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Full text of "Der Mythus Des 20 Jahrhunderts"

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Inhaltsverzeichnis: 



Erstes Buch: Das Ringen der Werte 

I. Rasse und Rassenseele 

II. Liebe und Ehre 
II. Mystik und Tat 

Zweites Buch: Wesen der germanischen Kunst 

I. Das rassische Schonheitsideal 

II. Wille und Trieb 

III. Personlichkeits- und Sachlichkeitsstil 

IV. Der aesthetische Wille 

Drittes Buch: Das kommende Reich 

I. Mythos und Typus 

II. Der Staat und die Geschlechter 

III. Volk und Staat 

IV. Das nordisch-deutsche Recht 

V. Deutsche Volkskirche und Schule 

VI. Ein neues Staatensystem 

VII. Die Einheit des Wesens 

Sach- und Namensverzeichnis 



[1] 
EINLEITUNG 

Samtliche heutigen auBeren Machtkampfe sind Auswirkungen eines inneren 
Zusammenbruchs. Eingestiirzt sind bereits a 1 1 e Staatssysteme von 1914, ob sie auch 
teilweise formal noch weiterbestehen. Zusammengebrochen sind aber auch soziale 
kirchliche, weltanschauliche Erkenntnisse und Werte. Kein oberster Grundsatz keine 
hochste Idee beherrscht umstritten das Leben der Volker. Gruppe ringt gegen Gruppe, 
Partei gegen Partei, nationaler Wert gegen Internationale Lehrsatze, starrer 
Imperialismus gegen umsichgreifenden Pazifismus, Die Finanz umschlingt mit goldenen 
Stricken Staaten und Volker, die Wirtschaft wird nomadisiert, das Leben entwurzelt. 



Der Weltkrieg als Beginn einer Weltrevolution auf alien Gebieten hat die tragische 
Tatsache gezeigt, daB zwar Millionn ihr Leben opferten, dies Opfer aber anderen || 

Kraften zugute gekommen ist, als wofiir die Heere zu sterben bereit waren Die Toten 
des Krieges sind die Opfer der Katastrophe einer wertelos gewordenen Epochezugleich 
aber — und das beginnt in Deutschland eine wenn auch heute noch geringe Zahl von 
Menschen zu begreifen — die Martyrer eines neuen Tages, eines neuen Glaubens. M 

Das Blut, welches starb beginnt lebendig zu werden. In seinem mystischen Zeichen geht 
ein neuer Zellenbau der deutschen Volksseele vor sich. Gegenwart und Vergangenheit 



erscheinen plotzlich in einem neuen Licht und fiir die Zukunft ergibt sich eine neue 
Sendung. Geschichte und Zukunftsaufgabe bedeuten nicht mehr Kampf von Klasse 
gegen Klasse nicht mehr Ringen zwischen Kirchendogma und Dogma sondern die 
Auseinandersetzung zwischen Blut und Blut, Rasse und Rasse, Volk und Volk. Und das : 
Ringen von Seelenwert gegen Seelenwert. 

[2] 

Die Kraft der Rassenseele 

Die rassische Geschichtsbetrachtung ist eine Erkenntnis die bald selbstverstandlich sein wird. 
ihr dienen bereits verdienstvolle Manner Die Karmer werden in nicht sehr ferner Zukunft den 
Bau des neuen Weltbildes vollenden konnen. 

Aber die Werte der Rassenseele , die als treibende Machte hinter dem neuen Weltbild stehen 
sind noch nicht lebendiges BewuBtsein geworden. Seele aber bedeutet Rasse von innen 
gesehen. Und umgekehrt ist Rasse die AuBenseite einer Seele. Die Rassenseele zum Leben 
erwecken, heiBt ihren Hochstwert erkennen und unter seiner Herrschaft den anderen Werten 
ihre organische Stellung zuweisen: in Staat, Kunst und Religion Das ist die Aufgabe unseres 
Jahrhunderts: aus einem neuen Lebens-Mythus einen neuen Menschentypus schaffen. 

Dazu bedarf es Mut. Mut eines jeden Einzelnen Mut des ganzen heranwachsenden 
Geschlechts, ja vieler noch folgender Generationen. Denn ein Chaos wird nie von Mutlosen 
gebandigt und noch nie ist von Feiglingen eine Welt gebaut worden. Wer vorwarts will, muB 
deshalb auch Briicken hinter sich verbrennen. Wer sich auf eine groBe Wanderung begibt, 
muB alten Hausrat liegen lassen. Wer ein Hochstes erstrebt, muB Minderes beugen. Und auf 
alle Zweifel und Fragen kennt der neue Mensch des kommenden Ersten Deutschen Reichs nur 
eine Antwort: Allein ich will! 

So viele auch diese Worte zu innert heute schon mit bejahen, so kann doch keine 
Gemeinschaft auf die in dieser Schrift vorgetragenen Gedanken und SchluBfolgerungen 
festgelegt werden. sie sind durchaus personliche Bekenntnisse, nicht Programmpunkte der 
politischen Bewegung, welcher ich angehore. Diese hat ihre groBe Sonderaufgabe und muB 
sich als Organisation femhalten von 

[3] 

Die personliche Freiheit 

Auseinandersetzungen religioser, kirchenpolitischer Art ebenso wie von der Verpflichtung auf 
eine bestimmte Kunstphilisophie oder einen bestimmten Baukunststil. sie kann also auch fur 
das hier Vorgetragene nicht verantwortlich gemacht werden. Umgekehrt sind philosophische, 
religiose, kiinstlerische Uberzeugungen nur unter der Voraussetzung personlicher 
Gewissensfreiheit wirklich ernst zu begriinden. Das ist hier der Fall, jedoch richtet sich das 
Werk nicht an Menschen, die gliicklich und festgefugt innerhalb ihrer 
Glaubensgemeinschaften leben und wirken wohl aber an alle, die sich innerlich von diesen 
gelost, zu neuen weltanschaulichen Bindungen aber noch nicht durchgekampft haben. Die 
Tatsache, daB diese heute schon nach Millionen zahlen verpflichtet jeden Mitkampfer durch 
tiefere Besinnung sich selbst und anderen Suchenden zu helfen.. 



Die Schrift deren Gmndgedanke auf 1917 zuriickgeht, war bereits 1925 im wesentlichen 
abgeschlossen, neue Pflichten des Tages zogerten aber ihre Vollendung immer wieder hinaus. 
Werke von Mitkampfern oder Gegnern forderten dann ein Behandeln friiher zuriickgedrangter 
Fragen. Keinen Augenblick glaube ich, daB hier eine Vollendung des groBen uns heute vom 
Schicksal gestellten Themas vorliegt. Wohl aber hoffe ich, Fragen klargestellt und im 
Zusammenhang beantwortet zu haben als Grundlage fiir das Herbeifiihren eines Tages, von 
dem wir alle traumen. 

Miinchen, im Februar 1930. 

Der Verfasser 



[5] 
Zur 3. Auflage 

Oh, ihr Genossen meiner Zeit! 

Fragt eure Arzte nicht undnicht die Priester, 

wenn ihr inner lich vergeht. 

Holderlin 

Das Erscheinen vorliegender Schrift hatte sofort einen Meinungskampf heftigster Form 
hervorgerufen. Geistige Auseinandersetzungen waren zwar dank der klar gestellten Fragen 
und bewuBt zugespitzten Pragungen zu erwarten, aber off en gestanden, jener konzentrierte 
HaB, der mir entgegenschlug und jene skrupellose Entstellungsarbeit angesichts der von mir 
gemachten Ausfuhrungen wie sie auf Kommando einsetzten haben mich doch erschiittert aber 
auch — erfreut. Denn die wilde, hemmungslose Polemik namentlich romischer Kreise hat mir 
gezeigt, wie tief berechtigt die dem romisch-syrischen Prinzip im vorliegenden Werke zuteil 
gewordene Beurteilung ist. Nach altbewahter Methode wurden aus der umfangreichen Schrift 
gewisse SchluBfolgerungen und Pragungen zusammengestellt und die "Gotteslasterlichkeit", 
der " Atheismus", das " Antichristentum", der "Wotanismus" des Verfassers vor dem glaubigen 
Leser in der bloB deutsch geschriebenen romischen Presse und in Pamphleten entrollt. Die 
Verfalscher unterschlugen, daB ich sogar soweit gehe, fur die gesamte germanische Kunst 
einen religiosen Ausgangspunkt und Untergrund zu postulieren, daB ich mit Wagner erklare, 
ein Kunstwerk sei die lebendig dargestellte Religion. Man unterschlug die groBe Verehrung, 
die im Werk dem Stifter des Christentums gezollt wird; man unterschlug, daB die religiosen 
Ausfuhrungen den offenbaren Sinn haben, die groBe Personlichkeit ohne spatere entstellende 
Beigaben 

[6] 
Gegen Gedankenentstellung 

verschiedener Kirchen zu erblicken. Man unterschlug, daB ich den Wotanismus als eine tote 
Religionsform hinstellte [aber, natiirlich vor dem germanischem Charakter Ehrfurcht habe der 
Wotan ebenso gebar wie den Faust], und dichtete verlogen und skrupellos mir an, ich wollte 
den "heidnischen Wotanskult" wieder einfiihren. Kurz, es gab nichts, was nicht entstellt und 
verfalscht wurde; und was dem Wortlaut nach richtig angefiihrt erschien, erhielt durch 
HerausreiBen aus dem Zusammenhang eine ganz andere Schattierung. Durchgehend 



unterschlug die romische Presse alle geschichtlichen — well unangreifbaren — Feststellungen; 
durchgehend wurden alle Gedankengange die zu bestimmten Anschauungen fiihrten, verzerrt 
und die Begriindungen aufgestellter Forderungen verschwiegen.. Die Pralaten und Kardinale 
mobilisierten die "glaubigen Massen", und Rom, welches mit dem atheistischen Marxismus, 
d. h. mit machtpolitischer Unterstiitzung des Untermenschentums einen Vernichtungskampf 
gegen Deutschland, auch unter Opferung der deutschen katholischen Massen selbst fiihrt, 
hatte die Stim, plotzlich iiber "Kulturkampf ' zu zetern. Die Ausfiihmngen dieses Werkes, die 
nach Form und Gewalt doch wohl iiber dem Tagesniveau liegen, wurden nicht zum 
Gegenstand einer sachlichen und deshalb begriiBenswerten Kritik gemacht, sondern zum 
wiistesten Tageskampf benutzt. Nicht gegen mich allein — das hatte mich kalt gelassen — 
wohl aber gegen die nationalsozialistische Bewegung, der ich seit ihrem Anfang angehore. 
Trotzdem ich in der Einleitung und auch im Werk selbst ausdriicklich erklart habe, daB eine 
machtpolitische Bewegung, die viele religiose Bekenntnisse umfasse, nicht Fragen religioser 
oder kunstphilosophischer Natur losen konne, daB folglich mein weltanschauliches 
Bekenntnis ein personliches sei, trotz allem taten die Dunkelmanner alles in ihren Kraften 
stehende, um von ihren politischen Verbrechen am deutschen Volke abzulenken und wieder 
einmal iiber die "gefahrdete 

[7] 

Rom gegen deutsche Wiedergeburt 

Religion" zu jammern; obgleich durch nichts echte Religion mehr gefahrdet war und ist, als 
durch die systematische Hochziichtung des Marxismus durch das von romischen Pralaten 
geleitete Zentrum. Die nationalsozialistische Bewegung hat keine religiose Dogmatik zu 
treiben, weder fiir noch gegen ein Bekenntnis, aber die Tatsache, daB man einem im 
politischen Leben stehenden Menschen das Recht auf Vertretung einer religiosen 
Uberzeugung, die der romischen zuwiderlauft, bestreiten will, zeigt, bis zu welchem Grad die 
geistige Knebelung bereits gediehen ist. An der Wertung einer romischen Dogmatik wird die 
Zulassigkeit der Betatigung im nationalen Lager bemessen, anstatt daB eine derartige 
AnmaBung von vorneherein als psychologisch unmoglich erscheinen sollte. Ein doch 
zweifellos ernster Versuch, die Personlichkeit Christi von nichtchristlichen Paulinischen, 
Augustinischen u.a. Zutaten zu saubem, hat bei den herrschenden NutznieBern der Entstellung 
der geistigen Gestalt Jesu Christi eine einmiitig geauBerte Wut zur Folge, nicht well hohe 
religiose Werte angetastet worden waren, sondern well eine durch Seelenangstigung von 
Millionen erreichte politische Machtstellung durch ein stolzes Erwachen bedroht erschien. 
Die Dinge liegen nun so, daB die romische Kirche vor Darwinismus und Liberalismus keine 
Furcht empfand, well sie hier nur intellektualistische Versuche ohne gemeinschaftsbildende 
Kraft erblickte, die nationalistische Wiedergeburt des deutschen Menschen aber, von dem die 
alien Wertverflechtungen durch die Erschiitterung von 1914 — 1918 abgefallen sind, erscheint 
deshalb als so gefahrlich, well hier eine typenschaffende Macht zu entstehen droht. Das 
wittert die herrschende Priesterkaste schon von weitem und gerade well sie sieht, daB dieses 
Erwachen alles Edle und Stolze zu starken sich bemiiht, deshalb ist ihr Biindnis mit dem roten 
Untermenschentum so eng. Andern wird sich das nur dann, wenn die deutsche Front sich als 
siegreich erweisen wird; in dieser Stunde 

[8] 
Kampf um geistige Typen 



wird Rom als "Freund" das zu erreichen versuchen, was es als Feind nicht zu vollbringen 
vermochte. Doch diese Moglichkeiten zu verfolgen, liegt nicht im Rahmen dieses Buches; 
hier handelt es sich um HerausmeiBelung der geistigen Typen, somit um das selbst- 
BewuBtwerden suchender Menschen, dann um ein Erwecken des Wertegefiihls und in der 
Stahlung des Charakterwiderstandes gegeniiber alien feindlichen Verlockungen. Die ganze 
Erregung iiber meine Schrift war um so bezeichnender, als mit keinem Wort Abstand 
genommen wurde von den Schmahungen der groBen Deutschen wie dies seit langem zum 
literarischen Geschaft der Jesuiten, und ihrer Genossen gehort. Man forderte still schweigend 
die Beschimpfungen Goethes, Schillers, Kants u. a„ man hatte nichts dagegen einzuwenden, 
wenn die Schrittmacher Roms ihre religiose Aufgabe in der Verhinderung der Bildung eines 
deutschen Nationalstaates erblickten; wenn in katholischen pazifistischen Versammlungen 
gefordert wurde, dem deutschen Soldaten den GruB zu verweigem; wenn es katholische 
Geistliche wagten,, offentlich die Taten der belgischen Franktireurs abzuleugnen und die 
deutschen Soldaten der Ermordung ihrer Kameraden zu beschuldigen, um einen Vorwand zur 
Verfolgung der Belgier zu besitzen; wenn das deutsche Volksheer ganz im Sinne der 
franzosischen Propaganda der Altar- und Hostienschandung, begangen in belgischen Kirchen, 
angeklagt wurde. Gegen diese bewuBten Schandungen des Deutschtums, der Ehre seiner 
gefallenen und lebenden Verteidiger hat sich kein Bischof und kein Kardinal erhoben; wohl 
aber erfolgte seitens dieser Instanzen ein heftiger Angriff nach dem andern auf den deutschen 
Nationalismus. Und wenn dies angeprangert wurde, beteuerten die romischem politischen und 
religiosen Gruppen ihr — Nationalgefiihl. 

Die romische Kirche in Deutschland kann ihre voile Verantwortlichkeit fiir die 
volksverwiistende Arbeit ihrer 

[9] 

Romische Kirche und Marxismus 

zahlreichen pazifistischen Geistlichen nicht bestreiten, da sie in andern Fallen, wo ehrenwerte 
katholische Priester Worte echten deutschen Nationalwillens fanden, iiber sie ohne weiteres 
das Redeverbot verhangten. Es besteht also nachweislich eine systematisch durchgefiihrte 
politisch-weltanschauliche Arbeit, dem deutschen Volk seinen Stolz auf die Verteidiger der 
Heimat von 1914 zu rauben, ihr Andenken zu schanden und den heiBen Willen, Volk und 
Vaterland zu schirmen, in den Schmutz zu ziehen. Das festzustellen fordert einfachste 
Wahrhaftigkeit; wie sich die Glaubigen mit ihrer Kirchenbehorde auseinandersetzen, ist Sache 
ihres Gewissens. Es steht aber nicht so, als ob sie, um erwachende Konflikte zum Schweigen 
zu bringen, die nicht zu bestreitenden Tatsachen nur als Entgleisungen hinstellen konnten, 
sondem es gilt den Mut zur Abwehr gerade der Politik der hochsten kirchlichen Stellen zu 
fassen. Ob nun diese erwachenden Krafte dariiber hinaus den ganzen weltanschaulichen 
Gegensatz erkennen oder nicht, mag ihre eigene Angelegenheit bleiben, wichtig ist, daB der 
ernste Wille erwacht, die deutsche Nationalehre nicht nur gegen Marxisten, sondern genau so, 
ja noch scharfer gegen das Zentrum und seine kirchlichen Verbiindeten, als GroBziichter des 
Marxismus, zu verteidigen. Ein Herumgehen auch um diesen Punkt wiirde nur eine 
undeutsche Gesinnung offenbaren. 

Auf einzelne gegnerische Stimmen will ich nicht ausfiihrlich eingehen. Nur sei zur 
Kennzeichnung der skrupellosen Methoden vermerkt, daB der Jesuit Jakob Notges die Stirne 
hat, u.a. zu behaupten der Schutz der Muttersprache gehore zur "katholischen Ordnung", 
obgleich gerade sein Orden der blutigste Bekampfer des Rechts auf Muttersprache gewesen 
ist; daB die Liebe zu Volk und Vaterland bei "alien groBen Moraltheologen" gefordert werde. 



wobei gerade sein Orden gegen den deutschen Nationalismus kampft; bis dann die christliche 
Nachstenliebe 

[10] 

Die jesuitische Kampfmethode 

dieses Herm sich in den Worten entladt: "Dieser Balte ist Kulturkampfer, wie man Boxer ist. 
Der arme Mensch leidet an unheilbarer Petersplatzangst, die sich in. Toben und Schreien 
auBert". Dann wird Hitler der Rat gegeben, mich in eine "Zwangsjacke" zu stecken, da 
kaltstellen nichts mehr niitze: dafiir hat er den russischen Winter zu oft mitgemacht". Dieser 
wiitende HaB des vom romischen Sonnenstich auBer jede Form geratenem Jesuiten wird von 
anderen Ordensgenossen durch die entgegengesetzte Kampfesart erganzt. Der Jesuit Koch z. 
B. fiihlt sich schon gezwungen, auch von einer deutschen Rassenseele zu sprechen, nennt das 
Erleben, wie es aus dem "Mythus" spreche, ernst und ehrenhaft, um zum SchluB Bonifatius 
als den groBten Germanen zu feiern. Dieser Form der Hundertprozentigem Umfalschung 
werden wir nach der Einsicht, daB das Hetzen nichts mehr hilft, in Zukunft ofters begegnen; 
deshalb ist auch derartigen "germanischen" Versuchen erst recht mit Vorsicht zu begegnen. 
Die Zerstorung der deutschen Seele ist stets das Ziel sowohl der Hetzapostel als auch der 
handereibenden Biedermanner der Societas Jesu und ihrer Kampfgenossen. Gestern, heute 
und morgen. 

Auch in evangelischen Kreisen hat mein Werk eine heftige Bewegung hervorgerufen, 
unzahlige Aufsatze in Zeitungen und Zeitschriften bezeugen, daB es offenbar an sehr 
empfmdliche Stellen riihrte. Auf evangelischen Synoden, auf Tagungen des Evangelischen 
Bundes Stand der "Mythus" oft im Mittelpunkt der Debatte und viele Broschiiren 
protestantischer Theologen geben Zeugnis, daB ein Ringen der Werte neu und tief inmitten 
des Luthertums spiirbar geworden ist. Meine Voraussage, daB die Kirchlich-Evangelischen 
sich dem neuen religiosen Fiihlen gegeniiber ahnlich verhalten wiirden wie einst das 
dogmatisch festgelegte Rom gegeniiber der Reformation, hat sich leider bestatigt. Die gegen 
meine Schrift auftretenden 

[11] 
Ringen im Protestantismus 

Theologen und Professoren machten es sich im Vollbesitz der "evangelischen Wahrheit" 
leicht: sie stellten einfach das Ketzerische meiner Ausfuhrungen fest, lobten das "nationale 
Gefiihl" — aber unverbindlich — , freuten sich, (vermeintliche) Unrichtigkeiten feststellen zu 
konnen und lehnten dann ab... 

Mir wurde berichtet, daB auf einer dieser Synoden nach einem derartigen Bericht ein 
schlichter, weiBmahniger Pfarrer aufgestanden sei und erklart habe, er konne dem 
Vortragenden nicht beipflichten, es sei doch offenbar, daB Gott der neuen Rassenkunde 
unserer Zeit ein groBes Problem zur Losung auferlegt habe, dem wir uns alle mit heiligem 
Ernst zu widmen hatten! Hut ab vor diesem ehrwiirdigen Manne! Gleich, ob sein suchen 
dasselbe Ergebnis zeitigt wie meines, dem forschenden ehrlichen Gegner wird jeder wirkliche 
Streiter Respekt bezeugen, aber nicht den alten Dogmenbewahrern, die da glauben, ihre 
Stellungen um jeden Preis halten zu miissen. 



Im Gesprach mit gelehrten Theologen konnte Ich femer stets folgendes feststellen: sie gaben 
mir zu, daB die rassisch-seelische Geschichtsbewertung der Antike richtig sei, auch die 
Beurteilung des Hugenottentums stimme zweifellos. Aber, wenn ich dann die 
SchluBfolgerung zog, daB eben auch die Juden ihren ganz bestimmten Charakter, ihre 
blutgebundene Gottvorstellung haben miiBten, daB folglich diese Syrische Lebens- und 
Geistesform uns nicht das geringste anginge, da erhob sich wie eine Mauer zwischen uns das 
alttestamentliche Dogma; da erschien plotzlich die Judenheit als eine Ausnahme unter den 
Volkern. Allen Ernstes sollte der kosmische Gott identisch sein mit den zweifelhaften 
geistigen Niederschlagen des Alten Testaments! Ausgerechnet die hebraische Vielgotterei 
wurde zum Vorbild des Monotheismus erhoben, von der originalen groBen arisch-persischen 
Weltvorstellung und kosmischen Gottesauffassung war der lutherischen Theologie kein 
tieferes Wissen gekommen. 

[12] 

Vergotzung des jiidischen Volkes 

Hinzu trat dann die Verehrung des Paulus, eine Erbsiinde des Protestantismus, gegen die 
bekanntlich schon Lagarde, angefeindet von der gesamten Zunfttheologie seiner Zeit, 
vergeblich bekampft hatte. 

Auch die evangelischen Theologen wiederholen iiberall, selbst bei allgemeiner Zustimmung 
zur volkischen Weltanschauung, den anmaBenden Spruch der romischen Kirche: die rassische 
Volkerbewertung bedeute unchristliche "Vergotzung" des Volkstums. Die Herren iibersehen 
dabei aber, daB die Ausnahmestellung, die sie den Juden zuweisen, nichts anderes darstellt als 
eine Vergotzung des hebraischen, uns stets feindlichen Parasitenvolkes*. Dies erscheint ihnen 
selbstverstandlich und sie belieben ebenfalls dabei zu iibersehen, daB diese Verherrlichung 
des Judentums ganz unmittelbar, bei Freiwerden der jiidischen Triebhaftigkeit, uns jene 
Verlumpung unserer Kultur und unserer Politik beschert hat, gegen welche mit Erfolg zu 
wirken und anzukampfen die heutige Leitung des Protestantismus, eben dank der Juden- 
Vergotzung sich bereits als unfahig erwiesen hat. 

Es ist betriibend, wenn die heutigen Vertreter der evangelischen Theologie so unlutherisch 
sind, die Anschauungen, in denen Luther verstandlicherweise noch befangen sein muBte, als 
fiir immer feststehende Glaubenssatze auszugeben. Luthers GroBtat war in erster Linie die 
Zertriimmerung des exotischen Priestergedankens, in zweiter die Germanisierung des 
Christentums. Das erwachende 

*Bezeichnend ist auch die Antwort, welche D. Strathmann in einer Flugschrift auf den Angriff erteilt, die 
Kirchen sollten sich um das deutsche Volk und nicht angesichts seines Blends um die Niggermissionen kUmmern: 
"Als ob das ihre Aufgabe ware! Um des Rassenkultus ' willen sollen sie die Menschheitsaufgabe der Missionen 
verleugnenl " Die Rasse und Seele der Nigger gilt — neben den guten Juden — im Emstfalle also mehr als die 
Nation, der man anzugehoren die Ehre hat 

[13] 

Erwachende Jugend 

Deutschtum aber hat nach Luther noch zu Goethe, Kant, Schopenhauer Nietzsche, Lagarde 
gefiihrt, heute geht es in gewaltigen Schritten seinem vollen Erbliihen entgegen. Die 
evangelische Theologie wiirde dem echten Luthertum den TodesstoB versetzen, wenn sie der 
Weiterentwicklung seines Wesens sich bedingungslos entgegenstellen wollte. Wenn D. 



Kremers, ein Fiihrer des Evangelischen Bundes, in einer Schrift erklart, der Mythus werde 
namentlich von der akademischen Jugend "verschlungen", so zeigt er, daB ihm bewuBt ist, 
wie stark das neue Leben im jungen protestantischen Nachwuchs bereits tatig wird. Ist es nun 
nicht wichtiger, dieses seelische, volksverwurzelte L e b e n zu fordem, als innerlich langst 
gestiirzten dogmatischen Gotzen anzuhangen? Dieses junge Geschlecht will doch weiter' 
nichts, als die groBe Personlichkeit des Stifters des Christentums in ihrer eigentlichen GroBe 
erschauen ohne jene verfalschende Zutaten, welche jiidische Zeloten wie Matthaus, 
materialistische Rabbiner wie Paulus, afrikanische Juristen wie Tertullian, oder haltlose 
Zerkreuzungen wie Augustinus sie uns als furchtbarsten geistigen Ballast beschert haben. Sie 
wollen Welt und Christentum aus ihrem Wesen begreifen, aus germanischen Werten heraus 
erfassen, ihr selbstverstandliches Recht auf dieser Welt, welches aber gerade heute wieder 
schwer erkampft werden muB. 

Wenn die amtierende Orthodoxie dies alles nicht zu begreifen vermag, so wird sie den Gang 
der Dinge doch nicht andern, hochstens etwas verzogem konnen. Eine groBe Zeit hatte dann 
wieder einmal ein kleines Geschlecht angetroffen. Diese doch kommende Zeit aber bejaht 
sowohl das StraBburger Miinster wie die Wartburg, vemeint jedoch das anmaBende romische 
Zentrum ebenso wie das jerusalemistische Alte Testament. Es saugt sich aus den Wurzeln 
germanischer Dramatik, seiner Baukunst und Musik mehr Kraft als aus den trostlosen 
Erzahlungen des jiidischen 

[14] 

Um die Willenhaftigkeit des Deutschen 

Winkelvolkes, es anerkennt manche tiefe volkische Symbolik innerhalb der katholischen 
Kirche und verkniipft jene mit der Wahrhaftigkeit des echten Luthertums. Es einst mit einem 
groBem Gewolbe der rassisch-seelichen Weltanschauung alles einzelne zum blutvollen 
Organismus einer deutschen Wesenheit. 

Hier muB der evangelische junge Geistliche vorangehen, da auf ihm nicht jene 
seelenlahmende Zucht liegt wie iiber den katholischen Priestern. Bis die Zeit heranreift, da 
auch aus diesen die germanischen Rebellen auferstehen und die Arbeit des Monchs Roger 
Bacon, des Monchs Eckehart zur Freiheit des praktischen Lebens fiihren, wie es ihnen auch 
die andern groBen Martyrer des Abendlandes vorgelebt, vorgelitten, vorgekampft haben. 

Von nationaler Seite wurde der "Mythus" aus Angst vor dem Zentrum angstlich 
totgeschwiegen, nur wenige wagten es, sich fiir seine Gedankengange einzusetzen. Die 
ablehnende Beurteilung aus diesem Lager aber bestand fast immer darin, mir unterzuschieben, 
ich hatte ein "Griinder einer neuen Religion" werden wollen, hier hatte ich aber versagt. Ich 
habe nun im Kapitel iiber die Volkskirche von vomherein diese Unterschiebung 
zuriickgewiesen; worum es sich heute handelt, ist neben der Begriindung der rassischen 
Geschichtsbetrachtung die Werte der Seele und des Charakters der verschiedenen Rassen und 
Volker und Gedankensysteme gegeniiberzustellen, eine fiir das Deutschtum organische 
Rangordnung dieser Werte zu begriinden, der Willenhaftigkeit des Germanentums auf alien 
Gebieten nachzugeben. Das Problem ist also: gegen das chaotische Durcheinander eine 
gleiche Seelen- und Geistesrichtung herbeizufiihren, die Voraussetzungen einer allgemeinen 
Wiedergeburt selbst aufzuzeigen. An diesem Wollen ist der Wert meines Werkes zu messen 
und nicht durch Kritik dessen, was durchzufiihren ich mir gar nicht vorgenommen habe, was 
Aufgabe eines Reformators 



[15] 
Wesen der Wiedergeburt 

sein wird, der erst einem bereits sehnsiichtig klar eingestellten Geschlecht entsteigen kann. 

Die Auslandstimmen sind durchweg sachlicher als das Echo aus den reformbediirftigen 
Kreisen in Deutschland. Das danische "Forum" brachte einen ernsten Hinweis, ausfiihrlich 
haben sich wissenschaftliche italienische Zeitschriften mit den Gedanken der Schrift befaBt, 
so "Critica fascista", "Bilychnis", "Progresso religioso" ... u. a. Auf der Eroffnung des 
germanistischen Instituts in Paris wurde erklart, wer die neue geistige Bewegung in 
Deutschland kennen lernen wolle, miisse den "Mythus des 20. Jahrhunderts" lesen. Wichtiger 
aber als dies alles sind die zahlreichem Zustimmungen aus aller Herren Lander, vor allem 
aber jener Deutschen, die sich der heutigen groBen seelischen Schicksalsstunde sowohl 
Deutschlands als auch aller Volker des Abendlandes bewuBt geworden sind. Die Fragen, vor 
die wir gestellt werden, stehen auch vor der Tiir der anderen Nationen, uns zwingt nur ein 
schweres Schicksal zu einem aufrichtigeren Rechenschaftsbericht und zum Beschreiten eines 
neuen Weges, well sonst mit dem politischen Zusammenbruch auch die seelische Katastrophe 
eintreten muB und das deutsche Volk als wirkliches Volk aus der Geschichte verschwinden 
wird. Eine echte Wiedergeburt aber ist nie Sache der Machtpolitik allein, noch viel weniger 
eine Frage der "wirtschaftlichen Sanierung", wie anmaBende Hohlkopfe meinen, sondem 
bedeutet ein zentrales Erlebnis der Seele, die Anerkennung eines hochsten Wertes. setzt sich 
dieses Erlebnis von Mensch zu Mensch millionenfach fort, stellt sich schlieBlich die geeinte 
Kraft des Volkes vor diese innere Umwandlung, dann wird keine Macht der Wellt die 
Auferstehung Deutschlands zu verhindern vermogen. 

Das demokratisch-marxistische Lager hatte zunachst versucht, das Werk durch Totschweigen 
nicht aufkommen zu lassen. Dann aber wurde es doch zur Stellungnahme 

[16] 

Marxistischer "Sozialismus" 

gezwungen. Diese Leute haben nun den "falschen Sozialismus" angegriffen, wie er angeblich 
zum Schaden der Arbeiterschaft im vorliegenden Werk gelehrt wiirde. Der "wahre" 
Sozialismus der Sozialdemokratie besteht offenbar darin, auch weiterhin unbekiimmert um 
eine buchstabliche Versklavung des ganzen Volkes auf viele Jahrzehnte durch Fortdauer der 
Verpfandung aller noch bestehenden Werte ihre Unterwiirfigkeit unter die Diktate der 
internationalen Finanz fortzufiihren. Der "wahre" Sozialismus besteht ferner darin, das 
schaffende anstandige deutsche Volk weiter hemmungslos einer niedertrachtigem Theater- 
und Filmpropaganda auszuliefern, die nur drei Heldentypen kennt: die Dime, den Zuhalter, 
den Verbrecher. Der "wahre" Sozialismus der marxistischen Fiihrerschaft besteht wohl darin, 
daB der kleine Mann bei einem Fehltritt ins Zuchthaus wandert, die groBen Betriiger aber 
weiter frei ausgehen, wie es bisher schon gepflegte Anschauung einfluBreichster Kreise um 
Demokratie und Sozialdemokratie gewesen ist. Der Gesamtmarxismus hat sich, wie nicht 
anders moglich, als jede organische Gemeinschaft zugunsten fremder nomadischer Instinkte 
auflosend erwiesen, er muB also eine neue Begriindung und Verwurzelung eines solchen V o 1 
k e s sozialistischen stilbildenden Gefiihls als einen Angriff auf sein Dasein empfmden. 

Marxismus und Liberalismus befmden sich heute der ganzen Front entlang im ungeordneten 
Riickzugsgefecht. Viele Jahrzehnte gait es als besonders fortschrittlich, nur von "Menschheit" 



zu reden, Weltbiirger zu sein und die Rassenfrage als riickstandig abzulehnen. Nun sind alle 
diese Illusionen nicht nur politisch erledigt, sondern auch die sie begriindende 
Weltanschauung briichig, und es wird keine lange Zeit mehr vergehen, da sie in den Seelen 
der noch halbwegs gesunden Gefiihrten und Verfiihrten ganz zusammenbricht. In die Enge 
gedrangt, bleibt dem "wissenschaftlichen" Marxismus nichts mehr iibrig, als den 

[17] 

Die groBe Sendung des Arbeitertums 

Nachweis zu versuchen, daB ja auch Karl Marx den EinfluB von Volk und Rasse auf das 
Weltgeschehen ausdriicklich anerkannt habe! Diese Mission, das nicht mehr zu hemmende 
Bluterwachen des deutschen Arbeiters in die maxistische Orthodoxie einzuverleiben, die 
jahrzehntelang den "Rassenwahn" wiitend bekampft hat, untemahm u. a. die "sozialistische 
Bildung". Bin Versuch, der an sich den inneren katastrophalen geistigen Zusammenbruch 
kennzeichnet, wenn auch nach der zahneknirschend zugestandenen Berechtigung des 
rassischen Standpunkts iiberhaupt versichert wird, Marx habe den "Rassefetischismus" 
verworfen. Was selbstverstandlich ist, sonst hatte er sich nach Syrien als Lehrer hinbegeben 
Miissen — wohin er auch gehort. Dies zu erkennen und den marxistischen Materialismus und 
die fmanzkapitalistische Riickendeckung als eine syrisch-jiidische, fremde Pflanze aus dem 
deutschen Leben auszurotten, ist die groBe Sendung der neuen deutschen Arbeiterbewegung, 
die sich dadurch das Recht erkampfen wird, in die Fiihrung der deutschen Zukunft eingereiht 
zu werden. Wir unsererseits leugnen gar nicht sehr verschiedene Einfliisse: Landschaft und 
Klima und politische Tradition; aber das alles wird vom Blut und dem blutgebundenen 
Charakter iiberhort. Um die Wiedererkampfung dieser Rangordnung geht es. 

Die Unbefangenheit des gesunden Blutes wieder herzustellen, das ist vielleicht die groBte 
Aufgabe, die ein Mensch sich heute stellen kann, zugleich bezeugt diese Feststellung die 
traurige Lage des Geistes und des Leibes, daB eine solche Tat Lebensnotwendigkeit geworden 
ist. E i n Beitrag zu dieser kommenden groBen Befreiungstat des 20. Jahrhunderts sollte 
vorliegende Schrift sein. Die Aufriittelung vieler Erwachender, aber auch der Gegner ist die 
erwiinschte Folge gewesen. Ich hoffe daB die Auseinandersetzung einer neuentstehenden Welt 
mit den alten Machten sich immer weiter verastelt, 

[18] 

Unser Traum 

in alle Gebiete des Lebens eindringt, befruchtend immer Neues, Blutgebundenes, Stolzes 
zeugt, bis zu dem Tag, da wir an der Schwelle der Erffiillung unserer Sehnsucht nach einem 
deutschen Leben stehen, bis zu der Stunde, da alle schlagenden Quellen sich zu einem groBen 
Strom der deutsch-nordischen Wiedergeburt vereinigen werden. 

Das ist ein Traum, wert gelehnt und gelebt zu werden. Und dieses Erleben und dies Leben, 
das allein ist Abglanz einer erahnten Ewigkeit, die geheimnisvolle Sendung auf dieser Welt, 
in die wir hineingesetzt wurden, um das zu werden, was wir sind. 

Munchen, im Oktober 1931. A. R. 

Zum 150. Tausend 



Der ""Mythus" hat heute tiefe, nicht mehr auszutilgende Furchen in das Gefiihlsleben des 
deutschen Volkes gezogen. Immer neue Aufgaben sind ein deutliches Zeichen dafiir, daB ein e 
ntscheidender geistig-seelischer Umbruch zu einem geschichtlichen Ereignis 
heranwachst. Vieles, was in meiner Schrift scheinbar absonderliche Idee war, ist bereits 
staatspolitische Wirklichkeit geworden. Vieles andere wird, so hoffe ich, noch als weiteres 
Ergebnis des neuen Lebensgefiihls seine Verkorperung finden. 

Das Inquisitionskollegium der romischen Kirche hat den "Mythus" feierlich auf den Index 
gesetzt. Dieser ohnmachtige Protest wird fiir die weitere Verbreitung des Werkes das seinige 
beitragen. Ich befinde mich auf dem Index in bester Gesellschaft. 

Die staatspolitische Revolution ist beendet, die Umwandlung der Geister aber hat erst 
begonnen. In ihrem Dienst steht nunmehr der "Mythus des 20. Jahrhunderts" mit in erster 
Reihe. 

Berlin, im Mai 1934. A. R. 



Der Mythus des 20. Jahrhunderts 

Alfred Rosenberg 

Erstes Buch: 
Das Ringen der Werte 

Ich bin nur Konig, solange ichfrei bin. 
Friedrich der Grofie. 

[21] bis [144] 

I. Rasse und Rassenseele 

Es beginnt heute eine jener Epochen, in denen die Weltgeschichte neu geschrieben werden 
muB. Die alten Bilder menschlicher Vergangenheit sind verblaBt, die UmriBlinien der 
handelnden Personlichkeiten erscheinen verzeichnet, ihre inneren Triebkrafte falsch gedeutet, 
ihr gesamtes Wesen meist ganz verkannt. Ein junges und sich doch als uralt erkennendes 
Lebensgefiihl drangt nach Gestaltung, eine Weltanschauung wird geboren und beginnt 
willensstark mit alten Formen, geheiligten Gebrauchen und ubernommenen Gehalt sich 
auseinanderzusetzen. Nicht mehr geschichtlich, sondern grundsatzlich. Nicht auf einigen 
Sondergebieten, sondern iiberall. Nicht nur an den Wipfeln, sondern auch an den Wurzeln. 

Und das Zeichen unserer Zeit ist: Abkehr vom grenzenlosen Absolutum. D.h. Anwendung 
von einem iiber alles Erlebbare, Organische gehende Wert, den sich einst das vereinsamte 
"Ich" setzte, um eine iibermenschliche Gemeinsamkeit der Seelen Aller friedlich oder 



gewaltsam herbeizufiihren. Ein solches Endziel war einst die "Verchristlichung der Welt" und 
ihre Erlosung durch den wiederkehrenden Christ. Als ein anderes Ziel erschien der Traum als 
Humanisierung der Menschheit. Beide Ideale sind im blutigen Chaos und in der Neugeburt 
des Weltkriegserlebnisses begraben worden, trotzdem gerade jetzt das eine und das andere 
eine sich immer mehr fanatasierende Pristerschaft und Anhangerschaft findet. Das sind 
Erstarrungsvorgange, nicht mehr lebendiges Leben; ein Glaube, der 

[22] Der Weg zur Blutschande 

in der Seele starb, ist nicht mehr von den Toten zu einwecken. 

Menschheit, All-Kirche und das von den Blutzusammenhangen geloste, selbstherrliche Ich 
sind uns keine absoluten Werte mehr, sondem verzweifelte, ja zum Teil ganz briichig 
gewordene Satzungen einer polaritatslosen Naturvergewaltigung zugunsten von 
Abstraktionen. Die Flucht des 19. Jahrhunderts zum Darwinismus und Positivismus war der 
erste groBe, nur rein bestialische Protest gegen die Ideale lebens- und luftleer gewordener 
Machte, die uns einst aus Syrien und Kleinasien iiberzogen und eine geistige Entartung 
vorbereitet hatten. Von der im All verschwimmenden Christlichkeit und der Humanitas 
miBachtet wurde der Strom blutigroten wirklichen Lebens, der das Geader aller echten 
Volksart und jeder Kultur durchrauschte; oder aber das Blut wurde zur chemischen Formel 
entseelt und dadurch "erklart. Heute aber beginnt ein ganzes Geschlecht zu ahnen, daB nur 
dort Werte geschaffen und erhalten werden, wo noch das Gesetz des Blutes Idee und Tat des 
Menschen bestimmt, sei es bewuBt oder unbewuBt. Auf unterbewuBter Stufe vollzieht der 
Mensch in Kult und Leben die Gebote des Blutes gleichsam im Traumschlaf, "natursichtig", 
wie ein gliickliches Wort das Wesen dieser Ubereinstimmung zwischen Natur und Gesittung 
bezeichnet. Bis die Gesittung in Ausfiillung aller unterbewuBten Tatigkeit BewuBtseins- und 
Lehrinhalt, immer mehr intellektuell wird und auf spater Stufe nicht schopferische Spannung, 
wohl aber Zwiespalt begriindet. So entfemen sich Vernunft und Verstand von Rasse und Art, 
losgelost aus den Banden des Blutes und der Geschlechterreihen fallt das Einzelwesen 
absoluten, vorstellungslosen Geistesgebilden zum Opfer, lost sich immer mehr von der 
artlichen Umwelt, mischt sich mit feindlichem Blut. Und an dieser Blutschande sterben dann 
Personlichkeit, Volk, Rasse, Gesittung. Dieser Rache des Blutes ist niemand entgangen, der 
die Religion 

[23] Ein neues Geschichtsbild 

des Blutes miBachtete: weder die Inder noch die) die Perser noch die Griechen noch die 
Romer. Dieser Rache wird auch das nordische Europa nicht entgehen, wen es nicht Umkehr 
halt und sich von geistig leeren Nebengebilden, blutlosen absolutem Ideen abwendet und 
wieder- wieder vertrauend hinzuhorchen beginnt auf den verschiitteten Sprudel seines 
ureigenen Lebenssaftes und seiner Werte. 

Ein neues beziehungsreiches farbiges Bild der Menschen-und Erdengeschichte beginnt sich 
heute zu enthiillen, wenn wir ehrfurchtig anerkennen, daB die Auseinandersetzung zwischen 
Blut und Umwelt, zwischen Blut und Blut die letzte uns erreichbare Erscheinung darstellt, h i 
n t e r der zu suchen und zu forschen uns nicht mehr vergonnt ist. Diese Anerkennung aber 
zieht sofort die Erkenntnis nach sich, daB das Kampfen des Blutes und die geahnte Mystik des 
Lebensgeschehens nicht zwei verschiedene Dinge sind, sondern ein und dasselbe auf 
verschiedene Weise darstelle. Rasse ist das Gleichnis einer Seele, das gesamte Rassengut ein 
Wert an sich ohne Bezug auf blutleere Werte, die das Naturvolle iibersehen, oder in bezug auf 



Stoffanbeter, die nur das Geschehen in Zeit und Raum erblicken, ohne dies Geschehen als das 
groBte und letzte aller Geheimnisse zu erfahren. 

Rassengeschichte ist deshalb Naturgeschichte und Seelen-Mystik zugleich; die Geschichte der 
Religion des Blutes aber ist, umgekehrt, die groBe Welterzahlung vom Aufstieg und 
Untergang der Volker, ihrer Helden und Denker, ihrer Erfinder und Kiinstler. 

Tiefer als man jemals friiher zu denken wagte, kann sich heute der geschichtsbildende Blick 
in die Vergangenheit zuriickversenken. Die Denkmaler aller Volker liegen jetzt ausgebreitet 
vor uns, die Ausgrabungen uraltester Zeugnisse menschlicher Bildnerkraft lassen einen 
Vergleich der Triebkrafte der Kulturen zu, die Mythen von Island bis nach Polynesien sind 
gesammelt, die Schatze der Mayas 

[24] Entschleierte Vorgeschichte 

zum groBen Teil gehoben. Hinzu ist die Geologie gekommen, die imstande ist, heute die 
Landkarten von Zehntausenden von Jahren vor unserer Zeitrechnung zu zeichnen. 
Unterseeforschungen haben aus groBer Tiefe des Atlantischen Ozeans starre Lavamassen von 
den Gipfeln einst plotzlich versunkener Gebirge, in deren Talern einst Kulturen entstanden 
waren, ehe eine oder viele furchtbare Katastrophen iiber sie hereinbrachen. Die Erderforscher 
zeichnen uns Festlandblocke zwischen Nordamerika und Europa, deren Uberreste wir noch 
heute in Gronland und Island erblicken. Sie weisen uns nach, daB andererseits Inseln des 
hohen Nordens (Nowaja Semlja) alte Wasserlinien aufzeigen,, die mehr als 100 Meter iiber 
der jetzigen liegen; sie machen wahrscheinlich, daB der Nordpol eine Wanderung gemacht, 
daB in der heutigen Arktis ein viel milderes Klima geherrscht hat. Und dies alles zusammen 
laBt heute die uralte Sage iiber die Atlantis in einem neuen Licht erscheinen. Es erscheint als 
nicht ganz ausgeschlossen, daB an Stellen, iiber die heute die Wellen des Atlantischen Ozeans 
rauschen und riesige Eisgebirge herziehen, einst ein bliihendes Festland aus den Fluten ragte, 
auf dem eine schopferische Rasse groBe, weitausgreifende Kultur erzeugte und ihre Kinder als 
Seefahrer und Krieger hinaussandte in die Welt; aber selbst wenn sie diese Atlantishypothese 
als nicht haltbar erweisen sollte, wird ein nordisches vorgeschichtliches Kulturzentrum 
angenommen werden miissen. 

Schon lange haben wir es aufgeben miissen, an eine gleichartige Entstehung von 
Mythen, Kunst- und Religionsformen bei alien Volkem zu glauben. Der streng begriindete 
Nachweis vieler Sagenwanderungen von Volk zu Volk und ihre Festsetzung bei 
verschiedenen Volkergruppen hat, im Gegenteil, gezeigt, daB die meisten Grund-Mythen 
einen ganz bestimmten Ausstrahlungspunk, ihren Ort der Schopfung haben, in ihrer auBeren 
Form auch 

[25] Geburt des Sonnenmythus 

nur: durch eine ganz bestimmte Umwelt begreiflich erscheinen, so daB auch fiir die uraltesten 
Zeiten groBe Wanderungen der Rassen und Volker zur GewiBheit werden. So ist denn der 
solare (Sonnen) Mythus nebst seinen Begleiterscheinungen nicht als "allgemeine 
Entwicklungsstufe iiberall selbsttatig entstanden, sondern dort geboren worden, wo das 
Erscheinen der Sonne ein kosmisches Erlebnis von groBter Eindringlichkeit gewesen sein 
muB: im hohen Norden. Nur dort konnte die scharfe Scheidung der Jahreshalften 
vorgenommen werden, nur dort konnte die Sonne bis ins Innerste der Seele GewiBheit fiir den 
lebenerneuernden schopferischen Urgehalt der Welt werden. Und deshalb wird die alte 
verlachte Hypothese heute Wahrscheinlichkeit, daB von einem nordischen Mittelpunkt der 



Schopfung, nennen wir ihn, ohne uns auf die Annahme eines versunkenen atlantischen 
Erdteils festzulegen, die Atlantis, einst Kriegerschwarme strahlenformig ausgewandert sind 
als erste Zeugen des immer wieder sich emeut verkorpernden nordischen Femwehs, um zu 
erobern, zu gestalten. Und diese Strome der atlantischen Menschen zogen zu Wasser auf ihren 
Schwan- und Drachenschiffen ins Mittelmeer, nach Afrika; zu Land iiber Zentralasien nach 
Kutscha, ja vielleicht sogar nach China; iiber Nordamerika nach dem Siiden dieses Erdteils. 

Wenn Ahura Mazda zum Zarathustra sagt: "Einmal nur im Jahr sieht man untergehen und 
aufgehen Sterne und Mond und Sonne; und die Bewohner halten fiir einen Tag, was ein Jahr 
ist", so ist das eine feme Erinnerung an die nordische Heimat des persischen Lichtgottes, denn 
nur im Polargebiet dauerten Tag und Nacht je sechs Monate, das ganze Jahr aber ist nur hier 
ein Tag und eine Nacht. Vom indischen Helden Ardschuna weiB das Mahabaratam zu 
berichten, daB bei seinem Besuch beim Berg Meru die Sonne und der Mond taglich von links 
nach rechts herumgingen, eine Vorstellung, die nie im 

[26] Nordischer Zug durch Afrika 

tropischen Siiden entsenden sein kann,, denn nur im hohen Norden rollt das Sonnenrad am 
Horizont entlang. An die indischen Adityas geht auch die Bitte: "Moge nicht die lange 
Dunkelheit iiber uns kommen", und iiber den lichten Agni wird geklagt, er habe "zu lange in 
der langen Dunkelheit" geweilt, was alles nur auf die tiefe hyperboraische Nacht 
zuriickzufiihren ist. 

Gleich diesen uralt arisch-atlantischen Erinnerungen treten die nur durch nordische Herkunft 
verstandlichen kultischen Gleichnisse, Trachten, Zeichnungen auf Das nordische Boot mit 
dem Schwanenhals und Dreiblatt fmden wir im vordynastischen Agypten, seine Ruderer aber 
waren das spatere Herrenvolk der kriegerischen Amoriter, bereits von Sayce als hellhautig 
und blauaugig erkannt. Sie zogen einst iiber Nordafrika dahin, als festgefiigte Jagersippen, die 
sich nach und nach das ganze Land unterwarfen, dann teilweise weiterwanderten iiber Syrien 
nach Babylon. Die zum Teil bis auf heute hellhautigen, sogar noch blauaugigen Berber gehen 
nicht auf die spateren Vandalenziige zuriick, sondern auf die uralte atlantisch-nordische 
Menschenwelle. Die Jager-Kabylen zum Beispiel sind zum nicht geringen Teil heute noch 
von ganz einwandfrei nordischer Herkunft (so machen die blonden Berber in der Gegend von 
Constantine 10 Prozent aus, bei Djebel Scheschor sind sie noch zahlreicher). Die herrschende 
Schicht der alien Agypter weist bedeutend feinere Ziige auf als das beherrschte Volk. Diese 
"Hamiten" sind vermutlich bereits eine Mixovaration zwischen Atlantiern und der negroiden 
Urbevolkerung. Um 2400 v. Chr. treten dann Reliefs von Menschen auf mit heller Haut, 
rotblonden Haaren und blauen Augen, jene "blonden Libyer", von denen Paunsanias spater 
berichtet. In den Grabmalern von Theben fmden wir die "vier Rassen" Agyptens 
abgebildet: Asiaten, Negriten, Libyer, Agypter. Die letzten werden rot gezeichnet, die Libyer 
dagegen stets mit blauem Augen, 

[27] Sagenhafte Urheimat 

bartig und von weiBer Hautfarbe. Rein nordischen Typus zeigen das Grab des Senye a. d. 
IS.Dynastie, die Frau auf dem Pylon des Horemheb zu Karnak, die Schwanenbootleute auf 
dem Tempelrelief zu Medinet-Habu, der Tsakkarai [Teukroi], der Begriinder der 
"phoenizischen" Seefahrt. Hellhautige Menschen mit goldgelbem Haar zeigen die Typen in 
den Grabem von Medinet-Gurob*. Bei den neuesten Ausgrabungen in den Mastabas bei der 
Cheop spy rami de (1927) fand man die "Prinzessin und Konigin Meres-Aneh" (2633 — 2564 v. 



Chr.) mit blondem Haar abgebildet. Die sagenhafte, mythenumwobene Konigin Nikotris gilt 
in alien Sagen ebenfalls als blond. 

Das alles sind rassische Denkmaler einer uralten nordischen Uberlieferung Nordafrikas. 

Die Amoriter griindeten Jerusalem, sie bildeten die nordische Schicht im spateren Galilaa, 
d.h. in der "Heidengau", aus der einst Jesus hervorgehen sollte. Sie fanden dann Verstarkung 
durch die Philister, die ebenfalls in den von Syrien friiher ganz unbekannten nordischen 
Schiffstypen mit Beil und Dreiblatt als Stevensymbole nach Syrien iibersetzten. 

Es mag noch unausgemacht bleiben, wo die Urheimat: der nordichen Rasse liegt. Wie die 
Siidatlantier nach Afrika, Siidasien ausschwarmten, so sollen die Nordatlantier den 
Sonnengott von Europa nach Nordasien getragen haben, bis zu den Sumerern, deren 
Jahreszahlung einst mit dem Tag der Wintersonnenwende angefangen hatte! Neueste 
Forschungen in Island und Schottland erklaren eine friihsteinzeitliche Einwanderung als 
moglich auch das altirische Schonheitsideal war milchweiBe Haut und blonde 

* Vgl. hierzu Herman Wirch: "Der Aufgang der Menschheit", Jena 1928; auch E. Dacque: 
"Erdzeitalter", Munchen, 1930. Wirth hat die Vorgeschichts-Forschung stark anger egt, ob 
seine Anschauungen sich bewahrheiten werden, kann erst die Zukunft entscheiden. 

[28] Der "Sinn der Weltgeschichte" 

Haare, das jedoch spater durch den VorstoB einer dunklen, rundkopfigen Rasse verwischt 
wurde. Mag vieles auch sehr fraglich sein, mag erst eine kommende Forschung feststellen, ob 
die altesten Kultzeichen, die ersten Felssteinzeichnungen der Steinzeit auch die Grundlage der 
vordynastischen agyptischen Linearschrift gewesen sind, ob auf diese "atlantische" Symbolik 
auch andere Schriften der Erde als auf ihren Urgrund zuriickgehen, das Ergebnis dieser 
Forschung vermag jedoch an der einen groBen Tatsache nichts zu andern, daB der "Sinn der 
Weltgeschichte" von Norden ausstrahlend iiber die ganze Erde gegangen ist, getragen von 
einer blauaugig-blonden Rasse, die in mehreren groBen Wellen das geistige Gesicht der Welt 
bestimmte, auch dort noch bestimmte, wo sie untergehen muBte. Diese Wanderperioden 
nennen wir: den in Sagen gehiillten Zug der Atlantier iiber Nordafrika; den Zug der Arier 
nach Persien-Indien, gefolgt von Dorern, Mazedoniem, Latinern; den Zug der germanischen 
Volkerwanderung; die Kolonisierung der Welt durch das germanisch bestimmte Abendland. 

Als die erste groBe Welle: nordischen Blutes iiber das indische Hochgebirge wallte, war sie 
bereits iiber viele feindliche und sonderbare Rassen hinweggegangen. Gleichsam unbewuBt 
schieden sich die "Inder" von dem Fremden, Dunklen, das sich dem Auge zeigte. Die 
Kastenordnung war die Folge dieser naturweisen Abwehr: Varna heiBt Kaste, Varna aber 
heiBe auch Farbe. Die hellen Arias kniipften also bewuBt am faBbaren Erscheinungsbilde an 
und schufen eine Kluft zwischen sich als den Eroberern und den schwarzbraunen Gestalten 
des Hindostan. Nach dieser Scheidung zwischen Blut und Blut gestalten die Arier sich ein 
Bild der Welt, das an Tiefe und Weitraumigkeit auch heute von keiner Philosophic iiberboten 
werden kann, wenn auch nach langdauernden Auseinandersetzungen mit den immer wieder 
eindringenden Vorstellungen der 

[29] Indiens Schicksalslinie 

niederrassigen Eingeborenen. Die Periode z. B., welche sich zwischen die heldischen Gesange 
der Vedas und der Upanishads einschiebt, ist gleichbedeutend mit einer Ausbreitung und 



zugleich mit einem Kampf gegen Zauberei und niedere Ekstatik. Das geister- und 
gotterbeschworende Opferwesen beginnt sich einzufressen. Diesen Zaubervorstellungen 
erliegt auch der den Opferloffel schwingende und die Opferscheite schichtende Priester. Jeder 
Griff und jede Bewegung erhalt einen geheimnisvollen "Sinn". Es schiebt sich, wie Deussen 
feststellt, zwischen die mythologische und philosophische Zeit eine rituelle ein; aus dem 
Gebet, urspriinglich nur eine starke Gemiitserhebung (dem echten Brahman),wird ein 
magischer, die Gotter oder Damonen zwingender zauberhafter Akt. In diesem 
VersumpfungsprozeB trat leuchtend die Atmanlehre auf Sie ist nicht ein "psychologischer 
Entwicklungsakt", der vollkommen undeutbar ware (auch Deussen versucht keine Erklarung), 
sondern erscheint als ein Feuerwachen arischen Geistes gegeniiber den aberglaubisch- 
zauberhaften Anschauungen der nichtarischen Unterjochten. Diese Anschauung wird 
geradezu zur GewiBheit, wenn man feststellen kann, daB die groBe Lehre vom Eigenwert des 
seelischen Selbstes ohne jede Magie und Damonie sich von den Konigshofen her ausbreitet, 
von der Kriegerkaste ihren Ausgang nahm. Obgleich die Brahmanen spater die Lehrer des 
neuen Gedankens von der Wesensgleichheit der Weltseele und der Einzelseele werden, so 
haben sie die wahre Herkunft der neuen Lehre doch nicht verschweigen konnen, und so 
kommt es, daB der Konig Ajatacatru den Brahmanen Gargya Balaki, der Kriegsgott 
Sanatkumara den Brahmanen Narada, der Konig Pravahana Jaivali den Brahmanen Aruni 
iiber den Atman belehrt. Dank dieser aristokratischen Selbstbestimmung verschwindet das 
unarische zauberhafte Opferwesen immer mehr, um erst spater wieder beim Rassenverfall 
auch der Kschatryas Indien erneut zu iiberziehen. 

[30] Verfalschung der Kasten-Idee 

Als geborener Herr fiihlte der Inder seine Eigenseele sich ausdehnen zu dem das ganze 
Universum erfullenden Lebenshauch, und umgekehrt erfuhr er den Weltenodem in seinem 
eigenen Busen als sein eigenes Selbst wirken. Die fremde, reiche, fast alles schenkende Natur 
konnte ihn nicht geniigend aus dieser metaphysischen Vertiefung zuriickzwingen. Das tatige 
Leben, das von den alten Lehrem der Upanishads noch immer als unumgangliche 
Voraussetzung auch der weltabgewandten Denker gefordert worden war, verblaBte immer 
mehr vor dem Wanderer ins Weltall der Seele, und dieser Gang von der Farbigkeit zum 
weiBen Licht der Erkenntnis fiihrte zum grandiosesten Versuch der Uberwindung der Natur 
durch die Vemunft. Kein Zweifel, daB vielen Indem als Einzelpersonlichkeiten und 
Aristokraten diese Uberwindung der Welt schon auf dieser Welt gelang. Aber dem spateren 
Menschen hinterblieb nur die Lehre, nicht mehr ihre rassische, lebendige Voraussetzung. Bald 
verstand man den farbig-blutvollen Sinn der Varna iiberhaupt nicht mehr, die heute als 
technische Berufseinteilung die grauenvollste Verhohnung des weisesten Gedankens der 
Weltgerichte darstellt. Der spate Inder kannte nicht Blut, Ich und All, sondern nur die beiden 
letzten Gegebenheiten. Und starb an dem Versuch, das Ich allein zu betrachten. An einer 
Rassenschande, deren Erzeugnisse heute als armselige Bastarde in den Wassern des Ganges 
eine Heilung fur ihr verkriippeltes Dasein erflehen. 

Der indische Monist war bemiiht, nachdem er die ideenhafte Polaritat Ich-All zugunsten des 
einen Teils durch Vemunftentscheidung "iiberwunden" hatte, auch die zu ihnen beiderseitig 
hinauffiihrenden, sich polar bedingenden Gegensatze zu vemichten, die Freiheit durch Natur, 
Natur durch Freiheit zu vergewaltigen. Er war deshalb auch geneigt, Rasse und Personlichkeit 
als im obersten Begriff aufgehend wie nicht wirklich vorhanden zu betrachten. 

[31] Indiens Ende 



Der apatindische, spiritualistische Monist sieht die Natur deshalb gleichsam als etwas 
Unwirkliches, als bosen Traum an. Das einzig Wirkliche ist ihm die Weltseele (das Brahman) 
in ihrer ewigen Wiederkehr in der Einzelseele [im Atman]. Mit der Fortwendung von der 
Natur iiberhaupt wird also auch die friiher klare Vorstellung und der Begriff der Rase immer 
schwankender; dogmatisch-philosophische Erkenntnis lockert somit den Instinkt aus seinem 
Erdreich. Ist die Weltseele das allein Bestehende und ist der Atman mit ihr wesenseins, so 
schwindet zugleich die Idee der Personlichkeit. Das gestaltlose All-Eins ist erreicht. 

Damit horte Indien auf, weiter schopferisch zu sein; es erstarrt, das fremde, dunkle Blut der 
jetzt als gleichwertige Trager des Atmans angesehenen Cudras dringt ein, vernichtet den 
urspriinglichen Begriff der Kaste als Rasse und die Bastardierung beginnt. Schlangen- und 
Phalluskulte der Eingeborenen beginnen zu wuchern, die symbolischen Ausdriicke vom 
hundertarmigen Civa werden plastisch verstofflicht, gleich Schlinggewachsen des Urwalds 
entsteht eine fiirchterliche Bastardkunst. Nur an Konigshofen erbliiht noch spat der alte 
Heldensang, erklingt die Lyrik eines Kalidasa und anderer, meist unbekannter, groBer Dichter. 
Ein Cankara versucht eine Neugestaltung indischer Philosophie. Es ist umsonst; durch ein zu 
weites Atemholen sind die Blutadem des Rassenkorpers gesprengt, arisch-indisches Blut 
flieBt aus, gesickert und diingt nur noch stellenweise das dunkle es aufsaugende Erdreich 
Altindiens, hinterlaBt furs Leben nur ein philosophisch-technisches Zuchtregiment, das in 
seiner spateren wahnwitzigen Verzerrung das Hinduleben von heute beherrscht. 

Wir werden nicht unduldsam behaupten wollen, der Inder habe zuerst seine Rasse, dann seine 
Personlichkeit aufgegeben oder umgekehrt, vielmehr liegt hier ein metaphysischer Vorgang 
vor, der in dem briinstigen Verlangen, das Phanomen der Zweiheit iiberhaupt zu iiberwinden, 

[32] Zarathustras Religionsschopfung 

auch die sich gegenseitig bedingenden Unterstufen der letzten Polaritat gleichzeitig aufhob. 

Von auBen betrachtet, ging in Indien die philosophische Erkenntnis der groBen Gleichheit 
Atman-Brahman dem Rassenverfall voraus. In anderen Landem ergibt sich dieser nicht nach 
Festsetzung einer philosophischen Idee, sondern ist die Folge rein physischer andauernder 
Vermischung zwischen zwei oder vielen gegensatzlichen Rassen, deren Fahigkeiten sich 
inmitten dieses Prozesses nicht steigern oder erganzen, sondern sich gegenseitig austilgen. 

Iran erlebt vom 6. Jahrhundert ab die Ausbreitung der arischen Perser. unter Arschama 
erwachst ihnen ein fiihrender religioser Lehrer, eine der groBten Personlichkeiten der 
indoeuropaischen Geschichte: Spitama [Zarathustra]. Besorgtum das Schicksal der arischen 
Minderheit, entsteht auch in ihm ein Gedanke, der erst heute wieder im nordischen Abendland 
zum Leben erwacht, der Gedanke des Rassenschutzes, die Forderung der Sippenehe. Da aber 
die herrschende arische Oberschicht zerstreut wohnte, so erstrebe Zarathustra iiber diese 
Forderungen hinaus auch eine weltanschaulich gebundene Gesinnungsgemeinschaft, Ahura 
Mazda, der ewige Gott des Lichtes, wachst zur kosmischen Idee, zum gottlichen Schiitzer des 
Ariertums heran. Er hat kein Haus (wie das Morgenland es fiir seine Goiter forderte, und Rom 
fortfiihrte, er ist die "heilige Weisheit" schlechtweg, die Vollkommenheit und Unsterblichkeit 
selbst. Ihm sieht als Feind der dunkle Angromanyniu gegeniiber und ringi mit ihm um die 
Weltherrschaft. Hier seizi nun ein echt nordisch-arischer Gedanke Zarathustras ein: in diesem 
Ringen soil der Mensch auf seiten des Ahura Mazda kampfen [ganz wie die Einherier fiir 
Odin in Walhall gegen den Fenriswolf und die Midgardschlange]. Er soil sich also nicht in 
weltabgewandte Beschaulichkeit und Askese verlieren, sondern sich als ringender Trager 
einer welterhaltenden Idee fiihlen, um alle schopferischen Krafte 



[33] Die persische Heilandsidee 

der menschlichen Seele zu wecken und zu stahlen. Der Mensch steht somit immer im Dienst 
des Hochsten, ob er nun Denker ist, oder einer Wiiste Fruchtbarkeit abringt. Er dient wo er 
geht und steht einem schopferischen Prinzip wenn er sat und emtet, wenn er sich als treu 
bewahrt und jeder Handschlag ein unverbriichlich Wort bedeutet. Wie der Vendidat das alles 
groB und erhaben ausdriickt: "Wer Korn saet, der saet Heiligkeit." 

Rund urn den ringenden Mensen aber lauert das Bose und die Versuchung. Urn dem 
erfolgreich entgegentreten zu konnen, beruft sich Zarathustra auf das arische Blut: dieses 
verpflichte jeden Perser zum Dienst fiir den lichten Gott. Nach dem Tode scheidet sich Gutes 
und Boses auf ewig. In einem gewaltigen Ringen besiegt dann Ahura Mazda den 
Angromayniu und richtet sein Friedensreich auf. 

Aus dieser groBen religiosen Dichtung schopfen die Perser einst ihre Kraft. Als aber trotz 
dieses heroischen Versuchs das Aufgehen des arischen Blutes im asiatischen nicht zu 
vermeiden war und das groBe Reich der Perser dahinsank, wirkte der Geist des Zarathustra 
und sein Mythus doch weiter iiber die ganze Weh. Das Judentum schuf sich aus Angromayniu 
seinen Satan, aus der natiirlichen Rasseerhaltung der Perser sein ganzes kiinstliches System 
der Aufzucht eines Rassegemisches, verbunden mit einem verpfichtenden (allerdings rein 
jiidischen) Religionsgesetz; die christhche Kirche eignete sich die persische Heilandsidee 
vom Weltfriedensfursten Caoshianc an, wenn auch entstellt durch den jiidischen 
Messiasgedanken. Und heute erwacht im Herzen und im Norden Europas mit mythischer 
Kraft die gleiche Rassenseele, die einst in Zarathustra lebendig war, zu erhohtem BewuBtsein. 
Nordische Gesinnung und nordische Rassenzucht, so heiBt auch heute die Losung gegeniiber 
dem syrischen Morgenlade, das in der Gestalt des Judentums und in vielen Formen des 
rasselosen Universalismus sich in Europa eingenistet hat. 

[34] Rassenkampf um Hellas 

Die persische Gesittung wurde zum Pfropfreis auf dem Stamme der semitisch-orientalischen 
Unterschicht. Sie wurde zersetzt, je mehr Wirtschaft und Geld der Handlerrassen an 
stofflichem EinfluB gewannen und ihre Vertreter schlieBlich zu Macht und hohen Wiirden 
emporstiegen. Dadurch wurde die Sippenehre aufgelost und der " Ausgleich" der Rassen 
vollzog sich in der notwendigen Form der Bastardierung... 

Einst lieB ein Perserkonig in die Felsenwand von Behistun folgende Worte meiBeln: "Ich, 

Darius, der GroBkonig, der Konig der Konige, aus arischem Stamme " Heute zieht der 

persische Maultiertreiber seelenlos an dieser Wand voriiber: ein Zeichen fiir Tausende, daB 
Personlichkeit mit einer Rasse zusammen geboren wird und mit ihr gemeinsam stirbt. 



Am schonsten getraumt wurde der Traum des nordischen Menschentums in H e 1 1 a s . Welle 
auf Welle kommt aus dem Donautal und iiberlagert neuschopferisch Urbevolkerung, friihere 
arische und unarische Einwanderer. Bereits die altmykenische Kultur der Achaer ist 
iiberwiegend nordisch bestimmt. Spatere, dorische Stamme stiirmten erneut die Felsen der 
fremdrassigen Ureinwohner, versklavten die unterjochten Rassen und brachten das 
Herrschertum des sagenhaften phonizisch-semitischen Konigs Minos, der durch seine 
Piratenflotte bis dahin die spater sich Griechenland nennende Erde befehligte. Als rauhe 
Herren und Krieger raumten die hellenischen Stamme mit der heruntergekommenen 



Lebensform des vorderasiatischen Handlertums auf und mit den Armen der Unterjochten 
erschuf ein Schopfergeist ohnegleichen sich Sagen aus Stein und erzwang sich MuBe, ewige 
Heldenmarchen zu dichten und zu singen. Eine echte aristokratische Verfassung verhinderte 
die Blutmischung. Die sich durch Kampf verringernden nordischen Krafte wurden durch neue 
Einwandemngen gestarkt. Die 

[35] Homerische Religiositat 

Dorer, dann die Mazedonier schiitzten das schopferische blonde Blut. Bis auch diese Stamme 
erschopft waren und die vielfache Ubermacht des Vorderasiatentums durch tausend Kanale 
einsickerte, Hellas vergiftete und anstelle des Griechen den spateren schwachlichen 
Levantiner zeugte, der mit dem Griechen nur den Namen gemeinsam hat. Auf ewig hat der 
Hellene die Erde verlassen, und nur die toten Bilder aus Stein, nur wenige Einzelne zeugen 
noch fiir jene herrlichste Rassenseele, die einst die Pallas Athene und den Apollo erschuf. 
Nirgends zeigt sich die unbefangene nordische Ablehnung alles Zauberhaften klarer und 
groBer als in den immer noch zu wenig beachteten religiosen Werten Griechenlands. Und 
wenn die Forscher auf die religiose Seite des Hellenen zu sprechen kamen, so hielten sie erst 
jene Zeiten der eingehenden Betrachtung wiirdig, da der griechische Mensch bereits 
zerspalten, uneins mit sich geworden war und zwischen arteigenen Werten und fremder 
Geisteshaltung hin- und herschwankte. Dagegen ist gerade jene dieser Problematik 
vorhergehende, schicksalsvertrauende Majestat der homerischen Zeit eine Epoche echtester 
Religiositat, fur die das 19. Jahrhundert des inneren Niederganges allerdings kein rechtes 
Verstandnis mehr aufbrachte, well das damalige goldene und silbeme Zeitalter sich nicht an 
"Problemen" aufspaltete. Dabei sind die Lichtgestalten des Apollon, der Pallas Athene, des 
Himmelsvaters Zeus, Zeichen echtester groBer Frommigkeit. Der Goldhaarige [Chrysokomos, 
Apollos) ist der Hiiter und Schiitzer alles Edlen und Frohen, Wahrer der Ordnung, Lehrer der 
Harmonic der Seelenkrafte, des kiinstlerischen MaBes. Apollon ist das aufsteigende Licht der 
Morgenrote, zugleich der Schirmer der inneren Schau und Vermittler der seherischen Gabe. 
Er ist der Gott des Gesanges und des rhythmisch bewegten, jedoch nicht ekstatischen Tanzes. 
Geheiligt ist dem Gott der aus dem Norden stammende Schwan ein Sinnbild des Hellen, 
Hoheitsvollen; in siidlicher Anlehnung ist 

[36] Kampf der Gotter 

ihm die Palme geweiht. Auf dem delphischen Tempel standen die Worte eingegraben "Nichts 
zuviel", "Erkenne dich selbst", zwei homerich-apollinischeBekenntnisse. 

Neben Apollon steht die Pallas Athene, das Sinnbild des dem Haupt des Zeus entsprungenen, 
lebensregenden Blitzes, die blauaugige Tochter des Donnerers, die weise besonnene Jungfrau, 
Hiiterin des Helenenvolkes und treue Schirmerin seines Kampfes. 

Diese hochfrommen griechischen Seelenschopfungen zeigen das geradegewachsene innere, 
noch reine Leben des nordischen Menschen, sie sind im hochsten Sinne religiose 
Bekenntnisse und Abdruck eines Vertrauens in die eigene Art und zu den genial-naiv 
empfundenen, dem Menschen freundlich gesinnten Gottheiten. "Homer zeigt weder Polemik 
noch Dogmatik", sagt Erwin Rohde* und umschreibt mit diesem einen Satz das Wesen eines 
jeden echten arischen Religionsgefiihls. Weiter sagt dieser tiefe Kenner hellenischen Wesens: 
"Homer hat fur das Ahnungsvolle und gar das Ekstatische wenig Interesse und gar keine 
eigene Neigung." Das ist geheimnisvollste Gradlinigkeit bester Rasse, die aus jedem echten 
Verse der Ilias herausklingt und in alien Tempeln von Hellas widerhallt. Aber unter dieser 
Schopfung lebten und wirkten pelasgische, phonizische, alpine, spater syrische Werte; je nach 



der Kraft dieser Rassen drangen ihre Gotter vor. Waren die griechischen Gotter Heroen des 
Lichtes und des Himmels, so trugen die Gotter der vorderasiatischen Nichtarier alle erdhafte 
Ziige an sich. Demeter, Hermes u. a. sind wesenhafte Erzeugnisse dieser Rassenseelen. 1st 
Pallas Athene eine kriegerische Schiitzerin des Lebenskampfes, so der pelasgische Ares das 
blutbetriefte Ungeheuer; ist Apollon der Gott der Leier und des Gesanges, so Dionysos 
[wenigstens seine, nichtarische Seite) der Gott der Ekstase, der Wollust des entfesselten 
Manadentums. 

* "Psyche". 

[37] Deutungen des Griechentums 

Urn die Deutung des Griechentums haben wir jetzt zweihundert Jahre bewuBt gerungen. Von 
Winkelmann iiber die deutsche Klassik bis zu Preller und VoB geht die Anbetung des Lichten, 
Weltoffenen, Anschaulichen, wobei diese Linie des Forschens aber immer weiter herabsinkt, 
ihre Kurve flacher und flacher wird. Denker und Kiinstler wurden bald von Blut und Boden 
losgeloste Einzelwesen, vom Ich allein, von "Psychologie" aus versuchte man die attische 
Tragodie zu "erklaren" oder zu kritisieren; Homer wurde nur formalasthetisch begriffen und 
der hellenistische Spatrationalismus muBte seinen Segen geben fiir eine blutlose professorale 
dickbandige Tagesschriftstellerei. Die andere — romantische — Stromung versenkte sich in 
die am Ende der Ilias bei den Totenfeiern oder in die bei Aschylos durch das Wirken der 
Erinnyen hervortretenden seelischen Unterstromungen, dringt ein in Seelen der chthonischen 
Gegengotter des olympischen Zeus, verehrt, vom T o d e und seinen Ratseln ausgehend, die 
Muttergotter mit der Demeter an der Spitze und schlieBlich lebt sie sich aus im Gott der Toten 
— in Dionysos. Hier wird namentlich von Welcker, Rohde, Nietzsche, auf jene "Mutter Erde" 
als selbst gestaltlose Gebarerin des in ihren SchoB wieder zusammenflutenden sterbenden 
Lebens hingewiesen. Mit Schauern der Verehrung erfiihlt die groBe deutsche Romantik, wie 
immer dunklere Schleier vor die lichten Gotter des Himmels gezogen werden, und taucht tief 
unter in das Triebhafte, Gestaltlose, Damonische, Geschlechtliche, Ekstatische, Chthonische, 
in die Mutterverehrung. Dies alles aber noch immer alsgriechisch bezeichnend. 

Hier scheidet sich Betrachtung von Betrachtung. Ungeachtet der Tatsache daB die 
griechischen Stamme physisch und geistig fremdes Wesen aufnahmen, ist doch fiir den echten 
Sucher nicht so sehr diese oft nur kiinstliche Legierung von Interesse, sondern in erster Linie 
Gehalt und Form jenes Materials, das zweifellos herrschend war. 

[38] Rassenseelische Dramatik 

Wenn z. B. Jakob Burckardt aussagt: "Was sie [die Griechen) taten und litten, das taten und 
litten sie f r e i und anders als alle friiheren Volker. Sie erscheinen original und spontan und 
bewuBt da, wo bei alien anderen ein mehr oder weniger dumpfes Miissen herrscht"*, so 
leuchtet er mit einem geistigen Leuchtkegel in die tiefste Tiefe des Griechen. Er spricht auch 
spater von den Hellenen als Ariern, nennt andere Volker und Stamme, daB er aber selbst ein 
rassisch-seelisches G e s e t z entdeckt hat kommt ihm nachher nirgends mehr klar zum 
BewuBtsein. Er schildert die "Griechen" des 5. oder 4. Jahrhunderts "als Ganzes", der 
dramatische Kampf der Rassen, Seelen und Gotter, geht aber dabei unter in einer 
Vermischung aller Eigenarten; letzten Endes wird trotz tausend richtigen Tatsachen, 
Hinweisen und Ahnungen diegriechische Personlichkeit ausgeloscht. Diese innere 
Freiheit der antiken Hellenen aber stand tatsachlich im Kampf gegen das dumpfe Vorderasien 
und dieses groBe Drama eines ganzen Volkes ist es, was vielleicht groBte Leistungen 
entfacht, die Hellenen aber auch ungliicklicher gemacht hat, "als die meisten Menschen 



glauben". Und wenn dann diese erahnte Gegensatzlichkeit in der Geschichte von Hellas spater 
auch noch von einer anderen Seite gedeutet wurde, so wurde auch hier nicht bis zum Kern 
durchgedrungen. 

Gorres war es, der [wie Baeumler nachweist) als erster bewuBt eine weltgeschichtliche 
Polaritat auf die Spannung zwischen Mannlichem und Weiblichem zuriickfiihrte, Bachofen 
jedoch der groBe Aus- und Durchbilder dieses Gedankens, der heute in der Zeit des Zergehens 
aller Formen und Gestalten seine Auferstehung feiert. 

Die Mutter, die Nacht, die Erde und der Tot, das sind die Elemente, die sich der romantisch- 
intuitiven Forschung als die Untergriinde angeblich "altgriechischen" Lebens 

*Griechische Kulturgeschichte, Bd. I, S. 11. 

[39] Das Mutterrecht 

offenbaren. Von Etrurien iiber Kreta bis tief nach Kleinasien hinein herrscht unter vielen 
Formen — selbst innerhalb der mannlichen Tyrannis — das Matriarchat in Sitte und Recht. 
Als seine Folgen entwickeln sich, nach mythischen Berichten, Amazonen- und Hetarentum, 
aber auch poetische Totenehrung und erdgeisterverbundene Mysterien. Die Mutter 
erscheinen, jede einzelne, als die Vertreterinnen der geheimnisvoll groBen einen Mutter Erde, 
sie gelten als heilig-unverletzlich und bei Ermordung auch nur einer Mutter erhebt sich diese 
Erde selbst in Gestalt der blutheischenden Erinnyen; diese ruhen nicht, ehe nicht das Blut des 
Morders geflossen und als Siihne von der Erde aufgesaugt worden ist. Es wird nicht nach 
Unrecht und Recht der einen Mutter geforscht, der Wert an sich ist durch j e d e vertreten und 
fordert seine vollkommene Unverletzlichkeit. Von der Mutter erbt die Tochter das ihre 
Unabhangigkeit sichernde Gut, ihren Namen, das Erdenrecht, und so erscheint das Weib als 
die Verkorperung der Unsterblichkeit der Materie, richtiger, als Gleichnis der Unzerstor 
b a r k e i t des an sich gestaltlosen Stoffes. So dachten die Lyriker, die Kreter [die als einzige 
das Wort "Mutterland" gebrauchten], so dachten die "griechischen" Inseln, ja so dachte das 
friihere Athen selbst, bis der nordische Theseus die Amazonen vor seinen Toren besiegte und 
nicht mehr eine Mutter die Schutzgottin der Stadt wurde, sondem die mutterlose und 
kinderlose Jungfrau Pallas Athene als Tochter des Himmels-Zeus. 

Auf dem Boden Griechenlands wurde weltgeschichtlich entscheidend der erste groBe 
Entscheidungskampf zwischen den rassischen Werten zugunsten des nordischen Wesens 
ausgetragen. Vom Tage, vom Leben trat nunmehr der Mensch ans Leben heran, von den 
Gesetzen des Lichts und des Himmels, vom Geist und Willen des Vaters aus entstand alles, 
was wir griechische Kultur als jenes groBte Erbe des Altertums fiir unser Selbst nennen. Es ist 

[40] Bachofens Irrtum 

deshalb nicht so, als ob das Mutterrecht mit alien seinen Konsequenzen "durch keine 
volkliche Verwandtschaft bedingt", daB das neue Lichtsystem nur eine "spatere 
Entwicklungsstufe" sei, wobei das Weib und seine Herrschaft "das urspriinglich Gegebene 
darstellte [Bachofen]. Dieses eine groBe MiBverstehen bei vielem richtig Erschauten 
verdunkelt alle anderen noch so tiefen Einsichten und bedingt das Verkennen der gesamten 
Seelenentwicklung der hellenischen und romischen Antike. Damit aber auch des Innersten 
aller Seelenkampfe und alles geistigen Ringens der spateren abendlandisch-germanischen 
Kultur. Denn was immer auch an spatromischen, christlichen, agyptischen oder jiidischen 
Vorstellungen und Werten in die Seele des germanischen Menschen eingedrungen sein mag. 



ja stellenweise diesen sogar vemichtet hat: soil iiberhaupt Geschichte Charakterdeutung sein, 
Darstellung eines Wesens im Ringen um die Ausgestaltung seines eigensten Ichs, so werden 
wir eben die germanischen Werte von alien anderen scheiden miissen, wenn wir uns nicht 
selbst wegwerfen wollen. Das Beschamende ist aber, daB im Gefolge einerseits einer nur 
allchristlichen, dann einer spathumanistischen Einstellung diese Aufgabe der Geschichte 
immer mehr in den Hintergrund, das Dogma einer angeblich "allgemeinen Entwicklung der 
Menschheit" aber in den Vordergrund geriickt wurde. Ein abstrakter Gedanke begann, 
verschiedenartig umhiillt, das Leben zu entwurzeln; die Reaktion in der deutschen Romantik 
war deshalb wohltatig wie ein Regen nach langer Diirre. Aber gerade in unserer Zeit der 
Mas sen-International en auf alien Gebieten gilt es, diese artverbundene Romanik bis auf ihren 
rassischen Kern zu verfolgen und sie von gewissen ihr noch anhaftenden nervosen 
Verziickungen zu befreien. Die Germanen, die Deutschen haben sich nicht auf Grund einer 
nebelhaften, von Priestem oder Gelehrten erfundenen Zielsetzung "entwickelt", sondern sie 
haben sich entweder behauptet, sind 

[41] Die abstrakte "Entwicklungslehre" 

zersetzt oder unterjocht worden. Mit dieser Einsicht verschiebt sich nun aber das Panorama 
der gesamten Geschichte der Rassen und Volker und Kulturen der Erde. Auch die 
vorgriechischen Volkerschaften um das Agaische Meer herum "entwickelten" sich nicht einst 
vom chthonischen Gotterglauben zum Sonnen-Himmels-Kultus Zeus-Apoll, sondern wurden 
in langdauemden Kampfen iiberdeckt, z. T. politisch unterworfen z. T. auch geistig 
assimiliert, doch immer wieder warteten sie auf Augenblicke der Schwache der nordischen 
Griechen, um ihre alten Rechte und damit ihre alten Gotter wieder geltend zu machen. Weder 
klimatische noch geographische noch andere Umwelteinfliisse kommen hier als letzte 
Deutungen in Betracht; denn die Sonne Homers schien auch vorher den Anbetem der Isis und 
der Aphrodite. Und sie schien auch nachher iiber das gleiche Stiick Erde, als Griechenland 
verging. 

Die nordischen Stamme der Hellenen anerkannten ihrerseits vor ihrem Einzug in die spatere 
Heimat nicht die Weiberherrschaft als "erste Entwicklungsstufe", sondern folgten vom ersten 
Tage ihres Daseins dem Vatergebot. Denn sonst ware nicht einzusehen, warum die 
griechischen Gotter nicht mit den pelasgisch-kretisch-etruskisch-urlibybisch-agyptisch eine 
innige Freundschaft eingingen, sich selbst in ihnen wiedererkannt hatten, wie sie spater in 
indischen Gottergestalten ihren Helios oder Herakles wiederfanden. Dagegen sind die 
griechischen Mythen voll von Kampf und Uberwindung. Die Hellenen brechen in Lemnos die 
blutige Amazonenherrschaft durch Janons' Zug; sie lassen Bellorophon diese Herrschaft in 
Lyriken erschiittern; sie zeigen in der Danaiden-Bluthochzeit die Uberwindung der tellurisch- 
dunklen Machte der Erde und Unterwelt durch Zeus und den groBen Mittler-Heiland 
Herakles. Im Gegensatz zur nordisch-germanischen Mythologie ist die griechische auch 
deshalb so reichgestaltig, vielverschlungen [ trotzdem aber in alien ihnen Linienfuhrungen — 
Sieg des Lichtes iiber die 

[42] Vorderasiatisches Zauberwesen 

Nacht — so gleichbleibend typisch), well die germanischen Gotter weniger ahnliche Kampfe 
gegen Gottersysteme -anderer Rassen ausgefochten hatten. Deshalb ist die Ilias auch ein 
einziger groBer Sieges Gesang des Lichts, des Lebens iiber die Dunkelheit, den Tod. 
Homer war sich bewuBt, daB nicht Tod und Leben Gegensatze sind, sondern daB sie sich im 
Gegenteil gegenseitig bedingen (wie es Goethe erneut bekannte]. Geburt und Tod sind es, die 
einander gegeniiberstehen; beide aber machen das Leben aus. Das Anerkennen dieser 



innergesetzlichen Notwendigkeit bedeutet auch das Anerkennen des Waltens der 
unpersonlichen Moira: Thetis sieht das Ende ihres Sohnes voraus, bittet aber Zeus nicht um 
die Verlangemng seines Lebens, im BewuBtsein, daB der in ihm verkorperte Himmel 
gleichfalls einer kosmischen Gesetzlichkeit, von der Schicksalswaage symbolisiert, unterliegt. 
Die Moiren [siehe auch die Nornen der germanischen Gotterwelt) sind weiblich, weil im 
Weibe das Unpersonhche allein herrscht, es die willenlos-pflanzenhafte Tragerin der Gesetze 
ist. 

Hier offenbart sich wieder ein nordischer Wert: Apoll als " Vernichter der Urdamonen" 
[Aschylos] d. h- als Vernichter des urnordischen Zauberwesens. Wenn der Lykier Glaukos 
dem Diomedes wehmiitig sagt, als dieser ihn nach seinem Geschlecht fragt, gleichwie die 
Blatter des Baumes seien die Geschlechter der Menschen, so kommt hier die gestalt- und 
personlichkeitslose Auffassung des Vorgriechentums zum Vorschein, trotz des auch in Lykien 
eingefiihrten apollinischen Sonnendienstes. In der griechischen Tragodie aber, die zu einer 
Zeit entstand, als Griechenland in schwersten, seinen Bestand erschiitternden Kampfen 
gestanden hatte, da werden die Hellenen emeut gezwungen, sich mit den alten chthonischen 
Urgewalten auseinanderzusetzen. Dies geschieht nicht mehr mit der lichten herrischen 
Sieghaftigkeit Homers, 

[43] Sieg des Vaterrechts 

Nein, wer einmal gestorben, den soil man klagend beweinen 
Einen Tag und dann mit gehdrtetem Herzen begraben, 

sondern in der Form der erbittertsten Kampfe zweier Weltauffassungen als AuBerungen 
verschiedenster Rassenseelen. 

Eriphyle verrat um ein Halsband ihren Gatten dieser wird durch seinen Sohn geracht, der die 
Mutter totet. Das Recht des Vorgriechentums fragt nicht nach der Schuld der Mutter, sondern 
selbsttatig erhebt sich die Erde als solche als Racherin ihres vergossenen Blutes, und die 
Erinnyen jagen den Alkmaion in den Wahnsinn; nur der Rat Apolls, seinen FuB auf eine 
Stelle der Erde zu setzen, die zur Zeit des Muttermordes noch unsichtbar war, rettet ihn 
zunachst, als er eine neu emporgestiegene Insel entdeckt . . . Am grandiosesten gestaltet ist 
der Kampf der Rassenseelen in der Orestie, mit hellstem BewuBtsein sind hier die alten und 
neuen Krafte gegeneinander ausgespielt, was dieses Werk zu einem ewigen Gleichnis fiir alle 
Zeiten erhebt*. Das alte Gesetz der Vorderasiaten, des chtonischen Muttertums, fragt nicht 
nach Recht und Unrecht der Klytemnastra, sondern entsendet seine tobenden Dienerinnen, um 
Blutrache am Muttermorder zu nehmen. Vor Orest aber stellen sich die Schiitzer des neuen 
nordischen Seelentums und schirmen den Racher des ermordeten Vaters. "Sie war dem Mann 
nicht blutsverwandt, den sie erschlug", ruft die Erinnys, "Oh, neue Gotter, als Gesetz und 
uraltes Recht ihr reiBt sie fort aus meiner Hand". Ihr tritt Apoll als Verkorperung des "Neuen" 
entgegen: "Nicht ist die Mutter ihrer Kinder Zeugin. Es zeugt der Vater ..." Und Athene, 
Zeus' Tochter, erklart: "Vollen Herzens lob' ich alles Mannliche." Hochherzig reicht aber 
Athene (und Apoll) dann den iiberwundenen 

*Sehr schon ausgefuhrt bei Baeumler, dem Neuherausgeber Bachofens. [ "Der My thus von 
Orient und Okzident, Miinchen 1926.) 

[44] Dionysische Feiern 



Machten die Hand zur Versohnung und verspricht den besanftigten, "tief in sonnenleerer 
Nacht" hausenden Machten auch die Hochachtung der Manner: 

"Ich aber, stets zum schlachtenkuhnen Kampfdes Ruhms 

Gegiirtet, will nicht ruhn, ehe nicht alle Welt 

In hochsten Ehren meine Stadt des Sieges halt. " 

So schlieBt denn auch Aschylos ebenso gewaltig und kraftbewuBt wie Homer. 

Die GroBherzigkeit des Licht-Apoll aber nach Uberwindung der chthonischen Gotterwelt: 
hatte deren unterirdisches, durch Apoll verklartes Weiterleben zur Folge. Und nach der 
Rassenvermischung zwischen Griechen und Ureinwohnern trat spater weder das chtonische 
noch das himmhsche Element rein hervor, sondern beide vernichten sich in den dionysischen 
Gebrauchen. Zwar vertritt auch Dionysos das Vaterrecht, jedoch wird er zum Gott der Toten 
[den auch Antigone anruft], er verliert den klaren starken Charakter des Apollo, wird weiblich 
und trunken, sinkt schlieBlich ins Damonische, Manadenhafte, in die Nacht hinab. Dunkel 
sind die diesem Gott-Damon geweihten Tiere, in Hohlen werden die Gotter geboren und nur 
bei der Nacht huldigt man ihnen Als etwas rassisch und seelisch Fremdes — wenn vielleicht 
auch Uraltes — tritt alles Dionysische in griechisches Leben ein, das spater starkste Gleichnis 
des rein psychisch mit ihm gehenden nordischen Verfalls. Bei unstetem Licht der Fackeln, 
unter dem Gedrohn metallener Becken, begleitet von Handpauken und Flotengehen 
versammeln sich die den Dionysos Feiernden zum wirbelnden Rundtanz. "Meist waren es 
Weiber, die bis zur Erschopfung in diesen Wirbeltanzen sich herumschwangen: sie trugen 
'Bassaren', langwallende Gewander aus Fuchspelzen genaht . . . Wild flattern die Haare, 
Schlangen, dem Sabazios heilig, halten die Hande, sie schwingen Dolche ... So toben sie bis 
zur auBersten Aufregung aller Gefiihle, und im 'heiligen Wahnsinn' stiirzen 

[45] "Religion der Besessenheit" 

sie sich auf die zum Opfer erkorenen Tiere, packen und zerreiBen die eingeholte Beute und 
reiBen mit den Zahnen das blutige Fleisch ab, das sie roh verschlingen."* 

Diese Gebrauche waren in allem und jedem das vollkommene Gegenteil des Griechentums, 
sie stellen dar jene "Religion der Besessenheit" [Frobenius], die im gesamten Osten des 
Mittelmeers herrschte, getragen von den afrikanisch-vorderasiatischen Rassen und 
Rassenmischungen. Vom besessenen Konig Saul zieht sich eine einzige Linie zu den 
erdgebundenen Rauschen des Dionysos (der von den Griechen immerhin veredelt wurde) bis 
zu den tanzenden Derwischen des spateren Islams. 

Symbol der spat-"griechischen" Weltauffassung wird der Phallus. Es ist somit nicht 
griechisch, was wir in Kunst und Leben auf dies Sinnbild Beziigliches fmden, sondern 
Griechenfeindliches, Vorderasiatisches**. 

Uberall wirkten somit unter dem herrlichen Hellenentum die Vorderasiaten und ihre Gotter. 
So der uralte Erdgott Poseidon, von Athene zuriickgedrangt: "Er haust unter ihrem Tempel im 
Boden in Schlangengestalt; er ist die Burgschlange der Akropolis, die allmonatlich mit einem 
Honigkuchen gefiittert wird" (Pauly-Wissowa). Auch der pelasgische Python-Drache ist in 
Delphi unter dem Tempel Apollons begraben (alle acht Jahre wurde erneut die Totung dieses 
Drachens durch Apoll vorgefiihrt), dort wo auch die Begrabnisstatte des Dionysos sich 
befand. Nicht uberall aber totete der nordische Theseus die Untiere Vorderasiens; bei erster 
Erschlaffung des arischen Blutes erstanden immer wieder von neuem die fremden Ungeheuer 



— d. h. vorderasiatisches Mischlingstum und physische Robustheit der ostischen Menschen. 
Diese Einsicht ist derart 

*Rohde, "Psyche", S. 301. 

** Als eine verdienstvolle Studie hieruber ist zu empfehlen Dr. K. Kynast: "Apollon und 

Dionysos", Munchen 1927. 

[46] Jasons Amazonenkampf 

ausschlaggebend fiir die Beurteilung der gesamten Mythen-und Weltgeschichte, daB es schon 
hier am Platze ist, dem groBen Gegensatz der Rassenseelen dort nachzugehen, wo der Sieg 
des nordisch-apollinischen Lichtprinzips (von "blondlockigen Danaem" spricht Pindar) nur 
voriibergehend war, die alten Machte sich erhoben und sich viele Zwitterformen 
herausbildeten. Diese geistige Bastardierung spielte sich naturgemaB dort am deutlichsten ab, 
wo die erobernde griechische Schicht nur sehr diinn war und sich gegen die zahllosen Trager 
des chtonischen Wesens nicht nachhaltig genug wehren konnte: in Kleinasien, einigen Inseln 
und in Kolchis. Die groBen und langdauernden Kampfe werden in Sage und Myrhus natiirlich 
zusamengedrangt: im Argonautenzug des Apolloniden Jason. Die Argonauten fahren, wie die 
Sage berichtet, mit nordischem Winde, eine deutliche Erinnerung an die nordische Herkunft 
des Apoll, aus dem Norden kommen die alljahrlichen Weihgeschenke, aus dem Norden 
erwartete man den Helden des Lichts. 

Uberall, wohin die Jasoniten gleichsam als griechische Wikinger gelangen, sehen sie sich 
dunklen chtonischen Gottern, einer Amazonenherrschaft und sinnlichster Lebensauffassung 
gegeniiber. Das Amazonentum wird dadurch erklart, daB die herumstreifenden Kriegerscharen 
oft auf lange ihre Rast- oder Wohnstatten verlieBen, die zuriickgebliebenen Frauen also ihr 
Leben ohne sie gestalten, sich wohl auch gegen Uberfalle wappnen muBten. Meist kehrten 
schlieBlich die Manner — wenn sie iiberhaupt wiederkamen — dann mit fremden Frauen 
heim, was vielleicht ein plotzlich hervorbrechendes Mannermorden zur Folge hatte; diese z.B. 
von den Lemnerinnen berichtete Tat klang durch ganz Griechenland als furchtbarstes 
Verbrechen wider und wurde als solches immer emeut mit Grausen vermeldet. Diese durch 
Geschlechtsenthaltung rasend gewordenen Weiberscharen verfielen nun bei der ersten 
Unterwerfung in ein 

[47] Schaffung der Ehe 

hemmungsloses Hetarentum, eine Lebensform, die immer durchbrach, wo das apollinische 
Prinzip nicht herrschend blieb, trotzdem dieses anfangs bei seinem Siege innerlich doch 
begriiBt wurde, da es die ersten wirklichen Grundlagen zu einer Stetigkeit der Gesittung legte, 
gegen die spater jedoch die alten Triebe emeut sich emporten. 

So wurde denn Jason von der Lemnierin Hypsipyle empfangen, so gesellte er sich der Medea 
und errichtete gegen Amazonen- und Hetarentum die Ehe. Durch die Stiftung der Ehe erhalt 
innerhalb des nordisch-apollinischen Prinzips die Frau, die Mutter, eine neue, ehrenvolle 
Stellung, die edle, fruchtbare Seite des Dmeterkultes tritt hervor (man vergleiche die 
Verwandlung der Isis in die Mutter Gottes des germanischen Menschen); was alles aber 
verschwindet, wo Apoll, d. h. der Grieche, sich nicht als Herrscher zu behaupten vermag. 
Diese Seite des Kampfes beleuchtet die Erzahlung vom gleichen Jason, der im stark 
phonizisch durchsetzten Korinth der Ehe untreu wird; vom Weiberfeind Herakles, der alle 
Amazonen besiegt, ganz Nordafrika bis zum Atlantik durchstreift und doch in Libyen vor der 
Omphale niedersinkt. 



So konnen sich die Apolloniden auch im Osten nicht halten und das KompromiB heiBt: 
dionysische "Religion". Deshalb erhalt der lichte Jason ein Parderell um die Schulter, um die 
dionysische Abschwachung des Apollinischen zu kennzeichnen. Die lichtbetonte 
Mannlichkeit des Apoll verbindet sich mit erdhafter, hetarenhafter Ekstatig. Dionysos' Gesetz 
der endlosen Geschlechtsbefriedigung bedeutet die hemmungslose Rassenmischung zwischen 
Hellenen und Vorderasiaten aller Stamme und Varietaten. Die ehemals mannerfeindlichen 
Amazonen erscheinen als mannstolle tolle Manaden, das apollinische Eheprinzip wird erneut 
durchbrochen und da das Wesen des Sabazios ganz auf das Weib eingestellt ist, geht auch das 
mannhche Geschlecht seiner Zersetzung entgegen, so daB die Manner an den 

[48] Der Satyr — eine Rassengestalt 

Dionysosfesten nur in weiblicher Kleidung teilnehmen. Von diesem Rassengemisch 
Vorderasiens aus greift dann das Bastardtum des Dionysos erneut iiber nach dem Westen und 
herrscht iiber das ganze Mittelmeer. In Rom verbreiten breiteten sich die Dionysien 
bezeichnenderweise besonders in Verbrechergreisen. Um 186 sah sich der Senat nach langer 
Duldung des angeblich religiosen Kultus gezwungen, die bacchischen Zusammenkiinfte 
streng zu verfolgen. Etwa 7000 Zeugnisfalscher, Betriiger und Verschworer wurden verbannt 
oder hingerichtet. Nur in Hellas selbst halt sich noch das lichte, das Chaos ordnende 
apollinische Prinzip. 

So tragi denn Dionysos auf griechischen Bildern hellenische Gestalt, aber verweichlicht, und 
lebt in Umgebung vorderasiatischer Satyre, die dann auf den Grabmalern als schreiende 
Grotesken eines Weltzerfalls auftreten. Richtig sagi Bachofen, daB der nach Asien scheinbar 
siegreich eindringende Apoll als Dionysos wiederkehrte; was er und alle iibrigen Denker aber 
— trotz mehrfacher geistiger Anlaufe — iibersehen haben, ist die Tatsache, daB Zeus- Apoll 
die geistig-willenhafte Seite des nordisch-griechischen Blutes darstellen, ebenso wie die 
hetarenhafte Lebensform eine AuBerung der nicht-nordischen vorderasiatischen und 
nordafrikanischen Rassengruppen. Die Vermischung der Mythen und Werte war zugleich eine 
Bastardierung des Blutes und die vielen Sagen des griechischen Volkes sind die bildliche 
AuBerung dieses Kampfes der verschiedenen blutbedingten Geister. 

Am bewuBtesten emporgehoben wurde diese vorder-asiatsch-afrikanische Unterwelt dann von 
einer geschichtlich bezeugten Gestalt: von Pythagoras. Der Sage nach hatte er Babylon und 
Indien bereist; er selbst wird als P e 1 a s g e r bezeichnet und iibie seine Mysterienweisheit 
namentlich in Kleinasien aus, wo sich ihm alle "mystischen Frauen" entziickt anschlossen. In 
Griechenland selbst konnte er nicht FuB fassen, groBe Griechen wie Aristoteles und 

[49] Pythagoras und Heraklit 

Heraklit haben sich sogar abfallig iiber ihn geauBert, well sie offenbar an seiner 
Zahlenkabbalistik keinen Gefallen gefunden hatten. Aristoteles sagi, Pythagoras' Ruhm 
beruhe auf der Aneignung fremden geistigen Eigentums, was auch Heraklits Meinung ist, da 
er ausfiihrt, Pythagoras habe sich aus vielen Schriften "eine falsche Kunst und Vielwisserei" 
zusammengereimt. "Vielwisserei aber", fiigt der hellenische Weise hinzu, "belehrt den Geist 
nicht."* So zog denn Pythagoras nach dem Westen, nach Siiditalien baute dort (ein antiker 
Rudolf Steiner plus Annie Besant) seine Mysterienschulen mit weiblichen Priesterinnen aus 
und gait im ganzen afrikanischen Umkreis, von wo die geschlechts-kollektivistische 
"Mysterien"Lehre des Agypters Karpokrates ihm fordernd entgegenkam, als Weisester der 
Weisen. Die Gleichheit aller wird wieder einmal vom demokratischen Tellurismus verkiindet, 
Gemeinschaft der Giiter und Weiber als Ziel hingestellt, obgleich das alles doch einst der 



Ausgangspunkt des nichtnordischen Mittelmeerdenkens gewesen war,, als Apoll war, dieser 
ihm feindlichen Lebensform in Kampf geriet. Nicht genug kann auch an dieser Stelle betont 
werden, daB AuBerungen wie "daB das Ende der menschlichen Entwicklung die friihesten 
tierischen Zustande wieder zuriickbringen"** eine groteske 

*Undwenn auch Pythagoras nicht ein absoluter Vorderasiate gewesen sein sollte, so doch 
wesentUch ein inter essanter, verschiedenwertiger Mischling. Seine Ansprachen begannen mit 
der Betonung, dafi er keine ihm entgegentretenden Anschauungen dulden werde (siehe die 
Ahnlichkeit mit demfanatisch unduldsamen Paulus) und deshalb ist es durchaus bezeichnend, 
dafi er H omer die furchtbarsten Strafen im Hades zudiktiert. Dies geschah unterm 
Vorwand, Homer habe die Gottheit nicht genug geachtet, in Wirklichkeit, weil der geistige 
Bildner des Griechentums zu echt und grofi gewesen war und deshalb als lebendiger Vorwurf 
empfunden wurde. Es hat injeder Epoche dhnliche Fdlle gegeben (siehe Heine-Borne gegen 
Goethe). 

** Bachofen: "Mutterrecht". 

[50] Zwei Ebenen griechischer Gestaltung 

Irrefiihrung darstellen, urn so mehr, als manchmal die Erkenntnis, daB der Pythagoraische 
Kulturkreis "zu den vorhellenischen Volkern und ihren Kulturen" zuriickfiihre, blitzartig 
auftaucht, urn dann wieder durch Redensarten, das Hellenentum habe sich der chtonischen 
Wesenheit "entrungen" (als ob es je darin gesteckt ware), hoffnungslos iiberdunkelt zu 
werden. 

Die gesamte dramatische Lebensgestaltung des Griechentums geht also auf zwei Ebenen vor 
sich: auf der einen verlauft eine Wesensentwicklung durchaus organisch: von der 
Natursymbolik, gekront mit den Gottem des Lichts und des Himmels, gipfelnd im Gottervater 
Zeus; von dieser mythisch-kiinstlerischen Stufe zum dramatisch-kiinstlerischen Bekennen 
dieser geistigen Weisheiten, bis zur Ideenlehre Platons, d. h. zur philosophischen Erkenntnis 
des bereits Mythisch-Gestalteten. Diese ganze Entwicklung steht aber in bestandigem Kampf 
mit anderen, an anderes Blut gekniipften mythischen und dann auch gedanklichen Systemen, 
die zum Teil veredelt dem Griechentum eingeschmolzen werden, im Endergebnis aber von 
alien Seiten aus den Siimpfen des Nils, aus den Gewassern Kleinasiens, aus den Wiisten 
Libyens sich erheben und mit der nordischen Gestalt des Griechen auch sein inneres Wesen 
zersetzen, umfalschen, vemichten. 

Dies 1 e t z t e aber bedeutet nicht eine Entwicklung bzw. Entladung natiirlicher Spannungen 
innerhalb eines organischen Ganzen, sondem dramatischen Kampf feindlicherRassenseel en, 
dessen ergriffene Zuschauer wir noch heute sind, wenn wir den Sieg und den Untergang des 
Hellenentums mit wachem Auge verfolgen; und auf wessen Seite wir stehen, sagt uns das 
Blut; nur blutlose Gelehrte konnen hier "Gleichberechtigung zweier groBer Prinzipien" 
fordern. 

Mit ewiger Trauer verfolgen wir, wie als Begleiterscheinung 

[51] "Griechische" Demokratie 

des seelisch-rassischen Zerfalls der Grieche Homers, der einst mit den stolzen Worten des 
Dichters: 



Immer der Erste zu sein und vorzustreben den Andern" die Szene der Weltgeschichte betrat, 
sich im Kampfe gegen Fremdes, gegen das zersetzte eigenhafte Aufreibt: wie der groBe 
Theognis beklagt, daB das Geld das Blut der Edlen mit den Unedlen vermische und daB auf 
diese Weise die Rasse, die man bei Eseln und Pferden streng behiite, bei den Menschen 
besudelt wiirde. Wie im "Gorgias" Platon den Kallikles vergeblich das weiseste Evangelium 
verkiinden laBt: "Das Gesetz der Natur will, daB der Bedeutendere iiber den Geringeren 
herrscht". Freilich anders sei "unser (athenisches) Gesetz", wonach die Tiichtigsten und 
Kraftigsten jung wie Lowen eingefangen wiirden, um sie durch "Zaubergesange und 
Gaukeleien" der Gleichheitspredigten irrezuleiten. Wenn aber E i n e r wieder aufstehe, so 
zertrete er alle diese falschen Zaubermittel und ginge strahlend auf als das "Recht der Natur". 
Aber umsonst war diese Sehnsucht nach dem heroischen Rassemenschen: das Geld, und mit 
ihm der Untermensch, hatte bereits iiber das Blut gesiegt, richtungslos beginnt der Hellene 
sich mit Handel, Politik, Philosophie abzugeben; widerruft heute, was er gestern gepriesen 
hat; der Sohn vergiBt die Pietat gegeniiber dem Vater; die Sklaven aus alien Weltteilen rufen 
nach "Freiheit"; die Frauen-und Mannergleichheit wird verkiindet; ja im Zeichen dieser 
Demokratie stoBen — wie Platon spottisch bemerkt — die Esel und Pferde die Menschen, die 
ihnen nicht ausweichen wollen. Die Kriege vermindern die Geschlechter, immer neue 
Biirgeraufnahmen fmden statt. "Aus Mangel an Mannern" werden Wildfremde " Athener" wie 
spater aus Ostjuden "deutsche" Staatsbiirger. Und klagend sagt Isokrates nach der agyptischen 
Expedition (458), die Familien der groBten Hauser, welsche den persischen Krieg iiberstanden 
hatten, seien ausgetilgt: "Es ist aber nicht 

[52] Griechenlands Untergang 

die Stadt gliicklich zu preisen, welche von alien Enden her aufs Geratewohl viele Biirger 
anhauft, sondern diejenige, welche die Rasse der von Anbeginn an Angesiedelten am besten 
erhalt. So kann es denn nicht anders sein, als daB ein Jakob Burckhardt betriibt feststellt: 
" Vom Eindringen der Demokratie an herrscht in ihrem (der Griechen) Inneren die bestandige 
Verfolgung gegen alle diejenigen diejenigen, die etwas bedeuten k o n n e n... ! Femer die 
Unerbittlichkeit gegen das Talent ..."* Diese Demokratie aber ist nicht Volksherrschaft, 
sondern Herrschaft Vorderasiens iiber die ihre Menschen und Krafte zerstreuenden 
griechischen Stamme, iiberall herrscht der hemmungslos gewordene Menschenauswurf iiber 
die verweichlichten, nicht durch rasssisch-verwandtes Bauerntum gestarkter Hopliten. 
Gewissenlose Demagogen hetzen die Massen gegen die Romer, um sich spater gegenseitig 
bei diesen zu denunzieren. Bei deren Anmarsch aber begann eine Massenflucht aus den 
bedrohten Stadten, ein jammerliches Ergeben unter die kommenden Weltherrscher mit dem 
spateren Sprichwort: "Wenn wir nicht so rasch untergegangen waren, hatte es keine Rettung 
fiir uns gegeben." In dem Wahnsinn, das Land "wieder aufzubauen", begann die chaotische 
Demokratie mit Amnestien, Schuldenerlassen, Landaufteilen und wurde nur verwahrloster als 
je vorher. In blutigen Wirtschaftskampfen reiben sich die Stadte auf oder wurden ode und leer 
durch die Auswanderung der Hellenen in alle Telle der damaligen Welt: Kulturdiinger fiir 
rohe Volker, verbunden mit charakterlichem Untergang und physischer Vernichtung. Dort, 
wo friiher bliihende Stadte gestanden, die freien Griechen im Stadion gekampft und blinkende 
Tempel von Schopfergeist gezeugt hatten, fanden spatere Wanderer ode Ruinen, 
menschenleeres Land, zerfallene Saulen, und nur die leeren Sockel 

*Griechische Kulturgeschichte, Bd. 4, S. 503. 

[53] Die Sendung von Hellas 



zeugten noch von Heroen- und Gotterstatuen, die einst auf ihnen gestanden hatten. Zu 
Plutarchs Zeiten waren wohl kaum noch 3000 Hopliten aufzutreiben und Dio Chrysostomos 
bemerkt, der Typus des alten Griechen sei eine auBerst seltene Erscheinung geworden: 
"Stromt nicht der Peneios durch ein einsames Thessalien und der Ladon durch ein verwiistetes 
Arkadien? . . . Welche Stadte sind jetzt oder als Kroton, Metapont und Tarent?" so lagen 
Hysia, Tiryns, Alsine, Omea verwiistet; der Zeustempel zu Nemea war gefallen, sogar der 
Hafen von Naupla menschenleer; vom "hundertstadtigen" Lakedamon waren dreiBig Dorfer 
iibriggeblieben; im messenischen Gebiet verzeichnet Pausanias die Triimmer von Dorion und 
Andania;von Pylos gab es nur Ruinen, von Letrinoi noch einige Wohnungen; die "groBe 
Stadt" (Megalopolis) in Arkadien war nur noch eine "groBe Einsamkeit"; von Mantinea, 
Orchomenes, Heraa, Manalos, Kynatha usw. zahlte man nur noch armliche Spuren; Lykosura 
hatte nur noch die Stadtmauer sich erhalten, von Oresthasion ragten nur noch Tempelsaulen in 
den Himmel, die Akropolis von Asea war bis auf einige Mauerreste zerstort... Niedergerissen 
waren Daphnus, Augeia, Kalliaros, von Homer einst geriihmt; Oleanos war geschleift, die 
Schmuckstiicke von Hellas, Kalydon und Pleuron, in Nichts herabgesunken und Delos war so 
verwiistet, daB, als Athen eine Wache fiir den dortigen Tempel entsandte, diese die ganze 
Einwohnerschaft bildete. . . 

Und trotzdem: auch im Untergehen hatte der griechische Mensch den Vormarsch Asiens 
gehemmt, seine glanzenden Gaben iiber alle Welt zerstreut, die doch schon bei den 
nordischen Romern eine neue Kultur erzeugen halfen und spater fiir das germanische 
Abendland zum lebendigsten Marchen wurden. A p o 1 1 o n heiBt somit der erste groBe Sieg 
des nordischen Europas trotz Opferung der Griechen, well hinter ihnen aus neuen 
hyperboraischen Tiefen Trager 

[54] Rom — eine nordische Griindung 

der gleichen Werte seelisch-geistiger Freiheit, organischer Lebensgestaltung, forschender 
Schopferkraft erwuchsen. Rom vertrieb dann fiir lange mit seinem Schwert den erstarkten 
vorderasiatischen Spuk, setzte schroffer und bewuBter als Hellas das apollinische 
Paternitatsprinzip durch, festigte dadurch den Staatsgedanken an sich und die Ehe als 
Voraussetzung von Volk und Rassenschutz. Bis Germanien in neuer Form der Vertreter des 
Himmelsgottes wurde*. 



Im wesentlichen das gleiche Geschehen wie in Hellas, jedoch gewaltiger im raumlichen 
AusmaB und machtpolitischer Ausgestaltung zeigt die Geschichte R o m s. Auch Rom ist die 
Griindung einer nordischen Volkerwelle, die lange vor den Germanen und Galliern sich ins 
fruchtbare Tal siidlich der Alpen ergoB, die Herrschaft der Etrusker, dieses "geheimnisvollen" 
fremden (vorderasiatischen) Volkes brach, vermutlich eine Ehe mit Stammen der noch reinen, 
eingeborenen mittelmeerlandischen Rasse einging und einen nordisch bedingten Charakter 
von groBter Festigkeit und Zahigkeit zeugte, indem sich Herren-, Bauern- und Heldentum mit 
klugem Sinn und eisemer Energie paarten. Das 

*Man lese einmal von diesem Gesichtspunkt aus Rohdes wunderbares Werk "Psyche" 
nochmal durch. Wdhrend Rohde erst ganz am Ende angesichts des chaotischen 
Spdthellenismus von "Wahnvorstellungen aus alien Weltenden" spricht, vom 

"fremdldndischen Unwesen der Geisterbannung", dem "Getiimmel jremder Gotzen und 

niedrig schwebender ddmonischer Mdchte ", fordert sein ganzes Werk direkt eine 
Untersuchung daruber, wie diese vorgriechischen Urkrdfte bereits vielfrtiher am Werke, 



umgedeutet angeeignet oder uberwunden warden waren. Er wiirde h e u t e sicher nicht 
versdiimen, zu erkldren, dafi der "unter dem Nabelstein der Erdgottin" begrabene Python, der 
"chtonische Damon" der uralte Gott Vorderasiens war, dessen Funktionen Apoll ubernahm, 
soweit er ihn nicht besiegen konnte. Ebenso ist Erechtheus "lebendig hausend in dem Tempel" 
eine fremde rassenseelische Gestalt. Es zeugtfilr Rohdes geniale Unbefangenheit, wenn er 
etwas bekiimmert feststellt, "aufdem immer tieferen Eindringen einer dngstlichen Scheu vor 
iiberall unsichtbar wirkenden Geistesmdchten, einer Superstition, wie sie Homers Zeitalter 
noch nicht kannte ", hdtte die Macht des spdteren Orakels beruht Auch die Vermischung des 
griechischen Heroenkults mit den chtonischen Gottern ware Rohde heute als dramatischer 
Kampfbzw. Kompromifi zweier verschiedener Rassenseelen erschienen sein ganzes Werk ist. 
deshalb eine Bestdtigung rassenseelischer Weltanschauung, wie sie heute geboren wird. Man 
lese auch von diesem Gesichtspunkt aus Fustel de Coulanges "La citee antique ". Vor allem 
aber Burckhardts unvergdngliche "Griechische Kulturgeschichte ", der en Daten durch die 
rassenseeUsche Scheidung erst heute ihre eigentliche Deutung und Bedeutung erhalten 

[55] Karthago und Jerusalem 

alte Rom von dem die Geschichte nicht viel zu erzahlen weiB, ward durch Zucht und 
eindeutigen Charakter im Kampf gegen den gesamten Orientalismus ein echter volkischer 
Staat. In dieser "vorgeschichtlichen Zeit wurden jene Kopfe gleichsam vorgebildet, jene Kraft 
aufgespeichert, von der spatere Jahrhunderte verschwenderich zehrten, als die Romer in 
Weltkonflikte gerieten. Die herrschenden 300 Adelsgeschlechter lieferten die 300 Senatoren, 
aus ihnen wurden die Leiter der Provinzen und die Feldherren emannt. Umgeben von 
seefahrenden Rassen Vorderasiens muBte Rom immer ofter sein kurzes Schwert seiner 
Selbstbehauptung wegen mit aller Riicksichtslosigkeit fiihren. Die Zerstorung Karthagos war 
eine Rassengeschichtlich ungeheuer wichtige Tat: dadurch wurde auch die spatere mittel- und 
westeuropaische Kultur von den Ausdiinstungen dieses phonizischen Pestherdes verschont. 
Die Wehgeschichte hatte auch sonst vielleicht einen anderen Gang genommen, wenn gleich 
der Niederlegung Karthagos auch die Zerstorung aller anderen syrischen und 
vorderasiatischen semitisch-jiidischen Zentralen vollkommen gelungen ware. Die Tat des 
Titus kam jedoch zu spat: der vorderasiatische Schmarotzer saB nicht mehr in Jerusalem 
selbst, sondern hatte bereits 

[56] Patritzier und Plebejer 

seine starksten Saugarme von Agypten und "Hellas" aus gegen Rom ausgestreckt. Und er 
wirkte auch schon in Rom! Alles was von Ehrgeiz und Gewinnsucht besessen war, zog in die 
Hauptstadt am Tiber und war bemiiht, durch Versprechungen und Geschenke das 
"souverane", alleinherrschende Volk in seinen Beschliissen zu bestimmen. Aus der friiher 
berechtigten Volksabstimmung gleichgerichteter, erdverbundener Charaktere entstand durch 
fremdrassischen Zuzug ein gesinnungsloser, verlumpter Menschenhaufen als standige 
Bedrohung des Staates. Wie ein einsamer Pels in diesem immer mehr verschlammenden 
Gewoge stand spater wie ein Gleichnis der groBe Kato. Als Prator von Sardinien, als Konsul 
von Spanien, dann als Zensor in Rom kampfte er gegen Bestechung, Wucher und 
Verschwendungssucht. Ahnlich dem anderen Cato, der sich nach furchtlosem Kampf gegen 
Staatszersetzung ins Schwert stiirzte. Altromisch nannte man diese Tat. GewiB. Altromisch ist 
aber wesensgleich mit nordisch Als spater Germanen sich dazu hergaben den schwachen, 
verkommenen, von unreinen Bastarden umgebenen Kaisern ihre Dienste zu widmen, da lebte 
in ihnen derselbe Geist der Ehre und Treue wie im alten Romer. Kaiser Vitellius, ein Feigling 
ohnegleichen, wurde von seinen Gegnern in einem Versteck erwischt, am Strick libers Forum 
geschleift und erdrosselt, seine germanische Leibwache aber ergab sich nicht. Sie war ihres 



Eides zwar entbunden, lieB sich aber doch bis zum letzen Mann erschlagen. Das war 
nordischer Geist bei Kato, bei den Germanen. Wir erlebten ihn 1914 wieder in Flandem, bei 
Coronel, wahrend langer Jahre in der ganzen Welt. 

In der Mitte des 5. Jahrhunderts hatte sich der erste Schritt dem Chaos entgegen vollzogen: 
die Mischehe zwischen Patriziem und Plebejern wurde gestattet. Die rassische Mischehe war 
somit auch in Rom wie in Persien und Hellas zu einer Bedingung des volkischen und 
staatlichen Niedergangs geworden. Im Jahre 336 riicken bereits die 

[57] Von Sulla zu Septimus Severus 

ersten Plebejer in die romische Gemeindeversammlung ein, urn 300 weiB man schon von 
plebejischen Priestern zu berichten. 287 wird die plebejische Volksversammlung gar 
Staatseinrichtung Handler und Geldleute schieben ihre Geschopfe vor, ehrgeizige abtriinnige 
Patrizier wie die Gracchen geben demokratischen Neigungen nach, vielleicht auch von 
groBherzigem, aber falsch angebrachtem Wohlwollen getrieben, andere setzen sich ganz offen 
an die Spitze des romisch-stadtischen Gesindels, wie Publius Clodius. 

In diesen Zeiten des Chaos ragten nur noch wenige hervor: der blauaugige gewaltige Sulla, 
der rein nordische Kopf des Augustus. Sie konnten das Schicksal aber nicht mehr aufhalten. 
Und so kommt es, daB die Herrschaft iiber die romische Volkerflut — und das bedeutete 
Herrschaft iiber ein Riesenreich — ein Spiel des grausamen Zufalls wird, je nachdem, wer 
iiber die Pratorianer herrscht oder gerade einen hungrigen Menschenhaufen anfiihrt: es steigt 
empor einmal ein GroBer, das andere Mai ein grausamer Bluthund. Roms friihere machtige 
Rassenmachte sind im Verlauf von 400 Jahren rassenzersetzender Demokratie nahezu 
erschopft. Die Herrscher kommen jetzt aus den Provinzen. Trajan ist der erste Spanier im 
Purpur, Hadrian der zweite. Das Adoptivkaisertum entsteht, gleichsam als letzter 
Rettungsversuch, aus dem Gefiihl heraus, daB auf das Blut kein VerlaB mehr ist und nur noch 
personliche Auslese den Fortbestand des Staates zu sichem vermag. Mark Aurel, auch ein 
Spanier, ist in seinen Werten bereits christlich geschwacht: er erhebt ganz offen 
Sklavenschutz, Frauenemanzipation, Armenhilfe (Ewerbslosenfiirsorge sagen wir heute) zu 
staatlichen Grundsatzen, entrechtet die einzige noch typenformende Kraft, die starkste 
tiberlieferung des republikanischen Roms, die Herrschaft des pater familias. Dann folgt 
Septimus Severus, ein Afrikaner. "Macht die Soldaten reich, verachtet alle anderen", lautet 
sein Rat an seine Sohne Caracalla und 

[58] Volkerchaos in Rom 

Greta. Bestimmt durch seine syrische Mutter (Tochter eines Baalspriesters in Kleinasien) 
erklart der ekelhafteste Bastard auf dem Casarenthron, Caracalla, alle "fireien" Einwohner des 
romischen Gebietes zu Staatsbiirgern (212). 

Das war das Ende der romischen Welt. Macrinus mordet dann den Caracallla und wird selbst 
Kaiser. Nachdem auch er erschlagen wird, folgt auf ihn das Monstrum Elagabal, der Neffe des 
Afrikaners Severus. Dazwischen tauchen auf der Halbgermane Maximus "Thrax", Philippus 
"Arabs", ein Semit. Auf den Sitzen der Senatoren rakeln sich fast nur Nichtromer. Die 
"Bildung" dieser Epoche vermitteln Martial, ein Spanier, die Griechen Plutarch, Strabon, Dio 
Cassius usw. Auch Apollodorus, der das Forum erbaute, war ein Grieche ... 

Unter den spateren ist Aurelian ein in Belgrad geborerener Illyrier, Diokletian ein ebenfalls 
illyrischer Sklavensohn (vielleicht halbgermanischer Abkunft), ein Nebencasar, Constantius 



Chlorus, stammt auch aus Illyrien, aber ist hoherer Herkunft. Nach dessen Tode wird ein 
Gewaltiger von den Legionen zum Augnstus gemacht: Konstantin, der Sohn des Constantius 
Chlorus und eines Schankmadchens aus Bithynien. Dieser Konstantin siegte iiber alle 
Nebenbuhler. Damit ist die Geschichte des kaiserlichen Roms zu Ende, das papstliche und das 
germanische begann. 

In dieser verschwimmenden Mannigfaltigkeit mischt sich Romisches, Kleinasiatisches, 
Syrisches, Afrikanisches, Griechisches. Die Gotter und Sitten aller Lander zeigten sich auf 
dem ehrwiirdigen Forum, der Mithraspriester opferte dort seine Stiere, zu Helios beteten spate 
Griechen. Astrologen und orientalische Zauberer priesen ihre Wunder an, der "Kaiser" 
Elagabal spannte sechs Schimmel vor einen riesigen Meteorstein und lieB diesen als Sinnbild 
des Baals von Emesa durch die StraBen Roms fiihren. Er 

[59] Wie Rom entstand 

selbst tanzte an der Spitze des Zuges. Hinter ihm her wurden die alten Gotter geschleift und 
das "Volk" von Rom jubelte. Die Senatoren beugten sich Bankelsanger, Barbiere und 
Pferdeburschen stiegen zu Senatoren und Konsuln empor. Bis auch Elagabal erdrosselt und in 
den Tiber geworfen wurde, in jene letzte Ruhestatte so vieler Tausender seit iiber zweitausend 
Jahren. 

Diese Auffassung iiber die romische Vergangenheit hatte sich auch ohne die neueren 
rassengeschichtlichen Forschungen aufdrangen miissen; namentlich beim Studium 
altromtscher Gebrauche, Staats-, Rechtsbestimmungen und Mythen, denn auf alien Gebieten 
sehen wir uralte, eng mit Afrika-Vorderasien zusammenhangende Werte, nach und nach oder 
plotzlich, bei Beibehaltung der gleichen Namen, in ihr Gegenteil verwandelt. So "stellten" 
unsere ziinftigen Geschichtsschreiber — sie tun es auch heute noch — "fest", daB in Nord- 
und Mittelitalien Etrusker, Sabiner, Osker, Sabeller, Aequer, Samniten wohnten, im Siiden 
Phonizier,Sikuler, vorderasiatische Volkerschaften, griechische Siedler und Handler. Und 
plotzlich, man weiB nicht wieso und warum, entsteht ein Kampf gegen einen Teil dieser 
Stamme und Volkerschaften, gegen ihre Gotter und Gottinnen, gegen ihre Rechtsbegriffe, 
gegen ihre politischen Machtanspriiche, ohne daB von einem neuen Trager dieses Kampfes 
die Rede ist, oder wenn, so nicht nach seinem Wesen gefragt wird. Hier half sich die 
Gelehrtenwelt mit der beriihmten "Entwicklung der Menschheit, welche zwecks " Veredelung" 
angebilch eingegriffen habe, und die Tatsachensammler waren sich in diesem Punkt einig mit 
ihren Gegnem, den romantischen Mythendeutem, obgleich die Etrusker sicher eine "hohere 
Kultur" besaBen als die bauerischen Latiner. Da dies Wort von der plotzlich einsetzenden 
zauberhaften "Entwicklung" zu hoherer Geistigkeit, hoheren Staatsformen usw. mit der Zeit 
aber doch anriichig geworden war, erfanden neue Deuter der 

[60] Die Etrusker 

Geschichte die sog. Kulturkreislehre. Ein neues Wort, welches genau so inhaltsleer ist wie die 
nur im Gehirn des Gelehrten oder Priesters anzutreffende "allgemeine Entwicklung" zu 
seinem privaten Glauben, well namlich von den Schopfern der Kulturkreise ebensowenig die 
Rede war wie in den Werken der Evolutionspapste des 19. Jahrhunderts. Ein solcher 
indischer, persischer, chinesischer oder romischer Kulturkreis senkte sich eines schonen 
Tages auf ein Gebiet herab und veranlaBte dank dieser Zauberhaften Beriihrung eine 
vollkommene Anderung der gleichen menschlichen Wesen, die vorher, unberiihrt von ihm, 
gewissen Gebrauchen huldigten. Und dann erfahren wir vom "pflanzenhaften" Wachsen, 
Bliihen und Vergehen dieses magischen Kreises, bis die Lehrer der "Morphologic der 



Geschichte" auf Grund heftiger Kritiken am Ende des zweiten oder dritten Bandes etwas von 
Blut und Blut-Zusammenhangen murmelten. 

Auch dieser neue intellektualistische Zauber beginnt jetzt zu verfliegen. Der "romische 
Kulturkreis", die "neue Entwicklung" entsteht nicht aus den Schopfungen des eingeborenen 
etruskisch-phonizischen Blutes, sondern gegen dieses Blut und seine Werte. Trager sind 
nordische Einwandererziige und nordischer Kriegeradel, der auf italienischem Boden mit den 
Ligurern, der negroiden Urrasse (aus Afrika gebiirtig) und mit den vorderasiatischen 
Etruskem aufzuraumen beginnt, wohl manchen Tribut dieser Umgebung zollen muB, sein 
Eigenstes aber im erbittertsten Kampf herausstellt und riicksichtsloser durchsetzt als das Volk 
der mehr kiinstlerisch gestaltenden Hellenen (Vertreibung des letzten Etruskerkonigs 
Tarquinius Superbus); viele dieser Leistungen blieben europaisches Gemeingut, vieles Faule 
und Fremde aber trugen die spater doch wieder stark aufschaumenden Wogen des 
Volkerchaos nach Europa hinein. 

Die Etrusker, Ligurer, Sikuler, Phonizier (Punier) 

[61] Hetaren und Priester 

waren also keine "friihere Entwicklungsstufe", waren nicht "Stamme des romischen Volkes", 
die jeder zur "allgemeinen Bildung" das ihrige beigetragen haben, sondern die Bildner des 
romischen Staates standen ihnen alien rassisch-volkisch feindlich gegeniiber, unterwarfen sie 
sich, rotteten sie teilweise aus und nur der Geist, der Wille, die Werte, die sich hier in diesem 
Kampfe offenbarten, verdienten romische genannt zu werden. Die Etrusker bieten ein 
typisches Beispiel dafiir, daB fiir sie die griechische Glaubens- und Lebensform keinen 
Fortschritt, keine mogliche Veredelung bildeten. Ebenso wie die anderen Vorderasiaten hatten 
sie einst atlantisch-nordische Mythen vorgefunden, sie wurden dann zwar auch von 
griechischer Kultur iiberzogen, sie ahmten, so gut sie konnten, griechische Plastik und 
Zeichnung nach, sie eigneten sich auch den hellenischen Olymp an, und doch ist a 1 1 e s das 
entartet, in sein Gegenteil verwandelt worden. Grund genug, daB gewisse "Forscher" auch 
heute noch vom "ungeheuren Geisteserbe", vom "Wachstumsgrund", von "welthistorischer 
Weihe" des "tragischen Schicksals" der Etrusker faseln*, offenbar ausjener inneren 
Sympathie heraus, die heute das aufsteigende Asphaltmenschentum der Weltstadte mit alien 
Abfallprodukten des Asiatentums auf sehr bezeichnende Art verbindet. 

