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Full text of "Biographisch-genealogische Blaetter aus und ueber Schwaben"

Über dieses Buch 

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BIOGRAPHISCH- 



GENEALOGISCHE BLÄTTER 



AUS UND ÜBER 



SCHWABEN 



VON 



D R - EBERHARD E. VON GEORGÜ-GEORGENAU. 



STUTTGART. 

DRUCK UND VERLAG VON EMIL MÜLLER. 
1879. 



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JN '.' . i f ' 
UM: 6 1961 



Rechte vorbehalten. 



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SEINER KÖNIGLICHEN HOHEIT 



»EH 



PRINZEN WILHELM VON WÜRTTEMBERG 

OBERST TOD COMMANDEUR 

DER 27. KAVALLERIE-BRIGADE (2. KÖNIGLICH .WÜRTTEMBERGISCHEN ) 
D* JURIS 

DEM GNADIGEN GÖNNER WISSENSCHAFTLICHEN STREBENS 



IN T1EF8TER EHRFURCHT GEWIDMET 

TOM 

VERFASSER. 



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Vorwort 



Die biographisch-genealogischen Blätter aus und über Schwaben, 
welche ich hiemit der Oeffentlichkeit zu übergeben die Ehre habe, 
beruhen auf fragmentarischen Aufzeichnungen, die ich im Laufe mehr- 
jähriger anderweitiger Studien in verschiedenen Archiven und Biblio- 
theken gemacht und gesammelt habe, und waren ursprünglich in 
keiner Weise dazu bestimmt, vor ein grösseres Publikum zu treten. 
Erst nachdem \ler Stoff sich wider Erwarten unter der Hand vermehrt, 
und durch das freundliche Entgegenkommen vieler Familien immer 
reicheres, häufig auch bisher ungedrucktes, urkundliches Material sich 
angehäuft hatte, konnte der Gedanke an eine Veröffentlichung auf- 
tauchen. 

Die einzelnen Familien, die in diesen Blättern beschrieben sind, 
durften zum grösseren Theile schon seit Jahrhunderten in dem jetzigen 
Württemberg ansässig sein, nur einige wenige davon sind erst in 
späterer Zeit vom Auslande in Schwaben eingewandert. Selbstredend 
konnte in dieser ersten Serie nur ein Theil der nennenswerthen 
schwäbischen Familien behandelt werden, wie eben gerade, manchmal 
durch zufällig'© Umstände veranlasst, der Stoff sich darbot ; aber auch 
schon dieses Bruchstück lässt den Württemberger mit Stolz erkennen, 
welch* reiche Zahl bedeutender und denkwürdiger Theologen, Politiker, 
Militairs, Juristen, Staatsbeamten, Kaufleute, Aerzte und Naturforscher, 
Schriftsteller, Dichter und Künstler sein kleines Vaterland in wenigen 
Jahrhunderten hervorgebracht hat. Die Biographieen konnten bei 



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VI 

dem massigen Baume, auf welchen sie zu beschränken waren, meistens 
nur kurze Skizzen werden. Diejenigen geneigten Leser, welche im 
einzelnen Falle tiefer einzudringen wünschen, möchte ich auf die 
reiche Auswahl der hienach aufgeführten Quellen, aus welchen ge- 
schöpft und compilirt wurde, verweisen. Des fragmentarischen Cha- 
rakters und der , verschiedenen Mängel dieser meiner Aufzeichnungen 
bin ich mir selbst wohl am meisten bewusst, um so dankbarer werde 
ich für alle Berichtigungen und Ergänzungen sein, die das Wohl- 
wollen der Leser mir zukommen lassen will, und gerne wäre ich be- 
reit, derartige nachträgliche Notizen in einem Supplementbande zu 
verwerthen. Für denjenigen, der genealogische Werke zu praktischen 
Zwecken gebraucht, z. B. für die Bewerbung um Stipendien — und 
auch diesen Zwecken möchten die vorliegenden Blätter dienen — sind 
selbst die scheinbar unbedeutendsten Daten und Notizen oft von 
grossem Werthe. 

Bei den vielfachen Beziehungen, mit welchen die von mir be- 
schriebenen Familien zu dem württembergischen Begentenhause ge- 
standen sind, glaubte ich eine kurze historische Skizze des Letzteren 
beifügen zu sollen nach dem Vorbilde der durch das K. Statistisch- 
Topographische Bureau im Jahr 1863 herausgegebenen Beschreibung 
des Königreichs Württemberg, und unter Anschluss einer Stammtafel 
des hohen diesem erhabenen Hause entstammten Prinzen, welcher 
nicht blos durch Zufertigung eigenhändiger pietätsvoller Aufzeichnungen 
über seinen früheren Lehrer und Erzieher von Günther, sondern 
auch durch gnädigste Annahme der Widmung des vorliegenden Werkes 
mich zum ehrfurchtsvollsten und wärmsten Danke verpflichtet hat. 

Einige weitere Beilagen , nämlich die Verzeichnisse über : 
I. Den standesherrlichen Adel Württembergs ; IL Den ritterschaftlichen 
Adel; III. Die Standeserhöhungen, Adelserneuerungen, Adelsanerken- 
nungen, Adelsbestätigungen und Namensvermehrungen, welche seit der 
Erhebung Württembergs zum sou verainen Königreiche vom 1. Januar 
1 806 an bis zum Jahre 1878 von Ihren Majestäten den Königen Friderich, 
Wilhelm und Karl von Württemberg verfügt worden sind; IV. Den 



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VII 

Geheimeratb, resp. dessen Mitglieder und die verschiedenen Departe- 
ments-Chefs seit 1816 und die Cabinets-Chefs , (,da der jeweilige 
Cabinets-Chef zugleich Sitz im Geheimen Rathe hat); V. die in 
Württemberg eingewanderten Waldenser, — dürften vielleicht gleichfalls 
manchem Laser nicht unerwünscht sein. — Ich erlaube mir hiebei 
zu bemerken, dass das Verzeichniss III. über die Standeserhöhungen 
das Resultat eingehender Studien in den diessfalligen Nobilitirungs- 
akten der Königlichen Ministerien der auswärtigen Angelegenheiten und 
des Innern ist und dass ich das Verzeichniss IV. über den Geheimen 
Rath von Sr. Excellenz dem Herrn Geheimen Rath von Mohl, welchem 
ich hiefür zu verehrungsvollstem Danke verbunden bin, gütigst mit- 
getheilt erhalten habe. Diesem Dank habe ich denjenigen anzureihen, 
welchen ich den Herren Beamten des Geh. K. Haus- und Staats-Archivs, 
der K. Oeffentlichen Bibliothek, der eben genannten beiden K. Ministerien, 
sowie des hiesigen Standesamtes schulde. Ich bin ihnen Allen für 
das entgegenkommende Wohlwollen, mit welchem sie mir stets die 
gewünschte Auskunft ertheilt haben, innigst verpflichtet. 

Und so mögen denn diese Blätter vor die Oeffentlichkeit treten 
und einen Kreis geneigter und nachsichtiger Leser finden! Mögen 
sie insbesondere dazu beitragen, dass der alte württembergische Wahl- 
spruch: »Furchtlos und treu*, der durch das ganze Leben vieler 
von mir geschilderten grossen Söhne des engeren Vaterlandes aus 
früheren Jahrhunderten hindurchtönt, auch in unserer ernsten Zeit 
die Herzen der Württemberger immer aufs Neue belebe und dass die 
Bande der Liebe zwischen König und Volk sich stets fester schlingen l 

Stuttgart im September 1878. 

D r Eberhard E. von Georgii-Georgenau. 



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Inhalts-Verzeichniss. 



Einzelne Familien: 



8elte 
Regentenhaus Württemberg XIII 
Ahnentafel Sr. Königlichen 
Hoheit des Prinzen Wil- 
helm von Württemberg XXIX 

Andrea 1 

Autenrieth 21 

Backmeister, Bacmeister . 31 

Bardili 37 

Bengel 42 

Betulius 46 

Bidenbach 48 

Bilfinger 51 

Binder 59 

Bloss 65 

Blum 66 

Blumhardt 68 

Bohnenberger 71 

Brenz . 72 

Breuning 77 

Breyer 81 

Brodbeck, Brotbeck ... 86 

Bühler ....... 89 

Büschler 97 

Buntz, Bonz 99 

Bork 102 

Burkhardt 104 

Camerer, Cammerer . . .110 

Cless 115 

Commerell, Kommerell . . 124 

Conz 126 

Denzel 129 



Seite 

Doertenbach 130 

Dornfeld 140 

Duttenhofer 142 

Duvernoy . . .... 146 

Efferen 150 

Eisenmenger . . . . 152 

Eiben 154 

Elwert 163 

Entringer 165 

Enzlin, Enslin 167 

Essich 172 

Etzel 178 

Eysengrein 181 

Faber 189 

Fallati 195 

Feuerlein 196 

Fischer 201 

Flatt ....... 206 

Flattich 208 

Gabelkhofer 212 

Gärtner 215 

Gärttner 219 

Gall 222 

Georgii, Georgy .... 224 

Gerlach 238 

Gerok 243 

Gessler 248 

Gmelin 253 

Golther 262 

Goppelt 271 

Griesioger 273 



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Seite 

Gros, Gross 285 

Günther 287 

Günz'ler 295 

Haage 298 

Haakh 300 

Hallberger 307 

Harpprecht 309 

Hartmann 317 

Hauff 329 

Hang 332 

Hedinger 337 

Heerbrand 339 

Hegel 342 

Heyd 344 

Hiller 348 

Hochstetter 351 

Holder 372 

Hofacker, Hoffacker ... 376 

Hoffmann 379 

Holland 390 

Huber . ; 398 

Hummel 403 

Jäger von und zum Jägers- 
berg und Jäger .... 407 

Jenisch 417 

Jobst 421 

Kapff 424 

Kauila 432 

Keller 436 

Keppler 445 

Kerner 452 

Kirchhofer 466 

Klaiber 468 

Klemm, Cleram 472 

Knapp 485 

Köstlin 495 

Kohlhaas 511 

Krafft, Kraft 513 

Lauterbach 517 



Seite 

Lentilius 519 

Leyrer 527 

Löffler 528 

Machtholf. ...:.. 534 

Maerklin 538 

Magirus 541 

Majer, Mayer 544 

Meurer 554 

Mögling 557 

Mörike 578 

Mohl 589 

Moser 598 

Müller 622 

Seuffer 632 

Neuheuser 642 

Oetinger, Oettinger . . . 646 

Osiander 654 

Ostertag 668 

Pfaff .671 

Pfizer , 679 

Pistorius 683 

Pregizer 693 

Reinhardt 701 

Renz, Rentz 710 

Reuchlin 716 

Reuss 721 

Reuter 728 

Riecke 730 

Rieger 749 

Römer 762 

Rössler 766 

Rümmelin, Rümelin . . . 770 

Sattler 776 

Scheffer 782 

Schelling 787 

Schickhardt, Schikhardt . 792 

Schiller 798 

Schleicher 805 

Schlossberger, Schlossberg . 815 



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XI 



Schmidlin 838 

Schmidt 843 

Schott 850 

Öcbüz 870 

Schwab 881 

Schweigger 893 

Seeger 899 

Seybold 914 

Sick 928 

Sigwart 934 

Stählin, Stalin 944 

Steinheil 953 

Steinhofer 970 

Stickel . 979 

Stockmayer 990 

Storr 993 

Süskind, Süsskind .... 1000 

Tafinger 1008 



Seite 

Uhland 1018 

Urlsperger 1032 

Waechter 1037 

Wagner 1049 

Weckherlin 1055 

Weikersreuter .... 1063 

Weinland 1072 

Welsch 1081 

Wider, auch Wider von der 

Au 1083 

Widmann 1091 

Wieland 1095 

Wolfahrt 1109 

Wucherer ...... 1110 

Wundt 1112 

Zeitter 1119 

Zeller 1121 

Zorer 1141 



Anhang. 

I. Standesherrlicher Adel Württembergs 1146 

II. Ritterschaftlicher Adel Württembergs 1147 

III. Standeserhöhungen, Adelserneuerungen, Adelsanerkennungen, 
Adelsbestätigungen und Namensvermehrungen, welche 
seit der Erhebung Württembergs zum souverainen König- 
reiche vom 1. Januar lß06 an bis zum Jahre 1878 von 
Ihren Majestäten den Königen Friderich, Wilhelm und 
Karl von Württemberg verfügt worden sind . . . . 1150 
IV. Der Geheimerath, resp. dessen Mitglieder und die verschie- 
denen Departements-Chef 8 seit 1816, dergleichen die 
Cabinets-Chefs, da der jeweilige Cabinets-Chef zugleich 

Sitz im Geheimen Rathe hat 1170 

V. Die in Württemberg eingewanderten Waldenser .... 1184 
Register über die bei den einzelnen Familienbeschreibungen vor- 
kommenden sonstigen Geschlechtsnamen 1189 

Quellen 1220 



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Das Regentenhaus Württemberg. 



Ehe die einzelnen Familien, deren Beschreibung die folgenden 
Blätter sich zur Aufgabe gemacht haben, des Näheren besprochen 
werden, dürfte es sich empfehlen, sowohl einen kurzen Bückblick auf 
die Urgeschichte des erhabenen württembergischen Regentenhauses zu 
werfen, als auch eine kurze genealogische Skizze dieses hohen Hauses, 
zu welchem so viele Mitglieder jener Familien in näheren oder ent- 
fernteren Beziehungen gestanden sind, vorauszuschicken. 

Zur Urgeschichte des Hauses Württemberg. 

Ueber die Abstammung und Namens-Entstehung eines fürstlichen 
Geschlechts sind nicht leicht so verschiedene Erklärungen versucht 
worden, wie über die des Hauses Württemberg. Als ursprüngliche 
Heimath zwar wird Oberschwaben mit ziemlicher Sicherheit angenommen, 
allwo die Familie mit den Grafen von Grüningen, von Landau, von 
Veringen und von Neuenbürg, welche sämmtlich in ihren Wappen 
die Hirschhörner führen, eng verwachsen war und wahrscheinlich ein 
gemeinschaftliches Geschlecht bildete. Die urkundlichen Spuren führen 
zu der Ansicht, dass ihr Gebiet von Veringen über Riedlingen und 
Altshausen bis gegen Jsny gereicht hat. Es mag damals ein Con- 
dominat gewesen sein, womit nicht ausgeschlossen ist, dass jede 
Linie wieder ihre abgesonderten, eigenen Burgen und Landhäuser besass. 
Namentlich war Altveringen ehmals ein besonderes Eigenthum des 
Grafen von Wirtemberg. Wann aber und warum die württember- 



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XIV 

gische Linie umgezogen sei, ebenso ob sie den Namen Wirtenberg 
schon mitgebracht haben, darüber ist nichts Bestimmtes bekannt. 

Zum Gebietswechsel mögen sie gewichtige Gründe veranlasst 
haben. In der alten Heimath zu verbleiben, wäre ihnen wohl un- 
gemüthlich geworden, die Grenzen waren zu eng, die freie Bewegung 
fehlte, die Concurrenz mit den benachbarten Edeln wäre nicht wohl 
ohne Anstösse geblieben. Gelegenheit, sich zu arrondiren und aus- 
zubreiten, würde kaum sich ergeben haben, die Beibungen und Fehden 
zwischen den Vorfahren der mächtig werdenden Weifen und Ghibel- 
linen, von denen jene hier präponderirten , während das Herz der 
Wirtemberger für diese schlug, alles dieses mag mitgewirkt haben, 
ein für eine glänzende Zukunft geborenes Geschlecht an eine weiter- 
führende Veränderung denken zu lassen. Haben sie desswegen auch 
ihre Gutsherrschaften verlassen, ein schöneres Loos winkte ihnen und 
der Namen, den sie vielleicht mitgebracht oder aber erst angenommen 
haben, blieb ihnen eine süsse Erinnerung an die Vergangenheit 
und wurde der Stern und Kern im neuen Lande, wo sie im mittleren 
Neckarthaie schon frühe einen bedeutenden Güterbesitz hatten. 
Das Stammschloss Württemberg auf dem rothen Berge bei Untertürk- 
heim stund bis zum Jahre 1818. 

Der Name «Württemberg> kommt erstmals im 11. Jahrhun- 
derte vor, in welchem die Deutschen Grafen überhaupt erst anfiengen, 
sich nach Burgen zu schreiben. Der früheste (im Jahre 1090) ge- 
nannte Herr von Württemberg ist Conradus de Wirtineber g ; im 
12. Jahrhundert werden aufgeführt die Gebrüder Ludwig und Emich, 
und Hartmann und Ludwig. Der Name Eberhard -erscheint erst- 
mals im Jahre 1236, der Name Ulrich im Jahre 1241 mit Ulrich 
mit dem Daumen. Um die Mitte des 13. Jahrhunderts zeichnet sich 
ein Hartmann von Grüningen sehr aus und wurde desshalb von 
E. Wilhelm mit der ßeichssturmfahne belohnt. Einer seiner Söhne, 
Eberhard, nannte sich Graf von Landau. 



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XV 



Die Regenten Württembergs. 

Graf Ulrich I. mit dem Daumen (der Stifter.) 

Geb. 1226. Regierungsantritt 1250. t 20. Febr. 1265. 

Gemahlinnen : I. vor 5. Sept. 1253 Mechthilde, Tochter Hermann's V., 
Markgrafen TOB Baden, Gräfin von Ochsenstein , welche bei der Geburt 
ihres nachbenannten II. Sohnes Eberhard starb und kurz vor ihrem Tode, 
nachdem sie das Kind gesehen hatte, die Worte sprach: „tund hin das 
Kind, die wyle es lebt, so gibt es allem Lande zu Schwaben zu schaffen 
mit Kriegen. u II. Agnes, Tochter des Herzogs Boleslav II. von Liegnitz. 

Der Energie und der Sparsamkeit seiner Grafen, sowie dem 
Umstände, dass sich dieselben möglichst vor Theilang des Landes 
hüteten und ihren Nachruhm nicht in bedeutenden Klosterstiftungen 
suchten, verdankt Württemberg sein Emporblühen. 

v. Stalin in seinem Werk „Wirtembergische Geschichte*', Stutt- 
gart und Tübingen 1841, äussert sich hierüber also: Diesen Grafen 
— Ulrich — meint der Zeitgenosse Albertus Bohemus, Decan des 
Capitels in Passau, seit 1239 päbstlicher Legat in Deutschland, 
wenn er sagt: 

„Der Graf von Wirtemberg leuchtet hervor durch blutbefreun- 
dete Streiter und kriegerische Macht und beherrscht Schwaben mit 
Hilfe seiner Blutsfreunde." 



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XVI 

Auf Ulrich I. folgten seine beiden Söhne: 
Graf Ulrich IL 

Geb. 1253/64, regierte mit seinem Bruder 1265—1279 ; | ohne männliche Nachkommenschaft. 
Gemahlin : Irmengard, geb. Gräfin von Hohenberg. 

«Ein gütiger und friedfertiger Herr.» 
und 

Graf Eberhard L, der Erlauchte (lllustris). 

Oeb. 20. März 1265; Regierungsantritt 1265, t 1325. 

Gemahlinnen :I. Adelheid, Gräfin von Werdenberg, f 1296; II. Irmgard, 
geb. Markgräfin von Baden. 

„Gottes Freund und aller Welt Feind/ 4 war der Wahlspruch 
des Grafen Eberhard. * 

Nach König Albrecht' s Tod im Jahre 1309 wäre es für den 
Grafen kein zu kühner Gedanke gewesen, die Hände nach dem er- 
ledigten Königsthron auszustrecken, aber die deutschen Fürsten hätten 
wohl den mächtigen und ländergierigen Grafen nicht zum Beichs- 
oberhaupte gewollt. 

Ueberhaupt fühlte er sich den Kaisern gegenüber nicht sehr 
zur Untertänigkeit geneigt. „Er sei Niemands Diener", erklärte 
er dem Kaiser auf dem Reichstage zu Speyer. 

Eberhard verlegte in Folge der Zerstörung des Schlosses 
Württemberg und des Stifts Beutelsbach, 1320, seinen Sitz und 1321 
auch das Stift mit der Gruft,** nach Stuttgart, so dass Stuttgart, bisher 
Filiale von Cannstatt, eine reich dotirte Stifts- und Parochialkirche 
erhielt und Landeshauptstadt wurde. 

* Der Kriegsrahm des Grafen war ein aussergewöhnlicher, so dass selbst der 
Herzog von Kämdten, der die böhmische Krone zu erhalten trachtete, den Grafen 
Eberhard um Hilfe gegen König Albrecht (welch letzterer seinen II. Sohn auf den böh- 
mischen Königsstuhl setzen wollte), anrief, (1306), ein Beistand, der so kraftig war, 
dass Albrecht ihm abermals weichen musste und Eberhard mit Sieg gekrönt fröhlich nach 
Hause zurückkehrte. 

** Die Feinde hatten sich zum grossen Kummer des Grafen selbst an den 
Leichnamen seiner dort beerdigten Ahnen y ergriffen. 



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XVII 

Auf Eberhard folgte sein zweiter Sohn (der erste starb vor 
dem Vater, der dritte begab sich in den geistlichen Stand): 

Graf Ulrich OL 

Geb. 1398, Regierungsantritt 1325, t 1341. 

Gemahlin: Sophia, geb. Gräfin von Pfirt. 
Ihm folgten seine beiden Söhne : 
Graf Eberhard II., der Gieiner (Zänker), „der Rauschebart". 

Geb. 1315 ; Regierungsantritt 1344, t 1392. 
(Begierte mit seinem Bruder.) 

Gemahlin : seit 1342 Elisabeth, älteste Tochter des Grafen Heinrich XII. 
von Henneberg, Schleusinger Linie. 

Dem Heldenmuthe Eberharde verdankte Kaiser Karl in der 
Schlacht gegen den Gegenkönig Günther bei Elberfeld im Rheingau 
(1349) seine Rettung aus Lebensgefahr wie den wesentlichen Bei- 
trag zum Sieg. 

Ueberfall des Grafen im Wildbad durch Wolff von Wunnenstein, 
der ,, gleissend Wolf genannt, und andere Raubritter, die sogenannten 
,, Martins vögel" (da sie sich am Martinstage mit einander verbunden 
hatten) und Flucht desselben nach Zavelstein 1367 im Frühjahr. 

Die dem Grafen auf der Heimkehr von der Schlacht bei Döf- 
fingen, in welcher sein Sohn Graf Ulrich, (geb. 1342, verm. seit 
26. April 1362 mit Elise, Tochter Kaiser Ludwigs JF. von Bayern) 
am 3. Aug. 1388 ruhmvoll kämpfend fiel, durch die Ankündigung 
der Geburt eines Ureukels gewordene Freude besingt Uhland mit fol- 
genden Versen: 

„Ich bring* euch frohe Mähre: Glück zum Urenkelein! 
Antonia hat geboren, Ein Knäblein hold und fein." 
Da hebt er hoch die Hände, Der ritterliche Greis: 
7t Der Fink hat wieder Samen, Dem Herrn sei Dank und Preis!" 
v. Georgii-Qeorgtnau, Biographiscn-Genealogische Blätter etc. H 



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XVIII 

und Graf Ulrich. IV.* 

Regierungsantritt 1344, f 1366. 

Gemahlin: vor 1361 Cathariua, geb. Gräfin Ton Helfenstein. 

Der Graf überlässt 1362 die Alleinregierung seinem vorbe- 
nannten älteren Bruder. 

Auf Eberhard folgten nach einander sein Enkel und der am 
Tage der Döffinger Schlacht geborene Urenkel, welche beide gleich- 
falls den Namen Eberhard fährten. 

Graf Eberhard III., der Milde. 

Geb. 1364, Regierungsantritt 1392, t 1417. 

Sohn des gefallenen Grafen Ulrich. 

Gemahlinnen: I. seit 1386 die reiche Prinzessin Antonia von Mailand; 
II. seit 27. März 1406 Elisabeth, Burggräfin von Nürnberg. 

Bekannt durch seine Fehde mit den Schleglern, einer Verbin- 
dung vieler Adeligen aus Schwaben und am Rhein, in der Absicht, 
fürstlicher Landesherrschaft entgegenzuarbeiten, von einem silbernen 
Schlegel, den die Mitglieder als Abzeichen am Halse trugen, diesen 
Namen führend. Gefangennahme der Schlegelkönige in Heimsheim 1395. 

Nach Absetzung des charakterlosen deutschen Königs Wenzel 
wurde von den mitverbündeten Reichsfürsten und Herren im Jahre 
1400, 1. Febr., der Beschluss gefasst, einen neuen König zu wäh- 
len, welcher jedoch nur aus den Häusern Bayern, Sachsen, Meissen, 
Hessen, der Burggrafen von Nürnberg und der Grafen von 
Württemberg genommen werden dürfe. 



* Die erste Regierungszeit dieser Grafen war durch Misswachs, Sturme, Üeber- 
achwemmungen, Erdbeben (deren heftigstes in Süddeutschland 40 Tage forttobte), unge- 
heure Sehwärme ton Heuschrecken und besonders durch den sogenannten schwarzen 
Tod, eine furchtbare pestartige Seuche, welche von China aus in 6 Jahren (von 1846 an) 
die ganze Erde durchsog und gegen 40 Millionen Menschen weggerafft haben soll, heim- 
gesucht 



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XIX 

Graf Eberhard IV., der Jüngere, 
Sohn des Vorigen. 
Geb. 1388, Regierungsantritt 1417, t 1419. 
Gemahlin: seit 1406 die mannhafte, herrschsüchtige, übrigens sehr ver- 
ständige und muthvolle Henriette, Tochter des tapfern 1396 in der 
Schlacht bei Nikopolis gefallenen Heinrich des Jüngern, Grafen von 
Mömpelgard, Herrn von Orbe (aus dem Hause Montfaucon), durch 
welche die Grafschaft Mömpelgard an Württemberg kam. 

Das Haus Württemberg nahm jetzt bereits eine solch hohe 
Stellung ein, dass die Erhebung in den Fürstenstand von dem Willen 
des Grafen abhieng. 

Nach dem Tode des Grafen erfolgte die vormundschaftliche 
Regierung Henriettens über ihre beiden minderjährigen Söhne Lud- 
wig und Ulrich. 

Graf Ludwig I. 

Geb. 1409, Regierungsantritt 1419, f 1460. 

Gemahlin: seit 19. Oct. 1434 Mechthild, Tochter Ludwig's III., des 

Bartigen, von der Pfalz nach Ludwig's Tode mit Albrecht VI, von 

Oesterreich vermählt; 

und Graf Ulrich V., der Vielgeliebte. 

Geb. 1410, Regierungsantritt 1419, t 1480. 
Gemahlinnen: I. seit 27. Janr. 1440 Margaretha, Tochter Adolph's 
Herzogs von Oleve; II. seit 26. Febr. 1445 Elisabeth, Prinzessin von 
Bajern-Landshut ; III. seit 9. Juli 1453 Margaretha, des Herzogs Ama- 
deas Vin. von Savoyen Tochter, vorher mit Ludwig, König von Neapel, 
und Ludwig, Kurfürst von der Pfalz, vermählt 
Die Grafen Ludwig I. und Ulrich V. nahmen 1441 eine 
Landeetheilung vor, wodurch die Uracher und Neuffener Linien, 
letztere später Stuttgarter Linie genannt, entstanden. Diese Theile 
waren im Allgemeinen das Land links und das Land rechts vom Neckar. 

Uraeher Linie. 
Auf Ludwig I. folgten in Urach seine Söhne, anfangs unter 
Vormundschaft Ulrich' s F., aus deren Anlass die Landstandschaft 
der Städte zum ersten Male auftritt: 



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XX 

Ludwig IL, geb. 1439, regierte 1450-1457 und 

Eberhard V. im Bart, geb. 1445, regierte als Graf seit 1457, 
t 1496 (siebe auch unten). 

Der Letztere unternahm 1468 10. Mai die Pilgerfahrt zum heil. 
Grabe, stiftete die Universität Tübingen (1477), vereinigte durch 
den Munsinger Vertrag (1482) das 42 Jahre hindurch getheilte 
Land wieder und wurde nachmals I. Herzog. 

Stuttgarter Linie. 

In Stuttgart dagegen widmete Graf Ulrich V., um einer wei- 
tern Theilung vorzubeugen, seinen Sohn Heinrich, geb. 1448, t 1519, 
dem geistlichen Stande; allein obgleich seit 1461 Domherr und bereits 
zum Coadjutor in Mainz bestimmt, verliess Heinrich wieder den 
geistlichen Stanä; ein Rücktritt, dem Württemberg die Erhaltung 
seines Mannsstammes verdankte. 

Gemahlinnen des 1519 f Heinrich von Württemberg: I. seit 10. Jan. 
1485 die treffliche geistvolle Elisabeth, Tochter Simon 's VI., Grafen 
von Zweibrttcken und Bilsch, welche bei der Geburt ihres nachmals 
znr Regierung berufenen Sohnes Ulrich, geb. 1487, f 1550, starb; II. seit 
21. Juli 1488 Eva, Tochter Johann's VIL, Grafen von Obersalm, welch 
letzterer Ehe ein Sohn Georg, geb. 1498, f 1558, entsprosste, dessen 
Sohn der nachmalige Herzog Friedrich I., geb. 1557, f 1608, war. 
Gräfin Eva war dem Grafen nach Hohenurach gefolgt. 

Auf Graf Ulrich V. folgte sein ältester Sohn : 

Graf Eberhard VI. (II. Herzog), der jüngere, geb. 1447, 
regiert seit 1480, f 1504. 

Der Graf entsagte im Munsinger Vertrage zn Gunsten des vor- 
erwähnten Grafen Eberhard im Bart der Regierung und wird nach- 
mals II. Herzog. 



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XXI 



Württemberg zum Herzogthum erhoben. 1495. 

I. Herzog obiger Eberhard im Bart oder der Aeltere, der Stifter. 

1495-1496. 

Gemahlin: seit 3. Juli 1474 die durch Geistes- und Herzensvorzüge wie 

vielfache Kenntnisse ausgezeichnete Barbara, des Markgrafen Ludwig III. 

Ton Mantua (aus dem Hause Gonzaga) und der Barbara, geborenen 

Markgräfin Ton Brandenburg, Tochter. 

Der Herzog war es, der einst bei einem grossen Festmahle 
der Herzoge von Sachsen auf dem Reichstage zu Worms in weitem 
Fürstenkreise, wo ein jeder von ihnen die Vorzüge seines Landes 
aufzählte, als seinen Buhm den hervorhob, dass er ohne Begleitung 
bei stockfinsterer Nacht im dichtesten Walde oder anf freiem Felde im 
Schoose eines jeden seiner Unterthanen sicher sich zu schlafen getraue. 

Bekannt ist, was Kaiser Maximilian L am Grabe dieses Her- 
zogs sprach, nämlich: «Hier ruht ein Fürst, klug und tugendhaft, 
wie keiner im Reich; sein Rath hat mir oft genützt.» 

II. Herzog. Obiger Eberhard IL, der Jüngere. 

Wiederholter Regierungsantritt 1496, t 1504. 
Gemahlin: seit 3. Juni 1465 die tugendhafte und allgemein hochge- 
schätzte Elisabeth, des Kurfürsten Albrecht Achilles von Brandenburg 

Tochter. 

Der Herzog dankt 1498 zu Gunsten seines Bruderssohnes 
Dlrich, resp. dessen Vormundschaft ab, und somit folgte auf ihn als 

HI. Herzog. Ulrich. 

Geb. 1487, BeglenxngMntritt 1498, t 1550. 

Sohn des vorbenannten Grafen Heinrich. 

Gemahlin: seit 1. März 1511 Sabina, Tochter Herzogs Albrecht IV. von 

Bayern-München, Schwestertochter des Königs Maximilian. 



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XXII 

Der Herzog führte nach Wiedererlanguug seines Landes durch 
Mithülfe des frommen Landgrafen von Hessen nach der Schlacht bei 
Lauffen 13. Mai 1534 die Reformation im Lande ein, wozu er 
Männer wie Brenz und Andrea auserwählte. Herzog Ulrich zeigte 
sich in seinem vielbewegten Leben als einen Regenten von ausser- 
gewöhnlicher Thatkraft. 

IV. Herzog. Christoph. 

Sohn des Vorigen. 

Einer der edelsten Fürsten, die jemals einen Thron inne gehabt haben. 

Geb. 1515, Regierungsantritt 1550, t 1568. 

Gemahlin: seit 24. Febr. 1544 Anna Maria, Tochter Georg's des Frommen, 
Markgrafen von Brandenburg-Baireuth. 

Der Herzog verbrieft seinem Oheim, dem oben erwähnten 
Grafen Georg (Sohn Graf Heinrich 1 s und der Gräfin von Salm), 
welcher sich auf seine Veranlassung mit Barbara, des Landgrafen 
Philipp von Hessen Tochter, vermählt hatte, Mömpelgard, durch welche 
Heirath er klüglich verhinderte, dass im Jahre 1593 Württemberg 
als eröffnetes Lehen an Oesterreich heimfiel. 

Herzog Christoph, durch eine harte Jugend geprüft, dem Schick- 
sal, in ein spanisches Kloster gesteckt zu werden, durch die Flucht 
entronnen, später noch am französischen Hofe in Gefahr, als Opfer des 
Neids durch Meuchelmord zu fallen, war Schöpfer und Vollender einer 
ganz neuen Ordnung der Dinge, und lebte bis zuletzt noch in dem 
grossen Gedanken, »dass doch einst mit dem Sturz aller Glaubenstyrannei 
eine einhellige Reformation unter allen christlichen Völkern zu Stande 
kommen und dass Gott der Herr den Deutschen so viel Gnade verleihen 
werde, darin voranzugehen. Zeit und Mittel aber wisse allein Gott.« 

V. Herzog. Ludwig der Fromme. 
Sohn des Vorigen. 

Geb. 1554, Regierungsantritt 1568, t 159a 

Gemahlinnen : I. seit 7. Nov. 1575 Dorothea Ursula, Tochter des Mark- 
grafen Karl II. von Baden-Durlach, kinderlos f 1583 j II. seit 10. Mai 



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XXIII 

1585 die fromme Ursula, Georg Johann's I. von Pfalz- Veldenz Tochter, 
welche ebenfalls kinderlos starb. 

In die Zeit des Herzogs fiel die Pariser Bluthochzeit, über die 

er eiust den Ausspruch that, >dasa, so lange die Welt stehe, der 

Rhein diese Gräuel dem französischen Könige nicht abwaschen 
werde." 

Dem Herzoge folgte in der Regierung sein Vetter: 

VI. Herzog. Friederich I. 

Geb. 1657, Regierungsantritt 1593, t 1608, 

ältester Sohn des oben erwähnten Grafen Georg von Württemberg- 

Mömpelgard. 
Der Herzog befreite sich von der österreichischen Afterlehen- 
schaft durch Bezahlung von 400,000 fl., welche die Landstände nach 
vieler Weigerung übernahmen. 

Gemahlin: seit 22. Mai 1581 Sibille, geb. Prinzessin von Anhalt. 

VII. Herzog. Johann Friedrich. 

Sohn des Vorigen. 

Geb. 1586, Regierungsantritt 1608, t 1628. 

Gemahlin: seit 5. Nov. 1609 Barbara Sophia, Prinzessin von Branden- 
burg« 

Ausbruch des dreissigjährigen Kriegs 1618. 

Der Herzog hinterliess 3 Söhne, von denen der älteste noch 
nicht 14 Jahre alt war, wesshalb Vormundschaftsregierungen zweier 
Brüder Johann Friedrictis eintraten. 

Ludwig Friedrich von Mömpelgard, Administrator. 

Geb. 1686» regierte von 1628 an, t 1631. 

Julius Friedrieh, Administrator, 
Bruder des Vorigen. 

Geb. 1588, f 1636, 

regierte bis 1633. 



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XXIV 

VIII. Herzog. Eberhard III. 

Sohn Herzog Johann Friedrichs. 

Geb. 1614, Regierungsantritt 1628, t 1674. 

Gemahlinnen: I. seit 26. Febr. 1637 Anna Catharina, Tochter des Wild- 

und Rheingrafen Johann Casimir von Salm-Kyrbnrg; II. seit 20. Juli 

1656 Marie Dorothea Sophie, Gräfin von Oettingen, deren Leben 

ein Spiegel schönster Tugend gewesen. 

Durch die unglückliche Schlacht bei Nördlingen, in der 4000 
Württemberger fielen (1634), wurde das Land der Schauplatz un- 
erhörter Verwüstung und Gräuelthaten. Von 450,000 Einwohnern 
blieben kaum noch 48,000 übrig. 

Fünf um Württemberg hochverdiente Männer fallen in diese 
Zeit als: Wiederhold, Löffler, Burkhard, Varnbüler und Johann 
Valentin Andrea. 

IX. Herzog. Wilhelm Ludwig, 

Sohn des Vorigen. 

Geb. 1647, Regierungsantritt 1674, f 1677. 

Gemahlin: seit 6. Nov. 1673 Magdalena Sibilla, Prinzessin von Hessen- 
Darmstadt. 

Auf den Herzog folgt sein einziger Sohu Eberhard Ludwig, 
bei des Vaters Tod noch nicht 1 Jahr alt. Daher Vormundschafts- 
regierung seines Oheims: 

Friedrich Carl, Administrator. 

Geb. 1652, t 20. Deoembcr 1698. 

Gemahlin: seit 31. Oct. 1632 Eleonora Juliana, Prinzessin von 
Brandenbnrg-Ansbach. 

X. Herzog. Eberhard Ludwig. 

Geb. 1676, Regierungsantritt 1677, t 1733. 

Gemahlin: seit 6/16. Mai 1697 Johanna Elisabetha, Prinzessin von 
Baden-Dnrlach. 

Gründet die Stadt Ludwigsburg. 



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XXV 

Da der Herzog zwei Jahre vor seinem Tode seinen einzigen 
Sohn, Friedrich Ludwig, 33 Jahre alt, verloren hatte, ging die 
Regierung auf den Sohn des vorerwähnten Administrators Friedrich 
Carl, Herzog Carl Alexander, zu der sogenannten Winnenthaler 
Linie gehörig, über. 

XL Herzog. Carl Alexander. 

Geb. 1684, Regierungsantritt 1733, t 1737. 

Gemahlin: seit 1. Mai 1727 Maria Angnsta, Prinzessin von Thurn und 

Taxis. 

Der Herzog hatte sich als Kaiserl. Feldmarschall in dem Tür- 
kenkriege einen grossen Kriegsruhm erworben. 

Nach einander folgten ihm seine drei Söhne auf dem Throne. 
Für den ersten kaum neunjährigen Carl Eugen übernahm die Vor- 
mundschaft : 

Karl Rudolf von Neuenstadt. Administrator. 

Neffe Ebtrhard's III. und Enkel des vorbenannten Herzogs Johann 

Friedrich.) 

Geb. 1667. Regierte seit J738, t 17. Nov. 1742. 

Herzog Karl Rudolph legte die Vormundschafts-Regierung 
schon 1739 nieder und an seine Stelle trat als Administrator bis 
1744 Karl Friedrich (Urenkel des bereits erwähnten Administra- 
tors Julius Friedrich) Herzog von Württemberg-Oels. t 1- Decem- 
ber 1761. 

XH. Herzog. Karl Eugen. 

Geb. 1728, Regierungsantritt 1744, t 1793. 

Gemahlinnen: I. seit 26. September 1748 Elisabeth Friederike Sophie, 

Prinzessin von Brandenburg- Bai reuth ; IL seit 2. Febr. 1786 Franrisca 

Theresia, geb. Freiin von Bernerdin, Reichsgräfin von Hohenhelm. 



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XXVI 

Der Herzog stiftete die hohe Karlsschule. 

Interessantes Manifest des Herzogs an seinem 51. Geburtstage. 

XIII. Herzog. Ludwig Eugen. (Karl Eugens Bruder.) 

Geb. 1731, Regierungsantritt 1798, t 1795. 

Gemahlin: seit 10. August 1762 Sophie Albertine, geb. Reichsgräfin 
von Beachlingen. 

XIV- Herzog. Friedrich Eugen. (Karl Eugeris und Ludwig 
Eugens jüngster Bruder), 

Geb. 1732, Regierungsantritt 1795, t 1797. 

Gemahlin: seit 29. Nov. 1753 Friederike Sophie Dorothea, Prinzessin 

von Branden burg-Schwedt, Nichte Fridrich's des Grossen Eine Ehe, 

welche, mit 8 Prinzen und vier Prinzessinnen gesegnet, die Erhaltung 

des Regentenhau868 sicherte. 

Der Herzog zog, bereits Canonicum in Salzburg und Constanz 
(1741), preussiche Kriegsdienste vor, und erwarb sich Ruhm im 
siebenjährigen Kriege, in welchem er schwer verwundet wurde. 

Vor seinem Regierungs-Collegium erklärte der Herzog: „Ich 
will Gerechtigkeit üben; denn auch ich trete früher oder später vor 
Gottes Richterstuhl." 

Sämmtliche Kinder wurden auf den Rath Friedrichs des 
Grossen in der lutherischen, als der Landesreligion, erzogen. 

XV. Herzog. Friedrich II., 

ältester Sohn des Vorigen. 

Geb. 1754, Regierungsantritt 1797. 

Unter ihm wird 



Württemberg Zurfürstentlmm 1803. 



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XXVII 



Königreich 1806. 



I. König. Friedrich L, vormals Herzog und Kurfürst. 

1806, f 1816, 

Gemahlinnen : I. seit 15. October 1780 Augusta, geb. Prinzessin Ton 

Brannschweig- Wolfenbüttel; II. seit 18. Mai 1797 Charlotte Auguste 

Mathilde, Tochter Georgs III., Königs Ton Grossbritannien. 

König Friedrich war ein Mann von vorzüglichen Geistesgaben, 
hoher politischer Weisheit, jedoch durchaus Autocrat. 

IL König. Wilhelm I. 

Geb. 27. September 1781, Regierungsantritt 1816, t 1864. 
Gemahlinnen: I. seit 18. Juni 1808 Charlotte Auguste, des Königs 
Maximilian I. von Bayern Tochter; II. seit 24. Jan. 1816 Catharina, 
Tochter Kaiser Paul's I. von Russland, geb. 21/10. Mai 1788, f 9- Ja- 
nuar 1819; III. seit 15. April 1820 Pauline, Prinzessin von Württem- 
berg, geb. 4. Sept. 1800, f 10. März 1873. 

Am Morgen des 30. Oct. 1816 verkündigte ein Manifest dem 
Volk den Begierungsantritt des neuen Königs mit der Zusicherung, 
dass „die Wohlfahrt und das Glück seiner Unterthanen das einzige 
Ziel seiner Bemühungen und dass es sein ernstes Bestreben sein 
werde, die Erreichung dieser hohen Zwecke durch eine dem Zeitgeist 
und den Bedürfnissen des Volkes entsprechende und seinen Wohlstand 
erhöhende Verfassung sicher zu stellen." Die Begierungsgeschichte 
des Königs Wilhelm ist nichts Anderes als die Verwirklichung dieses 
königlichen Wortes. 

in. König. Karl I. 

Geb. 6. März 1823, Snccedirt 25. Juni 1864. 

Gemahlin: seit 13. Juli 1846 Olga Nicolajewna, geb. 11. September 
(30. August) 1822, Tochter Nicolaus I., Kaisers von Russland, 



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XXIX 



Ahnentafel 

Seiner Königlichen Hoheit des Prinzen Wilhelm von Württemberg. 



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Andrea. 



Jacob Andreft, auch Schmidlin (Fabricins) genannt, theol. Dr., 
wurde den 25. März des Jahres 1528 zu Waiblingen geboren. Sein 
Vater war Jacob Endris *, »so dem Kriegswesen in Böheim, Ungarn, 
Frankreich und Hispanien nachgezogen, welcher Länder Sprach er 
kündig worden, 1527 2. Februar sein Mannrecht bekommen und 
Bürger zu Waiblingen worden ist.« Die Mutter war Anna, geb. Weiss- 
kopf, von Gundelfingen; der Grossvater Steffan II. Endris, Bürger 
in Mockelaw, aichstettischen Bisthums in Franken; die Grossmutter 
Anna, eine geb. Herdlin; der Urgrossvater Steffan I. Endris, welcher 
in Ingolstadt gestorben zu sein scheint, da er daselbst begraben 
wurde; die Urgrossmutter Elisabeth, geb. Holzapfel« 

Jacob, von seinem Vater nach dessen Einwanderung in Waib- 
lingen zum Schmid bestimmt (daher der Name Schmidlin), studirte 
in der Folge auf Anrathen des berühmten Reformators Dr. Schnepf 
Theologie und erhielt den Baccalaureusgrad im Kloster zu Hirsau, 
wohin sich damals ein Thoil der Professoren der Philosophie der Pest** 
wegen begeben hatte. Kaum 18 Jahre alt erhielt er das Diaconat 
bei der Stuttgarter Stadtkirche, wo er, der jüngste unter den fünf 



** Weitere Sohne desselben : Georg Endria, Bürger und Schmied in Waiblingen, 
FkQipp Andrea, Pastor in der Reichsstadt Giengen, Michael Emiria. 

** Zu Tübingen hielten, wie Crnsius in seiner „Schwäbischen Chronik" Frankf. 
1733 berichtet, zur Zeit dieser schrecklichen Seuche folgende Prediger bei ihren Schäfleln 
ans : Dr. Thtodoricua Schnepf, Pfarrer, und die drei Helfer M. Jacob Gering, M. Eliae 
Benign** (ein Johann Benignus Professor der Beredsamkeit daselbst und 1540 Decan der 
philosophischen Faculfcet hielt 1660 die Trauerrede über Herzog Christoph) t 1585 
10. Septbr. als Pfarrer zu Nürtingen, nebst M. Michael Otto; sämmtliche verwalteten ihr 
Amt treulich sowohl im Lehren als Krankenbesuchen. 

t. Georgii-Qeorgenau, Biographisch-Genealogische Blätter etc.. 1 



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— 2 — 

Geistlichen Stuttgarts, uebst seiner Gattin keineswegs vor den ein- 
dringenden Truppen des Herzogs Alba sein Heil in der Flucht suchte, 
sondern im Gegentheil alle Predigten und kirchlichen Handlungen 
übernahm, ja selbst den kaiserlichen Offizieren, welche sich zu den- 
selben und selbst zu Disputationen mit ihm herandrängten, durch seine 
Festigkeit Ach tuug und Vertrauen abgewann. Hierauf wurde er 1548, 
da auch er dem eingetretenen Interim (einer Verfügung des Augsburger 
Reichstages, bis zum Concilsbeschluss alles beim Alten zu lassen, in 
Folge dessen alle Mönche wieder das Land überschwemmten) weichen 
musste, von Herzog Ulrich, der ihn liebgewonnen, nach Tübingen be- 
rufen und 1549 daselbst zum Diaconus ernannt. Als nach dem 1550 
eingetretenen Tode des Herzogs diesem sein durch alle Tugenden 
ausgezeichneter Sohn Herzog Christoph * in der Regierung folgte 
und den Freund Luthers und Melanchthon's, den Reformator Würt- 
temberg^, Johann Brenz, zum Stiftspropst in Stuttgart und zu seinem 
vertrautesten Rathgeber in Kirchensachen gemacht hatte, Hess er 
Andrea mit Unterstützung aus den Kirchenmitteln doctoriren (1553) und 
setzte ihn zugleich zum Pfarrer und Superintendenten, später General- 
Superintendenten in Göppingen ein. 

Bald darauf leistete Andrea bei Einführung der Reformation 
in Nachbarländern, welche ihn dazu vom Herzoge sich erbaten, 
Dienste, so 1554 bei den Grafen von Oettingen und 1556 bei den 
Grafen von Helfenstein, bei dem Markgrafen Karl von Baden und 
in Rothenburg a. d. Tauber. 1555 musste Andrea den Herzog auf 
4en Reichstag nach Regensburg und dann nach Frankfurt begleiten, 
und im August sandte ihn sein Fürst mit Brenz nach Worms; 
1557 führte ihn der Letztgenannte in die litterarische Theilnahme 
an der erneuten Streitigkeit über das Abendmahl ein. 



* Kurz nach seinem Regierungsantritt Hess der Herzog die württembergische 
Confesslon auf dem Concil zu Trient übergeben (1551), welche von den päpstlichen 
Legaten unterdrückt, von auswärtigen Bischöfen gesucht, auch im Herzogthum Preussen 
als Vorschrift des Glaubens und der Lehre aufgestellt wurde. Die württembergischen 
Theologen aber waren die ersten Protestanten, welche sich in Trient vernehmen Hessen, 
gleich darauf folgten die sächsischen Abgesandten. 



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— 8 — 

Als 1561 Herzog Christoph von Catharina von Medwi und 
dem Könige von Navarra zu der Synode zu Poissy, (9. September bis 
13. Oktober 1561), welche die Schlichtung der zwischen den Päpst- 
lichen und den Hugenotten obwaltenden Streitigkeiten bezweckte, um 
Ueberlassung einiger bedeutender Theologen, wohl nur um den Herzog 
von den französischen Reformirten und deren Unterstätzung so viel als 
möglich abzuziehen, gebeten worden war, sandte der Herzog Andrea, 
sowie Dr. Beurlen und Dr. Balthasar Bidenbach unter Beigabe des 
in der französischen Sprache besonders bewanderten Edlen Melchior 
von Salhausen dahin ab. Nach 16tägiger Reise kamen dieselben in 
Paris an, wo sie jedoch das Collegium bereits aufgelöst fanden. Der 
Bischof Montluc benutzte dabei die Gelegenheit, Andrea gegen den noch 
in Paris weilenden Beza aufzubringen, welcher »die Anerkennung der 
Augsburgischen Confession verweigert habe, wozu sich doch der Cardinal 
Guise erboten habe. « Andrea und Bidenbach übergaben dem Könige 
von Navarra ihr Gutachten, die Augsburgische Confession betreffend, er- 
hielten indess keine Antwort darauf. Was Dr. Beurlin betrifft, so sollte 
derselbe nicht mehr in's Vaterland zurückkehren. Nach ihrer Ankunft 
in Paris nemlich waren die Abgesandten in Erwartung des könig- 
lichen Befehls in das Collegium des Königs geführt worden, woselbst 
Dr. Beurlin mit der Einsichtnahme der dortigen, aus den besten 
Schriftstellern bestehenden Bibliothek beschäftigt, plötzlich von einer 
Krankheit überfallen wurde, welche anfangs für eine Erysipelas (Roth- 
lauf) gehalten, sich bald als die in diesem Collegium grassirende Pest 
entpuppte, von deren Vorhandensein die Abgeordneten zu unterrichten 
man nicht für nothwendig gehalten hatte. Beurlin starb .den 28. 
October und wurde in Paris in dem dortigen heiligen Kreuz Kirchhofe 
beigesetzt. 1562 nahm der Herzog auf inständiges Bitten der vier 
Brüder Ghtise, insbesondere des Cardinais von Lothringen, persönlich 
nebst Brenz, Andrea und Bidenbach an dem in Elsass-Zabern abzu- 
haltenden Colloquium Theil. Auf demselben gelobten die Guisen mit 
Handschlag dem Herzoge, dass sie nicht wieder gegen die Hugenotten 
mit Heftigkeit und Gewalt vorgehen wollten. Trotzdem richteten 



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— * — 

gerade die Guisen auf dem Rückweg das bekannte Blutbad von Vassy 
an, womit sie die Hugenottenkriege begannen, die in der Pariser 
Bluthochzeit 24725. August 1572 und in dem darauf folgenden 
allgemeinen Blutbade gipfelten. 

Von Tübingen aus verkehrte Andrea viel und gerne mit dem 
aus altadligem Geschlechte stammenden Johann von Au in Wachen- 
dorf, (dessen erste Gemahlin Bosine, Markgräfin von Baden, war), einem 
durch Tugend wie durch Weisheit, Frömmigkeit und Grossmüthigkeit 
ausgezeichneten Manne, und half ihm seine Kirche der Augsburgischen 
Confcssioii gemäss reformiren. Johann von Au starb 1571, 29. October, 
nachdem ihm am 27. August desselben Jahres seine zweite Gattin, 
Maria, geb. von Ncuneckh, im Tode vorangegangen war. Nach 
dem im Jahre 1615 erfolgten kinderlosen Ableben des Neffen des 
Johann von Au fiel Wachendorf an die noch heutzutage blühende 
Linie v. Ow-Felldorf und wurde trotz des fürsorglichen Testaments 
Johann 1 s nach und nach wieder zum Katbolicismus zurückgebracht. 

Der Herzog selbst lernte in der Folge Andrea immer mehr 
schätzen, zog ihn zu allen seinen mit Brenz auszuarbeitenden kirch- 
lichen Aufgaben und ernannte ihn zuletzt an Stelle des verstor- 
benen Dr. Beurlin zum Propst und Kanzler der Universität Tübingen, 
ein Amt, das Andrea bis zu seinem Tode bekleidete. 

1565 ging Andrea mit Abt Christoph Binder nach Hagenau, 
wo er den Magister und Dr. der Theologie Philipp Heerbrand als 
Pfarrer einsetzte; nach dessen 1575 daselbst erfolgtem Tode wurde 
M. Georg Volmar dahin abgesandt. 

Zu. wie viel Fürsten und Grafen, zu wie viel Reichsstädten 
Andreü, dessen Verstandes- und Weisheitsruf überall hin sich ver- 
breitet hatte, zu Reformirung ihrer Territorien in der Folge reisen musste, 
zu welcher Masse von Disputationen und Gesandtschaften er von 
seinem Herzoge erwählt wurde, ist allgemein bekannt und folgen hier 
nur einige davon: Nach dem Tode Herzog Heinrich 1 s von Braun- 
schweig, des alten Gegners von Luther, zu dessen Nachfolger dem 
Herzoge Julius 1568, zu den Kurfürsten Joachim IL von Branden- 



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— 5 - 

borg und August von Sachsen, zu den Seestädten und nach 
Dänemark. 

Selbst Kaiser Maximilian besprach sich einst zu Prag, 16. 
und 17. März 1570, privatim mit Andrea über die Concordienformel, 
lobte dessen Weisheit und entliess ihn huldvollst. 

Im Jahre 1576 folgte Andrea, nachdem er in der Zwischenzeit 
im Süden Mömpelgard, Strassbnrg, Memmingen, Hagenau, Aalen, 
Lindau, Pfalz-Neuburg und Eegensburg bereist und viele Disputationen 
daselbst gehabt hatte, abermals einer Einladung nach Kursachsen, 
war zugleich im Kloster Bergen bei Magdeburg ein thätiger Mitarbeiter an 
dor »Concordienformel«* und disputirte 1586 auf Wunsch des Herzogs 
Friedrich von Württemberg mit seinem alten Gegner Beza zu 
Mömpelgard. 

Die letzte öffentliche Verhandlung Andreas fand statt bei dem 
Colloquium zu Baden 1589, wo er mit dem wieder katholisch ge- 
wordenen Dr. Johann Pistorius Niddanus, Sohn des frommen und 
gelehrten Hessischen Superintendenten Pistorius, disputirte. In diesem 
Jahre äusserte Andrea noch bei voller Gesundheit gegen seinen Freund, 
den Dr. und Professor der Theologie Jakob Heerbrand, »sein Geist 
verkündigo ihm, dass er nicht länger lebend bleiben werde, er habe 
seinen Lauf vollendet.« Von Baden nach Stuttgart zurückgekehrt 
(1589 December), erkrankte A ndreä an einem heftigen Catarrhfieber, 
wozu sich in der Folge noch starker Husten gesellte. Den 6. Januar 
des folgenden Jahres (1590) liess er den ßector und Senat der 
Universität zu sich bitten und bekannte ihnen, dass er mit der christ- 
lichen Lehre, welche er 44 Jahre lang mündlich und schriftlich ge- 
lehrt, fröhlich vor dem Kichterstuhl Christi erscheinen wolle; dessen 
zum Zeugniss habe er sie zu sich gebeten, da er wohl wisse, dass 
Papisten und Calvinisten das Gerücht ausstreuen werden, er sei eines 
schrecklichen Todes gestorben, ßector und Senat nahmen diess auf 



* Andrea erhielt, nachdem er die Concordienforniel unterschrieben, von dem 
Kurfürsten August von Sachsen 1580, 2L Dez., beim Abschied einen vergoldeten Pokal 
von 73 L*oth. (Auf einer alten Gopie seines Wappenbriefes bemerkt.) 



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— 6 — 

Wunsch des Sterbenden zu Protokoll, und sorgten für die Veröffent- 
lichung. Die am Schluss der Urkunde befindliche Beglaubigung lautet. 
»Actum wie obstehet uff Zinstag, den 8. tag Januarij, gleich nach 
der Morgenpredig zwischen 10 und 11 Ubr. Anno 1590. In gegen- 
wertigkeit nachfolgender hiezu beruffener Personen, benantlich: Dr.^in- 
dreas Planeri, Rectoris; Dr. Joannis Brentij; Dr. Joannis Georgij 
Sigwardi, parochi; Dr. Nicolai Varenbüleri, Decani Juris; Dr. Ana- 
stasii Demleri, Jure consulti ; Dr. Georgij Hanibergeri, Decani Medi- 
cinae ; Dr. Phüippi Gramen, Medici ; M. Georgij Liebleri, Decani Artium ; 
M. Christophori Stehelin, M. Eberhardi Bidenibachij, Diaconorum.« 

Den folgenden Tag, nachdem Andrea die Nacht theilweise im Sessel 
sitzend zugebracht, legte er sich um 7 Uhr Morgens zu Bette und 
sagte zu dem neben ihm sitzenden Pfarrer: »Mein lieber Pfarrer, 
es muss geschieden sein, da wird nichts anders aus«; ferner: »in 
manus tuas, Domine, commendo spiritum meura«. Als ihm hierauf 
sein zunächst stehender Sohn M. Johann ins Ohr rief: »Ob er 
nun glaube, dass ihm hinfort die Krone der Gerechtigkeit beigelegt 
würde«, sah er ihn mit weitgeöffneten Augen an, nickte ihm zu, ant- 
wortete mit stockendem Athera »Ita« (Ja), und entschlief sanft. 

So verschied im Jahre 1590 den 7. Januar Morgens zwischen 
8 und 9 Uhr der Mann, welcher seit dem Tode des berühmten Refor- 
mators Johann Brenz, als das eigentliche Haupt der württember- 
gischen Kirche galt, der sich um Württemberg wie um viele evan- 
gelische- Kirchen des Auslandes ein bleibendes Verdienst erworben hatte, 
und stets für die Einigkeit der lutherischen Kirche thätig gewesen war, 
seines Altere im 62., seines Predigtamts im 44. Jahre. Die würt- 
tembergische Kirchen-Verfassung, die er im Auftrag Herzog Christophs 
mit Brenz ausgearbeitet und eingeführt, ist im wesentlichen die bis 
heute gebliebene (Synodus, General- und Special-Superintendenzen 
u. s. w.). Andrea hat über 150 grossen theils deutsche Schriften verfasst. 

Seine I. Gattin war Anna, geb. Entringer, (t 23. Juli 1583), 
deren Vater im Alter von 103 Jahren starb, welcher Ehe 9 Söhne 
und 9 Töchter entsprossten, von denen 4 Söhne und 4 Töchter den 



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- 7 — 

Vater überlebten; die IL war Regina, geb. Prenzinger von München, 
kinderlos t 16. September 1591. Beide ruhen auf dem alten Tübinger 
Kirchhofe, und ihre Namen finden sich heute noch auf ein und dem- 
selben Grabstein verzeichnet. Die Kinder Andreä's, soweit über sie 
Näheres bekannt ist, sind: 

I. Susanna Andrefi, geb. 1552, verm. mit dem Herzoglich 

Württemberg. Consistorial-Director Balthasar Eisengrein. 
II. Blandina, geb. 1557, verm. mit dem Med. Dr. Anton 

Schweickhardt. Derselbe war ebenfalls bei Abfassung des 

vorbenannten Protokolls zugegen. 

III. Maria, geb. 1560, verm. I. mit dem Pfarrer in Mühringen 
J. Georg Schütz; II. mit dem Professor zu Tübingen, Johann 
Harpprecht. 

IV. Coroua, verm! mit dem Med. Johann Jacob Freu 

V. Hedwig, geb. 1571, verm. mit dem Abt zu Lorch Johann 
Magirus. 

VI. Jacob, geb. 1549, Pfarrer zu Hagenloch 1569, zu Duss- 
lingen 1573, zu Metzingen 1588, welch letztere Pfarrei er 
1617 mit der des Specials M. Ulrich Pauli zu Kirchentellins- 
furth vertauschte. Er starb, nachdem er noch einige Zeit vorher 
neben seiner Pfarrei das Decanat des Capitels zu Reutlingen 
bekleidet hatte, 1630, 14. September, seines Alters im 
81., seines Predigtamts im 60. Jahre. Seine I. Gattin war 
Anna, eine Tochter des Herzoglich Württembergischen Raths 
in Stuttgart Caspar Beer, mit welcher er die Verlobung in 
dem Closter zu Denkendorf bei dem Probst Bartholomäus 
Käs, die Hochzeit aber zu Tübingen in der Probstei (1571, 
9. Januar) gefeiert hatte; die II. Catharlna, geb. Mann, 
welch' letzterer Ehe 9 Söhne und 4 Töchter entsprossen sind. 

Vü. David, geb. 1551, Pfarrer zu Hagenloch, zu Jesingen bei 
Tübingen, zu Gültstein 1576 — 1585, verm. I. mit Agnes 
Greis (Oreinsin); II. mit Margaretha Godelmann. Er 
starb 1588 mit Hinterlassung von 6 Töchtern und einem 



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- 8 — 

Sohne Namens Jacob, welcher Pfarrer in Haslach war, und 
ebenfalls Nachkommen hatte. 

VIII. Ulrich, Med. Dr. und Physikus zu Lindau 1588, verm. 
mit Ursula Franz, welcher Ehe zwei Töchter entspros- 
sen sind; diese verheiratheten sich beide mit Mitgliedern 
der Familie Mögling , nemlich Anna mit Med. Lic und 
Physikus zu Heilbronn, nachmals in Calw, Johann David 
Mögling; Regina« Blandina aber mit dem Med. Dr. und 
Professor zu Tübingen Johann Ludwig Mögling. 

IX. Daniel, Curiao Württemberg. Collega t 1615. 

X. Johann, Special zu Herrenberg 1 589 , nachmals auch 
Herzoglich Württerabergischer Rath und Prälat zu Königs- 
bronn 1591, verm. mit Maria, des Vogts von Herrenberg, 
Valentin Moser Tochter. Dieser Ehe entsprossten : 

1. Anna Andrea, geb. 1580, verm. mit dem Vogt von Hoideu- 
heim Sixt Brauch. 

2. Margaretha, geb. 1584, verm. mit dem Pfarrer von Pfaffen- 
hofen Johann Balthasar Plieninger. 

3. Regina, geb. 1592, verm. I. mit dem Med. Dr. und 
Physikus zu Aalen Sebastian Hesch; II. mit dem Med. Dr- 
und Professor zu Tübingen Balthasar Simonius. 

4. Jacob, geb. 1577, Pfarrer zu Birkenfeld, verm. mit 
Margaretha, geb. Hof mann, welcher Ehe 7 Kinder ent- 
sprossen sind. Er starb 1631, 11. Februar. 

5. Johann, Pfarrer zu Oberkirch 1608, zu Hochdorf 1610, zu 
Beilstein 1616, 1 1620. Seine Gattin war Barbara, ältere 
Tochter des Pfarrers zu Poppenweiler, M. Josua Orüninger. 

6. Johann Ludwig, Feldprediger, t 1610, 9. August. 

7. Johann Valentin Andrea. 

Geboren den 17. August 1586 zu Herrenberg, verlor Johann 
Valentin Andrea in seinem 15. Jahre den Vater, wurde im 19. Jahre 
Magister und ertheilte schon im 20. Schülern Unterricht, wodurch er sich 



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— 9 - 

jährlich die für die damalige Zeit hohe Stimme von fl. 100 verdiente ; 
damit ersparte er sich nach und nach so viel, um auf seine Kosten die 
Universitäten Strassburg, Laningen in der Oberpfalz und Heidelberg zu 
besuchen, auch eine Reise über die Schweiz nach Paris auszuführen. 
In neun Jahren, seit er das mütterliche Haus verlassen hatte, kostete 
er, wie er selbst sagt, die Seinigen nicht mehr als 50 Gulden, von 
denen er in der Folge 20 wieder ersetzte. Schon in damaliger Zeit 
verfaaste Andrea mehrere Aufsätze. 1607 war er Hofmeister bei 
den jungen Freiherren von Catianer in Lauingen, 1608 aber bei den 
jungen Truchsessen Heinrich und Burkar d von Hö fingen. Zu Anfang 
des Jahres 1610 begab er sich zu seinem Bruder, dem Feldprediger, 
inV Lager nach Dachstein im Elsass und wohnte der unglücklichen 
Belagerung bei, reiste in der Folge, da er wegen eines im Jahr 1 607 
stattgehabten Excesses mit österreichischen Commilitonen keine Aussicht 
auf eine geistliche Anstellung hatte, zu einem längeren Aufenthalt nach 
der Schweiz, resp. hauptsächlich nach Genf, wo wenige Jahre zuvor 
Beza gestorben war. 1611 nahm er abermals eine Hofmeisterstelle 
an und zwar bei dem Sohne des Philipp Eberhard von Gemmingen, 
Herrn zu Eappenau und Buttenhausen, in Rappenau, welch' letztge- 
nannten Schüler er auf die Universität Tübingen geleitete. Hierauf 
reiste er nach Oesterreich und Italien über Ulm, Lauingen, Donau- 
wörth, Ingolstadt, Passau, Linz, Kärnthen, Venedig, (unterwegs von 
Banditen verfolgt und nur durch die Klausen nach Treviso entronnen), 
Padua, Vicenza, Verona, Rom und kehrte über Trient, Brixen, Inns- 
bruck, Landsberg und Augsburg, in welch letzterer Stadt er von der 
ihm anverwandton Familie Werner Seuters, einst Consulenten 
des Staats, freundlichst aufgenommen wurde, wieder in's Vaterland 
zurück. 

In demselben Jahre noch (1612) hospitirte er eine Zeit lang 
im Stipendio illustri zu Tübingen, cultivirte gleichzeitig die hebrä- 
ische, griechische, französische, italienische und spanische Sprache, 
hielt ein später im Druck erschienenes Collegium mathematicum (1613) 
— welcher Wissenschaft er sich schon von Jugend auf mit grosser Vor- 



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— 10 - 

liebe gewidmet hatte — und übte sich auch daneben in der Mechanik 
und allerhand sonstigen künstlichen Arbeiten. 

Im Jahre 1614 wurde er Diaconus in Vaihingen an der Enz, 
als welcher er Tag und Nacht seine Studien fortsetzte, auch nicht 
weniger als 26 Tractätlein und Bücher daselbst schrieb. In diese Zeit 
fallen, wie Griesinger in seinem „Universal-Lexikon von Württemberg, 
Hechingen und Sigmaringen 4 * Stuttgart und Wildbad 184t sagt: 
,,8eine so sehr missverstandene Schriften: „Beformen der ganzen 
weiten Welt," „Fama fraternitatis" und die schon um 1604 geschriebene, 
aber erst 1616 gedruckte „Hochzeit des Christian Rosenkreuz". In 
seinem Plane hatte nemlich von Jugend auf die Stiftung einer Gesell- 
schaft gelegen, welche durch rein geistige Mittel die Verbesserung der 
ganzen Welt bewirken sollte. Durch diese Schriften nun ward er die 
Veranlassung zu den nachmaligen Rosenkreuzerischen Ordensverbin- 
dungen, die sich später durch ganz Europa verbreiteten . Er hatte indess in 
diesen Schriften nichts gethan, als seinen Entwurf zur politisch-religiösen 
Weltverbesserung in ein poetisches Gewand gekleidet ; allein eben dess- 
wegen ward er missverstanden. Von dieser Zeit an schlug er daher 
einen andern Weg ein und suchte durch beissenden Witz die Thor- 
heiten, Verkehrtheiten und Ceppigkeiten seiner Zeit ins rechte Licht 
zu stellen. 

1618 reiste Andrea in wichtigen Geschäften nach Oesterreich. 
1620 wurde er Special-Superintendent in Calw, welchem Amt er als 
ein wahrer Bischof dieser Stadt 19 Jahre lang vorstand. In diesem Zeit- 
raum war er jedoch grossen Widerwärtigkeiten ausgesetzt, denn nicht 
nur wurde die ganze Stadt nach der blutigen Nördlinger Schlacht von 
dem Kurbaierischen Eriegsvolk überfallen, ausgeplündert, in Brand ge- 
steckt, wobei (abgesehen von allen von ihm besessenen künstlerischen 
Antiquitäten und Raritäten, seinen Dürer und Holbein) seineAmtswohnung, 
der grössteTheil seines Vermögens, seine ganze Bibliothek, sowie die uner- 
setzbaren Manuscripte seiner Vorfahren und anderer gelehrten Theologen 
sammt seinen eigenen zu Grunde gingen. Er selbst musste mit Frau und 
Kindern in den Wäldern und Bergen umherirren, überdiess trat auch 



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— 11 — 

gleich darauf Pestilenz, Theuerung und Hungersnoth ein. Dennoch 
vergass er der eigenen Noth und wnsste grosse Summen für die 
Kranken und Verarmten herbeizuschaffen. Im Jahre 1638 wurde 
die Stadt aufs Neue von der Besatzung zu Philippsburg Oberrum- 
pelt und geplündert, so dass er sich zu flüchten genöthigt sah. 
Kaum sollte man es für möglich halten, dass ein so sehr geprüfter 
Mann, wie Andrea, der in den Wäldern und auf den rauhen 
Bergen nur mit Mühe und Noth den ihm nachsetzenden feind- 
lichen Soldaten entrinnen konnte, dem von einem Musquetier auf 
der Strasse eine Kippe mit einer Musquete entzwei gestossen wor- 
den, der, während 773 Personen in der Stadt Calw von der Pest 
dahingerafft wurden , standhaft auf seinem Posten geblieben war, 
dennoch den Muth hatte, seine Arbeit zur Hebung dieser Stadt von 
Neuem zu beginnen. Aber „In te Domine speravi" (auf Dich, Herr 
traue ich), sagt er selbst, „war allezeit mein Losungswort". Damit 
stiftete er nicht nur im Verein mit Demnüer, JDörtenbach, Schau- 
ber, Schill* und anderen Kaufherren mehr das bekannte Färberstift 
zur Unterstützung von Kirchen und Schulen, für Arme und Kranke, 
eine Anstalt, die er dem Unglücke der damaligen Zeiten entgegen- 
setzte, sondern verschaffte auch der Stadt durch seine Verbindungen 
im In- und Auslande so viel Hülfe, dass sie sich in kurzer Zeit 
wieder erholen konnte. Als 1624 die verwittwete und fromme Her- 
zogin Ursula aus dem pfälzischen Hause Veldenz, im Kloster Hirsau 
Wohnung nahm, um von da aus das Liebenzeller Bad zu gebrauchen, 
Hess dieselbe Andrea mehrmals zu sich rufen, um sich in Privat- 
angelegenheiten Eaths bei ihm zu erholen, correspondirte auch in spä- 
terer Zeit noch viel mit ihm und beschenkte ihn reichlich. Auch ihre 
Oberhofmeisterin, Anna Maria Stimmelin, aus denT Stamme der von 
GülÜingeti, die damals bei Andrea** Wohnung nahm, war eine Gön- 



* Alle 4 altangesehenen Calwer Familien entsprossen. 

** Amdreä erwarb um diese Zeil auch ein Landgut tu „Kürpach*, Oberamt« 
BraeltnheUn, 9 Kirpach M , der sogenannte Thlergarten im Zabergau, wo ehemals die Ober- 
forttmeister dea Strombergs wohnten. 



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— 12 — 

nerin Andreas. 1 639 wurde er Herzoglich Württembergischer Hofpre- 
diger und Consistorialrath, als welcher er die Cynosura (eine Kirchen- 
ordnung) zu Stande brachte, hierauf Dr. der Theologie 1541 (1642), 
Geistlicher und Kirchen-Rath des Herzogs August von Braunschweig und 
Lüneburg, mit dem er in fortwährender Correspondenz stand, so dass 
er innerhalb 21 Jahren 600 eigenhändige Briefe dieses Herzogs empfing. 
Es folgt hier ein kleiner Auszug aus einem Briefe Andreas* 
an diesen Herzog, d. d. 1642 am Tage des heiligen Andreas, aus 
welchem Andreä's Lebensanschauung ersichtlich wird: 

„Dem Durchlauchtigsten Fürsten und Herrn, Herrn 
August, 
Herzoge von Braunschweig und Lüneburg, 
seinem gnädigsten Herrn, 
Heil und Glüke! 
Vor Dir, Durchlauchtigster und mächtigster Herzog! einem der 
Magnaten Deutschlands, erscheine ich, ein deutscher Mann, vor dem 
Luther'schen Fürsten ein Lutherischer Theologe, vor dem, der den 
christlichen Staat auf seinen Schultern trägt, ein Glied des christ- 
lichen Körpers, vor dem Vertheidiger der Wahrheit ein Bekenner der 
Wahrheit, vor dem Retter der Rechtschaffenheit ein Anhänger der 
Rechtschaffenheit, vor dem Muster des Guten ein Verehrer des Guten, 



* Andrea scheint überhaupt mit diesem Fürsten (er correspondirte übrigens 
mit 3 BraunschweJgischen Prinzen) auf dem intimsten Fusse gelebt zu haben, denn in 
seiner von ihm selbst verfasgten Biographie schreibt er unter Anderem: 

„Von August erhielt ich ein doppeltes, eines August's würdiges, Geschenke von 
Golde, das erste den 23. Okt. sein Bild in der Gestalt eines Nachdenkenden, das zweite 
am 23. Dez. ebendasselbe geharnischt, von einem Werthe von 300 Gulden, wodurch mein 
Hauswesen — ewiger Dank seie ihm! — sehr unterstützt wurde." 

Auch von anderen Seiten bekam Andrea vielfach Geschenke ; so verzeichnet er u. A. : 

„Meine häuslichen Umstände wurden durch einige kleine Geschenke unterstützt, 
unter denen die vorzüglichsten ein Pokal von der regierenden Herzogin und ein künst- 
lich gestochener Jaspis, welch letzteren mir „die drei württembergischen Grazien" (drei 
Schwestern des Herzogs) verehrten. 

Ebenso sandte ihm Herzog Ernst von Gotha, der Andres ausserordentlich hoch- 
schätzte und den hinwiederum Andrea als unvergleichlich darstellt, ansehnliche Ge- 
schenke, wie auch die Herzogin Sophia Elisabetha, geb. Prinzessin von Mecklenburg (t 1676), 
einen kostbaren Diamant. 



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'— 13 - 

vor dem Inbegriffe der Gelehrsamkeit ein schwaches Werkzeug der 
Gelehrsamkeit, vor dem Rächer der Unschuld ein, trotz seiner Un- 
schuld, angeklagter Mann ; und lege diese Geschichte meines, unter 
so mancherlei Schicksalswechsel und den Zeitstürmen herumgeschleu- 
derten, Lebens vor dem Altar Deiner Frömmigkeit und Herzensgüte 
demütbig nieder etc. etc. etc. So betreibe und wünsche ich dieses ein- 
zige, dass Verbindung der wahren Religion mit einem rechtschaffenen 
Leben als der Hauptgrund des christlichen Lebens festgesetzt, und 
durch meine sowohl weltliche als geistliche Bemühungen befördert werde. 

Aber freilich, das verabscheut Satan ! Seine Geheimnisse, die er 
in pseudo-evangelischer Hülle aufdrängt, will er nicht verrathen lassen. 
Er duldet nichts offenes, nichts aufrichtiges, ernsthaftes, gründliches. 
Alles soll maskirt, gefärbt, übertünkt sein. Denn die Welt, die von 
ihm regiert wird, glaubt nicht, was sie bekennt, und, was sie glaubt, 
bekennt sie nicht. Was sie sagt, thut sie nicht, und sagt nicht, 
was sie thut. Was sie verlangt, will sie nicht, und verlangt nicht, 
was sie will. Was sie lehrt, weiss sie nicht, und was sie weiss, 
lehrt sie nicht. Jammernd lacht sie, und mit Lachen jammert sie. 
Sie heischt Geld, und verkauft Wind. Sie lobt das Licht, und liebt 
die Finsterniss, verbeut die Lügen, und hasst die Wahrheit, reicht 
das Gerade dar, und drängt das Krumme auf, verspricht alles, um 
nichts zu halten, sucht den Himmel, den sie flieht, meidet die Hölle, 
in die sie sich stürzt, betet mit dem Munde an, den sie im Herzen 
verläugnet, und erbaut mit der Zunge, was sie durch die That zer- 
stört. So ist alles Larve der Menschen und Hülle des Satans! 

Dass ich nun diesen Wind und Schaum, dieses Schattenspiel, 
diese Seifenblasen oder wonn's noch etwas leichteres giebt, als das 
leichteste, durch Erfahrung — der göttlichen Gnade sei es gedankt! 
— im Innersten kennen lernte, und mit lauter Stimme tadelte, reuet 
mich nicht im Geringsten. 

Zwar ist meine Absicht, mit treuer Thätigkeit in Unschuld ver- 
banden, all diese Täuschungen aufzudecken und zu strafen, Deiner 
Hoheit schon längst bekannt, und hat mir auch, wenn ich nicht irre, 



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— 14 — ' 

Deine Gnade erworben. Daher möchte es überflüssig scheinen, vor Dir 
ein weitläufiges Zengniss abzulegen, weil so wohl meine Schriften laut 
davon reden, als auch meine guten Gesinnungen durch Privatbriefe 
Dir hinreichend bekannt sind. Allein da durch den schrecklichen 
Calwer Brand alles, was ich in dieser Absicht sorgfältig ausgearbeitet 
hatte, nämlich, mein Theophilus und die Apologie meiner Arbeiten 
und meines Charakters, zu Grunde giengen, und nicht leicht bey dem 
anhaltenden Sturme von Geschäften wieder hergestellt werden können, 
so glaubte ich, eine aufrichtige Darstellung meines kummervollen 
Lebens — das einzige, was, bei treuen Freunden hinterlegt, von 
dem Feuer unbeschädigt blieb ! — Deiner Hoheit vorlegen zu müssen. 
Aus dieser kannst Du mich nun nicht nur näher kennen lernen, und 
davon, wenn Dir gefällig ist, für Dich Gebrauch machen, sondern 
ihr auch, durch Dein grosses Ansehen und Deine ausserordentliche 
Klugheit, bei andern Beifall verschaffen, und so die Sache des 
Christenthums , auf die es hier allein ankömmt, von der Hinterlist 
des Satans, die er mir durch beissende Verleumder stellt, klüglich und 
mächtiglich retten. Nach Deiner übergrossen Gütigkeit wirst Du 
auch wollen und kannst mir noch bei meinem Leben oder todt nach 
Deiner Macht diese Gunst erweisen, als warum ich Dich bei allem, 
was heilig ist, bitte. Dieses Lob Deiner Gnade will ich vor dem 
Richterstuhle Christi, im Angesichte aller heiligen Streiter, namentlich 
auch eines Luthers, Brenz, Andrea, Arnd, Hafenreffer, GerJiard, 
und anderen treuen Hirten der göttlichen Heerde gegen die Eitel- 
keitskrämer, Schwäzer, Bauchpfaffen, pseudo-evangelische Feueran- 
bläser, Böke und Schweine, niederlegen. Lebe wohl, Du Krone der 
Fürsten. 

Geschrieben zu Stuttgardt, am Tage des heil. Andreas 1642 
Deiner Durchlaucht 

unterthänigster Verehrer 

Joh. Vol. Andrea, 

der Theol. Dokt. 

eigenhändig/' 



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- 15 - 

Im Jahre 1650 kam Andrea als Abt nach Bebenhausen, von 
wo ans er sich zu seiner Erholung* im Monat Mai über Stuttgart nach 
Calw begab; von dort aus wartete er in dem nahen Teinach dem 
Herzoge und dem Hofe auf, besuchte sodann den Einsidel, durch den 
Herzog Eberhßrd I. im Bart sein Andenken verewigt hat,* und fand an 
einem alten Thurme Spuren der alten Zeit, indem da eingehauen war : 
„Attempto (ich wags!) angefangen 1482" (10 Jahre nach dieser Zeit 
erfolgte die Stiftung des Klosters zu St. Peter im Schönbuch), er- 
neuerte seine Freundschaft mit dem Commandanten Conrad v. Wieder- 
hold, und kehrte wieder nach Bebenhausen zurück. 1651 übernahm 
er die General-Superintendenz über die Kirchen, und begab sich 
bald darauf zum Landtage nach Stuttgart. Als er im Jahr 1652 
ziemlich erkrankte, besuchte ihn die Prinzessin Antonio,, < die in die 
Reihen der gelehrten Prinzessinen** gehörende Tochter des Herzogs 
Johann Friedrich von Württemberg, in Begleitung des Grafen von 
Solms, des englischen Grafen JRobert Mandeville, des Herrn von 
Münchingen und von Flemming. 

1653 kehrte Herzog Eberhard III. auf einer Schweinsjagd 
begriffen mit einem zahlreichen Gefolge in Bebenhausen *** ein, 
indess konnte ihm Andrea Krankheits halber nicht aufwarten, 
dafür ihn dann die Prinzessin Anna Johanna mit der Gräfin 
Stolberg besuchte. 1654, im Monat Februar, wurde Andrea als 
Abt nach Adelberg versetzt, musste jedoch schon Ende März als Mit- 
glied des engeren Landschaftsausschusses nach Stuttgart reisen, wo 



* Daselbst, sagt Andrea in seiner Selbstbiographie, ist auch der Hagdornbaum, 
der, zu 52 Ellen ausgebreitet, auf 40 Säulen ruht, nach der Sage von Jerusalem gebracht, 
und zum Andenken da verpflanzt wurde. 

** Ein Andenken von ihr ist die in der Kirche zu Teinach aufgehängte Tafel, 
Turris Antonia genannt, die zu erklären Dr. Raith eine nachher gedruckte Predigt hielt. 

Antonien'» Lehrer im Hebräischen und in der Cabbala war der Pfarrer zu 
Monster bei Cannstadt, M. Joh. Jacob StrSlin. 

*** Seifbold In der von ihm im Jahre 1799 herausgegebenen Selbstbiographie 
Valentin Andrea' 's sagt: 

Wegen des nahen Schönbuchs ist immer eine Niederlage von Jagdgeräthen im 
Iloster Bebenhausen. Zur Sitte jener Zeit scheint zu gehören, dass auch Hoffrauen- 
zünmer auf die wilde Schweinajagd giengen. 



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— 16 — 

er den 27. Juni desselben Jahres, als er eben im Begriff war, einen 
noch an demselben Tage Mittags an Herzog August diktirten Brief 
zu unterschreiben, auch noch die zwei ersten Buchstaben seines Namens 
zusammengebracht hatte, am dritten vom Tode gehemmt, im Beisein 
der Schwester des Herzogs Eberhard, Anna Johanna , % und 7 Geist- 
licher Abends 7 Uhr seinen Geist aufgab. 

Noch kurz vorher hatte er bestimmt, man solle seinen Leich- 
nam auf dem Kirchhofe ausserhalb der Stadt unter dem freien Himmel 
zu anderer Christen Körper begraben und mit seinem Begräbniss kein 
Gepränge treiben, da es lauter Eitelkeit sei. 

Am 30. wurde er unter grossem Gefolge auf dem äusseren 
Hospital-Kirchhofe zu Stuttgart beerdigt und, wie Seybold wörtlich 
verzeichnet, • auf sein Grab folgendes Epitaph gesetzt: 
„A. I. H. S. 0. 

JOH. V. A. S.S. T. D. Herronb. Jo. Abbatis Regiof. F. Jacobi, 
Theologi incompar. Nepos, Abbas Adelb. P.P. Augusti, Br. & Luneb. 
itidem Eberhardi Virtemb. Consiliarius Patriae Antistes longe meritiss. 
postquam Ecclesiae Christi Vaihingae VI., Calvae XIX. Stutg. in 
aula XL, Bebenhusae IV. ann. voce & exemplo, litteraturae Chri- 
stianae & disciplinae Eccles. heroico spiritu & calamo L. annos omni 
fide & dexteritate, Vir Dei, inserviisset, Decus rei litter. artif. mechanic. 
orthodoxiae regulärem vere Theologus matrim. XL. aet. LXVII. 
27. Jun. M.D.C.LIV. vitae simili morte placide obdormiens, huc ad 
Tubae Dei Sonitum depositus, desiderium." 

In der Kirche selbst aber ist an der steinernen Emporkirche 
ein anderes Epitaph angebracht mit folgender Inschrift: 

„JOH. VALENT. ANDREAE, Vir Dei, Theol. D. nat. 1586. 
d. 2. Aug. Herrenb. P. Johannem Abb. Regiofont. Jacobi Herois fil. 
habuit. Tota vita Deo, Liter, artibus, Eccles. Mechan. omnibus perutilis ; 
postquam IX., Schol. Sc peregrinando, Vaihingae Diaconatum VI. Calv. 
XIX. in aula <fc Curia XI. Abbas Bebenhus. IV. Praesul. Adelbergensis, 
Patriae Antistes, P.P. Augusti Brunsv. & Luneb. ab Eberhardi Wur- 
tenb. Consiliarius fidissimus absolvisset, raaritus Agn. Elisab. Grünin- 



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- 17 — 

geria-Efferinae XL. A. regulariß orthodox. & vitae exemplum mor- 
talitatem exuit, A. M.D.C.LIV, d. XXVII. Jun." 

Andrea war ein Mann, der, wie Herder sagt, in seinem Jahr- 
hunderte wie eine Böse unter den Dornen blühte. 

Der bekannte Dichter Conz, ein Nachfolger Andrea 's im Diako- 
nate zu Vaihingen, sagt in einem auf Andrea gemachten Gedichte 
n. a. Folgendes: 

„Nein! ich täusche mich nicht, ich seh' dich im heiligen Glänze, 
Fühle mich näher dir da, wo du gelebt und gewirkt,* 
Wo du im engen Bezirk' und auf undankbarem Boden 
Saaten streutest, verkannt, dennoch nicht müd' in dem Fleiss; 
Hart vom Schicksal geprüft, dem Schicksal nimmer erlägest, 
Sondern im Kampfe dich nur stähltest zu härterem Kampf etc.* 
Yon dem schon erwähnten Herausgeber der Selbstbiographie 
Johann Valentin Andreü's, dem Professor Seybold, rührt folgendes 
Gedicht her: 

An 

3öh. Valentin Andrea. 
In deinem Calw — da war dirs einst so wohl, 
Verewigter! und nur der Gottheit Wink 
Riss dich heraus aus deinem Thal', wo du 
Die Früchte deiner Arbeit erndtetest. 
Nach Stuttgardt wanderst du aus Stolze nicht — 
Nein! nur den Blick nach höherm Ziel gelenkt, 
Fürs Vaterland zu werden, was du warst für 

Calw — 
Der guten Sitten und des wahren Christenthums 
Beförderer! doch Neid' und Hass und Geiz 
Bestreuten deinen Pfad mit Dornen oft. 
Da stärktest du alljährlich fast 
In deiner Calwer Arm, an Teinachs Born, 
Zum neuen Kampf mit Nattern dich. 

Kehr' nun nach deinem lieben Calw zurück, 
Und leb' in deinem Leben da aufs neu, 
Und freue dich der Edeln, die du find'st. 



* Von 1614—20. 
0. Oemrgii'Gtorgenatt, Biographigoh-Genealoglache Blätter etc. 



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— 18 — 

Du findet wohl Dörtenbache noch, 

Vielleicht auch Ritalin, Demmlere vielleicht, 

Wo nicht dem Namen, doch den Werken nach, 

Ganz deiner Liebe würdig, ihrer du! 

Auch blühet noch dein Lieblingswerk, 

Das Färberstift, dem schönen Zweck geweiht, 

Zu nähren fromme Armut und Talent. 

Dein Geist umschweb 1 der Nagold regen Strand, 

Auch mir durch Schwestern, Schwäger, Bruder 

werth, 
Und werth durch manchen Bidermann! 

Andrea verfasste auch im Jahre 1630 den noch heutzutage 
von der Stadt Calw geführten Wahlspruch: 

„So lang Calw ehrt die Göttlich Waid 
Und hört der Obrigkeit Bescheid, 
Handelt redlich und treibt Arbeit, 
Erhält Frieden und Einigkeit, 
Bewahret Hauszucht und Reinigkeit, 
Ist wohl vergnügt mit Massigkeit, 
Nimbt sich der Armut an allzeit 
Und bleibt bei alter Tracht und Kleid, 
So lang hat Calw Glück, Ehr und Freud, 
Gott geb, dass ihr der kein's erleid*. 

Das schönste und bezeichnendste Zeugniss gab der bekannte 
Gottesgelehrte Jacob Spener dem Wirken Andreä's mit dem Aus- 
spruche: »Könnt ich Jemand zum Besten der Kirche von den Todten 
erwecken, es wäre Valentin Andrea.« 

Andreä's Ehegattin war Agnes Elisabeth, des Pfarrers zu Poppen- 
weiler Josua Grfluinger* und der Barbara des Superintendenten zu 
Mömpelgard, nachmaligen Pfarrers zu Winnenden Heinrich von 



* Bruder des Erasmua Grtlnmger, Oberhofpredigers und Consistorialraths in 
Stuttgart, Probsta daselbst, Stifter der Erasmus Grüninger'achen Stiftung, vermählt 
I. mit Agnes, geb. Kommer eil; II. mit Ursula, geb. Kieatl: III. Agmts, geb. v. YarenbMer, 
(Gründerin der Varenbuler-Gruninger-Hiller'achen Stiftung.) 



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- 19 - 

Eiferen, Tochter, welcher Ehe 9 Kinder entsprossen sind. Von ihnen 
starben folgende in der Jugend: Conoordia, Agnes Elisabeth, Ehren- 
reich, Varemnnd, Johann Valentin und Patientia, die übrigen 
sind: 

I. Maria geb. 1616, vermählt mit Jung reter Walther, 
Mitstifter des Färberstifts in Calw. 

IL Agnes Elisabeth, geb. 1620, vermählt als dritte Frau mit 
JoMnn Buhle, Kaufmann in Calw. Dessen I. Gattin war Anna 
Maria, geb. Kleinbub; die II. Catharina, geb. Schauber; 
die IV. Anna Maria Ergenzinger. 

HI. Gottlieb, geb. zu Calw 1622, 19. September, studirte zu 
Nürnberg und Altorf, wurde Vicar zu Stuttgart 1642, Dia- 
conus zu Cannstatt 1643, Pfarrer in Wangen 1650, Diaconus 
in Weilheim 1659 und in letzterem Jahre auch Poeta lau- 
reatus. Er starb 1683, 10. Docember. Seine Gattin war 
Barbara, eine Tochter des Johann Saubert, Pfarrers zu St. 
Sobald in Nürnberg, welcher Ehe 9 Kinder entsprossten. 

Ebenfalls aus der Andrea 1 sehen Familie entstammt, nach Pro- 
fessor Dr. A. Haakh in Stuttgart, Schiller's Laura und zwar in der 
Person der durch Geist, wie durch Schönheit ausgezeichneten Wilhelmine 
Andrei, einer Tochter des Med. Dr. in Stuttgart, Jacob Eberhard 
Andrea und der Marie Louise Friedericke, geb. Mffgling. Dieselbe, 
eine Nichte der Hauptmännin Vischer, welch letztere nur die Ver- 
traute von des Dichters Liebe war, vermählte sich den 3. Juni 1783 
mit dem Stabs- Amtmann in Freudenthal, zuletzt Finanzrath in Stutt- 
gart, Joh. Friedrich Bayha. 

Der Andreä'sche Name blüht noch heutzutage in Frankfurt a. 
Hain und in Mühlheim am Rhein; in letztgenannter Stadt sollen 
Nachkommen dieses Geschlechts eine Seiden-Fabrik besitzen, welche 



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— 20 — 

Branche dem Vernehmen nach von einem ihrer Vorfahren im XVI. 
Jahrhundert von Calw aus dahin verpflanzt wnrde. 



Du Fürstlich Württembergische Dienerbuch enthält folgende höhere Beamte des 
Kamera Andrea (Andre*): 479. — Eberh., Probat 295.— Georg Leonh., d. Pfleger 263, 278. —Joe., 
C&ncelUrias 579; Exped. Bath 143; Pfarrer 434. — Joh u Abt 298; Pfarrer 452. — Joh. 
Frid. Zach., Ambtsschreiber 323. — Joh. Ludw., Geiatl. Verwalter 449. — Joh. Marx, 
Vogt 488. — Joh. Val, Abt 238, 257 ; Hofprediger 191, Pfarrer 410. — Enderie (Endtrin) 
Hang, Vorstmaister 522. — Joh., Cl.Pfleger 343, . Stiftsverwalter 372. — Joh. Jac, Vorst- 
malster 522. — Joh. Wilh. t Cl. Pfleger 285, 334. Gtaistl. Verwalter 479. — Matthäus. 
Vogt 383, 488. 



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Autenrieth. 



Der Name „Autenrieth" auch in anderen Schreibarten Authen- 
rkth, Autenried, Audenried, Uttenried, Utenried u. s. w. kommt 
in ganz Deutschland und der Schweiz, vorherrschend aber in Süd- 
deutschland vor ; am häufigsten auf den Dörfern der württembergischen 
Alb zwischen Blaubeuren und Münsingen, in diesen beiden Städten 
selbst, sowie auch in Ulm und Heidenheim. 

Wober nun dieser seltsame und originelle Name? 

Unweit Günzburg im Königreich Bayern liegt ein Dorf Auten- 
ried mit einem schönen gutsherrlichen Schloss, nach zahlreichem Wechsel 
der Besitzer jetzt dem Freiherrn von Neurath gehörig. Im Jahr 1409 
besass Autenried ein Hiob von Antenried •, welche Familie aber wie 
es scheint 1488 ausgestorben ist, denn in diesem Jahr fiel das Be- 
sitzthum an Heinrich von Euchel. 

Auch im bayrischen Allgäu liegt ein Weiler Namens Autenried. 
Bei Erlangen aber findet sich ein Ort Uttenreuth und im württem- 
bergischen Oberamt Gaildorf ein Ort Ottenried, sonst kommen in 
Bayern noch Ottenrieth und Ottoried vor. 

Ob der Familien-Name Autenrieth von einem dieser Orte herrührt, 
steht gleichwohl sehr dahin. Diese Orte alle hiessen wahrschein- 
lich zuerst Otto- (Udo-) Küti (Reute), von dem, der sie zuerst als 
Einzelhof gegründet und das Feld urbar gemacht hat. 



* Eine freiherrliche Familie von Autenried, die Im Jahr 1783 den Adel erhielt» 
Mäht Im GroMheraogthum Hesaen. 



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— 22 - 

Der vor einigen Jahren verstorbene Professor Holtzmann in 
Heidelberg in seiner Schrift «Kelten und Germanen» hat einen andern 
Fingerzeig gegeben. 

Er führt eine Reihe Namen ans der ältesten Zeit, die offen- 
bar germanischer Natur seien, darunter auch <Autarit> auf und 
bemerkt,, dass bei diesem letzteren Namen in der Jetztzeit kein an« 
nehmbares Analogon sich finde. Es war ihm nicht bekannt, dass der 
Name Autenrieth so häufig ist und auch im Grossherzogfchum Baden 
vorkommt, z. B. in Lahr und in Mannheim unter den höheren 
Ständen. 

Gedachten Namen hat Holtzmann im Geschichtswerk des Polybius 
gefunden. Autarit war Anführer einer gallischen Hülfsiegion der 
Carthager, seine Schicksale beschreibt Polybius an verschiedenen Stellen 
seines Buches. 

Eine davon lautet: 

„Tolc 8s icepi tov Auiapnov, tov tu>v raXaxiv ijYejiova" 

(Polybius I. 77). 

Der Name des „Autharich", Königs der Longobarden, t 590, 
Gemahls der Prinzessin Theodolinde von Bayern, mag derselbe sein. 

Ob diese Namen Zusammenhang haben mit den «Autariaten», 
einem Volk in Illyrien, ebenso wie der in Württemberg häufig vor- 
kommende Name «Morlok» mit dem dalmatinischen Volksstamm der 
Morlaken, wer kann es wissen? 

Die älteste Spur des Namens Autenrieth bei uns findet sich, 
soweit bekannt, in einer Pergament-Urkunde von 1333, also bald nach 
dem Aufkommen der bürgerlichen Geschlechtsnamen, wo Lanrentius 
Uttenriet in Blaubeuren eine Gült verschreibt. Der letzte katholische 
Abt in Lorch , welcher Laurentins Antenried hiess , hat 1535 bei 
der Sekularisation des Klosters mit Leibgeding sich abfinden lassen.* 

Die beiden Benediktiner-Klöster Blaubeuren und Lorch standen 
wechselseitig in besonders befreundeten Beziehungen; diese beiden 



* Vgl. v. Stalin, .Geschieht« von Wirtemberg", 4. Theil, L Abtheilung, Seite 394. 



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— 28 - 

Laurentius mögen daher von gleicher, vermuthlich namhafter Familie 
gewesen sein. 

Ein anderer Autenrieth von Blaubeuren war zu Anfang des 
vorigen Jahrhunderts Gestütsmeister in Offenhausen. 

Von der in Stuttgart längst eingesessenen Familie, die tradi- 
tionsweise ihre Abstammung auch von .Blaubeuren ableitet, sind zu 
bemerken : 

Jacob Friedrich Antenrieth, geboren 1740 zu Stuttgart, stu- 
dirte Cameral- und Rechtswissenschaft, verwaltete hierauf mehrere 
Jahre das seiner Mutter zugehörende, durch ihren ersten Gatten von 
der Pw/oriWschen Familie erkaufte, Kunkellehengut Waidenstein und 
Schorndorf, und trat später als Regierungs-Secretär in den Staats- 
dienst. 1 778 wurde er Professor an der hohen Karlsschule in Stutt- 
gart, 1787 Rentbeamter zu Schorndorf, reiste wenige Jahre nachher 
1794, wie es scheint missmuthig über die jählings erfolgte Aufhebung 
der hohen Karlsschule, nach Nordamerika* (Boston), um sich dort an- 
zukaufen, kehrte jedoch bald zurück, wurde wiederum bei der Rent- 
kammer und zwar als Vicedirektor angestellt 1795, und zum wirk- 
lichen Geheimenrathe ernannt. Er starb mit Hinterlassung vieler 
Schriften im Jahr 1800. Sein Grabstein, eine runde Marmorsäule, 
steht im mittleren Wege des Hoppenlau- Friedhofes zu Stuttgart. 

Söhne desselben: 

August Friederich Antenrieth, geboren 22. Aug. 1771. Der- 
selbe hatte sich dem Cameralfache gewidmet, machte später die Reise 
des Vaters nach Amerika mit und kehrte von da in Gemeinschaft 
des letztgenannten und seines Bruders Ferdinand, da sie sich durch 

* Vor einigen Jahren starb als vielfacher Millionär in ledigem Stande zu 
Philadelphia ein Leid» Andenried , Miteigentümer grosser Steinkohlen -Geschifte in 
Philadelphia, Boston etc. r welcher im Jahre 1874 auch in Stuttgart weilte. Er war der 
8ohn eines aas der Gegend von Basel im 21. Jahre nach Amerika ausgewanderten 
Lewis Andenried, geb. im Canton Basel 22. October 1757. Der Vater des Letztgenannten 
fahrte nach den Mittheilungen seines Urenkels, des jetzigen Amerikanischen Obersten 
in Washington, Joe. C Andenried, die Namen Johann Caspar, machte unter dem Marschall 
«m Backten im Jahre 1745 die Schlacht von Fontenoy mit und war mit Rosine Köhler ver- 
mählt Geschwister dem Lewis Andenried des Aelteren waren : Nikolaus jung t ; Caspar 
und RoeaUnde. 



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- 24 — 

die dort herrschende Unredlichkeit abgestossen fanden, in's Vaterland 
zurück, wo er als Oberrevisor des Steuercollegiuras den 27. Mai 1832 
starb. Autenrieth war ein besonders wohlthätiger Mann und hinter- 
liess das von ihm bewohnte kloine Haus Nr. 1 der Hospitalstrasse 
als Stiftung zu Schullehrer- Wohnungen. Dasselbe trägt noch heut- 
zutage folgende Gedenk-Tafel : 

» Schullehrer- Wohnung 
gestiftet 
von C. F.* Autenrieth 1832. 
Ehre seinem Andenken.« 
Johann Hermann Heinrich Ferdinand von Autenrieth,** geb. 
ebenfalls zu Stuttgart den 20. Oct. 1772, erhielt seinen ersten Unter- 
richt auf dem Gymuasium seiner Vaterstadt. Schon nach dem 13. 
Lebensjahr besuchte er die an der hohen Karlsschule zu Stuttgart ge- 
haltenen Vorlesungen über Naturwissenschaften und Heilkunde. Sein 
frühreifes Talent, grosser Fleiss und wie er öfters erwähnte, der be- 
lebende, bildende Umgang mit akademischen Freunden, wie Jäger, 
Hopfengärtner, Klein, Hartmann u. s. w. (lauter ihm vorangegangene 
berühmte Schüler der Academie) machten es möglich, dass er schon 
im 20. Lebensjahre die medicinische Doctorwürde erwarb. Gleich 
darauf bereiste er ganz Oberitalien, besuchte längere Zeit die Vor- 
lesungen Scarpa's und Frank's zu Pavia, ging von hier über Triest 
und Wien nach Ungarn und kehrte 1794 als praktischer Arzt nach 
Stuttgart zurück. In Zeitschriften theilte er seine Reisebemerkungen 
über die medicinische Schule zu Pavia und über die Bergwerke zu 
Chemniz mit. 1794 reiste er mit seinem Vater nach Nordamerika 
(Pennsylvanien) , praktizirte V2 Jahr zu Lancaster und überstand 
daselbst das gelbe Fieber. Während dieser Zeit schrieb er Mehreres, 



* C. F. ist übrigens nicht richtig, es sollte A. F. heissen. 

** Seine Schwester Luise Friederick«, geb. zu Stuttgart 0. Sept. 1776, t 7. Novbr. 
1843, vermählte sich 8. Juli 1798 mit dem damaligen Oberrregierungsrath und späteren 
Präsidenten Benjamin Ferd. von MoM , und wurde so die Stammmutter der berühmten 
vier Brüder dieses Namens. 



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— 25 — 

u. a. auch über die Seekrankheit. Nach IV2 Jahren nach Stuttgart 
zurückgekehrt, erhielt er den Titel Hofmedikus. Noch vor der ge- 
setzlichen Volljährigkeit ward er von dem akademischen Senat an 
Stelle des verstorbenen Clos&ius zum ordentlichen Professor der 
Anatomie, Physiologie, Chirurgie und Geburtshilfe berufen , ein Er- 
satz, den die Universität nicht glücklicher hätte treffen können. 

Bald war Atäenrieth eines der tbätigsten, einflussreichsten, 
berühmtesten Mitglieder der Universität. Achtzehn gelehrte Gesell- 
schaften des Auslandes erwählten ihn nach und nach zu ihrem Mit- 
gliede; er legte übrigens auf diese Ehre wenig Gewicht. 

An sogenannten akademischen Yokationen konnte es einem 
solchen Manne natürlich nicht fehlen (die lockendsten waren nach 
Halle, Breslau, Bonn, Berlin), aber, ohne je eine auch nur zu einer 
Besoldungs- Verbesserung zu benutzen, lehnte er sie alle ab, weil, 
wie er sagte, er es nicht für Recht hielt, seine Dienste dem Vater- 
lande zu entziehen. 

1812 ehrte ihn der König durch Ertheilung des Civilverdienst- 
ordens, 1818 durch den Orden der württembergischen Krone. 1819 
wurde er Vicekanzler mit den Rechten und Obliegenheiten eines 
Kanzlers, bald darauf Königl. ausserordentlicher Bevollmächtigter in 
Bezug auf die Bundestags-Beschlüsse, 1822 wirklicher Kanzler der 
Universität, 1829 Chef der Universität, eine Stellung, die er bis zur 
Organisation vom Jahre 1831, die ihn in die frühere Stellung eines 
Kanzlers zurückversetzte, behielt. Viermal bekleidete er das Rektorat ; 
17 mal das Decanat der medicinischen Facultät. 

Autenrieth besass eine Vielseitigkeit, eine Detailkenntniss des 
Gesammtgebiets der Heilkunde, wie sie, in einem Manne vereinigt, 
höchst selten gefunden wird. 

Eine grosse Anzahl berühmter Aerzte des Auslandes waren 
seine Schüler; die ganze damalige Generation der württembergischen 
Aerzte (mit wenigen Ausnahmen) verdankte ihm grossentheils ihre 
ärztliche Bildung. 

Das Clinicum ist recht eigentlich eine Schöpfung Autenrieths. 



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— 26 — 

Unterstützt von dem Minister Spittler , begann unter den mannig- 
faltigen Schwierigkeiten und unter der speziellen Leitung Autenrieths 
der Bau des Clinicums im Jahr 1803. Im vollsten Glanz jugend- 
lichen Talentes zeigte sich Autenrieth als Lehrer der Anatomie und 
Physiologie. Sein treffliches Gedächtniss, das ihm die ganze Masse 
der Thatsachen jener Wissenschaften in jedem Augenblick zu Gebot 
stellte, seine räumliche Phantasie, seine Kunst durch sinnige Be- 
nützung der vergleichenden Anatomie und der gesammten praktischen 
Heilkunde den vorliegenden Leichnam gleichsam zu beleben, machte 
ihn zu einem der geistvollsten Lehrer dieser Wissenschaften. Unver- 
gleichlich war sein bewunderungswürdiger Scharfblick, mit dem er 
die verwickeltsten chronischen Krankheitsfalle, die dem neu errichteten 
Clinicum und seinem berühmten Vorsteher weit und breit zuströmten, 
oft in wenigen Augenblicken durchschaute, den Zusammenhang der 
Erscheinungen definirte, und oft von den überraschendsten Erfolgen 
gekrönte Heilplane entwarf. 

Hospitirende fremde Aerzte gestanden oft, hier in einer Stunde 
mehr Neues als in Jahren sonst gelernt zu haben. Von seinem 
Clinicum ging die Entwicklung der Lehre vom Genius morborum 
epidemicus und eine bessere Aetiologie der chronischen Krankheiten 
aus. An der völlig neuen Gestaltung des gesammten Medizinalwesens 
Württembergs nahm Autenrieth mannigfach thätigen Antheil. 

Autenrieth war ein geborener Arzt. In die verwickeltsten 
Krankheitsbilder wusste sein Geist Klarheit zu bringen, und indem 
er selbst glaubensvoll Rath ertheilte, weckte er unerschütterlichen 
Glauben bei seinen Kranken. 

Sein theilnehmendes Wesen, das keine Aufopferung oft bis 
zum kleinsten Krankenwärterdienst für seine Kranken scheute, seine 
einnehmende Persönlichkeit, die schon an sich Vertrauen erweckte, 
trug wohl ebensoviel als sein ärztlicher Scharfsinn und seine um- 
fassenden Kenntnisse zu den glänzenden Erfolgen seiner Praxis bei. 
Nach Plouquet's Tod war er der beschäftigtste Arzt Tübingens; vom 
In- und Auslande suchte man seinen ärztlichen Rath. 



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— 27 — 

Nach dem Tode Jägers ernannte ihn der König zu seinem 
consnltirenden Leibarzt. Sein Ruf als Arzt war europäisch. 

Autenrieth, sagt einer seiner Beurtheiler, verdient als Arzt die 
ungetheilteste Hochachtung der medizinischen Welt; denn nur zu den 
seltensten Erscheinungen gehören Männer, die wie Autenrieth Theorie 
und Praxis mit so kräftigem Geiste umfassen. — 

>Am 16. März 1835, Abends 8 Uhr, im Heimgehen vom 
Universitäts-Gebäude, bekam ich einen Anfall von Brustlähmung«, das 
sind seine eigenen Worte, mit denen er sich diese Begebenheit notirte. 
Nach diesem Anfall, obgleich er sich wieder erholt zu haben 
schien, hielt er sich für unfähig, seine mannigfaltigen amtlichen 
Pflichten weiter zu erfüllen, und zögerte auch keinen Augenblick, die 
Regierung um seine Pensionirung zu bitten ; doch, noch ehe diese ein- 
trat, erhielt er in der Nacht des 3. Mai, nach einem heitern Abend- 
essen im Kreise seiner Familie einen zweiten Anfall, der ihn schon 
nach einer Viertelstunde tödtete. 

Seiner gediegenen Werke sind es viele. — 

Hermann Friedrich Autenrieth*, Sohn des Vorigen, geboren 

1799 zu Tübingen, widmete sich dem Studium der Medicin, wurde 1823 

ausserordentlicher, 1826 aber ordentlicher Professor der Medicin daselbst. 

Er verfasste mehrere bedeutende Schriften und starb 1874. Kinder: 

1. Malrina Autenrieth, vermählt mit dem Universitätsrath Stark 

in Tübingen. 
II. Katalle, vermählt mit dem Decan Kuhn in Urach. 
Hl. Kreißgerichtsrath Autenrieth in Rottweil. 
IV. Professor Autenrieth, Ingenieur und Mechaniker am Königl. 
Polytechnikum zu Stuttgart. 
Ebenfalls hierher gehörten: 

Friedrieh Autenrieth, Königl. Württemb. Stallmeister, Bruder 
des vorerwähnten Kanzlers, ein Schüler des berühmten Meisters in der 



* ran« Schwester desselben, Pauline, geb. 1808, ist mit dem Oberjoattzrsth von 
S4 9 both*n vermihlt. 



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— 28 — 

Beitkunst, Obersten von Bühler in Tübingen, und in seiner Jugend 
selbst ein ausgezeichneter Reiter; er wurde nach längerem Aufent- 
halte im Auslände als Assistent des Gestüts Verwalters Hartmann in 
Marbach angestellt, auch nach dessen Tode langjähriger Verwalter 
des Hauptgestüts Marbach. Später erhielt er den Titel eines Stall- 
meisters. Im Hinblicke auf seine hervorragenden Fachkenntnisse er- 
nannte ihn König Wilhelm auch zum Mitglied der Landesgestüts- 
Commis8ion in Stuttgart. Er war ein äusserst gebildeter Mann von 
grösster Herzensgüte und von einer musterhaften Wahrheitsliebe, Recht- 
lichkeit und Generosität. Es war ihm gestattet, auf Staatskosten in 
Marbach ein paar Pferde halten zu dürfen, was ihn veranlasste, wieder- 
holt junge Fohlen aufzuziehen. Wenn er ein solches Thier verkaufte, 
so bezeugten seine Bekannten von ihm, er sage dem betreffenden Pferde 
eher zu viel als zu wenig Fehler nach. 

Kaufte er von einem Bauern ein Fohlen, welches besser einschlug, 
als es den Anschein bei dem Kauf hatte, so schickte er nachträglich 
demselben zu dessen Ueberraschung eine ansehnliche Summe, weil das 
Pferd so gut eingeschlagen habe. Diese Redlichkeit bewährte er in 
allen Verhältnissen, obwohl ohne eigenes Vermögen und mit einem 
so bescheidenen Einkommen ausgestattet, dass er auf's sparsamste 
leben musste und lebte. 

Er war von allen, die ihn kannten, als einer der edelsten und 
liebenswürdigsten Männer verehrt. In seinem Fache hat er ein halbes 
Jahrhundert segensreich in Württemberg gewirkt. Autenrieth war 
der erste, der, gegenüber der Vorliebe des Königs Wilhelm für die 
Beförderung der Zucht eines leichten Reiter-Pferdschlags, auf die Not- 
wendigkeit einer Zucht schwerer Pferde aufmerksam machte und dazu 
die Erwerbung von Stuten aus der Normandie empfahl, zu welchem 
Ende er von dem Könige auch in die Normandie geschickt wurde. 
Er starb im Sommer 1838 zu Niedernau, wohin er sich eben krank- 
heitshalber begeben hatte, mit Hinterlassung mehrerer angesehener 
Schriften über Reitkunst und Pferdekrankheiten. — 

Von derselben Familie ist Stadtrath Autenrieth, resignirter 



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— 29 - 

städtischer Waldmeister in Stuttgart, noch lebend. Von anderer Linie 
ist der Kaufmann Carl Autenrieth in Neuenstadt am Kocher (so 
?iel bekannt aus der Marbacher Gegend stammend). Dessen Söhne sind : 
Der verstorbene Hofbaumoister Wilhelm Autenrieth, geboren 
20. Aug. 1794, f 1836, und Ludwig August ron Autenrieth, geboren 
1803, 1 1872, 28. Nov., Regierungsdirektor in Reutlingen, Commenthur 
d. Ord. d. W. Kr. und Commenthur I. Kl. des Fr. Ord. Ein Sohn 
jenes Hofbaumeisters, Architekt Carl Autenrieth in Philadelphia, hat 
sich durch viele grössere Bauten ruhmlich bekannt gemacht. 

Von Blaubeuren stammen: der Kameralverwalter Autenrieth, 
in Hall f 1844, sowie der Königl. Württembergische Oberfinanzrath 
Aitearieth, f 1835. Söhne des Letzteren: 

1. Julius von Autenrieth, geb. zu Heilbronn 1806, Commenthur 
des Kr. 0., Commenthur I. Cl. des Friedrichs-Ordens, Ritter 
des Königl. Preuss. rothen Adlerordens III. CL, welch letztere 
Auszeichnung nebst einem schönen Andenken der beiden Fürsten 
von Hohenzoliern er angestrengten Arbeiten für die Begrün- 
dung und Entwicklung des Zollvereins in den Jahren 1832 
bis 1836 verdankt. 1833 Finanz-Assessor in Stuttgart, 1840 
Finanzrath in Ludwigsburg, als solcher erhielt er 1843 einen 
Ruf in die neu errichtete Eisenbahn-Commission , nachdem er 
zuvor in Wort und Schrift für das neue Verkehrs- Vehikel sich 
aufgethan hatte, wurde Oberfinanzrath 1858, Director des 
Steuerkollegiums 1862. Seit 1871 mit dem Titel und Rang 
eines Präsidenten, vertauschte er 1872 seine Vorstandsstelle 
mit derjenigen der Oberrechnungskammer und Staatskassen- 
Verwaltung. 
II. Otto Autenrieth, geboren zu Stuttgart 1811, ausgezeichneter 
Mechaniker, starb 1860. Derselbe lieferte mehrere bedeu- 
tende Aufsätze in technische Zeitschriften und war bekannt 
durch Ausstattung der Realschulen im In- und Auslande mit 
physikalischen Apparaten. 
III. Albert Autenrieth, geboren zu Stuttgart 1813, studirte Theo- 



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— 30 — 

logie, flüchtete sich jedoch 1833 vor einer Untersuchung wegen 
demagogischer Umtriebe von Tübingen aus in die Schweiz, 
machte dort den Einfall in Savoyen unter General Ratnorino 
mit, trat 1 834 in das Völker sehe Erziehungs-Institut zu Liver- 
pool 1 in England als Lehrer ein, siedelte nach fünf Jahren in 
Folge der Auflösung dieses Instituts nach Norwegen über und 
wurde nach einiger Zeit Professor an der Militär-Akademie in 
Christania, in welcher Stellung er 25 Jahre blieb. Als solcher 
hat er durch deutsch-norwegische und norwegisch-deutsche Lehr- 
bücher , die über ganz Norwegen verbreitet sind , sich einen 
Namen gemacht. Er hat von Christiania aus die meisten euro- 
päischen Länder bereist und ein Jahr in Urlaub in Italien und 
auf Sicilien zugebracht. Während eines halbjährigen Aufenthalts 
der Königlich Schwedischen Familie in Christiania waren ihm 
die beiden Prinzen, worunter der jetzige König Oskar IL im 
Unterricht anvertraut, wofür er von der Königin eine Brillant- 
Nadel erhielt. 1869 nach Württemberg zurückgekehrt, starb er 
1873 in Cannstatt, wo auf dem Ulf-Kirchhof sein Denkstein steht. 

Schliesslich sind noch zu erwähnen: 
Ernst ttottfrid Autenrieth, geb. 9. April 1699, Pfarrer zu 
Neuhausen an der Erms 1747, schrieb »Vollständiges Württember- 
gisches Magister-Buch« vom Jahre 1705 — 1771. — 

Carl Autenrieth aus Carlsruhe, 1801 badischer Hofgerichts- 
Advokat, 1807 Begierungs-Secretär, 1814 Oberamtmann, 1821 Hof- 
gerichtsrath, 18280berhofgerichtsrath, 1837 Oberhofgerichts-Kanzler in 
Mannheim, ein verdienter Staatsbeamter, der 1837 mit dem Ritterkreuz, 
1841 mit dem Commandeurkreuz des Ordens vom Zähringer Löwen 
ausgezeichnet wurde. Er trat 1849 in den Buhestand und starb am 
20. Oktober 1854. 

Das Fürstlich Württembergißche Dienerbuch enthält folgende höhere Beamte 
dea Namen* : AuUnrieih (üttenried): Heinrieh, Cl. Schreiber 302. — Joe. Frid. t Exped.- 
Bath 114; Gel. Geh. Rath 29 ; Keller 635, O.R. Registratur 83 ; Renth-C.Director 108. 
— Joh. Ludw., Ambtmann 456 ; EeUer 480. 498 ; Laur., Abt 304* 



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Backmeister, Eacmeister. 



Johann ron Backmeister wurde den 1. Januar 1657 zu Bostock 
geboren. Sein Vater Johann Backmeister, Med. Dr., war Hochfürst- 
lich Mecklenburgischer Rath und Leibmedicus, auch 30 Jahre lang 
Professor bei der Universität in Rostock; die Mutter Hedwig, eine geb. 
Wolfrath;* der Grossvater Matthäus Backmeister, Phil, und Medic. 
Dr., Hochförstlich Sachsen-Lauenburgischer Rath und Leib-Medicus, 
auch Stadtarzt zn Lüneburg; die Grossmutter Sophia, des Bürger- 
meisters von Rostock Johann Keüermann's Tochter; der Urgrossvater 
Lucas Backmeister, S. S. Theol. Dr., Königlich dänischer Hofprediger, 
nachgehends Professor der Theologie bei der Universität Rostock, auch 
Superintendent daselbst, welcher die Concordienformel zusammenge- 
tragen hat; die Urgrossmutter Johanna, des Phil, und Med. Dr. 
Jacob Bording und der Francisco, des Patriziers zu Genua Thermi 
Nigreni Tochter; der Urgrossvater Johann Backmeister lebte zu 
Lüneburg ; die Ururgrossmutter Anna, eine Tochter des Matthäi Lnbing 
und einer geb. Krnsen, „aus dem altberühmten Geschlecht der 
Crusiorum." 

Johann studirte auf der Universität zu Helmstädt die Rechte, 
kam sodann nach Tübingen, (1677), in welcher Zeit seine Vater- 
stadt durch eine zweitägige Feuersbrunst heimgesucht wurde, der 
800 Häuser, darunter auch das seines Vaters mit all seinen kostbaren 
Schätzen, sowie der darin befindlichen aus mehr als 4000 Bänden 
bestehenden Bibliothek zum Opfer fielen. 



* Dem Bruder derselben, Adolf Edlen von Wolfrath, Kurkölniscbem Geheimen . 
Kriegarath, wurde Tom Kaiser Leopold I. der bei der Wolfrathischtn Familie von Alters 
her gestandene Adel renorirt. 



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- 32 — 

Von Tübingen aus setzte er seine Studien in Altorf, Leipzig, 
Strassburg fort und wurde nach Absolvirung derselben bei der da- 
maligen Frankfurtischen Reichs-Deputation von Sachsen- Weimar als 
Legations-Secretär angestellt. Nicht lange nachher trat er in Würt- 
tembergische Dienste, in denen er im Jahre 1690 zum Geheimenraths- 
Secretär befördert wurde. 

1693 erhielt er das Prädicat eines Raths, 1695 das eines 
Württembergischen Oberraths, 1696 wurde er von den Fürsten und 
Ständen des Schwäbischen Kreises zu deren Rath und Syndicus, 1702 
zum Hochfürstlich Württembergischen Geheimen-Legationsrath und 
wenige Monate nachher zum Geh. Regimentsrath ernannt. Von dem 
Antritt seiner Württembergischen Dienste bis zu seinem Austritt aus 
denselben hatte er 76 Kreistagen als Gesandter beigewohnt und 
11 Gesandtschaften an den Kaiserlichen Hof verrichtet. Als er im 
Jahre 1698 zur Erledigung und Empfangnahme Kaiserlicher Reichs- 
und Böheimischer Lehen für das Hochfürstliche Haus Württemberg ab- 
geschickt war, bot ihm Kaiser Leopold 1. die Renovirung des bei 
seinen Voreltern mütterlicher Linie gestandenen Adels öfters an, was 
er jedoch jedesmal dankend ablehnte, bis ihm im Jahr 1701, da er 
abermals als Gesandter des Schwäbischen Kreises nach Wien kam, 
der Kaiser dieselbe Gnade aufs Neue antrug, und zwar in Verbin- 
dung der Reichshofraths-Stelle, auch dabei ihm das Diplom nebst der 
Erhebung in den Adelsstand mit dem Prädicat Edler von Back- 
meister zuschickte, welche Ehre derselbe nicht mehr ausschlagen konnte. 
Er starb den 22. Januar 1711. 

Seine Ehegattin war Jobanna Christiana, Tochter des Herzogl. 
Württembergischen vieljährigen Geheimen Regiments-Raths Johann 
Christoph Keller. Dieser Ehe entsprossten: 

I. Maria Hedwig, vermählt den 12. September 1701 mit dem 

Herzoglich Württembergischen Ober-Justiz- und Kriegsrath, 

nachmaligem Hessen-Darmstädtischen wirklichen Geheimerath 

Wilhelm Ludwig Maskosky. 



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— 33 — 

II. Anna Jobanna, verm. 19. Juli 1707 mit dem Obristwacht- 

meister Freiherrn Eberhard Friedrich von Gaisberg. 
III. Johannes, t in seinem 2. Lebensjahre. 

Ebenfalls dieser Familie entstammten: 

Lucas Bademeister, geboren 1570, 2. November, Theol. Dr., 
Professor und Superintendent zu Rostock, f 1638. — 

Lucas Backmeister, Sohn des Vorigen, Professor Theol. zu 
Rostock, geboren 1605, f daselbst 1679. — 

Heinrich Buckmeister/ J. U. Dr., Herzoglich Württembergischer 
Oberrath und Cammer-Procurator, t zu Stuttgart 1692. — 

Johann Backmeister, Med. Dr. und Professor in Tübingen, ge- 
boren zu Travemünde 1680, vermählt mit Maria Sophia, geb. Mögling. 
t 1748. - 

Adolf Backmeister, Dr. Phil., Schriftsteller, vormals auch Re- 
dakteur der Allgemeinen Zeitung in Augsburg und des Auslands, ein 
Mann von hervorragender origineller Begabung, vielseitiger Bildung 
und übersprudelndem Humor, der sich zur glücklichen Stunde bis zu 
poetischer Genialität steigern konnte. Der Grund seines Wesens aber 
war, wie bei allen ächten Humoristen ernst und tief, so dass ihm 
mit Recht nachgerühmt wird, sein Herz sei immer dem Hohen zu- 
gewandt gewesen und seine Feder habe immer im Dienste des Aechten 
and Edlen gestanden. 

Ueber seine Vorfahren schreibt er selbst in seinen »Germani- 
stischen Kleinigkeiten« (Alte Familiennamen, Der Ursprung der Sprache 
etc., Stuttgart 1870) Folgendes: 



* Dieser ist in der Leichenrede des Johann von Bademeister als ein Vetter des 
Letzteren Aufgeführt. Eine Tochter von ihm, Johanna Dorothea, wurde die Gattin des 
Stabs- Amtmanns in Laichingen Georg Phü. Zech; ein Sohn dieser Ehe, Philipp Eberhard, 
Freiherr von Zech, geb. 1696, Herzoglicher Geheimerrath, Kreisdirectorial-Geaandter, Oon. 
sittorial-Prisident, Präses der Waldenser Deputation , ward von Kaiser Franz I. von 
Österreich «wegen seinem guten Herkommen, stattlicher Vernunft, sonderbarer Fähig- 
und Geschicklichkeit etc. in des Kaiserlichen und Römischen Reichs-Alt-Edlen-Panner- 
tmd Freyherrenstand erhoben, gleich als ob er von i Ahnen vaterlich und mütterlicher, 
seits hergeko mme n und geboren wäre.* Eben dabin gehört der Obrist «Lieutenant und 
des Schwabischen Kreises Ober-Kriegscommissär Johann Carl Zech, t 1749. 

e. Georgii-Georgenau, Biographisch- Genealogische Blätter etc. 3 



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— 34 - 

»Ich für meine Person bekenne aufrichtig, dass es mir ein be- 
hagliches Gefühl ist, die Geschichte meines Geschlechts bis auf vier- 
hundert Jahre zurück verfolgen zu können, seine Wandlungen und 
Wanderungen zu beobachten, von der Backstube auf der Lüneburger 
Haide nach den Küsten der Nord- und Ostsee, nach dem eisigen 
Russland, in die harzduftigen Forste der Abnoba und an die Beben- 
gehänge des schwäbischen Landes, zuletzt gar unter die Palmen von 
Indien, an die Ufer der kanadischen Seen und an die Gestade des 
stillen Oceans! 

Und was Alles haben wir in diesen vierhundert Jahren für die 
Welt geleistet ! Wir haben den Herzogen von Braunschweig ihr täg- 
liches Brod gebacken, den Lüneburgern ihr Bier gebraut, der Königin 
Wittwe Dorothea von Dänemark Hofpredigten gehalten, unter schwe- 
dischen Fahnen uns sechs Jahre für unbestimmte Zwecke in Deutsch- 
land herumgehauen, in Rostock, Kiel und Tübingen »Juristerei und 
Theologie« gelehrt und geübt, den Mecklenburgischen Bauern in 
Fritz Beuters Dialekt und den braunen Hindus in canaresischem 
Prakrit das Evangelium verkündigt, den Herzogen zu Wirtemberg 
und Teck ihr Ländlein regieren und ihre Finanzen verbessern helfen, 
in Petersburg den St. Wladimirorden verdient, theologische, medi- 
cinische, historische Werke geschrieben, auch »Persische Erzählungen« 
und deutsche Kirchenlieder gedichtet, dem Lande Hannover einen 
Minister, der stark dem Rückschritt, und den Yaukee's Lokomotiven 
geliefert, die dem entschiedensten Fortschritt huldigten, wir haben 
für die deutschen Grundrechte gefochten und gesessen, dem Admiral 
Farragut den Mississippi erstürmen helfen, Zeitungen redigirt und 
schliesslich dieses vortreffliche Büchlein geschrieben. Denkt man sich 
aber wieder rückwärts in die Halbscheid des fünfzehnten Jahrhunderts 
hinauf in die Zeit hinein, da wir uns noch Lüdike Willens schrieben 
— wenn wir überhaupt schreiben konnten — so schliesst der freien 
Phantasie eine unbegrenzte Bahn sich auf von Ruhmesthat und 
Heldenthum. Dass die Willens mindestens einmal das heilige Grab 
erobern halfen, mag nur nebenher erwähnt sein; es zu bestreiten 



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— 35 — 

hat noch kein Geschichtsschreiber gewagt; dass sie dem grossen 
Kaiser Karl das Leben sauer genug machten, ehe sie als unentbehr- 
liche Vorbereitung zu der späteren theologischen Laufbahn der Blut- 
und Wassertaufe sich gefügt, dass ein Zweig des Geschlechts unter 
Hengist und Horsa gen Britannien zog und Kelten und Römer ver- 
tilgte — das sind Dinge, die Jedermann aus den Handbüchern der 
Geschichte erfahren kann. Ist ja sogar urkundlich erwiesen, dass 
im neunten Jahrhundert Liudiko van Katingthorpa fuäntich muddi rokkon, 
20 Hetzen Roggen, an das neugestiftete Kloster Frekenhorst zehntete, 
wie nicht minder Herr Willico van Grafthorpa 12 Metzen Roggen 
und 1 Metze Gerstenraalz, dessgleichen Williko van Wersithorpa nigon 
muddi maltes, 9 Metzen Malz (M. Heyne, Altniederdeutsche Denk- 
mäler. Paderborn 1867.) 

Haus Ludicke Willens eder Wilkens war damals noch in zwei 
Linien geschieden. Weiter zurück wird die Sache freilich etwas 
dunkel ; die letzten Spuren gibt Tacitus, wesswegen auch ein dank- 
barer Enkel des Geschlechts seine Germania ins Deutsche übertragen 
hat. Cetera jam fabulosa — mit eben diesem Autor zu reden. Ob 
wir zu Puss über die Wolga und Weichsel aus Asien zugereist, auf 
Schlittschuhen über das baltische Meer gefahren oder etwan, als die 
Aera der skandinavischen Eiszeit zu Wasser wurde, auf einem errati- 
schen Block in die herkynischen Wälder hinabgerutscht kamen — 
hoc ego, lauten die Schlussworte besagter Germania, ut incompertum 
in medium relinquam. Dagegen finden wir uns beim Thurmbau zu 
Babel wieder lebhaft betheiligt und als das Unternehmen in Folge 
verschiedener Unzukömmlichkeiten sich auflöste, entschieden wir uns 
für das Arische als Familiensprache und verdienten unser Brod durch 
Privatstunden im Altgothischen. Die hebräischen Studien nahmen 
wir erst später in Rostock und Tübingen wieder auf, blieben jedoch 
bis in die neuere Zeit herab der Germanistik ergeben. Die Geschichts- 
quelJen für die Zeit vor Babel sind Jedermann geläufig; spezielle 
Familienpapiere hat bekanntlich nur die Familie de la Tour aus der 
ffoachiscben Sintfluth gerettet. 



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— 36 — 

Der schimmernde Herbstfaden, an dem wir mit einem leichten 
Hauch des Mnndes unsere Fantasie Jahrtausende rückwärts gesponnen 
— er Hesse mit einem zweiten Hauche sich ebenso leicht in um- 
gekehrter Richtung in die Nebel der Zukunft hinaustreiben. Zwischen 
protologischen und eschatologischen Polen, zwischen dem, was war und 
dem, was sein wird, schwankt ja ewig die von Fragen und Zweifeln 
durchzuckte Menschenseele. 

Den einen freut es, ein Enkel zu heissen und er fragt — 
was waren meine Ahnen? 

Den Andern gelüstet eine Ahne zu werden und er fragt — 
was werden meine Enkel sein? — Wie lange wird "mein Name und 
wird er in Ruhm und Ehre dauern ? in Nacht und Schande ver- 
löschen? Für das einzelne Geschlecht kann Niemand stehen; über 
Dauer oder Untergang unserer Familiennamen, wie sie heute sind, 
bietet die Geschichte einige Auskunft» etc. 

Bacmeister starb von Jedermann hochgeschätzt 1873 den 
25. Februar zu Stuttgart im 46. Jahr seines Alters. 



Das Fürstl. Württemb. Dienerbuch enthält folgende höhere Beamte des Namens 
Bademeister (Bacmeister, Backhmeister, Packmeister) : Dr. 119, 123, 386. — Carl Fr id., Reg 
R.Secretarlus 74. — Christoph Heinr., Gelstl. Verwalter 525. — Friederich Benjamin 
Heinr., Gel.O.Rath 62; Krlegs-Rath 100; Pageninformator 198. 199, Vogt 509. — Joe., 
Reg.R.Secretarius 74. — Adolph, Exped.Rath 111 ; Kriegs-Rath 100; Landschreib. Verwalter 
116. — Rent. Ch.Secretar 125. — Joh., CraysSecretarlus 84; Geh. Secretarius 83; O.R. 
Secretarius 70. —Joh. Frid, Keller 369, 467; Joh.Ueinr., Bergw.-Inspector 430;Cammer- 
Procurator 109. 



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Bardili. 



Bnrckhard Bardili, J. Consultus, aus einer der ehemaligen Graf- 
schaft Burgand angehörenden Familie stammend, wurde den 11. October 
1629 zu Tübingen geboren. Sein Vater war Dr. Carl Bardili, Kaiserl. 
und Herzogl. Württembergischer Rath und Leibmedicus, auch Professor 
der Medicin daselbst; derselbe hinterliess 7 verheirathete Kinder, 
nämlich 5 Söhne, (deren 4 Doctores, fürstliche Käthe und Professores 
wurden, und einer .die Würde eines Prälaten errang) und 2 Töchter. 
Dem Dr. Carl Bardili ist von dem Kaiserl. Pfalzgrafen und Ober- 
vogte von Tübingen, v. GrüntJial, im Jahr 1637 der Wappenbrief 
erneut worden. Die Mutter Regina, eine Tochter des »aus altadeligem 
Burckhardtischzm Gescblechte entsprossenen« Professors der Philo- 
sophie Georg Burckkardt; der Grossvater Carl Bardili, Emigrant; 
Die Grossmutter Maria, Tochter des Pfarrers zu Eidingen Peter 
Rottenburger. Ueber den ebengenannten Carl Bardili und seine 
Familie äussert sich eine ältere Urkunde folgen der maassen : „Dise 
famili ist eine urallte guthe famili aus der Franche Comte, 
oder Gravschafft Burgund, und in specie auss der Stadt Dole 
gebürttig und herkommend, allwo Sie vor mehr als 200 Jahren 
hausshäblicb gewohnet; wie dann daselbst noch ein und andere 
vestigia und monumenta davon zu finden. Nachdem aber vihle 
familien von daraus wegen der Religion vertriben worden, hatt sich 
der Stamm- Vatter der jetzt florirenden Bardilinischm famili, Carl 
Bardili, anfangs in der Gravschafft Mömpelgardt und dasiger Fürst- 
licher Residenz-Stadt, hernach in dem Herzogthumb Wirtenberg, und 
zwar gleichfalls in der Fürstlichen Residenz-Stadt Stuttgardt, ohnge- 
fähr umb das Jahr Christi 1580 häusslich niedergelassen." Er war 



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— 38 — 

es, der im Jahr 1592 Herzog Friedrich von Mömpelgard die Nach- 
richt vom Tode Herzogs Ludwig brachte. Der Herzog schätzte Bardüi 
besonders hoch. 

Burckhard Bardüi widmete sich auf der Universität zu 
Tübingen Anfangs dem Studium der Philologie und Philosophie, 
trat jedoch bald darauf zum Studium der Rechtswissenschaft über 
und doctorirte 1653. 

Nachdem er noch in demselben Jahre zum ausserordentlichen 
Professor, 1655 aber zum ordentlichen Professor der Rechte an be- 
sagter Universität ernannt worden war, bereiste er in der Folge in 
Begleitung mehrerer Freunde, n. a. des Dr. Lauterbach, die Säch- 
sischen und Lüneburgischen Höfe, trat mit den dort befindlichen 
berühmtesten Männern in enge Beziehungen und nahm dann über 
Lübeck, Hamburg, Holstein, Schweden, Bremen, Westphalen und 
Hessen den Bückweg ins Vaterland. Im Jahr 1660 wurde er von 
Herzog Wilhelm Ludwig zum Rath und Assessor des 'Herzoglichen 
Hofgerichts ernannt und zugleich als Assessor des fürstlichen Collegii 
angestellt. 

Das Bectorat der Universität bekleidete er sechs Mai, das 
Decanat der juridischen Facultät gleichfalls mehreremale. 1689 wurde 
er auf Kaiserlichen Befehl in der Compromiss- Angelegenheit der 
Grafen v. Hohenlohe nach Nürnberg gesandt, wo er über 8 /4 Jahre 
verweilte. Hauptsächlich berühmt wurde er durch die unter Lauter- 
hactis — dessen Schüler er gewesen — und unter seinem Namen 
erschienenen »Conclusiones theoretico-practicae ad Pandectas« (1692) 
und durch Hinterlassung vieler sonstiger gelehrter Schriften. 

Er starb, durch Belesenheit und practische Erfahrung ausge- 
zeichnet, tief betrauert von Jedermann den 10. April 1692. 

Seine Gattin war Justina, eine Tochter des Herzoglich Würt- 
tembergischen Raths, auch vieljährigen hochverdienten Hofgerichts- 
Assessors und der freien Reichs-Ritterschaft in Schwaben, Orts am 
Neckar, Schwarzwald und der Ortenau Syndicus und Consulenten 
Johann Philipp Ecker, und der Sabina, geb. Schlossberger. 



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— 39 — 

Kinder des BurcJchard Bardili: 
I. Justina, vermählt mit dem Dr. jur. und Professor in Tübingen 
Gottlieb Majer (Cmsianus). 

IL Sabina Regina, vermählt mit dem Closterverwalter zu Beben- 
hausen Johann Isaac Andler* 

III. Christina Dorothea, vermählt erstmals mit dem Professor zu 
Tübingen, Benedict Hopffer, zum zweitenmale mit dem Med. 
Dr. und Professor, auch fürstlich Oettingen'schen Leibarzte, 
Johann Zeller. 

IV. Maria Magdalena, vermählt mit dem Eammerrath Ludwig 
Michael Hirschmann. 

V. Maria, vermählt I. mit dem Rentkammer-Expeditionsrath und 
beider Rechte Doctor Samuel Hoser; IL mit dem Consulenten 
in Augsburg Jeremias Setz. 

VI. Burckhard Bardili, geb. 1658, Dr. jur., Herzoglich Württem- 
bergischer Oberrath, vermählt mit der Tochter des Bürger- 
meisters von Biberach Georg von Oanpp. 
VII. Johann Philipp, Closterverwalter zu Maulbronn, Expeditions- 

rath, vermählt mit Maria Catharina, geb. Mayer. 
VIII. Heinrich, geb. 1666, Lieutenant im Herzoglich Württember- 
gischen Leibregiment zu Pferd, gefallen bei Heilbronn durch eine 
französische Kanonenkugel 1693 im Mai. 

IX. Wilhelm Ludwig, geb. 1668, des innern Raths- und Bürger- 
meister zu Heilbronn. 



* Eine ebenfalls altwnrttembergische Familie, welche seit 1556 dem Württem- 
bergiscben Staate fast ununterbrochen Dienste geleistet, auch sich nach Oesterreich ver- 
zweigte, woselbst Nachkommen im XVII. Jahrhundert in den Adels-, später Freiherrn- 
xmd zuletzt Grafenstand gelangten. Von der in Württemberg ansässigen Familie dieses 
Namens stammt u. a. der vormalige Decan zu Heilbronn , Wilhelm Carl Victor Andler, 
t 1831, dessen Nachkommenschaft noch jetzt in Württemberg fortblüht. Mehrere Epi- 
taphien der Andler'schen Familie sind an der Kirche in Herrenberg angebracht. Conf. 
die von Pfarrer Joh. Jacob Neu/fer in Dürrwangen d. a. 1767 beglaubigten genealogischen 
Erläuterungen der AndUr'Bchen Familie, sowie die in der i/w* 'sehen „Chronik von Herren- 
berg* enthaltenen Aufzeichnungen über dieselbe. 



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— 40 — 

X. Carl, geb. 1669, Pfarrer zu Untertürkhoim , vermählt mit 
- Johanna Jnditha, Tochter des Probsts und Generalsuperinten- 
denten zu Denkendorf Johann Friedrich Hochstetter. 
XI. Felix Wilhelm, geb. 1670, Pfleger zu Vayliingen, verm. mit 
Clara, Tochter des Superintendenten und Predigers zu Wert- 
heim M. Förtsch. 

Brüder des Burckhard Bardili: 

I. Georg Conrad Bardüi, geb. 1626 f 1700, Med. Dr. und 
Closter-Arzt zu Tubingen und Bebenhausen, verm. mit Catha- 
rina Barbara, des Bürgermeisters von Cannstatt , Christoph 
Kftlblin, Tochter. 

II. Johann Joachim Bardili, geb. 1633 f 1705, Prälat zu 
Blaubeuren, verm. mit Anna Catharina, Tochter des M. und 
Pfarrers zu Gültstein Graeter. Ein Enkel Bardili 's, Namens 
Carl Bardili, starb als Herzoglich Württembergischer Feld- 
prediger in Brabant. 

III. Andreas Bardili, geb. 1638 t 1700, J. ü. Dr., Herzoglich 
Württembergischer Consistorialdirektor und Oberrath. Seine 
I. Gattin war Anna Catharina, des Bürgermeisters von Tübingen 
Erhard Wild, Tochter; die II. Ursula Dorothea, Tochter des 
Bügermeisters von Esslingen Johann Philipp Weickersreutter. 

IV. Carl Bardili, geb. 1641 t 1711,, Med. Dr Stadt- und 
Land-Arzt in Göppingen , verm. : I. mit Christiana, des J. 
U. Dr. und Syndicus von Reutlingen Johann Wendel Knrrer, 
Tochter; II. mit Helene Cordnla, geb. Faber. 

Ebenfalls dieser Familie gehören an: 

Wendel Bardili, Herzoglich Württembergischer Bath. Derselbe 
begleitete als Oberster-Hofmeister 1703 den kaum 14jährigen Maxi- 
milian Immanuel, Prinzen von Württemberg, zur Armee CarVs XII. , 
blieb daselbst in der Eigenschaft eines Gouverneurs des Prinzen stets 
in der Begleitung des grossen Schweden-Königs und kehrte erst nach 



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— 41 — 

des Prinzen in der Schlacht bei Pultawa erfolgtem Heldentod ins 
Vaterland zurück. 

Bardili starb im Jahre 1740 als Württembergischer Bath und 
Probst zu Herbrechtingen. 

Seine Ehegattin war Maria Eleonore, Tochter des Prälaten in St. 
Georgen und Rectors des Gymnasiums in Stuttgart Tobias Menrer. — 

Christ Gottfried Bardili, ein Vetter Schelling's geb. 1761, 
17. (18). Mai zu Blaubeuren, wurde 1786 Repetent am theologischen 
Stift zu Tübingen, 1790 Professor an der Karlsschule zu Stuttgart, 
(wie es in Wagners „hoher Karlsschule" heisst: „An der Stelle des 
an die philosophische Fakultät in Tübingen beförderten Professors 
Abel, Repetent Bardili als Professor ordin. ernannt"), nach Auf- 
hebung der Akademie 1794 Professor am dortigen Gymnasium und 
Hofrath. Als Philosoph ist er noch heute durch «eine keimartige 
and unvollkommene Entwicklung einer der Schelling-Hegerschen Phi- 
losophie verwandten Weltansicht» bekannt. (Allg. Deutsche Biogr. 
H., 56.) Er starb 1808 mit Hinterlassung mehrerer Schriften. — 

Christian Wilhelm Heinrich Bardili, geb. 1789 zu Kirch- 
heün unter Teck, wurde 1813 Diaconus zu Urach und starb 1847 
als Professor und Bibliothekar zu Stuttgart. 

Dessen Gattin, Frau Professor Bardili, welche in Urach lebt, 
besitzt eine reichhaltige Sammlung von Alterthümern seltener Art, 
Bildern in Oel gemalt und eingelegt, Glasmalereien, Krügen, Waffen 
u. s. w., deren Besichtigung die Besitzerin mit grösster Liberalität 
gestattet. 



Dm Fürstlich Württemb. Dienorbuch enthält folgende höhere Beamte des Namens 
Bardili (Bardely): Dlrector 63, 301; Dr. 152; Vlaitat. Secretarins 158. — Andreas Gel. 
O.Ratb 62; Klrch.CaBtentAdvocat 149 ; KirchenRDirector 142; KriegsRath 100. — Burkh. 
Cl.Pfleger 262; O.Rath 6a ; Prof. 98. — Card., LeibMedicus 195. — Christoph, Pfarrer 368. 

— /Vttx WW$ t CtPfleger 293, 301, 316; Cl. Verwalter 324. — Georg Carl, Oaistl. Verwaltter 
A72 ; Raya.8chaUheias 608. — Heinr. Wilh. t Amptochrelber 246. — Joach., Special 478. 

— Joh. Joath. Abt 268 ; Pfarrer 532 ; Prälat 190 ; Probst 295. — Juh. Phil., C1.8cbaffner 
$38; CLVerwaltter 316; ExpedRath 145; Pfarrer 465; RecbenbanckhsRath 152. — Wedlet, 
Probrt 295. 



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Bengel. 



Johann Albrecht Bengel, „der Begründer einer biblisch-prophe- 
tischen Schule in der protestantischen Theologie und hervorragender 
Exeget des N. T.," wurde den 14./24. Juni 1687 zu Winnenden ge- 
boren. Sein Vater, M. Albrecht Bengel, Diaconus daselbst, starb früh 
als ein Opfer treuer Amtsverrichtung zur Zeit einer Seuche ; die Mutter, 
Barbara Sophia, war die Tochter des Herzoglich Württemb. Con- 
sistorialraths und Stiftspredigers, auch Abts zu Herrenalb Johann 
Lorenz Schmidlin, und 4er Barbara Sophia, geb. Hafenreffer;* der 
Grossvater, Joseph Beugel, Stiftsverwalter in Stuttgart; die Gross- 
mutter Chrigtiana, eine geb. Vaihin, t 1661; der ürgrossvater, 
M. Joseph Bengel, Pfarrer in Bennigheim, 1 1626; die Orgrossmutter 
Euphrosina, geb. Megeuhart, t 1626; der Urur-Grossvater, Conrad 
Bengel, Vogt zu Marbach, t 1610; die Ürur-Grossmutter, Anna, 
geb. Ruthart, t 1616; der Urur-Urgrossvater Johann Bengel, dessen 
in der von Erh. Cellius über den Tod Schnepfe gehaltenen Paren- 
tation Erwähnung geschieht. 

Johann Albrecht, wegen eingetretener gefährlicher Schwachheit 
gäh getauft, ward, nachdem er 6 Jahre alt seinen Vater durch eine 
Seuche verloren hatte, auch in demselben Jahre Winnenden von den 



* Die Hafenreffer' sehen Voreltern Bind : 

Magister David Hafenreffer, Special In Cannatatt, f 1627, dessen Gattin Elisa- 
beth*, geb. von Egen, f 1666; Dr. Matthias Hafenreffer, CanceU. Tab., t 1619, dessen erste 
Gattin Agatha, des berühmten Probate In Stattgart, Johann Brenz, Tochter, Matthias 
Hafenreffer, Scholtheiss in Lorch, dessen Gattin Anna, geb. Heinriehmann ; Martin Hafen- 
reffer, dessen Gattin, Christiana, geb. Kuch. Johann Hafenreffer in Rochberghausen. 



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— 43 - 

Franzosen eingeäschert worden war, mit seinem Bruder dem nach- 
maligen Expeditionsrath und Vogte zu Sulz Joseph Bengel, t 1752, 
(vermählt mit Angusta Sophia, geh. Beerlin,)* nach Marbach zur 
Schule geschickt. Später kam er nach Schorndorf, zuletzt nach Stutt- 
gart, (1699), in welch* letzterer Stadt er das damals unter dem 
bekannten Bector Essich stehende Gymnasium besuchte. Im Jahre 
1703 in das Herzogliche Stipendium in Tübingen aufgenommen, ma- 
gistrirte er 1704, widmete sich nun ganz der Theologie, nach deren 
Absolvirung er 1707 zu Mezingen u. Urach vicarirte. Im folgenden 
Jahre wnrde er Bepetens im forstlichen Stipendio, zugleich 1709 
Vicar zu Nürtingen, 1711 bei der Stadtkirche zu Tübingen und im 
Sommer des gleichen Jahres in Stuttgart. 1713 zum Closter-Pro- 
fessor und Prediger zu Denkendorf ernannt , bereiste er von da aus 
Franken, Sachsen, Thüringen, Hessen und die untere Pfalz. Das clöster- 
liche Amt bekleidete er 28 Jahre. Die damaligen Pröbste dieses 
Clostere waren B. Hochstetter, Knoll, Drommer und Weissensee; 
seine Collegen der nachmalige Abt zu Anhausen, Lieschiny, der als 
Special in Nürtingen starb, und Steinweg. 

1741 wurde Bengel zum Bath und Probst des Closters Herbrech- 
tingen ernannt, 1747 kam er in den grossen, 1748 aber in den 
engeren Landschaftsausschuss ; 1749 erhielt er die Prälatur Alpirs- 
bach mit dem Wohnsitze in Stuttgart. 

In seiner Lebensbeschreibung sagt er selbst u. a. : »Gegen 
Höhere hielt ich mich als einen geringeren, gegen meinesgleichen 
handelte ich je und je nach der Gleichheit, und geringere sah ich an 
als solche, denen* zu Diensten die grösseren da sind.« 

Bengel starb, nachdem ihm noch ein Jahr vorher die theo- 
logische Fakultät in Tübingen die Doctorwürde ertheilt hatte, zu 
Stuttgart 1752, den 2. November. 



* Der Vater derselben war Johann Caspar Beerlin, Neustädtischer Forstverwalter zu 
locberetefnafeld, vermählt mit Anna Maria, des Stadtpfarrers und Dekans in Reutlingen, 
Magister Johann Jacob Fischer, Tochter ; der Grossvater Eberhard Beerlin, Neustädtischer 
Forstverwalter zu Kocherateinsfeld. 



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— 44 — 

Er war, heisst es in einer der auf seinen Tod gemachten 
Epicedien : 

Ein Augo den Blinden, 

Ein Rath den Sehenden, 

Ein Leiter der Schwachen, 

Ein Muster den Starken, 

Ein Glanz den Gelehrten, 

Eine Zierde der Kirche. 
Seine Werke* sind weltbekannt geworden, es sind deren nicht 
weniger als 29. In seinem Gnomon N. T. (Scholien zum N. T.), 
Tübingen 1742, nahm er die Apokalypse als prophetisches Buch 
an, berechnete nach ihr die Dauer der Welt auf 7777 7/9 Jahre, 
bestimmte die Zeit Offenb. 12, 14 auf 777 7/9 Jahre; Alles was 
von Offenb. 12, 14 — 20 steht, habe sich in den Begebenheiten seit 
1058 wirklich zugetragen, das übrige aber werde sich in der Folge noch 
vollziehen; so dass mit dem Jahre 1836 das Ende herbei komme. 
Die Irrthümer in seiner Zeitrechnung hat Wurm nachgewiesen. Be- 
sonderes Verdienst erwarb er sich um die Berichtigung des Textes 
des N. T. ; die erste Ausgabe des N. T. mit dem kritischen Appa- 
rat erschien Tübingen 1734, im Auszuge von Büttig Leipz. 1730 
(später ohne den Apparat Stuttg. 1734, 38, 53, 77, Leipz. 1737.) 
Als Dichter ist er ebenfalls bekannt geworden. 

Seine Gattin war seit 1714 Johanna Regina, des Landschafts- 
Einnehmers Friedrich Seeger Tochter. Kinder: 

I. Sophia Elisabeth, vermählt mit dem Herzoglich Württem- 
bergischen Hof- und Reise-Arzt D. Albert Jieichart Renss. 



* Diese verlegte hauptsächlich die Firma „Joh. Christ. Erhard & Söhne/' sowie 
„J. Chr. Erhard's Sohne" (J. B. Metzler). Die Verlagsthätigfceit dieser Firma war um die 
Mitte des vorigen Jahrhunderts eine sehr bedeutende. Im Jahre 1873 14. August starb 
der letzte Chef des Erhard' sehen Namens, Heinrich Erhard, geb. IC. Aprü 1796 als Sohn 
des Herzogl. Advokaten und Buchhändlers Christoph Heinrich Erhard, und der Auguste 
geb. MeUler. Seine Gattin war Elise, Tochter des aus Mömpelgard gebürtigen früheren 
Karlsschülers, Freundes und Zimmergenos<jen von Schilter, Grammont. Heinrich Erhard 
selbst übergab 18t>7 das Geschäft seinen beiden Schwiegersöhnen Leopold Werlitz und 
Adolf Born. 



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- 45 — 

II. Johanna Rosina, verm. mit dem Kaiserlichen «wirklichen» 
Bath zu Esslingen Christian Gottlieb Williardt. 

III. Maria Barbara, vermählt mit dem Specialsuperintendenten und 
Stadtpfarrer in Markgröningen M. Philipp David Burlc. 

IV. Catharina Margaret ha, verm. mit dem Specialsuperintendenten 
und Stadtpfarrer in Sulz am Neckar M. Eberhard Friedrich 
Hellwag. 

V. Victor Bengel, Medic. Lt. Practicus in Stuttgart, verm. 
18. April 1758, mit Magdalena Elisabetha, geb. Moser. 
Er starb 12. September 1759. 
VI. Ernst Bengel, geb. 12. März 1735 zu Denkendorf. Der- 
selbe trat in die Fusstapfen des Vaters und starb 1793, 
1. April, als Superintendent und Abendprediger in Tübingen. 
Seine Gattin war Maria Friederika, Tochter des Dr. Johann 
Conrad Gmelin, in Tübingen. Sohn: 

Ernst Gottlieb von Bengel, geb. 3. Nov. 1769 zu Zavelstein, 
erst Prediger in Marbach 1800, hierauf erster Professor der Theologie 
in Tübingen, 1800 Mitglied des Senats, später Superintendent des 
dortigen evangelisch-theologischen Stifts und Probst der St. Georgen- 
kirche, erhielt 1820 den Titel eines Prälaten und starb 1826, 23. 
März, mit Hinterlassung verschiedener Schriften. 

Gattin: seit 27. Febr. 1800 Jahanna Elisabetha, Tochter des 
Decans in Neuffen Carl Friedrich Hartmann und der Sophia geb. 
Becherer, 

Die BengeFsche Familie blüht noch heutzutage im Manns- 
stamm durch den einzigen Sohn des Vorbenannten: 

Carl Ernst Albert Bengel, geb. 21. Sept. 1809, einen ange- 
sehenen Arzt Württembergs. 

Das FürstUch Württemb. Dienerbuch enthält folgende höhere Beamte des 
Namen« Bengel (Bengell): Conr., Cl.Hofmateter 341; Vogt 488. — Joh. Albr., Abt 244; 
Gei*tL Conaist-Rath 139 ; Probst 296. — Joseph, Cl.Verwaltter 269, 27* ; Galstl. Verwaltter 
397; Schnltbeiaa 364: Stattachreiber 414; StlftsVerwaltter 553; Vogt 571.— Melch. 
Diacon 548; Special 596.' 



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Betulius. 



Christian Betulius, „der Stammvater aller noch in Württem- 
berg sich befindenden Betuliusischen", wurde im Jahre 1619, nach 
anderen 1620 zu Wildenstein bei Eger geboren. Sein Vater, Daniel 
Betulius, eigentlich Birkener, war Pfarrer in Wildenstein bei Eger 
1629, und wanderte, da er der Religion wegen sein Vaterland ver- 
lassen musste, nach Nürnberg aus, wo er in der Folge als Diaconus 
an der heiligen Geist-Kirche angestellt wurde; d«»r Grossvater, Daniel 
Betulius , Pfarrer zu Frauenreuth bei Eger ; der Urgrossvater, Wolf- 
gang Betulius (Birken, Birkener), Pfarrer zu Stolberg am Harz. 

Ueber Christian Betulius ist in der Betulius'schen Genealogie 
Folgendes angeführt: «er 'wanderte mit seinem Vater und übrigen An- 
gehörigen, insonderheit auch seinen zwei Brüdern, Sigmund von Birken/ 
(t 1681, 12. Juli), welcher seit 1645 unter dem Namen Floridan 
Mitglied, seit' 1662 aber Präsident des edel gekrönten Blumen-Ordens 
an der Pegniz gewesen, und Johann Salomo Betulius, nachmaligem 
Pfarrer zu Grenzkirch in Curland, auch fürstlichem Hofprediger zu 
Mitau, ebenfalls seit 1670 Mitglied besagten Blumen-Ordens unter 
dem Namen Orontes, im Jahre 1629 in der Böhmischen Verfolgung 
der Evangelischen, mit Zurücklassung alles zeitlichen Vermögens, von 
Wildenstein in Böhmen aus ins Reich nach Nürnberg.» 



* Sigismund a Birken dict. Betulius Com. Palat. Cacs., dramatischer Dichter 
nnd bekannt durch sein historisches Werk „Oesterreichischer Ehrenspiegel", Nürnberg 
1668, geb. 1626 zu Wildenstein, war seit 1646 zweiter Erzieher des Prinzen Anton Ulrich 
nnd Ferdinand Mbrecht zu Brannschweig. Das Kaiserliche ihm zngetheilte Beichsadels- 
Diploni, d. a- 1654 (das Kaiser Ferdinand ihm nebst einer Onadenkette verliehen), die 
Palatinats, adelige nnd andere ansehnUche Privilegien enthaltend, nebst noch weiteren 
Gnadenzeichen beaass noch im Jahre 1780 Joh. Chr. Betulius, priv. Antiquar ins in Stuttgart. 



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— 47 - 

In Nürnberg wurde er 1646 als Lehrer am Egidiengym- 
nasium angestellt, darauf zum Pfarrer in Balzenheim, 1655 aber zum 
Rector und „Extraordinariprediger" in Oettingen ornannt, 1657 — 60 
war er ohne Amt in Nördlingen, wurde hierauf 1660 Diaconus in 
Blaubeuren, Klosterpräceptor in Hirsau bei Calw 1668, Pfarrer in 
Dusslingen 1674, zuletzt Stadtpfarrer in Sindelfingen, als welcher er 
1677, 2C. Jan., starb. Betulius war auch kaiserlich gekrönter Poet 
und seit 1669 Mitglied des oben erwähnten Blumen-Ordens unter 
dem Namen Makaristo. Er schrieb: Andächtiger Gotteslieder erstes 
Duzend, Nördlingen 1658. 

Seine Gattin war Anna Maria, geb. Rubinger aus Nürnberg, 
welcher Ehe zwei Söhne entsprossten. 

Derselben Familie entstammte: 

Johann Ludwig Betulius, geb. zu Eger, Pfarrer zu Neuen- 
kirchenberg in Böhmen, «um der Religion willen vertrieben». Exulant 
in Nürnberg 1626, Hofprediger in Hohenlohe- Waidenburg 1632, 
Pfarrer in Untersteinbach 1636. 

Seine I. Gattin war Anna Maria, geb. Hochstetter aus Eger, 
welche im October 1634 nebst 3 Söhnen und 2 Töchtern an der 
Pest starb, noch zwei weitere Töchter hinterlassend; die II. Anna, 
Tochter des Vogts zu Vellberg Mich, Abel, die III. Margaretha, geb. 
Seebach von Oehringen; die IV. Margaretha, des Pfarrers zu Langen- 
beutingen, Fried. Pfaff, Wwe. Die V. ist nicht bekannt. 

Er hinterliess 2 Söhne und 3 Töchter. 

Ebenfalls hieher gehört der Capitän-Lieutenant und Auditor 
Betnllns, welcher diese Stellung im Jahre 1793 bei dem Infanterie- 
Regiment Württemberg bekleidete. 



Dm Fürstlich Württemb. Dienerbuoh enthält folgende Betulius : Ambtmann 423. 
- Htinr. Christ., Vogt 413. 



