 
von einem moglichen AnschluB der unter seiner Leitung stehenden Gebiete an de Gaulle getraumt. 
Jetzt beschuldigte man Vichy, Weygand unter deutschem Druck in Pension geschickt zu haben und 
lieB es an Drohungen gegen Vichy nicht fehlen. Auch zu Handlungen schritt man. Am 21. November 
gab das Staatsdepartement in Washington bekannt, daB infolge der Amtsenthebung General Wey- 
gands, die einem deutschen Druck zuzuschreiben sei, die Vereinigten Staaten alle wirtschaftlichen 
HilfsmaBnahmen fiir Franzosisch-Nordafrika einstellen wiirden. Unterstaatssekretar Welles aber unter- 
richtete den franzosischen Botschafter in USA, daB der Vorschlag der franzosischen Regierung, den 
franzosischen Kriegsgefangenen in Deutschland Lebensmittel aus den USA zu schicken, nicht eher 
gepriift werden konne, „ehe die Lage in Frankreich geklart sei". 

Die Behandlung, die Frankreich von den angelsachsischen Machten erfahrt, ist ein eindringlicher 
Anschauungsunterricht iiber die Notwendigkeit der Umschulung des franzosischen Denkens auf euro- 
paisches BewuBtsein! 

Im Innern setzt die franzosische Regierung ihre Bemiihungen um Besserung der in vieler Hinsicht 
so schwierigen Lage fort. Die Arbeitslosigkeit ist vom Februar bis Anfang November dieses Jahres um 
70% zuriickgegangen, was wesentlich durch die groBen Auftrage, die von deutscher Seite der franzo- 
sischen Industrie gegeben wurden, bedingt ist. 

Gegen Kommunisten, Freimaurer und Juden wird mancherlei, wenn auch kaum alles wirklich Mog- 
liche, getan. Die franzosische Legion zum Kampf gegen den Bolschewismus iibt eine steigende An- 
ziehungskraft aus, wie denn die Einsicht in die Notwendigkeit des Kampfes gegen den Bolschewismus 



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offenbar 

im Wachsen begriffen ist. Marschall P e t a i n lieB am 5. November eine Botschaft an den Fiihrer 
dieser Legion, Oberst L a b o n n e, bekanntgeben. Darin hieB es, der Marschall sei gllicklich, zu wis- 
sen, daB die franzosischen Freiwilligen sich dariiber klar seien, die franzosische militarische Ehre zu 
verteidigen. Durch ihr Handeln hatten sie Frankreich das Vertrauen in seine Tugenden wiedergegeben 
und durch ihre Teilnahme an dem von Deutschland gefuhrten Kreuzzug erflillten sie gleichzeitig die 
noch konkretere Aufgabe, das Land vor der bolschewistischen Gefahr zu schlitzen. Am 29. November 
erfuhr man, daB der bekannte Rektor der katholischen Universitat in Paris, Kardinal Baudrillart, sich 
an die Spitze eines Komitees zum Kampf gegen den Bolschewismus gestellt habe, dem hervorragende 
Mitglieder der Akademie und des Institut de France angehoren. 

125 Die Notwendigkeit dieses Kampfes wird immer wieder durch alle Nachrichten bestatigt, die aus 
SowjetruBland zu uns gelangen oder die wir anderweitig iiber die Tatigkeit des Kommunismus erhal- 
ten. Am 6. November wurde in Moskau der vierundzwanzigste Jahrestag der Oktoberrevolution gefei- 
ert. Sie zeigte erneut, daB Stalin und der Bolschewismus entgegen aller in London und Washington 
beliebten Schonfarbereien iiber einen angeblichen Wandel zum Besseren nichts von ihrer weltrevolu- 
tionaren Ideologic und ihrem imperialen Machtwillen verloren haben, daB sie nach wie vor die alten 
Ziele weiter verfolgen, und daB die deutsche Auffassung, mit dem Bolschewismus sei jede Verstandi- 
gung unmoglich, wieder bestatigt worden ist. 

Die Rede Stalins in Moskau zum 6. November, deren Verbreitung sich die Londoner Reuter- 
Agentur besonders angelegen sein lieB, bemiihte sich, die Lage der Sowjets entgegen neuen Tatsachen 
moglichst giinstig hinzustellen, Siegeszuversicht zum Ausdruck zu bringen, das enge Einvernehmen 
mit England und den USA zu unterstreichen und Hoffnungen auf riesigen Zustrom von Kriegsmaterial 
aus diesen Landern zu erwecken. Freilich stellte Stalin auch Betrachtungen iiber „die Griinde fur das 
militarische Ungliick der Roten Armee" an. Einer der Hauptgriinde sei, daB keine zweite Front gegen 
Deutschland in Europa bestehe. Die Deutschen konnten deshalb ihre Front im Westen als sicher anse- 
hen und ihre ganze Kraft und die ihrer Bundesgenossen gegen die Sowjets werfen. Es gebe keinen 
Zweifel dariiber, daB die Schaffung einer zweiten Front auf dem europaischen Kontinent — und sie 
miisse bestimmt in nachster Zukunft geschaffen werden — die Lage der Sowjets in bedeutendem Ma- 
Be erleichtern wurde. Ferner leide die Sowjetarmee unter dem Mangel an Flaks, Flugzeugen und vor 
allem an Tanks. Die bolschewistischen Niederlagen dem Mangel an Kriegsmaterial zuzuschreiben, ist 
angesichts der gewaltigen deutschen Beuteziffern, die ein geradezu ungeheures AusmaB von Riistun- 
gen bei den Bolschewiken erweisen, eine drastische Verdrehung der Tatsachen! Noch erstaunlicher 
war freilich, was Stalin iiber die Hohe der sowjetischen Verluste zu sagen wagte. Er sprach von 
350000 Toten, 368000 VermiBten und 1020000 Verwundeten. Er gab also die Zahl der Gefangenen, 
denn das sind die VermiBten, auf gerade 10% der Wirklichkeit an! Am 26. November gab man in 
Moskau etwas andere Ziffern an, namlich 490 000 Tote, 520000 VermiBte und 1112 000 Verwundete. 
Die Deutschen hatten 15000 Tanks, 13000 Flugzeuge und 19000 Kanonen verloren, die Sowjets dage- 
gen 7900 Tanks, 6400 Flugzeuge und 12900 Kanonen. Jeder wird sich fragen, wie die deutschen 
Truppen bei ihrem siegreichen Vormarsch 19 000 Kanonen gegen nur 

126 12 900 der in riesigen Kesselschlachten millionenweise gefangenen Russen verloren haben konnten! 

Von maBgeblichen militarischen Kritikern in England und USA wurde freilich die militarische Lage 
der Sowjetunion ganz anders eingeschatzt, namlich sehr pessimistisch. Die riesigen Verluste an Men- 
schen und Kriegsmaterial, an Rohstoffen und Riistungsindustrien wurden immer wieder unterstrichen 
und Zweifel dariiber geauBert, wie lange die Sowjets noch Widerstand wurden leisten konnen. 

Die vollig volkerrechtswidrige Art, mit der die Bolschewisten kampfen — nur die Anwendung der 
Methoden, die dieses Regime im Innern gebraucht, bei dem Kampf auf dem Schlachtfeld — , ist be- 
kannt. Ermordung, Verstiimmelung und Marterung von Kriegsgefangenen sind den Bolschewisten 
genau so selbstverstandlich wie bei politischen Gefangenen. Der AuBenkommissar dieses Verbrecher- 
staates, Molotow, hat Ende November an alle Botschafter und Gesandten der Staaten, die mit der So- 
wjetunion diplomatische Beziehungen unterhalten, eine Notgerichtet, in der er sich iiber angeblich 
systematische volkerrechtswidrige Behandlung der sowjetischen Kriegsgefangenen durch Deutschland 
beschwerte! Andererseits hat die Sowjetregierung jede Initiative des Roten Kreuzes hinsichtlich eines 
Nachrichtenaustausches iiber Kriegsgefangene und des Besuchs von Gefangenenlagern durch Dele- 
gierte des Internationalen Roten Kreuzes, dem bezeichnenderweise die Sowjetunion gar nicht ange- 
hort, rundweg abgelehnt. Moskau muB eben angstlich jeden Lichtstrahl scheuen, der auf die von ihm 
angewandte Art der Behandlung von Kriegsgefangenen fallen konnte. 



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Das wahre Gesicht der Sowjetunion wurde wieder einmal durch Veroffentlichungen des bulgari- 
schen Regierungsblattes „W e t s c h e r" vom 7. November beleuchtet. Es brachte die Ergebnisse der 
Untersuchung von Fallschirmspringern auf bulgarischem Gebiet und der Landung von Saboteuren 
durch sowjetische U-Boote. Danach sind auf bulgarischem Gebiet insgesamt flinf Gruppen von Fall- 
schirmspringern gelandet, die zum Teil getotet, zum Teil gefangen wurden. Es waren friiher aus Bul- 
garien geflohene Kommunisten. Sie wurden systematisch ausgebildet und der Generalsekretar der 
Komintern, Dimitroff, gab ihnen vor dem Abflug nach Bulgarien personlich Instruktionen. Sie sollten 
Lager und Fabriken anziinden, Bahnhofe und Eisenbahnlinien zerstoren, flihrende deutsche und bulga- 
rische Personlichkeiten ermorden. Die durch Unterseeboote gelandeten Saboteure hatten die Aufgabe, 
eine umfangreiche Verschworer- und Agitationstatigkeit zu entfalten. Sie sollten Bulgarien in Bezirke 
einteilen, bewaffnete Trupps bilden, Sabotageakte veriiben, Aufstande vorbereiten usw. Man hatte 
diesen Sendlingen in der Sowjetunion glauben gemacht, das bulgarische Volk warte nur auf sie und sei 

127 bereit, ihnen bei der Durchfiihrung ihrer Instruktionen behilflich zu sein. 

Ahnliches Material tiber die Richtlinien, die die Komintern den Kommunisten in Finnland gegeben 
hat, in der Zeit zwischen dem finnisch-sowjetischen Frieden des 12. Marz 1940 und dem Beginn der 
neuen Feindseligkeiten mit der Sowjetunion, wurden in Helsinki veroffentlicht. Sabotageakte in Fa- 
briken und Verkehrseinrichtungen und in der Armee, Streiks, die Griindung von Kampfgruppen, be- 
sonders auch mit der Aufgabe, bolschewistischen Fallschirmtruppen zu helfen, Spionage jeder Art 
usw. waren die Aufgaben, die die Komintern aus Moskau den finnischen Kommunisten stellten. 

Wirklich bezeichnend nicht nur fur die Sowjetunion, sondern auch fiir die Regierungsclique in Wa- 
shington ist die Tatsache, daB Anfang November der ehemalige bolschewistische AuBenminister, der 
Jude Litwinow-Finkelstein, der ebenso wie Stalin seine politische Karriere mit Attentaten und Raub- 
uberfallen begonnen hat und spater im Genfer Volkerbund die Sicherheitstrommel gegen Deutschland 
riihrte, zum sowjetischen Botschafter in den USA ernannt wurde. Die „New York Times", die als die 
vornehmste Zeitung in den USA gilt, meldete dazu aus Washington am 8. November, dort herrsche die 
Ansicht vor, daB Stalin mit dieser Ernennung „seinen tiichtigsten Diplomaten" in die USA entsende, 
der sich in Washington groBen Ansehens erfreue. Stalin habe Litwinow fraglos deshalb nach Washing- 
ton entsandt, weil er das Geftihl habe, daB er dadurch groBen EinfluB in der Bundeshauptstadt ausiiben 
konne. Diese Hoffnung Stalins ist freilich erklarlich genug, wenn man an den entscheidenden EinfluB 
des Judentums auf Roosevelt und seine Umgebung denkt. 

Das mit den Bolschewisten so eng verbiindete und, wenn man Londoner Versicherungen glauben 
darf, so herzlich befreundete konservative England gibt sich bei offiziellen und kirchlichen Anlassen 
die groBte Miihe, sich zu dieser Freundschaft zu bekennen. Der englische Konig lieB es sich in seiner 
bei Eroffnung der neuen Parlamentssitzung am 12. November gehaltenen Rede nicht nehmen, die Ent- 
schlossenheit Englands festzustellen, „bis zum auBersten die Sowjetunion in ihrem heroischen Kampfe 
zu unterstiitzen. Ich begruBe herzlich als Verbiindeten die groBe sozialistische Sowjetrepublik", geruh- 
ten sich Ihre Majestat zu auBern. In einem von einem englischen Bischof abgehaltenen Gottesdienst, 
bei dem der Herr Bischof zum Gebet fur die Bolschewiken aufforderte, wurde eine Botschaft des so- 
wjetischen Botschafters Maisky verlesen, die fur moglichst enge Zusammenarbeit zwischen England 
und der Sowjetunion zwecks baldiger Erringung des Sieges pladierte. Der englische Rustungsminister 
Lord Beaverbrook freilich 

128 erklarte vor Abgeordneten der britischen Gewerkschaften, man diirfe sich nicht auf den sowjetischen 
Widerstand verlassen. Was die Englander in der kommenden Zeit auf sich nehmen und leiden miissen, 
sei viel schwerer als das, was sie bis jetzt gelitten hatten, denn sie muBten die Last, die die Bolschewi- 
sten heute triigen, morgen auf ihre Schultern nehmen. 

Auf ahnliche Tone war eine Rede Churchills gestimmt, die er am 9. November bei Einfuhrung des 
neuen Lordmayors hielt. Auch Churchill feierte die Bolschewiken als Bundesgenossen im schweren 
Kampf fiir die Freiheit. Auffallig waren seine scharfen Drohungen gegen Japan, falls es zu einem 
Krieg im Pazifik kommen sollte. Mit diesen Drohungen wollte Churchill offenbar Druck auf die japa- 
nischen Unterhandler in Washington ausiiben. 

Was den Krieg angeht und seine Folgen fiir England, so wurden im November verschiedentlich 
neue RationierungsmaBnahmen aus England gemeldet. Am 19. November kiindigte Churchill eine 
groBe Offensive in Libyen an, die er geradezu als eine bevorstehende Wendung des Kriegsgliickes 
zugunsten Englands anpries. Aber schon am 23. November muBte der britische Nachrichtendienst aus 
Kairo die Erklarung des militarischen Sprechers der britischen Armee mitteilen: „Es muB zugegeben 
werden, daB wir auf harten, ja, sehr harten Widerstand stoBen und daB die Kampfe sehr schwer sind." 