Dabei bieten Sage- und Graberdenkmaler der Etrusker geniigend Ankniipfungspunkte, um 
begreiflich zu machen, warum das gesunde, starke romische Bauemvolk sich dem 
Etruskertum zum verzweifelten Kampfe stellte. Zwei Typen sind es, die tuskisches Wesen 
kennzeichneten: die gottliche Hetare und der zauber starke Priester, der durch furchtbare Riten 
die Schrecken der Unterwelt zu bannen versteht. Die "groBe Hure von Babylon", von der die 

^Z-B. Hans MuhleStein: "Die Geburt des Abendlandes". Berlin 1928. 

[62] Hetarenwirischaft in Vorderasien 

Apokalypse spricht, ist kein Marchen, keine Abstraktion, sondern eine hundertfach bezeugte 
geschichtliche Tatsache: die Tatsache der Hetarenherrschaft iiber die Volker Vorder-und 
Mittelasiens. In alien Zentren dieser Rassengruppen thronte an hochsten Festtagen die 
Staatshetare als Verkorperung der alle gleichmachenden Sinnlichkeit und der 
weltbeherrschenden Wollust, in Phonizien im Dienste der Kybele und Astarte, in Agypten zu 
Ehren der groBen Kupplerin Isis, in Phrygien als Priesterin eines absolut hemmungslosen 



Geschlechtskollektivismus. Zur herrschenden Priesterin der Liebe gesellte sich, in 
durchsichtige libysche Gewander gekleidet, ihr Buhle. Sie salben sich beide mit kostlichen 
Salben, schmiicken sich mit kostbaren Spangen, um dann vor allem Volk (wie auch Absolom 
mit Davids Kebsweibern 2. Sam. 16, 22) die Begattung zu vollziehen. Dem Beispiel folgte 
das Volk in Babylon, bei den Assyrern, in Libyen, im etruskischen Rom, wo die Gottin- 
Priesterin Tanaquil die Entwicklung des Hetarentums auf die Spitze treibt in schonster 
Zusammenarbeit mit den "Priestern" der Etrusker*. Wohl "deutete" man sich friiher die 
tuskischen Inschrifren auf Grabem, Mumien-binden, Rollen usw., doch erst Albert Griinwedel 
ist es 

*Der dufierst zuruckhaltende Erforscher Etruriens, Karl Otfried Muller, welcher in der ersten 
Hdlfte des 19. Jahrhunderts naturlich noch nicht die ganze Rassenfrage derart iibersehen 
konnte wie wir heute, schreibt in seinem grofien Werk "Die Etrusker" (neu herausgegeben von 
Dr. W. Deecke, Stuttgart, 1877) tiber die dem etrustischen Wesen offenbar verwandten 
Dionysien, zundchst seien nur die Frauen eingeweiht warden; erst lange nachher, in Rom 
gegen 550 der Stadt, wurden auch Manner geweiht, die etruskischen Priester hdtten dann 
"jene Scheuseligen Orgien ausgebildet, in denen das von phrygischer Kymbalen- und 
Paukenmusik betdubte, von bacchischer Lust und losgelassener Gier entflammte Gemiit sich 
aller Greuel unterfmg, bis der romische Senat (568) mit heilsamer Strenge alle Bacchanalien 
...aufhob". (Bd.II,S. 78.) 

[63] Etruskischer Satanismus 

gelungen, diese Schrift wirklich zu entziffem* und zwar mit Ergebnissen, die das Etruskertum 
in einem grauenhaften Lichte zeigen. Der griechische Sonnenmythus wird auch hier 
aufgenommen; daB die Sonne stirbt, daB aber dann der Sonnengott aus dunkler Nacht mit 
doppelter Kraft emportaucht und leuchtend iiber uns hinwegzieht, ist auch etruskisches Motiv. 
Aber unter den Handen tuskischer Priester wird daraus asiatische Magie, Hexenwesen, 
verbunden mit Paderastie, Selbstbegattung, Knabenmord, magischer Aneignung der Kraft des 
Gemordeten durch den Priester-Morder und Weissagungen aus dem Kot und der 
Eingeweidenpyramide des Geopferten. 

Die Mannheit der Sonne begeht mit dem magischen Phallus eine Selbstbegattung an der 
Sonnenscheibe (d.i. der agyptische "Punkt" in der Sonne), die er schlieBlich durchstoBt. 
Daraus entsteht ein goldener Knabe, das "Phoetus eines Knaben, der die Offnung hat", ein 
"magisches Schema"; das ist das sog. "Siegel der Ewigkeit". Das Ungestiim des magischen 
Phallus wird als Stier gedacht, der so wiist vorgeht, daB die Sonnenscheibe briillt, und der 
"Phallustrager des Gehorns" zum Feuer wird, "der Phallus aus dem, der den Himmel hat". In 
immerwahrenden, sich gleichbleibenden Obszonitaten wird hier der Sonnenmythus in eklige 
Mannerbuhlschaft herabgezogen, die sich in den Wandzeichnungen der Graber (Golini-Grab) 
fortsetzt, wo der Verstorbene mit seinem Buhlknaben im Jenseits sein Gastmahl halt und wo 
aus einem Opferfeuer zwei Riesenphallen als Ergebnis einer satanistischen Zauberaktion 
entspringen. Das ist, laut Inschrift, "der Blitz der Vollendung, Person einer Matrix, Phallus, 
der Verwesungsdampf hat und so vollendet ist". D. h- aus der magischen Sprache iibersetzt, 
daB das von der Frau geborene Geschopf nach Verwesung vergottlicht, ein Phallus wird. 

*Tusca, Leipzig 1922. 

[64] Magie und Zauberei 



Aus der Inschrift des Cippus von Perugia ergibt sich eine Zusammenkunft satanistischer 
Priester, die einen Spuk "vollenden", "um zu brennen in Besessenheit", "er, der diesen 
Knaben hat, der das damonische Messer hat. Ewig ist des Knaben Feuer ..., ein Magischer des 
vollzogenen Siegels". Und der gemordete Knabe wird nunmehr zum "Bockchen". Der 
personifizierte Donner ist dann eine Abwandlung des durch Stupration gewonnenen Sohnes, 
des vollendeten Bockchens. "Hier ist der Ursprung des gehornten Phantoms einerseits, des 
bockkopfigen Teufels andererseits, dessen Auftreten in der Hexenliteratur bis zu den 
Volkssagen hinab bisher vollig ratselhaft war. Die antiken Typen sind der Minotaurus (so 
besonders iiber dem bekannten Grabe von Cometo: Tomba dei Tori) und der griechische 
Satyrtypus, er war gut genug, ein himmelschreiendes Verbrechen zu illustrieren" 
(Griinwedel). Der Sinn aller sich immer wiederholender Gebrauche des "religiosen" 
Etruskervolkes ist, daB der Buhlknabe, schmahhch miBbraucht, zerschlitzt wird, die Geburt 
des neuen Sonnentages aus dem Ei "Symbolisieren" soil, welches sein Spuk durch das 
Sperma (das in Napfen gesammelt wird) erhalten hat; so entsteht ein spukhafter Stier, wie die 
Sonne feurig, erektiv, und vollzieht immer wieder die damonische Selbstbegattung. Bei 
Durchfiihrung dieses Rituals geht angeblich die Kraft des Gemarterten auf den Priester iiber, 
den Vertreter der "Auserwahlten" (Rasna, Rasena) wie die Etrusker sich, ahnlich den Juden zu 
nennen beliebten, der dann den Dunst der Eingeweide zum Himmel steigen laBt. Hinzu 
kommt die "magische" Verwendung von Fakalien, wiederum in Verhohnung des griechischen 
Sonnenmythus: der zauberhafte Cherub wird zur hochsten Kraft, wenn er sechs Rollen Gold 
(Kot), des Himmels Rote schaffend, von sich gibt. 

Ein Auserwahlter kann werden durch Lieferung seiner Eingeweidepyramide, woriiber 
etruskische Spiegel 

[65] Die Staatshetare Tanaquil 

geniigend Auskunft geben, in denen Hexen Jiinglinge fur Geld zu dieser Hingabe veranlassen 
wollen, um dann in Flammen zum Himmel zu steigen, ein neues Zeugnis fur die Urheimat des 
Hexenwesens und des Satanismus auf europaischem Boden. Wir begreifen, wenn ein Forscher 
wie Giinwedel (der hier engste Verwandtschaft zu den tibetanischen Tantras des Lamaismus 
fmdet*) erklart: "Eine Nation, die es fertig bringt, Wandgemalde iiber die Eingangstiiren von 
Grabern zu malen, wie die beiden Szenen in der Tomba dei Tori, die es sich erlaubt, in den 
Grabern solchen Unflat zu schreiben und zu malen, wie im Golini-Grabe I, Sarkophage mit 
den widerlichsten Darstellungen zu bedecken: ich erinnere nur an die Sarkophage von Chinsi, 
Darstellungen von Verstorbenen einen Text wie die sog. Pulena-Rolle in die Hand zu geben, 
Toiletten-Artikel mit den haarstraubendsten Gemeinheiten zu bedecken, gibt dadurch die 
menschenunwiirdigste Infamie als nationales Erbgut, als religiose Uberzeugung." 

Es ist notwendig, sich dieses Wesen des Etruskertums einmal klar zu machen, um endlich die 
Tatsache fest ins Auge fassen zu konnen, daB es den nordischen Latinern, den echten Romem, 
ergangen ist wie spater den nordischen Germanen, friiher noch den nordischen Hellenen. Als 
ZahlenmaBig kleines Volk fiihrten sie einen Verzweiflungskampf gegen das Hetarentum 
durch starkste Betonung des Patriarchats, der Familie; sie veredeln die groBe Hure Tanaquil 
zu einer treubesorgten Mutter und stellen sie dar als Hiiterin der Familie mit Rocken und 
Spindel. Der magischen Zauberei einer gewalttatigen Priesterschaft setzen sie ihr hartes 
romisches Recht entgegen, ihren groBartigen romischen Senat. Und mit dem Schwert saubern 
sie Italien von Etruskern (wobei sich namentlich der groBe Sulla hervortat) und den von 
diesen stets herbeigerufenen Puniern. 

*Siehe sein anderes grofies Werk: "Die Teufel des Avesta". 



[66] Die Macht des Haruspex 

Und doch, Uberzahl, Tradition und die iibliche internationale Geschlossenheit alles Gauner- 
und Gauklertums fraB sich ins ehrenhafte altromische Leben immer mehr ein, je waiter es zur 
Sicherung seiner Werte in den Volkermorast des Mittelmeeres zu greifen gezwungen war. 
Namentlich den Haruspex und die Augum konnte Rom nicht iiberwinden, selbst Sulla war 
von einem Haruspex Postumius, Julius Casar spater vom Haruspex Spurinna begleitet. Eine 
Ahnung dieser heute feststehenden — und deshalb von unseren weltstadtischen "Etruskern" 
verschwie-genen — Tatsachen hatte schon Burckhardt. Er schreibt in seiner "Griechischen 
Kulturgeschichte" * : 

"Wenn dann aber in Rom bei Entfesselung aller Leidenschaften gegen Ende der Republik das 
Menschenopfer in greulichster Gestalt wieder auftritt, wenn iiber den Eingeweiden 
geschlachteter Knaben Geliibde geleistet werden und dgl., wie bei Catilina und Vatinus in 
(Cicero, in Vatin.6), so geht dies hoffentlich die griechische Religion nichts mehr an und auch 
den angeblichen Pyrhagoreismus des Vatinius nicht. Die romischen Gladiatorenkampfe aber, 
gegen welche Griechenland einen dauemden Abscheu behielt, waren aus Etrurien gekommen, 
zuerst als Leichenfeier vornehmer Verstorbener." Hier ist deutlich die Erkenntnis 
miteinbegriffen, daB auch das Menschenopfer ein "religioses" tuskisches Erbgut war**. Der 
etruskische Priester Volgatius, der beim Leichenbegangnis Casars in 

*Bd. 2, S. 152. 

*^ Eine der ersten Taten des grofien Vandalen Stilicho als Regent Roms war die Abschaffung 
dieser asiatischen Grausamkeiten. Genau das gleiche ordnete spater der Oftgote Theodorich 
an, der die Gladiatorenkampfe zu Ritterturnieren umgestaltete. Auch in derartigen 
Einzelheiten scheidet sich Charakter- aufewig von Charakter. Die Stier- und Hahnenkdmpfe 
der Spanier und Mexikaner sind ihrerseits Zeugnis dafUr, aber einsjur unsauberes, iiber das 
Germanische Sieghaftes Volkerchaos. 

[67] Der Papst — Nachfolger des Haruspex 

Verziickung das letzte Jahrhundert des Etruskertums verkiindet, war nur einer von vielen, die 
Roms Leben beherrschten und die Note des Volkes fiir Vorderasiens Geist auswerteten. Als 
Hannibal vor den Toren Roms stand, da erklarten diese Haruspizes, ein Sieg sei nur durch 
Wiederaufnahme des Kults der,, GroBen Mutter" moglich. Diese wurde tatsachlich aus 
Kleinasien heriibergeholt und der Senat muBte solch bequemen, ihr zu FuB bis zum Meer 
entgegen zu gehen. So zog neues kleinasiatisches Priestertum mit der "GroBen Hure" der 
Pelasger oder der "schonen lieben Hure" von Ninive (Nahum 3, 4) in die "ewige Stadt" ein 
und nahm Wohnung auf dem ehrwiirdigen Palatin, dem Sitz des kulturschaffenden 
altromischen Gedankens. Es folgten die iiblichen vorderasiatischen "religiosen" Umziige, 
doch muBten sich die Ausschweifenden spater auf die hinter Tempelmauem liegenden 
Bezirke beschranken, um sich der Emporung des besseren Teils des Volkes zu entziehen. Der 
Harupex siegte, der romische Papst erhob sich als sein unmittelbarer Nachfolger, wahrend die 
Tempelherrschaft, das Kardinalskollegium, eine Mischung von Priestertum der Etrusko-Syro- 
Vorderasiaten und der Juden mit dem nordischen Senat Roms darstellt. Auf diesen 
etruskischen Haruspex geht dann auch "unsere" mittelalterliche Weltanschauung zuriick, jener 
furchtbare Zauberglaube, jener Hexenwahn, dem Millionen des Abendlandes zum Opfer 
gefallen sind, der auch durchaus nicht mit dem "Hexenhammer" ausgestorben ist, sondern in 
der kirchlichen Literatur von heute noch lustig weiterlebt, jeden Tag bereit, offen 
hervorzubrechen; jener Spuk, der nicht selten die nordisch-gotischen Kathedralen verunstaltet 



und iiber eine natiirliche Groteske weit hinausgeht. Auch in D a n t e lebt, grandios gestaltet, 
die etmskisch verbastardierte Antike* emeut auf: sein Inferno mit 

Wielleicht kann man auch die Gestalt Macchiavellis hier eingliedern. Trotzdem er gegen die 
Kirchefiir einen italienischen Nationalstaat kdmpfte, trotzdem das Geschdft der Politik zu 
alien Zeiten nicht gerade eine Schule grundsdtzlicher Wahrhaftigkeit gewesen ist: ein 
derartiges, nur auf menschliche Niedertracht aufgebautes System und ein grundsdtzlic 
he s Bekenntnis dazu ist keiner nordischen Seele entsprungen. Macchiavelli stammte aus dem 
Dorf Monte spertoli, das, wie sein Lebensdarsteller Giuseppe Prezzolini erkldrt, ("Das Leben 
Nicolo Macchiavellis", deutsch Dresden 1929) "vorw legend etruskischen Charakter" hatten * 
Muller-Deecke: "Die Etrusker", Bd. II, S. 109. 

[68] Dantes Inferno 

dem Hollenfahrmann, dem Hollensumpf Styx, den pelasgischen blutgierigen Erinnyen und 
Furien, dem kretischen Minotaums, den Damonen in widerwartigster Vogelgestalt, welche die 
Selbstmorder peinigen, dem amphibienhaften Greuelwesen Geryon. Da laufen die 
Verdammten in gliihender Wiiste unter dem Regen von Feuerflocken; da werden Ubeltater zu 
Baumgestriipp, welches die Harpy en fressen, und bei jedem Brechen der Zweige entstromt 
ihnen Blut und ewiges Wehklagen; da hetzen schwarze Hiindinnen hinter den Verdammten 
her und zerreiBen sie unter fiirchterlichen Qualen; gehornte Teufel peitschen die Betriiger, und 
Dimen versenkt man in stinkenden Kot. In enge Schluchten gesperrt, schmachten die 
simonistischen Papste selbst, ihre drehenden FiiBe sind schmerzhaften Flammen ausgesetzt, 
und laut erhebt Dante die Klage gegen das verfallene Papsttum, die babylonische Hure. 

DaB alle diese Unterweltsvorstellungen etmskisch sind, zeigen vor allem die 
Grabzeichnungen der Tusker. Wie im Mittelalter in der "vorchristlichen" Oberwelt, sieht man 
hier als Vorstellung von der Ewigkeit an den Handen aufgehangte Menschen mit brennenden 
Fackeln und anderen Marterwerkzeugen gefoltert. Die morderischen Rachefurien stellen sich 
die Etrusker vor als "durchweg haBliche, mit tierischer oder negerartiger Gesichtsbildung, 
spitzen Ohren, gestraubtem Haar, Hauerzahnen usw."*. So foltert eine derartige Furie mit 
Vogelschnabel durch ihre giftigen 

[69] Etruskische Zauberei in Europa 

Schlangen den Theseus (uralter HaB gegen den sagenhaften Uberwinder der Urdamonen vor 
Athen?), wie das ein Wandgemalde der Tomba dell' Oreo zu Corneto darstellt Neben diesen 
Furien wirken jene graBlichen mannlichen und weiblichen Todesdamonen mit 
Schlangenbeinen, Typhon und Echidna benannt, einaugig, mit Schlangenhaaren. Auch sonst 
verweilen die Etrusker mit sadistischer Liebe bei alien Darstellungen der Qual, des Mordes, 
des Opferns, das Menschenschlachten selbst war ein besonders beliebter Zauber. 

Musikalisch erfmdungslos, im wesentlichen vollkommen poesielos, unfahig einer eigenen 
organischen Architektur, ohne jeden Ansatz zu einer echten Philosophic, sehen wir dieses 
vorderasiatische Volk mit groBter Beharrlichkeit der Vogel-, der Eingeweideschau, dem 
komplizierten Zauber-und Opferwesen hingegeben; technisch oft tiichtig, fast ganz dem 
Handel verfallen, triebhaft und zah, hat es das romische Blut vergiftet, seine 
schreckenerregende Vorstellungswelt der Hollenqualen im Jenseits auf die Kirchen 
iibertragen, die grauenhaften Tier-Menschendamonen sind bleibende Einwirkungsmittel des 
Papsttums geworden und beherrschen die durch die romische Kirche vergiftete 
Vorstellungswelt unseres "Mittelalters", woriiber schon allein die Malerei erschreckende 



Auskunft gibt — sogar auf dem Isenheimer Altar, ganz zu schweigen von den Hollenfahrten 
anderer bildender Kiinstler. Erst wenn man dies ganze fremde Wesen erkannt hat, sich seiner 
Urspriinge bewuBt geworden ist und den Widerstandswillen aufbringt sich dieses gesamten 
fiirchterlichen Spukwesens zu entledigen, dann erst haben wir das "Mittelalter" iiberwunden. 
Dadurch aber auch die romische Kirche, die mit den etruskischen Unterweltsqualen fiir immer 
verbunden ist, innerlich gestiirzt. 

Die ganze furchtbare Mystagogie des Danteschen Infernos bedeutet also die erschiitterndste 
Darstellung des 

[70] Die Tragik des Mittelalters 

altetruskisch-vorderasiatischen Satanismus, verbunden mit dem Christentum. Jedoch regte 
sich in Dante neben dieser Umschlingung durch jahrtausendalte Damonie doch sofort der 
germanische Geist*. 

Im Purgatorium laBt Virgil iiber Dante sagen: "Die Freiheit sucht er"; das war ein Wort, das 
alien Geistern widersprach, aus denen einst die Vorstellungen des groBen Teufels- und 
Hexenspukes geboren wurden, bis schlieBlich Virgil seinen Schiitzling froh verlassen konnte, 
da er geniigend eigene Kraft erworben hatte: "Mein Wissen, mein Wort kann Dir nichts mehr 
erklaren, Frei, grad, gesund sind Deines Willens Zeichen: Wahn war' es, ihm nicht Folge zu 
gewahren." 

Das sind die zwei Welten, die das mittelalterliche Herz des nordisch-bedingten Menschen 
zerrissen: die Vorderasiatische, schreckhafte, von der Kirche geziichtete Vorstellung der 
grausamen Unterwelt und die Sehnsucht "frei, grad und gesund" zu sein. Nur so weit er frei 
ist, kann der Germane schopferisch sein, und nur wo der Hexenwahn nicht herrschte, 
entstanden Zentren europaischer Kultur. 

In dieses rasselose wiiste Rom kam das Christentum. Es brachte einen Begriff mit sich, der in 
erster Linie seinen 

*Dafi Dante germanischer Abstammung war, stehtheutefest. Er hiefi Durante Aldiger, was 
ein rein germanischer Name ist. Dantes Vater war der Urenkel des in der Comedia 
erwdhnten Cacciaguida, der unter Konrad 111. am Kreuzzug teilnahm, vom Kaiser Selbst 
zum Ritter geschlagen wurde. Seine Gattin war eine Frau aus altgermanischem Gschlecht der 
Aldiger. Dante hatte sich sein Leben lang auf die Seite des nordischen Gedankens der 
Unabhdngigkeit der weltUchen Macht von der Priesterherrschaft gestellt, d. h- sich den 
Ghibellinen angeschlossen; scheute er sich doch nicht, die entarteten Pdpste in die 
Hollenqualen zu versetzen, Rom selbst eine Kloake zu nennen und, vor allem, dichtete er doch 
in der Sprache des Volkes, der er eine besondere Schrift widmete, gegen das abstrakte Latein. 



[71] Die Erb-Sundenlehre 

Sieg verstandlich macht: die Lehre von der Siindigkeit der Welt und damit zusammenhangend 
die Predigt der Gnade. Einem Volk mit ungebrochenem Rassencharakter ware die Erb- 
Siindenlehre eine Unverstandlichkeit gewesen, denn in einer solchen Nation lebt das sichere 
Vertrauen zu sich selbst und zu seinem als Schicksal empfundenen Willen. Homers Helden 
kennen die "Siinde" ebenso wenig wie die alten Inder und die Germanen des Tacitus und der 



Dietrichssage. Dagegen ist das dauemde Siindengefiihl eine Begleiterscheinung physischer 
Bastardiemng. Die Rassenschande zeugt vielspaltige Charaktere, Richtungslosigkeit des 
Denkens und Handelns, innere Unsicherheit, das Empfinden, als sei dies ganze Dasein der 
"Siinde Sold" und nicht eine geheimnisvoll notwendige Aufgabe der Selbstgestaltung. Dieses 
Gefiihl der Verworfenheit aber ruft die Sehnsucht nach einer Gnade notwendig hervor, als 
einzige Hoffnung der Erlosung vom blutschanderischen Dasein. Es war darum 
selbstverstandlich, daB unter gegebenen Umstanden alles, was noch in Rom Charakter besaB, 
sich gegen das auftretende Christentum wehrte, urn so mehr, als dieses neben der religiosen 
Lehre eine durchaus proletarische-nihilistische politische Stromung. Die iibertrieben blutig 
geschilderten Christenverfolgungen waren im iibrigen nicht, wie es die Kirchengeschichten 
darstellen, Gesinnungsknechtungen (das Forum war frei fiir alle Gotter), sondem 
Unterdriickung einer politischen als Staatsgefahrlich beurteilten Erscheinung. Lehrkonzile, 
Inquisition, und Scheiterhaufen zwecks Seelenvernichtung einzufiihren, blieb der Kirche in 
ihrer paulinisch-augustinischen Form vorbehalten. Die klassisch-nordische Antike kannte 
derlei nicht und die germanische Welt hat sich gleichfalls stets gegen dieses syrische Wesen 
emport. 

Das kirchliche Christentum hat namentlich Diokletian in das Zentrum seiner Angriffe gestellt. 
Dieser 

[72] Der miOdeutete Diokletian 

Herrscher war zwar niederer Herkunft, aber vermutlich germanischer Mischling (von weiBer 
Korperhaut, blauaugig), ein personlich makelloser Mann, der Mark Aurel verehrte und ein 
vorbildliches Familienleben fiihrte. In alien Staatlichen MaBnahmen zeigte sich Diokletian 
sehr zuriickhaltend und als Feind jedes unniitzen Zwanges gegeniiber den Biirgern seines 
Reiches, als ein Mann religioser Duldsamkeit, der nur gegen die agyptischen Bauchredner, 
Wahrsager und Zauberer vorzugehen befahl. Kaiser Gallienus hatte den christlichen Kult 
(259) anerkannt, christliche Bauten konnten anstandslos aufgefiihrt werden; was aber eine 
organische Entwicklung storte, war in erster Linie das Gezank der miteinander 
konkurrierenden Bischofe. Diokletian erlieB seinen christlichen Soldaten jede Beteiligung an 
den heidnischen Opfern und forderte lediglich politische und militarische Disziplin. Gerade 
auf diesem Gebiet aber wurde er von den Fiihrern der afrikanischen Kirche herausgefordert, 
so daB Rekruten sich mit Berufung auf das Christentum weigerten, ihren Dienst zu tun. Trotz 
freundlicher Ermahnungen rebellierte ein antiker Pazifist, bis er schlieBlich wegen Meuterei 
hingerichtet werden muBte. Diese bedrohlichen Anzeichen veranlaBten nunmehr Diokletian, 
die Beteiligung auch aller Christen an staatlich-religiosen Zeremonien zu fordern; Christen 
aber, die nicht mittaten, verfolgte er immer noch nicht, sondern erteilte ihnen nur den 
Abschied aus dem Heeresdienst. Dies hatte eine hemmungslose Beschimpfung durch die 
"Christen" zur Folge, deren sektenhafte Zerrissenheit und gegenseitige Bekampfung auch in 
anderer Weise das ganze biirgerliche Leben bedrohte. Der Staat griff dann endlich zwecks 
Selbstverwaltung zur Abwehr — ahnlich wie heute Deutschland, will es nicht ganz 
untergehen, die pazifistische Bewegung ausrotten muB. Aber auch hier verhangte Diokletian 
bei Widerspenstigen nicht die Todesstrafe — wie er es im 

[73] Der fromme Julian 

Falle des kaufmannischen Betruges angeordnet hatte — sondem die Versetzung in den 
Sklavenstand. Die Antwort war Aufruhr, Brandstiftung im Palast des Kaisers 
Herausforderungen der bisher unbehelligt gebliebenen, deshalb anmaBend gewordenen 
Christengemeinden aus dem ganzen Reich folgten eine nach der andem. Die darauf 



einsetzenden "furchtbaren Christenverfolgungen" des "Ungeheuers Diokletian" betmgen — 
neun hingerichtete, aufriihrerische Bischofe und in der Provinz des heftigsten Widerstandes, 
Palastina, ganze 80 ausgefiihrte Todesurteile. Der "allerchristlichste" Herzog Alba aber lieB 
allein in den kleinen Niederlanden 100.000 Ketzer hinrichten. 

Dies alles gilt es sich zu vergegenwartigen, um die Hypnose einer Systematischen 
Geschichtsforschung einmal zu brechen. So erscheint auch der durchaus auf dem Standpunkt 
der Paritat der Kulte stehende Julian Apostata in einem anderen Lichte, da er sich nicht 
scheute, gerade auf Grund frommer Gesinnung gegen die Lehrer der "Stellvertretung Gottes" 
zu kampfen. Im iibrigen wuBte er, worum es ging, als er schrieb: "Durch die Dummheit dieser 
Galilaer ging unser Staat fast zugrunde, durch der Gotter Gnade kommt nun die Rettung. Also 
wollen wir die Gotter ehren und jede Stadt, in der es noch Frommigkeit gibt."* Dies war 
durchaus berechtigt, denn kaum war durch Konstantin das Christentum Staatsreligion 
geworden, da trat der alttestamentarische Geist des Hasses furchtbar in Erscheinung: mit 
Bezug auf das Alte Testament forderten die Christen die Anwendung der dort 
vorgeschriebenen Strafen gegen Gotzendienst. Auf ihre Forderung hin wurden die Tempel des 
Jupiters in Italien (mit Ausnahme Roms) geschlossen. Man begreift also den 

*Ndheres bei The odor Birt: "Charakterbilder Spdtroms", Leipzig 1919. 

[74] Chrestos und Paulus 

StoBseufzer Julians, er sieht aber aus allem, daB auch iiber die Zeit des aufsteigenden 
Christentums die Geschichte neu geschrieben werden muB und daB der Eunuch Eusebius 
keine Geschichtsquelle darstellt. 

Das Christentum, wie es durch die romische Kirche in Europa eingefuhrt wurde, geht 
bekanntlich auf viele Wurzeln zuriick, die naher zu priifen hier nicht der Ort ist. Nur einige 
Bemerkungen. 

Die groBe Personlichkeit Jesu Christi, wie immer sie auch gestaltet gewesen sein mag, wurde 
gleich nach ihrem Hinscheiden mit allem Wust des vorderasiatischen, des jiidischen und 
afrikanischen Lebens beladen und Verschmolzen. In Kleinasien iibten die Romer ein straffes 
Regiment aus und trieben unerbittlich ihre Steuern ein; in der unterdriickten Bevolkerung 
entstand folglich die Hoffnung auf einen Sklavenfiihrer und Befreier: das war die Legende 
vom Chrestos. Von Kleinasien gelangte dieser Chrestosmythus nach Palastina, wurde 
lebhaft aufgegriffen, mit dem jiidischen Messiasgedanken verbunden, und schlieBlich auf die 
Personlichkeit Jesu iibertragen. Diesem wurden neben seinen eigenen predigten die Worte 
und Lehren der vorderasiatischen Propheten in den Mund gelegt und zwar in der Form einer 
paradoxen Uberbietung altarischer Forderungen, wie z.B. des 9-Gebote-Systems, das schon 
vorher von den Juden in ihren 10 Verboten fiir sie selbst zurechtgestutzt worden war*. So 
verband sich Galilaa mit ganz Syrien und Vorderasien. 

Die christliche, die alien Lebensformen aufwiihlende Stromung erschien dem Pharisaer 
Saulus vielversprechend und ausnutzbar. Er schloB sich ihr mit plotzlichem EntschluB an und, 
ausgeriistet mit einem unzahmbaren Fanatismus, predigie er die internationale Weltr evolution 
gegen das romische Kaiserreich. Seine Lehren bilden bis 

*Erbt: Weltgeschichte auf rassischer Grundlage. 

[75] Paulus und das Rassenchaos 



auf heute trotz aller Rettungsversuche, den jiidischen geistigen Grundstock, gleichsam die 
talmudistisch-orientalische Seite der romischen, aber auch der lutherischen Kirche. Paulus 
hat, was man in kirchlichen Kreisen nie zugeben wird, dem unterdriickten national-jiidischen 
Aufstand die internationale Auswirkung gegeben, dem Rassenchaos der alten Welt den Weg 
noch weiter geebnet und die Juden in Rom werden sehr wohl gewuBt haben, wamm sie ihm 
ihre Synagoge fiir seine Propagandareden zur Verfiigung stellten. DaB Paulus sich (trotz 
gelegentlicher Kritik des Jiidischen) bewuBt gewesen ist, doch eine jiidische Sache zu 
vertreten, geht aus einigen gar zu offenherzigen Stellen seiner Briefe hervor: "Verstockung ist 
zu einem Teil iiber Israel gekommen, bis dahin, wo die Fiille der Heiden wird eingegangen 
sein, und alsdann wird ganz Israel gerettet werden, sie, der Erwahlung und Lieblinge um der 
Vater willen. Die da sind von Israel, denen die Kindschaft gehort, und die Herrlichkeit, die 
Biindnisse, die Gesetzgebung, die Gottesdienste, die VerheiBungen, aus denen der Christos 
stammt nach dem Fleisch ... Wenn der Heide aus dem von Natur wilden Olbaume 
ausgeschnitten, und gegen die Natur auf den edlen gepfropft wurde, wieviel eher werden 
diese, deren Natur es entspricht, auf ihren urspriinglichen Baum gepfropft werden."* 

Gegen diese gesamte Verbastardierung, Verorientalisierung und Verjudung des Christentums 
wehrte sich bereits das durchaus noch aristokratischen Geist atmende Johannesevangelium. 
Um 150 steht der Grieche Markion auf, tritt wieder ein fiir den nordischen Gedanken einer auf 
organischer Spannung und Rangstufen beruhenden Weltordnung im Gegensatz zu der 
semitischen Vorstellung einer willkiirlichen Gottesmacht und ihrer 

*Rdmer 11, 25,- 9, 4; 11, 24. Das ist das gleiche, was heute die bastardische Sekte der 
"Ernsten Bibelforscher" lehrt. 

[76] Das zwiespaltige Wesen des Christentums 

schrankenlosen Gewaltherrschaft. Er verwirft deshalb auch das "Gesetzbuch" eines solchen 
falschen Gottes, d. h- das sogen. Alte Testament. Ahnliches versuchten einzelne unter den 
Gnostikem. Aber Rom hatte sich dank seiner rassischen Zersetzung unrettbar an Afrika und 
Syrien verschrieben, die schlichte Personlichkeit Jesu iiberdeckt, das spatromische Ideal des 
Weltimperiums mit den Gedanken der volkslosen Weltkirche verschmolzen. Der Kampf der 
ersten nachchristlichen Jahrhunderte ist nicht anders zu begreifen als ein Kampf verschiedener 
Rasseseelen mit dem vielkopfigen Rassenchaos, wobei die syrisch-vorderasiatische 
Einstellung mit ihrem Aberglauben, Zauberwahn und sensuellen "Mysterien" alles 
Chaotische, Gebrochene, Zersetzte hinter sich vereinigte und dem Christentum den 
zwiespaltigen Charakter aufdriickte, an dem es auch heute noch krankt. So zog eine mit 
Knechtseligkeit durchzogene Religion, geschiitzt durch die miBbrauchte, groBe Personlichkeit 
Jesu in Europa ein*. Das Auftreten des aus vielen Quellen gespeiste Christentums zeigt ein 
merkwiirdiges, inniges Verbal tnis zwischen abstrakter Geistigkeit und damonistischer 
Zauberei mit besonderer Eindringlichkeit, ungeachtet anderer Strome, die noch in ihm 
aufgenommen wurden. Die Idee der Dreieinigkeit 

*Was Jesu Herkunst betrifft, so liegt, wie schon von Chamberlain und Delitzsch betont 
worden ist, nicht der geringste zwingende Grund zur Annahme vor, dafi Jesus jUdischer 
Herkunft gewesen, wenn er auch in jiidischen Gedankenkreisen aufgewachsen ist. Einige 
interessante Forschungsergebnisse findet man bei Dr. E. Jung, "Die geschichtliche 
Personlichkeit Jesu" (MUnchen 1924). Lautdem syrischen Christenprediger Ephraem (4. 
Jahrhundert) hatte Jesus zur Mutter ein danaitisches Weib (also aus Dan gebtirtig) und einen 
Lateiner zum Vater. Ephraem sieht darin nichts Unehrenhaftes undfiigt hinzu: "Jesus hat so 
seine Abstammung von zwei allergrofiten und allerbertihmtesten Volkern hergeleitet, die 



mutterliche ndmlich von den Syriern, die vdterliche von den Romern. " Ephraem setzt dieses 
Wissen als allbekannt voraus. 

[77] Beginnende Dogmatisierung 

z.B. war vielen Volkern des Mittelmeerbeckens in der Form von Vater, Mutter, Sohn bekannt, 
femer durch die Erkenntnis: "Dreifach teilt sich alles" (die Aggregatzustande der einigen 
Materie). Die Mutter versinnbildlichte die gebarende Erde, der Vater das zeugende 
Lichtprinzip. An die Stelle der Mutter trat nun der "Heilige Geist" in bewuBter Abkehr vom 
rein Korperlichen, das "hagion pneuma" der Griechen, der Prana der Inder. Diese betonte 
Geistigkeit war aber nicht in eine rassisch-volkische Typik eingebettet, nicht von einem org 
a n i s c h e n Leben polar bedingt, sondern wurde zu einer rassenlosen Kraft. "Hier ist kein 
Jude noch Grieche, hier ist kein Knecht noch Freier, hier ist kein Mann und Weib", so 
schreibt Paulus an die Galater (die letzten Uberbleibsel eines groBen Keltenzuges aus dem 
Donautal bis nach Kleinasien). Auf Grund dieses alles Organische leugnenden Nihilismus 
fordert er dann den Glauben in Christo, also eine Umkehrung aller kulturschaffenden Werte 
des Griechen- und Romertums, die allerdings durch deren vollige Zersetzung sowieso 
gegeben war und dank der starken AusschlieBlichkeit endlich die richtungslos gewordenen 
Menschen urn sich scharte. Ein weiterer Schritt zur Verneinung naturhafter Verbundenheit 
geschah in der Dogmatisierung der Jungfrauengeburt, die als ein Sonnenmythus bei alien 
Volkern nachweisbar ist, von den Siidseeinseln bis nach Nordeuropa*. 

Dieser abstrakten Geistigkeit standen aber allle Zauber Kleinasien-Syrien-Afrikas zur Seite. 
Die Damonen, die von Jesus ausgetrieben wurden und in die Saue fuhren, die auf seinen 
Befehl zuriickgefiihrte Beruhigung des stiirmischen Meeres, die "beglaubigte" Auferstehung 
und Himmelfahrt nach dem Martertode, das alles war der eigentliche 

*Leo Frobenius: Das Zeitalter des Sonnengottes. 

[78] Goethes positives Christentum 

"tatsachliche" Ausgangspunkt des Christentums und erzeugte zweifellos starke Krafte des 
Leidens. Nicht vom Leben des Soter (des Heilandes) ging also die Welt aus, sondern von 
seinem Tode und dessen wunderbaren Folgen, dem einzigen Motiv der paulinischen Briefe. 
Goethe aber empfand gerade das Leben Christi als wichtig, nicht den Tod, und bezeugte 
dadurch die Seele des germanischen Abendlandes, das positive Christentum gegeniiber dem 
negativen der auf etrusko-asiatische Vorstellungen zuriickgehenden Priesterherrschaft und des 
Hexenwahns. 

Es ist, wie friiher ausgefiihrt, irrefuhrend und nichtssagend, wenn unsere Gelehrten die 
Verwandlungen griechischen Lebens so darstellen, als hatte es sich von chthonischen Gottern 
zur Gottlichkeit des Lichtes, vom Matriarchat zum Vaterrecht entwickelt; ebenso falsch ist es, 
wenn sie von einer naiv-volkstiimlichen Anschauung sprechen, die sich zum hohen Denken 
gesteigert habe; vielmehr liegt auch gerade neben dem anti chthonischen Kampf in dem 
spateren Vorherrschen der intellektualistischen Lehrsysteme, in dem Versuch, das friiher 
unbefangene Leben zu verstaatlichen, ein Versiegen der Schopferischen Rassenkrafte, am 
Ende die platonische Reaktion, durch ein Schema zu erreichen, wozu das Blut allein bereits 
zu schwach geworden war. Der nordische Grieche kannte keinen theologischen Stand; seine 
Priester erwuchsen ihm aus den Adelsgeschlechtem. Seine Sanger und Dichter erzahlten ihm 
von der Geschichte und dem Heroismus seiner Helden und Gotter. Ganzlich undogmatisch, 
wie friiher die Inder, spater die Germanen, tritt uns der freie Griechengeist entgegen. 



Gymnastik und Musik waren der Inhalt seiner Erziehung, sie geniigte, um die notigen 
Voraussetzungen zu schaffen, den Hopliten, den Staatsbiirger zu ziichten. Erst ein Sokrates 
konnte den Wahnsinn predigen, die Tugend sei lehrbar, lehrbar fiir alle Menschen 

[79] Wechselwirkung von Magie und Intellektualismus 

(was Platon dahin verfeinerte: der wirkliche Erkenner des Wesens der Ideenwelt sei 
selbsttatig gut). Mit dem Ausbau einer solchen individualistisch-rasselosen 
intellektualistischen Weltanschauung wurde die Axt an die Wurzel des griechischen Lebens 
gelegt; zugleich aber lockerte der wesenlose Intellektualismus gerade wieder die durch 
griechische apollinische Zucht zuriickgedrangten asiatischen Sitten Hier konnen wir zuerst am 
anschaulichsten das Wechselspiel verfolgen, welches zwischen Intellektualismus und Magie 
stattfmdet. Vernunft und Wille sind beide, wenn auch nicht immer zielbewuBt, so doch 
zielstrebig, d.h. sie sind naturecht, blutnahe, organisch bedingt. In dem MaBe, wie diese 
weltanschauende Vernunft durch ihre veranderten Trager unsicherer wird. in gleichem MaBe 
verknochert sie zu verstandesmaBigen Konstruktionen. Zu gleicher Zeit steigt der 
willenmaBige Teil hinab zu magisch-zauberhaften Trieben und gebiert Aberglauben auf 
Aberglauben. Die Folge der Zersetzung der vemunftwillenhaften Rassenseele ist dann ein 
"weltanschauliches" intellektualistisch-zauberhaftes Gebaude, oder die Aufspaltung in 
wesenlosen Individualismus und triebhaftes Bastardtum. Den ersten Fall liefert uns die 
katholische Kirche (in abgeschwachtem MaBe auch der Protestantismus), welche einen 
Zauberglauben (wobei dies Wort ohne jede Verachtlichmachung zu gebrauchen ist) 
intellektuell unter-und iibermauert, den zweiten zeigt uns die Zeit des spaten Hellenismus. 
Das negative und das positive Christentum standen von je im Kampfe und ringen noch 
erbitterter als friiher gerade in unseren Tagen. Das negative pocht auf seine syrisch- 
etruskische Uberlieferung, auf abstrakte Dogmen und altgeheiligte Gebrauche, das positive 
ruft emeut die Krafte des nordischen Blutes wach, bewuBt, so wie einst naiv die ersten 
Germanen, als sie in Italien eindrangen und dem siechen Lande neues Leben schenkten. 

[80] Die Germanen in Rom 

Wie ein drohendes urgewaltiges Schicksal war einst der Sturm der Cimbem von Norden 
hereingebrochen. Seine Abwehr konnte nicht verhindern, daB nordische Kelten und 
Germanen die Grenzen Roms immer mehr bedrohten. Ein Feldzug nach dem andem zeigt 
krieggewohnte romische Taktik vergebens gegen urwiichsige Kraft am Werke. Blonde riesige 
"Sklaven" treten in Rom auf, das germanische Schonheitsideal wird Mode im verfallenden 
ideallosen Volkstum. Auch fireie Germanen sind in Rom keine Seltenheit mehr, germanische 
Soldatentreue wird nach und nach die starkste Stiitze des Casars. Aber zugleich auch die 
drohendste Gefahr fur den armselig-wertlos gewordenen Staat. Augustus versucht durch 
Junggesellenstrafen, Ehestiftung, soziale Fiirsorge "sein" Volk zu heben. Umsonst. Germanen 
sind fiihrend bei der Wahl des Claudius, des Galba, des Vitellius. Mark Aurel entsendet seine 
germanischen Gefangenen aus Wien nach Italien und macht sie statt zu Gladiatoren zu Bauern 
auf verodetem altromischem Boden. Zu Konstantins Zeiten ist fast das ganze Romerheer 
germanisch ... Wer hier nicht Rassenkrafte am Werk zu erblicken vermag, der muB fiir jedes 
geschichtliche Werden blind sein, derart mit Handen greifbar ist hier Zersetzung und 
Neuformung, die dann iiber Konstantin hinwegfuhrt zu Stilicho, Alarich, Ricimer, Odoaker, 
Theodorich, den Langobarden, den Normanen, welche von Siiden aus ein Konigreich 
errichten, bis zu jenem unbegreiflich groBen Friedrich II., dem Hohenstaufen, der den ersten 
weltlichen Staat, das sizilische Konigtum, formt und mit deutschen Adelsherren seine 
Provinzen besetzt. 



In der Geschichte der Vemordung Italiens ragt vomehmlich hervor Theodorich der GroBe. 
tjber dreiBig Jahre herrschte dieser Starke und doch milde, groBziigige Mann iiber das 
romische Reich. Was Mark und Konstantin begonnen, fiihrte er weiter: die Germanen 

[81] Die Bedeutung H. St. Chamberlains 

wurden nicht nur Pachter und Kleinbauern, sondern auch GroBgrundbesitzer; ein Drittel jeden 
Landbesitzes ging iiber in die Hande des rein germanischen Heeres; iiber 200.000 
Germanenfamilien siedelten sich — leider zerstreut — in Toskana, Ravenna, urn Venedig an. 
So zogen wieder nordische Fauste den Pflug durch nord- und mittel-italienische Erde und 
machten das vollkommen darnieder-liegende Odland wieder fruchtbar und unabhangig vom 
Getreide Nordafrikas. Durch Eheverbote und arianischen Glauben von den "Eingeborenen" 
geschieden, iibernahmen Goten (spater Langobarden) die gleiche charakterbildende Rolle, wie 
die erste nordische Welle, die einst das alte republikanische Rom erbaute. Erst mit dem 
Ubertritt zum Katholizismus begann eine rassische Umschmelzung; die "Renaissance" wurde 
schlieBlich zu einer rauschenden Neuverkiindigung nordischen, diesmal germanischen Blutes. 
Hier entstieg in plotzlichem Niederbrechen umhegter gesellschaftlicher Schranken ein Genie 
nach dem anderen dem vorgeackerten Boden, wahrend das von Rom ab afrikanisierte 
Siiditalien stumm, unschopferisch blieb. Bis auf heute, da der wieder vom Norden kommende 
Faschismus die alien Werte erneut zu wecken versucht Versucht! 



DaB alle Staaten des Abendlandes und ihre schopferischen Werte von den Germanen erzeugt 
wurden, war zwar schon lange allgemeine Redensart gewesen, ohne daB vor H. St. 
Chamberlain daraus die notwendigen Folgerungen gezogen worden waren. Denn diese 
begreifen in sich die Erkenntnis, daB beim vollstandigen Verschwinden dieses germanischen 
Blutes aus Europa (und nach und nach folgilch auch beim Hinsiechen der von ihm gezeugten 
typen-und nationenschaffenden Krafte) die gesamte Kultur des Abendlandes mit untergehen 
miiBte. Die Chamberlain erganzende neue Erforschung der Vorgeschichte in Verbindung 

[82] Eine iiberwundene Geschichtsauffassung 

mit der Rassenkunde hat dann noch eine tiefere innere Besinnung hervorgerufen: jenes 
furchtbare BewuBtsein, daB wir heute vor einer endgiiltigen Entscheidung stehen. Entweder 
steigen wir durch Neuerleben und Hochzucht des uralten Blutes, gepaart mit erhohtem 
Kampfwillen, zu einer reinigenden Leistung empor, oder aber auch die letzten germanisch- 
abendlandischen Werte der Gesittung und Staatenzucht versinken in den schmutzigen 
Menschenfluten der Weltstadte, verkriippeln auf dem gliihenden unfruchtbaren Asphalt einer 
bestialisierten Unmenschheit oder versickem als krankheitserregender Keim in Gestalt von 
sich bastardierenden Auswanderem in Siidamerika, China, Hollandisch-indien, Afrika. 

Femer erscheint ein anderer Baugedanke von H. St. Chamberlains Weltauffassung heute 
neben der Betonung der neuen Weltgriindung durch das Germanentum von 
ausschlaggebender Bedeutung: daB sich zwischen das alte nordisch betonte Rom und das neue 
germanisch bestimmte Abendland eine Epoche einschiebt, die gekennzeichnet wird durch 
hemmungslose Rassenvermischung, d. h. Bastardierung, durch Aufquirlen alles Kranken, 
durch iiber steigerte sinnliche Ekstasen, durch aufgeblahten syrischen Afterglauben und durch 
das Fiebern aller Menschenseelen eines ganzen Weltkreises. Chamberlain benannte diese Zeit 
mit einer Pragung, die den echten, Geschichte gestaltenden Kiinstler verrat: das Volkerchaos. 
Diese Bezeichnung eines bestimmten Zustandes, wenn dieser sich zeitlich auch weder 



riickwarts noch vorwarts genau abgrenzen laBt, ist heute AllgemeinbewuBtsein, 
selbstverstandliches Gut aller tiefer Schauenden geworden. Diese neue Takteinteilung anstelle 
von " Altertum" und "Mittelalter" war aber im hochsten Sinne des Wortes eine der groBten 
lebensgesetzlichen und seelenkundlichen Entdeckungen des ausgehenden 19. Jahrhunderts, 
die zu einer Gmndlage unserer gesamten Geschichtsbetrachtung des fortschreitenden 20. 
Jahrhunderts 

[83] Die nordischen Wellen 

geworden ist. Denn diese Erkenntnis bedeutet, daB wenn auf die Caracallas keine Theodorichs 
gefolgt waren, "ewige Nacht" sich iiber Europa ausgebreitet hatte. Die aufgewiihlten 
Schlammfluten der Mischhnge Asiens, Afrikas, des ganzen Mittelmeerbeckens und seiner 
Auslaufer hatten sich nach wiisten Erregungen wohl nach und nach gesetzt, das stets wogende 
Leben hatte wohl vieles Faule, Verkriippelte ausgemerzt, aber fiir ewig verloren gegangen 
ware die schopferische Kraft einer immer neu gebarenden Kulturseele, auf ewig 
verschwunden ware der die Erde umgestaltende Genius des das Weltall erforschenden 
nordisch bedingten Menschen. Es hatte nur jenes "Menschentum" fortvegetiert, wie es 
stellenweise in Siiditalien heute — nicht lebt, sondem verkriippelt sich fortfristet ohne kiihne 
Schwungkraft des Korpers und der Seele, ohne jede echte Sehnsucht, in tiefster 
unterwiirfigster Geniigsamkeit auf Lavamassen oder inmitten Steinwiisten hausend. 

Darum: wenn auch heute noch, rund 2000 Jahre nach dem Auftreten der Germanen, irgendwo 
Nationalkulturen, Schopferkraft und wagemutiger Unternehmungsgeist wirken, so verdanken 
diese Krafte, selbst wenn sie sich untereinander noch so sehr befehden sollten, ihr Dasein 
einzig und allein der neuen nordischen Welle, die alles iiberziehend und befruchtend in 
stiirmischen Fluten iiber das ganze Europa hinwegging, die FiiBe des Kaukasus umspiilte, bis 
iiber die Saulen des Herkules hinaus brandete, urn erst in den Wiisten Nordafrikas zu 
vergehen. 

In ganz groBer Linienfiihrung betrachtet, besteht die Geschichte Europas im Kampf zwischen 
diesem neuen Menschentum und den Millionenmassen der bis zum Rhein, iiber die Donau 
hinausreichenden Krafte des romischen Volkerchaos. Diese dunkle Brandung trug auf ihrer 
Oberflache glanzende Werte, vermittelte nervenerregende Geliiste; ihre Wellen erzahlten von 
vergangener, 

[84] Das "Ideal" einer Weltkirche 

einst doch gewaltiger Weltherrschaft und von einer alle Fragen losenden Weltreligion. GroBe 
Telle des sich unbekiimmert und kindlich verschwendenden nordischen Blutes ergaben sich 
den bestrickenden Verlockungen, wurden gar selbst zu Tragem halb ertraumter altromischer 
Herrlichkeit, ziickten nur zu oft ihr Schwert iiber die ganze Welt im Dienste einer Phantasie, 
wurden anstelle zu Ahnherrn, als welche sie geboren waren, zu bloBen Erben. So gestaltet 
sich bis zu Martin Luther der Kampf zwischen Germanentum und Volkerchaos zu einem 
Ringen zwischen naturverbundenem Heldentum mit einer Heldenhaftigkeit im Dienste einer 
naturfremden Phantastik und nicht selten sind es Vertreter des gleichen Blutes, welche sich 
zugunsten urfeindlicher Werte mit der Waffe in der Hand gegeniiberstehen. 

Es war nur zu natiirlich, daB sich die Trager der aus den norddeutschen Ebenen nach Gallien, 
Spanien, Italien ergieBenden Rasse, die so naturhaft-gewaltig aufbrachen, nicht aller inneren 
Zusammenhange ihrer seelischen Artung bewuBt waren, daB sie staunenden Auges das Neue, 
Fremde in sich hinein, in sich aufsaugten und — als Herren — dieses Neue regierten. 



umgestalteten, aber (da in der Minderzahl) auch dem neuen Gehalt ihren Tribut zahlen 
muBten. Wenn noch heute "Staatsrechtler" das "Ideal einer einheitlichen Gliederung der 
Menschheit" predigen, einer einzigen, organisierten, sichtbaren Weltkirche das Lob spenden, 
welche alles Staatsleben, alle Wissenschaft, alle Kunst, alle Ethik aus einem einzigen Dogma 
heraus bestimmen und zusammenfassen soil*, so ist das der Niederschlag jener Gedanken des 
'Volkerchaos, die unser Wesen von jeher vergifteten; besonders wenn ein Forscher dieser Art 
noch hinzufiigt: "Was Osterreich erstrebt, hat die ganze Welt im groBen zu erreichen". Das ist 
Rassenpest und Seelenmord zum weltpolitischen Programm erhoben. 

*Z.B.R. V. Kralik: "osterreichische Geschichte ", 1913. 

[85] Die deutsche Wiedergeburt 

Kaiser und Papst kampften einst innerhalb dieser universalistischen, nationalfeindlichen Idee, 
das deutsche Konigtum gegen sie; Martin Luther stellte der politischen Papst-Weltmonarchie 
den politischen Nationalgedanken gegeniiber, England, Frankreich, Skandinavien, PreuBen 
bedeuteten eine Starkung dieser Front gegen das Chaos, die Neugeburt Deutschlands 1813, 
1871 weitere Etappen, jedoch noch immer gleichsam bewuBtlos-zielstrebig. Der 
Zusammenbruch 1918 hatte uns bis ins Innerste zerrissen, zugleich aber der suchenden Seele 
die Faden bloBgelegt, die hier ihr Gewebe von Segen und Unsegen gewirkt hatten. Vom 
StammesbewuBtsein Altgermaniens, iiber den deutschen Konigsgedanken, preuBische 
Neufiihrung, Alldeutschlandgefiihl, formales Reichsgefiige wird heute das artgebundene 
VolksbewuBtsein als groBte Bliite der deutschen Seele geboren. Wir verkiinden es nach 
diesem Erlebnis als die Religion der deutschen Zukunft, daB wie, heute politisch auf dem 
Boden liegend, gedemiitigt und verfolgt, die Wurzel unserer Kraft gefunden, erst eigentlich 
entdeckt und mit einer Kraft neu erlebt haben wie kein Geschlecht zuvor. Mythisches 
Ergreifen und bewuBtes Erkennen stehen sich heute im Sinne des deutschen 
Erneuerungsgedankens endlich einmal nicht feindlich, sondern sich gegenseitig steigernd 
gegeniiber: der gliihendste Nationalismus nicht mehr auf Stamme, Dynastien, Konfessionen 
gerichtet, sondern auf die Ursubstanz, auf die artgebundene Volkheit selbst, ist die Botschaft, 
die einst alle Schlacken schmelzen wird, um das Edle herauszuholen und das Unedle 
auszumerzen. 

Eine welter forschende Betrachtung wird neben den ringenden Kraften des Germanentums 
und des Volkerchaos die Wirkungslinien der anderen eingeborenen oder eingesickerten 
Rassen Europas erkennen konnen. Sie wird die formal beherrschtere, kiihlere, aber den 
germanischen Werten nicht gar zu fern stehende mittelmeerlandische 

[86] Der alpine EinfluO 

(westliche) Rasse schatzen und hier manche Mischung (soweit sie nicht als 
Massenerscheinung auftritt) mit der nordischen nicht unbedingt als Verlust, sondern oft als 
Bereicherung der Seele verbuchen*. Sie erkennt die weniger kulturschopferische, aber mit 
starkstem Temperament begabte dinarische Rasse ofters in mancher groBen Leidenschaft 
Europas wirksam werden, dann aber auch ihre vorderasiatischen Einschlage oft 
Bastardierungserscheinungen hervorrufen (wie z.B. in Osterreich, auf dem Balkan). Der neu 
gerichtete Betrachter erschaut dann, wie sich die dunkle alpine Rasse untemehmungslos aber 
widerstandsfahig geduldig vorschiebt, vermehrt. Sie rebelliert nicht offen gegen den 
siegenden germanischen Menschen, in gewisser Aufhellung leistet sie ihm als folgsamer 
Knappe und Bauer groBe Dienste, steigert in Individuen stellenweise die germanischen Krafte 
zum zahen Widerstande, um jedoch, in M a s s e n eindringend, die schopferischen Machte zu 



iiberdunkeln, zu iiberkrusten, zu ersticken. GroBe Telle In Frankrelch, In der Schwelz, In 
Deutschland stehen heute berelts Im Zelchen dleser alles GroBe abtragenden alplnen 
Elnwlrkung, die Demokratle auf polltlschem Geblete, die gelstlge Bediirfnlsloslgkelt, der 
unkiihne Pazlfismus verbunden mlt geschaftstiichtlger Schlauhelt und Riickslchtsloslgkelt Im 
Verfolgen gewlnnversprechender handlerlscher Unternehmungen slnd die furchtbaren 
Anzelchen alplner Uberwucherungen des gesamteuropalschen Lebens. 

*Ich bemerke, dafi ich das Ndhere der russischen Typenverschiedenheiten hier nicht 
behandeln kann. Ob z. B. Kern ("Stammbaum und Artbild der Deutschen") denBegriff 
"Nordisch" einengt, indem er das "Dalische" ausscheidet, oder ob Gunther das Dalische 
(oder Fdlische) als dem Nordischen wesensverschmolzen darstellt, ist einefur das 
Wesentliche nicht sehr wichtige Einzelfrage. Auch der Streit uber die Urheimat der 
nordischen Rasse ist historisch, nicht wesentUch. Ausgezeichnet wirddas Problem der 
naturverwachsenen Germanen von Darre in "Das Bauerntum als Ur quell der nordischen 
Rasse " behandelt. 

[87] Das Mittelalter - keine Einheit 

Alle groBen und blutlgen Kampfe zwlschen Germanentum und romlschem Volkerchaos, 
gefiihrt vom nordischen Menschen, mlnderten oft fiir lange Zelt die Kraft seines Blutes. Und 
auch wenn slch die Krlege nicht selten auf dem Riicken des alplnen Menschen abgesplelt 
haben, so blleb er doch mehr verschont als die nordischen Emporer, die, zunachst, als 
"Ketzer", frele Bahn fur freles, d.h. artgebundenes Denken schufen. 

Sehen wlr an dleser Stelle von den friihen Kampfen der Arlaner urn Glaubensfrelhelt ab, so 
bletet das gesamte Abendland auch nach der machtpolltlschen Festlgung Roms nicht das Blld 
elnes In slch abgeschlossenen, organlsch verwurzelten Lebensgefiiges. War die romlsche 
slegende Unlversalklrche die gradllnlge Fortsetzung des spatromlschen rasselosen 
Weltlmperlallsmus, wurde das romlsche Kalsertum auch der machtlgste bewaffnete Arm 
dleser Idee, stellten slch selbst genlale Gestalten germanlscher Geschlechter dlesem ganze 
Jahrhunderte verzaubernden Gedanken zur Verfiigung, so riihrten slch doch iiberall und auf 
alien Gebleten sofort auch die Gegenkrafte. polltlscher Art In der Form des deutschen 
Konlgtums, des franklsch-franzoslschen Galllkanlsmus, klrchllcher Natur Im Kampf des 
Eplskopallsmus gegen Kurlallsmus, gelstlgen Wesens In der Forderung nach freler 
Naturforschung, phllosophlsch-rellgloser Art In dem Ruf nach personllcher Gedanken- und 
Glaubensfrelhelt. All dlese Krafte, ob sle zu friiheren Zelten auch Rom als Idee noch 
anerkannten und slch oft der ganzen Tragwelte Ihrer Forderungen gar nicht bewuBt waren; ob 
sle gar stellenwelse gerade von der klndllchen Anslcht getragen wurden, die Klrche saubern 
zu wollen, sle alle slnd letzten Endes Krafte elnes feurlgen Natlonallsmus, wenn wlr darunter 
elne rasslsche gebundene, wlllenhafte, art-unterbewuBte Denkungsart und Gefuhlselnstellung 
gegeniiber elnem Unlversallsmus legendwelcher Form verstehen wollen. Der Konlgs- und 
Herzogsgedanke, 

[88] Der Ketzerkampf in Europa 

raumbegrenzter Eplskopallsmus, Personllchkeltsfrelhelt, das alles wurzelt unmlttelbar Im 
Erdrelch, so sehr dlese Machte auch unter slch um die Vorherrschaft gerungen haben und 
noch heute rlngen. Und erschelnt es auch jetzt mlt Handen grelfbar, daB die am relnsten 
nordlsch-germanlschen Staaten, Volker und Stamme slch, als die Zelt gekommen war, am 
entschledensten und am folgerlchtlgsten gegen den romlschen Unlversallsmus und gegen die 
alles Organlsche bekampfende gelstlge Elnheltsform (Unltarlsmus) wehrten, so werden wlr 



auch vor diesem siegreichen groBen Erwachen aus der romisch-vorderasiatischen Hypnose 
diese Krafte — in unmittelbarer Ankniipfung an die noch "heidnischen" Germanen — in 
einem heroischen Kampf am Werke erblicken konnen. Die Geschichte der Albigenser, 
Walenser, Katharer, Arnolbisten, Stedinger, Hugenotten, Reformierten, Lutheraner zeichnet 
neben der Geschichte der Martyrer der freien Forschung und der Darstellung der Helden der 
nordischen Philosophic das erhebende Bild eines gigantischen Ringens urn Charakterwerte, 
d.h. urn jene seelisch-geistige Voraussetzung, ohne deren Durchsetzung es keine 
abendlandische, keine volkliche Gesittung gegeben hatte. 

Wer heute auf das demokratisierte, von schlauen Rechtsanwahen miBregierte, von jiidischen 
Bankiers ausgepliinderte, geistreich schillernde und doch nur noch von einer Vergangenheit 
zehrende Frankreich blickt, der vermag sich kaum vorzustellen, daB dieses Land einst vom 
Norden bis zum tiefsten Siiden im Brennpunkt heroischer Kampfe gestanden hat, die iiber ein 
halbes Jahrtausend Gestalten kiihnster Art erzeugten und die, umgekehrt, durch Manner 
heldischer Gesinnung immer wieder neu entfacht wurden. Wer unter "Gebildeten" weiB heute 
wirklich etwas von dem gotischen Toulouse, dessen Ruinen noch jetzt vieles von einem 
stolzen Menschentum erzahlen? Wer kennt die groBen Herrengeschlechter dieser Stadt, die in 
blutigen Kriegen vernichtet, ausgerottet wurden? Wer erlebte die Geschichte 

[89] Die Reform des Peter Waldes 

der Grafen von Foix, deren SchloB heute in jammerliche Steinhaufen zerfallen ist, deren 
Dorfer verodet darniederliegen, deren Lander nur noch von kiimmerlichen Bewohnern 
besiedelt werden? "Der Papst", erklarte um 1200 einer jener kiihnen Grafen, "hat mit meiner 
Religion nichts zu tun, well der Glaube eines jeden Menschen frei Sein muB." Dieser auch 
heute nur teilweise verwirklichte germanische Urgedanke kostete ganz Siidfrankreich Sein 
bestes Blut und wurde mit dessen Ausrottung in diesem Gebiet fiir immer erstickt. Als 
einziges Uberbleibsel des Westgotentums liegt hier nur noch die einzige protestantische 
Hochschule Frankreichs: Montauban. 

Der gleiche Heroismus wurde einem kleinen Volkchen inmitten der italienisch-franzosischen 
Alpen eingehaucht. Auch hier geht der zusammenschmiedende Wille auf eine groBe, 
geheimnisvolle Personlichkeit zuriick, einen Kaufmann von Lyon, der (noch unbestimmt von 
woher) in diese Stadt eingewandert war, Peter mit Namen, welcher Spater den Zunamen 
Valdo oder Waldes erhielt. Er lebte lange Jahre ehrbar Seinem Gewerbe, gait als ein frommer 
Mann und dachte vermutlich an keine Emporung. Aber er fiihlte immer mehr die Kluft 
zwischen dem Schlichten Evangelium und dem protzenden Gebaren der Kirche, er empfand 
dann immer tiefer die lahmende Wirkung der Zwangsglaubenslehren. Und im treuen Glauben, 
dem geistlichen Oberhaupt zu dienen, pilgerte Peter Waldes nach Rom, forderte dort 
Einfachheit der Sitten, Ehrbarkeit im Handeln und — Gedankenfreiheit iiber das 
Evanvangelium, Lehrfreiheit auf Grund der Worte Christi. Vieles wollte man ihm zugestehen, 
das wesentliche aber nicht. Da verteilte Waldes sein Vermogen, schied sich von seiner Frau 
und erktarte dem Vertreter Roms, der ihn zum Widerruf zwingen wollte: "Man muB Gott 
mehr gehorchen denn den Menschen." 

Das war die Geburtsstunde eines groBen Ketzers und 

[90] Die Ausbreitung der Waldenser 

groBen Reformators, dem dankbar zu sein samtliche Europaer — alle Katholiken 
miteinbegriffen — auch heute noch alle Ursachen haben. Die schlichte GroBe des Peter 



Waldes muB auf die Bildung der Gemeinde der " Armen von Lyon" eine ungeheure 
Einwirkung gehabt haben, die Erfolge seiner Reisen an den Rhein, nach Bohmen, Entstehung 
waldensischer Gemeinden in Zentralosterreich, in Pommern, in Brandenburg zeigen, daB 
seine Forderung evangelischer Lehrfreiheit eine altgermanische Saite zum hellen Erklingen 
gebracht hatte, in den Seelen fest Wurzel faBte und sich nicht mehr ausrotten lieB: die gleiche 
Forderung, die Peter von Bruys, Heinrich von Cluny. Arnold von Brescia auch erhoben. Die 
Mainzer Skulptur zeigt uns Waldes als einen rein nordischen Kopf: ein Schadel, wie ihn die 
alten Germanen aufweisen, eine starke hohe Stirn, groBe Augen, eine kraftvoll 
vorspringende, ganz leicht gebogene Nase und einen festen, schon geformten Mund. Das 
Kinn von einem Bart umwallt. 

Von Lyon verwiesen, zog die Gemeinde werbend und predigend nach verschiedenen 
Richtungen. In der gotisch-albigensischen Provence fand sie freundliche Aufnahme, auch im 
Rheinland. In Metz waren die Waldenser bald so erstarkt, daB sich Glieder des Magistrats 
weigerten, den Befehl des Bischofs, sie zu verhaften, auszufiihren; und zwar mit der gleichen 
Begriindung, die einst Waldes selbst aufgestellt hatte, man miisse Gott mehr gehorchen als 
den Menschen. Darauf Eingriff des Papstes (Innozenz III), Verbrennung der in die 
Muttersprache iibersetzten lateinischen Schriften, Hinrichtung einer Anzahl der Sektierer 
selbst. Danach Flucht der iibrigen durch ganz Lothringen, in die Niederlande, ins andere 
Deutschland, das ihnen seine Tore iiberall dort offnete, wo die Hand Roms nicht unmittelbar 
hinlangen konnte. Ein anderer Teil zog in die Lombardei, wo er ahnliche Ketzergedanken 
verbreitet fand, u. a. durch die Patarer in Mailand, die Lehren des 

[91] Scheiterhaufen der Inquisition 

Arnold von Brescia, der iiber das rein Evangelische hinaus sowohl eine kirchliche als auch 
politische Reformation anstrebte, der dem Papsttum eine Berechtigung zu weltlicher Macht 
absprach, als Voraussetzung seiner seelischen Gesundung. 

Und dann ergoB sich die Gemeinde der Waldenser in die Taler der westlichen Auslaufer der 
Alpen, faBte FuB in den kargen Gegenden, die nach und nach dank dem FleiB ihrer Hande zu 
fruchtbaren Garten erbliihten; sie hatte keinen anderen Ehrgeiz, als still und bescheiden ihrem 
Glauben zu leben und ihre evangelische Pflicht auf dieser Erde zu erfullen. Zahlreiche 
vertriebene albigensische Ketzer fanden dann in der schwer zuganglichen Gegend freundliche 
Aufnahme, bis die Glocken der Inquisition, die durch das ganze Abendland gellten, auch die 
stillen Taler mit den zwei Stadtchen und zwanzig Dorfern in Aufruhr versetzten Um die Mitte 
des 14. Jahrhunderts muBten die Waldenser dann schwere Tribute zur Besanftigung der 
Kirche und des Landesherrn entrichten, was natiirlich nichts fruchtete; und zur Zeit» als in 
deutschen Gauen der schwarze Tod wiitete, zogen die Truppen Frankreichs unter 
unmittelbarem Befehl des Inquisitors in die stillen Alpentaler ein. Gebunden, muBten 
zunachst zwolf Waldenser sich in gelben, mit hollischen Feuerflammen bemalten Rocken zur 
Kirche begeben; dort wurde iiber sie das Anathema ausgesprochen, ihnen die Schuhe 
ausgezogen, jedem ein Strick um den Hals gebunden, um sie dann allesamt auf dem HolzstoB 
den Feuertod erleiden zu lassen. Diese und andere Folterungen zerbrachen viele und 
veranlaBten sie zum Abschworen, doch diesen Riickfalligen brachte ihr Abfall nur weitere 
Erniedrigungen; die darauf notwendig folgenden Emporungen riefen neue Bedriickungen 
hervor und ein Epos menschlicher Kampfe beginnt, wie es sich selten heldenhafter abgespielt 
hat. Ihrer Habe und ihres Gutes beraubt, fiillen die Waldenser die Gefangnisse der Inquisition 

[92] Triigerischer Frieden 



derartig, daB sie nur noch dank der GroBmut des Volkes emahrt werden konnten*; deshalb 
erfolgte ihre Vermindemng durch das iibliche Verbrennen durch die Vertreter der Religion 
der Liebe. Dreizehn Jahre lang verfolgte ein einziger Inquisitor (Boselli) die 
Waldenserfamilie, immer wieder gelang es ihm, "einen zu erwischen**", der irgendein 
ketzerisches Wort gesprochen hatte; die Gefangenen wurden dann gefoltert, durch 
Handabschlagen bestraft, erdrosselt oder verbrannt. Und trotz allem muBte der Erzbischof von 
Embrun dem Papst melden, daB die Waldenser ihrem alten Glauben treu geblieben waren. 

Zur Zeit, als bereits iiberall in Europa die Stiirme einer Wiedergeburt an den Toren Roms 
riittelten, zog der Vertreter des Vatikans mit franzosischen Truppen erneut in die Alpentaler, 
urn mit letzter militarischer Macht die noch gebliebenen Widerstande zu zertreten. 
Ausgerechnet er lasterhafte Innozenz VIII. war es, der 1487 in einer Bulle zur letzten 
Ausrottung der Waldenser aufrief. Der Kreuzzug begann unter dem Befehl La Palus, die 
Hauser der Ketzer wurden beraubt, sie selbst niedergemetzelt, die meisten Uberlebenden 
fliichteten, nur wenige blieben zuriick auf den Ruinen des Wohlstandes ihrer Vater, gebrochen 
scheinbar, bereit, mit der allmachtigen Kirche frieden zu schlieBen. Ihnen wurde dann ihr 
Eigentum zuriickerstattet. 

Stillere Zeiten erwiesen sich aber nicht als Frieden, sondern als triigerische Ruhe vor neuen 
Stiirmen. Kaum vierzig Jahre spater und der schlichte Glaube siegte erneut iiber die auBere 
Macht des mittelalterlichen Terrorismus. Und wieder holte Rom zum todlichen Schlage aus, 
nachdem das Edikt von Fontainebleau (1540) dem KetzerhaB erneut Nahrung gegeben hatte. 
Auf Grund der bischoflichen 

*Chorier, "Hist. Gen. du Dauphine II, 391. 
** Perrin: Histoire, S. 114. 

[93] 3000 Hinrichtungen 

Anzeigen muBten sich zunachst 16 Waldenser aus Merindol verantworten. Sie erschienen 
nicht, da sie wuBten, was ihrer harrte. Danach wurden sie fiir vogelfrei erklart, ihre Hauser, 
Weiber und Kinder galten als dem Staat verfallen, das Stadtchen Merindol sollte 
niedergemacht, alle Gewolbe zerstort und samtliche Baume des Fleckens niedergehauen 
werden. Der Konig wollte bei Abschworen Milde walten lassen, die Waldenser aber erklarten, 
dies nur tun zu wollen, falls man aus der Schrift ihnen Irrtiimer nachweisen konne. 

Und nun kam die Schwerste Priifung (1545). Regierungstruppen zogen nach Merindol, 
wiirgten hin, was sie an Menschen vorfanden und zerstorten das ganze Stadtchen; das gleiche 
Schicksal erlitten Calvieres und die anderen Dorfer. Die in die Berge Gefliichteten baten um 
fireien Durchzug nach Deutschland. Die Bitte wurde abgeschlagen, sieverhungerten 
einsam in ihren Schlupfwinkeln. Uber 22 Dorfer wurden vemichtet, 3000 Menschen 
gemordet, iiber 600 Waldenser zur Galeerenstrafe verurteilt, andere furchtbar gefoltert. Dann 
wurden liigenhafte Berichte iiber "Greueltaten der Ketzer" nach Paris geschickt . . Trotzdem 
kamen die Folterungen der aufgehetzten Soldateska und der sadistischen Monche Franz I. zu 
Ohren und noch auf dem Sterbebett veranlaBte er Heinrich II., den Waldensern 
Erleichterungen zu verschaffen, was dieser auch tat. 

War die Gemeinde der Waldenser trotz ihrer Verbreitung nicht sehr groB, folglich auch nicht 
angreifend tatig, so zog der Gedanke des Widerstandes gegen monchische Verwahrlosung 
und Geistesknebelung in hundert anderen Formen durch das damalige noch germanisch- 
nordisch bestimmte und westisch-rassisch gut erganzte Frankreich, bis diese Strome sich in 



der kiihnen Hugenottenbewegung vereinigten, deren Sieg der Geschichte des Abendlandes 
eine andere Richtung — nach oben — gegeben hatte. 

[94] Die romisch-kirchliche Korruption 

Die Zahl der Kampfer fiir arteigenes Wesen war einst in diesem Frankreich auBerordentlich 
groB, in alien Berufen und Standen waren sie zu finden, bis zu den Kardinalen und 
koniglichen Prinzen hinauf und bis zum schlichtesten Handwerker hinunter. Hundertfach sind 
uns Falle bezeugt, daB einfache Leute, vor das kirchlich-staatliche Gericht gezerrt, besser in 
der Schrift Bescheid wissen als ihre Richter, kliiger iiber Weltanschauungsfragen urteilen als 
die gelehrten Inquisitoren. Dieses Gefiihl der inneren Uberlegenheit gab ihnen den Mut, die 
Qualen des Scheiterhaufens zu iiberstehen, und dies alles fiihrte oft dazu, daB die Richter sich 
zu Anhangern der ketzerischen Gedanken bekannten. Das ist nicht verwunderlich, wenn man 
weiB, daB die fiirchterlichste Unbildung nicht nur beim unteren Klerus selbstverstandlich war, 
sondern, daB es sogar (wie Robert Stephanus uns iibermittelt) Theologie-Professoren der 
Sorbonne gab, welche in ihrer Wut gegen die Ketzer erklarten, sie seien fiinfzig Jahre alt 
geworden, ohne etwas vom Neuen Testament zu wissen, folglich hatten die Sektierer auch 
keine Veranlassung, sich mit ihm zu beschaftigen. Zog um 1400 der Papst aus deutschen 
Landen in zwei Jahren allein 100.000 Gulden an AblaBgeldern, muBte sich 1374 das englische 
Parlament vorrechnen lassen, daB der Stellvertreter Christi fiinfmal mehr Abgaben einstecke 
als der rechtliche Konig, so erhebt sich auch aus alien Teilen Frankreichs die gleiche nur zu 
berechtigte Klage. Alle Stande des Reiches seufzen unter dem Druck der Kirchensteuem, ja 
sogar redliche Monche (wie die Franziskaner Vitriarius und Meriot) fordem die Aufgabe des 
unwiirdigen AblaBhandels. Wie mit dem "heiligen Blut" von Wilsnack machte man auch mit 
dem "heiligen Haus von Loreto" (das die Engel aus Palastina nach Europa getragen hatten) 
iible Geschafte, wobei diese Wunderorte sich als wahre Goldgruben erwiesen. Die Pfriinden 
vermehrten sich derart, daB Kalvin bereits als zwolljahriger Kaplan, 

[95] Revolution der Hugenotten 

mit achtzehn Jahren Pfarrer wurde, ohne daB er vorher je theologische Studien getrieben 
hatte: die Einkommen der Pfriinde muBten, gleich, durch welche Personen, gesichert werden. 

Diese unmittelbar faBbaren Schaden fiihrten zu tieferen Betrachtungen, und eine Reihe groBer 
Charaktere blickt infolgedessen heraus aus den Flammen der Scheiterhaufen. Da ist der 
Erzbischof von Aries, Ludwig Allemand, der den Grundsatz des Konzilsystems gegen die 
papstliche Diktatur mit alien Kraften (auf dem Konzil zu Basel) verteidigt; da wirkt der alte 
kluge Jakob Lefevre an der Erziehung eines frei en j linger en Geschlechts; sein Schiiler 
Briconnet setzt diese Tatigkeit fort; Wilhelm Farel, ein Feuerkopf, stellt sich schon mitten in 
den Kampf, ist spater fuhrender Reformator in Neuenburg, Losen und Genf, dazu Casoli, 
Michael d' Arande. Ferner Languet, der adlige Burgunder, der kluge Beza, Hotoman. Vor 
allem aber ragt der tapfere kiihne Edelmann aus Artois, Louis de Berquin, aus der Schar der 
Vielen hervor. Ein glaubiger Mensch voller Freimut und Gedankenscharfe, ein glanzender 
Schriftsteller, den man nicht mit Unrecht den franzosischen Ulrich v. Hutten genannt hat. 
Neben ihm der ehemalige schlichte Wollkammer aus Meaux, Johann L e c 1 e r c, der 
Revolution gegen den Antichrist in Rom predigte und der gleich Luther seine Aufrufe an die 
Tiiren des Domes heftete. Dazu der tapfere Rouvan, der den Martyrertod auf sich nahm, Franz 
Lambert, ein Franziskaner, und hundert andere, welche die Freiheit des Evangeliums und des 
Denkens predigten in Waldern, in Kellem, wie einst die Besten der Urchristen in den 
Katakomben Roms. 



Und ehe noch die hugenottische Bewegung Frankreich voll ergriffen hatte und Schutz fand 
unter der Fiihrung Condes und des groBen Coligny, begann die gleiche Verfolgung im ganzen 
Lande, wie in den stillen Talern der 

[96] Wieder Flammentode 

Alpes Cottiennes, in der Provence. Berquin der Kiihne wird gefaBt, zur Abschworung, zur 
Durchbohrung der Zunge mit gliihendem Eisen, zu lebenslanglichem Gefangnis verurteilt. Er 
Schwort nicht ab, er ruft den Konig an. Umsonst. Darauf wird er am 22. April 1527 verbrannt. 
Noch vom Scheiterhaufen herab sprach er zum Volk. Seine Rede wurde durch das Geschrei 
der Henkersknechte und Monche erstickt. Man fiirchtete ihn noch im Tode. — Wie man dem 
Nero nachsagt, er hatte seine Garten durch brennende Menschenfackeln erleuchtet, so 
schreitet im 16. Jahrhundert nach Christo der allerchristlichste Konig in groBer Prozession 
von St. Germain I'Auxerrois zur Notre Dame und von dort zu seinem SchloB. Und auf den 
Platzen, die er iiberqueren muBte, da stehen zum Schmuck und zu Ehren der Kirche die 
Scheiterhaufen, auf denen die unbeugsamen Haretiker den Flammentod erleidet.* 
Vierundzwanzig Ketzer starben an diesem Tage in Paris. Eine Flucht der Verfolgten nach 
Deutschland begann, so flohen u. a. auch Kalvin, Roussel, Marot. Allein in StraBburg fmdet 
Kalvin 1500 franzosische Fliichtlinge und griindet hier die erste kalvinistische Gemeinde. 
Strenge Edikte zwecks Ketzerverfolgung jagen einander nach den ersten Taten. In Meaux (der 
ersten protestantischen Gemeinde Frankreichs) wurde eine Versammlung iiberrascht, vierzehn 
von den Teilnehmem erlitten, als sie ein Abschworen von sich wiesen, den Feuertod und 
starben, sich gegenseitig Gebete zurufend. Am Tage darauf bewies dann ein 
Theologiegelehrter der Sorbonne, die Verbrannten seien zu ewiger Verdammung verurteilt, 
um noch hinzuzufugen: "Und wenn ein Engel vom Himmel kame und wollte uns des 
Gegenteils versichern, so miiBten wir das verwerfen; denn Gott ware 

*Daruber Sagt der Jesuit Daniel: "Francois voulut, pour attirer la benediction du del sur ces 
armes, donner cet exemple signaie deplete, et de zele contre la nouvelle doctrine. " Histoire 
de France, V, 654. 

[97] Das heroische Alt-Frankreich 

nicht Gott, wenn er sie nicht auf ewig verdammte"*. Wie in Meaux loderten die HolzstoBe in 
alien Teilen Frankreichs, aber immer wieder miissen die Chroniken vom ungebrochenen Mut 
der Verurteilten berichten. Johann Chapot, von den Henkem zum Richtplatz getragen, well 
die Folterer ihm vorher die Beine gebrochen hatten, bekannte nochmals seinen Glauben. Aus 
Angst vor ketzerischer Ansteckung der Zuschauer wurde er sofort erdrosselt ... Da sich 
ahnliche Falle iiberall wiederholten, wurde es iiblich, den reuelosen Ketzem vor dem 
Hinfiihren zum Scheiterhaufen die Zunge auszuschneiden ..." Ad majorem dei gloriam". 

Die Geschichte kennt eine groBe Zahl verbiirgter Erzahlungen iiber den Mut auf dem 
Scheiterhaufen, sie weiB aber auch von vielen Bekehrungen der — Richter. So nennt sie den 
tapferen du Bourg, der sein spateres Todesurteil gefaBt auf sich nahm und erdeosselt wurde. 
So eine groBe Anzahl anderer Manner des alten Frankreichs. Es ist eine einzige groBe 
Tragodie des heldischen Leidens, die sich aber dann bald in verwegene und doch kluge 
Angriffslust wandelt, als beste Manner des franzosischen Hochadels als "Hugenotten" an die 
Spitze der Kampfe fur Gedankenfreiheit traten. In acht blutigen Kriegen wurde in alien 
Gegenden Frankreichs dieser Kampf gegen Rom gefuhrt, und wenn auch der Streit iiber das 
Abendmahl als scheinbar dogmatisch wichtige Frage iiberall an der Spitze der geistigen 
Auseinandersetzungen erscheint, so war das doch nur ein Gleichnis fur eine viel tiefer 



gehende Scheidung der Geister. Coligny hat, als er spater zur Macht gelangte, seine 
Grundanschauung durch die Tat bewiesen, daB er Glaubensfreiheit nicht nur fiir sich forderte, 
sondem auch den Katholiken von Chatillon 

*Du Plessis: "Hist, de I'Eglise deMeaux", I. 348; 

Soldan: Geschichte des Protestantismus in Frankreich", I, 200 

[98] Hugenottischer Zwiespalt 

zugestand*. Da das Hugenottentum sich aber bestimmten Lebensformen gegeniibersah und 
die Vertreter Roms von dieser dogmatischen Grundlage aus Antworten forderten, so bheb den 
Protestanten nichts anderes iibrig, als nach und nach gleichfalls ein scharf umrissenes 
Programm aufzustellen, das "naturgemaB", weil im Wesen unnatiirlich, die verschiedenen 
protestantischen Bewegungen selbst in Konflikt miteinander bringen muBte. Dahinter aber 
stand iiberall etwas viel Tieferes: der germanische Urgedanke der inneren Freiheit; Lehren 
und neue Formen wurden nur zu Gleichnissen, die sich auf dem Hintergrunde der romischen 
Dogmen abhoben, wobei es bezeichnend ist, daB die Messe seitens der Hugenotten am 
meisten bekampft wird. 

Im hugenottischen Adel ging ein Kampf zweier Seel en vor sich, der das Ringen sehr 
erschwerte. Wahrend seine Anhanger unerschiitterlich Gewissens- und Lehrfreiheit forderten, 
waren sie gezwungen, diese Forderungen an einen Konig zu stellen, dem sie in staatlich- 
politischer Hinsicht in altfrankischer Gefolgschaftstreue ergeben waren. Dieser jedoch, in 
romisch-katholischer Uberlieferung befangen, muBte in der einheitlichen Religion auch die 
Sicherung des politischen Staates erblicken. Und so kommt es, daB wahrend die 
hugenottischen Heere spater sich in Orleans oder La Rochelle gegen den Konig sammeln, 
wahrend sie bei Jarnac, St. Denis, Montcontour mit den Truppen des Konigs kampfen, sie 
doch ganz ehrlich ihre Ergebenheit gegeniiber dem Konigtum bekunden und Aufrufe erlassen, 
in denen sie behaupten, der Konig sei nicht frei, sondern in Gefangenschaft der romischen 
Partei; was ihnen denn auch nach jedem FriedensschluB bestatigt werden muBte. 

Aber auch in den groBten Zeiten der Hugenottenbewegung 

*Vql. fiber ihn E. Marcks "Gaspard von Coligny", Stuttgart 1892. 

[99] Vassy und Jarnac 

war diese doch nur eine Minderheit. Ihre Kraft lag jedoch in der klugen Energie ihrer Fiihrer, 
im Heroismus eines neuen Lebensgefuhls, im Auftrieb ihres alten Blutes, wahrend auf seiten 
der Gegner Fiihrerstreitigkeiten die Krafte lahmten und der Konig in standiger Furcht lebte, 
sein Feldherr (etwa Anjou) konnte ihm iiber den Kopf wachsen. 

Das Blutbad von Vassy, wo der Herzog Guise betende Hugenotten einfach hinmorden lieB, 
war eines der Fanale, daB es um alles ging. Und so folgten die Hugenotten, stets opferbereit, 
wenn der Ruf des Condee erscholl. Trotz Niederlagen eroberten sie sich immer neue Festen, 
Stadte, Burgen, suchten sich bald im Norden, bald im Siiden ihre Stiitzpunkte. Aber in diesen 
Kriegen blieb beiderseits die Bliite des altfranzosischen Blutes tot auf den Schlachtfeldem. So 
auch der alte Connetable Montmorency, der nicht aus kirchlichem HaB, wie die Guijen, fur 
seinen Konig focht, sondern als alter Lehensmann kampfte und bei St. Denis mit 74 Jahren 
sein Leben beschloB. Da fallen nach und nach alle Protestantenfiihrer mit Andelot und 
Condee an der Spitze. Trotz gebrochenen Schenkels sprengt der groBe Prinz bei Jarnac 



seinem Heere voran: "Wohlan, Ihr Edlen von Frankreich, hier ist der Kampf, den wir so lange 
ersehnt haben." Sein verwundetes Pferd stiirzt, ein feindlicher Hauptmann streckt ihn dann 
hinterriicks nieder. 

Ein furchtbares Schicksal erwartet aber auch nach einem giinstigen Frieden die 
heimkehrenden hugenottischen Truppen. Die Mehrzahl der aufgehetzten Katholiken pliinderte 
ihre Hauser, vertrieb ihre Familien, mordete die Krieger. Nach dem Frieden von Longjumeau 
z. B. wurden solche Hetzen von oben her bewuBt organisiert, Lyon, Amiens, Troyes, Rouen, 
Soissons und andere Stadte wurden Zeugen eines Blutrausches, der von den Protestanten in 
drei Monaten mehr Opfer forderte, als der Krieg eines 

[100] TodhaB Pius V. 

halben Jahres. Zeitgenossische Schriftsteller berechneten die Toten allein nach diesem 
FriedensschluB auf 10000, wahrend die spatere, vielleicht blutigste Schlacht von Montcontour 
nur 6000 Gefallene kostete. Dazu gesellte sich eine unablassige Hetze von Rom aus, das stets 
die vollkommene Ausrottung der Ketzer befahl. Pius V. verdammte den Konig von 
Frankreich, weil er den Hugenotten iiberhaupt Zugestandnisse gemacht hatte und belobte jene 
seiner Untertanen (z. B. den Herzog von Nemours), die gegen des Konigs ErlaB die 
Ausrottung weiterbetrieben. Der Papst versprach Geld, Krieger und rief zu immer neuem 
BlutvergieBen. Sein Biograph Gabutis riihmt den alten Pius V. denn auch als Urheber des 
dritten Hugenottenkrieges. Der Papst war selbst nach dem Sieg von Jamac und dem Tode 
Condees nicht zufriedengestellt. Er verband seinen Gliickwunsch mit dem Befehl, alle Ketzer, 
auch die Gefangenen, auszurotten. Jedes Nachgeben verfluchte er im voraus mit Gottes Zom. 
Dieses Verhalten befolgte Pius V. auch nach dem Frieden von St. Germain und hat des 
Konigs Untertanen gegen den Hof aufgewiegelt. 

Trotz allem aber schien es, als ob sich altgermanischer Charakter durchsetzen wollte. Schon 
einmal war der Hof hugenottisch gewesen und an Stelle lockerer Feste war damals schon ein 
barter — manchmal engherziger — Ernst in die Schlosser des Konigs eingezogen. Noch 
einmal hielten dann die Hugenotten Einzug, als Karl IX. Coligny zur Macht berief. "Ich heiBe 
sie willkommen, wie nur je ein Edelmann seit zwanzig Jahren willkommen gewesen ist", sagt 
er zum Fiihrer der Ketzer. Und so ergriff fiir kurze Zeit eine neue Hand Frankreichs Schicksal. 
Bis alles in der Pariser Bluthochzeit zugrunde ging. Schwankend, charakterlos, jahzornig, 
neigte sich der Konig den Einfliisterungen der romischen Partei zu» die ihm dann die 
Ermordung Colignys zuschob. Es gab kein Zuriick mehr. Die germanische Welle, die zu 
siegen schien iiber das 

[101] Wie Coligny starb 

Frankenreich, brach zusammen. Als Colignys blutiger Leichnam dem Herzog Guise vor die 
FiiBe geworfen wurde, wischte ihm dieser das Blut vom Gesicht und sagte hohnisch:,, Jawohl, 
das ist er" und gab ihm einen FuBtritt. Ein Italiener enthauptete den Admiral, dessen Kopf 
dann nach Rom zum heiligen Vater geschickt wurde, was ein Freudenfest in der Engelsburg 
zur Folge hatte. Der fromme Pobel von Paris aber schnitt dem groBten Helden Frankreichs 
noch die Hande ab und schleppte den Leichnam drei Tage durch den StraBenkot. 

Dann ging es dem Ende zu. Was von den zur Hochzeit in Paris versammelten 
Hugenottenfiihrem noch iibrig war, erlitt den Bluttod oder wurde nach der Flucht in anderen 
Gebieten gemeuchelt. In Orleans fielen im Lauf von fiinf Tagen 1500 Manner, dazu Weiber 
und Kinder, in Lyon 1800, die Stadte der Provence sahen taglich verstiimmelte Leichen die 



Wasser hinuntertreiben, so daB Aries tagelang kein Trinkwasser aus dem FluB Schopfen 
konnte. In Rouen ermordete der aufgepeitschte Haufe an zwei Tagen 800 Menschen, 
Toulouse zahlte 300 Tote. Die Folgen der Bartholomausnacht kosteten iiber 70 000 Opfer. In 
Rom selbst aber schoB man Freudenschiisse ab und der Papst der Friedensreligion pragte eine 
Denkmiinze zu Ehren des Ketzermordens. 

Als auch spatere Kampfe keinen Erfolg brachten, zogen es Hunderttausende vor, das 
gesinnungsknebelnde Frankreich zu verlassen PreuBen, die Niederlande zahlen 
Nachkommlinge dieser Auswanderer (die man alles in allem mit fast zwei Millionen angibt) 
zu den Besten ihrer Mitbiirger. 

Die entscheidende Tatsache dieses Blutverlustes aber ist die Anderung des Charakters der 
franzosischen Nation. Jener echte Stolz, jene Unbeugsamkeit und jener Edelmut, den die 
ersten Hugenottenfiihrer verkorperten, war auf immer dahin. Als im 17. und 18. Jahrhundert 
die "klassische" franzosische 

[102] Char akterverf all Frankreichs 

Philosophie die kirchlichen Dogmen erneut aushohlte und stiirzte, da war sie zwar ausgestattet 
mit vielem Scharfsinn und mit groBem Witz begabt, war aber — man sehe sich Rousseau, 
selbst auch Voltaire an — bar jedes echten groBen Adels der Gesinnung, welcher Berquin 
ebenso auszeichnete wie einen Condee, Coligny, Teligny. Aber selbst diese groBe Geistigkeit 
war innerlich lebensfern, abstrakt; so wurde der 14. Juli 1789 zum Gleichnis einer 
charakterlichen Ohnmacht. Die franzosische Revolution, die echt und blutvoll war unter 
Coligny, war um 1793 bloB blutgierig, innerlich unfruchtbar, well von keinem groBen 
Charakter getragen. Deshalb haben sich an den Girondins und Jakobinem auch keine Genien 
begeistert, sondern nur toll gewordene SpieBbiirger, eitle Demagogen und jene Hyanen der 
politischen Schlachtfelder, die die Liegengebliebenen ihres Habes berauben. Wie wahrend des 
Bolschewismus in RuBland der tatarisierte Untermensch jene mordete, die durch hohe Gestalt 
und kiihnen Gang als Herren verdachtig erschienen, so schleifte derjakobinische schwarze 
Pobel jeden aufs Schafott, der schlank und blond war. Rassengeschichtlich gesprochen: durch 
den Untergang der Hugenotten war im Reich der Franken die nordische Rassenkraft wenn 
nicht ganz gebrochen. so doch stark zuriickgedrangt worden. Das klassische Frankreich zeigt 
nur noch Geist ohne Adel, einen Charakterverfall, den das hungernde Volt, instinktiv erfaBte, 
worauf es sich mit dem raublustigen Untermenschen zusammentat, um die letzten Kopfe zu 
beseitigen. Seitdem tritt der mittelmeerlandisch gemischte alpine Mensch in den Vordergrund 
(nicht der "keltische"). Der Kramer, der Rechtsanwalt, der Spekulant wird Herr des 
offentlichen Lebens. Die Demokratie beginnt, d. h. nicht die Herrschaft des Charakters, 
sondern die Herrschaft des Geldes. Das andert sich nicht mehr, ob das Kaisertum herrscht 
oder die Republik, well der Mensch des 19. Jahrhunderts rassisch doch gleich unschopferisch 
war. 

[103] Mulatten in Paris 

Deshalb schiebt sich aber auch der jiidische Bankier in den Vordergrund, dann der jiidische 
Journalist und Marxist. Einzig die Uberlieferung einer tausendjahrigen Geschichte nebst den 
Auswirkungen der gleichen Einfliisse der geographischen Umwelt bestimmen noch die 
machtpolitischen StoBlinien Frankreichs. Aber das alles tragt andere Vorzeichen als im 14. bis 
16. Jahrhundert. Was noch edel dachte in Frankreich, zog sich zuriick vom schmutzigen 
Geschaft der Politik, lebte auf den Schlossern in der Provinz, in konservativer 
Abgeschlossenheit, oder schickt seine Sohne ins Heer, um nur dem Vaterland zu dienen. 



Namentlich aber in die Marine. Noch am Ende des 19. Jahrhunderts konnten Zuschauer auf 
Marineballen die iiberraschende Entdeckung machen, daB samtliche Offiziere blond waren!* 

D i e s e r Kraft des noch starken Nordfrankreichs (die Normandie gait wahrend der 
Ketzerzeit stets als "kleines Deutschland") sah sich das Deutsche Reich 1914 gegeniiber. Uber 
diese Kraft aber geboten nicht mehr blutsgleiche Personlichkeiten, sondern die Bankiers 
Rothschild und die ihnen rasseverwandten anderen Finanzmachte. Dazu Typen wie Fallieres, 
Millerand, oder alpine Impotenz vieler Marxistenfiihrer. So vollzieht sich erst recht heute das 
Versickem des letzten wertvollen Blutes. Ganze Landstriche im Siiden sind iiberhaupt 
ausgestorben und saugen jetzt bereits die Menschen Afrikas an sich wie einst Rom. Toulon 
und Marseille senden immer neue Bastardierungskeime ins Land. Um die Notre Dame zu 
Paris flutet eine sich immer mehr zersetzende Bevolkerung. Neger und Mulatten gehen am 
Arme weiBer Frauen, ein rein jiidisches Stadtviertel ersteht mit neuen Synagogen. AbstoBende 
mestizenhafte protzen verpesten die Rasse der noch 

*Stackelberg: "Ein Leben im baltischen Kampfe", Mtinchen 1927. 

[104] Frankreich — ein " Vorbild" 

schonen Weiber, die aus ganz Frankreich nach Paris angelockt werden. So erleben wir in der 
Gegenwart etwas, was sich bereits in Athen und Rom und Persepolis abspielte. Deshalb ist 
eine nahe Verbindung mit Frankreich, ganz abgesehen von der politisch-militarischen Seite, 
rassengeschichtlich so gefahrlich. Vielmehr heiBt der Ruf hier: Abwehr des eindringenden 
Afrikas, Grenzsperrung auf Grund anthropologischer Merkmale, eine nordisch-europaische 
Koalition zwecks Sauberung des europaischen Mutterlandes von den sich ausbreitenden 
Krankheitskeimen Afrikas und Syriens. Auch zum besten der Franzosen selbst. 



Die Geschichte des Frankenreiches ist heute abgeschlossen. Gleich ob klerikaler Machtwille 
oder stupide Freigeisterei sich in der Regierung abwechseln: in jedem Fall wird der groBe Zug 
des Schopferischen fehlen. Frankreich wird deshalb getragen sein von einer instinktiven 
Rassenangst als Folge der Rassenschande, die jeden hochstens auBerlich siegreichen 
Zerkreuzten nie verlaBt. Deshalb die noch heute herrschende schlottemde Furcht vor dem 
dank der Hilfe des ganzen Erdballs niedergeworfenen Deutschland. Dem Deutschland, 
welches alle Ursache hat, die Lebenslinie seines Nachbarvolkes zu verfolgen um alle inneren 
Abwehrktafre gegen den gleichen Verlauf seines Schicksals wachzurufen. 

Das iiberwiegend protestantische Deutschland brauchte einen 14. Juli nicht. Wenn auch 
zuriickgedrangt von dem einst hereingebrochenen alpin-kleinasatischen Geist, zog sich um 
das baltische Becken doch ein starker Ring des Charakterwiderstandes gegen romische 
Nivellierungssucht, der Rom geradezu zwang, sein sittliches Leben zu reformieren, um 
iiberhaupt bestehen zu konnen. Aber der Germane ist leider nicht wachsam gewesen Er 
iiberlieB groBherzig fremdem 

[105] Die "Zwei Deutschlands" 

Blut dieselben Rechte, die er sich mit groBen eigenen Opfern durch die Jahrhunderte erkampft 
hatte. Er iibertrug Duldung des religiosen und wissenschaftlichen Denkens auch auf ein 
Gebiet, auf dem er hatte scharfe Abgrenzungen treffen miissen: auf das Gebiet der 
Volksgestaltung, Menschenformung, Staatsbildung als erster Voraussetzung des organischen 



Daseins iiberhaupt. Er hatte iibersehen, daB Duldsamkeit zwischen Protestanten und 
Katholiken in bezug auf ihre Uberzeugungen iiber Gott und Unsterblichkeit nicht 
gleichbedeutend sein konnte mit Duldsamkeit gegeniiber antigermanischen Charakterwerten. 
DaB der Heroische nicht gleiches Recht haben kann mit dem Borsenspekulanten; daB dem 
Bekenner der unsittlich-ungermanischen Talmudgesetze mit einem Hanseaten oder deutschen 
Offizier keine gleichen Rechte auf Lebensgestaltung der Nation zugesprochen werden 
durften. Aus dieser Siinde gegen das eigene Blut erwuchs d i e groBe Volksschuld, entstanden 
die "zwei Deutschlands", die sich 1870 — 71 schon zeigten, nach 1914 unversohnlich 
gegeniiber standen, 1918 endgiiltig auseinander fielen und heute auf Leben und Tod 
miteinander ringen, obgleich noch immer nicht iiberall blutsbewuBt geschieden. Was sich 
wahrend der Ketzerkriege, zur Zeit Gustav Adolfs abspielte, ringt erneut, nur unter anderen 
Symbolen. Und wie es scheint, nicht unter Gleichnissen kirchlich-abstrakter Art, sondern 
endlich schon stark bewuBt in der organischen Gegeniiberstellung: nordisch-germanisch (bzw. 
vernordetes Blut) und Untermensch in Verbindung mit der Geistigkeit Syriens. 

Das Blutopfer der Nation auf alien Schlachtfeldern der Welt gab dem demokratischen 
ostischen Menschen und seinen bastardischen Mithelfern der Weltstadte Gelegenheit zum 
Aufschwung. Der Menschentypus, der vor 150 Jahren in Frankreich als herrschend an die 
Oberflache zu treten begann, stand seit 1918 auch in Deutschland, ausgestattet mit dem Gelde 
Syriens, an der Spitze der Demokratie. 

[106] Plastische Verfallssymbole 

Er kannte deshalb die alien Werte nicht, sondern bekampfte sie offen und frech auf alien 
StraBen und Platzen ("Das diimmste Ideal ist das Ideal des Helden", sagie das "Berliner 
Tageblatt"), der gliickliche Spekulant wurde Ehrenmann, der ostjiidische Bankier Finanzier 
der "staatserhaltenden" Parteien, der Kampfer gegen die Verhohnung des germanischen 
Wesens aber wurde wegen "Beleidigung der Staatsform" ins Gefangnis gesperrt. Diese 
Umschichtung der Werte ist gleichbedeutend mit der Veranderung des herrschenden Blutes 
und schon ein einziger Blick auf die Reihe der marxistisch-demokratischen Fiihrer beweist in 
furchtbarer Weise den Rassenverfall, der zwischen der Herrschaft der Kopfe eines Moltke, 
Bismarck, Roon, Wilhelm I. liegtund jenen Parlamentariern, die bis 1933 die Borsenkolonie 
Deutschland verwalteten. 

Die Herrschaft dieser in Stunden einer furchtbaren Verzweiflung des wertvollen Volksteils 
hochgespiilten alpin-jiidischen Schicht erschien dadurch gesichert, daB sie sich aus Instinkt 
sofort den im heutigen Frankreich starken Machten verbiindete. Dem Frankreich, mit dessen 
verschlissenen Ideen sie einst die geistige Armut der Revolte von 1918 bestritten hatten. Sie 
waren durch jene Liigen groBgeworden und konnten von ihrer Richtung nicht mehr 
abweichen. Die Form der Franzosenpolitik der Demokratie in Deutschland ging also letzten 
Endes zuriick auf die "natiirliche" Sympathie der Untergangsmenschen, der gradlinigen 
Charakter als lebendigen Vorwurf empfmdet und sich deshalb mit dem Verfall zu verbinden 
bemiiht. Das ist auch die wesentliche Erklarung fur die Sympathie, welche das 
nachrevolutionare RuBland in alien Zentren des marxistischen Untermenschentums hervorrief 
Hinter allem Schillern der angeblichen Grundsatze, "realpolitischen" Uberlegungen usw. zieht 
sich ein Strom unterbewuBter Rassenkraft, beziehungsweise ein flutendes Gewasser mit 
rassenchaotischen Abfallserzeugnissen. Dies ganz ungeachtet 

[107] Gegen die alte Geschichtsdeutung 



geschichtlicher Uberlieferungen und raumpolitischer GesetzmaBigkeit deshalb zum Schaden 
der deutschen Nation. 

Samtliche Historiker, welche die schmerzensreiche Geschichte der Auseinandersetzungen 
zwischen Rom und Ketzertum behandeln, erklaren einmiitig, man miisse die Dinge aus dem 
Weltbild und den Bedingungen der jeweiligen Zeit behandeln. Dies tun sowohl Verteidiger 
als auch Gegner Roms, die dabei gemeinsam einem verhangnisvollen Irrtum zum Opfer 
gefallen sind: als gabe es neben voriibergehenden Zeitumstanden nicht auch unveranderliche 
Wesensgesetze, die zwar unter verschiedenen Formen miteinander ringen, in ihrer 
Wirkungsrichtung sich jedoch gleich bleiben. Der Kampf des nordischen Menschen gegen 
romischen geistigen Unitarismus ist eine derartige zweitausend Jahre alte Tatsache, die immer 
zugleich auch eine "zeitweilige Bedingung" gewesen ist. Deshalb behalt ein Werturteil in 
bezug auf die heutige Zeit seine tief begriindete Berechtigung auch bei der Beurteilung der 
ringenden gleichartigen Krafte der Rassen und des Rassenchaos der Vergangenheit. Was aber 
in diesem Kampfe unterging, die Veranderung rassischer und charakterlicher Art bewirkte, 
gerade dieses nun ist von den ziinftigen Geschichtsschreibern nicht behandelt worden: die 
Vernichtung der rassischen Substanz in Siidfrankreich, auch die Ausrottung des 
schopferischen Blutes im noch stark germanischen Kem-Osterreich durch die 
Gegenreformation und die daraus entstehenden anderen "Zeitumstande". Die iibliche 
Geschichtsschreibung hat also das Unveranderliche hinwegzuleugnen versucht, das wirklich 
Zeitbedingte deshalb ebenfalls meist einseitig gewertet und nur an den auBerlichen Symbolen 
ihre Schilderungen erprobt. Durch diese Erkenntnis ist fiir den kommenden Darsteller und 
Ergriinder der Entwicklung des Abendlandes an der Hand unwandelbarer seelisch-rassischer 
Werte eine neue Grundlage 

[108] Die Hussitenbewegung 

geschaffen worden, geeignet, einen Schritt zur Hohe zu ermoglichen fiir alle, die starken 
Willens sind. 

Das Vorhergehende aber fordert noch ein Gegenstiick, um keine flache Beurteilung der 
groBen Fragen aufkommen zu lassen. Z. B. die Hussitengeschichte. Die protestantische 
Bewegung in Bohmen weist einen wesentlich anderen Zug auf als in Frankreich. In 
Frankreich herrschte eine Sprache, eine Staatliche Uberlieferung und klare Ansatze eines 
einheitlichen Nationalgefiihls waren gegeben, in Bohmen dagegen standen sich Deutsche und 
Tschechen als auch zum groBen Teil durch Rasse geschiedene Krafte gegeniiber. Die 
Tschechen ihrerseits waren rassisch geschichtet in nordisch-slavischen Adel, wahrend die 
unteren Stande alpin-dinarische Pragung aufwiesen, also jenen Typus zeigten, den der heutige 
Tscheche so deutlich verkorpert. Unter angel sachsischem EinfluB (Wiklef) loste sich das 
slavische Tschechentum in gleicher Weise von dem romischen Universalismus wie das 
deutschwerdende Deutschland und das hugenottische Frankreich. Diese Bewegung erzeugte 
die sog. ultraquistische Richtung, welche in den Prager Artikeln (1. Augnst 1420) an die erste 
Stelle aller Forderungen die freie Predigt ohne Beeinflussung durch die oberen 
Kirchenbehorden setzte. Dann folgte der iibliche Abendmahlsanspruch, der Ruf nach 
Aufhebung des weltlichen Kircheneigentums und die Forderung auf Beseitigung der 
Todsiinden, ihre Siihnung durch die weltliche Obrigkeit. Zum Zweck der Vertretung dieser 
mit papstlichen Bannbullen beantworteten Anspriiche muBte sich die freie tschechische 
Geistlichkeit ihrer unteren Volksmassen bedienen. Und hier zeigte sich das andersrassische 
alpin-dinarische Wesen das sich in kulturloser Wildheit, gepaart mit fiirchterlichem 
Aberglauben, offenbarte. Der einaugige, rasende Ziska von Trocnow (dessen Kopf im Prager 



Nationalmuseum ihn als ostisch-vorderasiatischen Menschen ausweist), war der erste 
Ausdruck dieser alles zerstorenden 

[109] Taboritischer Eifer 

Taboritenbewegung, welcher die Tschechen die Ausrottung sowohl der in ihnen noch 
wirkenden germanischen Krafte als auch die Zuriickdrangung der echtslavischen zu 
verdanken haben. 

Wie von einem vorderasiatischen Wahnsinn getrieben, standen taboritische Eiferer auf und 
erklarten, "in dieser Zeit der Vergeltung miiBten alle Stadte, Dorfer und» Burgen verwiistet, 
zugrunde gerichtet und verbrannt werden", auch Prag, "das Babylon der Stadte"*. Der aus 
dem Alten Testament gesogene Chiliasmus (welcher auch mancher anderen protestantischen 
Bewegung bis auf heute gefahrliches Gift zufuhrte) veranlaBte die tschechischen Bauern, ihr 
Hab und Gut in Erwartung des "Reiches Gottes auf Erden" zu verlassen, was dann die 
Pliinderung des deutschen Eigentums zur Folge hatte. 

Die Taboriten erklarten spater den Utraquisten den Kampf und bereits 1420 verkiindeten sie 
eine Lehre, welche von jeher aus den Kehlen des gegen Forschergeist und Genie sich 
emporenden dunklen Untermenschen erschollen ist: "Jeder Mensch, der die freien Kiinste 
studiert, ist eitel und heidnisch." Den echten tschechischen Patrioten "schwanden die Sinne", 
ganz wie im Jahre 1917 den russischen Intellektuellen angesichts der aufquellenden 
bolschewistischen Menschenflut. Das war die Einsicht von der tschechischen Unterwertigkeit, 
welche Franz Palacky (1846) zum Bekenntnis veranlaBte, daB sich in alien kulturellen Fragen 
die Deutschen im 15. und 16. Jahrhundert eine immer starkere Stellung verschafft hatten: 
"Daraus schopften wir die unliebsame und betriibende Erkenntnis, daB in dem Wesen beider 
Volker, des tschechischen und des deutschen, etwas liegt, was diesem gegeniiber jenem, auch 
abgesehen von den politischen Verbal tnissen, eine groBere Ausdehnungskraft verleiht und ein 
dauerndes Ubergewicht 

*Hdfler, "Geschichtsschreiber", III, S. J 59. 

[110] Klagen tschechischer Patrioten 

si chert; daB wir irgendeinen tief eingewurzelten Fehler besitzen, der wie ein geheimes Gift am 
Kern unseres Wertes zehrt." Und als die "tschechisch-nationale Sache" siegte, das 
Tschechentum restlos triumphierte, herrschte gerade deshalb ein furchtbarer geistiger und 
sittlicher Niedergang. Der Patriot Hassenstein erklarte bekiimmert: "Aus dem Vaterlande 
flieht, wer recht zu leben bestrebt ist", wahrend ein anderer tschechischer Nationalist Viktorin 
von Wschehrd gesteht:"Man kann in unserem Staate fast kein Glied fmden, das nicht 
zerbrochen oder geschwacht ist." Und wie eine Sehnsucht nach anderen Mannem, die 
Deutung Palackys iiber das Gift im Tschechentum vorwegnehmend und auf die germanische 
Rasse als Heilung hinweisend, klingen die Worte Hassensteins 1506 an einen Freund in 
Deutschland. Nachdem er die Verwiistung und den Zusammenbruch Tschechiens geschildert 
hat, Schreibt er: "Einst freilich unter den Ottonen, Heinrichen, Friedrichen, als Deutschland 
bliihte, da wuchs auch unsere Macht ... als der edelste Teil des Reiches gait Bohmen; jetzt 
aber, da euer Staatswesen wankt, wanken wir nicht nur, sondem brechen vollig zusammen ... 
Euch reiben Kriege auf, uns verzehrt der Rost." 

Das deutsche Element sah sich von vornherein, ungeachtet vieler Sympathien zum 
antiromischen Gedanken, von der hussitisch-taboritischen Bewegung zuriickgedrangt, was 



seine Gleichsetzung mit dem papistischen Lager zur natiirlichen Folge hatte. Hier wurde also 
aus reinem Selbsterhaltungstrieb gegeniiber dem aufgeriihrten dinarisch-alpinen Menschen 
eine auBere Gleichsetzung vollzogen, ohne notwendige innere Ubereinstimmung. In Zeiten 
groBer Umwalzungen kann natiirlich nie viel geschont werden, der Taboritismus jedoch 
kostete das Tschechentum so ziemlich alles, was es an eigenartigen Gesittungskraften besaB. 
Seitdem ist dieses Volk unschopferisch geblieben 

[111] Der germanische Freiheitsbegriff 

und verdankt seine spatere kulturelle Erholung den neuerdings wieder einstromenden 
deutschen Formkraften. Wildheit gepaart mit charakterlicher Kleinheit ist bis heute leider ein 
Kennzeichen groBer Telle des Tschechentums geblieben. 

Die Gleichung Reformation — nordisches Wesen ist also in dieser Einformigkeit nicht zu 
verwenden, well der groBe nordische Gedanke seelischer und geistiger Freiheit auch vielerorts 
Menschen aus wohltatigen Formen loste, die weder eine freie Seele noch einen beschwingten 
Forschergeist besaBen. 

Diese Betrachtung der tschechischen Geschichte* ist auBerst lehrreich fiir die gesamte 
kommende rassische Geschichtsforschung und lehrt Freiheit von "Freiheit" sehr 
unterscheiden. Freiheit im germanischen Sinne ist innere Unabhangigkeit, 
Forschermoglichkeit, Ausbau eines Weltbildes. echt religioses Fiihlen; Freiheit fiir 
vorderasiatische Einsprengsel und dunkle Mischlinge bedeutet hemmungslose Vernichtung 
anderer Kulturwerte. Das erste hatte in Griechenland eine hochste Knlturentwicklung zur 
Folge, jedoch nach " Men schwer dung" auch der vorderasiatischen Sklaven die vollkommene 
Zerstorung dieser Schopfungen. Allen ohne Unterschied heute eine auBere "Freiheit" 
zuzusprechen, bedeutet sich dem Rassenchaos ausliefern. Freiheit heiBt Artgebundenheit, nur 
diese kann die hochstmogliche Entfaltung verbiirgen. Artgebundenheit aber fordert auch 
Schutz dieser Art. 

Die 300000 Hugenotten, die nach Deutschland kamen, waren entweder rein nordischer Art 
oder doch Trager eines Blutes, welches vom germanischen Wesen bedingt war und mit dem 
deutschen eine briiderliche Harmonie eingehen konnte. Auch als die franzosische Revoke von 
1789 

*Wer sich uber das einzelne der furchtbaren Hiissitenkriege unterrichten will, lese z. B. 
Bertold Bretholz, "Geschichte Bohmens und Mdhrens", Reichenberg 1922. 

[112] Wesen von Pan-Europa 

erneut Jagd machte nicht nur auf heruntergekommene Hoflinge, sondem auch auf echt adliges 
Wesen, da fanden so manche "Franzosen" in PreuBen eine neue Heimat. Ein Fouque, ein 
Chamisso, ein Fontane, eine groBe Zahl deutscher Helden des Weltkrieges tragi franzosische 
Namen. Andererseits fiihrte ein Kant seine Vorfahren auf Schotten, Beerhoven auf Hollander 
zuriick, ein H- St. Chamberlain hebt als Englander die schonsten Schatze germanischen 
Seelentums aus verborgenen Tiefen ans Licht. Dies alles zeigt ein Hiniiber und Heriiber von 
Menschen und Werten auf der Ebene des germanischen Lebensgefiihls. Ein ganz anderes 
Wesen aber zeigt sich im sogenannten heutigen von alien International en und Juden 
geforderten Pan-Europaertum. Das, was sich hier abspielt, ist nicht das Angleichen 
germanisch bedingter Elemente in Europa, sondem ein Vereinigen rassenchaotischer Abfalle 
der Weltstadte, ein pazifistisches Geschaftsabkommen groBer und kleiner Handler, letzten 



Endes eine von der jiidischen Finanz mit Hilfe der heutigen franzosischen bewaffneten 
Machte geforderte Unterdriickung der darniederliegenden germanischen Krafte in 
Deutschland — und iiberall in der Welt. 

Die auBere Staatsform deutscher volklicher Selbsterhaltung ist zerschlagen, der Scheinstaat 
bis zur Wende 1933 von antigermanischen Kraften beherrscht, im Westen vom angreifenden, 
allem Deutschen noch immer feindlichen Franzosentum bedroht; dazu wird das Deutsche 
schlechtweg auch im Osten von stiirmischen Fluten umspiilt Einst wurde RuBland von 
Wikingem gegriindet, germanische Elemente dammten das Chaos der russischen Steppe und 
preBten die Bewohner in staatliche, Kultur ermoglichende Formen. Diese Rolle des 
aussterbenden Wikingerblutes iibemahmen spater die deutschen Hansen, die westlichen 
Auswanderer nach RuBland iiberhaupt; in der Zeit seit Peter dem GroBen die deutschen 
Balten, urn die Wende des 20. Jahrhunserts 

[113] HaB der Steppe 

auch die stark germanisierten baltischen Volker. Aber unter der gesittungtragenden 
Oberschicht schlummerte in RuBland stets die Sehnsucht nach grenzenloser Ausbreitung, der 
ungestiime Wille zum Niedertreten aller als bloBe Schranken empfundenen Lebensformen. 
Das mongolisch gemischte Blut kochte bei alien Erschiitterungen des russischen Lebens auch 
in starker Verdiinnung noch auf und riB die Menschen fort zu Taten, die dem Einzelnen oft 
selbst unbegreiflich erschienen sind. Diese plotzliche Umkehrung aller sittlichen und 
gesellschaftlichen Vorzeichen, die standig im russischen Leben und im russischen Schrifttum 
(von Tschaadajew bis Dostojewski und Gorki) wiederkehren, sind ein Zeichen dafur, daB 
feindliche Blutstrome miteinander ringen und daB dieser Kampf nicht friiher aufhoren wird, 
als bis eine Blutskraft iiber die andere gesiegt hat. Der Bolschewismus bedeutet die Emporung 
des Mongoliden gegen nordische Kulturformen, ist der Wunsch nach der Steppe, ist der HaB 
des Nomaden gegen Personlichkeitswurzel, bedeutet den Versuch, Europa iiberhaupt 
abzuwerfen. Die mit vielen poetischen Gaben bedachte ostbaltische Rasse erweist sich — bei 
mongolider Durchsetzung — als schmiegsamer Ton in der Hand nordischer Fiihrer oder 
jiidischer oder mongolischer Tyrannen. Sie singt und tanzt, aber mordet und tobt zugleich; sie 
ist treu ergeben, aber beim Abstreifen locker werdender Formen hemmungslos verraterisch. 
Bis sie in neue Formen, und seien sie tyrannischster Art, gezwungen wird. 

Wenn irgendwo, so zeigt sich im Osten die tiefe Wahrheit heutiger rassisch gebundener 
Geschichtsbetrachtung, aber zugleich die groBe Stunde der Gefahr, in der sich bereits die 
Substanz der nordischen Rasse befmdet. Diese im Inneren jedes Landes nagenden Krafte und 
die aufgeriihrten Fluten der Unterwelt ergeben fur jeden um die Gesamtkultur Europas 
Besorgten eine einheitliche Front nordischer' Schicksalsverbundenheit, die quer hindurchgeht 

[114] Mythus des Blutes 

durch die heutige sogenannte Front der Sieger und der Besiegten des Weltkrieges (dariiber im 
dritten Buche). Diese Erkenntnis legt aber alien tiefer Forschenden eine groBe Pflicht auf und 
fordert die Entfaltung ungewohnlicher Charakterkrafte. 

Einst fanden Urchristen den starken Glauben, alle Martern und Verfolgungen auf sich zu 
nehmen. Und sie siegten. Als Rom diese Taten miBbrauchte, erstanden neue glaubensstarke 
Hunderttausende in Europa, die noch auf dem Scheiterhaufen fiir freien Glauben und freies 
Forschen kampften. Andere lieBen sich von Haus und Heimat vertreiben, sie lieBen sich mit 
Negern und Tiirken an die Galeeren Schmieden, sie kampften als Stedinger und Waldenser bis 



zum letzten Mann um ihr arteigenes Dasein. Und schufen alle Grundlagen abendlandisch- 
nordischer Kultur. Ohne Coligny und Luther kein Bach, kein Goethe, kein Leibniz, kein Kant. 
Wobei der treuherzige Bibelglaube der Protestanten heute ebenso unwiederbringlich dahin ist 
wie einst der Glaube an die "gottliche Berufung der Kirche" dahingesunken war. 

Heute erwacht aber ein neuer Glaube: der Myrhus des Blutes, der Glaube, mit dem Blute auch 
das gottliche Wesen des Menschen iiberhaupt zu verteidigen. Der mit hellstem Wissen 
verkorperte Glaube, daB das nordische Blut jenes Mysterium darstellt, welches die alten 
Sakramente ersetzt und iiberwunden hat. 

Und nach einer Riickschau von fernster Vergangenheit bis auf die jiingste Gegenwart breitet 
sich vor unserem Blick folgende Vielgestaltigkeit nordischer Schopferkraft: aus: das arische 
Indien beschenkte die Welt mit einer Metaphysik, wie sie an Tiefe noch heute nicht 
erreicht worden ist; das arische Persien dichtete uns den religioseniosen Mythus, von 
dessen Kraft wir alle noch heute zehren; das dorische Hellas ertraumte die Schonheit auf 
dieser Welt, wie sie in der uns vorliegenden in sich 

[115] Die Mannigfaltigkeit nordischer Kulturen 

ruhenden Vollendung nie mehr verwirklicht wurde; das italische Rom zeigte uns die formale 
Staatszucht als Beispiel, wie eine menschliche bedrohte Gesamtheit sich gestalten und wehren 
muB. Und das germanische Europa beschenkte die Welt mit dem leuchtendsten Ideal des 
Menschentums: mit der Lehre von dem Charakterwert als Grundlage aller Gesittung, mit dem 
Hochgesang auf die hochsten Werte des nordischen Wesens, auf die Idee der 
Gewissensfreiheit und der Ehre. Um diese wurde auf alien Schlachtfeldern, in alien 
Gelehrtenstuben gekampft, und siegt diese Idee im kommenden groBen Ringen nicht, so 
werden das Abendland und sein Blut untergehen wie Indien und Hellas einst auf ewig im 
Chaos verschwanden. 

Mit dieser Erkenntnis, daB Europa in alien seinen Erzeugnissen schopferisch gemacht worden, 
ist allein vom Charakter, ist das Thema sowohl der europaischen Religion als auch der 
germanischen Wissenschaft, aber auch der nordischen Kunst, aufgedeckt. Sich dieser 
Tatsache innerlich bewuBt zu werden, sie mit der ganzen Glut eines heroischen Herzens zu 
erleben, heiBt die Voraussetzung jeglicher Wiedergeburt schaffen. Diese Erkenntnis ist die 
Grundlage einer neuen Weltanschauung, eines neu-alten Staatsgedankens, der Mythus eines 
neuen Lebensgefuhls, das allein uns die Kraft geben wird zur Niederwerfung der angemaBten 
Herrschaft des Untermenschen und zur Erschaffung einer alle Lebensgebiete durchdringenden 
arteigenen Gesittung. 



Eine Kritik der reinen Vemunft hat den Zweck, uns die formal en Voraussetzungen jeder 
moglichen Erfahrung zum BewuBtsein zu fiihren und die verschiedenen tatigen Krafte des 
Menschen auf ein bestimmtes, ihnen allein iibergelassenes Gebiet einzuschranken. Das 
AuBerachtlassen der 

[116] Jede Rasse hat ihre Seele 

erkenntniskritischen Einsichten hat zu den groBten Verwilderungen auf alien Gebieten 
gefuhrt; deshalb bedeutete die Erkenntniskritik Kants das hellbewuBte Erwachen inmitten 
einer Zeit, die der religios-scholastischen, platt-naturalistischen oder schwiil-sensualistischen 



Systeme miide zu werden begann. Bei Anerkennung dieser hochsten Leistung der 
Vernunftkritik ist jedoch iiber das Formale hinaus, iiber die innere Art und Weise des 
Gebrauchs der seelischen und der Vemunftkrafte noch nichts ausgemacht, d. h. eine Wertung 
des innersten Wesens der verschiedenen Kulturen und Weltanschauungen nicht einbegriffen. 
Das hatten romisches System, Judentum, islamitischer Fanatismus zur Geniige besorgt. Im 
tiefsten Innern wird auch ein Kulturvolk niemand das Recht einraumen, iiber seine 
Schopfungen mit dem Zensorwort gut und schlecht, richtig und falsch abzuurteilen. Kulturen 
sind eben nicht Dinge, die aus nebelhaften Femen als abgezirkelte Kulturkreise sich bald — 
man weiB nicht warum — auf eines, bald auf ein anderes Gebiet der Erde niedersenken, 
sondern sind blutvolle Schopfungen, die d a sind, jede in ihrer Weise (rational und irrational) 
metaphysisch verwurzelt, um ein unfaBbares Zentrum gruppiert, auf einen Hochstwert 
bezogen, und alle besitzen, selbst bei spaterer Umfalschung, einen lebensspendenden 
Wahrheitsgehalt. Jede Rasse hat ihre Seele, jede Seele ihre Rasse, ihre eigene innere und 
auBere Architektonik, ihre charakteristische Erscheinungsform und Gebarde des Lebensstils, 
ein nur ihr eigenes Verhaltnis zwischen den Kraften des Willens und der Vemunft. Jede Rasse 
ziichtet letzten Endes nur ein hochstes Ideal. Wird dieses durch andere Zuchtsysteme, durch 
iiberwiegendes Einsickem fremden Blutes und fremder Ideen verwandelt oder gar entthront, 
so ist die Folge dieser inneren Umwandlung auBerlich durch ein Chaos, Epochen der 
Katastrophen gekennzeichnet. Denn ein Hochtswert fordert eine bestimmte, durch ihn 
bedingte Gruppierung 

[117] Wesen der neuen Kulturdeutung 

der anderen Lebensgebote, d. h. er bestimmt den Daseinsstil einer Rasse, eines Volkes, einer 
dieser Nation verwandten Volkergruppe. Seine Beseitigung bedeutet deshalb die Auflosung 
des gesamten inneren organisch-schopferischen Spannungszustandes. 

Nach solchen Katastrophen kann es geschehen, daB sich die Krafte der Seele erneut um das 
alte Zentrum herum gruppieren und unter neuen Bedingungen auch eine neue Daseinsform 
gebaren. sei es nun nach endgiiltigem Siege iiber die fremden, fur eine Zeitlang 
hereingebrochenen Werte, sei es nach Duldung eines zweiten Zentrums der Kristallisation 
neben sich. Ein raumliches und zeitliches Nebeneinander aber zweier oder mehrerer auf 
verschiedene Hochstwerte bezogenen Weltanschauungen, an denen die g 1 e i ch e n 
Menschen teilhaben sollen, bedeutet eine unheilverkiindende Zwischenlosung, die den Keim 
eines neuen Zusammenbruchs in sich tragi. Gelingt es dem eingedrungenen System, den 
Glauben an die alien Ideen zu Schwachen und den Trager dieser Ideen, die Rassen und 
Volker, auch physisch zu zersetzen und zu unterjochen, so bedeutet das den Tod einer 
Kulturseele, die dann auch in ihrer auBeren Verkorperung vom Erdboden verschwindet. 

Das Leben einer Rasse, eines Volkes, ist keine sich logisch entwickelnde Philosophic, auch 
kein sich naturgesetzlich abwickelnder Vorgang, sondern die Ausbildung einer mystischen 
Synthese, einer Seelenbetatigung, die weder durch Vernunftschliisse erklart noch durch 
Darstellung von Ursache und Wirkung begreiflich gemacht werden kann. Eine Kultur auf ihr 
Inneres hin deuten, besteht deshalb im BloBlegen des religiosen, sittlichen, philosophischen, 
wissenschaftlichen oder aesthetischen Hochstwertes, der ihren ganzen Rhythmus bestimmt, 
zugleich aber auch die Beziehungen und Einordnungen der menschlichen Krafte 
untereinander bedingt. Ein vornehmlich religios eingestelltes 

[118] Drei feindliche Systeme 



Volk wird eine andere Kultur gebaren, als eines, dem Erkenntnis oder Schonheit die 
Daseinsform vorschreiben. Letzten Endes ist denn auch jede iiber eine formale Vemunftkritik 
hinausgehende Philosophie weniger ein Erkenntnis, als ein Bekenntnis; ein seelisches und 
rassisches Bekenntnis, ein Bekenntnis zu Charakter werten. 

Unser heutiges chaotisches Zeitalter ist seit Jahrhunderten heraufbeschworen worden. Dank 
gewissen Umstanden ist es gelungen, die Lebensgesetze der nordisch bedingten Volker durch 
das Eingreifen anderer Krafte zu schwachen, an vielen Stellen uns den Glauben an die 
eigenen hochsten Wertsetzungen zu nehmen, oder diese in ein neues System als 
untergeordnete Faktoren einzuordnen. Gegen diese Verfallserscheinungen stand die 
Rassenseele Nordeuropas in ununterbrochenem Kampfe. Bis sich trotzdem neue, ihr 
feindliche Kraftzentren bildeten. 

Das 19. Jahrhundert zeigte in ganz Europa drei Systeme ausgebildet nebeneinander bestehend. 
Das eine war das urspriingliche, auf Freiheit der Seele und der Idee der Ehre ruhende 
nordische Abendland; das andere das vollendete romische Dogma der demutsvollen, 
unterwiirfigen Liebe im Dienste einer einheitlich regierten Priesterschaft; das dritte war der 
offene Vorbote des Chaos: der schrankenlose, materialistische Individualismus mit dem Ziel 
einer wirtschaftspolitischen Weltherrschaft des Geldes als einigende, typenbildende Kraft. 

Diese drei Machte rangen und ringen um die Seele eines jeden Europaers. Zu Kampf und Tod 
rief man auch im letzten Jahrhundert im Namen von Freiheit, Ehre und Volkstum. Gesiegt 
hatten aber 1918 die Machte der Plutokratie und die romische Kirche. Mitten im furchtbarsten 
Zusammenbruch erwachte jedoch die alte nordische Rassenseele zu neuem, hoheren 
BewuBtsein. Sie begreift endlich, daB es ein gleichberechtigtes Nebeneinander 

[119] Keine "voraussetzungslose Wissenschaft" 

verschiedener — sich notwendig ausschlieBender — Hochstwerte nicht geben darf, wie sie es 
einst in groBherziger Weise zu ihrem heutigen Verderben glaubte zugestehen zu konnen. Sie 
begreift, daB sich rassisch und seelisch Verwandtes eingliedem laBt, daB aber Fremdes 
unbeirrbar ausgesondert, wenn notig niedergekampft werden muB. Nicht well es "falsch" oder 
"schlecht" an sich, sondem well es artfremd ist und den inneren Aufbau unseres Wesens 
zerstort. Wir empfmden es heute als Pflicht, uns bis zur letzten Klarheit Rechenschaft iiber 
uns selbst zu geben, uns entweder zu dem Hochstwert und den tragenden Ideen des 
germanischen Abendlandes zu bekennen, oder uns seelisch und korperlich wegzuwerfen. Fiir 
immer. 

Der w i r k 1 i ch e Kampf von heute geht also nicht so sehr um auBere Machtverschiebungen 
bei innerem KompromiB wie bisher, sondem umgekehrt um den Neuaufbau der seelischen 
Zellen der nordisch bestimmten Volker, um die Wiedereinsetzung jener Ideen und Werte in 
ihre Herrscherrechte, denen alles entstammt, was fiir uns Knltur bedeutet, und um die 
Erhaltung der rassischen Substanz selbst. Die politische Machtlage kann vielleicht noch lange 
zu unseren Ungunsten welter verschoben werden. Ist aber erst einmal ein neuer und doch 
wieder uralter Typus des Deutschen irgendwo erlebt und erschaffen worden, der seelen-, 
rassen- und geschichts-bewuBt die alt-neuen Werte unbeirrbar verkiindet und verkorpert, so 
wird sich um dieses Zentrum alles scharen, was auch nur dunkel sucht und noch im 
altheimatlichen Boden Europas wurzelt. 