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BidenbacL 



Eine im XVI. Jahrhundert aus Hessen in Württemberg einge- 
wanderte Familie, als deren Stammvater Johann Bidenbach, Vogt 
zu Brakenheim (1534), bekannt ist. Seine Nachkommenschaft zeich- 
nete sich ebenso in der theologischen wie in der juridischen Lauf- 
bahn aus. Unter ihr sind besonders die drei Söhne des Genannten 
hervorzuheben: 

Eberhard Bidenbach, Dr. und Professor, geb. zu Grünberg 
in Hessen 2. Juli 1528, Diaconus zu Herrenberg 1552, Dr. der 
Theologie 1557, Decan in Vaihingen 1558, später Goneralsuperinten- 
dent und Abt in Bebenhausen, zugleich Herzoglicher Rath, 1594 
Delegirter auf dem Reichstage zu Regensburg. Er starb, seiner vor- 
trefflichen Eigenschaften und Mildthätigkeit wegen gerühmt, den 
24. April 1597 zu Bebenhausen. Seine Gattin war Sophie, eine 
Tochter des berühmten Reformators Brenz. 

Balthasar Bidenbach , Dr. der Theol., Biograph Herzog Chri- 
stoph' s, ebenfalls in Grünberg geboren 1533, zuerst Decan in Blau- 
beuren, dann Hofprediger Herzog Christoph' 's und Assessor des Kirchen- 
raths in Stuttgart 1562, endlich Probst (als Nachfolger Nies Brenz) 
daselbst. Er war mit Lucas Oslander das Haupt der evangelischen 
Kirche in Württemberg. Mit Beurlin und Jakob Andrea wohnte 
auch er dem Gespräch zu Poitiers bei, erhielt auch durch Letzteren 
in Paris die theologische Doctorwürde. Durch die getreue Schilderung 
der damaligen Zeit, wie durch die richtige Zeichnung des Charakters 
seines Herzoglichen Freundes ist er rühmlichst bekannt geworden. Er 
starb an Melancholie 1578. — 



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— 49 — 

Wilhelm Bidenbach, geb. 1538, Freund des Dr. Brenz, Pro- 
fessor an der Artistenfacultät in Tübingen, Pfarrer zu St. Leonhard 
in Stuttgart 1559, Dr. theol. 1563, Prediger an der Stiftskirche 
daselbst (als College des Brenz), Herzoglicher Consistorialrath und 
Hofprediger, ein eifriger Streiter für die lutherische Kirche. Sein 
litterarischer Nachlass bestand hauptsächlich in Streitschriften gegen 
die Jesuiten. Er starb, ebenfalls der Melancholie verfallen, durchs 
einen zufälligen Fall von einem Thurme herab, 6.- April 1572 zu 
Bebenhausen bei seinem Bruder. Er hielt die Leichenrede über 
Herzog Christoph. — 

Felix Bidenbach, Sohn des Vorigen, geb. 8. Sept. 1564 in 
Stuttgart, Herzoglich Württembergischer Rath und Hofprediger 1592, 
Dr. der Theologie 1604, Abt in Adelberg 1606, dann in Maulbronn, 
gleichzeitig auch General-Superintendent und Mitglied der Landschaft. 
Im Jahr 1601 ging er im Auftrag Herzog Friedrich? s mit dem 
Kanzler Andreas Oslander nach ßegensburg. Er zeichnete sich 
besonders durch Frömmigkeit, Gelehrsamkeit und Fleiss aus und 
starb 1612, 7. Januar, während einer Sitzung mit den dortigen 
Theologen vom Schlage gerührt; daselbst liegt er auch ' begraben. 
Bidenbach schrieb Mehreres. 

Seine Gattin war eine Enkelin von Brenz. 

Ebenfalls hierher gehört: 

Georg Wilhelm Bidenbach von Treuenfeis, auch zu Ossweil und 
Ehningen, geb. 1614 zu Tübingen, wo sein Vater, nachher iger kaiser- 
licher Beichshofrath, damals Professor war. Derselbe widmete sich dem 
Studium der Jurisprudenz und wurde im Jahre 1644 zum Herzoglich 
Württembergischen Oberrath ernannt, welche Stelle er nach des berühmten 
Varenbüler's Tod, dessen Tochtermann er war, mit der eines Obervogts 
von Leonberg und Geh. Regimentsraths vertauschte. Vom Kaiser auf An- 
trag Herzog Eberhards III. in den Reichsadelstand mit dem Beinamen 
ton Treuenfels erhoben starb er, nachdem er von seinem Herzoge 
oftmals als Gesandter bei Kreis- und Reichstagen gebraucht worden 
war, ebensosehr seiner seltenen Treue und Redlichkeit als seiner 

n. titergil-Georgenan, Biographisoh-Qenealogiache Blätter etc. 4» 



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— 50 — 

geistigen Ueborlegenheit wegen hoch geschätzt, 107 7, 23. August, 
zu Leonberg. Seine Gattin war seit 7. April 1657 Susann^ Tochter 
des Com.-Palat., Geh. Regimentsraths und Obervogten Johann Conrad 
Vambüler yon and zu Hemmingen. 



Das Fürstlich Wdrttemb. Dienerbuch enthält folgende Bidembach (Bidtnbach, 
Bydtmbach) : Balth., Geistl. Rath Im Oonslst 135 , Hofprediger 190 ; Probst 543 — Christoff, 
Archivariua 38 ; O.R.Beglstrator 82. — Eber*., Abt. 247 ; Special 696. Felix, Abt 237, 238. 
812. Decan 395 ; Hofprediger 191 ; StifftsDiaconus 550 ; Stiffte-Prediger 644. — Herc, Vogt 
426 ; Vorstmaiater 428. — Joh., Gel. Hoffcer.Beyaiteer 78 ; Vogt 402. — Wilh., Gel. O.Rath 
61 ; Hofprediger 191 ; StiftsPrediger 544. 



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Bilfinger. 



Georg Bernhard Bilfinger, aus einer altangesehenen württem- 
bergischen Familie abstammend, wurde den 23. Januar 1693 zu 
Cannstatt geboren. Sein Vater, Johann Wendel Bilfinger *, t 1722, 
15. Februar, war Special-Superintendent in Cannstatt, zuletzt Prälat zu 
Blaubeuren; die Mutter, Anna Kunignnda, eine Tochter des ältesten 
Predigers der alten freien Reichsstadt Worms Hartmann Mantz 
und der Anna, geb. Renter; der Gross vater Ludwig Bilfinger, 
Klosterverwalter in Denkendorf 1649, Stadtschreiber in Nürtingen 
1654, in Spütler's «genealogischen Nachrichten von der Bilfinger' - 
sehen Familie» Stuttgart 1802 als Stammvater „aller noch heut- 
zutag blühenden Branchen" aufgeführt; die Grossmutter Anna Maria, 
eine Tochter des Verwalters in Nürtingen Andreas Hornnng, und 
der Maria, Tochter des Probsts zu Denkendorf Schropp; der Ur- 
gros3vater Wendel Bilfinger, t 1661 , 12. April, Decan zu Nür- 
tingen 1636 , nach dem westphälischen Frieden der 1. Abt zu 
Lorch and des engern Landschafts -Ausschusses Assessor; die Ur- 
grossmutter Elisabeth*, geb. Mayer; der Umr-Grossvater Lndwig 
Bilfinger, t 1633, 6. December; die Urur-Grossmutter Maria 
„Gültlingerin"; der Urur-Ürgrossvater Wendel Bilfinger, t 2. Sep- 



* Nach unverbürgter Ueberlieferung ist der Name Bilfinger, BQlfflnger aus Viel- 
flngtr Ton einer in der Familie vererbten Missbildung der Hand und Zehen enstanden, 
in Wirklichkeit aber wohl eher von einem Orte Bllnngen , etwa dem Badlaehen , abzu- 
leften. Uebrigens kam Qeorp Bernhard Bilfinger mit 12 Fingern und 11 Zehen sur Welt 
und wurden ihm die überflüssigen Glieder wenige Tage nach der Geburt abgenommen. 
»Ir war auch,'* heieet ea in seiner Leichenrede, „mit einem Feuer-Strich an der Stirne 
f«eichnet M 



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— 52 — 

tember 1588, Bürgermeister von Leonberg. Um 1400 kommt ein 
Ludwig Bfilfflnger als «Monachus in Monasterio Blabyrensi, sepultus 
in Monasterio Wibligensi» vor, ferner um 1500 Ludwig Bfllfflnger? 
Monachus Herrenalbensis, sowie endlich ein Ludwig Bülfflnger, civis 
Leonbergensis, vixit 1478, Ein Zweig der Familie liess sich später 
in Sickingen in der Pfalz nieder. 

Georg Bernhard studirte anfangs in den Klöstern Blaubeuren 
und Bebenhausen Theologie, und kam hierauf in das theologische Stift 
nach Tübingen, wo er sich hauptsächlich auch auf das Studium der 
Mathematik und Physik verlegte, in welch beiden Wissenschaften 
er denn auch bald ausgezeichnete Kenntnisse erlangte. Diese Be- 
schäftigung führte ihn zu einer andern, die seinen lebhaften, forschenden 
Geist wo möglich noch mehr anzog. Es war diess das Studium des 
von Wolf in Halle auf den Ideen des grossen Leibniz neu aufgestellten 
Lehrgebäudes. Stundenlang konnte er nun , um seinen Gedanken 
besser nachhängen zu können, oft ohne ein Wort zu reden, auf einer 
Stelle stehen bleiben, ja er fiel sogar einmal, nachdem er also eine 
Zeitlang stumm und starr vor dem Ofen gestanden hatte, plötzlich 
um. Angstvoll eilten seine Genossen herbei und fragten: Was ihm 
sei, wie er sich befinde? Er aber antwortete: Sie ist doch ein uner- 
forschliches Geheimniss, die Verbindung zwischen Seele und Leib. 
Nach Vollendung seiner Studien und nach einem rühmlich bestandenen 
Examen wurde er Vicar, hierauf Schlossprediger zu Tübingen und 
bald nachher Repetent im theologischen Stift, und da gab es nun 
auf der Hochschule keinen, der ihm gleichgekommen wäre oder ihn 
übertroffen hätte. 

Doch jetzt fühlte Bilfinger eine solche Begierde die Welt zu 
sehen, und vor Allem den Urheber des von ihm so sehr verehrten, 
neuen philosophischen Lehrgebäudes, persönlich kennen zu lernen. 
Er ging daher nach Halle, wo ihn der Umgang mit Wolf so 
sehr fesselte, dass er 3 Jahre daselbst verweilte. Ins Vaterland 
zurückgekehrt, erhielt er, da die damaligen Theologen fest am alten 
orthodoxen System hingen, nur mit Mühe die Stelle eines ausserordent- 



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- 53 — 

liehen Professors der Philosophie an der Hochschule (1721), wozu 
1724 noch das Amt eines Professors der Moral und Mathematik am 
'Collegium illustre, einer Staatsanstalt für die Bildung des jungen 
Adels, kam. 

Es erschienen nunmehr seine ausgezeichneten Schriften über 
die menschliche Seele etc. 

Im Jahre 1725 folgte er einem durch die Vermittlung Wolffs 
an ihn ergangenen Kufe Peters des Grossen von Bussland als Professor 
der Philosophie und Mathematik bei der neu errichteten Akademie in St. 
Petersburg, wohin damals die gelehrtesten Männer der Welt gezogen sind. 
Gleich nach seiner Ankunft daselbst wurde er der Kaiserin vorgestellt, 
wobei Bilflnger eine Ansprache an dieselbe in deutscher Sprache hielt. 
Sein damals schon bei der Königlichen Akademie zu Paris hoch 
stehender Ruhm vergrößerte sich in seiner neuen Stellung hauptsächlich 
noch dadurch, dass er den von den Gelehrten für die Lösung der Frage „de 
causa gravi tatis corporum" ausgesetzten Preis mit 1000 Reichsthaler n er- 
rang. Für eine nicht bekannt gemachte Erfindung in der Befestigungs- 
knnst erhielt er vom Petersburger Hofe 2000 Gulden. 

Als sich Bilfinger, wie oben erwähnt, im Jahre 1724 nach 
Petersburg begab, Hess er noch vorher sein Bildniss mit folgender 
Unterschrift zurück: 

»So sieht mein Letten-Haus an Stirn und Händen aus; 
Die Seele sucht durch Lehren dea grossen Gott zu ehren.« 

Im Jahre 1731 von seiner Landesregierun gzurückbemfen, wurde er 
von dem Herzoge zum Schrecken der orthodoxen Theologen Tübingens zum 
Professor der Theologie und zum Superintendenten des Stifts in Tübingen 
ernannt; vom Predigen wurde er indess auf sein Verlangen freigesprochen. 

Während seiner theologischen Professur lernte ihn besonders 
Herzog Karl Alexander seiner mathematischen Kenntnisse wegen 
schätzen und blieb mit ihm von Belgrad aus in beständiger Corre- 
spondenz. Als der Herzog einst sich mehrere Wochen in Wildbad 
aufhielt, musste Büfinger die ganze Zeit über an seiner Seite zubringen. 



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- 54 — 

Nach Herzog Karl Alexanders Regierungsantritt 1733 stieg 
Bilfinger rasch zum wirklichen Geheimen Rath und 1737 zum 
Consistorialpräsidenten und Grossen Jagd-Ordens- Sekretär empor und* 
es ist so aus dem Philosophen und Professor nun plötzlich ein Minister 
geworden. Er war nun eines der thätigsten und wichtigsten Mit- 
glieder des Ministeriums, das während der Vormundschaft sich keine 
geringe Gewalt zu verschaffen wusste. Selbst Süss, der Allgewaltige, 
vermochte ihn nicht zu stürzen. Bilfinger s Gutachten über die 
mährische Brüdergemeinde verdankte u. a. auf Oeiingers Anregung 
Zineendorf die Aufnahme in den geistlichen Stand durch die würt- 
tembergische Kirchenbehörde. 

Nach Karl Alexanders im Jahre 1737 erfolgtem Tode spielte 
Bilfinger als mitvormundschaftlicher wirklicher Geheimer Rath eine 
bedeutende Rolle. Einen Beweis seiner intelligenten und zugleich 
humoristischen Anschauung mag folgender kurzer Auszug aus einem 
sub 16. Juni 1742 an den mitvormundschaftlichen wirklichen Ge- 
heimen Rath Georgii in Berlin gerichteten Briefe * Bilfinger' s geben : 

Stuttgart, den 16. Juni 1742. 
Hochgeehrtester Herr Geheimerath! 
Euer Wohlgeboren Herr Bruder wird in ungefähr 8 Tagen 
auf die Höhe fahren und sein Netz auswerfen. Dominus benedi- 

cat 

Stuttgart, 12. August 1742. 
Die Frankfurtische Negotiation Ihres Herrn Bruders hat schwer 
angefangen, ist in ein gutes Geleis gekommen. Nun warte ich täg- 
lich auf den Ausgang. 

Stuttgart, 22. August 1742. 
Dass Serenissimus gegen den B. Hof indisponiret seye, ist mir 
wissend. Die Stunden in der Welt sind nicht gleich. Man kann 

* Conf. Sammlung von Lebensbeschreibungen, Briefen und sonstigen Urkunden 
betreffend die Georgii'sche Familie, zugleich Beiträge zur Geschichte Württemberg» 
und Deutschlands. Stuttgart 1876. Herausgegeben von Generalconsul von Georgü- 
Georgenau. 



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— 55 — 

ja schon um 11 Uhr ungedultig sein, und um 12 Uhr vergnügt 
werden, wenn indessen einläuft, was man erwartet, oder wenn sich 
das Zweideutige indess aufschliesst. 

Dass die Baireut'schen Herrschaften im Demach missvergnügt 
gewesen, weiss ich nicht. Im Anfang gab's Missverstand mit den 
Fräulein, da man nach hiesiger Mode die Hofdames nach den ver- 
heuratheten Dames setzte, ob sie wohl in Baireuth den Bang gleich 
nach den Geheimerathsfrauen haben. Man hat sich aber hernach von der 
hiesigen Mode belehren lassen und ist lustig gewesen und hat brav getanzt. 

Wegen Einrichtung der Akademie ist nichts zu thun, so lange 
Krieg ist, so lange man nur Franzosen gebraucht, so lange man 
mehr auf belles lettres als sciences ddnkt, und so lange man das 
Detail selber einrichten will. 
P. P. 

Ich praetendire, dass man Ihrem Herrn Bruder vorher seine 
Sachen ausmache, sonsten thue ich keinen Zug. 

Wenn einmal Imperator von Frankfurt hinweg ist, so ist der 
casus abscheulich vulnerirt. Ich fürchte immer, man wird uns hier- 
nach mit unsern Beversalien laufen lassen. Das Beste ist, dass als- 
dann der König iu Preussen mit seiner Negotiation sich so stark 
eingelassen, dass Ers per honores hinausführen muss. N. B. ver- 
gessen Euer Wohlgeboren nicht, per amicum nostrum es dahin zu 
bringen, dass zu denen Preussischen Capitulationsactis eine Roubrique 
und Notamen gemacht werde, die Reversales nach unsern letzten 
petitis loco allegato einzurücken. Wir wissen nicht, was bei künf- 
tigen casibus vor Leute in Stuttgart und Berlin leben: vinculiren 

wir jene durch die jezige zum Voraus. Adieu. 

Bilfinger. 

Bilßnger war Mitglied der auswärtigen kaiserlich russischen 
Academie und der königlich preussischen Gelehrten Gesellschaft. Er 
starb unvermählt von Jedermann hochgeschätzt und tief betrauert 
den 18. Februar 1750. 

Das höchste Lob spendete den Manen Bilfingcrs Friedrich der 



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— 56 - 

Grosse, indem er nach einer Ueberlieferung in Bilfingers Familie zu 
einem von dessen Neffen sagte: »Das war ein grosser Mann, dessen 
Andenken ich stets verehre!« 

Bilfingers Wahlspruch war: Das ganze Leben muss ein un- 
unterbrochenes Streben nach Besserung sein, oder wie er diess öfters 
bildlich auszudrucken pflegte, das Leben des rechtschaffenen Mannes 
muss sein, wie die grossen Fracturbuchstaben Ein Zug durchs ganze 
Leben hindurch. Er war es auch, ein wahrhaft grosser Mann, von 
ungeheuchelter Religiosität, die sich in Worten und Handlungen bei 
ihm aussprach; fest hing er am Christenthum , und war innig von 
dessen Wahrheiten überzeugt. Die Lehren der geoffenbarten Religion 
behandelte er mit Ehrerbietung und bediente sich seiner Philosophie 
zu ihrem Schutze, nicht zum Angriff auf sie. Auch zeigte er gegen 
Andersdenkende grosse Duldsamkeit. Neid und Hass waren ihm 
gänzlich fremd. 

Ebenfalls dieser Familie entstammten: 

Christian Lndwig Bilfinger, Med. Dr., geb. 1736 (nach Andern 
1739) in Sielmingen, Stadt- und Landphysicns in der Stadt Isny 
und dem dortigen Reichsstifte, auch Hospitalpfleger. — 

Gottfried Lndwig von BHfinger, Herzogl. Wörttemb. Oberst und 
Commandant des III. Infanterie-Regiments, 1762 (» von Gabelenz*). — 

Expeditionsrath und Landschafts - Einnehmer Jacob Fried. Bil- 
flnger hatte 7 Kinder, von denen 1 Tochter, Namens Johanna 
Elisabeth«, die Gattin des Oberstlieutenants und Commandanten von 
Hohentwiel Wolf gang Glaser* wurde, welcher 1756 starb. — 

Wendel von Bilflnger, geb. 2. Sept. 1758 als Sohn des Her- 
zoglich Württembergischen Regierungs-Rathes in Stuttgart Ferdinand 
Friedrieh Bilflnger, Königlich Preussischer Kriegsrath, später Ge- 
heimer Legationsrath und Landrath des Kreises Schlawe in Pommern, 

* Ein anderer dieses Namens, Karl von Glaser, geb. 2. September 1797, machte 
als Lieutenant die Feldrüge mit und starb 1852, von meuchlerischer Hand ermordet 
als Königlich Württembergischer Major im Ehreninvalidencorpe. Ein dritter endlich, 
Friedrich von Glaser, geb. 16. Oct. 1767, als Sohn des Hauptmann Joh. Georp von Glaser, 
war Königlich Württembergischer Oberst. Derselbe vermählte sich mit Carolins, einer 
Tochter des Oberstlientenants Freiherrn von Welling und der Carolins, einer geb. von Zech. 



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- 57 — 

wurde laut Diploms yom 8. Februar 1791 in den preussischen Adels- 
stand erhoben. Er nannte sich >Herr auf Postamin« und ist 1835 
mit Hinterlassung männlicher Nachkommen gestorben. — 

Ludwig Büflnger, Bruder des Vorigen, geb. 10. Sept. 1756, 
Stallmeister in Hannoverschen Diensten. — 

Engen Ton Büflnger, Königlich Württembergischer Major, t 
1865, 7. Februar im 70. Jahre seines Alters. — 

Friedrich Ludwig Ton Büflnger, Sohn des Bergraths Ludwig 
Büflnger, t 1863 und der Friederike, geb. BUfinger, Bergrath und 
Saliuenyerwalter in Friedrichshall. Er war es, der zuerst daselbst Sohle 
und Steinsalz fand, auch die Saline Friedrichshall, die erste Saline ganz 
Süddeutschlands, gründete. BUfinger starb im December 1863. — 

Hermann Wendel tob Büflnger, Sohn des Vorigen, geb. 2. 
November 1808, Bergraths-Director in Stuttgart, Ritter des Kron- 
und Friedrichsordens, Commenthur des Kaiserlich Russischen St. Annen- 
Ordens, verm. den 26. October 1837 mit Jeanette, geb. 16. Mai 
1814, Tochter des 1832 t Hüttenverwalters Alois Hefele, (Bruder 
des Bischofs) und der Eleonore, geb. von Winkler, 1 1844. Kinder: 
L Friederike Eleonore, geb. 23. December 1841, ledig. IL Anna, 
geb. 25. Februar 1841, vermählt seit 8. Mai 1862 mit Max 
Römer, Hüttendirektor in Kindberg (Steyermark). III. Luise, geb. 
1. Januar 1851, verm. seit 2. April 1878 mit Julius Giger, Revier- 
förster in Bermaringen O.-A. Blaubeuren. IV. Hermann, geb. 21. 
September 1838, Kaufmann in Marseille, ledig. V. Gustav Adolph, 
geb. 6. März 1840, Professor am oberen <Tymnasium in Stuttgart, 
ledig. Vi. Ludwig Eugen, geb. 4. September 1845, k. Revierförster 
in Alpirsbach, ledig. VII. Eugen Christoph, geb. 18. October 1847, 
Dr. Med., praktischer Arzt in Neuenstadt an der Linde, ledig. - 

Georg Bernhard von Büflnger, Director der Königlichen Ober- 
rechnungskammer, Mitglied der Centralstelle für die Landwirthschaft, 
der Centralleitung des Wohlthätigkeitsvereins, der Staatskassen -Ver- 
waltung, Ritter des Ordens der Württembergischen Krone, des rus- 
sischen St. Annen-Ordens 2. CK, des St. Stanislaus-Ordens 2. Cl. ; 



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— 58 — 

Commenthur 2. Cl. des badischen Zähringer Löwen-, des oldenburgischen 
Haus- und Verdienst-Ordens, Ritter des bayerischen Civil -Verdienst- 
Ordens, des Hannoverschen Guelfen-Ordens, Ritter 1. Cl. des Gross- 
herzoglich Hessischen Ludwigs - Ordens , Offizier der französischen 
Ehrenlegion, t 1872, 18. März, zu Stuttgart. — 

Carl Johann August Bilflnger, Kameralyerwalter in Vaihingen 
a. d. Enz, geb. 12. Jan. 1776. Gattin: Dorothea Friedrike, geb. 
Henglin. Kinder : 

A) M. Carl Friedrich Bilflnger, Dr. und Pfarrer in Dizingen, 
geb. 24. Jan. 1806. Gattin: seit 1838 Adelheid, geb. Frank, geb. 
24. Febr. 1817. 

Kinder: 
I. Marie Elisabeth, geb. 8. März 1840, vermählt mit Felix 
Buttersack, Professor in Heidelberg. II. Hermann von Bilflnger, 
geb. 8. März 1843, Hauptmann und Generalstabsofficier in Berlin. 
Gattin: Henriette, geb. Ruoff. Kinder: III. Adolf, geb. 5. März 
1846, Garnisons Pfarrer. Gattin: Sophie, geb. Weizsaecker. Kinder: 
IV. Paul, geb. 4. Mai 1847, Hauptmann im 8. Infant.-Regiment in 
Strassburg. Gattin: Anna, geb. Hander. — 

B) Albert, geb. 6. Aug. 1807, Kameralverwalter. Gattin: 
Caroline, geb. Mebold. C) Otto, geb. 12. April 1811, Pharmaceut. 
Gattin: Emma, geb. Becker. D) Paul, geb. 26. Juli 1830, Kanzlei- 
rath. Gattin: Elisa, geb. Christian. 

Das Fürstlich Württembergische Dienerblich enthält folgende höhere Beamte 
des Namens Bilflnger (BOlflnger, Pülflnger): CLPfleger 294; Gaistl. Verwalter 440; Keller 
82; Lehen-Secretär 82; Reg R.Secretar. 76: SpitalDiacon. 552; Stattschreiber 494. - Andr. 
C l Pfleger 204. — Carl Frid., Gaistl. Verwaltter 598; Pfarrer 527; Vogt 473, 516. - 
Christian Lud*., Geh.B.Registrator 46. - Christof Frid., Keller 592; RechenbanckhsRath 
122; Visitat.Secretar. 158. — Fried. Ferd., Gel.O.Rath 67. — Hans Ludw., SUttachreiber 
517 . _ Heinr. Christian, Abt 300. — Joe. Andr., Cl. Verwaltter 269. — Joe. Frid., Land- 
Bchaffts-Einnemer 559. - Joh. Bernh., Consiat.Praesident 136; Gel. Geh.Rath 27. - Joh. 
Ludw., Cl.Verwaltter 276. - Joh. PhU., Cl Verwaltter 324; Gaistl. Verwaltter 598. - Joh. 
Wendel, Abt 268, 305; LeibMedicus 196; Pfarrer 413. — PhU. Ooltfr., ClHofmetoter 345; 
Keller467: Stattschreiber 517. — Phil. Ludw., Ol.Pflegcr 322. — Wendel, Abt 305; Pfarrer 516. 



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Binder. 



Christof Binder, württembergischer Theologe, geb. 1519 in 
Grützingen bei Nürtingen, Sohn des Georg Binder, Pfarrers daselbst, 
welcher mit Herzog Ulrich während dessen Exils bestandig in 
Correspondenz stand. Er studirte zu Tübingen, magistrirte daselbst, 
wnrde hierauf znm Pfarrer in Denkendorf ernannt und kam von da 
in der Folge auf die Pfarreien Grötzingen und Nürtingen, welch* 
letztere er 8 Jahre lang bekleidete. Nach dem Tode des berühmten 
Reformators Dr. Schnepf, Professors und Pfarrers zu Tübingen, trat 
er an dessen Stelle. 1565 ging er als Generalsuperintendent und 
Abt nach Adelberg und wurde bald darauf von der Herzoglich Würt- 
tembergischen Landschaft in den grossen Ausschuss gezogen. Mehr- 
mals war er von seinem Landesfürsten in wichtigen Kirchensachen 
nach auswärts entsendet worden, so 1562 nach Reichenweyher, nach- 
her mit dem Probst und Canzler Andrea zu der Stigelischen Contro- 
verse (Synergismus) nach Jena und Weimar, dann nach Mömpelgard 
1571, zuletzt 1594 von der Landschaft im Verein mit Dr. Eber- 
hard Bidenbach, damaligem Abte von Bebenhausen, auf den Reichs- 
tag nach Regensburg 1594. Seit seiner Rückkehr von dieser letz- 
teren Sendung fing er an zu kränkeln und starb, nachdem er 31 Jahre 
lang die Abtei von Adelberg als Vorsteher der dortigen Klosterschule 
:ür künftige Geistliche bekleidet hatte, von Jedermann hochgeschätzt 
1596, den 31. October. Er hinterliess 12 Kinder und Stiefkinder» 
Einer seiner Tochtermänner war der Abt und Generalsuperintendent 
zu Maulbronn, Wilhelm Holder; einer seiner Söhne war Magister 
Christoph Binder, Pfarrer in Göppingen 1575, in Neckarhausen 



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— 60 — 

1578 — 86, Pfarrer in Regensburg, t wit Hinterlassung männlicher 
Nachkommenschaft; ein weiterer ufteorg Binder, Pfarrer in Rosswälden 
1577 — 1620. Ein Sohn dieses letzteren war der Herzoglich Würt- 
tembergische Hofprediger und Consistorialrath, Dr. Christof Binder, 
Prälat in Maulbronn, Hofprodiger und Consistorialrath 1609, und 
Landschaftsassessor, t 1616, äen 3. Juni. 

Ebenfalls dieser Familie gehören an: 

Johann Friedrich Ton Binder, welcher im Jahre 1646, 5/15. 
October, zu Colmar in Ober-Elsass als Sohn des älteren Stättmeisters 
daselbst und gleichzeitigen Reichskammer-Gerichts-Beisitzers zu Speier, 
Friedrich Binder II,, und der Urania, einer geb. Barth, („jene aus 
dem Herzogthum Württemberg; diese die Barthischen aus der ge- 
freiten Grafschaft Burgund stammend,") geboren wurde. Ein Urgross- 
onkel Friedrich' $ war der von der schweizerischen Eidgenossenschaft zu 
Anfang des Jahres 1555 mit 33 Fähnlein Landsknechten dem Kaiser 
Karl V. gegen die Türken und Rebellen in Ungarn zu Hilfe ge- 
sandte Hauptmann Ludwig Binder, welcher die ihm aufgetragene 
Sendung so glücklich ausführte, dass er schon im Monat Februar 
die Rebellen vollständig aus dem Felde schlug. Der Kaiser erhob 
ihn 6. Februar 1550 in den Reichsadelstand.* Mehrere von dessen 
Anverwandten und Nachkommen haben in der Folge in Kaiserlichen 
Kriegsdiensten, theils als Feld-Obriste, theils als CommandanW ihr 
Leben gelassen. 

Friedrich besuchte das Gymnasium seiner Vaterstadt, welches 
damals unter dem Rectorate seines Onkels, Emannel Binder, nach 



* Was Wappenbrief wie Reichsadels-Diplom der Familie Binder von KritgUtei* 
in frühester Zeit betrifft, so sind deren folgende zu verzeichnen: 

1509, 29. M&rz: Erbietung eines kaiserlichen Wappenbriefes an Wendelin Binder, 
Syndicus zu Colmar. 

1589, 27. Oktober: Bestitigungsdiplom des Reichsadels mit Vermehrung des 
Wappens an Friedrich Binder von Kriegist ein. 

1634, 12. Juli und 1648, 12. Juli : weitere Bestätigungsdiplome und zwar ersteres 
an Stephan, KaiserL und Kurbayer. Oberst ; letzteres dagegen an Fried- 
rich IL, Binder von KriegUtein, 8tattmei*ter zu Colmar und Reichs- 
kämme r- Beisitz er zu Speyer; beide waren Brüder. 



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— 61 — 

diesem letzteren aber unter dem des Johann Georg Volniar, Bruders- , 
sohns des ehemaligen Kaiserlichen Ministers Isaac Volmar, stand, und 
begab sich, nachdem er noch vorher mehrere Jahre zur Erlernung der 
französischen Sprache in Mömpelgard zugebracht hatte, auf die Uni- 
versität nach Strassburg, woselbst er sich dem Studium der Rechts- 
wissenschaft widmete. Nach Absolvirung derselben ging er nach 
Speyer, um bei dem damaligen Kaiserlichen Kammergerichts- Advokaten 
con Jülchen die Cameralia practiseh zu erlernen. Hierauf machte er 
Reisen, nach deren Beendigung er von der Stadt Landau zu ihrem 
Syndicus berufen wurde. Vielerlei Drangsale hatte er in diesem Amte, 
besonders als 1672 der Krieg ausgebrochen und sich in die Chur- 
pfalz gezogen hatte, auszustehen, denn nicht nur wurde er, während 
die Stadt Landau von den Franzosen eingenommen und geschleift 
wurde, oftmals zu den beiderseitigen Armeen gesandt, sondern er 
schwebte auch, als diese Stadt bald von den Franzosen, bald von 
der Kaiserlichen alliirten Armee überrumpelt und ausgeplündert 
wurde, als treuer Anhänger des Kaisers und seines deutschen Vater- 
landes wiederholt iu sichtbarer Lebensgefahr. Dazu wurde er einst 
auf einem Bitte von Landau nach Speyer in der Hälfte des Weges 
von Räubern überfallen, vom Pferde gerissen, entwaffnet, in den 
Wald geschleppt, ausgezogen und völlig geplündert, und gelang ihm, 
während er eben erschossen werden sollte, die Flucht nur dadurch, 
dass er, während die Räuber selbst über die Theilung ihres Raubes 
uneinig waren, diesen Augenblick benützte und ihnen entrann. Nach- 
dem ihm eine Regierungsrathsstelle in Heidelberg und gleichzeitig 
die eines Syndicus der freien Reichsstadt Strassburg angetragen 
worden war, entschied er sich für die letztere. Viele Sendungen an 
den Kaiserlichen Hof führte er in dieser seiner neuen Stellung 
aus and verwaltete dieselbe mit ausgezeichneter Umsicht und Klug- 
heit solange, bis die Franzosen sich der Stadt Strassburg bemäch- 
tigten und ihm, als einem treuen Diener von Kaiser und Reich, 
bevorstand, in die Festung Quincpercurantin in der äussersten Küsten- 
provinz der Bretagne gesteckt zu werden. Dieser Aussicht aber 



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— 62 - 

entzog er sich durch eine rasche Flucht nach Frankfurt a/M., wo 
er von seinen Anverwandten, hauptsächlich dem Churfürstlich Säch- 
sischen Geheimenrathe und Gesandten, Anton von Schott, aufs herz- 
lichste aufgenommen wurde und durch dessen Vermittlung, sowie 
durch die der damals daselbst anwesenden Kaiserlichen Minister, der 
Grafen Rosenberg und Strattmann, die Stelle eines Syndicus dieser Stadt 
erlangte, als welcher er bald darauf in der Eigenschaft als ComHial- 
Gesandter nach Regensburg ging. In dieser Zeit wurde ihm vom Kaiser 
•durch den Reichshofraths-Präsidenten , Fürsten von Schwarzenburg, 
die € wirkliche > Reicbshofrathsstelle verliehen, in die er im Jahr 1686 
zu Wien introducirt ward. Auch dieses Amt verwaltete er gewissen- 
haft. 1698 wurde er seiner Gesundheit wegen von den Aerzten in 
die Bäder nach Schwalbach und Schlangenbad gesprochen. Als er 
«ben im Begriff war, von Frankfurt aus seine Function wieder anzu- 
treten, erhielt er den Kaiserlichen Befehl, als Subdelegat dem zwischen 
dem Kaiser und der Krone von Frankreich obsch webenden Orleanisti- 
schen Successions-Compromiss in der Churpfalz am Ober-Rhein zu 
Risswick anzuwohnen, welch' schwere Negociation er zur vollsten 
Kaiserlichen Zufriedenheit ausführte; er war es, der hauptsächlich 
dazu beitrug, dass der von dem Königlichen französischen Minister, 
Praetor und Schiedsrichter, von Obrecht, aufgestellte Antrag vollständig 
verworfen und dass vom Kaiser diese Verwerfung bestätigt wurde. 
Nach Erledigung dieser Angelegenheit kehrte Binder wieder nach 
Wien zurück, wo er indess schon den 17. Juni im Jahre 1709 in 
seinem an der Wien gelegenen Hause starb und auf dem evangelischen 
Gottesacker in der daselbst befindlichen Gruft oder sogenannten Erb- 
Blindfülle derer von Binder und von WiUisen {Wülussin) mit Nr. 36, 
37, beigesetzt wurde. 

Seine Gattin war seit 1671, 23. October, Anna Catharina, 
Tochter des Gräflich Rappolsteinischen Leib- und Hofarzts, auch 
-Stadtarzts von Colmar, Johann Valentin Will (von Wülussin). — 

Friedrich III. Binder von Krieglstein , Bruder der Vorigen. 
Derselbe, vermählt mit Elisabeth, einer Enkelin des Martin Binder- 



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— 63 — 

Krieglstein, Stättemeisters zu Colmar, welch letzterer schon zu Anfang des 
16. Jahrhunderts einen Wappenbrief besass nnd 1595 mit dem Prä- 
dicate von Wandelburg im Adelsstande bestätigt wurde, scheint von 
dem Adel keinen Gebrauch gemacht zu haben, da von ihm Johann 
Binder, kaiserl. Beichshofrath und Administrations-Commissär der 
eroberten preussischen Lande, stammt, welcher nebst seinem Bruder 
Ludwig Binder, kurfürstlichem Kath, laut Diplom von 1 723 in den 
Beichsritterstand erhoben wurde mit dem Prädicate : Edler von Kriegl- 
stein. Johann Binder wurde sodann im Jahre 1759 noch in den 
Freiherrnstand erhoben. Die freiherrl. von Binder'sche Familie blüht 
noch heutzutage in Oesterreich und hat sich aus ihr namentlich 
Freiherr Friedrich yon Binder, geb. 1708, als kaiserl. Legations- 
Secretär, als welcher er den Fürsten Kaunitz, dessen Intimus er war, 
auf seinen Gesandtschaften begleitete, ausgezeichnet. 

Friedrich von Binder starb als kaiserl. wirklicher Geheimer Rath. 

In Württemberg haben sich nachstehende Träger des Binder'- 
schen Familiennamens ausgezeichnet: 

Christian Binder, Sohn des 1766 t Prälaten in Königsbronn, 
Christoph Binder und Urenkel des Seite 59 erwähnten Christoph 
Binder. Geb. zu Hedelfingen 25. December 1741 legte derselbe den 
Grund seiner Studien in den lateinischen Schulen zu Bietigheim und 
Ludwigsburg, zunächst aber bei dem 1 797 verstorbenen Pfarrer Flattich 
in Mündungen, damals in Metterzimmern, bezog hierauf die Universität 
Tübingen 1759, wurde Vicar zu Ludwigsburg 1762, zu Königsbronn 
(bei dem Vater) 1765, Pfarrer in Dachtel 1769, in Eberstatt 1770, 
zu Ottmarsheim und Liebenstein 1738 und zu Budersberg 1801. 
Er ist der Verfasser der »Wirtemb. Kirchen- und Lehrämter etc.« 
Tübingen 1798—1800. — 

Christian Binder, Königl. Württemb. Hofrath, 1 1840, 29. März, 
Verfasser der trefflichen > württembergischen Münz- und Medaillen- 
kunde« (ergänzt und herausgegeben von C. B. Stalin, Stuttgart 1846). 

Söhne: 

Prälat Dr. von Binder, Generalsuperintendent zu Ludwigsburg, 



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— ■ 64 - 

und als solcher Mitglied der Kammer der Abgeordneten seit October 
1860, Commenthur II. Kl. des K.Friedrichs- und Ritter des Königl. 
Württembergischen Kron-Ordens. t 1868, 21. Oktober im 65. Jahre 
seines Alters; und 

Dr. Gustav von Binder, geb. 1807 in Augsburg, Director der 
Königl. Württembergischen Cultministerial-Abtheilung für Gelehrten- 
und Realschulen, Commenthur des Krön- und Friedrichs-Ordens. — 

Wilhelm Christian Binder, geb. 1810 in Weinsberg, widmete 
sich seit 1828 dem Studium der Theologie und Philologie in Tübingen, 
wurde 1831 Professor der deutschen Literatur und der Geschichte zu 
Biel, hierauf wissenschaftlicher Arbeiter an der Staatskanzlei in Wien 
1833, welche Stellung er 1841 quittirte; nun zog er nach Ludwigs- 
burg, lebte daselbst als Privatmann und trat zur katholischen Kirche 
über. 

Er ist Verfasser verschiedener Schriften. x 



* Du Fürstlich württembergische Dienerbuch enthält folgende höhere Beamte 
des Namens Binder: Capitan 471. — Abrah., KeUer 286. — Carl. Frid., StifftsVerwalter 
555. — Christoph, Abt 237. 312 ; Diaconus 548 ; Qaistl. Rath im Consist 137 ; GaistL 
Verwaltter 396, 454 ; Hofprediger 191 ; Pfarrer 377, 516, 545; Special 537; Stiffts-Dia- 
conns 550; Vogt 605. — Christoph Peter, Abt 299; Special 387, 485. — Conr , Cl Hof- 
meister 346. — Ernst Friedr., Vogt 510. — Ferd. Theoph., Vogt 427, 510. — Friedr. Joach., 
KeUer 586. — Georg, Cl. Verwaltter 296 ; Keller 513. — Jac, CLPfleger 285. — Joach. 
Fridr., Ambtmann 471. — Joh., Stattechreiber 441. — Joh. Bapt., Oaistl. Verwalter 454 ; 
Vogt 300. — Joh. Christoph, AmptschreiberX246 ; Geistl. Verwaltter 409; Rays. Schultheis« 
417. — Joh. Georg, Pfarrer 456. — Peter, Ambtmann 470; Vogt 473. — Samuel, Statt- 
sohrelber 468. — Thomas, Vogt 376, 5S7. 



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Bloss. 

Johann Bloss wurde im Jahre 1545 zu Münsingen geboren. 
Derselbe widmete sich dem Studium der Philosophie uud Mathematik, 
magistrirte zu Tubingen im Jahre 1565, bereiste hierauf Oester- 
reich, Böhmen und Bayern, und wurde nach seiner Rückkehr als 
Vice-Professor der Mathematik in Tübingen angestellt. 1572 kam 
er als Professor der griechischen Sprache in das Kloster Maulbronn, 
1574 aber wieder in seiner früheren Eigenschaft als Professor der 
Mathematik nach Ulm, welches Amt er viele Jahre lang mit grosser 
Aaszeichnung bekleidete. Er war zweimal vermählt und hinterliess 
aus erster Ehe 13 Kinder , von denen ein Sohn Dr. der Medicin 
wurde. Bloss starb zu Ulm den 6. September 1637 im 87. Jahre 
seines Alters. 

Ebenfalls dieser Familie entstammt: 

Sebastian Bloss, Med. Dr., geb. den 4. November 1559 zu 
Münsingen als Sohn des dortigen Bürgermeisters Johannes Bloss. 
Er studirte Medicin, wurde 1580 Magister, 1584 aber Doctor und 
Professor der Medicin zu Heidelberg. Im Jahre 1586 folgte er 
einem Rufe als Stadtarzt nach Ulm und kam hierauf als Professor 
der Medicin nach Tübingen, bekleidete auch daselbst das Bectorat. 
Er starb zu Sulz am Neckar, wohin er sich eben zu seiner Erholung 
begeben hatte, den 4. März 1627. 

Bloss war erstmals mit Susanna, geb. Unseld, zum zweiten- 
male mit Anna Maria, des Herzoglich Württembergischen Geheimen 
Bath und Consistorial-Directors Dr. juris Balthasar Eisengrein 
Tochter, deren mütterlicher Grossvater der Probst und Canzler 
Dr. Jacob Andreae in Tübingen war, vermählt und hinterliess 7 
Söhne und 5 Töchter. 

Dm Fürstlich Württembergische Dienertrach enthält folgende höhere Staats- 
dieser des Namens Bloss (Plots): Johann Tobias, Schultheis« 568; Vogt 395. — Octav., 

KeUer 467. 

v. Otorgii-Gtorgenau, Biographisch-Genealogische Blätter etc. 5 



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Blum. 



Johann Friedrich Blum wurde den 20. Juli 1759 zu Speyer 
geboren. Sein Vater, Philipp Heinrich Blnm, t 1767, war Raths- 
schreiber und Geoineter daselbst; der Grossvater Johann Conrad, 
geboren zu Gessdorf bei Hannover, von Curtischer Verwalter zu 
ümstadt; der Urgrossvater Heinrich, Freiherrlich von Mischer Ver- 
walter zu Gessdorf.* 

Johann Friedrich , anfangs Rechnungs-Probator in Markgrö- 
ningen, Geh. Rechnungsrath in Stuttgart, Oberamtmann in Mark- 
gröningen, zuletzt Kameralverwalter in Göglingen, verfasste das jetzt 
auf der Königlich Württembergischen Oeffentlichen Bibliothek befindliche 
Manuscript: «Blum'sche genealogische Sammlung», welches mit vielem 
Fleiss und grossem Zeitaufwand zusammengetragen, für genealogische 
Studien, ohngeachtet mancher Mängel, vielfach sehr erepriessliche 
Dienste leistet. 

Seine Gattin war seit 20. Juli 1788 Ernestine Friederike, 
Tochter des Oberamtraanns von Markgröningen Ernst Ludwig Vollmar, 
und der Friederike Juliane, Tochter des Klosterhofmeisters in Lauffen 
Friedrich Jacob Hölderlin. Kinder: 

I. Sophie Caroline , geboren in Stuttgart 14. April 1791, 
Gattin des Oberzollers Christian Friedrich Maulen. 



* Blum selbst verzeichnet letzteren als vermuthlichen Sohn des Fürstlich Hol' 
steinischen Amtmanns und" Oonfercnzraths Hans von Blum, dessen Vater Hans von Blum, 
Herr zu Seedorf und Holsteln-Gottorpisoher Landoberj&germeister, 1640, dessen Orossvater 
Hans von Blnm, Holsteinischer Rath und Amtmann zu Hadersleben, dessen urgrossvater 
Hans von Blum, Königlicher Rath und Amtmann zn Hadersleben, gefallen im Dlthmar'- 
schen Krieg 1500, und dessen Urur-Qroasvater Dietrich von Blum gewesen seien, welch letz- 
terer ein Regiment Reiter aus dem Braunschweigischen nach Holstein geführt habe (1460). 



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- 67 — 

II. Amalfe Friedrike, geb. 18. Mai 1801, verm. mit dem 
Amtsnotar in Schwaigern Christian Friedr. Schuster. 

III. Ernst Friedrich Blum, Oberamtsactuar zu Schorndorf 1810, 
Auditor und Kegimentsquartiermeister beim Königlich Wflrttember- 
gischen Jäger-Bataillon Nr. 2, starb bei dem unglücklichen Rückzug 
der französischen Armee aus Sussland 1813 jenseits Wilna bei 
Malodeznow vor Hunger und Kälte. 

IV. Carl Heinrich Blum, geb. in Stuttgart 2. Dezember 1792, 
Kaufmann, diente 1812 in der Armee und erhielt die Verdienst- 
medaille. 

V. Ferdinand Ludwig Blum, geb. in Markgröningen am 25. 
September 1803, Uragelds-Commissär in Hall, Revisor in Stuttgart, 
vermählt mit Emma, Tochter des Kameralverwalters in Schönthal 
Gottfried Heinrich Hesler, welcher Ehe 1 Sohn, Namens Carl Fried. 
August, geb. 14. April 1839 und 1 Tochter entsprossten. 

VI. Franz Hermann Blum, geb. 18. März 1807, Gutsbesitzer 
in Hellmuthhausen bei Constanz, in Gemeinschaft mit dem vorbe- 
nannton Bruder Carl Heinrich. 



Das Fürstlich Württembergische Dienerbuch enthält folgende höhere Beamte 
de« Namens Blum: Vogt 440. - Wolffg., Vogt 570. 



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Blumhardt. 



Christian «ottlieb Blumhardt, wurde den 29. April 1770 zu 
Stuttgart geboren. Derselbe, anfangs zum Lehrer bestimmt, besuchte 
später das Gymnasium seiner Vaterstadt, wurde hierauf in das theo- 
logische Seminar in Tubingen aufgenommen und nach Absolvirung 
seiner Studienzeit in seinem 24. Jahre als Secretär der deutschen 
Christen thumsgesellschaft an Stelle des nach London übergegangenen 
Steinkopf nach Basel berufen, welchem Ruf er freudig Folge leistete. 
In dieser ihm bald liebgewordenen Stadt wirkte er nun eifrig mit znr 
Gründung der dortigen Bibelgesellschaft. Im Jahr 1807 wurde er 
von dem württembergischen Consistorium in sein Vaterland zurück- 
berufen, wo er eine ungetheilte Achtung und Liebe unter den edelsten 
Männern geribss und in verschiedenen Landgemeinden als Vicar wirkte. 
1809 wurde er Pfarrer an der Gemeinde Burg bei Neustadt und 
vermählte sich im gleichen Jahre mit Jnlie Maier von Tübingen. 
Während er diesem neuen Wirkungskreise einerseits das Evangelium 
mit der ihm eigenen Klarheit und Eindringlichkeit verkündigte, 
arbeitete er auf der anderen Seite mit angestrengtem Fleisse an der 
Ausbildung seines eigenen Geistes fort, übersetzte mehrere ausge- 
zeichnete englische Werke ins Deutsche, liess sie im Druck erscheinen, 
und dehnte so seine Thätigkeit immer weiter aus. 

Nachdem inzwischen mitten in dem Kriegsgetümmel des Jahres 
1815 in Basel ein Missionsveroin, ein Institut zur Bildung von Missio- 
nären, gegründet worden, kehrte er, einem Rufe der Leiter dieser Anstalt 
folgend, 1816 als Director derselben nach Basel zurück, und bekleidete 



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— 69 - 

dieses Amt 23 Jahre laug", bis an seinen Tod, der den 19. Decoinber 
1838 erfolgte, mit segensreicher Wirksamkeit. Eine grosse Zahl 
von Missionszöglingen stand im Laufe dieser 23 Jahre unter seiner 
Täterlichen Pflege. Neben den 23 Jahrgängen des Missionsmagazins 
arbeitete er auch das werth volle Werk einer »Missionsgeschichte« in 
fünf Bänden aus, und fährte es bis zur Reformation, welchen Zeit- 
punkt er sich von Anfang an als Ziel festgesetzt hatte, fort. Ausser- 
dem gab er noch mehrere sonstige Schriften heraus. Blumhardt 
starb hoch verdient um Ausbreitung des Christenthums mit Hinter- 
lassung einer einzigen Tochter, Julie, Wittwe des Pfarrers Bommel. 

Der gleichen Familie gehört Johann Christoph Bluinhardt an, 
welcher den 16. Juli 1805 ebenfalls zu Stuttgart geboren wurde. 
Derselbe studirte Theologie, wurde 1830 Lehrer an der Basler 
Missiousanstalt, 1838 aber zum Pfarrer in Möttlingen bei Calw er- 
nannt, welch letzteres Amt er 14 Jahre lang" mit besonderer Kraft 
bekleidete. Nach Ablauf derselben erwarb Blumhardt das bekannte 
Königliche Bad Bell, und siedelte, zum grössten Leidwesen seiner 
ihn überaus hochschätzenden und ihm mit herzlicher Zuneigung an- 
hängenden Gemeinde, 1852 dahin über. Seit bald 25 Jahren wirkt 
er daselbst als Seelsorger unermüdet fort und beläuft sich die Zahl 
derjenigen, welche in dem erwähnten Zeiträume in seinem schönen 
und weiten Familienkreise verweilt haben, auf gegen 30,000. Im 
Jahr 1838, den 23. Juli, vermählte er sich mit Johanna Dorothea, 
geb. Köllner.* 

Von den Kindern Blumhardt's gehören zwei, Christoph und 
Theodor, dem geistlichen Stande, ein dritter, Carl, dem kaufmännischen, 
ein vierter endlich, Nathanael, dem ökonomischen Berufe an. Die 
einzige Tochter, Maria, ist die Gattin des Emil Brodersen, der mit 



* Eino Schwester von ihr ist die Gattin des Pfarrers zu Kornthal, Jacob Heinrich 
Sttntdt; ein Bruder, der ehemalige Probst zu St Petri in Berlin, Nath. Köllner, starb 
21. Oktober 1873 in BoU mit Hinterlassung von 7 Kindern. 



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- 70 - 

Beinein Bruder Theodor Brodersen bald nach der üebersiedelung 
BlumhardVs nach Boll * ans Schleswig dahin gezogen ist. 

Blumhardt ist nicht nur seiner bedeutenden Kanzelreden, seiner 
Psalm- und Prophetenlieder etc., sondern auch seiner herzgewinnenden 
Freundlichkeit und wahrhaft frommen, von aller Engherzigkeit freien 
Richtung wegen weltbekannt geworden. 



* Für Bad Boll hegte besonders Herzog Friedrich von Württemberg Interesse. 
Er lies« daselbst für die damalige Zeit seltene Früchte wie Melonen, Gurken. Blumen- 
kohl u. 8. w. in einem eigens dazu angelegten Garten pflanzen. 

Eine alte Badeordnung verbot nicht blos starke Diät, sondern auch das Fluchen 
und Streiten, gebot dagegen das Beten und Besuchen des Gottesdienstes. Schon 1593 
zählte BoU 400 Gäste. 

*/« Stunde entfernt vom Bade liegt das Pfarrdorf Boll, das 1302 von den Her- 
zogen von Teck an Württemberg verkauft wurde, und woselbst 1831 ein Graf Ulrich von 
Württemberg, Enkel Eberhard'» des Erlauchten, Probst war. 



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Bohnenberger. 



Gottlieb Christoph Bohnenberger, geboren den 1. März 1732 
in Simmozheim, Pfarrer daselbst 1762, Pfarrer zu Altburg 1784— 1807, 
zeichnete sich als guter Mechaniker aus und war überhaupt als sehr 
talentvoller Mann bekannt. Besondere Berühmtheit erlangte er durch 
seine > Beschreibung einer auf neue sehr bequeme Art eingerichteten 
Electrisinnaschine«, Stuttgart 1784, 1786 — 1791, und Beiträge zur 
theoretisch-praktischen Electricitätslehre , ebendaselbst , 1793 — 95, 
5. Hefte u. a. mehr. — 

Johann Gottiieb Friedrich Ton Bohnenberger, Sohn des 
Vorigen, geb. 1765, 5. Juni, magistrirte 1786, war seit 1789 Pfarrer 
in Altburg, lebte nachher längere Zeit in Gotha und Göttingen, wurde 
1796 bei der Sternwarte in Tübingen angestellt und 1798 zum aus- 
serordentlichen, 1803 aber zum ordentlichen Professor der Mathe- 
matik und Astronomie daselbst ernannt. Er unternahm die erste 
Landesvermessung Württembergs, in Folge deren er mit Ammann 
eine Karte von Schwaben in 60 Blättern herausgab. Auch war er 
durch mehrere astronomische, auch physische Werke hoch berühmt 
und starb 1831. — 

Christof Friedrich Bohnenberger, Bruder des Vorigen, Ober- 
Umgelder in Tübingen. — 

Wilhelm Gottlieb Bohnenberger, Sohn des Vorigen, geb. 3. 
December 1798, Professor in Ellwangen, in Blaubeuren, 1859, Kitter 
I. KL des Friedrichs-Ordens, t Altenstaig 15. November 1873. 



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Brenz. 



Johann Brenz, der bekannte Reformator Württembergs, einer 
der eifrigsten Anhänger und Frennde Luthers, wurde den 24. Juni 
1499 zu Weil d. Stadt* als der älteste von 3 Söhnen des dortigen 
Stadtschultheissen Martin Brenz und der Catharina, geb. Hennig, 
geboren und erhielt in der Taufe den Namen desjenigen Heiligen, 
mit dessen Gedäcbtnisstag der Tag seiner Geburt zusammenfiel. Brenz 
bezog schon 1512 die Universität Heidelberg. Das damalige wieder- 
auflebende Studium der alten classischen Literatur im Südwesten 
Deutschlands wirkte ungemein fördernd auf den Jugendunterricht, 
so dass schon 1524 Luther es rühmen konnte, es lerne ein Knabe 
jetzt in drei Jahren mehr, als man bisher in zwanzig und mehr 
Jahren in Klöstern und hohen Schulen gelernt habe. 1520 wurde 
Brenz Baccalaureus , (der niederste academische Grad beim Ueber- 
gang von den philologischen Studien zur Philosophie), 1517 aber 
erhielt er das veilchenblaue Barett des Magisters und begann nun 
das theologische Studium. Gleichzeitig trat er dem Kreise von 
Studirenden in Heidelberg bei, die — wie Melanchthon, Oekolam- 
padius, Buccr, Lachmann, Schnepf — das Haupt der Reformation, 
Luther, bei dessen im Jahr 1518 erfolgter Ankunft daselbst mit 
Begeisterung aufnahmen und in dem grossen Reformator die Hoffnung 
erweckten, sie würden einst die richtigen Grundpfeiler der wahren 
Gotteslehre werden. 



* Nachdem das begonnene Reformationswerk In Weil schnell wieder zerfallen 
war, würde daselbst seinen beiden Eltern die Begräbniss-Statte der Gemeinde verweigert, 
so dass ihre Leichname ausserhalb der Stadt in ungeweihter Erde beigesetzt werden 
mussten. 



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— 73 — 

1519 wurde Brenz Regens (Repetent) der Burse der Realisten, 
«Ist sogenannten Schwabenburse, Aufseher einer Anzahl von Studirenden, 
&w zusammen wohnten und arbeiteten, und fährte dieselben in Vorträgen 
über das Evangelium Matthäi in die biblische Gottesgelehrsamkeit ein. 
1521 erhielt er in Speyer die Priesterweihe, las hierauf die 
erste Messe in seiner Vaterstadt Weil, verliess jedoch Letztere 1522 
wegen der von der österreichischen Regierung beabsichtigten Aus- 
rottung der Artheischen Lehre und folgte einem an ihn vom Rath 
zu Schwäbisch Hall auf die Empfehlung Johann Ismmann (eigentlich 
Eisenmann, Eisenmenger) hin ergangenen Ruf als Prediger dieser 
Stadt. Bis 1523 las er daselbst die Messe, erklärte jedoch, dass er 
sie keineswegs als Opfer betrachte. Während des Bauernkrieges 
predigte er ebenso über den Gehorsam der Unterthanen gegen die 
Obrigkeit wie über die Versäumnisse der Obrigkeit, der er zu Herzen 
zu führen suchte, dass sie ein christlich Regiment halten müsse. 
Schon 1529 hatte er die Reformation in Hall und der ganzen Um- 
gegend vollendet. Im schmalkaldischen Kriege, als die Kaiserlichen 
zu Anfang des Jahres 1547 in Hall einzogen, war Brenz der uner- 
schrockene Bekämpfer des Interims, nicht nur genöthigt, anfangs in 
die nahen Wälder, hierauf wegen des Auslieferungsbefehls Granvellas 
mit Zurücklassung seiner Familie in die Schweiz zu flöchten, wo 
indess seine Frau starb, sondern musste noch, als er nach der Rück- 
kehr nach Stuttgart diese Stadt von den Spaniern besetzt fand, in 
einem Hause der oberen Stadt seine Zuflucht nehmen. Zwischen 
einem Holzstoss und dem Dach verborgen, fristete er von einem mit- 
geföhrten Brodlaib , und dem Ei , das eine Henne jeden Morgen in 
seiner Nähe legte, sein Leben, bis der Abzug der Feinde erfolgt war. 
Herzog Ulrich verbarg ihn in der Folge längere Zeit auf der 
Burg Hohenwittlingen 1548. Daselbst arbeitete Brenz an seiner 
Erklärung des 93. und 130. Psalms wie an seinem grossen Kathe- 
chismus. Später gab ihm Herzog Ulrich auf Burg Hornberg, wo 
auch des Herzogs Kinder sich befanden, ein Asyl und hier nun 
lebte er als fin^irter Vogt unter dem Namen Huldreich Engster 



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_. 74 — 

(Artigster). Die Leute aber wollten ihn für keinen rechten Vogt 
halten, da er, wie sie sagten, viel zu gottesfürchtig sei und nicht 
fluche und zeche wie die andern Beamten. An dem »Abendmahls- 
streit« nahm Brenz hervorragenden Antheil. (Begründung der 
lutherischen Abendmahlslehre gegen die Schweizer). Hoch verdient 
um die im unteren Lande vor sich gehende Reformationssache machte 
sich auch Dietrich von Gemmingen, ein besonderer Freund von Brenz. 

Nach dem Tode Herzogs Ulrich betraute ihn Herzog Christoph 
1551 mit der Ausarbeitung der Württembergischen Confession. 1552 
wurde Brenz zum Probst der Stiftskirche in Stuttgart ernannt, als 
welcher er die, vielen andern in der Reformirung begriffenen Ländern 
als Muster dienende, »grosse württembergische Kirchenordnung < 
verfasste. 

Von vielen Fürsten und Städten wurde Brenz um Rath gebeten 
und selbst Luther gab ihm das Zeugniss, er sei der beste Ausleger 
der heiligen Schrift. 

Auch ein Landgut zu Bulach, die sogenannte Burg, mit Schenne 
und Garten verdankte Brenz der Freigebigkeit seines Herzogs. Daselbst 
brachte er jedes Jahr einige Zeit im Sommer zu. Dieses Gut wurde 
von den Vormündern seiner Kinder verkauft. 

Brenz, ein an Geist und Gemüth gleich ausgezeichneter Mann, 
gerühmt als hochgebildet und sehr gastfreundlich, von inniger, unge- 
heuchelter Frömmigkeit und tadellosem Wandel, demüthig und 
uneigennützig im Umgang, freundlich und liebreich, starb, erschüttert 
durch den am 28. December 1568 erfolgten Tod seines geliebten 
Landesherrn,* den 11. Sept. 1570 zu Stuttgart, seines Alters im 72., 
seines Predigtamtes im 50. Jahre, und wurde in der Gruft der 
dortigen Stiftskirche beigesetzt. Noch bei Lebzeiten hatte er geäussert, 
er wünsche daselbst begraben zu sein, damit er, wenn ein Geistlicher 



* «Wie gern, .rief er bei der Todeskunde seines geliebten Fürsten aus, hitte 
ich sein Leben mit dem meinigen sammt Allem, was loh habe, erkauft, wenn es mit 
Gottes Wül geschehen könnte !• 



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- 75 — 

auf seiner Kanzel etwas* anderes als den reinen evangelischeu Glauben 
predige, aus seinem Grabe steige und jenen von der Kanzel vertreibe. 
Brenz bat nächst Ambrosius Blarer und Erhard Schnepf die meisten 
Verdienste um die Württembergische Evangelische Kirche. 

In der ihm von Dr. Wilhelm Bidembach den 15. September 1570 
in der Stiftskirche gehaltenen Leichenrede heisst es unter Anderm: 

«Nach 25tägiger Krankheit fiel er in einen tiefen Schlaf, 
wölcher in die dreyzehend Stund und bis ins ewige Leben gewehrt. 
Dann er von solchem nicht mehr aufgewacht, sonder gesterigs Mon- 
tags den 11. Septembris zwischen zwölf! und ein Uhr gleich Nach- 
mittag hat ine der, so seiner Gleubigen Tod ein Schlaff nennet, der- 
massen so sanft entschlaffen und ausschlaffen lassen, dass er mit 
Christlichen Gebetten und Trostsprüchen von den Umbßtehenden Gott 
bevolhen, seinen Geist ohne einiche sondere Bewegung des Leibs, der 
Glider (wölches wir so darbey gewesen, warhafftig und eigendtlich 
Acht genommen), seinen Schöpfer, Erlöser und Tröster aufgegeben 
hat, fast gleicher weiss und gestalt, wie sein und unser aller Gnä- 
diger Füret und Herr, Herzog Christoph, seliger und Christmiiter 
Gedächtnuss entschlaffen ist. Dass, gleich wie sie beide einander 
hertzlich geliebt und geehrt und in ungleichem Beruff fast mit gleichen 
Graben und Tugenden begnadet gewesen, also auch fast ein gleichförmiges 
End und Abechid auss diser Welt genommen, und sich zu ewigen un- 
aussprechlichen Freuden auss disem Jammerthal hinaufgeschwungen.» 

Seine I. Gattin war Margaretha, Tochter des Senators Caspar 
Griter , Wittwe des Raths Wetzel in Hall und Schwester von Michael 
Grraeter, Pfarrer zu St. Catharina in Hall, der mit Brenz das Syn- 
gramma unterschrieben; sie starb zu Hall, während Brenz vor den 
kaiserlichen Horden auf der Flucht begriffen war. Die II. Gemahlin, 
Katharina, die mit trefflichen Eigenschaften des Geistes und Herzen* 
ausgerüstete Tochter seines Jugendfreundes und früheren Amtsbruders 
in Hall, damaligen Stadtpfarrers zu TJrach, Johann Insenmanu. Der 
ersten Ehe sind 6 Kinder entsprossen, von der zweiten Ehe überlebten 
den Vater 10 Kinder: 



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— 76 - 

Von ihnen sind näher bekannt: 
I. »Sophia, verm. mit dem Dr. Eberhard Bidcnüach, Diaconus 
in Herrenberg, später Generalsuperintendent von Bebenhausen. 
JI. Barbara, verm. mit Dr. und Professor der Theologie in Tübingen 
Dietrich Schnepf, des berühmten Erhard's Sohn. 

III. Katharina, verm. mit Diaconus Gähring. 

IV. Agathe, verm. I. mit Diaconus Spindler; II. mit dem Canzler 
der Universität Matthias Hafenreffer. «Sie wurde die Stamm- 
Mutter verschiedener, in Württemberg noch blühender Familien, 
wie der Ben gel, Schmidlin, Camer er, Georgii, Weisser u. a.» 

V. Johann, schon im 23. Jahre Dr. und Professor der Theologie 
und Superattendent des Stifts in Tübingen, Abt zu Hirsau, 
t 20. Januar 1595 (nach Andern 1596) mit Hinterlassung 
von zwei Söhnen. 
VI. Joseph, Dr. der Medicin, starb im besten Mannesalter als 
Stadtarzt zu Hall 1586. 

Mit einem Enkel von Brenz, Johann Hippolytns Brenz, 
(Sohn des Tübinger Professors), der Dekau in Herrenberg, zuletzt 
Consistorialrath und erster Stadtpfarrer in Ansbach war, starb der 
Brenz'sche Mannsstamm aus. 

Verschiedene Brenz, Nackommen von Brenz's Brüdern Ludwig, 
Jurist, und Leonhard , von denen letzterer öfters von Melanchthan in 
seinen Briefen an Brenz gelobt wird , finden sich in den Verzeich- 
nissen der Württembergischen Kirchendiener. 



Das Fürstlich Württembergische Dienerbuch enthält folgende höhere Beamte des 
Namens Brentz (Brentins, auch Haldenreich Aengster) : Hans, Cl.Hofmeister 360. — Joh., 
190; Abt 280; Exped.Rath 143; O.Vogt 457; Probst 643. — Joh. HippoL, StifftsDiaconns 
550. — Wendel, Cl . Hofmeister 348. 



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Breimiiig. 



Conrad und Sebastian Rrenning, im Jahre 1514 Obervogte 
von Tübingen und Weinsberg, sind geschichtlich bekannt geworden. 

Der Erstere, einem Tübinger Patricier-Geschlecht angehörend, 
war in Diensten Herzogs Eberhard im Bart und zwar als Beisitzer 
des Hofgerichts und Rath in der Kanzlei, wurde auch von dem Her- 
zoge vielfach in vertraulichen und diplomatischen Aufträgen ver- 
wendet. Bei dem jungen Herzog Ulrich bekleidete er während des 
bayerischen Erbfolgekrieges 1504 die Stelle eines Geheimschreibers. 
Nachmals erwarb er sich als Vogt von Tübingen, namentlich bei der 
Verhandlung des Tübinger Vertrages (1514) und iq demselben Jahre 
bei dem blutigen Armen-Conrad- Aufstand , grosse von Ulrich selbst 
rühmlich anerkannte Verdienste. In den in der Folge durch Hutterfs 
Ermordung entstandenen Umwälzungen machte sich Brcuning als 
einen der an Talent wie an Charakter hervorragendsten Staatsmänner 
seiner Zeit bekannt, indem er bemüht war, zu gleicher Zeit das 
Wohl des Herzogs, wie des Staates zu wahren. Hierdurch aber 
erregte er bei Herzog Ulrich Verdacht und dieser entliess ihn. 
Ohngeachtet der Landtag Breuning in Schutz nahm, ward er nebst 
einigen anderen Vögten, darunter sein Bruder Sebastian, welcher als 
Obervogt von Weinsberg eine hochangesehene Stellung bekleidete, an- 
fangs auf Hohen-Urach, später auf Hohen-Neuffen gefangen gesetzt, 
nnter Mitwirkung des ränkevollen Kanzlers Ambrosius Volland der Absetz- 
ung des Herzogs beschuldigt und von dem willkürlich zusammengesetzton 



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.— 78 — 

Landgerichte nach unmenschlichen Folterqualen zum Tode durch 
Enthauptung verurtheilt. Die ihm mittelst der Folter erpressten 
Geständnisse widerrief er immer aufs Neue, vorzüglich noch kurz 
vor seiner Hinrichtung. 

Derselben Familie gehört an: 

Hans Jacob Breuning* von und zu Buchenbacb, geb. 1552 
zu Buchonbach bei Winnenden, «bereiste nach dreijährigem Aufenthalt 
in Frankreich, England und Italien, die Türkei. Griechenland, Egypten, 
Palästina, Syrien u. s. w. und kehrte erst 1595 wieder ins Vaterland 
zurück. Zum Herzoglich Württembergischen Oberhofmeister ernannt, 
begleitete er Herzog Johann Friedrich von Württemberg auf die 
Hochschule. Auf Bitten seines Zöglings gab er seine Reise im Jahre 
1612 in Strassburg heraus unter dem Titel: «Orientalische Beyss 
des edlen und vesten Hans Jacob Bräuning von und zu Buchen- 
bach, so er selbander in der Türkei sowolh in Europa und Afrika 
benamtlich in Griechenland, Egypten, Arabien, Palästina, das heilige 
gelobte Land und Syrien, nicht ohne sondere und grosse Gefahr vor 

dieser Zeit verrichtet. Alles in fünf unterschiedentliche Meerfahrten 

* 

disponirt!» Strassburg 1612. Noch 1595 stellte ihn sein Herzog 
an die Spitze einer Gesandtschaft nach England. Er starb im Jahr 
1600 (1616) noch vor Beendigung seines Werkes. 

Ebenfalls diesen Namen führten: 

Oottlieb Breuning, Med. Dr. den 10. Mai 1606 geb. als 
Sohn des Joseph Breuning, welcher 38 Jahre lang Pfarrer in 
Hedelfingen gewesen, und der Kunigunda, Tochter des Special-Super- 
intendenten und Spitalpredigers in Stuttgart Hillmayer. 

Breuning ging, nachdem er sich anfangs dem Studium der Theo- 
logie gewidmet hatte, zu dem der Medicin über, besuchte die Universitäten 
Strassburg und Basel und bereiste von letzterer Stadt aus die Schweiz 

* Seine Gattin bo\\ Anna Susanna, Tochter des Kaiserlichen Hofgerichts-Advokaten 
zu Speyer Johann von Nerven (genannt Mfurer), f 1595 gewesen sein. 



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— 79 — 

und Italien, resp. Mailand, Mantua, Padua, Ferrara, Bononien, Florenz, 
Siena, Venedig, Rom und Neapel. Nach seiner Rückkehr von dieser 
Reise doctorirte er zu Tübingen 1628, practicirte anfänglich in Mark- 
gröningen, nnd Hess sich darauf in Stuttgart häuslich nieder. Nach 
der Nördlinger Schlacht, in Folge welcher Württemberg durch Feuer 
nnd Schwert verheert wurde, sah er sich genöthigt, mit seiner Familie 
zu flüchten und im Exile zu leben. In Speyer fand er bei der da- 
maligen Württembergischen und Weimar'schen Armee Anstellung, bis 
er 1635 den 8. Juli wieder nach Stuttgart zurückkehren konnte. 
Obgleich er gewisser Ursachen willen in der Stadt unerkannt zu 
sein wünschte, und dieselbe desshalb verhüllt betreten hatte, ward 
er doch von einem der damals anwesenden Stadt-Bürgermeister er- 
kannt und aufgefordert, da die eben eingetretene Pest bereits 3 Aerzte 
weggerafft hätte und die übrigen Aerzte geflohen wären, die Stelle 
eines Stadtarztes anzunehmen. Viele Tausende von Kranken behandelte 
er in dieser seiner neuen Stellung ; zugleich wurde er seinem Vater zur 
Stütze, der durch die Wuth der Soldaten in grosses Elend gerathen war. 

Im Jahre 1644 wurde er zum Herzoglichen Hofarzt, 1654 
aber zam Rath und Leibarzt des Herzogs Eberhard ernannt, in 
welchem Amte er vielfach an die Markgräflich-Badischen und an- 
dere benachbarte Höfe, einst auch zu der Herzogin von Ostfries- 
land, einer Tochter seines Herzogs, gesandt wurde. Er starb den 12. 
October 1678. 

Seine Gattin war Anna Christina, des v. Nippenburgischen 
Amtmanns zu Markgröningen Johann Molltor Tochter, aus welcher 
Ehe 2 Söhne und 2 Töchter entsprossten. — 

Ludwig Gottlieb Breuning, Sohn des Vorigen , geb. 1641 
(1645), studirte ebenfalls Mediän und zwar zu Tübingen, Strass- 
burg und Paris, bereiste hierauf einen Theil von Spanien und Italien 
nnd erlangte nach seiner Rückkehr zu Tübingen die Doctorwürde. 
Wegen seiner Kenntnisse in der Botanik wurde er von Herzog Eber- 
liard zum fürstlichen Garteninspcctor , 1669 aber zum Hospitalarzt 
in Stuttgart ernannt. Er starb schon 1670, den 27. Februar. 



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- 80 - 

Seine Ehegattin war Sibylla Barbara, Tochter des Herzoglich 
Württembergischen Tutelar-Raths Eiden Johann Varabfller, welcher 
Ehe 2 Söhne nnd 1 Tochter entsprossten. — 



Das Fürstlich Württembergische Dienerbuch enthält folgende höhere Beamte des 
Namens Breuning: Breuning v. Buochenbach : Hant Jac, O.Vogt 600. — Breuning (Browning): 
Vogt 542. — Abr. t Ambtsschreiber 898 ~ Bat., Vogt 412, 605. — Conr., 16; Geh.8ecreUr. 
30; Vogt 575. - Georg Ludic., Vogt 452, 624. — Gottlieb, LeibMedlc. 195, StattPhysic 
557. — Hans Jac, O.Vogt 615 — Jöh. t Cl Pfleger 260. — Joh. Fried., Revisor 165. — Jok. 
Heinr., StifftsDiacon 550. — Phil. Leonh., Geh.Secretar. 33 ; Keg. R. Secretar. 71. — 8*b« 
Stattschreiber 560. 



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Breyer. 

Ludwig Friedrich Breyer wurde den 26. Februar 1675 zu 
Ober-Bronn im Elsass geboren. Sein Vater Georg »Leonhard Breyer, 
war Graf). Leiningischer Kanzlei-Director und Oberamtmann, zuletzt 
Hohenlohischer Kanzlei-Director in Langenburg; Die Mutter Kuni- 
rondm Catharina, eine geborene Leutwein, deren Grossmutter väter- 
licherseits eine geb. Feteerin und Descendentin von der berühmten 
Burckhardischen Familie war ; der Grossvater, Georg Breyer, Bürger 
und Mitglied des ßaths in Seh weinfurth ; der Urgrossvater David 
Breyer, Pfarrer in Rothenacker 1558. 

Ludwig Friedrich, dessen Vater, wegen der leidigen Kriegs- 
zeiten nach Langenburg übersiedelt, und daselbst bald nachher, 
ohne Vermögen zu hinterlassen, gestorben war, ward es durch seinen 
Stiefvater, den .Hohenlohe-Oehringischen Stadtpfarrer Philipp Martin 
Kteffer, ermöglicht, sich dem Studium der Medicin zu widmen. Im 
Jahre 1693 bezog er die Nürnbergische Universität Altdorf, wo 
er auf Empfehlung der Fetzerischen Familie in das von derselben 
nmdirte Stipendium aufgenommen wurde. Nachdem er daselbst 4 
Jahre verweilt hatte, ging er auf die Universität Tübingen und 
practicirte sodann bei seinen Eltern in Oehringen. Besonderes In- 
teresse schenkte er bei seinen in diese Zeit fallenden mehrfachen 
Beisen den rheinischen Bädern. 1699 folgte er einem von der aus 
ihrer Asche neu erstandenen Reichsstadt Speyer an ihn ergangenen 
Bufe als Stadtarzt, in welcher Stellung er die schrecklichsten Kriegs- 
zeiten und die sie begleitenden Krankheiten mitmachte. 1706 wurde 

9. (itorgii-Georgmau, Biographisch Genealogische Blatter etc. 6 



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— 82 - 

er zum Gräfl. Hohetdohe-Oehring'schen Leibarzte, 1712 aber von 
Herzog Eberhard Ludwig zum «wfirklichen» Hofarzte ernannt. 
1716 treffen wir ihn im Gefolge de» Landprinzeu bei dessen Ver- 
mählungsreise nach Berlin; 1727 erhielt er die Doctorwürde, und 
1734 machte ihn Herzog Karl Alexander zu seinem wirklichen Leib- 
arzte, als welcher er auch 1746, 15. April, starb. — Ein Bildniss 
Breyers trägt die unter demselben angebrachte Inschrift seines Freundes, 
des damaligen Gonsistorialraths und General-Superintendenten, auch 
Probst zu Denkendorf, Phil. Heinrich Weissensee, also lautend: 

Kunsterhaben, Dienstgeflissen, 

Kluge Tugend, freyer Mund, 

Heitrer Anblick, treuer Grund, 
Muntrer Umgang, gut Gewissen, 

Hertzhaft, Fromm, Gelassen, Mild. 

Siehe da, Herrn Breyers Bild. 

Seine Gattin war seit 1700 Maria Regina, Tochter des Ober- 
raths (Oberjustiz-Raths) in Stuttgart Johann Baur, und dessen Gattin, 
fliner geb. Böhm. Söhne: 

I. Johann Heinrich, Bambergisch- und Wflrzburgischer Hofrath, 
Oberamtmann in Markgröningen, vermählt I. seit 1733 mit 
Maria Dorothea, Tochter des Raths Heinrich Kraffl; II. 
mit Agnes Magdalena, Tochter des Expeditionsraths Zellcr. 

II. Gottfried Daniel, Herzogl. Württemb. Expeditionsrath und 
ältester Rentkammer-Secretär, verm. 1736 mit Eberhardina 
Friederica, Tochter des Expeditionsraths Hegel. — 

Johann Friedrich Brejer, ältester Sohn des Vorigen, 
erhielt seine Bildung in den württembergischen theologischen 
Lehranstalten und erlangte 17. October 1758 die philo- 
sophische Magisterwurde unter dem Decan M. Gottfried 
Ploucquet, wurde 1761 evangel. Prediger in Livorno, hierauf 
während seines mehrjährigen Aufenthaltes in Italien 1766 



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- 83 — 

zum Repetenten am theologischen Stipendium in Tübingen 
ernannt, kehrte aber erst 1769 ins Vaterland zurück. 1770 
wurde er Professor ord. der Philosophie und der schönen 
Wissenschafken in Erlangen, 1776 Aeltester des Königlichen 
Instituts der Moral und der schönen Wissenschaften ; Branden- 
burgischer Hofrath 1782, charakter. Königl. Baierischer 
Hofrath 1820. Er starb 28. Juni 1826 im 88. Jahre 
seines Alters zu Erlangen mit Hinterlassung mehrerer 
philosophischer Werke. 

Seine Gattin war seit 11. September 1776 Jobanna 
Wilhelm ine, Tochter des Regierungsraths in Stuttgart, Max 
Frost, welcher Ehe 1 Sohn und 3 Töchter entsprossten. 
Von letzteren wurde eine die Gattin des Oberhofpredigers 
Ammen in Dresden, eine andere die des Predigers und 
Seniors in Frankfurt a. M., Wilh. Friedr. Hufnagel. 

HI. Ludwig Friderich, Pfarrer zu Münster, verm. seit 1730 
mit Sophia Elisabeth, Tochter des Pfarrers Neuliäusser zu 
Obertürkheim. 

IV. Julius Friderich, Herzoglich Württembergischer Hof- und 
Stadtarzt in Ludwigsburg, vermählt 1735 mit Maria Eli- 
sabeth, Tochter des Bürgermeisters Els&sser in Wimpffen. — 

V. Philipp Jacob, Hofapotheker in Stuttgart, vermählt mit 
Eva Maria, geb. Wagner, welche nach dem Tode dieses 
ihres Gatten den Ober-Diaconus Heller heirathete. Breyer 
selbst starb 15. Mai 1745. 

VI. Heinrich August, geb. 1720, 23. Julr, M. und Repetent 
im fürstl. Stipendium in Tübingen, starb bei dem Pastor 
und Senior zu St. Anna in Augsburg, M. Samuel Urlsperger, 
im 27. Jahre seines Alters, 9. April 1746. 

VIT. Johann «ottlieb Breyer, Auditor mit Hauptmannsrang bei 
einem Kaiserlichen Regiment in Ungarn, nachmals Herzoglich 



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- 84 - 

Württembergischer Geheimer Secretär 1754, Regierungsrath 
und Geheimer Rath. Er erwarb sich als fleissiger Forscher 
der vaterländischen Geschichte and Verfassung einen be- 
deutenden Namen. Ihm verdankt u. A. Württemberg die 
erste und einzige gedruckte systematische Darstellung des 
durch den Ausspruch von Fox (er kenne nur zwei Verfas- 
sungen, die englische und die württembergische) berühmt 
gewordenen Staatsrechts des vormaligen Herzogthums Würt- 
temberg unter dem Titel: »Elementa jur. publ. Wirtemb. 
ac ducum privati«, 1782. 

Ebenfalls dieser Familie gehören an: 

Jobann Christoph Friedrich Breyer, geb. 2, Februar 1749, 
Doctor der Rechte, Herzoglich Württember/rischer Geheimer Archivar 
(1769), hierauf ausserordentlicher, seit 1774 ordentlicher Professor 
der Rechte in Tübingen, zugleich Herzoglicher Rath und Hofgerichts- 
assessor. Er starb 12. October 1777. Seiner Schriften sind mehrere. — 

Heinrich August Breyer, Auditor unter dem fränkisch-Zet7t'- 
schen Kreis-Regiment 1746. — 

Christian Ludwig Breyer, Regierungs-Secretär in Stuttgart 
1778, dessen Nachkommen nach Neapel übersiedelten. — 

Karl Wilhelm Friedrieh von Breyer, bekannter historischer. 
Schriftsteller, geb. 1771 zu Heutingsheim bei Ludwigsburg, ausser- 
ordentlicher Professor der Geschichte an der Universität in Jena 1803, 
Professor der Geschichte und Statistik an der Universität Landshut 
1804, ward hierauf von dem Minister Montgelas als Mitglied der 
reorganisirten Akademie der Wissenschaften nach München berufen, 
auch gleichzeitig daselbst zum Professor der Geschichte am Lyceum, 
und zum Hofrath ernannt, und in der Folge zum Lehrer eines König- 
lichen Prinzen in der Geschichte und Littoratur berufen. 

Breyer starb, von schweren häuslichen Heimsuchungen betrof- 
fen., 28. April 1818 zu München. Sohn: 



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— 85 — 

Max Breyer, geb. München 14. September 1810, Oeconom, 
Bentier in Illingen. Eine Schwester desselben, Johanna Charlotte 
Friediüre Fanny, wurde 11. November 1835 die Gattin des Stadt- 
pfarrers in Reutlingen Johann Carl Fischer. — 

Die Breyer'ache Familie blüht noch im Württembergischen. 



Dm> Fürstlich Württembergische Dienerbuch enthält folgende höhere Staate- 
diener mit Namen Breyer' Geh. Regim.R RegJstrator 45. — Christian Lud»., Beg.KSe- 
cretartna 74. — Christoph Heinr., RenthGhAecrctar. 13«. — Gottfr. Dan , Expe&Rath 113. 
— Joh. Christ., Holiger. Beeret. 80; Begistrator 83; Beg.R.Becretar. 76. — Joh. Christoph 
Frid-, Archivar. 41- — Johann Gottlieb, Geh. Seoretor. 34. — Joh. Heinr. , Gel. O.Bath 
67; Vogt 489. — Jui. Frid., LelbMedlc. 196. - Ludw. Frid* LeibMedicue 196. 



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Brodbeck. Brotbeck. 



Johann Conrad Brodbeck, Med. Dr. und Professor, wurde den 
28. Aug. 1620 geboren. Sein Vater war Johann Conrad Brodbeck, * 
Pfleger in Roseck, nachmals Procurator Stipendii in Tübingen; die 
Mutter Barbara, eine geb. Nördlinger ; der Grossvater Johann Brodbeck 
der jüngere, Kl. Herrenalbischer Amtmann zu Langensteinbach, nach- 
her Pfleger in Roseck, zuletzt Visitationsrath in Stuttgart ; die Gross- 
mutter Margaretha, geb. Herbst; der Urgrossvater Johann Brodbeek 
der ältere, genaunt Eisenkrämer, Fürstl. Rath, wohnte zu Unter- 
Türkheim und starb 1575; der Urur-Grossvater Joachim Brodbeck, 
Stadtsch reiber in Kirchheim, t 1557: der Urur-Urgrossvater Conrad 
Brodbeck, der jüngere, in Bernhausen, t 1518, dessen Vater Conrad 
Brodbeck, der ältere, von Bernhausen 1447 starb. Der Vater des 
Letzteren Jacob Brodbeck, Württembergischer Beamter, Vater von 23 
Kindern, lebte noch 1451 ; der Gross vater endlich Httglin Brodbeck III. 
war im Jahr 1393 Vogt zu Stuttgart. 

Johann Conrad studirte Medicin zu Tübingen, wo er auch 
1646 die Doctorwürde der medicinischen Facultät erhielt. Noch in 
demselben Jahre wurde er von dem Magistrate der damaligen Reichs- 
stadt Esslingen zum Stadtarzte berufen, ein Amt, das er 3 Jahre 
lang bekleidete. Im Jahre 1650 ernannte ihn Herzog Eberhard 

* Dm im Jahr 1627 gestiftete Brodbek- Stick el'tche Stipendium rührt gleichfalls 
tod einem Johann Conrad Brodbek her, welcher aber Herzoglicher Rath und Kammer- 
secretir In Stuttgart war. Nach der AV/#r'schen Genealogischen Sammlung wurde 
Johann Conrad, Johann Georg und Johann Brotbeck, Gebrüder und Vetter von Kaiser 
Ferdinand IL d. d. 25. August 1627 geadelt Laut des Adelsdiploms, welches in Spener'» 
„Operis Heraldicis* enthalten ist, geschah diese Erhebung, weil Joh. Conrad' $ Vater unter 
Kaiser Rudolph dem Reiche gegen die Türken grosse und wichtige Dienste geleistet hatte. 



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— 87 — 

zum ausserordentlichen Professor der Astronomie zu Tübingen, 1653 
zum ordentlichen Professor der Physik, und 1657 zum ordentlichen 
Professor der Medicin. Das Bectorat der Universität bekleidete er 
zweimal, das Decanat der medicinischen Facultät 16mal. Er starb 
1677 22. Februar. 

* Seine Gattin war seit 1646, 10. August, Christiana, des Med. 
Drs. und Professors, auch Herzogl. Württemb. Raths und Leibarztes 
Carl Bardill Tochter. Folgende Kinder überlebten den Vater: 

I. ltegina Magdalena, vermählt mit dem J. U. Dr., Oberrath 

und Hofgerichts- Assessor, Johann Ulrich Pregitzer. 
II. Sibylla Agnes, verm. mit dem Secretär der freien Reichs- 
Ritterschaft in Schwaben des Orts am Neckar, Schwarzwald 
und der Ortenau Johann Joachim Bader. 
III. Maria Dorothea, verm. mit dem Diaconus zu Herrenberg, 
M. Ernst Conrad Bernhard. 
IV. &V. Christina und Susanna. 

VI. David, Med. Dr. und Physikus in Herrenberg, f 1734. 

Seine I. Gattin war seit 17. April 1694 Maria Chri- 
stine, geb. Beinffhl; die II. Ottilie Barbara, geb. Hiller; 
die III. Sibille Margarethe, geb. Niedermajer. 
VII. Georg Conrad Brodbeck, M. und Diaconus zu Mezingen und 
Urach 1676, zu Kirchheim 1683, Decan in Leonberg 1688, 
in Nürtingen 1694, in Schorndorf 1704, in Kirchheim 1708, 
Prälat in Murrhard 1713. f 1714. 
Seine I. Gattin war seit 23. Mai 1676 Maria Judlthe, des 
Prälaten in Bebenhausen, Johann Conrad Zeller Tochter; die II. 
Maria Jndiihe, Tochter des Probsts in Denkendorf, Eberhard Knoll ; 
die III. Maria Amalie Ktthorn. % 

Georg Conrad' s Wahlspruch war: 
Memorare novissima & 
in aeternum non peccabis. 
Was du thust, so bedenke das End, 
So wirst du nimmermehr Uebels thtm, 



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— 88 — 

Die Nachkommenschaft der beiden letztgenannten Söhne blähte 
noch im 18. Jahrhundert. 



Das Fürstlich Württembergische Dienerbuch enthalt folgende höhere Beamte 
mit Namen Brodbtck (Brodtbeekh, BrotUckh, BrottUekh): Med. Dr. 197 ; Vogt 271. — Conr.. 
Visitat.Secretar. IM. — Goora Conr., Abt 327; Special 478. — Gottfr., Cl.-Pfleger 971. — 
Hans Conr., Ch.8ecretarius 104; Ol.Pfleger 263; HofcanzleiSekretar. 104; Stipendien-Pro- 
curator 582. — Hans Goora, OLHofmeister 345, 346, 352; Bechenbankhs Bath 118; Schult- 
heisa 520. — Houglin, Vogt 540. — Joachim, Schnltbeiss 620 ; Stattschreiber 660. — Joh., 
Cl.Pfleger 263. — Gaistl. Yerwaltter 396. — O.R.Secretar, 69; BechenbanckhsBath 150; 
Stiffts-Verwaltter 554 ; Vogt 394, 675. Joh. Christoph, Cl.-Pfleger 246. — Johann Conr., Geh. 
Secretar. 31, 47. 



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Bühl er (von Bühler.) 



Der Name der Familie Bühler, auch Pühler, Bihler, wird 
meist vom Worte Bühl, noch jetzt in Dialecten und bei Dichtern 
gebräuchlich abgeleitet. Grimm: Bühel, Buhl, althochdeutsch puhil, 
mittelhochdeutsch bfihel, vom alten biugan, gleich collis, Hügel. Die 
ältesten Bühler, welche den Namen führten, mögen nach dieser Ab- 
leitung Leute gewesen sein, welche Haus und Hof an einem Buhle 
liegen hatten. So wird unter den ritterlehens- und rechtsfähigen 
Geschlechtern Gmünds geradezu genannt: 

1283 Fridericus in colle, identisch mit dem 1303 daselbst 
genannten Friedrich Bühler, und dem Friedrich auf dem Bühel anno 
1297. 

Doch läset das Auftreten vielleicht derselben ritterlichen 
Familie van Bühler am Bühlerfluss in der Gegend von Hall, an 
welchem noch die Orte Bühler, Bühlerzell, Büblerthann liegen, 
schliessen, - dass der Familienname von diesem Flussnamen herrührt, 
welcher nach Bacmeister einer der ältesten überhaupt genannten 
Namen ist. Schon 1024 wird der Flussname in der Urkunde, welche 
den Forst um Ellwangen Virgunda zu einem Bannforst erklärt, 
genannt. 

Von der ritterlichen Familie, welche an der Bühler sass, ist 
mit Urkunde 1382 ein Eberhard von Btthler et uxor Catharlne jon 
*er Hefte belegt. Diese erscheint 1400 — 1 404 als Wittwe mit zwei 
Söhnen Eckhard und Eberhard und einer Tochter Ellen, Ihre Guts- 
Terkäufe zeigen, dass es damals mit dem Stand der Familie den 
Niedergang gieng. Wir finden in der Gegend Bühler- und Remsthal 
abwärts, längs der Albtraufe Bühler, als Hofbauern und Bürger, ja 



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- 90 — 

an mehreren Orten Süddeutschlands in allerlei Beschäftigungen, dass 
verzichtet werden muss, einen Zusammenhang überall herzustellen. 
Von vielen seien wenige hier genannt: 

Gegen 1425 lebte Hans Bttheler, einer der besseren Dichter 
dieser Periode, er kam als Dienstmann an den Hof des Friedrich 
von Seewart, Erzbischofs von Cöln. 

1491 schenkt Hans Btthler von Stuttgart dem Kloster Adel- 
berg 2 Imi Weingilt. 

1514. Btthler Bernhard, Magister, Pfarrer zu Güglingen. 

1574. Btthler Martin von Stuttgart, Mag., Diaconus zu Gross- 
ingersheim; auch werden zu Hall um diese Zeit mehrere Bühler 
genannt. 

1587 erhält Georg Btthler einen Gnadenbrief von Erzherzog 
Ferdinand von Tirol; unter seinen Meriten werden auch die guten 
Dienste genannt, die derselbe dem Kaiser Carl V. vor Ingolstadt 
wider den schmalkaldischen Bund geleistet. 

1598 — 1626 ist ein Georg Btthler herzoglich württember- 
gischer Hauptmann und Burgvogt zu Schorndorf und Hohenasperg. 
Derselbe hat 1599 auf Bevelch S. F. Gn.: Hohenrechberg und Stauf- 
feneck eingenommen. 

Von den in Nürnberg blühenden Bühler wird dem Nicolaus 
Btthler, Abgesandtem des grossen Raths von Nürnberg in Wien, 
zugleich auch dessen „lieben Brüdern Christophen und Gevettern 
Danieln Btthler" 1622, 21. Aprilis zu dem „silbernen Perglein auf 
blabem Schild" eine Wappenvermehrung mit adelicher Freiheit er- 
theilt: Zu Hall bat 1595 ein Nicolaus Btthler von Nürnberg seinen 
Hausstand gegründet. 

1620. Wilhelm Btthler, herzoglicher Berg- und Schichtmeister 
zu Freudenstadt etc. etc. 

Die zusammenhängende sichere Genealogie beginnt erst 1615, 
dem Geburtsjahre des Georg Btthler II., Sohn von Georg Btthler I. 
Er war Hofbesitzer und Schultheiss zu Wolpertshausen am Buhle r- 
flu8s, zugleich Bürger zu Hall. Nach der Stellung seiner gelegent- 



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— 91 - 

lieh genannten Freunde und Gevattern zu Hall u. a. 0. muss er 
ein angesehener und wohlgebildeter Mann gewesen sein. 

Das Hofgut zu Wolpertshausen, also nur wenige Stunden von 
den Fundorten der Bühler weiter oberhalb des Flusses entfernt, ist 
bis heute im Besitz der Familie Butler geblieben. 

Von den zahlreichen Söhnen zieht auch Johann Peter Bflhler 
in die Fremde. Das Glück war ihm hold. Als Bürgermeister der 
Stadt Backnang gewann er in einer Tochter des Johann Christoph 
Herbort, jur. utr. Licent., Hofgerichtsadvocaten und späteren Vogts zu 
Bietigheim eine vorzügliche Hausfrau, welche ihn zugleich in den 
Kreis der alt württembergischen Familien einführte. Er starb 71 
Jahre alt, den 22. April 1731. Von den hinterlassenen Söhnen sind 
als Begründer der beiden blühenden Hauptzweige besonders für die 
Familiengeschichte wichtig: Johann Christoph, geb. zu Backnang, 
11. Januar 1699 und Johann David, geb. 27. Januar 1702, welcher 
als Bürgermeister seinem Vater im Amte nachfolgte; ein weiterer 
Bruder Felix Gottlieb, starb als Specialsuperintendent zu Blaubeuren, 
wieder ein anderer fiel als kaiserlicher Hauptmann. 

Johann Christoph Bflhler, herzoglicher Vogt zu Dornstetten, 
dann Bentkammer - Expeditionsrath und Landschreibereiverwalter zu 
Stuttgart, war vermählt mit Margaretha Barbara, Tochter des Vogts 
von Backnang, Veit Jacob Neuffer. Sein Name ist unglücklicher 
Weise in die für Württemberg so traurige Jud Süss'sche Episode 
verflochten. Da die verschiedenen Geschichtsschreiber ihn oberflächlich 
und ungründlich neben einem Hallwachs, Metz und Consorten ver- 
dammen, so sei hier zu seiner Ehrenrettung angeführt, dass er, 1737 
verhaftet, Jahre lang auf Festungen und im Gefangniss als Staats- 
gefangener, nach langwierigem Prozess 1746 freigesprochen wurde. 
Auf sein dringendes Bitten um unparteiische Richter wurden endlich 
die umfangreichen Akten der Juristenfakultät zu Göttingen übergeben, 
und der Schluss des reeponsums in causa Bühleriana lautet S. 363 
u. ff.: >das8 auch nicht das geringste vestigium sich äussern wollen, 
pacb welchem man nur verrauthen könnte, dass Bühler in societatem 



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- 92 ~ 

alicujus lucri mit dem Juden eingetreten sey, oder sonst sein Be- 
zeigen sich das mindeste Widerrechtliche habe procuriren wollen. 
Ans dem Allen nun zusammen erhellet, wie Inquisitus bei denen 
vielen speciebus delictorum in allen und jeden Fällen, aUen dolum 
lediglich abgeleinet, nicht minder seines Vornehmens überall gültige 
Ursachen angezeiget und solche bescheiniget. Und wann auch bei 
dem Höchsten rigore noch übrig bleiben sollte, dass Bühler, als er 
an diesen Strohm gekommen, von Anbeginn mehrere Vorsicht, sich 
demselben zu entziehen, hätte gebrauchen, auch in währendem Laufe 
dieser Sachen, um eines und des andern Zumuthens sich zu ent- 
brechen grösseren Fleiss und Behutsamkeit hätte anwenden sollen, 
diess insgesammt eventualiter mit alle dem Übel, was mittelst dieser 
wider ihn Formirten harten Inquisition ihn betroffen, und mit Er- 
stattung der schwehren Unkosten compensiret werden müsse. Als 
sind wir, wie in dem Urtheil enthalten, zu erkennen bewogen worden. 
Von Rechtswegen. Mense Januario. 1745.« 

Bühler, durch Kummer und Sorge um Ehre und Existenz 
gebrochen, starb noch im Jahre seiner Freisprechung. — 

Drei Söhne stellten den unschuldig beeinträchtigten Namen 
wieder her. 

Albrecht Jaeob, geb. 1722 zu Dornstetten, vermählt mit 
Maria Elisabeth Gross, Tochter des Stadtvogts zu Stuttgart, wirk- 
licher Geheimer Rath, Geheimer Beferendarius und Directorialgesandter 
beim schwäbischen Kreise, wurde der vertrauteste Diener des Herzogs 
Karl nach dem Sturze Montmartins. Das grosse Zutrauen, das 
ihm seine Rechtschaffenheit und Tüchtigkeit erworben, benützte er 
mit Franziska, welche beiden sich gegenseitig eng verbunden hatten, 
voll Takt und mit genauester Kenntniss des Charakters des Herzogs, 
wie die zweite Regierungsperiode Karl's zeigt, sehr zum Segen des 
Landes, und bewahrte es, bis er 1792 starb. Kaiser Joseph II. 
hat ihn in Anerkennung seiner grossen Verdienste d. d. Wien 1784 
in des heiligen Römischen Reichs Panner- und Freiherrnstand erhoben. 
Wappen: der silberne Bühl auf blauem Schild. 



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— 93 — 

Der zweite Sohn Adolph Christoph, geb. zu Dornstetten 1729, 
wurde herzoglicher 1. Stallmeister und Obrist Seine Reitkunst, 
seine Kenntnisse in der Zurichtung der Pferde und sein Talent als 
Lehrer hatten ihm nach dem Urtheil seiner Zeit bei Männern von 
Fach und an allen Höfen europäischen Ruf erworben. 1792 kam 
er nach Wien und musste auch vor dem Hofe reiten, hiebei erregte 
er solche Bewunderung, dass ihn Kaiser Leopold als echten Ritter 
(d. d. Wien 15. Febr. 1792) in den Ritterstand des Reichs erhob. 
Noch im gleichen Jahre, 21. Mai 1792, erhob ihn Kurförst Carl 
Theodor von Bayern, ein grosser Verehrer seiner Kunst und seines 
Talents, als Reichsvicarius gleichfalls in den Reichsfreiberrnstand. 
Er starb zu Tübingen 1809. 

Sein Sohn, Friedrieh Christoph von BUhler, geb. 1761, Stall- 
meister der Karlsakademie, dann Kaiserlich Russischer Kapitän der 
Palasttrabanten in St. Petersburg, zuletzt Grossherzoglich Badischer 
Landesoberstallmeister, vermachte bei seinem Tode 1833 der Univer- 
sität Tübingen eine ansehnliche Stiftung. Vermählt war dieser mit 
Friederike von Freistedt« 

Der dritte Bruder war Magister Gottlieb Friedrieh Btthler, 
geb. 27. September 1737, vermählt mit Juliane Neuheusser aus 
Esslinger Patriciat, wurde Pfarrer zu Obertürkheim, sodann lang- 
jähriger beliebter Geistlicher zu Echtordingen , von wo aus er ein 
häufiger und gern gesehener Gast des herzoglichen Paares in Hohen- 
heim war. Starb 1809 den 7. Januar. 

Von hervorragenden Männern dieses Johann-Christoph'schen 
Zweiges führen wir weiter an: Freiherrn Carl von Bühler, geb. 1748 
zu Stuttgart, gest. 1811, Sohn Albrecht Jacobs. Seine Ehe mit 
Catharina Charlotte von Schilling blieb kinderlos. Käiserl. Russischer 
Geheimer Rath und Gesandter am Reichstag zu Regensburg, sowie 
an verschiedenen deutschen Höfen, ein schöner und genialer Mann, 
nahm er eine bedeutende Stellung in der damaligen höchsten Ge- 
sellschaft ein. In der Russischen Diplomatie ist er eine historische 
Grösse; speciell zu Gunsten der Vergrösserung des mit dem Russischen 



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- 94 — 

Hofe Hirten Badens hatte er seiner Zeit mit grossem Erfolg gewirkt. 
Inhaber der Grosskreuze von Alexander-Newsky, S. Anna, Wladimir 
etc., war er auch Oberbaillif des Malteser-Ordens. 

Sein zweiter Bruder Freiherr Christoph Albrecht tob Bflhler, 
geb. 1752, gest. 1808, war vermählt: I. mit Elisabeth, Tochter 
des aus Gothas Wahrheit und Dichtung bekannten Bürgermeisters 
von Frankfurt, von Olenschlager ; II. mit der verwittweten Gräfin 
Vieregg, geb. Gräfin Lerchenfeld, deren Grabmonument mit dem 
BüJder-Lerchenfeld'schen Allianzwappen auf dem Friedhof zu Heil- 
bronn steht. Christoph Albrecht war langjähriger Herzoglicher 
Gesandter und Minister am Kaiserhofe in Wien, zuletzt wirklicher 
Geheimerath und Landvogt zu Heilbronn. 

Auch der dritte Sohn Friedrich, Freiherr von Bflhler, geb. 
1760, nahm eine hohe Stellung im rassischen Reiche ein. Einer 
der talentvollsten Karlsacademiker — es waren 9 Bühler in der 
Academie — , Ritter des academischen Ordens, trat er nach rascher 
Carriere als Regierungsrath von württembergischen in russische 
Dienste über und starb 1822 in St. Petersburg als wirklicher Staate- 
rat h, Grosskreuz, Malteser-Ritter etc.; vermählt war er mit Elisabeth 
von Braun. 

Sein Sohn Freiherr Carl von Bflhler, geb. 1805, starb 1868 
unvermählt auf dem v. &aZi$'schen Erbgute Zizers in der Schweiz, 
als kaiserlich russischer General der Cavallerie, Generaladjutant des 
Kaisers und Adlatus des Oberbefehlshabers vom Petersburger Militär- 
bezirk, Groesftirsten Nicolaus, ausgezeichnet durch im Kaukasus und 
in der Türkei geleistete Dienste und gleich verdient um die Orga- 
nisation der Armee. 

Der vierte Sohn Albrecht Jacob's war Heinrich, Freiherr von 
Bflhler, geb. 1763 zu Stuttgart, gest. 1843 auf dem Ritterguto 
Palla im Kreise Dorpat. Kaiserlich Russischer wirklicher Geheimer 
Rath, Senater, Grosskreuz, Malteser-Ritter etc. Vermählt war er 
in 1. Ehe mit Stephanie von Kntnzow, verwittweten Bakunin, in 
II. Ehe mit Alexandrine von Palmenbach. 



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— 95 — 

Von den lebenden Familienhäuptern dieses Zweigs ist zn nennen 
der Sohn des letztgenannten: Baron Theodor von Bflhler, Excellenz, 
kaiserlich Russischer Geheimer Rath, Hofmeister des Kaisers, Director 
de6 Hanpt- and Staatsarchivs des Ministeriums der auswärtigen An- 
gelegenheiten zu Moscau, geb. 3./15. April 1821, vermählt mit 
Fürstin Maria Bekovitseh-Tseherkassky. 

Ferner als Aeltester der Gesammtfamilie: der königlich württem- 
bergische Finanzrath G. Bflhler in Stuttgart, geb. 1800, und endlich 
Hofrath G. von Btthler zu Slaventzitz, Generaldirector der fürstlich 
Hohenlohe - Oehringischen Besitzungen in Württemberg, Sachsen, 
Schlesien und Russland, geb. 13. December 1817. 1877 Mitglied 
des deutschen Reichstags. 

Von ausgezeichneten Persönlichkeiten des jüngeren Johann- 
Datschen Zweigs fahren wir Hofrath Christian Friedrich Christoph 
von Bflhler an, Dr. jur. utriusque, Mag. philosophiae , herzoglich 
württembergischen Oberamtmann von Stadt und Amt Kirchheim u. 
Teck, Verfasser verschiedener historischen Schriften. Von Kaiser 
Josef IL in des Reichs Adelstand erhoben de dato Wien 1769. — ' 
Wappen: grüner Bühl auf silbernem Felde. Gest. im Jahre 1810 
— vollständig erblindet — als Regierungsrath zu Stuttgart. 

Da er ohne männliche Descendenz war, erhebt auf seine Bitte 
Kaiser Franz die Söhne seines Bruders Friedrieh Theophil Bühler, 
herzoglichen Oberamtmanns zu Backnang, — Carl August, Friedrich 
und Eberhard, d. d. 7. Sept. 1802, gleichfalls in des Reichs- Adelstand. 

Carl August von Bflhler, geb. 12. August 1765 zu Backnang, 
langjähriger Regierungspräsident, Staatsrath, Ehrenmitglied des Ge- 
heimen Raths, Excellenz, Grosskreuz etc. Gest. den 23. Februar 
1848 zn Stuttgart, ein Mann, ebenso verdient um Württemberg, an 
dessen Nenorganisirung er zu Anfang dieses Jahrhunderts als erster 
referirender Rath des Regierungs-Directoriums ausgezeichneten Antheil 
hatte, als besorgt für die Familie, deren angesehene Stellung er, 
ein vermöglicher Mann und Herr des Schlosses Ossweil, durch Grün- 
dung eines Fideicommisses zu sichern suchte. 



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— 96 — 

Sein Bruder Friedrieh von Bflhler, königlich württembergischer 
Hofrath, zu Schwaigern Administrator der gräflich neipperg'schen 
Besitzungen, hat die Fortdauer der Familie erhalten durch drei Söhne, 
deren jüngster . Carl Edmund von Bflhler, Herr zu Brandenburg an 
der Hier, von seiner Majestät König Karl von Württemberg in den 
Freiherrnstand erhoben wurde, den 13. Oct. 1873, kurz vor seinem Tode. 

Zur Zeit Senior dieses Zweigs ist Cavallerie-Major 

Carl von Bflhler, geb. 1833, Ritter des eisernen Kreuzes. 

Es wäre aus vorliegendem Material noch viel des Interessanten, 
mancher stille schöne Familienzug und manches ehrenwerthe Glied 
der Familie anzuführen, das in bescheidener, ihm vom Schicksal zu- 
gewiesener Stelle den Kampf des Lebens gekämpft hat, doch würde 
diess den gegebenen engen Bahmen überschreiten und bleibt daher 
einer Familienchronik vorbehalten, welche, wie wir hören, bereits in 
Arbeit ist. 



Nach Traditionen stehen in ursprünglichem Zusammenhang mit a 
dieser Familie die Bühler von Oberroth (Gaildorf). Von der Des- 
cendenz des gräflich lim bürg. Kammerraths in Oberroth, Georg Caspar 
Bflhler, geb. 1752, ist anzuführen: 

Ernst Christoph Bflhler, königlich württembergischer Ober- 
förster (ausgezeichneter Forstmann, s. Galerie württembergischer 
Forstleute 1855). t 

Georg Wilhelm von Bflhler, königlich württembergischer 
Oberbaurath. t 

Ritter Ernst von Bflhler, Eisenbahndirector in Wien. 

Dm Fürstlich Wdrttembergieche Dienerbuch enthält folgende höhere Beamte 
des Namens Bühler (BihUr): Advocat 306, 307. — Albr. Jak., Gel. Geh.Rath 28; GeL O.- 
Rftth 67 ; HoffRath 181. — Carl Frid., Regiatrator 160. — Ftlix Gottl., Pferrer 891. - 
Frid. Gottl., Keller 592; Vogt 371. — Qtorg, Borg Vogt 529; Hauptmann 366, 529; O.- 
Schulthais 619. — Jak. Frid., Geh. Secretar. 35; Reg. B.SecreUr. 75. — Joh. Christoph, 
Exped.Rath 112; Landaohreiber 116; Vogt 421. — Joh. Frid., Ambtmann 469. — Martin, 
Ambtmann 469. 



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Büschler. 



ESne ehemals zu den angesehensten Geschlechtern der Reichs- 
stadt Hall zählende Familie, welche im Jahre 1471 von Kaiser 
Friedrich in der Person Hans BOschler's >aus dem ohrwürdigen 
Sieben Burger Geschlecht« zum Ritter und Adelichen Geschlecht er- 
hoben wurde. 

Ebendemselben Geschlechte entstammten: 

Friedrich BBschler, geb. zu Hall in Schwaben, 1479 beim 
Tonrnier in der Woche am Lichtmesstag unter 68 Rittern gegen- 
wärtig. — 

Philipp Busehler, vermählt 1522 mit Affra Senfftin von 
Snlbnrg. — 

Philipp BBschler, geb. 1543, fiel (in Frankreich) in der 
Schlacht auf Conde* scher Seite. — 

Conrad BBschler, StättmeUter, starb 1579, 10. April, »hat 
»an St. Michels Kirchen sein Stein. Seine Haussfraw Anna, geborene 
»tob Rossdorf, von der Sophia Büschhrin erzeugt.« - 

Hermann BBschler, anno 1526 Stättmeister zu Hall, wurde 
von den Sieben Bürgern verfolgt und starb 1543. 

Der Letztgenannte spielt in der Hallischen Geschichte eine Rolle, 
denn seinetwegen entstand eine grosse Zwietracht unter denen von 
Adel, so daes wie es wörtlich heisst: »Ir vil auss Hall gefaren, und 
seither ir wonung nit mehr alda gehabt.« 

Pfarrer Glaser in seiner »Geschichte der Stadt Hall« (M. S. 
de Anno 1780) führt u. a. folgendes Aber dieses Geschlecht an: 

v. GcorgU-Gtnrgenau, Biographisch-Genealogische Blätter etc. 7 



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— 9S — 

>l)er letzte Bäschler von Ansehen, so mir vorkam, ist 1577 
Todes verblichen, die Familie selbst ging bis diese Stunde nicht 
unter, versank aber innerhalb 200 Jahren in Niedrigkeit. Vor wenigen 
Jahren noch lebte ein ßttschler in Hall, dem das Andenken seiner 
glänzenden Vorfahren den Kopf verrückte, er mochte auf seiner er- 
lernten Profession nicht arbeiten, duldete lieber die bitterste Armuth, 
enthielt sich da und dort in Wirthshäusem und wartete auf einen 
Bissen, den ihm ein Mitleidiger reichte, baute sich endlich eine Hütte 
oberhalb der Stadt auf der Anhöhe beim Eisen hof, träumte dabei 
immer von wichtigen Forderungen, die er von seinen Vorfahren her 
an die Stadt zu machen habe, und begieng auffallende Unschicklich- 
keiten, daher sich der Magistrat genöthigt sah, ihn in ein Arbeits- 
haus einzusperren.« 

»Ein Geschlecht kommt, das andere vergeht!« 



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Buntz, Bonz. 



Darid Bnntz, geboren als Sohn des Amtmanns zu Ebersbach, 
Oberamts Göppingen, Johann Bnntz* von Weidenstädten und der 
Barbara Schlumberger von Setzlingen, Oberamts Ulm, besuchte die 
Ulmi8chen und Göppingischen Schulen, trat nach Absolvirung der- 
selben in die Stadtschreiberei in letztgenannter Stadt ein, und begab 
sich in der Folge zu weiterer Ausbildung zu seinem Bruder, dem 
damaligen Kaiserl. Kammergerichts-Advocaten und Procuratoren in 
Speyer, Johann Bnntz. Im Jahr 1577 kam er als Secretär zu dem 
Grafen Johann zu Salm, Herrn zu Viviers etc., Marschall des Herzog- 
tums Lothringen und Gubernator zu Nancy, welcher ihn bald darauf 
zu seinem Rentmeister beförderte. Nachdem er im Jahr 1595 nach 
Esslingen zurückgekehrt war, auch sich im gleichen Jahre daselbst 
Terheirathet hatte, gelangte er 1597 in den kleinen Bath dieser 
Reichsstadt, ward ein Jahr nachher ebendaselbst zum Forstmeister, 
hierauf zum Stadt- Amman 1601, sowie auch zum Oberbürgermeister 
ernannt 1602. Das letztere Amt bekleidete er innerhalb 17 Jahren 
achtmal. Er starb mit Hinterlassung zweier Sühnlein, Namens Hans 
DtTid und Hans Conrad den 25. August 1619. 

Seine erste Gemahlin war Susann* , des gewesenen Bürger- 
meistere von Esslingen Johann Legers unterlassene Wittwe, eine 
eeb. Datt, welche kinderlos starb; die zweite, Christina, eine Tochter 
des Herzogl. Württembergischen Pflegers des Klosters Denkendorf 

• In Vaher'a „Württembergiechen FamÜien8tlftungen a . Stuttgart 18ß8, Ist die 
Familie anter dem Namen Bonz aufgeführt. 



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— 100 — 

in Esslingen, Conrad Schlossberger und der Sabina, geb. Besserer 
Ton Basserstein; ans dieser zweiten Ehe stammten die vorerwähnten 
zwei Söhnlein. — 

Johann Jacob Buntz, Neffe des Vorigen, wurde den 7. August 
1574 zu Speyer als Sohn des dortigen Kaiserl. Kammergerichts- 
Advocaten und Procurators, auch beider Rechten Doctors Johann Buntz 
und der Magdalena Simmer geboren. Derselbe,, in der Augsburgi- 
schen Confession erzogen, wurde nach dem 1 588 erfolgten frühzeitigen 
Tode seiner Eltern von seinen Vormündern nach Württemberg und 
zwar nach Urach gebracht, woselbst er die lateinische Schule besuchte 
und von da aus die hohe Schule in Tübingen bezog. Im Jahr 1594 
ging er, durch die Fest veranlasst, nach Speyer zurück, und begab 
sich in demselben Jahre noch nach Heidelberg. 1595 ging er wieder 
nach Tübingen, 1598 abermals nach Speyer, 1600 nach Jena, 1602 
nach Leipzig, Wittenberg und Helmstadt, von wo aus er die Städte 
Lübeck, Hamburg, Bremen, Königsberg in Preussen, und so fort, 
durch die Mark Brandenburg, das Herzogthum Braunschwei& besuchte 
und über Nürnberg nach Speyer zurückkehrte. In der Folge prak- 
tizirte Bunte zu Worms bis 1606, in welchem Jahr er von dem 
Markgrafen Georg Friedrich zu Baden und Hochberg als Hofmeister 
dessen Sohnes, des. Markgrafen Carl, angenommen wurde. 1607 be- 
suchte er, von diesem huldvollst entlassen, auf's Neue Speyer, begab 
sich von da nach Basel und licentiirte daselbst in der Rechtswissen- 
schaft 1609. 1611 wurde er von dem Bath der Stadt Worms zu 
deren Advocaten und Syndicus berufen, ein Amt, das er in vielen 
wichtigen Verschickungen und Commissionen zu Kurfürsten und Herrn, 
viele Jahre lang vertrat. 1629, 12. November, ernannte ihn der 
Kurfürst von Brandenburg zum Beisitzer des erwähnten Kaiserlichen 
Kammergerichts, als welcher er auch, nachdem er namentlich unter 
den spanischen und anderen damaligen Einquartirungen viel Drangsal 
zu erleiden gehabt hatte, den 8. Februar 1656 starb. 

Seine Ehegattin war Margarethe, Tochter des Raths und Schult- 
heissen zu Worms, Bernhard Christof Schlatt, welcher Ehp 4 Söhne 



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— 101 — 

und 7 Töchter enteprossten, von denen bei seinem Tode noch folgende 
am Leben waren: 

I. Maria Margaretha, vermählt mit dem Fürstlich Speyer 'sehen 
Commandanten der Festung Magdeburg, Robert von Losslin. 
II. Johann Jacob Buntz, geboren 22. April 1614 zu Worms. 
Derselbe absolvirte seine akademischen Studien in Heidelberg 
und Strassburg, praktizirte hierauf bei seinem Vater in den 
Kaiserl. Kammergerichts-Prozessen , nnd wurde im Jahr 1648 
von dem Herzoge von Württemberg zum Bebenhausischen Pfleger 
zu Esslingen ernannt. Als solcher starb er den 30. Mai 1666. 
Seine Gattin war seit 8. September 1645 Christina, Tochter 
des Stadt-Ammans von Esslingen Johann Andreas Sehlogs- 
berger, mit welcher er 3 Söhne und 3 Töchter erzeugte, die 
ebenfalls Nachkommen hinterlassen haben. Sein Symbolum war: 
Dum spiro spero. 

Derselben Familie gehören ferner an: 
Johann Jaeob Buntz, J. ü. Lt., geb. 27. März 1673, t 3. 
Februar 1743: (nach Blum von nun an Bonjs genannt) Herzoglich 
Württembergischer Archivar, vermählt mit Sybilla Barbara, Tochter 
des Med. Dr. in Stuttgart Ludwig Gottlieb Brenning, welcher Ehe 
2 Söhne qnd 2 Töchter entsprossten. — 

Christoph Gottlieb Bonz, Sohn des Vorigen, geb. 1706, Herzogl. 
Wörttembergischer Expeditionsrath, erstmals vermählt mit Gonradlne 
Elisabeth, geb. Schuokhardt; zum zweitenmale mit Christina Dorothea 
Veronika, geb. ttolther, welchen Ehen 2 Söhne und 2 Töchter ent- 
sprossten. — 

Johann David Bonz, geb. 1676, Eathsherr und Kaufhaus- 
verwalter in Esslingen, Mitbegründer der ifoni'schen Stiftung da- 
selbst, t 1737. 

Dm Fürstlich Württembergische Dienerbuch enthält folgende höhere Beamte 
dm Namens Bont (Bonu, Butmtz, Bunt»): CanzleiAdvoc. 96; Registratur 160. — Ernst 
Christoph, BenthÜh.SecreUr. 125. - Gottlieb Christoph, ViattatSecreter. 168. - Je*., 
QalstLVerwaltter 671 — Joh. Jak., Archiyar 40; GantzleiAdvoc. 94; Cl.Pfleger 362, Reg., 
BJBecretar. 74 ; Begistrator 83. 



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Burk. 



Philipp David Burk, wurde den 26. Juli 1714 zu Neuffeu 
geboren. Sein Vater Philipp Jacob Burk, t 1744, war Präceptor 
zu Neuffen; der Grossvater Philipp Jacob Burk, t 1699, Pfarrer 
zu Mezingen u./ürach ; der Urgrossvater Philipp David Burk, t 1679 
Vogt von Nürtingen; der " Urur-Grossvater Caspar Burk, t 1624, 
Vogt von Nagold; die Urur-Grossmutter Margaretha, eine Tochter 
des David von Dettighofen zu Erkheim und der Veronika, geb. 
Keller ; der Urur-Urgrossvater Philipp Bork, Syndicus in dem Stifte 
zu Oehringen (1555) lebte noch 1561 und ist der älteste bekannte 
Stammvater dieser Familie. 

Phüipp David* studirte Theologie und war, nachdem er vor- 
her auf mehreren Pfarreien vikarirt hatte, im Jahr 1738 Vikar und 
Amanuensis bei seinem Schwiegervater Bengel in Denkendorf; hierauf 
Pfarrer in Bolheim bei Heidenheim 1742, in Hedelfingen bei Stutt- 
gart 1750, Dekan in Markgröningen 1758, Stadtpfarrer und Special- 
Superintendent in Kirchheim, als welcher er 22. März 1770 starb. 
Er dachte, lehrte und schrieb ganz im Geiste seines Schwiegervaters 
und war überhaupt ein Seelsorger im eminentesten Sinne des Worts. 
Seiner Schriften sind viele. 

Sein früh verstorbener Sohn M. Johann Albrecht Burk, geb. 
2. März 1747, hat eine Biographie des Vaters geschrieben, welche 
in Lübeck 1771 herauskam. — 



* Seine Brüder waren: I. M. Michail Christoph Burk, Pfarrer in Kohlstetten 
II. Johann Phüipp Jacob Burk, Kaufmann in Neuffeu ; III. Wilhelm Gottfried Burk, Kauf, 
mann in Leonberg. 



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— 103 — 

Christian Friedrich Bnrk, Enkel des vorerwähnten Spezial- 
Superintendenten, war Pfarrer in Thailfingen, Stadtpfarrer in Gross- 
bottwar, Archidiaconus bei St. Leonhard in Stuttgart 1857, zuletzt 
Pfarrer in Echterdingen, und lebt jetzt im Pensionsstande zu Lichten- 
stern, woselbst einer seiner Söhne das Inspectorat der Kinderrettungs- 
und Schullehrer-Bildungs-Anstalt bekleidet. 



Dm Fürstlich Württemberglache Dienerbach enthUt folgende höhere Staata- 
d jener des Namen» Burckh (Burg Burgkh): Caspar, Gl. Pfleger 250; Schultheias 363; 
Vogt 500. - Hans, ßtadtechreiber 366. — Hans Ludw., OI.Hoftnaister 340 ; Gaiatl. Ver- 
walter 474, 475 ; — Harn Mtlch., Cl Hoftnaiater 340 ; Gaiatl. Verwalter 474. — Joh. Ludw., 
Vogt 473. — Joh. PML, ExpedJtath 111. — Joh. Phil., Vogt 516. — Phil. Da»., CLPlleger 
319; Pfarrer 441, 465, Vogt 506, 515. - Wilh., GLHofinaiater 340; Gaiatl. Verwalter 476; 
Voratmalater 44S. 



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Burkhardt. 



Es folgt hier ein über diese altfränkische, seit 1560 auch 
Württemberg angehörende Familie gedruckter historischer Bericht, d. 
a. 1719, also lautend: 

»Diese alte und berühmte Fanuli, hat ihren Ursprung aus 
Francken, und ist unter die Alte Fränckische Familien von Adel, 
biilich zu zehlen, war auch schon von etlich Seculis her in Francken 
bekannt und hatte schöne Adeliche Güter um Baunach besessen. In 
der Genealogi kan man zwar nicht höher steigen, als bis auff Con- 
rad Burkhardten der ums Jahr 1476. gelebet, gleichwohlen muss 
derselbe und seine Famili damahlen schon in grossem Ansehen ge- 
standen seyn, dieweilen er sich mit dem Uralten Adelichen, und heu- 
tigs Tags sehr hohem Geschlecht, deren von Lichtenstetn durch Heu« 
rath verknüpftet: inmassen Er Mariam Elisabetham von Lichtenstein 
zur Ehe gehabt, und vielleicht diejenige seyn mag, welche von Bu- 
cellino, in seiner Genealogica Germaniae Notitia, einem Burkhardten 
von Wcispriach in gleichem Zeit periodo zur Ehe gegeben wird, deren 
Vatter Wilhelm von Lichtenstein gewesen. Indessen ist obgedachter 
Conrad Burkhardt durch erstgemeldte Mariam Elisabetham von 
Lichteustein ein Stamm- Vatter worden, der Burkhardtischen, und vieler 
davon descendirenden theils Adelichen, als der Burkhardten von der 
Klee, u. a. m. theils andern berühmten Familien, worunter in specie 
die Bardilin- Brotbek- und Scheinetnannische zu zehlen, deren Ge- 
nealogie in gegenwärtigem Stamm-Baum mit mehrerem zu ersehen. 
Was sonsten noch den Adel der Burkhardtischen Famili anbelangt, 



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- 105 — 

m 

so ist dessen anter anderm ein klarer Beweisstirom, indeme die Burk- 
hardten, wegen ihrer Güter and Geschlechts, anter denen Adelichen 
Vasallen des Klosters Bantz in Francken vor Zeiten ohndispntirlich 
gewesen, wie solches der vortreffliche Abht Johannes Burkhardt, 
obgedachten Conradi Enckel, und tfeorg Burkhardts, des Stamm- 
Vatters innvermeldter Familien, leiblicher Bruder, gegen diejenige, die 
Ihme und seiner Famili diesen Adel disputiren wollen, gründlich 
dargethan und behauptet hat. Von diesem Abbt Johanne ist inson- 
derheit noch dieses zu melden, dass derselbe wegen seiner sonder- 
bahren Klugheit, Verstands, Gelehrsamkeit und Frommkeit, schon in 
dem 208ten Jahr seines Alters von dem tapffern Abbt des Closters 
Schwartzach im Stift Würtzburg, Wolfgang Zobeln zu denen wich- 
tigsten Geschafften und Verrichtungen nutzlich gebraucht, und dess- 
wegen von Ihme bald darauf nicht nur zum Prior dieses Benedictiner- 
Cloeters bestellt, sondern auch noch vor seinem Tod dem Convent 
zu einem Successore und künftigen Abbt recommendiret, und einmüthig 
darzu erwählet worden, Anno 15(52 ohnerachtet er damahlen erst das 
26ste Jahr seines Alters erreichet hatte. Dieweilen er nun durch 
kluge Administration und vortreffliche Einrichtung der Oeconomie 
sich einen grossen Böhm erworben, ward er von Bischoff Julio zu 
Wirteburg aus eigener Bewegung, wider seine protestation, gleichfalls 
zu einem Abbt des Closters Bantz ohnweit Coburg 1575. bestimmt 
und ernennet, um dem fast gäntzlich zerfallenen Cioster-Wesen wieder 
aaftzuhelffen, welches Er auch von dem grossen Schulden Last nicht 
allein heraus gerissen, sondern auch in kurtzem die Closters Einkünften 
ansehnlich vermehret hat. Endlich ward Ihme auch die Administration 
des schönen und berühmten Closters, St. Stephani in der Vor-Stadt 
zu Wirtzburg aufgetragen, 1590. Er starb 1598. mit allgemeiner 
Betaurung seiner vortreffllichen Tugenden und Qualitäten, und ward 
zu Schwartzach begraben, allwo noch sein Epitaphium zu finden, 
darinnen Er Trium Monasteriorum Conservator & Bestitutor genennet 
wird. Im übrigen seynd noch in der Stadt Bannach verschiedene 
Monumenta zu finden, welche ohnverwerfflliche Zeugen seynd, von dem 



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— 106 — 

Alter und Adel der Burkhardten, gleichwie auch noch selbiger Gegend 
von etlichen Seculis her, der Burkhardts-Wald, item die Burkhardts- 
Stra8S etc. bekannt. Hievon ist zu lesen: Oratio Punebris, in Obi- 
tum Abbatis Johannis Burkhardi, &c. Authore Johanne Burkhhardo, 
J. U. D. , Ducali Consiliario Francico, Wirzburgi 1601. Conradi 
Dinneri, JCti, Generi Burkhardiani, Catalogus & Descriptio Abbatum 
Monasterii Schwarzach, Wirzburgi 1572. Ejusdem Catal. & De- 
scriptio Abbatuni Monasterii Banthensis, vulgo Banz. Wirzburgi, 1589. 
Michaelis Ziegleri, D. Med. & Prof. Phys. & Log. zu Tübingen, Pane- 
gyricu8 in obitum Georgii Burkhardti, Prof. Log. Anno 1608. Item 
Rumetschii Annotationes Historico-Philologicae , Scriptae in Votum 
Nuptiale, Sulzero-Bardiliano Conjugio dicatum, Anno 1692. 

Obgemel<Jten Conradi Burlchardts und Marke Elisabeth von 
Lichtenstein leiblicher Sohn, war Heinrich Burkhardt, welcher bey 
3. Marg-Grafen zu Brandenburg, nehmlich Fridriclien, Georgen und 
Georg Fridrichen in Diensten, und wegen seiner sonderbahren Treu 
und Fleisses in grossen Gnaden gestanden, und endlich als ein ge- 
treuer Diener des Hoch-Fürstl. Hauses Brandenburg sein Leben ge- 
lassen, dann da Er mit 500 zu Pferd, und dem Land -Ausschuss, 
welchen Er commandiret, die Fürstl. Anspachische Land und Gräntzen 
wider die aus Ingolstadt aus- und nach denen Niederlanden mar- 
schirende Spanische Besatzung bedeckte, diese von dem rauben und 
plündern abhielte, und darüber mit denenselben in ein Gefecht geriethe, 
ward er Anno 1550 von denenselben erschossen. Er hatte zur Ehe 
Evam, Sebastian Widmanns, Mark-Graf Georgen zu Brandenburg 
Cubicularii Tochter, mit deren Er unter anderen Kindern 2 tapffere 
Söhne gezeuget und hinterlassen, nehmlich obgedachte Johannem, 
nachgehende Abbt, und Georgium Burkhardnm, welche aber noch 
unerzogen waren. Bey ihrer ferneren Education hatten beede grosse 
Gefahr wegen der Rom. Catholischen Religion, worein jener verfallen, 
dieser aber derselben durch Gottes sonderbare Schickung, (vermittelst 
einer gottseeligen Magd seines Vatters Bruders, Johannis Burkhardti, 



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— 107 - 

Vogts zu Ochsenfurt, der ihn nach seines Vatters Henrici Tod auff- 
genommen), glücklich entgangen, wovon obgedachter 2>. Ziegler in 
dem Panegyrico Georgii Burkhardi einige denkwürdige Umstände 
anführet, und dabei ferner meldet, wie dieser 

Geotgius BurJchardus endlich in das Herzogthum Wirtenberg, 
und zwar nach Stuttgart im 18. Jahr seines Alters kommen, allwo 
sich seiner der tapffere Theologus und Probst Johannes Brentius, 
wie auch der damahlige berühmte Paedagogarcha Wdker, getrealich 
angenommen; da er dann wegen seines stattlichen Ingenii, ohner- 
müdeten Fleisses und tugendsamer Aufführung willen seine Auffeilt - 
haltung und Beförderung dergestalten erlangt, dass er über 40 Jahr 
bey der TJniversitaet zu Tübingen Professor Logices, auch Paedagogarcha 
der Schulen dieses Hertzogthums ob der Steig gewesen. Von dessen 
gantzem Leben, Fatis, Studiis, Officiis, Meriten, Qualitäten, doppelten 
Ehestand, und Ende obberührter Panegyricus wohl zu lesen. Wobey 
ihme in dem Programmate Universitatis publico bey seiner Begräbmiss 
dieses rühmliche Zeugnuss gegeben wird, dass er gewesen : Vir insigni 
pietate, magna eruditionis, politi judicii, fidei integerrimus, aman- 
tissimns sequi, laborum impiger, & indefessus. Durch seine beede 
geseegnete und glückliche Ehen ward er vermittelst Göttlichen Seegens, 
ein Vatter 23 Kinder, und ein Stamm- Vatter vieler berühmter und 
tapfferer Familien in Francken, Sehwaben, und Wirtenberg, welche 
noch heutige Tags schön floriren. Unter vielen Söhnen, welche, so 
viel deren erwachsen, zu Geistlich und Weltlichen Ehren-Aemptern, 
die Töchtern aber alle ebenfalls zu ansehnlichen Heurathen im Geistlich- 
uud Weltlichen und auch Professor-Stand gelanget, waren sonderlich 
berühmt: Albertus, und Andreas. Jener war aus 1. Ehe, und ein 
tapfferer berühmter Mann, inmassen er, J. U. D. , der Stadt Nürn- 
berg, wie auch vieler Reichs Fürsten und der Fränckischen Bitter- 
schafft Kath und Advocatus gewesen, von welchen die Burhhardti&chs, 
Breueriache, JaAnische, 0rtöische, Leutweinmlie, und andere anver- 



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- 108 - 

wandte Familien, in Stuttgart, Hohenlohischen, und anderswo abstammen. 
Aus der andern Jähe aber war 

Andreas Burkhardt, J. U. D., Fürstlich Wirtenbergischer Ge- 
heimer Rath und Cantzlar, auch ehemahliger Gesandter bey denen 
Westphälischen Friedens-Tractaten. Ein vortrefflichor, und wie um 
das gesammte Evangelische und Gemeine Wesen in Teutschland, also 
auch um sein Vatterland, dieses Hochlöbl. Hertzogthum, durch viele 
getreue und nutzliche geleistete Dienste, in specie aber auch bey denen 
ihme nächstverwandten Bardilin- Brotbek- Scheinemann, und Schloss- 
bergischen Familien und denen davon descendirenden Linien noch anff 
den heutigen Tag, auch nach seinem Tod, hochmeritirter Mann. Dessen 
Gedächtnuss billich bey allen getreuen und ehrliebenden Patrioten, 
sonderlich aber bey erstvermeldten Familien und derselben gesammten 
Descendenz billig im Seegen solle verbleiben; besonders da derselbe 
ein reiches Stipendium ä 12000 Gulden vor erstvermeldte Familien 
gestiftet, wie der vorhergehende Extract aus seinem Testament aus- 
weiset, welches viele Descendenten derselben bisher zu grossem Behnff 
ihrer Studien, uud mit schuldigem gebührendem Danck, theils ge- 
nossen, theils dato noch geniessen: daher man zu dessen immer- 
währendem danckbarem und .ruhmwürdigen Angedencken das schöne 
Epicedium, welches auf dessen Grabstein in dem Chor der Hospithal- 
Kirche zu Stuttgart zu lesen, und der Leich-Predigt des seel. Herrn 
Cancellarii beygedruckt worden, aber nicht viel mehr zu finden, dieser 
Burkhardtischen Genealogie, wie hiernächst folget, anbey fügen wollen, 
worinnen die grosse Meriten, und rare Qualitäten dieses vortrefflichen 
Ministers mit Verwunderung und Vergnügen zu lesen. Wobey von 
dem Verfasser dieser nervösen und schönen Inscription, Johanne 
Frischmann, so viel noch zur Nachricht zu melden, daas derselbige 
der ehemalige berühmte Frantzösische Resident zu Strassburg ge- 
wesen, welcher sich einen Tochtermann des sei. Herrn Andreae 
Burkhardti schrieb. (Seine Gattin war eine Stieftochter des 
Letzteren.) 



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— 109 - 

Zu dem Geschlechte der Burkhardt van der Klee , aus dem 
Schlosse Kleeberg in Schwaben stammend, zählt die in Böhmen und 
Mähren begüterte, 1723 in den österreichischen Freiherrnstand er- 
hobene Familie. 



Dm Fürstlich Württembergische Dienerbuch enthält folgende Burckkard (Bure* 
kardt, Bmrekkardi, Burchhari): Geh. Begim.Bath M; Professor 18. — Andr , Cantiler 
18, 40; GeLO.Batb 61; VlceGantsler W.-Gtorg AMb., Syndic. 40.— Han* Cornr.. Gsistl. 
Verwaltter 597. — Beinr. Mart« Archivar 40; CantsleiAdvoc. 94; GeLO.Rath 65. — Jac. t 
Keller 614. — Jbh^ Amptmann 337 ; CL Hoftnaister 344 ; Cl.Pfleger 284 ; GainU. YerwsJtter 
507. — Mari., Archivar 80; Pagenlnformator 190. 



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Camerer, Cammerer. 



Elias Rudolph Camerer, der Philosophie und Medicin Doctor, 
einer in der württembergischen Gelehrtenwelt wohlbekannten Familie 
angehörend, deren Glieder als Aerzte, Lehrer und Schriftsteller sich 
angesehene Namen erworben haben, wurde den 7. Mai 1641 zu 
Tübingen geboren. Sein Vater, Johann Rudolph Camerer IL, t 1675, 
(in der Camererschen Genealogie als Stammvater der älteren oder 
Tübinger Liuie aufgeführt) war Med. Cand. und Pharmaceut daselbst; 
die Mutter war Agnes, geb. Schön; der Grossvater Johann Rudolph 
Camerarias I., geb. 1588, Med. Dr. und Physicus, welcher anfangs 
in der ehemaligen Reichsstadt Esslingen, hernach zu Reutlingen lebte 
und seiner verschiedenen Schriften wegen grosse Berühmtheit erlangte; 
die Grossmutter Sara, geb. Gilg; der ürgrossvater Alexander Ca- 
merarius IL, Med. Dr. und vieljähriger Physicus zu Reutlingen; der 
Ururgrossvater Alexander Camerarlus L, * f 1585, vieljähriger 
Bürgermeister zu Tübingen, dessen Epitaphium in der St. Georgen- 
kirche daselbst angebracht ist. 

Elias Rudolph erlangte, nachdem er unter die Zahl der aka- 
demischen Bürger aufgenommen worden war, 1655 das Baccalaureat, 

* Ein anderer diese« Namens, Joachim I. Cameroriue, Philolog, geb. 12. April 1500 
in Bamberg, (1536 von Herzog Ulrich von Württemberg nach Tübingen berufen, um 
der Universität eine neue Organisation zu geben), stammte aus einem alten fränkischen 
Geschlecht, das seine Ahnen in Kaiser Heinrich» II. Zeit setzte, ursprünglich sich Lieb- 
kard, seit etwa 1100 als Kammermeister der Bischöfe von Bamberg „Kammermeister* nannte, 
was dann Camerariu» latinisirte. Camerariua ging 1521 mit Eobanue Heeeue nach Wittenberg, 
wo er Melanchthona Freund wurde. Von Tübingen aus begab er sich nach Leipzig. 

Die Gattin den Catnerariu» war Anna, geb. Trucheeeein von Grünsberg. Ein 
Sohn aus dieser Ehe, Philipp Cammerer \ geb. 16. Mai 1537 zu Tübingen, Rechtegelehrter, 
war Prokanzler der damals neu errichteten Universität Altdorf 1581 und starb 22. Juni 
1624 zu Nürnberg. 



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- 111 — 

1658 aber die Magisterwurde. Hierauf verlegte er sich »nach dem 
Exempel seiner Voreltern« auf das Studium der Medicin und wurde 
17. Augost 1663 zum Dr. dieser Wissenschaft creirt. 1672 von 
seinem Herzoge zum Kath und Leibarzt, 1677 zum Professor der 
Medicin und Senator ernannt, ward er in der Folge von Herzog 
Friedrich Carl und Herzog Eberhard Ludwig bestätigt. Laut 
seinem Krankenverzeichnisse haben über 33,000 Patienten in seiner 
Behandlung gestanden, von denen die meisten ihre Gesundheit wieder 
erlangten. Als Arzt machte er sich namentlich um die Verbesserung 
des Studiums der Medicin verdient. Er starb, nachdem er noch 
vorher von seinen Freunden schriftlich Abschied genommen, auch von 
den meisten derselben wieder Antwort erhalten, u. A. auch von der 
verwittweten Frau Herzogin, 7. Juni 1695. In einem der ver- 
schiedenen ihm nach seinem Ableben gewidmeten Epitaphien heisst 
es u. A.: 

»Dein Grab blüht hier und dort, und dein berühmtes Leben 
Hatt schon vor langer Zeit erlanget diesen Preiss: 
Der b'rühmte Camerer kann nicht begraben werden, 
, Drum schliesse Niemand ihn doch gar so enge ein. 
Da überall wo noch Gelehrte seyn auf Erden, 
Da wird sein Ehre-Mahl und Grabe-Stelle seyn.« 
Seine Gattin war Regina Barbara, Tochter des Stadtschreibers 
zo Tübingen Johann Ludwig Neuffer und der Susanna, geb. Frisch. 
Kinder: 

I. Agnes 8nsanna, vermählt mit dem Herzogl. Württemb. Rath 
und Professor Johann Osiander. 

II. Regina Barbara, verm. mit dem Ober-Diaconus zu Tübingen 
Professor theol. daselbst Andreas Adam Hochstetter. 

HI. Sibylla Sara, Gattin des Dr. jur. und Professors in Tübingen 
Georg Friedrich HarpprechL 

(V. Maria Barbara, Gattin des Dr. jur. und Bürgermeisters von 
Esslingen Joh. Phil. Weihet sreuter. 



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— 112 — 

V. Elias Rudolph, geb. 17. Februar 1672 (1673) zu Tübingen, 
Med. Dr. und Professor Extraordinarius, ein übrigens der Magie 
und den geheimen Künsten aufs Eifrigste ergebener Mann, 
dabei ein entschiedener Gegner aller Neuerungen und Fortschritte, 
vermählt mit Benign* Dorothea, Tochter des Herzoglich 
Württembergischen Amtsvogts von Stuttgart Johann Christoph 
Wfflfflvg. 

VI. Rudolph Jacob Camerer, geb. 17. Februar 1665 in Tübingen, 
Arzt und Botaniker, Philosoph, auch öffentlicher Professor zu 
Tübingen, vermählt mit Christina Magdalena, Tochter des 
Theol. Drs. und Professors der Philosophie zu Tübingen, zuletzt 
Raths und Abts zu Älpirsbach Johann Graflt (Krafft). 

Camerer, der bedeutendste Gelehrte in seiner Familie, starb, 
nachdem er sich grosse Verdienste im Gebiete der Naturwissen- 
schaften, besonders in Bezug auf die Sexualität der Pflanzen 
erworben, 11. December 1721. — 

Alexander Camerer, Sohn des Vorigen, geb. 3. Februar 
1696, studirte ebenfalls Medicin, doctorirte 1717, machte hier- 
auf mehrere Reisen, und worde nach seiner Rückkehr von 
denselben von Herzog Eberhard Ludwig zum ausserordentlichen 
Professor der Medicin, 1721 aber zum ordentlichen Professor 
in Tübingen ernannt. Im Jahre 1723 wurde er Decan, 1724 
Rfcctor, welch beide Aemter er mehrere .Male bekleidete. Mit 
vielen fürstlichen Höfen, insbesondere aber mit dem Reicha- 
Freiherrlich von Ulmischen Hause, das ihn sehr hochschätzte, 
stand er in beständiger Verbindung. 

Er starb 1736, den 13. November, seines Alters im 
40. Jahre. Seine Gattin war seit 1720 Clara Hedwig, 
Tochter des Med. Drs. und Professors, auch Herzogl. Württem- 
bergischen Raths und Leibmedicus, Joluinn Zeller, welcher 
Ehe mehrere Kinder entsprossten. 



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— 113 — 

I« seiner Leichenrede findet sich folgende Widmung: 
ülcit Alexander mortem Camerarios arte 
Non medica, sed vi fidei, sed morte beatä. 

Praestantissimo 

dam viveret 

medico 

hoc pietatis monumentum scripsit 

lugens meritoque 

Christoph. Matthäus Pfaff D. 

Cancellar. Tubing. 

Philipp Eberhard Camerer, Bruder Johann Rudolph' s II., 
geb. 17. Juni 1634, Bürgermeister von Reutlingen, Stammvater 
der jüngeren oder Reutlinger Linie, welche vorzüglich Geistliche hervor- 
brachte, f 26. März 1686. Gattin: seit 16. Sept. 1661 Maria Marga- 
retha, geb. Heerbrandt. 

Ebenfalls hieher gehören: 

Johann Wilhelm von Camerer, Theologe, geb. zu Ohnastetten 
in Württemberg, 27. Februar 1763, war Diaconus an der St. Leon- 
hardskirche in Stuttgart, nachmals evangelischer Prälat, als welch 
letzterer er ein biographisches Werkchen von dem bekannten Refor- 
mator Brenz veröffentlichte. Auch als Mathematiker und Astronom 
erwarb er sich einen Namen; beide Wissenschaften lehrte er längere 
Zeit am Gymnasium in Stuttgart. * 1821 wurde er zum Director der 
genannten Anstalt befördert und starb 31. Mai 1847 zu Stuttgart, 
seines Alters im 85. Jahre. 

Friedrich von Camerer, Herzogl. Württembergischer General- 
lientcnant, Feldzeugmeister und Kriegsraths-Präsident 1807 — 1809, ~ 
führte im «Jahre 1814 den Oberbefehl über sämmtliche Artillerie 
nnd wurde laut Diploms d. d. 6. Juli 1807 in den Württembergischen 
Freiherrnstand erhoben. — 

Major von Camerer, im Jahre 1811 Comtnandant des Kur- 
fürstlich Württembergischen Infanterie-Regiments Nr. 9. — 

p. Gtorgii-Georgenau, BJotfrÄphiHcb-GenealogiRclie Blätter etc. 8 



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— 114 - 

Carl vou Camerer, Director der Abtheilung für das Staats- 
strassen- und Wasserbauwesen, Vorstand des Verwaltungsraths der 
Gebäudebrandversicherungsanstalt, Kommenthur II. KL des Friedr.-O., 
R. d. 0. d. w. Kr., früher Stadtschul theiss in Reutlingen, Ab- 
geordneter für die Stadt Reutlingen auf den Landtagen von 1833 
bis 1843, t 17. Januar 1863, 62 Jahre alt. 

Gattin: Lotte, geb. Buob. — 

Obertribunalrath von Camerer, R. d. 0. d. w. Kr., Mitglied 
des Staatsgerichtshofes und Abgeordnetor für das Oberamt Neresheim 
auf den Landtagen von 1851 — 1861, auch Mitglied des weiteren 
Ausschusses, t 25. Januar 1863, 59 Jahre alt. 

Dessen Wittwe: Anna, geb. Gräfin Adelmann von Adel- 
mannsfelden, geb. 1814. vermählt 1843. 



Dm Fürstlich Württeraberglsche Dienerbuch cnthilt folgende höhere Beamte 
des Namens Cntntrer, CnmtraHu*: Diaeon 533. — Elia», LeibMed. 19«. — Elia* Rudj 
LeibMedic. 195, 196. — Johann Dar., StattPbysic. 657. 



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C 1 e s s. 



Martin Cläss, „der Stammvater aller heutzutage noch in Würt- 
temberg blühenden CZm'schen Branchen", mit dem Zunamen Uhwgrr, 
von dem Flecken Uhingen bei Göppingen, „dem Stuttgart Bethlehem, 
Uhingen aber Nazareth war", wurde im Jahr 1491 zu Uhingen 
geboren. Derselbe widmete sich dem Studium der Theologie, er- 
hielt im Jahre 1509 das Baccalaureat , 1514 aber die Magister- 
würde zu Tübingen. 1510 wurde er in der Domkirche zu Constanz 
zum Priester geweiht und las als solcher am Sonntag Jubilate in der 
Pfarrkirche zu Göppingen seine erste Messe. 1521 wurde er Pfarrer 
zu Leonberg (damals Speyerischer Diöcese), hernach 1524 Pradicant 
and Canonicus im Stift Oberhofen zu Göppingen. Wenige Jahre nach- 
her (1529) musste er, wegen seiner Hingabe an die lutherische Lehre 
gehasst und verachtet, unter der damaligen königlichen Regierung 
samt seiner Mutter mit Zurücklassung aller seiner Güter die Flucht 
ergreifen, auf der er von dem edlen Philipp von Rechberg auf dessen 
Schlosse Ramsberg aufgenommen wurde. Cless entsagte nun ganz 
dem Papstthum und nahm die Lehre Luthers an, um deren willen er 
in der Folge vieles erleiden musste. Im Jahre 1530 folgte er einem 
an ihn ergangenen Rufe der Reichsstadt Biberach als Pfarrer daselbst. 
Dort besuchte ihn Philipp Melanchthon von Tübingen aus, wo 
Letzterer auf Wunsch des Herzogs Ulrich die Universität visitirte^ 
auch den Hallischen Theologen Johann Brenz zum Professor der 
Theologie einsetzte. 



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- 116 — 

1543 wurde Cless nach Cannstatt transferirt; 1548 neb3t an- 
dern württembergischen Predigern des damaligen Interims wegen ent- 
lassen, ward er im folgenden Jahre als Prediger zu St. Leonhard in 
Stuttgart wieder angestellt. Hier starb er im Jahre 1552, 25. Juli, 
im 61. Jahre seines Alters. Seine irdische Hülle wurde in der 
St. Leonhardskirche vor der Kanzel beigesetzt. 

Die ihm zu Ehren errichtete ziemlich lange Grabschrift enthält 
u. A. folgende Verse: 

Ille hie Martinus situs est, cognomine Claessius: 
Moribus ingenuis et pietate nitens. 
Qui Christi pneco triginta sedulos annos, 
Insuper atque duos laude vigente fuit. 
Munere quo fungens, multa est perpessus acerba: 
Exilia atque fugas damnaque magna rei: 
Immotus tarnen in eunetis constansque remansit: 
Et verum est semper rite secutus iter. 
Seine Ehegattin war Appolonia, geb. Aulber; sie liegt in Göp- 
pingen begraben. 

Martin Cless, Sohn des Vorigen, geb. 16. Januar 1535; studirte 
Theologie, wurde Diaconus zu Waiblingen 1555, hierauf Pfarrer zu 
Hohenacker 1556 — 1558, zu Knittlingen 1558, Special-Superintendent 
dasei bst 1560. Im Jahre 1570 sandte ihn sein Herzog zur Reformirung 
der Kirchen über den Rhein nach Rhoden unter Ripperg, später nach 
Oberkochen. 1573 wurde er Spitalprediger und Superintendent in 
Stuttgart, dann Prälat zu Königsbronn und General-Superintendent der 
Herrschaft Heidenheim, zuletzt Abt zu Anhausen 1591, als welcher 
er den 4. December 1615 starb. Cless erhielt von dem Pfalzgrafen 
bei Rhein, Philipp Ludwig, einen Wappenbrief. 

Seine I. Gattin war Agnes, geb. Dempf, t zu Knittlingen 
den 8. December 1564 an der Pest; die II. Vincentia, geb. 
Rcringcr; die III. Margaretha, geb. Daur. Söhne: 

I. Martin Cless, geb. 1558 zu Knittlingen, Pfarrer zu Steinen- 
berg , wurde auf Gesuch der oberösterreichisehen Stände von 



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— 117 — 

Herzog Johann Friedrich nach Linz als Diaconus der dortigen 
Landhanskirche abgesandt und starb daselbst, 61 Jahre alt) 
im Jahr 1619. 

II. Christoph Cless, geb. 1559, Pharmaceut zu Rothenburg an 
der Tauber. 

III. Valentin, geb. 1561, zeichnete sich besonders durch seine 
fielen und allgemein geschätzten Gedichte aus, erhielt 1581, 
den 16. August, lauream secundam, und wurde im Jahre 1583 
von dem Herzog zur Erlernung der arabischen Sprache in das 
„fessanische Königreich (hinter Spanien) 1 * gesandt. Von da zu- 
rückgekehrt wurde er Hofprediger des Grafen Hieronymus 
Schlich in Passau (1585) und erhielt von Paul Melissas, 
francus comes palatinus, tertiam laureain poöticam. Im 
Jahre 1587 kam er als Diaconus nach Murrhardt, erhielt 1591 
die Pfarrei Ehningen, zuletzt im Jahre 1629 die zu Weil im 
ßchönbuch. 

In demselben Jahre noch ertheilte ihm Johann Joachim 
von Grünthal krafft Römisch Kaiserlicher Vollmacht die quartam 
lauream und nobilitatem, nebst der Berechtigung, den bisher 
geschlossenen Helm im Wappen offen zu führen. 

Cless starb den 5. April 1634. 

Seine Gattin war Anna, des Professors zu Tübingen M. 
Bartholomäus Megerlin Tochter« Die Söhne aus dieser Ehe waren: 

1) Valentin, geb. 12. Mai 1593 zu Weil im Schönbuch, 
Privat-Secretär des Obervogts von Freyberg zu Liebenzeil. 
Als solcher starb er schon 10. December 1631. 

2) Johann Jacob, geb. ebendaselbst 6. März 1597, Pfarrer 
zu Weil der Stadt 1633, zu Sindelfingen 1636—1650, iq 
welch letzterem Jahre er starb. 

Der Pfarrer und Superintendent zu Böblingen, M. 
Johann Martin Spcidel, sagt in einem auf Cless gemachten 
Epicedium u. A.; 



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— 118 — 

Vivere, morte mori, sophicis contraria habentur: 

Dulcia nam vitae pocula, amara necis. 
Clessi, te fatis functo haec contraria dicam, 
Dico: dulce fuit vivere, dulce mori." 
Cless war erstmals seit 1627 mit Sabina, Tochter des 
Ehingischen Obervogts zu Oberbalzheim, Walliser; zum zwei- 
tenmal seit 1629 mit Anna Maria, Tochter des v. Thumb 1 - 
sehen Vogts in Köngen, Joh. Klein; zum dritten Male 
mit Sara, geb. Wieland, vermählt. 

3) ttebhard, geb. 1602, civis Academ. Tubing. 1618, Archi- 
grammateus Bebenhusanus 1629, t 1630. Gattin: seit 
1629 Elisabeths, Tochter des J. U. Dr. Christoph Walch 
in Tübingen. 

4) David, geb. 1604, Diaconus zu Markgröningen 1635, her- 
nach 32 Jahre lang Special-Superintendent daselbst, hielt 
als solcher 4838 Predigten. 

Seine Gattin war : Catharina, geb. Ezel, „einem alten 
Geschlecht entstammend." 
Söhne: 
I. Johann Friedrich, geb. 18. November 1636 zu Markgröningen, 
Vogt zu Möckmühl, zu Vaihingen a. d. Enz, vermählt mit 
Antonia Sophia, geb. Wächter, die sich nach dem Tode dieses 
ihres Gatten mit einem Manne Namens Isenflamm auf dem 
Erlachhofe wiedervermählte. Der letzteren Ehe enteprossten 
der Pfarrer Isenflamm in Neuenbürg, wie zwei weitere Söhne, 
welche sich als Bankiers in Wien niederliessen. 

Eine von dem Pfarrer in Eglosheim auf Cless gemachte 
Epicedie lautet: 

„Isto pax, pietas, virtus, candorque quieseunt 
Marmore, Theilogici quanta Corona chori! 
In 
Mnemosynes templo locabat 
M. etc." 



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— 119 — 

Söhne : 

1) Jonathan, Pfarrer zu Schüzingen 1699, zu Asperg 1709 — 
1720, wo er starb. Sein Sohn Friedrieh ging als Pfarrer 
nach Ungarn. 

2) Friedrich David, Vogt zu Sachsenheim 1693, zu Waiblingen 
1699, zu Kirchheim u. Teck 1704, starb den 20. Febr. 1711. 

Seine Gattin war Regina , Tochter des Kaiserlichen 
Residenten und Württembergischen Pflegers zu Esslingen, 
Job. Heinrich Palm, welcher Ehe entsprossten : 

Johann Heinrich Ritter and Edler von Cless, der als 
K. K. Oesterreichi8cher Generalmajor (General- Feldmar- 
schall-Lieutenant) laut Diploms d. a. 1753 in den Beichs- 
freiherrnstand erhoben wurde, und: 

Friedrich David Cless,* geb. 10. October 1696, 
t 10. Februar 1767, Pfarrer in Bommelshausen. Der- 
selbe ward von seinem vorbenannten Bruder zum Erben 
eines Kapitals von mehreren tausend Gulden eingesetzt. 
Gattin: Sophia Magdalena, Tochter des Prälaten und 
Stiftspredigers in Stuttgart , Johann David Frisch, Sohns 
des 1705 t Vogts von Liebenzell Joh. David Frisch, 
Enkels des J. U. Dr., Oberraths und Kammer-Procurators 
in Stuttgart David Frisch, Urenkels des J. U. Dr. und 
Hofgerichts-Advokaten in Tübingen Salomo Frisch. 
Kinder: 

David Jonathan,* geb. 1731, Helfer zu Calw, ver- 
mählt mit Friederika, Tochter des Closterverwalters zu 
Alpirsbach Heyd; Heinrich Friedrich, geb. 1735, Kauf- 
mann in Amsterdam; Christian Gottlieb, geb. 1743, Phy- 
sikus in Cannstadt 1762. — 

David Friedrich Cless, Sohn des ebengenannten David 
Jonathans, Diaconus in Schorndorf, Decan in Beutlingen. 

* Detten Taofp^the wir u. A. Johann David Freiherr von Palm, Kaiserlicher 
Hoftammemth in Wien. 



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— 120 — 

Derselbe erwarb sich durch „seinen Versuch einer 
kirchlich-politischen Landes- und Cultur - Geschichte von 
Württemberg bis zur Reformation", Gmünd 1802, einen 
bedeutenden Namen. Gattin : Sophie Dorothee, geb. Kapff. 
Tochter: Louise, t 15. November 1876, seit 10. August 
1830 Gattin des am 28. October 1855 t Oberamtspflegers 
in Göppingen, Karl Friedrich Bommel. Aus dieser Ehe 
sind 4 Söhne hervorgegangen, nämlich: Karl Eberhard 
Eugen, geb. 10. Mai 1832, Rechtsanwalt in Flensburg, 
vermählt seit 1862 mit Ernestine, geb. Bauer; Karl, 
geb. 23. Februar 1835, Kaufmann, Agent, verm. seit 
4. Juli 1865 mit Adelhaid Eberhardine, geb. Sandel; Aug. 
Otto, geb. 8. December 1836, Dr. phil.; Gattin seit 19. Oct. 
1876 Agathe, geb. Werhagen, aus Bewerwyk in Holland; 
Aug. Martin, geb. 1. April 1839, Kaufmann. 

II. Johann Jacob, geb. ebenfalls zu Markgröningen 1649, Pfarrer 
zu Pflugfelden 1682, zu Bissingen a. d. Enz 1694, f daselbst 
1717. 

Gattin : Maria Magdalena, fochter des Pfarrers in Möglingen, 
Ludw. Schweizer. Deren Sohn: 

Ludwig David Cless, geb. 1682, Pfarrer in Schützingen, 
vermählt mit Susanna Agatha, Tochter des Specials in Mark- 
gröningen Jeremias Laux, Sohn: 

Wilhelm Jeremias Jacob Cless, geb. 1710 zu Schützingen, 
war Stadtpfarrer bei St. Leonhard in Stuttgart und hinterliess 
neben einer Tochter Wilhelmine Dorothee, die sich mit dem 
Professor Johann Philipp Bardili vermählte, folgende Söhne: 

A. Heinrich David, Prälat zu Denkendorf, unverheirathet gestorben. 

B. Conrad Friedrich, geb zu Stuttgart den 11: Juli 1744, 
starb als Kammerrath und Stabskeller zu Hohenasperg 10. 
Mai 1806. 