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Wenige Tage spater gab man in London offen zu, die erste Runde in Libyen sei zugunsten Rommels 
ausgegangen. Die deutschitalienische Waffenbriiderschaft hat bei der Abwehr der englischen Offensi- 
ve sich erneut hervorragend bewahrt. 

Englands angeblicher Kampf fur die Freiheit wurde neuerdings wieder durch einige Meldungen aus 
Indien beleuchtet. Die Volkszahlung ergab, daB in diesem Lande, das die Englander seit zweihundert 
Jahren beherrschen, immer noch 88% der 388 Millionen starken indischen Bevolkerung Analphabeten 
sind. Ganz sinngemaB erklarte der englische AuBenminister Eden, der die Freiheit der Welt so oft im 
Munde ftihrt, am 28. November im Unterhaus gegenuber dem Antrag eines linksstehenden Abgeord- 
neten, Indien Autonomic zu gewahren, eine solche Autonomic sei fur Indien „hochst unnotig und ab- 
surd". Ahnliche AuBerungen machte der Indienminister A m e r y. In Agypten suchte der britische 
Botschafter in Kairo Konig Faruk auf, um ihm mitzuteilen, eventuelle Ausgleichsversuche zwischen 
der Wafdpartei und der agyptischen Regierung mit dem Ziel, die Wafdpartei an die Regierung zu 
bringen, wtirden gegebenenfalls gewaltsam unterbunden werden. Die Englander hatten kein Vertrauen 
zum Wafd — er ist die Partei des agyptischen Nationalismus — und seien entschlossen, diesen mit 
Gewalt zu verhindern, an die Macht zu kommen. Demokratie und Freiheit sind eben nur dann gut, 
wenn sie englischen Interessen dienen! 

129 DaB Roosevelt auch im Monat November die gleiche verlogene Phraseologie wiederholt und 
verkiindet hat, daB er weiter gegen Deutschland gehetzt und zum Kriege getrieben, daB er sich weiter 
bemuht hat, die groBen Widerstande innerhalb des amerikanischen Volkes gegen diese Politik zu be- 
seitigen, wird niemand wundernehmen, der das Wirken dieses Mannes laufend verfolgt hat. Der 1 1 . 
November, der Waffenstillstandstag, bot ihm eine besondere Gelegenheit, seine Phrasen von Freiheit, 
Unabhangigkeit und Demokratie, fur die die Amerikaner angeblich im Weltkrieg gefallen seien, zu 
wiederholen und dazu aufzufordern, zum gleichen Opfer jetzt, wo die Tyrannei wieder die Welt be- 
drohe, bereit zu sein. Die gleiche kriegshetzerische Phraseologie lieB Roosevelt auch bei mehreren 
anderen Gelegenheiten los, nicht ohne daB er von den zahlreichen Gegnern seiner Politik wiederholt 
scharfe Abfuhren bezogen hatte. Dies geschah besonders von seiten des friiheren Prasidenten Hoover, 
der in einer Rundfunkansprache am 19. November das Unsinnige von Roosevelts Kriegspolitik mit 
scharfen Worten charakterisierte. 

Wie wenig sich Roosevelt und die anderen Kriegshetzer im Einklang mit der wirklichen Stimmung 
des amerikanischen Volkes befinden, zeigte sich deutlich bei der Abstimmung iiber die Anderung des 
Neutralitatsgesetzes im KongreB. Das Neutralitatsgesetz sollte dahingehend geandert werden, daB die 
Bewaffnung amerikanischer Handelsschiffe und Fahrten ins Kriegsgebiet kunftig nicht mehr wie bis- 
her verboten, sondern erlaubt sein sollten. Der KongreB nahm diesen Antrag mit 212 gegen 194 Stim- 
men an. Da er 435 Abgeordnete zahlt, stellten die 212 Jasager nicht einmal die absolute Mehrheit dar. 
Der Antrag ging nur durch, weil eine groBere Anzahl von Abgeordneten der Abstimmung aus Griin- 
den, liber die jegliche Vermutung gestattet ist, ferngeblieben waren. Immerhin ist durch die Annahme 
der Abanderung des Neutralitatsgesetzes Roosevelt seinem heiBersehnten Ziel, sein Land in den Krieg 
zu bringen, einen guten Schritt nahergekommen. 

Nicht weniger kann es wundernehmen, daB Roosevelt auch im Monat November seine 
Freundschaftspolitik mit dem anderen groBen Verteidiger von Freiheit und Demokratie, mit dem 
blutigen Erztyrannen Stalin, eifrig gepflegt hat. Er richtete am 30. Oktober an Stalin einen 
freundlichen Brief, in dem er ihm seiner vollen Unterstiitzung hinsichtlich der Lieferungen von 
Kriegsgerat versicherte und ihm in Aussicht stellte, ihm im Rahmen des Pacht- und Leihgesetzes einen 
Kredit bis zu einer Milliarde Dollar zur Verfugung zu stellen. Roosevelt sprach am SchluB seines 
Briefes seine Bereitschaft und seinen Wunsch nach personlichem Kontakt mit Stalin aus. Stalin 
erklarte sich in seinem Antwortbrief vom 

130 4. November gern bereit, Roosevelts Angebote anzunehmen sowie von Herzen dem Vorschlag eines 
direkten personlichen Kontaktes nachzukommen. Der USA-Botschafter in Washington wollte dahinter 
nun naturlich nicht zuriickbleiben und richtete am 7. November ein Schreiben an das bolschewistische 
Hauptorgan „Iswestia", in dem er versicherte, „das amerikanische Volk bewundert das heldenmutige 
sowjetische Volk". Roosevelts Vertreter bei der im Oktober in Moskau abgehaltenen sowjetisch- 
englisch-amerikanischen Konferenz iiber die gegenseitige Hilfeleistung, Harriman, von Hause ein 
ganz groBer Plutokrat, konnte sich in einer Rundfunkansprache vom 23. November an Lobspriichen 
und Bewunderungsausdriicken fur die Bolschewiken nicht genug tun. 

Hinsichtlich der Unterstiitzung der Tschungkingregierung, der immer weiteren Einbeziehung der 
sudamerikanischen Staaten in die Kriegshetze und die Zielsetzungen des Dollarimperialismus und in 



IliiiisirlllLiiiil iii^iB|if 26 

der Bekampfung Japans blieb Roosevelt auch im Monat November so konsequent wie bisher. Wah- 
rend des ganzen Monats wurden jedoch die Verhandlungen zwischen Japan und den USA, zu denen 
Tokio im Oktober die Initiative ergriffen hatte, und zu denen als Unterstiitzung fur den japanischen 
Botschafter in Washington der friihere Botschafter in Berlin, K u r u s u, entsandt wurde, fortgesetzt. 
Die Japaner lieBen es an wiederholten Erklarungen ihrer Verstandigungsbereitschaft nicht fehlen, un- 
terstrichen jedoch nicht weniger deutlich ihre feste Absicht, auf ihre Lebensraumpolitik im Fernen 
Osten keinesfalls zu verzichten. Hierfur waren besonders die Erklarungen kennzeichnend, die Mini- 
sterprasident T o j o und AuBenminister T o g o in den Sitzungen des japanischen Reichstags vom 16. 
und 17. November abgaben, sowie die EntschlieBungen, die beide Kammern des Reichstages gemein- 
sam annahmen und in denen die Regierung aufgefordert wurde, die Ziele Japans unerschutterlich mit 
Unterstiitzung des gesamten Volkes durchzufuhren. 

Uber die Einzelheiten der japanisch-amerikanischen Verhandlungen in Washington wurde wenig 
bekannt. Es wurde aber offensichtlich, daB Washington vollig intransigent blieb und auf den bisheri- 
gen Forderungen an Japan, die letzten Endes auf die Wiederherstellung des Status quo vor dem Beginn 
des Chinakrieges hinauslaufen, beharrte. Die Erfiillung dieser Forderung wurde den Verzicht Japans 
auf die Ergebnisse eines vierjahrigen opferreichen Krieges, auf seine Lebensraumpolitik und seinen 
Fiihrungsanspruch in Ostasien und auf seine Stellung als Weltmacht, ja sogar als GroBmacht, sowie 
die Unterwerfung unter angelsachsisches Diktat darstellen. Es bedeutet das Eintreten des Falles, von 
dem AuBenminister Togo in seiner schon erwahnten Reichstagsrede vom 1. November sprach, als er 
sagte: 
131 „Die internationale Lage ist Tag fiir Tag gespannter geworden und der Druck Englands und der USA 
gegeniiber Japan stellt eine wirklich ernste Frage dar, die die Existenz unseres Kaiserreiches tief be- 
riihrt. Sollte sich wirklich der Fall ergeben, der die tatsachliche Existenz des Kaiserreiches bedrohen 
oder das Prestige Japans als einer GroBmacht bloBstellen konnte, so ist es selbstverstandlich, daB Ja- 
pan demgegeniiber mit fester Entschlossenheit auftreten muB." 

Das Barometer der Spannungen im Pazifischen Ozean stand deshalb im Monat November immer 
mehr auf Sturm. Die Politik Roosevelts war auch in diesem Raum sichtlich erfolgreich im Sinne der 
Kriegshetze des amerikanischen Prasidenten. Dr. S. 







Herausgegeben von 

Ministerialdirektor A. J. Berndt 
Reichspropagandaministerium 

Oberst von Wedel 
Oberkommando der Wehrmacht 



1941 

Dezember-Lieferung 

(Nr.55/56 der Gesamtlieferung) 



Verlagsanstalt Otto Stollberg, Berlin WO 



Die Rede dies Fiihrers vor dem GroBdeutschen Reichstag 

Der Fiihrer hielt am 11. Dezember vor dem GroBdeutschen Reichstag folgende Ansprache 

(DNB): 



;liriiisirllill,iiiii iit'jiiaijif 1 

Abgeordnete! Manner des Deutschen Reichstages! 

70 Ein Jahr weltgeschichtlicher Ereignisse geht zur Neige, ein Jahr groBter Entscheidungen steht vor uns. 
In dieser ernsten Zeit spreche ich zu Ihnen, Abgeordnete des Reichstags, als den Vertretern der deut- 
schen Nation. Allein dariiber hinaus soil das ganze deutsche Volk von diesem Ruckblick Kenntnis 
nehmen und von den Entscheidungen, die uns Gegenwart und Zukunft aufzwingen. 

Nach der abermaligen Ablehnung meines Friedensangebotes im Jahre 1940 durch den derzeitigen 
britischen Ministerprasidenten und der ihn tragenden oder beherrschenden Clique war es im Herbst 
1940 klar, daB dieser Krieg gegen alle Griinde der Vernunft und der Notwendigkeit mit den Waffen 
bis zum Ende durchgekampft werden muB. Sie kennen mich, meine alten Parteigenossen, daB ich stets 
ein Feind halber oder schwachlicher Entschltisse war. Wenn die Vorsehung es so gewollt hat, daB dem 
deutschen Volk dieser Kampf nicht erspart werden kann, dann will ich ihr daftir dankbar sein, daB sie 
mich mit der Fuhrung eines historischen Ringens betraute, das fur die nachsten 500 oder 1000 Jahre 
nicht nur unsere deutsche Geschichte, sondern die Geschichte Europas, ja der ganzen Welt entschei- 
dend gestalten wird. 

Das deutsche Volk und seine Soldaten arbeiten und kampfen, heute nicht nur fur sich und ihre Zeit, 
sondern fur kommende, ja fernste Generationen. Eine geschichtliche Revision einmaligen AusmaBes 
wurde uns vom Schopfer aufgetragen, die zu vollziehen wir nunmehr verpflichtet sind. Der schon kurz 
nach der Beendigung des Kampfes in Norwegen mogliche Waffenstillstand im Westen zwang die 
deutsche Fuhrung zuallererst, die gewonnenen politisch, strategisch und wirtschaftlich wichtigen Ge- 
biete militarisch zu sichern. 

So haben die damals eroberten Lander seitdem ihre Widerstandsmoglichkeit wesentlich verandert. 
Von Kirkenes bis zur spanischen Grenze erstreckt sich ein Giirtel von Stiitzpunkten und Befestigungen 
groBten AusmaBes. Zahllose Flugplatze wurden gebaut oder im hohen Norden zum Teil aus dem Ur- 
gestein des Granits gesprengt. Marinebasen erhielten Schutzbauten fur U-Boote in einem AusmaB und 
in einer Starke, daB sie sowohl von See aus als auch von der Luft aus praktisch unverletzbar sind. Der 

71 Verteidigung selbst dienen mehr als eineinhalbtausend neue Batterien, deren Stellungen 
erkundet, geplant und ausgebaut werden muBten. Ein Netz von StraBen und Eisenbahnen wurde ange- 
legt, so daB heute die Verbindung zwischen der spanischen Grenze bis Petsamo unabhangig vom Meer 
sichergestellt ist. Pioniere und Baubataillone der Marine, des Heeres und der Luftwaffe in Verbindung 
mit der Organisation Todt haben hier Anlagen geschaffen, die dem Westwall in nichts nachstehen. An 
ihrer Verstarkung wird unentwegt weitergearbeitet. Es ist mein unbeirrbarer EntschluB, diese europai- 
sche Front fur jeden Feind unangreifbar zu machen. Diese auch iiber den letzten Winter hin fortgesetz- 
te Arbeit defensiver Art fand ihre Erganzung durch eine offensive Kriegfuhrung, wie sie, durch die 
jahreszeitlichen Verhaltnisse bedingt, moglich war. Deutsche Uberwasser- und Unterwasser- 
Seestreitkrafte fuhrten ihren stetigen Vernichtungskrieg gegen die britische und die ihr dienstbare 
Kriegs- und Handelsmarine weiter. Die deutsche Luftwaffe unterstiitzte durch Angriffe, durch Aufkla- 
rung die Schadigung der feindlichen Tonnage und brachte in zahllosen Vergeltungsflugen dem Eng- 
lander eine bessere Vorstellung tiber den „reizenden Krieg" bei, dessen Urheber mit in erster Linie 
sein heutiger Premierminister ist. 

