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Full text of "Bischoff, Erich - Das Buch vom Schulchan Aruch (1942, 159 S.)"

Das Buch 



vom 



Schulchan 
aruch 



Mit Anmerkungen und Anhangen 



von 

Dr. Erich Bischoff 



Vierte Auflage 



1 942 



Hammer- Verlag / Leipzig 



Alle Rechte vorbehalten, 

einschlieBlich das der Ubersetzung in fremde Sprachen. 

Copyright 1929 by Hammer-Verlag, Leipzig. 



Den Einband entwarf Hans Michael Bungter, den Druck besorgte 

C.G. Roder, Leipzig 



Edition Zeitgeschichte 2003 



Die Wahrheit wird euch frei machen 
Ev. Johannis 8,32 

Vorwort zur 4. Auflage 



Uber den "Schulchan aruch " ist noch nie ein zusammenhangendes, auch fiir Nicht- 
fachleute verstandliches und dabei von keinem Parteistandpunkte aus verfaBtes 
Buch geschrieben worden. Ich habe es versucht und hoffe, daB es mir ebenso ge- 
lungen ist wie mit meiner "Kabbalah" und den zwei Banden "Elemente der 
Kabbalah", die auch zum ersten Male in ein Gebiet einfiihrten, von denen weite 
Kreise mehr redeten als wuBten, oder wie mein bestes Buch: "Babylonisch-Astrales 
in Talmud in Midrasch. " Wenn das vorliegende Buch ebenso einhelligen Beifall bei 
nichtjiidischen und jiidischen Kritikem und - Kaufem finden wiirde wie die ge- 
nannten Schriften und sogar mein "Jesus und die Rabbinen", wiirde es mich freuen, 
doch das ist kaum zu erwarten, da sein Gegenstand, der Schulchan aruch selbst, 
von jeher die verschiedenartigste Beurteilung erfahren hat. Der so ruhig und wis- 
senschaftlich urteilende heutige Greifsw alder Theologieprofessor D. Gustav 
Dalman schreibt ("Jiidisches Fremdenrecht", Karlsruhe und Leipzig 1886, S. 39): 
"Es war ... Ungliick fiir das jiidische Volk, daB der Schulchan aruch, ein Buch, das 
den Rabbinismus in seiner schroffsten Form vertritt, zu so weit reichender Geltung 
gelangt ist. Die von ihm durchgefiihrte strenge Scheidung der sittlichen Pflichten 
gegen Volksgenossen und gegen Fremde konnte auf die sitthchen Begriffe derer, 
die ihn befolgen, nur verwirrend wirken." - Der nicht minder gelehrte, jiidisch- 
orthodoxe Dozent am Berliner Rabbinerseminar, Dr. D. Hoffinann, sagt im Gegen- 
satze hierzu ("Der Schulchan aruch", 2. Aufl., Berlin 1894, S. 180f.), "daB 
ausnahmslos alle Verdachtigungen und Beschimpfiingen, welche gegen den Schul- 
chan-Aruch gerichtet werden, von Hafi und Boswilligkeit erzeugt, von 
Verleumdungssucht genahrt und groBgezogen, von Irrtum und Unkenntnis aufge- 
nommen und verbreitet worden sind 1). Nicht der geringste Makel bleibt am 
Charakter unserer Rabbinen haften, wenn dieser Charakter im klaren Lichte der 
Wahrheit geschaut wird" 2). 

Weitere Kreise haben vom Schulchan aruch wohl erstmalig durch den 1883 er- 
schienenen "Judenspiegel" (s. u. § 28) des "Dr. Justus" (Ahron Briman) und durch 
die sich an ihn anschlieBenden Zeitungsartikel und Streitschriften vemommen (vgl. 
unten § 32); hatte doch "Justus" die "100 Gesetze" seines "Judenspiegels" - freilich 
oft in stark entstellter Form - dem jiidischen Religions-Codex "Schulchan aruch " 
entnommen. 



Indessen der "Judenspiegel" hatte an sich gar nicht so stark gewirkt noch gleich 
dem dazu gehorigen Gutachten des katholischen Privatdozenten Dr. Jacob Ecker (s. 
u. § 29) eine Anzahl hoher Auflagen erlebt, wenn nicht von jiidischer Seite (wie 
heute noch fiir viele wirkhch oder vermeinthch antisemitischen Schriften) dafiir 
eine unfreiwillige Reklame in Gestah einer Strafanzeige bei der Staatsanwaltschaft 
gemacht worden ware. Die "diesbeziigHche" Praxis befand sich damals noch in den 
Kinderschuhen. Die Strafanzeige (der Staatsanwah verweigerte Namensnennung 
des jiidischen Anzeigeerstatters) und die offenthche Anklage richtete sich nicht 
gegen den Verlag (Bonifacius-Druckerei, Paderbom), sondem gegen den Redakteur 
(Hoffmann) des "WestfaHschen Merkur", der einen kurzen Auszug aus dem 
"Judenspiegel" gebracht hatte, und erfolgte noch nicht (wie heute iibhch) auf Grund 
des § 166, sondem des § 130 StGB., was auch viel vemiinftiger war 3); der ProzeB 
vom 10. Dezember 1883 endete mit der Freisprechung des Angeklagten, was heute 
unter § 166 StGB. immer seltener wird. Eine gewisse Ahnlichkeit mit heute 
bestand darin, daB ein sehr ungeeigneter jiidischer Sachverstandiger, der 
ortsansassige Seminarlehrer Treu, als Gutachter geladen war, der allerhand 
schnurrige Behauptungen aufstellte; gest.4). 

Mit solchen Religions-Presseprozessen wird selten der objektiven Wahrheit ge- 
dient, vor allem nicht mit Prozessen iiber Talmud und Schulchan aruch usw. Derm 
hier verstehen ja weder die Richter noch der Staatsanwalt, worum es sich eigentlich 
handelt, und offenbaren haufig iiber jene Schriften und was damit zusammenhangt 
die seltsamsten Ansichten, da sie von deren Inhalt, Wesen und gegenwartiger Gel- 
tung nicht die mindeste Ahnung besitzen, ja, solch ein Werk noch nie auch nur von 
auBen gesehen haben (ein Einblick in die neuhebraisch bzw. aramaisch gedruckten 
Biicher, ja, selbst ein Ubersetzenkonnen einiger Satze wiirde ihnen ebensowenig 
helfen, da sie als Laien weder deren Zusammenhang noch ihre Bedeutung verstan- 
den)5). Wenn vor mehr als einem Menschenalter Herr Pfarrer Thiimmel in einer 
scharfen Polemik den Katholiken vorwarf, sie verehrten (in der konsekrierten Ho- 
stie) einen "gebackenen Gott", so war das deutsch und sogar iibermaBig "deutsch" 
geredet, und das gesamte Gericht war dariiber klar, wie dies strafrechtlich zu beur- 
teilen sei (namlich aus § 166 StGB heraus). Bei einer vom Angeklagten ganz 
anders als von den Anzeigeerstattem aufgefaBten Talmud- oder Schulchan-aruch- 
Stelle versagt bei den Richtem diese Urteilsfahigkeit naturgemaB durchaus, und die 
oft von dem Anzeigeerstatter (d.i. heute meistenteils der "Rechtsabteilung" des 
"Centralvereins deutscher Staatsbiirger jiidischen Glaubens") 6) mit zweifelhaften 
Flugblattem, Broschiiren usw. sowie anwaltlichen Rechtsdarlegungen besandte 
Staatsanwaltschaft ist einseitig unterrichtet und kann beim besten Willen die Rich- 
tigkeit dieser "Information" nicht beurteilen. An sich ist ja iibrigens selbst den 
grobsten Angriffen auf die Lehren des Talmud oder Schulchan aruch (s.u. Vierter 
Hauptteil, B) nicht mit § 166 StGB beizukommen, zumal da diese und ahnliche 
Schriften von der Mehrzahl der deutschen Juden nur ftir religionsrechtliche Quel- 
len, nicht ftir "Gesetzbiicher" erklart werden (ahnlich wie man heute etwa das 
romische Corpus juris straflos "beschimpfen" konnte), aber unter den oft seltsam 
scholastisch anmutenden Entscheidungen des Reichsgerichts zu § 166 StGB gibt es 
mehrere, die staatsanwaltliche Konstruktionen des Sinnes hervorgerufen haben, daB 



der Angeklagte zwar nur die "Lehren" zerzaust habe, im Grunde aber die "mit Kor- 
porationsrechten innerhalb des Bundesgebietes bestehende jiidische 
Religionsgesellschaft" 7) oder deren Brauche und Einrichtungen habe treffen wol- 
len 8), so daB der durch den Wortlaut § 166 ausgeschlossene Jonas doch "von 
hinten wieder rein" zu kommen vermag - ganz wie bei zahllosen talmudischen Dis- 
kussionen, in denen aus Wortlaut und Sinn einer biblischen Vorschrift deren 
Gegenteil herausinterpretiert wird. - Das Gericht muB sich infolge seiner eigenen 
natiirlichen Nichtsachverstandigkeit auf Gutachter (Sachverstandige) verlassen, ist 
aber da auch in groBer Verlegenheit. Gewohnlich schlagt der Staatsanwalt (oft auf 
Vorschlag des Anzeigeerstatters) jiidische oder als judenfreundlich bekannte, der 
Angeklagte nichtjudische (z.T. antisemitische) Sachverstandige vor; man sucht 
vielfach die von der Gegenseite genannten abzulehnen. Ich will auf diese oft sehr 
unerfreulichen Sache nicht eingehen, auch nicht auf die natiirliche Befangenheit 
mancher Gutachter und auf das mangelnde eigene Wissen der meisten, auch der 
(vom Gericht nicht selten fiir Fachleute a priori gehaltenen) Durchschnittsrabbiner, 
jiidischen Prediger mit bloBer Seminarbildung usw., ebenso der Mehrzahl der 
nichtjiidischen Sachverstandigen - sondem nur darauf hinweisen, daB das Gericht 
angesichts der sich nicht selten vollig widersprechenden Gutachten haufig so klug 
ist wie zuvor, so daB - vorsichtig ausgedriickt - die Moglichkeit von Fehlurteilen 
keineswegs ausgeschlossen erscheint, wie ja auch die Berufiingen und Revisionen 
in diesen Prozessen diesen Eindruck bei der einen oder der anderen ProzeBpartei 
beweisen. - Fiir die Ermittelung der objektiven Wahrheit iiber solche verwickelten 
Streitgegenstande ist kein Gericht geeignet, sondem einzig und allein die Wissen- 
schaft. Ihr will auch diese meine Schrift dienen gemaB dem Worte: "Jeder sage, 
was ihn Wahrheit diinkt, und die Wahrheit selbst sei Gott befohlen." Habe ich doch 
gliicklicherweise keime Veranlassung, nach rechts oder links zu schielen und um 
Gunst buhlen zu miissen, sondem denke und handle wie Luther: "Ein gut Gewis- 
sen, das der Sache sicher ist, fitzelt und fetzelt nicht, sondem sagt die Wahrheit 
gerade heraus, wie sie an sich selber ist. " 

Moge dieses Buch vielen ein Belehrer und Berater sein! 

Den weitschichtigen Stoff habe ich folgendermaBen eingeteilt: 

Der erste Hauptteil gibt erstmalig eine gemeinverstandliche, ausfiihrliche und 
unparteiische Entwicklungsgeschichte des Schulchan aruch. 

Der zweite Hauptteil bietet eine gedrangte Ubersicht des Inhalts des Schulchan 
aruch. 

Der dritte Hauptteil mustert erstmalig kritisch die Ubersetzungen und 
Bearbeitungen des Schulchan aruch. 

Der vierte Hauptteil versucht eine kurze Charakteristik des Schulchan aruch und 
seiner Gegenwartsbedeutung. 



Der fiinfte Hauptteil enthalt Ubersetzungen teils langerer Stiicke aus dem 
Schulchan aruch, teils auch kiirzerer, die in der Polemik (oft falsch) behandelt 
worden sind, mit Nachweis der talmudischen Quellen. 

Die Anmerkungen bringen hauptsachlich Erganzungen des in den Hauptteilen 
vorgetragenen Stoffes, die fiir das Verstandnis wichtig sind, den Haupttext aber zu 
uniibersichtlich gemacht haben wiirden. 

Der Anhang bietet eine Anzahl Ubersetzungen aus dem Talmud, z.T. von Stiicken, 
die zum Vergleiche mit dem Schulchan aruch dienen. 

Ich konnte dem Leser, der genau in den Stoff eindringen will, die etwas trockenen 
ersten drei Telle nicht ersparen. Um so mehr werden ihn, wie ich hoffe, die folgen- 
den mit ihrem lebendigeren Inhalte fiir seine Geduld belohnen. 

Dqy funfte Hauptteil, in dem der Schulchan aruch selbst zum Leser spricht, wird 
vielen der interessanteste sein. Wer aber iiber das eigenartige Werk selbst ein zu- 
treffendes Urteil gewinnen will, darf auch die fiir manchen vielleicht etwas 
trockenen Darlegungen des ersten bis dritten Hauptteils nicht scheuen. Der Weg zu 
Orakeln hat ja von je durch schwieriges Gelande gefiihrt. - Die Ubersetzungen und 
Erlauterungen stammen natiirlich von mir selbst. 



Einleitung. 



Der Schulchan aruch (d.h.. der "Gedeckte Tisch", s.u. § 9 ff) des mit Luther etwa 
gleichzeitigen Rabbiners Joseph Karo (1488-1578) will ein kurz gefafites Hand- 
buch des praktisch geltenden judischen Religionsrechts sein und gilt als solches in 
der Tat noch heute in Verbindung mit seinen Kommentaren usw. bei den Ostjuden 
unbedingt, bei den orthodoxen Westjuden mit gewissen Einschrankungen. 

Als Zweck seines Werkes gibt Karo selbst in der Vorrede an, "daB ein Rabbiner ... 
uber jedes praktische Gesetz, nach welchem er befragt wird, im klaren sei ... und 
auch die jungen Schiller ... es auswendig lernen, damit ihnen von Jugend auf die 
praktischen Gesetze geldufig werden. " 

Der Schulchan aruch ist kein neues, selbstandiges Gesetzbuch; er will es auch nicht 
sein, sondem vielmehr einen gewissen SchluBstein in der Festlegung des geltenden, 
alle Gebiete des judischen Lebens beriihrenden praktischen Religionsrechts in kur- 
zer Form bilden. 

Der Schulchan aruch setzt den Talmud samt Zubehor voraus wie etwa ein Ta- 
schenatlas die Gesamtheit der entsprechenden kartographischen MeBtischblatter; 
der Talmud hinwiederum setzt das Alte Testament samt der zugehorigen religions- 



rechtlichen Uberliefemng voraus wie das Kartenwerk die physische und politische 
Gestaltung der Erdoberflache - wobei die Kartenwerke, MeBtischblatter und Ta- 
schenatlanten die Natur vielfach ebenso verzerren wie Talmud und Schulchan 
aruch das Alte Testament - zumal ein Taschenatlas von 1564! 

Zum Verstandnis der Eigenart des "Schulchan aruch" wird daher zunachst ein kur- 
zer Uberblick titer die Entwicklung des alttestamentlich-talmudischen 
Religionsrechts dienlich sein. Im Anschlusse hieran werden wir die dem Schulchan 
aruch unmittelbar vorangehenden Religionsrechtsbticher des Judentums kennenler- 
nen, drittens dann Entstehung und Vollendung des Schulchan aruch und viertens 
die weitere religionsrechthche Entwicklung im Judentume bis zur Gegenwart kurz 
betrachten. 



Erster Hauptteil. 

Zur Geschichte des Schulchan 

aruch. 

A. 

Das alttestamentlich-rabbinische Religions- 

recht. §1. 

Das talmudglaubige Judentum meint, Mose habe auf dem Berge Sinai ein doppeltes 
"Gesetz" (Thora, d. h. Lehre, Religionsrecht) empfangen, ein schriftliches und ein 
mtindliches. Jenes habe er in den (angeblich) ganz von ihm verfaBten 5 Biicher Mo- 
se (Thora im engeren Sinne, Pentateuch - zumal von der Mitte des 2. Buches Mose 
an) niedergeschrieben, das "miindliche Gesetz" aber dem Josua nur durch das Wort 
iiberliefert, dieser ebenso den Altesten der Gemeinde, von denen her iiber die Pro- 
pheten und die "Manner der (vermeintlichen) groBen Synagoge" durch all die 
vielen Generationen hindurch dieses "miindliche Gesetz" (die Tradition) bis auf die 
Talmudisten gekommen sei. (Talmudtraktat Pirke aboth I, 1.) In dieser sonderbaren 
Ansicht liegt ein gewisser Wahrheitskem. 



I. 

Das alttestamentliche Religionsrecht (das neben den Erzahlungen usw. aus der 
Vaterzeit in den 5 Biichem Mose zu finden ist) enthalt nach jiidischer Zahlung 613 
Mizwoth oder Vorschriften (namlich 248 Ge- und 365 Verbote), die ein "ewiges 
Gesetz" bilden und weder vermehrt noch vermindert werden sollten (5. Mose 4,2 
und Talmudtraktat Themurah 16a), nachdem zu Esras Zeit (um 450 vor Chr.) der 
Pentateuch endgiiltig abgeschlossen war. - Alte Gesetze pflegen der Niederschlag 
seit langem geiibter Rechts- und anderer Brauche zu sein. Solcher durch Alter und 
allgemeine Befolgung geheiligtere Brauche gibt es weit mehr, als das geschriebene 
Gesetz beriicksichtigt; so hat z.B. der eigenartige jiidische Schachtritus (das Toten 
der Schlachttiere durch Offiien der Halsschlagader usw.) wahrscheinlich schon vor 
oder zu Esras Zeit bestanden, ohne daB der Pentateuch ihn erwahnt oder Vorschrif- 
ten iiber ihn gibt. Zweitens schuf die mehr als halbtausendjahrige Entwicklung des 
jiidischen Lebens zwischen Esra und der Zerstorung Jerusalems (um 450 vor bis 70 
nach Chr.) naturgemaB eine erhebliche Anzahl neuer Brauche und Normen, kurz, 
ein religions-gesetzliches Gewohnheitsrecht, das sich durch Uberlieferung unauf- 
geschrieben fort-pflanzte 9), und von dem ebenso naturgemaB im schriftlichen 
Pentateuch-Gesetze noch nichts zu finden war (oder allerhochstens hie und da ein 
schwacher Ansatz). All diesen Uberlieferungsstoff, der neben und nach dem 
schriftlichen Gesetze zu religionsge-setzlicher Geltung gelangt war, fiihrte man auf 
miindliche Mitteilung Gottes (neben der schriftlichen) an Moses zuriick und nannte 
ihn, um sein wirkliches oder vermeintliches hohes, ehrwiirdiges Alter zu bezeich- 
nen, "Halachoth le-Moscheh mi-Sinai" "Satzungen des Moses vom Sinai her, d.h. 
dem M. auf dem Sinai miindlich gegebene Satzungen). Es befinden sich hierunter 
nach rabbinischer Ansicht z.B. das oben erwahnte Schachtritual, die Vorschriften 
iiber die Anfertigung der rollenformigen Pentateuchtexte (Thora-Rollen) und der 
Gebetsriemen (Thephillin), femer die (in Wahrheit erst rabbinischen) Satzungen 
iiber die 39 am Sabbath verbotenen Arbeiten und sogar die seltsame Satzung, daB 
ein vor Ablauf des dritten Lebensjahres geschandetes Madchen spater von einem 
Manne priesterlichen Geschlechts (der eigentlich nur eine Jungfrau ehelichen durf- 
te) geheiratet werden konne usw. (Talmudtraktat Niddah 45a). - Spater iibertrieb 
man die Ansicht von dieser miindlichen Uberlieferung Gottes an Mose sogar so- 
weit, daB schon der ganze Talmud und selbst alles, was in Zukunft ein Rabbi lehren 
werde, dem Mose auf dem Sinai offenbart worden sei (Niddah 45a, Berachoth 5a, 
pal. Peah 11 6). 

II. 

§2. 

Daneben suchten die Schriftgelehrten (Sophrim), deren Schriftdeutertatigkeit im 
babylonischen Exile sich bereits vor Esra und in Palastina seit Esra entwickelt hat, 
die nach Moses entstandenen Brauche und religionsgesetzlichen Normen dennoch 
schon aus dem Texte des Pentateuchs herauszudeuten, sei es auch noch so gewalt- 
sam. Diese Ausdeutungsweise, (halachischer, d.h. religionsrechtlicher) Midrasch 



genannt, ist im Talmud an der Tagesordnung und geschieht mit groBter Keckheit 
nach Goethes bekanntem Worte: "Im Auslegen seid frisch und munter; legt ihr 
nicht aus, so legt was unter!" So werden z.B. im Talmudtraktate Chullin (Blatt 28a) 
die schon oben erwahnten Regeln iiber das rituelle Schlachten (Schdchten) aus dem 
Alten Testamente, wo sie noch nicht stehen, derart abzuleiten gesucht, daB man sie 
aus den Worten (5. Mose 12,21) herausqualt: "Schlachte von deinen Rindem und 
Schafen, wie ich dir geboten habe. " Das soil nach jiidischer Ansicht auf ein von 
Gott miindlich dem Mose mitgeteiltes Schdchtritual deuten, wahrend es in Wahr- 
heit (vgl. Strack, Einl. 5, S. 9) einfach auf 5. Mose 21,15 zuriickverweist: "Du 
darfst schlachten und Fleisch essen in alien deinen Toren" (das Brandopfer aber nur 
am Brandopferaltare)! - Femer: Die erst nachmosaische Gepflogenheit und (rabbi- 
nische) Vorschrift, am Sabbath drei Mahlzeiten zu halten, wird aus dem 
t/re/maligen Vorkommen des Wortes "heute" in dem Verse 2. Mose 16,25 heraus- 
gepreBt: Esset es (das Manna) heute; denn Sabbath ist heute fiir den Herm; heute 
werdet ihr's nicht auf dem Felde finden." - Sehr ehrlich heiBt es von dieser Deu- 
tungsweise im Talmudtraktate Chagigah (Mischnah 1 8): "Die (erst rabbinische) 
Auflosung von Gelubden 10) schwebt in der Luft und hat keinen Schriftgrund. Die 
Satzungen von (den 39 rabbinisch verbotenen Arbeiten am) Sabbath, von der Fest- 
feier (Chagigah) und vom Vergreifen an Geheiligtem (Meilah) sind die Berge, die 
an einem Haare hangen: wenig Schriftgrund und viele (daraus abgeleitete) Satzun- 
gen." - Die Schriftgelehrten suchten ihrer Schriftauslegung und den daraus 
gewonnenen religionsgesetzlichen Ergebnissen dadurch Geltung zu verschaffen, 
daB sie mit den iibrigen Schriftgelehrten in Gegenwart ihrer Schiiler in den dazu 
eingerichteten "Lehrhausem" - meist vom Abend an (denn die meisten waren 
Handwerker usw.) - dariiber disputierten; durch MehrheitsbeschluB oder die Zu- 
stimmung besonders angesehener Autoritaten unter diesen Schriftgelehrten wurde 
dann eine bestimmte Ansicht, Lehre usw. zur "Halachah", d. h. zur normgebenden 
Satzung erhoben und zunachst miindlich iiberliefert. 

III. 

§3. 

Die Mischnah, der (neuhebraisch geschriebene) Grundstock des Talmud, ist die 
mafigebend gewordene Sammlung der zur Geltung gelangten Halachoth 11), ver- 
faBt von dem zuletzt zu Sepphoris (in Palastina) lebenden "Patriarchen" Rabbi 
Jehudah I. , dem Enkelsohne des (auch in der Apostelgeschichte erwahnten) Gama- 
liel 1., gegen Ende des 2. nachchristlichen Jahrhunderts. - Sie gibt die "Halachoth" 
nicht (in sogenannter "Midrasch"-Form) im Anschlusse an die einzelnen Kapitel 
des Pentateuchs nach deren Reihenfolge wieder, obgleich ja die "Halachoth" aus 
der Pentateuch- Auslegung stammen (s.o.) sondem verteilt den Stoff mit einer ge- 
wissen Systematik2 auf 6 Ordnungen (Sedarim; Einzahl Seder) und innerhalb 
dieser wieder auf einzelne Traktate (und deren Kapitel und Paragraphen)3. Dem- 
gemaB fehlt auch zumeist der Hinweis auf die zugrunde liegenden Stellen des Alten 
Testaments. - In der Regel werden die einzelnen Lehrsatze ohne Namemsnennung 
ihres Urhebers verzeichnet; sie heiBen dann "Mischnah schlechthin" und gelten als 



unbestrittene Norm oder "Halachah". Zuweilen wird aus Achtungsriicksichten 
noch die abweichende Ansicht eines angesehenen Rabbi angefiihrt, die aber ge- 
wohnlich nicht als "Halachah" gih, ganz besonders dann nicht, wenn hinter ihr die 
Mehrheitsansicht mit den Worten "Die Gelehrten aber sagen" verzeichnet ist. Zu- 
weilen wird aber diese Mehrheitsansicht noch nach einer groBen Autoritat erweitert 
oder eingeschrankt. Manchmal werden auch kurze praktische Begriindungen der 
einfachen Lehmormen oder erlautemde Falle aus dem Leben angefLihrt.4 

IV. 

§4. 

Die Gemara (oder der "Talmud" im engeren Sinne) enthalt die Disputationen der 
palastinischen und (in weit groBerem Umfange) der babylonischen Rabbinen iiber 
die Mischnah und den auBerhalb dieser iiberlieferten religionsrechtlichen 
(halachischen) Stoff in den palastinischen "Schulen" (Schriftgelehrten- 
Lehrhausem) von Tiberias, Casarea und Sepphoris und in den babylonischen von 
Nehardea, Sura und Pumbeditha. Heute versteht man unter Talmud (in weiterem 
Sinne): 1. dQn palastinischen Talmud (auch "jerusalemischen T.") = Mischnah und 
palastinische Gemara; 2. den babylonischen Talmud = Mischnah und babylonische 
Gemara. Spricht man vom "Talmud" schlechthin, so ist der babylonische Talmud 
gemeint, der meist in zwolf Foliobanden mit in jeder Ausgabe gleicher Blatt- und 
Seitenzahl gedruckt ist und derart zitiert wird, daB man den Namen des Traktats, 
die Blattzahl und deren Vorder- oder Riickseite nennt, z.B. Abodah sarah 2b = 
Talmudtraktat "Gotzendienst", Blatt 2, Riickseite. (Beim palastinischen Talmud 
zitiert man meist das Kapitel und den Paragraphen des Mischnah- Traktates, zu dem 
die palastinische Gemara gehort: pal. Abodah sarah I 1.) - Der palastinische 
Talmud wurde Anfang des 5., der babylonische in der ersten Halfte des 6. 
Jahrhunderts nach Chr.. abgeschlossen. Jener ist meist west-, dieser meist 
ostaramaisch geschrieben. Der babylonische gilt als maBgebend. 

Die Gemara oder der Talmud im engeren Sinne entbehrt der in der Mischnah we- 
nigstens immer noch (wenn auch nur in orientalischlaxem Sinne) einigermaBen zu 
findenden Systematik ganz und gar. Erstens enthalt die Gemara keineswegs nur 
religionsrechtliche Diskussionen der Rabbinen von 5 bis 6 Jahrhunderten iiber das, 
was als religiose Norm (Hachalah) anzusehen sei, sondem besteht zu einem groBen 
Telle aus (nicht-normativer) Haggadah, d.h. aus AnsichtsauBerungen iiber alles 
Mogliche (Bibelerklarung, Geschichten, Ethisches und dessen Gegenteil usw. usw., 
iiberall hineingestreut) 5. Sodann schweift die "halachische" Diskussion fortwah- 
rend vom eigentlichen Gegenstande ab, bringt Nichthergehoriges herbei, 
Hergehoriges aber nicht nur an entfemten Stellen desselben Traktats, sondem oft 
erst in ganz anderen Traktaten, wo es ganz zusammenhanglos hineinschneit. "Die 
Abschweiftingen", sagt Fromer (Der Talmud, S. 109) richtig, "sind in der Gemara 
die Regel. Nach Willkiir und Laune wird iiber alles gesprochen." Nur an wenigen 
Stellen haben die SchluBredaktoren des Talmuds (die "Saboraer" des 5. und 6. 
Jahrhunderts n. Chr.) verzeichnet, was (zu ihrer Zeit) als religionsgesetzliche Norm 



(Halachah) gait; in der Mischnah ist dies nur dreimal der Fall. Vielfach verlauft 
eine talmudische Diskussion ganz im Sande oder wird ausdriicklicli als resultatlos 
abgebrochen. - Um aus diesem Wust der streitenden Meinungen herauszufinden, 
was als Lehmorm (Halachah) zu gelten habe, sind spater verschiedene Regeln auf- 
gestellt worden, die aber nur bedingungsweise Giiltigkeit haben. Solche Regeln 
sind z.B. gesammelt im Seder Thanndim wa-Amoraim. Allgemeine Grundsatze da- 
fiir, was als Halachah anzusehen sei, sind u.a.: Ubereinstimmung mit einem seit 
alters geiibten Minhag (Brauche), Herkunft der Lehre von einer allgemein aner- 
kannten Autoritat, ein allgemein anerkannter Schriftbeweis fiir eine solche Lehre, 
vor allem endlich ein MehrheitsbeschluB oder eine MehrheitsauBerung, die sich 
dafiir ausspricht. Aber das gilt keineswegs unbedingt. Wenn z.B. bei einem solchen 
Mehrheitsbeschlusse die Stimmen nicht ausdriicklich gezahlt worden sind, oder 
wenn eine allgemeine anerkannte Autoritat sich gegen diesen BeschluB ausgespro- 
chen hat, gilt dieser nicht als Halachah (bindende Norm); vgl. Ch. Tschemowitz, 
Festschrift zu Israel Lewys 70. Geburtstag, Breslau 1911, S. 1-9 (hebr. Teil). Femer 
gibt es eine nicht geringe Anzahl solcher Normen, nach denen man sich trotz ihrer 
offentlichen Anerkennung nicht richten durfte. "Jeder konnte dennoch ... nach der 
von ihm vertretenen Ansicht verfahren; die Praxis war immer eine schwankende" 
(Tschemowitz, Die Entstehung des Schulchan-Aruch, Bern 1915, S. 14). - Aus dem 
"Meere des Talmud" Idfit sich eben fur fast jede Ansicht (auch in religionsrechtli- 
cher Hinsicht) ein Grund fischen, gleichwie es im Traktate Sophrim (Kap. 16) 
heiBt: "Gott hat dem Mose das Religionsgesetz derart gegeben, daB dasselbe Ding 
auf 49 Arten fiir unrein und auf 49 arten fiir rein erklart werden kann." 



V. 

§5. 

Die "Dezisoren", welche von Fall zu Fall in Rechtsgutachten die talmudische 
Religionsrechtsnorm (Halachah) festzustellen suchten, sind die Gaonen (hebr. 
Geonim, d.h. Exzellenzen, Magnifizenzen), d.h. die von etwa 600 bis 1038 in 
hochstem Ansehen talmudischer Autoritaten stehenden Vorsteher der 
Talmudschulen in Babylonien, zumal in Pumbeditha und sura. An sie wandten sich, 
da das Talmudstudium im Abendlande nicht mehr oder noch nicht bestand, die 
auswartigen Judengemeinden der verschiedensten Lander in allerlei wichtigen 
religionsrechtlichen (und anderen) Fragen. Hire brieflich erteilten Bescheide 
("Responsen") sind zu einem groBen Telle unter dem Titel "Scheeloth u- 
Theschuboth" herausgegeben worden und bilden ftir die spateren Halachah- 
Sammlungen ("Codices") eine wichtige religionsrechtliche Quelle. - Schon vor 
dem Schulchan aruch hat es wichtige Codices dieser Art gegeben, die zu 
Vorgangem die Talmudkompendien batten. 



VI. 

§5a. 

Die Talmudkompendien oder religionsrechtlichen Talmudauszuge versuchen im 
AnschluB an den Gang der Diskussion im Talmud unter Benutzung der 
Rechtsgutachten der Gaonen und anderer rabbinischer Autoritaten die fur die 
religionsrechtliche Praxis wichtige Halachah (Norm) festzustellen und zu 
sammeln. Hervorzuheben sind hier besonders: 

1. Die Halachoth des Alfasi (Rabbi Isaak ben Jakob aus Fez, geb. um 1013, gest. 
1103 in Lucena bei Toledo). Sie folgen den Ansichten der spanischen Halachah- 
Forschung. 

2. Der Ascheri des Rabbi Ascher ben Jechiel (oder Rosch, geb. um 1250 in der 
Rheingegend, gest. 1327 in Toledo). Auszug daraus: Piske ha-Rosch. - Dieser 
"Ascheri" ist in den meisten groBeren Ausgaben des babylonischen Talmuds 
beigedruckt. Er folgt der franzosisch-deutschen Halachah-Forschung. 

3. Die Piske Thosaphoth (14. Jahrh. n. Chr.), religionsrechtliche Ergebnisse aus den 
Talmuderklarungen (Thosaphoth) der deutsche und franzosischen Rabbinen des 12. 
und 13. Jahrhunderts. Sie stehen in den Talmudausgaben hinter den (am auBeren 
Rande jedes Talmudblattes befindlichen) Thosaphoth zu den einzelnen 
Talmudtraktaten. 

B. 

Die "Codices" vor dem Schulchan aruch. 

Die "Codices" oder Religionsrechtsbiicher des Judentums unterscheiden sich von 
den oben genannten Talmudkompendien vomehmlich dadurch, daB sie nicht (wie 
jene) den religionsgesetzlichen Stoff in sklavischem Anschlusse an die 
uniibersichtlichen talmudischen Diskussionen der Gemara bieten, sondem ihn in 
einer selbstdndigen Disposition zu gruppieren suchen. 

I. 

§6. 

Der 12) Mischneh Thora ("Wiederholung des Gesetzes") desMo^ye ben Maimon 
(Maimonides, geb. 1 135 zu Cordoba, gest. 1204 in Fostat bei Kairo), nach seinen 
14 (= hebr. "jd") Biichem auch Jad chasakah ("Starke Hand", vgl. 2. Mose 3,19) 
genannt, in gutem Neuhebraisch um 1 169 verfaBt, ist die erste systematische Dar- 
stellung des jiidischen Religionsrechts, die in der logisch-klaren Art ihrer 
Anordnung den geschulten jiidisch-arabischen Aristoteliker verrat. Man zitiert ihn 



nicht nach seinen 14 Biichem, sondem nach den Titeln der einzelnen Abschnitte 
und nach deren Kapiteln und Paragraphen. man zitiert also: "Maimonides, Jad cha- 
sakah (oder: Mischneh thora) XXVI, Hilchoth Sanhedrin (Satzungen iiber die 
Gerichte) 7" oder noch kiirzer: "Maimonides, Hilchoth Sanhedrinl" 13). - Als 
Zweck seines groBen Werkes gibt Maimonides an, "daB die miindliche Thorah (das 
rabbinische Religionsrecht) geordnet und jedermann zuganglich sei und man kein 
anderes Werk zur Auskunft iiber irgend eine Halachah (religionsrechtliche Norm) 
mehr herbeizuziehen notig habe." 20 

Er gedachte also einen abschliefienden, systematisch geordneten jiidisch- 
religionsrechtlichen Codex zu bieten, eine "zweite Thorah", die sich der ersten, 
alttestamentlichen (die er in seinem "Buch der Gebote" erlautemd behandelt hatte) 
ahnlich erganzend an die Seite stellen sollte, wie es seinerzeit die Mischnah 
versucht hatte (s.o. § 3), jedoch weit iiber die Mischnah hinausging durch 
Aufiiahme der von den Autoritaten des gesamten Talmud und der 
religionsrechtlichen Midraschwerke sowie der von den Gaonen entwickelten 
Halachoth (Religionsrechtsnormen) . 

Im Gegensatze zu Alfasi und Rosch (s.o. § 5a) beriicksichtigte Maimonides nicht 
nur die fiir die Gegenwart geltenden Normen, sondem auch diejenigen, welche 
noch das Vorhandensein des Tempeldienstes, des jiidischen Staates usw. 
voraussetzen (also z.B. die Satzungen iiber die Opfer, die Tempelsteuer, die 
Salbung des jiidischen Konigs usw.), damit sein Werk auch fiir die (messianische) 
Zeit Geltung habe, wo Tempel, Opfer, jiidisches Konigtum und jiidische Herrschaft 
wiederhergestellt sein wiirden; dagegen war es (bis zum 13. Jahre in Spanien, bis 
zum 30. in Fez, dann standig in Agypten lebend) mit der bedeutsamen Halachah- 
Forschung und -Entwicklung in Frankreich und Deutschland nicht geniigend 
bekannt. - So kam es derm, daB die neben begeisterten Anhangem auftretenden 
scharfen Gegner des Maimonides, die sein Verfahren auch als zu philosophisch, 
eigenmachtig und nicht kasuistisch genug tadelten, dem Werke mit mehr Grund zu 
groBe Beriicksichtigung von Veraltetem, dagegen zu wenig Beriicksichtigung 
neuerer, anderweitiger religionsrechtlicher Praxis (und iiberdies Irrtiimer in der 
Festlegung der Halachah) verwarfen6. 

Rosch (aus methodischen Griinden schon oben § 5a erwahnt), der ein reichliches 
Jahrhundert nach Maimonides schrieb und dessen Ergebnisse sowie die der 
deutsch-franzosischen Rabbinen (Raschi, Thosaphisten usw.) verwerten konnte, 
war aus Scheu vor dem Vorwurfe eigenmachtig-philosophischer Stoffverteilung zu 
dem alien Gemara-Schema des Alfasi (s.o. § 5a) zuriickkehrt. Aber die 
fortgeschrittene Zeit forderte eine iibersichtliche Anordnung des sich kasuistisch 
immer vermehrenden Halachah-Stoffes, und dieser Forderung suchte denn Roschs 
Sohn, Jakob ben Ascher, auf eine von Maimonides abweichende Art Geniige zu 
leisten. 

II. 



§7. 

Die Arbaa Turim (auch nur "Turim" oder "der Tur" genannt) des Jakob ben 
Ascher (um 1280 bis um 1340) sind nach 2. Mose 28,17 (Vier Reihen") benannt 
und um 1321 verfaBt (neuhebraisch). Der Verfasser wird oft nach seinem Werke als 
"Baal ha- Turim" Autor der Turim) bezeichnet. Er tragt der Fortentwicklung der 
Halachah in den seit Maimonides' Codex verflossenen hundert Jahren sorgsam 
Rechnung, bietet aber, SQincm praktischen Zwecke entsprechend, nicht (wie 
Maimonides) auch die auf Tempeldienst usw. beziiglichen, ftir die neuzeitliche 
Religionspraxis unausfiihrbaren Normen. Den trotzdem noch iiberreichen Stoff 
sucht er nach eigener Disposition 14) in vier Biichern unterzubringen: 

1. Orach chajjim ("Lebenspfad", vgl. Spriiche 15,24; Psalm 16,11): Offentlicher 
und privater Gottesdienst, Gebets- und Segensspriiche, Sabbath-, Feiertags- und 
Fasttagsfeier, hauptsachlich nach den ersten 2 Ordnungen des Talmud (Seraim und 
Moed). 

2. Joreh deah (Lehrer des Wissens", vgl. Jesajah 28,9): Schlacht-, Speise-, 
Reinheits- usw. Satzungen, Verbot des Gotzendienstes, Pflichten gegen Eltem und 
Lehrer, Trauerbrauche usw., hauptsachlich nach der 5. und 6. Ordnung des Talmud 
(Kodaschim und Teharoth). 

3. Choschen ha-mischpat (auch Choschen mischpat: "Brustschild" (oder Schirm) 
"des Rechtes", vgl. 2. Mose 28,15): Zivil- und Kriminalrecht, hauptsachlich nach 
der 4. Ordnung des Talmud (Nesikin). 

4. Eben ha-eser ("Stein der Hilfe" oder "Siegesmal", vgl. 1. Samuelis 7,12): 
Eherechtliche Satzungen, hauptsachlich nach der 3. Ordnung des Talmud 
(Naschim). 

Gegeniiber dem Maimonides, der sich nicht gescheut hatte, der oft schwer 
verstandlichen Sprache der Quellen einen klareren Ausdruck zu verleihen, bringt 
Jakob ben Ascher die Satzungen in ihrer urspriinglichen Gestalt und beriicksichtigt, 
wie schon fast hundert Jahre vorher sein Vater (s.o. § 5a), fleiBig die franzosisch- 
deutschen Religionsnormen bis auf seine Zeit, wobei er vielfach Erganzungen und 
Berichtigungen des bisherigen Stoffes gibt. - An logischer Klarheit steht seine 
allerdings einfachere Stoffverteilung der des Maimonides nach. Wie Maimonides 
gab Jakob ben Ascher in der Hauptsache nur die Satzungen selbst, ohne genauere 
Quell enangaben und Erlauterungen, gleich jenem erftihr auch er haufig 
Widerspruch hinsichtlich einzelner Feststellungen, daB dies oder das geltende 
Norm sei - wie dies fast jedem geschah, da ja im Talmud niemals die Halachah 
geniigend klar ist. - Trotz alledem wurden die "Turim" ftir mehr als zwei 
Jahrhunderte der am meisten benutze Codex ftir religionsrechtliche 
Entscheidungen7 . 



Den fehlenden Kommentar mit den Quellennachweisen - ein Kolossalwerk zu ei- 
nem Riesenwerke - wollten manche schreiben; geleistet wurde die miihevolle 
Arbeit erst 200 Jahre nach den "Turim" wahrend der 32 Jahre von 1522 bis 1554 
durch Joseph Karo (den spateren Verfasser des "Schulchan aruch") im Beth Joseph. 

Ila. 

§8. 

Der Beth Joseph ("Haus Josephs", vgl. 1. Mose 43,26) von Joseph Karo (geb. 
1488 in Spanien, spater Rabbiner in Nikopol und Adrianopel, gest. 1575 zu Safed, 
Palastina) g\btzunachst zu jeder Stelle der "Turim" die talmudische (oder 
Midrasch-)Quelle und die Ansichten aller spanischen, franzosischen und deutschen 
judisch-religionsrechtlichen Autoritaten aus den 200 Jahren seit dem Tode des 
Rosch (s.o. § 5a) an, die Karo (laut Vorrede) in 20 Jahren (1522-1542) aus mehr als 
32 angefiihrten Werken gesammelt hat. Hinzugefugt hat er noch die Satzungen iiber 
die Schwagerehe, Hebe, Getreidezehnten, den Gotzendienst usw., obwohl z.B. die 
Schwagerehe schon in vielen Landem fast oder ganz auBer Gebrauch gekommen 
war. Drittens untemahm er es in kuhnem Wagen, von sich aus fiir immer 
festzustellen, was in jedem Falle Halachah (giiltige religionsrechtliche Norm) sei, 
um der aus seinen Quellen nur allzu ersichtlichen Zersplitterung der Ansichten 15) 
entgegenzutreten und einheitliche religionsrechtliche Entscheidungen zu bewirken. 

Karo ging hierbei sehr einfach, freilich auch sehr mechanisch zu Werke: er 
beriicksichtigt vor allem mxv Alfasi, Maimonides und Ascheri als die Hauptvertreter 
des spanisch-orientalischen und franzosischen Religionsrechts. Stimmen zwei von 
diesen Autoritaten iiberein, so richtet er sich nach diesen beiden. Da nun 
meistenteils Alfasi und Maimonides als Vertreter der ersten Richtung 
iibereinstimmen, so fallt Karos Entscheidung meist zugunsten der spanischen bzw. 
spanisch-orientalischen GelehrtenS aus, und das abendlandische (franzosisch- 
deutsche und spater polnische) Religionsrecht blieb vielfach zu Unrecht 
unberiicksichtigt, was Karo manche MiBbilligung eintrug und z.B. Isserles (s.u. § 
10) auf den Plan rief. Zur Ausarbeitung des "Beth Joseph" brauchte Karo iiber die 
zwanzigjahrige Sammelarbeit hinaus noch 12 Jahre (1542-54) 16). 

Nun war - acht Jahre nach Luthers Tode - das damals neueste und bis heute grofite 
Werk des jiidischen Religionsrechts abgeschlossen, bestehend in den Folianten (der 
Turim samt denen) des Beth Joseph! Aber das ungeheure Werk war viel zu weit- 
schichtigfur den praktischen Gebrauch, dem Karo mit seiner Bemiihung um 
endgiiltige Feststellung der religionsrechtlichen Norm (Halachah) dienen wollte. 
Die Zeit forderte eine praktische, knappe Zusammenfassung des geltenden Religi- 
onsrechts, ein Kompendium der Halachah. Verstarkt traten alte Forderungen auf. 
Man wiinschte "abgekiirzte Normen" (abgekiirzte Halachoth) - die einen, um sich 
dem Studium der Kabbalah, die anderen, um sich auch der Philosophic und anderen 
neuzeitlichen Profanwissenschaften wenigstens nebenbei widmen zu konnen und 
nicht "das ganze Leben mit dem Gesetzesstudium vergeuden" zu miissen. 



So entschloB sich derm Karo selbst zu Beginn der siebziger Jahre seines langen Le- 
bens zu Qincm praktischen Auszuge aus seinem Monumentalwerke Beth Joseph, der 
ohne den Ballast von Quellenangaben, Erlauterungen und Erorterungen lediglich 
die seiner Ansicht nach gilltigen Religionsrechtsnormen (Halachoth) kurz und Mar 
zusammenstellen sollte. Um 1563 war er fertig; 1565 kam das neue Werk in Vene- 
dig zuerst gedruckt heraus: es war - der Schulchan aruch. 

C. 

Der Schulchan aruch von 1565 bis heute. 

§9. 

I. Der urspriingliche Schulchan aruch. 

Schulchan aruch heiBt "zugerichteter Tisch" (nach Psalm 23,5; vgl. Ezechiel 
23,41; Spriiche 9,2). Uber seinen Verfasser Joseph Karo s. vorstehenden Abschnitt 
§ 8. - Die erste Druckausgabe erschien (in Quart) Venedig 1564-65, die zweite (in 
Folio) Venedig 1567 - beide ohne Priifiing durch die papstliche Biicherzensur, wel- 
che spater z.B. aus den die Nichtjuden bezeichnenden Ausdriicken (goi usw.) 
sinnlos akum (Stemdiener) machte, damit es schiene, als seien darunter z.b. die 
Christen niemals mit gemeint. 

In der Stoffeinteilung folgt der Schulchan aruch (gleich dem Beth Joseph, s.o. § 8) 
den Arbaah Turim (§ 7), enthalt also ebenfalls die 4 Abteilungen oder Biicher: 
Orach chajjim, Joreh deah, Choschen ha-mischpat, Eben ha-eser. 

Karo bietet nur die (von ihm als endgiiltige Halachah erachteten) nackten Normen, 
ohne Erlauterungen, abweichende Ansichten und Quellenangaben, meist in der ih- 
nen von dem \QXQ\\riQn Maimonides gegebenen (neuhebraischen) Fassung, die den 
urspriinglichen (z.B. aramaischen) Wortlaut der Quell en vielfach knapper und 
leichtverstandlicher zu gestalten strebt. 

Karo wollte ein (verhaltnismaBig) kurzes Repetitorium des jiidischen Religions- 
rechts geben, fiir dessen genauere Begriindung, Quellen usw. er in der Vorrede zum 
Schulchan aruch auf seinen Beth Joseph (s.o. § 8) verwies. Nach derselben Vorrede 
wollte er es allmonatlich von Anfang bis zu Ende wiederholt und so allmahlich von 
den Rabbinem auswendig gelernt wissen. Wenn Karos "Schulchan aruch" nach des 
Verfassers eigener Angabe den Zweck verfolgte, "daB ein Rabbiner uhcrjedes 
praktische Gesetz, nach dem man ihn befragt, im klaren sei", damit "das Gesetz des 
Herm vollkommen sei und gelaufig werde im Munde jedes Juden" - so laBt sich das 
nicht anders deuten, als daB Karo wollte, mindestens alle gewohnlichen Fdlle des 
praktischen jiidisch-religionsrechtlichen Lebens sollten kurzerhand nach seinem 
Werke entschieden werden, in dem er ja die endgiiltige Halachah (religionsrechtli- 
che Norm) festgelegt zu haben glaubte. Man konnte sonst den Tadel seines Gegners 
und Erganzers Isserles (s.u. § 10) nicht verstehen, daB Karo in seinem Schulchan 



aruch so rede 2als ob alle seine Worte durch Moses iibermittelte gottliche Gebote 
seien"9, und es hatte auch keinen Sinn, wenn Isserles gegeniiber den Festsetzungen 
des Karo nachdmcklichst auf die Notwendigkeit ihrer Nachpriifting durch das Stu- 
dium der Quellenwerke hinweist. Dies deutet doch darauf bin, daB nach Karos 
Absicht und Erfolg der Schulchan aruch ah selbstandige religionsrechtliche Ent- 
scheidungsquelle benutzt werden sollte und benutzt wurde. 

Karos Ansehen als Kabbalist, zumal bei den morgenlandischen Juden, brachte es 
mit sich, daB sein Schulchan aruch (wie sonst eigentHch nur kabbaHstische Werke) 
mit einer Art gotthchem Nimbus umgeben und die Legende verbreitet wurde, ein 
Engel habe taghch mit ihm die verschiedenen Fragen der Halachah 
durchgenommen, ihm himmlische Geheimnisse und Gottes Freude iiber den 
Schulchan aruch mitgeteilt sowie zwei von Gott darin gefiindene Fehler offenbart, 
die Karo sofort berichtigt habe. - Der Schulchan aruch wird also hier sogar als 
gotthche Offenbarung erachtet und als ein von Gott selbst rezensiertes Buch, das 
demnach als selbstandige Offenbarungsquelle behandelt wird! 

Nach den von Ch. Tschemowitz (Entstehung des Sch.-A., S. 30) angefiihrten 
Mitteilungen wurde Karos Werk "in Palastina, Agypten, Damaskus, 
Mesopotamien, Persien, der Tiirkei und weiter westlich" als Entscheidungsnorm 
angenommen, und infolge der Zustimmung von 200 Rabbinem gait der Ausspruch: 
" Wer den Entscheidungen unseres Herm (Karo) folgt, der folgt 200 Rabbinem. " 

Im "Abendlande", d.h. vomehmlich in Polen, wo die rabbinische Gelehrsamkeit zu 
hoher Bliite gelangt war, und in Deutschland (zumal Bohmen) sah man das Werk 
Karos wesentlich kritischer an. Waren schon einigen sephardischen (aus Spanien 
stammenden) Juden manche Ungenauigkeiten im Schulchan aruch getadelt und der 
Altersschwache von Karos oder der Nachlassigkeit seiner am Werke beteiligter 
Schiller zugeschrieben worden (Tschemowitz a.a.o. S. 28f.), so riigten die deutsch- 
polnischen Rabbinen auBerdem mit Recht, daB Karo die in Theorie und Praxis 
anerkannten Lehr- und Lebensnormen der Juden ihrer Lander bei seiner 
Feststellung der religionsrechtlichen Norm unrechtmaBiger Weise fast ganz 
iibergangen habe. Mochte der von diesen Landem entfemt schreibende Karo viele 
von jenen Normen nicht kennen, so lag doch der Hauptgrund seines Fehlers in 
seiner unzureichenden mehrheitsmethode (s.o. § 8), bei deren Anwendung der die 
deutschen normen vertretende Ascheri gegeniiber den spanisch-morgenlandischen 
Normen des Alfasi und Maimonides fast stets zu kurz kam und zu kurz kommen 
muBte. 

Dieser methodische Fehler lag schon in Karos Beth Joseph, seinem Kommentar zu 
den Turim, zutage (s.o. § 8). Darum wendete sich die Kritik der Vertreter der 
deutsch-polnischen Richtung schon gegen jenes Werk Karos. Der bedeutendste 
dieser Gegner ist der Krakauer Rabbiner Mose Isserles in seinem eigenen Turim- 
Kommentare Darke Moscheh ("Wege Mosis", vgl. Psalm 103, 7). Dieses Werk ist 
fiir die im nachsten Abschnitte zu erwahnenden Hagahoth des Isserles ebenso 
grundlegend wie der Beth Joseph fiir den Schulchan aruch des Karo. Aus Unkennt- 



nis oder bestimmten Absichten hat man Isserles lange Zeit (ja, bis heute noch) als 
einen bescheidenen Nachlesesammler zu Karos beiden Werken hingestellt. Es ist 
das Verdienst von Tschemowitz, die Wahrheit wieder kraftig betont zu haben, daB 
Isserles ein scharfer Gegner der Methode Karos und ein strenger Kritiker von des- 
sen SchluBfolgerungen, mithin von dessen aufgestellten Normen ist. Mit Recht sagt 
Tschemowitz a.a.O. S. 33 (ich verbessere nur sein schlechtes Deutsch): "Die Be- 
ziehungen des Isserles zu Karo sind streng kritisch. In scharfen Ausdriicken 
widerlegt er dessen Schliisse. Solche Ausdriicke, wie 'seine Ausfiihrungen leuchten 
nicht ein', 'seine Ausfiihrungen aber sind zu verwerfen', seine Ausfiihrungen sind 
lahm', hier hat er einen Irrtum begangen' sind sehr haufig zu finden. Hauptsach- 
lich war Isserles bestrebt, die von Karo unberiicksichtigt gebliebene Autoritat der 
deutschen (und polnischen) Brauche und Normen herzustellen. " - Die Ergebnisse 
seiner "Darke Mo scheh" hat nun Isserles in Form kritischer Anmerkungen (Ha- 
gahoth) in die von ihm besorgte Ausgabe des Schulchan aruch derart eingefiigt, daB 
er sie jeweilig hinter den einzelnen Paragraphen des Karo 'schen Werkes in kleine- 
ren Lettem oder innerhalb der Paragraphen in Klammem drucken lieB. 

II. Die Hagahoth des Isserles. 

§10. 

Nachdem Karo 1575 gestorben war, gab Isserles 1578 dessen Schulchan aruch 
zum ersten Male in seinem Aufenthaltsorte Krakau mit seinen eigenen Hagahoth 
(kritischen "Zusatzen") in Folio 17), des weiteren daselbst 1580 (Orach chajjim und 
Joreh deah) und 1607 (Eben ha-eser und Choschen ha-mischpat). Auch diese 
beiden Ausgaben waren gleich den ersten des Karo noch nicht von der papstlichen 
Zensur Ycrandcrt. Wohl aber war die inzwischen in Venedig 1594 fertig gewordene 
Ausgabe des Schulchan aruch nebst Isserles' Anmerkungen (erstmalig) von der 
Zensur revidiert, wie dies mit alien folgenden Ausgaben des derart vermehrten 
Schulchan aruch durch die Zensoren der verschiedenen Erscheinungsorte geschah. - 
Fortan bildete Karos Werk, mit Isserles ' Noten untrennbar vereint, den "Schulchan 
aruch " im ublichen Sinne. 

Isserles nannte seine kritischen Anmerkungen bescheidentlich in der damals iibli- 
chen Bildersprache "das Tischtuch" (Mappah) zu Karos "zugerichteten Tische" 
(Schulchan aruch). Ebenso bescheiden fiihrt er die den Feststellungen Karos wider- 
sprechenden Normen der deutsch-franzosisch-polnischen Autoritaten, die 
abweichenden Brauche aus deren Landem und seine eigenen Feststellungen mit 
den Worten ein: "Andere aber sagen" (entscheiden) oder "bei uns (in Deutschland 
und Polen) ist der Brauch anders" usw. Dies aber (sowie die Hoflichkeit, mit der er 
in seiner Vorrede iiber Karo spricht) darf nicht dariiber tauschen, daB sich unter 
dem scheinbar bloBen Anmerkungsverfasser der scharfe Kritiker und Berichtiger 
verbirgt. Ernst bricht mitten durch diese Verbindlichkeiten der schwere Tadel ge- 
gen Karos Uberheblichkeit in seiner Art, die religionsrechtlichen Normen 
festzustellen, hindurch (s.o. § 9). - Isserles' Verfahren, seine kritischen Berichti- 
gungen und Zusatze mit Karos Schulchan aruch selber zusammen in die Welt zu 



schicken, war ungemein Mug. Als selbstandige Gegenschrift gegen Karos schnell 
einbiirgemdes Buch waren seine Hagahoth wahrscheinlich wirkungslos verhallt 
wie bald danach die polemischen Schriften von Salomo Lurja und Chajjim bar Be- 
zaleel (s. Tschemowitz a.a.O. S. 37-44). Indem aber Isserles durch die bescheidene 
Anmerkungsform bewirkte, daB seine Hagahoth /orto« stets dem Schulchan aruch 
Karos beigedruckt und dadurch zu einem untrennbaren Bestandteil des Gesamt- 
Schulchan aruch wurden, hat er erreicht, daB seine Einwendungen, Berichtigungen 
und Zusatze dieselbe Autoritdt wie Karos urspriingliches Werk erlangten. Wenn 
trotzdem die meisten Ubersetzer des Schulchan aruch (s.u. III. Hauptteil) nur den 
urspriinglichen Text Karos ohne die (dem heutigen Empfinden wohl manchmal 
nicht zusagenden) Hagahoth des Isserles wiedergeben, so tauschen sie bewuBt oder 
unbewuBt den nicht sachkundigen Leser iiber den wahren Sachverhalt. Was "der 
Schulchan aruch " sagt, ist stets Karo + Isserles. 

III. Die Hauptkommentare. 

§11. 

1. Beer ha-golah ("Brunnen des Exils", vgl. 2. Mose 2,15; abgekiirzt: Bahag) von 
Moses Ribkes (Ribkas; in Wilna, Anf. des 17. Jahrh.) ist zuerst von alien 
Kommentaren mit dem Schulchan aruch zusammen gedruckt worden (Amsterdam 
1661 und 62) und enthalt zu alien Gesetzen des Sch. a. die Quellenangabe sowie 
kurze, oft berichtigte oder erganzende Erlauterungen; findet sich den meisten 
Ausgaben des Sch. a. beigedruckt. 

2. Ture sahdb ("Goldene Reihen", vgl. Mose 28,20; abgekiirzt: Tas) von David 
(ben Samuel) Halevi (in Ostrog und Lublin, gest. 1667). Ebenfalls Kommentar zum 
Sch. a., am wichtigsten die Erlauterungen zu Joreh deah. Der Kommentar zu Orach 
chajjim tragt den Sondertitel Magen David ("Schild Davids", vgl. 2. Sam. 22,3). 
Ihm gilt der Schulchan aruch als unantastbare Autoritat, die er gegen Kritiker 
verteidigt, indem er den Sinn der einzelnen Stellen eingehend erlautert und 
Widerspriiche zu beheben sucht. 

3. Sepher meirdth endjim ("Buch der Erleuchtung der Augen", vgl. Psalm 19,10; 
Sma oder Ma) von Josua Falk (Kohen) in Lemberg (1550 bis 1614). Ist nur fiir den 
Teil Choschen ha-mischpat fertig geworden. Zu jedem Paragraphen wird die Quelle 
und Begriindung angegeben, dann Karos und zumal Isserles' Text (nach des I. 
Handschrift) richtiggestellt, eingehend erlautert und Widerspriiche auszugleichen 
versucht, zugleich viele neu aufgestellte Normen beigeftigt. 

4. Siphthe Kohen ("Lippen des Priesters", vgl. Maleachi 2,7; abgekiirzt: Schach) 
von Sabbathai Kohen (Zedek; abgekiirzt: Kaz) in Lublin (1622-63). Kommentar zu 
Choschen ha-mischpat (viel Stoff, aber ungeordnet) und zu Joreh deah (vorziigli- 
cher Kommentar; reiche Quellenangaben, Ausgleich von Widerspriichen zwischen 
Karo und Isserles, Verteidigung des Sch. a. gegen alle Gegner). "Kaz" und Halevi 
(oben b) machen den Sieg des Sch. a. endgultig 18). 



5. Magen Abraham ("Schild Abrahams", vgl. 1. Mose 15,1) von Abraham (Halevi) 
Gumbinner in Kalisch (gest. 1682) Kommentar zum Teile Orach chajjim. 

6. Chelkath mechokek ("Anteil des Gebieters", vgl. 5. Mose 33,21) von Mose Lima 
in Wilna (gestorben 1673). Kommentar zu Eben ha-eser. 

7. Baer heteb ("wohl erklarend", 5. Mose 27,8). "Kurzer Auszug aus vielen anderen 
Kommentaren, zumeist den kleineren Ausgaben des Sch.a. beigedruckt, um die 
groBeren Kommentare zu ersetzen." (D. Hoffinann, Der Schulchan-Aruch, 2. Aufl., 
Berlin 1894, S. 38.) - Die Ausziige sind nicht immer zuverlassig. 

"Jedes Zeitalter fiigte neue Kommentare hinzu, die haufig weitere Kommentare 
hervorriefen 19). Beinahe die ganze Literatur der letzten Generationen beschrankte 
sich 20) auf das Gebiet des Schulchan aruch und seiner Kommentare. Zu unserer 
Zeit ist die Zahl dieser Schulchan-aruch-Kommentare, die mit ihm zusammen 
gedruckt werden, bis aufvierziggestiegen" (Tschemowitz a.a.O. S. 79). 

D. Hoffinann bezeichnet (a.a.O. S. 38f.) als eigentlichen Schulchan aruch oder 
"Schulchan aruch im weiteren Sinne" (als heute noch maBgebendes 
"Religionsgesetz der gesetzestreuen Juden") "den Schulchan aruch mit den 
autoritativen Erganzungen, Erklarungen und Berichtigungen, die sich an den Text 
des Schulchan aruch anschlieBen." Da "bis jetzt noch kein Werk erschienen" sei, 
"das diese allgemein giiltigen Religionsgesetze in einem einzigen Codex 
vereinigte", so sei der orthodoxe "Rabbiner in vielen Fallen auf die mundliche 
Unterweisung (Schimmusch) seiner Lehrer 21) angewiesen, welche ihm bei den 
zahlreichen Meinungsverschiedenheiten die fur die Praxis gultige Ansicht 
mitteilen." - "Wegweiser fiir die Art, wie ciriQ praktische Entscheidung mit 
Benutzung der Vorganger zu treffen ist, sind die Responsen-Sammlungen 
beriihrnter Rabbiner der letzten Zeit wie Jakob Emden (1698 bis 1776 Altona), 
Ezechiel Landau (1713-93 Prag), Eleasar Fleckeles (1754-1826 Prag), Akiba Eger 
(gest. 1837, Posen), Moses Sopher (1762-1839 PreBburg)." 

Die alteren Gegner des Schulchan aruch wie Salomon Lurja (1510-73), Chajjim 
Bezaleel (16. Jahrh.), Mordechai Jaffa (gest. 1612), Joel Sirkes, Meir Lublin, 
Samuel Edels 22) kampfen nicht wider den Geist des Sch.a., sondem tadeln 
lediglich methodische Fehler des Karo und Isserles bei Festlegung der 
religionsrechtlichen Normen. - Dagegen hat sich das moderne Reform] udentum 
vom Schulchan aruch mehr oder minder stark ahnlich losgesagt wie etwa der 
moderne Protestantismus von der Konkordienformel der Nachreformationszeit, in 
der ja auch der Schulchan aruch entstand. Die Ostjuden halten noch am Schulchan 
aruch durchaus fest 23). 



Zweiter Hauptteil. 



Der Inhalt des Schulchan 

aruch. 

A. 
Orach chajjim. 

[27 Kapitel mit 697 Paragraphen 24).] 

§12. 

I. Religiose Pflichten am Morgen (§§ 1-7: 1. Aufstehen; 2. Ankleiden; 3. Betragen 
auf dem Abort; 4. Waschen der Hande; 5. Andacht beim Segensprechen (Beten); 6. 
Segensprechen nach Verlassen des Aborts; 6. Segensprechen nach Verlassen des 
Aborts; 7. Segensprechen nach dem Urinlassen. - 11. Die "Schaufaden" (Zizith), der 
Gebetsmantel (Tallith) usw. (§§ 8-24). - 111. Die Gebetsriemen (Thephillin; §§ 25- 
45). - IV. Die Segensspriiche (Berachoth; §§ 46-88: 46-57. Segensspriiche am 
Morgen daheim und in der Synagoge; 58-88. Das Hersagen der Formel "Schma", 
d.h. "Hore Israel", 5. Mose 6,4-10 usw.). - V. Gebete und ihre Zeit (§§ 89-127). - 
VI. Der Priestersegen an Festtagen (§§ 128-134). - Vll. Das Vorlesen der Thorah- 
(Pentateuch-) Rolle (§§ 135-149). - Vlll. Synagogen, Bau und Ausstattung (§§ 150- 
156). - IX. Tischgebrduche beim Essen usw. (§§ 157-201). - X. Segensspriiche iiber 
Geniisse (§§ 202-231). XL Nachmittags- und Abendgebete und eheliche 
Beiwohnung (§§ 232-241: 232-234. Minchah-Gebete; 235-239. "Hore"-Formel und 
Gebet am Abend; 240. Beiwohnung; 241. Urinieren in nacktem Zustande vorm 
Bette). - Xll. Sabbathfeier (§§ 242-365). - Xlll. (Verbotenes) "Tragen" am Sabbath 
usw. (§§ 366-395). - XIV. Der Sabbathweg usw. (§§ 396-407). XV. Ausdehnung 
des Sabbathweges usw. (§§ 408-416). - XVI. Neumondfeier (417-428). - XVll. 
Passahfeier (§§ 429-494). - XVlll. Feiertage (§ 495-529). - XIX, Halbfeiertage 
(Zwischenfeiertage; §§ 530-548). - XX. Der 9. Ab (Fasttag wegen der Zerstorung 
Jemsalems; §§ 549-561). - XXL Andere Fasttage (§§ 562-580). - XXll. Das 
Neujahrsfest (§§ 581-602). - XXlll. Der Versohnungstag (§§ 603-624). - XXIV. 
Das Laubhuttenfest (§§ 625-644), - XXV. Der Feststraufi an diesem Feste usw. (§§ 
645-669). - XXVI. Das Chanukkahfest (Lichter- oder Weihefest; §§ 670-685). - 
XXVll. Das Purimfest (§§ 686-697). 

B. 

Joreh deah. 

(35 Kapitel in 403 Paragraphen.) 



§13. 

I. Das Schachten (§§ 1-28). - 11. Fehlerhafte Tiere (§§ 29 bis 61). - 111. Fleisch von 
lebenden Tieren (§62). - IV. Fleisch, das der Nichtjude gehabt hat (§ 63). - V. Fett 
(§ 64). - VI. Verbot der Spannader unddes Blutes (65-68). - Vll. Salzen des Flei- 
sches (§§ 69-78). - Vlll. Reine und unreine Tiere (§§ 79-85). - IX. Eier (§ 86). - X. 
Fleisch und Milch (§§ 87-99). - XL Unerlaubte Vermischung von Speisen undGe- 
fdfien (§§ 100-111). - Xll. Von Nichtjuden bereitete Speisen (§§ 112-22)). - Xlll. 
Wein von Nichtjuden (§§ 123 bis 138). - XIV. "Gotzendienst" (§§ 139-158). - XV. 
Zinsen, Darlehen usw. (§§ 159-177). -XVI. Verbotene Nachahmung von Nichtju- 
dischem; Zauberei usw. (§§ 178-182: 178. Nachahmung usw.; 179f. Zauberei; 181. 
Abscheren der "vier Ecken", d.h. der "Peies" an den Schlafen und der Bartecken; 
182. Verbot des Tragens von Kleidem usw. des anderen Geschlechts). - XVll. Die 
weibliche Unreinheit {§§ 183-202: 183-197. Menstruation; 198-200. Reinigungs- 
tauchbad; 20 If. Badegelegenheiten). - XVlll. Geliibde (§§ 203-235). - XIX. 
Schwiire (§§ 236-239). - XX. Ehrfurchterweisung gegen die Eltern (§§ 240-241). - 
XXI. Desgl. gegen die Rabbinen (§§ 242-246: 245f. Pflicht des Studiums des jiidi- 
schen Gesetzes). - XXll. Almosen (§§ 247 bis 259). - XXlll. Beschneidung (§§ 
260-266). - XXIV. Beschneidung von Sklaven (§ 267). - XXV. Proselyten (§§ 
268f.). - XXVI. Thorah-Rollen (Gesetzes-, d.h. Pentateuch-Handschriften; §§ 270- 
284). - XXVll. DieMesusah (das Tiirpfostenrollchen; §§ 285-291). - XXVlll. Vo- 
gelnester usw. (§§ 292-294: 292. Verbot des Wegfangens der Vogelmutter, 5. 
Mose 22,6f.; des Essens von neuem Getreide vor dem 16. Nisan, 3. Mose 23,14; 
des Genusses der Friichte eines weniger als 3 Jahre alten Baumes). - XXIX. Verbot 
der Vermischung von Saaten usw. (§§ 295-304). - XXX. Auslosung des Erstgebo- 
renen (§ 305). - XXXI. Die Erstgeburt von reinem Vieh usw. (§§ 306-321). - 
XXXll. GabenfiirdiePriester(§§ 322-333: 322ff. Teighebe; 331 ff. Hebenund 
Zehnten). - XXXlll. Kleiner und grofier Bann (§ 334). - XXXIV. Krankenbesuch, 
Krankenpflege, Behandlung Sterbender (§§335-339). - XXXV. Behandlung der 
Toten (§§ 340-403: 340. KleidereinreiBen; 341. Totentrauer vor der Bestattung; 342 
ff. Desgl. nach der Bestattung). 

C. 

Choschen ha-mischpat. 

(29 Kapitel mit 427 Paragraphen.) 

§13. 

1. Richter und Gerichte (ihre Befiignisse; §§ 1-27). - 11. Zeugen (§§ 28-38). - 111. 
Leihen und Verleihen (Recht der Schuldverhaltnisse; §§ 39-96). - IV. Schuldein- 
treibung (im allgemeinen; §§ 97-106). - V. Desgl. von Waisen usw. (§§ 107-120: 
117ff Hypotheken). - VI. Desgl. durch Boten oder Bevollmdchtigte (§§ 121-128). - 
Vll. Biirgschaft (§§ 129-132). - Vlll. Besitz beweglicher Gtiter (§§ 133-139). - IX. 



Besitz unbeweglicher Gtiter (§§ 140-152). - X. Schadigung der Nachbarn (§§ 153- 
156). - XL Gemeinschaftlicher Besitz {§§ 157-175: 157ff. Gem. Grundbesitz; 171ff. 
Teilung; 175. Grenzstreitigkeiten). - Xll. Kompaniegeschdfte (§§ 167-181). - Xlll. 
Boten undMakler (§§ 182-188). - XIV. Kaufund Verkauf(§§ 189-226). - XV. 
Ubervorteilungen usw. (§§ 227-240). - XVI. Schenkungen (§§ 241-249). - XVll. 
Schenkungen von Kranken usw. (§§ 250-258). - XVlll. Verlorenes und Gefunde- 
nes (§§ 259-271). - XIX. Auf- und Abladen (§ 272). - XX. Herrenloses Gut; Gtiter 
der Proselyten (§§ 273-275). - XXll. Aufbewahrung von Sachen (§§ 291-330: 291 
ff. Unentgeltliche; 303ff. Entgeltliche Verwahrung; 307 ff. Miete; 320ff. Pacht). - 
XXlll. Werkvertrdge (§§ 331-339). - XXIV. Leihen beweglicher Sachen (Vieh 
usw.; §§ 340-347). - XXV. Diebstahl (§§ 348-358). - XXVI. Raub (§§ 359-377). - 
XXVll. Ersatz fur selbstverursachte Schdden (§§ 378-388: 388. Bestrafiing von 
Angebem). - XXVlll. Schadenersatz des Besitzers von Vieh usw. (§§ 389-419). - 
XIX. Korper- und Ehrverletzung usw . (§§ 420-427). 

D. 

Eben ha-eser. 

(5 Kapitel mit 178 Paragraphen.) 

§14. 