Seine Gattin war Johanna Wilhelminc, geb. Burk. Söhne: 



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— 121 — 

I. Carl Heinrich, geb. zu Ludwigsburg 5. December 1781, 
Advokat 1n Stuttgart 1807, nachmals Regierungsrath und Crimi- 
nalrichter daselbst 1820, erhielt 1822 den Charakter als Ober- 
justizrath, wurde 1832 auf sein Verlangen als Oberamtsrichter 
nach Oannstatt versetzt, wo er auch als Pensionär den 20. Juni 
1852 starb. Seine Gemahlin war seit dem 13. August 1809 
Friderike, Tochter des Oberamtsarztes in Brackenheim, Rueff, 
welcher Ehe 4 Töchter und 1 Sohn entsprossten, nämlich: 

Friedrike, geb. 1810, vermählt seit 1834 mit dem 1836 
verstorbenen Pfarrer in Lauterburg, Scholl; Nane, geb. 181 1> 
vermählt mit Kaufmann Staudenmayer in Gundelsheim; Carl, 
geb. 1817, Advokat in Cannstatt und später in Stuttgart, verm. 
mit Elisa, Tochter des Salinenkassiers zu Hall, Gmelin, aus 
welch letzterer Ehe iudess nur eiuo Tochter hervorging; Carl 
Cless ist 1876 gestorben. 

II. Georg Philipp von Cless, Dr., geb. im Jahr 1786, Medizinal- 
rath, früher vieljähriger Vorstand des Katharinenhospitals, R. 
d. 0. d. w. K., f 18. April 1860. Derselbe hatte sich nach 
ausgedehnten Reisen im Anfanger dos Jahres 1810 zu Stutt- 
gart als Arzt niedergelassen. Sein Name ist aufs Innigste ver- 
knüpft mit der Geschichte des Katharinenhospitals zu Stutt- 
gart. Seit der Eröffnung dieses Krankenhauses im Jahre 1827 
hat er 30 Jahre hindurch bis zu seinem freiwilligen Rücktritte 
die innerliche Abtheilung und das ganze Hospital als erster 
Arzt geleitet. Seinen umsichtigen Bemühungen verdankt diese 
segensreiche Anstalt die feste Begründung ihrer inneren Ord- 
nung und ihres äusseren Rufes. Als das Hospital 1852 das 
Jubiläum seines 25jährigen Bestehens feierte, wurden die Ver- 
dienste des ersten Arztes durch die Verleihung dos K. Kron- 
ordens anerkannt. Die Liebe und Verehrung seiner Kollegen 
fand ihren lebendigen Ausdruck in dem denkwürdigen drei- 
fachen Doctorjubiläum, welches Cless mit zwei seiner Studien- 
genossen im Frühling 1858 feiern durfte, 



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— 122 — 

Seine Gattin, Louise, Tochter des Geheimen Registrators 
und Legationsraths Harppreeht, starb den 25. November 1824. 
Söhne : 

1) Georg Heinrieh Friedrich Ton Cless, geb. zu Stuttgart, den 
20. August 1815, seit October 1838 practischer Arzt und 
Obermedicinalrath in Stuttgart, verm. seit 16. Juli 1850 
mit Elisabeth, geb. Fischen 

2) Hermann Conrad, geb. den 12. Dezember 1821, studirte 
die Rechte, bereiste gemeinschaftlich mit seinem nach- 
stehenden Bruder Heinrich Frankreich, England und Deutsch- 
land, wurde Oberamtsrichter in Nürtingen 1853, als welcher 
er starb. 

Seine Wittwe: Louise, Tochter des Oberamtsrichters 
Kap ff in Münsingen. 

3) Heinrich Ernst, geb. den 24. December 1822, wurde Feld- 
postmeister der württembergischen Truppen in Schleswig- 
Holstein, Postrath, Oberpostmeister 1848. 

Gattin: seit 2$. August 1850 Julie, geb. Dnvernoy. 

C. Eberhard Friedrich, ebenfalls Sohn des Wilhelm Jeremias, 
Jacob, (conf. oben Seite 120) geb. den 12. October 1747, 
Diaconus zu Tuttlingen 1777. 

D. Carl Maximilian, geb. den 10. September 1753, starb als 
Oberamtmann in Königsbronn 1806. 

Seine Gattin war Charlotte Auguste, Tochter des Prä- 
laten Kansler daselbst. Sohn: 

August Eberhard Carl yon Cless, geb. den 15. Juli 
1794 zu Königsbronn, studirte Theologie, wurde Senior des 
Stifts 1816, bereiste Deutschland, Oesterreicb, Italien. Nach 
seiner Rückkehr ins Vaterland wurde er Repetent im theol. 
Stift zu Tübingen, dann Hofkaplan in Stuttgart, Professor 
am oberen Gymnasium daselbst 1825, und erhielt im Sep- 
tember 1853 das Ritterkreuz des K.-O. 



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- 123 — 

Seine Gattin war Julie, Tochter des Professors Eiben 
in Stuttgart. Kinder: 

1) Sophie, geb. 26. Mai 1822, verin. seit 1843 mit 
Geh. Hofrath Professor Dr. von Fehling. 

2) Marie, geb. 1826, Wittwe des verstorbenen Kauf- 
manns Eisenlohr in Stuttgart. 



Da« Forstlich Württembergische Dienerbnch enth&it folgende höhere Beamte des 
Namens Cfos«: Keller 370; OL Pfleger 241; Qalsti. Verwalttcr 602; Stifts-Prediger 562. 
Carl Max., Vogt 301. — Da*., Pfarrer 441. — Dav. H*inr., Abt 289. — Dav. Jon-, Pfarrer 
435. — Dav. Tobias, Pfarrer 613. - Fried. Dav., Fürstl Wittum!» Vogt 527; Vogt 464, 526, 
601. — Ueinr. Dav., Abt 268. — Joh. Frid., Vogt 492, 596. — Mart., Abt 251, 298; Pfarrer 
546. — WilM. Jtrem. Joe., StUTteDlacon 551. 



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Commerell, Kommereil. 

Johann David Commerell, geb. zu Strassburg den 22. Sept. 
1630, Sohn des Senators Commerell daselbst und der Martha, einer 
geb. Klans, studirte zu Strassburg, wurde 1656 Doctor der Philo- 
sophie, begab sich hierauf auf Reisen und zwar über Basel nach 
Lyon, Paris, von da nach Verona, Padua, Venedig, Rom und kehrte 
erst 1639 ins Vaterland zurück. Ein Jahr darauf 1660 wurde 
er Herzogl. württemb. Rath, hernach Ober-Justizrath 1662, Kirchen- 
kastens-Advocat 1667 und starb 17. Februar 1675. 

Gattin: seit 1660 Sibille Catharina, Tochter des Oberraths 
und Kammer-Procurators David Frisch. Näher bekannte Kinder: 

I. Slbilla Margaretha, vermählt Stuttgart 6. Februar 1683 mit 
dem Advocaten JoMnn Christoph Stkrlin, J. U. Dr. 

II. Christina Dorothea, seit 1691 Gattin des Stadt-Physikus 
Dr. Joh. Samuel 'Knisei. 

III. Johann David Kommereil, geb. in Stuttgart 1661, Decan in 
Urach, vermählt seit 24. Juli 1691 mit Elisabeth Regina, 
Tochter des Rentkammer - Buchhalters in Stuttgart Johann 
Christoph Benner* 

IV. Johann Kommereil, Herzogl. Württemb. Rath und Pfleger zu 
Heilbronn, vermählt I. mit Helene, Tochter des Obefamtmanns 
Joh. Ambrosius; II. mit Benigna Christina, Tochter des 
Pfarrers in Aldingen Joh. Ulrich Hopffer. Söhne: 

1) Johann Christian, geb. 1713, Herzogl, Württemb. Rath 
und Consistorial-Präsident, t 1781, 



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- 125 - 

2) Johann Panl Kommereil, geb. 29. Juli 1720 zu Heilbronn, 
studirte in Tübingen Theologie, bereiste Deutschland, Holland 
und England, wurde nach seiner Rückkunft Feldprediger,, 
hierauf Stadt- und Hofdiaconus in Carlsruhe, Kirchenrath, 
und kam 1767 als Stadtpfarrer und Special-Superintendent 
nach Göppingen, t 1774. Er schrieb Hehreres. 
V. Paul KommereU, Stadtschreiber in Brackenheim, vermählt mit 

Johanna Maria, Tochter des Klosterverwalters David Megerün. 

Ebenfalls diesen Familien-Namen führen: 

Ezechiel KommereU, geb. als Sohn des Raths -Verwandten in 
Tübingen Friedr. Burkhard Kommereil, Med. Lt. in Freudenstadt, 
in Waiblingen, Physikus in Heidenheim, Besitzer des Hofguts Reut- 
hin, O.A. Nagold. 

Gattinnen: 1. seit 24. Juni 1649 Anna, geb. Leyrerj II. 
Maria Barbara, geb. Canstetter. — 

Friedrieh Adam KommereU, Sohn des Vorigen, geb. 24. Febr. 
1654, gest. 6. Februar 1729, Procurator in Tübingen, vermählt 
seit 3. Februar 1679 mit Johanna Barbara Kehl von Heidenheim. 
Deren Sohn: 

Adam Friedrich KommereU, geb. 26. Februar 1692, Hof- 
Mosicus in Stuttgart. 

Gattin : Elisabetha Maria, geb. Kercher. 

Ferdinand KommereU, geb. 1818, Dr. und Professor, Vorstand 
der Realschule zu Tübingen, vermählt mit JnUe, geb. Steudel. Er 
starb 24. Februar 1872 mit Hinterlassung von 5 Kindern. 



Das Fürstlich Württembergische Dienerbach enthält folgende höhere Beamte 
des Namens Commertll (KummertÜ): CastenPfleger 665; Conaist. Präsident 136. — Antut., 
Vogt 383. — hurtkh., CUPfleger 249; Vogt 383. — Frantz, Vogt 500. - Joh., Cl.Hof- 
n*bter339; CL Pfleger 343. — Joh. Christian, CantzlclAdvoc. 95; Cnammermalster 107; 
0«). Geh.Rath 28; Gel. O.Rath 67; Vogt 466, 485. — Joh. Dav., Gaistl. Vorwaltter 38 1 ( 
«0: Keller 277; Kircb.Oast.Advoc. 149. — Joh. Paul, Pfarrer 434. — Paul, Statt- 
»chreibcr 405, 



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C 112. 



Carl Philipp Conz, bekannter Dichter, wurde den 28. October 
1762 zu Lorch geboren. Sein Vater war Johann Philipp Conz, 
Amtsschreiber in Lorch, t 1767; die Mutter Sofia Rosamunde, geb. 
Blifer; der Grossvater Israel Conz, Pfarrer in Möglingcn, t 1741; 
die Grossmuttcr Maria Susanna, Tochter des Pfarrers in Wangen 
Joh. Göttlich Männer; der ITrgrossvater Georg Lndwig Conz, Pfarrer 
in Münster, t 1691; die Urgrossmutter Christina Catharina, Tochter 
des Pfarrers in Eningen Joh. Georg Hegel. 

Carl Philipp vicarirte, nach Absolvirung der theolog. Studien zu 
Adelberg, Welzheim und Zavelstein, und wurde 1789 zum Repetenten in 
dem theologischen Stifte zu Tübingen ernannt. In dieser Zeit machte 
er eine kürzere Reise in die Schweiz und eine längerdauernde durch 
Deutschland. Nach seiner Bückkehr versah er als Vicar zu Stutt- 
gart die Geschäfte eines Predigers an der damaligen Carls-Academie 
und schloss mit den meisten der daselbst befindlichen Lehrer einen 
dauernden Freundschaftsbund. Im Jahr 1793 wurde er zum Dia- 
conus in Vaihingen ernannt, 5 Jahre hernach aber in gleicher Eigen- 
schaft nach Ludwigsburg transferirt. Bald darauf verliess er die 
theologische Laufbahn und widmete sich nun gänzlich der Schrift- 
stellerei und Poesie, mit der er schon als Student in Tübingen ver- 
traut geworden war, bis zum Jahr 1804, in welchem er einem an 
ihn ergangenen Rufe als ordentlicher Professor der klassischen Lite- 
ratur an der "Universität Tübingen folgte, 8 Jahre darauf übernahm 
er dazu noch die Obliegenheiten eines Professors der Eloquenz und 
trat zuletzt als ordentliches Mitglied in die philosophische Fakultät 
ein, deren Decanat er mehrmals zu verwalten hatte. 



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- 127 — 

Conz war ein feiner Kenner der alten Literatur Latieiis und 
Griechenlands, bewandert in den Sprachen Palästina's, Arabiens und 
Persiens, nicht unbekannt mit mehreren Idiomen jüngerer Völker. 
Sein forschender Geist drang in die Schulen der älteren und neueren 
Weltweisheit ein und förderte daraus nicht unerhebliches zu Tage. 
Dessgleichen beleuchtete er mehrere Theile ans der Geschichte der 
Welt, einzelner hervorragender Männer und der Literatur. Mit vor- 
züglicher Liebe aber fühlte er sich zur Dichtung hingezogen, deren 
Grundsätze er nicht nur fester zu stellen suchte, sondern die er 
auch mit vollen gelungenen Gesängen in jeder ihrer Gattungen 
wirklich bereicherte. Schon aus seinem 18. Jahro besitzen wir von 
ihm einen dramatischen Versuch, und sein erstes Trauerspiel „Con- 
radin von Schwaben" kam schon im Jahr 1782 zu Tübingen heraus. 
Im Jahr 1787 erschien von ihm „Moses Mendelssohn, ein lyrisch- 
didactisches Gedicht in 4 Gesiingon." Wie hoch er die Dichtkunst 
schätzte, das gibt er in folgenden Zeilen zu erkennen: 

Wem ich der dichtenden Kunst Erscheinung vorgleiche? — die Leiter, 
Die im Traum vordem sah der prophetische Mann: 

Hoch von der Erde zum Himmel empor die göttliche reichen 
Sah er, und Engel des Lichts stiegen hinauf und hinab. 

Aber in der That war auch seine Muse reine heilige Tochter 
des Himmels, welche das Höchste, das Schöne und Sittliche, be- 
zweckte, welche selbst in den Ergüssen seiner frohen Laune niemals 
das Schickliche und Tugendliche verletzte. 

Als Lehrer war ihm das angenehmste Geschäft, die alten Schrift- 
steller Griechenlands und Roms zu erklären. Sein Gemüth war zur 
Freundschaft, Geselligkeit und Liebe gegen Nähere und ihm ferner 
Stehende geschaffen. Wie eng und treu verbrüdert blieb es mit 
denjenigen von seinen Zeitgenossen, deren Neigungen und Beschäf- 
tigungen in irgend einem Punkte mit den seinigen zusammentrafen! 
Welche ihm voraus den ernsten Weg des Todes gehen mussten, denen 
widmete er gewöhnlich noch Worte warmer Bruderliebe. So rief er 



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— 128 — 

noch wenige Jahre vor seinem Tode einem Freunde in das Grab 
folgende prophetische Worte nach: 

Täuscht mich Schwer rauth, oder aus der Ahnung 
Sprichst du Geist zu mir der Prophezeiung? 
Bald vielleicht hebt mir auch sich der Hügel,, 
Und ich finde meinen Freund im reinen 
Land der Seelen und der Geister wieder. 
Conz starb hochverehrt als philosophischer Dichter und all- 
gemein geliebt den 20. Juni 1827 im 65. Jahre seines Alters. 
Seiner Schriften sind viele. 

Seine Gattin war seit 3. März 1794 Christians Dorothea, 
Tochter des Prälaten zu Bebenhausen Yolz. Söhne: 

I. Eduard Conz, Diaconus in Göppingen, vermählt seit G. October 
1825 mit Wilhelmine, Tochter des Decans daselbst Biirk. 
Sein Sohn ist der jetzige Stadtpfarrer in Bönnigheim. 
II. Christian Conz, Stud. jur. 

Ebenfalls diesen Familien-Namen führen: 
Immanuel Gotthold David Conz , welcher als Oberamtsrichter 
zu Böblingen starb. Sohn: 

Ludwig Friedrich Conz, geb. zu Tuttlingen 8. März 179G, f 
21. November 1837, als Universitäts-Secretarius zu Tübingen. Er 
war vermählt mit Charlotte, Tochter des Begierungsraths und Ober- 
amtsrichters zu Nürtingen Heinrich Günzler. Söhne: 

1) Gustav Heinrich Conz, geb. 26. September 1832 zu Tübingen, 
Maler und Professor. Gattin: seit 11. Mai 1867 A.nna Marie 
Julie Angnsta Henriette geb. Freiin von Phall, geb. 5. Mai 1843. 

2) Emil, geb. 8. Mai 1834, Pfarrer, verm. 1867 mit Helene, geb. 
Hackmann, geb. 30. August 1842. 

3) Heinrich Imannel, geb. 20. August 1836, Kaufmann in Genua, 
verm. mit Lonisa, geb. Lasagua, geb. 1842. 

Das Fürstlich Württembergische Dienerbach enthält folgende höhere Beamte 
des Namens Contz (Conz, Cum): Eman. Gott fr. Dav., Vogt 384. — Georg Christ., Rechen - 
bankhsRath 1SB; Lmnan., Keller 584. - Joh. Fried., Registrator 100. - Joh. Phil., Amt- 
Schreiber 309. ; 



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D e n z e 1. 



Christoph Samuel Denzel, geb. den 27. November 1774 zu 
Zell als Sohn des Christoph Heinrich Denzel, Pfarrers in llsfeld 
und der Julie Jacobine, Tochter des Ludwig Heinrich Bnrry, 
Diaconns zu St. Anna in Augsburg, war Hofprediger bei der Königin 
Catharina von Westphalen, nachmals auch Decan und Stadtpfarrer 
in Heilbronn. Seine Gattin war Angnste Wilhelmine, geb. Henglin. 
Von DenseVs Schwestern war die eine: 

Johanna Friederike, geb. in Zell 18. December 1775, seit 
21. Juli 1801 mit dem Pfarrer in Hochdorf bei Kirchheim Johann 
Christian Greiner, Sohn des Bürgermeisters Greiner von Kirchheim 
vermählt. — Die andere dagegen: 

Anna Eleonore Barbara, geb. in Zell 28. Januar 1779, wurde 
die Gattin des Pfarrers in Vaihingen auf den Fildern Andreas Lud- 
wig Friederich Nagel, Sohns des Pfarrers Nagel in Möhringen. 

Ferner ist unter den Trägern dieses Namens zu nennen: 

Bernhard «ottlieb Denzel, geb. 29. December 1773 in Stutt- 
gart, Pfarrer in Pleidelsheim 1806, Diaconus und Rector des 1811 
errichteten ersten wurttemb. Schullehrerseminars (in Esslingen). Der- 
selbe organisirte 1817 das Schulwesen zu Idstein im Herzogthum 
Nassau und starb 1838 als Prälat. Ihm verdankt man vorzuglich 
die Hebung des Volksunterrichts in Württemberg. 

Das Fürstlich Württembergische Dienerbuch enthält folgende höhere Beamte 
des Namens Denzel: ChrUtoph Heinr., Abt 262: QeistL Consist.Rath 139; Pfarrer 546, 547: 
Stifft»Pr<Hll{rer 544. 



r. G*+rffii-G»orgmatt, Biographisch-Genealogische Blätter etc. 



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Doertenbach. 



Hans Jacob Doertenbach, der „Alt" genannt, Sohn Jacob 9 » 
oder Petert von Domstetten, Stammvater einer seit drei Jahrhun- 
derten in Calw blähenden kaufmännischen Familie, siedelte sich zu 
einer Zeit in Calw an, wo der bekannte nachmalige Prälat Johann 
Valentin Andrea das Decanat daselbst bekleidete. Nicht lange mochte 
Doertenbach in Calw eingesessen sein, als sich auch schon unter 
Andrea 1 s* Leitung die Vereinigung von 13 Calwer Herrn vollzog, 
welche laut Urkunde vom 12. November 1621 das sogenannte Calwer 
Färberstift bewerkstelligte. Die Stiftung selbst, deren Name davon 
herrührt, dass der grösste Theil der Stifter zu der früher in Calw 
bestandenen Färber-Compagnie gehörte, geschah durch Zeichnung und 
nachherige Erlegung bestimmter Capitalien, theils zu Zwecken der 
Wohlthätigkeit für Kirche und Schule, theils aber auch zu solchen 
für die Nachkommen der Unterzeichner. 

Die Urheber dieser Stiftung, Doertenbach, Demmler, Andrea, 
Schauber, Schill, Wagner, Zahn etc., die beiden Ersteren besondere 
Freunde AndreiVs, haben sich durch dieselbe ein bleibendes Verdienst 
erworben. Mit einem grossen Vermögen dotirt, wirkt sie heute noch 
ungemein viel Gutes. 

Eine weitere Stiftung, gegründet von 23 hervorragenden Bür- 
gern Calws, darunter auch Doertenbach, war die Calwer Zeug-Hand- 
lungs-Compagnie, welche, auf der von Herzog Eberhard III. am 

* Andrea in seiner Selbstbiographie sagt: „Bei der Mahlzeit in Scherzig (Schers- 
heim, 5 Stunden von Strassbnrg und eine halbe von Lichtenau) legte ich den ersten 
Grund au dieser Unternehmung." 



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— 131 — 

1. Februar 1650 ertheilten Färbei^Ordnung fussend, eine der merk- 
würdigsten Anstalten Württembergs wurde, sowohl in Bezug auf die 
Ausdehnung ihres Handels (Wollwaaren) in- und ausserhalb des Landes 
und den durch sie erreichten Zufluss fremden Geldes, als auch in 
Betreff der Menge von Menschen (gegen 8000), die durch sie ihre 
Nahrung zogen. 

Die wichtigsten Privilegien, die der Gesellschaft 1688 von dem 
Landesherrn ertheilt und genehmigt wurden, betrafen theils das Recht 
zu verlangen, dass die Zeugmacher in gewissen Districten und Ober- 
ämtern des Landes Niemanden als ihr die gefertigten rohen Waaren 
liefern durften, welche hernach gefärbt und ausgerüstet von der Ge- 
sellschaft verkauft wurden, theils die Befugniss, mit gewissen Waaren 
allein — mit Ausschluss aller übrigen Fabrikanten und Handelsleute 
im Lande — zu handeln. Die Mitglieder selbst schrieben sich 
„Maier, Walter und Mitverwandte (Compagnie- Verwandte)", und die 
Söhne dieser letzteren besassen nicht nur das Privilegium der Militär- 
freiheit, sondern hatten auch keine landesherrliche Dispensation nöthig, 
um sich innerhalb der Minderjährigkeit und vor completem 25. Jahre 
zu verheirathen. * 

Doerienbach starb mit Hinterlassung zweier Söhne den 3. Sep- 
tember 1638 tiefbetrauert von seinen Mitbürgern. Kein schönerer 
Nachruf hätte ihm wohl zu Theil werden können, als der, den ihm 
Andrea in seiner Selbstbiographie mit folgenden Worten widmete: 
„Von meinen Mitbürgern starben in diesem Jahre (1638) 

Jacob Doerienbach und Christoph Demmler ** (t 25. Aug.) — 

Männer von nicht gemeinem Muthe und Verstände, deren ich 

* Vergl. von Qeorgii „Nachrichten von der Calwer Zeug-Handlungs-Compagnie, 
ausgefertigt im Dezember 1787,* Handschrift der K. öffentl. Bibliothek in Stattgart (Cod. 
hiat. Fol. Nr. 282). 

•• Diese noch blühende Familie hat ebenfalls den Rahm, den Johann Valentin 
Andrea ihr Tor bald 250 Jahren beilegte, bis jetzt erhalten. Ihr gehört u. A. auch der 
rormalige Professor in Tübingen Anastaeius Demmler an. Dessen Tochter Barbara war 
die Gattin des bekannten Erhard Hörn, von seinem Geburtsorte Cell bei Worms Celliu» 
genannt, welchen Namen auch die spateren Nachkommen als Geschlechtsnamen be- 
hielten. 



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— 132 — 

mich, so lange wir im Wohlstande waren, öfters zur Ver- 
besserung der öffentlichen Wohlfahrt bediente; beide in aus- 
wärtigen Verrichtungen, jener zu Nürnberg, dieser zu Cann- 
statt, daher auch beide von mir gepriesen/ 
Ebenfalls dieser Familie gehören an: 

Johann Jacob Dörtenbach, geb. zu Calw 20. August 1670, 
Pfarrer zu Althengstett, Frühprediger in Biberach 1710; vermählt 
mit Snsanna, Tochter des Prälaten zu Königsbronn, Peter Schertlin. 
Von seinen Töchtern war die eine, Justina Dorothea, geb. 1704, 
mit dem Stadt- und Amts-Vogt von Herrenberg, auch Herzoglichen 
Kath und Hofgerichts-Assessör, Gottlob Friedrich Hess, Stifter des 
Hess-DörtenbactischQTi Stipendiums, Verfasser der „Herrenberger- 
Chronik," die andere, Christina Susanna, mit dem Markgräflich 
Badischen Rath Sprenger verheirathet. — 

Christoph Mose Dörtenbach, geb. 6. September 1729, Comp.- 
Verwaudter, t 1753. Seine Gattin war Sibille Rosine Friedericke, 
Tochter des Hüttenschreibers in Alpirsbach, Georg David Anton Ruoff, 
Sohn des Bürgermeisters von Wimpfen und der Maria Margaretha, 
einer Tochter des Pfarrers zu Alpirsbach Krämer; Letzterer war ein 
Sohn des Johann Georg Krämer, Exulanten aus Raab in Oesterreich. — 
Georg Christoph Mose Dörtenbach, Sohn des Vorigen, geb. 
29. März 1753, Comp.-Verwandter, 1 5. April 1819. Dessen Gattin war 
Eva Maria, Tochter des Johann Martin Viseber, Comp. -Verwandten 
daselbst und der Sibille Agnes Kotter. t 18. December 1812. Kinder: 
I. Sibylle Louise, verm. mit dem Calwer Comp.-Verwandten da- 
selbst Johann Jacob Schill. 
II. Christiana Friederike, verm. mit dem Kaufmann Friedr. 

Andreas Braun* daselbst. 
III Johanna Wilhelmine, verm. mit dem Bergrath Eberfiard Hein- 
rich Georgii. — 

* Eine Tochter desselben, Mari*, geb. 1808, lebt in Warmbronn; eine weitere 
Amaiie Wilhelmine Mari*, ist die Wittwe des am 18. April 1854 t Obertribunalraths in 
Stuttgart, Abgeordneten für Tuttlingen Johann Conrad von Teuffei, Bruders des in Carls- 
ruhe f. Grossherzoglichen Leibarztes, Geh Baths Dr. von Teuffei. 



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— 133 — 

Ferner ist hier zu nennen: 

Johann Friedrich Dörtenback, geb. zu Calw 16. September 

1790, f 29. Januar 1870, Comp.-Verwandter, Kaufmann in 

Stuttgart. 

Sein Vater war Christoph Martin Ddrtenbach, geb. zu Calw 
den 18. März 1751, f 3. April 1827, welcher zu seinem 74. Ge- 
burtstag eine von Hofrath Carl Friedrich Sich angelegte Stamm- 
tafel seiner sämmtlichen Nachkommen erhielt, die danu 1874 von 
Archivrath Dr. Stalin erweitert und vervollständigt wurde. Christoph 
Martin Dörtenbßch war 3mal vermählt und zwar 1. seit 7. October 
1773 mit Johanna Sabina, Tochter des Compagnie- Verwandten in 
Calw Ernst Friedrich Wagner und der Sabine Barbara, geb. 
Schanber; II. seit 8. Januar 1788 mit Eberhardina Sophie, Tochter 
des Probsts zu Herbrechtingen Johann Friedrich Voltz; III. seit 
8. Mai 1794 mit Christiana Dorothea, verwittweter Wagner, Tochter 
des Pfarrers in Althengstett Johann Christian Zahn. 

Der Grossvater Joh. Friedrichs war Johann Jacob Dörteu- 
baeh, geb. 1726, Comp.-Verwandter und Bürgermeister in Calw, auch 
Landschaftsassessor; die Grossmutter, Sibylle Justine, geb. Notter. 

Der Urgrossvater Johann Jacob Dörtenbach, geb. 1699, 
Comp.-Verwandter; die Urgrossmutter, Sophie, des Moses Zahn, 
Decaus in Calw, Tochter; der Ürur-Grossvater, Mose Dörtenbach* 
Comp.-Verwandter; die Urur-Grossrautter , Dorothea, geb. Mayer, 
deren väterlicher Grossvater Bürgermeister und Landschafts-Assessor 
in Calw gewesen; der Urur-Urgrossvater, Johann Jacob Dörten- 
bach, Comp.-Verwandter, vermählt mit Anna Dorothea, des Jacob 
Israel Geissei aus Waldsachsen, Comp.-Verwandten in Calw, Tochter; 
der weitere Ahnvater, Mose Dörtenbach, • Comp.-Verwandter daselbst, 
dessen Vater der Eingangs erwähnte Hans Jacob Dörtenbach, der 
„Ali« war. 

* Ein Bruder dcMelben Jacob, geb. Uornstetten 1506, Diakonus in Freudenstadt, 
Ptarrer in Khningen 1626—1638 war mit Anna, geb. Hummel vermählt und starb ohne 
Hinterlassung männlicher Nachkommenschaft. 



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— 134 - 

Johann Friedrich Dörtenbach war in I. Ehe seit 20. Jan. 1814 
mit Marie Charlotte, geb. Zahn; in II. Ehe seit 24. November 
1825 mit Eleonore Louise, Tochter des Oberamtsarztes in Stuttgart, 
Dr. Johann Victor I/udwig Riecke, vermählt. Söhne: 

I. tieorg Christoph Dörtenbach, geb. 17. December 1814, f 25. 
September 1854, Theilhaber der Firma Zahn & Comp, in 
Stuttgart. 

Gattin: seit 18. Mai 1844 Sophie, Tochter des 1837 
verstorbenen Hofraths Karl Friedrich Sick. Sohn: 

Carl Friedrich Dörtenbach, ebenfalls Theilhaber der vor- 
erwähnten Firma. 

Gattin: seit 2. Juli 1868 Emilie, geb. Meurer. — 

II. Ferdinand Friedrich Dörtenbach, geb. 18. Februar 1816, 

Obercon8istorialrath in Stuttgart, t 4. December 1865. 

Johann Georg, Bruder des vorerwähnten Johann Friedrich, 

Commercienrath, geboren ebenfalls zu Calw, 8. Juni 1795, besuchte in 

seiner Jugend die Schule der Vaterstadt, wobei er das Glück hatte, 

den Unterricht vortrefflicher Lehrer, wie des M. Haas, nachmaligen 

Dekans in Calw, zuletzt Stiftpredigers und Prälaten in Stuttgart, und 

des M. Widmann, späteren Pfarrers in Maichingen, zu geniessen. 

Besonders anregend und bildend aber wirkten auf den Jüngling die 

Brüder Dr. med. Joh. Georg Zahn* und Dr. Jur. Christian Jacob 



* Derselbe, geb. 07. April 1759 zu AlthengBtett als Sohn des dortigen Pfarrers 
M. Johann Chrietian Zahn, wir sie Arzt an die Stelle des 1783 verstorbenen Physika* 
Dr. Platter in Calw getreten und erwarb sich durch seine rastlose medicinlscbe Thatig- 
keit grosse Berühmtheit. Er war einer der Ersten in Württemberg, der einen Blitxab- 
leitet anf das Hans setzte und der die Idee der Anwendung des Galvanlsmus als Heil, 
mittel mit lebhaftem Interesse ergriff. Zahn fühlte das Bedürfnis* eines Vereinigungs- 
punktes für zwanglose gesellschaftliche Unterhaltung von politischer Leetüre auf daa 
Lebhafteste und wurde daher einer der thätigsten Begründer der 1798 gestifteten Calwer 
Abendgesellschaft. Er starb 11. Februar 1831. 

Sein oben erwähnter Bruder, der von 1815 an Abgeordneter von Calw war und 
die Verfassungsurkunde von 1819 mitunterzeiohnete, verband sich mit einem Freunde. 
Frhrn. Johann Friedrich von Colta, im Jahre 1789 eine Zeitlang zum Betrieb der be- 
rühmten rotta'schen Buchhandlung und Gründung der Allgemeinen Zeitung, bis er dann 
in Calw andere Geschäfte gründete. 

Johann Georg Zahn'» Gattin war seit 17. Juni 1790 Friederike, geb. Zahn. Kinder 



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— 135 — 

Zahn, welch letzterer durch die Herausgabe des Tacitus, wie durch 
geniale Com Positionen Schiller'scher Lieder sich einen Namen erworben. 
Im Jahre 1809 kam Dörtenbach nach Stuttgart, wo er sich als 
Volontär theils in dem Geschäfte von Zahn db Comp., dessen Theil- 
haber sein Vater war, theils im Geschäfte von G. H, Keller's Söhnen, 
dessen Chef sein Schwager war, kaufmännische Kenntnisse erwarb* 
1810—1814 lernte er in dem neuerrichteten Indigogeschäft von 
SeybM & Comp , und begab sich hierauf auf Reisen und zwar an 
den Rhein, Belgien und Frankreich, von wo zurückgekehrt er in das 
Geschäft von Wagner, Schill & Comp, in Calw, eine Firma, iie später 
in die von Dörtenbach und Schauber umgeändert wurde, eintrat. 
Die Thätigkeit dieses Geschäfts bestand anfänglich in Fabrikation von 
wollenen Zeugen für Italien, welche Branche in Folge der politischen 
Verhältnisse der Jahre 1805 — 1809 bis dahin unmöglich gewesen 
war. Es war so gleichsam eine Fortsetzung der alt berühmten Zeug- 
handlungs-Compagnie. 1857 wurde diese Firma unter besonderer 
Mitwirkung Dörtenbach 1 s mit der Firma Schill und Wagner, (Fabrik 
von Flanellen und wollenen Teppichen) vereinigt. 

Seit 1827 -bis zu seinem Tode participirte Dörtenbach als Vor- 
stand für den Calwer Zweig an dem Holzhandlungsgeschäfte Stalin 
& Comp, in Calw und Mannheim, das später unter der Firma Mohr 
& Comp, in Calw und Mannheim neu gebildet wurde und dem auch 
sein Schwiegersohn Federhaff angehört. 

Mit einem seiner treuesten Freunde und Gesinnungsgenossen, 
P. Cavallo, (Fabrikbesitzer, Abgeordnetem des Bezirks für Neuenbürg 
von 1857 — 1870, von 1860—70 Mitglied des weiteren Ausschusses, 
f 7. December 1873) gründete er 1834 unter der Firma P. Cavallo 



h Sibylle Friederike, t im Alter Ton 16 Jahren. 

Tl. Sophie Heloiee, rennählt seit 10. October 1818 mit dem Postverwalter von Horlacher 
in Calw; sie starb 7. August 1827 an den Hasern, an welcher Krankheit ihre 
Ton ihr liebevoll gepflegten Kinder daniederlagen. 
III. EmÜi* Louise, venu, seit 26. September 1826 mit dem Med. Dr. Joh. Chrietoph 
SchAz, welcher am 1. Mai 1803 geboren und am 23. Dec 1852 gestorben ist Emilie 
Louise ist am 19. Januar 1836 gestorben. 



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— 136 — 

& Comp, die Maschinenpapierfabrik zu Wildbad, welche jetzt Eigcn- 
thum des Commörzienraths Eduard von Hallberger ist. 

1837 errichtete er unter der Firma Dörtenbach & Schauber 
eine Fabrik von Baumwoll- und Wollkrazen, die erste dieser Art im 
Lande, uud 1845 gründete er in Gemeinschaft mit Bergrath Geargii 
und den beiderseitigen Söhnen das Bankhaus Dörtenbach & Comp, 
in Stuttgart. 

Nachdem sein Schwiegervater, Vicepräsident Dr. Zahn, seine 
Stelle als Abgeordneter des Oberamtsbezirks Calw aus Gesundheits- 
rücksichten niedergelegt hatte, ward er zu dessen Nachfolger gewählt 
und begann damit seine politische Wirksamkeit. 

Hauptsächlich thätig war er im Emporbringen der vaterlän- 
dischen Industrie, und eines seiner Hauptverdienste ist die im Jahr 
1830 beim Landtag eingebrachte Motion zur Gründung der Gesell- 
schaft für Gewerbe und Handel, welche auch genehmigt ward. 

25 Jahre lang behielt er das Abgeordnetenmandat und suchte 
geistige und materielle Erleichterung des Volks und des Einzelnen 
zum alleinigen Ziele seines Strebens zu machen, eine Stellung, die 
ihn mit TJhland, Pfleiderer, Deffher, Klett, Pfizer, liötner, Duver- 
noy, doppelt aufs Engste verband. 

Viele Jahre lang war er Mitglied des grösseren ständischen 
Ausschusses und 1848 und 1849 Mitglied des engeren Ausschusses, 
ferner wurde er zum stellvertretenden Mitgliede des Staatsgerichts- 
hofes berufen. 

Bei allen wahren Verehrern des Vaterlandes fand die viel- 
seitige, unermüdete, gediegene, nur das Wohl des Vaterlandes an- 
strebende Thätigkeit Dörtenbachs die verdiente Anerkennung. Im 
Jahr 1843 überreichte ihm eine bedeutende Anzahl seiner Wähler 
einen kunstvoll gearbeiteten silbernen Pokal mit der Inschrift: 

„Dom Abgeordneten von Calw, Johann Georg Dörtetir 
bach f in dankbarer Anerkennung seiner landständischen Wirk- 
samkeit gewidmet von 145 seiner Mitbürger von Hirsau und 
Calw." 



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- 137 - 

Im Jahr 1848 ward ihm durch Hörnet das Finanzministerium 
angetragen, welches er jedoch ablehnte, und das dann von Goppelt 
übernommen wurde. 

Dörtenbach, dessen edle Gesichtszüge das in ihm wohnende 
rege, geistige Leben verkündigten und aus dessen Auge das Wohl- 
wollen, das er seinen Mitmenschen entgegenbrachte, hervorleuchtete, 
starb allgemein hochgeschätzt 8. September 1870, nachdem ihm am 
6. November 1869 sein jüngerer Sohn Paul, Theilhaber von - 
„Dörtenbach dt Comp." in Stuttgart, in der Blüthe der Jahre, 
noch nicht 37 Jahre alt, vermählt seit 1866 mit Pauline, geb. 
Baumeister, sowie bald darauf ein Bruder, Friedrieb Dörtenbach, 
und eine erwachsene Enkeltochter, Melanie Dörtenbach, im Tode 
vorangegangen waren. 

Dörtenbach! s Gattin war seit 31. Juli 1821 Louise Eugenie, 
Tochter des Vice-Präsidenten der Kammer der Abgeordneten, Dr. jur. 
Christian Jacob Zahn in Calw, t 28. August 1860. 
Ueberlebt haben ihn folgende Kinder: 
I. Georg, Bankier, Königl. Bayerischer Consul in Stuttgart, Mit- 
glied des Vorsteher-Collegiums der Württembergischen Spar- 
kasse, Bitter I. Classe des Friedrichs-Ordens und des Königl. 
Bayerischen St. Michael Verdienst-Ordens, Inhaber des Bayer. 
Verdienst-Kreuzes für 1870/71, verm. seit 1849 mit Louise, 
geb. Schnabel. Kinder: 

1) Lucie Eugenie, geb. 10. November 1850, verm. seit 6. 
Juni 1872 mit Alfred Reinhard Freiherr von Röder, Sohn 
des Obersts Freiherr Carl von Röder. 

2) Georg Heinrich Karl Arthur, geb. 28. Juni 1862. 

3) Irene Eleonore, geb. 11. October 1869. 

IL Louise, Gattin des Ludwig Federhaff ', Vorstands des Calwer 
Zweigs des Holzhandlungsgeschäfts *Mohr & Comp.« 
111. Emilic Georgine, verm. 19. Oct. 1869 mit dem Med. Dr. in 
Calw, Eberhard Müller, Sohn des am 2. Januar 1877 t Med.- 
Raths Dr. Mittler, daselbst. 



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- 138 - 

Carl Christoph Dörtenbach,* Bruder Johann Georgs, geb. 
den 5. November 1799 in Calw, Kaufmann, Comp.- Verwandter, an- 
fangs im Comptoir des Vaters thätig, von wo ans der Bau und Be- 
trieb der Dörtenbach'schen Berg- und Blaufarbwerke bei Alpirsbach 
und Wittichen geleitet wurde. Später trat er in ein Etablissement 
seines Vaters in Stuttgart (Zahn & Comp.) ein, wo er bis zum 
Jahre 1820 beschäftigt war. In demselben Jahre noch übernahm er 
die Geschäftsleitung des Handlungshauses seines 1819 verstorbenen 
Schwagers Johann Christian Volte in Heilbronn. 

Im Frühjahr 1824 verliess er Heilbronn wieder und kehrte 
nach Calw zurück. Noch in demselben Jahre übernahm er die 
Mitleitung des Dörtenbach'schen Schmalten-Fabrik-Geschäfts bis zu 



* Sieben Schwestern glengen ihm im Tode voran als ; 
I. Johanne Sabine, vermählte Seybold. 
II. Christiane Justine, geb. 1775, t 1775. 

III. Justine Friederike, seit 3. October 1797 Gattin des Banquiera und Finansrsths in 
Stuttgart Andrea» Gottlob Federer. Kinder: 

1) Mathilde, geb. 1812, renn, mit dem Major a. D. Karl Albert von Schraishuon- 
Seubert-Bretlgny. 

2) Gottlob Friedrieh Federer, geb. 1799, Bankier und Königlich Belgischer Consul 
in Stuttgart, verm. seit 8. Mai 1824 mit Amine Euginie, Tochter dec Professors 
der französischen 8prache am Gymnasium in Stuttgart, Joseph Friedr. Orammont. 

8) Adolph Gottlob Federer, Banquier, geb. 12. September 1807, verm. I. seit 11. 
September 1834 mit Marie Auguste, Tochter des Präsidenten des K. Steuer- 
kolleginms, 8taatsraths von Süsskind; II. seit 9. Mai 1844 mit Louise Agnes, 
Tochter des t Oberregierungsraths Boger. Verheirathete Kinder I. Ehe: 

a. Julius, geb. 1. August 1836, Banquier, Königlich Belgischer und Italienischer 
Consul, verm. seit 12. September 1861 mit Alwine Henriette Louise, Tochter 
des Banquiera Karl Emil Klüpfel in Stuttgart 

b. Adolf geb. 22. März 1838, Banquier und Argentinischer Gonsul, verm. seit 
17. October 1871 mit Anna Sophie Friederike, geb. 19. April 1848 za Neu- 
Osge, Regierungsbezirk Arnsberg, Tochter des Rentiers Karl Ludwig Dietsseh 
und der Julie Friederike Elisabeth, geb. Juniger. 

Kinder IL Ehe: 

a. Marie Louise Federer, geb. 27. Mars 1845. 

b. Wilhelm Friedrieh Federer, ) 

c Ernst Wilhelm Federer, I Zwillinge, geb. 17. Januar 1850, Bankiers. 

IV. Jacobine Wilhelmine, verm. Volte. 
V. Sophie Christiane, verm. Keller. 
VI. Sibylla Elisabetha, verm. Stalin, 
VII- Ernestine Jacobine, I. verm. Schauber, 11. verm. Sich; 



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— 139 - 

dessen Auflösung und trat gleichzeitig in die Wollspinnerei- Unter- 
nehmungen von Wagner, Schul & Comp. , bei welchen sein Schwieger- 
vater betheiligt war, ein; anch stund er der später angenommenen 
Firma Dörienbach und Schauber in Verbindung mit anderen Theil- 
habern bis zu seinem Ableben ununterbrochen thätig vor. 

Nach dem Hingange seines Schwiegervaters im Jahre 1843 
hat er auch mit zwei weiteren Tochtermännern desselben an der unter 
der Firma von Schul & Wagner betriebenen Wollstofffabrikation 
Theil genommen, welche sich allmälig bis zu ihrem jetzigen Bestände 
ausdehnte. 

An gemeinnützigen Gesellschaften und Vereinen betheiligte sich 
Dörtenbach vielfach ; er war seit Gründung der Gesellschaft für Be- 
förderung der Gewerbe im Jahre 1831 bis zu deren Uebergang in 
die Königliche Centralstelle für Gewerbe und Handel Mitglied der- 
selben, Mitglied des Calwer Gemeinderaths, ebenso langjähriges Aus- 
schussmitglied des Calwer Gewerbe- Vereins, des Vereins für vater- 
ländische Naturkunde, des Handels- Vereins, der Weinbauvereine u. s. w. 

Das Vertrauen, welches er sich in allen diosen mannigfachen 
Verhältnissen verdiente und erwarb, wurde wesentlich dadurch ge- 
hoben, dass ein tiefer innerer Trieb in ihm lag, nichts zu verschieben, 
immer zu erledigen, was ihn berührte oder ihm anvertraut war, und 
seinen oft wiederholten Ausspruch zu bekräftigen, dass man bei ihm 
zu jeder Zeit Alles in Ordnung finden müsse. — 

Dörtenbach starb 8. November 1865. 

Seine Gattin war seit 14. September 1824 Juliane Sophie, 
Tochter des Comp.-Verwandten in Calw, Christ. Heinrich Schill. 



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Domfeld. 



Joachim Dornfeld, aus einer in den Niederlanden ansässig ge- 
wesenen Familie abstammend, wurde zwischen 1566 und 1573 während 
der spanischen Verfolgungszeit unter Herzog Alba aus den Nieder- 
landen vertrieben, und liess sich zu Angermünde in der Mark Bran- 
denburg nieder. Sein Sohn Peter Dornfeld, Bürgermeister und Raths- 
Consulent zu Angermünde 1650, vermählte sich mit Dorothea, geb. 
Klingsporn von Wernigerode, welche gleichfalls einer aus den Nieder- 
landen vertriebenen Familie entstammte. Dieser letzteren Ehe entspross: 

Johann Domfeld, geb. zu Angermünde 21. September 1640, 
Theol. Dr. und Pastor an der Nicolaus-Kirche in Leipzig, f den 
6. October 1720. 

Gattinnen: 1. Anna Margaretha, Tochter des Ober-Gerichts- 
Assessors und Advocaten in Leipzig Theoder Nössel; II. Maria 
Salonie, Tochter des Drs. der Theologie und Pastors zu Danzig 
Andreas Kitten; III. Anna Margaretha, Tochter des Kammer- 
Musikus in Dresden Joh. Jäger. 

Von seinen Söhnen vermählte sich der älteste, Johann Jacob 
Dornfeld, geb. 11. Januar 1698, Bechts-Cousulent, mit Johanna 
Sophia, Tochter des Joh. Andreas Platen, Bürgermeisters in Grossen- 
hayn; der Jüngere dagegen, Christian Friedrich Dornfeld, geboren 
13. Juli 1701, kam als Hofmeister nach Esslingen und wurde 1728 
Stiftsprediger in Oberstenfeld. 

Dieser letztere hinterliess einen Sohn Namens Dietrich Dorn- 
feld, geb. 14. Juni 1745, welcher Pfarrer in Neckar weih ingen wurde 



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— 141 — 

and sich mit Charlotte Beate, Tochter des Specials zu Bietigheim 
Georg Hartmann vermählte. Söhne: 

I. Heinrich Christof Wilhelm Dronfeld, geb. 23. Sept. 1783, 
Kameral- Verwalter in Weinsberg, vermählt I. mit Luise, Tochter 
des Expeditions- Raths und Kameral- Verwalters in Gaildorf Lud- 
wig v. Konig; II. mit Panline, Tochter des Bergraths in 
Stuttgart Friederich Ludwig Bilflnger. 
II. »ottlob Friederich Eberhard Dornfeld, geb. 19. Juli 1787, 
Kaufmann zu Epernay in Frankreich, unverheirathet gestorben 
25. August 1833. 
III. Immanuel August Ludwig Dornfeld, geb. 15. Mai 1796, Um- 
gelds-Commissär in Oehringen 1827, Kanzleirath in Stuttgart 
1838. 

Die Familie blüht noch jetzt im Württembergischen. 



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Dutt en hof er. 

Christ. Trangott Friedrich Duttenhofer wurde den 4. August 
1778 zu Gronau im Württembergischen geboren. Sein Vater, Christian 
Friedrich Duttenhofer, war Prälat zu Heilbronn ; die Mutter, 
Johanna Christina, des Stadtpfarrers in Sindelfingen Johann Ben- 
jamin Hammel Tochter ; der Grossvater, Jacob Friedrich Duttenhofer, 
geb. 25. Januar 1697 , Herzoglich Württembergischor Hofgerichts- 
und Landschafts-Assessor ; die Grossmutter, Johanna Elisabetha, des 
Kammerrath8 in Stuttgart Johann Friedrich Spittler Tochter. 

Christ. Friedrich, der schon in der Jugend besondere Vor- 
liebe für Malerei und Zeichenkunst und hauptsächlich Kupferstecherei 
hegte, widmete sich in der Folge ganz der letzteren und zwar für 
das landschaftliche Feld derselben. Nach Erwerbung der für diese 
Kunst vorgezeichneten Kenntnisse begab er sich nach Dresden, wo 
ihm der tägliche Besuch der dortigen Gallerie oblag. Schon hier 
leistete er nur Ausgezeichnetes, allein dem inneren Drange folgend, 
seine Kenntnisse immer weiter auszudehnen, begab er sich von da 
nach Wien, um sich die Vortheile der dortigen Academie anzueignen. 
Das bekannte Blatt „Gebirgslandschaft nach Annibal Caracci", ein 
nicht nur seiner Grosse und Mühseligkeit, sondern auch der ausser- 
ordentlichen Correctheit des Stichs und Genauigkeit der Zeichnung 
wegen von Kennern allgemein beifällig aufgenommener Stich, erwarb 
ihm plötzlich einen bedeutenden Namen. 

Nun trat er, 31 Jahre alt, grössere Reisen an, besuchte Paris, 
wo er einer besonderen Auszeichnung genoss und ihm der Auftrag zu 
Theil wurde, für das Museum Napoleon Blätter nach Dominichino, 



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— 143 — 

C. Poussin, Both, Wynanths und Paul Brill auszufahren. Nachdem 
er diese Aufgabe glänzend erfüllt hatte, wandte er sich nach Italien 
und bildete sich daselbst durch Anschauung der alten Kunstwerke 
der Griechen und Römer vollends ganz zum Künstler. 

Nun erst als Mann von mehr als 40 Jahren kehrte er ins 
Vaterland zurück und führte daselbst die grossartigste Arbeit seines 
Lebens, das grosse Blatt über den Cölner Dom aus, das wohl noch 
von keinem Künstler, — was gothische Architektur anbelangt, keines- 
falls so gelungen — fertig gestellt ward. — 

Derselben Familie gehören ferner an: 

Georg Jacob Duttenhofer, geb. 1729 zu Calw, Spezial in 
Wildberg. Derselbe hinterliess mehrere Schriften. Söhne: 

I. Jacob Heinrich Duttenhofer, Pfarrer in Klein- Reichenbach, 

1794. 
II. Jacob Friedrich Duttenhofer, Diaconus bei St. Leonhard in 

Stuttgart, verm. mit Charlotte Wilhelmine, Tochter des Geh. 

Hofraths, Kirchenraths-Expeditionsraths Karl Gottlob Mohl, 

welcher Ehe 1 Sohn und 3 Töchter entsprossten. — 

Carl August Friedrich von Duttenhofer, Königlich Württem- 
bergischer Oberst und Oberwasserbau-Director, Commenthur des Kron- 
ordens, geb. 3. December 1758 zu Obereusingen als Sohn des dortigen 
Pfarrers Duttenhofer und der Katharina, geb. Baser von Kirchheim. 

Derselbe besuchte die lateinischen Schulen zu Nürtingen und 
Kirchheim a". d. T., wurde hierauf, 9. Januar 1773, als stud. juris 
civilis und cameralis vom Herzog in die hohe Carlsschule auf der Soli- 
tude aufgenommen, später aber, 1775, mit dieser Pflanzschule in die 
Militär-Akademie zu Stuttgart als Zögling, abermals mit der Be- 
stimmung für die Kameralwissenschaft, versetzt. Bei Einweihung der- 
selben in Stuttgart im Jahre 1782 wurde ihm nach vorhergegangener 
Disputation die Würde eines Magisters der Philosophie ortheilt. 
Duttenhofer war der erste von dieser Universität kreirte Magister. 
Mit besonderer Vorliebe verbreiteten sich nun seine Studien auf die 
Artillerie und die ganze Kriegswissenschaft, und seinem Eifer ver- 



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- 144 — 

dankte er es, dass ihm schon 1788 das Patent eines Lieutenants des 
von Nikolafschen Artillerie-Regiments ertheilt ward, sowie er auch 
um dieselbe Zeit zum Professor der Mathematik und Artillerie bei 
der hohen Karlsschule bestellt wurde, ein Amt, das er bis zur Auf- 
hebung dieser Akademie (1794) bekleidete, wo er alsdann die Er- 
nennung zum Ingenieur-Lieutenant und Wasserbau-Director erhielt. 
Hauptsächliches Talent zeigte er im Festungsbau und durch seine 
militärische Aufnahme des Schwarzwaldes von Bruchsal an bis in 
die Gegend von Hauenstein und Waldshut, die er nach dem zwischen 
Oesterreich und Frankreich ausgebrochenen Kriege in den neunziger 
Jahren des vorigen Jahrhunderts fertig stellte, gelangte er bei Kennern 
zu grosser Ehre. Für letzteres zeugt auch der Umstand, dass der da- 
malige Commandant des französischen Genie-Corps in Paris (General 
Moreau) diese Blätter requirirte und bei deren Zurücksendung den 
Verfasser durch wissenschaftliche Geschenke wie durch die schmeichel- 
haftesten Ausdrücke beehrte. Wegen seiner besonderen Kenntniss des 
Schwarzwaldes ward er auch eine Zeit lang dem k. k. Ingenieur-Haupt- 
mann d'Anthon als Ingenieur zugetheilt. Bei den militärischen Ver- 
richtungen der württembergischen und österreichischen Truppen be- 
wies Duttenhofer persönlichen Muth. — Vornehmlich aber richtete sich 
sein Augenmerk auf das Fach des Wasserbaues, das er insbesondere 
auch in Hinsicht auf das Maschinen- und Mühlwesen vollkommen 
zu ergründen suchte. Bald erhielt er auch die Inspection über die 
Mühlen im Lande. 1796 wurde er zum Ingenieur-Hauptmann, 1798 
aber, von welchem Zeitpunkt an er nicht mehr militärische Dienste leistete, 
zum Major und Oberwasserbau-Director ernannt, womit ihm zugleich die 
Ober-Aufsicht über das ganze Landes-Mflhlwesen übertragen wurde. 

Bei den nachfolgenden Veränderungen in den Formen der 
Staats- Verwaltung in den Jahren 1803/4 wurde er Mitglied der 
Directionen des Landbaues, des Strassen-, Brücken- und Wasserbaues 
und im Jahre 1807/8 Vice-Director des Ober-Bauraths mit dem Cha- 
rakter als Oberst, auch Mitglied der k. Hofdomänenkammer. 

Nach der Auflösung des Ober-Bauraths entfaltete er nicht nur 



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- 145 — 

im Fache des Wasserbaus bei den Ministerien des Innern and der 
Finanzen eine fortwährende Thätigkeit, sondern stand auch wegen 
seiner Ober-Aufsicht über das Mühlwesen mit sämmtlichen Kreis- 
Finanz-Kammern und Regierungen in amtlicher Verbindung. 

Duttenhofer war Mitglied der naturforschenden Gesellschaft in 
Schwaben, des landwirtschaftlichen Vereins und des Vereins für 
Vaterlandskunde. Er starb, seiner Kenntnisse, seiner Rechtlichkeit nnd 
Uneigennützigkeit wegen von Jedermann hochgeschätzt, 16. Sept. 1836. 

Die im Auftrage der Regierung von ihm ausgeführten Werke 
sind u. A. der Wilhelms-Kanal in Heilbronn, das Mühlwehr in Berg, 
die Brücke bei Hohlbach und die Stuttgarter Wasserleitungen. 

Seine Gattin war seit 1790 Luise Wilhelmine, eine Tochter 
des Amtmanns in Dettingen am Schlossberg Klett, welche ihm 1823 
durch den Tod entrissen wurde. Kinder: 

I. Caroline, verm. mit dem Oberfinanzrath Nördlinger. 
II. Therese, Gattin des Rittmeisters von Vischer in Calw. 

III. August Duttenhofer, Königlich Württembergischer Hauptmann. 

IV. Carl tou Duttenhofer, geb. 28. Juni 1801, gest. 2. Juni 1871 
in Ulm, Königlicher Oberbaurath, verm. 11. Februar 1839 
mit Franziska, geb. Epting. Kinder: 

1) Fanny Louise, geb. 22. Mai 1842. 

2) Fanny Engende, geb. 6. Juni 1844, verm. seit 8. August 

1872 mit dem Fabrikanten Leidersdorf in Milwaukee (Wis- 
consin, Nord-Amerika). 

3) Pauline Therese, geb. 26. Juli 1851, verm. seit 7. Oct. 

1873 mit Kaufmann Wüh. Friedr. Zurhellen, Sohn des 
Pastors Christ. Georg Wüh. Zurhellen. 

4) Carl Eugen, geb. 4. Febr. 1841 , Rittmeister und Esca- 
dronschef im Ulanen-Regiment König Wilhelm (2. Württ.) 
Nr. 20. Seit 10. Mai 1871 vermählt mit Marie Woodroof 
Taylor aus New- York. 

Dm FänrtHch Württembergische Dienerbuch enthilt folgende höhere Beamte 
des Namens Duttenhofer : Diacon an 8t. Leonhard 653 ; Spital Diacon 552. — Georg Joe., 
Pfarrer 613. — Jac. Fried., Landschaft-Einnehmer 559. 

9. GtorgH-Qeorgmt i u, Biographisch-Genealogische Blätter etc. 10 



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Duvemoy. 



Von dieser, der ehemaligen Grafschaft Mömpelgard, seit dem 
XVII. Jahrhundert auch Württemberg angehörenden Familie sind 
u. A. zu erwähnen: 

Hugo Duvemoy, Hauptmann in Mömpelgard 1650. — 
David Duvernoy, Sohn des Vorigen, Dr. und Chirurgus in 
Stuttgart, vermählt seit 25. April 1682 mit Barbara Sofia, einer 
Tochter des Herzoglich Württembergischen Kammerraths Hieronimus 
Welsch, Sohns des Nördlingischen Porstmeisters Welsch. 

Kinder aus dieser Ehe: 
I. Sophia Margaretha, venu, zu Stuttgart seit 22. Februar 1707 
mit dem Proviant-Offizier Christoph Friederich Deffner. 

U. Justina Regina, verm. 1715 mit dem französischen Prediger 
und nachmaligen Prälaten zu St. Georgen Johann Georg 
Blanchot, Sohn des Pfarrers in Breveliera Peter Blanchot. 

III. Juliana, vermählt 1716 mit dem Professor der französischen 
Sprache in Stuttgart Georg Meguillet. 

IV. Johann David, geb. 1688 zu Stuttgart, Pfarrer in Bohracker 
1723, f 1752. Gattinnen: I. seit 1715 Johanna Catharlna, 
Tochter des Professors am Gymnasium in Stuttgart Caspar 
Canstetter; II. Maria Agnes, Tochter des Pfarrers in Nehreu 
Joh. Friedr. Sartorins. Kinder I. Ehe: 

1) Maria Regina, verm. mit dem Pfarrer in Spielberg Joh. 
Gottlieb Trüschler, Sohn des Pfarrers in Dusslingen Joh. 
Georg Tritschler, Bruder des 1802 verstorbenen Geh. Hof- 



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— 147 — 

raths Elias Benjamin Tritschler, Stifters der Tritschler'- 
sehen Stiftung'. 

2) Maria Catharina, verm. mit dem Forstmeister in Esslingen 
Georg Andreas Eckher. 

3) Sophie Juliana, verm. mit dem Pfarrer in Baltmannsweiler 
Eberh. Friedr. Hamid, Sohn des Stabs-Kellers in Mün- 
singen Joh. Georg Friedr. Honold. 

4) Georg Friedrich Duvernoy, Herzoglich Württembergischer 
Kammerrath in Stuttgart, t 1794. Sohn: 

David Hermann Heinrich Duvernoy, Königlich Würt- 
tembergischer Major und Kriegsrath in Stuttgart 1812. — 

5) Johann Ludwig Duvernoy. — 

Carl August Duvernoy, geb. 6. August 1757, Königlich Würt- 
tembergischer Major und General-Kriegscommissär, auch Secretär des 
Königlich Württembergischen Militär- Verdienstordens. — 

Samuel Duvernoy, t 1734 als Decan in Balingen. — 

Johann Georg Duvernoy, geb. 1691 zu Mömpelgard, Leib- 
und Hofarzt des Herzogs Leopold Eberhard von Württember£- 
Mömpelgard 1712, Professor der Medicin in Tübingen, von wo aus 
er 1725 einem von der Academie zu Petersburg an ihn ergangenen 
Buf als Professor der Chirurgie und Anatomie folgte. Besondern 
Ruhm erwarb er sich als Anatom und starb 1759 zu Kirchheim. — 

Peter Duvernoy , geb. 1683 in Mömpelgard als Sohn des 
Joh. Jacob Duvernoy, Bürgermeisters daselbst. Derselbe begab sich 
von der Schule und Privat-Information weg nach der Universität 
Tübingen, kam von da nach Basel, reiste später nach Paris und 
wurde nach seiner Rückkehr in seiner Heimath Advocat ord. bei der 
Kanzlei. Einige Zeit nachher ging er nach Frankfurt a. M., und 
wurde auf die Dauer von 6 Jahren Hofmeister bei den Grafen von 
Slolberg-Geldern. 1712 kam er nach Jena, wo er 1714 zum 
Doctor creirt wurde. — 

Pierre Christoph le Duvernoy, Prävöt des Fürstentums Möm- 
pelgard 1740. — 



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— 148 — 

Charles Duvernoy, Professor in Mömpolgard, 1803 — 
Medicinalrath vom Duvernoy, gest. 12. April 1829. 
Es folgt noch ein Extractus Protocolli Cons. secr. d. d. 4. 
Januar 1794 »Reg.-Rath-Gutachten, die Rückkehr der Familie Dm- 
vernoy in ihr Vaterland betreffend:« 

„Refrratur Serenissimo : 
Es habe der General Major und Coramandant von Georgii * 
bey Serenissimo unterthänigst gebetten, höchst Dieselbe möchten 
den Kindern des Advocaten Duvernoy von Mömpelgardt, 2 Töch- 
tern und 1 Sohn, mit welchen deren Verwandte eine Tochter 
und Sohn des Pfarrers Duvernoy in Gesellschaft in ihr Vater- 
land dem wiederholten dringenden Ansinnen ihrer Väter zu- 
folge zurückzukehren wünschen, diese Rückkehr gn. gestatten. 
Dieses herzogl. Collegium habe hierüber nach Anleitung des 
gn. Decrets vom 27. Dec. 1793 von herzogl. Regierung Gut- 
achten anverlangt, welches unter Beziehung auf das von dem 
General Major von Georgii seinem Exhibitum beygelegte 
Promemoria dahin gehe: 

da weder in den Kayserlichen avocatorien noch sonsten ein 
rechtlicher Grund vorliege, die Dnvernoy'schen Kinder von 
der Rückkehr in ihr Vaterland abzuhalten : So könne herzogl. 
Regierung ihren rechtlichen Antrag nicht anders als dahin 
machen, dass denselben diese Rückkehr um so weniger zu 
erschwehren seyn möchte, als sonsten theils für sie selbst, 
theils für ihre Eltern die nachtheiligste Folgen daraus ent- 
stehen möchten. 

Unterthänigst subsignirte hätten nun auch ihres Orts diese 
Gründe wohl erwogen, und fänden bey vorliegenden Umständen 
keinen Grund, aus welchem diesen jungen Leuten die Rückkehr 
in ihr Vaterland ersch wehret werden könnte, wesshalb dem 



* Ein Bruder von ihm war in II. Ehe seit 1762 mit Margusrite, Tochter de« 
oben verzeichneten Prevöto von Mömpelgard DMtemoy, vermählt. 



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— 149 — 

General Major von Georgii zu erkennen zu geben wäre, dass 
Serenissimus den Duvernoy 'sehen Kindern die vorhabende Rück- 
kehr in ihr Vaterland gnädigst gestatten wollten." 

Carl Wilhelm Ludwig Duvernoy, Sohn des Eammerraths Georg 
Friedrich Duvernoy, geb. 13. Juli 1786, Dr. med. t 1. Februar 
1837. Ein Bruder von ihm Benjamin Georg Christian, geb. 
25. September 1783 ist verschollen. 

Gattin: seit 20. October 1814 Christiana Julia, geb. Wolpert. 
Deren Sohn: 

Carl August Julius Heinrieh, geb. 13. Dec. 1815, Kaufmann, 
t 3. April 1874. Gattin: seit 7. Oct. 1845 Emilie Auguste, geb. 
Zimmermann von Heidelberg, welcher Ehe ein Sohn entsprosste Na- 
mens Max Ludwig Adolf Wilhelm Eduard Arthur, geb. 19. Mai 
1849, sowie eine Tochter Namens Clara Emma Sophie Betty, geb. 
18. Juli 1846. — 

Ludwig Herrmann Heinrich Duvernoy, geb. 16. Oct. 1788, 
Kaufmann, f 4. März 1828. Gattin: seit 31. Oct. 181(5 Wilhel- 
mine Henriette, geb. Benner. Deren Sohn: 

Ludwig Heinrich, geb. 11. Nov. 1817, Kaufmann, verm. seit 

17. April 1849 mit JuHe, geb. Hartmann. — 

Gustav Heinrieh von Duvernoy, geb. 5. Juli 1802 als Sohn des 

18. Dec 1819 f David Herrtnan Heinrich Duvernoy, Königl. Würt- 
tembergischen Majors und Generalkriegs-Cassiers, Dr. jur., Staats- 
rate und Chef des Departements des Innern 1848. 



Dm Fürstlich Württembergische Dienerbach enth&lt folgende höhere Berate 
des Namen*: Ihtvtmoy, CanzleiAdroc. 9«. — JoK Georg, CantzleiAdvoc, 94. 



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Efferen. 

Hartmann ab Efferen, Rheinländischer Adels-Ritter, war im 
Jahre 1480 Spitalmeister bei St. Martin in Cöln. Sein Sohn: 

Caspar ab Efferen, vermählt mit Agnes, geb. von Schltten. 

Sohn: 

Heinrich ab Efferen, Dr. theol., geb. 1530, welcher als Jüng- 
ling seiner Studien wegen nach Paris geschickt wurde, trat, ergriffen 
von der Sündhaftigkeit der Protestanten bei den Verfolgungen Franz I., 
selbst zum Protestantismus über. Im Jahre 1550 kam er als Dia- 
conus zu Schorndorf in württembergische Dienste; 5 Jahre später 
reformirte er die Klöster Herbrechtingen und Lorch, 1558 wurde er 
Dr. der Theologie, 1563 Superintendent zu Bietigheim. Von Herzog 
Christoph wurde er auch als Inspector des Cultus nach Möm- 
pelgard gesandt; endlich starb er als Stadtpfarrer in Winnenden 
im Jahre 1590. Von ihm haben sich erhalten cDreyzehen Christ- 
liche Predigten aus dem XXXVIII und XXXIX Capitel Ezechielis 
von Gog und Magog oder den Türeken, mit kurtz einverleibter 
Historischer Erzehlung vom Anfang, Ursprung und Zunehmung des 
Mahometischen Kayserthums», (Strassburg 1571, Leipzig 1596). 

Gattin: Barbara, geb. Btihler, welcher Ehe ein Sohn ent- 
sprosste, Superintendent zu Cannstatt und Stuttgart, zuletzt Abt 
zu Anhausen, welcher einer der bedeutendsten Theologen Würt- 
tembergs war. Seine Geschwister waren Hermann von Efferen; 
Caspar von Efferen; Regismnnda von Efferen, letztere verm. mit 
dem Pfarrer zu Hohen-Geren Caspar Kurtz; Enda, vermählt mit 



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- 151 — 

dem Pfarrer zu Weltzheim Martin Linck, welch letzterer Ehe eine 
Tochter Namens Anna Maria entsprosste, die in der Folge die Gattin 
des Vogts von Tübingen Johann Wilhelm Speidel wurde. 



Dm Fürstlich Wütttexnbergische Diener buch enthilt folgende höhere Beamte 
des Namens Effertn, (Eff§rhm) : Dan., Ffirstl. Informator 198 ; Stsdtschreiher 373. — 
Hans. Heinr., Amptschreioer 246. — Htinr., Abt 362 ; Ambtaschrelber 2öa — Joh. «/W»r., 
CL Venmütter 263, 276, 307. 



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Eisenmenger. 



Eisenmenger, Landsmann Melanchthons, nach dessen Beispiel 
er auch seinen deutschen Namen in Siderokrates übersetzte, wurde 
den 28. September 1534 geboren. Derselbe widmete sich zu Wit- 
tenberg nicht nur den philologischen, sondern auch den philosophi- 
schen und mathematischen Studien, daher er, vermuthlich auf Me- 
lanchthons Empfehlung, als Lehrer der Mathematik im Jahre 1556 
in Tübingen angestellt wurde. Während er aber docirte, lernte 
er. zugleich Medicin, und wurde bald nach erhaltener Doctorwürde 
so berühmt, dass mehrere Fürsten, der Markgraf Karl von Baden, 
der Kurfürst von Cöln, sowie die Bischöfe von Strassburg und Speier 
ihn zum Leibarzte begehrten. Er verliess Tübingen gerne, nachdem 
Jacob Andrea ihn als Schwenkfelder angeklagt hatte. 

Den geistlichen Fürsten lag weniger daran, was er glaubte, 
wenn er sie nur orthodox heilte. Er starb 1585 in der Bischöf- 
lichen Speier'schen Residenz Bruchsal, nicht in Brüssel, wie einige 
melden, durch das Wort Brussellae verführt. 

Eben diesen Familiennamen trägt: 

Johann Christoph Eisenmenger, Med. Dr., geb. den 6. Sep- 
tember 1592 zu Heilbronn, als Sohn des Jeremias Eisenmenger, 
Physicus der damaligen Reichsstadt Wimpfen, zuletzt Physicus zu 
Heilbronn, und der Catharina, Tochter des Patriciers in Ulm August 
Roth. 

Johann Christoph studirte auf der Universität Heidelberg 1608 
bis 1612, zu Basel 1612 bis 1614 die Medicin, wurde in letzterer 
Stadt Doctor der Medicin, kam hierauf nach Frankfurt, und von da 



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— 153 — 

1616 nach Heilbronn, woselbst er nach Ableben seines Vaters an 
dessen Stelle zum Stadtarzt ernannt wurde. 

Er vermählte sich erstmals 1616 mit Maria Magdalena, geb. 
Imlin, mit welcher er innerhalb 37 Jahren 4 Söhne und 6 Töchter 
erzeugte. Er starb den 20. Februar 1663. Von seinen Unter- 
lassenen Söhnen sind näher bekannt: 

I. Johann Ludwig, »der Reichsstadt Schwäbisch Hall verordneter 

Amtmann zu Vellberg.« 
II. Johann Christoph, geb. zu Heilbronn 26. Mai 1620, Med. 
Dr. und Stadtarzt daselbst Derselbe studirte zu Jena 1641, 
kehrte wegen der damaligen Kriegszeiten 1642 nach Hause 
zurück, und besuchte noch zu» Ende desselben Jahres die 
Universität zu Padua. Auf der Bückreise doctorirte er zu Basel, 
prakticirte zu Strassburg, wurde hierauf Physicus zu Rothen- 
burg an der Tauber 1646, zu Marbach, zu Heilbronn 1663, 
in welch letzterer Stadt er 3. April 1670 starb. 

Seine I. Gattin war Enphrosina, geb. Kelberger aus 
Strassburg; die II., Sibylla, Tochter des Med. Doctors zu Rothen- 
burg an der Tauber Josaphat Weinlin; die III. Barbara 
Jagtina, Tochter des Med. Doctors in Nürtingen Martin Sol- 
fleiss, aus welch in. Ehe 1 Sohn und 2 Töchter hervorgiengen. 

Ebenfalls hieher gehört: 
Johann Andreas Eisenmenger, geb. 1654 in Heidelberg, starb 
als Professor der orientalischen Sprachen daselbst 1704. 
Bekannt ist 'seine Schrift: »Entdecktes Judenthum«, Frankfurt 
1700, welche die Juden möglichst zu unterdrücken suchte und 
wogegen dieselben kaiserliche Edicte auswirkten. Der König von 
Preus8en Hess die neue Auflage, Königsberg 1711, auf seine Kosten 
drucken- 



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Eiben. 



Christian Gottfried Eiben, Gründer des weithin bekannten 
„Schwäbischen Merkurs", geb. den 4. Mai 1754 als Sohn des 
Amtmanns in Zuffenhansen Johann Caspar Eiben, geb. 24. Febr. 
1716, f 26. Angust 1783, und der Susanna, geb. Zaiser, wurde 
im Jahr 1777 für ein Novellisticum nnd das Lehrfach der Geo- 
graphie an der hohen Karlsschule zum Professor ernannt, und 
bekleidete dieses Amt bis zur Aufhebung derselben, 1794. In 
Verbindung mit der in der hohen Karlsschule befindlichen Kupfer- 
druckerei stand auch eine Buchdruckerei, in welcher die offizielle 
Beschreibung der hohen Karlsschule von Batz 1783, Schubarts 
Gedichte 1785, dessen Vaterländische Chronik und seit 1789 des 
Professors Eiben Schwäbischer Merkur gedruckt wurden. Letzterer 
trat an die Stelle des 1731 gegründeten zweimal wöchentlich in 
klein 4. erschienenen, „über See und Land dahineilenden Mercurius" 
(auch Stuttgarter Ordinari-Chronik genannt). Beide Bedactoren Schu- 
lart und Eiben hatten damals als Herausgeber öffentlicher Blätter 
zum obersten Censor eigentlich den Herzog Karl Eugen in höchst 
eigener Person. Ueberhaupt war im Jahre 1783 vom Herzoge der 
Plan zur Errichtung einer Vocal-, Instrumental-, Musik-, Kupfer-, 
Landkarten- und Buchdruckerei in Verbindung mit der hohen Karls- 
schule genehmigt worden. Das Organ aber des Herzogs in dieser 
Angelegenheit war der Intendant der hohen Karlsschule, Oberst 
von Seeger. Es war die Zeit des Waltens des Geistes Friedrichs 
des Grossen von Preussen, 1740-1786, und Kaiser Joseph? s IL 
1779—1790, wodurch in Deutschland die zuvor sehr beschränkte 
Presse zu grösserer Freiheit erhoben wurde. 



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— 155 - 

In Preussen war die Presse schon unter Friedrich Wilhelm I. 
ziemlich frei, und Friedrich der Grosse sprach seinen Grundsatz da- 
hin ans, dass Gazetten, wenn sie interessant sein sollen, nicht genirt 
werden müssen; „wegen des Artikels von Berlin", fügt er hei, „ist 
„diess instinkte zu observiren, wegen auswärtiger Puissancen aber cum 
„grano salis und mit guter Behutsamkeit". Am strengsten war Bayern. 
Dort mussten selbst die Leser anstössiger Schriften 15—100 Thaler 
Strafe zahlen ; unversehene Visitationen wurden angestellt, in Privat- 
bäuser wurde eingedrungen, ein Buchhändler ohne ürtheil ins Arbeits- 
haus mit täglich sechs Pfennigen gesteckt, bis er den Einsender einer 
Correspondenz nannte. In den geistlichen Gebieten kam die Polizei 
des römischen Stuhls dazu. In Oesterreich z. B. waren noch unter 
Carl VI. alle unkatholischen Bücher schlechthin verboten, aber sie 
kamen gleichwohl herein. Der Erzbischof von Wien bekam Grund, 
in einer Denkschrift zu klagen, dass unter 12 gelernten Buchhändlern 
kaum 4 katholische seien und von diesen neben einem Katalog guter 
und unsträflicher Bücher, immer noch ein anderer, heimlicher geführt 
werde. Unter Maria Theresia 1752 war eine Legitimation des 
Seelsorgers vonnöthen und zahlte jedes Buch ohne dessen Siegel und 
Handschrift 3 fl. Strafe. 1751 kam die Censur aus den Händen 
der Jesuiten in die ihres Feindes van Surieten, der sein Amt ge- 
mässigt und klug verwaltete. Ganz anders aber wurde es unter Kaiser 
Joseph. Er bildete 1781 eine Censurcommission aus aufgeklärten 
Männern, und sein Censurgesetz von 1781 ist «ein wahres Muster von 
Weisheit gegenüber der bisher stattgehabten Ordnung. 

Aus solchen Vorgängen erklärt es sich, dass am 2. Juli 1787 
das akademische Collegium zu Stuttgart auf Bewilligung der „Censur- 
Freiheit" Ar SchubarVs vaterländische Chronik „bei der wirklich 
ohnehin in Europa ausgebreiteten Pressfreiheit " anzutragen wagte, 
und dass der Herzog dieselbe bewilligte. 

Allein ungeachtet der „geringeren Gefahr bei Eiben", traf 
doch den Schwäbischen Merkur ein ähnliches Schicksal wie Schubart's 
Chronik, indem in Folge von Beschwerden des Kurfürsten von Pfalz- 



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— 156 — 

Bayern im November 1788 über einen „verfänglichen Artikel von 
München" und im Juni 1789 wegen eines Artikels im Nr. 70 der 
Chronik, betreffend „das Münzwesen in dem schwäbischen Craiss", 
dem Prof. Eiben noch vor Schubart die Censurfreiheit wieder ent- 
zogen wurde. Auf diesfallsige Vorstellung aber nahm der Herzog 
im September 1789 diese Entschliessung wioder zurück. 

So ward denn auch von dem Intendanten dem Herzog am 
10. November 1787 vorgetragen, „dass der bei der hohen Karlsschule 
für ein Novellisticum und für das Lehrfach der Geographie mit 100 fl. 
Gehalt angestellte Professor M. Eiben, welcher neben dem, mit 
herzoglicher Erlaubniss in der akademischen Buchdruckerei seit einem 
halben Jahre gedruckten, sogenannten schwäbischen Merkur seit zwei 
Jahren noch eine Schwäbische Chronik mit vielem Beifall herausgibt, 
und solche bloss um der Censur-Freiheit willen in Esslingen drucken 
lässt, durch ein Promemoria seine Neigung zu erkennen gegeben 
habe, auch diese Schwäbische Chronik in der Verbindung mit dem 
Schwäbischen Merkur in der akademischen Buchdruckerei drucken zu 
lassen, wenn ihm, gleich den meisten andern Zeitungsschreibern in 
andern Staaten und Residenzen, auf seine Gefahr die Censur-Freiheit 
von seinen beiden Zeitungen, von deren einer er sie durch den Aus- 
weg der Reichsstadt Esslingen ohnehin schon geniesst, gestattet, ' oder 
wenigstens nur auf eine anderwärts gewöhnliche akademische Censur 
eingeschränkt würde," mit dem Antrag auf höchste Bewilligung unter 
der Bedingung des'Wfeglassens des Druckorts und des Privilegiums 
und mit dem Ausdrucke der Hoffnung, „dass es bei Eiben mit ge- 
ringerer Gefahr als bei dem Hofdichter Schübart geschehen könne" 
und mit der weiteren Bemerkung, „dass sehr oft zum Lob des Staats 
oder einzelner Anstalten und Personen in demselben (Blatt) etwas 
gesagt werden könnte, das in eine privilegirte Hofzeitung einzurücken 
wider die Bescheidenheit wäre," worauf auch durch Entschliessung des 
Herzogs vom 14. November für beide Blätter die Censur-Freiheit 
„unter der Bedingung, dass letztere (Chronik) in Meiner hohen Karl§- 
schule gedruckt werde", bewilligt ward. 



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- 157 — 

Eiben starb von Jedermann hochgeschätzt den 4. Februar 
1829 im 76. Jahre seines Alters. 

Seine Gattin war seit 1. October 1789 Caroline Angnsta 
Magdalena, eine Tochter des Herzoglich Württembergischen Regie- 
nmg8rathes in Stuttgart Karl Friedrich Fenerleln. Kinder: 

1. Anguste Sophie, geb 2. Dec. 1796, verm. seit 30. Nov. 1816 
mit dem Kameralverwalter, nachmaligen Oberfinanzrath Ludwig 
Friedrich von Jäger. 

II. Julie, geb. 3. April 1803, verm. 1820 mit dem Hofcaplan, 
Professor Gymn. Aug. Eberhard Carl Cless, Sohn des Advocaten 
und Oberamtmanns zu Königsbronn Carl Maximilian Cless. 

III. Albrecht Carl Willibald Eiben, geb. zu Stuttgart 31. Juli 
1790, f 18. December 1854, Redacteur des „Schwäbischen 
Merkurs", verm. 6. Aug. 1819 mit Wilhelmine, Tochter des 
Studienraths-Directors Friedrich Gottlieb von Süskind. Kinder : 

1) Louise Sophie, geb. 31. Juli 1820. 

2) Herrmann Otto Carl, geb. 30. Januar 1823, Dr. jur., 
Chef-ßedakteur des Schwab. Merkurs, 1871—76 Mitglied 
des deutschen Reichstags, seit 1868 Mitglied der württem- 
bergischen Kammer der Abgeordneten für Böblingen, Prä- 
sident des schwäb. Sängerbundes, Ehrenbürger der Stadt 
Böblingen, verm. 2. März 1848 mit Sophie, Tochter des 
Oberamtsrichters Kapff. Kinder: 

a) Hildegard Franziska Wilhelmine, geb. 16. Febr. 1849, 
verm. 5. September 1868 mit Emil Engelmann, Kauf- 
mann in Stuttgart. 

b) Adelheid Sophie Caroline, geb. 5. Mai 1850, vermählt 
18. Oct. 1873 mit dem Gamisons-Auditor in Ludwigs- 
burg Schwab. 

c) Hedwig Luise, geb. 8. Mai 1856. 



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— 1 58 — 

d) Carl Sixt Ludwig, geb. 4. Februar 1855. 

e) Friedr. Otto Manfred, geb. 15. Juni 1861. 

f) Hermann Arnold, geb. 3. April 1865. 

IV. Eduard Eiben, geb. zu Stuttgart, 28. April 1792, starb un- 
vermählt als Königlich Wörttembergischer Oberlieutenant zu 
Mergentheim. 

V. Ernst Martin Emil Eiben, geb. zu Stuttgart 11. August 1795, 
t 9. Octobcr 1873 im 79. Jahre seines Alters, Dr. phil., 
Mit-Herausgeber des „Schwäbischen Merkurs", verm. 4. Mai 
1823 mit Louise Angnsta Leopoldine, Tochter des Kaufmanns 
in Stuttgart, Johann Nepomuk Leopold Friedrich Conrad!,* 
Sohns des t Hof kammer-Renovators Conradi in Bretten. Kinder : 

1) Louise Angnsta Sophie, geb. 30. April 1824, verm. 10. 
Jan. 1847 mit Adolf Mohl, Kaufmann in Stuttgart. 

2) Emilie Theophanie Marie, geb. 8. Oct. 1830. 

3) Marie Panline, geb. 18. Mai 1833, 1 1866, verm. 7. Mai 
1850 mit Aug. Wilh. Bothermundt, Kaufmann in Stuttgart 

4) Mathilde Sophie, geb. 31. Oct. 1836, verm. 15. Mai 1860 
mit Ernst Gaab, Dr. phil., Pfarrer. 

5) Sophie Charlotte, geb. 6. Juli 1841 t 5. Oct % 1853. 

6) Anna Marie, geb. 13. Aug. 1845, verm. mit dem Gatten 
ihrer vorbenannten t Schwester Aug. Wilh. Bothermundt. 

7) Angnste Panline, geb. 25. März 1847, verm. 4. September 
1866 mit Emil Eduard Otto Ege f Gutspächter des Schwörzer- 
hofs bei Neckarsulm. 

8) Christian Leopold Eduard, geb. 12. Sept. 1825, Rechts- 
consulent und Redacteur des Schwäbischen Merkurs, verm. 



* Einer der Söhne Conrodi'e, Arthur Conradi, Chef des Handlungshauses Carl 
Feuerlein, vom Februar 1866 bis Juli 1858 Abgeordneter der Stadt Stattgart, früher Mit- 
glied des Gemeinderaths und Bürgeranaschusses von Stuttgart, starb 23. Januar 1868 im 
55. Jahre seines Alters. 



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— 159 — 

5. Apr* 1852 mit Mathilde, Tochter des Präsidenten 
v. Eiben. Kinder: 

a) Charlotte Mathilde, geb. 14. Juni 1854, verm. mit dem 
Gymnasial-Professor in Ulm Ableüer. 

b) Marie Louise, geb. 5. Januar 1856, verm. mit dem 
Major im Generalstab der 26. (1. Königl. Württemb.) 
Division .Johann von JDetünger. 

c) Elisabeth, geb. 15. November 1860. 

d) Emil, geb. 13. Mai 1853, Landwirth. 

e) Christian Leopold Eduard, geb. 27. Mai 1862. 
Gustav, geb. 12. August 1864. 

9) Wilhelm Gustav Carl, geb. 19. Mai 1838, Kaufmann in 
St. Petersburg, verm. zu Frankfurt a./M. 16. Febr. 1863 mit 
Anna Katharina Emma Brofft, geb. zu Frankfurt 21. April 
1838. Kinder: 

a) Louise Johanna Emma, geb. zu Petersburg 20. Nov. 1863. 

b) Julius Friedrich Robert, geb. zu Pau 13. Dec. 1864. 

c) Adolf, geb. 12. Mai 1867. 

10) Adolph Gustav, geb. 6. Januar 1840, Kaufmann zu St. 
Petersburg, f 12. Mai 1867, verm. zu Petersburg 6./18. Juli 
1864 mit Agathe, geb. Bartelink, geb. 16. Juni 1842. 
Kinder: 

a) Clara Agathe, geb. zu Petersburg 24. October 1865. 

b) Marie, geb. zu Petersburg 18. Jan. 1867. 

VI. Gustav von Eiben, geb. zu Stuttgart 27. Januar 1797, Dr. 
jur., Oberfinanzrath, Präsident der Oberrechnungskammer und 
Ablösungscommission, Commenthur II. Cl. des Friedrichs-Ordens, 
Bitter des Kronordens. 



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1Ü0 



Derselbe begann seine dienstliche Laufbahn im Jahre 1820 
als Gerichtsaktuar in Cannstatt und trat, nachdem er kurze Zeit 
als Rechtsconsulent practicirt hatte, 1§23 ins Finanzdepartement 
als Assessor der Finanzkammer in Reutlingen ein. 

1832 zum Justitiar der Oberzolladministration ernannt, 
wurde er im darauffolgenden Jahre zum Ministerium berufen, 
wo er 1847 mit der Stelle des vortragenden Baths und 1858 
mit dem Direktorium der Ablösungskassen -Commission be- 
traut ward. 

Sein unermüdlicher Fleiss, seine vorzügliche Tüchtigkeit 
und Berufistreue erwarben ihm überall die grösste Anerkennung. 
Eiben starb den 27. August 1869 zu Stuttgart. 

Uneigennützigkeit und eine tiefe, echte Humanität waren 
seine Charakterzüge. Nichts Hohes war ihm fremd, aber auch 
das Geringste fasste er mit edlem Sinne an; und wie er im 
persönlichen Verkehr den Höheren gern alle Ehre gab, so 
machte er, ungeachtet einer oft förmlich scheinenden Ausseu- 
seite, den unter ihm Stehenden und den Bedrängten jeder Stufe 
es leicht, sich mit Vertrauen ihm zu nähern. 

Seine Gattin war seit 10. Nov. 1825 Charlotte, Tochter des 
Obertribunaldirektors von Pfizer. Kinder: 

1) Emilie Sophie Charlotte, geb. 9. September 1826, verm. 
28. Juni 1847 mit August Otto Nathanael Kösttin, Dr. und 
Professor am Gymnasium in Stuttgart. 

2) Mathilde, geb. 28. September 1830, verm. 15. April 1852 
mit Christ. Leop. Eduard Eiben, Rechtsconsulent und 
Redakteur. 

3) Ottllie, geb. 3. Januar 1836, verm. mit Stadtdekan Teich- 
mann in Stuttgart. 

4) Christian Carl tinstav, geb. 6. Oct. 1832, Staatsanwalt, 
Kreisgerichtsrath in Esslingen bei der Strafkammer des 



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- 161 - 

Kreisgerichtehofs, verm. 3. September 1863 mit Louise, 
Tochter des Ober-Pinanzraths Dr. v. Fischer in Stuttgart. 
Ans dieser Ehe gingen 3 Kinder hervor. , 

VII. Ernst Eiben, geb. zu Stuttgart, 25. October 1798, Med. Dr., 
Kaiserlich Russischer Militärarzt. Derselbe wurde , kaum von 
einer bedeutenden Krankheit genesen, von Kalarasch nach Si- 
listria berufen und erlag dort einem durch die Anstrengungen 
seines Berufes herbeigeführten Nervenfieber 17. November 
1829. 

VIII. Albert Eiben, geb. in Stuttgart 26. November 1806, f 5. Juli 
1861, Fabrikant in Pfullingen, verm. 26. November 1832 
mit Wilhelmine Christiana, Tochter des dortigen Stadtraths 
Ernst Ludwig Philipp Laiblin. Kinder: 

1) Albert, geb. 18. Februar 1834, verm. zu Pfullingen 
19. Mai 1857 mit Pauline Krauss, geb. zu Adolzfurth 
3. Februar 1832. Kinder: 

a) Amalie, geb. 5. August 1861. 

b) Eduard, geb. zu Neu-ulm 17. Juli 1858. 

c) Oscar, geb. 26. Januar 1863. 

IX. Otto Eiben, geb. zu Stuttgart, den 17. December 1813, 
Med. Dr., Ober-Medizinalrath in Stuttgart, f 27. September 
1876. 

Gattin: seit 3. Juni 1841 Emilie, Tochter des Ober- 
tribunal-Direktors von Pfizer, 9. Febr. t 1862. Kinder: 

1) Clotilde, geb. 8. Juni 1843, verm. 20. Februar 1868 mit 
Theodor Friedrich Schott, Professor, Bibliothekar. 

2) Carl Rudolph, geb. 24. März 1846, prakt. Arzt in Stutt- 
gart, vermählt seit 1875 mit Fanny, Tochter des Staats- 
rats v. Mayer, welcher Ehe 2 Kinder entsprossten. 

t. Q«>r9ii-G«>rgtnau, Biographisch-Genealogische Blätter etc. 11 



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- 162 — 

Ebenfalls hieher gehören: 

Johann Christ. Eiben, Brnder des Eingangs erwähnten Christ. 
Gottfried Eiben, Pfarrer in Fellbach, t 1805. Söhne: 

Christoph Eiben, f 1847 als Stadtpfarrer in Heimsheim. 

Dessen Sohn: Christoph Eiben, t 1875, Oberamtsrichter in 
Ravensburg. 



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Elwert. 



Philipp Ton Elwert, geboren zu Wianden in Luxemburg, war 
Kaiserlicher Rittmeister und wurde als solcher von Kaiser QMaximi- 
lianIL den 20. September 1576 geadelt. Sein Sohu Philipp Jacob 
ton Elwert, Kaiserlicher Obristlieutenant, fiel 1596 im Kriege. 
Dessen Sohn, Hleronlmus Ton Elwert, starb zu Wertheim 1639 und 
hinterliess Johann Philipp Elwert, geb. zu Wertheim 5. April 1621, 
welcher später Superintendent und Nassauischer Consistorialrath in 
Idstein geworden ist. Näher bekannte Söhne des Letzteren: 

I. Philipp Jacob Elwert, Consulent in Speyer, gest. 1607. Sohn: 
Johann Philipp E., Physikus in Reutlingen, in Vaihingen. Sohn 
dieses Letzteren: 

Johann Friederich, t 21. März 1787, Leibarzt in Stuttgart. 

II. Nieolans Caspar Elwert, Kur-Mainzischer Leibarzt. Sein Sohn 

Carl Elwert war Amtmann und Kammerrath in Dornberg und 

starb 1774. 

111. Johann Philipp Elwert, Physicus in Reutlingen anno 1680. 

Gattin : seit 3. Juli 1680 Margaretha Maria, Tochter des 

Superintendenten von Reutlingen Christoph Ensiin. Söhne: 

1) Michael, Physikus in Reutlingen. 

2) Johann Philipp Eberhard Elwert, Oberhelfer daselbst. 

Gattin: Anna Maria, geb. Cless, aus welcher Ehe 4 
Söhne und 1 Tochter hervorgiengen. 

3) Johann Georg Elwert, Pharmaceut und Bürgermeister in 
Heidenheim. 

4) Jon Christoph Elwert. 



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— 164 - 

IV. Johann Philipp von Elwert, Rathsherr in Strassburg. Der- 
selbe trat zum Katholicismus Aber und Hess sich seinen Adel, 
den sein Vater aufgegeben hatte, wieder erneuern. 
Ebenfalls hieher gehören: 

Immanuel Gottlieb Elwert, Physicus in Cannstatt. — 
Johann Gottfried Elwert, Rector in Reutlingen, Spitalpfarrer 
daselbst, zuletzt Pfarrer in Wannweil 1754. — 

Philipp Eberhard Elwert, Sohn des Vorigen, ebenfalls Rector 
und Spitalprediger in Reutlingen, Pfarrer in Ohmenhausen 1785, 
t 31. 0#>ber 1816. - 

Dr. Elwert, Hofmedicus, vermählt mit Hedwig Eleonore Char- 
lotte, Tochter des Regierungsraths und Stadt-Oberamtmanns in Stutt- 
gart Georg Christof Maximilian Grlesinger. Sohn : 

Eduard von Elwert, Dr. Theol., geb. 22. Februar 1805, früher 
Helfer in Nagold, dann Professor der Theologie in Zürich 1836, 
hierauf Pfarrer in Mötzingen 1838, später Professor in Tübingen 
1839, auf die Pfarrei Mötzingen zurückgetreten 1841 unter Vorbe- 
halt von Titel und Rang eines Universitäts-Professors, t als Ephorus 
in Schönthal und Ritter I. Cl. d. 0. d. württembergischen Krone und 
des Fried.-0. 1865. 

Seine Gattin war Emilie, Tochter des Geh. Legationsraths Chri- 
stian Ludwig von Bilflnger in Stuttgart. Kinder: 

I. Emilie Charlotte Marie, geb. 24. September 1836 in Zürich, 
war vermählt mit dem f Waisenhausrector in Markgröningen 
Ernst Hory. 
II. Anna, geb. zu Tübingen 19. März 1841, verm. mit dem 
Rector der Mädchenmittelschule und Redacteur des Evangelischen 
Kirchen- und Schulblatts in Stuttgart Otto Herrmann. 



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Entringer. 



„Als in Anno 1534 Hertzog Ulrich von Wirtemberg noch 
„seiner Land und Leute entsetzet, und neben andern getrewen Wir- 
„tembergischen Dienern auch Hanns Enttrlnger, vieljähriger Guardi- 
„Soldat auf Höhen-Tübingen, beurlaubt gewesen, hat gomelter Entringer 
„nichtsdestoweniger sein gewohnlich Hofkleid mit Hertzog Ulrichs 
„Hoffarbe auff den Ermein gemacht : „Mit Frewden hindurch ge- 
bühret" und sie nicht herab thun wollen. Auff ein Zeit hat gemeldter 
„Soldat zu Tübingen auff dem Bahthauss ein Zech gethan, und als er 
„wollen wider heimb gehen, hat er auff dem Markt ein Jauchtzer 
„gelassen und geschryen: „Hie gut Wirtembergisch Grund 
„und Boden." Solches ist dem damaligen Undervogt zu Tübingen, 
„Conrad Breming (Breuninger), angezeigt worden, der hat nach ge- 
„meldtem Soldaten geschickt, ihn hart angeredt: Mändle, Mändle, was 
„hast gestern für ein Geschray auff dem Markt gehabt? Der gute alte 
„Soldat hat sich verantwortet so gut er gekönt, er hab einen guten 
„Trunck gehabt, und an seinen alten Herren gedacht, der ihm viel Gutes 
„gethan: wegen seiner langwürigen Dienst, bittet umb Verzeihung, mit 
„dem Versprechen, es müss nicht mehr geschehen. Der Vogt gab ihm 
„den Beschaid: Mändle, Mändle, magst jetzt wohl heimb ziehen; wann 
„ich deines Alters nicht verschonte, (dann er zur selben Zeit Ein und 
„Neuntzig Jahr alt war) müstest du neben dem Kopff hingehen, wo er 
„aber solche Beden mehr von ihm hörte, wolle er seiner nicht schonen. 
„Aber diser alte Soldat hat erlebt, dass Hertzog Ulrich von Wür- 
„temberg Tübingen wider erobert, hat gelebt biss Anno 1546 als er 
„Hundert und Drey Jahr alt worden , und nur vierzehen Tag vor 



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— 166 - 

„seinem End noch über den Wöhrt von einem Thor zu dem anderen 
„gegangen. 

„Dem auch Hertzog Ulrich, wegen seiner ßedligkeit, (darumben 
„er auch auff der NeckarBrucken von einem trewlosen Mann hinckend 
„geschlagen worden) ein Leibgeding, und alle Jahr ein Hofkleid geben, 
„mit der Hoffarb : „Mit Frewden hindurch," welches er biss in sein 
„End getragen, wie sein, dess Soldaten, Contrafeht aussweiset, welches 
„sein Sohn, Nicolaus Entringer, Prior zu Weingardten, hatt mahlen 
„lassen. Hingegen hat der Soldat nicht allein erlebt, dass Hertzog 
„Ulrich ist wider einkommen, und er kecklich hat dörffen sagen: 
„Hie gut Würteinbergisch Grund und Boden," und bey 
„dem Hertzogen in allen Gnaden gewesen, sondern dass gemeldter Vogt, 
„Conrad Breuning, müssen ausreissen. Sonston er ungestraft nicht 
„davon kommen were. Dieser Hans Entringer ist zwayer Geistlichen 
„Vatter, und dreyer fürnehmer Theologen Schwehr worden. Sein auch 
„von ihme innerhalb 100 Jahren, bey 300 Personen, so bey Kirchen, 
„Policey, hohen und nieder Schulen, ansehnliche und gute Dienste ge- 
„than, (darunter 70 Doctores zehlen) entsprungen." 

Ehre dem braven biedern Schwaben Entrluger, der den Wahl- 
spruch „Furchtlos und treu" zur Wahrheit machte! 



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Enzlin, Enslin. 



M. Johann Enslin (Enslin), Herzogl. Württembergischer Kirchen- 
rath, zeichnete sich dadurch besonders ans, dass er, der vom Jahre 
1567 bis 1584 Director des damals gemeinschaftlichen Consistorinms 
und Kirchenraths war, nach Niederlegung dieser Stelle ohne Murren 
die Demüthigung ertrug, in der bescheidenen Stellung eines einfachen 
Baths den Sitzungen auch fernerhin beizuwohnen. 

Er starb, nachdem er seinen Sohn noch in höchsten Gnaden 
bei Herzog Friedrich gesehen, noch vor dessen Fall, den 23. April 
1601. Seine Gattin war Maria, eine Tochter des 1570 verstorbenen 
bekannten thätigen Reformators Württembergs Matthäus Alben», 
welcher eigentlich AuXber hiess, indess nach der Sitte der Zeit den 
vorbenannten lateinischen Namen annahm. — 

Matthäus Enzlin, Sohn des Vorigen, geb 16. Mai 1556 (nach an- 
derer Quelle 17. März 1558), studirte zu Tübingen Jurisprudenz, doc- 
torirte 1577 und schwang sich bald vom Rechtslehrstuhl, auf dem er 
sich als Professor zu Heidelberg 1579, (woselbst er 1583 das Rec- 
torat sowie die Stelle eines Kurmainzischen Raths bekleidete), sowie 
später im Jahre 1585 als Professor Jur. in Tübingen in verdienten 
Ruhm gesetzt hatte, unter dem am 8. August 1593 au die Regierung 
gekommenen Herzog Friedrich I. von Württemberg-Mömpelgard, einem 
Herrscher von starker Willens- und Thatkraft, aber in Grundsätzen 
der französischen Gewaltherrschaft erwachsen, zur höchsten Stelle im 
Lande, zum Geheimen Rathe und dirigirenden Kanzler, empor. 

Der „Geschichte der Württembergischen Vesten Hohenurach und 
Hohen-Neuffen und ihrer merkwürdigsten Staatsgefangenen" Stuttgart 
1838, entnehmen wir* Folgendes ; «Der Herzog fand beim Antritte 



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— 168 — 

seiner Regierung eine im Lande verbreitete geistliche wie weltliche 
Familienaristokratie vor, einen Verwandtschaftshimmel, vom gemeinen 
Volk das Vetterlensgericht genannt. Diese Aristokratie, bisher ge- 
wöhnt eigenmächtig zu herrschen und sich in die Staats- und Kirchen- 
ämter zu theilen, fühlte sich jetzt die Zügel entschlüpfen, als Enzlin 
ans Ruder kam, ein Geschäftsmann wie ihn der Herzog, was Raffi- 
nement und Energie betrifft, nicht besser hätte finden können. 

Mit Widerwillen und nur aus Geldnoth hatte der Herzog auf dem 
ersten Landtage den Tübinger Vertrag, die Grundveste der Verfassung, 
angenommen, denn als Fürst von übermässiger Energie hatte er keine 
grosse Lust, die Landstände über seine mancherlei Projecte erst zu 
fragen. Um von diesem lästigen Verhältniss sich wieder loszumachen, 
berief der Herzog nach mehreren misslungenen Versuchen am 16. März 
1607 einen weiteren Landtag zusammen, auf dem Enzlin in Betracht 
der Unmöglichkeit, den Wunsch seines Monarchen nach Alleinherr- 
schaft auf einen Schlag zu bewerkstelligen, das Ziel mit feiner List zu 
erschleichen gedachte, indem er die Aufhebung des Tübinger Vertrags 
von Weitem einzuleiten suchte, und zwar unter Angabe, es bedürften 
die einzelnen Punkte des Vertrages der zeitgemässen Erläuterung. 
Fürst und Diener erreichten, wie bekannt, wirklich theilweise 
ihre Absicht. Allein, nachdem der Herzog am 29. Januar 1608 
gestorben war, ward Enzlin das Opfer, und es führte ihn nuu sein 
Verhängniss stufenweise bis zum Tode. 

Wohl begnügte sich der neue Herzog mit des Kanzlers Ent- 
lassung, aber die Gegenpartei fühlte sich vor Enzlin s Ränken nicht 
sicher und wollte ihn noch ihre Zurücksetzung unter seiner Verwal- 
tung auf's Grimmigste fühlen lassen. 

So gelangte Enzlin auf die erste Stufe, die den Zweck haben 
sollte, ihn durch gerichtliche Infamirung politisch todt und unschädlich 
zu machen; hieran reihte sich im Laufe des Processes der übrigens 
nicht vollständig erwiesene Vorwurf des Eingriffes in die geheime 
Truhe, und dadurch gelangte er in Folge der Anklage des Wuchers, 
Geizes, der Bestechlichkeit, des Diebstahls Aid Meineides auf die 



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— 169 — 

zweite Stufe eines peinlich Beklagten, einer Anklage, der er, da man 
ihm die Wahl zwischen oinem peinlichen Prozesse, dessen Ende er 
wohl voraussehen konnte, und dem ewigen Gefängnisse liess, dadurch 
entgieng, dass er tlas letztere w&hlte. Auf diese Weise bekannte er 
sich zugleich schuldig und musste wegen ungetreuer Verwaltung 
119,496 Gulden nebst den Arrest- und Untersuchungskosten bezahlen, 
dabei inbegriffen Rückerstattung aller erhaltenen Gnadengeschenke und 
Beschlagnahme seiner Güter (er besass mehrere Dörfer, darunter Hoch- 
dorf) und Vermögensbann. 

Auf die dritte und letzte Stufe endlich gelangte er, indem er 
selbst im Kerker, wo er 5 Jahre und 8 Monate, theils zu Stuttgart, 
theils zu Hohen-Neuffen and Hohen-Urach, vom Frühjahr 1608 bis 
Spätjahr 1613 zubrachte, und von wo aus er durch Bestechung in 
Verbindung mit seinen Söhnen einen Process beim Reichs-Kammer- 
gericht zu entspinnen gewusst hatte, nicht aufhörte gefährlich zu sein. 
Nachdem Endin von Hohen-Neuffen nach Hohen-Urach gebracht war, 
bestach hauptsächlich Enzlins jüngster Sohn den dortigen Comman- 
danten Johann Schweizer sowie 2 Gardeknechte, worauf Schtoeizer 
nebst einem der beiden Soldaten durch ein Kriegsgericht, bestehend 
aus 24 Personen, am 5. Juli 1613 unter freiem Himmel nach 
uraltem deutschem Herkommen und Kriegsgebrauch auf dem Markt- 
platze zu Urach zum Tode verurtheilt wurde, während der andere 
Soldat, der die Sache wie es scheint verrathen hatte, auf ewig Landes 
verwiesen wurde. 

Enzlin selbst musste der Eiecution beiwohnen; es war das 
Vorspiel seines eigenen Todes. 

Da Enzlin zuletzt abermals seine Freiheit durch Bestechung des 
neuen Commandanten Ludung van Weüer bewerkstelligen wollte, wurde 
ihm sofort der peinliche Process gemacht und das Todesurtheil verkün- 
digt, auf das ihn dann vier Tage lang zwei Geistliche vorbereiteten. 

Die Eiecution geschah auf derselben Stätte, wo den Sommer 
zuvor Commandant Schweizer und der Gardesoldat geendet hatten, 
22. November 1613. 



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— 170 — 

So traurig schloss das Leben eines Mannes, der in vieler Hin- 
sicht mit ausgezeichneten Geistesanlagen begabt war, und der wohl 
desshalb gleich zu Anfang des ihm erstmals gemachten Processes, aus 
Angst vor dem Folterzwang, im Andenken vielleicht- an die furchtbare 
Marter, die einst Conrad Breuning erlitten hatte, die Verteidigung 
aufgab und alle Beschuldigungen auf sich liegen liess, um nur den 
Leib unversehrt davon zu tragen. 

Des Eingriffs in die geheime Landsehaftstrnche konnte er, wie 
schon oben bemerkt, wenn auch noch so verdächtig, doch nicht über- 
wiesen werden. Wegen seiner Motionen aber gegen den Tübinger Ver- 
trag konnte man auch der Landtagsversammlung den Vorwurf machen, 
dass sie nicht, da doch im Wege der Verhandlung zu Werke gegangen 
ward, den gleich beharrlichen Widerstand geleistet, den ihre Vorgänger 
bewiesen hatten. Die Begnadigung aber, die er von dem Fürsten 
zu hoffen hatte, ward ihm aus leidenschaftlichem Hass seiner mächtigen 
Gegner vereitelt. Sein zweiter Process war ein durchaus tumul- 
tuarisches Verfahren; die Handlungen, die ihm da zur Last fielen, 
waren Desperationsversuche; das Ziel seiner Widersacher lag klar 
vor Augen, sie wollten um ihrer Ruhe willen ihn sich um jeden 
Preis vom Halse schaffen.» 

SpitÜer, nach Durchforschung von Enzlins Processacten, äusserte, 
er habe den Mann sich vorher anders gedacht, als er ihn gefunden. 
Ob zu seinem Vortheil oder Nachtheil? wird nicht gesagt. Doch 
urtheilte ein Bruder des Geschichtschreibers, der Oberamtmann Spitüer* 
der auch Auszüge aus Enelins Process, vielleicht von seinem Bruder, 
besass, es sei ihm zu viel geschehen. 

Enzlins Gattin, Sabina, Tochter des J. U. Dr. und Professors, 
auch Herzogl. Württembergischen und Brandenburgischen Hofraths, 
Nicolaus Yarnbfihler, und die zwei ältesten Söhne wandten alles an, 
um den Vater zu befreien; die Letzteren, die beim Eammergericht 
zu Speier angestellt waren, waren selbst an des Kaisers Hof gegangen, 
die Freilassung des Vaters zu verlangen. 

Die Familie selbst hatte allerdings gerechte Ursache zur Jfcr 



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- 171 — 

seh werde, insofern durch den Vermögensbann auch Schwiegersohn 
und Bruder unschuldig belastet, die Strafe auf ihre Kinder erstreckt 
war, und so der Rachedurst in ungerechter Weise den Buin der 
ganzen Familie bezweckte. 

Parlamentarische Angriffe, die vor Jahren auf den deutschon 
Reichskanzler Fürsten von BismarcJc gemacht wurden, bewogen den- 
selben zu der allgemein bekannt gewordenen Aeusserung, dass wir 
nicht mehr in Zeiten leben, in welchen einem Kanzler wegen politischer 
Uebergriffe der Kopf abgesprochen werde, wie diess einst, so viel er 
sich erinnere, in Schwaben vorgekommen, bei dem Württembergischen 
Kanzler Enelin. 

Ebenfalls diesen Namen führten: 

Christoph Enslln, geb. 1573 als Sohn des Conrad Enslln und 
der Susanna Glaser, deren mütterlicher Urgrossvater Alexander Glaser 
sich in dem der Reformation ergebenen Aalen niedergelassen hatte; 
studirte Theologie, wurde Diaconus zu Urach 1599, zu Sindelfingen 
Morgen-Frediger und Dekan des Capitels zu Reutlingen 1610, auch 
Senior and Superintendent. Er starb, allgemein beliebt als treueifriger 
Seelsorger namentlich während der Pestzeit, 12. Juni 1657, seines 
Alters im 83., seines Pfarramts im 58. Jahre. 

Gattinnen : I. Agatha Wolf, welcher Ehe 6 Kinder entsprossten ; 
II. Margaretha, Wittwe des Herzogl. Secretarius Martin Seidel. — 

Georg Ernst Enslin, geb. zu Ludwigsburg 30. Januar 1731, 
Pfarrer zu Wolfenhausen, hinterliess mehrere Schriften. — 

Johann Balthasar Enslln, geb. als Sohn des Reichshofraths 
Balthasar Enslln, war fJyndicus der Stadt Giengen und starb 1660 
mit Hinterlassung von drei Söhnen , von denen sich mehrere in 
kaiserlichen Kriegsdiensten auszeichneten. 

Dm Fürstlich WArttembergltche Dienerbach enthält folgende Enslin (Enss- 
lin, FMlslin): Geh. Bath 687. - Carl Fried-, BechenbankaRath 154. — Hans, Cantelei- 
AdYoc. 92. — Jae. Fried., Vogt 446. — Joh., ExpecLBath 143 ; Factor 449 ; Gen.Factor 
308; KirchenB.Director 141; Landach Einnemer 558; Scholtheisa 520; Stiffte- Verwalter 
654. — Joh. Joe., Amptmann 291, 33«. — Joh. Frid., Cl Pfleger 263, 278. — Joh. Uonh. 
HanbtaoUer 460. — Joh. Max., TutelarSecretar. 99. — Matthäus, Geh. Regün.Kath 21. — 
.V« . Wilh , CLPfleger 264, CLVerwalter 263. 



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Essich. 

Eine alte Familie, welcher in der Person Georg Essictis von 
Kaiser Karl V. d. d. Augsburg 20. August 1530 „von wegen der 
getreuen und nutzlichen Dienst, so Er Uns und dem Heiligen 
Reiche bissher offt williglich gethan hat und noch hinfuhr ktrafftig- 
lich wohl thun mag" ein noch heuzutage im Besitze des Herrn Hof- 
domänenraths von Essich befindlicher Wappenbrief verliehen wurde. 

Johann Georg Essich, aus einer oberösterreichischen Familie, 
deren Nachkommen Ober 100 Jahre lang die Vogteien zu Bulach 
und Wildbad inne hatten, abstammend, wurde den 22. Februar 1645 
geboren. Sein Vater, Johann Georg E., geb. 1617, war Stadt- 
schreiber zu Vaihingen, hernach Amtsschreiber zu Maulbronn und 
Stifter eines Stipendiums; die Mutter war Anna Maria, des Vogts 
zu Maulbronn Anselm Rieger Tochter; der Grossvater Jaoob E., 
geb. 12. Juni 1582, Bürgermeister von Bulach, vermählt I. mit 
Anna, geb. Korn; II. mit Maria, Tochter des Kellers zu Wildberg 
Georg Fischer; der Urgrossvater Johann E., Bürgermeister von 
Bulach f 1601 ; die Urgroßmutter Elisabeth Catherine, geb. 
Schauber,* t 14 M Febr. 1605; der Urur- Grossvater Bartholomäus 
E., Vogt von Bulach, f den 23. März 1584; der Ürur-Urgross- 
vater Georg E., geb. 1490, Vogt von Bulach und Wildbad, er- 
hielt den oben erwähnten Wappenbrief; die Urur - Urgrossmutter 



* Eine altangesehene, noch heutzutage durch Ctory Schoubvr, vermählt mit 
MathHd«, geb. Fi&her, vertretene Calwer Familie, 



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— 173 - 

Sabin», eine Tochter des Vogts von Cannstatt Conrad Fautt,* 
welcher im Jahre 1515 den Herzog Ulrich der Begierung entsetzen 
wollte und daher 1517 enthauptet wurde; weitere Ahnväter Math. 
Essleh in Bulach und Sebastian Essich, geb. 1460 , aus der Ober- 
Thönach in Tyröl, welch letzterer mit Einschluss seiner 5 Kinder 
(ein 6. kam nach) vom Pabst Alexander VI. und dem Cardinal 
Raymund einen Indulgenz -Brief d. a. 1502 erhalten hat. 

Johann Georg, der Erstgenannte, widmete sich dem Studium 
der Theologie, magistrirte 1664, wurde 1667 Unter-Präceptor im 
Kloster Blanbeuren, hierauf Diaconus zu Göppingen 1671, Ober- 
Präceptor zu Blanbeuren 1668, Pädagogarch zu Stuttgart 1683, 
in welcher Stellung er die jetzige Form dieses Gymnasiums schuf, 
auch bald darauf die Ernennung zum Rector dieser Anstalt erhielt. 
Zuletzt zum Rath und designirten Prälaten zu St. Georgen ernannt, 
starb er allgemein hochgeschätzt den 6. October 1705 zu Stuttgart. 
Er schrieb die bekannte Essich'sch* , von Volz 1773 fortgesetzte, 
Weltgeschichte. 

Seine Ehegattin war seit 1671 Anna Juditha, Tochter des 
Bürgermeisters von Blanbeuren Veit Deschler, aus welcher Ehe fol- 
gende Kinder den Vater überlebten: 

I. Maria Juditha, vermählt mit dem Herrenalbischen Pfleger in 

Vaihingen, Heinrich Andreas Leissler. 
Tl. Johann Georg Essich, Herzoglich Württembergischer Geheimer 
Secretär und ßegierungsrath in Stuttgart. Dessen Sohn: 
Victor Stephan Essich, ** geb. den 2. März 1709, Hofrath und 
Oberamtmann zu Besigheim, starb zur Zeit einer Kälte, welche 
der von 1709 gleich war, 21. Januar 1775. Ein Sohn dieses 



* Beul Vater, Johannes Fautt (Vautt, Voyt) genannt zum Stock, Schultheis* In 
ZnJfenhanaen, war mit Elisabeth, einer geb. Edlen von Plieninoer vermählt; eine »einer 
Töchter Agnat beirathete nachmale den Bürgermeister Gallus Sehweickhardt. 

** Als »eine Taufpatben finden »ich im Stuttgarter Taufbuch verzeichnet : Ihro 
Durchlaucht der Begierende Hertzog. Die rerwittibte Frau Hertzogin. Die Prinzessin. 
Frau Anna Juditha R—ich, Rector in. M. Johann David ürieh , Pfarrer zu Oüglingen. 
B. Beinrieh Andreas Leuuler, Pfleger zu Vaihingen. 



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— 174 - 

Letzteren, Philipp Friederich Jacob E., war im Jahre 1776 
Pfarrer zu Heumaden. 

Ebenfalls hieher gehört: 

Jacob Essich, Bruder dos vorerwähnten Prälaten, Kaiserlicher 
Notar, Herzoglich Württembergischer Rath und Universitäts-Secretär 
zu Tübingen 1703, vermählt seit 23. Januar 1683 mit Maria Elisa- 
betha, einer Tochter des Special-Superintendenten und Stadtpfarrers 
zu Vaihingen an der Enz M. Gottfried Coehorst, Sohn des Schwä- 
bischen General Münz-Wardeins gleichen Namens. 

Im Jahre 1692 war Essich genöthigt, nach der unglücklichen 
Schlacht bei Oetisheim die Flucht zu ergreifen. Seine Gattin verlor 
1693 durch die Einäscherung Vaihingens ihr Haus daselbst. Sie 
selbst starb bei der Geburt eines Töchterleins den 9. Juli 1703. 

Ein von dem Gatten auf ihren Tod gemachtes Gedicht lautet: 

1. 

,,Ihr Entz-» und Neccar-Flüss,t> nemmt meine Thränen an 
Lasst Euren schlanken Laüff durch selbe sich vermehren; 
Weil bei Euch ruhen die, so Ich nun muss entbehren 

Und deren Seelen seynd geraisst die Himmels-Bahn. 

2. 
Ach Entz: an deinem Strand seynd in das Grab gesenkt 
Ein Tochter, ach! drey Söhn,* wo die VorEltern® schlaffen, 



Vayhingen an der Entz, eine liebliche 8taat im Würtembergisohen, hiebevo T 
Gräfliche Residenz. 

Tübingen am Neocar, uralte Universität und andere Haupt-Stadt Im Herzog- 
thumb Würtemberg. 

Zu Vayhingen f Maria Jacobina d. 18. Februar 1690. 

t Georg Gottfried, 9. Martii 1686. f Jacob Israel, 8. Sept 1691. t Jacob 
Cunrad, 10. Sept. 1691. 

t Avia Materna, Maria Jacobina Rothfelderin, 1. Januar 1638. t Anus Matern**, 
Anaheimtu Sieger, Vogt zu Vayhingen , 18. Februar 1640. (Die Gebeine der 
Vor Eltern Vätterlleher Linie, Vogt und Bürgermeister, ruhen von langer 
Zeit in der Berg-Stadt Bulsch.) t Vattcr Johann Georg Esaich , Bfaulbron- 
nischer Arapt-Schreiber , 15. Jnni 1682. f Schwab r-Vattor M. Gottfried Coc- 
homt, Spezlal-Superintendcnt und Stadt-Pfarrer zu Vayhingen, 9. April 1684. 
t Mutter Anna Maria Eeeichin, gebohrene Siegerin, 1. Maji 1689. 



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- 175 - 

Die Krieges Schrecken auch, die leider! Uns betraffen, 
Hinnahmen einen Sohn,' den gleichfalls Gott geschenkt. 
3. 
Der Musen Neccar-Sitz hallt, neben Einem Sohn, 8 
Zwey Töchtern * eingesendet. Ach ! nun muss ich beklagen 
Mein Hertz 1 mein Ander Ich 1 * das zu Grab wir getragen ! 
Wie ? Eltern ? Töchtern ? Söhn ? wie Hertz ? flieht Ihr davon! 

4. 
Doch leben noch vier Zweig, k so lang es Gott gefäll't; 
Ihm leben, sterben wir,* Er hat es Alles geben, 
Er nemmt es wider hin, und schenckt das ewig Leben 
Uns allen, Er ist Herr,m Ihm alles heimgestellt! n 

. An dem Entz- und Neccar Strand laydmüthig 
ausgerichtet von dem Herzbetrübten Wittwer. — 

Job. Gottlieb Essleh verunglückte nnd ertrank als Lieutenant 
des Infanterie-Regiments Württemberg Nr. 56, das häufig auch das 
Indische oder Caper Subsidien-ßegiment genannt wird, 1791 bei der 
Ueberschiffnng des Regiments vom Cap der guten Hoffnung nach 
Batavia auf dem Schiff Schlotterhofen. 

Mehrere Grabmale und Epitaphien der Essictischm Familie 
finden sich noch heutzutage, als: 

Ein Bartholomäus Essich'ncher Grabstein, in der Kirche zu 
Bulach vor dem Altar liegend, bogreift das Essich'sche Wappen und 
trägt folgende Umschrift: 



f. Zu Grossen- Bottwar, wohin nach unglücklicher Oetisheimer Schlacht die 
Flucht über den Neccar genommen wnrde. t Anonymus, 9. October 1692. 

g. zu Tübingen, f Jacob FHedsrirh, 29. Marfcii 1703. 

h. f Sophia Magdalena, 29. November 1698. f Anonyma wenige Zeit vor der 

aeel. Mutter in der Geburt 9. Juli 1703. 
I t üxor Maria Elisabeths Essichin, geb. Coehorstin, bald nach der Geburt. 

9. Juli. 1703 6 hör. mat. 
k- Maria Elisabetha E., Christiana Margarttha E„ Johanna Jacobina E., Jacob 

David Esaich. 
L Rom. c. 14 v. 8. 
m. Job. c. L v. 21. 
n. Psalm 30 v. 6. 



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- 176 — 

Anno Dni. 1584 den 23. Martii starb der Ehrenhaßt und fiirnehm 
Barthclomaeus Essich, Vogt zu Bulaeh 19 Jahr, dessen Leichnam 
hie begraben der fröhlichen Auferstehung warttet. G. M. V. — 

Der Hans Essich'sche Grabstein in derselben Kirche lautet: 
Anno Dnj. 1601 den 18 Tag Novembris starb .... Ehrsam und 
Erbar Hans Essich, zum Zehenden mahl Bürgermeister in Bulaeh. 
Stiftet den Armen dieser Kirchen 40 Gulden. 

Ein weiteres Grabmal: 
Anno Domini 1605 uff den 14. Tag Februarii ist in Christo 
seliglich entschlaffen die Ehrn- und Tugendreiche Fraw Eltsabetha 
Schauberin, des Ehrehafften und fürnehmen Hanss Essich 
allhier zu Bulaeh Eheliche Hauafraw, deren Gott durch 
Christum eine fröhliche Auferstehung verleihen wolle. Amen. 

Der an der Kirchhofemaner daselbst aufgerichtete Grabstein des 
Bürgermeisters Jacob Essich trägt folgende Inschrift: 

Rom. 14. 

Unser Keiner lebt ihm selber, Unser Keiner stirbt ihm selber. 

Sodann unter dem ausgehauenen Essich'schen Wappen: 
Als man Tausend Sechshundert Jahr 

Und dreissig zehlen that fürwar. 
Auf den Sieben Septembris tag 

Zu Bulaeh starb mit grosser Klag, 
Der Ehrnvöst vorgeächte Herr 

Jacob Essich Bürgermeister. 
Der ßchläfft allhier in sanffter Ruh 

Biss komt der jüngste Tag herzu. 
In erster Ehe lebt ungefähr 

Mit Anna Körnin* Zehen Jahr, 



* Ihr Grabstein liegt im Chor in der Kirche daselbst. Die Wappen der Familie 
Eatith und Korn sind ftnf dem Steine neben einander angebracht Ueber demselben 
stehen folgende Spräche: 

„Leben wir eo Leben wir dem Herrn, sterben wir etc. etc. Rom. 14. 
Herr nun laesat da . . . u. s. w. bis: Volke Israel!" 
unter demselben befindet sich nachstehende Notia : 

„den 3. tag Maji Ao. 1614 starb die Ehrn- and Tagendsame Frau 
Anna, Herrn Jacob Katich'* Eheliche Hansfraw, Ihres Herkommens 
eine Körne, welcher Gott am Jüngsten Tag eine fröhliche 
Ufferstendnus gnädig verleihen wolle. Amen." 



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— 177 - 

Nenn Kinder Er mit Ihr bekam 

Die der Tod biss an Zwey hinnam, 
Mit Maria Fischerin zwar 

Hat er gelebt wohl Sechzehn Jahr, 
Acht Kinder auch gezeuget frey 

Mit Ihr, so leben bis an drey, 
Gott wolle Ihn am jüngsten Tag 

Mit Weib und Kindern ohne Klag 
Auffwecken, und mit Frewden geben 

Die Seeligkeith und öwigs Leben. 
Amen. 

Ebenfalls dieser Familie gehört an: 

Carl GnstaT Albert von Essich, geb. 27. September 1811, als 
Sohn des Obertribunalraths Carl Äug. Essich , Hof-Domänenratb 
a. 1)., Mitglied der Landesgestüts-Kommission , Bitter des Kron- 
ordens mit Krone. 

Gattinnen: I. seit 24. Mai 1846 Emma, geb. Dietrich, Tochter 
des Obersts tob Dietrich; II. seit 7.0ct. 1858 Louise Julie, Tochter 
des Begierungsratus yon Abel. Kinder: 

1) Lina, geb. 1. Juni 1856. 

2) Marie Therese Julie, geb. 15. Juli 1859. 

3) Anna Wilhelmina, geb. 31. März 1862, f 19. Nov. 1872. 



Dm Fürstlich Württembergische Dienerbach enthalt folgende höhere Beamte 
des Namens E**Uh (Easig): Atcan., Ambtmann 471; Cl.Pfleger 328; Vogt 439. — Bar Hin, 
Vogt 40«; Frid. Joe, Exped.Rath 147; TutelarBath 98; Vogt 400. — Georg, Vogt 609; 
Rechenbenckhs-Rath ISO. — Hans Com-., 8yndlo. 681. — Hatu Georg, Ambtschrelber 323. 
— Joe., Ambtmann 292. — Joh,, Paedagogaroha 562. — Joh. Conr., 01.8ohaffner 290; Vogt 
442. — Joh. Georg, Abt 335; Geb. Secretar. 33, Gel. O.Rath 64; O.R.Secretar. 71. - 
Victor 8Hpkan, Geistl. Verwalter 381; Keller 277. 498; Vogt 380, 381. 



t. GeorgU-Georgmau, Biographisch-Genealogische Blatter etc. 12 



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E t z e 1. 

Eberhard von Etzel, geb. den 15. December 1784 als Sohn 
des Johann Eberhard Ezel, Herzoglich Württembergischen Baumeisters 
und Landbau-Controleur in Stuttgart, (von welch' Letzterem eine 
Notiz sagt: »baut die berühmte Brüke von Blochingen; hat Aufträge 
nach Engelland«) und der Maria Magdalena, geb. Bohnenberger, 
Königl. Württemberg. Oberbaurath, zeichnete sich besonders als 
treulicher Techniker aus. Ihm verdankt Württemberg sein ausgezeich- 
netes Strassennetz , wesshalb ihm auch im Jahre 1842 zu ewigem 
Angedenken das auf der neuen Weinsteige, die ebenfalls von ihm 
entworfen und unter seiner Leitung gebaut wurde, befindliche Denkmal 
errichtet ward. Dasselbe trägt auf der Vorderseite folgende Inschrift: 

DEM DEM 

KÖNIGL. WÜRTTEMBERG. TREFFLICHEN 

OBERBAURATH GEWEIHT 

V. ETZEL, VON SEINEN 

COMTHÜR FACHGENOSSEN 

D. 0. D. WÜRT. UND 

KRONE. VEREHRERN 

Auf der Rückseite dagegen: 1842. 

Etzel starb allgemein hochgeschätzt 30. November 1840. — 

Noch grösseren und weiter verbreiteten Ruf erwarb sich sein Sohn: 

Karl von Etzel , General-Direktor der K. K. Oesterreichischen 
Südbahn in Wien, Königlich Württembergischer Oberbaurath, Ritter 



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— 179 — 

des Königlich Württembergischen Kroiiordens, Kommenthur II. Cl. des 
Königlich Württembergischen Friedrichsordens, Commandeur des Kaiser!. 
Rassischen St Annenordens 2. CL, Bitter des Kaiserl. Oesterreichischen 
Ordens der eisernen Krone, des Grossherzoglich Badischen Ordens vom 
Zähringer Löwen, Commandeur des Kaiserlich Mexikanischen Gua- 
delupeordens. Geboren den 6. Januar 1812 zn Heilbronn, wurde 
er schon frühe von seinem Vater zum Studium der Theologie be- 
stimmt;; allein das Beispiel des Letzteren wirkte schon in den Jugend- 
jahren bestimmend auf ihn ein, indem es eine entschiedene Hin- 
neigung zu den technischen Fächern bei dem Knaben hervorrief, welche 
jedoch vom Vater keineswegs begünstigt wurde. Nachdem er den 
Gymnasialkurs in dem Gymnasium zu Stuttgart und im Seminare zu 
Blaubeuren, nicht ohne seinen Lieblingsfächern in- und ausserhalb 
der Lernzeit besondere Pflege zuzuwenden, absolvirt hatte, erklärte 
er den besimmten Entschluss, sich dem technischen Fache widmen 
za wollen, und sein Vater widerstrebte nun nicht länger. Den 
bis dahin getriebenen gründlichen humanistischen Studien verdankte 
Etzel seine vorzügliche allgemeine Bildung, durch welche er sich 
vor vielen seiner Berufsgenossen so vorteilhaft auszeichnete. Unter 
Leitung seines Vaters, sowie der Architekten Prof. Heigelin, Hof- 
baumeister Prof. v. Thouret und des Oberbaurathes Fischer betrieb 
Etzel mit regem Eifer seine technischen Studien und insbesondere das 
der Architektur. Zu weiterer praktischer Ausbildung begab er sich 
1835 nach Paris, war daselbst unter Clapeyrori's Leitung bei dem 
Bau der Eisenbahn nach St. Germain in der Architektur-Abtheilung 
der Bauleitung thätig und fand hier Gelegenheit durch ein Project 
für die Brücke über die Seine bei Asnieres die besondere Aufmerksam- 
keit Clapeyron's auf sich zu ziehen. Es ward nicht nur sein Ent- 
wurf denen der übrigen Ingenieurs vorgezogen, es wurde ihm auch 
die Ausführung der Brücke anvertraut. Gleichzeitig wurde Etzel in 
das Kabinet des bauleitenden Ingenieurs aufgenommen und so in 
das Ganze des Eisenbahnbaues eingeführt. Im Winter von 1836 auf 
1837 unternahm Etzel eine Studienreise nach England, nach deren 



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- 180 - 

Beendigung er als Ingenieur I. Classe zum Bau der Vorsailler Bahn, 
rive gauche, übertrat. In jener Zeit schrieb er sein erstes Werk 
über die Erdarbeiten, das in Paris in französischer Sprache erschien. 
Nachdem er 1838 ins Vaterland zurückgekehrt war, suchte man ihn 
vergebens für den Staatsdienst zu gewinnen. 1839 führten ihn 
seine mit dem verstorbenen Architekten Förster angeknüpften Ver- 
bindungen nach Wien und er führte dort Anfangs in Verbindung 
mit letzterem, später allein, verschiedene Hochbauten aus, als z. B.: 
das Baron Pereira'sche Haus in der Weihburggasse, den Dianabad- 
saal, das Hotel Wandl etc. 

1843, im Alter von 31 Jahren, trat Etzd nach vielfach 
vorausgegangenen Verhandlungen als Oberbaurath in den württem- 
bergischen Staatsdienst, in welcher Eigenschaft er. das Eisenbahnnetz 
für Württemberg selbstständig entwarf, auch dasselbe als Regierungs- 
Coramißsär in der Kammer vertrat. Der kühne und grossartige 
Viadnct über die Enz bei Bietigheim ist sein Werk. 1852 folgte 
er einem Rufe der schweizerischen Centralbahngesellschaft nach Basel 
als oberster Leiter der von dieser Gesellschaft auszuführenden Bauten, 
wobei ihm bei den so schwierigen Terrainverhältnissen in der Schweiz 
hauptsächlich sein vortreffliches Geschick im Traciren zu Statten kam. 
Die Brücke über die Sill in St. Gallen, Aarebrücken bei Ölten und 
Bern und das Bankgebäude in Basel führte er aus. Die verdiente 
Anerkennung fand sein damals veröffentlichtes Werk »Brücken- und 
Thal Übergänge der schweizerischen Centralbahn«. Nach Lösung 
seiner Aufgabe in der Schweiz trat er, einem an ihn von Wien aus 
ergangenen Rufe folgend, bei der neugebildeten Kaiser- Franz-Josef- 
Orientbahngesellschaft als Director ein. Die Gesellschaft vereinigte 
sich in der Folge mit der neugebildeten Südbahngesellschaft und 
Etzd erhielt als Baudirector der neuen Gesellschaft ebenfalls die 
Leitung des Baudienstes und zwar in dem nichtitalienischen Theile 
des grossen gesellschaftlichen Netzes zugetheUt. 

Die Linien Ofen - Pragerbahnhof , Alba-Uj-Szöny, Steinbrück- 



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— 181 — 

Sissek und Agram - Karlstadt, Marburg -Villach, Oedenburg - Kanizsa, 
ferner der Umbau der Stationen und der meisten Brücken Wien-Triest 
wurden unter seiner Leitung theils neu gebaut, theils vollendet. 

Efzel widmete sich in hervorragender Weise literarischer Tbä- 
tigkeit, mehrere ausgezeichnete Werke legen davon Zeugniss ab. 

Mit dem damaligen Oberbaurathe, späteren Präsidenten, v. Klein 
in Stuttgart redigirte er (seit 1. Januar 1844) die in Stuttgart 
erschienene Eisenbahnzeitung. Scharfe Beobachtungsgabe, Sinn für 
systematische Ordnung in allem und jedem, schnelles und zutreffendes 
ürtheil, Energie und Beharrlichkeit im Wollen waren die ihn charak- 
terisirenden geistigen Eigenschaften. Dabei hatte Etzel ein reiches 
und weiches Gemöth, das er nur nach schwäbischer Art unter einer 
kalten Aussenseite zu verstecken liebte. Etzel war bei seiner Art, 
planmäasig und gründlich vorzugehen, Entschlüsse mit Schnelligkeit 
und Entschiedenheit zu fassen und sich durch Kleinigkeiten nicht 
beirren zu lassen, ein ausgezeichneter Organisator und Administrator, 
dabei beaass er eine wahrhaft ausserordentliche Arbeitskraft. Viele 
seiner Ideen wurden in schlaflosen nächtlichen Stunden verarbeitet und 
erschienen am Tage als zur Niederschrift fertige Projekte. Auch wenn 
er unbeschäftigt schien, arbeitete sein reger Geist unaufhaltsam fort. 

Personen, welche das innere Leben EtzeVs nicht kannten, 
mussten ihn häufig für zerstreut und wortkarg halten, weil es nicht 
seine Art war, sich durch eine unbedeutende Unterhaltung von den 
eigenen Gedanken abbringen zu lassen. Er sprach überhaupt nicht 
viel, aber wenn er sprach,* so war es von Bedeutung, so wusste er 
dem Gespräche eine entscheidende Wondung zu geben. Etzel steckte 
sich seine Ziele hoch und ging mit unbeugsamer Energie darauf los. 
Untergeordnete Dinge und Formsachen beachtete er vielleicht oft 
weniger als klug war, und so fehlte es ihm nicht an Conflicten mit 
solchen, denen derartiges Beiwerk Hauptsache ist. Die ihm an- 
vertrauten Interessen wahrte Etzel mit strengster Gewissenhaftigkeit. 
Eine grosse athletische Gestalt und ein schöner ausdrucksvoller Kopf 
zeichneten seine äussere Erscheinung aus. 



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- 182 — 

Die Vollendung seines grössten und liebsten Werkes, des 
Brenner - Ueberganges , das er wohl selbst als Schiassstein seines 
Wirkens im praktischen Eisenbahndienste ansah, sollte er nicht er- 
leben. Immerhin wird diese erste Eisenbahn über die Oentralalpen 
als EtzeVs Werk zu betrachten sein. Er entwarf das Detailproject, 
leitete den Bau ein. Die ihn zu Ende geführt, waren von ihm ge- 
bildet, arbeiteten in seinem Geiste fort. 

Den 2. Mai 1865 verschied Etzel unterwegs auf Station Kem- 
melbach in Folge eines Schlaganfalls, der ihn am 1 3. November des 
Jahres zuvor in Wien getroffen hatte. 

Mit ihm ist einer der ausgezeichnetsten und tüchtigsten 
Eisenbahntechniker dahingegangen. 

Die »Wiener Zeitung«, der wir die meisten dieser Notizen 
entnommen, ruft ihm am Schlüsse des Artikels folgende anerkennende 
Worte nach: 

* Etzel ist todt! Ja, Etzel war ein ganzer Mann, ein seltener 
Mann. Sein Andenken wird bestehen bei allen, die grosse Eigen- 
schaften und grosse Leistungen neidlos anzuerkennen vermögen.« 

Seine Gattin Marie, Tochter des Königlich Württembergischen 
Staatsministers v. ttaerttner, geb. 2. Juli ^828, folgte ihm 1871 
den 23. Juni im Tode. Von seinen Kindern wurde eine Tochter: 

Clara, geb. 1848, die Gattin des Königlich Württembergischen 
Obersteuerraths und Bevollmächtigten zum Bundesrath Rudolph von 
Moser; ein Sohn dagegen: 

Karl, geb. ist Seconde-Lieutenant im Dragoner-Regiment Königin 
Olga (1. Württembergisches) Nr. 25. 



Dag Fürstlich Württembergiscbe Dienerbuch enthält folgende höhere Beamte 
des Namens Etzel (Esel): Weltl. Werckhmeister 565. — Veit, 8tattsch?eiber 615 j Vogt 
407. - Zach., Abt 326; Ambtechrelber 240; Vogt 327. 473. 



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Eysengrein. 



„Dieses Eysengrein- oder hengreynische Gesohlecht ist eine 
„uralte Familie secundum Crusium in Annalibus Suevicis, welche 
„von Kaiser Cardio V. Anno 1541 geadelt worden. Anno 870 
„wäre ein heengrinus Bischoff in Regensburg. Ao. 1160—80 wäre 
„ein anderer Abbas Ottenbyranus. Sie waren der Pfalzgrafen und 
„Grafen von Württemberg von Haus aus bestellte Diener mit 2 
„Pferden. 

„Sie hatten die beede Höfe Gros- und Klein-Glattbach schon 
„vor viertehalbhundert Jahren her als eigen besessen." 

Als bekannter Stammvater dieser Familie gilt: 
Martin Eisengrein I., Besitzer der Höfe Gross- und Klein- 
Glattbach. Derselbe wurde zwischen 1410 — 1420 nebst seinem Sohne 
Martin II. von zwei Raub-Edelleuten v. Heslinsschwerdl und Rosenberg 
von seinem Hofe Glattbach entführt und auf dem Raabschlosse Drachen- 
fels lange Zeit verborgen gehalten. Der Sohn rettete sich durch 
einen hohen Sprung, entdeckte die Gefangenschaft seines Vaters und 
klagte' diesfalls bei Kaiser Friedrich 111. Dieser versprach ihm 
zwar Hülfe, starb jedoch darüber und der alte Eysengrein, als ein 
bekannter reicher Herr, kaufte sich endlich mit vielem Gelde los 
und starb bald darauf. Von 18 Kindern sind alle sammt ihren 
Kindern ohne weitere Descendenz gestorben, ausser dem Sohne: 

Martin Eysengrein III. Dieser war am Hofe des Herzogs 
Eberhard im Bart sehr beliebt, welcher letztere auch selbst dessen 
Begräbnisse in Tübingen beiwohnte ; er wurde in der BarfOsserkirche 
begraben, aus welcher später das Collegium illustre und in diesem 
Jahrhunderte das Wilhelmstift geworden ist. 



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— 184 - 

Seine Gattin war Agnes von Löthen (Lot t in) aas Bruchsal, 
deren Mutter aus dem von Zeitter 'sehen Geschlechte war. Söhne: 
I. Johann, in Wien verueirathet, scheint ohne männliche Nach- 
kommenschaft gestorben zu sein. 
IL Martin IT., t 13. October 1531, Pfleger unserer lieben 
Frauenkirche in Berg 1528; nachher Bürgermeister in Statt- 
gart, vermählt seit 1504 mit Agathe Schnell. Von deren 
11 Kindern sind 8 in die Ehe gekommen, nämlich 6 Töchter 
und 2 Söhne, und. zwar : 

1) Anna Elbabetha, geb. an St. Ottmarsabend 1505, t 24. 
August 1556 zu Wien. Sie war vermählt mit Jacob 
Janas Freiherr van Montfort eu Triburg und Neuburg, 
Kaiserlichem Kanzler, früher Professor der hebräischen und 
griechischen Sprache zu Tübingen, welcher den 28. December 
1558 auf der Beise nach Augsburg auf den Beichstag zu 
Abendsberg kinderlos gestorben und in Ingolstadt begraben 
ist. Seine Eltern waren: Leanhard Janas van Montfort 
in Feldkirch und Clara Bieneer. 

2) Agathe, geb. am guten Tag post nativitatis Mariae 1509, 
vermählt I. mit Joh. Heinrich Gaisberg; II. mit dem Stadt- 
schreiber in Weil d. Stadt Gabriel Lue. 

Kinder I. Ehe : 

a) Katharina, verm. mit dem Jur. Gand. in Günzburg, auch 
Kaiserlichen Vice-Kanzler Joh. Ulrich Zasius. 

b) Anna, verm. mit Wilhelm van Bellenstrass in Gmünd. 

c) Ursula, verm. mit Christof von Golther oder Umgelder 
zu Trissenhausen. 

Kind II. Ehe: 
Agatha, vermählt mit dem 1582 von Kaiser Rudolf IL 
in den Beichsadelstand erhobenen Geheimen Begimeuts- 
rath Melchior Jäger von Gärtringen, zu Höpfigheim, auf 
Ebersburg und Jägersburg. 



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— 185 — 

3) Agnes, geb. 27. December 1515, t 18. Februar 1539, 
vermählt mit Sebastian König. 

4) Katharina, geb. am guten Tag nach der Stuttgarter Kirch- 
weihe 1518, t 17. December 1588, vermählt I. mit Stefan 
Burkhardt, f 1541 ; IL mit dem Württembergischen Geh. 
Bath Johann Knoderer, t 26. Juni 1565, 80 Jahre alt. 

5) Barbara, geb. am Mittwoch post crucis 1520, f 12. No- 
vember 1557, verm. mit dem ersten Landschaftseinnehmer 
in Stuttgart Veit Ziegler. 

6) Margaretha, geb. am guten Tag vor Simon und Judä 
(27. Okt.) 1523, f 21. August 1570, verm. mit Ulrich 
Betz von Betzekh. 

7) Jacob, geb. |£-JtLü 1506 > t 10. September 1568, war 30 
Jahre lang Leser beim Kammergericht in Speyer und wurde 
mit seinem Bruder Martin 1541 geadelt. Seine Gattin 
war Elisabetha Ffirderer von Richtenfels. 

In den alten Tübinger Genealogieen stehen folgende 
Kinder der Letztgenannten: 

a) Margaret ha, vermählt mit dem Mainz'schen Kanzler 
Jacob Faber. 

b) Barbara, verm. mit Jacob {Andreas) von Bürkh (Brük), 
österreichischem Adeligen und Kaiserlichem Hofdiener. 

c) Wilhelm, genannt Fürderer von Bichtenfels, verm. mit 
Barbara Fürholzer (Finholzer), t 21. Sept. 1567, 
begraben im Kloster Reinheim bei Ingolstadt. 

d) Johann Jacob von Richtenfels, — (es scheint, die männ- 
lichen Nachkommen haben alle der Mutter Namen an- 
genommen), — Kaiserlicher Kanzler zu Prag, Kammer- 
gerichts- Assessor in Speyer, dann Reichshofrath und Re- 
ferendar ius, f 2. December 1597, vermählt mit Anna 
Graober von tiruoben aus Baiern. 

8) Martin Eyaengrein, geb. 29. Sept. 1507, Bürgermeister, 
dann Stifts-Verwalter in Stuttgart. Vermählt I. mit Anna, 



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— 186 — 

geb. Klenzer; II. mit Marie, Tochter des Kammerraths 
Moser in Stattgart; III. mit Katharina, geb. Gaisberg; 
IV. mit Veronika Berler aus Dinkelsbühl. Kinder: 
I. Agatha, geb. 27. Januar 1532; vermählt I. mit dem Burger- 
meister in Wimpfen Jacob Hang; II. mit dem Jur. Dr., auch 
Bath und Deutschordensmeister in Neckarsulm Theodor Asot. 
II. Dorotkee, vermählt 27. Augast 1558 mit dem Stiftsverwalter 
in Stuttgart M. Blasius Wagner von Schwieberdingen. 

III. Anna, geb. 7. März 1539, vermählt mit Veit Villenbach, 
Schulmeister in Schwieberdingen. 

IV. Christine, geb. 25. Mai 1 542, vermählt mit dem Kaiserlichen 
Controleur, Zahl- und Kentmeister Jacob von Gaisberg. 

V. Marie Jacobine, geb. 29. November 1544, verm. I. mit Jacob 
Fessler, Secretär, Sohn des Johannes Fessler, Kanzlers; II. 
mit dem Gewölbs-Verwalter in Stuttgart Wolfgang Gratis. 

VI. Amalle, geb. 13. December 1545, vermählt mit dem Rent- 
kammor-Bath Joh. Hippolitus Dreher, Sohn des Dr. Joh. 
Dreher in Speyer. 

VII. Beatrix, geb. 26. Januar 1556, verm. mit Philipp Plezger, 
Kanzleibeamten, Sohn des Wolfgang Plezger in Speyer. 

VIII. Martin Eysengreln, geb. 28. November 1535, bezog 1549 
zuerst die Universität Tübingen, hierauf im Jahr 1553 die 
Universität Ingolstadt als Studirender der Rechtsgelehrtheit, 
zuletzt die Universität Wien, wo er 1554 die philosophische 
Magisterwtirde erlangte und bereits 1555 Professor oratoriae, 
später Professor der Physik wurde. Nachdem er auf Andringen 
des Kaiserlichen Vicekanzlers Jacob Jonas y der an eine 
Schwester seines Vaters verheirathet war, die katholische Con- 
fession angenommen hatte und in den geistlichen Stand einge- 
treten war, wurde er 1559 Canonicus ad S. Stephanum in Wien 
und 1560 Procancellarius der Universität, sowie mit einem 
Kirchenamte betraut. 1562 kam er hierauf als Professor der 
Theologie nach Ingolstadt, wo er noch im gleichen Jahre zum 



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— 187 — 

Bector erwählt und 1563 nach einander Baccalaur, Licent. 
der Theologie, ßath des Herzogs Albrecht yon Bayern und 
Probst zu Mossburg wurde. 

Als er 1564 zum zweiten Male Bector wurde, war er 
ausserdem noch Protonotarius und Com. Palatin. Apostol. 1571 
wurde er Dr. Theol., vorher schon war er Canonicus ecclesiae 
Pataviensis geworden. Endlich wurde er Probst der Kathedral- 
kirche zu Passau und der Collegiatkirche zu Alt-Oettingen, wie 
auch Vice-Eanzler und Superintendent der hohen Schule zu 
Ingolstadt. Eysengrein stiftete ein Stipendium für seine Ver- 
wandten; wo aber dieses verwaltet wird, ist nicht angegeben. 

Er starb 4. Mai 1578 in dem Alter von 43 Jahren. 
IX. Balthasar Eysengrein , geb. 24. Nov. 1547, Dr., Oberratb, 
Kirchenraths-Director in Stuttgart, erhielt nebst dem Oberrath 
Dr. Jacob Eaug den Auftrag, die Revision des Landrechts zu 
bearbeiten. Es sollte übrigens nicht ein ganz neues Landrecht 
entworfen, sondern nur „an Orten, wo das bisherige wider- 
wärtig oder unlauter oder etwa unvollkommen oder auch der 
Billigkeit ungemäss, solchen Mängeln durch Declarationes, cor- 
rectiones oder additiones et secundum normam aequitatis ge- 
brauchte Moderationen abgeholfen werden/' 

Das Hauptgewicht wurde dabei immer auf das Erbrecht 
gelegt Eysengrein war ein rascher und eifriger Arbeiter, der 
namentlich nach dem Tode Herzogs Friedrich I. unter dessen 
Nachfolger Friedrich IL grossen Einfluss erlangte. Er starb 
13. Januar 1611. 

Seine Gattinnen waren: I. Susanna, Tochter des Kanzlers 
Jacob Andrea; II. mit Anna Zangmeister. Kinder: 

1) Anna Maria, verm. mit dem Med. Professor zu Tubingen, 
Sebastian Bloss, Sohn des Bürgermeisters Johann Bloss 
in Münsingen. 

2) Yeronika, verm. mit dem Fürstlichen Rath Conrad Reiser, 
Sohn des Mathäus Reiser in Lauingen. 



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— 188 — 

3) Johann Balthasar, f 4. Juli 1631, Herzoglich Württem- 
bergischer Kammerrath, verm. mit Justine, Tochter des 
Bürgermeisters in Markgröningen Johann Vimpel. Kinder: 

a) Anna Jnstina, geb. 3. Juli 1605, verm. mit dem Bath 
und Vogte in Markgröningen Johann Conrad Jooss. 

b) Johanna, verm. mit dem Oberraths-Secretar Anton Rössler. 

c) Johann Martin Eysengreln, geb. 11. November 1619, 
t 26. März 1690, Herzoglich Württembergischer Ober- 
rath, verm. I. mit Anna Margaretha, geb. Thill; II. mit 
Anna Margaretha, geb. Speidel; IN. mit Anna Barbara, 
Wittwe des Capitans in Hohen -Neuffen Michael de Bullt. 

4) Johann Martin, geb. 8. Febr. 1581, Bebenhäuser Pfleger 
in Esslingen, vorm. mit Barbara, Tochter des Württem- 
bergischen Kloster Denkendorfischen Pflegers Conrad Schloss- 
berg und der Sabine, Tochter des Geheimen Baths von 
Memmingen, Georg Besserer von Besserstein. 

5) Tobias, geb. 2. Juli 1584, Med. Dr. in Tübingen, verm. 
mit Barbara, geb. Schaupp. 

X. Reinhard Eysengreln, geb. 6. November 1550, t 4. Januar 
1585. Bürgermeister in Stuttgart, verm. mit Marie, geb. 
Danr. Er hinterliess nur 1 Tochter Namens Marie, welche 
sich erstmals 3. October 1592 mit dem Kammergerichts- 
Advokaten Jacob Grünberger, zum zweitenmale mit Dr. Schul- 
bok vermählte. 
XI. Johannes Eysengreln, geb. 15. Dezember 1553, f 1608, 
Kurbaierischer Rath und Probst des Stifts Straubingen und 
Domherr zu Passau. 

XII. Caspar, geb. 3. Januar 1559, Kurbaierischer Rath zu Zag- 
stall und Pfleger zu Vichthaach, verm. mit Katharina, Tochter 
des Fürstlich Baierischen Baths und Leibmedicus Johann 
Heinrich Hunzinger. 

XIII. Lukas, geb. 6. Januar 1566, soll jung gestorben sein. 

Pas Fürstlich WürttembergtBche Dienertrach enthalt folgende höhere Beamte 
des Namens Eisengrein ( Eysengreln): Balth., Gel. Hofger. Bey sitzer 78; Gel. O.Rath 59; 
KirchenR-Dlrector 141 — Uans Matt., CLPfleger 262. — Hart., 8tifftsVerwaltter 5M. 



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P a b e r. 



Sebastian Faber, Dr. der Rechte, nächster Stammvater ver- 
schiedener noch heutzutage in Württemberg blühenden Zweige, dessen 
Nachkommen dem Staat nnd der Kirche viele verdienstvolle Männer 
geliefert, ist geb. den 16. November 1564 zu Prodfeldeu im ehe- 
maligen Kurfürstenthum Mainz, als Sohn des Kurmainz'schen Keller 's 
daselbst Sebastian Faber (Schmid), J. U. Dr., und der Justina, einer 
Tochter des Walther von Herborn, Rheingräflichen Raths zu Kirn- 
burg, und als Enkel des Gräflich Nassanischen Pflegers in Mayen- 
burg, Jnstns Faber, verm. mit Christina, einer gebornen von Keller. 

Sebastian besuchte bis ins 9. Jahr die Schule seiner Vater- 
stadt, worauf er von seinen Eitern wegen des Papismus in die 
evangelische Schule nach Wertheim geschickt wurde. Im Jahre 1580 
kam er in das Pädagogium in Marburg und begab sich von da aus 
1583 auf die Hochschule nach Heidelberg, 1584 aber nach Witten- 
berg. 1588 trat er eine Reise nach Italien an, von welcher zurück- 
gekehrt er die Universität Basel bezog, wo er auch 1591 doctorirte. 
In der Folge ernannten ihn die Grafen von Mandelslohe und Griechingen 
zum Rath und 1601 berief ihn die Stadt Regensburg zu ihrem Syn- 
dicus. 1606 wurde er von Herzog Friderich von Württemberg- 
Mömpelgard als Geheimer Rath und Vice-Canzler in Tübingen ange- 
stellt, in welcher Eigenschaft er von diesem seinem Herzoge oftmals 
in kaiserlichen Commissionen verschickt wurde, und als Gesandter 
verschiedenen Reichstagen beizuwohnen hatte. 

Faber starb 1(324 den 2. December und ruht in der Stutt- 



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— 190 — 

garter Stiftskirche, wo ihm rechts neben dem westlichen Portal 
folgendes Epitaphium errichtet wurde: 

Sacrum memoriae Nobilis ac magni lcti Dni Sebastiani Fabri, 
qui cum serenissimo Duce Wirtembergico a consiliis secretioribus 
et procancellarii munero strenue functus esset, senio confectus animam 
Deo reddidit Vit. Die Decemb. Ann. Dni. MDCXXIV. Aetai vero. LX. 

Seine Gattin war seit Michaelis 1598 Cordula, des Kaiserlichen 
Kammergerichts-Advocaten und Procurators Vitus Erasmus Adel- 
mann, beider Rechten Doctors, hinterlassene Wittwe, und Tochter 
des Kaiserlichen Kammergerichts - Assessors zu Speyer, Hieronimus 
Reinhart, welcher Ehe 3 Söhne und 1 Tochter entsprossten, nämlich : 

I. Helena Cordnla, Gattin des Bittmeisters Hermann Schön 
von Bremen. 

11. Georg Abraham, Herzogl. Rentkamm errath, hinterliess 2 Söhne. 

III. Nikomedes Sebastian, t als französischer Oberst im 30jährigen 
Kriege. 

IV. Wilhelm Christian, J. U. Dr. Oberrath, Konsistorial-Director, 
hatte 8 Söhne. 

Ebenfalls dieser Familie gehören an: 

Jnstns Achilles Faber, Bruder Sebastians, Kaiserl. Oberst 
und Commandant in Dachstein im Elsass 1610, hatte 2 Söhne. — 
Seine übrigen Brüder waren: 

1. Johann Jnstns Faber, J. U. Dr., Pfalzgräflicher Rath zu 
Birkenfeld. Söhne: 

1) Jnstns Sebastian, Hoch für stl. Rath. 

2) Johann Friderieh, Königl. Schwedischer Oberstlieutenant in 
dem SchonenBcheu Dragoner-Regiment 1630. 

3) Georg Wilhelm Faber, Kaiserl. Hauptmann. 

4) Carl, Pfarrer in Münster in Gregorienthai. 



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- 191 - 

5) tfodofred, Stadtschreiber in Münster. Von seinen Söhnen 
waren Georg Wilhelm Senator in Colinar; Carl Dänischer 
Baudirector in Kopenhagen; Philipp Oberstlieutenant. 
IL Christof Faber, Hofmeister im Kloster Weil. 

III. Johannes Faber, J. U. Dr., Hohenlohischer Geheimerrath. 

IV. Achilles Faber, Kaiserl. General und Commandant zu Dachstuhl 
in Ungarn, kinderlos t 1615. 

V. Georg Albrecht Faber, Württembergischer Kammerrath. 
VI. Georg, in dem Magisterbuch als Höfingensis aufgeführt, wahr- 
scheinlich weil seine Eltern sich wenn auch nur zeitweise auf dem 
adeligen Gut Höfingen aufgehalten haben und er vielleicht daselbst 
geboren worden ist, Pfarrer in Magstadt 1602 — 1634. — 

Wilhelm Eberhard Faber, geb. 20. September 1664 zu Kirch- 
heim u. Teck, studirte Theologie, nach deren Absolvirung er Informator 
bei dem damaligen Land- und Erbprinzen, dem nachmals regierenden 
Herzog Eberhard Ludwig von Württemberg, wurde. Während des 
Feldzugs in den Jahren 1696 und 1697 begleitete er den Herzog 
als Hof- und Reiseprediger, wurde hierauf Subdiaconus an der Stifts- 
kirche in Stuttgart 1700, Stadtpfarrer zu St. Leonhard 1704, 
Hoepitalprediger 1712, Stiftsprediger und Consistorial-Rath 1714, 
Prälat zu Herrenalb 1716, Engerer Landschaf ts-Ausschuss-Assessor 
1724. 

Seine Gattin war Julie, Tochter des Herzoglichen Begierungsraths 
Johann Jacob Dempnd, 

Die Trauung fand zu einer Zeit statt, in welcher Faber mit 
seinem Fürsten auf der Flucht nach Heidenheim war, da der Feind 
die Residenzstadt Stuttgart besetzt hielt und sie in Asche legen 
wollte. Faber starb 1726 den 17. Februar mit Hinterlassung von 
3 Söhnen und 3 Töchtern, seines Amtes im 33., seines Alters im 
62. Jahre. — 

Wilhelm Eberhard v. Faber, Sohn des Vorigen, Herzoglich 
Wörttembergischer Geheimer Rath und Gouverneur in Mömpelgard, 



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- 192 — 

geb. 25. Januar 1701, vermählt erstmals mit Christiaa Louise, 
Tochter des Geheimeraths Johann Andreas Fronimann, zum zweiten- 
mal mit Johanna Dorothea, Tochter des Geheimeraths Caspar ron 
Pfan. - 

Friedrich Gotthnrd Faber, geb. zu »Kirnbach 5. Mai 1726, 
Special-Superintendent und Stadtpfarrer zu Neuenstatt 1770, schrieb 
Einiges. — 

Johann Gottlieb Faber, Dr. theol., geboren 1717 in Stutt- 
gart, Vicar daselbst 1744, Professor der Geschichte und Beredtsam- 
keit an der Universität Tübingen 1748, Professor der Moral 1750, 
Professor der Theologie und Stadtpfarrer daselbst 1V55, wurde im Jahr 
1767 Consistorialrath und Abt zu Alpirsbach, 1772 Stiftsprediger in 
Stuttgart und 1773 Oberhofprediger, Generalsuperintendent und Mit- 
glied der Universitätsdeputation. Er starb 1779 in Tübingen mit 
Hinterlassung mehrerer Werke. 