In diesem Kampf wurde in der Mitte des vergangenen Jahres Deutschland vor allem durch seinen 
italienischen Bundesgenossen untersoitzt. Viele Monate lastete das Gewicht eines groBen Teiles der 
britischen Macht auf den Schultern des mit uns verbundeten italienischen Staates. Nur infolge der 
enormen Uberlegenheit an schweren Panzern gelang es den Englandern, in Nordafrika voriibergehend 
eine Krise herbeizufuhren. Schon am 24. Marz des vergangenen Jahres aber begann eine kleine Ge- 
meinschaft deutsch-italienischer Verbande unter der Fuhrung R o m m e 1 s zum Gegenangriff anzutre- 
ten. Am 2. April fiel Agedabia. Am 4. wurde Bengasi erreicht. Am 8. zogen unsere gemein- 
samen Verbande in D e r n a ein, am 11. wurde T o b r u k eingeschlossen und am 12. April B a r d i a 
besetzt. Das Deutsche Afrika-Korps hat um so Hervorragenderes geleistet, als den Deutschen rein 
klimatisch dieser Kriegsschauplatz vollkommen fremd und ungewohnt war. So wie einst in Spanien 
sind nunmehr in Nordafrika Deutsche und Italiener dem gleichen Feinde stets gemeinsam gegentiber- 
getreten. 

Wahrend durch diese ktihnen MaBnahmen die nordafrikanische Front unserer beiden verbundeten 
Lander mit dem Blute deutscher und italienischer Soldaten wieder gesichert wurde, zog sich tiber Eu- 
ropa bereits der unheildrohende Schatten einer entsetzlichen Gefahr zusammen. Der bittersten Not 
gehorchend habe ich mich im Herbst 1939 entschlossen, wenigstens den Versuch zu machen, durch 
das Ausschalten 



;liriiisirllill,iiiii iit'jiiaijif 1 

72 der akuten deutschrussischen Spannung die Voraussetzung fur einen allgemeinen Frieden zu schaffen. 
Dies war psychologisch schwer infolge der Gesamteinsteilung des deutschen Volkes und vor allem der 
Partei gegentiber dem Bolschewismus, sachlich genommen aber leicht, da Deutschland in all den Ge- 
bieten, die England als von uns bedroht erklarte und mit Beistandspakten uberfiel, tatsachlich immer 
nur wirtschaftliche Interessen gesehen und vertreten hatte. Denn ich darf Sie erinnern, meine Abge- 
ordneten, daB England im ganzen Friih- und Hochsommer des Jahres 1939 zahlreichen Staaten und 
Landern seinen Beistand anbot mit der Behauptung, Deutschland besaBe die Absicht, bei ihnen einzu- 
fallen und sie ihrer Freiheit zu berauben. Das Deutsche Reich und seine Regierung konnten mit bestem 
Gewissen daher versichern, daB es sich dabei nur um Unterstellungen handelte, die der Wahrheit in 
keiner Weise entsprachen. 

Es kam dazu noch die nuchterne militarische Erkenntnis, daB im Falle eines Krieges, der durch die 
britische Diplomatic dem deutschen Volk aufgezwungen werden sollte, der Kampf nach zwei Fronten 
ohnehin nur mit sehr schweren Opfern durchfuhrbar schien. Nachdem auBerdem die baltischen Staa- 
ten, Rumanien usw. der Annahme der britischen Beistandspakte zugeneigt waren und damit zu erken- 
nen gaben, daB sie ebenfalls an eine solche Bedrohung glaubten, war es fur die deutsche Reichsregie- 
rung nicht nur ein Recht, sondern auch eine Pflicht, ihrerseits die Grenzen der deutschen Interessen zu 
bestimmen. Die betroffenen Lander muBten allerdings — auch zum Leidwesen des Deutschen Reiches 
selbst — in kurzer Zeit erkennen, daB der einzige Faktor, der der starkste Garant gegentiber dem dro- 
henden Osten sein konnte, nur Deutschland war. So wie sie durch ihre eigene Politik die Verbindun- 
gen zum Deutschen Reich durchschnitten hatten und statt dessen sich dem Beistand der Macht anver- 
trauten, die in ihrem sprichwortlichen Egoismus seit Jahrhunderten nie Beistand gab, sondern stets nur 
Hilfe forderte, waren sie verloren. 

Dennoch erregte das Schicksal dieser Lander das starkste Mitempfinden des deutschen Volkes. Der 
Winterkampf der Finnen zwang uns ein Gefuhl, gemischt aus Bitternis und Bewunderung, auf. Be- 
wunderung, weil wir selbst als Soldatenvolk fur Heldentum und Aufopferung ein empfangliches Herz 
besitzen, Bitternis, weil wir mit dem Blick auf den drohenden Feind 'im Westen und auf die Gefahr im 
Osten militarisch zu helfen nicht in der Lage waren. Sowie es klar wurde, daB SowjetruBland aus der 
Abgrenzung der politischen deutschen EinfluBsphare das Recht ableitete, die auBerhalb lebenden Na- 
tionen praktisch auszurotten, war das weitere Verhaltnis nur noch ein zweckbestimmtes, dem Vernunft 
und Gefuhle feindlich gegenuberstanden. 

73 Von Monat zu Monat mehr wurde schon im Jahre 1940 die Erkenntnis gewonnen, daB die Plane der 
Manner im Kreml bewuBt auf die Beherrschung und damit Vernichtung ganz Europas hinzielten. Ich 
habe der Nation schon ein Bild des Aufmarsches der russischen militarischen Machtmittel im Osten 
gegeben, zu einer Zeit, in der Deutschland nur wenige Divisionen in den an RuBland angrenzenden 
Provinzen besaB. Nur ein Blinder konnte es ubersehen, daB sich hier ein Aufmarsch von weltge- 
schichtlich einmaligen Dimensionen vollzog. Und zwar nicht um etwas zu verteidigen, was nicht be- 
droht war, sondern nur um etwas anzugreifen, was zur Verteidigung nicht mehr fahig zu sein schien. 
Wenn die blitzartige Beendigung des Feldzuges im Westen den Moskauer Machthabern auch die 
Moglichkeit nahm, mit einer sofortigen Erschopfung des Deutschen Reiches rechnen zu konnen, so 
beseitigte dies keineswegs ihre Absichten, sondern verschob nur den Zeitpunkt des Angriffes. Im 
Sommer 1941 glaubte man den gunstigsten Moment des Losschlagens zu sehen. Nun sollte ein neuer 
Mongolensturm tiber Europa hinwegbrausen. 

Fur die gleiche Zeit aber versprach Mister Churchill auch die Wende des englischen Kampfes gegen 
Deutschland. Er versucht heute in feiger Weise abzuleugnen, daB er in den Geheimsitzungen des Jah- 
res 1940 im englischen Unterhaus als wesentlichsten Faktor fur die erfolgreiche Fortfuhrung und Be- 
endigung dieses Krieges auf den sowjetischen Kriegseintritt hinwies, der spatestens im Jahre 1941 
kommen sollte und der England dann in die Lage versetzen wurde, auch seinerseits zum Angriff iiber- 
zugehen. Im Friihling dieses Jahres verfolgten wir deshalb in gewissenhafter Pflicht den Aufmarsch 
einer Weltmacht, die an Menschen und Material iiber unerschopfliche Reserven zu verfugen schien. 
Schwere Wolken begannen sich iiber Europa zusammenzuziehen. 

Denn, meine Abgeordneten, was ist Europa? Es gibt keine geographische Definition unseres Konti- 
nents, sondern nur eine volkliche und kulturelle. Nicht der Ural ist die Grenze dieses Kontinents, son- 
dern immer jene Linie, die das Lebensbild des Westens von dem des Ostens trennt. Es gab eine Zeit, 
da war Europa jenes griechische Eiland, in das nordische Stamme vorgedrungen waren, um von dort 
aus zum ersten Male ein Licht anzuziinden, das seitdem langsam aber stetig die Welt der Menschen zu 
erhellen begann. Und als diese Griechen den Einbruch der persischen Eroberer abwehrten, da vertei- 



iJiriiisirllilLinii iit'jiiaijif 1 

digten sie nicht ihre engere Heimat, die Griechenland war, sondern jenen Begriff, der heute Europa 
heiBt. Und dann wanderte Europa von Hellas nach Rom. Mit dem griechischen Geist und der griechi- 
schen Kultur 

74 verbanden sich romisches Denken und romische Staatskunst. Ein Weltreich wurde geschaffen, das 
auch heute noch in seiner Bedeutung und fortzeugenden Kraft nicht erreicht, geschweige denn iiber- 
troffen ist. Als aber die romischen Legionen gegenuber dem afrikanischen Ansturm Karthagos in drei 
schweren Kriegen Italien verteidigten und endlich den Sieg erfochten, war es wieder nicht Rom, fur 
das sie kampften, sondern das die griechischromische Welt umfassende damalige Europa. 

Der nachste Einbruch gegen diesen Heimatboden der neuen menschlichen Kultur erfolgte aus den 
Weiten des Ostens. Ein furchtbarer Strom kulturloser Horden ergoB sich aus dem inneren Asien bis 
tief in das Herz des heutigen europaischen Kontinents, brennend, sengend und mordend als wahre 
GeiBel des Herrn. In der Schlacht auf den Katalaunischen Feldern traten zum ersten Male in einem 
Schicksalskampf von unabsehbarer Bedeutung Romer und Germanen gemeinsam fur eine Kultur ein, 
die, von den Griechen ausgehend, tiber die Romer hinweg nunmehr auch die Germanen in ihren Bann 
gezogen hatte. 

Europa war gewachsen. Aus Hellas und Rom entstand das Abendland, und seine Verteidigung war 
nunmehr fur viele Jahrhunderte nicht nur die Aufgabe der Romer, sondern vor allem auch die Aufgabe 
der Germanen. In eben dem MaBe aber, in dem das Abendland beleuchtet von griechischer Kultur, 
erfullt vom Eindruck der gewaltigen Uberlieferungen des Romischen Reiches durch die germanische 
Kolonisation seine Raume erweiterte, dehnte sich raumlich jener Begriff, den wir Europa nennen. 
Ganz gleich, ob nun deutsche Kaiser an der Unstrut oder auf dem Lechfeld die Einbruche aus dem 
Osten abwehrten oder Afrika in langen Kampfen aus Spanien zuriickgedrangt wurde, es war immer 
ein Kampf des werdenden Europa gegenuber einer ihm im tiefsten Wesen fremden Umwelt. Wenn 
einst Rom seine unverganglichen Verdienste an der Schopfung und Verteidigung dieses Kontinents 
zukamen, dann ubernahmen nunmehr auch Germanen die Verteidigung und den Schutz einer Volker- 
familie, die unter sich in der politischen Gestaltung und Zielsetzung noch so differenziert und ausein- 
anderweichend sein mochte: im Gesamtbild aber doch eine blutmaBig und kulturell teils gleiche, teils 
sich erganzende Einheit darstellt. 

Und von diesem Europa aus ging nicht nur eine Besiedelung anderer Erdteile vor sich, sondern eine 
geistige und kulturelle Befruchtung, deren sich nur jener bewuBt wird, der gewillt ist, die Wahrheit zu 
suchen, statt sie zu verleugnen. Es hat deshalb auch nicht England den Kontinent kultiviert, sondern 
Splitter germanischen Volkstums unseres Kontinents sind als Angelsachsen und Normannen auf diese 
Insel gezogen und haben ihr eine Entwicklung ermoglicht, die sicher einmalig ist. Ebenso hat nicht 

75 Amerika Europa entdeckt, sondern umgekehrt. Und all das, was Amerika nicht aus Europa bezogen 
hat, mag wohl einer verjudeten Mischrasse als bewunderungswtirdig erscheinen, Europa aber sieht 
darin nur ein Zeichen des Verfalls in Kunst und kultureller Lebenshaltung, das Erbe jtidischen oder 
vernegerten Bluteinschlags. 

Meine Abgeordneten! Manner des Deutschen Reichstages! Ich muB diese Ausfuhrungen machen, denn 
der Kampf, der sich in den ersten Monaten dieses Jahres allmahlich als unausbleiblich abzuzeichnen 
begann und zu dessen Fuhrung dieses Mai in erster Linie das Deutsche Reich berufen ist, geht eben- 
falls iiber die Interessen unseres eigenen Volkes und Landes weit hinaus. Denn so wie einst die Grie- 
chen gegenuber den Persern nicht Griechenland und die Romer gegenuber den Karthagern nicht Rom, 
Romer und Germanen gegenuber den Hunnen nicht das Abendland, deutsche Kaiser gegenuber Mon- 
golen nicht Deutschland, spanische Helden gegenuber Afrika nicht Spanien, sondern alle Europa ver- 
teidigt haben, so kampft Deutschland auch heute nicht fur sich selbst, sondern fur unseren gesamten 
Kontinent. Und es ist ein gluckliches Zeichen, daB diese Erkenntnis im UnterbewuBtsein der meisten 
europaischen Volker heute so tief ist, daB sie, sei es durch offene Stellungnahme, sei es durch den 
Zustrom von Freiwilligen, an diesem Kampfe teilnehmen. 

Als die deutschen und italienischen Armeen am 6. April dieses Jahres zum Angriff gegen Jugosla- 
wien und Griechenland antraten, war dies die Einleitung des groBen Kampfes, in dem wir uns zur Zeit 
noch befinden. Denn die Revoke, die in Belgrad zum Sturz des ehemaligen Prinzregenten und seiner 
Regierung fiihrte, war bestimmend fur den weiteren Ablauf der Geschehnisse in diesem Raum Euro- 
pas. Wenn auch England an diesem Putsch maBgebendst beteiligt war, so spielte doch die Hauptrolle 
SowjetruBland. Was ich Herrn Molotow anlaBlich seines Besuches in Berlin verweigert hatte, glaubte 
Stalin nunmehr auf dem Umweg einer revolutionaren Bewegung auch gegen unseren Willen erreichen 
zu konnen. Ohne Rucksicht auf die abgeschlossenen Vertrage weiteten sich die Absichten der bol- 



;liriiisirllill,iiiii iit'jiiaijif 1 

schewistischen Machthaber. Der Freundschaftspakt mit dem neuen revolutionaren Regime erhellte 
blitzartig die Nahe der drohenden Gefahr. Was von der deutschen Wehrmacht in diesem Feldzuge 
geleistet wurde, fand im Deutschen Reichstag am 4. Mai 1941 seine Wlirdigung. Was auszusprechen 
mir damals aber leider versagt bleiben muBte, war die Erkenntnis, daB wir mit rasender Schnelligkeit 
der Auseinandersetzung mit einem Staat entgegengingen, der im Augenblick des Balkanfeldzuges nur 
deshalb noch nicht eingriff, weil sein Aufmarsch noch nicht vollendet und die Benutzung der Flugha- 
fen vor allem infolge der um diese 

76 Jahreszeit erst einsetzenden Schneeschmelze und damit der Grundlosmachung der Rollfelder 
unmoglich war. 

Meine Abgeordneten ! 