1. Gebot der Geschlechtsvermehrung {§§ 1-6: 1. Das Gebot; 2-4. Abstammung der 
Ehegatten; 5f. Angeborene und erworbene Zeugungsunfahigkeit). - 11. Ehehinder- 
nisse usw. (§§ 7-25): 7-22. Trennende und aufschiebende Hindemisse; 23 bis 25. 
Onanie, Sodomie, Beischlaf). - 111. Verheiratung {§§ 26-118: 26-56. Verlobung 
usw.; 57-65. Trauung; 66-118. Das gesamte Eherecht). - IV. Ehescheidung {§§ 
119-155). - V. Schwager-Ehe (§§ 156-178: 156-168. Verweigerung (Miun); 169. 
Verzicht auf die Witwe (Chalizah); 170-178. Anhang iiber Notzucht, Buhlerei, 
Ehebruch). 

Mancher einzelne Paragraph enthalt sehr viele Unterabteilungen (Nummem); z. B. 
hat Orach chajjim § 128 deren 42, Joreh deah § 267 sogar 81; andere Paragraphen 
wiederum enthalten nur eine Nummer, die wenige Zeilen umfaBt. - Die Zusatze 
(Hagahoth) des Isserles (s.o. § 10) stehen entweder in kleinerem Druck hinter den 
einzelnen Nummem, auf die sie sich beziehen, oder mitten in diesen, mit denselben 
Lettem, nur in Klammem eingeschlossen. 



Dritter Hauptteil 



Zur Literatur uber den Schul- 

chan aruch. 

A. 

Ubersetzungen. 
I. 

Gesamtiibersetzung. 

Deutsche Gesamtubersetzung von Heinrich Lowe. 
§16. 

a) "Schulchan aruch" oder die vier jiidischen Gesetzbiicher. Ubersetzt von Heinrich 
Georg F. Lowe sen." (Bd. I: Eben ha-eser, Hamburg 1837; 11: Choschen ha- 
mischpat, Hamb. 1838; 111: Orach chajjim, Hamb. 1839; IV: Joreh deah, Hamb. 
1840.) 

b) "Schulchan Aruch oder die vier jiidischen Gesetzbiicher. Ubersetzt von Heinrich 
Georg F. Lowe sen." (1: Orach chajjim und Joreh deah nebst Ubers. jiidischer 
Gebete, Ubers. des 1. Kapitels des Talmudtraktats Berachoth nebst Gemara, 
Exkursen und Parallelstellen aus dem palastinischen Talmud. - 11: Choschen ha- 
mischpat und Eben ha-eser, Ubers. eherechtlicher jiidischer Formulare und der 613 
jiidischen Ge- und Verbote.) "Zweite Auflage. Wien 1896." 

Ubersetzt ist vom Schulchan aruch nur der Text Karos, nicht die so wichtigen und 
den Sch. a. erst vollstandig machenden Hagahoth des Isserles (s.o. § 10). Die 
Ubers. Lowes von Orach chajjim ist gekiirzt und frei, zum Teil Paraphrase, frei 
ebenfalls die von Joreh deah und von Choschen ha-mischpat, die von Eben ha-eser 
frei und gekiirzt. - Lowe, ein getaufter Jude, wollte mit seiner Ubersetzung aufkla- 
rend (und zum Teil auf die Juden missionierend) wirken. 

Lowes Ubersetzung ist daher vomehmlich auf den Hauptinhalt, weniger auf Genau- 
igkeit im einzelnen und noch weniger auf guten Ausdruck gerichtet. Die 
Ubersetzung ist daher stellenweise mangel-, ja fehlerhaftlO. 

Die zweite Auflage, herausgegeben von dem katholischen Nichtfachmann P. Dr. 
Joseph Deckert, hat einiges in Lowes Arbeit gestrichen, anderes verbessert, noch 
anderes aber bose verschlimm-bessert. (Vgl. hinten Anmerkungl 1.) 



II. 

Gesamtiibersetzungen im Auszuge. 

§17. 
1 . Spanische Ubersetzung von Joseph Franco. 

Schulchan hapanim, libro Ilamado in Latino mesa de alma, per que es compuesto 
de todos los dinim necessarios para el ombre, tresladado del libro del Gaon Joseph 
Karo 25). Venetiae 1602 apud Jo. de Gara (40, 187 Seiten.) 

(Vgl. Wolf, Bibliotheca hebraea III, S. 392, nr. 875 und S. 422.) Spanisch in he- 
braischen Lettem. Nur das Allerwichtigste ist kurz iibersetzt; am meisten ist der 
erste Teil des Schulchan aruch (Orach chajjim) beriicksichtigt, nachstdem der zwei- 
te (Joreh deah). Das Buch soil offenbar dem praktisch-rituellen taglichen 
Gebrauche solcher Juden dienen, die des Hebraischen nicht geniigend machtig sind. 
Spanisch war im 17. Jahrhundert sozusagen Weltsprache und auBerdem die Mutter- 
sprache der aus Spanien vertriebenen "sephardischen" Juden. - Deutet die 
sonderbare Wendung "im Lateinischen, 'Tisch der Seele'" auf Benutzung eines la- 
teinischen Auszugs aus dem Schulchan aruch hin? 

2. Spanische Ubersetzung von Mose Altaras. 

§18. 

Libro de mantiemento de la alma, e nel qual se contiene el modo con que se a de 
regir el Judio en todos sus actiones, traduzido del hebraico al Spagnol per Mose 
Altaras. Con licencia dei Superiori, an. 5369 26) Venetiae 1609 apud Balthasar. 
BonibelH. (40, 175 Seiten.) 

(Wolf, Bibhotheca hebraea II, S. 737-740.) S. 1-104: Orach chajjim (alle Kapitel, 
aber stark gekiirzt); 105-165: Joreh deah (mit Auswahl und sehr gekiirzt); 165-169: 
Eben ha-eser (ganz kurz die notigsten Hauptpunkte); 169-175: Choschen ha- 
mischpat (kurze Inhaltsangabe). - Die Bevorzugung der beiden ersten Telle des 
Schulchan aruch beweist den praktisch-rituellen, auf die jiidische Gesetzesfirom- 
migkeit des taglichen Lebens gerichteten Zweck der Ubersetzung. Altaras hat 
gleich Franco (§17) nur Karos Text, nicht Isserles beriicksichtigt. 

§19. 

3. Deutsche Auswahl-Ubersetzung von Dessauer. 



"Die Ritualgesetze der Israeliten, bearbeitet nach den Quellen des Orach chajjim, 
Joreh deah, Eben ha-eser und Choschen ha-mischpat. Mit Punktation des Textes 
und deutscher Ubersetzung nebst erlautemden Zusatzen und Anmerkungen heraus- 
gegeben von Julius Dessauer" 2 Teile. Ofen 1868/69. 

Teil 1 (1868) enthalt auf 237 Seiten Texte und Ubersetzungen nebst Erlauterungen 
aus Orach chajjim allein, Teil 11 (1869) desgleichen aus den iibrigen drei Teilen. 
Auch hier tritt der Zweck des Gebrauchs fiir das tagliche religionsgesetzliche Le- 
ben deutlich hervor. Die Auswahl der Texte ist schon in Teil 1 sehr knapp, noch 
ungleich mehr in Teil 11. Die Ubersetzung erlaubt sich manche Freiheiten. 



§20. 

4. Deutsche Auszugs-Obersetzung von Lederer. 

"Schulchan aruch. Die religiosen Satzungen, Vorschriften, Sitten und Gebrauche 
des Judentums .... Nach den Quellen zum ersten Male herausgegeben und bearbei- 
tet von Philipp Lederer" 4 Teile. PreBburg (Pilsen) 1897 ff. 

Die Ausziige aus den vier Teilen des Schulchan aruch (108, 92 Seiten usw.) sind 
ziemlich ungeniigend iibersetzt und erlautert. Teil 1 ist "fiir Synagoge, Schule und 
Haus", Teil 11 "zum Handgebrauche fiir Rabbiner, Lehrer, Kantoren, Gemeindebe- 
amte und Synagogen-Vorsteher" bestimmt. Auf wissenschaftlichen Wert scheint 
also die Arbeit von vomherein zu verzichten; sie besitzt solchen auch nicht. 

§21. 

5. Franzosische Auszugs-Ubersetzung 

von "Jean de Pavly". 

"Rituel du judaisme. Traduit pour la premiere fois sur I'original chaldeo-rabbinique 
et accompagne de notes et remarques de tous les commentateurs. Par Jean de Pa- 
vly. Avec le concours de M. A. Neviasky." Tome 1-lV. Orleans 1897-99. 

Teil 1 (1897) umfaBt V und 32 Seiten, Teil 11 (1898) 170, Teil 111 (1898) 144, Teil 
IV (1899) 98 Seiten. Nur Karo, nicht Isserles ist beriicksichtigt. Die Ubersetzung 
der Textausziige wie die Bemerkungen "aller Erlauterer" sind gleich ungeniigend. 
Das Ganze ist ein aufgelegter Schwindel, "Jean de Pavly" hier (im Gegensatze zu 
den unten § 26 Genannten) der Deckname fiir einen dreisten Ignoranten. 



III. 

Ubersetzungen einzelner Telle. 

1. Franzosische Auszugs-iJbersetzung von Eben ha-eser. 
(S autayra-Charleville . ) 

§22. 

"Code Rabbinique Eben Haeser traduit par extraits avec les explications des doc- 
teurs juifs, la jurisprudence de la cour d'Alger et des notes comparatives de droit 
fran9ais et de droit musulman par E. Sautayra, president du tribunal de Mostage- 
nem 27), etM Charleville 28), grand-rabbin de la province d'Oran." Paris- Alger. 
Tome I 1868; II 1869. 

Teil I: S. 7-12 Vorrede; 13-36 Einleitung (Geschichte des jiidischen Rechts bis auf 
Karo); 39-172 franzosische Ubersetzung (im Auszug) und Erlauterung (in FuBno- 
ten) der ersten beiden Abschnitte von Eben ha-eser; 175-183 Inhaltsverzeichnis. - 
Teil II: S. 5-354 Ubersetzung und Erlauterung (wie oben) der drei letzten Kapitel; 
355-360 Inhalt. - Durch SenatsbeschluB vom 14. Juli 1865 war den Juden (gleich 
den Mohammedanem) von Algerien gestattet, Zivilstreitigkeiten unter sich nach 
ihrem Religionsrechte zu behandeln. Uber dieses (in Ehesachen) will das Buch die 
franzosischen Juristen in Algier unterrichten. 



2. Deutsche Ubersetzung von Choschen ha-mischpat. 

("Dr. J. dePavly.") 

§22a. 

"Choschen-Mischpat oder Zivil- und Strafrecht des Judentums. Zum ersten Male 
aus dem Original frei ins Deutsche iibersetzt und mit Quellenangaben, Erlauterun- 
gen und den wichtigsten Bemerkungen der Kommentare versehen von Dr. J. de 
Pavly, Professor im College du Sacre-Cour in Lyon." St. Ludwig im ElsaB, Verlag 
von Alphonse Besserer. 1893. (XXIII, 171 Seiten.) 

Seite Vf.: Inhaltsangabe; VII-XXIII: Vorwort; 1-171: Deutsche Ubersetzung des 
Hauptinhaltes aller Paragraphen von Choschen ha-mischpat mit ganz kurzen FuB- 



noten, die ebenso ungeniigend sind wie die Ubersetzung. Nur Karos Text ist be- 
riicksichtigt, Isserles nicht. Die Ubersetzung ist nur (unzureichende) Inhaltsangabe 
dessen, was der Ubersetzer als "Hauptinhalt" der einzelnen Paragraphen ansieht, 
und in jammerlichem Undeutsch abgefaBt: S. XIII "miBkennt" (verkannt), "Wurzel 
gefaBt" (geschlagen), "wahrend dem Bestehen"; S. 7 "der (das) Mitglied"; S. 11 
"der (die) Partei usw. Alle unbequemen Texte werden unterschlagen, von den 
Kommentaren nur die Fundorte ohne Text und Inhaltsangabe in torichten Abkiir- 
zungen geboten. - Ein "Dr. J. de Pavly" ist nie Professor in Lyon gewesen. Mit dem 
unten (§ 26) zu erwahnenden "Dr. Johannes A.F.E.L.V. von Pavly" hat dieser 
"Dr.J.de Pavly" sicherlich nichts zu tun, eher mit dem oben (§ 21) genannten und 
dem gleich zu erwahnenden Schwindler. Hochst sonderbar ist, daB dieser "de Pav- 
ly" jenen seinen Vorganger "Johannes ... von Pavly" mit keinem Worte erwahnt. 

3.Franzdsische Ubersetzung von Choschen ha-mischpat. 

§23. 

("Jean de Pavly.") 

"Choschen mischpat. Code civil et penal du judaisme. Traduit pour la premiere fois 
sur I'original chaldeo-rabbinique, accompagne de notes et remarques de tous les 
commentateurs. Par Jean de Pavly. (Bibliotheque orientale elzevirienne. No. 71) 
Parisl896. (XII, 311 Seiten.) 

Ein ebensolches Schwindelwerk wie das soeben und das oben (§ 21) genannte. 

IV. 

Ubersetzungen groBerer Stiicke des Schulchan aruch. 

1 . Lateinische Ubersetzung von Choschen ha-mischpat 

279-289. (Chr. G. Meyer.) 

§24. 

"Sententiae Rabbinorum de successione ab intestato et testamentaria collectae a R. 
Joseph Karo ... in libro Schulchan Aruch dicto, per R. Mosen Isserles emandato 
atque suppleto. In Linguam latinam vertit et passim illustravit Christian Gottlob 
Meyer, SS.Th.Stud." Halle 1775 (XXIII, 163 S.). 

S.I-XXVIII: Vorwort, Vorrede, Inhaltsverzeichnis; 1-117: In 14 Kapiteln lateini- 
sche Ubersetzung von Choschen ha-mischpat 276-289 nebst zahlreichen 
Anmerkungen; 119-149: Deutsche Ubers. eines hebraischen Testaments, zweier 
rabbinischer Gutachten und eines Dekrets iiber die Vormundschaft aus AnlaB die- 
ses Testaments; 150-163: Sachregister; 164: Druckfehler. - Die fleiBige Schrift 
befindet sich u.a. auf der Leipziger Universitatsbibliothek. 



2. Deutsche Ubersetzung von Joreh deah 240-284. 
(Ignaz W. Bak.) 

§25. 

"Der Schulchan-Aruch. Sinn- und wortgetreu iibersetzt von Ignaz W. Bak." Buda- 
pest 1884. (133 S.) 

Der Titel fiihrt irre. Es sind nur die §§ 240-284 von den 403 Paragraphen des 
Schulchan-amch-Teiles Joreh deah maBig iibersetzt. 

3. Deutsche Ubersetzung von Orach chajjim 1-160, 12. 

(Dr. Johannes A.F.E.L.V. von Pavly.") 

§26. 

"Schulchan Aruch (Gedeckte Tafel, Ez. 23,41) oder das Ritual- und Gesetzbuch des 
Judentums, bestehend aus folgenden vier Teilen: 1. Orach chajjim (Lebenspfad, Ps. 
16,10), 2. Joreh deah (Weisheitslehre, Jes: 28,9), 3. Choschen mischpat (Rechts- 
schild, 2. Mose 28,15), 4. Eben eser (Siegesdenkstein, 1. Sam. 7,12). Zum ersten 
Male aus dem Original frei ins Deutsche iibersetzt und mit Quellenangaben, Erlau- 
terungen und den wichtigsten Bemerkungen aller Kommentare versehen von Dr. 
Johannes A.F.E.L.V. von Pavly unter Mitwirkung hervorragender Fachgelehrten." 
Basel, Verlag von Stephan Marugg. Kommissions-Debit fiir den Buchhandel: Ver- 
lags-Magazin (1. Schabelitz) in Ziirich. 1888 (640 S.). 

Nur 4 Lieferungen sind erschienen (zu je 4 M.) S. 9-38: Inhaltsangabe der 697 Pa- 
ragraphen von Orach chajjim; 39-640 Deutsche Ubersetzung von O.ch 1-160, 12 
mit Anmerkungen. Die Ubers. bietet auch die Hagahoth des Isserles. Richtig beur- 
teilt sie Prof. Gildemeister-Bonn wie folgt: "Ich ... finde sie durchgangig 
zuverldssig und gut, Auch die Erlauterungen und Ausziige aus den Kommentaren 
wertvoll und in richtigem MaBe. Es wundert mich, daB sich die Ubers. auf den Titel 
als 'freie' bezeichnet, ... da sie ja in Wirklichkeit eine wortliche und treue ist" usw. 
Ahnlich die zehn anderen, durch Marugg veroffentlichte Beurteilungen (z.B. von 
Dillmann-Berlin, de Lagarde-Gottingen, v. Orelli-Basel). Selbst der StraBburger 
Oberrabbiner Aron schreibt: "Ich habe die erste Lieferung des Schulchan aruch 
durchgesehen. Es freut mich herzlich, einen Verfasser christlichen Bekenntnisses 
bruderlich bemiiht zu sehen, die sittlichen und edlen Gedanken unserer Ahnen in 
ein helles Licht zu stellen. Ich wiirdige das Verdienst des Unternehmens" usw. - 
Einen "Dr. Johannes von Pavly" oder "Dr. J. de Pavly" (s.o. § 21, 22a und 23). Der 
sonderbare Briman-" Justus", auf den geraten, war fiir eine so solide Arbeit nicht der 



Mann (vgl. Dalman, Theol. Lit.-Z. 1889, Sp. 174). Auch iiber die angeblichen Mit- 
arbeiter weiB man nichts Genaues. - Marugg hatte offenbar nur so viel Manuskript, 
als er drucken lieB. - Uber alles andere vgl. unten die Anmerkung 12 im Anhang 1. - 
Obiges Ubersetzungsbruchstiick ist die verhaltnismaBig beste Leistung auf dem 
Gebiete der Ubersetzungen des Schulchan aruch, daher ihr schneller Abbruch sehr 
zu beklagen. - Besprechungen: Theol. Literaturbericht fiir 1889; Braunschweig 
1890, Bd. IX, S. 63; Strack im Theol. Literaturblatt 1889, S. 308f.; Literar. Cen- 
tralblatt, Nr. 21. 



Ubersetzungen zahlreicher Einzelstellen. 

1 . Eisenmengers Zitate mit deutscher Ubersetzung. 

§27. 

Johannes Andreas Eisenmenger29) fiihrt in seinem "Entdeckten Judentum" (2 Bde., 
Frankfiirt a.M. 1700; Neudruck: Konigsberg 1711) folgende Stellen aus dem 
Schulchan aruch im Urtexte mit deutscher Ubersetzung an: 

a) Orach chajjim 690 (Eisenmenger 11 170). 

b) Joreh deah 2, 1 (11 616); 113, 1 (11 628); 116,5 (11 644); 117,1 (11 632f.); 119,8 
(11 643); 124,4 (11 626); 124,6 (11 620f.); 125,1 (11 627); 141,1 Hagah (1 531); 148,1 
(1 562); 151,14 (1 616); 154 (nicht: 124), 1 f. (11 626, vgl. 1 613); 155,1 (11 228); 
158,1 (11 189f., 229f.); 160,2 ((11 599); 228,1 (11 492); 232,14 und Hagah (11 
510ff.); 254,1 (1 617); 334,43 (1 332f., 11 479). 

c) Choschen ha-mischpat 25 und Hagah (11 478f.); 26,1 und Hagah (11 472); 28,3 
(11 479); 34.19 (1 615); 87,20 und Hagah (11 514f.); 95,1 Beer ha-golah (11 578); 
228,6 (11 630); 231,1 (11 575); 348 Hagah (11 579f.); 348,3 und 359,1 (11 585); 
425,5 Beer ha-golah (11 90f.). 

Eisenmenger iibersetzt nach der Amsterdamer Kleinoktav-Ausgabe des Schulchan 
aruch von 1661. Wo diese "Goi" bietet (Z.B. Joreh deah 124,6), behalt er "Goi" bei; 
wo er in seinem Texte "Nochri" findet (das. 2,1), iibersetzt er richtig "Frembdling"; 
wo "Akum" dasteht, iibersetzt er stets "Abgottischer" (das. 124,4; 334,43; Cho- 
schen ha-mischpat 95,1 usw.). Nur in seinen Erlauterungen zu solchen Stellen 
erklart er, daB diese sich "auch" oder iiberhaupt auf Christen beziehen (11 1056; 
575,609; 1 659-668, 707-712), gibt aber 1 622 ff. zu, daB die Christen nicht allein 
"Akiim" genannt werden. - Auch anderswo (z.B. beim jiidischen Eide, bei der Blut- 
beschuldigung usw.) fiihrt Eisenmenger gewissenhaft die Stellen und Griinde fiir 
und wider an. 

l.Paraphrasen von Stellen aus dem Schulchan aruch im "Judenspiegel". 



(Justus "-Briman.) 

§28. 

a) " Judenspiegel oder 100 neu enthiillte, heutzutage noch geltende, den Verkehr der 
Juden mit den Christen betreffende Gesetze der Juden; mit einer die Entstehung 
und Weiterentwicklung der jiidischen Gesetze darstellenden, hochst interessanten 
Einleitung. Von Dr. Justus, speculi opifex in lumine veritatis." Paderbom 1883. (80 

S.) 

b) 2.-4. Auflage, daselbst 1883. 

c) "Fiinfte, nach der wissenschaftlichen Untersuchung des Herm Dr. Ecker 
revidierte Auflage. Paderbom 1892. (112 Seiten.) 

Verfasser ist der beriichtigte Ahron Briman, ein erst protestantisch, dann katholisch 
gewordener Jude. Uber ihn vgl. meine Schriften "Rabbi und Diakonus", Leipzig 
1922, bes. S. 2 Iff., und "Rabbinische Fabeln", das. 1922, S. 100; femer Strack, 
"Das Blut" usw. (5.-7. Auflage, Miinchen 1900), S. 114ff 

In den ersten vier Auflagen bietet "Justus"-Briman keine eigentlichen Ubersetzun- 
gen, sondem mehr Umschreibungen der aus dem Schulchan aruch entnommenen 
Stellen mit tendenziosen Zusatzen. Erst in der 5. Auflage sind die (nach Ecker - s. 
den nachsten Abschnitt[3]) wirklich iibersetzten Satze des Schulchan aruch von 
Brimans Zusatzen durch Anfiihrungsstriche unterschieden. 

Die 5. Auflage enthalt: S. 5-38 Vorrede (mit viel Unrichtigem, iiberhaupt ungenii- 
gend); S. 39-700 die 100 sogenannten "Gesetze" in deutscher Ubersetzung nebst 
Anmerkungen; S. 98-102 einen torichten Exkurs iiber das Blutritual; S. 102-111 
Anhang (Erwiderungen auf die Kritiken, seicht und irrefiihrend); S. 11 If SchluB- 
bemerkung iiber Pavlys Ubersetzung (vgl. vorigen Abschnitt " 26). 

Das Buch taugt nichts. Seine einzige Bedeutung liegt darin, daB es seit langem 
wieder die offentliche Aufinerksamkeit auf den Schulchan aruch richtete und im 
Verein mit dem Paderbomer "Judenspiegel"-Prozesse vom 10. Dezember 1883 
(vgl. m. "Rabbi und Diakonus", S. lOf ) den AnstoB zu der neueren Literatur iiber 
den Schulchan aruch gegeben hat. 

Zur Kritik der 1.-4. Auflage ist (freilich mit grofiter Vorsichi) zu vergleichen "Der 
Schulchan aruch" von Dr. D. Hoffmann (Dozenten am Rabbinerseminar zu Berlin), 
2. Aufl., Berlin 1894, S. 40, 46ff , 73, 75, 81, 109ff , 117, 131, 135, 21 Iff - Zur 5. 
Aufl. daselbst S. 183ff - Unbefangener: Gustav Marx-Dalman, "Jiidisches Frem- 
denrecht", Karlsruhe-Leipzig 1886, besonders S. 7-35. 

3. Eckers Zitate mit deutscher Ubersetzung. 

§29. 



"Der Judenspiegel' im Lichte der Wahrheit. Eine wissenschaftliche Untersuchung 
von Dr. Jakob Ecker 30), Privatdozent fiir semitische Philosophic an der Kgl. Aka- 
demie zu Miinster." Paderbom (Marz) 1884. (XVll, 74 S.) - (Zweite verbesserte 
und vermehrte Auflage. Paderbom [April] 1884. 128 S.) 

Ecker bietet zu den von "Justus"-Briman zitierten Stellen des Schulchan aruch den 
hebraischen Grundtext nebst eigener, im ganzen richtiger Ubersetzung und erlau- 
temden Anmerkungen. Manche seiner Rechtfertigungen des "Judenspiegels" 
erscheinen reichlich gewagt; auch in seiner Einleitung ist manches unrichtig; zumal 
iiber "Akum" ist er sich nicht klar. Wenn man aber bedenkt, wie weit zuriick an- 
fangs der 80er Jahre in bezug auf Rabbinisches selbst "groBe Kirchenlichter" 
waren, so darf Eckers Buch immerhin als beachtenswerte Leistung gelten. (Vgl. 
Anhang 1, Anm. 13.) 

Zur Kritik: Marx-Dalman (s.o. § 28), S. 7-35; Hoffmann (desgl., sehr mit Vorsicht 
zu gebrauchen), S. 95, 113, 127, 129, 13 If., 191, 193ff , 200ff ; Theol. Jahresbe- 
richt fiir 1884 (Bd. IV), S. 67f 14. 

A.Anderes. 

§30. 

Ubersetzungen (oder wenigstens Inhaltsangaben) einzelner Paragraphen des Schul- 
chan aruch kommen auBerdem des ofteren in allerhand Werken vor, z.B. aus alterer 
Zeit in Buxtorfs Synagoga judaica (Basel 1643 u.6.), De sponsalibus ac divortiis 
(das 1652 und 1662), Seldens Uxor hebraica (Frankfurt a.M. 1673) und in anderen 
Werken; aus neuerer Zeit z.B. in den oben (zu 2 und 3) angefiihrten Schriften von 
Hoffmann und Marx-Dalman, in meinen "Rabbinischen Fabeln " und in Fiebigs 
"Juden und Nichtjuden" (Leipzig 1922, Ubersetzungen meist richtig, wenn auch 
undeutsch, Erklarungen in der Regel jiidisch-apologetisch); femer in Theodor 
Fritschs Buche "Der Streit um Gott und Talmud", Leipzig 1922 usw. - Die Uber- 
setzungen und Erlauterungen von Schulchan-aruch-Stellen in den Flugblattem des 
"Centralvereins deutscher Staatsbiirger jiidischen Glaubens" habe ich meinen 
"Rabbinischen Fabeln" abgestraft. 



5. Keine Ubersetzungen 

§31. 

sind folgende den Titel "Schulchan aruch" fiihrende Werke: 

a) Michael Kreizenach (lebte 1789-1842), Schulchan aruch oder enzyklopadische 
Darstellung des jiidischen Gesetzes. 4 Telle. Frankfurt a.M. 1833-40. b) "Schulchan 
aruch. Historia dei riti ebraici, vita ed observanza degli Ebrei di questi tempi, da 
Leone da Modena, tradotta nella lingua ebraica da .S*. Rubin, con molti e diversi No- 
ti da Ad. Jellinek". Wien 1867 (Duodez; XIV, 130 S.). - c) Pesach Rudermann, 
Schulchan aruch, dine kenasoth weonschim. (Sch.a., Vorschriften iiber Strafen und 
BuBen.) Das russische Strafrecht. (Statut der Strafgesetze, die durch den Friedens- 
richter vollzogen werden.) Aus dem Russischen ins Hebraische und Jiidisch- 
Deutsche iibersetzt und erlautert. Warschau 1877 (101 S.). - d) Derselbe, Schulchan 
aruch, halachoth mis'char. (Sch.a., Vorschrift iiber Handel.) Das russische Handels- 
recht. Aus dem Russischen (usw., wie in c). Warschau 1878. - e) Schulchan aruch, 
eben schtijjah. Sch.a., "Stein des Trinkens" [oder "Grundstein" der Welt]; in dem 
Doppelsinne von schtijjah liegt der Witz). Jus potandi fiir das frohe Purimfest, in 
Abschnitten und Paragraphen mit dreifachem Kommentar, Novellas und Verwei- 
sung auf den Purim-Traktat. (Sedez, 8 Bl.; Parodie aus dem Jahre 1862; vgl. 
Zeitlin, Bibl. hebr. post-Mendelssohniana, Leipzig 1895, S. 437.) 

B. 
Schriften uber den Schulchan aruch. 

Es kann mir natiirlich nicht einfallen, jedes kleine Schriftchen zu verzeichnen, das 
den Schulchan aruch einmal erwahnt. Mir kommt es vor allem darauf an, iiber die 
Schriftwerke zu unterrichten, die seit dem Schulchan-aruch-Streite von 1884 er- 
schienen sind und in dem weiteren Fortgange dieses Streites eine gewisse 
Bedeutung erlangt haben. 

Von den in Enzyklopadien vorkommenden Artikeln iiber den Schulchan aruch ist 
wirklich brauchbar nur derjenige Dalmans in der "Real-Enzyklopddie filr 
protestantische Theologie und Kirche", wahrend z.B. das, was Hamburger in seiner 
"Real-Enzyklopadie des Judentums" (Fortsetzung seiner ebenso sach- und druck- 
fehlerreichen "R.-E. for Bibel und Talmud") Abt. Ill, Supplement IV, S. 101-106 
(Leipzig 1897) bietet, durchaus untauglich ist. - Die fremdsprachlichen Enzyklopa- 
dien bieten nichts Neues. 

Was in den Einleitungen zu den vorstehend behandelten Ubersetzungen von Meyer, 
Lowe, Sautayra-Charleville, "Judenspiegel" und Ecker gesagt ist, reicht nicht zu, 
ebensowenig die kurzen Notizen von Z. Frankel (Der gerichtliche Beweis nach mo- 
saisch-talmudischem Rechte 15, Berlin 1846, S. 108f.), M. Jost (Geschichte des 



Judentums und seiner Sekten 31) 16, Leipzig Bd. Ill, 1851, S. 129, 454), H. Graetz 
(Geschichte der Israelitenl?, 2. Aufl., Leipzig Bd. IX, 1877, S. 414f.), G. Karpeles 
(Geschichte der jiidischen Literatur, Berlin 1886, Bd. 11, 971), H. Ellenberger, Hi- 
storisches Handbuch, Budapest 1883, S. 407) usw. - Ich behandle also nur die 
wichtigste 

Literatur seit 1884. 

§32. 

1 Johann Gildemeister (1812-90, Prof, in Bonn): "Der Schulchan aruch. Bin ge- 
richtlich erfordertes Gutachten." Bonn 1884 (GroBoktav, 16 S.) Noch heute zum 
Teil lesenswert, wenn auch manche Irrtiimer. (Hauptgegner: D. Hoffinann, s.u.3.) 
Vgl. Strack, Literar. Centralblatt 1885, Sp 335ff.l8. 

2 Manuel Joel (Prof, in Breslau): "Gegen Gildemeister" Breslau 1884. (Hochst 
unziemlicher Ton. Vgl. Strack a.a.O. Sp. 337.) 

3 D. Hoffinann (Dozent am Rabbinerseminar in Berlin): "Der Schulchan-Aruch 
und die Rabbinen iiber das Verhaltnis der Juden zu Andersglaubigen. " 1 . Aufl. Ber- 
lin 1885, 149 S.; 2. Aufl. Berlin 1894, Xll und 235 S. (Vgl. Strack a.a.O. Sp. 337; 
Marx-Dalman, Jiidisches Fremdenrecht, S. 44-80.) - H. bringt vom Standpunkte des 
orthodoxen Judentums aus viel Material, berichtigt Fehler, z.B. Brimans und 
Eckers, verfahrt aber ganz e/«5'ezY/g jiidisch-apologetischl9. 

4 M.L. Rodkinssohn: "Der Schulchan aruch in seinen Beziehungen zu den Juden 
und Christen." Wien 1884, 68 S. (Vgl. Strack a.a.O., Sp. 338; Marx-Dalman a.a.O., 
S. 46. - Reformjiidischer Standpunkt, S. 46ff sogar Ablehnung des Sch.a.; aber 
seine Kritik an der jiidischen Orthodoxie, an "Justus", Ecker und Hoffmann 
gleichmaBig ohne Sachkenntnis.) 

5 J. Goldschmidt (Bezirksrabbiner in Weilburg): 20 Artikel in Nr. 34-46 der "Is- 
raelitischen Wochenschrift" von 1884. (Strack a.a.O.; Marx-Dalman a.a.O., S. 44ff 
- Ungerecht, vollig unzureichend, sogar nahezu unredlich.) 

6 Adolf Lewin (Rabbiner in Coblenz): "Der Judenspiegel des Justus". Magdeburg 
1884, 89 S. (Vgl. Marx-Dalman a.a.O. S. 45ff - Noch schlimmer als Goldschmidt.) 

7 Moritz Baum: "Ein wichtiges Kapitel" usw.; 2. verbess. Aufl. Frankfurt a.M. 
1884, 48 und US. (Die ersten 48 Seiten wollen beweisen, daB "die Christen und 
dergleichen Volker" schon im Talmud, geschweige denn spater, nicht als "Akum, 
Goi, Nochri" bezeichnet worden seien, was Unsinn ist. Die zweiten 1 1 Seiten geben 
einen guten Bericht iiber den "Judenspiegel"-ProzeB zu Miinster [10. Dezember 
1883] mit Ausfallen gegen die Sachverstandigen, Privatdozent Ecker und zumal 
den jiidischen Seminarlehrer Treu.) 



8 Gustaf (Marx) Dalman (jetzt Professor in Greifswald): "Jildisches Fremden- 
recht, antisemitische Polemik und jiidische Apologetik." Karlsruhe und Leipzig 
1886, 80 S. (S. 1-40 Kritik an Briman und Ecker; 41-78 an Hoffinann, Gold- 
schmidt, Lewin, Rodkinssohn usw. - Die teste und sachlichste aller bisherigen 
Schriften iiber den Schulchan aruch, zumal von S. 41 ab. Leider seit langem im 
Buchhandel vergriffen und befremdlicherweise nie wieder neu aufgelegt, obwohl 
gerade das Institutum judaicum in Berlin, unter dessen Schrifzten dieses Buch die 
erste war, langst die Pflicht gehabt hatte, fiir eine Neuauflage zu sorgen!) 20. 

9 Bernard Fischer (Rabbiner a.D., 1821-1906): "Talmud und Schulchan aruch", S. 
2-10, 6ff. Leipzig 1892, 111 S. (Langst vergriffen, zum Teil bald veraltet, aber vie- 
le interessante Einzelheiten, doch mancherlei Irrtiimer.) 

10 Paul Forster (Schulprofessor): "Talmud und Schulchan aruch." Breslau 1892, 
58 S. (Bin Vortrag; unwissenschaftlich und voller Irrtiimer; die Texte verstandnis- 
los nach den ersten Auflagen von Briman- Justus' "Judenspiegel" wiedergegeben 
und behandelt.) 

11 "Wozu der Ldrm? Brief eines Germanen an seine 'Mitbiirger' semitischer 
Rasse", S. 34-47. (Antisemitische Streitschrift.) 

12 R. Konigsberger in "Israelit. Wochenschrift" vom 9. Dezember 1893. (Unbe- 
deutend.) 

13 August Wiinsche (Titularprofessor, Madchenschulrektor a.D. in Dresden): 
"Sind die Christen nach den religionsgesetzlichen Schriften der Juden als 'Akum' 
(Gotzendiener) zu betrachten?" Beilage zur Miinchen-Augsburger Allgemeinen 
Zeitung 1893, Nr. 53, S. 1. (Einseitig apologetisch und vielfach ungenau wie alles, 
was W. schreibt.) 

14 F.E. V. Langen: "Das judische Geheimgesetz und die deutschen Landesvertre- 
tungen." Leipzig 1895, VI und 114 S. (Bespricht den Sch.a. besonders auf S. 29, 
34-51, 66-75, wobei sehr Interessantes iiber den (Kizzur Schulchan aruch" und die 
Geschichte der stecken gebliebenen deutschen Schulchan- Aruch- Ubersetzung des 
"Dr. Johannes von Pavly" [s.o. Dritter Hauptteil § 26] mitgeteilt wird, desgleichen 
auch iiber die Ubersetzungen des oder der anderen "de Pavly". Sonst stark pole- 
misch.) 

15 Ch. Tschernowitz: "Die Entstehung des Schulchan aruch." Bern 1915, 79 S. 
(Wissenschaftlich, aber undeutlicher Stil, zahllose Druckfehler, unklare Darstel- 
lung.) 

16 Theodor Fritsch: "Der Streit um Gott und Talmud." Leipzig 1922, 94 S. (S. 64f 
treffende Polemik gegen die Urteile des Leipziger Pfarrers, Privatdozenten usw. D. 
Paul Fiebig 32) iiber den Schulchan aruch.) 



17 Erich Bischoff: "Rabbinische Fabeln. Ein Gerichtsgutachten. " Leipzig 1922, 
108 S. (S. 13, 17-40, 58-81, 84ff., 103-107. Unparteiisch; Berichtigung vieler fal- 
scher jiidischer Ubersetzungen und Urteile.) 

18 Simon Bernfeld: "Jiidische Geschdftsmoral nach Talmud und Schulchan 
Aruch. " Berlin 1924, 28 S. (Apologetisch, zitiert allerlei, am meisten des Maimoni- 
des Mischneh thorah, vom Schulchan aruch nur ein paar wenig wichtige Stellen auf 
S. 20ff.)33). 

19 E. Munk: Gefdlschte Talmudzitate. Berlin 1924. (Anscheinend - laut Vorrede - 
ein erweitertes Flugblatt des "Centralvereins deutscher Staatsbiirger jiidischen 
Glaubens" und gleich den meisten von diesen fliichtig, fehlerhaft und wissenschaft- 
lich wertlos, obwohl Hoffinann und Fiebig "zum Teil wortlich" ausgeschrieben 
sind. Die Behandlung der beiden lediglich angefiihrten Schulchan-aruch-Stellen ist 
schiilerhaft.) 

C. 

Der Kizzur Schulchan aruch. 

(Praktischer Auszug aus dem Schulchan aruch) 

§33. 

Kizzur schulchan aruch ha-schalem ("Auszug aus dem ganzen Schulchan 
aruch.") Von Salomo Ganzfried, Rabbinatsprofessor von Ungam in Ungam. (2. 
Aufl. 1866.) Neuauflage mit 3 Kommentaren, 2 Telle. Wilna 1901. 

Marx-Dalman benutzte 1884 die 14. (!) Auflage des Buches, das also seit 1866 bis 
dahin (d.h. innerhalb von 18 Jahren) nicht weniger als dreizehnmal neuaufgelegt 
werden muBte - ein Beweis fiir seine starke Verbreitung! 

Wie Marx-Dalman (Jiidisches Fremdenrecht, S. 53) richtig bemerkt, will der "Kiz- 
zur" Ganzfrieds zwar einen ausfiihrlicher Auszug aus dem Sch.a. sein, aber "nur 
das fur die Praxis des tdglichen Lebens unumgdnglich Notwendige zusammenstel- 
len." Und "unumganglich notwendig" erscheint es dem "Kizzur", Vorschriften aus 
dem Schulchan aruch wiederzugeben, die in der Zusammenstellungsweise Ganz- 
frieds lediglich auf Christen bezogen werden konnen! - "In dem vom Gotzendienst 
handelnden Kapitel 167" (des "Kizzur") - sagt Marx-Dalman a.a.O. S. 54 treffend - 
"werden als gotzendienerische Dinge, die zur Benutzung verboten sind, genannt: 
'Gotzen' (die Bilder und Kreuze in den Kirchen und an den Wegen), ihr Schmuck, 
Rducherfdsser, Kelche und Musikinstrumente. Fiir die 'Gotzenhauser' (Kirchen) 
diirfen nicht einmal Fenster gefertigt werden. Den 'Gotzendienem' darf man weder 
fiir den 'Gotzendienst' brauchliche Biicher, noch die von ihnen verfalschten (!) Bi- 
belausgaben verkaufen. Den von einem Gotzenhause her kommenden Gesange und 



Geruche" (von Weihrauch usw.) "soil man auszuweichen suchen. Der sonst verbo- 
tene Spott darf dem 'Gotzendienst' gegeniiber angewendet werden 34) 
'Gotzendiener' etwas zu schenken, ohne daB man einer Gegenleistung ihrerseits 
sicher ware, ist verboten. Man darf sie auch nicht loben. Weil sie des Mordes ver- 
dachtig sind, darf man nicht mit ihnen allein sein. Eine Israelitin darf nur das Kind 
einer ihr bekannten 'Heidin' stillen, weil sonst Feindschaft zu befiirchten ware. 
Man darf den 'Heiden' nicht veranlassen, den Namen von 'Gotzen' aussprechen. 
Nur bei dem Eide, der durch geschdftliche Beziehungen zu 'Heiden' veranlaBt 
wird, ist eine Ausnahme gestattet. Wenn man das Haus eines 'Gotzendieners' sieht, 
soil man sagen: 'Das Haus der Stolzen wird niederreiBen der Herr' (Spriiche 
15,25)!" - Marx-Dalman fiigt mit Recht hinzu: "Salomo Ganzfiried, der keineswegs 
allein steht, wendet also die Kampfgesetze des Schulchan aruch (gegen 'Gotzen- 
diener) nochjetzt aufdie Christen an, und der Leser kann nun selbst urteilen, wie 
weit Dr. Hoffmanns ... Behauptung beschrdnkt werden muB, wonach Isserles der 
Anerkennung der Christen als Mc/z/-Gotzendiener zur 'Alleinherrschaft' unter den 
Juden verholfen habe." 

Dem rabbinischen Apologeten D. Hoffinann war es sehr unangenehm, hier den 
Beweis gefiihrt zu sehen, daB der "Kizzur" - dieses praktische rabbinische Schul- 
buch (s.u.) das Christentum zum Gotzendienste rechne, und er lieB sich 35) von 
dem alten Ganzfried einen Brief schreiben, daB er "die, Gojim (!), unter deren 
Schatten wir uns bergen" nicht fiir Gotzendiener habe gehalten wissen wollen 
(Marx-Dalman a.a.O. S. 71). Aber schlagend (und doch noch viel zu milde) fiihrte 
ihn Marx-Dalman (a.a.O. S. 71f ) folgendermaBen ab: "Wollte man in jenem Kapi- 
tel 167" [des "Kizzur"] "es auch anfangs noch firaglich sein lassen, ob zu den 
Kelchen, Raucherfassem 36), Tempeln, Gewandem und Lichtem der 'Gotzendie- 
ner' auch die christlichen zu rechnen seien, so heiBt es doch unter Nr. 5" [des Kap. 
167] "ohne weitere Einfiihrung: 'Das Bild des Kreuzes, das sie ' (offenbar die 'Got- 
zendiener', von denen im Zusammenhange die Rede war) anbeten, ist verboten 
37).' Wenn dann unter Nr. 6 von ^verfdlschten Bibeln Alten Testaments die Rede 
ist, welche man ihnen ebensowenig verkaufen darf, wie andere mit dem Gotzen- 
dienst' zusammenhangende Sachen; wenn unter Nr. 11 Orte genannt werden, an 
welchen die ^Gotzendiener 'sich versammeln, um Siindenvergebung zu erlangen, 
so ist deutlich, daB der Schreiber des Kapitels nicht lediglich 38) an Neger und In- 
dianer denkt. ... Im ganzen Kapitel ist von einer Scheidung zwischen Gotzendienern 
und Christen keine Spur zu entdecken. " - Soweit Marx-Dalman 39). 

Dieser "Kizzur Schulchan aruch" war bis 1892/93 auch beim israelitischen Religi- 
onsunterricht in Deutschland stellenweise im Gebrauch! Als damals hierauf 
hingewiesen wurde, setzte man in PreuBen eine Kommission unsachverstandiger 
Theologen ein, die zu dem hochweisen Ergebnisse kam, daB "der Schulchan aruch 
in keiner offentlichen oder privaten Volksschule im Unterrichtsgebrauch" sei 
(Reichsanzeiger 1893, Nr. 233), namlich beim jiidischen Religionsunterrichte. Ob 
in demjenigen hoherer Schulen, wurde nicht gesagt. Uber die Seltsamheit dieser 
Kundgebung jedoch machte sich schadenfroh der "Berliner Borsencourier" vom 30. 
September 1893 weidlich lustig, der mit Recht bemerkte, es handle sich doch um 



den "Kizzur" und nicht um den Schulchan aruch selber, und jene Regierungserkla- 
rung sei etwa ebenso weise, als wenn man gesagt hatte, das Corpus juris werde 
nicht in den Schulen gelehrt. In welchem Umfange der "Kizzur" im orthodoxen 
jiidischen Schulunterrichte Preufiens benutzt worden ist, weiB noch heute kein 
Mensch. Tatsachlich gebraucht wurde er "in alien Klassen" (d.h. vom 10. [!] Le- 
bensjahre ab) der "Israelitischen Lehrerpraparandie" zu Burgreppach noch 1891/92 
und in "einer badischen Handelsschule" [!] 1893, wo seinen Gebrauch der "GroB- 
herzogliche Oberrat der Israeliten" Baden verbot, weil u.a. "diejenigen Stellen, 
welche den gotzendienerischen Heiden gegeniiber ein minder humanes Verhalten 
zulassen 40), als veraltet und der heutigen gelauterten Auffassung des Judentums 
widersprechend bezeichnet werden miissen." (Karlruher Zeitung, 17. Juli 1894.) 
Daher kam der "Oberrat" zu dem Ergebnis, "dafi der ^Kizzur Schulchan aruch ' als 
Schulbuch nicht geeignet ist. " 

Heute ist der "Kizzur Schulchan aruch" in den jiidischen Religionsschulen wieder 
in Gebrauch. Zu Leipzig steht er, in drei Ausgaben und in einer deutschen Uberset- 
zung, in der jiidischen Buchhandlung M. Kaufinann reihenweise zum Verkaufe. ... 
21. 

Vierter Hauptteil. 

Zur Beurteilung des Schulchan 

aruch. 

A. 

Der "Schulchan aruch" ist kein selbstandiges Werk. Sein Verfasser Joseph Ka- 
ro (s.o. § 8 und vor allem § 9) fiiBt auf den "Codices" (§ 6ff.), vor allem auf dem 
Mischneh Thora des Maimonides, den er oft wortlich ausschreibt (vgl. unten An- 
hang 1, Anmerkung 8); die "Codices" aber gehen auf die Talmudkompendien (§ 5a) 
und auf die Dezisoren (§ 5) auf den Talmud (§ 4) zuriick. Es diirfte sich kaum et- 
was im Schulchan aruch Karos finden, was nicht schon in einer dieser 
Quell enschriften stande, wenn er auch in deren Verwendung und Bewertung oft 
geirrt und Liederlichkeiten begangen hat (vgl. oben § 9, zumal gegen SchluB, und 
zum Teil § 10). In den Ubersetzungsstucken (Fiinfter Hauptteil) habe ich wenig- 
stens die einzelnen Talmudstellen angegeben, auf welchen die entsprechenden 
Vorschriften des Karo (und Isserles) hauptsachlich fiiBen - so daB (wenn wir als 
"Talmud" in weiterem Sinne die gesamte auf seine Vorschriften beziigliche Litera- 
tur ansehen) auch der Laie sehen kann, daB der Schulchan aruch ein echter 
Talmudsohn ist, nur daB bei ihm auch noch die Dezisoren usw. (s.o. § 5) Pate ge- 
standen haben. - Karo nahm mit Ausnahme der jiidischen Gesetze, die vom 



Bestande des Jerusalemer Tempels abhangig sind, und die Maimonides im Hinblick 
auf dessen Wiederaufbau zur Messiaszeit beriicksichtigt, im allgemeinen nur die zu 
seiner Zeit giiltigen praktischen Gesetze auf, nur zuweilen auch solche, von denen 
er nur voraussetzte, daB sie irgendwo noch in Gebrauch sein konnten, oder deren 
Vorschriften er auf die Gegenwart bezog (vgl. unten zu Joreh deah 141). 

B. 

Der Schulchan aruch ist (wie auch der Talmud) keine "Einrichtung" der "mit 
Korporationsrechten innerhalb des Bundesgebietes bestehenden jiidischen Re- 
ligionsgesellschaft" im Sinne von § 166 des Reichsstrafgesetzbuchs 41). - Nicht 
einmal die Zehn Gebote der christlichen Kirche oder der jiidischen Religionsgesell- 
schaft sind nach der Rechtsprechung des Reichsgerichts 42) als eine "Einrichtung" 
im Sinne des § 166 StGB. anzusehen. Noch viel weniger ist dies beim Talmud, ge- 
schweige denn beim Schulchan aruch 43) der Fall. (Vgl. Anfang von Teil C.) Beide 
sind ja nicht einmal Lehrbiicher - religiose Lehren aber sind an sich durch § 166 
nicht geschiitzt - sondem nur Mitteilungen iiber verschiedene Lehrmeinungen, von 
denen viele iiberhaupt nicht allgemein, andere nur zeitweise anerkannt wurden. 

C. 

Die Stellung des heutigen Judentums zum Schulchan aruch ist nicht einheitlich. 
Es gibt ja im Judentum keine unbedingte religiose und religionsrechtliche mensch- 
liche Lehrautoritat, wie z.B. in der katholischen Kirche den Papst, noch eine 
grundlegende "Bekenntnisschrift" , wie das Apostolische Glaubensbekenntnis fiir 
die christlichen Kirchen oder die Augsburger Konfession (1530) fiir die evangeli- 
sche, die "Canones et decreta" (Lehrsatze und Beschliisse) des Tridentinischen 
Konzils (1564) fiir die katholische Kirche; als der groBe jiidische Talmudist und 
Vhi\os,o^h Maimonides (1135-1204), s.o. § 6) die Quintessenz des jiidischen Glau- 
bens in seinen "Dreizehn Artikeln" zusammenfaBte, erfiihr er heftigen 
Widerspruch, und die "Artikel" wurden keineswegs als autoritativ anerkannt. 

1. Das gesetzestreue (orthodoxe) Judentum sieht im Schulchan aruch (der Karo 
und Isserles) nebst den maBgebenden Kommentaren dazu (s.o. § 11) sein Religi- 
onsgesetz. (D. Hoffinann, Der Schulchan- Aruch, 2. Aufl., Berlin 1894, S. 398 44).) 
Der orthodoxe Durchschnittsrabbiner begniigt sich mit dem Schulchan aruch und 
etwa noch den Bemerkungen eines seiner Ausgabe beigedruckten Kommentars 
(zumal des Baer heteb [s.o. § 11,7] wegen seiner Exzerpte aus anderen Kommenta- 
ren). Vgl. Graetz, Geschichte der Israeliten IX, 2. Aufl., S. 133 (s.o. S. 29 Anm.): 
"Der Schulchan aruch bildet bis auf den heutigen Tag fiir die [orthodox gesinnten] 
deutschen und polnischen Juden, und was dazu gehort, die religiose Norm, das offi- 
zielle Judentum" Ebenso fiir die russischen und anderen europaischen orthodoxen 
Juden, kurz, fiir rund acht Zehntel des gesamten Judentums. Bei uns in Deutschland 
ist nach dem Kriege durch die Masseneinwanderung russischer und anderer ortho- 



doxer "Ostjuden" die Zahl der Anhanger des Schulchan aruch wesentlich vermehrt 
warden, schon friiher in Nordamerika durch ostjiidische Einwanderung. Wenn der 
Frankfurter Rabbiner Dr. Casar Seligmann (Geschichte der jiidischen Reformbe- 
wegung, Frankfurt a.M. 1922, S. 17) behauptet, das orthodoxe Judentum habe 
"allmahlich aufgehort, die Religion der ungeheuren Mehrzahl der Juden Westeuro- 
pas und der neuen Welt zu sein", und "das offizielle Judentum" sei allmahlich fiir 
die modeme Judenheit "eine Buchreligion geworden, eine bloBe Lehre, von der 
sich das Leben abgewandt hat" - so will es mir erstens nicht richtig erscheinen, 
wenn den deutschen altglaubigen Juden eine "ungeheure Mehrzahl" von fremden 
Nichtorthodoxen entgegengestellt wird, deren "Ungeheuerlichkeit" in vielen Fallen 
darin besteht, daB sie nur noch bloBe Namensjuden sind, die zwar (was wohl kein 
Jude auf Erden unterlaBt, und ware er selber der Allerunglaubigste und Indifferen- 
teste) ihre Sohne beschneiden und wohl auch "konfirmieren" [Bar mizwah 45) sein] 
lassen und, weil sie miissen, noch jiidische Gemeindesteuer bezahlen, im iibrigen 
aber sich um das Judentum als religiose Erscheinung nicht das mindeste kiimmem, 
sondem nur um mit dem friihgetauften Juden Karl Marx 46) zu reden, ihrem weltli- 
chen Gotte, dem Gelde, dienen. - Sodann scheint Seligmann nicht zu wissen, daB 
nicht allein ostdeutsche Judengemeinden infolge des Zustromens von Ostjuden in 
Kultus und Brauchen einen wesentlichen "Ruck nach rechts" bekommen haben, 
daB femer in Gemeinden, die n Stelle des seltsamen "Kol nidre" (vgl. meine rabbi- 
nischen Fabeln", Leipzig 1922, S. 42ff.) Seligmanns deutschen, echt poetischen 
Ersatz dafiir (Gebetbuch 11,81) angenommen batten, die "Kol-nidre"-Formel wieder 
auftaucht - und daB z.B. im Gegensatze zu den gemaBigt-liberalen friiheren Rabbi- 
nem Dr. Goldschmidt und Dr. Porges ihr Leipziger Nachfolger seine Kinder, die 
offentlichen Schulen besuchen. Sabbaths nicht schreiben usw. laBt und dieserhalb 
einen ProzeB fiihrt 47); auch in manchen Berliner Gemeinden und Synagogen soil 
sich ostjiidisch-orthodoxer EinfluB geltend machen. - Ubrigens spricht Seligmann 
(a.a.O., S. 18) selbst von "der ungeheuren Majoritat der altorthodoxen Judenheit in 
den osteuropaischen Landem, die von dem Wellenschlag modemer Bildung noch 
nicht beriihrt sind." Diese ungeheure Majoritat lehrt, denkt und lebt noch vollig 
dem Schulchan aruch gemaB und treu! 

2. Das liberale (Reform-)Judentum, das verschiedene Einzelrichtungen aufweist, 
hat sich vom Schulchan aruch mehr oder minder entschieden abgewandt, am 
scharfsten wohl in den "Richthnien zu einem Programm fiir das liberale Judentum", 
ausgearbeitet von der (seit 1889 bestehenden) "Vereinigung der liberal en Rabbiner 
Deutschlands" und gebilligt 1912 von der Posener Hauptversammlung der "Verei- 
nigung fiir das liberale Judentum" (1908 in Berlin gegriindet) 48). - Die ungemein 
radikalen "Richthnien" (bei Seligmann, Geschichte der jiidischen Reformbewe- 
gung, S. 156-163 in 13 Hauptabschnitten [auBerlich den 13 Glaubensartikeln des 
Maimonides entsprechend] mit mehrfachen Unterabteilungen) schlagen allerdings 
alle ahnlichen Verlautbarungen extremer Richtungen anderer Bekenntnisse (z.B. 
der vormarzlichen protestantischen "Lichtfreunde", der Protestantenvereinler, ge- 
wisser Freireligioser, Modemisten usw.) um viele Nasenlangen und lassen von dem 
iiberlieferten Judentume fast nur noch die auBere Schale iibrig, die (wie Goethe sa- 
gen wiirde) mit "der Herren eig'nem Geist" gefiillt ist, so daB der, welcher sich 



eingehend mit dem Judentume beschaftigt hat, vielfach wirklich mit Cahn (s. 
Anm.) den Eindruck "fremder Anschauungen mit judischen Marken" hat 49). Fiir 
Inhalt und Geist des "Schulchan aruch " ist da natiirlich kein Raum. Nur sind ange- 
sichts dieser "RichtHnien" einige Fragen berechtigt: 

a) Wenn laut "Richthnien" IV (SeHgmann S. 157) "die heihge Schrift [hes: das Al- 
te Testament] wie die von ihr ausgehende Weiterbildung des Judentums im 
nachbibHschen Schrifttum, Talmud, rabbinischer [also auch Schulchan aruch\] und 
religionsphilosophischer Literatur bis auf die Gegenwart" nicht mehr sind als bloBe 
" geschichtliche Grundlage der judischen Religion" (also keineswegs mehr religi- 
onsgesetzliche Normen) - wie kommen da die Herren liberalen Rabbiner dazu, 
Strafantrage auf Grund von § 166 StGB. zu unterzeichnen oder als "Sachverstandi- 
ge" den besagten Paragraphen fiir verletzt zu erklaren, falls etwa der Talmud, der 
Schulchan aruch usw. "geschmaht" worden sind? Desgleichen geht sie doch eben- 
sowenig an, als wenn ich das romische Corpus juris civilis, das in weitgehendem 
MaBe die "Grundlage" unseres Biirgerlichen Gesetzbuchs bildet, schmahte und 
dann als Schmaher des BGB. denunziert, angeklagt und besachverstandigt wiirde! - 
Und wenn als solche "geschichtlichen Grundlagen der judischen Religion" auch 
solche, die "bis auf die Gegenwart" entstanden sind, gelten sollen (s.o.), da ware 
wohl auch die neueste "Weiterbildung des Judentums" (s.o.), namlich die "Richth- 
nien", sakrosankt, und es fiele ein jiidisch-orthodoxer oder christlicher Kritiker, der 
dieses Elaborat mit allerscharfsten wissenschaftlichen oder gar ethischen Zensur 
belegte, schlieBlich unter § 166 wegen "Beschimpfiing der judischen Religionsge- 
sellschaft" oder gar einer ihrer "Einrichtungen", sofem die "Richthnien" als eine 
solche besachverstandigt werden? Derm nach "Richthnien" Xll (a.a.O., S. 162) ist 
ja damit, daB die "Vereinigung der liberalen Rabbiner Deutschlands fiir die religio- 
se Einheit des Judentums eintritt", diese durch einen magischen Akt gegeben "und 
deshalb (!) die Behauptung einer konfessionellen Verschiedenheit innerhalb des 
Judentums unwahr"; mithin hat der Pressesiinder mit den "Richthnien", ihren gei- 
stigen Vatem und Paten das "religios geeinte" Judentum angegriffen, und § 166 
StGB. fahrt auf ihn unter dem Segen geistesverwandter "Sachverstandiger" wie ein 
neugeolter Blitz, mogen auch die orthodoxen Rabbiner und andere Juden gegen 
solche "religiose Einheit" mit den Herren Liberalen sich wehren, wo und wie sie 
nur konnen, und der unbefangene sachverstandige Nichtjude (vielleicht mit einigen 
weniger sachverstandigen bekannten Ausnahmen) im Namen der Wahrheit und 
Logik den Kopf schiitteln und mit Horaz sagen: "Credat Judaeus Apella". - Man 
sieht: Die besagte liberale Rabbinervereinigung hat zwar das alte Judentum fahren 
lassen, nicht aber den alien judischen Rachegeist, sondem sich, dem Centralverein" 
und anderen Instanzen den Weg zum § 166 StGB. trefflich offenzuhalten gewuBt. 
Offensichtliche, auch ihren Urhebem doch wohl erkennbare Fehlschlusse (wie der 
in Richthnien Xll mit dem "deshalb" vollbrachte) und unwahre Unwahrheitsbe- 
schuldigungen (wie die Leugnung des unverriickbaren Abgrundes zwischen 
judischen Altglaubigen und Modemisten) sind stets das Anzeichen schlechter Ver- 
teidigung einer schlechten Sache, mag der MiBlogiker auch jiidische und 
nichtjiidische Nichtwisser (wozu auch Richter usw. gehoren konnen) damit viel- 
leicht irrefuhren konnen. - Der Schulchan aruch ist allerdings so unmodem, das 



"Stehlen des Sinnes eines Menschen durch Worte" (d.h. Irrefuhren durch immerhin 
anders deutbare Worte) z.B. in Choschen ha-mischpat 228,6 zu untersagen! Es gibt 
gewiB unter den liberalen Rabbinem und Laien viele, die hierin dem Schulchan 
aruch noch vollig zustimmen. 

b) Wenn Altes Testament, Talmud, die "Codices" (s.o. § 6ff.) einschlieBlich des 
Schulchan aruch und alle moglichen anderen "Weiterbildungen des Judentums bis 
auf die Gegenwart" nur "die geschichtliche Grundlage " bilden ("Richtlinien" IV) - 
wenn femer "das Judentum als geschichtliche Religion" [lies: Erscheinung] "seinen 
Jeweiligen Entwicklungsformen verschiedenartigen Ausdruck verliehen hat", und 
wenn nach Anschauung des liberalen Judentums "jede Zeit im Judentum " kraft des 
Entwicklungsgedankens "das Recht und die Pflicht hat, bei Wahrung ihres wesent- 
lichen (?) Gehalts geschichtlich bedingte Glaubensvorstellungen und 
Erscheinungsformen aufzugeben, fortzubilden oder neue zu schaffen" ("Richtlini- 
en" V) - wo ist derm da der Inbegriff dicscr Krone der Schopfiing, des modernen 
liberalen Judentums, zu finden? Welches ist derm "der Lehrinhalt der jiidischen 
Religion", aus welchem "Glaubensvorstellungen, welche die Reinheit der jiidischen 
Gottidee triiben, auszuscheiden sind" ("Richtlinien" VII)? Wer hat denn im libera- 
len Judentum diese "Reinheit" formuliert? Wo steht das geschrieben? Wer oder was 
entscheidet denn, welche von den "vielen iiberlieferten Vorstellungen, Einrichtun- 
gen und Brauchen" (wie "Richtlinien" VI nach dem Wortlaute des § 166 StGB. 
gesagt ist) "aus dem BewuBtsein und aus dem Leben geschwunden sind und somit 
ihren Inhalt und ihre Bedeutung verloren haben?" (Das ist doch fiir kiinftige Straf- 
anzeigen aus besagtem § 166 und fiir die herauszustellenden jiidischen 
Sachverstandigen wichtig!) Wer entscheidet denn dariiber, welche "Vorstellungen 
den Bedingungen (der "Richtlinien" VIII) nicht entsprechen" und daher "keine ver- 
pflichtende Kraft haben"? Wer und was entscheidet femer dariiber, "was die 
wiirdige Feier von Sabbath und ... Festen stort" und daher "als verboten gelten soil" 
("Richtlinien" IX 1), und welche "Erschwerungen des [sabbathlichen] Ruhegebots 
keinen Anspruch auf Giiltigkeit haben" (daselbst)? - Wo wird denn "die neue Wei- 
he" beschrieben, mit welcher "die feierlichen Brauche" des sabbathlichen 
Lichtanziinders, des "Eltemsegens" (Kaddisch?), des Seder- (= Passah-)abends 
usw. "umgeben werden" sollen? ("Richtlinien" IX 2.) - Wo wird derm vorgeschrie- 
ben, wie "die Form der rituellen Ehescheidung zu verfachen" ist? (Daselbst IX 3c.) 
- Wo und wie wird denn der Widerspruch ausgeglichen zwischen "Richtlinien" IX 
3a (wonach "die Zugehorigkeit zum Judentum durch die Geburt gegeben" ist) und 
"Richtlinien" X (wonach nur der "als Jude anzusehen ist", der den "unerlaBlichen 
Forderungen" von "Richtlinien" IX und X "geniigt")? - Wo ist denn der neue 
"Schulchan aruch" des liberalen Judentums, der angeblich dessen "religiose Ein- 
heit" ("Richtlinien" XII) darstellt, damit ein Sachverstandiger oder 
"Sachverstandiger" einen Anhalt zur Beurteilung dessen hat, was derm nun gegen- 
wartig als "Vorstellungen, Einrichtungen und Gebrauche" der "mit 
Korporationsrechten irmerhalb des [deutschen] Bundesgebiets bestehenden jiidi- 
schen Religionsgesellschaft" gelten soil? - Ach nein, dazu soil ja noch "Stellung 
genommen werden" ("Richtlinien" VI), da "sich die Entwicklung" noch "in der Ge- 
genwart vollzieht"! Was soil derm da wenigstens einstweilen die Rolle eines 



solchen modem- liberal en jiidischen Religions-Codex spielen? Etwa Kohlers "Sy- 
stematische Theologie des Judentums" oder J. Goldschmidts "Wesen des 
Judentums", die Cahn ("Die religiosen Stromungen" usw., S. 236-370) so erbar- 
mungslos zerzaust hat? Oder irgendeine andere "Darstellung" der "Lehren, 
Einrichtungen und Gebrauche" (§ 166 StGB.) Oder hat Hat Rabbiner Dr. Casar Se- 
ligmann diesen modemen "Schulchan aruch" schon im Pulte liegen? Oder darf 
jeder liberale Rabbiner nach eigenem Ermessen entscheiden, was modemes Juden- 
tum gemaB besagtem Paragraphen ist? ("Ein Judentum zum Aussuchen - wie bei 
der Appelfrau", nannte es mein seliger Freund Dr. Bernard Fischer.) - Seine oben 
genannten Abrechnungen mit Kohler und Goldschmidt hat Cahn eigens zum Be- 
weise dafiir geschrieben, "dafi eine religiose Gemeinschaft zwischen ^Reform' 
[liberalem Judentum] und [echtem] Judentum nicht moglich isf (a.a.O., S. 235f.) - 
Wie steht es da mit der Seligmannschen "religiosen Einheit" des Judentums, die 
natiirlich fiir unsere unsachverstandigen Juristen eine ebenso standige wie falsche 
Idee ist? Die Gemeinden der rechtgldubigen Juden, die von dieser problematischen 
"religiosen Einheit" mit den liberalen noch weniger als von Kreuz und Taufwasser 
wissen wollen, "bestehen" Seligmann zum Trotze doch auch "mit Korporations- 
rechten innerhalb des Bundesgebiets" als genau solche "Religionsgesellschaft" wie 
die liberalen! Und sie haben ein wirkliches, aller subjektiv-zerfahrenen "Entwick- 
lung" und den Zeitgeistkonzcssioncn trotzendes positives Religionsrecht im echten 
alien Schulchan aruch! Sie konnen mit dem Finger auf die einzelnen Stellen zei- 
gen, nicht nur in die Luft, wo "ein Meer von blauen Gedanken" jiidisch- liberal er 
Herkunft schwebt wie nach rabbinischer Meinung (z.B. Bammidbar rabba c. 12) 
ein Heer von gewissen schattenlosen Wesen "in der Luft der Welt". 

c) Auch eine dritte Frage erhebt sich: Konnen die liberalen Neujuden ("Minusju- 
den" sagen die Rechtglaubigen) den Schulchan aruch wirklich so ganz entbehren, 
wie sie sich den Anschein geben? Vom Schdchten steht zwar in den "Richtlinien" 
seltsamerweise nichts. Es ist aber doch wohl anzunehmen, daB die liberalen Rabbi- 
ner und emsteren Laien wenigstens keine "treifen" oder "genabbelten" (unreinen 
oder falsch geschachteten), sondem "koschere" (reine und rituell recht geschachte- 
te) Tiere essen. Geniigt ihnen iiber alle diese Dinge die Auskunft der 
Schachterbiichlein? Und wenn ja, worauf beruhen diese? Auf dem Schulchan aruch 
(Joreh deah 1 bis mindestens 85)! Der Schulchan aruch spielt also hier nicht nur die 
Rolle einer bloBen "geschichtlichen Grundlage", sondem ist auch fiir die liberalen 
"Richtlinien"- Juden noch ganz energisch normativ! - Beschneiden laBt auch der 
ultraliberalste Jude seine mannlichen Kinder unbedingt, und zwar tunlichst am 8. 
Tage nach der Geburt. Da ja schon die Abstammung von jiidischen Eltem die na- 
tiirliche Zugehorigkeit zum Judentume bewirkt ("Richtlinien" IX 3a), so konnte an 
sich die Beschneidung, wie bei den Arabem usw., erst im spateren Knabenalter ge- 
schehen. Warum laBt auch der liberale Jude den Kleinen schon am 8. Tage 
beschneiden? Weil Thorah, Talmud und Schulchan aruch es so befehlen, nicht 
bloB, als "historische Grundlagen", es erwdhnen\ Geschieht es etwa bei den jiidi- 
schen Modemen durch einen Arzt nach den Regeln modemer Chirurgie und 
Hygiene? Nein, meines Wissens auch bei den jiidischen Liberalen noch immer 
durch den Beschneidungs-Kultusbeamten (den Gemeinde-Mohel) unter Ausiibung 



der alten, barbarischen Priah (BloBlegung der Eichel durch AbreiBung der einge- 
schnittenen Vorhaut) usw., ganz nach dem Schulchan aruch (Joreh deah 260ff.)! 
Auch hier ist dieser noch heute mehr als eine bloBe " geschichtliche Gmndlage"! 
[DaB man in Deutschland auf modemistischer Seite stellenweise den Mohel das 
Beschneidungsblut nicht mehr mit dem Munde (!), sondem mittels eines Glasrohr- 
chens, in dem sterilisierte Watte ist, absaugen laBt, dariiber vgl. mein "Blut in jiid, 
Schrifttum und Brauch".] Es wiirde indes zu weit fiihren, noch mehr zu erwahnen. 
Der Leser sieht ohnehin zur Geniige, daB der aus dem jiidisch-hberalen Kuhursalon 
iiber die Vortreppe hinausgeworfene Schulchan aruch gleich Scheffels Propheten 
Jonas doch iiber die Hintertreppe wiederkommt, gleichwie auch Horaz (Episteln I 
10,24) sagt: "Treib' die Natur mit der Forke heraus, stets kehrt sie zuriick doch." 

d) Glauben derm die in den "Richtlinien " zum Worte kommenden geistigen Vater 
und die zustimmenden Gemeindevertreter der so extrem "liberalen" Reform wirk- 
hch, durch offizielle Ablehnung (V, VI) oder scharfe Beschneidung (IX, X) der 
ihnen anstoBigen alten Talmud- und Schulchan-aruch-Vorschriften auch den selbst 
im liberalen Judentum trotz aller schonen Reformworte noch ungestort fortleben- 
den Talmud- und Schulchan-aruch-Geist gebannt zu haben? Der Schulchan-aruch- 
Geist ist der Geist der "halachischen" (Um die religionsgesetzliche Lehmorm dis- 
putierenden) Talmudisten. Der fast tausendjahrige Einflufi des Talmud auf das 
Judentum sowie die rund funfhundertjdhrige Disziplinierung Judischen Denkens 
und Tuns durch den Schulchan aruch lafit sich in der judischen Volksseele ebenso- 
wenig binnen ein paar Jahren oder Jahrzehnten wegbeschliefien wie (wenn der 
Vergleich auch hinkt) der noch dltere Einflufi des Neuen Testaments auf das christ- 
liche Volkstum oder der Einflufi Luthers auf die evangelische Mentalitdt. Solche 
von Generation auf Generation vererbten, nicht papiemen, sondem in Fleisch und 
Blut eingegangenen, wirklichen "Richtlinien" des Denkens, Fiihlens und Handelns 
wirken ebenso unbewuBt, aber auch ebenso sicher weiter, als wenn der von 
ihnen Geleitete die entsprechenden Vorschriften bewuBt ausiibte 50). - "Re- 
former" hat es im Judentume seit den altesten Zeiten gegeben, und sie waren 
zumeist (gleich Dr. Seligmann und seinen Gesinnungsgenossen) von loblichsten 
Absichten beseelt. Unter gleicher Verwerfiing des Talmud und Schulchan aruch als 
noch heute normativer Gesetzbiicher (vielmehr unter Degradierung beider zu Ge- 
schichtsdenkmalem einer iiberlebten religiosen Entwicklungsstufe) haben einige 
einen "idealen Mosaismus" zurechtgemacht, der dem heutigen Zeitgeiste entspre- 
chen soil, leider aber (laut Goethe) "nur der Herren eigner Geist" ist (Marx- 
Dalman, "Jiidisches Fremdenrecht", S. 34f ) und sogar bis zur Vertauschung des 
Sabbaths mit dem Sonntage und zur Leugnung einer Notwendigkeit der Beschnei- 
dung geht (a.a.O., S. 35). Schon der beriihmte Begriinder der "Allgemeinen Zeitung 
des Judentums"51), Rabbiner Dr. Ludwig Philippson ("Reden wider den Unglau- 
ben", 2. Aufl., Leipzig 1861, S. 112ff ), wollte als "mosaische" Religion nur noch 
das gelten lassen, was "mit unserer [judischen] Vemunft, unserem Herzen, unserem 
ganzen geistigen Wesen nicht in Widerspruch steht". Aber der Mafistab hierfiir so- 
wie fiir das Auszuscheidende ist doch rein subjektiv und konnte schlieBlich zu so 
viel "Judentiimem" fiihren, als es Juden gibt, oder sogar bis zur Auflosung des Ju- 
dentums - derm eine Grenze ware um so weniger gegeben, als, wie gesagt, das 



Judentum keine allgemein anerkannte "Bekenntnisschrift" (wie z.B. Katholiken und 
Protestanten) besitzt, die wenigstens die charakteristischen Merkmale des entspre- 
chenden Glaubensbegriffs unverriickbar festlegt. - Jede allzuscharfe "Reform" ruft 
gleich jeder Revolution zwangslaufig eine Reaktion hervor. Auf die hellenistischen 
Assimilanten folgten die Makkabaer, auf die assimilantischen Mendelssohnianer 
die Neo-Orthodoxen der Richtung eines Samson Raphael Hirsch (noch heute in der 
Zeitschrift "Jeschurun" lebendig), und gegeniiber alien liberalen Rabbiner- nebst 
Laienversammlungen und deren Erklarungen und Beschliissen ist die (auch den 
protestantischen christlichen und weltlichen Apostaten hochst unbequeme) "Ge- 
meindeorthodoxie" eine wirkungsvolle Instanz, welche die, wenn auch stellenweise 
morschen, talmudisch-rabbinischen Balken eines "gemaBigt" gehandhabten Schul- 
chan aruch fiir "tragbarer" halt als das schwanke Netzwerk (oder, wie mein seliger 
Freund Rabbiner Dr. Bernard Fischer sagte, das "parfiimierte Spinnengewebe") der 
heute zum Aussuchen offerierten verschiedenen "modemen Judentiimer". Kurz: 
auch im liberalen Judentume ist heute noch - selbst entgegen auBerer Ableugnung 
52) - nicht nur der Geist, sondern auch die Form des Schulchan aruch von weitge- 
hender Wirksamkeit und sein Nimbus als echter Talmud- Abkommling keineswegs 
erloschen. 