Faber war einer der ersten, der die deutsche Muttersprache 
im Gegensatze gegen die lateinische, welche damals noch immer 
wenn nicht Umgangssprache doch Schriftsprache der Gelehrten war, 
zu heben suchte. — 

M. Christ. Friedrich Faber, Abt zu St. Georgen zugleich Special, 
hernach Stiftsprediger zu Stuttgart, t 1744. Dessen Sohn: 

Georg Friedrich Faber, französischer Capitain 1724, 1 1772. — 
Christian Wotfgang Baron v. Faber, Sohn des Sebastian 
Caspar Faber, Kirchenraths, Expeditionsraths und Urur-Urenkel des 
Vicekanzlors Sebastian Faber, geb. 1710, Kaiser!. König]. General- 
Feldzeugmeister, welcher laut Diplom J. anno 1779 mit dem Prä- 
dicate dn Fanr in den erbländ. -österreichischen Freiherrnstand er- 
hoben wurde. — 

Georg Albrecht Faber, geb. 31. August 1737 als Sohn des 
Pfarrers Faber in Kaltenwesten, Herzog]. Württembergischer Oberst 
d*r Kreis-Dragoner, starb allgemein hochgeschätzt 1808. Seine 



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— 193 — 

erste Gattin war Philippine Friedrike, geb. Zoller; * die zweite Eber- 
hardina Christina Sofie, Tochter des Stadtschreibers in Stuttgart 
Jacob Friederich KlHpfel, welcher Ehe 4 Söhne und 1 Tochter 
entsprossten. — 

Achilles Christian Wilhelm Friedrieh Faber, Bruder des Vori- 
gen, geb. 2. December 1786, Königlich Württembergischer Bergrath 
in Wasseralfingen. — 

Johann Christor, und Matthäus Frid. Carl Faber, diese beiden 
Pfarrer in Charlestown (Amerika). — 

Christian Heinrich Faber, ßankdirector daselbst. — 
Wilhelm Eberhard Ton Faber, Sohn des Stadtpfarrers in Win- 
nenden Immanuel Gottlieb Faber, geb. 17S7, Oberaintsarzt in Schorn- 
dorf, R. d. Kr.-O., f 9. December 1872, 85 Jahre alt. — 

Gottlieb Heinrich Faber, Bruder des Vorigen, geb. 1781, 
Auditor in Bussland. — 

Karl Angnst Friedrich Faber, geb. 1811, Kaufmann in Stutt- 
gart, Mitglied der Handels- und Gewerbe-Kammer daselbst, R. d. Fr.-O.; 
t 23. Januar 1870. Wittwe: Christiana, geb. Bender. — 

Karl Angnst ron Faber, Prälat, geb. in Zaisersweiber 8. Sept. 
1782, als Sohn des Pfarrers Karl Friderich Faber daselbst, wurde 
nach dem Tode seines Vaters dessen Amtsnachfolger 1812, hierauf 
Pfarrer in Altenstadt, Oberamts Geislingen, und zugleich Decan der 
Diöcese Geislingen 1821, Decan in Reutlingen 1832, Prälat und 
Generalsuperintendent in Hall 1839, sodann des Sprengeis Reutlingen 
mit dem Wohnsitze in Stuttgart 1841. 

r. Faber vermählte sich 3. August 1819 mit Charlotte, Tochter 
des Canzleiraths Hang in Stuttgart, und starb auf einer Amtsreise 
in Reutlingen am Herzschlage. Kinder: 

* Der Groesvster derselben war Tobiaa Zotltr, des grossem Batbs und Steuerschreiber 
in Ksslingen, geb. 23. Januar 1669, t 1719; er war vermählt mit Anna Fligabeth, Tochter 
dea Stadtpfarrers in Winnenden Jok. Georg Hegel. Beide wurden hei der Explosion der 
PnlTermäble in Esslingen erschlagen. 

r. Qeorgii-Qeoratnnu, Biographisch-Genealogische Blätter etc. 13 



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- 194 — 

1) Friedericke, geb. 7. Mai 1820, vermählt mit Diaconus Karl 
Jetter in Herrenberg (späterem Diaconus in Reutlingen); t 
in Herrenberg 1845. 

2) Charlotte, geb. 28. Juli 1821 ; vermählt mit dem Oberamtmann 
Franz Mayer in Neckarsulm (späterem Oberamtmann in 
Göppingen, zuletzt Staatsrat!) in Stuttgart); t in Neckar- 
sulm 1846. 

3) Eduard Caspar von Faber, geb. 30. Dec. 1822, Dr. jur. Excellenz, 
wirkl. Geheimerrath in Stuttgart. Gattin: seit 7. März IS 54 
Emma Charlotte Sophie, geb. 15. Sept. 1832, Tochter des 
3. April 1877 t Ludwig Eduard von Ergensinger, Hof- 
kammerpräsidenten, * und der Marie, geb. Scholl. 

4) Karl Faber, geb. 13. August 1828, Stadtpfarrer in Möckmnh). 

5) Gustav, geb. 19. December 1829, Kreisgerichtsrath in Stutt- 
gart, t 1871. 

Dm Fürstlich Württembergische Dienerbuch enthält folgende höhere Beamte 
des Namens Faber (Fahr, Fabri, Fabrlcins): 145; OantaleiAdTOC 96; Castkeller 318; 
Dr. 20; Exped.Bath 146; Leütenampt 686; Pfarrer 618. - AUx., Vogt 689. — Amandus 
FHä., CantxlelAdvoc. 96. - Andr., Abt 288; Diacon. 649; Pfarrer 646; 8tifftsDiacon 
660. — Beat., CantxleiAdvoc. 92, 93. - Christian, Abt 335. — Christian Frid., Pfarrer 
441, 546; 8 tifftsP rediger 644. — Christoph, Ambtmann 42) ; Castkeller 554; Cl.Hofmeister 
354; Keller 480; Vogt 439. — Christoph Frid., Geist]. ConslstRsth 138: StifftsDiaoon 
561. — Eberh. Lud*., Ol. Pfleger 262, 297. — Erh., Vogt 537. — Frid., Pfarrer 441, 460. — 
Georg Abrah., Renthkamm JBxped.Bath 19, 110. — Georg Albr., Pfarrer 632. — Georg 
Frid., Banverwalter 486; Vogt 380. — Georg Bheinh., Begistrator 169; Vlsitat-Secretar. 
157. — Gotthard Frid., Pfarrer 276, 606, 512. — Gottlieb Ferd., Vogt 516. — GottL Frid., 
Pfkrrer 411, 613; Vogt 377. — Hone Carl, Cl.Hofmeister 366. — Hone Weither, Osntslei- 
Advoc. 93. - Heinr. Abrah., Exped.Bath 111 ; TutelarRath 97. — Joach., Gel. O.Bath 
61. — Jobet, O.Vogt. 608. - Joh., Pfarrer 466, 589; Vogt 394. 438. - Joh. Christian, 
CantalelAdvoc. 96; Visltat.Secretar. 158. — Joh, Christoph, Amptmann 620; Vogt 418. — 
Joh. Ebtrh., Pfarrer 502. — Joh. Erh., Vogt 426, 439, «55. — Joh. Frid., ConsistDlrector 
136; Oonsist.Prasident 136; Gel. Geh.Bath 28; Gel. O.Bath 67; Begistrator 83; Tutelar- 
Rath 98. — Joh. Gottlieb, Abt 238, 244, 289. Exped.Bath 146; GeisÜ. Oonsist.Bath 139; 
Hofprediger 193; Stattschreiber 465-, StifftsPrediger 544; Kirch.Cast Verwalter 148. — 
Joh. Joe., Cl.Pfleger 242. — Jnh, Leonh., Ambtmann 470. — Joh. Reinh., Exped.Bath 111 ; 
Keller 467 ; BechenbanckhsBath 118. - Jost, ObristLientenant 172. — Maith., Schultheis« 
363. — Phil. Gottfr., Pfarrer 607 ; Stiffts-Diacon 651. - Phtt. Jac, Keller 686, 592. — 
Sebast., ViceCantzler 19; Vogt 600. — Sebast. Caspar, OLPfleger 262; Cl.Schaffner 333. — 
8eb. Frid., Vogt 380. 462, 510. — Wilh. Christian, Ambtmann 536 ; Cl.Verwalter 269 ; 
Gel. O.Bath 61 ; O.Bath 19 ; BechenbankhsBath 152 ; Vogt 271 ; 393. - Wilh. Eberh., Abt 
289; Geistl.Bath im Cousist. 138; Gel. O.Bath 66; Pfarrer 546; StifftsDiaoon 660; Stiffts- 
Prediger 644. 



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P a 1 1 a t i. 



Johann Fallati, geb. 1809 zu Hamburg, als Sohn eines aus 
ßovigo stammenden Kaufmanns studirte in Tübingen und Heidelberg 
die Rechtswissenschaft, trat darauf in den württembergischen Staats- 
dienst und kam 1837 als Privatdocent für die Fächer der Statistik 
und Geschichte an die Universität Tübingen, bei welcher er 1842 
auch zum ordentlichen Professor in der staatswirth schaftlichen Fa- 
cultät und 1850 zum Oberbibliothekar vorrückte. Im Jahr 1848 
nahm er als Abgeordneter sowohl an den Verhandlungen der würt- 
tembergischen Kammer, als an dem Frankfurter Parlamente, wo er 
zur Partei des linken Centrums gehörte, Antheil; im August d. J. 
trat er auch als Unterstaatssecretär des Handels in das Reichs- 
ministerium ein; im Mai 1849 trat er freiwillig aus der National- 
versammlung wieder aus. Er starb, auf einer Reise begriffen, am 
5. October 1 855 im Haag. Ausser mehreren hiuterlassenen Schriften 
war er auch Mitherausgeber der Zeitschrift für die gesammte Staats- 
wissenschaft. 

Bruder '• 

lficolaus Fallati, Med. Dr., Badearzt in Wildbald, f 3. Nov. 
1868 zu Civita-Vecchia. 



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P e u e r 1 e i n. 



Theophilus Feuerlein, * geb. 1636, entstammte einer anch 
in Franken und Nürnberg verbreiteten Familie und war der Sohn 
des 1670 im Alter von 88 Jahren gestorbenen Ansbachischen Pfarrers 
der Kirchen zu Emmezheim und Holzingen Joh. Feuerlein. Von den 
weiteren Vorfahren unterschrieb Johann Feuerlein, Pfarrer im Decanat 
Schwabach und Capitels Senior daselbst, die Concordienformel 1582 und 
flüchtete sich ein zweiter Johann Feuerlein, nachdem er das Diaconat 
der evangelischen Kirche zu Ansbach bekleidet hatte, der vielen 
Drangsale und Verfolgungen wegen nach Schlesien ; er erhielt von Kaiser 
Karl V. einen Wappenbrief d. d. 15. Juni 1551. 

Theophilus selbst war Pfarrer in Dornhausen im Ansbach 'sehen 
und starb den 20. Februar 1687. Söhne: 

I. Willibrody Feuerlein, geh. 1. September 1667, Pfarrer in 

Trommezheim im Ansbach'schen, t 25 September 1730 mit 

Hinterlassung von 5 Töchtern und 3 Söhnen. Letztere waren: 

1) Johann Friedrich, geb. 25. October 1700, Pappenheimischer 
Pfarrer in Trommezheim, verm. mit Maria Juliana, Tochter 
des kaiserlichen Obristlieutenants G. Tiedemann. 

2) Johann Wilhelm, geb. 27. August 1702, Pfarrer auf der 
Festung Wülzburg, verm. mit Anna Barbara, Tochter des 
Künspergischen Vogts zu Turnau Johann Philipp ütsu 

3) Johann Christian Fenerlein, geb. 19. April 1705, f 9. Mai 
1799, Herzogl. Wfirttembergischer Eegierungs-Secretär, auch 

* Dessen Bruder Johann Caspar Feuerlein, t 1728 als Pfarrer zu Emmezheim mit 
Hinterlassung eine« Sohnes Namens Johann Georg Christoph Feuerten, geb. 2. April 1877, 
Bector in Ansbach, Prodecan in Emmezheim» zuletzt Decan in Weimertheim. 



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— 197 - 

Mömpelgardischer Registratur und Archivar in Stuttgart, 
vermählt mit Hedwig, Tochter des Advocaten Perdrix in 
Mömpelgard. Dessen Sohn: 

Rudolf Ferdinand von Fcnerlein, geb. 6. August 1744, 
unverheirathet t 3. Juni 1821, Königlich Württembergischer 
Oberfinanzrath, Ritter des Königlichen Civil-Verdienst-Ordens, 
errichtete in seiner letzten Willensverordnung vom 27. Nov. 
1815 und den ferneren ^Beilagen eine Familien-Stiftung. 
II. Walfried Fenerlein , geb. 24. Nov. 1669, Pharmaceut in 
Pappenheim, verm. I. mit Johanna Maria, Tochter des Chirur- 
gen in Bern Nicolaus Lang; II. mit Rosina, Tochter des Hof- 
Pharmaceuten in Oettingen Peter Streiln, welchen Ehen 4 
Töchter und 4 Söhne entsprossten. Letztere waren: Johann 
Feuerlein, geb. 1702, blieb bei der Belagerung von Mantua, 
32 Jahre alt; Wilhelm Stephan, geb. 1712, Pharmaceut; 
Friedrich Ernst, geb. 1715, Chirurg ; Georg Daniel, geb. 1719, 
Kaufmann. 

III. Wilhelm Fenerlein, geb. 29. Juli 1676, Pharmaceut, t 25. 
Februar 1731. 

IV. Wunibald Feuerlein, des inneren Raths und Steueramts Assessor 
in Weissenburg, verm. I. 5. Oct. 1706 mit Margaretha geb. 
Dolthopf; IL 23. Juli 1708 mit Julia Maria Catharina, geb. 
Döderlin. 

V. Willibald Feuerlein, geb. 22. Dezember 1686, Herzoglich 
Württembergischer Eegierungs- und Kriegsrath, vermählt mit 
Dorothea Eufrosina, Tochter des Ansbach'schen Hofraths und 
Vo^ts in Sachsenheim Georgii. 

Feuerlein starb 19. August 1777. Söhne: 

1) Johann Christian Leopold, geb. 1. Mai 1732. 

2) Karl Friedrich Fenerlein, geb. in Mömpelgard den 6. März 
1730, t in Stuttgart 15. März 1808; Herzoglich Württem- 



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— 198 — 

bergischer Regier ungsrath, vermählt seit 26. August 1766 
mit Elisabeth Franziska, geb. Fischer. Kinder: 

a) Louise Auguste Sofie Magdalena, vermählt seit 1. Oct. 
1785 mit dem Oberamtmann in Liebenzell Ernst Christoph 
Wilhelm Heller. 

b) Sofie Karolina Augnsta Magdalena, vermählt seit 1. Oct. 
1789 mit dem Professor an der Academie, Redacteur 
des Schwäbischen Merkurs Christian Gottfried Eiben. 

c) Friederike Auguste Emilie, vermählt I. seit 3. August 
1795 mit dem Kaufmann in Calw Johann Martin 
Vischer; IL seit dem 31. October 1803 mit dem Hof- 
rath, Geh. Legationsrath Johann August Ferdinand 
von Pistorius. 

d) Henriette Auguste Charlotte, vermählt seit 19. No- 
vember 1800 mit dem in Constantinopel geborenen Kauf- 
mann und Fabrikanten in Cannstatt Panagiot Wergo. 

e) Wilhelmine Auguste Louise, vermählt seit 19. No- 
vember 1804 mit dem Kaufmann in Stuttgart Nepomuk 
Leopold Friedrich Conrad^ Sohn des Hofkammer-Reno- 
vators Conradi in Bretten. 

f) Julie Auguste Friederike, vermählt I. seit 14. Februar 
1809 mit dem nachmaligen Finanzrath Victor Heinrich 
Jäger; II. seit 27. Juni 1825 mit dem Pfarrer in 
Bezingen Friedrich August Hoffmann. 

g) Eleonore Ernestlne Auguste Wilhelmine, vermählt nach 
dem Tode ihrer obangeführten Schwester Friederike, 
mit deren Gatten, Geh. Legationsrath von Pistorius. 

h) Auguste Adelgnnde Christiane, vermählt nach dem Tode 
ihrer vorerwähnten Schwester Julie rajt deren Gatten, . 
Pfarrer Jloffmann in Bezingen. 



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— 199 — 

i) Karl Willibald Feuerlein, geb. 1. September 1770, 
Kaufmann, starb kinderlos. 

k) Fflrchtegott Gustav Willibald Feuerlein, geb. in Stutt- 
gart 24. Juni 1781, Pfarrer in Wolfschlugen, t 2. Juli 
1848. 

Seine Gattin war seit 28. Mai 1812 Luise Chris- 
tiana, Tochter des Majors und Kriegsraths David Her- 
mann Heinrich Duvernoy. Kinder: 

aa) Auguste Sofie Henriette, vermählt seit 17.0ctober 
1833 mit dem nachmaligen Rector des Schullehrer- 
Seminars in Nürtingen Theodor Eisenlohr, Sohn 
des Christian Friedrich Eisenlohr t Diaconus in 
Herrenberg. 

bb) Franziska Luise Charlotte, vermählt 7. Mai 1839 
mit dem Med. Dr., nachmaligen Oberamtsarzt in 
Esslingen Paul Eduard Kapff. 

cc) Hermann Gustav Willibald Feuerlein, geboren in 
Wolfschlugen 17. Mai 1816, Rechtsconsulent in 
Aalen. 

dd) Karl Emil August Feuerlein, geboren in Wolf- 
schlugen 20. März 1818, Diaconus in Herrenberg, 
vermählt seit 4. September 1 847 mit Julie Ma- 
rlene, Tochter des Oberjustizraths in Tübingen 
Karl Friedrich Mayer. 
1) Ehregott August Willibald Feuerlein, geboren in Stutt- 
gart 24. Juni 1781, Jur. Dr., Oberjustiz-Procurator in 
Stuttgart, in Tübingen, Oberbürgermeister in Stuttgart, 
Obertribunalrath, f 29. September 1850. Gattin seit 
10. Februar 1810 Auguste Henriette, Tochter des Land- 
schafts- Coinmissärs Johann Christof Schott. Kinder: 
aa) Aufrüste Marie, vermählt seit 19. September 1839 



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— 200 — 

mit dem Professor der Philosophie in Tübingen 
Ernst Christian Friedrich Walz* Sohn des David 
Friedrich Wälz, Pfarrers in Münklingen. 

bb) Hedwig Auguste, vermählt seit 6. August 1838 
mit dem Regierungsdirector in Reutlingen Ludwig 
August von Autenrieth. 

cc) Sofie Hedwig, vermählt seit 15. Juni 1846 mit 
Friederich Wilhelm Köbel, geb. 27. Juni 1818, 
Chef des Handelshauses Köbel, Jameson & Cie. 
in London, Sohn des Karaeralverwalters Köbel in 
Riedlingen. 

dd) Ferdinand Friedrich Karl Feuerlein, geb. in Stutt- 
gart 31. Juli 1813, Oberamtsrichter in Besigheim. 

ee) Otto, geb. in Stuttgart 16. April 1822, Kaufmann 
in Stuttgart, vermählt seit 1. Mai 1848 mit 
Mathilde Augnste Charlotte, Tochter des Ober- 
kriegsraths August Friedrich Ludwig von Ströbel. 



* Ebenfalls dieser Familie entstammte: 

Gustav Walz, geb. 30. December 1804, früherer Director an der Akademie 
Hohenheim, Mitglied der landwirtschaftlichen CentralsteUe, t 30. October 1876. 



Das Fürstlich Württembergische Dienerbuch enthält folgende höhere Beamte 
des Naruona Feuerlein (Feutrlin): Carl Frld., OantzleiAdvoc. 95; Gel. CBath 88. — Jok. 
Christian, Frantzös. Secretar. 76 ; Reg.B.8eeretar. 73. — Joh. Christ, Leop., OantsleiAdroc 
95; Vogt 483. - Rud. Ferd., Kircb.Oast. Verwalter 149. — WiUibald, Gel. O.Bath 67; 
£riegsBath 100. 



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Fischer. 



Johann Jacob Fischer, J. U. Dr., Tntelarraths-Präsident, wurde 
den 21. Februar 1647 in der damaligen Reichsstadt Esslingen als 
Sohn des 1686 in Cannstatt t Johann tteorg Fischer, Vogts in 
Kirchheim, und der Anna Agnes, Tochter des Physikus und Med. Dr. 
Walen, geboren. Er besuchte anfangs die lateinische Schule in 
Waiblingen, wo sein Onkel, M. Eder, Helfer war und nachmals, 
als dieser nach Calw versetzt wurde, die in Nürtingen, wo ebenfalls 
ein zweiter Onkel von ihm, der Physikus Dr. Walen, ansässig war. 
Hierauf kam er nach Vaihingen a. d. Enz, und endlich, als sein 
Vater die Vogtei Kirchheim erhielt, in* die dortige Schule. 1663 
gieng er auf die Universität Tübingen, studirte in der Folge noch 
in Strasburg und Leipzig, erhielt das Licentiat und wurde nun 
Gouverneur des Sohnes des Barons v. Pollheimb. 

Im Jahre 1677 erhielt er den Doctorstitel und begab sich hierauf 
mit seinem jüngsten Bruder, dem nachmaligen Stadt- und Amtspfleger 
in Nagold, auf Reisen und zwar nach der Schweiz, Frankreich, Hol- 
land, Piemont und Italien, von welch letzterem Lande er nach 
dreimonatlichem Aufenthalt daselbst übe'r Tirol und Augsburg wieder 
nach Tübingen zurückkehrte. 

Bald nachher sandte ihn der Herzog Administrator Friedrich 
Karl unter gleichzeitiger Verleihung des Prädikats eines Herzog- 
lichen Baths an das Kaiserliche Kammergericht nach Speyer, um 
daselbst eine rechtshängige Process-Sache zu urgiren. Nach Erle- 
digung derselben erhielt er die Stelle eines ausserordentlichen, 1686 
die eines ordentlichen Oberraths, in welcher Stellung er oftmals zu 



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- 202 — 

wichtigen, vielfach mit Gefahr verbundenen Kaiserlichen Commissionen, 
theils zu beständigen, theils zu Tempofal-Deputationen verwendet 
wurde. Die beste Probe seines Patriotismus aber gab er in Fol- 
gendem: Als wegen der im französischen Kriege von dem Feinde 
geforderten, aber im Augenblicke nicht aufzubringenden 600,000 fl. 
Cöntributionsgelder das Herzogthum mit Brand und Plünderung bedroht 
ward, übernahm er mit Hintansetzung seiner damals hochschwangeren 
Gattin und seiner noch unerzogenen Kinder die mit Leibes- und 
Lebensgefahr verbundene Geisseischaft. Der Verlauf derselben war 
folgender: 

Fischer traf im August 1693, von einer Kaiserlichen Com- 
mission in Dinkelsbühl nach Ulm zurückgekehrt, daselbst seine ge- 
sammte Familie, welche dahin geflüchtet war, weil die 80,000 
Mann starke feindliche französische Armee unter dem Dauphin das 
Herzogthum überschwemmt hatte. Kurz darauf veranlasste ihn der 
Herzog, mit dem Oberrath Dr. Burkhard Bardili zu ihm nach 
Heidenheim zu kommen und machte hier ihnen beiden den Vorschlag, 
unter Versicherung bald möglichster Erlösung und aller forstlichen 
Gnaden an ihnen und den Ihrigen, die Geisseischaft zu übernehmen, 
wozu sie sich dann auch und zwar Fischer, wie es wörtlich heisst: 
»nach dem löblichen Exempel seines seeligen Herrn Vatters und 
Gross-Vatters (welche gleichfalls in dem dreyssig -jährigen Krieg 
mittelst übernommener Geisselschafften vor das Herfoogthumb als 
getreue Patrioten sich erwiesen)« willig verstanden. 

Ohue von den Ihrigen Abschied zu nehmen, reisten sie 
den 10. August von Heidenheim über Göppingen ab und stellten 
sich dem unfern Ebersbach stehenden 4000 Pferde starken Corps 
des Generals Talard, welch letzterer sie mit den Worten empfing: 
»Ihr seid gerade recht gekommen und rechte Erlöser und Engel 
eures Vaterlandes, denn wo ihr noch länger ausgeblieben wäret, 
hätte ich wohl gewusst, wie ich euch herbeibringen sollte.« 

Und wirklich hatte der General auch bereits die Ordre erhalten, 
noch denselben Tag mit der Urandleguug Göppingens und 20 anderer 



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— 203 - 

Ortschaften anzufangen und damit bis zum Eintreffen der Geissein 
fortzufahren; eine schreckliche Weisung, die man nun sofort sistirte. 

Fischer wurde mit den Geissein, welche inzwischen noch unter- 
wegs zu ihnen gestossen waren, erstlich zur feindlichen Haupt- Armee 
bei Vaihingen, sodann weiter nach Strassburg als Gefangener gebracht 
und anfangs auf dem sogenannten Fort Saint Pierre an dem Stein- 
strassen-Thor, einige Zeit nachher aber zur mehreren Mortification 
in der Citadelle daselbst internirt. 

Obwohl sie nun alles Ungemach geduldig ertrugen in der 
Hoffnung, dass es bald ein Ende nehmen und ihre gänzliche Be- 
freiung nächstens erfolgen werde, so nahm doch die Erbitterung 
und Ungeduld am französischen Hofe so sehr zu, dass scharfe Ordre 
nach Strassburg ergieng, die gesammten Geissein sollen von der 
Citadelle nach Metz gebracht, und bis zur Erlegung der Gelder 
oder Leistung hinlänglicher Caution in enge Gefangnisse gesetzt 
werden. Sofort wurden daher die gesammten übrigen Geissein zu 
ihrer grossen Disconsolation dahin abgeführt, Fischer dagegen wurde, 
da ihn eine tödtliche Krankheit überfiel, gestattet, in der Citadelle 
zu verbleiben. Anderthalb Jahre lang lag er anfangs an einem 
hitzigen Fieber, das sich nachher zu einem beständigen, zuletzt in 
ein quartanes verwandelte, darnieder. 

In dieser Krankheit aber fand er reiche Erquickung dadurch, 
dass seine geliebte Gattin, welche bald nach seiner angetretenen 
Geisseischaft mit einem Söhnlein, Christian Friedrich, niederge- 
kommen war, zu ihm ohne Achtung aller Gefahr und Mühe gelangte 
und 10 Tage bei ihm verweilte. 

Nachdem er von seiner Krankheit wieder hergestellt war, be- 
mühte er sich, die völlige Befreiung der gesammten württember- 
gischen Geissein möglichst zu befördern, wie dieselbe denn auch nach 
fast dreieinhalbjährigem unaussprechlichem Ungemach und Aengsten 
endlich vor sich gegangen und die Wiederaukunft und der Einzug der 
Geissein in der Herzoglichen Residenz den 29. November 1696 zu 
allgemeiner Freude der Herrschaft und des Landes glücklich erfolgte. 



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— 204 — 

Fischer lag nach wie vor seinen Amtsgeschäften mit allem 
Fleiss und Eifer bis zu seinem, den 15. September 1705 an einem 
Schlagfluss erfolgten, Ende ob. 

Seine Gattin war seit 16. November 1680 Maria Jacobina, 
Tochter des Visitations - Expeditions-Raths und Kirchen - Kastens- 
Verwalters Johann Schmid, aus welcher mit 13 Kindern gesegneten 
Ehe 4 Söhne und 8 Töchter den Vater überlebten. — 

Von weiteren Trägern dieses Namens mögen hier angeführt 
werden : 

Eberhard Ludwig Fischer, geb. 1695 in Grossheppach, an- 
fangs Pfarrer in Zavelstein, zuletzt Oberhofprediger und Consistorial- 
rath, f 1773. Besondere Thätigkeit entfaltete er, die magna 
Charta Württembergs zu Stande zu bringen ; auch gab er mit Tafmger, 
Hammer und Bühuber das Württembergische Gesangbuch, Stuttgart 
1741, heraus. — 

Johann Eberhard Fischer, geb. 1697 in Esslingen, Prorector 
am Gymnasium in Petersburg, nachmals Professor der Geschichte 
und Alterthumskunde. Derselbe machte 1739—1747 die Expedition 
nach Kamtschatka mit und starb 1771 in Petersburg mit Hinter- 
lassung mehrerer Schriften. — 

Reinhard Ferdinand Heinrich Fischer, geb. 1746 in Stuttgart, 
Herzoglich Württembergischer Oberbaudirektor und Major, t 1813. 
Unter seiner Leitung entstanden vorzugsweise die Park-Anlagen 
nebst Gebäuden zu Hohenheim und Scharnhausen. Seine Gattin war 
Juliana Charlotte, geb. Bllflnger. — 

Friedrich Christoph Jonathan Fischer, geb. 12. Febr. 1750 
in Stuttgart, studirte in Tübingen die Rechtswissenschaft und doc- 
torirte daselbst. Im Jahr 1775 reiste er nach Wien und nahm 
dort 1776 die Stelle eines Secretärs bei der badischen Gesandtschaft 
an, musste sich aber 1778 von Wien wegbegeben, worauf er sich 
theils in Regensburg und Augsburg aufhielt, bis er als Herzoglich 
Zweibrückischer Legationssecretär nach München kam. Später, im Jahre 



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- 205 — 

1779, zum Professor des Staats- und Lehenrechts in Halle und zum 
ordentlichen Mitgliede der dortigen Juristen - Fakultät ernannt, starb 
er 30. September 1797. - 

Friedrieh Ton Fischer, Königlich Württembergischer Staats- 
rat^ Kommenthur des Kr.-O., t 2. Januar 1841. — 

Ferdinand Ton Fischer, geb. 1784 in Stuttgart, Baurath 1818, 
Vorstand und Hauptlehrer an der Polytechnischen Schule 1834, 
Oberbaurath 1844, 1852 in Ruhestand getreten, t 20. September 
1860. — 

Wilhelm von Fischer, Dr. juris, Sohn des Vorigen, Oberßnanz- 
rath, Ritter des W. K.-O. I. Cl., vermählt mit Marie, geb. Sattler. 
Er starb den 16. August 1875. — 

t. Fischer, Sohn des Stadtdirectors t. Fischer, Excellenz, 
6ros8kfeuz des Fr.-O., Königlich Württembergischer Generallieutenant, 
Kommandant der Infanterie-Division, Gouverneur von Stuttgart, t 4. 
October 1868. 

Das FüntUchWürttembergiacbeDienerbnch enthält folgende höhere Beamte des 
Kamen« Fischer (Pisearius, Viseher): Amptmann 456; Cl- Verwalter 258, 260; O.Rath 63; 
Pfleger 475 ; TntelarBath 97 ; Vogt 506. — Caspar, Vogt 445. — Christian, Btattschreiber 
603. — Christ. Fried., Pfarrer 460. — Christoph Ludwig, Gel. O.Rath 66; Vogt 541. — 
Kherh., Hofprediger 193; Pfarrer 547. — Ferd. Christoph, CantzleiAdvoc. 96. — Frans 
Dan,, Ol. Verwalter 253: Vogt 446. — Fried., CLPfleger 286. — Gsorg, Geiatl. Verwaltter 
611; Keller 614, Vogt 412. — Georg Ändr., Cl.Hofmeiater 349; Cl. Schaffner 290; Gaistl. 
Verwaltter 387. — Georg Dan., Rechenbanckh&Rath 153 ; WaysenHansaPfleger 556. — Georg 
FristL, Hersogl. O Bibliothecar 42. — Georg Mich., Stattachreiber 388. — Hans, Ambtmann 
470; Waldvogt 503. — Hans Georg, Ambtmann 471; KeUer 453, 614; .Rays. Schultheis 
417; Vogt 464. — Hein,: Frid., Cl. Pfleger 286. — Joh, C I.Pfleger 322, Stattachreiber 414; 
StiftaKeUer 374; Vogt 306, 423. — Joh. Conr., Abt 243. — Joh. Kherh., CunteleiAdvoc. 
94. — Joh. Georg, CLPfleger 320; Cl. Verwalter 324; SUttachreiber 578, Vogt 62, 413, 452, 
470. — Joh. Joe., Regtetrator 83; Carole! Advoc 95; Gel. O.Rath 62. — Joh. Wilh. Chri- 
stian, LebenSecretar 82: Reg.RSecretar 75. — Israel, Stattachreiber 388 — Ludw. Chri- 
stoph, Cammer-Procurator 109. — Ludw. Eberh., Abt 238, 281 , CammerProcurator 109 ; 
Oantzlei Adroc. 95, Geiatl. ConnlstRath 138; Gel. Geh.Rath 28; Gel. O.Rath 68; Pfarrer 
546; Mittwochs Prediger 651; RenthCh.Dlrector 108; Vogt 532. — Ludw. Frid., Statt- 
achreiber 422. — Mart., Ambtmann 470. — Mich., Gämmerer 215; Cl. Pfleger 286. — 
Otto, Vogt 604. — Feter, StiftaVerwalter 436. — Phil. Christ., Vogt 390, 532, 54l. - Phil. 
Crmfft, CLPfleger 840. 848; Vogt 696, 606. — PhU. Joe., Geiatl. Verwalter 617; Renth- 
Cb.Becretar 125. — Rupert, StiffteDiacon 549. — Steph. Ludw., RentCh.Secretar, 126. — 
Wolf Vir., Müntzmaieter 664. 



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Platt. 



Johann Jacob Flatt, geb. 18. October 1724 in Balingen, 
widmete sich dem Studium der Theologie nnd stieg nach und nach 
bis zu den höchsten Kirchenstufen Württembergs empor. 

Im Jahre 1749 wurde er Repetent in Tübingen, hierauf Dia- 
konus in Leonberg 1753, Diakonus an der St; Leonhardskirche in 
Stuttgart 1759, Stadtpfarrer daselbst 1781, Hofprediger 1783, Con- 
sistorialrath 1784, Abt zu Herrenalb 1791, als welch letzterer er 
auch im folgenden Jahre starb. Als 1769 die Universität Göttingen 
einen Preis für die beste Abhandlung über die Sünde wider den 
heiligen Geist aussetzte, erhielt er ihn, überhaupt gab er viele höchst 
bedeutende philosophische und theologische Werke heraus. 

Weit berühmter noch als der Vater wurde der Sohn: 

Dr. Johann Friedr. von Flatt, welcher den 20. Februar 1759 
zu Tübingen geboren wurde. Derselbe absolvirte das Gymnasium in 
Stuttgart und bezog hierauf die Universität und das Stift zu Tübingen. 
1781 wurde er Bibliothekar und Repetent an jenem Stifte und hielt 
daselbst mathematische und dogmatische Vorlesungen. 

Nachdem er wenige Jahre darauf von einer gelehrten 'Reise 
aus Norddeutschland zurückgekehrt war, wurde er 1785 in Tübingen 
als ausserordentlicher Professor der Philosophie angestellt, 1792 aber 
zum ausserordentlichen Professor der Theologie und 1798 zum Su- 
perintendenten am evangelischen Stifte und ordentlichen Professor der 
Theologie ernannt. 1817 bekam er die Probstei Stuttgart und 1820 
die Würde eines Prälaten, als welcher er auch 24. Nov. 1821 starb. 

Flatt entfaltete eine vielfach literarische Thätigkeit und hul- 



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— 207 — 

digte als theologischer Lehrer und Schriftsteller dem supranaturalisti- 
schen Systeme Siorr's, das er in seinen Schriften mit der Kantischen 
Philosophie in Einklang zu bringen suchte. 

Ein ebenso eifriger Theologe und Schriftsteller wie der Eben- 
genannte war sein Bruder: 

Dr. Carl Christian von Flatt, Prälat und Studienraths-Director, 
geb. 18. August 1772 zu Stuttgart. Derselbe studirte zu Tübingen 
Theologie und wurde nach Absolvirung derselben zuerst als Biblio- 
thekar, hernach als Repetent im Seminar in Tübingen angestellt. 

Im Jahr 1803 kam er als Stadtvikar nach Stuttgart, wurde 
im Spätjahr desselben Jahres Helfer in Cannstatt und ebenfalls noch 
im gleichen Jahre als Professor der Theologie nach Tübingen berufen. 
Im Jahr 1812 erhielt er die Stelle eines Stiftspredigers und Ober- 
Consistorialraths in Stuttgart, und im Jahre 1813 die Ernennung 
zum Mitglied des Königlichen Oberstudien raths. 1829 kam er als 
Generalsuperintendent nach Ulm und wurde nach dem Tode des 
Directors von Süskind mit dem Directorium des Königlichen Studien- 
raths betraut. 

Flatt bezeigte sich ebenso eifrig wie sein Bruder in der Ver- 
teidigung der Störrischen theologischen Ansicht und starb 1843. 

Ober-Consistorial-Bath Dr. von Klaiber sprach am Schlüsse 
der im Namen der Synode, des evangelischen Consistoriums und des 
Königlichen Studienraths am Grabe des Verstorbenen gehaltenen 
Rede u. A. Folgendes: „Gott gebe dem auch dir so theuren Vater- 
lande, Er gebe der Kirche, deren treuergebener Sohn und Hirte du 
warst, Er gebe den Lehranstalten, die du auf dem Herzen trügest, 
fortan Männer, wie du warst, Edler! Unvergesslicher!" 

Da« Forstlich Württembergische Dienerbuch enthalt folgende höhere Beamte 
des Hamens Flatt: Carl Christ. StifftsPrediger 645. — Joh. Joe., Abt 289; Geistl. Oonsist.- 
Ratb 139. - Hofprediger 193 ; Pfarrer 625, 648 ; SpitalDiacon 562 ; StüTts-Diacon 651. 



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Flattich. 



M. Johann Friedrich Flattlch, der in Württemberg durch seine 
Originalität und seinen christlichen Sinn allbekannte Pfarrer zu Mün- 
chingen, Sohn des Baths-Amtmanns in Beihingen Jon. Wilhelm 
Flattlch, und der Maria Verontca, Tochter des Stiftungsverwalters 
Kapff in Backnang, Enkel des Levl Flattich aus Mähren, wurde 
zu Beihingen den 3. October 1713 geboren. 

üeber seine Herkunft erzählt er selbst Folgendes: 
„Mein Voreitere vor 200 Jahren war ein Edelmann.* Dieser, 
„weil er sollte katholisch werden, vcrliess um des Glaubens willen 
„sein Edelmannsgut Sein Fürst gab ihm aber einen Adelsbrief, 
„dass, wenn mit der Zeit er oder seine Nachkommen sollten die 
„Religion ändern, so sollte er seinen Flecken, der Flattach hiess, 
„wieder bekommen." 

„Dieser Edelmann zog nach Nussdorf. Sein Sohn wurde allda 
Schultheiss, sein Enkel wurde ein Pfarrer." 

„Mein Vater, der in den Kriegszeiten von seinen Eltern weg- 
„kam und in seinem 17. Jahre bei einem Edelmann Koch wurde, 
„diesen wollte die Tochter von dem Edelmann heirathen, wenn er 
„nur auch ein Edelmann wäre. Er reisete desswegen heraus und 
„forderte seinem Vater den Adelsbrief ab, sagte aber nichts davon, 
„dass er einen andern Glauben annehmen wolle. Sein Vater Hess 
„seinen altern Sohn holen. Dieser forschte seinen Bruder aus und 

* Derselbe hiess Ferdinand Lewin Ftattich auf Flattach und lebte zu Brunn In 
Mähren. 



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- 209 - 

„nahm wahr, dass er seinen Glauben ändern wolle, um diese Edel- 
„mannstochter heirathen zu können." Es wurde aber nichts daraus. 
In Württemberg fand der Exulant Flattich eine neue Heimath. 
Ein Nachkomme von ihm war der Special in Freudenstadt, Johann 
David Flattich, welcher sein Amt mit aller Treue verwaltete und 
daselbst 1735 im 71. Jahre seines Alters starb. 
Seine Grabschrift lautet: 

Ein Flattich von Geburt, nicht flatterhafter Geist, 
Johannes in der That, als Werk und Nam beweist, 
Ein David, der im Tod den Goliath besiegt, 
Und jetzt in Zionsburg lebt selig und vergnügt. 

Johann Friedrich Flattich, anfangs Garnisonsprediger auf 
Hohenasperg, hierauf Pfarrer zu Metterzimmern, zuletzt zu Mün- 
dungen. Flattich war ein Mann fürs Volk und wusste sich durch 
seine klaren und einfachen, von Weisheit erfüllten, Predigten eine 
solche Zuneigung und Liebe nicht nur seiner Gemeinde, sondern des 
ganzen Landes zu gewinnen, dass an Sonntagen seine Kirche von Zu- 
hörern aus allen Theilen des Landes überfüllt "war. Als Beweis des 
guten Humors, den Flattich mit einem gesunden Christenthum ver- 
einigte, möge Folgendes dienen: 

Als zu FlatticKs Zeit die Mode des Puderns (die Haare mit 
Mehl zu bestreuen) eingerissen und überall im Schwünge war, sah 
man ihn selbst dennoch nie gepudert. Als nun einst bei einem 
Gastmahl auf Herzog Karls Solitude u. A. auch Flattich eingeladen 
war, sah man natürlich lauter gepuderte Köpfe mit Ausnahme 
FlatticKs. »Warum bat er sich denn nicht gepudert?« sagte der 
Herzog. »Euer Durchlaucht,« erwiderte der Pfarrer, »weil ich mein 
Mehl zu den Rnöpfle brauch.« 

Flattich vermählte sich den 12. Mai 1742 mit Christiana Mar- 
garetha, Tochter des Pfarrers Johann Melchior Gross in Murr, mit 
welcher er in 29 jähriger, sehr glücklicher Ehe lebte. Als sie in 
ihrem 50. Jahre, den 13. December 1771 ihm von der Seite ge- 
nommen wurde, stellte er ihr folgendes köstliche Zeugniss aus: 

9. Qeorgii-Qeorgtnau, Biographisch-Genealogische Blätter etc. 14 



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— 210 — 

„Eine Ehegattin, welche vor ihren Ehemann treulich besorgt war, 
„eine Mutter von 14 Kindern, wovon 8 gestorben, und 6, nemlich 
„2 Söhne und 4 Töchter, noch leben, eine Stiefmutter von mehr als 
„200 jungen Leuten, welche sie seit 30 Jahren in der Kost und 
„Information ihres Mannes treulich verpflegte; eine Hausfrau, welche 
„Mägde und Taglöhnerinnen ohne Herrschsucht mit Liebe und Sanft- 
„muth behandelte; eine Pfarrerin, welche nicht herrschsüchtig und 
„eigennützig war, sondern in Gottesdienst, Demuth, anhaltender 
„Arbeit und andern Tugenden der Gemeine ein gutes Exeinpel gab; 
„eine Gutthäterin, die sich's sauer werden Hess, um Gutes thun zu 
„können; und die es vor seliger hielt, zu geben, als zu nehmen; 
„eine Kreuzesträgerin, welche von Kindheit auf durch ihren Waisen- 
„stand, durch viele Geburten, durch kränkliche und sterbende Kinder, 
„durch eine schwächliche Leibesconstitution und manche harte Krank- 
„keiten, durch eine immerwährende weitläufige Haushaltung, welche 
„fast niemals unter 20 Personen war, bewährt wurde, eine Ueber- 
,, winder in, welche im Glauben und Geduld auch in ihrer letzten 
„Krankheit gestorben ist" 

Flattich starb den 1. Juni 1797, im 83. Jahre seines Alters. 
Kinder : 

I. Regina Beate, verm. 8. Juni 1776 mit dem bekannten Pfarrer 
und Mathematiker in Echterdingen Philipp Matthäus Hahn. 

II. Elisabethe Friederike, verm. erstmals im Jahr 1793 mit 
Pfarrer Johann Andreas Schmidt von Böckingen a. Brenz; 
zum zweitenmale mit Pfarrer Christoph Friedrich Hartmann 
von Grossheppach. 

III. Regina Veronica, verm. 16. Mai 1776 mit Stiftsamtmann 
Wilhelm Friedrich Trautwein. 

IV. Helena Maria, verm. 28. Februar 1786 mit Georg Michael 
Hörmann, Notar und Amtssubstitut. 

V. Andreas Friedrich Flattich, geb. 13. (22.) December 1752, 



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- 211 — 

Pfarrer in Engstlatt 1789, verm. seit 12. October 1786 mit 
Christiana Friedrike, Tochter des Hofgerichts- Assessors und 
Borgermeisters von Tübingen Jacob Heinr, Dann, Schwester 
des Stadtpfarrers Dann.* 
VI. Christian Ludwig Flattich, geb. 7. (16.) October 1756, t 
29. December 1822, Pfarrer in Suppiugen 1797, Heimsheim 
1803, Münchingen 1817, verm. mit einer geb. Hartmann. 

* Dann hatte noch 4 weitere Brüder, nämlich: 

L Joh. Wolfgang Heinr., Hofgerichts- Advokat, nachmals Hof-Muaictiß in Pforz- 
heim ; IL Immanuel Gottlob, Vlce-Oommandant auf Hohenasperg ; III. Christoph Gottlieb, 
Pfarrer in Weilheim bei Tübingen ; IV. Joh. Friedr., Oberjustizrath. 



Das Fürstlich Württembergische Dienerbuch enthält folgende Träger des Namens 
Flattich: Andr. Jac, Ambtschrelber 293. — Christian Wilh., AmbtBchreiber 293; Gastkeller 
554; Exped.-Rath 113. — Joh. Albr., Cl.Pfleger 250; Keller 404; Schulthciss 567; Vogt 
501. — Joh. Mari., Cl.Pfleger 323 ; Geistl. Verwaltter 449. — Wilh. Frid., Registrator 45. 



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Gabelkhofer. 



Osswald Gabelkhofer, geb. 3. September 1539 zu Memraingen 
als Sohn des Med. Dr. Osswald Gabelkhofer und der Barbara Frd- 

schelmoser von Salzbarg, stammte ans einem altadeligen Geschlechte, 
welches Jahrhunderte lang Bayern angehörte und grosse Ritter- und 
Lehen-Güter daselbst besass. Um 1467 verliess das Geschlecht der 
damaligen Eriegszeiten wegen das Vaterland, liess sich in Oesterreich, 
Kärndten, Steyermark, der Forstlichen Grafschaft Cyli und andern 
benachbarten Fürstentümern nieder und verzweigte sich daselbst in 
grosser Anzahl. 

Der vorbenannte Vater Gabelkhofers, der ein Sohn Wolff- 
gangs III. Gabelkhofer und der Margaretha Pöglen (welches Ge- 
schlecht hernach den Freiherrntitel führte) war, kam von Steier- 
mark nach Memmingen, wo ihm, wie schon bemerkt, sein Sohn 
Ossuoald geboren wurde. 

Letzterer widmete sich zu Tübingen dem Studium der Medicin 
und doctorirte 1563 zu Bologna. 

Im Jahr 1563 ernannte ihn Herzog Christoph zum Stadtarzt 
in Göppingen. Mehrmals wurden ihm in der Folge von verschiedenen 
Kurfürsten und Reichsstädten ansehnliche Stellen offerirt, welche er 
indess der reinen Religion wegen jedesmal ausschlug. 

1580 zum Hofarzt Herzog Ludwigs ernannt, starb er, nach- 
dem er 4 regierenden Herzogen von Württemberg in 54 jähriger 
Dienstzeit die erspriesslichsten Dienste mit besonderer Treue geleistet 
hatte, 31. December 1616. 



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- 218 — 

In der von dem Herzoglich Württembergischen Bath und Probst 
in Stuttgart, Erasmus Grüninger, auf ihn gehaltenen Leichenrede 
heisst es u. A. wörtlich wie folgt: 

„Ueber dem, dass er ein sehr nutzliches Arzneibuch schrieb, 
versah er auch gleichzeitig die Stelle eines Württembergischen 
Bibliothekars und lag, da er grosse Lust und Liebe für das Studium 
der Geschichte und der Genealogie hegte, denselben mit ausserordent- 
lichem Eifer und unsäglicher Mühe ob. Aus allerhöchstem Auftrag 
schrieb er die heute noch als vorzüglich geltende Württembergische 
Geschichte, welche er nebst seinem Sohne, der ihm adjungirt worden 
war, innerhalb 20 Jahren ausarbeitete." 

Durch seinen aussergewöhnlichen Pleiss und durch Benützung 
der Urkunden und Actenstücke, die er im Archive vorfand, war es 
ihm möglich, Verschiedenes, was bisher nur von einem Geschichts- 
forscher den andern nacherzählt worden war, auszumerzen, wobei ihn 
in der letzten Zeit sein nachbenannter Sohn Johann Jacob Gäbel- 
khofer, der ebenfalls Leibarzt und zugleich merkwürdigerweise als 
Begistrator (Archivar) angestellt war, unterstützte. Gabelhhofer war, 
wie Pfaff in seinem „Württembergischen Plutarch" sagt, ein Mann 
von trefflichem Charakter, Geiste, redlich, mildthätig, (die Armen 
behandelte er stets unentgeltlich), fromm, eifrig und treu in seinem 
Berufe. Er vereinte viel theoretische Kenntnisse mit einem ausge- 
breiteten praktischen Wissen, aber sein wichtigstes Verdienst, das ihn 
eigentlich unsterblich machte, sind seine Arbeiten über die Württem- 
bergische Geschichte. 

Seine Gattin war seit 1565 Ursula, Tochter des Dr. Uieronymus 
Cterhart, Herzoglich Württembergischen Vice-Canzlers. 

Kinder: 
. I. Barbara Gabelkhofer, geb. 28. August 1576, verm. mit dem 

Vogt zu Maulbronn Heinrich Eberhard Herbst. 
II. Ursula, geb. 16. December 1581, vermählt mit dem Prälaten 

zu Blaubeuren Joseph Osiander, 



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— 214 — 

III. Wolfgang Gabelkhofer, Med. Dr. und Physikus in Calw. 

IV. Hieronymus Gabelkhofer, Herzogl. Württembergischer Canzlei- 
Advocat. 

V. Johann Jacob Gabelkhofer, Herzogl. Württembergischer Leib- 
arzt und Hofregistrator. 

VI. Christoph Gabelkhofer, J. U. Lic, widmete sich dem Studium 
der Rechte zu Tübingen, Jena, Giessen und wieder zu Tübingen, 
worauf er von der Gräfin Elisabetha von Manderscheid, geb. 
Gräfin von Stolberg, zu deren Rath ernannt wurde. Nach dem 
Tode der Letzteren kam er in gleicher Eigenschaft zu den 
beiden Preiherrn Hermann und Moritz von Criechingen. 

1624 wurde er Stadt-Ammann in Esslingen, 1627 Bürger- 
meister dieser Stadt. Nachdem er noch zum Besten der Stadt 
zwei Reisen zum Könige von Schweden in dessen Lager unter- 
nommen, starb er den 19. Mai 1632. Seine Gattin war seit 
1616 Barbara, Tochter des Reichs-Ritterschaftlichen Secretars 
Jerg Jang. 

Ebenfalls dieser Familie gehörte an: 

Wolfgang Gabelkhofer, Pfarrer zu Eschingen 1561 — 1566, 
t 1566. 



Das Fürstlich Württemberglscho Dienerbach enthält folgende Gabtlkhovtr (Gabel- 
chover): Hier oh., CantzleiAdvoc. 93. — Joh. Jak., Archivar 38. — ■ Oswald, LeibMedlc u. 
Historie. 38, 104, Stattphysic. 436. Wolffg., LeibMedic. 195. 



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Gärtner. 



Acliatius Gärtner, wurde zu Tübingen den 23. November 1662 
als Sohn des in Folge des dreissigjäbrigen Krieges aus seiner Wohnung 
und seinen Aemtern zu Weissenburg am Sand der Beligion wegen 
vertriebenen Acfaatlns Gärtner geboren. Derselbe erlernte die Phar- 
macopoea und wurde nach Absolvirung dieses Studiums von seinem 
Herzoge einer Gesandtschaft nach Spanien als Beichs-Apotheker em- 
pfohlen, welche Sendung er jedoch ablehnte, da er dabei für seine 
Religion fürchtete. 

Hierauf wurde er an dem chemischen Laboratorium der Einhorn- 
Apotheke in Würzburg angestellt, wo er bald darauf zum Hofapo- 
theker ernannt werden sollte, was er wiederum wegen Gefahrdung 
seiner Religion abschlug, da er, wie es wörtlich heisst, „vielmehr 
das ewige Gut dem zeitlichen Glück vorzog." Von Würzburg aus 
kam er nach Frankfurt a. M., von da nach Nürnberg als Provisor 
in die StöberUn schs Apotheke. Nach dem französischen Einfall und 
der Einäscherung der Stadt Calw wurde er von 16 Apothekern in 
Anbetracht seiner besonderen Wissenschaften zur Wiederaufrichtung 
der dortigen Apotheke berufen, auch zuletzt als Stadt- und Land- 
Apotheker in Calw angestellt, ein Amt, das er 36 Jahre lang als 
ein Jedermann, besonders aber den Nothleiden*len,'sich gerne behülf- 
lich erzeigender Mann verwaltete. Er starb 3. April 1728. 

Seine Ehegattin war seit 20. August 1695 Maria Elisabeth», 
Tochter des Bürgermeisters und engeren Landschafts-Ausschuss-, auch 
Handlung8-Compagnie- Verwandten Christoph Meyer. Söhne: 



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- 216 - 

I. Achatias Gärtner, Land- und Stadt- Apotheker - in Calw, verm. 
seit 17. August 1723 mit Regina Margaretha, Tochter des 
Special-Superintendenten und Stadtpfarrers zu Wildberg Uher, 
welcher Ehe 2 Söhne entsprossten. 

II. Christoph Gärtner, Herzoglich Württembergischer Hofgerichts- 
Advocat. 

III. Joseph Gärtner, geb. 23. Januar 1707. Derselbe hatte in 
seiner Jugend den M. Flattich, nachmaligen Garnisonsprediger 
in Kehl, zuletzt Pfarrer zu Münchingen, zum Informator, stu- 
dirte hierauf zu Tübingen unter den Doctoren Elias und 
Alexander Gammer er Mediän, begab sich 1729 auf Reisen 
nach .Heidelberg, Frankfurt, Giessen, Coblenz, Bonn, Cöln, 
Aachen, Löwen, Maastricht, Brüssel, Antwerpen und weiter bis 
Amsterdam und nach England. Von da reiste er über 
Dover und Calais nach Paris, wo er sich längere Zeit aufhielt, 
und kehrte, nachdem er inzwischen 1730 von der Tübinger 
Universität zum Doctor der Medicin ernannt worden war, einige 
Monate später über Nancy, Luneville, Colmar, Strassburg, 
Kastadt und Carlsruhe nach Hause zurück. 

Als er 1731 die Ernennung zum Herzoglich Württem- 
bergischen wircklichen Hofmedicus erhalten, auch eben zu 
Ludwigsburg durch den abgelegten Eid Possession genommen 
hatte, überfiel ihn zu Stuttgart ein hitziges Fieber, welchem 
er den 21. Juli 1731 in seiner Vaterstadt Calw erlag. 

Seine Gattin war Eva Maria, Tochter des Johann 
Ludwig Wagner, Handlungs-Compagnie-Verwandten in Calw. 

Derselben Familie gehören an: 
Joseph Gärtner, geb. 1732 in Calw; er widmete sich zu Tü- 
bingen und Göttingen dem Studium der Medicin, verlegte sich aber, 
ob er gleich keinen Theil dieser Wissenschaft vernachlässigte, haupt- 
sächlich auf Botanik. 



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— 217 — 

Nachdem er mehrere Jahre Europa bereist hatte, wurde er 
zum Professor der Anatomie in Tübingen ernannt und erhielt bald 
darauf einen Ruf nach St. Petersburg, dem er auch 1768 folgte. 
Zwei Jahre lang wirkte er als Professor der Botanik und Director 
des botanischen Gartens daselbst, indem er zugleich seine Stellung 
zu vielen Reisen bis in die Ukraine, wo er für die Pflanzenwelt eine 
Menge neuer Entdeckungen machte, benützte. So fasste er den Ge- 
danken, den inneren Bau der Früchte und Samen der Gewächse ge- 
nauer und umfassender, als bisher geschehen war, mit dem anato- 
mischen Messer und dem Mikroskop zu untersuchen und hiemit die 
Grundlagen zu einer Classification der Gewächse zu gewinnen, auf 
welche dann Jussieu sein natürliches System gründete. 1770 kehrte 
er ins Vaterland zurück, wo er als Privatmann lebte und sich mit 
botanischen Studien beschäftigte. Noch als älterer Mann unternahm 
er mehrere Reisen nach England und Holland und starb 1791. Die 
von ihm begründete Unterscheidung der Pflanzen nach der Frucht- 
bildung gab der Botanik eine neue Richtung. Eine Fortsetzung 
seines bedeutendsten Werkes »de fructibus et seminibus« mit 180 
Kupfertafeln nach Gärtners eigenen Zeichnungen, Stuttgart 1789, 
gab sein nachbenannter Sohn unter dem Titel: >Supplementum 
carpologiae«, Leipzig 1805, heraus. — 

Carl Friedrich von Gärtner, Dr. med., Sohn des Vorigen, geb. 1. 
Mai 1772 in Calw, liess sich, nachdem er seine Studien an der hohen 
Karlsschule zu Stuttgart und an der Universität Tübingen, dann in Göt- 
tingen vollendet und wissenschaftliche Reisen durch Deutschland, Holland, 
England und Frankreich gemacht hatte, als praktischer Arzt in Calw 
nieder, widmete sich aber daneben fortwährend dem Studium der Natur- 
wissenschaften und insbesondere der Botanik. Im Jahre 1824 begann 
er seine Untersuchungen über die Befruchtung der Gewächse und die 
Bastarderzeugung, welche er in beinahe 10,000 Versuchen ein Vfer- 
teljahrhundert hindurch fortsetzte, und zu deren ungestörter Betrei- 
bung er sich von der ärztlichen Praxis zurückzog. Nachdem er schon 
1837 für die erste Veröffentlichung seiner Arbeit von der hollän- 



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— 218 — 

dischen Akademie der Wissenschaften zu Harlein den goldenen Ehren- 
preis nebst der ausserordentlichen Belohnung erhalten hatte, erschien 
das vollendete Werk in zwei Bänden 1844 and 1849. Die von 
Vater und Sohn hinterlassene bedeutende Sammlung von Naturgegen- 
ständen aus allen Naturreichen machte die Tochter des Sohnes, Emma, 
im Jahre 1860 dem botanischen Institut der Universität Tübingen 
zum Geschenk, worunter insbesondere ein reiches Herbarium, ferner 
die historisch merkwürdige Sammlang der Früchte und Samen, deren 
Untersuchung den Stoff zu der classischeu Carpologie geliefert hat. 

Eine weitere Tochter Bertha Emilie Caroline, geb. 21. August 
1824, ist seit 28. Mai 1859 die Gattin des Dr. phil. Bcrnliard 
Hückel, geb. 19. Mai 1826 im Departement de bas Bhin. 

Gärtner war mit Sybille Christians, geb. Wagner, vermählt 
und starb ohne mäunliche Nachkommenschaft zu hinterlassen, im 
Jahre 1850. 



Das Fürstlich Württembergische Dienerbuch enthält nur einen Beamten Namens 
Gärtner: Christoph, Vogt 282. 



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Gärttner. 

Carl Friedrich von Gärttner, geb. 16. Nov. 1787, Sohn des aus 
Zelle in Hannover stammenden Stadtum gelders in Backnang Christian 
Heinrich Gärttner und der Margaretha, geb. Baumeister, machte an- 
fangs 8 Jahre lang als Unterlieutenant die Napoleon ischen Feldzüge mit, 
wohnte der Völkerschlacht bei Leipzig bei, wurde Regimentsarzt und er- 
hielt in dem letzten Feldzug, welchen er im Jahr 1814 nach Frank- 
reich machte, den Königl. Civil- Verdienst-Orden , nahm seine Ent- 
lassung, studirte in der Folge noch zu Tübingen und machte solche 
Fortschritte, dass ihm 1816 die erledigte Stelle eines Universitäts- 
Operateurs übertragen wurde. 1817 wurde er Lehrer an der, mit der 
klinischen Anstalt verbundenen wundärztlichen und Hebammenschule 
und erhielt am Reformationsjubelfeste das Diplom eines Doctors der 
Chirurgie, in welch letzterer er in tausendfältigen Operationen sich 
Jahre lang Erfahrungen gesammelt hatte. Im folgenden Jahre wurde 
er ausserordentlicher Professor und starb 17. Oct. 1833. 

Gattin: seit 12. Oktober 1817 Louise Friederike, Tochter des 
Universitäls-Cameralverwalters Jöh. Fried. Gess. Kinder: 

I.« Carl Friedrich Gärttner, Pharmaceut in Stuttgart, geb. 27. Juli 

1818, verm. seit 25. Nov. 1847 mit Bertha, Tochter des t 

Stadtraths Merkel in Stuttgart. 

II. Gustav Hermann Gärttner, practischer Arzt in Tübingen, geb. 
10. Oct. 1820, verm. mit Louise Bossert von Tübingen. 

III. Heinrich Otto von Gärttner, geb. zu Tübingen 26. April 1822, 
Dr. med. et chir. , Augenarzt, Königlicher Leibarzt, Ober- 
Medicinalrath ; verm. I. seit 18. Juli 1857 mit Rosine Louise, 
geb. Schumann; II. seit 13. September 1864 mit Clara, 
Tochter des Fabrikanten Merkel in Esslingen. 



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— 220 — 

IV. Oskar Wilhelm Gärttner, geb. 19. December 1830, Oberamte- 
actuar in Tübingen, Reg.-Assessor in Stuttgart, verm. mit Auguste 
Elsässer, Tochter des Pfarrers Elsässer in Kaltenwesten. — 
Carl Gottlob Christian von Gärttner, geb. zu Bietigheim den 
14. September 1788 als Sohn des Kameral Verwalters in Bietigheim 
Philipp Ludwig Gärttner, Königlich Wörttembergischer Geheimer Le- 
gationsrath, Staatsrat!), dann vom 31. August 1844 bis 9. März 1848 
Finanzminister, Mitglied des Geheimen Raths, vormals Hofkammer- 
Präsident, lebenslängliches Mitglied der Kammer der Standesherren, 
Ehrenmitglied der Centralstelle für Landwirtschaft, Commenthur des 
Ordens der Württembergischen Krone, Grosskreuz des Friedrichs- 
Ordens, sowie des portugiesischen Ordens des hl. Jacob vom Schwert. 
Er starb 18. Juli 1861 im 72. Jahre seines Alters. 

von Gärttner war ein Mann von aussergewöhnlicher Befähigung 
und mit Recht sagte von ihm der Präsident der Kammer der Standes- 
herren, dass durch seinen Tod die erste Kammer eines ihrer thätigsten 
und ausgezeichnetsten Mitglieder, hervorragend durch hohe Einsicht 
und unermüdeten rastlosen Eifer, verloren habe. 

Seine Gattin war seit 23. September 1815 Friederike, geb. 
Autenrieth. Kinder : 

I. Marie, geb. 2. Juli 1828, verm. 3. Jan. 1847 mit dem General- 
director der K. K. Oesterreichischen Südbahn, auch Königlich 
Württerabergischera Oberbaurath von Etzel in Wien. 
IL Sophie, verm. 3. Mai 1847 mit Generalconsul von Georgii- 

Georgenau. 
III. Eduard von Gärttner, Königlich Württembergischer Staatsrath 
und Cabinets-Chef, verm. seit 10. Jan. 1852 mit Emilit, geb. 
Kuhn. Eine Schwester der Letzteren, Ottilie Caroline, wurde 
29. September 1855 die Gattin des Bankiers Wilhelm Georgii* 
Sohns des 1852 t Bergraths Georgii in Stuttgart, weicher 

* Ein Bruder desselben, Paul Georg Eberhard, geb. 15. August 1812, ist Ober- 
amtsrlchtcr in Rottweil, Ritter den Friedrichsordens, vermählt mit Anna, Tochter des t 
Med. Dr. Lipp, aus welcher Ehe eine Tochter Namens Marie, geb. 29. November 1867 
hervorging. 



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— 221 — 

Ehe 1 Sohn Namens Alfred, geb. 27. Mai 1864, entsprosste; 
eine weitere Schwester Julie, geb. 17. September 1837, ist seit 
23. October 1866 die Gattin des Particuliers Breitling; ein Bruder 
endlich, Carl Kuhn, Particulier, geb. 27. September 1838, 
vermählte sich am 29. Mai 1869 mit Agnes, geb. Reuss. — 

Gottlob Gärttner, Bruder des Vorigen, Königlich Württember- 
gischer Oberzollinspector in Ulm, starb vor mehreren Jahren daselbst. 
Gattin: Emilie, geb. Diefenbach. — 

Ein weiterer Bruder war: 

Ludwig August von Gärttner, geb. 30. Sept. 1790, Präsident 
der Oberrechnungs-Kammer, Ritter des Kron-Ordens, Commenthur I. 
Classe des Friedrichsordens, langjähriger Vorstand der Centralleitung 
des Wohlthätigkeitsvereins. Derselbe war, nachdem er früher den 
Oberämtern Besigheim und Cannstatt vorgestanden hatte, 1837 — 48 
Stadtdirektor in Stuttgart, hatte 1866 sein 50 jähriges Dienstjubiläum 
gefeiert, und sich 1868 in den Pensionsstand zurückgezogen. In 
den Jahren 1826 — 1830 hat er das Amt Heilbronn als Abgeordneter 
in der zweiten Kammer vertreten. 

Gattin: seit 2. August 1823 Caroline Wilhelmine, geb. Wolff, 
t 4. Februar 1830. Sohn: 

Emil August Gärttner, geb. 26. Mai 1824, Begierungsrath 
a. D., Bitter des Friedrichs-Ordens, venu. 25. Juli 1854 mit Ottilie 
August*, Tochter des Fabrikanten in Faurndau Adolf Friedrich 
Beekh. Kinder: 

1) Ottilie, geb. 6. November 1855, verm. 11. December 1873 

mit dem Hauptmann v. Flaiz. 

2) Julie Emilie, geb. 25. Mai 1857. 

3) Marie Eugente, geb. 12. Mai 1860. 

4) Elise Augnsta, geb. 19. April 1863. 

5) Augnsta Caroline, geb. 10. Juli 1865. 



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Gall. 

Joseph Anton «all, geb. zu Weil der Stadt 27. März 1748, 
erhielt seine Bildung in Rottenburg a. N., Heidelberg und Bruchsal, 
wurde Katechet an der k. k. Normalschule in Wien, Hofkaplan der 
Kaiserin Maria TJieresia, Pfarrer in Burgschleinitz, Oberster Schul- 
inspektor, Domherr in Wien, und von Kaiser Joseph IL, der ihn 
hoch schätzte, 1788 zum Bischof in Linz ernannt, wo er am 18. Juni 
1807 starb. Sein Tod erregte allgemeines Bedauern. Die Linzer, 
denen er besonders bei dem Einfalle der Franzosen sich hilfreich er- 
wiesen hatte, beweinten ihn wie einen Vater, und bei seinem Leichen- 
begängnisse waren über 15,000 Menschen versammelt. Er war 
ein sehr aufgeklärter Mann, von äusserst milder, duldsamer Gesin- 
nung und machte sich besonders um Verbesserung des Schulwesens 
verdient. Seiner zweiten Heimath hinterliess er aber nicht blos 
seine geistigen Schätze, sondern auch reiche Stiftungen zu Schul- und 
Lehrzwecken. Er schrieb auch viele interessante Schriften. 

Derselben Familie gehörte an: 

Franz Johann Joseph Gall, der bekannte Phrenolog, welcher zu 
Tiefenbronn den 9. (nach Andern 19.) März 1758, als das 5. von 10 
Kindern des dortigen Kaufmanns Joseph Anton Gall und der Maria, 
geb. KlUinger, geboren wurde. Sein Vetter, der vorbenannte Bischof 
Gall, Hess ihn nach Wien kommen und auf seine Kosten Medicin studiren. 
Bis 1805 prakticirte er daselbst als Arzt; während dieser Zeit bil- 
dete er seine neue anatomische Lehre vom Schädel und Gehirn aus, 
die sich auf die Wahrnehmung gründet, dass gewissen ausgezeich- 
neten Geistesvermögen eine bestimmte äussere Schädelbildung und 



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— 223 - 

umgekehrt entspreche. In dieser Beziehung heisst die GalVsche Lehre 
Kranioscopie, Kraniologie (Topographie des Schädels). Sie stützte 
sich auf die Vorstellung, dass das elementare Leben auf 24 Funk- 
tionen oder auf Anlagen wie Verschlagenheit, Sinn für Farben, Kindes- 
liebe etc. beruhe und erregte be; ihrem ersten Auftreten ungeheures 
Aufsehen. 

Da man im Gehirn etwa 60 verschiedene Theile unterscheidet, 
so brauchte Gall einen Leitfaden, um zu erfahren, welche Theile 
denn das Ganze ausmachen und glaubte nun diesen, da er Sonderungen 
im Gehirn nicht finden konnte, in den Erhebungen des Schädels con- 
statiren zu können. 

Seine Schüler haben dann die Topographie des Schädels allein 
zur Wissenschaft gemacht, dadurch aber das wenige Gute von der 
Lehre ihres Meisters vollends verdorben. 

Heutzutage ist GalVs Lehre ein überwundener Standpunkt, in- 
dem die gedachten Andeutungen am äusseren Schädel in den wenig- 
sten Fällen so scharf sind, dass sie für sich herausgehoben einen 
sicheren Schluss verstatten; zudem erscheint es auch meistenteils 
sehr fraglich, ob solche Erhöhungen nicht weit eher von den vielerlei 
Verletzungen und Krankheiten, denen der Mensch in der frühesten 
Jugend schon ausgesetzt ist, herrühren. 

Gegen GalVs Lehre schrieben: Johs. Müller in seinem „Handbuch 
der Physiologie des Menschen" und Flurant „la Phrenologie etc." 1863. 

Immerhin aber war Gall ein geistreicher Mann und feiner 
Beobachter, der durch seine Lehre jedenfalls der Wissenschaft nützte. 

Gall starb in Paris am 22. August 1828. 



Dm Fürstlich Wärttembergische Dienerbuch enthält folgende höhere Beamte 
de« Namens Gall: Christoph, Stadtschreiber 864. — Joh. Andreas, Stadtschreiber 366; 
Vogt 609. — Joh. Christoph, Stadtschreiber 366. — Joh. Ernst, Amptschreiber 260. 287. 
- PhU. Frid., Vogt 488. 610. 



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Georgii, Georgi, Georgy. 

»Die württembergische Familie Georgii* stammt, nach den eigen- 
händigen Aufzeichnungen des im Jahre 1837 im Alter von 75 Jahren 
zu Andeer in Graubündten verstorbenen Obersten von Schorsch, von einer 
anno 1298 aus Pavia nach Splügen in Graubündten eingewanderten 
Familie ab, welch 1 letztere sich auch Schorsch, Georg, Georgii und 
a Georgiis schrieb. Von Pavia kam Georg a Georgiis 1298 nach 
Splügen und wurde 1325 Landamman des ßheinwalds. Dessen Nach- 
kommen nennt Guler unter den rhätischen Edeln; sie bekleideten 
grösstenteils Jahrhunderte hindurch angesehene Staatsämter im Veltlin 
oder zeichneten sich in fremden Kriegsdiensten aus und wurden dann 
freilich, wie Andere auch, in die wiederholten politischen Parteiungen 
verwickelt. 

Landeshauptmann Georg von Georgii z. B. half nach dem zweiten 
Müsser-Krieg 1531 Frieden schliessen mit Johann Jacob von Medicis, 
und ging bald darauf als Gesandter zum Erzherzog Ferdinand von Oester- 
reich. Ritter Georg von Georgii unterzeichnete 1622 „im Namen des 
Hochgerichts ßheinwald und Schams tt den von ihm mitabgeschlossenen 
Mailänder Vertrag. Mit Oberst Georg von Schorsch in Splügen, starb 
1837 das Geschlecht, das auch zu Andeer, Thusis und Flims Vertreter 

* 8o Dr. Lech» er' s, Pfarrers in Thusis, 1875 erschienenes Werkchen „Tnus!*."* 
In einer Lebensbeschreibung des t Ober-Tribunal-Prasidenten von Georgii, welche in dem 
schwäbischen Volksbilderkalender vom Jahr 1847 erschienen und von Generalcontul 
von Georgii in der von Letzterem veröffentlichten „Sammlung von Lebensbeschreibungen, 
Briefen und sonstigen Urkunden, betreffend die Georgii'Bche Familie, zugleich Beiträge 
zur Geschichte Württembergs und Deutschlands ; Stuttgart 1876/ wieder gegeben ist. be- 
findet sich u. A. folgende Stelle: „er — der Ober-Tribunal-Präsident — stammte aus einer 
jener altehrwürdigen Familien, welche wie die Varnbüler und Duvernoy (die Familien 
Duvernoy und Georgii waren seit 1762 verschwägert) erst aus der Schweiz und aus Frank- 
reich eingewandert waren.* 



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— 225 — 

hatte, in Graubündten ans. Der Genannte bestätigte in seinen 
Familien - Schriften , was auch andere Geschichtswerke (darunter 
das helvetische Lexikon von Leu) berichten, dass im XVII. Jahr- 
hundert seine Vorfahren sich auch nach Württemberg verzweigten 
und dort hohe Ehrenstellen erhielten. Ein Nachkomme dieser in der 
Württembergischen Geschichte wohlbekannten Familie, der Königlich 
Niederländische Generalconsul von Georgii-Georgenau in Stuttgart, 
in dessen Händen sich auch eine Sammlung der schweizerischen 
Familien-Urkunden befindet, hat eine interessante Sammlung von 
Familienurkunden drucken lassen. Die Georgii waren auch verwandt 
mit den Salis, Planta, BuoU etc. 

Von demjenigen Stamme, der vor nunmehr bald zwei Jahr- 
hunderten in Württemberg eingewandert ist, mag in erster Linie hier 
aufgeführt werden: 

Johann Eberhard von tieorgil, Herzoglich Württembergischer 
Staatsminister und Consistorial -Präsident, Excellenz, mitvormundschaft- 
licher würklicher Geheimdeßath und Gesandter am Hofe Friedrichs 
des Grossen zu Berlin, geb. 1694, t 1772. Sein Vater Hans Martin, 
war Pfalzgräflich Veldenz'scher Amtmann der Grafschaft Lützelstein, 
Markgräflich Badischer Vogt von Durlach zur Zeit der Zerstörung 
dieser Stadt durch die Franzosen, als welcher er als Abgesandter 
des Markgrafen Magnus, mit dem er auch in Basel weilte, vielfach 
mit dem feindlichen General zu verkehren hatte; ferner war er Land- 
vogt der Markgrafschaft Hochberg und nach seiner Einwanderung in 
Württemberg Herzoglich Württembergischer Rath und Vogt von Urach, 
auch erster Erwerber der im Wittlinger Thal gelegenen Erblehengüter 
tfeorgenau.* Er war vermählt seit 1687 mit Margaretha, Tochter 
des Markgräflich Badischen Raths KiefTer**, J. U. Lt., und der 
Susanna Margaretha, Tochter des J. U. Dr. Dagger (Dagker). 

Der Grossvater Johann Eberhard's war der Hof- und Kammer- 

* Ha** Martin hatte 7 Söhne, von denen nur ein einziger Namens PtUr unver- 
mahlt starb. 

** Dessen einzige Schwester, Sophia Margaretha, war die Gattin des Geheimen- 
raths ä Kulpi». 

v. Georgii-Georgenau, Biographisch- Genealogische Blätter etc. 15 



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— 226 — 

Rath »des weltberühmten eifrig evangelischen Fürsten und Herrn 
Herrn Leopoldi Ludovici, Pfalzgrafen bei Rhein, Herzogen in Bayern, 
Grafen zu Veldenz« Jacob Simon tfeorgii,* geb. 1629, f 1702 zu 
Hornberg**; er bekleidete auch mehrere Jahre lang das Amt eines 
Assessors des Grossen Raths der freien Reichsstadt Strassburg. 

Die Wegnahme Strassburgs durch Ludwig XIV. 1681 und 
der Widerruf des Ediktes von Nantes bewirkten, dass er mit seiner 
Familie dieser Stadt den Rücken kehrte. Er zog mit seinem vor- 
benannten Sohn Hans Martin nach Württemberg, das er nunmehr 
zu seinem bleibenden Aufenthaltsort wählte, während ein anderer Sohn 
von ihm, Jacob Simon, t als Hofrath, nach Bayern sich begab. Ein 
Sohn des Letzteren, Friedrich Ludwig, starb gleichfalls als Ans- 
bachischer Hofrath. Jacob Simon Georgii (der Vater) war bei seiner 
Uebersiedelung nach Württemberg neben seinem Sohne auch von seiner 
ihm am 6. October 1657 angetrauten Gattin Eva Johanna, geb. von 
Stänger,*** »welche«, wie die ihr gehaltene Leichenrede vom 19. Decbr. 
1700 sagt, »obgleich aus einem alt vornehmen Geschlecht geboren, 
wegen der sehr grossen dreissigjährigen Kriegsdrangsalen mit der liebsten 
Frau Mutter sich nach Strassburg aus dem Rheingräflichen und von 
da ihren Gütern retiriren, nachmals in anno 1690 durch die franzö- 
sische gewaltthätige Verfolgung ihr Vaterland, Wohnung und Güter im 
Elsass und Westerich quittiren, anbei fast all ihr zeitliches Vermögen 
im Stich lassen, hernach sich heraus ins Reich begeben müssen.« — 

* Eine Tochter von ihm, Johanna EUsabelha, war die Gattin Heinrich» von OeUn- 
Sacken, Generaladjutant des Prinzen Louis von Württemberg, Kaiserlichen und de« Schwabi- 
schen Kreises Generalfeldmarschalls. 

** Daselbst bekleidete sein Sohn Samson, geb. 18. Februar 1664, t 1735, die Vogts- 
und OberamtmannssteUe. Derselbe hatte von 1689 — 1692 den Grafen von Hanau in der 
Eigenschaft eines Secretärs und Proourators ftsci provincialis auf dessen Reisen in Frank- 
reich, den Niederlanden und Spanien begleitet. Seine Gattin war seit 21. Mai 1695 
Roeamumde, Tochter des OberstUeutenants und Commandanten von Hohentwlel von Roth. 
Von seinen Kindern zogen einige nach Sachsen ; aus diesem Stamme gingen bis zu An- 
fang des XIX. Jahrhunderts verschiedene Geistliche und Medioiner hervor.. 

*** Tochter des Hochgr&fl. Rheingrifl. Raths und Vogts der Herrschaft Mörchingen 
und Diemeringen, Samson von Stangen (der Stänger genannt) auf Falkenstein und Deh- 
lingen (ein Sameon von Stangen war Liegnitz'scher Rath, t 1608) — und der Maria 
Elieabetha, geb. von Bütchler, genannt Schleieher, deren Vater Offizier zu Hagenau gewesen. 



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— 227 — 

Johann Eberhard trat nach vollendetem Stadium der Rechts- 
wissenschaft auf Empfehlung des damals in Wien weilenden Herzogs 
Carl Alexander von Württemberg, K. K. Feldmarschalls, in Oester- 
reichische Dienste und machte anfangs als Auditor, später als 
General-Auditor und Kriegs-Secretär unter dem Commando der Grafen 
Caraffa und Mercy von 1717 bis 1720 die Spanisch-Sicili sehen 
Kriege mit. In letztgenannter Stellung erhielt er nach dem Abschluss 
des Friedens den Auftrag, die Huldigung auf den Liparischen Inseln 
einzunehmen, worauf er eine Reise nach Livorno, Venedig, Mailand, 
in die Schweiz und nach Lothringen machte. Doch nun erwachte in 
ihm die Sehnsucht nach dem Vaterlande nnd er kehrte nach 6jähriger 
Abwesenheit wieder nach Württemberg zurück und wurde von seinem 
Herzoge im Jahre 1722 zum Regierungsrath ernannt. Als solcher 
siedelte er auch im Jahr 1727 mit der Kanzlei nach Ludwigsburg über. 
1731 wurde er Kammer- Procurator, 1736 aber Kammer- Director. 

,, Segensreich war sein Wirken in diesen Aemtern, denn treu und 
redlich diente er seinem Fürsten und Vaterlande; durch seinen Fleiss 
und seine Geschicklichkeit, durch die Gewandtheit und die mancherlei Er- 
fahrungen, welche er in seiner früheren Laufbahn erworben hatte, leistete 
er ihnen die ersprießlichsten Dienste. Er sorgte eifrig für die Empor- 
bringung des zerrütteten Kamraergutes, der Gewerbe und des Handels; er 
gab die Veranlassung zu Gründung des Zucht- und Arbeitshauses in Lud- 
wigsburg (1736) und brachte auch sonst manche guten Gesetze und An- 
stalten in Vorschlag. Er wurde zu mancherlei Sendungen in Staats-, 
Finanz- nnd Handels -Angelegenheiten nach der Pfalz, nach Bayern 
und Würzburg gesandt, und vollbrachte sie grösstenteils glücklich. 
Auch Süss-Oppenheimer , welcher jetzt ans Ruder kam, hätte 
daher gerne den so brauchbaren Mann, den man in seinem Amte 
nicht leicht entbehren konnte, beibehalten, aber Georgias unbestech- 
liche Redlichkeit Hess sich nicht für seine Plane gewinnen. Unbe- 
sorgt, was daraus für ihn entstehen würde, nur seiner Pflicht ein- 
gedenk, legte er die schändlichen Betrügereien des Süss im Münz- 
wesen dem Herzog offen vor Augen und — bekam darauf plötzlich 
seine Entlassung (26. December 1736). 



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- 228 — 

Doch damit war die Rache des berüchtigten Finanzkünstlers 
noch nicht gesättigt, er wollte seinen Widersacher ganz verderben; 
einer seiner Spiessgesellen , der Regierungs-Rath von Lamprechts, 
musste den abgesetzten Kammer-Director wegen ungetreuer Amtsführung 
verklagen und nun kam der Befehl,, ehe diese untersucht sei, sollte 
sich Georgii nicht entfernen. 

Dieser hatte zwar das beste Bewusstsein, allein dennoch musste 
er Schlimmes fürchten, denn es wäre das Erstemal nicht gewesen, 
dass Süss mit seinen Helfershelfern durch niedrige Ränke, durch heil- 
lose Verfälschungen und schändliche List auch den redlichsten Mann 
als einen Verbrecher dargestellt hätte. 

Aber der schnelle Tod des Herzogs rettete Georgii, der Vormund 
Karl Eugens setzte ihn in seine Aemter wieder ein, die Anklage gegen 
ihn ward untersucht, er unschuldig befunden und nun Lamprechts zu einer 
Ehren-Erklärung verurtheilt, welche Georgii ihm grossmüthig erliess. 

Im Jahre 1738 wurde er zum Geheimen-Rath ernannt und 
arbeitete nun vereint mit Büfinger, Hardenberg und den übrigen 
Mitgliedern der Vormundschaftlichen Regierung für Württembergs Wohl. 

In den gefährlichen Zeiten von 1741 — 1744, wo 'die Be- 
hauptung der Neutralität für Württemberg fast zur Unmöglichkeit 
wurde, die religiösen Wirren des Landes aber eine Lösung verlangten 
und die Württembergischen Besitzungen im Elsass von Frankreich 
sequestrirt waren, wurde er zum mitvormundschaftlichen würklichen 
Geheimden Rath (Administrationsrath) und Gesandten am Hoflager 
Friedrichs des Grossen in Berlin ernannt. Dort verweilte er mit den 
drei Württembergischen Prinzen Karl Eugen, Ludwig Eugen und 
Friedrich Eugen, die nach einander den Württembergischen Thron 
bestiegen, theils um die Oberaufsicht über ihre Erziehung zu führen, 
theils um die Angelegenheiten Württembergs, welches sich damals 
näher an Preussen anschloss, zu besorgen, 3 Jahre, indem er auch 
der Uebergabe der Majorennitäts-Urkunde Kaiser KarVs VII. durch 
Friedrich den Grossen an Herzog Karl den 5. Februar 1744 im 
Königlichen Schlosse zu Berlin anwohnte. Seit 1755 verband er 



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— 229 — 

mit seiner bisherigen Stelle auch die eines Präsidenten des Con- 
si8toriums. Es war diess ein Posten, wozu viel Gewandtheit gehörte, 
denn die Vermittlung und Fürsprache Preussens war damals in so 
mancher, zum Theil sehr wichtigen, Angelegenheit nöthig, und in 
Berlin musste Vieles, was zu Stuttgart eingeleitet worden war, erst 
ausgemacht werden. Georgii musste daher die Preussischen Mi- 
nister zu gewinnen suchen, was ziemlich Geld kostete, denn, wie 
er an Bilßnger schreibt, in Berlin war damals Nichts umsonst, als 
der Tod, jeder jagte dem andern einen Hasen in die Küche. Er 
musste gegen fremde Umtriebe, wie gegen eine feindselige Partei am 
preussischen Hofe selbst kämpfen, welche, in Verbindung mit dorn 
Bischof von Würzburg, ihm eifrig entgegen wirkte, sogar seine Briefe 
and Berichte unterwegs auffieng, und ihm Alles, was sie konnte, zu 
Leid that. Denn er arbeitete gegen ihren Plan, die Volljährigkeit 
Karl Eugen's zu beschleunigen, anstatt, wie sie ihm den Antrag ge- 
macht hatte, ihn zu befördern. 

Wegen Verwerfung des von Montmartin aufgestellten neuen 
ungerechten Steuerplans fiel er abermals in Ungnade. Karl Eugen 
selbst erkannte sein Unrecht bald, im Jahr 1766 bot er Georgii 
die Wiedereinsetzung in alle seine vorigen Aemter an. Dieser aber 
schlug sie aus, er hatte zu viel Erfahrungen über die Unbeständigkeit 
der fürstlichen Gunst, über den täuschenden Schimmer hoher Würden 
gemacht, als dass er sich hätte in seine frühere Lage zurückwünschen 
sollen. Er wollte den Schluss seines Lebens in Buhe zubringen, 
seine Blicke, der Erde abgewendet, waren auf das Jenseits gerichtet, 
und in der Beschäftigung mit Wissenschaften, mit der Geschichte, 
vornehmlich mit der Naturkunde und der klassischen Literatur, in 
einem ausgebreiteten freundschaftlichen Briefwechsel und in der Er- 
ziehung seiner hoffnungsvollen Enkel, welche neben seinem Zimmer 
wohnten und lernten, suchte er seine Erholung, suchte er eine Ruhe, 
welche er im Geräusche des Staatslebens so lange hatte entbehren müssen." 

üeber die Georgii zu Theil gewordenen, ehrenvollen diplo- 
matischen Aufträge geben die Eingangs erwähnten, die Georgii' 'sehe 



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— 230 - 

Familie betreffenden Sammlungen und in solchen insbesondere folgende 
durch den Druck veröffentlichte Urkunden und Acten nähere Auskunft: 
I. Acten, betreffend die Sendung nach Mömpelgard zur Posses- 
sionsergreifung dieses Landes im Fall eintretenden Todes Herzogs 
Leopold Eberhard von Württemberg -Mömpelgard und deren Aus- 
führung d. a. 1723. 

IL Acten über die Mission an den französischen Marschall von 
Berwick und Intendanten de Brou zu Contributions- Verhandlungen 
d. a. 1733; dessgleichen: 

III. Zu dem Generallieutenant Quadt nach Pforzheim, ferner 

IV. Zum Herzoge, der mit des Kaisers Armee zu Heilbronn stand. 
V. Gesandtschafts-Relationen aus Berlin de annis 1741 — 1744. 

VI. Originalbrief der Herzogin Maria, den Befehl an Oberst 
von Laubshy enthaltend, in Angelegenheiten der Prinzen über alles, 
was es auch Namen haben möge, mit Georgii, in den sie grosses 
Vertrauen setze, zu conferiren. 

VII. Das Creditif Georgiis als Abgesandten* an Friedrich den 
Grossen. 

VIIL Antwortschreiben Friedrich^ des Grossen, welches also lautet: 

„Durchlauchtiger Fürst, Freundlich Lieber Vetter. 

Da Eure Liebden, wie ich aus Dero freundvetterlichem 
Schreiben vom 28. Dezember des jüngst abgewichenen Jahres er- 
sehen, gut gefunden, den an mich accreditirt gewesenen Mitvor- 
mundschaft!. Würklichen Geheimerath von Georgii von hier zu- 
rückzuberufen, So habe Ich Ihm nicht nur hiemit das wohlverdiente 
Zeugniss von seiner hieselbst mit vieler prudence, Dexteritaet und 
Geschicklichkeit und zu meinem ganz besonderen Vergnügen ge- 
führeten Negotiation ertheilen, sondern Euer Liebden auch er- 
suchen wollen, Ihm in Allem, was Deroselben Er von Meinetwegen 
zu hinterbringen haben wird, völligen Glauben beizulegen, als wohin 
ich mich beziehe und woraus Euer Liebden Beydes, Meine dem 



* Vergl. hierüber auch den von Dr. Paul Stark in den Württembergischen Jahr- 
büchern für das Jahr 1875 veröffentlichten Aufsatz: „Fürstliche Personen des Hause« 
Württemberg und Ihre bewährten Diener im Zeitalter Friedrichs des Grossen.* 



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- 231 - 

dortigen Fürstlichen Hause beständig gewidmete Freundschaft 
und die aufrichtige Zuneigung zu verspüren haben werden, mit 
welchen ich ohnausgesetzet bin und bleibe 

Eurer Liebden Freundwilliger Vetter 

Friedrich. 
Berlin, den 3. Januar 1744. 

Graf von Podewils. 
An den Herzog Administrator C W. Borcke. 

zu Württemberg. 

IX. Acten über die nach Absterben des Kaisers Carl VII. 
erfolgte Sendung nach Augsburg, nebst Berichten an den regierenden 
Herzog Karl von Württemberg, aus den Monaten Februar-April 1745, 
betreffend Georgias Verkehr mit dem Feldmarschall Grafen von 
Sechendorf, während der Verhandlungen, welche den Füssener Frieden 
zur Folge hatten; ebenso 

X. Ueber die Mission an den Kaiserl. K. Feldmarschall Grafen 
von Traun wegen Abwendung einer beschwerlichen Cantonirung der 
Königlichen Armee im Schwäbischen Kreise, d. a. 1745. Endlich 
XI. Ueber eine Mission nach Mömpelgard zur Besitzergreifung 
der von Frankreich bis dahin sequestrirten , nunmehr restituirten 
Seigneurien 1747. 

» Johann Eberhard war ein Mann von seltener Kraft, offen und 
ohne Rückhalt, entfernt von allen kleinlichen Rücksichten, in hohem 
Grade uneigennützig und wohlthätig. Professor Scybold in seinem 
»Vaterländischen Historionbüchlein « Tübingen 1801 äusserst sich 
folgendermassen über ihn: »Den Erbvergleich, 2. März 1770, der 
einen Theil der Magna Charta ausmacht, zu erleben, mithin seine 
Grundsätze gerechtfertigt zu sehen, hatte er noch die Freude. Wie 
ruhig er sterben könne, im Bewusstsein seiner Verdienste unTs Vater- 
land — sagte ihm ein Freund in der letzten Viertelstunde seines 
Lebens.« »Meine Beruhigung ist das Vertrauen auf Gottes Gnade!« 
antwortete der Sterbende.« — 

Der 20. Juni 1772 war sein Todestag. 

Pf äff sagt : „Neben Bilfwger y Gemmingen etc. wird der Freund 



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— 232 — 

des Vaterlandes auch Georgias Namen immer mit Liebe und 
Achtung nennen.« 

Derselben Familie entstammten: 

1) Friedrich Heinrich Georgii, geb. 23. December 1692, Her- 
zoglich Württemb. Landschafts -Consulent und wirklicher Regierungs- 
rath, wirkte als ausserordentlicher Bevollmächtigter im Jahre 1742 
beim Kaiserlichen Reichshofrath in Frankfurt a. M. während der An- 
wesenheit Kaiser CarVs VII. die Bestätigung der Württembergischen 
Privilegien aus, unterstützt durch seinen vorbenannten Bruder, Staats- 
minister G-eorgii, der damals am Hofe Friedrichs des Grossen dessen 
Verwendung für die Sache beim Kaiser erlangte. Er starb 28. Aug. 1755 
und hinterliess 4 Söhne, von denen nur einer, Namens Peter, kinderlos 
starb; in II. Generation stammt von ihm Friedrich Heinrich Anglist 
von Georgii, der als Pfarrer in Degerloch im Jahre 1834 starb. — 

2) Jacob Simon, geb. 8. März 1698, Bruder Friedrich Heinrich 1 s, 
Herzoglich Württ. Amtmann, f 1764 in Feuerthal bei Schaff hausen. 
Gattin : Anna Catharina, geb. An hörn von Hartwies. (Schweiz.) Sohn : 

Jacob Friedrich, geb. 25. Januar 1734, Reichsgräflich Lim- 
burgischer Regierungsruth und Oborforstmeister, dessen weitere Nach- 
kommen indess unbekannt sind. — 

3) Philipp Anton, geb. 22. Mai 1702, ebenfalls Bruder Fried- 
rich Heinrichs, Herzoglich Württemberg ischer Hofrath und Oberamt- 
mann, t 7.0ctober 1771; eine Tochter von ihm, Maria Friderica, wurde 
die Gattin des Hessen-Darmstädtischen Geheimenraths Wilhelm Gottfried 
von Moser, Sohns des berühmten Landschafts-Consulenten von Moser. — 

4) Friedrich Carl, geb. 23. April 1704, Bruder des Vorigen, 
Herzoglich Württembergischer Vogt ao. 1739; von ihm stammen in 
III. Generation Lonis von Georgii, geb. 1810, Prälat zu Tübingen 
und August Wilhelm Georgii, geb. 1812, Bruder des Vorigen, f als 
Decan zu Balingen. — 

5) Eberhard Angnst,* geb. 22. Juli 1700, ebenfalls Bruder 

* Derselbe erhielt im 23. Jahre seines Alters als damaliger Kanzlei-Dircctor von 
den Bürgern der Stadt Ravensburg eine mit silbernen Bändern beschlagene Bibel (Jetzt 
im Besitze des Herrn Generalconsuls von Georgii- Oeorgenau zu Stuttgart) zum Geschenke. 



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— 233 — 

des Staatsministers, studirte zu Pont ä Mousson in Lothringen und zu 
Strassburg die Rechte, wurde schon im 23. Jahre Kanzlei-Director 
der freien Reichsstadt Ravensburg, hierauf Syndicus daselbst 1735, und 
nachmals einer unmittelbaren freien Reichsritterschaft, Orts am 
Neckar und Schwarzwald, Consulent. Er starb 11. Juli 1742. . 

Gattin: seit 11. April 1724 Anna, geb. you Weltz, Tochter 
des Wohl- Adeligen Patriciats- und eines Consistorii Präsidenten Thomas 
you Weltz in Lindau und der Anna, geb. you Ebertz. Sohn: 

Heinrich August, geb. 22. Juli 1732, Herzoglich Württem- 
bergischer Special-Superintendent und Decan , t 31. Juli 1797. 

Gattin: seit 17. August 1762 Maria Friderica, Tochter des 
J. U. Lt., Herzoglich Württemberg. Vogts und Raths Johann Reinhard 
Rosser und der Eberhardina Louisa, geb. you Keller,* Tochter des 
Herzoglich Württemb. Oberstlieutenants Fried. Heinrich von Keller. — 

6) Christian Eberhard von Georgii, geb. 18. Novbr. 1724, 
Chevalier, Herzoglich Württembergischer General, Commenthur** etc. 
Derselbe trat 11. Dec. 1741 als Fähnrich bei dem Württembergischen 
Kürassier-Regiment »Herzogin Maria Augusta von Württemberg« 
ein und gieng mit dem Regiment, als dasselbe 1741 zu einem 
Dragoner-Regiment umgewandelt wurde und im Mai 1742 in König- 
lich preussische Dienste kam, in solche über. 1750 kam von Georgii 
aus preussischen Diensten zurück und avancirte 1750 zum Haupt- 



* Brüder von ihm waren : Joh. David von Keller, Herzoglich Württembergischer 
Hofrath und Chrietoph Dietrich von Keller, Erb- und Gerichtsherr auf Stetten, Fürstlich 
Sachsen-Gothaischer und Herzoglich Württembergischer wirklicher adeliger Geheimerrath. 
•• Cf. hierüber Wagner** „Geschichte der Hohen Karls-Sebule*, Würzburg 1866, 
in welchem Werke bei Beschreibung des Festes der Einweihung der Karle-Akademie, 
vom 11. Februar 1782, sich nachstehende, der Stuttgarter privilegirten Zeitung entnom- 
mene Stelle findet: „Stuttgart, den 17. Februar. Es war Seiner Herzoglichen Durchlaucht 
gnädigst gefällig, Dero höchstes Geburtsfest, den festlichsten Tag für aUe Dero treue 
ünterthanen, zur Einweihung Höchst Dero Karls-Akademie zu bestimmen. Schon vor- 
her waren hieza viele vornehme Deputirte von den benachbarten Hochstiften, Ritter, 
Cantons, Reichsstädten, auswärtigen Universitäten und Herzoglichen Landstädten ange- 
kommen etc. etc. Nachdem hierauf Seine Herzogliche Durchlaucht die Generalmajors 
r. Gemmingen, v. Gabelem, ». Holle, v. Harling, v. Bouwinghamen und v. Georgii zu Com- 
mandeurs de« Herzoglich militärischen St. Karlsordens gnädigst ernannt hatten, so ver- 
fügten sie sich zom Gottesdienst in die Herzoglich Catholische Hofcapelle 1 * etc. etc. 



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— 234 — 

mann, hierauf zum Major im Februar 1757, zum Oberstlieutenant 
im April 1757, erhielt als solcher in dem Feldzug 1757 das Com- 
mando des dritten Grenadier-Bataillons, wurde in der unglücklichen 
Schlacht bei Leuthen von den Preussen gefangen und kam 1759 
aus preussischer Gefangenschaft (Magdeburg) wieder zurück. 1759 
im Februar wurde er zum Oberst ernannt unter gleichzeitiger Ver- 
setzung zum Dragoner-Regiment von Degenfeld, dann Regiments- 
Commandant bis 1765, wo das Regiment in die Reduction fiel. 

Wie so viele Officiere wurde er als reducirter geführt bis 11. 
April 1770, von welcher Zeit an er zum Regiment Grenadiers ä Cheval 
ä la suite kam. 1771 erhielt er den Charakter als Geueralmajor, 
wurde zugleich Regiments-Commandant, bis er 11. Februar 1772 
wirklicher Generalmajor wurde; 1775 im November zum Stadt- 
Commandanten von Stuttgart ernannt, starb er 15. October 1796. 

»Er war ein dem Rechte wie dem Vaterland treu und fest er- 
gebener Charakter.« — 

7) Eberhard Friedrich von Georgii, Dr. jur., Excellenz, Com- 
menthur etc., geb. 18. Januar 1757. Derselbe las bereits 1780 als 
Professor an der Hohen Karls-Schule, wohin der Herzog die talent- 
vollsten Köpfe berief, über Natur und Kriegsrecht. Von hier aas 
wurde er Oberamtmann, dann I. Rath und Stellvertreter des Kirchen- 
raths-Directors, und zugleich Consistorial- und Regierungsrath 1788. 
Im Jahr 1797 ging von Georgii als ausserordentlicher Abgesandter der 
Württembergischen Landschaft zum Fried enscongress nach Rastatt und 
wurde 1817 zum Obertribunal-Director, 1819 aber zum Präsidenten dieses 
Tribunals und ausserordentlichen Mitglied des Geheimen Raths ernannt. 

Von besonderem Interesse sind seine Gesandtschafts-Berichte 
von Rastatt, namentlich über die Audienz bei Napoleon.* 

Bei seiner ganzen Geschäftslaufbahn, besonders aber, seitdem 
er in einer höchst kritischen Zeit von der württembergischen Land- 
schaft in ihren Dienst berufen worden war, hatte er sich als einen 



* Conf. die in obenerwähntem Urkundenbnche, Seite 8», aufgeführte Vollmacht 
der Stände, sowie den Bericht über seine erste Unterredung mit dem damaligen General 
Buonaparte im Jahre 1797. 



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— 235 — 

muthigen Vertheidiger der Rechte und der Verfassung des Landes 
erwiesen und sich dadurch die Achtung, die dem Patrioten gebührt, 
in vollem Masse erworben ; als er aber im Jahre 1 805, da das alte 
constitutionelle Gesetz mit allen demselben gemässen Institutionen 
mit einem Schlage zertrümmert wurde, einer der wenigen öffentlichen 
Diener war, die den Eid des unbedingten Gehorsams verweigerten, 
ward ihm von seinen Landsleuten, welche, obgleich fügsamer in das 
Gebot der Gewalt, als er, doch das Edle in dieser Weigerung leb- 
haft fohlten, der Name des letzten Württembergers zuerkannt. 

Als Rechtsgelehrter und früherer Professor des Kriegsrechts 
der hohen Karlsschule war er schon durch seine amtliche Laufbahn 
ein ausgezeichneter Kenner der früheren Staats- und kirchenrechtlichen 
Verhältnisse seines Vaterlandes, ein grosser Verehrer des römischen 
Civilrechts, als derjenigen Gesetzgebung, welche in ihren meisten 
Theilen dem Ideal eines allgemeinen Vernunftrechts am nächsten 
komme, durchdrungen von der Würde und Heiligkeit des Richter- 
Amts und ein eifriger Vertheidiger der Befugnisse desselben. 

»Georgii hat den seit mehreren Jahrhunderten in seiner Familie 
fortvererbten Grund-Charakter männlicher Kraft, unerschütterlichen 
Rechts-Sinnes und christlicher Religiosität treulich bewahrt. Er war 
tiefdurchdrungen von dem höheren Endzwecke des irdischen Daseins, 
wie auch von den Offenbarungen des Christenthums , das er als 
höchstes Bedürfniss und einzige Beruhigung des Menschengeschlechts 
betrachtete. Mit Gelassenheit, ja Freudigkeit sah er dem Tode ent- 
gegen, so dass er noch in den letzten Stunden seines irdischen Da- 
seins von seinem baldigen Dahinscheiden mit der entschiedensten 
Ruhe sprach. Er hatte das Glück, bis zu seinem Tode in vollem 
Besitze seiner Geisteskräfte zu sein. 

Zu seiner Zeit ein wahrer Hort dor kirchlichen Angelegenheiten 
war er zugleich von unermüdlicher Thätigkeit für Alles, was er als 
dem allgemeinen Besten zuträglich erkannte.« — 

Seine schriftstellerischen Arbeiten im philosophisch-juridischen 
und politischen Fache sind bekannt. 



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— 236 — 

8) Carl Gottlob von Georgii, geb. 1771, aus Sächsischer Linie, 
Herzogl. Hauptmann und Compagnie-Chef des Regiments von Koseritz 
(VII. Württ. Prinz Paul) 1803, garnisonirte bis 19. Sept. 1812 in Dan- 
zig an der Ostsee, wo er von Ende Augusts bis Mitte Septembers in 
den Vorwerken von Danzig-Fahrwaschen und Weichselmünde das Bom- 
bardement der russisch-schwedischen Scheerenflotte zu bestehen hatte. 
Am 20. September trat das Regiment den Marsch nach Russland an und 
kam 19. October nach Minok , wurde hier von dem Gouverneur 
Bronihowski wegen der aus der Moldau anrückenden russischen Corps 
von Tschitschagow aufgehalten, am 16. November angegriffen und 
retirirte nach Borisow, woselbst es den Brückenkopf zu besetzen hatte. 

Den 21. Nov. erstürmten die Russen den Brückenkopf und die Stadt 
Borisow ; die Division Dombrowsky, zu welcher das Regiment gehörte, trat 
den Rückweg nach Smolensk an. Gleichzeitig fand der Rückzug der 
ganzen grossen französischen Armee von Moskau nach Borisow statt. 

In dem Gefecht am 21. November 1812 wurde Hauptmann 
von Georgii von den Russen gefangen und starb, wie später einige aus 
der Gefangenschaft Zurückkehrende versicherten, an Hunger und Kälte. — 

9) Augast Eberhard von Georgii, Grosskreuz des Ordens di 
S. Giorgio della riunione, Ritter des St. Mauritius- und Lazarus- 
Ordens, Inhaber des Königlich Preussischen Ordens pour le merite etc., 
geb. 27. Juli 1768, Kaiserlich Königlich Oesterreichischer Brigade- 
General in Mantua, Festungs-Commandant von Gaeta. Nach den Auf- 
zeichnungen seines Adjutanten Baron Gerstner ', nachmaligem k. k. Feld- 
marschall-Lieutenants, genoss von Georgii bei den böhmischen Regimen- 
tern einen ausgezeichneten Ruf der Tapferkeit, welchen er sich als Com- 
mandant eines Grenadier-Bataillons im Feldzuge .des Jahres 1809 in 
den Schlachten von Eckmühl, Aspern und Wagram erworben hat. 

Feldzüge, die er mitgemacht hat: Gegen die Türken 1789; 
gegen die Niederländischen Insurgenten 1790; gegen Frankreich 
1792, 1793, 1794, 1796, 1797, 1799, 1800, 1805, 1809, 1813, 
1814 und 1815; gegen Neapel 1821. Den 9. Mai 1826 wurde 



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- 237 - 

er mit seinem Wagen umgeworfen, brach das rechte Schenkelbein 
und starb darauf in Mantua, wo er auch beigesetzt wurde. 

(Conf. Lebensbeschreibung des K. K. Oesterr. Generals August 
Eberhard von Georgii, verfasst von seinem ehemaligen Adjutanten, 
dem nachmaligen K. K. Oesterreichischen Feldmarschall-Lieutenaut 
Baron von ßerstner, d. d. 24. April 1857, desgl. von Feldmarschall- 
Lieutenant Heller von Hellwald, d. d. Capua 31. Oct. 1823.) — 
10) Eberhard Heinrich von Georgii, geb. 2. September 1765, 
General- Auditor der Königl. Württembergischen Armee mit Obersten 
Bang — eine Stelle, die König Friedrich geschaffen und die in 
directem Rapport mit dem Könige stand — nachmaliger Königlich 
WUrttembergischer Ober - Tribunal - Director in Stuttgart. Commen- 
thur etc., f 26. Mai 1841. Gattin: seit 12. Juli 1787 Henriette, 
geb. von Wider (»Wider von der Au«). Sohn: 

Eberhard Heinrich, geb. 9. Mai 1788, Bergrath und Gutsbe- 
sitzer, auch Theilhaber der Compagnie, welche unter dem Namen »Calwer 
Haus in Stuttgart« seit 100 Jahren im In- und Auslande bekannt ist, 
f 4. November 1852 mit Hinterlassung von 5 Söhnen und 3 Töchtern. 
Gattin: seit 12. October 1810 Wilhelmine, geb. Dörtenbach, 
t 28. April 1875. — 

Weitere und eingehendere Mittheilungen über diese Familie, sowie 
Aber bedeutendere Mitglieder derselben finden sich in dem bereits erwähn- 
ten archival. beglaubigten Urkundenbuche, herausgegeben von dem 
Sohne des Vorigen, dem Königl. Niederländischen General-Consul Emil 
Wilhelm von Georgii-Geor genau, geb. 1. December 1820, vermählt 
seit 3. Mai 1847 mit Sophie Emilie, Tochter des t Staatsministers 
von Gürttner, sowie in den bezüglichen Nachtragsblättern, resp. 
weiter gesammelten Urkunden. 

Dm Fürstlich Württemberg! sc he Dienertmch enthält folgende Georgii (Georgy): 
Geh. Bath 107. — Dar. Samson, Special 373. — Eberh. Frid., Qel. O.Rath 68, Kirch. Cast.- 
Adroc. 149; O Amtmann 409: Vogt 384; Weltl.Consi8t.Rath 140. — Eberh. Heinr., Cl Pfleger 
319 : Pfleger 487 ; Vogt 395. — Franz Jae., StifftaVerwaltter 566. — Frid. Carl, Vogt 568, 
«9. — Frid. Heinr. , Reg.B.8ecretar 72; Vogt 576. — Heinr. Äug , Special 378. — Joh. 
Eberh., CammerProcnrator 109: ConsisiPräsident 136; Gel. Geh.Rath 27. — Joh. Frid., 
KeUer 584; Vogt 314, 485. — Joh Heinr., ViaitatSecretar. 158. — Joh. Mart., Vogt 306, 
589. — Joh. Phil., Vogt 391. — Phil., Anton, Vogt 589. - Samson, Exped.Rath 111 ; O. 
Ambtmami 469; Vogt 606, 515. 



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Gerlach. 



Stephan tf erlach wurde den 26. December 1546 zu Knittlingen 
als Sohn des Georg: Stephan Gerlach, Steinmetzen aus Oesterreich, 
welcher des Anabaptismus verdächtig mit seiner Familie nach Mähren 
flöchten musste und zuletzt nach Württemberg kam, geboren. 

Stephan besuchte das Herzogliche Pädagogium in Stuttgart, 
kam von da nach Maulbronn , wurde 1564 Baccalaureus , 1567 
Magister und widmete sich hierauf dem Studium der Theologie in 
Tübingen. 

1573 wurde er Reiseprediger des Kaiserlichen Gesandten bei 
der Ottomanischen Pforte zu Constantinopel, Freiherrn Dav. Ungnad 
von Sonneg, welches Amt er 5 V* Jahre bekleidete, wobei er mit den 
Griechischen Kirchen-Patriarchen in enge Beziehungen trat, auch ihnen 
ihre Kirchen-Ceremonien und griechischen Predigten verbessern half. 
Nach seiner 1579 erfolgten Rückkehr von Constantinopel erlangte 
er den Doctorstitel und wurde zum Professor der Theologie in 
Tübingen, später zum Pro-Kanzler ernannt. 33 Jahre lang wirkte 
er an der Tübinger Hochschule als hochverständiger trefflicher Theologe 
und. starb 30. Januar 1612. Eine eingehende Biographie von ihm 
findet sich bei Fischlin, »Memoria Theologorum Wirtembergensium 
Resuscitatac, Ulm 1710. 

Seine Ehegattin war Brigitta, Tochter des Herzoglich Württem- 
bergischen Hofarztes Johann Schwärt z, welcher Ehe 4 Söhne und 
5 Töchter entsprossten. 



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— 239 — 

Kinder : 
I. Julia, vorm. mit dem Univeraitäts-Syndicus Joh. Eberh. Gilg, 
J. ü. Li. 

II. Theodora, f als Gattin des M. Thumm. 

III. Margaretha, verm. mit dem Stiftsprediger in Stuttgart M. 
Jacob Grab. 

IV. Christina, verm. mit dem Pfarrer in Nussdorf, M. David 
Schmidlin. 

# V. Theophil Gerlach, f ccelebs. 

VI. Ellsäns Gerlach, Pfarrer in Bernhausen, verm. mit Susanna, 
geb. Kraus. Sohn: 

Stephan Ger lach, geb. 6. Mai 1621. Derselbe er- 
hielt seinen ersten Unterricht in Stuttgart und Tübingen, 
wurde 1637 in das theologische Stipendium zu Tübingen 
aufgenommen, worauf er den 3. März 1641 unter dem 
Decan M. Johann Martin Rauscher Magister philoe. wurde. 
Er begab sich zu seiner weiteren wissenschaftlichen Aus- 
bildung über Lübeck nach Königsberg und studirte dort 
4 Jahre und nachher noch einige Zeit in Helmstedt. 1653 
kehrte er in sein Vaterland zurück und wurde Pfarrer zu 
Beinstein. 1657 berief ihn Churfurst Carl Ludwig von 
der Pfalz als Professor der Kirchengeschichte und kirchlichen 
Altertümer nach Heidelberg, welche Stelle er 36 Jahre 
lang bekleidete, bis zu der 1693 eingetretenen traurigen 
Katastrophe in Heidelberg, wobei er sein ganzes Eigenthum 
mit seiner Bibliothek verlor. 

Er wurde htedurch veranlasst, in sein Vaterland zu- 
rückzukehren und nahm seinen Aufenthalt in Tübingen, er- 
hielt auch eine Pension und den Titel eines Professors 
honor. Antiquitatum ecclesiasticarum. Er starb 12. Juni 
1697 xu Tübingen. Seine Gattinnen waren: 



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— 240 — 

T. C'ordnla Sophia, Tochter des J. Cons. und Pro- 

curators am Reichskammer-Gericht zu Speier Sigmund 

Hafner, welche im ersten Wochenbette mit dem Töchterlein, 

das sie geboren, starb; II. Regina Margaretba, Tochter 

des Raths in Stuttgart Laurentius Herbort, mit welcher 

ihr Gatte 18 Jahre in kinderloser Ehe lebte; III. Elisabeth, 

Wittwe des Quirinus Berband, Churpfalz. Obristwachtiueisters. 

VII. Johann Georg Gerlach, f als theol. stndiosns. 

VIII. Samuel Gerlach, geb. zu Tübingen, Dia Conus zu Göppingen, 

Pfarrer in Kilchberg, Decan in Wildbad, in Göppingen, verm. 

I. mit Helena, Tochter des Abts zu Hirsau JoA. Hucel; II. 

mit Snsanna, Tochter des Vogts in Güglingen Johann Steeb ; 

t 1639. — 

Elisäns Gerlach, Sohn des Vorigen, ebenfalls zn Göp- 
pingen geboren 24. Juni 1634, Diaconus zu Bietigheim, 
verm. mit Jnllana Margaretha, Tochter des Med. Dr. und 
Phjsikus in Reutlingen Johann Rudolph Camerer. 

Gerlach starb 17. Januar 1704 als Pastor in Mittel- 
stadt, O.-A. Urach. 

Söhne des Letzteren: 

I. Samuel Gerlach, geb. in Unter-Oewisheim 1. October 

1664, Vicar zu Mittelstadt, starb unverheirathet. 
IL Johann Christoph, Med. Dr. , Herzoglich Wfirttember- 
gischer Rath und Leibarzt, geboren den 2. October 1670 
zu Unter - Oewisheim, O.-A. Maulbronn, besuchte die 
lateinische Schule in Tübingen und widmete sich in der 
Folge daselbst dem Studium der Medicin. 1692 bereiste 
er Ulm, Nördlingen, Nürnberg und Altdorf, wo er mit 
vielen berühmten Aerzten und Physikern, als D. Beutel, 
Bommel, Lmtüius, den beiden Volckmar, Lechner, 
Hofmann, Brun und Sturm bekannt wurde. Nach seiner 
Rückkehr dkputirte er pro Licentia (1693) und erlaugte 



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— 241 — 

gleichzeitig mit den nachmaligen Aerzten Brodbeck in 
Herrenberg und Caspar in Sulz den Grad eines Doctors, 

• worauf er ein Jahr lang in Tübingen praotizirte. 

1694 folgte er einem Rufe als ausserordentlicher 
Land-Physikus nach Göppingen, von wo er indess 1695 
wieder nach Tübingen zurückkehrte. Im Frühjahr 1696 
erhielt er die Stelle eines ordentlichen Land-Physicus in 
Calw, mit welcher die Inspection des Teinacher Sauer- 
bronnens, des Wildbades und Zeller-Bades verbunden war. 
Da er sich in dieser Zeit durch seine grosse Erfahrung, 

• Kenntnisse, wie durch Klugheit, Leutseligkeit, Freund- 
lichkeit allgemein beliebt machte, verlieh ihm im Jahr 
1708 sein Herzog den Charakter und Rang eines Raths 
und Leib-Medicus, 1713 aber die volle Besoldung eines 
Leibarztes. 

Er starb den 25. März 1716 an Apoplexie, einer 
Todesart, die er sich anderthalb Jahre vorher beim Ver- 
scheiden seines auf der Kanzel vom Schlage betroffenen 
Freundes Dr. Frommann gewünscht hatte. 

Seine Ehegemahlin war seit 30. October 1693, 
dem Tage seines Doctorats, Maria Catharina, Tochter 
des Professors der Theologie Dr. Michael Müller, 
damaligen Stadtpfarrers und nachherigen Kanzlers. 
Kinder : 
I. Jollana Sibylla, verm. mit dem Med. Dr., auch Stadt- und 
Amtsarzt in Nürtingen Georg Tobias Weismann, Sohne des 
Prälaten in Maulbronn. 
II. Justin* Maria, verm. mit dem Kanzlei- und Hofgerich ts- 
Advocaten Jacob Heinrich Tafel, Sohne des Johann Hein- 
rich Tafel, ritterschaftlichen Raths. 
III. Maria Catharina, verm. mit dem Hofgerichts-Advocaten in 
Tübingen Heinrich Cammerer. 

v. Gtorgii-Qeorgenau, Biogrophiech-Oenealogiache Butter etc. 16 



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- 242 - 

IV. Samuel Gerlach, geb. in Calw 1697, Pfarrer zu Neckar- 
thailfingen, t 1728. Gattin: Christina Barbara, Tochter 
des Stadtschreibers Pfeilstieker in Laufen. 

V. Christoph David Gerlach, J. U. Lic, Professor der Rechte, 
t 1742. 

VI. Christian Gerlach« 

Ebenfalls dieser Familie entstammte: 

Samuel Gerlach, Pfarrer in Grebyn bei Danzig, Stadtpfarrer 
in Heubach 1652, Decan in Wildbad 1655, in Markgröningen 1670, 
Abt zu St. Georgen 1675, t 1686. 

Seine Gattin war Christina, geb. Witternalk aus Flensburg in 
Holstein. 



Dm Fürstlich Wurttembergiache Dienerinich enthilt folgende höhere Beamte des 
Namens Gerlach: Extraord. LeibMedic. 196. — Georg, Keller 396; Vogt 394. — Harns 
Andr., Vogt 626. — Joh. Andr., Ambtmann 471. — Joh Georg, Vogt 386. — Leonh. (lAemkJ, 
Oaisü. Verwalter 697 ; Cl. Vogt 313, 696. — 8am., Abt 336 ; Pfarrer 441, 610, 613. — 
Stephan, CanceUar. 679. 



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Gerok. 



Karl Friedrich tob Gerok, Königl. Württembergischer Prälat 
und Oberhofprediger, Oberkonsistorialrath , als Canzelrednor wie als 
Dichter gleich berühmt und verehrt, wurde den 30. Januar 1815 
zu Vaihingen an der Enz geboren. 

Sein Vater war Christoph Friedrich von Gerok, Prälat a. D., 
Mitglied der Kammer vom langen Landtag (1848) an bis 1860, R. d. 
0. d. w. Kr., t 2. Juli 1865; die Mutter Charlotte, Tochter des De- 
cans in Dürrmenz Johann Ludwig Lenz; der Grossvater Christoph 
Friedrich Gerok, Pfarrer in Ofterdingen; die Grossmutter Louise, 
geb. Dapp; der ürgrossvater Georg Friedrich Gerok, Herzoglich 
Württemb. Vogt und Keller in Neidlingen, auf dessen an der 
Anssenwand der Kirche zu Neidlingen eingemauertem Grabsteine 
die Worte eingegraben sind: »Hier ruht die Asche eines würdigen 
Greisen, eines Christen, eines Freundes Gottes und der Menschen, 
des weil. Tit. Herrn Georg Friedrich Gerok, seit anno 1736 
gewesenen Herzoglich Württembergischen Vogts und Kellers zu 
Neidlingen, geb. anno 1705 zu Grossenbottwar, vermählt anno 
1733 den 8. September zu Neidlingen, gestorben anno 1793 den 
13. Jan. — Dem würdigen Greisen und treuesten Vater widmen 
dieses Grabmal dessen hinterlassene 9 Kinder: 1. Maria Frie- 
derika Memmingerin. 2. Beate Christiana Budthartin. 3. Maria 
Juditlia Wunderlichin. 4. WüMmina Sabina Wagnerin. 5. Maria 
Agnes Brechtin. 6. M. Christoph Friedrich, Diak. zu Weilheim 
(der obengenannte Grossvater Geroks). 7. Amandus Friedrich, 
Oberamtmann zu Alpirsbach. 8. Heinrika Dorothea, (We. eines 
Dr. Landerer). 9. Gottlob Friedrich, Diak. zu Kirchheim an der 



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— 244 - 

Teck (starb als Pfarrer in Rosswag). Leichentext 2. Tim. 4, 7. 
8.« Die Urgross mutter war Agnes Friederike eine geb. Kerner, 
deren Gedächtnisstafel an derselben Kirche die Worte trägt: »Zum 
Andenken der allhier ruhenden Tit. Frau Agnes Friederika Gerokin, 
geb. Kernerin. Geb. anno 1712 d. 11. Mai zu Göppingen, verm. 
den n. s. w. u. s. w., mit dem sie 16 Kinder erzeugte, t anno 
1779 d. 9. März. Der 47 Jahre getreuesten Gattin, der zärtlich- 
sten Mutter, der wahren Verehrerin der Religion widmen dieses 
Grabmal dero hinterlassener Wittwer und 9 Kinder. Leichentext 
Hiob 19. Vers 25—27.« Der Ürur-Grossvater war Johann Frie- 
drich Gerok, Gerichtsverwandter und Hospitalpfleger in Grossbottwar, 
in Weilheim u./Teck, geb. 18. Oct. 1676; die Urur-Grossmutter 
Anna Hegina, Tochter des Stadtpfarrers in Winnenden Johann Georg 
Hegel; der Urur-Urgrossvater Johann Friedrich Gerok, gleichfalls 
Gerichtsverwandter und Hospitalpfleger, geb. 1649, dessen Vater 
Jacob Gerok, vieljähriger Bürgermeister, als ein frommer Mann den 
31. Januar 1687 hn 84. Jahre seines Alters starb. 

Karl von Gerok fahrt in seinen »Jugenderinnerungen«, Bielefeld 
und Leipzig 1876, selbst an, dass weherhinauf die Kirchenbücher iu 
Gross-Bottwar nicht reichen, wie sie denn im 30jährigen Kriege fast 
allenthalben im Lande vernichtet worden seien. Nur ein altes würtfcem- 
bergisches Magisterbuch fähre im vorigen Jahrhundert einen Bischof 
Gerok in Nordamerika auf. Ebenso habe er schon als Jünghng mit 
froher Ueberraschung in Goethefs Selbstbiographie eine Familie Gerok 
zu Frankfurt verzeichnet gefunden, deren zahlreiche Trichter mit der 
Schwester Goethe* s Kornelia, eng befreundet gewesen seien. 

»Die stolzeste, freilich auch unsicherste Familienermnerung unsrbs 
Hauses aber« — so heisst es in den »Jugenderinnerungen« weiter 
— »reicht in die graue Vorzeit zurück. In Dr. Baur's, des 
berühmten Stifters der neueren Tübinger Schule, Vorlesung über 
Kirchengeschichte, die ich im Jahre 1836 hörte, ging eines Morgens 
eine heitere Bewegung durch den Hörsal und alle Blicke richteten 
sich theilnehmend auf mich, als der verehrte Lehrer — nicht ohne 



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— 245 — 

wohlwollendes Lächeln — einen Propst Geroch in Reichersberg auf- 
führte, der sich in den kirchlichen Händeln unter Kaiser Heinrich IV. 
hervorgethan habe. Ich acceptirte natürlich sofort, um so unbe- 
denklicher, da der Cölibat der Kleriker eben damals von Gregor VII. 
erst durchgeführt wurde, die Abstammung von dieser verschollenen 
Celebrität und spürte derselben gelegentlich weiter nach. — Ein 
alter Schweinslederband mit merkwürdigen Holzschnitten, Werlichius 
Kronik der Reichsstadt Augsburg, Frankfurt a. M. 1595, im Besitz 
meines Schwagers, des Oberkriegsraths Dr. von Kapff, sagt im »an- 
dern Theil«, S. 50, zum Jahr 1083, in margine: *Gerochus ein 
berühmter Priester vom Keyser dess Landes verwiesen.« Daneben 
im Text: »Wie auch dazumaien Gerochus oder Gerocalus von 
Reichensperg, Priester zu unser Frawen, ein sehr hälftiger Mann, 
nicht wenig berhümpt gewesen. Und ob der wol gegenwertigen 
Tumult mit einem Büchlein, so er öffentlich aussgehen lassen, zu 
stillen sich unterstanden, darinnen aber mehr des Bapsts als des 
Keysers Sachen schmückete, ward er vom Keyser in das Elend ver- 
trieben.« Der Augsburger Allgemeinen Zeitung, 1866, Nummer 
216, Beilage, entnahm ich folgende Notiz. »Ein deutscher Refor- 
mator im 12ten Jahrhundert. Probst Gerhoch von Reichersberg am 
Inn, 1093 bis 1169. Gebürtig von Polling im südwestlichen Ober- 
bayern, eine Zeit lang Scholasticus an der Domschule zu Augsburg. 
Sein Grundsatz: Gebt Gott was Gottes und dem Kaiser was des 
Kaisers ist, brachte ihn in Konflikt mit Papst und Kaiser. Er 
hatte zwei Brüder, Rüdiger und Friedrieh, für die er, da sie ihrer 
Ueberzeugung wegen verfolgt wurden, in Pavia bei Kaiser Friedrich L 
Schritte that« — 

»Also bis hinter die Hohenstaufenzeit reicht der Glanz unsres 
Namens zurück, und wenn allerdings auf den Schreiber dieses weder 
von dem kirchlichen Reformatorenberuf, noch von der theologischen 
Streitlust des »berhümpten« mittelalterlichen Propstes sich etwas ver- 
erbt hat, — sollte nicht, fragte ich manchmal die Zweifler und 
Spötter in der Familie, der Name „Friedrich", der durch unsere 



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— 246 — 

Geschlechtsreihe fast ununterbrochen sich fortgepflanzt, sollte nicht 
das hohe Alter sowie das cholerische Temperament, welches mein 
seliger Grossvater mit jenem streitbaren Kirchenpolitiker gemein hatte, 
sollte nicht der geistliche Beruf, dem die Träger unsres Namens auch 
in jüngster Zeit so vielfach getreu geblieben sind, sollte nicht das 
Alles mindestens ebenso sichere genealogische Anhaltspunkte abgeben, 
als die, an welchen so manches erlauchte Geschlechtsregister sich 
durch die Nacht der Jahrhunderte hindurch tastet ? Lassen wirs 
übrigens dahin gestellt«. 

Gattin: seit 15. October 1844 Caroline Friederike Sophie,* 
Tochter des Obertribunalraths und Dirigenten des Gerichtshofs in 
Tübingen Dr. Johann Friedr. Melchior von Kapff. Kinder: 

a. Sophie Luise Charlotte, geb. 22. Juni 1847, verm. 10. 
März 1873 mit dem Diaconus in Sulz a. N., Pfarrer in 
Maulbronn, Stadtpfarrer in Friedrichshafen, Köstlin. 

b. Thekla Maria/ geb. 3. April 1851. 

c. Emma Eleonore, geb. 10. Juni 1865. 

d. Gustav Adolf, geb. in Böblingen 25. August 1845, Pfarrer 
in Weingarten, Helfer in Brackenheim, verm. 28. October 
1871 mit Emilie, geb. Goldmann. 

e. Carl Christoph, geb. 6. October 1848, Dr. med. und Ober- 
amtswundarzt in Göppingen. Gattinnen: 1) seit 1874 
Louise, Tochter des Professors Dr. Eduard Friedr. v. Reusen 
und der Emilie, geb. Rieeke, t 29. Februar 1876; 2) 
vermählt den 19. März 1877 mit Emilie, Schwester der 
letzteren. 

Kinder: I. Ehe: 1 Sohn; II. Ehe: 1 Tochter. 

f. Siegfried Theodor, geb. 25. October 1856. 

g. Carl Imannel, geb. 9. März 1860, f 10. April 1866. 
h. Erich Theo bald, geb. 19. Januar 1863. 

i. Hermann Carl, geb. September 1867, f 10. März 1868- 
Geschwister Karl Friedrichs von Gerok: 



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— 247 - 

I. Louise Christiane Charlotte, geh. 6. August 1819. 
11. Charlotte Amalie, geh. 8. Decemher 1820, verm. 4. Juli 
1844 mit Diaconus Lang in Sulz, jetzt Prälat in Ulm. 
Kinder: 2 Söhne und 1 Tochter. 

III. Amalie, geh. 20. Decemher 1821, verm. 1849 mit Gymnasial- 
lehrer Kfinkelen in Bern, später Pfarrer in Flein, f 1873. 

Kinder: 1 Sohn und 1 Tochter. 

IV. Pauline, geh. 10. September 1823, verm. 19. August 1852 
mit Stadtpfarrer Oslander in Hall, jetzt Decan in Blaufelden. 

3 Kinder. 
V. Johanna, geh. 11. Decemher 1828, verm. 14. Mai 1861 mit 
Revisor Göz, nachmals Kameralverwalter in Teltnang, jetzt in 
Reutlingen. 
3 Kinder. 
VI. Theodor Friedrieh, geb. 27. März 1816, Dr. und Pharmaceut 
in Baltimore, verm. mit einer geb. Speidel, t September 1858 
beim Schiffsbrand der Austria. 
Kinder: 1 Tochter. 
VII. Christoph Friedrieh, geb. 11. December 1817, Kanzleirath in 
Tübingen, verm. 14. September 1850 mit Heinrtee Louise, 
geb. Kapff. 

Kinder: 2 Söhne und 1 Tocbter. 
VIII. Heinrieh Eduard Gottlieb, geb. 22. Februar 1826, Pfarrer 
in Osteisheim, Stadtpfarrer in Hall, verm. 30. April 1836 mit 
Marie, geb. Pistorins. 



Dm FnntUch Württemberglsohe Dlenerbueh enthält folgende höhere Beamte 
am Kamen« Gtrock: GL VerwaUtter 245. — 0#ory Frid., Vogt 469. 



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Gessler. 



Aus dieser ehemals Augsburg angehörenden, später im Hohen- 
lohischen, jetzt auch im Württembergischen blühenden Familie,* 
findet sich im XV. Jahrhundert ein Mitglied als Baumeister der da- 
maligen freien Reichsstadt Augsburg verzeichnet. 

In Alt- und Neu- Bayern finden sich in dem von Professor 
E. L. Rochhole, verfassten Werke „Teil und Gessler in Sage und 
Geschichte nach urkundlichen Quellen", Heilbronn 1877, u. A. fol- 
gende Gessler verzeichnet: 

1319, 8. Mai: Werner Gessler, Priester in Fultenbach. — 
1330, 20. Juni: Peter, genannt M eye, Offula, seine Gemahlin und 
sein Bruder Dietrich Spijs, Edelknechte, entleihen von der 
Lyeba, genannt Flemenzen von Worms, 50 Pfd. Heller und 

* Die Familie führt dasselbe Wappen wie die Gesslei- in der 8ohwelz. Letztere 
stammen ursprünglich aus dem Aargauer Dörflein Wiggwil, gelegen in den oberen Frei- 
ämtern des Aargaus, einem Dörflein, das heute noch wie bei seinem erstmaligen ge- 
schichtlichen Vorkommen eine Filiale der alten Pfarrei and Wallfahrt Beinwil ist. . Der 
Grund, warum der vielverzweigte GeschlechUname der Gttuler seit dem XVI. Jahrhun- 
dert in der inneren Schweiz erlosch' und heute von keinem einzigen dort eingebornen 
Geschlechte mehr geführt wird, lag in der allgemeinen Feindseligkeit, mit welcher hier 
seit den Kriegen der Länderkantone gegen daB Haus Oesterreich aller habsburgische 
Adel betrachtet wurde. Der stehende Ausdruck, mit dem man diese missgdnstige Stim- 
mung in den einheimischen OesohichtsqueUen selbst verzeichnet findet, heisst .• „Verhas- 
sxmg des Adels*. Nicht etwa erst Kaiser Maximilian /. brachte diese Benennung auf, 
sondern er setzte sie bloss frisch in Umlauf, als er in seinem 1499 erlassenen Beichs- 
manifeBte (datirt Freiburg im Breisgau, Montag nach Jubilate) den Schweizern zum Vor- 
wurf machte : »Die Verfolgimg des teutschen Adels und die Verhassung der teutschen 
Nation." 

So erloschen vielfach die Namen der alten und geschichtlichen Adelsgeschlechter, 
die, zur Auswanderung oder Namensänderung gezwungen, entweder das erstere wählten, 
oder durch Befolgung der letzteren, wie die Zurlsuben u. A. mehr, als bürgerliche 
Familien sich fortpflanzten. 



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— 249 — 

geben ihr davon als Zins jährlich 10 Malter Korn. Presen- 
tibus : Engllmanno dicto Gesseler, Joh. de Meckinheim, Theo- 
dorico de Haselach, militibus ; Theodorieo Gesseler et Petro 
Gesseler, armigeris de Lamsheim; Cunrado scnlteto, Hein- 
rico dicto Kolbe et Joh. Fabro, hubariis de Wissen. — 

1432: Heinrich Gesler, Kaplan zn Mäsenhausen bei Freising, be- 
endigt die Abschrift der von Heinr. Hettür (13. Jahrhundert) 
gereimten, 23000 Verse haltenden Apokalypse. — 

1613: Helena Gessler, Aebtissin der Franziskanerinnen zu Speyer. — 

1620: Die Gassler Ton Klaham gehören dem altbaierischen Brief- 
adel an. Ihr Wappenbrief stammt jedoch erst von 1620. 
Ein P. P. Gässler war 1742 Kurfürstlicher Kriegskassier; 
das Adelsdiplom für Joh. Mich. Gässler, Malteserordens-Amt- 
mann zu Landshut, ist von 1799. 
Ferner mögen aus dem Verzeichnisse der in demselben Werke 

geschilderten, weiteren in Deutschland ansässigen Gessler'schen 

Linien, Unterabtheilung: Die Gessler von Ulm und Augsburg 1292 

bis 1871, folgende hier Erwähnung finden: 

1292: Amman von Heysenspurg, genannt Glasier. 

1344: 7. März, München. Kaiser Ludwig der Baier genehmigt die 
Anweisung von 550 Pfd. Heller, welche sein Sohn seinem 
Wirthe Otto dem Bezeerer und Johann dem Geszeler, Bürgern 
zu Ulm, gegeben hat. 

1361 : Heinrieh der Gessler. 

1366, 23. April: Hans der Gösseler, der Alte, Burger zu Ulm, 
besiegelt daselbst den an das dortige Spital gemachten Ver- 
kauf des Hofes von Ober-Bubenshain. Das Siegel hängt. — 

1374, 4. Sept. : Hartmann der Gessler, Ammann zu Ulm, sitzt zu 
Gericht daselbst auf dem Kaufhaus und besiegelt mit eine 
Urkunde. — 

1380, 4. April: Ulrich Gessler, Pfarrer zu Ulm. 

1396: Ulrich Gessler, Patricius Ulmensis et Canonicus Augustensis. 

1399: Habs Gessler, und seine Hausfrau Eliaabet die Rötin. 



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— 250 - 

1401, Montag n. Valentin, Rotenburg a. Neckar. — Hang der Gess- 
ler t. Ulm und Ulrich v. Rot empfangen von Herzog Leo- 
pold v. Oesterreich die Veste Rietheim zu Lehen. 

1404, 4. Sept. Tann.: Herzog Friedrich von Oesterreich belehnt 
Luczen Gessler, Burger zu Ulm, mit dem Weiler Betlishausen 
und dem Hofe zu Eissendorf, des Gesslers Erbe von seinen 
Brüdern Hans und Peter. 

1419: Ulrich Gessler, Domherr zu Augsburg und Pfarrer zu Ulm; 
sein Bruder Lutz Gessler, Burger zu Ulm. — 

1425, 24. Sept. : Bürgermeister, Räthe und Richter von Ulm, unter 
denen als sechster Ludw. Gessler angeführt steht, bevoll- 
mächtigen den Dr. Heinr. Neidhard, das von Papst Martin Y. 
genehmigte, mit der Abtei Reichenau unterhandelte Abkommen 
zur Erledigung zu bringen, nemlich die Ulmer Pfarrkirche 
von genannter Abtei zu eximiren. — 

1490: wurde Hans Gessler zu Augsburg als Schüler des Ludw. 
Schonauer vor dem Handwerke der dortigen Malerzunft losgesagt. 
Er war mehrere Jahre daselbst thätig, ist aber im dor- 
tigen noch vorhandenen Malerbuche nicht unter den Todten 
eingetragen. — 

1500: ca. Felix Faber, Dominikanermönch zu Ulm, t 1502, ver- 
fasste daselbst den Tractatus de civitate Ulmensi, handelt 
darin von der sechsfachen Standeordnung, nach welcher im 15. 
Jahrhundert dio Ulmer Bürgerschaft gegliedert war, und zählt 
unter deren dritten Klasse, welche von Mutter oder Vater her 
adeliger Abkunft zu sein hatte, das Ulmer Geschlecht der 
Gessler mit auf. — 

1522, 29. Oct.: Die Familie Gessler hat sich nebst andern Ulmi- 
schen Geschlechtern im Kriege gegen Frankreich durch treues 
Festhalten an Kaiser und Reich hervorgethan und erhält da- 
für von Kaiser Karl V. eine Adelsconfirmation. 
Was nun die Eingangs erwähnte Württembergische Linie der 

Gessler betrifft, so wohnte dieselbe seit ihrer Auswanderung aus 



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— 251 — 

Bayern im vorigen Jahrhundert im Hohenlohischen und gehören ihr 
aus neuerer Zeit an: 

Christian Gessler, Königlich Wfirttembergischer Kameralver- 
walter in Ellwangen mit dem Titel Finanzrath, f 6. Januar 1863. 
Söhne: 

I. Ernst Ton Gessler, Excellenz, geb. 27. October 1818, König- 
lich Württembergischer Staatsminister des Innern a. D., Ge- 
heimerrath, Grosskreuz des Krön- und Friedr.-Ordens etc. 

Gattin: 1) seit 9. Sept. 1845 Luise, Tochter des Ge- 
richtshofedirectors Friedrich Ludwig v. Gaupp , t 9. März 
1855. 2) seit 1. Mai 1856 Hertha, Tochter des Oberkriegs- 
raths August Friedrich Ludwig v. Ströbel in Stuttgart. 

Kinder I. Ehe: 

1) Luise Mathilde, geb. 16. October 1846, verm. 17. 
December 1872 mit Ingenieur Baumann in Heilbronn. 

2) Luise Friederike Mathilde, geb. 3. Februar 1855. 

3) Ernst, geb. 6. December 1848, Präceptor in Beilstein, 
Philolog. 

4) Friedlieh Wilhelm, geb. ft. October 1850, Regierungs- 
Assessor. 

5) Carl Christian Ludwig, geb. 29. Mai 1853, Premier- 
Lieutenant, verm. 1. Mai 1876 mit Marie, geb. Bach. 

Kinder II. Ehe: 

6) Hermann Julius, geb. 27. Februar 1857, med. stud. 

7) Ludwig Otto, geb. 22. December 1857, Seecadet. 

II. Dr. Theodor tou Gessler, Excellenz, geb. 16. August 1824, 
früher Kanzler der Universität in Tübingen, Staatsminister des 
Kirchen- und Schulwesens, Grosskreuz des Krön- und Friedrichs- 
Ordens etc., bekannt durch seine „Geschichte der Verfassung 
Württembergs", Stuttgart 1869. 

Gattin seit 12. Aug. 1851 : Mathilde, Tochter des Ge- 
richtshof8director8 v. Gaupp in Ellwangen. 



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- 252 — 

Kinder : 

1) Mathilde Luise, geb. 2. Juni 1852, verm. 11. April 
1874 mit Archivrath Stalin. 

2) Ludwig Heinrich, geb. 16. September 1862. 

3) Theodor Wilhelm, geb. 27. September 1864. 

Ein Bruder obigen Christian Qessler's war: 

Wilhelm von G essler, Fürstlich Hobenlohischer Hofrath und 
Domänendirektor, f 1876. Gattin: seit 6. November 1822 Sophie 
Dorothea Friederike, Tochter des 5. Mai 1807 t Stadtpfarrers in 
Neuenstein, Friedrich Jahn, Enkels des Stadtpfarrers daselbst Justus 
Joachim Jahn* 



Das Fürstlich Württembergische Dienerbuch enthält folgende höhere Beamte 
des Namens G***Ur: Hans Cl .Pfleger 263 — LeonK, OclstL Verwaltter 409. 



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Gmelin. 



Johann Georg Gmelin, Med. Dr., Stifter der Stuttgarter Linie, 
Königlich Polnischer, wie auch Churfürstlich Sächsischer, Herzoglich 
Württembergischer und Hochfürstlich Hessen- Darmstädtischer Rath 
und Leibarzt, wurde den 10. September 1652 zu Tübingen geboren. 

Sein Vater war Samuel Gmelin, Special-Superintendent und 
Stadtpfarrer in Herrenberg 1672 ; die Mutter Catharina, Tochter des 
Pfarrers in Ehningen M. Hegel; der Grossvater M. Wilhelm Gmelin,* 
Scholarch in Bebenhausen, Special zu Böblingen, f daselbst an der 
Pest 1. November 1635 ; die Grossmutter Judltha, Tochter des 
Herzoglich Württembergischen Hofpredigers, nachmaligen Abts in 
Hirsau Johann Parsimonius; der Urgrossvater Wilhelm Gmelin, 
Pfarrer in Gärtringe^ t 1612, erlebte 40 Enkel und 19 Stiefenkel; 
die Urgrossmutter Magdalena, Tochter des Bürgermeisters von Cann- 
statt Bieger; der Urur-Grossvater Michael Gmelin, Präceptor zu 
Weilheim u. Teck; die Urur-örossmutter Margaretha Nägel in. 



* «Alss der Keyser dnroh den General Oisa slle Wurttembergische Klöster ein- 
nemen und mit Mönchen besetzen laseeto, war Omettw »11dm (von Bebenhausen 1630) ver- 
trieben, und musste sieh mit den 8etnfgen zu Tübingen in seiner eigenen Behausung 
saffenthalten, bis« er zur Pflttt Ktrolieuteftiittirart sin Neckar transferirt. Auch in 
Böblingen hatte er Tiel erlitten und war daselbst aller sefaer Sachen beraubt worden, 
sonderlich den 8. September 1634 von den Oroaten unmenschlich tractiret, sich mit 
100 Bthlr. ranzlonlren mdsseh, im November wiederum mit 14 Bthlr., item im April 
mit IS Bthlr. Mit 6 Söhnen sambt 6 Doehtermfonern hat er die Oantzel sumal be- 
treten können. Unter seiner Disciplin (als Klosterpr&ceptor) in Bebenhausen sind 
sufs wenigste 1000 gewesen, die ins öffentliche Predigtamt kamen. In erfolgtem all- 
gemeinen Land-8terbend und grausamer Pestilenzzeit hat er mit fleissiger Verrichtung 
seines Amtes bis zu Ende ausgedauert, dass er in kurzer Zeit dreien Diaconis nach ein- 
ander die Leica-Predigten gehalten und unter Allen, die damals an der giftigen Seuche 
gestorben, er der letate gewesen und gleichsam die Thor zugeschlossen.* 



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— 254 — 

Ueber den Ursprung der Familie sagt Archivrath Omelin in 
seinem »Stammbaum der Familie Gmelin*, Karlsruhe 1877, Folgendes: 
„Woher der Stammvater der Familie kam, ob von Rom oder anders- 
woher, und zu welcher Zeit er in Süddeutschland eingewandert ist, 
muss dahin gestellt bleiben, und wir müssen es mit dem alten 
Auggener Special Jeremias Qmelin, halten: »indem keine gnugsame 
Documente ob Händen, lasset man solches an seinem Ort beruhen.« 
Der Beziehung des Namens Omelin auf das lateinische Lentidus* 
bleibt dabei durch eine nicht zu verläugnende Charaktereigenthütn- 
lichkeit eine gewisse Berechtigung gesichert und in dem Wahlspruch 
der Familie: festina lente (Eile mit Weile) spricht sich ein humo- 
ristischer Zug gesunder Selbsterkenntniss aus. Mag es nun aber um 
die deutsche oder nichtdeutsche Abstammung der Familie bestellt 



* Die tfsst'sche Kronik von Herrenberg enthilt als weitere directe Vorführen 
des auf voriger Seite erwähnten Michael Gm., — Petru» Gm. in Weilheim — WüMm Gm. 
— Petru* Gm. Ebenso verzeichnen Blum n. A. m. die Vorfahren des Pfarrer« in Gärtrin- 
gen als von Italien abstammend, und oitiren dabei folgenden Vera : 

„Die noch von der Römer Samen 

Ans dem alten Pabstthnm kamen, 

Lernt ihr Kinder nachzuahmen 

Ihrer frommen Eltern Namen.* 
Auf ahnliche Weise lautet ein Hochzeitscarmen : 

.Denn siehe lange Zeit — 

Und vor Lnthero noch 

Da man schon weit und breit 

und hin und her verspürte, 

Wie in Europa Gott 

Sehr vieler Hersen rührte, 

Die allerseits sich suohten su bemühen, 

Des Papstes Joch nun bald sich su entstehen, 

Fand durch des Herren Schluss 

ürbanus Lentulus 

Aach sich gerühret.* 
Ein schlimmer Anachronismus in einem Kirchenbuch-Einträge endlich laset die 
Lenttdu* geraden um der «evangelischen Religionsverfolgung 11 willen aus Rom vertrieben 
werden. 

p. Moor in seiner Geschichte Ourratiens, Bd. II. Abth. I., führt unter den 
nach Graubündten geflüchteten aus vornehmem Stande entsprossenen 36 italienischen 
Welt- und Kloster-Geistlichen, welche ihrem Glauben su Liebe Heimath, Vermögen, 
selbst die theuersten Familienbande geopfert haben, und den ersten Samen des Evan- 
geliums zu Oliven in dem Veltlln legten, auch einen 8eipio Lentuln* auf. 



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- 255 — 

sein wie es wolle — eine gutdeutsche, und zwar gutschwäbische 
Familie im vollsten Sinne des Wortes ist sie sicherlich geworden." 

Johann Georg studirte zu Tübingen und Basel Medicin, wurde 
1675 zum ordentlichen Arzte in Marbach ernannt und erhielt ein 
Jahr nachher von der Tübinger Universität den Doctors-Titel. Von 
Marbach aus wurde er seiner ausgezeichneten Amtsverwaltung wegen 
von dem Herzoge Administrator von Württemberg als ausserordent- 
licher Hofarzt nach Stuttgart berufen und ihm gleichzeitig die Lei- 
tung des neuen Hof-Spitals, sowie die Inspection des medicinischen 
Hofgartens anvertraut. Kurze Zeit darauf ernannte ihn der Herzog 
zu seinem ordentlichen Leibarzte nach eben eingetretener Vakanz 
dieser Stelle. 1688 bei dem von Seiten Frankreichs erfolgten Einfall 
ins Württembergische erhielt er den Befehl, sich mit dem Landprinzen 
nach Regensbnrg zu begeben, wohin er in der Folge seine Frau und 
Kinder nachkommen. Hess und wo er 9 U Jahre lang verweilte. 

Sowohl seiner glücklichen Praxis, wie seiner bedeutenden Kennt- 
nisse wegen ward er daselbst allgemein beliebt und gelangte zu 
grosser Berühmtheit. Der Landgraf von Hessen-Darmstadt ernannte 
ihn zum Leibarzte, ebenso in der Folge der Churfittrst Georg III. 
and Johann Georg IV. Churfürst von Sachsen und König von Polen, 
wie die Churfürstin. 

4 Jahre lang bekleidete er die letztgenannte Stelle und kehrte, 
von dem Herzoge von Württemberg wieder an seinen Hof berufen, 
nach vorher eingeholter Königlicher Conoession 29. September 1698 
wieder ins Vaterland zurück, wo er auch nach 6jährigem rühmlichen 
Wirken mit Hinterlassung von 7 Kindern im Jahr 1705 den 7. März 
starb. 

Seine I. Qattin war seit 31. Januar 1676 Christiana, Tochter 
des Procurators des theol. Stipendiums zu Tübingen Friedrich Engel; 
die IL seit 30. Sept. 1684 Anna Sabina, Tochter des Canzlei- Ad- 
vokaten und Tutellarfaths in Stuttgart Johann Ludwig Sattler, welch 
beiden Ehen 12 Kinder entsprossten. 



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— 256 — 

Derselben Familie gehören unter andern bedeutenden Gliedern 
ferner an: 

Sigmund Christian Gnielin, ältester Sohn des Pfarrers in 
Löchgan Johann Wilhelm Gmelin, geb. zn Pfallingen 15. März 1679, 
Diaconus zu Herrenberg, schloss sich als solcher den pietistischen, 
separatistischen Gegnern der kirchlichen Lehre an, welche in den 
Reihen der jüngeren Geistlichkeit wie in Laienkreisen seit der II. 
Hälfte des XVII. Jahrhunderts in Württemberg auftraten. In 
Verbindung mit 2 Studiengenossen, dem Candidaten P. J. Bauer 
und dem Repetenten Ch. ff. Schmoller, griff Gmelin die Kirche von 
allen Seiten als ein verweltlichtes Institut an, rügte die steifen 
Formen des Gottesdienstes, den dürren Inhalt der Predigten, die 
unnütz gelehrten Studien der Geistlichkeit, das opus operatum der 
Andachtsübungen, die Unsittlichkeit unter allen Ständen, überhaupt 
den grossen Mangel christlicher Gottesfurcht, und drang auf die 
Förderung eines inneren Glaubenslebens und wahrer Gottseligkeit. 
Wenn auch vielfach von dem kirchlichen Dogma abweichend (er ver- 
warf z. B. die Taufe etc.), suchte er sich doch in seinem Vortrage 
darüber möglichst vorsichtig und bescheiden zu fassen, wie ihn denn 
unverkennbar in seinem ganzen Auftreten treuer Eifer und tiefe Be- 
geisterung geleitet hat. Wie seine beiden Freunde wurde er vom 
Amt entlassen nnd des Landes verwiesen. Schmoller und Bauer 
starben im Gefängniss; er selbst hielt sich noch einige Zeit bei 
gteichgesinnten Freunden «u Calw auf, wo sich auch sein jüngerer 
Bruder Wilhelm Christian der separatistischen Bewegung ansdiloss. 
Ate man seinen Aufenthalt erfahr, so wurde ihm bedeutet, sich als- 
bald über die Grenze zu machen; Sigmund Christian 8 Bitte, man 
möge ihm erlauben, um eines Augenübels willen noch eine Zeitlang 
im Hause des Moses Dörtenbach bleiben zu dürfen, war vergeb- 
lich. Er musste das Land sogleich räumen , wandte sich nach 
Schwarzenau im Berlenburgischen , wo er 12. October 1707 ge- 
storben sein soll. — 



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— 257 — 

Georg Friederich, Gmelln,* geb. 13. Juli 1679, Sohn des Vo- 
rigen, Med. Dr., Herzoglich Württembergischer ßath und Leibarzt 
1705. Von seinen hinterlassenen Söhnen waren Philipp Jacob Gmeliu 
Oberpfarrer, zugleich Consistorialassessor und Ephorus der Schulen 
zu Speyer, t den 23. November 1781 mit Hinterlassung von Nach- 
kommen ; Friedrich Wilhelm Umelin, Expeditionsrath in Stuttgart, 
t den 2. August 1790, ebenfalls mit Hinterlassung von Nach- 
kommen. — 

Jeremiftg tfmelin, geb. zu Bebenhausen 18. Januar IG 13, Spe- 
cial-Superintendent äVr Landgrafschaft Sausenberg 1672, f Auggen 
6. März 1698 im 86. Lebensjahre, Stifter der oberbadischen Gmelin- 
schen Linie. 

Gattinnen: I. seit 2. Mai 1636 Catharina, Tochter dos Pfarrers 
zu Oetlingen Christoph Föckler, IL seit 2. Mai 1659 Rosina Bar- 
bara, Tochter des Diaconus in Pforzheim Johann Eberhard Lutz, 
welch beiden Ehen 23 Kinder entsprossten. — 

Georg Adam Gmclin, geb. Baden weiler 13. Novoinber 1721. 
1748—1754 Capitän, trat 1757 als Capitän in englische Dienste, 
machte als solcher in Nordamerika die Eroberung vom Cap Breton 
(1758), von Quebek (1761—62), die Expedition nach der Havanna 
mit, nahm Ende 1763 seinen Abschied, lebte von 1764 an in Frank- 
fort, erhielt hier 1771 die Ernennung zum oberrheinischen General- 
quartienneister, Marsch- und Musterungskommissär mit dem Hang 
eines Obersten. 1782 erhielt er die Bestallung in derselben Eigen- 
schaft zugleich vom Kurrheinischen Kreis, 1784 den Charakter eines 
oberrheinischen Generalmajors; t Frankfurt 14. August 1799. — 



* Derselbe ist im Stuttgarter Taufbuch als Vater eines Georg Friederich, geb. 
6- April 1706 aufgeführt, bei welcher Taufe folgende Personen alu Tanfpathen ver- 
zeichnet sind : 

*Ihro Durchlaucht die regierende Hertzogin Johanna Klisahetha. 
Ihro Durchlaucht die verwittibte Hertzogin Magdalena Sihylla. 
„ „ der Landprinz. 

„ Gnaden Freifraulein von Gemmingen. 
« „ Oberhofmarschall von Staffhorgt. 

r. fieoraii-Georqenau, Biograph iftch»0encalogi8cho Blätter ntc. 17 



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— 258 — 

Wilhelm Gottfried Gmelin, geb. in Dresden 7. December 1695, 
Herzoglich Württembergischer Leibarzt, t 27. Februar 1760. Der- 
selbe hatte 19 Kinder, von denen 2 Söhne den Mannsstamm fort- 
setzten, nemlich: Christoph Friedrich Gmelin, geb. 25. April 1744, 
Tfarrer zu Neuweiler, O.A. Calw, 1772, Grossglattbach 1784, Wit- 
tendorf 1806, f den 29. September 1809, und Johann Christian 
Friedrich, geb. 2. Janr. 1753, Pfarrer in Nattheim 1806, t da- 
selbst 23. December 1820. - 

Christoph Friedrich Gmelin, Sohn des Vorigen, geb. zu Stutt- 
gart 25. April 1744, Pfarrer zu Neuweiler, O.A. Calw, 1772, Gross- 
glattbach 1784, Wittendorf 1806, f 29. September 1809. — 

Johann Georg Gmelin, der ältere russische Reisende, geb. 1709 
in Tübingen, Med. Dr., begab sich 1727 als practischer Arzt nach 
Petersburg, wurde daselbst 1731 als Professorder Chemie und Natur- 
geschichte angestellt; reiste sodann auf kaiserliche, Kosten nach 
Sibirien, um das für Russland neu erworbene Land zu untersuchen, 
und kehrte nach 1743 wieder ins Vaterland zurück. — 1749 wurde 
er Professor der Botanik und Chemie in Tübingen und starb daselbst 
20. Mai 1755. 

Das von ihm unter dem Titel „Reisen durch Sibirien" heraus- 
gegebene äusserst interessante Werk wurde in viele fremde Sprachen 
übersetzt. 

Gattin: seit 22. April 1749 Maria Barbara, Tochter des Pro- 
fessors der Theologie J. Ulrich Fromniami. — 

Philipp Friedrich, Bruder des Vorigen, Stifter der jüngeren 
Tübinger Linie, geb. 19. August 1721, wurde schon im Alter von 
29 Jahren (1750) Professor der Medicin in Tübingen, 1755 Professor 
der Naturgeschichte und Botanik daselbst, als welcher er 9. Mai 
1708 mit Hinterlassung eines Werkes starb. — 

Johann Friedrich, Sohn des Vorigen, geb. 8. August 1748 in 
Tübingen, widmete sich ebenfalls dem Studium der Medicin in Tü- 



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— 259 — 

hingen, wurde 1771 zum Professor der Naturgeschichte und Botanik 
daselbst, 1778 aber zum Professor der Medicin in Göttinjen ernannt, 
wo er 1. November 1804 starb. Gmelin schrieb hauptsächlich über 
mineralische Gifte und über die Pharmacie. Er ist offenbar unter 
allen Gmelin der thätigste gewesen. — 

Christian Gottlieb von Gmelin, Dr. jur., Bruder des Vorigen, 
geb. 1749 in Tübingen, ordentlicher Professor der Rechte in Tübingen, 
Herzoglicher Rath 1780, Mitglied des Ober- Appellations-Tribunals 
1813, f Tübingen 6. März 1818. — 

Samuel Gottlieb Gmelin, der jüngere russische Reisende, geb. 
4. Juli 1744 in Tübingen, doctorirte schon 1763 und folgte 1766 
einem Rufe als Professor der Botanik nach Petersburg. Bald nach- 
her bereiste er mit Pallas, Güldenstedt und La gochin die südöstlichen 
Provinzen Russlands und starb, auf der Rückkehr begriffen, von 
Usmey, dem Chan der Chaicatten gefangen, zu Achmetkent im 
Kaukasus 27. Juli 1774 an der Ruhr. Der Chan hatte für seine 
Auslieferung ein Lösegeld von 30,000 Rubel verlangt, Catharina 
aber befahl seine Befreiung durch Gewalt zu bewerkstelligen, woran 
sie indess durch den Aufruhr Pugatchefs verhindert wurde. Gmelin 
hinterliess vielo literarische Arbeiten. — 

Christian tob Gmelin, Dr. juris, geb. 23. Januar 1750 in 
Tübingen, Professor der Rechte in Erlangen, in Tübingen 1781, 
Herzoglich Württembergischer Rath und Königl. Preussischer Hof- 
rath, Ritter des Königl. Württembergischen Civil-Verdieust-Ordens 
1808, t ö. Juni 1823. - 

Eberhard Gmelin, Bruder des Vorigen, geb. 1751 in Tübingen, 
Arzt und Physikus in Heilbronn, einer der ersten Anhänger des 
tbierischen Magnetismus in Deutschland, f 1809. — 

Wilhelm Friedrich Gmelin, geb. 26. November 1760 zu Baden- 
weiler im Breisgau, berühmter Kupferstecher zu Rom, Erfinder einer 
Maschine für Kupferstecher, f 1820 in Rom. — 



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— 260 - 

Karl Christian Gnielin, geb. Badenweiler 18. März 1762, Dr. 
Med. und practischer Arzt zu Carlsruhe 1784, Director des Forst- 
lichen Naturalienkabinets und der botanischen Gärten 1786, Hofrath 
1797, Mitglied der General-Sanitäts-Commission 1803, Geheimer 
Hofrath 1808, Mitglied der Bergwerks-Commission 1814, Geheimer 
Rath II. Cl. 1830, f Carlsrahe 26. Juni 1837. — 

Christian Heinrieh Gmelfo, geb. Tübingen 15. December 1780, 
Dr. jur. und Hofgerichte-Advocat 1801, Professor der Rechte zu 
Bern 1805, zu Tubingen 1813, Oberjustizrath zu Ulm 1824, f Ulm 
13. December 1824. — 

Ferdinand Gottlob von Gnielin, Neffe obgenannten Professors 
Samuel GottlieVü, geb. 1782 in Tübingen, Dr. Med. 1802, Pro- 
fessor der Naturgeschichte und Medicin in Tübingen, t 21. December 
1848 daselbst. — 

Christian Gottlob Gmeltn, Bruder des Vorigen, geb. 1 792 in 
Tübingen, Professor der Chemie und Pharmacie daselbst, correspon- 
direndes Mitglied der Academio der Wissenschaften zu Berlin, t 
Tübingen 13. Mai 1860. - 

Friedrieh Ludwig von Gmolin, geb. zu Tübingen 27. November 
1784, Dr. jur., Obertribunalrath 1832, Staatsrath und a. o. Mitglied 
des König]. Geheimen Raths 1841, Commenthur des Friedrichs-Ordons 
und des Ordens der Württembergischen Krone, Abgeordneter zur 2. 
Kammer für Freudenstadt 1815 — 1825, Mitglied der ständischen 
Commission bei der constituirenden Landesversammlung 1819, Abge- 
ordneter für Geislingen 1825—1831, für Nürtingen 1831—47, 
t Stuttgart 18. October 1847. — 

Eduard Gnielin, geb. zu Göttingen 10. October 1786, Dr. 
jur , Oberjustiz-Procurator zu Tübingen, t daselbst 20. März 1873. — 

Leopold Gnielin, geb. 2. August 1788 in Göttingen, Dr. 
Med., Privatdozent zu Heidelberg 1813, Professor der Medicin und 
Chemie und Badischer Geheimer Hofrath, auch titul. Geheimer Rath 
in Heidelborg, Ritter des Zähringer Löwen-Ordens, t 1 3. April 1853. — 



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- 261 - 

Johann Georg Gmelin, geb. zu Rom 3. Februar 1810, f im 
Kloster Montecalvi bei Kom 24. Mai 1854, erwarb sich als Land- 
schaftsmaler einen geachteten Namen. Von seinen bedeutendsten 
Gemälden befinden sich einige auf dem Königl. Landhause Rosenstein 
bei Stuttgart. — 

Die Gesammt-Biographie und Genealogie der Gmelin' 'scheu 
Familie findet sich in dem von dem Grossherzoglich Badischen Archiv- 
rathe in Carlsruhe Moriz Friedrich Gmelin, Enkel des Fol. 258 er- 
wähnten Christoph Friedrich Gmeliu, Pfarrers in Wittendorf, ver- 
fassten »Stammbaum der Familie Gmelin*, Carlsruhe 1877. In 
derselben sind 32 bedeutendere Mitglieder der Familie Gmelin bio- 
graphisch behandelt. 