Sowie mir im Jahre 1940 durch Mitteilungen aus dem englischen Unterhaus und durch Beobach- 
tung der russischen Truppenverschiebungen an unseren Grenzen die Moglichkeit der Entstehung einer 
Gefahr im Osten des Reiches bewuBt wurde, erteilte ich sofort die Anweisung zur Aufstellung zahl- 
reicher neuer Panzer-, Mot- und Infanteriedivisionen. Die Voraussetzungen dafiir waren sowohl per- 
sonell als auch materiell reichlich vorhanden. Wie ich Ihnen, meine Abgeordneten, und uberhaupt 
dem ganzen deutschen Volk nur eine Versicherung geben kann: wenn man auch in den Demokratien, 
wie leicht begreiflich, sehr viel redet, dann wird aber trotzdem im nationalsozialistischen Deutschland 
dafiir immer noch mehr gearbeitet. Es war in der Vergangenheit so und es ist dies auch heute nicht 
anders. Jedes Jahr wird uns mit vermehrten und vor allem auch besseren Waffen dort linden, wo die 
Entscheidungen fallen. 

Trotz aller Einsicht in die Notwendigkeit, unter keinen Umstanden dem Gegner die Moglichkeit zu 
bieten, den ersten StoB in unser Herz tun zu konnen, war der EntschluB in diesem Fall doch ein sehr 
schwerer. Wenn die Artikel Schreiber unserer demokratischen Zeitungen heute erklaren, daB ich bei 
genauerer Kenntnis der Starke des bolschewistischen Gegners es mir uberlegt haben wurde, zum An- 
griff zu schreiten, so verkennen sie ebensosehr die Lage wie meine Person. Ich h a b e keinen Krieg 
gesucht, sondern habe im Gegenteil alles getan, um ihn zu vermeiden. Ich wurde aber pflichtverges- 
sen und gewissenlos handeln, wenn ich es trotz der Kenntnis der Unvermeidbarkeit eines Waffengan- 
ges versaumen wurde, die daraus einzig moglichen Konsequenzen zu ziehen. Weil ich SowjetruBland 
fur die todlichste Gefahr nicht nur des Deutschen Reiches, sondern fur ganz Europa hielt, habe ich 
mich entschlossen, wenn moglich noch wenige Tage vor Ausbruch dieser Auseinandersetzung selbst 
das Signal zum Angriff zu geben. Fur die Tatsache der Absicht aber des russischen Angriffs liegt heu- 
te einwahrhaft erdriickendes und authentisches Material vor. Ebenso sind wir uns im klaren iiber den 
Zeitpunkt, an dem dieser Angriff stattfinden sollte. Angesichts der uns vielleicht im ganzen Umfang 
aber wirklich erst heute bewuBt gewordenen GroBe der Gefahr kann ich dem Herrgott nur danken, daB 
er mich zur richtigen Stunde erleuchtet und mir die Kraft schenkte, das zu tun, was getan werden 
muBte. Dem verdanken nicht nur Millionen deutscher Soldaten ihr Leben, sondern ganz Europa sein 
Dasein. Denn das darf ich heute 

77 aussprechen: Wenn sich diese Welle von iiber 20000 Panzern, Hunderten an Divisionen, Zehntausen- 
den an Geschlitzen, begleitet von mehr als 10000 Flugzeugen, unversehens liber das Reich hin in Be- 
wegung gesetzt haben wurde, ware Europa verloren gewesen! Das Schicksal hat eine Reihe von Vol- 
kern bestimmt, durch den Einsatz ihres Blutes diesem StoB zuvorzukommen bzw. ihn aufzufangen. 
Hatte sich Finnland nicht sofort entschlossen, zum zweiten Male die Waffen zu ergreifen, dann wurde 
die gemachliche Biirgerlichkeit der anderen nordischen Staaten schnell ihr Ende gefunden haben. 

Ware das Deutsche Reich nicht mit seinen Soldaten und Waffen vor diesen Gegner getreten, wiirde 
ein Strom iiber Europa gebrandet sein, der die lacherliche britische Idee der Aufrechterhaltung des 
europaischen Gleichgewichts in ihrer ganzen Geistlosigkeit und stupiden Tradition einmal fur immer 
erledigt hatte. Wiirden nicht Slowaken, Ungarn und Rumanen den Schutz dieser europaischen Welt 
mit ubernommen haben, dann waren die bolschewistischen Horden wie der Hunnenschwarm eines 
Attila iiber die Donaulander gebraust, und an den Gefilden des Ionischen Meeres wiirden heute Tarta- 
ren und Mongolen die Revision des Vertrages von Montreux erzwingen. Hatten nicht Italien, Spanien, 
Kroatien ihre Divisionen gesendet, dann wiirde nicht die Abwehr einer europaischen Front entstanden 
sein, die als Proklamation des Begriffs des neuen Europas ihre werbende Kraft auch auf alle anderen 
Volker ausstrahlen lieB. Aus diesem ahnungsvollen Erkennen heraus sind von Nord- und Westeuropa 
die Freiwilligen gekommen: Norweger, Danen, Hollander, Flamen, Belgier usw., ja selbst Franzosen, 
die dem Kampf der verbundeten Machte der Achse im wahrsten Sinne des Wortes den Charakter eines 
europaischen Kreuzzuges geben. 



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Es ist noch nicht die Zeit, iiber die Planung und Fiihrung dieses Feldzuges zu sprechen. Allein ich 
glaube schon jetzt, in diesem gewaltigsten Kampfe aller Zeiten, bei dem sich durch die GroBe des 
Raumes, die Vielzahl und Gewalt der Ereignisse nur zu leicht die einzelnen Eindriicke verwischen, in 
der Erinnerung verblassen, in wenigen Satzen auf das Erreichte hinweisen zu dlirfen. 

Am 22. Juni begann im grauenden Morgen der Angriff. Mit unwiderstehlicher Klihnheit waren jene 
Grenzbefestigungen 

durchstoBen worden, die bestimmt waren, den russischen Aufmarsch gegen uns vor jener Uberra- 
schung zu sichern. Schon am 23. Juni war Grodno gefallen. Am 24. Juni waren nach der Einnahme 
von Brest-Litowsk die Zitadelle niedergekampft und ebenso W i 1 n a und K o w n o genommen. Am 
26. Juni fiel Dlinaburg. Am 10. Juli wurden die ersten beiden groBen Umfassungsschlachten bei Biali- 
stok und Minsk 

78 abgeschlossen. 324 000 Gefangene, 3332 Panzer und 1809 Geschutze Helen in unsere Hand. Schon 
am 13. Juli erfolgte an fast alien entscheidenden Stellen der Durchbruch durch die Stalin-Linie. Am 
16. Juli fiel nach schweren Kampfen Smolensk, wahrend am 19. Juli deutsche und rumanische 
Verbande den Ubergang iiber den D n j e s t r erzwangen. Am 6. August wurde in vielen Kesseln die 
Schlacht von Smolensk beendet. Wieder marschierten in deutsche Gefangenschaft 310000 Russen, 
wahrend 3205 Panzer und 3120 Geschutze teils als vernichtet teils als Beute gezahlt werden konnten. 
Schon drei Tage spater vollendete sich das Schicksal einer weiteren russischen Heeresgruppe. Am 9. 
August wurden in der Schlacht von U m a n wieder 103 000 Sowjetrussen gefangen, 317 Panzer, 1100 
Geschiitze zerstort oder erbeutet. Am 17. August fiel Nikolajew, am 21. August wurde C h e r s o 
n genommen. Am selben Tage fand die Schlacht bei Gomel ihren AbschluB mit 84 000 Gefangenen 
und 144 Panzern und 848 Geschiitzen, die abermals teils erbeutet, teils vernichtet worden waren. Am 
21. August wurden die russischen Stellungen zwischen dem 11 men- und Peipus-See durchbrochen, 
wahrend am 26. August der Briickenkopf um D n j e propetrowsk in unsere Hande kam. Schon am 28. 
des gleichen Monats zogen deutsche Truppen nach schweren Kampfen in R e v a 1 und Baltisch-Port 
ein, wahrend am 30. August V i i p u r i durch die Finnen genommen wurde. Mit der am 8. September 
erfolgten Eroberung von Schliisselburg wurde Leningrad endgiiltig auch nach dem Siiden hin abge- 
schlossen. Am 16. September gelang es, die Briickenkopfe iiber den Dnjepr zu bilden, und schon am 
18. September fiel P o 11 a w a in die Hand unserer Soldaten. Am 19. September erstiirmten deutsche 
Verbande die Zitadelle von Kiew und am 22. September wurde die Eroberung von s e 1 durch die 
Einnahme der Hauptstadt gekront. 

Nunmehr aber erst reiften die groBten Operationen zu den erwarteten Erfolgen heran. Am 27. Sep- 
tember war die Schlacht bei Kiew abgeschlossen. 665 000 Gefangene setzten sich in endlosen Kolon- 
nen nach Westen in Bewegung. 884 Panzer, 3178 Geschiitze aber blieben in den Kesseln als Beute 
liegen. Schon am 2. Oktober begann die Durchbruchsschlacht nunmehr in der Mitte der Ostfront, wah- 
rend am 11. Oktober die Schlacht am Asowschen Meer ihren erfolgreichen AbschluB fand. Wieder 
wurden 107 000 Gefangene, 212 Panzer und 672 Geschiitze gezahlt. Am 16. Oktober erfolgte nach 
hartem Kampf der Einzug der deutschen und rumanischen Verbande in d e s s a. Am 18. Oktober 
war die am 2. Oktober begonnene Durchbruchsschlacht in der Mitte der Ostfront mit einem neuen 
weltgeschichtlich einmaligen Erfolg beendet. 663 000 Gefangene waren das eine Ergebnis, 1242 Pan- 
zer, 5452 Geschiitze teils 

79 vernichtet und teils erbeutet das andere. Am 21. Oktober wurde die Eroberung von Dago abge- 
schlossen, am 24. Oktober das Industriezentrum Charkow genommen, am 28. Oktober in schwersten 
Kampfen der Zugang zur Krim endgiiltig erzwungen und schon am 2. November die Hauptstadt Sim- 
feropol erstiirmt. Am 16. November war die Krim durchstoBen bis K e r t s c h. Am 1. Dezember aber 
betrug die Gesamtzahl der gefangenen Sowjetrussen 3 806 865. Die Zahl der vernichteten oder erbeu- 
teten Panzer betrug 21 391, die der Geschiitze 32541 und die der Flugzeuge 17322. 

Im gleichen Zeitraum wurden 2191 britische Flugzeuge abgeschossen, durch die Kriegsmarine 
4170611 BRT, durch die Luftwaffe 2346180 BRT versenkt, also zusammen 6516791 BRT vernichtet. 

Meine Abgeordneten ! Mein deutsches Volk! 

Das sind niichterne Tatsachen und vielleicht trockene Zahlen. Mogen sie aber nie der Geschichte 
und vor allem dem BewuBtsein und der Erinnerung unseres eigenen deutschen Volkes entschwinden! 
Denn hinter diesen Zahlen verbergen sich die Leistungen, Opfer und Entbehrungen, stehen der Hel- 
denmut und die Todesbereitschaft von Millionen der besten Manner unseres eigenen Volkes und der 
mit uns verbiindeten Staaten. 



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Alles das muBte erkampft werden mit dem Einsatz der Gesundheit und des Lebens und unter An- 
strengungen, von denen die Heimat wohl kaum eine Ahnung hat. In endlose Fernen marschierend, 
gequalt von Hitze und Durst, oft fast bis zur Verzweiflung gehemmt durch den Schlamm grundloser 
Wege, vom WeiBen bis zum Schwarzen Meer den Unbilden eines Klimas ausgesetzt, das von der Glut 
der Juli- und Augusttage sich senkt bis zu den Wintersturmen des November und Dezember, gepeinigt 
von Insekten, leidend unter Schmutz und Ungeziefer, frierend in Schnee und Eis, haben sie gekampft, 
die Deutschen und die Finnen, die Italiener, Slowaken, Ungarn und Rumanen, die Kroaten, die Frei- 
willigen aus den nordischen und westeuropaischen Landern, alles in allem: die Soldaten der Ostfront! 
Der Einbruch des Winters allein wird dieser Bewegung nunmehr eine Hemmung auferlegen. Der Ein- 
bruch des Sommers wird die Bewegung wieder nicht mehr verhindern konnen. 

Ich will an diesem Tag keine einzelnen Waffen nennen, will keine Fuhrung riihmen, sie haben alle 
ihr Hochstes gegeben. Und doch verpflichten Einsicht und Gerechtigkeit, eines immer wieder festzu- 
stellen: von all unseren deutschen Soldaten tragt so wie einst auch heute die schwerste Last des Kamp- 
fes unsere einzig dastehende Infanterie. 

80 Vom 22. Juni bis 1. Dezember hat das deutsche Heer in diesem Heldenkampf verloren: 

158773 Tote, 

563 082 Verwundete und 

31191 VermiBte; 
die Luftwaffe 3231 Tote, 

8453 Verwundete und 

2028 VermiBte; 
die Kriegsmarine 

310 Tote, 

232 Verwundete und 

115 VermiBte. 
Mi thin die deutsche Wehrmacht zusammen: 

162314 Tote, 

571 767 Verwundete und 

33 334 VermiBte. 
Also an Toten und Verwundeten etwas mehr als das Doppelte der Sommeschlacht des Weltkrieges, 
an VermiBten etwas weniger als die Halfte der damaligen Zahl, alles aber Vater und Sonne unseres 
deutschen Volkes. 