Dies sei vorausgeschickt, um gleich anfangs zu bekennen, daB keine "voraussetzungslose 
Wissenschaft" vorgetauscht werden soil, wie es wissenschaftliche Dunkelmanner gewohnlich 



taten und tun, um ihren Anschauungen den Anstrich von allgemeingiiltigen Lehrsatzen zu 
geben. Es gibt keine voraussetzungslose Wissenschaft, sondem nur Wissenschaft mit 
Voraussetzungen. . . 

[120] Keine "Kunst an sich" 

Die eine Gruppe der Voraussetzungen sind die Ideen, Theorien, Hypothesen, welche die 
zersplitterten suchenden Krafte nach einer Richtung lenken und durch das Experiment auf 
ihren sachlichen Wahrheitsgehalt gepriift werden. Diese Ideen sind rassisch ebenso bedingt 
wie die willenhaften Werte. Denn eine bestimmte Seele und Rasse tritt dem Weltall mit einer 
auch besonders gearteten Fragestellung entgegen. Fragen, die ein nordisches Volk stellt, 
bilden fiir den Juden oder den Chinesen iiberhaupt kein Problem. Dinge, die dem Abendlander 
zum Problem werden, erscheinen anderen Rassen als geloste Ratsel. 

Auf alien demokratischen Konzilien hort man noch heute den Lehrsatz von der 
"Internationalitat der Kunst und Wissenschaft" verkiinden. Die geistig Armen, die das ganze 
19. Jahrhundert mit diesen Zeugnissen der Lebensfremdheit und rasselosen Wertelosigkeit 
blamiert haben, kann man natiirlich nicht mehr iiber die Beschranktheit dieser 
"Allweltlichkeit" belehren. Das junge Geschlecht aber, das diesem Treibhauswesen den 
Riicken zu kehren beginnt, wird nach einem einzigen unbefangenen Hinschauen auf die 
Mannigfaltigkeit der Welt entdecken, daB es eine "Kunst an sich" nicht gibt, nie begeben hat 
und niemals geben wird. Kunst ist immer die Schopfung eines bestimmten Blutes, und das 
formgebundene Wesen einer Kunst wird nur von Geschopfen des gleichen Blutes wirklich 
verstanden; anderen sagt es wenig oder nichts (dariiber im zweiten Buche Naheres). Aber 
auch die "Wissenschaft" ist eine Folge des Blutes. Alles, was wir heute ganz abstrakt 
Wissenschaft nennen, ist ein Ergebnis der germanischen Schopferkrafte. Dieser nordisch- 
abendlandische Gedanke einer auf Gesetze zuriickzufuhrenden Folge von Ereignissen im 
Weltall, die Erforschung dieser Gesetzlichkeit, ist nicht nur nicht eine "Idee an sich", auf die 
jeder Mongole, Syrier und Afrikaner auch verfallen miiBte, sondem ganz im Gegenteil: dieser 
(in anderer Form im nordischen Hellas aufgetauchte) 

[121] Heroische Wissenschaft! 

Gedanke sah sich durch Jahrtausende hindurch der wiitendsten Gegnerschaft der vielen 
fremden Rassen und ihrer Weltanschauungen gegeniiber. Die Idee der Innergesetzlichkeit und 
der Eigengesetztichkeit war ein Schlag ins Gesicht aller Anschauung, die auf der 
willkiirlichen Gewaltherrschaft: eines oder vieler mit Zauberkraft ausgestatteter Wesen ihr 
Weltbild aufbaute. Aus einer Weltanschauung, wie sie uns der alttestamentliche Jahwe 
vermittelt, konnte ebensowenig eine Wissenschaft unserer Pragung entwachsen, wie aus dem 
Damonenglauben und Evolutionshypothesen afrikanischer Menschen. Aus diesem ewig 
fremden Gegensatz heraus ergab sich auch der Kampf des romisch-kirchlichen Systems gegen 
die germanische Wissenschaft. Diese ist ihren glanzenden Gang durch Strome eigenen, aber 
von Rom vergossenen Blutes gegangen. Fromme nordische Monche, die dem Zeugnis des 
weltaufsaugenden Auges mehr Wert zumaBen als vergilbten Syrischen pergamenten, wurden 
mit Gift, Kerker und Dolch verfolgt, sieh Roger Bacon, si eh Scotus Erigena ... Das was wir 
heute "die Wissenschaft" nennen, ist ureigenste; germanische Rassenschopfung, sie ist nicht 
irgendein technisches Ergebnis, sondem die Folge einer einzigartigen Form der Fragestellung 
an das Weltall. Wie Apollon dem Dionysos, so stehen Kopernikus, Kant, Goethe dem 
Augustinus, Bonifaz VIII., Pius IX. gegeniiber. Wie das Manadentum und die Phallussitten 
altgriechische Gesittung zu zersetzen strebten, so durchkreuzten etmskische Hollenlehre und 
Hexenwahn moglichst jede Regung nordischer Welterkenntnis. Mit der Erzahlung von der 



Austreibung der bosen Geister aus den Sauen durch Jesus heftete sich diese Syrische Magie 
bis auf heute an das Christentum; Hollen- und Himmelfahrt, Hollenfeuer und Hollenqualen 
wurden fortan christliche Wissenschaft, die "succubi" und "incubi" feststehende 
wissenschaftliche Lehren, und es war nicht folgerichtig, daB Rom die Biicher, die sich zu 
Kopernikus' 

[122] 

Forschung und Damonie 

heliozentrischer Lehre bekannten, endlich doch 1827 (! !) vom Index strich. Denn auf Grund 
romischer "Wahrheit" ist nur ihre Lehre wirkhche Wissenschaft. DaB sie durch fast zwei 
Jahrtausende diese Anschauung trotz alien BlutvergieBens nicht durchsetzen konnte, muBte 
sie zahneknirschend dulden, sie ist jedoch auch heute ununterbrochen am Werk, den 
nordischen Forschungsgeist durch die alten Zauberlehren zu vergiften. Die deutlichste 
Verlebendigung dieses Versuches ist der Jesuitenorden mit seinen "wissenschaftlichen" 
Abteilungen. Der Jesuit Cathrein erklarte: "Wenn einmal eine Wahrheit durch den Glauben 
sicher feststeht (was "feststeht", dariiber bestimmt Rom), so ist jede widersprechende 
Behauptung falsch und kann deshalb auch nie das Resultat wahrer Wissenschaft sein ..." Und 
der moderne Theoretiker jesuitischer "Wissenschaft", Dr. J. Donat, Professor in Innsbruck, 
erklart jeden Zweifel an Glaubenswahrheiten als unstatthaft. "Traurig ist es um eine 
Wissenschaft bestellt", ruft er aus, "die nichts anderes zu bieten vermag, als ewiges Suchen 
nach der Wahrheit."* 

Deutlicher laBt sich die tiefe Verschiedenheit in der Geisteshaltung wohl kaum aufzeigen, als 
durch diese Worte eines ganz in syrischer Damonie untergegangenen alpinen Menschen: sie 
bedeuten nicht weniger als den Anspruch auf das Recht der Vemichtung des germanisch- 
europaischen Forscherwillens im Namen eines willkiirlichen Lehrsatzes. Noch ein anderes 
Beispiel zeigt die heutige Gefahr, die Anerkennung innerer Gesetzlichkeit durch Einfuhrung 
von willkiirhafter Spekulation in ein Chaos zu verwandeln: die heutige Finanz" wissenschaft". 

Der europaische Forscher, sobald er eine Entdeckung;praktisch zu verwerten trachtet, zielt 
doch immer auf eine wirkliche Leistung ab, die er in das Weben von Ursache und Wirkung, 
Grund und Folge, als etwas Erzeugtes, 

*"Die Freiheit der Wissenschaft", 1910. 

[123] Zahlenzauberei des Borsenbetriebs 

Erschaffenes hineingestellt sehen will. Er empfmdet Arbeit, Erfmdung und Besitz als 
gesellschaftbildende Krafte inmitten einer rassischen, volkischen oder staatlichen 
Gemeinschaft; selbst Amerikaner wie Edison und Ford bekennen sich zu dieser seelischen 
Einstellung. Auch die Borse hatte friiher nur den einen Sinn, einen reibungslosen Ubergang 
zwischen Tat und Folge, zwischen Erfmdung, Erzeugnis und Absatz zu ermoglichen. Sie war 
ein ahnliches Hilfemittel wie das Geld. Aus dieser dienenden Stellung ist heute eine ganz 
andere Funktion erwachsen. Die "Borsen-und Finanzwissenschaft" ist gegenwartig ein Spiel 
mit vorgetauschten (fiktiven) Werten, eine Zahlenzauberei, eine von gewissen Kreisen 
systematisch durchgefiihrte Storung zwischen der Umschaltung von der Erzeugung zum 
Absatz geworden. Die Herren der heutigen Borse wirken mit Massenhypnosen durch falsche 
Nachrichten, durch Panikerzeugung; sie peitschen bewuBt alle pathologischen Triebe hoch 
und aus einer natiirlichen Vermittlungstatigkeit im Wirtschaftsgetriebe ist Willkiir, 



Weltzersetzung geworden. Diese "Finanzwissenschaft" ist nun auch nicht international, 
sondern ist rein jiidisch und die Wirtschaftskrankheit aller nordisch bestimmten Volker 
kommt daher, daB sie sich bemiihen, diese syrische, naturwidrige, aus Schmarotzerinstinkten 
stammende Willkiir in ihr Lebenssystem einzufiigen. Etwas, das, wenn es bis ans Ende 
gelingen sollte, die restlose Zerstorung aller natiirlichen Voraussetzungen unseres Lebens 
nach sich ziehen muB. Die "Wissenschaft" des Dawes-Gutachtens, der Uberwachung des 
politischen Nachrichtendienstes durch Bankiers und ihre presse ist antigermanisch bis ins 
Mark hinein und befindet sich deshalb auch in bewuBter Todfeindschaft zu den groBen 
deutschen Denkem des nordischen Wirtschaftswesens, d. h. zu Adam Miiller. Adolf Wagner, 
Friedrich List. Hier zeigt sich auch das Wesen des jiidischen Marxismus, der gegen "den 

[124] Wissenschaft als Wertung 

Kapitalismus" kampft, das Zentrum dieses Kapitalismus aber, die Borsen-Finanz, unberiihrt 
laBt. 

Die Voraussetzung romischer "Wissenschaft" also ist das festgelegte willkiirliche 
Zwangsglaubensgesetz der Kirche; die Voraussetzung jiidischer "Wissenschaft" ist die 
Fiktion, auf deutsch: derBetrug; die Voraussetzung germanischer Wissenschaft: ist die 
Anerkennung einer in verschiedenen Folgen sich offenbarenden GesetzmaBigkeit des Weltalls 
und der Menschenseele. Diese Be- und Erkenntnisse sind aber grundlegend fur die Bewertung 
des gesamten Lebens, auch jener Ereignisse, die (wie Somnambulie, Hellsehen usw.) sich 
noch nicht restlos in diese Betrachtungsweise einfiigen lassen. 

Und das heiBt alles: wenn wir heute von Erkenntnissen und Bekenntnissen sprechen, so 
machen wir immer ganz bestimmte Voraussetzungen. Wir untersuchen die verschiedenen 
Hochstwerte, die urn die Seel en aller Europaer ringen, stellen die jeweilige Architektonik der 
auf diese Hochstwerte bezogenen Krafte fest und bekennen uns zu einem dieser Systeme. 
Dieses Bekenntnis und die Zustimmung wenigstens zu den Grundgedanken derselben kann 
nur aus gleichen, verwandten, aber bisher geblendeten Seelen kommen, die anderen werden 
und miissen es ablehnen, und wenn sie es nicht totschweigen konnen, mit alien Mitteln 
bekampfen. 

Ein solches Loslosen und Ablosen des Einzelnen wie eines ganzen Volkes von noch 
machtvollen Kraften einer innerlich absterbenden Vergangenheit ist schmerzhaft und wird 
tiefe Wunden hinterlassen. Allein wir haben nur die Wahl: zu ersticken, oder den Kampf fur 
die Gesundung aufzunehmen. Diesen Kampf mit klarem BewuBtsein und starkem Willen 
einzuleiten, ist die Aufgabe unseres Geschlechts. Ihn zu vollenden ist Sache einer spateren 
Generation. 

[125] Der dogmatische Monismus 

7. 

Dem urspriinglichen Menschen ist "die Welt" als eine ursachlose (kausallose) 
Aneinanderreihung von Bildem im Raum und Empfmdungen in der Zeit gegeben. Der 
Verstand schafft dann den ursachlichen Zusammenhang, die Vernunft die Einheit des 
Mannigfaltigen durch Aufstellung leitender Ideen. Das Geflecht aus diesen Tatigkeiten 
nennen wir unsere Erfahrung. Das ist die formale Grundlage alles Lebens. Diese jedoch wird 
grundverschieden benutzt. Eine iiberwiegende Kraft der ideenbildenden Vernunft wird dazu 
fuhren, die verschiedenen Einheiten unter immer weniger zusammenfassende Ideen zu 



binden, um schlieBlich zu einem einzigen Grundsatz der Welterklarung zu gelangen. Dieser 
formale Monismus wiederum auBert sich verschieden, je nachdem man die Idee Welt aus der 
Idee der Materie (absolute Materie, also eine vollkommene Abstraktion, ist Idee), oder aus der 
Idee "Kraft" entstehen lassen will. Der folgerichtige Mechanist nimmt Molekiile, Atome, 
Elektronen als Urwesen an, deren verschiedenartige Form und Zusammenstellungen Geist 
und Seele schaffen; der folgerichtige Energetiker anerkennt Materie nur als latente, geballte 
Kraft, die sich als elektrische, Licht- oder Warmeschwingung entladet. sowohl der 
materialistische wie der spiritualistische Monist ist Dogmatiker, well er iiber das letzte formal 
sowohl als stofflich erscheinende Urphanomen der "Welt" mit einer einzigen, dafur aber alles 
entscheidenden Behauptung hinweggeht, sei diese Behauptung nun philosophischer, 
wissenschaftlicher Lehrsatz oder ein religioser Glaube. Dieses Urphanomen ist, auch nach 
Uberwindung der Vielfachheit (Pluralismus), die Polaritat aller Erscheinungen, aber auch 
aller Ideen. Die Zwiefachheit alles Seins zeigt sich physikalisch als Licht und Schatten, heiB 
und kalt, endlich und unendlich; geistig als wahr und unwahr; moralisch als gut und bose (was 
nur insofern 

[126] Polaritat — ein Urphanomen 

bestritten werden kann, als die Begriffe sich auch auf etwas auBer ihnen beziehen); dynamisch 
als Bewegung und Ruhe; als positiv und negativ; religios als gottlich und satanisch. Polaritat 
bedeutet Stets Gleichzeitigkeit der Gegensatze, deren beide GroBen und Gegebenheiten also 
nicht als n a ch einander hervortretend zu erklaren sind. Der Begriff des Guten ist ohne den 
des Bosen iiberhaupt nicht faBbar, erhalt erst durch ihn Begrenzung, d. h- Gestalt. "Negative" 
Elekteizitat erscheint stets gleichzeitig mit "positiver"; beide Formen sind gleich positiv, nur 
mit umgekehrtem Vorzeichen. Nein setzt Ja und Geist ist als Idee gleichzeitig mit der Idee der 
Korperhaftigkeit gegeben. Ein ursachlicher Zusammenhang ist also bis zu den letzten 
Grenzen unserer vorwartstastenden Erkenntnis zwischen den polar erscheinenden Gruppen 
nirgends nachweisbar. Aus der immer bestehenden Gegensatzlichkeit von Ja und Nein aber 
entsteht alles Leben, alles schopferische, und selbst der dogmatische Monist — ob 
materialistisch oder spiritualistisch — lebt nur durch das Bestehen des ewigen Widerstreits. 
Nur im Spiegel des Korpers sieht der Spiritualist den "Geist", nur unter der Voraussetzung 
verschiedener Qualitaten kann der Materialist Formanderungen und stoffliche Verschiebung 
entdecken. 

So stehen denn auch "Ich" und "Weltall" als zwei letzte polare Bedingtheiten einander 
gegeniiber, und das Schwergewicht, welches eine Seele auf die eine oder andere (bei 
unterbewuBter Anerkennung des ewigen Gegensatzes) legt, bestimmt mit das Wesen, die 
Farbigkeit und den Rhyrhmus von Weltanschauung und Leben. Aus diesem metaphysischen 
Urgesetz alles Seins und Werdens (auch dies sind zwei polare Gegensatze, die sich rein 
erfahrungsgemaB [empirisch] gegenseitig in jedem Augenblick ausschlieBen!) folgen 
zunachst zwei Arten des Lebensgefuhls: dynamisches Wesen oder statische Wertsetzung. 

[127] Die Erschaffung Jahwes 

Eine iiberwiegend statische Weltbetrachtung wird zum Monismus irgendwelcher Art neigen; 
sie wird bemiiht sein, eine einzige geistige Zusammenschau (Synthese), ein einziges Symbol, 
ja, auch eine einzige Form des Lebens durchzusetzen gegen jede Polaritat, gegen jede 
Vielfachheit (Pluralismus). Religios wird sie einen strengen Eingottglauben (Monotheismus) 
fordern, wird diesen Einheitsgott: mit alien Eigenschaften der Kraft und Herrlichkeit 
umkleiden, wird auf ihn die Schopfung zuriickfiihren, ja das satanische Selbst wegzuerklaren 
bemiiht sein. Zu einem solchen Gott wurde Jahwe, der dann als starres, einseitiges System mit 



Hilfe der christlichen Kirche ins abendlandische Denken einbrach. Die Israeliten und Juden 
waren urspriinglich in einem durchaus pluralistischen Religionsleben befangen gewesen; ihr 
Nationalgott sorgte zwar fiir sie und sie fiir ihn, aber niemand bezweifelte, daB die "anderen 
Gotter" ebenso wirklich und wirkend waren wie Jahwe. In der Gefangenschaft der Perser erst 
erfuhren die Juden von einem allweltlichen (kosmischen) Gott und seinem Gegenpol: vom 
Lichtgott Ahura Mazda und dem finsteren Angromainyu, die dann spater zum Jahwe als dem 
Alleinherrscher und dem Satan als seinem Nebenbuhler wurden. Der Jude entledigte sich nach 
und nach aller Pluralismen, stellte Schaddai-Jahwe ins Zentrum des Alls, sich selbst als seinen 
bevollmachtigten Knecht und schuf sich durch diese Tat einen regierenden Mittelpunkt, der 
sein Denken, seine Rasse, seinen — wenn auch rein parasitaren — Typus bis auf heute 
ungeachtet aller vermischenden Grenzerscheinungen geziichtet und erhalten hat. Und selbst 
da, wo "abtriinnige" Juden Jahwe abschafften, setzten sie an seine Stelle dasselbe Wesen, nur 
unter anderem Namen. Es hieB jetzt "Menschheit", "Freiheit", "Liberalismus", "Klasse". 
Uberall wurde aus diesen Ideen der alte starre Jahwe und ziichtete unter anderen 
Bezeichnungen seine Grenadiere weiter. Da Jahwe durchaus als 

[128] Altes Testament und romisches Dogma 

stofflich wirkend» gedacht wird, so verwebt sich im Falle des Judentums starrer 
Eingottglaube mit praktischer Stoffanbetung (Materialismus) und odestem philosophischen 
Aberglauben, wofiir das sog. Alte Testament, der Talmud und Karl Marx gleiche Einsichten 
vermitteln. Diese statische Selbstbehauptung ist der metaphysische Grund fiir des Juden 
Zahigkeit und Starke, aber auch fiir seine absolute kulturelle Unfruchtbarkeit und sein 
schmarotzerhaftes Wirken. 

Diese triebhafte Statik bildet auch das Riickgrat der romischen Kirche. Sie setzt eine Formung 
(Synthese), sich selbst, als Nachfolgerin des abgesetzten "Gottesvolkes" und entwickelt die 
gleiche unbeirrbare formal-dogmatische Starrheit wie der Jahweismus oder der spatere 
semitische Mohammedanismus. Ein solches System kennt nur das "Gesetz" (d. h- die eigene 
Willkiir), nirgends Personlichkeit; wo es zur Macht gelangt, zerstort es notwendig 
Organismen, und nur der Tatsache, daB es nicht ganz siegen konnte, haben wir es zu 
verdanken, daB es noch Volker, Kulturen, kurz wirkliches Leben gibt. Wir sind sogar Zeuge 
dessen, daB die Gegenbewegung gegen das lahmende Gewicht der Kirche in Europa gewaltig 
genug war, dem jiidisch-kirchlich-romischen Grundsatz einen bleibenden seelischen 
Pluralismus anzugliedern, dem zuliebe allein Telle der abendlandischen Volker auch das 
starre Zentrum mit in den Kauf genommen haben, so daB man mit Fug und Recht vom 
Katholizismus und seinen Heiligen (als Religionserscheinung, nicht als Kirche und 
machtpolitischem Einheitsbund) als von einem polytheistisch bedingten Glauben sprechen 
kann. Immerhin hat aber sein Zentrum eine monistisch-statische Einstellung in Europa 
gestarkt und durch die Anerkennung des Neuen auch den Geist des sog. Alien Testaments in 
den urspriinglich individualistischen Protestantismus geschmuggelt. 

Der Protestantismus offenbart sich von Anfang an als geistig gespalten. Als 
Abwehrbewegung betrachtet, 

[129] Buchstabenglaube im Protestantismus 

bedeutete er das Aufbaumen des germanischen Freiheitswillens, des nationalen Eigenlebens, 
des personlichen Gewissens. Fraglos hat er fiir all das den Weg gebrochen, was wir heute 
Werke unserer hochsten Kultur und Wissenschaft nennen. Religios aber hat er versagt, well er 
auf halbem Weg stehen blieb und an die Stelle des romischen das jerusalemitische Zentrum 



setzte: das Herrscherrecht des Buchstabens versperrte das Hervorbrechen jenes Geistes, den 
einst Meister Eckehart verkiindigte, jedoch auch noch nicht gegeniiber Inquisition und 
Scheiterhaufen durchsetzen konnte. Luther vollbrachte, als er in Worms die Hand zugleich 
auf das Neue und Alte Testament legte, eine von seinen Anhangern als sinnbildlich 
betrachtete und als heilig verehrte Tat. Am Buchstaben dieser Biicher wurde fortan die 
Glaubigkeit und der Wert des Protestanten gemessen. Wieder lag der Wertmesser fiir unser 
Seelenleben auBerhalb des deutschen Wesens, wenn auch erdkundlich nicht so klar 
feststellbar wie im Falle des "Antichrist" in Rom. Luthers Begegnung mit Zwingli zeigt, wie 
sehr er noch an den alten Fesseln zu tragen hatte. Seine stoffanbetende Abendmahlslehre 
schleppen wir in der protestantischen Glaubensfassung bis auf heute mit uns. Erst sehr spat 
entledigt sich Luther der " Jiiden und ihrer Liigen" und erklarte daB wir mit Moses nichts mehr 
zu schaffen hatten. Aber unterdes war die "Bibel" ein Volksbuch und die alttestamentliche 
"Prophetic" Religion geworden. Damit war die Verjudung und Erstarrung unseres Lebens um 
einen Schritt vorwarts getrieben, und es ist kein Wunder, daB fortan blonde deutsche Kinder 
allsonntaglich singen muBten: "Dir, dir, Jehova, will ich singen; denn wo ist wohl ein solcher 
Gott wie du ..." 

Die Juden hatten (wie so vieles andere) die Vorstellung eines allweltlichen (kosmischen) 
Gottes den Persem entlehnt. Hier fmden wir das gewaltigste Zeugnis fur die religios- 
philosophische Anerkennung des polaren Seins. 

[130] Der persische Weltheiland 

Das groBe kosmische Drama vollzieht sich in einem viele Weltenalter dauernden Ringen 
zwischen dem Licht und der Finsternis, bis — wie friiher ausgefuhrt — nach einem 
furchtbaren Kampf der Weltheiland, der Caoshianc, kommt und die schwarzen von den 
weiBen Schafen sondert, also eine Gestalt, als welche Jesus einer spateren Welt erschien. Die 
Dramatik muB natiirlich einen Hohepunkt im Siege fmden, aber nirgends ist die Dynamik des 
Seelischen bewuBter und groBartiger niedergelegt, als hier in der alt-persischen Lehre. Und 
darum erscheint uns, die wir heute die fremde Statik alles Jerusalemitischen abzustreifen 
beginnen, neben den Sagen der nordischen Volker dieses Drama Persiens als ur- und 
nahverwandt. Die iiberweltliche (metaphysische) Vorstellung paart sich zudem mit einer 
herben Sittenlehre und erganzt eine Seelengemeinschaft in religios-sittlicher Beziehung, wie 
sie von je von bewuBt nordischen Menschen empfunden worden ist. 

Der germanische Mensch hat sich bei seinem Auftreten in der Weltgeschichte zunachst nicht 
mit Philosophic abgegeben. Aber wenn etwas bezeichnend ist fur sein Wesen, so die Dynamik 
seines inneren und auBeren Lebens, naturnotwendig gepaart mit der Abneigung gegen einen 
irgendwie gearteten bewegungslosen Monismus; gegen eine Art kirchlicher Erstarrung, wie 
sie ihm spater durch technische und diplomatische Uberlegenheit von Rom aufgezwungen 
wurde zu einer Zeit der Schwache, da eine Jugendepoche seiner Rasse zu Ende ging, die alten 
Gotter im sterben begriffen waren und neue gesucht wurden. 

Lief die Auseinandersetzung zwischen Europa und Rom auf ein KompromiB hinaus, das als 
solches jetzt trotz vieler Emporungen iiber 1500 Jahre andauert (aber bloB deshalb nicht so 
schwer empfunden wird, well die alten hauslichen Gebrauche doch noch fortbestehen, wie sie 
vor der Christianisierung geiibt wurden, und nur eine neue Deutung erhielten), so erwies sich 
dieses KompromiB auf 

[131] Verschiedener Wirklichkeitsbegriff 



den Gebieten der Kunst, Philosophie und Wissenschaft als unmoglich. Hier ist der Kampf am 
bewuBtesten und am zahesten gefiihrt worden und hat mit der Niederlage des Index- und 
Scheiterhaufenterrors geendet, selbst wenn dies noch nicht in das BewuBtsein der trager 
empfmdenden Massen — auch der verbildeten Gebildeten — eingedrungen ist. Hier offenbart 
sich der europaische Geist in seiner ganzen Dynamik und in seiner klar Scheidenden polaren 
Daseinserfassung, zugleich aber zeigt sich, daB ein Streit um Formen den nordischen 
Europaer weniger bewegt hat als die Wahrhaftigkeit als innerer Charakterwert, wie er in der 
Wissenschaft und Philosophie Voraussetzung war. 

Die Grundtatsache des nordisch-europaischen Geistes ist die bewuBt oder unbewuBt 
vorgenommene Scheidung zweier Welten, der Welt der Freiheit und der Welt der Natur. In 
Immanuel Kant gelangte dieses Urphanomen der Denkmethodik unseres Lebens zum 
lichtesten BewuBtsein und darf nimmermehr unseren Augen entschwinden. Dieses 
Selbsterwachen bezeugt aber eine ganz besondere Auffassung dessen, was als "wirklich" 
anzusehen ist. Dem spaten Inder loste sich zum SchluB das ganze Universum in Symbolik auf; 
auch das Ich wurde schlieBlich nur die Andeutung eines ewig Gleichen. "Wirklich" war fiir 
den indischen Metaphysiker nicht eine in unserem Sinne in die Kette von Ursache und 
Wirkung oder Tat und Folge einzureihende umschreibbare Tatsache, sondem die rein 
subjektive Annahme in bezug auf ein Geschehnis oder eine Erzahlung. Deshalb verlangt der 
Inder fur die Wundertaten der Rama oder Krischna keinen Glauben wie an Tatsachlichkeiten, 
sondem erklart jene in dem Augenblick fur "wirklich", in welchem an sie geglaubt wird. Auf 
Grund dieser Auffassung von Wirklichkeit verwandeln sich auf dem indischen Theater 
widerspruchslos Madchen in Blumen, ihre Arme in Lianenranken und Gotter in tausenderlei 
menschliche Gestalten ... Da als Symbolik 

[132] Hadrian als Soldat und Heiland 

vom Glauben abhangig, wird das "Wunder" seiner stofflichen Bedeutung entkleidet. Anders 
fur den Menschen im Osten des Mittelmeeres. Hier wurde die Freiheit als Zauberakt in die 
Natur hineingetragen und die Geschichte dieser Lander ist iiberfullt von rein stofflich 
geglaubten "wirklichen" Wundern. Ein klares Beispiel fur das BewuBtsein, zwei verschiedene 
Welten zu beherrschen, gibt uns Hadrian. Im germanisch bestimmten Nordwesten seines 
Weltreiches zeigt er sich als heroischer Diener des Staates, macht alle Strapazen der Reise wie 
der einfache Soldat mit, ist Herr und Gebieter, nicht aber Gott und Wundertater. Als Solcher 
erscheint der kluge Menschenkenner aber bei seinen Reisen durch afrikanische, Syrische, 
hellenistische Gegenden. So wurde Hadrian im Siiden und Siidosten des Reiches als Heiland 
angebetet, wurde in die Leitung der eleusischen Mysterien aufgenommen, lieB sich ruhig als 
Helios verehren, fuhrte den Antinous als Gott in Agypten ein, dessen Tod und echte 
Auferstehung dann ebenso als wirklich geglaubt und von Priestern verkiindet wurde, wie der 
Tod und die "wirkliche" Auferstehung Christi: Hadrian heilte Kranke, machte Kriippel durch 
Handauflegen gesund und die Erzahlungen iiber seine Wundertaten durchliefen als echteste 
Chronik alle Staaten des ostlichen Mittelmeeres. In den Kreis dieser im Zauberglauben 
gewisser Volkerschaften verbundenen Vermischungen von Natur und Freiheit gehoren 
natiirlich auch die christlichen Legenden, die alien Ernstes noch heute den Europaern 
verkiindet werden: "Jungfrauengeburt", stoffliche "Auferstehung" Christi, "Himmel- und 
Hollenfahrt", dazu die verschiedenen "Gesichte" katholischer Heiliger, denen die Jungfrau 
Maria ebenso wirklich erschien, wie Jesus Christus, welcher laut Bericht des Jesuiten 
Mansonius der Jungfrau Johanna ab Alexandro am 7. Juni 1598 leibhaftig erschien und seiner 
Befriediguing iiber die Arbeit "Seiner" Gesellschaft Ausdruck gab. 

[133] Kopernikus gegen Nicaa 



Wie sehr diese Zauberwelt Afrika-Asien Europa iiberschattet hatte, und alles Denken auch der 
Freiesten zu erdrosseln drohte, davon gibt Luthers Urteil iiber Kopernikus Zeugnis, den er 
einen Schwindler und Betriiger nannte, bloB well die magische Bibel es anders wollte, als der 
groBe Koppeming es lehrte. Noch immer aber haben es Millionen nicht begriffen, daB 
Kopernikus, der an die Stelle des statischen Weltbildes von der unbeweglichen Erdenscheibe 
mit dem Himmel oben und der Holle unten das dynamische der ewig kreisenden 
Sonnensysteme setzte, unsere gesamte kirchliche Zwangsglaubenslehre, die gesamte 
Hollenfahrts- und Auferstehungsmythologie restlos iiberwunden, ein fiir allemal erledigt hat. 
Das Nizaische Glaubensbekenntnis, mit Stimmenmehrheit von Monchen beschlossen, die 
zum groBen Teil nicht lesen und schreiben konnten, die Lehrsatze, zustandegekommen auf 
Raubersynoden, auf denen man mit Stockhieben religiose Fragen entschied, sind tot, innerhch 
unwahr, und nichts offenbart deutlicher die Hilflosigkeit und Unwahrhaftigkeit unserer 
Kirchen, als daB sie auf Dinge pochen, die mit Religion iiberhaupt nichts zu tun haben, daB sie 
noch Lehrsatze verteidigen, an die sie selbst nicht mehr glauben konnen. Sie haben ganz 
recht, wenn sie erklaren: daB, falls das "Alte Testament" oder das Nizaische 
Glaubensbekenntnis aus dem Bau der Kirchen gezwangt werden wiirden, dann die Ecksteine 
fehlten, der ganze Bau also Zusammenstiirzen miisse Das konnte wahr sein, aber noch nie ist 
durch eine fadenscheinige, nur auf etliche Jahrzehnte berechnete ZweckmaBigkeitsausrede ein 
Znsammenbruch verhindert worden. Im Gegenteil, je spater ein solcher eintrat, desto 
fiirchterlicher wurde er. Wenn an Gotter nicht mehr geglaubt wird, werden sie zu Gotzen. 
Wenn Formen des Lebens zu kahlen Formeln werden, dann tritt 

[134] Sein und "Offenbarung" 

seelischer Tod ein oder Revolution. Etwas anderes gibt es nicht. 

"Ich bin nicht gekommen, den Frieden zu bringen, sondern das Schwert." "Ich will ein Feuer 
entziinden auf Erden, und ich wiinschte, es brennete schon", sagte der Emporer aus Nazareth. 
Er war eine Offenbarung und die um ihre Macht spater besorgten Priester setzten diese 
Offenbarung als e i n m a 1 i g e in die Welt, stiitzten sie kunstvoll mit "erfiillten" 
Prophezeiungen, neuen Zukunftshinweisen und bemiihten sich nach Kraften, aus dem Leben 
Tod zu machen. 

8. 

Das statische Ideal fordert seinem Wesen gemaB "Ruhe". Diese Forderung aber kann sich 
dem ewigen Fluten der Natur gegeniiber nicht durchsetzen, trotz alien Leugnens dynamischer 
Lebensgebote. Das erfordert die Hinwendung auf wenige zeitlich beschrankte Augenblicke. 
Dies sind die "Offenbarungen", die dann fur eine moglichst lange Zeit zu einem "Sein" 
umgewandelt werden, zur "ewigen Wahrheit". Der dynamisch (willenhaft) empfmdende 
Mensch dagegen laBt bewuBt oder unbewuBt zwar ein "Sein" wirken, forscht aber dem 
Werden als Ausdruck des Seins nach, ohne zauberhafte, nie dagewesene "Offenbarungen" als 
"Wunder" fiir sein seelisches Erleben zu benotigen. Dieses fortdauemde "werdende" Ringen 
um das "Sein" ist germanische Religion, die sich sogar in der weltabgewandtesten Mystik 
noch bemerkbar macht. "Offenbarung" innerhalb des nordischen Fiihlens kann nur 
Steigerung, Kronung eines Werdens, nicht Vernichtung der Naturgesetze sein. Dies aber will 
die jiidische Gotteslehre ebenso wie die romische. Den Schwersten Schlag versetzten dieser 
Anschauung die germanische Wissenschaft und die nordische Kunst. Der kirchliche Jahwe ist 
nun heute tot wie Wotan vor 1500 Jahren. Zum philosophischen BewuBtsein jedoch ist 
nordischer Geist dann in Immanuel Kant gelangt, dessen wesentliches Werk in der 



[135] Freiheit-Mystik und Natur-Mechanistik 

endlich einmal durchgefiihrten Scheidung der Befugnisse von Religion und Wissenschaft 
liegt. Religion hat nur mit dem "Himmelreich in uns" zu tun, echte Wissenschaft nur mit 
Mechanistik. Physik, Chemismus, Biologie. Diese kritische Scheidung bedeutet, 
durchgefiihrt, die erste Voraussetzung fiir eine arteigene nordische Kultur; sie bedeutet aber 
auch die Uberwindung der syrisch-jiidisch bestimmten Dogmen und das Frei-Werden unseres 
polarbewuBten, dynamischenLebens: Freiheit-Mystik und Natur-Mechanistik, die allein echte 
Einheit sichert. Wenn die jetzt in Deutschland im Entstehen begriffene Erneuerungsbewegung 
eine geschichtliche Aufgabe hat, so die: die bisherigen Grundlagen unserer Kultur, soweit sie 
durch romisch-jiidische Kirchenlehren und syrisch-afrikanische Weltanschauung 
umgewandelt worden sind, vollbewuBt zu festigen und ihren tragenden Werten zum Siege zu 
verhelfen. 

Alle diese rassepsychologischen, erkenntniskritischen Uberlegungen und geschichtlichen 
Hinweise zeigen einmal eine groBe Mannigfaltigkeit der verschiedenen miteinander urn die 
Vorherrschaft ringenden Krafte rassenseelischer oder rassenchaotischer Art, dann aber auch 
eine gewisse Einheit in der Haltung der nordischen oder doch iiberwiegend nordisch 
bedingten Elemente. Auf "natursichtiger" Stufe sind alle Gotter der indogermanischen 
Volkerfamille Gotter des Himmels, des Lichts, des Tages. Der indische Varuna, der 
griechische Uranus, Gottervater Zeus und der Himmelsgott Odin, Surya (der "Strahlende") 
der Inder, Apollon-Helios und Ahura Mazda, sie alle gehoren dem gleichen Wesen auf 
gleicher arteigener Entwicklungsstufe an. Mit dieser Lichtreligion tritt den verschiedenen 
chthonisch-matriarchalisch eingestellten Rassegruppen das Paternitatsprinzip entgegen*. Auf 
einer anderen Ebene wird die Mythologie 

Wollkommen irrefiihrend ist es, wenn Herman Wirthin "Aufgang der Menschheit" gerade 
das Mutterrecht als eine urnordlich-atlantische Lebensform hinznstellen sucht, zugleich aber 
auch den Solar en Mythus als nordliches Gut anerkennt. Das Matriarchat ist Stets mit 
chronischem Gotterglauben, das Patriarchat stets mit dem Sonnenmythus verbunden. Die 
Hochschdtzung der Frau bei dem nordlichen Menschen beruht gerade auf der mdnnl ich e 
n Struktur des Daseins. Die weibliche im Vorderasien der vorchristlichen Zeit hat Stets nur 
Hetdrentum und Geschlechtskollektivismus gezeitigt. Die Beweise, die Wirth anfiihrt, Sind 
deshalb auch mehr als diirftig. 

[136] Die Leib-Seele-Einheitslehre 

heroisch-sittlich durchtrankt, mit Forscherwillen und Erkenntnissehnsucht verbunden, so daB 
die Gotter Trager verschiedener willenhafter und geistiger Antriebe werden, von dem 
Sonnengott der alten Inder, der friihmorgens nicht nur um Fruchtbarkeit, sondern auch um 
Weisheit gebeten wird, bis zu Odin, der selbst auf der Suche nach Welterkenntnis ein Auge 
opfert. Und auf der Hohe der philosophischen Durchdringung der Probleme sehen wir trotz 
tiefer Formverschiedenheiten die Upanishads, Platon und Kant zum gleichen Ergebnis der 
Idealitat von Raum, Zeit und Kausalitat gelangen. 

Die erkannte Mannigfaltigkeit ist also kein Chaos, die offenbarte Einheit ihrerseits keine 
gestaltlose, bloB logische Eins. 

Diese Erkenntnis ist von ausschlaggebender Wichtigkeit, denn sie setzt uns nicht nur in 
scharfsten Gegensatz zu alien "absoluten" "universalistischen" Systemen, die von einer 
angeblichen Menschheit aus erneut auf eine Unitarisierung aller Seelen fiir alle Zukunft 



hinaus wollen; sie bringt uns auch in einen Konflikt mit echten, neuen Kraften unserer Zeit, 
die ebenfalls ihre Toten begraben haben, mit denen wir uns vielfach Sympathisch beriihren, 
die aber in der berechtigten Abwehr eines fiirchterlichen, kahlen Rationalismus, der unsere 
Seelen zu ersticken drohte, nun glauben in "Urtiefen" fliichten, dem "Geist" als solchem den 
Kampf ansagen zu miissen, um zur "Leib-Seele-Einheit" 

[137] Ludwig Klages 

im Gegensatz zur Vernunft, Verstand, Willen, alles Zusammen "Geist" genannt, wieder 
"zuriick" zufinden. 

Ein Hinweis auf die gefiihlvolle "Riickkehr zur Natur" und die Verherrlichung des 
"primitiven", wie sie um das Ende des 18. Jahrhunderts auftauchte, liegt zwar nahe, doch ist 
er natiirlich, etwa einem Ludwig Klages oder Melchior Palagyi gegeniiber, zu billig. Das, was 
die heutige neue Seelenkunde (Psychologie) und Charakterforschung anstrebt, liegt viel tiefer; 
manchmal rufen die Auseinandersetzungen gerade nach der rassisch-seelischen Begriindung, 
um dem ganzen Gebaude eine organisch gewachsene Grundlage unterzuschieben. Einiges 
wiirde dabei zerfallen, vieles aber noch viel fester untermauert erscheinen 

Im Auftreten eines scharf abgegrenzten BewuBtseins wird die erste Entfremdung gegeniiber 
einem natiirlich-vegetativen, schopferisch-ahnungsvollen Urzustand des ehrfiirchtig- 
heldenhaften Menschen einer Urzeit erblickt. Dieser Zustand wird allein als echtes Leben 
hingestellt, welches durch rein rationale Setzungen und Satzungen verfalscht wurde. Man 
sieht schon hier am Ausgangspunkt, wie nahe und wie fremd zugleich unsere rassisch- 
seelische Weltbetrachtung und die neue Psycho-Kosmogonie sich gegeniiberstehen. Der 
Verstand ist, wie ausgefiihrt, ein rein formales, also inhaltleeres Werkzeug; seine Aufgabe 
besteht nur darin, die Kausalitatsreihe herzustellen. sieht man ihn jedoch als gesetzgebenden 
Herrscher thronen, so bedeutet dies das Ende einer Kultur. (Und zwar als Zeugnis rassischer 
Vergiftung, was von den Vitalisten iibersehen wird). Soweit herrscht Ubereinstimmung. Aber 
es ist durchaus nicht notwendig, daB die Vernunft und der Wille auf der Seite dieses Geistes 
dem Leben feindlich gegeniiberstehen. Wir sahen gerade, wie im Gegensatz zu alien 
semitoiden Volkern die Haltung der Seele, des Willens, der Vernunft seitens der nordischen 
Volker dem Universum gegeniiber eine wesentlich ahnliche war. Hier haben wir es also 

[138] Der "heroische Urzustand" 

nicht mit einem abstrakten Urmenschen zu tun, dem man eine absolute "Weltsicherheit" 
zuzuschreiben berechtigt ist, sondern mit einem klar gepragten Rassencharakter. Und es ergibt 
sich die merkwiirdige Tatsache, daB die erbitterten Bekampfer des heutigen lebenswidrigen 
Rationalismus sich selbst auf ganz rationalistische Weise einen unbewuBt schopferischen 
heldenhaften Urmenschen erschufen. 

Denn der Urzustand — wenigstens so weit wir iiberhaupt hinuntergehen konnen — ist nicht 
iiberall durch heldische Gesinnung gekennzeichnet. Das jiidische Volk beginnt mit 
Viehziichtungsgeschichten, die aber auchjeder Heldenhaftigkeit ermangeln; seinen spateren 
Auszug aus Agypten begleitet die Bibel selbst mit der Erzahlung von den den Agyptem 
gestohlenen Kostbarkeiten; in den Betriigereien und im Schmarotzertum unter den Volkern 
des "gelobten Landes" selbst zeigt sich dann ebenfalls alles andere als eine heroische Haltung. 
Eine echte Heldenhaftigkeit fehlt femer den Phoniziern, soweit sich diese auch — den Kiisten 
entlang — auf Seereisen hinaus wagten. Und verfiigt auch der reine Semit (z. B. der Araber) 
iiber Tapferkeit und Wildheit, so fehlt ihm wiederum das Merkmal des Schopferischen so gut 



wie vollkommen. Weiter haben uns die Etmsker zwar einen Haufen obszonster Gebrauche 
und Denkmaler hinterlassen, aber auch nicht einen Ansatz, der schopferische Seelische 
Fahigkeiten vermuten lieBe. Heldenhaftigkeit jedoch ist der Grundtypus aller nordischen 
Volker. Diese Heldenhaftigkeit der alten Mythenzeit aber — und das ist das 
Ausschlaggebende — ist nie verloren gegangen trotz vieler Zeiten des Niederbruchs — 
solange dieses nordische Blut noch irgendwo lebendig war. Der Heroismus nahm zwar 
verschiedene Formen an, er fiihrt vom Schwertadel Siegfrieds und Herakles zum Forscheradel 
Koppernings und Leonardos, zum Religionsadel Eckeharts und Lagardes, zum politischen 
Adel Friedrichs und Bismarcks, das Wesen ist das gleiche geblieben. 

[139] Die Phantasie J. J. Bachofens 

Die angenommene Einheit in der Vorzeit ist also nicht vorhanden, sie ist eine moderne 
Abstraktion; die Vemunft und der Wille sind ferner auch nach Beendigung eines 
"natursichtigen" Zeitalters nicht bluts- und lebensfern, soweit sie nicht iiberwuchert worden 
sind von der geistigen Dschungelhafrigkeit des vorderen Orients. Denn es ist nicht so, wie die 
neue Leib-Seelenlehre es darzustellen .sucht, als sei nur der triebhafte, erbhafte Mensch 
naturnahe, einheitlicher, lebensvoller, der geistige aber dem allem notwendig feme. Es ist 
nicht so, daB die chronische Anffassung, an der sich diese neue Lehre (von der 
ausschweifenden Poesie Backofens befruchtet) begeistert, einen besonders hohen Grad von 
Lebenstiefe und Weltsicherheit bekundet. Denn die von dem Licht- und Sonnenmythus 
ausgehenden und ihn weiter ausgestaltenden Volker kniipfen damit unmittelbar an den 
sichtbaren Hervorbringer und Hiiter alles Organischen an, da nur' aus besonnter Erbe auch die 
Lieblinge der Aphrodite und der Demeter, der Isis und der Astarte entstehen. Der 
Sonnenmythus samtlicher Arier ist nicht "geistig" allein, sondern er ist kosmische und 
naturnahe Lebensgesetzlichkeit zugleich. Gegen ihn im Nam en "triebhafter Einheit", und gar 
mit sehnsiichtigen Blicken nach Vorderasien, aufzutreten, bedeutet deshalb ein Zuriicksinken 
in rassenchaotische und seelenchaotische Zustande, jenen ahnlich, die im spaten Rom so 
unheilvoll aufbrodelten. so sehr nun aber auch unsere heutige Charakterologie und Leib- 
Seele-Einheitslehre von der naiven Naturschwarmerei Rousseaus und Tolstois sich 
unterscheidet, so ist beiden Bewegungen doch zweierlei gemeinsam: ein Kulturpessimismus 
und ein riihrender Glaube an die "Weltsicherheit" des vom "Geist" noch unverdorbenen 
Menschen. Das verfeinerte Leben, die geistige Gleichgewichtsathletik der groBen 
Aufklarungs-Enzyklopadisten schuf eine seelische Ode, rief einen inneren — dann auch 
auBeren — Widerstand gegen alle bisherigen 

[140] Das Gesetz jeder echten Kultur 

religiosen und gesellschaftlichen Setzungen hervor. Die. Rauber, Posa, Faust, Klarchen, 
Gretchen sind alle Zeugnisse dieses Sturmes und Dranges gegen Schranken und Bindungen 
im Zeichen eines Neuen, personlichen bzw. Individuellen*. Aber diese Hingabe des Ichs an 
seinen vermeintlichen natiirlichen Urgrund fiihrte entweder zur Katastrophe — von Werthers 
Idyll zu Werthers Leiden — oder zur Erkenntnis der Problematik der als so "natiirlich" 
gedachten Natur. An die Stelle des Kulturpessimismus trat ein Zweifeln an der Segensreichen 
Riickkehr zur Natur. Und diese letzte Phase wird auch den Neovitalisten nicht erspart werden, 
die der gesamten Kultur von heute, der Kultur auch von morgen, im Dienst eines rein a b s t r 
a k t e n — dies ist wichtig zu merken — Naturmystizismus den Kampf ansagen. Eine 
fruchtbare Sendung wird fur diese Bewegung nur dann erstehen konnen, wenn Sie aus dem 
verschwimmenden Universalismus, "der Natur", die organischen Gestalten, die Rassen, 
herauslost, ihren Taktschlag des Lebens erkennt, jene Bedingungen erforscht, inmitten deren 
sie schopferisch gewesen sind und unter welchen Umstanden Verfall, bzw. Minderung der 



echten seelischen StoBkraft eintrat. Dann aber wird die neue natural! stische Romantik 
Abschied nehmen miissen sowohl von einem abstrakten Universalismus — als Reaktion 
gegeniiber einem hemmungslosen rationalistischen Individualismus — als auch vom 
gmndsatzlichen HaB gegen den Willen und die Vemunft. Es gilt somit das tiefste Gesetz jeder 
echten Kultur zu erkennen: sie ist BewuBtseinsgestaltung des Vegetativ- Vital en einer Rasse. 

Eine tiefe Kluft tut sich auf zwischen diesem Vegetativen und dem Wesen des BewuBtseins, 
die dadurch hervorgerufene 

*Siehe hierzu H. A. Korff: "Die Dichtunq von Sturm und Drang", 1928. 

[141] Leben und BewuBtsein 

Spannung ist aber zugleich die Voraussetzung jeder Schopfung. Aufgerissen wird die Kluft 
durch die Tatsache, daB unser ganzes vegetativ-animalisches sein sich in einem 
ununterbrochenen FluB befmdet, unsere Wahrnehmungsfahigkeit aber unterbrechend 
(intermittierend) ist*. Nur dank der durch diese Intermittenz moglichen einzelnen 
abgeschlossenen Wahrnehmungen, Herstellung von Zeiteinteilungen, Schemen, werden die 
Voraussetzungen ebenso fiir die Sprache wie fiir jede Kunst und Wissenschaft gegeben. 
Andererseits besteht hier die tiefste vitale Wurzel fur die erkenntniskritische Feststellung 
Kants, daB Idee und Erfahrung nie ganz zusammenfallen, d. h. daB die durch die Intermittenz 
des BewuBtseins erst ermoglichte Kultur nie als restlos "vital" festgestellt werden kann. Die 
"zwei Welten" erweisen sich also auch von diesem Standpunkt aus als ein Urgesetz unseres 
ganzen polarzweifachen Seins. Erscheint somit die einzelne geniale Leistung auf alien 
Gebieten des schopferischen Daseins als eine kiinstlerische Zusammenschau von Freiheit und 
Natur, so stellt die Leistung eines ganzen Volkes diese halb qualvolle, halb beseligende 
Symbolik dieser Uberwindung des Uniiberwindlichen dar. Volkische Kulturen sind also die 
groBen "Geistespulse" inmitten des ewig flutenden Lebens und Sterbens und Werdens. 

Da nun der nordische Mensch von eben diesem werdenden Leben, vom Tage ausgeht, so ist er 
ganz "natiirlich" Vitalist. Die groBte Leistung seiner Geschichte aber war die germanische 
Erkenntnis, daB die Natur sich nicht durch Zauberei (wie Vorderasien es meinte tun 

*Sehr Schon ist das von Melchior Paldgyi in Seinen Naturphilosophichen Vorlesungen tiber 
die Grundprobleme des Bewufitseins und des Lebens", Charlottenburg 1908, dargestellt 
worden; wobei man durchaus nicht alien Schlufifolgerungen zuzustimmen braucht, die zum 
Teil ein Mifiverstehen Kants verraten. 

[142] Germanische Forschungsmethodik 

zu konnen), aber auch nicht durch Verstandesschemen (wie es das spatere Griechenland tat) 
meistern lieBe, sondern nur durch innigste Naturbeobachtung. Hier riickt denn der fromme 
Albrecht von Bollstedt (Albertus Magnus) dicht an Goethe heran; der Schwarmer Franziskus 
an den religiosen Skeptiker Leonardo. Diesen Vitalismus hat sich das germanische Abendland 
auch von der romischen Kirche nicht rauben lassen trotz Exkommunikationen, Gift und 
Scheiterhaufen. Und dieser mystische Vitalismus war zugleich kosmisch, oder umgekehrt, 
well der germanische Mensch kosmisch-solar empfand, deshalb entdeckte er auch 
Gesetzlichkeit im ewigen Werden auf der Erde. Und vielleicht ist es gerade dieses tiefste 
Gefiihl gewesen, das es ihm auch ermoglichte, sich die notwendigen Schemen der 
Wissenschaft zu zimmern, eine Ideensymbolik hervorzurufen, die allein ihm die Waffen 



schenkte, trotz der Intermittenz des stets gestaltenden BewuBtseins dieses ganz nahe an das 
"ewige FlieBen" heranzuriicken*. 

DaB heute die eine Seite diese Symbole und Schemen anbetet, bedeutet den gleichen 
Verfallszustand wie die Vergotzung des " Vitalismus" an sich. Nicht dazu wurde einst 
germanische Wissenschaft inmitten eines Heeres von neun Millionen gemordeten Ketzern als 
groBtes Gleichnis der inneren Freiheit der Gestaltung uns geschenkt, urn die mit ihr fiir immer 
zusammengehorigen Teile und Methoden zu verdammen oder zum Idol zu erheben. Wer 
heute blindwiitig iiber "d i e Technik" zetert und auf sie Verwiinschungen iiber 
Verwiinschungen hauft, der vergiBt, daB ihr Hervortreten auf einen ewigen germanischen 
Antrieb 

*Diese ganze (Getzlichkeit dargestellt zu haben, ist eines der grofiten Verdienste Kants. Eine 
lichtvolle Schilderung dieser erkenntniskritischen Tat hat uns namentlich H- St- Chamberlain 
in Seinem "Goethe " und im Descartes-Vortrag Seines "Immanuel Kant" gegeben. 

[143] Der Kampf um die Technik 

zuriickgeht, der dann auch mit ihrem Untergang ebenfalls verschwinden miiBte. Das aber 
wiirde uns erst recht einer Barbarei ausliefern, jenem Zustande, an dem die Kulturen um das 
Mittelmeer herum einst untergegangen sind. Nicht "die Technik" totet heute alles Vitale, 
sondern der Mensch ist entartet. Er wurde innerlich entstaltet, weil ihm in schwachen Stunden 
seines Schicksals ein ihm an sich fremdes Motiv vorgegaukelt wurde: Weltbekehrung, 
Humanitat, Menschheitskultur. Und deshalb gilt es heute, diese Hypnose zu brechen, nicht 
etwa den Schlaf unseres Geschlechts zu vertiefen, die "Unumkehrbarkeit der Schicksale" zu 
predigen, sondern jene Werte des Blutes emporzuhalten, die — einmal neu erkannt — einem 
jungen Geschlecht auch eine neue Richtung geben konnen, um Hochzucht und Ausartung zu 
ermoglichen. Aus einem echten Einblick in das Wesen vorangegangener Kampfe der 
organisch abgegrenzten Volker der indogermanischen Familie mit fremden Machten, nach 
Erfassen der Entwicklungen innerhalb ihres arteigenen Lebens, nach Neuerleben der stets 
gleichbleibenden inneren Haltung des Charakters zum Weltall, erkennen wir, nein erfiihlen 
wir die Sehnsucht unseres, die heutige Gegenwart im Sinne einer ewigen Gegenwart voll HaB 
ablehnenden Geschlechts: die Vernunft und den Willen in Ubereinstimmung zu bringen mit 
der Richtung des seelisch-rassischen Stroms des Germanentums. Ja, wenn moglich, mit dem 
Strom jener nordischen Uberlieferung, die von Hellas und Rom noch unverfalscht auf uns 
gekommen ist. Das bedeutet philosophisch gesprochen: dem heute irrlichternden Willen ein 
seinem Urgrund entsprechendes groBes Motiv geben. 

Erblicken wir in der heldisch-kiinstlerischen Haltung hier das Wesentliche, gleich ob es sich 
um Krieger, Denker oder Forscher handelt, dann wissen wir auch, daB alle Heldenhaftigkeit 

[144] 

sich um einen Hochstwert gruppiert. Und dies ist immer die Idee der geistig-seelischen Ehre 
gewesen. Die Ehre aber stand — gleich wie ihre Trager im physischen — in einem seelisch- 
geistigen Kampf mit den Werten andersrassischer Trager, bzw. mit den Gebilden des 
Volkerchaos. 



Der Mythus des 20. Jahrhunderts 



Alfred Rosenberg 

[145] bis [216] 

II. Liebe und Ehre 

1. 

Viele Kriege der letzten 1900 Jahre sind zu Glaubenskriegen gestempelt worden. Meist mit 
Recht, oft zu Unrecht. DaB aber iiberhaupt um einer religiosen Uberzeugung willen 
Ausrottungskampfe gefiihrt werden konnten, zeigt, in wie hohem MaBe es gelungen war, die 
germanischen Volker ihrem Urcharakter zu entfremden. Achtung eines religiosen Glaubens 
war fiir die heidnischen Germanen ebenso selbstverstandlich wie fiir die spateren Arianer; erst 
die Durchsetzung des Anspruchs auf Alleinseligmachung seitens der romischen Kirche 
verhartete das europaische Gemiit und rief im andern Lager naturnotwendig 
Verteidigungskampfe hervor, die, da gleichfalls um eine artfremde Form gefiihrt, ihrerseits 
eine seelische Verknocherung hervorrufen muBten (Luthertum, Kalvinismus, Puritanismus). 
Trotz allem aber waren die meisten Kampfe der fiihrenden Helden unserer Geschichte 
weniger um theologische Glaubenssatze iiber Jesus. Maria, das Wesen des Heiligen Geistes, 
Fegefeuer usw. gefiihrt worden, als um Charakterwerte. Die Kirchen aller Bekenntnisse 
erklarten: wie der Glaube, so der Mensch. Das war fiir jede Kirche notwendig und 
erfolgverheiBend, da auf diese Weise der menschliche Wert von ihren Zwangssatzen abhangig 
gemacht, die Menschen also seelisch an die jeweilige kirchliche Organisation gefesselt 
wurden. Dagegen hat das nordisch-europaische Bekenntnis - bewuBt oder unterbewuBt stets 
gelautet: wie der Mensch, so sein Glaube. Noch genauer, so die Art bzw. der Gehalt seines 
Glaubens. 

[146] SeeUsche Zielstrebigkeit 

Schirmte der Glaube die hochsten Charakterwerte, dann war er echt und gut, gleich mit 
welchen Formen Menschensehnsucht ihn Sonst umgeben haben mochte. Tat er es nicht, 
unterdriickte er stolze Eigenwerte, so muBte er im tiefsten Innem des Germanen als 
verderbenbringend empfunden werden. Zwei Werte sind es nun vor alien andern, an welchen 
sich seit bald zwei Jahrtausenden die ganze Gegensatzlichkeit zwischen Kirche und Rasse, 
Theologie und Glauben, Zwangsglaubenssatz und Charakterstolz offenbaren, zwei im Willen 
haften wurzelnden Werte, um die in Europa von je um die Vorherrschaft gerungen wurde: 
Liebe und Ehre. Beide strebten danach, als h o ch s t. e Werte zu gelten; die Kirchen wollten - 
so sonderbar das auch klingen mag - durch die Liebe herrschen, die nordischen Europaer 
wollten durch Ehre firei leben oder firei in Ehren sterben. Beide Ideen fanden opferbereite 
Martyrer, doch ihr Widerstreit gelangte nicht immer zum hellsten BewuBtsein, so oft er sich 
auch tatsachlich offenbarte. 

Diese Erkenntnis ist unserer Zeit vorbehalten geblieben. Sie ist mythisches Erlebnis und doch 
klar wie weiBes Sonnenlicht. 

Liebe und Mitleid, Ehre und Pflicht sind seelische Wesenheiten, die, von verschiedenen 
auBeren Formen umhiillt, fiir fast alle kulturfahigen Rassen und Nationen treibende Krafte 
ihres Lebens darstellen. Je nachdem nun der Liebe in ihrer allgemeinsten Fassung oder dem 
Ehrbegriff als solchem der erste Platz eingeraumt wurde, in der dieser seelischen 
Zielstrebigkeit entsprechenden Weise entwickelten sich Weltanschauung und Daseinsform 
des betreffenden Volkes Die eine oder die andere Idee bildete den MaBstab, an dem das ganze 



Denken und Handeln gemessen wurde. Um aber ein bestimmendes Kennzeichen fiir eine 
Zeitepoche zu schaffen, muBte das eine oder andere Ideal vorherrschen. Nirgends ist nun der 
Kampf zwischen 

[147] Das heroische Alt-Indien 

diesen beiden Ideen tragischer zu verfolgen als in den Auseinandersetzungen zwischen der 
nordischen Rasse, bzw. den von ihr unterschiedlich bestimmten Volkern mit der jeweiligen 
rassischen und weltanschaulichen Umwelt. 

Angesichts der entstehenden Frage, welches Motiv vor alien anderen fiir die nordische Rasse 
sich als das seelen-, staaten- und kulturbildende erwiesen hat, erscheint es mit Handen 
greifbar, daB nahezu alles, was den Charakter unserer Rasse, unsere Volker und Staaten 
erhalten hat, in erster Linie der Begriff der Ehre und die Idee der mit ihr untrennbar 
verbundenen, aus dem BewuBtsein der inneren Freiheit stammenden Pflicht gewesen ist. In 
dem Augenblick aber, in dem Liebe und Mitleid (oder wenn man will: Mitleiden) vor 
herrschend wurden, beginnen die Epochen der rassisch-volkischen und kulturellen Auflosung 
in der Geschichte aller jemals nordisch bestimmten Staaten. 

Es wird heute bis zum UberdruB Hinduismus und Buddhismus gepredigt. Die meisten von uns 
besitzen nun von Indien keine andere Vorstellung als wie sie uns Theosophen und 
Anthroposophen vermitteln. Wir sprechen von Indien als von einer weichmiitigen im All 
zerflieBenden, Menschenliebe und Mitleiden als Hochstes lehrenden Weltanschauung. Ohne 
Zweifel berechtigen die im Grenzenlosen verflieBende spate Philosophic, die Vedanta-Atman- 
Brahman-Lehre, der Erlosung vom Leiden dieser Welt erstrebende Buddhismus nebst 
tausenden in der ganzen indischen Literatur zerstreuten Spriichen zu dieser Auffassung: "Es 
gibt nichts, was durch Milde nicht vollbracht werden konnte." "Gliicklich sind diejenigen, die 
sich in den Wald zuriickziehen, nachdem sie zuvor der Bediirftigen Hoffnung erfiillt, selbst 
den Feinden Liebes erwiesen haben" usw. Und doch ragen in diese liebe- und mitleidvollen 
Erzeugnisse der indischen Spatzeit ganz andere, altere Anschauungen hinein, die nicht 
personliches Gliicksgefiihl 

[148] Das Mahabaratam 

und Leidlosigkeit als einzig erstrebenswertes Ziel anerkennen, sondern Pflichterfiillung und 
Behauptung der Ehre. In einem der altesten indischen Gesange wird die Pflicht sogar als 
"sechster Innensinn" gepriesen; im Mahabaratam dreht sich (in seiner urspriinglichen Form) 
der ganze Kampf um diese Idee. Held Fima, der nur ungern am Kriege teilnimmt, sagt, er 
verlieBe seinen Herrscher, "wenn nicht mein Herr Juzischthira mich hielte mit der Fessel 
Pflicht des Kschatria, daB ich sogar die teuren Enkel ohne Erbarmen mit seinen Pfeilen treffen 
soil". Der starke Kama sagt: 

Die Ehre, wie eine Mutter verleiht 

dem Menschen Leben in der Welt, 

Ehrlosigkeit verzehrt das Leben, 

wenn auch des Leides Wohl gedeiht. 

Konig Durjozana wird alien Kriegsgesetzen entgegen zu Fall gebracht und klagt: 

Schdmt ihr euch nicht, dafi Fimasen 
Unehrlich mich erschlagen hat? 



Wir haben ehrlich immer gefochten, 

undEhre bleibt im Siege uns. 
Ihr habt unehrlich immer gekdmpft 

undhabt mit Schande euren Sieg. 

Ich aber habe die Erde beherrscht 

bis an des Meeres fernen Strand, 
bin mutig vor dem Feind gestanden 

und sterbe jetzt, wie sich ein Held 
zu sterben wunscht, im Dienst der Pflicht, 

undSteige von der Freunde Schar 
begleitet, zu den Gottern hinauf. . . 

Das sind gewiB ganz andere Tone, als wir sie sonst in den bekannten Gesangen vorfinden. 
Diese und hundert andere Stellen indischen Schrifttums beweisen aber, daB auch der alte 
Inder — und der war es, der Indien 

[149] Alexander und Prosos 

erschuf - sein Leben lieB nicht urn der Liebe, sondern urn der Pflicht und Ehre willen. Ein 
Ungetreuer wurde auch im arischen Indien verdammt, nicht weil er lieblos, sondern weil er 
ehrlos geworden war. "Besser das Leben aufzugeben als die Ehre zu verlieren: die Hingabe 
des Lebens fiihlt man nur einen Augenblick, den Verlust der Ehre aber Tag fiir Tag", sagt ein 
Volkswort*. "Dem Helden scheint es im Herzen, als ob ein Zweck durch Heldenmut, einem 
Feigen, als ob er durch Feigheit zu erreichen sei", stellt ein anderer Spruch fest und nimmt die 
Wertung vorweg. Man scharfe seine Augen fiir diesen Zug altindischen Wesens bis hinauf 
zum tapferen Konig Poros, der, von Alexander in ehrilcher Feldschlacht besiegt, doch ein 
ganzer Ritter bleibt. Verwundet, floh er doch nicht vom Schlachtfeld als alle anderen 
auseinander liefen:"Wie soil ich mit dir verfahren?" fragte Alexander den besiegten Gegner. 
"Koniglich", war die Antwort. "Nichts weiter?", meinte der Mazedonier. "Im Worte koniglich 
liegt alles", lautete die Antwort. Und Alexander vergroBerte das Herrschgebiet des Poros, der 
ihm von nun an ein treuer Freund war. Ob diese Erzahlung geschichtlich ist oder nicht, ist 
gleichgiiltig. sie zeigt aber den inneren Wertmesser der Ehre, Treue, Pflicht und Tapferkeit, 
die beiden Helden und offenbar auch dem Geschichtsschreiber gemeinsam, ja 
selbstverstandlich waren. 

Dieser mannliche Ehrbegriff hat die altindischen Konigreiche gehalten, die Voraussetzung 
einer gesellschaftlichen Bindung gegeben. Als aber dieser Ehrbegriff durch rituell-religiose, 
mit Rassenzersetzung im Zusammenhang stehende, alle Erdenschranken verneinende 
philosophische Systeme verdrangt wurde, traten religiose dogmatische dann wirtschaftliche 
Gesichtspunkte maBgebend hervor. Mit der auf das Erdenleben iibertragenen Philosophic des 
Atman-Bothlingk: "Indische Spriiche". 

[150] Die Weichheit des griechischen Charakters 

Brahman vemeinte - wie friiher ausgefiihrt - der Arier seine Rasse, damit seine 
Personlichkeit, damit aber auch die Idee der Ehre als seelisches Riickgrat seines Lebens. 

Liebe und Mitleid - selbst wenn sie "die ganze Welt" zu umfassen vorgeben - richten sich 
doch stets an das einzelne liebende oder leidende Wesen. Der Wunsch aber, andere oder Sich 
von Leiden zu befreien, ist ein rein personliches Gefiihl, das kein wirklich starkes volk- oder 
staatenbildendes Element enthalt. Die Liebe zum Nachsten oder zum Fernsten kann Taten 



hochster Opferwilligkeit Zeugen, ist aber gleichfalls eine auf das Einzelhafte bezogene 
seelische Kraft, und kein Mensch hat noch im Ernst die Opferung eines ganzen Staates, eines 
ganzen Volkes um einer nicht mit diesem selbst in Beziehung stehenden Liebe willen 
gefordert. Und nirgends noch ist ein Heer dafiir gefallen. 

Wesentlich weicher als altindisches tritt uns das athenische Leben entgegen. Zwar spricht 
auch hier ein heroisches Epos von Heldentaten; diese aber sind mehr asthetisch begriindet. 
(Naheres im zweiten Buche.) Die dreihundert Spartaner vor Thermopylae gelten uns jedoch 
als Gleichnis fiir Ehre und Pflichterfiillung. Nichts zeugt auch fiir die uns Abendlander 
bewegende Kraft besser, als unsere Wiederherstellungsversuche griechischen Lebens, die 
lange als Geschichte galten. Wir konnten es uns gar nicht anders denken, als daB alle Hellenen 
von Ehre und Pflicht getrieben worden waren; erst sehr spat haben wir uns von der Weichheit 
des griechischen Lebens nach dieser Richtung hin iiberzeugen miissen. Der phantasiebegabte 
Grieche nahm es auch im gewohnlichen Leben mit seinem Wort nicht sehr genau, den 
niichtern juristischen Wert einer Beteuerung anerkannte er kaum. Hier entdecken wir 
gleichsam die verwundbarste Stelle des griechischen Charakters, hier war auch das 
eigentliche Einfallstor fur das 

[151] Schonheit, der griechische Zuchtbegriff 

handlerisch-betriigerische Vorderasiatentum, so daB Liige und Falschheit spater standige 
Begleiterscheinungen des "griechischen" Lebens bildeten, welche Lysander zu dem Wort 
veranlaBten, Kinder betriige man mit Wiirfeln, Manner mit Eiden. Trotzdem aber war der 
echte Grieche von einem Freiheitsgefiihl durchdrungen, das man durchaus als im 
EhrbewuBtsein verankert bezeichnen muB. Die Totung der Frauen und Selbstmord der in einer 
Schlacht besiegten Manner ist keine seltene Erscheinung. "Gib dich nicht in Knechtschaft, 
solange es dir noch offen steht, frei zu sterben", lehrt noch Euripides. Die Erinnerung an die 
Tat der Phokier, die vor der Schlacht ihr zuriickgebliebenes Volk mit einem Holzwall 
umgaben mit der Weisung, diesen im Falle der Niederlage anzuziinden, bleibt ein heroisches 
Zeugnis von starker Symbolik. Die Nachfahren des Zakynthos zogen es vor, lieber in den 
Flammen zu sterben, als den Puniern in die Hande zu fallen. Selbst noch in spater Zeit (200 
v.Chr.) sind Zeugnisse mythischer Heldenhaftigkeit nachweisbar, z. B. aus Abydos, das, von 
Philipp dem Jiingeren belagert, sich nicht ergibt, vielmehr erstechen die Manner ihre Kinder 
und Frauen, stiirzen sich selbst in die Zisternen und vemichten die Stadt durch Feuer. Die 
gleiche Wertung des Lebens, der Freiheit und der Ehre durchzieht auch altgriechisches 
Frauentum, falls es gait, dieses vor Schandung zu schiitzen. So erhangte sich, von ihrer Mutter 
selbst veranlaBt, Eurydike; bei der Uberwaltigung des Herrschers von Elis im 3. Jahrhundert, 
erhangte sich dessen Gattin mit ihren beiden Tochtern. 

Immerhin ist jedoch zugegeben, daB die Statik des griechischen Lebens nicht von dem 
Charakter, sondem von der Schonheit bedingt war, was, wie gesagt, die politische 
Zerfahrenheit zur verhangnisvollen Folge hatte. 

Durch Alexander bemachtigte sich wieder ein Zuchtbegriff des spatgriechischen vorwiegend 
asthetischen Daseins, der Sich Seiner Verschiedenartigkeit auch rassisch bewuBt gewesen ist. 

[152] Die Staatsgriindungen der Wikinger 

Alexander verfolgte nicht unbedingt das Ziel einer Weltmonarchie und Volkervermischung, 
sondern wollte nur die als rassisch verwandt erkannten Perser und Griechen vereinigen, sie 
unter eine Herrschaft bringen, um weitere Kriege zu vermeiden. Er erkannte die treibenden 



Ideen und Charakterwerte der persischen Oberschicht als seiner mazedonischen 
Pflichtauffassung verwandt an: auf leitende Posten setzte er deshalb nur mazedonische Fiihrer 
oder Perser; Semiten, Babylonier und Syrier wurden ganz bewuBt ausgeschaltet. Nach 
Alexanders Tod bemiihten sich die Nachfolger, seinen staatlichen Typus in ihren Landem und 
Provinzen durchzusetzen. Wie ein Held aus Urzeiten ragt hier der einaugige Antigonus 
hervor, der als Achtzigjahriger im Kampf gegen die "rechtmaBigen" Erben auf dem 
Schlachtfelde fallt, da er die erstrebte Einheit des Reiches nicht zu erstreiten vermochte. Die 
nordisch-mazedonischen Pfropfkulturen aber waren nicht dauerhaft genug. Sie vermittelten 
zwar griechisches Wissen, griechische Kunst und Philosophie, aber sie besaBen nicht die 
Kraft, Typen zu bilden, ihre Ehrbegriffe durchzusetzen. Das unterjochte firemde Blut siegte, 
die Zeit des geistreichelnden charakterlosen Hellenismus begann. 

Wenn irgendwo der Begriff der Ehre Zentrum des ganzen Daseins gewesen ist, so im 
nordischen, im germanischen Abendland. Mit einer in der Geschichte einzig-artigen 
Selbstherrlichkeit tritt der Wiking in der Geschichte auf Das unbandige Freiheitsgefuhl stoBt 
bei einsetzendem Bevolkerungszuwachs eine nordische Welle nach der anderen iiber die 
Lander. Mit verschwenderischem Blutaufwand und heldischer Unbekiimmertheit errichtete 
der Wiking seine Staaten in RuBland, in Sizilien, in England und in Frankreich. Hier walteten 
die urwiichsigen Rassentriebe ohne jede Bindung und Zucht, ungehemmt durch erzieherische 
ZweckmaBigkeitsiiberlegungen oder genau bestimmte rechtliche Ordnung. Das einzige 
Schwergewicht, welches der 

[153] Die Ehre, das germanische Zentrum 

Nordmann mit sich trug, war der Begriff der personlichen Ehre. Ehre und Freiheit trieben die 
einzelnen in die Feme und Unabhangigkeit, in Lander, wo Raum fiir Herren war, oder lieBen 
sie auf ihren Hofen und Burgen bis zum letzten Mann um ihre Selbstandigkeit kampfen. Die 
geniale Zwecklosigkeit, fern aller handlerischen Uberlegung, war der Grundzug des 
nordischen Menschen, als er trotz allem wilden jugendlichen Sturm geschichtsbildend im 
Abendlande auftrat. Um die Einzelpersonen gruppierten sich die engeren Gefolgsleute, was 
dann nach und nach zur Aufrichtung gewisser gesellschaftlicher Lebensgebote fiihren muBte, 
da schlieBlich iiberall nach einer Wanderung eine SeBhaftigkeit bauerlicher Art folgte (die im 
Siiden allerdings schnell verfiel, in spatmorgenlandischer Pracht der Verwesung zugrunde 
ging). "Selten bietet sich dem Betrachter ein zweites Beispiel in der Geschichte, bei dem die 
Haltung eines Volkes so rein und vollkommen von einem einzigen Hochstwert aus bestimmt 
wiirde: alle Macht, aller Besitz, jede Bindung, jede Handlung steht im Dienst der Ehre, der 
auch das Leben notigenfalls unbedenklich und ohne Wimperzucken zum Opfer gebracht wird. 
Wie das Gesetz der Ehre das Leben beherrscht, so spiegelt es sich in der Dichtung und zieht 
als Grundprinzip durch die Sagenwelt: keinem zweiten Wort begegnet man da so haufig wie 
der Ehre. Darum ist die nordische Heldenwelt bei all ihrer wilden Zerrissenheit, ihrem 
iiberschaumenden Subjektivismus doch so einheitlich in Wesen und Schicksalslinie."* Es tut 
wohl, diese Erkenntnisse in Kreisen deutscher Lehrer vorzufmden, die bisher in 
grazisierendem Aesthetizismus befangen waren. H i e r ist der Schicksalsnerv unserer ganzen 
Geschichte beriihrt; aus der Art der Wertung des Ehrbegriffes wird sich auch unsere ganze 
deutsche, unsere "europaische" Zukunft entscheiden. Mochte der altnordische 

* Krieck: "Menschenformung", S. 154, 

[154] Seelenzentren des Abendlandes 



Mensch auch gewalttatig vorgehen, so zeugte das ehrbewuBte Zentrum seines Wesens auch in 
Kampf und Tod eine reine Atmosphare Der Krieg konnte brutal gefiihrt werden, aber sich zu 
seinen Taten bekennen, gait als erste Voraussetzung des nordischen Mannes (Krieck). Dieses 
von jeder einzelnen Personlichkeit geforderte Verantwortlichkeitsgefiihl war die wirksamste 
Abwehr sittlichen Sumpfes, jener heuchlerischen Wertezersetzung, die im Lauf der 
abendlandischen Geschichte in den verschiedenen Formen der Humanitat als "feindliche 
Versuchung" iiber uns gekommen ist. Bald nannte sie sich Demokratie, bald soziales Mitleid, 
bald Demut und Liebe. Die personliche Ehre des Nordlanders erforderte Mut, 
Selbstbeherrschung. Er schwatzte nicht Stundenlang wie die griechischen Helden vor jedem 
Kampf; er schrie nicht wie diese, wenn sie verwundet wurden, sondem sein EhrbewuBtsein 
forderte Gelassenheit und Kraftesammlung. Von hier aus gesehen, ist tatsachlich der Wiking 
der Kulturmensch, der asthetisch vollendete spate Grieche aber der zuriickgebliebene, 
zentrumslose Barbar. Das Wort Fichtes, "Wahre Kultur ist Gesinnungskultur", deckt unser 
echtes nordisches Wesen auch gegeniiber anderen Kulturen auf, deren Hochstwert nicht 
Gesinnung, und das ist fiir uns gleichbedeutend mit Ehre und Pflicht, ist, sondem ein anderer 
Gefiihlswert, eine andere Idee, urn die ihr Leben kreist. 

Die Geschicke der abendlandischen Volker haben sich im Lauf der Zeiten, durch 
verschiedene Umstande bedingt, sehr mannigfach gestaltet. Uberall, wo nordisches Blut 
vorherrscht, ist der Ehrbegriff vorhanden. Jedoch vermischt er sich auch mit anderen Idealen. 
Das zeigt sich, um ein Ergebnis vorwegzunehmen, in den Worten des Volksmundes. Im 
Russentum ist die Idee einer Kirchlichkeit, eines Religionsgefuhls herrschend geworden, das 
selbst dem wildesten Ausbruch eine religios-inbriinstige Verhiillung verleiht (man vergleiche 
z. B. in Dostojewskis "Idiot" den 

[155] Die Liebeslehre des Christentums 

Mann, der um einer Silbemen Uhr willen mordet, aber vorher ein Gebet hersagt), der Russe 
spricht von seinem Vaterland deshalb als von der "Swjataja Rossija", d. h. als vom heiligen 
RuBland. Der Franzose geht formalasthetisch asthetisch an das Leben heran; fiir ihn ist 
Frankreich deshalb die "Belle France". Ahnlich der Italiener. Der Englander ist stolz auf seine 
folgerichtige geschichtliche Entwicklung, auf Uberlieferung, feste typische Lebensformen. Er 
bewundert deshalb sein "Old England". Bei uns aber spricht man trotz vieler unheiligen 
Eigenschaften immer noch mit gleicher Inbrunst von "Deutscher Treue", was beweist, daB 
unser metaphysisches Wesen noch immer das "Mark der Ehre" als Seinen ruhenden Pol 
empfmdet. 

Um diesen Ehrbegriff ist denn auch letzten Endes der bereits Jahrtausende dauernde Kampf 
gegangen, als das nordische Europa sich dem bewaffneten romischen Siiden gegeniiber sah 
und schlieBlich im Namen der Religion und der christlichen Liebe unterjocht wurde. 



Es steht wohl auBer Frage, daB auch ohne den Eingriff des bewaffneten romisch-syrischen 
Christentums eine Epoche germanischer Geschichte - das mythologische Zeitalter - zu Ende 
ging. Die Natursymbolik ware einem neuen sittlich-metaphysischen System, einer neuen 
Glaubensform gewichen. Diese Form aber hatte fraglos denselben seelischen Gehalt 
umgeben, die Idee der Ehre als Leitmotiv und MaBstab gehabt. Nun drang durch das 
Christentum ein anderer seelischer Wert ein und beanspruchte die erste Stelle: die Liebe, im 
Sinne von Demut, Barmherzigkeit, Unterwiirfigkeit und Askese. Heute ist es jedem 
aufrichtigen Deutschen klar, daB mit dieser alle Geschopfe der Welt gleichmaBig 



umfassenden Liebeslehre ein empfindlicher Schlag gegen die Seele des nordischen Europas 
gefiihrt worden ist. Das Christentum, wie es sich als System 

[156] Christentum ohne Idee der Ehre 

herausgebildet hatte, kannte nicht den Gedanken des Rassen- und Volkstums, well es eine 
gewaltsame Einheitsverschmelzung verschiedener Elemente darstellte; es kannte auch die 
Idee der Ehre nicht, weil es in Verfolgungspatromischer Machtziele auf Unterjochung nicht 
nur der Leiber, sondern gerade auch der Seelen ausging. Nun ist aber bezeichnend, daB auch 
der Gedanke der Liebe sich gerade in der Fiihrung der kirchhchen Einrichtungen nicht 
durchzusetzen vermochte. Der Aufbau des romischen Systems ist vom ersten Tage an sowohl 
organisatorisch wie dogmatisch grundsatzlich und bewuBt unduldsam und alien anderen 
Systemen gegeniiber ablehnend, um nicht zu sagen haBerfiillt gewesen. Wo es konnte, ist es 
mit Exkommunikation, Achtung, Feuer, Schwert und Gift vorgegangen, um sich allein 
durchzusetzen. Sehen wir von sittlichen Wertungen ganz ab, und stellen wir nur diese 
Tatsache fest, die ja selbst von neuzeitlichen romisch-katholischen Schriftstellern nicht 
geleugnet wird. Diese Tatsache aber beweist mehr als alle anderen, daB der Idee "Liebe" keine 
typenbildende Kraft innewohnt: denn selbst die Organisation der "Religion der Liebe" ist 
ohne Liebe aufgebaut gewesen. Und zwar liebloser als andere typenschaffende Machte. Die 
alten Goten duldeten - wie Dollinger bezeugt - sowohl den katholischen als auch einen 
anderen Glauben und bewiesen diesem seelischen Glaubensbediirfnis als solchem Ehrfurcht. 
Was iiberall verschwand, wo der Geist des "Bonifazius" und das Zwangsgesetz der "Liebe" 
siegten*. Es fallt keinem Deutschen 

* Man vergleiche z. B. im Gegensatz zu dem romischen Verfolgungswillen die Haltung des 
"heidnischen" Friesen-Konigs Radbod. Er blieb dem Glauben seiner Vdter treu, verfolgte 
aber die christlichen Prediger nicht. Als nun einige besonders auffdllige christliche Apostel 
vor ihn gebracht wurden, und einer von ihnen angesichts der hervorgerufenen Emporung 
doch tapfer den neuen Glauben vertrat, sagte der "heidnische " Konig: "Ich sehe, dafi du 
unsere Drohung nicht ftirchtest und dafi deine Worte sindwie deine Werke", und sandte die 
Prediger "mit alien Ehren zu Pippin, dem Herzog der Franken, zuriick". So berichtet Alcuin. 
An Seelenadel steht dieser heidnische Friesenkoing weit tiber den "Stellvertretern Gottes" in 
Rom, die darauf ausgingen, diese inner e Freiheit und Ehrfurcht aus der Welt zu verbannen. 

[157] Spannungen in der germanischen Geschichte 

leicht, eine verneinende Wertung dem etruskisch-jiidisch-romischen System gegeniiber 
auszusprechen: denn wie immer dieses auch aufgebaut sein mag, so ist es doch geadelt durch 
Hingabe von Millionen deutscher Menschen. Sie haben das Fremde darin mit dem 
seelenverwandt, Anmutenden, zusammen iibernommen, das erste weniger beachtet, das 
zweite liebevoll ausgestaltet und innerhalb des Ganzen manchen nordischen Wert 
durchzusetzen gewuBt. Nichtsdestoweniger ist es ein Erfordernis der Wahrhaftigkeit, heute, in 
einer Zeit der groBten Seelenwende, das Lebenfordernde und das Lebenschadigende Roms in 
bezug auf das ureigenste Wesen des germanischen Abendlandes zu priifen. Nicht vom 
Standpunkt eines personlichen Ubelwollens, sondern durch Uberschauen der groBen 
Spannungen und Entladungen einer weit iiber zweitausendjahrigen Geschichte und im 
Untersuchen der diese Erschiitterungen bedingenden rassen-seelischen Werte. Und da sehen 
wir denn, daB der im Wesen gleiche Kampf des Griechen- und Romertums auch dem 
Germanen zugefallen ist. Er kann diesem Kampf ebensowenig entrinnen, wie die beiden 
anderen groBen nordischen Volkerwellen, weil diese bei ihrem Zuriickfluten die von ihnen 
einst niedergerungenen asiatischen Seelenwerte und das diese Werte verkorpernde 



Menschenmaterial mit sich tmgen. Mit sich tmgen iiber Hellas, iiber die Alpen hinweg iiber 
die Grenzen des germanischen Lebensraumes, zeitweise ins Herz der nordischen Rasse selbst. 

[158] Gefahren germanischer GroBherzigkeit 

Spiirt man aber den Ursachen dieses groBen Erfolges nach, so wird man neben der friiheren 
technischen Uberlegenheit des alten erfahrenen Siidens und dem Zeitpunkt einer Krise im 
religiosen Leben der Germanen - was einen so lange dauemden Sieg nicht erklart hatte - den 
Anruf der germanischen GroBherzigkeit als eine der wichtigsten Bedingungen entdecken. 
Dieser im Siegfried fiir ewig gleichnishaft gestaltete GroBmut, der beim Gegner auch den 
gleichen Ehrenwert und offene Kampfform voraussetzte, ja in gradliniger Kindlichkeit selbst 
auch spater das Gegenteil noch immer nicht anzunehmen vermochte, hat dem Germanen im 
Verlauf seiner Geschichte manchen schweren Zusammenbruch eingetragen: damals, als er 
Rom zu bewundem begann, in neuerer Zeit, als er die Judenemanzipation durchfiihrte und 
somit dem Gift die Gleichberechtigung mit dem gesunden Blut verlieh. Das erste rachte sich 
furchtbar in den Ketzerkriegen, in dem dreiBigjahrigen Ringen, das Deutschland nahe an den 
Abgrund brachte, das zweite racht sich heute, da der vergiftete deutsche Volkskorper in 
schwersten Zuckungen liegt. Und immer noch rufen beide uns feindliche Machte die GroBmut 
des Schwerkranken an, rufen nach seiner "Gerechtigkeit", predigen die "Liebe" zu allem 
"Menschlichen" und sind bemiiht, samtliche noch vorhandenen Charakterwiderstande 
endgiiltig zu zernagen. 

Bin restloser Sieg dieser "Humanitat" wiirde die gleichen Folgen haben, wie einst die Siege 
Vorderasiens iiber Athen und Rom, so daB dieses, einst der Todfeind des Etrusko-Pelasgo- 
Syriertums, geradezu der Hauptvertreter dieser Machte wurde, nachdem die einstigen Werte 
des alten Roms zusammengebrochen waren. Schon damals durch physische Zersetzung und 
Predigt der unterschiedslosen Menschheit und Liebe. Die Lehre von der Liebe aber war auch 
in ihrer schonsten Erscheinung keine Typenkraft, sondern eine Widerstande zerschmelzende 
Macht. 

[159] Die liebelose Kirche 

Die Kirche selbst, als Zuchtform, konnte und durfte keine Liebe kennen, um sich als 
typenbildende Kraft zu erhalten und weiter durchzusetzen. Aber sie konnte Macht-politik mit 
Hilfe der Liebe treiben sind das PersonlichkeitsbewuBtsein, die Idee der wehrhaften Ehre und 
der Mannespflicht umgewandelt in Demut und liebevolle Hingabe, so ist der 
Widerstandsantrieb gegen die diese Glaubigen organisierende und leitende Macht gebrochen. 
"Eine Herde und ein Hirt!" Das ist, wortlich genommen, wie es gefordert wurde, die klarste 
Kampfansage an den germanischen Geist gewesen Hatte dieser Gedanke restlos gesiegt, so 
ware Europa heute nur ein viele hundert Millionen zahlender charakterloser Menschenhaufen, 
regiert mit Hilfe hochgeziichteter Furcht vor Fegefeuer und ewiger Hollenqual, im Kampf um 
das Ehrgefiihl durch die "Liebe" gelahmt, die besseren Reste in den Dienst einer 
"humanitaren" Wohltatigkeit, der "Caritas" gestellt. Das ist der Zustand, welchem das 
romische System zustrebte, zustreben muBte, sofern es als solches und als geistige und 
politische Macht iiberhaupt bestehen wollte. 

Ich habe hier keine Dogmengeschichte zu Schreiben, sondern mochte nur ein folgerichtiges 
System schildern, mit dem (was sein Wesen betrifft) ein erwachender nordischer Mensch auf 
die Dauer in schwerste seelische Konflikte kommen muB. Entweder unterwirft er sich ihm 
vollkommen (wie zeitweise im Mittelalter), oder er lehnt es gefiihlsmaBig und bewuBt 
grundsatzlich ab. Im ersten Fall wird auf kurze Zeit eine auBerliche Einheitlichkeit erzielt 



werden, die jedoch an ihrer organischen Unmoglichkeit zerspringen muB, wie die Kampfe 
von Widukind bis Dollinger zeigen; im zweiten Fall ist der Weg frei fiir echte organische 
Kultur und eine echte blut- und artgemaBe Glaubensform. Die letzten Jahrhunderte standen im 
Zeichen eines stillosen Kompromisses, der keine 

[160] Der priesterliche Mannerbund 

weltanschaulichen Gmndfragen, sondern nur organisatorische und politische 
Machtverhaltnisse beriihrte. 

Bezeichnend ist fiir das romische Christentum, daB es die Personlichkeit des Stifters nach 
Moglichkeit ausschaltet, urn den kirchlichen Aufbau einer Priesterherrschaft an ihre Stelle zu 
setzen. Jesus wird zwar als das Hochste und Heiligste, als die Quelle alles Glaubens und alles 
Segens hingestellt, aber nur zu dem Zweck, urn die ihn vertretende Kirche mit dem 
Glorienschein des Ewigen und Unantastbaren zu umgeben. Denn zwischen Jesus und den 
Menschen schieben sich die Kirche und ihre Vertreter ein, mit der Behauptung, daB der Weg 
zu Jesus nur durch die Kirche fiihre. Und da Jesus nicht auf Erden weilt, hat der Mensch es 
eben nur mit dieser Kirche zu tun, die "bevollmachtigt" ist, auf ewig zu binden oder zu losen. 
Die Ausnutzung des einmal geziichteten Glaubens an Jesus den Christus ("den waltenden 
Christ", wie der Dichter des Heliand sagt) fiir die Machtpolitik eines sich selbst vergotternden 
Priesterbundes macht ebenso das Wesen Roms aus, wie es, unter anderem Namen, das Wesen 
der Priesterpolitiker in Agypten oder in Babylon und Etrurien gewesen ist. 

Um die die Macht des priesterlichen Mannerbundes schiitzenden Lehrsatze und 
Verordnungen zu kraftigen, wurde eine groBe Dialektik frommer Vater verwendet, welche 
alle Kirchenverfiigungen der 1500 Jahre auf die Evangelien zuriickfiihrten, jedoch mit der 
Betonung, daB die Kirche auch allein das Recht besitze, allgemeingiiltige unfehlbare 
Lehrsatze zu erlassen. Das kirchliche Christentum katholischer Form und protestantischer 
Abart liegt heute als geschichtliche Erscheinung vor uns; Anfang und Ende lassen sich klar 
iiberblicken. Der Bau ist abgeschlossen, jedes Gebalk hat seine Stiitzbalken, die dogmatischen 
Erlasse fmden alle ihre "Begriindungen". Nun ist die Erstarrung eingetreten; man darf also 
iiber den Aufbau sprechen, 

[161] Die Kirche steht iiber Jesus 

ohne befiirchten zu miissen, eine noch werdende lebendige Erscheinung in ihren treibenden 
Kraften falsch zu deuten. Dr. Adam, ein fiihrender katholischer Programmatiker, versichert: 
"Der Katholizismus ist nicht schlechtweg mit dem Urchristentum identisch, oder gar mit der 
Botschaft: Christi zu identifizieren, so wenig wie der ausgereifte Eichenbaum mit der kleinen 
Eichel."* Hier ist die offentlich geheiligte Uberheblichkeit der Kirche (das Werk tragi den 
Stempel "Imprimatur") iiber Jesus mit diirren Worten ausgesprochen und alle weiteren 
Verherrlichungen Christi dienen, wie gesagt, nur dazu, die Herrschergewalt der Kirche, nicht 
die "Botschaft Christi" - der "kleinen Eichel" - zu erhohen. Das kirchliche Ami ruht ganz in 
den Handen des Priesters, der durch Handauflegen zum Vertreter der apostolischen Gewalt 
wird. Zur Begriindung dieser Lehre wird das Wort Jesu zu Petrus genannt, laut welchem er 
ihn den Fels heiBt, auf den er seine Kirche bauen werde. Die Tatsache, daB dieses Wort viel 
spater von einem treuen Diener der Kirche in die alien Texte hineingefalscht worden ist**, 
hindert natiirlich nicht, diesen nachweislich unwahren Lehrsatz unermiidlich in der ganzen 
Welt als Botschaft Jesu zu wiederholen. "Wenn der katholische Priester das Wort Gottes 
verkiindet, so 



* Adam: "Das Wesen des Katholizismus", 1925. 

** Diese Stelle (Matthdus 16, 18-19) kennzeichnet sich selbst als eine reichlich plumpe der 
vielen frommen Fdlschungen, denn wenige Verse spdter nennt Jesus den gleichen Petrus 
einen Satan, der sich von ihm hinwegheben solle. Das gleiche sagt Jesus Mar kus 8, 30 ff. Auf 
diesem so eindeutig Gekennzeichneten, dessen Verrat Jesus ebenfalls voraussah, soil er eine 
Kirche haben aufbauen wollen? Eine derartige Zumutung kommt einer offenen Beschimpfung 
der Personlichkeit Christi gleich. Merx sagt abschliefiend: "Die geschichtliche Forschung 
fiber Jesus darfsich durch solche Fdlschung nicht au/Ewigkeit hin tduschen lassen; es mufi 
einEnde haben" ("Die vier kanonischen Evangelien", III, 320). 

[162] Magie der Sakramente 

predigt nicht ein bloBer Mensch, sondern Christus selbst." Damit ist die Selbstvergottung des 
Priesters zum Glaubenssatz erhoben, der wohl die Hohe seiner AnmaBung in der Anschauung 
erhalt, daB, wenn irgendwo eine Fiihrerpersonlichkeit das "eigene, arme Ich zum Trager der 
Christusbotschaft erhoben" hatte, die Kirche umgehend ihr Anathema aussprechen miiBte: 
"Und dieses Anathema wiirde sie sprechen, selbst wenn ein Engel vom Himmel kame, der 
anders lehrte, als sie von den Aposteln iiberkommen hat" (Adam). 

Die letzte Ausschaltung menschlicher Eigenstandigkeit zugunsten eines schemenhaften 
Amtes vollzieht sich in den Sakramenten: "Die sakramentale Gnade wird nicht durch die 
personlichen Bemiihungen des Sakramentsempfangers erzeugt, gewirkt, sondern vielmehr 
durch den objektiven Vollzug des sakramentalen Zeichens selbst." Damit ist die Vernichtung 
der Personlichkeit gefordert, ihre Wertlosigkeit als "religioser" Lehrsatz verkiindet. Inmitten 
eines Volkes, welches die Ehre-personliche Ehre, Sippenehre, Stammesehre, Volksehre - 
unbekiimmert um alles andere in riicksichtsloser Tat in den Mittelpunkt seines ganzen Lebens 
gestellt hatte, ware die offene Verkiindigung einer solchen Forderung nimmer durchfiihrbar 
gewesen. Dies ist nur durch das geschickte. 

Ersetzen des Ehrbegriffes durch die Idee der "Liebe", gefolgt von Demut und Ergebung, 
moglich geworden. DaB dieses "sakramentale Zeichen" als von Jesus selbst "festgelegt" 
hingestellt wird, sei nur als ein kleiner Hinweis vermerkt, mit welcher Unbekiimmertheit 
"Geschichte" geformt und "Religionsgebaude" gezimmert werden. 

Nun versteht es sich, daB diese klaren Fassungen einer auf Magie abzielenden Lehre in dieser 
diirren Darstellung in Europa auch nach der Aberkennung der Ehre als alles leitenden Idee 
nicht durchgesetzt werden konnten. Die blutgemaBen Gebrauche des nordischen Menschen 
und 

[163] Wotan in christlicher Gestaltung 

seine ritterliche Denkungsart waren auch mit Feuer und Schwert nicht ganz auszutreiben. So 
ging denn die Kirche an die Einbeziehung der vorchristlichen volkischen Gleichnisse in das 
angeblich schon "vor dem Urchristentum" fertige System. ("Die Kirche ist schon da - der 
Anlage nach, keimhaft, virtuell - bevor (!) Petrus und Johannes glaubig wurden." Adam.) 

Der Wotanglaube war zwar im sterben, aber die heiligen Haine, in denen "der Wode" verehrt 
wurde, blieben das Ziel germanischer Wallfahrer. Alle Vernichtung der Wotanseichen und 
alle Verwiinschungen des alten Glaubens halfen nichts. So wurden an die Stelle Wotans 
christliche Martyrer und Heilige, wie der heilige Martin, gesetzt. Mantel, Schwert und RoB 
waren seine Abzeichen (also die Sinnbilder Wotans), die ehrwiirdigen Haine des 



Schwertgottes wurden auf diese Weise die Statten des heiligen Martin, des Kriegsheiligen, der 
noch heute von deutschen Wallfahrern (vgl. Schwertslocher Kapelle) verehrt wird. Auch St. 
Georg und St. Michael sind Umbenennungen altnordischer Wesensbilder, die durch diese 
"Taufe" in den Bereich der Verwaltung der romischen Kirche gerieten. Die "Teufelinne" Frau 
Venus verwandelt sich in die hi. Pelagia; aus Donar, dem Donnerer und Wolkengott, wird der 
den Himmel bewachende hi. Petrus; den Wotanscharakter des wilden Jagers erhalt St. Oswald 
zuerteilt und auf Kapitalen und Schnitzwerken wird der den Todeswolf zerreiBende Erloser 
Widar abgebildet (Z. B. Kreuzgang in Berchtesgaden), Widar, der den vom Fenriswolf 
verschlungenen Odin retten will und das Ungeheuer totet. Der Vergleich mit Jesus liegt auf 
der Hand. Selbst der fromme Hrabanus Maurus, der gelehrteste Kirchenlehrer Deutschlands 
am Ende des 8. Jahrhunderts, laBt Gott in der Himmelsburg wohnen, eine Vorstellung, die 
nicht aus der Bibel, sondern aus altgermanischer Heldenseele stammt. 

[164] Weiterwirkendes "Heidentum" 

Am 1. Mai feierte Altgermanien die Walpurgisnacht, den Beginn der zwolf Weihenachte der 
Sommersonnenwende. Es war der Tag der Hochzeit Wotans mit der Freya. Heute feiert die hi. 
Walburg am 1. Mai ihren Namenstag, wahrend alle Gebrauche als Zauberei, Hexenwesen usw. 
von der Kirche verandert und auf diese Weise Natursymbolik in orientalischen Damonenspuk 
umgewandelt wurde. 

In Regensburg (Dominikanerkirche) wird ein Kelch gehiitet, "eine KokosnuBschale auf 
kupfervergoldetem Stander, aus dem nur zum' kalten Johannistag' getrunken wurde". Das 
war die alte Form des Weihweins zum Abendmahl (das von der Kirche noch im 13. 
Jahrhundert in beiderlei Gestalt gereicht wurde) am 27. Dezember, dem Nachfest der 
Wintersonnenwende. Und in Erinnerung uralter Minnetranke wird "aus St. Sebastians 
Himschale" noch heute (z. B. in Ebersberg, Oberbayern) Wein gereicht. Dieses 
"Minnetrinken" und Gliicktrinken zu St. Johannis Baptistae, fur St. Martin und St. Stephan, 
sind alles uralte Brauche. Der fromme katholische Johann Nepomuk Sepp sagt: "Der Kelch 
Christi ist von Rom dem Lai en vorenthalten worden, den alten Heidenkelch hat sich aber das 
Volk nicht nehmen lassen." 

Mit den Gebrauchen veranderten sich die Gesange und Bilder. Im Heiligenbuch von 1488 
sehen wir den hi. Oswald abgebildet. Er sitzt auf einem Throne im Konigskleid und Krone. 
Um ihn herum aber fliegen die beiden Raben Wotans. Nur die Palme und der Hirtenstock sind 
christliche Zutat. Unter dem Namen Oswald wird Odin noch heute verehrt und hat z. B. Seine 
Kirche in Traunstein, aber auch heilige Statten am Niederrhein, in Holland, in Belgien. Selbst 
die Legende von der hi. Kiimmemis geht auf die Gestalt Odins zuriick, wie sie uns die Edda 
Schildert, da Odin neun Nachte vom Speer verwundet am "windbewegten Baume" hing. Die 
Gestalt 

[165] Das Erscheinen des Hakenkreuzes 

eines bartigen, gekreuzigten Mannes (Odin, Donar), welcher dem, der zu ihm betet, einen 
goldenen Schuh zuwirft, kehrt in vielen alten Bildwerken und als Motiv in vielen Liedern 
wieder. Aus dieser Gestalt ist auf noch nicht ganz geklarte Weise die weibliche hi. 
Kiimmemis der Kirche geworden. 

Und die Kirche muBte sich bequemen, ihre Heiligen auf feurige Rosse zu setzen, sie speer- 
und schwertschwingend in den Kampf mit Drachen und anderen Feinden zu senden, um Ehre 
und Ruhm zu erwerben oder gefangene Jungfrauen aus den Klauen eines Bosewichts zu 



retten. Die Rolands- und St. Georgs-Saulen sind Beispiele dieser Art, welche erst nach und 
nach durch Mariensaulen ersetzt wurden: an die Stelle der Ehrsymbole trat das Gleichnis der 
"Liebe". 

Die nordischen Gotter waren Lichtgestalten mit Speer und Strahlenkranz, Kreuz und 
Hakenkreuz die Symbole der Sonne, des fruchtbringenden, aufsteigenden Lebens. Seit weit 
iiber 3000 v.Chr. trugen die nordischen Volkerwellen diese Zeichen nachweislich nach 
Griechenland, Rom, nach Troja, Indien. Noch Minutius Felix ereifert sich gegen das 
heidnische Kreuz; bis schlieBlich der romische (T-formige) Galgen, an den Jesus geschlagen 
worden war, zu eben diesem heidnischen, jetzt "christlichen" Kreuz umgedichtet werden 
muBte und die heidnische Sonne bzw. das Himmelskreuz als Heiligenschein iiber den 
Hauptern der kirchlichen Martyrer und Glaubensboten erschien*. 

* Wir erleben soeben die Geburt einer neuen Wissenschaft:der Deutung altgermanischer 
Symbolik. Der Kreis mit den vier Speichen erscheint als Himmelskreuz, d. h- als die 
Projektion der Himmelsrichtungen, die Sechsteilung als die punkte der Sommer-, 
Winter sonnenwende usw. Diese Symbolik kosmischer Art ist es, welche durch die ganzen 
Jahrtausende unverstanden iibernommen hindurchgeht, als Uberreste einer Zeit, die mit 
Symbolen anstatt mit Buchstaben ihr Weltbild niederlegte vom Himmelsvater, Geburt, Tod 
und Ewigkeit. Die Sonnengleichnisse sind ein Ausschnitt aus diesem Weltbild. 

[166] Unsterbliche Gotter 

Der Wetterstrahl, die Lanze, wird das Gleichnis des Herrschens. Der "reitende Gott" mit der 
Lanze erscheint deshalb immer wieder erneut auf "christlichen" Gedenksteinen und 
Zeichnungen: das war der durch die Geschichte des Christentums reitende ewige Wanderer 
Wotan. Zerspalten in viele Gestalten lebt und webt dieser Gott als St. Oswald, als St. Georg, 
als St. Martin, als Lanzenreiter, ja als die hi. Kiimmemis durch die katholischen Lande und 
zieht noch heute unsichtbar als "der Wode" durch die Seele des Volkes in Niedersachsen. 
"Solange ein Volk lebt, sind seine Gotter unsterblich."* Das war Wotans Rache nach seinem 
Untergang. Bis Baldur auferstand und) sich den Heiland der Welt nannte. 

Uber diese Urkraft altnordischer Uberlieferung, die auch die "Bonifazius' " und) seine 
Nachfolger bis auf den heutigen Tag nicht ganz vernichten konnten, ist man in Rom (auch in 
Wittenberg) tief emport gewesen. Aber es blieb nichts anderes iibrig, als die anderen 
Gottergestalten zu christlichen Heiligen zu ernennen und ihre Ziige auf diese Weise zu 
iibertragen**. 

* A. Dietrich, "Untergang der antiken Religion". 

** Wie planmdfiig diese Politik durchgefiihrt wurde, zeigen Zahlreiche pdpstliche 
Verordnungen. So schreibt z- B- Papst Gregor "der Grofie " an Augusten den 
"Heiden"apostel, der ihn um Rat bei der Bekehrung bittet: "Denn in unserer Zeit (um 600) 
mag die heilige Kirche freilich manches mit glUhendem Eifer zum Besseren wenden, anderes 
aber duldet sie schonend, aber aufeine Weise, dafi Sie oft das Ubel, das sie bekdmpft, gerade 
durch dies Dulden und Ubersehen unterdriickt" (Beda I, 27). Und am 22. Juli 601 schreibt 
derselbe Papst an den Abt Mellitus, wenn die heidnischen Tempel nicht zerstort wiirden, 
konnte man sie "umwandeln": "Wenn dann das Volk seine Tempel nicht zerstort sieht, mages 
von Herzen seinen Irrtum ablegen . . . und an den ihm vertrauten Orten nach altem Brauch 
sich lieber einfmden. " Und nach Zulassung des Opferns: "Wenn ihnen solchermafien 
dufierlich (!) einige Freuden zugestanden werden, so mogen Sie Zu den innerlichen Freuden 
ihren Sinn leichter gewohnen. Denn ganz gewifi gehl es nicht an, dafi man harten Gemtitern 



alles aufeinmal abschneidet, weilja auch der, welcher zum hochsten Gipfel aufsteigen will, 
stufenweise . . . nicht Sprungweise sich emporarbeitet" (Bedal, 30, vergl. Th. Hdnlein: "Die 
Bekehrung der Germanen zum Christentum", Leipzig 1914 und 1910, 1, 57 und 64). 

[167] Nordisches Gut im Katholizismus 

Die Festtage der christlichen Kirche aber traten an die gleichen Tage wie das Urvolk sie 
feierte, ob dies nun das Fest der Fruchtbarkeitsgottin Ostara war, das zum Auferstehungsfest, 
oder das Fest der Wintersonnenwende, das zum Geburtstag Jesus wurde. So ist die 
katholische Kirche in wesentlichen Formen Nordeuropas auch nordisch-rassisch bedingt. Das 
Groteske an dieser Tatsache ist nur, daB sie aus der Not eine Tugend zu machen sucht und den 
Reichtum seelischen Lebens ausgerechnet sich zugute schreibt. Allen Ernstes erklart der 
kirchliche Zwangsglaubenssatz, jede nationale Farbigkeit hatte Raum in der Kirche, alle 
verschiedene Frommigkeit stehe unter ihrer Ob hut; nirgends sei "die personliche Freiheit des 
religiosen Ausdrucks" so geschiitzt, wie in der katholischen Kirche (Adam). Das ist natiirlich 
eine Umkehrung aller nur zu deutlich sprechenden Tatsachen. Von "Bonifazius" iiber Ludwig 
"den Frommen", der alles Germanische mit Stumpf und Stiel auszurotten bemiiht war, iiber 
die neun Millionen vertilgter Ketzer zieht sich bis zum Vatikanischen Konzil, bis auf heute, 
ein einziger Versuch, einen unerbittlichen geistigen Einheitsglauben (Unitarismus) 
durchzusetzen, eine Form, einen Zwangsglaubenssatz, eine Sprache und einen Ritus 
einheitlich fiir nordische Menschen, Levantiner, Nigger, Chinesen und Eskimos zu verbreiten 
(Man vergleiche den Eucharistischen KongreB zu Chikago 

[168] Die christliche Caritas 

1926, wo Niggerbischofe die Messe zelebrierten.) seit zweitausend Jahren emport sich das 
ewige Blut aller Rassen und Volker dagegen. Aber wie der Gedanke einer Weltmonarchie 
einen hypnotisierenden EinfluB auf starke Personlichkeiten ausgeiibt hat von Alexander bis 
Napoleon, so auch der Gedanke einer die ganze Welt beherrschenden Kirche. Und wie dieser 
erste Gedanke einst Millionen in seinen Bann zwang, so auch der zweite als Idee, ohne daB 
innerhalb ihrer Auswirkung eine restlose Unterwerfung vollzogen wurde. Deshalb haben auch 
die GroBen des friihen Mittelalters die romische Kirche als Bundesgenossen, zum mindesten 
aber als Helferin zur Verwirklichung romantischer Machtplane betrachtet. Diese wiederum 
erblickte im bewaffneten "weltlichen Arm" ein Mittel, ihrem Geiste freie Bahn zu schaffen. 
Auf die inneren Beweggriinde gepriift, war dieses Ringen wesentlich ein Kampf um die 
Vorherrschaft dessen, was als metaphysischer und charakterlicher Hochstwert zu gelten hatte: 
Liebe, Demut, Entsagung, Unterwiirfigkeit oder Ehre, Wiirde, Selbstbehauptung, Stolz. 



Nochmals: die Liebe wurde nur von den Anhangern und niederen Graden des romischen 
Systems gefordert und geiibt; die Fiihrung brauchte, um dauerhaft zu sein und starke Naturen 
anzuregen, Glanz, Macht, Gewalt iiber Seelen und Leiber der Menschen. Ohne Frage ist durch 
dieses System eine groBe seelische Opferfahigkeit geziichtet worden: das, was die katholische 
Kirche mit Stolz ihre "Caritas" nennt. Aber gerade hier, in ihrer schonsten menschlichen 
Auswirkung, zeigt sich ein ebenso starker Unterschied in der Wertung und Auswirkung einer 
scheinbar gleichen Tat. 

Wie die Gnade Gottes nur durch die Kirche vermittelt wird, so sind auch Wohltat und 
Barmherzigkeit 



[169] Volks-Krankheit durch "Humanitat" 

nur ein Geschenk der Kirche an den Ungliicklichen, an den Sunder. Es ist dies ein sehr klug 
abgewogenes Werben um einen gebrochenen Menschen, mit dem Zweck, ihn an ein 
Machtzentrum zu binden und ihm seine vollkommene Nichtigkeit vor Gott, zugleich aber 
dessen Macht, dargestellt durch die triumphierende Kirche, zu Gemiite zu fiihren. Es fehlt 
diesem Gedankengang aber auch alles, was wir als Ritterlichkeit bezeichnen. Einem 
nordischen, vom Ehrbegriff bestimmten Volke miiBte die Unterstiitzung seitens einer 
Gemeinschaft fiir einen in Not Geratenen nicht im Namen der herablassenden Liebe und 
Barmherzigkeit, sondern im Namen der Gerechtigkeit und Pflicht gepredigt werden. Dies 
hatte nicht eine unterwiirfige Demut, sondern ein inneres Emporrichten zur Folge, nicht das 
Brechen der Personlichkeit, sondern ihre Starkung, d.h. das Neuerwecken des 
EhrbewuBtseins. 

Hierher gehort das kirchlich-christliche Mitleid, das auch in der freimaurerischen "Humanitat" 
in neuer Form aufgetaucht ist und zu der groBten Verheerung unseres gesamten Lebens 
gefiihrt hat. Aus dem Zwangsglaubenssatz der schrankenlosen Liebe und der Gleichheit alles 
Menschlichen vor Gott einerseits, der Lehre vom demokratischen rasselosen und von keinem 
nationalverwurzelten Ehrgedanken getragenen "Menschenrecht" andererseits, hat sich die 
europaische Gesellschaft geradezu als Hiiterin des Minderwertigen, Kranken, Verkriippelten, 
Verbrecherischen und Verfaulten "entwickelt". Die "Liebe" plus "Humanitat" ist zu einer, alle 
Lebensgebote und Lebensformen eines Volkes und Staates zersetzenden Lehre geworden und 
hat sich dadurch gegen die sich heute rachende Natur emport. Eine Nation, deren Mittelpunkt 
Ehre und Pflicht darstellte, wiirde nicht Faule und Verbrecher erhalten, sondern ausschalten. 
Wir sehen auch an diesem Beispiel, daB sich das einheitsliisterne rasselose Schema mit 
ungesundem Subjektivismus paart, wahrend 

[170] Seelenkorruption durch AblaOhandel 

ein durch Ehre und Pflicht zusammengeschweiBtes soziales und staatliches Gemeinwesen 
zwar aus Gerechtigkeit auBere Not beseitigen und das WertbewuBtsein des Einzelnen 
innerhalb dieses Zuchtwillens zu steigern bemiiht sein muB, daB es aber ebenso notgedrungen 
die rassisch und seelisch fiir nordische Lebensform Untauglichen aussondern wiirde. Das eine 
wie das andere ergibt sich, wenn als Hochstwert alles Handelns die Ehre und als Trager dieser 
Idee der Schutz der nordisch-abendlandischen Rasse gesetzt wird. 

Ein typisches Beispiel dafiir, wie das romische System die menschlichen Schwachen fiir seine 
Zwecke ausniitzte, ist der Zwangsglaubenssatz vom AblaB. Dem armen "Siinder" gegeniiber 
behauptet die Kirche einen UberschuB an "stellvertretender Genugtuungsfiille" seitens Jesu 
Christi und der Heiligen zu besitzen. Laut ihrer "gottlichen Betrauung", zu losen und zu 
binden, verfiigt sie angesichts des betreffenden Ubeltaters iiber das Guthaben des Erlosers 
(der Afrikaner Tertullian war es namentlich, der diese Handlerlehre mit vielem Aufwand 
juristischer Spitzfmdigkeit ausgebaut hat). Man hat diesen Lehrsatz mit vielen 
geheimnisvollen Erlauterungen zu umgeben versucht und eine ganze Philosophic auf dieser 
stellvertretenden Siihne aufgebaut, jedoch wird keinem tiefer Blickenden ihr handlerischer 
Untergrund verborgen bleiben konnen. Handlerisch sowohl in seelischer wie in stofflicher 
Beziehung. Grundsatzlich lauft der AblaBgedanke auf ein Rechenbei spiel hinaus, dessen 
unbekannte X und Y durch beliebige Zahlen zu ersetzen in die Hand der Kirche gelegt ist. 
Das ist Ziichtung charakterlicher und seelischer Verwilderung, ganz abgesehen von den 
auBeren Folgen, wie sie etwa zu Luthers Zeiten eingetreten waren, als ein Geschaftsvertreter 



der Fugger den biederen Tetzel stets begleitete und ihm alles einlaufende Geld abnahm, well 
der Augsburger Kramer sonst vom verschuldeten Papst nicht bezahlt worden 

[171] Das "Heilige Jahr" 

ware*. Der Glaubenssatz vom AblaB war nur moglich, well der Gedanke eines personlichen 
Ehrgefiihls bei seiner Abfassung nicht mitgewirkt hatte. Es muBte femer auch darauf 
hinauslaufen, das noch vorhandene EhrbewuBtsein zu unterhohlen und knechtisches Denken 
zum frommen Wesen zu stempeln. AuBerlich betrachtet, hat das deutsche Aufbaumen gegen 
diese Schande das romische System gezwungen, mit der Durchfiihrung des AblaBunwesens 
vorsichtiger zu werden. Grundsatzlich wird es jedoch noch heute als ein Recht und fromme 
Ubung von der Kirche verteidigt. (Vgl. den GeneralablaBaufruf von 1926). DaB dieser Unfug 
ebenfalls auf "biblisches Urgut" zuriickgefiihrt wird, versteht sich von selbst. Eine 
jahrtausendalte Umziichtung langer Geschlechterreihen um einen neuen Pol - Rom - hat auf 
die nichtnordischen Untergriinde der europaischen Volker so stark gewirkt, daB dieser Aufruf 
an das zerspaltene Menschentum von ihnen gar nicht als Schmach, sondem als gegenseitige 
Hilfe der "Glieder des Leibes Christi" empfunden wird. 

* Viele Ablafieinkunfle brachte das "Heilige Jahr", erfunden von Bonifaz VIII. Der 
Jubildumsablafi war nur in Rom zu erwerben. Anfdnglich sollte alle 100 Jahre das "Anno 
sankro" gefeiert werden. Dann wurde die Jubelfeier alle 50, dann alle 33, schliefilich alle 25 
Jahre begangen, um hdufiger grofie Summen zu erhalten. Das erste "Heilige Jahr" (1300) 
brachte dem Papst 200. 000 Fremde und 15 Millionen Goldgulden. 1350 nahm der Vatikan 22 
Millionen ein, man versteht also, warum nach den 33 Jahren "zum Andenken an die 
Lebensjahre " Jesu (wie es bei der zweiten Kiirzung der Zeitspanne hiefi), die nur 25jdhrige 
Pause eingeftihrt wurde: "wegen der Ktirze des menschlichen Lebens". Man sieht, selbst 
Jesus' Marter tod kann gut fUr Begriindung der Geschdfte seines "Stellvertreters" sein. Um 
noch mehr Geldzu erhalten, wurde die Offnung und Schliessung der "Goldenen P forte" fiir 
das "Heilige Jahr" eingeftihrt: wer hier einging und seinen Obolus hinterliefi, konnte auch 
seine Freunde von alien Stinden befreien. 1500 verwendete Alexander VI. die Einktinfte des 
Jubelablasses ftir die Aussteuer seiner Tochter Lukrezia. Jedes Verbrechen hatte seinen 
festgesetzten Preis, mit dem man sich loskaufen konnte: Elternmord, Blutschande mufiten 
hoch bezahlt werden. Erst die protestantischen Angriffe steuerten dem Unfug. Darauf wurde 
der Ablafiftir zauberhafte Gebrduche gewdhrt (Skapuliertragung, privilegierte Altdre usw.). 
Ahnliche Geschdfte machten alle unteren Stellen. Das Kloster Monte Cassino hatte z.B. 
500. 000 Dukaten Jahreseinktinfte und umfafite um 1500 4 Bischofssitze, 2 Ftirstenttimer, 20 
Grafschaften, 350 Schlosser, 440 Dorfer, 336 Gtiter, 23 Hafenniederlassungen, 33 Inseln, 
200 Mtihlen, 1662 Kirchen! Ein Beispiel von tausenden. Hinzu kamen Amteschacher 
(Abftihrung von Riesensummenftirs Pallium an den Papst), Peterspfennig, 
Dispensationsgelder usw. Geldgieriger sinddie schlimmsten Despoten der Erde nicht 
gewesen, wie die "Stellvertreter" des Mannes, dessen Reich nicht von dieser Welt war. 

[172] Zauberglauben in der Fiirbitte 

Aus dem gleichen, der Idee der Ehre abgewandelten Denken ist die Form der kirchlichen 
Fiirbitte zu begreifen. Auf Grund der Beschliisse der Konzilien zu Lyon, Florenz und Trient 
wurde mit Stimmenmehrheit der Lauterungszustand zwischen dem Leben einerseits und der 
ewigen Verdammnis bzw. der ewigen Seligkeit andererseits eingefiihrt und der Kirche die 
Macht zugesprochen, durch ihre Fiirbitte das Purgatorium zum guten Ende zu fiihren. 
Entkleidet man diese Lehre all ihrer Verbramungen, d. h. nimmt man sie so wie sie gemeint 
ist: namlich nicht als wirkliche Fiirbitte und seelisches Gedenken eines Dahingeschiedenen, 



sondern als einen Akt, der den Gang der Seele auch nach dem Tode beeinfluBt, so haben wir 
den gewohnlichsten Zauberglauben, wie ihm die Siidseevolker noch heute huldigen. 
Philosophisch betrachtet, stehen die Glaubenssatze vom AblaB und der wirksamen Fiirbitte 
(nebst einer Unzahl anderer, von der Lehre vom Skapulier bis zu den heiligen Olen und 
wundertatigen Reliquien) auf der Hohe einer Weltanschauung, deren Typus der Medizinmann 
ist. Der Medizinmann, dessen Gebet 

[173] Die Weltanschauung des Medizinmannes 

Regen bringt oder verhindert, dessen Fluch totet, der mit Gott (oder den Gottern) einen 
Vertrag geschlossen hat, und ihn (oder sie) zu allem zwingen oder doch beeinflussen kann 
durch zauberhafte Gebrauche*. Der Medizinmann als damonische Figur kann selbstandiges 
Denken seiner Anhanger ebensowenig brauchen wie ehrbewuBtes Handeln. Er muB 
folgerichtig, um seine Stellung zu sichern,' das eine wie das andere mit alien zur Verfiigung 
stehenden Mitteln auszuschalten bemiiht sein. Er muB alle allzu menschlichen Angste und 
hysterischen Anlagen groBziichten; er muB Hexenwahn und Damonenzauber predigen; er 
muB mit Index, Feuer und Schwert alles Forschen unterbinden, das zu anderen Ergebnissen 
fiihren kann, oder gar zur Befreiung von dem ganzen vom Medizinmann gelehrten Weltbild. 
Der Medizinmann muB einen Roger Bacon genau so in den Kerker werfen, wie einen Galilei; 
er muB das Werk des Kopernikus in Acht und Bann erklaren und alle Gedankensysteme zu 
vernichten trachten, die Ehre, Pflicht und Mannertreue - also auf hochwertige Personlichkeit 
abgestimmte Lehren - als lebensgestaltende Machte behaupten wollen. Den Versuch 

* Ein dufierlich nicht in dieses Werk passendes Ereignis, das aber zu inner st tief bedeutend 
ist, mag hier zur Kennzeichnung dieser Geistesrichtung vermerkt sein. Am Tage des 
Fronleichnams 1929 zuMtinchen wurde die Prozession plotzlich von einem star ken 
Gewitterregen Uberrascht. Die Monche, Nonnen, Ministranten nsw. packten ihre Kerzen und 
Kruzifixe untern Arm und verliefen sich in alle vier Himmelsrichtungen. Darauf predigte der 
Kardinal Faulhaber in der Frauenkirche und ermahnte die Gldubigen, sich ihren Glauben 
durch das Unwetter nicht erschiittern zu lassen, wenn auch Jesus Christus diesmal das ihm 
dargebrachte Opfer nicht angenommen habe • • • Jesus wirdhier also als Regenmacher 
hinge ste lit und die verregnete Fronleichnamsprozession als ein mifigltickter 
Bezaubernngsversuch! Das Wort von der Medizinmannphilosophie - ohnejede beleidigende 
Absicht gebraucht - kennzeichnet also genau die geistige Haltung der romischen Kirche. 

[174] Menscheneinschreckung als Zuchtmittel 

schildem, die zauberhaft-damonische Weltauffassung des Medizinmannes weltpolitisch 
durchzusetzen, heiBt romische Dogmen- und Kirchengeschichte schreiben. Rom hat es also 
verstanden, sich nicht nur die "Stellvertreterschaft Gottes" in den Augen von Millionen zu 
sichern, sondern durch Einwirkung auf den stets weitergeziichteten Zauberglauben gewisser 
Schichten innerhalb der verschiedenen Volker auch den Glauben an die Allmacht seiner nur 
durch die Priester durchfuhrbaren Gebrauche (wie AblaB, letzte Olung usw.) auf das Jenseits 
wachzuerhalten. Und zugleich hat der Papst es verstanden, sich der Verantwortung fiir diese 
Zauberei zu entziehen. Andere Einrichtungen ahnlicher Art in fremden Landem waren hier 
folgerichtiger. Der sich magische Krafte anmaBende Lehrer und Hauptling eines "primitiven" 
Stammes wird, wenn seine Opferzeremonien doch zur Diirre oder alles vemichtenden 
Uberschwemmung fiihren, getotet. Der Kaiser von China ist gottgleich gewesen; als Sohn des 
Himmels genoB er Verehrung, war aber verantwortlich fiir das Gedeihen von Volk und Staat. 
Der Papst hat nun der an ihn glaubenden Menschheit die Nachpriifungsmoglichkeit fiir seine 
Behauptungen dadurch unmoglich gemacht, daB er ihre Wirkung aus dem Diesseits ins 



Jenseits versetzte. (Gelingt jedoch eine hypnotische Heilung, so sind die katholischen Blatter 
voll mit Nachrichten dariiber, gleichwie sie hartnackig schweigen iiber die Tausende, die 
unverandert die Wallfahrts- und Wunderorte verlassen.) Da mit Ausmalen der Schrecken der 
Holle - ein Begriff, den der fromme Ulfilas nicht kannte, fiir den also auch jedes germanische 
Wort fehlte - nicht gespart wurde und wird, so fesselt Rom die Hoffnung eingeschiichterter 
Millionen an seine Riten und ihre magische Wirkung ohne in Gefahr zu geraten, durch das 
Experiment widerlegt zu werden. 

[175] Jesuiten ersetzen Jesus Christus 

Auch dieses Mittel hat viel zur Dauerhaftigkeit des romischen Systems beigetragen. 

Nun ist der Versuch der Weltverzauberung zwar miBlungen, aber doch nicht ganz. Die 
anfangliche technische Uberlegenheit des Siidens iiber das Germanentum, das folgerichtige 
Ausrotten des Freien, Stolzen und EhrbewuBten mit Hilfe aller nur denkbaren Biindnisse; das 
kluge Umfalschen nordischer Gebrauche, die als solche bestehen blieben, nur eine andere 
Verwaltung erhielten..., das alles ist nicht ohne nachhaltige Auswirkungen geblieben. 

Die letzten Folgerungen aus dem romischen System hat der Jesuitismus gezogen. Den 
SchluBstein in dem Bau der Medizinmannphilosophie schuf das Vatikanische Konzil. Hier 
wurde der Medizinmann fiir die Zeit der Ausiibung seines Amies zum Gott, zum u n f e h 1 b a 
r e n Gott erklart. Jesus ist jetzt, streng genommen, nicht mehr in Stellvertretung, sondem 
abgesetzt. Abgesetzt und ersetzt durch das romische System, gekront von dem mit aller Macht 
ausgestatteten, sich Papst nennenden Medizinmann. "Die neutestamentliche Bibel ist zwar ein 
bedeutsamer, aber durchaus nicht ein erschopfender Niederschlag dieser das 
GesamtbewuBtsein der Kirche erfiillenden apostolischen Uberlieferung", schreibt 
herablassend der genannte moderne katholische Programmatiker Prof. (Adam). 

Jesus ist hinausgedrangt, der syrisch-etruskische Aberglaube aber. der sich gleich anfangs um 
seine Personlichkeit rankte, ist als "apostolische Uberlieferung" an seine stelle getreten. Dem 
romischen Dogma ist der Ehrbegriff von sich aus als Problem gar nicht gegeben. Es muBte 
ihn von seiner Grundeinstellung aus, die nur Unterwerfung forderte, systematisch ausschalten 
Die Schule zur bewuBten Ausrottung dieser trotzdem iiberall auftretenden seelischen Kraft 
des abendlandischen Lebens aber stellt zweifellos der sich 

[176] Kadavergehorsam - eine Semitische Lehre 

wie zum Spott als "Gesellschaft Jesu" bezeichnende Orden dar: die Art, wie Ignatius die 
Nachfolger Jesu einexerziert sehen wollte, bedeutet so ziemlich den femsten Gegensatz zum 
germanischen Denken und Fiihlen. Welche Einfliisse neben Urinstinkten des Basken an der 
Zeugung und Ausgestaltung die wesentlichsten gewesen sind, dariiber gehen die Ansichten 
noch heute auseinander. Zwar meinen die frommen "Stimmen aus Maria Laach", "der 
iibernatiirliche Ursprung des Exerzitienbiichleins" sei "von keinem Verniinftigen angezweifelt 
worden", doch ist dieser kindliche Versuch, auch derart frische Erzeugnisse auf "gottliches 
Diktat" zuriickzufiihren, selbst der Priesterschaft etwas peinlich. Es haben nachweislich die 
Schriften des Paters Garcia de Cisnero von Manresa, die Benediktiner- und 
Franziskanerregeln auf Ignatius groBen EinfluB ausgeiibt, aber auch die Grundsatze der 
maurischen religios-politischen Geheimbiinde, die sich iiber Nordafrika bis nach Spanien 
zogen, miissen ihm genau bekannt gewesen sein, da eine geradezu verbliiffende 
Ubereinstimmung zwischen den muselmanischen Orden und den Grundsatzen der 
Gesellschaft Jesu besteht. Die muselmanischen Texte lehren: "Du wirst unter den Handen 



deines Scheichs gleich einem Leichnam in der Hand des Totenwachters sein." "Gehorche 
deinem Scheich in allem, was er anordnet, denn es ist Gott selbst, der durch seine Stimme 
befiehlt*." Ignatius fordert in seinem beriihrnten Brief iiber den Gehorsam das Gleiche: 
blinden Gehorsam, Kadavergehorsam. Die Klarheit des blinden Gehorsams wiirde 
verschwinden, falls wir innerlich iiberhaupt die Frage nach Gut und Bose einem Befehle 
gegeniiber stellen wollten. Wenn es notig sei, ein Gebot des Oberen, "welches es auch sei", zu 
erfiillen, so werde 

* Livre de ses appuis von Scheich Si-Snoussi, ubetsetzt von M. Colas. Ndheres bei Muller: 
"Les origines de la Compagnie de Jesus", Paris 1898. Vgl auch Charbounel: "L 'Origine 
Musulmane des Jesuites". 

[177] Loyolas "Constitutionen" 

uns ein blinder Drang zu gehorchen mit sich Ziehen, "ohne dem Denken den geringsten Raum 
zu lassen". Es war am 26. Marz 1553, als die Forderung des Kadavergehorsam s als offene 
Herausforderung in das germanisch abendlandische Geistesleben geschleudert wurde. "Leget 
ab, geliebte Briider", schreibt Ignatius, "soviel als moglich euren Willen und iiberliefert und 
opfert euere Freiheit..." "Ihr sollt mit einem gewissen blinden Drang gehorchen, gierigen 
Willens ohne irgendwelche (!) Untersuchung euch treiben lassen, zu tun, was immer (!) der 
Obere sagt..." In den "Constitutionen" lesen wir: "Jeder soil iiberzeugt sein, daB, wer unter 
dem Gehorsam lebt, sich von der gottlichen Vorsehung durch den Oberen lenken lassen soil, 
als sei er ein Leichnam, der sich hierhin und dorthin auf jede Weise tragen und legen laBt; 
oder als sei er der Stab eines Greises, der demjenigen, der ihn halt, wo und wie immer er will, 
dient..." In seinen "Regeln", die Loyola den "Exerzitien" beifiigte, forderte er nochmals 
"ganzliche Aufhebung des eigenen Urteils" und ferner, "wenn etwas unseren Augen weiB 
erscheint, was die Kirche als Schwarz defmiert hat, dies gleichfalls als Schwarz zu erklaren". 
Auf deutsch: es wird Unterwerfung gefordert, ganz gleich, ob der Dienende etwas fur 
siindhaft oder unehrenhaft halt; hier fallt sogar noch die fruher gemachte, wenn auch 
fadenscheinige Einschrankung, man brauche nur dann nicht zu gehorchen, wenn eine 
"offenbare Siinde" gefordert werde*. 