Ftinfter und letzter Hauptteil. 

Ubersetzungen aus dem Schul- 
chan aruch. 

Vorbemerkung. 

Da es im Rahmen dieses Buches unmoglich ist, den ganzen Schulchan aruch zu 
iibersetzen (was zudem den meisten Lesem einen sehr langweiligen Lesestoff bie- 
ten wiirde), habe ich den Ausweg gewahlt, in einem ersten Abschnitte (A) einige 
langere Stellen aus dem Schulchan aruch im Zusammenhange zu bieten, um die 
ganze Eigenart und Anlage dieses Werkes zu zeigen, im zweiten Abschnitte (B) 
aber diejenigen Einzelstellen zu iibersetzen und zu erortem, welche Gegenstand des 
heftigen Meinungsstreites iiber den Schulchan aruch geworden sind. - Der Ab- 
schnitt A wird dem aufinerksamen Leser, der bisher nur eine unzureichende 
Vorstellung vom Schulchan aruch besaB, zeigen, daB dieser weder lediglich eine 
Zusammenstellung von "100" oder mehr bedenklichen "Gesetzen" noch anderer- 
seits das Ideal eines religiosen Gesetzesabrisses darstellt, als das ihn seine 
Lobredner hinstellen, sondern ein echter Talmudsohn ist; manchem diirfte das hier 
Vorgelegte auch von religions- und kulturgeschichtlichem Interesse sein. - Ab- 



schnitt B gibt eine wissenschaftlich genaue Ubersetzung einzelner kurzerer Stellen 
des Schulchan aruch, die in der Polemik und Apologetik anlaBlich des sogenannten 
"Judenspiegels" (s.o. § 28) eine Rolle gespielt haben, zugleich mit meinen Erlaute- 
rungen. 

A. 

Einige groBere Abschnitte aus dem Schulchan 

aruch. 

(Dazu einiges Kulturgeschichtliche.) 

I. Orach chajjim § 1-3. 

§ 1. {Vom Morgensegen.] 1. "Man ermuntere sich wie ein Lowe, am Morgen zum 
Dienste seines Schopfers aufzustehen, so daB man die 'Morgenrote erweckt' 
(Psalm 108,3)." - {Hagah [ = Zusatz des Isserles, s.o. § 10]: a) Wenigstens bete 
man nicht spater, als die Gemeinde zu beten pflegt. - b) ' Ich habe den Herm allezeit 
vor Augen' (Psalm 16,8), das ist ein groBer Grundsatz in der biblischen Lehre und 
der Vorzugsstellung der Gerechten, die vor Gott wandeln. Denn das Sitzen, Be- 
nehmen und Tun eines Menschen, der fiir sich in seinem Hause ist, gleicht nicht 
seinem Sitzen, Benehmen und Tun vor einem Konige; ebenso gleicht seine Rede- 
und seine Ausdrucksweise, wie er sie seinen Hausgenossen und Verwandten ge- 
geniiber beliebt, nicht seiner Redeweise gegeniiber einem Konige. Um so mehr 
wird des Menschen Herz alsobald mit Ehrfiircht und Demut vor Gott sich erfiillen, 
wenn er bedenkt, daB der groBe Konig, der Heilige, Gebenedeite, Von dessen Herr- 
lichkeit alle Lande voll sind' (Jesaja 6,3), bei ihm steht und seine Taten sieht, wie 
es (Jeremia 23,24) heiBt: 'Kann sich denn jemand heimlich verstecken, daB ich ihn 
nicht sehe? - spricht der Herr'. Man soil sich zwar nicht vor den Menschen scha- 
men, die einen wegen seines Gottesdienstes verhohnen; doch diene man Gott lieber 
im Verborgenen. Man bedenke also, wenn man auf seinem Lager liegt, in wessen 
Gegenwart man sich befindet, und sobald man vom Schlafe erwacht ist, erhebe 
man sich wacker zum Dienste seines Schopfers, des Gepriesenen.) - 2. "Wer friih 
aufsteht, um zu seinem Schopfer zu beten, beachte die Stunden, in denen die [3 jii- 
dischen] Nachtwachen wechseln: am Schlusse des ersten Drittels der Nacht, am 
Schlusse des zweiten Drittels und am Ende der (ganzen) Nacht, weil das Gebet, das 
in diesen Stunden iiber die Zerstorung Jerusalems und iiber das Exil [die heutige 
Zerstreuung der Juden unter alle Volker] gebetet wird, (besonders) gottgefallig ist." 
- 3. "Es geziemt sich fiir jeden Gottesfiirchtigen, daB er sich grame und harme iiber 
die Zerstorung des [Jerusalemer] Tempels." [Aus Talmudtraktat Baba bathra 60b]. - 
4. "Ein wenig Gebet mit Andacht ist besser als viel Gebet ohne Andacht." [Talmud, 
Menachoth 110a. Trotzdem heiBt es weiter:] 5. "Es ist gut, die Bibelabschnitte von 
Isaaks Opferung und vom Manna, die Zehn Gebote, die Abschnitte vom Brandop- 
fer, vom Speisopfer, vom Dankopfer, vom Siindopfer und vom Schuldopfer 



(taglich) herzusagen53)." - {Hagah: Doch darf nur der einzelne die Zehn Gebote 
allein hersagen; dagegen ist es verboten, sie im Gemeindegottesdienst (als einziges 
Stiick) herzusagen54)." - 6. "Die (eben erwahnten) Bibelabschnitte von den Opfem 
darf man nur am Tage hersagenSS)." - 7. "Nachdem man das Hersagen (des Ab- 
schnitts) vom Brandopfer beendet hat, sage man: 'Es moge Gottes Wille sein, dafi 
das Hersagen dieses Abschnitts so viel gelte und so angenehm sei, als wenn ich 
(wirklich) ein Brandopfer dargebracht hdtte. ' [Aus Talmud, Thaanith 27b.] Und so 
spreche man auch nach dem (Hersagen der) Abschnitte vom Speisopfer und vom 
Dankopfer, weil diese freiwillig dargebracht wurden" [und daher nach Talmud, 
Thaanith 41b den Pflichtopfem gleichzuachten waren]. - 8. "Beim Hersagen (der 
Abschnitte von den) Opfem sage man [laut Midrasch Wajjikra rabba, Kap.2] den 
Vers her: 'Und er soil es schlachten zur Seite des Altars gegen Mittemacht vor dem 
Herm'" [S.Mose 1,11; indem man sich also die Opferhandlung genau vergegenwar- 
tigt]. - 9. "Manche pflegen (zuerst) den Abschnitt von dem kupfemen Handfasse 
herzusagen, dann die Abschnitte von dem Auflieben der Asche, vom taglichen 
Brandopfer, vom Rancher altar e, von den Arten des Raucherwerks und ihrer Berei- 
tung 56)." 

§ 2. \yom Ankleiden friih.^ 1. "Man ziehe sein Hemd56+) nicht im Sitzen an, son- 
dem man nehme es und stecke noch im Liegen Kopf und Arme hinein, so daB man 
damit schon bedeckt ist, wenn man sich aufrichtet." [Talmud, Schabbath 118a.] - 2. 
"Man sage nicht: Ich bin ja im Inneren eines Gemaches (allein); wer kann mich da 
sehen?' [und an meinem entbloBten Oberleibe AnstoB nehmen? - Talmud, Chagi- 
gah 17a, Thaanith lib] - derm von der Herrlichkeit des Heiligen, Gebenedeiten 
(Gottes) sind alle Lande voll (Jesaja 6,3)." - 3. "Man nehme es genau, sein Hemd 
richtig anzuziehen, so daB die Innenseite nicht nach auBen gewendet ist. " [Talmud, 
Schabbath 1 14a.] - 4. "Man ziehe zuerst den rechten Schuh an, binde ihn aber nicht 
zu; dann ziehe man den linken Schuh an und binde ihn (zuerst) zu; darauf binde 
man den rechten zu." [Talmud, Schabbath 61a.] - {Hagah: Bei unseren Schuhen, 
die keine Bander haben, ziehe man [einfach] den rechten zuerst an.) - 5. "beim 
Ausziehen der Schuhe ziehe man zuerst den linken aus." [Schabbath 61a.] - 6. "Es 
ist verboten, stolz erhobenen Hauptes zu gehen oder (auch nur) vier Ellen weit mit 
unbedecktem Haupte." [Talmud, Berachoth 43a.] "Und man achte auf die Verrich- 
tung seiner Notdurft" [Berachoth 15b; Uberleitung zu § 3!] - {Hagah: Man 
bedecke da [auBer dem Haupte auch] seinen ganzen Korper [mit Kleidung] und 
gehe nicht [einmal] barfiiBig. [Talmud, Schabbath 129b.] Auch gewohne man sich, 
seine Notdurft morgens und abends zu verrichten; denn das gehort zur Ordnung 
und Sauberkeit.) 

§ 3. [Benehmen auf dem Abtritt.] 1. "Wenn man in den Abtritt hineingeht, sage 
man: Seid geehrt, Verehrte!'57) Heutzutage aber ist es nicht (mehr) iiblich, es zu 
sagen58)". - 2. "Man sei schamhaft auf dem Abtritt und entbloBe sich erst, wenn 
man sich niedergesetzt hat." [Talmud, Berachoth 62a.] - {Hagah: Es diirfen nicht 
zwei Manner59) (zusammen) auf den Abtritt gehen, auch darf man nicht sprechen, 
und schlieBe die (Abtritt-)Tur aus Griinden der Schamhaftigkeit.) - 3. "Wenn man 
die Of&iung des Afters mit einer Tonscheibe oder einem Spane beriihren will, um 



die Entleerung zu beschleunigen, so betaste man, bevor man sich niedersetzt, nicht 
aber, wenn man sich(schon) niedergesetzt hat, weil man (sonst) Gefahr lauft, be- 
zaubert zu werden." [Talmud, Berachoth 62a; ein solcher auf dem Abtritt 
befindlicher Gegenstand konnte bezaubert sein und die Bezauberung iibertragen.] - 
4. "(Ein Mann) entbloBe sich (hinten) nicht mehr als eine Spanne hoch und vom 
zwei Spannen hoch, eine Frau aber hinten (nur) eine Spanne hoch, vom jedoch gar 
nicht." [Talmud, Berachoth 23a; weil beim Manne vom die Verunreinigung des 
Kaftans durch gleichzeitiges Wasserabschlagen sonst moglich ist.] - 5. "Wenn man 
auf einem freien, nicht umzaunten Platze seine Notdurft verrichtet, dann achte man 
darauf, daB dies mit dem Gesichte nach Norden und mit der Riickseite nach Siiden 
zu geschehe oder umgekehrt; zwischen Osten und Westen (zu sitzen, so daB das 
Hinterteil nach Jerusalem zugekehrt ist) ist verboten." [Talmud, Berachoth 61a.] - 
{Hagah: Das Wasserabschlagen ist jedoch nach jeder Richtung erlaubt.) - 6. "Und 
ebenso ist es (einem Manne) verboten, zwischen Osten und Westen zu schlafen, 
wenn sein Weib bei ihm liegt." [Talmud, Berachoth 60b.] "Er soil dies aber auch 
vermeiden, wenn sein Weib nicht bei ihm schlaft." - 7. "Wer Wasser vom an einer 
Warte abschlagt", [Talmudkommentar des Raschi: d.h. an einer Stelle, von wo man 
den Tempelberg sehen kann, auBerhalb deren man ihn aber nicht sehen kann], "soil 
seine Vorderseite nicht dem Tempel zukehren (sondem nach Norden oder Siiden), 
oder er soil den Tempel seitlich liegen lassen." [Talmud, Traktat Berachoth 61a.] - 
8. "Wenn man seine Notdurft auf einem Felde verrichtet [verrichten will], kann 
man dies sofort tun, falls man es hinter einem Zaune tut; auf freiem Felde aber [wo 
kein Zaun vorhanden ist], muB man sich so weit [vom Wege] entfemen, daB kein 
anderer (Jude) die EntbloBung sehen kann." [Talmud, Berachoth 62a.] - 9. "Man 
setze sich [zur Verrichtung] nicht rasch und mit Wucht nieder, auch strenge man 
sich [dabei] nicht mehr als notig an, damit man nicht den AfterschlieBmuskel zer- 
reiBe." [Talmud, Schabbath 82a.] - 10. "Man wische sich nicht mit der rechten 
Hand ab." [Talmud, Berachoth 62a; weil man namlich mit der Rechten die Denk- 
riemen umbindet, das Essen zum Munde fiihrt, beim singsangartigen Lesen der 
Heiligen Schrift mit der Rechten den Takt schlagt, und weil Gott das mosaische 
Gesetz mit der Rechten gegeben hat, wie aus 5. Mose 33,2 herausgelesen wird.] - 
11. "Man wische sich nicht mit einer [kleinen, porosen] Tonscheibe ab, wegen der 
Gefahr, verzaubert zu werden [vgl. Nr. 3], auch nicht mit Heu, weil dem der 
SchlieBmuskel geschwacht wird, der sich mit einem brennbaren Gegenstande ab- 
wischt." [Talmud, Schabbath 82a.] - {Hagah: Heutzutage aber, wo die Abtritte 
nicht auf dem Felde sind, pflegt man sich mit einer Tonscheibe abzuwischen; eben- 
so pflegt man sich mit einem verbrennbaren Gegenstande [Heu oder Papier] 
abzuwischen, ohne dabei Schaden zu nehmen. Ubrigens richtet man sich nach dem 
Brauche des Volkes.) - 12. "Man verrichte die Notdurft nachts ebenso schamhaft 
wie am Tage." [Talmud, Berachoth 62a.] - 13. "Man schlage das Wasser nicht ste- 
hend ab, weil da Urin auf die FiiBe gespritzt wird, es sei derm, daB man auf einem 
erhohten Platze sich befindet [wo der Urin abwarts flieBt], oder wenn man das 
Wasser auf staubartige Erde abschlagt" (Erlauterung: auf nicht mehr jungfrauliche 
Erde [wie die einer Wiese], sondem auf [zerkriimelte] wie die des Ackers.) [Tal- 
mud, Niddah 13a.] - 14. "Man sei (beim Wasserabschlagen) vorsichtig, daB man 
das (mannliche Glied) nicht anfasse auBer da, wo die Eichel beginnt, weil (sonst) 



zweckloser SamenabfluB verursacht wird. Ein Verheirateter darf dies zwar [das 
Glied mit der Hand beliebig anfassen]; aber es ist fromme Sitte, vorsichtig [hierin] 
zu sein, auch wenn man verheiratet ist." [Niddah 13a.] - 15. "Auch wenn man nicht 
verheiratet ist, so ist es erlaubt, die Hoden (mit der Hand) zu stiitzen." [Niddah 
13a.] - 16. "(Auch) dem Verheirateten ist es nicht erlaubt, das Glied anzufassen, 
auBer wenn er Wasser abschlagt; dagegen um sich (daran) zu kratzen, [ist auch 
ihm] nicht [erlaubt]." - 17. "Wer die Verrichtung seiner Notdurft verzogert, iibertritt 
das Verbot (3.Mose 20,25): Ihr sollt euch nicht verunreinigen. " [Talmud, Makkoth 
16b.] 

II. Orach chajjim § 158. 

(Vom BenetzenGO) der Hande vor der Mittagsmahlzeit.) 

1. Wenn man im Begriffe ist, Brot zu essen, iiber das man den Spruch sagt 'Der Du 
hervorbringst (Brot aus der Erde', Psalm 104,14), benetze (vorher) seine Hande - 
auch wenn er sich keiner (vorherigen) Verunreinigung ihrer bewuBt ist - und spre- 
che den Segensspruch (welcher mit den Worten endet:) 'Uber das Benetzen der 
Hande'. [Talmud, Chagigah 18b.] "Aber bei Brot, iiber das man den Segensspruch 
'Der Du hervorbringst' nicht spricht - z.B. iiber Biskuit und gerosteten Schnitten, 
die keine (eigentliche) Mahlzeit bilden [sondem nebenbei gegessen werden] - ist 
Handebenetzung nicht notig." - 2. "Jemand" [Rabbi Eleasar ben Jehuda aus Worms, 
in seinem Buche Rokeach] sagt, daB man bei einem Brotstiick von etwa EigroBe 
(zwar) die Hande benetzen, aber keinen Segensspruch sagen solle." - 3. "Wenn man 
ein Stiick von weniger als OlivengroBe iBt, hat man, wie mancher [s.o. zu 1] sagt, 
die Handebenetzung (erst recht) nicht notig." - 4. "Wenn man etwas [auBer Brot, 
also z.B. Gemiise oder Friichte] iBt, das man in eine derjenigen61) Fliissigkeiten als 
Zukost eintaucht, deren (Anfangsbuchstaben den) Merksatz (bilden): Jad schachat 
dam" \die Hand schlachtet Blut\ (namlich Jajin [Wein], debasch [Honig], schemen 
[01], cheleb [Milch], tal [Tau], dam [Blut62)] und majjim [Wasser], dann muB man 
- falls man es iBt, bevor jene Fliissigkeiten auf ihm trocken geworden sind - auch 
dann, wenn die Hande eine von der Fliissigkeit nicht befeuchtete Stelle beriihren, 
die Hande (mit Wasser) benetzen, doch ohne (den iiblichen) Segensspruch." [Tal- 
mud, Themurah Xl,2; Machschirin Vl,4; Chullin 33a.] - {Hagah: Und selbst wenn 
man nur die Spitze des Gemiises oder der Frucht [in eine solche Fliissigkeit] ge- 
taucht hat, muB man [die Hande mit Wasser] benetzen, [doch] ohne Segensspruch. 
[Talmud, Pesachim 115b.] - 5. "Wer vor (dem Genusse von« Friichten die Hande 
benetzt, der (ist einer) von den Hochmiitigen. " [Talmud, Chagigah 18b; Chullin 
106a.] - {Hagah: Das gilt nur, wenn er sie benetzt, als ware dies ein verpflichtendes 
Gebot; wenn er sie aber nur der Sauberkeit wegen benetzt, weil sie unsauber sind, 
ist es gestattet.) - "Gebratenes Fleisch - so ist aus den Worten eines Gelehrten er- 
sichtlich - fallt unter dieselbe Bestimmung wie die Friichte [d.h. man benetzt sich 
vor seinem Genusse die Hande nicht], auch wenn es vom Fleichsafte angefeuchtet 
ist. Auch ein aus Weizen bereitetes Gericht, das trocken ist, fallt unter diese Be- 
stimmung." - 6. "Vor dem Trinken braucht man nicht einmal eine Hand zu 
benetzen." [Thosaphoth zum Talmudtrakte Chagigah 18b, Stichwort Ha-notel.] - 7. 



"Hat man (seine Hande) benetzt, um etwas (zu essen), was man in eine Fliissigkeit 
eintaucht [s.o. Nr. 4], und man will danach Brot essen, so ist aus den Worten eines 
Gelehrten ersichtlich, daB fiir dieses [Brot] jene (friihere) Benetzung nicht geniigt, 
und zwar um so weniger, wenn man (zuerst) ohne die Absicht, (Brot) zu essen, sei- 
ne Hande benetzt hat und (erst) alsdann den EntschluB faBt, zu essen." [Talmud, 
Chagigah 18b, Chullin 31a,b.] - Hagah: Wenn man jedoch seine Aufinerksamkeit 
nicht [von den Handen] abgelenkt hat, benetze man [sie] ohne Segensspruch. Be- 
riihrt man beim Essen die verunreinigten Korperteile, so muB man seine Hande 
nochmals62) benetzen.) - 8. "Wer sich in der Einode oder an einem gefahrlichen 
Orte befindet und kein Wasser hat, der ist frei [von der Vorschrift des] Handebe- 
netzens." [Talmud, Erubin 17a.] - 9. "Es ist notig, genau auf (die Vorschrift vom) 
Handebenetzen zu achten; derm jeder, der es (damit) leicht nimmt, ist des Bannes 
schuldig, kommt in Armut und wird aus der Welt hinweggeschafft." [Talmud, 
Traktat Edujjoth V,6 (Mischnah), Schabbath 62b, Sotah 4b.] - 10. "Obgleich ein 
Viertel-Log [1/4 Hiihnereier voll Wasser] geniigt, so nehme man mehr zur Benet- 
zung, denn Rab Chisda sagt [im Talmud]: Ich nahm meine Hande reichlich voll 
Wasser (zum Benetzen), und man [Gott] segnete mich (dafiir) mit vollen Handen!" 
[Talmud, Schabbath 62b.] - 11. "Man spreche den Segensspruch vor dem Benetzen; 
denn bei alien Geboten spricht man den Segensspruch vor ihrer Ausfiihrung. Man 
pflegt aber [auch] den Segensspruch nach der Benetzung zu sprechen, weil 
manchmal die Hande nicht sauber sind [so daB eine erstmalige Benetzung erst den 
Schmutz wegnimmt]. Man spricht deshalb den Segensspruch [erst], nachdem man 
das erstmalig iiber sie [die Hande] gegossene Wasser von den Handen abgeschiittelt 
hat, so daB die Hande sauber sind, bevor man zum zweiten Male Wasser iiber sie 
gieBt." [Talmud, Pesachim 7b, 119a und Parallelstellen.] - {Hagah: Man kann auch 
den Segensspruch iiber sie [die Hande] vor dem Abtrocknen der Hande [also nicht 
nur schon vor dem Benetzen] sprechen; denn auch das Abtrocknen gehort [noch] zu 
der Vorschrift [des Benetzens der Hande, bildet also mit diesem ein Ganzes, und 
erst mit beendetem Abtrocknen ist die Erftillung des Gebots beendet]. Daher wird 
[auch in diesem Falle] gesprochen. Wenn man aber den Segensspruch [zu spre- 
chen] vergessen hat, bevor [die Hande] abgetrocknet sind, so spreche man ihn 
nachher.) - 12. "Man trockne [die Hande] gut ab, bevor man Brot bricht; denn das 
Essen mit nicht abgetrockneten Handen ist gleich dem Essen unreinen Brotes." 
[Talmud, Sotah 4b.] - 13. "Wer seine Hande [statt sie nur durch UbergieBen zu be- 
netzen ganz in Wasser] eingetaucht hat, kann [auch] mit unabgetrockneten [Handen 
Brot] essen. Dies gilt auch, wenn man seine [beiden] Hande auf einmal benetzt und 
iiber sie das Viertel [-Log; s.o. 10] Wasser auf einmal gegossen hat und iiber die 
andere auch ein Viertel." [In diesen Fallen kann man also auch mit unabgetrockne- 
ten Handen Brot essen, was eigentlich der Vorschrift zu 12 widerspricht.] 

III. Orach chajjim § 605. 

(Das Huhner Offer am Vorabend des Versohnungstages.) 

"Was den Branch anlangt, am Vorabend des Versohnungstages als Siihneopfer ei- 
nen Hahn fiir jede mannliche Person zu schlachten und iiber ihn [d.h. bei dieser 



Gelegenheit gewisse] Satze zu sagen, so gibt es [Gelehrte], die diesen Brauch ver- 
bieten64)." - {Hagah: Es gibt Geonim [s.o. § 5 dieser Schrift], die von diesem 
Brauche schreiben, und ebenso schreiben von ihm viele spatere [Autoritaten]. Man 
pflegt ihn in alien heutigen Ldndern, und man soil [ihn] nicht andern, da er sich 
fest eingebiirgert hat. Man pflegt einen Hahn fiir jede mannliche und eine Henne 
fiir jede weibliche Person zu wahlen65); fiir eine schwangere Frau nimmt man ei- 
nen Hahn und eine Henne66); [derm] vielleicht wird sie einen Knaben gebaren67). 
Man pflegt weiBe68) Hiihner zu wahlen, weil es [Jesaja 1,18] heiBt: 'Wenn auch 
eure Siinden rot wie Karmelin waren, so sollen sie doch weiB wie Schnee werden'. 
- Man pflegt diese Suhnehuhner oder ihren Geldwert [nachher] den Armen zu 
schenken. [Zunachst aber wird es geschlachtet, und] man pflegt vor dem Schlachten 
seine Hand auf den Kopf des Tieres zu legen nach Art des ehemaligen Opfer- 
brauchs69+). (Die Eingeweide wirft man auf die Dacher oder den Hof, von wo die 
Vogel sie fi)rttragen konnen.) 



B. 

Ubersetzung kiirzerer Stellen des Schulchan 

aruch. 

(Der berichtigte "Judenspiegel" 70). 

1. Orach chajjim 55,20. + 

"Sind zehn [Juden zusammen] an einem Ortell) und sagen Kaddisch oder Kedu- 
schahll), so kann auch einer, der nicht bei ihnen [sondem in einiger Entfemung] 
ist, antworten [namlich die Worte: 'Amen']. Manche sagen: Es darfsie weder Kot 
noch etwas Nichtjudisches trennen. " 

Der abseits befindliche Jude darf nur dann an dem Gebete des "Minjan" 71) teil- 
nehmen, wenn ihn von diesem nichts (nach jiidischen Ritualbegriffen) unreines 
trennt. Die nicht iibermaBig geschmackvolle Zusammenstellung von Nichtjiidi- 
schem und Kot soil sowohl ebensowenig eine Herabsetzung der Nichtjuden 
darstellen wie unten (Orach chajjim 576,3) die Zusammenstellung einer Schweine- 
pest und einer unter Nichtjuden ausgebrochenen Pest; denn Choschen ha-mischpat 
301,1 und 337,1 wird hinsichtlich von Verbotenem der Nichtjude mit einem jiidi- 



schen Heiligtume zusammengestellt. Ubrigens wiirde auch uns bei einer heiligen 
Handlung das Vorhandensein von Kot oder Juden storen. 

2. Orach chajjim 113,8.+ 

"Betetjemand [ein Jude], und es kommt ihm ein Nichtjude mit einem Kreuze in der 
Hand entgegen, er aber [der Jude] kommt zu einer Stelle [des Gebetstextes], wo 
man sich zu verneigen pflegt, so soil er sich nicht verneigen, obschon sein Herz 
dabei an den Himmel [den jiidischen Gott und nicht an das Kreuz] denkt" 

Es konnte ja sonst aussehen, als ob der Jude dem Kreuze eine Reverenz erwiese. 
Nach Isserles (Joreh deah 141,1 Hagah) ist das Kreuz etwas Gotzendienerisches; 
der sich vemeigende Jude wiirde also den Anschein der Verehrung eines fiir ihn 
"gotzendienerischen" Kultsymbols (religiosen Sinnbilds) erwecken. Derm Isserles 
sagt in seiner (dem Haupttexte des Schulchan aruch von Karo absolut gleichgeach- 
teten) Hagah (Zusatz) zum Telle Joreh deah 141,1: "Die Form eines Kreuzes, vor 
dem man sich verneigt, gilt einem Gotzenbilde gleich und ist verboten" 39). 

3. Orach chajjim 330-332. 

330.1. "Eine [judischej Gebdrende ist wie eine in Lebensgefahr befindliche Kran- 
ke, und man entweiht73) ihretwegen den Sabbath hinsichtlich alles dessen alles 
dessen, was sie notig hat. Man ruft [z.B.] fiir eine Hebamme von einem Orte nach 
dem anderen74), man leistet ihr [vollstandige] Geburtshilfe, man ziindet fiir sie 
Licht an75), auch wenn sie [selbst] blind ist." [Usw.] 

330.2. "Einer Nichtjiidin leistet man am Sabbath keine Geburtshilfe, auch nicht 
durch etwas [einer Handlung], worin keine Entweihung des Sabbaths liegt." 

332,1. "Einem Haustiere leistet man am Sabbath keine Geburtshilfe+)." 



4. Joreh deah 2,1.+ 

^^Was ein Nichtjude schlachtet, ist ein Aas, auch wenn er noch klein [minderjahrig] 
ist77), und auch wenn er kein Gotzendiener ist, und auch wenn andere [d.h. Juden] 
ihm dabei zusehen. " 

Entnommen aus dem Talmud (ChulHn 13a): "Was ein Nichtjude schlachtet, ist ein 
Aas und verunreinigt den [Juden], der es tragt" [laut 3. Mose 11,28: 'Wer ein Aas 
tragt, verunreinigt seine Kleider' usw.]. 

Maimonides a.a.O., Hilchoth maachaloth asuroth IV, 1: "Alles, was nicht rituell ge- 
schachtet ist, gilt als krepiert." 

(Ich habe den Maimonides wortlich angefuhrt,, damit man sieht, wie Karo vieles 
fast wortlich aus ihm iibemommen hat.) 

5. Joreh deah 113,1.+ 

"Etwas, das nicht roh gegessen wird, sondem das ein Nichtjude gekocht hat, sei es 
auch im Geschirr und im Hause eines Juden, ist (zu essen) verboten. " 

Im Talmud ist die Fassung etwas anders; Abodah sarah 8b: "Wenn ein Nichtjude 
seinem Sohne eine Mahlzeit zubereitet und dazu alle Juden seiner Stadt einladt, so 
rechnet es ihnen, obwohl sie sich ihr eigenes Essen und Trinken mitbringen und 
sich von ihrem eigenen Diener bedienen lassen, die Schrift so an, als wenn sie von 
Opfem der Toten gegessen batten, wie es (3. Mose 34,15) heiBt: Und wenn [ein 
Nichtjude] dich einladt und du von seinem Opfer iBt." 

In dem auBerkanonischen Traktate Pirke Rabbi Elieser c. 29 heiBt es scharfer. "Ein 
jeder [Jude], der mit einem Unbeschnittenen iJ5t, tut so viel, als ob er mit einem 
Hunde dfie; derm wie der Hund nicht beschnitten ist, so ist auch der eine Vorhaut 
Habende nicht beschnitten. Und wer einen Unbeschnittenen anriihrt, ist wie einer, 
der einen Leichnam anriihrt, und wer mit ihm badet, ist wie einer, der mit einem 
Aussatzigen badet; denn sie [die Nichtjuden] sind schon zu ihren Lebzeiten wie 
Tote und, wenn sie tot sind, wie Aas aufdem Felde, und ihr Gebet gelangt nicht vor 
den Heiligen, Gebenedeiten [Gott], und von ihnen sagt [die Schrift, Psalm 115,17]: 
Die Toten loben Jahweh nicht." 

6. Joreh deah 116,5. 

"Man [der Jude] stelle nichts Gekochtes und kein Getrdnk unters Bett, auch wenn 
sie mit einem eisemen Deckel zugedeckt sind." 

Vgl. im Talmud (Pesachim 1 12a): "Es wurde iiberliefert: Auf Speisen und Getranke 
unter dem Bette, selbst wenn sie mit einem eisemen Deckel zugedeckt sind, ruht 
der bose Geist" (und verunreinigt sie). 



[Obige Stelle aus Joreh deah spielt in der Polemik keine Rolle; ich habe ihre Stelle 
nur angefiihrt, um zu zeigen, daB auch hier wiederum eine berichtende {haggadi- 
sche) Talmudstelle als religionsgesetzliche normativ (halachisch) in den Schulchan 
aruch iibergegangen ist.] 

7. Joreh deah 117,1.+ 

"Mit keiner Sache, die in der Thorah [den 5 Biichem Mose] verboten ist, darf man, 
obwohl die Nutzniefiung erlaubt ist, Handel treiben, wenn die Sache zum Essen 
bestimmt ist78) .... Sind dagegen einem [jiidischen] Jager [rituell] verbotenes Wild, 
Vogel oder Fische zufdllig, ohne daB er es beabsichtigt hat, in sein Netz gegangen, 
so darf er sie [an Nichtjuden] verkaufen 79). Ebenso, wenn zufdllig in seinem Hau- 
se ein Tier Nebelah [Aas] oder Trephah (Nebelah = nicht koscher geschlachtet; 
Trephah: wegen auBerer oder innerer Verletzung an sich unrein, daher dem Juden 
verboten) geworden ist. (Isserles' Hagah:) ... Ebenso ist es erlaubt, diese verbote- 
nen Dinge fiir die Schuld von Nichtjuden an sich zu nehmen, weil dies als ein 
Erretten aus ihrer Hand zu betrachten istSO)." 

Nebelah bedeutet 5. Mose 14,21 (s. vor. S.) ein nicht geschlachtetes, sondem von 
selbst verendetes (reines) Tier, also ein wirkliches Aas, und die Vorschrift, dieses 
dem Nichtjuden nicht etwa zu schenken, sondem zu verkaufen, bedeutet diesem 
gegeniiber eine gehassige Nichtachtung. - Im Talmud, dem die (im A.T. noch nicht 
gelehrten) Schachtregeln bekannt sind, und noch mehr im Schulchan aruch wird 
Nebelah als nicht rituell richtig (nicht "koscher") geschachtetes, vielmehr "genab- 
beltes" [unrichtig geschachtetes] und Trephah als durch die Entdeckung eines 
auBeren oder inneren Korperfehlers als unrein erkanntes und daher verbotenes Tier 
aufgefaBt. Heute nennen die Juden meist ohne Unterschied jede nicht koschere (d.h. 
jede nach ihren Speisegesetzen unreine) Speise "treife". Das "Aas" (die Nebelah) 
im Schulchan aruch klingt mithin in der Ubersetzung etwas barter, als es gemeint 
ist; bei dem Gedanken, daB es an Nichtjuden verkauft werden darf, weil diese die 
jiidischen Speiseverbote nicht haben, klingt immerhin doch der Nebengedanke mit, 
daB die Nebelah zwar fiir den hierin streng denkenden Juden als Greuel verboten, 
fiir die hierin gleichgiiltigen Nichtjuden aber gut genug sei. 

8. Joreh deah 119,8. 

"ffer wegen einer Sache verddchtigSl) ist, dem wird in Hinsicht auf sie nicht ge- 
glaubt, auch wenn er deswegen einen Eid schwortSl)" 

Dies ist vielleicht der sympathischste Satz im ganzen Schulchan aruch; unsere 
Richter sollten ihn sich recht genau einpragen! 

9. Joreh deah 120,1. 



"Wer von einem Nichtjuden EBgeschirr aus Metall oder Glas oder inwendig ver- 
zinnte [andere Metall-] GefaBe kauft, muB sie, auch wenn sie neu sind, in einem 
Wasserzuber oder einen 40 MaB [Wasser fassenden] Brunnen untertauchen. " 

Die Vorschrift beruht auf einer langeren Erorterung im Talmud (Abodah sarah 
75b.) - Der Grund fiir das rituelle Eintauchen (Thebilah; nicht "waschen" oder "rein 
waschen", wie Ecker und "Justus" sagen) ist nicht, weil die GefaBe als von den 
Nichtjuden "verunreinigt" gelten, sondem die rituelle Weihe beim Ubergang in den 
Besitz der Juden. Derm die bei Nichtjuden von Juden nur entlehnten GefaBe brau- 
chen nicht untergetaucht zu werden! - SinngemaB schreibt Joreh deah 120,11 vor: 
"Ein Jude, der einem Nichtjuden ein GefaB verkauft und es von ihm wieder zu- 
riickgekauft hat, muB es [beim Neuiibergange in seinen Besitz] untertauchen." - Die 
Eckerschen talmudischen Belegstellen aus Schabbath 145b passen nicht hierher. - 
Das Untertauchen (die Thebilah) ist eine rituell-symbolische, jiidische Besitzerwer- 
bung anzeigende Handlung und enthalt meines Erachtens keine Spitze gegen 
Nichtjuden. - In Joreh deah 123,1 (wo von Gotzendienem beriihrter Wein zur 
NutznieBung verboten ist) wird nicht (wie von Justus und Ecker) als Grund ange- 
geben, "weil der Wein durch die Beriihrung des Gotzendieners verunreinigt ist", 
sondem in der Hagah des Isserles (die iibrigens solche NutznieBung erlaubt) heiBt 
es ausdriicklich: "Weil zu befiirchten ist, daB solcher Wein zum Trankopfer fiir die 
Gotzen bestimmt ist." 

10. Joreh deah 139ff.+ 

139,1: "Von Gotzen ist Nutzniefiung verboten, sowohl von ihnen selbst wie von 
(Dingen ihres) Dienstes, von ihren Schmuck- und Opferdingen, gleichviel ob ein 
Nichtjude oder ein Jude (sie verfertigt hat)." (Aus Talmud, Abodah sarah 40a.) 

139,11: "Kleider, mit denen die [Gotzen-] Priester83) bekleidet sind, wenn sie ins 
Gotzenhaus gehen, sind ihr personlicher Schmuck, nicht Schmuck der Gotzen, und 
daher bei ihnen [den Kleidem] keine Unbrauchbarmachung erforderlich. Manche 
halten sie fiir erforderlich. - (Hagah:) Aber womit sie [als mit liturgischen Gewan- 
dem] zum Gotzendienst selbst bekleidet sind, heiBt Schmuck der Gotzen und muB 
unbrauchbar gemacht werden." 

139,15: "manche sagen, daB es den Juden erlaubt sei, nichtjiidische Biicher zu ver- 
kaufen. (Hagah:) Manche aber sagen, es sei verboten, sie zu verkaufen, wenn es 
Gesangbucher fiir den Gotzendienst seien; andere sagen, es sei nur verboten, sie 
den Priestern zu verkaufen, nicht den sonstigen Nichtjuden. Aber wer es auch hier 
genau nimmt [und an diese ebenfalls nicht verkauft], auf den wird Segen kommen. 
Auch Pergament und Tinte ftir sie zum Schreiben der Bucher ihres Religionsgeset- 
zes verbieten manche. [Aus "Sepher mizwoth gadol", dem "GroBen Buche der 
Gebote" des Mose von Coucy.] Auch sagen manche, es sei verboten. Geld darzu- 
leihen ftir Bau oder Ausschmiickung oder den (religiosen) Dienst von 
Gotzenhdusern, z.B. Raucherpfannen. (Jedenfalls) wird jeder, der darauf verzichtet, 
Gliick haben." [Aus Talmud, Nedarim 62a]. "Auch soil man Biicher der Nichtjuden 



nicht einbinden, auBer Biichem der Richter und Schreiber. 1st aber [wegen der 
Weigerung] Feindschaft zu befiirchten, so [darf man es zwar tun, doch] soil man 
sich dem nach Moglichkeit entziehen." 

151,1: "Dinge, die zu einem gotzendienerischen Zwecke an einem bestimmten Orte 
dienen sollen, darf man den Gotzendienem dieses Ortes nicht verkaufen. (Hagah:) 
Manche sagen, es sei erlaubt, den Christen Weihrauch und andere Gegenstande 
ihres Gottesdienstes zu verkaufen, da ihr Glaube nur "Schittuph" (Beigesellung ei- 
nes gottlichen Wesens zu Gott dem Vater ist." - (Hagah:) "Einem Priester oder 
einem anderen Gotzendiener, der vermutlich den Weihrauch zum Gotzendienst 
darbringen [anziinden] wird, [darf man Weihrauch nicht verkaufen], einem anderen 
Nichtjuden darf man ihn verkaufen. - Das Verbot, Dinge an sie [die Gotzendiener] 
zu verkaufen, die zu ihrem [Gotzen-]Dienste gehoren, gilt nur, wenn sie keine der- 
artigen Sachen zur Verfiigung haben oder nicht anderswo kaufen konnen. [Das 
Verbot will dadurch den gotzendienerischen Kultus verhindem.] Konnen sie sie 
aber anderswo (auch kaufen), so darf man ihnen alles (sonst Verbotene) verkaufen. 
- (Hagah:) Verboten ist, an einen Nichtjuden (Christen) Wasser zu verkaufen, wenn 
man weiB, daB er daraus Taufwasser machen will84). " 

11. Joreh deah 141 und 150.+ 

141,1: "Alle Bildwerke, die sich in den Dorfern befinden, sind (fiir den Handel da- 
mit oder zu sonstigem Nutzen) verboten, da sie fiir Sachen des Gotzendienstes [zu 
gotzendienerischer Anbetung] angefertigt sind; aber die in [groBen] Stddten befind- 
lichen sind erlaubt, da sie entschieden nur zum Schmuck [der Stadt, nicht zur 
Anbetung] gemacht sind, aufier, wenn sie an einem Tore des Stadtbezirks stehen 
und in der Hand die Nachbildung eines Stabes, eines Vogels, einer Kugel, eines 
Schwertes, einer Krone oder eines Ringes haben." - (Hagah:) "Die Form eines 
Kreuzes, vor dem man sich verbeugt, gilt einem Gotzenbilde und ist verboten, ohne 
unbrauchbar gemacht werden zu miissen. Aber ein Kreuz, das man als Erinne- 
rungszeichen um den Hals hangt, nennt man nicht Gotzenbild, und es ist 
erlaubtSS)." 

150,3: "Vor Fiirsten oder Priestem, die ein Kreuz an ihren Gewandem haben oder 
ein (Heiligen-usw.)5//(i auf der Brust tragen, darf man sich nicht verbeugen oder 
vor ihnen die Kopfbedeckung abnehmen, es sei derm auf eine Weise, daB [der wah- 
re Sinn der Handlung] nicht erkannt wird; z.B. man laBt [wenn sie vorbeikommen] 
Geldmiinzen fallen [und biickt sich danach], oder man erhebt sich [wenn man sitzt], 
schon bevor sie herankommen und ebenso nimmt man seine Kopfbedeckung ab 
und verbeugt sich, bevor sie herankommen." 

Vgl. Orach chajjim 113,8 (s. iiber 2. Orach chajjim 113,8.+): "Betet jemand [ein 
Jude unterwegs], und es kommt ihm ein Nichtjude mit einem Kreuze in der Hand 
entgegen, er [der Jude] aber kommt [im Gebete] zu einer Stelle [des Gebetstextes], 
wo man sich zu vemeigen pflegt, so soil er sich [in diesem Falle] nicht vemeigen. 



obschon sein Herz [allein] an den Himmel (Gott) denkt [und das Kreuz nicht 
beachtet]." - 

Joreh deah 141,1 (ohne die Hagah des Isserles) ist mit wenig Anderung unmittelbar 
aus dem Talmud (Abodah sarah 40b und 41a) entnommen, wo mit den "Bildwer- 
ken" wohl hauptsachlich teils angebetete heidnische Gotter- und Kaiser- 
Standbilder, vielleicht auch schon (um 200 n.Chr.) christliche Kreuze oder Heili- 
genstatuen gemeint sein konnen, in GroBstadten auch solche zum Schmucke der 
Gebaude, also nicht angebetete Bildwerke dieser Art. Die verbotenen Figuren mit 
Stab, Vogel usw. werden (a.a.O. 41a) als angebetete Symbolfiguren der kaiserlich- 
romischen Weltherrschaft gedeutet. Der Schulchan aruch versteht anscheinend dar- 
unter teils die mit den Atributen eines Bischofsstabes usw. geschmiickten und 
verehrten Heiligenbilder, Engelfiguren usw., teils die nicht angebeteten als Heili- 
genfiguren und Kreuze an oder auf Stadtgebauden. Die Hagah des (mit Karo) 
gleichzeitigen Isserles zeigt, daB hauptsachlich das Verhalten zum christlichen 
Kreuze in Frage stand, von dem, wenn es als Anbetungsgegenstand diente, jede 
NutznieBung (Ankauf zwecks Verkaufs usw.) verboten war, das aber als Hals- 
schmuck usw. angekauft und verkauft werden durfte. Gemeint ist wohl 
Frauenschmuck od. dgl. denn: 

Joreh deah 150,3 verbietet nur die Ehrung eines getragenen Kreuzes oder Bildes, 
wenn es christlich-religioses Symbol ist - Orach chajjim 113,8 sogar den Anschein 
einer solchen Ehrung. (Die beiden letzgenannten Stellen sind nur den spdteren, auf 
dem Talmud fiiBenden rabbinischen Werken Therumath ha-deschen und Or zaruah 
entnommen.) - Die an der erstgenannten Stelle angegebenen Mittelchen, eine Ver- 
ehrung vorzutauschen und dadurch einer im Mittelalter und noch spater moglichen 
Bestrafiing wegen MiBachtung der romisch-katholischen Religion zu entgehen, 
sind im Grunde harmlos. Auch ein starrer Protestant konnte in streng katholischen 
Gegenden in ahnlicher Weise gegeniiber Heiligenbildem, der Monstranz mit der 
Hostie usw. verfahren. - Rein ethisch freilich ist ein solches Verhehlen der inneren 
MiBachtung, ja des Hasses gegen eine fremde religiose Gepflogenheit mittels des 
Scheines auBerer Achtung eine Heuchelei. Der Schulchan aruch scheint das dunkel 
zu empfinden, da er seine sonst so beliebten Wendungen, es geschehe dies, "um des 
Friedens willen" oder um "Entheiligung des Namens" (iible Beurteilung der Juden 
und ihres Gottes) zu vermeiden, hier nicht anwendet. 

12. Joreh deahl54,l + (s. 3. Orach chajjim 330-332) 

154,1: "Eine Nichtjiidin darf einer Jiidin keine Geburtshilfe leisten, falls sie mit ihr 
allein [in ihrem Hause] ist, auch wenn sie darin [in der Geburtshilfe] erfahren ist. 
Auch darf sie in ihrem Hause kein jiidisches Kind sdugen, selbst wenn andere 
[namlich Jiidinnen, zur Kontrolle] dabei stehen. Aber in einem jiidischen Hause ist 
es erlaubt, [einer Jiidin] Geburtshilfe zu leisten oder ein [jiidisches Kind] zu sau- 
gen, wenn andere [d.h. Juden] dabei stehen oder ab und zu gehen. Man soil aber 
das [jiidische] Kind nicht allein mit ihr in der Nacht lassen." 



154,2: "Eine Jiidin soil das Kind einer Nichtjudin nicht sdugen, auch nicht gegen 
Bezahlung. Nur wenn sie Uberflufi an Milch hat und dies ihr Schmerzen verursacht, 
darf sie es saugen." 

Beides ist dem Talmud entnommen, aber mit Abweichungen und unter Weglassung 
der giftigen Begrundungen und der rabbinischen Kleinkramerei daselbst. Es heiBt 
im Talmud, Abodah sarah 26a [Mischnah:] "Eine Jiidin darf einer Nichtjiidin keine 
Geburtshilfe leisten, weil sie damit ein Kind fur den Gotzendienst zur Welt hringen 
hilft, aber man darf eine Nichtjudin einer Jiidin Geburtshilfe leisten lassen86). Ein 
Judin darf das Kind einer Nichtjiidin nicht saugen, aber eine Nichtjudin darf das 
Kind einer Jiidin in deren [der Jiidin] Wohnung saugen." - [Gemara:] "Unsere Rab- 
binen haben iiberliefert: Eine Jiidin darf einer Nichtjiidin keine Geburtshilfe leisten, 
weil sie damit ein Kind fur den Gotzendienst zur Welt bringen hilft. Auch darf man 
eine Nichtjiidin nicht einer Jiidin Geburtshilfe leisten lassen, weil sie [die Nichtju- 
den gegeniiber den Juden] des Blutvergiefiens verddchtigt sind - so sagt Rabbi 
Meir. Sie [maBgebenden] Gelehrten aber sagen: Man darf eine Nichtjiidin einer 
Jiidin Geburtshilfe leisten lassen, wenn andere [Jiidinnen] dabei stehen, aber nicht, 
wenn sie [die kreisende Jiidin und die nichtjiidische Geburtshelferin] allein sind. ... 
Unsere Rabbinen haben iiberliefert: Eine Jiidin darf das Kind Qincr Nichtjudin nicht 
sdugen, weil sie damit ein Kind fur den Gotzendienst groj^zieht" [Es folgen dann 
noch weitlaufige Erorterungen iiber die Ansicht des Rabbi Meir, eine Nichtjiidin 
diirfe ein jiidisches Kind nicht saugen, weil sie sich moglicherweise Gift auf ihre 
Brustwarzen streiche und so das Judenkind tote, sowie femer, ob eine Jiidin nur 
gegen Bezahlung der Nichtjiidin Geburtshilfe leisten solle, sogar Sabbaths, oder 
mit was fiir Griinden sie dies ablehnen konne; desgleichen das Saugen des nichtjii- 
dischen Kindes. - [Die Erlaubnis des Saugens eines nichtjiidischen Kindes nur fiir 
den Fall, daB MilchiiberfluB der Jiidin Schmerzen verursache, stammt erst aus 
nachtalmudischer Zeit.] 

Obwohl schon 2. Mose 1,1 5ff jiidische Berufshebammen (ganze 2 fiir viele Tau- 
sende von Jiidinnen) in "Agypten" vorausgesetzt werden, ist im Talmud 
anscheinend in erster Linie an verheiratete Jiidinnen und Nichtjiidinnen gedacht, 
die einer andersglaubigen Nachbarin oder Freundin oder aber einander Geburtshilfe 
leisten, bei den Saugenden an Frauen (Abodah sarah 26a unten sogar an unverhei- 
ratete Miitter), die etwa infolge des Todes ihres Kindes (oder infolge 
Milchiiberflusses) das Kind einer Andersglaubigen nahren. Vorausgesetzt sind vor 
allem dorfliche oder kleinstadtische Verhaltnisse und friedliches Beieinanderwoh- 
nen von Juden und Nichtjuden. Im Hintergrunde stehen zwar auch im Schulchan 
aruch beim Verbote der gegenseitigen Geburts- und Saugehilfe die talmudischen 
Verdachtsgriinde, sind aber nicht genannt. - Jiidische Hebammen87) und Ammen 
fiir Nichtjiidinnen diirfte es heute kaum noch geben - nur jiidische Arzte als Ge- 
burtshelfer fiir Christinnen, christliche Geburtshelfer und Hebammen fiir Jiidinnen 
und sehr viel christliche Ammen fiir Judenkinder - ein auch von seiten des strengen 
Juden tums zu miBbilligender Zustand88). 



13. Joreh deah 155,3.++ 

"ffo Lebensgefahr vorhanden ist, darfman sich mit sonst verbotenen Dingen heilen 
lassen, [indem man sie] sogar so [einnimmt], wie sie sonst genossen werden [d.h. 
unverandert]. Wo aber keine Lebensgefahr vorhanden ist, da ist ihr unverandertes 
GenieBen verboten, erlaubt aber ist es, sie in veranderter Form zu genieBen. - (Ha- 
gah:) Erlaubt ist, [z.B.] ein unreines Tier oder eine andere unerlaubte SacheS9) [zu 
Asche] zu verbrennen und zwecks Heilung zu essen, sogar wenn keine lebensge- 
fahrliche Krankheit vorhegt, ausgenommen Holz(asche) vom Gotzendienste90)." 

14. Joreh deah 159,1. 

"Nach dem Wortlaute der Thorah [der 5 Biicher Mose, als dem alttestamentlichen 
'Gesetz'] ist es erlaubt, einem Nichtjuden gegen Zinsen zu leihen [ohne Erwahnung 
des ZinsfiiBes] 91). Die [rabbinischen] Gelehrten aber haben verboten, mehr Zinsen 
zu nehmen, als [der Darlehensgeber] zum Lebensunterhalte notig hat.... Heutzutage 
aber ist es injeder Weise [ohne Beschrankung des ZinsfiiBes] erlaubt." 

14. Joreh deah 239,1 (Hagah). +++ 

(Ein Meineids-Paragraph.) 

"Wenn ein Jude einen Nichtjuden bestohlen hat, und man [das Gericht] legt ihm in 
Gegenwart anderer Juden einen Eid auf, und [diese Juden] wissen, daB er falsch 
schworen wird, so sollen sie ihn zu einem Vergleiche mit dem (bestohlenen) Nicht- 
juden notigen und [auf ihn einwirken,] nicht falsch zu schworen, auch wenn er 
[doch noch] zum Eide gezwungen wiirde, weil durch seinen offensichtlichen fal- 
schen] Eid der Name (Gottes) entheiligt wurde92). Wird er aber zum Eide 
gezwungen, ohne daB in der Sache Entheiligung des Namens vorliegt [weil ihm 
niemand den Meineid nachweisen kann], so soil er [ruhig falsch schworen, gleich- 
zeitig aber] den Schwur in seinem Herzen vernichten [fiir ungiiltig erklaren], weil er 
zu ihm gezwungen worden sei, wie oben (Joreh deah 232) gesagt ist." 

Dazu bemerkt der Kommentar Beer ha-golah (s.o. § 1): 

"Siehe dort (232,14 Hagah): ^Wo Todes?,traiQ droht, nennt man es [wenn man sich 
durch einen Meineid losschwort] einen 'Notschwur' und achtet nicht darauf, ob 
Entheiligung des Namens [oder keine] vorliegt. ' Bei Ge/t/prozessen aber, schreibt 
er [Isserles], ist nur dann [Meineid erlaubt], wenn keine Entheiligung des Namens 
vorliegt" [weil niemand ihm den Meineid nachweisen kann.] 

Joreh deah 232,12 heiBt es: "Jeder, der zu einem Eide gezwungen ist, dessen Eid ist 
nichtig, auch wenn er sagt, er schwore nach der Meinung der Mehrzahl [im rechten 
Wortsinne] und nach der Meinung Gottes" [der einen Meineid verbietet]. 



Joreh deah 232,14 lautet: ^^Wcmi Jemand [ein Jude] einem Zwangsausubenden ein 
[eidesstattliches] Gelubde tut oder sich durch einen Eid verschwort, so ist dies kein 
Gelubde und kein Eid... [sondem geschieht nur.] damit man von dem [Zwangsaus- 
iibenden] freikomme. ... Es ist [sogar] erlaubt, dergleichen [Gelubde oder Schwiire] 
unverlangt und von freien Stiicken oder in groBerem Umfange, als verlangt wird, 
zu tun, ... weil dies alles nur aus Zwang geschieht, ... doch [geschehe] alles nur, 
soweit es notig ist." (Hagah:) "Wenn ein Konig oder Fiirst ihm [einem Juden] be- 
fiehlt, unter Eid von einem [anderen Juden] auszusagen, ob dieser mit einer 
Nichtjiidin Geschlechtsverkehr gepflogen habe - um [diesen Juden] mit dem Tode 
zu bestrafen, so heiBt dies ein Zwangsschwur [Notschwur], und dieser ist [beim 
Schworen] innerlich ungiiltig zu machen. Ebenso, wenn (Jude) A bei (Jude) B Geld 
hinterlegt hat und der [nichtjiidische] Konig oder Fiirst [Herr] befiehlt, denjenigen 
in den Bann zu tun, der von dem Gelde des A etwas weiB [aber nicht sagt], so ist 
ein solcher Bann, sofem der nichtjudische [Herrscher] das Geld des A zwangsweise 
zu Unrecht nehmen will, vollig nichtig, und so darfwich B, bei dem das Geld hin- 
terlegt ist, [falschlich] schworen, daB er nichts von A [in Verwahrung] habe, wenn 
nur solche Leute [wie B] den Eid in ihrem Herzen fiir ungiiltig erklaren und keine 
Entweihung des Namens dabei ist" [keine Moglichkeit vorliegt, daB der Meineid 
entdeckt wird und so Schande iiber Gott und Volk der Juden kommt]. 

(Hagah:) "Alles dies gilt nur dann, wenn es moglich ist, daB man seinen Schwur 
falsch leistet, ohne daB der Nichtjude dies erfahrt; anderenfalls ist es 'wegen Ent- 
heiligung des Namens' verboten." 

DaB der "rein geistige Vorbehalt" (Reservatio pure mentalis) bei einem sachlich 
falschen Eide juristisch und ethisch gleichermaBen straflich und verwerflich ist, 
dariiber braucht wohl kein Wort verloren zu werden. Joreh deah 239,1 selbst 
spricht nicht (wie § 232,14 und die Kommentare) von drohender Todesstrafe allein, 
sondem ganz allgemein von einem falschen (sog. "Reinigungs"-£'/t/e des Beschul- 
digten (und tatsdchlich Schuldigen) . Selbst Joreh deah 232,14 ist in dem Falle des 
A nicht von Todesstrafe die Rede, sondem von einer angeblich widerrechtlichen 
Gewaltsamkeit des Herrschers; ob eine solche vorliegt, ist dem subjektiven Urteile 
des B uberlassen !93) So ist dem Begriffe des Zwanges ein unzulassig weiter Spiel- 
raum gegeben, und tatsachlich fiihlt sich z.B. der strenge Ostjude schon 
"gezwungen", wenn er vor einem nichtjudischen Richter einen Eid schworen soil. - 
Verschdrfend tritt noch hinzu, daB alle diese "rein geistigen Vorbehalte" beim Eide, 
Schwure oder eidesstattlichen Geliibde hier nur dem Nichtjuden gegenuber erlaubt 
werden. Es ist eine der objektiven Wahrheit zuwiderlaufende Irrefuhrung, wenn 
Hoffinann ("Der Schulchan-Amch", 2. Aufl., Berlin 1894, S. 172 Anm.) behauptet, 
es werde "in Joreh deah 232,12-16 absolut entschieden, dafi alle durch ungerechte 
Drohungen erzwungenen [eidesstattlichen] Geliibde und Eide ungiiltig sind, einer- 
lei, ob sie von [lies: durch] Juden oder Christen (!) erpreBt sind, und ob ein Jude 
oder ein Christ durch die Nichterfiillung (!) des Eides [lies: durch denMe/«e/t/!] zu 
Schaden kommt." - Gleich im nachsten Satze muB er gestehen, daB an alien Stellen 
immer nur von dem Meineid gegeniiber einem Nichtjuden die Rede ist. Aus die- 
ser Klemme sucht er sich durch den Winkelzug zu helfen, daran seien die Quellen 



(dieser Schulchan-aruch-Vorschriften) schuld, namlich die Responsen (rabbini- 
schen Rechtsgutachten) usw., z.B. die Hagahoth Ascher usw., bei deren 
Entscheidungsfallen der durch den Meineid Betrogene zufallig jedesmal ein "Goi" 
(Nichtjude) gewesen sei. - Seltsam! Der Schulchan aruch weiB doch sonst sehr gut 
aus einem speziellen Responsum oder einem im Talmud berichteten SpezialidXlQ 
eine allgemeine Kegel zu schopfen und z.B. aus nackten Betrugsfdllen der talmudi- 
schen Quelle das allgemeine Verbot einer blofien " Irrtums-ErxQgung" 
herauszudestillieren (s.u. zu Nr. 20, Choschen ha-mischpat 348,2 Hagah)! - Und 
warum weiB derm der Schulchan aruch (Choschen ha-mischpat 67,20) ein so treff- 
liches Mittel anzugeben, wie jiidische Richter sich und das "jiidische Geschlecht" 
gegen den Meineid eines Juden vor einem jiidischen Gerichtshofe zu schiitzen wis- 
sen? Hier wird jeder heimliche Vorbehalt (jede rein mentale Reservation beim 
Eide) auf das fiirsorglichste ausgeschlossen (Choschen ha-mischpat 87,20 Hagah) 
mit der Admonition: "Wir lassen dich nicht nach deiner Meinung, sondem nach 
unserer Meinung [in unserem Sinne] schworen. - Und wenn ein Betrug [des 
Schworenden] dabei moglich ist, so muB ihm der Richter sagen, daB er [der Eides- 
leistende] bei seinem Eide jede Art Betrug, die er in seinem Herzen habe, [jeden 
mentalen Vorbehalt] offen heraussagen [d.h. angeben und nicht bei sich behalten] 
solle." - Warum darf gegeniiber diesem Wahrheits-"Zwange", der von Judischer 
Seite ausgeht, der Jude seinen Eid nicht, "innerlich ungiiltig machen" und, etwa mit 
der Versicherung, er schwore "nach dem wahren Wortsinne und nach der Meinung 
Gottes" (der den Meineid verbiete), nicht doch einen Meineid schworen? [Vgl. 
oben 14. Joreh deah 239,1 (Hagah). +++]. Weil er es hier eben mit Juden und nicht 
mit Nichtjuden zu tun hat! 



Zitate aus Choschen ha-mischpat94). 

Vorbemerkung. Die in der Polemik angefiihrten Stellen aus dem Telle "Choschen 
ha-mischpat" des Schulchan aruch sind zum Teil schlimmer aufgefaBt worden, als 
sie es verdienen; auf der anderen Seite aber hat man eine firuchtlose Mohrenwasche 
an ihnen versucht. Bei David Hoffinann ("Der Schulchan- Aruch", 2. Aufl., Leipzig 
1894) und anderen jiidischen Apologeten minderer Gamitur ist das ja verstandlich, 
zumal wenn sie auf orthodoxem Standpunkte stehen und ihnen daher der Schulchan 
aruch in Lehre und Leben wegeleitend ist. Bei Herm Paul Fiebig fallt dieser Be- 
weggrund fort; dennoch laBt er - im Gegensatze zu seiner eigenartigen Stellung zur 
christlich-\dvc\AichQn Lehre (zumal angesichts seiner kritischen Stellung zum Op- 
fertode Christi) - keime Gelegenheit unbenutzt, sich als unbedingter Apologet95) 
selbst bedenklicher jiidischer Lehren und Gebrauche aufzutun! Die dazu notigen 
apologetischen Kniffe und Pfiffe seiner Schrift "Juden und Nichtjuden" verdankt er 
anscheinend dem im Vorwort zu "Rabbi und Diakonus" geschilderten Kohan; "oh- 
ne diese Hilfe" gesteht F. selbst (S.IV), "hatte ich, was ich biete, nicht so bieten 
konnen, wie es nun vorliegt." Nur ein so halbgebildeter litauischer Jude wie der 



auch sonst sehr bedenkliche K. konnte auf dergleichen Schliche kommen und sie 
seinem leichtglaubigen "Schiiler" F. als Weisheit soufflieren. 

1. Der erste Pfiff zwv Immunisierung einer peinlichen Stelle im Schulchan aruch 
und zumal in dessen Teile "Choschen hamischpat" ist die (Hoffinanns Ausfliichte 
vergrobemde) Behauptung, die Stelle sei " zeitgeschichtlich" aufzufassen und habe 
daher schon zu Karos und Isserles Zeit (kurz nach Luther) nicht mehr den Sinn der 
z.B. talmudischen Urquelle gehabt, heute aber erst recht nicht mehr; sie sei nur aus 
Ehrfiircht und Konservativismus in den Sch.a. aufgenommen worden, gelte aber 
nichts mehr! - Erstens wollte weder Karo noch Isserles im Schulchan aruch eine 
talmudische Reliquiensammlung veralteter und nicht mehr anwendbarer Vorschrif- 
ten schaffen, sondem jeder von beiden - man hore doch Fiebig gegen Fiebig\ - 
"wollte das geltende (!) Recht darstellen, um den Rabbinem seiner (!) Zeit ein be- 
quemes Hilfsmittel fiir Rechtsentscheide darzubieten" (Juden und Nichtjuden, S. 
57!). - Im Gegensatze zu Maimonides (s.o. § 6), der in seinen Ritual- und Rechts- 
kodex "Jad chasakah" auch Vorschriften aufiiahm, die erst in der bald erhofften 
messianischen Zeit wieder gelten konnten, will der Schulchan aruch nur fiir seine 
und jede spdtere Zeit praktisch erfullbare Vorschriften bringen und wendet die alt- 
testamentlichen und talmudischen Gebote im Sinne seiner Zeit an, nicht aber in 
ihrer "zeitgeschichtlichen" Urbedeutung. Was dort von "Sklaven" gesagt wird, gilt 
ihm (soweit nicht nur vom orientalischen Sklaven die Rede sein kann, also in Mit- 
teleuropa) als auf "Knechte" bezuglich96); die talmudischen "Epikuraer" sind ihm 
jiidische Freidenker aller Farbungen aus dem 16. Jahrhundert und aller Folgezeit. 
Derm die jiidische Lehre soil ja sinngemaB fiir alle Zeit anwendbar sein (talmu- 
disch: "In der heiligen Lehre gibt es kein Friiher oder Spater"). Was heute hier 
infolge veranderter Zeit und demgemaB veranderten Branches (ein Branch veran- 
dert ja sogar eine halachische [normative] Lehre: "Minhag mebattel halachah": "ein 
Branch hebt eine Lehmorm auf: pal. Jebamoth XII I, Baba mezia VII 1; vgl. Je- 
bamoth 102a) auBer Ubung gekommen ist, kann wieder Geltung erlangen oder gilt 
noch heute anderswo, wie die rabbinische Gerichtsbarkeit mit rein jiidischen Ge- 
richtshofen97) fiir viele ostjiidische u.a. Lander gait und gilt. - Wenn Fiebig (a.a.O., 
S. 81f.) in bezug auf die (heimliche Totung) eines Denunzianten (Choschen ha- 
mischpat 388,10 und 15) siegessicher fragt: "oder hat man gegenwartig von derar- 
tiger jiidischer Lynchjustiz (?) bei uns Beispiele?" - so zeigt er erstens, daB er nicht 
weiB, was Lynchjustiz ist; zweitens sollte er sich Spiegelbergs Wort in den "Rau- 
bem" vorhalten: "Dein Register hat ein Loch: du hast das Gift vergessen"; drittens 
aber ist doch diese Mewc/ze/mort/-Vorschrift nicht gerade "bei uns" erforderlich, 
sondem kann (a.A.O. 388,10) uberall da Platz greifen, wo und wann ihre Voraus- 
setzungen gegeben sind. 

2. Der zweite Pfiff'vsX der, eine unbequeme Stelle des Schulchan aruch fiir "reinju- 
ristisch gedacht" zu erklaren. Fiebig, der von Juristerei keine Ahnung hat98), laBt 
sich dies von dem darin noch unwissenderen Kahan 99+), wie auch sonst so man- 
ches, soufflieren und sagt dann mit einem werbenden SeitenblickelOO): "Juristen 
werden das verstehen. Es gibt eben rein juristisches Denken, das von all em Morali- 
schem absieht" (a.a.O., S. 77). - Leider gibt es das. In meinen "Rabbinischen 



Fabeln" (Leipzig 1922, S. 106) fiihre ich zwei solche Falle von reichsgerichtlichem 
"rein juristischem Denken" an, die der Moral des gesunden Menschenverstandes 
schwer eingehen wollen. Aber darum handelt es sich hier gar nicht, sondem nur um 
einen apologetischen Trick! Der Schulchan aruch will gar nicht "rein juristisches 
Denken" treiben, juristisch graue Theorie bieten, sondem, wie Karo in seiner Vor- 
rede ausdriicklich sagt und Fiebig (a.a.O., S. 57) ebenfalls betont, Qm praktisches 
Handbuch des geltenden Rechts fiir zeitgenossische Rabbiner bei ihren Rechtsent- 
scheiden, "eine Art Eselsbriicke" (Fiebig a.a.O. S. 58) sein, der alles Theoretisieren 
von Naturfern liegt\ - Wahrlich: der Schulchan aruch, der mit moralinfreier Unbe- 
fangenheit auf Grund seiner rabbinischen Vorlage die Entscheidung trifft, daB zwei 
Juden, die gemeinsam einen Nichtjuden begaunert haben, sich in den Betrugsge- 
winn teilen sollen (s.u. Choschen ha-mischpat 183,7 Hagah) usw., handelt weit 
ehrlicher und insofem moralischer als diese Art von Apologeten, welche die Be- 
wertung solcher Stellen nach ihrem klaren Wortlaute, um mit Fiebig (z.B. a.a.O., S. 
60) zu reden, "mechanisch" nennen und den iiblen Eindruck solcher Vorschriften 
auf Unbefangene mit innerlich unwahren Behauptungen (wie "rein juristisches 
Denken", Theorie usw.) zu "entschuldigen und alles zum besten zu kehren" suchen. 
Bei geborenen Juden (seien sie nun strengglaubig wie Hoffinann oder abgefallen 
wie Kahan) wird man dies wenigstens verstehen konnen; fiir Fiebigs "echte deut- 
sche Wissenschaft" (a.a.O., S. V) usw. habe ich von jeher meinen Mangel an 
wissenschaftlichem Verstandnis bekannt. 

3. Der dritte Ffiff'vsX die Behauptung, daB die Harte mancher "rein juristischen" Be- 
stimmungen des Schulchan aruch dadurch wettgemacht werde, daB ein milderes 
Verfahren gegen Nichtjuden "um des Friedens will en", "zur Verhiitung von (nicht- 
jiidischer) Feindschaft" und aus Riicksicht auf die "Entweihung des (gottlichen) 
Namens" empfohlen werde (welche die "schlimmste Siinde" sei), und daB dabei 
diese Formeln in homiletisch-erbaulichem Sinne gedeutet und nicht in ihrer einfa- 
chen (und wirklich gQmQintQn) Juristischen Bedeutung aufgefafit werden! - Marx- 
Dalman hat ("Jiidisches Fremdenrecht", Karlsruhe und Leipzig 1886, S. 76 Anm.) 
mit Recht klargelegt, daB fiir Karo im Schulchan aruch "um des Friedens willen" 
einfach denselben Sinn hat wie "um (nichtjiidische) Feindschaft zu vermeiden", 
also,trotz des MiBfallens mancher Apologeten annahemd bedeutet: "um des lieben 
Friedens willen". Und "Entweihung des Namens" bedeutet "juristisch" weiter nichts 
als "eine Handlung, die - wenn sie herauskommtlOl) - die Juden und ihren Gott 
(bei den Nichtjuden) in Unehre bringt", die Juden obendrein in Ungelegenheiten. - 
Diese Formeln in dem "juristisch denkenden" (Fiebig, S. V) Schulchan aruch zu 
dessen Gunsten als religios-erbauliche zu miBdeuten, ist ein ebensolches Vexier- 
kunststilck, als wenn jemand aus dem juristischen Begriffe von "Treu und Glauben" 
im Biirgerlichen Gesetzbuch die Behauptung herleiten wollte, daB das Biirgerliche 
Gesetzbuch zur "echten deutschen Treue" erziehen und "sorgen wollte, daB dem 
Volke die Religion erhalten bleibe"! - Der ganzen Rederei macht das ebenso wahre 
wie (im Vergleich zu Fiebig) mutige Wort des durchaus judenfreundlichen, aber 
oh]Qkti\Qn Marx-Dalman ein Ende: Vollends ist das Motiv der Riicksichtnahme auf 
das friedliche Verhdltnis zu den Heiden [Nichtjuden], solange das Korrelat [nur] 
die Verhiitung von Hafi ist und die Riicksichtnahme selbst nur als ein durch die ge- 



genwartige Lage der Juden gebotener Notstand betrachtet wird, sittlich ohne 
Wert.... Wenn es berechtigt ist, die Moral einer Religion nach den von ihr zur 
Triebkraft des Handels gemachten Motiven zu beurteilen, muB die Zintemationale 
bzw. interkonfessionelle Moral des alten Rabbinismus ... einer sehr tiefen Stufe zu- 
gewiesen werden" (a.a.O., S. 56). 