Das Fürstlich Wörttembergische Dienerbuch enthält folgende höhere Beamte 
de« Namens Gmähiin (Gmälin, Gtnehlin, Gmelin): - Christian Göttlich, Abt 268. — Vrid. 
Wilh., VisitatSecreter. 158. — Georg Fried., LeibMedic. 196. — Georg Lud*., Pfarrer 
452 ; Special 583. — Joh. Georg, LeibMedic. 196 ; Visitat-Socretar. 158. — Jos., Paedago- 
gsrcha 562. — Sam., Pfarrer 671. - Wüh., Decan 395. 



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G o 1 t h e r. 

Johann Balthasar Golther, geb. zu Nürtingen, Pfarrer zu 
Iptingen 1637, zu Sielmingen 1639- 79, verra. mit Catharina, Tochter 
des Pfarrers Matthäus Gaspar, Sohns des Abts in Murrhardt, zum 
dritten mal vermählt seit 6. November 1677 mit Regina, Tochter 
des Prälaten in Hirsau Bernhard Wlldersin. (Seine erste, resp. zweite 
Gattin ist nicht bekannt.) Kinder: 

I. Johann Balthasar, geb. Sielmingen 1640, Pfarrer in Warth 

1659, in Nussdorf 1665, Dekan in Vaihingen 1698—1706, 

t 20. März 1710.* Kinder: 

* Auf dem Kirchhofe der Alexanderskirche in Marbach a. N. befindet sich folgen- 
den an der Aussenseite der Kirche recht* neben dem Hauptportale angebrachtes Epita- 
phium der Golthtr' sehen Familie: 

Hier ruhet im* Herrn 

M. Joh. Balthasar Golther 

Specialis zu Vaihingen 

starb den 20. Martzii Anno 1710 

im Ministerio 50 alt 70 Jahr 

und neben ihm sein vierter 8ohn 

Matthäus Geistlicher Verwalter all hie 

starb den 26. October Anno 1713 alt 44 Jahr 

Auch sein dritter Sohn 

Jokatm Jacob J. Ltus, 

Kantzley Advocatu* 

starb den 3. Jan. 1719 alt 50 Jahr 

bey 2 Enckeln 

Eva Regina 

M. Fried. Wilhelm seines zweiten Sohns 

Pfarrers zu Iptingen Töchterlein 

starb in der Flucht Anno 1707 alt 1 Jahr 6 Monate 

Und Joh. Jacob Friedr. 

Maria Agnes seiner andern Tochter 

Jung Joh. Jacob Heinlena Eheweibs 

15tigiges Söhnlein starb 25. Sept. 1718 

Maria Agnen seine 2te Tochter Joh. Jac. Heinlena Ehefrau 

allhier, starb 24. Jan. 1740 alt «3 Jahr 3 Monat. 



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— 263 — 

1) Johaiin Balthanar, geb. 1662, Vogt in Besigheim, verm. 
25. Juni 1689 mit Elisabeth, Tochter des Decans in Blau- 
beuren Johann Ulrich Brastberger, welcher Ehe nur 1 
Tochter entsprosste. 

2) Friedrich Wilhelm, geb. 1665, Pfarrer in Iptingen 1693, 
verm. 22. Januar 1695 mit Agatha, Tochter des Pfarrers 
zu Kloster Reichenbach Joli. Lconh. Lindenmaier. 

3) Johann Jaeob, geb. 1669 J, U. Ltus., .Kanzlei- Advokat 
t 3. Januar 1719. 

4) Matthäus, geb. 1669, Geistlicher Verwalter in Leonberg 
t 1706. Gattin: seit 8. Januar 1701 Marie Eufrosine, 
Tochter des Ritterschaftlichen Syndicus in Esslingen Johann 
Datt. 

II. Matthäus Golther, Syndicus der Universität Tübingen 1668, 
Gattin: Helena Magdalena, Tochter des Vogts in Stousslingen 
Georg Philipp Hegel. Söhne: 

a) Matthäus Golther, geb. 22. Januar 1672, Herzoglich 
Württembergischer Keller in Brackenheira 1698, in 
Pfullingen 1699, in Heidenheim 1701, t 1724. Gattin: 
seit 1. November 1698 Dorothea, Tochter des Rentkamraer- 
raths in Stuttgart Joh. Erhard Reinhardt. Sohn: 

Christoph Jonathan Golther, geb. 7. December 1699 in 
Pfullingen, f 1742 ohne männliche Nachkommenschaft, Vogt 
in Heidenheim, in Lustnau, verm. seit 13. Februar 1725 mit 
Maria Catharina, Tochter des Kellers in Kirchheim Joh. 
Fried. Bacmeister. 

b) Jaeob Friedrich, geb. 13. März 1677, Pfarrer zu Reinerzau, 
t als Pfarrer zu Magstadt 23. November 1765 im 89. Jahr 
seines Alters. Gattin: Maria Magdalena, Tochter des Hof- 
gerichte-Assessors und älteren Bürgermeisters von Stuttgart 
Johann Guethler (Güettler), welcher im Jahre 1695 von 



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— 264 — 

den Franzosen als Geisel für seine Vaterstadt nach Mete 
abgeführt wurde. 

Von 8 Kindern sind folgende 2 Söhne bekannt: 

a) Jacob Friederich, geb. zu Reinerzau, Pfarrer in Wittlingen 
1742, in Ruith 1749, in Wangen 1757, t 15. August 
1708. Seine Gattin war eine geb. Duvernoy. — 

I») Jonathan Salomou, Herzoglich Württembergischer Hof- 
kammerrath. Geb. 12. Juni 1709. 

Letzterer voa seinem Vater nicht nur im Lateinischen und 
Griechischen, sondern auch, da er Liebhaber von verschiedenen 
Zweigen der Naturkunde war, in der letzteren unterrichtet, studirte 
u. A. zwei Jahre zu Strassburg uud widmete sich in der Folge 
mit besonderer Vorliebe dem medicinischen und chirurgischen Fache, 
wobei ihn Herzog Karl Alexander mit Geldmitteln unterstützte. 
Der Herzog, der den Vater Jonathans hochschätzte, schickte nämlich 
<len Sohn , dessen Eltern wenig bemittelt waren , auf höchst eigene 
Kosten nach Landau, indem er ihn dem damals daselbst an dem 
französischen Hospital angestellten Dr. Bergerot empfahl. 

Im Jahr 1734 berief ihn Herzog Karl Alexander, der in- 
zwischen die Regierung angetreten hatte, von Landau zurück und 
nahm ihn im folgenden Jahre auf seinen Feldzügen am Rhein in 
sein Gefolge auf. Im Frühjahr 1736 schickte ihn der Herzog mit 
dorn Gefolge nach Brüssel, das den Erbprinzen Karl Eugen, welcher 
dort bis in sein achtes Jahr bei seinem mütterlichen Grossvater, dem 
Fürsten von Thum und Taxis, erzogen wurde, ins Vaterland zu- 
rückbrachte. 

Als Karl Eugen 1 744 zur Regierung gelangte, erhielt Golther 
den Titel eines Hofkammerraths 1 746, und der Herzog, dessen besonderer 
Gunst er sich zu erfreuen hatte, übertrug ihm gleichzeitig die Ver- 
waltung seiner Privatkasse, — ein Vertrauensposten, den Golther 41 
Jahre laug mit besonderer ausgezeichneter Berufstreue bekleidete. 

Golther starb, nachdem ihm das seltene Glück zu Theil ge- 



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— 265 — 

worden war, die ersten Jahrzehnte von zwei Jahrhunderten zu erleben, 
bei vollem Cenuss aller Seelenkräfte, den 8. März 1801, im 02. 
Jahre seines Alters. 

In dem nach seinem Tode erschienenen Nekrologe hoisst es u. 
A. wörtlich wie folgt: 

„Menschenliebe, geprüfte Redlichkeit, eine ebenso kluge Offenheit 
als strenge Verschwiegenheit, Eifer und unerschütterliche Treue in 
seinem Amte, verbunden mit seltener Ordnungsliebe, waren die Haupt- 
bestandteile seines Charakters, wovon man die vielen einzelnen Züge 
zusammenfassen müsste, um ihn ganz in dem vorteilhaften Lichte dar- 
zustellen, in welchem er denen, die in näherer oder entfernterer Ver- 
bindung mit ihm standen, erschien. 

Hiedurch erwarb er sich nicht nur die Liebe und Achtung 
aller derer, die ihn kannten, sondern auch vorzüglich das Vertraueu 
und die Zuneigung seines Fürsten, die aber auch von ihm mit seltener 
Treue und Anhänglichkeit erwidert wurde. 

Beides gründete sich auf eine, beinahe in allen Perioden des 
Lebens, mehr als 60 Jahre hindurch fortgedauerte wechselseitige 
Bekanntschaft und seine Dienstverhältnisse. 

Da es ihm an Beobachtungsgeist nicht fehlte, so mag er 
manche Züge, besonders aus dem Privatleben seines Fürsten, aufge- 
fasst haben, die für den künftigen Biographen desselben nicht ganz 
unwichtig gewesen sein würden. Allein dergleichen Dinge pflegte er 
in einem feinen guten Herzen zu bewahren und sein Mund öffnete 
sich nur, so oft er zum Lobe seines Fürsten etwas zu sagen 
hatte. 

Das bekannte „Ehrlich währt am längsten/' bestätigte sich 
an ihm vollkommen. — Wem die vielseitige denkwürdige Regierung 
Karls mit allen den verschiedenen Auftritten, Abwechslungen und 
Ereignissen bekannt ist,, dem wird die Behauptung: dass die Ehr- 
lichkeit des Dieners die Feuerprobe erstanden habe, nicht übertrieben 
scheiuen. — Brachte ihn gleich sein Amt in keine unmittelbare 
Berührung mit eigentlichen Staatsgeschäften," so kam er doch oft- 



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— 266 — 

mals durch Aufträge, Verschickungen und dergl., mit welchen er 
durch das Zutrauen seines Fürsten beehrt wurde, in Lagen, aus denen 
er sich nur durch Klugheit, durch seine vieljährige, in der Hof- 
philosophie gemachte Erfahrung, durch Menschenkenntniss und vor- 
züglich durch unerschütterliche Strenge in den. Grundsätzen loswickeln 
konnte. In Folge des 1793 erfolgten Tods des Herzogs Karl, den 
vielleicht wenige wie er betrauerten, wurde er in Buhestand versetzt. 

Gofther erlebte 8 Kegenten Württembergs, von denen einer, 
Herzog Karl, allein an 50 Jahre regierte. 

Von 8 Geschwistern erreichte ausser ihm nur seine Schwester, 
die verwittwete Expeditionsräthin Elsässer, welche 1787 im 84. 
Jahre starb, ein ähnliches hohes Alter. a 

Seine Gattin war seit 1746 Maria Helena, Tochter des Kriegs- 
raths Oetinger. — 

Dr. Carl August Golther, Sohn des Vorigen, geb. 7. November 
1746 zu Stuttgart, Königlich Württembergischer Oberjustizrath, brachte, 
anfangs zum Geistlichen bestimmt, die Jahre 1761 — 1763 im Kloster 
Blaubeuren, die folgenden zwei im Kloster Bebenhausen zu. Nun 
aber trat er zum Studium der Rechtswissenschaft über, das er auf 
der vaterländischen Universität absolvirte, woselbst er zuletzt 1770 in 
Gegenwart des Herzogs Karl disputirte. Im folgenden Jajire wurde 
er zuerst unter die Zahl der Hofgerichts- Ad vocaten, später aber in 
die der Kanzlei-Advocaten aufgenommen. Die Praxis indess war nie 
nach seinem Geschmacke, dazu wurde sie durch die damals grosse 
Anzahl von Ad vocaten erschwert. Erwünscht war ihm daher der 
erhaltene Antrag, den jungen Freiherrn von Senkenberg, ältesten 
Sohn des vormaligen Reichshofraths von Senkenberg, auf Reisen zu 
begleiten. Er begann solche im August 1772 und kehrte von den- 
selben, nachdem er n. a. anch Italien bereist und in Rom bei dem 
Papst Clemens XIV., von dessen Geistesgrösse und Leutseligkeit er 
besonders eingenommen war, zweimal Audienz gehabt hatte, 1775 
ins Vaterland zurück. 

Im Jahr 1784 kam die zweite Consulentenstelle bei dem Ritter- 



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- 267 — 

kanton Neckar-Schwarzwald zu Tübingen in Erledigung. Er bewarb 
sich um diese Stelle und erhielt solche. 

Ohnerachtet des ausgebrochenen französischen Revolutionskriegs 
hatte er doch in den ersten Jahren desselben noch ziemlich ruhige 
Zeit. Erst nach dem Rheinübergang im Jahr 1796 lernte er die 
Hebel des Kriegs auch in seiner amtlichen Stellung kennen. 

Alle Last der Besorgung von Lieferungen in die Magazine und 
Hospitäler, von Einquartirungen und dergleichen lag nicht nur in 
Hinsicht auf Leitung, sondern auch meistens im Einzelnen ausschliess- 
lich auf ihm, der häufigen beschwerlichen Reisen in beiderseitige 
Hauptquartiere nicht zu gedenken. 

Dieses wirkte schädigend auf seine Gesundheit. 

Nach Auflösung der Ritterschaft im Jahr 1806 wurde er als 
Rath bei dem Königlichen Ober-Justiz-Collegium II. Senats und zu- 
gleich bei dem Tutelarrath angestellt, in kurzer Zeit darauf aber zu 
dem Ober-Appellations-Tribunal nach Tübingen versetzt, und bei 
diesem Anlass von der juridischen Facultät daselbst mit dem Diplom 
eines Doctors beider Rechte beehrt. 

Die im October 1816 erfolgte Trennung von der treuen Ge- 
fährtin seines Lebens war ein harter Schlag für ihn. Seine körper- 
lichen Kräfte schwanden sichtbar. Da er fühlte, dass er seinen Be- 
rufspflichten nicht mehr mit gewohnter Pünktlichkeit nachzukommen 
vermochte, so suchte und erhielt er, nachdem er dem Staate 42 Jahre 
lang treue Dienste geleistet hatte, die Versetzung in den Ruhestand 
unter Beibehaltung seines vollen Gehalts, worauf er im Spätjahr 1817 
nach Stuttgart zog. 

Hier suchten alte biedere Freunde, von welchen ihm übrigens 
einige noch im Tode vorangingen, dem stets munteren Greis durch 
gesellige Unterhaltung die letzte Lebenszeit zu würzen ; vorzüglich aber 
benützte er seine Müsse dazu, sich seiner Lieblingsbeschäftigung, dem 
Lesen religiöser Schriften, zu widmen. 

Unter mannigfaltigen körperlichen Leiden erheiterte sich sein 



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- 268 - 

Geist durch ungetrübten Kückblick auf die vollendete Laufbahu, durch 
frohes Dankgeföhl für die darin aus der Hand .einer väterlichen Vor- 
sehung genossenen Sognungen und Freuden , und durch die zuver- 
lässige Hoffnuug, nun bald noch besser und noch glücklicher zu sein. 
Goltlier starb 10. Juni 1821. 

Seine Gattin war seit 1775 die jüngste Tochter des Professors 
Steinweg. Kinder : 

I. Carl August Golther, geb. 30. Januar 1779, Oberamtmann in 
Balingen und Weingarten, verm. mit Louise, geb. Rieger; Sohn: 
Carl, Rechtsanwalt, geb. 7. September 1822, vermählt seit 
14. December 1849 mit Elise, geb. Jenatsc b, geb. 14. Sep- 
tember 1822. Kinder: 

1) Antonie, geb. 28. Januar 1857. 

2) Valerie, geb. 23. Sept. 1850, verm. Sept. 1874 mit Gustav 
Fedor Benedict, Banquier, geb. 5. Juli 1841 , Sohn des 
Banquier Sigmund Franz Benedict*, geb. 7. Mai 1809, 
t Strassburg 14. Nov. 1852, und der Louise, geb. Lebret, 
und Enkel des Banquiers Moses Benedict, geb. 17. Febr. 
1772, t 8. Juli 1852, und der Flora, geb. von Geldern. 



* Ein Bruder des t Banquiers Sigmund Benedict ist der bekannte Componist 
Julias ltitter v. Benedict in London, geb 27. Nov. 1804, dessen Compositionen «ich durch 
die deutsche Gründlichkeit verbunden mit italienischer Süssigkeit auszeichnen. Gattin : 
Ade 7 e Jean. Kinder: 

Adeline, Wittwe des Obersten Heim; Freiherrn von Hügel. 

Georgin«, Gattin des Dr. med. Simpson. 

Alice, Gattin des Kaufmanns Boulan in London. 

Ernst, Ingenieur, geb. 1836. 

Eine Schwester des Julius v. Benedict, Henriette-, ist die Wittwe des t Dr. Samuel 
Dreifus8. 

Deren Kinder: 

1) Theodor Freiherr von Dreifus, geb. 9. Mai 1830, verm. zu Frankfurt a. M 10. 
Aug. 1859 mit Charlotte, *geb. Stein, geb. 19. Nov. 1839. 

2) Bertha, f Gattin des Bankiers Haas. 

3) Rosa, geb. 9. Nov. 1832, verm. mit dem Grafen Gotthanl Saurma-Jellsch. 

4) Emilie, geb. 28. Jan. 1834 vermählt mit Freiherrn von Einsiedel. 

5) Paul ine, Gattin des Präfekten Latour. \ 

6) Franziska, Gattin des Advocaten Dr. Donnenberg in Hamburg. 

7) Robert, Agent. 



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- 269 - 

II. Gottlieb Ludwig- Golther, Oberjustiz-Secretär in Ulm, verin. 
mit Anna Maria, geb. Röscheisen. Söhne: 
1) Carl Ludwig von Golther, Excellenz, geb. 11. Jan. 1823 zu 
Ulm, durchlief bis zu seinem 18. Lebensjahr das Ulmer 
Gymnasium, studirte alsdann 4 Jahre an der Universität 
Tübingen. Die ersten beiden Jahre der Universitätszeit ver- 
wendete er auf das Studium der Philosophie, die letzten beiden 
Jahre auf das Studium der Rechtswissenschaft. Nach Er- 
stehung der beiden höheren juristischen Staatsdienstsprüfungen 
betrat er die richterliche Laufbahn, war vom Herbst 1846 
bis Herbst 1849 Gerichtsaktuar beim Oberamtsgericht Kün- 
zelsau, von da an bis Sommer 1851 zuerst Hilfsarbeiter, dann 
Assessor und Staatsanwalt bei dem Gerichshof in Ellwangen. 
Im Sommer 1851 trat er in das Departement des Innern 
über, wo er als Begierungsrath und später als Oberregierungs- 
rath zuerst bei der K. Ablösungscommission und dann beim 
K. Ministerium des Innern fungirte. Im April 1861 über- 
nahm er das Ministerium des Kirchen- und Schulwesens, 
zuerst mit dem Titel Staatsrath, sodann mit dem Ministers Titel. 
Im Frühling 1867 vereinigte er mit dem Cultministerium das 
Präsidium des Geheimen Raths. Alsbald nach Uebernahme des 
Cultministerium s im Januar 1861 setzte er das Concordat mit 
der römischen Curie ausser Kraft und noch in demselben 
Jahre führte er eine gesetzliche Regelung des Verhältnisses 
der Staatsgewalt zur katholischen Kirche herbei, welche der 
neuesten preussischen Kirchengesetzgebung vielfach als Muster 
diente. Hierauf entwickelte er eine organisatorische Thä- 
tigkeit in den verschiedenen Zweigen des Unter richtswesens. 
^Während seiner ministeriellen Verwaltung wurde er vom 
König mit dem Grosskreuz des Kronordens und des Fried- 
richsordens ausgezeichnet. 

Im März 1870 nahm er seine Entlassung als Minister 
und Geheime-Raths-Präsident und zog sich auf das Präsi- 



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270 



dium der evangelischen Oberkirchen- und Oberschul-Behörde 
zurück, mit welchem Amt er seit Herbst 1872 das Präsi- 
dium der Centralleitung des Woblthätigkeits-Vereins ver- 
band. 

Verheirathet war v., Golther seit 20. August 1850 
mit Fanny, Tochter des t Hofkammerbaumeisters Autenrieth 
von Stuttgart. Er hinterliess 2 Kinder, eine Tochter Namens 
Fanny Hedwig, geb. zu Ellwangen 13. Juni 1851, und 
einen Sohn Carl Wolfgang, geb. 25. Mai 18p3; ein weiterer 
Sohn ist ihm im Jahr 1864 durch den Tod entrissen 
worden. 

v. GolÜier war ein Mann von unermüdlicher Arbeitskraft, 
von der höchsten Achtung für das Recht beseelt und von 
ungemeiner Liebenswürdigkeit im Umgange, stets beflissen 
für das Wohl des Staats wie des Einzelnen; er starb den 17. 
September 1876. 

Im Jahre 1874 ist ein Werk von ihm erschienen, 
das Epoche machte. Es führt den Titel: »Der Staat und 
die katliolische Kirche im Königreich Württemberg. Dar- 
stellung der geschichtlichen Entwicklung des Verhältnisses 
zwischen beiden und des geltenden Rechts auf Grund der 
Gesetzgebung von 1862, mit besonderer Beziehung auf die 
neuesten preussischen Kirchengesetze von 1873. c — 

Ein von ihm im Manuscripte (unterlassenes philoso- 
phisches Werk »Ueber Materialismus und Idealismus« sieht 
seiner Veröffentlichung durch den Druck demnächst entgegen. 



Du Fürstlich Württembergische Dienerbuch enthält folgende höhere Beamte 
dos Namens Golther (Golter, Goltter): Carl Aug., OantzleiAdvoc. 96. — Christoph Jon., 
Vogt 258. 446. - Joh. Balth., Vogt 380. - Matth., GLPfleger 331 ; Oaiatl. Verwaltter 479, 
490 ; Keller 404, 621 ; Statisch reiber 578 ; Syndlc 681 ; Vogt 446. 



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G o p p e 1 1. 



Adolf Goppelt, Kaufmann und Staatsrate a. D., wurde den 
2. Januar 1800 zu Heilbronn geboren als Sohn Georg Goppelt's, 
des im Jahr 1831 f Inhabers der in der Mitte des vorigen Jahr- 
hunderts von Johann Gottfried Goppelt, aus Crailsheim gegründeten 
Firma, and der Friederike, einer geb. Müller. 

»Derselbe besuchte das Gymnasium zu Stuttgart, wo er in das 
ihm verwandte Haus des Staatsraths von Bühler aufgenommen wurde, 
trat hierauf mehrjährige Reisen an, kehrte nach dreijähriger Abwesen- 
heit wieder nach Haus zurück und widmete sich von da an ganz dem 
väterlichen Geschäfte. 

1839 wurde er erstmals für die Stadt Heilbronn in die Kammer 
der Abgeordneten gewählt, wo er, da er selbst bei Fragen, die ihn 
tiefer erregten, sich die gehörige äussere Ruhe zu erhalten verstand 
und oft durch eine rasche feine Bemerkung das Unhaltbare der 
gegnerischen Behauptung zu zeigen wusste , ein willkommenes und 
hochgeschätztes Mitglied der liberalen Partei war und mit deren 
hervorragenden Führern in enge Beziehungen trat. Unter sein« 
Freunde zählte er besonders Dörtenbach, Camerer von Reutlingen, 
Deflher und von Zwerger. 

1848 — 1849 wurde er Chof des Finanzdepartements, hierauf 
nahm er auf das Drängen seiner politischen Freunde 1850 in Lud- 
wigsburg für die zweite Landesversammlung, dann 1851/52 in Urach, 
für Heilbronn und Stadt nochmals 1863 bis Januar 1866 die Ab- 
geordnetenstelle an ; ferner wirkte er als Vorstand der neu gegründeten 
Heilbronner Handelskammer von 1856, als Qemeinderath von 1862 



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— 272 - 

an. Die Centralstelle für Handel und Gewerbe zählte ihn zu ihren 
einflussreichsten Mitgliedern, auch war er Beisitzer der Oberhandels- 
kammer des Obertribunals. Von 1 857 — 58 war er Mitglied der 
deutschen Handelsgesetzgebungs-Commission in Nürnberg, 1870 wurde 
er zum Mitglied des Staatsgerichtshofs gewählt, 1871 — 73 folgte er 
dem von Heilbronn an ihn ergangenen Ruf in den ersten Reichstag. 

Er starb, nachdem noch ein Jahr vor seinem Tode seinem Hause 
die Ehre und Freude zu Theil geworden war, den deutschen Kron- 
prinzen zu beherbergen, 13. October 1875 ohne Kinder.« 

Goppelt war im Umgang ein Mann der feinsten Form, in der 
Stille wohltbätig, allem Guten dienstbar, ein Meister des Ausdrucks, 
der klugen, geschmackvollen, feinen Rede und sein Auftreten, sei es 
im geselligen und Familienkreise, oder in öffentlicher Versammlung 
trug immer das Gepräge geistiger Weihe. „Kein Glück," sagte er 
einst, „ist so gross, aus dem der Mensch nicht Unglück, kein Un- 
glück, aus dem er nicht Glück zu ziehen verstände." 

Seine Gattin war Caroline, geb. Heermann, mit der es ihm 
vorgönnt war 1873 die goldene Hochzeit feiern zu dürfen. 

Ein Bruder und Associe Goppelt- s, Heinrieh Goppelt, starb 
schon 1831. 



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Griesinger. 



Die Familie Griesinger stammt unzweifelhaft aus Griesingen, 
O.A. Ehingen, ob von den Herren v. Griesingen, Ministerialen der 
einst in Oberschwaben sehr mächtigen Grafen v. Berg •— wie Theo- 
dor Griesinger in seinem Universallexikon von Schwaben vermuthet, 
— mag dahin gestellt bleiben. 

Von Griesingen aus verbreitete sich die Familie in der benach- 
barten Gegend und Zweige derselben finden sich vom fünfzehnten 
Jahrhundert an in Ulm, Urach und Münsingen, auf welch letzteren 
Ort die noch heute blühende Familie dieses Namens ihren Ursprung 
zurückführt. 

Der älteste bekannte Griesinger ist: 

Jakob Griesinger, der »heilige Jakob von Ulm,« geb. 1407 
zu Ulm, Sohn des angesehenen Kaufmanns Dietrich Griesinger da- 
selbst, der 103 Jahre alt wurde, ohne dass ihm die Zähne ausge- 
gangen wären, oder er eines Stockes bedurft hätte. Er befasste sich 
schon frühe mit der Mechanik, wallfahrtete im 25. Jahre seines 
Alters nach Rom, wo er sich indess aus Mangel an Geld entschloss, 
bei König Alfons in Neapel Kriegsdienste zu nehmen. In Bologna 
trat er in den Dominikanerofden; das fromme Leben, das er daselbst 
geführt, veranlasste 1825 Pabst Leo XI L, ihn selig zu sprechen. 
Als Mönch widmete sich Griesinger der Glasmalerei und erwarb sich 
den Ruf eines grossen Meisters. In San Petronio zu Bologna finden 
sich Glasmalereien von ihm. Er t 11. October 1491 in Bologna. 

Der Münsinger Linie gehören an: 

A. Georg Friedrich von Griesinger, Theol. Dr., wurde den 16. 

». GtorgH-Gtorfmau, Biographisch-Genealogische Blätter etc. 18 



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- 274 — . 

März 1734 zu Marschalkenzimmern geboren als Sohn des 1698 in 
Urach geborenen nachmaligen Pfarrers daselbst ttriesinger. 

Derselbe widmete sich dem Stadium der Theologie und machte 
nach Absolvirung desselben eine gelehrte Reise nach Norddeutsch- 
land. Nach seiner Rückkehr von derselben wurde er Repetent am 
Stifte zu Tübingen 1761, Diaconus an der St. Leonhardskirche zu 
Stuttgart 1766, erster Diaconus an der Stiftskirche 1780, Stadtpfarrer 
an der Leonhardskirche 1783, Consistorialrath 1786, Prälat zu St. 
Georgen 1791. Im Jahre 1797 ward er in den landschaftlichen 
Ausschuss erwählt und blieb in demselben, bis dieser 1. Januar 1806 
mit der damaligen württembergischen Verfassung aufgehoben wurde. 

Griesinger, ein ehrwürdiger, freundlicher, milder Greis, dem 
nichts Menschliches fremd geblieben schien, der jedes Anliegen und 
jede Klage mit sichtbarer Theilnahme anhörte, Berichtigungen und 
Zurechtweisuugen immer in schonender, den Fehlenden ermuthigender 
Rede ertheilte, nie ermüdete, wo es darauf ankam, Rath und Hülfe 
zu ertheilen, genoss die Verehrung, die Liebe und das Vertrauen 
der protestantischen Geistlichen in Württemberg, wie keiner vor oder 
nach ihm, und alle erkannten in ihm ihren Vater und nannten ihn so. 
Zu dieser durch seine humane Art erworbenen Anhänglichkeit kam 
aber auch die allgemeinste Achtung für seine Verdienste. Itn Jahre 
1822 in Ruhestand versetzt liess er sich nicht abhalten, fast allen 
Sitzungen des Consistoriums beizuwohnen; er unternahm sogar im 
hohen Alter noch Reisen nach Italien, Holland und Oeeterreicb. Er 
war, insoferne in seiner geistigen Organisation Phantasie, Gefühl und 
lebendige Anschauung besonders hervortraten, ein genialer Theologe, 
wobei er nicht nur die Wissenschaft in ihrer Tiefe. und in ihrem 
ganzen Umfange, einen reichen Apparat von Gelehrsamkeit beherr- 
schend, umfasste, sondern sie auch mit selbstständigem, originellem 
Geiste behandelte und im hellsten Lichte darstellte. 

Griesinger hat zur Verbesserung des vaterländischen Kirchen- 
und Schulwesens viel gewirkt, und Manches, was die spätere Zeit 



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- 275 - 

Doch weiter entwickelt hat, verdankt ihm die erste Anregung. Unter 
seine Hauptarbeiten gehören die Bearbeitung des Evangeliums Johannis 
in den biblischen Summarien und die 1790 besorgte Herausgabo 
des Württembergischen Gesangbuchs. 

Er starb, nachdem er von seinem Könige 1824 durch das 
Bitterkreuz, 1828 aber durch das Commenthurkreuz des Eronordens 
ausgezeichnet -worden war, zu Stuttgart am 27. April 1828 im 62. 
Jahre seines Wirkens und im 95. seines Alters als Senior der 
vaterländischen Kirche. 

Seine Gattin war seit 2. Juli 1767 Henriette Christiana, 
Tochter des Hofgerichts -Assessors und ältesten Kirchenraths-Ex- 
pedition8raths Wilhelm Friedrich Knebel und der Christiana Barbara, 
ältesten Tochter des Herzoglich Württembergischen wirklichen Geheimen 
Raths Christoph Heinrich Korn. Ein Bruder von ihm : 

Johann Gottfried Griesinger, studirte die Rechte, wurde Kanz- 
lei-Advokat in Stuttgart, 1767 Tutelarrath, 1769 Herzoglicher wirk- 
licher Geheimer Secretär und Begierungsrath und verheirathete sich 
1770 mit Luise Reeg von Stuttgart, aus welcher Ehe sieben Töchter 
ent8prossten ; f 4. August 1804. 

B) Christoph Friedrich Griesinger, geb. 21. Mai 1771, Her- 
zoglich Württembergischer Begierungssekretär, t 8. April 1795 im 
25. Jahre seines Alters. — • 

C) Christof Maximilian von Griesinger, geb. den 25. November 
1763 in Leonberg. Sein Vater war Georg Christof Griesinger, J. U. 
Lt., Herzoglich Württembergischer Begierungsrath und Stadt-Oberamt- 
mann in Stuttgart, t 1782; der Grossvater Georg Christof Grie- 
singer, geb. 1697 in Kirnbach, Stadtpfarrer in Nagold, Special in 
Hornberg, in Wildberg und zuletzt in Calw, wo er auch 1765, 
68 Jahre alt, starb; der ürgrossvater Georg Daniel Griesinger, 
Pferrer in Kirnbach im Thiergarten, t 1715 als Stadtpfarrer in 
Oberriexingen ; der Ur-Urgrossvater M. Georg Griesinger, geb. 
in Machtolsbeim 1633, Pfarrer in Wittershausen 1656, in Neustadt 
bei Waiblingen 1657, in Gross-Glattbach 1664, 44jähriger, treu- 



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— 276 — 

eifriger Seelsorger, t 12. December 1708. Von ihm rührt folgende 
Notiz im Kirchenbuche her: Anno 1666 Dom. Reminiscere mea ehea! 
Mater dilectissima Elisabetha, aet. 67, natura extrema persolvit et 
seq. die Lunae terrae gremio tradita, concio fonebris habita fhit a 
M. Johann-Bichardo Langio, Pastore Enz-Mülhusano. 

Christoph Maximilian war erst Canzlei-Advocat in Stuttgart, 
kam sodann als Oberamtmann nach Leonberg, von da im Jahre 1814 
als Eegierungsrath und Amts-Oberamtmann nach Stuttgart, wo er 
den 4. Juli 1831 starb. Griesinger war Ritter des Königlich 
Württembergischen Civil- Verdienst- Ordens. 

Seine Gattin war Regina Friederica Catharina. geb. Bllflnger, 
t 29. November 1841. Kinder: 

I. Louise Friderike, geb. in Leonberg 18. Mai 1801, verm. mit 
dem pensionirten Stadtpfarrer Ernst Georg Haldenwang (in 
Gross-Sach8euheim lebend), Kitter I. Cl. des Friedrichs-Ordens. 
II. Caroline Sofie, geb. 12. September 1802, verm. mit dem Pfarrer 
in Bommelsbach M. Johann Christian Engel, Ritter I. Classe 
des Friedrichs-Ordens. 
III. Sofie Auguste, geb. 7. Nov. 1805, unverheirathet, Kammerfrau 

der Königin Sofie von Holland. 
IV. Marie Ernestine, geb. 11. Juli 1823, verm. mit dem Decan 
in Geislingen Ludwig Majer, Ritter I. Cl. des Friedrichs-Ordens. 
V. Gustav Friderich Griesinger, geb. in Leonberg 24. Jan. 1804, 
Helfer in Münsingen 1834—39, hierauf 20 Jahre lang Stadt- 
pfarrer in Leutkirch 1839 — 59, als welcher er streng an 
seinen religiösen und politischen Ueberzeugungen hielt, sowie 
die Interessen der Protestanten zu wahreu suchte; 1859 kam 
er als Pfarrer nach Ehningen. Griesinger ist bekannt als ge- 
rn üth voller und humoristischer Dichter. 

Seine Gattin ist Ernestine Catharine, geb. Neubert von 
Bernstatt. Kinder : 

1) Gustav Griesinger, geb. 1835, unvermählt, t als Rechts- 
anwalt in Stuttgart 1863. 



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— 277 — 

2) Riehard, geb. 1837J f als Seminarist in Maulbronu 1852. 

3) Oskar, geb. in Leutkirch 27. Januar 1844, früher Domänen- 
pächter in Reuthin, dann Gutsbesitzer auf dem Gollenhof, 
verm. erstmals mit Marie, geb. Kranz ; zum zweitenmal e 
mit Marie, geb. Reichert. 

VI. Ludwig August Griesinger, geb. in Leonberg 3. Januar 1808, 
froher Gutsbesitzer in Eisbach bei Gaildorf, später Pächter des 
badischen Gutes Geroldseck bei Lahr, Privatier in Heidelberg, 
verm. mit Marie, geb. d'Alerit von Wertheim. 
VII. August Ferdinand von Griesinger, geb. 10. Januar 1816, 
Königl. Württemb. Major a. D. in Stuttgart, verm. mit Mathilde, 
geb. Jenisch, weicher Ehe eine Tochter Namens Marianne 
Emllie Friderike Christiana, geb. 16. Nov. 1851, entsprosste, 
verm. seit 1876 mit dem Hauptmann im 4. Infanterie -Regiment 
Nr. 122 v. Fischer in Ulm. 

Geschwister des Christof Maximilian von Griesinger: 
I. Louise Regina Dorothea, t 1842 als Wittwe des Pfarrers in 
Schnaith M. Imanuel Frauer. 

II. Hedwig Eleonore Charlotte, Wittwe des in Cannstatt f Hof- 
medikus Dr. Elwert. 

in. Johanna Justina Eberhardina, verm. mit dem t Tutelar-Rath 
und Cameralverwalter Jacob Christian Knapp. 

IV. Ludwig Frlderieh Griesinger, geb. in Stuttgart 2. Juni 1767, 
erst Kanzlei- Advocat daselbst, wurde 1804Stadtconsulent, Rechts- 
. anwalt,bis 1807 Director des Consulenten-Collegiums, spater 
Professor der Rechte in Tübingen, Mitglied der württembergischen 
Kammer, Verfasser des seiner Zeit berühmten Commentars 
zum württembergischen Landrecht und Fundator einer der an- 
sehnlichsten Stiftungen unserer Landesuniversität, des Griesin- 
^«rschen Stipendiums, (neuer Nekrolog der Deutschen, 23. 
Jahrgang), unverheirathet gestorben 22. Februar 1845. 

V. Georg August Ritter von Griesinger, geb. 8. Januar 1769, 
t 9. April 1849 als Königlich Sachsischer Geheimer Legations- 



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— 278 — 

rath und Grossherzoglich Sachsen-Weimar'scher Geschäftsträger 
in Wien, Commenthur des Sächsischen Civil- Verdienst-Ordens 
und des Sachsen- Weimar'schen Hausordens vom weissen Falken. 
Griesinger war 1819 in den Ritterstand erhoben worden und 
hinterliess mehrere bedeutende Schriften. 

Seine Gattin war Maria, geb. von Lagmslns aus Wien. 
VI. «frttfried Ferdinand Griesinger, geb. 17. Mai 1772, t als 
Stiffcungsverwaiter in Stuttgart (durch Mörderhand) 1. Mai 1836. 
Gattin: Caroline Louise, geb. Dürr. Kinder: 

1) Louise Charlotte, geb. in Stuttgart 2. October 1813, verm. 
mit dem 1861 verstorbenen Regierungs-Secretär in Lud- 
wigsburg, Oberamtmann in Saulgau, in Wangen, in Vai- 
hingen Friderich Heinrich Ernst Cunradi. 

2) Emil Griesinger, geb. in Stuttgart 10. Mai 1812, Professor 
der französischen Sprache an dem Pädagogium und der 
Realschule in Esslingen, f 26. December 1853. Ans seiner 
Ehe mit Maria Beata, geb. Köstltn, entsprosste Anna, geb. 
4. April 1847, verm. mit dem Königlich Württembergischen 
Major a. D. Kuhn in Stuttgart. 

3) Wilhelm von Griesinger, Med. Dr., geb. in Stuttgart 29. 
Juli 1817. 

Wilhelm von Griesinger besuchte das Stuttgarter Gymnasium 
in Gemeinschaft mit seinen beiden, ihm bis zuletzt tren ergebenen 
Freunden Böser und Wunderlich : alle 3 Knaben waren in einer Strasse 
Stuttgarts geboren. Im Frühjahr 1834 bezog er die Universität 
Tübingen, von da ging er nach Zürich, 1838 promovirte er in Tübingen 
mit einer Dissertation über Diphtheritis — die Krankheit, welche 
einst sein eigenes Leben fordern sollte. Nun brachte er einige Zeit 
in Paris zu und Hess sich dann 1839 als practischer Arzt in Fried- 
richshafen nieder. Von da aus bewarb er sich um die ausgeschriebene 
Assistenzarztstelle an der Irrenanstalt Winnenthal in Württemberg, 
welche ihm auch zugetheilt ward. In Winnenthal eröffnete sich für 
ihn eine neue Welt, in die er sich mit voller Hingebung versenkte ; 



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— 279 - 

mit dem Director der Anstalt, dem Hofrath Dr. Zeller, schloss er 
einen Freundschaftsbund, der bis zuletzt gedauert hat. Das bis in 
die späteste Zeit freundschaftliche, herzliche Verhältniss zu Herrn 
ZeUer und dessen Familie ist um so bemerkenswerther, als beide 
Manner ausserordentlich verschiedenen Anschauungen — namentlich 
auf religiösem Gebiete — huldigten. 

Die Hauptfreude v. Ghriesinger's war das Studium der Psychiatrie. 

1840 und 1841 wirkte er in Winnenthal und trug sich mit 
der Idee, selbst eine Privatanstalt an einem reizend gelegenen Orte 
in der Nähe Cannstatt's anzulegen. 

1842 ging er abermals nach Paris, besuchte Wien und liess 
sich noch in demselben Jahre in Stuttgart als practischor Arzt 
nieder. Hier schrieb er sein Lehrbuch: »Pathologie und Therapie 
der psychischen Krankheiten«, das, bereits in Winnenthal vorbereitet, 
1845 im Druck erschien. Einer Aufforderung Wunderlich?*, der da- 
mals Kliniker in Tübingen war, zu ihm als sein klinischer Assistent 
zu kommen, Folge leistend, fungirte er 3 Jahre in dieser Eigenschaft, 
habilitirte sich auch zugleich 1843 als Privaidocent. »Es war eine 
Lust, ihn zur Hülfe zu haben« sagt Wunderlich. »Ein Wort, ein 
Gedanke genügte, um von ihm in kürzester Frist eine schriftliche 
Arbeit zu erhalten, ganz und gar nach der eigensten Intention, so 
das8 ich ihm oft im Scherz sagte, wenn ich der Fürst MeUernich 
wäre, bäte, ich ihn, mein Cabinetssecretär zu werden.« 

1847 erhielt er die Ernennung zum ausserordentlichen Professor, 
1849 den Ruf nach Kiel als ordentlicher Professor der Poliklinik und 
Mitglied des Sanitätscollegiums. Nachdem er vom 1. Sept. 1849 bis 
Anfang Mai 1850 in Kiel zugebracht, folgte er einem Eufe nach Gairo 
als President du conseil de sante, directeur de l'ecole de medecine 
und als Leibarzt des Vicekönigs von Egypten Albas Pascha, theil- 
weise veranlasst durch das augenblickliche Darniederliegen des medi- 
riniachen Unterrichte in Folge des Schleswig-Holsteinischen Krieges, 
theils aber auch durch die Hoffnung geleitet, auf dem Gebiete der 
Epidemiologie wichtige Beobachtungen machen zu können. 



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— 280 — 

Zwei Jahre brachte er in Cairo zu, ohne dass er die gewünschte 
Befriedigung gefunden hätte, denn die Lage aller wissenschaftlichen 
Dinge in Egypten war durchaus nicht geeignet zur Ermöglichung 
einer erspriesslichen Wirksamkeit. So kehrte er denn 1852 wieder 
nach Württemberg zurück und schrieb in Stuttgart über die Infections- 
Krankheiten. 1854 im Frühjahr zum Professor der innern Klinik 
in Tübingen ernannt, trat er zugleich in Beziehungen zu der Idioten - 
anstalt Mariaberg. 

Da nach AutenrietVs Pensionirung Griesinger' s Bestrebungen, 
die Poliklinik mit der stationären zu verschmelzen, auf Widerstand 
stiessen, nahm er 1860 einen Ruf nach Zürich an. Hier hat er 
schöne Tage einer befriedigenden Wirksamkeit verlebt. 

Der Bau der neuen Irrenanstalt, deren Commissionsraitglied 
er war, erfolgte ganz seinen damaligen Ideen gemäss. Die von ihm 
organisirte psychiatrische Klinik, die er 1863 in dem alten Irren- 
hause eröffnete und regelmässig im Wintersemester abhielt, zeigt sein 
Interesse für den psychiatrischen Unterricht. 

1864 erhielt Griesinger zuerst eine private Anfrage wegen 
Uebernahme einer ordentlichen Professur in Berlin und 1865 nahm er 
die ihm gebotene Stellung an. Am 2. Juni 1868 erkrankte Griesinger 
in Wien, wohin er zu einer Consultation berufen war: am 4. Juni 
von Wien nach Hause zurückgekehrt, musste er das Bett hüten und 
man glaubte eine Perityphlitis wahrzunehmen, indess besserte sich 
sein Zustand zusehends wieder, so dass er sogar eine Ausfahrt machen 
konnte. Bald trat jedoch ein Anfall von Ohnmacht ein, er musste 
abermals das Bett hüten, das er dann auch nimmer verlassen sollte. 

Den 26. Oktober 1868 erlag er unter einem entsetzlichen Zu- 
stand der Suffocation, der erst eine Stunde vor seinem Tode wieder einer 
gewissen Erleichterung Platz machte, einem Abscess in der Bauchhöhle. 

Als er auf der Höhe der Erstickungsnoth von einem an seinem 
Lager stehenden Freunde gefragt wurde, ob er viel litte, erwiederte 
er, muthig und ungebeugt wie immer: »es ist allenfalls auszuhalten!« 
— So schied er aus dem Leben. 



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- 281 - 

Ueber Griesinger äussern sich Professor M. Lazarus wie 
Dr. C. Westphal in Berlin wie folgt: 

Griesinger hat das Studium der wissenschaftlichen Psychiatrie 
mächtig gefördert, ja er bildete dadurch, dass er einerseits vor- 
handene Thatsachen in wissenschaftlicher Weise zusammenfasste und 
die Psychiatrie mit zahlreichen eigenen fruchtbringenden Ideen berei- 
cherte, einen Markstein für die Entwicklung der Psychiatrie. 

Griesinger hat einen neuen Aufschwung, einen frischen Zug 
in die Frage der Irrenverpflegung gebracht, wie es noch nie vorher der 
Fall gewesen. Er, den Manche einen Theoretiker und Idealisten 
schalten, hat in der kurzen Zeit seiner Wirksamkeit practische Dinge 
zu Stande gebracht, wie keiner vor ihm: er hat eine Nervenklinik 
gegründet und in Verbindung mit der psychiatrischen Klinik gebracht; 
er hat unter den schwierigsten äussern Verhältnissen das englische 
No-restraint durchgeführt und der Irren-Abtheilung der Charite in 
Berlin dadurch einen neuen Charakter gegeben, er hat die persönliche 
Untersuchung bei zweifelhaften Gemüthszuständen in der höchsten 
Instanz eingeführt. Ein zweites sehr wesentliches Verdienst war es, 
das sich Griesinger um die Psychiatrie erworben hat, — welches der 
Medianer am wenigsten vergessen sollte — dass er die pathologische 
Anatomie mit derselben verbunden hat. 

»So lange man immer von den Nerven allein und von der Seele 
allein, von Denken und Geist auf der einen und dem Körper nnd 
seinen Organen auf der andern Seite handelt und die Verbindung 
beider nur als eine Art von Räthsel auffasst, so lange wir nicht den 
fort und fort zwischen ihnen sich vollziehenden Prozess, die Aus- 
lösungen desselben ins Auge fassen: so lange kann weder die Psy- 
chologie noch die Nervenlehre fruchtbares, zum Ziele führendes für 
die Psychiatrie zu Stande bringen.« 

Während seiner langen qualvollen Krankheit beschäftigte ihn 
nur Eins: die Zukunft des Irrenwesens. Noch in den lotzten Tagen 
gab er, wie oft, dem Gedanken Ausdruck, dass er mit seinen Ueber- 
Zeugungen sterbe; er wollte, dass Jedermann es wisse. 



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- 282 — 

Und so lassen Sie mich, sagt Dr. C. Westphal am Schlüsse 
der am 17. November 1868 in der Medicinich - Psychologischen 
Gesellschaft in Berlin gehaltenen Gedenkfeier Griesinger's, mit den 
Worten des Dichters schliessen, die Griesinger einen Tag vor seinem 
Tode mit schon ersterbenden Lippen citirte: 

Ein Posten ist vakant! — die Wunden klaffen — 
Der Eine fällt, die Andern rücken nach — 
Doch fair ich unbesiegt, und meine Waffen 
Sind nicht gebrochen — nur mein Herze brach. 

Griesinger gründete 1867 das »Archiv für Psychiatrie und 
Nervenkrankheiten« und veröffentlichte eine Reihe der bedeutendsten 
Aufsätze und Arbeiten über Gemüths-, Nervenleiden u. dgl. 

Seine Wittwe ist Elisabeth Joseflne, geb. von Rom. 
VII. Albrecht Eberhard Griednger, geb. 23. Januar 1775, Stabs- 
amtmann in Brenz, verm. erstmals mit Luise Catharina, geb. 
Strtilin, f 1814; zum z weitenmale mit Johanne Marie Fri- 
derike Henricke, geb. Bemtel. Er starb 29. September 1823 mit 
Hinterlassung einer Tochter Fridertke Albertine, geb. 21. 
October 1823. 
VIII. Ernst Benjamin Griesinger, geb. 16. October 1779, viel- 
jähriger Obersalzfactor in Stuttgart, f daselbst den 12. Januar 
1838, in früheren Jahren Hofopernsänger und bis zu seinem 
Ende beliebter Bassist in den musikalischen Kreisen Stuttgarts. 
Seine Ehe mit Charlotte, geb. Heerbrandt, blieb kiuderloe. — 
D) Johann Jacob Griesinger, (dessen Vater Geschwisterkind 
des Eingangs erwähnten Prälaten), t 1833 als Pfarrer in Gültstein 
bei Herrenberg. — Dessen Sohn: 

Karl Theodor Griesinger, geb. 1809 in Kirnbach bei Horn- 
berg im badischen Schwarzwalde; Vicar in Trossingen, Oberamts 
Tuttlingen; Decanatsvicar in Freudenstadt auf dem Schwarzwalde 
1833 — 1835. Er bat sich durch sein Universallexikon von Würt- 
temberg, .Hechingen und Sigmaringen, Stuttgart 1840, und ver- 
schiedene andere Schriften bekannt gemacht. — 



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- 283 - 

E) Eberhard Philipp Adolf Grleslnger, geb. 17. August 1800, 
Enkel des vorerwähnten Joh. Jacob, and Sohn des Württembergischen 
Stabsamtmanns in Entendorf, Königlich Württembergischer Eisenbahn- 
hanptkassier, zuerst im Departement des Innern als Oberamtsactnar in 
Münsingen, Cannstatt, Tübingen, von 1832— 1844 Königlicher Ober- 
Polizeikommissär in Stuttgart, trat bei Errichtung der Eisenbahnkommis- 
sion zur Eisenbahn- Verwaltung über, wegen leidender Gesundheit 23. 
Febr. 1857 in Pensionsstand versetzt, starb 31. März 1857. 

Er gab heraus 1831: „Zusammenstellung der Gesetze über 
die allgemeine Gewerbeordnung im Königreich Württemberg" und 
1839 „das Polizeistrafgesetz für das Königreich Württemberg mit 
Anmerkungen". 

Vera, erstmals 1832 mit Marie, geb. Herbort; zum zweiten 
Male 1835 mit Nanette, geb. Stiefel, und 1839 zum dritten Male 
mit Kathinka, geb. Ran. 
Söhne: 
I. Jollms von Grleslnger, jur. Dr., geb. 28. September 1836, 
besuchte bis zum 18. Jahre das Gymnasium in Stuttgart, 
widmete sich dann dem Studium der Rechtswissenschaft in 
Tübingen und München, promovirte 1860 mit einer Abhand- 
lung über die Ratihabition der Rechtsgeschäfte, machte nach 
Erstehung der beiden höheren juristischen Staatsdienstprüfungen 
grössere Reisen zu wissenschaftlichen Zwecken in Norddeutsch- 
land, Holland, Belgien, Schweden, England, Frankreich und 
Italien ; wurde nach seiner Rückkehr Hilfsrichter bei der Justiz- 
abtheilung des Gemeinderaths, 1862 bei dem K. Stadtgericht 
in Stuttgart, 1864 als Sekretär in das Kabinet des Königs 
berufen, 1865 Geheimer Legationssekretär, 1869 Legationsrath, 
18T1 Geheimer Legationsrath, Ritter I. Klasse des Ordens 
der württembergischen Krone und des Friedrichs-Ordens, Com- 
menthur des Königlich Preussischen Kronen-Ordens und des 
Kaiserlich Russischen St. Annen- und St. Stanislaus -Ordens. 
Gattin seit 1862: Panllne, Tochter des Präsidenten der 



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— 284 - 

K. Oborrechnungskammer y. Aotenrietb in Stuttgart. Kinder : 

1) Julies Adolf, geb. 25. August 1863. 

2) Alice Pauline, geb. 16. Mai 1866. 

II. Albert Uriesingcr, Gutsbesitzer auf dem Plapphof, 0. A. Gail- 
dorf, geb. 22. Januar 1840. 

Gattin seit 1868: Emilie, geb. Klein von Stuttgart. 

III. Robert Griesinger, Kaufmann in San Francisco in Nordamerika, 
geb. 27. November 1841. 

Gattin seit 1870: Lina, Tochter des t Kaiserlich Rus- 
sischen Generalconsuls Johns in New-Orleans. Sohn : 
Adolf, geb. 17. November 1872. 

IV. Theodor Griesinger, Premier-Lieutenant im 2. Ulanen-Regi- 
ment Nr. 20 in Ludwigsburg, geb. 26. September 1852. 



Das Fürstlich Württembergische Diener buch enthält folgende höhere Beamte . 
des Namens Griesinger: Abt 336. — Christ. Maxim., Vogt 542, 589. — Christof Frid., 
Reg.R.Secretar 76. — Georg Christ., Pfarrer 410, 503, 613 ; Vogt 477, 541. — Georg Frid., 
Geistl. Consist.Bath 130 ; Pfarrer 548 ; SpitalDiacon 562 ; StifftsDiacou 551. — Joh. Georg 
Frid., Amptmann 456. — Joh. Gottfr., Cantzlei-Advoc. 96 ; Geh. 8ecretar. 35 ; Registratur 
45 ; TutelarRath 98. 



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Gros, Gross. 



Johann Jacob Gros, Rittmeister, Kriegsrath, nachgehende Kloster 
Lichtenstern 'scher Pfleger zu Heilbronn 1698, starb auf seinem Gute 
zu Ottmar8heim, 1715. Seine I. Gattin war eine geborene Jäger? 
die II. eine geb. Irnsinger von Heilbronn. Söhne: 

I. Christ. Friedrich yon Gros, t 1742 bei der Staats-Revolution 
in Russland. 

II. Heinrich Gottfried von Gros, geb. 1714, Kaiserlich Russischer 
Staatsrate und Gesandter in Dresden, im Haag und in London. 

III. Johann Jacob Gros, J. U. Lic, Expeditionsrath und Stadt- 
vogt in Stuttgart, t 5. Mai 1750. Söhne dieses Letzteren: 

1) Friederich Ulrich von Gros, Kaiserl. Russischer Staatsrath 
und Gesandter in Hamburg. Unverheirathet gestorben 1796. 

2) David Eberhard Gros, Major und Regimentsquartiermeister 
beim Schwäbischen Kreis, t zu Gaisburg den 25. Decembor 1786. 
Gattin: seit 20. Februar 1748: Maria Johanna, Tochter des Ex- 
peditionsraths und Postmeisters in Cannstatt Joh. Ulr. Mittler. Söhne : 

I. Eberhard Heinrich, Hauptmann, t 1816 zu Esslingen. 
II. Jacob Friederich, Kameralverwalter in Münsingen, f 1831. 

III. David Friedrich, t 1809 in Horrheim. 

IV. Angost Wilhelm, Kanzleirath in Tübingen. 

V. Carl Albrecht, t 1817 als Secretär bei der Finanzkammer in 
Stuttgart. Söhne des Letzteren : 

1) Carl August Theodor Gros, Med. Doctor in London. 

2) Carl Heinrich, Ober-Revisor in Stuttgart, f 1840. 

3) August Friederich Louis, Kaufmann in Tuttlingen. 

4) Gustav Friederich, Amts-Notar in Gross- ßott war. 

5) Carl Ludwig Adolph, t 1825 im Seminar in Urach. — 



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— 28(3 — 

Carl Heinrich von Gros, Königlich Wflrttembergischer Ober- 
tribunal-Präsident, geb. 10. November 1765, als Sohn des M. Fer- 
dinand Gros, Decans in Urach und der Regina Elisabetha, Tochter 
des Stadtpfarrers in Sindelfingen M. Johann Benjamin Hummel, 
t als Königlich Württembergischer Geheimerrath 9. November 1840. 

Derselbe studirte in Tubingen, wo er 1785 die philos. Magister- 
würde erlrelt, später in Jena und Göttingen. 1778 wurde er Instructor 
dos nachmaligen Königs Wilhelm von Württemberg und dessen Bruders, 
des Prinzen Paul. 1792 ging er zu der Rechtswissenschaft über und 
wurde 1 795 J. U. Dr., hierauf 1796 Jur. Professor ord. zu Erlangen. Nach 
einigen Jahren nahm ihn die württembergische Landschaft zu ihrem 
Consulenten an. 1804 kehrte er auf die Stelle in Erlangen als Pro- 
fessor juris, ord. zurück und wurde zugleich Königlich Preussischer 
Hofrath. 1817 ins Vaterland zurückberufen, wurde er Präsident des 
Königlichen Criminal-Tribunals in Esslingen und noch in demselben 
Jahre Präsident des Criminal-Senats, des Obertribunals in Stuttgart 
und ausserordentliches Mitglied der 11. Abtheilung des Geheimen- 
raths, 1818 Ritter des Ordens der Württ. Krone, 1819 Commenthur 
dieses Ordens, 1820 wirklicher Geheimerrath. Gattin: Christiana, 
geb. Eiring aus Göttingen. Söhne : 1) Konrad Sigismnnd von Gros, 
Königlich Württemb. Staatsrat h, Commenthur des Kronordens, Commen- 
thur I. Cl. des Württemb. Friedrichsordens, des Spanischen Isabellen- 
Ordens, t 14. März 1870 im 61. Jahr seines Alters. 2) von Gros, 
Obertribunalrath, Ritter des Kronordens etc. t 22. April 1809. — 

von Gros, Königlich Württembergischer Oberbaurath a. D., 
t 26. September 1861. — 

von Gros, Medicinalrath a. D., Ritter des Kronordens, t 8. Dec. 
1868 im 82. Jahr seines Alters. 

Dag Fürstlich Württembergiscke Dienerbuch enthält folgende höhere Beamte 
des Kamen« Gros (Gross): Pfarrer 617. — Aug. Wilh., Regit Secretar 76. — Carl Albr., 
Registratur 160. — Christoph Ferd., Pfarrer 443, 460, 500. — Christoph Gottl., Stadt- 
schreiber 366. — David Eberh , Reg.R Secretar. 74. — Jac. Frid., Cl.Pfleger 264: Statt- 
schreiber 502. — .loh. Fried., Reg.R.Secretar. 74. — Jah. Joe., CantzlciAdvoc. 95; 01.- 
Hofmaistor 339 ; Cl.Pfleger 3 13 : Vogt 541. — Mich., Vogt 458. 



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Günther. 



Friedrich Wilhelm Günther, geb. 31. Juli 1724 zu Esslingen, 
Sohn des am 20. April 1G88 daselbst geborenen, 17. April 1752 
gestorbenen vieljährigen wohlmeritirten Conrectors des Pädagogii in 
Esslingen M. Joh. Wilhelm Günther, und der ihm seit 5. October 
1723 angetrauten Gattin Elisabetha Johanna, Tochter des 1099 f 
Diaconus und Rectors in Esslingen Joh. Caspar Ledermann, Sohns des 
Pfarrers Joh. Georg Ledermann* in Ekendorf im Hanau- Lichten- 
bergischen im Elsass, hernach zu Benringen in Oesterreich; Enkel 
Jolu Georg «ttnther'a, Weber- und Blaichermeisters und Zunft-Mit- 
Meisters zu Esslingen, geb. 1658, f 4. August 1719, und der ihm 
seit 18. Februar 1688 angetrauten Barbara, Tochter des Weber- 
und Blaichermeisters in Möhringen David Ulmer; Urenkel des jung 

* Ein Enkel desselben, Johann Heinrich Ledermann, Chirurgus in Stuttgart, ver- 
mählte sich 30. Mai 1769 mit Johanna Marie Jakobine, Tochter des Chirurgen in Stuttgart 
Johann Erhard d' AUrin, Sohns de« als Pfarrer in G&chingen bei Münsingen 23. März 1755 
t Antonius d'Attrin, welcher 21 Kinder hatte. Der Grossvater des letztgenannten Antonius 
d'Attrin* französischer Oberst im 30jährigen Kriege, 1639 Commandant von Urach, geb. 
in Lothringen oder in der Champagne, wurde von der Stadt Urach, weil dieselbe unter 
srfnem Commando gegenüber anderen Städten in Württemberg so viel Schonung und 
Schutz genossen, was man vorzüglich der redlichen Liebe zu seiner späteren Frau, der 
Tochter des damaligen Obervogts von Urach zu verdanken hatte, nach dem Tode seines 
Schwiegervaters dem Herzog als Nachfolger im Amte empfohlen, eine Bitte, welche der 
Herzog gerne gewährte; d'Attrin bekleidete dies Amt wohl gegen 20 Jahre. 

Der Schwiegervater tfAUrin'a hatte seine Zustimmung zur Heirath seiner Tochter 
davon abhängig gemacht, dass d'Attrin nach erfolgtem Frieden den Abschied aus dem 
Militärdienst nehme, auch die Kinder aus dieser Ehe in der evangelisch-lutherischen 
Religion erziehen lasse. In einer alten Aufzeichnung über d'Attrin'» Schicksale findet 
sich darüber n. A. folgender Passus: „Er aber blieb aufgeklärter Weise Katholik .... 
aacb verordnete er in seinem Testament, dass seine Leiche in einem bleiernen Sarge auf 
dem Klosterkirchhof in Sevllngen (Söflingen) bei Ulm begraben werde/ 



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— 288 — 

Georg Günther in Möhringen auf den Fildern, Webermeisters und 
Blaichers; Urur-Enkel Hans Georg Gttnther'g, gen. Michel's Sohn, 
und dessen seit 4. Juni 1638 angetrauter Gattin Margaretha Ulmer. 
In Möhringen,* wo die Weberoi sehr stark blühte und in regem Ver- 
kehr mit den benachbarten Ortschaften stand, war die 6rt*nJÄ<?r'sche 
Familie jedenfalls schon seit dem Anfang des 15. Jahrhunderts an- 

* Eine alte Möhringe r Chronik erzählt über die Geschicke Mnhringens im 30j ih- 
rigen Kriege u. A. Folgende«: 

„17. November 1646 kam eine sehr starkhe Parthey Bayerische von Asperg und 
Hallbronn vor die Statt Esslingen, namen aldort vor dem Gliensacker Thor Ein grossen 
Hauffen Schaff weg, weilen sich aber die von Esslingen darnmb zu wehr gestelt, Ihnen 
sehr starkh nachgejagt, gedachte Schaaf wider abgenommen, sind sie dergestalt erbittert 
worden ; sich off hieher begeben , die Nacht uff dem Kirchof retteriert , volgUch gegen 
dem Tag wider uffgebrochen, die letztere aber davon (ohn Zweiffei uff gehaiss Ihrer 
Offleier) Einen Brandt von ihrem gehabten Wachtfeuer genommen, dess Fleckben Schearen 
zwischen Martin Emha^dt, Hans Millers wittib and Hans Günther Thomas Sohn 's Schearen ge- 
legen, nicht allein hierdurch solche, sondern auch Hangt Güntters Schearen und besagte 
Hans Millers Wittib Behausung verbrennen, solche drey gebey sind wenigst beschätzt 
uff 1000 nV» 

Anno 1647 mussten die Möhringer wegen der starken Streifschaaren vom Heere 
des Marschalls Turenne, der damals das Tübinger Schloss belagerte, mehreremale ihren 
Ort ganz im Stiche lassen. Die Gesammtbeit der Kriegskosten und des durch Plün- 
derung u. s. w. angerichteten Schadens von 1634—1660 wurde nach dem geringsten An- 
schlag auf 122,484 fl. 21 kr. geschätzt * 

Noch möge ein durch einen besonders glücklichen Zufall gnädig beseitigter 
feindlicher UeberfaU, welcher Möhringen zugedacht war, hier Erwähnung finden : 

Am 19. Juli 1796 bedeckten dichte Züge französischer Truppen die Strasse, 
welche von Böblingen her führte. Schon erblickte man sie auf der Höhe bei Rohr, 
da versammelten sich schnell Schultheiss, Gericht und Ratb und schickten ihnen den 
Spitalhofmeister und Gerichtsschreiber Johannes Wolf und den Bäckermeister Wolf, einen 
der franzosischen Sprache vollkommen kundigen Mann, entgegen, um beim französischen 
General um Gnade und Schonung für die Gemeinde zu bitten. Mittlerweilen wurden 
Tische mit Speisen und Getränken zur Erfrischung der Offiziere am Eingang des Ortes 
aufgestellt. Die beiden Abgeordneten sahen auf dem halben Weg nach Vaihingen die 
Vortruppen des zahlreichen Heeres. Sie baten um Gehör beim Oeneral, das ihnen so» 
gleich bewilligt wurde. Der Bäckermeister, ein stattlicher, verständiger Mann von vieler 
Welt- und Mensohenkenntniss, trug die Bitten der Gemeinde dem General eindringlich, 
vor. Dieser fragte, wo und wie er das Französische bo gut erlernt habe, worauf Wolf 
erzählte, dass er lange in der französischen Marine gedient habe, indem er zugleich das 
Schiff, auf dem er damals als Bäcker angestellt gewesen, seinen Gapitän und die Offiziere 
nannte. Erinnerst du dich auch noch der Sohiffsjungen, fragte der General? Allerdings, 
war die Antwort, und zwar noch besonders gut eines muthwUUgen, aber guten und lieben 
Knaben, der Laroche hiess. Da sprang der General rasch vom Pferde und umarmte, 
mit dem Ausrufe: „Ich bin Laroche, kennst du den kleinen Scbiffskadet nimmer!* vor 
seinen erstaunten und gerührten Offizieren seinen ergrauten Sohiffsbäcker, wie einen 



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— 289 — 

gesessen, da sich daselbst in den Kirchen- und Lagerbüchern, die 
merkwürdigerweise noch vorhanden sind, viele Glieder dieser Familie 
vorfinden, so z. B. : 

tieorg Glnter, Martin Ginter's Sohn und Barbara, Conrad 
Brentzling's Tochter, verm. 2. Febr. 1579; Jacob Günther 1581, 
Martin Günther 1540, 1581; Benz Günther 1409. 

Johann Wilhelm war Anfangs ein Zögling des Collegii alumnorum 
zu Esslingen und widmete sich in der Folge auf den Universitäten 
Tübingen, Leipzig und Strassbnrg dem Studium der Medicin, Hess sich 
sodann als Med. Dr. in seiner Vaterstadt nieder und starb daselbst 
hochgeschätzt und vielbetrauert als erster Stadtarzt 18. Januar 1793. 

Das obenerwähnte, nunmehr eingegangene Collegium alumnorum, 
in welchem Joh. Wilhelm erzogen wurde, ist eine auf Veranlassung des 
bekannten, in Ungnade gefallenen und nach Esslingen geflüchteten Dr. 
Lucas Oslander von dem Rath dieser freien Reichsstadt am 29. 
Juli 1598 ins Leben gerufene Stiftung, welche vorzüglich die Ein- 
führung des deutschen Choralgesanges und der Choralmusik, sodann 
aber auch Fortsetzung der Studien im Auge hatte. Durch die Kirchen- 
Musik sollte besonders nach der Ansicht des grossen Reformators Jjuther 

alten Freund, den Offizieren erzählend, wie er Wolft Liebling gewesen sei und dieser 
ihm manches Stück Backwerk zugesteckt habe. Die Bitte der Möhrlnger wurde sogleich 
bewilligt und ihnen Schutz und Schonung zugesichert, ein Versprechen, das, §o lange 
•ich Laroche in Schwaben befand, auch getreulich gehalten wurde. Während der Ge- 
neral and seine Offiziere sich an den ihnen angebotenen Speisen und Getränken erlabten, 
muesten sämmüiche Truppen, in der Stärke von 8 bis 10,000 Mann, an Möhringen vor- 
bei nach Degerloch, Buith und den benachbarten Orten ziehen, wo die jungen, an müi- 
tärische Zucht und Ordnung noch wenig gewöhnten Republikaner mancherlei Unord- 
nungen und Gewalttaten verübten« Den Möhringern liess Laroche eine Schutz wache 
und einen Schutzbrief zurück, welche auch von den zahlreich nachrückenden Feindes- 
■cbaaren so lange respekürt wurden, als Laroche und der Obergeneral Moreau, der da. 
mala auf den Möhrlnger Feldern Heerschau hielt, in der Nähe waren. Bei dem Vorrücken 
der Franzosen nach Baiern aber wurde die Schutzwache abgerufen. 

80 ging der erste Eriegssturm zu Ende des 18. Jahrhunderts glücklich an Möhringen 
vorüber, doch blieb es mit Naturallieferungen und Vorspannen nicht verschont, welche 
« vornehmlich auch für die Stadt Esslingen (Möhriugen gehörte nemlich 600 Jahre lang 
bis 1802 dem Spital in Esslingen zu eigen) leisten musste. 

Im Vebrigen liess Esslingen bei seinen ehemaligen Unterthanen das Andenken 
•einer wohlwollenden Verwaltung der regierenden Herren von Esslingen, der 8pital-Vor- 
«teher und Beamten zurück, das noch in den Nachkommen fortlebt/ 

9. QtvrgU-Qtorgmau, Biographisch-Genealogische Blätter etc. 19 



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— 290 -*- 

der öffentliche Gottesdienst an Würde, Feierlichkeit und Rührung gewin- 
nen; es konnte daher diese Stiftung nicht verfehlen, bei allen Bewohnern 
Esslingens, die den hohen Werth der Volksbildung zu schätzen wussten, 
Anklang zu finden. Von dieser Stiftung sagt ein dieselbe betreffendes 
Decret, «das so errichtete Collegiura alumnorum erreichte nicht bloss 
vollkommen seinen Zweck, sondern gelangte auch in der Folge durch 
weitere nachträgliche Dotationen, welche bedeutende Vergrösserungen 
ermöglichte, zu reicherer Blüthe, so dass diese Anstalt von 1598 bis 
1798 474, bis 1808 484 Collegiaten zählte, welche nebenher in den 
verschiedenen Classen des Esslinger Pädagogiums den Unterricht im 
Lateinischen, Griechischen, in Geographie, Geschichte &c. genossen und 
von denen viele in späteren Jahren sich auszeichneten.» Von ihnen wurde 
Zech Württemb. Geh.-Rath, Harsch Kaiserl. General, Theologen 92, 
Latein. Schullehrer 57, Deutsche 62, Professoren 4, Juristen und Medi- 
aner 19, Schreiber 44, Musiker 15, Apotheker 3, Kaufleute 6, andere 
Gewerbsleute 18, 10 waren damals (1808) noch in der Anstalt. 

Johann Wilhelm Günther war zweimal vermählt, nämlich: 
1. seit 3. Dec. 1748 mit Maria Magdalena, Tochter des Diaconus 
in Esslingen Elias Gottlieb Dietrich; IL seit 27. Juli 1778 mit 
Rosiiia Juliana, Tochter des Med. Dr. und Physicus in Esslingen 
Phil. Jacob Schlotterbeck« Kinder L Ehe: 

I. Johanna Margaretha, geb. 13. September 1740, Gattin des 
Bürgermeisters von Urach Carl Wilhelm Scherpf. 
IT. Helene Barbara, geb. 2. April 1754, Gattin des Accis- Ver- 
walters in Esslingen Andreas Wolfgang Friedrich Banz, 
welcher aus einer altangesehenen Esslingischen Familie stammte. 
III. Elisabetha Dorothea, geb. 20. Sept. 1756, Gattin des Lieute- 
nants bei dem schwäbischen Kreis Wolfgang Philipp Erhard 
Honold, Sohns des Lieutenants Eberlmrd Friedrich Konoid 
und der Christina Magdalena, geb. Marchthaler, und Enkel 
des 1742 f Syndicus von Giengen Abraham Honold. 
IV. Conrad Eberhard ÜOnther, geb. 19. Juni 1752, Pharmaceut 
und Dr. med., t 1806 kinderlos. 



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— 291 — 

Weitere Träger dieses Namens sind: 

Friedrich Gotthilf Günther, geb. 21. Mai 1800, Stiftungs- 
commissär in Esslingen, t 8. Juli 1835 als Yerwaltungs-Actuar in 
Möhringen, O.-A. Stuttgart, Sohn des 15. November 1801 t Jon. 
Peter Günther, Gewerbsmanns, und der Christina Margaretha, geb. 
Elsässer; Enkel des Johann Philipp Günther, Bleicher- und Weber- 
Meisters, auch Zuhft-Mitmeisters und dessen seit 13. October 1767 
angetrauter Gattin Marie Helena Seyerlen; Urenkel Johann Georg 
Gflnther's, Weber- und Bleicher-Meisters, auch Zunft-Mitmeisters 
Ürur-Enkel Wilhelm GUnther's und dessen seit 14. November 1682 
angetrauter Gattin Anna Maria, geb. Dürr; Urur-Urenkel Johann 
Georg's, Webermeisters von Möhringen. 

Gattin: seit 11. Mai 1830 Eleonora Louise, Tochter des mit 
Anna Eleonore, geb. Denzel, vermählten Pfarrers in Vaihingen Lud- 
wig Friedrich Nagel. Sohns des Pfarrers in Möhringen, Diaconus zu 
Esslingen Joh. Ludwig Nagel, geb. 11. Mai 1752; Enkels des Raths- 
Consulenten von Esslingen Paul Friedr. Nagel, t 1765; Urenkels des 
J. U. Lt. und Geh. Registrators Georg Friedrich Nagel, geb. 1671. 

Söhne des Friedrich Gotthilf Günther: 

1. Gotthilf Alhert Lodwig, geb. Esslingen 3. September 1831. 

II. Carl Theodor, geb. Möhringen 28. Mai 1834, Dr. med., in 
Hampton Wick bei London, verm. 15. August 1871 mit Florence 
Georgine, geb. Tompson von S. Leonards bei Hastings, geb. 
24. Juli 1848 zu Bei ton in England, welcher Ehe 2 Söhne, 
Namens Arthur, geb. 29. Juli 1872, und Eduard, geb. 4. Mai 
1877, und 1 Tochter, Marie Louise, geb. 6. September 1875, 
entsprossten. — 

Gottlieb Carl von Günther, geb. 14. Mai 1825 in Heilbronn, 
langjähriger Lehrer und Erzieher Sr. Königlichen Hoheit des Prinzen 
Wilhelm von Württemberg, Königlicher Hofkaplan, Bitter des Kron- 
ordens I. Klasse. 



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— 292 — 

Sei« Vater, der wie die Voreltern das Seckler-Gewerbe betrieb, 
war Gottlieb Erhard Günther, geb. zu Marbach 12. October 1775, 
später in Heilbronn etablirt, f 29. Juni 1854; die Mutter, verm. 
31. October 1805, Elisabeth Friederike, geb. Gramer von Ludwigs- 
burg, f 23. Oct. 1869; der Grossvater Erhard Friedrich Günther, 
geb. zu Marbach 2. Juli 1745; die Grossmuter, verm. 10. Juli 1770, 
Elisabeth, geb. Glocker; der Urgross vater Johann Erhard Günther, 
Bürger und Seckler-Meister, f 14. Mai 1758 am hitzigen Fieber 
und Friesel; die Urgrossmutter, verm. 9. Febr. 1739, Anna Catha- 
rina, geb. Pauli. 

Von weiteren Giinther'achen Familiengliedern finden sich in 
den Tauf-, Ehe- und Sterbe-Registern von Marbach folgende Glieder: 

Johann Georg Günther, verm. seit 16. Juli 1743 mit Anna 
Elisabeth, geb. Eisenlohr, welch letztere 6. Aug. 1794, 72 Jahre 
alt, starb. Johann Jacob Günther 1702. Der Vater Johann Jacob' s 
war Georg Günther, nach dem Ehebuch ein in Marbach eingewan- 
derter Gewerbsmann 

Eigenhändigen, dem Verfasser dieser Blätter gnädigst zur Be- 
nützung überlassenen, Aufzeichnungen Sr. Königl. Hoheit des Prinzen 
Wilhelm, Obersts und Commandeurs der 27. Kavalleriebrigade (2. 
Kgl. Württ.), Ehrendoctors der juristischen Facultät, über seinen lang- 
jährigen viel verdienten Lehrer entnehmen wir Folgendes: 

« Gottlieb Carl Günther, das 4. Kind und einziger Sohn einer 
zahlreichen Familie, erhielt seine erste Erziehung im elterlichen Hause 
und besuchte dann das Gymnasium seiner Vaterstadt. Im 15. Jahre 
bezog Günther nach glücklich bestandenem Landexamen das Seminar 
zu Maulbronn, nachdem er sich schon früh für den geistlichen Beruf 
entschieden hatte. Nach vier Jahren vertauschte er das Seminar mit 
der Universität und war während der nun folgenden weiteren vier 
Jahre Zögling des Stifts in Tübingen. Nach Absolvirung der ein- 
schlagenden Examina wurde Günther Vicar in Unter-Ensingen, wo er 
einige Jahre hindurch dem dortigen Pfarrer Hoffmann, zur Seite 



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— 293 — 

stand. Von Unter-Ensingen wurde Günther zum Pfarrverweser in 
Schönthal ernannt, in welcher Stellung er wiederum einige Jahre 
verblieb, bis er eine wissenschaftliche Reise nach England und den 
Vereinigten Staaten von Nordamerika antrat. Zu dieser Reise, die haupt- 
sächlich das Studium des Sectenwesens der genannten Länder zum 
Zweck hatte, war ihm eine Staatsunterstützung zu Theil geworden, da 
man seine bedeutenden Fähigkeiten an massgebender Stelle bereits zu 
wnrdigen gelernt hatte. 

Von der Reise nach America zurückgekehrt — - welche in die 
Jahre 1852 bis 1853 fiel uud wohl 3 /* Jahre in Anspruch nahm — 
erhielt er eine Anstellung als Lehrer der Religion am Gymnasium in 
Stuttgart.* Im März 1855 wurde er Erzieher des Prinzen Wilhelm 
von Württemberg und blieb in dieser Stellung, die er mit der auf- 
opferndsten Pflichttreue 7 1 /* Jahre lang ausfüllte, bis zum September 
1862. Zu dieser Zeit wurde er zum Hof kaplan an der Schlosskirche 
in Stuttgart ernannt, in welcher Eigenschaft er auch am 13. Decbr. 
1863 seinen früheren Zögling konfirmirte. Wenige Jahre später ver- 
tauschte er diese Stelle mit einer Professur am Obergymnasium in 
Stuttgart, wo ihm wieder der Religionsunterricht zufiel, nachdem er 
auch schon während seines früheren Amtes nicht aufgehört hatte, 
den Prinzen Wilhelm von Württemberg in den dahin einschlagenden 
Fächern (Religions- und Sittenlehre, Dogmatik etc.) sowie in Ge- 
schichte zu unterrichten. Seine zunehmende Kränklichkeit, deren erste 
Keime schon in der Zeit seiner Erzieher-Thätigkeit bemerkbar waren, 
hinderte ihn bald — manchmal auf längere Zeit — an der Ausübung 
seines Berufs, so dass er am 30. Dezember 1871 um seine Ver- 
setzung in den Ruhestand bat. Am 21. September 1874 endete der 
Tod seine in der letzten Zeit oft sehr beschwerlichen Leiden, so 
dass er sein so reich angelegtes Leben nur auf ein Alter von 
49 Jahren und vier Monaten brachte.» 



* Gleichzeitig erhielt er einen Ruf an die 8t TrinitatiBkirche in Philadelphia, 
deren Gemeinde ihm zugleich einen lübernen Pokal und eine Prachtbibel verehrte. 



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294 



Schwestern von Günthers: 

1) Louise Amalie, geb. 21. Aug. 1809, Wittwe des Kaufmanns 
Georg Lang in Marbach. Kinder: 

a) Emiüe, verm. Amtsnotar Raidelhuber in Göppingen. 

b) Marie, verm. Kaufmann Setzer. 

c) Otto, lebt in Amerika. 

2) Wilhelmine, geb. 28. August 1812, Wittwe des Werkmeisters 
Ohnmris in Ludwigsburg. Kinder: 

a) Mathilde, geb. 29. April 1838, vermählt mit Bijouterie- 
fabrikant Meurer, Bruder des Oberamtmanns Carl Meurcr 
in Heilbronn. 

b) Jnlie, geb. 10. October 1842, I. vermählt mit Fabrikant 
Kämmerer, II. vermählte Ruber, jetzt Wittwe. 

3) Friederike, geb. 1. Juli 1821, Wittwe des Bauraths Dünger 
in Heilbronn. * Töchter: 

a) Anna Elise, geb. 3. Dec 1844, vermählte Kaufmann HUttner 
in Heilbronn. 

b) Elise Hermine, geb. 31. Nov. 1850, vermählte Architekt 
Burhhardt. 

4) Pauline, geb. 1. August 1828, Gattin des Particuliers Louis 
Hentges in Heilbronn. Kinder: 

a) Carl, geb. 13. Sept. 1853, Kaufmann in Spanien. 

b) Elise, geb. 17. Juli 1856, vermählt mit Kaufmann Frech 
in Stuttgart. 



Das Fürstlich Württembergische Diener buch enthält folgende höhere Beamte de« 
Namens Günther (Günter, Güntter): Joach. Dan., Keller 480. — Joh. Dan., Keller 496; 
Pageninformator 199. 



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Günzler. 



Eine von Nördlingen nach Württemberg gekommene Familie, als 
deren ältest bekannter Stammvater 

Heinrich, der Günzler von Altheim bekannt ist. Derselbe wurde 
im Jahre 1538 Bürger zu Nördlingen und hinterliess einen Sohn Namens: 
Yeit II«, Jud. Assessor, verm. mit Katharina, geb. Degenhart, 
welcher Ehe 4 Söhne entsprossten. Von diesen war der II. Sohn: 

David Günzler, geb. 30. August 1591, Assessor (1616) und 
Stadtarzt von Nördlingen (1626), mit Juditha, Tochter des Raths 
Ulrich Wüest daselbst, vermählt. Söhne dieses Letzteren: 

I. Christian Günzler, der Herzogin Christina in Gotha Secre- 

tarius, t kinderlos 1689. 
IL Hieronymus Günzler, Chirurgus 1662. 

IIL David Günzler, 30jähriger Stadt- und Hospitalarzt in Nörd- 
lingen. f 1695. 
IV. Veit Ulrich Günzler, geb. 1636, Kaiserlicher Notarius und 
32jähriger Hospitalmeister in Nördlingen, verm. mit Sophia Eli- 
sabeth* Geuder, Tochter des Geheimen Stadt- und Kammerschrei- 
bers in Nördlingen-. Er starb 1699. Söhne desselben: 

1) Johann Georg Günzler, Hochfürstl. Sachsen-Gotbaischer Bent- 
kammer-Secretar. t 1726. 

2) David Melchior Günzler, Hüttenschreiber in Heidenheim, f 1704. 

3) Christian Ulrich Günzler, Stadtschreiber und Amtsverwalter 
in Blaubeuren, nachher Kanzleirath bei dorn Herzog Admini- 
strator Carl Bitdolph in Neustadt, Rentkammer-Expeditionsrath 
in Stuttgart t 1745. Gattin: Anna Jnstina, Tochter des 
Stadtschreibers in Blaubeuren Tabee Sadler, Sohns des Johann 



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— 296 — 

Sadler, Stadtschreibers und der Judithe, Tochter des Frühpredigers 
in Biberach Jacob Zoller. Söhne: 
I) Christian Gttnsler t unverheiratet. 
II) Johann Georg Gflnzler, Pfarrer in Pliezhausen, 1 1778. Söhne: 

1) Amandas Wilhelm, t 1808 als Pfarrer in Affalterbach. 
Söhne: a) Amandns Friedrich, t 1833 als Decan in Leon- 
berg. Dessen Sohn: Otto, Pfarrer in Beinstein, b) Carl 
Friedrich, t 1831 als Verwalter in Heutingsheim. Dessen 
Sohn: Carl Friedrich, Professor in Stuttgart, c) Ferdinand, 
Hofgerichts- Aktuar, t 1853 kinderlos, d) Wilhelm Friedrich, 
t 1874 als Rechnungsrath in Stuttgart. Dessen Söhne: 
Carl, Pfarrer in Mittelstadt, Albert, Apotheker in Laichingen 
und Julius, Instrumentenroacher in Stuttgart. 

2) Johann Friedrich, t 1836 als Stadtscbreiber in Marbach. 

3) Georg Ferdinand, t 1830 als Kaufmann in Nantes. 

III) Amandns, geb. 9 Mai 1714, t 1787, Amtsoberamtmann in 
Stuttgart, verheirathet mit Christina Margaretha, Tochter des 
Titularraths Leonhard Heinrich Jahn. Söhne: 
a) Friedrich Amandns, Postexpeditor in Heilbronn, f 1788ohneKinder. 

b) Johann Christof, t 1803 als Kirchenraths-Expeditionsrath. 
Gattin: Johanna Dorothea, Tochter des Kentkamroer-Expedi- 
tionsraths Zorer. Dessen Söhne: Carl Friedrich Amandas, 
Registratur im Steuerkollegium, t 1830. 

c) Christian Heinrich, t 1842 als Regierungsrath in Stuttgart 
Verheirathet mit Auguste Friederike Solle, Tochter des Klosterhof- 
meisters Christian Friedrich Linsenmann in Offenhausen. Söhne : 
aa) Amandns Heinrich von Günzler, geb. den 12. November 

1787, f den 3. Januar 1840 als Geheimerraths-Kanzlei- 
director in Stuttgart. R. des K.O. Gattin: seit 12. Juli 
1818 Louise Friederike, geb. Löchner. 
bb) Amandas Friderich Gflnzler, geb. den 1. Jan. 1789, t den 
6. Sept. 1874, als pensionirter Oberamtmann von Oehringen. 
Gattin: seit 24. Juni 1819 Friederike, Tochter des Ober- 
amtraanns in Waiblingen Friedrich Steck, Söhne: 



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— 297 - 

1) Robert Amandas Eberhardt Heinrich Gttnzler, geb. den 3. 
Mai 1820, Pfarrer in Weiler, O.A. Bockenheim; 

2) Victor Amandas Einst Gttnzler, geb. den 28. August 
1831, Hofdomänenrath in Stuttgart. Gattin: seit 15. Mai 
1860 Julie, Tochter des Directors der Königl. Forstdirection 
Ton Brecht. Sohn: Hugo, geb. den 10. October 1870. 

cc) Amandas Carl Gttnzler, geb. 8. Nov. 1792, t in Nürtingen als 
Pfarrer von Frickenhausen 22. Nov. 1864; verm. mit Auguste 
Friederike, Tochter des Kaufmanns Veil in Schorndorf. Söhne: 

1) Amandas Heinrich Theodor Gttnzler, geb. den 20. August 
1821, wohnhaft in Nürtingen, verm. mit Lisette geb. Rieh- 
mann von Hall. Söhne: a) Amandas Hermann, geb. 9. Febr. 
1858. b) Amandas Otto, geb. 19. Nov. 1862. 

2) Amandas Gustav Gttozler, geb. den 3. März 1832, Pfarrer 
in Königsbronn, verm. mit Julie, Tochter des Musikdirektors 
Silcber in Tübingen. Sohn: Amandas Friedrich Wilhelm 
Uflnzler, geb. den 6. August 1870. 

dd) Amandas Wilhelm Gttnzler, geb. den 4. Februar 1799, t den 
17. April 1844 in Tübingen als Oberamtsrichter von Sulz a/N., 
verm. mit Sophie Heinricke, Tochter des t Apothekers Märklin 
in Tübingen. Söhne: 

1) Amandus Heinrich Adolf Gttnzler, geb. den 24. Mai 1832, 
Med. Dr. in Leonberg, verm. mit Marie, Tochter des pens. 
Kameralverwalters Bllflnger in Hall. Söhne: a) Amandas 
Otto Wilhelm, geb. 15. März 1865. b) Amandas Carl Adolf, 
geb. 19. Juli 1862. 

2) Amandas Gustav Gttnzler, geb. den 29. November 1838, 
Bevisor bei der K. Eisenbahnbau-Gommission in Stuttgart, 
verm. mit Marie, Tochter des Canzleiraths Gess in Stutt- 
gart. Sohn: Wilhelm Amandas, geb. 4. März 1876. 

Du Fürstlich Wörttembergiscbe Dienerbnch enthält folgende höhere Beamte 
des Namens Günter (OÜntzlsr): Stattachrelber 491. — Amand., CantzleiAdvoc. 95; Vogt 
Mi — Christian Heinr., Vogt 641, 642. — Christian Ulr., Stattachrelber 393. — Frid. 

Vogt 434. — Joh. ChrUlian, Exped.Rath 147. Joh. Christ oph, VisitatSecretar. 168. 



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Haage. 

Johann Bartholomäus Hange, Prälat in Adelberg, geb. 6. 
August 1633 in Gussenstadt, O.A. Heidenheim, wurde zweimal getauft 
(das zweite Mal 3. Mai 163G) und hielt sich selbst die Leichenrede. 
Jenes ereignete sich folgendermassen : Kaum 2 Jahre alt verlor 
Haage seine Eltern durch die in Folge der Nördlinger Schlacht ein- 
getretene Noth und Pestilenz. Seine Schwester Barbara, ein Mäd- 
chen von 16 Jahren, floh mit ihm in die Wälder, nährte sich und 
das Kind eine Zeit lang von Gras und Nesseln, Wurzeln und Kräu- 
tern; als sie sich jedoch nicht mehr des Hungers erwehren konnte, 
trug sie das Kind nach Ulm, legte es auf eine vor dem Spital be- 
findliche Bank, wo es vom Thorwart gefunden und dann im Spital* 
aufbewahrt wurde. Weil aber durchaus nicht zu erfahren war, wer 
die Eltern des Kindes waren und ob es getauft sei, so wurde es in 
Ulm den 3. Mai 1636 noch einmal getauft und ihm der Name 
Johannes Fund beigelegt, welchen er auch bis zum Jahre 1646 be- 
hielt. Zu dieser Zeit kam der älteste Bruder Haage's, Georg Haage, 
aus Egolsheim nach Ulm, verlangte das Kind, wobei es sich her- 
ausstellte, dass es bereits mit dem Namen Bartholomäus getauft 



* Nach einer andern Version, vergl. Blum, wurde Haage in den Wäldern ans« 
gesetzt gefunden, von Menschenfreunden in das Waisenhaus nach Ulm gebracht uud 
daselbst von der Waisenhausmutter lioaina Hämmerlin, sowie einer 50jährigen Jungfrau 
Barbara Erhardtin mütterlich verpflegt und auferzogen. Um ihn zu kleiden und tinter- 
richten zu lassen, entzog sich seine Pflegemutter im Spital selbst das Notlüge, ja sie 
ersparte sich das Geld, damit er hier Magister werden konnte. Als endlich im Jahr 
164G entdeckt wurde, wer seine Eltern waren, nahm man ihn im Tübinger 8tift auf ond 
beförderte ihn wegen seines Fleisses und seiner Rechtschaffen hei t von Stufe zu Stufe. 



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— 299 — 

sei, daher Haage dann zum ewigen Gedächtniss die beiden Namen 
Johann Bartholomäus führte. 

Seine Leichenrede verfasste er selbst — »um nicht gelobt zu 
werden. « 

Haage war erst Pfarrer in Faurndau, dann in Kolberg, kam 
hierauf als Prediger nach Pfullingen, 1677 aber als Superintendent 
nach Blaubeuren. 1681 wurde er Hofprediger und starb zuletzt als 
Prälat in Adelberg 1709. 

Seine I. Gattin war seit 9. Mai 1653 Elisabetha, geb. 
Schweickard; die II. seit 1666 Elisabetha Barbara, Tochter des 
Pfarrers in Bernhausen Johann Martin Laiblin, welch beiden Ehen 
18 Kinder entsprossten. Von ihnen sind näher bekannt: 

I. Anna Margaretha, verm. mit dem Kammerrath in Stuttgart 

Johann Georg Haupt, 
IL Friedrieh Haage, geb. in Pfullingen 4. Nov. 1668, Pfarrer 

in Schwaikheim 1719, verm. mit Yeronika Margaretha, geb. 

Lnz. 

III. Johann Conrad Haage, geb. in Pfullingen 6. Juni 1672, Pfle- 
ger in Westheim, verm. mit Rosine Catharine, Tochter des 
Decans in Tuttlingen Johann Caspar Baldenhofer. 

IV. Gottfried Haage, geboren in Blaubeuren, Pfarrer in Adelberg, 
verm. mit Anna Elisabetha, Tochter des Klosterverwalters in 
Bebenhausen Jacob Mezger. Sohn des Letzteren: 

Jobann Bartholomäus Haage, geb. in Adelberg 1706, t 
16. April 1743 als Pfarrer in Dürnau. Seine Gattin war 
Maria Elisabeth, Tochter des Diaconus in Winterbach Johann 
Rudolf Mögling. 

Dm Füritlicb Württembergische Dienerbach enthält folgende höhere Beamte 
da Namen* Haag (Haage, Häg, Hägen, Hägin): Barihol., Abt 238 ; Gaistl. Rath im Consigt. 
137 ; Hofprediger 193. — Bereht., Vogt 418, 420. — Com-., Keller 435 ; Stiffts-Verwaltter 
435. — Georg, ßtiffta-Verwaltter 435. — Georg Cour., Gl.Pfleger 329. — Joh. Conr., CLPfleger 
246. — Martin, Vogt 495. — Thom., Keller 435 ; StifftoVerwaltter 435 ; Vogt 433. — UJr., 
Pfarrer 332. 



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H a a k h. 



Johann Friedrich Haakh wurde im Jahre 1745 den 21. Dec. 

zu Stuttgart geboren. Seine Eltern verliessen zerrütteter Vermögens- 
umstände halber den 3jährigen Knaben nebst dessen 4 Schwestern, 
um niemals mehr etwas von sich hören zu lassen. »Einst«, heisst 
es in 'seiner vou ihm selbst 1778 verfassten Lebensbeschreibung, 
»erwachte eines Morgens die Jüngste der Schwestern, damals ein 
3jähriges Mädchen, welches bei Anverwandten gleich als ein eigenes 
Kind auferzogen wurde, wobei man zugleich sorgfältig verhütete, dass 
sie jemals erfuhr andere Eltern gehabt zu haben, und erzählte ihrer 
Pflegemutter: Es sei diese Nacht ein Herr und eine Frau zu ihr 
gekommen, der Herr habe sich auf die Bank beim Tische hinge- 
setzt, den Arm auf den Tisch und seinen Kopf auf die Hand ge- 
lehnt und sei traurig gewesen, die Frau aber sei zu ihr hingelaufen, 
habe sie freundlich angeredet mit den Worten: Kennst du deine 
Eltern ? und darauf seieu beide verschwunden. Die Pflegeeltern aber 
erzählten nachmals wohl 100 Mal, das Kind habe bei dieser Ge- 
legenheit seine Eltern so richtig geschildert, dass kein Ei dem andern 
gleicher sei, auch hat das Kind in seinem späteren Alter diese Er- 
scheinung nie vergessen«. 

Im Februar 1755 wurde Johann Friedrich ins Waisenhaus 
zu Stuttgart aufgenommen, kam später zu einem Chirurgen Namens 
Wolff in Obertürkheim in die Lehre, wurde hierauf bei dem Waisen- 
pfleger Tritschler, nachherigem Geheimen Hofrath, den 2. November 
1761 aufgenommen. Der Bericht, den Tritschler, der von dem 
Herzoge zum General-Cassier und wirklichen Rath des Kammer- 



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- 301 — 

CollegiiMn die Kanzlei berufen ward, desshalb sub 2. Nov. 1761 an 
den Herzog richtete, lautete folgendermassen: 

Durchlauchtigster Herzog! 
Gnädigster Herzog und Herr! 
Während meiner 8jährigen Dienstzeit in dem allhiesigen Herzog- 
lichen Waisenhause war unter Anderem auch dieses eine meiner zwar 
pflichtschuldig — aber zugleich auch angenehmsten Bemühungen, 
dass ich immerzu etliche Waisenknaben von gutem Herkommen und 
geäusserten besonderen Gaben in meine Schreibstube gezogen, die- 
selbe in den Arbeitsstunden der andern Waisenkinder zum lateinisch 
Lernen und Rechnen, hauptsächlich aber zu Angewöhnung sauberer 
Handschriften aufmunterte etc. Dieser nun bald vollends in dem 16. 
Jahre stehende saubere junge Mensch {Haakh) hat sich seit 2 Jahren 
dermassen wohl angelassen, dass ich und andere, welche ihn kennen, 
glauben dürfen, er werde unter frommem göttlichem Segen und Bei- 
stand seiner Zeit einen brauchbaren, folglich auch dem Waisenhaus 
Ehren bringenden Menschen geben. Desto mehr habe ich mir auch 
angelegen sein lassen, ihn nach meiner unvermutheten Dienständerung 
noch fernerhin wohl zu berathen und den Stadtschreiber Dertinger 
zu Göppingen — einen sehr habilen, fleissigen Mann, dahin zu be- 
wegen, dass er den Haakh in seine Schreibstube nehme, er mir 
auch bereits das Wort gegeben. Dieser gute junge Mensch aber 
hat, ausser Gott und guten Freunden, als eine' verlassene Waise, 
keinen Heller im Vermögen, und da Euer Herzogliche Durchlaucht bei 
anderer dergleichen Gelegenheit sich dahin zu entschliessen gnädigst 
geruhet, dass ein und andere Waisenknaben zu Erlernung der Hand- 
lung, der Chirurgie oder anderer Professionen 40, 50, 60 fl. Lehr- 
geld über die sonst gewöhnliche zu Geld gerechnete, sich gegen 14 fl. 
erlaufende, Aussteuer aus der Pflegeamts-Casse abzureichen gnädigst 
bewilligt worden, als nehme ich mir die unterthänigste Freiheit, 
Eure Herzoglichen Durchlaucht im Namen des Waisenknaben Haakh 
zu bitten, zu Beförderung seines Vorhabens und davon abhängenden 
zeitlichen Glücks, a proportion obberwähnter gnädigst bewilligter 



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— 802 - 

Kost- und Lehrgelder, ihm ebenfalls ein Ergiebiges um lo mehr 
gnädigst auszuwerfen, und die bereits schon vom Waisenhaus an- 
gefangene Kleidung an seiner Aussteuer nicht abzuziehen, als zwar 
weder ich noch der Stadtschreiber Dertinger zu Göppingen für die auf 
den Haakh bereits schon verwendete und noch ferneres zu verwendende 
Fürsorge und Bemühung lediglich nichts verlangen, hingegen aber 
uns gleichwohl nicht wird zugemuthet werden können, den Haakh 
auch noch in der erforderlichen Kleidung und Weisszeug so lang zu 
erhalten, bis er solches selbst zu verdienen in Stand kommen wird. 
Was also Euer Herzogliche Durchlaucht dem Haakh gnädigst aus- 
zuwerfen geruhen wollen, wird von mir sicher angelegt in Ver- 
wahrung behalten und nur die äusserste Nothdurft davon je und je 
bestritten werden. Euer Herzogliche Durchlaucht anhoffende Gnade 
und grosse Wohlthat aber wird der Haakh jetzt und künftig mit 
dem tiefsten Dank zu erkennen, lebenslang nicht vergessen, mir selbst 
aber wird es zum submissesten Dank und zur grossen Freude ge- 
reichen, einem armen Waisen auf diese Weise den Weg zu seinem 
zeitlichen Glück gebahnt — und noch öfter Gelegenheit zu haben, 
an diesem und andern Waisenkindern Barmherzigkeit und Liebe aus- 
zuüben. 

In tiefstem Respect beharrend Euer Herzoglichen Durchlaucht 

unterthänigster etc. 
Tritschler. 

Auf diesen Bericht hin wurden dem jungen Haakh laut Her- 
zoglicher Resolution vom 12. Nov. 1761 — \- 60 fl. Lehrgeld und 
16 fl. Kleidergeld, zusammen also — .'• 76 fl. ausgesetzt. 1. Dec. 
1761 trat er seinen neuen Posten in Göppingen an. 

In demselben Jahre noch wurde Haakh in seine frühere Stelle 
ins Waisenhaus berufen und zwar unter dem neu ernannten Waisen- 
pfleger Erliardt. 

Haakh gab im Jahr 1762 die Predigten des in diesem Jahre 
gestorbenen Waisenpfarrers Seiz, die er als Knabe nachgeschrieben 
hatte, heraus. 1764 kam er als Substitut (Ober-Scribent) zu dem 



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— 803 — 

Stadtschreiber Ghros in Altenstaig mit 60 fl. Jahresgehalt, 1766 
aber als Stadt- Amts-Substitut nach Cannstatt. Im Jahre 1768 Hess 
der Gerichtsschreiber Belser durch seinen Tochtermann, den Pfarrer 
Müller in Altenstaig, an Haakh den Antrag stellen, seinen Dienst 
zu Obernehmen und seine Tochter zu heirathen, was dieser jedoch 
besonderer Umstände wegen ausschlug. 

1771 wurde er von der Herzoglich Sachsen-Gotha-Roda sehen 
und Gräflich Leiningen-Hardenburgischen Regierungskanzlei zu Gail- 
dorf berufen, in Gemeinschaft des dortigen Hof- und Regierungsraths 
Walter eine Commissions-Revision über den Kammerrath, Landamt- 
mann und Landschaftskassier Salvelder zu Gaildorf zu übernehmen, 
welcher des Betrugs und der Unterschlagung beschuldigt war ; Letzterer 
hatte u. A. einen Galgen um 1500 fl. bauen lassen, über dessen 
Rechnung sich bedeutende Betrügereien ergaben. Früher schon war 
eine Commission, die 4 Jahre dauerte und von 2 Fürstlich Bohenlohe- 
Ingelfingen'schen Räthen dirigirt wurde, des nämlichen Zweckes wegen 
angeordnet worden. Die, mit der Commission Betrauten tractirten 
das Geschäft langsam und meistens von Haus aus, Hessen dem Sal- 
velder, der ein verschlagener Kopf war, zu viel Zeit und Raum, 
Schlupfwinkel zu suchen und endlich, nachdem sie Salvelder ihre 
Commissions-Sentenz , nach welcher er über 4000 fl. in seine 
geführte und veruntreute Casse restituiren sollte, publicirt hatten, 
war Salvelder damit nicht zufrieden, und appellirte an ein Reichs- 
gericht. Um diese Appellation abzuschneiden, setzten die Herrschaften 
eine Commissions-Revision nieder, und hierin bestand also HaaWs 
Geschäft. 

Die Betrügereien Salvelder'* waren so stark, dass ihm Haakh 
während der Untersuchung, wenn Salvelder ihn mit Läugnen gar 
zu unwillig machte, oft sagte: er habe es am Galgen verschuldet, 
dass man ihn hänge. Durch die Revisions-Sentenz wurde Sal- 
velder in eine noch weit grössere Restitutions-Summe condemnirt, 
bekannte sich auch, als er sah, dass ihm kein anderer Ausweg mehr 
blieb, schuldig. 



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— 804 - 

Diese Geschäfte nahmen Haakh um so mehr in Anspruch, als 
er auch zur Untersuchung der Kammer-Stadt- Amts-, Forst und Land-* 
kasse zu Gaildorf beigezogen wurde. Denn alle diese Beamte hatten 
meistens dem eingewurzelten bösen Beispiel Salvelder's gefolgt. 

Seine Geschäfte in Cannstatt musste er in dieser Zeit dem 
Substitut Cless überlassen, welcher auch Haakh's Stelle, als dieser 
bald darauf ganz aus dem Dienste schied, erhielt. Einige Zeit später 
begab er sich, durch Hofrath Walter und den Vicar Steinhofer in 
Gaildorf bestimmt, nach Tübingen, um das Studium Juris württem- 
bergici anzutreten ; durch Vermittlung des Pfarrers zu Kornwestheim, 
M. Hartmann, kam er zu dem Procurator Heller ins Kloster zu 
Tübingen gegen Besorgung des Rechnungswesens in Kost, neben 
einem jährlichen Honorar von 60 fl. 

Seine Universitätsfreunde waren der nachmalige Regierungs- 
und Cousistorialrath Eberhard Friedrich v. Georgii zu Stuttgart 
und der nachmalige Archivar Reuss zu Heilbronn, mit denen zu- 
sammen er privatim so viel immer möglich studirte. 

Im Jahre 1775 22. September zum Hofgerichts- Advocaten er- 
nannt, ward er als solcher durch den Geheimen Rath van Tauben- 
Jieim in diese Stellung eingeführt. Ein Jahr nachher doctorirte er, 
erhielt 1781 von dem Herzoge von Mecklenburg-Schwerin auf Ver- 
anlassung der Erbprinzessin von Mecklenburg, einer geb. Prinzessin 
von Gotha-Roda, nachmaliger regierenden Herzogin, das Patent als 
Mecklenburgischer Hofrath. 

1 782 ward er als Gräflich Erbach'scher Canzlei-Director nach 
Erbach berufen und zwar bei demselben kunstsinnigen Grafen Erbach, 
dessen Stammschloss berühmt ist wegen des herrlichen Rittersaals, 
den er selbst im Schlosse baute, und mit schönen Glasmalereien 
an den hohen Fenstern ausschmücken Hess und worin er die Rüstungen 
denkwürdiger Personen des Mittelalters aufstellte, z. B. Kaiser 
Maximilians I., Götz' von Berlichingen , Gustav Adolfs, Wal- 
lensteins etc., ferner wegen des Museums, das' viele griechische, 
römische, altägyptische, vorzüglich aber deutsche Alterthümer, auch 



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— 305 — 

▼iele ausgezeichnete Gemälde und Zeichnungen aus den neueren 
Schulen enthält, sowie endlich wegen der in ihrer Art einzigen 
Gewehrkammer und der gothisch verzierten Begräbniss-Kapelle mit 
den aus dem Kloster zu Seligenstadt hieher gebrachten Särgen 
Eginharcfs und Emtna's. Das fränkische Grafengeschlecht von 
Erbach leitet seinen Stammbaum bis auf Eginhard, den Geheim- 
schreiber Carls des Grossen und Gemahl der Kaisertochter Emma, 
hinauf. Noch jetzt befinden sich die Grafen von Erbach im Besitze 
des Landes, welches Eginhard von Kaiser Ludwig dem Frommen 
815 zum Geschenk erhielt und das er dem Kloster Lorsch 819 unter 
den Bedingungen vermachte, dass dasselbe seinen Nachkommen als 
Lehen verabreicht würde. 

Haakh besorgte als Canzlei-Director den Verkauf eines Theils 
der Herrschaft Limburg an Herzog Karl trefflich. In der Folge 
jedoch eines für den Grafen verloren gegangenen Prozesses wegen, 
der von Neidern, (namentlich einem Amtmann Bosch, der schon 
längst auf das von Haakh bekleidete Amt spekulirte), Letzterem zur 
Last gelegt ward, gekränkt, quittirte er mehrere Jahre nachher 
dieses Amt, um im Auftrag der Herzogin von GIücksburg-Braun- 
schweig, einer geb. Prinzessin von Nassau-Saarbrücken, nach Paris 
zu gehen und daselbst die Herausgabe der von den Franzosen occupirten 
Nassau-Saarbrückischen Besitzungen (bezw. Allodial-Güter) zu er- 
wirken. Die Gattin des Grafen Erbach bedachte . kurz vor ihrem 
Tode, welcher in Folge einer Niederkunft erfolgte, Haakh in ihrem 
Testament mit einem Geschenke von fl. 4000, auch befahl sie Haakh 
ihre Kinder, indem sie beifügte, sie wolle am jüngsten Tage Rechen- 
schaft desswegen von ihm fordern. — 

Haakh starb, erdrückt von den vielen schweren Prüfungen, 
die er im Dienste des Grafen bestanden, im Tiefsinn, als Königlich 
Dänischer Etats-Rath 1817, 70 Jahre alt. 

Seine Gattin war seit 6. Mai 1776 Johanna Beata, eine geb. 
Conz, geb. 26. Juni 1756, »von Urgrosseltern und Eltern als in 
geistlichem Berufe herstammend, Tochter des damaligen Pfarrers in 

r. Qeorgii-Qtorgenau, Biographlsoh-Oonealogliche Blätter etc. 20 



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- 306 - 

Frommem bei Balingen, welcher Ehe 4 Söhne und 4 Töchter ent- 
sprossten, von denen 5 am Leben blieben. Söhne: 

Imanuel Israel Gotthold Haakh, geb. 9. Juli 1783, Kaufmaun 
in Heilbronn, t 1812. Gattin: seit 4. Februar 1809 Charlotte 
Auguste Elisabeth, Tochter des Oberregierungsraths in Stuttgart 
Jacob Gottlieb Renas, aus welcher Ehe 1 Sohn und 1 Tochter 
hervorgiengen. 

Benjamin Friedrich Haakh, t 9. August 1825, Braunschwei- 
gischer Hofrath, brachte längere Zeit in Paris zu und gehörte als 
2maliger Abgeordneter der Oberämtor Besigheim und Heilbronn zur 
Zeit der württembergischen Verfassungskämpfe der Opposition an. 
'Gattin: Elisabeth, geb. Liesching. Söhne: 
I. Carl Friedrich Haakh, geb. 5. Mai 1811, studirte in den 
Seminarien die Theologie und wurde nach Absölvirung der- 
selben Vikar in Magstadt 1833, Stuttgart, Grossheppach und 
Backnang, 1835 aber Repetent an dem Seminar zu Schönthal. 
Im darauffolgenden Jahre kam er in gleicher Eigenschaft nach 
Tübingen, wo er 2 Jahre lang verblieb. Seine wissenschaft- 
liche Reise trat er im Frühjahr 1838 an und, von derselben 
zurückgekehrt, bekleidete er von Februar bis Mai des Jahres 
1839 die Stelle eines Pfarramtsverwesers zu Waidenbuch und 
von Mai bis November desselben Jahres diejenige eines Stadt- 
vikars zu Stuttgart, worauf er im December 1839 zum zweiten 
Helfer in Reutlingen, nach Verfluss von fünf Jahren aber im 
April 1846 zum zweiten Helfer an der Stiftskirche in Stutt- 
gart ernannt wurde. Er starb 23. August 1851. 

Seine Gattin war Maria, Tochter des Oberamtsarztes in 
Cannstatt Dr. Tritschler. 
IL Friedrich Adolph Haakh, Dr., geb. zu Heilbronn 8. April 
1815, Professor, Mitglied der Kunstschuldirection und Inspector 
des Königlichen Museums der vaterländischen Alterthümer. 

Dm Forstlich Württembergiiche Dienerbuch enthalt nnr einen Beamten, Nameni 
Haackh: Hayderich, Vogt 362. 



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Hallberger. 



Johann Albrecht Hallberger, Pfarrer zu Pfuel, Ulm er Gebiets, 
Btiftete kraft eines von dem Kaiserlichen Notarius Hans Christof Kraß 
aasgestellten Instruments, d. d. 19. April 1611, in das Stipendium 
Martinianum 500 fl. Von näheren Bestimmungen dieser Stiftung 
ist nichts bekannt. — 

Ein anderer dieses Namens Wolfgang Hallberger, war Pfarrer 
zo Hassfelden im Hällischon. — 

Ein Dritter Johannes Wolfgang Hallberger, Sohn des Vorigen, 
Lt., verm. zu Strassburg 28. Mai 1630 mit Anna Maria, Wittwe 
des Herzoglich Württembergischen Raths Essig« - 

Ein Vierter, Immanuel Hallberger, geb. zu Endingen 26. August 
1762, als Sohn des Johaun Daniel Hallberger, Pfarrers in Groningen, 
8tudirte ebenfalls Theologie und wurde Pfarrer zu Anhausen. — 

Ein Fünfter, Ludwig Wilhelm Friedrich Hallberger. geb. 
1796 zu Plochingen, associrte sich, nachdem er sich vorher der 
Handlung gewidmet und für eine Seidenfabrik grosse Reisen gemacht 
hatte, im Jahr 1820 mit der Leinen-, Wollen- und Baumwollen fabrik 
von G. F. Barrier in Stuttgart und errichtete 1830 ein dem vorigen 
ähnliches eigenes Geschäft en gros. Zugleich trat er durch die Er- 
werbung der Frankh sehen Buchhandlung in Stuttgart und München, 
zu dem Buchhandel über. Ausser dem Münchener Geschäft beschäftigte 
damals schon die Hallberger' sehe Verlagshandlung in Stuttgart eine 
eigene Druckerei. Söhne: 

I- Friedrieh von Hallberger, Obertribunalrath. Ritter des Kron- 

Ordeus I. Ciasse. 



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— 308 — 

IL Eduard von HaUberger, Chef der berühmten HaUberger'schen 
Verlagsbuchhandlung, Königlich Württembergischer Commercien- 
rath, Ritter des Kron-Ordens etc., geb. 29. März 1822. 

Seine Gattin war seit 31. Juli 1849 Henriette, geb. 
Bauzenberger, geb. 16. März 1830, f 29. Mai 1874. 

Kinder: 

1) Henriette Gabriele, geb. 17. Mai 1850, verm. seit 26. 
April 1870 mit dem Banquier in Breslau Ph. Eichborn. 

2) Friederike Marie Helene, geb. 15. November 1854, verm. 
seit 1877 mit dem Rittmeister im Ulanen-Regiment König 
Karl und Adjutanten des Kriegsministers, Freiherrn C. 
von Reiteenstein. 

III. Karl, geb. 8. October 1823, Interessent der vorerwähnten 
Verlagsbuchhandlung. 



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Harpprecht. 



Johann Harpprecht, geb. zu Walheim im Jahr 1560, ist der 
Stammvater einer an Rechtegelehrten und überhaupt in der Wissen- 
schaft ausgezeichneten Männern reichen Familie. 

Derselbe studirte anfangs mit seinem Schwager Carl Mettman, 
Sohn des Hyppclit Mettman, Capitäns Kaiser Carls 7., in Strassburg 
die Rechte und begab sich von da wegen der damals daselbst grassiren- 
den Pest nach Tübingen. 1586 bezog er die Universität Marburg, 
kehrte 1589 wieder nach Tübingen zurück, wo er bald darauf den 
Doctors-Titel erhielt und fast gleichzeitig zum Markgräflich Badischeu 
Bath in Speyer ernannt wurde. 1592 wurde er als Professor der 
Rechte nach Tübingen berufen, als welcher er 50 Jahre lang so 
treu und fleissig wirkte, dass sein Lobredner Lancius von ihm sagt: 
„er habe während seiner ganzen 48jährigen Amtsführung nur eine 
einzige Lection um Privat-Angelegenheiten willen versäumt/ 1 Im 
Jahre 1607 berief ihn Herzog Friederich von Württemberg und 
Teck gleichzeitig auf den grossen Landtag nach Stuttgart, wo er, 
so oft als beim Herzoglichen Hofgerichte ein Assessor mangelte, diese 
Stelle versah. 

Harpprecht war 7 Mal Rector und 20 Mal Decan der juristi- 
schen Facultät und starb den 18. September 1639 im 79. Jahre 
seines Alters. 

Durch seine vielen Disputationen und Schriften erwarb er sich 
einen grossen Namen, so dass, wie es wörtlich in einer auf ihn ge- 
haltenen Leichenrede heisst: 



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— 310 — 

„man auch in Italia, wann mann sein Namen genennet, den 
Huot abgenommen hat. Er ist ein Ornamentnm und rechte 
Zierde an dieser Universitaet gewesen." 
Sein Symbolum war: 

„Omnia si perdas, ChriRtum servare memento, 
Latius Imperium Csesare Christus habet, 

vel 
Quo 8emel amisso postea nullus eris." . 
In seine Bibel schrieb er eigenhändig: 

Nobile vincendi genus est Patientia, vincit 
Qui patitur: si vis vincere, disce pati. 
Wer mit Gedult und Glümpff ausshelt: 
Der siget endlich ob aller Welt. 
Still seyn, verhören helt den Platz, 
Glümpff und Gedult ein edler Schatz. 
Gedult ist diss das christlich Kraut, 
Welches nicht ein Jeder im Garten baut. 
Gedult zu sehr vil Sachen dient, 
Mit Gedult man all Ding überwindt. 
Wer Gedult gebraucht in allen Sachen, 
Der thut seine Feinde zu Schanden machen. tf 
Seine erste Gattin war seit 1590 Maria, Tochter des Probsts 
und Kanzlers Dr. Jacob Andrea; die zweite seit 2. October 1625 
Anna geb. Barth, Wittwe des Herzoglich Württembergischen Hof- 
gerichts-Advokaten Georg Otthon, welchen Ehen 7 Kinder entsprossten, 
von denen indess nur 3 Töchter den Vater überlebten. — 

Christoph Harpprecht, geb. 1596, Dr. der Rechte, Sohn des 
Vorigen und dessen I. Gattin, Herzoglich Württembergischer Hofgerichts- 
Advocat, auch von der Reichsstadt Heilbronn erbetener, jedoch wegen 
frühen Todes nicht eingetretener Syndicus, verm. mit Ursula, Tochter des 
Rectors an dem Gymnasium in Regensburg Otto Gryphina. Sohn: 
Johann Christoph Harpprecht, J. U. Lt., vieljähriger Herzoglich 
Württembergischer Hofgerichts-Advocat, verm. mit Anna Maria, Tochter 
des J. U. Dr. und Professors in Tübingen Martin Neuffer. 

Als Töchter Johann Christoph^ finden sich, jedoch ohne An- 
gabe des Standes ihrer Männer, verzeichnet: 



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— 311 

Maria Susan na, Gattin des J. U. Lt., Hofger ich ts- Ad vocaten 
Philipp Jacob Bayer. 

Maria Benedieta, Gattin des J. TL Lt., Hofgerichts- Ad vocaten 
Joh. Joe. Kerner. 

Maria Kosina, Gattin des Pfarrers zu Nürtingen Joh. Daniel 



Maria Regina, verm. I. mit dem Kloster Praeceptor in Blau- 
beuren Christoph Conrad Joos : II. mit dem Pfarrer in Gomaringen 
Phil. Jacob Uingher. 
Als Söhne: 
I. Ferdinand Christoph Harppreeht, J. U. Dr. und Pfalzgraf, 
36jähriger Professor der Rechte in Tübingen, auch Herzoglich 
Württembergischer Rath und Hofgerichts-Assessor. Geboren 
den 3. Juni 1650 in Tübingen, studirte er daselbst die Rechts- 
wissenschaft, doctorirte und wurde im Jahr 1677 vom Herzog 
Friderich Carl nach Stuttgart berufen. Bald darauf musste 
er den Herzog nach Wien begleiten, wo er demselben bei der 
üebernahme der Administration der herzoglichen Lande wesent- 
liche Dienste leistete. Nach Hause zurückgekehrt wurde er 
Herzoglicher Rath (1677), 1678 aber ordentlicher Professor 
der Rechte. 

1680 erhielt er von dem Herzog Administrator in wichtigen 
Angelegenheiten, die Herrschaften Burgund, Hericouit, Clemont, 
Chastelot und Blamont betreffend, eine Mission nach Mömpelgard, 
welche Sendung er so glücklich vollführte, dass ihn der Herzog 
im folgenden Jahre, nebst dem Oberhofmeister, Obervogten 
von Tübingen, Freiherrn JoJiann von Varnbüler von Hern- 
min gen, abermals dahin beorderte, um neben anderen wichtigen 
Geschäften die gesammte Grafschaft in Huldigung zu nehmen. 
1688 wurde er Hofgerichts-Assessor uud ihm gleichzeitig eine 
Gesandtschaft bei dem Reichs- Kammergerichte angetragen, 
welche er indess ablehnen zu müssen glaubte. Dieselbe über- 
nahm hierauf sein nachstehend verzeichneter Bruder. Er besass 



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- 312 — 

ferner die Bestallung eines ßaths des Grafen Maximilian 
Felix zu Wolkenstein und Eberstein, des Prinzen Ludwig 
van Baden, der Reichsstadt Reutlingen, des Closters Frauenalb, 
ebenso die Würde eines Comitis Palatini, welche er von dein 
Vice-Kanzler Grafen von Schönborn im Namen des Kaisers 
empfangen hatte. Harpprecht war der erste in Tübingen, der 
das Württembergische Recht mit dem gemeinen Rechte verglich. 
Er schrieb Hehreres und starb den 9. November 1714. 

Seine erste Gattin war Anna Magdalena, Tochter des Med. 
Dr. und Professors Georg Balthasar Metzger ; die zweite Maria 
Magdalena, Tochter des J. U. Dr. und Professors am Collegio 
illu8tri, auch Hofgerichts-Assessors und Landschafts-Gonsulenten 
David Scheinemann. Söhne: 

1) Ferdinand Christoph Harpprecht, Pfarrer in Gomaringen, 
verm. mit Agnes Maria, Tochter des Specials in Cannstatt 
Eberhard Brauch, welcher Ehe 3 Söhne und 2 Töchter 
entsprossten. 

2) Georg Friedrich Harpprecht, Herzoglich Württembergischer 
Rath und Hofgerichts-Assessor, t als Professor der Rechte 
1754. Seine Gattin war Sibylla Sara, Tochter des Med. 
Dr., auch Herzoglich Württembergischen Loibmedicus und 
Professors Rudolph Cammerer. Dieser Ehe entsprosste ein Sohn. 

II. Johann Christoph Harpprecht, Herzoglich Württembergischer 
Expeditionsrath und Vogt des Bebenhäuser Klosters 1690, 
vermählt mit Anna Catharina, Tochter des Closterverwalters in 
Pfullingen Stephan Stockmaier, aus welcher Ehe 2 Söhne und 
1 Tochter hervorgiengen. 

III. Ferdinand Wolffgang Harpprecht, geb. 23. März 1654, wid- 
mete sich in den Klöstern dem Studium der Theologie, vika- 
rirte nach Absolvirung desselben anfangs bei seinem Onkel M. 
Martin Neuffer, Pfarrer in Jesingen bei Tübingen, später in 
Weil im Dorf und Leonberg und "kam im Jahre 1680 in das 
Bepetenten-Collegium, 



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— 313 — 

1683 wurde er Vicar bn St Leonhard in Stuttgart, hierauf 
Diaconus in Waiblingen 1684, Diaconus in Tübingen 1686, 
als solcher starb er den 12. März 1690. Ueber seinen Tod 
wird Folgendes berichtet : Derselbe wurde zu dem kranken Todten- 
gräber gerufen, jedoch von diesem, als er ihm Trost zusprechen 
wollte, in der Verwirrung an den Haaren genommen, mit dem 
Ausrufe : „Ihr müsst mit." Darauf ging Harpprecht nach Hause 
und starb in Folge der Alteration gleichzeitig mit dem Todtengräber. 

Seine Ehegattin war seit 6. Mai 1684 Julie, Tochter des 
Herzoglich Württembergischen Visitations-Secretärs Johann 
Jacob Moser, welcher Ehe zwei Söhne Namens Immanuel 
Wolffgang und Johann Christoph entsprossten. 
IV. Tobias Harpprecht, Substitut in Hirsau 1690 ledig f. 
V. Mauritius David Harpprecht, Dr. juris, geb. 14. Juli 1664 
in Tübingen, widmete sich dem Studium der Rechtswissenschaft, 
wurde Hofgerichts-Advocat und verrichtete als solcher viele 
wichtige Kaiserliche Gommissionen an den Chur-Mainzischen, 
Wolffenbüttel'schen, Aichstettischen, Dillingischen, Markgräflich 
Badischen, Hohenzollerischen , Fürstenbergischen , Nassauischen 
und anderen Höfen und Canzleien. In der Folge ernannte ihn 
der Fürst von Hohenzollern und bald nachher der Graf von 
Geyer zu ihrem Rath und der König von Preussen versicherte 
ihn in einer Audienz, dass wenn er — Harpprecht — je 
wegen der damals gefährlichen Zeiten genöthigt sein würde, 
sein Vaterland zu quittiren, er einer gnädigsten Aufnahme 
und Anstellung in seinen Landen versichert sein dürfe. Die ihm 
beim Kaiserlichen Reichshofrath in Wien aufgetragenen Ge- 
schäfte, zu deren Erledigung er ein ganzes Jahr daselbst ver- 
weilen mus8te, bereinigte er mit ausgezeichnetem Erfolge. 

Nachdem er schon vorher die Bestallung eines Syndicus der 
freien Reichsritterschaft in Franken, Steigerwaldischen Cantons, 
erhalten hatte, ernannte ihn sein Herzog im Jahre 1703 zum 
wirklichen Regierungsratb und trug ihm die Gesandtschaft beim 



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— 314 - 

Kaiserlichen Roichskammergericht auf, welche er zur Aller- 
höchsten Zufriedenheit vollführte. 

„Ich habe", schrieb er in einem in der £eit seiner Ge- 
sandtschaft verfassten Schreiben, „diese einige Consolation, dass 
ich meine Meinung jedermahlen candide herausgesagt und den 
Mantel nimmermehr nach dem Wind gehängt habe; obgleich 
nicht weniges darüber leiden müssen." 

Besonders befreundet war er mit dem Kaiserlichen Kammer- 
gerichts- Arzt Georg Christoph Möller, dem Kaiserlichen 
Kammergerichts-Advocaten Johann Ulrich von Gülchen, dem 
Markgräüich Brandenburg-Culm'scben Legations-Secretär Johann 
Christoph Frank, dem Herzoglich Württembergischen Rath 
und Leibmedicus Bosinus Lentüius und den bekannten Rudolph 
und Elias Cammerer. 

Er starb hochgeschätzt von seinem Fürsten uud von Jeder- 
mann tief betrauert den 4. September 1712 und ist in der 
Pfarrkirche der damaligen Kaiserlichen Freien Reichsstadt 
Wetzlar beigesetzt. 

Seine Gattin war seit 21. September 1689 Anna Rosina, 
Tochter des Expeditions-Raths und Vogts in Stuttgart Johann 
Valentin Moser, J. U. Lt., welcher Ehe 11 Kinder, 7 Söhne* 
und 4 Töchter entsprossten, worunter 3 Söhne und 1 Tochter 
dem Vater im Tode vorangegangen waren und ein 12. noch 
bei dessen Tode unter dem Mutterherzen ruhte. 

Ebenfalls dieser Familie gehören an: 

Stefan (Christoph) Harpprecht von Harpprechtstcln, Urenkel 
Jobann's, geb. 1676 in Tübingen, studirte Jurisprudenz, wurde 1709 
Regierangsrath und Kammer- Procurator in Stuttgart, widmete indess 
seine Dienste nicht lange dem Vaterlande, denn er trat wohl in Folge 
der Gräven Aschen Gewaltherrschaft 1713 in Lichtenstein'sche Dienste 
als Hofrath und Kamme rdirector, später in Mannsfeld'&chQ als Kanzler, 

♦ Zwei cUron waren Johann Valentin, philo«. Candid., Mauritius Daeid, Stad. Jur 



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— 315 — 

in Holstein'sche 1722 als Justizrath und Jur. Professor and zuletzt 
Prokanzler in Kiel, in Meiningen'sche 1730 als Geheimer Rath des 
Herzogs Anton Ulrich von Sachsen-Meiningen. 

Viele Verdienste erwarb er sich um all diese Fürstenthümer 
und besonders uro Meiningen, so dass ihn der Herzog zu seinem 
Geheimen Rath ernannte. 

Kaiser Karl VI. erhob ihn unter dem Titel: Harbrecht von 
Uarpprechtstein in den Reichsadelsstand und beehrte ihn mit dem 
Charakter eines Geheimen Raths. 

Er starb am 11. Januar 1735 zu Meiningen, nach anderer Quelle 
zu Wien. 

Gattin: seit 8. Mai 1698 Christina Dorothea, Tochter des 
J. U. Lt. und Oberjustizraths Friedrich Jacob Widt. Söhne: 

I. Johann Andreas toii Harpprecht, Bürgermeister von Esslingen 
und ritterschaftlicher Consulent, vermählt in I. Ehe mit Pauline 
Sophie Bürgermeister von Deizisan; 11. mit einer geb. von 
Kinckel. 

II. Johann Friedrich von Harpprecht, Herzoglich Württembergi- 
scher Rath und Reichshofraths-Agent in Wien. — 

Johann Heinrich Freiherr von Harpprecht, geb. 1702 in 
Tübingen, Reichskammer-Gerichts-Assessor, später Reichskammer-Rath 
in Wetzlar, wurde laut Diploms von 1745 in den Reichsfreiherr nstand 
erhoben und starb mit Hinterlassung mehrerer für das Reichskammer- 
gericht wichtigen Schriften 1783 in Wetzlar. — 

Christoph Friedrich Harpprecht, geb. in Tübingen 1700, 
Herzoglich Württembergischer Rath und Hofgerichts-Assessor, nach- 
mals 45 jähriger Professor der Jurisprudenz an der Universität 
Tübingen, t 23. Juni 1774 mit Hinterlassung vieler bedeutender 
Schriften. Harpprecht war der erste Lehrer, welcher sich um die 
Geschichte des Württembergischen Privatrechts verdient gemacht hat. 

Christian Ferdinand Harpprecht, geb. 1718 ebenfalls zu Tü- 
bingen, Professor der Rechte daselbst, zeichnete sich durch ausge- 



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— 316 — 

breitete Gelehrsamkeit nicht blos in der Rechtskunde, sondern auch 
in der Philosophie, Mathematik, Philologie, den Naturwissenschaften 
und schönen Künsten aas. — 

Obertribunalpräsident t. Harpprecht, Kommenthur des Ordens 
der Württembergischen Krone, Grosskreuz des Friedrichsordens, lebens- 
längliches Mitglied der Kammer der Standesherren, verm. mit Marie, 
geb. DnTernoy; t 10. Februar 1859 mit Hinterlassung von 5 
Söhnen. 



Du Fürstlich Württembergische Dienerbuch enthält folgende höhere Beamte 
des Namens Harpprecht: Cl.-Pfleger 330; Cl.Verwaltter 324 ; Registrator 45 ; SpiUlDiaeon 
552. - Auguttim Christoph, Vieitat-Secretar. 158. — Ferd. Christoph, Vogt 268, 576. — Ferd. 
Frid., Cl.Verwaltter 277 ; Oalatl. Verwaltter 397. — Joh. Jndr., Gel. O.Rath 67. - Joh. 
Christoph, Galatl. Verwaltter 397 ; Vogt 258, 328, 575. — Joh. Frid. WUh., Gel. O.Rath 66. 
Joh. Hsinr., Keller 50 J. — Joh. Volant., Abt 313 ; Spee.8uperintendent 259. — Moritz Do** 
Gel. O.Rath 64. — Stephan Christoph, CamxnerProcurator 109 ; Gel. O.Rath 64. 



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Hartmann. 



Johann Andreas Hartmann, Pfarrer, wurde den 28. Augnst 
1677 als Sohn des M. Andreas Hartmann, gewesenen vieljährigen 
Pfarrers zu Oeschingen, Oberamts Tübingen, der — wie er selbst sagt : 
»von Vater, Gross- und Uhr^Gross-Vatter von Dienern Evangelischer 
Kirchen herunterstammet, worunter der letztere, Namens Hartmann, 
der Anno 1587 im Predigtamt stunde, als ein wenig bemittelter 
Pfarrer 5 Söhne studiren Hesse, die alle auf des Vaters Kanzel ge- 
standen haben«, — und der Anna Barbara, des Pfarrers zu Bodels- 
hausen M. Elias Steeb Tochter, geboren. 

Nach Absolvirnng seiner theologischen Studien in Tübingen 
zum Pfarrer in Truchtelfingen ernannt 1709, kam er später in 
gleicher Eigenschaft nach Döffingen, Oberamts Böblingen, und folgte 
zuletzt einem Rufe als Waisen-Prediger in das neu angelegte Waisen- 
haus zu Stuttgart, wo er auch den 15. Dec. 1729 starb. 

Seine Gattin war Catharina Margaretha Tochter des Specials 
zu Böblingen M. Gebhard Keppelmann, welcher Ehe 1 Sohn und 
1 Tochter entsprossten. 

Ebenfalls dieser Familie entstammte: 

Johann Friedrich Hartmann, geb. 4. September 1653, starb 
als Pfarrer zu Jebenhausen 16.. März 1713. 

Ein auf seinem Grabe daselbst befindliches eisernes Epitaph 
trägt folgende Inschrift: 

»Herr M. Johann Friedrich Hartmann, 32 jähriger Pfarrer 

der christlichen Gemeinde in Jebenhausen ist geboren 1653, 

starb den 16. Mai 1713. Dessen Symbolum war: „Mihi 

Omnia Jesus.« — 



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— 318 — 

Einer anderen, ans dem Voigtland eingewanderten zuerst in 
Plieningen ansässigen Familie gehören die Folgenden an: 

Johann Georg Hartmann, Herzoglich Württemb. Rentkammer- 
Expeditionsrath, zuletzt Hofdomänenrath , wurde im Jahre 1731 als 
Sohn des Georg Hartmann, Herzogl. Württemb. Stutenmeisters im 
Kloster Offenhausen, später in Marbach, welcher unter Herzog Karl 
Alexander als Rechnungsführer der Lieferungsbehörde die Feldzöge 
am Rhein und bei Belgrad mitmachte, und der Magdalena, geb. 
Koch geboren. 

Derselbe schrieb das im Jahr 1773 unter dem Namen seines 
Vaters (ein kurzer Aufsatz des letzteren über Anlegung und Behand- 
lung eines Gestüts hatte den Sohn zur Weiterausführung veranlasst) 
bei Meteier erschienene Werk über Pferde- und Maulthierzucht nebst 
einer Geschichte der württembergischen Stutereien, das 1776 unter 
dem Titel : Anleitung zur Verbesserung der Pferdezucht ganzer Länder 
und einzelner Privatwirthe, nebst Unterricht im Beschlagen n. s. w. 
mit einer Zueignung an seinen Vater, bei Cotta in Tübingen neu 
aufgelegt und 1778 ins Französische übersetzt wurde. 

Diese Schrift verschaffte ihm nicht nur viel Beifall, sondern er 
verdankte ihr auch die Aufnahme in verschiedene gelehrte Gesell- 
schaften, ja selbst einen Ruf in preussische Dienste, den er aber 
aus Liebe und Treue für sein Vaterland ablehnte. 

Zu den ab- und zugehenden Hausfreunden Hartmann's gehörten 
auch Schiller 1 s Eltern. Der Vater Schiller hatte sein Absteigquartier, 
wenn er von der Solitude nach Stuttgart kam, gewöhnlich in seinem 
Hause. Als der Dichter nach seiner Flucht ans dem Vaterlande das 
erstemal wiedor nach Stuttgart kam, wandte er sich zuerst in's 
//aWiwawn'sche Haus. 

Im Jahr 1780 wurde der regierende Herzog Karl August von 
Sachsen-Weimar mit dem Geheimenrath von Goethe auf einer unter 
fremdem Namen durch die Schweiz unternommenen Reise, von dem 
intimen Freunde Hartmann! s, dem bekannten Lavater in Zürich, an 
Hartmann adressirt, um sie, da sie ihr Incognito beizubehalten 



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— 319 - 

wünschten, mit den damaligen Merkwürdigkeiten Stuttgarts und seiner 
Umgebung, insbesondere der hohen Karlsschule, bekannt zu machen, 
lndess wurde ihre Absicht in so weit wenigstens vereitelt, als sie 
bereits in der Schweiz erkannt worden waren und die öffentlichen 
Blätter Kunde davon gaben. Nicht sobald hatte der Herzog die 
Ankunft der berühmten Gäste erfahren, als er auch sogleich dieselben 
zu Hof einladen Hess und ihnen einen Besuch abstattete. Doch war 
Goethe täglicher Gast im Hartmanrischen Hause, Hartmhnn selbst 
aber wurde, da der Herzog es sich nicht nehmen Hess, grössere 
Festüchkeiten zu Ehren Karl August's zu veranstalten, auch diese 
selbst durch Hartmanns Hände gingen, stetiger Begleiter bei allen 
diesen 14 Tage lang währenden Hof- Festlichkeiten. 

Der eben erwähnte Lavater Hess den Kopf seines Freundes 
Hartinann sowie dessen Sohnes Heinrich für seine Physiognomik 
zeichnen. Als einst das Gespräch sich auf die Anhänger der ver- 
schiedenen politischen Parteien in der Schweiz lenkte, die sich so 
gehässig anfeindeten, erwiderte Lavater: »man muss das Gute an 
Jedem ehren; ja,« sagte er weiter, »wenn ich etwas Gutes am Tüfel 
(wie er sich in seinem Schweizer Dialekt ausdrückte) sähe, so würde 
ich's auch am Tüfel schätzen." 

Der Dichter Schübart ferner wurde, nachdem er seiner langen 
Haft entlassen war, wie von allen seinen Freunden, so auch im 
Hart mann scheu Hause mit doppelter Liebe empfangen. Oefters auch 
kamen Schubart, Haug, Conz, Petersen, Hartmann u. A. des Abends 
im Andreä'schen Bade (nachmaligen Königsbad) zusammen. 

Auch Künstler und Kunstfreunde waren willkommene Gäste und 
Hartmann selbst besass eine sehr hübsche Gemäldesammlung. Zum- 
steeg namentlich, dessen Compositionen (wie die Oper Geisterinsel) zu 
jener Zeit grossen Beifall fanden, war mit Hartmann eng befreundet. 

Ein Vetter Hartmann s y der Ludwigsburger Waisenhaus- 
Schullehrer : 

Israel Hartmann, geb. 1726, wurde von der Familie mit be- 
sonderer Ehrfurcht behandelt, und er stand, obgleich nur ein ein- 



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- 320 — 

facher Lehrer, dennoch mit vielen Gelehrten seiner Zeit in Verbin- 
dung. Jung-Stilling erwähnt in seinem Leben rühmend desselben und 
Lavater sagte von ihm: »Wenn Christus jetzt unter uns wandelte, 
er würde ihn zum Apostel wählen.« Der Sohn dieses Israel Hart- 
mann: 

Gottlob David Hartmann, geb. 1752, starb als Professor in 
Mietau schon im Jahr 1775, nicht ohne einen rühmlichen Dichter- 
und Schriftstellernamen hinterlassen. zu haben. Hauptsächlich schätzte 
ihn u. A. der Herzog Peter von Curland, der nach Jf artmann s 
Tode ein besonders herzliches Schreiben an den Vater desselben 
richtete; dasselbe findet sich in dem Schwäbischen Magazin von ge- 
lehrten Sachen aufs Jahr 1775 abgedruckt. 

Johann Georg Hartmann selbst starb tief betrauert von Hoch und 
Nieder am 9. Juli 1811 zu Stuttgart im 80. Jahr seines Alters. 

Seine Gattin war Juliaua Friederike, geb. Spittler, welcher 
Ehe 6 Söhne und 1 Tochter entsprossten. Kinder: 

I. Johanna Henriette Friederike, geb. 1762, seit 1785 Gattin 
des v. Helmstädt'schen Amtmanns und nachmaligen Hofraths 
Friedrich Christoph Mayer; Eltern des als Dichter geschätz- 
ten Ober-Justizraths Karl Mayer. 
II. Johann Georg Angast von Hartmann. geb. 5. October 17G4, 
Königl. Württembergischer Geheimerrath, Präsident der Cen- 
tralleitung des Wohlthätigkeitsvereins, Gross-Kreuz etc., t 1 849. 
Derselbe studirte in Tübingen und Heidelberg die Rechtswis- 
senschaft und wurde an letzterem Platze von dem damals daselbst als 
Professor angestellten bekannten Jung-Stilling als Tischgenosse auf- 
genommen, schloss mit Stüling auch ein solch enges Freundschaftsband, 
dass sie sich später gegenseitig Töchter aus der Taufe hoben. Auch 
die damals von Mesmer und Pichegru in Carlsruhe errichtete Ge- 
sellschaft zur Anwendung des thierischen Magnetismus als Heilmittel, 
-an der alle dortigen Aerzte Theil nahmen und für die eine schöne 
Localität im Schlosse eingeräumt war, besuchte Hartmann mit Stüling; 



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— 321 — 

er wurde später auch Mitglied derselben und vollzog in der Folge 
selbst mehrere magnetische Kuren. 

Da der Vater Hartmanns das schon erwähnte Buch über Pferde- 
zucht den Kaiserinnen Katkarina IL und Maria Theresia von 
Oesterreich zugeschickt hatte, wollten ihm beide Herrscherinnen eine 
Gnade dafür bezeigen, Maria Theresia Hess ihm 2 Cadettenstellen 
für seine Söhne anbieten, wozu August Hartmann, ehe er die Uni- 
versität bezogen, grosse Lust bezeugte; weil indess die Mutter ent- 
schieden dagegen war, ergriff man lieber das Anerbieten der Kaiserin 
von Russland, einen der Söhne im Hüttenfache zu versorgen, wenn er 
sich die gehörigen Kenntnisse der Bereitung des Eisens und Stahls 
angeeignet hätte. Daher legte sich nun Hartmann bei seinen Studien 
in Heidelberg besonders darauf und machte nach vollendetem Uni- 
versitätsjahre Proben in Stahlbereitungen zu Sigmaringen bei dem Vater 
seines Schwagers Mayer, der dort Hüttenbeamter war. Allein da, 
als man die Anzeige seiner Disponibüität nach Russland machte, die 
Kaiserin sich auf Reisen in der Krim befand und die Akademie der 
Wissenschaften Hartmanns Vater benachrichtigte, dass die Anstel- 
lung bis zur Rückkehr der Kaiserin verschoben werden müsse, da ferner 
Graf Manteuffel, früherer Günstling der Kaiserin, den Hartmann 
in Heidelberg kennen gelernt hatte, entschieden davon abrieth, so 
verging Hartmann alle Lust dazu und es zerschlug sich diese Carriere. 
»Sie sind viel zu redlich um dahin zu gehen,« wiederholte ihm Man- 
teuffel mehrmals, »Sie wären dort sicher verloren.« 

Manteuffel selbst kam später mit seiner noch ganz jungen 
Frau nach Stuttgart, wo die letztere im Hartmanri sehen Hause wie 
ein Kind aufgenommen und geliebt war. 

Nach vollendeten Studien bereiste Hartmann mit seinen zwei 
Freunden, den. Brüdern Trenhlenburg, Holland und einen Theil von 
Norddeutschland und wurde, nach Hause zurückgekehrt, zum Professor 
der Nationalökonomie an der Hoben Karlsschule ernannt. 

Die Liebe zu dieser Anstalt lebte fort in Allen, die ihr je als 
Schüler oder Lehrer angehörten und die sich schon weit über Deutsch- 

v. Oeorgll-Oeor genau, Biographisch-Genealogische Blätter etc. 21 



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— 322 — 

land und die angrenzenden Länder verbreiteten und die ausgezeich- 
netsten Männer jeden Fachs zu den ihrigen zählten. 

Als 1828 der 100jährige Geburtstag des Herzogs Karl von 
den ehemaligen Lehrern und Schülern der Akademie gefeiert wurde, 
eilten sie von tiberall herbei und feierten* mit Dank und Rührung das 
Andenken ihres fürstlichen Erziehers. Grossen Anklang bei all den 
verschiedenen Gästen fand das schöne Gedicht, betitelt: „Herzog Karl 
an die am 11. Febr. 1828 versammelten Zöglinge der ehemaligen 
Hohen Karlsschule/' zu dem die Jugenderinnerungen und das Andenken 
des Herzogs Hartmann damals begeisterten und das auch später noch 
bei den alljährlich wiederkehrenden Zusammenkünften der Akademisten 
jedesmal wieder mit Rührung von einem der Gäste vorgetragen ward. 

In dem seinem Ende entgegengehenden Deutschen Reich bestund 
noch das sonderbare Institut der Pfalzgrafen, einer Art Reichsnotare, die 
von den Reichsständen ernannt wurden und die Befogniss hatten, Doctoren 
zu creiren, Dichter zu krönen und uneheliche Kinder ehelich zu machen. 
Auch Hartmann wurde vom Fürsten von Fürstenberg zum Pfalzgrafen 
ernannt und hatte oft Gelegenheit, seine Rechte als solcher auszuüben. 

In der Folge trat Hartmann als Rath in den evangelischen 
Kirchenrath und wurde unter König Friedrich nach Auflösung der 
Landesverfassung 1806 als wirklicher Rath bei der Forstdirection 
angestellt, 1808 zum Geheimen Oberfinanzrath , 1811 zum Chef 
der Stiftungssection, 1812 zum Staatsrath ernannt. Ueber ein Gut- 
achten Hartmann's, betreffend die Verminderung oder, wie einige 
vorschlugen, die Ausrottung des Wildbretstandes, der zu jener Zeit 
ein Gegenstand allgemeiner Klage war, in welchem Gutachten Hart- 
mann vorschlug, Parks anzulegen, um den Landmann vor Verheerung 
• seiner Felder zu schützen und zugleich einen mässigen*Wildstand zu 
erhalten, da, wie er sich ausdrückte, der Mensch nicht befugt sei, 
ein Thier der Schöpfung, und wäre es selbst ein schädliches, .ganz 
zu vertilgen, äusserte der König gegen seinen Günstling, den Grafen 
Dillen: „Das ist ein Ehrenmann." 



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- 323 — 

Um jene Zeit nahm die Herzogin Louise von Dessau, die sich 
zum Theil durch ihr übles Gehör veranlasst sah, sich für einige 
Zeit vom Hofleben zurückzuziehen, ihren Aufenthalt in Stuttgart, 
und wohnte daselbst im Bartmann sehen Hause auf dem Bollwerk 
und zog die Familie in ihren näheren Umgang. 

Auf einer Schweizerreise, die Hartmnnn ausführte, traf er in 
Bern mit dem französischen Gesandten Grafen Reinhard zusammen, 
der sich die Freude nicht nehmen Hess, dem Jugend- und Universi- 
täts-Freunde selbst die Schweiz zu zeigen, ihn auch zu dem damals 
zu Ehren des Geburtstags des Kaisers Napoleon statthabenden Fest- 
mahle einlud. Bei demselben war es, dass am Schlüsse Reinhard 
sein Glas erhob und sagte: 

„Napoleon, der immer Wort gehalten, und der auch 
der Schweiz das ihr gegebene Versprechen halten wird, ihre 
Unabhängigkeit zu wahren, lebe hoch!" worauf Georg Kerner , 
Reinkard's Freund, sich erhob und sprach: 

„Napoleon, der niemals Wort gehalten, der den un- 
glücklichen Bewohnern des Simplon Ersatz für das Unrecht, 
das an ihnen begangen wurde, versprochen und nicht gehalten 
hat, er soll dennoch leben!" 

Reinhard hiess Kerner sich entfernen und in Bauernkleidern 
fliehen, weil ihn die anwesenden Franzosen nach Frankreich ausliefern 
wollten, während Reinhardts eigene Existenz durch diese Unvor- 
sichtigkeit des Freundes bedroht war. 

Die Einsicht, welche Hartmann in das Leben der Schweiz 
erhielt, war keine günstige. Er hatte durch verschiedene Universi- 
tätsfreunde, die er dort wiederfand, Gelegenheit, sowohl die höchsten 
aristokratischen als die demokratischen Kreise kennen zu lernen und 
konnte sich in beiden von dem Hass und der Bitterkeit überzeugen, 
welche die verschiedenen politischen Ansichten und Meinungen in 
das Innerste der Familien brachten. 

Der gesellige Kreis Hartrnanris in Stuttgart war lange Zeit 
einer der interessantesten, die sich denken lassen. 



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- 324 - 

Im Antikensaale des Dannecker sehen Hauses versammelte 
sich alle Abende eine Gesellschaft von Männern ans verschiedenen 
Ständen, deren geistreicher Unterhaltung es nie an Abwechslung 
und Leben fehlte. Alle ausgezeichneten Fremden wurden hier ein- 
geführt. Die Dichter Petersen, Weisser, Beinbeek, Lehr, später auch 
Rückert, und Justinus Kerner; Staatsmänner wie Wangenheim, 
von Grerner, von Neurath, Aerzte wie Storr und Jäger, der 
geist- und witzreiche Gonsistorialsecretär Grüneisen, fanden sich 
hier oftmals bei einem Glase Wein zusammen; dahin kam auch 
Schelling, der Philosoph, der während eines Besuches in Stuttgart 
Privatvorträge hielt, in denen er sein System darlegte. 

Später, als der Tod und die verschiedenen Geschicke die ein- 
zelnen Glieder dieser Gesellschaft trennten, bildete sich in Hartmanns 
Hause ein Kreis, welchem Wangenheim, Matihisson, Therese Jluber 
mit ihrer Tochter, Louise von Herder, Reinbeck, Duttenhofer 
mit seiner Frau, der geistreichen Künstleriu, Justinus Kerner, 
Schwab und Lenau, Emma von Niendorf und andere angehörten. 

Nach dem Tode Königs Friedrich wurde Hartmann 1816 
zum Mitglied des General-Finanz-Collegiums und wirklichen Geheimen- 
rath, 1819 aber zum Präsidenten der Oberrechnungskammer und 
der Centralleitung des Wohlthätigkeits-Vereins ernannt. 

Bei der Wiederherstellung der Verfassung thätig, war er in 
Folge von Differenzen mit dem Minister von Malchus im Jahr 1818 
aus dem Geheimen Rathe getreten, um bald darauf nach dem Tode der 
Königin Catharina, deren Vertrauen er in hohem Grade besass, 
die Leitung aller Anstalten, welche sie ins Leben gerufen, als ein 
theures Vermächtniss, das der König in seine Hände legte, zu 
übernehmen. 

Die Königin Catharina, die Hartmann bei allen ihren Schö- 
pfungen zu Bath gezogen hatte, sah vorerwähnte Differenzen und 
Hartmanns Bücktritt vom Geheimen Bathe mit innigstem Bedauern. 

Ihr verdankt das Land bekanntlich das Catbarinenstift, den 
Wohlthätigkeits verein, der von seinem Entstehen an im Hungerjahre 



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— 325 — 

1817 bis auf diese Zeit schon so viel Gutes gewirkt hat, sowie den 
landwirtschaftlichen Verein und die Akademie Hohenheim nebst 
vielen anderen Stiftungen, bei deren Gründung und Erhaltung auch 
Hartmann mit allem Eifer und aller Liebe thätig war. 

Auch König Wilhelm bezeugte Hartmann nach dessen Rück- 
tritt aus dem Geheimen Rath fortwährend Theilnahme und Anerken- 
nung, was er zuletzt noch in dem Handschreiben ausdrückte, in 
welchem er ihn im Jahre 1847 seines hohen Alters wegen von den 
Geschäften des Wohlthätigkeitsvereins suspendirte, ohne ihm den Titel 
als Präsident wie den damit verbundenen Gehalt zu entziehen, obgleich 
Hartmann um seine Pensionirung gebeten hatte. 

Das Vertrauen aber, das die hochherzige Königin CatJiarina 
Hartmann geschenkt, ward ihm nach deren Tode noch insbesondere 
vielfach durch die Anhänglichkeit der beiden Prinzessinnen Marie 
und Sophie (jetziger Königin der Niederlande) bestätigt 

Hartmann starb den 4. April 1849 im 85. Jahr seines Alters. 

Seine Gattin war seit 6. Aug. 1792 Anna Mariette, Tochter 
des Hofraths Dannenberger und einer geb. Martens;* letztere war 
die Tochter eines der ersten und angesehensten Kaufleute Hamburgs, 
Conrad Martens, welcher Ehe 7 Kinder entsprossten, von denen 
indess nur 4 Töchter die Eltern überlebten und 3 in die Ehe gelangten : 

Emilie, geb. 22. Janr. 1794, verm. seit 7. Juni 1817 mit 
Hofrath Georg von Reinbeck, t 1845. 

Julie, geb. 1795, t 1869. 

Louise Mariette, geb. 9. Sept. 1802, seit 6. October 1832 
Gattin des Georg Zoeppritz. Sie starb 21. März 1874. 

Charlotte, geb. 6. Janr. 1808, verm. seit 2. Febr. 1840 mit 
dem Regierungsrath und nachherigen Geh. Raths-Kanzleidirector Karl 
v. Weisser, f 1870. 



* Mehrere Söhne ihres Onkel« Martina lebten tbeila in Venedig, theila an andern 
Orten ; drei davon traten in württemberffische Dienste und eine Tochter wurde dje 
Gattin de« Grafen Imnzi auf der Insel Zante, 



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— 326 - 

III. Ludwig Friedrich von Hartmanu, geb. 1766, t 1852, Com- 
merzienrath und Fabrikbesitzer in Heideuheim, Bitter des Kr.O., 
verra. mit Christiana, geb. Heyd, feierte 1846 seine goldene 
Hochzeit Kinder: 

1) Louis Hartmann, geb. 1797, Kaufmann in Stuttgart, verm. 
mit Aiigaste, Tochter des Kaufmanns Couradi daselbst. 

2) Friedrich Hartmann, geb. 1798, zuletzt Oberamtsrichter in 
Heidenheim, Ritter des Friedrichs-Ordens, verm. mit Auguste 
Ofterdingar. 

3) Carl Hartmann, geb. 1799, der mit seinen Brüdern die 
väterlichen Geschäfte übernahm, f 

4) Panline, geb. 1803, t 1864. 

5) Adelheid, geb. 1805, verm. mit Jakob Zöppritz, Com- 
merzienrath und Ritter des Friedrichs-Ordens. 

6) Wilhelm, geb. 1807, t 1837. 

7) Georg Hartmann, geb. 1811, Pfarrer in Bonlanden. 

8) Paul Hartmann , geb. 1812, Fabrikant in Heideuheim, 
verm. mit Friederike Tröltsch aus Weissenburg. 

9) Lottchen Hartmann, geb. 1814, verm. mit (t) Pfarrer 
Khmim in Ebertingen. 

10) Eduard Hartmann, geb. 1816, Fabrikant in Herbrechtingen. 

11) Augnst Hartmann, geb. 1817, Fabrikant in Heidenheim, t 

IV. Ernst August Friedrich von Hartmann, geb. 1767, f 1852 

als Oberamtsarzt in Göppingen, Ritter des Kr. 0., erwarb sich 
als Mediciner wie als Mineralog einen bedeutenden Namen und 
seine interessanten Petrefactensamralungen führten Fremde aus 
allen Weltgegenden zu ihm. 

Seine Gattin war Luise, geb. Hagmaier. Kinder: 

1) Luise, verm. mit Hofrath Link in Stuttgart, f 1848. 

2) Friederike, verm. I. mit Kaufmann Gutfier in Triest; IL 
mit Maler von Stirnbrand in Stuttgart. 

3) Gustav Hartmann, t als Arzt in Petersburg. 

4) Louis Hartmann, t 1845. 



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— 327 - 

5) Friederich Hartmann, Oberamisarzt in Keutliiigen, Ritter 
des Friedrichs-Ordens. 
V. Christoph Heinrich Hartmann, geb. 1769, Rechnungsrath, 
nachmals Oberfinanzrath bei der Kreis-Finanzkammer in Lud- 
wigsburg, f 1857, verm. I. mit Elisabeth, geb. M5gling; 
II. mit Wilhelmine, geb. Gflnzler. Kinder: 

1) Heiniich Hartmann, t 1857 als Pfarrer in Steinenberg, 
verm. I. mit Wilhelmine, geb. Metiger; II. mit Pauline, 
geb. Mayer« 

2) Sofie Hartmann. 

3) Karl Hartmann, Zollverwalter in Langenargen. 

VI. Gottfried Wilhelm Hartmann, geb. 1770, widmete sich dem 
Studium der Medicin in der Karls- Akademie, besuchte hierauf 
mit seinem Jugendfreunde, dem nachmaligen Kanzler Aulen- 
ricth, die damals berühmte Universität Pavia, prakticirte nach 
seiner Rückkehr zuerst in Heidenheim, hierauf 1798 in Back- 
nang, an welch letzterem Platze er auch Oberamtsarzt wurde 
und 1823 starb. 

Seine Gattin war seit 1798 Auguste Friederike, Tochter 
des Oberamtmanns Landerer in Lichtenstern. Kinder: 

1) Wilhelm Hartmann, t als Repetent in Tübingen 1826. 

2) Jnlins Hartmann, Dekan in Tuttlingen, Ritter des Kron- 
und des Friedrichs-Ordens, verm. mit Luise, geb. Helfferich. 

3) Gustav Hartmann, Oberamtsarzt in Aalen, verm. I. mit Emilie, 
geb. Sprösser; II. mit Caroline, geb. Bürger, 

4) Emilie, verm. mit Pfarrer Helfferich in Hall. 

VII.' Christian Ferdinand Hartmann, geb. 1774, erhielt in der 
Karls-Akademie seine erste Bildung als Künstler und brachte 
die Jahre 1794—1797 zu seiner Vervollkommnung in Italien 
zu, wo das Zusammentreffen mit den ersten Künstlern jener 
Zeit von entschiedenem Einfluss auf seine Ausbildung war. In 
Rom lernte er auch die Fürstin Luise von Dessau und deren 
Begleiter Matthisson kennen, die ihn nach seiner Zurüokkunft 



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— 328 — 

in ihre Kreise zogen. Unter ihrem geineinsamen Einfluss ent- 
stand jener Eros und Anteros, der 1803 durch Böttgers Er- 
klärung in der Jenaer Lit. Zeitung grosses Aufsehen machte. 
Fast zu gleicher Zeit gewann er einen von Goethe ausge- 
setzten Preis für seinen Abschied Hectors von Andromache. 
1810 wurde er Professor der Historienmalerei bei der Kunst- 
akademie in Dresden, deren Directorium er später erhielt 
1822 bereiste er mit einjährigem Urlaub abermals Italien, 
1828 begleitete er den damaligen Prinzen Friedrich von 
Sachsen eben dahin ; 1839 unternahm er eine längere Reise 
nach den Niederlanden und Paris. 

Er starb unvermählt nach langwierigen Leiden 6. Januar 
1842 in Dresden, hochgeachtet als ein an Geist und Herz 
gleich ausgezeichneter Mann. Sein in der kaiserlichen Galerie 
in Petersburg befindliches grosses Gemälde, der Abschied 
Hectors, und andere Gemälde, wie die salbende Magdalena, 
der Erlkönig, Hector und die Trojanerinnen, Hector nach der 
Schlacht, Hylas, Theseus, ftercules und der nemeische Löwe 
gehören zu den «Hauptwerken der classischen Richtung jener Zeit. 