* Ein "Memorial" des Jesuitenkollegs zu MUnchen erldutert die 35. und 36. Kegel iiber den 
Gehorsam: "Der gehorcht blind, der wie ein Leichnam oder wie der Stab eines Greises, die 
kein Gefiihl und kein Unteil haben, so gehorcht, als hdtte er das eigene Urteil so gebunden 
und gewissermafien ganz ausgeschaltet (totum eclipsatum), dafi er gleichsam aus sich nicht 
urteile und nicht sehen kann, sondern ein anderes Urteil sich ganz angeeignet hat, ndmlich 
das des Oberen, undzwar so vollstdndig und so vollkommen, dafi, was immer der Obere 
urteilt undfUhlt, dasselbe undnichts anderes als er wirklich urteile undjiihle, und dafi dies 
Urteil des (Oberen) sein eigenes unverfdlschtes undnattirliches Urteil sei. Das ist die Kraft 
der wahren Selbstverleugnung und der wahren Selbstblindmachung (excaecatio) : nicht mehr 
durch eigene, sondern durch fremde Bewegung getrieben zu werden". (Rensch, Archivalische 
Beitrdge: Zeitschrift fiir Kirchengeschichte. 1895, XV, 263.) 

Der franzosische Jesuit Julian Vincint, der den Mut aufbrachte, noch im Jahre 1588 den Brief 
des Ignatius als ketzerisch zu erklaren, wurde von der Inquisition ins Gefdngnis gefperrt, 
dann als verriickt ausgerufen. Dank der liebevollen Obhut der "Nachfolger Christi" starb er 
im Jahr daraufim Gefdngnis. 

Wer einen dhnlichen Fall von brutaler Knechtung eines aufrechten Mannes innerhalb des 
heutigen Jesuitenordens vefolgen will, der lese die Prozefiakten des deutschen Jesuitenpaters 



Bremer iiber seinen Kampf gegen den Jesuitengeneral und den ihn gegen alles Recht 
schiitzenden Papst. Bremer vertrat als anerkannter Gelehrter die alien strengen 
Vorstellungen iiber Sitte, was als unbeqnem einfach verboten wurde. Aber der kleine Pater 
liefi sich nicht einfach abwiirgen wie tausend andere und verteidigte seinen Standpunkt auf 
Grund des Kirchenrechts. Dies hatte eine Brutalisierung nach der anderen zur Folge, darauf 
Prozesse des Paters, dann seine Verurteilung in Rom, ohne dafi er gehort wurde. Bremer 
erhebt gegen Jesuitengeneral und Papst offen die Beschuldigung der Urkundenfdlschung. 
Beide haben sich dies gefallen lassen miissen ... Die schonen Zeiten der Inquisition sind 
voriiber, sonst ware Bremer schon Idngst in einem Kerker verfault. Ndheres Dr. F. Ernst, 
"Papst und Jesuitengeneral", Bonn 1930.. 

[178] "Recht" auf Gewissensvernichtung 

Diese Offenheit, diesen Mut zur letzten SchluBfolgemng aus den Voraussetzungen des 
romischen Systems vertrugen aber selbst die eifrigsten abendlandischen Mitglieder der 
damaligen Kirche noch nicht. Sogar die romische und die Spanische Inquisition erhoben sich 
gegen diese allzu klare Sprache, von alien Ecken und Enden der Welt erschollen ob dieser 
geforderten Ehrlosigkeit und Knechtseligkeit Proteste. Fast ware es zu einer offentlichen 
Verurteilung der Jesuitenlehre gekommen, jedoch gelang es dem verschlagenen Bellarmin-im 
Interesse der "Einheit der Kirche" - eine solche zu hintertreiben*. Die Forderung des Ignatius, 
das WeiBe schwarz zu nennen, wenn die Kirche das befehle, bedeutete die Heiligerklarung 
der Seelenvergiftung, war die Anerkennung auf das Recht der Gewissensvernichtung, war die 
offene Erhebung der Liige zum frommen Werk. DaB diese uns das sittliche Riickenmark 
aussaugende Lehre nicht restlos durchgefiihrt werden konnte, lag wiederum nicht an dem 
guten Willen der alleinseligmachenden Kirche, sondem nur an der Kraft 

[179] Ausrottung des Ehrbegriffes 

der Abwehr des europaischen Geistes und an der Unmoglichkeit, selbst durch jahrzehntelange 
Niederziichtung, das europaische EhrbewuBtsein auszubrennen. Heute ist man gezwungen, 
selbst die "von Gott diktierten" Worte des Ignatius nicht mehr als wahr zu erklaren, man wagt 
es nicht, offen in den Jesuitenschulen Leichnamsgehorsam und Aufgabe seiner Ehre zu 
fordern. Aber das Ziel und der Weg zum Zustand einer Herde seelenloser Knechte sind 
unverkennbar deutlich gezeichnet. Dem Brechen jedes Wiirdegefiihls dienen die die 
Einbildungskraft angstigenden und den Eigenwillen knechtenden Ubungen des Ordens 
ebenso, wie die Unterjochung der seelischen Personlichkeit unter die Hypnose eines starken 
Zentralwillens. Die Tatsache, daB die Kirche die Leichnamslehre nicht verurteilte, zeigt, daB 
sie dasselbe anstrebte, wie ihr Werkzeug, die Gesellschaft Jesu. Und wie die syrisch- 
afrikanischen Orden zum "allergroBten Ruhme Gottes" wirken wollten, so arbeitet der Orden 
der Jesuiten "Ad majorem dei gloriam" zielbewuBt an der Zersetzung des nordisch- 
germanischen Abendlandes und nistet sich naturnotwendig iiberall 

[180] Wesen des Jesuitenordens 

dort ein, wo eine Wunde an einem Volkskorper bemerkbar wird. 

Hier ist nicht die Rede vom guten oder bosen Willen, sondem von unwandelbaren 
Charakterwerten. Ignatius war ein, wenn auch ehrgeiziger, so doch tapferer Mensch, sein 
Knechtungssystem aber ist die Umkehrung aller Werte Europas. Wie der theoretische 
Materialist personlich ein guter geniigsamer Mann sein kann (auch hier der Unterschied 
zwischen Glaube und Charakterwerten), so konnte auch der kriegerische Loyola zum Symbol 



des skrupellosesten Kampfes gegen das Seelentum der nordischen Rasse werden. Um es 
gleich vorweg zu nehmen: nichts ist falscher, als die Exerzitien des Ignatius mit dem 
preuBischen Zuchtsystem zu vergleichen, wie es oft zwecks Verschleierung der Tatsachen 
geschieht, vielmehr bilden diese beiden Formen des typenbildenden Mannerbundes 
unvereinbare Gegensatze. Ignatius schafft die uniforme Monchstracht ab, entsagt 
iibertriebener Askese, bringt seine Vertreter unerkannt in alien Stadten unter (die 
" Affilierten"), laBt ihnen in ihrem auBeren Leben eine groBe Freiheit. Dafiir opfern die 
Jesuiten dem Orden: eigenes Forschen, Personlichkeit, Mannerwiirde, letzten Endes ihr 
rassisch-seelisches Wesen. Der preuBische Soldat stande auBerlich technisch unter rauher 
Zucht, innerlich war er frei. Das erste System kennt die Idee der Ehre nicht, und wo es darauf 
stoBt, versucht es diese niederzutreten; das zweite kreist nur um diese Idee. Das erste war und 
ist ein Spaltpilz inmitten unseres Lebens, eine zersetzende, alles Starke und GroBe unserer 
ureigenen Vergangenheit auslaugende Saure; das zweite war und ist die Urzelle zum Aufbau 
unseres ganzen Daseins, wie sie wirksam war, als sie mit dem Wiking und den jungen 
Germanen zum erstenmal offen in das Licht der Geschichte trat. 

Nach dem Basken Ignatius war Lainez - ein Jude - als sein Nachfolger maBgebend fiir die 
Fortentwicklung des 

[181] Das Vatikanische Konzil 

romischen Dogmas nach seiner uns alien feindlichen Richtung hin. Dessen Wirksamkeit 
namentlich auf dem Tridentiner Konzil und die Folgen der dort niedergelegten Beschliisse 
waren einer deutschen Doktorarbeit wert. Und am 18. Juli 1870 sprach das jesuitische 
Vatikanische Konzil sein SchluBbekenntnis:"Wir lehren und erklaren, daB nach der 
Anordnung des Herrn die romische Kirche iiber alle anderen den Vorrang der ordentlichen 
Amtsgewalt inne hat..., daB das Urteil des apostolischen Stuhles, iiber welchen es keine 
hohere Gewalt gibt, von niemanden einer neuen Erkenntnis unterzogen werden darf, sowie es 
auch niemanden zusteht, iiber dessen Urteil zu Gericht zu Sitzen." "Der Stuhl des hi. Petrus 
bleibt stets von allem Irrtum unversehrt." "Wir erklaren es als einen von Gott geoffenbarten 
Glaubenssatz: daB der romische Papst, wenn er von seinem Lehrstuhl aus (ex cathedra) 
spricht..., eine von der gesamten Kirche festzuhaltende, den Glauben oder die Sitte 
betreffende Lehre entscheidet, vermoge des gottlichen, im hi. Petrus ihm verheiBenen 
Bestandes, jene Unfehlbarkeit besitzt, mit welch er der gottliche Erloser seine Kirche in 
Entscheidung einer den Glauben oder die Sitte betreffenden Lehre ausgestattet wissen 
wollte... So aber jemand dieser unserer Entscheidung, was Gott verhiite, zu widersprechen 
wagen Sollte: der sei im Banne." 

Damit ist das romisch-jesuitische System der Personllchkeitsvernichtung vollendet worden. 
Zwar empfanden Millionen treuglaubiger Katholiken dunkel die ganze Ungeheuerlichkeit 
dieser Selbstvergotterung eines Amies an sich, und einige Manner standen auf, um gegen 
diese Entehrung des Menschen - das ist das Wesen des Vatikanums - Verwahrung 
einzulegen. Der katholische Rektor der Prager Universitat schrieb entsetzt: "Man lieB Sich 
abschlachten und schlachtete sich ab, warf die Uberzeugung, Glaube, Priester- und 
Mannesehre hinweg. Das ist das 

[182] Vergebliche Proteste gegen Pius IX. 

Resultat einer Entwicklung, welche in dem blinden Gehorsam gegen den romischen 
Hierarchen das Wesen des Christentums sieht*." Bischof StraBmeyer erklarte, die Kurie 
betrachte das Papsttum wie ein Aas, und hoffte auf den Tod Pius IX., was eine "wahre 



Wohltat fiir die Menschheit" bedeuten wiirde; J. Bollinger lehnte das Dogma "als Christ, 
Theologe und Geschichtskundiger" ab. Selbst der groBe Stolz des Zentrums, Windthorst, war 
immerhin mutig genug, wenigstens unter Freunden das neue Unfehlbarkeitsdogma 
abzulehnen. Wie der Breslauer Domherr Kiinzer mitteilte**, hatte er alle Miihe, Windthorst 
zu beruhigen und er "suchte seinen Ingrimm gegen die Jesuiten, die er fiir schuldig an allem 
erklarte, und gegen deren Vertreibung er keinen Finger krumm machen wiirde, zu 
besanftigen". Aber was im 16. Jahrhundert noch moglich schien, war jetzt ansonst; es half 
alles nichts. Pius IX. konnte denn auch stolz von sich erklaren: "Ich bin der Weg, die 
Wahrheit und das Leben***", ohne daB die seelisch zersetzte, geknechtete katholische Welt 
gegen diese AnmaBung aufzubegehren wagte... 

Es handelt sich nun gar nicht darum, daB der Papst irgendwelche besondere Verfiigungen als 
unfehlbar erlaBt, sondern lediglich urn die Tatsache, daB ihm diese Moglichkeit zugesprochen 
wurde. Erneut ist ein Stiick von jenem unfaBbaren Etwas, das jedes Volk als Zentrum seiner 
Seele fiihlt, angenagt, abgebrockelt worden. Der Papst wird auch offen nichts Unehrenhaftes 
fordern, die Tatsache der Ausstellung einer Blanko-Vollmacht seitens der katholischen Welt 
zeigt aber allein zur Geniige, daB man tatsachlich im Dienste der "Liebe" seine Mannesehre 
weggeworfen hatte. Das Vatikanum bedeutete den Bruch der 

* Schulte: "Der Altkatholizismus in Deutschland". 
** "NorM. Allg. " vom 11. Januar 1871. 
*** Obs. catholique 1866, s. 357. 

[183] Luthers rettende GroBtat 

letzten Charaktere in der damaligen Kirche. Und also auch in der heutigen: denn die jetzigen 
Wiirdentrager sind bereits unter der Herrschaft dieser ehrlosen Lehrsatze groBgezogen 
worden. Der sogen. "politische Katholizismus" ist nur die notwendige AuBenseite des 
jesuitisch-romischen Systems iiberhaupt, also auch nicht MiBbrauch, sondern die folgerichtige 
Anwendung der romischen Grundsatze, wenn auch MiBbrauch der echten Religion. Denn 
erscheint alles geistige von Rom freie Wesen, alle von Rom unabhangige weltliche Macht als 
"Abfall" von der "legitimen Herrschaft", so heiligt jedes Mittel den Zweck, diese geistig 
politische Herrschaft wieder zu erringen. 

Dieses System hat die Opferfahigkeit des liebenden Menschen in den Dienst einer 
unbarmherzigen Kaste zu zwingen verstanden. Durch Verlegung des inneren Schwergewichts 
vom EhrbewuBtsein zu Demut und Mitleid wurde die seelische Wiirde der nordischen Volker 
unterhohlt. Kriege, Revolutionen - zum Teil von Rom ausgenutzt, Zum Teil unmittelbar von 
Rom hervorgerufen - brachten weitere physische und seelische Zermiirbungen mit sich, bis es 
nach demokratisch-jiidischer Mithilfe moglich wurde, 1870 den SchluBstein in die Kuppel des 
Gebaudes zusetzen. Und das heiBt: Aufgabe der Ehre des Einzelnen, der Volker, der Rassen 
zugunsten des Herrschaftsanspruches einer sich selbst zum Gott erklarenden 
Priestergesellschaft. 

In diesem groBen Zusammenhang gesehen, liegt Luthers GroBtat nicht auf dem Gebiet der 
Kirchengriindung, sondern ist viel bedeutsamer als die Herbeifiihrung einer bloBen 
Kirchenspaltung. so sehr Luther auch noch tief im Mittelalter steckte, seine Tat bedeutet die 
groBe Umwalzung in der Geschichte Europas nach dem Eindringen des romischen 
Christentums: Luther verneinte das Priestertum an sich, d. h. die Berechtigung einer 
Menschenkaste, welche vorgab, zur Gottheit in naherer Beziehung zu stehen wie andere 
Menschen, die auf Grund einer sogenannten 



[184] Lamaismus in der Kirche 

"Gotteswissenschaft" sich anmaBte, besseren Bescheid iiber die Heilsplane Gottes und die 
Zustande im "Himmel" zu besitzen. Damit hemmte Martin Luther das Fortschreiten jenes 
zauberhaften Unwesens, welches aus Mittelasien iiber Syrien - Afrika zu uns gekommen war. 
Afrikanisch ist das Monchtum, ist die Tonsur, mittelasiatisch sind die naturwidrigen 
Kasteiungen, durch die man "Gott naher" gebracht werden sollte, asiatisch ist der heute noch 
in Tibet gebrauchhche Rosenkranz, dessen Mechanismus in der Gebetmiihle seine 
Vollendung gefunden hat. Asiatisch ist der FuBkuB des Papstes, der Dalai Lama verlangt noch 
heute das gleiche - und einiges mehr, was sich aber in Europa doch nicht durchsetzen lieB. 
Man denke hierbei auch an Alexander den GroBen. Als dieser ganz Vorderasien erobert hatte, 
hieB er die Asiaten vor sich niederknien, wenn sie ihn begriiBten, mit seinen Mazedoniern 
aber verkehrte er wie mit Kameraden, ein einziger Versuch, die Proskynese auch bei ihnen 
einzufiihren, scheiterte sofort und Alexander belieB es beim alien Verhaltnis. schon dort 
schied sich nordisches Europa vom Oriental entum, aber der Lamaismus hatte in der Form der 
romischen Priesterkaste seinen Einbruch vollzogen und die orientalische Politik der 
Babylonier und Agypter und Etrusker fortgefiihrt. Dieser Geistesgesamtheit hatte Martin 
Luther den Kampf angesagi, blieb Sieger und auch alle noch ehrbewuBten Katholiken haben 
es seinem Werk zu verdanken, daB das Papsttum sich reformieren, saubern muBie, um 
iiberhaupt noch in der erwachenden Kulturwelt Europas bestehen zu konnen. 

Man mache es sich nur klar, wohin es mit den einstmals germanischen Staaten gekommen 
ware, wenn jener Geist gesiegt hatte, der die Heiligkeit mit Schmutz und ekelhaftem Leben 
verbinden wollte. Der hi. Eusabius lief mit 260 Pfund eisernen Ketten herum, der hi. Macarius 
erkaufie sich die Heiligkeit, indem er die Schmerzen eines 

[185] Der "Geruch der Heiligkeit" 

Ameisenhaufens ertrug, in den er sich seizie, der hi. Franziskus - in vielem gewiB eine ganz 
groBe Personlichkeit - zollte dem Asiatismus den Tribut, indem er zum Wohlgefallen Gottes 
sich nackt auf Dornen herumwalzte. Besonders fromme Nonnen tranken fremden Speichel, 
aBen tote Mause und faule Eier, alles, um "heiliger" zu werden. Der hi- Hilarius wird 
gepriesen, well er nur im Unrat gelebt habe, der hi. Athanasius war stolz darauf, nie seine 
FiiBe gewaschen zu haben, das gleiche wird vom hi. Abraham, von der hi. Sylvia berichtet. 
Das Kloster der hi. Euphrasia hatte gar das Geliibde abgelegt, daB seine Nonnen nie baden 
diirften... Unter der hemmungslosen Weiterentwicklung dieses "Geruches der Heiligkeit" 
ware Europa heute bei dem Zustand der schmutzstarrenden Heiligen Indiens und Tibets 
angelangt, bei einem Zustand vollkommenster Verdammung, des furchtbarsten Aberglaubens, 
der Armut und des Elends - bei standiger Bereicherung der Priesterkaste. Durch die 
Gesamtheit der antiromischen Bewegungen wurde Europa gerettet und der groBie Retter des 
Abendlandes ist Martin Luther deshalb, well er das Wesen bekampfte, aus dem sich die 
skizzierten Zustande als notwendige Ergebnisse ergaben: 

das zaubergewaltige Priestertum Roms als Fortsetzung der Priestergesellschaften Vorder- und 
Mittelasiens. Der deutsche Bauernsohn wurde somit zur Achse einer neuen Weltentwicklung, 
dem alle Europaer dankbar sein miiBten, denn er hat nicht nur die Protestanten frei gemacht, 
sondern auch die Katholiken vor seelischem Untergang gerettet. Die spatere Riickkehr vieler 
Abgefallener (Wien, Miinchen waren einst protestantische Siadie) zum Katholizismus wurde 
denn auch nur durch die erzwungene Sauberung vom Heiligengeruch moglich, aber man 
vergesse nie, daB, wenn es den protestantischen Geist nicht mehr geben sollte, die tibetanisch- 
etruskische Welt sich erneut offenbaren wiirde (Spanien, das am wenigsten protestantisch 



[186] Kaiser und Papst 

war, hat die Herrschaft Roms am bittersten empfunden, nirgends in Europa gab es eine 
derartige seelisch-geistige Riickstandigkeit wie dort vor der Revolution des April 193 1). Wie 
tief satanischer Wahnglaube an den allerhochsten Stellen auch heute noch herrscht, hat der 
Leo Taxil-Schwindel der erstaunten Welt ebenso offenbart wie das Teufelexorzieren frommer 
Kirchenmanner in alien Staaten. 



Das Wesen des Kampfes zwischen Kaiser und Papst war zunachst der Kampf urn 
Vorherrschaft zwischen der Ritterehre und der verweichlichenden Liebeslehre. Das lebendige 
Gleichnis des ersten abgeschlossenen Kompromisses ist das Schwert mit dem Kreuzesgriff, 
ist der auf dem SchlachtroB reitende Bischof. Ohne Frage iiberwog zuerst die Ritterehre; 
selbst ein Karl der GroBe hatte einen Pius IX. lachend abgewiesen*. Aber er hielt es fiir 
zweckmaBig. seine Wiirde durch die Religion heiligen zu lassen - ganz wie der agyptische 
Pharao - und seine Herrschaft als von Gottes Gnaden stammend iiber die Volker zu 
verkiinden. Kaiser und Papst waren also zunachst machtpolitisch Verbiindete gegen die "edlen 
Sachsen", denen es - nach Goethe - zum Ruhm gereicht, daB sie das Christentum in der 
gebotenen Form gehaBt haben. Widukind kampfte zwar fiir sich, aber zugleich fiir die Freiheit 
aller nordischen Volker. Er unterlag; aber kein Zweifel darf heute mehr dariiber bestehen, daB 
wir zu den Kraften stehen, die ihn leiteten und nicht zu denen, welchen Karl der GroBe zum 
Siege verhalf 

* Das rassische BildKarls des Grofien ist in diesem Zusammenhang von Inter esse: Karl war 
ein ausgesprochener Rundschddel mit dickem, kurzen Nacken, im iibrigen wohl nordischer 
Prdgung, also ostisch-nordisch, nicht mehr selbstverstdndlich frei wie sein Gegner Widukind. 

[187] Der germanisch-christliche Beowulf 

Die Gefolgschaftstreue und Mannesehre standen dem alien Ritter ebenso iiber Besitz und 
Gliick, wie dem Sanger der Edda. Das Havamal schlieBt mit den Worten: 

Besitz stirbt, 

Sippen sterben, 

Du selbst stirbst wie sie; 

Eins weifi ich, Das ewig lebt: 

Des Toten Tatenruhm. 

Das ist die nordische Form der buddhistischen Karma-Lehre. Im Beowutf-Lied wird eine 
Verschmelzung germanischen Ehrgefiihls mit der christlichen Erlosungsidee verbucht, 
insofern namlich Beowulf die zerrissene, gequalte Menschheit zu retten unternimmt; aber er 
kampft nicht mit Hilfe des Lehrsatzes, "dem Bosen nicht zu widerstreben", sondem als "ein 
Held dem Bosen zum Entsetzen" (vgl. hierzu die Worte Wischnus, der zur Vemichtung der 
Ubeltater immer wieder in der Welt erscheint). Ein gewisser weichlicher Unterton macht sich 
aber bereits im Beowulf bemerkbar. Wahrend es fiir die alteren Germanen als Unehre gait, 
ohne den Fiihrer und Herm vom Schlachtfelde heimzukehren, hat das jammerliche Betragen 
der " Jiinger" Christi im Garten zu Gethsemane (was auch dem Dichter des "Heiland" sehr 
peinlich aufgefallen ist) hier bereits abgefarbt. Die Gefolgschaft des Beowulf verlaBt ihn bis 
auf einen Getreuen, da sie von Todesahnungen erfaBt wird! Dieser durch und durch 
unnordische weichmiitige Zug wird dann allerdings durch bewuBtes Lob der Ehre wieder wett 



gemacht: "Kein Ereignis kann den edlen Mann des Blutes Liebe schwachen", "Uns alien droht 
das Ende dieses Lebens: darum wer kann, erwerbe vor dem Tode sich Ruhm! " schlieBlich 
werden die ehrlos und treulos Geflohenen mit dem Bann belegt: 

Nun sei all euerem Geschlecht versagt 
der Schwerter und der lichten Schdtze Spende, 

[188] Hagen und Petrus 

der Heimat und des angestammten Sitzes 

Genufi: der Rechte unseres Lebens bar 

solljeder sein, wenn in der Feme 

die Edelinge eure Flucht erfahren, 

die ruhmlose Tat. Der Tod ist besser 

jurjeden Edeln als ein schmachvoll Leben. 

Auch der germanische Ritter laBt sich unriihrnliche Taten im Zustand der Willensschwache 
und beim Durchbruch niederer Triebe zuschulden kommen, aber wenn er nachher fiir sie 
einsteht, sie bekennt und die Folgen auf sich nimmt, dann verstehen wir das eher als das feige 
Benehmen der ersten Apostel. Uns erscheint selbst eine unheimliche Gestalt wie Hagen 
bedeutend groBer als etwa Petrus, der "Pels". Hagen wirft seine Ehre weg im Dienst fiir die 
Ehre seines Konigs und stirbt zuletzt dafiir stolz und ungebrochen. Der schwatzhafte Petrus 
verleugnet seinen Herm bei der ersten probe doppelt und dreifach; die einzige Aufwallung, 
die ihn sympathisch erscheinen laBt, als er das Schwert zieht (was denn der Dichter des 
"Heiland" mit merkbarer Erleichterung schildert), wird durch seine spateren feigen Liigen 
sehr bezeichnend iiberdunkelt. Die kirchliche Uberlieferung bemiiht sich umsonst, aus Petrus 
einen Helden zu machen. Der fromme "Heliand" Dichter aber verflucht, das Verhalten der 
Jiinger in Gethsemane durch ihre - Sorgen zu entschuldigen, denn sonst ware ihr Schlafen 
seinen Sachsen ehrlos und somit unbegreiflich erschienen: 

.... Der Geborene des Herrn 

Fand sie in Sorgen schlafen /das Herz war ihnen schwer 

Dafi der liebe Herr /sie verlassen sollte. 

Die Entwicklung vom Rittertum zum Ritterstand begann schon unter Konrad II., und dieser 
erhielt sich bis weit ins 14. Jahrhundert hinein. Die Ritter sahen sich als "Kinder des riches" 
an und wurden verpflichtet. Kaiser und Reich gegen die auBeren Feinde zu schiitzen. Diese 

[189] Der Ritterstand 

Tatsache gab ihnen als stand ihre Daseinsberechtigung, sie fiihrte zum eigentlichen 
ritterlichen Ehrbegriff, der die erste erdgebundene, auf den hochsten Zweck abgestimmte 
standesmaBige Darstellung der Idee der Ehre ist. Nach dem fast vollkommenen 
Subjektivismus des Wikings und des altgermanischen Hauptlings mit seinem Gefolge wird 
somit eine groBe Volksschicht auf den seelischen Mittelpunkt der ganzen Rasse eingestellt. 
Die Gebrauche der Schwertleihe, der Umgiirtung, dann der Ritterschlag stellten die innere 
Erhohung und Veredelung sinnbildlich dar. Mag das spatere Rittertum auch durch seine 
Verknocherung und schablonenhafte AbschlieBung ein zuriickgebliebenes Stiick Altertum in 
dem sich erneuemden biirgerlichen Leben dargestellt haben, bieten auch die Raubziige der 
wahrend des Friedens brachliegenden Ritterschaft ein wenig erfreuliches Bild, so sind das 
Dinge, denen auch die beste Idee bei ihrer Verkorperung nicht zu entgehen vermag, Tatsache 



aber bleibt, daB bis auf heute mit dem Worte "ritterlich" nur ein Mensch bezel chnet wird, der 
kraftvoll fiir einen Mitmenschen eintritt und Ehre zu wahren versteht. 



Selbstver standi! ch war das romische System bemiiht, sich auch dieses Rittertum dienstbar zu 
machen, was u. a. durch die Schwertweihe zum Ausdruck gelangte. Gleich am Anfang seiner 
zehn Geliibde namlich verpflichtet sich der Ritter, der Religion zu dienen, dann den 
Bedrangten beizustehen und erst am sSchluB, dem Kaiser Gehorsam zu leisten. Damit wurde 
eine Beeinflussung auch formell festgelegt, wie sie schon friiher durchgefiihrt worden war. 
Gewisse fromme Geschichtsschreiber haben gar versucht, auch die Griindung des Rittertums 
selbst auf- Rom zuriickzufiihren (wie ihre Dogmen auf Jesus), wobei 

[190] Verfalschung des Rittergedankens 

Gregor VII. als Griinder des Rittertums angesprochen wird. Es geschieht auch dies natiirlich 
nur mit der Absicht, sogar die Darstellung des antiromischen Gedankens durch ursachliche 
Zriickfuhrung auf den Papst in Abhangigkeit von diesem zu bringen, selbstverstandlich mit 
verschiedenen, sich auch fiir die Gegenwart daraus ergebenden Folgerungen. so weiB uns z-B. 
der Historiker Gfrorer ganz genau zu erzahlen, wie auch der ritterliche Gedanke vom heiligen 
Rom stamme, um dessen Absichten dann unverbliimt zu enthiillen: "Erst in Folge des 
gewaltigen Einflusses, den die Kirche, durch die Wirksamkeit Gregors VII. auf den 
Kriegerstand der christlichen Reiche des Abendlandes und zwar zunachst des romanischen 
gewann, erreichte das Rittertum seinen vollen Inhalt als eine Anstalt oder Corporation, die es 
sich zur Aufgabe setzte, mittels besonderer Verpflichtungen den Heldenmut des Soldaten der 
Religion dienstbar zu machen." Ruhm, Ehre, Stamm, Volk, Kaiser und Reich wurden und 
werden also von den Vertretern des romischen Systems als bloBe Namen und 
Nebensachlichkeiten betrachtet; als zweck des auf den Stellvertreter Christi zuriickgehenden 
gefalschten Rittertums erscheint nur der Dienst fiir den Papst. Hiermit ist auch die 
unwandelbare Politik der romischen Kirche ganz deutlich geworden und tatsachlich ist es 
hypnotisierenden predigten gelungen, in den wahnwitzigen Kreuzziigen Strome von Blut fiir 
die herrschsiichtige Kirche zu vergieBen, "den Heldenmut der Religion dienstbar" zu machen, 
die Ehre der "Liebe" zu unterwerfen. "Iper und Arras", riefen die Flamen, "Hufta heya 
Beyerlant", lautete das Schlachtgeschrei der Bayern; das konnte Rom nicht hindern, aber 
durch das Ausspielen verschiedener Interessen gegeneinander konnte es Zwietracht saen. Und 
das hat es bis auf heute als seine Lebensaufgabe betrachtet. Rom kann aus 
Selbsterhaltungstrieb keinen Volks- und ehrbewuBten 

[191] Rom im 8. bis 10. Jahrhundert 

Stand, noch viel weniger eine ganze ehrbewuBte, in sich selbst ruhende Nation vertragen, 
deshalb muB es Zwist, Krieg saen und die Rassenzerfetzung fordern. Das liegt im Wesen 
seines selbst rasselosen Systems und wird sich nie andern, solange dieses System besteht. 
Eine weitere scheinbar unausrottbare Geschichtsfalschung beherrscht auch heute noch selbst 
Kreise, die sich iiber Rom und sein System sonst klare Rechenschaft ablegen: als sei die 
Bildung und Gesittung, die nach und nach das Abendland durchzogen, eine Folge der 
kirchlichen Betatigung gewesen. Dabei ist das genaue Gegenteil der Fall. 

Bedrangt von den Langobarden, fleht (um 755) Papst Stephan II. bei Pippin um Hilfe und 
bittet, man moge ihn doch ins Frankenreich einladen. Das geschieht; Pippin empfangt den 
Papst zu FuB, dieser aber, seiner Schwache bewuBt, zeigt sich als armen Apostel Christi, hiillt 



sich mit seinen Priestern in harene Gewander, streut Asche aufs Haupt und fleht den Konig 
auf den Knien an, dem romischen Volke zu helfen. Seit dieser Zeit betrachtet sich Frankreich 
als alteste Tochter Roms (entsagte jedoch klugerweise seit Hugo Capet den Verlockungen 
eines romischen Titels).Derselbe Papst wirkt dann gegen eine Vermahlung Karls des GroBen 
mit einer Langobardin. Er schreibt, Karl diirfe das "hochst edle Konigsgeschlecht" der 
Franken nicht mit dem Blute der Langobarden "auf treulose und hochststinkende Weise" 
besudeln und bittet den Himmel im anderen Fall, Karl den "ewigen Flammen" zu iiberliefern. 
Da diese Drohung aber auf den Kaiser keinen Eindruck machte, verbiindet sich der fromme 
Vater spater selbst mit dem "stinkenden" Langobardenionig. 

In der Zeit, als angeblich von Rom aus die Durchgeistigung der Welt betrieben worden sein 
soil, ging es dort in Wirklichkeit hochst ungeistig zu. 896 kommt Papst Stephan VI. auf den 
Gedenken, den verwesten Leichnam seines Vorgangers aus dem Grabe zu scharren, den Toten 

[192] Kaufe des papstlichen Amtes 

auf einer Synode als bosen Eindringling zum Tode zu verurteilen, dem "meineidigen", 
verfaulten Leichnam drei Finger abhacken zu lassen und ihn dem romischen " Volk" zum 
Ersaufen zu iiberantworten. Darauf wechseln die Papste, stiirzen einander, sperren sich 
abwechselnd ein, bis Sergius III, zur linken Hand seine Konkubine Marozia, den "Stuhl 
Petri" besteigt. Diese Frau, nebst ihrer Mutter Theodora, sicherte sich einfluBreiche Bischofe 
als Buhler und Stiitzen ihrer Herrschaft. Als Sergius erledigt war, erhob nach kurzer Pause die 
Marozia ihren Sohn zum Papst als Johann XL Dariiber war ihr erster Sohn Albrich hoch 
erziirnt und stiirzte die Herrschaft seiner Mutter. Nach seinem Tode bekleidete sein Sohn das 
papstliche Amt als Johann XII. Die Zustande wurden aber auch spater nicht besser 983 gelang 
es dem davongejagten Papst Bonifaz VII., seinen, Jesus "stellvertretenden" Konkurrenten 
Johann XIV. ins Gefangnis zusetzen und dort sterben zu lassen. Aber auch Bonifaz erfreute 
sich nicht lange der Tiara; er wurde seinerseits vom koniglichen Adel und von Frau Theodora, 
wie gesagt, der famosen Mutter der so iiberaus tiichtigen Hure Marozia, verjagt, deren Enkel 
Crescentius d. J. Herr von Rom wurde, welcher nun den Papststuhl an willige Kreaturen 
verschacherte. 1024 bestieg ein Mensch den papstlichen Thron, der vorher nie Geistlicher 
gewesen war. Er kaufte sich die Stellvertreterschaft Gottes und nannte sich Johann XIX. 
Femer wurde zum Papst ein Zehnjahriger Grafensohn gewahlt als Papst Benedikt IX. Da 
dieser sich aber schon friih alien erdenklichen Eastern hingab, wurde es selbst den Romern zu 
bunt; sie wahlten also einen neuen Stellvertreter Christi, der sich Sylvester III. nannte. Der 
neue Papst aber bekam es bald mit Angst vor den Gefahren seines Amtes zu tun und zog es 
vor, dieses um 1000 Pfund an Gregor VI. zu verschachem, woriiber der vertriebene Benedikt 
sittlich ent- 

[193] Der Konig rettet das Papsttum 

riistet war und erneuten Anspruch auf den Stuhl Petri erhob. Der ehrliche Kardinal Casar 
Baronius nannte diese Papste einfach "Hurenhengste". Dieser Skandal horte erst auf, als 
Kaiser Heinrich 111. eingriff 

Das waren die romischen Zustande im 10. und 11. Jahrhundert, die jeder Deutsche kennen 
sollte, die aber wohlweislich von einer einerseits verlogenen, andererseits feigen 
Geschichtsschreibung verschwiegen werden. Gerade zu dieser Zeit begann die nationale 
Sammlung der Deutschen unter Heinrich 1., der bewuBte Versuch nationaler Aufrichtung und 
Kultivierung unter Otto I., dem GroBen. 



In der Religion erblickte Otto ein seelenbildendes und veredelndes Moment. Dank ihm, dem 
deutschen Ritter, erhielten die Bischofe groBen EinfluB, riickten in den fiirstlichen Rang ein 
und vermittelten geistige Kenntnisse, forderten Handwerk, Gewerbe und Ackerbau. Vom 
Kaiser, nicht vom Papst geleitet und geschiitzt, erbliihten die ersten Kulturzentren in 
Quedlinburg, Reichenau, Hersfeld.Die Papste lieBen ehrenhafte Mahner im Gegenteil 
ermorden, wie Hadrian IV., der Arnold von Brescia zu erdrosseln und zu verbrennen befahl, 
als er von dessen BuBpredigten horte*. 

Dem Bestreben Otto I. lag ohne Zweifel der Gedanke einer germanischen Nationalkirche 
zugrunde, der mit den versunkenen arianischen Goten gestorben zu sein schien. Aus diesem 
Grunde setzte er fest, daB die Geistlichen vom Grundherrn emannt wiirden: das veranlaBte ihn 

*Ich kann hier aufmehr Einzelheiten nicht eingehen. Bemerkt sei nur noch, dafi die Papste 
sich von den Hurenhdusern bestimmte Prozente zahlen liefien, was Paul II. (1464-1471) zu 
einer stdndigen Einnahme quelle ausgestaltete. Sixtus IV. bezog 20000 Golddukaten jdhrlich 
aus den Freudenhdusern. Die Geistlichen mufitenfilr ihre Konkubinen bestimmte Taxen 
zahlen, wdhrend der Vatikan seine Beamten mit Schecks aufdie Bordelle entlohnte. Sixtus IV. 
erlaubte fur eine bestimmte Zahlung auch die Knabenliebe. Indezenz VIII. hatte 16 Kinder zu 
erndhren. Alexander VI. aber erkldrte, der Papst siehe hoher als der Konig, so etwa wie der 
Mensch tiber dem Vieh. Deshalb liefi er wohl ein Dutzend Bischofe und Kardinale ermorden, 
die ihm gefdhrlich schienen. Fiir 300.000 Golddukaten beseitigte Papst Alexander VI den 
tUrkischen Thronprdtendanten Dschem und strich das Geld des "ungldubigen" Sultans 
seelenruhig ein. 1501 ernannte Alexander VI. seine Tochter Luktezia fUr eine Zeitlang zu 
seiner Stellvertreterin. 

[194] Die "Reform" der Clunyazenser 

aber auch, sich das Papsttum zu unterwerfen: die Romer muBten schworen, ohne Zustimmung 
des Kaisers keinen Papst zu wahlen. Otto III. ernannte selbstherrlich zwei Papste. Ahnlich 
sauberte Heinrich 111. das Papsttum. Im groBen Konflikt zwischen dem Erzbischof Williges 
von Mainz gegen den romischen volkslosen Zentralismus fanden sich samtliche deutsche 
Bischofe in bewuBter offener Ablehnung dem Papst gegeniiber, der schlieBlich nachgeben 
muBte. Man war damals noch freier in Deutschland als 1870 und 1930! 

Eine groBe Starkung erfuhr das Papsttum jedoch durch die Clunyazenser, die iiber den 
staatlichen Rahmen hinaus eine Internationale, nur vom Papst abhangige Organisation 
schaffen wollten. 

Diese Bewegung setzte sich zwar eine Reform des verlotterten Monchswesens zum Ziel, 
zeigte aber sehr bald ihre ungermanische Geisteseinstellung. Die bisher iiblichen BuBiibungen 
gegen das siindige teuflische Fleisch, aufdie der Germane lachend hinabgeblickt hatte, 
wurden ihrer friiheren plumpen Form entkleidet und in eine schlauere Marterung der Seele 
(gleichsam als Vorlaufer des Jesuitismus) verwandelt. Fiir bestimmte Telle des 
Clunyazenserklosters gait strenges Schweigegebot, jeglicher Frohsinn wurde verboten, 
Freundschaft nicht geduldet. Die Angeberei wurde zur frommen Pflicht gestempelt, Schuldige 
mit entehrenden Strafen belegt. Diese widematiirliche Zuchtform entstammt offenbar jener 
ligurisch-ostischen Rasse, die vor der Einwanderung der 

[195] Der Dank Roms 



nordischen u. a. auch Siidostfrankreich besiedelte. Dieses Zertreten der eigenen Seele, diese 
innere Selbstentmannung und Unterwerfungssucht unter fremde Damonen und Zaubermachte 
zeigt uns aber den Geist der romischen Kirche in engster, rassisch bedingter Wechselwirkung 
mit allem unarischen Blut und zerfetzten Bevolkerungsgruppen. Es ist deshalb auch kein 
Zufall, daB die "Reform" der Clunyazenser sofort in den ostisch-rassischen Teilen 
Lothringens FuB faBte. Gegen diese seelische Krankheit trat sofort der Erzbischof Aribo von 
Mainz auf und stutzte den machtbewuBten Konrad II. Im Norden regte sich fast gleichzeitig 
das alte Blut: Bischof Adalbert von Wettin setzte sich eine germanische Nationalkirche als 
Ziel: das Wort "deutsch" wurde zum erstenmal Allgemeingut, Monche der romischen Kirche 
suchten nun nach den noch iibrig geblichenen, fast vernichteten geistigen schatzen ihres 
Volkes. 

Der deutsche Kaiser hatte den Papst aus dem Sumpf gezogen, die Kirche zu Ehren gebracht 
und ihre Diener veredelt. Der dadurch erneut gestarkte romische Universalismus benutzte 
natiirlich diese Krafte, berief sich - wie iiblich - auf nach weisliche Falschungen 
("Konstantinische Schenkung" und "Isidorische Dekretalien"), um die Herrschaft des 
Papsttums iiber den Kaiser als "von Gott gewollt" hinzustellen und den Zentralismus gegen 
den Episkopalismus durchzusetzen. Dieser Kampf wurde unter Ausnutzung samtlicher 
verfiigbaren Mittel durchgefiihrt: die Vasallen wurden gegen den Kaiser gehetzt, ja der 
Kirchenstreik gegen "unbotmaBige" Bischofe verkiindet. Das war der Dank Roms. 

Mit besonderer Vorliebe wird seitens der romischen Geschichtsschreiber die Dauerhaftigkeit 
des Papsttums als Beweis seiner "gottlichen Einsetzung" gepriesen Wer aber weiB, daB Rom 
seine Machtstellung zu allererst dem Kaisertum zu verdanken hat, seine seelische Einwirkung 
nur 

[196] Die "Dauerhaftigkeit" Roms 

der inneren GroBe frommer aristokratischer Geister wie Franz von Assisi, Albertus Magnus, 
Meister Eckehart, der wird dariiber wohl anderer Meinung sein. Im iibrigen ist die 
Dauerhaftigkeit einer Einrichtung an sich noch kein Wertmesser fur ihren inneren Wert. Es 
kommt lediglich auf die Art der Krafte an, die ihr zu Dauer verhelfen haben. SchlieBlich war 
die agyptische Kultur viel alter als die romische Kirche; der Mandarin zahlt mehr bekannte 
Ahnen als der Papst; Lao-tse und Konfuzius lebten vor 2500 Jahren und regieren noch heute. 
Und dann starb doch das deutsch-romische Kaisertum erst vor etwa hundert Jahren. Die Zeit 
riickt heran, in der auch der Papst das wird, was er sein sollte: das Haupt der italienischen 
Nationalkirche (die Auseinandersetzung zwischen dem nationalistischen Faschismus und dem 
Vatikan wird hoffentlich die Durchsetzung dieser Notwendigkeit beschleunigen). Das 
Papsttum hat (ungeachtet dessen, daB auch eine Anzahl wirklich groBer Manner auf dem sog. 
Stuhle Petri saB) seine Herrschaft auf der Voraussetzung seelischer Knechtung und rassischer 
Zerfetzung der germanisch bestimmten Volker aufbauen miissen. Aus den freien groBen 
Seelen, die sich noch im 11 . bis 14. Jahrhundert Rom als einer von ihnen geheiligten Idee 
schenkten, schopfte der Vatikan die Waffen der Knechtung. Seit dem Erstarken des 
Jesuitismus, seit dem Tridentiner Konzil ist "Rom" jedoch niederrassisch bedingt und erstarrt 
zugleich. Die schmutzige "Moraltheologie" des heiligen Alfons von Liguori einerseits, die 
Ehrlosmachung durch den Jesuitismus andererseits, bedingte, daB seit der Erdrosselung der 
Religion des Meisters Eckehart alles wirklich GroBe europaischer Kultur aus 
gegenkirchlichem Geist entsprungen ist, von Dante (der noch 1864 ausdriicklich verdammt 
wurde u. a., well er Rom als Kloake bezeichnet hatte) und Giotto bis Kopernitus und Luther; 
von der deutschen klassischen Kunst und nordischen Malerei und 



[197] Die Hansa 

Musik gar nicht zu reden. Alles, was Knechtseligkeit "Liebe" nannte, sammelte sich unter 
Rom, alles, was Ehre und Freiheit der Seele erstrebte, trennte sich immer bewuBter von der 
romischen Geisteswelt. 



Der Ritterstand verlor im 15. und im 16. Jahrhundert seine Bedeutung. Aber der Ehrbegriff, 
den er gepflegt hatte, war in den anderen standen erwacht. Namentlich der Burger befreite 
sich von der Burg, baute seine Stadte und Kirchen, trieb Gewerbe und Handel, schloB sich zu 
gewaltigen Biinden zusammen, bis schlieBlich der DreiBigjahrige Krieg einer ganzen Kultur 
ein Ende machte. 

DaB sich der germanische Ehrbegriff selbst im Handler verkorpert, wo dieser, auf sich selbst 
gestellt, ohne orientalische Zwischenschieber sich auswirken konnte, zeigt die H a n s a. 
Urspriinglich ein niichterner, den Handel sichernder kaufmannischer Zweckverband, streckte 
sie ihre Arme spater weit aus, handelte nicht nur, sondem baute auf, griindete, kolonisierte. 
Die Ruinen von Nowgorod und Wisby sprechen eine ebenso laute Sprache von sittlicher 
Kraft, wie die Rathauser von Brugge, Liibeck, Bremen. Uber 75 Stadte schlossen einen 
Trutzbund miteinander, der seinem innersten Wesen nach die Aufgabe hatte, der kaiserlichen 
Ohnmacht gegeniiber ein deutsches Machtzentrum zu bilden. Aber ehe noch ahnliche 
Gedanken tiefer FuB fassen konnten, brach die groBte Katastrophe der deutschen Geschichte 
herein. Und zwar mit dem gleichen Ergebnis wie es die Hugenottenkriege in Frankreich 
gezeitigt hatten: der Charakter des deutschen Volkes wurde verandert. Beherbergte 
Deutschland zu Beginn des 16. Jahrhunderts trotz des elenden Kaiserregiments ein stolzes 
Bauem- und fruchtbares Biirgertum, so rotteten dreiBig blutige Jahre (die dem Papst Innozenz 
X. noch immer 

[198] Der 30-jahrige Krieg 

nicht geniigten) das beste Blut Deutschlands aus, zahlreiche fremdstammige Schwarme 
feindlicher Staaten verdarben die Rasse, ein ganzes Geschlecht wuchs inmitten von Raub und 
Mord auf Bayem allein zahlte 5000 verlassene Bauernhofe, Hunderte von bliihenden Stadten 
lagen in Triimmern, nahezu zwei Drittel des deutschen Volkes waren ausgerottet. Da gab es 
keine Kunst, keine Kultur, keinen Charakter mehr. Ehrlose Fiirsten pliinderten ein elendes 
Volk aus und diese,, Untertanen" lieBen sich stumpf und dumpf alles gefallen. Und trotzdem 
raffte sich das germanische Blut auf gegen die Verlotterung der Habsburger und die 
franzosische Bedrohung. Jenes Blut des Niedersachsentums, das einst an die Diina gezogen 
war, leistete dem ganzen Verfall oben und unten Widerstand. Wie ein verheiBungsvoller Ruf 
klingen noch heute in unseren Ohren die Trompeten von Fehrbellin und die stimme des 
groBen Kurfursten, mit dessen Tat Deutschlands Auferstehung, Rettung und Neugeburt ihren 
Anfang nahmen. Man mag an PreuBen aussetzen, was immer man mag: diese primitive 
Rettung der germanischen Substanz bleibt fur immer seine Ruhmestat; ohne sie gabe es keine 
deutsche Kultur, iiberhaupt kein deutsches Volk, hochstens auszubeutende Millionen fur die 
beuteliisternen Nachbarn und habgierige Kirchenfursten. 

Es ist kein Zufall, wenn gerade heute inmitten eines neuen furchtbaren Sturzes in den 
Abgrund die Gestalt Friedrichs des GroBen von leuchtendem Glanz iiberstrahlt erscheint, 
versammeln sich doch in ihm - trotz auch seiner Menschlichkeiten - alle jene Charakterwerte, 
nach deren Herrschaft heute wieder sehnsiichtig seitens der Besten des Deutschtums gerungen 



wird: personliche Kiihnheit, unerbittliche EntschluBkraft, VerantwortungsbewuBtsein, 
durchdringende 

Klugheit und ein EhrbewuBtsein, wie es noch 

[199] Friedrich der Einzige 

nie so mythisch groB zum Leitstern eines ganzen Lebens auserkoren worden war. "Wie kann 
ein Fiirst seinen Staat, den Ruhm feines Volkes und die eigene Ehre iiberleben?", fragt er 
seine Schwester am 17. September 1757. Nie werde ihn ein Ungliick feige machen, im 
Gegenteil: "Niemals werde ich die Schande auf mich nehmen. Die Ehre, die mich im Kriege 
hundertmal mein Leben aufs Spiel setzen lieB, hat mich dem Tode aus geringerem AnlaB 
trotzen lassen" "Man wird von mir nicht sagen konnen," betont er weiter, "daB ich die Freiheit 
meines Vaterlandes und die GroBe meines Hauses iiberlebt habe." 

"Hatte ich mehr als ein Leben, ich wiirde es dem Vaterlande opfem", schreibt Friedrich am 
16. August 1759 an d'Argens nach einer furchtbaren Niederlage. "Ich denke nicht an den 
Ruhm, sondern an den Staat." "Meine unwandelbare Treue gegen das Vaterland und die Ehre 
lassen mich alles unternehmen, aber die Hoffnung leitet sie nicht", heiBt es wenige Tage 
spater. Auch an Luise Dorothea von Gotha legt er das Gestandnis nieder: " Vielleicht ist 
PreuBens Schicksalsstunde gekommen, vielleicht wird man ein neues despotisches Kaisertum 
erleben. Ich weiB es nicht. Aber ich biirge dafiir, daB es dazu erst kommen wird, nachdem 
Strome von Blut geflossen sind, und daB ich nicht mein Vaterland in Ketten und die 
schmachvolle Sklaverei der Deutschen mit ansehen werde." Und emeut schreibt Friedrich an 
d'Argens (18.9. 1760): "sie sollten wissen, daB es nicht notig ist, daB ich lebe, wohl aber, daB 
ich meine Pflicht tue" und (28. 10. 1760): "Niemals werde ich den Augenblick erleben, der 
mich zwingen wiirde, einen unvorteilhaften Frieden zu schlieBen." "Ich werde mich entweder 
unter den Triimmem meines Vaterlandes begraben lassen, oder... meinem Leben selbst ein 
Ende machen... Von dieser inneren Stimme und von den Forderungen der Ehre habe ich 

[200] Aufkommen der Freimaurerei 

mich in meinen Handlungen stets leiten lassen und gedenke es auch kiinftig zu tun."* 

War Friedrich Wilhelm I. das Gleichnis fiir biirgerliche Ehrenhaftigkeit und sich selbst 
beschrankende Klugheit, so Friedrich II. das Symbol alles Heroischen, was verklungen und 
untergegangen schien in Blut und Schmutz und Elend. sein Leben ist echteste, groBte 
deutsche Geschichte und als ein ganz erbarmlicher Schuft erscheint uns heute ein Deutscher, 
der die Gestalt des Friedrichs mit hamischen Glossen zu verfalschen trachtet. 

Aber es waren nur wenige, die er zu formen vermochte. Trotz seiner groBen Friedensarbeit 
waren die breiten Volksschichten roh, ohne kulturelle Uberlieferung, die gebildeten entartet, 
affisch, unpreuBisch, undeutsch. Nur widerwillig lieBen sie die Zuchtformen des fritzischen 
Gedankens auf sich wirken und Friedrich selbst - dessen Regierung Kant seine "Kritik der 
reinen Vemunft" widmete - fand innerhalb des damaligen Deutschtums keine dem 
Franzosentum gegeniiber ausgereifte selbstandige Geistigkeit, 

so daB seine Liebhaberei fiir franzosisches Schrifttum den Weg zum Sieg auch der 
neufranzosischen Gedankenwelt bahnte, die in der neuen Form der Liebesidee, in der Form 
der Humanitatslehre, die organischen Krafte des noch nicht zu vollem BewuBtsein erwachten 



PreuBens lahmte und es spater unfahig machte, den Heeren der franzosischen Revolution zu 
widerstehen. 

Die neue Lehre der Humanitat war die "Religion" der Freimaurer. Diese hat bis auf heute die 
geistigen Grundlagen einer universalistisch-abstrakten Bildung abgegeben, den 
Ausgangspunkt aller ichsiichtigen Gliickselig- 

* In diesem Zusammenhang verweise ich aufeine ausgezeichnete Herausgabe von Richard 
Fesler: " Friedrich der Grofie, Briefe und Schriften", zwei Bdnde, Leipzig 1927, die sich 
durch Sonderung des Wichtigsten und grofizUgige Wertung von vielen anderen unterscheidet. 

[201] Die Loge als Gegenkirche 

keitspredigten, sie hat (bereits urn 1740) auch das politische Schlagwort der letzten 150 Jahre 
"Freiheit, Gleichheit, Briiderlichkeit" gepragt und die chaotische, volkerzerfetzende "humane" 
Demokratie geboren. 

Am Anfang des 18. Jahrhunderts traten in London Manner zusammen, denen die 
konfessionellen Streitigkeiten innerhalb der bisherigen "Religion der Liebe" zum Teil Volk 
und Vaterland gekostet hatten, und griindeten inmitten einer verrohten Zeit einen 
"Menschheitsbund zur Forderung der Humanitat und Briiderlichkeit". Da dieser Bund nur 
"den Menschen" anerkannte, so wurde von vomherein kein rassischer noch religioser 
Unterschied gemacht."Die Maurerei ist ein Menschheitsbund zur Verbreitung toleranter und 
humaner Grundsatze, an welchem Ordenbestreben der Jude und der Tiirke ebensoviel Anteil 
nehmen kann, wie der Christ." so lautete die 1722 aufgestellte Konstitution. Die Idee der 
Humanitat soil "das Prinzip, den Zweck und den Inhalt" der Freimaurerei bilden. "sie ist - laut 
dem Freiburger Ritual - weitgreifender als alle Kirchen, Staaten und Schulen, als alle Stande, 
Volker und Nationalitaten; denn sie dehnt sich iiber die gesamte Menschheit aus." so belehrt 
uns noch heute das deutsche Logentum*. Romische Kirche und freimaurerische Gegenkirche 
sind sich also einig im NiederreiBen aller Schranken, welche durch seelische und physische 
Gestalt geschaffen werben. Beide rufen ihre Gefolgschaft auf im Namen der Liebe bzw. der 
Humanitat, im Namen eines grenzenlosen Universalismus, nur fordert die Kirche vollstandige 
Unterwerfung, Unterordnung innerhalb ihres Bereiches (der freilich die ganze Erde sein soil), 
wahrend die Gegenkirche eine schrankenlose Grenzvernichtung predigt, 

* R. Fischer: "Erlduterungen der Katechismen der Job. Freimaurerei", Leipzig 1902. 
Ndheres bei A. Rosenberg: "Das Verbrechen der Freimaurerei" und "Freimaurerische 
WeltpoUtik", Munchen 1921 und 1929. 

[202] Judentum und Freimaurerei 

das Leid und die Freude des Einzelnen, "des Menschen", zum MaBstab ihres Urteils macht, 
was als die Ursache zur heutigen Lage anzusehen ist, daB der nackte Reichtum des 
Individuums hochstes Gut der Demokratie geworden ist und in ihr die hochste Stelle im 
Gesellschaftsleben eingeraumt erhalt. 

Diese atomistische Weltanschauung war und ist die Voraussetzung fiir die politische Lehre 
der Demokratie und des wirtschaftlichen Zwangsglaubenssatzes von der Notwendigkeit des 
freien Spiels der Krafte gewesen. Alle Machte also, die auf Lockerung staatlicher, national er. 
sozialer Bindungen hinarbeiteten, muBten sich bemiihen, diese Freimaurerphilosophie, 
folglich auch den "Menschheitsbund", sich dienstbar zu machen. Hier sehen wir nun das 



Internationale Judentum aus Instinkt und zugleich aus bewuBter Uberlegung sich in die 
Organisation der Freimaurerei einnisten. Zwar wirkte das rassische Wesen im 
"Menschheitsbund" instinktiv ebenso abwehrend wie gegeniiber den Versuchen der Kirche, 
germanische Art auszurotten, aber es ist trotzdem leicht nachweisbar, daB, wahrend der 
nordische Mensch sich Roms erwehrte, der blinde Hodur ahnungslos ihm einen TodesstoB 
von hinten versetzte: die Freimaurerei wurde in Italien, Frankreich, England zu einem 
politischen Mannerbund und fiihrte die demokratischen Revolutionen des 19. Jahrhunderts. 
Ihre "Weltanschauung" unterhohlte Jahr fiir Jahr die Grundlagen alles germanischen Wesens. 
Heute sehen wir die geschaftigen Vertreter der internationalen Borse und des Welthandels fast 
iiberall fiihrend die Gegen-"kirche" leiten. Alles im Namen der "Humanitat". Die Heuchelei 
der heutigen Weltausbeuter aus "Humanitat" ist fraglos erniedrigender als jene 
Knechtungsversuche, die im Namen der "christlichen Liebe" Europa so oft in Unruhe und 
Chaos versetzt haben. Dank der Humanitatspredigt und der Lehre von der 
Menschengleichheit konnte 

[203] Die Entartung der "Humanitat" 

jeder Jude, Neger, Mulatte vollberechtigter Burger eines europaischen Staates werden; dank 
der humanitaren Sorge fiir den Einzelnen wimmelt es in den europaischen Staaten von 
Luxusanstalten fiir unheilbare Kranke und Irrsinnige; dank der Humanitat wird auch der 
riickfallige Verbrecher als ungliicklicher Mensch ohne Bezug auf die Interessen des ganzen 
Volkes gewertet bei der ersten Moglichkeit wieder auf die Gesellschaft losgelassen und in 
seiner Fortpflanzungsfahigkeit nicht behindert. Im Namen der Humanitat und der "Freiheit 
des Geistes" wird den Schmutzjournalisten und jedem ehrlosen Halunken der Vertrieb 
ieglicher Bordell-Literatur gestattet; dank der Humanitat diirfen Nigger und Juden in die 
nordische Rasse hineinheiraten, ja wichtige Amter bekleiden . Diese an keinen rassischen 
Ehrbegriff gebundene Humanitat hat das unerhorteste Betrugswesen der Borse zu einem 
geachteten Beruf unter anderen gemacht, ja dieses organisierte Verbrechertum in Frack und 
Zylinder bestimmt heute auf Weltwirtschafts- und "Sachverstandigen"-Konferenzen fast 
selbstherrlich iiber jahrzehntelange Fronarbeiten von Millionenvolkern. 

Im Schlepptau dieser freimaurerischen Demokratie schwamm dann die gesamtmarxistische 
Bewegung, welche die Anfange eines gesunden Protestes der Arbeiterschaft verfalschte und 
alle sozialdemokratischen Parteien der Borse mit Hilfe des jiidischen Geldes, der jiidischen 
Fiihrer und der jiidischen, teils individualistischen, teils universalistischen "Ideologic" sich 
dienstbar machte. Der um sein Schicksal betrogene Industriearbeiter des 19. Jahrhunderts, 
plotzlich entwurzelt, aller MaBstabe des Urteils beraubt, fliichtete zu den verlockenden 
Predigten einer Internationale des Proletariats, glaubte durch Klassenkampf, d. h. durch 
Zerstorung einer Halfte seines eigenen Korpers, "firei" werden zu konnen, berauschte sich an 
der zu erreichenden Macht und iibergoB dies alles mit der Tiinche 

[204] Verfalschung des Opfergedankens 

der Humanitat. Heute ist dieser Wahn zerplatzt und die marxistische Fiihrerschaft des 
furchtbaren Betrugs an einer schwer ringenden, an sich kraftvollen und kampfkraftigen 
Menschenschicht entlarvt*. 

Das Paradoxon sowohl der Demokratie wie der marxistischen Lehre besteht darin, daB sie 
beide die brutalste, ehrloseste, materialistische Weltanschauung tatsachlich vertreten und 
bewuBt alle Triebe nahren, die eine Zersetzung fordem konnten, zu gleicher Zeit aber ihre 
Barmherzigkeit, ihre Liebe zu den Unterdriickten und Ausgebeuteten beteuern. In kluger 



Weise wird hier die seelische Opferfahigkeit des Proletariats angerufen, um dieses seinen 
Fiihrern gegeniiber innerlich abhangig zu machen. Wir sehen hier im Marxismus die Idee des 
Opfers und der "Liebe" die gleiche Rolle spielen, wie im romischen System. Blut und Ehre 
wurden gleichfalls von den Fiihrern des Marxismus verhohnt und verspottet, bis sich aber in 
der Arbeiterschaft doch diese unausrottbaren Ideen kundtaten. Heute spricht man endlich von 
einer "proletarischen Ehre". Greift dieser Gedanke um sich, so ist noch nicht alles verloren, 
denn mit dem Hochhahen des Ehrbegriffes iiberhaupt wird sich die deutsche Arbeiterschaft 
einst auch ihrer ehrlosen marxistischen Fiihrerschaft fiir immer zu entledigen wissen. 
Gestaltet sich dann dieser Begriff einer Standesehre zur Idee der Nationalehre aus, so ist 
dadurch der erste Glockenschlag der deutschen Freiheit getan. Es ist dies aber nur dann 
moglich, wenn alle wirklich Arbeitenden des deutschen Volkes eine Front gegen alle an 
Wirtschaft, Profit und Borse Verkauften bilden, gleich, ob diese Tatsache mit dem Mantel der 
Demokratie, des Christentums, des Internationalismus, der Humanitat verdeckt wird. 

A. Rosenberg: "Die internationale Hochfmanz als Herrin der Arbeiterbewegung in alien 
Ldndern", Munchen 1925. 

[205] Friedrich der GroBe als Gleichnis 

Wie eine unzahmbare Naturkraft wirkt der Geist Friedrichs des GroBen heute im deutschen 
Volke. Alles, was im Taumel des triumphierenden Untermenschen sich selbst wieder fand, 
erblickte sein schlackenfreiestes Streben im Freiheitskampf des alien Fritz verwirklicht, 
vorgezeichnet mit einem ehernen Stift, der durch alle zeitlichen Umhiillungen hindurch 
germanisches Wesen umschrieb. Und neben dieser GroBe erscheint dann die unbegreifliche 
Tragik, daB die fiir einen GroBen mogliche Libertat des Geistes von allzuvielen Kleinen 
Besitz ergriff und das, was aus der furchtbaren aber notwendigen Zucht selbstformend 
herausstrebte, den Gedanken der mit auBerlichen Geistesflittern glitzernden franzosischen 
Demokratie in die Arme trieb. Napoleon traf ein dem Zopf und der Aufklarung ausgeliefertes 
PreuBen an. Und dieses zerbrach, well es nicht mehr fritzisch, sondem pazifistisch 
liberalistisch dachte. "Wir sind eingeschlafen auf den Lorbeeren Friedrich des GroBen", 
schrieb spater Konigin Luise an ihren Vater. Aber aus diesem Niedergange entstieg endlich 
die Idee Alldeutschland. PreuBens Ehre wurde Deutschlands Sache. Gneisenau und Bliicher, 
Scharnhorst und Jahn, Arndt und Stein, sie alle waren die Verkorperung des alien 
Ehrbewustseins und haben das auch ihr ganzes Leben iiber ausgesprochen wie die Konigin 
Luise selbst, die alles fiir die Milderung des Loses ihres Volkes tun wollte, nur nicht, was 
gegen das Ehrgefiihl ginge. 

Das alles wissen wir oder sollten es ebenso wissen, wie die Burschenschaften, die damals ihre 
Fahnen entrollten und spater die Barrikaden bestiegen, als Zopf- und Untertanengeist - die 
ewig unseligen, noch heute herrschenden Ergebnisse des DreiBigjahrigen Krieges - 
Deutschland um die Errungenschaften seines Hochfluges der Freiheitskriege gebracht hatten. 
Bis der Traum der Deutschen scheinbar auf den Schlachtfeldern von Metz, Mars la Tour, St. 
Privat und Sedan in Erfiillung ging. scheinbar! 

[206] Die russische Leidenslehre 

Denn das Versailles von 1871 war eine politische Einigung ohne mythischen, 
weltanschaulichen Gehalt. Das Unbedingte der groBdeutschen Idee, die einen Bliicher 
erklaren lieB, wenn die Konige die Erhebung des Volkes nicht wollten, so sollte man sie 
davonjagen; die einen Stein veranlaBten, den Konig von PreuBen vor die Wahl zustellen, den 
Aufruf "An mein Volk" zu unterzeichnen, oder nach Spandau zu gehen, dieses Unbedingte 



fehlte dem Geschlecht nach 1871. Es gab sich "der Wirtschaft", dem Welthandel hin, wurde 
freimaurerisch-human, wurde "saturiert", vergaB die Aufgabe, seinen Lebensraum zu 
erweitern und zerbrach, durch Demokratie, Marxismus und Humanitat zerfetzt. Erst heute ist 
die stunde der Wiedergeburt gekommen. 



Die christlich-kirchliche Demut und die freimaurerische Humanitat waren zwei Formen, unter 
denen die Idee der Liebe als Hochstwert Menschengruppen gepredigt wurde, die von 
irgendeinem herrschsiichtigen Zentrum aus geleitet werden sollten. Es spielt hierbei durchaus 
keine Rolle, daB sowohl viele Lehrer der christlichen Demut wie der liberalen Humanitat dies 
gar nicht beabsichtigten; es handelt sich bloB um die Form der Ausnutzung eines verkiindeten 
Wertes. Zum Ende des 19. Jahrhunderts trat die Liebesidee nun in einer dritten Form auf, die 
uns den Bolschewismus bescherte: in der russischen Leidens- und Mitleidenslehre, 
symbolisiert im "Dostojewskischen Menschen". 

Dostojewski sprichtin seinem "Tagebuch" ganz offen aus, daB ein "absolut wurzelhaftes 
Verlangen" des rassischen Menschen in der Sehnsucht nach dem Leiden bestehe, nach 
fortwahrendem Leiden; Leiden in allem, selbst in der Freude. Auf Grund dieser Idee handeln 
und leben seine Gestalten; im Mitleiden liegt deshalb auch der 

[207] Dostojewskis Tragik 

Schwerpunkt der russischen Sittlichkeit. Das Volk weiB zwar, daB ein Verbrecher siindhaft 
handelt, aber: "Es gibt unausgesprochene Ideen ... Zu diesen im russischen Volk verborgenen 
Ideen zahlt die Bezeichnung der Verbrecher als Ungliickliche. Diese Idee ist eine rein 
russische." 

Dostojewski ist das VergroBerungsglas der russischen Seele; durch seine Personlichkeit kann 
man ganz RuBland in seiner oft schwer deutbaren Mannigfaltigkeit ablesen. Und tatsachlich 
sind die Folgerungen, die er aus seinem Bekenntnis zieht, ebenso bezeichnend wie seine 
Bedenken in der Beurteilung des russischen Seelenzustandes. Er bemerkte, daB diese Idee des 
Leidens mit einem Zug des Unpersonlichen und Unterwiirfigen eng verkniipft sei. Der 
russische Selbstmorder z. B. hege auch keinen Schatten des MiBtrauens, daB das zu totende 
Ich ein Unsterbliches sei. Dabei sei er gar kein Atheist. Er habe scheinbar davon gar nichts 
gehort: "Denkt an die friiheren Atheisten: wenn sie den Glauben an eines verloren hatten, 
begannen sie sofort leidenschaftlich an ein anderes zu glauben. Denkt an den Glauben 
Diderots, Voltaires ... Bei den unseren vollkommen tabula rasa; ja und wozu hier Voltaire 
nennen; es fehlt einfach an Geld, um sich eine Geliebte zu halten, und weiter nichts." 

Diese Erkenntnis bei einem Menschen vorzufmden, der "nur leben wollte, um einmal sein 
Volk gliicklich und gebildet zu sehen", ist erschiitternd und erganzt sich durch die Bemerkung 
Dostojewskis, daB es in RuBland keinen Menschen gabe, der nicht liige. Und dies, weil dort 
die allerehrbarsten Leute liigen konnten. Erstens, weil dem Rassen die Wahrheit zu langweilig 
scheine; zweitens aber, "weil wir uns alle unseres Selbsts schamen und jeder sich bemiiht, 
sich unbedingt als etwas anderes zu Zeigen, als er ist." Und bei aller Sehnsucht nach Wissen 
und Wahrheit sei der Rasse doch schlecht bewaffnet. Hier zeigt sich aber bereits die Kehrseite 
der Unterwiirfigkeit: die grenzenlose An- 

[208] Russische Demut und AnmaOung 



maBung. "Er (der Russe) versteht vielleicht gar nichts von den Fragen, die er sich zu losen 
vomahm, aber er schamt sich dessen nicht und sein Gewissen ist ruhig. Diese 
Gewissenlosigkeit zeugt von einer solchen Gleichgiiltigkeit in bezug auf Selbstkritik, von 
einer solchen Nichtachtung seiner selbst, daB man in Verzweiflung gerat und die Hoffnung 
verliert auf etwas Selbstandiges und Rettendes fiir die Nation." 

Der Leutnant Pirogow wird auf der StraBe in voller Uniform von einem Deutschen 
geschlagen. Nachdem er festgestellt hat, daB niemand den Vorfall beobachten konnte, 
fliichtete er in eine Nebengasse, um am gleichen Abend als Held des Salons einer vomehmen 
Dame einen Heiratsantrag zu machen. Diese wuBte nichts von der Feigheit ihres Liebhabers: 
"Aber glauben sie, daB sie ihn auch dann genommen hatte? - Unbedingt hatte sie es getan." 

Mehrere Russen fahren in der Eisenbahn mit Justus von Liebig zusammen, der jedoch 
niemand bekannt ist. Einer von ihnen, der nichts von Chemie versteht, beginnt mit Liebig 
iiber dieses Thema zu sprechen. Er redet schon und lange bis zu seiner Station, nimmt dann 
seine Sachen und verlaBt, stolz und ungeheuer mit sich zufrieden, das Abteil. Die anderen 
Russen aber haben keinen Augenblick daran gezweifelt, daB der Charlatan in der Debatte 
gesiegt habe. 

Dieses Sichdemiitigen (verbunden mit plotzlicher AnmaBung) fiihrt Dostojewski auf eine 200 
jahrige Entwohnung von jeder Selbstandigkeit und auf das 200 jahrige Bespeien des 
russischen Antlitzes zuriick, welches das russische Gewissen zu einer katastrophalen 
Unterwiirfigkeit erweitert habe. Wir werden heute ein anderes Urteil fallen: es ist etwas 
ungesund, krank, bastardisch im russischen Blut, welches alle Anlaufe zum Hohen immer 
wieder durchkreuzt. Der Psychologismus ist nicht die Folge eines starken Seelentums. 
sondem das gerade Gegenteil, ein 

[209] Die Raskolnikows 

Zeichen einer Seelenverkriippelung. Wie ein Verwundeter immer wieder seine Wunde 
betasten und untersuchen wird, so ein Seelenkranker seine inneren Zustande. In der russischen 
Leidens- und Unterwiirfigkeitsidee liegt die starkste Spannung zwischen den Werten Liebe 
und Ehre. Im ganzen Abendlande brach die Ehre und Freiheitsidee immer wieder durch, trotz 
Scheiterhaufen und Interdikt. Beim "russischen Menschen", wie er um die Wende des 20. 
Jahrhunderts nahezu Evangelium wurde, tritt die Ehre als gestaltende Kraft iiberhaupt nicht in 
Erscheinung. Mitja Karamasow, der seinen Vater mit FiiBen miBhandelt, um gleich darauf 
demiitig zu werden, kennt sie kaum, nicht der griibelnde Iwan, noch der Starez Sossima (eine 
der schonsten Gestalten der russischen Literatur), geschweige denn der alte Karamasow 
selbst. Fiirst Myschkin spielt die krankhaft idiotische Rolle eines perfonlichkeitsbaren 
Menschen erschiitternd zu Ende. Rogoschin ist von wiister Leidenschaftlichkeit, das 
europaische Zentrum mangelt auch ihm. Raskolnikow ist der innerlich Gewichtslose, 
Smerdjakow schlieBlich die Zusammnenballung alles Knechtischen ohne jede Sehnsucht nach 
oben.. Dazu gesellen sich all jene gestikulierenden Studenten und kranke Revolutionare, 
welche ganze Nachte lang durcheinander sprechen, debattieren, ohne schlieBlich zu wissen, 
woriiber sie iiberhaupt gestritten haben. Das sind Gleichnisse eines verdorbenen Blutes, einer 
vergifteten Seele. 

Einst sah sich Turgenjew in RuBland nach einem Vorbild von Kraft und Gradlinigkeit fiir den 
Helden eines Romans um. Er fand keinen und wahlte einen Bulgaren, den er Insarow nannte. 
Gorki stieg hinab auf den Boden der Gesellschaft, schilderte den Landstreicher ohne Willen. 



ohne Glauben, oder doch nur mit einem solchen, der wie Phosphorglanz im faulen Holze 
schimmere*. Andrejew gelangte zu dem Mann, der die Ohrfeigen bekam, und sie 

* "Unter fremden Menschen". 

[210] Das beanspruchte "Allmenschentum" 

alle bestatigen als Menschen die bittere Erkenntnis Tschaadajews, daB RuBland weder zum 
Westen noch zum Osten gehore, daB er keine organisch gefestigte Eigeniiberlieferung 
verwalte. Der Russe, allein in der Welt, habe keine einzige Idee in der Menge der 
Menschheitsideen eingefiihrt und alles, was er vom Fortschritt erhalten habe, sei durch ihn 
verzerrt worden. Der Russe bewege sich zwar, aber auf einer krummen Linie, die zu keinem 
Ziele fiihre und er sei wie ein kleines Kind, das nicht richtig denken konne*. 

Diese Erkenntnis schlummerte, wie dargelegt, auch in Dostojewski, der Mangel an 
PersonlichkeitsbewuBtsein ist von ihm deutlich erkannt worden. Der qualvollen Sehnsucht 
aber, der Welt doch etwas Selbstandiges zu schenken, ist sein " Allmenschentmn" entsprossen, 
das angeblich mit dem Russentum gleichbedeutend sein sollte. RuBland sei es, welches das 
wahre Bild Christi in seinem Busen treu bewahrt habe, mit der Bestimmung, einmal, wenn die 
Volker des Westens den Weg verloren hatten, sie auf eine neue rettende Bahn zu weisen Das 
leidende, duldende Menschentum sei eine Prophezeiung fiir das kommende "Wort" RuBlands, 

* Ein sehr interessantes Urteil uber den Russen gab bereits vor vielen Jahrzehnten Viktor von 
Helm ab: "Rufiland ist ein Land des ewigen Wechsels und vollig unkonservativ, und ein Land 
- ultrakonservativen Herkommens, in dem die Urzeit lebendig ist und das von den Sitten und 
Vorstellungen nicht Idfit, man mag sich stellen, wie man wolle. Die moderne Kultur ist hier 
Firnis, wogt auf und ab, bringt nur ekelhafte Erscheinungen hervor; was die uralte Tradition 
an Giitern, Gebrduchen, Werkzeugen nsw. iiberliefert hat, ist solid, verntinftig. Mug erdacht 
und geschickt beniitzt. " 

Und an anderer Stelle: "Sie sind kein jugendliches Volk, sondern ein seniles - wie die 
Chine sen. Alle ihre Fehler sind keine jugendliche Roheit, gehen aus asthenischer Entnervung 
hervor. sie find sehr alt, uralt undhaben das Alteste konservativ bewahrt und ge ben es nicht 
auf. An ihrer Sprache, ihrem Aberglauben, ihrem Erbrecht usw. Idfit sich dasfrUheste 
Alter tum studieren. Sie sind gewissenlos, ehrlos, schuftig, leichtsinnig, inkonsequent, ohne 
Gefiihl und Selbsttdtigkeit, aber nur in den aufgegzwungenen modernen Kulturformen, die 
entwickelte, selbstdndige Subjektivitdt verlangen; sind unverdnderlich sittlich, felsenfest, 
zuverldssig, wo es sich um die ihnen eigene, altasiatische, primitive Gestalt des Lebens 
handelt. sie sind ein stationdres Volk. Ein solches behandelt nach Goethes tiefer Beobachtung 
auch die Technik mit Religion. Und in den altrussischen Zweigen der Technik handeln sie 
solid in allem, wo die kernhafie, auf sich beruhende Individualitdt nicht erforderlich wird, 
sondern die gemeinsame Fabrikation nach ererbten, jedem eingeschriebenen Regeln; dann 
arbeiten sie wie die Biber, Ameisen, Bienen. Alle europdische Industrie in Rufiland ist zum 
Lachen erbdrmlich; alles nur zum Schein, auf den Moment berechnet, zerbrechlich, 
tibertUncht, immer nach den neuesten hochsten Mustern kindischer Weise und hochst 
unvollkommen, roh, geschmacklos nachgeahmt " (Vgl Schiemann: "Viktor Helm, ein 
Lebensbild", 1894.) 

[211] Die Demutigen als "Helden" 



Es ist heute klar, daB Dostojewskis verzweifelter Versuch im Wesentlichen dem Betragen des 
Russen gleicht, den er Justus von Liebig gegeniibergestellt hatte; eine gebrochene, 
personlichkeitslose Seele, die sich anmaBt, die Welt zu bekehren. 

Dostojewski hatte Erfolg bei alien Europaern, die in miider Erschlaffung begriffen waren, bei 
alien Bastarden der GroBstadt-Geistigkeit und - bei Weglassung seiner antisemitischen 
Anschauung - bei der jiidischen Literatenwelt, die in seinen Gestalten und in Tolstois odem 
Pazifismus ein weiteres willkommenes Mittel zur Zersetzung des Abendlandes erblickte. Die 
kiinstlerische Kraft Dostojewskis steht hier nicht zur Debatte (siehe hierzu zweites Buch), 
sondern die Gestalten als solche, die er schuf, und seine Umgebung, die hier verwirklicht 
wurde. Als "menschlich" gait von nun an alles, was krank, gebrochen, angefault war. Die 
Gedemiitigten und Verfolgten wurden zu "Helden", Epileptiker zu Problemen eines tiefen 
Menschentums, gleichsam unantastbar wie die heiligen verfaulenden Bett- 

[212] Die "Macht der Finsternis" 

ler des Mittelalters, oder ein Simon Stylites. Damit war die Auffassung des germanischen 
Menschentums in ihr Gegenteil verkehrt. Menschlich ist fiir den Abendlander ein Held wie 
Achilles oder der schopferisch ringende Faust; menschlich ist eine Kraft, wie der 
unermiidliche Leonardo; menschlich ist ein Kampfertum, wie es Richard Wagner und 
Friedrich Nietzsche durchlebten Mit dieser russischen Krankheit. Verbrecher als 
Ungliickliche und Morsche und Verfaulte als Symbole der "Menschlichkeit" hinzustellen, 
muB einmal fiir immer aufgeraumt werden. selbst der Inder, auf den sich viele Rassen 
falschlicherweise berufen, nimmt sein Schicksal als selbstverschuldet hin, als schuld eines 
friiheren Lebens. Wie immer man diese Sseelenwanderungslehre auch deuten moge, 
aristokratisch ist sie und aus einem tapferen Herzen stammte sie einstmals. Der Jammer iiber 
die "Macht der Finsternis" aber ist das hilflose Gestammel eines vergifteten Blutes. Dieses 
verdorbene Blut schuf sich seinen Hochstwert der Leidenssehnsucht, der Demut, 
"allmenschlicher Liebe" und wurde naturfeindlich wie einst das siegende Rom, bis Europa 
den asketischen agyptisch-afrikanischen Masochismus halbwegs von sich zu schiitteln 
vermochte. 

DaB man die altgriechische Liebe mit der sog. christlichen Lehre heute mit dem gleichen 
Wort bezel chnet und gar Dostojewski und Platon in einem Atemzuge nennt, ist ein 
Verhangnis gewesen, Der Eros Alt-Griechenlands war eine seelische Uberschwanglichkeit, 
stets verbunden mit zeugendem Naturgefiihl, und der gottliche Platon ist eine ganz andere 
Gestalt als ihn Theologen und Professoren uns zurechtgefalscht haben. Von Homer bis Platon 
ist Natur und Liebe eines gewesen, ebenso wie auch die hochste Kunst in Hellas 
rassegebunden blieb. Die kirchliche "Liebe" aber setzte sich nicht nur gegen alle Gedanken 
von Rassen-und Volkstum, sondern sie ging noch weit dariiber hinaus. Der "heilige" Zeno 
sagte im 4. Jahrhundert n. Chr.: 

[213] Die kirchliche Beschimpfung des Leibes 

"Der groBte Ruhm der christlichen Tugend ist es, die Natur mit FiiBen zu treten." Diesen 
Lehrsatz hat die Kirche, wo sie sich nur irgend durchsetzen konnte, getreulich befolgt. Die 
Beschimpfung des Korpers als unrein dauert ununterbrochen fort bis in unsere Tage, da der 
Nationalismus und der Rassengedankte als heidnisch bekampft werden. Die "Nachfolge 
Jesu", da sich die Frommen in Asche walzten, mit peitschen schlugen, in Liter und Wunden 
gingen, sich mit Eisenktetten beluden, wie Simon dreiBig Jahre auf einer Saule hockten, oder. 
wie der hi. Thalelaus, zehn Jahre in einem Wagenrad eingeklemmt verbrachten, um den Rest 



des "Lebens" in einem engen Kafig zuzubringen, diese "Nachfolge" war eine parallele zum 
abstrakten "Guten" des Sokrates und zum spateren "Menschen Dostojewskis". 

Nicht naturlose "Liebe", nicht eine unfaBbare "Gemeinde der Guten und Glaubigen", nicht 
eine "Allmenschlichkeit" mit zersetztem Blut ist es, was je und je Kultur- und kunsterzeugend 
gewirkt hat, sondem - in Hellas - der fruchtbare Eros und die rassische Schonheit, in 
Germanien die Ehre und die rassische Lebensdynamik. Wer diese Gesetze miBachtet, ist nicht 
fahig, Wege zu weisen fiir eine kraftvolle Zukunft des germanischen Abendlandes. 

Man kann bei Dostojewski sein heiliges groBes Wollen im steten Kampf mit den Machten des 
Unterganges geradezu mit Handen greifen. Wahrend er noch den russischen Menschen als 
Wegweiser der europaischen Zukunft preist, sieht er RuBland doch schon den Damonen 
ausgeliefert. Er weiB bereits, wer Herr werden wird im Spiel der Krafte: "stellenlose 
Advokaten und freche Juden." Kerenski und Trotzki sind geweissagt. Im Jahre 1917 wurde 
der "russische Mensch" endlich erlost. Er zerfiel in zwei Telle. Das nordisch-russische Blut 
gab den Kampf auf, das ostisch-mongolische schlug machtig empor, berief Chinesen und 
Wiistenvolker; Juden, Armenier 

[214] Bolschewismus - eine Blutserkrankung 

drangten sich an die Fiihrung und der Kalmiicko-Tatare Lenin wurde Herr. Die Damonie 
dieses Blutes richtete sich instinktiv gegen alles, was noch auBerlich als aufrecht wirkte, 
mannlich nordisch aussah, gleichsam lebendiger Vorwurf war gegen einen Menschen, den 
Lothrop Stoddard als "Untermenschen" bezeichnete. Aus der vor Ohnmacht anmaBenden 
Liebe von friiher wurde ein epileptischer Anfall, politisch durchgefiihrt mit der Energie eines 
Wahnsinnigen. Smerdjakow herrscht iiber RuBland. Wie immer das russische Experiment 
auch auflaufen moge: der Bolschewismus als Herrscher war als Folge nur moglich in mitten 
eines rassisch und seelisch kranken Volkskorpers, der sich nicht zur Ehre, sondern nur bis zur 
blutlosen "Liebe" zu entscheiden vermochte. Wer ein neues Deutschland will, wird somit 
auch die russische Versuchung nebst ihrer jiidischen Ausnutzung von sich weisen. Die 
Umkehr ist auch hier bereits vollzogen. Die Ergebnisse wird die Zukunft verzeichnen. 

8. 

Als der Weltkrieg ausbrach, erblickten auch die leitenden krank gewordenen Nationalen in 
Deutschland gleichfalls nicht in Ehre und Freiheit und Volkstum, nicht in der Liebe, wohl 
aber in der Wirtschaft das Schicksal. Auch diese Vergiftung muBte zur Krise, zum 
Aufbrechen der Eiterbeule fiihren. Das geschah am 9. November 1918. Die Folgezeit bewies, 
daB s a m 1 1 i c h e alten Parteien und ihre Fiihrer angefault, unbrauchbar fiir einen Neubau 
unseres Staates waren. sie muBten vom Volk sprechen und dachten nur an Wirtschaft; sie 
redeten von der Einheit des Reiches und dachten an Profite; sie betrieben "christliche Politik" 
und schafften emsig in ihre eigenen Scheunen. Die seelische und politische Lage unserer Zeit 
ist deshalb folgende: 

[215] Das Ende einer Welt 

Das alte syrisch-jiidisch-ostische Kirchentum entthront sich selbst: ausgehend von einer 
Dogmatik, die den seelischen Baugesetzen des nordischen Abendlandes nicht entsprach, im 
Bemiihen, die allein tragenden und kulturschaffenden Ideen der nordischen Rasse - Ehre, 
Freiheit und Pflicht - beiseitezuschieben oder sich botmaBig zu machen, hat dieser 
Vergiftungsvorgang schon mehrfach zu schwersten Zusammenbriichen gefiihrt. Wir erkennen 



heute, daB die zentralen Hochstwerte der romischen und der protestantischen Kirche als 
negatives Christentum unserer Seele nicht entsprechen, daB sie den organischen Kraften der 
nordisch-rassisch bestimmten Volker im Wege stehen, ihnen Platz zu machen haben, sich neu 
im Sinne eines germanischen Christentums umwerten lassen miissen. Das ist der Sinn des 
heutigen religiosen Suchens. 

Der alte Nationalismus ist tot. Einmal, 1813, aufgeflammt, hat er seine Unbedingtheit immer 
mehr eingebiiBt, wurde durch zopfigen Dynastizismus, Industriepolitik, borsenmaBige 
Profitwirtschaft immer mehr vergiftet, verauBerlichte im ideenlosen Biirgertum des 
neunzehnten Jahrhunderts, dank humanitarer Verblodung, und zerbrach am 9. November 
1918, als seine Trager und Vertreter vor einigen Haufen Deserteuren und Zuchthauslem 
davonliefen. 

Der alte Sozialismus verfault am lebendigen Leibe. 

Als organische Sehnsucht geboren, fiel er in die Hande internationaler Schwatzer und 
Betriiger, verriet seinen opfermutigen Aufschwung dank borsen-kapitalistischen Bindungen 
seiner fremdbliitigen Fiihrung, vermahlte sich mit tataro-bolschewistischen 
Verwesungskeimen und bewies von neuem, daB mit materialistischen Ideen keine 
organischen Revolutionen zur Freiheit durchgefiihrt werden konnen. Der Marxismus verwest 
auf den weiten Ebenen RuBlands und auf den Konferenzsesseln 

[216] Beginn der Wiedergeburt 

von Genf und Paris und Locarno und im Haag... Dort wurde der sozialistische Gedanke an die 
Hyanen der Borsen restlos verraten. 

Es bricht also heute eine ganze Welt zusammen. Das Ergebnis des Weltkrieges bedeutete eine 
Wei tr evolution und zeigte das wahre Gesicht des mit allem Wust der Jahrtausende 
iiberladenen 19. Jahrhunderts. Werte und Sitten und Gebrauche, die noch lebendig schienen, 
sanken dahin, sind auch innerlich schon iiberwunden, nur eine richtungslos geblichene Masse 
betet noch zu den Ruinen der alten Gotzenhauser. Aus dem Schutt aber erheben sich heute 
Machte, die begraben schienen, und ergreifen immer bewuBter Besitz von alien, die um ein 
neues Lebens- und Zeitgefiihl ringen. Die nordische Seele beginnt von ihrem Zentrum - dem 
EhrbewuBtsein - heraus wieder zu wirken. Und sie wirkt geheimnisvoll, ahnlich wie zur Zeit 
als sie Odin schuf, als einst Otto des GroBen Hand spiirbar wurde, als sie Meister Eckehart 
gebar, als Bach in Tonen dichtete und als Friedrich der Einzige iiber die Erde schritt. Eine 
neue Zeit deutscher Mystik ist angebrochen, der Mythus des Blutes und der Mythus der freien 
Seele erwachen zu neuem bewuBtem Leben. 



Der Mythus des 20. Jahrhunderts 

Alfred Rosenberg 

[217] bis [273] 

III. Mystik und Tat 



Im nordischen W, im germanischen Ritter, im preuBischen Offizier, im baltischen Hansen, im 
deutschen Soldaten und im deutschen Bauern erkennen wir den lebengestaltenden Ehrbegriff 
in seinen verschiedenen erdgebundenen Auswirkungen. In der Dichtkunst sehen wir von den 
alten Epen an, iiber Walther von der Vogelweide, die Rittergesange bis Kleist und Goethe das 
Motiv der Ehre als Gehalt und das der inneren Freiheit als wichtigstes Gestaltungsgesetz 
auftreten. Nun gibt es aber noch eine feine Verastelung, in der wir das Wirken nordischen 
Wesens verfolgen konnen: das ist der deutsche Mystiker. 

Dieser Mystiker ist bemiiht, sich aus den Verstrickungen der stofflichen Welt immer mehr 
und mehr herauszulosen. Er erkennt das Triebhafte unseres Menschendaseins, GenuB, Macht, 
aber auch die sogenannten guten Werke als fiir die Seele nicht wesentlich; aber je mehr er 
alles Erdenschwere iiberwindet, um so groBer, reicher, gottlicher fiihlt er sich innerlich 
werden. Er entdeckt eine rein seelische Macht und fiihlt, daB diese seine Seele ein Zentrum an 
Kraft darstellt, dem schlechterdings nichts vergleichbar ist. Diese Freiheit und 
Unbekiimmertheit der Seele allem, auch Gott gegeniiber und die Abwehr eines jeden 
Zwanges, auch eines solchen von seiten Gottes, zeigt die tiefste Tiefe, bis wohin wir den 
nordischen Ehr- und Freiheitsbegriff hinunter verfolgen konnen. Er ist jene "Bergfeste der 
Seele", jenes "Fiinklein", von dem Meister Eckehart mit immer neuer staunender 
Bewunderung spricht; er stellt das innerste, zarteste und doch starkste Wesen unserer Rasse 

[218] Ehre und Freiheit 

und Kultur dar. Eckehart nennt dieses Innerste nicht mit Nam en, da das reine Subjekt des 
Erkennens und Wollens namenlos, eigenschaftslos, von alien Formen der Zeit und des 
Raumes geschieden sein miisse. Wir aber diirfen es heute wagen, dieses "Fiinklein", das sich 
doch als eine verzehrende Flamme gezeigt hat, als das metaphysische Gleichnis der Ideen von 
Ehre und Freiheit zu bezeichnen. Denn Ehre und Freiheit sind letzten Endes keine auBerlichen 
Eigenschaften, sondern Zeit- und raumlose Wesenheiten, die jene "Festung" bilden, aus 
welcher der echte Wille und die echte Vemunft ihre Ausfalle in "die Welt" unternehmen. 
Entweder um sie zu besiegen, oder sie als Notbehelf fiir Seelenverwirklichung zu benutzen. 

Die frohe Botschaft der deutschen Mystik ist von der Europa feindlichen Kirche mit alien 
Mitteln gedrosselt worden, ehe sie ganz erbliihen konnte. Diese Botschaft war jedoch nie ganz 
gestorben; die groBe Siinde des Protestantismus aber war es, anstatt auf sie zu horen, das 
sogenannte Alte Testament zum Volksbuch gemacht und den jiidischen Buchstaben als 
Gotzen hingestellt zu haben. Die heutige Zeit der wiedereinsetzenden Seelenbereitschaft wird 
entweder (wenn auch unter neuen Formen) auf die Botschaft der deutschen Mystik horen, 
oder sie wird unter den Tritten der alten Machte vor ihrer Entfaltung verenden, wie schon so 
mancher Versuch der Wiederaufrichtung unseres Wesens nach der erfolgten romisch- 
jiidischen Vergiftung. Dem "erleuchteten Sinn und auferhobenen Geist", den Meister 
Eckehart von leinen Zuhorern forderte, muB sich heute ein stahlharter Wille zugesellen, der 
mutig genug ist, alle Folgerungen aus seiner Erkenntnis zu ziehen. "Willst du den Kern haben, 
so muBt du die Schale zerbrechen" (Eckehart). 

Sechshundert Jahre sind es her, seit der groBte Apostel des nordischen Abendlandes uns 
unsere Religion schenkte, 

[219] Wotan und Bonifazius 



ein reiches Leben daran setzte, unser Sein und Werden zu entgiften, das Leib und Seele 
knechtende syrische Dogma zu iiberwinden und den Gott im eigenen Busen zu erwecken, das 
"Himmelreich inwendig in uns". 

Im Suchen nach einer neuen seelischen Ankniipfung an Vergangenes gehen nicht die 
schlechtesten der heutigen Emeuemngsbewegung nur auf die Edda und ihr verwandte 
germanische Vorstellungskreise zuriick. Ihnen ist es in erster Linie zu verdanken, daB neben 
der Fabel auch der innere Reichtum unserer Sagen und Marchen unter dem Schutt und der 
Asche der Scheiterhaufen wieder sichtbar geworden ist. Aber die germanischen 
Glaubensgemeinschaften iibersehen im Verfolgen ihrer Sehnsucht, bei vergangenen 
Geschlechtern und ihren religiosen Gleichnissen inneren Halt zu fmden, daB Wotan als 
Religionsform tot ist. Er starb nicht am "Bonifazius", sondern an sich selber; er vollendete 
den Untergang der Gotter einer mythologischen Epoche, einer Zeit der unbekiimmerten 
Natursymbolik. Man ahnte seinen Sturz schon in den nordischen Gesangen, hoffte aber im 
Vorgefiihl der unvermeidlichen Gotterdammerung doch auf den "Starken von oben". An 
dessen stelle aber trat zum Ungliick Europas der syrische Jahwe in der Gestalt seines 
"Stellvertreters", des etruskisch-romischen Papstes. Odin war und ist tot; den "Starken von 
oben" aber entdeckte der deutsche Mystiker in der eigenen Seele. Das gottliche Walhall stieg 
aus unendlichen nebeligen Fernen hemieder in des Menschen Brust. Die Entdeckung und 
Verkiindung der unverganglichen Freiheit der Seele war jene rettende Tat, die uns bis auf 
heute gegen alle Erdrosselungsversuche geschiitzt hat. Die Religionsgeschichte des 
Abendlandes ist deshalb fast ausschlieBlich die Geschichte religioser Emporungen. Echte 
Religion innerhalb der Kirche war nur insoweit vorhanden, als die nordische Seele an ihrer 
Entfaltung nicht verhindert werden konnte (wie etwa beim heiligen Franziskus 

[220] Mystisch-germanische Wiedergeburt 

und Fra Angelico), well ihr Widerhall in der abendlandischen Menschheit doch ein zu 
machtiger war. 

Im deutschen Mystiker tritt zuerst und bewuBt - wenn auch im Gewande seiner Zeit - der 
neue, der wiedergeborene germanische Mensch in die Erscheinung. Nicht in der Zeit der 
sogenannten Renaissance, nicht in der sogenannten Reformation vollzieht sich die seelische 
Geburt unserer Kultur - diese Zeit ist mehr auBerer Aufbruch und verzweifelter Kampf - 
nein, im 13. und 14. Jahrhundert 

wird die Idee der seelischen Personlichkeit, die tragende Idee unserer Geschichte, zum 
erstenmal Religion und Lebenslehre; in dieser Zeit wird auch das Wesen unserer spateren 
kritischen Philosophic bewuBt vorweggenommen und dariiber hinaus das ewige 
metaphysische Bekenntnis des nordischen Abendlandes verkiindet, welches zwar durch die 
Seelen vieler Geschlechter hindurch wirkte, aber nicht eher allgemein gelost werden konnte, 
als bis die Zeit dazu reif geworden war. "Die tiefsten Brunnen tragen die hochsten Wasser"; 
unserer Zeit ist es beschieden worden, in die tiefste Tiefe zu sinken, um das Hochste ans Licht 
zu heben. Ob sie sich dieser Berufung wiirdig zeigen wird, hangt von ihr selber ab. 

Weit iiber dreihundert Jahre dauerte es, bis der Name Christi den Volkern am Mittelmeer 
etwas bedeutete, rund tausend muBten verstreichen, bis das ganze Abendland von ihm 
durchdrungen war. Konfuzius starb von nur wenigen betrauert; erst dreihundert Jahre nach 
seinem Tode begann die Verehrung, erst funfhundert Jahre spater wurde ihm der erste Tempel 
gebaut. Heute wird zu ihm in eintausendfiinfhundert Tempeln als zu dem "vollkommenen 
Heiligen" gebetet. Auch iiber dem Grab des Meisters Eckehart muBten sechshundert Jahre 



verrauschen, ehe die deutsche Seele ihn begreifen konnte. Heute scheint es wie ein Dammem 
durchs Volk zu gehen, das anzeigt, 

[221] Das "innereWerk" der Seele 

als sei es reif geworden fur den Apostel der Deutschen, den "heiligen und seligen Meister"*. 

2. 

Jedes Geschopf treibt sein Wesen urn eines wenn auch ihm selbst unbekannten Zieles wegen. 
Auch die Seele besitzt ihr Ziel: rein zu sich selber und zum GottbewuBtsein zu gelangen. 
Diese Seele aber hat sich in die Welt der Sinne, des Raumes und der Zeit, "zerspreitet und 
zerstreut". Die Sinne betatigen sich in ihr und schwachen - zunachst - die Kraft der 
seelischen Zusammenballung; die Vorbedingung des "inneren Werkes" ist deshalb das Ein- 

* Es wird eine ewige Schande bedeuten, dafi Meister Eckehart noch nirgends eingehend und 
erschopfend behandelt warden ist. Uber ihn unterrichtet zunachst die Pfeiffersche 
Herausgabe seiner Predigten. Was die katholischen Schriftsteller aus Eckehart gemacht 
haben, dafUr bieten die Schriften Denifles das beste Beispiel. Der grofie Deutsche sinkt zu 
einem Nachahmer herunter, dessen Seitenspriinge dann "zuriickgewiesen" werden. 
Vgl.Denifle "Meisler Eckeharts lat. Schriften", 1886; "Das geistliche Leben", eine Schrift voll 
SUfiigkeiten und reUgiosem Kitsch, in welchen Eckehart " hineingearbeitet" warden ist. P. 
Mehlhorn gibt nur eine kurze, wenig sagende Ubersicht ("Die Bliitezeit der deutschen 
Mystik"), wdhrend) A. Spamer interessante Texte zusammengestellt hat ("Texte aus der 
deutschen Mystik des 14. und 15. Jahrhunderts"), Lehrreich sind die ausgewdhlten Texte 
Meister Eckeharts von 0. Karrer, 1923. Etwas miihsam, aber doch mit Einsicht in die Grofie 
Eckeharts ist Dr. A. Dempfs Untersuchung in seiner "Metaphysik des Mittelalters", MUnchen 
1930. Die beste Arbeit und zugleich eine in die Tiefe gehende Wtirdigung hat H- Btittner 
gegeben ("Meister Eckeharts Schriften und predigten", 2 Bdnde). seiner hochdeutschen 
Ubertragung bin ich gefolgt. Es ware zu wUnschen, dafi der VerlagE. Diederichs, Jena, eine 
ganz biUige, vielleicht gekiirzte Volksausgabe des Werkes herstellen hefie. Es gehort als erste 
Schrift in jedes deutsche Haus. - Wie ich erfahre, ist seit 1931 die Herausgabe der gesamten 
Werke Eckeharts in Vorbereitung. Es ist hochste Zeit geworden] 

\lll\ Der "Seele Adel" 

Ziehen aller nach auBen wirkenden Krafte, das Ausloschen aller Bilder und Gleichnisse. 
Dieses "innere Werk" aber bedeutet: das Himmelreich "an sich zu reiBen", wie es Jesus von 
den "Gewaltigen" der Seele bezeugt und gefordert habe. Dieser Versuch des Mystikers fordert 
also die Ausschaltung der Welt als Vorstellung, urn uns moglichst als reines Subjekt des uns 
innewohnenden metaphysischen Wesens bewuBt zu werden; und da dies nicht vollkommen 
moglich ist, wird die Idee "Gott" als neues Objekt dieser Seele erschaffen, urn zum SchluB die 
Gleichwertigkeit von Seele und Gott zu verkiinden. 

Diese Tat ist aber nur unter der Voraussetzung der Freiheit der Seele von alien Dogmen, 
Kirchen und Papsten moglich. Und Meister Eckehart, der Dominikaner-Prior, scheut sich 
nicht, dieses Grundbekenntnis alles arischen Wesens freudig und offen hinauszurufen. Er 
berichtet durch ein langes Leben hindurch vom "ungeschaffenen und unerschaffbaren Licht 
der Seele", und predigt: "Gott hat die Seele in fireie Selbstbestimmung eingesetzt, so daB er 
iiber ihren freien Willen hinweg ihr nichts antun noch ihr zumuten will, was sie nicht will." 
Entgegen aller Zwangsglaubenslehre fahrt er fort, zu erklaren, drei Stiicke seien es, die der 



"Seele Add" bewiesen: "Das erste handelt vom Wesen in seiner Herrlichkeit (vom 
"Himmel"), das zweite von den Kraften in ihrer Machtigkeit, das dritte von den Werken als 
ihrer Fruchtbarkeit." Vor jedem "Ausgehen" in die Welt muB die Seele sich "ihrer eigenen 
Schonheit" bewuBt geworden sein. Das innere Werk der Eroberung des Himmelreichs kann 
aber auch seinerseits nur durch hochste Freiheit vollbracht werden. "Deine Seele bringt eher 
keine Frucht, als bis sie das Werk verrichtet: und uberlaBt dich nicht Gott noch dir selber, du 
habest denn dein Werk zur Welt gebracht. Anders hast du keinen Frieden und bringst auch 
solange keine Frucht. Und auch dann ist sie noch unansehnlich genug: well sie aus einer 

[223] SeelengroBe weiter als der Himmel 

(an AuBerlichkeiten) gefesselten, werkverhafteten Seele, nicht aus der Freiheit geboren ist." 
Und wenn die Frage entstehe, warum Gott iiberhaupt Mensch geworden sei, so antwortet der 
ketzerische Eckehart nicht: damit wir armseligen Sunder uns einen UberschuB an guten 
Werken aufschreiben konnten, sondern er sagt: "Ich antworte: darum, damit Gott in der Seele 
geboren werde..." Woraus sich dann ein frohes Bekenntnis ergibt: "Die Seele, in der Gott 
geboren werden soil, der muB die Zeit und sie der Zeit entfallen sein, sie muB sich 
emporschwingen und ganz verstarrt stehen in diesem Reichtum Gottes: das ist Weite und 
Breite, die nicht weit und breit. Da erkennt die Seele alle Dinge und erkennt sie da in ihrer 
Vollendung! Die Meister, was die auch schreiben wie weit der Himmel sei: das geringste 
Vermogen, das es in meiner Seele gibt, ist weiter als der weite Himmel!" 

Die landlaufige Erklarung der Mystik betont immer wieder nur das "Sichaufgeben", das 
"Sichwegwerfen an Gott" und erblickt in dieser Selbsthingabe an ein A n d e r e s das Wesen 
des mystischen Erlebens. Diese Betrachtungsweise ist durch die romisch verfalschte 
Spatmystik verstandlich, sie entstammt ferner der scheinbar unausrottbaren Einstellung, als 
seien Ich und Gott wesensverschieden. Wer aber Eckehart als eine Ganzheit begriffen hat, 
wird unschwer feststellen, daB diese "Hingabe" in Wirklichkeit hochstes SelbstbewuBtsein ist, 
das sich in dieser Welt aber gar nicht anders darstellen laBt, als durch ein Gegeniiber in Zeit 
und Raum. Die Lehre von der Seele, die mehr ist als das Weltall, auch frei ist von Gott, und 
die Lehre von der Abgeschiedenheit bedeuten die restlose Absage an die alttestamentliche 
Vorstellungswelt und an die siiBliche Aftermystik der spateren Zeit. 

Jene Worte iiber das weltenweite Seelenvermogen sind echt mystisches Erleben, zugleich 
bedeuten sie die 

[224] Eckeharts Erkenntniskritik 

philosophische Erkenntnis der Idealitat von Raum, Zeit und Ursachlichkeit (Kausalitat), was 
Eckehart auch an anderen Stellen mit vollem BewuBtsein behauptet, nachweist und in 
schonerer Sprache lehrt, als es der mit naturwissenschaftlicher und philosophischer Scholastik 
schwerer bepackte Kant vierhundert Jahre spater tun konnte. "Der Himmel ist rein und von 
ungetriibter Klarheit, ihn riihrt weder Zeit noch Raum. Nichts Korperliches hat darin seine 
Statte und er ist auch nicht in der Zeit einbegriffen: seine Umdrehung geschieht unglaublich 
schnell, sein Lauf ist selber zeitlos, aber von seinem Lauf kommt die Zeit. Nichts hindert die 
Seele so sehr, Gott zu erkennen, als Zeit und Raum. Soil also die Seele Gott iiberhaupt 
erkennen, so muB sie ihn erkennen oberhalb des Raumes ... Soil das Auge die Farbe 
gewahren. so muB es selber aller Farben zuvor entkleidet sein. 

soil die Seele Gott gewahren, so darf sie mit dem Nichts nichts gemein haben." Gott, dieser 
positive Ausdruck des religiosen Menschen fiir die bloB philosophisch-abgrenzende 



Bezeichnung "Ding an sich" wird also mit hochster Besonnenheit nicht nur als von Trieb und 
Bild verschieden erfaBt (womit jegliche Natursymbolik vernichtet ist), sondem auch die 
reinen Anschauungsformen werden als bloBe Hiillen erkannt und abgestreift. An einer 
anderen Stelle sagt Eckehart: " Alles was ein sein hat in Zeit und Raum, das gehort nicht Gott 
zu..." "Die Seele ist ganz und ungeteilt zugleich im FuB und im Auge und in jeglichem 
Glied... Das Jetzt, in welchem Gott die Welt gemacht hat, das ist dem Jetzt, in welchem ich 
augenblicklich spreche, genau so nahe, wie der gestrige Tag. Und auch der jiingste Tag ist 
ihm in der Ewigkeit genauso nahe wie der gestrige Tag." 

Aus diesem hochsten philosophischen BewuBtsein ergibt sich fiir einen freien Geist wie 
Eckehart auch die notwendige kirchenfeindliche Folgerung, daB der Tod nicht der Siinde 

[225] Eckehart der Aristokrat 

Sold ist, wie uns die auf das Erzeugen von schlotternder Furcht ausgehenden Schriftgelehrten 
weismachen wollen, sondern ein natiirliches und im Grunde unwichtiges Ereignis, welches 
unser Ewiges, das vorher war, und n a c h h e r weiter sein wird, gar nicht beriihrt. Mit einer 
herrlichen Gebarde ruft Eckehart der Welt zu: "Ich bin die Ursache meiner selbst, nach 
meinem ewigen und nach meinem zeitlichen Wesen. Nur hierum bin ich geboren. Nach 
meiner ewigen Geburtsweise bin ich von Ewigkeit her gewesen, und bin und werde ewiglich 
bleiben. Nur was ich als z e i 1 1 i c h e s Wesen bin, das wird sterben und zunichte werden; 
denn es gehort dem Tage an, darum muB es, wie die Zeit, verschwinden. In meiner Geburt 
wurden auch alle Dinge geboren, ich war zugleich meine eigene und a 1 1 e r D i n g e 
Ursache. Und wollte ich: weder ich ware noch alle Dinge. Ware aber i c h nicht, so ware auch 
Gott nicht". Und iiberlegen fiigt er hinzu: "DaB man dies verstehe, ist nicht erforderlich." 

Noch nie vorher, auch in Indien nicht - hat es ein solch bewuBtes aristokratisches 
Seelenbekenntnis gegeben, wie es Eckehart in diesen Worten niedergelegt hat, dabei im 
vollen BewuBtsein, von seiner Zeit nicht verstanden werden zu konnen. Jedes seiner Worte ist 
ein Schlag in das Gesicht der romischen Kirche und auch als solcher empfunden worden, als 
man den gefeiertsten Prediger Deutschlands vor die Inquisition zerrte, wenn man auch aus 
Furcht vor seinem Anhang ihn nicht abzutun wagte, wie die kleineren Ketzer. Uber die tiefste 
deutsche Seele und ihre Bekenntnisse aber sprach die Kirche, als Eckehart gestorben war, ihr 
"unfehlbares" Anathema aus, wie iiber alles GroBe und Herrliche der deutschen Seele und der 
deutschen Geschichte. 

Aus dem unbeirrbaren FreiheitsbewuBtsein des "adligen Menschen" und der "adligen Seele" 
ergibt sich auch fiir 

[226] Die "guten Werke" 

den Mystiker die deutsche Beurteilung der sogenannten guten Werke. sie sind kein 
Zaubermittel, wie Rom es lehrt, keine Verrichtung, die bei Jehova gebucht wird, sondern bloB 
ein Mittel, die andrangende Sinnenwelt zu bandigen. Es soil dem auBeren Menschen, wie 
Eckehart lehrt, "ein Zaum" angelegt werden, um ihn zu verhindem, "sich selber zu entlaufen". 
Der Mensch soil fromme Ubungen verrichten, nicht um sich etwas darauf zugute zu tun, 
sondem der Wahrheit zu Ehren. "Wenn sich der Mensch dagegen zu wahrer Innerlichkeit 
aufgelegt fmdet - predigt der deutsche Apostel weiter - so lasse er kiihnlich alles AuBere 
fallen, waren es auch Ubungen, zu denen du dich durch Geliibde verbunden hattest, von denen 
weder Papst noch Bischof dich entbinden konnten! Denn die Geliibde, die jemand Gott tut, 
die kann ihm niemand abnehmen." Hier ist meines Wissens die einzige Stelle, in der Eckehart 



den Namen des Papstes in angreifender Weise gebraucht. sie zeigt sein vollkommenes und 
selbstherrliches Verwerfen des Gmndgesetzes der romischen Kirche*. Nach Eckehart ist die 
"adlige Seele" des dem 

* Diese menschliche, alles emporrichtende Grofie findet ihr feindliches Gegenstuck in der 
pr tester lichen Anmafiung. Etner der grofiten Redner des 13. Jahrhunderts, der tm iibrtgen 
tnteressante Mtnderbruder Berthold von Regensburg, lehrte, wenn er dte Jungfrau Marta 
nebst den htmmltschen Heerscharen und daneben etnen Prtester sehe, so wolle er vor dtesem 
eher als vorjenen ntederfallen. "Wenn etn Prtester dahtn kdme, wo metne Itebe Frau Sankta 
Marta und alles htmmltsche Heer sdfien, dte stilnden alle vor dem Prtester auf ... " Ferner: 
"Wer dte Priesterwethe recht empfdngt, der hat etne Gewalt so wett und brett, dafi nte etn 
Katser oder Kontg so grofie Macht gewann ... Wer stch der Gewalt der Prtester untertdntg 
macht - mag er auch noch so grofie SUnde begangen haben - der Prtester hat dte Gewalt, 
dafi er thm alsobald dte Holle verschltefit und den Htmmel auftut ..." (Fr. Pfetffer: "Berthold 
von Regensburg".) Ist das ntcht retnste syrtsche Zauberet, dte uns tiberzogen hat? 

[Ill] Gegen die Werkgerechtigkeit 

Ewigen zugewandten Menschen die Stellvertreterin Gottes auf Erden, nicht die Kirche, nicht 
der Bischof, nicht der Papst. Niemand hier auf Erden besitzt das Recht, mich zu binden oder 
zu losen; noch weniger das Recht, dies "in Stellvertretung Gottes" zu tun. Diese Worte, die 
jeder fromme Mann der arischen Volkerfamilie als sein Bekenntnis ausgeben konnte, sind 
natiirlich aus einem ganz anderen 

Wesen geboren als die Medizinmann-Philosophie, welche sich Rom zu eigenem Nutzen 
zusammengestellt hat, und deren Lehrsatze alle nur das eine Ziel verfolgen, die Menschheit 
von der romisch gebundenen Priesterkaste abhangig zu machen und ihr den " Adel der Seele" 
auszubrennen. 

In seiner Predigt zum ersten Johannisbrief 4, 9 sagt Eckehart: "Ich behaupte entschieden, 
solange du deine Werke verrichtest urn des Himmelreiches, urn Gottes, oder urn deiner 
Seligkeit willen, also von auBen her, so bist du wirklich nicht auf dem Rechten ... Wer da 
wahnt, in Versunkenheit, Andacht, schmelzenden Gefuhlen und sonderlichem Anschmiegen 
mehr von Gott zu haben als beim Herdfeuer oder im Stalle: da tust du nichts anderes, als ob 
du Gott nahmest und wickeltest ihm einen Mantel um das Haupt und stecktest ihn unter eine 
Bank. Fragte man einen wahrhaften Menschen, einen, der aus seinem eigenen Grunde wirkt: 
.Warum wirkst du deine Werke! ' Wenn er recht antwortete, wiirde er auch nur sagen:, Ich 
wirke um zu wirken! '" Die Lehre von der Werkgerechtigkeit gilt Eckehart geradezu als eine 
Einfliisterung des Teufels und was das Gebet anbetrifft, so heiBt es am SchluB mit einer 
groBen Wendung an alle: "Die Leute sprechen oft zu mir:. Bittet Gott fur mich!' Da denke ich 
denn bei mir:, Warum geht ihr nur aus? Warum bleibt ihr nicht bei euch selber und greifet in 
euren eigenen Schatz? Ihr tragt doch alle Wirklichkeit dem Wesen nach in Euch! DaB wir so 
in uns bleiben miissen, - in dem Wesen und alle Wirklichkeit 

[228] Erweckung des Selbst-BewuBtseins 

zu eigen besitzen, ohne Vermittlung und Unterschiedenheit in rechter Seligkeit, dazu helfe 
uns Gott.'" 

Eckehart ist also ein Priester, der das Pfaffentum ausschalten, der seine ganze Tatigkeit nur 
darauf stellen mochte, den suchenden, von ihm im Wesen als gleich und ebenbiirtig 



angesehenen Menschen die Wege freizumachen; der die Seele nicht knechten will, indem er 
ihre ewige Abhangigkeit von Papst und Kirche einredet, sondern der ihre schlummernde 
Schonheit, ihren Adel und ihre Freiheit zum BewuBtsein, d. h. ihr Ehr-BewuBtsein lebendig 
machen will. Denn die Ehre ist letzten Endes doch nichts anderes, als die freie, schone und 
adlige Seele. 

Das gleiche Bestreben, den Menschen zu erhohen, wird bemerkbar, wenn Eckehart die 
Berufung auf die menschliche Schwachheit abwehrt: "so kann einer wohl unserem Herm 
nachfolgen, nach dem MaBe seiner Schwachheit und braucht, ja, darf nicht glauben, er reiche 
nicht heran." Wieder wird der Mensch aufgerichtet, nicht niedergedriickt, wobei Eckehart 
spottend der Werkgerechten gedenkt: "Und sonderlich meide alle Sonderlichkeit, sei's in der 
Kleidung, in der Speise, der Rede, wie hohe Worte zu gebrauchen oder absonderlichen 
Gebarden, womit ja nichts weiter geschafft ist." Nach Abwehren dieser AuBerlichkeiten folgt 
aber die klarste Behauptung des Rechts der echten Personlichkeit:"Doch sollst du wissen, daB 
keineswegs dir alles Sonderwesen verboten ist. Es gibt viel Sonderliches, das man manchmal 
und bei manchen Leuten einhalten muB. Denn wer ein Besonderer ist, der muB auch 
Sonderliches tun, zu viel en Malen auf vielerlei Weise." Womit die Ausnahme nicht auf Amt 
und Priestertum (welches unantastbar ist, ob sein Trager auch ein Verbrecher ware) 
iibertragen wird, sondern allein an der GroBe der Seele des Einzelnen zu messen ist. Wieder 
die bewuBt antiromische, bewuBt deutsche innere Wendung. 

[229] Gegen "schmelzende Gefuhle" 

Einst lieB Jesus einen Kranken auch am Sabbath aufstehen und sein Krankenbett tragen, 
woriiber die Frommen des Landes ein groBes Gezeter erhoben. Jesus aber antwortete mit 
iiberlegenem Spott: der Sabbath sei um des Menschen willen da, nicht der Mensch des 
Sabbaths wegen; folglich sei der Mensch auch Herr iiber den Sabbath. - Die Nachfolger der 
jerusalemitischen Schriftgelehrten haben nun auch auf strenge Einhaltung aller frommen 
Ubungen" gehalten, gleich, ob das Innere des Menschen dabei mittatig war oder nicht. Zu 
ihnen spricht Eckehart: "Glaubt mir: zur Vollkommenheit gehort auch dies, daB einer sich 
empormache in seinem Werk, daB alle seine Werke zusammengehen in einem Werk. Das muB 
geschehen im Gottesreich, wo der Mensch Gott ist.- Da antworten ihm alle Dinge auf gottlich, 
da auch ist der Mensch ein Herr aller seiner Werke." 

Dieses Verhaltnis zum auBeren Tun ist mehr als eindeutig. Ebenso klar aber ist Eckeharts 
Ablehnung gerade all jener Tugenden, die man als "mystisch" mit nimmermiider Geduld 
anzupreisen oder abzulehnen bemiiht ist. Immer wieder spottet Eckehart iiber die hingebende 
Verzuckung, die "schmelzenden Gefiihle", und nichts ist bezeichnender fur ihn, als die 
Auslegung, die er Christi Worten iiber Martha und Maria gibt. 

"Alles Endliche ist nur ein Mittel. Einmal das unumgangliche Mittel, ohne das ich nicht zu 
Gott gelangen mag, ist: mein Wirken und schaffen in der Zeitlichkeit. Es beeintrachtigt uns in 
der Sorge fiir unser ewiges Heil nicht im mindesten." Hier liegt eine charakteristische Abkehr 
des deutschen Menschen von den indischen Erkenntnissen der Atman-Brahman-Lehre vor: 
das Tun ist nicht wichtig, die Tat aber verachte man nicht. Die zu Jesu FiiBen sitzende Maria 
erscheint Eckehart als die Anfangerin, Martha dagegen als die Uberlegene: "Martha 
befiirchtete, daB ihre 

[230] Einheit von Seele und Natur 



Schwester stecken bliebe in Verziickung und schonen Gefiihlen und wiinsche, daB sie wiirde 
wie sie. Da antwortete Christus in dem Sinne:, Gib dich zufrieden Martha, auch sie hat das 
beste Teil erwahlt, das ihr nimmer mag genommen werden! ' Diese Uberschwanglichkeit wird 
sich schon legen." Wie man sieht, geht Eckeharts Abneigung gegen alles siiBliche und 
ZerflieBende sogar so weit, einem, seinem Sinne nach offenkundigen Wort Jesu die 
entgegengesetzte Deutung zu geben. 

Gleich darauf erhebt er sich dann zur bewuBten Ablehnung aller indischen All-Eins-, aller 
kirchhchen Asketenlehren und stoischen Weisheiten. Folgender Spruch zeigt so recht die 
selbst in tiefster Tiefe der Abgeschiedenheit anerkannte Polaritat des Lebens, der 
Schopferkraft der echten Tat, und riickt den Apostel der deutschen Glaubenswerte gleich weg 
von gewohnlicher kirchlicher Werkgerechtigkeit wie monchischer Unfruchtbarkeit. Mit 
unerkennbarer Ironie spricht Eckehart zu den ihn umgebenden Ketzerinnen, den Beguinen 
(wie diese " Abtriinnigen" damals genannt wurden): "Nun verlangen aber unsere guten Leute, 
man miisse dermaBen vollkommen werden, daB keinerlei Liebe uns mehr bewegen konne und 
man unriihrbar sei vom Lieben wie vom Leiden. Sie tun sich Unrecht! Ich behaupte: der 
Heilige soil erst noch geboren werden, der nicht bewegt werden konnte ... Christus besaB es 
auch nicht, das beweist seine AuBerung: 'Meine Seele ist traurig bis in den Tod!' Christo dem 
taten Worte dermaBen weh ... Und das riihrte her von seinem angeborenen Adel und der 
heiligen Vereinigung gottlicher und menschlicher Natur." Und weiter: "Nun wollen gewisse 
Leute es gar soweit bringen, daB sie der Werke ledig sei en. Ich sage, das geht nicht an! D i e 
Heiligen, gerade nach dem sie's soweit gebracht haben, dann allererst fangen sie an, was 
rechts zuschaffen. Das fmden wir auch bezeugt an Christus, vom 

[231] Der freie Wille 

ersten Augenblick, da Gott Mensch ward und der Mensch Gott, da fmg auch er an, fiir unsere 
Seligkeit zu arbeiten ..., nicht ein Glied war an seinem Leibe, es schaffte sein sonderlich Teil 
dazu." Und aus welchem Grunde heraus predigte Eckehart auch diese antikirchliche Lehre? 
Um auch hier die seelische Freiheit walten zu lassen, das Hochste, was Eckehart, und mit ihm 
die nordisch-abendlandische Menschheit anerkennt. Er driickt das folgendermaBen aus: 

"Gott ist kein Vernichter irgendwelchen Werkes, sondern ein Vollbringer. Gott ist nicht ein 
Zerstorer der Natur, sondern ihr Vollender. Zerstorte Gott die Natur schon vor Beginne, so 
geschah ihr Gewalt und Unrecht. so etwas tut er nicht! Der Mensch hat einen freien Willen, 
mit dem er kiesen kann gut und bose, und legt ihm Gott vor: im Ubeltun den Tod, im 
Rechttun das Leben. Der Mensch soil frei sein und ein Herr aller seiner Werke, unzerstort und 
unbezwungen." 

Damit ist in herrlichster Weise die ewige, sich gegenseitig befruchtende Polaritat von Natur 
und Freiheit anerkannt und ausgesprochen worden. Fortgefegt mit der Hand eines unserer Art 
bewuBten religiosen und philosophischen Genies wird alles unfruchtbare, qualende, 
orientalisch-pfalzische und werkgerechte Pharisaertum. Die "heilige Vereinigung" (polarisch 
bedingt, doch untermischt) von Gott und Natur ist der Urgrund unseres Wesens, dargestellt in 
der Freiheit der Seele, gekront, durch die Fruchtbarkeit ihres Werkes. Und das Treibende in 
allem ist der - Wille. Nach dem Neuen Testament kam der Engel Gabriel zu Maria. Eckehart 
aber sagt lachelnd: "Eigentlich hieB er so wenig Gabriel wie Konrad. Den Namen Gabriel 
erhielt er von dem Werke, fiir das er ein Bote war. - Denn Gabriel bedeutet Kraft. In dieser 
Geburt betatige sich Gott - und betatigt sich noch -alsKraft." Womit denn 

[232] Neue Rangordnung der Werte 



die Dynamik auch der Eckehartschen Seele ins hellste Licht tritt*. 

3. 

Diese Freiheit der Eckehartschen Seele bedingt nun aber eine andere Bewertung nicht nur des 
Lebens und der Werke, sondern auch der hochsten Ideale der romischen Kirche, des 
iiberlieferten Christentums iiberhaupt, also der ganzen damaligen und heutigen offentlichen 
Welt. 

Anerkennt man namlich die "adelige Seele" als H o c h s t w e r t , als Achse, auf die alles 
bezogen wird, so sinken die Ideen Liebe, Demut, Barmherzigkeit, Gnade usw. auf die Zweite 
und dritte stufe hinab. Und auch hier scheut Eckehart sich nicht, auf die Stimme des 
"Fiinkleins" zu horen, unbekiimmert das auszusprechen, was ihm seine Seele sagt. Es braucht 
natiirlich nicht besonders betont zu werden, daB er weder die Liebe noch die Demut noch die 
Barmherzigkeit noch die Gnadenlehre gering schatzt. Vielmehr fmden wir in seinen Predigten 
die schonsten Worte iiber diese Ideen, aber er haBt das siiBliche Verziicktsein, 

* Ein Abglanz Eckehartscher Erkenntnisse ist auch Angelus Silesius, jedoch bereits kirchlich 
sentimentalisiert, namentlich als er nach einer Zeit der "Abtrunnigkeit" wieder zur 
alleinseligmachenden Kirche zurilckkehrte (1652). Immerhin bUtzt hier und da auch in ihm 
jener leuchtende "Funke " auf, den der grofite Meister zur Flamme entfacht hatte. "Ich weifi, 
dafi ohne mich Gott nicht ein Nu kann leben, werd' ich zunicht, er mufi von Not den Geist 
aufgeben. " "Ich bin so grofi als Gott, er ist als ich so klein: er kann nicht iiber mich, ich unter 
ihm nicht fein!" Diese Worte ktinden den Anlaufder Seele an, mit dem nochjeder echte und 
ungebrochene arische religiose Mensch sein Erleben begonnen hat. "Ich auch bin 
Gottessohn", folgert Silesius aus der Feststellung der Gottesgleichheit und Seelenfreiheit, um 
dann die gegenseitige Bedingtheit zu betonen: "Gott ist so viel an mir, als mir an ihm gelegen. 

Sein Wesen helfich ihm wie er das meine hegen. "Aus dem zentralen seelischen Erlebnis 
ergibt sich auchfiir Angelus Silesius die Nichtigkeit des Rechthabers: "Die Schrift ist Schrift, 
sonst nichts. Mein Trost ist Wesenheit / Und dafi Gott in mir spricht das Wort der Ewigkeit"; 
woraufer sich zur Hohe der Erkldrung erhebt, die ganze Welt sei ein "Spiel, das sich die 
Gottheit macht". Angelus Silesius will auch nicht den Himmel erbetteln und erschwindeln, 
sondern "erobern", "erstUrmen" undfindet schliefilich wieder den ruhenden Pol in sich 
selber: "Wer in sich Ehre hat, der sucht sie nicht von aufien / Suchst du sie in der Welt, so hast 
du sie noch draufien. " 

Diese aristokratischen Seelenbekenntnisse auch dieses "Cherubinischen Wander smanns" 
werden nun durch eine grofie Anzahl unbedeutender, weichmtitiger Ausspriiche gestort, die 
immer unerquicklicher erscheinen, je mehr man zum Ende kommt. Offenbar hat sich Silesius 
in die Sprache seiner friiher en vorromischen Zeit verliebt und dann selbst nach zwanzig 
Jahren das Mystische in kirchliche "Erbaulichkeit" verw assert. 

[233] Die Lehre von der "Abgeschiedenheif 

die schlaffen "schonen Gefuhle", kurz, alle seelische Haltlosigkeit. seine Lehre von der Liebe 
ist die Darstellung der Liebe als Kraft, die sich gleich weiB jener gottlichen Macht, um die sie 
ringt; die Liebe muB "durch die Dinge hindurchbrechen", denn nur ein "freigewordener Geist, 
der zwingt Gott zu sich". Nun muB man sich vorstellen, was es fur einen Dominikanerprior 
am Anfang des 14. Jahrhunderts angesichts einer weltbeherrschenden, unduldsamen Kirche 
zu bedeuten hatte, eine Umwertung der hochsten geltenden Werte vorzunehmen, ja, sogar den 



Versuch zu wagen, dem schlichten Glaubigen einen positiven neuen Hochstwert zu 
iibermitteln. Das konnte nicht im offenen Angriff gegen Rom geschehen, sondern nur im 
bildhaften positiven Hinstellen seelischer Erfahmngen. Aus dieser Erkenntnis heraus lese man 
Eckeharks Predigt von der "Abgeschiedenheit der Seele", vielleicht das schonste Bekenntnis 
des germanischen PersonlichkeitsbewuBtseins. 

Eckehart behandelt in ihr die christlich-kirchlichen Hochstwerte, Liebe, Demut, 
Barmherzigkeit und fmdet, daB sie an Hohe, Tiefe und GroBe dem Zustand der auf sich allein 
gestellten Seele weichen miiBten. Er wehrt die alleinige 

[234] "Eins mit sich selber" werden! 

Verherrlichung der Liebe seitens des Paulus ab, denn das Beste an der Liebe sei doch, daB sie 
uns Gott zu lieben notige. Nun sei es aber weit bedeutsamer, daB wir Gott zu uns her-, als daB 
wir uns zu Gott hinnotigen - weil unsere Seele darauf beruhe, mit Gott eins zu werden. 
Gottes eigenste Statte sei Einheit und Lauterkeit, diese beruhen aber auf Abgeschiedenheit. 
"Darum kann Gott nicht umhin, einem abgeschiedenen Herzen sich selber zu geben." Femer 
beziehe sich die Leiden dieser Welt im Gefolge habende Liebe immer noch auf die Kreatur, 
was bei der Abgeschiedenheit nicht mehr der Fall sei. Diese vemichtet somit die Welt zum 
Nichts, bringt uns also naher zu Gott. Was die Demut betreffe, so beuge sich bei ihrer 
Ausiibung die Seele unter die Geschopfe, womit der Mensch wieder aus sich herausgehe. 
"Mag nun ein solches Herausgehen etwas noch so Vortreffliches sein, das Innebleiben ist 
doch immer noch etwas Hoheres." "Vollkommene Abgeschiedenheit kennt kein Absehen auf 
die Kreatur, kein Sichbeugen und kein Sicherheben, sie will weder darunter, noch dariiber 
sein, sie will nur in sich selber ruhen, niemandem zu Liebe und niemandem zu Leide. sie 
trachtet weder nach Gleichheit noch nach Ungleichheit mit irgendeinem anderen Wesen, sie 
will nicht dies oder das, sie will nur: mit sich selber eins sein. 

Wohl nirgends hat sich die selbstherrliche Seele so scharf und klar ausgesprochen wie hier. Es 
ist die notwendige rhythmische Gegenbewegung nach der Anerkennung des fruchtbaren 
Werkes; das, was Goethe spater als das hochste aller Evangelien pries: die Ehrfurcht vor sich 
selbst. 

Die Barmherzigkeit ist nach Eckehart nun iiberhaupt nichts anderes als ein Herausgehen aus 
sich selber, ist also aus gleichen Griinden nicht als so hoch und wertvoll einzuschatzen wie 
die Abgeschiedenheit. Deshalb aber, weil auch Gottes Wesen ein von alien Namen 
abgeschiedenes sei, ergebe sich, daB alles AuBere an ihn nicht herantreten 

[235] Der Kampf um die Gnadenlehre 

konne. Von hier aus weist Eckehart nun auch das mit so viel Zauberei umgebene Gebet und 
seine Bedeutung in die richtigen Schranken. "Ich behaupte: alle Gebete und alle guten Werke, 
von denen wird Gottes Abgeschiedenheit so wenig bewegt, als ob es so etwas gar nicht gabe, 
und Gott wird gegen die Menschen deshalb um nichts milder und geneigter, als wenn er das 
Gebet oder gute Werk nie verrichtet hatte". Das ist mehr als deutlich: eine vollendete Absage 
auch an die an Magie grenzende Fiirbitte der "stellvertretenden" und "alleinseligmachenden" 
Kirche. Und dann folgt am SchluB ein volkisches Bekenntnis: 

"Halte dich abgeschieden von alien Menschen, bleibe ungetriibt von alien aufgenommenen 
Eindriicken, mache dich firei von allem, was deinem Wesen eine firemde Zutat gehen... konnte. 



und richte dein Gemiit allzeit auf ein heilsames Schauen: bei welchem du Gott in deinem 
Herzen tragst, als den Gegenstand, von dem deine Augen nimmer wanken." 