15. Choschen ha-mischpat 26,1.+ 

"Es ist verboten, vor den Richtern und in den Gerichtshausern der Nichtjuden zu 
prozessieren, selbst wenn sie [die nichtjiidischen Richter] den jiidischen Gesetzen 
entsprechend urteilen. Sogar wenn beide [jiidische] Parteien (freiwillig) ubereinge- 
kommen sind, den ProzeB vor ihnen [den nichtjiidischen Richtern] zu fiihren, ist das 
verboten. Jeder, der es aber doch tut, ist ein Bosewicht und (so zu achten), als ob er 
mit MiBachtung, Lasterung und erhobener Hand gegen das Gesetz unseres Meisters 
Mose, auf dem der Friede sei, loszoge." 

Fiebig (a.a.O., S. 59) "denkt hier unwillkiirHch an 1. Kor. 1-6, wo Paulus den Chri- 
sten das Prozessieren vor heidnischen Gerichtshofen verbietet." Sand in die Augen! 
Wie B. 4 zeigt, denkt Paulus an minderwertige Glieder der korinthischen Gemein- 
de, die trotz ihres Unglaubens usw. von streitenden Gemeindemitgliedem zu 
Schieds-richtQm "gesetzt" werden. - Ganz schief ist F.s Vergleich mit einem Deut- 
schen, der einem franzosischen, englischen oder russischen Gerichtshofe 
gegeniiberstehen wiirde. Zwei Deutsche z.B. in Paris bringen ihren Rechtsstreit oh- 
ne weiteres vor franzosische Richter, ohne sich dadurch als "Bosewichter" und 
Verachter des Biirgerlichen Gesetzbuches zu fiihlen! - Juden von altem Schrot und 
Kom schlieBen noch heute lieber einen schlechten Privatvergleich, als daB sie ihre 
zivile Streitsache vor nichtjudische Richter bringen. - Bei iS'/ra/anzeigen gegen 
Nichtjuden freilich denken viele "deutsche Staatsbiirger jiidischen Glaubens" natiir- 
lich andersl02). 

16. Choschen ha-mischpat 28,3-4. + 

"Wenn ein Nichtjude eine Forderung an einen Juden hat und ein Jude fiir den 
Nichtjuden zu ungunsten des [beklagten] Juden als einzig vorhandener Zeuge etwas 
auszusagen weiB - wenn da der Nichtjude ihn zum Zeugnis auffordert an einem Or- 
te, wo in Geldsachen das «/c/z(jiidische Recht schon auf die Aussage eines Zeugen 
hin [den Schuldner] zu Zahlung verurteilt: da ist es dem Juden] verboten, fiir ihn 
[den Nichtjuden] Zeugnis abzulegen; hat er dies aber doch getan, so tut man ihn 
[den Juden] in den Barm. - Hat der Nichtjude aber den Juden von vornherein [dem 
Gerichte] als Zeugen benannt, so wiirde es Entweihung des Namens92) sein, wenn 
er [dieser jiidische Zeuge] nicht zugunsten des Nichtjuden Zeugnis ablegen wollte. 
(In diesem Falle) darfer [auch wenn er einziger Zeuge ist, dennoch] zugunsten des 
Nichtjuden Zeugnis ablegen. - 4. Hat ein Jude eine (Geld-)Forderung an einen 
Nichtjuden, die dieser bestreitet, und es ist zugunsten dieses Nichtjuden, \hQYQits] 
ein Zeuge vorhanden, so darf qy [der ebenfalls entlastungsfahige Jude] zugunsten 



des Nichtjuden als [zweiter] Zeuge auftreten, wenn dieser [der Nichtjude] ihn zum 
Zeugnis aufgefordert hat." 

Das jiidische Gesetz (5. Mose 19,15) fordert gegen einen Beklagten zwei Zeugen, 
wahrend zugunsten eines Beklagten (zur Entlastung) eines Beklagten schon ein 
Zeuge geniigt. Weil das jiidische Recht von einem einzelnen belastenden Zeugen 
nichts wissen will, verstoBt nach der Auffassung des Textes der Jude, der zugun- 
sten eines Nichtjuden gegen einen Juden als einziger Zeuge auftritt (namlich vor 
einem «/c/z/judischen Gerichte, dem schon ein Belastungszeuge geniigt) gegen das 
jiidische Gesetz und wird deshalb gebannt (in zweiter Linie auch deswegen, weil er 
seinen "Bruder" - dem beklagten Juden - durch sein Zeugnis das Verlieren des Pro- 
zesses, also Geldverlust, verursacht hat). - Als Entlastungszcugc geniigt auch nach 
jiidischem Rechte schon einer, dem sich beliebig viele anschlieBen konnen, ohne 
damit dem jiidischen Gesetze entgegenzuhandeln. - Im ersten Falle bleibt der Jude 
dann straffrei, wenn er vom nichtjiidischen ProzeBgerichte als Zeuge geladen ist, 
sich also nach jiidischer Auffassung (s.o. Nr. 14) in einer "Zwangslage" befindet. 
Wiirde er es da etwa ableugnen, giinstiges Zeugnis zu wissen, so konnte dies mog- 
licherweise im Prozesse leicht herauskommen, und da ware "Entweihung des 
Namens" (s.o. Nr. 14), d.h. eine bose Unannehmlichkeit fiir das Judentum gegeben, 
indem man etwa sagte: ein nettes Volk und ein netter Gott, dessen Leute solche 
Winkeziige machen! - DaB aus rein formal en Griinden der Sch.a. einen ehrlichen 
Juden daran hindert, dem Rechte eines Nichtjuden zum Siege zu verhelfen, und daB 
hierdurch dem Nichtjuden bewuBt Schaden zugefiigt wird, ist die gehassige Wir- 
kung dieser Vorschrift. 

17. Choschen ha-mischpat 156,5 Hagah. ++ 

"//a/ ein [jiidischer] Mensch einen Nichtjuden als stdndigen Kundenl03) - da gibt 
es Orte, wo man urteilt, daB es anderen [Juden] verboten ist, jenem [ersten Juden] 
Konkurrenz zu machen; es gibt aber Orte, wo man nicht [so] urteilt; ja, manche er- 
lauben es [jedem] anderen Juden, zu dem Nichtjuden zu gehen, ihm zu leihen, mit 
ihm Geschafte zu machen, ihn sich [durch Geschenke oder Gefalligkeiten] giinstig 
zu stimmen und [dadurch] von jenem [ersten Juden] wegzulocken. Derm [der erste 
Jude hat kein gesetzliches Privileg auf "seinen" Nichtjuden, sondem] ^Hab und Gut 
der Nichtjuden istwie herrenloses Gut, undjeder, der zuerst kommt, ist berechtigt' 
[sie sich anzueignen, hier also: den Nichtjuden fiir sich zu kapem]. Manche aber 
verbieten" [einen solchen unlauteren Wettbewerb']. 

Ein Jude hat einen Nichtjuden, um mit Fiebig zu reden, fiir sich in Erbpacht ge- 
nommen (sei es durch gewahrte Darlehen, Vorschiisse oder sonstige 
Geschaftsvorteile oder, wie noch heute in Polen usw., als Hofjude durch geflissene 
Geschaftsfiihrung, Gefalligkeiten usw.) und glaubt, ihn dauemd fiir sich mit Be- 
schlag belegt zu haben. Ein anderer Jude erkennt das gute Geschaft. Er geht daher 
dem auserkorenen Nichtjuden mit Anerbietung oder Gewahrung von allerlei Vor- 
teilen geschaftig um den Bart, um ihn dem ersten Juden abspenstig zu machen und 
ihn fiir sich zu beschlagnahmen. Warum sollen die geldlichen Vorteile dieser Ge- 



schaftsverbindung mit dem "Goi" [Nichtjuden] allein in die Tasche des 
erstgenannten Juden flieBen? Dieser hat doch den Nichtjuden nicht kontraktlich fiir 
sich erworben, sondem nur sozusagen durch den Kaufpreis der GefalHgkeiten usw. 
Der Schulchan aruch aber sagt ja selbst (Choschen mischpat 271,4)104), daB ein 
Jude etwas, das einem Nichtjuden gehort, nicht schon durch Zahlung eines Kauf- 
preises, sondem erst mittels eines formlichen Kontraktes erwirbt; ehe dieser nicht 
vollzogen ist, kann jeder sich das bisher dem Nichtjuden Gehorige aneignen, da es 
so lange "herrenloses Gut" ist. SinngemaB kann also im vorliegenden Falle ein 
zweiter Jude den Nichtjuden fiir sich beschlagnahmen! - Die aus einem agrari- 
schen Fa//e, [Choschen ha-mischpat 271,4 und auch schon 194,2) gezogene 
"Rechtsparomie" (Fiebig a.a.O., S. 63): "Hab und Gut der Nichtjuden sind wie her- 
renloses Gut, das der erste Beste sich aneignen darf ', wird hier mittels rabbinischer 
"Sommerlogik" auf einen Geschaftsfall angewandt, auf den sie eigentlich gar nicht 
paBt. - Soweit ware alles verhaltnismaBig harmlos. Indessen die "Rechtsparomie" 
ist weder aus dem "agrarischen" noch aus dem "geschaftlichen Falle" noch aus der 
talmudisch-agrarischen Grundlage hervorgegangen (Baba bathra 54a), die auch nur 
einen Spezialfall behandelt (Hoffinann, S. 45f.), sondem begegnet uns schon ganz 
absolut gefafit (ohne Beziehung auf einen Spezialfall) im Talmud Baba kamma 
38a: "Rabbi Abahu hat gesagt: Weil die Nichtjuden [die Kinder Noah"] die [ihnen 
angeblich aufgegebenen sieben Gebote nicht hielten, . . . hat er [Gott] ihr Geld den 
Juden erlaubt", und zu der auf demselben Blatte erzahlten Geschichte iiber die tal- 
mudische Rechtsungleichheit (daB ein Nichtjude den Schaden, den sein stoBiger 
Ochse verursachte, bezahlen muB, der Jude aber im umgekehrten Falle nicht) be- 
merkt der beriihrnte Talmudlehrer Raschi. "Sie [die Rabbinen] haben ihnen [den 
angeblichen romischen Priifem ihres Gesetzes] wegen seiner Gefdhrlichkeit den 
[wahren] Grund dieser Satzung nicht offenbart, (namlich) daB das Geld eines 
Nichtjuden (zu nehmen) wie die Besitzergreifung von herrenlosem Gut (hephker) 
ist"! (Vgl. den Ausspruch des hochberiihmten Talmudisten Rabbi Simeon ben Jo- 
chai im Midrasch Wajjikra rabba c.l3: "Ihr [der Nichtjuden] Geld hat er [Gott, den 
Juden zu nehmen] erlaubt, wie geschrieben steht (5. Mose 20,14): 'Und du sollst 
essen die Beute von deinen Feinden'\" - In bezug wenigstens auf die "Gotzendie- 
ner" heiBt es zudem in Joseph Albo's "Ikkarim" 111 25: "Der Leib [das Leben] eines 
Gotzendieners ist erlaubt [fiir die Juden], um wieviel mehr sein Geld") - Aus Baba 
kamma 38a und Raschi geht hervor, daB das Axiom (die Rechtsparomie) von der 
Vogelfreiheit nichtjudischen Geldes sehr viel alter als ihre Verwendung im Schul- 
chan aruch und von weit allgemeinerer Bedeutung ist als dort - aus Raschi lemen 
wir auBerdem, daB diese a.a,0. vor den Nichtjuden geheimgohaltcriQ Lehre von den 
Juden selbst fiir gefdhrlich erachtet wird! So ist der Sachverhalt! 

18. Choschen ha-mischpat 176,12 Hagah. + 

"Hat jemand [Jude A] seinen Stammesgenossen [Jude B] (unter der Bedingung) 
angestellt, B solle mit dem Gelde des A Geschdfte machen, alles aber, was er (B) 
Jinde' [jeder Extraprofit] solle ihm (B) gehoren - und er (B) kassiert von einem 
[sich irrenden] Nichtjuden bereits bezahlte Schulden [nochmals] ein, so gehort 
[dieser unlautere Extraprofit] unter den Be griff des "Gefundenen [und Jude A hat 



kein Anrecht darauf]105) da der bezahlte [aber dem Nichtjuden seinerzeit nicht 
zuriickgegebene] Schuldschein [eigentlich] nur noch Papierwert hatte. [Jude B,] 
welcher jenes [nochmals kassierte] Geld dem Nichtjuden zuruckgegeben hat, ist 
nicht verpflichtet, diesen Betrag seinem Stammesgenossen [A] zu verguten. - Auch 
von vomherein ist es gleichfalls erlaubtl06)." 

Der etwas verzwickte Sachverhalt ist der: Jude A hat einen jiidischen "jungen 
Mann" (B) angestellt, der die Geldgeschafte des A besorgen soil mit der MaBgabe, 
daB alle Extraprofite, die B bei diesen Geschaften etwa herausschlagt, dem B geho- 
ren (und vielleicht einen Teil seines Gehaltes bilden) sollen. A handigt u.a. dem B 
einen Schuldschein eines Nichtjuden (C) ein, dessen Betrag, wie A weiB, der Nicht- 
jude C schon bezahlt hat, ohne sich aber - aus Dummheit oder Nachlassigkeit - den 
Schuldschein damals von A gleich wiedergeben zu lassen. A sagt aber dem B 
nichts davon. Dieser weist dem Nichtjuden C derm auch den Schuldschein vor, und 
der dumme Kerl bezahlt wirklich gegen Aushandigung des Scheines die Schuld- 
summe nochmals. Nach rabbinischem Recht konnte nun B diese Summe fiir sich 
behalten, erstens als ihm (s. den Text) kontraktlich zugesicherten "Fund" (Extrapro- 
fit) und zweitens, weil (vgl. unten Choschen ha-mischpat 348,2 Hagah) es nach 
rabbinischem Rechte auch erlaubt ist, einen geschaftlichen Irrtum eines Nichtjuden 
auszuniitzen. Nun erfahrt aber B irgendwie (etwa durch den sich endlich erinnem- 
den Tolpel C oder durch den sich die Hande reibenden Juden A), daB der 
Schuldschein schon seinerzeit bezahlt und dem dummen C nur nicht zuriickgege- 
ben worden sei. B ist kein Jude vom Schlage des Schulchan aruch, sondem ein 
anstandiger Mensch und gibt dem C das zu Unrecht nochmals gezahlte Geld zu- 
riick. Als sein Prinzipal A das erfahrt, wird er bose und verlangt von B 
Schadenersatz fiir den entgangenen Geschaftsgewinn, indem er meint, B hatte den 
"Fund", namlich die irrtiimliche nochmalige Zahlung des C, mit ihm (A) teilen 
miissen oder wenigstens dem C dessen Schuldschein auch diesmal nicht ausliefem 
sollen. - Jedoch unsere Schulchan-aruch-Entscheidung weist diese Anspriiche des 
A ab: Der "Fund" (Extraprofit) ist dem B allein vertraglich zugesichert. (Im iibri- 
gen kommt weder ein Kompagnonverhaltnis noch gemeinsamer Betrug und die 
entsprechenden Schulchan-aruch-Vorschriften in Betracht, vgl. vorletzte Anm.) 
Den Schuldschein aber muBte B dem C zuriickgeben und schadigte den A dadurch 
nicht, da jeder bezahlter Schuldschein im ehrlichen Geschaftsverkehr nur noch Pa- 
pier ist. - Choschen mischpat 176,12 Hagah will mithin den Judischen Angestellten 
gegen ungerechtfertigte Anspriiche seines Prinzipals A schiitzen, der als ein recht 
iibler Bursche gekennzeichnet ist. - Nebenbei aber ist diese Vorschrift sehr interes- 
sant durch die (iibrigens auch von D. Hoffinann, "Der Schulchan- Aruch", 2. Aufl., 
S. 163, bestdtigte) seltsame standige rabbinische Ansicht, daB Irrtum (Beim Kau- 
fen, Verkaufen, Bezahlen usw.) gleich "Verlust" sei, und daB man das von einem 
Nichtjuden Verlorene ihm dann wiedergeben solle, wenn aus dieser Fundunter- 
schlagung Unangenehmes zu befiirchten sei (s.u. Nr. 22). - Der Schlufisatz der 
Hagah will sagen, man konne dem Nichtjuden das von ihm irrtiimlich zuviel Be- 
zahlte sogleich wiedergeben, wenn sich noch wahrend des Bezahlens der Irrtum 
herausstelle, ihm also z.B. sein Geld gleich zuriickschieben. 



19. Choschen ha-mischpat 183,7. + 

"Schickte jemand [ein Jude] einen [jiidischen] Boten, um Geld von einem Nichtju- 
den in Empfang zu nehmen, der Nichtjude aber gab diesem [Boten] irrtiimlich zu 
viel, so gehort alles [zu viel Erhaltene] dem Boten. (Hagah:) Aber nur, wenn der 
Bote die Zuvielzahlung bemerkt, ehe er [das ganze Geld] seinem Auftraggeber ge- 
geben [abgeliefert] hat. Hat er es aber nicht gemerkt, sondem [den ganzen Betrag 
schon] seinem Auftraggeber abgeliefert, so gehort diesem der ganze Betrag" [ein- 
schlieBlich der Zuvielzahlung, und der Bote hat obendrein auf das zuviel Gezahlte 
keinen Anspruch mehr.] 

Die Vorschrift erklart sich aus dem zu 18. Gesagten. Auch hier ist der Irrtum des 
Nichtjuden ein im Sinne des Schulchan aruch rechtmaBiger "Fund" (volkstiimlich: 
"ein geftindenes Fressen") fiir einen der Juden. Von einem Zuruckgeben des un- 
rechten Guts an den Nichtjuden ist (nach rabbinischem Rechte, s.u. 21. Choschen 
ha-mischpat 182,8.) auch hier keine Rede, da der Jude einem Nichtjuden das von 
diesem Verlorene nicht wiederzugeben braucht. - Ebensowenig ist hier von einer 
"Heiligung des Namens" (durch Zuruckgeben) oder von Zuruckgeben "um des 
Friedens willen" bzw. "zur Verhiitung von Feindschaft" die Rede, was nach Fiebig 
als "selbstverstandliche" jiidische Handlungsweise hier nicht erst erwahnt zu wer- 
den braucht. Wenn das so ganz selbstverstandlich ware, wiirde F. nicht in seiner 
Schutzerorterung ("Juden und Nichtjuden", S. 66) so weit gehen, zu sagen, auch er 
wiirde gegebenenfalls "nach reiflicher Erwagung des Einzelnen" irrtiimlich zu viel 
Erhaltenes nicht zuriickgeben, z.B. wenn dies zu viele Umstdnde machte und dieses 
Verhalten "aus mancherlei Erwdgungen kasuistischer Art (!) gerechtfertigt und un- 
anstoBig erschiene." Eine solche sich selbst fiir den Rabbinismus aufi)pfemde 
Apologetik war kaum notig, ebensowenig das Reden iiber Juristerei usw. Es geniigt 
die einfache Feststellung, daB hier der Schulchan aruch lediglich zu entscheiden 
hat, wer von zwei Juden zu einer im Sinne unseres BGB. verwerflichen "ungerecht- 
fertigten Bereicherung" nach rabbinischem Rechte berechtigt ist! 



20. Choschen ha-mischpat 183,7 Hagah. ++ 

"Wenn [ein Jude] mit einem Nichtjuden ein Handelsgeschdft macht, und es kommt 
ein anderer Jude dazu undhilft ihm, den Nichtjuden [zu dessen Schaden] irrezuma- 
chen inbezug aufMafi, Gewicht oder Zahl [des Handelsobjekts], so teilen sie den 
[unredlichen] Gewinn, gleichviel, ob er [der zweite] ihm [den erstenj gegen Bezah- 
lung oder umsonst geholfen hat. " 

Auch hier ist der Irrtum des Nichtjuden als ein rechtmaBiger "Fund" fiir die Juden 
aufgefaBt. Wenn Hoffinann, Fiebig usw. zur Entschuldigung der unleugbar hochst 
unmoralischen Vorschrift sagen, es handle sich hier um rein juristische Begriffe, 
die Moral "gehore in ein anderes Kapitel", so wird man vergeblich fragen, in wel- 
chem "Kapitel" derm der Schulchan aruch jene Unmoral verurteile. Wenn 



Hoffinann femer sagt, der Schulchan aruch (Choschen ha-mischpat 231,1 und 19) 
bezeichne dies sogar dem Gotzendiener gegeniiber "als eines der schwersten 
Verbrechen" so ist erstens dort von einem der schwersten Verbrechen nicht die Re- 
de, und zweitens sieht man daraus nur, daB der Schulchan aruch eben auch "anders 
kann". Ich bezweifle, daB irgend ein anderes Gesetzbuch auf der Welt eine solche 
Entscheidung wie Choschen ha-m. 183,7 Hagah getroffen hat! Alle Essenzen der 
Apologeten machen diese iible Stelle nicht sauberer. 

20. Choschen ha-mischpat 176,12 +++ 

"Wenn ein Teilhaber [Kompagnon] eines Geschafts etwas gestohlen oder geraubt 
hat, muB er den [daraus erzielten] Gewinn mit seinem Sozius teilen. 1st ihm aber 
[bei der Weiterverwertung des unrechten Guts] Schaden erwachsen, so muB er ihn 
allein tragen." 

Was Hoffinann ("Der Schulchan- Aruch", S. 171) hierzu sagt, ist fiir die Art seiner 
Apologetik ungemein bezeichnend: "Das Gericht hat eben nur zwischen den beiden 
Prozessierenden zu entscheiden" (Von Prozessieren ist im Text gar keine Rede!) 
"Die Moralpredigt [!], wenn [?] einer oder der andere oder beide [?] unrecht getan 
haben, gehort nicht in den Rechtskodex, und die Pflichten der beiden Kompagnons 
gegen den Bestohlenen gehoren nicht unter die 'Gesetze fiir Kompagnons' [wo 
obiger Text steht], sondem unter die Gesetze iiber den Diebstahl" - - Was fiir eine 
"schwere Strafe" fiir solche Diebe und Rauber wird da wohl stehen? Herr Hoff- 
mann beruhigt uns: "Das biblische Gesetz und ebenso der Schulchan aruch kennen 
fiir Raub und Diebstahl keine andere Strafe als die Bezahlung" (oder die Zuriick- 
gabe, aber keine Kriminalstrafe - sehr angenehm fiir jiidische Diebe und Rauber!), 
"und der Schulchan aruch schreibt (Choschen ha-mischpat 267,1) nach dem Tal- 
mud vor: 'Wer einen anderen beraubt, ist nicht verpflichtet, den [urspriinglichen] 
Eigentumer aufzusuchen, um ihm das Geraubte zuruckzuerstatten, sondern er [der 
Rauber] kann es bei sich behalten, bis der Eigentumer kommt und das Seinige 
nimmt [abholt]." - Man darf wohl Iragen, woher ein nachts auf der StraBe Beraubter 
die Adresse des Raubers kennen soil! Wiederum weiB Hoffinann Rat: "Es ist da- 
nach klar, daB, solange der Beraubte sich nicht meldet, das Gericht [von dem im 
Text iiberhaupt nicht die Rede ist] "nur zwischen den beiden Dieben [?], die auf 
den Raub [?] Anspruch machten, zu entscheiden hatte." - Hoffinann sagt zu wenig; 
aber schon das geniigt, um zu erkennen zu lassen, wie "moralinlrei" das rabbinische 
Recht des Schulchan aruch im Vergleiche zu wirklichem Rechte ist. - Wenn Hoff- 
mann S. 173 ein hiervon abweichendes [nur auf einen "ahnlichen" Fall 
beziigliches] Responsum von 1539 als "authentisches Aktenstiick" mitteilt, so weiB 
er doch genau, daB eine solche Einzelansicht keine Verbindlichkeit hat, zumal sie ja 
nur "Moralpredigt" ist! 

21. Choschen ha-mischpat 183,8. +++ 

"[Der Jude] Ruben schickt den [Juden] Simon, daB dieser ihm [bei einem Nichtju- 
den] ein Gewand auf Kredit kaufe. Als der Zahlungstermin kommt, gibt [Ruben] 



ihm [dem Simon das Geld] zur Bezahlung [der Schuld]. Da stellt sich heraus, daB 
der [nichtjiidische] Verkdufer sich [auf das damalige Geschaft leichtsinnigerweise] 
nicht mehr besinnen kann, [und das Geld nicht nimmt]. Simon muB dann dem Ru- 
ben den Betrag zumckgeben und darf nicht sagen: Ich will es bei mir behalten, da 
der Nichtjude sich vielleicht noch darauf besinnt' [namlich auf das Geschaft, und 
dann das Geld haben will]. Ebenso darf er nicht sagen: Ich will den Namen heili- 
genl07) und es dem Nichtjuden [von freien Stiicken] zustellen!" 

22. Choschen ha-mischpat 259,1 und 266,1 108). +++ 

259,1: "fFer eine Sache sieht, die ein Jude verloren hat, ist verpflichtet, sich die 
Miihe zu geben, um sie ihm wieder zuzustellen; derm es heiBt [5. Mose 22,1: 'Das 
verirrte Rind oder Schaf deines Bruders] sollst du deinem Bruder zuriickbringen!" 

266,1: "Den verlorenen Gegenstand eines Nichtjuden [zu behalten] ist [dem jiidi- 
schen Finder rabbinisch] erlaubt; denn es heiBt [5. Mose 22,1:] 'Das Verlorene 
deines Bruders' . Bringt ihn aber [der jiidische Finder dem nichtjiidischen Verlierer 
dennoch] zuruck, so begeht er eine Gesetzesubertretung, weil er [durch diese Ver- 
hiitung von Verlust] die [wirtschaftliche] Macht der [nichtjiidischen] 
Gesetzesubertreter stdrkt. Bringt er ihn aber zuruck, um den Namen zu heiligen', 
damit sie [die Nichtjuden] die Juden preisen und sie als ehrliche Leute erkennen, so 
ist das ein lobhches Tun" 

Beide Vorschriften sind dem Talmud entnommen (Baba mezia 26b bzw. Baba 
kamma 113b; vgl. auch Sanhedrin 72b und Aboda sarah 26b). Wenn in unserer 
Stelle Justus und Ecker statt Gesetzesubertretung "schwere" oder "grofie Siinde" 
sagen, so wollen sie einfach den hebraischen Doppelausdruck "ober abirah" (iiber- 
tretend durch Ubertreten) ganz richtig wiedergebenl09). DaB der Sch.a. in der 
Ehrlichkeit gegen die nichtjiidischen Verlierer so etwas Schlimmes sieht, macht die 
Vorschrift gehdssig. Ebenso ist es nicht verstandlich, weshalb hier der Sch.a. die 
Nichtjuden "Gesetzesiibertreter" nennt; Maimonides (dem Karo in der ganzen Fas- 
sung der Vorschrift folgt) nennt sie sogar (in Hilchoth geselah 3) "Gottlose der 
Welt"! Abgotterei, Unzucht usw. (wie Fiebig, a.a.O., S. 72, meint) kann man doch 
nicht ihnen alien zuschreiben! Joseph Karo sagt in seinem Buche "Beth Joseph" 
(s.o. § 8) ausdriicklich: "hier sind alle Nichtjuden gleichermafien gemeint, ob got- 
zendienerisch oder nicht [ihnen alien braucht Verlorenes nicht vom Juden 
zuriickgegeben zu werden]. Und unser Rabbi [Jakob ben Ascher, s.o. § 7] war nicht 
genau, wenn er hier nur die Gotzendiener gemeint glaubte. Vielleicht tat er das, 
weil im Lande Edom [dem christlichen Europa] die getauften Juden die [glaubigen] 
Juden bei den Herrschem wegen dieses und ahnlicher Gesetze verdachtigten, wor- 
auf die [jiidischen] Weisen erwiderten, es seien nur die [wirklichen] Gotzendiener 
der talmudischen Zeit gemeint.... nicht aber seien mit diesem Gesetzen die Nichtju- 
den der Gegenwart gemeint, die sich ja zum Weltschopfer bekannten." So ironisiert 
Karo schon vor 365 Jahren die jiidischen, von Hoffinann erwahnten Apologeten bis 
zu denen unserer Tage! - Die immer wiederholte Entschuldigung Hoffinanns usw., 
diese nichtjuden-feindlichen Fundbestimmungen "setzen voraus", daB auch die 



Nichtjuden das von Juden Verlorene nicht wiedergaben, ist eine unbeweisbare 
"Voraussetzung Hoffmanns selbst und seiner Nachredner, lediglich fiir apologeti- 
sche Zwecke aus den Fingern gesogenWO), genau so, also eine nackte 
Verleumdung, nach dem Vorgange des Maimonides (s.o.) dazu benutzt, darauf sei- 
ne inhumanen Fundgesetze gegen die Nichtjuden aufzubauen. Fiebig, der so viel 
vom "Juristischen" redet, sollte uns doch wenigstens eine Stelle aus einem nichtjii- 
dischen Fundrechte nachweisen, die eine Fundunterschlagung den Juden 
gegeniiber erlaubt! Rein aus der subjektiven Mythologie gegriffene Behauptungen 
sind keine Beweise, und darum bleibt die Tatsache bestehen, daB im Talmud wie 
im Schulchan aruch diese Eigentumsschadigung des Nichtjuden gestattet istlll). - 
Im Talmud steht (an der auch sonst noch sehr bedenklichen Stelle) Baba kamma 
113b zu lesen: "Rab Bebaj Abajell2) hat als Ausspruch Rabbi Simeons des From- 
men berichtet: ... Was ein Nichtjude verloren hat, ist (zu behalten) erlaubt. ... denn 
es heiBt (5. Mose 22,3): 'Was dein Bruder verloren hat' [sollst du als Finder ihm 
wiedergeben]. Deinem [jiidischen Mit-)Bruder muBt du es wiedergeben, einem 
Nichtjuden aber nichtl 13). ... Es wird iiberliefert: Rabbi Pinchas ben Jair sagt: Wo 
Entheiligung des [Gottes-]Namens vorliegt [d.h. die Fundunterschlagung heraus- 
kommen konnte], ist auch das, was ein Nichtjude verloren hat, [zu behalten] 
verboten." - Der beriihrnte Bibelerklarer Raschi bringt ja (zu 5. Mose 29,19f.) zur 
Rechtfertigung der jiidischen Fundunterschlagung gegeniiber dem Nichtjuden auch 
einen ganz anderen Grund als die Hoffinann-Fiebigsche "Voraussetzung" vor. Er 
schreibt: "Wer einem Nichtjuden das [von diesem] Verlorene wiedergibt, der stellt 
ihn [den Nichtjuden] damit einem Juden gleich [dem man das Verlorene wiederge- 
ben muB] und gesellt ihn [uns Juden] bei und beweist dadurch an sich, daB er das 
Wiedergeben [des Verlorenen lediglich an einen Juden] nicht fur ein Gebot seines 
Schopfers erachtet, weil er auch mit den Nichtjuden so verfahrt, hinsichtlich deren 
es ihm doch [gerade] nicht befohlen ist"! - Der Jude, der dem Nichtjuden dessen 
Verlorenes aus reiner Ehrlichkeit (und nicht, weil die Fundunterschlagung heraus- 
kommen konnte) zuriickgibt, begeht also nach Raschis Ansicht wirklich eine 
"groJ5e" Siinde, weil er angeblich ein gottliches Gebot miBachtet, das jenes Zuriick- 
geben nur dem "Bruder" (Juden) gegeniiber befiehlt! Hoffinann und Fiebig haben 
also mit ihrer Bemangelung der "grofien" Siinde (bei Justus und Ecker) wieder 
einmal gezeigt, daB blinder Eifer schadlich ist! Auf Fiebigs iibliches Gerede iiber 
den Ausgleich des "streng Juristischen" durch die "Heiligung des Namens Gottes" 
(Wiedergabe des Fundes, aber nur, wenn die Unterschlagung herauskommen konn- 
te) weiter einzugehen, ware Papier- und Satzkostenverschwendung (s.o. 'der zweite 
und dritte Pfiff ). 

Ubrigens schldgt sich, wie sonst manchmal, Fiebig selbst ins Gesicht, indem er 
{trotz seiner Entriistung iiber die Ubersetzung "eine grofie Siinde") auf S. 99 seiner 
Schrift das Rechtsgutachten des Rabbi Isaak bar Schescheth (starb um 1350 in Sa- 
ragossa) wiedergibt, in dem es u.a. heiBt: Ein Jude, der einem Nichtjuden anzeigt, 
daB dessen jiidischer Schuldner fliehen will, um den Nichtjuden zu bezahlen, der 
also den Nichtjuden dadurch vor Geldverlust bewahrt, ^^hat aufalle Fdlle ein gro- 
Bes Unrecht getan, denn er (handelte) wie einer, der dem Nichtjuden etwas 



Verlorenes wiederbringt" ! - Irrefiihrungen mancher Apologeten haben, wie noch 
manches andere, kurze Beine! 

22. Choschen ha-mischpat 283 Hagah. 

" Wenn ein Jude einem Nichtjuden etwas schuldig, der Nichtjude aber gestorben ist 
und kein [anderer] Nichtjude etwas von der Schuld weifi, so ist er [der Jude] nicht 
verpflichtet, an die Erben [des Nichtjuden die Schuld] zu bezahlen" 

Dem im ganzen Rabbinismus wahende Grundsatze: "Was (im jiidischen Gesetze) 
nicht verboten ist, das ist erlaubt" mit seinen sehr schHmmen Folgerungenll4) 
steht der andere zur Seite: "Was nicht ausdrucklich (im jiidischen Gesetze) geboten 
ist, das braucht man nicht zu tun" . Das ist nicht, wie Fiebig (Juden und Nichtjuden, 
S. 76) sagt, "jiidische juristische Urteilsscharfe", sondem haarspaltender Buchsta- 
bendienst zu unlauteren Zwecken\ Weil z.B. im Alten Testamente kein Gebot 
besteht, daB man seine Schulden bezahlen sollellS), so schlieBt der Rabbinismus 
hieraus, man brauche dies iiberhaupt nicht zu tun, wenn es nicht gemerkt wird und 
keine unliebsamen Folgen entstehen. An den noch zu behandelnden Stellen (Cho- 
schen ha-mischpat 348,2 Hagah, 369,6 nebst Hagah) und ofter wird dies geradezu 
als Axiom angewandt. Ein paar vereinzelte, unmaBgebliche "Stimmungsworte" lo- 
ben es zwar, wenn ein Jude ein Darlehn zuriickgibt (Talmudtraktat Kethuboth 36a, 
dgl. Arachin 22a); notig aber hat es nach Talmud und Schulchan aruch der Jude 
(zumal gegeniiber Nichtjuden) nicht, solange er sich nicht dazu genotigt sieht. Na- 
tiirlich herrscht auch anderswo unter edlen Seelen die Ansicht: "Wer seine 
Schulden bezahlt, verzettelt sein Vermogen" - aber Fiebig, der auch hier wieder so 
viel Uberfliissiges von "rein juristisch" usw. redet, zeige uns doch einmal ein ande- 
res Gesetzbuch in der Welt, das mit nackten Worten sagt, man brauche (zumal 
Andersglaubigen) geliehenes Geld nicht zuruckgebenl 

23. Choschen ha-mischpat 348,2 und Hagah. +++ 

"Jeder (Jude) der stiehlt, sei es auch nur einen Pfennig wert, iibertritt das Gebot (3. 
Mose 19,11): Ihr sollt nicht stehlen'116) und ist verpflichtet, [das Gestohlene oder 
dessen Wert] zu erstatten - einerlei, ob er das Geld eines Juden oder Nichtjuden, 
eines Erwachsenen oder Minderjahrigen gestohlen hat. - (Hagah:) Irrtum eines 
Nichtjuden (auszunutzen) ist erlaubt, z.B. ihn beim Rechnen irren zu lassen oder 
ein [von ihm vergessenes] Darlehn nicht zu bezahlenWl), ist erlaubt, sofem er es 
nicht weiB [merkt], so daB keine 'Entweihung des Namens' [s.o. 'der zweite und 
dritte Pfiff] geschieht. - Manche aber sagen, es sei verboten, ihn [den Nichtjuden 
absichtlich] irre zu machen; es [die Ausniitzung seines Irrtums] sei vielmehr nur 
[dann] erlaubt, wenn er sich von selbst geirrt habe." 

Diese Vorschrift ist fast wortlich aus dem Maimonides Mischneh Thorah, Hilchoth 
genebah 1 entnommen. - In der talmudischen Grundlage (es ist wiederum das bose 
Talmudblatt Baba kamma 113b) ist geradezu von nacktem Betruge die Rede. Die 



StellellS) (die sich unmittelbar an den 'der Kennzeichnung der FuBnoten 110 - 
1 12' iibersetzten Text anschlieBt) lautet: 

"Samuel [der bemhmte Rektor der babylonischen Talmudschule zu Nehardea] hat 
gesagt: ^ sein (des Nichtjuden) Irrtum ist (zum Ausniitzen) erlaubt.' So kaufte Sa- 
muel [selbst] von einem Nichtjuden ein goldenes Becken, [das jener] fiir ein 
bronzenes [hielt], um 4 Sus [Gulden] und iibervorteilte ihn aufierdem noch [beim 
Bezahlen] um 1 Sus. Ebenso kaufte Rab Kahana von einem Nichtjuden 120 Fasser 
statt 100 [die jener nur verkaufen wollte] und iibervorteilte ihn aufierdem [beim 
Bezahlen] noch um 1 Sus. Er sprach zu ihm [obwohl er wuBte, daB jener sich irrte, 
heuchlerisch]: Siehe, ich verlasse mich auf dich [daB du richtig gezahlt hast]. Rabi- 
na kaufte mit einem Nichtjuden Palmholz zum Zerspalten; [als der Nichtjude nicht 
anwesend war,] da sprach er [Rabina] zu seinem Knechte: Gehe und hole mit [zu 
meinem eigenen Gebrauche] etwas vom dicken Ende [des Baumes oder der Baum- 
stamme]; denn der Nichtjude kennt nur die Anzahl" [nicht aber die Ldnge der 
Holzer]. 

Im ersten der drei Falle bietet also der ahnungslose Nichtjude dem Herm Akade- 
miedirektor Samuel ein goldenes Becken als vermeintlich messingenes an. Der 
Herr Rektor erkennt mit "jiidischer Urteilsscharfe" (Fiebig a.a.O., S. 76) den wah- 
ren Sachverhalt, klart aber den Nichtjuden nicht auf, sondem bezahlt das Becken 
wjrklich nur so hoch, als ob es aus Messing ware, und bemogelt den unaufinerksa- 
men Nichtjuden beim Aufzahlen des Kaulpreises noch obendrein wissentlich um 1 
Sus! 1st das nicht doppelter Betrug oder was sonst? - Im zweiten Falle merkt Rab 
Kahana 1 19), daB der Nichtjude sich in der Zahl der Fasser geirrt hat und ihm statt 
100 vielmehr 120 Fasser zum Kaufe anbietet. Heuchlerisch sagt er: "Ich verlasse 
mich auf dich", zahlt ihm fiir die 120 Fasser nur den Preis von 100 Fassem und be- 
mogelt den Unaufinerksamen obendrein beim Aufzahlen der Kaufsumme um 1 Sus, 
so daB (wie Raschi zu dieser Talmudstelle sagt, der dumme Nichtjude 3 Sus statt 
deren 4 nimmt). - Rabina betrugt (man darf sagen: bestiehlt) seinen nichtjiidischen 
Geschaftspartner, der sich nur die Anzahl der gemeinsam gekauften Stamme ge- 
merkt hat, indem er durch seinen Diener heimlich fiir sich etwas von dem 
Rauminhalte des Holzes abhacken laBt. 

Nach unseren Rechtsbegriffen wiirde dies nicht nur "ungerechtfertigte Bereiche- 
rung", sondem offenbarer Betrug und im letzten Falle sogar Diebstahl sein. Nach 
jiidischer Anschauung aber ist das, worum sich der Nichtjude irrt und betriigen 
laBt, fiir den geschaftstiichtigen Juden ein "Fund" (das Volk sagt: gefundenes Fres- 
sen), und etwas vom Nichtjuden "Verlorenes" darf sich (s.o.: 21. Choschen ha- 
mischpat 183,8.+++ ff ) der Jude aneignen! 

Das war den mittelalterlichen Rabbinen doch ein wenig zu stark, und sie erlaubten 
nur den feineren Betrug beim Irrtum eines Nichtjuden, indem sie den Ausdruck 
"heteith" (irren machen) als "irren lassen" deuteten. So sagte denn der beriihmte 
franzosische Rabbi Mo^ye von Coucy in seinem "GroBen Buch der Gesetze" (Sepher 
mizwoth gadol, Venedig 1547, Blatt 132c): "Der Irrtum eines Nichtjuden ist er- 



laubt, wenn er sich von selbst int. Wieso? Wenn der Nichtjude sich zu seinem 
Schaden verrechnet, so mufi der Jude [der den Fehler merkt, diesen nicht aufdek- 
ken, sondem] zu ihm sagen. ^Siehe, ich verlasse mich aufdeine Rechnung, ich weifi 
es nicht, aber ich gebe dir, was du gesagt hast!' Jedoch in [absichtlich] irren zu 
machen, ist verboten; denn vielleicht verrechnet sich [einmal] der Nichtjude ab- 
sichtlich, um ihn [dem Juden] eine Falle zu stellen, wodurch [dessen betriigerische 
Absicht aufgedeckt wiirde und] der Name des Himmels entweiht wiirde" [die Juden 
und ihr Gott in schlechten Ruf kamen]. - Im allgemeinen sagen das Maimonides 
und nach ihm unsere Schulchan-aruch-Stelle (in der Hagah) auch. 

Diese Hagah (des Isserles) ist von jeher den jiidischen und judenzenden Apologeten 
sehr unangenehm gewesen. Mag auch solcher grobe oder feinere Betrug (denn wei- 
ter ist es nichts) im Leben "riihriger Geschaftsleute" tausendmal vorkommen - das 
Peinliche ist und bleibt, daB dergleichen im Schulchan aruch, der doch das geltende 
Judische Recht darstellen will 120), mit nackten Worten kodifiziert ist! 

Der zu seinem Gliick ungenanntel21) Verfasser des "Centralvereins"-Flugblattes 
"Antisemitische Wahrheiten" (mit dem genannten Verein hoffentlich nicht mehr 
ahnungslose Staatsanwalt und Richter zugleich mit seinen Strafanzeigen beschickt) 
hat die edle Dreistigkeit, zu behaupten, der Satz des Schulchan aruch: "Der Irrtum 
des Nichtjuden ist erlaubt, z.B. ihn im Rechnen irren zu lassen" - sei durch den 
Schreibfehler eines Abschreibers entstanden, der schon vor Jahrhunderten von den 
mafigeblichen Autoritdten nachgewiesen sei" Natiirlich ist davon nicht ein Wort 
wahr, wie ich in meinen "Rabbinischen Fabeln" (Leipzig 1922, S. 62f.) wirklich 
nachgewiesen habe, ohne den Tinten- und Druckschwarzevergeuder "Schamloser 
Liigner" oder dergleichen zu nennen, da ich der literarischen Minhagim (Brauche) 
eines Weimarer Landesrabbiners oder Berliner Rabbinerseminar-Dozenten sehr 
ungewohnt bin. "Dreistigkeit hilft sogar Gott gegeniiber" ist ein altes rabbinisches 
"Stimmungswort"122) - aber dreistes "Irren-Machen" ahnungsloser Gerichtsperso- 
nen und anderer Mitteleuropaer wird schlieBlich doch einmal aufgedeckt, wie es 
meine weitverbreiteten "Rabbinischen Fabeln" erfolgreich getan haben! 

Ungemein kennzeichnend fiir Fiebigs "Wissenschaftlichkeit", wenn es sich um 
Verteidigung selbst bedenklichster jiidischer Lehren usw. handelt, ist sein Verfah- 
ren gegeniiber der hier zur Verhandlung stehenden Hagah. Von vomherein ist es 
ihm "klar, daB hat erlauben wollen und konnen. Es muB sich um etwas juristisch 
und moralisch Einwandfreies handeln, wo das erlaubt' ausgesprochen und die 
'Heiligung des gottlichen Namens' betont wird." Herr F. weiB so gut wie ich, daB 
diese "Heiligung usw." hier kein frommreligioser Begriff ist, sondem nur die Sorge 
bedeutet, daB nichts herauskommt! So geht es denn, von vornherein befangen, mit 
alien, den jiidischen Apologeten abgeguckten Advokatenkniffen an die Verteidi- 
gung der Stelle heran, ohne die im Talmud und von Mose von Coucy gegebenen 
Lehren zu kennen und zu nennen, sondem mit eigener und miBverstandener frem- 
der Weisheit. Wiederum tritt das (seinem Meister Kahan abgelemte) Vexierspiel 
mit "streng juristisch" und "ethisch" auf; Betrug "kann" nicht vorliegen. Nein, das 
"zum Irrtum veranlassen" [oder kahanisch "AnlaB zum Irrtum werden"] "kann 



durch Nachlassigkeit, VergeBlichkeit, schlechte Schrift usw. geschehen." Das ist 
Kahan-Fiebig-Kommentar, den kein anderer Rabbi bestatigt! Mose von Cousy (s. 
o. iiber FuBnotenkennzeichnung 119) erklaren genau, was mit "Irren-Lassen" ge- 
meint ist: Sehen, daB der Goi sich zu seinen Ungunsten irrt, ihn nicht dariiber 
aufklaren, sondem sagen: "Ich verlasse mich auf deine Rechnung!" - Freilich, das 
"will und kann" Fiebig nicht schreiben, fiir den alle Gegengriinde von selbst wider- 
legt sind durch die (nachgesprochene) Uberzeugung: "Der Rest Israels tut kein 
Unrecht" (Zephanja 3,13; a.a.O., S. 65)! - In einem hat er vollig recht, falls er es in 
iibertragenem Sinne auf sich selbst bezieht: "Man kann auf die mannigfaltigste 
WcisQ fur andere zum Anlafi von Irrtum werden [Kahan-Jargon!], ohne daB man 
dabei bose Absichten hat." - Sehr wohl! Wenn man z.B. statt "irren lassen" iiber- 
setzt "AnlaB zum Irrtum werden", statt"eine Schuld nicht bezahlen" aber "ein 
Darlehn vorenthalten", wenn man das Vaterunser fiir einen Abklatsch jiiristischer 
[merkwiirdigerweise viel spaterer!] Gebete usw. ausgibt, wenn man vorm Altare zu 
der Gemeinde sagt: "Das ist mein Leib ... das ist mein Blut", wahrend man schwarz 
auf weiB die christliche Lehre vom Opfertode Jesu Christi bekampft (!), oder wenn 
man sich fiir einen judenfreundlichen Vortrag von jiidischer Seite bezahlen laBt und 
dann in der Vorrede zu diesem als Buch erweiterten Vortrage sich (da es vielleicht 
kein anderer tut oder glaubt) hochstselbst seine Unparteilichkeit, Objektivitat und 
andere schone Dinge bescheinigtl23). Die "Absicht" eines solchen unbedingten 
Juden- und Judenmissionsfreundes - namlich das Judentum und jiidische Schrifttum 
allzeit und allerwegen, selbst auf Kosten des Christentums, mit alien Mitteln und 
nachdriicklichst zu verherrlichen - mag ja in seinen Augen "nicht bose", sondem 
vielmehr riihmlich und forderlich sein. "Fur andere" kann ein solches grundsatzli- 
ches Verhalten eines evangelischen Pfarrers leicht "Anlafi zum Irrtum" werden, vor 
allem zum Irrewerden an seiner Person, und zu der Frage berechtigen, ob der als 
loblich vorausgesetzte Zweck auch stets alle angewandten apologetischen Mittel 
und Mittelchen heiligt, und ob schon jemals ein Rabbiner apologetische Vortrage 
zum hoheren Ruhme des Christentums gehalten oder ebensolche Biicher geschrie- 
ben hat. - Es ware besser, Herr Pfarrer Fiebig beschaftigte sich mehr mit den 
reichen Pflichten der Seelsorge seiner ungemein groBen Gemeinde als mit Dingen, 
von denen er nichts versteht, sondem iiber die er nur (die meist auch schwachbeini- 
gen) Ausfiihrungen der modemen anderen jiidischen Apologeten - oft ebenso 
unverstandig wie unverstandlich - nachredet. 

Trotz ihm und seinesgleichen wird einer, dem es nicht auf die Begriffsspaltereien 
von "irren lassen" und "irren machen" oder von "feinerem" und "grobem" Betruge 
ankommt (der neuhebraische Text wendet ftir beides dasselbe Wort an), beidemale 
"betrugen " ubersetzen diirfen. 



24. Choschen ha-mischpat 369,6 und Hagah. 

"Desgleichen, wenn ein Jude den Zoll vom Konige gepachtet hat, so beraubt der 
[Jude], der schmuggelt, den jiidischen Pachter. - Wenn aber ein Nichtjude den Zoll 
gepachtet hat, so ist [das Schmuggeln] erlaubt, weil es [dann nur] so viel ist, wie 
seine Schuld nicht zu bezahlen, was [ja] in einem Falle gestattet ist, wo keine 
'Entweihung des Namens' vorhegt [es nicht herauskommt]. - {Hagah:) Manche 
sagen, daB, selbst wenn der Zolleinnehmer ein Jude ist, [den Zoll] aber nicht fiir 
sich selbst gepachtet hat, sondem fiir den [nichtjiidischen] Konig einzieht, er (der 
Zollner), obwohl da ein Schmuggel durch Landesgesetz verboten ist, [den jiidi- 
schen Schmuggler] zum Zollzahlen nicht notigen soil, weil [auch hier, dem 
nichtjiidischen Herrscher und Staate gegeniiber, das Schmuggeln] so ist, als wenn 
man seine Schuld nicht bezahlt, was doch [nach jiidischem Rechte] erlaubt ist. Ist 
aber Grund zur Furcht vor dem Konige vorhanden [daB dieser den gemeinsamen 
jiidischen Zollunterschleif merken konnte], so kann er ihn [der jiidische Zollner den 
jiidischen Schmuggler zum Zollzahlen] zweifelsohne notigen." 

Der an manche Reichsgerichtsentscheidungen erinnemde Schachtelstil der Hagah 
ist verschuldet von der Talmuderlauterung (zum Traktate Nedarim IV) des Rabbi 
Nissim Gerondi (ben Ruben), der 1380 zu Barcelona starb. Der Haupttext ist dem 
"Tur" (369,6) des Jakob den Ascher (s.o. § 7) entnommen. 

Der langen Rede kurzer Sinn ist: Der Jude darf keinen jiidischen, wohl aber einen 
nichtjiidischen Zollpachter und sogar einen nichtjiidischen Herrscher (fiir den etwa 
ein Jude den Zoll direkt eintreibt) um den Zoll betriigen, auch wenn das nichtjiidi- 
sche Landesgesetz dies verbietet. Der jiidische Zollbeamte und der jiidische 
Zolldefraudant diirfen auf das nichtjiidische Landesgesetz pfeifen, falls keine Ge- 
fahr einer Entdeckung ihrer Schddigung der nichtjiidischen Staatsfinanzen zu 
befiirchten ist\2A). 

Nach rabbinischem Rechte ist fiir den Judenjede geldliche oder dhnliche Schddi- 
gung eines Glaubensgenossen ein strafbares Vergehen (vgl. unten Choschen ha- 
mischpat 386,3 Hagah; 388,2; oben Ch.ha-m. 156,5 Hagah u.o.). Dagegen ist, wie 
wir (zu Ch. ha-m. 283 Hagah und 348 Hagah) sahen, dem Nichtjuden (sofem er es 
nicht merkt oder merken kann) eine solche Schadigung erlaubt, also auch eine Zoll- 
oder Steuerhinterziehung zum Schaden des nichtjiidischen Monopolpdchters oder 
sogar des nichtjiidischen Staatsoberhauptes. Ja, der nicht fiir seinen eigenen Beutel 
wirtschaftende, sondem fiir das Staatsoberhaupt und die Staatsfinanzen mit der 
Zoll- oder Steuereinziehung betraute jiidische Einnehmer soil sogar seinem Glau- 
bensgenossen bei diesen Durchstechereien nicht im Wege sein, sofem fiir die 
beiderseitige Gaunerei keine Entdeckungsgefahr besteht! 

Trotzdem hat S. Hoffinann ("Der Schulchan-Aruch", S. 74) den - Mut, zu sagen: 
"So viel steht im Sch.-A. fest, daiSjede Benachteiligung des Staates durch Schmug- 
gelei, Steuerkontravention u. dgl. dem frommen Juden als ein schweres religioses 
Verbrechen gelten muJ5" - Ich nenne das mit dem besseren Rabbinismus "Stehlen 



der Meinung" des naiven Lesers durch zweideutige Worte. Was H. meint, gilt er- 
stens nur fiir den frommen Juden; der Schulchan aruch hat hier aber gerade 
unfromme im Auge, die schmuggeln und bei Schmuggelei eines Glaubensgenossen 
durch die Finger sehen" Zweitens ist von "milssen" iiberhaupt nicht die Rede, und 
drittens ist der Begriff der "EntheiHgung des Namens" wieder einmal zu Vexier- 
zwecken religios gefaBt, wahrend er hier in WirkHchkeit nur "rein juristisch" 
bedeutet, daB etwas von dem Betruge herauskommen konnte! Viertens aber hat 
schon Marx-Dalman ("Jiidisches Fremdenrecht", S. 45 und 68) mit Recht darauf 
hingewiesen, daB, wie im Haupttexte (Choschen ha-mischpat 369,6) vorausgesetzt 
wird, "der nichtjiidische Steuerbeamte immer ah unredlich zu betrachten ist und 
man in diesem Falle sich der Steuer entziehen darf '. Dagegen hat Hoffinann (s.74 
Anm.) nur den lahmen Einwand, "daB in einem Lande, wo man die gesetzHchen 
Steuem und Zolle leicht erfahren kann, niemand sich damit entschuldigen wird, daB 
der Steuerbeamte mehr verlange, als das Steuergesetz gebietet." Windige Ausrede! 
Auf dem uns schon mehrfach bekannt gewordenen Talmudblatte Baba kamma 113 
steht folgende Erorterung, welche die Urquelle unserer Choschen-ha-mischpat- 
Stelle bildet: "Darf man derm Zoll hinterziehen? Samuel [das beriihmte babyloni- 
sche Oberhaupt] sagte doch: ' Staatsgesetz ist Gesetz!' ... Hierzu berichtet Rab 
Chanina bar Kahana als [erlautemden] Ausspruch Samuels [die Hinterziehung sei 
erlaubt] bei einem Steuer- oder Zolleinnehmer ohne [vorbestimmte] Taxe [der also 
mehr Steuem als vorgeschrieben einnehme]125). In der Schule des Rabbi Jannai 
erklarte man: [die Hinterziehung sei erlaubt] bei einem [Steuer- oder] Zolleinneh- 
mer, der selbstandig [ohne Staatsauftrag] handelt. Rab Aschi sagt: Dies\26) gilt 
von einem nichtjiidischen Zollner, ... Rabbi Akiba sagt dies [daB man nicht hinter- 
ziehe] nur von dem Falle, wenn 'Heiligung des Namens' [zu beachten, d.h. wenn 
mogliche Entdeckung des Unterschleifs zu befiirchten] sei; andemfalls tue man es." 

Bei der weiteren Erorterung, ob ein solcher Unterschleif gQgQnuhQY einem Nichtju- 
den nicht "Beraubung" sei, erklart Raba (Baba kamma 113b), dies sei vielmehr nur 
"eine Schuld nicht bezahlen" (was ja - s.o. Kennzeichnung der FuBnote 124 - er- 
laubt ist) 127). 

Der Kempunkt der Frage, namlich dafi der Juden (nach Rab Aschi wie nach dem 
Sch.a.) einen nichtjiidischen Abgabenpdchter durch Zoll- und Steuerhinterziehung 
betrugen darf, unterschldgt Hoffmann frohgemut gemaB dem bekannten rabbini- 
schen Trick, in der Verlegenheit an der Sache vorbeizureden! 

Besonders interessant ist iibrigens unsere Stelle durch die sich auch in ihr offenba- 
rende Stellung der Rabbinen zu dem vielerorterten Satze: 

Staatsgesetz ist (auch) Gesetz. 

Aufier der Umfdlschung der im Sch.a. "rein juristisch" gedachten und angewandten 
Ausdriicke "Heiligung bzw. EntheiHgung des Namens" und "um des Friedens wil- 
len" ins Religiose-Erbauliche (s.o. FuBnotenkennzeichnung 93 und der zweite und 
dritte Pfiff) ist kein rabbinischer Ausdruck von den jiidischen und halbjiidischen 



Apologeten so dreist gemifibraucht worden wie dieser. Fast in keiner einer Rabbi- 
nerversammlung fehlte dieser Satz als Beweis fiir die staatliche und biirgerliche 
Loyalitat des Judentums (neben der Versicherung, daB heute auch der Nichtjude 
dem Juden als "Bruder" gelte) und wurde dann apologetisch ausgeschlachtet, als ob 
es "eine Satzung des Mose vom Sinai her" (s.u. Anhang I, Anmerkungen 1+2.) wa- 
re. Selbst Hoffinann, der den wahren Sachverhalt kennt, sagt ("Der Schulchan- 
Aruch", S. 72) schief: "Gesetz der Staatsregierung ist {gultiges") Gesetz", obwohl 
er hochstens sagen diirfte: "unter Umstanden gultiges Gesetz". Den Gipfel der - 
Unverantwortlichkeit erreicht wohl der in meinen "Rabbinischen Fabeln" (Leipzig 
1922, S. 13-20, 27-42) offentlich abgestrafte Weimarer Landesrabbiner, wenn er 
(vgl. a.a.O., S. 34ff.) den Satz Samuels dahin falscht: "Uberall gilt der Grundsatz: 
Staatsgesetz ist Religionsgesetz" (!). Und dieser "Unsinn zu Pferde" wurde in Ver- 
bindung mit den womoglich noch unglaublicheren Flugbldttern des "Centralvereins 
deutscher Staatsbiirger jiidischen Glaubens" (vgl. "Rabbinische Fabeln", S. 20-27, 
47-49, 60-83) einem deutschen Gerichte - hoffentlich nur einem - als lautere Wahr- 
heit vorgelegt! - In meinen "Rabbinischen Fabeln" (S. 34f.) habe ich auch diese 
iible Ecke des apologetisch-polemischen Augiastalles ausgeraumt und dem unbe- 
sonnenen Herm Landesrabbiner kurz nachgewiesen, daB sowohl in der 
talmudischen Ursprungsstelle (Baba kamma 113a) wie uberall in der rabbinischen 
Literatur (vom Talmud bis iiber den Schulchan aruch hinaus) der unbequeme Satz 
Samuels, dafi Staatsgesetz (in gewissen Fallen) auch gelte, niemals unwiderspro- 
chen bleibt, sondern stets bedeutenden Einschrdnkungen unterworfen oder fur 
nicht anwendbar erkldrt wirdllS), wie z.B. in dem Sch.a. behandelten eherechtli- 
chen Falle (Choschen ha-mischpat 369,11 Hagah), wo es offen heiBt: "/w diesem 
Falle gilt nicht: ^Staatsgesetz [ist Gesetz]' ... weil sonst alle jiidischen Gesetze be- 
seitigt werden wiirden" - Und Hoffmann selbst muB ("Der Schulchan- Aruch", S. 
73) eingestehen: "Allerdings wurde dieser Samuelsche Grundsatz, allgemein gefafit 
und konsequent durchgefuhrt, das Judische Recht beseitigen und an dessen Stelle 
das Landesrecht gesetzt haben." Damit ist dem (das Samuelwort "allgemein fassen- 
den und konsequent durchfiihren" wollenden) Getue der Apologeten und 
Apologaster ein fiir allemal der Garaus gemacht. Samuel wollte ganz einfach, als 
die Sassaniden von alien Landesbewohnem Befolgung der Landesgesetze forder- 
ten, ob sie im burgerlichen Rechtsleben sich iiberhaupt nichjiidischen Gesetzen 
fiigen diirften, und erklarte ihnen, daB diese Gesetze auch verbindlich seien, sofem 
sie nicht den jiidischen Gesetzen widersprachenl29). - Weit hoher als Samuels bio- 
Be Anpassungsmoral steht das Paulus-Wort: "Jedermann sei untertan der Obrigkeit, 
die Gewalt iiber ihn hat", mit der religiosen Begriindung: "Denn es ist keine Obrig- 
keit aufier Gott" usw. - und noch hoher Jesu Wort {auch in einer Steuerfrage): 
"Gebet dem Kaiser, was des Kaisers gebiihrt, und Gott, was Gott gebiihrt" (Matth. 
22,27). - Vielleicht ist hier an Herm Pfarrer D. Paul Fiebig (der S. 78f. "vollgiilti- 
ges" Recht schreibt und einen verwasserten Auszug aus Hoffinann gibt) die Frage 
erlaubt, ob oder wo etwa Jesus gesagt hat, wenn der Steuer- oder Zollpachter oder 
Steuer- bzw. Zolleinnehmer (wie es zu seiner Zeit der Fall war) ein Nichtjude sei, 
brauche man dem Kaiser den ihm zukommenden Zinsgroschen nicht zu geben. 

25. Choschen ha-mischpat 386,3 Hagah. 



"Ein gewisser [Isserles selbst?] schreibt: Wenn Ruben einem Nichtjuden etwas ver- 
kauft hat, Simeon aber kommt und sagt dem Nichtjuden, es [das Gekaufte] sei nicht 
so viel wert, so muB er [Simeon] es ihm [was Ruben daraufliin dem Nichtjuden he- 
rausgeben muB] bezahlen. Hat Ruben einem Nichtjuden auf Pfand geHehen, 
Simeon aber kommt und sagt dem Nichtjuden, er [S.] wolle ihm gegen geringe 
[Pfand-] Zinsen Icihcnl 30), worauf der Nichtjude dem Ruben das gehehene Geld 
zuriickgibt [und das zuriickerhahene Pfand bei Simeon versetzt und dem Ruben das 
Geschaft verdorben wird], so ist er [Simeon von der Pflicht eines Schadenersatzes 
dem R. gegeniiber] firei, weil es keine wirkhche Schadigung war [da R. ja sein Dar- 
lehn mit Zinsen zuriickerhahen hat]; indes er [Simeon] wird ein Boser genannt." 

Ein Jude darf den anderen geldHch nicht schadigen, widrigenfalls er ihm den Scha- 
den ersetzen muB. (Vgl. oben Nr. 17 ein ahnliches Konkurrenzverbot bei jiidischen 
Geschaften mit einem Nichtjuden, Choschen ha-mischpat 156,5 Hagah.) 

26. Choschen ha-mischpat 388,2. 

"Siehe, wenn ein [nichtjiidischer] Konig befohlen hat, ihm Wein oder Stroh oder 
dergleichen zu liefern, und es kommt ein [jiidischer] Angeber und sagt: Siehe, der 
und der [Jude] hat einen Vorrat von Wein oder Stroh [oder dergleichen] an dem 
und dem Orte [liegen und nicht abgeliefert], und sie [die Beamten des Konigs] gin- 
gen hin und nahmen [konfiszierten] es, so ist er [der Angeber] verpflichtet, ihm 
[dem Hinterzieher den durch die Wegnahme entstandenen Geldschaden] zu bezah- 
len" [ersetzen]. 

Der Denunziant kommt hier mit bloBem Schadenersatz weg, weil der Hinterzieher 
nach dem Schulchan aruch selbst [Choschen ha-mischpat 369,6] sich einer offentli- 
chen PflichtlSl) entzogen hat, die auch einem jiidischen Herrscher gegeniiber zu 
erfiillen ware. Aber der Angeber hat wahrscheinlich nicht als pflichtbewuBter ... -er 
Staatsbiirger jiidischen Glaubens, sondem nur deshalb "haltet den Dieb" gerufen, 
um unter dem Scheine eines braven Staatsbiirgers "selbst ungeschoren zu bleiben", 
wie Fiebig ("Juden und Nichtjuden", S. 80) erlautemd vermutetl32). Jedenfalls hat 
er einen Glaubensgenossen geldlich geschadigt und muB darum den Schaden erset- 
zen. - Schon im Talmud ist (Baba kamma 117a) kurz erzahlt (also eigentlich eine 
"haggadische" Notiz, von der an sich selten eine "Halachah" [Norm] abgeleitet 
wird, wie hier im Schulchan aruch): "Einst zeigte einer einen [irgendwie hinterzo- 
genen und daher nach der Anzeige behordlich konfiszierten] Weizenhaufen des 
[jiidischen] Exilsoberhauptes [in Babylonien] an. Als er dann deshalb vor [den 
Richterstuhl des] Rab Nachman kam, verurteilte dieser ihn zum Schadenersatz" [an 
den Exilsfiirsten]. 

27. Choschen ha-mischpat 388,10 und Hagah, 388, 15f. 

10. "Es ist auch heutzutage an jedem Orte erlaubt, den Angeber zu toten. Und 
[Aber] es ist [nur] erlaubt, ihn zu toten. Und [Aber] es ist [nur] erlaubt, ihn zu to- 
ten, bevor er die Denunziation ausfuhrt [mithin, wenn er sie emstlich androht]. 



Wenn er vielmehr sagt: ^Siehe, ich werde den N.N. denunzieren, [so daB er Scha- 
den erleidet] an seinem Leibe oder seinem Gelde' - mag es nur wenig Geld sein - so 
hat er sich von selbst dem Tode preisgegeben. Und man wame ihn und sage ihm: 
'Denunziere nicht! ' Wenn er aber trotzig sagt: 'Nein, ich werde ihn doch denunzie- 
ren' so ist es ein Gebot, ihn zu toten, und jeder, der ihn zuerst totschlagt, ist im 
Rechte' [tut etwas Verdi enstHches]. - (Hagah.) "Wenn aber zur Wamung nicht 
mehr Zeit ist, so ist sie nicht notig. Manche sagen [z.B. Isserles], man solle den 
Angeber nur dann toten, wenn man sich vor ihm nicht durch Beschddigung eines 
seiner Glieder retten kann, ist dies aber moghch, z.B. durch Ausschneiden seiner 
Zunge oder Blendung seiner Augen, so ist es verboten, ihn zu toten; derm er [ist 
dadurch nachdriickhch genug 'gewamt' und] hat nichts SchHmmeres gewoUt als 
die iibrigen Verfolger" [der Juden, es aber nicht auszufiihren vermocht]. 

15. "Wenn [ein Jude] nachweislich [schon] dreimal Juden denunziert [und diesen 
Strafe zugezogen] oder [durch Denunzieren] ihr Geld in die Hand der Nichtjuden 
gebracht hat, so sucht manMittel und Wege, ihn aus der Welt zu schaffen." 

16. "Zu den Ausgaben, die man [jiidischerseits] gemacht hat, um den [jiidischen] 
Denunzianten aus der Welt zu schaffen, sind alle Bewohner [des Tatortes] beizu- 
tragen verpflichtet, auch die, welche an einem anderen Orte Steuem zahlen." - 

Nr. 388,10 ist einem "haggadischen" (erzahlenden) Berichte des Talmud entnom- 
men, der erst bei den Rabbinen "halachisch" (normativ) umgeformt wurde. In Baba 
kamma 117a heiBt es nur kurz und erbaulich: "Einst wollte jemand, das [hinterzo- 
gene] Stroh eines anderen Juden anzeigen [denunzieren]. Als er deswegen vor Rabh 
kam, sagte dieser: 'Du sollst es nicht, du sollst es nicht anzeigen! ' Jener entgegnete: 
'Ich werde es doch, werde es doch anzeigen!' Da erhob sich Rab Kahana, der [als 
Schiller] vor Rabh saB, und brach Jenem [Angeber] den Halsl33)" - Nr. 15 und 16 
stammen aus den Responsen des Rabbenu Ascher. 

Der "Centralverein deutscher Staatsbiirger jiidischen Glaubens" laBt in seinem 
(wohl immer noch verbreiteten) Flugblatte "Antisemitische Wahrheiten" [lies: "Jm- 
dische Unwahrheiten"] durch irgendeinen beauftragten Patent- Ignoranten den 
Unsinn verbreiten, der Denunziant beabsichtige oder habe schon versucht, ver- 
leumderische Denunziationen gegen die Juden loszulassen. Selbstverstandlich ist 
das Gegenteil wahr: Der Denunziant will sowohl im Talmud (Baba kamma 117a) 
wie auch im Schulchan aruch (Ch. ha-m. 388,2) greifbare Tatsachen verraten, 
namlich Hinterziehung abgabepflichtiger jiidischer Vorrate, die gewisse Juden ent- 
gegen dem Parade-Grundsatze "Staatsgesetz ist Gesetz" wegmogeln wollten! - 1st 
dem "Centralverein" jeder Ignorant, der nicht einmal ein paar neuhebraische Satze 
zu verstehen vermag, fiir solche Flugblatter gerade gut genug? 

Sonderbar beriihrt die Vorschrift Choschen ha-mischpat 388,10, den Denunzianten 
zu toten, bevor er denunziert, worauf es a.a.O., 388,10 heiBt: "Hat der Denunziant 
seine Absicht [aber bereits] ausgefuhrt, so ist es verboten, ihn zu toten, falls er nicht 
dafiir bekannt ist, daB er [noch weiter'\ verrat. Derm ein solcher wird getotet, damit 



er nicht vielleicht noch andere verrat" (s. Nr. 15). - Trotz der etwas verworrenen 
Ausdrucksweise und des zwischenhinein ziindelnden Rachedurstes nach Denunzi- 
antenblut ist der Sachverhalt klar: Den Denunzianten zu to ten, nachdem er 
denunziert hat, ware fiir die Juden sehr gefahrlich; derm die nichtjiidische Behorde, 
bei der er seine Denunziation angebracht hat, wiirde die Juden schwer zur Verant- 
wortung Ziehen, wenn diese den etwaigen Kronzeugen der Behorde (fiir die 
Wahrheit der Denunziation) toten woUten. Vor der Denunziation aber und bei ein- 
gestandener Denunziationsabsicht kann man dagegen den Angeber gefahrlos toten, 
da ja die nichtjudische Behorde nicht weiB, dafi oder was er hat angeben wollen, 
und man schHmmstenfalls den Todesfall "harmlos" erklaren, vor dem eigenen Ge- 
wissen aber damit rechtfertigen kann, daB man in Notwehr oder vermeintHcher 
(sog. Putativ-) Notwehr gehandeh habe, die ja auch dann vorhegt, wenn man von 
anderen eine drohende Gefahr abwehren will oder abwehren zu miissen glaubt. - 
Gegen die erfolgte Denunziation hat man jiidischerseits ja noch Mittel geniigend 
zur Hand: "Hat der [jiidische] Angeber die Judengemeinde [als solche] denunziert 
und sie damit in eine schwere Lage gebracht", dann sucht man ihn etwa durch eine 
von der jiidischen Mehrheit als wahr bezeugte Gege«denunziation bei den Nichtju- 
den irgendwie als schuldig hinzustellen und seine Bestrafiing zu betreiben, derm "in 
einem solchen Falle ist es erlaubt, ihn den Nichtjuden zu iiberliefem, daB sie ihn 
schlagen, gefangen setzen und zu Strafe verurteilen" (Choschen ha-mischpat 
388,12). "Wegen der [von dem Denunzianten veranlaBten] schlimmen Lage eines 
einzelnen [Juden] ist dies nicht erlaubt" (daselbst). Da sucht man zunachst mit alien 
Mitteln den denunzierten jiidischen Bruder von dem erhobenen Verdachte zu be- 
freienl34) - ist das aber dreimal geschehen, dann geht man gegen den 
Denunzianten, um ihm weitere Fortsetzung seines Treibens endgiiltig unmoglich zu 
machen, mit dem "Notwehr" -Mittel des "Aus-der-Welt-Schaffens" vor, das man nur 
als "Beseitigung" des Angebers durch gedungene Meuchelmorder auffassen kann. 
Denn eine andere Moglichkeit, einem als bosartig und unverbesserlich angesehenen 
Denunzianten das Handwerk mit Sicherheit fiir immer zu legen, vermag ich mir im 
Rahmen der hier behandelten Texte nicht vorstellen. (vgl. oben FuBnotenkerm- 
zeichnung 97). 

28. Choschen ha-mischpat 406,1. +++ 

"Wenn der Ochse eines Juden den Ochsen eines Nichtjuden gestoBen hat, so ist er 
[der Jude, von Schadenersatz] frei. Wenn aber der Ochse eines Nichtjuden den 
Ochsen eines Juden gestoBen hat, so muB er [der Nichtjude] den ganzen [von sei- 
nem Ochsen angerichteten] Schaden ersetzen, gleichviel ob sein Ochs als stoBig 
bekarmt war oder nicht." 