Das Fürstlich Württembergische Dienerbach enthält folgende höhere Beamte des 
Namens Hartmann: Abt 250. — HofRath 114; Reg.R.Secretar 76; Pfarrer 474,506. — Carl 
Frid., Pfarrer 391. — Christoph Erh., Pfarrer 618. — Christ. Frid., Cl.Pfleger 317; Statt- 
schreiber 490. — Georg, Exped.Rath 118; Landschreiber 117. — Georg Christ., Special 
387. — Georg Heinr., VorstVenralltter 240, 308. — Joh* Albr., Vogt 492. — Joh. Georg, 
RechenbanckhsRath 121. — Joh. Georg Aug., Exped.Rath 147. — Joh. Seb., Pfarrer 452. 
610. — Just. Ulr., Keller 405. — Wo\ffg. % Amptmatm 290. 



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Hauff. 



Daniel Hauff, J. U. Lt., wurde den 29. September 1629 zu 
Urach geboren. Sein Vater, Daniel Hauff, Herzoglich Württembergischer 
Eipeditionsrath, t 1652 (nach Andern 1653), war wegen der leidigen 
Oesterreichischen Reformation aus Uuter-Oesterreich unter Zurück- 
lassung aller zeitlichen Güter ausgewandert und hatte sich in Urach 
niedergelassen (1628); die Mutter war Helena, eine Tochter des Rent- 
meisters Müller aus Unter-Oesterreich ; der Gross vater Georg Hauff,* 
Bürger in Steinheim a. d. M., Besitzer eines adeligen Lehens in 
Oesterreich, das ihm nach dem Tode seines Bruders Adam Johann 
Ton Hauff, welcher - kinderlos starb, zugefallen war. 

Daniel Hauff besuchte, da seine Eltern der damaligen Kriegs- 
zeiten wegen nach Ulm flüchteten, die dortige lateinische Schule und 
begab sich von da auf die Hochschule nach Tübingen, wo er sich 
der Rechtswissenschaft befliess. Im Jahr 1662, den 8. Juli wurde 
er von dem Magistrat der damaligen Reichsstadt Esslingen auf die 
erledigte Advokaten-Stelle daselbst berufen. 

1665 kam er in das Geheime-Raths-Collegium, erhielt in 
demselben Jahre noch die Inspection der Ober-Kasten-Pflege und 
starb 1676. 

Seine Gattin war seit 8. Mai 1653 Ursula Dorothea, geb. 
8. August 1633, Tochter des im Jahre 1635 gestorbenen vieljährigen 
Stadt-Ammanns in Esslingen Johann Andreas Schlossberger, welcher 
Ehe 7 Kinder entsprossten, von denen 2 Söhne und 2 Töchter den 
Vater überlebten. 

* Er selbst soU von Kaiser Rudolph im Jahr 1029 geadelt worden sein. 



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— 330 — 

Als bedeutende Vertreter der Familie sind aus neuerer Zeit 
insbesondere nachfolgende zu nennen: 

I. Wilhelm Hauff, geb. 29. Nov. 1802 in Stuttgart. Sein 
Vater war Augost Friedrich Hauff,* Geh.-Secretar in Stuttgart 1799; 
die Mutter Hedwig Wilhelniine, Tochter des Kegierungsraths Carl 
Friedrich EMsser; der Gross vater Johann Wolf gang Hauff, Vogt zu 
Markgröningen, Landschafts-Consulent in Stuttgart, t 1801 ; die 
Grossmutter Christiana Margaretha, Tochter des Herzoglichen Leib- 
medikus Gottlieb Friedrich Faber; der Urgrossvater Johann Wolf gang 
Hauff , Stadtpfarrer in Weilheim 1726'; die Urgrossmutter Sofie Ca- 
therine, Tochter des Pflegers in Leidringen Johann Friedrich Heller ; 
der Ururgrossvater Georg Friedrich Hauff, des Grossen Raths in Ess- 
lingen t 1690; die Urur-Grossmutter Agnes Catharina, Tochter des 
Pfarrers in Neckarhausen Ludwig Zimmermann; der Urur- Urgrossvater 
aber der Eingangs erwähnte Daniel Hauff, des Geh. -Raths in Esslingen. 

Wilhelm Hauff, einer der berühmtesten Dichter des Schwaben- 
landes, widmete sich dem Studium der Theologie« wurde Hofmeister 
in Stuttgart, dann Redakteur des Morgenblattes und erlag den 18. 
September 1827 in Stuttgart einem Nervenfieber. Im Jahr 1840 
wurde ihm bei Lichtenstein (Württemberg) ein Denkmal gesetzt. 

Seine Märchen, ferner sein »Lichtenstein«, »der Mann im 
Mond« und viele andere mehr sind weltbekannt geworden. 

II. Hermann Hauff, Dr. Professor und Bibliothekar, Bruder des 
Vorigen, ebenfalls Redakteur des Morgenblatts in Stuttgart, schrieb 
u. A. Skizzen aus dem Leben und der Natur, Stuttgart 1840, 2 Bde. 
Er starb 16. August 1865. 

Seine Wittwe ist Friederike, eine Tochter des Gerichtsnotars 

* Eine Schwester von ihm, Henriette Goitliebin, war seit 29. November 1799 die 
Gattin des Ober-Regierungsraths Carl Christian Heinrieh Grüneisen in Stuttgart, Sohns 
des Hofraths und Wechselgerichta-AssessorB in Stuttgart Johann Franz (Jruneisen und 
dessen II. Gattin (die erste war Tabitha Elisabeth, geb. Meurer, Enkelin des Prälaten 
gleichen Namens \ Marie Kevine, Tochter des Exped.-Baths in Stuttgart Franz Carl Wächter. 
Den beiden ebengenannten Ehen Carl Christian Heinrieh Grüneisen' s entsprosaten 4 Söhne. 



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— 331 - 

Braun in Schwaigern. Aus dieser Ehe sind 1 Sohn und 2 Töchter 
hervorgegangen. 

Eben diesen Namen führten: 

Johann Gottlieb Hauff, geb. 1790 in Tübingen, Pfarrer in 
Schwarzenberg, später in Grünthal in Württemberg. Er schrieb 
Mehreres. — 

Carl Victor yon Hauff, geb. 2. September 1753 in Bothnang 
bei Stuttgart als Sohn des Pfarrers in Kornwestheim Carl Albrecht 
Hauff, Enkel des Vogts zu Maulbronn Albrecht Hauff, und der 
Catharina Margaretha, Tochter des Bürgermeisters von Biberach 
Georg von tiaupp. Er war Diakonus in Waiblingen, hernach Professor 
in Bebenhausen, Decan und Stadtpfarrer in Cannstatt und starb 1832 
mit Hinterlassung mehrerer Schriften. 

Seine Gattin war seit 1784 Philippine Christiane, Tochter des 
Pfarrers in Plieningen Tobias David Zorer. — 

Johann Carl Friedrich Hauff, geb. 21. April 1766 in Stuttgart, 
Professor der Philosophie und Mathematik in Marburg 1 794, Professor 
der Mathematik in Wien 1808, am Physikalisch-technischen Institut 
in Augsburg 1809, Fürstlich Äafonsischer Forst-, Berg- und Hütten- 
direktor zu Blansko in Mähren, Professor am Gymnasium in Cöln 
1815, Professor der Mathematik und Physik in Gent 1817, f nach- 
dem er noch vorher in Folge der Revolution von 1830 aus dieser 
Stadt ausgewiesen worden war, 1846 in Brüssel. 

Auch von ihm sind verschiedene Schriften hinterlassen worden. — 

August Gottfried Hauff, geb. zu Ludwigsburg 19. Sept. 1794, 
Pfarrer in Dachtel, Professor in Schönthal, Stadtpfarrer in Waidenbuch. 

Das Fürstlich Württemberg. Dienerbnch enthält folgende höhere Beamte des 
Namens Hauff: CantzleiAdvoc. 96; Pfarrer 683 ; Beg.B.Secretar. 76. — Aug. Fried., Bot- 
ger.Secretar 80. — Dan., Ambtschreiber 392. — Dan. Ulr., Vogt 271. — Frid. Albr., Cl. 
Pfleger 250; Vogt 501. — Frid. Wolffg., Oonslst. Secretar. 141. — Hans, Burg Vogt 529, 

— Joh. Albr., GaistL Verwaltter 535 ; — Joh. Andreas, Begistrator, 159. — Joh. Dan., 
Ambtschreiber 272. — Joh. Htinr. Ludw., Vogt 604. — Joh. Ludw., KriegsB.8ecretar. IUI. 
O.B*Secretar. 71. — Joh. Wolffg., Vogt 439, 446. — Ludw., Exped.Bath 110; Vogt 531. 

— Ludw. Albr., Vogt 314, 380, 386, 403, 464, 492, 606. 



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Hang. 



Johann Jacob Hang, Med. Dr., geb. den 31. Januar 1567 
in Augsburg als Sohn des Matthäus Haus „Geschlechter Stands" und 
der Lada, geb. Mair, stndirte Medicin, doctorirte 1592 und kam 
hierauf als Stadtarzt nach Hoilbronn. 1607 folgte er einem Ruf 
als Professor der Medicin nach Tübingen, wo er auch, nachdem er 
das Rectorat, mehrere Male auch das Decanat bekleidet hatte, 
im Jahr 1616 starb. Hang war mit der Enkeltochter des bekannten 
Theologen Dr. Beurlin vermählt und hinterliess Nachkommen. 

Einer andern Familie dieses Namens gehörten an : 

Balthasar Hang, Dr., Professor der Kunst- Alterthümer an der 

hohen Karlsschule, geb. den 4. Juli (15. Sept.) 1731 in Stammheim bei 

• Calw, wo sein Vater Jon. Georg Hang Kloster Hirsauischer Amtspfleger 

war. Auf den Bath und die Unterstützung des damaligen Vogts Gürttier 

in Hirsau widmeten ihn seine Eitern dem Studium der Theologie. 

Anfangs Pfarrer in Niederstotzingen wurde er 1763 Pfarrer in 
Magstadt, hierauf Professor am Gymnasium in Stuttgart 1766, neben 
welcher Professur er noch 1775 das Amt eines Professors der Philo- 
sophie an der Karlsschule erhielt. Gleichzeitig übernahm er auch die 
ihm übertragene Mittwochs-Prädicatur an der Stuttgarter Stiftskirche. 

Die Gegenstände seines Lehrunterrichts waren vorzüglich My- 
thologie, deutscher Briefstyl und Kunstalterthümer. 

Schon in früheren Zeiten hatte sich Jlaug durch poetische und 
prosaische Schriften grossen Beifall und verschiedene Ehrenbezeugun- 
gen errungen. 

So erhielt er z. B. 1761 wegen eines Gedichts auf die Kaiserin 
Maria Theresia durch den Reichshofrath von Hertenstein den Lor- 
beerkranz und den 4. März 1769 von dem Fürsten von Fürstenberg 
ein Diplom als Kaiserl. Hof- und Pfalzgraf. Er war Mitglied vieler 



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— 333 — 

gelehrten Gesellschaften und starb hochberühmt als Erwecker und 
Beförderer schöner Wissenschaften in Württemberg den 3. Januar 
1792 in Stuttgart im 61. Jahr seines Alters. 

Seine Gattin war Jacobina Friderika, geb. Elsässer. 
Kinder : 

I. Henriette Friederike, geb. 3. Februar 1760, verra. mit dem 
Pfarrer in Upfingen Perrenon. 

II. Charlotte Friederike, geb. 23. August 1763, verm. mit dem 

Pfarrer Baumeister in Thuningen. 
III. Johann Christoph Friedrich Hang, geb. 9. März 1761 zu 
Niederstotzingen. Derselbe trat 1776 in die Karls- Akademie 
ein und ging nach vollendetem philologischem und philosophi- 
schem Kursus zum Studium der Kechtswissenschaft Ober. In 
letzterem zeichnete er sich so sehr aus, dass er durch 4 in 
verschiedenen Zweigen derselben erhaltene Prämien den vom 
Herzoge gestifteten akademischen Orden errang. Nach Be- 
endigung seiner Studien wurde er vom Herzoge Karl 1783 
als Secretar in dessen Geheimem Cabinete angestellt und llaug 
selbst erzählte noch oftmals als Greis, wie viele Huld und 
väterliche Nachsicht dieser Fürst ihm habe angedeihen lassen, 
ihm — dessen Dichter-Talent sich damals schon entfaltet hatte, 
dessen Witz sich bereits zu äussern begann, und der sich in ein 
strenges Dienst-Reglement nicht immer recht zu schicken wusste. 

Unter Herzog Ludwig Eugen wurde er zweiter Kabinets- 
Secretär, unter Herzog Friedrich Eugen Secretar beim Ge- 
heimenrathe, dem nachmaligen Staatsministerium, (ein Amt, das 
er 11 Jahre lang bekleidete), und endlich unter König Fried- 
rich Bibliothekar an der Königlichen öffentlichen Bibliothek mit 
dem Charakter eines Hofraths. 

Ifaug starb im Februar 1829 im zu Ende gehenden 68. 
Lebensjahre. 

Ungeachtet seiner Ironie und seines oft beissenden Stachels 



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— 334 - 

hatte Hang dennoch mehr Freunde als Feinde. Seine Grab- 
schrift, die er sich selbst schon früher gedichtet hatte, lautet: 
Der hier ruht 
War froh und gut; 
Einst hoff ich taug's 
Zur Grabschrift Haug's. 
IV. Alexander Maximilian, M geb. 9. August 1769. 
V. Carl Engen, geb. 9. October 1770, Herzogl. Württemberg. 

Consistorial-Secretär. 
VI. Christian Friederich, geb. 22. December 1771, Zögling der 
hohen Karlsschule und beider Rechte Candidat. 
Vir. Philipp Friedrich, geb. 19. September 1766, ebenfalls Zög- 
ling der hohen Karlsschule und Kameralist t 1799. 

Ebenfalls diesen Familien-Namen führten: 
Jacob Hang, Herzogl. Rath in Stuttgart, Mitarbeiter an dem 
Landrechte, verm. 4. Epiph. 1578 mit Ursula, Tochter des Kammer- 
Procurators Martin Hiller und der Marie, Tochter des Kanzlers 
Johann Fessler. Von seinen 2 Söhnen ward der eine, Matthias, 
Kanzlist in Stuttgart, der andere Capuciner in Wien. — 

Carl Christoph Friedrich Hang, geb. zu Stuttgart den 27. 
Januar 1795, studirte Theologie als Angehöriger des evangelischen 
Stifts auf der Landesuniversität Tübingen und brachte hierauf 2 Jahre 
in Holstein zu als Hofmeister bei den Söhnen eines dänischen Kammer- 
herrn von Buchwald zu Seedorf. Nach kurzen Dienstleistungen als 
Vicar in Qündelsbach und Welzheim kehrte er im Februar 1820 
als Repetent in dem theologischen Seminar nach Tübingen zurück. 
1821 wurde er ausserordentlicher, 1829 ordentlicher Professor der 
Geschichte. Er unternahm einige grössere Reisen nach der Schweiz, 
England, den Niederlanden, Belgien und Italien. 

Haug starb den 11. März 1869. Er war zweimal vermählt, 
das erstemal seit 7. October 1823 mit Johanna Charlotte, geb. 
Reuss; zum zweitenmale seit 2. Februar 1833 mit Theophanie, einer 
Tochter des Kaufmanns Leopold Conradl in Stuttgart und der Louise, 
geb. Fenerlein, Schwesteg des Gründers des Handlungshauses Karl 



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— 335 — 

Feuerlein, welcher Firma seit des Letzteren Tode, nämlich im Jahr 
1811 Conradi vorstand. Der letztgenannten Ehe entsprossten : 

I. Lotte, verm. 24. Nov. 1855 mit Wilhelm Roser, Professor 
der Chirurgie in Marburg, t 10. Februar 1870. 

II. Theophanie, verm. seit 4. Mai 1861 mit dem damaligen 
Finanzassessor, jetzigen Director des Königl. statistisch-topo- 
graphischen Bureau Karl von Rieche. 

III. Luise, verm. 4. August 1855 mit Ludwig Roser, Kaufmann 
London, jetzt in Stuttgart, Chef der Firma Karl Feuerlein. 

IV. Mathilde. 

V. Marie, verm. 25. April 18(57 mit Ferdinand Pistorius, Kauf- 
mann in Neapel, t 30. April 1868. 
VI. Helene. 
VIT. Amalie, verm. seit 1871 mit Wilhelm Roser, Professor der 

Chirurgie in Marburg. 
VIII. Anna, verm. 19. November 1872 mit Gustav Roser, Justiz- 
assesor in Böblingen, jetzt in Rottenburg a. N. 
IX. Karl, geb. 25. August 1838, Fabrikbesitzer in Mühle am 
Baum bei Miesbach und Luisenthai bei Gmünd am Tegernsee 
in Oberbayern. 

Haug's Geschwister: 

I. Mathilde, geb. 1801, Gattin des Kameralverwalters Keller in 
Waiblingen, t 1855. 

II. Nanette, geb. 1817. 

III. Louis, geb. 1799, Kaufmann in Amsterdam, t 1854. 

IV. Ferdinand, geb. 1807, Decan zu Leonberg, t 1864. 

V. Adolf, geb. 1815, Mechanikus, geb. 1815, f 1859. — 

Martin Hang, geb. in Ostdorf, Oberamts Balingen, Dr., ordent- 
licher Professor des Sanscrit und der vergleichenden Sprachwissenschaft 
an der königlichen Universität in München und ordentliches Mitglied 
der kgl. bayerischen Akademie der Wissenschaften. 



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— 336 — 

»Derselbe ging 1859 als Superintendent der Sanscritstudien an 
dem Colleg in Puna nach Bombay, um dort unter den eingeborenen 
Brabmanen in der altindischen Wissenschaft zu wirken ; der Ruf seiner 
grossen Gelehrsamkeit war bei den Brahmanen wie bei den Parsen 
gleich ehrenvoll anerkannt. Als reife Frucht seines indischen Aufenthalts 
darf nur die Herausgabe des Aitereya Brahmana des Rigveda mit 
Uebersetzung und Noten in zwei umfangreichen Bänden und seine Essays 
über die heilige Sprache, Schrift und Religion der Parsen genannt 
werden, um zu wissen, wie Hang auch unter dem heissen Himmel 
Indiens unermüdet thätig war für die Erforschung des Alterthums. 

Der siebenjährige Aufenthalt griff dort indess schliesslich stark 
seine etwas zarte Konstitution an und er musste 1866 zur Wieder- 
herstellung derselben nach Europa zurück, bei seinem Scheiden von 
Indien aufs höchste geehrt von den eingeborenen Brahmanen und Parseu. 
wie vor ihm keinem europäischen Gelehrten widerfahren war. Dass 
nach seiner Rückkehr die eine und andere Regierung damit umging, 
ihn, den gewiegtesten Sanskritisten und Zendisten, auf den Lehrstuhl 
einer Universität zu berufen , kann nicht verwundern, denn nur ein 
weiterer Ruhm der Gelehrsamkeit und Wissenschaft konnte der Hoch- 
schule zufallen,' an die er berufen wurde. 

Die bayerische Hauptstadt sollte die Stätte seiner Lehrthätigkeit 
werden und daselbst bestieg er den akademischen Lehrstuhl des 
Sanskrit, und nicht nur Deutsche, sondern auch Engländer, Ameri- 
kaner, Spanier und Portugiesen zählten daselbst zu seinen dankbaren 
Schülern, die mit höchstem Interesse den lebendigen Vortrag des für 
die reine Wissenschaft so sehr begeisterten Lehrers vernahmen.« 

Hang starb am 3. Juni 1876 zu Ragatz, wohin er sich zur Erholung 
seiner angegriffenen Gesundheit begeben hatte, im 50. Lebensjahre. 

Das Fürstlich Württembergische Dienerbuch enthält folgende höhere Beamte 
des Namens Haug: Regia tr stör 140; Geh. Secretar. 36.— Albr., RechenbanokhsBath 150. 
— Balth., MittwoohsPrediger 552. — Beruh., Hofger.Secretar. 79. — Caatolus, LeibMedic 
195. — Endres, Stattschreiber 405. - Haintz, ClJBoftnaiater 346. — Jac, CLPtleger 343; 
Gel. O.Rath 59. — Joh., BechenbanckhsRath 118. — Joh. Aeg., Reglstrator 159. — Ln- 
reutz, Vogt 281 ; Hofger.Beysitzer v. d. Landschaft 79 ; Schnltheiss 363. — Hei eh., Abt 
336. - Paul Pfarrer 646. — Thom., Amptmann 519. — WWi., KeUer 369. 



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Hedinger. 



Johann Reinhard Hedinger, J. U. Lt., wurde den 7. November 
1639 als Sohn des ritterschaftlichen Legations-Secretärs Johann 
Reinhard Hedinger und der Catkarina, geb. Heinrich, geboren. Der- 
selbe studirte zu Heidelberg, wurde 1661 Canzlei- und Stadt-Gerichts- 
Advocat zu Stuttgart und starb als solcher 1668 den 16. September. 

Seine Gattin war Anna Christiana, Tochter des Abts von Hirsan, 
anch Adelbergischen Generalsuperintendenten Johann Schttbler« — 

Johann Reinhard Hedinger, Sohn des Vorigen, geb. 1664 
7. September, widmete sich dem Studium der Theologie und ging 
1687 mit Prinz Johann Friedrich von Württemberg als Reisepre- 
diger und Secretär nach Frankreich. Im Jahr 1688 begleitete er 
den Prinzen Karl Rudolf nach England, und machte in der Folge 
grosse Eeisen nach Norddeutschland, Holland, Dänemark und Schwe- 
den. 1692, im Feldzuge gegen Frankreich, war er als Feldprediger 
im Gefolge des Administrators Friedrich Karl; 1694 ging er als 
Professor des Natur- und Völkerrechts nach Giessen, 1699 aber als 
Hofprediger und Consistorialrath nach Stuttgart. Die theologische 
Doctorwürde erhielt er 1696. 

Hedinger war ein Mann von grosser Freimütigkeit und Un- 
erschrockenheit, der, was er für Wahrheit hielt, sagte und schrieb. 
Den reformirten Gelehrten Hottinger nannte er den seligen Hottinger, 
angeachtet die Lutheraner in der ersten Hälfte des vorigen Jahr- 
hunderts es anstössig ^fanden, einen Calvinisten selig zu preisen. 

So fromm er selbst war, schrieb er doch gegen die Pietisten* 
und eiferte gegen Schwärmereien. Gegen das Hofleben predigte er 

». Q*orgil-Geor genau, BJographinrh -Genealogische Blätter etc. 22 



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- 338 — 

scharf und wünschte einst in einer Neujahrspredigt öffentlich den 
Höflingen, die den Herzog verführen, den ewigen Fluch. Ja auf 
dem Todtenbette sagte er noch: »Bisher habe er mit einem Schwerte 
dreingeschlagen : wenn er aber wieder aufkomme, wolle er mit zweien 
dreinschlagen, und gleich das erstemal so scharf predigen, dass man 
ihn abschaffe.« Was hätte er erst gepredigt, wenn er die Grawe- 
mVechen Zeiten erlebt hätte! Dem Tode nahe, liess er sich auf der 
Harfe Lieder vorspielen. Sein bekanntestes Werk ist sein »Neues 
Testament«, das öfters gedruckt wurde, und wo er den Muth zeigte, 
zuweilen von Vater Luthers Uebersetzung abzuweichen. Auch gab er 
das Württembergische Gesangbuch verbessert heraus als »Andäch- 
tiger Herzensklang«, Stuttgart 1700 (nachmals das Hedinger'scto 
Gesangbuch genannt). Er starb kinderlos 1704 den 28. December. 
Seine Ehegattin war seit 15. Mai 1694 Christiana Barbara, 
Tochter des Stadtvogts von Kirchheim u. T. Johann Greorg Zierfoss. 



Du Fürstlich Württembergische Dienerbuch enthält folgenden höheren Beamten 
des Namens Hedinger: Joh. Reinh., Gaistl. Bath im Gonsist. 187; Hofprediger 192. 



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Heerbrand. 



Eine altangesehene, aus dem Julich'schen nach Württemberg 
gekommene Familie, als deren ältester bekannter Stammvater Peter 
Heerbrand bekannt ist , über welchen sich in den gedruckten 
Vischer 'sehen Ahnentafeln von Moser von 1728 S. 15 Folgendes 
verzeichnet findet: 

»Conf. Cellii Orat. fnnebr. Jac. Heerbrandi F. C. Er kam fremd 
nach Giengen, wurde daselbst Bürger und zeugte ausser Andreas noch 
3 Söhne. 

Cellius führt aus Trithenio folgende Stelle an, um zu erweisen, 
dass die Heerbrandische Familie alt sei: 

Michael Heerbrand de Düren (einer Stadt im Julich'schen), 
Ordinis S. Mariae semper Virginis de Monte Carmeli fuit Erat 
aatem vir doctissimus atque singulari eloquentia praeditus, adeo, ut 
non solum in vicinia, sed otiam ad remotiora loca et Cathedrales Ec- 
clesias evocatus, admiratione maxima concionaretur. Postea factus 
est Prior Conventus Creuznachensis in Dioecesi Moguntina, praeterea 
3. Theologiae Lector, quae officia magna diligentia optime peregit. 
Itaque apud Johannem, Comitem Spanheimensem ultimum, erat in 
magna auetoritate ita, ut ob familiärem cum eo conversationem multa 
bona suo conventui impetrarit. Scripsit is Collationes Synodales atque 
Sermones de tempore et sanetis cum aliis. Floruit circa annum 1412.« 

Von seinen 4 Söhnen ist nur Einer bekannt geworden, nämlich: 

Andreas Heerbrand, studirte zuerst, erlernte aber hernach das 
Handwerk des Apostels Paulus und wurde Teppichmacher in Giengen. 
Dabei war er auch in der Arithmetik, und Vocal- und Instrumental- 



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— 340 - 

Musik sehr bewandert und beschäftigte sich hauptsächlich damit, 
die neue Lehre Luthers mit der hoiiigen Schrift selbst zu ver- 
gleichen. 

Söhne : 
I. Jacob Heerbrand, Dr. theol., geb. in Giengen 12. August 
1521, widmete sich in Wittenberg unter Luther und Mclanch- 
thon dem Studium der Theologie 1538 — 43. Daselbst studirte 
er so fleissig, dass die Studenten ihn nur die „schwäbische 
Nachteule" nannten. 1543 wurde er Diakonus in Tübingen, 
1548 jedoch wegen des Interims entlassen. 1550 kam er 
als Superintendent nach Herrenberg, wohnte im Auftrage Her- 
zogs Christoph 1551 dem Concil zu Trient an, um das von 
Brenz verfasste württembergische Glaubensbekenntniss zu ver- 
teidigen, reformirte 1556 die Markgrafschaft Baden und die 
damalige Reichsstadt Hagenau, und wurde 1557 als Professor 
der Theologie nach Tübingen berufen. Ileerbrand starb 22. Mai 
1600 als Probst und Kanzler der Universität, seiner Dienst- 
fertigkeit, Wohlthätigkeit und Humanität wegen allgemein 
hochgeschätzt. Von ihm sagt Fischlin: „Fürsten und Grafen 
in Oesterreich, Kärnthen, Krain, Ungarn, ja in der Türkei 
hatten zu ihm als einem Orakel ein besonderes Vertrauen, denen 
er auch auf Begehren viele redliche und gelehrte Kirchendieuer 
zugeschickt hat." 

Seine Gattin war seit Februar 1547 Margaretha, Tochter 
des Bürgermeisters und Hofgerichts- Assessors in Tübingen Con- 
rad Stammler, welcher Ehe 6 Söhne und 2 Töchter entsprossten. 
11. Philipp Heerbrand, Dr. theol., geb. in Giengen ca. 1539. 
Pfarrer in Lustnau 1560, Stadtpfarrer in Lauffen 1565, nach- 
mals Superintendent in Hagenau, machte sich daselbst um die 
Reformation hoch verdient und starb in grossem Ansehen 
4. Febr. 1575. 

Seine Gattin war Margaretha, geb. Beringer« Aas 
dieser Ehe sind 6 Kinder hervorgegangen. 



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- 341 — 

Ebenfalls hieher gehört: 

Wilhelm Hierbrand, geb. 16. Mai 1582, Enkel des obener- 
wähnten Jacob Heerbrand, Herzoglich Württembergischer Hofprediger 
und Consistorialrath, auch Probst und Generalsuperintendent in Denken- 
dorf mit dem Wohnsitz in Stuttgart. Er stiftete im Jahr 1655 ein 
Stipendium von 100 fl. in das Pädagogium in Stuttgart und starb 
12. Mai 1658, mit dem Rufe eines frommen, gewandten und klugen 
Geistlichen. 

Seine I. Gattin war Cordula, Tochter des Universitäts-Syndikus 
in Tübingen Conrad Essich; die 11. Marie, geb. Welser von Augs- 
burg; die III. Anna Maria, geb. Gerlach, welcher Ehe 8 Söhne, 
6 Töchter und von diesen wieder 27 Enkel mit 11 Urenkeln ent- 
spros8ten. 



Dm Fürstlich Württemberg sehe Dienerbach enthält folgende höhere Beamte 
des Namens Hserbra$td: Joe., Oancellar. 579 ; Pfarrer 459; Schultheis« 566; Hofger.-Secretar. 
79; Landschrsfb. Verwalter 115. — Wüh. t GaiütL Bath im Oonsist. 137; Hofprediger 191; 
Probet 275. 



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Hegel. 

Georg Wilhelm Friedrich Hegel, bedeutender Philosoph, scharf- 
sinniger und tiefer Denker, wurde den 27. August 1770 in Stuttgart 
geboren. 

Sein Vater war Georg Ludwig Hegel, Herzoglich Württem- 
bergischer Bentkammer-Secretar in Stuttgart; die Mutter Maria Mag- 
dalena, geb. Fromm; der Grossvater Georg Ludwig. Hegel, Bath 
und Vogt in Altenstaig; die Grossmutter eine geb. Enslln; der Ur- 
grossvater Georg Ludwig Christof Hegel, geb. in Winnenden 29. Juli 
1687, t 1730, Bentkammer-Expeditionsrath, yormals auch Vogt in 
Rosenfeld ; die Urgrossmutter Agnes, Tochter des Vogts in Balingen 
Speidel; der Ururgrossvater Johann Georg Hegel, geb. in Sondel- 
fingen 26. September 1640, t 1712 als Stadtpfarrer in Winnenden, 
verm. I. mit Catharina, geb. Glück, IL mit Anna Barbara, geb. 
Mangold; der Urur-Urgrossvater Johann Georg Hegel, geb. zu Nür- 
tingeu ca. 1615, Pfarrer in Ehningen, verm. I. mit Regina Barbara, 
Tochter des Superintendenten in Beutlingen Laubenberger; II. mit 
Agatha, Tochter des Syndicus in Kempten David Megerlin; III. mit 
Margaret ha, geb. Grttnlnger; ein Sohn des Johann Hegel, Pfarrers 
in Würtingen, nachher in Ehningen, t 1641. Dessen Vater Job. 
Hegel, Exulant aus Kärnthen, flüchtete, „wie so viele andere unter 
unsern bekannteren Familien vor der fanatischen Härte der Habsburger 
aus Kärnthen in das glaubens- und sinnverwandte Württemberg/' 
liess sich in Grossbottwar nieder und wurde daselbst zum Bürger- 
meister ernannt. 

Georg Wilhelm Friedrich widmete sich dem Studium der Theolo- 
gie, Philosophie und Mathematik im theologischen Stifte zu Tübingen, 



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— 343 — 

bekleidete hierauf die Stelle eines Hauslehrers in der Schweiz und in 
Prankfort a. M., wurde 1801 Privatdocent in Jena und gab daselbst 
mit ScheUing das Kritische Journal der Philosophie, Tübingen 1802 uff., 
2 Bde., heraus. Nach und nach trennte er sich in seinen Ansichten 
von ScheUing, was zuerst in seinem „System der Wissenschaft" her- 
vortrat. 1807 zog er von Jena weg und lebte als Privatmann in 
Bamberg, wo er die dortige politische Zeitung herausgab. 1808 
wurde er Professor der philosophischen Vorbereitungswissenschaften 
und Bector des Gymnasiums in Nürnberg. 1817 folgte er einem 
Rufe als Professor der Philosophie nach Heidelberg und trat 1818 
an Fichte's Stelle in Berlin, wo er den 14. November 1831 an der 
Cholera starb. Hegel war Ritter des Preussischen rothen Adler- 
Ordens III. Classe. 

Die HegeVache Philosophie, welche sich seiner Zeit geradezu 
als die einzig wahre, absolute Philosophie erklärte, zählt heute nur 
noch vereinzelte Anhänger und ist so ziemlich überwunden. Diess gilt 
speciell auch von dem practisch wichtigsten Theil derselben, der 
Rechts-Philoeophie , welche eine ziemliche geraume Zeit hindurch 
die preussische Regierungs-Philosophie und eine Empfehlung für das 
Fortkommen im preussischen Staatsdienste war. 

Schon 9 Jahre nach HegeVs Tod, 1840, wurde ihr und ihren 
Anhängern in Preussen, aus Besorgniss, als gefährde sie das Christen- 
tum, ja die Religion überhaupt, die öffentliche Gunst entzogen. 

ScheUing ', welcher nach dem Abfalle HegeVs von ihm sein stiller 
Gegner war, wurde nach HegeVs Tode dessen öffentlicher Tadler. 

Heget 8 Gattin war eine geb. v. Tucher aus Nürnberg t 1855. 



Dm Fürstlich Württemberglache Dienerbuch enthält folgende Hegel: Georg, 
Pfrrrer 618. — Georg Christoph, Exped.Rath 113 ; .Vogt 434, 485, 534. — Georg Lud»., 
Beg.B.8ecretor. 73 ; BenthCh-SecreUr. 126 ; Schultheis» 364. — Georg Phil., Vogt 386, 
587. — Joh. Wendel, Adelberg. Pfleger 603 ; Cl.-Pfleger 241 ; ö»istl. Verwaltter 602. 



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He yd. 



Johann Georg Friedrich Ton Heyd wurde den 30. Januar 
1748 zu Alpirsbach geboren. Der Vater war Jacob Friedrich 
Albrecht Heyd, Geistlicher Verwalter in Alpirsbach; die Mutter 
Christiana Dorothea, geb. Dörtenbach; der Grossvater Johann Bern- 
hard Heyd, t 1735, Verwalter in Alpirsbach; die Grossmutter Jo- 
hanna Elisabetha, geb. Römer ; der ürgrossvater Georg Baltas Heyd, 
geb. 12. März (17. März) 1644, Steuerherr des innern Raths in 
Heilbronn; der Ururgrossvater Jacob Heyd, geb. 22. August 1604, 
t 1676, Rathsherr in Heilbronn, — Sohn des Conrad Heyd daselbst, 
geb. 13. Februar 1582 und der Margaretha Waldmann, Enkel des 
Lorenz Heyd in Heilbronn — verm. I. seit 20. October 1627 mit 
Anna Maria, geb. Fischer; Tl. seit 15. März 1636 mit Maria Magda- 
lena, Tochter des Pfarrers in Heilbronn Joach. Münster; 111. seit 
21. Juni 1670 mit Margaretha, Wittwe des Rathsherrn Feierabend. 
Derselbe studirte die Rechte, wurde Professor der Jurisprudenz an 
der Herzoglichen Karls-Akademie in Stuttgart, nachmals auch Director 
des Königlich Württembergischen Ober-Tribunals, zuletzt Staatsrath 
und Commandeur des Ordens der Württembergischen Krone. 

Er starb zu Stuttgart den 10. November 1834. 

Seine 1. Gattin war seit 23. September 1773 Henriette Marie, 
geb. Ton Btthler; die II. seit 21. September 1775 Christina Maria, 
Tochter des Raths und Leibmedicus in Stuttgart Albrecht Rickard 
Renss und der Sofie Elisabeth, Tochter des Cousistorialraths und 
Prälaten in Alpirsbach Johann Albrecht Bengel; die III. seit 25. 
Mai 1783 Elisabeth»! Eleonore, geb. tfmelin. 



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— 345 — 

Kinder IL Ehe: 
I. Christiane Dorothee, geb. zu Stuttgart den 9. October 1777, 
verm. mit dem Commercienrath Carl Ludwig Friedrich von 
Hartmann, Ritter des Kronordens. 
II. Charlotte Friederike, geb. zu Stuttgart 9. December 1778, 
verm. mit dem Obertribunal-Director Carl Immanuel GotÜob 
von Pfizer, Bitter des Ordens der Württembergischen Krone. 

III. M. August Friedrich Herd, geb. zu Stuttgart 27. Oktober 
1776, Pfarrer zu Gross-Ingersheim 1803, zu Mössingen 1823, 
zu Plochingen 1824. Verm. zu Gross-Ingersheim 22. November 
1803 mit Johanna Friederika, Tochter des Pfarrers daselbst 
(in Bizfeld) M. Carl Friedrich Mittler. 

Von diesem Pfarrer Heyd stammen: 
Kameralvorwalter Hejd in Leonberg. 
Oberamtsrichter Hejd in Tettnang. 
Der t Pfarrer Heyd in Gammesfeld. 
Der f Pfarrer Heyd in Hassfelden. 

IV. Christian Heinrich Heyd, geb. zu Stuttgart 27. Mai 1780, 
Kaufmann in Heilbronn. Verm. daselbst 21. November 1813 
mit Charlotte Auguste Elisabeth, Tochter des Ober-Eegierungs- 
raths Jakob Gottlieb Reuss. Hinterliess bloss oine Tochter 
Benigna, verm. an Kaufmann Volz in Heilbronn. 

Ebenfalls dieser Familie gehören an: 

Johann Jacob Heyd, geb. Alpirsbach 9.. November 1717, Sohn 
des Eingangs erwähnten Johann Bernhard, t 20. Juli 1788, ßath, 
Holzfactor in Bissingen. Gattin seit 11. Februar 1749 Charlotte 
Auguste Elisabeth, Tochter des Pfarrers in Heimsheim Leonhard 
Dietrich Fulda. Söhne: 

A) Friedrieh August Heyd, Decan in Weinsberg, geb. 1. December 

1749, t 12. März 1840. Gattin: seit 12. Juni 1781, Christiana 

Knnignnde, Tochter des Bürgermeisters und Landschaftsassessors 

in Leonberg Johann Christof Homer. 



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— 346 — 

Kinder : 
I. Christiane Friedrike, verm. I. seit 1805 mit dem Ober- 
jnstiz-Prokurator in Stuttgart Samuel Christoph Herbort ; II. 
seit 1814 mit dem Kriegsrath Wilhelm Ulrich Eisetüohr; 
III. seit 1716 mit dem Kameralverwalter in Weinsberg 
Joh. Christoph Friedrich Göe. 

II. Justine Jacobine, verm. 1810 mit dem Decan in Blau- 
beuren Ludwig Ernst Carl Bockshammer. 

III. Wilhelmine Sophie, verm. 1813 mit dem Decan in Knitt- 
lingen Gottlieb Ulrich Osiander. 

IV. Friedrich August Heyd, Gerichtsnotar in Sulz, f 

Y. Ludwig Ferdinand Heyd, Decan in Heilbronn, geb. 15. Juui 
1798, f 30. August 1868 als Pfarrer in Untertürkheim. 
Gattin : Friederike, Tochter des Prälats MBrklin. Kinder: 

a) Ludwig, Rathschreiber in Heilbronn. Gattin: Maria 
Feyerabend von da. 

b) Carl, Kaufmann, derzeit in Stuttgart, ledig. 

c) Ernst, f in Amerika. 

B) Carl Ferdinand Heyd, Rath, Holzfactor in Bissingen, geb. 29. 

Oct. 1755, t 1835 in Ludwigsburg. Gattinnen: 

I. Heinrike Charlotte, geb. Hummel; II. Cbristoflne Regine, 

geb. Zeeh. 

Söhne erster Ehe: 

1) Carl Friedrieh von Heyd, Oberjustizrath a. D., vieljähriger 
Oberamtsrichter in Ludwigsburg, Abgeordneter von Weins- 
berg 1845—1848 I., R. d. 0. d. w. Kr., t 27. Juni 1873, 
85 Jahre alt. Gattin : Charlotte Dapp, Tochter des Ober- 
justizraths in Stuttgart. Kinder: 

a) Karl, Kanzleirath in Heilbronn. Gattin: Louise geb. 
Bommel von Nürtingen. 

b) Victor, Oekonom in Poppenweiler. Gattin: eine geb. 
Grub von Illingen. 



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— 347 — 

2) Ludwig Friedrich, Stadtpfarrer in Markgröningen, geb. 19. 
Februar 1792, t 6. März 1842. Sohn: 

Wilhelm Christoph von Herd, Oberstudienrath, 
Oberbibliothekar, Ritter des Krön- und Friedriche-Ordens, 
geb. 23. October 1823. Gattin: Louise, Tochter des 
obenerwähnten Decans Ludwig Ferdinand Herd, welcher 
Ehe 3 Töchter entsprossten. 

Sohn zweiter Ehe: 

3) Gustav Herd, Oekonom, geb. 3. Februar 1804, lebt in 
Stuttgart. Gattin : 

Wilhelmine, Tochter des Stadtpfarrers Glanz. 



Dm Fürstlich Württemberg. Dienerblich enthält folgende höhere Beamte des 
Namens Heyd (Haid, Hayd, Heid): OantsleiAdvoc 96. — Btnj. Ludw., Oeiatl. Verwaltter 
572. — Com-., Vogt 390. — Georg Frid., Gel.O.Rath 68. — Hont, Voratmaister 590. — 
Joe. Fried., Amptachreiber 246. — Joh., Cl.Pfleger 246, 293 ; Gaistl. Verwalter 697. — 
Joh. Beruh,, Amptachreiber 246. — Joh. Ludw. Vogt 328. — 8am., Gel. Hofiger. Bey- 
sitzer 78. — Tob. Alb., Vogt 384. 



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Hiller. 



Philipp Friedrich Hiller, der beste Kirchendichter Süddeutsch- 
lands, wurde den 6. Januar 1699 in Mühlhausen geboren. Sein 
Vater Johann Jacob Hiller, f 1701, war Pfarrer in Mühlhansen 
a. d. Enz ; der Grossvater Johann Philipp Hiller, t 1 666 (studirte 
in Strassburg), Herzoglich Württembergischer Hofgerichts-Advokat in 
Stuttgart; der Urgrossvater Matthäus Hiller, Oberrath und Kirchen- 
Kastens-Advokat, flüchtete, als Württemberg in österreichische Hände 
kam, mit seiner zahlreichen Familie nach Strassburg; nach seiner 
Rückkehr von dort verdächtigten ihn die Kaiserlichen Regimentsräthe, 
er führe mit dem schwedischen Residenten Machet, seinem Anver- 
wandten, einen heimlichen Briefwechsel und nahmen ihn desshalb in 
Göppingen in Gewahrsam ; die Urgrossmutter war Anna Maria, Tochter 
des Johann Kielmann von Kielmannseck ; der Urgrossvater Marens 
Hiller, 1 1605, Consnlentin Herrenberg ; der Urur-Urgrossvater Marens 
IV. des Raths in Herrenberg t Esslingen 1564. Dessen Vater war 
Marens HL, Vogt von Herrenberg ao. 1544, welcher nebst seiner Gattin 
300 Fl. dem Spital legirte ; der Grossvater Marens IL, Bürgermeister 
von Herrenberg ao. 1521 ; der Urgrossvater Marens I. von Tübingen. 

Philipp Friedrich studirte in den Seminarien Theologie, wurde 
Pfarrgehülfe 1724, Informator in Nürnberg 1729—31, Pfarrer in 
Neckargröningen 1732, in Mühlhausen, seinem Geburtsort, 1736, und 
starb als Pfarrer in Steinheim bei Heidenheim 1769 den 26. April. 

Seine vielen und schönen Lieder sind bekannt 

Seine Gattin war seit 1732 Maria Regina, Tochter des Pfarrers 
zu Hessigheim Johann Friedrich Schickhard, welcher Ehe 5 Söhne 
und 6 Töchter entsprossten. — 

Von ersteren starb der älteste, Philipp Friedrieh, als Med. 
Stud> auf der Flucht in Stuttgart 1751; der II., Johann Christian, 



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— 349 — 

Pfarrer in Gedungen, nachmals zweiter Kloster-Professor zu Maul- 
bronn 1781, Prälat in Anhausen 1803 t 28. Januar 1820; der 
III, Ludwig Jacob, Pfarrer in Meimsheim 1786. Der IV., Benjamin, 
Scribent in Köngen, Rechnungs-Probator zu Königsbronn, reiste 1767 
nach Holland, sodann nach Ost- und West-Indien, sammelte ein schönes 
Vermögen und wollte 1787 wieder nach Europa zurück ; unglücklicher- 
weise litt er aber unterwegs Schiffbruch und verlor seine ganze Habselig- 
keit. Er engagirte sich hierauf in einer Eisen- und Schiffholz-Handlung 
in London. Der V., August Wilhelm, ledig, t als Kaufmann 1769. 
Von den ebengenannten Söhnen hinterliess nur der III. Bruder 
männliche Nachkommenschaft. 

Derselben Familie entstammten: 
Matthäus Hiller, geb. 1646 in Stuttgart, welcher als Professor 
der Theologie und der orientalischen Sprachen in Tübingen grosse 
Berühmtheit erlangte und unstreitig unter die ersten Orientalisten 
seines Jahrhunderts zu rechnen ist. Er starb als Prälat in Königs- 
bronn 1725. Auf seinem Grabsteine ist das Hüler'sche Wappen 
nebst folgender Inschrift angebracht: 

D. 0. M. S. 

Hie situs est 

Matthäus HiUer 

Stuttgard. 

Abbas Regiof. Per Ann. IX. 

Ante Hac Ultra IV Lustra 

Theol. et L. L. 0. 0. Profess. Tubing. 

Genere Virtute Religion e Eruditione 

Si Qui8quam Clarus 

Non Patriae non Germaniae Sed 

Europae atque Universo Orbi Literato 

Notus 

Et Graecis Et Barbaris Chams 

Suis Desiderat is8imti8 

Octogenarius Fere 

Obdormivit in Domino 

m. Non. Febr. Anno MDCCXXV. 

Seino I. Gattin war Maria Catharina, geb. Caspar; die II. 

Eleonore Sibylla yon Hechter aus Mömpelgard, welch letztere ihm 

mehrere Kinder gebar. 



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- 350 — 

Ebenfalls diesen Namen führten: 

Martin Hiller, — Sohn des Heinr. Hiller, welch letzterer wegen 
seiner vorzüglichen Dienstleistungen nicht nur von Herzog Friedrich von 
Württemberg zu seinem Kammerrath und Geheimen Staatssecretar ernannt, 
sondern auch von Kaiser Ferdinand II, 1628 in den erblichen Adelsstand 
erhoben wurde* und Enkel des aus einem Graubündtnerischen Adels-Ge- 
schlechte stammenden Martin Hiller, Pfalzgräflich Neuburgischen Hof- 
raths, — ist gestorben 1685 als Bebenhausischer Pfleger in Tübingen. 

Gattin : Brigitte, geb. Schickhard, Enkelin des bekannten Bau- 
meisters gleichen Namens. Dieser Ehe ontsprossten 4 Kinder, näm- 
lich: I. Brigitta, Gattin des Pfarrers in Thailfingen und Entringen 
Michel Hosen. II. Johann Martin, Pfleger in Tübingen, venu, mit 
Ottilia Könlerin von Herrenberg. III. Jon. Heinrich, Physicus iu 
Marbach, kinderlos f. IV. Johann Hiller von Gärtringen, geb. 1658, 
Geh. Bath und Abgesandter in Regonsburg, bekommt das Gut zu 
Gärtringen, wird von Kaiser Leopold geadelt, f 1714. Gattin: 
Regina Catharina, geb. Bardili. — 

Christian Heinr. HiUer, geb. Kirchheim 30. October 1696, 
Sohn des Jur. Dr., Württemb. Raths und Bürgermeisters in Biberach 
and der Maria Elisabeth, Tochter des Senators in Esslingen Joh. 
Jacob Bunz, Professor jur. und Hofgerichts-Assessor in Tübingen, t 
1770, Stifter des Hiller'schen Stipendiums d. d. 21. April 1770 im 
Betrage von 7000 fl. 

* Er soU auch im Jahr 1609 das Patriciat in Born erhalten haben. 

Dae Fürstlich W4rttem bergische Dienerbuch enthalt folgende höhere Beamte des 
Namens; HilUr p. : Hauptmann 520. — Joh. v., Amptmann 292. — HilUr: Abt 252; Beben- 
haus.Pfleger 567 ; O.Rath 63. — Adam, Ambtmann 471. — Conr., Galstl. Verwaltter 454. 
— Frid. Conr., Oantzlei-Advoc. 94. — Hang Heinr., Ambtmann 325- — Hans Marx, Gen.- 
Factor 431. — Heinr., Ohammermaister 106; Ohammer-Secretar. 104; Exped.Rath 110; 
Geh. Secretar. 31; Landschafft-Advoc. 557. — Joh., GaistL Verwaltter 678; Geh. Begim. 
Rath 25; Gel. O.Rath 62. 66; KrlegsBath 100; Verwaltter im foratL Oolleg. 582. - Joh. 
Mart., Amptmann 292 ; CLPfleger 261, 264, 271 ; Keller 614 ; Verwaltter im fürstl. Colleg. 
582. — Joh. Phil., Cl.Pfleger 318. — Kilian, Cl.Pfleger 321 ; Keller 287. — Marcus, Beehen- 
banckhsBath 120. — Mart., BebenhausJ>fleger 68 ; Cammer-Procorator 108 ; Gel. Holger.- 
Beysitzer 78. — Marx, Cl.Pfleger 264; Keller 283; McJhäu», Abt 288, 299; Amptsohreiber 
246; Cantslel-Advoc. 93; Cl.Pfleger 320; Gl Verwalter 315; Exped.Rath 144, 148 ; Gel. 
O.Rath 61; Kirch.Oast. Advoc. 149; Kirch.Oast. Verwaltter 148; Beohenbanckhs-Rath 150 ; 
TutelarRath 97. 



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Hochstetter. 



Die Familie stammt ans Augsburg, wo sie im 16. Jahrhundert 
sehr angesehen war. Ein Zweig derselben zog sich nach Württem- 
berg und breitete sich von da in verschiedenen Ländern, insbesondere 
Sachsen, Franken, Schwaben, Elsass und England aus und ward von 
Kaiser Carl V. und Ferdinand I. mit vielen und hohen Begnadi- 
gungen angesehen. 

In Württemberg gingen aus dieser Familie im 17. und 18. 
Jahrhundert besonders viele Theologen hervor, als: 

Conrad Hochstetter, Herzoglich Württembergischer Special- 
Superintendent, wurde im Jahr 1583 zu Gerhausen, O.-A. Blaubeu- 
ren, als Sohn des Martin Hochstetter, Bichters daselbst und als 
Enkel von Abraham Hochstetter, Med. Dr. in Tübingen geboren. 
Derselbe war 35jähriger Spezial in Kirchheim u. T., wo er 12 Jahre 
mit Conrad Widerhold, dem Vertheidiger von Hohentwiel und nach- 
maligem Obervogt von Kirchheim, zusammen wirkte. Siehe Näheres 
in dem nachfolgenden Bericht über die Familienzusammenkunft der 
Hochstetter. 

Sein Wahlspruch war: „in silentio et spe" (durch Stillesein 
und Hoffen werdet ihr stark sein). 

Er hatte 5 Söhne, welche Geistliche waren und nach welchen 
sich seine Nachkommen in folgende 5 Linien theilen: 

1. Die Dettinger Linie von dem ältesten Sohn Job. Ulrich, Pfarrer 
in Dettingen. 

2. Die Bebenbauser Linie von Joh. Andreas, Prälat in Beben- 
hausen, geb. 1637, t 1720/ 



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— 352 — 

Er und noch mehr sein Sohn Andreas Adam haben sich 
am die evangelische Kirche Württembergs besonders verdient 
gemacht. 

Johann Andreas Hochstetter, der Stifter der Bebenhauser 
Linie, geb. 15. März 1637, Diaconus in Tübingen 1659, Pfarrer in 
Walheim 1668, Decan und Stadtpfarrer in Böblingen 1672, Pro- 
fessor der griechischen Sprache und Ephorus des Stipendium Illustris 
1677, ordentlicher Professor der Theologie, zugleich Special und 
Stadtpfarrer in Tübingen, Generalsuperintendent und Prälat zu Maul- 
bronn 1683, Prälat in Bebenhausen 1689, engerer Landschafts- 
Ausschuss-Assessor, in welch letzterer Stellung er oft mit Lebens- 
gefahr zu den landschaftlichen Conventen reiste. Eine seiner Lieb- 
lingsideen war das Zustandebringen einer Gesellschaft zur Ausbildung 
von Missionaren. Kr starb, allgemein geliebt, hochgeachtet und 
verehrt den 8. November 1720 im 84. Jahre seines Alters. 

Seine 1. Gattin war Elisabetha Barbara, Tochter des Schwäbi- 
schen General-Münzwardeins GoUfrid Kuhorst; die II. Anna (Katha- 
rina, Tochter des Professors Joh. Georg Linden. 
Söhne desselben: 
1. Gottfried Conrad Hochstetter, geb. 13. Juli 1664 zu Tübin- 
gen, Herzoglich Württembergischer Special-Superintendent und 
Stadtpfarrer zu Owen 1702, zu Tuttlingen 1710, verm. mit 
Eva Maria, Tochter des M. und Pfarrers in Bommelshansen 
David Hörmann. Er starb 1730 den 2. Juli. 
II. Andreas Adam Hochstetter, geb. 13. Juli 1668 ebenfalls zu 
Tübingen, studirte daselbst, dessgleichen zu Strassburg, Basel 
und Leipzig Theologie, verweilte hierauf längere Zeit bei dem 
bekannten Dr. Spener, bereiste sodann Niedersachsen, Braun- 
schweig, Preussen, die Hansestädte, Holland und England und 
wurde nach seiner Bückkehr ins Vaterland zum Diaconus seiner 
Vaterstadt ernannt. 1697 wurde er Professor der Beredtsam- 
keit und der Theologie daselbst, und erhielt einige Jahre 
später zugleich das dortige Stadtpfarramt. In der Folge be- 



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— 353 - 

rief ihn Herzog Eberhard Ludwig zu seinem Oberhofprediger 
nach Stuttgart mit dem Beifügen: »Er hoffe mit ihm in den 
Himmel zu kommen.« Als 1712 in Calw durch den Haus- 
lehrer Gmelin eine separatistische Bewegung entstanden war, 
so wurde eine eigene Commission nach Calw gesendet, bestehend 
aus dem Consistorialrath Dr. Bardüi, dem Oberhofprediger 
Andr. Ad. Hochstetter und Prof. Frommann von Tubingen. 
Nach geschehener Untersuchung empfahl die Commission den 
Weg der Milde, der dann auch eingeschlagen wurde. Nur 
der 'Hauslehrer Gmelin wurde als Hauptursächer der Trennung 
entfernt. — Von Andr. Adam wurden in Württemberg die 
Wochen-Einderlehren eingeführt. Es war das eine Frucht der 
Bekanntschaft mit Dr. Spener, welchem der Jugendunterricht 
besonders angelegen war. So sehr Hochsfetter sich in dieser Stel- 
lung auszeichnete, wurde er doch bald auf Grund seiner freimü- 
thigen wahrheitsliebenden Aeusserungen, mit denen er selbst dem 
inzwischen eingetretenen Verhältnisse des Herzogs mit der Grä- 
veniz gegenüber nicht zurückhielt , wieder entlassen und auf 
seine vorige Stelle zurückversetzt, mit der er in der Folge noch 
die Abtei St. Georgen und das Rectorat der Tübinger Universität 
verband. Er starb, nachdem er das Jahr vor seinem Tode 
geäussert hatte, er wisse gewiss, dass dieses sein letztes Lebens- 
jahr sei, den 26. April 1717 zu Tübingen. Grossen Ruhm 
erwarb er sich als Gelehrter durch sein Collegium Pufendorfia- 
num, das eine dreimalige Auflage erlebte. In dem ihm nach 
seinem Tode von dem Rector Hagmejer in der Aula gehaltenen 
Nachrufe sprach derselbe die Worte: »So folgte in 99 Jahren 
einem grossen Sigivarto, in gleicher Rectorat-Magnificenz, ein 
grosser Hochstetter.* 

Hochstetter s Gattin war Kegina Barbara, Tochter des 
Med. Professors zu Tübingen Elias Rudolph Camerer, wel- 
cher Ehe 8 Kinder entsprossten, von denen 1 Sohn Namens 
Johann Andreas und 3 Töchter den Vater überlebten. 

9. Oiorgii-G cor genau, Biographiftch-Genealogiflche Blätter etc. 23 



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— 354 — 

III. Augustin Hochstetter, geb. 19. April 1671 zuWalheiin, Ober- 
amts Besigheim, Diaconus in Sindelfingen 1700, Pfarrer da- 
selbst 1706, Decan in Bebenhansen und Pfarrer zu Lustnau 
1713, Decan in Böblingen 1719, Probst in Herbrechtingen 
1724, Prälat in Herrenalb 1726, Abt in Königsbronn 1728. 
Als im Jahr 1730 Herzog Eberhard Ludwig nach Königs- 
bronn kam, fragte derselbe, nachdem er zuvor mit seinem Hof- 
staat der Predigt Hochstetter' s beigewohnt hatte, ob er ihm 
mit Conferirung der Prälatur Maulbronn eine Gnade erweisen 
könne; Hochstetter bejahte diess, worauf ihm dieselbe. sofort vom 
Herzoge zugetheilt wurde. 1732 wurde er grösserer, 1743 
engerer Landschafts- Assessor und starb 1748 den 15. Septbr. 
Sein Grabdenkmal ist in der Klosterkirche zu Maulbroun. 

Seine Ehegattin war Justina Sibylla, Tochter des Pro- 
fessors in Tübingen Benedict Hopffer. 

Kinder desselben: 

1) Catharina Jnstina, verm. mit dem evangelischen Prediger 
in Biberach Johann Georg Zell. 

2) Augunta Dorothea, verm. mit dem Professor und Prediger 
in Maulbronn Johann Christian Lang, Sohn des Prälaten 
zu Blaabeuren. 

3) Andreas Burkhard Hochstetter, Vogt in Gochsheim, verm. 
mit der Tochter des Specials in Knittlingen Speidel. 

4) Benedict Adam Hochstetter, Diaconus in Gochsheim, verm. 
mit Christina Dorothea, Tochter des Stadtpfarrers M . 
Georg Christoph Bauerlen. 

IV. Christian Hochstetter, geb. 21. October 1672 zu Böblingen, 
Herzoglich Württembergischer General-Superintendent, engerer 
Landschafts-Ausschuss-Assessor und Abt zu Bebenhausen. 

Seine I. Gattin war seit 27. Juli 1700 Brigitte Rosina, 
Tochter des Bebenhausischen und Blaubeuriachen Pflegers in 
Tübingen Joh. Mariin Hiller; die II. Maria Margaretha, 



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- 855 — 

Tochter des Kriegsraths und Obristlieutenante, auch Oberamt- 
manns in Merklingen Friedrich Heinrich Keller, verwittibte 
Prälatin Hiemer. 

Er selbst starb den 2. Januar 1733. Die Inschrift auf 
seinem Grabstein lautet: 

D. 0. M. S 

Ad latus amantissimae quondam 

Conjugis Hilleriae 

Heic plaoide quiescit 

Dimissus in pace a Domino Servus, 

Vir vere Christianus 

Hinc in Bummo honoris Culmine, 

Dum viveret, a Deo constitutus 

Dn. Christianus Hochstet ter, 

Concil. Wärt. General-Superint. Abbas Bebenhusanus, 

Stat. quoq. Provinc. Secret. Ord. Assessor. 

Selectus Venerandus Doctus Facundus Prudens, Fidus 

Maritas IL Conjug.: ParenB X. libb. Avusq. XI. Nepot. 

Optimus, Pius, Blandus. 

Pauperum quoq. Viduarum, Orphanorumque 

Evergeta strenuüB 

Uno verbo: 

B. Parentis et in officiis et virtutibus felix 

Utinam modo etiam in longaevä senectä successor 

Ast in vigore adhuo Anni LXI. ' 

Forti Apoplexia 

Stantem mane in Cathedra 

Laetum nativitatis D. N. J. Praeconem 

Vesperi prostratum 

Qnartoque post die 28. Dec. 1732 

Duro sie fato eheu! extinetum 

Lußfent superstitea, 

Pietatem Lapide hoc sepulchrali ultimam 

Cum lacrimis ipsi testantes 

Altera Conjux, nata Kelleria, 

Filii tres, filiaeque totidem, 

Gener i duo, cum nepotibus. 

Textus Funebr. Luc. IL 29. 30. 



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— 856 - 

Kinder desselben: 

1) Anna Rosina, verm. mit dem Special-Superintendenten, Prä- 
laten in Maulbronn, M. Johann Valentin Harpprecht 

2) Christina Brigitta, vermählt mit dem Archidiaconus bei 
der Stuttgarter Stiftskirche Joh. Gottfried Hoffmann. 

3) Catharina Regina. 

4) Johann Andreas Hochstetter, geb. 19. Februar 1705, t 
26. März 1764, als Prälat von Herbrechtingen. Unter 
seinen Unterlassenen 5 Kindern waren 3 Söhne, als: 

a) Jobann Ludwig Freiherr von Hochstetter, geb. 25. Juli 
1742, Königl. Preussischer Geheimerrath und Minister 
beim Oberrheinischen Kreise, vermählt mit Friedrike 
Augnsta, Tochter des Christian Albrecht Carl Edlen 
von Hochstetter. 

b) Carl Wilhelm Hochstetter, geb. 11. März 1744, Pfarrer 
zu Obereisisheim, verm. mit Dorothea Euphroslna, geb. 
Niethammer, welcher Ehe 2 Söhne und 1 Tochter ent- 
sprossten. 

c) Johann Christian Friedrich , geb. 24. August 1747, 
Lt. jur., Preussischer Oberst, Stifter der Preussischen Linie. 

5) Christian Albrecht Carl Ritter von Hochstetter, J. ü. Lt.. 
Herzoglich Württembergischer Hofgerichts-Advocat, Mitglied 
des Kirchenraths, nachmals auch Kirchenrathsdirector, wurde 
vermöge Diploms d. d. 9. Juni 1779 in den Eeichsritter- 
stand mit dem Prädicate von Hochenstadt erhoben. Er starb 
1785 2. November zu Stuttgart. Ein Enkel desselben, 
Christian Albrecht Carl Ritter von Hochstetter, geb. 1774, 
Königlich Bayerischer und Fürstlich Oettingen-Wallersteini- 
scher quiesc. Justizcanzlei-Rath wurde in die Adelsmatrikel 
des Königreichs Bayern aufgenommen. 

V. David Hochstetter, geb. 1680, Pfarrer in Darmsheim, t 1 72 ° 
verm. mit Johanna Antonio, geb. Bez. 



_ J 



- 357 — 

3.* Die Denkendorfer Linie von Johann Friedrich, Herzoglich Würt- 
tembergischem Consistorialrath, Oberhofprediger, Generalsuperin- 
tendenten, auch Probst zu Denkendorf, verm. mit ttenophefa, 
geb. Hauber von Kirchheim u. Teck, geb. 1640, t 1720. 
In dieser letzterwähnten Linie zeichnete sich unter den Theo- 
logen besonders der Sohn Johann Friedrich's, 

Jacob Friedrich Hochstetter, aus. Derselbe wurde den 6. Decbr. 
1663 zu Zavelstein, wo sein Vater damals Pfarrer war, geboren** 
und widmete sich ebeifalls dem Studium der Theologie. Im Jahr 1689 
kam er, nachdem er vorher auf verschiedenen Pfarreien vikarirt hatte, 
als Informator des Prinzen Carl Alexander von Württemberg an den 
Hof nach Stuttgart Hierauf wurde er Diaconus in Tübingen 1692, 
Pfarrer in Lustnau und Special-Superintendent in Bebenhausen 1707, 
Rath und Prälat des Klosters Murrhardt (nach Absterben des Prälaten 
Georg Ehrenreich Remmelin), 1738 t 3. August 1739. 

Seine Gattin war seit 11. Juli 1693, (dem unglücklichen Tage, 
an dem die feindliche französische Armee unter dem Commando des 
Dauphin abermals ins Land eingefallen war, auch die Stadt Vaihingen 
a. d. Enz in Asche gelegt hatte, so dass Jedermann aus Schrecken 
die Flucht ergriff), Maria Philippina, Tochter des Herzoglich Würt- 
tembergischen Cammerraths und Kastkellers Faber in Stuttgart. 
Aus dieser Ehe sind folgende Kinder hervorgegangen. 
I. Maria Philippina, verm. mit dem Pfarrer in Frickenhausen 

Johann Rebstock. 
EL Regina Margaretha, verm. mit dem Special-Superintendenten 

und Stadtpfarrer in Göppingen Gottlieb Helfferich.*** 
III. Christoph Friedrich Hochstetter, Pfarrer zu Beihingen am 
Neckar, verm. mit Sophia Maria , Tochter des Professors in 
Tübingen Christian Neu. 



* Die weiteren 2 HochsMUr'Bchen Linien siehe unter Seite 361. 
** (Tnter seinen Tanfpathen sind genannt die Prinzessin Antonio von Württem- 
berg, sowie Jacob Friedrieh von Bomoinghanten. 

*** Ebenfalls einer um Württemberg verdienten Famüie entsprossen. 



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- 858 - 

IV. Johann Andreas Hochstetter, Diaconus in Marbach, verm. mit 
Justina Regina, Tochter des Herzoglich Württembergischen 
ßaths und Abts in Murrhard, auch engeren Landschaftsaus- 
8chus8-As8essor8 Conrad Haselmejer. 
V. Johann Friedrieh Hochstetter, Herzoglich Württembergischer 
Rentkammer-Expeditions-Rath , verm. I. mit Juliana, Tochter 
des Herzoglich Württembergischen Rentkammer-Expeditionsratbs 
Ferdinand Hopfenstock, II. mit Johanna Friederika, Tochter des 
Herzoglich Württembergischen Kriegsratbs und des Schwäbischen 
Kreises Ober - Kriegscommissärs Johann Friedrich Oetinger. 
VI. Jacob Friedrieh Hochstetter, Vogt in Nürtingen, verm. mit 

Margaretha, geb. J fidler. 
VII. Christian Hochstetter , Kaufmann, verm. I. mit Anna Sibylla 
geb. Kirchlln, II. mit Sophia Catharina, geb. Wal«. 

Unter den jüngeren Gliedern ist zu nennen: 
Johann Heinrieh, Urenkel des Johann Friedrich, Prälaten in 
Denkendorf, Dr. jur., Sohn von Joh. Heinrich, Diaconus in Calw und 
Ludwigsburg und Friederike Salome, geb. Liesehing von Nürtingen. 
Er war geb. 1751 in Ludwigsburg, studirte zuerst Theologie, ging 
aber zur Rechtswissenschaft über, wurde Professor an der Herzog- 
lichen Karls- Akademie in Stuttgart, erhielt 1787 einen Ruf als Syn- 
dikus nach Frankfurt a. M. und kehrte von dort 1793 in das Vater- 
land zurück, da er von der Landschaft zum Landschaftskonsulenten 
bestimmt worden war. In dieser Stellung zeigte er sich als uner- 
schrockenen Vertheidiger der Landschaft. Daher auch die Landschaft 
nach seinem frühen Tode 1796 znm Zeichen der Dankbarkeit die 
7 vaterlosen Waisen für Kinder des Vaterlandes erklärte, und den- 
selben von Vaterlands wegen den Prof. Drück in Stuttgart zum 
Vormund setzte, auch der Wittwe, neben der Pension, eine namhafte 
Summe zur Erziehung der Kinder aussetzte. 

Seine Frau war Christiana, Tochter des Rektors Schlegel in 
Heilbronn. 

Per Sohn dieses Joliann Heinrich war: 



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— 359 — 

Christian Ferdinand Hochstetter, Professor und Stadtpfarrer 
in Esslingen, geb. 16. Februar 1787 in Stuttgart. Besuchte das 
Gymnasium seiner Vaterstadt, studirte hierauf in den Seminarien und 
dem theologischen Stifte zu Tübingen. Seine Universitätsstudien 
wurden indess 1808 dadurch unterbrochen, dass sich Hochstetter mit 
mehreren Gleichgesinnten (Wagner, Beichenbach, Georgii u. A.) zu 
dem Otahaiter-Bund vereinigt hatte, welcher auf Otahaiti ein neues 
Utopien gründen wollte, aber der Regierung als staatsgefährlich ge- 
schildert worden war, so dass die Verhaftung der Mitglieder, sowie 
eine 70tägige Einsperrung derselben auf dem Schloss erfolgte. 
Später begab sich Hochstetter nach Erlangen, wirkte daselbst 6 
Monate an einer Privatanstalt als Lehrer, dann 4 Jahre lang als 
Haaslehrer in dem Hause des Ministers von Ältenstein, beschäftigte 
sich in, der Freizeit auch mit Botanik und kam zuweilen mit Wüdenow 
und Boucht in Berührung. 1816 folgte er einem Kufe als Prediger 
und Schulinspector der protestantischen Kirche in Brunn (Mähren), 
eine Stelle, neben der er bald darauf auch das Seniorat über mehrere 
evangelische Gemeinden Mährens übertragen erhielt. Während seines 
Aufenthalts in Brunn legte er eine Sammlung von Pflanzen des 
Brünner Kreises an, beschäftigte sich ferner mit Mineralogie, indem 
er eine Sammlung für seine Schule anlegte, 1819 kehrte er in die 
Heimath zurück, erstand das Professoratsexamen und kehrte hierauf 
wieder nach Brunn zurück. 1824 wurde er zum Professor an dem 
Schullehrerseuainar in Esslingen ernannt, wohin er nach 8 jährigem 
Wirken in Brunn und ehrenvoll beschenkt von der dortigen Gemeinde 
und von ihren Segenswünschen begleitet im Mai 1824 übersiedelte. 
Katechetik, Naturgeschichte, Physik, Mathematik, deutsche Sprache 
hatte er in seinem neuen Amte zu lehren und bald übernahm er 
auch den Religionsunterricht in einer mit dem Seminar verbundenen 
Musterscbule für Mädchen. Ende 1825 wurde ihm auch die erledigte 
Diakonatpfarrei übertragen. In Esslingen hatte er an Dr. E. Steudel 
einen eifrigen Botaniker gefunden, an den er sich bald nahe anschloss. 
Sie gaben 1826 einen Ueberblick der deutschen und schweizerischen 



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- 360 — 

Flora heraus : , Enumeratio plantarum Germaniae Helvetiaeque indige- 
narum. Stuttgart, Cotta 1826. Ferner stifteten sie zusammen den 
botanischen Reiseverein und sandten der Reihe nach jüngere Botaniker 
aus, um die Floren weniger bekannter Länder zu erforschen. Die 
wissenschaftlichen Resultate wurden dann meist in der Regensburger 
botanischen Zeitung bekannt gemacht, wodurch Hochstäter mit den 
ausgezeichnetsten Botanikern Deutschlands und der Nachbarländer 
in vielfachen Verkehr und Freundschaft kam. 1829 wurde er zum 
zweiten Stadtpfarrer ernannt und starb, nachdem er einige Jahre 
zuvor um Enthebung von dem letzteren Berufe gebeten, sein Lehramt 
indess bis an sein Ende fortgesetzt hatte, 1860 den 20. Februar, 
im 75. Jahre seines Alters. Er veröffentlichte viele Schriften, auch 
im Gebiet der Theologie und Pädagogik. Bekannt sind namentlich 
seine Naturgeschichte, Botanik und Mineralogie. 

Seine 1. Gattin war seit 1814 eine geb. Schmidt von Berlin 
t 1815 ; die IT. seit 1817, eine Tochter des Brünner Fabrikanten 
Leidenfrost, t 1818; die III. seit 1819 die Wittwe eines Kaufmanns 
Orth, t 1825; die IV. die Schwester seiner dritten Gattin, ans 
welch letzteren 3 Ehen 5 Söhne und 3 Töchter hervorgegangen sind. 
Von diesen Söhnen gründete der ältere, Karl Hochstetter, in Mähren 
mehrere grossartige Fabrikgeschäfte; der zweite, Wilhelm ist 
Universitätsgärtner in Tübingen; der dritte, Dr. Ferdinand Hoch- 
stetter, Geolog und Physiker, hat als Naturforscher mit der K. K. 
Fregatte Novara-Expedition glücklich die Beise um die Welt vollbracht 
und am Polytechnikum in Wien eine Anstellung als Professor er- 
halten und ist auch von dem König von Württemberg mit dem Bitter- 
kreuz des Kron-Ordens beehrt worden; ein vierter weilt als Apotheker 
in Chili, und von den Töchtern verheirathete sich eine sehr glücklich 
nach Neapel, hat aber jetzt ihren Aufenthalt in Stuttgart. Die 
jüngere hat in Verbindung mit Fräulein v. Prieser ein Töchter- 
pensionat in Stuttgart. 

Neben den oben Seite 351 und 357 erwähnten 3 Linien der 
Familie Hochstetter sind ferner aufzuführen: 



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— 361 — 

4. Die Anhauser Linie von Johann Sigmund, Prälat in Anhausen 
t 1718. 

5. Die Weinsberg-Nenenstadter Linie von Johann Ludwig, Stadt- 
pfarrer in Weinsberg, t 1693. Von ihm stammen mehrere 
Bürgermeister in Neuenstadt a. d. Linde ab. Unter den Geist- 
lichen dieser Linie ist bekannt: 

Gottlob Ludwig, geb. 1790, Pfarrverweser auf Hohen- 
twiel, Pfarrer in Simmozheim, Hohengehren und Urspring. Er 
war ein vertrauter Freund von Dr. Barth in Calw und Mit- 
arbeiter an dessen Jagendblättern, sowie an den Schriften des 
Calwer Verlagsvereins. 

lieber eine Hochstelter'schQ Familienzusammenkunft, welche am 
27. Juli 1865 zu Cannstatt stattgefunden hat, enthält das betreffende 
Protokoll folgende Notizen: 

Hochstetter'sche Familien-Zusammenkunft in Cannstatt 
am 27. Juli 1865. 
Eine grössere Zusammenkunft von im Inland und Ausland zer- 
streut wohnenden Hochstettern fand seit unvordenklicher Zeit nicht 
statt; es wurde nunmehr ein solcher Tag, veranstaltet durch Herrn 
Dekan Hochstetter in Esslingen, im Wilhelmsbad in Cannstatt ge- 
feiert, und waren anwesend folgende Hochstetter: 

Carl August Bernhard, pens. Dekan, wohnhaft in Esslingen, 

nebst Tochter. 
Ferdinand Friedrich, Stadtschultheiss in Dornhan. 
Friedrieh, Regierungs-Revisor in Ludwigsburg, nebst Sohn und 
Neffen, Sohn des Christoph Friedrieh, Dom.-Raths in 
Langenburg. 
Wilhelm, Rechtskonsulent in Kirchheim. 
Paul, Pfarrer in Stuttgart, nebst Frau und zwei seiner Kinder. 
Friedrieh, Oekonomie-Rath in Hohenheim. 
Karl Heinrieh, Stadtpfarrer in Waidenburg. 
Hermann, Pfarrer in Merklingen. 
Karl Christian Friedrieh, Fabrikant in Hruschau, nebst Sohn. 



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— 362 — 

Christi a u, Conditor in Ludwigsburg. 

Karl, Oberjustiz-Sekretär in Esslingen, nebst Kind. 

Eduard Friedrich, Pfarrer in Gutenberg. 

Wilhelm Christian, Universitätsgärtner in Tübingen, nebst Frau 

und drei seiner Kinder. 
Christian Gottlob Ferdinand, Professor in Wien. 
Riehard, Apotheker in Stuttgart. 
Wilhelm Heinrich, Pfarrer in Möhringen. 
Christian Albert, Apotheker in Esslingen, und seine Schwester 

Sophie. 
Christian Patriz Gotthard, Assistent in Gingen. 
August Friedrich, Theolog. stud. in Tübingen. 

— . . 32 Hochstetter, 
Pfarrer Hochstetter aus Gutenberg begann im Namen der Ver- 
einigten mit folgendem Gebete: 

Himmlischer Vater, der du ein Vater bist über alles was Kinder 
heisst im Himmel und auf Erden, und der du deine Kinder auf 
Erden gern erfreust, wir danken dir, dass du auch uns heute einen 
Tag der Freude geschenkt hast. Wir bitten dich, segne uns an dem 
heutigen Tage nach deiner Güte; wir befehlen uns, die anwesenden 
Glieder unserer Familie, in deine Hand, wir befehlen dir ebenso die 
abwesenden Glieder, die fröhlichen wie die trauernden. Leite du 
unser aller Wege nach deinem gnädigen Willen und bring uns einst 
in dein ewiges, himmlisches Vaterhaus. Amen. 
Pfarrer Hochstetter aus Stuttgart sprach: 
Verehrte Freunde des Hochstetter 'sehen Stammes und Namens! 
Erlauben Sie mir, dass ich Sie zunächst in die Vergangenheit führe. 
Es sind jetzt mehr als zwei Jahrhunderte verflossen, als zu Konrad 
Hochstetter in Kirchheim, unserm gemeinsamen Stammvater, welcher 
in höherem Lebensalter noch viel unversorgte Kinder um sich ver- 
sammelt sah, einer seiner Bekannten sagte: aber, wie wird es diesen 
Kindern nach dem Tode des Vaters ergehen I »0 wohl, wohl, Gott 
wird schon sorgen« — antwortete Konrad Hochstetter mit bewegter 



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— 863 — 

Stimme. Dieses Gottvertrauen des ehrwürdigen Mannes ist auch 
nicht zu Schanden worden. Nicht allein sind fünf seiner Söhne in 
ausgezeichneter Weise versorgt worden und hat jeder von ihnen eine 
Linie gestiftet, welche heute noch hlüht, sondern auch seine Enkel 
und Urenkel hahen sich im Laufe der Zeit so weit ausgehreitet, dass 
der Literarhistoriker Haug im Jahr 1780 vierhundert Glieder zählte 
und dass heute die Zahl von tausend Nachkommen um ein gutes 
überschritten sein wird ; dass das Geschlecht- der Hochstetter, welches 
jetzt in das siebente und achte Glied der Abstammung sich verzweigt 
hat, nur an Mitgliedern des Mannsstammes, welche in das reifere 
Lebensalter eingetreten sind, einen häuslichen Heerd gegründet und 
einen bestimmten Lebensberuf ergriffen haben, über achtzig zählt; dass 
die Hochstetter, welche von Württemberg, vom Fuss der schwäbischen 
Alb ausgegangen sind, nunmehr in fast allen Hauptstädten Europa's, 
in Paris, London, Berlin, Wien, Petersburg, Konstantinopel, Neapel 
sich niedergelassen haben, nach Indien, China, Nordamerika gekommen, 
und im eigentlichen Sinne die Erde durchschritten sind. Meine ver- 
ehrten Freunde! Das Geschlecht der Hochstettar hat immer eine ge- 
wisse Familienpietät und Tradition zu bewahren gesucht. Daran 
wollen auch wir festhalten. Das Zeitalter, in welchem wir leben, 
macht sich durch eine Zersplitterung der Bestrebungen und Interessen, 
durch ein zu schnelles Blühen und Verblühen merklich; der eine 
kennt den andern nicht und will ihn nicht kennen lernen, er geht 
fremd an ihm vorüber und einzig seinem Geschäfte nach. Das was 
man mit dem Ausdrucke »familienhaft» bezeichnet, kennt man nicht 
mehr in allen Häusern. Wir, meine Freunde, wollen unsers gemein- 
samen Stammes und Bandes froh bleiben. Unser Geschlecht ist ein 
bürgerliches Geschlecht: die acht bürgerlichen Tugenden eines häus- 
lichen Sinnes, der Ordnungsliebe, der Arbeitsamkeit und Berufstreue, 
vor allem die Furcht Gottes, welche der Weisheit Anfang ist, wollen 
wir auch fortan in unsern Familien pflegen, wollen sie unsern Kin- 
dern einprägen. Durch sie haben unsere Vorfahren das Glück ihres 
Lebens erkannt und gefunden; 



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— 364 — 

ein Conrad Hochstetter, Special zu Kirchheim und Nürtingen, 
welcher seinem Wahlspruche gemäss in silentio et spe »in Stillesein 
nnd Hoffen« (Jes. 30, 15) lebte und daraus seine Stärke schöpfte; 

ein Johann Friedrieh Hochstetter, Prälat zu Denkendorf, wel- 
cher den Psalmvers, »mihi vero Deo adhaerere bonum est« sich vor- 
hielt, (das ist meine Freude, dass ich mich zu Gott halte, Ps. 73, 28), 
und zu welchem sanften, mildgesinnten Manne als ihrem Grossahn die 
zahlreichen Friedriche unter den Hochstettern aufblicken, die im 
Frieden Gottes gelebt und gewirkt haben ; 

ein Johann Andreas Hochstetter, Prälat zu Bebenhausen, wel- 
cher kräftige Charakter als ein Patriarch in seinem Kreise waltete 
und für die Kirche dieses Landes wie nicht minder für die Einrich- 
tungen und Freiheiten im Staat viel Segen brachte; 

ein Andreas Adam Hochstetter, Oberhofprediger in Stuttgart, 
welcher als Bector der Universität zu Tübingen starb, nachdem er 
seine Unerschrockenheit in dem Bekenntniss der Wahrheit seinem Landes- 
fürsten gegenüber bewährt hatte, und welcher auch, dass ich nichts 
vergesse, der Vorgänger aller der reiselustigen Hochstetter ist, denn 
er ist als junger Stiftler der Ersten Einer, schon vor 180 Jahren, 
nach Holland und übers Meer nach England gezogen, was zu jenen 
Zeiten eine Seltenheit war und hat die Früchte seiner gelehrten Reise 
in einem Buche: »von dem Nutzen der Reise nach England« nieder- 
gelegt Ihrer aller, der . Reiselustigen und der zu Hause Thätigen, 
der Friedliebenden und doch Mannesmuthigen, wollen wir als wackerer 
Vorbilder eingedenk bleiben, treu unserer gemeinsamen Abstammung, 
wie das Wappenschild unserer Familie uns mahnt, treu uns selbst, treu 
ein jeder in dem von Gott ihm anvertrauten Berufe. 

So lassen Sie uns denn in unsere besten Wünsche einschliessen 
alle Abkömmlinge von Konrad Hochstetter, die heute leben und blühen, 
alt und jung, nah und fern, alle Hochstetter, sie sollen leben und 
blühen, sie leben hoch! 

Nach sich anschliessendem freien Austausche fuhr Pfarrer Hoch- 
stetter aus Stuttgart fort : 



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— 365 — 

Das Geschlecht der Hochstetter ist ein gesegnetes auch dadurch, 
dass viele seiner Glieder ein hohes Lebensalter erreicht haben. Gleich 
unser Stammvater: 

Konrad , wurde 78 Jahre alt, und er starb — heisst es in den 
Personalien — > obgleich seiner Augen Licht noch nicht erloschen 
und seine Kraft noch nicht zerfallen war.« Und denken wir daran, 
dass er nicht wie wir friedliche und stille Zeiten gesehen hat. Seine 
Lebenszeit, seine ganze Amtszeit fiel in die Zeit des dreissigjährigen 
Kriegs und da ist in mehr als Einem Jahre Verheerung, Plünderung 
und Baub über seinen Wohnort und sein Haus ergangen, ist er mehr 
als Einmal in Gefahr dos Todes geschwebt bei Ausübung seines Be- 
rufes, selbst auf der Kanzel bei der Predigt des Wortes Gottes (wir 
wissen wie es damals unter dem Drucke der katholischen Heere 
namentlich den Geistlichen in unserm Lande ergangen ist), hat er 
als Pfarrer in Stuttgart die Pestzeit durchgemacht, wo während eines 
halben Jahres allein in der Stadt Stuttgart 36 Geistliche starben, 
und er mit freiem Erbieten es auf sich nahm, die Kranken und 
Sterbenden mit seinem Zuspruch, mit Rath und That zu versorgen, 
was er in aufopfernder Liebeserweisung mit solchem Erfolge auch in 
leiblicher Hinsicht gethan hat, dass Pfaff in seiner Geschichte Würt- 
tembergs (1. Auflage) den Geistlichen als Arzt bei diesem Anlass 
namhaft gemacht hat; und ebenso später, als er in Kirchheim war, 
starben drei seiner Helfer im geistlichen Amte kurz nach einander, 
und einer nach unmittelbarem Besteigen der Kanzel an der Pest, 
worauf Konrad Hochstetter dem Consistorium vorstellte, man solle 
ihm keine so junge, vollblütige, för den Giftstoff empfängliche Männer 
schicken, er wolle das ganze Amt allein versehen, wie er denn das 
auch treulich ausgeführt hat. Dort, in Kirchheim, wirkte Hochstetter 
zwölf Jahre zusammen mit einem Andern, welcher auch Konrad hiess, 
mit Konrad Wiederhold, so dass durch diese beiden Konrade, von 
welchen der letztere ihr weltlicher, der andere ihr geistlicher Vorstand 
war, die Stadt Kirchheim gut regiert ward. 
Gehen wir über auf Konracfs Sohn: 



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- 366 — 

Johann Andreas , Prälat in Bebenhansen ; dieser wurde 83 Jahre 
alt. Wir dürfen nur das Bild dieses Mannes betrachten, welches ich 
in Kupferstich mitgebracht habe, nnd welches in der Kirche zu Beben- 
hansen in Oel zn sehen ist, um uns zu überzeugen, welch kraftiger 
Charakter auch dieser Hochstetter gewesen ist. Ich beschranke mich, 
von ihm nur Eines hervorzuheben. Als er das Ende seines Lebens 
herannahen fühlte, sagte er zu den Seinigen, er wolle aufstehen von 
dem Bette, man möge ihm seinen Talar anlegen, einem Streiter Christi 
gezieme es, gerüstet dem Tode entgegenzutreten nnd ihm ins Ange- 
sicht zu sehen. Und so, stehend und aufrecht, erwartete er den Tod. 
Das war ein 83jähriger Mann. 

Von dieser Bebenhäuser Linie begegnen uns noch weiter: 

Augnstin, Prälat in Maulbronn 77 J. alt. 

Andreas Adam, Prälat von St. Georgen, war sein älterer, 
Christian, Prälat in Bebenhausen, war sein jüngerer Bruder. 
Christian, Eirchenraths-Director in Stuttgart . . . 78 „ „ 
Gottfried Adam, preußischer Geh.-Bath in Frankfurt . 70 „ „ 
Johann Ludwig, preußischer Geh.-Bath, in Esslingen 

gestorben 80 „ „ 

Carl Wilhelm, Pfarrer in Dettingen 73 „ „ 

Johann Amandns, Kirchenraths-Direktor , Geh.-Bath in 

Stuttgart . . 71 „ „ 

Es hat sich sofort diese Linie in ihren jüngsten Gliedern ins- 
besondere im Militärfach hervorgethan. Da begegnen uns: 

Christian Friedrieh, preussischer Oberst, welcher die preussische 
Linie stiftete. Er war der Sohn des Johann Andreas, Prälaten von Her- 
brechtingen. Sein Sohn, welcher als preussischer Oberst, gegen Napoleon 
kämpfend, durch einen Schuss in die Brust (1812) ruhmvoll fiel. 

Sein zweiter Sohn , welcher als preussischer General noch vor 
wenigen Jahren zu Berlin lebte; ferner deren 

Vetter, welcher als russischer Hauptmann gleichfalls gegen 
Napoleon kämpfte. Ihm wurde beim Einmarsch in eine feindliche 
Stadt siedendes Wasser auf den Kopf geschüttet, was ihm eine uif» 



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- 367 - 

heilbare Krankheit zuzog, an welcher er in Illenan, 74 Jahr alt, 
1849 starb. Sein Neffe, Sohn des Stallmeisters Koiirad von Hoch- 
stetter, in Berlin, begann als württ. Lieutenant in Esslingen, als 
kühner Reiter, und starb vor kurzem in Petersburg als russischer 
Oberst. Auch er fand Gelegenheit, seine persönliche Unerschrocken- 
heit an den Tag zu legen, u. A. einmal durch Bettung des Kaisers 
Nikolaus in Petersburg aus augenscheinlicher Lebensgefahr. Nach 
anderen Nachrichten war es die Kaiserin, die Pferde am kaiserlichen 
Wagen waren scheu geworden, Hochstetter war gerade in der Nähe, 
fiel den Pferden in die Zügel und brachte sie zum Stehen. Diesen 
Offizieren reihen sich noch Manche an, so aus der Denkendorfer Linie: 
Zwei Brüder, Friedrieh Ludwig und Christian Ludwig Hochstetter, 
welche beide, in Esslingen geboren und frühzeitig verwaist, in das 
Stuttgarter Waisenhaus aufgenommen und von da zum Kriegsdienst aus- 
gehoben worden sind, in welchem sie als Hauptleute den russischen 
Feldzag mitgemacht haben und in Bussland verschollen sind. 

Auch von den andern Linien, namentlich der Heilbronner, sind 
Hochstetter als Offiziere im Felde gestanden, und von der grossen 
Zahl der Geistlichen unserer Familie haben Manche ihr Amt als 
Feldprediger begonnen. 

Gehen wir zu der Denkendorfer Linie: 

Der ehrwürdige Stifter dieser Linie, Johann Friedrich, Ober- 
hofprediger in Stuttgart, und zuletzt Prälat in Denkendorf, wurde 
80 Jahre alt. Ausser vielen homiletischen Büchern hat er das heute 
noch in unsrer Landeskirche übliche Betstunden-Gebet verfasst, und 
wir können an ihn füglich anreihen die lange Folge der Geistlichen 
des Eochstetter'Behen Namens, welche his auf uns über 60 zählt, 
wesshalb man die Hochstetter zumeist als das Geschlecht anführt, 
welches vorzugsweise dem württ. Kirchendieuste sich gewidmet hat. 
Matthias Konrad, sein Sohn, Prälat von Murrhard, wurde 72 Jahr alt. 
Jakob Friedrich, dessen Bruder gleichfalls Prälat von 

Murrhard wurde 76 ,, „ 

Christoph Friedrich Pfarrer in Bittenfeld, wurde . 78 „ „ 



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- 368 — " 

Es folgen mehrere Andere, die in Staats- und Gemeideämtern 
gewirkt haben: 

Georg Friedrich, Kirchen r. Expeditionsrath in Stutt- 
gart wurde . . 72 Jahr alt 

Johann Sigmund , Klosterverwalter in Königsbronn 

wurde 70 „ „ 

Ferdinand Friedrieh, Bath in Rechentshofen wurde . 73 „ ,, 
Christian Friedrieh, Stabsamtmann in Hohenkarpfen 

wurde 70 „ „ 

Wilhelm Friedrich, Stadtrath in Winnenden wurde 83 „ „ 
Georg Christoph, Stadtrath in Möckmühl . . . . 70 „ „ 
August Friedrich, Sekretär in Stuttgart, mein s. Vater 

wurde 71 „ ,, 

Sigmund Christian, Amtsnotar in Lorch wurde . . 70 „ „ 
Johann Heinrich, Regierungsrath in Stuttgart wurde . 78 ,, „ 

Der letztere, der Herausgeber des württ. Landrechts hatte den 

Johann Heinrich, Landschafts - Consulent in Stuttgart , zum 
Enkel, dessen Kinder nach dem frühzeitigen Tode dieses Vorkämpfers 
für die Rechte des Landes von der württ. Landschaft als > Kinder 
des Vaterlands« erklärt und adoptirt wurden. 

Der von dem Regierungsrath Johann Heinrich begründete Ast 
hat sich in unsern Tagen in zwei Zweigen ausgezeichnet durch Pflege 
der Naturwissenschaften: 

Kari Wilhelm, Professor der Medicin zu Bern, starb eines plötz- 
lichen Todes auf freiem Felde, als er von einer wissenschaftlichen 
Reise von Italien zurückkehrte; seine Freunde haben ihm in der 
Kirche zu Frutigen im Berner Oberland eine Gedenktafel errichtet. 
Er war zu Leonberg geboren, in demselben Hause und Zimmer, von 
welchem nach einander drei ausgezeichnete Männer, Paulus, ScheUing, 
HochsteUer, hervorgingen. 

Karl Wilhelm, ein Mann frei von allem Egoismus, oder ihn 
wenigstens so beherrschend, dass weder Begierde nach Besitz, noch 
Sucht nach Ehre und Genuss ihn zu irgend einer Handlung be- 



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stimmten, denn diese Triebfedern des alltäglichen Lebens hatte er 
der Vernunft untergeordnet; trachtete bloa nach dem Wahren, Schönen 
und Guten, und nur das, was mit diesen seinen höheren Zwecken 
übereinstimmte, leitete seine Handlungen. Sein Wahlspruch war das 
Geüerfsche «fac ea quae moriens facta fuisse velis.» 

Durch diese edle Tendenz erhielten seine Handlungen eine 
Freiheit, die keine Furcht oder Abhängigkeit von äusseren Umständen 
kannten, eine Besonnenheit, die nicht leicht irrte, und eine Reinheit, 
die nur eine Folge des zartesten Gewissens sein kann ; sein ganzes Wesen 
gewann eine Heiterkeit und Buhe, die blos das Gefühl erfüllter Pflichten 
und tiefe Einsichten in den Entwicklungsgang der Menschheit gewähren. 

Heber das Ziel seines Lebens drückt er sich in seinem Lebens- 
buche u. Anderm so aus: 

»Ich möchte den ganzen grossen Baum des Lebens von der 
Wurzel bis zur Blüthe und Frucht anschauen und verzeichnen; was 
ich glaubend und handelnd ins Leben schicken soll, das muss auf 
dem tiefsten Grunde der Menschheit ruhen. Der reinen Wahrheit 
mich ergeben zu können, ganz und absolut, das ist meines erkannten 
Strebens höchstes Ziel, — was ist Genuss, Glück, Ehre ohne sie? 
Nur frei die Wahrheit verkündigen. Nur in der freien Seele wohnt 
die Wahrheit und sie allein ist das einzig Bleibende, nach dem wir 
streben können.« 

Ein Bruder Hochstetter s, Christian Heinrich Hochstetter, 
Medicinalrath, lebt gegenwärtig in Isny bei seinem Sohne, dem 
Stadtpfarrer Eduard Hochstetter. 

Ernst Friedrieh, der dritte Bruder, lehrte gleichfalls die Na- 
turwissenschaften, und war als Gymnasialprofessor in Stuttgart auch 
mein verehrter Lehrer. 

Der andere Zweig hat den gleichen Lebensberuf verfolgt in 
Christian Ferdinand, Professor in Esslingen, dessen frische Verdienste 
ich nicht erst namhaft machen darf, und welchem, als er, 73 Jahre 
alt, im Hochgefühle seines Lebens vor fünf Jahren starb, seine wür- 
digen Söhne den Palmenzweig auf die Bahre niederlegen durften. 

#. Oe^rgH-Qtorgenau, Biographtooh-Gene*logiBche Blätter etc. 24 



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— 37Ö - 

Gehen wir zu der Neustätter Linie, 
so begegnen uns gleich zum Anfang 

August Bernhard, Bürgermeister in Neustatt . . . 84 Jahr alt 
Friedrich August, Bürgermeister in Neustatt . . .80 ,, 
Christian Friedrich, Bürgermeister in Neustatt . . 77 „ 
Vater, Sohn und Enkel, welche nach einander in den gleichen Aem- 
tern das Wohl ihrer Vaterstadt berathen und dieselbe in der Land- 
schaft zu Stuttgart vertreten haben. Ferner: 
tiottlob Ludwig, Pfarrer in ürspring ..... 73 Jahr alt 

Karl, Kaufmann in Nördlingen 73 „ 

Friedrich Ludwig, Bürgermeister in Eppingen . .77 ,. 
Christian August, Konditor in Eppingen, welcher das 
80. Jahr erreicht hat. 

Auch die Anhäuser Linie: 

Johann Sigmund, Prälat in Anhausen, von welchem die Per- 
sonalien erzählen, dass es schon daran war, dass er, scheintodt, be- 
erdigt worden wäre, als er mit den Worten: was habet ihr mit mir 
vor? erwachte, er erreichte ein Alter von 75 Jahren. Sein Enkel 
Johann Friedrich, Prälat in Königsbronn, starb im Jahr 1749. 
Gottfried Ulrich, Pfarrer in Neuhausen .... 85 Jahr alt. 
Von der Dettinger Linie: 

Johann Ulrich, Pfarrer in Dettingen, dann in Owen 75 J. a. 
Diese alle stammen von Konrad. 

Da habe ich Ihnen nur allein solcher Uochstetter über dreissig 
angeführt, welche in das siebente und achte Jahrzehnt ihres Lebens 
aufgestiegen sind, in Bewahrheitung des Spruches: des Menschen 
Leben währet 70 Jahre, und wenns hoch kommt 80 Jahre, und — 
haben sie alle erfahren — wenns köstlich gewesen ist, so ist es 
Mühe und Arbeit gewesen. Sie ruhen in Frieden! 

Gedenken wir der Lebenden, so steht der Senior der Hochstetbr, 
Medicinalrath Christian Heinrich, welcher durch seine vielerprobte 
Kunst Vielen zur Gesundheit und zu einer gleichfalls hohen Alters- 
stufe mitverholfen hat, im 85. Lebensjahre. Er konnte freilich nicht 
unter uns heute erscheinen. 



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- 371 - 

Aber als verehrter Senior weilt heute unter uns Herr Dekan 
Karl August Bernhard Hochstetter, welcher schon vor mehr als 
einem Menschenalter in dieser Stadt als ihr geistlicher Vorstand und 
in der Umgegend segensvoll gewirkt und nunmehr in Geistesfrische 
das 75. Lebensjahr zurückgelegt hat. 

Herr Dekan Hochstetter, unser Senior, er lebe hoch! 

Nach der Mittagstafel ergriff Dekan Hochstetter aus Esslingen 
ein 150 Jahre altes mit dem Hochstetter' 'sehen Familienwappen ge- 
ziertes Trinkglas, welches die Runde machte, spracli den Versammelten 
för ihr Erscheinen den Dank aus, und fügte seine herzlichen Wünsche 
an für das beste Blfihen und Gedeihen bis in späte Zukunft. 

Es wurden Stammbäume vorgezeigt und ergänzt, Bilder von 
alten Hochsiettern eingesehen und Photographieen ausgetauscht ; manch- 
fache Nachrichten über Hochstetter aus Vergangenheit und Gegenwart 
wurden im Andenken aufgefrischt und erhöhten die Stimmung. 

Der schöne Tag verstrich unter vollkommen befriedigendem 
freundlichem Zusammensein, und allseitig gab der Wunsch sich kund 
nach zeitweiliger Wiederholung einer solchen Vereinigung der Hoch- 
Steuer zur Pflege nahem Bökanntwerdens und zur Kräftigung eines 
wohlberechtigten Familienbewusstseins. 

Das Fürstlich Württembergtache Dienerbuch enthält folgende höhere Beamte des 
Namen« Hochatetter (Böchatetfr) : Cl.Pfleger 363, 278; Fürst Informator 198 : Paedagogarcba 
5«2: Pfarrer 607. — Andr., Decan 395. — Andr. Adam, Abt 335; Hofprediger 192. — Andr. 
Bnrrkh., Amtmann 431. — August in, Abt, 289, 299, 313; Special8uperintendent 259.— Carl 
PrUL, CantxleiAdTOC. 95.— Chrirtian, Abt 267; Exped.Rath 145; Kirchen-R.Director 143.— 
Cowr., Diacon 548; Pfarrer 547; StiftaDiacon 560. — Conr. Ferd. , 8tattachreiber 008. 

- Eberhard Frid., Och. Secretar 35. — Ferd. Conr., Vogt 606. — Ferd. Frid. , CLHof- 
melater 349. — Frid. Aug , OantaleiAdYOc 95; Vogt 371. — Frid. Siom., CantalelAdvoc. 
M. — Georg Frtdr., Regiatrator 83 ; Visitat.ßecretar. 158. - Joe. Frid, Abt 327. — Joh. 
Amand., Geh. Secretar. 34. — Joh. Amand. Andr., Exped.Rath 147 ; Kirohenli.Director 143. 

- Joh. Andr., Abt 227, 312; Ol .General 235; Pfarrer 434, 489; Probat 296; StiftaDiacon 
•»51. — Joh Frid., Abt 299; Exped.Rath 112; GaisU. Rath im Consist. 137; Hofprediger 
192; Koller 535; Pfarrer 512; Probat 275, 295. — Joh. Ifrinr,, Ehoger Secrntar. 81; Hof- 
S*»r.8eeretar. 80; Reg.R-Secretar. 72; RcnthCh.Secretar. 125. — Joh. Mich., Cl.Pfleger 285, 
m. 334. - Joh. Siarn., Abt 252; Cl.Pfleger 241; Vogt 301. — Matthffua Conr., Abt 289 
327 — Wilh Frid., Special 601. 



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Holder.* 

Heinrich Helder, Baumeister (Steinmetz) in Erfurt, geboren in 
Wandersleben bei Gotha. Dessen Sohn: 

Johannes Helder, M., geb. 1551 zu Erfurt, Hofprediger nnd 
Superintendent in Gotha, t daselbst 1621. Dessen Söhne: 

1) Bartholomäus Helder, geb. zu Gotha, Pfarrer in Renstädt 
bei Gotha, bekannt als Dichter und Componist geistl. Lieder. 

2) Christoph Helder, t 1637 als 31 jähriger Vogt in Neu- 
lingen. Gattin : Waldburga, Tochter des Pfarrers zu Nabero 
Christoph Baier, t um 1650. Sohn: 

Johann Conrad Helder, geb. 1611 in Neidlingen, DiaconnsiD 
Kirchheim 1637, Pfarrer in Dettingen 1646, inNeidlingen 1650 bis 1662. 
Vermählt mit: Anna Maria, Tochter des Diakonus in Kirchheim nnd 
nachmaligen vieljährigen Rectors des evangelischen Collegiums zu St 
Anna in Augsburg, Professors in Tübingen, Peter Meiderlin. Sohne: 
1. Johann Christoph Helder, Pfarrer zu Hafnerhaslach 1675, zo 

Bieringen 1690, zu Oberwälden 1693-1713. Dessen Sohn, 

Christoph Otto, war zuletzt Pfarrer in ßesenfeld 1734 bis 1754. 
II. Johann Conrad Helder, Keller** in Asberg, dann Kriegsrath in 

Stuttgart. Gattin: Philippine Benedicta, geb. Moser, geb. 16 

Aprü 1661. Söhne: 

1) Carl Ludwig Holder, Üentkammer-Secretär. 

2) Benjamin Benedict, Reg. Baths-Secretär, t 1741, Gattin: 
Maria Elisabeth, Tochter des ritterschaftlichen Consulenten in 
Tübingen Christoph Casimir Obrecht. Söhne: 

* Der Name wurde erat im Jahr 1702 von Kriegsrath J. C. WH<Ur mit oe, «*- 
her immer mit e geschrieben, erat von da an datirt die moderne Schreibart HSdtr 
s. u. a. das Fremdenbuch von Hohentwiel im K. Staatsarchiv, nnd das Taufbuch von 
Neidlingen, (O.A. Kirchhelm). 

** Militärische Verwaltungsbeamte. 



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— 878 — 

I. Johann Karl Holder, geb. 1709, t 1776, zuletzt Spezialsuper- 
intendent in Waiblingen. Gattinnen: 1) Maria Christiana, geb. 
Clemens von Zuffenhausen; 2) Maria Kleopha, geb. Leger von 
Fellbach. Söhne 2. Ehe: 1) Philipp Adam Holder, Karlsschüler, 
Dr. der Mediän (in Tübingen), geb. 1757, 1 1813, K. Russ. Hofrath 
und Ritter verschiedener Orden. 2) Lebrecht Benjamin Holder, 
geb. 1749,preuss. Offizier zu Tilsit. (Todestag unbekannt.) 3) Fried- 
rich Karl Holder, ritterschaftlicher (Kanton Odenwald) Rechnungs- 
kommissar in Kochendorf, geb. 1754, f 1805. Gattin: Juliane 
Margarethe, Tochter des Justizamtmanns Hirsch in Albers- 
hausen, f 1836. Söhne: a. Friedrich Wilhelm Holder, Amts- 
notar in Laufen a. Neckar, geb. 1786. Gattin: Friederike 
Wilhelmine, Tochter des Pfarrer Binder in Zaberfeld. b. Fried- 
rich Ludwig Ferdinand Holder, geb. 1791, Rentbeamter in Ber- 
wangen. Gattin: Henrike, Tochter des Stadtpfarrers Haab in 
Schwaigern, c. Karl Ludwig Damlan Holder, geb. 1796, Rent- 
beamter in Fürfeld. Gattinnen : I. Karoline, Tochter des Justiz- 
amtmann H5sner, kinderlos ; II. Magdalene, Tochter des Baier. 
Rentamtmann von Sauer in Eurendorf (Franken). 
II. Daniel Benedict Holder, geb. 30. Sept. 1713, Canzlei-Advocat in 
Stuttgart; t in Maulburg bei Basel 24. März 1805. Verfasser 
der Schrift: Die Zeiten des neuen Bundes, aus der Offenbarung 
Jesu Cliristi und den Danielischen Weissagungen. 2 Theile. 
Frankfurt und Leipzig. 1777. Gattin: Juliane Christiane Beate, 
geb. 1. März 1833, Tochter des Hofmedicus und Stadtphysikus zu 
Stuttgart F. 6r. Orth aus dessen 2. Ehe mit A. M. Mögling. 
IU. Christoph Ferdinand Holder, geb. 1712, t 1783, Physikus in Waib- 
lingen, verm. I seit 25. Sept. 1736 mit Christiana Barbara, 
Tochter des Med. Dr. und Physikus in Herrenberg David Brod- 
beck, t 1748; II. mit Julie Margaretha, geb. Lavenstein. 
1) Sohn erster Ehe: Christof Benedict Holder, geb. 6. Febr. 1740, 
t als Pfarrer in Ruith den 9. Mai 1802, verm. den 6. October 
1772 mit Christiana Magdalena, Tochter des Pfarrers in Höfingen 
Joh. Jacob Kumpel, welcher Ehe 17 Kinder entsprossten. 



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— 374 - 

Erwachsene Sühne: a. Benjamin Ferdinand Christoph, geb. 
24. Febr. 178G, verunglückt an der Küste von Frankreich 26. März 
1806. b. Friedr. Christoph Benedict Holder, geb. 19. Mai 1781, 
Gerichtsnotar in Stuttgart, verm. 10. Sept. 1811 mit Christiana 
Angnsta, Tochter des Pfarrers in Degerloch Friedr. Heinr. Georgii, 
(dessen Sohn, Wilh. Aug. Georgii, Professor med. in Tübingen, 
mit einer Schwester Friedr. Christoph Haiders vermählt war). Sohn : 

Hermann von Holder, Dr. med. &c, Oberraedicinairath, Ritter 
des Ordens der Württemb. Krone I. Klasse <fcc, geb. 17. Oct. 
1819. Gattin: Engenie, Tochter des Ober-Kriegsrath von Schult- 
heiss in Stuttgart, geb. 9. Juli 1823. 

2) Söhne zweiter Ehe: 
Johann Christian Holder, geb. 22. Febr. 1742, Kirchenraths- 
Expeditionsrath in Stuttgart, f H. Juni 1786, verm. 4. Juni 1705 
mit Elisahetha Friedrike, Tochter des Probsts in Herbrechtingeu 
Andr. Hochstetter, welcher Ehe ein Sohn entsprosste Namens 
Friedrich Augast, Secretär in Stuttgart, f als Registratur beim 
Steuerkollegium. 

Carl Ferdinand Holder, geb. 21. Mai 1752, Kloster-Verwalter 
in Bebenhausen, t 28. August 1789. Gattin: seit Oct. 1775 
Eberhardine Elisabeth, Tochter des Expeditionsraths Lang. Kinder: 

1) Christian Gottlieb, geb. 20. Oct. 1776, Professor am Gymnasium 
in Stuttgart. 1 1850. Gattin: seit 10. Juli 1806 Caroline, geb. 
Ganpp. Söhne: a) Otto, geb. 13. März 1811, Prof. in Stuttgart. 
Gattin : Pauline, Tochter des Kriegsraths von Ströbei. b) Adolph 
Gottlieb, geb. 30. Nov. 1807, t als pensionirter Oberjustizrath. 

2) Carl Friedrich, geb. 24. Aug. 1783, Kaufmann in Stuttgart, f iu 
Oeffingen 1839, verm. seit 30. April 1815 mit Charlotte Friede- 
rike, geb. Ganpp. Söhne : a) Ewald, geb. 2. Mai 1 824, Kauf- 
mann in Pforzheim, b) Paul, geb. 28. Dez. 1826, Kaufmann 
in Stuttgart. 

3) Eberhard Ludwig von Holder, geb. 21. Dez. 1788, Kriegsratbs- 
Direktor in Stuttgart, Mitbegründer und Vorstand der Privat-Feuer- 
versicherungs- Gesellschaft, früheres langjähriges Mitglied des Kura- 



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— 375 — 

toriums and Gesammt- Ausschusses der allgemeinen Rentenanstalt, 
ehemaliger Vorstand der Rottenburger Wittwen- und Waisenpeu- 
sionsanstalt, Bitter des Kron-Ordens, flh. Octbr. 1861, 72 Jahr 
alt. Gattin: seit 25. Juni 1818 Louise, Tochter des Pfarrers in 
Münster bei Cannstatt Joh. Friedrich Franz Mittler. Sohn : 
Julius Ton Holder, geb. 24. März 1819, Dr., Rechtsanwalt, 
Beichstagsabgeordneter, Präsident der Kammer der Abgeordneten, 
Commenthnr des Kronordens. Gattin: seit 18. Juli 1850 Marie, 
Tochter des Pfarrers Ludwig Gfeorgii in Gaisburg, welcher Ehe 
2 Söhne und 5 Töchter entsprossten. 

c. Friedrich Benjamin Holder, geb. 7. April 1754, Oberamtsarzt 
in Waiblingen, t 25. December 1823. Gattin: Juliane Friederike 
Rosamunde, Tochter des Med. Dr., badischen Raths und Hof- 
medicus Joh. Franz Textor. Sohn: Friedrich Wilhelm, geb. 
21. Oct. 1796, Revierförster in Bermaringen, t als Revierförster 
in Mochenthal; Gattinnen: I. Regina Dorothea, geb. Blumeuschein, 
II. Wilhelmine, Tochter des Pfarrers Rdsler in Bermaringen. 

d. Ludwig August Holder, geb. 16. Mai 1756, Rentbeamter in 
Gaildorf, t als O.-A.-Pfleger in Aalen. Gattin: Friederike Willicl- 
mine Louise, geb. Faber, geb. 24. Februar 1763. Sohn: Johann 
Carl, Pfarrer in Neilingen, zuletzt in Münchingen. Gattin: seit 
10. Juni 1819 Auguste Friederike Amalie, Tochter des Pro- 
fessors Beuss in Tübingen. 

e. Ernst Wilhelm Gottfried Holder, geb. 22. Aug. 1761. Kloster- 

Verwalter in Bebenhausen, t 1796. Gattin: seit 25. October 
1789 Charlotte Christiane Kosine, geb. Ebner. Söhne: 1) Carl 
Christian Wilhelm, geb. 4. Juni 1792, Kaufmann in Ulm, verm. 
10. November 1818 mit Johanna, Tochter des Dr. med. Hierlcn 
in Ulm. 2) Ludwig Friedrich Ferdinand, geb. 6. December 1 793, 
Finanz-Kammer-Assessor in Ludwigsburg. — 

Das Fürstlich Württembergische Dienerbuch enthält folgende höhere Beamte 
de« Namens Holder: Cautzlei*Advoc. 96; Kirch.RathsRenovat Revisor 165. — Bened. 
Bf»j., O.B.Secretar. 71 — Carl Ferd., Ci. Verwaltter 260. — Carl Ludw., RenthCh.Recre- 
tar. 12«. — Christoph, Vogt 469. — Dan. Bened , CantzleiAdvoc. 95. — Joh. Carl, Special 
601. — Joh. Christian, Expcd.-Rath 147 ; Kirch.Cast*Verwalter 149 ; RechenbanckhsRath 151 



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Hofacker, Hoffacker. 

M. Wilhelm Gustav Lndwigr Hoffacker, Pfarrer, wurde den 
15. April 1798 zu Wildbad geboren. Sein Vater, Carl Friederich 
Hoflacker, war Stadtpfarrer und Amtsdekan zu Stuttgart, ein edler, 
charaktervoller Mann, t 1824; der Grossvater Wilhelm Friederich 
Hoffacker, Stadt- und Amtsschreiber in Nagold, t 1790; der Ur- 
grossvater Carl Sigmund Hoflacker, Stabsamtmann in Böhringsweiler, 
f 1743; der Ururgrossvater Carl Christoph Hoffacker, Stadt- und 
Amtsschreiber zu Sulz, t 1687; der Urur-Urgrossvater Georg Ulrich 
Hoffacker, Stadt- und Amtsschreiber ebendaselbst, f 1677. 

Der erstgenannte M. Wühelm Hofacker wurde nach Absolvi- 
rung des Studiums der Theologie Pfarrer in Rielingshausen und starb 
daselbst, erst 30 Jahre alt, den 18. Nov. 1828. Seine Predigten, 
die nicht weniger als 8 Auflagen erlebten, beurkunden den Eingang, 
den seine lebendige und eindringliche Predigtart gefunden. Ein 
Bruder von ihm: 

Wilhelm Friederich Immanuel Hoffacker, geb. den 1 16. Febr. 
1805 zu Gärtringen bei Herrenalb, studirte ebenfalls Theologie, 
ward nach Absterben seines vorbenannten Binders Pfarrvicar zu 
Rielingshausen , machte hierauf grössere Reisen nach Elberfeld, 
Barmen, Hamburg, Bremen, Kiel, Wittenberg, Halle, Leipzig, Berlin, 
in welch letzterer Stadt er sich längere Zeit aufhielt, und kehrte 
nach halbjähriger Abwesenheit wieder ins Vaterland zurück. Im 
Jahr 1830 wurde er als Repetent in das theologische Seminar nach 
Tübingen berufen, kam hierauf als Stadtvicar nach Stuttgart, 1833 
als Diaconus nach Waiblingen, 1835 aber in gleicher Eigenschaft 
zu St Leonhard nach Stuttgart, wo er den 10. August 1848 allge- 
mein betrauert starb. 

Seine Ehegattin war Louise, Tochter des Staatsministers 
von Weokherlim 



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— 377 — - 

Stadtpfarrer Knapp sagt in seiner auf den Tod Hoffackers 
in der St. Leonhardskirche in Stuttgart gehaltenen Predigt: 

„An die goldene Kette der aaserwählten Rüstzeuge Gottes in 
unserer Stadt, an die Namen eines Hedinger, G. C. Rieger, Hoch- 
stetier, Tafinger, J. C. und 6. Chr. Storr, C. H. Bieger, C. A. Dann 
und — dass ich ihn nicht vergesse, — Ludwig Hoffacker, reiht sich 
hinfort als ein ebenbürtiges Glied der Name: Wilhelm Hoffacker an." 

Ebenfalls dieser Familie gehören an: 

Carl Christ. Hofacker, Dr., Sohn des Expeditionsraths Ferd. 
Hofaeker, und der Friederike Sofie, geb. Bilflnger, geb. zu Böhrings- 
weiler den 26. Febr. 1749, einer der ausgezeichnetsten Juristen seiner 
Zeit, t als Professor zu Tübingen den 20. April 1793. Seine dank- 
baren Schüler setzten ihm in der Stiftskirche zu Tübingen ein Denkmal. 
Es ist ein Obelisk von weissem Marmor, mit einer Urne von schwar- 
zem Marmor und folgender Aufschrift: 

Hofackern Seine Schüler. 

t 20. April 1793. 

Friede sei um diese Stätte her. 

Ach! sie haben einen edlen Mann begraben 

und Uns war er mehr. 

Sanfter Friede Gottes. — 

Gattin: seit 6. October 1775 Luisa, Tochter des Geh. Kaths 
Johann Gottlieb Breyer. Söhne: 1) Carl Ludwig, geb. 25. Juni 1775, 
Finanzrath. 2) Ludwig Wilhelm, geb. 25. April 1780, Procurator 
in Tübingen. Gattin: seit 20. Januar 1819 Charlotte, geb. Chardon. 

Johann Daniel Hofacker, geb. 30. Sept. 1788 zu Worms als 
Sohn des dortigen reichstädtischen Consulenten, besuchte die Schule 
in Worms, nach der Rückkehr der Eltern ins Vaterland aber die 
lateinischen Lehr- Anstalten in Cannstatt und Alteustaig, begab sich 
von da auf die Universität Tübingen, wo er sich den medicinischen 
Stadien widmete. Nach Vollendung der academischen Laufbahn be- 
sachte er Wien, um sich dort praktisch, namentlich auch in der 
Thierarzneikunde, zu vervollkommnen. Im Jahre 1811 kehrte er 



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' — 378 - 

von Wien nach Saulgau, dem damaligen Oberamtssitze seines Vaters, 
zurück, Hess sich nach dessen bald erfolgtem Tode- als praktischer 
Arzt zu Tübingen nieder, und übernahm im Jahr 1812 an der 
Universität daselbst das Professorat der Medicin und Thierarzneikunde, 
als welcher er auch am 30. April 1828 mit Hinterlassung mehrerer 
Schriften starb. — 

Karl Wilhelm Ludwig von Hofacker, geb. 26. Juni 1794, 
Sohu Carl Friedrich^, Stadtpfarrers und Dekans in Stuttgart, und 
Enkel des Stadt- und Amtsschreibers in Nagold Wilhelm Friedrieh 
Hofacker, Obertribunal -Direktor, Abgeordneter für den Bezirk Welz- 
heim auf den Landtagen 1826 bis 1827, 1828 und 1830, Kom- 
menthur des Krou-Ordens. 72 Jahr alt t 16. Oct. 1866. Sohne: 

1) Cäsar Hofacker, geb. 27. Juli 1831, Rittmeister a. D., 
Landesoberstall meisten Gattin: seit 11. September 1860 Anna, geb. 
Freiin von Varnbüler, (verwittwete Freifrau von Schott von Schotten- 
stein.) 2) Carl Friedrich, geb. 1. Nov. 1832, Justizassessor in Urach 
3) Gustav Ludwig, geb. 4. Dec. 1833, Dr., Chemiker. — 

Friedrich Wilhelm Hofacker, geb. 11. Novbr. 1781, Sohn 
des Amtmanns in Saulgau Friedrich Ferdinand Hofucker und der 
Friederike, geb. Taflnger, Amtsnotar in Dornstetten, in Untertürk- 
heim. Gattin: seit 15. Nov. 1814 Franziska, geb. Eh rat, welcher 
Ehe 5 Söhne und 3 Töchter entsprossten. — 

August Friedrich von Hofacker, geb. 6. Juni 1824, Postdirec- 
tor, Commenthur, Ritter des Krön- und Friedrichs-Ordens, verm. 18. Oct. 
1853 mit Natalie Caroline, Tochter des Oberamtsarzts in Geislingen 
Christian August Grundler. Kinder: 1) Sophie Auguste NaUlie 
Therese, geb. 24. Aug. 1854, verm. 4. Juli 1875 mit Dr. med. 
llarpprecht. 2) Emma Louise Eugenie, geb. 24. October 1856. 
3) Elisabeth Marie Helene, geb. 30. Juli 1862. 4) Karl August 
Friedrich, geb. 31. Juli 1870. 

Das Fürstlich Württembergische Dienerbuch enthält folgende höhere Beamte 
des Namens Hofacker (Hofaclcher): CantzlciAdvoc. 96; O.Amtmann 3G4. — Carl Christ-, 
8tattschreiber 572. - Carl Fenl., Exped.Ratb 113; Keller 514; Vogt 473 - Carl Frid., 
pfarror 548. — Wilh. Frid. Stattschreiber 602. 



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Hoffmann. 



tieorg Hoffmann, Herzogl. Württemb. Expeditiousrath und Con- 
sistorial-Secretar in Stuttgart 1659 — 1678, «Stammvater der in Würt- 
temberg verzweigten Hoffminnschan Familie», wurde den 19. Juni 1024 
zu Straubiz in Schlesien geboren als Sohn des Georg Hoffmann/ 
eines edlen Märtyrers der evangelischen Kirche, der zu Hirschberg 
in Schlesien, wohin er von Breslau aus gekommen war, seines Glaubens 
wegen sein Leben elendiglich durch einen Haufen Feinde verlor. 

Der erstgenannte Georg flüchtete mit seiner Mutter aus Schlesien 
nach Strassburg, wo er die Rechte studirte. Als talentvoller Kopf und 
besonders durch sein musikalisches Talent wurde er dem ebenfalls 
nach Strassburg geflüchteten Herzog Eberhard III. von Württem- 
berg bekannt, welcher nach der Rückkehr in sein Land Hoffmann 
in seine Dienste zog und im Jahre 1659 zum Consistorial-Secretär und 
Expeditionsrath ernannte. Hoffmann starb den 23. Juli 1678. 

Seine Gattin war seit 4. Mai 1658 Anna Catharina, eine Tochter 
des Syndicus in Hall Hieronymus Klopfer, Dr. jur, und der Catharina, 
Tochter des dortigen Consulenten David Smalcalder.** 

Kinder: 
I. Catharina Barbara, verm. mit dem Dekan in Waiblingen 
Johann Friedrich Hirschmann. 

* Nach anderen Quellen war der Vater Matthäus Hoff mann, evangelischer Pfarrer 
tu Schlesien, welcher als ein eifriger Streiter für den evangelischen Glauben auf dem 
Marktplatz zu Liegnitz enthauptet wurde. 

** Dessen erste Gattin war seit 1597 Leonort), Tochter des Kaiscrl. Hatschiers, 
wärttembergischen Burgvogts und Hauptmanns der Festung Schorndorf BaumJutuer; die 
II Catharina, Tochter des Consulenten in Hall Sebastian Dietrich, 



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— 880 - 

II. Georg Christof Hofhnann , Dekan in Balingen 1704, verm. 
seit 16. October 1688 mit Anna Rosina* geb. Pezold, welcher 
Ehe 1 Sohn und eine Tochter entsprossten. 

III. Johann Daniel Hoffmann, geb. zu Stuttgart 26. Juni 1663, t 
1732, Bürgermeister und Landschafts- Assessor daselbst, verm. 
seit 18. Februar 1690, mit Cordula Praxedes, Tochter des 
Expeditionsraths in Stuttgart Christof Faber. Dieser Ehe ent- 
sprossten 2 Söhne. 

IV. Christian Hoffmann, geb. zu Stuttgart 22. August 1664, t 
30. März 1716, Herzoglich Württembergischer Kammerrath 
und Landschafts-Registrator , verm. seit 1690 mit Smsmnna 
Margaretha, Tochter des Physicus in Marbach Johann Jacob 
Weber. Aus dieser Ehe gingen 3 Söhne hervor. 

V. Gottfried Hoffmann, geb. zu Stuttgart 13. Mai 1669, Professor 
der Theologie zu Tübingen. Derselbe studirte zu Tübingen, 
Strassburg und Basel, trat hierauf eine grössere Reise an, 
besuchte Jena, Dresden, Wittenberg, Leipzig, Berlin, Stralsund, 
Rostock, die Hansestädte, Holland, ferner London, Oxford und 
Cambridge, und kehrte den 28. Juni 1691 wieder in seine 
Vaterstadt zurück. In demselben Jahre noch wurde er zum 
Vicar in Stuttgart und ein Jahr nachher zum Diaconus bei 
St Leonhard, später in gleicher Eigenschaft bei der Hospital- 
und Stiftskirche angestellt, woneben er noch die Stelle eines 
Predigers und Beichtvaters der Herzogin von Mömpelgard be- 
kleidete. Im Jahr 1707 folgte er einem Rufe nach Tübingen 
als Professor der Philosophie und Theologie und erhielt 1720 
die Stelle eines Ober-Superintendenten des Stifts, als welcher 
er den 8. December 1728 starb. Hoffmann besass einen 
durchdringenden Verstand, scharfe Urthoilskraft, ausgebreitete 
Gelehrsamkeit und war ein vorzüglicher Prediger und eifriger 
Württembergischer Kirchenmann. 



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— 381 — 

Seine I. Gattin war seit 5. Juli 1692 Sosanna Dorothea, 
Tochter des Herzoglich Württembergischen Oberraths Johann Jacob 
Baur; die II. seit 18. Mai 1700 Anna Margaretha, Tochter des 
Herzoglichen Regieningsraths Heinrich Zorer, welchen Ehen 6 Söhne 
und 2 Tochter entsprossten. 

Ebenfalls dieser Familie gehören an: 

Daniel Hoffmann, geb. 25. November 1695 in Tübingen, f 
1752, Med. Dr. und Professor daselbst, verm. I. seit 22. Februar 
1718 mit -Regina Dorothea, Tochter des Dr. und Prof. in Tübingen 
Elias Cammerer; IL seit 27. April 1727 mit Catharina Tabitha, 
Tochter des Stefan Bürgermeisters von Deizisan, Kaiserlichen Baths ; 
III. seit 23. April 1743 mit Sophia Christina, Tochter des Seniors 
in Esslingen Carl Dlzinger. — 

Gottfried Daniel Hoffmann, Dr. juris., Sohn des Vorigen, 
aas I. Ehe, geb. zu Tübingen 19. Mai 1719, widmete sich dem 
Studium der Jurisprudenz, wurde Professor derselben zu Tübingen, 
als welcher er eine Menge kleinerer Schriften herausgab, die nicht 
nur staatsrechtliche, sondern auch politische* und besonders vater- 
ländische Gesichtspunkte erläuterten. 1752 erhielt er das voll- 
ständige Amt eines Kaiserl. Hof-Pfalzgrafen, 1770 verlieh ihm sein 
Herzog den Titel und Rang eines Geheimenraths. Das Decanat 
seiner Facultät bekleidete er seit 1749 neunmal, das Bectorat der 
Universität seit 1752 fünfmal. Von Franz I. erhielt er einen 
goldenen Gnadenpfennig. Er starb 31. August 1780 mit Hinter- 
lassung von 2 Söhnen. 

Seine I. Gattin war seit 17. April 1742 Tabitha, Tochter des 
Bürgermeisters und Hofgerichts- Assessors in Tübingen Johann Harpp- 
recht; die IL seit 14. Juli 1744, Marie Friederike, Tochter des 
Prof. Med. in Tübingen Burkhard David Mauchart; die III. seit 
30. Juni 1750 Marie Friederike, Tochter des Syndicus von Heil- 
bronn Johann Friedrich Salzmann. 

Hoffntann war Ehrenmitglied der Karlsakademie und hielt u. A. 



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- 382 - 

auch am Stiftungstage der Hohen Karlsschule, 14. December 1773, 
eine Rede von den Ober- Landesherrlichen Befugnissen über die Jugend 
eines Staates etc. — 

Johann Dnniel Ho ff mann, Sohn des Vorigen, aus des Vaterg 
I. Ehe, geb. 7. März 1743, beliebter Professor der Bechtsknnde in 
Tübingen, 1767-1790, Geheimerrath 1790, f 10. Juni 1814. — 

Christof Eberhard Hoffmann, Bruder Gottfried DanieVs, aus 

des Vaters II. Ehe, Med. Cand., geb. zu Tübingen 4. December 1738, 
t daselbst 24. Mai 1764. welcher in seiner letzten Willensver- 
ordnung vom 30. Januar 1764 ein Stipendium von fl. 1600 für 
seine Anverwandten errichtete. — 

Immanuel Hoffmann, Professor der Philol. in Tübingen, zu- 
gleich Ephorus des* theologischen Stiftes 1756—1771. — 

Gottlieb Wilhelm Hoffmann, Stifter und Vorsteher der Ge- 
meinde Kornthal, wurde 19. December 1771 zu Osteisheim als Sohn 
des Pfarrers daselbst, Christian Ludwig Hoffmann, geboren. 

„Hoffmann, ein energischer Charakter hatte weit verzweigte 
Verbindungen mit den hervorragendsten christlichen Persönlichkeiten der 
verschiedensten Farben und Parteien im In- und Auslande, unter 
denen besonders hervorzuheben sind : Pfarrer Machtkolf in Möttlingen, 
der Pfarrer und Pädagog Flattich in Münchingen, der treffliche C 
H. Bieger, nachmaliger Konsistorialrath, Jung-Stilling in Karlsruhe, 
Lavater in Zürich. Pfarrer Machtkolf namentlich war es , air den 
sich Hoffmann besonders attachirt fühlte und von dem er nicht oft 
genug erzählen konnte, wie ihm einst dieser demüthige Pfarrer, nach- 
dem er ihm die eifrige Leetüre von Luthers Werken anempfohlen 
hatte, zu seinem schmerzlichen Erstaunen die 10 schweren Foliobände, 
4 Stunden weit, nach Leonberg selbst in einem Zwerchsack hertrog. 

Seine Hanptlectüre in der Jugend aber bildeten Schriften wie 
die J. Böhme* s, Arnold' s, Zineendorfs, Tersteegeris und der württem- 
bergischen Gottesgelehrten Bengel, Oetinger , Ph. Matthaus Hahn, 
Mich. Hahn, SteinJiofer, Conrad und Heinrich Bieger. 



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— 388 — 

Namentlich mit Michael Hahn und dem Stadtpfarrer Pregizer 
in Haiterbach, dem Special Hartmann, Helfer Dann, Informator 
Jcremias Flatt, Graf Seckendorf u. A. mehr pflegte er intimen 
Umgang. Besonders tiefen Eindruck machten auf ihn und seine 
Freunde Bengers Schriften, unter diesen hauptsächlich die Apokalypse, 
auf Grund deren sie sich mit der baldigen Vollendung des Reiches 
Gottes auf Erden vertraut machten, indem sie die Auslegung selbst 
durch den Charakter der Zeit und den grossen Umsturz aller früheren 
Verhältnisse vielfach bestätigt fanden. Die Verbreitung dieser An- 
schauungen vor Allem bewirkte, dass sich bald in der ganzen Um- 
gegend eine weitgreifende Anregung geltend machte und unter Vielen 
ein sehnsüchtiges Erwarten des Reichs Gottes entstand. Als beim 
Ablauf des von Bengel für den Anfang des Reiches Gottes bestimmten 
Termins von 1836* dieser nicht eintrat, so erschütterte dies den 
Glauben Hoffmanns keineswegs, sondern er pflegte zu sagen: »wir 
warten, beten und bereiten uns," wie wenn der Herr morgen käme, 
aber wir bauen, pflanzen und wirken auf Erden, wie wenn es noch 
1000 Jahre so fort ginge.« 

Hoffmann' s Theil an der in den Jahren 1813 und 1814 ent- 
standenen neuen Lebensregung im deutschen Volke, an der Gestaltung 
der neuen Zeit ist kein kleiner. Theils wirkte er auf politischer 
Seite durch seine Berufung in die constituirende Standeversammlung 
1815 — 1810, wo er seine Stimme für die vollständige Herstellung 
der alten Landesverfassung des Herzogs Christoph abgab, auch sich 
gro8sentheil8 im Sinne der liberalen Opposition aussprach. Die Aus- 
scheidung des Kirchenguts vom Staat war eine seiner leitenden Ideen, 



* Bengtl selbst sagt in seiner „Erklärten Offenbarung Johannis oder vielmehr 
Jt*u Christi", Stuttgart 1758» in der Einleitung n. A. : „Sollten aber z. E. diejenige 
Zeiten, deren Ziel wir mit gutem Bedacht erst in dem Bescbluss dieser Erklärung 
muthmaaalich ausdrucken, später oder auch früher auslaufen, so wird dennoch der 
ganze erste Punkt bestehen, nämlich die historische Auslegung des XIII. und XVII. Kap. 
nnd der zweite Punkt, nämlich die Kesolvirnng der prophetischen Zeiten an sich seibat 
und folglich die ganze Einleitung, darin ich mit Flciss die Zeiten ganz in abstracto be- 
trachte und nicht im geringsten auf gewisse Jahre ja nicht einmal auf die Historie 
fähre, wird nicht weniger unversehrt bleiben.* 



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— 384 — 

Unabhängigkeit nnd Uneigennützigkeit der Volksvertreter eine seiner 
ersten Forderungen. Systematische Opposition war durchaus nicht 
seine Sache. Das Wohl des Vaterlandes und das Wirken für's Vater- 
land lag ihm vor Allem am Herzen, zu letzterem namentlich bot 
sich ihm in den Jahren der kriegerischen Durchzüge durch seine 
Ernennung zum Landeskommissär, als welcher er für die Vertheilung 
der fremden Truppen in 2 Kreisen des Vaterlandes auf die einzelnen 
Oberämter zu sorgen hatte, treffliche Gelegenheit. Die auf ihn ge- 
fallene Wahl zum Abgeordneten in 2 Oberämtern lehnte er, da ihm 
der in der Ständekammer waltende Geist einen Abfall vom Christen- 
thum zu verrathen und ihm ein gedeihliches Wirken unmöglich zu 
machen schien, ab. Das damalige theilweise Herrschen des Kationa- 
lismus in der Württembergischen Kirche, welcher in einem neuen 
Gesangbuch und einer neuen Liturgie seinen kirchlichen Ausdruck 
fand, hatte das alte kernhafte evangelische Glaubensleben im Volke 
zum Gefühl eines peinlichen Widerspruchs zwischen dem Geglaubten 
und dem Befohlenen gemacht. Die daraus für viele der ernstesten 
Christen entstandene Gewissensbewegung und Unbehaglichkeit in der 
Heimath veranlasste diese , ihre Blicke auf die Südprovinzen Boss- 
lands als geeignete Orte der Niederlassung zu richten, besonders da 
Kaiser Alexander von Bussland wegen seiner guten Gesinnung gegen 
die Evangelischen allgemein bekannt war. Bald nahmen die Aus- 
wanderungen solche Dimensionen an, dass die Württembergische Begie- 
rung sich genöthigt fand, die Ursachen der Auswanderung gründlich 
ins Auge zu fassen und Berichte zur Abhilfe einzufordern. Da war 
es nun Hoffmann, welcher in seinem Berichte hervorhob, wie durch 
die rationalistischen Kirchenbücher das Gewissen vieler beschwert 
worden, wie bereits nur in der Hälfte des Landes wenigstens 5000 
Seelen auszuwandern entschlossen seien und dass eine Abhilfe dafür 
nur dann möglich sei , wenn die Errichtung privilegirter religiöser 
Gemeinden mit dem alten Glaubensbekenntniss und mit der Berech- 
tigung, »solche Einrichtungen in Kirchensachen zu treffen , welche 
ihren Ueberzeugungen gemäss seien, erlaubt werde. « Nachdem Hoff- 



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— 385 — 

mann seinen Plan zur Gründung einer solchen Gemeinde näher ent- 
wickelte, erfolgte im October 1818 die königliche Erlanbniss. Das 
der Regierung übergebene Glaubensbekenntniss der Gemeinde war die 
augsburgische Confession, unter Weglassung der Verdammungen und 
des Punktes in Art. XVI., in dem der förmliche Eid als christlich 
erlaubt bezeichnet wird. Was den kirchlichen Theil der Gemeinde- 
Ordnung betrifft, so findet sich darin die Bestimmung, dass ein ordi- 
nirter Prediger nach der Weise der altwürttembergischen Kirche den 
Kultus und die Lehre handhabe, jedoch ohne Ausschluss befähigter 
Nichtgeistlichen von der Theilnahme an erbauender Wirksamkeit in 
und ausser der öffentlichen Versammlung. 

Der Gemeindevorstand wacht über das christlich sittliche Ver- 
halten der Gemeindeglieder, worüber einzelne Vorschriften aufgestellt 
sind. In politischer Hinsicht hat die Gemeinde gegenüber dem Staate 
keinerlei Vorrecht vor andern, in sich aber bildet sie zwei Klassen: 
die eigentlichen Gemeindeglieder, die solidarisch für einander haften 
nnd daher auch das Kreditwesen jedes einzelnen beaufsichtigen, und 
die blossen Einwohner. Die Gemeindeglieder wählen ihre geistlichen 
und weltlichen Vorsteher selbst etc. Auf Grund dieser Vorlage er- 
folgte dehn 1810 ein königliches Privilegium unter Genehmigung 
dieser Einrichtungen, sowie der Freiheit vom Konsistorialverband der 
neuen Gemeinde mit Stellung unter das Kultministerium, worauf schon 
im Sommer desselben Jahres die Gemeinde auf dem Rittergut Korn- 
thal bei Stuttgart (das dem königlichen Oberhofmeister Grafen von 
Görlitz und dem Freiherrn van Münchingen um 115,000 fl. abge- 
kauft wurde) mit 68 Familien ins Leben trat Seitdem war die 
Entwicklung dieser Gemeinde eine so segensvolle, dass sie schon 1846 
nach 26 Jahren über 1000 Einwohner zahlte, 1877 belief sich deren 
Zahl auf 1389, dadurch die Wahrheit bestätigend, dass eine wahr- 
haft christliche Lebensordnung auch die sichere Grundlage ökono- 
mischen . Wohlstandes ist. Weltbekannt sind Kornthals Institute, 
nämlich: die Erziehungsanstalt für Knaben, gegründet von Johann 
Kullen aus Hülben, ehemaligem Lehrer an einem kleinen Privatinstitut 

9. OtHrrgii-Qtorgtn.au, Biographiscb-QenealogiAcbe Blätter etc. 25 



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— 386 — 

in Mezingen bei Urach, welcher dieses sein Institut nach Kornthal 
verlegte. Dasselbe fand seine Fortsetzung durch die Gebrüder Patdus, 
hernach bei der Verpflanzung ihrer Anstalt auf den Salon durch 
Candidat Schlager, und wird das in Kornthal verbliebene Institut 
gegenwärtig von Professor Dr. Pfleiderer als Director der Anstalt 
geleitet. Die von Vorsteher Hoffmann 1821 errichtete Töchteranstalt 
zur Bildung von Töchtern fürs bürgerliche Haushaltungswesen im 
engern Sinn, welche vormals unter der Leitung Pfarrer Staudt's von 
der Wittwe des t Kullen fortgeführt wurde, ist später in 2 Theile 
abgeschieden worden, deren einer jetzt (resp. seit 1836) als eine Mittel- 
anstalt von den Hauseltern Hoss fortgeführt wird, während der andere 
Theil, das sogenannte höhere Töchterinstitut, das die wissenschaftliche 
Ausbildung im Auge hat, gegenwärtig ganz unter der Leitung 
Stand? s und dessen Gattin Lydia, einer geb. Köllner, Tochter des 
Bürgermeisters Köllner von Sizenkirch im Badischen steht. Ferner 
sind zu nennen: die Rettungsanstalt für verwahrloste Kinder 1822, 
als eine der ersten in Württemberg; die Kleinkinderrettungsanstalt 
auf der Schlotwiese bei Kornthal; die Gemeinde Wilhelmsdorf, Ober- 
amts Ravensburg mit dem Privilegium wie Kornthal, zu deren Grün- 
dung eine 1823 erfolgte Aufforderung König Wilhelm? s Anlass ge- 
geben. In letzterer Gemeinde wurde 1830 eine Rettungsanstalt für 
30 Knaben, 1835 eine solche für 30 Mädchen, 1837 ferner eine 
wegen öconoraischer Schwierigkeit übrigens bald wieder eingegangene 
für kleine Kinder von der Geburt bis zum 3. Jahre eröffnet, endlich 
auch eine Taubstummenanstalt, sowie eine von Hoffmann auf eigene 
Kosten auf Veranlassung des Vereins für entlassene Strafgefangene 
auf dem Lindenhofe bei Wilhelmsdorf errichtete Zufluchts-Anstalt rar 
weibliche Personen dieser Klasse. 

Hoffmann, ein Mann von ungeheuchelter Gottesfurcht, frei von 
Schrecken und Aengstlichkeit , von ungemeiner Gebetekraft pflegte 
öfters zu sagen, er sei wohl in 20 Jahren nicht erschrocken und 
Beweise davon hat er als Polizeibeamter in den Kriegsjahren viele 
gegeben. Aber dieselbe Unerschrockenheit bewies Hoffmann auch 



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— 387 — 

in Bezeugung seines Glaubens vor Fürsten und Gewaltigen, wie vor 
den kleinen Herren dieser Welt. 

Ein jetzt verstorbener Edelmann erlaubte sich einst an Hoff- 
mann's Tisch über ein Bibelwort spöttische Aeusserungen , worauf 
ihn Hoffmann um Unterlassung solcher Spöttereien bat. Hierauf er- 
wiederte der Edelmann: »Wie glauben Sie, dass es mir nach meinem 
Tode gehen werde, wenn ich bleibe, wie ich bin?« Ho ff mann 1 s 
Antwort lautete energisch: »Im Augenblick, wenn Ihre Seele den 
Leib verlässt, wird sie arretirt und in die Gefängnisse der Ewigkeit 
abgeführt.« Der Frager erbleichte und schwieg, knüpfte aber nach- 
her eine ernsthafte Correspondenz mit Hoffmann über religiöse Dinge an. 

Ein anderes Mal als Hoffmann zu Fuss von Stuttgart nach 
Kornthal wanderte, begegnete ihm ein Edelmann, welcher ihn ein- 
lud in seinem Wagen Platz zu nehmen, was Hoffmann gerne an- 
nahm. Ueber Tisch in Eornthal warf nun der betreffende Cavalier 
einige leichtfertige Aeusserungen über religiöse Dinge ein und auch 
er befragte Hoffmann über sein zukünftiges Schicksal. Die Antwort 
lautete: »Wenn Sie mich wieder als Fussgänger mit ihrem trefflichen 
Rappen einholen, und die Güte haben, mich mitzunehmen, so steige 
ich mit Vergnügen ein; aber, gnädiger Herr, wenn Sie einst aus 
der Zeit in die Ewigkeit fahren, so sitze ich Ihnen nicht ein.« 

Einst hatte ein berühmter* General Hoffmann in Kornthal 
über den Wandel des Christen reden hören und machte nach Been- 
digung des Vortrags die Bemerkung: »Aber Sie werden zugeben, 
dass ein Soldat nicht so leben kann.« »Excellenz«, erwiederte 
Hoffmann, »wenn aber der Herr an seinem grossen Tage Ihnen 
einen nicht minder tapferen General aufstellte, der es gekonnt hat? 
Denn so werden die Heiligen die Welt richten , dass aus jeder 
Lebenslage wenigstens Einer da sein wird, der in ihr Christo treulich 
diente.« »Merke du dir das, lieber Mann«, sagte mit bewegter 
Stimme die Gemahlin des Kriegshelden. Dieser General blieb von 
da an Hoffmann so freundlich gesinnt, dass er, wenn er ihm in 
den Strassen seiner Garnisonsstadt begegnete, jedesmal seinen Arm 
ergriff und unter religiösen Gesprächen ihn auf seinen Gängen begleitete. 



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— 388 — 

Hoffmann starb 29. Janaar 1846 zu Kornthal and wurde unter 
dem Zulauf von über 3000 Personen aller Stände zu Grabe getragen. 

Hoffmann besass die praktische Sicherheit und Gewandtheit 
für Organisation und Leitung des politischen Gemeindelebens,, durch 
die er sich auch bis an sein Lebensende auszeichnete, und die ihn 
zum Bathgeber vieler Tausende machte«. Als ihm vor seinem Ende 
vom Gericht am Fleische geredet wurde, sprach er : »Ich halte nichts 
für ein Gericht, was an den Kindern Gottes geschieht, es ist nur 
Erziehung. Das Gericht ist am Sohne, Gottes vollzogen worden und 
darum bin ich frei«. Auf der Gnade als dem ewigen Felsen, auf 
dem seine Seele ruhte, auf der Gnade im Blute Jesu Christi ent- 
schlief er. »Als ein des Galgens Würdiger«, so sagte et einem 
theuren Freunde wenige Tage vor seinem Tode, »bin ich erlöst, weil 
Christus für mich am Kreuzes-Galgen gehangen 1 Es ist merkwürdig, 
dass der Heiland nicht den frommen Simeon, die ehrwürdige Hanna 
mit sich in den Himmel nahm, sondern dass ein vom Galgen kommender 
Verbrecher der Erstling des durch ihn geöffneten Himmels war. Das 
ist mein Trost, darauf sterbe ich.« 

Seine I. Gattin war die Tochter seines ehemaligen Vorgesetzten 
Oft erdinger, Nichte des obengenannten Pfarrers Flattich; die II. 
Friederike, geb. Löffler; die III. ßeata, Tochter des Pfarrers Bai- 
mann in Zainingen. 

Kinder II. Ehe: 

I. Wilhelm Hoff mann, Inspektor der evangelischen Missionsanstalt. 

zu Basel. 
II. Christian Hoffmann, Lehrer an der wissenschaftlichen Bildungs- 
anstalt auf dem Salon. — 
Ferner sind zu nennen : 

Wilhelm Hoffmann, Dr. theolog., Königlich Preussischer Ober- 
hof- und Domprediger, Oberkonsistorialrath und Domherr zo Branden- 
burg, General-Superintendent der Kurmark, verm. in letzter Ehe mit 
Panline, geb. Gräfin von Görlitz. Von den aus Ho ff mann' s ver- 



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- 389 — 

schiedenen Ehen entsprossenen 10 Kindern stehen 7 noch in jugend- 
lichem Alter, die übrigen sind: 

I. Marie, verm. mit dem Pfarrer Seeger in Seckmauern (Hessen) 
II. Wilhelm Hoffmauu, Dr. phil., Professor am Sophieugymnasium 

zu Berlin. 
HI. Karl Hoffmann, Lt. theol., Pfarrer in Frauendorf, verm. mit 
Elise, geb. Sarasin. — 

Karl Hoffmaun, Herzoglich Württembergischer Lieutenaut im 
Infanterie-Regiment Württemberg, t den 10. Mai 1800 zu Samarang 
auf Java. — 

Gottfried Eberhard Hoffmaan, Königlich Württembergischer 
Hauptmann und als solcher den 26. August 1795 in Ostenburg auf 
Ceylon gefangen, nach Madras gebracht, kehrte von da nach Europa 
zurück und trat in Herzoglich Württembergische Civildienste. In 
solchen Anfangs als Oberamtmann angestellt, wurde er später zum 
Provinzial-Justiz-Director in Ulm ernannt ~ 

Peter von* Hoffmaun, Herzoglich Württembergischer Oberst im 
III. Infanterie-Regiment 1842. — 

K. H. L. Hoffmann, geb. 1807, Privatdocent für positives 
Verwaltung8recht 1836, ausserordentlicher Professor 1838, ordent- 
licher 1842. 

Seiner Schriften sind mehrere. 



Dm Fürstlich Württembergische Dienerbuch enthält folgende höhere Beamte 
Uoffmatm (Hofmann): StiffUDiacon 551; Vogt 541. — Carl, Keller 600. - - 
Omrl Amg„ Diaoon 553- — CkUian, LeibMedic. 194. — Christian, Registrator 569. — Christian 
Gottl., LandtachantEinnemer 559. — Frid. Dav., CautzleiAdvoc. 95 ; Tutelarltath 98. - 
Gottfr. f Stiffta-Diacon 550. — Hans, Vogt 464. — Hunt Jac, Vogt 488. — Joh,, üontsist.- 
Secretar. 140 ; Vogt 540. — Joh. Benj., Vieitat.Secretar. 158. — Joh. Dan., Ci-Pfleger 318 ; 
QeL OehRath 28; Vlaitat-Secretar. 168; Landtachafft-Einnehmer 659.— Joh. Fried., Reg. 
R-fiecr«i*r. 78, 74. - Joh, Gottfr., StifftaDlaoon 561. — Maurü., Extraord. Leib.Mcdic. 19fi 



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Holland. 



Johann Adam Holland, Herzoglich Württembergischer Keller 
zu Walheim, wurde den 13. März 1616 in der Pfalzgräflichen Stadt 
Höchstett geboren. Sein Vater war der Stadt- und Landgerichts- 
Procurator daselbst Wolffgnng Heinrich Holland, f 1619 ; der Gross- 
vater Conrad Holland, Stammvater des Württemberg. Asts, welcher 
durch den Magistrat zu Gundelfingen eine Copie des Wappenbriefes 
vidimiren Hess; der Urgrossvater Caspar Holland, Bürgermeister zu 
Gundelfingen im Fürsten th um Pfalz-Neuburg, gemeinschaftlicher Stamm- 
vater der noch anno 1785 daselbst und im Württembergischen blühen- 
den Hollandischen Familie, erhielt von Kaiser Ferdinand II. den 
noch jetzt im Besitz der Familie befindlichen Wappenbrief d. d. Wien 
28. October 1558; er starb 1572 zu Gundelfingen. 

Johann Adam wurde schon in früher Jugend in Dillingen von 
einem schwedischen Rent- und Proviantmeister, welcher damals mit 
der Armee Gustav Adolph* s, Königs von Schweden, nach Donauwörth 
gekommen war, angestellt und erhielt später die Stelle eines Amt- 
manns zu Ravensburg im Kraichgau, zuletzt aber zn Walheim, wo 
er auch mit Hinterlassung von Nachkommen 31. October 1690 starb. 

Seine 1. Gattin war seit 1643 Regina Jnstina, Tochter des Her- 
zoglich Württembergischen Canzleisecretärs Johann Georg Hfingerlin; 
die II. seit 8. April 1673 Johanna Rosina, Tochter des Universi- 
täts-Secretärs Abraham Schwarz. — 

Derselben Familie gehören an: 

Carl Christoph Friedrich Holland, geb. 8. Dezember 1789, 
K. Württembergischer Oberjustiz-Prokurator. Sein Vater war Magnns 
Friedrich Holland, Stadtschreiber in Tübingen ; die Mutter Johanna 
Louise, Tochter des Professors der Theologie in Tübingen Christoph 



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— 391 — 

Friedrich Schott; der Grossvater Christof Ehrenreloh Holland, Geist- 
licher Verwalter in Kosenfeld; die Grossmutter Maria Rosina,* Tochter 
des Amtspflegers daselbst Ludwig Wilhelm Keller ; der Urgrossvater 
Johann Friedrich Holland/* Stadtschreiber in Rosenfeld; die Urgross- 
nrotter Sophia Dorothea, geb. Boos; der Urur-Grossvater der Eingangs 
erwähnte Joh. Adam, H. W. Kloster Denkendorfischer Keller zu Walheim. 

Carl Christoph Friedrich wurde nach absolvirten Studien der 
Bechtswissenschaft 1817 Secretär und Registratur bei dem Criminal- 
öerichtshof für den Jagst- und Donaukreis, 1821 Secretär bei dem 
Gerichtshof in Tübingen, 1823 Oberjustiz-Procurator daselbst. 

Gattin: seit 20. Juni 1819 Sofie Caroline, Tochter des Pfarrers 
in Unter-Riexingen Carl Ludwig Reyscher und der Charlotte, geb. 
Lehret. Kinder : 

1) Carl Adolph Holland, geb. 27. Januar 1825, Regierungsrath, 
Oberamtmanu in Gmünd, 1870 — 71 während des deutsch-fran- 
zösischen Kriegs Rath bei der deutschen Präfectur in Chalons. 
Ritter 1. Classe des Friedrichs-Ordens &c. Gattin: seit 1867 
Maria, Tochter des Regierungsvizedirektors von Waaser in Ulm» 

2) Paul Eduard Holland, geb. 5. November 1830, Kreisrichter 
bei dem Königl. Gerichtshof in Ellwangen. — 

Christian Heinrich von Holland, Bruder des Carl Christoph 
Friedrich, geb. 28. October 1792 zu Tübingen, widmete sich an- 
fangs dem Rechtsfach, trat aber alsdann in den Militärstand und 
zwar unter die Cavallerie als Cadett. Im Jahre 1812 wurde er 
Seconde-Lieutenant beim Leib-Chevauxlegers-Regiment , machte als 
solcher den Feldzug nach Russland und den Rückzug über die Beressina 
mit, erhielt 1814 den Militär-Verdienst-Örden, wurde Oberlieutenant 
im 4. Reiter-Regiment, 1841 Major und Stabsoffizier, später Oberst. 

Gattin : seit 1. Mai 1821 Caroline Friederike, Tochter des 
Ulmischen Oberamtmanns zu Langenau Max Philipp von Besserer- 
Tfaalfingen und der Regina, geb. von Neubronn-Eisenburg. Kinder : 



* Sie war in 1. Ehe mit dem Expeditionerath Krgenzinger in Stuttgart vermählt. 
** Er hatte 5 Söhne und 2 Töchter ; erstere pflanzten alle ihr Geschlecht fort, 



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— 392 — 

1) Carl Friedrich Heinrich Holland, geb. zu Ulm 7. Febr. 1822, 
KönigKch Württembergischer Forstmeister und Forstrath, derzeit 
in Kirchheim u. T\, Ritter des Kron-Ordens II. Klasse. Gattin: 
Sofie, geb. Sckmid von Heidenheim. 

2) Heinrieh Max Friedrieh Holland, geb. zu Ludwigsburg 16. 
August 1 827, Kaiserlich Königlicher Oesterreichischer Rittmeister 
und Schwadrons-Commandant im 10. Kürassierregiment »König 
Ludwig 1. von Bayern«, gefallen in der Schlacht bei König- 
gräz 1866. Seine Leiche wurde nicht aufgefunden. 

3) Heinrich Franz Joseph Holland, geb. zu Ulm 24. November 
1832, Württ. Hauptmann z. D. und Adjutant des Landwehr- ' 
bezirks-Commandeurs in Heilbronn. Gattin: Wilhelmine, Tochter 
des Fabrikanten Wanzenried in Pforzheim. 

Georg Jonathan Freiherr von Holland, Professor der Mathe- 
matik, geb. 1742 zu Rosenfeld als Sohn des Stadt- und Amtsschreibers 
in Rosenfeld Christian Gottlieb Holland, und als Enkel des Seite 391 
erwähnten Stadtschreibers in Rosenfeld Johann Friedrich Holland. 
Derselbe widmete sich dem Studium der Theologie und Mathematik 
(letzteres soin Lieblingsstudium) in den Seminarien und in dem Stifte 
zu Tübingen und wurde in der Folge zum Lehrer des Prinzen (Her- 
zogs) Friedrich Eugen ernannt. Als solcher gewährte ihm sein Aufent- 
halt in Mömpelgard und Lausanne den Vortheil, den Verfasser „des 
Systems der Natur" in französischer Sprache widerlegen zu können; 
diess that er in seinen philosophischen Betrachtungen über dasselbe 
(Bern 1772 und Neufchatel 1775) nach dem Urtheit der Kenner 
mit mehr Glück als die andern Gegner der Materialisten. Als dank- 
barer Schüler hatte er schon den logikalischen Kalkül Phucquets 
(1763) verthoidigt. 

Holland, der in der Folge als Prinzen-Instructor der 5 Würt- 
tembergischen Prinzen Friedrich, Louis, Eugen, Wilhelm, Ferdinand 
mit diesen 1775 nach Berlin kam, hatte sich daselbst der besonderen 
Gunst Friedrichs des Grossen zu erfreuen, der auch Gelehrte von 
positiver Richtung zu schätzen wusste, wenn er in ihnen nur tüchtiges, 
vorurtheilsfreies Streben fand. 

Holland stund mit dem bekannten, ausgezeichneten Gouverneur 



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— 898 - 

der Prinzen, dem am 28. April 1796 als Generalmajor verstorbenen 
Freiherrn Friedrich von Maucler, wie mit dem Prinzen Friedrich 
(nachmaligem Könige von Württemberg) in regem Briefwechsel. Die 
betreffenden Correspondenzen befinden sich nach Jahrgängen geordnet, 
von König Friedrich gesiegelt und überschrieben: „Lettres de feu 
mon bon ami Mr. de Holland 1774 etc." im K. Geheimen Haus- 
nnd Staatsarchiv zu. Stuttgart; ein kleinerer Theil derselben ist mit 
Höchster Ermächtigung von Dr. Paul Stark (Aufsatz der Württ. 
Jahrbücher pro 1875 und Separat- Ausgabe) „Fürstliche Personen des 
Hauses Württemberg und ihre bewährten Diener im Zeitalter Friedrichs 
des Grossen", Stuttgart 1876 veröffentlicht worden. 

Als von Holland 177G den Auftrag erhielt, den ältesten 
Prinzen, Friedrich, welcher in russische Dienste übertreten wollte, 
nach Petersburg zu begleiten, fand er bei der Kaiserin Katharina 
die wohlwollendste Aufnahme, ja er erhielt von ihr ein Hauptmanns- 
Patent und ward später 23. Februar 1780 hauptsächlich auf ihre 
Fürsprache von Joseph II., der ihn ebenfalls hochschätzte, in den 
fteichsadelsstand erhoben, »von wegen seiner Abstammung von ver- 
dienstvollen Voreltern, welche vor mehr als hundert Jahren die an- 
sehnlichsten magistratischen Aemter und Ehrenstellen bekleidet und 
durch ihre nutzliche und getreue Dienste sich um das deutsche Vater- 
land sowie um das durchlauchtigste Erzhaus wohlverdient gemacht 
haben, und da einem Vorfahren, Namens Conrad Holland, Burger- 
meister der Stadt Gundelfingen, auch schon im Jahre 1551 von 
Kaiser Ferdinand dem Ersten ein Kaiserlicher Wappenbrief gnädigst 
ertheilet worden seye.« 

von Holland verliess Russland besonders auch mit Rücksicht 
auf seinen Zögling den Prinzen Eugen von Württemberg und begab 
sich nach Lübben in Schlesien, wo dessen in preussischen Diensten 
stehender älterer Bruder, Prinz Friedrich, in Garnison war. 

Von der Auszehrung ergriffen eilte er von da in die Heimath ; 
daselbst starb er am 11. April 1784 in einem Alter von 42 Jahren. 