Diese in sich selbst ruhende GroBe der Seele auBert sich dann in der Beurteilung der 
romischen und spateren protestantischen Glaubenslehre. 

Wir vermogen uns in dieser Welt der Erscheinungen eine seelische Starkung als Folge einer 
inneren Zusammenballung nicht anders vorzustellen, denn als ein Geschenk des als Gott 
gedachten ewigen Wesens Aus dieser Sachlage heraus hat nun der Paulinismus - und mit ihm 
alle christlichen Kirchen - die Gnadenlehre als hochstes Mysterium des Christentums 
ausgebaut. Die jiidische Vorstellung vom "Knecht Gottes", der vom willkiirlichen, 
absolutistischen Gott Gnade zuerteilt erhalt, ist somit iibergegangen auf Rom und Wittenberg, 
klammert sich noch immer an Paulus, als den eigentlichen Schopfer dieser Lehre, womit 
gesagt sein soil, daB die Kirchen nicht christlich, sondern paulinisch sind, da doch Jesus 
fraglos das Eins-Sein mit Gott als Erlosung und Ziel pries, 

[236] Eckehart und Augustinus 

nicht die herablassende Gnadengewahrung eines allmachtigen Wesens, dem gegeniiber auch 
die groBte menschliche Seele ein reines Nichts darstellte. Diese Gnadenlehre ist natiirlich 
jeder Kirche sehr willkommen, sofern sie und ihre Fiihrer als die " Stellvertreter Gottes" 
auftreten und folglich auch die Macht des Gnaden-Spendens in ihren Zauberhanden 
vereinigen konnen. Ganz anders muBte sich nun zum Begriff der Gnade ein Genius wie 
Eckehart stellen. Auch er fmdet schone Worte iiber die Liebe und Gnade Gottes: wo in einer 
Seele die Gnade sei, da sei diese "lauter und gottahnlich und gottverwandt". Schon hier die 
Wendung zur Hohe, nicht zur Tiefe und Unterwiirfigkeit. Die "Gnade wirkt nicht", well sie 
"zu vornehm" dazu sei. sie ist vielmehr ein "Innesein und Anhaften und Einssein mit Gott, das 
ist Gnade". Diese Gnade aber wird nicht etwa moglich durch Gottes Allmacht und unsere 
Nichtigkeit - wie die Kirchen lehren - sondern ganz im Gegenteil durch die Ebenbildlichkeit 
der Seele mit Gott. Eckehart kniipft bei dieser Betrachtung an Augustinus an, doch er wird j a 
wohl gewuBt haben, daB dessen gelegentliche Seelenbekenntnisse doch zu vollstandigen 
Niederbriichen (er verlangt Todesstrafe fiir Ketzer) und zu einem "Gottesstaat" zwecks 
Seelenknechtung der Menschen fiihrten. Eckehart aber folgert aus der Tatsache der GroBe der 
Seele: "BesaBe sie diese nicht, so vermochte sie iiberhaupt nicht Gott zu werden durch Gnade, 
noch oberhalb der Gnade." Hier vollzieht sich wieder die charakteristische 

Gebarde des iiberlegenen, aus klarem Seeleninstinkt urteilenden nordischen Menschen 
(Eckehart von Hochheim war thiiringischer Adel) gegeniiber den Folgerungen des 
zerrissenen, unfreien, bastardisierten Augustinus. In dieser verharrenden Gottlebendigkeit 
erhebt sich die Seele zu immer hoherem Lichte: "Da wird eine jegliche Kraft der Seele das 
Abbild einer der gottlichen Personen: der Wille das Abbild des heiligen Geistes, die 

[237] Sunde und Reue 

Erkenntniskraft das des Sohnes, das Gedachtnis das des Vaters. Und ihre Natur wird zum 
Ebenbilde der Natur. Und bleibt doch die Seele ungeteilt eins. Das ist in dieser Sache der 
letzte Bescheid, zu dem mich mein Selbsterkennen befahigt." Und doch folgt dann noch das 
hochste Bekenntnis:"Nun horet, inwiefem die Seele Gott wird, auch oberhalb der Gnade! Was 
Gott ihr namlich so verliehen hat, das soil sich nicht wieder wandeln, denn sie hat damit einen 
hoheren Stand erreicht, wo sie der Gnade nicht mehr bedarf*." 



Hier sind Gedanken offen ausgesprochen, wie sie ein Luther nach weiterer 
zweihundertjahriger Knebelung des Abendlandes durch die " Stellvertreter Christi" nicht 
einmal mehr zu denken wagte. Aus dieser Stellung zur Idee der Gnade ergibt sich fiir 
Eckehart auch eine ganz andere Einschatzung von Siinde und Reue. 

"Gesiindigt haben, ist keine Siinde, sobald uns es leid ist", beginnt Meister Eckehart seine 
Predigt vom "Segen der Siinde", welche Worte ihn sofort meilenweit von der iiblichen 
geforderten Zerknirschung hinwegfiihren. Man solle natiirlich nicht siindigen, aber selbst 
wenn die einzelne Tat "wider Gott gerichtet" gewesen sei, so wisse der "groBziigige und 
getreue Gott" doch, wie daraus das Beste zu ziehen sei. Dieser Gott rechnet nicht in einem 
Kontobuch nach der Vergangenheit herum, denn: "Gott ist ein Gott der Gegenwart." Wieder 
wird ein schritt weggetan vom ganzen materialistischen Historizismus unserer Kirchen. Erst 
ein Paul de Lagarde wagte wieder so offen zu sprechen, wie einst der Dominikanerprior aus 
dem 14. Jahrhundert. 

* Man vergleiche dieses aristokratisch-herrliche Bekenntnis mit dem ruhrend ringenden und 
doch sklavischen Halbafrikaner Augnstin: "preisenwill dich Gott der Mensch, einwinzig 
Stuck Kreatur von dir, der Mensch, der mitfich schleppt seine SterbUchkeit, mit sich schleppt 
das Zeugnis seiner Siinde und das Zeugnis, dafi du den Stolzen widerstehst. " 

[238] Zweitrangigkeit kirchlicher Hochstwerte 

Wofiir er von den protestantischen Priestern mit ahnlichem Bann belegt wurde, wie Eckehart 
von den romischen. 

Eckehart unterscheidet zweierlei Arten von Reue: die sinnliche und gottliche. Die erste - 
worunter offenbar die kirchliche zu verstehen ist - bleibt "im Elend stecken und kommt nicht 
vom Fleck." sie bedeutet also nur ein unfruchtbares Jammem, "es wird nichts daraus". Anders 
die gottliche Reue: "sobald nur im Menschen eine innere MiBbilligung auftaucht, gleich 
erhebt er sich auch zu Gott, und setzt sich, gegen jede Siinde sorglich gewappnet, in einen 
unerschiitterlichen Willen." so ist auch hier wieder die Richtung nach oben emeut betont und 
alles nur danach gewertet, ob es die Seele schopferisch gemacht, aufgerichtet hat, oder nicht: 
"Aber wer wirklich hereingekommen ware in den Willen Gottes, der wird auch nicht wollen, 
die Siinder, in die er gefallen, moge iiberhaupt nicht geschehen sein." Also dasselbe, was 
Goethe meinte, als er erklarte, ein Menschenerzieher werde auch den Irrtum auskosten lassen: 
"Was fruchtbar ist, allein ist wahr." 

Vom Zentrum des Meisters Eckehart gesehen, also vom Standpunkt der abgeschlossenen, 
gottgleichen, freien, schonen und adligen Seele aus erscheinen somit samtliche kirchlichen 
Hochstwerte als Werte zweiten und dritten Ranges. - Liebe, Demut, Barmherzigkeit, Gebet, 
gute Werke, Gnade, Reue, das alles ist gut und niitzlich, aber nur unter der einen Bedingung: 
wenn es die Kraft der Seele starkt, sie erhebt, sie Gott gleicher werden laBt. Wenn nicht, so 
werden alle diese Tugenden unniitz, sogar schadlich. Die Freiheit der Seele ist ein Wert an 
sich, die kirchlichen Werte bedeuten bloB etwas in bezug auf ein auBerhalb ihrer liegendes 
Moment, sei es Gott, Seele oder "die Kreatur". Der Adel der allein auf sich gestellten Seele ist 
folglich das Allerhochste; ihr allein hat der Mensch zu dienen. Wir Heutigen werden es die 
tiefste metaphysische Wurzel der Idee der Ehre nennen, die gleichfalls eine Idee an sich 

[239] Drei Krafte der Seele 



ist, d.h. ohne jeden Bezug auf einen anderen Wert. Die 'Freiheitsidee ist ohne die Ehre nicht 
zu denken, diese wiedemm nicht ohne die Freiheit. Die Seele wirkt Gutes selbst ohne jede 
Beziehung zu Gott, lehrt Eckehart, lost sie also von Allem, soweit dies in Worten iiberhaupt 
auszudriicken moglich ist. Damit zeigt sich Meister Eckehart nicht als ein verziickter 
Schwarmer, sondern als der Schopfer einer neuen Religion, unserer Religion, losgelost vom 
fremden Wesen, wie es durch Syrien, Agypten und Rom uns eingefloBt worden ist. 



Eckehart hat uns aber nicht nur einen religiosen und sittlichen Hochstwert vermittelt, sondern 
er hat auch psychologisch und - wie bereits angedeutet - erkenntnis-kritisch alle wichtigen 
Entdeckungen der "Kritik der reinen Vernunft" vorweggenommen, wenn er sich auch nicht in 
spitzfindige Untersuchungen eingelassen hat. 

Nach dem seligen Gewahrwerden des "Fiinkleins", des geheimnisvollen Zentrums unseres 
Seins, geht der "freigewordene Geist" des Meisters Eckehart, zwar religios beschwingt, aber 
philosophisch besonnen wieder den Weg zuriick von der Seele zur Welt. 

Drei Krafte entdeckt er, vermittels deren die Seele in die Welt hineingreift: den Willen, der 
sich dem Objekt zuwendet, die Vernunft, die das Ergriffene durchschaut und ordnet, und das 
Gedachtnis, welches das Erlebte und Erschaute aufbewahrt. Diese drei Krafte sind gleichsam 
das Gegenstiick zur heiligen Dreieinigkeit. Dem Thema Vernunft- Wille sind eine ganze Reihe 
tiefster Auseinandersetzungen gewidmet: beide sind seelisch frei - jedoch je nach Stimmung 
und Gelegenheit weist Meister Eckehart im Verlauf seiner Jahrzehnte dauernden Predigten 
bald der einen, bald der anderen Kraft den ersten Rang zu (Biittner). 

[240] Vernunft und Wille 

Die Vernunft "bemerkt" alle Dinge, fiihrt Eckehart einmal aus, jedoch der Wille ist es, "der 
alle Dinge vermag". Wo also die Vernunft nicht weiter kann, da schwingt sich der Wille im 
Licht und in der Kraft des Glaubens, iiberlegen auf Da will der Wille iiber allem Erkennen 
sein. Das ist seine hochste Leistung." Andererseits gibt gerade die Vernunft, welche "scheidet, 
ordnet und setzt" und dann erkennt, daB es noch ein Ubergeordnetes gibt, dem Willen erst den 
rechten Aufschwung. "Hierbei steht die Vernunft iiber dem Willen." Der Wille ist frei: "Gott 
zwingt den Willen nicht, er setzt ihn in Freiheit: so daB er nichts will, als was Gott und die 
Freiheit selber ist! Da vermag nun der Geist nichts anderes mehr zu wollen, als was Gott will. 
Das ist keine Unfreiheit von ihm, das ist seine eigenste Freiheit*." Eckehart fiihrt dann Christi 
Worte an: er habe uns nicht zu Knechten machen wollen, sondern uns Freunde geheiBen. 
"Denn ein Knecht weiB nicht, was sein Herr will." Diese neue und immer wieder erneute 
Betonung der Freiheitsidee aber deckt sich nicht immer mit Erfahrung. Dariiber klagen die 
Leute. Und Eckehart mit ihnen: "Das 

* Ich kann mir nicht versagen, hier ein seelisch verwandtes Wort aus der Cyandogya- 
Upanishad anzuftihren: "Ftirwahr, aus Willen (Kratu) ist der Mensch gebildet; wie sein Wille 
ist in dieser Welt, darnach wird der Mensch, wenn er dahingeschieden ist; darum moge man 
nach gutem Willen trachten ..." 

"Geist ist sein Stoff, Leben sein Leib, Licht seine Gestalt, sein Ratschlufi ist die Wahrheit, sein 
selbst die Unendlichkeit, allwissend ist er, allwirkend, das All umfassend, schweigend, 
unbekiimmert: dieser ist meine Seele (atman) im inneren Herzen, kleiner als ein Reiskorn 
oder Gerstenkorn, oder Senfkorn, oder Hirsekorn, ober eines Hirsekorns Kern, - dieser ist 



meine Seek im innern Herzen, grofier als die Erde, grofier als der Luftraum, grofier als der 
Himmel, grofier als diese Welten. " - 

"Der Alhvirkende, Allwissende, das All-Umfassende, schweigende, Unbekummerte, dieser ist 
meine Seele im inner sten Herzen, dieser ist das Brahman, zu ihm werde ich, von hier 
abscheidend, eingehen. - "Wem dieses ward,filrwahr, der zweifelt nicht. "Also sprach 
Candilya ..." 

Wer aus diesen Worten nicht jenen Fltigelschlag rauschen hort, von dem Goethe sagte, er 
liefie in einem Augenblick Aonen hinter sich, der hat kein GefUhl mehrfUr Seelengrofie. Und 
in der Brihadaranyakam Upanishad singt ein wonnetrunkener Philosoph: 

Doch wer sich als das selbst erfafit hat in Gedanken, 

Wie mag der wtinschen, noch dem Leibe nachzukranken? 

Wem in des Leibes abgrimdiger Befleckung 

Geworden ist zum Selbste die Erweckung, 

Den als allmdchtig, als der Welten Schopfer wifit! 

Sein ist das Weltall, well er selbst das Weltall ist. 



[241] Eckehart und die Idee der Liebe 

ist meine Klage auch. Diese Erfahrung ist etwas so Hohes oder auch Gemeines, daB du sie 
nicht kaufen darfst um einen Heller oder einen halben Pfennig. Hab einzig ein rechtes 
Trachten und einen freien Willen, so wird sie dir zuteil." Das ist die Lehre Kants von dem 
Widerstreit Zwischen Idee und Erfahrung sowohl in theoretischer, wie in praktischer Hinsicht. 
Zugleich spottet Eckehart iiber "manche Pfaffen", die "hochgelobt sind und groBe Paffen sein 
wollen". Ahnliches tat auch Kant iiber die Schulmeister, die "Philosophen" und die 
"Geschwatzigkeit der Jahrtausende". 

Kurz gesagt, alles, was die Seele irgend aufzubringen vermag, das soil zusammengefaBt sein 
in die einfache Einheit des Willens: und der Wille soil sich verwerfen an das hochste Gut und 
an dem haften unentwegt! Von hier aus gesehen erhalt die Idee der Liebe erneut ihre richtige 
Stelle im seelisch-erkenntniskritischen Werk Eckehart: sie dient nicht der verziickten 
Einbildungskraft, nicht siiBen Gefiihlen, oder der sexual-psychischen Ekstase, wohin sie die 
Kirche mit wohliiberlegter Hypnotisierungsmethode versetzt hat, sondern sie steht im Dienst 
des freischopferischen, im besten Sinne herrischen Willens. "Wer mehr 

[242] "Treue" des Knechtes" 

Willen hat, hat auch mehr Liebe", sagt Eckehart, was so ziemlich das Gegenteil der Lehren 
der romischen Klerisei und der heute immer mehr erstarrenden protestantischen Kirchen 
darstellt, die am liebsten den Eigenwillen ausrotten mochten, um dann die ihres Markes 
enthohlte "Liebe" des Knechts in ihren Dienst zu stellen. Wie sehr sich Eckehart auch hier 
seiner einzigen Stellung bewuBt ist, Zeigen die Worte: "In diesem Sinne fallt die Liebe ganz 
und gar in den Willen." Und dann folgt der offene Spott iiber die kirchliche Liebeslehre: "Nun 
ist aber noch ein Zweites, ein Ausbruch und Auswirkung der Liebe, das denn freilich sehr ins 
Auge sticht als Innigkeit, Andacht und Jubilieren. Aber ehrlich gesagt: das Beste ist das 
keineswegs! Denn es stammt mitunter nicht aus Gottesliebe, sondern aus bloBer Natiirlichkeit, 
daB man dergleichen schmelzende Gefiihle zu kosten bekommt ..." Die Ironie ist mehr als 



deutlich. Aber gerade aus der dem freien Willen untertanen Liebe erwacht der echte Begriff 
der Treue. Er bringt vielleicht nicht mehr so viele "Gefiihle" und "Ergebnisse" und 
"Verziickung" mit sich wie die "Treue" des Knechtes, ist aber nur echt, wenn er mit einem 
starken Willen gepaart ist. 

Mit dem "Fliigelpaar Vemunft und Willen" miissen wir uns erheben: "so kommt man nimmer 
in Verzug, sondern nimmt ohne UnterlaB zu ins Machtige." Nicht durch unsicheres 
Herumflattern, sondern dank der Hohe des erwachten BewuBtseins: "Bei jedem Werk muB 
man bewuBt von seiner Vernunft Gebrauch machen ... und Gott ergreifen im hochsten 
moglichen sinne." 

Das Beherrschen des Willens, der Vernunft, des Gedachtnisses bezieht sich auf die, Ich und 
Natur vermittelnden Sinne; diese wiederum unmittelbar auf die AuBenwelt, worunter auch der 
Mensch als Person (Korper) zu verstehen ist. Diese ganze Erscheinungsvielheit stellt sich dar 
als von Raum und Zeit bedingt, die - wie gesagt - 

[243] Gott ein Gott der Gegenwart 

Eckehart ebenfalls als nur mit dem Diesseits verkniipfte, wenn auch reine Formen der 
Anschauung erkennt. 

Seine ganze religiose Lehre ist zudem ursachlos. Indem er Gott als einen Gott der Gegenwart 
erfaBt, interessiert ihn ein genetisches, d. h- geschichtlich-ursachliches Verfahren iiberhaupt 
nicht; dies gehort zur AuBenwelt, nicht zur Seelen- und Gotteskunde. Damit entsagt Eckehart 
der orientalischen Vermischung von Freiheit und Natur, alien jenen Fabeln und "Wundern", 
ohne welche die Kirchen 

des - wie Jesus sagte - "ehebrecherischen Geschlechtes" auch heute noch nicht auskommen 
konnen. Ob die Erde eine Scheibe ist oder als eine Kugel im Ather schwebt, beriihrt deshalb 
echte Religion, also auch Eckeharts Lehre, nicht, wahrend diese Entdeckung des Kopernikus 
unsere beiden christlichen Kirchen innerlich gestiirzt hat, auch wenn sie sich und die Welt 
durch lahme Liigen dariiber hinwegzutauschen bemiihen*. 

Gerade in seiner, Schopenhauer bereits im voraus iiberwindenden Willenslehre zeigt sich nun 
Eckehart als abendlandisch-dynamischer und die ewige Polaritat des Daseins anerkennender 
Philosoph, Das Wesen der Leistungen der Vernunft ist ein "Herzubewegen der auBeren 
Dinge", um diese Erkenntnis der Seele "einzupragen". "Dieselbe Bewegung setzt sich nun fort 
im Willen, der somit ebenfalls nimmer zur Ruhe kommt." Also selbst der Mystiker 
ohnegleichen, welcher alles abscheiden mochte, um in reiner Gottesschau zu verharren, der 
"Ruhe in Gott ohne Ende" erstrebt, er weiB, daB diese Ruhe nur Augenblicke dauern 

* Gerade in dem materialistischen Auferstehungsdogma zeigt sich die hoffnungslose 
Verjudung der Kirchen. Das ganz aus dem jiidischen historizistisch-materialistischen 
Vorstellungskreis hervorgegangene Wort des Paulus: "Ist Christus nicht auferstanden, so ist 
nichtig unsere Predigt und nichtig Euer Glaube", zeigt die Unloslichkeit sowohl des Vor- 
Kopernikanischen Weltbildes mit dem Auferstehungsglauben als auch die rein stoffgebundene 
Grundlage unserer pseudo-christUchen Kirchen. 

[244] Zwiefachheit des Daseins 



kann, Ziel ist, daB dieses Ziel aber nur durch immer neue Bewegung der Seele und ihrer 
Krafte erreicht wird. Hier Zeigt sich Meister Eckehart als auch den indischen Weisen 
iiberlegen und anerkennt den ewigen Rhythmus als die Vorbedingung aller Fruchtbarkeit. Aus 
dieser theoretischen Einsicht zieht er dann auch (vgl. den Fall Martha-Maria) die praktische 
Folgerung fiir das Leben. Wenn das Gemiit, der Wille auch das Ewige suche, "so verlischt 
doch nimmer in ihm sein heiB Geliebtes". "Dieser Mensch sucht nicht die Ruhe: denn ihn 
stort keine Unruhe. Dieser Mensch steht gut bei Gott angeschrieben, well er alle Dinge 
gottlich nimmt, besser als sie an sich sind! Freilich! Dazu gehort FleiB und ein waches, 
wahres, wirksames BewuBtsein, worauf das Gemiit zu fuBen habe trotz Dingen und Leuten. 
solches kann der Mensch nicht lernen durch Weltflucht: indem er vor den Dingen flieht, und 
sich in die Einsamkeit kehrt, von der AuBenwelt fort, sondem er maB eine innerliche 
Einsamkeit lernen, wo und bei wem es auch sei, er muB lernen, durch die Dinge 
hindurchzubrechen ..." 

Diese Zwiefachheit als Grundgesetz seines Daseins glaubt Eckehart auch in Jesus zu 
entdecken: "Auch bei ihm (Jesus) gibt es Unterschied der oberen und niederen Krafte, auch 
bei ihm hatten sie zweierlei Werk. seinen oberen Kraften eignete ein Besitzen und GenieBen 
ewiger Seligkeit. Aber die niederen, die Stunden zur selben stunde im argsten Leiden und 
stritten auf Erden. Und keine dieser Tatigkeiten hinderte die andere in ihrem Vorhaben!" "Je 
langer und starker der Streit (der hoheren und niederen Krafte), um so groBer und loblicher 
auch der Sieg und die Ehre des Sieges." 



Das zauberglaubige Wesen Roms steht nun im Gegensatz zur Personlichkeit Eckeharts noch 
deutlicher vor uns: 

[245] Die Una Catholica 

es ist das afrikanisch-syrisch geistige Volkerchaos, die "Religion der Besessenheit" 
(Frobenius), die vom Osten des Mittelmeeres her sich mit Hilfe der Zauberkulte und der 
Judenbibel und unter MiBbrauch der Erscheinung Jesu ihr westliches Zentrum schuf Dieser 
Mittelpunkt hat sich nun bei fortschreitendem Erwachen des Abendlandes und nach 
Erdrosselung der Mystik alle Miihe gegeben, die romfeindliche 

Weltanschauung sich einzuverleiben, um die Una Catholica als jeden, auch modernen 
Anspriichen geniigend darzustellen. Man geht heute etwa so zu Werke*. 

Der romisch-jesuitische Philosoph stellt drei groBe Weltanschauungstypen fest: die Richtung 
der Immanenz (der Zustandlichkeit), die in sich selbst ruhen mochte; die Richtung der 
Transzendenz (der Gegenstandlichkeit), die Gott nur als ersten Urheber gelten laBt, somit die 
Lehre des Deismus; die Richtung der Transzendentalitat, welche den Verbindungsversuch der 
beiden anderen seelischen 

Einstellungen darstellt. Um die Ausgestaltung dieser Typen geht das philosophische Ringen 
der Jahrtausende. Der romische Christ soil nun iiber diesem Ringen stehen, abseits und doch 
alle Typen umfassend, in alien lebend. Das Ringen der drei philosophischen Typen vermag 
namlich - so sagt 

Rom - nie zu einer Einheit zu gelangen alle Versuche, innerhalb der drei Systeme die 
Widerstreite (Antinomien) des Lebens zu iiberwinden, seien vergeblich und landeten stets in 



der gezwungenen Identitatserklarung der Gegensatze. Das geschehe deshalb, well alle drei 
typischen Richtungen die gleiche "falsche" Voraussetzung machten: als sei der Mensch 
irgendwie Gott gleich, als sei Gott gleichkam nur das unendlich feme Ideal des menschlichen 
Strebens. Dadurch werde das Geschopf aber als selbstherrlich geschlossen angesehen, was 
einem Versuch der 

* IchFolge hier E. Przywara, S.J.: "Religionsphilosophie katholischer Theologie", Munchen 
1926. 

[246] Jesuitische Grunddogmen 

seelischen Zerstorung des iiber alien schwebenden schopferischen Gottes gleichkomme. Hier 
greife nun die romische Lehre mit ihrer "Grundanschauung" ein: daB namlich (laut dem IV. 
Laterankonzil 1215) Gott seinem Geschopf ahnlich und unahnlich zugleich sei. Ahnlich, well 
er in dasselbe die Moglichkeit 

der "Unruhe vor Gott" gelegt habe, unahnlich, well es als geringe Kreatur nur "Ruhe in Gott" 
finden konne. Der Mensch lebt also nicht in seiner seelischen Atmosphare, sondern im 
Bannkreis des absoluten, fernen, herrschenden Gottes. Der katholische Mensch sei also "nach 
oben offen", was eine echt strebende Spannung ergebe, keinen "Kampf ', keine "explosive 
Einheit" (Przywara, s. J.). Das sei die Grundlage Roms, die " Analogia entis", die Analogic des 
Seins:"Gott nach Wirklichkeit und Wesen von der Welt unterschieden iiber alles, was auBer 
ihm ist, oder gedacht werden kann, unaussprechlich erhaben, hat zur Offenbarung seiner 
Vollkommenheit im Gleichnis geschopflicher Vollkommenheit in volliger Freiheit die 
Schopfung aus dem Nichts erschaffen." 

Dieser romische Gedankengang, der angeblich schon vor des "Petrus Berufung" bestanden 
haben soil, zeigt seine Herkunft nur zu deutlich. Der iiber allem thronende unnahbare 
furchtbare Gott, das ist der Jahwe des sog. Alien Testaments, den man mit Zittern lobt und in 
Furcht anbetet. Er schafft uns alle aus dem Nichts, er verrichtet, wenn es ihm paBt, 
zauberische Wundertaten und bildet die Welt zu seiner Verherrlichung. Dieser syrisch- 
afrikanische Zauberglaube war aber trotz Feuer und Schwert dem Europaer nicht 
aufzuzwingen. Das nordisch-seelische Erbgut bestand tatsachlich im BewuBtsein nicht nur der 
Gottahnlichkeit, sondern der Gottgleichheit der menschlichen Seele. Die indische Lehre von 
der Gleichheit des Atman mit dem Brahman - "sein ist das Weltall, well er selbst das Weltall 
ist" - war das erste groBe Bekenntnis dazu; die persische Lehre vom gemeinsamen 

[247] Die Analogia entia 

Kampf des Menschen und des lichten Ahura Mazda zeigte uns die herbe nordisch-iranische 
Auffassung; der griechische Gotterhimmel entsprang einer ebenso groBen Seele wie die 
selbstherrliche Ideenlehre Platons. Der altgermanische Gottesgedanke wiederum ist ohne 
seelische Freiheit gar nicht denkbar. Und auch Jesus sprach vom Himmelreich in uns. Die 
Willenhaftigkeit des seelischen Suchens zeigt bereits der Weltenwanderer Odin, zeigt der 
Sucher und Bekenner Eckehart, zeigen alle GroBen iiber Luther bis Lagarde. Diese Seele lebte 
aber auch im ehrwiirdigen Thomas von Aquino und in den meisten abendlandischen 
Kirchenvatern. Die Analogia entis (wenn man eine Voraussetzung der Welterschaffung aus 
dem Nichts fortlaBt) hat der europaisch-nordische Geist dem Alien Testament abgerungen: 
das romische System ist also nicht "seit Jesus" vollendet, sondern nachweislich ein 
KompromiB zwischen 



Syrien-Afrika und Europa, wobei alle nur moglichen geistigen Anleihen gemacht wurden, 
jedoch mit der anmaBenden Erklarung, das seien bloB Telle der allelnlgen, 
allelnsellgmachenden kathollschen Lehre. Thomas und selnen Gegner Duns Scotus konnte 
Rom gerade noch ertragen, elnen Eckehart berelts nlcht mehr, denn dessen Erfolg hatte die 
Absetzung Jahwes bedeutet. Die Absetzung dieses Gottes Tyrannen aber ware 
glelchbedeutend mlt der Absetzung seines papstllchen Stellvertreters gewesen. Seltdem 1st die 
europalsche Gelstesentwlcklung ohne, neben, gegen Rom Ihren Weg gegangen, wobel Rom, 
wo es konnte, exkommunlzlerte; wenn alles nlchts fruchtete, wurde das Neue eben 
"elnverlelbt" und als "urkarhollsches Tellgut" verteldlgt. 

Im Wesen bedlngt die romlsche Vorstellung des zu Gott erhobenen Damons die Vemlchtung 
unserer wlllenhaften Seele, elnen Attentatsversuch auf die Polarltat des geistigen Wesens. 
Durch die Analogla entls versucht die romlsch-jesultlsche moderne Rellglonsphllosophle 
dleser bel 

[248] Nordische Selbstverwirklichung 

uns noch Immer nlcht durchsetzbaren Folgerung zu entgehen, Indem durch dlese das 
Vorhandenseln elner "Spannung" behauptet wlrd, die vlel fruchtbarer sel, als der Versuch der 
"Identltatserklarung der Gegensatze". In dlesem Fall hat Rom die alte platonlsche Lehre vom 
seln und Werden slch dlenstbar gemacht. Wlr stehen strebend In elnem ewlgen Werden, 
jedoch mlt dem BewuBtseln elnes Selns, das "wlrd". Dleser nordische Gedanke der 
Selbstverwirklichung erhalt In jiidlsch-romlscher Verfalschung den Sinn elner Bewegung der 
Kreatur "zu Gott zu", wobel aus der Selbstverwirklichung elne Verwlrkllchung des Gottes 
wlrd. In dessen Hand wlr doch nur gestaltlosen Ton oder elnen Lelchnam darstellen. 

Dlese schelnbaren Zugestandnlsse des romlschen Jahwelsmus an das wlllenhafte 
seelenbewuBte Abendland haben noch so manchen In Rom gehalten, der belm Erkennen des 
Wesens langst davongegangen ware. Denn ob Ich mlch In seellscher Frelhelt schenke (wle 
Eckehart) oder mlch dem Herm sklavlsch beuge (wle Ignatius), um glelchsam als knetbarer 
Lehm, als Stock gebraucht oder wle eln Lelchnam gewendet zu werden, das macht den 
Unterschled aus zwlschen Mensch und Mensch, zwlschen System und System, letzten Endes 
zwlschen Rasse und Mestlzentum. Rom-Jahwe bedeutet: zauberlscher Despotlsmus, 
maglsches Schopfertum aus dem Nlchts (eln fiir uns wahnwltzlger Gedanke). Nordlsches 
Abendland besagt: Ich und Gott slnd seellsche Polarltat, Schopfungsakt 1st jede vollzogene 
Verelnlgung, das Auselnandergehen ruft erneute dynamlsche Krafte hervor. Die echte 
nordische Seele 1st auf Ihrem Hohenfluge stets "zu Gott zu" und stets "von Gott her". Ihre 
"Ruhe In Gott" 1st zuglelch "Ruhe In slch"- Dlese Verelnlgung, als Verschenken und 
SelbstbewuBtseln zuglelch empfunden, helBt nordische Mystlk. Romlsche "Mystlk" bedeutet 
wesentllch die unmogllche Forderung nach Aufhebung von Polarltat und Dynamlk, helBt 
Unterwerfung der Menschhelt. 

[249] Dasein und Sosein 

Die romlsche Philosophic steht also nlcht, wle sle behauptet, auBerhalb der drel typlschen 
Seelenrlchtungen Immanenz, Transzendenz und Transzendentalltat, sle alle umfassend, 
sondern stellt elnen KompromlBversuch dar. Telle aller dleser Typen mlt dem jiidlsch-syrlsch- 
afrikanlschen Glauben zu verblnden. Die romlsche Lehre flleBt nlcht aus elnem Zentrum In 
laufend Stromen durch die Welt, sondern umkleldet Ihren syrlschen Grundstock mlt den 
geborgten und verfalschten Lehren des nordlschen Menschen, wle er In verschledenen 



volkischen Personlichkeiten sich seine Gedankenwelt erbaute. - Daraus ergibt sich auch die 
Einstellung zum Problem des Daseins und Soseins. 

Die jiidisch-romische Lehre verkiindet mit ihrer Behauptung der Erschaffung der Welt aus 
dem Nichts durch einen Gott eine Kausalverbindung zwischen "Schopfer" und "Geschopf ', 
sie iibertragt also eine nur fiir diese Welt giiltige Anschauungsform auf metaphysisches 
Gebiet und behauptet diese Voraussetzung ihrer, den Schopfer „ stellvertretenden" Stellung 
bis auf heute mit zahester Energie im BewuBtsein, an dieser Stelle den Kampf um ihr Dasein 
zu fuhren. Gegen diesen monstrosen Grundlehrsatz hat der germanische Geist von jeher in 
scharfster Kampfstellung gestanden. schon der alteste nordische 

Schopfungsmyrhus der Welt, der indische, kennt das Nichts nicht. Er weiB nur von einem 
Gewoge, einem Chaos zu berichten. Er denkt sich den Kosmos als aus einem von innen 
wirkenden gegen das Chaos ringenden Ordnungsprinzip entstanden, denkt einen Augenblick 
auch an den Ordner von auBen (nicht an den Schopfer aus dem Nichts!), schlieBt aber mit 
hochster philosophischer Besonnenheit nach der Frage, woher die Schopfung entsprungen: 

Er, der die Schopfung hat hervorgebracht, 

Der auf sie schaut im hochsten Himmelslicht, 

Der sie gemacht hat oder nicht gemacht, 

Der weifi es! - oder weifi auch er es nicht? 

[250] Schopfer und Geschopf 

Der indische Monismus war eigentlich aus einem scharfen Dualismus geboren: die Seele, das 
allein Wesentliche, die Materie eine Tauschung, die zu iiberwinden ist. Eine Schaffung dieser 
Materie, und gar aus dem Nichts, ware jedem indischen Arier als blasphemischer 
Materialismus erschienen. Es ist im indischen Schopfungsmyrhus eine ahnliche Stimmung 
vorherrschend wie in Hellas, wie in Germanien: das Chaos ordnet sich einem Willen, einem 
Gesetz unter, aber nie entsteht aus dem Nichts eine Welt, wie syrisch-afrikanische 
Wiistensohne es lehrten und Rom mit seinem Damon Jahwe es iibernommen hat. Schillers 
Satz: "Wenn ich Gott denke, gebe ich den Schopfer auf bedeutet in knappster Form die klare 
Absage der arisch-nordischen Rassenseele an die zauberisch -magische Verkniipfung von 
"Schopfer und Geschopf, als Gott und ehrlose Kreatur. Rom hat Isis, Horus, Jahwe, Platon, 
Aristoteles, Jesus, Thomas usw. zusammengeknetet und will dieses Soseins dem Dasein der 
Rassen und Volker gewaltsam aufzwingen, oder, wo dies nicht geht, durch einschmeichelnde 
Verfalschungen eintraufeln, um dieses naturgewachsene Dasein zu verkriippeln, die seelisch 
und rassisch Verkriippelten dann aber unter das "katholische" Dach zu sammeln. 

Diesem grandiosen volkervemichtenden Versuch hat sich bis auf heute nur weniges 
gegeniibergestellt, was typenschaffend gewirkt hat. Der eine GroBe entsagte der romischen 
Medizinmannphilosophie, der andere bekampfte sie fur sich, der dritte wandte sich anderen 
Aufgaben zu. Die systematische Sicherung Europas vor dem weitausgreifend angelegten 
Angriff ist im groBen MaBstab noch nirgends begonnen worden. Das Luthertum ist in diesem 
Ringen leider ein Mitstreiter Roms trotz seines "protestieren", denn die lutherische 
"Rechtglaubigkeit" verschloB sich bisher dem Leben durch den Schwur auf die jiidische 
Bibel. Es predigte gleichfalls ein Sosein, ohne sich nach dem 

[251] Der Mystiker Paracelsus 



organischen Dasein zu richten. Heute endlich beginnt ein gmndsatzliches Erwachen aus der 
Gewalthypnose: nicht von einem Zwangsglaubenssatz, dazu nochjiidisch-romisch- 
afrikanischer Herkunft, treten wir an das Leben heran, sondern vom Dasein aus wollen wir 
das So-sein, wie einst Meister Eckehart es erstrebte, bestimmen. Dieses Dasein aber ist die 
rassengebundene Seele mit ihrem Hochstwert, der Ehre und der Seelenfreiheit, der die 
architektonische Gliederung der anderen Werte bestimmt. Diese Rassenseele lebt und entfaltet 
sich in einer Natur, die gewisse Eigenschaften weckt und andere zuriickdammt. Diese Krafte 
von Rasse, Seele und Natur sind die ewigen Voraussetzungen, das Dasein, das Leben, aus 
welchem erst Gesittung, Glaubensart, Kunst usw. sich als das Sosein ergeben. Das ist die 
letzte, innere Umkehr, der neu erwachende Mythus unseres Lebens. 

So wiirde auch der groBe Sehnsuchtsmensch Paracelsus sprechen, lebte er heute unter uns. Ein 
Erwachter in einer Welt aufgeblahter abstrakter volksfremder Gelehrter, die mit 
zusammengeleimten Autoritaten aus Griechenland, Rom, Arabien den lebendigen 
Menschenleib vergifteten, den Kranken noch kranker machten und, trotz alien gegenseitigen 
Gezankes, wie eine Mauer zusammenstanden gegen einen Genius, der in die Urgriinde des D 
a seins suchend hinabstieg. Die Natur in der Gesamtheit ihrer Gesetze erforschen, Arzneien 
werten als fordernde Aufbaumittel des Lebensprozesses des Leibes, nicht als 
zusammenhanglose Zaubermixturen, das war es, was auch den Theophrastus von Hohenheim 
als einsamen Propheten durch seine damalige Welt trieb, ruhelos, gehaBt und gefiirchtet, mit 
dem Stempel des Genies, das auch Kirchen und Altare, Lehren und Worte nicht als 
Selbstzweck anschaut, sondern danach wertet, wie tief sie eingebettet in der Umwelt von 
Natur und Blut ruhen. Der groBe Paracelsus wurde somit zum Wortfiihrer aller deutschen 

[252] Eckeharts antiromisches Wesen 

Naturerforscher und deutschen Mystiker, ein groBer Prediger des Daseins, um von ihm sich 
wie Meister Eckehart tastend zu den Gestirnen aufzuschwingen und herrisch-demiitig sich 
einzufiigen in die groBen Gesetze des Weltalls, voll Seligkeit ebenso iiber die Reinheit eines 
Lautes der Nachtigall wie iiber den unerklarlichen Schopfersprudel des eigenen Herzens. 



Mit seiner antiromischen Religion, Sittenlehre und Erkenntniskritik scheidet sich nun 
Eckehart bewuBt, ja schroff von alien Grundgeboten sowohl der romischen, wie der spateren 
lutherischen Kirche. An Stelle der jiidisch-romischen Statik setzt er die Dynamik der 
nordisch-abendlandischen Seele; an Stelle einer monistischen Vergewaltigung fordert er das 
Anerkennen der Zwiefachheit alles Lebens; an Stelle der Unterwiirfigkeitslehre und einer 
Knechtseligkeit predigte er das Bekenntnis der Seelen- und Willensfreiheit; an die stelle der 
kirchlichen AnmaBung von der Stellvertreterschaft Gottes setzt er die Ehre und den Adel der 
seelischen Personlichkeit; an die stelle der verziickten, sich hingebenden unterwiirfigen Liebe 
tritt das aristokratische Ideal der personlichen seelischen Abgeschlossenheit und 
Abgeschiedenheit; an die stelle der Vergewaltigung der Natur tritt ihre Vollendung. Und das 
alles heiBt: an die stelle der jiidisch-romischen Weltanschauung tritt das nordisch - 
abendlandische Seelenbekenntnis als die innere Seite des deutsch-germanischen Menschen, 
der nordischen Rasse. 

Eckehart hat genau gewuBt, daB er innerhalb der Kirche nur zu sehr wenigen spreche; er hat 
deshalb oft mit den ketzerischen Beguinen und Begarden Umgang gehabt, ihnen gepredigt, 
mit ihnen lange Tischgesprache gefiihrt. Als "Bruder Eckehart" wird er von ihnen erwahnt, 
und 



[253] Die Inquisition gegen den deutschen Apostel 

wahrend er Stiick fiir Stiick die romisch-syrischen Zwangsglaubenssatze zuriickwies, ist er in 
keiner einzigen seiner Reden gegen die "Ketzer" aufgetreten. Aber er wollte auch innerhalb 
der Kirche die Menschen seines Wesens suchen und vereinigen. Diesem Ziel gait sein Wirken 
in Erfurt, in StraBburg, in Koln und in Prag. Eckehart bestreitet schlankweg, daB es Lehrsatze 
geben diirfe, die man einfach "glauben miisse", weil dies von den Oberen und der 
tiberlieferung gefordert werde. Er ruft die freie hohe Vernunft und seine freie Seele als 
Geschenke Gottes herbei, auf die man zu horen habe. Er sagt seinen Zuhorem ausdriicklich, 
sie sollten sich, falls sie seinen Lehren folgten, offen auf ihn berufen: "Ich stehe mit meinem 
Leibe dafur". Aber auch die Dunkelmanner waren am Werk, um sich, wie iiblich, gegen den 
groBen Geist zusammenzurotten. Als Eckehart in Koln lehrt, lodem um ihn die 
Scheiterhaufen der frommen Inquisition selbst in seinem Orden klagen viele, er spreche zuviel 
in der Landessprache und vor "gemeinen Leuten" iiber Dinge, die zur Ketzerei verleiten 
konnten. Der Erzbischof von Koln verklagt dann Eckehart beim Papst, der ihn gern erledigt 
hatte, aber die Dominikaner als politische Stiitze in seinen Kampfen mit dem Kaiser brauchte 
und deshalb ihr geistiges Haupt noch nicht zu verbrennen wagte. so wurde der "Fall Eckehart" 
von einem Ordensbruder untersucht, der ihn freisprach. (Ein solcher Freispruch ware nach 
dem Unfehlbarkeitsdogma zu Beginn des "freien" 20. Jahrhunderts nicht mehr moglich 
gewesen) Und doch schritt dann die Inquisition zu ihrem Werk. Am 24. Januar 1327 lehnt 
Eckehart ihr Eingreifen als Willkiirakt ab und ladet seine Gegner fiir den 4. Mai 1327 vor den 
Papst. Eine ahnliche Erklarung Eckeharts in der Dominikanerkirche zu Koln schlieBt mit den 
Worten:"Ohne damit einen einzigen meiner Satze preiszugeben, verbessere ich und widerrufe 
ich... alle die, von denen 

[254] Eckeharts "Widerruf ' 

man imstande sein wird, nachzuweisen, daB sie auf fehlerhaftem Vernunftgebrauche 
beruhen*." 

Eckeharts Erklarung wurde ganz folgerichtig von den frommen Inquisitoren als "leichtfertig" 
zuriickgewiesen. Ehe er aber zum Papst fahren konnte, starb er. Ob eines natiirlichen Todes, 
oder durch Nachhilfe mit einem Piilverchen, ist unbekannt geblieben. Jedenfalls war die 
starkste Kraft, die aus der romischen eine deutsche Kirche hatte machen konnen, gebrochen. 
Eckeharts Tod war eine der groBten Schicksalsstunden Europas. Seine deutsche Religion 
wurde hernach von Rom offiziell durch eine Bulle "verurteilt". Zunachst wurde nach 
bewahrter Methode (um die Anhanger irre zu fiihren) Eckeharts "Widerruf als allgemeine 
Abbitte hingestellt, wogegen Eckehart, im Gegenteil, bereit war, mit aller Macht seine Lehre 
zu vertreten. Charakteristisch fiir seine Freiheit ist, daB er sich nicht auf kirchliche Lehrsatze, 
ja nicht einmal auf die Bibel beruft (wie spater Luther), sondern allein auf die freie 
Vernunfterkenntnis. Nach dieser ersten Falschung. "korrigierten" die frommen Anhanger 
Roms den Meister Eckehart und reihten ihn als geistigen Schiiler des Thomas von Aquino 
ein**. 

* Vgl. Biittner: Predigten. 

** Trotz des magischen Stoffes, den Thomas mitHilfe des Aristoteles in ein rationalistisches 
System zu bringen hatte, und des dadurch bedingten Wider spruches in sich, soil die 
Grofiartigkeit des Versuches und die Starke der geistigen Energie des Thomas nicht bestritten 
werden. Thomas war, wie vielleicht nicht allgemein bekannt sein durfte, Langobarden. Die 
Familie der Herren von Aquino riihmte sich dieser germanischen Abkunft und stand dem 
grofiten Hohenstaufer, Friedrich IT, zur Seite. So Thomas von Aquino der Alter e, Graf von 



Acerra, der als Statthalter von Syrien Friedrich den Weg ins "heilige Land" bahnte, den 
Kaiser aufseinem ersten Ziig nach Deutschland begleitete, dann als besonderer Beauftragter 
nach Sizilien geschickt wurde und spdter in Friedrichs Namen mit dem Papst unterhandelte. 
Ferner Thomas II. von Aquino, ein anderer Statthalter Friedrichs und sein (Schwiegersohn, 
der zusammen mit dem letzten Staufer Konrad unterging. - Der "hi Thomas " war offenbar 
aus der Art geschlagen undfahnenfluchtig. Er stellte seinen Geist Rom zur Verfiigung, von 
dem dieses noch heute zehrt. Im ubrigen war Thomas ein Schiller Albrechts von Bollstedt (des 
Albertus Magnus) und des Iren Petrus von Hidernia. 

[255] Beguinen und Begarden 

Der auBeren Verwilderung des romischen Zentrums im 13. Jahrhundert entsprach eine 
allgemeine Verlotterung der Geistlichkeit in alien Landern, die langst zum Gespott aller 
Volker geworden ware, wenn nicht etliche fiihrende Personlichkeiten mit dem Einsatz ihres 
ganzen Ichs die Lage immer wieder gerettet hatten. Als Reaktion gegen diese Verlumpung 
bildeten sich im 13. Jahrhundert u. a. auch die Gesellschaften der Briider und Schwestem vom 
freien Geist, in welchen sich die Vorlaufer der Mystik bemerkbar machten. Zusammen mit 
ihnen wirkten die Beduinen und Begarden (Waidschiiler), jene Kreise, zu denen Meister 
Eckehart nahe Beziehungen unterhalten hat. Diese fromme, aber unkirchliche Bewegung ging 
(auBerhalb und innerhalb der Kirche) wie ein breiter Strom durch die deutschen Lande. Sie 
griff vor alien Dingen einen Grundzug des vernichteten Arianismus wieder auf: die Religion 
in der Landessprache zu lehren. Schon in diesem Punkt zeigte sich von allem Anfang an bis 
auf heute der nie versiegende Kampf zwischen organischem Volkstum und romisch- 
lateinischer Aufpfropfung. (Gregor VII. hatte es als Frechheit bezeichnet, sich wahrend des 
Gottesdienstes der Landessprache zu bedienen.) Das echte Volksempfmden lehnte die firemde 
lateinische Sprache ab, die doch nur als unverstandliche nachzuplappernde Zauberformel 
angesehen und auch als solche verwendet wurde. Den Gebrauch der heiligen deutschen 
Muttersprache trotzte die religiose deutsche Bewegung um die Mitte des 13. Jahrhunderts 
dem volksfeindlichen Rom 

[256] Eckehart als Lehrer des Deutschen 

ab. Predigten und Lehrvortrage wurden nunmehr nicht lateinisch gesprochen, sondem in dem 
zum Herzen gehenden Deutsch. Und der groBte Bahnbrecher fiir unser Wesen ist auch hier 
Eckehart gewesen, den seine Schiiler und Nachfolger (u. a. Suso und Tauler) stets den 
"seligen und heiligen Meister" nennen, Eckehart, wenn er auch viel lateinisch schreiben 
muBte, hat die deutsche Sprache zuerst zur Sprache auch der Wissenschaft gemacht. Er hat 
miihselig danach gerungen, die lateinische Satzbildung durch deutsche Wortpragungen zu 
ersetzen; er war auch hier ein Ketzer, dessen Werk - zertreten und halb erdrosselt durch die 
romische Kirche - erst Martin Luther wieder fortsetzte, und das so die Voraussetzung fur das 
Bestehen des deutschen Volkstums schlechtweg schuf Heute predigen zwar auch die 
katholischen Priester deutsch, aber die ganze Liturgie, die Spriiche und auch die Lieder und 
Gebetsformeln muB ein Teil unseres schlichten Volkes immer noch in lateinischer Sprache 
murmeln. Die Kirche kann diese Vergewaltigung nicht aufgeben, weil sie ihren unnationalen 
Charakter wahren muB, die Volker aber diirfen diese heidnisch-fremden Uberbleibsel nicht 
mehr dulden. Ob der Tibetaner seine Gebetsmiihle dreht, oder ein deutsches Bauerlein 
lateinisch betet, ist grundsatzlich unterschiedslos, beides bedeutet nur mechanische Ubung im 
Gegensatz zu echt religioser Vertiefung. 

So entschwand denn, dank den romischen Falschungen, der eigentliche Eckehart den Augen 
des deutschen Volkes. Zwar zog die religiose Welle weiter iiber die Lande Widukinds, den 



Rhein hinunter und iiberall erstanden Bekenner der Freiheit der Seele: Suso und Tauler, 
Ruysbroek und Grootes, Boehme und Angelus Silesius. Aber die groBte Seelenkraft, der 
schonste Traum des deutschen Volkes war zu friih gestorben; alles spatere ist nur - von ganz 
oben gesehen - ein Abglanz von Eckeharts groBer Seele. Aus seiner Mannlichkeit wurde 
schwiilstiges 

[257] Eckehart an unsere Zeit 

Schwarmen, aus seiner kraftvollen Liebe wurde siiBe Verziickung. Nach dieser Richtung von 
der Kirche unterstiitzt, miindete der Strom der verweichlichten,, Mystik" wieder im schoB der 
romischen Kirche. Luthers Tat zersprengte schlieBlich die fremde Kruste, aber auch er fand, 
trotz seiner Sehnsucht, nicht zu dem einen Seelengrunde Meister Eckeharts, nicht zu seiner 
geistigen Freiheit zuriick. seine vom ersten Tage an unfreie Kirche verknocherte deshalb an 
einer und versandete an der anderen Stelle. Die deutsche Seele muBte einen anderen Weg als 
den kirchlichen suchen. sie schlug ihn ein in der Kunst. Als der Geist Eckeharts verstummte, 
erwuchs die germanische Malerei, erklang die Seele J. S. Bachs, es kam Goethes Faust, 
Beethovens "Neunte", Kants Philosophic... 

Zum SchluB aber noch das Tiefste und Starkste aus Eckeharts Lehre. Etwas, was noch mehr 
als alles andere seherisch an den Menschen u n s e r e r Zeit gerichtet erscheint. 

Die Predigt vom "Gottesreich" beendigt Eckehart mit folgenden Worten: "Diese Rede ist 
niemand gesagt, denn der sie schon sein nennt als eigenes Leben, oder sie wenigstens besitzt 
als eine Sehnsucht seines Herzens. DaB uns dies offenbar werde, das helf uns Gott." 

Nur an die seelisch Verwandten richten sich also alle seine Worte, an alle "inneren oder 
adeligen Menschen" ergeht seine Lehre, und hier tritt dann ein Mysterium zutage, das erst 
heute wieder zu neuem Leben geboren wird. 

In einer Predigt (iiber 2. Kor. 1. 2) unterscheidet Eckehart zwischen dem Blut und dem 
Fleisch. Unter Blut versteht er (wie er glaubt, mit St. Johannes) alles, "was im Menschen nicht 
seinem Willen Untertan ist", also das im UnterbewuBtsein Wirkende, ein Gegenstiick zur 
Seele. Und an anderer stelle sagt dann Eckehart (iiber Matthaus 10, 28): "Das Edelste, was am 
Menschen ist, ist das 

[258] Die Religion des Blutes 

Blut - wenn es recht will. Aber auch das Argste, was am Menschen ist, ist das Blut - wenn es 
ubelwill." 

Damit ist das letzte erganzende Wort ausgesprochen worden. Neben dem Mythus von der 
ewigen freien Seele steht der Mythus, die Religion des Blutes. Das eine entspricht dem 
anderen, ohne daB wir wissen, ob hier Ursache und Wirkung vorliegen. Rasse und Ich, Blut 
und Seele stehen im engsten Zusammenhange, fiir einen Bastard taugt Meister Eckeharts 
Lehre nicht, ebensowenig fiir jene fremdartige Rassenmischung, die von Osten in das Herz 
Europas eingesickert ist und das untertanigste Element Roms ausmacht. Eckeharts 
Seelenlehre richtet sich an die Trager des gleichen oder verwandten Blutes, die ahnliches 
Leben haben oder die Rede besitzen als "eine Sehnsucht ihres Herzens" - nicht an seelisch 
Fremde und blutsmaBig Feindliche. Das erfordert aber auch eine umgekehrte Ablehnung. Hier 
spricht Meister Eckehart dann das volkische Bekenntnis aus: "Kein GefaB kann zweierlei 
Trank in sich bergen: soil es Wein halten, so muB man das Wasser ausgieBen, daB auch nicht 



ein Tropfen bleibt." Und weiter:"Man soil anderer Leute Weise achten, und niemandes Weise 
schmahen." "Unmoglich konnen doch alle Menschen nur einem Wege folgen." Und noch 
welter: "Denn manchmal, was dem elnen Leben 1st, 1st des anderen Tod." 

Das 1st das vollkommene Gegentell dessen, was die Klrche Roms (und schlleBllch auch 
Wlttenbergs) uns lehrt. Sle will uns alle - ob WelB, ob Gelb, ob schwarz - auf elnen Weg, In 
elne Form, unter eln Dogma zwlngen, und hat deshalb, als sle Macht wurde, unsere Seele, 
unsere europalschen Rassen verglftet. Was Ihr Leben war, war unser Tod. DaB wlr nlcht 
gestorben slnd, verdanken wlr nur der Macht der germanlschen Seele, die den endgiiltlgen 
Sleg Roms (und Jerusalems) blsher verhlndert hat. In Melster Eckehart kam die nordlsche 

[259] Eckehart und Goethe 

Seele zum erstenmal ganz zum BewuBtseln Ihrer selbst. In seiner Personllchkelt llegen alle 
unsere spateren GroBen gebettet. Aus seiner groBen Seele kann - und wlrd - elnmal der 
deutsche Glaube geboren werden. 



Am umfassendsten trltt die. Seelenverwandtschaft mlt Eckehart bel Goethe zutage. Auch seln 
ganzes Daseln wurzelte In der Frelhelt der Seele, zuglelch aber Im Bekenntnls zum 
schopferlschen Leben. Dlese Selte hat der Kiinstler naturgemaB noch vlel bestlmmter betont 
als der religiose Mystlker. Goethes ganzes Leben war eln Wlegen zwlschen zwel Welten; 
wenn Ihn die elne ganz gefangen zu nehmen drohte, fliichtete er slch leldenschaftllch In die 
andere. sprach Melster Eckehart von der " Abgeschledenhelt" elnerselts und dem "Werk" 
andererselts, so nennt Goethe dlese belden Zustande mlt Vorllebe Sinn und Tat. Der "Sinn" 
bedeutet das Abstrelfen der Welt, die Ins Unendllche gehende Erwelterung der Seele, die 
"Tat" die auf elne Schopfung In dleser Welt hlnausgehende Arbeit. Glelch Melster Eckehart 
hat Goethe das Gesetz unseres Daselns Immer wleder betont: daB Sinn und Tat rhythmlsch 
abwechselnd slch bedlngende und slch gegenseltlg stelgernde Wesenhelten des Menschen 
slnd; daB elns aufs andere hlnwelst, es erst erkennen und schopferlsch werden laBt. "Slch von 
der Welt zuriickzlehen und der Selbstschau leben, fordert nlcht elnmal unsere 
Selbsterkenntnls: "slch selbst kann man elgentllch nur In der Tatlgkelt beobachten und 
erlauschen". Wer slch zum Gesetz mache, das Tun am Denken und das Denken am Tun zu 
priifen, der konne nlcht Irren und Irre er, so werde er bald auf den rechten Weg zuriickfmden. 
Der "Sinn" nun, der In uns Indoeuropaern Immer eln vorwaltendes Organ gewesen 1st, braucht 
kelne bestandlge Anspomung, und darum fmden 

[260] Sinn und Tat 

wlr auch bel Goethe wenlger Aufmunterungen nach dleser Rlchtung. Um so fester betont er 
dagegen die Beschrankung, die Tat. "Ich bekenne, daB mlr von jeher die groBe, so bedeutende 
kllngende Aufgabe: erkenne dlch selbst, Immer verdachtlg vorkam, als elne List 
gehelmverbiindeter Prlester, die die Menschen durch unerrelchbare Forderungen verwlrren 
und von der Tatlgkelt gegen die AuBenwelt zu elner Inneren falschen Beschaullchkelt 
verlelten wollen. Der Mensch kennt nur slch selbst, Insofem er die Welt kennt, die er nur In 
slch und slch nur In Ihr gewahr wlrd. Jeder neue Gegenstand, wohl beschaut, schlleBt eln 
neues Organ In uns auf" "Seelenlelden, In die wlr geraten, sle zu hellen, vermag der Verstand 
nlchts, die Vernunft wenlg, entschlossene Tatlgkelt dagegen alles." 



In immer neuer Form kann Goethe sich nicht genug tun, unermiidlich auf die belebende Tat 
hinzuweisen; selbst aufs bescheidene Handwerk. Der groBte Hymnus auf menschliche 
Tatigkeit ist Faust. Nach Umschiffung und Durchdringung aller Wissenschaft, alles Liebens 
und Leidens, wird Faust befreit durch die Tat. Dem immer ins Unendliche strebenden Geiste 
war die beschrankende Tat, das Abdammen einer Wasserflut als Nutzdienst fiir den Menschen 
der SchluBstein des Lebens, die letzte Stufe zum Unbekannten. Der Adel der Tat gipfelt in 
dem Kunstwerk: "Des echten Kiinstlers Lehre schlieBt den Sinn auf, denn wo die Worte 
fehlen, spricht die Tat." 

"Wer Bedingung friih erfahrt, gelangt bequem zur Freiheit." "Es darf sich einer nur fiir firei 
erklaren, so fiihlt er sich den Augenblick als bedingt, wagt er sich als bedingt zu erklaren, so 
fiihlt er sich frei." "Ein Meister ist, der einsieht, daB Beschrankung auch fiir den groBten Geist 
eine notwendige Stufe zur hochsten Entfaltung darstellt." "Wie kann man sich kennen lernen: 
Durch Betrachten niemals, wohl aber durch Handeln. Versuche deine Pflicht 

[261] Die "zwei Welten" Goethes 

zu tun, und du weiBt gleich, was an dir ist. Die Pflicht aber ist die Forderung des Tages." 

"Fiir den Menschen ist es ein Ungliick, wenn sich irgendeine Idee bei ihm festsetzt, die keinen 
EinfluB ins tatige Leben hat oder ihn wohl gar vom tatigen Leben abzieht." 

"... nach meiner Meinung ist Entschiedenheit und Folge das Verehrungswiirdigste am 
Menschen." "Es ist immer ein Ungliick, wenn der Mensch veranlaBt wird, nach etwas zu 
streben, mit dem er sich durch eine regelmaBige Selbsttatigkeit nicht verbinden kann." 

Darum kann auch der geringste Mensch " komplett" sein, wenn er sich "innerhalb der 
Grenzen seiner Fahigkeiten und Fertigkeiten bewegt". "An und in dem Boden fmdet man fiir 
die hochsten irdischen Bediirfnisse das Material, eine Welt des Stoffes, den hochsten 
Fahigkeiten des Menschen zur Bearbeitung iibergeben, aber auf jenem geistigen Wege 
werden immer Teilnahme, Liebe, geregelte freie Wirksamkeit gefunden. Diese beiden Welten 
gegeneinander zu bewegen, ihre beiderseitigen Eigenschaften in der voriibergehenden 
Lebensgestalt zu manifestieren, das ist die hochste Gestalt, wozu sich der Mensch auszubilden 
hat." 

Als Goethe sich in Rom an alien Sinnen gesattigt hat, schreibt er: "Ich mag nun gar nichts 
mehr wissen, als etwas hervorzubringen und meinen Sinn recht zu iiben." Gleich darauf aber 
heiBt es: "Es geht mit mir eine neue Epoche an. Mein Gemiit ist nun durch das viele Sehen 
und Erkennen so ausgeweitet, daB ich mich auf irgendeine Arbeit beschranken muB." An 
einer anderen Stelle sagt er zusammenfassend: "Ich hatte in meinem ganzen Leben dichtend 
und beobachtend, synthetisch und analytisch verfahren, die Systole und Diastole des 
menschlichen Geistes war mir ein zweites Atemholen." 

Als Schiller stirbt, sagt er, um seiner Verzweiflung Herr zu werden: "Als ich mich ermannt 
hatte, blickte ich 

[262] Mystik und Mechanistik 

mich nach entschiedenen Tatigkeiten um", und als er 1823 von schweren Seelen- und 
Korpemoten geplagt wurde, als er seinen Sohn verloren hatte, da ruft er seinen Sinn, der sich 
schon ins Jenseits zu verlieren schien, zuriick: "Und nun iiber Graber vorwarts." 



Dieser Seelenzustand Goethes gleicht im wesentlichen dem wirklichen Leben aller GroBen 
des nordischen Abendlandes. Ein Leonardo zaubert in seine hi- Anna, in die Augen des 
Johannes des Taufers, in das Antlitz Christi eine ungreifbare iibersinnliche Welt und zugleich 
ist er Ingenieur, kiihlster Techniker, der nicht genug ersinnen konnte, um sich die Natur auch 
mechanisch dienstbar zu machen. Von vielen Spriichen Leonardos konnte man meinen, sie 
seien dem Munde Goethes entsprungen. Bei Beethoven tritt nach tiefster mystischer 
Entriickung plotzlich ein leuchtendes Scherzo auf und das ergreifendste Lied der 
Abgeschiedenheit ist die Symphonie an die Freude. Beethoven, der in seinen Traumen zu 
verschwinden schien, er sprach zugleich das Wort des dynamischen Abendlanders: 

"Kraft ist die Moral der Menschen, die sich vor anderen auszeichnen; sie ist auch die 
meinige"; dem "Schicksal in den Rachen greifen", stellte er als sein Ziel auf. Dasselbe 
wuchtige Nebeneinander macht auch Michelangelos Personlichkeit aus: man lese seine 
Sonette an Victoria Colonna und trete dann vor seine Sibyllen und den weltverdammenden 
Christus. Auch hieran wird uns klar, daB abendlandische Mystik nicht das Leben ausschlieBt, 
sondern, im Gegenteil, sich das schopferische Dasein als Partner gewahlt hat. Um sich zu 
steigern, bedarf es des Gegensatzes, je heroischer die Seele, um so machtiger das auBerliche 
Werk; je abgeschlossener die Personlichkeit, um so verklarter die Tat. 

Das germanische dynamische Wesen auBert sich nirgends in Weltflucht, sondern bedeutet 
Weltiiberwindung, Kampf 

[263] Germanischer Forscherwille 

Und zwar auf zweierlei Weise: religios-kiinstlerisch-metaphysisch und luziferisch-empirisch. 

Keine Rasse hat in dieser Weise Forscher iiber Forscher iiber den Erdball gesandt, welche 
nicht bloB Erfmder, sondern in wirklichem sinne Entdecker waren, wie das nordische 
Abendland: d. h. Manner, die das Gefundene in ein Bild der Welt umformten. Die dunkelsten 
Kontinente, die kaltesten Pole, die tropischen Urwalder und die nacktesten Steppen, die 
femsten Meere und die verborgensten Fliisse und Seen sind gefunden und die hochsten Berge 
sind iiberwunden worden. Die Sehnsucht so vieler Manner aller Zeiten und Volker, den Raum 
zu durchfliegen, erst im Europaer wurde diese Sehnsucht zur Kraft, die zur Erfmdung fiihrte. 
Und wer nicht im Auto, im EisenbahnexpreB die luziferische, gewaltsam Raum und Zeit 
iiberwindende Macht spiirt, wer nicht inmitten von Maschinen und Eisenwerken, mitten im 
Ineinandergreifen von tausend Radern diesen Pulsschlag der empirischen Weltiiberwindung 
fiihlt, der hat eine Seite der germanisch-europaischen Seele nicht begriffen und wird dann 
auch die andere - mystische - Seite nie verstehen. Man denke an des hundertjahrigen Fausts 
plotzlichen Ausruf 

Die wenig ' Bdume nicht mein eigen 
Verderben mir den Weltbesitz. - 

Hier spricht nicht die Gier, den Besitz zum Wohlleben auszubeuten, sondern der Drang des 
Herm, "der im Befehlen Seligkeit empfmdet." 

Es ist zwischen luziferisch und satanisch zu unterscheiden. Satanisch bezeichnet die 
moralische Seite der mechanistischen Weltiiberwindung. sie wird diktiert durch rein triebhafte 
Motive. Das ist die jiidische Einstellung zur Welt. Luziferisch ist der Kampf um Unterjochung 
der Materie, ohne den subjektiven Vorteil als treibendes Motiv zur Voraussetzung zu haben. 
Das erste entspringt einem 



[264] Die Weisheit Lao-tses 

unschopferischen Charakter, wird folglich nie etwas finden, d. h. entdecken, auch nie wirklich 
erfinden; das zweite bezwingt Naturgesetze mit Hilfe von Naturgesetzen, spiirt ihnen nach 
und erbaut Werke, den Stoff sich gefiigig zu machen. 

DaB die luziferische Weltiiberwindung unschwer eine satanische werden kann, ist leicht zu 
begreifen; weshalb notwendig in einem vomehmlich luziferischen Zeitalter, wie das im 
Weltkrieg untergegangene eines war, das Judentum doppelt leichten Eingang und 
Wucherungsmoglichkeiten erhielt. 

8. 

"Ruhe ist hoher als Regung. Schwaches zwingt Starkes. Weiches zwingt Starres." In diesen 
Worten liegt die Stimmung einer ganzen Kultur, die Seele der chinesischen Rasse, verkorpert 
in Li-Pejang (Lao-tse), der vor 2500 Jahren lebte und doch zu uns spricht, wie ein miider 
Weiser von heute. Kein Mensch wird das Tao-Te-King lesen, ohne sich von einem Hauch 
echtesten Wesens umwoben zu fiihlen. sich ihm hinzugeben gehort zu den schonsten 
Erlebnissen einer gelosten, weichen Gemiitsverfassung: der Mensch bescheide sich mit der 
unabanderlichen Bahn; er wird diese ganz aus sich heraus gehen, er soil nicht tun, denn das 
Schicksal bringt ihn allein auf den rechten Weg der Ruhe, der Giite. Der Mensch erstrebe 
nicht das Wesen des Menschen zu ergriinden. Er wisse nur eines: "Die Vernichtung des 
Leibes ist kein Verlust. Dies ist Unsterblichkeit." Vor jedem UbermaB hiite man sich und 
friedlich und ruhig lachelnd gehe man den geheimnisvoll vorgeschriebenen Schicksalsweg. 

Die Freude an Lao-tse Weisheit ist die Sehnsucht nach einem seelischen und geistigen 
Gegenpol. sie ist aber keine Ubereinstimmung und nichts ist falscher, als uns die 

[265] Deutschfeindliche Talmudmoral 

Weisheit des Ostens als auch uns gemaB oder gar als eine uns iiberlegene zu preisen, wie es 
miide und innerlich rhythmenlos gewordene Europaer heute zu tun belieben. Noch ein anderer 
Kontrast. 

Beim Studium der Geschichte und des Schrifttums der luden fmdet man fast nichts als 
emsige, endlose Geschaftigkeit, ein ganz einseitiges Zusammenballen aller Krafte auf 
irdisches Wohlergehen. Aus dieser, man kann sagen, fast amoralischen Geistesanlage stammt 
denn auch ein Moralkodex, der nur eines kennt: den Vorteil des luden. Daraus folgt die 
Zulassung , ja Genehmigung des Uberlistens, des Diebstahles, des Totschlags. Es folgt daraus 
der religios und sittlich zugelassene Meineid, die Talmud- "Religion" des "gesetzlichen" 
Luges. Alle natiirlich-egoistischen Anlagen erhalten einen EnergiezuschuB durch die sie 
zulassende "Sittlichkeit". Wenn bei fast alien Volkern der Welt religiose und sittliche Ideen 
und Gefiihle der rein triebhaften Willkiir und Ziigellosigkeit sich hemmend in den Weg 
stellen, bei den luden ist es umgekehrt. so sehen wir denn seit 2500 Jahren das ewig gleiche 
Bild. Gierig nach Giitern dieser Welt, zieht der Jude von Stadt zu Stadt, von Land zu Land 
und bleibt dort, wo er am wenigsten Widerstand fur geschaftige Schmarotzerbetatigung 
fmdet. Er wird verjagt, kommt wieder, ein Geschlecht wird erschlagen, das andere beginnt 
unbeirrbar das gleiche Spiel. Gaukelhaft halb und halb damonisch, lacherlich und tragisch 
zugleich, von aller Hoheit verachtet und sich doch unschuldig fuhlend (well bar der Fahigkeit, 
etwas anderes verstehen zu konnen, als sich selbst), zieht Ahasver als Sohn) n der Satan-Natur 
durch die Geschichte der Welt. Ewig unter anderen Namen und doch immer sich gleich 



bleibend; ewig die Wahrheit beteuernd und immer liigend; ewig an seine "Mission" glaubend 
und doch von vollkommener Unfruchtbarkeit und Zum Parasiten verdammt, bildete der ewige 
Jude den 

[266] Verschiedene rassisch-seelische Dynamik 

femsten Kontrast zu Jajnavalkya, Buddha, Lao-tse. Dort Ruhe, hier Geschaftigkeit; dort Giite, 
hier Durchtriebenheit; dort Friede, hier abgrundtiefer HaB gegen alle Volker der Welt; dort 
ein Allverstehen, hier vollendetes Unvermogen und Verstandnislosigkeit. 

Gleich weit entfernt von beiden Gegensatzen steht die nordische Idee, aber nicht, als ob sie 
sich zwischen ihnen befinde, sondem sie liegt auBerhalb der jene verbindenden Linie. Denn 
die Ruhe Goethes ist nicht die Ruhe Lao-tse und die Tat Bismarcks ist nicht die Tatigkeit 
Rothschilds. Die germanische Personlichkeit hat nicht ein Stiick von chinesischer Ruhe und 
ein Stiickchen jiidischer Geschaftigkeit (wohlverstanden die Personlichkeit, nicht die Person), 
vielmehr ist das manchmal auBerlich Ahnliche durch Krafte bestimmt und auf Ziele gerichtet, 
die (soviel man nach genauester Priifung behaupten kann) von denen des Chinesen und des 
luden grundverschieden sind. 

Auch der nordische Mensch glaubt tief an eine ewige Gesetzlichkeit der Natur; auch er weiB, 
daB er an diese Natur gebunden ist. Er verachtet sie auch nicht, sondern nimmt sie als 
Gleichnis eines Ubematiirlichen. Aber er sieht zugleich auch in der Nichtnatur, in der 
Personlichkeit, nicht eine Willkiir, er begniigt sich nicht damit, an die Unsterblichkeit als 
solche zu glauben, er staunt vielmehr bei jeder Selbstbetrachtung iiber das Ewig-Eigenartige 
seines nicht natiirlichen Ichs. Er fmdet auch bei jedem anderen ein verschieden geartetes 
inneres Wesen, ebenso in sich abgeschlossen, einen ebenso reichen, beziehungsreichen 
Mikrokosmus. Wenn Li-Pejang sagt, der Vollendete stoBe nicht mit den "Anderen" 
zusammen, well sie beide die gleiche Richtung hatten, so liegt fiir nordisches Gefiihl hier eine 
Gleichgiiltigkeit vor, die den auf derselben Bahn befmdlichen Wanderer achtlos beiseite 
liegen laBt und still fur sich allein gehen will. Hier stehen wir denn vor der Frage, ob diese 
scheinbar schone groBe Ruhe 

[267] Moral und Metaphysik 

des Chinesen nicht eine innere Regungslosigkeit der Seele bedeutet, nur die Kehrseite des 
wenig lebendigen Inneren. 

Auch der Inder lehrte, daB "der Andere" die gleiche Bahn zu Ende gehe. Er glaubte zu jedem 
Geschopf dieser Welt das "groBe Wort" "das bist auch Du" sagen zu konnen, aber das 
Schwergewicht seiner metaphysischen Anschauung liegt den SchluBfolgerungen der Chinesen 
fern. Li-Pejang widmet sich der moralischen Seite unseres Wesens und laBt die metaphysische 
auf sich beruhen. Er predigt Ehrlichkeit gegen Ehrliche und gegen Nicht-Ehrliche, Liebe zum 
Freunde und zum Nicht-Freunde. Das sei die rechte Giite, in dieser Beziehung seien die edlen 
Menschen gleichgerichtet. Der Inder geht ganz in der metaphysischen Seite des 
Menschen auf Er legt ein derart groBes Gewicht auf sie, daB er in letzter Konsequenz zu der 
auch ausgesprochenen Anschauung gelangt, die Tat als solche konne einem Wissenden, des 
Atman-Brahman Teilhaftigen, nichts anhaben. Er wird "nicht durch das Werk befleckt, das 
bose". Alles Fleischliche sei sowieso nur Trug und Schein, was mit ihm geschehe, 
gleichgiiltig. Das ist die letzte Konsequenz Indiens. 



Li-Pejang lehrt die Untatigkeit, well die "Bahn und der rechte Weg" jedem Menschen aus 
dem Innersten vorgeschrieben seien und er durch suchen, Forschen, Tun nur Zwist und Unheil 
stiften wiirde. Indien fordert Tatenlosigkeit aus der Einsicht heraus, daB sie auf das 
metaphysische sein des Menschen ohne jeden EinfluB bleibe. Hier sind gmndverschiedene 
Seelen am Werke. Von der Gleichheit der "guten Menschen" zu fabeln wird zum Verbrechen. 
Es ist tausendmal schoner und erhabener, zu sehen, mit welchem Seelenreichtum wir auf 
diese Welt gekommen sind, wie auf verschiedenen stellen der Erde verschiedene Seelen am 
Werke sind, sich stammelnd auszudriicken. Es ist ein groBer Fehler, hier als Fremder storend 
eingreifen zu wollen und zu versuchen, Kontraste 

[268] Geschichte als Charakterverwirklichung 

zu verwischen. selten, daB ein in groBerem MaBstabe durchgefuhrtes Zusammengehen und 
Verschmelzen verschiedener Seelen und Rassen etwas schoneres zur Folge hat. Meist tritt 
Verkiimmerung ein. Mit so hohen Absichten z. B. einst begeisterte Missionare nach Indien 
und China gegangen sein mogen, so haben sie doch nur eine Eigenentwicklung gestort. Aber 
ebenso miissen wir uns wehren, wenn heute Manner kommen und iiber das Wesen der GroBen 
des Abendlandes zu lacheln beginnen, indem sie auf Indien, China hinweisen als auf das 
GroBte, an dem wir irregehenden Europaer uns aufzurichten hatten. So schon Jajnavalkya 
spricht, so schmeichelnd Lao-tse Tone auf uns eindringen: geben wir diesen Klangen dauernd 
Raum, so sind wir seelisch verloren. Wir gehen entweder u n s e r e n Weg, oder wir fallen in 
Chaos, Raserei, in den Abgrund. 

Wir wissen: wir haben alle eine Richtung: die Sehnsucht aus "dem Dunkeln ins Helle", aus 
Erdenfesseln zu einem unbekannten Ewigen. Aber wir geben uns durchaus nicht damit 
zufrieden, zu wissen, daB wir, sei es in moralischer oder metaphysischer Hinsicht, denselben 
Weg eingeschlagen haben, sondern uns interessiert das W i e unseres Fiihlens und Denkens. 
Der Chinese hat eine tausendbandige Geschichte, die keine Geschichte ist, sondern 
aufzahlende Chronik; bis in die kleinsten Einzelheiten scheint dem Erzahler alles wichtig. Der 
Inder hat dieser Zeitlichkeit iiberhaupt keine rechte Aufmerksamkeit zugewendet. Er hat keine 
wirkliche Chronik, aber auch keine Geschichte. Er hat nur Sagen und Gesange und Hymnen. 
Eine Entwicklung suchte weder der eine noch der andere. Der eine hatte die Auswicklung der 
Personlichkeit, sei es eines Menschen oder eines Volkes iiberhaupt nicht begriffen, der andere 
sah sie als Schein und somit als unwichtig an. 

Es erschien der germanische Mensch in der Weltgeschichte. 

[269] Tat, d. h. seelisch geformte Kraft 

Er umschiffte die ganze Erde; er entdeckte Millionen Welten; er grub in tropischer 
Sonnenhitze uralte, langst vergessene Stadte aus; er forschte nach Dichtungen, nach 
sagenhaften Burgen; er entzifferte mit unsagbarer Miihe Papyrusrollen, Hieroglyphen und 
Tonscherbeninschriften, er untersuchte tausendjahrigen Mortel und Steine auf ihre 
Bestandteile; er lernte alle Sprachen der Welt; er lebte unter Buschmannem, Indianem, 
Chinesen und formte sich ein mannigfaches Bild der Volkerseelen Er sah Technik, Industrie, 
Philosophic, Moral, Kunst und Religion aus Anfangen verschiedenster Art zu Werken 
unterschiedlicher Natur heranwachsen: er begriff Personlichkeit, well er selbst eine war. Er 
faBte das Tun der Volker als Tat auf, d. h. als geformte seelische Kraft, als Ausdruck eines 
eigenartigen Innern. Er hatte nicht nur Interesse dafiir, daB Menschen so oder so gedacht und 
gehandelt hatten, sondern er ruhte nicht eher, als bis er die inneren Krafte, die dazu fiihrten, 
wenigstens ahnen gelemt hatte. Das Bemiihen, das lange Zeit so beliebt war, die Chinesen 



und die Deutschen zu vergleichen, well beide Volker von einer Sammelwut und 
Registrierungssucht besessen seien, bleibt ganz an der Oberflache. An einzelnen 
Absonderlichkeiten darf man eine Volksseele nicht messen, sondem an Leistungen. Und da 
sehen wir den Chinesen einen Katalogisierer bleiben, den Deutschen jedoch als Herrn der 
Geschichtswissenschaft (wenn man dies Wort iiberhaupt brauchen darf) und der Philosophie; 
d. h. das sammeln war einmal Zweck, das andere Mai Mittel. Das Ende war einmal 
mechanisches Aneinanderreihen, das andere Mai ein Bild der Welt. Und das ist der 
Unterschied. 

Es ist auch sehr oberflachlich, wenn einfach gesagt wird, wie im genannten besonderen Falle, 
die Deutschen seien von anderen Volkern oder Rassen dadurch verschieden, daB sie ein Volk 
mit Begabung fiir Geschichte waren. 

[270] Deutungen der Personlichkeit 

Vielmehr liegt hier etwas anderes vor. Weil der Germane, besonders der Deutsche, im tiefsten 
Innem Wert und Wiirde der Personlichkeit fiihlte oder doch bewuBt ahnte; well er empfand, 
wenn sie sich irgendwo entfaltete oder verkiimmerte, deshalb, aus einem lebendigen Gefiihl, 
aus groBter Aktivitat der Seele zog es ihn, seinen Mitmenschen zu beobachten, zu erforschen, 
zu ergriinden. Deshalb verstand er Geschichte als die Entwicklung einer Volkspersonlichkeit, 
deshalb suchte er unter Schutt und Triimmern der Jahrtausende nach Zeugnissen einer 
Menschenkraft. 

Hier sind wir dann bei einem der Urphanomene angelangt, die weder zu erklaren, noch zu 
erforschen sind. 

Weil der germanische Geist instinktiv die Ewigkeit und Unverlierbarkeit der Personlichkeit 
fiihlt, well er nicht die Einsicht verficht, "alles bist auch du", so lebte in ihm fast ganz allein 
die Sehnsucht, die Manifestationen anderer fremder Personlichkeiten zu erforschen. Der 
Grieche kiimmerte sich um seine Vorzeit nicht, well er Gegenwartsmensch, Person war; der 
Inder hatte keine Geschichte, well er Zeit, Entwicklung, Personlichkeit - alles als Phantom 
ansah; der Chinese sammelte alle Daten seiner Vergangenheit bis zum Alltag des Herrn der 
Mitte, er sammelte Daten der Person, er deutete nicht Wirklichkeiten der Personlichkeit; 
ahnlich der sich mumifizierende Agypter. Die bewuBte Auffassung irgendeiner Kultur als 
Ausdruck eines nie Dagewesenen und nie Wiederkommenden, eines geheimnisvoll 
Eigenartigen, das ist die tat-mystische Grundstimmung des nordisch-germanischen Geistes. 

Deshalb konnten Europaer Hieroglyphen und babylonische Tonscherben entziffem; deshalb 
setzten ganze Geschlechter ihre Schaffenskraft fur Ausgrabungen in Griechenland, Agypten, 
am Ganges und am Euphrat daran, um ein Wesen zu suchen und zu deuten. Bedeutete der 
europaische Geist Formen der Person (Griechen), so ware 

[271] Der einsame Europaer 

nie diese organische Ausweitung und organische Zusammenballung zustandegekommen. Man 
nennt das 

faustische Seele und meint damit das Streben nach Unendlichem auf jedem Gebiete. Dem 
zugrunde aber liegt die sonst nirgends in der Welt mit gleicher Starke gefuhlte Einzigartigkeit 
und Wiirde der Personlichkeit. 



Aus dieser Ehrfurcht heraus konnte ein Herder die Stimmen der Volker von Indien bis Island 
sammeln, ein Goethe uns Persien vorzaubem; konnten germanische Gelehrte die 
Verwirklichungen der so fernen und so oft wieder so nahen indischen Seele vorfiihren 
(Miiller, Deussen usw.). Ein beziehungsreiches Weltbild im Kontrast gezeichnet und dadurch 
mit hohem BewuBtsein empfunden, rollt sich vor unserem geistigen Blicke auf. Alles steht 
eigenartig gefarbt und gestaltet da, geahnt und fremd zugleich, und inmitten und daneben 
stehe ich, der nordische Mensch, das BewuBtsein gewordene personliche, als das letzte 
Mysterium des Daseins - einsam. Diese innere Stimmung oder dieses BewuBtsein ist der 
letzte Grund des Abgebrochenen, Fragmentarischen, Verlassenen, Unendlich-Fernen in der 
ganzen europaischen Kultur. Don Quichote, Hamlet, Parzival, Faust, Rembrandt, Beethoven, 
Goethe, Wagner, Nietzsche, sie alle haben dies gelebt, gesagt, geschopft oder sind Zeugnisse 
dieses Erlebens. Und so wachst auch hier der nordische Begriff der Tat zu etwas ganz 
anderem aus, als was ein Lao-tse unter "Tun" verstand und was einem Buddha als schadlich, 
well leidenbringend, erschien. Noch mehr geschieden ist die Idee der Tat von der jiidischen 
emsigen Tatigkeit, die stets einen rein irdischleiblichen Zweck als Triebfeder aufweist. Tat ist 
fiir den Abendlander der Ausdruck eines inneren Wesens in einer Seelen-Entwicklung ohne 
irdischen Zweck, also eine Form unserer Seelenaktivitat. Indem wir dieser folgen, leben wir 
erst wirklich hier auf Erden und fiir ein Hoheres. Wir schreiben der Tat eine Wiirde zu, die 
uns allein zu 

[272] Tat, Mystik und Leben 

uns selbst fiihrt. Hier erinnere ich an das tiefste Wort Goethes: "Jede Tat, wohl beschaut, lost 
eine neue Fahigkeit in uns aus." 

Es spricht hier eine ganz andere Seele als im Tao-Te-King; sie ist aber auch grundverschieden 
von der, welche den vierfach heiligen Pfad gelehrt hat. Lao-tse verwirft die Tat, well sie mit 
dem Tun zusammengehen miisse; Buddha fiirchtet gleichfalls das Leiden. Ein Goethe nimmt 
aber auch das Leiden mit, sieht es sogar als notig, als erhebend an ("Wer nicht verzweifeln 
kann, der soil nicht leben"), er fmdet gleich dem groBen Meister Eckehart in einem einzigen 
Augenblick der seelenerweiternden Seligkeit, im Erleben der schopferischen Tat das ganze 
Leiden erkauft und iiberwunden. Mit dieser Seelenkraft laBt sich schlechthin gar nichts 
Vergleichen. sie ist urgewaltig, gar nicht still und noch weniger ergeben lachelnd, sondern mit 
weiten Fittichen sich iiber alles Irdische erhebend. 

Betrachtet man weniger das auBere Leben, sondern die innere Sehnsucht eines Volkes, wie sie 
sich in seinen GroBten ausspricht, so kann man, kurzgefaBt sagen: dem Chinesen ist Ruhe die 
Uberwindung des Tuns, um ohne bewuBtes Handeln den Schicksalsweg zu gehen; dem Inder 
bedeutet Ruhe die Uberwindung des Lebens, die erste Stufe des Hiniibergehens in das Ewige; 
des Juden Ruhe ist das Lauern auf eine, stoffliche Erfolge versprechende Tatigkeit; die Ruhe 
des nordischen Menschen ist Sammlung vor der Tat, ist Mystik und Leben zugleich. China 
und Indien wollen auf verschiedene Weise einen Pulsschlag des Lebens iiberwinden, beim 
Juden ist Ruhe nur eine Folge auBerer Umstande, der Nordlander hingegen will innerlich 
bedingten, organischen, schopferischen Rhythmus. Es sind natiirlich nur Wenige, die diesen 
nordischen Rhythmus durchs ganze Leben, durch ihr ganzes Werk 

[273] Der europaische Daseinsrhythrnus 

durchzusetzen vermogen. Aber deshalb sind sie fiir uns die GroBten unseres Geistes und 
unserer Rasse. 



In einigen unserer GroBen atmet dieser Rhythmus - bei aller Leidenschaftlichkeit im 
einzelnen - in machtigen weiten Ziigen. Das ist das Werk Leonardos, Rembrandts, Bachs, 
Goethes. Bei anderen ging dieser Pulsschlag heftiger, plotzlicher, dramatischer vor sich. Das 
sagt uns das Werk Michelangelos, Shakespeares, Beethovens. Und Immanuel Kant, der so 
vielen als die verkorperte MaBigkeit selbst erscheint, betont als seine tiefste Uberzeugung, 
daB nur durch Uberschwanglichkeit, d. h- hochste seelische Tatbereitschaft, ein groBes Werk 
geschaffen werden konne. Das war ein zartes Selbstbekenntnis. Man hort deshalb auch aus 
dem Werk des Weilen von Konigsberg den weiten Fliigelschlag der nordischen Seele: "Die 
Menge merkt nicht, daB der Philosoph begeistert ist." 

So stehen denn, auch was das Verhaltnis zur Tat anbetrifft, die seelischen Richtungen 
verschiedener Volker klar vor unseren Augen. Die sonst verschiedenen Chinesen und Inder 
auf einer Seite, der Jude als Gegensatz und Widerspruch (nicht geistiger Antipode!), und 
auBerhalb ihrer der nordisch-germanische Mensch als (in dieser Frage) Antipode beider 
Richtungen, beide Pole unseres Daseins: Mystik und Lebenstat umspannend, getragen von 
einem dynamischen Lebensgefiihl, befliigelt vom Bekenntnis zum freischopferischen Willen 
und der adeligen Seele. "Mit sich selbst eins werden" wollte Meister Eckehart. Und das 
wollen endlich auch wir. 



Der Mythus des 20. Jahrhunderts 

Alfred Rosenberg 

[277] bis [322] 

Zweites Buch: 

Das Wesen der germanischen Kunst 

Das Kunstwerk ist die lebendig 

dargestellte Religion. 

Richard Wagner. 

I. Das rassische Schonheitsideal 

1. 

Die Zeiten des Virtuosentums gehen ihrem Ende entgegen. Wir sind es miide geworden, uns 
immer wieder nur reizen und blenden zu lassen; wir haben iibergenug von der nervosen 
Mache der letzten Jahrzehnte; wir hassen den unerhorten technischen Aufwand alles dessen, 
was sich heute noch als Kunst bezeichnet. Wir fiihlen, daB die Zeit des Intellektualismus als 
Erscheinung, die sich anmaBte, Kulturgeltung zu besitzen, im sterben liegt; daB die 
Wahrsager, die ihn uns als Zukunft, als Ende unserer europaischen Kultur verkiinden, bereits 
Propheten einer iiberlebten Vergangenheit sind. Diese Manner, innerlich Zermiirbt, hatten 
schon ehe sie dachten und schrieben, den Glauben verloren. Deshalb muB ihre Philosophic 
und Geschichtsbetrachtung auch in einem Unglauben enden. Unsere Zeit des Sterbens und 
Werdens verschlingt ihre Werke mit Gier: die schwachen werden gebrochen, die Starken 
fiihlen ihren Glauben und Widerstand wachsen 



Die Abkehr vom theoretischen Materialismus in Wissenschaft und Kunst kann man als 
innerlich vollzogen betrachten, der Pendelschlag nach der anderen Richtung (Theosophie, 
Okkultismus usw.) ist schon im Schwunge; die Richtung unseres Wesens fangt hierzu als 
Kontrast zu beiden Stromungen allmahlich wieder an lebendig zu werden. 

Auch die Zeit der dickbandigen Asthetiken ist voriiber. Die iiberwiegend zergliedemde Arbeit 
auf alien Gebieten 



[278] Die "allgemeine" Aesthetik 

hat uns auch eine lange Reihe sich bis ins feinste verastelnder Werke iiber das Wesen der 
Kunst und die aesthetische Empfindung beschert. Eine ungeheure geistige Arbeit liegt hier 
aufgespeichert, aber kein Mensch liest heute Zimmermann, Hartmann, ja, kaum noch 
Fechner, Kiilpe, Groos, Lipps, Miiller-Freienfels, Moos und viele andere. Winckelmanns und 
Lessings Anschauungen versteht niemand 

mehr in das heutige Denken einzufiigen, Schiller, Kant und Schopenhauer verehrt die 
Allgemeinheit fast nur dem Namen nach. Nicht deshalb, well wir nicht in ihren Werken die 
tiefsten Gedanken finden wiirden, sondem well wir sie als Ganzes auf dem Gebiet der 
Kunstbetrachtung nicht mehr zu verwenden vermogen. sie schauen alle fast nur nach 
Griechenland und sprechen alle noch von einer angeblich moglichen allgemeinen 
Asthetik. Und wenn sie die Unterschiede der Kiinste verschiedener Volker feststellen, so tritt 
ihr theoretisches Denken - dieses Denken, das wir als die Philosophic des 18. Jahrhunderts 
bezeichnen - in Widerspruch mit ihren eigenen Werken, oder vergewaltigt die 
Kunsterzeugnisse des eigenen Volkes. Der Widersprach zwischen Theorie und Tat lebt 
ebenso in Goethe wie in Schiller und Schopenhauer. Die groBe Schuld der ganzen Asthetik 
des 19. Jahrhunderts hat darin bestanden, daB sie nicht an die Werke der Kiinstler ankniipfte, 
sondem ihre Worte zerlegte. sie hatte nicht bemerkt, daB Goethes Bewunderung des formal 
tiichtigen Laokoon eines, die Tat des Faust etwas wesentlich anderes, daB Goethes 
germanischer Instinkt zu gewaltig war und daB sein Schaffen fast alles theoretische 
Hellenentum, als fur uns maBgebend, Liigen straft. 

Der Ausgangspunkt unserer zergliedernden Asthetik war ein falscher, darum hat sie keine 
tieferen Wirkungen erzeugen konnen. sie hat nicht unserem Wesen zu hellerem BewuBtsein 
verholfen, sie hat nicht richtunggebend gewirkt, sondem sie ist mit verschwommenen 
allgemeinen oder nur 



[279] Seelischer Form-Gehalt 

griechischen - oft s p a t griechischen - MaBstaben an die Kunst Europas herangetreten. 

Friiher sprach man unbekiimmert von der Philosophic oder Geschichte des Morgenlandes, bis 
man einsehen lemte, daB dieses angeblich einheitliche Morgenland Volker mit sich einander 
vollkommen ausschlieBenden Kulturen umfaBte. Heute ist es modern geworden, vom 
"Abendlande" zu reden. Dies geschieht zwar mit ungleich mehr Berechtigung als in bezug auf 
das "Morgenland", ist aber auch zu verschwommen, wenn nicht das das Abendland bildende 
nordische Element betont wird. 



Fast alle Philosophen, welche iiber den "aesthetischen Zustand" oder iiber die 
Wertfestsetzungen in der Kunst geschrieben haben, sind an der Tatsache eines rassischen 
Schonheitsi deals in physischer Hinsicht und eines rassisch gebundenen Hochstwertes 
seelischer Art voriibergegangen. Dabei liegt es auf der Hand, daB, wenn iiberhaupt iiber das 
Wesen der Kunst und ihre Wirkung gesprochen werden soil, die rein physische Darstellung z. 
B. eines Griechen auf uns anders einwirken muB, als etwa das Bildnis eines chinesischen 
Kaisers. Jede UmriBlinie erhalt in China eine andere Funktion als in Hellas, die ohne die 
Kenntnis des formenden, rassisch bedingten Willens weder zu deuten noch "aesthetisch zu 
genieBen" ist. Jedes Kunstwerk formt femer seelischen Gehalt. Auch dieser ist deshalb nebst 
seiner formalen Behandlung nur auf Grund der verschiedenen Rassenseelen zu begreifen. 
Unsere bisherige Asthetik ist also - trotz vielem Richtigen im einzelnen - als Gesamtwerk in 
den leeren Raum gesprochen worden. Dabei ist der naive wie der bewuBte echte Kiinstler 
immer rassebildend vorgegangen und hat seelische Eigenschaften auBerlich verkorpert durch 
Benutzung jener rassischen Typen, die ihn umgaben und die in erster Linie zum 
hervorragenden Trager gewisser Eigenarten werden. 

So verwandt in vielem uns auch Hellas erscheint, so hat 



[280] Die Schonheit - das griechische Lebenszentrum 

der Grieche doch ein anderes innerstes Zentrum als der Inder, Romer oder Germane, das den 
Takt seines Lebens bestimmte. Das war ein aesthetischer Wert. Die Schonheit war der 
MaBstab hellenischen Lebens beim Symposion, da man sich im Kreis bei verdiinntem Wein 
zusammensetzte und als Ganzes ein Thema besprach; die Schonheit war das alles bewegende 
Motiv der Ilias, sie siegte selbst, als das arme zerfetzte Griechentum einem romischen 
Feldherm gegeniibertrat, dessen Wesen eine Erinnerung an die einstigen Ahnen wachrief T. 
Quinctius Flaminus. Man begegnete ihm ob seiner Wiirde und Schonheit wie einem 
Nationalhelden, Athen feierte ihn wie einen eigenen Heroen. Das war tiefstes griechisches 
Sehnen auf der Hohe des Lebens, aber auch im Niedergang, und wenn wir Hellas verstehen 
wollen, so miissen wir u n s e r e n Hochstwert - den Charakter - als Hochstwert 
zuriickstellen. Ein wirklich schoner Mensch konnte in Hellas nach seinem Tode als Halbgott 
geehrt werden. so errichten selbst die nur halbgriechischen Egestaner dem im Kampf gegen 
die Karthager als schonsten Griechen geltenden Mann ein Heroon und opfern ihm. Es kann 
geschehen, daB die Hellenen einen gegen sie in offener Schlacht vorgehenden Gegner 
schonen, wenn er durch seine Schonheit auffallt, was ihnen als ein Anteil an Gottlichkeit 
erscheint, wovon uns Plutarch eine riihrende Erzahlung hinterlassen hat. selbst der von den 
Griechen getotete persische Feldherr Masistios wird, nachdem man seine Schonheit gewahr 
geworden ist, von den griechischen Kampfern zwecks Bewunderung herumgetragen und von 
Xerxes erklarten die Griechen, daB seine Schonheit ihn allerdings zum Herrschen iiber sein 
Volk berechtige. Dieses AuBere aber wurde - sicher trotz mancher schlimmer Erfahrungen - 
als das Widerspiel einer adligen Seele aufgefaBt. Der Heros, der Held ist also stets schon. Das 
aber heiBt: von bestimmter rassischer Art. 



[281] Das nordische Schonheitsideal in Hellas 

Der Grieche als Held z- B, tritt in fast gleicher Gestaltung nicht nur in der hellenischen 
Plastik, sondern auch in der Kleinkunst, der Vasenmalerei auf; in seinem schlanken Korper 



gibt er gleichsam den Typus des modernen Schonheitsideals, in seinem Profil jedoch sanfter 
gestaltet als der spatere Germane. Man schaue sich neben der groBen hellenischen Kunst die 
Vasenmalereien des Exekias, Klitias, Nikosthenes an, z. B. wie der erste Ajax und Achilles 
beim Fiinfstrichspiel zeigt, seinen Kastor mit dem Pferde; die Hydrien des Charitaios mit den 
Amazonen; die blonde Frau des Euphronius auf der Orpheusschale, die geradezu gretchenhaft 
anmutet; die herrliche Aphrodite mit der Gans*, den Neapler Krater des Aristophanes und 
Ergines nsw. Wir fmden durch Tausende von Vasen und Krater hindurch einen nur wenig sich 
andernden gleichbleibenden Typus, der offenbar allein dem Griechen die Erregung des 
Heldischen, Schonen und GroBen vermittelte. Daneben aber geht ein bewuBter, rassischer 
Kontrast, z- B. in der Darstellung des Silens, Satyrs und Kentauren nebenher. so enthalt die 
inseljonische Phineusschale drei Verkorperungen der mannlichen Geilheit mit alien ihren 
Attributen. Die Kopfe dieser drei sind rund und plump, die Stirn wasserkopfartig gequollen, 
die Nase kurz und knollig, die Lippen wulstig. Genau so schildert auch Andokides den Silen, 
zeichnet ihn dazu behaart, mit einem langen Bart; in der Profilzeichnung wird noch der 
fleischige dicke Nacken sichtbar. Glanzend dargestellt tritt derselbe Typus bei Kleophrades** 
zutage, wobei der echt griechische Bacchant in Figur und Schadellinie einen ganz bewuBten 
seelisch-rassischen Kontrast abgibt. Ebenso zeichnet Nikosthenes den weinschlauchtragenden 
Silen als geradezu 

* Vgl. hierzuE. Pfahl: "Malerei und Zeichnung der Griechen", Abb. 498. 
**Pfuhla.a. O.Abb. 379. 



[282] Kunstverfall und Rassenchaos 

tierisch - idiotische Karikatur, wahrend Euphronius eine Silenschale hinterlassen hat, welche 
den stumpfsinnigen, behaarten negroid-ostischen Rassetypus geradezu vorbildlich darstellt. 
Neben diesen beiden groBen Gegensatzen: dem schlanken, kraftvollen, aristokratischen 
Hellenen und dem kiirzen, stumpfen, tierischen Silen, der fraglos der von den Griechen 
unterworfenen Rasse bzw. dem Typus der eingefiihrten Sklaven angehort, tauchen dann mit 
zunehmendem Einsickern asiatischen Blutes auch Gestalten in der Malerei auf, die auf 
zwanzig schritt als semitisch und jiidisch zu deuten sind. Eine schale des Eosmeisters z. B. 
Zeigt uns einen semitischen Handler mit dem Sack auf dem Riicken, wahrend auf dem 
friihunteritalischen Phineuskrater eine Harpye abgebildet ist, deren Kopf und Handbewegung 
heute noch auf dem Kurfurftendamm in natura zu bewundem sind. 

An Tausenden von Vasen und Bildern von Kleinasien bis zu den Wandgemalden von Pompeji 
laBt sich durch acht Jahrhunderte hindurch die Tatsache belegen, daB der gewollte 
kiinstlerische und aesthetische Eindruck eines Helden oder briinstigen Besessenen rassisch 
aufgefaBt und dargestellt wurde. Bei fortschreitender Bastardierung des Griechen tauchen 
denn auch "menschheitliche" Mischgestalten auf mit schwammigen Gliedern und konturlosen 
Kopfen; das rassische Chaos der Zeit einer fortschreitenden Demokratisierung geht mit dem 
kiinstlerischen Hand in Hand. Es gibt keine Seele mehr, die sich ausdriicken will, es gibt 
keinen Typus mehr, der Seele verkorpert. Es lebt bloB "der Mensch" des Hellenismus, ein 
Geschopf, welches weder aesthetisch wirkt noch wirken kann, well die stilbildende 
Rassenseele des Hellenen auf ewig gestorben war. Es war schon so, daB die "blondlockigen 
Achaer" des Pindar eine Einzigartigkeit im Mittelmeer bildeten, oder, wie aus dem Anfang 
des 5. Jahrhunderts die Physisognomika des Adamantios von eigentlichen Hellenen berichten, 
"sie seien 



[283] Homer, der nordische Gestalter 

gerade hinlanglich groB gewachsen, fest, weiB von Haut, Hande und FiiBe wohl gebildet, der 
Hals kraftvoll, das Haar braun, zart und sanft gewellt, das Gesicht viereckig; die Lippen seien 
fein, die Nase gerade, die Augen mit glanzendem, machtigem Blick; sie seien das 
schonaugigste Volk der Welt". 

Nordisch bedingt wie die bildende Kunst Griechenlands ist auch Homer und seine Schopfung. 
Als Telemachos sich von seiner Mutter reiBt, da sandte "des Zeus blauaugige Tochter" ihm 
"giinstigen Fahrwind". Als dem Menelaos sein Schicksal geweissagt wird*, prophezeit man 
ihm ein gottliches Leben, das ihn an die "Enden der Erde" fiihren werde, "zu der elysischen 
Flur, wo Held Rhadamanthys der Blonde" wohnt. Nur mit "goldgelockter Schlafe" konnte 
sich auch Holderlin den Genius Griechenlands vorstellen. Und Homer bekennt als bewuBter 
Herrenmensch: 

Denn der entschlossene Mannfuhrt stets am besten zu Ende jegliches Werk, 
auch wenn er vonfernher naht als Fremdlmg. 

In Thersites jedoch entsteht ein dem "blonden Helden" feindlicher, dunkler, miBgestalteter 
Verrater, offenbar die Verkorperung vorderasiatischer Spione im griechischen Heer. Der 
Vorlaufer unserer Berliner und Frankfurter Pazifisten. Die Briider des Thersites, die Phoniker, 
schildert Homer** als "Gauner, unzahligen Tand mitbringend im dunklen Schiffe". So hat 
Homer seelisch-rassische Kunst geschaffen und jene Bilder mitgeboren, die spater zu Ehren 
der "blauaugigen Tochter des Zeus" errichtet wurden, den Malern den Pinsel gefiihrt, aber 
auch dem fremden, helden-feindlichen Prinzip seine rassische Form gegeben. Der Silen ist 
also nicht eine "charakteristisch gezeichnete gedrungene Gestakt", wie unsere Kunsthistoriker 
esuns 

* Odyssee IV. 
** Odyssee XV. 



[284] Sokrates, der Nichtgrieche 

weismachen wollen, sondern die plastische Darstellung der Eigenschaften einer fremden 
Rassenseele, wie sie dem Griechen erschien. Der spater iiberhandnehmende Phalluskult, die 
wiisten Bacchusfeste, die ganze spatdionysische Zersetzung geht auf das rassische 
Uberhandnehmen der friiher als stumpf und beschrankt gezeichneten unterjochten ostisch- 
orientalischen Rassetypen zuriick. 

Im elefantenstarken Sokrates fand diese Umschichtung ihren bezeichnenden Wendepunkt. Es 
besteht kein Zweifel dariiber, daB Platon den Haarspalter maBlos verherrlicht hat. Ein 
Selbstbekenntnis des Sokrates in den platonischen Dialogen ist aber jedenfalls echt. Er erklart 
da, man konnte ihn mit einer beschriebenen Papierrolle aus der schonsten Natur fortlocken*. 
Inmitten des in die Welt schauenden Griechentums war das ein Bekenntnis zur plattesten 
Schulmeisterei. Sokrates ist ein Beispiel dafur, daB seelisch-rassische Kraft des Genies, eine 
noch so gute Moralphilosophie und noch so gute "allmenschliche" Aesthetik noch lange nicht 
das gleiche sind. Das Fromme und schone trugen von je griechisches Leben, Kampf jedoch 
schien auch dem Hellenen ewiges Naturgesetz, dem selbst Pallas Athene diente. Mit Sokrates 
begann nicht eine neue Epoche griechischer Geschichte, sondern mit ihm trat ein ganz anderer 



Mensch ins hellenische Leben ein. Zwar war auch er geformt von den heiligen 
Uberliefemngen Athens, von Homer, den Tragodien, Perikles und den Erbauern. 

* Wortlich heifit die bezeichnende stelle zu Beginn des "Phaidros" : "Ich bin eben 
lernbegierig, undFelder undBdume wollen mich nichts lehren, wohl aber die Menschen in 
der Stadt. Du indes, dtinkt mich, hast, um mich herauszulocken, das rechte Mittel gefunden. 
Denn wie sie mittels vorgehaltenen Laubes oder Korner hungriges Vieh fiihren, so konntest 
du gewifi, wenn du mir solche Rollen mit Reden vorzeigtest, mich durch ganz Attika 
herumfiihren undwohin du sonst wolltest. " 



[285] Die "Gemeinschaft der Guten" 

der Akropolis; zwar nahm er selbst als Soldat teil am machtpolitischen Ringen, und doch ist 
Sokrates der genielose, wenn auch edle, tapfere Mensch einer anderen, nicht griechischen 
Rasse. Er lebte in einer Zeit, als Athen irrlichterte und seine einst aristokratische Demokratie 
(die nur Griechen, keine Fremden umfaBte) in Abgriinde des Chaos hinabglitt. Unter dieser 
Tyrannis der Demagogen wurde der groBe Alkibiades verbannt, verendete das gesamte Heer 
Athens vor Syrakus, gingen fast alle anderen Eroberungen verloren. Die siegenden 
Aristokraten lieBen dann die Demokraten zu Hunderten den Giftbecher trinken, worauf das 
gleiche Schicksal sie selbst ereilte. Ein Aristophanes verhohnte alte Uberlieferung, die neuen 
Lehrer Gorgias, Protagoras nsw. schwelgten in bloBer, schoner Form. Da trat der schon 
tausendfach vorher als Silen gekennzeichnete fremde Mensch auf. Die andere Rasse in ihrer 
starksten Entfaltung, soweit es iiberhaupt moglich war, von Hellas' Kultur seelisch gestaltet: 
niichtern, ironisch, robust; im BewuBtsein, sich einer zerfetzten Form gegeniiber zu sehen: 
unerschrocken, tapfer. Logisch stark und von geschliffenster Dialektik bringt der haBliche 
Sokrates die schonen, innerlich haltlos gewordenen griechischen Lehrer zur Verzweiflung. 
Dariiber hinaus, sucht er "das Gute" an sich, predigt die "Gemeinschaft der Guten" und 
versammelt um sich ein neues ringendes griechisches Geschlecht. 

Einst muBte ein Perikles als Herr Athens vor dem Gericht um die Gnade flehen, seinem 
letzten, ihm von seiner auslandischen Frau geborenen Sohn das Biirgerrecht zu verleihen. Als 
Ausnahmefall wurde ihm das bewilligt. Dieses strenge, friiher von ihm selbst eingebrachte 
rassische Gesetz zerging bei der fortschreitenden Ausblutung Athens. Sokrates aber war es, 
der Nichtgrieche, der ihm in einer Zeit der Zersetzung den TodesstoB verabfolgte. Die Idee 
einer "Gemeinschaft der 



[286] Sokrates und Platon 

Guten" ergab eine neue Gliederung der Menschen. Nicht nach Rassen und Volkern, sondern 
nach Einzelmenschen. Sokrates war nach dem Zusammenbruch der athenischen 
Rassendemokratie somit der damalige Internationale Sozialdemokrat. seine personliche 
Tapferkeit und Klugheit gaben der rassevernichtenden Lehre eine werbende Weihe. Sein 
Schiller Antisthenes (Sohn einer vorderasiatischen Sklavin) war es, der dann die Folgerungen 
aus ihr zog und die NiederreiBung aller Schranken zwischen alien Rassen und Volkern als 
menschlichen Fortschritt predigte. 



Sokrates lebt nur dank Platon als der Heros, wie ihn alle unsere KathedergroBen verehren. 
Der griechische Genius dankte durch Platon dem Manne, der inmitten einer Zeit der 
Zersetzung die niichterne Besonnenheit vertrat, er liebte diesen Mann und setzte ihm dadurch 
ein ewiges Denkmal, daB er auch die Worte seiner Seele dem Sokrates in den Mund legte. so 
verschwand der wahre Sokrates aus den Augen der Welt. Nur wenige Stellen in Platon weisen 
auf ihn. Im Phaidon z. B. erzahlt Platon von Sokrates, dieser habe erklart, daB er zur 
Untersuchung organischer Vorgange keine Eignung besitze. Das wahre Wesen der Dinge 
bestehe schlieBlich ja nicht in ihrer Untersuchung durch Anschauung, sondem in unserem 
Denken iiber sie; man solle sich durch vieles Anschauen "nicht die Augen verderben". Wolle 
der Mensch herausfmden, ob die Erde flach oder rund sei, so "Zieme es ihm nicht", hier zu 
forschen, sondem bloB die Vemunft zu befragen: was das Verniinftigere sei? sei es 
verniinftiger, sich die Erde im Mittelpunkt zu denken, oder nicht? Diese stelle hat Platon 
sicher nicht ersonnen, sie entspricht dem gleichen Sokrates, der erklarte, hinter einer 
beschriebenen Papierrolle aus der schonsten Natur fortlaufen zu wollen; dem gleichen aber 
auch, der den Blick vom rassisch-schonen Griechenland wendet und eine abstrakte 
Menschheit, eine Bruderschaft der Guten 



[287] Naturwidrige "Schonheit" 

verkiindet. Das war die Wendung von der Sonne weg zum Schatten einer verniinftelnden 
Zwangslehre. Wie das jiidische Dogma sich iiber die Religion, so lagerte sich die soldatische 
lebenswidrige "wissenschaftliche" Methode iiber Europa. Aristoteles war sein 
schematisierender Verkiinder, Hegel sein letzter groBer Schiiler. "Die Logik ist die 
Wissenschaft von Gott", sagte dieser Hegel. Das Wort ist ein Faustschlag ins Gesicht einer 
jeden echten nordischen Religion, einer jeden echten germanischen, aber auch echt 
griechischen Wissenschaft. Aber das Wort ist echt sokratisch und Hegel ist nebst Sokrates 
deshalb nicht umsonst ein Heiliger unserer meisten Universitatsprofessoren. 

Das Seelenbild und die auBere Erscheinung fallen gewiB nicht immer zusammen Bei Sokrates 
war es aber der Fall. In einer Umgebung, wo der Eros und die nordische Rassenschonheit von 
der blonden Aphrodite, vom blonden Jason, dessen Haar nie von einer Schere beriihrt worden 
war, des weiBhautigen, schlanken und blonden Dionys des Euripides bis zum "lieblichen 
Blondkopfchen" in den "Vogeln" des Aristophanes zieht sich das gleiche, das echte 
Griechentum tragende und bildende Schonheitsideal; hier tauchte der struppige Satyrtyp 
gleichsam als Symbol des Fremden auf Hier aber auch, wenn irgendwo, muBte eine Abkehr 
des Auges von der Welt Zusammenbruch bedeuten. Das schone verschwand, Bastardgestalten 
treten auch in der Kunst auf, das AbstoBende, das absolut HaBliche und Naturwidrige selbst 
wird "schon". 

Die Predigt des "Verniinftigen und Guten" war die Parallelerscheinung der griechischen 
Rassen- und Seelenzersetzung. Das "Gute" zerstorte dann das rassische Schonheitsideal in der 
Kunst ebenso wie die tragenden heldischen Gedanken des staatlichen und sozialen Lebens. 
Das groBte, well personlich edelste, Gleichnis dieses hereinbrechenden, der Rasse und der 
Seele des Hellenentums feindlichen Chaos ist Sokrates gewesen. 



[288] Die "graeculi 



Entwicklungsgeschichtlich betrachtet: ein Platon gieBt sein ganzes Genie aus iiber den 
unerschiitterlich niichtemen Mann und schenkt ihm Unsterblichkeit; aber was Platon im 
Wesentlichen war: ein Aristokrat, ein Olympiakampfer, ein schonheitstrunkener Dichter, ein 
plastischer Gestalter, ein iiberschwenglicher Denker, einer der, zum SchluB, sein Volk auf 
rassischer Grundlage durch eine gewaltsame, ja bis ins einzelne diktatorische 
Staatsverfassung retten wollte, das war nicht sokratisch, sondern die letzte groBe Bliite des 
geistigtrunkenen Hellenentums. Was Praxiteles spater schuf, war Protest gegen jeden 
Sokratismus, war der letzte Hochgesang auf nordisch-griechische Rassenschonheit, ebenso 
wie die herrliche Nike von Samothrake. Aber Sokrates war d o ch Symbol. Hellas ging unter 
in dem Rassenchaos und an Stelle stolzer Athener bevolkerten die iiberall verachteten 
"graeculi" die Provinzen des aufsteigenden Roms, die charakterlosen graeculi, von denen man 
sich "bilden" lieB, die man bezahlte - und versagte, wenn man ihrer iiberdriissig wurde. 

Sokrates -Anthistenes siegten, Hellas verging. Der "gesunde Menschenverstand" hatte das 
Genie vemichtet, als es seine schwache Stunde durchlebte. Das HaBliche wurde Norm, als das 
Schone ihm das Zugestandnis "des Guten" machte. 

Als Sokrates vor seinen Richtem stand, sagte er: "Noch nie ist Athen ein groBerer Dienst als 
durch mich geschehen." Die "Demut" und "Bescheidenheit" des "Gottgesandten" - wie er 
noch von sich sagte - hatte jedenf alls auch noch ihre Kehrseite. Sokrates fiihlte unbewuBt, 
daB Griechenland zerbrach 



[289] Germanen und Griechen 

2. 

Aus diesem gleichen Geist, wie ihn einst Sokrates verkorperte, wurde auch die 
abendlandische " Aesthetik" einer "menschheitlichen" Spatzeit geboren. 

Gleich Sokrates suchte sie den,, Menschen", nicht den Griechen, nicht den Germanen, nicht 
den Juden und Chinesen, „ entdeckte" sogenannte allgemeine Gesetze und predigte 
aesthetische Stimmung und Kontemplation, well ihre Urheber meist selbst jedes Empfmden 
fiir seelisch-rassischen Willens- und Kunstantrieb verloren hatten. In ihrer Begeisterung fiir 
die Akropolis iiberfahren auch unsere Klassiker, daB sie es hier mit einer Seite des nordischen 
Menschen zu tun hatten, die aber kiinstlerisch eine Gegenseite zum germanischen darstellte. 
Wo der Grieche formal Zusammenscharte, plastisch vereinzelte, schuf der Germane 
Eindringlichkeit des seelischen und Beziehungsreichtum. Wo der Grieche rassisch-heldische 
Bewegung zur Ruhe bannte, verwandelte der spatere nordische Bruder, von einem anderen 
Formwillen getrieben, Ruhe in Bewegung. Wo der Grieche verallgemeinerte, personifizierte 
der Gotiker, der Barockmensch, der Romantiker. Aber die Freude an den rauschenden Linien 
von den drei Frauen des Parthenongiebels bis zur Pike von Samothrake schlug doch eine Saite 
bei uns an, die hell erklang und bis heute klingt, well hier zweifellos eine seelisch-rassische 
Verwandtschaft bloBgelegt wurde. Waren die Theoretiker des 18. und 19. Jahrhunderts sich d 
i e s e r Tatsache ganz bewuBt geworden, sie hatten die Bewunderung des formal tiichtigen, 
aber langweiligen Laokoon nicht zum Ausgang einer "allgemeinen" Asthetik gemacht, sie 
hatten nicht das Formale des Parthenonbaues zum MaBstab des Urteils iiber Kunst 
schlechtweg erklart. sie haben gerade das, was blutvoll und echt in Hellas schuf, iibersehen 
und auf den 



[290] Sancho Pansa als Rassetypus 

Ruinen der Akropolis mit dem ZentimetermaB eines sentimental verziickten und doch 
verstaubten Schulmeistertums der "humanitar" vergehenden und spater in Stoffanbetung 
verblodenden Zeit eines europaischen Niederganges das Leitmotiv fiir instinktlose 
Doktorarbeiten geliefert. Dadurch wurde die kiinstlerisch-seelische Wertung sowohl der 
griechischen als auch der nordisch-europaischen Kunst verfalscht. Und noch heute erblicken 
wir deshalb die Gestalten von Hellas und Germanien in falscher Perspektive. 

Nur fiir Asthetiker, die Asthetik um der Asthetik und nicht um der Kunst und des Lebens 
willen treiben, ist eine Linie nichts als Linie, Ornament. Fiir jeden Kiinstler ist sie aber - ob 
bewuBt oder unbewuBt - Funktion, Tragerin einer Leistung. sie ist an eine bestimmte Materie 
gebunden. Im Menschlichen sind die verschiedenen rassischen Typen die Verkorperung 
bestimmter seelischer Wesenheiten, die sie schildernde farbig-lineare Gesamtheit also 
seelisch - rassisch bedingt. Wenn Velasquez einen Kontrast zu einer blondlockigen kleinen 
Infantin schaffen mochte, so setzt er eine " Zwergin" neben sie, d. h. eine jener Bastardtypen, 
mit denen Spanien iibervolkert ist. Alles stumpfe und Erdversklavte ist von Velasquez bis 
Zuloaga in diesen schiefaugigen armen Kriippeln verewigt. Sancho Pansa ist der Rassetypus 
des rein ostischen dunklen Menschen: aberglaubisch, kulturunfahig, schwunglos, 
materialistisch; bis zu einem gewissen Grade "treu", meistensjedoch nur unterwiirfig. Auch 
Sancho ist kein " dicker Mann", sondern eine zusammengeballte rassisch-seelische 
Wesenheit, gleich wie sein Herr eine tragikomische Verzerrung des nordischen Rittertums 
darstellt, das unter fremder sonne sich krankhaft iibersteigerte, noch im Blut des Camoens 
aber ebenso rollte wie in den Adem des Cervantes, selbst heute noch soil in altadeligen 
Kreisen Kastiliens das blau durchschimmernde 



[291] Die Heldengestalt rassisch bedingt 

Blut unter heller, also nordischer Haut als Zeichen vornehmer Abstammung gelten*. 

DieKonturen des "griechischen" Silens entsprechen derZeichnung des "spanischen" Sancho 
und den "spanischen" Zwergen. Dariiber hinaus fmden wir die Trager des gleichen stumpfen 
seelischen Wesens in ganz Europa ahnlich gestaltet. 

Die Volker des Abendlandes sind eine Folge rassischer Mischungen und politischer 
Zuchtsysteme, jedoch hat jedes von ihnen das Wesentliche staatlicher Formkrafte von der 
nordischen Schicht erhalten und zugleich damit die formenden Krafte der gesamten 
Gesittung. Mit dieser Tatsache aufs engste verkniipft ist auch das bestimmende nordische 
Schonheitsideal, das sich manchmal selbst noch in Gegenden auswirkt, wo das nordische Blut 
heute vollkommen ausgetilgt ist. Die Heldenvorstellung des gesamten Europa ist 
gleichzustellen mit einer hohen schlanken Gestalt, mit blitzenden hellen Augen, hoher Stirn, 
mit kraftvoller, aber nicht iibermaBiger Muskulatur. Eine Heldenvorstellung, verbunden mit 
einem untersetzten, breitschultrigen, sabelbeinigen, dicknackigen und flachstirnigen 
Menschen gehort selbst dort zur Unmoglichkeit, wo Typen wie die Eberts an die Oberflache 
des Lebens geschwemmt worden sind. Man sehe sich nur die Kopfe der Stauferkonige an, das 
Denkmal in Magdeburg, den Kopf Heinrichs II.; man beachte, wie zum Beispiel Rethel sich 



* Unter des Westgoten Pelayos Befehl begann der asturische Freiheitskampf gegen die 
Mauren. Der Eid ist germanisch wie nurje ein frdnkischer Roland. Enrique, Alfonso iisw. 
sind nichts als abgednderte deutsche Namen; Katalonien heifit Gotalonien, Gotenland; 
Andalusien hat seinen Namen von den Vandalen: Vandalitia. Noch im 11. Jahrhundert war 
die Liturgie in den Kirchen Spaniens westgotisch. Blaudugigwar Isabella von Kastilien, 
blond war die Schonheit der Frauen des Cervantes. 



[292] Schiller iiber griechische Kunst 

selbst das Gesicht Karls des GroBen vorstellt, wie auch dessen Gegner Widukind gezeichnet 
wird; man lese, was Alt-Frankreich iiber Roland berichtet, was Wolfram iiber Parzival erzahlt, 
um zu wissen, daB hier Inneres und AuBeres ein enges, seelisch-rassisches Geflecht ergibt, 
wie es sich - in tausend Formen zwar - immer wieder zeigt, wo das auftritt, was wir als groBe 
Kunst empfmden. Der St. Georg des Donatello zeigt in seiner Ruhe das gleiche 
Schonheitsideal wie der Gattamelata, ja selbst wie der wilde, im Gesichtsausdruck verzerrte 
Colleoni; der Herzog von Wellington und Gustav Adolf sind von Moltke fast nur durch eine 
andere Haartracht und Bartmode verschieden. Eine Veranderung in bezug auf friiher ist 
jedoch festzustellen: friiher fiihrte der Held und Feldherr personlich sein Volk in die Schlacht, 
die ganze Person wurde hierbei Symbol. Heute besteht eine mehr innere Dynamik: der Wille 
und das Him leiten von einem Zentrum aus Millionen. DemgemaB wird weniger die ganze 
Gestalt als der Kopf allein in die Darstellung einbezogen. seine Zeichnung ermoglicht eine 
bedeutend starkere Konzentration auf das fur uns Wesentliche. Stim, Nase, Augen, Mund, 
Kinn werden zu Tragem eines Willens, einer Gedankenrichtung. Der Weg vom statischen 
Zum Dynamischen ist auch hier erkennbar. An dieser stelle trennt sich nordisch- 
abendlandische Kunst vom griechischen Ideal. 

Schiller schrieb einst bei der Betrachtung der Juno Ludovisi: "Um es herauszusagen, der 
Mensch spielt nur, wo er in voller Bedeutung des Wortes Mensch ist und er ist nur da ganz 
Mensch, wo er spielt ..." 

"Langst schon lebte und wirkte dieser Satz in der Kunst und in dem Gefiihl der Griechen, 
ihrer vornehmsten Geister . . . sowohl der materielle Zwang der Naturgesetze, als der geistige 
Zwang der Sittengesetze verlor sich in 



[293] Statik und Dynamik in der Kunst 

ihrem hoheren Begriff von Notwendigkeit, der beide Welten zugleich umfaBte, und aus der 
Einheit jener beiden Notwendigkeiten ging ihnen erst die wahre Freiheit hervor. Beseelt von 
diesem Geiste, loschten sie aus den Gesichtsziigen ihres Ideals zugleich mit der Neigung auch 
alle spuren des Willens aus ... in sich selbst ruht die Gestalt, eine vollig geschlossene 
Schopfung und als wenn sie jenseits des Raumes ware ohne Nachgeben, ohne Widerstand." 

Das artbedingte Schone als auBere Statik der nordischen Rasse, das ist Griechentum, das 
arteigen Schone als innere Dynamik, das ist nordisches Abendland. Das Gesicht des Perikles 
und der Kopf Friedrichs des GroBen sind zwei Symbole fur die Spannweite einer Rassen- 
Seele und eines rassisch urspriinglich gleichen Schonheitsideals. 



Es ist beschamend und doch Tatsache, daB, wahrend es unzahlige " Asthetiken" gibt, die 
unerlaBliche Voraussetzung einer Aesthetik iiberhaupt: die Darstellung der Entwicklung der 
rassischen Schonheitsideale, bis auf heute nicht geschrieben ist*. Mit geschlossenen Augen 
gehen Laien, Kunstgelehrte, ja die Kiinstler selbst durch die Galerien, lesen europaische und 
chinesische Gedichte, ohne echtes Wesen und das wirkliche Gestaltungsgesetz zu erblicken. 
Dabei drangt sich die formende nordische Seele geradezu auf. Man werfe nur einen Blick auf 
eines der ehrwiirdigsten Werke europaischer Malerei: auf das Eycksche Triptychon mit den 
singenden Kindern. Die Eycks wiederholen immer wieder das gleiche Idealbild des 
nordischen Menschen, technisch-zeichnerisch nicht restlos auf der Hohe der spateren, an 
innerem Formgefiihl jedoch jedem ebenbiirtig. Der jugendliche Kopf auf dem (vom 
Beschauer) linken 

* Ansdtze dazu sind bisher nur in Gunthers "Rassenkunde " und bei Schultze-Naumburg: 
"Kunst und Rasse " zufmden. 



[294] Das Schonheitsideal eine Seelenrettung 

Fliigel, wie er sich im Profil vom Hintergrunde abhebt, ist von reinster Rasseschonheit und 
fmdet sein mannlichdurchfurchtes Gegenstiick im Gottesgesicht oben in der Mitte. Ahnlichen 
Geist atmen die Kopfe der Eycks im Berliner Museum. Und um gleich ganz tief zu greifen: 
jener Gott, durch den Michelangelo den Adam erweckt, zeigt denselben Typus, wie der Kopf 
Gottes im van Eyckschen Werk, sicher ohne daB Michelangelo auch nur eine Ahnung vom 
Dasein der Eyckschen Schopfung hatte. Der selbe Kopf aber erscheint (wenn auch durch 
seelische Spannung verandert) auf der Gestalt des vor Zorn bebenden Moses. Die gewaltige 
Hoheit darzustellen war sowohl dem Niederlander wie dem Italiener nur in einer typischen 
Weise moglich. Weder Jan van Eyck noch Michelangelo konnten ihr Ideal von Hoheit, Kraft 
und Wiirde durch ein jiidisches Rassenantlitz verkorpern. Man stelle sich bloB ein Gesicht mit 
krummer Nase, hangender Lippe, stechenden schwarzen Augen und Wollhaaren vor, um 
sogleich die plastische Unmoglichkeit der Verkorperung des europaischen Gottes durch einen 
jiidischen Kopf (geschweige denn durch eine jiidische "Gestalt") zu empfinden. Diese eine 
Erkenntnis allein aber miiBte schon geniigen, auch die innere Gottesvorstellung des 
Judentums, welche mit dem jiidischen AuBeren ein Wesen bildet, restlos abzulehnen. Hier ist 
unsere Seele aber jiidisch verseucht worden; das Mittel dazu waren die Bibel und die Kirche 
Roms. Mit ihrer Hilfe wurde der Wiistendamon der "Gott" Europas. Wer ihn nicht wollte, 
wurde verbrannt oder vergiftet. Der abendlandische Mensch rettete sich nur durch die Kunst 
und schuf sich in Bild und aus Stein seine Gottheit, trotz des tragischen Kampfes, den es 
kostete, in Farben und Marmor seine innere Schonheit zu verwirklichen und diesen ganzen 
Reichtum in den Dienst eines Geistes zu stellen, den als 



[295] Der nordische Dante 

Gott, j a nur als Schonheit zu verkorpern sich keine einzige europaische Kiinstlerhand 
gefunden hat. Man sehe sich nun noch Michelangelos Sibyllen, seinen Jeremias, seine 
Sklaven, seinen Petersburger Knaben, seinen Lorenzo an, um immer erneut ein seelisch- 
rassisches Bekenntnis bestimmter Art anzutreffen. 



Fast das gleiche Schonheitsideal leitete Tizian sein ganzes Leben hindurch. Die "himmlische 
und irdische Liebe", seine Venus (Berlin), schenkte uns einen Frauentyp, wie ihn uns die 
Weiber des Parthenongiebels zeigen, wie auch die Frauen waren, die einst mit den 
germanischen Eroberern iiber die Alpen gezogen kamen. Tizians Flora, seine Hlg-Familie 
(Miinchen) wiederholen dieselbe Sprache, wahrend Giorgione, als gleicher Venezianer, in 
seiner Venus ein geradezu klassisches Werk nordischer Weibesschonheit schuf und Palma 
Vecchio, abermals ein Venezianer, iiberhaupt an nichts anderem Gefallen fand als an blonden, 
blauaugigen, groBen Frauen (z. B. seine drei Schwestern in Dresden). Dieses Schonheitsideal 
war sogar so stark ausgepragt, daB die dunklen Frauen sich ihr Haar entfarben lieBen, urn 
schon, d. h. blond zu erscheinen. 

Und noch eines groBen nordischen Italieners muB hier gedacht werden: Dantes. Auch sein 
Schonheitsideal ist germanisch bedingt und kommt vielleicht nirgends unmittelbarer zum 
Ausdruck wie in seinen Steinkanzonen: 

Ach! warum schreit sie nicht 

Nach mir, wie ich in heifier Kluft nach ihr? 

Ich riefe gleich: "Zu Hilfe komm ' ich Dir! " 

Und tat ' es nur zu gern, denn mit der Rechten 

Pack ' ich die blondenFlechten, 

Die Amor kraus und g o I di g, mich zu hohnen, 

Gemacht, undwollte meiner Lust dann frohnen! 



Hdtt ' ich dann so gepackt die blonden Strdhnen, 
Die Rute sind und Geifielfiir mein Herz ... 



[296] Rembrandts Schonheitsdarstellung 

Und als Dante im Purgatorium (3. Gesang) Konig Manfred trifft, schreibt er: 

Ich wandte mich und sah ' ihm grad' ins Antlitz. 
Blond war er, schon undedel von Erscheinung,.. 

Von hier ist nur ein schritt zu Rubens. Er iibertreibt zwar das Fleischliche, trotzdem ist die 
Struktur seiner Frauen durchaus von dem nordischen Rassetypus bestimmt, der - ahnlich wie 
einst in Griechenland - dem kurzen, stiemackigen, breitstimigen, rundkopfigen Faun 
gegeniibergestellt wird. 