Und nun lassen Sie mich demgegenuber zu jener anderen Welt Stellung nehmen, die ihren Repra- 
sentanten in dem Mann hat, der, wahrend die Volker und ihre Soldaten in Schnee und Eis kampfen, in 
taktvoller Weise vom Kaminfeuer aus zu plaudern pflegt, und damit also vor allem von jenem Mann, 
der der Hauptschuldige an diesem Kriege ist. Als sich im Jahre 1939 die Lage der Nationalitaten im 
damaligen polnischen Staat als immer unertraglicher erwies, versuchte ich zunachst auf dem Wege 
eines billigen Ausgleichs die untragbar gewordenen Zustande zu beseitigen. Es schien eine gewisse 
Zeit so, als ob die polnische Regierung selber ernstlich erwogen hatte, einer verntinftigen Losung zu- 
zustimmen. Ich darf hier noch einfugen, daB bei all diesen Vorschlagen von deutscher Seite nichts 
gefordert wurde, was nicht schon fruher deutsches Eigentum gewesen war, ja daB wir im Gegenteil auf 
sehr viel Verzicht leisteten, was vor dem Weltkrieg Deutschland gehorte. Sie erinnern sich noch der 
dramatischen Entwicklung dieser Zeit, der sich fortgesetzt erhohenden Opfer der deutschen Volks- 
gruppe. Sie sind, meine Abgeordneten, am besten in der Lage, die Schwere dieser Blutopfer zu ermes- 
sen, wenn Sie sie in Vergleich setzen zu den Opfern des jetzigen Krieges. Denn der bisherige Feldzug 
im Osten hat die gesamte deutsche Wehrmacht rund 160000 Tote gekostet, allein im tiefsten Frieden 
sind damals in wenigen Monaten in Polen tiber 62000 Volksdeutsche zum Teil unter den grausamsten 
Martern getotet 

81 worden. DaB das Deutsche Reich ein Recht besaB, solche Zustande an seiner Grenze zu beanstanden 
und auf ihre Beseitigung zu drangen, uberhaupt auch auf seine Sicherheit bedacht zu sein, dtirfte wohl 
kaum bestritten werden in einer Zeit, in der andere Lander Elemente ihrer Sicherheit sogar in fremden 
Kontinenten suchen. Die Probleme, die korrigiert werden sollten, waren territorial genommen unbe- 
deutend. Im wesentlichen handelte es sich um Danzig und um die Verbindung der abgerissenen 
Provinz OstpreuBen mit dem ubrigen Reich. Schwer wogen die grausamen Verfolgungen, denen die 
Deutschen gerade in Polen ausgesetzt waren. 



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Ein nicht minder schweres Schicksal hatten dort iibrigens auch die anderen Minoritaten zu erdulden. 
Als sich nun in den Augusttagen die Haltung Polens dank der als Blankovollmacht ausgestellten Ga- 
rantie Englands immer mehr versteifte, sah sich die deutsche Reichsregierung, und zwar zum letzten- 
mal, veranlaBt, einen Vorschlag zu unterbreiten, auf Grund dessen sie bereit war, in Verhandlungen 
mit Polen einzutreten und von dem sie dem damaligen englischen Botschafter wortlich Kenntnis gab. 

Ich darf diese Vorschlage am heutigen Tage der Vergessenheit entreiBen und sie Ihnen wieder zur 
Erinnerung bringen. 

Vorschlag fur eine Regelung des Danzig-Ko rridor-Problems sowie der deutsch-polnischen 
Minderheitenfrage 

Die Lage zwischen dem Deutschen Reich und Polen ist zur Zeit so, daB jeder weitere Zwischenfall 
zu einer Entladung der beiderseits in Stellung gegangenen militarischen Streitkrafte fiihren kann. Jede 
friedliche Losung muB so beschaffen sein, daB sich nicht bei nachster Gelegenheit die diesen Zustand 
ursachlich bedingenden Ereignisse wiederholen konnen und dadurch nicht nur der Osten Europas, 
sondern auch andere Gebiete in die gleiche Spannung versetzt werden. 

Die Ursachen dieser Entwicklung liegen 

1. in der unmoglichen Grenzziehung, wie sie durch das Versailler Diktat vorgenommen wurde, 

2. in der unmoglichen Behandlung der Minderheit in den abgetrennten Gebieten. 

Die deutsche Reichsregierung geht daher bei diesen Vorschlagen von dem Gedanken aus, eine end- 
giiltige Losung zu finden, die die unmogliche Situation der Grenzziehung beseitigt, beiden Teilen ihre 
lebenswichtigen VerbindungsstraBen sichert, das Minderheitenproblem — soweit irgend moglich — 
beseitigt und, soweit dies nicht moglich ist, das Schicksal der Minderheiten durch eine sichere Garan- 
tie ihrer Rechte ertraglich gestaltet. 

82 Die deutsche Reichsregierung ist iiberzeugt, daB es dabei unerlaBlich ist, wirtschaftliche und 
physische Schadigungen, die seit dem Jahre 1918 stattgefunden haben, aufzudecken und in vollem 
Umfange wieder gutzumachen. Sie sieht selbstverstandlich diese Verpflichtung als eine fur beide Teile 
bindende an. 

Aus diesen Erwagungen ergeben sich folgende praktische Vorschlage: 

1. Die Freie Stadt Danzig kehrt auf Grund ihres rein deutschen Charakters sowie des einmiitigen 
Willens ihrer Bevolkerung sofort in das Deutsche Reich zuriick. 

2. Das Gebiet des sogenannten Korridors, das von der Ostsee bis zu der .Linie Marienwerder — 
Graudenz — Kulm — Bromberg (diese Stadte einschlieBlich) und dann etwa westlich nach Schonlanke 
reicht, wird iiber seine Zugehorigkeit zu Deutschland oder zu Polen selbst entscheiden. 

3. Zu diesem Zweck wird dieses Gebiet eine Abstimmung vornehmen. Abstimmungsberechtigt sind 
alle Deutschen, die am 1. Januar 1918 in diesem Gebiete wohnhaft waren oder bis zu diesem Tage dort 
geboren wurden, und desgleichen alle an diesem Tage in diesem Gebiet wohnhaft gewesenen oder bis 
zu diesem Tage dort geborenen Polen, Kaschuben usw. Die aus diesem Gebiet vertriebenen Deutschen 
kehren zur Erfullung ihrer Abstimmung zuriick. 

Zur Sicherung einer objektiven Abstimmung sowie zur Gewahrleistung der dafiir notwendigen um- 
fangreichen Vorarbeiten wird dieses erwahnte Gebiet ahnlich dem Saargebiet einer sofort zu bildenden 
internationalen Kommission unterstellt, die von den vier GroBmachten Italien, Sowjetunion, Frank- 
reich, England gebildet wird. Diese Kommission iibt alle Hoheitsrechte in diesem Gebiet aus. Zu dem 
Zweck ist dieses Gebiet in einer zu vereinbarenden kiirzesten Frist von den polnischen Militars, der 
polnischen Polizei und den polnischen Behorden zu raumen. 

4. Von diesem Gebiet bleibt ausgenommen der polnische Hafen G d i n g e n, der grundsatzlich pol- 
nisches Hoheitsgebiet ist, insoweit er sich territorial auf die polnische Siedlung beschrankt. 

Die naheren Grenzen dieser polnischen Hafenstadt waren zwischen Deutschland und Polen festzu- 
legen und notigenfalls durch ein internationales Schiedsgericht festzusetzen. 

5. Um die notwendige Zeit fur die erforderlichen umfangreichen Arbeiten zur Durchfiihrung einer 
gerechten Abstimmung sicherzustellen, wird diese Abstimmung nicht vor Ablauf von zwolf Monaten 
stattfinden. 

6. Um wahrend dieser Zeit Deutschland seine Verbindung mit OstpreuBen und Polen seine Verbin- 
dung 

83 mit dem Meer unbeschrankt zu garantieren, werden StraBen und Eisenbahnen festgelegt, die einen 
freien Transitverkehr ermoglichen. Hierbei diirfen nur jene Abgaben erhoben werden, die fur die Er- 
haltung der Verkehrswege bzw. fur die Durchfiihrung der Transporte erforderlich sind. 



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7. Uber die Zugehorigkeit des Gebietes entscheidet die einfache Mehrheit der abgegebenen Stim- 
men. 

8. Um nach erfolgter Abstimmung — ganz gleich, wie diese ausgehen moge — die Sicherheit des 
freien Verkehrs Deutschlands mit seiner Provinz Danzig-OstpreuBen und Polen seine Verbindung mit 
dem Meere zu garantieren, wird, falls das Abstimmungsgebiet an Polen fallt, Deutschland eine exterri- 
toriale Verkehrszone, .etwa in Richtung von Biitow, Danzig bzw. Dirschau, gegeben zur Anlage einer 
Reichsautobahn sowie einer viergleisigen Eisenbahnlinie. Der Bau der StraBe und der Eisenbahn wird 
so durchgeflihrt, daB die polnischen Kommunikationswege dadurch nicht beriihrt, d. h. entweder liber- 
oder unterfahren werden. Die Breite dieser Zone wird auf einen Kilometer festgesetzt und ist deut- 
sches Hoheitsgebiet. 

Fallt die Abstimmung zugunsten Deutschlands aus, erhalt Polen zum freien und uneingeschrankten 
Verkehr nach seinem Hafen Gdingen die gleichen Rechte einer ebenso exterritorialen StraBen- bzw. 
Bahnverbindung, wie sie Deutschland zustehen wtirden. 

9. Im Falle des Zuriickfallens des Korridors an das Deutsche Reich erklart sich dieses bereit, einen 
Bevolkerungsaustausch mit Polen in dem AusmaB vorzunehmen, als der Korridor hierfiir geeignet ist. 

10. Die etwa von Polen gewtinschten Sonderrechte im Hafen von Danzig wtirden paritatisch ausge- 
handelt werden mit gleichen Rechten Deutschlands im Hafen von Gdingen. 

11. Um in diesem Gebiet jedes Gefuhl einer Bedrohung auf beiden Seiten zu beseitigen, wiirden 
Danzig und Gdingen den Charakter reiner Handelsstadte erhalten, d. h. ohne militarische Anlagen und 
militarische Befestigungen. 

12. Die Halbinsel Heia, die entsprechend der Abstimmung entweder zu Polen oder zu Deutschland 
kame, wiirde in jedem Fall ebenfalls zu demilitarisieren sein. Das gleiche betrifft die Vorschlage liber 
die Sicherung der Minoritaten. Es ist dies ein Vorschlag, wie er loyaler und groBziigiger uberhaupt 
von keiner Regierung gemacht werden kann, als von der nationalsozialistischen Ftihrung des Deut- 
schen Reiches. 

13. Da die deutsche Reichsregierung heftigste Beschwerden gegen die polnische Minderheitenbe- 
handlung vorzubringen hat, die polnische Regierung ihrerseits glaubt, auch Beschwerden gegen 
Deutschland vorbringen zu mtissen, erklaren sich beide Parteien damit einverstanden, daB diese 

84 Beschwerden einer international zusammengesetzten Untersuchungskommission unterbreitet 

werden, die die Aufgabe hat, alle Beschwerden liber wirtschaftliche und physische Schadigungen so- 
wie sonstige terroristische Akte zu untersuchen. 

Deutschland und Polen verpflichten sich, alle seit dem Jahre 1918 etwa vorgekommenen wirtschaft- 
lichen und sonstigen Schadigungen der beiderseitigen Minoritaten wieder gutzumachen bzw. alle Ent- 
eignungen aufzuheben oder fur diese und sonstige Eingriffe in das wirtschaftliche Leben eine voll- 
standige Entschadigung den Betroffenen zu leisten. 

14. Um den in Polen verbleibenden Deutschen sowie den in Deutschland verbleibenden Polen das 
Gefuhl der internationalen Rechtlosigkeit zu nehmen und ihnen vor allem die Sicherheit zu gewahren, 
nicht zu Handlungen bzw. zu Diensten herangezogen werden zu konnen, die mit ihrem nationalen 
Gefuhl unvereinbar sind, kommen Deutschland und Polen liberein, die Rechte der beiderseitigen Min- 
derheiten durch umfassendste und bindende Vereinbarungen zu sichern, um diesen Minderheiten die 
Erhaltung, freie Entwicklung und Betatigung ihres Volkstums zu gewahrleisten, ihnen insbesondere zu 
diesem Zweck die von ihnen fur erforderlich gehaltene Organisierung zu gestatten. Beide Teile ver- 
pflichten sich, die Angehorigen der Minderheit nicht zum Wehrdienst heranzuziehen. 

15. Im Falle einer Vereinbarung auf der Grundlage dieser Vorschlage erklaren sich Deutschland und 
Polen bereit, die sofortige Demobilmachung ihrer Streitkrafte anzuordnen und durchzufuhren. 

16. Die zur Beschleunigung der obigen Abmachungen erforderlichen weiteren MaBnahmen werden 
zwischen Deutschland und Polen gemeinsam vereinbart. 

Die damalige polnische Regierung hat es abgelehnt, auf diese Vorschlage auch nur zu reagieren. Es 
erhebt sich dabei aber doch die Frage: Wie konnte es ein so unbedeutender Staat wagen, solche Vor- 
schlage einfach zu negieren und dariiber hinaus nicht nur zu weiteren Grausamkeiten gegenliber den 
Deutschen, die diesem Lande die ganze Kultur geschenkt hatten, zu greifen, sondern sogar noch die 
allgemeine Mobilmachung anzuordnen? 

Der Einblick in die Dokumente des Auswartigen Amts in Warschau hat uns alien spater die iiberra- 
schende Erklarung gegeben: Ein Mann war es, der mit teuflischer Gewissenlosigkeit seinen gesamten 
EinfluB zur Anwendung brachte, um Polen in seinem Widerstand zu bestarken und jede Moglichkeit 
einer Verstandigung auszuschalten. Die Berichte, die der damalige polnische Gesandte in 



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85 Washington, Graf Potocki, seiner Regierung in Warschau schickte, sind Dokumente, aus denen mit 
erschreckender Deutlichkeit hervorgeht, wie sehr ein einziger Mann und die ihn treibenden Krafte mit 
der Verantwortung fur den zweiten Weltkrieg belastet sind. 

Es erhebt sich zunachst die Frage, aus welchen Griinden konnte dieser Mann in eine so fanatische 
Feindschaft gegenuber einem Land verfallen, das bisher in seiner ganzen Geschichte weder Amerika 
noch ihm selbst irgendein Leid zugefugt hatte? 

Soweit es sich um die Stellung Deutschlands zu Amerika handelt, ist folgendes zu sagen: 

1. Deutschland ist vielleicht die einzige GroBmacht, die weder auf dem nord- noch sudamerikani- 
schen Kontinent jemals eine Kolonie besessen oder sich sonst politisch betatigt hat, es sei denn durch 
die Auswanderung vieler Millionen Deutscher und deren Mitarbeit, aus der der amerikanische Konti- 
nent, insonderheit die Vereinigten Staaten, nur Nutzen gezogen haben. 

2. Das Deutsche Reich hat in der ganzen Geschichte der Entstehung und des Bestehens der Verei- 
nigten Staaten niemals eine politisch ablehnende oder gar feindliche Haltung eingenommen, wohl aber 
mit dem Blut vieler seiner Sonne mitgeholfen, die USA zu verteidigen. 