Seine verschiedenen philosophisch-theologischen und mathemati- 
schen Schriften, ferner seine poetischen Erzeugnisse in deutscher und 
französischer Sprache, sowie sein Geschick in der Leitung der Jugend 



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— 394 — 

und seine ausnehmenden geselligen Talente haben ihm einen berühmten 
Namen erworben, ja die »Strassburger gelehrten Nachrichten« 
Jahrgang 1 784, 38. Stück, S. 454, bezeichnen ihn, indem sie gleich- 
zeitig seine Beziehungen zu dem Könige von Preussen hervorheben, 
als eine Zierde des Herzoglichen theologischen Stifts in Tübingen, 
aus dem er hervorgegangen. — 

Ueber die philosophischen Anschauungen Hollands äussert sich 
Dr. Stark in der obenerwähnten Schrift folgende rmassen : 

Um von den Reflexionen Holland' 's im Einzelnen eine An- 
schauung zu geben, heben wir Einiges aus dem Abschnitte über das 
Vorhandensein des Uebels in der Welt aus, welches dem Gegner 
Hollands fruchtbaren Stoff gegeben hatte', gegen die Macht und 
Güte Gottes sich zu ereifern. Wenn ein Gott ist, führt Holland aus 
(Beil. II, 64 ff.), so ist alles gut, alles ist auf dem Vollkommen- 
heitspunkte, der ihm zukommt. Ein höchst vollkommenes Wesen 
kann nichts anderes wollen oder vollführen, als was das Beste ist 
Sobald ich von seinem Sein überzeugt bin, fusse ich auf einem Felsen, 
gegen welchen alle Einwürfe nichts ausrichten können. Es findet 
sich alsdann in der Welt kein wahres Uebel mehr, und wenn mir 
auch der Anschein solches zeigen sollto, so lege ich die Schuld den 
Grenzen meiner Verstandeskräfte und nicht dem Urheber meines 
Daseins bei. Mein Vertrauen auf ihn ist nicht blind; seine Führung 
heisse ich gut, ohne sie zu begreifen; sein Dasein, das mir die ganze 
Natur ankündigt, und seine Güte, die davon eine nothwendige Folge 
ist , benimmt mir alle Zweifel. Da der Satz : alles ist gut , eine 
Folge von der Existenz Gottes ist, so ist es unmöglich, ihn dem- 
jenigen zu beweisen, welcher den Hauptsatz nicht einräumt, und es 
ist ungerecht, von dem Theisten einen Beweis zu verlangen, der von 
dem Grundbegriffe, auf welchen er seinen Glauben gründet, unab- 
hängig ist. Unsere wahren Uebel sind das Werk der Menschen, 
und Gott ist nicht der Urheber derselben, es müsste denn insofern 
sein, als er den Menschen einen freien Willen gegeben hat. Hätte 
er etwa, um die Menschen zu verhindern, böse zu sein, aus ihnen 
Pflanzen machon sollen, die keiner Tugend uud keines Lasters fähig 



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— 395 — 

sind? hätte er uns den Genuss unserer selbst, die innere Zufrieden- 
heit, welche unsere guten Handlungen begleitet, entziehen, uns allen 
Weg zum Glück abschneiden sollen, damit wir nicht fähig wären 
uns unglücklich zu machen? „Nein, Gott meiner Seele, ruft der 
Weltweise aus (im „Vicaire Savoyard"), ich werde dir niemals den 
Vorwurf machen, dass du mich nach deinem Bilde geschaffen hast, 
damit ich frei, gut und glücklich wie du sein könne." Dies, fügt 
Holland hinzu, ist die Sprache eines jeden Menschen, der über sein 
Wesen nachdenkt und die Würde seiner Natur zu schätzen weiss. 
Der Verfasser des Natursystems leugne zwar die Freiheit des Menschen, 
aber sein ganzes Werk beweise, dass er an dieselbe glaube, ohne es 
zu wissen. Das Gefühl der Freiheit sei in ihm so lebhaft, ja un- 
überwindlich, dass er es mit allen seinen Trugschlüssen nicht dahin 
habe bringen können, sie in sich selbst zu ersticken; wie er donn 
habe hoffen mögen, andere zu überzeugen? Alle seine Ermahnungen, 
seine Vorwürfe, seine Bathschläge setzen freie Menschen voraus. Der 
Verfasser sage unumwunden (Syst. de la nat. 1, 16, 346), dass 
unsere Irrthümer nicht das Werk der Natur seien, dass uns der üble 
Gebrauch unserer Kräfte lasterhaft und unglücklich mache, und dass 
kein anderes Uebel sonst vorhanden sei, als welches wir uns selbst 
verursachen. Dieses Bekenntniss erscheine hinreichend. Wenn die 
Natur gerechtfertigt ist, so muss es ihr Urheber noch mehr sein. 
Wir wollen also jener Unstern Laune Stillschweigen gebieten, die dor 
Gottheit unsere Uebel zur Last legt und uns fälschlich überreden 
will, sie seien nicht zu heilen oder die Heilungsmittel seien nicht in 
unsern Händen. Wir wollen die Anzahl unserer Irrthümer und Ge- 
brechen zu vermindern suchen, worauf unsere Widerwärtigkeiten in 
gleichem Verhältnisse abnehmen werden. Auf die Einwendung, dass 
Gott nicht allmächtig sei, weil er das Böse, welches ihm missfalle, 
nicht verhindern könne, bemerkt Holland , Gott verhindere das Böse 
nur aus dem Grunde nicht, weil er nicht unsere Natur heruntersetzen 
und ans in Maschinen verwandeln wolle, die unfähig seien, Gutes 
oder Böses zu thun. Auf eine weitere damit verbundene Einwendung 
(Refl. II, 70), die Gerechtigkeit Gottes halte mit seiner Güte das 



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- 396 — 

Gleichgewicht, wobei die Güte Gottes nur dann stattfinde, wenn seine 
Gesetze entweder mangelhaft oder zu streng sind, wird am a. O. 
gesagt: die Güte, die Weisheit, die Gerechtigkeit, die Milde sind in 
der Gottheit nicht abgesonderte Eigenschäften, welche einander die 
Wage halten, oder deren eine der andern einen Abbruch thun könnte. 
Es sind dies bloss verschiedene Ausdrücke, mit welchen man für die 
menschliche Anschauung denselben Begriff eines unendlich vollkommenen 
Gottes zu bezeichnen sucht, der in den verschiedenen Wirkungen 
seines Willens derselbe ist. Man bediene sich dieser Ausdrücke auf 
der christlichen Lehrkanzel, um sich an die Fassungskraft des christ- 
lichen Volkes anzuschliessen und sich nach seinen Begriffen zu richten. 
Der Verfasser des Systems sagt weiter (Refl. II, 72): „ warum hat 
Gott das traurige Geschenk der Freiheit ausgedacht, da er voraus- 
sehen konnte, die Menschen würden dasselbe missbrauchen? hätte er 
nicht besser gethan, wenn er uns gezwungen hätte, ihn anzubeten, 
und dadurch eine unaussprechliche Glückseligkeit zu verdienen? 
Darauf antwortet Holland: ein Gut, von welchem man Übeln Ge- 
brauch machen kann, dessen rechter Gebrauch aber unfehlbar zum 
Glücke führt, ist kein trauriges Geschenk und wird dies nur durch 
unsere eigene Schuld. Es ist eine Verleumdung des Theismus, oder 
des Glaubens an einen lebendigen, in der Welt wirkenden Gott, wenn 
man ihm die Lehren und Verbrechen des Aberglaubens zur Last legt, der 
immer sein ärgster Feind gewesen ist. Eine Religion, welche sich auf das 
Sein eines allmächtigen Gottes, eines Belohners des Guten und Richters 
des Bösen, gründet, hat nie ein Uebel angerichtet, es ist sogar unmöglich, 
dass sie jemals ein solches wird anrichten können. Alle böse Hand- 
lungen sind förmliche Uebertretungen ihrer Gebote (ReH. II« 74.)* — 
tfeorg Friedrich von Holland, Neffe des Georg Jonathan 
Freiherrn von Hofland, Sohn des Immanuel QotÜieb Holland \ 
Stadt- und Amtsschreibers in Rosenfeld, geb. 1780, vermählt mit 
Louise Friederike, geb. Bayha, aus dem Geschlecht des Reformators 
Andrea, wurde 1804 Königl. Hofjagd-Sekretär in Stuttgart, 1844 
Kanzleirath und Ritter des württembergischen Kronordens, t 1848 ; 
er hinterliess 2 Söhne: 



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— 397 — 

1) Friedrieh Holland, geb. 7. August 1821, König]. Notar und 
Rechtsanwalt in Stuttgart. Gattin: Sofie, geb. Klippinger. 

2) Dr. Wilhelm Holland, geb. 9. August 1822, Professor der alt- 
romaniscben und deutschen Sprachen an der Landesuniversität. — 
Christoph Eberhard Holland, weiterer Sohn des bereits er- 
wähnten Stadtschreibers in Rosenfeld Johann Friedrich Holland, 
Stadt- und Amtspfleger in Rosenfeld, f 1759. Gattin: Maria Dorothea, 
geb. Harttenstein. Sohn: 

M. Jacob Priedr. Holland, geb. 1747, Pfarrer in Denkendorf 
und Weil im Schönbuch, anlässlich des Reformations-Jubiläums 1817 
von der Universität Tübingen zum Doctor der Philosophie honoris causa 
ernannt. Gattinnen: I.Sophie Dorothea, geb. Oslander; II. Friederica 
Dorothea, geb. Donner, welch beiden Ehen 5 Söhne entsprossten. 

Von ihnen sind näher bekannt: 

M. Eberhard Ludwig Holland, geb. 13. October 1784, Pfarrer 
in Rglosheim, f 1. November 1841. Gattin: Rosine Gottliebin, geb. 
Breeh. Eine Tochter, Marie Pauline, geb. 1824, wanderte 1848 mit 
ihrem Gatten Med. Dr. Zipperlen nach Amerika aus. Letzterer machte 
in der Armee des Generals Sherman als Brigadearzt 5 Jahre lang den 
amerikanischen Secessionskrieg mit und lebt seit 1869 in Cincinnati. - 

Uustav Albert von Holland, Sohn des Vorigen, geb. 19. Mai 
1819, widmete sich anfänglich der Landwirtschaft, dann dem Kameral- 
fach, wurde 1865 Regierungsrath bei der K. Centralstelle für Ge- 
werbe und Handel und Mitglied der Kommission für die gewerblichen 
Fortbildungsschulen, 1874 Oberfinanzrath, Ritter des württember- 
gischen Eron-Ordens I. Classe etc., vermählte sich in I. Ehe 1844 
mit Wilhelmine, geb. Siegel; in II. Ehe 19. Mai 1859 mit 
Sofie, geb. Gdhrung aus Brackenheim, Nichte des Hofraths Med. 
Dr. Zipperlen, Gründer der Wasserheilanstalten Herrenalb und Teinach. 

Da« *Für»tiiob Württembergische Dienerbach enthält folgende höhere Beamte den 
Namen« IfoUamd (Hokmd): Christian Ehrtnrsieh, G eis tl. Verwalter 525. —Christian Gott- 
IM>, Rtattecfareiber 526. — Erna*. Gottlieb, Stattschreiber 625. — Jae. Frid., Pfarrer 276. — 
ä*. Adam, Keller 276. — Mag*, Frid., Stattach reiber 579. — Maxim., GalstL Verwalter 
41*. — Phil. Lud*.. Cl.Hofmeiiter 365; Vogt 386, 408. 



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Huber. 



Peter Samuel Huber, geb. 10. März 1569 zu Ulm, besuchte 
das Gymnasium daselbst, bezog hierauf die Universität Strassburg, 
wo er Theologie studirte, wurde 1593 Pädagog am Wilhelmitischen 
Collegium daselbst und kehrte 1595 ins Vaterland zurück. 1596 
erhielt er das Diakonat zu Leipheim und wurde im gleichen Jahre 
noch zum Prediger am Münster in Ulm ernannt, welches Amt er 
45 Jahre lang mit aller Treue verwaltete. Er starb 1641, den 
29. Mai, seines Alters im 72 Jahre. 

Seine I. Gattin war seit 1596 Euphrogina, geb. Amann; die 
II. seit 1599 Rosina, geb. Strohmayer. — 

Peter Huber, Vetter des Vorigen, geb. 28. Januar 1603 zu 
Ulm, studirte zu Tübingen und Strassburg Theologie, wurde hierauf 
Helfer in Langenau 1631, in Geisslingen 1634, Pfarrer daselbst 
1645. Im Jahre 1645 wurde er als ausserordentlicher, 1654 aber 
als ordentlicher Pfarrer am Münster in Ulm angestellt, wo er auch 
den- 28. December 1670 starb. 

Seine I. Ehegattin war seit 1631 Helena, geb. Möller; die II. 
seit 1636 Anna, geb. Veilmann; die III. Huldberga, geb. Merck. — 

Johann Peter, Sohn des Vorigen aus II. Ehe, Pfarrer in 
Stetten 1670. 

Eben diesen Namen führten: 

Victor Aim6 Hnber, Sohn des Ludwig Ferdinand Hoher, 
Kursächsischen Legations - Secretärs in Mainz zuletzt Königlich 
Bayerischen Landesdirectionsraths in Ulm, t daselbst 1804, nnd 
Enkel des Lectors der französischen Sprache in Leipzig Michael 



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— 399 - 

Huber, geb. VI 21 zu Frontenhausen in Bayern, welche beide als 
Schriftsteller sich Namen erwarben. 

Victor AimS ist im Jahr 1800 in Stuttgart geboren; studirte 
Medicin in Göttingen und Würzburg, ging in der Folge 1821 nach 
Paris, nach Spanien, Portugal und England, gab die Medicin auf und 
begann für die Cotta'schen Journale (besonders die Allgemeine Zeitung) 
zu arbeiten. 1827 kehrte er wieder nach Göttingen zurück, war 1828 
bis 1829 Lehrer an der Handels- und Gelehrten-Schule in Bremen, folgte 
1833 einem an ihn ergangenen Rufe als Professor der Literatur- 
geschichte und neueren Geschichte nach Rostock, 1836 aber einer 
ihm angetragenen Professur der abendländischen Sprachen und Li- 
teratur in Marburg und ging 1842 nach Berlin. Im Jahre 1847 
wurde er im Auftrage der Regierung nach England geschickt, zog 
sich 1851 aus dem Professorenverband in Berlin und lebte von da 
an als Privatmann in Wernigerode. Seine vielen Schriften sind be- 
kannt, u. A. insbesondere: Die englischen Universitäten, Kassel 1839; 
Mecklenburgische Blätter, Parchin 1834; die conservative Partei, 
Halle 1841, und viele a. m. worunter auch medicinische. — 
Ferner sind zu nennen: * 

Johann Ludwig Huber, am 4. März 1723 (nach Pfaff 1725) 
zn Gros8heppach geboren. Guter Liederdichter, hatte Theologie studirt, 
verliess indess dieses Studium wieder, da er sich dadurch gekränkt 
fohlte, dass man in der Lokation ihm ungerechter Weise einen Pro- 
fessorssohn vorgesetzt hatte. Hierauf legte er sich auf die Rechts- 
wissenschaft, wurde später Hofgerichts-Advocat, sodann Oberamtmann 
in Bebenhausen, Regierungsrath und Oberamtmann in Tübingen. Als 
solcher widersetzte er sich aber im Jahr 1764 dem neuen Steuer- 
systeme unter der Montmartin'schQn Gewaltherrschaft und brachte 
dasselbe dadurch zu Falle, dass er es nur einfach in der Amts Versamm- 
lung ablas und keineswegs unterstützte. Für diese Kühnheit ward er 
auf den Asperg gebracht und daselbst in sechsmonatlicher Haft gehalten. 
Huber starb im Privatstande 18. Sept. 1800 in Stuttgart. Treu und 
eifrig lag er seinem Amte ob, wie er denn von sich selbst bekennt: „Ich 



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— 400 — 

habe mein Amt geliebt, ich habe meine Untergebenen geliebt, als meine 
Bruder; ich war ein fleissiger Mann ; ich habe keinen Rechtstag, keinen 
Gerichtstag, keinen Amtstag versäumt, ohne dringende Notwendigkeit; 
ich habe alle meine Protokolle selbst geführt, alle meine Berichte selbst 
gefertigt und geschrieben ; ich habe Ordnung geliebt, Frieden gepflanzt 
und erhalten, wo ich gekonnt habe; ich habe mit meinem Gelde Par- 
thieen untereinander verglichen und Processe verhindert; mein Amt 
und die Wahrheit und die Gerechtigkeit, und die Besetzung der mir 
untergeordneten Aemter waren mir um keinen Preis feil." Seine Ge- 
schicklichkeit und gute Amtsführung erwarben ihm Achtung auch 
bei seinen Vorgesetzten und der Herzog Karl selbst, der ihn persön- 
lich kannte, schätzte ihn und gab ihm, ohne sein Verlangen, den Hof- 
raths-Titel. Als er aber 1761 sich um eine Begierungsraths-Stelle 
in Stuttgart unmittelbar an den Herzog wandte, und eine Aufforderung 
des berüchtigten WUtleders, der damals mit allen Bedionstungen Handel 
trieb, sich an ihn zu wenden und die Stelle zu kaufen, geradezu 
abwies, so erhoben sich Hass und Verläumdung gegen ihn. 

Noch in seinem letzten Lebensjahr gab ihm der Herzog Beweis 
davoq, dass er den Groll gegen ihn abgelegt habe. Bechtschaffenheit, 
Biederkeit und Wahrheitsliebe waren Grundzöge in seinem Charakter, 
schon in der Jugend hatte er die Sitten der feineren Welt kennen lernen, 
ohne deren Fehler anzunehmen. Er verfasste sich folgendes Epitaph: 
«Guter Wirtemb. Mann! wenn du vorübergehst bey diesem kleinen 
Grabmale, so wisse: hier ruhen die Gebeine eines deiner treuen Mit- 
bürger! Unter mancherley Gefahren hat er sein Vaterland geliebt, 
gönne ihm izt des Grabes Ruhe und das Glück des ewigen Vater- 
lands!» Die erste Sammlung seiner Gedichte erschien 1751. 

Carl David GottHeb Huber,* geb. zu Stuttgart 25. December 
1780, t 10. August 1851, Geheimer Secretär des verewigten Prinzen 
Paul von Württemberg, verm. mit Johanna Adelheid, Tochter des 
Bürgermeisters von Hildburghausen Johann Elias Christoph KQbn*]-. 

* Eine Schwester von ihm war Franziska Louise FrUderile, geb. 1785, Gattin d«e 
Ober Poataekretärfl Johann Jalob Christian Ptlatgus. 



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— 401 — 

Sein Vater war Gott lieb Philipp Huber, geb. zu Steinheim a. d. 
Murr am 22. Januar 1750, Königlich Württembergischer Hauptmann 
und Regimentsquartiermeister in Stuttgart," seit 1792 Hofrath und 
Ktoeterhofmeister in Steinheim a. d. Murr; die Mutter Christiana 
Beata, Tochter des Stabs-Kellers in Liebenstein Bernhard Gottlieb 
Binniker; der Grossvater Philipp Jacob Huber, Bürgermeister in 
Steinheim; die Grossmutter Maria Elisabetha, geb. Heerbrandt; der 
Urgrossvater Johann Christof Huber, Kaufmann in Stuttgart (1706); 
die Urgrossmutter (Anna) Maria Catharina, eine Tochter des Amtmanns 
in Ehingen, nachherigen Kellers in Pfullingen Johann Conrad Knoll, 
Sohns des Klosterrerwalters in Blaubeuren Johann Conrad Knoll. — 
Carl David Gottlieb Huber starb mit Hinterlassung eines 
Sohnes Gottlieb, Directors des K. J£reis-Gerichtshofes in Heilbronn, 
Mitglieds des Staatsgeriohtshofes, Commenthurs des Kronen- und Fried- 
richs-Ordens,' vermählt mit einer geb. Bless; ferner einer Tochter 
Charlotte, Gattin des Decans in Knittlingen, nachmaligen Professors 
in Leipzig Dr. Gotthard Victor Lechler, Sohns des Victor Heinrich 
Lechler, zuletzt Pfarrers in'Oberboihingen und der Louise Christiana, 
Tochter des Specials in Wiidbad Philipp Ludwig Finkh. — 

Carl Friedrich Wilhelm Huber, Bruder des Vorigen, geb. den 
26. Januar 1790 zu Stuttgart, wurde Bechnungsrath in Stuttgart 
1817, Kanzlei-Director bei dem Finanzministerium 1817, Finanz- 
rath 1822, der Oberrechnungskammer zugetheilt 1827, Finanzrath 
in Ellwangen 1828, in Ludwigsburg 1840, in Stuttgart 1850. Er ist 
Verfasser de9 „Stammbaums der Familie Weckherlin", Stuttgart 1857. 
Gattin: seit 20. Juni 1822 Christiana Friederika Angnsta, 
Tochter des Königlich Württembergischen Finanz- und Staatsministers 
August Ferdinand Heinrich von Weckherlin. 
Kinder : 
I. Christiana Franziska Angnsta, geb. zu Stuttgart 18. Juli 
1825, verm. daselbst 20. Juni 1854 mit dem Chef des Kriegs- 
departements, Generalmajor Theodor von Wundt. 
IL Maria Emilie Pauline, geb. zu Ellwangen am 21. Oct. 1838. 

9. OtorgU-Gtorgenau, Biographlflch-Oenealogiftche Blätter etc 26 



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— 402 - 

III. Carl Ferdinand von Haber, geb. zu Stuttgart 26. Juli 1823, 
Ober-Ju8tizrath 1857, Obertribnnalrath, verm. seit 17. Nov. 
1855 mit Emilie Augnsta, geb. Benz. 

IV. Ferdinand Gottlob Augnst Huber, geb. in Stuttgart 16. Febr. 
1827, Director der Württembergischen Handelsgesellschaft da- 
selbst, Ritter des Friedrichs-Ordens, verm. seit 7. Mai 1861 
mit Anna Engenia, geb. Ren«, Schwester der Vorigen. 

V. Adolph Julius Wilhelm Huber, geb. in Ellwangen 1. Dec. 
1829, Königlich Württembergischer Oberlieutenant und Ba- 
taillons-Adjutant, verm. seit 25. Juli 1853 mit Anna Wilhel- 
mine Friederike, Tochter des Particuliers Wilhelm Päd 
Neubert, und der Ursula Rosina, geb. Bauer von Stallikon 
bei Zürich« 
VI. Gustav Fran* Huber, geb. zu Ellwangen 28. Januar 1831, 

t 1848. 
VII. Wilhelm Eduard Richard Huber, geb. in Ellwangen 1833. 
Stadtpfarrer in Biberach, verm. seit August 1864 mit Sophie, 
geb. Laitenberger. 
VIII. Otto Ernst Huber, geb. in Ellwangen 6. October 1836, Ge- 
heimer Ober-Eegierungs-Bath im Reichskanzleramt zu Berlin, 
verm. seit Mai 1865 mit Pauline, Tochter des Rectors Schwenk 
in Ludwigsburg. 

Du Forstlich Württembergisohe Dienerbuch enthält folgende höhere Beamte 
dea Namens Hueber (Huober, Huber): Ol.Hofmeister 353. - Joh. Lud*., CLPfleger J50: 
Vogt 268, 501, 676. — Joh. Walther, Amptmann 387. — Peter, Pfarrer 647. — OTr., Kell«. 
466. — Urban, OVorstmeister 186. 



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Hummel. 



Johann Friedrich Hammel wurde im Jahre der Nördlinger 
Schlacht 1634 den 20. (28.) Oct. geboren. Sein Vater Johann 
Bernhard Hummel, Sohn des 1635 an der Pest f Urban Hummel 
war Kaufmann zu Stuttgart (deren es damals in der ganzen fürst- 
lichen Residenzstadt nur 2 gab); die Mutter Sara, eine geborene 
Zimmermann von Esslingen. Die Letztgenannte flüchtete sich kurz 
vor der Geburt ihres Sohnes (Johann Friedrich' s) aus Angst vor 
den anrückenden Croaten in den Bothnanger Wald,* um daselbst 
ihre Niederkunft zu erwarten, kehrte jedoch noch ehe letztere erfolgte, 
wieder in ihre Wohnung zurück. Kurz nach der Geburt des Sohnes 
drangen die Croaten in die Stadt , logirten sich 16 Mann stark im 
HumtneVschen Hause ein, und warfen Mäntel, Waffen aller Art u. A. 
auf die Wiege, in welcher der kleine Neugeborene lag ; glücklicher- 
weise kam das Kind, ohne Schaden zu nehmen, mit dem Leben davon. 

Johann Friedrich absolvirte die für Württembergische Theo- 
logen gewöhnliche Laufbahn und wurde hierauf Vicar zu Asperg. Im 
Jahr 1656, in seinem 22. Jahre erhielt er das Diakonat Nagold, 
wurde sodann Pfarrer zu Höfingen 1658, Pfarrer zu Bothnang 1661 
bis 1680, zu Ehningen 1680-1717. 

Hummel starb 1717 den 4. April, seines Alters im 83., seines 
Predigtamts im 61. Jahr. 

Sein Symbolum war: „Mea Jesus futura haereditas summa." 

Seine Gattin war Susanna Barbara, Tochter des Herzoglich 
Württemb. Kammerraths Johann Christoph Koch. 



• Daher die Tradition, Hummel sei im Bothnanger Walde geboren. 



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— 404 — 

Söhi\e: 
I. Bernhard Friederieh Hummel, Special-Superintendent zu Knitt- 

lingen, hatte 2 Söhne. 
IT. Georg: Christoph Hummel, Herzoglicher Keller zu Gemmerig- 
heim. 

III. Johann Christian Hummel, Dr. Med. und Physicus zu Mark* 
gröningen. Dieser hinterliess 4 Söhne. 

IV. Benjamin Friederich Hummel, Klosterverwalter zu Bebenhan- 
sen, verm. mit Maria Dorothea, Tochter des Prälaten zn Blan- 
beuren Johann Wendel Bilflnger. Söhne: 

A) Friedrich Wendel Hummel, geb. 1701, Closter Bebenhäusi- 
scher und Blaubeurischer Pfleger in Tübingen, f 14. October 
1750 (1758). Seine Gattin war Christina Elisabetha, Tochter 
des Herzoglich Württembergiachen Regierungsraths und Assessor« 
bei der Kaiserlichen Kammergerichts-Viaitation zu Wetzlar Moria 
David Harpprecht, welcher Ehe 10 Kinder entsprossten, von 
denen 3 dem Vater im Tode vorangiengen. — 

Georg Friedrieh Hummel, Sohn des Vorigen, geb. 7. 
Mai 1733, J. ü. Lt. und Markgräflich Baden-Durlach'scher 
Canzlei-Advocat in Carlsruhe, nachmals Hof- und ßegierungs- 
rath, zuletzt Geh. Hofrath daselbst. Gattin: seit 15. Mai 
1759 Justina Elisabetha, Tochter des Herzoglich Württem- 
bergischen Regierungsraths und Tutelarraths-Präaidenten Phil. 
Friedrich Jäger, welcher Ehe 1 Sohn und 4 Töchter ent- 
sprossten. — 

B) Johann Benjamin Hummel, geb. in Bebenhausen 27. December 
1712, Diaconus in Sindelfingen, zuletzt Stadtpfarrer daselbst. 
Gattinnen : I. Louise Hedwig, Tochter des Stiftspredigers in 
Stuttgart Jacob Friederich Spittler; II. Johanna Christin*, 
Tochter des Begierunggrath Lang. 
Ebenfalls diesen Namen führten: 
Johann Eberhard Hummel, geb. 30. Aug. 1765 zu Spiegel- 



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— 405 — 

berg als Sohn des dortigen Herzogl. Kammerraths Hummel, Ober- 
justizrath, t 6. März 1839. 

Carl Daniel Gottleb von Hummel, welcher den 28. September 
1705 zn Stuttgart geboren wurde und als Königlich Würt- 
tembergischer Geheimer Legationsrath und Ritter des Kron- 
ordens den 20. Juli 1875 starb. 
« Derselbe, wohl bei seinem Tode der Nestor der aktiven Beamten 
des Landes, trat, nachdem er das Gymnasium seiner Vaterstadt be- 
sacht hatte, auf den Rath eines im damaligen Kabinetsministerium, 
späteren Ministerium der auswärtigen Angelegenheiten, angestellten Ver- 
wandten hin, beim Schreibtische dieses Ministeriums ein und zwar als 
Kanzlist, erst 17 Jahre alt. König Friedrich, dem die vortreffliche Hand- 
schrift des jungen Mannes auffiel, veranlasste die Versetzung des 
Kanzlisten in das K. Kabinet, in welch letzterem er denn auch 62 
Jahre lang bis zu seinem Tode verblieb. Hummel ward in seiner 
Stellung als Begistrator und Kassier schon anfangs zu mehrfachen 
Aufträgen, die weit über den Rayon seiner eigentlich dienstlichen 
Stellung hinausgingen, verwendet, und erhielt in der Folge von König 
Wilhelm 1842 Titel und Rang eines Legationsraths, von König Karl 
1872 Titel und Rang eines Geh. Legationsraths. 

Schon im. Jahre 1815 befand er sich in der Begleitung des 
Königs Friedrich, als dieser auf den Congress nach Wien reiste; 
am 24. September 1819 schrieb er in einer Nacht das Exem- 
plar der Verfassungsurkunde, welches König Wilhelm am 25. Sep- 
tember der konstituirenden Ständeversammlung übergab. Stets war 
er der treue ergebene Begleiter des Königs Wilhelm, wie auch Sr. 
Maj. des Königs Karl. 

Erprobte Zuverlässigkeit, unermüdlicher Floiss, praktisches Ge- 
schick und klarer Blick, verbunden mit einem seltenen Takt und einer 
bis zur Selbstverleugnung gehenden Diskretion, diess waren HummeVs 
Charakterzüge, die ihm das Vertrauen von drei Königen erwarben. 

Hummel besass ausser den Württemb. Orden den K. Preuss. 
Rotben Adlerorden III. CL, den Preuss. Kronenorden II. Cl., den 



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— 406 — 

Russischen Stanislausorden IL GL, den St. Wladimirorden IV. Cl., 
das Bitterkreuz des Oesterreich. Ordens der eisernen Krone, des 
Bayrischen Civilverdienst- und des Niederländischen Ordens der Eichen- 
krone, den französischen Ehrenlegion- und den päpstlichen Piusorden. 

Hummel wurde vor seinem Schreibtische sitzend von einem 
Schlaganfall betroffen. Zu seinem sich eben in demselben Zimmer 
befindenden Collegen konnte er noch die Worte sagen: »Ich glaube, 
es hat mich ein Schläglein getroffen«, selbst konnte er noch die Treppe 
hinabgehen, um in den sogleich herbeigeholten Wagen zu steigen, 
aber bei demselben angekommen brach er zusammen und musste in 
seiher Wohnung die Treppe hinauf getragen werden. 

Jene Worte waren seine letzten gewesen, sanft ohne wieder 
zum Bewusstsein gekommen zu sein, entschlief er an demselben Tage, 
den 20. Juli 1875.» 

Gattin: Henriette Charlotte, geb. Braun, welcher Ehe ein 
Sohn, Major a. D. von Hummel, und 3 Töchter entsprossten. — 

Du Fürstlich Württembergisohe Dienerbach enthält folgende höhere Beamte 
des Namens Hummel (Bummell): Benj. Frid., Vogt 328, 427. — Bert , Vogt 588. — Frid. 
Wendel, CLPfleger 261, 272 ; Verwalter Im fürstl. CoUcg. 582. - Georg Christof, Cl-Pfleger 
301. — Joh., Abt 326. - Joh. Benj., Pfarrer 668. — Joh. Ebern. Frid., RegJLSecretar 76. - 
Jon. Wendel, Pfarrer 391. 



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Jäger von und zum Jägersberg und Jäger. 

Johann Friderich Jäger von und zum Jägersberg, Herzog- 
lich Württembergischer Geh. Regiments- und Oberrath, auch Ober- 
vogt zu Brackenheim, wurde im Jahr 1596 den 10. März geboren. 

Sein Vater Martin Jäger von und zum Jägersberg war Bürger- 
meister zu Brackenheim; die Mutter Maria, Tochter des Bürger- 
meisters von Stuttgart Johann Megenhart ; der Grossvater Wolfgang 
Jäger, welcher mit Herzog Ulrich von Württemberg in der Jugend 
viele Jahre im Exil herumwanderte, nachgehends von Kaiser Rudolph II. 
in den Adelsstand* erhoben und mit vielen Privilegien dotirt wurde. 

Ueberhaupt leisteten die Jö^erischen Ascendenten über die 200 
Jahre dem Herzoglichen Haus Württemberg Dienste und war schon 
der erstbekannte dieses Namens, Fridrieh Jäger, Jägermeister zu 
Stuttgart. 

Johann Friderich studirte die Bechte zu Tübingen, Altdorf, 
Jena, Helmstadt, Wittenberg, Leipzig, Heidelberg, Paris, Burges, 
Lyon, practizirte zu Speyer bei dem Kaiserlichen Reichs-Kammer- 
gericht, doctorirte zu Basel in der Rechtswissenschaft 1620, wurde 
1622 Herzoglich Württembergischer Rath, auch Oberrath und 
ging in verschiedenen Gesandtschaften nach Kur-Sachsen, Kur-Bran- 

* Ebenfalls geadelt wurde der bekannte Melchior Jäger, scherzweise auoh Herzog 
UeUhior genannt, der verträumtste Rath Herzog Ludwufn, der als adeliger Geheimer 
Rath in seiner Würde sogar dem Kanzler und Vice-Kanzler vorging. Jäger thellte sich 
mit dem Landhofmeister Eraermts von Leiningen und dem Oberhofprediger Lukas Oektn- 
<Ur in die Regierung, und diese Häupter besetzten nun alle Stellen mit ihren Anhängern. 
Jäger trieb indess mit seiner Gewalt keinerlei Missbrauoh, sondern wirkte im Gegentheil 
•ehr viel Gutes, Nach des Herzogs Tode fiel Jäger in Ungnade, dagegen setzte ihn 
Herzog Johann Friedrich wieder ein und überliess ihm z. B. 1609 und 1610, als er sich 
zur Badekur nach Wildbad begab, fast sämmttiohe Begierungsgeschäfte. 



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— 408 — 

denburg, zu dem Erzbischof von Magdeburg und Halberstadt., zu 
Eva Christina , Markgräfin von Brandenburg, einer geb. Herzogin 
von Württemberg, zu Fürst Carl von Liechtenstein u. a. mehr. 
1829 ward er zur Verhinderung einer wegen des Kaiserlichen 
Ediktes von 1629 besorgten Occupirung der Stifter und Clöster 
Württembergs zu den Klöstern Ueberlingen, Ravensburg, Denken- 
dorf und an den Kaiserlichen Hof nach Regensburg gesandt. 

Als kurz nachher ein allgemeiner Compositions-Tag zu Frank- 
furt a. M. beschlossen wurde, versah er die Stelle eines Gesandten 
daselbst und kehrte erst 1634 wieder ins Vaterland zurück und zwar 
4 Tage vor Besetzung des Herzogthums, so dass er gerade Zeit hatte, 
seinem Herzog ins Exil nach Strassburg zu folgen, wo er 4 Jahre 
lang aushielt. In dieser Zeit aber führte er so viele Gesandtschaften 
seines Herzogs nach Heilbronn, Wallerstein, Wien, Linz und Regens- 
burg aus, dass er in den erwähnten 4 Jahren im Ganzen wohl kaum 
dreiviertel Jahre bei seiner Familie in Strassburg verweilen konnte. 
1637 begleitete er seinen Herzog an den Kaiserlichen Hof, auf wel- 
cher Reise er von einer Partie Reiter (50 Pferden) nahe bei Ebere- 
bach, Oberamts Göppingen, im Angesichte seines Herzogs durchsucht 
und ausgeplündert wurde. Im Jahre 1638 war er nicht nur bei der 
in demselben Jahr erfolgten Restitution der Württembergischen Lande, 
sondern auch später bei dem Münsterischen und Osnabrück'schen all- 
gemeinen Reichsfrieden thätig. 

9 Mal hatte er in verschiedenen Gesandtschaften bei Kaiser 
Ferdinand III. Audienz, welch* letzterer ihm auch die Confirmation 
seines Adels uud seiner Privilegien ertheilte, und ihn zum Kaiser- 
lichen Pfalzgrafen ernannte. 

Jäger starb 26. Februar 1656. 
t Seine erste Gattin war Catharina, Tochter des Bürgermeisters 
von Brackenheim und Herzoglich Württembergischen Landschafts-Aus- 
schuss- Verwandten Stephan Schmid und der Catharina, geb. Hlgler* 
die zweite Susanna, eine geb, Vambttier von und in Hemmingeiu 

Derselben Familie entstammte; 



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— 409 — 

Johann Wolfeang Jäger, geb. 17. März 1647, Kanzler and 
Probet zn Tübingen, Sohn des Kirehenraths-Expeditionsraths Johann 
Friedrich Jäger, und der Margaretha, geb. Menrer, Enkel des 
Johann Christoph Jäger, Bürgermeisters zn Brackenheim, Urenkel 
des Eingangs erwähnten Martin Jäger von und zum Jägersberg. 

Johann Wolf gang wurde nach Absolvirung des theologischen 
Stndinms im Jahr 1671 zum Repetenten, 1676 aber zum Informator 
und Reiseprediger bei den Söhnen Herzog Eberhards III. ernannt. 

Im Jahr 1678 wurde er Peldpredigor bei dem Prinzen Georg 
Friedrich, hierauf ausserordentlicher Professor der Geographie und 
lateinischen Sprache in Tübingen 1679, ordentlicher Professor der 
griechischen Sprache 1681, Professor der Moral und Ephorus des 
theologischen Stifts 1 684, Professor der Logik und Metaphysik, auch 
Yisxtator der Schulen ob der Staig 1689, ausserordentlicher Professor 
der Theologie und Superattendens des theologischen Stifts 1690, Dr. 
theolog. 1693, Abt zu Maulbronn und Professor theolog. honorarius, 
zugleich Rath und General-Superintendent 1694, Consistorialrath und 
Stiftsprediger 1699, Kanzler und Probst zu Tübingen und Professor 
theoL primarius 1702, Abt und Generalsuperintendent zu Adelberg 
1709. Jäger starb 1720 2. April. 

Seine T. Gattin war Anna Magdalena, Tochter des Dr. und 
Kanzlers zn Tübingen Johann Adam Oslander; die IL Maria Ca- 
tharina, Tochter des Kaiserlichen Kammergerichts-Prokurators Äbrah. 
Ludwig von Gttlcben. Von den zwei Töchtern war die eine, Anna 
Magdalena, mit dem Consistorialrath und Stiftsprediger in Stuttgart, 
auch Prälaten zu Adelberg Johann David Frisch, die andere da- 
gegen, Dorothea Jnliana, mit 'dem Regierungsraths-Secretär Georg 
Frid. Stockmayer vermählt 

Einer andern Familie dieses Namens gehören an: 

Philipp Friedrich Jäger geboren 14. October 1707. 

Sein Vater war Georg Friedrieh Jäger, Stadtschreiber in Schorn- 
dorf t 1731; die Mntter Anna Maria, Tochter des Stadtschreibers 
Phüipp Heinrich Wölflng, der Grossvater war Carl Friderlch Jäger, 



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- 410 — 

Vogt zu Herrenberg, t 1711; die Grossmatter Johann* Bosina, 
Tochter des Amtsschreibers zu Maulbronn Johann Georg Essich ; der 
Ür-Grossvater Georg Friderieh J*ger, # t 9. October 1679, viel- 
jähriger Vogt von Urach ; die Ur-Grossmutter Anna Bosina, Tochter 
des Herzoglich Württembergischen Oberraths Johann Jacob Müller; 
der Urur-Grossvater, Georg Jäger III, Forstmeister zu Böblingen, 
stammte aus dem Fürstenthum Anhalt und starb 1635 an der Pest; 
die Urur-Grossmutter Margaretha, eine Tochter des Pfarrers in 
Uhlbach M. Friederich Carioth, Sohn des Kanzlers in Mömpelgard 
Oarioth — »aus vornehmem Cariot Zusehen Geschlecht.« 

Philipp Friedrich Jäger war Herzoglich Württembergischer 
würcklicher Regierungsrath und Hofgerichts-Assessor, auch Präsident 
des Herzoglichen Tutelar-Raths-Collegiums, zugleich Herzoglicher 
Wittumbs-Bath der Erb-Prinzessin und Herzoglicher Lehenrath und 
starb 2. August 1745 im 39. Jahre seines Alters. Unter seinem 
von Andreas Fridrich jun. in Augsburg gestochenen Bilde steht 
folgender Vers: 

Gedächtnuss und Verstand zugleich in hohem Grad, 
Mit unverwandtem Fleiss dem Herrn und Lande nützen, 
Das Recht mit vestem Muth und reinen Händen schüzen, 
Gelehrtheit, Gottesfurcht und Freundschaft mit der That 
Ist Jäger*8 wahrer Ruhm, der nicht mit Ihm verblühet, 
Sagt Jeder, der von ihm noch diesen Schatten (Bild) siehet. 

Seine Gattin war seit 15. August 1730 Charlotta Regia», 
Tochter des Herzoglich Württembergischen Vogts in Kirchheim u. 
Teck Friederich David Cless und der Anna, geb. Palm, welcher Ehe 
9 Kinder entsprossten, von denen 4 Töchter den Vater überlebten. — 



* Dieser hinterließ noch 6 Sohne, als : 

deorg Friederich, Kanzlei- und Hofgerichts-Advocat und der Stadt Stuttgart Consulent 
1683, vermählt mit Conetantina, Tochter des Tutelarratha Johann von Vambükler, 
Stifterin des Varenbühler-Jäger'sohen Stipendium«, er starb 1687. 

Johann Friderieh, Amtsschreiber. 

Jacob Friderieh, Stadtpfarrer in Altenstaig. 

Eberhard Friderieh, Pharmaceut in Mühlhausen in Thüringen. 

Christoph Friderieh, Stadtschreiberei-Scribent in Stuttgart. 

Philipp Friderieh, Med. Stud. 



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— 411 — 

DaTid Friedrich Jäger, geb. 13. Januar 1684, Stadtpfarrer, 
t als Pastor zu St. Leonhard in Stuttgart 11. December 1728. 

Einst äusserte er, da sein Söhnlein Christian Friedrich eben 
krank lag: »Einer von ihnen beiden werde den kommenden Christtag 
sterben, und der andere acht Tage hernach.« Beides traf richtig ein. 

Unter anderen gebrochenen Worten während seines Abscheidens 
sagte er: »Das ganze Reich Gottes wird in meiner Seelen offenbar«. — 

Christian Friderich von Jäger, Herzoglich Württembergischer 
Eatb und Leibarzt, geb. 13. October 1739 zu Stuttgart als Sohn 
des Georg Friderich von Jäger, # geb. 1714, Med. Dr., Stadt- und 
Amtsarzts in Nürtingen und der Christiana Friederica, Tochter des 
Bürgermeisters zu Stuttgart Jacob Rheinwald. 

Christian Friderich studirte zuerst in den Klöstern Denken- 
dorf und Maulbronn Theologie, kam hierauf in das theologische Stift 
nach Tübingen 1758, magistrirte 1760 und vertauschte hierauf das 
Studium der Theologie mit dem der Medicin, die er anfanglich zu 
Tübingen, hernach zu Leyden, Berlin und Wien studirte. Nachdem 
er 1767 "zum Dr. der Medicin und ausserordentlichen Professor der- 
selben, auch ordentlichen Physicus am theologischen Stift zu Tübingen 
und beim Closter Bebenhausen ernannt worden war, stieg er in der 
Folge bis zum Königlich Württembergischen Rath und Leibmedicus. 
Als solcher starb er mit Hinterlassung von 5 Söhnen, wegen seiner 
vortrefflichen Kenntnisse, in der Medicin, den Naturwissenschaften 
und der Mathematik hochberühmt, im Jahr 1828. 

Gattinnen: I. seit 22. Nov. 1788 mit Christiana Elisabeth, 
Tochter des Professors in Tübingen Philipp Friedrich timelin; II. 
mit Luise Friederike, Tochter des Hofraths und Obervogts in Pforz- 
heim Friedrich Sonntag, Sohn des Burgvogts der Grafschaft Hoch- 
berg Engelhard Sonntag. — 

Karl Christ« Friderich von Jäger, Sohn des Vorigen, Kö- 
niglich Württemb. Hof- and Leibarzt, auch Ober-Medicinal-Rath, 
wurde den 2. Nov. 1773 geboren. Derselbe besuchte von 1790 

* Denen Bruder nach einer vorUegenden Leichenrede obiger Philipp Friderich, 
geb. 1707. 



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- 412 — 

bis 93 von Hause ans die hohe Karlsschule in Stuttgart, wurde im 
letzten Jahre Doctor der Medicin und hielt sich hierauf in Würzbarg, 
Erlangen, Göttingen und Wien längere Zeit auf. 1795 wurde er 
von Herzog Friedrich Eugen von Württemberg zum Hofmedicus, 
1797 zugleich zum Aufseher des Naturalien-Cabinets in Stuttgart 
ernannt. 1821 erhielt er den Charakter eines Königlichen Leibarztes, 
sowie den ehrenvollen Auftrag, dem aus dem russischen Feldzuge 
zurückkehrenden Kronprinzen entgegen zu reisen, dessen Krankheit 
den König und das Vaterland in die grösste Bestürzung gebracht 
hatte. 1813 wurde er Hofpflege- Arzt, Mitglied der Section des 
Medicinalwesens, bald nachher wirklicher Leibarzt, in welcher Eigen- 
schaft er König Friedrich auf 2 Reisen nach Wien und Frankfurt 
begleitete. 1820 ward ihm in Verbindung mit dem Hofbaumeister 
von Thouret der Entwurf für den Bau und die innere Einrichtung 
des Katharinen-Hospitals übertragen, zu welchem Zwecke er eine 
Reise nach München, Bamberg und Würzburg machte. Der Eröffnung 
des Instituts, 9 Januar 1828, sowie der Feier des 100jährigen Ge- 
burtsfestes des Herzogs Karl (11. November 1828) beizuwohnen ward 
ihm noch vergönnt Sein Tod erfolgte aber noch in demselben Jahre. 

Besonderen Buhm erwarb er sich durch seine Schrift über die 
Natur und Behandlung der krankhaften Schwächen des menschlichen 
Organismus (1805). — 

Gattinnen: I. Luise Wilhelmiie, Tochter des Geh. Oberfinanx- 
raths Burkh. Pfaff; II. Caroline Augaste Sophie Friedrike, Tochter 
des Geh. Archivars Carl Friedrich Pfaff. — 

Gottlieb Friederioh Jäger, Bruder des Vorigen, geb. 7. Juni 
1783, ordentlicher Professor der Philosophie zu Tübingen. Der- 
selbe trat im Jahr 1800 in das evangelisch-theologische Seminar 
zu Tübingen und widmete sich hier während eines fünfjährigen Kursus 
den vorgeschriebenen philosophischen und theologischen Studien unter 
der Leitung von Süskind, Flatl, Rödtr, Pfleiderer, Gaab, Schott und 
Bohnenberger mit dem besten Erfolge, am meisten hatte er jedoch den 
berühmten Schnurrer zu verdanken, für dessen Fächer er schon da- 



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- 413 - 

mals eine Vorliebe hatte, und der ihn seiner besonderen Gunst und 
seines väterlichen Rathes würdigte. Nach vollendetem Universit&tslanf 
nahm er eine Hofmeisterstelle in dem Hause des Grafen van Bantzau 
in Kiel an. Die Verhältnisse dieses Hauses, das ein Mittelpunkt 
schöner Geselligkeit war, der Umgang mit dem trefflichen and feinge- 
bildeten gräflichen Paare, der freundschaftliche Verkehr mit Männern 
von Geist und Gelehrsamkeit, unter denen sein berühmter Landsmann 
Pfaff, der schon von früher her mit ihm verbunden war, sich befand, 
die pädagogische Aufgabe selbst, die ihm gestellt war, dieses Alles 
mus8te auf den jungen, kaum erst der Universität entwachsenen Mann 
auf 8 vielseitigste anregend und bildend einwirken. Im Jahre 1808 
kehrte er zur Annahme einer Repetentenstelle ins Vaterland zurück, 
von wo er 1811 als Vicar nach Stuttgart ging. Noch während der 
Tübinger Bepetition, im Herbst 1810, hatte ihm der Kurator der 
Kieler Universität durch Pfaff die Stelle eines ausserordentlichen 
Professors der Theologie unter günstigen Bedingungen antragen lassen 
und Jäger war nicht abgeneigt sie anzunehmen ; die Erlaubnis hiezu 
wurde ihm jedoch mit Rücksicht auf die damaligen Verhältnisse und 
die von ihm als Seminaristen übernommenen Verpflichtungen gegen 
dag Vaterland verweigert. 

1811 wurde er Pfarrer zu Thamm bei Ludwigsburg, 1816 
ordentlicher Professor der Philosophie in Tübingen, wo er in der 
doppelten Eigenschaft eines Lehrers der biblischen Philologie und 
eines Ephorus des evangelisch-theologischen Seminars an der Landes - 
Universität wirkte, zwei Aemter, von denen er das erste bis zu 
seinem Tode, das zweite bis zum Jahre 1834 behielt. , 

Jäger starb mit Hinterlassung mehrerer Schriften 1843. 

Gattin seit 5. Aug. 1811 Elisabeth Christiana, geb. Bessert, 
welcher Ehe 3 Sfihne und 3 Töchter entsprossten. — 

Georg Friederieh von Jäger, Bruder des Vorigen, Ober med icinal- 
rath, Bitter der 0. d. w. Kr., R. I. Kl. des bayrischen V. 0. v. 
h. M., wurde den 25. December 1785 zu Stuttgart als der jüngste 
seiner Brüder* geboren. 

* Vom swei weiteren Brüdern itarb der eine, Friederieh Jäger, all Oberconnistorial- 
ratb, der andere als Chef eines Bankhauses in Frankfurt a. M. 



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— 414 - 

Derselbe trat als Repräsentant der vierten Generation in die 
Fussstapfen seiner ärztlichen Vorfahren. Während seine zwei ältesten 
Brüder längst schon die Karlsschnle besuchten, war anch er schon 
vom Herzoge zur Aufnahme in dieselbe» ausersehen worden. 

Einst als Jäger mit seinem Vater einen Spaziergang auf die 
Weinsteige ausführte, kam ihnen der Herzog entgegen, fragte den 
Vater: „Ich sag', ist das Sein Jüngster?" Auf die darauf erfolgte 
Bejahung der Frage fuhr der Herzog fort : „Den kann Er mir auch 
auf meine Akademie schicken". Indess vereitelte der bald nachher 
erfolgte Tod des Herzogs, dem die Aufhebung der Akademie auf dem 
Fusse folgte, diesen Plan. 

Georg Friederich ward nun in das Stuttgarter Gymnasium 
geschickt, bezog 1802 die Universität Tübingen, wo er einen Kreis 
trefflicher Lehrkräfte vorfand. Der berühmteste derselben war der 
geniale Kielmeyer, (geboren 1765, t 1844). Neben ihm glänzte 
Autenrieih (f 1835). Viele Freunde gewann er während dieser seiner 
Studienzeit, darunter den Dichter Karl Mayer, Ludwig Uhland 
(t 1862), (O.-Med.-Rath v<mKöstlin(f 1859), O.-Med.-Kath vonHärlin 
(t 1865), Staatsrath von Böser (f 1861), Präsidenten von KösÜin. 
Den intimsten Verkehr aber führte er mit Justinus Kerner; ein 
Frenndschaftsbund, der bis zu des Letzteren Tod im Jahre 1862 
dauerte. Von Tübingen aus wandte sich Jäger nach Göttingen, von da 
nach Paris, das damals der glänzendste Sammelplatz für Kunst und Wis- 
senschaft war und wo er an den berühmten Cuvier, (einen Mömpel- 
garder und auf der Karls-Akademie erzogen, t 1832), Empfehlungen 
mit sieb» führte. Mit den edelsten Schätzen des Wissens bereichert, 
nahm er dann den Bückweg nach der Heimath über Montpellier, 
Marseille, Genf und Bern. Durch den Einfluss seines älteren Bruders, 
der der erste und zugleich auch der beliebteste Arzt der Residenz- 
stadt war, gewann auch Jäger bald eine ausgedehnte Praxis, die 
durch seine angenehme persönliche Erscheinung, durch die Lie- 
benswürdigkeit seines Wesens, durch die edle Offenheit, die es ver- 
schmähte, in geheimnissvoller Ueberlegenheit zu glänzen, in kurzer 



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Zeit zd einer ganz bedeutenden anwuchs. Er wusste im wahren 
Sinne des Wortes der Freund desjenigen Hauses zu werden, in das 
ihn sein Beruf führte. 

Erst im Alter von 70 Jahren entsagte er der ärztlichen Thätigkeit. 

Seine wissenschaftlichen Arbeiten sind ganz bedeutend. 

> Cuvier war der die neue Aera der Naturgeschichte eröffnende 
»Genius und an ihn schloss sich bald eine Reihe ausgezeichneter 
»Geister, die seinen Spuren folgten, an, bestätigend, ergänzend, weiter 
»bauend und vollendend, was jener begonnen hatte. Unter diesen 
»aber war Jäger einer der ersten und sein in zwei Auflagen er- 
schienenes Werk über die fossilen Reptilien Wüttembergs trug seinen 
»Namen weit über die Grenzen des deutschen Vaterlandes hinaus. 

»In verschiedenen Zeitschriften fand eine Reihe von Aufsätzen 
»von ihm die ehrenvollste Aufnahme. Von solch kleineren Arbeiten 
»aber ist seine Biographie Kielmeyer' s unter dem Titel: »Ehren- 
»gedächtniss des K. württemb. Staatsrats von Kielmeyer« im XXI. 
»Band der Akten der Leopoldmischen Kanonischen Akademie der 
»Naturforscher 1845 eine der gelungensten. 

»Von 1819 an widmete er sich als Custos der Naturalien- 
»sammlung während 40 Jahren dieser Anstalt. Auch wirkte er ,als 
»geschätztes Mitglied der obersten Sanitätsbehörde, des Medicinal- 
»koUegiums, wo er anfangs zum Assessor ernannt, später Titel und 
»Rang eines Obermedicinalraths erhielt. Durch das Referat über die 
»Bäder, das er hatte, erwarb er sich besonders auch dadurch, dass 
»er als der erste die Vermehrung des Zuflusses der Wildbader Quellen 
»durch Bohrversache, die in späterer Zeit einen so glänzenden Erfolg 
»lieferten, in Anregung brachte, grosse Verdienste. 

»Noch bis in seine letzten Jahre machte er häufig grössere 
»Reisen, namentlich stattete er gerne den Versammlungen der Natur- 
forscher Besuche ab und kam so nach Prag, nach Berlin, nach 
»Wien, wo ihn seit seiner Jugend ein inniges Preundschafksverhältniss 
»mit seinen Namensvettern Karl und Friedrich Jäger, den berühmten 
»Augenärzten verband; nach München, wo ihm bei der Vorstellung 



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— 416 — 

»König Ludwig freundlich zurief: »Nun in Schwaben sind ja die 
»guten Köpfe zu Haus«, er aber kurz und bescheiden antwortete: 
»Geblieben, Euer Majestät!«« 

Jäger starb, nachdem er seinen ältesten Sohn, den tüchtigen, 
liebenswürdigen Arzt, Obermedicinalrath Hermann Jäger, renn, mit 
Emma, geb. Ostertag, seine beiden trefflichen Schwiegersöhne, den 
Diaconus H. Plank in Esslingen (f 1859) und den Decan Mehl in 
Stuttgart (f 1862) vor sich ins Grab sinken sah, 10. September 
1866 im 81. Lebensjahre. 

Seine 1. Gattin, eine geborene Hoffmann, mit der er sich 1812 
vermählt hatte, wurde ihm 1818 von der Seite gerissen; die II. 
dagegen, CharUtte, eine Tochter des Geh. Hofraths Schwab und 
jüngste Schwester Gustav Schwab 1 s überlebte den Gatten. — 

Oscar Jäger, jüngster Sohn des Vorigen, geb. 1830, Dr., 
Director des Friedrich Wilhelms-Gymnasiums in Cöln. 

Gattin : Wilhelmine, Tochter des Preuss. Geheimeraths Ellers. 

Das Fürstlich Wnrttembergisohe Dienerbuch enthalt folgende höhere Beamte de« 
Namena: Jäger (Jsger) CammerProcurator 100; Cantzler 73; Ol. Verwalter 870; Kriegs» 
Bath 101 ; Reg.-Bath 193 ; Special 601 ; StiftsPfleger 382. - Carl Christian, Exped.Bath 
147. — Carl Frid., Abt 336 ; Begistrator 45 ; Pfarrer 413 ; Stattschreiber 398 ; Vogt 396, 452. 

— Christian Fried., Oel.O.Bath 66; LeibMedio. 196. — Christoph Adam, Exped.Bath 145.- 
Christoph Frid^ Ambt8chreiber 303 ; OLPfleger 316 ; CLVerwaltter 269 ; GaisU.Verwaltter 
468; Stattschreiber 484; StifftsVerwaltter 464. — Dat>., Vorstmaister 466. — Dav. #W, 
Stiffts-Diaoon 661. — Erhard, Ol Hofmeister 360; Vogt 394. — Frid., Beg.B.8ecretar. 76. 

— Georg, Vorstmaister 397. — Georg Frid., Vogt 689 ; Oantzlei-Advoo. 93 ; Schultheis! 567 ; 
Stattschreiber 536; Vogt 408, 439. — Gottl. Frid , Vogt 488. — Hans, Ambtmann 470 ; 
Exped.Bath 109. — Hans Christoff, Amptmann 519 ; KeUcr 586. — Heinr., Vogt 306. — 
Heinr. Fridr., Vogt 282. — Joe., Keller 204; Vogt 500. — Joh. Christoph, CLPfleger 343; 
Keller 534, 584; Vogt 464 - Joh. Frid., Ambtmann 481, Ambtsschreiber 593; Archrw 
41; OantzleiAdvoo 96; OLPfleger 241 ; Exped.Bath 144 ; GaistL Verwalter 602; Oel.O.Bath. 
61 ; Keller 535; Begistrator 169; VisitatSecretar. 157 ; Vogt 434. — Joh. Gottlieb, Statt- 
schreiber 603. — Joh. Wolffg., Abt 238, 312 ; Cancellar. 580 ; Gaistl. Bath tm OonslsL 138. 

— Isaae, Vogt 606. - Ludw., Vogt 637. - Mrlch., Geh. Bath 590; Geh. BegimBath 18; 
Geh.Secretar. 30; Vogt 390, 506, 689; Vorstmaister 397. — Wolff, CLHofmeister 541: 
Fürstl. Informator 197; Hofger .Beysltzcr v. d. Landschaft 79; StifftsPrediger 644. — 
Wolffg. Phil., Ol Hofmaister 339; Vogt 357; Vorstmaister 466. — Jäger v. Gärtringc» 
(Gertringen): Melch., Geh. Begim.Bath 21 ; Oh.Secretar 103. — Jäger von und tvm 
Jilgersperg: Joh. Frid., Geh. Begim.Bath 22; O.Vogt 402. 



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Jenisch. 

„Dieses Geschlecht hat sich vor Alters in den Niederlanden 
„aufgehalten, als aber 1560 der König in Spanien daselbst wegen 
„der evangelischen Beligion zn reformiren angefangen, sind sie von 
„dannen geflohen, und haben sich an unterschiedene Orthe gesetzet- 
„auch injuria temporum, sonderlich im 30jährigen Kriege, noch mehr 
„zerstreuet worden; es finden sich Jenische zu Augsburg, zu Leut- 
„tireh, in Kempten etc. Von diesem Geschlecht ist ein auf Regal- 
„Papier mit allen Wappen gemahlter und mit Leinwand unterlegter 
„alter Stammbaum noch vorhanden." 

„Bartholomäus Jenisch lebte im Jahr 1437 zu Augsburg 
Seme Nachkommen zählten daselbst unter die ersten Patrizier-Ge- 
schlechter und verbanden sich durch Heirath mit den ersten Augs- 
bn«gisch-Kemptisch-Ulmischen Geschlechtern wie den Welsern, den 
Konig, den Born und Seuiern." 

Der Stifter der Stuttgarter Linie: 
■ Paul Jenisch wurde im Jahr 1558 den 17. Juni zu Antdorff 
(Antwerpen) geboren als Sohn des Hleronimus Jenisch, „vornehmen 
Kaufherrn". Dem Letzteren bestätigte Kaiser Ferdinand IL den 
'"rem Grossvater, Hans Jenisch, Sohn des obgenannten Bartholomäus. 
ron Maximüian I. verliehenen Adel. 

Paul besuchte in seiner Jugend die Schule zu ' Breda und 
flüchtete mit seinen Eltern, nachdem im Jahre 1567 die Verfolgungen 
fcr Evangelischen in den Niederlanden ausgebrochen waren, in dem 
Wagen des Grafen Wilhelm von Nassau, Prinzen von Oranien, 
»eichen dieser ihm eigens dazu überlassen hatte, nach Augsburg, 
*o er seine Studien fortsetzte; in der Folge bereiste er Italien, 
»»ohl zur Kaufmannschaft bestimmt, hegte er doch eine grosse 

f. O-rgii-Otortma», Biogr»phi*>h.Gene»logtoche Blitter etc. 27 



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— 418 — 

Vorliebe für das Studium der Theologie und bewog desshalb seine 
Eltern zu Gestattung dieses seines Wunsches. Nachdem er diess 
erreicht hatte, begab er sich auf das Gymnasium nach Lauingen, von 
da 1580 auf die Universität Tübingen, wo er in der St. Jacobs (Spital-) 
Kirche öfters predigte und zwar u. a. in Anwesenheit des Grafen 
Conrad von Tübingen, dos Dr. Jacob Andrea und des Dr. 
Theodoricus Schnepf. Ebenso hielt er in der Kirche des benach- 
barten Dorfes Derendingen, wo damals der bekannte Trüber aus 
Kärndten das Pfarramt bekleidete, den Gottesdienst. Im Jahre 1584 
besuchte er die Universitäten Jena, Leipzig und Wittenberg, kehrte 
sodann wieder nach Tübingen zurück und wurde hierauf nach Augs- 
burg berufen und zum Kirchenprobst daselbst ernannt. 

In Folge des Wiederausbruchs der Verfolgungen der Evan- 
gelischen in dieser Stadt musste er 1595 mit Verlust seiner zeitlichen 
Güter sein eigentliches Vaterland verlassen und zog nach Lauingen. 
Von da begab er sich 1609 nach Stuttgart, wo er in den damaligen 
theuren Jahren ohne irgend eine Anstellung 11 Kinder unter viel- 
fachen Sorgen zu ernähren hatte. Da eine erledigte Kirchenstelle 
nicht vorhanden war, verlieh ihm Herzog Johann Friedrich seines 
musikalischen Talentes willen* die Stelle eines Capell- Verwandten 
und setzte ihm eine Lautenisten- Besoldung aus. Als er zuletzt 
Alters halber sein Amt nicht mehr versehen konnte, bedachte ihn 
Herzog Eberhard mit einer Pension, die er bis zu seinem Tode 
genoss. Er starb, nachdem er schon mehrere Jahre vorher sein 
Epitaph und Grabmal hatte verfertigen und in der St. Leonhards- 
kirche aufhängen lassen, zu Stuttgart den 18. December 1647 im 
90. Jahre seines Alters. 

Jenisch sammelte und gab heraus den bekannten „Seelenschatz" 
in 5 Theilen, wegen dessen er hauptsächlich auch Augsburg hatte 
verlassen müssen. Der erste Theil desselben erlebte eine 12malige 
Auflage und den 5. und letzten Theil beendigte er in seinem 88. 



* Schon in Augsburg hatte er mehrere Jahre lang ein OoUegium Mnsfcom 
gehalten. 



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- — 419 — 

Jahre unter Mithilfe seines Vetters, des gewesenen Syndicus zu 
Memmingen D. Jacob Jenisch. 

Seine I. Gattin war Maria, geb. Bossart von Augsburg; die II. 
Helena, Tochter des Bürgermeisters Johann Keller von Memmingen, 
welchen Ehen 19 Kinder entsprossten, von denen 5 den Vater über- 
lebten. — 

Joseph Jenisch, Sohn des Vorigen, der bekannte Pfarrer in 
Münchingen, den 26. November 1606 zu Lauingen „ohne Zunge" 
geboren, welche jedoch, wie er wörtlich sagt, „durch Gottes Gnade 
nach noch nicht vollendetem ersten Jahre gewachsen ist." Derselbe 
studirte ebenfalls Theologie, wurde Vicar zu Lichtenstern 1633, Diaconus 
zu Böblingen 1635, Pfarrer zu Münchingen 1637, und starb den 10. 
April 1675, seines Alters im 69., seines Predigtamts im 40. Jahre. 
Seine I. Ehegattin war Anna, Tochter des Pfarrers M. Blasius 
Braun in Münchingen ; die II. Agnes, eine geb. Engel. Aus diesen beiden 
Ehen giengen 25 Kinder hervor ; 1 1 von ihnen überlebten den Vater. 
Ebenfalls dieser Familie gehören an: 

Christoph Friedrich Jenisch, Sohn des 5. März 1757 im 37. 
Jahre seines Alters t Pfarrers in Kayh Christian Friedrich Jeniseh 
nnd der Christiana Sophie, geb. RQhlen, Enkel des Heinrieh Jacob 
Jeniseh und der Catharina Juliana, geb. Ettlinger, Urenkel des 
Christian Jenisch und der Anna Maria, geb. Sonder, Ururenkel des 
vorerwähnten Joseph Jenisch, geb. in Kayh 24. October 1753, Kauf- 
mann, verm. seit 11. Februar 1781 mit Juliana Barbara, geb. 
Zimmermann. Er starb 5. Juli 1820. Kinder: 
1. Eberhard Friederieh, geb 4. Sept. 1789, t 22. Mai 1862. 

Gattin: seit 10. Januar 1814 Sabina Friederike, geb. Bander. 
Kinder: a) Marie, geb. 29. Juli 1816, verm. seit 12. Sept. 1839 
mitHofrath Philipp Adam Andreas Roth, geb. 6. Juni 1807, f 
4. März 1869. b) Caroline Luise Catharine Sophie Emilie, 
geb. 12. November 1818, verm. seit 12. September 1837 
mit dem Dr. med. Carl August Krauss, t 3. Juli 1849. 
c) Mathilde, geb. 24. Dec. 1821, verm. seit 15. Febr. 1851 



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- 420 — " 

mit Major von Griesinger. d) Pauline, geb. 25. April 1826, 
vermählt seit 20. November 1853 mit Bankier «7. B. HärÜ 
in Stuttgart, e) Fanny, geb. 28. März 1832. f) Julie, geb. 
10. Februar 1834, t 14. März 1854. g) Julius, geb. 28. 
November 1814, t 9. April 1856. h) Albert Friedr. Jenisch, 
Kaufmann, geb. 31. Dec. 1824. Gattin: seit 26. August 
1871 Auguste Mathilde, geb. Böse, geb. 24. Juni 1837. 
i) Gustav Eberhard, geb. 8. December 1829, t 9. Mai 1842. 

2. Friederike Dorothee, geb. 16. August 1793, verm. 30. Mai 
1812 mit Kaufmann Schnabel. 

3. Carl Ludwig, geb. 26. Sept. 1794, Kaufmann, t 21. Aug. 1863. 
Gattin: seit 4. Mai 1822 Christiana, geb. Mann. Kinder: 

a) Hertha Christiana Julie, geb. 23. März 1824, verm. seit 
29. Juni 1847 mit Kaufmann Adolf Friedrich Schill, geb. 25. 
Sept. 1818. b) üugenie Sophie, geb. 3. März 1825, t 18. 
October 1862. Gatte: seit 23. August 1853 der Königlich 
Württembergische Handelsconsul in Antwerpen Johann Ludwig 
Hang, geb. 28. Sept. 1819. c) Ottilie Friederike Luise, geb. 
5. März 1826, verm. mit Dr. Carl Kohler in Genf, d) Christiane 
Sophie, geb. 25. Dec. 1827. e) Johanna, geb. 7. Jan. 1845. 
f) Paul Friedrich Wilhelm, geb. 6. April 1823, Kaufmann, 
unverheiratet t 24. Sept. 1849. g) Ernst Hermann, geb. 
14. Sept. 1836, Kaufmann, h) Ludwig, geb. 20. Juni 1838, 
Kaufmann, verm. seit 16. Mai 1867 mit Marie Friedrike, geb. 
Schmidt, geb. 25. October 1840. — 
Eberhard Friedrich Jenisch, geb. 17. September 1752, t als 

Pfarrer in Kirchheim a./N. 19. Januar 1832. Gattin: seit 25. Nov. 

1779 Friedricke, Tochter des Decans Faber zu Neuenstadt a. d. Linde, 

welcher Ebe 3 Söhne und 3 Töchter entsprossten. — 

Heinrich Jenisch, geb. 15. November 1754, t als Vicar in 

Aidtlingen 21. September 1779. — 

Dm Fürstlich Württembergiache Dienerbuch enthält frlgende höhere Beamte da 
Namens Jenisch: Gtorg Frid. t Vogt 393.— Heinr. Joe., Pfarrer 453. — Joh., Cl.Pfleger ?41 : 
Joh. Bernh., GaistL Verwalter 440. — Phil. Joseph, Abt 268; Bawmeister 307. 



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J l s t. 



Friedrich Heinrich Rudolph tob Jobst, Bitter des Ordens der 
Württemberg. Krone und des Bayerischen Ordens vom heiligen Michael, 
wurde den 2. Jannar 1786 zu Stuttgart geboren und stammte aus einer 
bayerischen Familie. Nachdem sich derselbe in Stuttgart und Nürnberg 
dem DrogTien-Geschäft gewidmet hatte, etablirte er im Jahr 1808 ein 
eigenes Geschäft zu Stuttgart. Im Jahre 1820 errichtete er ein 
Institut zur Unterstützung würdiger Gehilfen der Pharmacie, die durch 
Alter oder Krankheit in dürftige Umstände gerathen waren, und 
brachte die Kasse desselben in den ersten fünf Jahren durch wohl- 
wollende Beiträge auf mehr als 3000 fl. Im Jahr 1828 gründete 
er eine chemische Fabrik, hauptsächlich zur Erzeugung von Chinin, 
damals die erste in Deutschland, welche dann später durch seine 
Söhne noch beträchtlich vergrössert wurde. Das Fabrikat erhielt auf 
den Weltausstellungen in Berlin, London, München und Paris die 
ersten Auszeichnungen und Prämien. Auch zu Coblenz errichtete er 
ein DrogTien-Geschäft, welches er in der Folge an einen seiner Freunde 
ganz abtrat. Im Jahr 1855 betheiligte er sich in einer den aus- 
gedehnten Bestand und die Betriebsfähigkeit sehr fördernden Weise 
bei der Maschinenfabrik und Eisengiesserei der Firma Kuhn in Berg. 
Eine besonders glückliche Idee von ihm war auch die Ausführung 
einer bei der in Stuttgart abgehaltenen zwölften Versammlung 
deutscher Naturforscher und Aerzte von seinem Hause veranstalteten 
Ausstellung von Droguen und Chemiealien aus den verschiedensten 
Welttheilen, wobei die Waaren in ihrer Original -Verpackung und 
in ihrer natürlichen Beschaffenheit, gerade so, wie sie von den Bezugs- 



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- 422 - 

platzen kamen, und in ihren verschiedenen Abstufungen zur Anschauung 
dargestellt waren, so dass zugleich Gelegenheit dargeboten wurde, 
die Unterscheidung des Echten und des Verfälschten zu erleichtern. 
In Folge dieser Ausstellung, welche sich der Anerkennung und des 
Dankes aller Sachverständigen zu erfreuen hatte, wurde der Chef des 
Hauses zum Mitglied vieler pharmaceutischen und naturwissenschaft- 
lichen Vereine und Gesellschaften ernannt. Auch sonst erwarb sich 
Jobst durch Errichtung eines Actien -Vereins zur Verbesserung des 
württembergischen Weinbaues, ferner 1846 als Mitglied der K. Ge- 
treide-Commission , welche den Auftrag hatte, Weizen vom Ausland 
herbeizuschaffen, einen bedeutenden Namen. 

Er starb, von dem Könige von Württemberg mit dem Titel 
eines Commerzienraths und Geh. Hofraths ausgezeichnet, von Jeder- 
mann hochgeschätzt, 1859 den 13. September im 74. Jahre seines 
Alters. Seine erste Gattin war Babette Räbel von Nürnberg, die 
zweite Nanny, geb. Klein. Kinder: 

1. Friedrich Carl Ludwig Jobst, Fabrikant, geb. 22. Juli 1814, 

tll. October 1858 in Mailand. Gattin: seit 7. September 

1837 Emilie, geb. Schnabel. Kinder: 

1) Friedrich Heinrich Carl Julius Jobst, Dr. phil., Inhaber 

mehrerer Orden, geb. 19. Juli 1839, Fabrikant, war im 

Jahre 1866 Preisrichter bei der grossen Amsterdam'schen 

Ausstellung und zwar bei der tropischen Abtheilung der 

Botanik; bereiste im November und December 1870 mit 

seinem Freunde Dr. Julius Euting,* jetzigem Kaiserlichen 

Reichs-Bibliothekar in Strassburg, die europäische Türkei, 

die Euting schon früher besucht hatte. 

Gattin seit 1866: Mathilde Henriette, Tochter des 
Kaufmanns in Messina Carl Löffler und der Ernestine, geb. 
Tobler, von St. Gallen. 

* Sohn des Kanzleiraths Franz Euting in Stuttgart und der WUMmim /ViV 
Jerike, geb. Kie recker, geb. 11. Juli 1839. 



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- 423 - 

2) Clara, geb. 3. Sept. 1852, vermählt mit dem Particulier 
Gustav Zorn, Sohn des Particuliers in Stuttgart Georg 
Zorn, Ritters des Friedrichs-Ordens. 

3) Eiigenie, geb. 15. April 1856, vermählt seit 1877 mit 
Friedrich Raimund Constantin Graf von Degenfeld-Schom- 
burg, Rittmeister und Escadronschef im Dragoner-Regiment 
Königin Olga Nr. 25 in Ludwigsburg. 

IL Carl August Gottlieb Jobst, Bruder Friedr. Carl lAidmg's, 
geb. 3. August 1816, Commerzienratb, verm. mit Julie, geb. 
Schnabel. Kinder: 

1) Emma, geb. 25. November 1846, verm. seit 6. Mai 1873 
mit Dr. phil. Schady in Göttingen. 

2) ttalwina, geb. 22. Juni 1849, vermählt 1871 mit dem 
Bittergutsbesitzer Planck von Planckburg, in Linz, Wittwe. 

3) Friedrieh Carl Alfred, geb. 21. November 1844, Fabrikant, 
renn. 23. April 1867 mit Eugenie Charlotte Louise 
Christiane Josephine, geb. Winter. 

4) Friedrich Carl Max, geb. 15. Februar 1854. 



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Eapff. 



In der Registratur des Klosters Adelberg finden sich mehrere 
Andeutungen, dass die Familie Kapff den vormals zum Klosteramte 
Lorch, jetzt zur Gemeinde Yordersteinenberg, O.A. Gaildorf, gehörigeu 
Weiler Kapf* seit langer Zeit inne gehabt hat. Dessen letzter 
Besitzer war: 

Peter von Kapff, der 1481 beim Hofgericht zu Tübingen 
eine Apellationssache hatte und als Stammvater der Familie anzusehen 
ist. Derselbe war Bürger in Schorndorf und verkaufte 1486 laut 
Spitallagerbuch von Blaubeuren den dritten Theil von dem Dorf March- 
bronn an den Spital von Blaubeuren ; er baute unweit seines Stamm- 
hauses eine Capelle zur heil. Maria, welche 1674 noch stand. Nach 
einer Pergament Urkunde vom Gericht zu Salach von 1478 hatte ein 
Hans von Kapff mit einem Peter Schenk von Schorndorf wegen 
Viehtriebsgerechtigkeit einen Process; ob aber Ersterer ein Bruder 
des Peter von Kapff war, ist nicht zu ermitteln. Letzterer hatte 
einen Sohn: 

Thomas von Kapff, geb. 1536, und dieser einen Sohn: 

Hans von Kapff, Bürgermeister in Schorndorf, der sich bei 
Herzog Ulrich von Württemberg in den damaligen drangsalvollen 
Zeiten durch Geldanlehen verdient gemacht hatte und im Jahre 1548, 
als er im Begriff war sich auf seine Güter zu begeben, zwischen 
Winnenden und Backnang von den Feinden meuchlings angefallen 
und ermordet wurde. Sein Leichnam wurde in der Stiftskirche zu 
Backnang beigesetzt. Dessen Sohn war: 

* Sein Stammhaus „Kapffen" wurde von den Oesterreichern verbrannt und er 
inuaste seine Güter an Oestcr reich abtreten. 



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— 425 — 

Georg Ton Kapff, verm. mit Agnes Bühler. Dessen Sohn: 
Thomas von Kapff, Herzog Friedrichs Kammerjunker, verm. mit 

der Tochter des Bürgermeisters Melchior Breidncr in Schorndorf. 

Dessen Sohn: 

Johann yon Kapff, geb. 25. März 1592, Vogt zu Schorndorf, 
verm. mit Ursula Hirsehmann. Dessen Sohn : 

M. Sixt yon Kapff, geb. 30. Februar 1628, 1660 Pfarrer in 
Urbacb, verm. mit Catharlna Hirsehmann. Dessen Sohn: 

M. Johann Thomas Kapff, Pfarrer in Oberurbach, Stifter des 
Kapff'schen Stipendiums, d. d. 5. Februar 1733, ist kinderlos ge- 
storben. Von seinen 7 Geschwistern stammen die verschiedenen Linien, 
genannt: 

Urbacher-, Sulzer-, Grossbottwarer-, Steinenberger-, Stuttgarter- 
Schorndorfer und Heimsheimer Stamm. 

Ans diesen Stammen werden folgende Descendenten hervorge- 
hoben: 

A) Ulrich David Kapff, geb. 17. Mai 1739, genoss während seiner 
Jugend den Privatunterricht des Vaters und kam nach erstandenem 
Examen in Stuttgart 1752 als Hospes ins Closter Blaubeuren, wo 
er 1754 als Alumnus aufgenommen wurde. Von da gieng er ins 
Closter Bebenhausen 1755, zuletzt nach Tübingen 1757, wo er die 
philosophischen und theologischen Studien absolvirte. Nachdem er 
seit 1762 eine Hofmeistersstelle hn dem Sohn des Grafen von Orten- 
bürg bekleidet hatte, kehrte er 1766 wieder ins Vaterland zurück, 
wurde Vikar in Blaubeuren und Seissen, hierauf 1767 II. Diaconus 
in Göppingen, wobei ihm gleichzeitig die Pfarrei Bartenbach über- 
tragen wurde. 1776 zum ersten Diacouus in Göppingen ernannt, starb 
er 27. Januar 1780 im 41. Jahr seines Alters. 

Seine Gattin war seit 1767 Christiana Eligabetha, Tochter des 
Raths und Prälaten Gottfried Känfelin zu Blaubeuren, welche ihm 
7 Söhne und 3 Töchter gebar, von denen 2 Söhne frühzeitig dem 
Vat^r im Tode vorangiengen. Die übrigen waren: 



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— 426 — 

I. Sofie Dorothea, vermählt mit dem nachmaligen Decan in Reut- 
lingen David Friedrich Cless. 
IL Angnsta Friederike, vermählt mit dem Pfarrer in Herbrechtingen 
Christoph Ferdinand Moser. 

III. Christiana Friederike, geb. 11. Mai 1773. 

IV. Gottfried Ulrich David, geb. 9. Febr. 1768, zuletzt Decan in 
Herrenberg, verra. seit 14. August 1798 mit Eberhardine) 
Tochter des Oberamtmanns Christian Friedrich Hehl in Calw. 

V. Sixt Eberhard, geb. zu Göppingen 4. October 1774, König]. 
Württemb. Staatsrath, Geheimerrath in Stuttgart f 31. Aug. 1851. 
Gattin: Eleonore, geb. Heigelin. 

B) Sixt Gottlieb Kapff, geb. 31. Dec. 1724 zu Gomadingen 
als Sohn des Pfarrers daselbst Sixt Kapff, und der tiottliebin, 
geb. Gräter, studirte Theologie, wurde Diaconus in Marbach 1753, 
dann Professor in Denkendorf 1762, starb 1780. 

Seine Gattin war seit 1. Juli 1753 Friederike Christiane, 
Tochter des Hofkammerraths Joh. Conrad Spring in Stuttgart. Kinder: 

1) Justina Gottliebin, vermählt seit August 1791 mit dem Pfarrer 
in Benningen August Friedrich Pauli, nachmaligem Professor 
in Maulbronn, zuletzt Pfarrer in Mössingen. 

2) Friederike Christiana, vermählt seit 20. Februar 1786 mit 
dem Pfarrer Johann Wilhelm Mohl in Heumaden. 

3) Sixt Gottlieb, geb. 24. December 1754, Advokat. — 

C) Carl Friedrich Kapff, Sohn des Johann Thomas Kapff, Bech- 
nungs-Commissärs in Hausen, und der Helene Catharina, Tochter des 
Vogts von Nürtingen, Gebh. Friedrich Molventer, Enkel des Vogts von 
Grossbottwar Johann Melchior Kapff, war Kaufmann in Stuttgart 
und starb 1773. 

Gattin: seit 11. August 1763: Friederike, Tochter des Com- 
merzienraths in Stuttgart Johann Fricdr. Zoller und der Christine 
Margaretha, Tochter des Lieutenants in Stuttgart Johann Jacob 
Schuhmacher. Sohn : 



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- 427 - 

Friedrieh Carl Kapff, geb. 22. Juli 1765, Kaufmann in 
Stuttgart, t 22. Mai 1817, verm. mit Dorothea, Tochter des 
Jacob Heinrich Keller, Kaufmanns in Stuttgart. Kapff 
hinterliess 3 Söhne, von denen einer ohne Hinterlassung mann? 
licher Nachkommen starb; die beiden anderen sind: 

I. Heinrich Carl Kapff, geb. 28. October 1800, Kaufmann in 
Stuttgart, Inhaber der heutigen Firma F. C. Kapff. 
Gattin : Augnsta, geb. von Stockmayer, Tochter des Königl. 
Württ. General- Lieutenants von Stockmayer. Söhne: 

1) Carl Kapff, geb. 5. März 1828, Kaufmann. Gattin: 
Mathilde, geb. Chnr. 

2) Wilhelm Kapff, geb. 21. Juli 1832, Kaufmann. Gattin: 
Marie, geb. Bezzenberger. 

II. Carl Friederich Kapff, geb. 7. Januar 1802, Kaufmann in 
Stuttgart und Mitglied des Vorstehercollegiums der Würt- 
tembergischen Sparkasse, vermählt seit 3. October 1826 
mit Victorine Eleonore Henriette, geb. Stückten; starb 9. 
November 1867. Aus seiner mit Kindern reich gesegneten 
Ehe blieb nur ein Sohn am Leben, Paul Kapff, geb. 15. April 
1841, Banquier in Stuttgart und Mitglied des Vorsteher- 
Collegiums der Württembergischen Sparkasse, vermählt seit 
19. Juni 1866 mit Marie Louise, Tochter des t Archiv- 
raths Pistorius, Ritters des Friedrichsordens I. Classe und 
des Oesterreichischen Ordens der eisernen Krone. — 

D) Sixt Jacob von Kapff, Württembergischer Geh. Rath, geb. 
1735, t 1821, Sohn des Johann Melchior Kapff, Pfarrers zu Plüder- 
hausen, und der Euphrosina Catharina, geb. Cotta, Tochter des 
Universitäts-Buchhändlers Johann Georg Cotta zu Tubingen und 
Schwester des 1779 f Kanzlers der Universität Dr. Johann Friedr. 
Cotta, Stifters des reichen Cotta- Kapff sehen Stipendiums. 

Derselbe studirte zu Tübingen die Jurisprudenz, wobei er 



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— 428 — 

nebenher den Privatunterricht seines Vetters, des damaligen Repeten- 
ten, nachherigen Klosterprofessors in Denkendorf, Sixl Gottlieb Kapff, 
wie auch seines älteren Bruders, M. Johann Melchior Kapff, nach- 
herigen Pfarrers zu Lorch, genoss. 1757 wurde er J. U. Lt. und 
in demselben Jahre noch unter die Zahl der Hofgerichts-Advokaten 
aufgenommen. Von nun an widmete er sich der juridischen Praxis, 
verband aber damit die Fortsetzung der Theorie, und hielt unter 
besonderem Beifall Privatvorlesungen, darunter eine über römische 
AlterthOmer und Institutionen, welche der damals sich zu Tübingen 
aufhaltende Prinz Johann Carl Ludwig von Pfalz- Zweybrück-Birken* 
feld besuchte. 1761 wurde er ausserordentlicher Rechtslehrer bei der 
Universität zu Tübingen, hierauf Hofgerichts-Beisitzer 1765, Professor 
des Collegii illustris 1766, VII. ordentlicher Rechtslehrer und Beisitzer 
der juristischen Facultät 1767, 1770 rückte er in die VI. ordentliche 
Lehrstelle vor und musste nun nach damaliger Observanz die Bei- 
sitzersstelle bei dem Herzoglichen Hofgerichte nebst der Professur 
des Collegii illustris verlassen, wofür ihm aber 1 780, auf Absterben 
Hofmann 's, das Primariat bei beiden übertragen wurde. 1794 er- 
hielt er von Herzog Ludwig Eugen den Charakter eines Herzogl. 
Geh. Raths und 1804 von König Friedrich als damaligem Kur- 
fürsten die Stelle eines wirklichen Geheimenraths. Als 1806 an 
die Stelle des ehemaligen Hofgerichts das Königliche Obertribunal 
trat, wurde Kapff zum Director desselben und zugleich zum Com- 
menthur des Königlichen Civil -Verdienst -Ordens ernannt. 1817 
erhielt er das Prädicat Excellenz. Im gleichen Jahre noch, als 
das Königliche Obertribunal von Tübingen nach Stuttgart verlegt 
wurde, trat er in Ruhestand: er starb, nachdem er noch 1819 das 
Commenthur- Kreuz des Ordens der Württembergischen Krone er- 
halten, den 18. November 1821 im Alter von 85 Jahren 10 Monaten. 
Seine Gattin war seit Juli 1768 Maria Elisabeths, Tochter 
des J. U. Lt., Herzoglichen Raths- und Hofgerichts-, auch Landschafts- 
Ausschusses- Assessors und Burgermeisters von Tübingen Jacob Hein- 



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— 429 — 

rieb Dann, welcher Ehe ein Sohn Jacob Friedrich entsprosste, der 
aber in der Blüthe des jugendlichen Alters starb. — 

£) M. Johann Melchior Kapff, Bruder des vorerwähnten Sixt 
Jacob, geb. 1727, Pfarrer in Lorch. Kinder: 

1) Christiane Enphrosine, verm. mit dem M. Schall in Dürrmenz. 

2) Maria Catharina, verm. mit dem Pfarrer M. Heuss zu Neubulach. 

3) Sixt Jacob, geb. 27. Januar 1765, Decan in Pfullingen, in 
Schorndorf, Prälat in Ludwigsburg, t zu Esslingen. Gattin: 
Christina, Tochter des Oberamtmanns Johann Christof Gottlieb 
Pistorius in Göppingen, welcher Ehe 2 Söhne und 4 Töchter 
entspros8ten. 

4) Johann Friedrich Melchior von Kapff, geb. 8. Januar 1769, 
Obertribunalrath, Dirigent des Gerichtshofs in Tübingen, Ritter 
des Kron-Ordens, t 11. Januar 1847. 

Gattin seit 24. Februar 1807 Christiana, geb. Rapp. 
Kinder: 

1) Maria, vermählt mit Prälat, Stiftsprediger und Oberconsisto- 
rialrath Sixt Carl Ton Kapff; dieselbe t 1871. 

2) Sixt Friedrich Jacob Dr. von Kapff, geb. 4. Decbr.1809, Ober- 
kriegsrath a. D., Ritter d. Kron-Ordens I. Kl. mit Krone, des Fr.- 
Ordensl. Kl. etc., vermählt seit 10. Oct. 1839 mit Bertha, 
Tochter des t Oberamtsarzts Dr. Vogel in Saulgau, aus 
welcher Ehe 10 Kinder hervorgiengen. 

a) Bertha, geb. 5. Juli 1840, verm. mit Kaufmann Carl Müller 
in Mannheim, tt 19. März 1874 und 9. Juü 1875. Kinder: 5. 

b) Cornelie, geb. 18. October 1841, verm. mit Julius Heuss, 
Fabrikbesitzer in Moskau. Kinder: 7 Söhne. 

c) Louise, geb. 12. Januar 1843, verm. mit Albert liooschüe, 
Consul a. D. in Bern, Kaufmann und Fabrikbesitzer. Söhne : 5. 

d) Engenie, geb. 2. April 1845, verm. mit Arthur Bohnen- 
berger aus Pforzheim, Gutsbesitzer in Pforzheim, Petersau 
in Rheinbaiern und in Stuttgart. Kinder: 3. 



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— 430 — 

e) Hermann Dr. Kapff, geb. 5. April 1848, Assistenzarzt I. El. 
beim Ulanenregiment in Stuttgart. 

f) Anna, geb. 26. März 1851, verm. mit Gustav Brügemann, 
Kaufmann in Moskau. Kinder: 3. 

g) Johann Friedrich Melchior, geb. 9. April 1853, med. cand. 
in Tübingen. 

b) Clara, geb. 20. Mai 1855. 

i) Sophie, deren Zwillingschwester, verm. mit Max Speidel, 

Kaufmann in Moskau, 
k) Georg Peter, geb. 23. August 1856, jur. stud. in Tübingen. 
3. Sophie Friderike Caroline, geb. 18. Mai 1827, verm. mit Prälat, 
Oberhofprediger und Oberconsistorial-Rath Dr. Carl van Gterdk. 

F) Franz Gottfried Kapff, König]. Württemb. Oberstudien- 
rath, ßedacteur der Feuerwehr-Zeitung, t 20. Juli 1865, 66 Jahre alt. 
Gattin: Lotte, geb. Landerer. 

G) Carl Friedrich Kapff, geb. 2. August 1772, Dekan in 
Tuttlingen, vermählt I. mit Sophia, geb. Landott aus Neuveville, 
Canton Bern; II. mit Caroline Charlotte Christiana, Tochter des 
Obersten von Stnmpe. Söhne: 

I. Sixt Carl von Kapff, (aus I. Ehe) geb. 22. October 1805 
zu Güglingen, Theol. Dr., Pfarrer in Kornthal, Dekan in Mün- 
singen, in Herrenberg 1851, Prälat und Generalsuperintendent 
von Reutlingen, Oberconsistorialrath und Stiftsprediger in Stutt- 
gart, Mitglied der Central-Leitung des Wohlthätigkeits -Vereins, 
Commenthur des Friedrichs- Ordens II. Classe, Bitter des Kron- 
Ordens, vermählt seit 19. Februar 1833 mit Marie Friederike 
Catharine, Tochter des Obertribunalraths in Tübingen Johann 
Friedrich Melchior von Kapff, welche 29. März 1871 gestorben 
ist. Kinder : 

1) Sophie Christiana, geb. 17. Januar 1836. 

2) Marie Beata, geb. 3. October 1838, verm. in Heilbronn 0. 
April 1864 mit Kaufmann Theodor Gaiser. 



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— 431 — 

3) Luise Christiana, geb. 20. August 1841. 

4) Ciara Elisabeth, geb. 30. Jan. 1847, verm. 22. Febr. 1872 
mit Kaufmann Carl Kirchhof er. 

5) Carl Sixt Kapff, geb. 13. December 1833, Oberhelfer in 
Cannstatt, verm. 12. November 1861 mit Friederike Marie, 
geb. Reihlen. 

6) Wilhelm tfottlieb, geb. 31. März 1837, Pfarrer in Bieth. 
II. Eduard Ernst Reinhard Kapff, geb. 26. October 1810, K. W. 

Hauptmann a. D. und amerikanischer Oberst a. D., t 14- Aug. 
1869. Gattin: seit 21. Juli 1850 Johanna Caroline, geb. 
Kranss. 

III. Sixt Ludwig Kapff, geb. 11. Juni 1817, Buchhändler in Tutt- 
lingen, t 1877. 

IV. Franz Martin Kapff, geb. 11. Nov. 1818, Pfarrer in Wilhelms- 
dorf, 0. A. Ravensburg, nun in Grossbottwar. 

H) Sixt Eberhard von Kapff, geb. zu Göppingen 4. October 
1774, Königlich Württembergischer Staatsrath, Geheimerrath in Stutt- 
gart, im Jahre 1831 Chef des Ministeriums des Innern, sowie des 
Kirchen- und Schulwesens; t 31. August 1851. Gattin: Eleonore, 
geb. Heigelin, Wittwe des Pharmaceuten Gaupp in Stuttgart. 

Das Fürstlich Württemb. Dienerbach enthält folgende höhere Beamte des Namens 
Kapff: Joh. Melchior v, Gaiatl. Verwalter 397; Stifts Verwalter 372. — Thom. t\, Vogt 
239 ; — Kapff, (Capf, Capff, Kapf) Gantzlei Advoc. 96 ; Gasten Pfleger 665 ; Vogt 421. — 
CkriHian Dav., Vogt 239. — Christoph Dav., Visitat. 8eoretar 158. — Frid. Theod., Ver- 
waltter 378. — Georg Dav., Cl. Verwaltter 269 ; Registratur 160. — Gott!. Frid., Ampt- 
mann 456. — Joh. Vogt 531. — Joh. Max. Gottlieb, Gl. Pfleger 294 ; Oaistl. Verwaltter 
397. — Joh, Melch., Gaiatl. Verwaltter 602, 617 ; Pfarrer 307 ; Vogt 383 ; 400. — Joh. 
Sigm., Cl. Pfleger 284 ; Cl. Verwaltter 245. — Joh. Thom., Amptmann 336. — Joh. Ulr. 
Cl. Schaffner 834; Vogt 239. — Sixt Jac, Gaistl. Verwalter 397; Pfarrer 607. 618. - 
Theod. Fried., Cl. Pfleger 248. 



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Kauila. 



Eine in der Bankwelt wohlbekannte Familie, welcher u. A. : 
Nathan Wolf Kanlla entstammte. Derselbe geb. 1784 in Darm- 
stadt als Sohn des Hirsch Raphael Kanlla, Hofagenten in Darmstadt, 
nnd der Marianne, geb. Levi, widmete sich der kaufmännischen Lauf- 
bahn und vermählte sich im Alter von 20 Jahren 22. August 1804 
mit Lea Kanlla , Tochter des K. K. Österreichischen Kaths und 
Württembergischen Bankiers Jacob Kanlla in Hechingen. Bald nach 
seiner Verheirathung Hess er sich in Stuttgart nieder und trat bei der 
wenige Jahre zuvor errichteten Kurfürstlichen, später Königlichen Hof- 
bank ein. In der Folge als Gesellschafter dieser Bank und zugleich auch 
als Stellvertreter der mit diesem Institut verbundenen Familie Kardia 
aufgenommen, entfaltete er eine hervorragende Thätigkeit. — 

1826 erhielt er den Titel eines Königlichen Kommerzienraths. 
Grosses Verdienst erwarb er sich um das Zustandekommen des Juden- 
gesetzes (25. April 1828), das hauptsächlich auf seine Anregung hin 
sein Freund, der nachmalige Minister von Schleyer, in der Kammer 
durchbrachte. Bei Besetzung' der israelitischen Oberkirchenbehörde 
1831 wurde ihm die Stelle eines weltlichen Vorstehers derselben zu Theil. 
Er starb allgemein hochgeschätzt 1. Februar 1838. Kinder: 
1) Caroline, verm. mit Salomon Mayer Kanlla. 2) Bebeeca, 
verm. Morris Jacob. 3) Henriette, vermählte Simon in Hannover. 
4) Hannchen, verm. Wolfskeehl. 5) Mathilde, verm. Massenbach 
in Bühl. 6) Hermann Kanlla, geb. 1806, Dr. med., ledig f. 7) Leo- 
pold von Kanlla, geb. 22. März 1813, Rechtsanwalt, Obertribunal- 
procurator in Stuttgart, Geh. Hofrath, Mitglied des Vorsteherkollegiums 
der Württembergischen Sparkasse, ist nach dem Tode seines Bruders 
Rudolf an dessen Stelle bei der K. Hofbank getreten. — Gattin : 
seit 20. April 1842 Henriette, geb. Kanlla. — 



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— 433 - 

8) Rudolf ron Kaulla, geb. 10. August 1814, König]. Würt- 
tembergischer Geh. Hofrath und fast 30jähriger Director der K. Hof- 
bank, Mitglied des Vorsteherkollegiums der Württembergischen Spar- 
kasse, Ritter des Kronordens , Commenthur des Friedrichs-Ordens. 
t 15. Juni 1872 im 58. Jahre seines Alters. 

It. v, Kaulla war ein Mann, dem für das Wohl und die Ehre 
des Landes, wie der Stadt kein Opfer, weder an Zeit, noch an Geld 
zu gross und zu schwer war; wo nur immer ein gemeinsames Werk 
gestiftet oder aufrecht erhalten werden sollte, wo irgend eine gemein- 
nützige Anstalt zu ihrem Fortbestehen der Unterstützung bedurfte, 
da konnte man mit Sicherheit auf ihn zählen, da fehlte er dem Rufe 
nicht. — Hoch und Nieder erwies er sich stets gleich aufmerksam 
und von beiden ward er hochgeschätzt und sein Tod tief betrauert. — 

9) Salonion, f als Gymnasiast. 

Eine Schwester des Seite 433 erwähnten Jacob Kaulla war 
die bekannte mit tiefem Geschäftsblick begabte Carola Kaulla, ver- 
mählte Riefe- Auerbach, welche 1809 starb. Sie war es eigentlich, 
welche die grossen Armee-Pferde-Lieferungen des Mannes betrieb. Eine 
Frau von ungemeinem kaufmännischen Geiste, die in weiteren Kreisen 
Bewunderung fand. Bei Potentaten und Fürsten in hoher Gunst, 
ward ihr selbst vom Kaiser Joseph II. der Grafenstand angetragen, 
den sie indess, da sie dabei wegen ihrer Nachkommen für den ange- 
stammten Glauben fürchtete, ausschlug. Ein gelungenes Porträt von 
ihr befindet sich in der ITawMa'schen Familie; dasselbe stellt sie 
mitten unter ihren Pferden sich befindend dar. Sie hatte 4 Söhne, 
nämlich : 

A) Mayer Kaulla, Hof-Agent, Bankier, geb. 1 757, zu Hechingen, 
t 1823. Gattin seit 1788 Beele, geb. Levi. Kinder: 

I. Esther, geb. 10. März 1797, verm. mit Gutsbesitzer in 
Weikersheim Aaron Pfeiffer. 

II. Jeannette, geb. 1801, verm. in I. Ehe mit Sflsskind Ober- 
Maier, in II. Ehe mit Adolf Benedict in Stuttgart. 

IU.8alömon,Particulier,geb. 17.0ct. 1790(1791), verm. 24. Mai 

9. G+orffii-Qeorgenau, Biographiach-Genealoglsche Blätter etc. 28 



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— 434 — 

1827 mit Caroline, Tochter des oben erwähnten Nathan Wolff Kanlla. 
Kinder: a) Emilie, geb. 29. März 1837, vermählt mit Bankier Jacob 
Elzbacher in Köln, b) Anna, geb. 17. März 1839. c) Max Kanlla, 
geb. 21. Juli 1829, Rechtsanwalt, verm. mit Jeannette, geb. Gold- 
schmidt, d) Albert Kanlla, geb. 21. Febr. 1833, Hofrath, Ritter 
des Friedrichs-Ordens, verm. mit Bertha, geb. Stranss. e) August, 
geb. 26. Febr. 1834, Kaufmann in Cöln. f) Wilhelm, geb. 27. Sept. 
1844, Kaufmann in London. 

IV. Raphael, geb. 11. December 1803, Bankier, in Wien ver- 
heirathet. Ein Sohn desselben: 

Ferdinand, verheirathet in Wien mit Fanny, geb. Wertheimer. 

B) Yeit Kanlla, Bankier in Kriegshaber, geb. 1764, K. Bayerischer 
Hoffactor in Augsburg, t 1811. Gattin: Blflmle, geb. Goldschmidt, 
welcher Ehe 2 Söhne und 1 Tochter entsprossten. 

C) Raphael, geb. 1750, Hof-Bankier in München, verm. mit 
seiner Nichte Miehl Kanlla. Kinder: 1) Salonion, geb. 1798. 2) Wolff, 
geb. 1800. 3) Jacob, geb. 1802, lebte in Venedig. 4) Israel 
(Isidor), 5) Magdalena, verm. mit Salomo Hirsch Kanlla in Dann- 
stadt. 6) Sarah, verm. von Hirsch in Wurzburg. 7) Hannah, 
verm. Levi in Venedig. 8) Hindel, geb. 1804. 9) Xannette. 

D) Wolff von Kanlla, geb. 6. August 1768, K. K. Oesterreichi- 
scher Rath und Hofbankier, verm. seit 15. Novbr. 1800 mit der 
Tochter des Hessischen Hofagenten Bing. Söhne: 

1) Josef von Kanlla, geb. 1805, Bankier, Bittergratsbesitzer 
wurde laut Diploms d. d. 29. November 1841 in den Adelsstand 
des Fürstentums Hohenzollern-Hechingen erhoben und starb 3. März 
1876 zu Ulereichen in Bayern, im 72. Lebensjahre, v. Kauüa war 
mit der Tochter des Bankier Hirsch in München vermählt. — Sohn: 

Theodor von Kanlla, geb. 11. Octbr. 1833, K. K. Oester- 
reichischer Rittmeister a. D. — 

2) Salomon Friedrieh KauUa, geb. 1807, Bittergutsbesitzer in 



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— 435 - 

Oberdischmgen, verm. 5. Dec. 1837 mit Luise,* geb. 26. Januar 1820, 
Tochter des 1842 f Bankiers und Hofraths Marx Pfeiffer. Letzterer 
vermählt I. mit Henriette Kaulla, II. mit Dorothea Kaulla, III, 
mit Panllne Wittersheim. 

Ebenfalls dieser Familie gehört an: 

Salomon Jacob Kaulla, Sohn des Seite 432 erwähnten Jacob 
Kaulla, geb. im Januar 1793, Bankier, Königlicher Hofagent und 
Oberkirchen Vorsteher. — Gattin: Mamie, geb. Kaulla. Kinder: 

1) Caroline, geb. 27. Juli 1817, verm. 1839 mit Rechtsanwalt 
Jul. Jordan, Vetter des Rechtsanwalts, Regierungsraths Isidor Jor- 
dan in Stuttgart. 2) Rebecca, geb. 27. März 1819, verm. 1839 
mit Gutsbesitzer Aug. Cohen, f. 3) Henriette, geb. 21. Mai 1820, 
verm. 1841 mit Geh. Hofrath Leop. von Kaulla. 4) Emilie, geb. 
16. Juli 1821, verm. 1846 mit Domänenpächter Jacobson, f« 5) 
Mathilde, geb. 27. Sept. 1822, verm. 1849 mit Dr. med. Sigmund 
Oppenheimer in Würzburg, f. 6) Eleonore, geb. 5. Juli 1828, 
verm. 1852 mit Fabrikant Franz Mager in Wien. 7) Anna, geb. 
24. März 1830, verm. mit Bankier Jacob Emden in Frankfurt 8) Max 
Kaulla, geb. 3. März 1816, Bankier, verm. mit Rosa, geb. Schnapper. 
9) Robert, geb. 19. Aprü 1827, Particulier. 



»Geschwister derselben sind: ans L Ehe: Henriette, geb. 13. April 1812, verm. mit 
Bankier Biedermann in Wien ; ans II. Ehe : Julie, geb. 29.Dec. 1818, verm. Kusel in Carlsrahe ; 
Helene, geb. 14. Jan. 1821, verm. mit Buchhändler Kugelmann in Paris; Joseph, geb. 23. 
Mai 1822, Großhändler in Wien, verm. I. mit Fanny, Tochter des Bankiers Königewarter 
in Wien; II. mit einer geb. Biedermann; ans HL Ehe: Bosalie, geb. 23. April 1824, verm. 
Dreifuee in Btrassbnrg; Clarieee, geb. 4. Mai 1826, seit 1849 Gattin des Dr. Kaulla in 
Btraasbnrg, deren Sohn: Alfred, Bankier nnd ReaerveUeutenant im Ulanenregiment König 
Karl, L Wnrttemb. Nr. 19; Esther, geb. 23. August 1827, verm. Walkenhauser in Ant- 
werpen; Marie, geb 4. Mai 1830, verm. Schuster in Frankfurt a. M.; Ernst, geb. 14. Mai 
1831, Particulier; Mathilde, geb. 1. Marx 1834, verm. Schwäbeln Manchester; Eduard, geb. 
24. Kov. 1835, Dr. phiL, Schriftsteller, Bitter des Preuss. Kron-Ordens, verm. 12. Sept. 
1872 mit Julie, geb. Kann, geb. 24. Februar 1843, Wittwe des Louis Ferdinand Victor 
Benary in Paris. 



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Keller. 

Johann Christoph Keller, Bürgermeister in Stuttgart, wurde 
im Jahr 1582 als Sohn des Herzogl. Württemb. Kammerraths Are- 
gorius Keller und der Margaretha, geb. Rohr, geboren. Nachdem 
er zu Tübingen, Marburg, Jena studirt, einige Jahre zur Erlernung 
der französischen Sprache sich in Frankreich aufgehalten, wurde er 
1620 nach seiner Rückkehr in's Vaterland, in das Stuttgarter Stadt- 
gericht aufgenommen und in der Folge 1620 kleines Ausscbuss- 
Mitglied, 1621 aber zum Bürgermeister dieser Stadt ernannt, als welcher 
er auch 1628 den 24. September starb. — Seine Gattin war: 

Elisabeth, Tochter des Dr. und Kaiserl. Kammergerichts- Ad vo- 
caten zu Speyer Johann Kalten, welcher Ehe 7 Kinder entsprossten. 

Eben diesen Familiennamen führten: 

Georg Heinrich Keller, Dr. theol. und Abt zu Alpirsbach, 
geboren im Jahr 1624 zu Hornberg. Sein Vater Cornelius Keller,* 
f 1638, war Herzogl. Württemb. Vogt von Hornberg (ein Amt, das da- 
selbst schon im Jahr 1521 ein Heinrich Keller inne hatte); die Mutter, 
Anna Maria, stammte „aus dem altberühmten Moser'schen Geschlecht" ; 
der Grossvater, Cornelius Keller, ebenfalls Vogt von Hornberg; die 
Grossmutter, 1581 vermählt, Maria, geb. Beg von Herrenberg, t 12. 
März 1634; der Urgrossvater M. Urban Keller in Stuttgart. 

Georg Heinrich wurde nach Absolvirung seiner theologischen 
Studien und nachdem er längere Zeit vicarirt hatte, zum Stadt- 
Diaconus zu Kirchheim u. Teck ernannt. 1658 kam er als Pfarrer 
nach Derendingen, wobei ihm gleichzeitig die Superintendenz der 
beiden Aemter Tübingen und Bebenhausen anvertraut wurde. Im 
Jahr 1660 wurde er Stadtpfarrer und Special zu Böblingen, hierauf 

• Brüder von ihm waren Johann Burkhard Keller, geb. 1584, hat „Candia and 
ganz Italien durch re int und Ist Anno 1605 zu Venedig gestorben" ; Eberhard Friedrieh, 
Kaufmann, \ 28. Febr. 1635, war verm. mit Agnen, geb. Schlegel von Strassbnrg. 



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— 437 - 

Professor extraord. TheoL und Superintendent in dem fürstl. Stipendio zu 
Tübingen, auch Abendprediger bei der Stiftskirche daselbst 1 670, wirklicher 
Professor und Decan ebendaselbst 1681. Innerhalb dieser letztern 11 
Jahre seines Berufs bekleidete er 4 Mal das Amt eines Rectors, mehrere 
Male das eines Decans der theol. Facultät, und wurde auch mit der Vice- 
Canzlers-Stelle betraut. Er starb als Herzogl. Württemb. Rath, Probst der 
Stiftskirche zu Tübingen und Abt zu Alpirsbach den 1. October 1702 
seines Alters im 78. Jahre, seines Ehestandes im 49., seines Predigt- 
amts im 50. Jahr. Sein Symbolum war: In te Domine speravi, non con- 
fundar in aeternum. Ein auf seinen Tod gemachtes Epigramm lautet: 
Victa jacet pietas? terras Astraea reliquit? 
Falsum est, in terris dum tua mens habitat. 
Seine Ehegattin war seit 31. Januar 1654 Martha, Tochter 
des Bürgermeisters von Weilheim Christoph Reuchlin. Kinder: 
I. Agnes Verooica, vermählt mit dem Pfarrer zu Oberesslingen 

Johann Conrad Knisei. 
II. Anna Maria, vermählt mit dem Herzogl. Württemb. Hofgerichts- 

Advocaten Christian Bayer, J. U. Lic. 
HL M. Cornelius Keller, geb. 1654, Special und Stadtpfarrer zu 
Leonberg, Blaubeuren, Markgröningen, vermählt seit 12. Mai 
1685 mit Jnliana, geb. Ob recht. 
IV. Christoph Heinrich Keller, geb. zu Kirchheim 25. Januar 1656, 
t 1704, Königlich Polnisch und Churfürstlich Sächsischer 
Hauptmann und Postmeister in Enzweihingen. 
V. Johann Friedrich Keller, geb. 1680, Wachtmeister zu Hohen- 
twiel. Dessen Sohn, Georg Friedrich, war Pfarrer in Stetten. 
VI. Daniel Keller, Herzogl. Württemb. Regierungs-Raths-Cancellist, 

t mit Hinterlassung eines Sohnes. 
VIL Johann Wilhelm Keller, geb. zu Tübingen 3. Januar 1671, 
t Weissach den 5. Januar 1735, M. und Diaconus in Hornberg 
1701, Harrer zu Baltmansweiler 1705—20, Reuth 1720—24, 
Weissach 1724—35, vermählt seit 1701 mit Maria Elisabeth, 
Tochter des Klosterhofmeisters in Lichtenstern Oetinger. 



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— 438 — 

Söhne, von denen Näheres bekannt ist: 

1) Johann Heinrich, geb. Hornberg 6. März 1702, kinderlos 
t 25. October 1775, Decan in Knittlingen. 

2) Philipp Wilhelm, geb. 26. October 1703, Pharmaceut in 
Niederstotzingen. 

3) Hieronvmus Adam, t 1770 als Holländischer Chirurg io 
Rotterdam. 

4) Georg Heinrich Keller, geb. 17. November 1710, Kaufmann 
in Stuttgart, t 13. April 1773 mit Hinterlassung von 3 Söhnen. Seine 
I. Gattin war seit 31. August 1745 Catharina Dorothea Tellier; 
die II. seit 24. April 1760 Justina Dorothea, geb. Speidel. 

Jacob Heinrich KeUer, Sohn des Vorigen, geb. 26. April 1747, 
ebenfalls Kaufmann in Stuttgart, t 30. April 1817, vermählt seit 
27. Sept. 1774 mit Marie Sibylle Dorothea, geb. Schmid. Söhne: 
I. Georg Heinrich, geb. 4. Dec. 1775, Kaufmann und Commercien- 
rath in Stuttgart, starb daselbst 7. Juni 1831. Seine Gattin 
war seit 2. März 1802 Sophie Christiana, Tochter des Kauf- 
manns und Compagnie-Verwandten Christoph Martin Dorten- 
bach in Calw. Söhne: 

1) Georg Heinrich, geb. 30. Juni 1805, Kaufmann und 
Commercienrath in Stuttgart, vermählt seit 14. Mai 1835 
mit Pauline, geb. Stttcklen. Er starb 5. Sept. 1865. 

2) Karl Christoph Keller, geb. 22. Mai 1810, Kaufmann und 
Commercienrath, t 27. Januar 1875. Gattinnen: I. seit 23. 
Juni 1837 Marie Eberhardine, Tochter des Kaufmannsund 
Compagnie-Verwandten Friedrich Dbrtenbach; II. seit 23. 
November 1856 Auguste Sophie, Tochter des Kaufmanns 
Friedrich Karl Kapff in Stuttgart. 

3) Christoph Hermann Keller, geb. 19. Mai 1819, Banquier, 
vermählt seit 26. October 1848 mit Hertha, Tochter des 
Kaufmanns Gottlieb Reiniger. Kinder: a. Hertha Sophie 
Regine, geb. 18. August 1851. b. Marie Luise, geb. 31. 
October 1859, c, Hermann Georg KeUer, geb. 8. März 



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- 439 — 

1850, Bankier, Premierlieutenant der Landwehr im Grenadier- 
Regiment Königin Olga I. Württ. Nr. 119, verm. 25. April 
187fr mit Anna, Tochter des Postraths Cless. d. Christoph 
Heinrich, geb. 25. Juli 1853, Sec.-Lieut. der Reserve, im 
Dragoner-Regiment I. Königl. Württemb. Nro. 25. e. Karl 
Wilhelm, geb. 22. December 1856. f. Georg Emil, geb. 
3. August 1862. 
II. Friedrich Wilhelm Keiler, geb. 22. Juni 1779, Kaufmann, 
Gutsbesitzer im O.A. Esslingen, f 3. Sept. 1845. 
Gattin: Elisabeth, Tochter des Kriegsraths Rheinwald. 
in. Johann Ludwig, geb. 11. Mai 1781, t im Juni 1848 als 
Revierförster in Rothenberg, Sillenbuch und Hedelfingen, ver- 
mählt seit 1812 mit Christiane Caroline Martz. 

IV. Carl Christian, geb. 16. März 1783, Kaufmann, wanderte nach 
Amerika aus. 

V. Philipp Jacob, geb. 3. Juli 1789, f 4. Oktober 1834, Kauf- 
mann in Stuttgart. — 

Eine weitere Familie, die den Namen Zeller trägt, ist nach- 
stehende, ursprünglich der Reichsstadt Esslingen angehörige: 
Alexander Keller, Zunftmeister in Esslingen. Sohn: 
Alexander Keller, Stadtammann in Esslingen, f 1609. Kinder: 
A. Agnes, vermählt I. mit Caspar Roth, Sohn des Geh. Raths 
in Esslingen ; II. mit Joh. Ernst Flelner, Spitalmeister in Ess- 
lingen. B. Leonhard Keller, f 1629. C. Alexander Keller, 
1 1610. D. Amandas Keller, t 1630: E. Joachim Keller, des 
kleinen Raths in Esslingen, f 1632. Gattin : Catharina, Tochter # 
des Stadtammanns von Esslingen Jeremias MOgling. Kinder: 

1) Katharina Keller, vermählt mit dem Bürgermeister von 
Esslingen Spindler. 

2) Brigitta Keller, verm. mit Seiter von Plattenhart 

3) Alexander Keller, des kleinen Raths, t 1690. 

4) Jeremias Keller, t 1656. Gattin seit 13. Mai 1633 Christina, 
geb, Elsftsser. Kinder: 



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— 440 — 

I. Rosina Keller, Gattin des Dr. Bilger. 

IT. Joachim Keller, des kleinen Raths in Esslingen, t 1710. Gattin: 
seit 16. October 1676 Anna, geb. Barth. Sohn: 
Alexander Keller, des grossen Raths, f 1746. Gattin: Anna 
Maria, geb. Kenner. Kinder: 

1) Marx Keller, geb. 1713, t 1795. 

2) Joachim Keller, des äusseren Raths, 1715 - 1787. 

3) Jeremias Keller, 1720—1763. 

4) Alexander Keller, 1730 — 1808. Sohn: 

Johann Jacob Keller, geb. zu Esslingen 5. August 1 764, 
Pfarrer in Oberifflingen, Diaconus in Esslingen, Pfarrer in Pleidels- 
hoim, f 1832 als Stadtpfarrer in Bietigheim; Gattin: seit 13. Februar 
1797: Marie Susanne, Tochter des augsburgischen Rathsherrn und 
Burger ineisters, späteren badischen Polizeiraths Philipp Adam Benz 
in Karlsruhe. Sohn: 

Heinrich Adelbert yon Keller, Dr. phil., geb. 1812, Professor 
in Tübingen, Verfasser mehrerer sehr bedeutender Werke, Präsident 
des unter dem Protectorat des Königs stehenden literarischen Vereins 
in Stuttgart, Commenthur des Friedrichsordens, Ritter des Kronordens 
I. Classe, Ritter des Niederländischen Ordens der Eichenkrone, Commen- 
thur des E. Spanischen Isabellenordens und Ritter des K. Sicilischen 
Ordens Franz I. Gattinnen: I. seit 24. August 1837 Lotte, Tochter 
des Pfarrers in Beutelsbach Gottfried Heinrich Scholl; IL seit 23. Aug. 
1 858 Sophie, Tochter des f Obertribunalraths t. Weisser. Kinder : 

I. Otto Keller, geb. 1838, Professor in Graz. Gattin: seit 
h 1869 Eugenie, Tochter des Medicinalraths Lenbe in Ulm. 

II. Cornelie Keller. 
III. Hildegard Keller, Gattin des Pfarrers in Breitenholz Paul Stoll. 

Dom auf vorhergehender Seite aufgeführten Alexander Keüer, 
Stadtammann in Esslingen, ist im Jahre 1595 folgender Wappen- 
brief verliehen worden : 

„Ich Samson Hertzog Reiser! icher Comes Palatinus vnd des 
Heiligen Reichsstatt Esslingen Rath vnd Aduocat Bekenne öffentlich 



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- 441 — 

mit diesem brieff, vnd thue kunth allermeniglich, Demnach weilant 
der allerdurchleuchtigst, grossmächtigst vnd vnüberwündtlicbst Fürst 
vnd Herr, Herr Maximilian der ander. Römischer Keiser, Zu allen 
Zeiten mehrer dess Reichs, mein allergnedigster Herr, hochlöblichster 
vnd miltester gedechtnns, aass sondern gnaden, mir vnder andern stat- 
lichen begnadungen vnd Priuilegien (als Notarion zucreirn, Bastard vnnd 
vnehliche zu legitimirn, Vormund : vnnd Einkindschafften zu confirmirn, 
verleümbde vnnd ihrer ehrn mit oder one Recht entsetzte personen 
zu restituirn etc.) auch allergnedigst verliehen vnd macht gegeben hat, 
Dass Ich ehrlichen redlichen Leüthen einem ieden nach seinem stand 
vnd wesen, Zeichen, auch wapen mit Schildt vnnd Helm geben vnd 
verleihen möge, wie Irer Maiestat darüber verfertigter Keiserlicher 
brieff aussweiset, von wort zu wort also lautend: Wir Maximilian 
der annder von Gottes gnaden, Erwöhlter Römischer Keiser Zu allen 
Zeiten mehrer des Reichs etc. bekennen öffentlich mit diesem brieue 
vnnd thun kunth allermeniglich, Als wir hieuor vnnsern vnnd dess 
Reichs lieben getrewen Samson Hertzogen, vmb seiner erbarkeit, 
redlicheit vnnd erfahreuheit willen, auch aus andern vnns darzu 
bewegenden vrsachen, in die ehr vnnd würde vnnserer Keiserlichen 
Pfaltz: unnd Hoffgraven, Zu Latein Comites Palatini genannt, erhöhet, 
gewürdigt vnnd gesetzt, wie solches vnser Kaiserlicher Begnadungs- 
brieff inn Latein darüber verfertigter aussgangen, dessen anfang also 
lautet, Maximilianus secundus diuina fauente dementia Electus 
Romanorum Imperator semper Augustus etc. vnnd sich endet, Datum 
in ciuitate nostra Vienna, Die vigesima octaua Mensis Martii, Anno 
Domini MDLXXII, Regno'rum nostrorum Romani Dcciino, Hungarici 
nono, Bohemici vero vigesimo quarto, mit mehrerm auss weiss t etc. etc. 
Vnnd aber ich angesehen vnnd wahrgenommen solch tugent erbar: 
vnnd redlicheit, damit der ehrnuest, fürsichtig vnnd weiss Herr 
Alexander Keller von Esselingenn, Raths: vnnd Gerichtsuerwandter 
daselbst berhümt, dass er auch Irer Mayestät vnnd dem heiligen Reich 
künfftiger Zeit getreue nützliche dienst, darzu er sich dann gantz 
guetwillig erpeut, wol thun mag vnnd soll. So hab Ich darauff mit 



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- 442 — 

guettem zeitigenn Rath vnnd Rechter wissen, inn crafft meines ha- 
bendenn Gewalts vnnd Keiserlicher Freiheit, der aller besten, be- 
ständigsten weiss, mass vnnd form, wie es immer crafft vnnd macht 
haben soll vnnd mag, Demselben Herrn Alexander Keller, auch 
seinen ehelichen Leibserben, Vnnd derselben Erbenserben, für vnnd 
für inn ewige Zeit, dise nachgeschriebene Zaichen, anch wapen vnnd 
Cleinot mit Schilt vnnd heim : Mit namen einen roten oder Rosinfarben 
Schilt, darin Zwerch vonn dem hindern obern inn das vorder Vnndereck 
Schilts ein Schlüssel, seiner natürlichen eisenfarb, den barth vber sich 
kerennd, erscheint. Auff dem Schild ein Stechhelm, daraoff für sich 
aufrechte, mit einem langen braunnen Knebel: vnd sonst gestutzten 
spitzigen parth, ein Manssbild halb biss vnder den gürttel, inn einem 
rotten oder rosinfarbenn engen, vnnd vornen herab inn Silberinn 
knöpfflin beschlossnen Kleid, (die Helmdeckin rot vnnd weiss vonn 
sich gebend) Mit weissen am kragenn vnnd ärmelnn vberschlägen, 
auch inn der waich mit einer gelbenn oder guldin fliegenden binden 
vmbgürttet: Habend auff seinem haupt einen roten oder Rosinfarben 
zugespitzten, vnd hinder sich gebognen heidnischen huett, mit einem 
silbern Stülp vnnd guldin quast : Beide hännde stracks vber sich vnnd 
inn ieder einen Schlüssel, (dessen barth vom Mann gekert) haltendt: 
Als dann dieselben wapen vnnd Cleinot inn diesem gegenwerttigen 
brieff gemahlet, vnnd mit farbenn aigentlich aussgestrichen seind, 
Souil den heim vnnd andere wapensfreiheiten anlanngt, vonn newem 
verliehen vnnd gegeben, Denselben auch seine Ehliche Leibserben, vnnd 
derselben Erbennserben, für vnnd für inn ewig Zeit, also wapenns: 
vnnd Lehenns genoss gemacht, goschöpfft, erhebt, vnnd thue solches 
alles in crafft ditz brieffs, Also dass gedachter Herr Alexander 
Zetter, auch seine eheliche Leibserbenn, Vnnd derselben Erbennserben, 
solche Zaichenn, Wapen vnnd Cleinot, auch Schilt vnnd Helm, für vnnd 
für inn ewig Zeit haben, füehren, vnnd, derenn inn allen vnnd ieden 
redlichen Sachen vnnd gescheuten zu schimpff vnnd Ernst, inn Streiten, 
Kempffenn, Gestechen, Gefechten, Veldtzügenn, Panirn, Getzeltenn, 
Auffschlagenn, Insigeln, Pittschafften, Cleinoten, Begräbnüssen, vnnd 



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— 443 — 

sonnst ann allen ennden vnnd ortenn, nach Ihren notturfffcen, willen 
vnd wolgefallen gebrauchen, Darzu auch alle vnnt iegliche gnad, 
freiheit, ehr, würde, vortheil, Recht vnnd Gerechtigkeit, mit ämptern 
vnnd Lehenn, Geistlichen vnnd weltlichen znhabenn, zuhalten vnnd 
zutragenn, mit anndern der Eeiserlichen Maiestat vnnsers allergnedigsten 
Heims, vnnd des heiligen Reichs Lehenns vnnd Wapens genossleüthenn, 
Lehen vnnd all anndere Gericht vnnd Recht zu besitzen, Vrtheil zu 
schöpfen vnnd Recht zu sprechen, vnnd des alles theilhafftig, würdig, 
entpfenglich vnnd darzu tauglich, schicklich vnnd guet sein, inn 
geistlichenn .vnnd weltlichenn Stenden vnnd Sachenn, vnnd sich dess 
gebrauchen vnnd gemessen sollen vnnd mögen, als anndere Irer 
Maiestät vnnd des heiligen Reichs Lehenns vnnd wapenns genoss- 
LeQthe, solches alles haben vnnd sich dessen frewen vnnd geniessen, 
vonn Recht oder Gewonheit, vonn allermeniglich vnuerhinndertt. Doch 
anndern die villeicht der obberürtenn Wapen vnnd Cleinoten gleich- 
führten, ann iren Wapenn vnnd Cleinoten oder Rechten vnschädlich. Mit 
vrkunth ditz brieffs, den Ich mit aigner hand vnderschrieben, vnnd meinem 
Palatinat Insigel besigelt. Gegeben zu Esselingen den driten Monats- 
tag Junij, Nach Christi vnnsers Lieben Herrn vnnd Seligmachers 
geburt , im fünfftzehenn hunndert vnnd fünff vnnd neuntzigsten Jare. 
Samson Bertzog S. Lateran. Pal. aulaeque C®s. et Imperial. 
Consistorij Com. Palatinus scripsit.« 

Ebenfalls diesen Familiennamen führten: 

Friedrich Heinrich Keller, Herzogl. Württemberg. Kriegsrath 
und Oberst-Lieutenant, Commandant in Tübingen, zuletzt Oberamt- 
mann in Merklingen. Sein Vater, Johann Heinrich Keller, war 
Vogt von Laufen; der Grossvater, Philipp Keller, Kanzleiverwandter 
zu Stuttgart; die Grossmutter, Beatrix, Tochter des Kastkellers 
daselbst, Matthäus Aulber, Sohns des Kanzlei-Advocaten in Stuttgart. 

Derselbe vermählte sich erstmals mit Maria Magdalena, Tochter 
des Forstmeisters in Schiltach Joh. Budolph von Gemmingen; zum 
zweitenmale mit Maria Magdalena, Tochter des Prälaten in Maul- 
bronn Johann Zeller« Söhne: 



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- 444 - 

I. Rudolf Heiiirich, Hauptmann. IL Johann Friedrich, Land-Re- 
novator und Tricesimations- Verwalter. III. Johanu Christof, M. und 
Stadtpfarrer zu Bottwar. IV. Johann David von Keller, Fürstlich 
Württemb. Hofrath, Erb- und Gerichtsherr auf Stetten, vermählt mit 
Maria Christina, Tochter des Consistorial - Direktors Joh. Scheffer 
(nach anderen Angaben mit Mathilde Buoff). — 

Christof Dieterich ron Keller, geb. 1699 25. Nov., Erb- 
und Gerichtsherr auf Stetten, fürstl. Sachsen-Gotha- und Württem- 
bergischer wirklicher adelicher Geheimer-Rath und Staatsminister. 
Derselbe wurde als Herzogl. Württemb. Gesandter am K; K. Hofe zu 
Wien 14. Sept. 1737 in den Adelsstand erhoben und stammte, wie 
das Adels-Diplom angibt: ,,aus einer im Herzogthurae Württemberg 
bereits seit vielen Jahren in gutem Ansehen gestandenen Familie." 

Von seinen hinterlassenen Söhnen erlangte der ältere, Dorotheas 
Ludwig Christoph Graf von Keller, K. Preussischer bevollmächtigter 
Minister und ausserordentlicher Gesandter am K. K. Hofe zu Wien, 
den Grafenstand den 29. Nov. 1789, während der Jüngere, Ludwig 
Friedrich Heinrich Ferdinand Freiherr von Keller, K. privileg. 
Landrath des Mansfelder Kreises a. D., der Stifter der jüngeren den 
freiherrlichen Titel führenden Linie des Geschlechts wurde. 

Dm Fürsttich Württembergische Dienerbach enthält folgende höhere Beamte 
des Namens Keller: Met. Christoph v., Geh. Regim.Rath 26.; Geh. Secretar. 33, 70; 
Stattschreiber 437. - Albr., Vogt 356. — Andr., Pfarrer 613. — Christoph, Keller 277, 
569. — Christoph Diet., Geh. Secretar 44; Gel. O.Rath 66. — Christoph Fried., Vogt 510. 

— Cornel., Keller 453 ; 8chultheiss 423 ; 8peciat 478 ; Vogt 452, 459 ; Vorstmalster 528. - 
Eberh., Decan 396. - Eberh. Dav., Geistl. Verwalter 381. — Erasmus, «.Pfleger 261. - 
Ernst Vrh., Abt 289; Geistl. Conaist Rath 139; Pfarrer 474, 610; 8tifftsPrediger 545. - 
Frid. Heinr., Amptmann 292 ; Hauptmann 367, 574. — Georg Christoph, Keller 405. — 
Georg Heinr., Abt 244; Decan 395. — Greg., Cl. Pfleger 261; Stifft* Verwalter 463; Vogt 327. 

- Hans, Vogt 394. — Hans Heinr., Ambtmann 325. — Heinr., Vogt 458. — Jae., Oastkeüer 
193. — Joh., Castkeller 553; Cl.Hofmeister 348; Vogt 615, 540, 675. — Joh. Burckh., Ampt- 
mann 292; Cl.Pfleger254; Vogt 282, 427, 464. — Joh. Christoph, Amptmann 292; aPfleger 
270; CraysSecretar 32; Geh. Secretar. 31 ; Geistl. Verwaltter 425 ; Pfarrer 384, 400 ; Stiffts- 
Pfleger 496: Vogt 495. — Joh. Heinr., Amptmann 431 ; Rays. 8chultheiss 599; Vogt 473.- 
Marl , Probst 543; Vorstmeister 188. — Melch., Vogt 531. — Seb., CLHofmeister 350, 
354; Cl.Pfleger 355 ; Vogt 515. — Simon, Geh. Secretar 30. — Urb Em., Cantalei- 
Advoc, 95; RcnthCh.Secretar 1.0; Vogt 403. — Wernher, Geh. Secretar 30; Vogt 477. 



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E e p p 1 e r. 



Johann Keppler, einer der grössten und berühmtesten Ma- 
thematiker aller Zeiten, wurde den 27. December 1571 zu Weil der 
Stadt geboren, woselbst sich seine, einst von Kaiser Sigismund in den 
Ritterstand erhobene Familie, welche sich auch Kepner, Keppner 
schrieb, zu Anfang des XVI. Jahrhunderts niedergelassen hatte. 
Der Einfluss der Kepplerlschen Familie daselbst bewirkte hauptsächlich 
den raschen Eingang der Reformation, in Folge welcher Weil die Stadt 
gegen Ende des XVI. Jahrhunderts nur noch etwa gegen dreissig 
katholisch gebliebene Familien zählte. 

Leider gelang, als Keppler's Vorfahren Greise geworden, auch 
ihre Nachkommen sich nach anderen Gegenden zerstreut hatten, die 
Gegenreformation , an deren Spitze der berühmte und gelehrte Dr. 
Johann Baptist Fikler*, der erste Instructor des Herzogs Max von 
Bayern, stand, so vollständig, dass die Stadt im XVII. Jahrhundert 
wieder vollständig zum Katholicismus zurückgekehrt war. 

Der Vater Johanns, Heini ich Keppier, stand 1574 als Söldner 
unter Herzog Alba, kehrte in der Folge wieder in seine Vaterstadt zu- 
rück, verlegte seinen Wohnsitz nach Leonberg, ging 1576 abermals als 
Söldner nach Belgien, wo er einst Gefahr lief gehängt zu werden, 
versah 1589 unter dem Grafen Lodron die Hauptmannsstelle im 
Seekriege der Neapolitaner gegen Anton von Portugal, welcher die 
canarischen Inseln belagerte, und starb, eben im Begriff mit seinem 

* Ein Neffe von ihm war Johann Michael Fikler, Jur. Dr., Kammergericht*- 
Advocat und Procurator in Speyer, der Stifter der bekannten FikUr'Bchen Stiftung, d. d, 
14. Augnat 1586. 



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— 446 — 

Fähnlein ins Vaterland zurückzukehren, in der Nähe von Augsburg; 
die Mutter Katharina war eine geb. Guldenmann, deren Base zu 
Weil als Hexe hingerichtet wurde ; der Grossvater, Sebald Keppler, 
hoch angesehener Bürgermeister der freien Reichsstadt Weil (hinter- 
liess 12 Kinder); die Grossmutter Katharina, geb. Müller, Enkelin 
des reichen Midier in Marbach am Neckar „Reichsmiiller" genannt; 
der Urgrossvater, Sebald Keppler, „Vilam concessit" 1520, soll 
namentlich in dem Kriege CarVs V. und Franz I. Lorbeeren er- 
rungen haben (von seinen Söhnen, er hatte 9, waren ebenfalls einige 
im Felde), auch wurde ihm nebst seinem Bruder Daniel im Jahr 1563 
vom Kaiser das althergebrachte Familienwappen bestätigt ; der Urur- 
Grossvater, Sebald Keppler, wurde Bürger in Nürnberg und sass 
daselbst «eine lange Zeit als Buchbinder in guttem Leumutth häuslich 
und häbig» ; der Urur-Urgrossvater , Caspar Keppler, Kaiserlicher 
Hofpoststallraei8ter zu Worms, rüstete als solcher die prächtige 
Gesandtschaft nach Spanien aus, welche Maximilian I. an seinen 
Sohn Philipp schickte ; der Vater der letztgenannten endlich, Friedrich 
Keppler, ward mit seinem Bruder Heinrich auf der Tiber- 
brücke zu Born zum Bitter geschlagen. 

Was die Aufgabe des Adels in der Keppler sehen Familie 
anbelangt, so rührt dieselbe von dem ebenerwähnten Urur- Gross vater 
Johanns her, indem derselbe, als er ein bürgerliches Gewerbe ergriff, 
seinen Namen änderte, und da damals das Vorurtheil bestand, dass 
die Arbeit entadle, sich auch nicht mehr des adeligen Prädicats 
bediente. Denn «der verarmte Ritter schämte sich, den edlen Namen 
seiner Vorfahren durch eine Handthierung zu beflecken und änderte ihn.» 

Obgleich Johann sich nie des adeligen Prädicats bediente, 
konnte er sich doch, wenn ihm Adelsstolz hochmüthig entgegentrat, 
sehr wohl desselben erinnern. Als Beweis hiefür mag Folgendes 
dienen : Einst schrieb an ihn Graf Vincenz Blanchus aus Venedig, 
er danke täglich Gott, dem Höchsten und Besten, dass er ihn aus 
einer alten und ritterlichen Familie entspringen Hess und dass Kaiser 
Sigismund alle rechtmässigen Angehörigen seiner Familie mit dem 



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— 447 — 

Grafentitel geschmückt habe. Keppler antwortet ihm mit feiner 
Ironie: „die Philosophie selbst, welche bis jetzt bei mir im bürger- 
lichen Kleide wohnte, hat hente auf die Nachricht hin, zu welch 
hochadligem Manne sie mir als Botin dienen sollte, ein vornehmeres 
Gewand angezogen. Denn auch in mir hat Kaiser Sigismund einen 
adeligen Geist erweckt. Er hat, wie mir überliefert wurde, einen 
meiner Ahnen Friedrich, zugleich mit dessen Bruder Heinrieh, unter 
andern schwäbischen Reitern, die in seinem Gefolge waren, 1430 
auf der Tiberbrücke zu Born zum Bitter geschlagen. (Später urkund- 
lich erwiesen.) Durch Dürftigkeit sanken jedoch meine nächsten 
Vorfahren schon seit etwa 100 Jahren zu Kaufleuten und Hand- 
werkern herab." 

Als ächte Reichsstädter waren Keppler's Vorfahren von kriege- 
rischem Charakter. 

Denn die Reichsstädte wussten, da sie als Mittelpunkte der 
Gewerbs- und »Handelstätigkeit zu höherem Wohlstande gelangten, 
sich auch das Waffenrecht u. A. zu erwerben, welches zuerst die 
Stadt Worms anno 1073 von Kaiser Heinrich IV. für geleisteten 
treuen Beistand erhielt. Dieses Recht aber erregte bei Fürsten und 
Adeligen grosse Eifersucht und führte in der Folge zu häufigen 
Fehden mit den Städten. 

Jeder, welcher als Bürger aufgenommen wurde, sich ver- 
heirathete oder ein selbstständiges Gewerbe zu treiben anfing, musste 
mit „Wehr und Harnisch" versehen sein, und keiner durfte ohne 
besondere Erlaubniss in fremde Kriegsdienste treten, der Verkauf 
der Waffen aber war bei schwerer Strafe verboten. Den Oberbefehl 
über die gesammte städtische Wehrmannschaft führte der Bürger- 
meister oder ein eigener Stadthaüptmann (capitaneus) ; das Stadt- 
banner trug einer der Rathsherren. Wer das Bürgerrecht (z. B. in 
Ulm) erhielt, musste geloben, der Stadt zu wachen mit einem Harnisch 
und wer einen solchen nicht besass, konnte weder das Marktrecht 
noch das Zunftrecht erlangen. Jeder musste schwören, seinen 
Harnisch weder zu verpfänden, noch zu verkaufen und Niemand 



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— 448 — 

durfte ihn als Pfand annehmen oder etwas darauf leihen; auch 
wurde alljährlich eine Harnischschau veranstaltet. Wer gedenkt 
dabei nicht der Spartaner, die nach einer Schlacht entweder mit 
oder auf dem Schild zurückkehren mussten. 

Johann selbst, der sich stets ohne Adelsprädicat unterzeich- 
nete, widmete sich Anfangs dem Studium der Theologie, absolvirte 
die Klosterschulen, bezog die Universität Tübingen, wurde 1588 
Baccalaureus und errang 1591 den II. Platz (den I. erhielt Brenz, 
Enkel des Reformators) in der Magister würde. Nun aber verliess 
er die Theologie und schon 1593 treffen wir ihn als Professor der 
Mathematik und Moral am Gymnasium zu Grätz, welch erstere Wissen- 
schaft sammt der Astronomie er schon in Tübingen mit grosser 
Vorliebe getrieben hatte. Während des damaligen Kalenderstreits 
trat Keppler auf Seite des neu einzuführenden Kalenders. An seinen 
Lehrer Mästlin in Tübingen, der gegen die eigene Ueberzeugung 
auf die Seite des alten Kalenders trat, schrieb Keppler, „Gleich- 
förmigkeit in der Zeitrechnung gehört zur Zierde des Landes. Es 
ist eine Schande für Deutschland, wenn es allein diese Verbesserung 
entbehren will." Keppler war ein entschiedener Christ, der durch 
seine reichen Kenntnisse nicht von Gott weg, sondern zu Ihm hin- 
geführt wurde. Sein grösstes Werk schloss er mit den Gebetworten: 

»Ich sage Dir Dank, Herr und Schöpfer, dass Du mich erfreut 
hast durch deine Schöpfung, da ich entzückt ward über die Werke 
deiner Hände. Ich habe den Ruhm deiner Werke den Menschen 
geoffenbaret, soweit mein beschränkter Geist deine Unendlichkeit 
fassen konnte. Ist etwas von mir vorgebracht worden, das deiner 
nicht würdig ist, oder habe ich eigene Ehre gesucht, so verzeihe 
mir es gnädiglich!« Seines Glaubens wegen konnte er sich zu 
Grätz nicht heimisch finden, auch wurde er durch den fanatischen 
Glaubenseifer des Erzherzogs Ferdinand mit Hinterlassung seiner 
Guter von da vertrieben. Der Erzherzog hatte zu Loretto der heiligen 
Jungfrau geschworen, die Protestanten mit Rumpf und Stumpf aus- 
rotten zu wollen. „Wer Luther' s Bibel Host," schreibt Keppler 



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— 449 — 

„wird der Majestätsbeleidigung angeklagt und geht seiner Güter 
verlustig." Zwar waren ihm die Jesuiten seiner Kenntnisse wegen 
wohl gewogen, allein er machte durchaus keinen Hehl daraus und 
bezeugte, „ich bin ein Christ, ich habe die augsburgische Confession 
aus dem elterlichen Unterricht, aus oft wiederholter Prüfung, aus 
täglichen Uebungen in Versuchungen geschöpft; ihr hange ich an, 
heucheln* habe ich nicht gelernt !" 

Er lenkte nun seine Schritte nach Ungarn 1598 und, da ihn 
2 Jahre später der berühmte Tycho de Brake, der indess Keppler 
an Talenten weit nachstand, nach Prag einlud, um gemeinsam astro- 
nomische Messungen anzustellen, so folgte er dieser Einladung. Hier 
ward er in der Folge von Kaiser Rudolph II. zum Kaiserl. Mathe- 
matikus, Hofastronomen, jedoch ohne bestimmten Gehalt ernannt, was 
ihn noch zum Studium der Mediän als Brodstudium nöthigte. 

16 12 folgte er einem Rufe nach Linz, wo ihn der Super- 
intendent Hitzl&\ ein Württemberger, verketzerte; 1613 finden wir 
ihn im Gefolge des Kaisers nach Regensburg; 1626 aber im Dienste 
des berühmten Herzogs von Friedland, Wallenstein, mit dem haupt- 
sächlichsten Aufenthalte in Sagan. 

% 1621 eilte er, da seine Mutter Katharina als Hexe angeklagt 
war und eben im Begriffe stand verurtheilt zu werden, 70 Meilen 
weit zu ihrer Verteidigung nach Hause herbei , und errettete diese 
unter Anwendung seiner ganzen Geistesschärfe vom gewissen Tode. 

Als endlich 1630 der Kaiser auf den Reichstag nach Regensburg 
zog, eilte Keppler dahin, um diesen an die Bezahlung seines rückstän- 
digen längst verdienten Gehaltes zu erinnern, starb indess daselbst von 
den Mühen der Reise entkräftet den 15. November des genannten 
Ja'.ires im 60. Jahre seines Alters und wurde auf dem Gottes- 
acker zu St. Peter beigesetzt. 

Das ganze Leben hindurch waren Noth urd Sorge seine Be- 
gleiter. Was seine unschätzbaren astronomischen Entdeckungen 
betrifft, so wurde durch ihn das Kopernikanische System bestätigt, 
das wahre Gesetz der Schwere aufgeschlossen, die Dioptrik zur 

v. (itorgii-Oeorgtnau, Biographisch-Genealogische Blätter etc. 29 



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- 450 — 

Wissenschaft ausgebildet und die bis dahin von ihrem Erfinder geheim 
gehaltene schwere Theorie der Logarithmen u. s. w. und vieles andere 
noch bekannt gemacht. 

Nur mit Müho konnte sein Grabstein in Regensburg aufgefunden 
werden. Die Inschrift auf demselben, die er sich selbst gewünscht, 
lautet in Deutsch übersetzt, ungefähr folgendermassen : 
Himmel mass ich zuvor, 

Nun mess ich Schatten der Erde: 
Himmlisch war ja der Geist, 
Erde bedeckt nun den Leib ! 
»Nächst Schiller ist Keppler der grösste Genius, den Würt- 
temberg hervorbrachte.« 

Ein Schwabe ohne Menschenscheu, 
Dem Vater lande furchtlos treu, 
Ein Geist voll klarer Wissenschaft, 
Ein Herz bewährt in Glaubenskraft, 
Das Aug im Flug zum Sternenlicht, 
Dem Freund ein holdes Angesicht, 
Ein Fürst des Geistes, stark und mild: 
So glänzt uns unsres Keppler' $ Bild. 
Im Jahre 1808 wurde ihm zu Regensburg, im Jahre 1870 
zu Weil der Stadt, seiner Geburtsstadt, ein Denkmal gesetzt. 

Die erste Gattin Keppler' s war Barbara Müller von Mühleck, 
»eine Tochter des Ehrsamen und fürnemben Meister Jobst Müller 
zu Gessendorf sesshaft,« welcher das Schlösschen Mühleck besass; 
die zweite Susanna, geb. Rettinger (oder Reitinger) , damals erst 
12 Jahre alt, von Efferding. Kinder: 

I. Susanna, geb. 1602, vermählt erstmals 1630, 5. März mit 
Jacob Bartsch, Med. Dr., Keppler' 's astronomischem Gehülfen 
in Sagan, welcher nach vier Jahren an der Pest starb; zum 
zweitenmale mit einem Martin Killer. 
U. Cordula, geb. 1621. 

III. Anna Maria, geb. 1630. 

IV. Ludwig Keppler, geb. 1607 21. December, Med. Dr. in 
Königsberg, vermählt erstmals zu Königsberg 2. Januar 1640 



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— 451 — 

mit Maria, geb. Reimer (nach anderen Angaben mit r Anua 
Benner«); zum zweitenmale mit Anna Thornhaken. Er starb 
1663 in Regen8bnrg. 
V. Sebald, geb. 1619. 
VI. Fridmar, geb. 1623. 
VII. Hildebert, geb. 1625. 

Von den Geschwistern Keppler s finden sich folgende verzeichnet: 
I. Margare tha, vermählt zu Leonberg 16. October 1608 mit 
Georg Binder, Pfarrer in Heumaden 1609 — 20, in Kosswälden 
1620 — 35. Der Letztere heirathete nachmals 1616, Susanna, 
Wittwe des Joh. Schüler, geb. zu Göppingen 1554, Pfarrers 
in Hagelloch 1576, Stadtpfarrers in Stuttgart, Decans in Kirch- 
heim 1586-1614. 
II. Heinrich Keppler, kränklich, kam im Jahre 1587 zu einem 
Tuchscherer in die Lehre; entfloh 1589 nach Oester reich, gieng 
1591 in die Türkei; begab sich sodann nach Wien und 1592 
wieder nach Weil der Stadt; 1593 nach Mainz, Strassburg, 
Belgien und kehrte verarmt nach Hause (Leonberg) zurück. 
III. Christof, Zinngiesser in Leonberg, Trillmeister, dann Lieutenant 
bei der Landmiliz, Gerichtsverwandter; Spitalmeister in Leon- 
berg; vermählt Eltingen 3. März 1612 mit Katharina 5 Tochter 
des Caspar Wendel, Schultheissen daselbst. 
Noch im Jahr 1868 lebte ein Nachkomme der Keppler 'sehen 
Familie, Gottlob Kepler, als ßothgerber in Leonberg. 



Das Fürstlich Württembergische Diener buch enthält folgende höhere Beamte 
des Namens Keppler, (Käppier, Kappeier): Peter, Vogt 407. — SeboJd , Stadtschreiber 
366; Vogt »86, 526. 



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Kern er. 

Justinus Kerner, einer der besten lyrischen Dichter seiner Zeit, 
wurde den 18. September 1786 zu Ludwigsburg geboren als jüngster 
Sohn des dortigen Oberamtmann? und Regierungsraths Kerner, und 
einer geb. Stockmayer, deren Vater* Oberamtmann in Weinsberg, 
Stadt-Oberamtmann in Stuttgart, nachmals Kammerprocurator in Stutt- 
gart gewesen ist. 

Er entstammte einem Kärntnischen Geschlechte, welches in der 
Person des ältesten Stammvaters Michael, Kaths und Finanzbeamten 
des Kaisers Maximilian, von Letzterem in den Adelsstand erhoben wurde, 
unter gleichzeitiger Ertheilung des noch heute von der Familie ge- 
führten Wappens. 

Wir geben in Folgendem als Beitrag zur üfcrw^r'schen Familien- 
geschichte einen Auszug aus Just. Kerner s »Bilderbuch aus meiner 
Knabenzeit,« Braunschweig 1849: 

»Die Nachkommen, unbegütert und meistens im Dienste der 
Kirche und des Staats, machten von dieser Kaiserlichen Gnade keinen 
Gebrauch. Michaels Söhne, von denen der ältere Michael, der jüngere 
Balthasar hiess, hatten sich dem geistlichen Stande gewidmet, aber 
das Licht der Reformation lockte sie zu Luther nach Wittenberg. 
In ihr Vaterland zurückgekehrt, suchten sie den lutherischen Kate- 
chismus einzuführen, wurden aber von da vertrieben, flohen nach 
Württemberg, und der ältere Michael, von dessen Linie Jastinus 
abstammt, wurde Prediger und Rector zu Schwäbisch Hall, der jüngere 

* Eine «weite Tochter desselben verm&hlte sich mit dem vormals Erlsngi- 
schen Professor, nachherigen Stuttgarter Reglerungsrath Elsätter. Ein Sohn ans dieser 
Ehe widmete sich der Heilkunde nnd wurde ein sehr geschätzter Arzt und Schriftsteller 
im Fache der Augenheilkunde und starb 1813 zu Neustadt a. d. Linde. Ein Sohn des Letzt- 
ge nannten ward die Zierde der vaterlandischen Aerzte. Eine Schwester des ebenerwihn* 
ten Augenarztes El süsser vermählte sich mit dem Secretär Hauff in Stuttgart und würde 
die Mutter des bekannten Wilhelm Hauff. 



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— 458 - 

Bruder aber Prediger am Münster zu Ulm, wo ihm ein Sohn im 
Amte nachfolgte, der aber keine Kinder hinterlieös. Der Gross- 
vater von Justinus (geb. im Jahre 1704) war in seiner Jugend 
Rath zu Hechingen. Nach dem unerwarteten Tode des Forsten ent- 
zweite er sich mit dem Administrator und wurde auf die Feste Hohent- 
wiel verwiesen, wo ihn indess der aus Wien zurückgekehrte Suc- 
cessor bald befreite und rechtfertigte, überdiess empfahl er ihn an 
den württembergischen Hof, so dass er zum Oberamtmann in Göp- 
pingen ernannt wurde. 

Jtistinus selbst erhielt schon in früher Jugend, da der Vater 
von Ludwigsburg nach Maulbronn versetzt wurde, durch das mit 
der Wohnung zusammenhängende Kloster tiefe Eindrücke, hervorgebracht 
durch die Erinnerung an die Vergangenheit desselben. Sehr oft 
durchwandelte der Knabe bei Nacht ganz allein die schwarzgrauen, 
mit den steinernen Grabmonumenten längst verstorbener Aebte und 
Mönche ausgelegten, Kreuzgänge des Klosters. Aber auch das Innere 
der Kirche selbst, das für die Phantasie eines Knaben grosse und 
neue Eäthsel bot, machte einen nicht zu unterschätzenden Eindruck 
auf ihn. Solcher Richtung seines Phantasiespieles entquollen die ersten 
seiner Verse, von denen ihm, wie er selbst sagte, nur noch folgende 
Strophen erinnerlich: 

»Würde wahrlich nicht erschauern, 
Sohwebtet ihr aus Grabesmauern 
In den Kutten, schwarzen, weissen, 
In den Barten, langen, greisen, 
Im Gesichte Geistertrauern. 
Schläfer! auf zum Rebenthaie! 
Dort im bunt bemalten Saale 
Warten euer die Pokale, 
Warten auf dem Eichen tische 
Wildpret und gebackne Fische 
Jetzt im hellen Mondenscheine 
Glänzen licht die bunten Fenster 
Und es heben die Gespenster 
Ihrer Gräber morsche Steine.« 



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— 454 — 

In diese Zeit schon fallen seine häufigen magnetischen Traume 
bei dem Schulunterricht, den Kerner in Maulbronn genoss. So fühlte 
er sich hauptsachlich durch den Unterricht in der Physik, den der 
nachmals als Dekan in Leonberg verstorbene Amandus Gründer 
ertheilte, besonders in Betreff auf die Erscheinungen der Electricittt 
angezogen. 1799 kehrte er nach dem inzwischen eingetretenen Tode 
des Vaters in seine Vaterstadt zurück, und trat, nachdem er noch 
vorher längere Zeit die Schule besuchte, in das Comptoir der herzog- 
lichen Tuchfabrik daselbst ein. Ebenfalls tief berührt wurde Kerner 
in dieser Zeit durch Stilling, der ihm in Begleitung mit seiner 
Gattin und dem Waisenhauspfarrer Scholl auf dem Rückwege von dem 
Ludwigsburger Waisenhause, das er besichtigt hatte, begegnete ; er schil- 
dert ihn als eine lange interessante Gestalt, mit der eigenen hohen 
Stirne, der Adlernase und den Liebe und Sanftmuth strahlenden Augen. 

Kerner, der in der kaufmännischen Laufbahn weder Befriedigung 
noch Neigung zu derselben empfand, legte sich viel lieber auf das Studium 
der Naturwissenschaften, einem Studium, zu dem ihm hauptsächlich 
auch der Chemiker Staudenmeyer rieth, ein eigener origineller Mann der 
damaligen Zeit, bei dem er manche freie Stunde zubrachte. Der 
Letztgenannte, der viele Jahre als Chemiker und nachher als Admi- 
ralitätsapotheker in Petersburg gelebt, hatte daselbst bei Giessung einer 
neuen Metall-Composition ein Auge eingebüsst. Ein von Staudenmeyer 
erfundenes Surrogat für die Chinarinde ward mit bestem Erfolge in 
den Spitälern, besonders auch in Hamburg angewandt. 

Staudenmayer s Bathe nun folgte Kerner, und begab sich mit 
Hilfe des bekannten ehemaligen Diaconus in Ludwigsburg Conz, der 
damals die Stelle eines Professors an der Universität Tübingen bekleidete, 
und von Kerners Mutter die Erlaubniss für den Sohn zum Univer- 
sitätsstudium auswirkte, 1804 nach der Hochschule. Vier Jahre 
studirte er Naturwissenschaften und Medicin, und behandelte auch 
schon Kranke mit Geschick und Erfolg. 1809 wurde er Dr. Med. 
und gieng auf Reisen, 1810 Hess er sich als praktischer Arzt in 
Wildbad nieder, und verfasste als solcher die »Beschreibung dieses 



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— 455 - 

Bades.« 1812 zog er nach Welzheim ; 1815 wurde er Oberamts- 
arzt in Gaildorf, wo ihn hauptsächlich anch die Untersuchung der 
»Fettgifte und die Fettsäure« beschäftigte, wie sein 1822 darüber 
erschienenes Werk heisst. 1819 wurde er Oberamtsarzt in Weins- 
berg, und baute sich nun arm Fusse der Weibertreue das Haus 
mit der reizenden Anlage , das mit den nach und nach erwei- 
terten Gärten den Schauplatz der Entfaltung des reichen Idylls des 
Dichterlebens bis zu seinem am 21. Februar 1862 erfolgten Tode 
abgeben sollte. Hier ist es, wo er sich als Dichter, als Arzt und 
Forscher im Felde des Somnambulismus und der Geisterwelt, aber 
anch als Mensch in seinem häuslichen Leben und seinen geselligen 
Beziehungen gezeigt hat, und zu grosser Berühmtheit gelangt ist.« 

In der in der Schwäbischen Kronik über Kerner erschienenen 
Biographie heisst es o. A. : 

»In seinen Werken macht mehr als Ein Dichter einen bedeuten- 
»deren Eindruck auf uns, als Kerner: aber einen, dessen Persönlichkeit 
»einen gleich poetischen auf uns gemacht hätte, haben wir unter 
»denen, die wir persönlich kennen gelernt haben, nicht gefunden. 
»In seiner Nähe, in seiner Atmosphäre waren die Menschen wirklich 
»besser, wenigstens leidlicher als oft anderwärts, und so vertrugen 
»sich auch in seinem Hause Gegensätze, die sich sonst ausschlössen, 
»wie ohnehin sein weites Herz Grosse und Kleine, Eothe und Schwarze, 
»Klage und Einfältige, Gläubige und Ungläubige mit gleicher Liebe 
»und doch mit feiner Unterscheidung umfasste«. 

Unter seinen hohen Verehrern und Verehrerinnen waren u. A. 
auch die entthronte Königin von Neapel, die Tochter seines Zither - 
spielenden Gönners, der auch Kerner besonders huldigte, wie der 
Prinz Adalbert von Bayern. 

Kerner's Gattin war seit 1813 Friederike (sein „Rlckele"), eine 
Tochter des Pfarrers Ehemann zu Buith auf den Fildern, früheren 
Professors an der Klosterschule Denkendorf, sie starb 1854. Sohn: 

Theobald Kerner, bekannter Arzt zu Weinsberg, erwarb sich 



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— 456 — 

darch seine electrischen, wie pneumatischen Euren in Cannstatt 
einen Ruf. Auch als Dichter hat er sich bekannt gemacht 
Jnstinus Kerner's Geschwister waren : 
L Wilhelmine, vermählt mit dem 1762 zu Vaihingen a. d. Enz 
geborenen nachmaligen Pfarrer zu llsfeld bei Heilbronn Stein- 
beis, von deren Söhnen in der Folge der älteste Ferdinand 
von Steinbeis, geb. zu Oelbronn, O.A. Maulbronn 5. Mai 
1807, Dr., Excellenz, Präsident der Königlichen Centralstelle 
für Gewerbe und Handel, Grosskreuz etc., sich 13. August 
1833 mit Catharina Friederike, geb. Klumpp vermählte. 
Ein Sohn dieser letzteren Ehe Otto Steinbeis ist Ingenieur zu 
Brannenburg, O.A. Rosenheim und mit Fanny Caroline, geb. 
Lerch vermählt. 
IL Louis Kerner, Pfarrvikar in Knittlingen, nachmaliger Garnisons- 
prediger auf Asperg. 
III. Carl Friederich Freiherr von Kerner, geb. zu . Ludwigsburg 
7. März 1775, Königl. Wurttemb. Generalmajor, Generalstabs- 
chef im russischen Feldzuge, Geheimerrath und Bergraths-Präsi- 
dent in Stuttgart. Derselbe nahm im Jahr 1806 an der 
Belagerung von Glogau, Breslau, Schweidniz, Neisse und Glatz 
als Commandant der reitenden Batterie Theil. 1807 wurde er 
Oberstlieutenant in der Artillerie, welch letztere er mit einer 
neuen Construction der Munitionswagen bereicherte. Die Con- 
struction fand allgemeine Anerkennung, ja selbst Kaiser Na- 
poleon wusste dieselbe zu würdigen. 1808 während der kurzen 
Waffenruhe ward er zum Chaussee-Oberintendanten und Obersten 
ernannt. 1809 finden wir ihn wieder im Felde und seine 
Leistungen von Napoleon durch Aufnahme in die französische 
Ehrenlegion anerkannt. Bei dor glänzenden Waffenthat der Würt- 
temberger 16. Mai 1809 gegen ein überlegenes feindliches Armee- 
korps bei Linz verdankte man sehr viel seiner kaltblütigen 
Umsicht, auch ward ihm von seinem Könige in Anerkennung 
derselben das Commenthurkreuz des Militarverdieiistordens ertheilt. 



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— 457 — 

von Napoleon aber wurde er mit dem Offizierskreuz der Ehren- 
legion ausgezeichnet. In diesem Feldzug wurde er auch zum 
Generalquartierraeister-Lieutenant ernannt. Vom Feldzuge zu- 
rückgekehrt widmete er sich den Künsten des Friedens als 
Direktor der Strassenbauten, der sämmtlichen Berg- und Hütten- 
werke, der Gewehrfabrik Oberndorf. König Friedrich ertheilte 
ihm für seine gelungenen Bestrebungen das Commandeurkreuz 
des Civilverdienstordens. 1812 machte er als Chef des würt- 
tembergischen Generalstabs don russischen Feldzug mit. Auf 
Grund seiner Leistungen vor Smolensk in der mörderischen 
Schlacht an der Moskwa erhielt er das Kommenthurkreuz I. Cl. 
des Militärverdienst-Ordens, bald nachher das Grosskreuz des 
Civilverdienst - Ordens und die Erhebung in den Freiherrn- 
stand. Von diesem Feldzuge zurückgekehrt, fand er seine 
Gesundheit geschwächt und zum Militärdienste nicht mehr 
tüchtig. Zum Staats rath und Chef des Berg- und Hüttenwesens 
ernannt, ward nun sein weiteres Leben ausschliesslich den aus- 
gedehnten Eisenwerken des Staates mit dem grössten Eifer und 
schönsten Erfolge gewidmet. 1817 von König Wilhelm zum 
Geheimenrath und provisorischen Minister des Innern ernannt, be- 
hielt er sich den Rücktritt in seinen ihm liebgewordenen Ge- 
schäftskreis vor. Als Geheimerath stimmte er stets für die 
freisinnigsten bürgerlichen Einrichtungen , besonders in den 
Gemeinden, und beförderte die Pressfreiheit. 

1817 "nahm er als Commissionsmitglied an den neuen 
Militäreinrichtungen lebhaften Antheil und wirkte bis zu seinem 
Tode als Mitglied der Vereine für Wohlthätigkeit , Landwirt- 
schaft, Gewerbe, Kunst und die Verbesserung der Strafgefangenen. 