Diese Vorschrift ist ein alter Bekarmter aus dem Talmud (Baba kamma 38a). Vgl. 
hieriiber oben (s.Uber 18. Choschen ha-mischpat 176,12 Hagah. +) und vor allem 
meine "Rabbinischen Fabeln" (Leipzig 1922), S. 71-74! - Zugrunde liegt die altte- 
stamentliche Stelle 2. Mose 21,35f., die einen Schadensfall zwischen Juden und 
Juden regelt: "Wenn der Ochse eines [jiidischen] Marmes den Ochsen seines Ndch- 
sten stoBt, so daB er [der O. des anderen Juden] stirbt, so sollen sie den lebenden 



Ochsen verkaufen und das [fiir ihn geloste] Geld teilen und auch den toten (Och- 
sen) teilen. (36) 1st es aber bekannt gewesen, daB der [erste] Ochse schon seit 
langem stoBig sei, sein Herr aber hat ihn nicht verwahrt, so soil er fiir [den toten] 
Ochsen einen [lebendigen] Ochsen [oder den Wert des toten O.] geben, dafiir aber 
den toten [Ochsen] erhalten." - Im Talmud wird nun gefolgert: Die Bibelstelle be- 
zieht sich nur auf den getoteten Ochsen des "Ndchsten"; als "Ndchster" gilt aber 
nach durchgangiger rabbinischer Auffassung lediglich ein anderer Jude, dagegen 
nicht der Nichtjude. Der Fall, daB dessert Ochse von Qmcmjudischen Ochsen geto- 
tet wird, kommt im Alten Testament iiberhaupt nicht vor. Infolgedessen ist der 
Jude hier dem Nichtjuden keinen Schadenersatz schuldig, wozu er dem Juden ge- 
geniiber verpflichtet ware. Macht dennoch der Nichtjude vor einem jiidischen 
Gerichte gegen den jiidischen Ochsenbesitzer Schadensanspriiche, so wird er glatt 
abgewiesen, derm von so etwas "schreibt Moses nichts"! Von einem Nichtjuden 
dagegen darfder geschddigte Jude vollen Schadensersatz verlangen (sei es vor ei- 
nem jiidischen oder nichtjiidischen Gerichte); derm das nichtjudische Recht billigt 
einen solchen zu. Es erirmert dies an die schon oft erwahnte Talmudstelle Baba 
kamma 113a: "Kannst du ihn [den Juden] nach Judischem Rechte gewinnen lassen, 
so tue das und sage zu ihm [dem Nichtjuden]: ^So ist unser Recht\ ' Kannst du ihn 
aber nach nichtjiidischem Rechte gewinnen lassen [also ihm hier einen Schadener- 
satz verschaffen], so tue das und sage zu dem Nichtjuden: So ist euer Recht!'" - 
Hier nun liegt ein Fall vor, wo der Jude nach beiden Rechten gewinnt und der 
Nichtjude beidemal mit seinem Anspruch abgewiesen wird. - Diese "Perle im 
Munde der Rabbinen" konnten sich daher die "Codices" nicht entgehen lassen, am 
allerwenigsten der Schulchan aruch, dessen schroffe Einstellung gegen die Nichtju- 
den als Personen minderen Rechtes und auch sonst minderwertige Leute die 
Kommentare so oft zu mil dem suchen miissenl35). Man sieht eigentlich nicht recht 
ein, warum diese (im Talmud selbst als fiir die Nichtjuden anstoBig anerkannte) 
Vorschrift in die mittelalterlichen jiidischen "Codices" aufgenommen wurde, da 
doch abgesehen von ein paar Viehhandlem ein Jude als Ochsenbesitzer eine ganz 
seltene Ausnahmeerscheinung war und ist. - Sollte hier ein Musterbeispiel fiir die 
Ablehnung von nichtjiidischen Schadenersatzanspriichen gegeben werden, weil das 
Alte Testament (genauer: die Thorah, der Pentateuch) die entsprechenden Ansprii- 
che nur dem Juden zuerkermt? Oder war fiir die Aufiiahme maBgebend die 
Tatsache, daB hier in besonders schroffer Weise der rabbinische Grundsatz zutage 
tritt, daB der "Ndchste" des alttestamentlichen Textes fiir den Juden nur der Jude, 
keineswegs aber der Nichtjude ist? 

SchluBwort. 

Vielleicht erscheinen einigen mit dem Sachverhalte nicht naher vertrauten Lesem 
meine Erlauterungen zu den kleineren Ubersetzungsstiicken in Teil V etwas zu 
scharf polemisch im Gegensatze zu dem ruhigen Tone der anderen Telle. Apologe- 
tisches Gestriipp aber, das den Weg zum Domroschen Wahrheit verbaut, karm man 
nur mit dem Buschmesser beseitigen. Nur aus diesem Grunde muBte ich mich mit 
Herm D. Paul Fiebig weit mehr beschaftigen, als es an sich seiner wissenschaftli- 



chen Bedeutung auf diesem Gebiet entspricht. Wegen Mangels einer solchen 
Bedeutung habe ich Herm Professor Kahle-Bonn, dem urspriinglich ein Platz im 
"Anhange" zugedacht war, nicht beriicksichtigt. Es findet sich gewiB noch Gele- 
genheit, diese Unterlassung nachzuholen - etwa, wenn ich mit vorlauten Kritikem 
dieses Buches und anderen Leuten in einer Sonderschrift nicht so milde wie hier ins 
Gericht gehen werde. 

Zum Schlusse sei es mir erlaubt, meinem Herm Verleger fur den Beweis seiner 
UnparteiHchkeit zu danken, daB er, trotz seiner stark von meinen Ansichten abwei- 
chenden Einstellung zum Schulchan aruch im Ganzen wie in Einzelheiten, dieses 
Buch in Verlag genommen und mir dadurch Gelegenheit gegeben hat, meine Mei- 
nung unabhangig von alien Riicksichten frei und offen zu sagen. Da meine Biicher 
sich rascher Auflagenerfolge zu erfreuen pflegen, moge auch dieses durch den glei- 
chen Erfolg meinen Dank am wirksamsten abstatten. 



Anhang I. 

Anmerkungen. 

1 (§ 1). DaB das dem Mose "vom Sinai" gegebene schriftliche Gesetz viele Fragen 
offen lieB, bezeigt das Alte Testament selbst. Weil "nicht klar ausgedriickt war, was 
man tun sollte" mit einem, der am Sabbath Holz aufgelesen, oder einem anderen, 
der Gott geflucht hatte (4. Mose 15,34; 3. Mose 24,12), muBte Mose Gott (oder 
wohl die von Gott mit einer Art Amtsgeist versehenen 70 Altesten, 4. Mose 
ll,16f) befragen. Die gewonnenen Entscheidungen sind die ersten (und einzigen 
im Alten Testamente berichteten) miindlichen Satzungen (Halachoth), welche die 
"Thorah" (das schriftliche Gesetz) erganzen. - Wenn femer das schriftliche Gesetz 
jede "Arbeit" am Sabbath verbot, so muBte sich alsbald eine Lehriiberlieferung da- 
von notig machen, was als solche "Arbeit" anzusehen sei. Ebenso erforderten die 
ziemlich liickenhaften Vorschriften des schriftlichen Gesetzes iiber Ehe-, Zivil- und 
Strafrecht behufs Anwendung aufs praktische Leben nahere (und zwar mit der Zeit 
immer genauere, also in Wahrheit erweitemde) Bestimmungen; ganz besonders war 
dies hinsichtlich ganzer Rechtsgebiete notig, die das schriftliche Gesetz gar nicht 
beriicksichtigte, z.B. Handelsverkehr, Testament und Vormundschaft, Luxus, Kin- 
desmord u.a.m. Hier muBte sich notwendig eine ergdnzende Rechtsuberlieferung 
neben dem schriftlichen Gesetze bilden. 



2 (§ 3) Wirkliche Systematik in der allgemeinen Beurteilung wie in der inneren 
Gliederung des Stoffes kennt kein semitisches Gesetzbuch, iiberhaupt kein orienta- 
lisches Schriftwerk. Wahrend das abendlandische Denken, zumal seit Aristoteles, 
die besonderen Gedanken und Falle streng logisch von den allgemeinen Hauptge- 
danken und Hauptfallen ableitet, in alien Stiicken das Besondere dem Allgemeinen 
unterordnet und so einen streng gegliederten Gedankenbau errichtet, sozusagen 
senkrecht von oben nach unten geht, baut der Orientale die einzelnen Falle, wie es 
die Gelegenheit gibt, mittels sozusagen wagerechter Gedankenverbindung (Ideen- 
assoziation) sorglos nebeneinander bin, um mehr oder weniger Widerspriiche und 
logische Mangel ziemlich unbekiimmert. So ist es bei den assyrisch-babylonischen 
Gesetzen der Fall, so bei den im Koran verstreuten, so auch in den "Biichem Mo- 
se". Schon das Haupt- und Urgesetz, die zehn Gebote, kommen 2. Mose 20,7ff. und 
5. Mose 5,7ff. in zwei verschiedenen Fassungen vor, auch die iibrigen Vorschriften 
zusammenhanglos und in mehreren, sich zum Teil widerstrebenden Fassungen vor, 
auch die iibrigen Vorschriften zusammenhanglos und in mehreren, sich zum Teil 
widerstrebenden Fassungen. "Diese Thorah war einplanlos hinge schriebenes Werk 
voller Wiederholungen und Widerspriiche. Nirgends ist eine klare Disposition zu 
erblicken. Es ft)lgen Satze und Kapitel zusammenhanglos aufeinander. " (Jakob 
Fromer, Der Talmud, Berlin 1920, S. 29.) - DaB die Mischnah wenigstens den Ver- 
such macht, den in ihr enthaltenen religionsgesetzlichen Stoff nach einer gewissen 
sachlichen Disposition zu ordnen, schreibt Fromer (S. 96) 'mit Recht dem erzie- 
henden Einflusse hellenistischen (spatgriechischen, also abendlandischen) Geistes 
auf ihren Ordner zu. Ebenso zutreffend aber nennt er diesen Versuch mifigliickt und 
sagt (S. 89f.) richtig: "Schon ein Uberblick iiber die Titel der sechs Ordnungen 
zeigt, daB dieser Rahmen den ganzen Inhalt nicht fassen kann. Traktate wie "Lob- 
spriiche" (Berachoth), "Geliibde" (Nedarim), "Der Geweihte" (Nasir), "Vater" 
(Pirke Aboth) und "Nichtgeheiligte Schlachttiere" (Chullin) passen nirgends hinein. 
Sie muBten deshalb willkiirlich eingeftigt werden. ... Auch die Titel der Ordnungen 
sind nicht immer zutreffend. ... Die Reihenfolge der Traktate entbehrt jedes logi- 
schen Prinzips. Am argsten ist es mit der Reihenfolge der Kapitel und Stiicke". 

3 (§ 3) Die Namen der 6 "Ordnungen" sind. I. Seraim ("Saaten", landliche Abgaben 
fiir die Priester usw.; vorangesetzt ist der Traktat "Berachoth", (s.o.). - II. Moed 
("Fest"; Sabbath, Passah, Versohnungstag, Laubhiittenfest, Neujahr, Fasten, Halb- 
feiertage, Wallfahrten usw.). - III. Naschim ("Frauen"; Schwagerehe, Ehevertrage, 
Scheidung, Ehebruch, Antrauung; eingeftigt sind "Nedarim" und "Nasir", s.o.). - 
IV. Nesikin ("Beschadigungen"; Zivil- und Strafrecht. Eingeftigt ist die eheliche 
Sammlung "Spriiche der Vater".) - V. Kodaschim ("Heilige Sachen"; Schlachtop- 
fer, Speiseopfer usw. Eingeftigt ist "Chullin", s.o.). - VI. Teharoth ("Reines", d.h. 
Verunreinigungen an GefaBen, durch einen Toten, durch Aussatz usw.; unreine 
Friichte, Reinigungsasche, Tauchbader, Handwaschung, Menstruation, Tripper 
usw.). - Jede "Ordnung" enthalt eine Anzahl (7-12) kiirzere oder (meist) lange 
"Traktate" (lang z.B. Berachoth, Schabbath, Pesachim usw.). 

4 (§ 3) 1. Beispiel ftir "Mischnah schlechthin" : (Talmudtraktat Baba kamma IV 3, 
SchluB) "StoBt das Rind eines Juden das Rind eines Nichtjuden, so ist crfrei (d.h. 



sein Besitzer braucht fiir die Beschadigung nicht Schadenersatz zu leisten). StoBt 
aber das Rind eines Nichtjuden das Rind eines Juden , so hat er (d.h. Besitzer) den 
ganzen (angerichteten) Schaden zu ersetzen, mag es (das Rind des Nichtjuden) 
nicht stoBig oder stoBig gewesen sein." [Vgl. unten Haggadische Stiicke, 37b, 
Mischnah und oben '28. Choschen ha-mischpat 406,2] - 2. Anfiigung der (nicht- 
normativen) Ansicht eines angesehenen Gelehrten: (Berachoth VI 8, SchluB) "Wer 
Wasser fiir seinen Durst trinkt, spricht (dariiber) den Segen: 'Gelobt sei der,) durch 
dessen Wort alles gekommen ist.' Rabbi Tarphon sagt: (Er spricht.) 'Der viele See- 
len und ihre Not geschaffen hat!" - 3. Die Mehrheit der Gelehrten ist Norm: (Peah 
III 4) "Befinden sich Zwiebelbeete zwischen Griinkraut, so ist nach Rabbi Jose's 
Ansicht von jedem einzelnen Beete die "Ackerwinkel"-Abgabe zu leisten. Die Ge- 
lehrten aber sagen: "Von einem fiir alle." - 4. Erweiterung dieser Norm durch einen 
groBen Gelehrten: (Berachoth II) "Von wann an sagt man die Formel 'Hore Israel' 
am Abend? Von der Stunde, da die Priester ins Heiligtum gehen, ihre Hebe zu es- 
sen, bis zur ersten Nachtwache; (das ist) Rabbi Eliesers Lehre. Die Gelehrten aber 
sagen: bis Mittemacht. Jedoch Rabban Gamaliel sagt: bis der erste Strahl der Mor- 
genrote aufsteigt." 

5 (§ 4) Vgl. meinen "Talmudkatechismus", Leipzig 1904; femer z.B. das Literatur- 
verzeichnis in: Strack, Einl. in Talmud und Midrasch, 5. Aufl. (Miinchen 1921), wo 
S. 173-194 auf dem Talmud fiiBende Schriften iiber fi)lgende Gegenstande angege- 
ben sind: Zum Verstandnis des Alten Testaments (und der Legende); Glaube, 
Kultus, Sekten, Aberglaube; Ethik; zum Verstandnisse des Neuen Testaments; Phi- 
losophic, Mathematik, Sprachwissenschaft, Padagogik; Rechtswissenschaft; 
Geschichte; Geographic; Natur- und Heilkunde; Archaologie; Gemeindliches; 
Hochzeit usw.; Sklaven; Handwerk und Technologic; Landbau und Jagd; Haus und 
Bekleidung; Buchwesen; MaBc, Miinzen und Gewichte; Geselligkeit, Badewesen, 
KuB usw. - Man darf ohne Ubertreibung sagen, daB die talmudischen Rabbinen 
vom GroBten und Kleinsten, vom Allererhabensten und Ungemeinsten, von allem 
Moglichen und Unmoglichen und noch etwas mehr, schon und haBlich, liebreich 
und haBvoll, tugend- und siindhafi, erbaulich und verwerflich reden, und daB zwar 
wir fi)rmell und inhaltlich "die Geister scheiden", fiir den echten Talmudisten aber 
"die einen wie die anderen Meinungen Worte des lebendigen Gottes sind^ (Gittin 
6b, vgl. Chagigah 3b). 

6 Maimonides. (§ 6) Da der Mischneh thorah (die Jad chasakah) des Maimonides 
zu einem groBen Telle der geistige Nahrvater des Schulchan aruch ist, dessen beide 
Erzeuger Karo und Isserles trotz vieler Einzelgegnerschaft glcichcrmaBcn Verehrer 
des Maimonides waren, so seien hier einzelne bedeutsame Stellen des Maimonides 
in Ubersetzung wiedergegeben. Die erste mag den jiidischen Apologeten zum Un- 
terrichte dienen, welche bei M., im Schulchan aruch usw. oft vorkommenden 
Worte "um des Friedens willen" beschonigendl36) deuten: "um in der Welt Frie- 
den zu schaffen" oder gar "zum Wohle der Gesellschaft", was Unsinn ist! 

di) Maimonides, Hilchoth abodah sarah (Satzungen vom Gotzendienst) X 5ff.: "Man 
gibt den Armen der Gotzendiener (Nichtjuden) Speise und zugleich mit den jiidi- 



schen Armen, um des (lieben) Friedens willen; man wehrt ihnen auch nicht, an der 
Nachlese auf dem Felde usw. teilzunehmen, um des Friedens willen. Man erkun- 
digt sich nach ihrem Wohle, sogar an einem ihrer Feste, um des Friedens willen. 
Aber nie darf man sie wiederholt griiBen noch das Haus eines Gotzendieners 
(Nichtjuden) an seinem Feiertage betreten, um ihn zu begriiBen. Trifft man ihn auf 
der StraBe, so griiBt man ihn leise und gesenkten Hauptes. Aber alles dies gilt nur 
fiXr die Zeit, wo die Juden im Exil (auBerhalb Palastinas) und unter den Volkem zer- 
streut leben, oder wo die Gotzendiener (Nichtjuden) die Oberhand iiber die Juden 
haben. Wenn aber die Juden die Oberhand iiber die Gotzendiener (Nichtjuden) 
haben, ist es uns verboten, einen von ihnen unter uns zu dulden, auch wenn er sich 
nur zufalhg und voriibergehend an einem Orte (von uns) aufhah oder handelnd von 
einem Orte zum anderen zieht." - Auch der Schulchan aruch sagt (Joreh deah 
151,12), daB es "um des Friedens willen" erlaubt sei, nichtjiidischen Armen Almo- 
sen zu geben usw. Mit Recht bemerkt Marx-Dalman S. 75, daB "um des Friedens 
willen" hier keinen anderen Sinn habe, wie das im Schulchan aruch von Karo 
(J.d. 158,1) und Isserles (J.d.148,12) wie von Maimonides (Hilchoth abodah sarah 
IX 10) gebrauchte "wegen Feindschaft" (um Feindschaft zu vermeiden). - DaB die- 
se seltsame "Friedensliebe" sofort aufliort, wenn man sie nicht mehr notig hat, 
gesteht ja Maimonides mit diirren Worten, welche die Apologetik gem unter- 
schlagt! Treffend sagt Marx-Dalman (a.a.O., S. 56): "Das Motiv der 
Riicksichtnahme auf das firiedliche Einvemehmen mit den Heiden ist, solange die 
Riicksichtnahme nur als ein durch die gegenwartige Lage der Juden gebotener Not- 
stand betrachtet wird, sittlich ohne Wert." - Die Ubersetzung "um des lieben 
Friedens willen" trifft sachlich durchaus das Richtige; dieser Ausdruck hat in den 
angefuhrten Gesetzesnormen eben keine ethische, sondem eine ganz praktisch- 
kasuistische Bedeutung, genau so wie die im Schulchan aruch und sonst gebrauchte 
Wendung, es sei etwas verboten, falls "Entweihung des (gottlichen) Namens" zu 
beftirchten sei; der einfache Sinn des hochklingenden Ausdrucks ist: falls zu erwar- 
ten ist, dafi die Sache herauskommt und dadurch das Judentum (und mit ihm sein 
Gott) in schlechten Ruf gerdt. - Die toleranteren Ansichten neuzeitlicher jiidischer 
Autoren darf man keinesfalls in die alien Gesetzesquellen hineindeuten. Und so 
bleibt es auch dabei, daB fiir Maimonides die Christen ebenfalls zu den "Gotzen- 
dienem" seiner oben angeftihrten Stelle gehoren, weil sie ihm "in jeder Beziehung 
als Gotzendiener gelten" (Marx-Dalman, S. 49), wahrend sie fiir den Schulchan 
aruch nur "in gewisser Beziehung noch Gotzendiener sind" (a.a.O., S. 53). - Wiir- 
den D. Hoffinann und andere mit ihrer Ansicht recht haben, daB bei Maimonides 
die Christen die Stellung jiidischer "Beisafiproselyten" einnahmen, so miiBten sie 
zugestehen, daB dann laut Maimonides ein Jude einen Christen toten diirfte; denn 
Maimonides stellt (Hilchoth rozeach 11 11) als religionsgesetzliche Norm (Hala- 
chah) den Grundsatz auf: "Ein Jude, der einen Beisafiproselyten totet, wird 
deswegen vom (jiidischen) Gerichtshofe nicht getotetl " Doch Maimonides ist noch 
ehrlicher und fiigt gleich hinzu: "Und es braucht nicht gesagt zu werden, daB er 
wegen Totung eines Kuthders (Nichtjuden) erst recht nicht getotet wird\ " - Sind das 
auch "Wege des Friedens"?? ... Sowjet: -jiidische! 



b) Eine ebensowenig "tolerante" Gesinnung des Maimonides gegen Nichtjuden 
zeigt auch die Stelle des Maimonides Issure biah (Satzungen iiber die verbotene 
Beiwohnung) 4f. : 

"Wisse, daB das kunftige (ewige) Leben nur den Gerechten vorbehalten ist, und das 
sind die Juden. ... Alle (nichtjudischen) Volker werden vernichtet werden, sie aber 
[die Juden] fortbestehen." 

c) Maimonides Hilchoth aboda sarah 18: "Eine Jiidin soil den Sohn einer Gotzen- 
dienerin nicht sdugen, weil sie dadurch der Abgotterei einen Diener aufzoge; auch 
soil sie einer gotzendienerischen Gebarenden keine Hebammendienste leisten. 
Wenn sie aber bezahlt (!) bekommt, darf sie es tun, um Feindschaft zu verhiiten." 
(Vgl. Talmud Aboda sarah 26a; Schulchan aruch, Orach chajjim 330,2.) 

d) Im Alten Testamente steht, daB ein iiberfiihrter Dieb dem bestohlenen "Nach- 
sten" das Gestohlene doppelt zu ersetzen habe (2. Mose 22,9). - Maimonides aber 
stellt als religionsgesetzliche Norm auf (Hilchoth genebah [Satzungen vom Dieb- 
stahl] 1): "Wer einen Gotzendiener bestiehlt, zahlt nur den einfachen Wert des 
Gestohlenen zuriick; derm es heiBt (2. Mose 22,9): Er soil es zwiefaltig seinem 
Ndchsten wiedergeben. (D.h. seinem Ndchsten [dem Juden], aber nicht einem Got- 
zendiener." 

e) Laut dem Alten Testamente (3. Mose 5,20ff.) muB ein Jude, der seinem Nach- 
sten (falschlich) unter Eid einen Fund oder eine Schuld abgeleugnet hat und 
nachher des falschen Eides ilberfiihrt worden ist, den Wert des falschlich Abge- 
leugneten und noch ein Fiinftel dazu wiedergeben. - Maimonides aber stellt als 
Halachah auf (Hilchoth geselah [Satzung vom Raube] 7): "Wer gegen einen Got- 
zendiener einen (falschen) Eid geleistet hat (und dessen iiberfiihrt worden ist), 
bezahlt den einfachen Wert zuriick, ist aber nicht (wie beim Juden) verpflichtet, den 
fiinften Teil dariiber (auch noch) zu bezahlen, derm es heiBt (3. Mose 5,20ff ): 
'Wenn er ?,QmQV[\ Ndchsten etwas ableugnet!" 

f) Maimonides, Hilchoth geselah 1 1 : "Das von einem Gotzendiener Verlorene ist 
(zu behalten) erlaubt; derm es heiBt: "Mit allem Verlorenen deines Bruders (5. Mo- 
se 22,3). Wer es wiedergibt, begeht eine Ubertretung, weil er dadurch die Macht 
der Gottlosen der Welt (der Nichtjuden) starkt. Gibt er's jedoch wieder, um den 
Namen (Gottes) zu heiligen, damit man die Juden riihme und es erkerme, daB sie 
ehrliche Leute seien, so ist es (die Riickgabe) zu loben." (Worth ch iibemommen in 
den Schulchan aruch Choschen ha-mischpat 266,1.) - Der Gotzendiener (also fiir 
Maimonides auch der Christ) ist demnach nicht des Juden "Nachster", sondem ein 
"Gottloser der Welt" und hat an den jiidischen Finder keinen Anspruch auf Riick- 
gabe des verlorenen Gegenstandes. (Ein paar Jahrhunderte spater laBt der 
Talmuderklarer Raschi das Motiv der "Starkung der Gottlosen" weg, sieht aber in 
dem Wiedergeben an den Nichtjuden eine Ubertretung eines gottlichen Gebots, das 
ja lediglich dem "Nachsten", d.h. Juden, gegeniiber die Wiedergabe gebiete, also [!] 
dem Nichtjuden gegeniiber verbiete.) Jakob ben Ascher (s.o. § 7) wollte in seinen 



Arbaah Turim, Choschen ha-mischpat 266, mit dem Verbote der Wiedergabe des 
Verlorenen eines Gotzendieners nur die wirklichen Gotzendiener, nicht aber die 
iibrigen Nichtjuden (Gojim) getroffen wissen. Joseph Karo, der spatere Schulchan- 
aruch-Verfasser zeiht ihn aber deswegen in seinem Tur-Kommentar Beth Joseph zu 
Choschen ha-mischpat 266 gehnde der Heuchelei und sagt: "Nach dem klaren 
Wortlaute des Gesetzes (5. Mose 22,3) sind hier alle Nichtjuden (Gojim) gleich, 
seien sie nun (wirkHche) Gotzendiener oder nicht [ihnen alien braucht man ihr Ver- 
lorenes nicht wiedergeben]; derm sie sind nicht 'dein Bruder'. Unser Rabbi (Jakob 
ben Ascher) war nicht genau, wenn er hier nur die (wirkhchen) Gotzendiener nann- 
te. Vielleicht tat er das, weil im Lande Edom (dem christhchen Europa) die 
getauften Juden die Juden wegen dieses und dhnlicher Gesetze bei dem Konige 
verddchtigt haben, worauf die Weisen (der Juden, apologetisch mildemd) antworte- 
ten, das beziehe sich nur auf die Gojim der talmudischen Zeit, die Gotzenbilder 
angebetet und sich nicht zum Wehschopfer bekannt batten; die Gojim der jetzigen 
Zeit, die sich zum Wehschopfer bekannten, wiirden weder bei diesem Gesetze noch 
bei anderen ahnhchen zu den Gotzendienem gerechnet," - Diese Behauptung der 
damahgen "Weisen" ist also laut Karo eine apologetische Finte; Karo hah die 
Fundunterschlagung alien Nichtjuden (also auch den Christen) gegeniiber fiir gott- 
lich erlaubt! 

g) Maimonides, Hilchoth aboda sarah 1 : "Es ist verboten, sich iiber Gotzendiener" 
[d.h. also - vgl. b) - 1) - auch iiber Christen] zu erbarmen; derm es heiBt (5. Mose 
7,2): 'Du sollst ihnen keine Gnade erweisen!" 

h) Maimonides Hilchoth Schabbath (Sabbathsatzungen) 20f.: "Wenn auf einem Ho- 
fe Nichtjuden und Juden sich befinden, selbst nur ein Jude und tausend Nichtjuden, 
und es fallt (am Sabbath) eine Ruine auf sie, so raumt man den Schutt von alien 
weg, wegen des Juden. Entfemt sich einer von ihnen und geht nach einem anderen 
Hofe, dort fallt eine Ruine auf ihn, so raumt man den Schutt ebenfalls (trotz des 
Sabbaths) von ihm fort; derm vielleicht ist der, der sich entfemt hat, der Jude und 
die Zuriickgebliebenen sind die Nichtjuden. Wenn sich aber alle aufgemacht haben, 
um von dem einen Hofe nach dem anderen zu gehen, zur Zeit ihres Aufbruchs aber 
sich einer von ihnen entfemt hat und sich nach einem anderen Hofe begeben hat, 
dort aber eine Ruine auf ihn gefallen ist, man weiB jedoch nicht, wer er ist, so 
raumt man den Schutt nicht von ihm (am Sabbath) weg; derm da sie alle sich auf- 
gemacht haben, so ist kein Jude (mehr auf dem ersten Hofe), und jeder, der sich 
wahrend ihres Zuges von ihnen entfemt, wird als zur (nichtjiidischen Mehrheit ge- 
horig betrachtet" (und seinetwegen der Schutt am Sabbath nicht entfemt). 

i) Maimonides, Hilchoth Geruschin (Satzungen von der Scheidung) 23: "Wird je- 
mandes (eines Juden) Frau taubstumm, so gibt er ihr einen Scheidebrief, und sie ist 
(damit) geschieden. Aber wenn sie wahnsinnig geworden ist, so darf er sie nicht 
eher (aus seinem Hause) hinaustun, als bis sie wieder zurechnungsfahig ist, und 
dies ist eine Verordnung der Weisen (Gelehrten), damit sie nicht eine Beute loser 
Menschen wird, das sie ja (in ihrem Zustande nicht imstande ist, sich selber zu be- 
hiiten. Daher laBt er (der Ehemarm) sie in Ruhe, heiratet eine andere und gibt ihr 



(der ersten) Nahrung und Trank aus ihrem (eingebrachten) Gelde. Man verpflichtet 
ihn aber nicht, ihr (aus seinen Mitteln) Speise und Trank zu geben und die eheliche 
Pflicht zu erfiillen; denn es steht nicht in der Macht eines vemiinftigen Menschen, 
mit Wahnsinnigen in einem Hause zu verkehren. Er braucht sie auch nicht (auf sei- 
ne Kosten) kurieren zu lassen oder sie (wenn sie in Gefangenschaft gerat) 
loszukaufen. Und wenn er sich von ihr geschieden hat, so bleibt sie (nachdem sie 
wieder zurechnungsfahig wurde) geschieden, und er darf sie hinausweisen und ist 
nicht verpflichtet, sich mit ihr weiter zu befassen." - OrientaHsche BrutaHtat! 

k) Maimonides, Hilchoth ischuth (Heiratssatzungen) 3: "Der Mensch (Jude) darf 
beliebig viele Frauen nehmen, selbst hundert, sei es auf einmal, sei es eine nach der 
andem, und seine Frau kann ihn nicht daran hindem, vorausgesetzt, daB er imstan- 
de ist, einer jegHchen die gehorige Kleidung, Nahrung und eheHche Pflicht zu 
gewahren." - Vgl. hierzu die Arbaah Turim des Jakob ben Ascher [s.o. §. 7] in 
Eben ha-eser 1: "Der Mensch [Jude] darf beHebig viele Frauen nehmen ... voraus- 
gesetzt, daB er sie emahren kann. Die Weisen (Gelehrten) fireiHch haben den guten 
Rat zu geben, daB der Mensch [Jude] nicht mehr als vier Frauen nehmen soil. - 
Dort, wo der Branch herrscht, nur eine Frau zu nehmen, ist es nicht gestattet, zu 
einer Frau noch eine andere hinzuzunehmen. Rabbi Gerson tat jeden in den groBen 
Bann, der noch eine zu seiner Frau hinzunahme. ... Doch hat sich diese Verordnung 
nicht iiber alle Lander verbreitet, und er verhangte den Bann nur bis zum Ende des 
5. [jiidischen] Jahrtausends" - d.h. bis 1240 n.Chr. - Theoretisch hat also auch fiir 
die abendlandischen Juden das Verbot der Vielweiberei seine Kraft verloren; prak- 
tisch wird ihre legale Polygamic wenigstens vorlaufig noch durch den Staatsanwalt 
und den Geldbeutel verhindert, im zivilisierten Europa auch durch die ethische 
Kultur und wohl auch durch die Aussicht auf einen - Plural von Schwiegermiittem. 

1) Maimonides, Hilchoth maachloth asuroth (Satzungen von den verbotenen Nah- 
rungsmitteln) 7: "Der Wein aller Nichtjuden, welche, wie z.B.die Ismaeliter, keine 
Gotzendiener sind, ist zwar zum Trinken verboten, jedoch zur NutznieBung erlaubt; 
so lehren alle Gaonen (s.o. § 5). Aber die Christen sind Gotzendiener, und ihr 
Wein ist zu jeder Benutzung (absolut) verbotenl37)." 

m) Maimonides, Hilchoth schebuoth (Satzungen vom Schwure) If: "Wennjemand 
einen unbedachten Schwur schwort und (nachher) iiber seinen Schwur Reue emp- 
findet, weil er einsieht, daB er Unannehmlichkeit haben wiirde, wenn er diesen 
Schwur hielte, und er daher seine Gesinnung andert; oder wenn sich ihm etwas er- 
eignet hat, woran er zur Zeit des Schwures nicht dachte, und er diesen daher bereut, 
so ersucht er einen (jiidischen) Gelehrten oder, wo kein Gelehrter vorhanden ist, 
drei einfache (jiidische) Leute, und diese entbinden ihn seines Schwurs. Alsdann ist 
es ihm erlaubt, das zu tun, was nicht tun zu wollen er geschworen hatte, oder das 
nicht zu tun (zu unterlassen), was tun zu wollen er geschworen hatte. Und das ist 
die sogenannte Entbindung von den Eiden. Aber diese Sache hat im geschriebenen 
(pentateuchischen) Gesetze durchaus keinen Stutzpunkt; sondem sie (die Rabbinen) 
sind von unserem Lehrer Mose durch eine miindliche Uberlieferung belehrt wor- 
den, der Schriftvers: "Er soil sein Wort nicht schwachen" (4. Mose 30,3) bedeutet. 



daB er nicht selber aus Leichtsinn oder mutwillig sein Wort nicht halten solle, wie 
geschrieben steht: 'daB du entheiligst den Namen deines Gottes' (3. Mose 19,12). 
Aber wenn jemand Reue (iiber jenen Schwur) empfindet und davon abgehen will, 
so darf ihn ein Gelehrter (davon) entbinden. " - "Wenn A den B schworen laBt und 
B antwortet 'Amen' oder nimmt den Schwur an, nachher aber bereut B seinen 
Schwur und ersucht um Entbindung davon, so entbindet man ihn nur in Gegenwart 
des A, der ihn den Schwur schworen lieB." Hilchoth schebuoth 7). - Mose von 
Coucy (s.o. iiber FuBnotenkennzeichnung 120) schreibt im auch als Quelle der Ha- 
lachah geltenden Sepher mizwoth gadol (GroBe Buch der Gebote) im Abschnitte 
Hilchoth schebuoth (Satzungen von den Schwiiren) den Maimonides fast wortlich 
aus. Im Schulchan aruch heiBt es (Joreh deah 228,1): "Wenn jemand sein Gelubde 
getan hat und (nachher) Reue dariiber empfindet, so kann ihm durch Reue geholfen 
werden, wenn er auch sein Gelubde beim Gott Israels" [also so feierlich wie nur 
moglich] "getan hat. Wie (hat er zu handeln)? Er muB einen (jiidischen) Gelehrten 
oder, wo kein Gelehrter vorhanden, drei einfache (jiidische) Leute angehen, und 
diese entbinden ihn seines Geliibdes." - Schon hieraus ist ersichtlich, daB die 
SelbstaufJosung Yon "Geliibden, Schwiiren usw.", wie sie die eigens hierzu verfaBte 
Formel "^o/ nidre" iibt (sie ist kein "Gebet", sondem eine Formel) - nach rabbini- 
schen Religionsrechte selbst ganz unzuldssig ist. Vgl. meine "Rabbinischen 
Fabeln" (Leipzig 1922), wo dies S. 53-56 ausfiihrlich nachgewiesen wird! 

n) Maimonides, Hilchoth melachim (Konigsrecht) 3: "die Nichtjuden haben keine 
gultige Ehe" (Vgl. hieriiber ausfiihrlich: Th. Fritsch, Der Streit um Gott und Tal- 
mud [Leipzig 1922], S. 52-53.) - Ebenso schon hundert Jahre vorher der Bibel- und 
Talmudauflclarer Raschi: a) zu 3. Mose 20,10: "'DaB er die Ehe gebrochen hat mit 
seines Ndchsten Weibe', das schlieBt aus das Weib eines Nichtjuden; wir lemen 
daraus, dafi der Nichtjude keine gultige Ehe hat" b) zu Sanhedrin 52b: "Wir horen 
hieraus, daB der Nichtjude keine gultige Ehe hat. " 

o) Maimonides, Hilchoth malweh we-loweh (Schuldrecht) 1: "Man borgt von ei- 
nem Nichtjuden und Beisassen und leiht ihnen ebenso auf Wucher (Zins); derm es 
heiBt (5. Mose 23,20): 'An deinem Bruder sollst du nicht wuchem'. An deinem 
Bruder (dem Juden) ist es verboten, an den iibrigen Menschen der Welt (den Nicht- 
juden) ist es erlaubt." - Scharfer sagt derselbe Maimonides im Sepher mizwoth 
(Buch der Gebote, zu Mose 5. 34,20) "Das 198. Gebot ist, daB Gott befohlen hat, 
von einem Nichtjuden Wucher zu nehmen, und daB wir ihm erst dann leihen (wenn 
er sich damit einverstanden erklart), so daB wir ihm keinen Nutzen schaffen und 
keine Hilfe leisten, sondern Schaden zufugen, selbst dann, wenn wir selbst keinen 
Nutzen davon haben." - DaB nicht harmloses Zinsnehmen, sondem wirklicher Wu- 
cher gemeint ist, geht trotz alles Leugnens der Apologeten nicht nur aus des 
Maimonides Wort "Schaden zufiigen" hervor, sondem z.B. auch aus Raschi zu 2. 
Mose 22,19: "Der Wucher ist wie der BiB einer kleinen Schlange, die eine kleine 
Wunde am FuBe eines Menschen macht, so daB er sie nicht bemerkt, die aber als- 
bald eine hitzige Geschwulst bis an den Halswirbel verursacht. Ebenso empfindet 
man (zuerst) den Wucher nicht, bis er ansteigt und grofien Vermogensverlust verur- 
sacht," (Vgl. oben zur Ubersetzung von Joreh deah 159,1.) 



7 (§ 7) a) Tur Orach chajjim 266: "Wenn (ein reisender Jude) am Freitagabend vom 
Dunkelwerden iiberrascht worden ist" (und somit schon die Sabbathverbote des 
Tragens von etwas in Kraft getreten sind), "und er tragt einen Geldbeutel bei sich, 
so gebe er, wenn sich bei ihm ein Nichtjude und ein Esel befindet, seinen Geldbeu- 
tel dem Nichtjuden, selbst nachdem es schon dunkel geworden ist, und lege ihn 
nicht auf den Esel." [Auch der Esel des Juden soil am Sabbath laut 2.M. 23,12 kei- 
ne "Arbeit tun", also z.B. nichts tragen.] ... Befindet sich aber kein Nichtjude bei 
ihm, so lege er den Beutel auf den Esel, wahrend dieser geht, nehme ihn (den Beu- 
tel) ihm (dem Esel) jedoch jederzeit ab, wenn der Esel still steht, und lege ihn 
wieder auf, wenn er (der Esel) sich wieder in Bewegung setzt." [Es ist besser, der 
Esel handle durch das Tragen wider das Sabbathgebot als der Mensch.) ... "Hat er 
niemand" [auch keinen Esel] bei sich, so trage er den Beutel immer nur weniger als 
vier Ellen weit." [So weit darf man am Sabbath etwas tragen; es gilt dann, als triige 
er den Beutel iiberhaupt nur vier Ellen weit, da er nach knapp vier Ellen still steht 
und somit eine neue Ellenrechnung beginnt.] (Ahnlich der Schulchan aruch.) 

b) Daselbst, 348: "Darum ist es dem Menschen (Juden) erlaubt, (am Sabbath) einen 
Gegenstand aus einem offentlichen Bezirke zu nehmen und ihn einem Mitjuden zu 
geben, der sich weniger als vier Ellen weit von ihm befindet; dieser darf ihn wieder 
einem ebensoweit stehenden Juden geben usw., selbst hundert Meilen weit. Wenn 
auch der Gegenstand (auf diese Weise) viele Meilen durchwandert, hat ihn tatsach- 
lich doch jeder einzelne nur weniger als vier Ellen weit fortbewegt." (Dgl.) 

c) Tur Joreh deah 112: "Es gibt Dinge, welche die (jiidischen) Gelehrten verboten 
haben, obwohl dafiir kein Grund im (alttestamentlichen) Gesetze findet, z.B. (daB) 
Brot der Nichtjuden, selbst wenn es ein Jude fiir ihn (den Nichtjuden) gebacken hat, 
und die Speisen, welche die Nichtjuden gekocht haben" (verboten seien). - "Wer 
drei Tage lang gefastet hat, dem ist es (solches Brot) wegen Lebensgefahr erlaubt); 
da es aber an vielen Orten unseres Exils keinen jiidischen Backer gibt, wird der Fall 
immer so angesehen, als ob (der hungrige Jude) drei Tage gefastet hatte. Einige 
verbieten es (das Brot der Nichtjuden), falls er nicht wirklich (vorher unfreiwillig) 
drei Tage gefastet habe." (Vgl. Sch.a., Joreh deah 112.) 

d) Daselbst 377. "Bei Knechten und Magden (von Juden) stellt man sich (wenn sie 
gestorben sind) nicht" [vgl. Sch.a,, J.d.377,1] "in einer Reihe auf; man sagt ihret- 
wegen auch nicht die Segensspriiche und Trostworte der Trauemden, sondem wie 
man zu einem (Juden) beim Verenden seines Ochsen sagt: 'Gott ersetze deinen 
Verlust', so sagt man zu ihm auch beim Tode seines Knechtes oder seiner Magd." 

8 (§ 9) Zumal den Maimonides schreibt Karo oft wortlich aus. Mordechai Jaffa 
(s.o. § 11) sagt Ende in der Vorrede zu seinem "Lebusch orach chajjim" (Mantel 
zum Orach chajjim, d.h. zum 1. Telle des Schulchan aruch): "Karo nahm die mei- 
sten Satzungen nach der Fassung des Maimonides auf, well man nach diesem im 
Morgenlande, dem Wirkungskreise Karos, verfahrt." Ein grofier Teil des Schulchan 
aruch ist einfach ein Auszug aus dem Mischneh thorah des Maimonides. 



9 (§ 9) Auch Jaffa (s. vorige Anm.) sagt a.a.O.: "Alles ist (bei Karo) ohne Begriin- 
dung, als ware es vom Sinai her gegeben." 

10 (§ 16) Lowes Ubersetzung enthalt mancherlei Ubersetzungsfehler und Fliichtig- 
keiten, die sein Neuherausgeber Deckert leider hat stehen lassen. Die Besitzer von 
dessen Neuausgabe mogen z.B. folgendes verbessem: Bd. 1, S. 41, Z. 5 lies "iiber- 
natiirliches Ereignis" (statt: unnatiirliches Wunder); daselbst Z. 12 "Hafen" (statt: 
Grenze); S. 119, Z. 14 v.u. "Thephillin" und "Gebote" (statt: "Thephilloth" und 
"Gebete"); S. 173, Z. 3 ist falsch und vollstandig; S. 243, Z. 2 lies (Jerichos Mauem 
wurden) "durchbrochen" (statt: durchschossen)! - Bd. 11, S. 5: "Exilfiirst" (statt: 
Oberrabbiner der Provinz); S. 7, Z.5: "wer Wein getrunken hat" (statt: Vom Weine 
Betrunkene) usw. usw. - Verbessert hat Deckert nur wenigstens (nach dem sog. Dr. 
Johannes v. Pavly; s.o. § 26), z.B. Bd. 1, S. 3, Z6 v.u. "Ringmuskel" (bei Lowe: 
Zahne); S. 5, Z. 17 v.u. "Risse" (statt: Spalten) usw. 

1 1 (§ 9) Neue Fehler in Deckerts Neuausgabe sind z.B.: Bd. 1, S. 173, Z. 6 macht er 
aus Lowes mundartlichem Ausdruck "Matten" (d.h. blutige Druckstellen) "Maden", 
die im Gehim entstehen sollen! - S. 58, Z. 3 lies "«/c/z/ fasten"; S. 206 "v/erz/g^ MaB 
Wasser"! - In der Vorrede zu Choschen ha-mischpat wird Karo aus einem Rabbi 
zum "Dr."! - AuBerdem kommen in Eigennamen und hebraischen Wortem viele 
Fehler vor. (Nr. 10 und 1 1 nach Rabbiner Dr. S. Bamberger.) 

12 (§ 26) Das weitlaufige, in Dr. von Langens Buche "Jiidische Geheimgesetze" 
(Leipzig 1895, S. 66-71) abgedruckte Material iiber dieses Ubersetzungsbruchstiick 
(Prospekt des angeblichen "Verlegers" Stephan Marugg in Basel, Bericht iiber 
glanzende Zeugnisse der Professoren Gildemeister-Bonn, Dillmann-Berlin, de La- 
garde-Gottingen, v. Orelli-Basel usw., besonders des Oberrabbiners Aron in 
StraBburg iiber Lieferung 1-4, Zirkular des "Verlags-Magazins" in Basel iiber das 
Nichtweitererscheinen des Werkes, Bericht der "Jiidischen Presse vom 10. Juni 
1890 usw.) bringt weder iiber die geheimnisvolle Person des "Dr. Johannes 
A.F.E.V. von Pavly" noch iiber Entstehung und Schicksal der Ubersetzung hinrei- 
chende Klarheit. Die "Mitwirkung der hervorragendsten Fachgelehrten 
Deutschlands und Englands" (genannt aber wurden alsdann Vigoureux-Paris, Jovi- 
no-Loewen, Delitzsch-Leipzig, Erichson-StraBburg) ist nichts als ein plumper 
Schwindel Maruggs. Keiner von den - auBer Delitzsch - wenig bekannten Herren 
hat daran mitgearbeitet, Franz Delitzsch ebenfalls nicht. Die ganze Art der Zitie- 
rung jiidischer Literatur in den Anmerkungen, gelegentlich mangelhaftes Deutsch 
in dem Texte der Ubersetzung (z.B. "zeitlich" statt "zeitig") u.a.m. spricht fiir einen 
jiidischen Verfasser. Briman war es bestimmt nicht, wie schon oben (§ 26) gesagt 
ist; fiir seine saloppe Arbeitsweise ist die Ubersetzung und noch mehr die Gestal- 
tung der Anmerkungen sowie die Zitierung der jiidischen Quellen und Kommentare 
viel zu solide. Kein irgendwie bekannter jiidischer oder christlicher Gelehrte dama- 
liger Zeit aber ist vorhanden, auf den man raten konnte. - Der plotzliche Abbruch 
des Untemehmens mitten im Texte laBt sich vielleicht am ungezwungensten damit 
erklaren, daB der jiidische Ubersetzer merkte, daB sein Werk sogleich von den Ju- 
dengegnem als Kampfinittel willkommen geheiBen wurde. 



13 (§ 29) Franz Delitzsch (1813-1890), von Judischer Mutter geboren, aber gleich 
nach der Geburt in der Leipziger Nikolaikirche getauft, christlich erzogen und als 
alttestamentlicher Professor ebenso Christ wie Judenfreund, sah in talmudischen 
und rabbinischen Sachen nicht viel weiter, als seine Hausjuden und die damalige 
(hauptsachlich von Juden betriebene) rabbinische Literatur ihm boten, in der Aus- 
legung aber fast stets durch jiidische Brillen. In seiner Streitschrift gegen Rohling 
("Rohlings Talmudjude", Leipzig, 7. Aufl., 1891) leugnet er u.a. (S. 28) das Vor- 
handensein einer deutlich bei Eisenmenger 1, S. 13 dastehende Stelle, gibt eine 
andere, auf die er einen Beweis stiitzt, in falscher Fassung wieder (S. 12 "Rabin" 
statt "Rab") - so daB er offenbar beidemal entweder nicht selbst oder unzulassig 
fliichtig nachgesehen hat - beruft sich S. 33f (noch dazu mit falscher Seitenzahl) 
auf die Stelle in Lows "Lebensalter in der jiidischen Literatur" (Szegedin 1875), wo 
jedoch gar nichts von dem steht, was er beweisen will (so daB er offenbar die Stelle 
auch nicht selbst nachgeschlagen hat), zitiert (S. 29) Eisenmenger 1 9 statt der wirk- 
lichen Stelle 111, laBt S. 82 den Barm des Rabbi Gerson immer noch gelten usw. - 
In dem Prozesse Rohling-Bloch (1883-95) "fanden" die "Sachverstandigen", nam- 
lich die christlichen Professoren Noldecke und Wiinsche, wenn Dr. Joseph Kopp, 
Blochs Advokat, die Wahrheit berichtet (Zur Judenfrage, 3. Aufl., Leipzig 1886, S. 
71 und 113), zwei bekannte Talmudstellen nicht, obwohl die erste (Thosaphoth 
Sanhedrin 57a) bereits von Delitzsch (a.a.O., S. 13) behandelt, die andere (Tho- 
saphoth Kethuboth 3b) ebenfalls schon aus der Polemik bekannt und z.B. von 
Ecker zitiert war, und Delitzsch "fand" bei dieser Gelegenheit ebenfalls nichts! - 
Rohling selbst leistet sich zum Teil noch argere Schnitzer, die eine krasse Unkennt- 
nis auf rabbinischem Gebiete bewiesen. 

14 (§ 29) Was der Vortragsredner des "Centralvereins deutscher Staatsbiirger jiidi- 
schen Glaubens", der christliche Pfarrer (und jetzt - das ist ja nicht schwer - sogar 
Privatdozent und D.theol.) Paul Fiebig-LQV^zig (nicht zu verwechseln mit dem 
gleichnamigen Leipziger 1. Johannispfarrer) in seinem seltsamen Buche "Juden 
und Nichtjuden" (Leipzig 1921) gegen Ecker vorbringt, ist teils belanglos, teils un- 
zutreffend; die von ihm vorher in einem beeideten gerichtlichen Gutachten 
produzierten Unwahrheiten gegen Eckert "wider mogliches besseres Wissen" be- 
leuchtet meine Schrift "Rabbi und Diakonus", Leipzig 1922 (im Verlage von 
Walther Kramer), gegen welche Herr Fiebig offentlich aufzutreten bis heute noch 
nicht den Mut gefunden hat. 

15 (s. B. Schriften iiber den Schulchan aruch) Frankel, a.a.O., S. 109: "Dieser Cho- 
schen ha-mischpat ist nun der bei den jiidischen Gerichten zur Geltung gelangte 
Rechtscodex, und wenn auch mancher Paragraph angefochten wurde, Karo ist doch 
allgemein die Autoritat dieses Codex anerkannt." 

16 (s. iiber § 32) Jost, Geschichte des Judentums und seiner Sekten, Bd. Ill, 1851, 
S. 129: "Durch Karo erhielt das Judentum diejenige Gestalt, die es bis auf den heu- 
tigen Tag bewahrt hat." [Gemeint ist das "rechtglaubige" Judentum.] "Seine 
rabbinischen Schriften sind Gemeingut der Judenheit geworden und haben ihr die 



religiose Einheit gegeben." - S. 451: "Man kann in der Tat kaum noch eine neue 
Gestaltung der Gesetzlehre" [iiber den Schulchan aruch hinaus] "erwarten." 

17 (s. iiber § 32) Graetz, Geschichte der Israeliten, Bd. IX, 2. Aufl. 1877, S. 414f.: 
"Karo gab seinem Werke den Charakter eines Gesetzbuchs ... Karos Codex wurde 
alsogleich mit Freuden aufgenommen, verbreitet und als unverbruchliche Norm 
seitdem bis Ende des 18. Jahrhunderts fast ohne Widerspruch ... anerkannt ... hat 
noch ']Qtzt grofienteils entscheidende Geltung." - S. 133: "Seine" [des Schulchan 
aruch] "Entscheidungen bilden bis auf den heutigen Tag fiir die" [orthodoxen] 
"deutschen und polnischen Juden und was dazu gehort, die religiose Norm, das 
offizielle Judentum. " 

18 (s. § 32)Gildemeister a.a.O.: "Der Schulchan aruch ist iiberall auf die firtiheren 
Quellen gegriindet; er ist fast bloB Sammlung der bestehenden Bestimmungen; vor 
allem basiert er auf dem Talmud, dessen Gesetzesvorschriften darin so aufgenom- 
men sind, daB Inhalt des Talmud und des Schulchan aruch sich" [hinsichtlich der 
Norm] "vollstdndig decken. Das Buch ist alsbald das bindende Gesetzbuch fur alle 
Juden geworden, die nicht innerlich vom Judentum abgefallen sind. ... Eine Reihe 
von Vorschriften ist nach den Einrichtungen unserer Staaten unausfiihrbar gewor- 
den. Wo aber die Juden kompakt unter eigener Gerichtsbarkeit stehen, in Polen, 
Galizien, RuBland, im Orient, ist alles in voller Geltung. "In der" [jiidischen] "juri- 
stischen Literatur gehen alle die zu ... Tausenden zahlenden Responsa" 
[religionsgesetzlichen Rechtsbescheide der Rabbinen] ... "vom Schulchan aruch 
aus; den in ihnen enthaltenen Dezisionen" [Entscheidungen] "darf nur dann wider- 
sprochen werden, wenn sich aus dem Talmud eine richtigere Auffassung erweisen 
laBt. - Einen ungefahren MaBstab fiir die allgemeine Geltung liefert auch die 
Verbreitung. ... Der Katalog des Britischen Museums von 1867 fiihrt 175 Ausga- 
ben, teils des Ganzen, teils einzelner Telle, teils Kommentare und 
Erlauterungsschriften auf." - [Franz Delitzsch sagt in seiner (Anm. 13 erwahnten) 
Schrift gegen Rohling, daB "solche alten Rechtskompendien wie der Schulchan 
aruch noch immer das Vademekum der Rabbiner in religionsgesetzlichen Fragen 
sind." Gildemeisters Gutachten wurde erstattet am 7. Juni 1894 bei einem Straipro- 
zesse vor dem Landgericht in Bonn gegen den Biirstenbinder August MaaB wegen 
eines von diesem verfaBten Flugblattes "Die Isaakiade". Wenn auch einzelne heute 
kaum mehr haltbare Ansichten bei Gildemeister vorkommen, so ist sein Gutachten 
doch durch einen mdnnlichen Freimut ausgezeichnet, zu dem der "Sauherdenton" 
mancher alsbald gegen ihn auftretender jiidischer Schriftsteller ein bezeichnendes 
triibes Gegenstiick bildet. Der heute auf Gildemeisters Lehrstuhle sitzende Bonner 
Professor der orientalischen Sprachen hat vor einiger Zeit auch gerichtliches Gut- 
achten iiber zwei Stellen aus dem Schulchan aruch abgegeben, das - um den 
gelindesten Ausdruck zu wahlen - mir an Sachkenntnis und Unbefangenheit sehr 
weit hinter dem Gildemeisterschen Gutachten zuriickzustehen scheint. 

19 (s. § 32) Hoffmann hat im Gegensatze zu dem "Judenspiegel" des Dr. Justus 
(Briman) - s.o. § 28 . auf S. 80-108 seiner Schrift "Der Schulchan aruch" einen 
"Echten Judenspiegel" zusammengestellt, der in seinen 111 Paragraphen sozusagen 



einen kleinen Schulchan aruch in der Westentasche darstellen soil. Der gutglaubige, 
nicht fachmannische Leser denkt natiirlich, das, was H. vorbringt, sei alles richtig 
und ehrlich aus dem Schulchan aruch entnommen, und sagt sich hochstens neben- 
bei, H. werde aus diesem als orthodoxer jiidischer Gelehrter (der den Schulchan 
aruch nach Moglichkeit verteidigt) nur die "Rosinen" herausgesucht, die von den 
Gegnem herausgeholten bosen "Bittermandeln" aus seiner Zusammenstellung 
weggelassen haben, obgleich zu einem "echten" Auszuge auch diese gehoren miiB- 
ten. So ist es auch, nur daB Hoffinann in seinem apologetischen Ubereifer auBer 
den "Rosinen" des Schulchan aruch dem Leser noch allerhand andere SiiBigkeiten 
vorsetzt, die nicht dem Sch.a., sondem anderen Werken entstammen! - Man hat 
dem alten Johann Andreas Eisenmenger, der vor mehr als zweihundertfiinfiinddrei- 
Big Jahren sein "Entdecktes Judentum"138) schrieb, den Vorwurf gemacht, er habe 
"unkritisch" die verschiedensten jiidischen Schriften als gleichwertig behandelt, 
gleichviel, ob er Talmud, Schulchan aruch, die Schriften des Maimonides usw. oder 
entlegene kabbalistische Schriften und dergleichen anftihre. Aber abgesehen davon, 
daB man zu Eisenmengers Zeit die heutige kritische Quellenscheidung noch nicht 
kannte, vergiBt man dabei boswillig, daB Eisenmenger keineswegs eine systemati- 
sche und kritische "Theologie des Judentums" oder ahnliches schreiben, sondem 
vielmehr (laut Titelblatt) einen "griindlichen und wahrhaften Bericht" iiber viele 
erschreckliche' Lasterungen der Dreieinigkeit, das neue Testament usw. aus jiidi- 
schen Schriften zusammenstellen will, femer aus denselben Quellen religiose und 
theologische Irrtiimer 'wie auch viel lacherliche und kurzweilige Fabeln und andere 
ungereimte Sachen'. Er wollte also eine allgemeine Charakteristik des Judentums 
oder des judischen Geistes geben, und den konnte er in alien Biichem der nachbi- 
blischen Literatur (vor dem Alten Testament hegt er als Orthodoxer heilige 
Achtung) finden, wenn er darin auch freilich am scharfsten das Schlimme sah. Aus 
seinem intimen Verkehr mit Juden kannte er vomehmlich ihre und ihrer Literatur 
Schattenseiten; die Juden befanden sich zudem damals noch in ihrem Mittelalter 
(das erst mit Mendelssohn zu weichen begann), unterschieden sich in ihren An- 
schauungen noch wenig von den talmudischen Rabbinen und zitierten iibrigens 
ebenso kraus und bunt Autoritaten aus den verschiedensten Jahrhunderten durch- 
einander, wie es z.B. im Talmud selbst geschieht. Ubrigens ist Eisenmenger auch 
so gerecht, die Juden gegen die Beschuldigung, in ihren Schriften schrieben Ritu- 
almord, das "Kol nidre" absichtlich Meineid vor usw., in Schutz zu nehmen und 
auch sonst Gegenmeinungen gegen das von ihm Vorgebrachte anzufiihren und aus- 
fiihrlich zu priifen. Haufig zitiert er auch aus spateren Quellen, was er z.B. aus dem 
Talmud usw. hatte belegen konnen. 

So der "unwissenschaftliche" Eisenmenger] Nun aber Dr. D. Hoffinann, der (vgl. 
sein "Vorwort", a.a.O., S. VIII) ein Vertreter der heutigen "Wissenschaft des Juden- 
tums" sein will! Wie steht es mit seinem "^chtQn Judenspiegel"! Statt mein eigenes 
Urteil wiederzugeben, fiihre ich Marx-Dalmans\?)9) ebenso ruhige wie vemichten- 
de Worte an (Jiidisches Fremdenrecht, Karlsruhe und Leipzig, S. 58): "Falscher 
Schein wird dadurch erweckt, daB der 'Echte Judenspiegel' [Hoffinanns] nach den 
einleitenden Worten den Schulchan aruch charakterisieren soil, wahrend er doch 
Satze enthalt, welche zwar von spateren Rabbinen wirklich ausgesprochen worden 



sind, die aber dem Sinne des Schulchan aruch selbst nicht entsprechen (!). Eine 
Unwahrheit ist die Behauptung, daB 'jeder gewissenhafte Jude das, was in dem 
Echten Judenspiegel steht, als religionsgesetzlich geboten beobachten musse, so 
daB diese [Hoffinannsche] Gesetzessammlung jedemyMt/wcAe« Religionsbuch ein- 
verleibt werden konnte'. Nein, Hoffinanns Judenspiegel nimmt nicht nur Zitate auf, 
welche (weil aus altcn Sittenbuchern stammend) voile religionsgesetzliche' Bedeu- 
tung nicht beanspruchen diirfen: er behandelt auch die Worte der Kommentatoren 
[s.o. § 1 1] des Schulchan aruch als gleichwertig mit dessen eigenen Aussagen, ob- 
wohl Hoffinann bekannt sein muB, daB z.B. Mose Ribkas (s.o. § 11,1) keineswegs 
iiberall dieselbe Anerkennung genieBt wie der eigentliche Schulchan aruch mit sei- 
nen Zusatzen (Hagahoth, s.o. § 10) des Isserles. - Getauscht wird der Leser 
vollends, wenn der [angeblich Echte] Judenspiegel aus dem Schulchan aruch nur 
das mitteilt, was geeignet ist, in vorteilhafter Beleuchtung ein giinstiges Vorurteil 
zu erwecken, alles andere aber sorgfaltig verschweigtliO). Ware das Israel des 
Schulchan aruch wirklich der heilbringende Friedensbote selbst unter den 
schlimmsten Heiden' gewesen, als den Hoffinann ihn in Kap. VII preist - die Tat- 
sache, daB dieser 'Friedensbote' Hafi erweckt hat, wo nur immer er erschienen ist, 
gehort zu den unerklarlichsten Ratseln der Weltgeschichte." - Also Erweckungya/- 
schen Scheins, eine Unwahrheit, eine Tduschung und obendrein noch (a.a.O., S. 
45) "nicht redliches Verfahren" wirft Dalman dem jiidischen Dozenten am Rabbi- 
nerseminar zu Berlin und Verfasser des "Echten Judenspiegels" zu, und der sonst 
mit Schimpfwortem (Schwindel, Falschung, niedertrachtig, Betrug, Liigner, scham- 
los usw.) so verschwenderische Hoffinann laBt das auf sich sitzen oder erwidert 
ganz kleinlaut eine verlegene Belanglosigkeit. Es hilft nichts: Der Vorwurf Dal- 
mans (a.a.O., S. 57) bleibt auf ihm fiir immer sitzen: "Durch Verhullung, 
Verdrehung und Verschweigung wird [von Hoffinann] das Tadelnswerte an der 
Vergangenheit des Judentums konsequent aus ihrem Bilde entfemt." - Das Urteil 
eines solchen ehrlichen Judenfreundes (und sogar Judenmillionsfieundes), desglei- 
chen vorziiglichen Kenners des talmudisch-rabbinischen Schrifttums, obendrein 
des Verfassers der besten aramaischen Grammatik usw., wie es Professor D. Gu- 
stav Dalman ist, darf man mit vollstem Rechte als Todesurteil fiir Hoffmanns 
apologetische Kunstgriffe bezeichnen. 

20 (§ 32) Es ware wiinschenswert gewesen, wenn Dalman sein treffliches Buch in 
einer Neuauflage hatte bearbeiten, vor allem abrunden und vervollstandigen kon- 
nen. In ihrer jetzigen Gestalt ist die Schrift ein verbesserter Sonderabdruck der 
1885 in Nr. 2, 3, und 5 von Stracks Zeitschrift "Natanael" erschienenen Aufsatze 
"Der Schulchan aruch und seine antisemitischen Anklager" sowie "Der Schulchan 
aruch und seine jiidischen Verteidiger"; in dem ersten bekommen vor allem Briman 
("Justus") und Ecker ihre Fehler vorgehalten, im zweiten Rodkinssohn, Lewin, 
Goldschmidt und Hoffinann. Das erste in der Broschiire hinzugefiigte "SchluBwort" 
leuchtet zunachst (S. 65-67) Lewin und Goldschmidts Entgegnungen, sodann (S. 
67-80) ausfiihrlich den Irrtiimem Hoffinann griindlich heim. Was Hoffinann in sei- 
nem Buche "Der Schulchan aruch" (2. Aufl., Berlin 1894) an verschiedenen Stellen 
(s. sein Register, S. 230) darauf erwidert, ist teils schwach, teils unrichtig. - Uber 
Hoffmanns "Echten Judenspiegel" (vgl. vorige Anmerkung 19) seien noch Dalmans 



abschlieBende Worte (S. 74ff. seiner Schrift) angefiihrt: "Dr. Hoffinann hat den 
Schein erweckt, daB sein Judenspiegel lediglich die Grundsatze des Schulchan 
aruch darlege. ... Den auf diese Weise erweckten Schein habe ich angegriffen, 
wenn ich den "echten Judenspiegel" alsfalsch bezeichnete. DaB fiir Dr. Hoffinann 
und auch fiir manchen anderen orthodoxen Juden sein Judenspiegel religionsgesetz- 
lich Giiltiges enthalt, bezweifle ich nicht. ... So groBe Achtung man vor der 
Gesetzeskenntnis der [bei Hoffinann als gleich maBgeblich wie der Sch.a. 
angefiihrten] Kommentare des Sabbathaj Kohen oder Wolf Boskowitz haben mag, 
zur wissenschaftlichen Erkenntnis des Schulchan aruch und des Mischne(h) 
Thora(h) liefem ihre Werke nur geringe Beitrage. ... Dr. H. selbst wird nebenbei 
zugeben miissen, daB der Willkiir der rechtsprechenden Rabbinen eine weite Bahn 
geoffiiet ist, sobald man einmal aufgehort hat, den Sch.a. in seiner geschichtlichen 
Form fiir maBgebend zu halten" [und gleich Hoffinann einen "Sch.a, in weiterem 
Sinne" mit alien Kommentaren usw. (s.o. Ende § 1 1) erst fiir maBgebend zu halten - 
was ein groBer Unsinn ist]. "Mit Hilfe der zum Teil sich widersprechenden 
Kommentare lassen sich sehr verschiedene Rechtskodices formulieren. Kein 
einziger,daYffiJLY seine Formulierung allgemeine Anerkennung fordem." 

21 (s. Ende § 33) Ich besitze u.a. den "Kizzur Schulchan aruch" des verstorbenen 
Salomo Ganzfiied, herausgegeben von David Feldman(n), Teil I, 2. Aufl., Leipzig- 
Neuyork 1924, Teil II ebenda 1926. (Mit rituellen Abbildungen.) - Die "Heiden" 
usw. finde ich in "Nichtjuden" umgewandelt. 

Anhang II. 

Ubersetzungen aus dem Talmud. 

A. 

Halachische Stiicke. 

I. 

Traktat "Sotah" {"T>iQ Ehebruchs-Verdachtige") 

2a, b ( = Blatt 2, Vorder- und Riickseite). 

[Vorbemerkung. 4. Mose 5,1 Iff wird vorgeschrieben, daB bei starkem Verdachte 
des Ehebruches das beargwohnte Eheweib von ihrem Manne dem Priester vorzu- 
fiihren sei, der ihr, um die Wahrheit zu erforschen, das "Fluchwasser" zu trinken 
gab, d.h. Wasser aus dem heiligen Handfasse (2. Mose 30,18), vermischt mit 
"Staub des Heiligtums". War das Weib schuldig, so schwoll ihr, wie man glaubte. 



der Leib auf und die Hiifte schwand (d.h. sie bekam, wie Josephus [Altertiimer 3, 
11,6] beschreibt und Michaelis erlautert, Eierstockwassersucht); war sie unschul- 
dig, so schadete angeblich der Trank ihrer Fruchtbarkeit nichts. - Schon in der 
Bibel ist dieser Vorgang von entwiirdigenden Zeremonien fiir die Frau begleitet 
("Eiferopfer" bloB aus dem minderwertigen Gerstenmehl ohne Weihrauch und Satz, 
irdenes TrinkgefaB); im Talmud kommen deren noch mehr dazu.] 

Mischnahl41). Wenn jemand seinem Weibe seine Eifersucht zeigen will, so ver- 
warnt er es nach Rabbi Elieser(s Meinung) vor zwei (Zeugen) und kann es (dann, 
wenn er starken Ehebruchsverdacht bekommt) auf das Zeugnis eines (Verdachts- 
)Zeugen oder auf seine eigene (Verdachts-)Erkldrung hin (das Fluchwasser) trin- 
ken lassen. Nach Rabbi Josua verwarnt er (sein Weib) vor zwei (Zeugen) und kann 
es (auch erst) auf die Angabe von zwei (Verdachts-Zeugen) hin (das Fluchwasser) 
trinken lassen. Wie soil er sie (das Weib) verwarnen? Er sagt ihr (z.B.) vor zwei 
(Zeugen): "Sprich nicht mit diesem (Manne), so ist sie (dennoch) seine (ihres Ehe- 
mannes) erlaubte Gattin und kann (sogar, falls sie Priesterfrau und er Priester ist) 
Hebe (bei ihm) essen (4. Mose 18,19). - War sie aber mit ihm (dem ihr Untersag- 
ten) in den Abort gegangen und mit ihm (dort) solange geblieben, dafi die 
verunreinigt (geschlechtlich gebraucht) werden konnte, so ist sie (ihrem Eheman- 
ne) als Gattin verboten und darf (auch) nicht Hebe (bei Ihm) essen. Und wenn (ihr 
Ehemann) stirbt, mufi sie die Schuhausziehung (5. Mose 25,9) vornehmen und darf 
ihren Schwager nicht heiraten. 

Gemaral42). Nachdem der Mischnahlehrerl43) (den Traktat) "Nasir" ("Der Nasi- 
raer", iiber 4. Mose 6,1-21) zu Ende gebracht hat, warum tragt er gleich darauf (den 
Traktat) "Sotah" vor? (Antwort:) In Anspielung auf Rabbi (Juda Ha-Nasi, geb. 135 
n.Chr.); denn es ist iiberliefert (vgl. Traktat "Berachoth" 63): "Rabbi pflegte zu sa- 
gen: Warum ist der Bibelabschnitt iiber den Nasiraer (4. Mose 6, Iff) an den 
Bibelabschnitt iiber die Sotah (Ehebruchsverdachtige, 4. Mose 5,14 bis Ende) an- 
reiht? Um dir zu lehren (vgl. Traktat "Nasir" 2): Wer die Sotah in ihrer Schande 
erblickt, nehme das Geliibde der Weinenthaltung auf sich. - (Einwand.) Da hatte er 
(der Mischnahlehrer) doch (gemaB der Reihenfolge in der Bibel) erst (den Traktat) 
"Sotah" und dann (den Traktat "Nasir" vortragen sollen! (Antwort: Er wahlte die 
jetzige Anordnung,) weil er zuerst (den Traktat) "Kethuboth" (iiber die Hochzeits- 
verschreibungen, auf Grund von 2. Mose 22,16) vorgetragen hat, wo von einem 
Geliibde eines Ehemannes die Rede ist (Mischnah Kethuboth Vll); darum lieB er 
(auf "Kethuboth" den Traktat) "Nedarim" folgen (der ja ausfiihrlich von "Geliib- 
den" handelt); nachdem er "Nedarim" vorgetragen, trug er (den Traktat) "Nasir" 
vor, der ja ebenfalls von Geliibden handelt; so tragt er nun den (Traktat) "Sotah" 
nach Traktat "Nasir" vor mit Riicksicht auf obigen Ausspruch Rabbis 144). 

(Es heiBt oben in der Mischnah:) "Wenn jemand Eifersucht" (usw.) Wenn er es ge- 
tan hat (ist gemeint); von vomherein (d.h. an und fiir sich braucht er es) nicht; der 
Mischnahlehrer ist namlich der Ansicht, daB es verboten sei, Eifersucht zu bezei- 
gen. 