3. Das Deutsche Reich hat sich an keinem Krieg gegen die Vereinigten Staaten selbst beteiligt, wohl 
aber wurde es von den Vereinigten Staaten im Jahre 1917 mit Krieg iiberzogen, und zwar aus Griin- 
den, die durch einen AusschuB restlos aufgeklart worden sind, den der jetzige President Roosevelt zur 
Priifung dieser Frage selbst eingesetzt hatte. Gerade dieser UntersuchungsausschuB zur Klarung der 
Griinde des amerikanischen Kriegseintritts hat einwandfrei festgestellt, daB diese fiir den amerikani- 
schen Kriegseintritt 1917 ausschlieBlich auf dem Gebiet der kapitalistischen Interessen einiger kleiner 
Gruppen lagen, daB Deutschland selbst jedenfalls keinerlei Absicht hatte, mit Amerika in einen Kon- 
flikt zu geraten. 

Auch sonst gibt es zwischen dem amerikanischen und dem deutschen Volk keine Gegensatze, seien 
sie territorialer oder politischer Art, die irgendwie die Interessen oder gar die Existenz der Vereinigten 
Staaten beriihren konnten. Die Verschiedenheit der Staatsformen war immer gegeben. Sie kann aber 
iiberhaupt nicht als ein Grund fiir Feindseligkeiten im Volkerleben herangezogen werden, solange sich 
nicht eine Staatsform bemiiht, auBerhalb des ihr natiirlich gegebenen Bereiches in andere einzugreifen. 

Amerika ist eine von einem Prasidenten mit groBer autoritarer Vollmacht geleitete Republik. 

86 Deutschland war einst eine von einer bedingten Autoritat gefiihrte Monarchic, spater eine autoritatslo- 
se Demokratie, heute eine von starker Autoritat gefiihrte Republik. Zwischen beiden Staaten liegt ein 
Ozean. Die Divergenzen zwischen dem kapitalistischen Amerika und dem bolschewistischen RuBland 
muBten, wenn iiberhaupt diese Begriffe etwas Wahres in sich hatten, wesentlich groBer sein als zwi- 
schen dem von einem Prasidenten gefiihrten Amerika und dem von einem Fiihrer geleiteten Deutsch- 
land. 

Es ist nun aber eine Tatsache, daB die beiden historischen Konflikte zwischen Deutschland und den 
Vereinigten Staaten, wenn auch von der gleichen Kraft inspiriert, doch ausschlieBlich durch zwei 
Manner der USA angefacht worden sind, namlich durch den Prasidenten Wilson und durch F r a n k 1 i 
n Roosevelt. Das Urteil iiber Wilson hat die Geschichte selbst gesprochen. Sein Name bleibt verbun- 
den mit einem der gemeinsten Wortbriiche aller Zeiten. Die Folgen seines Wortbruchs waren eine 
Zerriittung des Lebens der Volker nicht nur bei den sogenannten Besiegten, sondern auch bei den Sie- 
gern selbst. Das durch seinen Wortbruch allein ermoglichte Diktat von Versailles hat Staaten zerris- 
sen, Kulturen zerstort und die Wirtschaft aller ruiniert. 

Wir wissen heute, daB hinter Wilson eine Gesellschaft interessierter Finanziers stand, die sich dieses 
paralytischen Professors bedienten, um Amerika in den Krieg zu fiihren, von dem sie sich erhohte 
Geschafte erhofften. DaB das deutsche Volk diesem Mann einst geglaubt hatte, muBte es mit dem Zu- 
sammenbruch seiner politischen und wirtschaftlichen Existenz bezahlen. 

Welches ist nun der Grund, daB nach so bitteren Erfahrungen sich wieder ein President der 
Vereinigten Staaten findet, der erneut seine einzige Aufgabe darin sieht, Kriege entstehen zu lassen 
und vor allem die Feindschaft gegen Deutschland bis zum Kriegsausbruch zu steigern? Der 
Nationalsozialismus kam in Deutschland im selben Jahre zur Macht, in dem Roosevelt zum 
Prasidenten der Vereinigten Staaten gewahlt wurde. Es ist nun wichtig, die Momente zu priifen, die als 
Ursache der heutigen Entwicklung angesehen werden miissen: 

Zunachst die personliche Seite: 

Ich verstehe nur zu wohl, daB zwischen der Lebensauffassung und -einstellung des Prasidenten Roo- 
sevelt und meiner eigenen ein weltweiter Abstand ist. Roosevelt stammt aus einer steinreichen Fami- 
lie, gehorte von vornherein zu jener Klasse von Menschen, denen Geburt und Herkunft in den Demo- 



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kratien den Weg des Lebens ebnen und damit den Aufstieg sichern. Ich selbst war nur das Kind einer 
kleinen und armen Familie und muBte mir unter unsaglichen Miihen durch Arbeit und FleiB meinen 
Weg erkampfen. Als der Weltkrieg kam, hatte Roosevelt in einer unter dem Schatten Wilsons 

87 befindlichen Stellung den Krieg aus der Sphare des Verdienstes miterlebt. Er kennt daher nur die 
angenehmen Folgen der Auseinandersetzung von Volkern und Staaten, die sich fur den ergeben, der 
dort Geschafte macht, wo andere verbluten. In dieser gleichen Zeit war mein eigenes Leben wieder auf 
der ganz anderen Seite gelegen. Ich gehorte nicht zu denen, die Geschichte oder gar Geschafte mach- 
ten, sondern nur zu denen, die Befehle ausfuhrten. Als gewohnlicher Soldat habe ich mich bemtiht, in 
diesen vier Jahren vor dem Feinde meine Pflicht zu erfullen, und kehrte aus dem Kriege natiirlich ge- 
rade so arm zuriick, wie ich im Herbst 1914 in ihn gezogen war. Ich habe also mein Schicksal mit dem 
von Millionen geteilt, Herr Franklin Roosevelt das seine mit dem der sogenannten oberen Zehntau- 
send. Wahrend Herr Roosevelt nach dem Kriege schon seine Fahigkeiten in Finanzspekulationen er- 
probte, um aus der Inflation, d. h. dem Elend der anderen, personlichen Nutzen zu ziehen, lag ich 
noch, ebenso wie viele andere Hunderttausend, im Lazarett. 

Und als Herr Roosevelt endlich die Laufbahn des normalen geschaftlich erfahrenen, wirtschaftlich 
fundierten, herkunftsmaBig protegierten Politikers beschritt, kampfte ich als namenloser Unbekannter 
fur die Wiedererhebung meines Volkes, dem das schwerste Unrecht in seiner ganzen Geschichte ange- 
tan worden war. Zwei Lebenswege! Als Franklin Roosevelt an die Spitze der Vereinigten Staaten trat, 
war er der Kandidat einer durch und durch kapitalistischen Partei, die sich seiner bediente. Und als ich 
Kanzler des Deutschen Reiches wurde, war ich der Ftihrer einer Volksbewegung, die ich selbst ge- 
schaffen hatte. Die Krafte, die Herrn Roosevelt trugen, waren die Krafte, die ich auf Grund des 
Schicksals meines Volkes und meiner heiligsten inneren Uberzeugung bekampfte. Der „Gehirn trust", 
dessen sich der neue amerikanische Prasident bedienen muBte, bestand aus Angehorigen desselben 
Volkes, das wir als eine parasitare Erscheinung der Menschheit in Deutschland bekampften und aus 
dem offentlichen Leben zu entfernen begannen. 

Und doch hatten wir beide etwas Gemeinsames: 

Franklin Roosevelt ubernahm einen Staat mit einer infolge der demokratischen Einflusse verfalle- 
nen Wirtschaft, und ich trat an die Spitze eines Reiches, das sich ebenfalls dank der Demokratie vor 
dem vollkommenen Ruin befand. Die Vereinigten Staaten besaBen 13 Millionen Erwerbslose, 
Deutschland 

88 7 Millionen und allerdings noch weitere 7 Millionen Kurzarbeiter. In beiden Staaten waren die 
offentlichen Finanzen zerrtittet, das Absinken des allgemeinen wirtschaftlichen Lebens schien kaum 
mehr aufzuhalten. 

In diesem Moment beginnt in den Vereinigten Staaten und im Deutschen Reich nunmehr eine Ent- 
wicklung, die es der Nachwelt leicht machen wird, iiber die Richtigkeit der Theorien ein abschlieBen- 
des Urteil zu fallen. Wahrend im Deutschen Reich unter der nationalsozialistischen Fuhrung in weni- 
gen Jahren ein ungeheuerer Aufstieg des .Lebens, der Wirtschaft, der Kultur, der Kunst usw. einsetzte, 
war es dem Prasidenten Roosevelt nicht gelungen, auch nur die geringsten Verbesserungen in seinem 
eigenen Lande herbeizufuhren. Wieviel leichter aber muBte diese Arbeit in den Vereinigten Staaten 
sein, in denen knapp 15 Menschern auf den Quadratkilometer leben gegentiber 140 in Deutschland. 
Wenn es in diesem Lande nicht gelingt, eine wirtschaftliche Bltite herbeizufuhren, dann hangt es nur 
zusammen entweder mit dem schlechten Willen einer herrschenden Fuhrung oder mit einer vollkom- 
menen Unfahigkeit der berufenen Menschen in knapp ftinf Jahren waren in Deutschland die wirt- 
schaftlichen Probleme gelost und die Erwerbslosigkeit beseitigt. In derselben Zeit hat der President 
Roosevelt die Staatsschulden seines Landes auf das ungeheuerlichste erhoht, den Dollar entwertet, die 
Wirtschaft noch mehr zerriittet und die Erwerbslosenzahl beibehalten. 

Dies ist aber nicht verwunderlich, wenn man bedenkt, daB die Geister, die dieser Mann zu seiner 
Unterstiitzung gerufen hat, oder besser, die ihn gerufen hatten, zu jenen Elementen gehoren, die als 
Juden ein Interesse nur an der Zerruttung und niemals an der Ordnung besitzen konnen! Wahrend wir 
im nationalsozialistischen Deutschland die Spekulation bekampften, erlebte sie unter der Are Roose- 
velt eine staunenswerte Bliite. Die Gesetzgebung des New Deals dieses Mannes war falsch und damit 
der groBte Fehlschlag, den je ein Mann erlitten hatte. Es gibt keinen Zweifel dariiber, daB eine Fortset- 
zung dieser Wirtschaftspolitik in Friedenszeiten diesen Prasidenten fruher oder spater trotz all seiner 
dialektischen Geschicklichkeit zum Scheitern gebracht haben wurde. In europaischen Staaten wurde er 
sicherlich sein Ende vor dem Staatsgerichtshof wegen willkurlicher Verschleuderung des nationalen 



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Vermogens gefunden haben. vor einem biirgerlichen Gericht aber wegen schuldhafter Geschaftsgeba- 
rung dem Gefangnis kaum entgangen sein. 

Dieses Urteil oder besser diese Erkenntnis besitzen auch viele und auch angesehene Amerikaner. 
Eine 

89 drohende Opposition braute sich liber dem Haupt dieses Mannes zusammen. Sie lieB ihn ahnen, daB 
nur eine Ablenkung der Aufmerksamkeit der offenflichen Meinung von seiner inneren Politik zur au- 
Beren hin Rettung bringen konnte. Es ist interessant, in diesem Zusammenhang die Berichte des polni- 
schen Gesandten Potocki aus Washington zu studieren, der immer wieder darauf hinweist, daB sich 
Roosevelt der Gefahr des Zusammenbruchs seines ganzen wirtschaftlichen Kartenhauses genau be- 
wuBt sei und deshalb unter alien Umstanden eine auBenpolitische Ablenkung benotige. Er wurde darin 
bestarkt durch den Kreis der ihn umgebenden Juden, die aus alttestamentarischer Rachsucht in den 
Vereinigten Staaten das Instrument zu sehen glaubten, um mit ihm den europaischen, immer antisemi- 
tischer werdenden Nationen ein zweites Purim bereiten zu konnen. Es war der Jude in seiner ganzen 
satanischen Niedertracht, der sich um diesen Mann scharte und nach dem dieser Mann aber auch griff. 
So beginnt denn steigend der EinfluB des amerikanischen Prasidenten sich in dem Sinne auszuwirken, 
Konflikte zu schaffen oder vorhandene Konflikte zu vertiefen, auf alle Falle aber zu verhindern, daB 
Konflikte eine friedliche Losung finden. Jahrelang hat dieser Mann nur einen einzigen Wunsch, daB 
irgendwo in der Welt ein Streit ausbricht, am besten in Europa, der ihm die Moglichkeit gibt, durch 
Verpflichtung der amerikanischen Wirtschaft an einem der beiden Streitenden eine politische Interes- 
senverflechtung herzustellen, die geeignet sein konnte, Amerika einem solchen Konflikt langsam na- 
herzubringen und damit die Aufmerksamkeit von seiner zerfahrenen Wirtschaftspolitik im Inneren 
nach auBen hin abzulenken. 

Besonders briisk ant war sein Vorgehen in diesem Sinne gegen das Deutsche Reich. Vom Jahre 
1937 ab setzten eine Anzahl von Reden ein, darunter eine besonders niedertrachtige vom 5. Oktober 
1937 in Chikago, in denen dieser Mann planmaBig beginnt, die amerikanische Offentlichkeit gegen 
Deutschland aufzuhetzen. Er droht mit der Aufrichtung einer Art von Quarantine gegen die sogenann- 
ten autoritaren Staaten. Im Vollzug dieser sich nun dauernd steigernden Hetzreden des Prasidenten 
Roosevelt beruft er nach neuerlichen beleidigenden Erklarungen den amerikanischen Botschafter in 
Berlin zur Berichterstattung nach Washington. Seitdem sind die beiden Staaten nur noch durch Ge- 
schaftstrager vertreten. 