Schöner aber als sein thätiges äusseres Wirken war sein 
inneres Leben, seine Biederkeit, seine Religiosität, sein fester 
Glaube. Von der Gewissheit eines zukünftigen Lebens war 
er auf seinem Sterbebette ganz durchdrungen, das Irdische 
ihm dagegen zum Ecke! geworden. In den letzten Tagen vor 



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— 458 — 

seinem Ende strahlte sein* Gesicht schon ganz verklärt. Er 
sagte : Wer von der Nothwendigkeit, ja der Schönheit des Todes 
so Oberzeugt ist, wie ich, schon so hinüber sah, und das Diesseits 
mit Jenseits vergleichen kann, den soll man nicht mehr hier 
aufhalten, diesem zerrütteten Körper bleibt kein Recht mehr 
an den Geist. 

Kerner starb 12. April 1840. 

Seine in Eisen gegossene Büste ist in dem Saale der 
Modelle in Wasseralfingen aufgestellt. 
IV. Georg Kerner, geb. 1770 ebenfalls zu Ludwigsburg, besuchte 
als Medianer die Karlsakademie, wurde daselbst Chevalier und 
machte später, von Jugend auf dem Idealen zugewendet, kühn 
und selbstvergessen, begeistert für die Anfänge der französi- 
schen Revolution, wider des Vaters Willen als Jacobiner diese mit, 
sagte sich aber zuletzt ganz von den Letzteren los, indem er 
zugleich kühn der Guillotine trotzte. Einst sprach Delaveau, 
ein gefahrlicher Jacobiner, zu Kernet-, als er eben mit äusserster 
Lebensgefahr ein Plakat des Maires von Strassburg an- 
schlug, die bedeutungsvollen Worte : > Die Guillotine ist per- 
manent. « 

Später ging Kerner zur Diplomatie über, veranlasst 
durch seinen Landsmann Reinhardt, nachhefigen Grafen und 
Pair Frankreichs ; als Reinhardt Gesandter in Hamburg wurde, 
war er dessen Begleiter in der Eigenschaft eines Privatsecre- 
tärs, ohngeachtet ihre politischen Gesinnungen oft sehr von 
einander abwichen. Ein enger Freundschaftsbund umschloss beide. 

Die Jahre 1798 — 99 lebte Kerner in Italien, von dem 
Minister Reinhardt vielfach mit wichtigen Aufträgen und 
Sendungen betraut ; so auch u. A. zu General Bonaparte, von 
dem er zu Tisch geladen wurde. Auf einer Reise durch 
Italien war er der Begleiter der Schwester Bonaparte's, Pauline, 
damals noch Generalin Ledere. Auch führte er einzelne Sen- 
dangen, so z. B. nach Holland zu Brune ins Hauptquartier aus, wo 



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- 459 — 

er in seiner Lebhaftigkeit auch noch persöulich an einem Treffen der 
Franzosen gegen die Russen und Engländer, das während seiner 
Anwesenheit vorfiel, Theil nahm und dabei durch eine Mus- 
ketenkugel am Arme verwundet ward. Als Secretär der fran- 
zösischen Gesandtschaft ging er mit Bernhardt nach der 
Schweiz, ferner nach Mailand, wo es sich fügte, dass er den 
grossen Zug der französischen Armee über den Bernhard mit- 
machte. Später als die Franzosen ihre Freiheit aufgaben, vor- 
liess er, alles Vortheils ohngeachtet, die französischen Dienste, in- 
dem er dem Nachfolger Reinhardt' s im Ministerium, Talleyrand, 
seine antibonapartistischen Gesinnungon so offen darlegte, dass 
er genöthigt war, schleunigst die Flucht zu ergreifen. In 
diese Zeit fällt sein schon oben Seite 308 erwähnter Trink- 
spruch gegen Napoleon. Nun lenkte er seine Schritte nach 
Hamburg, wo Bernhardt damals Gesandter war, gründete da- 
selbst ein politisches Journal mit dem Titel »Nordstern«, 
hauptsächlich gegen die Despotie' Bonaparie's und seines 
Anhanges gerichtet, dem der Verfasser zu lang und zu tief 
in die Karten geschaut hatte, um nicht der verwundbaren 
Punkte genug treffen zu können. Aber Napoleons Arm 
erstreckte sich auch damals schon dorthin , die Unterdrückung 
des »Nordsterns« ward vom Senate verlangt und die Sicher- 
heit des Verfassers gefährdet. Nun gieng er nach Schweden, 
über das er seine Ansichten in dem im Jahre 1803 in der 
Cotia'schen Buchhandlung erschienenen Werk »Reise über 
den Sund« darlegte. 

Schwedens schöne Natur, sein üppiger Ackerbau, seine 
starken und freien Männer gewannen sein Herz, aber sein 
verwundetes Gemüth, der Gram über seine fehlgeschlagenen 
Hoffnungen, sein zu nichte gemachter Glaube an ein freies 
Volk blicken durch all' das, was ihn dort erfreute, schmerz- 
lich hindurch. 

Von Schweden aus datirt das von ihm am 6. August 



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— 460 — 

1802 aus Lund gerichtete Schreiben, in dem er am Eingänge 
hauptsächlich Schwedens schöne Gegend schildert : 

»Manchmal unter einer Eiche ins Grüne hingestreckt, 
ȟberblicke ich die letztverflossenen dreizehn Jahre, und die 
»Sonne muss so schön leuchten, wie seit einigen Tagen, und 
»die Nacht durch den im Norden so belebten Schimmer der 
»Gestirne beinahe zum hellen Tag werden, damit ein Bückblick 
»auf die Vergangenheit die Seele nicht mit tödtendem Gram 
»fülle und der Gedanke an die Zukunft nicht jeden Trost raube. 
» — Voriges Jahr, beinahe um die nämliche Stunde, warnte ich 
»die Schweizer noch gegen neue Schmach und gegen neuen 
»Jammer. (In einem gedruckten Aufsatze über die Einrichtung 
»des Centralwahlausschusses von August Wartenburg, Zürich 
»1801). Damals erhielt jeder Blick auf die majestätischen 
» Alpen meinen sinkenden Muth und meinen erschütterten Glauben 
»an die Möglichkeit eines freien Volkes, jetzt suche ich Trost 
»im Anschauen der wogenden See und Buhe im Genuss der 
»ländlichen Scenen auf schwedischem Boden, an den ich nie- 
»mals dachte, wenn ich so manchmal bei mir selbst die Gegenden 
»aufzählte, in die mich der Sturm des Schicksals einst noch 
»verschlagen könnte! — An den Ufern des Finnen -See's in 
»den Waldgegenden Schwedens verweilte ich wieder einige Tage 
»in stiller Einsamkeit, ganz den Betrachtungen hingegeben, wozu 
»so viele neue Gegenstände Stoff und Gelegenheit herbei führten. 
»Hier, so wie in andern abgelegenen Gegenden der Provinz, 
»fand ich Ursache, das Kunstgefühl und den natürlichen Ge- 
»schmack zu bewundern, den der schwedische Handwerksmann, 
»auch fern von den Städten, seinem gesunden Auge und seinem 
»richtigen Verstände dankt. 

»So unvollkommen die äussere Physiognomie Schwedens 
»ist, so unregelmässig sie von den äussern Punkten aus er- 
schien, auf denen ich verweilte, so bietet sie dennoch tausend 
»einzelne Züge dar, die mit unwiderstehlicher Kraft an sich 



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— 461 — 

»ziehen, Huldigungen gebieten, oder Zuneigung in die Seele 
»zaubern. Wenn jemals die Unruhen Europas sich erneuern, 
»wenn in einigen sudlichen Ländern der neue Coloss zu lästig 
»werden sollte für den Mann von unabhängigem Nationalsinn „ 
»so rathe ich denen, die das Joch des Eroberers nicht tragen, 
»Europa nicht verlassen, und dennoch nicht auf selbstständig- 
»keitslosem Boden leben wollen, des schwedischen Volks und 
»des schwedischen Bodens sich zu erinnern. Mit eiuem massigen 
»Vermögen, das sie retten können, werden sie, im Fall sie das 
»Landleben nicht scheuen, zwar hier keine Goldgruben, allein 
»die Möglichkeit eines angenehmen thätigen Daseins, unter einem 
»Himmelsstriche finden, der ungleich besser als sein Ruf ist, 
»unter einem Volke reich an Kraft, an physischen und mora- 
»lischen Anlagen, und auf einem Boden, der frei von solchen 
».ist, die ihr Vaterland in einem zerrissenen kraftlosen Zustande 
»erhalten, der aus den Gemuthern entweder die Zufriedenheit 
»bannt, oder in ihnen den letzten Funken von Nationalgefühl 
»zernichtet. 

»Ich wollte der Bekämpfung der geistigen Gebrechen der 
»Menschheit mein Leben weihn, es gelang mir nicht. Nun 
»kehre ich zur Bestimmung meiner Jugend zurück, zur Be- 
» kämpf ung körperlicher Gebrechen der Menschen. Ich begebe 
»mich nach Kopenhagen und weihe mich dort wieder dem 
»Studium der Arzneikunde«. 

In Hamburg wirkte er nun als praktischer Arzt 9 Jahre 
lang und ward daselbst hauptsächlich durch seinen Eifer die 
damals noch in ihrer ersten Ausübung befindliche Einimpfung 
der Kuhpocken gänzlich durchgeführt. Auch ward er von den 
Städten Bremen und Lübeck zu ihrem Agenten bei den französi- 
schen Oberbehörden in Hamburg 1807 erwählt. 

Viele alte Freunde fand er wieder und machte viele 
neue Bekanntschaften. Unter die ersteren zählten neben 
Brutw, damaligem französischen General gouvemeur der Hanse- 



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— 462 - 

Städte in Hamburg, Bemadotte, der Fürst von Ponte-Corvo, 
den er auch nachher in seinem Hauptquartier in Fühnen be- 
suchte, sowie der bekannte politische Gesinnungsgenosse Kerners 
Marquis de la Bomana. Der Letztgenannte, der als Befehls- 
haber eines spanischen Corps unter Bcrnadotte gestanden, 
hatte diesen mit dem grössten Theil der unter ihm dienenden 
Spanier verlassen, um seinem bedrängten Vaterlande zu Hülfe 
zu kommen und weihte nun Kerner in sein patriotisches Vor- 
haben ein, zum Schutze Spaniens daselbst Guerillas zu bilden, 
ein Vorhaben, das bald nachher Spanien die herrlichsten 
Dienste leistete. 

In Hamburg traf Kerner auch seinen Jugendfreund Bein- 
hold (beide waren Karlsschüler gewesen), der als Privatsecretär 
des holländischen Gesandten Abermar seine Laufbahn begonnen 
hatte, später als Gesandter nach Hamburg gekommen war und 
von da 1809, als die Gesandtschaft in Folge der damaligen 
Vereinigung Holland's mit Frankreich aufhörte, als hollän- 
discher Gesandter nach Berlin ging; im September 1810 kam 
er wieder nach Hamburg und da sahen sich die Freunde zum 
letzten Male. 

Olmgeachtet sich der politische Himmel immer trüber 
für Kerner gestaltete, hörte dieser doch <nie zu hoffen auf; 
erst als Hamburg und man könnte sagen ganz Deutschland 
Frankreich einverleibt ward, da versiegte auch sein Lebensquell, 
nicht aber seine Liebe noch Bereitwilligkeit zu helfen. 

Nur zuweilen brach sein Gram, brachen seine durch 
Frankreich so getäuschten Hoffnungen in Erbitterung aus, wovon 
auch ein Gedicht zeugt, das er damals unter der Aufschrift: 
»Das blaue Fieber« schrieb und das nach seinem Tode, nach 
Varnhagens von Ensc's Zeugniss, im Jahre 1815 den 3 Mon- 
archen in Paris zur Ergötzung gereichte, ein Lied, das Kaiser 
Franz bald auswendig wusste und dessen bald allgemein be- 
kannte Zeilen er bei hundert Gelegenheiten , ja fast täglich 



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-- 463 — 

citirte, was allerdings keine allzugrosse Vorliebe für seinen 
Schwiegersohn verrieth. 

Eine Vorahnung eines höheren Heimgehens schien es zu sein, 
dass Kerner auf einmal von einer Sehnsucht nach der Heimath 
befallen wurde ; er wollte mit Frau und Kindern nach Schwaben 
ziehen, er wollte im Schoose des engern Vaterlandes ruhen. 

Alles war schon zur Abreise bereit, da erkrankte Kerner 
am Typhus, von dem er im Zuchthause, wo er eine grosse Anzahl 
Nervenfieberkranker zu behandeln hatte, angesteckt worden war 
und von dem er nicht mehr genesen sollte.» 

In seinem Taschenbuch e fand man folgende Verse ein- 
geschrieben, wohl Ahnungen eines baldigen Todes vor seinem 
Erkranken : 

»Hin ist hin, yerloren ist verloren. 

Für das Grab bist du geboren, 

Heimathluft wird nimmer dich umwehn, 

Wirst nicht mehr den Mutterboden sehn, 

Auf den glänzendrothen Wangen 

Hat der Tod schon angefangen, 

Ohne dein Gemüth zu trüben, 

Furchtbar seine Siegeskraft zu üben. 

Aus der Feuersglut der Augen 

Wollen Hoffnung deine Freunde saugen, 

Aber aus den hingewelkten Zügen 

Straft der bessre Wunsch sich selber Lügen, c 

Am 7. April des Jahres 1812 entschlief Kerner, der 
Mann, dessen ganzes Streben nie das eigene »Ich« , sondern 
das Wohl der Menschheit zum Zwecke hatte. Der »Hamburger 
Correspondent« brachte einen von den Senatoren und Bürgern 
der Stadt Hamburg veranlassten Artikel also lautend: 

Hamburg, vom 10. April 1812. 
»In der Blüthe seiner Jahre, in der schönsten Periode des 
Lebens, wo der Mann seine Kraft im rühmlichen Wirkungskreise 
herrlich entfaltet, ward uns vorgestern Herr Doctor Georg Kerner, 



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— 464 — 

ausübender Arzt und Geburtshelfer, entrissen. Von jenem warmen 
Eifer für seine Kunst erfüllt, ohne welche sie nur eine todte Wissen- 
schaft ist, starb er, ein Opfer seines schönen Berufs. Mit. Recht war 
daher sein Name unter den ausgezeichnetsten dieser Stadt genannt 
Freund alles Schönen, Beförderer alles Guten, ward er von allen 
denen geschätzt, die übereinstimmend mit ihm dachten, vereint mit 
ihm wirkten, und sein Verlust wird um so lebhafter empfunden, je 
seltener die Menschen sind, die bei so vielseitiger Ausbildung und 
gleicher Reife des Geistes von einem so glühenden Eifer für das 
Wohl ihrer Mitmenschen beseelt sind. 

Wie viel gerechter ist bei so seltenen Eigenschaften die Trauer 
derer, die durch Bande der Liebe oder der innigen Freundschaft mit 
ihm näher verknüpft waren, und in seinem hellen Verstände eben so 
' viele Belehrung und Unterhaltung schöpften, als sie in seiner Anhäng- 
lichkeit und seiner uneigennützigen Aufopferung Beweise von der 
Vortrefflichkeit seines Herzens zählen. Die ausserordentliche Geschick- 
lichkeit des Verstorbenen als Geburtshelfer und seine grossen Ver- 
dienste als Armenarzt, ein Beruf, den er einer glänzenden Praxis 
vorzog, wurden von seinen Mitbürgern gewürdigt. Neun Jahre lebte 
er als ausübender Arzt unter uns, Ihm ward der Segen von tausend 
Armen und Unglücklichen, denen er mit einer Menschenliebe als Arzt 
unserer Armenanstalt, des Zucht- und Entbindungshauses, Gesund- 
heit und jede nöthige Hülfe gewährte. 

Eine sich selbst vergessende Uneigennützigkeit, eine seltene 
Genialität und eine nichts verhehlende Offenheit machten ihn unter 
anderm seinen Freunden doppelt theuer. 

In vielen Ländern , in welche ihn seine merkwürdigen Schick- 
sale führten, hinterlässt er deren, welche seinen frühen Verlust nie 
vergessen und nur darin eine Beruhigung finden werden, dass er in 
einem kurzen aber gehaltvollen Leben die Summe eines langen Daseins 
erschöpft und dessen Zweck erfüllt zu haben scheint.» 

Kerners Gattin war seit 1804 Friederike Dunker, eine Ham- 



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- 465 — 

burgerin, die an Geist, Bildung und Liebenswürdigkeit unter die aus- 
gezeichnetsten Frauen ihrer Zeit gehörte. 

Dieser Ehe entsprossten 1 Sohn Namens Reinhold, (nach dem 
Freunde Kerners den Namen tragend), welcher sich der Wasser- 
baukunst widmete und seiner Vaterstadt Hamburg mit vieler Aus- 
zeichnung diente, und 2 Mädchen Bonaflne und Clara. 



Dm Fürstlich Württembergische Dienerbach enthält folgende höhere Beamte des 
Namens Kerner: Christoph Ludtc., Vogt 314, 485. — Georg Andr. Vogt 390, 408. — 
Joh. Fried., CLPfleger 241. — M. Georg, Vogt 434 ; 486. — Mich. Keller 369 ; Vogt 408. 



Georgü-Georgenau, Biogrsphisch-Gfrenealogische Bl&tter etc. * 30 



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Kirchhofer. 



Eine in der Stadt Schaffhausen ansässige Familie, welche von 

Stein am Bhein und Herisau im Jahre 1634 m»d 1638 dahin 

gekommen ist. 

Ihr gehören an: 

Johannes Kirchhofer, Professor der Theologie in Schaffhausen 

1690, Conrector 1700. — 

Johannes, Sohn des Vorigen, Landvogt zu Neunkirch 1734. — 
Johann, Sohn des Vorigen, studirte Medicin und erwarb sich 

als Med. Dr. zu Leiden einen Namen. Er schrieb „de circulatione 

sanguinis.** — 

Ebenfalls aus Schaffhausen stammen ab: 

Johann Jacob Kirchhofer, Kaufmann in Schaffhausen (1790), 

vermählt mit Ursula, geb. Frey, Söhne: 

I. Conrad Kirchhofer, Stadt-Cassier daselbst. 
II. Johann Jacob, geb. zu Schaff hausen 11. Juni 1792, Kaufmann 
in Stuttgart. Derselbe bildete sich nach Erwerbung der kauf- 
männischen Kenntnisse in Holland weiter aus und kam von da 
nach Stuttgart, wo er sich den 7. Aug. 1825 mit Charlotte, 
geb. Reuss, der Tochter eines Hauses vermählte, von welchem 
er als Kaufmann in Geschäftsgemeinschaft gezogen wurde. Bald 
nach seiner Verheirathung übernahm er dasselbe auch ganz. 
Kirchhof er vermählte sich, nachdem 1830 seine I. Gattin ge* 
storben war, zum zweitenmale 1832 mit Friederike, der 
Schwester der ersteren; als auch diese ihm 1844 durch den 
Tod entrissen wurde, zum drittenmale 1847 den 7. April mit 



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- 467 - 

Charlotte, geb. Sebald. Er starb 1851 den 11. Februar. 
Der damalige Diaconus Hofacker, sein Beichtvater, äusserte 
sich einst über ihn: „Der ist tief hinein gut." Seine Nach- 
kommenschaft blüht noch jetzt im Württembergischen fort. — 
Carl Ferdinand Kirchhofer, Vetter des Vorigen, eben- 
falls von Schaffhausen stammend, geboren daselbst den 14. De- 
cember 1801, t 18. Mai 1583. Er war Theilhaber der jetzigen 
Eisenhandlung Zahn & Cie. in Stuttgart, und vermählte sich 
3. September 1840 mit Anna Eleonore Julie, einer Tochter 
des 1860 im 82. Jahre seines Alters t Professors und Land- 
schaftsmalers, auch Vorstands der Kunstschule in Stuttgart 
Friedrich Gottlieb von Steinkopf, Sohns des 1825 1 berühmtesten 
Malers des XVIII. Jahrhunderts Johann Friedrich Steinkopf* 
geb. 8. März 1738 zu Oppenheim, Professors an der Karlsschule, 
dessen Thierstücken die hervorragendste Anerkennung zu Theil 
wurde; die Pferde, die er malte, schienen auf der Leinwand zu 
leben. Kinder : 
I. Emilie Johanna, geb. 15. October 1849, venu. 21. October 
1872 mit Fabrik-Director Vöhringer in Sontheim bei Heilbronn. 

II. Carl Gottlob Kirchhofer, Kaufmann, geb. 10, April 1844. 
Gattin: seit 22. Februar 1872 Clara Elisabeth, geb. 30. 
Januar 1847, Tochter des Prälaten, Oberconsiatorialraths etc. 
in Stuttgart Sixt Karl von Kapff. 

III. Julius Kirchhofer, geb. 21. November 1847, Kaplan in Kirch- 
berg a. d. J. Gattin: seit 14. October 1876 Helene, Tochter 
des 1875 t Professors in Tübingen Dr. von Bonus. 



* Ein weiterer Sohn von Johann Friedrieh Steinkopf war : Carl Friederieh Adolph, 
geb. zu Ludwigsburg am 7. Sept. 1773, deutscher Prediger an der deutsch -lutherischen 
Savoy- Gemeinde in London, vieljahriger Secret&r der britischen und auslandischen Bibel- 
gesellschaft , auch in Deutschland rühmlichst bekannt. Auf seine Schilderang der 
Bibelnoth auf dem Gontinente hin wurde die englische Bibelgesellschaft ins Leben ge- 
rufen, ebenso war er es, der durch seine Reisen nach Danemark, Deutschland und die 
ßchweiz die Bildung der württembergischen Bibelgesellschaft bewerkstelligte. 



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Klaiber. 

Jobann Michael K laiber, geb. zu Kirchheim u. Teck 16. Fe- 
bruar 1688, studirte Theologie und wurde Pfarrer in Grafenberg 
1719 ? in Dettingen, O.A. Kirchheim 1723. Er starb daselbst 1762 
den 22. September. 

Gattin : Christina Barbara, Tochter des Pfarrers zu Koru- 
westheim Christoph Tobias Canstetter. Söhne: 

I. Eberhard Christoph Klalber, Arzt in Hornberg, nachmals in 
Kirchheim, geb. den 23. September 1722, t 4. Februar 1788, 
verm. mit Christiana Gottllebin, Tochter des Diaconus in Freu- 
denstadt Johann Andreas Schmid, und der Anna Catharina, 
geb. Canstetter. 
Kinder: 

1) Friederike Christiana, verm. mit Johann Albrecht Burh, 
Pfarrer in Grafenberg. 

2) Johanna Eberhardina Augostina, geb. in Hornberg den 3. 
• April 1755, verm. mit Marx Philipp BurJc, Pfarrer in 

Weiltingen. 

3) Christiana, Ehegattin des Pfarrers Hahn in Schlaitdorf. 

4) Johann Andreas Klalber, Dr. der Arzneiwissenschaft, auch 
Stadt- und Amtsarzt in Murrhardt, vermählt mit der Tochter 
des Bürgermeisters in Kirchheim Ludwig Gottfried Spindler. 
Eine Tochter desselben Namens Christiana Wilhelmine war 
mit dem Pfarrer in Bohringen Christoph David Hofacker 
— Sohn des Pfarrers in Breitenholz — vermählt. 



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— 469 — 

5) Christian Friedrieh Halber, geb. in Kirchheim u. Teck 
den 7. Februar 1749, Kameralverwalter in Brackenheim. 
t 3. Nov. 1810. Söhne: 

1) Christian Eberhard, Pfarrer in Welzheim, später in 
Gochsen, 0. A. Neckarsulm. Söhne: 

I. Dr. Karl Friedrich Klaiber, geb. in Welzheim, 
30. August 1817, Helfer in Nagold 1846, Pfarrer 
in Frauenzimmern 1850, Garnisonsprediger in 
Ludwigsburg 1861, Dekan in Göppingen 1870. 
IL Gustav Klaiber, geb. in Gochsen 1830, Ober- 
amtmann in Künzelsau 1870. 

2) Friedrich, geb. 1795, Kameralverwalter in Schönthal. 

3) Carl, geb. 1800, Kegistrator in Stuttgart. 

6) Christian Wilhelm Klaiber, geh, zu Homberg 15. August 
1757, Bechnung8rath in Stuttgart. 

II. Christian Friedrich Klaiber, Garnisons-Prediger in Kehl 1749, 
Pfarrer in Grabenstetten 1752, Mähringön bei Tübingen 1764, 
t 1798. Seine Frau, Eva Margaretha, Tochter des Spital- 
verwalters in Kirchheim Johann Christoph Benz — Sohns des 
Pfarrers in Gßmmingen , Enkels des Kloster - Hofmeisters in 
Rechentshofen. Söhne : 

I. Johann Christian Klaiber, geboren in Kehl den 4. (30.) Juli 
1749, Pfarrer in Wankheim 1781, in Eberdingen 1799, 
in Rosswag 1810, t 1822. Er war seit 1781 vermählt mit 
Christiana Enphrosina, geb. 9. Januar 1761 in Ebhausen, 
Tochter des Zacharias Stänglin , dann als Pfarrer daselbst, 
später in Beuren bei Neuffen, t 10. März 1832. Söhne: 
1) Dr. theol. Christian Friedrich von Klaiber, geb. in Wank- 
heim den 3. November 1782, Professor am obern Gym- 
nasium in Stuttgart 1809, Konsistorialassessor 1824, später 
Ober-Konsistorialrath und Ober-Studionrath mit dem Titel 
Prälat. Vermählt I. seit 5. October 1809 mit Christiane 
Louise, Tochter des Konsistorialraths und Oberhofpredigers 



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— 470 — 

Gottlob Christian Storr; II. mit Charlotte Friederike, 

Tochter des Landvogts und Staatsraths in Stuttgart Joliann 
Ludwig Christian von Breitschwert. 

v. Klaiber starb, ohne Söhne zu hinterlassen, von 
Jedermann hochgeschätzt, 1850. 

2) Gottlob Klaiber, geb. in Wankheim 1785, Kaufmann in 
Böblingen, t daselbst 31. December 1872. 

3) Johann Gottfried Klaiber, geb. 15. Sept. 1796, Professor 
am obern Gymnasium in Stuttgart 1823 — 1866. Söhne: 

1) Wilhelm, geb. 18. März 1831. 

2) Carl Hermann, geb. 8. Mai 1835, Pfarrer in Weiler, 

0. A. Weinsberg 1866, in Wurmberg, 0. A. Maul- 
bronn 1874. 

4) Ernst Wilhelm Klaiber, geb. in Wankheim 14. Novbr. 
1798, Helfer in Vaihingen a. E. 1825, Professor am 
niedern Seminar in Schönthal 1828; t 21. April 1841. 
Vermählt seit 2. Februar 1826 mit Sophie, Tochter des 
Geheimen Sekretärs August Friedrich Hauff, und Schwester 
des Dichters Wilhelm Hauff, geb. 18. October 1807, t 29. 
Juni 1858. Söhne: 

1. Wilhelm, geb. in Vaihingen 25. December 1826, 
Kaufmann in Böblingen. 

II. Theodor, geb. in Vaihingen 5. Juni 1828. 

III. Julius, geb. in Schönthal 22. März 1834, Professor 

am Gymnasium in Stuttgart 1865, am obern Eeal- 

gymnasium 1868. Vermählt seit 26. September 1868 

mit Sophie, Tochter des Ober - Medicinalraths und 

Königi. Leibarztes Karl Ludwig von Elsftsser und 

der Charlotte Friderike Gmelin, geb. 4. September 

1841. 

IL Christoph Benjamin Klaiber, geboren in Grabenstetten den 

15. Sept. 1754, Pfarrer in Heubach 1814, verm. mit Hein- 



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— 471 — 

rike Catharlne, Tochter des Decans zu Hornberg, Philipp 
Heinrich Bosch. 
Söhne: 

1) Eberhard Ludwig Klaiber, geb. den 5. Januar 1795. 

2) Christof Benjamin Klaiber, geb. den 7. April 1796, Pro- 
fessor theol. in Tübingen, später Pfarrer in Stetten im 
Remsthal, t 1836. 



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Klemm, Clemm. 

Johann Conrad Klemm, Dr. theol., wurde den 23. Nov. 1655 
zu Herrenberg geboren. Sein Vater, Johann Conrad Klemm, 

erlernte erst die Stadtschreiberei, war dann während der Kriegszeiten 
bei dem Kurbaierischen Proviantamt thätig und kehrte, da er einsah, 
dass er es ohne Changirnng der Religion zu nichts wichtigem bringen 
werde, mit den besten Empfehlungen seiner Directoren an Herzog 
Eberhard, ins Vaterland zurück. In der Folge erhielt er die Stadt- 
schreiberei Herrenberg, wurde hierauf Vogt daselbst, zuletzt wieder 
Stadtschreiber allda; er war auch Secretar des Herzogs Eberhard III., 
welcher Klemm überaus hochschätzte; die Mutter war Anna Dorothea, 
Tochter des Stadtschreibers Veit Philipp Genckinger in Leonberg; 
der Grossvater Johann Conrad Klemm, geb. 1590, Bürgermeister in 
Herrenberg; „hat der Stadt 14 Jahre als Stadt- Advocat gedient;" die 
Grossmutter Agnes, geb. Rnff; der Urgross vater Johann Klemm, 
geb. 1515, welcher aus Sachsen nach Württemberg kam und die 
erste Papiermühle „im Reich" errichtete. 

Johann Conrad besuchte die Schulen seiner Vaterstadt und 
genoss hauptsächlich den Unterricht des damaligen Praezeptors und 
nachmaligen Rectors der Scholae Anatolicae zu Tübingen Michael 
Wagner. 1669 wurde er in die Klosterschule in Hirsau aufgenommen 
und hierauf stufenweise in die höhere Klosterschule Bebenhausen 
1671 , in das Fürstliche Stipendium in Tübingen 1673 befördert 
1676 erhielt er den Magister-Titel und widmete sich nun ganz dem 
Studium der Theologie, indem er dabei hauptsächlich die Kollegien der 
Professoren Wagner, Raith, Oslander und Keller frequentirte. 



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— 473 - 

1679 erhielt er die Stelle eines Klosters-Unter - Präzeptors in 
Maulbronn, wo er den Umgang des dortigen Prälaten und Abts zu 
Bebenhausen Johann Andreas Hochstetter wie den seines Collegen, 
des nachmaligen Abts zu Lorch und Consistorialraths Christoph 
Zeller, genoss. Nach 4jähriger Arbeit in der Klosterschule ver- 
traute man ihm das Diaconat in Metzingen unter Urach an 1683. 
Im Jahre 1688 kam er als Diaconus bei St. Leonhard nach Stutt- 
gart, wo er alle Stufen der Diaconate durchmachte und' 12 Jahre 
mit vieler Mühe und Arbeit unter tausenderlei Aengsten und 
besonders Feindes Gefahren, aber auch mit vielem Seegen zubrachte. 
Zu Ende des Jahres 1699 fiel er in eine tödtliche Krankheit; 
auf dem Krankenlager wurde ihm im Auftrag seines Herzoges die 
Ernennung zum Professor der Metaphysik in Tübingen mitge- 
theilt. Er verwaltete dieses Amt, das er, dem Tode entronnen und 
neu gestärkt, im Jahre 1700 antreten konnte bis zum Jahre 1707, 
in welchem Jahre er, da Dr. Reuchlin starb, wieder den Kirchendienst 
in der Abend - Praedicatur nebst der Superintendenz des fürstl. Sti- 
pendiums antrat, mit unparteiischer Gerechtigkeit. Gleichzeitig doc- 
torirte er und las Theologie. 

Nachdem sein Vorgänger Dr. Hochstetter als Oberhofprediger 
nach Stuttgart berufen worden war, folgte er diesem im ordentlichen 
Professorat und der Special-Superintendenz und behielt, als der Erst- 
genannte wieder nach Tübingen zurückkehrte, das Professorat allein. 
Mehreremale bekleidete er das Ke ctorat, sowie das Decanat der 
philosophischen und theologischen Facultät und das Deputirten-Amt. 
Er starb den 18. Febr. 1717. 

Klemm war ein vielseitig gebildeter Mann und nicht nur in 
der französischen, italienischen und hebräischen Sprache, sondern 
auch in der Poesie, Musik und Malerei wohl bewandert. Seine Auf- 
richtigkeit leuchtete überall hervor und war aller Schwanke und 
Verstellung Feind. Als Ehegattin stand ihm seit 29. Januar 1684 
Anna Catharina, geb. Hauber, zur Seite. Kinder: 



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— 474 — 

I. Cliristiana Dorothea, vermählt mit dem Pfarrer in Gehers- 
heim M. Johann Ulrich Helfferich. 
IL Justina Oatharina. 

III. Johann Conrad, Pfarrer zu Asch, Prälat und Special zu Leon- 
berg, verm. mit Anna Maria, Tochter des Markgräfl. Baden- 
Durlach sehen Kammerraths Merkel* aus welcher Ehe 5 Söhne 
und 4 Töchter hervorgingen. 

IV. Johann Christian, geb. 1688, Repetent und Professor im Sti- 
pendio illustri in Tübingen, nachmals Professor der Philoso- 
phie, der morgenländischen Sprachen und Theologie in Tübingen, 
t 1 754, seines Wissens wie seiner Gelindigkeit und Sanftmuth 
wegen allgemein hochgeschätzt. Er wurde durch seine Schrift: 
Die nöthige Glaubenseinigkeit der Protestantischen Kirchen, 
Tübingen 1719 (Regensb. 1720) und andere ähnliche Werke 
der erste Urheber der Unionsversuche. Gattin: Johanna, Tochter 
des Dr. Pfaff. 

V. Johann Oottlieb, geb. 1694, Kaiserl. Rath, ein frommer gottes- 
fürchtiger Mann, verm. I. mit Christina Sibilla, Tochter des 
Prälaten August Hochstetter zu Maulbronn ; IL mit Ohristina 
Rosina, geb. Eccard. Er starb 2. Mai 1774 mit Hinter- 
lassung von 5 Söhnen. 

Das ihm von Maria Theresia ertheilte Diplom als Kaiserl. 
Rath lautet: 

Wir Maria Theresia von Gottes Gnaden Römische Kaiserin 
in Germanien, zu Hungarn, Böheim, Dalmatien, Croatien, Sclavonien 
etc. etc. Königin, Erzherzogin zu Oesterreich, Herzogin zu Burgund, 
Ober- und Nieder-Schlesien, zu Steyr und Kernten, zu Crain, Marg- 
gräfin des Heil. Rom. Reichs, zu Mähren und Burgau, zu Ober- und 
Nieder-Laussnitz , geforstete Gräfin zu Habsburg, zu Flandern und 

* Ein Sohn desselben Matthäus Merkel, geb. zu Calw, Diaconus in Backnang, war 
mit Magdalena Sibyüa, geb. Ostertag, vermählt, welcher Ehe Christof Friederich ent- 
t^prosste, der im Jahre 1764 das Decaoat zu Pfedelbach bekleidete. 



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- 475 — 

Tyrol und zu Görz, Herzogin zu Lothringen und Baar, Grossherzogin 
zu Toscana etc. etc. bekennen öffentlich mit diesem Brieff, und thun 
kund jedermänniglich ; Wiewohlen Wir aus Kaiserlicher Würde, in 
welche GOtt der Allmächtige Uns gesetzet, auch aus angebohrner 
Güte und Müdigkeit, jederzeit geneigt sind, Aller und jeder Unserer 
Unterthanen Ehre, Nutzen, Aufnahm und Bestes zu befördern: So 
sind Wir doch billig mehr bewogen, denenjenigen, welche sich gegen 
Uns und Unser König!, und Erzherzogliches Haus mit getreuen 
Diensten in standhafter Devotion, durch eigene oder deren Ihrigen 
eyffrige Dienstleistung verdient zu machen trachten, mit unsern 
Kaiserlichen Gnaden zu begegnen. 

Wann Wir nun gnädigst erwogen und betrachtet: die Ehrbare 
Sitten, redliche Aufführung und andere gute Eigenschaften, mit 
welchen Uns der Johann Gottlieb Klemm, Herzogl. Württembergischer 
Bath und Stabs- Vogt der Reichs-Horrschaften Steisslingen und Justingen 
begäbet zu seyn, nebst deme angerühmt worden, dass derselbe, wie 
Jene Vorfortere, in allen Begebenheiten, sich zum Nutzen und Frommen 
Unseres Königl. und Erzherzoglichen Hauses rühmlichst angewendet, 
sondern auch zu werkthätiger Bezeugung seiner gegen Uns tragenden 
Devotion, Uns Jüngsthin zur Bestreitung dermahlig Ungemeiner Aus- 
laagen ein ziemliches Darlehen angebotten und geleistet, und benebst 
in diessem seinem DienstEyfer noch ferner biss in seine Gruben 
fortzufahren dess allerunterthänigsten erbietens seye ; Welches er auch 
seinen besitzenden guthen eigenschafften nach wohl thun kann, mag 
und solle. 

Als haben Wir auss diessen vorangeführten Ursachen, mit 
wohlbewu88tem Muth, guthem Kath, und rechtem Wissen, besagten 
Johann Gottlieb Klemm zu Unserem Kaiserlich Königlichen Ratb 
gnädigst gewürdiget und aufgenommen: nehmen auf und würdigen 
Ihn darzu wissentlich und in kraft dieses Brieffs. Meinen, setzen, 
ordnen und wollen , dass Er nun hinfüro unser Rath seye , von 
männiglich davor gehalten, erkennt, geehrt, genannt, und Ihm solche 
Titul auss allen Unsern Canzleien und sonsten gegeben und geschrieben 



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— 476 — 

werden, darzu Er alle und jede Ehre, Würde und Vortheil, Freiheit 
und Gerechtigkeit, wie andere Unsere Rftthe haben und sich deren 
erfreuen, gebrauchen, nutzen und gemessen solle, und möge, von 
jedermänniglich ungehindert. Jedoch solle Er hingegen Unsere 
Geheimheiten, die Ihme anvertraut werden möchten, biss in sein 
Grab zu verschweigen, auch in Sachen und Geschafften, wozu Er 
inskünfftige gebraucht werden möchte, Uns seinem guthen Verstand 
nach das beste einrathen, Unsern Nutzen und Frommen zu beförtem, 
allen schaden aber und nachtheil zu wenden und zu verhüthen, 
schuldig seyn , auch sonsten insgemein all dasjenige zu thun , was 
einem getreuen Rath gegen seiner Frauen zu thun gebühret und 
geziemet, allermaassen , dann unser Gnädigstes Vertrauen in seine 
Person gerichtet ist. 

Mit urkund diesses Briffs, besiglet mit Unserm Kaiserlich 
Königlichen auch Erzherzoglichen anhangenden grössern Insigel. 
Der gegeben ist in Unserer Haupt- und Residenzstadt Wien den 
Sechszehnten monathstag Julii nach Christi Unsers Lieben Herrn und 
Seeligmachers Gnadenreichen Geburt im Siebenzehnhundert und Sieben 
und Fünfzigsten Unserer Reiche im Siebenzehnten Jahre. 
Maria Theresia. 

Franz Wilhelm, Graf von Hazfeld, 

K. K. Hof-Cammer-Präsident. 
Johann Graff Chotek y 

Ober-Canzler. 
Ad Mandatum Sacra? Caesareo Re- 
gia? Majostatis proprium 
Joh. Christoph Freih. v. Bartenstein. 
Theodor v. Thoren. 

Registr. Joh. Friedrich Kirstein 

r. Kirstenau, 
Raths-Titul vor dem Herzogl. Wür- 
tembergischen Ratji, Joh. Gottlieh 
Klemm. Coli. 



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— 477 - 

Johann Christoph Klemm, Sohn des Vorigen, geb. 12. April 
1732, Pfarrer in Hildrizhausen, vermählt I. mit Christi na Benigna 
Tochter des Prälaten in Murrhardt Friedrich Christoph Oetinger; 
II. mit Christina Margaretha, Tochter des Pfarrers in Walddorf 
Joh. Sebastian Schmid. 

Ueber seine Vicariats-Stellen sagt er selbst Folgendes: 

Ich will die Orte nahmhaft machen, wo ich theils kürzer, theils 
länger vicarirt habe. In alphabetischer Ordnung. 

Augspur g. Bei St. Anna einmal, a. 1759. Mittwochs nach 
Ostern, über Esaj. 53, 8. Senior Urlsperger forderte mich dazu 
auf. Auf meiner ganzen Reise rechne ich den Umgang mit dem 
sei. Senior Urlsperger unter das wichtigste und nfizlichsto. Ich 
wurde fast alle Tage zu ihm zu Tisch geladen. Bey meinem Abschied 
segnete er mich mit Auflegung der Hände unter vielen Thränen. 
Er erzählte mir seinen ganzen Lebenslauf in Württemberg, wie er 
zuerst Hofprediger und Consistorialis gewesen, nachmals Spefcial in 
Herrenberg, und endlich Senior in Augspurg geworden. Er erzählte 
mir unter anderm auch seine Conversation mit dem König Friedrich 
Wilhelm in Preussen. Er musste dem König die St. Anna-Kirch 
zeigen, ihm zur Seite gehen, hinter ihnen der Kronprinz und der 
Feldmarschall von Sekendorf. — Kex fragte ihn: wie lang ist Er 
hier? U. So und so lang. Rex: Wo ist Er vorher gewesen? U. 
in Stuttgardt. Kex: Was? U. Hofprediger und Consistorial-Rath. 
Rex : Warum ist Er von da weggekommen ? U. Weil ich die Wahr- 
heit gesagt. Bex: Ist Er gern hier? U. ja. Rex: Sind seine 
Colleges alle eines Sinnes mit Ihm? da sagte U. zu mir: das seye 
eine sehr schwere Frage gewesen. Hätte Er nein gesagt, so hätten 
seine Collegse ihn beschuldiget, Er habe sie in faciem eines Königs 
verläumdet ; hätte Er ja gesagt, so hätte Er die Unwahrheit geredt. 
Er sagte endlich: Ihr Majestät, sie sind alle Liebhaber von den 
Spenerischen Schriften. Damit war der König zufrieden. — Rex: 
Was hält Er von meinen Leuten? U. der sei. Professor Franke 
war mein geistlicher Vater. — Endlich nahm der König den Hut 



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— 478 — 

ab, und dankte ibm vor seine Bemühung. TL nahm das Herz in 
die Hand, sagte zum König : Werden Euer Majestät fortfahren, Recht 
und Gerechtigkeit in Ihren Landen zu handhaben, und rechtschaffene 
Leute zu schützen, so wird Ihr Königreich bestehen. Bex machte Ihm 
nochmal ein Compliment, sagte : Lebe Er wohl, und wann Er nimmer 
gern hier ist, und von seinen Collegen gedrükt wird, so komm Er zu mir. 

Geneve.* Bey der teutschen lutherischen Gemeinde zweimal. 

Lausanne. In etlichen Sommer - Monaten versähe für den 
deutschen Pfarrer daselbst fast sein ganzes Amt. Einmal am all- 
gemeinen Buss- und Fasttag, predigte über Ezech. 33, 11 von der 
allgemeinen Gnade, ohne ein Wort von der Antithesi zu gedenken, 
mit Beifall und Segen. Diss veranlasste mich, dass, nach meiner 
Retour ius Vaterland, einen Tractact schrieb: De interna cordis 
unione fidelium Lutheranse & Calvinianse Confessionis, unionem externam 
non necessitante. Ich zeigte den Tractact dem Kanzler Eeuss. Er 
lobte »ihn. Widerrieth den Druck. Ich zerriss ihn. 

Von Lausanne machte eine Excursion nach Geneve, wo ich 
mehrere Monate blieb. Ich ging zu Schiff dahin. Weil wir wenig 
Wind hatten, war 3 Tag unterwegs. Wie ich das Schiff bestieg, 
stellte mich an, als ob kein Wort französisch verstünde, damit um 
so eher hinter die Gedanken der Menschen kommen möchte. Es 
gieng bald über mich her; was das für ein tummer Hund seye, der 

* Ich bin öfters gefragt worden, warum ich von Geneve nicht auch zu dem 
berühmten Voltaire hinausgegangen? Ich furchte mir nicht vor ihm, hatte mich ihm 
auch ohne allen Anstand entdeckt, dass ich ein Theologns seye; weil Er aber nur 
französisch redte, ich aber diese Sprache noch nicht läufig reden konnte, so mochte mich 
nicht exponiren. Ich hörte aber doch alle Tage von Ihm und seinen Sachen reden. 
Graf Soltikov war damals in Geneve mit Papieren von der Russischen Kaiserin an Ihn 
zu Ausarbeitung seiner Geschieht» von RussUnd. Soltikov ging bey Madame Movligni 
zu Tische, wo ich auch speiste, sass neben mir, plauderte alle Tage von Voltaire, wollte 
mich oft aufsetzen, ich schickte ihn aber etlichemal so heim, dass Er zufrieden seyn 
konnte. Einmal meynte er, er habe gewonnen, ich kam ihm aber mit einer Antwort so 
auf den Hals, dass er »agte : ce n'e»t pas petit, c'est grand. Er meynte, ich heisse Klein, 
nicht Klemm. Es fällt mir da noch was von ihm ein. Er fragte mich, einmal, ob ich 
wolle, dass Er sein Trinkglas et se ? Ich erschrak heftig, und sagte, das möchte Er doch 
bleiben lassen. Er aber beisst etUche 8tück aus dem Glas, zerbeisst sie, speit sie wieder 
aus, ued blutet entsetzlich. 



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— 479 — 

in ein französisch Land raise, ohne ein Wort französisch zu ver- 
stehen. Ein einiger Teutscher war im Schiff, ein Schneider, mit 
dem unterhielte mich. Es war in der Charwoche. Ich entfernte 
mich öfters von dem rohen Schiffsvolk auf den obern Boden des 
Schiffs, sass in den Schatten des grossen Segels, sang Passions- 
Lieder. — Plözlich entstund ein Qeschrey : man sehe einen Menschen 
schwimmen. Wie er uns nahe kam, zogen wir ihn aus dem Wasser. 
Er war nackend, und also vermutblich beym Baden ertrunken. Da 
thät nun den Mund auf, und hielt eine Straf-Predigt an das rohe 
Volk. Sie erstaunten alle, wie sie hörton, dass ich plözlich fran- 
zösisch mit ihnen spreche — kriegten eine grosse Liebe zu mir. 
Wie ich in Geneve ausstieg, wollte der eine meinen Ueberrok, der 
andere meinen Coffer in mein Logis tragen. 

Zweimalige Verehlichung. Erstmals* den 27. August 1761 
mit Christiana Benigna, Special Oetingers in Herrenberg Tochter. 
Mein Schwiegervater predigte und copulirte. Text Ps. 116, 1. 2. 
Zweitens, den 15. Januar 1765 mit Christina Margaret ha, Pfarrer 
Schmids in Schlaitdorf Tochter. Vicarius Weissmann predigte 
Ps. 45, 11. 12. Mein Schwiegervater, der damals nach einer 
Krankheit das erstemal wieder in die Kirche kam, copulirte. 

Meine erste Ehe währe te nicht länger als 2 1 /* Jahr. Meine 
Benigne starb den 15. März 1764 am vierten Tag nach der Geburt 
eines Töchterleins, nach ausgestandener operatione secundinarum an 
einer Hseinorrhagia uteri. Der Geheime-Rath Georgii, ihr Gross- 
Onkel, bildete Sie. Wie Sie starb, that sein Condolenz-Schreiben 
den grösten Zug an meinem Herzen. Der Beschluss war: Fürchte 
dich nicht, glaube nur. Das war Balsam in meine Wunden. 



* Die Hochzeit war sehr einförmig. Ich führte die Braut selber in die Kirch 
und zum Altar. Beym Mittagessen war, ausser den Eltern der Braut, niemaud als 
Burgermeister Klemm c. Ux., Repetent Klemm, Kaufmann Stik und noch etliche. — 
Ich hatte vorher meinen Schwiegervater gebeten, dass Ichs so machen dörfte. Er schriebe 
dem Geheimen Bath Oeorgii. Dieser schrieb zurük: was der Bräutigam Euch sagt, das 
thut. — Bey meiner zweiten Verehlichung war ich weit nimmer so meister. — Wie 
andern sich die Zeiten. 



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— 480 — 

Meine Kinder I. mit Christiana Benigna Oetingerin. 

1. Johanna Dorothea,* geb. zu Tuttlingen 1762 20. September, 
Nachts 11 Uhr. Ein Herz ohne Falsch, voll Liebe. Der 
HErr bleibe Ihr und Ihres Saamens GOtt.* 

2. Sophia Christiana, geb. in Tuttlingen 1764 12. Merz, Nachts 
11 Uhr. Ueber Ihrer Geburt starb die Mutter. Stiftsprediger 
Bieger rühmte in einem Schreiben an mich ihre Tugend. 

II. mit Christina Margaretha Schmidin. 

3. Immanuel, geb. in Hildrizhausen 1767 27. Merz, Nachmittags 
3 Uhr. Expedit im predigen. Ein guter Musicus. 

4. Margaretha, geb. in Hildrizhausen 1768 8. May, Nachts 
2 Uhr. Aufrichtig, gerad, offenherzig. Wird sie die Perle 
des Reichs GOttes suchen, so wird sie solche finden. 

5. Friedrika, geb. in Hildrizhausen 1770 22. October, Morgens 

5 Uhr. Herrlichst begabt, unter allen meinen Kindern. Der 
HErr bewahre diesen Weinstock. Er reinige ihn , dass er 
immer mehr Früchte trage.** 

6. Regina, geb. in Hildrizhausen 1771 7. December, Morgens 

6 Uhr. Bey ihrer Tauffe machte ich drey Looszettel mit 
dreyerley Namen; der benannte fiel ihr zu. Wird sie die Er- 
scheinung JEsu lieb haben, so wird es an -der Krone der 
Ehren in jener Welt nicht fehlen. 

* Lebt in vergnügter Ehe mit M. Joh. Caspar Höklin , Praoeptor in Ebingen. 
Kinder: 1. Joh. Christoph Friedrieh. 2. Christiana Benigna. 3. Sophia Friedrika. L 
Johanna Gottlieb in. Einer ihrer Patben war Joh. Michael Wagner, Handelsherr in Venedig. 
Mit diesem rechtschaffenen Mann, sagt Klemm, habe ich lange Zeit correspondirt. 4 Wochen 
lang logirte ich bei ihm in Venedig , und genoss viele Gewogenheit and Liebe. Wann 
am Essen der Oyperwein kam, war diss das Zeichen, dass es jetzt bald Zeit aeye auf- 
zustehen. Ich. wurde von Ihm an die gröste Handlungshauser empfohlen. Es hiess 
darinn: mio particolare k dlstinto Amico. - Wie ich nach Rom reisen wollte, adressirte 
Er mich an zwei vornehme Handlungshäuser daselbst. Ich raiste würklich ab. Mit dem 
von Venedig nach Rom abgehenden Courier, es war heiss, gl eng sehr schnell. Wie ich 
nach CasteUo nuovo kam, war ich durch die Hitze so angegriffen, dass liegen bleiben 
musste. Ich besorgte ein hitziges Fieber — ward Jedoch bald wieder so restituirt, dass 
mich der Courier bey seiner Retour von Rom wieder mit nach Venedig nehmen konnte. 
Die Lust aber, nach Rom zu reisen, vergieng mir. 

** Lebt in vergnügter Ehe mit M. Carl Friedrich Ho ff acher, Diac. in Wildbaad. 
Kind: Carl Wilhelm Ludteig, geb. 25. Juni 1794. 



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— 481 — 

7. Elisabeths, geb. in Hildrizhausen 1776 30. November, Nachts 
1 Uhr. Die innigste Freundin und Gesellschafterin ihres Vaters. 
Frölich, leutselig, gesprächig. 

Unter allen solle mir Regina am ähnlichsten sehen. Der 
HErr halte sie alle bei der Hand, leite sie nach seinem Rath, und 
nehme sie endlich mit Ehren an. 

Am Ende seiner Lebensbeschreibung fügt Klemm noch Fol- 
gendes bei: 

Nun will alles noch in folgendem Lied zusammenfassen: 

1. Sonne, die aufs niedre sieht, da singt ein armer Staub, den 
deine Kraft allmächtig zieht, ich rede, denn ich glaub. 

2. Zuerst gesteh ich ohne Scheu, jedoch nicht ohne Schaam, 
dass ich vom Licht ergriffen sey, das auf die Erde kam. 

3. Ich weiss die angenehme Zeit, da mir die Gnad erschien; da 
JEsu8 rief, war ich bereit, mit diesem Mann zu zieh'n. 

4. Doch wie es zu geschehen pflegt, die Seele macht sich schwer, 
wann JEsus auf die Achslen legt: so giengs hier eben her. 

5. Der Heiland nahm mich, wie ich war, als einen todten Mann, 
bey meiner Seelen Tod'sgefahr, zu seiner Pflegung an. 

6. Ich bat um Hülfe: da Er nun mit seiner Hülfe kam, so scheute 
ich das Wehethun, und war den Mitteln gram. 

7. So müht sich unser HErr mit mir, nun schon die längste Zeit, 
und hat noch wenig Ehr und Zier, von seiner Emsigkeit. 

8. Ihr Töchter Salems! seht mich an, ob ich Gespielin sey: Nun 
ist der Schleyer weggethan, nun ist das Herze frey. 

9. Ach helft mir bitten, was ihr könnt, ihr Tochter helfet mir! 
dass, da mein Herz von JEsu brennt, mein Thun die Lehre zier. 

10. Was hör ich? Stimmen aus dem Chor, da Christus herrscht 
und ruht; sie singen mir ganz lieblich vor: auf Seele! wohlgemuth! 

11. Der König, unser Seeleufreund, hat einen solchen Trieb, der's 
redlich mit uns allen meynt, und hat dich eben lieb. 

12. So lange man auf Erden ist, so lange wird gebaut, zulezt 
kriegt dannoch JEsus Christ, ein reines Herz zur Braut. 

o. Gtorgii-Georgenau, Biographisch- Genealogische Blätter etc. 31 ' 



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— 482 - 

Ebenfalls hieher gehören: 

Heinrich Wilhelm Clemm, Professor Theol, geb. zu Hohen- 
Asperg in Württemberg 13. Dec. 1725. (nach Andern geb. 31. Dec. 
1726). Derselbe studirte in Tübingen Theologie und Mathematik, 
war von 1750 — 52 Repetent daselbst, ging von da auf Reisen durch 
die wichtigsten Städte von Deutschland, überall Bibliotheken besuchend 
und gelehrte Bekanntschaften persönlich anknüpfend. Nach seiner 
Rückkehr von dieser Reise wurde er Vicar bei der Hofcapelle in 
Stuttgart 1753, dann Professor und Prediger im Kloster Bebenhausen, 
Professor der Mathematik am Gymnasium in Stuttgart, Professor 
der Theologie in Tübingen 1767. 

Als Schriftsteller war Clemm nicht ohne Verdienst; von ihm 
rühren verschiedene Werke her. — 

Johann Christian Klemm, geb. in Steusslingen 12. April 1732, 
M. der Philosophie und Pfarrer zu Neuhausen an der Erms, vorher 
Pfarrer zu Hildrizhausen, schrieb Allgemeines Würtemb. Stiftungslexicon 
und Wohlthäterdenkmal I. Theil Tüb. 1790. — 

Jacob Friederich Klemm, geb. 1733 in Herrenberg, anfangs 
Diaconus zu Balingen, hierauf 1782 Superintendent zu Nürtingen, 
machte sich daselbst durch Stiftung einer Normal- oder Realschule ver- 
dient. Sein Lateinisches Elementarbuch wie ein neuer von ihm heraus- 
gegebener Atlas fanden allgemeinen Beifall. Seybold in seinem »Historien- 
büchlein« sagt über Klemms Atlas: »Bekanntlich sind die Kärtchen 
dabei so gemacht, dass man die Länder ausschneiden und der Jüngling 
jedes wieder an den Ort, wo es hingehört, zusammen setzen kann. 
Was hier bei Landkärtchen als Erleichterungsmethode geschieht, möchte 
nun bald das Schicksal der Länder selbst sein, dass man sie nach 
Belieben in die Länge und Breite zerschneidet und stückweise vertheilt.« 

Klemm war auch ordentliches Mitglied der Naturforscher-Ge- 
sellschaft in Halle in Sachsen 1780, und Mitglied der deutschen 
Gesellschaft in Göttingen und starb 24. Juni 1803. 

Er selbst sagt über die Anschauungsweise seines Berufs als 
Prediger in Balingen Folgendes: 



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- 488 — 

»Zu allererst suchte- ich meine akademische Sprache, an die 
ich in Einem fort 10 Jahre gewöhnt war, um vieles herabzustimmen, 
und dadurch meinen Zuhörern in der Stadt und auf dem Dorfe ver- 
ständlich und also nüzlich zu werden. 

Mit meinem Studium der Natur verband ich jetzt die Geschichte 
und lernte die Wege Gottes unter den Menschen durch alle Jahr- 
hunderte bemerken, welches nach meiner Einsicht auch eine unent- 
behrliche Erforderniss eines Predigers ist. Ich besuchte alle Werk- 
stätten der Künstler und Handwerker, auch den Gärtner und Ackers- 
mann und sammelte so die Woche über, damit meine Predigten 
hernach von meinen Zuhörern in ihre tägliche Geschäfte verwebt, die 
ganze Woche über angetroffen werden möchten. Vor allem aber 
lagen mir die Schulen als Pflanzstätte künftiger Väter und Mütter 
und eines folgenden Geschlechts am Herzen.« 

Jereinias Friedrich Klemm, geb. zu Balingen 1766, Med. 
Dr., studirte und practicirte in Tübingen und schrieb: De diagnosi 
hermarum, tarn genuinarum, quam spuriarum. Tubing 1789. — 

Johann Friedrich von Klemm, geb. 14. November 1793, 
Sohn des Stabsamtmanns in Brenz, späteren Hof kameral Verwalters in 
Lauffen a./N. Christof Heinrich Klemm, .Bitters des Kronordens (t 
Stuttgart 1889), Enkel des gleichnamigen Oberaratsphysikus in Leon- 
berg (t 1785), Urenkel des Seite 473 erwähnten Prälats in Herrenalb 
und Specials in Leonberg Johann Conrad Klemm (t 1763). 

Johann Friedrich war Aktuar und Revisor bei der Stadt- 
direktion Stuttgart, Juni 1822 Oberamtmann in Tettnang, November 
1835 in Ellwangen, October 1845 in Esslingen. Seine ausgezeichnete 
Wirksamkeit für das öffentliche Wohl wurde vornehmlich im ersten 
Bezirk seines Wirkeus anerkannt durch Verleihuug des Ehrenbürger- 
rechts in Tettnang an ihn und seine Familie, und bleibend in gutem 
Andenken behalten, was seine Wahl zum Abgeordneten des Bezirks 
Tettnang beweist. Er vertrat letzteren von 1844 bis in die März- 
tage 1848. Im Jahre 1846 wurde er Kitter des Kronordens, t 
zu Esslingen 16. April 1858. 



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- 484 - 

Seine Gattin Lotte, geb. Jakobl, geb. in Stuttgart 16. Dec. 
1799, f in Geislingen 8. Januar 1869, mit der er 1822 in die Ehe 
trat, war eine Tochter des als Generalarmeearzt zu Stuttgart am 
19. April 1812 verstorbenen Dr. Christian Friedrich von Jacobi, 
Bitters des Kronordens. Dieser im gleichen Jahr mit Schiller geboren, 
besuchte neben demselben die Karlsschule und war nicht blos noch 
nachher im gleichen Regiment mit ihm als Medikus verwendet, son- 
dern auch persönlich ihm befreundet, so dass Schiller noch nach 
seiner Flucht, am 6. Novemb. 1782, ihm schrieb. Zwei andere frohere 
Karlsschüler, Bibliothekar Petersen und Regimentsquartiermeister 
Rheinwald waren noch später seine Hausfreunde und standen bei 
seinen Kindern zu Gevatter. Bannecker verehrte ihm das Original- 
gipsmodell zu der Büste Schülers. Jakobi starb frühe in Folge 
der aufreibenden Thätigkeit, welche in jenen Kriegsjahren seine 
Stellung mit sich brachte. Er genoss besonderes Vertrauen Seitens 
des Königs Friedrich. Durch seine Frau, eine Tochter des Geheimen 
Kabinetssekretärs und Regierungsraths Johann Gottfried Grimm in Lud- 
wigsburg (f 1787) hing auch er mit dem württembergischen Beamten- 
stand zusammen. Seine Kinder waren die ersten in Stuttgart, viel- 
leicht in Württemberg, an denen Versuche mit der neuen Kuhpocken- 
impfung gemacht wurden; sein Haus in Folge der besondern Be- 
gabung der Hausmutter öfters ein Sammelpunkt musikalischer Kräfte 
zur Aufführung von klassischen Opern im Privatzirkel. 



Das Fürstlich Württemb. Dienerbach enthält folgende höhere Beamte des Namens 
KUmm (CUmm): Amptmann 406. — Andr. Adam, Vogt 637. — Christian Cottr., Probst 
296. — Frid., Reg. R. Secretar. 76. — Heinr. Wilh., O. R. Bibliothecar 43 ; Prediger 
561. — Jac. Frid., Pfarrer 616. — Joh. Conr., Abt 289; Diacon 662; Special 478; Statt- 
■ohreiber 464; Stints Diacon 560; Vogt 452. — Joh. Fried., Hofger. 8ecretar. 80; Reg. 
R.8ecretar. 74. — Joh. Gottl., Vogt 537. — Leonh., Pfarrer 364. 



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Knapp. 



Thomas Knapp, Herzogl. Württemb. Forstmeister, wurde den 
15. December 1647 als Sohn des Herzogl. Waldvogts von Tübingen 
Thomas Knapp und der Agnes, geb. Eisenkrämer, und als Enkel des 
1626 f Waldvogts in Tübingen Oseas Knapp, geb. 1564, dessen 
Vater Oseas Knapp, geb. 1521, t 1598, vermählt mit einer geb. 
List, schon in Reutlingen lebte, dessen Epitaph sich an der Kirchen- 
mauer zu Weil im Schönbuch befindet und der Catharlna, geb. 
Wenner (getraut 27. September 1601), geboren. 

Derselbe besuchte die lateinische Schule zu Böblingen, genoss hier- 
auf in Waidenbuch, wo seine Eltern damals sesshaft waren, den Unter- 
richt des Vicars M. Christoph Schliessnecker und bezog von da aus 
die Universität Tübingen, wo er sich dem Studium der Philosophie 
widmete. Da indess Herzog Eberhard, der schon früher sich des 
jungen Knaben angenommen hatte, wünschte, dass er in die Fuss- 
stapfen des Vaters träte, kehrte Knapp von Tübingen nach Waidenbuch 
zurück, wurde bald darauf 1668 dem Vater adjungirt und erhielt 
1674 die Forstmeistern auf dem Stromberg. In Folge der vielen 
Drangsale und Verdriesslichkeiten , die er auf diesem seinem neuen 
Posten der Kriegszeiten und der durchziehenden kaiserlichen und fran- 
zösischen Armeen wegen zu erleiden hatte, kam er um Transferirung 
ein, welche anch stattfand, indem er zum Forstmeister in Liebenzell 
und Wildbad ernannt wurde, welch beide Aemter er bis 1699 ver- 
waltete, um welche Zeit ihn in dem Wildbader Forstamte Samuel 
Fugner von Ruetmersbach ablöste. Er starb den 23. September 
1709 zu Liebenzell. 



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— 486 — 

Seine Gattin war Anna Maria, Tochter des Bürgermeisters der 
Stadt Pfeilungen Johann Jacob Henssler, Sohns des Kellers in Weins- 
berg Ulrich Henssler, und der Catharina, Tochter des Bürgermei- 
sters von Balingen Joh. Ulrich Ergenzinger. Kinder: 

I. Anna Maria, verm. mit dem Pfarrer in Altbnrg M. Christian Mehl. 
IL Christina Catharina, verm. mit dem Chirurgen in Weil im 
Schönbuch Tobias Wurster. 

III. Maria Agnes, vermählt mit dem Comp.-Verwandten in Calw 
Johann Georg Gfrörer. 

IV. Christina Regina, verm. mit dem (Decan in Hornberg) M. 
Buttersack. 

V. Rosina Catharina. 
VI. Sophia Kunignndn. 
VII. Jacob Thomas Knapp, geb. 29. Februar 1672, Forst-Verwalter 

zu Freudenstadt, verm. mit Maria Rosina, Tochter des Pfarrers 

zu Magstadt Johann Christoph Andler. 

Christian Gotthold von Knapp, Königl. Regierungsrath , geb. 
16. Februar 1750 auf dem Einsiedel bei Tübingen. Sein Vater 
war der dortige Kl. -Hofmeister Ernst Bernhard Knapp, t 5 Nov. 
1778; die Mutter Christiana, Tochter des Landschafts-Einnehmers 
Joh. Jacob Ständlin. Ernst Bernhardts III. Gattin, von welcher 
der nacherwähnte Gottfried Gabriel abstammt, war Tabitta, geb. 
Schwarz; der Grossvater Ernst Friedrieh Knapp, Hofmeister zu Einsiedel; 
die Grossmutter Sabina Regina Koppel; der Urgrossvater Eberhard 
Friedrieh Knapp, Hofmeister zu Einsiedel; die Urgrossmutter seit 
12. Mai 1657 Margaretha, geborene Kilgns; der Urur-Grossvater 
Michael Knapp, geb. 18. Februar 1604, Präsenzmeister und Stadt- 
schreiber in Hirschhorn, Vogt in Böblingen, t 1662; die Urur- 
Grossmutter seit 1629 Catharina, Tochter des Präceptors in Kirch - 
heini Andreas Wem; der Urur-Urgrossvater endlich der Eingangs 
erwähnte Waldvogt von Tübingen Oseas Knapp. 

Derselbe besuchte die Universität und wurde, nachdem er 
einige Oberamtsverwesereien besorgt hatte, im Jahr 1777 als Kirchen- 



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- 487 - 

raths-Kammerrath angestellt. In dieser Eigenschaft, und nachher 
als Expeditionsrath , half er das evangelische Kirchengut berathen 
und besorgen, bis dasselbe 1806 mit dem Staatsgut vereinigt wurde. 
Nun wurde dem erprobten Geschäftsmanne ein anderer Wirkungskreis 
angewiesen. Der Staat nahm seine Dienste zunächst als Hof- und 
Pinanzrath in Anspruch; später wurde er dem Oberlandes-Oekonomie- 
Gollegium und der Retardaten-Commission zugetheilt. Als aber die 
letztere am 17. Januar 1822 aufgelöst wurde, war auch für ihn 
die Zeit gekommen, wo ihm nach 46 jährigem Staatsdienst ein ehren- 
voller Ruhestand vergönnt ward. Eine öffentliche Anerkennung seiner 
Tüchtigkeit wurde ihm nicht allein durch die verschiedenen , nach 
und nach übertragenen Aeinter, sondern auch durch den Civil- 
Verdienst-Orden (1806). Lange dauerte seine, unter fünf Regenten 
Württembergs fortgesetzte, amtliche Thätigkeit, und unerschüttert 
stand er bis zu seinem, im 83. Jahre seines Alters 1. Februar 1832 
erfolgten Lobensende, ohngeachtet ihm der Tod tiefe Wunden in seinem 
Familienleben schlug , * indem ihm in ein und demselben Jahre eine 
Tochter und ein Sohn starben; Letzterer zum Kriegsdienst gezogen, 
später den Wissenschaften zurückgegeben, hatte eben seine Studien 
rühmlich vollendet, als er plötzlich sein Leben in den Wellen der 
Werra bei Göttingen verlor. Ferner ward ihm 1822 ein weiterer 
Sohn ebenfalls nach Vollendung seiner Studien von der Seite gerissen. 

Knapp war ein Mann von erprobter Rechtschaffenheit , ein 
bereitwilliger ßerathor der Verlassenen, ein Wohlthäter der Armen. 

Folgendes Gedicht findet sich in der auf ihn gehaltenen 
Leichenrede verzeichnet und spielt auf den Geburtsort Knapp s als 
Knabe, den Einsiedel, an: 

Einsam säuselt er nun, der altert hümliche Weissdorn, 
W T o sioh der Knabe vordem grünende Reiser gepflückt. 

ELcrhard hat ihn gepflanzt, als von Judäas Gestade 
Kehrte der Grav; dorthin war er ein Pilger gewallt, 

Trug auf dem Helme das Reis ; das steck't er in saftigen Boden, 
Und Jahrhunderte schon perlten im grauen Gezweig! 



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- 488 - 

Dort einst hast du gespielt, Vollendeter! dort mit den Brüdern 

Und mit den Schwestern floss kindlieh Dein Frühling dahin; 
Dort einst wohnte der Vater, und wenn er vom Walde zurückritt, 

Hielt ihm mit freudiger Hand Bruder um Bruder den Zaum — 
Dort, weitprangend am Weg, war die Zeitungs-Eiche; dem Vater 

Legte der Bote das Geld, ruhigen Muthes, hinein; 
Denn noch blühte die Zeit, die biedere! — Keiner, im Traum auch, 

Hätte dem Ehrenmann dort das Vertraute geraubt 
Dort einst sammelte sich die Familie; silberne Locken 

Schmückten das Haupt Dir schon würdig am bräutlichen Fest, 
Als die erröthende Braut dort liebend grüsste der Enkel, 

Und mit dem goldenen Ring weihte der Treue Gelübd\ 
Ach! da lebtest Du wieder im traulichen Hause des Vaters, 

Alles von ältester Zeit war noch geblieben, wie sonst! 
Jugendlich schlug Dir das Herz, Du standest in süssester Wehmuth, 

Gingst mit den Lieben so froh durch die Gemächer umher: 
Zeigtest: hier ward ich geboren! und hier erbleichte die Mutter! 

Dort war die Schaukel, — und hier sass auf dem Füllen das Kind ! 
Sonnig stand im Azur der Weissdorn! — ach die Geschlechter— 

Freu'n sich der blühenden Zeit über dem Staube des Ahns; 
Geister fliehen vorüber, und nur das Leben der Schöpfung 

Jauchzt in verjüngter Gestalt mit den Lebendigen fort! 

Seine Gattin war seit 5. Juni 1777 Christians Friederika, 
— Tochter des Geh. Hofraths Ton Moni, und Enkelin des Etatsraths 
Johann Jacob von Moser, — welcher Ehe 11 Kinder entsprossten, 
von denen nur 2 den Vater überlebten, nämlich : 

Amalia Sofie Charlotte, Gattin des König]. Studienraths-Direc- 
tors, Prälaten von Süskind. 

Franz Gustav Adolf von Knapp, geb. Stuttgart 30. September 
1791, Lieutenant im Württemb. 10. Infanterie-Regiment, Oberamts- 
actuar, dann Oberamts verweser, später Oberamtmann in Lorch, in 
Kirchheim, R. d. 0. d. W.. Kr., vermählt seit 7. Jnni 1819 mit 
Friederike Wilhelmine, Tochter des Oberamtmanns in Tübingen 
Joh. Carl Ludwig Senbert. Kinder: 

I. Sofie, verm. 6. Mai 1841 mit dem Med. Dr. in Nenffen Ober- 
amts- Wundarzt in Schorndorf Carl Gottl. Gaupp. 



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— 489 — 

IL Heinrich Frans Carl, geb. 4. Januar 1826, Offizier in Oester- 
reichifichen Militär-Diensten. 

III. Marie, geb. 1828, ?erm. mit Hofrath Römer in Stattgart. 

IV. Frans Gustav Adolf, geb. in Kirchheim 25. April 1832, Land- 
wirthschafts-Candidat. — 

Gottfried Gabriel Knapp, Bruder des oben erwähnten Christian 
Gotthold, geb. in Einsiedel bei Tübingen 1. December 1765. studirte 
Philosophie und diu Rechte, wurde alsdann Advocat bei dem Hof- 
gericht und später 1808 Oberamtmann, Kloster- und Forstverwalter 
in Alpirsbach, Oberjustizrath in Tübingen, f 21. Juli 1828. Er 
schrieb Mehreres. — Gattin: seit 15. November 1796 Lndoyike 
Regine Helnrike Friedrike, Tochter des Hofkammerraths in Stutt- 
gart Georg Jacob Finkh. — 

Albert Knapp, Sohn des Vorigen, Stadtpfarrer bei St. Leonhard 
in Stuttgart, bekannter schwäbischer Dichter, der, nur wenige 
Monate nach Ludvrig Seeger dem Meister Uhland ins Grab gefolgt 
ist, ward am 25. Juli 1798 zu Tübingen geboren, wo sein Vater, 
Gottfried Gabriel Knapp, nachmaliger Oberjustizrath, als Hof- 
gerichtsadvokat lebte. »Im Jahr 1800 wurde der Vater nach 
Alpirsbach vorsetzt, woselbst dessen Familienwohnung mit dem alt- 
ehrwürdigen, von den ältesten Hohenzollern gestifteten oder doch 
begabten Klostergebäude, durch einen Gang zusammenhing, wäh- 
rend sich die Kanzlei im Kloster selbst befand. In dieser gross- 
artigen Schwarzwaldgegend, am Eingang in das malerische Kinzig- 
thal, in den täglich betretenen Räumen einer dahin geschwundenen 
frommen Vorzeit, empfieng die Seele des Knaben, welcher dort vom 
2. bis 11. Jahr weilte, die ersten Grundanschauuogen, worunter 
auch die ersten massgebenden Eindrücke für den künftigen Dichter- 
beruf. Schon damals scheint durch diese letztern ein von der 
Sichtbarkeit ungestillter Zug zum Jenseits gegangen zu sein, ob- 
wohl ein solcher in dem ifnapp'schen Familienkreis, in welchem 
schlichte . herzliche Frömmigkeit , sittlicher Ernst und unverdorbene 
Gemüthlichkeit, keineswegs aber ein Wegsehnen aus dem Irdischen 



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— 490 - 

den Grundton bildeten, durchaus nicht vorherrschte. Vor dem Eltern- 
haus stand, oder steht wohl noch jetzt eine mit einer steinernen 
Rundbank eingefasste prachtvolle Linde*; unter ihr ergiesst ein vier- 
röhr iger Brunnen seine Strahlen. Oft vermittelte dieser Baum wunder- 
bare Anschauungen in dem Kinde. So wars ihm einmal, als er vor 
Tagesanbruch an das Fenster trat, als stände ein herrlicher Cedern- 
wald in dem nachtblauen Himmel ober der Linde, und helle Geister- 
gestalten blickten grussend aus demselben herunter. Ein andermal, 
es mochte in seinem 7. Jahre sein, sah der Knabe Morgens einen 
goldnen Streif durch den westlichen Himmel gezogen, auf welchem 
in leuchtendem Wagen ein schöner, freundlicher Mann dahin fuhr, 
der ihm zuzuwinken schien« : „Komm mit, komm mit." — 

Albert studirte Theologie, wurde 7. Nov. 1820 Vikar in Feuer- 
bach bei Stuttgart; hier ging ihm hauptsächlich durch Einwirkung 
seines in gleicher Eigenschaft in Stuttgart angestellten Compromotio- 
nalen Ludwig Hofacker, Verfassers der so bekannt gewordenen Pre- 
digten, »ein, wie er sich selbst ausdruckte, „neues Leben auf, indem 
er nach schwerem innerem Kampf zum Glauben erweckt ward. 4 ' 

Im Jahr 1 821 kam er als Vikar nach Gaisburg bei Stuttgart, 1825 
als Diaconus nach Sulz, 1831 aber auf den Wunsch der Frau Herzogin 
Henriette von Württemberg in gleicher Eigenschaft nach Kirchheim u. T 
1836 ward er als Diaconus an die Hospitalkirche nach Stuttgart versetzt, 
wurde hierauf Archidiaconus an der Stuttgarter Stiftskirche 1 839, Stadt- 
pfarrer bei St. Leonhard 1845, als welcher er auch den 18. Juni 
1864 einer höchst schmerzhaften Brustwassersucht erlag 

Knapp war ein Mann von ungemeiner Kindlichkeit und Naive- 
t&t des Herzens. Sein Name als Dichter geht mit gerechter Aner- 
kennung durch ganz Deutschland, ja selbst katholischerseits wurde 
dem eifrigen Protestanten vielfach vollste Anerkennung zu Theil. 

Zu erwähnen sind von seinen literarischen Leistungen neben 
den in 3 Bänden in mehreren Auflagen erschienenen »Christlichen 

* Die Linde wurde 28. Jnll 1872 vom Sturm umgerissen. 



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- 491 — 

Gedichten«, insbesondere das durch viele Jahre hindurch von ihm 
herausgegebene Taschenbuch »Christoterpe«, und sein Lieder- und Ge- 
dichten-Cyklus »Hohenstaufen« . Ueber das Letztgenannte sagt er selbst : 

Wenn die Jungfrau Blumenkränze 

Für das Fest des Maien flicht, 

Sparet sie dem goldnen Lenze 

Rosen und Violen nicht: 

Also treibt es mich zu singen, 

Bis ich für die Staufen ganz, 

Mit lebendigem Gelingen 

Äusgeflochten meinen Kranz. 
Von der Tonkunst stets tiefergriffen und selbst ausgezeichneter 
Klavierspieler, äusserte er im Hinblick auf seine Poesien: 
Was über Worten schwebt, das schildert die Musik. 
Wort — ist ein Ei; 
Musik ist's, wenn der Vogel flück. 
Knapp' s erste Gattin war seit 1828 Christiane, Tochter des 
Generals von Beulwlz, eine der bevorzugtesten Schülerinnen des from- 
men Stadtpfarrers Bann in Stuttgart; die zweite Emilie, geb. Hoffmann, 
die Wittwe des Pfarrers Oslander, welcher Ehe 1 1 Kinder entsprossten ; 
die dritte ist seit 1850 eine Tochter des als Rector zu Schöppenstedt 
in Braunschweig verstorbenen Lerche. Kinder: I. Sophie Theodore, 
geb. 18. Juli 1829, verm. 21. Januar 1868 mit Heinrich Zimmern, 
Pfarrer in Graben (Baden). II. Marie Henriette, geb. 8. Januar 
1840, verm. 27. October 1870 mit Buchhändler Aigner. III. Joseph 
Nathanael, geb. 18. Januar 1839, Stadtvicar, verm. 14. Mai 1868 
mit Louise Wilbelmine Wetzel. IV. Wilhelm Benjamin, Pfarrer in 
Waldthann, geb. 2. September 1841, verm. 19. Mai 1874 mit 
Kurie Liesehing. V. Gotthold Felieian, geb. 5. Juli 1848, Dia- 
conus in Tuttlingen, verm. 16. Nov. 1876 mit Clara, geb. Renz. — 
Hermann von Knapp, Bruder Albertus, Dr., Director des Königl. 
Studienrathes, Vorsitzender der prov. Commission für die gewerblichen ' 
Fortbildungsschulen. Bitter des Ordens der württ. Krone, früher 
Mitglied der Kammer der Abgeordneten, f 19. Juni 1859. 
Gattin: Emille, geb. Pott. — 



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- 492 — 

Eduard Knapp, Bruder des Vorigen, geb. Alpirsbach 17. Dec. 
1802, Pfarrer in Perouse 1828, Hohenstaufen 1835, Neckarthail- 
fingen 1843, Gross-Süssen 1866. 

Gattinnen: I. Caroline, geb. Lenz, t 1833; IL Amalia, geb. 
Geiger, t 1837; III. Luise, geb. Geiger, Schwester der Vorigen, 
t 1863. Kinder: 1) Caroline, geb. 15. Juni 1831, Wittwe des 
Ernst Woerner, Docenten in Zürich. 2) Hermann, geb. 29. Mai 1833, 
Dr. phil., t 1869 als Holzverwalter in Stuttgart, verm. mit Marie, 
geb. Weiss von Kappel bei Oehringen. 3) Albert, geb. 15. Januar 
1837, Pfarrer in Peterzell bei Sulz, verm. mit Nathalie, geb. Wem 
von Gönningen. 4) Julius Eduard, geb. 3. September 1840, Helfer 
in Marbach a. N., verm. mit Agnes, geb. Hohbach von Tübingen. 
5) Paul, geb. 1. Januar 1844, Pfarrer in Bergen weiler bei Heiden- 
heim, verm. mit Sophie, geb. Pfeilsticker von Ravensburg. 6) Amalle, 
geb. 1. Aug. 1846, verm. mit Helfer Christian Kolb in Besigheim. 
7) Otto, geb. 30. August 1848, Pfarrer in Lippoldsweiler bei Backnang, 
verm. mit Henriette, geb. Pfeilsticker von Ravensburg. 8) Gotthold, 
geb. 23. August 1850, Präceptor in Murrhardt. 9) Theodor, geb. 20. 
Juli 1854, Präceptoratsverweser in Leutkirch. 10) Luise, geb. 22. Mai 
1856, verm. mit Hermann Bietter, Arzt in Kaufbeuren, Bayern. — 

Christian von Knapp, Excellenz, geb. Hohenheim 3. Febr. 1800. 
Sein Vater war Jacob Christian Knapp, Kameral Verwalter in Leonberg 
und bis 1802 Oekonomierath in Hohenheim, f 1833; die Mutter 
seit 29. November 1798 Kegina Sophia, geb. Sandberger; der 
Grossvater Jonathan Friedrich Knapp, geb. Einsiedel 26. Juni 1701, 
Gehäg-Inspector in Ludwigsburg; die Grossmutter seit 10. Februar 
1733 Catharina Elisabeth a Sontheim; der ürgrossvater, der auf 
Seite 486 erwähnte Ernst Friedrich Knapp, Hofmeister in Einsiedel. 

Christian von Knapp wurde im Jahre 1830 Hofkameral- 
verwalter in Stammheim, Finanzrath 1838, Ober-Finanzrath 1844, 
wirklicher Director der Eisenbahncommission 1845, in welch letzterer 
Stellung er seine bedeutendste Thätigkeit entfaltete; der Eisenbahn 
und ihrem Dienste widmete er bis in die genauesten Details und 



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— 493 - 

bis an sein Ende seine besondere Aufsicht und Wirksamkeit. 1850 
trat er als Chef des Finanzministeriums in den hohen Posten ein, 
den er, seit 1852 als wirklicher Minister, . bis an sein Ende beklei- 
dete. Er behielt die Präsidentschaft der Centralbehörde für die Ver- 
kehrsanstalten, mit welchen auch die Dampfschifffahrt auf dem Neckar 
und Bodensee vereinigt wurde, neben dem Ministerposten bei. Von 
den dem Finanzministerium untergeordneten Etablissements widmete 
Knapp dem grossen Hüttenwerke Wasseralfingen , das ihm viele Er- 
weiterung und seine spätere Bedeutung verdankte, sowie den Salinen 
des Landes stets seine besondere Fürsorge und Vorliebe. 

Seine Wittwe ist seit 1830 Friederike, geb. Hegelmajer. 
Kinder: 1) Fanny Knapp, verm. mit Prof. Dr. Herzog in Tübingen. 
2) Otto von Knapp, Oberfinanzratb, Ritter des Ordens der Württemberg. 
Krone etc., verm. mit Marie, Tochter des Bürgermeisters zu Neustadt- 
Magdeburg Clemens, 3) Reinhold Knapp, Bergrath, verm. 23. Sept. 
1869 mit Louise, Tochter des Fabrikanten in Calw Adolf Stalin. — 

Jonathan Friedrich Knapp, Bruder des Finanzministers, geb. 
20. Juni 1802, Kaufmann in Stuttgart, t 14. Juli 1865. Gattin: 
seit 28. Sept. 1828 Marie Philippine, gob. Krauth. — 

Ludwig Angnst Knapp, Bruder des Vorigen, geb. 6. April 1812 in 
Leonberg, Helfer, Stadtpfarrer in Ulm, Decan in Esslingen, verm. 22. Sept. 
1842 mit Caroline, Tochter des Pharmaceuten in Stuttgart Johann 
Friedrich Betuli ag, welcher Ehe 6 Söhne und 6 Töchter entsprossten. — 

Friedrich Nathanael Knapp, Bruder des Vorigen, geb. 13. Oct. 
1816, Kaufmann, t 22. April 1872. — 

J. M« von Knapp, Hofbaumeister, Kommenthur IL Klasse des 
Friedrichs-Ordens, t 71 Jahre alt 22. October 1861. — 

Ebenfalls diesen Familiennamen führten: 

Johann Jacob Knapp, geb. zu Langenbeutingen 14. October 
1681 , als Sohn des Vogts von Langenbeutingen Georg Knapp, 
Ober-Superintendent in Pfedelbach, in Oehringen.* Gattinnen: I. seit 

* Dessen Brüder waren Georg David Knapp, geb. 1674, Spitalverwalter in Oeh- 
ringen und Johann Georg, Stiftsprediger in Oehringen. Ein Sohn dieses Letzteren, Christ. 
Friedrich, war Pfarrer in Hohebach. 



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— 494 - 

20. August 1709 Boslna Maria, Tochter des Pfarrers in Adelsheim 

Christof Werner; II. seit 12. Januar 1723 Clara Margaretha, 

Tochter des Rentkammerraths in Stuttgart Heinrich Jacob Müller. 

Söhne, von denen Näheres bekannt ist: 

I. Johann Jacob Knapp, geb. in Pfedelbacb 13. Januar 1711, 

t als Kammerrath und Stifteverwalter in Oehringen. 
IL Christian Friedrich Knapp, geb. in Pfedolbach 16. März 1719, 
Hofprediger und Consistorialrath in Ingelfingen, vermählt mit 
Marie Sofie Rosine, geb. Lang. Sohn: Gottfried Ludwig 
von Knapp, Königlich Württembergischer Ober-Regierungsrath 
in Stuttgart, Bitter des Krön- Ordens, t 1830 im 73. Jahre 
seines Alters. Von seinen hinterlassenen Kindern studirte ein 
Sohn Heinrich Ludwig Friedrich, Jurisprudenz, eine ' Tochter 
war die Gattin des Generalmajor von Bembach, eine weitere, 
Caroline Friedericke Augusta, geb. zu Kirchberg a. d. Jaxt 
4. Januar 1807, vermählte sich mit dem damaligen Regierungs- 
Assessor iu Reutlingen Eduard Friedrich von Breüschtvert. 
III. Gottfried Wilh. Knapp, geb. 1726, Rath und Doctor in Offenbach. 
IV. Christian Knapp, geb. 1727, Kammerrath in Meerholz. 
V. Theodor Friedrich Knapp, geb. 1731, Hof-Kammerrath in Erbach. 
VI. Johann Daniel Knapp, Ffirstl. Hohenlohe-Neuensteinischer Rath in 
Künzelsau und Stifter des Knapp' sehen Stipendiums in Künzelsau. 
Johann Georg Knapp von Oehringen, geb. 1705, studirte zu 
Tübingen und Halle, lehrte an letzterem Platze 1732 als Königl. 
Pädagog, wurde 1732 Prediger beim Cadottencorps in Berlin, 1733 
aber nach Halle zurückberufen und Adjunct beim Waisenhause und 
der theol. Facultat. 1737 zum Professor extraord., 1739 zum ord. 
Theol., wie auch Dr. Theol. 1769 ernannt bekam er sodann das 
erste Directorium des Waisenhauses. Er starb 30. Juli 1771. — 

Das Fürstlich Württembergische Dienerbach enthalt folgende höhere Beamte 
des Namens Knapp: CLVerwaltter 245. — Andr., Gaistl. Verwaltter 396, Keller 287. — 
Christian Gotthold, Exped.Rath 147 ; RechenbancksRath 154. — Jac. Thomas, Vorstmaister 
429. — Joh. Jac, RechenbancksRath 153; Visitat. Secretar. 158. — Mich., Vogt 396; 
Vorstmaister 512. - Oseas, WaldVogt 578. — Thom., Cl.Pfleger 265 ; Vorstmaister 484, 638, 
611; WaldVogt 678. 



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Köstlin. 



Cosmann Friedrich Köstlin, geb. 18. März 1711, Sohn des 
Stadtpfarrers in Bönnigheim Tobias Köstlin, und Enkel des Diaconns 
in Esslingen Cosmann Köstlin, studirte Theologie und bekleidete 
im Jahr 1735 das Diaconat in Blaubeuren. Hierauf wurde er 
Decan in Heidenheim 1747, Oberpfarrer (Senior) in Esslingen 1753 
und starb 1790. Seine Gattin war seit 1733 Marie Sofie, Tochter 
des Pastors zu Sebwina Joachim Christian Köpke. Söhne: 

A. Victor Köstliu, geb r 1741, Diaconus in Esslingen, t 1766. 
Gattin seit 23. Juni 1765 Maria Augnsta Hedwig, Tochter 
des Obersts Eberhard Friedrich Honold. — 

B. M. Nathanael Köstlin, geb. 1744, Diaconus in Nürtingen, Decan 
in Pfullingen, in Urach, Prälat. Gattin seit 1. August 1775 
Sibilla Friederike, Tochter des Stadtpfarrers in Stuttgart 
Wilhelm Jeremias Cless. Kinder: 

1) Magdalena Sofie Uottlicbin, vermählt seit 8. Mai 1798 
mit dem Med. Dr. und« Physikus in Ehingen Wilhelm 
Friedrich Schäffler. 

2) Augnste Beate, vermählt I. seit 10. October 1810 mit 
dem Med. Dr. und Oberamtsarzt in Urach Christian Ludwig 
Hiller; II. seit 28. Januar 1827 mit dem Stadtpfarrer in 
Liebenzeil G-eory Rapp, t als Pfarrer in Bernhausen. 

3) M. Nathanael Friederich von Köstlin, geb. 1776, Diaconus 
und Professor in Tübingen, Decan in Stuttgart, Stiftsprediger. 
Oberconsistorialrath , Prälat und Generalsuperintendent da- 
selbst, t 1855. 



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- 496 - 

Gattinnen: I. seit 18. April 1809 fleinrike, Tochter 
des Kanzlers in Tübingen Christian Friedrich Schnorrer; 
II. seit 8. October 1822 Henriette, geb. Bapp. Söhne: 

a) Dr. Christian Reinhold KösUin, geb. 29. Januar 1813 
zu Tübingen, widmete sich daselbst, sowie in Heidelberg 
und Berlin dem Studium der Rechtswissenschaft, wurde 
Advocat, Privatdocent 1839, Professor der Rechte in 
Tübingen 1840 und starb daselbst 14. September 1856. 
Juristischer und belletristischer Schriftsteller. 

Seine Wittwe ist die berühmte Sängerin und Lieder- 
componistin Josephine, geb. Lang in Tübingen. Kinder: 
I. Henriette Therese Köstlin, geb. den 23. September 
1847, vermählt mit Johannes Schleich , K. Hof- 
Opernsänger in Berlin. 
II. Maria Regina, geb. den 14. März 1849, vermählt 
mit Dr. Bichard Kellinger, Besitzer einer themischen 
Fabrik in Elberfeld. 

III. Eugen Wilhelm Köstlin, geb. den 21. Juli 1845, 
Mechaniker in Reutlingen. 

IV. Heinrieh Adolph Köstlin, geb. den 4. September 
1846, Dr. Phil., Pfarrer in Maulbronn, vermählt 
10. März 1873 mit Sophie, Tochter des Prälaten 
von Gerock. 

b) Dr. Wilhelm Heinrich Köstlin, Oberamtsarzf in 
Backnang. 

4) M. Carl Wilhelm Gottlieb von Köstlin, geb. zu Nürtingen 
11. Februar 1785, studirte Theologie, unternahm im 
Jahr 1811 eine Reise nach München, auf welcher er im 
Hause des von mütterlicher Seite her ihm verwandten 
Philosophen Schelling freundlichste Aufnahme fand. Das 
Jahr darauf reiste er nach Paris und wurde nach seiner 
Rückkehr in's Vaterland 1812 als Stadtvikar in Stuttgart 
angestellt. Im Jahr 1813 wurde er Helfer in Bietig- 



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- 497 — 

heim, hierauf erster Professor an dem damals neu er- 
richteten Seminar in Urach 1818, als welch letzterer er 
28 Jahre lang wirkte. Im Jahr 1846 wurde er, nachdem 
ihm schon 1843 als Anerkennung seiner Verdienste der Titel 
und Rang eines ordentlichen Professors der Universität ver- 
liehen worden war, zum Ephorus daselhst ernannt. Er 
starb, mit dem Ritterkreuz des Ordens der wörtterab. Krone 
geschmückt, den 13. November 1854 im 70. Jahre seines 
Alters zu Tübingen, wohin er sich in den Ruhestand 
zurückgezogen hatte. 

Gattin seit 16. October 1817 Johanna Luise, Tochter 
des Oberhofpredigors , später Oberstudienrathsdirectors in 
Stuttgart Friedrich Gottlieb von Süskind. Sohn : 

Dr. Carl Beinhold von Köstlin, geb. 1819, Pro- 
fessor der Aesthetik in Tübingen. 
5) Dr. Karl Heinrich Gotthilf von Köstlin, Obermedicinalrath, 
Common thur des Ordens der Württembergischen Krone, geb. 
zu Nürtingen 20. Juli 1787. Köstlin widmete sich zu 
Tübingen dem Studium der Medicin und reiste nach ab- 
solvirter Prüfung für den Doctorsgrad zur Fortsetzung seiner 
Studien nach Wien. In dieser Stadt war er ein begeisterter 
Zeuge des patriotischen Aufschwungs, mit welchem im Jahr 
1809 Oesterreich zum Kampf gegen die Napoleonische 
Uebermacht sich ermuthigte, theilte nachher die Gefahren 
der Beschiessung Wiens unter eifriger Mitwirkung zur Ab- 
wehr der dem Dache seines Wohnhauses von französischen 
Bomben drohenden Entzündung, musste übrigens dem Kriege 
die vorzeitige Beendigung seines Wiener Aufenthaltes zum 
Opfer bringen, da der König Friedrich seine in Oesterreich 
sich aufhaltenden Unterthanen unter schweren Drohungen 
nach Haus zurückrief. Er reiste nun nach München, brachte 
daselbst einen vierwöchentlichen Aufenthalt in dem gast- 
freundlichen Hause des Philosophen Schelling zu, kehrte 

r. OwrgH-Qtorgenau, Biographisch-Genealogische Butter etc. 32 



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— 498 — 

hierauf iiTs Vaterland zurück und Hess sich 1809 als 
praktischer Arzt in Stuttgart nieder. Im Jahr 1814 wurde 
er zum Stadtdirektionsarzt, 1817 aber zum Medicinalrath 
ernannt. 1828 erfolgte seine Berufung in das Medicinal- 
collegium mit der Stellung einos Obermedicinalraths. Mit 
dem Dienst im Medicinalcollegium verband er vom Jahr 1 833 
an den eines Mitglieds der Aufsichtscommission für die Irren- 
heilanstalt Winnenthal, deren Wirkungskreis später auch 
auf die Bewahranstalt Zwiefalten ausgedehnt wurde, sowie 
die Vorstandschaft bei der Commission für die Abfassung 
einer neuen LandespharmacopOe. Im Jahr 1858 feierte er 
das fünfzigjährige Jubiläum seiner Doctorspromotion. 

Vor allem hielt Köstlin die Beobachtung der Natur 
seiner Patienten hoch, die in dieser selbst liegenden Mittel 
zur Heilung anwendend. 

In seiner Berufswissenschaft verfolgte er besonders jene 
Punkte, wo Philosophie und Empirie sich aufs Innigste be- 
rühren, nämlich die Lehren vom Bau und von der Thätigkeit 
des Gehirns und des übrigen Nervensystems, von der ge- 
sunden und krankhaft veränderten Seelenfähigkeit. 

Er starb, von Jedermann hochgeschätzt. 1859 den 
18. August. Seine Ehegattin war Mathilde, Tochter des 
Staatsraths und späteren Ministers und Geheimenraths- 
Präsidenten von Otto, Kinder: 

1) Mathilde, vermählt 1841 mit dem Professor der Staats- 
wissenschaft zu Tübingen Dr. Hoffmann, 

2) Thusnelde, geb. 2. December 1827, vermählt 1862 
mit Stadtpfarrer Schmitt in Friedrichshafen. 

3) Dr. Angust Otto NathanaSl Köstlin, geb. 19. November 
1818, Med. Dr. und Professor der Naturwissenschaften 
am Obergymnasiura in Stuttgart, verm. 28. Juni 1847 
mit Emille, geb. Eiben. 



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- 499 — 

4) Theodor von Köstlin, geb. 14. Mai 1823, Vicedirector 
im K. Justizministerium, Commenthur des Friedrichs- 
ordens, Ritter des Kronordens mit Krone, auch Ritter des 
St. Mauritius und Lazarus-Ordens. Vorstand der Central- 
leitung des Wohlthätigkeitsvereins und der Armen- 
commission , Mitglied des Strafanstalten - Collegiums und 
der Commission für die Karl-Olga-Stiftung, vermählt mit 
Mathilde, geb. Schelling. 

5) Dr. Julius Theodor Köstlin, geb. 17. Mai 1826, Pro- 
fessor der Theologie an der Universität zu Halle, verm. 
seit 13. September 1855 mit Pauline, Tochter des 
Pfarrers in Bodelshausen Carl Friedrich Schmid. — 

6) August Friedrich von Köstlin, geb. 4. Juli 1792, Kon- 
sistorial-Präsident , Staatsrate Derselbe widmete sich dem 
Studium der Rechtswissenschaft in Tubingen und fand da- 
selbst bei seinem ältesten Bruder, dem damaligen Helfer 
und nachherigen Prälaten von Köstlin eine zweite Hei- 
math. Sein nächstältester Bruder Heinrich, welcher sich 
damals zum medicinischen Doctorexamen in Tübingen vor- 
bereitete, führte ihn in die Freundeskreise von Uhland, 
Karl Mayer, Justinus Kerner und anderer ein. Besondere 
'Freundschaft und zwar eine für 's ganze Leben, knüpfte 
Köstlin mit dem ihm gleichaltrigen Gustav Schwab an. 
Im Jahre 1812 wurde Köstlin als Kriminalamts- Actuar in 
Urach angestellt, hierauf Stadtdirektions-Actuar in Stuttgart 
1814, woselbst sein Bruder Heinrich kurz vorher zum 
Stadtdirektionsarzt ernannt worden war. 1816 wurde er 
Ministerialregistrator beim königlichen Staatsministerium und 
im December desselben Jahres zum Secretär im Geheimen- 
rathe ernannt. In den Verfassungskämpfen von 1816 bis 
1819 trat Köstlin entschieden auf die Seite der modernen 
Staatsideen, wie sie in den Verfassungsentwürfen König 
Wilhelm' s ihren liberalen Ausdruck gefunden hatten. 



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— 500 — 

Ebenso stand er auf Seite der Herausgeber der frei- 
sinnigen Blätter wie des Hauptmanns Seybold, Redacteurs 
der Neckarzeitung, des Rechtsconsulenten Schvibltr , des 
Herausgebers des Volksfreundes, welche beschützt durch die 
neue Pressfreiheit in Thätigkeit getreten waren. 

Im Jahre 1822 erhielt Köstlin die Anstellung als 
Regierun gsrath und war so an der Seite seines Freundes, 
des Kanzleidirectors und nachherigen Ministers von Sehlaycr. 
Mehrere Jahrzehnte hindurch beeinflusste Köstlin dieses 
Kollegium durch den Reichthum seines Wissens und die 
Reife seines Urtheils. 

Da der weitere genaue Verlauf von Köstlin s Leben von 
Interesse ist, so schalten wir hier den im Schwäbischen 
Merkur über Köstlin erschienenen Nekrolog wörtlich ein: 
Die zwanziger Jahre waren für Württemberg die Zeit des 
vertrauensvollen Zusammenwirkens der gesetzgebenden Faktoren. Für 
Köstlin war es eine höchst befriedigende Aufgabe, unter der Leitung 
des Ministers v. Schmidlin an der praktischen Durchführung der 
Verfassung, an der neuen Organisation der württemb. Verwaltung 
mitzuwirken. Im Jahre 1823 hatte er eine längere Abhandlung 
über die Verwaltungsjustiz nach französischen Grundsätzen ausgearbeitet. 
Er war Mitglied der Kommissionen für die Revision der Znnftgesetze, 
für eine neue Tax- und Stempelordnung, für die Reorganisation der 
Waisenhäuser, sowie der neu errichteten Kommission für die Er- 
ziehungshäuser. Von 1829 bis 1864 gehörte er der Centralleitung 
des Wohlthätigkeitsvereins , von 1824 bis 1839 dem Strafanstalten- 
kollegium an. Mit besonderem Interesse widmete er sich überall 
den Zwecken der Humanität und der Volksbildung. Auch als Mit- 
glied des Strafanstaltenkollegiums hatte er vielfache Gelegenheit, seine 
humanen Gesinnungen geltend zu machen. Er hat dies besonders 
bethätigt in der Angelegenheit von vier Männern, welche 1833 aus 
Veranlassung des Koseriz'schen Attentates zur Untersuchung gezogen 
worden waren. Wer die Jahre 1848 und 1849 durchlebt und 



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— 501 — 

deutlich erfahren hat, wie die milden Wahrsprüche der Geschwornen 
bei den damaligen Anklagen anf Hochverrath nur zur Versöhnung 
der Gemfi ther und zum Heil des Landes beigetragen haben, der wird 
es nicht begreifen, dass Männer, die an „den Haupthandlungen des 
damaligen Dramas'*, an der Verbindung mit den Urhebern des Frank- 
furter Attentats keinen Antheil genommen hatten, nach den Qualen 
einer 5jährigen Untersuchungshaft noch zu 6 Jahren Zuchthaus ver- 
urtheilt wurden. Im Jahre 1839 versuchte es Köstlin, für diese 
Vernrtheilten die königliche Gnade auszuwirken. Durch Köstlins 
Bericht über eine Visitation in Gotteszell, dessen Auffassung und 
Anträge von dem damaligen Chef des Justizdepartements, Geheimerath 
v. Schwab, unterstützt wurden, Hess sich der König zur Begnadigung 
unter der Bedingung bestimmen, das» die Verurtheilten oder ihre 
Vertreter Gnadengesuche einreichten. Nur Buchhändler Franckh konnte 
sich zu diesem Schritte nicht entschliessen ; die drei andern wurden 
schon im August 1839, uach einjähriger Haft, vom Könige vollständig 
begnadigt. — Im November 1830 wurde Köstlin zum Oberregierungs- 
rath befördert. Es begannen damals die Arbeiten für die neue Be- 
gründung des Württembergischen Irrenwesens. Köstlin unterstützte 
kräftig seinen Bruder Heinrich, der als Obermedicinalrath für die 
Gründung Winnenthals und für die Umwandlung Zwiefaltens haupt- 
sächlich die Pläne zu entwerfen hatte. Er hat auch später diesen 
Anstalten als Vorstand der Aufsichtskommission für Winnenthal und 
Zwiefalten seine Kräfte gewidmet. — Im November 1839 wurde 
Köstlin Vorstand der Kunstschule, im April 1840 Vorstand der 
öffentlichen Bibliothek und der wissenschaftlichen Sammlungen des 
Staates. Der letzteren Stelle wurde er 1847 wieder enthoben ; die 
erstere verwaltete er bis zu der neuen Organisation der Kunstschule 
im Ja'ire 1867. Um weitere Anschauungen der bildenden Künste 
zu gewinnen, reiste er 1842 und 1858 nach München, 1855 zur 
Weltausstellung nach Paris. Unter seiner Leitung nahm das vater- 
ländische Kunstinstitut einen neuen Aufschwung. Sein feines ästheti- 
sches Gefühl und das Massvolle seiner Ansichten gaben seiner Stimme 



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— 502 - 

auch im Rathe der Künstler eine bestimmte Geltung; er hat sie 
immer besonders kräftig erhoben, wo es galt, junge strebende Künstler 
zu unterstützen. Bald aber traten an ihn grössere und schwerere, 
wechselvolle Aufgaben heran. Im Oktober 1 842 war er zum Kollegial- 
direktor im Ministerium des Innern ernannt worden; im Juni 1843 
wurde ihm die Direktion der im Ministerium des Innern neugegründeten 
Eisenbahnkommission übertragen. Er bereiste noch im Herbste dieses 
Jahres die belgischen Eisenbahnen. Die Frage des Eisenbahnbaues 
bewegte die Gemüther aufs heftigste und in den verschiedensten 
Richtungen. Man hatte den Gedanken aufgegeben, dass Württemberg 
als blos ackerbauender Staat keine Eisenbahnen bedürfe. Der Finanz- 
minister v. Herdegen hatte deswegen seine Entlassung genommen. 
Jetzt wogten durch die Gemüther die Gegensätze von Privatbau oder 
Staatsbau, von Vignoles oder Etzel, von See wiese oder Schlossstrasse 
als Stelle des Stuttgarter Bahnhofs, von Gannstatt oder Stuttgart als 
Centrum des Eisenbahnnetzes. Wenn das Ministerium ScIUayer sich 
für den Staatsbau, für Etzel als Oberingenieur und für den Central- 
bahnhof in Stuttgart entschieden, wenn es dadurch unserem ganzen 
Eisenbahnwesen eine gesunde und entwicklungsfähige Grundlage ge- 
geben hat, so gebohrt ein grosser Theil dieses Verdienstes gewiss 
dem damaligen Vorstand der Eisenbahndirektion. Aber bald erwies 
sich die Direktion der Eisenbahnen als eine zu grosse Ueberbürdung 
des Ministeriums des Innern , und mit dem Uebergang derselben an 
das Finanzministerium trat Köstlin in die Stelle eines Direktors der 
Oberregierung zurück. Während der Theuerung in den Jahren 1846 
und 1847 war er stellvertretender Vorstand der Kommission für den 
Bezug von Brodfrüchten und andern Lebensmitteln. Im Februar 
1847 trat er als wirklicher Staatsrath in den k. Geheimerath ein. — 
Die Erschütterungen des Jahres 1848 trafen Köstlin nicht unvor- 
bereitet. In dem vaterländischen Vereine, welchem er als thätiges 
Mitglied angehörte, erklärte er sich entschieden für die Ideen Paul 
Pfizer 1 s, für die Sammlung Deutschlands unter preussischer Führung. 
Er gab dieser Ueberzeugung auch im Frühjahr 1849 einen bestimmten 



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- 503 — 

Ausdruck in einem an König Wilhelm gerichteten Memoire. Diese 
Stellung gegenüber den grossen politischen Fragen war wohl auch 
die Ursache, dass es damals nicht zur Uebernahme des Kult- 
ministeriums durch Köstlin kam. Er wurde im Sept. 1849 dem 
Staatsrath v. Buvernoy als Vertreter für die beiden Departements 
des Innern und des Kultus beigegeben. Noch einmal, im Oktober 
1849, als Preussen mit Sachsen und Hannover den Dreikönigsbund 
geschlossen hatte, hielt es Köstlin für seine Pflicht, in einem Schreiben 
an den König Wilhelm seine Ueberzeugung von den Gefahren einer 
Isolirung Württembergs auszusprechen. Es folgte indess Enttäuschung 
auf Enttäuschung. Das Gesetz über die verfassunggebende Landes- 
versammlung hatte Württemberg in einen Zirkel hineingeführt, aus 
dem auch nach Köstlin 's Ansicht nur durch Zurückgehen auf die 
Verfassung und das Wahlgesetz von 1819 herauszukommen war. 
Die Tage von Olmütz vernichteten für lange Zeit die Hoffnungen auf 
Preussen und auf eine gesunde Entwicklung der deutschen Verhält- 
nisse. — Vom Juli 1850 bis Mai 1851 war Köstlin Dirigent des 
Geheimerathes. Im Nov. 1852 übernahm er die Stelle des Präsidenten 
des evangelischen Konsistoriums. In einem Kabinetsschreiben erklärte 
damals der König , dass Köstlin's „Persönlichkeit ihm Bürge sei, 
dass er in einer Zeit des konfessionellen Haders gegenüber von dem 
Streite der Parteien auf eine beruhigende und versöhnende Weise zu 
wirken bemüht sein werde." In der That hatte Köstlin in kirchlichen 
und religiösen Dingen etwas Versöhnendes nicht nur durch die Milde 
seines äussern Benehmens, sondern auch durch das Innerste seiner 
Gesinnung. Ein jetzt Dahingeschiedener hat an ihm „eine erleuchtete 
Frömmigkeit" gerühmt. Gewiss entsprang sein Christenthum ebenso- 
sehr aus dem eigenen gottsuchenden Herzen, als aus der klaren Ein- 
sicht in das Wesen und die Bedürfnisse des Menschen im Allgemeinen. 
Er war liberal gegen abweichende, ernst begründete Ansichten ; noch 
in dem letzten Winter seines Lebens hat er eifrig Keim's Leben Jesu 
studirt. Kirchengewalt und Kirchenzucht waren ihm antipathisch. 
In den Kollisionen zwischen Kirche und Staat wahrte er dem letzteren 



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- 504 - 

sein volles Recht. Die Lehre von der Trennung von Staat und Kirche, 
von der freien Kirche im freien Staat, wie sie seit den Bewegungs- 
jahren gepredigt wurde, ging auch an Württemberg nicht spurlos 
vorüber. Es sollte der katholischen, wie der evangelischen Kirche 
eine selbstständigere Stellung gegeben werden. Die erste Folge hie- 
von war die Vereinbarung der württembergischen Regierung mit der 
päpstlichen Kurie, und es ergab sich hieraus als weitere Konsequenz, 
dass im November 1857 auch die evangelische Synode aufgefordert 
wurde, genau zu prüfen, „ob und wie weit in Folge der bei jener 
Konvention zur Geltung gekommenen Grundsätze nunmehr auch in 
dem einen oder andern Punkte des evangelischen Kirchenregiments 
eine Aenderung wünschenswerth oder geboten erscheinen mößre." Das 
Anbringen der evangelischen Synode vom 2. März 1858 enthielt 
hauptsächlich folgende Anträge: es sollte der bestehende Synodus 
durch gewählte Vertreter der einzelnen Sprengel im Interesse der 
Kräftigung des Kirchenregiments zur Landessynode erweitert werden : 
die evangelische Kirchenverwaltungsbehörde, zusammengesetzt aus dem 
Konsistorium und dem Synodus, sollte in unmittelbarer Unterordnung 
unter dem König und in unmittelbarem Verkehr mit demselben als 
dem kirchenverfassungsmässigen Inhaber der Kirchenleitung stehen. 
Die letztere Bestimmung widerstrebte dem praktischen Sinn und der 
staatsmännischen Auffassung Köstlins, und er legte seine Ansichten 
in einem Separatvotum nieder. Für ihn konnte kein Zweifel bestehen, 
dass der König in seinem Verkehr mit der obersten Kirchenbehörde 
sich einen Berather wählen werde, und er befürchtete, dass bei der 
Wahl dieses Beirathes sich wechselnde Einflüsse geltend machen 
könnten. Daher stimmte er dafür, dass der Verkehr des Königs mit 
der Oberkirchenbehörde auch fernerhin mit gewissen Einschränkungen 
durch den verantwortlichen Kultminister vermittelt werde. Die Ver- 
handlungen über eine Verfassung der evangelischen Kirche führten 
damals zu keinem Ziele. Erst unter König Karl wurden sie wieder 
aufgenommen, und im December 1867 erging die k. Verordnung, 
betreffend die Einführung einer Landessynode in der evangei. Kirche 



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— 505 — 
i 

Württembergs. Die Synode bildet hiernach nicht einen Theil des 
Kirchenregiments, sondern die Vertretung der Genossen der Kirche 
gegenüber von dem landesherrlichen Kirchenregiment. Dem Kult- 
ministerinm aber wird die Vermittlung zwischen dem Landesfürsten 
und der obersten Kirchenbehörde in derjenigen Weise und mit den- 
jenigen Einschränkungen zugewiesen, wie sie Köstlin früher vor- 
geschlagen hatte. — Die Form von Selbstständigkeit, welche man 
für die katholische Kirche in der Konvention mit Born gesucht hatte, 
erwies sich bald als ein Missgriff. Auch Köstlin zog unbedingt die 
Regelung der katholisch-kirchlichen Angelegenheiten durch die Landes- 
gesetzgebung einem Staatsvertrage zwischen Württemberg und dem 
päpstlichen Stuhle vor. Er war im März 18G1 von König Wilhelm 
zu einem Gutachten über diese Angelegenheiten aufgefordert worden, 
und als unmittelbar darauf, in Folge der damaligen Konflikte, Staats- 
rath v. Rümelin von der Verwaltung des Kultministeriums abtrat, 
wurde Köstlin die Stelle des Chefs dieses Ministeriums angetragen. 
Er lehnte sie ab, gewiss auch mit Rücksicht auf seine vorgerückten 
Jahre, welche ihm nicht mehr gestatteten, sich mit der früheren 
Kraft in die Kämpfe der kirchlichen und politischen Parteien zu 
mischen. — 1862 wurde Köstlin zum Vorstand des Verwaltungs- 
rathes der Sammlung vaterländischer Kunst- und Alterthumsdenkmale 
ernannt. Am 14. Juli 1866 feierte er sein 50 jähriges Amtsjubiläum, 
wie es früher auch sein Vater und sein väterlicher Grossvater gethan 
hatten. Auf die zahlreichen Glück wünschenden des Morgens folgte 
am Mittag eine Versammlung der engeren und weiteren Familie um 
das geliebte und verehrte Familienhaupt. Der jugendliche Geist des 
Jubilars, der frische Winter seines Alters erfüllte Alle mit der Hoff- 
nung auf eine längere Erhaltung seines Lebens. Bald nachher, am 
8. August, trat er auf seinen Wunsch in den Ruhestand über. Er 
blieb noch Ehrenmitglied des Konsistoriums und stellvertretender Vor- 
stand der im Kultministerium gebildeten Kommissionen für die An- 
gelegenheiten der bildenden Künste und für die Staatssammlung vater- 
ländischer Kunst- und Alterthumsdenkmale. Im Frühjahr 1869 hatte 



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— 506 - 

i 

er die Freude, der ersten evangelischen Landessynode als Abgeordneter 
von Tuttlingen und als ihr Senior anzuwohnen. Die deutschen An- 
gelegenheiten beschäftigten ihn fortwährend. Als nach den preußi- 
schen Siegen von 1866 immer wieder das schwäbische Stammesgefühl 
mächtig aufbrauste und Württemberg Gefahr lief, aus den ruhigen 
Bahnen einer praktischen Politik sich auf die dunklen Pfade unbe- 
rechenbarer Stimmungen und Antipathien zu verirren, da erhob Kösilin 
wiederholt seine Stimme, um in öffentlichen Blättern und unbekümmert 
um das ITrtheil seiner Gegner zur ruhigen Ueberlegung und zum 
festen Anscbiuss an jenen Staat zu mahnen, welcher sich auch seither 
wieder als Deutschlands Schild erwiesen hat. Die letzte Zeit seines 
Lebens war aber vorzüglich dem traulichen Zusammensein mit * seiner 
Familie gewidmet. Er verweilte öfters bei seinem jüngeren Sohne, 
welcher als Richter in Heilbronn und Ellwangen wirkte. Wiederholt 
besuchte er Wien, wo sein älterer Sohn sich als Eisenbahn ingenieur 
eine ehrenvolle Stellung errungen hatte. Auch nach der Schweiz 
riefen ihn öftere nahe verwandtschaftliche Beziehungen. Sein Familien- 
sinn, wie sein Sinn für Natnrschönheiten fand auf diesen Beisen volle 
Befriedigung. Im Herbst 1867 hatte er zum letzten Mal mit seiner 
Gattin den Sohn in Wien besucht, als die letztere bald nach der 
Rückkunft erkrankte und von einer Lungenentzündung rasch hingerafft 
wurde. Ein Ehebund von seltener Innigkeit ist durch diesen Tod 
getrennt worden. Es war, als ob die Mahnungen an das Ende alles 
Irdischen sich für Köstlin immer mehr häufen sollten. Er hatte den 
mächtigen deutsch-französischen Krieg noch miterlebt und mitgefühlt. 
Da starb im Frühjahr 1871 plötzlich und aus der vollen Thätigkeit 
heraus sein geliebter Schwiegersohn, Oberregierungsrath von Reinhardt, 
und im März 1872 folgte diesem fast ebenso rasch dessen jüngere 
Tochter. Im Herbste dieses Jahres wurde der ältere Sohn seiner 
treuen Gattin durch den Tod beraubt. Die Lebensfreudigkeit, welche 
Köstlin so lange bewahrt hatte, war gebrochen. Er sagte oft, dass 
er sein Leben nur noch nach Semestern zähle. Seine kräftige Ge- 
sundheit fing an zu wanken. Noch einmal besuchte er im Herbst 



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— 507 — 

1872 mit seinem Schwager Fritz Maper in der Schweiz die letzte 
überlebende Schwester seiner Gattin. Der Winter verlief still, unter 
philosophischen und ästhetischen Studien. Da wurde er im März 

1873 von einer schweren Diphtherie befallen. Mehrere Monate ver- 
gingen unter den Schwankungen der Krankheit; endlich erlag seine 
Kraft am 12. August 1873. — Köstlin hatte während seines ganzen 
Lebens wenig von Krankheit gewusst. Sein kleiner, aber kräftiger 
Körper, gestählt durch Massigkeit und Uebung, folgte willig den 
Impulsen seines rastlosen Geistes. Arbeit war ihm Bedurfniss und 
Lust. Pest in seinen Ueberzeugungen, massvoll und bescheiden in dem 
Ausdruck derselben, voll Humanität im Umgang mit allen Menschen, 
von seinem Könige hochgeschätzt, als Beamter einflussreich und beliebt, 
hat Köstlin nicht durch grosse politische Aktionen oder glänzende 
Schöpfungen seinen Namen verewigt; aber sein reines, von Ehrgeiz 
und Eigennutz freies Handeln hat auf vielen Gebieten heilsam , be- 
fruchtend und versöhnend gewirkt. Wie er durch seine Herzensgüte 
im Leben viele Herzen gewonnen hat, so wird auch sein Andenken 
in engeren und weiteren Kreisen lebendig und gesegnet bleiben. 

Seine Gattin war seit 17. Nov. 1822 Wilhelmine, 
Tochter des Hofraths Friedrich Christoph Mayer in Heil- 
bronn. Söhne : 

Augnst, Oberingenieur in Wien. 

Karl, Kreisgerichtsrath , Director des Zellengefängnisses 
in Heilbronn. 

C. Wilhelm Köstlin, geb. 1747, Senator in Esslingen, Rector des 
Pädagogiums daselbst 1 1823 mit Hinterlassung von 3 Töchtern. 
Gattin: seit 9. November 1775 Christiana Jnliana, Tochter des 
Diaconus in Esslingen Christian Friedrich Oodelninnn, welcher 
Ehe 3 Töchter entsprossten. 

D. Friedrich Köstlin, geb. 1749, Pfarrer in Möhringen, Diaconus 
in Esslingen, Stadtpfarrer daselbst, t 1828. Gattin seit 

• 2. August 1774 Magdalena Dorothea, Tochter des Raths- 



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— 508 — 

Consulenteu und Kanzlei-Directors in Esslingen Joh. Wolfgang 
Caspart. Kinder : 

1) Magdalena Dorothea, vermäblt seit 28. Mai 1799 mit 
dem Eector in Esslingen Friedrich August Herwig. 

2) Maria Elisabeth> vermählt seit 26. Juni 1810 mit dem 
Pfarrer in Bell Ferdinand Friedrich Lempp* 

3) Christian* Friederike, vermählt seit 10. Mai 1810 mit 
dem Pfarrer in Entringen Immanuel Gottfried Bossert. 

4) Renata Christiana, vermählt seit 17. October 1811 mit 
dem Rector in Esslingen, Pfarrer in Neuhausen a. d. Erms 
Johann Jacob Eytel. 

5) Eberhardine Luise fleiurike, vermählt seit 13. Mai 1823 
mit dem Pfarrer in Aurich Friedrich Carl Leprer. 

6) Ernst Gottlob Köstlin, geb. 1780, Professor am Johannenm 
in Hamburg, vermählt seit 11. August 1811 mit Doris 
Grabao von da. 

7) M. Immanuel Ferdinand Kfotlin, geb. 1781, Diaconus in 
Heidenheim, Oberhelfer an der Stiftskirche in Stuttgart, 
t 1835. Gattin: Caroline, Tochter des Pfarrers in Mün- 
chiugen Philipp Heinrich Friz. Söhne: 

Karl, t als Pfarrer in Bühler-Altdorf. 

Friedrich, Rector in Nürtingen, t als Pfarrer in 

Derdingen. 

Adolf, Pfarrer am Zuchthaus und Katharinen-Hospital 

in Stuttgart. 

Eduard, Pfarrer in Belsen. 
E. Albrecht Köstlin, geb. 1754, Stadtgerichts -Assessor in Ess- 
lingen, f 1808. Gattinnen: I. seit 17. Febr. 1778 Johanna 
Maria, geb. Bahnmaier; IL seit 26. Februar 1784 Elisa 
Rosina, Tochter des Spitalverwalters in Esslingen Ludwig 
Friedrich Wiedersheinu Dieser Ehe entsprossten 4 Tochter 

* Ebenfalls eine altan gesehene wüttembergische Familie, welche dem Vaterlande 
viele Beamte und Gelehrte lieferte. 



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- 509 — 

und 2 Söhne. Letztere waren Amandas August Albrecht Köstlin, 

geb. 1789, Staatskassenbuchhalter in Stuttgart und Cosmann 
Friedrich Carl Wilhelm Kffstlin, geb. 1791, Apotheker in 
Ludwigsburg. 
E. Gotthilf Köstlin, den 31. Dezember 1757 zu Esslingen geboren. 
Derselbe studirto auf der Universität Tübingen 1775—79, 
wurde Vikar in Entringen bei Tübingen 1779, in Schnait- 
heim bei Heidenheim bis 1783, Vikar bei seinem Vater bis 
1786, ausserordentlicher Diakonus daselbst bis 1791. Nach 
dem Tode seines Vaters (16. November 1790) wirklicher dritter 
Diaconus und Filialprediger in Mettingen, Rüdern und Sulzgries. 
Köstlin war mit Friderika Beata, Tochter des Consistorialraths 
und Stiftspredigers Rieger in Stuttgart vermählt und starb 
1809 den 4. Febr. — 

Ebenfalls dieser Familie gehörten an: 

Tobias Köstlin, Bruder des Eingangs erwähnten Cosmann 
Friedrich, ßath und Keller in Brackenheira. Kinder: 

1) Maria Christine, Gattin des Diaconus in Leonberg Gottlob 
Christoph Paulus, Sohns des Stadtschreibers daselbst Joh. 
Eberhard Paulus. 

2) Maria Regina, Gattin des Amtskellers in Weinsberg Friedrich 
Ludwig von Olnhausm. 

3) Friedericke Eufrosine, Gattin des Leibmedicus in Oehringen 
Carl von Olnhausen. 

4) Maria Magdalena Elise, 

5) Marie Heinrike. 

6) Sophia Friederika, vermählt I. mit Benedict von Zell (1765 
geadelt), Evangel. Bergmeister in Biberach, Sohn des Früh- 
predigers daselbst Joh. Georg Zell; IT. mit dem Hofrath 
Jacob Friedrich Bilfinger. 

7) Ernst Friedrich, geb. 1741. 

8) Christof Friedrich, geb. 1748. - 



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— 510 - 

Heinrich Friedrich Köstlin, Bruder des vorbenannten Tobias, 
geb. 1715 Pfarrer in Röthenberg 1745. — 

Christof Friederich Köstlln , Sohn des Vorigen , geb. 
1747, Pfarrer in Alpirsbach. 



Das Fürstlich Württembergische Dienerbuch enthalt folgende höhere Beamte 
des Namens Koestlin: Diacon 553. — Cosm. Frid-, Pfarrer 447. — Joh. Tob., KeUer 405. — 
Nath. Ftid., Pfarrer 546. 



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Kohlhaas. 



Johanu Jacob Kohlhaas,* Sanitäts-Director, wurde im Jahre 
1747 zu Markgröningen geboren. Derselbe widmete sich dem Stu- 
dium der Medicio, wurde Med. Lt., trat hierauf eine Reise nach Regens- 
burg an, um eine ihm angebotene Stelle als Hofmeister bei dem 
Sohne des Reichstags- Gesandten von Greifenheim zu beziehen, welche 
er 5 Jahre lang bekleidete. Ein Jahr zuvor aber suchte er bei der 
medicinischen Facultät in Tubingen um das Doctordiplom , und bei 
dem Magistrate zu Regensburg um das Bürgerrecht und um veniam 
practicandi nach, erhielt auch Beides im Juli und im August 1774, seit 
welcher Zeit er der medicinischen Praxis oblag. Im Jahre 1788 wurde 
er Physicus und Garnisonsmedicus ; im Jahr 1789 zweiter und 
im Jahr 1795 erster Stadtarzt und Arzt im dortigen Katharinen-Spital. 
Seiner ausgezeichneten Kenntnisse, besonders auch in der Botanik, 
wegen erwählte ihn die botanische Gesellschaft daselbst zu ihrem Präsi- 
denten. Mehrere gelehrte Gesellschaften beehrten ihn durch Diplome 
mit dem Titel eines Mitglieds. Diess thaten die patriotische Gesellschaft 
zu Hessen-Homburg, die schweizerische Gesellschaft correspondirender 
Aerzte und Wundärzte 1792, die Rom. Kaiserl. Akademie der Natur- 
forscher 1794, die physicalische Gesellschaft zu Göttingen 1796, die 
Sydenhamiscbe zu Halle in Sachsen im Jahre 1799 und andere mehr. 
In der Folge widmete sich Kohlhaas hauptsächlich dem Unterrichte 
mehrerer künftigen jungen Aerzte. Er starb als Sanitäts-Director zu 
Regensburg 1805 (181 1), mit Hinterlassung vieler bedeutender Schriften. 



* Ein Bruder Johann Jacob' n war im Jahr 1790 Regimentsarzt bei der Kdhigl. 
. Preuaaiachen Garde. 



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— 512 — 

S&ne: 
I. Ludwig Kohlhaas, geb. zu Regensburg 1. Juni 1783, Kauf- 
mann zu Stuttgart, f 5 December 1844. Gattin: Charlotte, 
geb. Henglln, Tochter des General-Münzwardeins Heuglin in 
Stuttgart. Söhne: 

I. Christ. Jakob Ludwig Kohlhaas, geb. 30. März 1818, 

Med. et Chir. Doctor. 
II. Carl ron Kohlhaas, geb. 28. März 1829, Königlich 
Württembergischer Obertribunalrath , vortragender Rath 
bei dem K. Justizministerium, Bitter I. Classe des Ordens 
der Württemb. Krone, Commenthur des Friedr. Ordens 
vermählt seit 28. Juli 1863 mit Anna Holz mann, Tochter 
des t Directors am Polytechnikum hier. 
II. Friedrich von Kohlhaas, geb. zu Regensburg 9. August 1781, 
Königl. Württemb. Hofdomänen -Kammer -Direktor, und Mit- 
glied der Central-Stelle des landwirtschaftlichen Vereins und 
der Central- Leitung des Wohlthätigkeits-Vereins. Ritter des 
Kronordens. Kinderlos t« 



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Krafft, Kraft. 



Johann Krafft, Theol. Dr., wurde im Jahr 1618 zu Mingerinhausen 
in dem ehemaligen Fürstenthum Waldeck geboren, als Sohn des Esaias 
Krafft, Gerichtsverwandten daselbst, und der Margaretha, »aus dem 
daselbst berühmten Hundermarck lachen Geschlechte entsprossen.« 

Derselbe besuchte die Gymnasien zu Lippe und Dortmund, an 
welch letzterem Orte er besonders aus dem Unterrichte des Professors 
Cloz Nutzen zog, und begab sich von da auf die Hochschule zu 
Rostock, wo er unter den berühmten Professoren Bravius und Parellius 
Philosophie, unter Quistorp und Cothmann Theologie studirte. Von 
Rostock aus ging er nach Königsberg in Preussen, magistrirte da- 
selbst, hielt öffentliche Disputationen und bekam selbst die Erlaubniss, 
mehrere Male in der von mehreren tausenden Zuhörern gefüllten Haupt- 
kirche predigen zu dürfen. 

Einen Antrag, als Prediger und Professor in dieser Stadt zu 
verbleiben, lehnte er ab und ging nach Leyden, wo ihm der einzige 
Sohn eines reichen Kaufmanns, Namens Klein, anvertraut wurde, mit 
dem er auch 1651 nach Tübingen kam. Nachdem er ein Jahr seinen 
Aufenthalt daselbst genommen hatte, wurde er bei dem eben ein- 
getretenen Tode des Professors G-ailfus an dessen Stelle zum Professor 
der Logik und Metaphysik ernannt, neben welcher ihm der Herzog 
auch noch die Professur der Mathematik übertrug. 36 Jahre lang 
verwaltete er dieses sein Amt, während welcher Zeit er auch Reisen 
nach Polen und Brandenburg unternahm. Auf einer solchen Reise 
hatte er Vieles auszustehen; er erlitt einst auf der Nordsee Schiff- 
bruch und ein anderes Mal, da das Schiff durch einen Sturm 100 
Meilen zurückgeschlagen wurde, war er genöthigt, »Zwieback, den 

r. Georgii'GeorgenaM, Biographisch-Genealogische Blätter etc. 33 



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— 514 — 

man mit Keulen zerschlagen musste, zu ossen, sowie Wasser, worin 
Wurmer gewachsen waren, zu trinken.« 

1657 erhielt er die Licenz in der Theologie und etliche Jahre 
hernach die Doctorswürde. Als ihn 1667 der Graf von Waldeck* 
zum Generalsuperintendenten der ganzen Grafschaft ernennen wollte, 
gab dies Herzog Eberhard von Württemberg nicht zu, sondern ver- 
lieh ihm die Prälatur zu Alpirsbach, welche Abtei er bis an seinen 
den 30. Januar 1695 erfolgten Tod verwaltete. 

Seine I. Gattin war seit 1655 Regina Maria, Tochter des 
Hof- und Stadtgerichts- Assessors Johann Georg Beehr, t 1688; die 
IL Anna Elisabetha, geb. Engelhardt, welch letztere Ehe aber kinder- 
los blieb. Kinder aus erster Ehe: 

I. Regina Elisabetha, Gattin des Herzogl. Württemb. Amtmanns 

in Ehingen Theodor Hock. 
11. Maria Agnes, Gattin des Med. Dr. und Physikus in Esslingen 

Andreas Planer. -* 

III. Christina Magdalena, Gattin des Med. Dr. und Professors 
Philos. in Tübingen Rudolph Jacob Cammerer. 

IV. M. Christian K rafft, Pfarrer zu Weil dem Dorf. 

V. Ferdinand, J. U. Lic, Herzoglich Württembergischer Vogt zu 

Vaihingen an der Enz. 
VI. Johann Eberhard, 

Ebenfalls diesen Namen führten: 

Johann Wolfgang K rafft, geb. 15. Juli 1701, guter Physiker, 
ging 1725 mit Bilfinger nach Petersburg, wurde daselbst als Lehrer 
der Mathematik, später als solcher der Experimentalphysik angestellt, 
und auch als Akademiker. Im Jahr 1744 kam er als Professor 
der Mathematik und Physik nach Württemberg zurück und t 1754. 

In Petersburg lieferte Krafft sehr wichtige Beiträge zu deu 
Schriften der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, wie er auch 
in Tübingen mehreres schrieb. — 

* Vater des bekannten Grafen Antfm Ulrich, der in Folge seiner ausgezeichneten 
Tbaten in dem Türken kriege und beim Entsatz von Wien von Kaiser Leopold /. die 
Reichsfürstenwürde tfhd das Qeneral-Feldmarscbailamt erhielt 



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- 515 — 

Ulrich Krafft, Professor der Rechte. Derselbe, ein Sohn des 
M. Conrad Krafft, Bürgermeisters von Ulm,* und der Yerena, geb. 
Neidhardt, welche ebenfalls einer altangesehenen Ulmer Patricierfamilie 
entstammte, stndirte in Basel 1475, kam von da 1477 schon als 
Baccalaureus nach Tübingen, wo er 1479 am Tag Polycarpi unter 
dem Decan M. Johann Han Magister facultatis artium wurde. Er 
begab sich hierauf noch in demselben Jahre nach Pavia und wurde 
dort schon im folgenden Jahr Doctor des Kaiserl. Rechts, kehrte aber 
von da nach Tübingen zurück und wurde hier 1484 23. October 
Doctor des canonischen und bürgerlichen Rechts. 1485 ist er bereits 
Jur. Professor in Tübiugen und bekleidet das Rectorat. Von Tübingen 
kam er nach Freiburg als Professor jur., wo er 1493 das Rectorat 
inne hatte; von da begab er sich nach Basel und wurde daselbst 
Professor ordin. Juris civilis. Als solcher war er 1500 Decan der 
juridischen Facultät und 1495 und 1500 Rector der Universität. 
Nachdem er schon 1486 Canonicus Constantiensis und Augustanus ge- 
worden war, wurde er in Basel Canonicus ecclesie S. Petri, wie auch 
Acoluthus und Subdiaconus. Im Jahr 1500 wurde er von Basel nach 
Ulm berufen als Rector der Pfarrkirche, zugleich war er auch Bundes- 
richter beim schwäbischen Bund, t "11. April 1516. — 

* „In Ulm zählte im XV. und XVI. Jahrhundert die Familie Kraft unter die 
ältesten und angesehensten Häuser. Ihre Altvordern bekleideten das Amt von Notaren 
oder „Schreibern" im Dienste Hohenstauflscher Könige, so des Jüngern Heinrich» und Kon- 
rad't IV. Der Oeschlechtsname der Familie, erst „Schreiber 1 ' nach dem Kaiserlichen 
Amte, das sie bekleideten, ward in der Folge von wegen des häufig in der Familie wieder- 
kehrenden Namens Kraft oder Krafto in Kraft umgewandelt. Die bedeutendsten Glieder 
der Familie -waren: Aegidiua und Otto Kraft, Gründer der Dreikönigskirche in Ulm; 
Bürgermeister Ludwig Kraft, welcher 30. Juni 1377 den Grundstein zum Ulmer Münster 
legte ; Ulrich und Konrad Kraft, Gebrüder, Pfarrer am Münster in der letzten Hälfte 
des XV. Jahrhunderts, trugen als solche viel zur Vorbereitung der Reformation bei; 
Johann Kraft von Dellmensingen, Bürgermeister in Ulm, war nach dem Umsturz der 
Ulmischen Verfassung durch Kaiser Karl V. (1548) Gesandter der Stadt Ulm auf den 
Tagen zu Worms, Augsburg und Naumburg und starb als Rathsälterer 17. März 1577. 
II an* Ulrich Kraft, Sohn des Letztgenannten, bekannt unter dem Namen der „Ulmer 
reisende Kaufmann", vgl. Otto, GaUerie hervorragender Kaufleute und Förderer des Han* 
dels etc. Leipzig und Berlin 1868. Der Handel Ulm's, wie vorzüglich der schwäbischen 
Städte Kaufbeuren, Memmingen, Augsburg und Kempten stützte sich auf die damals zur 
höchsten Blüthe gelangende Leineweberei und weit mehr als Ein Ulmer Hans hatte 
Filialen in Italien, Frankreich, den Niederlanden und im Orient/ 



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— 516 — 

Johann Jacob Krafft, Sohn des 1763 f Stadtpfarrers in Na- 
gold Jacob Krafft von Geislingen, geb. 23. Februar 1708, Stadt- 
schreiber in Herrenberg. Sein Lebenslauf steht in der geschriebenen 
Chronik des vormaligen Assessors Hess in Herrenberg, von ihm selbst 
mit eigener Hand eingetragen. Die Beschreibung ist voll lieblicher 
Spuren der guten Hand Gottes, die über ihm waltete. — Gewissen- 
haft in seinen Amtspflichten, unormüdet in der Arbeit, ein pflicht- 
liebender Ehegatte, ein getreuer Vater, ein sehr angenehmer Gesell- 
schafter. Nachdem er anno 1772 sein Amt niedergelegt hatte, 
brachte er seine übrigen Lebensjahre in der Stille zu, las fleissig 
Luthers Schriften und entschlief sanft nach kurzem Krankenlager 
im Glauben an seinen Erlöser 2. September 1781. — 

Carl Ludwig Kraft, Sohn des Vorigen, geb. zu Herrenberg 
9. Juli 1746, Hofgerichts-Advocat, Oberamtmann in Herrenberg und 
1800 in Sindelfiugen. 



Dm Fürstlich Württembergiiche Dienerbuch enthält folgende höhere Beamte 
des Namens Krafft (Kraft, Crajft, Crmfto): Abt 279, 304; Probst 494. —Schultheis« 668. 
— Alex. Inspector 636; KeUer 467. — Rays. Schultheis* 416. — Bened. AUx., Rays. 
Scbultheiss 417. — Carl Ludw., Vogt 462. — Eragmus, Cl. Pfleger 264. - Ferd., Vogt 542. 
696. — Joh.» Abt 244. - Joh. Bapt., BurgVogt 619. — Joh. Reinr., Gaistl. Verwaltter 607. — 
Joh. Jac, Pfarrer 422, 502; Stattschreiber 465. — Job. Conr., RechenbanckhaRath 120. 



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Lauterbach. 



Wolfgang Adam Lauterbach, geboren zu Schleiz im Voigtlande- 
auf Schloss Waiden, als Sohn des Gräflich Reussischen Bürger- 
meisters von Schleiz Adam Lauterbach, und der Anna Maria Ober- 
länder, studirte zu Tübingen und wurde 1648 zum Professor der 
Rechte ernannt. 

Im Jahre 1678 zum Herzogl. Geheimen-Regierungsrath und 
Consistorialdirektor befördert, starb er noch in demselben Jahre auf 
einer Reise nach Tübingen zu Waidenbuch den 18. August mit 
Hinterlassung von Nachkommen. Sein Leichnam wurde in der Stifts- 
kirche beigesetzt und seine Ruhestätte durch eine marmorne Tafel 
bezeichnet. Der Name Lauterbach ist in der juridischen Welt immer 
noch hochberühmt und sein „compendium juris" wurde auf den meisten 
deutschen Hochschulen beim Unterricht zu Grunde gelegt. Sein „collegium 
theoreticum-practicum in pandeetas" galt aber allen Rechtsgelehrten 
Süddeutschlands wie ein Orakel. Diesen Ruhm hatte Lauterbach 
seinem Scharfsinn und wahrhaft ausserordentlichen Fleisse zu danken, 
kpnnte er doch 7 Stunden am Schreibtische sitzen, ohne aufzustehen. 
Auch um das Württembergische Recht machte er sich verdient. 

Seine I. Ehegattin war seit 7. December 1648 Maria Susanna, 
Tochter des Professors in Tübingen Thomas Lans; die II. seit 
12. Juli 1665 Anna Julie, geb. Hatting; die III. seit 26. Juli 
1677 Anna Rosina, eine Tochter des J. C, Churfürstl. Raths und 
Kayserl. Cammer - Gerichts - Advokaten zu Speyer Johann Ulrich 
Stieber und der Justina Margaretha, Tochter des Herzogl. Württemb. 
Raths, auch Kaiserl. Kammergerichts-Advocaten Cornelius Anieys, 



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— 518 — 

ihr Grossvater väterlicher Seits war Heinrich Stieber, ebenfalls 
Kaiserl. Kammergerichts -Advocat, nachgehends Hochfürstlich Pfalz- 
Neuburgischer Rath; der Urgrossvater Johann Stiebtr, Hochfürstl. 
Pfalz-Zweybrückischer Rath und Canzler. — 

Ulrich Thomas Lauterbach, Sohn Wolf gang Adams, geb. 
1. März 1654, Herzogl. Wtirttemb. Oberrath, Assessor des Königl. 
Kammergerichts in Speyer, t 1710. 

Seines Vaters „Collogium Pandectarum" ward von ihm vollendet 
und herausgegeben. 

Gattin: seit 1685 Rosine Elisabeth, Tochter des Kammer- 
Berichts -Advocaten Albrecht Ludwig von Gttlch, welcher Ehe 4 
Söhne entsprossten. 



Das Fürstlich Württemb. Dienerbuch enthält folgende höhere Beamte des Namens 
Lautterbach (Lauterbach) : Hans Clemens, Cl. Hofmoister 340 ; Gaistl. Verwaltter 471. — 
Heinr. Adam, Cl. Hofmeister 347; Cl. Pfleger 265; Rechenbanckhs Rath 153. — Ufr. 
Thom., Gel. O Rath 63. — Wolff Adam, Geh. Regim. Rath 24 ; Kirchen- R. Director 142. 



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Lentilius. 



Rosinus Lentilius wurde den 3. Januar 1057 in Waidenburg 
in Franken geboren. Sein Vater, David Samuel Lentilius, J. Ctus., 
Hochgräfl. Hohenlohischer Gemeinschaftl. Lehens-Rath und Canzlei- 
director in Waidenburg, starb vom Schlage getroffen an der Gräfl. 
Schillin gsf Urs t' 'sehen Tafel 1661. Die Mutter war Anna Rosina, 
geb. Sartorius; der Grossvater Bartholomäus Lentilius, Stadt- 
pfarrer zu Bercka in Thüringen ; der mütterliche Sebastian Albrecht 
Sartorius, Brandenburg - Onolzbachischer Pfarrer zu Ellrichshausen, 
Sohn des Bürgermeisters von Onolzbach Sixt Sartorius, dessen Gattin 
eine Enkelin des berühmten Probsts in Stuttgart Johann Brenz 
gewesen; der Urgrossvater väterlicherseits Lentilius, evangelischer 
Prediger zu Regensburg, welcher unter dem Namen M. Michael 
Linsen barth die Formulam Concordiae mit unterschrieben hat. 

Ueber seine Taufe sagt Rosinus Lentilius selbst Folgendes: 

»Meine lieben Eltern haben mich gleich andern Tages nach 
der leiblichen Geburt zu dem Bade der Geistlichen Wieder-Geburt 
befördert, und zur heil. Tauffe bringen lassen, welcher heilige Actus 
von dem damahligen Hoch-Gräflich-Hohenlohischen Hof-Prediger und 
Stadt-Pfarrer zu Waidenburg, Herr Johann Peter Biefenbach, ver- 
richtet, und mir der .Name Rosinus beygelegt worden, wobey die 
Tauff-Gezeugen waren: 

Hr. Johann Christian Baumgärtner, J. U. D. und Hochfürstl. 
Brandenburgischer Rath, auch eines Kaiserl. Landgerichts 
Burggrafthum Nürnberg zu Ansbach Assessor, 

Herr Tobias Ulrich von G rächen, .T. II. D., Gräfl. Hohen- 
lohischer Cauzlei-Director zu Langenburg. 

Herr PaulGeorgii, J.ü. D. undRathsConsulent zu Dinkelspiel.« — 



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- 520 — 

Kosinus kam, da sein Vater, wie schon erwähnt, frühe ge- 
storben war, zu einem Verwandten nach Crailsheim, besuchte daselbst 
die Trivialschule, und zog hierauf zu seinem Onkel, dem Med. Dr. und 
Hochfflrstl. Brandenburg. Rath und Leibmedicus Johann Christoph 
lichm nach Ansbach, wo er das Gymnasium besuchte Nachdem 
in der Folge Christof Ehrich, J. ü. Lt., seines seligen Vaters 
Nachfolger in Amt und Ehe von Waidenburg nach Heidelberg 
gezogen war, woselbst er als Hofgerichts-Advocat thätig war, begab 
sich llosinus ebenfalls im Jahre 1671 dahin und begann unter 
dem damaligen berühmten Professor Franke von Frankenau das 
Studium der Medicin. Da bald darauf die Franzosen unter Ludwig XIV. 
gegen die Pfalz anzurücken begannen, setzte er seinen Fuss weiter 
und reiste über Ansbach und Nürnberg nach Jena, wo er 1G74 dispu- 
tirte. Als sein Stiefvater bald nachher, noch im Jahre 1074, auf 
dem Wege zwischen Speyer und Heidelberg auf eine nie völlig ans 
Licht gekommene Weise das Leben verlor, und seine Gattin mit 7 
meist . unerzogenen Kindern zurückliess , so sah sich Lentilius zu 
deren Unterhalt genöthigt, eine Informatorenstelle bei einer Familie 
von Schönfdd zu Löbnitz in Meissen anzunehmen. Er verharrte 
in dieser Stellung 3 Jahre lang und setzte dabei trotz seiner Infor- 
mationsstunden seine medicinischen Studien privatim fort, so dass 
er noch in den letzten Jahren seines Aufenthalts daselbst zur Praxis 
gelangte. Nun ging er nach Nieder-Sachsen und zwar zu Fuss von 
Leipzig bis Rostock, von da begab er sich über Wissmar nach Lübeck, 
und fuhr dann auf einer Danziger Galiotte über die Ostsee nach 
Danzig und über das frische Haff nach Königsberg. Ende des Jahres 
1677 kam er nach Curland, wurde darauf abermals Informator der 
Kinder eines lettischen Pastors zu Doblen, drei Meilen von Mietau 
entfernt. Von 1679 an practizirte er zu Mietau und erhielt 1680 
oinen Ruf ins Vaterland, und zwar als Physicus nach Crailsheim. 
Auf der Heimreise licentiirte er zu Altdorf; am 29.0ctober desselben 
Jahres endlich traf er auf dem ihm zugetheilten Physikate ein. In 



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- 521 — 

• • 

gleichem Jahre wurde er zum Mitglied der Kaiser Leopolds Akademie 
ernannt, und ihm laut Diploms der Name Oribasius beigelegt. 

1681 machte ihn der Graf von Geyer zu seinem Leibmedicus, 1707 
wurde er Leibarzt des ersten Königs in Proussen. 1685 erhielt er 
einen Ruf als Stadtarzt in die Reichsstadt Nördlingen, dem er Folge 
leistete; während seines dortigen Aufenthaltes wurde er zugleich 1693 
von dem Closter Neresbehn, 1694 von dem Fürsten von Oettingen, 
1696 von dem Closter Maria Mahingen, 1697 von dem Closter 
Kaisersheim als Arzt angestellt, 1698 im April liess er sich als Arzt 
in Stuttgart nieder, und wurde noch im gleichen Jahre vom Hoch- 
fürstlichen Hause Baden-Durlach zum Leibarzt ernannt. Im Jahre 
1700 wurde ihm die Stelle eines Leibmedicus bei des Bischofs 
von Augsburg Durchlaucht, und bald darauf die Stelle eines 
Hofmedicus am Düsseldorfischen Hofe angeboten. Als sein Fürst 
nach Basel retirirte. ging Lcntilhis als Stadtarzt nach Stutt- 
gart , und erhielt nun hier 1710 die Stelle eines Raths und 
ordentlichen Leibmedicus. In demselben Jahre noch folgte er, der 
damals die stärkste Praxis in Stuttgart hatte, der unter 8 Aerzten 
auf ihn gefallenen "Wahl eines Leibarztes des Erbprinzen, welcher damals 
in Turin weilete; seinen Weg dahin nahm er über Ulm, Lindau, Tirol, 
Graubündten, den Corner See, Mailand, Novara, Vercelli und langte 
2. Mai zu Turin an, machte auch daselbst die Bekanntschaft der 
damaligen berühmtesten Aerzte Italiens, als des päbstlichen Leibarztes 
Lancisius in Rom, der Professoren Eamazzini und Vallisnieri zu 
Padua, Lanzono zu Ferrara, Georgii in Genua. 1712 trat er mit 
dem Erb -Prinzen die Rückreise ins Vaterland au; ihre Rückkehr 
erfolgte daselbst am 11. December. Im Jahre 1713 begab er sich 
mit dem Erbprinzen zu Wasser nach Holland, und zwar nach dem 
Haag, woselbst sie 21 Monate lang verweilten. Im Juni 1715 reisten 
sie durch Flandern nach Frankreich, und trafen 3 Tage vor dem 
Tode Königs Ludtvig XIV. in Paris ein. 1716 kehrten sie 
nach Württemberg zurück, und Lentilius hatte die Freude, den ihm 
anvertrauten Erbprinzen am 11 Juli desselben Jahres gesund und 



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— 522 — 

wohl wieder in die Arme seines fürstlichen Vaters nach Teinach zu 
führen. In der Folge wurde Lentilius noch Leibarzt des Grafen 
von Hohenlohe-Pfedelbach. 

Er starb 12. Februar 1733, nicht ohne den Namen eines 
biederen, vortrefflichen Arztes hinterlassen zu haben, im 77. Jahre 
seines Alters und mit dem Ausspruche: 

»So ist's recht, ich bin mit meinem Gott zufrieden. Er lässt mich 
doch in meinem Neste sterben, wie ich ihn oft auf Reisen darum 
angerufen. Wie sanft wird sichs doch nach der überstandenen 
Berufs- und Leidensarbeit ruhn, wie wohl, wie wojil wirds thun.« 

»Wann du mich Herr gleich tödtest, so will ich doch auf 
dich hoffen.« 

Den Armen half er mit Rath und That. 

In seiner Leichenrede heisst es u. A. wie folgt: 
»Bei seinen Patienten hat Lentilius durchgehends einen leiblichen 
und geistlichen Arzt abgegeben, indem Er nebst dem Medicinischen 
Rath auch ihre Seelen mit erbaulichem Zuspruch aus dem guten 
Schatz seines Hertzens zu stärcken, nicht unterlassen ; daher Er auch 
zu Hauss in seinen gar beweglichen und unterschiedlichen Berutfs- 
Gebetten, die Er nach den unterschiedenen Standen und Umständen 
der unter seiner Cur sich befindlichen Kranken nemlich als fürst- 
licher Leib-Medicus und allgemeiner Practicus eingerichtet, ein be- 
sonders auf die Patienten, wann Er sie anfänglich in die Cur 
bekommen, und ein besonderes wann es sehr gefahrlich mit ihnen 
stunde, verfertigt, worinnen er ihren Seelen- und Leibes-Zustand dem 
Gott ihres Heyls mit inbrünstigem Seufftzen und Flehen, zuvörderst 
um Würckung einer bussfertigen Erkänntnuss ihrer Sünden und heil- 
samen Vorsatz der Lebens - Besserung , sodann erst um leibliche 
Besserung auff den Gebrauch der verordneten Artzneyen, eifrigst vor • 
getragen, nach derselben Cur und Genesung aber, der schuldigen 
Dancksagung gegen dem himmlischen Arzt, ohne dessen Beistand und 
Gedeyen er allen Medicinischen Rath, alles Kraut und Pflaster kein 



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— 523 — 

nutze zu sein gar demüthig erkannte, gewisslich nicht vergossen, 
allezeit eingedenck, dass die praxis medica ein divinum Charisma sui 
generis seye, der Medicorum Geschaffte bey den Kranken seye ein 
Pflantzen und Begiessen, Gott aber müsse das Gedeihen geben. Wo 
dieser nicht die Hand im Spiel habe, so darff sich kein Medicus 
einbilden, dass er mit all seiner Gelehrsamkeit nur ein Zahnweh 
curiren könne etc. Aus welchem allem ohnschwehr abzunehmen, dass 
er in seinem practiciren kein verwegener Cajoleur gewesen, der 
lebensgefährlichen Patienten und den Ihrigen biss in den letzten 
Hauch ihres Lebens, vergebliche Hoffnung des Aufkommens gemacht, 
sondern ihnen die wahrhaffte Umstände nicht verhohlen, mithin ihre 
Seele ungesäumt zu versorgen, angerathen. 

Man darf dagegen mit grösster confidence, jedoch ohne eitle 
ßuhms-Beymessung auf diejenige adelige und Privat-Persouen sich 
beruffen, welche den Seeligen Herrn Leibicum noch in seinem 
kräncklichen Zustand mit Visiten beehret und das Zeugniss mit vielen 
stattlichen Expressionen, auch nicht sonder Thränen Vergiessung 
gegeben, dass sie biss anher an ihm einen fürsichtigen und er- 
fahrenen Arzt genossen.« 

Er selbst sagt in seiner schriftlich vorfassten Begräbniss- 
Ordnung u. A. folgendes: 

»Ich bin ein armer sündiger und durch den Erbschaden in 
Grund verderbter Mensch gewesen, und das sehr wenige Gute, das 
etwa in mir war, ist nicht einmahl mein, sondern Gottes dess 
Gebers alles Guten. Wann ich nur von einem jeden unnützen Wort, 
deren unzehligo leider aus meinem Mund geflossen, die gebührende 
Rechenschaft geben sollte, wie würde ich mit meiner air raillant 
und schertzhafften Conduite vor Gott bestehen. Ich muss auch hier 
mit David seufftzen: Herr, gehe nicht ins Gericht mit deinem 
Knecht, dann vor dir ist kein Lebendiger gerecht, Herr, wer wird 
bestehen? Ich hoffe, mein Heyland habe auch diese Sünde aus- 
gesöhnt mit seinem theuren Verdienst, und damit alle Blosse meiner 
sündhaften Natur, deren ich nicht genug Gewalt angeleget, bedeckt. 



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— 524 — 

wovor sein heiligster Name unendlich gepriesen seye etc. Ich wünsche 
zuvörderist aus danckbarem Herzen dem Hochfürstlichen Hauss 
Württemberg die reiche Gnade Gottes und allen Seegen. Darnach 
vergebe ich Euch, meinen lieben Kindern, und sonst Jedermann, was 
ihr mir etwa möchtet zuwider gethan haben, der ich aller Beleydigung 
gerne zu vergessen pflege, damit wir fein, als Christen gebühret, von 
einander abscheiden, und in jener frohen Ewigkeit als seelige Leuthe 
einander wieder umarmen können. Ach! wie freue ich mich schon 
darauff. Hertzliebste Kinder und Enkel, ach dass doch unser barm- 
hertziger Heyland gebe! dass ich einmahl auff dem lieben Jüngsten 
Tag Ihn freudig anreden dörffe: Siehe, mein Heyland, du Richter 
der Lebendigen und Todten, hier bin ich, und die Kinder, die du 
mir. gegeben hast. Hier bin ich mit meinen Vor-Eltern, mit meinen 
Nachkömmlingen, mit meiner Freundschaft ringsumher anzubetten 
deine Gnade miteinander, und zusammen einzugehen in den Stand 
der vollkommenen Herrlichkeit, welche du bereitet hast. Ach ! erfüllt 
diese meine Freude! und Ihr 'könnet sie auch erfüllen, wann ihr nur 
wollet, dann unser Gott ist getreu, und kau sich selber nicht leugnen; 
Er gibt Krafft genug dem Unvermögenden, nach seiner treuen Ver- 
heissung. Esa. 40, 29. etc. Ach du mein lieber alter Gott, du 
barmhertziger lieber himmlischer Alt-Vatter, der du mein Gott gewesen 
bist von meiner Jugend an, und zu dem ich mein eintziges Vertrauen 
in allen meinen Anliegen gesetzet, dabey mich auf Menschen-Hülffe 
wenig verlassen, ja wann ich es gethan, nur destoweniger glücklich 
gefahren bin. Durch deine Gnade hab ich ein hohes Alter erlebt, 
und bereits das Mosis Ziel überschritten. Du hast mir auch aus 
sonderbarer Güte meines Leibs- und Gemüths-Kräfften vor vielen 
andern meines gleichen noch ziemlich erhalten, so dass ich meines 
Berufs mit erspriesslichem Nutzen meines Neben-Menschen noch so 
fein warten kan, und thue es auch bey aller Gelegenheit. Es bedunckt 
mich aber dannoch, die Welt mach es mit mir wett, und beginne 
meiner fast ebenso müd zu werden, als ich ihrer schon lange gewesen, 
dahero sind wir dann auch desto besser von einander zu scheiden. 



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— 525 — 

Ist es bey dir genug, so ist es bey mir schon lang genug. Dann 
ich will lieber seelig todt seyn, als länger sündlich leben u. s. w. 
Schön singt der Dichter von solch' opferbereitem Wirken: 

Warm in Worten und Gefühlen Rein, wie du dein Herz gegeben, 

Bingen nach den höchsten Zielen, Muss dies Herz auf ewig leben, 
Bis auch die, so irrend fehlen, Muss nach tausend, tausend Tagen, 

Still die rechte Strasse wählen, Warm in andern Herzen schlagen, 

Saaten, die den Enkel freuen, Und in immer neuen Herzen 

In den Schos* der Zukunft streuen : Züd den neue Liebeskerzen, • 
Das heisst nach Vollendung streben, Und du bist des Lichtes Bronnen, 

Hier schon unvergänglich leben. Da sie alle Glanz gewonnen. 

Leuchtend stets und immer zündend, Ja, so magst du, reich an Jahren, 

Näh' und Ferne sanft verbindend, Dir der Jugend Glanz bewahren, 
Ist der Geist, der Gottesfunken, JugendfüU' in deineu Thaten, 

In des Lebens Schos gesunken, Weisheit, wo es gilt zu rathen, 

Dass er ewig wallend gähre, Gott in schönen Thaten lehrend, 

Neue Schöpfungen gebäre, Allen nützlich dich verzehrend, 
Und mit ewig frischem Strahle Siehst du jene Saaten sprossen, 

Frisch und schön die Erde male. Die du pflegend selbst begossen. 

Immerfort in neuen Schlägen 
Wird dein Herz sich lebend regen. 

Wird sich ewig neu verjüngen, 

Ewig Blut' und Früchte bringen, 
Und in immer neuen Lenzen 
Frisch und schön wie heute glänzen, 

Und so kann dein Sein und Walten 

Nie verbleichen, nie veralten. 

Eine von ihm selbst auf seinen Tod gemachte Epicedie lautet : 
Umbram Lentili cernens, umbram esse memento 

Te, vel, si quid ea vilius esse potest, 
Si, quis Lentiliu8 fuerit, petis' ipsemet, umbra 

Re8ponde nihilo plus fuit, umbra fuit. 
Esto humilis, mundi fuge pompas, O homo, nam umbra es 

Fama, hemor, ars, et opes, quid vapor, umbra nihil! 
Vive pie! Domini securus vive sub umbra 

Alarum tibi non umbra fuisse nocet 
Post umbram mortis, precor, ut tibi fulgeat ortus, 
Ex alto umbrae et erit, lux, Deus, ipsa loco 

Ex umbra mortis temporali in 

lucem vitae Sempiternam 

protractus 

Sibimet ipse fecit, 

Kosinus Lentilius. 



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- 526 — 

Grabschrift: 
Hier liegt ein theurer Mann, 

Der seinem Gott gedient, 
Dem Nächsten Guts gethan. 

Den Wissenschaft und seine schöne Gaben 
Nie stolz gemacht, nie auf geblähet haben. 

Vor Schatten hielt Er sich: Die Welt hat er veracht, 
Nun hat der Himmel ihn den Engeln gleich gemacht. 

Seine I. Gattin war seit 3. Juli 1682 Maria Elisabetha, 
Tochter des Johann Ernst Stieber, Mitglieds des kleinen Raths der 
Reichsstadt Esslingen und der Anna Margaretha, geb. Kielmann 
von Kielmanns-Eck, aus welcher Ehe ein Sohn hervorging, der den 
Vater überlebte; 2 Töchter und 1 Sohn starben schon vorher; die 
IL seit 28. November 1693 Rosina Barbara, Tochter des Dr. und 
Professors der Medicin in Tübingen Georg Balthasar Metzger und 
der Catharina Margaretha Kflffner von Schweinfnrth. — 

Wilhelm Friedrich Lentilins, Sohn des Rosinus aus I. Ehe, 
studirte Theologie, Repetent, fungirte hierauf, als sein Fürst Eber- 
hard Ludwig am Rhein commandirte, als Feldprediger der württemb. 
Truppen; nach Beendigung des Kriegs erhielt er das Diaconat Herren- 
berg; später das Diaconat bei St. Leonhard in Stuttgart, 1725 aber 
das Professorat am Gymnasium daselbst, t 1761. 

Gattin: seit 12. November 1715