[Haggadisches Einschiebsel:] Es hat gesagt Rab Samuel bar Rab Isaak (Anf. des 4. 
Jahrh. n.Chr.): Wenn Resch Lakisch (3. Jahrh. n.Chr., seinen Vortrag) iiber die So- 
tah begann, sprach er so: "Man (d.h. Gott) verbindet einen Mann gerade mit dem 
Weibe, das er verdient, wie es heiBt (Psalm 125,3): "Denn nicht soil ruhen des 
Frevlers Stamm beim Erbteil der Gerechten. " Rabbah bar bar (d.h. Enkel des) Cha- 
nah (starb Anf. des 4. Jahrh. n.Chr.): "Sie zu verbinden ist ebenso schwer wie das 
Spalten des Schilfineeres (Roten Meeres, 2. Mose 14; d.h. eine ebenso groBe Tat 
Gottes), wie es heiBt (Psalm 68,7): "Gott fiihrt die Einzelnen (Vereinzelten, zu- 
sammen in ein Haus, er befreit die (einander) Verbotenen in die Erlaubtheit" (so 
faBt der Rabbi den Text, indem er ihn auf die Verbindung zweier bisher Lediger 
bezieht). - [Spaterer Einwurf:] Verhalt es sich so? Es sagt doch Rab Juda (gestor- 
ben 299), Rab (d.h. Rab Abba Arika, gest. 247) habe gesagt: "Vierzig Tage vor der 
Bildung des Kindes im Mutterleibe ergeht eine Himmelsstimme und spricht: Die 
Tochter dieses Marines (sei bestimmt) fiir jenen, das Feld dieses fur jenen." (Das 
klingt doch, als ob die Verbindung der Eheleute gar nicht so schwer ware! - Ant- 
wort: Darin liegt keine Schwierigkeitl45): das eine (das Letztgenannte) bezieht 
sich auf die erste, das andere (zuerst Genannte) auf die zweite Ehe. (Diese richtig 
und nach Verdienst zusammenzubringen ist viel schwerer.) 

(Nach dieser Unterbrechung wird in der Erlauterung der Mischnah fortgefahren. 
Daselbst heiBt es:) 

"Nach Rabbi Elieser" Sie (Rabbi Elieser und Rabbi Josua) gehen nur in Beziehung 
auf die Verwamung und die verborgene Unterredung (der Ehefrau mit dem ihr un- 
tersagten anderen Manne) auseinander. (Da verlangt Rabbi Josua das Vorangehen 
einer Verwamung vor zwei Zeugen, nach Rabbi Elieser aber geniigt die Verwar- 
nung vor einem Zeugen, um die Frau, die sich verdachtigt gemacht hat, das 
Fluchwasser trinken zu lassen.) Aber in Beziehung auf die Verunreinigung (den 
vollendeten Ehebruch) ist schon ein Zeuge glaubwiirdig. Wir haben sogar eine 
Schuliiberlieferung: "Sagt ein Zeuge: Ich habe gesehen, daB sie sich verunreinigt 
(Ehebruch getrieben) hat, so durfte sie (das Fluchwasser) gar nicht (erst) trinken." 
(Denn dieses kam nur bei dringendem Ehebruchsvert/ac/zfe, nicht bei erwiesenem 
Ehebruch in Anwendung.) - [Einwand.] Woher wissen wir denn, daB schon im bi- 
blischen Gesetze ein Zeuge als glaubwiirdig gilt? (Antwort:) Unsere Rabbinen 
haben j a iiberliefert: (In der Stelle 4. Mose 5,13:) "Und Zeuge\A6) wider sie ist 
nicht vorhanden", spricht die heilige Schrift von zwei (Zeugen). - [Einwurf] Oder 
redet sie etwa nur von einem Zeugen? Sie sagt doch (5. Mose 19,15): "Es soil nicht 
auftreten ein Zeuge wider jemand bei jeglicher Missetat und bei jeglicher Siinde." 
[Antwort:] Wennl47) der Wortlaut besagte: "Es soil nicht auftreten Zeuge wider 
jemand", so hatte ich nicht gewuBt, daB einer (gemeint sei). Was lehrt aber die 
Schrift mit dem Worte "ein" (Zeuge)? Das ist die grundlegende Stelle daftir, daB 
iiberall, wo "Zeuge" steht, zwei Zeugen gemeint sind, es sei denn, daB die Schrift 
ausdriicklich einen Zeugen bezeichnet. So meint nun der Barmherzige (d.h. Gott): 
Zwei (Zeugen sind) nicht wider sie (da, aber auch nicht notig), sondem nur einer, 
und "wenn sie nicht (auf dem Abort, nach dem der andere Mann ohne ihr Wissen 
und Wollen kam) genotziichtigt worden ist" 148), ist sie (ftir den ehelichen Verkehr 



mit dem Gatten) nicht verboten. - [Einwurf:] Die einzige Begriindung ist also, daB 
der Barmherzige schreibt (5. Mose 19,15): "Es soil nicht auftreten ein Zeuge (al- 
lein) wider jemand"; anderenfalls hatte ich gedacht, "Zeuge" im Abschnitte iiber 
die Ehebruchs-Verdachtige (4. Mose 5,13; s.o.) bedeute "einen" Zeugen. Wennnun 
nicht einmal ein Zeuge da ist, wodurch soil sie da als verboten gelten? [Antwort:] 
(Der Hinweis) war notig; derm sonst konnte man denken, (der Ausdruck) Zeuge 
wider sie ist nicht vorhanden" (4. Mose 5,13) (bedeutete soviel als) "ein Zeuge 
(nur) wider sie ist nicht giiltig." - [Einwurf:] Aber wie nun? Zwei Zeugen miissen 
also da sein? [Antwort:] Weil (5. Mose 24,1 als Grund fiir Ehescheidung das Wort) 
"Sache" steht bei (einem) Geld(-Prozesse, 5. Mose 19,15, wo das Zeugnis eines 
Zeugen nicht geniigt). - [Einwurf:] Da hatte sich doch die (heilige) Schrift aus- 
schweigen konnen, und ich hatte (es von selber) gewuBt (daB zwei Zeugen notig 
sind), wie es bei jeder Zeugnisablegung in der heiligen Schrift der Fall ist! - [Ant- 
wort:] Es war dennoch notig (das zu sagen), weil man sonst auf den Gedanken 
kommen konnte, bei der Ehebruchs-Verdachtigen sei es anders (da geniige ein 
Zeuge), da hier noch der Gesichtspunkt hinzukommt, daB, nachdem (ihr Mann) sie 
verwamt hatte und sie (danach mit dem ihr untersagten anderen Mann) heimlich 
zusammengekommen war, ein Zeuge (allein) als glaubwiirdig gelten kann. - [Ein- 
wurf] Wie kommst du aber dazu, zu sagen. (der Satz "Zeuge wider sie ist nicht 
vorhanden", bedeute) daB einer (ein Zeuge) ungiiltig sei, so daB sie (dann ihrem 
Manne) nicht verboten ware? Daraus, daB (4. Mose 5,13) geschrieben steht: "Und 
sie ist nicht genotziichtigt worden" (d.h. es ist ihr nicht wider ihren Willen Gewalt 
geschehen), folgt doch, daB sie (als eingewilligt habende Ehebrecherin, ihrem Gat- 
ten verboten ist! 149) [Antwort:] Es war notig (dies zu sagen); derm sonst konnte 
man denken, ein Zeuge gelte nicht, es miiBten vielmehr zwei vorhanden sein, und 
selbst hier sei Voraussetzung, daB sie (die Frau) nicht genotziichtigt (vergewaltigt) 
worden sei (sondem dem ehebrecherischen Umgange zugestimmt habe). Dariiber 
belehrtuns jener Schriftvers (4. Mose 5,13). 

II. 

Traktat "Baba mezia" ("Mittlere Pforte") 

35b ( = Blatt 35, Riickseite.) 

{Vorbemerkung. Nach talmudischem Rechte braucht der Mieter eines Arbeitstieres, 
wenn dieses wahrend der Mietszeit eines natiirlichen Todes stirbt, dessen Vermieter 
keinen Ersatz fiir jenes Tier zu leisten, d.h. den Wert des Tieres zu bezahlen. Dage- 
gen muB der Entleiher eines solchen Tieres, wenn dieses wahrend der Leihzeit bei 
ihm eines natiirlichen Todes stirbt, dem Darleiher des Tieres dessen Wert bezah- 
len.) 

Mischnah. Wenn jemand eine Kuh von seinem Ndchsten (zur Arbeit) gemietet, 
nachher aber sie einem anderen (weiter) geliehen hat (damit dieser wahrend der 
mit jenem vereinbarten Mietszeit seinerseits sie zur Arbeit benutze), und sie (die 



Kuh) stirbt (inzwischen) eines naturlichen Todes, so hat der Mieter zu schworen, 
dafi sie eines naturlichen Todes gestorben sei (und braucht dann dem Vermieter 
keine Ersatzsumme fiir sie zu zahlen). Der Entleiher aber hat dem Mieter [und 
gleichzeitigen Verleiher] (den Wert des gestorbenen Tieres) zu bezahlen. [Zu- 
satzlSO).] Rabbi Jose sagte: Wieso darf dieser (der Mieter, auf solche Weise) mit 
der Kuh seines Ndchsten (die ihm doch nicht gehort), Geschdfte machenl (Nein! So 
ist's nicht recht;) die (krepierte) Kuh mufi (vielmehr) ihrem Eigentumer (und nicht 
dem Anmieter) bezahlt werden. 

Gemara. Es fragte RablSl) Idi bar Abin (urn 330) den Abaje (280-339, Schul- 
haupt zu Pumbeditha in Babylonien): Wodurch erwirbt derm der Mieter (das 
Recht,) die Kuh (dem Vermieter nicht zu bezahlen zu brauchen, wohl aber sie vom 
Entleiher bezahlt zu bekommen)? (Antwort:) Durch den Schwur (dem Vermieter 
gegeniiber, daB sie eines naturlichen Todes gestorben sei). - [Einwand:] Es kann ja 
aber der Vermieter zu dem Anmieter sagen: Wertlos bist du, und wertlos ist dein 
Schwur; (ich werde dir den Eid nicht zuschieben, sondem) ich werde den ProzeB 
gegen jenen Entleiher fiihren! Da antwortete er (wer?) ihm: Meinst du derm, daB 
der Mieter sie (erst) durch den Schwur erwirbt? (Vielmehr,) von der Stunde an, wo 
sie gestorben ist, hat er sie (d.h. das Recht, nichts fiir sie an den Vermieter zahlen 
zu brauchen) erworben, und der Schwur geschieht nur, um das Gemiit des (friihe- 
ren) Eigentiimers zu besanftigen (damit er nicht zu dem Mieter der Kuh sagen 
kann: Du hast mir den Schaden mit Vorsatz zugefiigt, um ein Geschaft mit der Kuh 
zu machen). 

Rabbi Seiral52) sagte: Oftmals (kann es vorkommen), daB der Eigentumer (einer 
derart vermieteten Kuh dem Mieter nach obiger Mischnah fiir) mehrere Kiihe (Er- 
satz) zu bezahlen hat. Inwiefem? B hat dem A (dessen Kuh) auf 100 Tage (zur 
Arbeit) abgemietet, leiht sie aber dem A zurtick auf 90 Tage; darauf mietet B (die 
Arbeitskuh wieder auf 80 Tage dem A abund leiht sie ihm nochmals auf 70 Tage 
zurtick. (Die Kuh) stirbt nun wahrend der Leihfiist (bei A). Da ist nun A (Obwohl 
er Eigentumer ist, dermoch in seiner Eigenschaft als Entleiher nach obiger Misch- 
nah dem B) fiir jede Leihfrist eine Kuh zu ersetzen schuldig!153) Da sagt Rab 
Achal54) aus Diphthi zu Rabina [in Pumbeditha in Babylonien, starb um 420 
n.Chr.]: Es war doch nur eine Kuh, die man hin- und herschob, von der Ermietung 
zum Leihdienste und vom Leihdienste zur Miete! 155) Jener erwiderte ihm: Ist derm 
die Kuh noch am Leben, daB er (der Eigentumer) so zu ihm (dem Abmieter) reden 
(und damit seine seltsame doppelte Ersatzpflicht bestreiten kormte?156) 



III. 

Traktat "Baba kamma" (Erste Pforte) 1 13a, b ( = Blatt 113, 

Vorder- und Riickseite). 

(113a:) Es ist iiberliefert worden (im Traktat Nedarim 111 14 = 27b): 'Man darf 
Mordem, Raubem und Steuerpachteml57) mit einem [falschen] Gelubdel58+ ver- 
sichem, daB esl58++) Hebe sei oder der Regierungl59+++) gehore, obgleich es [in 
Wahrheit] nicht Hebe oder Regierungseigentum ist' [sondem dem Redenden selbst 
gehort]. Den Steuerpachtem [die doch fiir die Regierung Steuem und Zolle eintrei- 
ben, diirfte man eine solche bewuBt falsche Versicherung abgeben]? Samuel sagt 
doch: 'Das Staatsgesetz ist Gesetz! '160) Rabbi Chanina bar Kahana sagt jedoch als 
Meinung [des Mar] Samuel: Es handelt sich (hier) um einen Steuerpachter ohne 
(feste) Taxe [der vielmehr den Steuersatz nach Belieben aufstellt und erhebt]. Im 
Lehrhause des Rabbi Jannai aber sagte man: Um einen Steuerpachter, der sich 
selbst [ohne amtlich bestellt zu sein] als solcher aufwirft. Rab Aschi erklarte: Dies 
[daB man den Steuerpachter belugen und die Steuer damit hinterziehen darf] gilt 
von einem Steuerpachter, der ein Nichtjude ist! Derm [die Benachteiligung eines 
Nichtjuden ist erlaubt;] es wird ja gelehrt: Wenn ein Jude und ein Nichtjude vor 
Gerichtl61) kommen [d.h. einen ProzeB fiihren, dann verhalte dich als Richter so]: 
Kannst du ihn [den Juden] den ProzeB nach jiidischem Rechte gewinnen lassen, so 
lasse ihn gewinnen und sage zu jenem [dem Nichtjuden]: So ist unser Gesetz!' 
Kannst du ihn [den Juden] aber nach nichtjudischem Gesetze gewinnen lassen, so 
lasse ihn [nach diesem] gewinnen und sage zu jenem [dem Nichtjuden]: 'So ist eu- 
er Gesetz! ' Wenn aber nicht [d.h. wenn du weder nach jiidischem noch nach 
nichtjudischem Rechte den Juden gewinnen lassen kannst], komme man iiber jenen 
[den Nichtjuden] mit Rechtskniffen\62), Das ist die Lehre des Rabbi Ismael. Rabbi 
Akiba aber sagt: Man darf nicht mit Rechtskniffen iiber ihn kommen angesichts 
Heiligung des Namensl63+). "Also auch Rabbi Akiba sagt dies nur von dem Falle, 
wo [durch Anwendung der Kniffe ein VerstoB gegen die] Heiligung des Namens 
vorliegt, so komme man" 164) (iiber den Nichtjuden mit Rechtskniffen). 

(113b:) "Das Verlorene des Nichtjuden [zubehalten] ist [dem Juden] erlaubt. Denn 
Rab Chama bar Gurja sagt als Ausspruch Rabs: Woher [wissen wir], daB das Ver- 
lorene des Nichtjuden erlaubt ist? Weil es heiBt (5. Mose 22,3): 'Mit allem 
Verlorenen deines Bruders. ' Deinem [jiidischen] Bruder also muBt du es zuriickge- 
ben, dem Nichtjuden aber nicht.... Es ist iiberliefert: Rabbi Pinchas ben Jair sagte: 
Wenn Heiligung des Namens in Betracht kommt, ist auch [das Behalten] des Verlo- 
renen des Nichtjuden verbotenl65). - Samuel hat gesagt: Der Irrtum des 
Nichtjuden [das sich zu nehmen, um was er sich pekuniar zu seinem Schaden geirrt 
hat, ist dem Juden] erlaubt. So kaufte z.B. Samuel von einem Nichtjuden ein golde- 
nes Becken [das jener] als bronzenes [erachtete] fiir 4 Sus [Gulden] "und 
ubervorteilte ihn aufierdem [beim Zahlen] um 1 Sus" [ohne daB jener es merkte]. 
Rab Kahana kaufte von einem Nichtjuden 120 Passer Wein statt 100 [die jener nur 



verkaufen wollte, und iibervorteilte ihn ebenfalls [unbemerkt] um einen Sus, wobei 
er zu ihm sagte: 'Schau, ich verlasse mich wegen der Richtigkeit auf dich! ' Rabina 
kaufte zusammen mit einem Nichtjuden hundert Palmstamme zum Zerspalten und 
sagte dann [vor der gemeinsamen Teilung] zu seinem Diener: Geh' und hole mir 
von der Wurzel [haue fiir mich heimhch die Wurzelenden ab], derm der Goi kennt 
nur die Anzahl [der Stamme, nicht aber ihre Lange]166). 

(1 13b 1 14a:) "Wenn ein Judefur einen Nichtjuden ein Zeugnis abzulegen weifi und 
vor einem nichtjiidischen Gericht gegen einen Juden, seinen Genossen, [tatsach- 
lich] Zeugnis ablegt, so tut man ihn [jiidischerseits] in den (groBen) Bann. Was ist 
der Grund? Weil sie [die nichtjudischen Richter schon] auf Grund der Aussage ei- 
nes einzelnen Zeugen zu Zahlung verurteilen [wahrend es im jiidischen Recht zwei 
sein miissen]. Dies gilt also nur bei einem [derartigen jiidischen] Zeugen, nicht bei 
zweien, auch nur bei einem Dorf-, nicht aber bei einem Staatsgericht, das bei [nur] 
einem Zeugen [nicht gleich verurteilt, sondem dem Beklagten] einen Eid zu- 
schiebtl67)." 

IV. 

Traktat "Nedarim" (Geliibde) 20a, b. 

Die Halachah (d.h. das giiltige Recht) ist: Alles, was ein Mann [in sexueller Hin- 
sicht] mit seiner Frau tun will, darf er tun, gleichwie beim Fleische, das aus 
einem Schlachthause kommt: will er es mit Salz essen, so darf er es (gesalzen) es- 
sen; (oder) braten, so darf er es (gebraten) essen; (oder) gekocht, so darf er es 
(gekocht) essen: (oder) gedunstet, so darfer es (gediinstet) essen; ebenso wie beim 
Fische, der von der Fischbank kommt (und den auch in verschiedenster Zuberei- 
tung essen darf). ... Fine [Jiidin] kam vor Rabbi [Jehudah L] und sprach zu ihm: 
^Rabbi, ich hatte ihm [meinem Manne] den Tisch zubereitet, er aber hat ihn umge- 
kehrt\' 16S) Er antwortete: 'Meine Tochter, die Thorah hat dich preisgegeben! 169) 
Was soil ich fiir dich (da) tun?' 

V. Unreife Kinder. 

1. Dreijdhrige judische Mddchen. 

a) Mischnah Nidda V 4. Fin Mddchen von 3 Jahren und 1 Tag kann mittels Bei- 
schlafs angetraut werdenllO) Wenn der Schwager sie (als Witwe) beschlaft, hat er 
sie sich dadurch angetrautl71+). Derjenige wird ihretwegen des Ehebruchs schul- 
dig, der sie beschlaft, nachdem ihr Vater sie an einen anderen verheiratet hat. Sie 
macht den sie Beschlafenden unrein 1 72+), so daB er diese Unreinheit bis auf die 
unterste Lage (seines Bettes) iibertragt wie auf die oberste. 1st sie mit einem Prie- 
ster (Kohen) verheiratetl73), so darf sie von der Hebe (d.h. von dessen Deputat) 
essen. Hat einer der [alttestamentlich] verbotenen Anverwandten sie beschlafen, so 
hat er sie fiir die Ehe mit einem Kohen untauglich gemacht. Hat jemand eine aller 



[alttestamentlich] verbotenen Begattungen an ihr vollzogen, so wird er ihretwegen 
getotet, sie aber ist [wegen ihrer Minderjahrigkeit] straffrei. 

b) Sanhedrin 55b: [Wortlich dasselbe, nur noch mit dem Zusatze:] "Unter eine al- 
ler verbotenen Begattungen' ist auch die mit einem TierellA) zu verstehen. ... 
Wenn sie dies auch absichtlich tat, ... so hat doch der Allbarmherzige sie selbst ver- 
schont, nicht aber das Tier" (das deswegen getotet wird). 

c) Sanhedrin 69a = Niddah V 4 (vgl. unter a). 

d) Dieselbe zum talmudischen Axiom gewordene Lehre findet sich noch unter ande- 
rem: Jebamoth 57b, 60b; Kidduschin 10a; Kethuboth 9a (6b, lib); Niddah 64b. 

[Diese Stelle war dem groBen Judenvater Prof. Franz Delitzsch (s. o. AnmerkunglS 
und mein Buch "Das Blut", S. 9 If., Anm.) sehr unangenehm, ebenso seinen Haus- 
juden (Biesenthal, Kahan usw.), die ihm etwas Apologetisches sagen sollten, aber 
nur an der Sache vorbeizureden wuBten. So verwies er den ("Rohlings Talmudju- 
de", 6. Aufl., S. 33f ) auf Low's "Lebensalter", S. 169ff , wo indessen nichts 
dariiber steht, femer auf die mosaisch- talmudischen Verbote der Paderastie (!), die 
doch hiermit rein gar nichts zu tun haben, auf das ebensowenig hergehorige talmu- 
dische Verbot, unverheiratete Kinderlehrer (!) anzustellen, und schimpfte - nicht 
etwa auf die klaren talmudischen Stellen iiber obige Kinderschandung, sondem auf 
"Rohlings unreine Fantasie und ziigellose Boswilligkeit", die "dergleichen als straf- 
frei in den Talmud hineinliige"! - Aber alles jiidische Vertuschen und apologetische 
Schimpfen niitzt nichts wider die Wahrheit: die Stellen und noch viel schlimmere 
(s.u. 2-4) stehen da und sind durch nichts weg- oder umzudeutelnl75). - Der "sach- 
verstandige" Herr Fiebig wiirde vielleicht diesen MadchenmiBbrauch auch (wie 
oben '1. Dreijahrige Madchen'176)) mit dem "Gedankenschwerpunkte" entschul- 
digen, "daB man sich einen GenuB nach seinem Geschmack zubereiten kann", 
vielleicht aber auch (wie oft in seinem Buche "Juden und Nichtjuden") nach talmu- 
dischem Muster (vgl. Schabbath 15b) auch diese unangenehme Stelle "harmlos" 
erklaren. - Andere "christliche Sachverstandige" aber wiirden am Ende gar - wie 
dies die Herren Professoren Noldecke und Wiinsche einmal taten - diese oder jene 
bekannte Talmudstelle "an der angegebenen Stelle nicht finden kdnnen"\16), ob- 
wohl sie in jedem iiberhaupt vorhandenen Talmudexemplare der ganzen Welt 
wortlich und deutlich dort steht (!). Falsche Ubersetzungen verfangen nicht mehr 
recht; wenigstens habe ich den Weimarer Landesrabbiner Dr. Wiesen fiir sein der- 
artiges leichtfertiges Verfahren geniigend abgestraftl77). So bliebe derm als letztes 
Mittel wohl nur noch iibrig, nach bekannten Mustem in kiinftigen Talmudausgaben 
solche "peinlichen" Texte wie die in diesem Abschnitte V zitierten kurzerhand zu 
falschenl78). 

2. Noch Jungere judische Mddchen. 

a) Mischnah Nidda V 4 (unmittelbar an das vorhin '1. Dreijahrige jiidische Mad- 
chen') Wiedergegebene anschlieBend): "Ist sie [das beschlafene Madchen] aber 



noch Junger [als 3 Jahre und 1 Tag], so ist das [so belanglos], als ob man den Fin- 
ger ins Auge stecke 1 79). " 

b) Desgl. die Parallelen. 

Man findet wohl keine religiose Urkunde in der Welt, die solche Abscheulichkeiten 
wie die eben unter 1 und 2 genannten erlaubtl80+). Jiidische und "christliche" 
Apologeten haben eingewandt, das seien alles nur aus miBverstandenen Bibelstel- 
len gezogene "juristische Theorien" ohne Tatsachenhintergrund, "zu sagen: ein 
Problema", wie Lessing in seinem "Nathan" jiidelt. Ewig schade, daB es der Tal- 
mud selbst ist, der diese Neunmalweisen des Schwindels iiberfiihrt! Jebamoth 60b 
heiBt es namlich mit klaren Worten: "Rabbi Josua ben Levi sagte: Im Lande Israel 
war eine Stadt, gegen die [deren Branch] sich Einspruch erhoben hatte. Da sandte 
Rabbi (Jehudah I.) den Rabbi Romanus [oder: Morinus] hin. Der untersuchte die 
Sache und fand da eine Proselytin im Alter von weniger als 3 Jahren und 1 Tag 
(die mit einem Priester verheiratet war, und) die er als [fiir den Priester] erlaubt 
erkldrte, ... Vielleicht aber war es anders: [namlich] sie war schon verheiratet [mit 
dem Priester], und er [Rabbi Romanus] lieB es dabei bewenden.... Einst heiratete 
ein Priester eine Proselytin von weniger als 3 Jahren und einem Tag." [Rabbi 
Nachman bar Isaak erklarte dies fiir unzulassig, wahrend es nach der Ansicht des 
Rabbi Jakob Bar Idi zulassig war.] - Indessen die beschnittenen und unbeschnitte- 
nen Apologeten werden mit hochgezogenen Augenbrauen und erhobenen 
Zeigefinger sagen, in den Fallen 1 und 2 handle es sich doch um eine Heine Jtidin, 
und es sei eine "schamlose Luge"181) und wer weiB was noch, zu behaupten, im 
Talmud werde auch eine kleine dreijdhrige Nichtjildin als zum Beischlafe (natiir- 
lich nicht zur Ehe) geeignet erkldrt" Mit dem alten Ben Akiba in Gutzkows "Uriel 
Acosta" kann ich den superklugen Herren nur den Rat geben: "Fleifiig Talmud le- 
sen, junger Acher!" Wenn Ihr ein wenig Neuhebraisch (in dem das folgende 
geschrieben ist) lesen konnt undwollt - hier steht's geschrieben: 

3. Die geschandete dreijahrigeMc/z(jiidinl82). 

Abodah sarah 37a: "Rabina [oder: Rabbi Jochanan] hat gesagt: Da ein nichtjiidi- 
sches Madchen im Alter von 3 Jahren und 1 Tag zum Beischlaf geeignet ist, 

verunreinigt sie wie eine Flufibehaftete" [den Schander nur bis zum Abend, worauf 
er ein Tauchbad nimmt und wieder rein ist; vgl. 3. Mose 15]. 

Vorher ist gesagt (Abodah sarah 36b unten): "Man bestimmte, daB ein nichtjudi- 
scher Knabe wie ein FluBbehafteter (bis zum Abend) verunreinige, damit sich ein 
jiidischer Knabe nicht zu ihm geselle, wegen der Pdderastie. Rabbi Seira sagte: Ich 
habe mich viel abgequalt ... [mit verschiedenen Rabbinen wegen der Frage], von 
wann [welchem Alter] an ein nichtjiidischer Knabe wie ein FluBbehafteter verun- 
reinige; .. als ich zu Rabbi Chijja kam, sagte er mir: Mit [dem Alter von] 9 Jahren 
und 1 Tag; ... denn sintemal er [in diesem Alter] zum [aktiven] Beischlaf geeignet 
w/183), so ist er eben [gegeniiber Juden und Jiidinnen] verunreinigend wie ein 
Flufibehafteter. [Nun ft)lgt obige Lehre betreffs einer kleinen Nichtjiidin, die schon 



mit 3 Jahren und 1 Tag so verunreinige, worauf es heiBt:] Natiirlich, denn man 
konnte glauben, weil er schon zu verleiten verstehf [so gelte es nur von ihm, dem 
neunjahrigcn Nichtjuden, nicht aber von der drei jahrigcn Nichtjiidin]; darum wird 
uns dies [auch von dem Madchen ausdriicklich] gelehrt. " 

"Weil er zu verleiten versteht", erklart Goldschmidt (Bd. VII, S. 920, Anm. 280] 
richtig: "Bei einem neunjdhrigen Knaben ist [nach talmudischer Ansicht] der Ge- 
schlechtstrieb schon reif, nicht aber bei einem dreijdhrigem Madchen" - Dies 
macht die schreckliche Erlaubnis der Kleinkinderbegattung geradezu grauen- 
haft! Das kleine Wesen wird zur Schandung fiir "geeignet" erklart, obwohl es noch 
keinen Geschlechtstrieb hat und bei dem scheuBlichen Akte keinerlei Genufi (wie 
bei dem neunjahrigen Jung en vorausgesetzt wird), sondern nur Schmerzenl Und 
noch schlimmer: Die Judische Dreijahrige erlangt durch die viehische Handlung 
seitens eines Juden wenigstens noch die vollen Rechte einer jiidischen Ehefrau, das 
nichtjudische dreijahrige Kind dagegen nichts als Schmerz und Schande. Denn der 
Jude darf dieses sein Opfer religionsgesetzlich nicht heiratenlS4)\ 

Gewisse Apologeten werden sich noch arger "abqualen" miissen als der im Texte 
genannte Rabbi Seira, um aus den angefiihrten Stellen "moralische Erzahlungen fiir 
derartige Kinder" zu machenl85)! 

Obwohl modeme judische "Dichter" usw. 186) sich gem ihrer nicht "zwecks spate- 
rer Heirat" errungenen "Erfolge" bei erwachsenen «/cA/judischer Madchen riihrnen, 
und obwohl auch judische Schander «/c/z(judischer Kleinkinder oftmals verurteilt 
werden - ja, obwohl bereits fiiufzehnjahrige ostjiidische Jungen (Bochrim) mit sol- 
chen Stellen in der Urschrift bekannt gemacht werden und dem verbohrten 
Ostjuden der Talmud "Gottes Wort" ist - bin ich natiirlich weit entfemt, solche Stel- 
len wie die obigen als verbindliche talmudische Satzung auszugeben, nach der auch 
unsere deutschen Staatsbiirger jiidischen Glaubens handelten. Im Gegenteil bin ich 
davon iiberzeugt, daB unter vielen Tausenden kaum einer iiberhaupt von diesen 
Stellen eine Ahnung hat, und wenn jiidische Kleinkinderschandungen der erwahn- 
ten Art einmal bekannt werden, wiirde ich schlimmstenfalls denken: Das sieht fast 
so aus, als ob der jiidische Verbrecher unbewuBt nach jenen verbrecherischen 
SchluBfolgerungen der alien Talmudrabbiner gehandelt hatte. - Worauf es mir bei 
Mitteilung dieser und anderer Talmudstellen halachischen Inhalts einzig und allein 
ankam, ankommt und ankommen wird, ist lediglich das, darzutun, bis zu welchem 
Wahnwitz fiir die rabbinische Rabulistik verstiegen hat. (Vgl. folgenden Seiten- 
text!) 

Der Schulchan aruch ist von diesen bestiahschen Erlaubnissenfrei! 



VI. Rabbinische Rabulistereien. 

Sanhedrin 58b - 59a. 

"Komm und hore! Warum hat Adam nicht seine Tochter geheiratet? 1 87) Damit 
Kain seine Schwester heiraten konnte, wie es heiBt (Psalm 89,3): Die Welt wird 
durch Gnadel88) erbaut.' Sonst ware sie ihm (dem Adam) verboten gewesen? Da 
dies erlaubt wurde, so blieb es dabeil89). - Rab Huna hat gesagt: 'Einem Nichtju- 
den+) ist seine Tochter [als Frau oder Beischlaferin] erlaubt. Wenn du aber sagen 
wolltest, warum da Adam nicht seine Tochter geheiratet habe, [so antworte ich:] 
Damit Kain sie heiraten konnte.' ... Rab Chisda hat gesagt: ^Dem Sklaven [eines 
Juden] ist sowohl seine [des Sklaven] Mutter wie auch seine Schwester [zum Ge- 
schlechtsverkehr] erlaubt; (derm) er ist aus der Gemeinschaft der Nichtjuden [mit 
seinem Ubergang in den Besitz der Juden (dennoch) nicht gelangt/ ... Rabbi Elea- 
sar sagte im Namen [als Einspruch] des Rabbi Chanina: 'Wenn ein Noachide [ein 
Nichtjude, der die angeblich dem Noah gebotenen Vorschriften halt] seine eigene 
Frau widematiirlich beschlaft, so verdient er Strafe.' ... Raba sagte: 'Gibt es derm 
etwas, wofiir ein Jude nicht gestraftl91) wird, wohl aber ein Nichtjude?' - 'Nein, 
sagte Raba: [Es handelt sich um den Fall,] wenn ein Nichtjude das Weib eines an- 
deren Nichtjuden [natiirlich] begattet, so ist er straffrei.' ... Rabbi Chanina hat 
gesagt: 'Wenn ein Nichtjude einen Juden schlagt, so verdient er den Tod.' [So 
schlug ja Mose den Agypter tot, der einen Juden geschlagen hatte.] Denn es heiBt 
(2. Mose 2,12): 'Und wie er [Mose] sah, daB niemand zugegen war, erschlug er den 
Agypter.' Femer sagte Rabbi Chanina: 'Wenn ein Mensch Qincn Juden ohrfeigt, ist 
das ebenso, als hatte er die gottliche Majestat geohrfeigt.' ... Rabbi Simeon ben La- 
kisch hat gesagt: ^Ein Nichtjude, der am Sabbat [gleich einem Juden] nicht 
arbeitet, verdient den Tod; denn es heiBt (1. Mose 8,22): Tag und Nacht sollen sie 
nicht ruhen. ' Der Meister meint, in dem Verbote ["nicht"] sei fiir sie die Todesstra- 
fe begriindet. Rabina hat gesagt: 'Selbst am Montag' [diirfen sie nicht ruhen]. 

B 

Haggadischel92) Stiicke. 
I. 

Traktat "Baba kamma" ("Erste Pforte") 37b und 38a. 

(Vgl. oben '28. Choschenha-mischpat 406,1. +++£') 

(37b, Mischnah:) "StoBt das Rind eines Juden das Rind eines Nichtjuden, so ist er 
frei (sein Besitzer braucht dem Nichtjuden nicht Schadenersatz zu leisten). StoBt 
aber das Rind eines Nichtjuden das Rind eines Juden, so hat es (d.h. sein Besitzer) 
den ganzen (angerichteten) Schaden zu ersetzen, mag es (das Rind des Nichtjuden) 
nicht stoBig oder stoBig gewesen sein." - (38a, Gemara dazu): "Unsere Rabbinen 
haben iiberliefert: Einst sandte die gottlose [romische] Regierung zwei Beamte zu 



den Gelehrten Israels, damit diese in dem [talmudischen] Gesetze unterrichteten. 
Jene studierten dieses ein., zwei- und dreimal. Beim Abschiede sprachen sie zu ih- 
nen [den jiidischen Gelehrten]: Wir haben Euer ganzes Gesetz gepriift, und es ist 
wahr [gerecht], ausgenommen die eine Sache, daB ihr sagt, wenn das Rind eines 
Juden das eines Nichtjuden gestoBen habe, er (der Jude) ersatzfrei sei, wenn aber 
das Rind eines Nichtjuden das eines Juden gestoBen habe, miisse er (der Nichtjude) 
den ganzen Schaden ersetzen, ob es (das Rind des Nichtjuden) nicht stoBig war 
oder StoBig." (Der beriihrnte Talmuderklarer Raschi bemerkt hierzu: "Sie [die Ju- 
den] offenbaren ihnen den Grund der Vorschrift nicht, namlich dafi die Habe des 
Nichtjuden wie herrenloses Gut ist, das man sich aneignen darf; das [die Offenba- 
rung dieses Grundes fiir die seltsame Vorschrift] ware zu gefdhrlich gewesenl") 

II. 

Die babylonischen Rabbinen. 

1. Sanhedrin 24a: "Rabbi Oschaja hat gesagt: Es steht geschrieben (Sacharja 4,3): 
Ich nahm mir zwei Stabe und nannte den einen Milde, den anderen Verletzung.' - 

Milde, das sind die Gelehrten in Palastina, die bei der Halachah [Normierung des 
Religionsgesetzes] milde miteinander verfahren. Verletzung, das sind die Gelehrten 
in Babylonien, die bei der Halachah einander verletzen [in bissiger Weise disputie- 
ren]. ... 01, das sind die Gelehrten in Palastina, die bei der Halachah zueinander 
sanft sind wie das Olivenol; Olbaume, das sind die Gelehrten in Babylonien, die bei 
der Halachah zueinander bitter sind wie Olivenfiiichte. ... Heuchelei und Hochmut 
lieBen sich in Babylonien nieder. ... Rabbi Jeremia erklarte (die Stelle Klagelieder 
3,6): 'Er hat mich in Finstemis versetzt wie ewig Tote': das ist der babylonische 
Talmud" 

2. Sebachim 60b: "Rabbi Jeremia hat gesagt: \D/e torichten Babylonier [bab. Ge- 
lehrten] sitzen in einem dunklen Lande und lehren daher auch Dunkles." (Ebenso 
Menachoth 52a.) 

3. Kethuboth 75a: "Abaje hat gesagt: Einer von ihnen [den palastinischen Gelehr- 
ten] ist so bedeutend wie zwei von uns [in Babylon]. Raba hat gesagt: Wenn aber 
einer von uns [aus Babylon nach Palastina] hinaufgeht, ist er dort so bedeutend wie 
zwei von ihnen. So wuBte [verstand] Rabbi Jeremia, solange er hier [in Babylinien] 
war, nicht, was unsere Rabbinen sagten; nachdem er aber [nach Palastina] hinauf- 
gezogen war, nannte er uns die torichten Babylonier. " 

4. Vesachim 34b: "Da sagte Rabbi Jeremia: Ihr torichten Babylonier wohnt in ei- 
nem dunklen Lande, daher sind auch cure Lehren dunkel." 

5. Joma 57a: "Als sie dies dem Rabbi Jeremia sagten, sprach er: Die torichten Ba- 
bylonier sitzen in einem dunklen Lande und lehren daher auch Dunkles." 



6. Pesachim 113b: "Drei hassen einander: Die Hunde, die Hahne und die Gelehr- 
ten; manche fiigen hinzu: Die Huren; andere fiigen noch hinzu: Die Gelehrten in 
Babylonien." 

III. 

Vom Hohen Rate (Synedrium) und der Schriftauslegung. 

1. Sanhedrin 17a: "Rabbi Jochanan hat gesagt: Man wahlt in den hohen Rat nur 
solche, die ein stattliches AuBere haben, weise sind, schon aussehen, gesetzten Al- 
ters sind, sich auf Zauberei verstehen und die siebzig Sprachen [der Welt] kennen, 
damit der Hohe Rat es nicht notig hat, Dolmetscher zu benutzen. - Rab Jehudah hat 
gesagt: Man wahlt nur einen solchen in den Hohen Rat, der es versteht, ein [vom 
mosaischen Gesetze fiir unrein erklartes] Kriechtier [durch rabbinische Spitzfin- 
digkeiten] ah rein zu erweisen" - (Vgl. auch Erubin 13b: Rabbi Acha bar Chanina 
hat gesagt: Rabbi Meir ... erklarte das Unreine fur rein und begriindete das, und er 
erklarte das Reinefur unrein und begriindete das.") 

2. Sanhedrin 34a: "In der Talmudschule des Rabbi Ismael wurde iiberliefert: (Es 
heiBt Jeremia 23,20) 'Und wie ein Hammer Felsen zersplittert', (d.h.:) [der Stein 
durch den] Hammer in viele Splitter zerteilt wird, ebenso zerfallt ein Schriftvers in 

viele Deutungen. " 

3. Sophrim c.l6: "Rabbi Jochanan hat gesagt: Der Heilige, Gebenedeite ( = Gott) 
hat das Gesetz, das er dem Mose gegeben hat, derart gegeben, daB ein Ding auf 49 
Artenfur unrein und [dasselbe Ding] auf 49 Artenfur rein erklart werden kann." 

IV. 

Von der Septuaginta (griech. Ubers. des A.T.). 

Megillah 9a: "Es ist iiberliefert worden: Einst berief der (agyptische) Konig Ptole- 
maus (Philadelphus) 72 (jiidische) Greise und setzte sie in 72 Hauser, ohne ihnen 
zu sagen, weshalb. Dann ging er zu jedem besonders und sagte zu ihm: Ubertrage 
die Thorah [die 5 Biicher] Mose, cures Meisters! Da gab der Heilige, Gebenedeite ( 
= Gott) ihnen alien einen und denselben Gedanken [fiir die folgenden Umschrei- 
bungen] ins Herz, und sie schrieben daher: ^Gott schuf am Anfang'193). - Ich will 
einen Menschen machen nach Abbild und Gestalt'194). - 'Und er vollendete am 6. 
Tage und ruhte am 7. Tage'195). - 'Als Mann und Weib erschuf er ihnl96+). - 
Ich will hinabfahren und ihre Sprache verwirren'197++). - 'Denn in ihrem Zom 
haben sie einen Ochsen gemordet und in ihrem Ubermut cine Krippe verstiim- 
melt'198+++). - 'Da licB Mose sein Weib und seine Sohne auf einem 
Menschentrdger reiten'199). - ... Keinen einzigen Wertgegenstand h2i}oQ ich von 
ihnen genommen'200). - ... Femer schrieben sie statt den Hasen' (3. Mose 11,5): 
'Den KurzfiiBigen', weil die Frau des Ptolemaus 'Hase' (Amebeth) hicB, damit er 



nicht sage: Die Juden haben mich verspottet und den Namen meiner Frau in ihr Ge- 
setz [als unreines Tier] aufgenomnien201)'." 



Vom Ungebildeten (Am haarez). 

Pesachim 49b: "Rabbi Eleasar hat gesagt: Einen (rabbinisch) Ungebildeten (einen 
Pobel, einen Proleten) darf man (sogar) an einem Versohnungstage, der (noch da- 
zu) auf einen Sabbath faUt, durchbohren. Seine Schiiler fragten ihn: Bedeutet dies, 
daB man ihn schachten darf? Er erwiderte ihnen: Dort (beim Schachten) ware ein 
Segensspruch notig, hier aber (beim Durchbohren) nicht! - Femer hat Rabbi Eleasar 
gesagt: Einem Proleten darf man sich nicht auf dem Wege anschlieBen; derm es 
heiBt (5. Mose 30,20): 'Derm das ist dein Leben und die Lange deiner Tage.' Der 
aber, welcher (wie der mit diesem Vers unbekannte Prolet) sein Leben nicht achtet 
(weil er es nicht dem Gesetzesstudium weiht), wird erst recht nicht das Leben sei- 
nes Mitjuden achten. - Rabbi Samuel bar Nachman berichtet als Wort des Rabbi 
Jochanan: Einen Proleten darf man zerreifien wie einen Fisch. - Es ist iiberliefert 
worden. Rabbi Akiba habe gesagt: Als ich noch (selbst) ein Ungebildeter war [oder 
Prolet; er war bis zu seinem 40. Jahre Viehhirt], meinte ich: Wenn ich doch einen 
Gelehrten hier hatte, so wollte ich ihn wie ein Esel beiBen! Seine Schiiler sprachen 
zu ihm: Sage lieber: wie ein Hund. Er erwiderte: Dieser zerbricht die Knochen 
beim BeiBen, jener nicht. - Es ist iiberliefert worden: Rabbi Meir sagte: Wer seine 
Tochter einem Ungebildeten zum Weibe gibt, tut so, als wenn er sie gefesselt ei- 
nem Lowen hinwiirfe. Wie ein Lowe (seine menschlichen Opfer) erwiirgt und ohne 
Scham friBt, so schlagt der Ungebildete sein Weib und beschlaft sie auf schamlose 
Weise. - Es ist iiberliefert worden: Rabbi Eleasar sagt: MiiBten wir nicht mit ihnen 
(den Ungebildeten, geschaftlich) verkehren, so wiirden sie uns (bald) umbringen. - 
Rabbi Chijja hat gesagt: Wer sich in Gegenwart eines Ungebildeten mit der (jiidi- 
schen) Gesetzeslehre beschaftigt, tut so, als beschliefe er seine Verlobte in jenes 
Gegenwart. - Der HaB der (jiidischen) Ungebildeten gegen die (jiidische) Gelehrten 
ist groBer als der HaB der Volker der Welt ( = Nichtjuden) gegen Israel, und ihre 
Weiber sind noch gehassiger als sie. - Es ist iiberliefert worden: Wer (von ihnen die 
rabbinische Lehre anfangs) gelemt und sich darm (davon wieder) losgesagt hat, das 
ist der Argste unter ihnen. - Unsere Rabbinen haben iiberliefert: Von sechs Dingen 
sind die (jiidischen) Ungebildeten ausgeschlossen: Man fordert sie nicht zum 
Zeugnis auf, nimmt kein Zeugnis von ihnen an, bestellt sie nicht zum Vormund, 
man vertraut ihnen kein Geheimnis an, macht sie nicht zum Vorsteher der Armen- 
kasse und laBt sich nicht auf der Reise mit ihnen ein. Manche fiigen noch hinzu: 
Man ruft das, was sie verloren haben, nicht offentlich aus202)." 



VI. 

Von Nikodeinus203). 

Thaanith 19b-20a. "Unsere Rabbinen haben iiberliefert: Einst zogen alle Juden zum 
Feste nach Jerusalem, batten aber nicht (geniigend) Wasser zu trinken. Da begab 
sich Nikodemus, des Gorion Sohn [Nakdimon ben Gorjon], zu einem Besitzer [von 
Wasserquellen] und sagte zu ihm: Leihe mir [die Benutzung von] zwolf Wasser- 
quellen; ich will dir [sobald sich diese Quellen wieder gefiillt haben] die zwolf 
Quellen wieder zuriickgeben oder, wenn ich dies nicht kann, dir zwolf Talente Sil- 
ber dafiir geben. Er [der Quellenbesitzer] setzte ihm eine bestimmte Zeit dafiir fest. 
Als der Termin herangeriickt und noch kein Wasser gefallen war [der die Borne 
gefiillt hatte], lieB der Besitzer morgens ihm [dem N.] bestellen: Erstatte mir ent- 
weder das [versprochene] Wasser oder [schicke mir] das [vereinbarte] Geld! 
Nikodemus aber lieB ihm sagen: Noch ist der vereinbarte Termin nicht um! Um 
Mittag lieB ihn der Besitzer wiederum bestellen: Erstatte mit entweder das Wasser 
oder [schicke mir] das Geld! Nikodemus lieB ihm [wieder] bestellen: Noch ist der 
vereinbarte Termin nicht um! Um Minchah [die Zeit des Nachmittagsgebetes] lieB 
ihm der Besitzer wiederum bestellen: Erstatte mir entweder das Wasser oder das 
Geld! Nikodemus lieB ihm bestellen: Noch ist fiir mich [zur Vertragserfiillung] eine 
kleine Zeit des Tages iibrig! Da hob der Besitzer iiber ihn zu spotten an: Sintemal 
das ganze Jahr noch kein Regen gefallen ist, sollte es jetzt [noch] regnen? Und be- 
gab sich [seines Erfolges gewiB] munter ins Badehaus. Unterdessen ging 
Nikodemus in den Tempel [zu Jerusalem] hiillte sich [in seinen Gebetsmantel] ein, 
trat zum Beten bin und sprach: Herr der Welt, offenbar und kund ist es vor dir, daB 
ich weder um meiner noch um meines Vaterhauses Ehre willen so getan [den Ver- 
trag geschlossen] babe, sondem um deiner Ehre willen, damit die Festpilger Wasser 
batten! Sofort umzog sich der Himmel mit Wolken, und es kam so viel Regen her- 
ab, daB die zwolf Wasserquellen [davon] voll wurden, ja, sogar iiberflossen. Als 
der Besitzer aus dem Badehause kam, kam Nikodemus, Gorions Sohn, gerade aus 
dem Tempel. Wie sie einander begegneten sprach er [Nikodemus]: Du muBt mir 
noch fiir das iibergeflossene Wasser Geld bezahlen. Er [der Besitzer] entgegnete: 
Ich sehe zwar ein, daB der Heilige, Gebenedeite [ = Gott] nur um deinetwillen ein 
Wunder getan hat. Aber ich babe [im Gegensatze zu deiner Forderung] doch noch 
einen Grund, von dir mein [vereinbartes] Geld zu verlangen, derm die Sonne ist 
bereits untergegangen. [Also war der Termin bereits um, als das Wunder geschah.] 
Und [zu deiner Geldforderung sage ich:] Der Regen ist in meinem Bereich gefallen 
[ohne dein Zutun] ! Da begab sich Nikodemus nochmals in den Tempel, hiillte sich 
ein, trat zum Gebet bin und sprach: Herr der Welt, offenbare, daB du Lieblinge in 
deiner Welt hast! Sogleich zerstreuten sich die Wolken, und die Sonne leuchtete 
[noch einmal] hervor. ... Unsere Rabbinen haben iiberliefert: Zugunsten dreier ist 
die Sonne spater [als gewohnlich] untergegangen: zugunsten des Mose, des Josua 
und des Nikodemus. - Hinsichtlich des Nikodemus weiB ich es durch die vorste- 
hende Uberlieferung. Hinsichtlich des Josua weiB ich es durch die vorstehende 
Schrift, denn es heiBt (Josua 10,13): Sonne, stehe still zu Gibeon'. Woher aber ist 
erweislich, daB es auch zugunsten des Mose geschah? Rabbi Eleasar hat gesagt: Ich 



kann es von einem [Verse, in dem das Wort] achal [vorkommt] auf den anderen [in 
dem es auch vorkommt] schlieBen. Hier (5. Mose 2,25) heiBt es [zu Mose\. Ich 
will beginnen [achal], vor dir Furcht und Schrecken zu verbreiten', und dort (Josua 
3,7) heiBt es [zu Josua]: 'Ich will beginnen [achal], dich groB zu machen.' [Was 
dem Josua gewahrt wurde, ist also204) auch dem Mose gewahrt worden, also auch 
ihm zuliebe die Sonne spater untergegangen.] Rabbi Samuel bar Nachmani beweist 
es von einem "theth" und in einem anderen "theth". Hier (5. Mose 2,25) heiBt es 
"zu verbreiten" (theth) und dort (Josua 10,12) heiBt es "Als Jahweh die Amoriter 
preisgab" [theth. - Also ist wiederum fiir etwas von Mose Berichtetes dasselbe 
Wort verwendet wie fiir etwas von Josua Berichtetes, also stehen beide einander 
gleich, also ist auch zugunsten des Mose die Sonne spater untergegangen]. 



Nachwort 

Der vor beinahe vier Jahrhunderten (1564, s.o. § 8 Ende) vollendete Schulchan 
aruch und sein Geistesvater, der reichlich tausend Jahre iriiher abgeschlossene ba- 
bylonische Talmud, dessen erste Anfange sogar rund zweitausend Jahre 
zuriickliegen, sind fiir uns im einzelnen wie im ganzen unendlich weit wesenslrem- 
der als die mit dem Schulchan aruch nahezu gleichzeitigen Schriften Luthers oder 
als die den Talmud an Alter um 400 bis 900 Jahre iibertreffenden Schriften der 
groBen griechischen Philosophen Plato und Aristoteles, ja, selbst als die zum Teil 
noch alteren religiosen Schriften der Inder. Sie atmen einen vollkommen "anderen 
Geist als wir", der ftir einen Nichtjuden nur durch jahrzehntelanges, miihsamstes 
Versenken in diese unserem abendlandischen Denken und Fiihlen so ganzlich ent- 
gegengesetzte Welt begreiflich wird. Sie sind aber nicht nur religionsgesetzliche 
Geschichtsdenkmaler wie etwa die indischen Upanischaden oder Vedas, die Sy- 
steme eines Laotse oder Konftizius usw., sondem ragen als Geltung 
beanspruchender Fossilien in unsere Gegenwart hinein. Millionen von ehemaligen 
und heutigen Ostjuden, von denen Tausende vor und nach der Kriegszeit in unser 
Kulturgebiet heriibergewechselt sind, lemen von ihrem ftinfzehnten Lebensjahre 
an, viele ihr ganzes Leben lang Talmud und die damit zusammenhangende rabbini- 
sche Literatur, deren religionsgesetzlicher Hohepunkt der Schulchan aruch ist (die 
ganz strengen iiberhaupt nichts von anderem Schrifttum), und den orthodoxen Ju- 
den begleiten die Vorschriften des Schulchan aruch unaufliorlich von der Wiege 
bis zum Grabe, ja, von der Zeit vor seiner Geburt bis iiber sein Absterben hinaus, 
und selbst der liberale Jude kann sich ihnen, wie wir sahen, nicht ganz entziehen. 

Da es im Judentume keine zentrale religionsgesetzliche Lehrinstanz, ja, nicht ein- 
mal eine "offizielle Bekenntnisschrift" gibt wie bei den groBen anderen 
"Bekenntnissen" (das Judentum ist keine "Konfession"), so weichen schon inner- 
halb des Judentums die Urteile iiber Wesen, Bedeutung und gegenwartige 



Giiltigkeit des Talmud wie des Schulchan aruch himmelweit voneinander ab. 1st es 
da dem nichtjiidischen Laien so schwer zu verargen, wenn er iiber diese ihm nicht 
nur fremde, sondem seinem ganzen Wesen unverstandliche jiidisch-rabbinische 
Welt, iiber deren literarische Haupterzeugnisse wie Talmud und Schulchan aruch 
und deren EinzelauBerungen wissenschaftlich irrtiimliche Auffassungen sich bildet 
und diese auch gelegentlich verlautbart? Moge doch der Richter, der einen solchen 
in Finessen unkundigen nichtjiidischen Laien so oft mit der Keule des § 166 des 
Strafgesetzbuches erschlagt, vergegenwartigen, welche Irrtiimer in dieser Hinsicht 
selbst der hochste deutsche Gerichtshof, das Reichsgericht, in seinen Entscheidun- 
gen begangen hat! Oben (FuBnotenkennzeichnung 41) ist schon erwahnt, daB die 
juristische Konstruktion einer einheitlichen "jiidischen Religionsgesellschaft" ein 
papiemes Phantom ist, und ebenso daB manche reichsgerichtliche Entscheidung in 
Judensachen seltsamste Scholastik atmen. Noch wunderlicher aber war der Fall, 
daB vor einigen Jahrzehnten dasselbe Reichsgericht in einer jiidischen Ehe-Sache 
genotigt war, nicht nach deutschem Reichsrecht, sondem nach Judischem Religi- 
onsrecht zu entscheiden! Und die Entscheidung fiel noch obendrein, inft)lge der 
notgedrungen zugrunde gelegten GutachtQn, falsch aus! - 1st da ein durch ebenso- 
wenig Spezialkenntnis getriibtes, irrtiimliches Laienurteil so verdammlich? Und 
warum da, wo man selbst keine Spezialkenntnis hat, auf Grund des riickstandigsten 
und odiosesten aller Strafgesetzbuchparagraphen so manches Urteil "verhdngen" , 
das ich wenigstens recht dicht "verhangen" wissen mochte, da es vor der wissen- 
schaftlichen Offentlichkeit nicht sachkundiger Priifiing standhalt! 

Verwandte Schriften des Verfassers. 

1. Das Blut in judischem Schrifttum und Branch. Nebst ausfiihrlichen Anmer- 
kungen. Eine Untersuchung. Leipzig 1929. 

(Menschen- und TiergenuB im Alien Testament, im Talmud, bei Maimonides, im 
Schulchan aruch. Blut im jiidischen Volksbrauche. Das heutige Huhnopfer vor dem 
Versohnungstage. Das Passahblutritual. Menschenblutstrome im Alien Testament. 
Blut der Gottlosen und der Nichtjuden. - Judenmission. " Was nicht verboten, das ist 
erlaubt": Eheweib, Ehebruch, Kinderschandung, Blutschande, Vielweiberei. 
"Sachverstandige." Menschenopfer. "Du sollst nicht toten." Der Hang zur Zote.) 

2. Rabbinische Fabeln iiber Talmud, Schulchan aruch, Kol nidre usw. Ein Ge- 
richtsgutachten. (108 S.) Leipzig 1922. 

3. Rabbi nnd Diakonns. (Wider Landesrabbiner Dr. Wiesen und Pfarrer D. Fiebig. 
- Gerichtsgutachten.) Leipzig 1922. 

4. Die Elemente der Kabbalah. 2. Aufl.; 11 starke Bde., illustriert. Berlin 1921. 
(Theoretische und praktische Kabbalah.) 

5. Die Kabbalah. 3. Aufl., illustriert. Leipzig 1923. (Auszugsweise sogar ins Mo- 
dem-Hebraische iibersetzt!) 



6. Jiidisch-deutscher und deutsch-jiidischer Dolmetscher. 4. Aufl. Leipzig 1916. 
(Im Weltkriege stark an der Ostfront begehrt.) 

7. Fremdworterbuch der theosophischen [und kabbalistischen] Literatur. 4. Aufl., 
Leipzig 1921. 

8. Jesus und die Rabbinen. (Nachweis, daB alle Worte Jesu alter und hoher sind 
als die rabbinischen Anklange.) Leipzig 1905. 

9. Ein jiidisch-deutsches "Leben Jesu". (Die jiidische Lasterschrift "Tholdoth 
Jeschu".) Leipzig 1895. [Text und Anmerkungen.] 



In Vorbereitung. 

10. Die Passah-Legende. (Die "Kinder Israel" nie in Agypten, kein "Auszug aus 
Agypten", das Passahfestes Ursprung anders und weit alter.) 

11. Talmudstunden fur Anfanger. (Nebst einem Anhange fur Kritiker.) 



Register. 



Aas 41f. 107. - Abraham, Stammvater der Juden (nicht Adam) 121. - Abtritt, Be- 
nehmen daselbst 37-38. - Abwischen des Afters 38. - Adam als Nichtjude (Eva und 
5 Kinder) 86. - Affe menschenahnlich, Nichtjuden affenahnlich 105. - Alfasi 10. - 
Altes Testament 67 (vgl. Thorah). - Alle alttestamentlichen Verse und talmudi- 
schen Satze gleichwertig und reines Gotteswort 68. - Ammendienste, jiidische, bei 
Nichtjiidinnen verboten 70. - Ammen, nichtjudische 32. - Am haarez 89f. - Ange- 
stellter, jiidischer 53f. - Ankleiden Ixiih 37f. - Arbaa Turim 1 If. - Aschera usw. 108. 
- Ascheri 10. - Auflosung von Geliibden 7. 72. 

Bar mizwah 31. - Bastard (das liberale Judentum) 100. - Beischlaf, widematiirli- 
cher 83. 121. 86; mit jiidischen Madchen von und unter 3 Jahren, mit 3jahrigen 
Nichtjiidinnen 83-84. - Bekenntnisschrift fehlt dem Judentume 30. 31. 35. - Benet- 
zen der Hande 39-40. - Beschneidung 34. - Beth Joseph 12ff. - Betrug gegen 
Nichtjuden erlaubt 82; vgl. 50. 54. 58-60. 69. - Betrugsgewinn, geteilter 49. - Blut- 
asche erlaubt 46. - Blutgenufi dem Juden erlaubt 46. 103f. - Blutschande Kains, der 
Tochter Lots 86. - Blutschande eines jiidischen Sklaven erlaubt 86. - Blutschande, 
straflose, einer jiidischen Witwe mit ihrem 13jahrigen Sohne 159. - "Blutsverstand- 
nis" 102. - Branch, jiidischer s. Minhag. - Branch hebt Halachah 



(religionsgesetzlicher Norm) auf 49. - Briman 3. 24f. 56. 120 u.6. - "Bruder" ist 
rabbinisch nwr der Jude 70. 109f. (vgl. "Nachster"). 

Cahn 32. 33. 97 u.o. - "Centralverein deutscher Staatsbiirger jiidischen Glaubens" 
4. 52. 62. 64. 100. 102. 119. 120. u. oft. - Christen sind Gotzendiener 2SK 29. 40. 
69. 107ff. 115; diirfen als solche straflos getotet werden 69; sind Affen ahnlich 105; 
mit Hunden verglichen 42. (Vgl. "Nichtjuden".) - Codices lOff. 

Dalman 3. 26. 27. 29. 115ff. u.o. - Delitzsch 74. 75. 84f. - Denunzianten, jiidische 
49.63-65. - Deutungsregeln 9. 38 (vgl. "Schriftdeutung"). - Dezisoren 9. - Dieb- 
stahl, jiidischer, wird nicht kriminell bestraft 55. - Doppelziingigkeit der 
rabbinischen Schriftdeutung 88f. 

Ehe mit einer Nichtjiidin ungiiltig und verboten 85. - Eisenmenger 24f. 1 15f. - Ein- 
heit, religiose, des Judentums ein Unding 32 (vgl. "Cahn"). - Elias, der Prophet, als 
Falschzeuge 112. - "Entheiligung" ("Entweihung") des "Namens" 45. 50. 56. u.o. - 
Erbarmen ilber "Gotzendiener" (auch Christen) verboten 71. - Ermordung jiidi- 
scher Denunzianten 1 10. - Esra 6f. - Ewiges Leben nur dem Juden beschieden 70. 

Fiebig28. 54. 57. 59ff. 75. 100. 106. llOff. lllf.112. 113. 114f. 119f. 120. u.oft. - 
Frau, jiidische 101; muB sich vom Ehemann miBbrauchen lassen 83f. Friede, fal- 
scher 50.; Fritsch 28. 68.110. - Fromer 9. 67f. 

Ganzfried 28ff. - Gaonen 9. - Gebarende, jiidische (ihretwegen wird der Sabbath 
entweiht) 41. - "geber ftir geber" 104. - Gebetbiicher, jiidische 107 (Gesangbiicher, 
christliche 44). - Geburtshilfe ftir Jiidinnen, Nichtjiidinnen und jiidisches Hausvieh 
4 If. 45. - Gefahrliches Geheimgesetz 87. - Geist des Talmud und Schulchan aruch 
fortlebend 34. 35. - Geistesorganisation der Juden usw. ist anders als unsere 122. - 
Gekochtes und Getrank 42f. - Gekochtes eines Nichtjuden 42. - Geld s. Gut und 
Geld. - Geliibde (und ihre Auflosung) 7. 70. 71. - Gemara 8f. - Gesetz, jiidisches 
(vgl. Thorah), schriftlich und miindlich 5. 6. 67 u.o. - Gildemeister 26. 75. - Glei- 
che Geltung aller Bibelverse, desgl. aller Talmudworte, weil alles "Worte Gottes" 
68. - Gott halt dem Abraham bei dessen Selbstbeschneidung die Vorhaut 121. - 
"Gottlose der Welt" sind die Nichtjuden 56. - "Gotzendiener sind keine Menschen" 
99. - Gotzendiener am Purimfeste verflucht 107. - "Gotzendienerische Bildwerke" 
108f. - Gotzen und die Dinge ihres Kultus 43f. - Gut und Geld der Nichtjuden wie 
herrenloses Gut unddaherfur die Juden bestimmt 52. (Vgl. "Habe".« 

Habe der Nichtjuden herrenloses Gut (Geheimlehre) 52f. 58. 87. - Hagah, Ha- 
gahoth 15f. - Haggadah 9. - Haggadisches als Halachisches 118. 122 u.o. - 
Halachah (Mehrz. Halachoth) 7-8. 13.u.o. - Halachah durch einen Branch aufgeho- 
ben 49. - Hals wird einem Denunzianten gebrochen 64. - Handeln mit 
nichtjiidischen EBwaren verboten 42. - Hauptkommentare des Schulchan aruch 16f. 
- Heiligung des "Namens" 54. 118 (vgl. "Entheiligung"). - Heilmittel ftir Juden 39f. 
46. - Heimann in Plauen 121. 122. - Herrenloses Gut 52f. 58. 87. - Heuchelei, jiidi- 
sche 45. 64f. 70. (Vgl. "Doppelziingigkeit".) - Heuchlerische Friedfertigkeit 69. - 



Hoher Rat und Schriftdeutung 88f. - Hoffinann 16. 27. 29. 31. 48f. 54. 55f. 56ff. 
61. 62. 76. 96. 114. 115. u.o. - Hiihneropfer, jiidisches, noch heute vorm Versoh- 
nungstage 40. 105. - Hiihner, weiBe 40. - Hund mit dem Unbeschnittenen 
verglichen42. - Hunde, jiidische 107. 

Jad chasakah lOff. 68ff. - Jakob ben Ascher llff. 68ff. - Jeremias 123. - Jesu Worte 
alter und hoher als die rabbischen Anklange 106. - Irrsinnige Jiidin 71. - Irrtum der 
Nichtjuden erlaubt 54. 58-60. 70. - Isserles 12. 14ff. 106 u.o. (vgl. Hagah). - Jude 
allein heiBt "Bruder" und "Nachster" (s.d.). - Jude darf nicht geschlagen werden 86. 
- Juden allein haben das ewige Leben 70. - Judenknabe, 9jahriger, begattungsfahig 
85. - Judenmission 115. - "Judenspiegel" 3. 26ff. 74ff. 107. 111. u.o. - Judentum ist 
keine "Konfession" 91. - "Judentum zum Aussuchen" 33. - Judentum ist keine ein- 
heitliche "Religionsgesellschaft" 30. 34 (vgl. "Cahn"). - Judentum ist angeboren 
und unverlierbar 33. - Judentum, orthodoxes 31. - Judentum, liberales 31-35. - Jii- 
din soil kein nichtjudisches Kind saugen 45 (vgl. 'Amme', Geburtshilfe, jiidische 
Frau). - Jiidische Zeugen 5 If. 83. 

Kaddisch (Gebet) 33. 41. - Keduschah (desgl.) 41. - Kahal 111. - Kappores, "Kap- 
poroh-Umschlagen" 105f. - Karo 5. 12ff. 15. 48. 50. 57. 74. 103. u.o. - 
Kinderschandung, jiidische 83ff. - Kizzur Schulchan aruch 28-29. 78. - Kluft, tiefe, 
zwischen orthodoxen und liberal em Judentum 8. 39 (vgl. "Cahn"). - Kochkisten 
jiidische Erfindung 106. - K61 nidre (Formel) 31. 72. 97. - Kompagnons, jiidische 
55. - "Konfirmation", jiidische (s. "Nachahmung"). - Konkurrenz von Juden unter 
sich verboten 52f. 63f. - Koscher und treife 43. - "Kot und Nichtjuden" 41. - Kreu- 
ze, christliche, und Kruzifixe 41. 44f. 99. 108. - Kuhschieberei, talmudische 8 Iff. 

LaienhaB der Rabbinen 89f - Leben und Geld der "Gotzendiener" erlaubt 52. - 
Lehrautoritdt, religiose, fehlt dem Judentume 100. - Literatur zu Schulchan aruch 
26-28. - Logik, morgen- und abendlandische 67. 122. (Vgl. "Sommerlogik".) 

Maariiphja 111. - Madchen von und unter 3 Jahren 6. 83-86. - Maimonides lOff 
41. 68-73. 103. 109. u.o. - Marx, Karl lOOf - Marx-Dalman s. Dalman. - Meer des 
Talmud 8. - Meineid 47-48. - Menschenblutgenufi 103. - Merkur: Paulus 108. - Mi- 
drasch 7. 8. 37.- Minhag 7. 9. 49. - Minjan 101. 108f - Mischnah (die) 7ff 68. - 
Mischneh Thorah (der) lOff 68ff (vgl. unter "Maimonides"). - Mizwoth (die 613 
Gebote) 6. - Morgensegen 36ff - Mose 6f 67. 

Nachahmungen christlicher Einrichtungen 100. 101. - "Nachster" ist rabbinisch «Mr 
der Jude 70. 72 (vgl. "Bruder"). - Nacktschlafen 102. - Nebelah und Trephah 42f - 
Neunjahriger Judenknabe begattungsfahig 85. - Nichtbezahlen von Schulden er- 
laubt 57. 60f. - Nichtjuden sind Personen minderen Rechtes 66; lebende sind gleich 
den Toten, tote gleich dem Aas auf dem Felde 42; diirfen bei Todesstrafe am Sab- 
bath nicht ruhen 86; ihre Totung wird gerichtlich nicht bestraft 69; mit Affen 
verglichen 105, mit Hunden 42; ihren Irrtum auszuniitzen erlaubt 83 (vgl. "Betrug 
gegen Nichtjuden") vor Gericht mit Rechtskniffen behandelt 82; haben rabbinisch 
keine giiltige Ehe 82; erhalten Verlorenes nicht zuriick 57f.; Pest unter ihnen 106; 



Nichtjiidin und Jiidin 45; Nichtjiidin von 3 Jahren zu schanden erlaubt 85ff. - 
Nichtjiidische Knechte und Magde nur wie Vieh betrauert 73; nichtjudische Richter 
und Gerichte verpont 50; nichtjiidisches Brot 73. - Nikodemus 89ff. - "Notschwur" 
(Zwangsschwur) 47. 

Ochse (Rind) des Juden und Nichtjuden 65f. 87f. - Opfer-Ersatz: Lesen der Ab- 
schnitte des A.T. iiber die Opfer 37 (Vgl. auch "Hiihneropfer".) - Orgel und 
Harmonium in der Synagoge 32. 

Paderastie 85. - Paulus 63. 108. - Peor (Baal Peor) = Christus 109. - Pest unter 
Schweinen und Nichtjuden 107. - Pfiffe, apologetische 49ff. - Piske Thosaphoth 10. 
- Proleten, jiidische 89f. 

Rab: Titel der jiid. Talmudgelehrten in Babylonien 1 17. - Rabbi: Titel der palastini- 
schen Talmudisten (und der mittelalterlichen jiidischen Gelehrten; Mehrzahl: 
Rabbinen; dagegen Rabbiner die heutigen jiidischen Gemeindeprediger mit akade- 
mischer Bildung). - Rabbinen in Babylonien 87f. - Rabbinen, Hahne und Huren (in 
B.) 88. - Reichsgericht fallt irrtiimliche Entscheidung 3-4. 30ff. 32. 33. 91. - Rein 
fiir unrein und umgekehrt 9. 88f. (vgl. "Schriftdeutung"). - " Religionsgesellschaft" , 
jiidische (ein Juristenphantom und Unding) 4. 30ff. - Religionsrecht, alttestamentli- 
ches und rabbinisches 6ff. (desgl. Talmud, Codices). - Reservatio mentalis 47. - 
Responsen 9. - Richter und Staatsanwalte 4. 91. - "Richtlinien" 3 Iff. - Ruckgabe 
des Gefundenen an Nichtjuden verboten, Sunde und "grofies Unrecht" 57f 

Sabbath 41. 73; fiir Nichtjuden verboten 86. - Saboraer 9. - "Sachverstandige" 4; 
die "nichts finden" 75. 84. - Seder 8. - Seligmann 31. lOlff - Septuaginta im Tal- 
mud 88f - "Sommerlogik", rabbinische 67. 80. 81. 123 u.o. - "Staatsgesetz ist 
(auch) Gesetz" 82. 62ff - Steuerhinterziehung usw ., den Juden erlaubte 60ff 82f. - 
Synagoge, "groBe" (sagenhaft) 6. - Synedrium (Sanhedrin) s.o. "Hoher Rat". - Sy- 
stematik mangelt dem Alien Testament, dem Talmud usw. 8. 67f 

Schabbes-Goi, Schabbes-Goite 106. - Schadigung (geldliche) eines anderen Juden 
ein strafbares Vergehen 6 Iff - Schandung einer dreijdhrigen Nichtjiidin erlaubt 
58ff - Schachten 6-7. 34. 4 If - Scheftelowitz 104ff u.o. - Schimmusch 16. 100. - 
Schittuph ist der christliche Glaube 44. - Schriftdeutung, rabbinische 7f 116. 88f 
122. - Schriftgelehrte (Sophrim) 7ff - Schriftliches und miindliches "Gesetz" Tho- 
rah) 67. - Schulchan aruch 3f 4f 13ff und allenthalben; Urteile iiber ihn s.u."U.". - 
Der Schulchan aruch will Praxis lehren 48. 49 u.o. (keine Theorien). - Der Sch.a. 
kein selbstandiges Werk, sondem ein Talmudsohn 30; keine jiidische "Einrichtung" 
usw. 30ff - Schulchan aruch und heutiges Judentum 30-35. Schweine, ihr innerer 
Bau menschenahnlich 106. - Schweinepest, Nichtjudenpest 106. 

Talmud 8f 68f 78-90 u.o. - Talmud- Traktate 68. - Talmud ist fiir die Ostjuden in 
jedem Buchstaben "Gottes Wort" 86. - Talmudkompendien 9f - Talmudisten, un- 
gebildete 116. - Talmud-Lehrhauser 8. 9. - Talmud-Ubersetzungen 78-90. - 
Textfalschungen, jiidische 120. - Thephillin (Denkriemen) 7. - Thorah (Altes Te- 



stament, "Gesetz") 6. - Thorah-Rolle 6. - Thosaphoth 10. - Totung eines Nichtjuden 
und BeisaBproselyten vom jiidischen Gericht nicht bestraft 69. - Tradition 6. 67. - 
"treife" 34. 42.- Thephah 34. 42f. - Tschemowitz 3. 12-14. 122 u.o. - Tur, Turim 
11.73. 