Vom November 1938 ab beginnt er planmaBig und bewuBt jede Moglichkeit einer europaischen Be- 
friedungspolitik zu sabotieren. Er heuchelt dabei nach auBen hin Interesse am Frieden, droht aber je- 
dem Staat, der bereit ist, die Politik einer friedlichen Verstandigung zu betreiben, mit Sperrung von 
Anleihen, mit wirtschaftlichen Repressalien, mit Kundigung von Darlehn usw. Hier geben einen er- 
schutternden 

90 Einblick die Berichte der polnischen Botschafter in Washington, London, Paris und Briissel. 

Im Januar 1939 beginnt dieser Mann seine Hetzkampagne zu verstarken und droht mit alien MaB- 
nahmen vor dem KongreB, gegen die autoritaren Staaten vorzugehen auBer mit Krieg. Wahrend er 
dauernd behauptet, daB andere Staaten versuchten, sich in amerikanische Angelegenheiten einzumi- 
schen und auf die Aufrechterhaltung der Monroe-Doktrin pocht, beginnt er seit dem Marz 1939 in 
innereuropaische Angelegenheiten hineinzureden, die den Prasidenten der Vereinigten Staaten iiber- 
haupt nichts angehen. Erstens versteht er diese Probleme nicht, und zweitens, selbst wenn er sie ver- 
stiinde und die geschichtlichen Hergange begriffe, hatte er ebenso wenig das Recht, sich um den mit- 
teleuropaischen Raum zu bekummern, wie etwa das deutsche Staatsoberhaupt ein Recht hat, iiber die 
Verhaltnisse in einem Staat der USA zu urteilen oder gar zu ihnen Stellung zu nehmen. 

Ja, Herr Roosevelt geht noch weiter. Entgegen alien volkerrechtlichem Bestimmungen erklart er, 
Regierungen, die ihm nicht passen, nicht anzuerkennen, Neuordnungen nicht entgegenzunehmen, Ge- 
sandtschaften von langst aufgelosten Staaten zu belassen oder gar als rechtmaBige Regierungen einzu- 
setzen. Ja endlich geht er soweit, mit solchen Gesandten Vertrage abzuschlieBen, die ihm dann sogar 
das Recht geben, fremde Territorien einfach zu besetzen. Am 15. April 1939 kam der beriihmte Appell 
Roosevelts an mich und den Duce, der eine Mischung von geographischer und politischer Unkenntnis 
einerseits, gepaart mit der Arroganz eines Angehorigen bestimmter Millionarskreise andererseits, dar- 
stellte und in dem wir aufgefordert wurden, Erklarungen abzugeben und mit x-beliebigen Staaten 
Nichtangriffspakte zu schlieBen, dabei zum groBen Teil mit Staaten, die uberhaupt nicht im Besitz 
ihrer Freiheit waren, weil sie von den Bundesgenossen des Herrn Roosevelt entweder annektiert oder 
in Protektorate verwandelt worden sind. Sie erinnern sich, meine Abgeordneten, daB ich damals diesen 



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zudringlichen Herren eine ebenso hofliche wie deutliche Antwort gab, was immerhin wenigstens fur 
einige Monate den Strom der Redseligkeit dieses biederen Kriegshetzers abstoppte. 

An seine Stelle trat aber nun die ehrenwerte Frau Gemahlin. Sie lehnte es ab, mit ihren Sohnen in 
einer Welt leben zu wollen, wie wir sie besitzen. Das ist allerdings verstandlich. Denn dies ist eine 
Welt der Arbeit und nicht eine solche des Betruges und der Schiebungen. Nach kurzer Erholung aber 
setzt dann der Mann dieser Frau daftir am 4. November 1939 die Abanderung des Neutralitatsgesetzes 
so durch, daB 

91 nunmehr das Waffenausfuhrverbot aufgehoben wird, und zwar zugunsten einer einseitigen 
Belieferung der Gegner Deutschlands. Er beginnt dann so ahnlich wie in Ostasien mit China, audi hier 
iiber den Umweg einer wirtschaftlichen Verflechtung, eine friiher oder spater wirksam werdende In- 
teressengemeinschaft herzustellen. Noch im selben Monat erkennt er einen Haufen von polnischen 
Emigranten als sogenannte Exilregierung an, deren einziges politisches Fundament ein paar Millionen 
von Warschau mitgenommener polnischer Goldstiicke gewesen ist. Schon am 9. April geht er weiter 
und verfugt nunmehr eine Sperrung der norwegischen und danischen Guthaben mit dem verlogenen 
Vorwand, einen deutschen Zugriff dadurch zu verhindern, obwohl ihm genau bekannt ist, daB z. B. die 
danische Regierung in ihrer Vermogensverwaltung von Deutschland uberhaupt nicht beachtet, ge- 
schweige denn kontrolliert wird. 

Zu den verschiedenen Exilregierungen wird nun weiter von ihm auch noch eine norwegische aner- 
kannt. Schon am 15. Mai 1940 kommen zu diesen nun auch noch hollandische und belgische 
Emigrantenregierungen, und ebenso tritt eine Sperrung der hollandischen und belgischen Guthaben 
ein. Allein die wahre Gesinnung dieses Mannes enthullt sich erst in einem Telegramm vom 15. Juni an 
den franzosischen Ministerprasidenten Reynaud. Er teilt ihm mit, daB die amerikanische Regierung die 
Hilfeleistungen an Frankreich verdoppeln wird, vorausgesetzt, daB Frankreich den Krieg gegen 
Deutschland fortsetzt. Um diesem Wunsch nach Kriegsverlangerung noch besonders Nachdruck zu 
geben, gibt er die Erklarung ab, daB die amerikanische Regierung die Ergebnisse der Eroberung, d. h. 
also die Ruckgewinnung z. B. der einst Deutschland geraubten Gebiete, nicht anerkennen werde. Ich 
brauche Ihnen nicht zu versichern, meine Herren Abgeordneten, daB es jeder deutschen Regierung 
ganzlich gleichgultig ist, ob der Prasident der Vereinigten Staaten eine Grenze in Europa anerkennt 
oder nicht und auch in der Zukunft gleichgultig sein wird. 

Ich fuhre den Fall nur zur Charakterisierung der planmaBigen Hetze dieses Mannes an, der von 
Frieden heuchelt und ewig nur zum Kriege hetzt. Denn nun uberfallt ihn die Angst, daB im Falle des 
Zustandekommens eines europaischen Friedens die Milliardenvergeudung seiner Aufrustung in kurzer 
Zeit als glatter Betrug erkannt wird, da niemand Amerika dann angreift, wenn dieses nicht selbst den 
Angriff provoziert! Am 17. Juni 1940 verfugt der President der Vereinigten Staaten die Sperrung der 
franzosischen Guthaben, um, wie er sich ausdriickt, sie dem deutschen Zugriff zu entziehen, in Wirk- 
lichkeit aber, um mit Hilfe eines amerikanischen Kreuzers das Gold von Casablanca nach Amerika 
abzufuhren. 

92 Vom Juli 1940 steigern sich die MaBnahmen Roosevelts immer mehr, um, sei es durch den Eintritt 
amerikanischer Staatsangehoriger in die britische Luftwaffe oder durch die Ausbildung von engli- 
schem Flugpersonal in den Vereinigten Staaten, den Weg zum Kriege selbst zu finden, und schon im 
August 1940 erfolgte die gemeinsame Aufstellung eines militarischen Programms fur die Vereinigten 
Staaten und Kanada. Um aber nun die Bildung eines amerikanisch-kanadischen Verteidigungskomi- 
tees wenigstens den groBten Dummkopfen plausibel erscheinen zu lassen, erfindet er von Zeit zu Zeit 
Krisen, in denen er tut, als ob Amerika von einem Uberfall bedroht sei, was er seinem — schon wirk- 
lich erbarmungswurdigen — Anhang dadurch einsuggeriert, daB er plotzlich Reisen abbricht, in hoch- 
ster Eile nach Washington zuruckfahrt, um solcherart die Gefahrlichkeit der Situation zu unterstrei- 
chen. 

Im September 1940 nahert er sich dem Krieg noch mehr. Er tritt an die englische Flotte 50 Zerstorer 
der amerikanischen Flotte ab, woftir er allerdings militarische Stutzpunkte in den britischen Besitzun- 
gen von Nord- und Mittelamerika ubernimmt. Wie denn uberhaupt eines erst die Nachwelt klaren 
wird, namlich inwieweit bei all diesem HaB gegen das soziale Deutschland auch noch die Absicht 
mitspielt, das britische Empire in der Stunde des Verfalls moglichst sicher und gefahrlos ubernehmen 
zu konnen. 

Nachdem nun England nicht mehr in der Lage ist, mit barem Gelde amerikanische Lieferungen 
bezahlen zu konnen, preBt er dem amerikanischen Volk das Pacht-Leih-Gesetz auf. Als President 
erhalt er nun Vollmachten zur Pacht und leihweisen Unterstiitzung der Lander, deren Verteidigung 
ihm, Roosevelt, fur Amerika als lebenswichtig erscheinen. Allein im Marz 1941 geht dieser Mann, 



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Roosevelt, fur Amerika als lebenswichtig erscheinen. Allein im Marz 1941 geht dieser Mann, nach- 
dem Deutschland unter keinen Umstanden zu bewegen ist, auf seine fortgesetzten Anflegelungen zu 
reagieren, wieder einen Schritt weiter. 

Schon am 19. Dezember 1939 haben amerikanische Kreuzer innerhalb der Sicherheitszone den 
Dampfer „C o 1 u m b u s" britischen Kriegsschiffen in die Hande gespielt. Er muBte deshalb versenkt 
werden. Am selben Tage haben USA-Streitkrafte mitgewirkt bei dem Aufbringungsversuch des deut- 
schen Dampfers „A r a u c a". Am 27. Januar 1940 hat der USA-Kreuzer „T r e n t o n" wieder volker- 
rechtswidrig von Bewegungen der deutschen Handelsdampfer „A r a u c a", „La Plata" und „W a n 
g o n i" die feindlichen Seestreitkrafte unterrichtet. Am 27. Juni verfugte er vollstandig volkerrechts- 
widrig eine Beschrankung der Freizugigkeit auslandischer Handelsschiffe in USA-Hafen. 

Im November 1940 lieB er die deutschen Dampfer „P h r y g i a", „I d a r w a 1 d" und „R h e i n" 
durch 

93 USA-Kriegsschiffe so lange, verfolgen, bis sich diese Dampfer endlich selbst versenken muBten, um 
nicht dem Feinde in die Hand zu fallen. Am 13. April 1941 erfolgte die Freigabe des Verkehrs durch 
das Rote Meer fur USA-Schiffe zur Versorgung der britischen Armeen im Nahen Osten. Im Monat 
Marz war unterdes bereits die Beschlagnahme aller deutschen Schiffe durch die amerikanischen Be- 
horden erfolgt. Deutsche Reichsangehorige wurden dabei in der entwtirdigendsten Weise behandelt, 
ihnen ganzlich volkerrechtswidrig bestimmte Aufenthaltsorte angewiesen, Reisebeschrankungen auf- 
erlegt usw. 

Zwei aus kanadischer Gefangenschaft entkommene deutsche Offiziere wurden ebenfalls entgegen 
alien volkerrechtlichen Bestimmungen gefesselt und wieder an die kanadischen Behorden ausgeliefert. 
Am 27. Marz begriiBt derselbe President, der gegen jede Aggression ist, die durch eine Aggression in 
Belgrad nach dem Sturz der legalen Regierung ans Ruder gekommene Putschistenclique Simowitsch 
und Genossen. Der President Roosevelt schickte schon monatelang vorher den Oberst Donovan, ein 
vollstandig minderwertiges Subjekt, in seinem Auftrag auf den Balkan, um dort zu versuchen, in Sofia 
und in Belgrad einen Aufstand gegen Deutschland und Italien herbeizufuhren. Er verspricht darauf im 
April Jugoslawien und Griechenland Hilfe auf Grand des Leih- und Pachtgesetzes. Noch Ende April 
erkennt dieser Mann die jugoslawischen und griechischen Emigranten wieder als Exilregierung an und 
sperrt im ubrigen erneut volkerrechtswidrig die jugoslawischen und griechischen Guthaben. Von Mitte 
April ab erfolgt auBerdem eine weitere Uberwachung des Westatlantiks durch USA-Patrouillen und 
deren Meldungen an die Englander. 

Am 26. April liefert Roosevelt an England 20 Schnellboote und zugleich linden laufend Reparaturen 
britischer Kriegsschiffe in USA-Hafen statt. Am 12. Mai erfolgt die volkerrechtswidrige Bewaffnung 
und Reparatur norwegischer Dampfer, die fur England fahren. Am 4. Juni treffen amerikanische Trap- 
pentransporte in Gronland zum Flugplatzbau ein. Und am 9. Juni kommt die erste englische Meldung, 
daB auf Grand eines Befehls des Prasidenten Roosevelt ein USA-Kriegsschiff ein deutsches Untersee- 
boot bei Gronland mit Wasserbomben bekampft habe. 

Am 14. Juni erfolgt wieder volkerrechtswidrig die Sperrung der deutschen Guthaben in den Verei- 
nigten Staaten. Am 17. Juni verlangt President Roosevelt unter verlogenen Vorwanden die Zuriickzie- 
hung der deutschen Konsuln und SchlieBung der deutschen Konsulate. Er verlangt weiter die Schlie- 
Bung der deutschen Presseagentur „Transocean", der deutschen Informationsbibliothek und der deut- 
schen 

94 Reichsbahnzentrale. Am 6. und 7. Juli erfolgt die Besetzung des in der deutschen Kampfzone 
gelegenen Island auf den Befehl Roosevelts durch amerikanische Streitkrafte. Er hofft dadurch nun 
bestimmt 

1 . Deutschland endlich zum Kriege zu zwingen, 

2.ansonsten den deutschen Unterseebootkrieg genau so wertlos zu machen wie etwa im Jahre 
1915/16. 

Zur gleichen Zeit schickt er ein amerikanisches Hilfsversprechen an die Sowjetunion ab. Am 10. Ju- 
li gibt plotzlich der Marineminister Knox bekannt, daB die USA einen SchieBbefehl gegen die Ach- 
senkriegsschiffe besitze. Am 4. September operiert der USA-Zerstorer „Greer" entsprechend dem ihm 
gegebenen Befehl mit englischen Flugzeugen gegen deutsche Unterseeboote im Atlantik. 

Fiinf Tage spater stellt ein deutsches Unterseeboot USA-Zerstorer als Geleitfahrzeuge im englischen 
Convoy fest. Am 11. September endlich halt Roosevelt jene Rede, in der er selbst den Befehl zum 
SchieBen gegen alle Achsenschiffe bestatigt und neu erteilt. Am 29. September greifen USA- 
Bewacher ein deutsches Unterseeboot ostlich Gronland mit Wasserbomben an. Am 17. Oktober be- 



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kampft der USA-Zerstorer „K e a r n e y", im Geleitschutz fur England fahrend, wieder ein deutsches 
Unterseeboot mit Wasserbomben, und am 6. November endlich kapern USA-Streitkrafte volker- 
rechtswidrig den deutschen Dampfer „0 d e n w a 1 d", schleppen ihn in einen amerikanischen Hafen 
und setzen die Besatzung gefangen. 