Rembrandt war ein guter Bibelkundiger (richtiger gesagt, wird er die Bibel selbst wenig 
gelesen haben, dafiir aber das niederlandische Volksbuch "Trouringh" des Jacob Cats, da er 
sich fast iiberall an dessen Schilderungen gehalten hat), glaubte sich verpflichtet, viele 
Judenkopfe zu malen, um die biblischen Geschichten auch,, richtig" darzustellen. Den 
ertappten Joseph schildert er denn auch, wie er, mit den Handen redend, dem Mann der 
attackierten Frau Potiphar seine "Unschuld" beteuert (Berlin), aber sobald Rembrandt ernste 
Dinge behandelt, muB er das Amsterdamer Ghetto verlassen. Der Vater des " Verlorenen 
Sohnes" (Petersburg) ist aller jiidischen Attribute entkleidet: eine hohe nordische 
Greisengestalt mit geistigen, giitigen Handen. Die RegelmaBigkeit nordisch-italienischer 
Kiinstler war Rembrandt firemd, er suchte nicht so sehr Linie als Atmosphare, tonige 
Farbensymphonien, Mystik. Trotzdem ist sein Christus in Emmas (Paris) ebenso nordisch 
empfunden, wie die Bildnisse seiner Mutter (Petersburg), und die Prachtgestalt der Danae 



(Petersburg) zeigt, daB auch Rembrandt echte Schonheit nicht anders darstellen konnte, als sie 
der Seele Giorgiones vorschwebte. Eines der zartesten Bilder Rembrandts heiBt die "Jiidische 
Braut", und es ist geradezu zwingend, selbst hier jedes Fehlen jiidischer "Schonheit", dafiir 
derb-zartes nordisches Fiihlen feststellen zu miissen 



[297] Schonheitsideal der Sixtina 

Auch Raffaels Menschen sind nicht nur "mannlich schone, kraftvolle Gestalten", wie es uns 
unsere Kunstphilosophen bis zum UberdruB versichert haben, sondern sind Verkorperungen 
der gleichen nordischen Rassenseele, wie sie auch aus dem jugendlichen Selbstbildnis des 
Raffel spricht. Ein feiner Beobachter hat richtig erklart, das Jesuskind der Sixtinischen 
Madonna sei in Blick und Haltung "geradezu heroisch" (Wolfflin). Das ist treffend 
ausgedriickt, nur fehlt die wesentliche Begriindung dafiir, warum die angebliche jiidische 
Famihe heroisch wirkt. Hier sind nicht nur Komposition und Farbenverteilung, nicht 
"Innigkeit" und "Hingabe" maBgebend, sondern, als Voraussetzung des Gehngens eines 
Formwillens, wiederum das rassische Schonheitsideal. An stelle des dunkelblondlockigen, 
hellen Jesuskindes ein schwarzblau wollhaariger, brauner Judenjunge ware ebenso eine 
Unmoglichkeit, wie eine ahnliche "Gottesmutter" nebst Heiligem, selbst wenn dieser das 
"Edelgesicht" eines Offenbach oder Disraeli triige. Das Medium unserer SeelenauBerung ist 
also stets das nordisch-rassische Schonheitsideal gewesen; die Moglichkeit, (ich hier zu 
auBern, hat die sog. "christlichen" Kirchen erst lebendig gemacht. Wohlgemerkt, auch hier ist 
alles GroBe gegen das alt-biblische Wesen verwirklicht worden. Eine Befolgung des alt- 
biblischen Geistes durch bildhafte Verkorperung hatte nur Abscheu und verachtliches Lachen 
erweckt... Genau so schon wie Raffaels Frauen sind die poetischen Gestalten des Botticelli, 
die Madonna Holbeins in Darmstadt... 

Man verfolge diese Andeutungen durch die gesamte abendlandische Kunst. sicher oft 
vermischt mit anderen (westisch-mittelmeerlandischen, ostisch-alpinen und dinarischen) 
Typen taucht als groB und beherrschend immer wieder die nordische Rassenschoheit als Ideal 
und Leitstern auf Kaum einer von tausend unter den Lebenden ist ganz diesem Ideal gemaB 
gestaltet, das Erscheinungs- 



[298] Das Rassenchaos der Weltstadt 

bild vieler stimmt nicht oft mit dem Erbbild iiberein, die Sehnsucht jedoch, welche schuf und 
gestaltete, suchte stets emeut nach der gleichen Richtung. Man blicke auf den Kopf 
Leonardos, auf das Selbstportrat Tintorettos (Paris), auf dasjugendliche Selbstbildnis 
Diirers..., es ist die gleiche Seele, die aus ihnen uns entgegenblickt. 

Das 19. Jahrhundert zeigt wie in alien Dingen so auch hier eine gewisse Unterbrechung, da 
andere Probleme (die Landschaft usw.) in den Vordergrund traten. In Deutschland versuchten 
Uhde und Gebhard einen Anlauf im Sinne Verwirklichung nordischer Schonheit, aber sie 
blieben in der Anekdote stecken, ihnen fehlte die StoBkraft des Genies und - eine ahnlich 
suchende Umgebung. Marees war bemiiht, sich an griechischer Form aufzurichten und qualte 
sich sein ganzes Leben lang um "Schonheit"; er Zerbricht (er war iibrigens Halbjude). 
Feuerbach wanderte nach dem Siiden, wurde kiihl-formal, trotz tragischer Stoffe... 



Die Weltstadt begann ihre rassenvernichtende Arbeit. Die Nachtkaffees des Asphaltmenschen 
wurden zu Ateliers, theoretische, bastardische Dialektik wurde zum Begleitgebet immer neuer 
"Richtungen". Das Rassenchaos aus Deutschen, Juden, naturentfremdeten 
StraBengeschlechtern ging um. Die Folge war Mestizen "Kunst". 

Vincent van Gogh, ein sehnsuchtsvoller, aber gebrochener Mann, wanderte hinaus, um zu 
malen. Heim zur Scholle wollte er: die "Bauerngestalt in ihrer Arbeit" sei das eigentlich 
Moderne, das "Herz der modemen Kunst, das, was weder die Renaissance noch die 
hollandische Schule noch die Griechen getan haben". Er qualte sich um dieses Ideal und 
gestand: hatte er friiher die Kraft besessen, so hatte er "heilige Gestalten" gemalt; es waren 
Menschen wie die ersten Christen geworden. "spater" wolle er den Kampf doch noch 
aufnehmen. Heute gehe er bei diesen Gedanken zugrunde. Nur malen, nicht 



[299] Van Gogh, Gauguin, Picasso 

denken, malen, was es auch sei. Kohl, Salat, um sich zu beruhigen..." Und Vincent malte 
Apfelbaume, Kohl und StraBensteine. Bis er verriickt wurde. 

Gauguin suchte ein Schonheitsideal in der Siidsee. Er zeichnete die Rasse seiner schwarzen 
Freundinnen, melancholische Natur, farbenreiche Blatter und Meere. Auch er war innerlich 
morsch und zerrissen, wie sie alle, die die ganze Welt nach einer verlorengegangenen 
Schonheit absuchten, ob sie nun Bocklin, Feuerbach, van Gogh oder Gauguin hieBen. Bis 
dieses Geschlecht auch dieses Suchens miide wurde und sich dem Chaos ergab. 

Picasso kopierte einst mit groBter Sorgfalt alte Meister, malte dazwischen starke Bilder (eines 
davon hangt bei Schtschukin in Moskau), um schlieBlich seine Theorie-Illustrationen in 
lehmig, hell-dunklen Quadraten dem richtungslosen Publikum als neue Kunst zu empfehlen. 
Und das schreibende Schmarotzertum ergriff voller Gier die neueste Sensation und schwarmte 
von einer neuen Epoche in der Kunst. Was Picasso aber noch schamhaft hinter geometrischen 
Kunststiicken verschwieg, trat nach dem Weltkrieg offen und frech hervor: das Mestizentum 
erhob den Anspruch, seine bastardischen Ausgeburten, erzeugt von geistiger Syphilis und 
malerischem Infantilismus, als "Seelenausdruck" darstellen zu diirfen. Man sehe einmal lange 
und aufmerksam etwa die "Selbstbildnisse" eines Kokoschka an, um angesichts dieser 
Idiotenkunst das grauenhafte Innere halbwegs zu begreifen... Hanns Heinz Ewers erzahlt in 
einer Novelle von einem Kinde, das so widematiirlich veranlagt war, an Elephantiasis- 
Kranken ein besonderes Wohlgefallen zu fmden. In gleichem Zustande befmdet sich heute 
unsere "europaische Geistigkeit", welche durch jiidische Federn die Kokoschkas, Chagalls, 
Pechsteins usw. als die Fiihrer der Malerei der Zukunft anbetet. Wo dariiber hinaus sich Form 
hervorwagt, tragt auch sie die mestizenhaft-jiidischen Ziige, wie 



[300] Arnold Bocklin 

etwa bei Schwalbach, der bereits Jesus als plattfiiBig und krummbeinig darzustellen wagt. 
Eine gewisse Robustheit zeigte Lovis Corinth, doch zerging auch dieser Schlachtermeister des 
Pinsels im lehmig-Ieichenfarbigen Bastardtum des syrisch gewordenen Berlins. 



Der Impressionismus, urspriinglich von starken Malertalenten getragen, war einst zum 
Schlachtruf des allzersetzenden Intellektualismus geworden. Die atomistische 
Weltbetrachtung atomisierte auch die Farbe; die plattverstandesmaBige Naturwissenschaft 
ergab in den Praktikern und Theoretikern des Impressionismus ihren Niederschlag. Die 
mythenlose Welt schuf sich auch eine mythenlose Sinnlichkeitskunst. Menschen, die innerlich 
aus dieser Ode hinauswollten, zerbrachen. Van Gogh ist ein tragisches Beispiel fiir 
wahnsinnig gewordene, unbefriedigte Sehnsucht Gauguin ist ein anderes Gleichnis fiir die 
Versuche, sich vom Intellektualismus freizumachen. Nur die Paul Signacs pinselten 
hemmungslos darauf los und klebten unbekiimmert ihre Farbstiicke nebeneinander. 

Diese Manner standen hilflos in ihrer Gegenwart. Ihre Bekampfer ebenso ahnungslos mit dem 
Riicken zur Zukunft. Das homerische Schicksal, welches man einst Bocklin zusagte, hat sich 
bereits entschieden. Die Toteninsel heute noch an die Wand zu hangen, ist innere 
Unmoglichkeit geworden. Das Spiel der Nymphen in den Wellen drangt uns einen Stoff auf, 
den wir einfach nicht mehr vertragen konnen. Die Frauen mit griechisch-blauen Gewandern 
unter den Pappeln am dunklen FluB; die durchs Feld schreitende Flora; die Harfenspielerin 
auf griiner Erde, das alles sind Dinge, die fiir uns einen kiinstlerischen Widersinn bedeuten 
und Bocklins starke Urspriinglichkeit, wie sie in anderen Werken ewig hervorbricht, immer 
wieder verfalschen. Ein Geschlecht der Eklektiker aber, das, von der Atomistik des 19. 
Jahrhunderts angewidert, ins 16. zuriickstarrte, empfand Bocklin gerade in seinen schwachen 



[301] Renaissancenachahmungen und Expressionismus 

als Hort der deutschen Phantasie. Die Bemiihungen, uns auch diese Seite seines Wesens zu 
erhalten, sind von riihrender Treue gewesen Die starke Phantasie aber hatte in groBtem MaBe 
nicht das Leben gemeistert, sondem Schemen des Altertums - wenn auch mit starker Kraft - 
galvanisiert und sich im Mittel der Darstellung vergriffen. Am gewaltigsten ist denn auch 
Bocklin da, wo er auf Allegorien verzichtet. Wir denken heute mit gleicher wehmiitiger 
Verstandnislosigkeit an viele klassizistische Versuche, wie wir uns iiber Jakob Burckhardt 
verwundern, der alien Ernstes kunstwertende Betrachtungen anlaBlich damaliger 
Nachahmungen von Renaissancebauten anstellte. Die Manner, die sich mit Mobeln und 
Bildern der "groBen Zeit" umgaben, welche in bezaubernder Weise die "Geburt des modemen 
Menschen" in der Renaissancekultur darstellten, hatten keinen echten groBen Antrieb mehr 
fiir die Notwendigkeit einer Neugeburt des Menschen aus dem 19. Jahrhundert hinweg. Und 
wenn sie diese ahnten, so fiirchteten sie die positive Auseinandersetzung mit dem 
impressionistischen Zeitgeist. Sie zogen sich von dem Leben zuriick und iibten ihr Talent am 
untauglichen Objekt. 

Die ganze Tragik einer mythenlosen Zeit zeigt sich auch in den folgenden Jahrzehnten. Man 
wollte keinen Intellektualismus mehr, man begann die endlosen Farbenzerlegungen zu hassen, 
man verachtete die braune Galeriefarbe und die Tiziankopien. Man suchte im richtigen Gefiihl 
nach Erlosung, Ausdruck und Kraft. Und die Folge dieser starken Spannung war - die 
Spottgeburt des Expressionismus. Ein ganzes Geschlecht schrie nach Ausdruck und hatte 
nichts mehr, was es hatte ausdriicken konnen. Es rief nach Schonheit und hatte kein 
Schonheitsideal mehr. Es wollte neuschopferisch ins Leben greifen und hatte jede echte 
Gestaltungskraft verloren. so wurde Ausdruck Manier; so wurde, anstatt eine neue 
stilbildende Kraft zu zeugen, die Atomisierung emeut weitergefiihrt. 



[302] "Reue Sachlichkeit" - das Ende 

Innerlich haltlos, verschlang man "primitive Kunst", iiberschlug sich in Lob von Japan und 
China und begann alien Ernstes, europaisch-nordische Kunst auf - Asien zuruckzufiihren 
(Burger)*. 

Starke Krafte wie Cezanne und Holder unterliegen in ihrem Kampf um einen neuen Stil, trotz 
aller Versuche ihrer Gefolgschaft, sich an diese beiden als an die Bannertrager eines neuen 
Wollens zu klammern und trotz aller philosophisch-literarischen Bemiihungen, diesem sehnen 
intellektuelle Kriicken unterzuschieben. 

So wechselte eine Kaschemmenmystik mit Zerebrismus, Kubismus, mit linearem Chaos ab, 
bis man auch dies alles satt bekam und es heute wieder - umsonst - mit "neuer Sachlichkeit" 
versucht. 

Das Wesen dieser ganzen chaotischen Entwicklung liegt u.a. im Verlust desjenigen 
Schonheitsideals, welches in noch so vielen Formen und Trachten doch der tragende 
Untergrund alles europaischen Kunstschaffens gewesen war. Die demokratische, 
rassenverpestende Lehre, die volkvernichtende Weltstadt vereinigten sich mit der 
planmaBigen jiidischen Zersetzungstatigkeit. Das Ergebnis war, daB nicht nur 
Weltanschauungen und Staatsgedanken zerbrachen, sondem auch die Kunst des nordischen 
Abendlandes. 

Hier sind wir an einem der tiefsten Kriterien jeder Kunstbetrachtung angelangt, welches aber 
bei alien ziinftigen Aesthetikern stets iibersehen, ja kaum geahnt worden ist. 

* Man lese z.B. nachstehenden Gallimathias des vielgepriesenen Aesthetikers: "Der 
Kosmopolitismus und Internationalismus wird von der Idee eines Universalismus abgelost, 
der die Natur und Liebesgemeinschaft des Geistigen im Organismus des Kosmos sucht. 
Europa entdeckte sich selbst, die Enge seines kulturellen Geistes und die Mutter der 
Zivilisation und stofit auf die asiatische Wurzel ihrer Kultur" ("Einftihrung in die moderne 
Kunst", s. 38). 



[303] Problem des "aesthetischen Gemeinsinnes" 

Die Asthetik hat es u.a. mit Geschmacksurteilen zu tun, d.h. sie fordert, daB ein Kunstwerk 
nicht nur einem Menschen gefalle, sondern "allgemein" Anerkennung fmde. Das Suchen nach 
diesem "allgemeinen" Gesetz des Geschmacks hat die Kopfe seit Jahrzehnten erhitzt. Dabei 
ist eine Vorbedingung aller Polemik miBachtet worden: "gefallen" kann ein Kunstwerk nur, 
wenn es sich im Rahmen eines organisch umgrenzten Schonheitsideals bewegt! Kant 
defmierte: "Schonheit ist Form der ZweckmaBigkeit eines Gegenstandes, sofern sie ohne 
Vorstellung eines Zweckes an ihm wahrgenommen wird."* Hier hatte Kant ein tiefes Wort 
ausgesprochen, aus dem er jedoch nur die Folgerung sog, man miisse einen "aesthetischen 
Gemeinsinn" annehmen**, welcher auf einer rein menschlichen Stimmung der 
Erkenntniskrafte, d. i. des Gemiitszustandes ruhend, allgemein mittelbar sei. Damit hat Kant 
das Suchen am kritischen Punkt in verhangnisvoller Richtung abgebogen. UnbewuBt 
zweckmaBig wirkt auf uns die Schonheit der Venus von Giorgione; so wirkt aber auch jede 
andere echte rassisch, d. h. organisch-seelisch bedingte Schonheit. Aus der Kantschen ersten 
Erkenntnis ergibt sich fur uns heute als SchluBfolgerung: der Anspruch auf 



"Allgemeingiiltigkeit" eines Geschmacksurteils folgt nur aus einem rassisch-volkischen 
Schonheitsideal und erstreckt sich auch nur auf jene Kreise, die, bewuBt oder unbewuBt, die 
gleiche Idee von Schonheit im Herzen tragen. 

Mit dieser grundlegenden Erkenntnis ist alien bisherigen "allgemeinen" Asthetiken ein fiir 
allemal der Boden entzogen und der organisch-seelischen Weltauffassung gegen die abstrakt 
universalistische oder atomistisch - individuelle 

* Kritik der Urteilskraft §17. 
**a.a. 0. §20. 



[304] Der Gehalt als Formproblem 

auch in der Kunst der Weg geschlagen, der ins Freie fiihrt. Diese Erkenntnis aber fordert noch 
wichtige andere Einsichten. 



In dem Bemiihen, den aesthetischen Gegenstand von alien auBeraesthetischen Elementen zu 
trennen, ist u. a. stets auch der Gehalt von der Form geschieden worden. Durchaus mit Recht, 
um der ewigen Vermengung etwa von Moralpredigten und Aesthetik vorzubeugen. Diese 
methodisch notwendige Scheidung hat aber das Wichtigste dabei zu betonen vergessen: daB 
der Gehalt im Falle der nordisch-abendlandischen Kunst auBer seinem Inhalt zugleich auch 
ein Formproblem darstellt. Die Wahl oder die Ausscheidung gewisser Elemente des Gehaltes 
ist fiir u n s bereits ein formender, durchaus kiinstlerischer Vorgang. Da dies aber angesichts 
der einseitigen Verherrlichung der - dazu noch falsch ausgelegten - griechischen Kunst 
vergessen wurde, hat man einen wesentlichen Bestandteil abendlandischen Kunstschaffens 
einfach abseits liegen lassen und darf sich nicht wundem, wenn dann der Durchschnittsbiirger 
sich aus diesem Liegengelassenen eine "moralische Kunst" zurechtmacht. 

Dieses Ergebnis trat ein, well die unverwandt auf hell enische Plastik starrenden deutschen 
Asthetiker erklarten, eine Asthetik habe es nur mit Schonheit zu tun, d. h. mit dem Zustand 
der leichten Freiheit von sittlichen Notigungen, mechanischem Druck und geistiger 
Anspannung. Diese Schonheit Griechenlands war aber nun ein, vielleicht das statische 
Element hellenischen Lebens. Man mag dariiber streiten, ob die Baukunst, die Skulptur, das 
Epos oder die Tragodie das GroBte ist, was uns Hellas hinterlieB, zweifellos ist jedenf alls, daB 
innere und auBere Plastik Anfang und Ende jeder griechischen Kunstbetatigung 



[305] Der Grieche als Plastiker 

gewesen ist. selbst in der Sophokleischen Tragodie bleibt diese plastische Statik erhalten, 
selbst in der Schrecklichkeit der Werke des Euripides tritt das Schicksal weniger als innere 
Bedingung und Entwicklung denn als Verflechtung unbegreiflicher Zustande und auBerer 
vernichtender Ereignisse auf 

Griechische Schonheit ist also stets ein statisches, nicht dynamisches Wesen Diese gleiche 
Schonheit aber in der Kunst des Abendlandes zu suchen und sie allein in den Kreis der 
aesthetischen Betrachtungen zuzulassen, war eine Versiindigung am Geist Europas: denn 



unsere Kunst war von allem Anfang an, trotz des ahnlichen Schonheitsideals, nicht auf 
plastisch ruhende Schonheit eingestellt, sondem auf seelische Bewegung: das heiBt, nicht der 
auBere Zustand wurde Form, sondem der seelische Wert in seinem Kampf mit anderen 
Werten oder Gegenkraften. Durch die Wahl eines das Kunstwerk treibenden, es in seiner 
Form notwendig bedingenden Gehalts ist nordische Kunst bedeutend mehr auf die 
Personlichkeit, ihre Verklarung, Starkung, Durchsetzung eingestellt als die hellenische. Das 
hochste Kunstwerk des Abendlandes ist deshalb nicht ein "schones", sondem das Werk, 
welches das AuBere mit seelischer StoBkraft durchsetzt, es von innen heraus iiber sich selbst 
erhebt. Die Machtigkeit des inneren Hochtriebes ist jenes Moment, welches in eine 
griechische Asthetik nicht hineingehort, in eine iiber das nordische Abendland aber unbedingt 
als ein Formproblem, dabei gleichfalls ohne rein verstandesmaBigen oder sittlichen 
Beigeschmack, einzugliedem ist. 

Wie in vielen Fallen, so hat auch hier Schiller aus seinem Instinkt heraus und gegen seine 
anerzogenen hellenistischen Vomrteile richtig gesehen, jedoch nicht die Folgerungen zu 
Ziehen vermocht. Er schrieb: "Wieviel mehr wir in aesthekischen Urteilen auf die Kraft als 
auf die Richtung der Kraft, wieviel mehr auf Freiheit als auf GesetzmaBigkeit sehen, wird 
schon daraus hinlanglich offenbar. 



[306] Willensgestaltung im Nibelungenlied 

daB wir Kraft und Freiheit lieber auf Kosten der GesetzmaBigkeit geauBert, als die 
GesetzmaBigkeit auf Kosten der Kraft und Freiheit beobachtet sehen. Das aesthetische Urteil 
enthalt hierin mehr Wahres, als man gewohnlich glaubt. Offenbar kiindigen Laster, welche 
von Willensstarke Zeugen, eine groBere Anlage zur wahrhaften moralischen Freiheit an, als 
Tugenden, die eine stiitze von der Neigung entlehnen, well es dem konsequenten Bosewicht 
nur einen einzigen Sieg iiber sich selbst kostet, um die ganze Konsequenz und 
Willensfestigkeit, die er an das Bose verschwendet, dem Guten zuzuwenden." 

Diese Worte kiinden bereits unverhohlen eine Seite der Erklarung an, warum etwa Gestalten 
wie Richard III. und Jago auf uns aesthetisch wirken konnen. sie wirken so wie sie sind, kraft 
eines ihnen innewohnenden inneren Gesetzes, ohne daB wir hierbei versucht werden, 
moralisierende Urteile abzugeben. Es ist zum Teil ihre Lebenskraft, welche uns mit allem 
aussohnt. Das war aber nicht erst seit Shakespeare so, sondern steht gleich am Anfang der 
deutschen Kunst. Das Lied der Nibelungen ist der vielleicht machtigste Niederschlag des 
willenhaften abendlandi sehen Kunstschaffens, und zwar ist es gleich hier der Hochstwert der 
nordischen Rasse selbst, welcher Problem wird, die Seelen treibt und sogar im Verrater 
groBten Stils seine kiinstlerisch vollendete Verwirklichung erlebt. 

Ich weiB, daB man gegen den Vergleich des Nibelungenliedes mit der Ilias einwenden wird, 
daB sie in Anbetracht der geschichtlichen Entwicklung des griechischen und deutschen 
Volkes nicht "gleichzeitig" seien. Trotzdem ist ein Vergleich moglich, wenn man die inneren 
Formgesetze verfolgt, die stets die gleichen blieben. Wenn das Lied der Nibelungen fur groB 
genug erachtet wird, um es als anders geartetes, aber gleichwertiges kiinstlerisches 
Gegenstiick einer Ilias gegeniiberzustellen, befmden wir uns auch mit Goethe im 
Widerspruch, der beteuerte, man diirfe sich die Freude am 



[307] Ilias und Nibelungenlied 

deutschen Epos nicht dadurch vermindem, daB man es mit dem griechischen vergleiche: man 
bringe von Homer "einen zu groBen MaBstab" mit. 

Ilias und Nibelungenlied sind ja oft genug miteinander verglichen worden, und nach langerem 
Abwagen seitens der Germanisten und nach schnell gefaBter Meinung unserer Hellenisten war 
das Ergebnis solcher Gegeniiberstellungen immer, die Ilias stehe in kiinstlerischer Beziehung 
weit iiber der deutschen Dichtung, diese fiihre uns aber gewaltigere Charaktere vor Augen. 

Diesen Anschauungen, welche aus der Voraussetzung der Allgemeingiiltigkeit griechischer 
Kunstgebote heraus geboren wurden, gilt es heute zu entsagen Denn einem Kunstwerk 
zugestehen, daB es starke Personlichkeiten vorfiihrt, heiBt doch eine gleichwertige gestaltende 
Schopferkraft anerkennen, die sie geschaffen. Sie ist anders geartet als die hellenische, aber 
ihr gerade in kiinstlerischer Beziehung ebenbiirtig. 

Wenn wir uns den Reichtum und die lebendige Plastik der Ilias vorstellen (die mannigfachen 
Arten z. B., wie Agamemnon seine Heerfiihrer zum streite aufstachelte, die immer neuartigen 
Schilderungen einzelner Kampfe), so wird das deutsche Heldenlied nicht gut dabei 
abschneiden. Die Technik ist nicht selten unbeholfen, die Beschreibungen wiederholen sich 
hier und da (offenbar spatere Spielmannbearbeitungen), ohne formal abgerundet zu sein. Aber 
dafiir leben die Nibelungen ein innerlich viel lebendigeres Leben, ihre Taten flieBen aus dem 
Willen innerer Machte und Konflikte heraus, sie wirken nach einer inneren Folgerichtigkeit 
und nach einer bestimmten Seeleneinstellung. Die Verflechtung der aus dem personlichen 
Innem heraus geborenen Handlungen schiirzt erst den tragischen Gegensatz, der zur 
Katastrophe fiihrt. 

Von vornherein ist natiirlich gegen die MiBdeutung Verwahrung einzulegen, Homer als 
Schopfer verkleinern ZU wollen. Er hat dem Volk der Griechen seine Gotterwelt 



[308] Homer und die Helena-Gestalt 

gestaltet, die den bildenden Kiinstlern jahrhundertelang die Form vorgezeichnet hat. Aber 
Homers kiinstlerische Einstellung war eine andere als es unserem Wesen entspricht. Seine 
Gestalten bewegen sich in der mittleren Sphare des Menschlichen, sie versinken nicht in 
geheimnisvollen seelischen Abgriinden, sie zeigen keine Sehnsucht nach hochsten Hohen, die 
Handlungen entspringen weniger als Folgen einer inneren ehemen Notwendigkeit, erscheinen 
nicht als AuBerungen damonischer oder gottlicher Willensmachte des Menschen selbst, 
sondern sind Ergebnis auBerer Einwirkungen. 

Man konnte dieser Bemerkung entgegenhalten, gerade minder groBartig hervortretende 
Eigenschaften seien weit schwieriger kiinstlerisch zu gestalten, als die auBergewohnlichen 
Ausbriiche des menschlichen Gemiites. Aber darum handelt es hier natiirlich nicht. 

Als nach zehnjahrigem Kampfe Troja endlich gefallen ist, da wird auch die Ursache dieses 
Volkerringens befreit: Helena tritt in den Kreis der Kampfer. Homer schildert ihre Schonheit 
nicht, aber wohl ihren Eindruck auf ihre ganze Umgebung. Die Krieger, welche Freunde und 
Briider verloren, tausend Entbehrungen erlitten hatten, sie fanden alle, es sei der Miihe wert 
gewesen, fur diese Frau, fiir diese Schonheit Strome von Blut vergossen zu haben. Das ist 



Griechentum! Ob Helena innerlich dessen wert gewesen ist, derart in den Mittelpunkt eines 
Volkerdramas gestellt zu werden, spielt keine Rolle. Es ist sogar wahrscheinlich, das 
Weibchen habe sich bei Paris ebenso wohl gefiihlt, wie im Bett des Konigs von Sparta. 
Irgendwelcher Jammer iiber ihr Los fmdet sich jedenfalls nicht. 

Eine schone Buhlin ist die Ursache eines Volkerringens und wird als groB genug dafiir 
angesehen. Mag ahnliches in der Geschichte hundertfach der Fall gewesen sein: baut sich aber 
ein Dichter diese Tatsache als Grundlage zu einem gewaltigen Werke aus, so beweist er in der 
Auswahl 



[309] Natur und Kunstform 

des Gehaltes schon ein die Form kennzeichnendes schaffen, das unserem Wesen durchaus 
andersartig gegeniibersteht. Das innere bewegende Damonium fehlt oder wird bewuBt Zur 
Seite geschoben; die Form, die Schonheit tritt an seine Stelle. 

Wie die Kleinheit und Abgeschlossenheit der griechischen Polls auch dem gewohnlichen 
Burger eine klare Ubersicht iiber die sein Leben bestimmenden Verhaltnisse gestatteten, seine 
Urteilsfahigkeit mit den gestellten Anforderungen nicht taglich auBer Gleichgewicht setzten, 
so zeigt sich auch der griechische Geist in der Kunst von klarer Umgrenzungsfahigkeit. Er 
spricht in dieser kiinstlerischen Zielsicherheit ebenso aus Iktinos und Kallikrates wie aus 
Phidias und Homer und Platon Es bleibt bei ihm nichts ohne klaren UmriB, nur wenig ist 
unausgesprochen, sondern alles gestaltet sich - wenn man so sagen darf - zur geballten Form 
und geklarten und verklarenden Sachlichkeit. 

Ist dieses einmal restlos befriedigend gelungen, so wird der Grieche nicht miide, das 
gefundene Grundthema auf die mannigfachste Art um- und umzuwandeln, eine 
Eigentiimlichkeit, die Goethe Eckermann gegeniiber mehrfach bewundernd gepriesen hat. 

Es gibt kaum etwas Herrlicheres als die Art, wie Homer die Natur zur Kunstform erhebt. Wir 
begegnen keinen langen Naturschilderungen, sondern einem oft in ein Wort gepreBten 
Stimmungsgehalt des vorliegenden Stoffes. Diese wunderbar knappe Form Homers ist jener 
Zauber gewesen, mit dem er Jahrhunderte und Jahrtausende immer wieder in seinen Bann 
geschlagen hat; sie waltet iiber seinem ganzen Werke, sie lebt in alien Einzelheiten desselben. 
sie ist von ewiger Jugend und allgegenwartiger Unsterblichkeit. 

Ihre eigenartige Wirkung liegt in der schopferischen Kraft, von Schilderungen der Natur 
absehen zu konnen. 



[310] Die Schlacht auf dem Wiilpensande 

sie sofort zu vermenschlichen, sie uns durch ein bildstarkes Gleichnis naher zu bringen, indem 
ihre mannigfachen Zustande auf einen Eindruck gebracht werden. - Die Achaer selbst 
kennzeichnet Homer stets als die "erzumschienten", Achilles durchzieht das Werk als der 
"hurtige Laufer", Hektor schreitet als der "helmbuschschiittelnde" vor die Tore Trojas, Here 
umwirbt den Zeus als die "farrenaugige" Gottin. Die Fahrzeuge der Griechen werden mit nur 
zwei Worten erschopfend geschildert:,, dunkel und wolbig". Es wirkt dies alles wie der 



Pinselstrich eines groBen Malers, welcher mit einer Bewegung Farbe und Linie eines Wesens 
auf die Leinwand zwingt. Das ist die Form in ihrer hochsten Vollendung, die griechische 
frohe Botschaft. Wenn Goethe sein Heideroslein "morgenschon" nennt (er hat diese Form ein 
einziges Mai gebraucht, sie gehort allein dem Heideroschen) so Zeigt sich hier das gleiche 
kiinstlerische Gesetz wie es fiir Hellas die geistige Atemluft seines Lebens bildete. 

Anders wahlte und gestaltete der germanische Dichter. Der Gehalt, der geformt wird, ist nicht 
die Person (Schonheit), sondem die Personlichkeit (willenhafte Entwicklung). Das auBere 
Geschehen ist nur AnlaB zur AuBerung und Auswirkung eines Charakters (nicht Ursache), 
oder ganz unmittelbare Verkorperung innerer menschlicher Willensrichtungen. Ehre und 
Treue in alien ihren Schattierungen erscheinen gleich am Anfang der nordischen Kunst als die 
bewegenden Krafte. Gudrun wird gleich der Helena geraubt, aber sie ergibt sich nicht. sie 
zieht den Dienst einer Magd dem Leben in Unehre vor, obgleich Hartmut in seiner 
Mannlichkeit und Ritterlichkeit einen ungleich groBeren und auch kiinstlerisch begriindeteren 
AnlaB zur Ergebung darstellt als der jammervolle Paris. Die Schonheit aber, und vor allem der 
stolz und die Treue der Konigstochter geben fiir uns allein das auch kiinstlerisch 
befriedigende Motiv ab, die blutige Schlacht auf dem Wiilpensande 



[311] Siegfried und Kriemhilde 

schlagen zu lassen. Genau auf dieser inneren Berechtigung, auf der Anerkennung innerer 
Charakterwerte fuBt die Tragodie der Nibelungen. Ware Siegfried als Personlichkeit ein 
Taugenichts von der Sorte des Paris gewesen, keinem von uns ware die Gattenliebe 
Kriemhildens verstandlich, keinem diese damonische Frauentreue wahrscheinlich; niemand 
von uns konnte den Verrat nicht nur an den Briidern, sondern an alien Burgunden begreiflich, 
menschlich sowohl als kiinstlerisch ausreichend begriindet fmden, wenn nicht die Gestalt 
Siegfrieds in ewigleuchtender Herrlichkeit dargestellt worden ware. Mag man Siegfried nun 
als den sterbenden Friihlingsgott, als einen Mond- oder Sonnengott hinstellen (Siecke), in 
dem Augenblick, da er als Personlichkeit in einer Dichtung auftritt, wird er zu einem zu 
gestaltenden Gehalt. Wenn irgendwo vollkommene Genialitat verkorpert worden ist, so hier. 
Wo Siegfried auftritt, liegen ihm alle Herzen zu; wo er helfen kann, stellt er sich 
unbedenklich, selbstlos und vertrauend in den Dienst der erwahlten Freunde. Durch die Liebe 
ladet er - in der Art der Werbung mit Giinther um Briinnhilde - eine Schuld auf sich. Und an 
dieser Schuld geht er zugrunde. 

Sein Gegenspieler, Hagen, ist ein Gemisch von Habgier und unbedingter Mannestreue, eine 
Gestalt, die in ihrem schematisch riesenhaften UmriB das kiinstlerisch starkste Gegenstiick 
zum lichten Siegfried darstellt. Ein Typus von unbedingter Tapferkeit, der uns zum SchluB 
dank seiner Folgerichtigkeit bis zum Tode mit vielem versohnt, was er verbrochen. Die 
Begegnung Kriemhildens mit Hagen und Volker am Hofe Etzels ist eines der dramatischsten 
dichterischen Bilder, die sich vorstellen lassen; die Nachtwache der beiden Gefahrten, der 
Sang des Spielmanns, sind von mannhaft herrlicher Poesie. 

In der tragischen Notwendigkeit, mit der verschiedene willenhafte Naturen aufeinanderstoBen, 
wie Schuld und 



[312] Der Markgraf Rudiger 



Siihne neue Schuld gebaren, wie Ehre gegen Ehre, Treue gegen Treue kampft und sich in 
Menschencharakteren gleichnisbildend verkorpert, das ist die gewaltige Schopfung nordisch- 
germanischen Wesens, wie sie von allem Anfang in der deutschen Kunstgestaltung 
iiberlebensgroB auftritt. 

Diese sich liebenden oder bekampfenden Krafte sind der Stoff, den eine groBe dichterische 
Zusammenschau gebandigt hat und es ist ganz miiBig, dariiber zu streiten, wieviel Hande am 
Nibelungenlied gearbeitet haben, denn die vielen Volksgesange sind ein Werk geworden. 

Die neuesten Forscher behaupten, die Gestalt des Riidiger sei eine letzte Zutat (eines fiinften 
Dichters) gewesen. Sei's drum. Dann war auch dieser fiinfte ein groBer Kiinstler. Denn in der 
ganzen Weltliteratur wird man vergebens nach einer Personlichkeit von solcher schhchten 
inneren GroBe suchen, wie sie im Markgrafen Riidiger verkorpert ist. Man gebe darauf acht, 
wie seelenkundig sein die Krafte verteih sind, die um ihn ringen. An der Spitze steht die 
Eidestreue zu seiner Konigin, die Verpfandung seiner Mannesehre, die iiber alle anderen 
Machte siegen muB. Er sieht sich aber alien Freunden gegeniiber, Gasten, die er selbst ins 
Land geleitet und denen er Schutz zugesichert hat, ja, sogar dem Verlobten seiner einzigen 
Tochter. so nimmt Riidiger in ehemer Folgerichtigkeit den Tod bewuBt auf sich, obgleich 
durch die Wehrlosigkeit Etzels und Kriemhildens noch eine starke Versuchung erwachst, das 
Manneswort zu brechen Die Idee der Ehre wird zu der all sein Tun bewegenden Kraft. Man 
denke hierbei etwa an die Gestalt des Achilles, eine der leuchtendsten Heldenverkorperungen 
aller Zeiten, der aber einer personlichen Krankung wegen sein ganzes Volk ohne Fiihrer laBt, 
und dann an den Markgrafen Riidiger, der vor seinem Todeskampfe noch seinen Schild einem 
Gegner schenkt, um ihn in voller Wehr gegeniiberzusehen, so wird man die Kluft ermessen, 
welche hier zwischen Gestalt und Gehalt 



[313] Gegen grassierende Asthetik 

besteht, zugleich aber auch die sehr verschiedene Art des dichterischen Formens erfassen*. 

Es sind zwei andersgeartete Volkerseelen am Werke, um die Natur in Kunst zu verwandeln. 
Die eine laBt den Menschen auch weinen und lachen, lieben, hassen und heldenhafte Taten 
vollbringen, aber sie macht das Innere nicht Zur alles bewegenden Kraft, sie laBt die 
Personlichkeit als ein zu gestaltendes Phanomen beiseite, wendet alle Liebe auf die 
AuBenwelt und schafft sich mit Wort und MeiBel eine wunderbare Waffe, die Schonheit zu 
erzwingen; die andere taucht sofort in die tiefsten Tiefen des menschlichen Innern und 
bandigt alle Seelenkrafte zu einem innerlich kiinstlerisch bedingten Ganzen, ohne der 
formalen Schonheit das ausschlaggebende Gewicht zuzuerkennen. 

Selbst das groBte Werk des Menschen zeigt eine schwache Stelle; so auch das Lied der 
Nibelungen. Das Verhaltnis Siegfrieds zu Briinnhild ist hier nicht so restlos begriindet wie in 
den alien Uberlieferungen. Dieses Verhaltnis hat in der Edda die letzte Deutung gefunden: das 
"Lied von Siegfrieds Tod" ist eine der groBten Offenbarungen germanischen Wesens, das 
Lied von Liebe, Treue, HaB und Rache. 

Man hore endlich auf, die Sanger unserer Vorzeit als harmlose, unbeholfene Versemacher 
anzusehen, wie es bei aller gonnerhaften Anerkennung der "groBen Charaktere" in ihren 
Liedem doch immer noch im UnterbewuBtsein unserer grazisierenden Aesthetiker der Fall zu 
sein pflegt. 



Ein menschlich und kiinstlerisch wunderschones Gegenstiick Zum Riidiger-Gemot findet sich 
im 6. Gesang der Ilias. Dort erkennen sich Glaukos und Diomedes als durch 
Vaterfreundschaft und alte Gastlichkeit verbundene Genossen. sie wechseln im (Gedenken an 
diese friihere Verbundenheit ihre Riistungen und - kampfen n i ch t miteinander, sondern 
machen ab, sich im Felde auszuweichen. GewiB eine bezeichnende Losung des gegebenen 
Konfliktstoffes. 



[314] Die gewaltige Schopfung des deutschen Epos 

Vielmehr haben wir sie in die Reihe der groBten schopferischen Kiinstler einzureihen. 
Charaktere schafft nur ein Charakter, lebendige Personlichkeiten, also Gestalten, die durch 
Jahrhunderte hindurch zeitlose Gleichnisse unseres Wesens geblieben sind, konnen nur das 
Ergebnis kiinstlerischer Genialitat und Formkraft sein. 

Kein edlerer Heldwirdjemals aufErden 
Im Sonnenschein stehn als du, Siegfried, allein. 

Wir verstehen Goethe, wenn er sagt:,, Homer zeichnet mit einer Reinheit, vor der man 
erschrickt" (eine Bemerkung iibrigens, die Goethes sonstige Bekenntnisse iiber Harmonie 
Liigen straft) und wir glauben auch eine Wiirdigung der kiinstlerischen Selbstbeherrschung 
und epischen GroBe Homers zu besitzen, aber wir miissen ebenfalls bekennen: wir 
erschrecken auch, wenn wir an die gewaltige und gerade in kiinstlerischer Beziehung 
gewaltige Schopfung des Liedes der Nibelungen denken. Hat man Homer als einen der 
groBten Kiinstler aller Zeiten und Volker anerkannt, so ist es an der Zeit, auch unsere Dichter 
ins rechte Licht zu riicken und sich bewuBt zu werden, daB die Mangel und Fehler technischer 
und formal-kiinstlerischer Natur sind, daB aber die formende geniale Schopferkraft 
ihresgleichen sucht*. 

* Wie sehr in alien germanischen Liedern die Idee der Ehre schicksalsbestimmend auftritt, ist 
friiher ausgefiihrt warden. Uber die rein ktinstlerische Kraft aber, die z.B. im Hildebrandslied 
alles antreibt und bedingt, hat L. Wolff ("Die He Iden der Volkerwanderungszeit", s. 148) sehr 
schon geschrieben: "Das Leiden, sonst das Wesen 'unserer' Dramen ist nicht Ziel der 
Dichtung, sondern nur Ausgangspunkt. Je erdrilckender die dunkle Macht, desto grofier reckt 
sich vor ihr das Heldentum empor. Unwissentlich geht der Sohn gegen den totgeglaubten 
Vater. Er lobt ihn Uber alle Helden und beschimpft den vor ihm stehenden Unbekannten, der 
doch gerade dieser Verherrlichte ist. Er preist Hildebrands Treue und Tapferkeit undwirft 
ihm zugleich TUcke und Feigheit vor. Er spricht von der Kampfeslust des Alten und dieser 
mufi sich lange beherrschen, um den Sohn nicht zu zUchtigen. Das ganze Lied ist kiinstlerisch 
ungeheuer zielsicher komponiert, durch Gegensdtze von hochster Dramatik und da von 
einem Wert geleitet - organisch wie die Gesetze der wallenden Meeresflut. " 



[315] Der aesthetische Wille 

So stehen sich die beiden Epen als volkische Kunstgleichnisse gegeniiber; das eine wendet 
sich nach der inneren Geburt mehr der klaren Form zu, das andere ringt aus seelischem 
Kampf sich hindurch zum tragischen Epos. Homer meistert den Stoff, die Dichter des 
Nibelungenliedes - und die Schopfer aller germanischen Gesange - den Gehalt. Durch diese 



verschiedenen, durch Temperament und Uberlegung bedingten Ziele entstehen Kunstwerke, 
die man, gleich groB, nicht mit ein- und demselben MaBstab messen kann und fiir die man 
deshalb eine andere Asthetik braucht, um jeder Wesensart gerecht zu werden. Wie man an 
Michelangelo nicht mit dem MaBstab herantreten kann, den man bei Phidias gewonnen hat, so 
auch nicht angesichts des hellenischen Epos an das deutsche. 

Auf einzelnes wird spater eingegangen werden. Die bisherigen Uberlegungen fiihren nun aber 
zu einer dritten Tatsache, die zwar von den Asthetikern nicht nur fast allgemein iibersehen, 
sondem glatt geleugnet worden ist: dem aestyetischen Willen. Die Leugnung dieses Willens 
ist vielleicht das beschamendste Kapitel der deutschen Asthetik. Tausendfach sind die 
Zeugnisse vom Ringen der europaischen Kiinstler um Gehalt und Form: die Kunstprofessoren 
aber sind dariiber hinweggegangen. Zwangsglaubenssatz war, daB die Kunst es nur mit 
"Scheingefiihlen" zu tun hatte, gleichsam unberiihrt vom Leben als "freie Schonheit" iiber den 
Staubwolken der Gelehrtenstuben schwebe. Der Wille war fiir die Moral mit Beschlag belegt 
worden und durfte aus der Aktenmappe, die diese Aufschrift trug, nicht hervorgeholt werden 



[316] Tat - der entladene Wille 

4. 

Richard Wagner schrieb an Mathilde Wesendonck: "Sie wissen, daB unser Einer nicht rechts 
noch links, nicht vorwarts noch riickwarts sieht, Zeit und Welt uns gleichgiiltig ist, und nur 
Eines uns bestimmt, die Not der Entladung unseres eigenen Inneren." Balzac bekannte 
("Cousine Bette"): "Die standige Arbeit ist das Gesetz der Kunst wie das des Lebens; denn 
Kunst, das ist die idealisierte Schopfung. Die groBen Kiinstler, die vollkommenen Dichter 
erwarten nicht Befehle noch Anfeuerungen; sie gebaren heute, morgen, immer. Daraus folgt 
die Gewohnheit der Arbeit, diese standige Kenntnis der Schwierigkeiten, die sie in standigem 
Konkubinat mit der Muse, mit den schopferischen Kraften erhalt." 

Derartige Bekenntnisse sind nicht an die Ohren unserer Papste der Asthetik gelangt. Es ist 
hohe Zeit, das Vorhandensein des schopferischen aesthetischen Willens beim Kiinstler - 
folglich auch beim "GenieBer" - endlich einmal festzustellen. Im Inne werden der Gehaltwahl 
und in der Sehnsucht der willenhaften Entladung zeigt sich der nordisch-abendlandische 
Schonheitsbegriff gleichsam von innen als das ihm eigentliche Wesen, das durch Biologic 
allein nicht mehr faBbar, sondern nur andeutbar ist. 

Das Wesen des menschlichen Daseins ist leiblich und seelisch ein immer wieder emeutes 
Aneignen und Verarbeiten des von auBen eindringenden Stoffes und des inneren Erlebens. 
Der Formwille und der Geist ergreifen gestaltend Besitz von der Umwelt und Innenwelt. 
Dieses Formen ist, so sehr die Erkenntnis auch mitbestimmen mag, eine Willenstat, mag 
dieser Wille nun zum Heiligen, Forscher, Denker, Staatsmann oder Kiinstler fiihren. Jede 
Gestalt ist Tat, jede Tat ist wesentlich 



[317] Der Seelen-Antrieb Beethovens 



entladener Wille. Unsere Erforscher der Seelenkunde der Kunst gehen bei ihren 
Betrachtungen meist vom genieBenden Kunstbeschauer aus. Von ihrem Standpunkt aus mit 
Recht. Zu Unrecht, wenn rassisch-personliches Kiinstlerwollen aufgedeckt werden soil. Ehe 
iiber motorisch-sensorische, emotionelle und intellektualistische Einwirkungen eines 
Kunstwerks gesprochen werden darf, muB deshalb der Ausgangspunkt des schopferischen 
klargelegt werden. 

Das Gesetz von der ewig fortwirkenden Kraft gilt nicht nur auf physikalischem, sondern auch 
auf seelischem Gebiet. Es erscheint uns selbstverstandlich, daB der heroische Wille weiter 
schwingt und weiter Willen zeugt. Mit besonderer Vorliebe sogar miihen sich unsere 
Gelehrten ab, die Ausgangsenergie einer religiosen oder politischen Erscheinung zu 
entdecken. Dicke Bande werden geschrieben, urn die Gedankengefiige unserer Zeit mit 
bestimmten Denkern der Vergangenheit zu verbinden. Diese Tatigkeit der 
Philosophieprofessoren wird manchmal sogar selbst als Philosophie betrachtet, so wichtig 
erscheint sie. Auch die Systeme der Asthetik sind genau erforscht und aktenmaBig gebucht. 
Kunst und Kiinstler aber sind dabei fast restlos vergessen worden; fur sie hat man sich eine 
besondere Asthetik zurechtgezimmert, welche dem nordischen Abendlande den Riicken 
kehrte, nach Siidosten oder in die Wolken starrt, um den dort angeblich entdeckten 
Wertmesser auch der europaischen Kunst gegeniiber anzuwenden. 

Was war es aber, das einen Beethoven antrieb, bei Sturm und Wetter um Wien zu rasen, 
plotzlich stehen zu bleiben und, weltvergessen, mit den Fausten einen Rhythmus zu schlagen? 
Was war es, das einen Rembrandt zwang, in tiefer Armut aber auch alles AuBere zu verachten 
und bis zum Verfall der Krafte an der Leinwand zu stehen? Was veranlaBte Leonardo, die 
Geheimnisse der menschlichen 

Gestalt zu erforschen? Was trieb Ulrich von Ensingen zu seinen Kirchenplanen? Das alles war 
doch nichts 



[318] Willenhafter Schopfungsakt 

anderes als das Sichverkorpern eines kiinstlerischen (aesthetischen) Willens, einer Kraft, die 
neben dem heroischen und sittlichen als ein Urratsel endlich anerkannt werden muB, wenn wir 
iiber unsere Oberlehrer-Aesthetik endlich hinausgelangen wollen. Das um so mehr, als 
nirgends das Aufbrausend-Willenhafte in der Kunst so deutlich hervorgetreten ist, wie im 
nordischen Abendland. Das nicht mit aller Deutlichkeit hervorgehoben zu haben, gehort zu 
den groBten Unterlassungssiinden des 19. Jahrhunderts. 

Auch der Grieche war zuinnerst willenhaft in der Geburtsstunde seiner Kunst. Es ist eine g r i 
e c h i s c h e Sage, die uns iiber einen Kiinstler berichtet, der sein Werk so gliihend liebte, daB 
seine Liebe den toten Stein zum blutvollen Leben verwandelte. Auch in diesem Mythus ist 
das Bekenntnis eines allformenden aesthetischen Willens niedergelegt. Auch die wilde 
Malerei auf dem Parthenon, der griechische Tanz und die verloren gegangene griechische 
Musik (von der alle anderen "Musen" ihren Namen haben) werden dieses Rauschen des 
Willens friiher horbarer gemacht haben, als es heute erscheint. Immerhin aber setzt beim 
Hellenen nach dem willenhaften Schopfungsakt eine geistige Bandigung der Form ein, wie sie 
fiir das Griechentum bezeichnend wurde. Diese Selbstbeherrschung loste in dem 
abendlandischen Betrachter eine "kontemplative" Stimmung aus, auf welcher er dann die 
Asthetik iiberhaupt erbaute. 



Aesthetisches Empfinden bedeutet ein Lustgefiihl; aesthetische Stimmung, das ist wunschlose 
Anschauung, in der sich das reine Subjekt des Erkennens zu schlackenloser Objektivitat 
erhebt. so lautet die Lehre der Aesthetik von Kant und Schopenhauer, so schrieben 
neunundneunzig von hundert Kunstphilosophen nachher. Auch diesem Urteil lag der genannte 
Zwangsglaubenssatz zugrunde, welcher unsere gesamte Asthetik zur Unfruchtbarkeit 
verurteilt hat: die hochst merkwiirdige Behauptung, als gebe es 



[319] Der verfalschte Humanismus 

keinen aesthetischen Willen. In dieser Behauptung finden sich auch sonst erbitterte Gegner 
zusammen Die Tatsache iiberhaupt, daB hinter jedem Kunstwerk genau so wie hinter einem 
religiosen Bekenntnis eine Kraft steht, ist - iibersehen worden. Deshalb bezog sich unsere 
Asthetik auf die Anschauung, auf Ideen, auf Begriffe, nur auf Zergliederungen des 
Schonheitsempfindens und nicht auf die Tatsache, daB jeder Kunstschopfung ein gestaltender 
Wille zugrunde liegt, sich im Werk znsammenbaUt und sich notwendigerweise auch wieder 
das Ziel setzt, eine Tatgewalt der Seele zu wecken, soil nicht das ganze Bemiihen umsonst 
gewesen sein. 

Auf dem Gebiete der Kunst erleben wir die Parallelerscheinung zu den religios 
weltanschaulichen Entwicklungen. Ein rassisch-seelischer Impuls schafft Werke genial 
unbefangener Art, ergreift kindlichgroB seine gegenwartige Umgebung, alte iiberkommen 
Formen, andert selbstherrlich ihre Kraftlinien. Bis mit der weltanschaulichen Uberfremdung, 
erzwungen und erhalten durch eine politische Macht, sich auch fremde Rechtsbegriffe iiber 
die innergesetzlich gewachsenen Sitten lagern und mit allem zusammen auch eine neue 
"Kunstlehre" Eingang gewinnt. Als Wotan im sterben lag und unsere Seele neue Formen 
suchte, trat Rom auf; als die Gotik ihre Lebenslinie abgeschlossen hatte, erschienen romisches 
Recht und humanistische Kunstpfaffen, welche uns von oben herab durch Anwendung neuer 
Wertmesser zu verkriippeln suchten. Mit dem ausgegrabenen Platon und Aristoteles, mit den 
ersten Entdeckungen hellenischer Kunstwerke ergriff der nordische Geist einer suchenden 
Zeit die neuentdeckten Schonheiten, mit ihnen aber auch ihre spatromische Verfalschung. 
Niemand wird bestrebten, daB das altgriechische Schonheitsideal dem nordischen entsprach, 
war es doch iiberwiegend Blut von seinem Blut; immerhin aber war diese griechische 
Schonheit eben doch ein Zeugnis einer abgeschlossenen 



[320] Dogma der "willenlosen Kontemplation" 

Eigengesittung, sie war inmitten des zerrissenen, individualistischen Griechenvolkes die 
statische Seite desselben, sein typenbildender Mythus. Die auBere Schonheit ist aber nie der 
Hochstwert des nordisch-abendlandischen Wesens gewesen, sondem der gestaltete Wille, der 
sich Zeigt als Ehre und Pflicht (Friedrich und Bismarck), als Seelendrama (Beethoven, 
Shakespeare), als geballte Atmosphare (Leonardo, Rembrandt). Diesem kraftstrotzenden 
Kunstwillen wurde im 15. Jahrhundert ein aesthetischer, aus ganz anderer Umgebung 
stammender Wertmesser geschenkt. Die Renaissance zeigt das Ringen zwischen Instinkt und 
der neuen Idee in kiinstlerischer, ebenso wie die Reformation in religioser Beziehung. Nach 
dem lebensdurchpulsten 16. Jahrhundert in Norditalien und der Eindringlichkeit des Barocks 
gewinnt der angeblich griechische Hochstwert immer mehr an Geltung. Die Ergebnisse der 
Erforschung griechischer Uberreste (Gemmen, Vasen, etlicher Malereien und Bildnisse) 



werden zur Grundlage einer "allgemeinen" Asthetik gemacht, griechische Formen als "rein 
menschlich" gewertet. Es entsteht dann der Lehrsatz von der "willenlosen Kontemplation", 
gefolgt von der Leugnung des aesthetischen Willens. Der griechische Mythus der Harmonie 
und gewollten Ruhe iiberschattete den germanischen Instinkt, den Anlauf zum kraftvollen 
Selbstbekenntnis und auch kiinstlerischer Willensentladung. Der Zwiespalt zieht sich bis auf 
heute hin und nur schiichtem tauchen ab und zu neue Anschauungen auf. 

Obgleich unsere Asthetik ihre MaBstabe nachweislich aus Hellas bezogen hatte, glaubte sie 
stolz annehmen zu diirfen, ihre Grundziige seien "rein menschlich", universalistisch. Wie im 
Staatsleben, so wurden auch in der Kunst rein professoral zwei Bautypen des Kulturlebens 
angenommen: der Individualismus und der Universalismus, d.h. eine Seelenrichtung, die das 
Ich und seine Interessen zum Ausgangs- und Endpunkt des Denkens 



[321] Individualismus und Universalismus 

und Handelns erklarte, und eine andere, die dieses Ich unter die Gesetze der " Allgemeinheit" 
eingliedern wollte. Das Gefahrliche an dieser scheinbar einleuchtenden Typenbezeichnung 
bestand nun darin, dieses " Allgemeine" sich im Unendlichen verfliichtigen zu lassen Der nur 
scheinbar groBherzige Universalismus fiihrte einst zur internationalen "Welt-Kirche", zum 
"Weltstaat", spater zur marxistischen "Internationale" und der demokratischen "Menschheit" 
von heute. Der Universalismus als Baugrundsatz des Lebens ist also ebenso uferlos wie der 
Individualismus; das Ende im Falle des Sieges einer der beiden Weltanschauungen muB 
notwendigerweise jedes Mai das Chaos sein. Weshalb sich der Individualismus gern in das 
universalistische Mantelchen hiillt, das sich gut und sittlich gibt und ungefahrlich ist. Ganz 
anders stellt sich die Sache dar, wenn sowohl Individualismus als auch Universalismus 
gemeinsam auf einen anderen, wuchshaft bedingten Mittelpunkt bezogen werden. Fiir das Ich 
sind Rasse und Volk die Voraussetzung seines Daseins, aber bedeuten auch zugleich die 
einzige Moglichkeit seiner Steigerung. Gleichzeitig aber fallt das "Allgemeine" mit Rasse und 
Volk zusammen, fmdet hier also seine organische Begrenzung. Individualismus und 
Universalismus fiir sich find gerade Linien in die Unendlichkeit; auf Rasse und Volk bezogen, 
sind sie sich rhythmisch ablosende hin- und zuriickfiutende, im Dienste der Rassengebote 
stehende, Schopfung ermoglichende Krafte. Diese allgemeine dynamische Lebensauffassung 
muB auch in der Betrachtung der Kunst des Abendlandes ihr Gegenstiick finden. 

In der Kunst sind es also drei organische Voraussetzungen dieser Betrachtung, auf denen 
kiinftig jede echte Aesthetik Europas ruhen muB, will sie ein dienendes Glied im Leben des 
erwachenden nordischen Abendlandes sein: das nordisch-rassische Schonheitsideal, die innere 
Dynamik europaischer Kunst, somit der Gehalt als ein 



[322] Schopenhauer 

Problem der Form, und die Anerkennung des aesthetischen Willens. 

Diese letzten Behauptungen fiihren uns nun notgedrungen zu Auseinandersetzungen iiber die 
Folgen der inneren Einstellung zum Problem der Kunst und mit dem volkstiimlich 
gewordenen Willensbegriff Schopenhauers. Ehe dieser nicht iiberwunden ist, kann von einer 



Klarung - und nicht nur in Dingen der Kunst - keine Rede sein und das Wesen des 
aesthetischen Zustandes weder instinktiv noch bewuBt begriffen werden. 



Der Mythus des 20. Jahrhunderts 

Alfred Rosenberg 

[323] bis [344] 

II. Wille und Trieb 

1. 

Mit dem leider so trivial gewordenen Worte Kants, daB der bestimte Himmel iiber uns und 
das moralische Gesetz in uns unser Dasein ausmachten, ohne im Verbal tnis von Ursacbe und 
Wirkung zueinander zu steben, ist docb ein tiefes Bekenntnis zur polaren Weltbetracbtung 
und zum dynamiscben Lebensgefiibl ausgesprocben. In Wirklicbkeit bat aucb kein ecbter 
Europaer auBerbalb dieser seiner Lebensbedingung als Scbopfer besteben konnen, obgleicb in 
mancben von ibnen die Sebnsucbt nacb der Aufbebung der Gegensatze, nacb Rube, nacb 
Statik und Monismus ungebeuer stark gewesen ist. Nicbts ist fiir diese Sebnsucbt typiscber, 
nicbts beweist aber die Unmoglicbkeit eines Monismus fiir uns deutlicber als der Fall Artur 
Scbopenbauer, jenes Romantikers, der die blutvolle Dynamik seines Wesens mit dem 
"Binsenscbwert der Vernunft" glaubte meistern zu konnen - und daran zerbracb. Allein scbon 
die auf das Wollen bezogene Welterklarung entriickt ibn dem indiscben Denken, das er als 
das seine glaubte deuten zu konnen, wo docb der Inder die Erlosung nicbt in einen Willens-, 
sondern in einen Erkenntnisakt verlegt. Der gewaltsame monistiscbe Versucb von 
Scbopenbauers Weltdarstellung als Wille und Vorstellung aber deckt einen Vorgang auf, 
dessen Kenntnis und Wertung grundlegend ist fur unsere Weltanscbauung, aber nicbt minder 
fiir die Erfassung des Wesens unserer Kunst. 

Objekt und Subjekt sind voneinander nicbt losbare Korrelata. Das ist der Punkt, die 
Erkenntnis einer Polaritat, 



[324]Objekt und Subjekt 

von der Scbopenbauer ausgebt. Von bier wendet er sicb einerseits gegen den Idealismus, 
welcber den Satz von der Kausalitat nicbt als eine den Menscben zugeborige Vorstellung, 
sondern als eine dem Ding an sicb wesentlicbe Eigenscbaft, welcbes das Objekt bervorbringe, 
ansiebt, und andererseits gegen den dogmatiscben Materialismus, welcber die Tatigkeit des 
Vorstellens seitens des Subjekts als das Ergebnis der Formen und Wirkungen der Materie 
binzustellen bemiibt ist. Denn das Erkennen, welcbes erklart, materiell erklart werden soil, 
wird bier von vomberein vorausgesetzt, und wir baben "mit dem Erkennen zwar die Materie 
uns eingebildet, in der Tat aber nicbts anderes als das die Materie vorstellende Subjekt, das sie 
sebende Auge, die fiiblende Hand, den sie erkennenden Verstand gedacbt." 

Es ist der Febler des Materialismus, vom Objektiven auszugeben, da docb dasselbe scbon 
durcb das Subjekt und dessen Anscbauungsformen bedingt, also nicbt ein Absolutes ist; 



ebensogut konnte man die Materie als Modifikation des Erkennens des Subjektes auffassen so 
stellt sich Schopenhauer zwischen den dogmatischen Realismus und den dogmatischen 
Idealismus; er nimmt weder vom Subjekt noch vom Objekt allein seinen Ausgang, sondem 
von der "Vorstellung als erster Tat des BewuBtseins". 

Er stimmt mit Kant iiberein in der Lehre von der Idealitat von Raum, Zeit und Kausalitat, als 
reinen, d. h- nicht empirischen Anschauungen, die Erfahrung erst moglich machen, und sein 
ganzes Bestreben im ersten Buche seines Hauptwerkes lauft gerade darauf hinaus, dieses 
nachzuweisen, zu erlautern, daB, wenn man die Materie als Ding an sich betrachte und das 
Subjekt daraus zu erklaren sich bemiihe, so ergebe sich ein platter Materialismus. sehe man 
dagegen das Subjekt als ein Absolutes an, so entstehe der Spiritualismus. Trenne man 
dogmatisch Objekt und Subjekt, so 



[325] Die Funktionen von Verstand und Vernunft 

habe man den Dualismus. Behaupte man, beide seien ein- und dasselbe, so ergebe sich der 
Spinozismus. Alles dieses seien dogmatische Anschauungen, wogegen wir nur Objekt und 
Subjekt als zwei Korrelata kennen, Objektsein - Vorstellung des Subjekts. 

Wir besitzen zwei Intellekte: den Verstand, das Vermogen des Erkennens des kausalen 
Zusammenhanges (welches wir mit den Tieren gemeinsam haben), und die Vernunft, das 
Vermogen der Abstraktion (welches uns allein gegeben ist). Die Funktion des Verstandes 
besteht im Bilden der Anschauungen, die Tatigkeit der Vernunft im Bilden der Begriffe, 
woraus erst unsere Sprache, Wissenschaft, iiberhaupt unsere ganze Kultur herauswachst. 
Diese Vernunft nun ist "weiblicher Natur: sie kann nur geben, nachdem sie empfangen hat." 
Damit ist das Grunddogma der Schopenhauerschen Anschauung ausgesprochen. Die Vernunft 
- eine Funktion des Gehirns; die Welt entpuppt sich somit als ein "Gehimphanomen". Das 
Denken seinerseits ist ein AbsonderungsprozeB, ahnlich der Bildung des Speichelsekrets. 

Die Arbeit der Vernunft besteht darin, Wissen zu schaffen, d. h. abstrakte Urteile; "Wissen 
heiBt: solche Urteile in der Gewalt seines Geistes zur willkiirlichen Reproduktion haben, 
welche in irgend etwas auBer ihnen ihren zureichenden Erkenntnisgrund haben, d. h. wahr 
sind." 

Das Objekt ist also Vorstellung, es erscheint uns in den reinen Anschauungsformen von Zeit, 
Raum und Kausalitat. Alles ist in ihnen und alles ist durch sie. Damit ist die Weltanschauung 
streng geschlossen und es scheint nirgends ein Schlupfloch iibrig geblieben zu sein, um zu 
einem Urgrund hinauf- oder hinabzusteigen. Schopenhauer aber fmdet noch eine "andere 
Seite" der Welt. Unsere Vernunft, Vergangenheit und Zukunft iiberschauend, den sicheren 
Tod im BewuBtsein, muB die Frage nach dem Woher und Wohin des Menschen, nach dem 



[326] Wille nur intuitiv erkennbar 

Wesen der Welt und des Ich aufwerfen. Und Schopenhauer, der vorher versicherte, die ganze 
Welt sei "durch und durch" Vorstellung, durchbricht seine selbst gesetzten Schranken. "Was 
aber uns zum Forschen antreibt, ist eben, daB es uns nicht geniigt, zu wissen, daB wir 
Vorstellungen haben, daB sie solche und solche sind, und nach diesen und jenen Gesetzen, 



deren allgemeiner Ausdmck allemal der Satz vom Grunde ist, zusammenhangen. Wir wollen 
die Bedeutung jener Vorstellungen wissen: wir fragen, ob diese Welt nichts weiter als 
Vorstellungen sei, in welchem Falle sie wie ein wesenloser Traum an uns voriiberziehen 
miiBte, nicht unserer Beachtung wert; oder ob sie noch etwas anderes, noch etwas auBerdem 
ist, und was sodann dieses sei!" Niemand hatbis jetzt mehr als eine rein negative Antwort 
darauf geben konnen, eine Antwort, die ganz abstrakt, inhaltslos und nur begrenzend war. - 
Der Nus des Anaxagoras, der Atman der Inder, das Ding an sich des Kant. Schopenhauer 
entschleiert nun dieses Ding an sich als das uns aufs "intimste" bekannte innere Wesen, als 
den Willen. Zu ihm kann man von der Vorstellung aus nicht gelangen, vielmehr ist er ein 
ihren Gesetzen und ihren Formen vollig fremdes Wesen. Der Wille ist nur intuitiv erkennbar. 
Der Mensch wiirde die Bewegungen und Aktionen seines Korpers ebenso ansehen, wie die 
Veranderung anderer Objekte in bezug auf Ursache, Reize und Motive. Er wiirde ihren 
EinfluB aber nur verstehen als die Verbindung jeder anderen ihm erscheinenden Wirkung mit 
ihrer Ursache. Diesem ist aber nicht so, denn das Wort Wille gibt ihm "den Schliissel zu 
seiner eigenen Erscheinung, offenbart ihm die Bedeutung, zeigt ihm das innere Getriebe 
seines Wesens, seines Tuns, seiner Bewegungen." 

Dem Subjekt ist also sein Leib auf zweierlei Art gegeben: einmal als Vorstellung, als Objekt 
unter Objekten, und deren Gesetzen unterworfen, sodann auf andere Weise 



[327] Objektivationen des Willens 

durch das,, jedem unmittelbar Bekannte, welches das Wort Wille bezel chnet". "Jeder 
Willensakt ist zugleich Bewegungsakt seines Leibes, nicht als ob der eine Ursache, der andere 
Wirkung sei, sondern sie sind ein und derselbe auf verschiedene Weise zum BewuBtsein 
gebracht." "Die Aktion des Leibes ist nichts anderes als der objektivierte, d. h. in die 
Anschauung getretene Akt des Willens." 

Ich erkenne den Willen nicht als etwas Ganzes und Vollkommenes, sondern nur in einzelnen 
Akten der Zeitl; ich kann also den Willen mir nicht vorstellen; er ist raum-und zeitlos. Als 
unabhangig von der Vorstellung ist der Wille dem Satze vom Grunde nicht unterworfen, 
grundlos; er ist in alien Erscheinungen dasselbe Wesen. Nach Kant kommt das alles nur dem 
Ding an sich zu, folglich ist der Wille das Ding an sich. Als solches ist er frei, als Erscheinung 
ist er unfirei, vorausbestimmt (determiniert). Die Freiheit liegt also gleichsam hinter uns, 
kommt im Handeln nie zu Tage. Daraus folgt, daB unser empirischer Charakter, wie er uns in 
unseren Handlungen entgegentritt, unfrei und unveranderlich ist, daB er jedoch die 
Objektivation des frei en intelligiblen darstellt; der empirische Charakter verhalt sich zum 
intelligiblen wie die Erscheinung zum Ding an sich. Am vollkommensten, gleichsam im 
Brennpunkt, objektiviert sich der Wille im Geschlechtstriebe, im unbedingten Willen zum 
Leben. Er ist ein ewiges Wiinschen und streben, welches nach kurzer Befriedigung immer von 
neuem von Begierde getrieben diesem damonischen Wesenszuge ohne Rast und Ruhe folgt. 

Aber nicht nur im Menschen tritt uns dieser Wille als Ding an sich entgegen, vielmehr ist er in 
der ganzen Natur das hinter der Erscheinung stehende treibende Moment. Zwar objektiviert er 
sich am vollkommensten im Menschen, aber wenn wir den gewaltigen unaufhaltsamen Drang 
sehen, mit dem "die Gewasser der Tiefe zueilen, die 



[328] Vielheit ohne ein Prinzip der Vielheit 

Beharrlichkeit, mit welcher der Magnet sich immer wieder Zum Nordpol wendet, die 
Heftigkeit, mit welcher die Pole der Elektrizitat zur Wiedervereinigung streben, und welche 
gerade wie die der menschlichen Wiinsche durch Hindemisse gesteigert wird, wenn wir den 
Kristall schnell und plotzlich aufschieBen sehen nsw., so wird es uns - nach Schopenhauer - 
keine groBe Anstrengung der Einbildungskraft kosten, selbst aus groBer Entfernung unseres 
eigenes Wesen zwar dumpf und unausgesprochen, aber nicht minder einleuchtend zu 
erkennen, "so gut wie die erste Morgendammerung mit den strahlen des vollen Mittags den 
Namen des Sonnenlichtes teilt"; dieses ist der Wille. DemgemaB gibt es verschiedene stufen 
der Objektivation des Willens, das sind die platonischen Ideen. sie sind jene Mittelglieder, 
welche zwischen die beiden auseinanderklaffenden Welten: Vorstellung und Wille, 
eingeschoben werden und somit die sonst auf keine Weise zu verstehende gegenseitige 
Beziehung herstellen. Also eine Vielheit ohne ein Prinzip der Vielheit! Als die niedrigste 
stufe stellen sich die allgemeinen Krafte der Natur dar, schwere, Undurchdringlichkeit, 
Starrheit, Elastizitat, Elektrizitat, Magnetismus usw. Auch sie sind, wie unser eigener Wille, 
grundlos, und wie dieser sind nur ihre einzelnen Erscheinungen dem Satze vom Grunde 
unterworfen. sie sind "Qualitas occulta". Auf hoherer Stufe der Objektivation des Willens 
sehen wir das Individuelle bei Mensch und Tier, hauptsachlich bei jenem, immer mehr 
hervortreten und hier ist es, wo sich insbesondere das Wesen des Weltalls zeigt, der Kampf 
fiir sein Dasein den Willen manifestiert. 

Der allgemeine Kampf in der Natur tritt in der Tierwelt am sichtbarsten zutage, "welche die 
Pflanzenwelt zu ihrer Nahrung hat und in welcher selbst wieder jedes Tier die Beute und 
Nahrung eines anderen wird, d. h. die Materie, in welcher seine Idee sich darstellt, zur 
Darstellung einer anderen abtreten muB, indem jedes Tier sein Dasein 



[329] Erkenntnis als "klarer Spiegel der Welt" 

nur durch die bestandige Aufhebung eines fremden erhalten kann; so daB der Wille zum 
Leben durchgangig an sich selbst zehrt... bis zuletzt das Menschengeschlecht die Natur fiir ein 
Fabrikat zu seinem Gebrauch ansieht". Fiirchterlich und unsinnig ist diese Macht, welche 
durch soviel Mannigfaltigkeit und Aufwand an Kraft, Klugheit und Tatigkeit nur ein 
ephemeres und fliichtiges Gliicksgefiihl in der Begattung und Hungerbefriedigung als 
Gegengewicht zu bieten vermag; die Miihe und der Lohn stehen in keinem Verhaltnis 
zueinander. Uberall sieht Schopenhauer "allgemeine Not, rastloses Miihen, bestandiges 
Drangen, endlosen Kampf..", bestenfalls Langeweile. 

Nur ein blinder Wille konnte sich selbst in die Lage versetzen. In der anorganischen Natur 
geht der ganze Kampf nach dem unabanderlichen Gesetze von Ursache und Wirkung vor sich, 
im Pflanzenreiche folgen Bewegungen auf Reize, d. h. Ursachen rufen Wirkungen, die 
denselben nicht gleich sind, hervor; endlich treten Motive und Erkenntnis als Leiter unserer 
tierischen Handlungen auf Alles dieses geschieht gesetzmaBig, fiir Freiheit der Vernunft und 
ihre Ideen ist kein Platz gelassen, sie ist "ein untergeordnetes Organ". 

Die Erkenntnis, anschauliche sowohl als verniinftige, geht nun zwar aus dem Willen auf 
seinen hoheren stufen der Objektivation hervor, da der Mensch notwendig anderer 
Fahigkeiten bedarf, als die anorganische Natur, die Pflanzen- und Tierwelt; sie ist also 
urspriinglich ganz in den Dienst des Willens gestellt, doch vermogen es einzelne ganz groBe 



Menschen, sich diesem Joch zu entziehen. Die Erkenntnis steht dann da als bloBer "klarer 
Spiegel der Welt." 

So ist die Welt als Vorstellung doch aus dem Willen entsprungen! Trotz der anfanglichen 
Verwahrung Schopenhauers, hier einen ursachlichen Zusammenhang zu 



[330] Die Illusion der Welt 

behaupten, tritt die Kausalitat, wenn auch verkappt, auf. Es ergibt sich deshalb als 
Konsequenz folgendes: die Vernunft ist nur Reflexion, d. h, sie ist ein ganz und gar 
"weibliches Vermogen"; sie ist bedingt durch den durch die Anschauung notwendig 
bestimmten Begriff; sie ist also unschopferisch. Wir sind unfrei: denn unser Handeln ist 
notwendig bestimmt durch Motive, ob nun tatsachliche oder imaginare; der gleichsam hinter 
den Menschen wirkende "intelligible Charakter", der auBerhalb der Notwendigkeit liegt, 
erscheint im Leben als angeboren und unveranderlich, unterliegt also auch dem Satze vom 
Grunde. 

Von diesen Fesseln des damonischen "Willens" vermag aber gerade diese geknebelte 
Vernunft durch einen "UberschuB von Intelligenz" sich zur willenlosen Betrachtung zu 
erheben, als reines " Subjekt des Erkennens" die fiirchterliche Macht des Willens, seine 
Grundlosigkeit und Unverniinftigkeit als "reines Weltauge" zu durchschauen und zu 
iiberwinden. Das geschieht durch das Genie des Kiinstlers, der, vom Willen befreit, nun die 
Natur rein und objektiv darzustellen vermag; es geschieht aber vor allem im Phanomen der 
Heiligkeit, wo es der Vernunft gelingt, die voriibergehende aesthetische Vergessenheit in eine 
dauernde wunschlose Kontemplation zu verwandeln, die Illusion der Welt zu durchschauen 
und den Willen zum Leben zu verneinen. 

Das Ende ist das Nichts, in das der Mensch nach aller Miihsal und Qual hineinblickt. "Vor 
uns bleibt allerdings das Nichts. Aber das, was sich gegen dieses ZerflieBen ins Nichts straubt, 
unsere Natur, ist ja nur der Wille zum Leben, der wir selbst sind wie er unsere Welt ist... 
Wenden wir aber den Blick von unserer eigenen Diirftigkeit und Befangenheit auf diejenigen, 
die die Welt iiberwanden, in denen der Wille, zur vollen Selbsterkenntnis gelangt, sich in 
allem wiederfand, und dann sich selbst 



[331] Schopenhauers Zentralbegriff 

firei verneinte, so zeigt sich uns statt des steten Uberganges von Wunsch zur Furcht, statt der 
nie befriedigten Hoffnung ... jener Friede, der hoher ist als alle Vernunft, jene ganzliche 
Meeresstille des Gemiits, wie sie Raffael und Correggio dargestellt haben, nur die Erkenntnis 
ist geblieben, der Wille ist verschwunden. "Wir aber blicken dann mit tiefer und 
schmerzlicher Sehnsucht auf diesen Zustand, neben welchem das Jammervolle und Heillose 
unseres eigenen, durch den Kontrast, in vollem Licht erscheint. Dennoch ist diese Betrachtung 
die einzige, welche uns dauernd trosten kann, wenn wir einerseits unheilbares Leid und 
endlosen Jammer als der Erscheinung des Willens, der Welt, wesentlich erkannt haben und 
andererseits, bei aufgehobenem Willen, die Welt zerflieBen sehen und nur das leere Nichts 
vor uns behalten... Wir bekennen es firei: was nach ganzlicher Aufhebung des Willens iibrig 
bleibt, ist fur alle die, die noch des Willens voll sind, allerdings ein Nichts. Aber auch 



umgekehrt ist denen, in welchen der Wille sich gewendet und verneint hat, diese unsere so 
reale Welt mit alien ihren sonnen und MilchstraBen - Nichts." 



Es kann nicht im Rahmen dieses Buches liegen, die ganze Lehre Schopenhauers zu 
besprechen, sondern nur jene punkte hervorzuheben, die zur Beurteilung unserer 
Lebensgesetze und ihrer AuBerungen in Weltanschauung, Wissenschaft und Kunst behilflich 
sein konnen. 

Hier ist nun zu allererst der zentrale Begriff der Schopeuhauerschen Philosophie, der Wille, 
herauszugreifen. Wir sahen ihn hingestellt als das uns alien unmittelbar Bekannte und 
Gegebene. Wird nun aber das Wort Wille ausgesprochen, so tritt wohl jedem Unbefangenen, 
noch nicht von Schopenhauer Hypnotisierten, das 



[332] Der Wille und die Welt als Vorstellung 

nicht weiter zu deutende und tatsachlich "aufs intimste" bekannte Prinzip ins BewuBtsein, 
welches allem angeborenen Egoismus zum Trotz gar oft in uns spricht und manchmal in der 
Geschichte der Volker unbegreiflich wuchtige Gestalten gezeugt hat. Uns wird vielleicht die 
Seelengewalt der deutschen Mystiker, eines Luther, die Lebenshingabe vieler fiir eine Idee 
kampfender Manner vors Gemiit treten, die Gestalt des Weltiiberwinders aus Nazareth, kurz, 
alle die Personlichkeiten, die den freien Willen alien Gewalten entgegen im Leben dargestellt 
haben. Daran etwa wiirden wir denken, wenn wir aufgefordert werden, nach dem Wesen in 
uns zu suchen, welches mit dem Wort Wille bezeichnet wird und uns "aufs intimste" bekannt 
sein soil. Je mehr wir aber in Schopenhauer weiter lesen, um so mehr stellt sich heraus, daB 
diese Auffassung vom Willen falsch und kindlich sein soil. Vielmehr ist der Wille zwar von 
aller Erscheinung verschieden, grundlos und geheimnisvoll, jedoch ein gewaltsamer und 
zielloser, von Begierde zu Begierde taumelnder damonischer Drang. Er lebt im Menschen und 
im Tier, er tritt in der Pflanze und im Stein zutage. Er macht, daB die Wasser rauschend die 
Felsen herabstiirzen, daB der Magnet das Eisen anzieht, daB die Pflanze hochstrebt, daB das 
Mannlein zum Weiblein geht, daB ein Geschopf das andere vertilgt... 

Dieser Wille nun, der, wie versichert wird, eine Einheit ist, zerschlagt sich durch Vermittlung 
der Ideen in eine vielheitliche Korperwelt, ruft sich seine Objektivationen hervor und "ziindet 
sich" auf seiner hochsten stufe "ein Licht" an, - den Intellekt. Dieser ist ganz von ihm 
abhangig und zu seinen Diensten geboren. Er schaut nach alien Richtungen auf Beute aus, um 
seinem tyrannischen Herm stets Gefolgschaft zu leisten. Er entwirft die Welt als Vorstellung, 
und wir erleben die sonderbare Tatsache, daB das Gehirn, welches doch die polare 
Vorbedingung 



[333] Die Kraft des "tertiaren Organs" 

Zur Vorstellung von Zeit und Raum ist, selbst in Zeit und Raum entsteht, daB es zugleich 
Vorstellungssubjekt und Vorstellungsobjekt ist. Das erinnert an die alte Geschichte, wonach 
zuerst die Henne aus dem Ei, das Ei aber doch zuerst aus der Henne schliipfte. 



Schopenhauer hatte seine Philosophie eigentlich schon im ersten Buche seines Hauptwerkes 
abgeschlossen. El hatte gezeigt, daB alles "durch und durch" Vorstellung sei, daB alles Zeit, 
Raum und Kausalitat zur bedingenden Voraussetzung habe, daB wir durchaus unfrei seien. Er 
hatte der Vernunft, diesem untergeordneten Organ, keine Hintertiir offen gelassen und ihr 
gesamtes Vermogen auf die Vorstellung beschrankt. Daraus folgen alle spateren 
Ungeheuerlichkeiten iiber diese. 

Der Wille aber, der sonst iiberall so zweckmaBig (warum, bleibt ein ewiges Geheimnis) sich 
seine Objektivationen hervorrief, hatte eine Unvorsichtigkeit begangen (die urn so weniger 
begreiflich ist, da ausdriicklich versichert wird, die Funktionen des Leibes seien dem Willen 
durchaus und iiberall angemessen), und das Gehim mit einem "UberschuB" an Intellekt 
ausgestattet. Einige Manner rebellieren plotzlich, verzichten, indem sie den unheilvollen 
Willen durchschauen, auf dieses Ding an sich und stehen da als reines Subjekt des Erkennens, 
schaffen ewige Kunstwerke und werden Heilige. Woher diese Kraft des tertiaren Organs, des 
Intellektes, plotzlich seinem unbezwingbaren Tyrannen einfach den Gehorsam kiindigen zu 
konnen? Wir wissen es nicht, aber ohne diese Behauptung stimmt die schopenhauersche 
Architektonik vom unbedingten einen Willen, den Ideen, den Objektivationen, dem 
aesthetischen Zustande usw. nicht. Und sie stimmt auch in anderer Form nicht. 

Was not tut, ist vor allem die Einsicht, daB der Schein, das Natiirliche und Metaphysische in 
ein einheitliches monistisches System gebunden zu haben, hier mit einem spielen 



[334] Wille und Trieb 

von zwei ganz verschiedenen Auffassungen dessen, was unter Willen zu verstehen sei, 
ermoglicht worden ist. Ich habe dies nirgends geniigend scharf durchgefiihrt gefunden. Zwar 
verwirft Rudolf Haym in seiner Arbeit iiber Schopenhauer sehr energisch den Willen als ein 
Prinzip der Naturerklarung; zwar erlautert J. Volkelt den Zwiespalt in der Willensauffassung, 
will das Prinzip aber aufrechterhalten; K. Fischer spricht so gut wie gar nicht iiber den Willen; 
H- St. Chamberlain weist (ins andere Extrem verfallend) die Willenslehre ganz im 
allgemeinen ab, doch scheint mir iiberall zu wenig Gewicht auf die doppelte Anwendung des 
Begriffes gelegt worden zu sein. 

Einige Jahre vor Herausgabe seines Hauptwerkes hatte Schopenhauer den Willen als etwas 
GroBes und Heiliges empfunden. Er sagt dariiber: "Mein Wille ist absolut, steht iiber aller 
Korperlichkeit und Natur, ist urspriinglich heilig und seine Heiligkeit ohne Schranken." Dann 
aber nahm diese Vorstellung des als metaphysische Kraft erkannten Willens schillernde 
Farben an und als ein solches Chamaleon durchzieht sie fortan das ganze Werk 
Schopenhauers. 

Schopenhauer meint z. B., daB es das Wollen sei, wofiir wir uns allein verantwortlich fiihlen 
und wofiir wir auch allein verantwortlich gemacht werden konnten, da der Intellekt ein 
Geschenk der Goiter und der Natur sei; dieses zeige, daB man instinktiv den Willen als das 
Wesen der Menschen ansehe. Ganz recht, nur wird hier der Wille in der Bedeutung gebraucht, 
die dem Willen Schopenhauers, der ein zielloser und unabanderlicher egoistischer Trieb ist, 
gerade zuwiderlauft. 



Oder, wenn Schopenhauer die Welt als ein zweckmaBiges Ganzes hinstellt, in dem alles in 
einer "unbegreiflichen Harmonie" zueinander stehe, so reimt auch das sich nicht mit einem 
blinden Willen zusammen Der Notbehelf aber, der Wille sei zwar unverniinftig, 



[335] Schopenhauer als Dichter 

handle jedoch so, "als ob" er verniinftig ware, ist gar zu diirftig. 

Wenn weiter die Ideen starkere und schwachere Objektivationen des Willens darstellen 
sollen, so wird wieder einem ziellosen Wesen ein zielbewuBtes MaBvermogen zugesprochen, 
insofern namlich, je starker er sich objektiviere, urn so differenzierter werde er. 

Weiter fallt die ganze teleologische Naturauffassung aus Schopenhauers System heraus. Eine 
menschliche Handlung erfasse ich als solche nur dann, wenn ich ihren Zweck einsehe, d. h. 
wenn ich einen schaffenden, zielstrebigen Willen voraussetze. sehe ich die Natur aber als 
zielstrebig an, also als unbewuBte ZweckmaBigkeit, so setze ich ein ordnendes Prinzip, ganz 
gleich wie beschaffen, nur keinen wahnsinnigen, blinden, ziellosen Willen voraus. 

Eins muB also deutlich erfaBt werden: daB mit dem einen Wort Wille zwei grundverschiedene 
Begriffe bezeichnet werden. Der eine deutet auf ein der ganzen Natur mit ihrem einzig und 
allein auf Selbsterhaltung gerichteten streben entgegengesetztes Prinzip, der andere 
kennzeichnet das Wesen des Egoismus. Kurz, wir miissen Wille und Trieb unterscheiden. 
Wille ist immer der Gegensatz des Triebes und nicht mit ihm identisch, wie es Schopenhauer 
aus seiner monistischen Dogmatik heraus lehrte. Der Unterschied zwischen Wille und Trieb 
und Anziehungskraft ist kein quantitativer, sondern ein qualitativer. Fiihle ich in mir, hier hat 
Schopenhauer recht, eine tierische, ganz auf das sinnliche gerichtete, unterbewuBte oder in 
den Kreis des BewuBtseins tretende Begierde unbezwingbar herrschen und ihren ganzen 
Zweck eben in ihrem Dasein und in ihrem Sichdurchsetzen offenbaren, so kann ich, wenn ich 
Dichter bin, mir einen ahnlichen Trieb auch im Pflanzenreiche und im Mineralreiche denken. 
Ich kann aber diese dichterische Analogic nicht zur Grundlage einer philosophischen 



[336] Polare Richtungen des Wollens 

Weltanschauung machen. Ich kann dies um so weniger, da ich dann mit der Erklarung der 
Vernunft in einen Zirkel gerate, aus dem es kein Entrinnen gibt. 

Ich bin gezwungen, anzunehmen, daB der andere Faktor, welcher der Begierde entgegenwirkt, 
auch ein anderes Prinzip verkorpert; daB auch die Vernunft (die diesem Prinzip beigeordnet 
ist, mit seiner Hilfe das Joch des blinden Triebes, sei es zeitweise oder auf immer, iiberwinden 
kann) zwar durch das Gehirn bedingt, aber nicht durch dasselbe erzeugt ist, denn die Funktion 
eines Organes kann dasselbe nicht vorstellen. 

Ich bin gezwungen, festzustellen, daB mein ganzes wollendes Wesen ein polares, in zwei 
Telle geteilt ist: in ein sinnlich-triebhaftes und in ein iibersinnlich-willenhaftes; daB die zwei 
Seelen, die Faust in seiner Brust fiihlte, tatsachlich zwei Prinzipien sind, die nur ein blinder 
Dogmatismus als ein und dasselbe hinzustellen vermag. Horte Goethe "ganz leise, ganz 
vernehmlich" eine Stimme, die ihm sagte, was "zu tun sei", und was "zu fliehn", so riB ihn oft 



Leidenschaft nach der anderen Richtung. Die moralische Seite des Menschen beruht demnach 
darauf, daB der Mensch ein kategorisches Sittengesetz in sich walten weiB, und auch die 
Moglichkeit in sich spiirt, diesem Folge zu leisten. sonst waren alle Moralgebote nur 
Lacherlichkeiten und Christus und Kant miiBten reichlich dumme Menschen gewesen sein. 
sollen und Konnen setzen einander voraus: ohne Freiheit kein Verantwortungsgefiihl, keine 
Moral, keine Seelenkultur. 

Und zum SchluB hebt denn auch Schopenhauer sich selbst aus dem Sattel. Wenn der Trieb, 
der so gewaltig dahinbraust, von der tertiaren Vemunft erkannt, plotzlich sanft sauselt und 
lieblich zu schnurren beginnen soil, so ist das eine Konsequenz, die selbst dem von seiner 
Idee besessenen Schopenhauer bisweilen Kopfschmerzen gemacht hat. 



[337] Schopenhauers ungewollte Willensbejahung 

Das "Binsenschwert der Vernunft" (Deussen) kann durch Erkenntnis allein keinen 
Weltkonflikt Ibsen, woraus sich zwei Folgerungen ergeben: entweder geht man vom 
Tatsachlichen aus, und, Beispiele erhabenster Art sich vor Augen haltend, erkennt man die 
Moglichkeit des Sieges des Willens iiber den Trieb an; oder man macht einen Gewaltstreich 
und erklart die ganze Welt fiir unfrei, gibt damit jede Lauterungsmoglichkeit auf. Auf jenem 
Standpunkt standen Christus, Leonardo, Kant, Goethe, auf diesem die Inder und 
Schopenhauer. Aber ein einzigesmal erlaubt der letzte plotzlich ein In-die-Welttreten der 
Freiheit, einmal, als "einzige Ausnahme". Das sollen namlich, iiber welches sonst die Lauge 
des Spottes ausgegossen wird tritt zum SchluB als deus ex machina auf; dem chaotischen 
ziellosen Trieb wohnt nun plotzlich eine moralische Kraft inne, und die sittliche Weltordnung, 
auf die Schopenhauer mit Recht viel Gewicht legt, ist gerettet. sonst kennt der urspriingliche 
Wille Schopenhauers nur das Physische, nicht das Moralische; jetzt erscheint er als das 
Gegenteil. 

Also auch Schopenhauer wenn er die Verneinung des Willens lehrt, meint die Verneinung des 
Triebes und Bejahung des Willens. - 

Aber dieses ist eine Inkonsequenz des ganzen Systems und hebt es vollstandig aus den 
Angeln. Was Schopenhauer sein ganzes Leben iiber mit so viel Eifer und Energie verfochten 
hat, war die Behauptung, daB der Trieb das Wesen des Weltalls und des Menschen ausmache 
und mit dem Willen identisch sei; was er, erfreulicherweise zwar, aber unvereinbar mit 
seinem System, Zugibt, ist, daB dieser Wille zu gleicher Zeit ein moralischer, erlosender, ist, 
daB der Mensch auBer Trieb und tertiarem Verstand noch etwas ganz anderes darstellt. Der 
moralische Wille, wie er im letzten Buche von "Die Welt als Wille und Vorstellung" 
hervortritt, verneint die ganze 



[338] Naturalistischer Monismus 

Lehre seiner ersten Biicher und Schopenhauer gesteht spater in einem Brief, bedrangt von 
lastigen Fragern, daB "die Sache allerdings eine Art Wunder sei"... 

Diese erzwungen monistische Weltanschauung klafft weit auseinander und keine Zeit vermag 
sie mehr zusammenzufiigen. Was Schopenhauer spater iiber die im Ding an sich eingebettete 



Individualitat und ihre Unverganglichkeit sagt, ist schon und macht seiner gelegentlichen 
Selbstiiberwindung alle Ehre, reimt sich aber ebenfalls nicht mit dem immerwahrenden Spott 
iiber diese zusammen Er sagt: "... Es folgt, daB die Individualitat nicht allein auf dem 
principio individuationis beruht und daher nicht durch und durch bloBe Erscheinung ist; 
sondem daB sie im Ding an sich, im Willen des Einzelnen wurzelt; denn sein Charakter selbst 
ist individuell. Wie tief nun aber die Wurzeln gehen, gehort zu den Fragen, deren 
Beantwortung ich nicht iibernehme."* Das schreibt der Mann, welcher sein Leben lang 
behauptete, das Einheitsprinzip der Welt, den Stein der Weisen gefunden zu haben und alle 
schmahte, die dieses so unbedingt nicht wollten gelten lassen. 

Soil der als Wille verschleierte Trieb durchaus ein "Einheits"prinzip darstellen, so ist es nicht 
die Einheit des ganzen Menschen, sondern nur die Zusammenfassung einer Seite desselben, 
der natiirlichen. Dieses hat Schopenhauer in glanzender Weise durchzufiihren untemommen. 
Indem er den Trieb als das mehr oder weniger hervortretende Prinzip entzifferte, ist seine 
Lehre zwar kein materialistischer, wohl aber naturalistischer Monismus. Da Schopenhauer 
aber nicht ein blutloses Schemen, sondern eine machtige Personlichkeit gewesen ist, so noch 
einige Worte iiber ihn, da Schopenhauer-Naturen im deutschen Volke nicht selten sind. 

* Brief vom I. Man 1858. 



[339] Schopenhauer als Charakter 

3. 

Es sind oft Vergleiche zwischen Mensch und Werk angestellt und einerseits auf die 
klaffenden Gegensatze, andererseits aber auf das Zusammentreffen vieler Lehren mit der 
Personlichkeit hingewiesen worden. Und es ist wahr: der Mann, welcher sich alien Emstes als 
einen Religionsstifter betrachtete und Weltverneinung predigte, lebt ein recht sorgloses Leben 
als gut gestellter Patrizier und ist mit einer geradezu grotesk anmutenden Angstlichkeit um 
sein Wohlergehen bekiimmert. Er verlaBt eines bosen Traumes wegen und aus Angst vor der 
Cholera Berlin; er lebt in Frankfurt im ErdgeschoB, um sich bei Feuersgefahr schnell retten zu 
konnen; er fiihrt bei alien Besuchen einen Becher mit sich, um sich nicht einer 
Ansteckungsgefahr durch Trinken aus moglicherweise unsauberen Glasem auszusetzen... Hier 
tritt sein "Wille" mit einer bis zur Krankhaftigkeit gesteigerten Macht in Erscheinung. 

Schopenhauer war besessen von einem geradezu damonischen Angstgefiihl vor dem Tode; er 
war besessen von einem brutalen Egoismus und war von einer unsagbaren Wut gegen alle 
erfiillt, die etwas gegen ihn einzuwenden hakten. Er war aber zugleich ein weltumfassender 
Intellekt, an dessen genialen Einsichten und Geistesblitzen noch Tausende seelische 
Aufschliisse empfangen werden, der in manche Fragen wunderbar hineinleuchtete und ein 
Deutsch schrieb von einer Pracht, Farbigkeit und Klarheit, wie nur ganz Wenige unter den 
GroBten. 

Die "leise, vernehmliche" Stimme dagegen, von der Goethe und Kant berichteten, hat er nur 
selten gespiirt; sie trat bloB als unbestimmte Sehnsucht auf Er konnte die Feinheit 
Schleiermachers und die GroBheit Fichtes nicht fassen; er war erdriickt und erstickt von der 
Krankheit einer weitgehenden Selbstiiberhebung und sprach nur mit Schadenfreude von 
Schwachen jener, denen er im Leben begegnete. 



[340] Widerspriiche als inneres Erlebnis 

Das Wort vom Menschen, der kein ausgekliigelt Buch, sondem ein Naturgebild mit "seinem 
Widerspruch" sei, paBt auf keinen besser als auf Artur Schopenhauer; selten klaffte wohl der 
Widerspruch zwischen Trieb, Einsicht und Willen so machtig in einem Herzen. Im 
zunehmenden Alter fiihlte er mit Behagen den sinnlichen Trieb weichen und von da an ebben 
die Ruhmesspriiche zugunsten des grundsatzlichen Pessimismus (im Sinne von Verbitterung) 
merklich ab. Als 70jahriger Greis schreibt er: "DaB das alte Testament an zwei Stellen 70 bis 
80 Jahre setzt, wiirde mich wenig scheren, aber dasselbe sagt Herodol auch an zwei Stellen: 
dies hat mehr auf sich. Allein der Heilige Upanishad sagt an zwei Stellen: 100 Jahre ist das 
Menschenleben... Das ist ein Trost."* 

Friiher hat Schopenhauer jedoch den inneren Kampf Zweier Naturen entschieden tief gefiihlt; 
sein Hauptwerk ist auch nicht, wie manche oberflachliche Philosophen (Fischer) behaupten, 
von einem Zuschauer angesichts des Theaters des Lebens geschrieben worden, sondern von 
einem vom Damon ergriffenen Mitspieler. Er hatte sonst als Intellekt doch leicht die 
auseinanderklaffenden Stiicke seines Werkes gesehen, so aber waren sie die Widerspiegelung 
eines wirklichen Erlebnisses. Wie Schopenhauer selbst sich unter einem groBen Triebe 
winden fiihlte, so schien ihm auch die ihn umgebende Welt demselben unentrinnbar 
preisgegeben. Wie er selbst seinen Intellekt sich weiten sah, so lieB er ihn auch in seinem 
Werk das Joch des Triebes theoretisch ganz abstreifen. Und wie er selbst nur ein 
ohnmachtiges Ahnungsgefiihl des freien Willens besaB, so tritt die moralische Weltordnung 
auch am Schlusse nur ganz verschamt zutage. DaB die Erkenntnis des Triebes allein ihn 
iiberwinden konnte, hat Schopenhauer als Sehnsucht gepredigt, er hat es selbst aber, trotz 

* Parergall, 8. Kap. §116. 



[341] Mensch und Werk 

aller Einsicht, nicht verwirklichen konnen. Und wenn eine s o 1 c h e Intelligenz es nicht 
zustande brachte, dann richtet sich dieses grandiose Selbstbekenntnis, und ein solches ist "Die 
Welt als Wille und Vorstellung", von selbst. Schopenhauer hatte nicht sehen, oder aus 
krankhaftem Festhalten an einer dogmatischen Anschauung nicht zugeben wollen, daB nicht 
eine theoretisch gelehrte philosophische Einsicht allein helfen kann, sondem das Auftreten 
eines Faktors, iiber den alle wahrhaft GroBen verfiigt haben: des den Trieb meisternden oder 
iiberwindenden Willens. Wenn Buddha den Trieb als Leiden erkennt, so ist das nur die eine 
Seite seines Wesens; wenn er ihn aber durch die gelebte Tat zuriicksetzt, so ist das die 
willenhafte andere. Wenn Christus gegen das " Ottemgeziicht" auftritt, wenn er einer Idee 
wegen den Tod auf sich nimmt, so ist dieses die Wirkung eines dem Triebe zum Leben 
entgegengesetzten Prinzips der Freiheit, welches keine Disputation aus der Welt zu schaffen 
vermag und das nicht auf Einsicht allein gegriindet ist. 

"Das selbstandige Gewissen", wie es Goethe verstand, tritt als "Sonne des Sittentages" in die 
Erscheinung, als ein Prinzip, das Schopenhauer iiberwunden zu haben glaubte, indem er es in 
den Trieb hineinschmuggelte, um dann beides durcheinanderschillem zu lassen. 



Die Philosophie Artur Schopenhauers ist ein mit vielen Kostlichkeiten gefiilltes, durch das 
eiseme Band seiner robusten Individualitat gehaltenes GefaB. Nun dies Band gefallen ist, 
liegen alle Teile, so schon sie als solche sind, durcheinander. Die Personlichkeit reichte nicht 
aus fiir ein vollendetes, abgerundetes Werk, und Schopenhauers Philosophie war ein 
tragischer Traum eines verzweifelten Suchers. Der Wille, in dessen zersplitterten AuBerungen 
und auf dessen Zufallen der„ geniale Weltgeist seine sinnvollen Melodien spieh", kann nur 
ein genialer Wille sein. Der Wille aber, der nur grundloser, zielloser, blinder 



[342] Schopenhauers tragischer Kampf 

Drang ist, ist ein rein tierischer Trieb. Jener ist ein werteschaffendes, dieser ein 
unschopferisches, niederziehendes Prinzip. Jener offenbart uns die Wiirde im 
Menschenwesen, dieser die nichtige Seite desselben. Alle groBen Kiinstler und Heiligen sind 
vom ersten erfiillt, sie haben ihn in den Taten als Kunstwerk und als Leben geformt; sie haben 
durch ihn und durch die ideenbildende Vernunft den Trieb in Bahnen gelenkt, wo er als 
Material ihres Schaffens seinen angemessenen Platz fand. Artur Schopenhauer wollte auch 
darauf hinaus, und versagte, well ihm zum Intellekt der Wille fehlte. Dieses ist die Tragik 
seines Lebens und seines Werkes. Und als eine solche Tragik wird Schopenhauer unserer 
Ehrfurcht stets gewiB sein, als das Beispiel eines heroischen - und in seiner Gewaltigkeit echt 
abendlandischen - Kampfes urn das Wesen dieser Welt; ein Mensch hat hier alles auf eine 
Karte gesetzt, und diese hat fehl geschlagen. Die verzweifelten Aufraffungen zur Hohe enden 
immer mit einem Zuriickfallen ins Nichts. Aber auch der doch ganz unindische Schopenhauer 
bekannte, das Hochste, was ein Mensch erreichen konne, sei ein "heroischer Lebenslauf '. Das 
ist ein nordisches Bekenntnis, wie es schoner nicht gefunden werden kann. Und deshalb ist 
auch Arthur Schopenhauer - unser. 



Fiir das, was ich in diesem Buche sagen mochte, scheint mir die vorhergehende 
Auseinandersetzung mit der Philosophie Schopenhauers besonders wichtig. seine Schriften 
liegen heute nicht nur auf den Tischen des Professors, sondern ebenso auf denen des 
Geschaftsmannes und haben dank ihres glanzenden Stils und bestechender Uberredungskunst 
ihren Weg in weiteste Kreise gefunden. Der Begriff des "Willens" ist somit allerorts gelaufig 
und wird wohl jetzt meist im sinne Schopenhauers als ein blinder Drang 



[343] Fiinf Formgebiete des Willens 

aufgefaBt, auch wenn eine andere Anschauung halb unbewuBt immer nebenher geht. Diesen 
Willensbegriff gait es einer kurzen Untersuchung auszusetzen und seinen Widerspruch in sich 
selbst aufzuzeigen, bzw. ihn als Trieb und nichts anderes zu deuten. Der Wille muB in seiner 
alten Reinheit, als ein dem egoistischen Triebe entgegenwirkendes Prinzip aus dem Reiche 
der Freiheit, wie Kant und Fichte es meinten, aufgefaBt werden, will man sich eine Grundlage 
fiir nordisches Lebensgefiihl wieder freimachen. Diese Auseinandersetzung ist aber auch fiir 
das Begreifen der abendlandischen Kunst und ihrer seelischen Einwirkung von grundlegender 
Bedeutung. Wenn ich von einer nicht willenlosen aesthetischen Kunstauffassung spreche, so 
will ich nicht etwa die unmogliche Behauptung aufstellen, daB die Kunst auf den Trieb, den 
"Willen" Schopenhauers wirken soil, sondern daB sich Kunstwerke, und besonders eine 



bestimmte Gmppe von ihnen, nicht allein, oder iiberhaupt nicht an das in kontemplative 
Stimmung versenkte Subjekt des Erkennens wenden, sondern eben auf die Erweckung einer 
seelischen Aktivitat, eines Willens abzielen. 

Eine der wichtigsten Einsichten in das Wesen alles Menschlichen, ist die Anerkennung der 
Tatsache, daB er ein formendes Geschopf ist. Aller seiner seelischen und vemiinftigen 
Tatigkeit liegt das streben nach Umwandlung Zugrunde; nur auf diese Weise kann er sich der 
umliegenden Welt bemachtigen, sie als Einheit fassen so formt er sich aber auch mit seinen 
Kraften sein eigenes Innere und projiziert diese Tat hinaus als Religion, Moral, Kunst, Idee 
der Wissenschaft, Philosophic. Fiinf Tendenzen leben im Menschen; jede fordert eine 
Antwort. In der Kunst sucht er nach auBerer und innerer Form; in der Wissenschaft die 
Wahrheit im Zusammentreffen von Urteil und Naturphanomen; von der Religion verlangt er 
ein eindringliches Symbol des Ubersinnlichen; in der Philosophic fordert er die 
Ubereinstimmung von Wollen und 



[344] Farbigkeit der Kulturen 

Erkennen, von Religion und Wissenschaft. In der Moral schafft er sich die notwendigen 
Leitsatze des Handelns. 

Jedesmal, wenn der Mensch eines dieser fiinf Gebiete betritt, spricht ein andersgerichtetes 
Formen, ein anderstatiger Wille. Dies Streben des Wollens und Erkennens ist aus der ganzen 
Natur nicht zu deuten, es sind Tendenzen, die dem Triebe und seiner Befriedigung entweder 
gleichgiiltig (Wissenschaft, Philosophic) oder kampfbereit gegeniiberstehen (Moral, 
Religion), oder beide in das Bereich ihrer Gestaltung ziehen (Kunst). Eine Unterscheidung 
dieser verschiedenen Einstellung der seelischen Krafte, die auf Wille und Vernunft 
zuriickgehen und sich in der Seele, in der Personlichkeit vereinigen, bedeutet die erste 
Voraussetzung einer echten Kultur. Ihre einheitliche Lebensformung den Mythus einer Rasse. 
Die Unterscheidung kann naiv-unbewuBt oder philosophisch-bewuBt vollzogen werden; in 
welcher Art und Farbigkeit der Betonung der einzelnen Tendenz dies aber vor sich geht, auch 
davon hangt die Mannigfachheit, der Beziehungsreichtum einer Kultur ab als Ausdruck einer 
seelisch bestimmten Rasse. 



Weiter zu: Ill.Personlichkeits- und Sachlichkeitsstil 
Zuriickzum "Mythos d. 20. Jahrhunderts" 

Der Mythus des 20. Jahrhunderts 

Alfred Rosenberg 

[345] bis [404] 

III. Personlichkeits- und Sachlichkeitsstil 



1. 

Der Raum ist ein Zugleich, das Wesen der Zeit ein Nacheinander; der Raum ist nur als Ruhe 
verstellbar, die Zeit nur an der Bewegung meBbar. Eine kiinstlerisch-statische Seele wird 
deshalb stets die Raumkiinste bevorzugen und auch in den anderen mehr ein seelisches 
Nebeneinander, als ein Nach- und Auseinander betonen. Eine kiinstlerisch-dynamische 
Schopferkraft wiederum wird alle Qualitaten der auBeren und inneren Bewegung in ihrer 
Kunst zu verwirklichen suchen, d. h. sich besonders der Kiinste der Zeit (Musik, Drama) 
bemachtigen und auch in den Kiinsten des Raumes Entwicklung, Werden darstellen; sie wird 
sich bemiihen, selbst im Zugleich des Raumes Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft in 
einen Augenblick zusammenzupressen. Deshalb ist z. B. die Malerei des Abendlandes in 
erster Linie Bildniskunst. Das besagt: in einer notwendig raumlichen Form eines Zugleich 
muB hochste innere Bewegung hineingezaubert werden: die Dynamik eines ganzen Lebens in 
einem Augenblick erlebt. so war die Kunst Rembrandts, Leonardos, Michelangelos geartet. 
Dynamik aber ist stets Willensentladung. Auch in der Kunst. 

Diese Uberlegungen sind grundlegend, um das Wesen der Antike und des Abendlandes zu 
erfassen, wenn man namlich eingesehen hat, daB Hellas kiinstlerisch-statisch war, Europa 
kiinstlerisch-dynamisch-willenhaft veranlagt ist. Die Folge dieser verschiedenen seelischen 
Einstellung waren zwei 



[346] Die Zwiefachheit des Schaffens 

Stiltypen, die ich Sachlichkeits- und Personlichkeitsstil nennen mochte. 

Jeder ernste Erforscher kiinstlerischer GesetzmaBigkeit hat sich gezwungen gesehen , zum 
mindesten eine Zwiefachheit des Schaffens anzuerkennen Wie bei Besprechung des 
Schopenhauerschen Willensbegriffes festgestellt wurde, scheiterte dessen metaphysischer 
Lehrsatz an einer unnatiirlichen Vermischung zweier Tendenzen des Wollens. Trieb und 
Wille stehen in gemeinsamer Front zum Intellekt, sind Zwar beide ein Wollen, aber nach 
auseinanderstrebenden Richtungen. Kunstschaffen als solches ist nun zwar immer ein fireies 
Formen, aber auch hier teilt sich dieser urspriingliche Formwille in mindestens zwei 
Kraftstrome. Dies ist, wie gesagt, keine neue Entdeckung. Man nannte z. B. die eine Art von 
Kunstwerken apollinisch, die andere dionysisch und wollte damit sowohl Gemiitsunterschiede 
wie verschiedene Stile des Kunstschaffens bezeichnen. Diese Pragung Nietzsches hat im 
Rahmen griechischer Kunst ihre Berechtigung. Aber grundfalsch war es, diese mit dem Geist 
des Hellenentums untrennbar verbundenen Begriffe auf die Kunst anderer Volker zu 
iibertragen. Nordisch-abendlandische Kunst ist nie apollinisch, d. h. heiter, abgewogen, 
harmonisch-formal und nie dionysisch, d. h- sinnlich allein erregt, ekstatisch. Man kann die 
deutschen Worte sogar nicht fmden, um den Hauch hellenischer Kunst richtig aufzufangen. 
Man muB Kallikrates, Phidias, Praxiteles, Homer und Aeschylos vor Augen haben, 
griechischen Ahnenkult und Bacchusspiele, Grabmaler und Unsterblichkeitsglauben, um zu 
begreifen, was apollinisch und dionysisch besagen soil. Diesen anderen Seelenausdruck auf 
deutsche Kunst zu iibertragen, ist unmoglich gewesen und hat nur Verwirrung gestiftet. 

Schiller hatte seinerseits die Zwiefachheit des Kunstschaffens (nur auf die Dichtung 
beschrankt) als naiv und sentimentalisch zu deuten versucht. Er ist dadurch in manche 



[347] Durch die Natur hindurch 

Sackgasse geraten, so sah er sich z.B. gezwungen, sowohl Homer als auch Shakespeare als 
naive Dichter zu bezeichnen. Sein scharfer Verstand hat ihn zum SchluB aber immer wieder 
aus jeder Enge gerettet. Und wenn er auch am Zwangslehrsatz der aesthenischen 
Kontemplation festhalt, so steckt in jeder seiner Abhandlungen doch eine so groBe Menge 
tiefer, unser Wesen aufschlieBender Beobachtungen, daB jeder Deutsche seine "Aesthetischen 
Briefe", "Uber naive und sentimentalische Dichtkunst", "Uber Anmut und Wiirde", "Uber das 
pathetische", "Gedanken iiber den Gebrauch des Gemeinen und Niedrigen in der Kunst" usw. 
kennen miiBte. 

Die weitere gebrauchliche Einteilung in einen idealistischen und naturalistischen Stil ist 
weder formal aufklarend noch sonstwie ergiebig. Denn germanische Kunst ist immer beides 
zusammen gewesen Bin Leonardo, der seinen Schiilem empfiehh, auch die Schmutzflecken 
an der Wand zu studieren, und welcher zugleich den Christuskopf Zeichnete; ein Diirer, der 
mit mikroskopischer Treue ein Haschen oder einen Vogelfliigel mah, "Ritter, Tod und 
Teufel" und die "Kleine Passion" schuf, waren "Idealisten" und "Naturalisten" zugleich. Ein 
Rembrandt schreckt vor keiner Schilderung auch des tierischen Menschen zuriick und ist doch 
Schopfer des "Verlorenen Sohnes". Ein Griinewald erspart uns keine Darstellung korperlicher 
Martern und malt daneben die Auferstehung; ein Goethe dichtet den Blocksbergsabbath und 
den Chorus mysticus in einem Werk. 

Europaische Kunst war nie ein "Idealisieren" in dem uns gelaufigen siiBlichen sinne, nie ein 
angstliches Vermeiden oder Besanftigen der Natur. Durch die Natur hindurch ging vielmehr 
der Weg der Formung abendlandischer Kiinstler. Ehe die Natur iiberwunden wurde, war sie 
unerbittlich zum Ausdruck gebracht worden. 

Es war nicht ein Harmonie-Schonheitsideal im Sinne 



[348] Die Formung der Seele 

der Antike, das Europa beherrschte, sondern das Ideal eines sich riicksichtslos verkorpemden 
neuen aesthetischen Willens. 

Darum kann man, um das Wesen unserer Kunst zu offenbaren, nicht eine Philosophic des - 
stets statisch - Schonen und des Harmonischen schreiben, also den aus der Antike 
gewonnenen MaBstab anwenden. Der Begriff des schonen muB - um iiberhaupt brauchbar 
werden zu konnen - einen erweiterten Sinn erhalten Als "schon" kann dann neben dem 
nordischen Rassenideal fiir uns nur die durch die Stofflichkeit hindurchdrangende innere 
Ausstrahlung eines bedeutenden Willens gelten. 

Die Schonheit der Neunten Symphonic ist eine wesentlich andere als die Schonheit eines 
griechischen Tempels; Rembrandt Tituskopf in Petersburg ist eine andere schone Seele als der 
Apoll des Praxiteles. 

Griechische Schonheit ist das Formen des Korpers, germanische Schonheit ist die Formung 
der Seele. Das eine bedeutet auBeres Gleichgewicht, das andere inneres Gesetz. Das eine ist 
als Ergebnis sachlicher, das andere personlicher Stil. 



Auch die Bezeichnung: typisierender und individualisierender Stil ist ofters gebraucht 
worden. Und da gewohnlich nicht weiter und tiefergehend geforscht wird, so meint man, der 
typisierende Kiinstler sehe mehr von Zufalligkeiten ab und suche nur die groBen Ziige des 
Charakters zu gestalten, der individualisierende hingegen liebe gerade diese Willkiirlichkeiten 
und Eigenwilligkeiten. Durch eine derartige Betrachtungsweise wird das Stilproblem nur als 
eine Methode und nicht als kiinstlerische Notwendigkeit erfaBt. Man kann dann seitenlang 
lesen, wie der eine Kiinstler sich bald den, bald jenen Stil herausgesucht habe, urn "in seinem 
Geist" zu arbeiten. DaB es sich urn innere Vorgange handelt, wird meist auBer acht gelassen, 
und so kommen Hochgelehrte sogar zu dem SchluB, Faust sei 



[349] Methoden und Wesensgesetze 

im ersten Teil das Ergebnis des individualisierenden, im Zweiten des typisierenden Stils. 

Das innere Werden der Personlichkeit kann auf diese Weise natiirlich nicht erfaBt werden. 
Denn werden Personlichkeit, Individualitat und Subjektivitat als ein und dasselbe hingestellt, 
so ist eine Verwirrung nach der anderen die notwendige Folge. 

Der typisierende und der individualisierende Stil sind nicht zwei Methoden, die die Manner 
aus alien Volkern je nach Bedarf anwandten, sondern Sachlichkeit- und Personlichkeitsstil 
sind Wesensgesetze des kiinstlerischen Schaffens bestimmter Volker, dann, im engeren sinne, 
auch einzelner Kiinstler selbst. 

Gleiche Worte sind nie wie gleichwertige Miinzen. Je nach Umgebung vermitteln sie 
verschiedene Begriffsschattierungen. Immerhin muB man sich aber iiber den vorwiegenden 
Sinn einer Bezeichnung einigen und fiir andere Schattierungen moglichst andere Worte 
wahlen. Personlichkeit (Wille plus Vernunft) ist die dem Stoff entgegengesetzte, das 
Metaphysische im Menschen darstellende Macht, im engeren sinne die innere und rastlos 
wirkende Tatkraft [Aktivitat] des inneren Wesens, das Urratsel (Urphanomen) der 
germanischen Seele, Person (Trieb plus Verstand) ist der Leib des Menschen und seine 
Interessen Individualitat bedeutet die hier auf Erden untrennbare Vereinigung von Person und 
Personlichkeit. "Individuelle" Behandlung bezieht sich auf diese Einheit, "personliche 
Behandlung" auf Personlichkeit, subjektive Darstellung auf die aus der Person verstandlichen 
Triebfedern. 

Der Gegenstand (das Objekt) ist immer die Welt. Darunter auch der Mensch als Person. Die 
Starke der Sachlichkeit (Objektivitat) der Kunst hangt von der starke und Verschiedenheit 
dieser Einstellungen ab. Alle die bisher zwischen objektiver und subjektiver 



[350] Personlichkeit und GesetzmaBigkeit 

Richtung des Schaffens Wesensunterschiede fanden, sahen sich durch diese nicht weiter 
verfolgten Untersuchungen veranlaBt, der Objektivitat nur Subjektivitat, d. h. Willkiir bzw. 
dem Gegenstandswert entgegengesetzte Stimmungsgefiihle ohne stilbildende Kraft 
gegeniiberzustellen. Daher sie auch alle - um die groBen Kiinstler vor dieser Ausdeutung zu 
schiitzen - die "kristallklare Objektivitat" als ihr Wesen und als den alleinigen MaBstab 
hochster Kunst kennzeichneten. Einer zu schnell abgeschlossenen Zergliederung folgte eine 



fehlerhafte, zum mindesten einseitige Zusammenschau, ein geistiger KurzschluB. Diese 
Zwangslehre von der Allgemeingiiltigkeit des MaBstabes der "Objektivitat" gilt es 
abzustreifen. 

Goethe hat einmal ein sehr merkwiirdiges Wort gesprochen. Er meinte, jedem personhchen 
Willen entspreche etwas Objektives in der Natur, d. h. jedes personliche kiinstlerische Wollen 
konne in ein Sachlich-GesetzmaBiges, in ein Organisch-Gesetzhches umgewandelt werden, 
bzw. es finde dort sein Gegenstiick. Diese ganz bestimmte, personliche Einstellung zur Welt 
des Stoffes hat nun tatsachlich zu den innerlich wuchshaften GroBtaten der "Romanik" und 
Gotik gefiihrt, die in ihrer inneren Einheitlichkeit einzig dastehen. Das Gefiihl dieses 
selbstverstandlichen den Kathedralen von Reims, Ulm, StraBburg gegeniiber hat uns lange 
iibersehen lassen, welche Gewalt in diesen Werken dem Steine angetan worden ist. Wir haben 
nicht darauf geachtet, welche groBe, formende Eindringlichkeit, welche starkste innere 
kiinstlerische Kraft dazu gehort haben muB, urn den sproden Stoff einer Idee dienstbar zu 
machen, die ihm offensichtlich entgegenwirkte. Denn man mache sich klar: aus Stein 
durchsichtige Spitzenmuster schlagen und Tiirme damit bauen, war in dieser Weise noch 
keinem Volke eingefallen. Der Steinblock, das Relief, die massige Skulptur bedeuteten friiher 
Denkmals-Bildhauer-Kunst. Hier in der Gotik war ein neuer Geist 



[351] Der Subjektivismus 

aufgetreten. Und doch: der StraBburger Dom ist, er steht da, wie aus dem Boden gewachsen, 
er wirkt objektiv, d. h. sachlich-gesetzmaBig. 

Hier zeigt sich ein bemerkenswertes, zu tiefstem Forschen auf alien Gebieten anregendes 
Verhaltnis: die wuchtigste kiinstlerische Personlichkeit tragi iiberall als Schwerkraft Gestalt, 
d. h. lebendige GesetzmaBigkeit mit Sicht Hat sie, nach einigen gewaltsamen Versuchen, sich 
die den Stoff beherrschenden Mittel angeeignet, so ist das Kunstwerk am Ende eine organisch 
wirkende Schopfung. Echte Personlichkeit steht anfanglich dem zu bezwingenden 
Gegenstand feindlich gegeniiber, dann wird dieser gezwungen, auf einen formenden Willen 
zu antworten, und wenn dies geschieht, ist Personlichkeitsstil die Folge. 

Der Subjektivist ist nicht von einer Willensrichtung beherrscht (auch beim einzelnen Werk 
nicht), sondern von inneren und auBeren Zufalligkeiten. Der Subjektivismus bedeutet in jeder 
Hinsicht und auf jedem Gebiete die Vergewaltigung sowohl der Personlichkeit wie des 
Objekts, der "Sache"; er ist manchmal liebliches Spiel, oder abstoBende Ungestalt (von der 
Seite der Form), dann wieder sinnliche Neckerei, tollhauslerische Anarchie oder 
hemmungslose Begierde (als Gefiihl), doch das eine wie das andere ohne innere noch auBere 
GesetzmaBigkeit, ohne innere Gestalt noch auBere Form. Der Subjektivismus als 
philosophisches sowohl als auch als rein kiinstlerisches Problem ist das Ergebnis einer 
inneren Unfruchtbarkeit (der rassischen Zerkreuzung) eines Volkes, einer Individualitat, einer 
ganzen Zeitepoche oder iiberhaupt - als Ende - das Gleichnis eines seelisch-rassischen 
Zusammenbruchs. 



Nirgends stehen sich kiinstlerische Statik und kiinstlerische Dynamik so klar gegeniiber, wie 
in der 



[352] Griechischer Tempel und gotische Kathedrale 

griechischen und gotischen Baukunst. Innerhalb aller nordischen Architektur bilden diese 
Schopfungen die denkbar scharfsten gegensatzlichen AuBerungen des formenden Willens. 

Die Gotik bedeutet den nur einmal im Ernst versuchten und auch nur einmal in der ganzen 
Geschichte der Baukunst gelegenen Versuch, eine Raumkunst aus einem metaphysischen 
Zeitgefiihl heraus zu gestalten. Das Wesen der Zeit ist bedingt durch eine Richtung, im 
Gegensatz zu den drei Dimensionen des Raumes. Die Gotik kennt auch nur ein Nacheinander 
der Formen, ein streben nur nach einer Richtung. sie steht deshalb im Kampf sowohl mit dem 
Stoff, mit dem Steinblock, mit waagerechter Last und senkrechter Stiitze, wie mit den 
raumfordernden Mitteln, der Wandflache, der Decke. Gotik ist deshalb die Erfiillung einer 
Sehnsucht, die auch nur ein Vorwarts kennt, sie ist die erste steinerne Verkorperung der 
dynamisch-abendlandischen Seele, wie sie spater die Malerei wieder zu verkorpern suchte, 
die sich aber dann erst in der Musik - zum Teil auch im Drama - restlos verwirklichen 
konnte. schon aus diesem allgemeinen Gesichtspunkt heraus ist die Gotik etwas im hochsten 
Grade personhches: das ewige Ubervernunftvolle (Irrationale), Willenhafte des Abendlandes 
in der zeitlich bestimmten Form einer ihrer rhythmisch wiederkehrenden Schwingungen. 

Selbstverstandlich war auch der griechische Tempel der Ausdruck eines Volksempfmdens 
und somit im gewissen Sinne der Ausdruck einer Personlichkeit. Verstehen wir aber (und das 
soil jetzt immer geschehen) unter Personlichkeit stets einen Gegensatz zum Stoff, ein 
angreifend tatiges und unermiidliches Bestreben, den Stoff zum Gleichnis fiir innerstes 
Wollen und kiinstlerische Formkrafte umzugestalten, so werben wir im griechischen Tempel 
von diesem Willen nur wenig verspiiren: der griechische Tempel wurde zwar einem Gott zu 
Ehren gebaut, beherbergte auch ein Standbild dieses Gottes, trotzdem aber war nicht dieser 



[353] Struktur der dorischen Baukunst 

doch dadurch geheiligte Innenraum das Wesentliche, sondem die auBere Gesamtgestalt. Der 
ganze Bau wird also von vomherein als ein Stiick Plastik empfunden, und zwar als eine in 
sich ruhende tubische Raum-Gestaltung. Der griechische Tempel steht vereinzelt, weist keine 
notwendigen Beziehungen zu seiner Umgebung auf, soil, trotz einer Hauptfassade, allseitig 
betrachtet werden. Der klassische dorische Bau ist die vollendetste, in sich ruhende 
Rhythmisierung des Raumes. In den MaBstaben der Einzelteile verbergen sich die MaBstabe 
des Ganzen; keine Linie, kein Schmuck, der iiber die Tempelform selbst hinausweist. Alles ist 
gelauterte, anschaulich faBbare, oder doch erlebte Funktion; Last und stiitze sind auf die 
klarste Weise zum Ausdruck gebracht und stehen in vollkommenem Gleichgewicht 
zueinander. 

Der ganze Bau ist dreischichtig: das lastende Dach mit Fries und Architrav, die tragende 
Saulenreihe, die breit auslaufende Stufenunterlage. Weil das g e s a m t e Werk als ein Stiick 
aufgefaBt wird, z.B. die klassische dorische Saule ohne Basis. Hatte der Grieche auf das 
Einzelne gesehen oder sehen miissen, so ware die Basisverwendung sofort eingetreten (wie 
spater zur Zeit der lonik und der Renaissance). In dorischer Zeit jedoch bildete der ganze 
Unterbau die Basis fiir die ganze Saulenreihe und die durch diese iibermittelte Last. Die Last 
des Daches wird an einzelnen punkten von den Saulen erfaBt. Gleichsam als Polster schiebt 



sich hier das dorische Kapital ein, das in seinem UmriB der mathematischen Kraftlinie folgt 
und bis in seine letzte Linienfiihrung die genialste Schopfung eines auf Sachlichkeit 
ausgehenden Stilwillens darstellt. Der Charakter des Entgegenstemmens der Saule wird durch 
eine kleine Anschwellung des Schaftes angedeutet. Das Waagerechte der Last ist durch die 
Dreiteilung des Architravs nochmals betont, wahrend das Uberhangende des 
Karniesvorsprungs durch die Tropfen versinnbildlicht 



[354] Technische Voraussetzungen der Gotik 

wird. Dariiber ragt die freie Endigung des Kymation mit leichtem Schwunge in die Luft. Auf 
den Giebelecken und an der Giebelspitze stehen die Akroterien als Ruhepunkte. Aus 
statischen und bildformalen Griinden sind die Ecksaulen etwas verstarkt und nach innen 
gebeugt, aus perspektivischen Erfahrungen die stufen nicht streng horizontal gelegt. Wir 
finden also iiberall einen nach dem Ausdruck des Objektiven und zugleich mit formaler 
Genialitat strebenden Kiinstlerwillen. Die Schwankungen in den Verhaltnissen der 
Saulenordnungen, die Einfiihrung reicheren schmuckes in den Giebelfeldern, auf den Friesen, 
die leichter werdende lonik, dies alles hat das griechische Leitmotiv nicht im wesentlichen 
verandert. Uber ein halbes Jahrtausend hindurch hat dieser klare und freie griechische Genius 
immer wieder das als vollendet anerkannte Grundgesetz umgestaltet und unverkennbare 
Spuren iiberall da hinterlassen, wo er wirken konnte. 

Es ist kein immer wieder spiirbares inneres Drangen, kaum ein in unserem Sinne 
Personliches, was da aus den Steinen spricht. Es ist auch so gut wie nichts subjektives, 
sinnliches Ausdriickendes dabei: es ist der nur einmal in der Welt in dieser Vollendung 
geborene Geist kiinstlerischer Sachlichkeit. 

Auch die Gotik anerkennt natiirlich sachliche Voraussetzungen: das technisch klare Baugesetz 
(Konstruktion). Man hat ja sogar versucht, sie aus rein ingenieurmaBigen Erwagungen heraus 
zu "erklaren". Aber dem germanischen Geist (die Gotik gehort zur germanischen Epoche des 
nordischen Abendlandes, im Unterschied zur deutschen, die bewuBt im 18. Jahrhundert 
begann, aber erst heute zum hellen BewuBtsein erwacht), waren die neuen technischen 
Erfmdungen, wie Spitzbogen, Strebewerk, Rippengewolbe doch nur Mittel zum Zweck, um 
ein neues Wollen zu verwirklichen, nicht Ziel. Dieser neue Wille ergriff selbstherrlich die 
vorliegenden Formen und es ist begreiflich, wenn 



[355] Gotischer Rhythmus 

grazisierende Kiinstler, Philosophen und Aesthetiker iiber "rohe Vergewaltigung griechischer 
Schonheit" zeterten. In Wirklichkeit erhalten alle vorliegenden Formelemente nur eine andere 
Wirksamkeit (Funktion) als friiher. Die einzelne Saule, friiher eine gedrungene stiitze, verliert 
als Einzelglied ihre Selbstandigkeit. sie wird mit anderen zu einem Pfeilerbiindel 
znsammengetan und moglichst in die Hohe gereckt. Das Kapital dieses Biindels ist nicht als 
ein Polster zur Ubemahme einer Last aufzufassen, sondem bedeutet nur einen Taktschlag im 
LinienfluB: es wird wesentlich die Betonung des Ansatzes des reich gezeichneten 
Spitzbogens. Aus einer rein statischen Aufgabe wird hier also eine dynamische Wirksamkeit. 



Alle technischen Vorziige der neuen Bauweise werden dabei klar erkannt und ausgenutzt. Die 
Moglichkeit, bei gleicher Bogenhohe ungleich groBe Raume zu iiberspannen, den 
Gewolbedruck durch Rippengewolbe an nur wenigen Punkten anzusetzen, diesen dann durch 
Strebebogen auffangen zu lauen und den starken Widerlagern zu vermitteln ... 

Dieses ganz neue Spiel der Krafte schafft andere baugesetzliche Unterlagen und fordert 
Losungen, die nur aus der seelisch-technischen Eigenart heraus, nicht durch griechische 
MaBstabe getriibt, beurteilt werden konnen. Wenn z. B. Schopenhauer behauptet, das Wesen 
der Baukunst bestehe darin, das gegenseitige Verhaltnis zwischen Last und Stiitze moglichst 
klar zum Ausdruck zu bringen, dies wiederum geschehe am besten durch die Waagerechte 
und die Senkrechte, so steht er vollkommen unter griechischem EinfluB. Das Spiel von Druck 
und Gegendruck ist in der Gotik viel lebendiger und mannigfacher als im griechischen 
Tempelbau. Von hier aus gesehen ist die griechische Losung diirftig und begrenzt, mehr 
statisch als dynamisch, Beharrungszustand, weniger flutender LinienfluB. Dazu gesellt sich 
bei den gotischen Baukiinstlern ein bewuBtes Durchfiihren von harmonischem, fiihlbarem, 
aber unaufdringlichem 



[356] Das Streben nach oben 

Rhythmus. so z. B. bilden die Verbindungslinien zwischen Scheitel und Ansatzpunkt des 
Bogens des Mittelschiffes und die Linien, die von einer Basis zum Kapital des 
nebenstehenden Pfeilerbiindels fiihren, stets Parallelen. Die erstgenannte Linie trifft bei ihrer 
Verlangerung in den FuB der Saule des Seitenschiffes. Dieselben Uberlegungen fmden beim 
Entwerfen der Seitenfassaden und des ganzen AuBenbaues statt. Es ist also nicht zu 
bezweifeln, daB das rein sachliche des Aufbaus nie vernachlassigt wurde; wie hatten sich 
denn auch die Tiirme in die Liifte recken konnen! Aber trotzdem: dies alles war nur Mittel 
zum Zweck. Denn aller Stoff ordnete sich einem bestimmten Willen unter. Dieser Wille 
entstrebte der Erde, er wollte nichts mehr vom Druck der waagerechten Last wissen, er wollte 
alle Erdenschwere iiberwinden, er wollte keinen Funktionsbau des Stoffes, sondern das 
Wirken einer ganz bestimmten Seelenbewegtheit ausdriicken. Er suchte nicht nach 
Vorbildem, er nahm selbstherrlich vorliegendes Material, priifte es und driickte ihm dann 
seinen Stempel auf: er war Personlichkeit. Durch die schrage Kraftiibertragung war die erste 
Moglichkeit gegeben, diese Idee zu verwirklichen. 