Ubersetzungen aus dem Schulchan aruch 19-25; aus dem Talmud 78-90, u.o. im 
Texte. - "Ubler Bursche" 53. 65. - "Unrecht, groBes" ist die Riickgabe von Verlore- 
nem an Nichtjuden 57. - Unrein s.o. "Reines". - Unreines an Nichtjuden zu 
verkaufen 42. - Untertauchen von EBgeschirr 43f. - Urteile iiber den Schulchan 
aruch 74ff. - Urteile, verhangte, die ich "verhangen" wissen mochte 92. 

Verlorenes eines Nichtjuden zu behalten erlaubt 82; Riickgabe an den Nichtjuden 
verboten und ein Vergehen 56ff. 57f. 82. - Verfluchung der "Gotzendiener" (s. un- 
ter "G.") am Purimfeste 106. - Verbot des Prozessierens vor nichtjiidischen 
Gerichten 50. - Verdacht nie ganz grundlos 43. - Verdachtigte sind trotz Eides nicht 
glaubhaft 43. - Vielweiberei (seit 1240 den Juden theoretisch wieder erlaubt) 71. - 
Vogelfrei s.o. "Herrenloses Gut". - Vorbehalt (innerer) beim Bide 47. - Vorbemer- 
kungen zu den Uberss. aus Choschen-ha-mischpat 48ff. 

"Was nicht verboten, ist erlaubt" 57. 83205). - Wasserabschlagen 38f. - Wesens- 
fremd ist uns Talmud, Schulchan aruch und Rabbinismus 9 If. - Wucher an 
Nichtjuden erlaubt 46; sogar gottlich befohlen 109. 73f. 

Zentralinstanz, religiose, im Judentume nicht vorhanden 102. - Zeugnisablegen, 
jiidisches 5 If. 83. - Zinsnehmen und ZinsfiiB 46. 106 (vgl. "Wucher"). - ZoH- und 
Steuerhinterziehungen, dem Juden erlaubte 60ff 

§ 166 des Strafgesetzbuches: 3-4. 30. 32. 33. 91 u.o. 



FuBnoten: 

1) Hoffinann liebt gegeniiber denen, die er bekampft, harte Worte, die man in der 
Wissenschaft besser vermeiden sollte. Es wirkt bei einem emst zu nehmenden Ge- 
lehrten nicht gut, wenn er einen Gegner, der sich irrt, gleich mit " schamloser 
Lugner" u. dergl. anfahrt; Dr. H. ist doch kein - Weimarer Landesrabbiner! (Vgl. m. 
"Rabbinischen Fabeln", Leipzig 1922, S. 14f ) 

2) Das heutige liberale Reformjudentum erblickt im Schulchan aruch keine religi- 
onsgesetzliche Norm mehr, sondem ein der religiosen Literaturgeschichte 
angehoriges, durch die Entwicklung ilberholtes Werk, ohne jedoch in der Gemein- 
depraxis ganz von ihm abkommen zu konnen. (Vgl. unten Vierter Hauptteil C 2.) 

3) Vgl. Dr. W. Thummel, "Der Religionsschutz durch das Strafrecht (§ 166 
StGB.)", Leipzig 1906. 



4+) Vgl. Moritz Baum, "Ein wichtiges Kapitel", Frankfurt a.M. 1884, IV. Ab- 
schnitt, S. Iff., wo mit dem Glaubensgenossenschaft ins Gericht gegangen wird. 

5) Ein Herr Staatsanwalt in Plauen glaubte allerdings fiir die gerichtliche Erorte- 
rung aramaischer Talmudstellen Sachverstandige, die Aramaisch kannten, 
entbehren zu diirfen, da es doch schlieBlich Ubersetzungen solcher Stellen geben 
miisse. Er sah aber zuletzt wohl ein, daB man zur Erorterung z.B. schwieriger Stel- 
len des Corpus juris mindestens Spatlatein kennen miisse. 

6) In den rund zwolf Fallen, wo mir als Sachverstandigen die Strafakten zuganglich 
waren, fand ich stets den genannten Verein als Anzeigeerstatter und Informator der 
Staatsanwaltschaft. 

7) Die eine juristische Fiktion (Annahme) ist, da in Wahrheit diese "Religionsge- 
sellschaft" in Parteien gespalten ist, zwischen denen nach dem Urteile des 
trefflichen Fuldaer Rabbiners Dr. M. Cahn ("Die religiosen Stromungen", Frankfiirt 
a.M.) ein tieferer Abgrund gdhnt als zwischen den feindlichsten christlichen Partei- 
en und Sekten. 

8) Mehrere solcher staatsanwaltlichen Ausfiihrungen, die mir als Gutachter bekannt 
geworden sind (aus Mitteldeutschland), werde ich an anderer Stelle behandeln. 

9) Diese Zahlen beziehen sich auf die Anmerkungen in Anhang I. 

10) Auf der das auch sonst iiberaus bedenkliche "Kolnidre" fiiBt. Vgl. m. "Rabbi- 
nische Fabeln" (Leipzig 1922, Hammer- Verlag), S. 42-58. 

11) Mehrzahl von Halachah. 

12) Wenn jiidische und christliche Gelehrte "die Mischneh Thorah" schreiben 
(desgl. "der" statt "die Ruach" = der Geist, oder "die Rakia" statt "der Rakia" = die 
Himmelsfeste), so beweisen sie lediglich ihre Ungelahrtheit in den Elementen der 
hebraischen Grammatik. - Der Titel Mischneh Thora stammt aus 5. Mose 17,18. 

13) Ahnlich wird ja auch eine Talmudstelle zitiert. Man nennt nicht den "Seder" 
(Hauptteil), sondem nur den Traktat und dessen Blattzahl; also nicht "Seder Ne- 
sikin, Traktat Abodah sarah, Blatt 21, Riickseite", sondem nur: "Abodah sarah 
21b". 

14) Diese wird weiterhin von Karo, Isserles, Jaffa, Sirkes usw. beibehalten. 

15) Vgl. Ch. Tschemowitz, Die Entstehung des Schulchan aruch, S. 25: "Da es ... 
im Talmud eine feste Halachah uberhaupt nicht gibt, so war es natiirlich, daB da- 
durch den Verschiedenheiten in den Ansichten uberfast alle Bestimmungen, die das 
religiose, rechtliche, eheliche und rituelle Leben der Juden beriihrten, Vorschub 
geleistet wurde. Dieser Ubelstand wurde durch die spateren Codices nur noch ver- 
groBert. Und so kam es mit der Zeit innerhalb der Gemeinden zu 



Meinungsverschiedenheiten, die oft zu den heftigsten Streitigkeiten ftihrten. Wah- 
rend von den einen dem Maimonides (s.o. § 6) der Vorrang eingeraumt wurde, 
hielten andere zu Alfasi oder Ascheri (§ 5a), wieder andere schlossen sich dem Tur 
(§7) oder irgendeiner anderen Autoritat an," 

16) AuBerdem hat Karo, der iibrigens auch Kabbalist war, einen Kommentar zum 
Mischneh Thorah des Maimonides (§ 6) unter dem Titel "Mischneh Keseph" 
("Doppeltes Geld", vgl. 1. Mos.43,12) mit Beiftigung der Quellen des Maimonides 
geschrieben und den M. gegen Abraham ben David verteidigt. 

17) Nachdruckverbote betr. fremder Werke gab es damals so wenig wie noch im 
18. Jahrhundert, wo unsere Klassiker unter den Nachdruckem litten. 

18) Vgl. Tschemowitz (a.a.O., S. 79): "Die Meinung des Schulchan aruch bzw. des 
Isserles war von nun an Gesetz. Wir finden in den verschiedenen Werken der rab- 
binischen Literatur dies ausdriicklich festgestellt. (Folgen Belege.) Die Autoritat 
des Schulchan aruch stieg derartig, daB viele Gemeinden mit jedem neugewahlten 
Rabbiner einen Vertrag schlossen, [der ihn verpflichtete,] sich nach keinem ande- 
ren Codex ah dem Schulchan aruch zu richten. " 

19) Z.B. der Superkommentar "Urim we-tummim" ("Licht und Recht", 2. Mose 
28,30) der in meiner "Kabbalah" (3. Aufl., Leipzig 1923) S. 84 abgebildet ist. 

20) Wenigstens in RuBland und den anderen von "Ostjuden" bewohnten Landem. 

21) Das ware derm wirklich eine "miindliche Geheimlehre"\ Vgl. hieriiber meine 
"Rabbinischen Fabeln" (Leipzig 1922), S. 92ff. 

22) Vgl. die an Material reiche, aber durch eine Unmenge grobster stilistischer 
Mangel und torichter Druckfehler entstellte Schrift von Ch. Tschernowitz, Die Ent- 
stehung des Schulchan aruch (Bom 1915), besonders S. 28-30, 37-99, wo die 
verschiedenartige Aufiiahme des Sch.a. und dessen endgiiltiger Sieg geschildert 
werden. - Von den Gegnem fielen oft harte Worte gegen den Sch.a., bzw. gegen 
seine Methodik: "Den Sch.a. hat Karo ftir Kinder und Laien geschrieben" (a.a.O., 
S. 28). "Wegen Karos Altersschwache sind im Sch.a. viele Ungenauigkeiten" (S. 
28). "Man sagt, er habe die Abfassung des Sch.a. seinen Schiilem iiberlassen" (da- 
selbst). "Seine Worte halten nicht Stich ... narrische Einwande ... ohne Sinn und 
Beweis ... die Halachah nicht tief genug erfaBt ... kein irrender Schiiler wiirde so 
miBverstehen ... dem Talmud zuwider" (S. 42). "1st in den Sinn nicht eingedrun- 
gen" (S. 51). "Seine (Karos) Worte sind ein Stammeln" (S. 80). "Aus Fragmenten 
zusammengestoppelt, haufig obendrein in falscher Weise" (S. 62). "Das Ganze ist 
ohne Sinn ... verfehlte Meinungen" (S. 63). - Seinen endgiiltigen Sieg in der ortho- 
doxen Judenheit verdankt der Schulchan aruch den Rabbinem David Halevi (s.o 
unter b) und Kaz (s.o. unter d), den "zwei Saulen des Schulchan aruch" (S. 79). 



23) Vgl. Graetz, Geschichte der Israeliten, Bd. IX, 2. Aufl. 1877, S. 133: "(Der 
Schulchan aruch) bildet bis aufden heutigen Tag fur die deutschen und polnischen 
Juden und was dazugehort, die religiose Norm, das offizielle Judentum. " Gemeint 
sind die Orthodoxen. 

24) Man zitiert den Schulchan aruch immer nach den Paragraphen und deren et- 
waigen Unterabteilungen, also z.B. "Orach chajjim § 1" (kiirzer: Orach chajjim 1) 
Oder "Jorehdeah 142,10". 

25) Schaubrot-Tisch [4. Mose 4,7], ein Buch, im Lateinischen Tisch der Seele ge- 
nannt, das alle fiir den Menschen (Juden) notwendigen Vorschriften enthalt, 
iibersetzt aus dem Buche des Gaon Joseph Karo." 

26) "Buch von der Regierung der Seele, in dem enthalten ist die Art, wie sich der 
Jude bei alien seinen Handlungen zu verhalten hat, aus dem Hebraischen ins Spani- 
sche iibersetzt von Mose Altaras. Mit Genehmigung der Oberen, im Jahre 1609." 
(Die Ubersetzung hat also die papstliche Zensur passiert.) 

27) Auf dem Titel von Tome 11: "Vice-President du tribunal civil d' Alger. 
28)Lebte 1810-1875. 

29) Geboren 1654 in Mannheim, gestorben 20. Dezember 1704 als Professor in 
Heidelberg. Er hatte in Amsterdam das Judentum und dessen Literatur aufs griind- 
lichste studiert und besaB von dieser mehr Kenntnisse als alle heutigen jiidischen 
und christlichen Gelehrten zusammen. Er bietet fast stets vor seinen zahllosen 
Ubersetzungen den Urtext der oft sehr seltenen von ihm benutzten jiidischen Werke 
und weist nur ganz selten eine nicht ganz einwandfreie Ubersetzung auf Wenn jii- 
dische Schmieranten heute seine zwei dicken Quarthandc als einen 
"Schmah/b//a«fe«" bezeichnen, so wissen sie selbst nicht, wie dumm sie sind. - Be- 
kanntlich wurde die 1. Auflage (1700), nachdem Eisenmenger ein jiidisches 
Angebot von 10 000 Talem ftir Unterlassung des Druckes ausgeschlagen hatte, auf 
Betreiben der Frankfurter Juden vom Kaiser beschlagnahmt (erst 1740 freigege- 
ben), worauf Friedrich 1. von PreuBen 1711 in Konigsberg, wo der Kaiser nichts zu 
sagen hatte, das Buch auf seine Kosten neu drucken lieB und die Auflage Eisen- 
mengers Erben schenkte. 

30) Geboren am 27. Februar 1851 zu Lisdorf, verstorben 1912 als hochangesehener 
Professor am Bischoflichen Priesterseminar zu Trier. Uber ihn und die unerhorten 
Verleumdungen des Toten durch den Weimarer Landesrabbiner Dr. Wiesen und den 
Leipziger Lie. (jetzt: D.) Fiebig vgl. meine Schrift "Rabbi und Diakonus" Leipzig 
1922. 

31) Die hochgestellten Zahlen beziehen sich auf die Anmerkungen in Anhang 1. 



32) Vgl. iiber diesen u.a. meine Schrift "Rabbi und Diakonus". Leipzig 1922, und 
iiber sein Buch "Juden und Nichtjuden" (Leipzig 1921) mein Urteil in der "Theolo- 
gischen Literaturzeitung" 1922, Nr. 3, Sp. 52 (auch Fritsch a.a.O., S. 47). 

33) Das Sammelwerk "Die Lehren des Judentums". Berlin 1922f., 3 Bde., zitiert 
(zumal in Bd. 11 und 111) mehrfach kurze Stellen aus dem Schulchan aruch. 

34) Bekanntlich wird auf diese Weise ein nichtjudisches "Bethaus" (Beth thephil- 
lah) als "Beth thiphlah" (Haus der Torheit) bezeichnet, der Kelch als "Keleph" 
(Hund) usw. 

35) Die eigene Vermutung Hoffinanns, Ganzfried habe erst nach der 2. Auflage 
seines Buches jene intoleranten Satze aus dem Sch.a. nur deshalb hinzugefiigt, um 
sein Buch auch fiir aw^ereuropaische Lander (!) brauchbar zu machen, wo es noch 
"wirkliche" Gotzendiener gebe (Hoffinann, Der Sch.-A., S. 149), erschien ihm 
wohl selbst nicht "kniefest" genug. 

36) Wo benutzen derm die 'Gotzendiener' "andere Lander, wie ... Afrika undAme- 
rika" zu religiosen Zwecken Kelche und Raucherfasser, und was hat derm der 
"praktische" Auszug Ganzfiieds aus dem Sch.a. iiberhaupt mit den Verhaltnissen 
schwarzer oder indianischer 'Heiden' zu tun? 

37) Wer betet derm das Kreuz an auBer den Christen? 

38) Es muB heiBen: "uberhaupt nicht\ " - Und wie kame derm z.B. ein heutiger Jude 
dazu, sich von einem heidnischen Neger oder Indianer in Handelssachen einen Bid 
bei dessen 'Gotzen' schworen zu lassen? 

39) Sehr richtig verweist dieser (S. 72) auf die rituellen Rechtsgutachten ("The- 
schuboth") des neuzeitlichen Jerusalemer Rabbiners Joseph Schwarz (S. 1 14ff.), wo 
entschieden wird, daB nur die Kruzifixe in der Kirche im Vollsirme des Wortes als 
"Gotzenbilder" anzusehen sind, weil sie allein durch Anbetung verehrt werden. 
"Denn dort [im "Hause der Torheit". (Beth thiphlah statt Beth thephillah "Bet- 
haus")] ist der Sitz des eigentlichen Gotzenbildes des Kreuzes" - Dem groBen 
jiidischen Gesetzeslehrer Maimonides "gelten die Christen in jeder Beziehung als 
Gotzendiener" (Marx-Dalman, S. 49), dem Verfasser des Schulchan aruch, Karo, 
wenigstens in verschiedenen Beziehungen (a.a.O., S. 51), und werm Mose von 
Coucy (das. S. 70) in dem den Gotzendienst hohandQlndcn Abschnitt ohne weiteres 
von Kelchen, Wachskerzen und Talaren redet, die beim Gotzendienst gebraucht 
werden, femer von Nital (Weihnachten) und Kessach (Ostem) als den "Hauptfesten 
der Gotzendiener", so meint er damit einzig und allein die Christen] - Vgl. 
B.Fischer (Talmud und Schulchan aruch, S. 6): "Frage heute noch der christliche 
Staatsbiirger Englands seinen Mitbiirger jiidischer Konfession, wer unter dem 
"Akum" [Gotzendiener] des Schulchan aruch gemeint sei, und er wird die Wahrheit 
horen, daB es der Christ sei." - Ganzfrieds Ausrede, daB "die Gojim, unter deren 
Schatten wir uns bergen", ihm nicht als Gotzendiener galten, ist eine angstliche 



AusfJucht und Finte, die schon der Schulchan-aruch-Kommentar "Beer ha-golah" 
und das Pariser Sanhedrin unter Napoleon I. ihm vorgemacht haben, indem z.B. das 
letztgenannte erklarte, daB es die franzosischen Christen fiir keine Heiden halte, 
wahrend es diese Frage hinsichtlich der «/c/z/-iranzosischen Christen offen lieB! 

40) "Die Gotzendiener sind nicht Menschen, sie stehen aufierhalb des Gesetzes. Ihr 
Leben braucht nicht geschont zu werden, ihr Eigentum ist ah herrenlos zu betrach- 
ten" usw., sagt auch Oberrabbiner Fassel, Mos. -Rabbin. Tugend- und Rechtslehre, 
2. Aufl., S. 187. 

41) Dieser Paragraph lautet: "Wer dadurch, daB er offentlich in beschimpfenden 
AuBerungen Gott lastert, ein Argemis gibt, oder wer offentlich eine der christlichen 
Kirchen oder eine andere mit Korporationsrechten innerhalb des Bundesgebietes 
bestehende Religionsgemeinschaft oder ihre Einrichtungen oder Gebrauche be- 
schimpft, ... wird mit Gefangnis bis zu drei Jahren bestraft." - In die genannten 
Religionsgesellschaften ist auch das Judentum seit 1881 reichsgerichtlich einge- 
reiht worden. (Urteil vom 10.3.81 und 3.3.82, vgl. Annalen des Reichsgerichts 
3,55; Entscheidungen des Reichsgerichts in Strafsachen 6,77; Rechtsprechung des 
Deutschen Reichsgerichts in Strafsachen 4,225 - zumeist kurz mit U.,A.,E. und R. 
bezeichnet.) Diese Urteile sind mehrfach ebenso irrtiimlich wie unanfechtbar. Zum 
Begriffe einer Religionsgesellschaft gehort in erster Linie ein konfessionelles Lehr- 
oder Glaubensbekenntnis; ein solches besitzt aber das Judentum grundsatzlich 
nicht; nicht einmal die von Maimonides aufgestellten 13 Glaubenssatze sind allge- 
mein anerkannt worden. Ebensowenig besitzt das deutsche Judentum die nach E. 
5,188 erforderliche "staathche Geschlossenheit und besondere Organisation" , da es 
(mit Ausnahme von vielleicht Baden, wo es ein besonderes Konsistorium hat) in 
verschiedene selbstandige Organisationen (Tempelgemeinden, orthodoxe Gemein- 
den usw.) gespalten ist. - Die Rechtsprechung des Reichsgerichts in Sachen des § 
166 StGB. ist iibrigens zum Teil kasuistisch und widerspruchsvoll, daB ein alter 
Talmudist seine helle Freude daran haben konnte. Sie wird fiir manchen ehrlichen, 
aber unvorsichtigen Menschen dadurch besonders verhdngnisvoll, dafi § 166 StGB. 
ledighch Gefdngnisstrafe kennt. 

42) Urteil (U.) vom 4.2.95 (E. 26,435). 

43) In meiner mehrfachen Tatigkeit als gerichtlicher Sachverstandiger lemte ich 
unter anderem auch folgenden Versuch eines (vom "Centralverein deutscher 
Staatsbiirger jiidischen Glaubens" mit Flugblattem usw. bereicherten) anscheinend 
noch recht jungen, iibereifrigen Staatsanwalts kennen, einen allzu herben Beurteiler 
des Schulchan aruch und des Talmud durch folgende talmudische Sommerlogik zur 
Strecke zu bringen: Der Schulchan aruch fiiBt auf dem Talmud, der Talmud auf 
dem Alten Testamente, das Judentum auch auf dem Alten Testamente; folglich ist 
eine "Beschimpfung" des Schulchan aruch auch eine solche der mit Korporations- 
rechten innerhalb des Bundesgebietes bestehende jiidische Religionsgesellschaft, 
mithin nach § 166 StGB. zu bestrafen! - Leider gelangte meines Wissens dieses 



Geisteserzeugnis nicht zu reichsgerichtlicher Wiirdigung. Ich rette es daher an die- 
ser Stelle fiir die Nachwelt. 

44) Wenn Hoffinann behauptet, selbst dieser um die Kommentare "erweiterte 
Schulchan aruch" reiche noch nicht aus, sondem "der Rabbiner sei in vielen Fallen 
auf die mundliche Unterweisung (Schimmusch) seiner Lehrer angewiesen, welche 
ihm bei den zahlreichen Meinungsverschiedenheiten die fiir die Praxis giiltige An- 
sicht mitteilen", so bringt er neben dem kontrollierbaren schriftlichen Schulchan 
aruch eine unkontrollierbare mundliche "Unterweisung" auf und darf sich nicht 
wundem, wenn seine Behauptung als Beweis fiir den Verdacht einer miindlichen 
rabbinischen Geheimlehre benutzt worden ist. - Sehr richtig sagt Marx-Dalman 
(Jiidisches Fremdenrecht, Karlsruhe und Leipzig 1886, S. 75): "daB der Willkiir der 
rechtsprechenden Rabbinen eine weite Bahn geoffiiet ist, sobald man einmal aufge- 
hort hat, den Schulchan aruch in seiner geschichtlichen Form fur mafigebend zu 
halten. Mit Hilfe der zum Teil sich widersprechenden Kommentare lassen sich sehr 
verschiedene Rechtscodices fi)miulieren. Kein einziger [dieser Privat-Schulchan- 
aruche] darf fiir die Formulierung allgemeine Anerkennung fordem." (Vgl. oben s. 
FuBnotenkennzeichnung 21) 

45) Wenn Fiebig (Das Judentum, Tubingen 1914, S. 8) sagt, die "jiidische Konfir- 
mation" (Bar-Mizwah-Feier) habe erst Philippson eingerichtet, so ist das eine seiner 
ofteren Zweideutigkeiten. Aus Leopold Low (Die Lebensalter, 1875, S. 210ff ) hat- 
te er wissen miissen, daB die Bar-Mizwah-ZM^yftYw/zoM schon im 14. Jahrhundert 
aufkam und im 16. Jahrhundert ihre Hohe erreichte, und daB die der protestanti- 
schen nachgemachte jiidische "Konfirmation" schon lange vor Philippson (schon 
1810) eingefiihrt wurde (a.a.O., S. 412, Anm. 100). - Aber Fiebig kennt ja auch (S. 
8) nicht einmal das Breslauer und Berliner Rabbinerseminar! 

46) Marx schreibt: "Betrachten wir den wirklichen, weltlichen Juden, nicht den 
Sabbathjuden! ... Suchen wir das Geheimnis des Juden nicht in seiner Religion, 
sondern das Geheimnis [dieser] Religion im wirklichen Juden] Welches ist der 
weltliche Grund des Judentums? Das praktische Bedurfnis, der Eigennutz Welches 
ist der weltliche Kultus des Juden? Der Schacherl Welches ist sein weltlicher Gott? 
Das Geld\ ... Der Jude hat sich auf jiidische Weise emanzipiert, nicht nur, indem er 
sich die Geldmacht angeeignet hat, sondem indem durch ihn ... das Geld zur Welt- 
macht und der praktische Judengeist zum Geist der christlichen Volker geworden 
ist. Die Juden haben sich insoweit emanzipiert, als die Christen zu Juden geworden 
sind. ... Das Geld ist der eifrige Gott Israels, vor welchem kein anderer Gott beste- 
hen darf. Der Gott der Juden ist zum Weltgott geworden; der Wechsel [aber] ist der 
wirkliche Gott der Juden." Karl Marx, der sozialistische Prophet (1813-83) war der 
Sohn eines Trierer jiidischen Rechtsanwalts, "der sich seine Karriere wegen mit 
seiner ganzen Familie taufen lieB". [S.M. Dubnow, Die neueste Geschichte d. jiid. 
Volkes 11, 3 (Berlin 1920), S. 115 und 113.] 



47) In der Leipziger jiidischen Religionsschule wird auch der "Kizzur Schulchan 
aruch" gebraucht, der doch nach dem Urteile des Oberrats der badischen Israeliten 

"ah Schulbuch nicht geeignet isf (s.o. Vierter Hauptteil, A)! 

48) Diese "Vereinigung" zahlte nach Seligmann (Geschichte der jiidischen Re- 
formbewegung, S. 155) 1914 rund 8000 MitgHeder, von den mnd 500 000 Juden 
Deutschlands nur ein geringer Bruchteil, weshalb sich S. noch "Hunderttausende" 
hinzudenkt, die nach seiner Meinung schon damals "auf gleichem religiosem Bo- 
den standen." (S. ist auch Redakteur der Monatsschrift "Liberales Judentum".) 
Ganz so bedeutungslos, wie er es hinstellt (s.o.), scheint doch das orthodoxe Juden- 
tum heute noch nicht zu sein., da es sogar iiber drei Rabbinerverbande und eine 
Laienvereinigung verfiigt, wie S. selbst (a.a.O., S. 154) berichtet! - Wenn "die Ver- 
einigung der liberalen Rabbiner Deutschlands mit aller Entschiedenheit fiir die 
religiose Einheit des Judentums eintritt" und deshalb (??) die Behauptung einer 
konfessionellen Verschiedenheit innerhalb des Judentums als unwahr zuriickweist" 
(a.a.O., S. 162f.), so niitzt ihr solche "Zuriickweisung" blutwenig gegeniiber der 
von dem Fuldaer Provinzialrabbiner Dr. M. Cahn (Die religiose Stromungen, 
Frankfurt a.M. 1912) festgenagelten Tatsache, "daB innerhalb des Christentums 
sich nirgends zwei noch so disparate Bekenntnisse linden lassen, die prinzipiell 
dermafien auseinanderklaffen wie das Reformjudentum und das wirkliche, iiberlie- 
ferte Judentum" /Cahn, S. 173), und daB dem "wirklichen, geschichtlichen" 
Judentum das liberale Judentum schroff gegeniiberstehe als ein Bastard, bestehend 
ausfremden Anschauungen mit judischen Marken" (S. 329). 

49) Nach gesetzestreuer jiidischer Lehre gehoren zur Vollziehung einer gottes- 
dienstlichen Handlung mindestens zehn erwachsene Juden (Pirke aboth 111 7); 
dagegen heiBt es "Richtlinien" XI 8 (Seligmann S. 161): "Die Abhaltung des Got- 
tesdienstes ist Zunf abhangig von der Zahl der Betenden." (Im Evangelium Matthai 
18,20 heiBt es: "Wo zwei oder drei versammelt sind in meinem Namen, da bin ich 
mitten unter ihnen.") - Der "Jugendgottesdienst" ("Richtlinien" XI 9) ist eine Nach- 
ahmung der entsprechenden christlichen Einrichtung, ebenso sind es die 
"Jugendvereine" Schulentlassener ("Richtlinien" XI 11; S. 162) und der Konfir- 
mantenunterricht nebst der "Einsegnung" (Konfirmation) von Knaben und 
Madchen - alles dem talmudischen und rabbinischen Geiste und Brauche Stracks 
zuwiderlaufend. Da femer ("Richtlinien" XI 15) der Frau "wie an den religiosen 
Pflichten, so auch an den religiosen Rechten der voile Anteil eingeraumt werden" 
soil (was im altglaubigen Judentume gemaB dem gesamten Rabbinismus nicht der 
Fall ist), so wird kiinftig wohl die alteste der Tochter (wenn kein Sohn da ist) in der 
Synagoge am "Jahreszeittage" des Vaters (und der Mutter?) "Kaddisch zu sagen" 
und zu "schnodem" ("fromme Spenden" zu machen) haben laut "Richtlinien" IX 3d 
(S. 160), bald vielleicht auch "in einer den Bediirfiiissen der Gegenwart entspre- 
chenden Weise" jiidische Theologie studieren, selbst Frl. oder Frau Rabbiner Dr. so 
und so werden, nicht nur als "Rebb(e)zin" (Rabbinerfrau), und gewiB ebenso schon 
predigen wie die liberalen Herren Rabbiner. - Unklar bleibt ("Richtlinien" IX 3a), 
ob die zum Judentum iibertretenden Andersglaubigen sich der Beschneidung unter- 
ziehen miissen. - Beschnitten worden sind die gesetzestreue Sabbathfeier, der 



synagogale Sabbaths- und Festtagsgottesdienst, die hebraischen und deutschen Ge- 
bete usw. - Ob auBer der (antirabbinischen) Orgel- oder Harmoniumbegleitung des 
"einstimmigen Gemeindegesanges" ("Richtlinien" XI 5) die liberalen Synagogen 
alsbald auch noch durch Glockenturme usw. geziert werden sollen, ist in den 
"Richtlinien" nicht gesagt. Abgesehen von der Beschneidung (die "eine geheiHgte 
Institution bleiben" soil: XI 3a) sind sich ja die extremen jiidischen und christlichen 
Modemisten innerlich so ahnlich wie ein Kuckuksei dem anderen. 

50) Es ist daher zumeist abwegig, wenn unvorsichtige Schriftsteller (zumal Redak- 
teure), Redner usw. - die anscheinend etwaiger Arbeitslosigkeit der 
"Rechtsabteilung" des "Centralvereins" vorbeugen wollen oder ein iibergroBes Ver- 
langen nach Gefangniskost haben - schreiben oder sagen, diese oder jene Straftaten 
eines Juden seien ihm "im Talmud (Schulchan aruch) befohlen" oder "vorgeschrie- 
ben". - Es lieBe sich in ganz besonderen Fallen hochstens sagen: "Die Tat des 
Angeschuldigten sieht fast so aus, als hatten ihm dabei halb oder ganz unbewufit 
diese oder jene Ansichten des Talmud (oder Entscheidungen des Schulchan aruch) 
vorgeschwebt" - oder: "die Tat weist einen seltsamen Anklang an die oder jene An- 
sicht oder Erzdhlung im Talmud (oder Schulchan aruch) auf" 
Rassenpsychologen wiirden solches dunkle Weiterhandeln nach altvaterlichen 
Normen auf rassenmaBige oder Blutsvererbung zuriickfiihren. Ahnlich erklarte im 
"Berliner Borsen-Courier" vom 5. Juli 1913 derjiidische Schriftsteller ^awt/er, sein 
dort gefalltes literarisches Urteil iiber die Kabbalah sei "durchaus keinerlei spezifi- 
sches Wissen kontrolliert", sondem beschranke sich lediglich "auf simples 
Blutverstdndnis" . 

51) Einst (zumal unter Ph. selbst) eine sehr beachtliche Zeitschrift, spater vielfach 
ungeschickt redigiert und heute - lediglich ein Untertitel der "C.-V.-Zeitung" des 
"Centralvereins deutscher Staatsbiirger jiidischen Glaubens". Habent sua fata gazet- 
tae! 

52) Ein katholischer Geistlicher sagte einmal: "Mag sich mancher auf der Bierbank 
oder seinem (zumal andersglaubigen) Madel gegeniiber noch so sehr auf den Frei- 
geist hinausspielen: zur osterlichen Zeit kommt er doch brav zum Beichtstuhl und 
zur Kommunion, und - die Sterbesakramente begehrt er fiir sich und die Seinen erst 
recht. Das christliche Herz ist starker als der lose Mund." - Ahnliches gilt auch ftir 
die "freigeistigen" Juden, Protestanten und - "Atheisten". 

53) 1. Mose 22,1-19; 2. Mose 16,11-36; 20,1-17 (5. Mose 5,6-18); 3. Mose 6,1-6, 
7-11; 3. Mose 7,11-15; 3. Mose 6,17-23; 7,1-10. 

54) Aus Talmud, Berachoth 12a. Als Grund wird daselbst angegeben: weil sonst 
die "Ketzer" durch solches offentliche alleinige Hersagen der Zehn Gebote ihre 
Behauptung begriinden konnten, die Zehn Gebote seien wichtiger als jene Opferge- 
bote, wahrend nach talmudischer Anschauung alle Gebote des Alten Testaments 
gleich wichtig sind. 



55) Weil das Hersagen das nicht mehr mogliche wirkliche Opfem vertritt (vgl. 
sogleich Nr. 7), jene Opfer aber einst nur am Tage dargebracht wurden. 

56+) Man pflegte (wie bei uns noch zu Luthers Zeit) im Bette nackt zu schlafen, 
indem das Hemd im Bette oder auf der Decke lag. 

57) Die Formel lautet vollstandig: "Seid geehrt, Verehrte!" [Gemeint sind die 
Schutzengel.] "Hiitet mich, hiitet mich, unterstiitzt mich, unterstiitzt mich, steht mir 
bei, steht mir bei, wartet meiner, wartet meiner, wahrend ich hineingehe, bis ich 
wieder herauskomme; demi das [Bediirfiiis] ist ja etwas Menschliches." 

58) Dies sagt Karo im Beth Joseph (s.o. § 8). zu dieser Stelle selbst, nimmt aber 
dennoch diese alte talmudische Vorschrift [Berachoth 60b] vorsichtshalber in den 
Sch.a. auf, weil sie irgendwo doch noch befolgt werden konnte. 

59) Von den Frauen heiBt es (noch heute zutreffend) im Talmudtraktate Gittin 45a: 
"Wenn die Weiber etwas (Geheimes) miteinander zu reden haben, besorgen sie das 
auf dem Abtritte." 

60) Es handelt sich um kein Waschen der Hande in unserem Sinne, auch um kein 
Untertauchen der Hande, sondem um ein UbergieBen der Hande mit Wasser als 
Sinnbild ritueller Reinigung. 

61) Ein eBbarer (und zu essen erlaubter) Gegenstand kann erst als unrein wirken, 
wenn er von einer der 7 Fliissigkeiten befeuchtet worden ist (und angefaBt wird) 
(Talmud, Mischnah Machschirin VI, 4). Deshalb muB man selbst vor dem Genusse 
von Gemiise oder Friichten die Hande mit Wasser benetzen, wenn die Gemiise oder 
Friichte in eine der 7 Fliissigkeiten eingetaucht sind, weil die (vor dem Benetzen als 
unrein geltenden) Hande sonst die Speisen verboten machen wurden. 

62) Erlaubter BlutgenuB im Schulchan aruch! Karo, der Verfasser des Schul- 
chan aruch, scheint nichts an der Sache zu finden, und sein Erlauterer Isserles 
(ebenfalls im Reformationszeitalter) wendet keine "Hagah" an die auffallende Vor- 
schrift! Erst der Verfasser des Kommentars "Magen Abraham" (s.o. § 11,5), der 
1682 starb, sagt, Blut als derartige Kost sei nur einem gefahrlich Erkrankten er- 
laubt, dem sein Arzt den Blutgenufi verschrieben habe! - Der sonst so 
gewissenhafte selige Strack, der in seinem bekannten buche "Das Blut" (Miinchen, 
Beck) selbst die entlegensten Kleinigkeiten zur "Blutfrage" gesammelt hat, ist an 
dieser Stelle voriibergegangen; gewisse sogenannte "Sachverstandige" jiidischen 
oder nichtjiidischen Gebliits beschworen sogar mit beneidenswerter Unbeschwert- 
heit heute noch, daB "das jiidische Religionsgesetz Jeden BlutgenuB absolut 
verbiete", worauf oft wieder einmal § 166 StGB. falschliche Anwendung findet. - 
Die Wahrheit ist folgende: Das Alte Testament (3. Mose 17,10ff , vgl. 3,17; 7,26f ; 
19,26; 5. Mose 12,16 und 23 sowie 1. Sam. 14,22ff) und auch die Apostelge- 
schichte (15,29) verbieten lediglich den GenuB des Blutes von Vieh und Vogeln (in 
erster Linie von solchen, die zu Opfem dienen; nach 3. Mose 17,1 Off. mit der Be- 



griindung, daB das Blut allein fur den Herm [J.h.w.h] als Siihnemittel bestimmt und 
darzubringen sei); anderen BlutgenuB beriicksichtigt das A.T. ebensowenig, wie es 
z.B. den Geschlechtsverkehr des Vaters mit der leiblichen Tochter verbietet (der 
[vgl. "Das Blut", S. 87ff.] Baba kamma 38b und Nasir 23a als Erfiillung einer reli- 
giosen Pflicht gedeutet wird)! Ubrigens bedroht das A.T. den verbotenen 
BlutgenuB nicht mit gerichtlicher, sondem mit gottlicher Strafe ("Ausrottung", d.h. 
vorzeitigem Sterben). - Maimonides (s.o. § 6) sagt in seinem Werke "Jad chasakah" 
im Abschnitte Maachaloth asuroth (Verbotene Speisen) VI, If.: "Wer so viel Blut 
wie eine Olive absichtlich iBt, hat Ausrottung verwirkt; wenn absichtlich, ist er ein 
Siindopfer schuldig. Die Verschuldung findet aber nur statt bei Blut von zahmen 
oder wilden Tieren und Vogeln, seien sie rein oder unrein. Hingegen beim (Genus- 
se von) Blut von Fischen, Heuschrecken, Reptilien und Amphibien sowie 
Menschenblut findet keine Verschuldung statt [weil alles dieses Blut von der Bibel 
nicht erwahnt wird]. Daher ist es geradezu erlaubt, Blut von reinen Fischen zu es- 
sen und auch, wenn man es in ein GefaB gesammelt hat, zu trinken. Das Blut 
unreiner Fische und Heuschrecken ist gleich der Milch unreinen Viehs nur deshalb 
verboten weil es einen Bestandteil ihres (unreinen) Leibes bildet; aus demselben 
Grunde ist Blut und Fleisch der Reptilien verboten. - 2. Menschenblut ist [biblisch 
nicht erwahnt und nur] rabbinisch verboten, wenn es vom Korper getrennt ist; wer 
dem zuwiderhandelt, wird [nur] gepriigelt. Blut aus dem Zahnfleische darf man 
herunterschlucken [weil es im Munde noch nicht "vom Korper getrennt" ist]. Hat 
man aber in Brot gebissen und findet auf ihm Blut (vom Zahnfleische), so kratzt 
man das Blut ab, weil dieses jetzt vom Korper getrennt ist, und iBt dann erst das 
Brot." Etwas abweichend sagt der Schulchan aruch, (Teil) Joreh deah 66,1: "Das 
Blut der zahmen und wilden Tiere sowie der Vogel ist verboten, seien sie rein oder 
unrein"; desgl. § 9: "Das Blut der Fische ist [weil das A.T. es nicht verbietet] an 
sich erlaubt, darf aber, in einem GefaBe gesammelt, nicht genossen werden, wenn 
es fiir anderes [z.B. biblisch verbotenes Tier-]Blut gehalten werden kann; dagegen 
ist sein GenuB erlaubt, wenn es als Fischblut erkennbar ist, z.B. wenn Schuppen 
darin sind"; desgl. § 10 [im unzensierten Texte]: "Menschenblut, wenn vom Korper 
getrennt, ist wegen des Aussehens verboten [weil man es fiir biblisches Tierblut 
halten konnte]. Daher muB der, welcher Brot iBt, das etwa aus dem Zahnfleische 
darauf gekommene Blut erst abkratzen; ist aber das Blut noch zwischen den Zah- 
nen, darf man es herunterschlucken. " - Wenn der (zu Anfang dieser Anmerkung) 
vom Magen Abraham erwahnte Arzt sich nach den vorgenannten Ritualvorschrif- 
ten gerichtet hat, durfte er dem Kranken also eigentlich nur Blut eines reinen 
Fisches "als Zukost" verordnen. (Vgl. meine Schrift: "Das Blut in jiidischem 
Schrifttum und Branch", Leipzig 1929.) 

63) und nach Orach chajjim § 164 auch nochmals den Segensspruch dazu sprechen. 

64) In der ersten (unzensierten) Ausgabe des Schulchan aruch (Venedig 1564, 
desgl. in der von 1567) steht noch: "so ist dies ein torichter Branch". - Isserles, der 
dem durchaus widerspricht, hat in seiner Schulchan-aruch- Ausgabe (s.o. § 10) die- 
se Worte weggelassen. Vgl. iiber die ganze Sache die treffliche Doktorschrift von 
(dem Bonner Oberrabbiner und Professor) Isidor Scheftelowitz: "Das stellvertreten- 



de Huhnopfer" (GieBen 1914), der S. 33ff. bezeugt, daB dieses Huhnopfer vor dem 
Versohnungstage noch heute judischer Brauch ist. 

65) Im Gegensatze zu der in der vorigen Anmerkung erwahnten, wegwerfenden 
Bemerkung Karos im Schulchan aruch sagt seine sonstige Quelle Tur Orach 
chajjim § 605 "iiber diesen (Anfang des 14. Jahrh.) noch nicht in alien Landem 
eingebiirgerten Brauch" (Scheftelowitz S. 32): "Es gibt Gegenden, wo man Hiihner 
am Vorabende des Versohnungsfestes zur Siihne schlachtet. Der Hahn dient des- 
halb als eine vorziigliche Stellvertretung [fiir ein menschliches Opfer], weil sein 
hebraischer Name geber auch 'Mann' bedeutet und somit die Stellvertretung geber 
{Hahn) fiir geber (Mann) dufierst wirksam ist. Der Gemeindevorbeter pflegt dort 
den Hahn zu nehmen und seine Hand auf das Haupt des zu entsiihnenden zu legen, 
alsdann den Hahn auf dessen Haupt, und zu sagen: 'Dieser an dieses Stelle, dieser 
als Stellvertretung fiir diesen, dieser sei preisgegeben fiir diesen. [Es fi)lgt noch ei- 
ne lange Litanei.] Seele um Seele.' Dies sagt er dreimal, legt dann seine Hand auf 
des Hahnes Kopf, stiitzt sich darauf und schlachtet sogleich den Hahn. Man pflegt 
das (geschlachtete) Tier den Armen zu geben als Siihne fiir die Seele des zu ent- 
siihnenden. Die Eingeweide pflegt man auf das Dach zu werfen, damit die Vogel 
sie fi^essen." - Im Rheinland pflegte man statt des Siindenhahnes den Armen dessen 
Geldwert zu geben. - Rabbi Mordechai (13. Jahrh. Niimberg) beschreibt den 
Brauch etwas anders: "Alle Rabbinen und Familien pflegen hierbei fiir mannliche 
Personen Hahne, fiir weibliche Hiihner zu nehmen und sie lebend um den Kopf je- 
des Familiengliedes zu wirbeln und dabei zu sagen: 'Dieser statt N.N. und als 
Stellvertreter fiir N.N.; N.N. gehe zum Leben und das Huhn in den Tod.' Dann 
schlachtete man diese Tiere und gibt sie als Siihne liiir uns an die Armen, Witwen 
und Waisen. ... Es gibt Reiche, die dabei zugleich Widder, Schafe und Ziegen 
schlachten und sie an die Armen verteilen." - Scheftelowitz sagt (a.a.O., S. 32) iiber 
den Sinn des Branches; "Nach dem jiidischen Glauben wird am Versohnungsfeste 
das Geschick der Menschen liiir das kommende Jahr besiegelt. Der siindhafte 
Mensch verdient ... schwere gottliche Strafen, vielleicht den Tod. Daher nimmt der 
Jude am Tage, an dem das Versohnungsfest [abends gegen 6 Uhr beginnt, ein 
Huhn, das die Stellvertretung fm ihn sein soil; es soil statt seiner in den Tod ge- 
hen.... Man schwingt das Tier [Hahn oder Henne] dreimal um den Kopf usw. 
"dieser allgemein verbreitete Brauch hat den Namen Kappores" [Siihne]. 

66) Scheftelowitz (a.a.O., S. 32): "In der Bukowina nimmt eine Schwangere Jiidin 
beim 'Kappores' [s. vorige Anmerkung] eine Henne [iniir sich] und ein Ei in die 
Hand. Das Ei ist Iniir das unter ihrem Herzen befindliche Kind, von dem man nicht 
weiB, welchem Geschlechte es angehoren wird, geradeso wie man nicht weiB, wel- 
ches Geschlecht das aus dem Ei zu erbriitende Kiichlein haben wird. Vgl. Hovorka 
und A. Kronfeld, Vergleichende Volksmedizin 1908 (!), 1 339." - Also ein Gegen- 
wartsbrauch, wie mir auch sonst jiidischerseits bestatigt wird. 

67) Der also schon im Mutterleibe durch den Hahn entsiihnt werden soil; das et- 
waige kiinftige Madchen wird durch die Siihnehenne der Mutter mit entsiihnt. 



68) Der Kommentar Baer heteb (vgl. vom § 11,4 dieser Schrift) sagt: "Man soil 
nicht ausdriicklich auf weifie Hiihner Gewicht legen, weil dies einem heidnischen 
Brauche ahnlich sehen wiirde." - WeiBe Opfertiere kommen in Alten Testamente 
nicht vor; dagegen wurden solche in den heidnischen Kulten gem den Lichtgottem 
dargebracht. Deshalb verbietet die Mischnah 1 5 des Talmudtraktats "Abodah sa- 
rah" ("Gotzendienst") den Verkauf weiBer Hiihner an Nichtjuden (weil diese sie 
ihren Gotzen op fern konnten), die Gemara (13b) aber verbietet einen solchen Ver- 
kauf nur, wenn der Nichtjude ausdriicUich nach einem weiBen Huhne fragt; 
verkauft der Jude ihm aber ein solches zufdllig nebst anderen Hiihnem, dann ist der 
Verkauf erlaubt. 

69+) 3. Mose 1,4: "(Der Opfemde) lege seine //a«t/auf des Brandopfers Haupt, so 
wird es (Gott) angenehm sein und (den Opfemden mit Gott) versohnen"; 4. Mose 
3,21: "Ahron soil seine Hande auf des Sundenbocks Haupt legen", Talmudtraktat 
"Joma" ("Versohnungstag") 111 8, IV 4, VI 2 (Handauflegen des Hohenpriesters auf 
den Siihnestier und den Siihnebock). - DaB das obige Huhnopfer noch in den heute 
benutzten Judischen Gebetbuchern vorkommt, bezeugt A. Berliner in seinem Wer- 
ke "Randbemerkungen zum taglichen Gebetbuche" 1909 (!), S. 39: "Auch das 
'Kapporoh-Umschlagen', welches noch immer im Gebetbuch figuriert {\)mufite 
endlich wegfallen. Der erste, der dieses getan hat, ist Dr. M. Sachs in seinem Ge- 
betbuche" [das aber von den strengglaubigen Juden nicht anerkannt wird]. - 
Obwohl schon Rabbi Mose ben Nachman in Frankreich und Rabbi Salomo ben 
Adereth in Barcelona (beide 13. Jahrh.) sowie im 16. Jahrh. Joseph Karo (s.o FuB- 
notenkennzeichnung 69) das Versohnungstags-Huhnopfer als heidnisch verwarfen, 
hat es sich also bis heute erhalten, gestiitzt auf die groBe Autoritat des Gaon Hai 
(um 1000 n.Chr.), des Rabbi Mordechai (13. Jahrh.), des Rabbi Jakob ben Ascher 
(14. Jahrh.) usw. - demnach bereits rund 1000 Jahre\ - Das heutige Reformjuden- 
tum iibt jenes Huhnopfer natiirlich nicht mehr, wohl aber die seit der russischen 
Nachkriegs-Judeneinwanderung ungemein verstarken Schulchan-aruch-Juden. Sie 
diirfen sich nicht wundem, wenn Laien im Hinblick auf dieses noch heute geiibte 
blutige Opfer-Ritual folgendermaBen schlieBen: Wenn 1. statt des eigentlichen 
Versohnungsfeste hinzuopfemden Juden ein Hahn eine "auBerst wirksame Stellver- 
tretung" ist (vgl. viertletzte Anmerkung: geber - geber); wenn 2. nach der 
vielberufenen Mitteilung des Antonius Margarita, Sohnes des obersten Rabbi von 
Regensburg ("Der gantz Jiidisch glaub" 1530, S. 35), "man ain affen zu solchem 
nemen soil, dann [denn] der selb sehe ainem Menschen am aller geleychesten\; 
wenn 3. nach rabbinischen Stellen die Nichtjuden zwar keine Vollmenschen wie 
die Juden sind, sondem dem Vieh gleichen (Baba bathra 114b) und Parallelstellen) 
und sich trotz menschlichen Anscheins zu den judischen Vollmenschen nur wie 
Affen verhalten (Schene luchoth ha-berith 250b, Amsterdam 1653) - ware da nicht 
ein Nichtjude die "allerwirksamste" Stellvertretung? (Vgl. "Das Blut", S. 37f.!) 

70) Die Ubersetzungen und Erlauterungen dieser groBtenteils in der Polemik iiber 
den Schulchan aruch behandelten Stellen (die wichtigsten sind mit 1-3 + bezeich- 
net) berichtigten des "Justus" Buch "Judenspiegel", Eckers "Judenspiegel im Lichte 
der Wahrheit", Hoffinanns "Schulchan- Aruch" und Fiebigs Meinungen. 



71) Bei einer jiidischen gottesdienstlichen Handlung miissen zehn volljahrige Ju- 
den, ein sogenannter "Minjan", zugegen sein (Pirke aboth III 7). 

72) Zwei jiidische Gebete, iibersetzt z.B. in. Fiebig, "Das Judentum", Tubingen 
1916, S. 37-42. DaB das Kaddisch (geschweige die Keduschah) "zur Zeit Jesu 
wahrscheinlich schon vorhanden gewesen" sei, ist Fiebigs Irrtum, da das Kaddisch 
(oder vielmehr ein Teil davon), wie F. selbst zugeben muB, erst um 150 nach Chri- 
stus erstmalig erwahnt wird. Das Vaterunser, das F., der christliche Pfarrer und 
theologische Privatdozent, zur hoheren Ehre des Judentums gewohnheitsmaBig als 
Plagiat jiidischer Gebetsformeln in den Staub zu ziehen sucht, ist natiirlich alter 
und in seiner edlen Schlichtheit unendlich erhabener. Vgl. mein "Jesus und die 
Rabbinen" (Leipzig, Hinrichs 1095), S. 73ff., besonders 76. 

73) Durch Ausfiihrung sonst am Sabbath dem Juden verbotener Handlungen. 

74) Auch wenn die Entfemung groBer ist, als die am S. erlaubten rund 2000 Schrit- 
te. 

75) Bei plotzlicher Entbindung, damit die Hebamme besser sehen kann. Sonst ist 
bekanntlich das Lichtanziinden am Sabbath dem Juden verboten, so daB ganz 
strengglaubige Ostjuden am Sabbath nicht einmal auf eine elektrische Klingel zu 
driicken wagen, weil da beim Kontakt ein winziger Funke hervorgerufen wird! - 
Sabbathspeisen miissen schon am Freitage gekocht sein und werden bis zum Sab- 
bath nur warm gehalten; dadurch wurden die Juden die Erfinder der ersten 
"Kochkisten". - Mit samtlichen den Juden am Sabbath verbotenen Arbeiten darf 
bekanntlich ein Nichtjude ("Schabbes-Goi") oder eine Nichtjiidin ("Schabbes- 
Goite") beauftragt werden. 

76+) Die Bestimmungen sind dem Talmud entnommen. 1. Mischnah Schabbath 
XVlll 3 (= Blatt 128b): "Man darf einem Haustiere am Festtage keine [voile] Ge- 
burtshilfe, wohl aber Beihilfe leisten. Man darf einer [jiidischen] Frau am Sabbath 
Geburtshilfe leisten, auch eine Hebamme fiir sie von einem Orte zum anderen [be- 
hufs der Entbindung] rufen und fiir sie [die Gebarende] den Sabbath [auch sonst] 
entweihen und [z.B.] die Nabelschnur unterbinden; Rabbi Jose sagt: auch {die ] 
durchschneiden." - [Gemara] 128b: "Wie geschieht die Beihilfe [beim trachtigen 
Haustiere]? ... Man erfaBt die [austretende] Frucht, so daB die Frucht herauskommt 
[usw.] Man darf einer [jiidischen] Frau Geburtshilfe am Sabbath leisten. ... Hat sie 
Licht notig, so ziindet eine Freundin ihr ein Licht an; hat sie 01 notig, so bringt es 
ihr eine Freundin in der Hand" [usw.]. - 2. Mischnah Abodah sarah 11 1 (= 26a): 
"Eine Jiidin darf einer Nichtjiidin [iiberhaupt] keine Geburtshilfe leisten, wenn an- 
dere [jiidische Frauen] dabei sind, nicht aber, wenn beide [Jiidin und Nichtjiidin] 
allein miteinander sind. ... Rab Joseph wollte sagen, daB man selbst am Sabbath, 
aber gegen Bezahlung, einer Nichtjiidin Geburtshilfe leiste, weil [sonst] Feindschaft 
[gegen die Juden] entstehen konne. Abaje erwiderte ihm: Man kann [die Geburts- 
hilfe] verweigem und sagen: Fiir unsere Frauen, die den Sabbath beachten, diirfen 
wir den Sabbath entweihen: fiir eure Frauen aber, die den Sabbath nicht beachten. 



diirfen wir den Sabbath nicht entweihen." - Gegeniiber dem humaneren Standpunk- 
te wenigstens einiger Talmudisten, der dem Haustiere gegeniiber eine 
GeburtsZ)e/hilfe, der Nichtjiidin gegeniiber bezahlte Geburtshilfe selbst am Sabbath 
erlauben will, verbietet der Schulchan aruch inhuman beides am Sabbath und stellt 
insofem [indirekt die Nichtjiidin dem weiblichen Hausvieh gleich. - Orach chajjim 
512,1-3 ist davon die Rede, daB der Jude an einem seiner Festtage einen Nichtjuden 
nicht zu sich einladen und etwa deswegen mehr kochen soil. ... Dagegen diirfe man 
fiir seine eigenen Hunde am Festtage im eigenen Topfe etwas mehr kochen und 
ihnen zu fressen geben, selbst wenn man fiir sie etwas anderes habe, was man ihnen 
schlieBlich hatte geben konnen. Die Vorschrift ist entnommen aus dem Talmud 
(Bezah 21b), wo auch der Grund angegeben ist: Die Emahrung seiner Hunde liegt 
dem Juden ob, die Speisung des Nichtjuden aber nicht. - Eine Minderbewertung 
des Nichtjuden liegt darin nicht. Derm nach Isserles (zu O.ch. 512,1) darf der Jude 
einem Nichtjuden in dessen Haus etwas von der Festspeise schicken, ebenso den 
Knecht oder die Magd des Nichtjuden, die solche Speise bei dem Juden abholen 
sollen, oder einen zufdllig vorsprechenden Nichtjuden mit sich [dem Juden in des- 
sen Hause] essen lassen. Der Verfasser des "Judenspiegels" hat (in "Gesetz" 15) 
den Sachverhalt unrichtig wiedergegeben. - Ebenso in "Gesetz" 16 (Orach chajjim 
539,13). In Wahrheit erlaubt hier der Schulchan aruch, daB der Jude einem Nicht- 
juden, der bei ihm zu leihen pflege, an einem jiidischen Halbfeiertage Geld gegen 
Zinsen leihe, weil sonst der nichtjiidische Kunde ihm verloren gehen konne; selbst 
einem Nichtjuden, der sonst nicht bei ihm leiht, darf der Jude am Halbfeiertage lei- 
hen, wenn er die (vorauszahlbaren) Zinsen des Nichtjuden fiir die erste Woche dazu 
verwendet, sich eine Festlreude zu machen. - "Gesetz" 17 (Orach chajjim 576,3: 
"Wenn eine Pest unter den Schweinen herrscht, soil man sich vor Gott [durch Fa- 
sten usw.] demiitigen, weil der innere Bau der Schweine dem menschlichen ahnlich 
ist; noch mehr soil man sich demiitigen, wenn eine Pest unter den Nichtjuden, nicht 
aber auch unter den Juden [eines Ortes] herrscht", fuBt auf dem Talmud (Thaanith 
21b). - "Gesetz" 18 ist eine ungenaue Wiedergabe von Orach chajjim 690,16: "[Am 
Purimfeste] ist es erforderlich, zu sagen: Verflucht sei Haman, gesegnet Mardochai; 
verflucht Seresch [Hamans Weib], gesegnet Esther; verflucht alle Gotzendiener, 
gesegnet alle Israeliten!" Da nur die Gotzendiener, nicht alle Nichtjuden genannt 
sind, und da nach dem Talmud (Megillah 7b) und dem Schulchan aruch (Orach 
chajjim 695,2) dieser Fluch in gehobener Weinstimmung gesprochen wird, kann er 
alle Nichtjuden sehr kalt lassen. 

77) und keine bose Absicht damit verbindet und fiir sein etwa falsches Verfahren 
nicht als verantwortlich zu erachten ist. 

78) Also z.B. mit Schweinen, Hasen od. dgl., die von den Nichtjuden gegessen 
werden, den Juden aber als unrein gelten. 

79) Vgl. 5. Mose 14,21: Ihr sollt kein Aas essen; aber dem Torproselyten [der sich 
dem Judentum nur angeschlossen hat, ohne sich zur Haltung aller jiidischen Geset- 
ze zu verpflichten] magst du es schenken oder dem Nichtjuden verkaufen. (Von 
hier in den Talmud iibergegangen: Abodah sarah 20a, Pesachim 21b.) 



80) Von einer "erdichteten" Schuld des Nichtjuden (Justus, Judenspiegel, Gesetz 
55) ist nicht die Rede. Der Sinn ist: Man darf von einem nichtjudischen Schuldner 
Dinge, die dem Juden (z.B. zu essen) verboten sind, an Zahlungs Statt nehmen, um 
iiberhaupt zu seinem Gelde zu kommen; dies ist kein "Handeltreiben". 

81) Uber talmudische Anschauungen vom Verdachte und zumal iiber den Gedan- 
ken, daB kein Verdacht ganz grundlos sei, vgl. die entsprechenden Talmudstellen in 
meinem Buche: Das Blut in judischem Schrifttum und Branch, Leipzig 1929, S. 
89f. 

82) D.h. wenn er von selbst einen Schwur tut ("sich deswegen verschwort"), oder 
auch wenn er einen gerichtlichen Eid leistet. 

83) Die Kennzeichnung des Priesteromats und (139,15) die Erwahnung der Ge- 
sang- oder sonstigen religiosen Biicher, vor allem aber (151,1; s.u.) das Taufwasser 
zeigen, daB mit dem Gotzendienst hier die christliche (katholische) Religion ge- 
meint ist! 

84) DaB mit den "Gotzendienem" hier die Christen gemeint sind, ist ohne Frage der 
Fall. "Isserles ... sieht sich genotigt, ausdriicklich darauf aufinerksam zu machen, 
daB ein Kreuz als Gotzenbild (Joreh deah 141,1), daB christliche Gesang- und Ge- 
betbucher als Requisiten des Gotzendienstes gelten miissen (Joreh deah 139,15), 
daB Taufwasser fiir einen gotzendienerischen Gebrauch bestimmt ist (Joreh Deah 
151,1). Solange nicht bewiesen ist, daB Karo und Isserles die Anbetung des Kreu- 
zes fiir vereinbar halten mit einer genaueren Befolgung der [angeblich fiir die 
Nichtjuden verpflichtenden] Noachidengebote, muB das Gegenteil vorausgesetzt 
werden." (Marx-Dalman, "Jiidisches Fremdenrecht", Karlsuhe und Leipzig, 1886, 
S. 70f.) - Selbst Hoffinann muB zugeben, "daB da, wo der Schulchan aruch von 
Gotzendienst redet, der christliche Kultus auch ohne besondere Nennung mitge- 
meint ist. Alle Gesetze, welche Femhaltung der Juden vom Gotzendienst zum 
Zweck haben, miissen somit auf die Christen mitbezogen werden" 8a.a.O., S. 69). - 
Fur Maimonides sind die Christen injeder Beziehung Gotzendiener (a.a.O., S. 49f., 
69). - Ebenso fiir Mose von Coucy (starb 1200), den Verfasser des beriihmten 
"Sepher mizwoth ha-gadol" (des "GroBen Buchs der Gesetze": a.a.O., S. 70). - 
Auch bei den Vorschriften der nachsten Stiicke von Joreh deah (140; 142,1.10.15; 
143,1.3.6; 146,14f.; 147,1.2.5; 148,1. 5f.9.10; 150,1-3), die vom Verhalten des Ju- 
den zu "Gotzen" und " Gotzenhausern" handeln, ist auch an christliche religiose 
Bilder und Statuen sowie Kreuze und Kirchen nebst christlichem Kult gedacht; 
derm mitten in diesem Zusammenhange erwahnt Isserles (Joreh deah 141,1 Hagah) 
das christliche Kreuz (vgl. sogleich hier 11. Joreh deah 141 und 150. +', und die 
"Gabbaim, welche Beitrage fiir die Gotzen(hauser) sammeln", sind ganz offenbar 
christliche Kollektanten, da wir iiber heidnische Kollektanten ahnlicher Art nicht 
die geringsten Nachrichten besitzen. (Vgl. oben FuBnotenkennzeichnung 38 und 
'2.0rach chajjim 113,8.+'). 



85) Vor und in dem Weltkriege gab es demzufolge auch bei uns jiidische "Ritter" 
verschiedener Ordcns-Kreuze und -Grofikreuze, sogar des griechischen Erloser- 
(!)Ordens. 

86) Was die Gemara (Text-Erorterung) im folgenden bestreitet. Die spateren Rab- 
binen fanden dann die vermittelnde Entscheidung des Schulchan aruch. 

87) Uber jiidische Geburtshilfe vgl. Low (s. nachste Anm.) 

88) Rabbiner Leopold Low, "die Lebensalter", Szegedin 1875, S. 120: "Sie (die 
spateren , zumal mittelalterlichen Rabbinen) fiirchteten den nachteiligen EinfluB 
der fremden Milch auf die ethischen und geistigen Anlagen des jiidischen Saug- 
lings. Die jiidische Skrupulositat fand in diesem Stiicke an der Unduldsamkeit [?] 
der christlichen Theologen, welche den Juden untersagten, christliche Ammen zu 
halten, einen eifrigen Bundesgenossen." Der vermittelnde Vorschlag, nichtjiidische 
Ammen zu bevorzugen, die ein Kind von einem Juden geboren batten (was be- 
kanntlich fiir diesen rabbinisch keinen Ehebruch bedeutet), weil dadurch etwas von 
jiidischer Wesenheit auf sie iibergegangen sei, ist m.W. neueren Datums. 

89) z.B. Blut, das bei Lebensgefahr sowohl in natiirlichem Zustande (s.o. FuBno- 
tenkennzeichnung 62), wie auch mit etwas, das den Geschmack verandert 
(Maimonides, Jad chasakah, Hilchoth jesode ha-thorah V, 8), oder - wie hier - als 
Blutasche genossen werden kann, die bekanntlich noch heute gelegentlich arztlich 
verschrieben wird. (Vgl. mein Buch "Das Blut" usw., Leipzig 1929, S. 25f.) 

90) Joreh deah 155,2 wird statt "Holz vom Gotzendienste" gesagt: "Holz von der 
Aschera", d.h. nach Ansicht der Talmudischen das Holz eines von den Heiden und 
abgefallenen Nichtjuden gottlich verehrten Baumes (oder einer ebensolchen phal- 
lusartigen Holzfaule). - Hoffmann ("Der Schulchan- Aruch", 2. Aufl., Berlin 1894, 
S. 140) verwendet zu seinem &/ze/«beweise - daB mit den "Gotzendienem" im 
Schulchan aruch nicht heutige Nichtjuden gemeint seien, sondem daB der Schul- 
chan aruch lediglich als alte talmudische Vorschriften gegen den Gotzendienst 
iibemommen habe, "ohne zu fragen, ob und wo dieser Gotzendienst noch getrieben 
werde" - die Stellen, in denen der Sch.a. den Aschera-Kultus, gottlich verehrte Ber- 
ge, Hauser, Steine, Tiere, Bilder von Vogeln, Sonne, Mond und Drachen, die 
Gotzen Peor und Merkur usw., femer den Gotzen geschlachtete Tiere, Toten- 
beschworer, Magier, Schlangenbandiger, Wolle eines als Gotze verehrten Tieres, 
gotzendienerisch verehrten Flachs usw. behandelt. - Zu dieser Irrefuhrung ist zu 
bemerken: Wir sahen bereits (s. Joreh deah 141,1) wie Isserles - dessen Zusatze 
(Hagahoth) dieselbe Autoritat wie der Urtext des Schulchan aruch haben - die tal- 
mudischen "Bildwerke"" u.a. auf christliche Kreuze und Kruzifixe deutet und die 
heidnisch verehrten Kaiser- und Gotterbilder auf christliche Heiligenbilder umge- 
deutet wurden. So dachte sicher auch Karo, als er obige talmudische Vorschriften 
in den Sch.a. aufiiahm (ebenso Isserles, der mehr Christliches kante), an noch zu 
seiner Zeit vorhandene nichtjiidische kultische Brauche oder Volksbrauche, z.B. 
bei den Ascheras an die noch heute fromm verehrten Baume mit Heiligenbildem, 



Kruzifixen usw. oder an holzeme Kruzifixe usw., femer an Kirchen, Steinbilder, 
Engelsbilder (oph "Gefliigel" = Engel, vgl. mein "Babylonisch-Astrales", Leipzig 
1907, S. 91 Anm. 1), an die Sonne an Altaren oder auch die Heiligenscheine, an die 
Mondsichel unter den Marienbildem (laut Offb.Joh. 12,1), den Drachen St. Georgs 
usw. "Peor" der "Offiier"), ein moabitischer Gotze (4. M. 25, Iff.), wird von Abra- 
banel (Maene Jeschuah, Amsterdam 1652, 5a) auf Christus (als Erstgeborenen 
Marias) gedeutet,ware also hier ein Christusbild, wahrend "Merkur" auf Paulus 
wiese (vgl. apg. 14,12)! Die noch heute iiblichen tiirkisch-arabischen blutigen 
Hammelopfer lagen dem Karo, der ja u.a. in Adrianopel Rabbiner war, besonders 
nahe; Totenbeschworer usw. gibt es noch heute wie damals, desgl. natiirliche Wolle 
des Lammes bei Heiligenstatuen, desgl. deren naturalistisches Flachshaar. - "Holz 
vom Gotzendienste" ist bei Isserles wohl die Holzkohlenasche der Weihrauchfasser 
des katholischen Kultus. 

91) 5. Mose 23,19f (wortlich): "Du sollst an deinem [israelitischen] Bruder nicht 
mit irgendetwas wuchem; aber an dem Nichtjuden magst du wuchem." - DaB bei 
den Rabbinem wirkliches Wuchern gemeint, zeigt die Bemerkung des Bibel- und 
Talmuderklarersi^a^yc/z/ zu der (Parallel-)Stelle 2. Mose 23,19: "Der Wucher 
(neschech) ist wie der Bifi einer Schlange [nachasch, den man erst kaum merkt. der 
aber dann das Leben gefahrdet]. So merkt man [zuerst] auch den Wucher nicht, bis 
er ansteigt und [durch Zinseszins usw.] ein groBes Vermogen zerstort." - Da das 
oben mit "magst wuchem" iibersetzte hebraische "thaschich" sowohl "du darfst" 
wie "du sollst" (wuchem) bedeuten kann, faBte z.B. der groBe Maimonides den 
Vers als strengbefohlenes Gebot auf: "Das 198. Gebot [des Alten Testaments] ist, 
daB uns Gott befohlen hat, von den Nichtjuden (Goi) Wucher zu fordern und ihm 
nur unter dieser Bedingung zu leihen, so daB wir ihm (mit dem Leihen) nicht [wirk- 
lich] niitzen und helfen, sondem schaden. Der heilige Gebenedeite [Gott] meint 
also: "An den Fremden sollst du wuchem" (Sepher ha-mizwoth = Buch der Gebote, 
zu obiger Stelle). David Kimchi (starb 1232) zu Psalm 75,5, femer Isaak Abrabanel 
(starb 1508) und andere iibersetzten 'Lenochri thaschich': "An dem Nichtjuden 
kannst [darfst] du wuchem." - Von den verschiedenen talmudischen Ansichten 
iiber den Wucher folgt die obige Textstelle des Schulchan aruch (J.d. 159,1) der 
Ansicht des Rab Chijja, Sohn des Rab Huna (Baba mezia 70b - 71a): "Nur so viel 
[Zinsen sind dem jiidischen Geldverleiher erlaubt], als er zu seinem Lebensunter- 
halte notig hat". - Ahnlich einer anderen Talmudstelle [Makkoth 24a: "Ein 
Frommer nimmt auch von einem Nichtjuden (Goi) nicht Zinsen"] heiBt es im 
Schulchan aruch Joreh deah 160,2 [im AnschluB an Spriiche Sal. 28.9 und an Rab 
Nachman (Baba mezia 70b) sowie im Sinne des Midrasch Schemoth rabba c. 31]: 
"Jedem, der [sein Geld] auf Zinsen ausleiht, zerfallt sein Hab' und Gut, und er ist 
so [frevelhaft], als wenn er den Auszug aus Agypten und den Gott Israels verleug- 
nete." - Auch der Schulchan aruch zeigt eben das "jiidische Janusgesicht" vgl. mein 
"Blut" usw., Leipzig 1929, S. 55f ). 

92) "Den Namen (Gottes) entheiligen" ist im rabbinischen Sprachgebrauch dassel- 
be wie "die Juden und ihren Gott in schlechten Ruf bringen", wenn die "unerlaubte 



Handlung herauskommt. (s.o. iiber 12.Joreh deah 154,1 und 2.; sogar Fiebig a.a.O., 
S. 68!) 

93) So wird, wie der bedingungslose Apologet Fiebig ("Juden und Nichtjuden", 
s.S. 69) selbst erklart, in Choschen ha-mischpat 225, If. der berechtigte Anspruch 
eines Nichtjuden auf Wiedererstattung gestohlenen Gutes sowie dessen berechtigte 
Beitreibung durch nichtjiidische Gerichte von den Juden als "Notigung, als gewalt- 
same, grundlose Erpressung", also als Zwang angesehen, obwohl es dies nicht ist, 
sondem berechtigt ist! - Ware der Jude diesem "Zwange" gegeniiber etwa auch zu 
einem Meineide berechtigt?? 

94) Um nicht jedesmal die Irrefiihrungen zuriickzuweisen, die sich Insonderheit 
Fiebig in seiner Schrift "Juden und Nichtjuden" hauptsachlich in bezug auf Stiicke 
aus dem Telle "Choschen ha-mischpat" des Sch.a. (s.o. § 13) leiste, lasse ich der 
Behandlung der Zitate aus Ch.ha-m. diese Generalabrechnung vorangehen. 

95) Vgl. mein Schriftchen "Rabbi und Diakonus" (Leipzig 1922), wo ich Herm F. 
offentlich beeidete falsche Behauptungen wider mogliches besseres Wissen sowie 
Totenschmahung nachgewiesen habe, vgl. femer seine Mitarbeiterschaft an ausge- 
sprochen jiidischen Zeitschriften, seine Vortragsreisen fiir den praktisch- 
polemischen "Centralverein deutscher Staatsbiirger jiidischen Glaubens" usw. usw. 
- dies und noch manches andere unstreitig Dinge, welche die Objektivitat seines 
Urteils nicht ungetriibt erscheinen lassen. 

96) Einmal blickt unvermutet und wohl unfreiwillig bei Fiebig diese Wahrheit 
durch, indem er ("Juden und Nichtjuden", S. 68) schreibt: "Sklave (Knecht)". 