Die beleidigenden Angriffe und Anflegelungen dieses sogenannten Prasidenten gegen mich person- 
lich will ich dabei als belanglos ubergehen. DaB er mich einen Gangster nennt, ist um so gleichglilti- 
ger, als dieser Begriff wohl mangels an derartigen Subjekten nicht aus Europa, sondern aus den USA 
stammt. Aber abgesehen davon, kann ich von Herrn Roosevelt uberhaupt nicht beleidigt werden, denn 
ich halte ihn so wie einst es Woodrow Wilson war, ebenfalls fur geisteskrank. 

DaB dieser Mann mit seinem judischen Anhang seit Jahren nun mit den gleichen Mitteln gegen Ja- 
pan kampft, ist uns bekannt. Ich brauche sie hier nicht zur Sprache bringen. Auch hier sind dieselben 
Methoden zur Anwendung gekommen. Erst hetzt dieser Mann zum Krieg, dann falscht er die Ursa- 
chen, stellt willktirliche Behauptungen auf, hiillt sich dann in widerwartiger Weise in eine Wolke 
christlicher Heuchelei und ftihrt so langsam aber sicher die Menschheit dem Krieg entgegen, nicht 
ohne dann als alter Freimaurer dabei Gott zum Zeugen anzurufen fur die Ehrbarkeit seines Handelns. 

95 Ich glaube, Sie alle werden es als eine Erlosung empfunden haben, daB nunmehr endlich ein Staat als 
erster gegen diese in der Geschichte einmalige und unverschamte MiBhandlung der Mann ja ge- 
wiinscht hat und iiber den er sich daher jetzt nicht wundern oder gar beschweren darf. DaB die japani- 
sche Regierung es nach jahrelangem Verhandeln mit diesem Falscher endlich satt hatte, sich noch 
weiter in so unwiirdiger Weise verhohnen zu lassen, erftillt uns alle, das deutsche Volk und ich glaube 
auch die ubrigen anstandigen Menschen auf der ganzen Welt, mit einer tiefen Genugtuung. 

Wir wissen, welche Kraft hinter Roosevelt steht. Es ist jener ewige Jude, der seine Zeit als gekom- 
men erachtet, um das auch an uns zu vollstrecken, was wir in SowjetruBland alle schaudernd sehen 
und erleben muBten. Wir haben das jtidische Paradies auf Erden nunmehr kennengelernt. Millionen 
deutscher Soldaten haben den personlichen Einblick gewinnen konnen in ein Land, in dem dieser in- 
ternationale Jude Mensch und Gut zerstorte und vernichtete. Der President der Vereinigten Staaten 
mag das vielleicht selbst nicht begreifen. Dann spricht dies nur fur seine geistige Beschranktheit. Wir 
aber wissen, daB dies das Ziel seines ganzen Kampfes ist: Auch wenn wir nicht im Bundnis mit Japan 
stiinden, waren wir uns dariiber im klaren, daB es die Absicht der Juden und ihres Franklin Roosevelt 
ist, einen Staat nach dem anderen allein zu vernichten. Das heutige Deutsche Reich hat aber nun nichts 
mehr gemein mit dem Deutschland von einst. Wir werden daher auch von unserer Seite nun das tun, 
was dieser Provokateur seit Jahren zu erreichen versuchte. Nicht nur, weil wir Verbundete von Japan 
sind, sondern weil Deutschland und Italien in ihrer derzeitigen Ftihrung gentigend Einsicht und Starke 
besitzen, um zu begreifen, daB in dieser historischen Zeit das Sein oder Nichtsein der Nationen be- 
stimmt wird, vielleicht fur immer. Was diese andere Welt mit uns vorhat, ist uns klar. Sie haben das 
demokratische Deutschland von einst zum Verhungern gebracht, sie wtirden das sozialistische von 
heute ausrotten. Wenn Herr Roosevelt oder Herr Churchill erklaren, daB sie dann spater eine neue 
soziale Ordnung aufbauen wollen, dann ist das ungefahr so, als wenn ein Friseur mit kahlem Kopf ein 
untrugliches Haarwuchsmittel empfiehlt. Die Herren, die in den sozial riickstandigsten Staaten leben, 
hatten, statt fur Kriege zu hetzen, sich um ihre Erwerbslosen kummern sollen. Sie haben in ihren Lan- 
dern Not und Elend genug, um sich dort im Sinne einer Verteilung von Lebensmitteln zu beschaftigen. 
Was das deutsche Volk betrifft, so braucht es weder von Herrn 

96 Churchill noch einem Herrn Roosevelt oder gar von einem Mister Eden Almosen, sondern es will 
nur sein Recht. Und dieses Recht zum Leben wird es sich sicherstellen, auch wenn tausend Churchills 
oder Roosevelts sich dagegen verschworen wollten. Dieses Volk hier hat nun eine fast zweitausend- 
jahrige Geschichte hinter sich. Es war in dieser langen Zeit noch nie so einig und geschlossen wie 
heute und wie es, dank der nationalsozialistischen Bewegung, fur alle Zukunft sein wird. Es war aber 
auch vielleicht noch nie so hellsehend und selten so ehrbewuBt. Ich habe daher heute dem amerikani- 
schen Geschaftstrager die Passe zustellen lassen und ihm folgendes eroffnen lassen: 

In Verfolg der immer weiteren Ausdehnung einer auf unbegrenzte Weltherrschaftsdiktatur gerichte- 
ten Politik des Prasidenten Roosevelt sind die Vereinigten Staaten von Amerika im Verein mit Eng- 
land vor keinem Mittel zuriickgewichen, um dem deutschen, dem italienischen und auch dem japani- 
schen Volke die Voraussetzungen ihrer nattirlichen Lebenshaltung zu bestreiten. Die Regierungen 
Englands und der Vereinigten Staaten von Amerika haben sich aus diesem Grunde nicht nur fur die 
Gegenwart, sondern auch fur alle Zukunft jeder berechtigten Revision zur Herbeifuhrung einer besse- 
ren Neuordnung der Welt entgegengesetzt. 



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Seit Kriegsbeginn hat sich der amerikanische President Roosevelt in steigendem MaBe eine Reihe 
schwerster volkerrechtswidriger Verbrechen zuschulden kommen lassen. Gesetzlose Ubergriffe auf 
Schiffe und sonstiges Eigentum deutscher und italienischer Staatsblirger verbanden sich mit der Be- 
drohung, ja der willkurlichen Beraubung der personlichen Freiheit der Betroffenen durch Internierun- 
gen usw. Die sich auch sonst weiter verscharfenden Angriffe des Prasidenten der Vereinigten Staaten, 
Roosevelt, fuhrten am Ende so weit, daB er der amerikanischen Marine den Befehl erteilte, entgegen 
alien Volkerrechtsbestimmungen Schiffe deutscher und italienischer Nationality uberall sofort an- 
zugreifen, zu beschieBen und sie zu versenken. Amerikanische Minister ruhmten sich auch, auf diese 
verbrecherische Weise deutsche Unterseeboote vernichtet zu haben. Deutsche und italienische Han- 
delsschiffe wurden von amerikanischen Kreuzern uberfallen, gekapert und ihre friedliche Besatzung in 
Gefangnisse abgefuhrt. Ohne jeden Versuch einer amtlichen Widerlegung von seiten der amerikani- 
schen Regierung wurde aber dariiber hinaus nunmehr in Amerika der Plan des Prasidenten Roosevelt 
veroffentlicht, spatestens im Jahre 1943 Deutschland und Italien mit militarischen Machtmitteln in 
Europa selbst angreifen zu wollen. 

Dadurch ist das aufrichtige und von beispielloser Langmut zeugende Bestreben Deutschlands und 

97 Italiens, trotz der seit Jahren erfolgten unertraglichen Provokationen durch den Prasidenten Roosevelt 
eine Erweiterung des Krieges zu verhuten und die Beziehungen zu den Vereinigten Staaten aufrecht- 
zuerhalten, zum Scheitern gebracht worden. 

Deutschland und Italien haben demgegenuber sich nunmehr endlich gezwungen gesehen, getreu den 
Bestimmungen des Dreimachtepakts vom 27. September 1940 Seite an Seite mit Japan den Kampf zur 
Verteidigung und damit zur Erhaltung der Freiheit und Unabhangigkeit ihrer Volker und Reiche gegen 
die Vereinigten Staaten von Amerika und England gemeinsam zu Ende zu ftihren. 

Die drei Machte haben deshalb das folgende Abkommen abgeschlossen und am heutigen Tage in 
Berlin unterzeichnet: 

In dem unerschiitterlichen EntschluB, die Waffen nicht niederzulegen, bis der gemeinsame Krieg 
gegen die Vereinigten Staaten von Amerika und England zum erfolgreichen Ende gefuhrt worden ist, 
haben sich die deutsche Regierung, die italienische Regierung und die japanische Regierung iiber fol- 
gende Bestimmungen geeinigt: 

Artikel 1 
Deutschland, Italien und Japan werden den ihnen von den Vereinigten Staaten von Amerika und 
England aufgezwungenen Krieg mit alien ihnen zu Gebote stehenden Machtmitteln gemeinsam bis 
zum siegreichen Ende ftihren. 

Artikel 2 
Deutschland, Italien und Japan verpflichten sich, ohne voiles gegenseitiges Einverstandnis weder 
mit den Vereinigten Staaten von Amerika noch mit England Waffenstillstand oder Frieden zu schlie- 
Ben. 

Artikel 3 
Deutschland, Italien und Japan werden auch nach siegreicher Beendigung des Krieges zum Zwecke 
der Herbeifuhrung einer gerechten Neuordnung im Sinne des von ihnen am 27. September 1940 abge- 
schlossenen Dreimachtepaktes auf das engste zusammenarbeiten. 

Artikel 4 
Dieses Abkommen tritt sofort mit seiner Unterzeichnung in Kraft und bleibt ebensolange wie der 
Dreimachtepakt vom 27. September 1940 in Geltung. Die Hohen VertragschlieBenden Teile werden 
sich 

98 rechtzeitig vor Ablauf dieser Geltungsdauer tiber die weitere Gestaltung ihrer im Artikel 3 dieses 
Abkommens vorgesehenen Zusammenarbeit verstandigen. 

Abgeordnete! Manner des Deutschen Reichstages! 

Wir sind uns schon seit der Ablehnung meines letzten Friedensvorschlags vom Juli 1940 im klaren, 
daB dieser Kampf bis zur letzten Konsequenz durchgekampft werden muB. DaB sich die angelsach- 
sisch-judischkapitalistische Welt mit dem Bolschewismus dabei in einer Front befindet, ist fur uns 
Nationalsozialisten keine Uberraschung. Wir haben sie im Inneren stets in der gleichen Gemeinschaft 
befunden. Allein wir haben diesen Kampf im Innern erfolgreich bestanden und unsere Gegner endlich 
nach 16-jahrigem Ringen um die Macht vernichtet. Als ich mich vor 23 Jahren entschloB, in das politi- 
sche Leben einzutreten, um die Nation aus ihrem Verfall wieder emporzufuhren, war ich ein namenlo- 



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ser unbekannter Soldat. Viele unter Ihnen wissen, wie schwer die ersten Jahre dieses Kampfes gewe- 
sen sind. Der Weg der kleinen Bewegung von sieben Mann bis zur Ubernahme der verantwortlichen 
Regierung am 30. Januar 1933 war ein so wundersamer, daB nur die Vorsehung selbst durch ihren 
Segen dies ermoglicht haben kann. 

Heute stehe ich an der Spitze des starksten Heeres der Welt, der gewaltigsten Luftwaffe und einer 
stolzen Marine. Hinter mir und um mich als eine verschworene Gemeinschaft weiB ich die Partei, mit 
der ich groB geworden bin und die durch mich groB geworden ist. 

Die Gegner, die ich vor mir sehe, sind die bekannten Feinde seit liber 20 Jahren. Allein der Weg, der 
vor mir liegt, ist nicht zu vergleichen mit dem Weg, auf den ich zuriickblicken kann. Das deutsche 
Volk steht in der Erkenntnis der entscheidenden Stunde seines Daseins. Millionen von Soldaten erflil- 
len unter den schwersten Bedingungen gehorsam und treu ihre Pflicht. Millionen deutscher Bauern 
und Arbeiter, deutscher Frauen und Madchen stehen in den Fabriken und Kontoren, auf den Feldern 
und Ackern und schaffen im SchweiBe ihres Angesichts der Heimat das Brot und der Front die Waf- 
fen. Mit uns im Bunde sind starke Volker, die, von der gleichen Not gequalt, die gleichen Feinde vor 
sich finden. 

Der amerikanische President und seine plutokratische Clique haben uns als die Volker der Habe- 
nichtse getauft. Das ist richtig! Die Habenichtse aberwollen leben, und sie werden auf alle Falle errei- 
chen, daB das Wenige, das sie zum Leben besitzen, ihnen nicht auch noch von den Besitzenden ge- 
raubt wird. Sie 
99 kennen, meine Parteigenossen, meine unerbittliche Entschlossenheit, einen einmal begonnenen Kampf 
bis zum erfolgreichen Ende durchzufuhren. Sie kennen meinen Willen, in so einem Kampf vor nichts 
zuriickzuschrecken, alle Widerstande zu brechen, die gebrochen werden mtissen. 

Ich habe Ihnen in meiner ersten Rede am 1. September 1939 versichert, daB in diesem Krieg weder 
Waffengewalt noch Zeit Deutschland niederzwingen werden. Ich will meinen Gegnern auch versi- 
chern, daB uns nicht nur die Waffengewalt oder die Zeit nicht bezwingen werden, sondern daB uns 
auch kein innerer Zweifel wankend machen kann in der Erflillung unserer Pflicht. Wenn wir an die 
Opfer unserer Soldaten denken, an ihren Einsatz, dann ist jedes Opfer der Heimat ganzlich belanglos 
und unbedeutend. Wenn wir aber die Zahl all jener uns liberlegen, die in den Generationen schon vor 
uns fur des deutschen Volkes Bestehen und GroBe gefallen sind, dann wird uns erst recht die GroBe 
der Pflicht bewuBt, die auf uns selbst lastet. Wer aber dieser Pflicht sich zu entziehen beabsichtigt, der 
hat kei