Aus gegliederten Widerlagern strebt ein durchbrochener, reichgezeichneter Bogen hinauf; 
dessen aufsteigende Linie wird vom spitzen Dach weitergefiihrt und schlieBlich vom Turm 
iibernommen, der, durch feinste, immer neue und nach oben leichter werdende Muster sich in 
der Luft verfliichtigt. Den letzten Eindruck einer Last rufen noch die Flachen des Turmhelms 
hervor. Deshalb geht hier alles Bemiihen dahin, ihn so leicht als moglich zu gestalten; dazu 
werden dem Profil Kreuzblumen aufgesetzt, um auch noch diese an Last gemahnende Linie 
zu unterbrechen. Die Flache selbst wird durchbrochen, oder restlos durch senkrecht gestellte 
Verfliichtigungen ersetzt, wie in der Kathedrale von Antwerpen. Was hier an zahem, der Erde 
Last unter sich lassendem Willen verwirklicht worden ist, kann selbst 



[357] Franzosische und deutsche Gotik 



unsere Zeit noch nicht ermessen, die heute an den gotischen Wunderwerken verstandnislos 
voriibergeht. Nur wenige Menschen stehen andachtsvoll vor den Zeugen eines groBen Geistes, 
des Geistes des machtigen, so verleumdeten, aber in vielen Dingen doch echt germanischen 
"Mittelalters". Wenn wieder ein groBer echter Glaube in unsere Herzen einziehen sollte, dann 
wird auch in neuer Form die " gotische Seele" wieder erwachen. Jetzt schwarmt sie noch in 
anderen Zonen. 

Der Streit urn das Wesen der Gotik ist beendet. Ihre Grundlagen entstanden im nordischen 
Frankreich. Damals waren die Ahnen der Hugenotten noch nicht vertrieben, damals hatte die 
Guillotine noch nicht kostbarstes nordisches Blut vergossen. Damals herrschte noch ein 
abendlandischer Rhythmus im Reich der Franken. Langsam aber wurden die Elemente des,, 
romanischen" mittelmeerlandischen und alpinrassischen Siidostens vorgeschoben, die sich 
spater mit dem germanischen mischten und den Franzosen schufen, der seine Hohe im 17. 
und 18. Jahrhundert erreichte. Einzelne GroBe schauen noch heute sehnsuchtsvoll in die 
versunkene Vergangenheit zuriick; es sind Manner eines untergehenden Blutes. 

Aber wenn auch das Frankreich des Nordens im„ Mittelalter" noch fast ganz germanisch war, 
gewisse Unterschiede Zwischen franzosischer und deutscher Gotik bildeten sich doch schon 
damals heraus. Machtig strebten zwar Notre-Dame Zu Paris in die Hohe, die Reimser 
Kathedrale, die zu Amiens, zu Rouen empor. Aber alle sind nach einem und demselben 
Grundtypus gebaut; sie sind dreischiffig, mit dem sechseckigen Chor und dem malerischen 
Chorumgang; sie haben alle zwei Tiirme. Alle Bauten behalten ferner in ihrer Hauptfassade 
die Dreiteilung bei: Portale, Fensterrose, Konigsgalerie nebst waagerechten Trennungslinien. 
Die gotische Idee gelangt nicht ganz zum Durchbruch. In Deutschland sehen wir von 
vomherein groBte 



[358] Der Innenbau der gotischen Baukunst 

Mannigfaltigkeit. Der Chor wird bald sechseckig, bald vierseitig gebaut, die Verhaltnisse 
weichen stark voneinander ab, es treten Hallenkirchen auf (gleichhohe Schiffe), wie die 
schone Elisabethkirche zu Marburg; Ulrich von Ensingen baut seine fiinfschiffige Kathedrale 
und versieht sie mit nur einem Turme (Ulm). schneller als in Frankreich wird der Bogen 
immer spitzer, die Wand verschwindet fast ganz, das Portal wird durch immer leichtere 
Wimperge gehoben, an der Fassade wird die waagerechte Linie entfemt, der Mittelbau 
Zwischen den Tiirmen wird eingeengt. Es bleibt schlieBlich nichts iibrig, als ein iiberall 
wiederholtes streben nach oben. Die Profile sprechen davon, die angesetzten Skulpturen 
folgen der baukiinstlerischen Linie, ein aller schwere hohnsprechendes Spitzenwerk aus Stein 
spannt sich an den Mauern empor. Und einer machtigen Symphonic gleich, fiuten die Lichter 
in die Hallen. Ihr unwirkliches Blinken laBt den letzten Rest Welt verschwinden*. 

Im Innenbau erreicht die Gotik, im Unterschied zum griechischen Tempel, ihren Hohepunkt. 
Die groBen Fenster mit den Glasmalereien, welche die einengenden Wande bewuBt 
verdrangen, losen durch ihre Farben und Lichtwirkungen das Gefiihl enger Begrenzung auf 
BewuBt wird 

* Wdhrend meiner Arbeit an dieser Schrift kam mir das Buchlein von K. Scheffler in die 
Hand: "Der Geist der Gotik". Scheffler streift hie und da das Richtige. Da er aber nicht 
scharf sondern nur einmal unterscheidet, verbindet er wieder falsch und ergeht sich in recht 
oberfldchUchen Verallgemeinerungen. Das, was wir als gotischen Geist empfinden, hat es 



weder bei Agyptern noch Chechen noch vorgeschichtlichen Volkern gegeben, ja sogar was 
die indische Poesie anbetrifft, mufi man vorsichtig sein, einen solchen hineinzudichten. 
Scheffler hat Personliches und Subjektives nicht geschieden, dazu eine Vermischung des 
Geistes der Rassen vorgenommen, die ganz unzuldssig ist. So kommt es, dafi er sogar 
folgendes schreibt: "... Wie man denn wohl sagen darf, dafi die semitische Rasse ihrer ganzen 
Anlage nach der heftigen Form zuneigt. Ihr ist die spekulative Inbrunst eigen, die 
Schonungslosigkeit gegen sich selbst undjenes Genie des Leidens, die Voraussetzungen einer 
gotischen Geistesanlage sind" (s. 68). Dieser Satz strotzt von UngeheuerUchkeiten. "Heftige 
Form" und gotischer Geist sind noch lange nicht dasselbe; spekulativ-philosophisch ist der 
Semit nie gewesen; Schonungslos war er weniger gegen sich als gegen seine Feinde. Und was 
das "Genie des Leidens" anbetrifft, so ist das keine Gotik, sondern russische Problematik 
Gewifi ist ein LeidensgefUhl vorhanden, es aber formen, und das heifitja Kunst schaffen, dazu 
braucht es einer Tat, d. h. einer angreifenden Kraft. Diese hat einen anderen Ur sprung als 
das Leiden. - Scheffler machte den umgekehrten Fehler wie die Nachfolger Nietzsches. Diese 
iibertrugen hellenische Seelenausdriicke auf germanische Kunst, Scheffler tibertrdgt 
germanische Personlichkeit auf Lappen, Chine sen, aufdieganze "Menschheit" . Ein 
heutzutage unverzeihliches Unterfangen. 



[359] Germanisches Naturgefiihl 

auch hier Bewegung in die Ruhe des Raumes getragen, also das Zeitgefiihl in eine 
Raumkunst. Das Sonnenspiel durch bunte Scheiben ist in seiner Beweglichkeit das Gegenteil 
der Farbenwirksamkeit etwa des Parthenon, wo die Farbe nichts als getonte Flache war, die 
von einer anderen raumlich abstach. Man hat dieses Weltgefiihl des gotischen Baues auf die 
Waldsehnsucht der Germanen zuriickgefiihrt (Chateaubriand sah hierin sogar den "Geist des 
Christentums", obgleich dieses doch der erbittertste Feind des germanischen Naturgefiihls war 
und ist), die Saulen die Baumstamme, die Spitzbogenmuster das Laub, die Fenster die 
Durchblicke des Himmels; unzweifelhaft liegt in dieser Deutung etwas Wahres, nur wird hier 
Ursache und Wirkung verwechselt. Die Saulen nsw. sind nicht Neuverwirklichungen des 
Waldes, sondern deuten auf das gleiche irrationale Wesen, welches einst die wogenden 
dunklen Walder und Durchblicke auf unendliche Weiten aufsuchte, dieses Wesen schuf sich 
aus dem gleichen Weltgefiihl heraus die gotischen Strebepfeiler und die mystischen 
Farbenspiele. 



So ward selbst der Innenraum des gotischen Domes 



[360] Die "Freilegung" gotischer Kathedralen 

Wechsel und Beziehung, nicht in sich zuriickkehrende Linien und Raumgestaltung. Das 
gleiche gilt vom AuBenbau. 

War der griechische Tempel eine allseitig zu betrachtende Plastik, stand er in sich 
abgeschlossen kiihl und unabhangig, so wand sich die gotische Kathedrale aus einem 
Gewimmel spitzer kleiner Hauser hervor. sie brauchte diese als MaBstab ihrer GroBe und die 
Hauschen und ihre Bewohner lehnten sich an die gemeinsame Schopfung ihrer Seele. Mag 
dariiber lachen wer will, fiir mich spricht sich hier schon das Wesen zweier Seelen aus: 
Harmonie des AuBeren (Vereinzelung) und inneres Streben der (dynamischen) Personlichkeit 



(Beziehung). Deshalb war es eine Roheit, die Dome von Koln, Ulm nsw. freizulegen, um sie 
"besser betrachten" zu konnen. Wieder war man hier vom griechischen Geiste ausgegangen, 
wieder hatte man eine Siinde gegen sich selbst begangen, sich selbst nicht verstanden. Nach 
vollbrachter Tat freilich gingen den Schandem die Augen iiber. Jetzt wollen sie neue 
Hauschenbauen... 

Der personliche und doch typenbildende Geist des 13. bis 15. Jahrhundert sprach in 
Dichtkunst, in Stein und in Holz. An Betten, schranken, Truhen, Treppengelandern kommt er 
zum Vorschein. Immer wieder versucht er intim und mannigfach zu sein, immer zeigt er 
Abscheu vor der allerorts erprobten Form. Es ist ein Hymnus der Individualitat auch im 
Biirgerlichen. Und unterdes singt Walther von der Vogelweide seine unbandigen 
Freiheitslieder. Wolfram von Eschenbach und Meister Gottfried dichten deutsche Weisen und 
dann wird ein anderes Mittel zum Ausdruck deutscher Seele: der Griffel und der Pinsel, die 
spater ihrerseits von der Orgel und dem Orchester abgelost werden. 

Hellenisches Wesen gipfelt in der Plastik, auch die Baukunst ist ein Teil davon. Dem 
plastischen Gesichtspunkt ordnet sich alles unter. Griechische Bildhauerei wendet sich fast 
ausschlieBlich auf die Person des Menschen. Der Mensch 



[361] Kunst der Ephebie 

als Korper ist das jahrhundertelange Motiv, das in Tausenden von Werken in hochster 
Vollendung zur Durchfiihrung gelangte. 

Auch hier waltete der sachliche Stilwille. Alles Eigenwillige wird unterdriickt, alles 
Irrationale wird auf einfache Verhaltnisse zuriickgefuhrt, alle Falten und Runzeln werden 
geglattet, alle Ubertreibungen ausgemerzt. Der griechische Jugendbund, die Ephebie, schuf 
sich hier seine Kunst. so stehen die Werke in langer Reihe da bis auf Phidias, Skopas und 
Praxiteles*, in voller linearer Harmonic und Gleichgewicht mit abgewogenem korperlichen 
Schwerpunkt. selbst die Bewegung ist in Ruhe verwandelt, selbst der Ringkampf abgewogene 
Gleichgewichtsstellung. Das ist fast ein ganzliches Aussondem der Personlichkeit. Man hat 
oft das Gefiihl, daB diese Form und iiberlegene Selbstbeherrschung einem gewissen 
Furchtgefiihl entspringt. Denn die vielgepriesene Heiterkeit griechischer Kunst erschopft ihr 
Wesen nicht. Es ging ein unterirdischer Zug von Schwermut durch die griechische Seele; er 
war aber - in diesem Fall zum Gliick - nicht stark genug, um das Kunstschaffen zu 
beeinflussen. Wo griechisches GleichmaB durchbrochen wurde, da geschah es als 
"dionysisches" Bacchanal und der Person gait die ganze Aufmerksamkeit im Badehause, beim 
Gelage, in der Kunst. Daher ist der Phallus das offen zur schau gestellte Symbol spat- 
griechischen", sich zerfetzenden Lebens. Des Griechen Wille war so weit in der Bekampfung 
des Triebes aufgebraucht, daB bei der Schopfung der Kunst die iiberlegende Vernunft die 
Fiihrerrolle iibemahm. Daher die Sachlichkeit 

* Auch in seinen subjektivsten Ausldufern (Pompeji) bleibt das Griechentum formal intakt. 
Diese Formsicherheit ist des Griechen stdrke und schwdche. stdrke insofern, als die Hellenen 
von manchem Irrwege bewahrt blieben; schwdche, da es ein Zeugnis von Mangel an innerer 
Willenhaftigkeit ist. 



[362] Der religiose Untergrund 

des Hellenentums. Daher auch unsere Zwangslehre von der willenlosen aesthetischen 
Stimmung. 



Gemeinsam war griechischer und gotischer Hochkunst der religiose Untergrund. In der 
religiosen Gemutsstimmung, selbst wenn sie auch oft nur unausgesprochen vorhanden ist, 
offenbart sich die ganze Atmospahre einer Volksseele. Das Losen stofflicher Bindungen und 
das Tasten nach etwas Ewigem (das Kennzeichen dieser Stimmung) ist fiir uns ein Zeichen, 
daB die seelische, allein schopferische Urkraft des Menschen wirklich lebendig ist. Aus dieser 
Stimmung geht der Heilige hervor, der groBe Erforscher der Natur, der Philosoph, der 
Prediger eines sittlichen Wertes, der groBe Kiinstler. Fehlt einem Menschen oder einem Volke 
diese noch formlose aber einzig geburtsfahige Stimmung, so fehlt ihm auch die 
Voraussetzung zu einer groBen, wahrhaftigen Kunst. sein irrlichterndes Subjektives wird dann 
notwendigerweise die Oberhand behalten. Den Gottern zu Ehren schufen Phidias und 
Kallikrates; zu Ehren Gottes arbeiteten Volksseelen ganze Jahrhunderte am Dom zu Koln, an 
den Felsentempeln Indiens, an Statuen des ewig stillen Buddha. Das Urelement wird Form 
durch eine kiinstlerische Neugeburt. Und wenn dieses Gottliche auch keinen Namen tragt, so 
weht sein Hauch doch auch in einem Selbstbildnis Rembrandts, in einer Ballade Goethes. 

Dieser echt religiose Urgrund fehlt bis auf geringe Reste der Rasse der Semiten und ihren 
bastardierten Halbbriidem, den Juden. 

Die weltabgeschiedene Gemutsstimmung, zum Religionsglauben herangereift, wird, auch 
wenn sie notgedrungen irdische Vorstellungen beibehalten maB, doch stets bestrebt sein, den 
letzten Erdenrest abzustreifen, oder sich ganz in schweigen zu hiillen. Dies kann bei dem 
unstofflich erfiihlten Unsterblichkeitsglauben nicht anders sein. 



[363] Jiidischer "Unsterblichkeitsglaube" 

Im ganzen sogen Alten Testament fmden wir den Unsterblichkeitsglauben bekanntlich nicht, 
es sei denn der Niederschlag der nachweislichen auBeren Einwirkung der Perser auf die Juden 
in der "Verbannung". Die Schaffung eines "Paradieses" auf Erden ist das jiidische Ziel. Zu 
dem Zwecke werden, wie es in den spateren "heiligen Biichern" heiBt, die Gerechten (d. h. die 
Juden) aus ihren Grabern in alien Landern durch eigens fur sie von unbekannten Kraften 
gebohrte Locher durch die Erde zum gelobten Lande kriechen. Die Targum, die Midraschim, 
der Talmud, schildern diesen herrlichen Zustand des zu erwartenden Paradieses mit 
breitestem Behagen. Das auserwahlte Volk herrscht dann iiber die erneuerte Welt. Alle 
anderen Volker sind seine Sklaven, sterben, werden wieder geboren, um erneut zur Holle zu 
fahren. Die Juden jedoch werden nicht von hinnen gehen und fiihren ein seliges Leben auf der 
Erde. Jerusalem ist auf das prachtigste neu erbaut, die Sabbatgrenzen sind mit Edelsteinen und 
perl en eingefaBt. Hat jemand schulden zu zahlen, so bricht er sich eine perle aus dem Gehege 
und ist aller Verpflichtungen ledig. Obst reift jeden Monat, Trauben werden so groB wie ein 
ganzes Zimmer, Getreide wachst von selbst, der Wind weht das Kom zusammen, die Juden 
brauchen nur das Mehl aufzuschaufeln. Achthundert Arten von Rosen wachsen in den Garten, 
strome von Milch, Balsam, Honig und Wein flieBen durch Palastina. Jeder Jude besitzt ein 
Zelt, iiber dem ein goldener Weinstock wachst, an welchem dreiBig perlen hangen; unter 



jedem Stock steht ein Tisch mit Edelsteinen. Im Paradiese bliihen 800 Arten von Blumen, in 
deren Mitte der Baum des Lebens steht. Dieser besitzt 500.000 Arten von Geruch und 
Geschmack. Sieben Wolken lagem iiber dem Baum und die Juden schlagen von vier Seiten an 
seine Aste, damit sein herrlicher Duft von einem Ende der Welt bis zum anderen wehe usw. 



[364] Triebhaftigkeit jiidischer Kunst 

Das Schlaraffenland ist religioser Ernst geworden und feierte im jiidischen Marxismus und 
seinem herrlichen "Zukunftsstaat" seine Wiederauferstehung. Aus dieser Seelenstimmung 
erklart sich bis auf heute die Gier des jiidischen Volkes, zugleich auch sein fast vollstandiger 
Mangel an echter seelischer und kiinstlerischer Schopferkraft. Das religiose Urelement fehlt, 
der auBerliche Unsterblichkeitsglaube ist nur oberflachliche Angleichung an fremde 
Anschauungen, nie eine innerlich bestimmte Triebkraft gewesen Deshalb wird jiidische 
"Kunst" niemals personlicher aber auch niemals wirklich sachlicher Stil sein, sondern bloB 
technische Geschicklichkeit und subjektive, auf auBerliche Wirkung ausgehende Mache 
verraten; meistens mit grobsinnlichen Einschlagen verbunden, wenn nicht ganz und gar auf 
Unsittlichkeit eingestellt. In jiidischer "Kunst" haben wir fast das einzige Beispiel, wo eine 
alte Menschengruppe (Volk kann man nicht sagen), die an vielen groBen Kulturen teilgehabt 
hat, sich dem Triebe nicht hat entringen konnen; jiidische "Kunst" ist deshalb auch fast die 
einzige, die sich an den Trieb wendet. sie weckt also weder aesthetische Selbstvergessenheit, 
noch wendet sie sich an den Willen, sondern bloB (im besten Fall) an das technische Urteil 
oder an subjektive Gefiihlserregung. 

Man sehe sich darauf die jiidischen Kiinstler an. Angefangen von den bald in Furcht 
klappernden, bald "in Angst jauchzenden", bald rachegierig schnaubenden Psalmgesangen 
(die nur dank Luthers Umdichtung oft so schon klingen), iiber den stohnenden Gebirol, den 
liisternen David ben Selomo bis zum niedertrachtigen Heinrich Heine. Man achte auf den den 
Mammon vergottemden Kellermann, den sinnlichen Effektmacher Schnitzler. Felix 
Mendelssohn wurde von Zelter in jahrelanger Miihsal zu Bach gefiihrt - fiir den der Jude dann 
Propaganda machte. Das Beste seines Schaffens Technisch-Formales. Man sehe selbst auf den 
entschieden Anlauf zum Hohen nehmenden 



[365] Subjektivismus des Islams 

Mahler, der doch schlieBlich "jiideln" muBte (Louis) und von einem tausendstimmigen 
Orchester das Letzte erwartete. Man schaue auf das Massenhaft-Ubertriebene des 
Theaterzirkus Reinhardt-Goldmann, man priife die jiidischen Wunderkinder am Klavier, an 
der Geige, auf den Brettern: Talmi, Technik, Mache, Effekt, Quantitat, Virtuositat, alles was 
man will, nur keine Genialitat, keine Schopferkraft. 

Und in urspriinglicher Fremdheit europaischen Wesens machte sich das gesamte Judentum 
zum Forderer der Nigger "kunst" auf alien Gebieten. 

DaB das Verbot, sich keine Goiter zu machen, auf die vollkommene Unfahigkeit fiir bildende 
Kunst zuriickzufiihren ist, wurde bereits von Diihring nachgewiesen; ebenso ist dies die 
Ursache, warum es Jahrtausende wirksam sein konnte. Die heutigen verzweifelten Versuche 
jiidischer bildender Kiinstler, durch Futurismus, Expressionismus, "neue Sachlichkeit" ihre 



Begabung zu beweisen, sind ein lebendiges Zeugnis fiir diese alte Tatsache. Einzelne Ansatze 
zu hoherem streben sollen nicht geleugnet werden (Juda Halevy), aber es fehlte beim 
Judentum, als ganzes betrachtet, das Fluidum, aus dem wirklich groBe Werke geboren 
werden. 

Wenn wie in unserer Zeit die jiidischen "Kiinstler" einen hervorragenden Platz in unserem 
Kunstleben einnahmen, so ist es ein untriigliches Zeichen dafiir, daB wir vom rechten Wege 
abgeirrt waren, daB uns - nur zeitweilig hoffentlich - eine nicht zu missende Seelenkraft 
verschiittet worden ist. 

Die Kunst des Islams ist als fast rein subjektiv zu deuten. All das Gesauselt der platschernden, 
malerisch erbauten Springbrunnen, all die lauschigen Schatten, all die Buntheit der 
schillernden Farben, all die vieltausendkerzige Beleuchtung der Alhambra, all das 
verwirrende Linienspiel des Wandschmuckes der Palaste kann iiber die innere seelische 
Armut 



[366] Entstehung des Hufeisenbogens 

nicht hinwegtauschen. Das meiste GroBe aber, welches der Islam auf seinem Gang durch die 
Welt uns hinterlassen hat - die machtigen Kuppeln der Kalifengraber, die Ubermittlung 
griechischer Weisheit, die Marchen voller Phantasie - erkennen wir heute als Entlehnungen 
aus fremdem Geiste, er stamme nun aus Griechenland, Iran oder Indien. Ein System, das 
keine metaphysische Religion hatte, konnte nicht wirklich schopferisch sein, selbst wenn das 
arabische Jenseits keinen Ort auf der Welt festsetzte, wie es die Juden taten, so ist doch der 
Vorstellungsgehalt wesentlich der gleiche. DaB diese Unfruchtbarkeit der Seele mit einem 
unbeugsamen Glauben gepaart ist, andert nichts an den Tatsachen. Als eigenartigen Charakter 
werden wir den Araber stets anerkennen, nur nicht als schopferischen Menschen. 

An diesem Gegenstiicke zeigt sich uns die Sehnsucht der meisten anderen Volker als 
untereinander verwandt. Ein Lao-tse riickt von hier aus gesehen, eng an Jajnavalkya, Christus, 
an die GroBen Europas, so verschieden sie alle auch sind. Hier zeigen sich Machte am Werke, 
die raumlich nahe, innerlich doch weltverschieden voneinander ihr Dasein fuhren. 

Dem Islam liegt sowohl das Sachlich- wie das Personlich-GesetzmaBige fern. Wie er weder 
ein groBes Epos noch eine groBe Musik gezeugt hat, so hat er auch keine eigene Baukunst 
geschaffen. Er hat alle architektonischen Gedanken den arischen Persern entlehnt, er hat dem 
vorgefundenen Stoff keine wirklich gesetzmaBigen neuen Formen als echten Seelenausdruck 
aufgezwungen, sondern hat fast nur dekorative willkiirliche Spielerei getrieben. 

Durch eine solche Subjektivitat entstand z. B. der Hufeisenbogen. Der waagerechte, die 
Verschalung zum Setzen des gewohnlichen Bogens tragende Balken ruhte auf den 
Vorspriingen der Saule oder des Pfeilers. Nach seiner Entfernung ergab sich ein sehr 
bemerkbarer 



[367] Die Arabeske 



Vorsprung, welcher nun einfach mit Mortel ausgefiillt wurde. Dadurch erhielt der Bogen eine 
durch keinerlei statische Notwendigkeit bedingte Form; andererseits war diese auch nicht der 
Ausdruck eines inneren Formwillens. Es war unkiinstlerische Willkiir. Diese Form wurde aber 
dann auf der Bogenlinie nochmals wiederholt, es entstanden der Kleeblattbogen, Bogen mit 
hervorspringenden Steinzungen usw. Man sehe sich nun die verschiedenen Spielarten an. sei 
es an der Moschee zu Cordova, von El Ashar, vom Minarett Kait-Bai, der Moschee Barkuk zu 
Kairo, der Meschkehmeh Moschee in Bulak, an der Klosterkirche in Segovia... Dazu kommt 
noch, daB bei manchen Gebauden ein Bogenansatz auf den Scheitelpunkt des anderen stoBt, 
die unmoglichsten Gewolbespielereien, Bienenstocke (Saal der Abbenzerragen) nsw. Die 
manchmal reich verschlungenen, oft strengen "islamischen" Ornamente, Gewandmuster und 
Gitterwerke kamen fast alle aus Persien. Altiranische Gewebemuster und die mit Zeichnungen 
versehenen Handschriften haben hier die Vorbilder abgegeben. 

War die basislose dorische Saule streng bautechnisch und baukiinstlerisch bedingt, so ist 
dieser Grundsatz in dem Saal der beriihmten Alhambra durchaus unangebracht. Ganz 
abgesehen davon, daB die Saulen meist aus anderen Gebauden zusammengeschleppt worden 
sind und durch Kampfer von verschiedener Starke in der Hohe ausgeglichen werden muBten, 
tiirmen sich die Bogen doppelt iibereinander. Die Saulen scheinen kaum den Druck tragen zu 
konnen und stoBen in den Boden geradezu Locher. 

Das Wesen islamitischen Bauwesens enthiillt sich in der vielgepriesenen Arabeske. 
Tatsachlich ist sie das schonste, was die Araber geschaffen haben. Aber auch sie ist nicht ein 
Stuck Baukunst, sondern bloBer schmuck. Der Geist der Willkiir zeigt sich gerade hier: das 
Ornament bedeckt die ganze Wand, es ist richtungslos; es kann nach alien Seiten hin 
verlangert oder willkiirlich abgeschlossen werben. War 



[368] Fremde Lehrer der Araber 

griechischer Schmuck in einem bestimmten Raum beschlossen, in eine bestimmte 
Flachenumgrenzung hineinkomponiert, ordnete sich im gotischen Werk alles der 
erdentstrebenden, senkrechten Richtung unter und entstand dadurch in jedem Fall eine auBere 
GesetzmaBigkeit als Folge einer inneren Zielstrebigkeit, so herrscht in der Arabeske die 
UnmaBigkeit ohne Ausdruck. Den besten Instinkt fur den Wert islamischer "Architektur" 
haben die Kulissenmaler der Operetten- und Spezialitatentheater gezeigt. Hierher paBte 
dekorative Spielerei, richtungsloses Ausleben. 

Es ist notwendig, dieses fremde Wesen klar herauszuheben. Wir konnen es heute mit Recht 
tun, denn durch genaue Betrachtung der rein technischen Baumethoden erhalten wir ein Mittel 
in die Hand, auch andere AuBerungen des islamischen Stils zu beurteilen. Unsere 
"Philosophen" sollten aufhoren, in der Arabeske eine "magische Seele" zu suchen, in ihr so 
etwas wie das ins Unendliche strebende faustische Wesen wiederzufmden. Manches, was der 
Islam uns hinterlassen hat, ist sicher besser, als eben geschildert wurde, aber dann zeigt es 
sich auch, in den meisten Fallen sogar urkundlich nachweisbar, daB die wirklichen Schopfer 
dieser Hinterlassenschaft keine Araber waren. Wie die "arabische" Wissenschaft, die Pflege 
griechischer Philosophic nicht in Handen der Araber lag, sondern fast ausschlieBlich von 
arabisch sprechenden Persem betrieben wurde, so wurde z. B. auch die Moschee des 
Propheten zu Medina von fremden Werkleuten errichtet; EI Walid muBte nach Byzanz 
schicken, um in Jerusalem bauen zu konnen. Griechen errichteten "das Weltwunder" zu 
Damaskus. In Agypten fanden die Araber eine reiche koptische Baukunst vor; die schone 



Konstruktion vieler dortiger Bauten stammt von koptischen Ingenieuren. so baute ein 
koptischer Kiinstler die Moschee Ibn-Tulun. Er war es, der auch zum erstenmal mit 
BewuBtsein den Spitzbogen gebrauchte. Das Vorbild dazu jedoch bot das 



[369] Der individuelle Stil 

Marmortor (Quartier Nayassin), das friiher an einer normannischen Kirche gestanden hatte 
(St. Jean d' Acre, Akkon). Alles dieses muB man beachten, urn einen richtigen Einblick in die 
verschiedenen Einfliisse zu gewinnen: Sassaniden, Kopten. Griechen boten die Grundlage. 
Dann wirkte sich darauf arabische Willkiir mit ihrer dekorativen Ubersattigung aus. 

Man wird jetzt verstehen, daB die Nachahmung dieser arabischen Elemente (Kleeblattbogen. 
Kielbogen, Arabeske nsw.) nie und nimmer bei uns Platz greifen diirfen. sie sind uns fremd 
und sollen auf immer von uns geschieden bleiben als Zeugnis einer fremden Seele, auf die 
weder der Begriff Personlichkeitskunst noch Sachlichkeitsstil anzuwenden ist. 



Zwischen dem richtungslosen kiinstlerischen Subjektivismus und dem innerlich organischen 
und doch den Stoff selbstherrlich meistemden Stil der Personlichkeit bewegt sich natiirlich 
eine ganze Stufenleiter von Kiinstlem und Kunstrichtungen. Viele Kiinstler sind mit Ansatzen 
zum Hoheren begabt, ohne jedoch diese Sehnsucht zur kiinstlerisch abgerundeten Vollendung 
fiihren zu konnen; die anderen greifen unbekiimmert ins gewohnliche Leben hinein, schildern, 
malen,, stilisieren es, aus reiner Freude am Formen. Die Individualitat - als die hier auf Erden 
gegebene Vereinigung von Person und Personlichkeit - nimmt von uns Besitz. 

Zwischen Subjektivismus und Personlichkeitskunst miissen wir also eine Zwischenstufe 
feststellen: den Ubergang von der Willkiir zum inneren Gesetz; nennen wir die Gebiete den 
individuellen Stil, womit etwas Wuchshaftes (Organisches) betont, aber auch eine 
Beschrankung aufgezeigt wird. Solche Bezeichnungen (das soil ausdriicklich unterstrichen 
werden) sind methodisch notwendig, um das immer im 



[370] Peter Paul Rubens 

FluB befmdliche Leben zu erfassen. Wir konnen nur etwas erkennen, wenn wir es als Gestalt 
erblicken, auch wenn die UmriBlinien nicht starr, sondern plastisch beweglich sind. 

Die Liebe zum Individuellen ist ein so ausgezeichnetes Kennzeichen Europas und namentlich 
seines Herzens, Deutschlands, daB wir nur einen fliichtigen Blick auf Dichtung, Baukunst, 
Bildhauerei und Malerei zu werfen brauchen, um die Bestatigung dieser Ansicht zu fmden. 
Die gotischen Steinhauer und Holzschnitzer, die Landschaftsmaler aller Gaue, die Zeichner 
der Klosterbibeln, die Erfmder der krausen Buchstaben, die Erzahler absonderlicher Historien 
..., in alien ihnen ist das streben nach Ausdruck und zwar nach sehr energischem Ausdruck, 
durch tausend Hande Gestalt geworden. In den Hunderten von Malern Hollands lebt derselbe 
Geist, auch noch in alien Kiinsten des alien Frankreichs ist er lebendig und fmdet in einzelnen 
Individualitaten auch heute noch seine Neupragung. 



In dieses Gebiet gehort als einer der ersten groBten Peter Paul Rubens. 

Keiner bezweifelt, daB in ihm groBe schatze an kraftstrotzender Phantasie das Licht der Welt 
erblickt haben, aber wie er mit ihr schaltete, welchem Stoff, welchem Gehalt sie sich 
zuwandte, wie die Richtung ihrer Behandlung bestimmt war, das zeigt uns diesen Kiinstler 
fast genau in der Mitte zwischen Subjekt und Personlichkeit stehend. Sein ganzes Formen 
bezieht sich auf die sinnliche Natur mit ihren tausend Farben und Formen, mit ihren 
Leidenschaften, Freuden und Angsten. Wir fmden die ganze Stufenleiter unserer sterblichen 
Individualitat ausgedriickt von der feinen Zartlichkeit seines Bildnisses mit Isabella Brandt bis 
zur Brunstbesessenheit der groBen Kirmes; von der sinnlichen Lebenslust der wolliistigen 
Nymphen und des trunkenen Silens bis zum Jammerschrei des Fleisches im Hollensturz der 
Verdammten. Die Vorwiirfe sind 



[371] Rembrandts Weltiiberwindung 

immer neu und lebendig, die Komposition vollendet und bei allem Bacchanal der sinne von 
einer zielbewuBten kiinstlerischen Sachlichkeit. Aber nirgends gelingt Rubens eine 
Schopfung, welche diese ganze Erdenlust oder Erdentrauer als Gleichnis zu durchleuchten 
vermag, welche Kunde gibt vom Gelingen einer groBen, echten, inneren, iiberweltlichen 
Schau. Rubens hat es versucht, oft sogar! Aber seine Riesenleinwand des in den Himmel 
auffahrenden Christus, welcher, auf der Weltkugel stehend, der Schlange den Kopf zertritt, 
die apokalyptischen Drachen und andere Ungeheuer, die geballten Wolken, die jauchzenden 
Engel und die flattemden, schillernden Gewander, das alles bedeutet einen Stoff- und einen 
Phantasieaufwand ohnegleichen; aber es sind doch nur miBlungene Versuche. Je groBer der 
Umfang seiner Werke wurde, um so geringer ihre seelische StoBkraft. Und Rubens 
Hollenfahrten - Meisterwerke an Leben, Bewegung, Komposition - zeigen doch nur 
auBerlichen Uberschwang und sind Uberredungskunststiicke, um eine unheimliche 
iiberweltliche Macht durch auBeren Kraftaufwand glaubhaft zu machen. 

Bin Rembrandt nimmt vom Diesseits mit Werken Abschied, in denen bald eine lachelnde 
Weltiiberwindung, bald eine erschiittemde Verzweiflung den Pinsel gefiihrt haben. Rubens' 
letztes Werk ist er selbst als der den Drachen erschlagende St. Georg in blinkender Riistung. 
Rubens lebt als Mensch ein reiches Dasein, ist als Kiinstler von einer ganzen Welt verehrt und 
wirkt der unbekiimmerten Verfeinerung der Individualitat. Rembrandt zieht sich ganz auf sich 
sich zuriick und betrachtet die ganze Welt - unsentimental, aber voll tiefster Ahnungen - als 
einen Stoff, der zu iiberwinden ist. Rubens Werk ist eine gewaltige Symphonic des Lebens in 
all seinen Gestalten, die Macht dieses Daseins ist sein Inhalt. Als sein groBtes Werk erscheint 
denn auch dasjenige, in dem alle gesuchten Sinnbilder aus griechischem Sagenschatz, die er 
an Maria 



[372] Hals und Bernini 

Medici verschwendete, alle apokalyptischen Gleichnisse beiseite geschoben werden und das 
tolle Leben seiner Umwelt die Grundlage abgab: die Kirmes im Louvre. Wer einmal vor 
diesem Werk gestanden hat, erschaut in einem Augenblick, wozu ein Schopenhauer ein 
ganzes Leben brauchte, um es zu schildern: die Macht des blinden Triebes. Ohne jedes 
Gleichnis ist hier das Leben selbst Zu einem solchen geworden. Die Fresser und Saufer, die 



Dimen und briinstigen Burschen, die Sanger und trunkenen Tanzerinnen wiederholen ein und 
dasselbe Lied des ziigellosen Tieres. Die kiinstlerische Macht, die dies gleichsam mit einem 
Ruck auf die Leinwand schleuderte, ist in ihrer Weise einzigartig. Die Person in all ihren 
Ziigellosigkeiten, das ist der Gehalt und die Kunstform des Rubens gewesen. 

Ahnlich, nur minder gewaltig zeigt sich Franz Hals, der lachend und spottisch mit breitem 
Pinsel das Leben auf die Leinwand strich; vom gleichen Geist beseelt, doch mit ungleich 
dramatischerem Drang erfiillt, ist der zu friih verstorbene Adrian Brouwer. Dessen 
Schilderungen des Individuell - Triebhaften gemahnen oft an Rubens Kirmes und lassen einen 
Kiinstler vermuten, der sich - bei langerem Leben - doch vielleicht durch den Stoff 
hindurchgerungen und aus hollandischer Genremalerei innerlich dramatisches Leben geformt 
hatte. 

Ein weiterer, dessen Werke wir unbedenklich als solche des individuellen Stils bezeichnen 
konnen, ist Lorenzo Bernini. Den Erbauer der Kolonnaden des Peterplatzes, den groBen 
Bildhauer verehrte ein ganzes Geschlecht als eines der groBten kiinstlerischen Genies. Auch 
wir werden ihn oft bewundern miissen, aber seine Matzchen bei der Erbauung des Aufgangs 
zur Sixtina, seine merkbar sinnliche Note z. B. bei dem Amor und der Psyche, sein 
iibertriebenes Verwenden bestechenden Stoffes sind fur uns doch Zeichen der Anpassung an 
den Geschmack 



[373] Das Wesen des Barocks 

der breiten Masse, oder bedeuten zum mindesten ein Verfalschen der innersten Schopferkraft. 
Gleich Rubens ein Mann von groBter Phantasie und Stoffbeherrschung, ein Meister in der 
Ausnutzung aller malerischen und perspektivischen Mittel und Kunststiicke, fehlt ihm doch 
jene SeelengroBe, und der geheimnisvolle Zauber, der von den Werken eines Leonardo oder 
Rembrandt oder von der des Meisters Erwin ausgeht. 

Noch ein Wort iiber die Zeit und den Begriff "Barock". 

Unsere Kunstgeschichten sprechen iiber die "Meister des Barockzeitalters" als von Vertretern 
einer einzigen Kunst-und Geistesrichtung. Die Wahrheit, die darin liegt, wird aber zur 
irrefiihrenden Behauptung, wenn nicht dargetan wird, worin das Wesen des Begriffes Barock 
besteht. Man sagt: im Gegensatz zum Grundsatz der Renaissance, nur Harmonic zu erstreben, 
ringe der Barock nach Kraft des Ausdrucks. Abgesehen davon, daB dies gerade fur die 
GroBten der Renaissance (Leonardo, Donatello, Masaccio) nicht stimmt, muB man die 
Zergliederung auch bei der zweiten Behauptung weiter fiihren, um sich nicht bei einer leeren 
Redensart zu beruhigen. Denn was soil es heiBen, wenn man sagt, daB sowohl Michelangelo 
barock sei als auch Velazquez, Shakespeare, Rembrandt, und Zugleich Rubens und Hals, der,, 
Verlorene Sohn" und "il Gesu" zu Rom? Hier erscheinen denn doch ganz gewaltige 
Unterschiede, die nicht mit einem Wort umfaBt werden konnen, wenn nicht iiber klare 
Unterscheidungen iiber die von einem Begriff umfaBte Vielheit vorher grundsatzliche 
Einigkeit erzielt worden ist. 

Die Gotik sehen wir aus ungleich groBerer Entfernung als die Zeit des "Barock", erfassen ihre 
einheitliche Zielstrebigkeit klarer, als es hier moglich ist. Trotzdem sind schon bei ihrer 
Wertung sehr verschiedene Nebenelemente und AuBerungen zu verzeichnen. Der,, Barock" 
ist nun 



[374] Das "Eingeisten" der Natur 

eine neue Geisteswelle, die nicht nur in ihrer zeitlichen Lange, Schwingungsdauer und 
Machtigkeit zu schatzen ist, sondem besonders in ihrer wertetragenden Oberflache und Tiefe. 
Und gerade hier wird sich der aus dem Wesen unserer Kunst geschopfte MaBstab fruchtbar 
erweisen, den wir schon bei der Gotik sich ergeben sahen: die starke der Wirkung 
kiinstlerischer Personlichkeit, der Individualitat, des Subjektivismus. 

In Michelangelo erblickt man mit Recht den Kiinstler, welcher am sichtbarsten mit alien 
aesthetischen Lehrsatzen Griechenlands gebrochen hat: keine Beschwichtigung vorhandener 
Leidenschaften durch eine abgewogene Form, sondern Sprengung derselben durch eigene 
Gesetzlichkeit, durch einen personlichen Kiinstlerwillen. Wie in einem wilden und bewuBten 
Protest gegen Hellas stehen die Arbeiten des Mannes vor uns, der weder griechisch noch 
lateinisch sprach, der die Sklaven, den Moses, die Mediceergraber schuf und dessen Sibyllen 
und Propheten von einem solchen Seelenreichtum Kunde geben, daB Goethe sagen konnte, 
nach Michelangelo gefalle ihm selbst die Natur nicht mehr, da er sie doch nicht mit so groBem 
Auge anschauen konne, wie dieser. Michelangelo schuf sich selbst das Gesetz, dem er allein 
folgte, durch das allein er den Stoff zu iiberwinden vermochte. Genau so personlich ging 
Rembrandt zu Werke, ebenso groB Shakespeare. 

In dem Lebenswerk dieser Manner fmden wir die Stufenleiter vom kraB Individuellen bis zum 
vollkommenen "Eingeisten". Rembrandts "Monch im Kornfeld", seine Judenkopfe, seine 
Radierungen verwahrloster Winkel und Menschen sind Werke, die sich des Lebens in all 
seinen Hohen und Tiefen bemachtigen und reichen vom "Parchen im Bett" bis zum 
"Hundertguldenblatt". Die Nachfolger und kl einen Zeitgenossen blieben in der individuellen 
Sphare stehen. Die Kraft des Zufammenballens, die sich im GrundriB und Aufbau des St. 
Peter von 



[375] Der Jesuitenstil 

Michelangelo zeigte, wurde spater zu einem mehr auBerlichen Energieaufwand; seine alle 
baugesetzlichen Schranken verachtende Vorhalle zur vatikanischen Bibliothek mit den 
durchbrochenen Pilastem und wilden Linienfiihrungen war ein einmaliger subjektiver 
Ausbruch, der aber bei vielen anderen zum stehenden Grundsatz wurde. Jetzt haufen sich die 
Saulensammlungen, geschwungene Kamiese treten auf, malerische Nischen werden in die 
Wande geschlagen, Giebel durchbrochen und mit Kartouchen gefiillt. Tiirme und Fassaden 
werden mit runden Formen profiliert und machtige Voluten streben zum Zentrum des 
Gebaudes. II Gesu, Maria della Salute und aberhundert andere Bauten geben Zeugnis von 
groBen KraftauBerungen, aber auch von einem nur malerisch-individuell bestimmten 
Stilwillen. Dieser wurde noch tiefer in die Sphare des Subjektivismus hinabgedriickt; die 
jesuitische Gegenreformation sah in dem die Masse blendenden Aufwand an Blechstrahlen, 
Flittem aus Papier, mit Goldfarbe iiberzogenen Gipsgirlanden und anderen Albernheiten ein 
Mittel, durch die "Kunst" die durch die Reformation verloren gegangenen Gemiiter wieder zu 
erobem. Hatten einzelne Papste der groBen Kunst zu ihrer eigenen und der Verherrlichung 
Roms, z. T. auch aus wirklicher Schopferfreude, Hilfsdienste geleistet, so entstand jetzt ein 
fast nur auf das sinnliche wirkendes Gemisch von machtvoll malerischem Wollen und 
vollkommener kiinstlerischer Verwilderung, der sogen. Jesuitenstil. 



Die "sitzenden Saulen", die Papp- und Stuckkulissen eines Pozzo, S.J., sind klassische 
Vorbilder fiir jene kiinstlerischen Verbrechen, die noch heute in ganz Europa hemmstehen. 
Der Hochflug der Gotik war dahin, das triumphierende rasselose Rom hatte iiber nordischen 
Geist wenigstens in der Baukunst gesiegt. Der Protestantismus wiederum lieB, in den 
Gegensatz verfallend, eine Armlichkeit in seine Gotteshauser einziehen, die das Gemiit 
ebenso 



[376] Wesensverwandtschaft von Gotik und Barock 

abkaltete, wie es in den Jesuitenkirchen durch Gold, Blech und Weihrauch sinnlich iiberhitzt 
wurde. 

In seinen groBten Vertretern ist das Zeitalter des Barock gleichzusetzen mit dem innersten 
Wollen der Schopfer der Miinster zu Ulm, StraBburg, Reims, Laon, Compiegne, Koln, nur hat 
dieser Geist sich diesesmal anderer Mittel bedient. War im 13. und 14. Jahrhundert die 
Baukunst das alles beherrschende und das tiefste sehnen verkorpernde Mittel, so im 16. und 
17. die Bildhauerei, besonders aber die Malerei (getragen vom musikalischen Geist); an die 
stelle von Zirkel und WinkelmaB traten MeiBel und Pinsel. Konnte man im 13. Jahrhundert 
mit Recht von einer recht einheitlich gerichteten personlichen abendlandischen Seele 
sprechen, so jetzt auBerdem noch genauer von einzelnen Personlichkeiten, die ja auch bei 
einem Bilde mehr hervortreten konnten, als beim langjahrigen, viele Hande bewegenden Bau 
einer Kathedrale. 

Wie sich die Gotik zuletzt in spielerischen Gewolbekunststiicken und Fischblasenmustem 
aushauchte, so der Barock in den unfahigen Nachahmern Michelangelos. Das Lebensgefiihl 
trug Meister Erwin und Rembrandt auf die hochsten Hohen, wahrend unten das sehnen 
Tausender nicht stark genug war, ihnen zu folgen. 

Das Wesentliche: die selbstherrliche Uberwindung und Stoffbeherrschung liegt der Gotik wie 
dem Barock zugrunde. Wahrend die eine Zeit aber himmelstiirmende Plane ausfiihrte, war die 
andere seelische Zusammenballung. Ein weiterer schritt geschah dahin, als Dichtkunst und 
Musik in einer neuen, "gotisch barocken" Welle dem nordischen und deutschen Wesen zu 
seinen tiefsten AuBerungen verhalfen ... 

Jetzt schalt sich das, was germanische (oder nordisch-abendlandische) Kunst zu nennen ist, in 
dem inneren Bau heraus. Ihr Ziel ist Verkorperung hochster seelischer Tatkraft mit immer 
neuen Mitteln in immer neuer Form. 



[377] Der heftige Lebenspuls Europas 

Aus subjektiven Einstellungen und individuellen Schopfungen [d. h. Einheiten] wachst eine 
neue Durchgeistigung der Welt als Bliite heraus, um - nachdem sie ihre Pracht entfaltet - ins 
Gestaltlose zum UmgieBen zuriickzusinken. 

Dreimal haben wir es erlebt: zur Zeit der Gotik, des Barock, zur Zeit Goethes, deren 
subjektive Nachwehen eben vor sich gehen. Es ist dies der Lebenspuls Europas, der schneller 
und dramatischer schlagt, als derjenige anderer Volker. Hochst bedenklich ist das 



Unkengestohn, das sich heute bei uns breit macht und den kulturellen Untergang des 
Abendlandes verkiindet, indem man nicht auf den Rhythmus achtet, sondem nur an ein 
einziges groBes Atemholen zu glauben vorgibt. Wenn andere Volker diesen Rhythmus nicht 
zu besitzen scheinen, sondem eine einzige groBe Lebenslinie hinterlassen haben, so bedeutet 
dies fiir uns durchaus kein Lebensgesetz, und Manner, die mit Vorliebe das Beispiel der 
bliihenden und vergehenden Pflanze gebrauchen, sollten es etwas weiter fiihren, damit es fiir 
uns anwendbar wird. Durch unsere heutige Kulturwelt weht ein sengender Herbstwind. Wer 
sich als Greis fiihlt, fmdet viele Griinde, den kommenden Winter als den letzten darzustellen. 
Wer den Glauben verloren hat, fiir den ist der kalte Verstand Gebieter und Gestalter zugleich. 
Wer aber nicht das vieltausendjahrige Atemholen Chinas, sondem den heftigen Pulsschlag 
Europas als eine nur ihm gehorende Eigenart und nur ihm eigenes Lebensgefiihl erkannt hat, 
der schaut mit einem anderen Blicke sowohl in die Vergangenheit wie in die Zukunft, als ein 
Verkiinder unseres "schicksalhaften Untergangs"! Die Gotik endete in dem odesten 
Zunftwesen, die Meistersingerei in trockenster Niichtemheit, der Barock iiberschlug sich in 
tausend Tollhauskunststiicken. Heute sehen wir nach einer ungeheuerlich ziellosen 
Verwendung alter Formen die ebenso richtungslose Anarchic sich austoben. Wir sind 
vielleicht noch nicht zuunterst der Ebbe angekommen. Aber 



[378] Verfall der Baukunst im 19. Jahrhundert 

wie schon dreimal, so wird auch Europa zum viertenmal weit Atem holen. Welche Mittel zur 
erneuten Verinnerlichung unseres Lebens die rechten sein werden, das weiB noch niemand. 
Aber jedenfalls werden es solche sein, die an das Ewige und seine Richtung ankniipfen, um 
die Geburt einer echten neuen Form zu erleben. 

Aus der Gegeniiberstellung der wesentlich zeitlich bedingten Stilgesetze ergibt sich auch die 
gmndsatzliche Losung einer Frage, um die in den letzten Jahrzehnten heftig gestritten worden 
ist und die gerade heute wieder eine iiberragende praktische Bedeutung in der Baukunst 
besitzt; iiber die Zulassigkeit der Anwendung alter Stilformen. 

Die zweite Halfte des 19. Jahrhunderts war auch, was die Baukunst und das Kunstgewerbe 
anbetrifft, die Zeit eines noch nie dagewesenen formlosen Znsammensuchens aller Formen. 
Autoritaten aller Zeiten, Mustervorlagen aus alien Jahrhunderten und Bilder der Werke aller 
Volker zierten die Werkstatt des Baukiinstlers und es schien damals selbstverstandlich, sie 
alle nachahmen zu diirfen. Die technische Entwicklung war mit einer nie geahnten 
Schnelligkeit vorwarts geschritten, sie erforderte immer neue Fabriken, Bahnhofe, 
Kraftanlagen usw., so daB fiir die kiinstlerische Durchdringung der neuen Anforderungen 
keine Zeit blieb. Man konnte sich nicht mehr unbefangen der neuen Fragen bemachtigen und 
trieb richtungslos im alien Fahrwasser weiter. Es begann jenes Erbauen furchtbarer Bahnhofe, 
Fabriken, Speicher, mit gegossenen griechischen Kapitalen, Akanthusblattern, 
Nachahmungen maurischer, gotischer, chinesischer Formen, verbunden mit rohester 
Eisenkonstruktion. Ganz Europa ist noch heute iiberzogen mit diesen Erzeugnissen eines nie 
dagewesenen kiinstlerischen Niederganges. Und als ein neues Geschlecht gewaltsam 
"personlich" werden wollte, entstand der beriichtigte "Jugendstil", dessen kunstgewerbliche 
Verbrechen man von Paris bis Moskau und Budapest anstaunen 



[379] Der Baurhythmus unserer Zeit 



kann. Er wiitet noch heute vielerorts ungehemmt waiter. Die Schopferkraft war gebrochen, 
weil sie weltanschaulich und kiinstlerisch an einem fremden MaBstab verunstaltet worden und 
so den neuen Anforderungen des Lebens nicht mehr gewachsen war. 

Die neue Begeisterung fiir die Gotik, die wir urn die Wende des 20. Jahrhunderts erlebten, 
hatte zur Folge, daB neue "gotische" Kirchen und Rathauser entstanden. Hier zeigt sich, daB 
es unmoglich ist, gotische Formen fiir das schaffen der Gegenwart zu gebrauchen. Unser 
heutiges Weltgefiihl ist nicht mehr senkrecht-weltentstrebend, es will Kraft und Ausdruck, 
aber nicht mehr in der Form des altgotischen Willens. Denn der gotische personliche Stil, 
wenn auch dem germanischen Urcharakter entstiegen, spiegelt doch nur die bestimmte Art 
eines nur damals herrschenden Fiihlens wider. Fiir Monumentalbauten muB unsere Zeit 
Bauklotze auf Bauklotze tiirmen, fiir Wassertiirme braucht sie gewaltige geschlossene 
Formen, fiir Kornsilos einfache, gigantische Massen. Wuchtig miissen unsere Fabriken 
daliegen; zerstreute Geschaftsgebaude werden zu Riesenhausern der Arbeit zusammengefaBt; 
breitgegliederte Elektrizitatswerke lagern sich iiber die Erde. Die friiher zufallig 
zusammengewiirfelten Bauten einer groBen Fabrik riicken organisch zu einer inneren 
Gemeinsamkeit zusammen; aus dem Innern der modernen Dampfer verschwinden die 
pompejanischen Schwimmbader und Salons im Stile des Louis XVI, die heute nicht einmal 
mehr gut genug fiir gewohnlichste Emporkommlinge sind. Die Hotels entledigen sich ihres 
Talmi-Schmuckes, die "maurischen" Bahnhofe werden niedergelegt, in neuen Rhythmen wird 
ein klingendes Lied von Eisen und Stein gesungen. Und wenn auch Enttauschung auf 
Enttauschung folgte: es ging doch bereits auch echte Schopferfreude durch die Welt, als ein 
ehrlich werdendes Baukiinstlergeschlecht die neuen Fragen des Lebens zu 



[380] Die Architektur in New- York 

begreifen begann und nach wesens- und zeitgemaBem Ausdruck rang. Die in den anderen 
Kiinsten noch mogliche Ziigellosigkeit fand in der Architektur ihr regelndes Gesetz durch den 
Nutzen als Endzweck und die wirtschaftliche Berechnung. Wie Wahrheit meist auf die Dauer 
die beste Politik ist, so ist tektonische ZweckmaBigkeit die beste Voraussetzung einer jeden 
Baukunst. Die gotische Form erweist sich als fiir immer iiberwunden, die gotische Seele ringt 
aber bereits fiir jeden Nichtblinden sichtbar um eine neue Verwirklichung. Und aus ihr eine 
neue Rhythmik aus Stein heraus. Diese nahm ihren Ausgang zwar in Amerika, das in seiner 
Kulturlosigkeit aber bisher versagte; in Deutschland beginnt man jedoch bereits, uns neuen 
Losungen des modernen Bauproblems entgegenzufiihren: des Hochhauses. Das 
Abschreckende der amerikanischen Emporkommlingskunst mit ihren Wolkenkratzem im 
Renaissancestil oder mit gotischen Giebeln, mit Barockmustern oder odester Ingenieurtechnik 
(die selbst in Amerika ihrem Ende entgegengeht) hat uns iibersehen lassen, daB hier eine auch 
unserem Leben innewohnende Fragestellung eine Antwort heischte. Ein SteinkoloB nach dem 
anderen zwangte die alien Hauser Amerikas ein, die Kirchen, friiher die hochsten Gebaude, 
liegen in grotesker Verkiimmerung inmitten eines riesigen Steinhaufens. New York wurde 
gebaut ohne einen inneren Wertmesser und organischen MaBstab. Der gotische Baukiinstler 
wuBte sehr gut, daB er etwa Kirche und Rathausturm nicht nebeneinanderstellen durfte. Die 
GroBe des einen Baues hatte die GroBe des anderen vemichtet, der Hohe ihren notwendigen 
MaBstab geraubt. Die amerikanische Hast und Not war firei von diesen Uberlegungen. Die 
dort gemachten Erfahrungen aber ergeben fiir Europa Forderungen unumganglichster Art. 

Uberall beginnt sich beim Problem eines Baues mit breiterer Grundlage das Bestreben geltend 
zu machen. 



[381] Der sachlich-tektonische Griechenstil 

aus der waagerechten Lagemng noch auBerdem ein wuchtiges Massiv hinaufzufiihren, 
welches mit den eigenen Nebenfliigeln als MaBstab seiner GroBe ein Bausystem fiir sich 
bildet. Deshalb fordert ein elementares Gesetz in uns, daB in der Umgebung dieses Hochbaues 
kein neuer errichtet werden darf. Das gleiche gilt erst recht fiir einen Bau, der auf geringer 
Grundflache in die Hohe strebt. Nur auf diese Weise kann sich raumlicher Rhythmus und 
innere Kraft verwirklichen. 

Es ergibt sich also das interessante Verhaltnis, daB gotische auBere Formen zu gebrauchen 
eine innere Unmoglichkeit bedeutet, daB der gotische innere Wille und sein Baugesetz aber 
wieder neu erlebt werden muB*, soil eine echte Baukunst der Zukunft erstehen. 

Umgekehrt liegt das Verhaltnis gegeniiber den griechischen Bauformen. sie sind, wie 
dargelegt, objektiv wirksamer Natur. Ein griechisches Kymation ist das ABC jeder fireien 
Karniesendigung. Es kann schwungvoller im UmriB als beim Parthenon sein, die Grundform 
bleibt doch die aus zwei Viertelkreisen gebildete Linie. Ist eine waagerechte Last durch eine 
Steinsaule aufzunehmen, so gibt das dorische Kapital, der dorische Saulenschaft mit seiner 
Kannelierung, seiner sanften Anschwellung den Verlauf 

*Aufemzelnes kann hier nicht eingegangen werden. Ich verweise auf die allgemein bekannten 
New-Yorker Wolkenkratzer, dann auf den fiir chter lichen Entwurf der Tribune Tower 
(Chicago)von den Architekten How ells und Hood und den viel echter gefilhlten, wenn auch 
noch lange und nicht endgtiltig befriedigenden Entwurf des Finnen Saarinen. Ferner auf die 
Versuche von Russel und Crosell, aus der Baumasse selbst ihre Gliederung zu erzielen, auf 
die stddtebaulichen Entwiirfe von Hugh Ferris und Dudok; auf das sicher kolossal wirkende 
Gebdude der New-Yorker Telephon-Gesellschaft In Deutschland sind beachtlich die 
Vorschldge von Wilhelm Kreis, die Entwiirfe von Arthur Sokophfur ein Hochhaus des 
Deutschnationalen Handlungsgehilfen-Verbandes, Hamburg, das Chilehaus usw. 



[382] Etruskerbau und nordischer Rechteckbau 

der Kraftlinie fast mechanisch getreu wieder. Auch die Form des Abakus wird nur wenigen 
Veranderungen zuganglich sein. Diese Formen des griechischen Stils sind ewig-sachlich und 
haben mit Recht Anspruch auf Verwendung erhoben; wenn man namlich diese zartgefuhlten 
Ubergange zwischen Last und Stiitze iiberhaupt zum Ausdruck bringen will! Die Renaissance 
glaubte das tun zu miissen, der Klassizismus des 19. Jahrhunderts erst recht. Auch hier hat 
sich im Verlaufe der letzten Jahre eine innere Ab- und Umkehr vollzogen. Man verschmaht t 
heute diese Mittelglieder ebenso wie man die senkrechte Richtung der Gotik ablehnte. Die 
sich iiberschneidenden Linien stoBen klar und deutlich auf einander; auch hier herrscht keine 
gedampfte Harmonie, sondern offener Richtungswechsel. Rauh und hart wie die Fauste, die 
Stein auf Stein tiirmten. Das suchen des modemen "Gotikers" strebt nicht durch die Wolken 
empor, sondern geht auf wuchtende Arbeit aus. Gleich Faust legt er Siimpfe trocken, und 
nachdem er scheinbar selbst rettungslos im Sumpfe von Klassizismus und Anarchic 
versunken schien, merken wir immer deutlicher, was er heute will: Veredelung, 
Durchgeistigung, Durchseelung der rauhesten Arbeit. 



Und noch ein Letztes ist es, was uns die Berechtigung gibt, die Grundformen der 
altgriechischen Baukunst als immer wieder verwendbar anzusprechen, etwas was in 
vorgeschichtliche Zeiten zuriickgeht und Sachlichkeit mit Naturwiichsigkeit und Rassisch- 
Personlichem verbindet. Uberall namlich, wo die Kultur der Mittelmeerrassen herrschte, 
konnen wir als ihren Bautypus den Rundbau feststellen. Das ist der Grundtypus des 
etruskischen Hauses, der vornordischen Burgen auf Sardinien, das ist auch der Typus der 
Urburg von Tiryns. Im Norden aber entstand organisch durch Verwendung von Langholz der 
Rechteckbau. schon aus den Zeiten der Megalithkultur sind heute Bauten nachweisbar mit 
rechteckigem 



[383] Das basilikale Bauprinzip 

GrundriB nebst Vorhalle und Pfosten: der Urtypus des spateren attischen Hauses, des 
griechischen Tempelbaues. Die Hausertypen von Haldorf, Neuruppin, in Brandenburg, 
Hauser der Steinzeit sind die Urbilder, welche von den nordischen Stammen weitergetragen 
wurden ins Donautal, nach Mahren, nach Italien, nach Griechenland, vor allem aber die 
Megaronformen der Burgen in Baalshebbel. Aus dem 8. Jahrhundert v. Chr. tritt uns dann 
dieses germanisch - griechische Haus entgegen, auf dem Schutt der alten runden Burg des 
vorindogermanischen Tiryns entstand der nordische Rechteckbau; nach diesem Grundsatz 
gebaut wurden die Konigshauser in Mykene, in Troja, uberall dort, wo der nordische Mensch 
erobemd und zeugend auftrat. Der "blonde Menelaos", von dem Homer berichtet, gehort zur 
Burg des Alkinoos, die Odysseus "mit Pfosten gebaut" (Odyssee 7) erblickt, die archaischen 
GroBkonige Atarisias (Atreus) und Genossen, die ihre Hand nach den Kiisten Kleinasiens 
ausstreckten, das sind die Erbauer der trojanischen Palaste, die ihren GrundriB bis auf die 
spatesten Zeiten, bis auf HalikamaB iibertrugen. Die Ausbildung und der Grundgedanke 
griechischer Baukunst sind also eines Wesens mit germanischem Gefiihl. Diesen Gedanken - 
unabhangig von der zeitlich gebundenen Form - sind nun auch der "romanische" (in 
Wirklichkeit durchaus germanische) und gotische Dom treugeblieben. Das basilikale Prinzip, 
welches beiden Formen zugrundeliegt, bedeutet das Wesen nordischer Raumauffassung. In 
Italien, wo die nordische Flut, wenn sie auch das ganze Land iiberzog wie in Griechenland, so 
doch etruskische Zentren vielfach nur umspiilte, diese somit nicht selten unangetastet blieben, 
da erleben wir den Gegenkampf gegen die rechteckige Gestaltung besonders deutlich. sie geht 
aus vom runden Etruskerhaus iiber den Hufeisenbau bis zu den Grundrissen der Romervillen 
von Pompeji. Dieser Rundbau geht zwar 



[384] Der Rundbau 

scheinbar auch auf rein Technisches zuriick, doch reicht diese Herkunft tief in uralt 
Mythisches hinein. Die urspriingliche Frauenherrschaft der vornordischen Mittelmeervolker 
wurde durch den Sumpf bzw. die Sumpfpflanzen und Sumpftiere symbolisiert, die Zeichen 
eines verbreiteten allgemeinen Geschlechtsverkehrs. Als im Sumpfrohricht sitzend, wird Isis, 
die Mutter-Natur, abgebildet, Artemis und Aphrodite werden "in Schilf und Sumpf verehrt. 
Aus diesem gleichen symbolischen Schilf ist aber auch das urspriingliche Etrusker-Haus 
entstanden, indem die Schilfhalme im Kreis in den Boden gesteckt und die Rohre oben 
zusammengefaBt wurden. Diese Form wurde dann in Stein nachgebildet. Der erste Kult des 
Muttertums, der Sumpfkult, hat also die gleiche Symbolik wie die Wohnhiitte des 
mutterverehrenden "italienischen" Urvolkes. Der Kampf zeigt sich vor allem aber spater in 



den Auseinandersetzungen zwischen dem zentralen und basilikalen Prinzip des Kirchenbaues. 
Der groBe Kuppelbau des urspriinglichen St. Peter (der spater basilikal verandert wurde) zeigt 
diese Idee des alten Rundhausgedankens ebenso, wie St. Stefano Rotondo oder Maria della 
Salute. Zwar hat sich nordische Formkraft spater auch dieses Prinzips oft bemachtigt, jedoch 
ist es uns immer innerlich fremd geblieben. Der Rundbau begrenzt allseitig den Blick, er ist 
richtungslos, er ist im Grunde zugleich auch frei nach alien Seiten; im tiefsten Sinn des 
dreidimensionalen Raumbegriffes kann ein Rundbau ein wirkliches Raumgefiihl iiberhaupt 
nicht vermitteln und sei er von noch so starker Kiinstlerhand gestaltet. 

Im Gegensatz zu den Mittelmeervolkern mit ihren tierisch-gemischten Gotterbildern trug der 
nordische Grieche (an dem wir unser Wesen oft besser ablesen konnen als an den durch die 
Monche fast ganz zerstorten germanischen Altertiimern) ein fireies, damonenloses Gotterbild 
im Herzen. 



[385] Nordische Gotterberge 

Wie Karl Schuchhardt* schon bemerkt, lieB sich die Gottheit dort nieder, wo der erste 
Sonnenstrahl einen Gipfel erleuchtete. Uberall dort, wo es nach Osten freie Gipfel gab, 
versetzte der nordische Mensch seinen Gott: so auf den Athos, den Olymp, den ParnaB, den 
Helikon, im Norden auf die Wodans- und Donarberge. Dort, wo es keine Berge gab, traten die 
hohen Waldesgipfel an ihre Stelle: die Zeuseiche, die heiligen Eichen der Germanen, die von 
dem Bonifazius niedergeschlagen werden. Aber - so fugen wir hinzu - an die Stelle dieser 
ermordeten Eichen traten die "romanischen" Glocken-, die gotischen Kirchtiirme. sie fmgen 
nun in schwindelnder Hohe die ersten strahlen der gottlichen sonne auf; der Tiirmer wird zu 
ihrem Diener und Deuter, und wenn die Kreuzblumen rot ergliihen, dann weckt dieses 
Leuchten jene gl eichen Gefuhle der Erhabenheit, wie damals, als das Volk Homers zum 
Olymp hinaufschaute oder Altgermanien sich bei Sonnenaufgang im hohen Eichenhain 
versammelte. 

So sind Gotik und Hellas wieder innerlich enge zusammengeriickt in unserem seelischen und 
kiinstlerischen Erleben. Wir denken nicht daran, sich ergebende neue Moglichkeiten 
ungenutzt liegen zu lassen, oder uns fur ewig an zeitgebundene Formen und Technik zu 
binden, bejahen im Gegenteil den FluB des Lebens, die Mannigfaltigkeit der Seelenzustande 
und Zeiten. Dariiber hinweg aber noch empfmden wir beseligend die uns geheimnisvoll 
verbindenden Gewasser des Lebens, und in diesem Falle besonders das eine: das Raumgefiihl, 
das die gleichen, fur uns urewigen Darstellungsformen zur Voraussetzung seiner 
Verwirklichung besitzt. 

Die Wendung von stoffanbetender Technik zu einem echten Stilgefiihl ist heute vollzogen. 
Die noch ungebrochene 



* " 



Vorgeschichte von Deutschland", Munchen 1928. 



[386] Ehrlichwerden der Baukunst 

abendlandische Personlichkeit wird nicht in ewiger Sehnsucht der Erde zu entstreben 
versuchen, sondern wird die Erde achten, gestalten und sie "eingeisten". sie wird im 



Endlichen ein Gleichnis fiir Unendliches sehen, sie wird Kraft mit Seele durchdringen. Die 
Baukunst ist (trotz der Dessauer Bauschule) heute die erste Kunst, die auf dem Wege ist, 
zunachst einmal wieder ehrlich zu werden. Ihrer harrt die groBe Aufgabe, die Technik durch 
Technik und Neuschopfung zu iiberwinden. Wer Augen hat, um zu sehen, der erblickt das 
sich bewuBtwerdende suchen, dem neuen Formwillen unseres Lebens eine innerlich 
wahrhaftige Gestalt zu schaffen, am Werke in den Komsilos Kaliforniens, auf einem Dampfer 
des Norddeutschen Lloyds, auf den Briicken der Tauernbahn... Es wird die Zeit kommen, da 
aus diesem neuen Wahrheitssuchen auch Theater, Rathauser und Sakralbauten entstehen 
werden; mitleidig und mit Scham blickt ein modemer Architekt heute die Berliner 
FriedrichstraBe hinunter, auf das Miinchener Rathaus, auf die furchterliche neue Kathedrale in 
Barcelona und tausend andere Zeugnisse einer innerlich unwahrhaftigen Kunst und eines 
weltanschaulichen Chaos. 



Personlichkeits- und Sachlichkeitsstil sind unterschieden worden. Ich gestehe, daB es miBlich 
ist, heute iiber "Personlichkeit" zu sprechen, wo jeder Unreife diesen Begriff unbekiimmert 
auf sich anwendet und jeder Fiihrende heute fiir die Zukunft des Volkes und Staates doch in 
erster Linie einen Typus und eine Typenzucht fordert. Trotzdem ist klar, daB auch die 
kommende Form unseres Daseins auf alien Gebieten ihren Ausgang, wie immer so auch jetzt, 
von den groBen Einzelmenschen nehmen wird. Die Furcht, fiir geschmacklos und fiir einen 
Feuilletonisten gehalten zu werden, hat viele emste Menschen veranlaBt, das Wort 
Personlichkeit nicht mehr in den Mund zu 



[387] Aufkommender Universalismus 

nehmen, trotzdem muB es getan werden. Bei Vermeiden des Begriffes und des Wortes 
Personlichkeit besteht die Gefahr einer Verfliichtigung der Gedankengange und der Sprache 
ins Wesenlose und UnfaBbare; in das "Unendlichkeitsgefiihl" ohne Grenzen z. B., wie es 
heute modern gerworden ist, sich auszudriicken. 

In dem Ich liegen Individualismus und Universalismus beschlossen. Die individualistische 
Epoche, wie sie heute in gefahrlichen Krampfen vergeht, hat die universalistische Lehre 
wieder erstarken lauen. Diese bereits gestreiften, naturfremden Gedanken zeugen 
notwendigerweise lebenswidrige Formen, gegen die der Individualismus sich dann erneut 
aufbaumt, und die er sich, wenn notig, gewaltsam unterjocht. Der riicksichtslose 
Individualismus und der unbeschrankte Universalismus bedingen sich gegenseitig. Erst durch 
den Begriff des Volks- und Rassentums als Ausdruck - oder, wenn man will, als 
Parallelerscheinung - eines bestimmten Seelentums erhalt sowohl der eine wie der andere 
Grundsatz eine Begrenzung auch organisch -physischer Natur. Ein klare Seelentum und ein 
BewuBtsein eines stets tatigen geistigwillenhaften Wesens bedeutet aber gerade 
Personlichkeit. Dies ist und bleibt das tiefste Erlebnis des Abendlandes und keine falsche 
Scham darf die Behandlung dieser Frage - ohne die letzten Endes nichts auf seinen Grund 
zuriickgefiihrt ist - verhindern. 

Wie man Staat und Wirtschaft heute nach dem zusammenbrechenden 
Wirtschaftsindividualismus von universalistischen Gedanken aus aufzubauen bemiiht ist 
(wogegen der nationalistisch-sozialistische als organische und fruchttragende Zukunftsschau 
allerdings bereits mitgeboren erscheint), so bedeutet die Erklarung der abendlandischen Seele 



und Kunst als das ewige Bemiihen, dem Einsamkeit- und Unendlichkeitsgefiihl Ausdmck zu 
verleihen, ein gleichlaufendes streben von Volk und Personlichkeit 



[388] Einsamkeitsgefiihl von Tristan und Sachs 

hinweg ins Gestalt- und Uferlose. Der Unendlichkeitssinn wird gefunden in der Gotik, in der 
sich verfliichtigenden Musik, in den endlosen Gartenperspektiven Lenotres, im Helldunkel 
Rembrandts, in der Infinitesimalrechnung. Sicher ist auch das Einsamkeit- und 
Unendlichkeitsgefiihl ein Kennzeichen abendlandischen Wesens. Man sehe sich im Theater 
den Hinweis darauf im Tristan des III. Aktes an - dann schlieBe man die Augen und versetze 
sich in der Phantasie in die Lage des Einsamen. Hoch oben auf einer Felsenklippe, iiber sich 
eine blaue Unendlichkeit voller Qual, der Zeitlosigkeit nahe. Tristans Seele sehnt sich nach 
etwas unendlich Fernem, einer Idee, die hier auf Erden fur ihn Isolde heiBt. Inmitten dieser 
Verlassenheit ertont von irgendwo ein Ton, einige Tone einer Hirtenflote in einem eigenwillig 
weltabgeschiedenen Rhythmus, gerade das ausdriickend, was in keine aus der Vernunft 
geborenen Worte zu kleiden ist. 

Wagner arbeitete am Tristan in Venedig, allein, bewuBt abgeschlossen, getrennt von 
Mathilde, Selbstmordgedanken im Herzen. 

Ein anderes Bild. Inmitten groBter SpieBbiirgerlichkeit lebt Hans Sachs. Zu Anfang des III. 
Aktes wachst auch er hinaus in die Einsamkeit. Nicht allein ist er da. Rings um ihn Taufende 
von Menschen in hochster Festfreude, eine malerische Stadt, gliickliche Liebespaare, darunter 
sein der eigenen Person abgekampfter Schiitzling. All das jubelt "unserem groBen Sachs" zu. 
Heilrufe zu seinen Ehren erklingen. Und inmitten dieses Getriebes steht er lachelnd, reich und 
doch einsam, verlassen und spricht Worte iiber das Ewige der Kunst; vielen unverstandlich, 
Worte von "deutschen Meistem". Wieder das Unendlichkeitsgefiihl und doch ganz anders 
zum Ausdruck gebracht als im Tristan. Bei Tristan schuf Wagner in 



[389] Die unvergangliche Personlichkeit 

Ubereinstimmung des AuBern und Innem, bei Hans Sachs Kontrast. 

Was ist es nun aber, was dieses Gefiihl der Unendlichkeit, Verlassenheit und Einsamkeit 
hervorruft, ein Gefiihl, welches wir in keiner der uns bekannten Rassen- und Kulturseelen 
derart ausgepragt anzutreffen vermogen? Auf die mannigfaltigen Unterschiede der 
Volkerseelen hat man geniigend hingewiesen, auch auf das ewige Streben der Faustnaturen 
und auf ihr Unendlichkeitsgefiihl, doch Zum echten BewuBtsein erhoben worden ist es noch 
nicht. Auch der Inder hatte ein Ewigkeitsgefiihl, dies ist altarisches Eigentum. Aber der Inder 
verschwamm im All, seine Sehnsucht ging nach restloser Auflosung, seine Unendlichkeit war 
die Erkenntnis der Gleichheit aller Erscheinungen, von Ich und Weltseele Einsamkeit in 
unserem Sinne kann er nicht gefiihlt haben: er erblickte ja iiberall sich selbst! 

Der faustische Mensch dringt nicht nur ins Unendliche und ins Tiefste, sondem er ist wirklich 
einsam . Das ist aber nur moglich, well er innerlich ein nur ihm allein Eigenartig- 
Unsterbliches erlebt, well er auch nicht nur als Person sich von einer Umgebung abhebt, 
sondem well er Personlichkeit ist, d. h. eine unsterbliche, nur einmal erscheinende Seele, eine 



ewigtatige, beherrschende, suchende, Zeit- und raumlose, von aller Erdgebundenheit geloste 
Kraft von Einzigartigkeit fiihlt. - Das ist das Geheimnis der germanisch-nordischen Seele, das 
Urphanomen, wie Goethe es nennen wiirde, hinter dem wir nichts mehr suchen, erkennen, 
erklaren konnen und diirfen, das wir nur verehren sollen, urn es auch in uns wirken zu lassen. 

Die Idee der unverganglichen Personlichkeit ist die starkste Kampfansage an diese Welt der 
Erscheinungen. Der Inder, nachdem er zwischen Welt und Seele geschieden hatte, verwarf 
jene als Lug und Schein, schrieb nur dieser echte Wirklichkeit zu. Die Seele, der Atman, das 



[390] Indiens philosophischer Monismus 

Selbst war nach ihm das Einzig-Eine. Der Atman war voll und ganz im Wassertropfen, im 
Tier, im Menschen enthalten, er war unterschiedslos in alien Geschopfen dieser Welt als 
etwas "alterloses, junges", als "vorzeitig Wunder". Aus diesem ins Unendliche 
verschwimmenden Allgefiihl heraus wurden die Unterschiede auch der Menschenrassen und - 
geister iibersehen, alle erdgebundenen Verschiedenheiten als Tauschungen betrachtet, mit 
groBter seelischer Macht als nicht vorhanden erklart. " Alles bist auch Du", das ist indische 
Seelenlehre; es war die auf noch nie dagewesene philosophische Zusammenziehung 
(Intension) folgende grenzenlose Ausweitung (Expansion). 

Die philosophierende Vernunft dringt jederzeit darauf, das Mannigfache dieser Welt zur 
Einheit zu binden, aus Wahrnehmungen Erfahrungen, aus Vielerlei Einheit Zu formen. Indien 
war iiberwiegend philosophisch gerichtet, d. h. es verlegte die Erlosung nicht in eine religiose, 
willenhafte Umwandlung, sondern in einen Erkenntnisakt. Wer den Schein dieser Welt 
durchschaute, war erlost. Dieser philosophischen Grundstimmung entspricht es ebenfalls, daB 
eine Vielheit der Seelen, ein Gedanke, wie er in spaterer Zeit im Samkhyam-System 
auftaucht, auf ihn wie eine Verlasterung des philosophischen Sinnes wirkt. Als eine solche 
wird sie auch jedem nur der Erkenntnis hingeneigten Philosophen erscheinen; die 
Vernunftphilosophie als solche wird stets auf einen indischen oder stoffanbetenden Monismus 
hinzielen. 

Dieser Anschauung tritt die Religionsseele des Abendlandes entgegen, diesmal in 
Ubereinstimmung mit der Lehre Jesu: die Behauptung der ewigen Personlichkeit einer ganzen 
Welt gegeniiber. sie kommt in ihrer einzelnen Verkorperung (Manifestation) aus einem 
Unbekannten, das nur in manchen stunden innerster Erhebung wie der Schatten einer 
Erinnerung in uns auftaucht; sie hat hier auf Erden eine unbekannte Aufgabe zu vollbringen, 
sich 



[391] Personlichkeitswiirde des Abendlandes 

zu entladen und zu ihrem ureigenen Wesen wieder zuriickzukehren. Jede Personlichkeit ist 
eine Einheit ohne Ende; das ist der religiose Wille im Gegensatz zum philosophischen 
Monismus. Die Monade steht allein im Weltall, sie kehrt heim zu dem, was sie in der Sprache 
der Religion "den Vater" nennt. Was philosophisch Widerstand erweckt, ist religioses 
Erlebnis. 



Deshalb bedeutet Jesus trotz aller christlichen Kirchen einen Angelpunkt unserer Geschichte. 
Deshalb wurde er der Gott der Europaer, wenn auch bis auf heute in nicht selten abstoBender 
Verzerrung. Konnte dies geballt vorhandene Gefiihl der Personlichkeit, das gotische Dome 
baute, das ein Bildnis Rembrandts schuf, deutlicher in das BewuBtsein der Allgemeinheit 
dringen, es hiibe eine neue Welle unserer gesamten Gesittung an. Die Voraussetzung dazu ist 
aber die Uberwindung der bisherigen Werksetzungen der "christlichen" Kirchen. 

Die Personlichkeitswiirde hat mit Person nichts zu schaffen, sonst miiBten die weltgierigsten 
Menschen den Glauben an personliche Unsterblichkeit am starksten verkorpem. Aber diese 
verlangen nur die Verlangerung ihrer Tierheit ins Unendliche. Man iiberschatzt z. B. die 
GroBe Agyptens. Die Pyramiden und die Mumifizierung sind nicht der Ausdruck eines 
iiberweltlichen Ewigkeitsgefiihls, sondem einer krassen Daseinsbehauptung. Deshalb ist 
Agypten so unbegreiflich starr gewesen, well alles in den Dienst dieser Welt gestellt bzw. 
gezwungen wurde, ein Beamten- und Schreiberstaat. Auch das hat feine GroBe, nur eine ganz 
andere, als wie personlich veranlagte Romantiker ihr unterzulegen bemiiht sind. 

Genau betrachtet, liegt in der altindischen Lehre doch schon der Begriff der personlichen 
Unsterblichkeit mit eingeschlossen - trotz aller Verwahrungen dagegen. Denn wenn ich als 
Pflanze, Tier oder Mensch doch immer ein Ich bin, das wiedergeboren wird, so wird also ein 



[392] Das unlosbare Unsterblichkeitsproblern 

Unveranderliches angenommen, an dem sich etwas verandert. Der Begriff des Karma, der mit 
vielen Geheimnissen der buddhistischen Philosophic umgeben ist, klart hier nicht auf Das 
bekannte Gleichnis von Werk und Wagen ist kraB stofflich und beruht auf falschen 
Ahnlichkeitsschliissen. Des "Herzens Herz" ist es (Novalis), das nach unserem Glauben 
wiedergeboren wird. Die Lehre von der Seelenwanderung ist deshalb, als Gleichnis 
verstanden, die glaubwiirdigste Antwort auf eine Frage, die man iiberhaupt nicht stellen diirfte 
in der Absicht, eine positive Antwort darauf zu erhalten. Erkenne ich, daB ich hier an 
Anschauungsformen gebunden bin, ohne die mir einfach nichts wirklich vorstellbar ist (Zeit, 
Raum, Kausalitat), so wiirde ich auch die wahrste Antwort nicht begreifen konnen, denn sie 
setzt ganz andere Anschauungsformen - oder iiberhaupt keine - voraus. Wenn ich iiber 
personliche Unsterblichkeit spreche, und vor die SchluBfolgerung gestellt werde, im 
"Jenseits" eine immer groBer werdende Masse von Personlichkeiten anzunehmen, daB alle 
unsterblichen Personlichkeiten sich also vermehren konnten (ein haarstraubender Gedanke), 
oder daB eine ganz bestimmte Zahl unsterblicher Personlichkeiten bestehen, die in ewiger 
Wiederkunft sich verwirklichen, so ist darauf zu antworten, daB hier Gebiete und 
Vorstellungen vermischt werden, die unter anderen Voraussetzungen in uns entstehen. 

Von den Gesetzen des "jenseitigen" Gebietes wissen wir nichts! Gesetze, die hier Geltung 
haben (auch die Vorstellung "hier" und "dort" ist zu verwerfen, zeigt aber, daB wir nicht 
umhin konnen, sie zu verwenden), sind in dem "anderen" Zustand nicht anwendbar. 

In der Idee der Personlichkeit verdichtet sich gleichsam das metaphysische Problem in einem 
punkte. Jeder Mensch fiihlt eine Menge plastischer Moglichkeiten in sich, weiB, daB manche 
Anlage verkiimmert, daB sich andere Fahigkeiten entfaltet haben oder entfalten konnen Und 



[393] Unfreiheit bedingt Freiheit 

doch erkennt er in jeder neuen Tat sich selbst wieder. Er weiB, daB die Baulinien seines 
Wesens die gleichen bleiben, er sieht sich scheinbar einem unbedingten Gesetz gegeniiber. 
Diese Unentrinnbarkeit vor sich selbst und doch wiederum die GewiBheit, ein Selbst zu sein, 
ist die Ursache, wamm die Anerkennung der Freiheit des Willens und die Anerkennung des 
unbeugsamen Gesetzes in einem Menschen beisammen haufen Jesus meinte, eine Distel 
konne keine Feigen tragen, also auch kein boser Mensch gute Werke tun. Trotzdem forderte 
er innere Umkehr. Luther schrieb ein Buch iiber die Unfreiheit des Willens und eins von der 
Freiheit des Christenmenschen; Goethe sprach seine "Urworte", Kant entwickelte die 
Tatsache der Antinomien; Schopenhauer leugnet den freien Willen, er fiihrt aber die 
moralische Weltordnung wieder ein. 

Fiir alle Europaer ist im Personlichkeitsbegriff das letzte Geheimnis eingeschlossen, zugleich 
aber ist der Widerstreit zwischen Freiheit und Unfreiheit fur uns ein nur bedingter. sehen wir 
von den rein mechanischen Einwirkungen von auBen ab, die auf uns als Naturgeschopfe 
einwirken (diese Einwirkung wird ganz falschlicherweise mit in die Behandlung des Problems 
der Personlichkeit hineingeschmuggelt), so liegt der Grund des Widerstreites darin, daB wir 
uns selbst in verschiedenen Lagen von verschiedenen Gesichtspunkten beurteilen. Fiihlen wir 
die "Unfreiheit" unseres Wesens, den unbedingten Drang, so und nicht anders handeln zu 
konnen, so zerspalten wir unbewuBt unser Ich in zwei Telle und fiihlen den einen auf uns 
lasten, anstatt uns zu sagen, daB wir uns, als Personlichkeit, selbst so wollen, daB dieses 
Auswirken ein sich durch die Zeit auBerlich-erfahrungsmaBig entwickelndes Innere ist. Das 
Gesetz hat jeder sich selbst geschaffen. DaB er dieses Gesetz schuf, ist die Freiheit seiner 
Personlichkeit. Diese Erkenntnis trifft genau mit der Lehre des Meisters Eckehart iiberein. 



[394] Zielstrebigkeit Wesen des Lebens 

Es ist also nicht so, wie Schopenhauer lehrt, daB der empirische und der intelligible Charakter 
zwei Phanomene von gleichsam zwei Planeten sind, die auBerhalb der Einzelpersonlichkeit, 
als allgemein empirische und sittliche Weltordnung bestehen und durch zufalliges 
Zusammentreffen einen Menschen ausmachen, wie auch die indische Karma-Lehre behauptet. 
Ob der deutsche Volksmund kiindet, daB jeder seines Gliickes Schmied sei, ob Goethe von 
der Schopferkraft eines Genies spricht, oder Eckehart fordert, man miisse "eins mit sich 
selbst" werden, sagt im Wesentlichen dasselbe. Es ist die besondere germanische Einstellung 
Zum uralten Menschheitsproblem. 

Die Idee der unsterblichen Personlichkeit ist eine Seelendichtung, aber sie ist ein religioser 
Hochflug, der mit der strengsten Erkenntniskritik nicht in Widerspruch gerat, ja dem man - 
mit Vorsicht allerdings - selbst von der stofflichen Seite des Lebens nahen kann. Dem 
Anorganischen gegeniiber ist die Frage nach dem Warum, nach dem Zweck, sinnlos. Das 
Leben aber kann anders iiberhaupt nicht erfaBt werden; iiberall ist eine Verwirklichung von 
etwas, immer sind Verwandlungen durch ein Ziel bedingt. Leben ist also Zielstrebigkeit, d. h. 
unbewuBte Zwecktatigkeit. Jedes Wesen erhalt Instinkte, Strebungen mit auf seinen Weg, die 
dieser Zielstrebigkeit, also der Erreichung eines Zieles dienen. Ist es nun ein ganz absurder 
Gedanke, wenn wir hier eine Ahnlichkeit auch fiir den Menschen, enger gesprochen, fiir den 
nordischen Menschen in Anspruch nehmen und sagen: die Tatsache, daB der Glaube an eine 
Unsterblichkeit immer wieder hervorbricht und uns innerlich leitet, zeigt, daB er eine uns 
beigegebene Kraft ist, die unsere Unsterblichkeit bereits darstellt? Ein groBer Naturforscher 



und groBer Denker zugleich, Karl Ernst von Baer, erklart auf die Frage nach dem Wesen des 
Lebens: "Da die Selbstbildung nicht gleichmaBig in der Erreichung einer bestimmten 



[395] Die Lehre von der Vorherbestimmung 

Form besteht, sondem die Organe fiir den kiinftigen Gebrauch vorbereitet und die Stoffe 
immerfort fiir die Selbstbildung umgeandert werden, so scheint mir der allgemeinste 
Charakter des Lebensprozesses die Zielstrebigkeit zu sein."* "Wir werden erkennen, daB das 
Wesen des Lebens nur der Lebens-ProzeB selbst oder der Verlauf des Lebens sein kann. Wir 
werden dann nicht nach dem raumlichen sitze des Lebens suchen, da der Lebens-ProzeB nur 
in der Anschauung der Zeit verlaufen kann." "Zu erfassen, wie in Zielstrebigem 
Notwendigkeiten und notwendig verfolgten Zielen das Naturleben besteht, scheint mir die 
wahre Aufgabe der Naturforschung."** Hier erwachst uns nun eine Charakterprobe: sind wir 
imstande, rassisch-blutvolles Leben und seine Gesetze als Gleichnis eines Ewigen zu deuten 
oder nicht? Konnen wir unseren Unsterblichkeitswillen als ein zielstrebiges Mittel erleben? 
Erfiihlen, daB, wie das Leben hier den Raum bereits ausschaltet, auch schon iiber der 
gewohnlichen Ursachlichkeit liegt, es nach Abstreifen auch der Zeit noch andauert? 

Ein das Verhaltnis noch deutlicher klarendes paralleles Beispiel zeigt die Lehre von der 
Vorherbestimmung (Pradestination). sie besagt in der abendlandischen Gedankenwelt nichts 
weiter, als daB der "Gott im Busen", der nicht der Gegensatz des Ich, sondern das selbst ist, 
das Ziel durch die Wesensart bestimmt. In der jiidisch-syrisch-romischen Gedankenwelt aber, 
welche Personlichkeit und Gott auseinanderreiBt und feindlich gegeniiberstellt, wurde die Idee 
der "Vorherbestimmung" zu einer wahnwitzigen Anschauung, die den Menschen zum 
geborenen Sklaven herabdemiitigte. 

Das eine "Geschopf ' aus dem Nichts war fiir immer 

* "Uber Zielstrebigkeit in den organischen Korpern. " 

** "Uber Zweckmdfiigkeit und Zielstrebigkeit iiberhaupt", 1866. 



[396] Einheit von Personlichkeit und Gott 

erwahlt vom willkiirlichen Schopfergeist, das andere auf ewig verdammt. Das Warum blieb 
Geheimnis des lehrenden Zauberers. Hier erleben wir emeut das Unheil, wenn ganz bestimmt 
geartete Ideengefiige von einer fremden Deckungsart "assimiliert" werden; geistige und 
seelische Bastardierung ist dann die unausbleibliche Folge. Die angeborene Hochachtung der 
germanischen Personlichkeit vor anderer Art hat die plastischen Moglichkeiten unseres 
Wesens nach einer Richtung hin beschaftigt, die vieles verkiimmern lieB, was arteigen hatte 
erbliihen konnen. Gott sei Dank hat die ungeheuerliche Pradestinationslehre des Augustinus 
keinen wirklichen dauernden EinfluB ausgeiibt, ein Zeichen unbewuBter Abkehr, die das 
Letzte auch dem "Ewigen Rom" nicht preisgab. 

Nur im streng jiidisch-kirchlichen "Christentum" lebtnoch die vollkommene Trennung 
Personlichkeit-Gott weiter, obgleich die Gestalt Jesu gerade diese Einheit in einem MaBe 
fordert, wie sie in der Geschichte selten zu dieser bezaubernden GroBe herangewachsen ist: 
die absolute Personlichkeit, die ist, d. h, frei ihrem eigenen Gesetz nach lebt, als Herr iiber die 



Person Es bedeutet dies jedoch den denkbar starksten Gegensatz zum sog. "Ausleben der 
Personlichkeit", wie unsere Modesprache sagt. Denn das erste ist Beherrschung, das andere 
Ohnmacht. Fiigt man hinzu, daB diese Freiheit durch Rasse und Volk organisch umgrenzt ist, 
so haben wir vor uns die ewige Voraussetzung einer jeden arteigenen Kulturepoche des 
Abendlandes. 

Die Idee der eigengesetzlichen Personlichkeit und die Lehre von der Vorherbestimmung sind 
nun eng verkniipft mit dem Schicksalsbegriff. 

Hier stehen sich zunachst zwei unvereinbare Weltanschauungstypen gegeniiber: die 
altindische und die vorderasiatische. Der Inder als Seelenaristokrat schreibt sein 
Erdenschicksal nur sich selber zu. Fragt man einen 



[397] Germanischer Schicksalsbegriff 

Blindgeborenen, warum er wohl glaube, diese strafe erleiden zu miissen, so wird er 
antworten: weil er in einem friiheren Leben Ubles getan habe. Folglich miisse er jetzt seinen 
Taten gemaB ein Unheil dulden. Dieser durchaus folgerichtige Gedanke schaltet das AuBere 
vollkommen aus, verneint ganz selbstherrhch gerade das, was wir im kirchlichen 
Wirkungskreis Aufgewachsene als "unerbittliches Schicksal" zu kennzeichnen pflegen. 
Dieses Betonen des AuBeren ist die unselige Erbschaft, die wir der bisherigen Form des 
Christentums zu verdanken haben, welches die vorderasiatische Gedankenwelt mit sich nach 
Europa brachte. Wahrend noch die homerische Zeit voller Vertrauen auf sich und das 

All ihr Leben lebte, wurde durch spatere schwere auBere Erschiitterungen auch das innere 
griechische Leben ins Wanken gebracht. In der Tragodie erscheinen deshalb Personlichkeit 
und Schicksal in durchaus dualistischer Weise. Unschuldig-schuldig erliegen die Menschen 
hereinbrechenden auBeren Gewalten (Oedipus). Aus dieser Verzweiflung ergab sich fiir die 
zerspaltene Seele dann der weitere Schritt: die Unterwerfung unter einen diese Seele 
beherrschenden Zauberer, welcher die Personlichkeit ganz aufsaugte, sich selbst als das 
Schicksal, fiir den " Stellvertreter Gottes" ausgab und den Menschen in ewiger unterwiirfiger 
Demut zu erhalten bestrebt war. 

Wiederum erscheint diesen beiden Typen gegeniiber das Germanentum in doppelter 
Gegensatzlichkeit. Es maBt sich nicht an, das korperliche Weltall und feine Gesetze als nicht 
vorhanden zu erklaren, es weiB aber auch nichts von semitischem Fatalismus oder syrisch 
"schicksalhaftem" Zauberwahn. Sondern es verkniipft Ich und Schicksal als zugleich 
bestehende Tatsachen, ohne nach der Ursachlichkeit beider Telle zu firagen. 

Das Verhaltnis der Germanen zum Schicksalsbegriff ist ganz das gleiche, wie die spatere 
Darstellung Luthers vom Zusammenbestehen von Naturgesetzen und 



[398] Auf den katalaunischen Feldern 

personlicher Freiheit. Seine seelische Haltung dem Weltall gegeniiber trifft genau zusammen 
mit den erkenntniskritischen Untersuchungen Immanuel Kants iiber ein Reich, in dem Freiheit 
ist, und ein Reich der Natumotwendigkeit*. 



Nirgends vielleicht zeigt sich diese wesenhafte Ubereinstimmung alles Nordisch-Deutschen 
klarer als in der Gegeniiberstellung uraltester germanischer Sagen und Lieder mit jener 
hochsten Erhebung Kantischen Denkens, aber auch mit dem Hymnus Holderlins, daB nie des 
Herzens Woge so schon emporschaumen konne, wenn nicht als stummer Pels ihr das 
Schicksal entgegenstande. Auf den katalaunischen Feldem treffen Germanen auf Germanen, 
beide Teile im Glauben, fiir ihre Freiheit und Ehre kampfen zu miissen Und der germanische 
Sanger schlieBt seinen Schicksalsgesang: 

Fluch trafuns, Bruder, toten sollt ich dich. 
Das bleibt ewig unvergessen, hart ist der Spruch der Nornen. 

Hier erscheinen die leidenschaftslos wirkenden Nornen als das Gleichnis einer 
unerforschlichen und doch erfiihlten 

* Es darfhier eingefugt werden, dafi das Vertrauen des schlichtgldubigen Menschen auf 
"Gott, den Vater" wesensgleich ist mit dem hier gezeichneten Schicksalsbegriff. Die Idee des 
"Vaters" ist die notwendige Verpersonlichung, die der religiose Mensch im Unterschied zum 
philosophischen vornimmt, wobei die Werte des Charakters genau die gleichen sind. Darum 
konnte sich ein germanischer Denker mit einem nordischen Bauern, der aufrecht und 
pflichtbewufit seine Lebenspflicht erfUllt, leicht verstdndigen, wenn die syrisch vergifteten 
Kirchen das gerade Vertrauen nicht durch Stindenlehren, Gnadenversprechungen, Fegefeuer, 
ewige Verdammnis vergifteten und verwirrten. Es ist schon so, wer Vertrauen in seine Art hat, 
hat auch Vertrauen zu "Gott". Eins bedingt das andere. Deshalb brauchen die heutigen 
Kirchen und ihre Vertreter Zweifelnde zerspaltene, verzweifelnde Menschen, um herrschen zu 
konnen. 



[399] Das Hildebrandlied 

kosmisch-gesetzlichen Notwendigkeit. Die ringenden Germanen nehmen nun im Dienst fiir 
die von ihnen freiwillig anerkannten inneren Werte dieses Schicksal bewuBt auf sich und 
fiihren es ohne zu jammern als fireie Manner aus. Die Nordlandssohne Hamdir und Sorli 
reiten, von ihrer Mutter aufgestachelt, gen Siiden allein an den Hof des Gotenkonigs 
Ermanerich, um den Tod ihrer Schwester zu rachen. sie wissen, daB auch sie dem Tode 
entgegenreiten, aber sie beugen sich bewuBt und firei dem Dienst fiir die Sippenehre, kampfen 
bis zum letzten Blutstropfen und Sorlis letzte Worte: 

Gut haben wir gekdmpft, wir stehen auf den Leichen der Goten, 

und waffengefdllten, wie Adler auf den Zweigen. 

Gute Ehre ist unser, wenn heute das Ende kommt: 

die Nacht erlebt niemand, wenn die Nome gesprochen. 

sind von einer heroisch unsentimentalen Selbstverstandlichkeit, die ihresgleichen an 
groBziigiger Heldengesinnung nur in den anderen germanischen Liedern fmdet. Vor allem im 
Hildebrandlied e. Vater und Sohn stehen sich gegeniiber, der erste als heimkehrender 
Krieger, der Zweite als Schiitzer seiner Erde. Der Vater erkennt den Sohn, dieser erblickt 
jedoch in dessen bewillkommenden Worten nur eine Kriegstiicke und reizt mit Spottreden den 
alien Helden. Dieser halt aus, bis sein Sohn ihm ehrlose Gesinnung vorwirft. Da ruft 
Hildebrand: 



"Wehe nun, waltender Gott, Wehschicksal wird!" 

"Der mufite derfeigste dock sein, der von Osten Kommenden, 

der dir den Kampfnun verwehrte, da dich 's so sehr danach lustet. " 

In der Erfullung der selbst erzeugten Gesetze der Ehre erblickt der alte Hildebrand zugleich 
das waltende Schicksal, eine Auffassung, die an die tiefste germanische Mystik reicht, welche 
die "unerschaffene Seele" als Gott, eigenes Schicksal empfindet. Aber zugleich lehrt die 
heroische Losung des 



[400] Seelenkonflikt zwischen Liebe und Ehre 

Hildebrandliedes das, was Kant auf hochster Hohe philosophischer Besonnenheit das Reich 
der Freiheit und das Reich der Natur nannte, die iiberall geschieden seien, denen der Mensch 
aber zugleich angehore. An dieser Stelle entsteht dann das, was Kant die Erhabenheit der 
menschlichen Natur nannte: das BewuBtsein des Personlichkeitswertes gegeniiber einer 
auBeren furchtbaren Macht. Und L. Wolff weist ganz richtig darauf hin*, daB der von 
Hildebrand angerufene Gott nicht der Gott des Christentums ist, welcher iiber alien Glaubigen 
angeblich seine mildschiitzende Hand halt. Durch diesen christlichen Gott ist die 
Schicksalsauffassung einerseits individualistisch-ichsiichtig geworden, andererseits muBte sie 
stets, folgerichtig durchdacht, wie ausgefuhrt, zur Pradestinationslehre fiihren. Das alte 
Hildebrandlied ist - als Motiv - spater bei alien Volkem aufgetaucht und zwar in 
Verfalschungen, die das Wesentliche des ganzen Dramas unterschlagen: in diesen Liedern 
erfahrt der Vater erst nach geschehener Tat, daB er seinen Sohn erschlagen hat, oder aber er 
erkennt ihn und reitet nach kurzem Turnier friedlich heim zu seiner Frau Ute. Hier sind 
christliche, den Gedanken der Ehre ausschaltende Einfliisse bereits mit Handen greifbar. 

Und noch eines zeigten diese germanischen Gesange (gleich der alten Fassung des 
Walthariliedes, der Erzahlung von Albwin und Thurisind und alle anderen), daB die Ehre 
keine Konflikte hervorruft, sondern daB sie im Kampf auf Erden die Konflikte lost. 
Problematisch wurde das germanische Leben erst dann, als die neuen Werte gleichberechtigt 
wurden mit den hochsten germanischen Werten von Ehre, Freiheit, Stolz und Mut. Dieser das 
Herz Europas zerreiBende Konflikt ist bis auf heute die tiefste Ursache unseres Mangels 

* "Die Helden der Volkerwanderungszeit", Jena 1928, s. 146. 



[401] Tristan - ein Drama der Ehre 

an Seelenstil, Volkskultur, Nationalstaat. Die Liebe und das Christentum haben nicht der 
"germanischen Selbstzerfleischung" Einhalt getan, sondern den Kampf aller gegen alle erst 
recht entbrennen lassen. Denn schon in der Zeit der Volkerwanderung empfanden die 
auseinandergerissenen germanischen Stamme mit Trauer ihre Gegnerschaft: "Fluch traf uns, 
Bruder, toten sollt ich dich", singt bereits der altgotische Sanger... Theodorichs Reich schien 
dann nochmals eine germanische Einheit zu verbiirgen, wenn die verromerten Franken nicht 
alles wieder zerschlagen hatten. So geht der tragische Konflikt weiter, die Moglichkeit, die 
Idee der personlichen Ehre, der Sippenehre, der Stammesehre zu steigern zum allgemein 
germanischen EhrbewuBtsein wurde - dank dem romischen Christentum - verpaBt. Auch 
dann, als aus dem Krieger der Volkerwanderungszeit der seBhafte Ritter geworden war. 



Schicksal und Personlichkeit stehen also nach germanischer Auffassung in steter 
Wechselwirkung und jedes wahrhaft nordische Drama wird in irgendeiner Form auBeres 
Geschehen und innere Charakterwerte miteinander verbinden, nie unverkniipft nebeneinander 
laufen lassen Etwas, was vom Nibelungenliede ebenso gilt wie vom Faust und vom Tristan. 
Eine siiBliche Aesthetik hat auch dieses groBe Drama miBverstanden und es lediglich vom 
Standpunkt der verziickten Isolde betrachtet. Dabei ist dieses vielleicht groBte Werk Wagners 
kein Drama der Liebe, sondem ein Drama der Ehre. Weil Tristan seine uniiberwindliche 
Liebe zur Braut seines Konigs und Freundes als ehrlos empfmdet, deshalb halt er sich fern 
von ihr, deshalb will er dann den Todestrank trinken, als er die Unmoglichkeit erkennt, seiner 
Liebe Herr zu werden. Wie nun der "Treueste der Treuen" diesen Ehrbegriff, der sein ganzes 
Leben ausmacht, von sich wirft und sich seiner Leidenschaft ergibt, das ist das unerklarlich- 
ungeloste Ratsel, welches 



[402] "Okonomisches Schicksal" 

durch den Minnetrank symbolisiert wird. Der innere Hohepunkt des Dramas ist der 
Augenblick, da Marke und Tristan sich gegeniiber stehen (nicht der Liebestod, der einen 
Ausklang bedeutet). Und wahrend der Konig den "Treuesten der Treuen" sinnend fragt: 

Wohin nun Ehr ' 

und echte Art, 

da aller Ehr en Hort, 

da Tristan sie verlor? 

Den unerforschlich 

furchtbar tief 

geheimnisvollen Grund, 

wer macht der Welt ihn kund? 

dringen aus dem Orchester jene gramvoll ins Metaphysische tastenden Klange, als fragten sie 
nach der tiefsten Frage des germanischen Wesens: wie der "aller Ehren Hochster" "ehrlos" 
werden konnte. Etwas, was unmoglich ist und doch scheinbar als unwiderruflich 
nachgewiesen erschien. Diese letzte Frage bleibt trotz der symbolischen Deutung ohne 
Antwort, Tristan stirbt an seiner Tat, bewuBt nimmt er den Tod auf sich und reiBt seinen 
Verband von den blutenden Wunden. Er stirbt an der auBeren Verletzung eines ihm 
Unverletzlichen, Isolde aus Schicksalsverbundenheit mit ihm. Tristan stirbt an einem 
Ehrenkonflikt, Isolde an Liebesgram. 

Das ist germanisches "Schicksal" und germanische Lebensiiberwindung durch die Kunst. Das 
alles aber zu gestalten, bedeutet die hochste Hohe der Personlichkeitskunst. 

AuBerhalb der Kirchen entstand im 19. Jahrhundert in Ankniipfung an die Naturphilosophen 
des 18. eine Weltanschauung, welche, nach jeder Seite hin unkritisch, sich bemiihte, den 
ganzen Menschen in die mechanische Naturgesetzlichkeit einzureihen. Dieser plumpe, 
darwinistisch-marxistische Versuch, eine unentrinnbare "okonomische 



[403] Spenglers Kulturkreislehre 



Gesetzlichkeit" zu verkiinden, ist heute als iiberwunden zu betrachten. Dafiir ist aber 
(namentlich durch Spengler) eine andere Anschauung aufgetreten in bezaubemdem Gewande, 
dargestellt am "faustischen Menschen", mit betrachtlicher Uberredungskunst begabt: die 
sogenannte morphologische Geschichtsbetrachtung. Diese Lehrer der Geschichtsgestalten 
stellen ganz richtig Kausalitat und Schicksal als zwei nicht zusammenfallende Ideen hin. sie 
entsagen ferner - ebenfalls mit germanischem Wesen iibereinstimmend - laut und offen dem 
semitischen Fatalismus, der alles Geschehen als unabanderlich anerkennt. sie verlegen nun 
aber die Schicksal si dee in sogenannte Kulturkreise, die sicher geschichtlich nachweisbar sind, 
ohne jedoch - und hier entsteht der gefahrliche Irrten - die rassisch-organische Entstehung 
dieser Kulturkreise und ihres Vergehens zu priifen. Aus nebelhafter Feme senkt sich, nach 
Spengler, solch ein Kulturkreis wie der heilige Geist auf ein Stiick Erde; seine ihm 
Zugehorigen erleben Heroenzeit, geistige Kulturhohe, zivilisatorische Zersetzung, 
Niedergang. Und aus diesen Erzahlungen werden dann unsere Zukunft verkiindende Schliisse 
gezogen*. Hinzu kommt, daB als Wesen dieses "neuen" Schicksalsbegriffs seine 
Nichtumkehrbarkeit hin- 

* Dr. H. Gunther hat in der 12. Auflage seiner "Rassenkunde des deutschen Voiles" hier 
Spengler eine furchtbare Abfuhr zuteil werden lassen. Spengler phantasiert fiber ein "Symbol 
ersten Ranges und ohne Beispiel in der Kunstgeschichte ", dafi die Griechen der Vorzeit 
"plotzlich" vom Steinbau zum Holzbau "zuriickkehren" . Undiibersteht dabei, dafi die 
nordisch-rassische Welle diesen Holzbau mit sich brachte, dafi also eine neue Seele sich 
meldet, nicht die gleiche am Werke war, wie Spengler uns dies anzudichten beliebt. Welter 
stellt Spengler die plotzliche Anderung der Bestattungsart in vedischer und homerischer Zeit 
fest. Und GUnther mufi ihn auch hier aufmerksam machen, dafi wiederum das nordische Blut 
die Feuerbestattungmit sich brachte. Wie hier, so fallen uberall Spenglers Phantasien in 
Nichts znsammen, so schon einzelne Teile seines Werkes auch sind und so vieles Wahre sie 
auch enthalten. 



[404] Spenglers verkappte Kausalitat 

gestellt wird, und am Ende stehen wir vor der unerwarteten Tatsache, daB Spengler das 
Kunststiick gelungen ist, sowohl den naturalistisch-marxistischen, wie den magisch- 
vorderasiatischen Begriff unter Faustens Deckmantel einzufiihren. Die Lehre von der 
Pflanzenhaftigkeit des menschlichen Geschehens reiht uns alle wieder in die Kausalitatsreihe 
ein und die Lehre von der Nichtumkehrbarkeit soil uns einem Fatum unterwerfen. Das 
wirklich Faustische,, Allein ich will!" kennt Spengler nicht, er sieht nicht rassisch-seelische 
Gewalten Welten gestalten, sondern erdichtet abstrakte Schemen, denen wir uns nun als dem 
"Schickal" zu unterwerfen haben. Folgerichtig zu Ende gedacht, verneint diese glanzend 
dargestellte Lehre Rasse, Personlichkeit, Eigenwert, jeden wirklich kulturfordemden Impuls, 
mit einem Wort des,, Herzens Herz" des germanischen Menschen. 

Trotzdem war Spenglers Werk groB und gut. Es schlug ein wie ein Gewitterregen, knickte 
morsche Zweige, befruchtete aber auch eine sehnende, fruchtbare Erde. Ist er wirklich groB, 
so sollte er sich dessen freuen: denn fruchtbar machen (sei es auch durch Irrtum) ist das 
Hochste, was man erreichen kann. Jetzt aber ist das rassisch-seelische Erwachen weit iiber die 
"Gestaltenlehre" hinausgewachsen, hat heimgefunden zu den urewigen Werten und griiBt iiber 
Epochen der Verwirrung hinweg Menschen und Kunst vergangener Zeiten als lebendige 
Gegenwart. 



Weiter zu: Der aesthetische Wille 
Zuriickzum "Mythos d. 20. Jahrhunderts" 

Der Mythus des 20. Jahrhunderts 

Alfred Rosenberg 

[405] bis [450] 

IV. Der aesthetische Wille 

1. 

Diese scheinbare Abschweifung war notwendig, well sie verstandlich macht, daB nicht das 
"Ewigkeits- und Unendlichkeitsgefiihl" das Wesentliche, sondern die Personlichkeit innerhalb 
ahnlich bedingter Personlichkeiten das letzte Urphanomen auch alien Kunstschaffens 
darstellt. Die Unenblichkeitsperfpektiven Lenotres und das geheimnisvolle Helldunkel 
Rernbrandts sind nicht ein ins Unendliche Verschwimmendes, sondern eine Seelenspannung 
unter anderen. Es ist merkwiirdig, wie wenig die Systematiker auf den Rhythmus achten, dem 
alle groBen Kiinstler Europas bald bewuBt, halb aus Instinkt folgen. Ihre Kunst verlauft nicht 
in einer Linie vom stofflichen in die Unendlichkeit, sondern schlagt wieder auf das Ich 
zuriick, verdichtet gleichsam immer von neuem die seelischen Krafte, urn sie wieder neu 
hinauszuschleudern. In dem Augenblick, wo Beethoven in den hochsten Hohen, dem 
Verfliichtigen nahe, Tonbilder formt, da bricht plotzlich ein jauchzendes Scherzo dazwischen. 
Inmitten von weltentsagenden Motiven klingt ein herrischer Kampfeswille hindurch. Das sind 
nicht Hemmungen, sondern Lebensrhythmen der abendlandischen Kunst. Das Scherzo eines 
Beethoven, die abschlieBende Lebenstat des hundertjahrigen Faust, die heldische GroBe des 
Wagnerschen Siegfried, die lachelnde Uberwindung der Tragik und Schrankensetzung des 
Hans Sachs, die Mystik Meister Eckeharts und sein reiches tatiges Leben sind nur dann zu 
verstehen, wenn man jedem starren Monismus 



[406] Durchbruch der Seele als Kunstformung 

entsagt. Die Verfliichtigung ins Grenzenlose als "abendlandische Seele" 311 deuten, ist der 
grundsatzliche Versuch, nebelhafte syrische Magie in die Kultur Europas hineinzudichten. 

Die Musik Bachs und Beethovens ist nicht die hochste erreichbare Stufe der Verfliichtigung 
der Seele, sondern bebeutet gerade den Durchbruch einer Seelenkraft ohnegleichen, die nicht 
bloB stoffliche Fesseln abstreift (das ist nur die negative Seite), sondern etwas ganz 
Bestimmtes ausspricht, wenn dies auch nicht immer gleich schwarz auf weiB nach Hause 
getragen werden kann. Die germanische Weltuberwindung ist nicht uferlose Ausweitung (was 



"Verfliichtigung" ware), sondern gesteigerte Eindringlichkeit (d. h. willenhafte Tat), der "siiBe 
heilige Akkord", dem Schubert die Allmacht zuschrieb. 

Der Wille ist Seelenpragung fiir eine zielbewuBte Energie, gehort also in die zielsetzende 
(finale) Betrachtungsweise, wahrend der Trieb mit der ursachenerforschenden (kausalen) 
Denkweise verbunden ist. Noch heute wird innerhalb des willenhaften, jede ZweckmaBigkeit 
einschlieBenden Ich der aesthetische Wille geleugnet. Dabei ist gerade er, wenn nicht der 
starkste, so doch sicher der umfassendste Ausdruck des menschlichen Willens iiberhaupt. 
Denn kiinstlerisches Schaffen ist das bewuBte Umwandeln des Stoffes und des Gehaltes durch 
eine in jeder Kunst durch bestimmte Formen gebundene Einheit. Haben die anderen 
Richtungen des Willens nur einen Charakterzug, einen Stoff, so nimmt die Kunst samtlichen 
Stoff und Gehalt, sowohl sinnlichen, wie iibersinnlichen, als ihr Material in Anspruch. Im 
weitesten Sinne ist unsere gesamte geformte Aneignung von Welt und Ich eine willenhaft- 
kiinstlerische Tatigkeit. Das mythische Bild des im Donnerwagen durch die Liifte fahrenden 
Gottes und die marmorne Pallas Athene sind beide im Wesen Folgen der gleichen formenden 
Tatigkeit. sogar die Idee des Athers 



[407] Rembrandts "Verlorener Sohn" 

und das Gesetz von der Erhaltung der Kraft setzen ahnliche formende Seelenmachte voraus. 

Ein Beispiel: der "Verlorene Sohn". Es ist dies ein Bild aus Rembrandts vorletztem 
Lebensjahr; er hat es gemalt im Zustande der tiefsten Armut und Verzweiflung. Man fand es 
nach seinem Tode unter altem Geriimpel. Wir sehen hier vergangenes Leiden in einem 
Augenblick Zusammengeballt, in der riicksichtslos naturalistischen Darstellung des knieenden 
Sunders dargestellt. Zugleich geht von dieser zerlumpten Gestalt ein Sieg iiber alles 
schreckliche beruhigend und verklarend aus. Unendliche Liebe spricht aus dem Antlitz des 
sich niederbeugenden Vaters. Hier stehen sich unerbittlicher Naturalismus mit alien seinen 
Zufalligkeiten und individuellen AuBerungen und vollkommene Uberwindung der Natur 
gegeniiber, wie in wenigen Bildem der gesamten Malerei. Rein formal, Zeichnerisch sowohl 
als malerisch, lauft alles aus unbestimmtem Dunkel auf den mit weichem Licht iiberfluteten 
Greis, sein Antlitz und seine Arme hin, die ganze Tonleiter vom tiefsten Braun, Rot und Gelb 
fmdet hier ihren lichtvollen Hohepunkt. Die Richtungen der Augen der zuschauenden 
Personen laufen ebenfalls dort zusammen Und zugleich ist hier die hochste Steigerung der 
seelischen Stufenleiter: von der zusehenden Teilnahmslosigkeit, Neugierde, von tiefster 
Ergebenheit zur befreienden, erhebenden Erlosung ... 

Die formende seelische Tatigkeit, die in Rembrandt vor sich gegangen war, ist restlos 
hiniibergetragen in die Seelen der beiden Menschen, des Sohnes und des Vaters. Er hat hier 
die gelungene Umformung von Affekt zu freiem Handeln gezeigt. Die sittliche Freiheit hat 
eine kiinstlerische Ausdrucksweise erfahren; aus einem moralisierenden Gleichnis wurde ein 
kiinstlerisches Erlebnis. Denn es wird uns hier nicht gelehrt, daB es siindhaft sei, so zu 
handeln, wie der Sohn es tat, es wird uns keine Demut gepredigt und 



[408] Der Kampf um Dostojewski 



kein Verzeihen anbefohlen, sondern uns wird die freie erlosende Tat eines Menschen 
vorgefiihrt, und mit alien Mitteln formender Eindringlichkeit zu lebendigstem BewuBtsein 
gebracht, wie die alten Mythen es mit der Natur getan haben. Aus dem gleichen 
Seelenzustande heraus, in dem sich Rembrandt damals befand, hatte ein Schopenhauer die 
tiefsten Gedanken iiber die Nichtigkeit der Welt niedergelegt, hatte Christus Verzeihung aller 
uns Ubelgesinnten gelehrt, Shakespeare hatte ein erschiitterndes Drama geschrieben - ein 
Rembrandt konnte nur mit dem Pinsel reden. Es war eine seelische Notigung in einer ganz 
bestimmten Richtung; sie war nicht philosophischer, nicht sittlicher Natur, sondern 
kiinstlerischer. 

Seit Jahrzehnten steht das Werk Dostojewskis inmitten scharfster Streitigkeiten. Zarte, 
grazisierende Literaten hatten die Unerbittlichkeit der Schilderungen des Grauens, des Lasters 
verurteilt, tadelten die beangstigende Wirkung der nichts eriassenden Seelenzustande. 
Andererseits fanden nikotin- und absinthkranke Leute ein wolliistiges Vergniigen daran, sich 
als Raskolnikows, Myschtins oder Karamasows zu bewundern. Die einen tadelten die 
"unausgeglichene Form", das Kaskadenhafte der Darstellung, dann wieder das unendlich 
Einzelhafte, andere lobten die Gestalten Dostojewskis als Propheten einer neuen Religion. 
Einige erblickten den einzigen Wertmesser im angeblich Menschlich-Bedeutungsvollen, 
andere in dem unerbittlichen Naturalismus. 

Soweit die Dostojewskischen Menschen russische Typen sind, oder gar Anspruch darauf 
erheben, als Vorbilder eines neuen Seelentums zu gelten, ist die scharfste Abwehr gegen 
dieses Ansinnen voll berechtigt. Es geht aber nicht an, wenn Aesthetiker, die angeblich 
angstlich bemiiht sind, den "aesthetischen Gegenstand" vom AuBeraesthetischen streng zu 
trennen, dariiber klagen, daB man sich beim Lesen des Raskolnikow "in alien Fasem 
zerweicht und 



[409] Moralische und aesthetische Urteile 

zerrieben, zerquetscht" vorkomme und in die Klage ausbrechen: "Woher soil dann der Grad 
von Freiheit und Gleichgewicht kommen, der fiir das aesthetische Betrachten das 
Lebenselement bildet?" (Volkelt). Hier wird offensichtlich das heroische und moralische 
Objekt mit dem aesthetischen verwechselt. Dies hat seinen Grund in der Tatsache, daB rein 
psychische Wirkungen des moralischen Menschen untersucht werden, die Formkraft, der 
aesthetische Wille des Dichters aber unbeachtet bleibt. Folgerichtigerweise miiBte dann auch 
die Kreuzigung Griinewalds als unheilvoll verworfen werden, well Frauen vor ihr in 
Ohnmacht fielen. Denn auch hier wird uns nichts an Schrecklichem erspart und das 
altgeheiligte "aesthetische Gleichgewicht" wird riicksichtslos durch dies groBte Werk 
altdeutscher Malerei angegriffen. Wir sollen aber nicht die einzelnen Helden oder Opfer, 
sondern die Kraft empfmden, die sie schuf ! 

Man kann auch Dostojewskis Werk weder mit menschlichmoralischem MaBstabe, noch mit 
dem MaBstabe sog. objektiver Form messen, sondern muB sich endlich entschlieBen, seine 
ganze Kunstaesthetik durch eine andere Betrachtungsweise zu vervollstandigen, wie es hier 
versucht wird. Es ist dies die Erkenntnis eines tief inneren willenhaften 
ZusammenschweiBens. Worte von moralischer Ausgeglichenheit, formaler Beherrschung 
usw. sind hier nicht mehr am Platz. 



Es war iiberhaupt die schuld von 99 unter 100 Kunstaesthetikern, daB sie bei Betrachtung der 
Charaktere eines Dramas, eines Bildes, ihre kleinen Gefiihle und Angste in den Vordergrund 
dieser Betrachtung schoben und nicht die kiinstlerische Kraft, welche die Werke geschaffen. 
Leben die Figuren, sie seien nun kriippelig oder gerade, gut oder bose; anerkennen wir die 
innere Notwendigkeit ihres Seins, so ist es ja gerade diese Gestaltungskraft, die uns packt, 
wenn wir uns vom Stofflichen losen. Das Unter- 



[410] Fiirst Myschkin - Thomas Buddenbrook 

driicken sowohl der Begierden wie der edlen Willensregungen geschieht fiir die europaische 
Kunst nicht, urn dem "Spieltrieb" Platz zu machen, sondern in einer viel tieferen Auffassung 
kiinstlerischen Wollens. Ich soil nicht spielerisch und im Gleichgewicht aller seelischen 
Krafte ein Kunstwerk genieBen, sondern ich soil eine schopferische Formkraft gewahr 
werden. Und meine Befriedigung besteht nicht darin, S c h e i n gesehen, sondern Wesen am 
Werke erlebt zu haben, selbst dieses durch den Schein wirkende Wesen in mir aufgerufen zu 
fiihlen. 

Nicht Aljoscha, Dimitri oder Iwan Karamasow interessieren mich in dem MaBe wie die Kraft, 
nicht die Absicht, die jeden einzelnen von ihnen in seinen vielverschlungenen Bahnen 
bewegt, sondern die organische Schopfung, die durch das menschliche Dichterwesen sichtbar 
wird, um so den Weg in unser Herz zu nehmen. Ob ich die Gestalten als Lebensideale 
betrachten soil, steht auf einem ganz anderen Blatt. Wenn wir das kritische MaB ansetzen, so 
miissen wir nicht feststellen wollen, wie stark unsere "aesthetische Freiheit" gewahrt 
geblieben ist, auch nicht, ob die Charaktere gesund oder faul, sondern ob sie sich notwendig 
auswirken, d. h. ob sie, so wie sie sich bewegen, aus einem inneren einheitlichen Kern 
geboren worden sind. Hier liegt der Knoten, den man sich lange umsonst zu losen bemiiht hat. 
Hier setzen aber auch neue aesthetische Unterschiede ein, und wahrend wir hinter dem als 
sittliche Einheit jammerlichen Fiirsten Myschkin eine unerbittlich schaffende Gewalt fiihlen, 
sehen wir hinter Thomas Buddenbrook nur einen federhalterkauenden Aestheten bei 
Lampenlicht sich das Gehirn nach nervenreizenden Problemen abmartern. Der epileptische 
Anfall Myschkins ist ein innerer Ausbruch, der unheilvolle Zahnverlust des armen 
Buddenbrook ein Pech, miihsam vorbereitet, aber doch nur ein Pech. Und wahrend der 
wahnsinnige Idiot an der Leiche seiner Geliebten einen seelisch notwendigen 



[411] Shylock als aesthetisches Problem 

Zusammenbruch bedeutet, beriihrt uns der von Thomas Mann hingerichtete Thomas 
Buddenbrook auf den Pflastersteinen ebenso unansenehm wie komisch. 



Das Beispiel Dostojewskis fiihrt nun zu einer anderen, bereits fliichtig gestreiften Frage: wie 
kommt es, daB abstoBende,j a faule Charaktere aesthetisch wirken konnen? Wie kommt es 
also, daB Kunstwerke, die eine auBere Form behandeln, welche in keiner Weise dem 
Schonheitsideal des Volkes, des Kiinstlers entspricht und auch keine Worte lehren, wie wir sie 
von der moralischen Seite aus fordem wiirden, doch oft einen starken aesthetischen Eindruck 
erwecken? Schillers Antwort, daB wir instinktiv mehr auf die Kraft als auf die 



GesetzmaBigkeit achten, riihrt an das Wesen, aber deutet es nicht aus. Denn was uns ergreift, 
ist gerade die Eigengesetzlichkeit des aesthetischen Gegenstandes, auch wenn er - sagen wir 
- einen Lehnwert (Adoptivwert) oder gar einen feindlichen Wert darstellt. 

Die Gestalt des Shylock kann uns als solche nicht "gefallen", auch ihr Denken widerspricht 
unseren Seelengeboten in alien stiicken. Und trotzdem ergreift selten eine Schopfung in dem 
MaBe wie diese Gestalt: well sie in sich rassisch-seelisch vollendet ist. AuBerlich bedingt ist 
sie durch alle jiidischen Rassenziige von den Felsbildem Agyptens bis zu Trotzki, seelisch 
zeigt Shylock das Wesen vom alttestamentlichen Ideal, iiber Talmud, Schulchan-Aruch bis 
zum modernen Bankier der Wallstreet. Dieses jahrtausendalte Wesen wurde im Shylock 
Neuschopfung des Jiidischen - wie der Markgraf Riidiger und der Faust die Schopfung des 
nordischen Wesens. Shylock handelt wie er muB; einmal hingestellt, wirkt er sich notwendig 
aus als ein weiteres Zeugnis fur den aesthetischen Kiinstlerwillen. Die Vermutung Schillers, 
beim groBen Verbrecher imponiere uns die Kraft, welche durch ihre GroBe die 



[412] Die Passion Christi als Kunstproblem 

Moglichkeit einer plotzlichen Umstellung offenbare, geht hier also fehl. Shylock kann sich 
nie und nimmer umstellen, sein Korper folgt einem Gebot, das in der Unabanderlichkeit 
seines Wesens ahnlich wirkt wie das Gesetz, das den Sternen ihren Kreislauf vorschreibt. 
Shylock ist also sowohl Einzelmensch wie Typus, e i n Jude sowohl wie das Judentum. Das 
Gleiche gilt vom Mephistopheles, dessen aesthetischer Eindruck gleichfalls weder auf 
Schonheit noch auf Kraft beruht, sondem auf seiner inneren Notwendigkeit, d. h. auf dem 
kiinstlerischen Akt, der ihn schuf Rein personlich, ohne zu Typen zu werden, sind Richard 
III, Jago, Franz Moor . . . Wahrend sich der Kiinstler mit den von Riidiger oder Faust 
vertretenen heroischen Werten offenbar gleichstellte, steht er den anderen als reine 
geistigwillenhafte Form gegeniiber. Gerade diese Gestalten - auch die Hille Bobbe, Pere 
Grandet, Tartiiff - aber beweisen uns, wo wir letzten Endes die Wurzeln sowohl der 
aesthetischen Schopfung wie des aesthetischen Erlebnisses zu sagen haben. 

Eine Mittelstellung etwa zwischen Siegfried und Shylock nehmen die Werke ein, in denen der 
Kiinstler nicht den eigenen Hochstwert im Kampf gegen andere Machte formt, auch keine 
anderen innerlich ganz fremden Krafte in den Mittelpunkt eines Werkes stellt, in denen er 
aber offenbar versucht hat, ein entlehntes Seelentum bis zu den letzten Folgerungen zum 
Ausdruck zu bringen. Hier ist das erschiittemdste Problem der abendlandischen 
Kunstgeschichte offenbar geworben: die Leiden Christi mit dem Hohepunkt der Kreuzigung. 

Mit der kirchlichen Lehre, daB Jesus sich bewuBt fur die ganze Menschheit geopfert habe, 
wurden zugleich seine Marterungen genau beschrieben, um die Kraft der Hingabe moglichst 
anschaulich zu machen. Der Opfertod erhob die Idee der Demut zum Hochstwert, d.h. die 
unterwiirfige, sich selbst willenlos hingebende Liebe. Die Anerkennung 



[413] Der Isenheimer Altar 

dieses Wertes war das Kennzeichen des kirchlichen Mittelalters, er wurde somit Lehnwert 
auch des abendlandischen Kiinstlers, der sich in seinem schaffen mit ihm in Ubereinstimmung 
zu setzen versuchte. Als Zeichen besonderer Frommigkeit entstehen Tausende von 



Kreuzigungen, welche die Gestalt Christi der Demutslehre unterordnen. Aus dem lachelnden 
blonden Kind, das oft "geradezu heroisch" in die Welt blickte, wird eine schmerzgequalte, 
zusammengebrochene Gestalt mit verzerrten Ziigen und eiternden Wunden. Das Gefiihl des 
volligen Niederbruchs, der Verzweiflung, des Todopfers wurde das mittelalterliche 
Gegenstiick zur heldischen Selbstverstandlichkeit eines Riidiger, Hildebrand, Dietrich und 
Siegfried. Das groBte Werk dieser Art, das diesen kirchlichen Lehnwert zum Gleichnis erhebt, 
ist der Isenheimer Altar. Dieses Werk ist die folgerichtigste Durchfuhrung des Demutsideals, 
verkorpert durch einen Kiinstlerwillen, der an aufbrausender Kraft seinesgleichen in der 
Weltgeschichte sucht. Diese Kreuzigung grenzt geradezu an krankhafte Uberspannung 
sowohl des stofflichen wie der willenhaft kiinstlerischen Eindringlichkeit. Die vielen 
Stichwunden am Korper des Gemarterten, die wie in einem hypnotischen Schlaf hinsinkende 
Maria stellen den Hohepunkt der "christlichen Kunst" dar. Zugleich offenbart das Gesamtwert 
aber den gleichen aesthetischen Willen in der Auferstehung, wobei eine merkwiirdige erneute 
Verwandlung vor sich geht,' aus dem dunklen Jesus am Kreuz wird plotzlich wieder ein 
lichter, schlanker, blonder, auferstehender Christus. In einem mystischen Farbenkreis hebt er 
sich aetherisch empor, wieder unvergleichlich wie die Versinnbildlichung des willenlos 
geworbenen Zustandes des Zusammenbruchs. 

Seit dieser Hochstleistung verliert dieser entliehene Wert des Abendlandes immer mehr an 
StoBkraft. Kreuzigung und Auferstehung werden fast zu rein dekorativen Vorwiirfen, zu 
Anlassen schoner Farbenwirkungen und 



[414] Das Ende des Lehnwertes 

Lichteffekte. Rembrandt versucht sich zwar noch oft an dem Motiv, die Kraft Griinewalds 
aber hat niemand mehr erreicht. Das Thema ist ausgeschopft, der innere Antrieb zur 
Gestaltung der Kreuzigung fehlt dem heutigen Welt-und Formgefiihl. Eine Kreuzigung in 
dem echten Sinne, wie sie Griinewald malte (als Kunstwerk und Bekenntnis), kann heute 
weder gemalt noch gemeiBelt noch vertont noch gedichtet werden. Auch der Lehnwert ist 
aufgegeben. Ein altneues Thema aber ist hierbei aufgetreten: Jesus der Held. Nicht der 
Zerschundene, nicht der magisch Entschwundene der s p a t e n Gotik, sondern die einmalige 
herbe Personlichkeit. Die Schopfung dieses neuen Jesusbildes ist noch nicht vollendet: in 
Riidiger, im Meister Eckehart aber liegt es vorgezeichnet. 