97) Grdtz erzahlt in seiner "Geschichte der Isr." Vlll 43f aus dem Spanien des 15. 
Jahrhunderts: "Die Rabbinen, welche mit einigen Beisitzem auch Gerichtshofe fur 
peinliche Sachen bildeten, verfiihren streng gegen Angeber und verhangten sogar 
Todesstrafe iiber sie. ... Mit solchen Angebem wurde kurzer Prozefi gemacht, ohne 
eingehendes Verfahren und Zeugenverhor. Dann wurden Wich Aufierungen als ver- 
raterisch behandelt, die gar nicht diesen Charakter trugen." (S. 44 erwahnt Gratz 
"das riicksichtslose Verfahren des Judischen Gerichtshofes gegen den Stammesge- 
nossen Joseph Pichon, der fdlschlich wegen Verraterei von dem Judischen Gerichte 
zum Tode verurteilt und \ on Meuchelmordern getotet wurde." - Sie brauchten dazu 
nicht erst auf den Schulchan aruch zu warten; sie richteten sich nach der talmudi- 
schen Stelle Baba kamma 107a, wo Rab Kahana [auch sonst ein iibler Bursche] 
einem Juden, der der persischen Regierung das hinterzogene Stroh eines anderen 
Juden verraten will, den Hals bricht, worauf er aus Babylonien nach Palastina 
flieht usw. 

98) Vgl. Theodor Fritsch, "Der Streit um Gott und den Talmud" (Leipzig 1922, S. 
58), wo ihm Unkenntnis des deutschen Rechts nachgewiesen wird, und meine 
Schrift "Rabbi und Diakonus" (Leipzig 1922) die zeigt, daB F. geglaubt hat, wider 



mogliches besseres Wissen ausgesprochene objektive Unwahrheiten beeiden zu 
diirfen. (Vgl. 95). 

99+) Vom russischen Strafgesetzbuche kannte K. wohl nur einen Paragraphen, der 
ihm schleunige Flucht (mit falschem Passe unter falschem Namen) nach Deutsch- 
land dringendst nahelegte. 

100) Wahrend F. (a.a.O. auf S. 4) sich seine "Juden und Nichtjuden" - "in erster 
Linie in der Hand der Leser des Fritschschen Buches denkt" (man verzeihe seinen 
Jargon!), macht er S. 82f. den "geschulten Juristen" seine aufdringliche Verbeu- 
gung, und seine Gonner haben unter diesen ja sein Buch eifrig und gratis zu 
verbreiten gesucht. 

101) Marx-Dalman a.a.O., S. 56, sehr richtig: "Wenn ein Bekanntwerden der inhu- 
manen Tat zu befiirchten ist" Ahnlich Fiebig selbst a.a.O., S. 68! 

102) Welch leere Dinge F. vorbringt, um den Eindruck zu erwecken, als habe er 
etwas Wichtiges zur Sache gesagt, ersieht man, wenn er (a.a.O., S. 60) zu dem Sat- 
ze (Choschen ha-mischpat 34,19): "Ein Nichtjude und ein [jiidischer] Knecht sind 
nicht zeugnisfahig," weise bemerkt: "Es handelt sich hier um Judische Gerichte", 
was eine bare Selbstverstandlichkeit ist, da der Schulchan amch J udisc he s Recht 
darlegen will! Weil "ebed" auch mit "Sklave" iibersetzt werden kann (Luther z.B. 
tut es nie), setzt F. weise hinzu, dies zeige, daB die Verordnung schon alt sei (was 
jeder aus dem Quellennachweise [Talmud] am Rande sieht), und mahnt, solche Ge- 
setzesparagraphen "geschichtlich und nicht mechanisch zu verstehen", was bei 
diesem sonnenklaren Sachverhalte ein unverstandliches Gerede ist. 

102a) S.o. FuBnotenkennzeichnung 92, Anm. 

103) Im Texte des Schulchan aruch steht das Wort "maaruphja", das die seltsam- 
sten Herleitungen erfahren hat. Buxtorf leitet es in seinem "Lexicon chaldaicum, 
talmudicum et rabbinicum" (Basel 1639, Spalte 1672: "Noctus, familiaris, cum quo 
quis commercium, et a quo lucrum habet. Germanice: ein guter Kund") gleich 
Marx-Dalman ("Jiid. Fremdenrecht", S. 17) vom arabischen ma'ruf (Bekannter) ab. 
Andere wollen es mit dem hebr. orep (Nacken) zusammenbringen und dennoch 
maarupha als "alleinige Ausbeutungsrecht an einem Nichtjuden" verstehen. - Pro- 
fessor Dr. Siegfried Passarge bietet in seiner Neuherausgabe des Brafrnannschen 
"Buches vom Kahal" (Leipzig, Hammer- Verlag 1928) zahlreiche Beispiele dafiir, 
wie der judische Kahal (die Gemeindebehorde) "die" Maarupha (in der Bedeutung: 
"das Privileg, einen bestimmten Christen des Ortes allein ausbeuten zu diirfen") 
unter den Gemeindegliedem offentlich gegen Zahlung versteigert\ 

104) "Wenn ein Nichtjude [z.B.] ein Feld an einen Juden verkauft und [sogar 
schon] den Kauipreis dafiir erhalten, ihm aber [noch] keinen schriftlichen Kontrakt 
dariiber ausgefertigt [und ausgehandigt] hat, so ist es [das Feld, das dem Nichtjuden 



nicht mehr, dem Juden aber noch nicht gehort] wie herrenloses Gut, das jeder, der 
zuerst kommt, [der erste Beste] okkupieren [sich aneignen] kann." 

105) Nur GQ?,chMi?,kompagnons miissen sich in einen (verwerflichen) Geschafts- 
gewinn teilen (s.u. Choschen ha-m. 176,12); der Jude B ist ahcr Angeste liter, dem 
obendrein ein Extragewinn als ihm allein zukommend zugesichert worden ist. Fer- 
ner miiBte ein solcher Geschaftsgewinn nur dann geteilt werden, wenn beide 
gemeinsam den Nichtjuden betrogen batten (a.a.O., 183,7 Hagah); bier aber bat nur 
A betriigen wollen, B aber von der bereits erfolgten Zablung nicbts gewuBt und 
keine Betrugsabsicbt gebabt. 

106) B kann dem C den Scbuldscbein sogleicb obne Zablung berausgeben, wenn C 
den Sacbverbalt (bereits erfolgte Zablung usw.) sofort glaubwiirdig aufklart. 

107) Verbiiten, daB wir (und der Name unseres Gottes) durcb diese Ausniitzung der 
VergeBlicbkeit des Nicbtjuden etwa in scblecbten Ruf kommen - eine unfreiwillige 
Persiflierung der rabbiniscben Notvorscbriften iiber eigentlicb nicbt gebotene 
Handlungen zur Vermeidung von "Entbeiligung des Namens" usw. (s.o. zweiter u. 
dritter Pfiff')! Denn es ist ein starkes Stiick, daB Simon die "Heiligung" mit frem- 
den (namlicb Rubens) Gelde vollzieben will. (In Wabrbeit will er einfacb dieses 
Geld auf unbestimmte Zeit bebalten.) 

108) Icb babe bier einige "Gesetze" des "Judenspiegels" iibergangen, bei denen icb 
nicbt recbt einsebe, was darin Scblimmes liegen soil, z.B. Cboscben ba-miscbpat 
227, If. u. 26, wo von der Onaab (nicbt "Betrug" - wie Justus und Ecker scbreiben - 
sondem "Ubervorteilung" , d.b. Uberscbreitung des reellen Wertes bei Verkauf oder 
Kauf um ein Secbstel) die Rede ist. Wenn der Scb.a., der dieses Verfabren dem 
Nicbtjuden gegeniiber fiir nicbtersatzpflicbtig erklart, dabin entscbeidet, daB der 
Nicbtjude gemaB jiidiscbem Gesetz den "iibermaBigen Gewinn" (eben die Onaab) 
zuriickzuerstatten babe, so bemerkt D. Hoffinann bierzu (s. 77) ganz ricbtig, daB 
der Scbulcban arucb selbst einsiebt, daB er nicbt unter rabbiniscber Gericbtsbarkeit 
stebende Nicbtjude sicb scbwer biiten werde, jene Bestimmung zu befolgen. - Aucb 
die (iibrigens ebenfalls dem Maimonides entnommene) Vorscbrift, das letztwillige 
Vermacbtnis eines Juden /i/r einen Nicbtjuden, weil dies einer Siinde gleicbe, nicbt 
zu erfiillen, wird zwar (wie icb bezeugen kann) nocb beute mancbmal selbst von 
liberalen Juden recbt genau befolgt, aber ebensowenig nur von Juden, gleicb wie 
etwa die Bestimmung (Cboscben ba-miscbpat 283,1 Hagab), daB ein jiidiscber 
Scbuldner eines verstorbenen Nicbtjuden seine Scbuld nicbt zuriickzuzablen brau- 
cbe, wenn des Nicbtjuden Erben nicbts davon wissen (also - was nicbt ausdriicklicb 
dabei stebt - keine "Entbeiligung des Namens" stattfindet, s.o. zweiter u. dritter 
Pfiff). Aucb Christen mogen diesem Braucbe buldigen. Nur der Scb.a. und iiber- 
baupt das rabbiniscbe Recbt (vgl. Fiebig a.a.O., s. 74 und 77) so liberal, ,daB es 
QmQ juristische Verpflichtung zur Ruckzahlung eines Darlehns nirgends erwabnt - 
wenigstens sofem sicb in der Hand des Glaubigers oder seiner Erben kein Scbuld- 
scbein befindet! (S.u. 22. Cboscben ba-miscbpat 283 Hagab.) 



109) Aber auch sachlich ist die "groBe Siinde" richtig; vgl. unten unter FuBnoten- 
kennzeichnung 113!). 

1 10) Unser Text 266,12 zeigt, daB sich im Gegenteil die Nichtjuden iiber einen Ju- 
den hochlichst wundern, der gefiindenes Gut an Nichtjuden zuriickgibt! Dies zeigt 
doch, daB Unterschlagung von fremden Gefundenem gerade eiriQ judische Gepflo- 
genheit war! 

111) Im Talmud kommt manchmal der wundertatige Prophet Elias eilig vom Him- 
mel herab, um die erfundene Behauptung eines Rabbi in der Gestalt eines 
nichtjudischen "Notabeln" zu bestdtigen (Berachoth 58a, Abodah sarah 17a). Ich 
glaube schwerlich, daB er diesen Liebesdienst heute auch den Herren Hoffinann 
und Fiebig erweisen wiirde! 

1 12) So nach der Miinchner Talmudhandschrift. 

113) DaB der Nichtjude kein "Bruder" des Juden sei, ist allgemeines rabbinisches 
Axiom. - Man sieht, dieser Grund ist fiir das Behalten des vom Nichtjuden Verlo- 
renen maBgebend, nicht die Hoffinann-Fiebigsche "Voraussetzung", daB der 
Nichtjude Gefiindenes behalte. - Maimonides, aus dessen Mischneh Thorah 
(Hilchoth geselah 3) Karo die Fassung der obigen Vorschrift (Choschen ha- 
mischpat 266,1) entnommen hat, sagt statt: "weil er die Macht der Gesetzesubertre- 
ter [Nichtjuden] starkt", noch viel deutlicher: "weil er die Macht der Gottlosen der 
Welt [gottlosen Nichtjuden] starkt" ! 

114) Vgl. die groBe Anm. 2 in meinem Buche "Das Blut in jiidischem Schrifttum 
und Branch", Leipzig 1929, S. 84 - 82! 

115) Die von Fiebig (S. 74) zitierten zwei alttestamentlichen Stellen sagen garni cht 
das, was sie beweisen sollen! Fiebigs Wendung "auch nach unserem heutigen 
Recht" (S. 75) ist vollig unverstandlich. 

116) Fiebig, der zugunsten der Juden seine Leser nicht ungem "irren laBt" (oder - er 
liebt namlich insidiose Fragen - muB es heiBen: "beirrt"?), zitiert fiir die seltsame 
rabbinische Auffassung, daB "ihr sollt nicht stehlen" (3. Mose 19,11) sich auf das 
Stehlen von Dingen beziehe, dagegen "du sollst nicht stehlen" (2. Mose 20,15) auf 
Menschenraub, die Stelle 1. Timoth. 1,10, wo kein Wort davon steht! Die talmudi- 
sche Quelle hierfiir ist Sanhedrin 86a: "Unsere Rabbinen haben iiberliefert: 'Du 
sollst nicht stehlen' (3. Mose 19,1 1) auf Stehlen von Geld und Gut." - Maimonides 
bezieht den verbotenen Mew^-c/zewraub nur 2iViiJuden\ 

117) Damit der von ihm zu belehrende Goi nicht merkt, worum es sich handelt, 
schreibt Fiebig statt dieses klaren Ausdrucks, seinem Meister Kahan nachplap- 
pemd, "Vorenthalten des Darlehns" (!), als ob der Jude nicht Schulden zu bezahlen 
hatte, sondem dem Goi nichts leihen sollte! 



118) die der sonst so wortreiche Fiebig wohlweiBlich auslaBt, weil - seine jiidischen 
"Vorredner" sie als reichlich peinlich verschweigen. Diese Quellenstelle ist hagga- 
disch (erzahlend), und dennoch wird auf sie von Maimonides und Isserles hier eine 
halachische (normative) Vorschrift gegriindet, was die jiidischen Apologeten sonst 
fiir nicht zulassig ausgeben! - Der beriihmte Talmuderklarer Raschi zu Baba kam- 
ma a.a.O. nimmt (entgegen meiner milderen Auffassung in der Ubersetzung obiger 
Sch.-a.-Stelle beim "Nichtbezahlen, was man schuldet") an, daB der Nichtjude die 
Schuld des Juden nicht vergessen hat, sondem diesen darum mahnt, der Jude aber 
dreist lugt, er habe die Schuld schon an des Nichtjuden seligen Vater bezahlt - daB 
also der Jude bewufit Betrug verubtl 

119) Ich habe ihn schon Oft einen "iiblen Burschen" genannt. Er war von Beruf 
Korbflechter, doch nicht imstande, sich und seine Familie zu emahren. Darum ge- 
dachte er, den Zuhalter einer vornehmen Nichtjiidin zu machen, was aber der 
Prophet Elias gerade noch vereitelte (Kidduschin 40a). Spater schlug er im Lehr- 
hause einen angeblichen Verrater tot (s.u. '27. Choschen ha-mischpat 388,10'), floh 
von Babylon nach Palastina und wurde hier von dem beriihmten Rabbi Jochanan 
seiner Uberheblichkeit wegen erst durch den rabbinischen "bosen Blick" getotet, 
dann aber wieder aufgeweckt (Baba kamma 1 17a). Und diesen Menschen zitiert der 
Talmud alle nasenlang! 

120) Vgl. Fiebig, Juden und Nichtjuden, S. 57. 

121) Der ganzen Machart nach konnte das Flugblatt von einem "Prediger Ksinski" 
sein, der mit gleicher Unwissenheit im Uberzeugungsbrusttone 1909 ftir den "Cen- 
tralverein" ein "Gutachten" schrieb, das dieser zusammen mit seiner Strafanzeige 
vom 9. Oktober 1909 einem Berliner Gerichte zusandte; ich habe es in der damali- 
gen Strafverhandlung miindlich und dann in meinen "Rabbinischen Fabeln" (S. 47- 
49) nach Gebiihr "auseinandergenommen". - Ende 1927 begegnete mir sein Name 
nochmals in Niimberger StraiprozeBakten. Sein "Gutachten" war so bemitleidens- 
wert nichtssagend, daB es von alien ProzeBbeteiligten von vomherein schonend 
iibergangen wurde. - Jiidische Gelehrte von Rang scheinen dem "Centralverein" 
weder ihren Namen noch ihre Leistungen zur Verftigung zu stellen. Von christli- 
chen Gelehrten leihen ihm ihre Fedem wohl nur Herren wie der Hamburger 
Katharinenpastor Karl Windfuhr (Mitarbeiter der "Centralvereinszeitung") und Herr 
Pfarrer D. usw. Paul Fiebig. 

122) Sanhedrin 105a unten, als Ausspruch des Rab Nachman. 

123) Weil ich iiber jiidisches Schrifttum mehr weiB und mich ehrlicher auBere als 
er und die meisten anderen jiidischen Apologeten, beschuldigt mich Fiebig miind- 
lich und schriftlich, wenn auch nach deiner Art vorsichtig-versteckt, eines 
QX?,c\\r'6ck\ichQn Antisemitismus - mich, der ich Dutzenden von Juden "auf mannig- 
faltigste Weise" geholfen habe, ohne fiir sie "zum AnlaB von Irrtum zu werden". - 
Noch ehe F. "der dritte Delitzsch" wird (iiber den ersten Delitzsch vgl. unten An- 



merkung 13) - der zweite mit der "GroBen Tauschung" war Antisemit - wird sich 
erweisen, warum F. nicht Antisemit ist. 

124) Im Mittelalter waren (zumal in Spanien; in Polen noch zu Beginn der Neuzeit) 
angesehene Juden nicht nur Schatz-, Oberschatz- und Generalschatzmeister der 
Konige, sondem auch Zoll- und Steuerpachter auf eigene Rechnung oder Zollein- 
nehmer im Auftrage der Regierung. Sie verfiihren dabei, zumal auf Kosten der 
christlichen Bevolkerung, so "erfolgreich", daB sie schwerreiche Leute wurden, ja 
(wie der Obersteuerpachter und Oberrabbiner von Castilien, Abraham Senior, 
1480), ein staatliches Ehrengehalt bekamen! die getauften Juden Luis de Santangel, 
Koniglicher Rat, und Gabriel Sanchez, GroBschatzmeister von Aragonien, ermog- 
lichten im Januar 1492 (Santangel durch einen groBen VorschuB) bei Ferdinand 
von Aragonien die erste Entdeckungsreise des Kolumbus. Der beriihmte jiidische 
Bibelerklarer Isaak Abrabanel (1437-1508) war nacheinander Finanzminister Al- 
fons' IV. von Portugal, Ferdinands von Aragonien und Isabellas von Kastilien (seit 
1484) sowie (seit 1492) Ferdinands 1. von Neapel und seines Nachfolgers Alfons' 
11. Er bot 1492 dem ewig geldbediirftigen Ferdinand von Aragonien eine Riesen- 
summe, wenn dieser die Juden nicht aus Spanien vertriebe; mit dem Kruzifix in der 
Hand beschwor er Peter von Arbues, seit 1485 Inquisitionsrichter, den Konig, nicht 
aufs neue Jesum fiir jiidische Silberlinge zu verraten. (Thomas de Torquemada, seit 
1483 spanischer GroBinquisitor, war iibrigens selbst JudensproBling.) 

125) Der Generalpachter pachtet die Zoll- und Steuereinnahmen von der (nichtjiidi- 
schen) Regierung fiir eine runde Summe, die er an diese zahlt, und schreibt dann 
die Zoll- und Steuersatze vor, wie es ihm gut diinkt, da er doch an der Pachtung 
gehorig verdienen will. - Der ganz "selbstandig Handelnde" ist z.B. ein hoher Be- 
amter, der ohne Staatsauftrag fiir sich eine Steuer ausschreibt. 

126) "Dafi man den Zollner belugen und ihm den Zoll hinterziehen darf (Lazarus 
Goldschmidt zu dieser Stelle nach den Talmudkommentaren)! 

127) "Die direkte Beraubung der Nichtjuden ist verboten, man braucht ihm aber 
eine Schuld nicht zu bezahlen, und als solche gilt auch der Zoll" (Goldschmidt 
desgl.). 

128) Objektiv unwahr ist daher Hof&nanns Behauptung (s. 73), daB Samuels "Leh- 
re" (!) "von alien Gesetzeslehrem als halachisch gilt (normativ) anerkannt und den 
Juden als religiose Pflicht erschienen" (!) sei. 

129) Ich brauche wohl kaum zu erwahnen, daB es heute sehr viele strengglaubige 
und religios liberale Juden gibt, fiir welche die unbedingte Verbindlichkeit der Ge- 
setze ihrer Geburts- oder Wirtsstaaten eine bare Selbstverstandlichkeit ist. Das 
haben sie aber nicht aus Talmud oder Schulchan aruch usw., sondem durch Erzie- 
hung und Umwelt und kraft ihres anstandigen Charakters. Meine jiidischen Freunde 
haben es mir daher nie verdacht, wenn ich an rabbinischen Werken berechtigte Kri- 



tik iibte, mich auch nie (wie D. Fiebig und gewisse "Centralvereins"-Mitglieder) als 
unwissenden Antisemiten verschrien. 

130) Die bekanntlich im Mittelalter und bis in die Neuzeit hinein sehr hoch waren 
und es zum Teil auch heute noch sind. 

131) Hoffinann ("Der Schulchan-Aruch", S. 190) vermischt den Inhalt obiger Vor- 
schrift mit dem Vorangehenden, wo von einem "jiidischen oder nichtjudischen 
Gewalttdter" die Rede ist, der ungerechte Forderungen stellt. Hier aber ist von ei- 
nem nichtjudischen Konig die Rede, der berechtigte Lieferungen anordnet. Fiebig 
macht richtiger- oder vorsichtigerweise diese Irrefuhrung nicht mit. 

132) Es konnte auch sein, daB er die Denunziation gar nicht absichtlich, sondem 
nur im ersten Zome macht, z.B. wenn die nichtjiidische Behorde bei ihm Wein oder 
Stroh usw. konfisziert, das er hinterzogen hat, und er entriistet ausruft: "So, mir 
nimmt man meinen diirftigen Vorrat, den ich so notig habe, weg; aber dem reichen 
Juden X. (z.B. im Talmud dem Exilsfiirsten), der so und so viel daliegen und nicht 
abgeliefert hat, dem hat man nichts weggenommen, obwohl er das alles nicht so 
blutnotig hat" - worauf die Behorde auch dort konfisziert. - Fiir diese Auffassung 
spricht der ganze Sachverhalt: Eine einmalige, bereits geschehene Denunziation 
zieht Schadenersatz fiir den Denunzianten nach sich (da sie gegebenenfalls nicht in 
schlimmer Absicht geschah), die Androhung einer Denunziation aber oder wieder- 
holte vorsatzliche Denunziation wird mit dem Tode gebiiBt (Ch.ja-m. 388,10; s.o.). 

133) Uber die Mordbuben vgl. oben iiber FuBnotenkennzeichnung 1 19). In Palasti- 
na angekommen, wird der Morder aber nicht etwa gemieden, sondem ehrenvoll in 
den Schiilerkreis des beriihmten Rabbi Jochanan aufgenommen. - Freie Bahn dem 
Tiichtigen! 

134) Vgl. z.B. Majer Balaban, "die Judenstadt von Lublin", Berlin 1919, S. 30: 
"Wenn ein derartiger ["Ritualmord"-]ProzeB im [Kron-] Tribunal ausgetragen wur- 
de, kamen die Familien der Angeklagten, die Senioren der Judengemeinde [des 
angeblichen Tatorts] alle nach Lublin, um ihren Nachsten [!] zu helfen. Die Senio- 
ren der Lubliner Gemeinde wurden in erster Linie erziimt, ... um [den Angeklagten] 
wenigstens kleinere Erleichterungen zu schaffen. Protektionen zum Henker [der die 
Folterungen vomahm], zum Kerkermeister muBten verschafft werden. Man rannte 
von Richter zu Richter, man suchte am Markt Juden auf, die mit den Richtem be- 
kannt waren, mit ihnen in Handelsbeziehungen standen, ihre Pachter oder gar 
Glaubiger [!] waren, und man bemiihte sich durch ihre Vermittelung, die Richter 
von der Unschuld des Angeklagten zu iiberzeugen." - Dies kostete groBe Geldopfer. 
"Wenn zu Lublin ein JudenprozeB (RitualprozeB) vorkommt und Geld notig ist, — 
steuem die Litauer zu jeden 100 Fl. den siebenten Teil bei" (a.a.O., S. 40). 

135) Deswegen berufen sich die Apologeten (zumal Hoffinann) so viel auf die 
Kommentare. Mit Recht aber wendet Marx-Dalman ("Jiidisches Fremdenrecht", S. 
75) dagegen ein, daB Kommentare keine Texte sind, und daB sich aus den so ver- 



schiedenen Kommentaren zum Schulchan aruch, wenn sie autoritativ sein sollten, 
sehr verschiedene "Schulchan aruche" zusammenstellen heBen. 

136) Vgl. bereits oben in der Vorbemerkung zu den Stucken aus Choschen ha- 
mischpat. - Absichtlich wiederhole ich wichtige Stellen mehrfach, um bei dem 
schwierigen Stoffe dem Lesern zeitraubendes Nachschlagen nach vorn oder hinten 
zu ersparen. 

137) Also ist es cine objektive Unwahrheit, wenn Hoffinann (Der Schulchan- 
Aruch, S. 139) behauptet, "daB Maimonides keineswegs behaupten wollte, die 
Christen seien wie heidnische Gotzendiener zu betrachten"! Der ganze Abschnitt S. 
132-182 bei Hoffinann macht mehr den Eindruck der einseitigen Leistung eines 
Advokaten oder Apologeten als eines unbefangenen Beurteilers. 

138) Vgl. iiber ihn das vorn (§ 27, Anm.) Gesagte. - Strack (Einl. in Talmud und 
Midrasch, 5. Aufl., Miinchen 1921, S. 90) sagt objektiv: "Eisenmengers Polemik 
entsprach der derben Weise der fiiiheren Zeiten. Unrichtig ist aber die oft von jiidi- 
scher Seite ausgesprochene Behauptung, er habe gefalscht; derm er iibersetzt nicht 
nur, sondem er gibt auch die Fundstellen und den Original-^ oriXdiut" der von ihm 
angefiihrten jiidischen Texte. - lnft)lge heimlichen Aufkaufs des gefiirchteten Ru- 
ches [von welcher Seite?] ist dessen Vorkriegspreis von 20 Mark auf 100 Mark 
gestiegen! 

139) Er nannte sich spater nur noch Dalman, ist geborener Christ, Professor der 
Theologie in Greifswald, iibrigens durchaus Judenfieund, aber wissenschaftlich 
hervorragender Kenner der rabbinischen Literatur und sogar vorn "Centralverein" 
mehrfach als Sachverstandiger benannt, also gewiB ein unanfechtbarer Beurteiler, - 
Sein zuerst in .S'/racA^5' judenfieundlicher Zeitschrift "Nathanael" (Jahrgang 1, 1885, 
Nr. 2, 3 und 5), dann als Nr. 1 der "Schriften des Institutum Judaicum (!) in Berlin" 
(1886) erschienenes "Jiidisches Fremdenrecht" ist langst vergriffen, aber niemals 
wieder aufgelegt worden. Obige mannhafte Worte erklaren wohl einen Teil dieses 
Ratsels. Auch aus der langen "Anmerkung 1" meines neuen Buches "Das Blut in 
jiidischem Schrifttum und Branch" (Leipzig 1929) iiber die heutige Art der Juden- 
mission wird dieses Ratsel manchem klar werden. 

140) Hof&nanns mit reichlicher Unbescheidenheit und eigenem Weihrauch ange- 
priesener "Echter Judenspiegel" war offenbar schon vor seinem Buche da und 
wahrscheinlich dazu bestimmt, als Flugblatt oder Kleinbroschiire des damals fast 
die Rolle des heutigen "Centralvereins" spielenden "Vereins zur Abwehr des anti- 
semitismus" (der auch Nichtjuden und ihr Geld nahm und nimmt) veroffentlicht zu 
werden, sozusagen als Gegengift gegen die antisemitischen Flugblatter und Bro- 
schiiren mit Schulchan-aruch-Ausziigen. Im Laufe der achtziger Jahre und noch 
spater waren auch "Talmudausziige" in Flugblattem, als Broschiiren und (jiidi- 
scherseits) sogar als groBe Zeitungsinserate (!) beliebt. Der Verfasser eines solchen 
jiidischen "Auszugs", der in meinem "Rabbi und Diakonus" (Vorwort) gekenn- 
zeichnete Kahan, sagte auf Vorhalt eines Mitjuden, daB ja seine Zitate gefalscht 



seien: dem "Gerechten" sei es talmudisch erlaubt, "in Betrug zu wandeln" (Megil- 
lah 12b, Bababathra 123a)! 

141) Das in (Klammem) Stehende ist notwendige Erganzung des Grundtextes. 

142) Unter "Gemara" (oder "Talmud" im engeren Sinne) versteht man Sammlun- 
gen der von den Amoraem (d.h. von den Rabbinen des 3.-5. Jahrh. n.Chr.) 
herriihrenden Erorterungen iiber die Mischnah. (S.o. § 4). 

143) Gemeint ist der, welcher die einzelnen Traktate in die hier vorausgesetzte 
Reihenfolge gebracht hat. 

144) Dieser einleitende Abschnitt, der die Reihenfolge der Traktate: Kethuboth, 
Nedarim, Nasir, Sotah rechtfertigen will (die sich nur in der Tosephtha findet, nicht 
aber in den Ausgaben und bekannten Handschriften der Mischnah oder des Ge- 
samt-Talmud) ist gleich den ahnlichen Stiicken Thaanith 2a und Schebuoth 2b 
anscheinend ein sehr spates Einschiebsel. Derm Maimonides (1135-1204) erwahnt 
diese Stellen nirgends und gibt sich in der Einleitung zu seinem Mischnah- 
Kommentar vielmehr groBte Miihe, seine ganz andere Anordnung sachlich zu be- 
griinden. 

145) Ein echter Talmudist ist nie um eine Erklarung verlegen. Ein rabbinischer 
Schulwitz lautet: Sag' mir ne Kaschje (Schwierigkeit), ich hab' schon 'n Taariz 
(eine Antwort) drauf! 

146) Im Biblisch-Hebraischen kann "kein Zeuge" nur so ausgedriickt werden: "ein 
Zeuge ... nicht". Daraus ziehen die sprachlich ungebildeten Rabbinen hier ihre 
ebenso verworrenen wie iiberfliissigen KannegieBereien. Es geniigte vollkommen 
der kurze Hinweis auf 5. Mose 19,15, um alles klar zu sagen. 

147) hier beginnt 2b (die Riickseite von Blatt 2). 

148) Die sich hier streitenden Talmudisten verstehen (als aramaisch Redende und 
zufolge ihrer geringen Bildung) das hebraische Bibel-Textwort "lo nithpasah" (und 
sie wurden nicht ertappt, 4. Mose 5,13) falschlich in der Bedeutung "und sie wurde 
nicht genotziichtigf , woraus sie weiter schlieBen, dies bedeute, daB die Ehefrau 
von dem anderen Manne nicht ohne ihren Willen begattet worden sei. Infolge die- 
ses MiBverstandnisses erfolgt die ganze kauderwelsche Diskussion, in der immer 
einer an dem anderen vorbeiredet, um irgendwie scheinbar recht zu behalten. 

149) Vgl. vorige Aimierkung. - Die Rabbinen, die groBenteils wenig gebildete 
Handwerker usw. waren, sprachen Aramaisch (die Hauptsprache des Talmuds) und 
verstanden vom Biblisch-Hebraischen etwa so viel oder so wenig wie z.B. die Mei- 
stersinger von der Sprache des Nibelungenliedes oder des altdeutschen 
Hildebrandsliedes. Sie kannten zwar den hebraischen Bibeltext groBtenteils aus- 
wendig, deuteten ihn aber teils (zum Beweise ihrer Lehren und Meinungen) bewuBt 



willkiirlich um, teils infolge sprachlicher Unwissenheit falsch aus. Aus diesen miB- 
verstandenen Bibelstellen zogen sie dann sehr oft gewagte Schliisse, die das vollige 
Gegenteil des Schriftsinns besagen und lebhaft an die in Dinters Lebenserinnerun- 
gen erwahnte Bibelerklamng eines alten Dorfschulmeisters erinnem, der den 
Spruch: "So ihr nicht werdet wie die Kindlein, so konnt ihr nicht in das Himmel- 
reich kommen" dahin erklarte: "Ihr diirft nicht wie die Kinder sein; derm sonst 
konnt ihr nicht ins Himmelreich kommen. Derm Kinder sind oft ungezogen, faul, 
liignerisch usw. Wer aber so ist, kommt nicht in den Himmel." - Die talmudische 
"Schrifterklarungen" sind oft noch weit schlimmer. (Vgl. unten FuBnotenkerm- 
zeichnung 204!) 

150) Die Erwahnung einer solchen abweichenden (oft vemiinftigen) Meinung eines 
einzelnen Rabbi erschiittert den voranstehenden MehrheitsbeschluB nicht; in der 
Gemara (s.u.) wird auf obigen Einwurf des Rabbi Jose iiberhaupt gar nicht erst ein- 
gegangen. - Vgl. Traktat Jebamoth 42b: "Die Halachah (Lehmorm, giiltige Norm) 
ist wie eine Mischnah ohne Nermung eines Gewahrsmarmes" (wie oben "Wenn je- 
mand", vgl. oben Anmerkung 4), oder wo es heiBt "die Gelehrten sagen". 

151) Rab ist der Titel der babylonischen Rabbinen, Rabbi derjenige der palastini- 
schen; beides bedeutet: Meister, Magister. 

152)Seirall, um380n.Chr. 

153) Die Gaunerei, welche durch diese Konsequenzmacherei aus obiger Mischnah 
sich ergibt, erlautert der beriihmte Talmudaufl<;larer Raschi (1040-1105) richtig ft)l- 
gendermaBen: A vermietet an B eine Kuh zu Feldarbeit ftir 100 Tage. Er benotigt 
aber die Kuh auf einmal selber und bittet B, sie ihm ftir 90 Tage zuriickzuleihen, so 
daB sie diese Zeit bei ihm (dem Entleiher) arbeite, die restlichen 10 Tage bei A 
(dem Mieter). Stirbt nun die Kuh wahrend der Leihlrist von 90 Tagen bei A (dem 
Entleiher und zugleich Eigentiimer), so hat B als Mieter dem A als Eigentiimer die 
Kuh nicht zu ersetzen (laut Mischnah), wohl aber hat er als Mieter gegen den A als 
den Entleiher Anspruch auf Ersatz der Kuh! Der Eigentiimer A muB also seine ei- 
gene Kuh dem B bezahlen und ihm auBerdem noch ftir die ermieteten restlichen 10 
Arbeitstage eine zweite Kuh stellen! - Ware nun B, nachdem er dem A die Kuh auf 
90 Tage geliehen, nochmals an A herangetreten und hatte die Kuh von ihm auf 80 
Tage wiedergemietet, sie dann aber bei A, dem zwiefachen Entleiher (und nebenbei 
Eigentiimer) gestorben, so hatte A dem B (als Mieter) nochmals die Kuh zu erset- 
zen und ftir die an den 80 Mietstagen fehlenden 10 Tage nochmals eine Kuh zur 
Arbeit zu stellen. Der arme A muB also vier Kiihe ersetzen, namlich 2 als Ersatz ftir 
die zuerst 90 und dann auf 70 Tage geliehene Kuh (die als je eine besondere Kuh 
behandelt wird) und dann 2 Kiihe zur Arbeit ftir die zweimal restlichen 10 Tage! 

154) Rab Acha bar (= Sohn des) Rabah, starb 419 als Schulhaupt zu Pumbeditha. 

155) A miiBte auch nach der obigen Mischnah dem B nur 1 Kuh ersetzen und dem 
B eine zweite ftir die zweimal 10 Tage Arbeit stellen. 



156) Die Sommerlogik besagt: Wenn die Kuh nicht gestorben ware, so brauchte er 
natiirlich weder 1 noch 2 Kiihe zu ersetzen, sondem sie lediglich dem B fiir die 20 
Tage restliche Arbeitszeit zu iiberlassen. Nun ist aber die Kuh bei ihm, als dem 
zweimaligen Entlehner, gestorben, und so hat er nach obiger Mischnah fiir jeden 
Leihvertrag dem M/efer B eine Kuh zu ersetzen (und obendrein je eine Kuh fm die 
zweimal 10 Tage zu stellen), bekommt aber als Eigentilmer der Kuh von deren 
Mieter B gar nichts. - Wenn die Kuh noch lebte, so ware sicfaktisch nur eine Kuh, 
und die fiir den Tod der Kuh vorgesehene Mischnah-Vorschrift kame nicht in Be- 
tracht. Nun aber ist sie gestorben, und es tritt die dafiir gegebene 
Mischnah. Vorschrift in Kraft, die in diesem Falle gestattet, ftir jeden der beiden 
Leihvertrage theoretisch eben je eine, zusammen also zwei Kiihe zu berechnen! - 
Wenn dergleichen dem Juden hier gegeniiber seinem "Nachsten" (oder "Genossen" 
- chabero = Mitjuden - wie es in der Mischnah heiBt) gestattet ist, so kann man sich 
ein annahemdes Bild machen von den " Rechtskniffen" , die im Traktate Baba kam- 
ma 113a dem Nichtjuden gegeniiber fiir erlaubt erklart werden! (S.u. 
FuBnotenkennzeichnung 162.) 

157) Also nicht nur Raubmord oder Mord entschlossenen Verbrechem, sondem 
auch (romischen) Steuerpachtem, die wegen riickstandigen Steuem das Eigentum 
des Schuldners berechtigterweise pfanden bzw. mitnehmen wollen! 

157+) D.h. einer [falschen] personlichen eidesartigen Versicherung wie "Gott tue 
mir dies und das" oder "Ich will den Trost Israels nicht sehen" usw. (wenn dies 
nicht Hebe oder Regierungseigentum usw. ist). Im Traktat Schebiioth wird derglei- 
chen als (nichtgerichtlicher) "Schwur", im Traktate Nedarim als "Geliibde" 
bezeichnet. 

158++) Z.B. bei dem Schuldner vorgefiindenes Getreide. 

159+++) "Hebe": fiir jiidische Kultuszwecke abgesonderte Feld- (und Baum- 
)Friichte. - 

159) "Regierungseigentum": von der (romischen) Regierung angeblich beim 
Schuldner eingelagert. 

160) Vgl. hieriiber ausfiihrlich meine "Rabbinische Fabeln" (Leipzig 1922, Walther 
Kramers Verlag), S. 34-37, wo die Herkunft dieses Ausspruchs und der von mo- 
dernen Rabbinern damit betriebene sinnfalschende Unfiig behandelt sind. In 
Wahrheit wird von den talmudischen Rabbinen jedesmal, wo dieser Satz in die 
Diskussion eingeworfen wird, seine Geltung eingeschrankt, und auch der Schul- 
chan aruch sagt (Choschen ha-mischpat 369,8 Hagah), wenn man diesen Satz in 
jedem Falle anwenden wolle, dann wdrenja alle jiidischen Gesetze iiberflussig und 
konnten beiseite bleiben. (Vgl. oben von 24. Choschen ha-mischpat 369,6 und Ha- 
gah. bis 25. Choschen ha-mischpat 386,3 Hagah.) 



161) Beide Parteien haben sich geeinigt, "im Wege der freiwilligen Gerichtsbar- 
keit" (wie wir heute sagen), den Rechtsstreit von einem jiidischen Richter 
entscheiden zu lassen. 

162) Goldschmidt: "Hinterlist." - Der Sinn ist: Dqy Judische Einzelrichter [jiidische 
Rechtsanwalte gab es da noch nicht] soil den Nichtjuden durch allerhand Reden 
und Spitzfindigkeiten so verwirren, daB er von seiner Klage absteht oder sich zur 
Zahlung des Eingeklagten usw. bewegen laBt. - Ein gerichtlicher Vergleich ist un- 
statthaft: Sanhedrin 6b; pal. Sanhedrin 18b; Thos. Sanhedrin 1 2. 

163+) d.h. wenn durch ein solches Verfahren der judische Gott und sein Volk bei 
den Nichtjuden in MiBkredit kommen konnte, indem diese z.B. sagen wiirden: Ein 
schoner Gott, der den Juden so etwas erlaubt! - Ohne die (von jiidischen Autoren 
wie Hoffinann usw. iibertriebene religiose Verbramung ist der nackte Sinn der 
Formel: "Falls Gefahr vorliegt, dafi die Sache an die nichtjiidische Offentlichkeit 
kommt" (S.o. zweiter und dritter Pfiff ). 

164) Die in "-" gesetzte Stelle ist nach Goldschmidts Ubersetzung wiedergegeben, 
damit man ja nicht denke, ich iibersetzte parteiisch - was ich nie tue. 

165) Die nachste iibersetzte Stelle ("Samuel hat gesagt") schlieBt sich sogleich, 
aber auBerlich unvermittelt hier an. Der verbindende Gedanke ist etwa: Wenn sich 
der Nichtjude um Geld oder Geldeswert zu seinem Schaden geirrt hat, so ist auch 
dies "sein Verlorenes", das man sich zueignen darf. 

166) Obwohl dieser Bericht (von Samuel hat gesagt" ab) "haggadisch", d.h. erzah- 
lend ist, hat ihn Isserles im Schulchan aruch (zu Choschen ha-mischpat 348,2, wo 
das Bestehlen auch eines Nichtjuden verboten ist) seine in Polemik und Apologetik 
so "beriihmt" gewordene "Hagah" (Zusatz) aufgebaut: "Der Irrtum eines Nichtju- 
den, z.B. ihn beim Rechnen irren zu lassen oder ihm eine [von ihm iibersehene] 
Schuld nicht zu bezahlen, ist erlaubt, doch nur, wenn er es [spater] nicht gewahr 
wird, damit keine 'Entweihung des Namens' erfolgt. Manche sagen, es sei verbo- 
ten, in ihm den Irrtum zu erregen, erlaubt nur, wenn er sich selbst geirrt hat." - So 
sind (entgegen jiidischen Behauptungen) noch ofter "haggadische" Telle des Tal- 
mud als halachisch (normativ) in den Schulchan aruch aufgenommen worden. - 
Charakteristisch fiir rabbinische Doppelzungigkeit ist es, daB der obengenannte 
Samuel einerseits "Staatsgesetz ist Gesetz" sagt, andererseits die Ausniitzung eines 
"Irrtums des Nichtjuden" fiir erlaubt erklart. 

167) Der erste Teil ist ebenfalls in den Schulchan aruch (Choschen ha-mischpat 
28,3) aufgenommen; s.o. z.St. - Etwas anders, ebenfalls im Sch.a. (Joreh deah 
334,43): "Wer vor einem nichtjiidischen Gerichtshofe gegen einen Juden Zeugnis 
ablegt und durch seine, dem jiidischen Rechte nicht entsprechende Zeugnisable- 
gung bewirkt, daB er (der Jude dem nichtjiidischen Klager) Geld zahlen muB, wird 
so lange in den kleinen Bann getan, bis er (dem verurteilten Juden das gezahlte 
Geld) ersetzt hat." - Vgl. hierzu meine berechtigten miBbilligenden Ausfiihrungen 



in " Rabbinischen Fabeln" (Leipzig 1922), S. 76f., wo die ganze Verwerflichkeit 
dieser Bestimmung durch den Sch.a. selbst erwiesen wird. 

168) D.h.: Ich war zu natiirlichem, anstandigem Beischlafe bereit; er aber hat mich 
auf unnatiirliche, unanstandige Weise gemiBbraucht. 

169) D.h.: da im mosaischen Gesetze (den 5 Biichem Mose) kein Verbot solcher 
Gemeinheiten steht, kann ich dir nicht helfen! (Vgl. in meinem Buche "Das Blut in 
jiidischem Schrifttum und Branch" [Leipzig 1929] die groBe Anmerkung 2: "Was 
nicht verboten ist, das ist erlaubt.") - Herr Privatdozent D. Paul Fiebig, Pfarrer (!) 
an der Peterskirche in Leipzig, Mitarbeiter jiidischer Blatter, Vortragsredner des 
"Centralvereins deutscher Staatsbiirger jiidischen Glaubens", Liigner des Opferto- 
des Christif usw. usw., hat an dieser talmudischen Behandlung von "Ehe- 
Intimitaten" nichts auszusetzen und findet den "Schwerpunkt des Gedankens" dar- 
in, "dafi man sich einen Genufi nach seinem Geschmack zubereiten kann" (!!). 
Zugleich hat er die - Kiihriheit, zu behaupten, daB auch unsere Gesetze eine derart 
schweinisch behandelte Frau nicht schiitzen wiirden (!), Theodor Fritsch ("Der 
Streit um Gott und Talmud", Leipzig 1922, S. 58) hat diesen Schwindel schlagend 
widerlegt. 

170) Nach Traktat Kidduschin 2a kann ein Weib angetraut werden durch Uberrei- 
chung eines Geldstiicks mit den Worten: "Sei mir angetraut laut dem Gesetze 
Moses und Israels" oder durch Uberreichung einer Antrauungsurkunde oder durch 
Beischlaf. Nach Kidduschin 12b wurde das letztgenannte Verfahren mit Riemen- 
schlagen am Manne geahndet. 

171+) Nach 5. Mose 25,5ff. muBte der Bruder eines verstorbenen Juden dessen 
kinderlos gebliebene Witwe heiraten (Leviratsehe), da Polygamic ja erlaubt war. 
Eine solche Schwagerin wurde (laut a.a.O., 2a) nur durch Beischlaf geehelicht. 

172++) Bis zum Abende, worauf er ein rituelles Bad zu nehmen hat. Ihr bei dem 
tierischen Schandungsakte abgehendes Blut wird dem Menstrualblute gleichge- 
setzt. 

173) DaB dies nicht bloBe Theorie ist, zeigt das (unten '3. Die geschandete dreijah- 
rige Nichtjiidin**). Mitgeteilte aus Kethuboth 60b 61a, wo Priester noch jiingere 
Madchen sich angetraut haben! Nach Jebamoth 59a durfte der Hohepriester sich 
nur ein noch nicht mannbares Madchen antrauen! - Im Traktate Kidduschin 11, 6 
(Mischnah) und 50b (Gemara) wird es als Forderung der guten Sitte (!) hingestellt, 
daB ein jiidisches Madchen bei Eintritt der Mannbarkeit schon verheiratet sei! - Rab 
Chasda, der selbst schon mit 16 Jahren heiratete, nahm seine Frau als noch nicht 
Mannbare (Kidduschin 81b, Niddah 66a). 

174) Bestialitat wird im Talmud mehrfach erwahnt. Vgl. Jebamoth 59b: "Rab 
Schimmi bar Chijja sagte: 1st ein Weib von einem Tiere begattet worden, so ist sie 
(doch) zur Ehe mit einem Priester (Kohen) geeignet" (weil dies nur als eine Verlet- 



zung angesehen wird). - DaB solche Falle nicht etwa erdacht sind, sondem 
Tatsachen waren, zeigt das unmittelbar folgende: "Als Rab Dimi kam, berichtete 
er: Einst ereignete sich in Hitlo, daB ein Dorfhund ein Madchen, das [nackt oder 
mangelhaft bekleidet, kniend] die Stube auswusch, von hinten begattet, und Rabbi 
[Jehudah I.] erklarte sie als geeignet fiir einen Priester; Samuel sagte: Fiir einen 
Hohenpriester. " (Gemeint sind die als besonders heilig geltenden angeblichen 
Nachkommen von Priestem und Hohenpriestem.) 

175) Der beruhmte Bibel- und Talmudaufklarer Raschi (1040-1105) rechnet (in 
seinem Pentateuchkommentare) zu 1. Mose 25,20 aus, daB Isaak bei der Geburt der 
Rebekka 37 Jahre alt gewesen sei, und fahrt dann fort: "Zu dieser Zeit wurde Re- 
bekka geboren, und nachdem er drei Jahre gewartet hatte, bis sie zum Beischlafe 
geeignet war, nahm er sie (zur Frau). " - Auf ahnliche Weise wird vermittels einer 
verriickten Chronologie im Traktate Sanhedrin 69b aus alttestamentlichen Stellen 
ausgerechnet, daB Bathscheba den Salomo in ihrem 6. Lebensjahre geboren habe. 
Ihr verstorbenes Kind von David (2. Samuelis 12,15) hatte sie mithin spatestens als 
Fiinfjahrige geboren, so daB sie den Ehebruch mit David als Vierjahrige begangen 
hatte. Da sie aber damals schon eine Zeit lang das Weib des Hethiters Uria war, 
miiBte dieser sie bereits in ihrem 3. Lebensjahre zur Frau genommen haben! 

176) Vgl. meine "Rabbinischen Fabeln" (Leipzig 1922), S. 6! - Ein verwandtes 
Verfahren des Herm Fiebig habe ich in "Rabbi und Diakonus" (Leipzig 1922) eine 
unwahre Behauptung wider mogliches besseres Wissen genannt. Da ich Herm F. 
schon vorher brieflich denselben Vorwurf mit Hinweis auf seinen Sachverstandi- 
gen-Eid gemacht hatte, bekam er es mit der Angst zu tun und reichte dem 
ProzeBgerichte hinterdrein langatmige "Erklarungen" seiner Worte ein! 

177) Vgl. "Rabbinische Fabeln", besonders S. 27-42. So gibt z.B. Dr. Wiesen eine 
Stelle aus einer Erlauterung zum Schulchan aruch fiir den Schulchan-aruch-Text 
selber aus. Von seiner Behauptung: "Ein Heide, welcher die Gotteslehre (!) stu- 
diert, gleicht vollkommen dem Hohenpriester" steht das Gegenteil in Talmud, 
Thosaphoth, Maimonides. Er verschweigt gegenteilige Ansichten, stellt ein speziel- 
les Verbot textwidrig als allgemeingiiltig hin; behauptet "iiberall gelte der 
Grundsatz: Staatsgesetz ist Religionsgesetz" (wahrend es in Wirklichkeit heiBt: 
"Das Gesetz der [nichtjiidischen] Regierung ist [auch] Gesetz", was aber im Tal- 
mud und Schulchan aruch jedesmal eingeschrdnkt wird), stellt gelegentlich den 
Sachverhalt geradezu auf den Kopf usw. usw. (Man lese a.a.O. meine ausfiihrlichen 
Widerlegungen nach, auf die ich von Dr. Wiesen bis heute noch keinen Wider- 
spruch gehort habe!) - In derselben Schrift tue ich die Flugbldtter des 
"Centralvereins" ab, mit deren unwahren Inhalte er auf Staatsanwdlte und Gerichte 
einzuwirken suchte. 

178) Was fiir grobe Textfdlschungen sich neuere Ausgaben des Schulchan aruch 
leisten, hat Dr. Jakob Ecker in seinem "Judenspiegel im Lichte der Wahrheit", 3. 
Aufl., Paderbom 1921, allenthalben nachgewiesen. [E. hat sich sonst mannigfach 
geirrt; die Ehrenhaftigkeit des Verstorbenen angetastet, blieb einem Fiebig vorbe- 



halten, den ich dafiir in meiner Schrift "Rabbi und Diakonus" gezeichnet habe.] Im 
Traktate Kethuboth 102h fdlschen neuere Talmudausgaben, z.B. die Wilnaer, die 
Stelle: "Es ist vorgekommen, daB sie [die Verwandten eines jiidischen Knaben] ihn 
schlachteten am Vorabende des Passahfestes" geflissentlich um in "am ersten 
Abend" (vgl. Th. Fritsch, "Der Streit um Gott und Talmud", Leipzig 1922, S. 61. - 
H.L. Strack, "Das Blut" usw., 5.-7. Aufl., Miinchen 1900 [heute vergriffen], S. 
116ff.) 

179) Wie Lazarus Goldschmidt richtig anfiihrt, ist es talmudisches Axiom, daB bei 
einem derail geschandetem kleinen Madchen die geraubte Jungfrauenschaft sich 
wieder ersetze, was natiirlich eine physische Unmoglichkeit ist. 

180+) Bei der indischen Ehe eines reifen Mannes mit einem noch unreifen Mad- 
chen, so scheuBlich sie fiir uns ist (obwohl dort die Geschlechtsreife viel friiher 
eintritt), ist das Kind doch wenigstens etwa 6 Jahre alt, was einem Lebensalter von 
14-15 Jahren bei uns entspricht. 

181) Das iibliche Hoflichkeitswort jiidischer Polemiker (vgl. meine "Rabbinische 
Fabeln" S. 15 uns 29), das sogar Dr. D. Hoffmann ("Der Schulchan-Amch" S. 123) 
in den Mund zu nehmen sich nicht fiir zu gut halt. Die kleinen jiidischen Literaten 
verfiigen iiber ein noch reicheres Schimpflexikon; bekommen sie doch ihre Geld- 
strafen von gewisser Seite ersetzt oder wenigstens Verteidiger usw. gestellt. Sie 
werden auch gelegentlich dieser Schrift ihr Gewerbe treiben, und ich werde sie mo- 
res lehren. 

182) Besonders Herm Staatsanwalt Dr. Schaufufi-Plaucn zur Kenntnisnahme! 

183) Sanhedrin 69b: "Rabbi Chijja hat ... gesagt: Alle stimmen uberein, daB der [ak- 
tive] Beischlaf eines 9 Jahre und 1 Tag alien Knaben als [wirkliche] Begaiiung 
gelte, und daB der eines Knaben unier 8 Jahren nicht als solche gelte; man stritt nur 
hinsichtlich eines achijdhrigen Knaben." - Und nun wird mittels spitzfindiger 
SchluBfolgerungen aus alttestamentlichen Versen langatmig "bewiesen", daB Haran 
(Abrahams Bruder) die Sarah (Abrahams spatere Frau) als Achtjahriger gezeugt 
habe; ebenso sei es noch bei anderen gewesen. - Voran geht noch eine Meinungs- 
verschiedenheit der bekannten Lehrhauser der Schammaj und des Hillel (kurz vor 
Jesu Zeit), wie zu entscheiden sei, wenn eine Witwe mit ihrem unier 13 Jahre alten 
Sohne beischlafahnliche Unzucht trieb, namlich ob sie dann noch einen Priester 
(Ahroniden) heiraten diirfe oder nicht. Die Frage wird bejahil 

184) Die Apologeten haben die Talmudstellen, welche die Ehe eines Juden mit ei- 
ner Nichtjiidin verbieien, bis zum Uberdrusse zitiert. 

185) Laut einer Anklageschrift des Herm Staatsanwalts Dr. SchaufiiB, Plauen, hat 
Emanuel Heimann, der Prediger der dortigen jiidischen Gemeinde, als Zeuge vor 
dem Schoffengerichte Plauen beschworen, "daB die Schandung weiblicher Perso- 
nen, gleichviel ob jiidischer Abstammung oder nicht, nach israelitischem 



Religionsgesetz eine auBerordentlich schwere Siinde sei." - Als er vor der Straf- 
kammer als Sachverstandiger auftreten und sich iiber obige Talmudstellen auBem 
sollte, erklarte er sich als Jude fiir befangen und als bloBer "Prediger" fiir talmu- 
disch nicht geniigend sachverstandig (!!!), worauf ihn das Gericht entlieB. Ich hatte 
ihn so gem belehrt! 

186) Herr Dr. Dinter hat sich die Miihe genommen, im Anhange zur 2. Auflage 
seiner "Siinde wider das Blut" einige solcher SchmeiBfliegen" (wie Prof. Franz De- 
litzsch sagen wiirde) aufzuspieBen. 

187) Nach talmudischen Uberlieferung wurde mit Kain zusammen eine Schw ester 
geboren, die er dann heiratete; von ihm und ihr stammen dann die 1. Mose 4 ge- 
nannten Kinder. Vgl. Sanhedrin 32: "In der achten Stunde [des 6. Schopfiingstages] 
stiegen zwei [die eben geschaffenen Adam und Eva] ins Bett und vier wieder her- 
unter." [Eva hatte da den Kain und seine Schwester empfangen.] - Ebenso im 
Midrasch Bereschith rabba, c.22: "Rabbi Josua ben Karcha hat gesagt: 'Zwei stie- 
gen ins Bett und sieben wieder herunter' [namlich auBer Adam und Eva eben 
empfangen] Kain und seine Zwillings schwester sowie Abel und seine zwei Zwil- 
lingsschwestem. " 

188) Das Menschengeschlecht pflanzt sich fort, weil Adam dem Kain dessen 
Schwester gnadig als Weib gelassen und sie sich nicht selbst genommen hatte. 

189) Bei den Inzestverboten 3. Mose 18 fehlt das Verbot des fleischlichen Um- 
gangs des Vaters mit seiner Tochter! Hieriiber und iiber rabbinische 
Nichtverurteilung des Inzestes der Tochter Lots mit ihrem Vater vgl. mein "Blut in 
jiidischem Schrifttum und Branch" (Leipzig 1929), S. 87f ! 

190+) Adam wird nicht als Jude angesehen, sondem erst Abraham seit seiner Be- 
schneidung, bei der ihm Gott selbst die Vorhaut hielt (Midrasch Bereschith rabba, 
C.49). Als Nichtjude hatte nach obiger Ansicht Adam also seine Tochter zum Wei- 
be nehmen diirfen. [Der Evangelist Lukas, der das Heidenchristliche betont, fiihrt 
daher Jesu Stammbaum auf den "Nichtjuden" Adam zuriick, im Gegensatze zu dem 
judenchristlichen Matthaus, der nur bis auf Abraham zuriickgeht.] 

191) Vgl. oben IV., Traktat "Nedarim" (Geliibde" 20a,b.). 

192) Die Mischnah dieses Stiickes ist "halachisch", die Gemara "haggadisch" (s. § 
9ff ). Den haggadischen Stiicken wird im allgemeinen keine normative Art zuge- 
sprochen, obwohl auch aus der "Haggadah" wichtige Gesetzesnormen abgeleitet 
werden (vgl. z.B. S. 112 Anm. und Ch. Tschernowitz, "Die Entstehung des Schul- 
chan aruch, Bern 1914, S. 12 und daselbst Anm. 6 und 7). - Die mit halaschischen 
Stiicken bunt wechselnden haggadischen enthalten (dem jiidischen Doppelcharakter 
entsprechend) teils auBerst haBliche, teils sehr schone Dinge. Zum Erweise, daB der 
Talmud keineswegs durchweg so "heilig" sei, wie er jiidischerseits oft genannt und 
Unkundigen (sogar den Gerichten, z.B. 1927 dem Schoffengericht Plauen von dem 



dortigen jiidischen Prediger Emanuel Heimann) geschildert ward, habe ich in Anm. 
5 meines Buches "Das Blut" (Leipzig 1929) - vorsichtshalber in lateinischer Spra- 
che - eine Anzahl sehr boser sexualer Stellen aus der talmudischen Haggadah 
wiedergegeben. 

193) 1. Mose 1,1 statt "Am Anfang schuf Gott", damit nicht verstanden werden 
konnte, Gott sei vom "Anfang" geschaffen warden (eth hieBe dann "mit"). 

194) Statt: "Lasset uns Menschen machen", was auf mehrere Gotter gedeutet wer- 
den konnte (1. Mose 1,26). 

194) 1. Mose 2,2 heiBt es im hebraischen Texte ungenau: "und er vollendete am 
siebenten Tage." Das ware ja verbotene Sabbath- Arbeit! 

196+) Weil nach rabbinischer Lehre (Berachoth 61a, Erubin 18a, Kethuboth 8a, 
Sotah 5a usw., vgl. Plato) der erste Mensch zuerst mannweiblich (mit zwei Vorder- 
seiten) war und dann erst von Gott in Mann und Weib auseinandergesagt wurde. 
Oder weil nach 1. Mose 2 Eva erst spater geschaffen wurde. 

197++) Im Urtext (1. Mose 11,7): "Lasset uns hinabfahren", was polytheistisch 
aufgefaBt werden konnte. 

198+++) 1. Mose 49,6: "Derm ... einen Mann ermordet und einen Ochsen ver- 
stiimmelt"; abgeandert, um Simeon und Levi keinen Menschenmord schuld zu 
geben. 

199) 2. Mose 4,20: "Auf einem Esel" (In der heutigen Septuaginta: "Auf Lasttie- 
ren.") Die Weglassung des Esels vielleicht mit Riicksicht auf den agyptischen 
Eselskult, zumal auf den Esel des agyptischen Gottes Typhon. 

200( 4. Mose 16,15: "Keinen einzigen Esel" (Auch die heutige Septuaginta; 
"Nichts Begehrenswertes.") Im Talmud statt "chamor" (Esel) das im unvokalisier- 
ten Hebraisch ganz ahnlich aussehende "chemed" (Bekehrenswertes). - Ubrigens 
steht (was hier vergessen ist) in der Septuaginta (1. Mose 49,14) statt "Isaschar ist 
ein knochiger Esel" auch "J. hat Gutes begehrt". 

201) "Lagos" (anklingend an das griechische "Lagos" = Hase) hieB der Voter des 
Konigs Ptolemaus, der Sohn also Ptolemaus Lagi; der Name seiner Gattin aber war 
keineswegs "Amebeth", sondem^ra/woe. 

202) Dieser aus dem 2. Jahrhundert n.Chr. stammende talmudische Bericht rundet 
in vorziiglicher Weise das neutestamentliche Bild des diinkelhaften Pharisaertums 
und seiner Verachtung der Laien ab. 

203) Man hat diesen Mann, der sehr reich war, spater aber verarmte, fur denselben 
gehalten, der sich mit Jesus iiber die geistige Wiedergeburt unterhielt (Ev. Johan- 
nis, Kap. 3). 



204) Von ahnlicher "Beweiskraft" sind zahllose von den Talmudisten als Stiitzen 
fiir ihre Ansichten angefiihrten Verse aus dem Alten Testament. Die meisten der 
hierfiir maBgebenden Auslegungsregeln (Middoth) des Rabbi Ismael zeitigen eine 
solche gewaltsame "Sommerlogik", daB man fiir Menschen, denen dergleichen als 
iiberzeugend erscheint, schier eine andere Geistesorganisation annehmen mochte. - 
Der bekannte Physiker und Naturphilosoph Professor Wilhelm Ostwald halt es fiir 
durchaus moglich, daB es zahlreiche (nicht etwa verriickte) Menschen und Volker 
mit einer ganz anderen Geistesorganisation als der unseren gibt. Die indischen Phi- 
losophen kommen mittels einer uns unsinnig bediinkenden Logik doch zu 
ahnlichen Denkergebnissen wie wir, gleich dem bekannten Schafer, der im Lotto 
auf Nummer 43 setzte und gewann, weil er seine 7 schwarzen S chafe mit seinen 6 
weiBen multipliziert und dabei "43" herausgerechnet hatte! Professor Alfred Jere- 
mias hat schon vor Jahrzehnten darauf hingewiesen, daB fiir den Orientalen 
Schliisse vollkommen iiberzeugend seien wie etwa die "Bierzeitungslogik": "Der 
Student im ersten Semester XY ist ein Fuchs, folglich hat er die Gans gestohlen". 
Wer je eine langere talmudische "halachische" Diskussion gelesen hat, wird geneigt 
sein, deren wunderliche "Geistesgymnastik" weniger aus der Unbildung der da 
durcheinander redenden rabbinischen Handwerker usw. (s.o. FuBnote 149) als aus 
einer von der unseren vollig abweichenden Geistesverfassung zu erklaren. 

205) Was im iibrigen im jiidischen Religionsrecht erlaubt oder verboten und als 
gtiltig oder nicht anzusehen sei, wird haufig von naiven Richtem im allgemeinen 
und in Sonderfallen gefragt und von "Sachverstandigen" in der groteskesten Weise 
beantwortet. Dem Ultra- Orthodoxen gelten alle talmudischen Lehren als "Worte 
des lebendigen Gottes", auch wenn sie sich widersprechen, anderen der Schulchan 
aruch nebst alien Kommentaren, den Reformem vorgeschlagene oder subjektive 
"Richtlinien". - Hoffmann (s.o. "H.") verzweifelt an einer urkundlichen Festlegung 
und will die " Spruchpraxis" durch den "Schimmusch" (s.d.) erfahren, der natiirlich 
auch sehr verschieden ist. Allen aufgestellten theoretischen Regeln zur Ergriindung 
der "Halachah" (s.d.) wird so oder so widersprochen. Wer eine sein Tun erlaubende 
Talmud- und Schulchan- aruch- oder sonstige angesehene Stelle findet, darf sein 
personliches Verhalten danach einrichten. - Die "Lehre" ist stets unsicher, etwas 
fester der allgemeine oder ortliche praktische Branch (Minhag); aber wenn irgend- 
wo, so gilt gerade hier im allerausgedehntesten MaBe: Practica est multiplex! 



Inhalts verzeichnis . 



Vorwort 3 

Einleitung 5 

Erster Hauptteil: Zur Geschichte des Schulchan aruch 6 

A. Das alttestamentlich-rabbinische Religionsrecht 6 

B. Die "Codices" vor dem Schulchan aruch 10 

C. Der Schulchan aruch von 1565 bis heute 13 
Zweiter Hauptteil: Der Inhalt des Schulchan aruch 17 
Dritter Hauptteil: Zur Literatur iiber den Schulchan aruch 19 

A. Ubersetzung 19 

B. Schriften iiber den Sch.a. 26 

C. Der "Kizzur" 28 

Vierter Hauptteil: Zur Beurteilung des Schulchan aruch 30 

A. Kein selbstandiges Werk 30 

B. Keine "Einrichtung" des Judentums 30 

C. Stellung des heutigen Judentums zum Schulchan aruch 30 
Fiinfter Hauptteil: Ubersetzungen aus dem Schulchan aruch 35 

A. GroBere Abschnitte 36 

B. Kiirzere Stellen40 
Anhang I: Anmerkungen 67 

Anhang II: Ubersetzungen aus dem Talmud 78 
A. Halachische Stiicke 78 



B. Haggadische Stiicke 87 

Nachwort 90 

Verwandte Schriften des Verfassers 91 

Register 92 

FuBnote 96 



Die Seitenangaben beziehen sich aufdie gedruckte Ausgabe und beziehen sich 
nicht auf dieses PDF-Dokument! 



Des falschen Geistes Fesseln sollen gebrochen werden; 

die Gerechtigkeit schreitet daher 

Theodor Fritsch 

Der falsche Gott 

Beweismaterial gegen Jahwe 

11. Auflage. 39.-41. Taus. 224 Seiten. InLeinenRM. 3,50 

Schon 1910 hat Theodor Fritsch mit diesem Buch den Kampf gegen die falsche 
Religionslehre in unserem Leben aufgenommen. Er weist nach, wie verjudet der 
Glaubensbegriff unseres Volkes seit anderthalb Jahrtausenden ist. Fritsch erbringt 
die Tatsachen der falschen Gottheit in klarer, eindeutiger Forschung, stellt dem 
Jahwe des Alten Testaments das volkische, rassische Empfinden des deutschen 
Menschen gegeniiber und weist so die Richtung unserer Erkenntnis einer artgema- 
Ben Gottverbundenheit. 



Die Protokolle Zions 

Neu aus dem Russischen iibersetzt und mit den "Dia- 

logen aus der Unterwelt" verglichen von * * * 

16. Auflage 98.-107. Tausend. Preis RM. 1,- 

Das wissenschaftliche Studium der gesamten Protokollgeschichte hat den Beweis 
erbracht, daB Juden und Freimaurer die "Protokolle Zions" verfaBt haben. Der Kern 
dieser Forschung ist allein in der Neuausgabe der "Protokolle" enthalten und zeigt 
klar das verbrecherische Machtstreben der Juden und Freimaurer. 



Theodor Fritsch 
Handbuch der Judenfrage 

Dieses Werk, so auBerte sich schon vor Jahren 

Adolf Hitler 

miiBte Besitz jedes Deutschen sein. 

Der "Angriff ' nennt das "Handbuch" von 

Theodor Fritsch 

die unerschopfliche Quelle zur Erkenntnis der Juden 

275. Tausend. 46. Auflage. RM. 4,50 

Das "Handbuch der Judenfrage" ist das alteste Werk iiber die Machtstellung der 
Juden in Deutschland. Es erschien 1887 zum ersten Male als "Antisemiten- 
Catechismus" und ist seitdem in fast jeder Auflage durch die Mitarbeit fiihrender 
Kenner der einzelnen Gebiete emeut und vervollstandigt worden. Dadurch erhalt 
das Werk die sicheren Kennzeichen eines Lehrbuches, dessen reichhaltige Inhalts- 
angabe schon zeigt, wie umfassend es gestaltet ist. Der Kampf gegen das Judentum 
erfordert die einwandfreie Darstellung des jiidischen Charakters und die genaueste 
Erkennung der jiidischen Wege und Ziele. Durch die Wiedergabe jener Zeit der 
absoluten Herrschaft des Judentums in Deutschland verliert das Buch jede wissen- 
schaftliche Trockenheit und wird gleichzeitig zu einem riicksichtslos enthiillenden 
Warner vor einem Riickfall in jene ungliickselige Gleichgiiltigkeit. Darum ist es in 
vorziiglicher Weise ein Lehrbuch fiir die heranwachsende Jugend. 



Ein Quellenwerk zur wahren Kenntnis des Judentums: 

Jacob Brafmann 
Das Buch vom Kahal 

Herausgegeben von 

Dr. S. Passarge 

Univ. -Professor in Hamburg 

Zwei Bande. 285 und 400 Seiten 

Geheftet RM. 20,-; in zwei Ganzleinenbanden RM. 25,- 

Erster Band: 

Materialien zur Erforschung der jiidischen Sitten 

Inhalt: Einfiihrung von Prof. Passarge (45 Seiten) 

Erlauterungen Brafmanns (55 Seiten) / 285 Kahal- Akten 

und drei Anhange 

* 

Zweiter Band: 

Das Buch von der Verwahung der jiidischen Gemeinde 

Inhah: 1055 Kahal-Akten im Auszug / Bogrows "Memoiren 

eines Juden" im Auszug (72 Seiten) / Prof Passarge: Das 

jiidische Problem (40 Seiten) / Anmerkungen, Erlauterungen, 

Sachregister 

Zum erstenmal seit seinem Bestehen wird hier den arischen Volkem ein 
ausgedehntes Urkundenmaterial zur Geschichte des jiidischen Geheimbundes 
zugangig gemacht, das nicht zuvor die Zensur des Rabbinismus passiert hat. 



Die auBerordentliche Bedeutung dieses Buches fiir unser Volk liegt darin, daB es 
das Wesen der jiidischen Geheimorganisation endgiiltig entschleiert, daB es an ei- 
nem mit tausend urkundlichen Einzelziigen belegten Beispiele die unumstoBliche 
Wahrheit des Bekenntnisses von Jakob Klatzkin beweist, daB wir es bei dem Juden- 
tum nicht mit einer Glaubensgemeinde, sondem mit einer Rechts- und 
Wirtschaftsgemeinschaft, also in Wahrheit mit einem "Staat im Staate" (Mohke), 
einer Verschworung gegen seine Wirtsvolker zu tun haben. Die Bedeutung dieses 
EinbHckes in eine uns bisher volHg verschlossene Weh ist gar nicht abzuschatzen, 
derm hier ist die Auswirkung der Talmudmoral in der Praxis, die wir bisher nur in 
ihren Erfolgen, nicht aber in ihren Mitteln kannten. Gegen das hier abgespeicherte 
erdriickende Riesenmaterial an Originalakten, dessen Einwandfreiheit der Heraus- 
geber, ein Gelehrter von Weltruf, mit seinem Namen deckt, wird kein Leugnen und 
kein Einwand etwas helfen. 

Der Charakter des Werkes ist der einer aktenmafiigen Sammlung von Quellen; die 
Kreise, fiir die es bestimmt ist, sind die der volkischen Filhrerschicht, die ihrerseits 
das gebotene Material je nach Bediirfiiis den Kreisen ihrer Anhanger mundgerecht 
machen mag. Wer den Gegner, den er bekampft, niederzwingen will, muB ihn zu- 
nachst einmal erkennen. Bisher kannten wir nach Heines dreistem Wort von den 
Juden nur ihre Barte. Im iibrigen blieben sie uns ein wandemdes Geheimnis. Die 
Folge dieser Tatsache ist, daB wir in die Defensive gedrangt wurden: politisch, 
wirtschaftlich, geistig. Mit der Veroffentlichung des Brafinannschen Werkes geht 
der Antisemitismus zur Offensive iiber. 

Es ist der starkste Schlag, der seit einem Menschenalter gegen das Judentum ge- 
fiihrt worden ist, um so vemichtender, weil Juda selbst es ist, das ihn fiihrt. Eine 
Selbstentlarvung groBten Stils, die in dem MaBe, als sie der arischen Offentlichkeit 
zum BewuBtsein kommt, mit Notwendigkeit zu weittragenden gesetzlichen MaB- 
nahmen fiihren muB. Wie sehr das Judentum diese Veroffentlichung zu fiirchten 
hat, geht daraus hervor, daB es sie schon vor ihrem Erscheinen in spaltenlangen 
Aufsatzen zu entwerten suchte. Um so notwendiger ist es, daB das deutsche Volk 
der Wahrheit zum Siege und dem Buche zum Erfolge verhilft. 

Hammer- Verlag * Theodor Fritsch "^ Leipzig 

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