Die klassisch deutsche Aesthetik von Winckelmann bis Schopenhauer ging von dem 
Kunstwerk - wenn auch nur vom spatgriechischen - aus. Aber diese Vemachlassigung des 
wirklichen Lebens konnte auf die Dauer doch nicht geniigen; die neuen Aesthetiker verlegten 
deshalb die Aesthetik, dem ganzen Zug der Zeit folgend, immer mehr allein auf die Gefiihle 
des Kunst empfangers und je nach Temperament entdeckte jeder von ihnen andere 
Erlebnisse bei sich, auf denen er dann eine neue, aber wieder "allgemeine Asthetik" erbaute. 
so wurde die Asthetik immer mehr zu einem Teil der sogenannten Psychologic, der 
Seelenkunde. Der Sensualismus eroberte sich nebenbei Schritt fiir Schritt den Boden, was 
angesichts der allgemein stoffanbetenden Anschauungen der letzten Jahrzehnte ebenfalls nicht 
verwundern kann. Die Kunst wurde zu einem Gegenstiick der rein wirtschaftlichen 
Betrachtungsweise, da, wie man sagte, ihre Formen das Bestreben hatten, "einen moglichst 
reichen Gehalt bei einem Minimum von Kraftaufwand zu vermitteln" 



[415] Aesthetische Theorien 

(Miiller-Freienfels). Das Luftempfinden der Kunst erschien somit als eine Erleichtemng der 
Gehirntatigkeit. Das UnbewuBt-Irrationale wurde als "LiickenbiiBer" abgetan: aesthetisches 
Empfinden beruhe auf innerer Nachahmung, auf motorischem Mitempfinden. Zuletzt finden 
Miiller und seine Anhanger im KunstgenuB eine allgemeine Erhohung des lebenfordernden 
Gefiihls. Hier riickt er also schon ganz nahe an die wesentlichen Erkenntnisse heran, bleibt 
aber immer wieder in bloBer Psychol ogie befangen, die ihn das objektiv im Kunstwerk 
Gegebene iibersehen laBt. Den gleichen Weg ging Groos. Eine genaue Untersuchung der 
angleichenden (assoziativen) Werte verdanken wir Kiilpe; er lenkt trotz Beibehaltung der 
psychologischen Betrachtungsweise doch wieder auf das Kunstwerk zuriick und fordert die 
Zerlegung des schonen in seine Bestandteile, fordert (ahnlich wie Volkelt) Normen der Kunst, 
"nach denen man sich zu richten hat, wenn anders man aesthetisch gefallige Wirkungen 
hervorbringen will". Auf die Ergriindung der Schonheit als idealer Eigenschaft kiinstlerischer 
Objekte steuern andere Aesthetiker los. Ein gotischer Dom bestehe aus Steinen, eine Melodie 
aus Tonen. Weder Steine noch Tone seien das schone, sondern ihre gesetzliche 
Gemeinsamkeit. Die Schonheit hafte am Stoff, ohne mit den sinnen wahrgenommen werden 
zu konnen. Das Schone bestehe aber auch nicht in der summe der einzelnen 
Teileigenschaften, sondern sei dariiber hinaus noch ein bestimmtes Etwas. Es sei geradezu 
unabhangig von den Teilen, wie schon jeder musikalische Dreiklang beweise. Dieses vom 
sachlichen Losgeloste, der aesthetische Schein, bedeute das Wesen des aesthetischen Objekts, 
welches Phantasiegefuhle von zweierlei Art errege: Einfuhlungs- und Anteilsgefiihle. Damit 
ist Witasek auf dem Weg zu einer Kunstauffassung, die eine groBe Verbreitung gefunden 
hatte: der sogenannten Einfuhlungsaesthetik, die namentlich von Lipps eingehend begriindet 
wurde. Nach ihm ist 



[416] "Einfuhlungs "lehren 

der aesthetische Zustand ein Lustgefuhl, das auf die Bequemlichkeit der Seele zuriickzufiihren 
ist, in dem sinne, daB die Seele alles leicht erfasse, was ihr genehm erscheine. Das schone 
bedeute Lebensbetatigung, HaBlichkeit sei Lebensverneinung; deshalb erwecke das erste 
Luft-, das andere Unlustgefuhle. Hier liege bereits eine "Einfuhlung" vor, die sich steigere 
durch eine Freude mit dem sich Freuenden und eine Trauer mit dem Trauernden. Die 
Einfuhlungsmoglichkeit sei abhangig von der Moglichkeit der Billigung seitens des 
KunstgenieBers. Unsere eigene Kraft oder Sehnsucht miisse im Kunstwerk ihr Gegenstiick 
fmden. spater verlegt Lipps seinen Schwerpunkt der aesthetischen Untersuchung immer mehr 
auf das Subjekt und erklart, jeder wahrgenommene Ausdruck bestehe nur im Beschauer 
selber: "Alles dies ist Einfuhlung, Versetzung seiner selbst ins andere. Die fremden 
Individuen, von denen ich weiB, sind objektivierte . . . Vervielfaltigungen meiner selbst, 
Vervielfaltigungen des eigenen Ichs, kurz Produkte der Einfuhlung."* 

Der aesthetische GenuB erweist sich also als seelische Selbstbefriedigung. Dadurch wird ein 
fallender Stein zu einem "strebenden", ebenso "strebt" der Berg nur deshalb "kiihn" zum 
Himmel, well wir in ihm diese Beseelung hineinlegen (daB Berge sich auch "lagem", 
iibersieht Lipps). Passivitat und Aktivitat des Materials werden zu Gefuhlerlebnissen; 
Schwere, Harte usw. verlieren ihre Objektivitat und erhalten lyrische Eigenschaften des Ichs 
hineingefuhlt: "Die Notwendigkeit in den Gegenstanden... ist in sie eingefiihlt und ist ihrem 



Ursprunge nach nichts anderes als die in uns erlebte Notwendigkeit unseres Urteilens... Nicht 
die Gegenstande sind . •. notigend oder genotigt, nur ich bin dies." 

Damit sind die Verhaltnisse alien Ernstes auf den Kopf 

* "Kultur der Gegenwart", s. 359-360. 



[417] Die stofflose Musik 

gestellt worden. Die Versuche, die psychologistische Einfiihlungstheorie zu vervollkommnen, 
zu erganzen, mit der klassischen Aesthetik zu verschmelzen, sind zahlreich gewesen 
(Meumann, Dessoir, Volkelt usw.), nirgends aber ist die Erkenntnis klar und offen 
ausgesprochen, daB die dogmatische Verneinung des volkisch -rassisch- bedingten 
aesthetischen Willens die Gmndursache fast aller Meinungsverschiedenheiten ausmacht. 
Diese Erkenntnis allein schlagt die Briicke vom Objekt zum Subjekt, vom Formwillen des 
Kiinstlers (als hochster KraftauBerung) zum Formwillen des Kunstempfangers (als niederer 
Stufe). 

Nirgends ist diese Tatsache klarer nachweisbar als in der Musik. Diese Kunst ist stofflos, sie 
hat nur Gehalt und Form. Ihre Darstellungsmittel sind Rhythmen der Zeit, ihre Gesetzlichkeit 
Architektonik der Zeit. In seiner, als eine der tiefsten Abhandlungen geltenden Betrachtung 
iiber das Wesen der Musik erklart Schopenhauer, die Wirkung dieser Kunst sei deshalb so 
einzigartig, well sie sich unmittelbar an das Innerste, an den Willen richte. Hier hat 
Schopenhauer richtig gesehen, jedoch ohne zu merken, daB er dadurch sowohl sein 
philosophisches System als auch sein aesthetisches Bekenntnis vemichtet. Denn, erstens, wird 
der "blinde Wille" hier wieder als Gegensatz zu sich selbst, als heiligste Seelenregung 
hingestellt, da ja jeder KunstgenuB Uberwindung alles Triebhaften bedeutet. Zweitens wird 
die Einwirkung der Musik auf den Willen als das groBte kiinstlerische Erlebnis hingestellt, 
von einem Denker, der mit geradezu hypnotisierender Beredsamkeit das Wesen des 
aesthetischen Zustandes gerade als Kontemplation geschildert hatte. 

Echte Musik horen, heiBt nicht in Beschaulichkeit versinken, auch nicht in suBliche Traume, 
sondem durch das stofflose Medium der Tongestalten einen Formwillen und eine 
Formalarchitektonik erleben. Das heiBt aber noch weiter: die im Horer schlummernden, dem 
Kiinstler ahnlichen 



[418] Kreislauf des "aesthetischen Gefiihls" 

Formkrafte erwachsen fiihlen. Die Musik - und mit ihr jede andere Kunst - ist eine 
Umdeutung der "Welt", eine Aneignung, eine Darstellung der Seele von der stillsten Stille 
eines Fra Angelico und Raabe bis zur Wildheit eines Michelangelo und Beethoven. Der 
Kiinstler geht von innen nach auBen, der Empfanger von auBen - vom geschaffenen Werk - 
nach innen, um zum Erlebnis zu gelangen, das den Kiinstler bei der Urschopfung des Werkes 
erfiillte. Das ist der einzige echte Kreislauf des "aesthetischen Gefiihls", und des Kunstwerks 
hochste Aufgabe ist, die formende Tatkraft unserer Seele zu steigern, ihre Freiheit der Welt 
gegeniiber zu festigen, ja diese zu iiberwinden. 



Denn was soil das heiBen, wenn gesagt wird, ein Mensch habe nach Besuch einer 
Gemaldegalerie die Natur aesthetisch angeschaut? Besagt das nicht, daB in diesem Menschen 
eine auch in ihm schlummernde Kraft geweckt worden ist, die in der Richtung des 
Kunstschaffens nicht geniigend stark zur Selbstbetatigung war? Und woher kommt es, daB wir 
wochen-, monate-, ja jahrelang nach Beschauen eines Werkes oder nach Anhoren eines 
Musikstiickes uns dasselbe noch in der Einbildungskraft mit solcher Starke Zuriickrufen 
konnen, daB der damalige seelische Zustand wiederum eintritt? Ja, vielen Menschen kommt 
dieses seelische Erlebnis oft erst nach Verlassen des Kunstwertes, d. h. nach der Ausschaltung 
stofflicher, oft storender Begleiterscheinungen. Und was soil damit gesagt sein, wenn man 
behauptet, ein Kiinstler habe auf einen anderen gewirkt? HeiBt das etwas anderes, als daB ein 
Formwille wachgerufen wurde, der bis dahin schlummerte, und erst durch einen AnstoB 
besonderer Art geweckt werden muBte? (Ich spreche hier natiirlich nicht vom Nachahmen der 
Technik.) Unser ganzes Erinnerungsvermogen konnte in diese Betrachtung miteinbezogen 
werden. Man kann z. B. feststellen, daB, wenn ein besonderer Klang oder ein 



[419] Schonheit und Erhabenheit 

Gerausch eine innere Erschiitterung hervorgerufen hat, wie z. B. eine Granatenentladung, die 
einen Soldaten verschiittete und einen Nervenschock zeitigte, ein ahnlicher Klang noch viele 
Jahre spater die gleiche seelische und physische Wirkung hervorruft. Hier liegt offenbar eine 
Formkraft vor, die im Zusammenhang mit Philosophic und Aesthetik einmal griindlich 
behandelt zu werden verdient. 



Das fiihrt uns zum Gegenpol des schonen. Neben der Untersuchung iiber dieses zieht Kant 
auch das Gefiihl des Erhabenen heran. Es gibt danach noch eine andere Erscheinung, die eine 
"uninteressierte Betrachtungsweise" weckt, und die doch nicht schon ist, die erhabene. Diese 
Betrachtungsweise ist keine ruhige oder spielende, sondern bewegte; das Gleichgewicht, die 
Harmonic der Gemiitskrafte tritt erst durch und nach einem Konflikt ein. Wenn wir uns vor 
ein schlechthin GroBes gestellt sehen, ein Unbegrenztes und Formloses, so ist unsere 
Einbildungskraft auBerstande, dieses als ein Ganzes anzusehen. Wir fiihlen uns als 
Sinnenwesen klein und zu gleicher Zeit gerade durch dieses Gefiihl steigt ein anderes in uns 
empor, welches besagt, daB wir unendlich mehr als bloB Sinnenwesen sind, denn wir sind es 
ja, welche dasselbe als klein empfmden. 

Kiihne, iiberhangende Felsen, Donnerwolken, Orkane, der aufgewiihlte Ozean sind Machte 
der Natur, denen gegeniiber unsere physische Widerstandskraft als unendlich klein erscheinen 
muB. Aber wenn wir uns in die Betrachtung dieser gewaltigen Erscheinungen vertiefen, so 
erleben wir eine Erhebung unserer Seelenkrafte und entdecken in uns ein ganz anderes 
Vermogen zu widerstehen, welches uns den Mut macht, uns mit der scheinbar allgewaltigen 
Natur messen zu konnen. "Also ist das Gefiihl 



[420] Kants Lehre iiber das Erhabene 

des Erhabenen in der Natur Achtung fur unsere eigene Bestimmung"*. (Man verfolge die sich 
hieraus ergebenden religiosen Vorstellungen, die zur Ehre und Ehrfurcht fiihren miissen, zu 



einer Religion, wie sie Eckehart bekannte.) Dieses Gefiihl des Erhabenen wird also 
hervorgerufen durch eine Unlust, welche unsere Sinnennerven als nichtig erscheinend 
empfindet, um dann im BewuBtwerden der menschlichen Uberlegenheit in ein Gefiihl der 
Lust iiberzugehen und in der mhigen uninteressierten Betrachtung zu enden. Es tritt also auch 
hier zum SchluB ein Gleichgewicht unserer Gemiitskrafte ein, nicht nur zwischen 
Einbildungskraft und Verstand, sondern zwischen Einbildungskraft und Vernunft. 
"Erhabenheit ist das, was durch Widerstand gegen das Interesse der sinne unmittelbar 
gefallt"**. 

Das Erhabene entsteht durch eine gewisse Subreption (Unterschiebung), indem wir das 
Gefiihl, welches uns die Vernunft erweckt, auf das Objekt iibertragen. Wahrend also das 
schone die Vorstellung einer gewissen Qualitat des Objektes erfordert, so besteht das 
Erhabene dagegen "bloB in der Relation, worin das Sinnliche in der Vorstellung der Natur fiir 
einen moglichen iibersinnlichen Gebrauch desselben als tauglich beurteilt wird." 

In der Kunst kann, nach Kant, demnach das Erhabene nur im Kampf des moralischen Wollens 
gegen das sinnliche hervortreten. Da nun aber der sittliche Wille als solcher leidenschaftslos 
sei, nur die gute Gesinnung bedeute, so diirfe sein Hervortreten die Form des Affektes 
annehmen. 

Tritt die Idee des Guten mit Affekt in die Erscheinung, so ist sie Enthusiasmus; dieser 
Enthusiasmus ist nicht moralisch, doch erhaben. "so treten die Idealmenschen 

* Kritik der Urteilskraft, §27. 
**a.a. 0. § 29. 



[421] "Harmonic der Gemiitskrafte" 

als Trager dieses Gefiihls in der Kunst auf und sind die eigentlichen Helden des tragischen 
Dramas, welche als Freiheitshelden und Martyrer dahin wirken, das Erhabene, welches 
jederzeit Beziehung auf die Denkungsart hat, dem Intellektuellen und den Vernunftsideen 
iiber die Sinnlichkeit Oberhand verschaffen." 

Diese Bemerkungen klaren die Anschauungen Kants iiber zwei Gemiitszustande, welche, als 
vom Triebhaften geschieden, uns zum SchluBe einer Harmonic unserer inneren Lebenskrafte 
empfmden lassen, uns in einen Zustand der willenlosen Anschauung, der Kontemplation 
versetzen sollen. 

Was nun die Ableitung der aesthetischen Urteile (d. h. Berechtigung ihrer Anschauungen) 
betrifft, so kann hier nicht dabei verweilt werden, doch sei als wichtig bemerkt, daB Kant 
solche nur fiir das schone gelten laBt, "indem man der Natur gegeniiber dasselbe in der Form 
gewahr wird, und verschiedene Fragen in Ansehung desselben aufwerfen konne. Dagegen 
wird das Erhabene in der Natur nun uneigentlich so genannt und ist nur eine Grundlage der 
Denkungsart der menschlichen Natur. Dieser sich bewuBt zu werden, gibt die Auffassung 
eines sonst formlosen und unzweckmaBigen Gegenstandes bloB die Veranlassung, welcher 
auf solche Weise subjektiv zweckmaBig gebraucht, aber nicht als ein solcher fiir sich und 
seiner Form wegen beurteilt wird."* 



Diese Ausfiihrungen zeigen uns in Kant den gleichen Kampf wie bei Schiller: er kann die 
Ergriffenheit gegeniiber den groBen Gestalten des Dramas nicht leugnen, will aber mit 
bemerkenswerter Hartnackigkeit immer wieder zum SchluB auf die "Harmonie der 
Gemiitskrafte" zuriick, anstatt das willenhaft-geistige Erlebnis und das Wecken der seelischen 
Tatkraft als das Wesen des aesthetischen Zustandes anzuerkennen. Nur zogemd wollten 
unsere Denker 

*a.a.O. § 30. 



[422] Bekenntnisse von Berlioz 

iiberhaupt Erhabenheit in der Kunst gelten lassen, sie nahmen ihre Beispiele fast nur aus der 
Natur, well sie das Gefiihl der Erhabenheit bloB als Reaktion empfanden. Aber stellen wir uns 
doch einer gotischen Kathedrale gegeniiber: auch hier die wuchtige, erdriickende GroBe, das 
Angstigen der Person und doch das Erlebnis der Personlichkeit, des Erhabenen. Diese 
Kathedrale aber ist ja doch eine Aktion, eine menschliche Kunstschopfung gewaltigster Art, 
die kiinstlerische Darstellung eben eines erhabenen Gefiihls. Hier geht also Schopfung und 
Ergriffenheit auf eine Quelle zuriick; was mich zur Ehrfurcht zwingt, ist letzten Endes das 
Einswissen mit der Personlichkeit, des Volkes, des Menschen, der Formkraft, die sich hier 
offenbart. 

Es ist verlockend, hier einen langen Exkurs iiber Kiinstlerbekenntnisse, iiber Schaffen und 
Erleben einzufiigen, da es fur die ziinftige Aesthetik bezeichnend ist, diese iibersehen zu 
haben, obgleich sie doch die wesentliche Grundlage fur alle Betrachtungen iiber Kunst 
abgeben miiBten. Das wiirde den Umfang dieses Kapitels aber zu sehr erweitern, deshalb nur 
einige Hinweise. 

In seinem Briefwechsel erleben wir z. B. Hector Berlioz als einen durch alle Hohen und 
Tiefen schreitenden Kiinstler, der iiberall Tat, Erleben ist. Nach Anhorung einer eigenen 
Komposition erzahlt er seinem Freund Ferrand, er hatte hinausschreien mogen, wie kolossal 
und schrecklich sie auf ihn gewirkt hatte und er bemerkt von einem Zuhorer befriedigt, er sei 
ganz blaB wie der Tod vor Ergriffenheit gewesen. Aus Lyon schreibt Berlioz voller 
Sehnsucht: "Ich glaube, ich werde verriickt, wenn ich wieder wirkliche Musik horen werde." 
An R. Kreutzer schreibt er in Ekstase: "O Genie! Was soil ich denn tun, wenn ich eines Tages 
Leidenschaften schildern will? Man wird mich nicht verstehen, denn sie haben j a den Autor 
des herrlichsten Werkes nicht einmal mit Kranzen begriiBt, ihn nicht mit Triumph 
herumgetragen, sich nicht vor ihm 



[423] Flaubert und Nietzsche 

ins Knie geworfen." Theodor Ritter mahnt er 1856:,, Behalten sie den 12. Januar im 
Gedachtnis! Das ist der Tag, an welchem sie zum ersten Male an die Wunder der groBen 
dramatischen Musik herangetreten sind, an welchem sie von der Erhabenheit Glucks die erste 
Ahnung bekommen haben." "Ich werde nie vergessen, daB Ihr kiinstlerischer Instinkt ohne zu 
zaudem mit Entziicken diesem Genie gehuldigt hat, das Ihnen bisher noch unbekannt war. Ja, 
ja, seien sie iiberzeugt, was auch immer die Leute sagen, die nur halbe Leidenschaft, ein 



halbes Herz und nur eine Gehirnhalfte besitzen, es gibt zwei groBe, hohere Gottheiten unserer 
Kunst: Beethoven und Gluck". 

Berlioz wird man nun vielleicht iiberpathetisch nennen; aber wie sehr alle Willenskrafte zur 
Schopfung aufgebraucht werden, hat uns der scheinbar niichterne Flaubert ebenfalls berichtet: 
"Fiir einen Kiinstler" schreibt er an Maupassant - "gibt es nur eins: alles der Kunst opfern! Ich 
arbeite seit 14 Jahren wie ein Maultier. Ich habe mein ganzes Leben in diesem Eigensinn des 
Monomanen gelebt, unter AusschluB meiner anderen Leidenschaften, die ich in Kafige 
einschloB und die ich zuweilen allein besichtigen ging." 

"Ihr seid gliicklich, ihr Lyriker, ihr habt einen AbfluB in euren Versen Wenn euch etwas qualt, 
spuckt ihr ein Sonett aus, und das erleichtert euch das Herz. Aber wir armen Teufel, wir 
Prosaisten, denen jede Personlichkeit untersagt ist (und vor allem mir) denken noch an all die 
Bitterkeiten, die uns auf die Seele zuriickfallen, an all den moralischen Schleim, der uns an 
derKehlepackt." 

Das ist jene Stimmung des Gemiits, von der Nietzsche sagte: 

"Wer viel einst zu verkunden hat, schweigt viel in sich hinein. 
Wer einst den Blitz zu ziinden hat, Mufi lange - Wolke sein. " 



[424] Lenau und Beethoven 

Kaum jemand hat die Geburtsstunde eines groBen Werkes so schon geschildert wie Nietzsche: 
"Hat jemand Ende des neunzehnten Jahrhunderts einen deutlichen Begriff davon, was Dichter 
starker Zeitalter Inspiration nannten? - Offenbarung in dem Sinn, daB plotzlich mit 
unsaglicher Sicherheit und Freiheit etwas sichtbar wird, horbar wird, Etwas, das Einen im 
Tiefsten erschiittert und umwirft... Man hort, man sucht nicht; man nimmt man fragt nicht, 
wer da gibt; wie ein Blitz leuchtet ein Gedanke auf, mit Notwendigkeit, in der Form ohne 
Zogem, - ich habe nie eine Wahl gehabt. Eine Entziickung, deren ungeheure Spannung sich 
mitunter in einen Tranenstrom auslost, bei der der Schritt unwillkiirlich bald stiirmt, bald 
langsam wird; ein vollkommenes AuBer-sich-sein. . . eine Gliickstiefe, in der das 
Schmerzlichste und Diisterste nicht als Gegensatz wirkt, sondern als bedingt, als 
herausgefordert, als eine notwendige Farbe innerhalb eines solchen Lichtiiberflusses ... Alles 
geschieht im hochsten Grade unfreiwillig, aber wie in einem Sturme von Freiheitsgefiihl, von 
Unbedingtheit, von Gottlichkeit." 

Ist das nicht in Ursprung und Auslosung das gleiche Wesen, welches einen Lenau nach einer 
Fidelioauffiihrung bekennen laBt: "Da war ich wieder von einem Sturme der Empfmdungen 
ergriffen und auf zwei Stunden ganz gewiB der Gliicklichste auf Erden. . . Wenn ich an solche 
Geniisse Zuriickdenke, so vergeht mir der Mut, mit dem Schicksal zu rechten! " 

Und Beethoven selbst, der Mann, der durch seine Werke die Grundlagen aller auf 
"Kontemplation" und "Harmonic" hinausstrebenden Aesthetik endgiiltig erschiittert hat? Er 
auBerte zum jungen Musiker Louis Schlosser: "Sie werden mich fragen, woher ich meine 
Ideen nehme? Das vermag ich mit Zuverlassigkeit nicht zu sagen; sie kommen ungerufen, 
mittelbar, unmittelbar, ich konnte sie mit Handen greifen, in der fireien Natur, im Walde, auf 



[425] Holderlin, Deutschlands gtoBter Sanger 

Spaziergangen, in der stille der Nacht, am friihen Morgen, angeregt durch Stimmungen, die 
sich bei dem Dichter in Worte, bei mir in Tonen umsetzen, klingen, brausen, stiirmen, bis sie 
endlich in Noten vor mir stehen." Nach einem Zuhoren der Kavatine in Es aus dem B-dur- 
Quartett op. 130 auBerte Beethoven zu Holz "Nie hat meine eigene Musik einen solchen 
Eindruck auf mich hervorgebracht; selbst das Zuriickempfmden dieses Stiickes kostet mich 
immer eine Trane." Um dann doch gegen alle Sentimentalitat und triebhafte Riihrseligkeit zu 
protestieren, indem er am 15. August 1812 an Bettina von Arnim schreibt: "Dem Goethe habe 
ich meine Meinung gesagt, wie der Beifall auf unser einen wirkt, und daB man von 
seinesgleichen mit dem Verstand gehort sein will; Riihrung paBt nur fiir Frauenzimmer, dem 
Manne muB die Musik Feuer aus dem Geist schlagen." 

Das war ein Zeugnis des siegenden germanischen Wesens in einem Manne, an dem manche 
unheimlichen rassisch-seelischen Krafte der unteren menschlichen Ebene nagten und Zerrten 
und die bei Beethoven ab und zu hervorragen wie die fremden Grotesken am gotischen Dom. 

Und endlich: was wiirde wohl der groBte Sanger unter den Deutschen und zarteste Kiinder 
ihrer Seele zu dem Versuch sagen, den Auftrieb des Herzens dadurch vemichten zu wollen, 
daB man Kunsterleben zu einen zerrinnenden Nichts herabwiirdigt? Hatte nicht Holderlin an 
diesen Menschen schon zu einer Zeit gelitten, als sie noch nicht als allmachtige Burger 
unseres Lebens walteten, damals schon, da Hyperion auf der Suche nach groBen Seelen 
feststellen muBte, daB sie durch FleiB, Wissenschaft, ja selbst durch ihre Religion nur 
barbarisch geworden waren: Handwerker, Denker, Priester, Titeltrager fand Hyperion, aber 
keine Menschen, Stiickwerk ohne Einheit der Seele, ohne inneren Auftrieb, ohne 
Lebensganzheit. 



[426] Das gottliche Fernweh 

so erschienen Holderlin selbst die Tugenden als ein glanzendes Ubel und als erschiitterndste 
Entdeckung fuhlte er, daB diese Menschen gar ihre Enge des Gemiits zum Gesetz fiirs Ganze 
erheben wollten. Was hatte Holderlin in einer spateren Zeit empfunden, da die Kunst von der 
Hohe der noch theoretisch zugestandenen "Kontemplationsauslosung" auf neutral em Gebiet 
hinunterglitt auf die Stufe der Verdauungsforderung, der Hebung des Fremdenverkehrs, des 
Bacchanals der Gerauschtechnik! Einst wollte er seiner Diotima den Genius Griechenlands 
schenken und konnte nur ein Klagelied des verwundeten Genies gebaren; heute ware sein 
Werk ein einziger schrei der Verzweiflung - oder des Angriffs gewesen, sein Lied noch mehr 
der AusfluB innerster gliihender Willensqual. Die Schonheit aber, die Holderlin als Religion 
empfand, war nicht die "kontemplative" Sattheit unserer philosophierenden Doktoren, 
sondern hochstgesteigerte Lebensganzheit, ein zum kiirzen Augenblick zusammengeschniirtes 
Biindel aller Erhebungen der Seele, aller Sehnsiichte des Herzens, aller Sehnenstrange des 
Willens. Und Holderlins Gesange! Ein einziger, strahlender Aufstieg steilster Lebenswerte 
und gottlichen Femwehs, ein Anruf an das "Riesenherz" der Welt, und er wuBte, was er sagte, 
als er iiber die "klugen Ratgeber" schrieb: 

"Jetzt bluht die neue Kunst, das Herz zu morden, 

Zum Todesdolch in meuchlerischer Hand 
1st nun der Rat des klugen Manns geworden ..." 



Man kann auf diese Weise sehnen und schaffen und Erleben aller echten Kiinstler des 
Abendlandes durchgehen, iiberall steht am Anfang der geballte kiinstlerische Wille, bereit, 
sich einer groBen schau zu bemachtigen, sie ZU kneten, zu gestalten, eine neue Schopfung 
hervorzubringen und dann in dieser Auslosung des aesthetischen Willens - im 
Zusammenklang mit dem Gesamtwollen sich seine Beseligung zu bereiten. 



[427] Das "amoralische Genie" 

Gerade diese zu tiefst willenhafte Kiinstlerschaft steht auch einer Behauptung feindlich 
gegeniiber, die gleichfalls von unserer modemen Aesthetik mit Vorliebe immer wieder 
vorgetragen wird: als gebe es ein un- bzw. amoralisches Genie. Diese Anschauung, die 
offenbar rein intellektualistilcher Natur ist, geht zuriick auf die versuchte Loslosung des 
Kiinstlertums vom wollenden Wesen iiberhaupt. 

Man geht nicht fehl, hier einen Zug unreiner Mittelmeerrasse zu erblicken, der besonders von 
der jiidischen Literatengilde verbreitet worden ist. Nordisch-germanische Kunst straft von 
ihrem Anfang an diese Behauptung Liigen, schon allein durch die Wahl des Gehalts. Man lese 
Wagners Briefe an Liszt, um zu ermessen, wie tief sich hier echte Rasse vom Asphalt- 
Intellektualismus scheidet. Man merke sich auch Beethovens Worte: "Handel ist der groBte 
Komponist, der je gelebt hat. - Ich wiirde mein Haupt entbloBen und auf seinem Grabe 
knien." "Mozart groBtes Werk bleibt die "Zauberflote"; denn hier erst zeigt er sich als 
deutscher Meister. Don Juan hat noch ganz den italienischen Zuschnitt, und iiberdies sollte die 
heilige Kunst nie zur Folie eines so skandalosen Sujets sich entwiirdigen lassen." 

Nur von diesem Charakter getragen, sind die groBen Schopfungen des germanischen 
Abendlandes entstanden: die Dome wie die Dramen und Symphonien. 

Der groBte bewuBte Versuch, mit alien Mitteln des Auges und Ohres diese Erhabenheit des 
Willens zu wecken, ist Wagners Musikdrama Wagner erklarte Tanz, Musik und Dichtung als 
eine Kunst und fiihrte die Zerrissenheit und Zeugungsunfahigkeit seinerzeit auf die Tatsache 
zuriick, daB jede der drei Kiinste, vereinzelt, an den letzten Grenzen ihrer Ausdrucksfahigkeit 
angelangt sei und sich verzerrt habe. Beethovens absolute Musik fiihrte den Meister in dieser 
Erkenntnis in der IX. Symphonic zur menschlichen Stimme zuriick. Wie der Rhythmus das 



[428] Wagners Schopfung 

Gebein, so sei die menschliche stimme das Fleisch des Tones. Der Musik allein aber fehle der 
"moralische Wille", ihre Vereinzelung bedeute Chaos oder ode Programm-Musik. Das der 
Musik und dem Tanz entfremdete Drama, die vollendetste Gestaltung der Lyrik, aber lande 
nach durchgefiihrter Loslosung von den "andern" Kiinsten notwendigerweise beim nur 
geschriebenen Trauerspiel, das nie dargestellt werden konne. so scheiterte Goethe, so 
scheiterten um so mehr seine Nachfolger. Der Tanz, urspriinglich nur echt und blutvoll als 
Nationaltanz, in Verbindung mit Volksmusik und mit dem Liede, wurde dank dieser 
Loslosung ein natur entfremdete s Bewegen der Beine, ohne Gehalt und echten Rhythmus. Das 
Kunstwerk der Zukunft erblickte Wagner deshalb in der Vereinigung der drei Kiinste, die nur 
eine Kunst ausmachten: im Wort-Ton-Drama. 



Wagner kampfte gegen eine ganze verpobelte Welt und siegte; das Kulturwerk Bayreuths 
steht fiir ewig auBer Frage. Aber nichtsdestoweniger beginnt heute eine Abkehr von der 
Grundlehre Wagners, als miiBten Tanz, Musik und Dichtkunst auf immer und in der von ihm 
gelosten Weise gebunden werden; als sei Bayreuth tatsachtich die nicht mehr wandelbare 
"Vollendung des arischen Mysteriums". 

Wagner hat streng die Bedingungen geschieden, unter denen das Wort das unbedingte 
Ubergewicht inne hat, von jenen, wo die Musik die Fiihrung ergreifen muB, urn die auBere 
Handlung durch die innere abzulosen Und doch zeigen uns zwei Tatsachen, daB die Form des 
Wagnerschen Musikdramas auch ihm nicht immer restlos gelungen ist (so wie in "Tristan und 
Isolde", in den "Meistersingern"),daB auch er ein Drama schuf, welches so hoch hinausgriff, 
daB ein Theater hier ebenso versagen muBte, wie beim Faust IL ("Ring des Nibelungen") und 



[429] Wort, Ton, Tanz 

die andererseits beweisen, daB oft gerade durch die Verbindung von Wort und Musik der 
Tanz in seiner allgemeinen Form als dramatische Gebarde vergewaltigt wird. 

Das Wort ist trotz seiner ihm angeborenen Musikalitat stets der Trager eines Gedankens oder 
Gefiihls. so sehr man die gedankentragende Sprache als "auBeraesthetisches" Element 
betrachten mochte, so ist sie doch die Vorbedingung eines jeden echten Dramas. Ihre Klarheit 
und Verstandnismoglichkeit bestimmt Hohe und Weite des Horsaals, die Sprachtechnik gait 
als Voraussetzung eines jeden groBen Darstellers. Nur durch das Mittel der Sprache ging der 
Formwille des Dichters. solange nun das Wort einen menschlichen Konflikt schildert, eine 
Begebenheit erzahlt oder einen Gedankengang vermittelt, wird es durch die Musik nicht 
gefordert, sondem gestort. Die begleitende Musik vernichtet geradezu das Medium der 
Willens- und Gedankeniibertragung. Das zeigt sich u. a. in der Erzahlung Trist ans im 1. Akt, 
in Wotans Zwiesprache mit Briinnhilde, in Alberichs Fluch, im Gesang der Nomen im 
Vorspiel der Gotterdammerung. Uberall, wo ein Gedankengebilde vermittelt werden soil, tritt 
das Orchester hindernd in den Weg. Das gleiche gilt von fast alien Massenszenen. Im stark 
anschwellenden Tonbild gehen die AuBerungen des Volkes vollkommen unter; das Publikum 
hort nur unartikulierte laute Ausrufe, sieht nur scheinbar unbegriindet erhobene Hande. Das 
fiihrt nicht zur Gestaltung, sondern zum Chaos. Man vergleiche z.B. nur den Beginn des 
Egmont mit Briinnhildens Ankunft im SchloB zu Burgund. Goethes Volksszene zeigt groBte 
plastische Lebendigkeit, einige Worte von links und von rechts zeichnen Gedanken und 
Stimmung ganzer Menschenschichten Die Gemeinsamkeit in bezug auf Egmont gibt diesem 
Individuellen dann die echte eindringliche Kraft. Eine Musikbegleitung wahrend 



[430] Ein Dogma im Musikdrama 

dieser Massenszene wiirde ihr jeden Takt und Charakter rauben*. 

Abgesehen von der Zumutung, daB Briinnhild ihre Seelengeheimnisse vor versammeltem 
Volk preisgibt, ist uns dessen Gebaren - von Musik begleitet - im Wort-Ton-Drama zu einer 
hemmenden Szene geworden, die nur aus Begeisterung zum Wollen Wagners nicht kritisiert 
wird. Hier hat der Ton das Wort erschlagen. 



Dies geschah, well der Zwangslehrsatz aufrechterhalten wurde, als diirfe wahrend des 
Musikdramas die Musik keinen Augenblick aussetzen. so sehr sie berechtigt ist, bei Beginn 
des Rheingolds, im 2. und 3. Akt des Tristan, im 3. Akt der Meistersinger, die alleinige 
Fiihrung zu iibemehmen, so sehr steht sie bei der Hinfiihrung des Menschen in die Seele 
Tristans, Markes, Hans Sachs', dem Wort im Wege. Beethovens Musik zum "Egmont" ist das 
allertiefste Musikdrama. Diese Musik wiirde aber nicht in dieser Weise ergreifen, wenn auch 
die 

* Der verehrungswiirdige H. St. Chamberlain darfwohl als der bewufiteste Verfechter der 
Idee des Wagner schen Wort ' Ton 'Dramas angesehen werden. Zugleich verteidigt er 
leidenschaftlich Goethes Anschauung, dafi zwischen echter Dichtkunst, d. h. der "Kunst des 
Wahnes" und alien anderen Kunsten eine Kluft gdhne, dafi hier uberhaupt keine Angrenzung 
stattfdnde. Die Wahnkunst habe es nur mit Vorstellungen zu tun, alle anderen Kiinste seien in 
irgendeiner Hinsicht "wirklich", Sinnenktinste. Hier liegt offenbar ein "plastischer 
Wider spruch" vor, wie Chamberlain dhnliches bei Wagner selbstfeststellte. Mir will 
scheinen, dafi Goethes Abgrenzung richtiger ist:es sindalles verschiedene Kiinste, die sich 
gegenseitig befruchten, steigern konnen, nicht die wiedergewonnene "Eine Kunst"; die 
Vermdhlung von Wort und Ton im Liede Idfit sich nicht einfach als Programm aufein grofies 
Drama anwenden. Es ergibt sich also ein neuer Weg, ein neuartiges Zusammengehen 
zwischen Wort und Ton undMimik, das manche nachwagnerischen Verirrungen vielleicht 
wieder gutmachen konnte 



[431] Der motorische Faktor 

Auseinandersetzung zwischen Egmont und Oranien, oder zwischen Egmont und Alba vom 
Orchester begleitet wiirden. 

Neben dem Tanz ist das Drama die einzige Kunst, in der der lebende Mensch selbst auch 
Darftellungsmittel ist. Er hat die Aufgabe, nicht nur in der Zeit dramatisch Zu wirken, sondern 
auch raumlich durch Gebarden. Die Bewegung ist eine Funktion aus Raum und Zeit; die eine 
Form unseres Anschauungsvermogens steht im bestimmten Verhaltnis zur anderen. Der in 
Worten ausgedriickte Affekt fordert unbedingt auch eine starke auBere: Bewegung des ganzen 
Menschen. Dem Tempo des inneren Erlebens entspricht die Schnelligkeit der Veranderung im 
Raum. Im Wortdrama ist es moglich, diese raum-zeitlichen Beziehungen hemmungslos 
herzustellen und somit im Zuhorer und Zuschauer den auch ihm innewohnenden Rhythmus, 
aber auch den sogen. motori schen Faktor wachzurufen. 

Eine Zeitlang hat man die Wichtigkeit dieses motorischen Faktors iibertrieben: als namlich 
die sensualistisch-psychologische Aesthetik das Feld beherrschte; der "klassische" 
Riickschlag hat ihn aber wieder viel zu sehr in den Hintergrund gedrangt. Ohne Zweifel ist 
jedoch dieses motorische Erwachen des Menschen das auBere Bild eines willenhaften 
Hochtriebes. Die Clairons, die zur Attacke blasen, der Hohenfriedberger Marsch, unter dessen 
Klangen Millionen in den Tod gezogen sind, zeigen, wie sehr der heldische schmetternde 
Klang einen Willen zu erzeugen vermag, der sich motorisch in hochste leibliche 
Energiespannungen umsetzt. Hierzu gehort der Rhythmus des echt nationalen Tanzes, auf 
dessen Klange das betreffende Volk seelisch und motorisch antwortet. Auch hier stehen Zeit 
und Raum in einem bestimmten Verhaltnis, welches durch keine dritten Faktoren gehemmt 
wird. Tritt aber zum Wortdrama die Musik und zur Tanz-Musik das Wort hinzu und zwar 
nicht wahrend kiirzerer Zeitfolgen, 



[432] Die drei Kiinste - eine Kunst? 

sondern dauernd, so ist es unvermeidlich, daB kiinstlerische Unstimmigkeiten entstehen. Man 
hat sich zwar iiber die alte Oper lustig gemacht, in der ein Held seine Flucht verkiindet und 
noch zehn Minuten lang stehen bleibt, aber auch in Wagners Dramen wird die innere 
Ubereinstimmung zwischen Wortgehalt und Gebarde durch die Musik nicht selten verhindert. 
Als z. B. Briinnhild plotzlich Siegfried an Giinthers Hof erblickt und leidenschaftlich auf ihn 
zugeht, hemmt ihr gesungenes Wort den Ablauf der Bewegung. 

Und Siegfried muB, umgekehrt, eine abwehrende Gebarde gleichsam unter der Zeitlupe 
vollziehen. Das gleiche gilt von den meisten Auftritten im "Rheingold" Zwischen den Gottem 
und den Riesen. 

Stort in diesen Fallen die Musik, als an die physische Singmoglichkeit gebunden, den Ablauf 
eines seelischmotorischen Prozesses, so kann in anderen Fallen das Wort der Schnelligkeit 
des Tanzes nicht folgen; auch dieser muB sich also hier eine Verfalschung gefallen lassen, ein 
Fall allerdings, der im Musik-Drama wohl selten eintritt. 

Diese Betrachtungen bedeuten keine Kritik an unwichtigen Dingen, sondern zielen auf ein 
Wesen hin, welches auch Wagner und jeder Opernsanger sicherlich schmerzlich empfunden 
haben; sie besagen, daB die drei Kiinste auf die Dauer gleichzeitig nicht zu vereinigen sind, 
sondern, ganz gleich, wie sie in friiheren Zeiten einmal zueinander gestanden haben mogen, 
die vorhandene Eigengesetzlichkeit keiner von ihnen ohne kiinstlerischen Schaden miBachtet 
werden kann. sie sind eben nicht eine Kunst. Der Versuch, dies gewaltsam durchzufiihren, 
zerstort den seelischen Rhyrhmus und hindert den motorischen Ausdruck und Eindruck. Hier 
steht Wagner, dessen ganzes Kunstwerk nichts anderes ist als eine einzige ungeheure 
Willensentladung, sich manchmal selbst im Wege. Die Voraussetzung seiner GroBe war auch 
die Bedingung einiger schwachen. UnbewuBt empfmden es die meisten 



[433] Wagner - der Lebenerzeuger 

Empfanger des Wagnerschen Musikdramas, ohne sich dies MiBbehagen erklaren zu konnen; 
dann iiberwiegt aber auch der unvergleichliche Eindruck mystisch-heldenhafter Stellen und 
entschadigt fur das vorher dunkel empfundene MiBverhaltnis zwischen Raum und Zeit 
(Waldweben, Trauermarsch)*. 

In keiner Weise wird durch diese Bemerkungen Wagners Tat irgendwie verkleinert. sie hat 
Leben gezeugt und das ist entscheidend. Es war auch sicher von Segen, daB die ganz 
vereinzelten Kiinste wieder zusammengefiihrt worden sind. Sie haben sich dabei gegenseitig 
befruchtet. Vielleicht kommt einmal ein anderer GroBer, der mitten hineingreift in das heutige 
Leben und mit Riicksicht auf die neuerlebte Eigengesetzlichkeit der drei Kiinste uns eine neue 
Form des Wort-Ton-Dramas schenkt mit "Egmont" und "Tristan" als Vorbildem. 

Das Wesentliche aller Kunst des Abendlandes ist aber in Richard Wagner offenbar geworden: 
daB die nordische Seele nicht kontemplativ ist, daB sie sich auch nicht in individuelle 
Psychologic verliert, sondern kosmisch-seelische Gesetze willenhaft erlebt und geistig- 



architektonisch gestaltet. Richard Wagner ist einer derjenigen Kiinstler, bei denen jene drei 
Faktoren Zusammenfallen, die jeder fiir sich einen Teil unseres 

* Als Anmerkung gebe ichmeiner Uberzeugung Ausdruck, dafi Wagner im "Ring" an 
Menschen und Theater derartige Anforderungen stellt, dafi diese seinen grofien Bestrebungen 
einfach nichtfolgen konnen. Aufierdem treten neben dem symbolischen Effekte aiif(Ring, 
Parzival), die zu technisch wirken. Ebenso wie man aufdie Wiedergabe der klassischen 
Walpurgisnacht verzichtet hat, wirdman auch die Verkorperung "des Rings nie befriedigend 
durchfiihren konnen. Wdhrend Tristan und Hans Sachs ewiges Leben haben, wirdder Ring 
entweder von einer gleichgenialen Hand umgestaltet werden mtissen oder nach und nach vom 
Theater verschwinden. 



[434] Die ewige Sehnsucht 

gesamten kiinstlerischen Lebens ausmachen: das nordische Schonheitsideal, wie es auBerlich 
im Lohengrin und Siegfried hervortritt, gebunden an tiefstes Naturgefiihl, die innere 
Willenhaftigkeit des Menschen in "Tristan und Isolde" und das Ringen urn den Hochstwert 
des nordisch-abendlandischen Menschen, Heldenehre, verbunden mit innerer Wahrhaftigkeit. 
Dieses innere Schonheitsideal ist verwirklicht im Wotan, im Konig Marke und im Hans Sachs 
(Parzival ist eine stark kirchlich betonte Abschwachung Zugunsten eines Lehnwertes). 

Hier trifft das Seelenleben Wagners mit dem tiefsten Unterton aller europaischen GroBen 
zusammen. Ich will ihre Namen nicht mehr aufzahlen. "Das Hochste ist ein heroischer 
Lebenslauf ', bekannte selbst Schopenhauer. Diese Kraft des Heroisch-Willenhaften ist das 
geheimnisvolle Medium, welches unsere Denker, Forscher und Kiinstler alle gelenkt hat. sie 
ist in den groBten Werken des Abendlandes Gehalt und Sehnsucht vom Grafen Riidiger bis 
Zur "Eroica", zum Faust und zum Hans Sachs, sie ist die Gewalt, die alles formt. Ihre 
Erweckung im Empfanger ist auch das letzte Ziel abendlandischen Kunstschaffens. 

Diese Erkenntnis steht gleich fern der Lebensfremdheit unseres Klassizismus wie der flachen 
Sinnlichkeitskunst und dem Formalismus von heute. sie umfaBt beide und geht mit ihnen in 
die Tiefe, wo sie alles das fmdet, was aus dem Wesen der nordisch-abendlandischen Seele 
geschaffen wurde. 



Was sich an Willensentladung bei den GroBten zeigt, ist auch Wesensgebiet bei alien anderen 
echten Kiinstlern des Abendlandes, also auch bei denen, deren seelische StoBkraft nicht von 
gleich starkem, wenn auch gleich gerichtetem Formwillen Kunde gibt. Das Ergebnis ist auch 
hier durchaus eigenartig. Wir nennen es 



[435] Fernweh und Ruhe 

das Gemiitige, das Intime, das Humorvolle. Ich wiiBte nicht, daB sich Erzeugnisse anderer 
Rassen, ja sogar verwandter Volkergruppen mit diesen Worten bezel chnen lieBen: die kl einen 
gotischen spitzgiebeligen Hauser mit ihren Luken und kleinscheibigen Fenstem, die 
hervorgeschobenen Erker, die geschnitzten Tiiren, die beschlagenen Truhen und die bemalten 



Holzverschalungen, die niedrigen Zimmer mit dem Ausblick in des Nachbars Stube. Weiter 
gesellen sich hierzu die Erzahlungen Gottfried Kellers, die Gedichte des Pfarrers Morike, der 
die Vogel so liebte, und im engen Zimmer alle seine Sachen beisammen haben wollte; die 
Dichtungen Raabes, die Kunst eines Dickens, die Malerei eines Cranach, iiberall fmden wir 
die stiller wirkende germanische Personlichkeit in ihrem Wesen als gemiitig wieder. Raabe 
hat dieses Wesen in einem Vers ausgesprochen: 

"Im engsten Ringe 
Weltweite Dinge. " 

Die Stille dieser Kiinstler ist aber auch hier nicht die "klassische Ruhe". GewiB liegt allem 
Germanischen auch eine tiefe Sehnsucht nach der„ Meeresstille des Gemiites" Zugrunde; seit 
Hunderten von Jahren wandern nordische Menschen iiber die Alpen; nach Hellas sind die 
Augen unzahliger Geschlechter gerichtet gewesen Aber nichts ist oberflachlicher, als zu 
sagen, der Deutsche suche sein verloren gegangenes Wesen, verloren gegangene, vorbildliche 
Haltung und Harmonic. Oh nein! Die Sehnsucht nach Rhythmus, der Ausdruck einer starken 
seelischen Willenhaftigkeit liegt hier zugrunde, der auch dieses Suchen als Sehnsucht nicht 
nur nach Enthiillung des eigenen Wesens, sondern auch als suchen nach dessen 
komplementarer Erganzung sein Geprage erweist. Der ewig forschende und tatige nordische 
Mensch sucht die Ruhe, ist manchmal geneigt, sie hoher als alles andere zu schatzen. Hat er 
sie aber errungen, so halt es ihn nicht lange, er sucht, forscht und 



[436] Dickens, Raabe, Keller 

formt weiter. ("Nichts von Ruhe!", schreibt Beethoven 1801 anWegeler, "ich weiB von keiner 
anderen Ruhe als dem schlaf, und wehe genug tut es mir, daB ich ihm jetzt mehr schenken 
muB als sonst.") Und wenn er "still" ist, so brodelt es doch in den Tiefen weiter, stets bereit, in 
tatige Erscheinung sich umzusetzen. Germanische Kunst ist Tat, d.h. geformter Wille. Dick 
ens vergoldet mit ewiger, aber ganz und gar ungriechischer Schonheit Welt und Menschen. 
Diese seine innere Schonheit ist ein Willensspiel, bald dunkler, bald heller getont, immer aber 
mitsprudelnder Bewegung verbunden. "Bleak Haus" ist vielleicht die kostlichste Frucht dieser 
Kunst, von noch eindringlicherer Atmosphare als "David Copperfield". Auch unter dem 
giitigen Gesicht Raabes gart im "Abu Telfan" eine aktiv wirkende Sehnsucht, die in "Die 
Innerste" zu dramatischen Akkorden anschwillt. Nicht ganz so tief, trotz starkerem Pathos, 
dichtet C. F. Meyer aus gleicher Seeleniiberlieferung die "Richterin", die "Hochzeit des 
Monchs", " Jiirg Jenatsch", wahrend Keller wie ein gotischer Holzschnitzer seine 
absonderlichen Gestalten zurechthobelt, ihnen merkwiirdige Falten ins Gesicht schneidet und 
sie dann, so wie sie sind, in die unsentimentale Welt hinausschickt. Eine Riesenfiille von 
Leben ist es, die von der germanischen Seele gezeugt ist bis zu einem Hermann Lons, der die 
Seele der Erde in sich pochen horte. Diese naturhaft-mystische Seite ist es, die aus aller 
durchaus " klaren" Gegenstandlichkeit bei Lons ebenso fiihlbar ist wie in Goethes "Uber alien 
Wipfeln ist Ruh. . ." und "Damm'rung senkte sich von oben". In der knappsten Schilderung 
liegt ewiges Wollen, ewige Bewegung verborgen und die " Wehrwolfe" handeln ebenso nach 
ihrem innersten seelisch-rassischen Freiheitswillen wie Faust, der die ganze Welt erforschen 
mochte. Nochmals: der in auBerer Stille dahinlebende Raabe war ein echter "Hungerpastor", 
hungrig nach Weisheit und Weltenschau. 



[437] Der nordische Humorist 

"Sieh hinauf zu den Sternen!" lehrt er. "Hab' acht auf die Gassen!", tont es wieder. Er erblickt 
die echte Harmonie nicht nur in der Meeresstille, sondern auch im wilden Sturm, der den 
Menschen mitreiBt, und gibt seinem Helden Robert Wolf die Losung auf den Lebensweg: 
"Auch in Ketten vorwarts! " Durch Gottfried Kellers Dichtungen, die doch scheinbar so klar 
und umgrenzt in der warmen sonne liegen, flutet ebenfalls der fuhlbare Unterstrom eines 
selbstverstandlichen Heroismus. "Julia und Romeo auf dem Dorf ' ist solch ein Stiick 
unverweichlichter GroBe wie die "Frau Regula Amrain" ein Beispiel inneren Stolzes. Das 
Madchen, welches sich sinnend sein Hochzeitsleinen webt und dichtend seine Liebe mit 
hineinflicht, singt doch wieder: und sollte der Mann fiirs Vaterland nicht streiten wollen, dann 
moge das Hochzeitslinnen zum Grabgewand werden. Und der Hirte, der hoch oben auf den 
Bergen immer neu seine durch Lawinen zerstorte Hiitte erbaut und duldend anschaut, erklart: 
"Wenn in meines Laubes Bann der Knechtschaft verheerende Lowin fallt, dann ziind' ich 
selber die Heimstatt an und ziehe hinaus in die weite Welt." 

Der nordische Mensch im Biirgerkleide ist Humorist. Er grollt und trauert zwar in seinen 
Tiefen, aber das Brodeln wird von bewuBter Selbstbeherrschung gebandigt und durch 
menschliches Verstehen iibergoldet. Ein Goethe konnte deshalb ebensowenig Humorist sein 
wie ein Leonardo oder ein Shakespeare, selbst Cervantes ist kein Humorist, wie manche noch 
glauben. Tiefe Humoristen aber wie Gottfried Keller, Wilhelm Busch, Wilhelm Raabe, auch 
Charles Dickens und Spitzweg gehoren doch hinein in das Rauschen des europaischen 
Wesens, sie sind heitere Ruhepunkte, aber auf dunklem Grunde. Der Wald ist mehr als eine 
bestimmte Anzahl von Baumen, das Volk mehr als die Gesamtheit seiner Angehorigen, der 
Staat mehr als die summe seiner Gesetze. Der Wald 



[438] Knut Hamsun 

ist dazu noch Bewegung, rauschender Rhythmus, Licht-und Schattenspiel, klare 
Linienfuhrung und dunkles Geheimnis; das Volk ist als Volkheit Ringen, siegen, Unterliegen, 
Lachen und Trauern, sein Leben geht hin in Kaskaden oder flieBt in breitem Strom. Und doch 
ist es ein Wasser, das den Charakter spiegelt. so gehort die "Stille" Storms und Raabes und 
Kellers neben die GroBheit Goethes und Wagners, die lachelnde Tragik Buschs neben das in 
groBen Schritten schreitende Pathos Schillers. Ein dunkler Unterstrom des Blutes und der 
Seele verbindet sie alle und auch in dem "stillsten" klingt das ewige deutsche Lied vom 
ewigen Werden und Kampfen um sein Sein. 

Von keinem lebenden Kiinstler ist der mystisch-naturhafte, willenhafte Zug groBartiger 
gestaltet worden als von Knut Hamsun. Man weiB nicht, warum der Bauer Isak in 
gottverlassener Gegend miihsam ein Stiick Land nach dem anderen aufrodet, warum seine 
Frau sich zu ihm gesellt hat und Menschen gebiert. Aber Isak folgt einem unerklarlichen 
Gesetz, tut aus mystischem Urwillen eine fruchttragende Arbeit und sieht am Ende seines 
Daseins sicher selbst erstaunt zuriick auf die Emte seines Tuns. Der "Segen der Erde" ist das 
heutige groBe Epos des nordischen Willens in seiner ewigen Urform, heldisch auch hinterm 
Holzpflug, fruchtbringend in jeder Muskelregung, gradlinig bis ans unbekannte Ende. Aber 
genau so unerklarlich-selbstverstandlich ist der Benoni, der Kaufmann Mack, ist die Baronin 
Edvarda, ist der Jager Glan. Jede Personlichkeit hat ein inneres Gesetz von Anfang an 
eingehaucht erhalten. Und handelt danach. sie tut scheinbar unvereinbare Dinge - und diese 
sind doch selbstverstandlich. Man braucht sie gar nicht zu erklaren, "psychologisch" zu 



ergriinden; ihr AuBeres selbst ist ihr innerer Wille. Das Mitschwingen unseres Willens aber 
mit der Kraft, die sie alle schuf, ist das eigentliche "aesthetische Erlebnis". 



[439] Holderlins Gesang 

Als Gegenstiick zu dieser Gesetzlichkeit des in der Erde versenkten Wesens des Isak treten 
die "Landstreicher" auf. Am gleichen Medium schildert hier Hamsun in geheimnisvoll 
natursichtiger Weise Gesetze des Alls und der Seele. Wieder sind es Bauem, Fischer, 
Kaufleute, in denen sich eine Welt spiegelt. Sie verlieren durch Reisen, unbefriedigte 
Sehnsiichte den Zusammenhang mit der Mutter Erde, deren Segen dann auch nicht mehr auf 
ihnen ruht. Sie ziehen unstat von Ort zu Ort, wechseln Tatigkeit und Lieben: da die Wurzeln 
aus der kraftspendenden Erde gerissen, sterben auch die Bliiten. so leben sie denn hin, der 
Edevart, der August, die Lovise Margrete, und wissen nicht, warum und wozu. sie sind 
Untergang, besten Falls Ubergang, Versuchsstiicke der Menschheit, um zu neuen Formen und 
Typen zu gelangen, Werte zu schaffen, neue Ehre zu gewinnen. sie leben wie der Dichter sie 
hingestellt hat, selbstverstandlich und geheimnisvoll. Wie weit riicken von diesem Standpunkt 
aus gesehen doch alle Hauptmanns, selbst Ibsen, in den Hintergrund. Auch durch Hamsun 
wurde die Welt wieder einmal iiberwunden. 

Und schlieBlich die S e h n s u c h t! sie ist es doch, die ein Kiinstlerherz genau so zu 
Schopfungen antreibt wie sie den Forscher auf Entdeckungen entsendet. Die ganze deutsche 
Romantik ist ohne die Sehnsucht ebenso undenkbar wie einst die Gotik. Holderlin ist der 
groBte unter den Kiinstlem der Sehnsucht unserer Zeit, immer bricht dieses Urelement seines 
Wesens durch, gleich ob er das Traumbild von Hellas in der Diotima erblickt oder das Lied an 
die Deutschen singt. Ein Holderlin wiirde es gar nicht begreifen, wenn man ihm gegeniiber 
von Kontemplation reden wiirde, nichts hatten wir von ihm verstanden, wenn wir nicht das 
aesthetisch-willenhafte Sehnsuchtselement seines Schaffens miterleben in hochst gesteigerter 
Totalitat unserer eigenlebendigen Sehnsucht. Und dieser Urtrieb ist es auch, der zwei 
Erzeugnissen der 



[440] Grimm und Kolbenheyer 

deutschen Gegenwart einen Teil Ewigkeitswert verleiht: Hans Grimms "Volk ohne Raum" 
und Erwin Kolbenheyer "Paracelsus". Die Glocken, die aus dem Dorfe an der Weser 
erklingen und den Cornelius Friebott durch die Welt begleiten, sind Ausdruck der Sehnsucht 
nach Raum, nach Acker, nach Verwendung eingeborener Schopferkrafte. Diese 
Sehnsuchtsglocken aus Lippoldsberg lauten auch iiber den durch die Hand irregeleiteter 
Volksgenossen herbeigefiihrten Tod des Suchers hinaus als Weckruf an alle Deutschen auf 
dem groBen Erdenrund. Mag formal technisch einiges an "Volk ohne Raum" zu bemangeln 
sein, mag es in der Zeichnung mancher Menschen, in der Kraft der Charakterisierung etwa 
hinter Sigrid Undsets "Kristin Lavranstochter" zuriickstehen (deren Darstellung z.B. des 
Erlend Nikulaussohn ein Meisterwerk ist), der Norwegerin fehlt diese Ursehnsucht, die uns 
aus alien Seiten des Grimrnschen Wesens entgegenweht. Je mehr ihre Personen iiber Glauben 
und Theologie sprechen, um so kiihler wird der Leser, well er hier Absichten fiihlt und 
Versuche der Ubertragungen von Gedanken ins Innere von Gestalten, die gar nicht als Trager 
derartiger Lebensgefiihle erscheinen. Und hier ist es, wo der ebenfalls ins Mittelalter 
zuriickkehrende Kolbenheyer eng an Grimm heranriickt. "Es ist kein Volk wie dieses, das 



keine Gotter hat und ewig danach verlangt, den Gott zu schauen", laBt Kolbenheyer den 
ewigen Wanderer zum Kreuzesgott sagen. Jener nimmt den miiden Christus, der bettelnd am 
Wege liegt, auf seine starken Arme und tragt ihn durch die deutschen Gaue. Und die 
armselige zerqualte Gestalt Christi sangt den starken Odem dieses deutschen Ingeniums auf 
und wird starker und kraftvoller. Bis der groBe Einaugige spricht iiber die Deutschen: "sie 
bekennen mich nicht mehr, denn sie haben nur mehr Zungenlaut fiir ihre ewigen Gotter, die 
das Siegel des Todes tragen, alles andere scheint ihnen klein. Aber 



[441] Die Vision des Paracelsus 

sie leben mich. DaB dieses Volkes Blut noch soviel Urquell durch die Adern fiihrt! so miissen 
sie die sehnsiichtigen sein unter den Menschen ..." Aus dieser Weltenvision entsteigt dem 
Dichter der groBe Sucher Paracelsus, auf der schwelle zweier groBer Epochen stehend, iiber 
beide hinausschauend mit der Sehnsucht nach einer Zeit, da nicht mehr Wort wider Wort, 
Altar wider Altar stehen, sondern dies alles eingefiigt sein wird in die Urgesetze des Lebens... 

Glaubt jemand etwa, ein Kolbenheyer hatte sein groBes Werk aus artistischem Wohlgefallen 
heraus geschrieben und nicht, well er selber ein einsamer sehnsiichtiger ist? Und glaubt 
jemand, sein Werk zu verstehen, wenn er nicht die Kraft der Sehnsucht in sich wachsen 
gefiihlt hat? Wer das glaubt, hat nicht nur diesen "Roman" nicht erfaBt, er hat germanische 
Kunst in ihrem Wesen iiberhaupt auch nicht von feme geahnt, weder den Ulrich von Ensingen 
und den Meister Erwin, noch den Dichter des "Faust" und den Schopfer des "Hyperion". Und 
sie alle wollten aus diesem Gefiihl nicht, daB das Ergebnis ihres Schaffens "Kontemplation" 
sei, auch nicht, daB es zur Erkenntnis der,, platonischen Ideen" fiihre, wie Schopenhauer 
meinte (was rein intellektualistisch gedacht war), sondern daB sie Sehnsucht weckten, d. h. 
eine willenhafte Seite unseres Wesens aus der Dumpfheit eines Allgemeingefiihls nach einer 
Richtung hin spannten, hochhielten und in dieser Kraftzeugung tatiges seelisches 
Lebenschafften. 



Es ist eine weltgeschichtlich bedeutsame Tatsache: so religios der Europaer friiherer Zeiten 
war, so lehr auch heute wieder, zwar noch verborgen fiir viele, aber doch vielerorts ein tiefes 
religioses suchen vor sich geht, so 



[442] Europas Religionssuchen vergiftet 

viele Mystiker und fromme Manner das Abendland auch gezeugt hat: absolute religiose 
Genies, d. h. vollkommen eigengesetzliche Verkorperungen des Gottlichen in einem 
Menschen hat Europa noch nicht besessen. So reich begabt, so gewaltig im Formen und 
Uberwinden es war: eine unser wiirdige Religionsform haben wir dadurch bis auf heute nicht 
schaffen konnen: weder ein Franz von Assisi noch ein Luther noch ein Goethe noch ein 
Dostojewski bedeuten fiir uns Religionsgriinder. Weder ein Jajnavalkya noch ein Zarathustra 
noch ein Lao-tse noch ein Buddha noch ein Jesus ist Europa entstiegen. 

Europas Religionssuchen wurde durch eine artfremde Form an der Quelle vergiftet, als seine 
erste mythologische Epoche ihrem Ende entgegenging. Der abendlandische Mensch konnte 



nicht mehr in arteigenen Formen denken, fiihlen, beten. Nach miBlungener gewaltsamer 
Abwehr ergriff er den ihm aufgezwungenen Glaubensersatz der Kirche. Ein reicher 
Legendenschatz erbliihte auf dem steinigen Boden des jiidisch-romischen Dogmas; 
prachtvolle Gestalten durchleuchteten in der Ahnung oder Umformung des wahren Jesus die 
syrischen starren AuBerlichkeiten mit ihrer Inbrunst; Helden fanden sich, um fiir diesen 
Lehnglauben zu streiten und zu sterben. Trotzdem bedeutet die Tat des reichen 
Kaufmannssohnes von Assisi keine Schopfung, keine aristokratische Weltiiberwindung wie 
die Tat des Inders, der sich lachelnd in das selbstgeschaufelte Grab legte, sondem eine bloBe 
Verneinung. Verzicht auf sein Selbst, das ist das tragische Lied aller europaischen Heiligen, 
eine rein verneinende Seite abendlandischen religiosen Lebens, weil der Europaer arteigen 
positiv nicht wirken durfte. Dort, wo er es versuchte, wie in der Gestalt des "seligen Meisters" 
Eckehart, verschwanden und zerrannen alle kirchlichen Werte, da stieg plotzhch ein erst heute 
in seiner ganzen GroBe sichtbares neues Seelengebaude empor, das sich an die Stelle der 
fremden Kirche 



[443] Kunst als Medium der Weltiiberwindung 

setzte - und doch in ihrem Banne wirken muBte. so starb dieser Apostel der Deutschen, ehe er 
dem Volk die ihm gemaBe religiose Weltiiberwindung vollbewuBt lehren und in diesem Sinne 
leben konnte. 

So ging denn Europa hin und unterjochte sich physisch Welt und Weltall. Das seelische 
Suchen aber, das nicht religios, sondern nur romisch-jiidisch sein durfte, verlegte das 
Schwergewicht vom religiosen auf den kiinstlerischen Willen. Indiens Hymnen des Altertums 
sind weniger Kunsterzeugnisse als religios-philosophische Bekenntnisse, Chinas 
Gotterbildnisse bleiben bei fratzenhafter Verzerrung der Natur stehen oder erheben sich bis zu 
ihrer Stilisierung und Formalisierung, Agyptens Malereien sind zeichnerische Kompositionen, 
Griechenland wurde fur uns abstrakte Form. In Europa ganz allein wurde die Kunst ein echtes 
Medium der Weltiiberwindung, eine Religion an sich. Die Kreuzigung Griinewalds, ein 
gotischer Dom, ein Selbstbildnis Rembrandts, eine Fuge Bachs, die "Eroica", der Chorus 
Mysticus sind Gleichnisse einer ganz neuen Seele, einer stetig aktiven Seele, wie sie einzig 
Europa geboren hat. 

Wagner sehnte sich nach Volksgunst als Symbol. Die Gemeinsamkeit des Urquells der 
getrennten Kiinste erscheint ihm als Kiindung einer neuen Epoche. Diese "Religion der 
Zukunft" vermogen wir zunachst nicht zu schaffen, "weil wir doch nur Einzelne, Einsame" 
sind: "Das Kunstwerk ist die lebendig dargestellte Religion; Religionen aber erfmdet nicht der 
Kiinstler, die entstehen nur aus dem Volke*." 

Eine Kunst als Religion, das wollte einst Wagner. Er rang neben Lagarde als einziger gegen 
die ganze biirgerlich-kapitalisierte Welt der Alberiche und fiihlte 



• Das Kunstwerk der Zukunft. 



[444] Der Bayreuther Gedanke 



neben einer Gabe auch eine Aufgabe im Dienste fiir sein Volk. Er sagte nicht 
zusammengebrochen: "Ich verstehe die Welt nicht mehr", sondern er wollte eine andere Welt 
erschaffen und ahnte das Morgenrot eines neuen wiedererstehenden Lebens. Ihm standen 
entgegen eine gekaufte Weltpresse, ein sattes SpieBbiirgertum, ein ganzes ideenloses Zeitalter. 
Und ob viele in unserer Zeit den Formen des Bayreuther Gedankens fremd oder 
mitempfindend gegeniiberstehen: fiir das damalige Geschlecht ist dieser Gedanke der echte 
Lebensquell inmitten einer sich bestialisierenden Zeit gewesen. In alien Staaten, wo es 
Menschen gab, die nicht nur durch Aesthetentum und unschopferischen Protest sich mit dem 
Leben auseinandersetzten, fand Bayreuth mitklingende Seelen, und wahrend die einst 
bejubelten,, sozialen Dichter" heute nur ein kiimmerliches Dasein fristen, ragt der innere Wert 
Bayreuths immer noch lebenspendend in unsere Zeit hinein, iiber sie hinaus in die Zukunft 
des kommenden Deutschen Reiches. Ein Gerhart Hauptmann nagte doch bloB an den 
morschen Wurzeln des Biirgertums des 19. Jahrhunderts, konstruierte Theaterstiicke nach 
Zeitungsmeldungen, "bildete" sich dann, verlieB die ringende soziale Bewegung, 
aesthetisierte sich im galizischen Dunstkreis des "Berliner Tageblatts", mimte vor dem 
Photographen die Haltung Goethes und lieB sich dann 1918 nach dem Siege der Borse von 
ihrer Presse dem deutschen Volk als dessen "groBter Dichter" vorsetzen. Innerlich wertelos, 
sind Hauptmann und sein Kreis unfruchtbare Zersetzer einer Zeit, zu der sie selbst innerlich 
gehoren. In keinem von ihnen, weder in den Sudermanns noch Wedekinds, erst recht nicht in 
dem spateren Schwann (Mann, Kaiser, Werfel, Hasenclever, Stemheim) loderte ein echter 
Protest im Herzen, nein: ebenso wie der marxistische Sozialismus politisch versagte, so wurde 
die sehnsiichtig auch nach kiinstlerischem Ausdruck ringende Erneuerungsbewegung 



[445] Die Internationale der Intellektuellen 

durch diese anmaBende "deutsche" und hebraische Literaturgilde verraten, verfalscht. Alle 
diese Arbeiter dichter erstarben innerlich vor der Macht des Geldes und seiner Knechte, die sie 
angeblich bekampften. sie alle sind geistige Emporkommlinge, die behabig und "human" 
werden, sobald sie am Tische der Fiirsten des Goldes mitessen diirfen. Der groBe echte 
revolutionare Zug der "Rauber", der "Kabale und Liebe", ja selbst des "Wilhelm Tell" ist 
nirgends im 19. Jahrhundert zu spiiren. Die Schopfung der Dime Lulu ist das Hochste, wozu 
sich die "Dichter" emporringen konnten. Und um auch das sich hervorwagende Echte und 
Ringende zu unterdriicken, schlossen die Geldfiirsten ein Kartell mit den jiidischen 
Theaterdirektoren und Pressemenschen Diese lobten alles Freche, Nagende, Gekiinstelte, 
Impotente, Verkriippelte hoch und kampften noch weit geschlossener und bewuBter gegen 
jede echte Erneuerung der Welt als einst gegen Richard Wagner. Denn sie wuBten: das GroBe 
bebeutet den Tod des Kleinen, ein neuer Wert, einmal anerkannt, zerbricht dem Wertlosen das 
Genick. In diesem groBten Ringen stehen wir heute mehr denn je. Wir konnen nicht mehr 
weltvergessen wie Raabe oder Keller uns abschlieBen vom flutenden Leben und wir wollen es 
auch nicht mehr, trotzdem wir wissen, daB eine ganze Internationale an der Spitze eines 
Mestizenheeres von "Kiinstlern" dem neuen Wert der erwachenden Rassenseele bis in den 
Tod hinein feindlich gegeniiber steht. Oder gerade: deswegen. 

Die Barbusse, Sinclair, Unamuno, Ibanez, Maurois, Shaw und ihre Verleger stehen mit den 
Manns, Kaisers, Fuldas und deren Zeitungsclique in engster Zusammenarbeite. Sie sorgen fiir 
gegenseitiges Lob, Ubersetzung, Auffiihrung. Der eine veroffentlicht Unterredungen mit dem 
andern. Die ganze Weltpresse erfahrt drei Monate friiher das groBe Ereignis, daB Thomas 
Mann eine Novelle schreibt. Jeder berichtet durch den Mund des anderen dem staunenden 



[446] Verfaulende Demokratie 

Erdball: was er zu denken geruht, wie er arbeitet: im geschlossenen Raum oder im Freien, 
morgens oder abends . . . Dieses schreibende SpieBburgertum von heute verfault jedoch trotz 
aller Hymnensanger inmitten der jiidischen Reklame bei lebendigem Leibe: es lallt noch 
etwas von Menschheit, Volkerfrieden, Gerechtigkeit und hat doch selbst kein Gramm 
blutvollen echten Menschentums zu vergeben; hat Frieden mit den Machten gemacht, die den 
Weltkrieg als ihr Geschaft betrachteten, und schreibt in Zeitungen, die das echte Recht des 
Volkes auf arteigenen Ausdmck seines Wesens Tag fiir Tag verhohnen. Faul wie die 
politische Demokratie selbst sind auch ihre Psalmisten alle, ob sie nun Shaw heiBen und Jahr 
fiir Jahr nichts weiter tun, als LeichenfraB betreiben und dabei nicht einmal wissen, ob das 
schmackhaft ist oder nicht, oder Heinrich Mann und einem nicht durch s i e Gestiirzten einen 
Eselstrittversetzen . . . 

Fiir das 19. Jahrhundert gibt es noch einen Milderungsgrund: daB seine Menschen inmitten 
einer reiBenden Stromung des erwachenden Industrialismus standen und wie viele andere 
auch vom Neuen iiberrumpelt worden waren. sie fiihlten zwar alte Werte wanken, wer wollte 
aber den Stab dariiber brechen, wenn sie keinen Sonnenaufgang erblickten, sondern 
verendeten? Aber der Beginn des 20. Jahrhunderts zeigte bereits Menschen, die anmaBend 
genug waren, als Verkiinder eines neuen Systems aufzutreten. Und heute sehen wir, daB alles, 
was sie verkiindeten, aufgeblasener Moder war, an dessen aufstrebende Kraft sie selbst nicht 
glauben. Ibsen und Strindberg rangen noch ehrlich bis zum Tode: die heutigen letzten Sanger 
der Demokratie und des Marxismus haben weder Glauben an andere, noch tragen sie 
Eigenwerte in sich selbst. sie graben jetzt in chinesischer, griechischer, indischer Literatur 
nach Gestalten (Klabund, Hoffmannsthal, Hasenclever, Reinhardt), putzen diese auf oder 
holen sich Nigger 



[447] Die mifileitete Arbeiterbewegung 

aus Timbuktu, um ihrem auserwahlten Publikum eine "neue Schonheit", "neuen 
Lebensrhythmus" vorzusetzen. 

Das ist das Wesen der Geistigkeit von heute, das ist das moderne Drama, das moderne 
Theater, die moderne Musik! Ein Leichengeruch geht aus von Paris, Wien, Moskau und New 
York. Der "foetor judaicus" vermischt sich mit den Abhub aller Volker. Bastarde sind die 
"Helden" der Zeit, die Huren- und Nackttanzrevue unter Niggerregie waren die Kunstform der 
Novemberdemokratie. Das Ende, die Seelenpest schien erreicht. 

Das Millionenheer der Arbeiter in Schachten und vor der Lohe der Hochofen war geknechtet 
und wurde ausgebeutet. Es darbte und litt an alien Schrecken einer neu hereinbrechenden 
Maschinenherrschaft. Aber ergeben wollte es sich nicht, sondern kampfen. Kampfen 
schlechthin: es suchte nach einer Fiihrergestalt, aber fand keine, und es ist erschiittemd, die 
Parallele feststellen zu miissen, daB an der Spitze verruBter, aber kraftvoller Gestalten 
(solange es ungefahrlich war) jiidische Rechtsanwalte und von GroBbanken ausgehaltene 
Verrater marschierten, wahrend die " Arbeiterdichter" keine einzige Kampfergestalt zu 
gebaren vermochten. Der ringenden Arbeiterarmee wurde keine Reckengestalt beschert, 
weder im Leben noch in der Kunst. Bebel blieb zeitlebens ein kleiner Feldwebel, und 



Hauptmann wuchs iiber die "Weber" und den "Kollegen Crampton" nicht hinaus. In dieser 
Tatsache allein liegt bereits der Beweis dafiir, daB der Marxismus keine echte deutsche, 
iiberhaupt keine abendlandische Freiheitsbewegung sein kann: denn eine arteigene Bewegung 
schafft sich ihre Heldengestalt und ihren organischen Hochstwert. An die Stelle dieser Krafte 
aber trat das feige marxistische Fiihrergesindel, das sich von alien kaufen lieB, die Gelb 
hatten; an die stelle eines Ganzen trat die Klasse als Talmi-Wert. Der deutsche Arbeiter 
vergaB, daB man Volk und Vaterland nicht verneinen darf, sondern erobern muB. Jetzt 



[448] Das Schonheitsideal von 1914 

hat er unter jiidischer Fiihrung beides auf lange zerstort. Die neue heute erwachende 
Arbeiterbewegung - der Nationalsozialismus - wird erweisen miissen, ob sie dem deutschen 
Arbeiter und mit ihm dem ganzen Volke nicht nur eine politische Idee, sondern auch ein 
Schonheitsideal von Mannerkraft und -willen zu schenken imstande ist, einen seelischen, alles 
andere beherrschenden Hochstwert und damit die Voraussetzung fiir eine organische, das 
Leben durchflutende und Leben erzeugende Kunst. 

In alien Stadten und in alien Dorfern Deutschlands sehen wir hier bereits die Ansatze dazu. 
Die Gelichter, die unterm Stahlhelm auf den Kriegerdenkmalern hervorschauen, sie haben fast 
iiberall eine mystisch zu nennende Ahnlichkeit. Eine steile durchfurchte Stirn, eine starke 
gerade Nase mit kantigem Geriist, ein festgeschlbssener schmaler Mund mit der tiefen spalte 
eines angespannten Willens. 

Die weitgeoffneten Augen blicken geradeaus vor sich hin. BewuBt in die Feme, in die 
Ewigkeit. Diese willenhafte Mannlichkeit des Frontsoldaten unterscheidet sich merklich vom 
Schonheitsideal fruherer Zeiten: die i n n e r e Kraft ist noch deutlicher geworden als zur Zeit 
der Renaissance und des Barock. Diese neue Schonheit ist aber auch ein arteigenes 
Schonheitsbild des deutschen Arbeiters, des heutigen ringenden Deutschen schlechtweg. Um 
dieses lebenspendende Gleichnis nicht aufkommen und siegen zu lassen, malen 
morphiumsiichtige Bastarde in jiidischen "Arbeiterzeitungen und Zeitschriften verkriippelte 
und verzerrte Gesichter, schneiden Holzschnitte, in denen die Idiotic und Epilepsie Wille und 
Kampf darstellen sollen, wahrend die Kirchen hilflos noch immer "Kreuzigungen" bestellen, 
oder das "Lamm Gottes" bedichten lassen. Es wird nichts mehr helfen: der Verrat von 1918 
beginnt sich an den Verratem zu rachen. Aus den Todesschauem der Schlachten, aus Kampf, 
Not und Elend ringt sich ein neues Geschlecht empor, das endlich einmal ein arteigenes 

[449] Das Vermachtnis des Weltkrieges 

Ziel vor Augen sieht, das ein arteigenes alt-neues Schonheitsideal besitzt, das von einem 
arteigenen Schopferwillen beseelt ist. sein ist die Zukunft. 

Hinter dem aesthetischen Wert erhebt sich also deutlich ein "auBeraesthetischer". Die 
Personlichkeit und der Typus, das eine bedingt und steigert das andere. Eine echte 
Personlichkeit hat stets einen Hochstwert, j a selbst einem echten Sklaven gibt die 
bedingungslose Unterwerfung eine gewisse Lebensform; nur der Mestize und Bastard 
schwankt vom Triumpfgeschrei zu haltlosem Gejammer, von widernatiirlicher Erotik zu 
Theosophie, von frecher Religionslosigkeit zu briinstiger, damonischer Ekstase. 



Inmitten dieses Znsammenbmchs sucht das neue Geschlecht Deutschlands zwar eine neue 
Kunst, aber mit der Wissen, daB eine solche nicht friiher geboren wird, als bis ein neuer 
edelster Wert, das ganze Leben beherrschend, von uns Besitz ergriffen hat. Es ist kein Zufall, 
daB der Weltkrieg seinen Sanger noch nicht gefunden hat. so ergreifend die einzelnen Lieder 
auch sein mogen, Volk und Vaterland waren beide plotzlich aufgebrochene Werte, erst 
inmitten der schlachten war der deutsche Mythus erwacht. Die ihn am starksten erlebten, 
deckt der Rasen oder die flutende Meereswoge. Die anderen gerieten vielfach in den 
Schlamm des Znsammenbmchs. Die meisten verloren den Glauben, iiberhaupt fiir irgend 
etwas Wertvolles zu kampfen. Heute wird aus dem Einzelnen aber doch noch ein 
Allgemeinpersonliches. Die Not der Zeit grabt es jedem Deutschen ins Herz, daB jedes noch 
so kleine Opfer im Weltkrieg Hingabe fiir 80 Millionen Menschen bedeutete, daB diese 80 
Millionen aber allein schon durch die Gemeinsamkeit der fiir sie gebrachten Opfer fiir immer 
zusammengehoren samt ihren Kindern und femsten Nachfahren. Die abstrakte Begeisterung 
vor dem Kriege fiirs,, Vaterland" wird heute trotz aller Parlamente und Politiker mythisches 
wirkliches Erleben. 



[450] Das kommende Epos des Weltkrieges 

Dieses Erleben wird und muB sich steigern zu einem selbstverstandlichen 
Wirklichkeitsgefiihl. Dieses Gefiihl aber bedeutet, daB sich die Atome des Volkes, die 
Einzelseelen, nach und nach gleichgesinnt einzustellen beginnen. Personlichkeiten, die dies 
seit Jahren mit all ihrer Kraft fordern, werden dann naturnotwendig an die Spitze gedrangt 
werden. Und wie immer sich auch weiter das politische Leben gestalten mag: es hat dann 
auch die Geburtsstunde des Dichters des Weltkrieges geschlagen! Er weiB dann mit alien 
anderen, daB die zwei Millionen toter deutscher Helden ungeachtet des heutigen 
Niederganges die wirklich Lebendigen sind, daB sie ihr Leben lieBen fiir nichts anderes als fiir 
die Ehre und Freiheit des deutschen Volkes, daB in dieser Tat die einzige Quelle unserer 
seelischen Wiedergeburt liegt, der einzige Wert aber auch, unter den sich alle Deutschen 
widerspruchslos beugen konnen. Dieser deutsche Dichter wird dann auch mit starker Hand 
das Gewiirm von unseren Theatern verjagen, er wird den Musiker zu einer neuen 
Heldenmusik befruchten und dem Bildhauer den MeiBel fiihren. Die Heldendenkmaler und 
Gedachtnishaine werden durch ein neues Geschlecht zu Wallfahrtsorten einer neuen Religion 
gestaltet werden, wo deutsche Herzen immer wieder neu geformt werden im Sinne eines 
neuen Mythus. Dann ist durch die Kunst erneut einmal die Welt iiberwunden worden. 



Der Mythus des 20. Jahrhunderts 

Alfred Rosenberg 



[451] bis [481] 

Drittes Buch: 



Das kommende Reich 



In der ganzen Lebensgeschichte eines Volkes 

ist sein heiligster Augenblick, wo es aus seiner 

Ohnmacht erwacht ... Ein Volk, das mit Lust und 

Liebe die Ewigkeit seines Volkstums auffafit, 

kann zu alien Zeiten Sein Wiedergeburtsfest 

und seinen Auferstehungstagfeiern. 

Friedrich Ludwig Jahn 

I. Mythus und Typus 

1. 

Es wird einmal eine Zeit kommen, in der die Volker ihre groBen Traumer als die groBten 
Tatsachenmenschen verehren werden. Jene Traumer, denen ihre Sehnsucht zum Bild und dies 
Traumgesicht zum Ziel des Lebens wurde. Zur Idee geformt, wenn sie als Religionsbesessene, 
Philosophen, schopferische Erfmder und Staatsmanner iiber diese Erde gingen; zur 
plastischen Gestalt, wenn sie zugleich in Worten, Tonen oder Farben dichtende Kiinstler 
waren. Der Traum eines Erfmders ist die erste AuBerung einer seelischen Kraft, er stellt alle 
inneren Regungen nach einer Richtung ein, steigert in der Qual der Erkenntnis, daB das 
innerlich so anschauliche Bild nicht restlos verwirklicht werden kann, alle seelischen und 
geistigen Energien und gebiert schlieBlich die schopferische Tat, um die sich eine neue Zeit 
als um ihre Achse dreht. 

Einst traumte der nordische Geist am Mittellandischen Meer, in Hellas, von der Sonnennahe, 
vom Plug des Menschen iiber den Olymp hinweg. Diese Sehnsucht schuf das Drama des 
Ikarus. Und starb wie dieser, um doch wieder an anderer stelle das Leben zu durchpulsen. 
Sonnen- und Schwertjungfrauen entsandte der traumende Mensch durch die Liifte, erblickte 
bei Sturm und Wetter die Walkiiren iiber sich hinwegjagen und versetzte sich dann selbst 
hinauf ins unendlich weite Walhall. Die uralte Sehnsucht wurde Bild im Wieland dem 
Schmied, starb noch einmal, um in der Stube des Leonardo abermals zu neuem Leben zu 
erwachen. Aus dem Bild des Dichters 



[454] Der Traum des Menschenfluges 

wurde nun sich praktisch umsetzender Wille. Ein starkes Menschentum hatte bereits die Natur 
ergriffen und lauschte ihr mit dienendem Herrenblick ihre Gesetze ab. Aber es war noch 
immer zu friih. Vierhundert Jahre spater bemachtigten sich die Traumer des Menschenfluges 
erneut des sproden Stoffes. Die Materie war dieses Mai bezwungen, zweckmaBig zu 
gebandigter Energie geballt, die vorwartstreibende motorische Kraft war gefunden. Und eines 
Tages flog glanzend, schnell und lenkbar ein silbernes Luftschiff als Wirklichkeit gewordener 
Traum vieler Jahrtausende durch die Liifte. Die Formen der Verwirklichung waren andere, als 
die ersten Traumer sie erdacht hatten, die Technik war und blieb zeitlich gebunden, der 
seelisch-herrische Auftrieb aber war das Ewige, der unerklarliche zielsetzende und die 
Erdenschwere iiberwindende Wille. 

Einst traumten die Menschen von einem alles sehenden und alles horenden Wesen sie nannten 
es den iiber den Wolken des Olymp das Land iiberschauenden Zeus, oder den zum sehen 
bestellten Argus Panoptes. Nur wenige erkiihnten sich, fur den Menschen ahnliches zu 



fordern. Diese wenigen Traumer aber forschten dem Wesen des Blitze schlendernden Gottes 
nach und priiften die sich geheimnisvoll entladenden Naturkrafte. Und einmal sprachen sie 
mit Hilfe dieser Machte, weit getrennt, nur durch einen Draht verbunden, miteinander. Dann 
war auch dieser Draht nicht mehr notig. Hohe schlanke Tiirme senden heute geheimnisvolle 
Wellen in die ganze Welt hinaus und diese entladen sich Tausende von Kilometern entfernt 
als Gesang oder Musik. Wieder wurde ein verwegener Traum Leben und Wirklichkeit. 

Inmitten einer Wiiste traumten einst Krieger und Eroberer von einem Paradiese. Dieser Traum 
Weniger setzte sich urn in die Arbeit von Millionen. Von einem Strom zum andem zog durch 
Graben rieselndes Wasser 



[455] Schopfung und Zerstorung des "Paradieses" 

kreuz und quer, aber in wohliiberlegten Linien durch die trockene Wiiste. Und wie von 
magischen Kraften getrieben, ergriinte der gelbe Sand und rauschten Ahrenfelder trachtig mit 
schwerer Frucht. Dorfer, Stadte anstanden, Kunst, Wissenschaft bliihten, bis iiber dieses, von 
einer traumenden Menschenrasse hervorgezauberte "Paradies" traumlose Erobererheere alles 
vernichtend hinwegzogen. Sie zehrten noch von den Friichten des Landes, aber verstanden es 
nicht, lebendig zu traumen. Die Kanale versandeten, das Wasser staute sich, lief zuriick in das 
urspriingliche FluBbett und von dort stromte es in den gestaltlosen indischen Ozean. Die 
Walder verkriippelten, die Weizenfelder verschwanden, an die Stelle des Grases trat wieder 
miirbes Gestein und fliehender Sand. Die Menschen verkiimmerten, oder zogen weiter, die 
Stadte versanken, der Staub zog iiber sie hin. Bis Taufende von Jahren spater nordische 
Traumer die versteinerte Kultur aus Schutt und Asche gruben. Heute steht das ganze Bild des 
ehemaligen Paradieses vor unseren Augen, ein ausgetraumter Traum, der Leben und 
Schonheit und Kraft zeugte, solange eine Rasse wirkte, die immer wieder traumen konnte. 
sobald aber die Rassen traumloser Praktiker die Verwirklichung des Traumes iibernahmen, 
sank mit dem Traum auch die Wirklichkeit dahin. 

So wie im Zweistromland von Fruchtbarkeit und Macht, so traumte ein groBes Geschlecht in 
Hellas von Schonheit und vom lebenzeugenden Eros; so traumte in Indien und am Nil der 
Mensch von Zucht und Heiligkeit; so traumte der germanische Mensch vom Paradies der Ehre 
und der Pflicht. 

Es gibt neben den die fruchtbare Wirklichkeit erzwingenden Traumen und den traumlosen 
Zerstorern auch vemichtende Traume. sie sind ebenso wirklich und oft ebenso stark wie die 
schopferischen. Man erzahlt sich noch heute von den kleinen dunklen Volkem in Indien, 
deren stechender 



[456] Vom Weltmachttraum des Judentums 

Blick Schlangen und Vogel bannt und sie in die Netze der Jager zwingt; man kennt den bosen 
aber Ungeheuer starken Traum des Ignatius, dessen seelenvernichtender Hauch noch heute 
iiber unserer ganzen Gesittung lagert. Und man kennt auch den Traum des Schwarzalben 
Alberich, welcher der Liebe fluchte um der Weltherrschaft willen. Am Zionsberge wurde 
dieser Traum durch Jahrhunderte gepflegt, der Traum von Gold, von der Kraft der Liige und 
des Hasses. Dieser Traum trieb die Juden um die ganze Welt. Ruhelos, traumstark, deshalb 



auch wirklichkeitschaffend, zerstorende Wirklichkeit, lebt und webt der Trager boser 
Traumgesichte noch heute unter uns. sein Traum, vor dreitausend Jahren zum erstenmal mit 
aller Macht erlebt, war nach vielen Fehlschlagen nahezu Wirklichkeit geworden: Gold- und 
Weltherrschaft. Der Liebe, der Schonheit, der Ehre entsagend, nur den Traum des lieblosen, 
haBlichen, ehrlosen Herrchens traumend, erschien der Jude bis 1933 starker als wir: well wir 
aufgehort hatten, u n s e r e n Traum zu verwirklichen, ja sogar unbeholfen versuchten, des 
Juden Traum zu erleben. Und das hat auch den deutschen Zusammenbruch herbeigefiihrt. 

Das GroBte und Begliickendste aber inmitten des heutigen Chaos ist ein mythisches, zart- 
starkes Erwachen, ist die Tatsache, daB wir wieder begonnen haben, unsere ureigenen Traume 
zu traumen. Nicht mit gewollter Absicht, vielmehr urspriinglich, an vielen Orten zugleich und 
in gleicher Richtung. Es ist wieder der alt-neue Traum von Meister Eckehart, Friedrich und 
Lagarde... 

Einst zogen nordische Wikinger in die Welt, sie rauberten zwar wie alle anderen Krieger, aber 
sie traumten von Ehre und Staat, vom Herrschen und schaffen. Und iiberall, wohin sie kamen, 
entstanden Gebilde eigenartiger Kultur: in Kiew, in Palermo, in der Bretagne, in England. Wo 
art- und traumfremdes Wesen aufkam. 



[457] Paul de Lagarde 



zersprangen die getraumten Wirklichkeiten; wo artahnliche Traumer lebten, wurde eine neue 
Gesittung geboren. 

Der Traum von einem heilig-ehrvollen Reich fiihrte den altdeutschen Kaisern das Schwert, 
aber auch den Rittern, die sich gegen sie emporten. Nach dem fernen Rom, nach dem 
endlosen Morgenlande trug sie dieser Traum. Das Blut versickerte zwischen den Ruinen 
Italiens, am "Heiligen Grabe", ohne als erlebte Wirklichkeit auferstehen zu konnen. Bis auf 
markischem Sande der alte Traum wieder lebendig wurde. Aber auch er sank noch einmal 
dahin und schien verloren und vergessen. Und heute haben wir endlich wieder zu traumen 
begonnen. 

Ein Seher hatte mitten im schwelgen iiber das zweite Kaiserreich den germanischen nordisch- 
abendlandischen Traum niedergelegt und fast allein arteigene Ziele aufgestellt. Er schrieb in 
seinen "Deutschen Schriften" und verstreut in seinen anderen groBen Werken: "Es hat noch 
nie einen deutschen Staat gegeben." "Der (heutige) Staat ist eine Kaste, das politische Leben 
ein Possenspiel, die offentliche Meinung eine feige Dime." "DaB das Deutsche Reich nicht 
lebensfahig ist, liegt jetzt vor aller Augen." "Wir leben mitten im Biirgerkriege, der nur 
vorlaufig ohne Pulver und Blei, aber dafiir mit der groBten Gemeinheit durch Schweigen und 
Verleumden seinen Verlauf nimmt." "Wir kranken an der Notwendigkeit, 1878 das tun zu 
miissen, was wir 878 hatten tun sollen." "Der Unsterblichkeitsglaube wird fiir uns mehr und 
mehr Bedingung, unter der allein wir das Leben in dem aus Lehm und Eisen 
zusammengesetzten jiidisch-deutschen Reiche aushalten konnen." "Der Religionsbegriff des 
Christentums ist falsch. Religion ist personliche Beziehung zu Gott. Sie ist unbedingte 
Gegenwart." 



"Paulus hat das Alte Testament in die Kirche gebracht, an dessen EinfluB das Evangelium, 
soweit dies moglich, zugmnde gegangen ist." "DaBjeder Nation eine nationale Religion 
notwendig ist, 



[458] "Rationen Gedanken Gottes" 

ergibt sich aus folgenden Erwagungen: Nationen entstehen nicht durch physische Zeugung, 
sondern durch historische Ereignisse, aber unterliegen dem Walten der Vorsehung. Damm 
sind die Nationen gottlicher Einsetzung, sie werden geschaffen." "Immer von neuem die 
Mission seiner Nation erkennen, heiBt, sie in den Brunnen tauchen, der ewige Jugend gibt: 
immer dieser Mission dienen, heiBt hohere Zwecke erwerben und mit ihnen hoheres Leben." 
"Weltreligion im Singular und nationale Religionen im Plural, das sind die Programmpunkte 
der beiden Gegner." "Nationen sind Gedanken Gottes!" "Katholizismus, Protestantismus, 
Judentum, Naturalismus miissen vor einer neuen Weltanschauung das Feld raumen, so daB 
ihrer nicht mehr gedacht werde, wie der Nachtlampen nicht mehr gedacht wird, wenn die 
Morgensonne iiber die Berge scheint - oder aber die Einheit Deutschlands wird von Tag zu 
Tag fraglicher." "Es gibt fiir den Menschen nur eine Schuld, die, nicht er selbst zu sein." "Die 
groBe Zukunft, die ich verkiinde und fordere, liegt noch weit vor uns..." 

Es ist solange nicht her, daB dieser groBe deutsche Traumer von uns ging: Paul de Lagarde 
starb am 22. Dezember 1891. Er war nach Meister Eckehart vielleicht der erste, der den 
deutschen ewigen Traum ausgesprochen hat ohne jene Bindungen, die den groBen Lehrer 
friiher noch fesselten. Was deutsche Ritter vor Jahrtausenden bewegte, vorwarts trieb zu 
Hohen, aber auch in Irrtum und schuld, das wurde hier erstmals hellstes BewuBtsein: heute 
beginnt das deutsche Volk Eckeharts und Lagardes Traume wieder zu traumen. Noch haben 
viele nicht den Mut zu diesem Traum; noch hemmen f r e m d e Traumgesichte vielfach ihr 
seelisches Wirken, deshalb sei hier der bescheiden-anmaBende Versuch unternommen, das, 
was in den zwei vorhergehenden Biichem als unser Wesen mehr zergliedernd dargestellt 
wurde, hier 



[459] Was ist ein Mythus? 

im Kontrast, als traumhaft-wirkliche Zielsetzung niederzulegen. Als Bild, soweit dieses von 
den ewigen nordisch-germanischen Ideen durchflutet ist, nicht in technischen Einzelheiten. 
Und wo diese gezeichnet werden miissen, so doch mit dem wachen BewuBtsein, daB sie auch 
ganz anders aussehen konnen, wenn neue Mittel der Herrschaft iiber die Erde gefunden sein 
werden. Der Ikarusflug unterschied sich vom Bau des Zeppelin nahezu in allem; der Wille 
jedoch, der dem streben die Richtung gab, war ein ahnlicher. Und ein bestimmter Wille, 
begriindet auf eine klare Rangordnung der Werte, gepaart mit organischer Anschauungskraft, 
wird sich auch einst iiber alle Hindernisse hinweg seine Verwirklichung auf alien Gebieten 
erzwingen. 



Die Werte des Charakters, die Linien des Geisteslebens, die Farbigkeiten der Symbole laufen 
nebeneinander her, verschlingen sich und ergeben doch einen Menschen. Aber nur dann in 
ganzer blutvoller Fiille, wenn sie selbst Folgen, Geburten aus einem Zentrum sind, das 



jenseits des nur erfahrungsmaBig (empirisch) Erforschbaren liegt. Diese nicht faBbare 
Zusammenfassung aller Richtungen des Ich, des Volkes, iiberhaupt einer Gemeinschaft, 
macht seinen Mythus aus. Die Gotterwelt Homers war solch ein Mythus, der Griechenland 
auch noch weiter schiitzte und erhielt, als fremde Menschen und Werte sich des Hellenentums 
zu bemachtigen begannen. Der Mythus von der Schonheit des Apoll und der Kraft des Zeus, 
von der Schicksalsnotwendigkeit im Kosmos und des ihr geheimnisvoll verbundenen 
Menschenwesens war griechisches Wirken iiber Jahrtausende hinweg, wenn auch erst bei 
Homer zur typenziichtenden Kraft gesammelt. 

Eine solch' ungeheure Kraft entfaltet aber nicht nur ein schopferisches Traum-Gesicht, 
sondem auch vom schmarotzerhaften 



[460] Der menschliche Schmarotzer 

Weltherrschaft-Traum der Juden ist eine ungeheure - wenn auch zerstorende - Kraft 
ausgegangen. Er hat durch bald drei Jahrtausende schwarze Magier der Politik und der 
Wirtschaft vorwartsgetragen, unersattlich stieg oft der Strom dieser triebhaften Machte des 
Goldes an, der "Liebe entsagend" wirkten die Kinder Jakobs an den goldenen Netzen zur 
Fesselung groBmiitig, duldsam denkender oder schwach gewordener Volker. Im 
Mephistopheles wurde diese Kraft unnachahmlich gezeichnete Gestalt, sie weist aber das 
gleiche innere Baugesetz auf wie die Herren der heutigen Getreide- und Brillantenborsen, der 
"Weltpresse" und Volkerbundsdiplomatie. Wenn irgendwo die Kraft eines nordischen 
Geistesfluges zu erlahmen beginnt, so saugt sich das erdenschwere Wesen Ahasvers an die 
erlahmenden Muskeln; wo irgendeine Wunde aufgerissen wird am Korper einer Nation, stets 
friBt sich der jiidische Damon in die kranke stelle ein und nutzt als Schmarotzer die 
schwachen Stunden der GroBen dieser Welt. Nicht als Held sich Herrschaft erkampfen ist sein 
Sinnen, sondern sich die Welt "zinsbar" zu machen, leitet den traumhaft starken Parasiten. 
Nicht streiten, sondern erschleichen; nicht Werten dienen, sondem Ent-Wertung ausnutzen, 
lautet sein Gesetz, nach dem er angetreten und dem er nie entgehen kann - solange er besteht. 

In dieser groBen, vielleicht endgiiltigen Auseinandersetzung zwischen zwei weltfernen Seelen 
stehen wir heute. Und diese Auseinandersetzung des deutschen Genius mit dem jiidischen 
Damon hat ein Halbjude (Schmitz) ungewollt in seinem Wesen gekennzeichnet*. Er schreibt: 
"Der bose Damon der Juden ist das... Pharisaertum. Wohl ist es der Trager der 
Messiashoffnung, zugleich aber auch der Wachter dariiber, daB ja kein Messias aufkomme... 
Das ist die spezifische, hochst gefahrliche Form der jiidischen 

* Oskar Schmitz in "Der Jude", 1926, Sonderheft. 



[461] Ein jiidisches Selbstbekenntnis 

Weltverneinung ... Der Pharisaer verneint die Welt aktiv, er sorgt dafur, daB moglichst nichts 
Gestalt annehme, und dabei treibt ihn ein damonischer Affekt. Diese scheinbare Verneinung 
ist also eigentlich eine ganz besonders heftige Art der Weltbejahung, aber mit negativem 
Vorzeichen. Der Buddhist ware gliicklich, wenn um ihn die Welt einschliefe, der Pharisaer 
ware erledigt, wenn nicht um ihn immer wieder Leben Gestalt annehmen wollte, denn dann 
hatte seine vemeinende Lebensfunktion keine Betatigung mehr." "Sie (die Verneiner) sind der 



Geist der stets verneint und verbergen unter ekstatischer Bejahung eines utopischen Seins, das 
nie werden kann, die Ankunft des Messias. Sie miiBten sich wie Judas erhangen, wenn er 
wirklich kame, da sie des Jasagens vollig unfahig sind." 

Will man ganz in der Tiefe dieses Bekenntnisses und ahnlicher manchmal plotzlich 
auftretender Auslassungen forschen, so zeigt sich iiberall ein Ergebnis: Schmarotzertum. 
Dieser Begriff soil hierbei zunachst gar nicht als sittliche Wertung, sondern als 
Kennzeichnung einer lebensgesetzlichen (biologischen) Tatsache aufgefaBt werden, genau so, 
wie wir im Pflanzen- und Tierleben von parasitaren Erscheinungen sprechen. Wenn der 
Sackkrebs sich durch den After des Taschenkrebses einbohrt, nach und nach in ihn 
hineinwachst, ihm die letzte Lebenskraft aussaugt, so ist das der gleiche Vorgang, als wenn 
der Jude durch offene Volkswunden in die Gesellschaft eindringt, von ihrer Rassen- und 
Schopferkraft zehrt - bis zu ihrem Untergang. Dieses Zerstoren ist gerade jene "aktive 
Weltverneinung", von der Schmitz spricht, jene "Sorge" dariiber, daB "nichts Gestalt 
annehme", well der "Pharisaer", wir sagen Schmarotzer, eben selbst keinen inneren 
Eigenwuchs, keine organische Seelengestalt und deshalb auch keine Rassengestalt besitzt. 
Auf diesen auBerordentlich wichtigen Punkt hat bisher nur ein Forscher hingewiesen*, 

"^ Arno Schickedanz: "Sozialparasitismus im Volkerleben". 



[462] Die Gegenrasse 

der nach strengwissenschaftlichem Nachweis iiber die wirkenden Lebensgesetze beim 
jiidischen Parasiten auch hier die richtige Erklarung dafiir findet, daB die auBere 
Vielformigkeit des Judentums keinen Widerspruch zu seiner inneren Einheit bildet, sondern - 
so merkwiirdig das klingen mag - seine Bedingung. Schickedanz pragt hierbei den sehr 
treffenden Begriff einer jiidischen Gegenrasse, indem namlich die parasitare 
Lebensbetatigung ebenfalls eine gewisse Blutauslese zeitigt, nur in ihrer stets gleich 
bleibenden AuBerung das Gegenteil von der Aufbauarbeit etwa der nordischen Rasse. Und 
umgekehrt, wo auf der Welt sich auch Schmarotzerkeime bildeten, stets haben diese sich zum 
Judentum hingezogen gefiihlt, ganz wie damals, als der Abschaum Agyptens mit den 
Hebraern das Land der Pharaonen verlieB. 

Es entspricht dieser schmarotzerhaften Umwertung des schopferischen Lebens, daB auch der 
Parasit seinen "Mythus" hat; im Falle des Judentums ahnlich Kaiser-Illusionen eines 
Wahnsinnigen, den Mythus der Auserwahltheit. Es klingt wie ein Hohn, ein Gott habe sich 
diese Gegennation, deren Beschreibung Wilhelm Busch und Schopenhauer bereits 
erschopfend geliefert haben, zu seinem Liebling auserwahlt. Da aber das Gottesbild von 
Menschen geformt ist, so ist es allerdings begreiflich, daB dieser "Gott" sich dieses "Volk" 
ausgesucht hat unter alien anderen. Wobei es fiir die Juden nur gut war, daB ihre bildnerische 
Unfahigkeit sie daran hinderte, diesen "Gott" auch korperlich darzustellen. Das sonst 
hervorgerufene Grausen bei alien Europaem hatte dann sicher die Ubernahme des Jahwe und 
seine Veredelung durch Dichter und Maler von vomeherein verhindert. 

Mit diesen Worten ist das Wichtigste iiber das Judentum gesagt. Aus dem Damon des ewigen 
Verneinens entspringt das ununterbrochene Nagen an alien AuBerungen der nordischen Seele, 
jene innere Unmoglichkeit, 



[463] Von Joseph bis Rathenau 

ja zu sagen zu den Schopfungen Europas, jene immerwahrende Bekampfung einer echten 
Kulturgestalt im Dienste des gestaltenlosen Anarchismus, der durch wesenlose 
"Prophezeiungen" nur notdiirftig verhiillt wird. 

Das jiidische Schmarotzertum als eine zusammengeballte GroBe leitet sich also her vom 
jiidischen Mythus, der vom Gott Jahwe den Gerechten zugesagten Weltherrschaft. Die 
Rassenzucht Esras, der Talmud der Rabbiner haben eine Gesinnungs- und Blutsgemeinschaft 
von unglaublicher Zaheit geschaffen. Der Charakter der Juden in ihrer zwischenhandlerischen 
Tatigkeit und Zersetzung fremder Typen ist sich stets gleich geblieben, von Joseph in 
Agypten bis Rothschild und Rathenau, von Philo iiber David ben Selomo bis Heine. Ziichtend 
wirkte bis 1800 in erster Linie der skrupellose Moralkodex; ohne Talmud und Schulchan 
Aruch ist das Judentum als Gesamtheit nicht denkbar. Nach einer kurzen Epoche, da auch die 
Juden "emanzipiert" erscheinen, ist am Ende des 19. Jahrhunderts die gegenrassische Idee als 
vorberechtigt in den Vordergrund getreten und hat in der zionistischen Bewegung ihre 
Pragung erfahren. Die Zionisten bekennen sich zum Orient und verwahren sich heute 
energisch dagegen, etwa als Pioniere Europas nach Palastina zu gehen. Ein fiihrender 
Schriftsteller sprach sogar offen aus, die Zionisten wiirden "in den Reihen der erwachenden 
asiatischen Volker mitkampfen". Aus dem Feuer aller Dornbiische und aus den Nachten der 
Einsamkeit tone ihnen nur ein Ruf entgegen: Asien Zionismus sei nur ein Teilgedanke des 
Parasitismus*. Zu gleicher Zeit geht eine seelische und politische Verbindung zur Idee des 
roten Bolschewismus hiniiber. Der Zionist Holitscher erlebte in Moskau die innere Parallele 
zwischen Moskau und Zion und der Zionist F. Kohn erklart, von den Erzvatern fiihre eine 

* E. Hoflich: "Die P forte des Ostens". 



[464] Der alljiidische Zionismus 

einzige Linie bis zu Karl Marx, Rosa Luxemburg und zu alien jiidischen Bolschewisten, die 
der,, Sache der Freiheit" gedient hatten. 

Dieser Zionismus gibt vor, einen "Judenstaat" griinden zu wollen; in einigen Fiihrem mag 
vielleicht auch ganz ehrlich der Wunsch eines Unerlosten lebendig geworden sein, auf eigener 
Scholle eine Lebenspyramide der "jiidischen Nation" zu erbauen, also ein senkrechtes 
Gebilde, im Unterschied und Gegensatz zum waagerecht Geschichteten des bisherigen 
Daseins. Das ist, von urjiidischer Seite aus betrachtet, eine fremde Ansteckung durch das 
Nationalgefiihl und die Staatsauffassung der Volker Europas. Ein Versuch, wirklich eine 
organische Gemeinschaft jiidischer Bauern, Arbeiter, Handwerker, Techniker, Philosophen, 
Krieger und Staatsmanner zu bilden, widerspricht alien Instinkten der Gegenrasse und ist von 
vomeherein zum Znsammenbruch verurteilt, wenn die Juden wirklich unter sich gelassen 
werden wiirden. Die Orthodoxen vertreten also durchaus das wirklich jiidische Wesen, wenn 
sie diese Seite des Zionismus als Nachahmung der Lebensauffassungen des Abendlandes 
scharf ablehnen und eine "Weltmission" in Anspruch nehmen, den Versuch, aus "Israel" eine 
Nation wie eine andere zu machen, bewuBt als einen "Niedergang" bekampfen. Diese 
folgerichtige Haltung hat viele Zionisten zur "Einsicht" gebracht und die eigene Bewegung 
wird denn auch heute bereits mit ganz anderen Augen betrachtet, als in der ersten Zeit der 
Entstehung, da Theodor Herzl sie als Protest gegen die doch iiberall gefiihlte Ablehnung des 



Juden seitens der Europaer hervorrief. Auf dem ZionistenkongreB im August 1929 in Zurich 
begriindete ein fiihrender Kopf, Martin Buber, die verschiedenen Ansichten: 

Es gebe drei Grundanschauungen von der jiidischen Nation: eine, die besage, Israel sei 
weniger als eine Nation. Eine zweite, die Israel an die Seite der modernen 



[465] "Welthoffnung der Auserwahltheit" 

Nation Stelle. Und schlieBlich eine dritte, die auch die Ansicht Rubers sei, die Israel iiber den 
Nationen zeige. 

Dazu bemerkte das Frankfurter Zentralblatt der Orthodoxie, "Der Israelit"*: "Das ist es ja, 
was wir seit Jahr und Tag sagen und womit wir unsere ablehnende Stellung zum modernen 
Zionismus begriinden, daB er nicht Israel iiber die Nationen stellt, sondern "Der Israelit" lehrt. 
Ware die zionistische Ideologic von dem Gedanken der Auserwahlten Israels, mit 
prophetischer Mission fiihrend an der spitze der Volker zu marschieren, befruchtet, wiirde 
Buber, der erfolgreiche Vermittler des biblischen Wortes und Gedankens, die iibernationale 
Aufgabe Israels so verstehen, wie er sie von den Propheten gelernt haben miiBte, und riickten 
dann diese Worte, so verstanden, als Programmpunkte ins Zentrum des zionistischen Denkens 
und Geschehens, wir hatten kaum noch einen Grund, im Zionismus eine gegensatzliche 
Auffassung der jiidischen Nation, ihrer Welthoffnung und Weltaufgabe zu sehen und zu 
bekampfen." 

Diese "Welthoffnung" der "Auserwahltheit" muB aber darin bestehen, an alle Nationen 
angesaugt zu leben und Jerusalem nur als ein zeitweiliges Beratungszentrum auszugestalten, 
von dem aus die jahrtausendalten Instinkte durch ausgebaute Vernunftplane gestarkt werden 
konnten. somit ware dann der Zionismus keine staatspolitische Bewegung, wie 
unverbesserliche europaische Schwarmer vermuten, sondern eine wesentliche Starkung 
gerade der horizontalen Schmarotzerschicht des geistigen und stofflichen Zwischenhandels. 
Die Begeisterung des Zionisten Holitscher fur das Moskauer Rassenchaos ist deshalb ebenso 
bezeichnend, wie die Untersuchungen des Zionisten Buber, der Proasiatismus des Zionisten 
Hoflich, die 

* Nr. 33 vom 15. August 1919. 



[466] Der romische Mythus 

Einheitserfassung des Vater Jakob mit Rosa Luxemburg durch den Zionisten Fritz Kohn. 

Der alte Mythus der Auserwahltheit ziichtet eine neue Typik des Schmarotzers heran mit 
Hilfe der Technik unserer Zeit und der Allerweltszivilisation einer seelenlos gewordenen 
Welt*. 



Die Macht der romischen Kirche ruht auf dem Glauben der Katholiken an die Stellvertretung 
Gottes durch den Papst. Diesen Mythus durchzusetzen und zu erhalten dienten und dienen s a 



m 1 1 i c h e Handlungen und Lehrsatze des Vatikans und seiner Diener. Der Mythus der 
Stellvertreterschaft Gottes konnte keine Rasse oder Nation als einen Hochstwert anerkennen, 
sondern nur die GroBe der Liebe und Demut der Anhangerschaft dem Gott stellvertretenden 
Papst gegeniiber, Fiir diese Unterwerfung wurde die ewige Seligkeit versprochen. Im Wesen 
des romischen (syrisch-jiidisch-alpinen) Mythus liegt also die Vemeinung der Personlichkeit 
als der eigenartigsten Hochzuchtform einer Rasse, damit aber auch die 
Minderwertigkeitserktarung des Volkstums schlechtweg. Rasse, Volk, Personlichkeit sind 
Mittel, die dem Stellvertreter Gottes und seiner Weltmacht zu dienen haben. Rom kennt 
deshalb notwendigerweise auch keine organische Raumpolitik, sondern nur ein Zentrum und 
die Diaspora als Gemeinde der Glaubigen. Richtschnur fiir den der Pflicht seinem Mythus 
gegeniiber bewuBten Papst kann deshalb nur sein, wechselseitig die Diaspora durch das 
Zentrum zu starken, das Ansehen des Zentrums durch Erfolge in der Diaspora zu heben. 

* Es ist hier nicht der Ort, die Judenfrage erschopfend zu behandeln. Ich verweise aufmeine 
Schriften: "Die Spur des Judenim Wandel der Zeiten", "Unmoral im Talmud", "Der 
staatsfeindliche Zionismus", "Die internationale Hochfinanz". 



[467] Weltstaat glaubiger Seelen 

Als Weltstaat der glaubigen Seelen ist Rom ohne Staatsgebiet, bzw. fordert es dies nur als 
Symbol auch fiir das "Recht" auf irdische Herrschaft. Es ist also auch hier befreit von alien 
mit Raum und Blut und Boden verwachsenen Willensregungen. Wie der echte Jude nur die 
"Reinen" und "Unreinen", der Mohammedaner nur den Glaubigen und den Unglaubigen sieht, 
so Rom nur den Katholiken (den es gleich Christen setzt) und den Nichtkatholiken 
("Heiden"). Der Vatikan hat also im Dienst seines Mythus sowohl die Religions- wie die 
nationalen und Klassenkampfe, dynastische und wirtschaftliche Streitigkeiten nur vom 
Gesichtspunkt zu beurteilen, ob die Vemichtung einer nichtkatholischen Religion, Nation, 
Klasse nsw. der Gesamtzahl der Katholiken - gleich ob weiB, ob schwarz, ob gelb - einen 
Zuwachs an Macht verspricht. In diesem Fall hat es die Glaubigen mit Kampfeswillen zu 
erfiillen. Die Werkzeuge Roms haben zeitweise die Idee des absoluten Konigtums vertreten, 
als dies fiir zweckmaBig gehalten wurde oder als der Druck der Welt ein Nachgeben 
erforderte, um ebenso unbekiimmert nach Anderung in der Weltstimmung im 18. Jahrhundert 
die Idee der Volkssouveranitat zu verkiinden. sie waren fiir Thron und Altar, aber auch fiir 
Republik und Borse, als diese Haltung Machtzuwachs versprach. sie waren chauvinistisch bis 
zur letzten Moglichkeit, oder predigten den Pazifismus als echtes Christentum, wenn das 
betreffende Volk oder die betreffende Klasse zermiirbt, zerrieben werden sollte. 

Dabei ist es gar nicht notwendig, daB die Werkzeuge des Vatikans - Nuntien, Kardinale, 
Bischofe usw. - bewuBte Liigner und Betriiger waren, sie konnen, im Gegenteil, personlich 
tadellose Menschen gewesen sein, aber der Vatikan sorgte nach klarer Einschatzung der in 
Betracht kommenden Personlichkeiten dafiir, daB z. B. nach Paris ein Nuntius kam, der ohne 
Hemmungen im Verein mit dem "Institut catholique" erklaren konnte, wider 



[468] Christentum - ein Mittel zum Zweck 

Frankreich streiten, heiBe wider Gott kampfen, er sorgte fiir die Erhohung des 
leidenschaftlichen Belgiers Mercier, der seine katholischen Volksgenossen zum Widerstand 



gegen die protestantischen preuBischen "Barbaren" aufpeitschte, aber auch dafiir, daB auf 
hohe Posten in Deutschland hingegen Pazifisten gesetzt wurden. so kommt es auch, daB Z. B. 
der eine Jesuit im Namen des Christentums HaB und wieder HaB predigt, der Angehorige des 
gleichen Ordens in einem anderen Lande aber den HaB als unchristlich verwirft und Demut 
und Unterwerfung fordert. 

Soviel Falschheit im einzelnen auch unterlaufen mag, auf den romischen Mythus als Achse 
alles Geschehens bezogen, ist das romische Handeln nur folgerichtig und sentimentalem 
Moralisieren enthoben ... Denn "das Christentum" gibt es ebensowenig, wie es "die 
Wirtschaft", "die Politik" als MaBstab an sich gibt. Das eine wie das andere ist ein Mittel, um 
bestimmt eingestellte Seel en an den Mythus der Stellvertretung Gottes auf Erben zu binden. 
Wie die zeitweiligen Losungen zu lauten haben, ist eine Frage der ZweckmaBigkeit, der 
zentrale Mythus bestimmt alles iibrige. Sein restloser Sieg wiirde bedeuten, daB eine 
Priesterkaste iiber einen Milliardenhaufen von Menschen herrscht, der rasselos, willenlos, als 
kommunistisch gegliedertes Gemeinwesen sein Dasein als Geschenk Gottes, vermittelt durch 
den allmachtigen Medizinmann, betrachtet. so etwa, wie es einst die Jesuiten in Paraguay 
durchzufiihren versucht hatten. 

Diesem rasse- und personlichkeitslosen System* dienen heute noch Millionen, ohne es zu 
wissen und zu begreifen, well sie alle auch national-, raum- oder klassenpolitisch gebunden 
sind und eine stellenweis vorhandene Forderung ihrer Eigeninteressen als echtes Wohlwollen 
seitens des 

* Wie die Wahrheit manchmal sogar ungewollt grofiromischen Parteigdngern entschliipft, 
zeigt nachstehende hochinteressante Auslassung des Herausgebers der streng kirchlichen 
"Schoneren Zukunft", Dr. Josef Eberle in Wien. Anldfilich des Zwistes zwischen der 
mexikanischen Regierung und der romischen Kirche 1926 schrieb Eberle in Nr. 46 vom 2. 
August 1926 genannter Zeitschrift: "KirchenstUrme sindinMexiko nichts Neues, sind seit 
etwa hundert Jahren, seit AbschUttelung der spanischen Herrschaft und eines starken 
autoritativen Regimes immer wieder an der Tagesordnung. Es liegen in den 
Bevolkerungsverhdltnissen selber gewisse Voraussetzungenftir religios-kulturelle Wirren. 
Gratia supponit naturam = die Pflege des iibernaturlichen Lebens setzt voraus geordnete 
nattirliche Verhdltnisse. Diefehlen in einem Lande, das einen Bevolkerungsmischmasch - 19 
Prozent Weifie, 38 Prozent Indianer, 43 Prozent Mischlinge - und das stdndige Ringen dieser 
schichten miteinander Zeigt. 

Diese Rassenmischung ist wohl eine Mitursache dafiir, dafi in Mexiko wie auch in gewissen 
anderen amerikanischen Stidstaaten das Christentum, der KathoUzismus, im 
Durchschnittsvolkstypus nichtjene Hochstufe wie anderswo erreicht, weshalb diese 
amerikanischen Stidstaaten ja vielfach auf die Pastoration durch Auslandsklerus angewiesen 
sind. " 

Diese Worte eines Menschen, der die Idee eines Nationalstaates seit Jahren als antichristlich 
bekdmpft, stellen einen Angriff auf die romische Weltanschauung dar, wie er schdrfer nicht 
denkbar ist: denn durch dieses Bekenntnis eines fanatischen kirchlich-katholischen 
Parteigdngers wird deutlich, dafi nicht der romische Glaube die geistige und sittliche Hohe 
eines Voltes bestimmt, sondern dafi erst der rassisch hochwertige Mensch aus diesem 
romischen Glauben etwas Wertvolles erschafft. Die rassenzerfetzende romische Kirche 
braucht also, wo sie gestalten will, immer noch starke rassische Krdfte, wdhrend sie selbst die 
Rassen und Volker durch ihr Dogma zu vernichten bestrebt ist. Zur gleichen Zeitfast, als Dr. 
Eberle ungewollt oben angeftihrtes Bekenntnis zum Rassegedanken nieder schrieb, fund in 



Chicago der grofie Euchatistische Kongrefi statt, an dem "Katholiken" aller Rassen 
teilnahmen. Den Niggern gehort in Chicago z. B. eine grofie Kathedrale und ein schwarzer 
Bischof Zelebrierte dort die heihge Messe! Das bedeutet Ziichtung jener 
Bastarderscheinungen, die in Mexiko, in Siidamerika, in Siiditahen zu beobachten sind, fUr 
alle Erbteile. Hier gehen Rom undJudentum Arm in Arm. 



[469] Priestertypus dient dem Medizinmannmythus 

Vatikans betrachten, was darzustellen die Nuntien an dem betreffenden Ort berufen und 
beauftragt sind. 

DaB diese romische Politik durch andere Krafte durchkreuzt wird, ihnen oft auch auBerlich 
nachgeben muB, wenn ein anderer Hochstwert als die Liebe zu Rom in den Seelen 
emporwachst, andert am Wesen und Willen des Vatikans nichts, solange der Mythus von der 
Stellvertretung Gottes und damit der Machtanspruch iiber alle Seelen besteht. Erst diese 
zentrale Erkenntnis macht die Jesuiten-, Kardinals- und Pralatenpolitik der Jahrhunderte 
verstandlich: der Priestertypus diente dem Medizinmann-Mythus in Kirche, Kunst, Politik, 
Wissenschaft und Erziehung. 



Das Ungliick, welches heute iiber die Welt gekommen 



[470] Pius IX. gegen Deutschland 

ist, hat viele auch aufrechte Menschen gebrochen. AuBerlich und innerlich zu Boden 
gezwungen, suchen Millionen Halt an unbeweglich geblichenen Typen. Diese Zerrissenheit 
der Seelen hat sich der romische Mythus zunutze gemacht; so kommt es, daB die einst dank 
der germanischen Kraft der romischen Zucht entschliipften vorarischen Schichten nun wieder 
zum alien Glauben hinneigen und selbst in die predigt von der Berechtigung der 
Weltherrschaft des Zauberers von Rom iiber unser Volk mit einstimmen. 

Derselbe Papst, dem Europa die entehrendste Urkunde aller Zeiten verdankt, Pius IX., sprach 
einmal ein Wort, das ohne Zweifel als eine offene Auswirkung des romischen Mythus 
anzusehen ist. Am 18. Januar 1874 (also am Jahrestag der Griindung des Deutschen Reiches) 
erklarte er in einer Versammlung von internationalen Pilgem: Bismarck sei die Schlange im 
Paradiese der Menschheit. Durch diese Schlange werde das deutsche Volk verfiihrt, mehr sein 
zu wollen als Gott selbst, und dieser Selbstiiberhebung werde eine Emiedrigung folgen, wie 



[471] "Jesuiten, die Fiihrer der Sozialdemokratie" 

noch kein Volk sie habe kosten miissen. Nur der Ewige wisse, ob nicht "das Sandkorn an den 
Bergen der ewigen Vergeltung" sich schon gelost habe, das, im Niedergange zum Bergsturz 
wachsend, in einigen Jahren an die tonernen FiiBe dieses Reiches anrennen und es in 
Triimmer wandeln werde, dieses Reich, das, wie der Turm zu Babel "Gott zum Trotz" 
errichtet worden sei, und "zur Verherrlichung Gottes" vergehen werde. 



An dieser "ewigen Vergeltung" zwecks "Verherrlichung Gottes" arbeiteten die auf den 
romischen Mythus eingeschworenen Diplomaten eifrig, ganz wie zu Zeiten Karls des GroBen, 
Otto I., Ferdinand II. So konnte es kommen, daB die Zentrumspartei in Deutschland sich 
durchaus treu blieb, als sie vom Schutz des Throns und des Altars zum Biindnis mit den 
religionsfeindlichen Marxisten iiberging, wie es Bismarck 1887 bereits vorhergesagt hatte, als 
er im Reichstag erklarte, die Jesuiten wiirden einst die Fiihrer der Sozialdemokratie werden. 
Im Dienst der "ewigen Vergeltung" forderte das Zentrum die "Waffenbriiderschaft" mit 
Marxisten gegen das protestantische Kaisertum, und in den Schicksalstagen 1914 spomte der 
"Friedenspapst" Benedikt XV. das katholische Osterreich-Ungarn an, um aus einem 
Weltkrieg zu gewinnen, den russischen Haretiker ebenso zu stiirzen wie den Staat der 
"Schlange im Paradiese". DaB dabei Millionen treuglaubiger Katholiken geopfert werden 
muBten, war, wie bei jedem groBen Schlachtplan, nicht zu vermeiden. 

Man sieht an diesen und tausend anderen Beispielen gleichsam symbolisch Ursache und 
Wirkung am Werk. Ursache war die aus dem romischen Mythus stammende Anschauung Pius 
IX., daB das neue Deutsche Reich zerschmettert werden miisse, eine Anschauung, die in den 
bekannten Worten Benedikt XV., er bedauere, nur Franzose dem Herzen nach zu sein, ebenso 
deutlich hervortritt, wie aus den Schriften etwa des kleinen Pfarrers Dr. Monius, 



[472] Ruckkehr zum Mittelalter 

der die Tatsache der belgischen Franktireurs bestreitet, die deutschen Soldaten aber als 
Altarschander und Banditen hinstellt und freudig erklart, der katholische Volksteil in 
Deutschland verhindere die Bildung eines Nationalstaates. 

Es handelt sich also bei der Forderung des Zusammenbruches des Deutschen Reiches nicht 
nur um die alljiidische Borsenpolitik eines weltverbundenen Schmarotzerinstinkts, sondern 
auch um ein altromisches, mythisches, syrisch-vorderasiatisches, unentrinnbar festgelegtes 
Streben. Ein verbliiffendes Bekenntnis hierzu brachte Ende 1924 das Zentrumsorgan, die 
"Germania"; sie schrieb: wer die grundsatzlichen Linien in der Haltung der Zentrumspartei 
seit 1917 (!) aufsuchen wolle, moge sich bewuBt sein, daB diese Haltung prominente 
Katholiken bestimmten, die mit ihrem politischen Wollen und Handeln nicht aus der 
katholischen Grundhaltung herausgefallen seien. Was durchaus richtig ist: indem sie das 
deutsche, arteigene MachtbewuBtsein unterhohlten, dienten die Zentrum sfiihrer dem 
rasselosen romischen Mythus gegen das evangelische, iiberhaupt germanische Ketzertum 
Welter hieB es: gerade der Katholik in PreuBen hatte in einer ganz anderen Umwelt gestanden 
als etwa der Katholik in Bay em. Seine Arbeit seit 1917 sei wohl im tiefsten als eine 
"Uberwindung der brandenburgisch-preuBischen Geschichte-Psychose" zu verstehen und als 
ein Versuch zur Ruckkehr zu den Toren des mittelalterlichen Deutschtums. 

Diese Worte sollte jeder Deutsche kennen, damit er versteht, was seit 1500 Jahren und heute 
in der Welt vor sich geht. 1917 begann die offene Zersetzungsarbeit durch den Reichstag, als 
Zentrum, Demokraten und Marxisten ihre Unfriedensresolution durchsetzten. 1917 beging 
Erzberger seine "Indiskretion", durch die Czernins Brief der Entente bekannt wurde, wahrend 
der ehrenwortbriichige Kaiser Karl den Verrat mit Poincaree betrieb*. 

* Siehe Fester: "Die Politik Kaiser Karls ". 



[473] Ein Philosoph des Rassenchaos 

Dies wird als katholische Politik bezeichnet. Und wenn die "Germania" fiir PreuBen ein 
anderes "Milieu" feststellt, welches auch eine andere Haltung katholischer Politiker bedinge, 
so ist mit der ersten Bemerkung die nordische Umwelt mit bewuBter nationaler Ehre gemeint. 
Das Deutsche Reich Friedrichs des GroBen und Bismarcks gait es zu "iiberwinden" und mit 
Hilfe der verbiindeten alljiidischen Borsenparteien den protestantischen Norden zu zersetzen. 
In Bayem, im "anderen Milieu", muBte man folgerichtig eine konservativere volkserhaltende 
Politik fiihren, da es hier gait, die eigene Konfession zu schiitzen. Die "Einheitspolitik" des 
Zentrums und die "foderalistische" Politik des Ablegers in Bayem dienten bis zum Siege 
Adolf Hitlers dabei beide einem und demselben Ziel: der Starkung des syrisch-romischen 
Zentralismus. 

Der klassische Philosoph dieses Pseudofoderalismus, der es gar untemahm, sich groBdeutsch, 
anstatt groBromisch zu nennen, ist bekanntlich Konstantin Frantz. In seiner Schrift "Die 
Religion des Nationalliberalismus" sagte er, die Basis der europaischen Volkervereinigung 
solle Deutschland sein, in politischer wie in kirchlicher Hinsicht, und darum auch die 
Pflegestatte universeller Bildung. Statt dessen wolle man es zu einem abgeschlossenen 
Nationalkorper gestalten, fiir welchen es auch nur eine Nationalbildung gabe, die selbst der 
Macht und Einheit diene. Entsetzlich! Diese Tatsache, die sich aus der Zerstorung des alien 
Bundes ergebe, sei der universale Charakter, welchen die deutschen Angel egenhei ten 
naturnotwendig hatten. Man konne Deutschland nicht zu einem Lande machen, wie etwa 
Frankreich oder Italien. Der Kern und das Vorbild einer sich allmahlich entwickelnden 
europaischen Federation solle Deutschland sein und werden - das sei seine Bestimmung. Es 
firagi sich nun: wer bestimmt denn das? Deutschland oder ein fremder Herr iiber uns? 



[474] Pius XL gegen den "Abfall" 

Weiter meint Frantz, der Foderalismus schlieBe nicht aus, sondern ein, er wolle nichts 
besonderes fiir sich, sondern immer zugleich fiir alle. Nichts von der beschrankten 
Selbstgeniigsamkeit des Partikularismus - er gehe auf das Ganze und GroBe. Er strebe nach 
Einheit, aber durch eine freie Einigung der Glieder auf der Basis geistiger Gemeinschaft: 
"Anstatt der Zentralisation also vielmehr die Konzentration als ein Zusammenwirken 
selbstandiger Lebenskreise, von welchen jeder in seiner Weise fortbesteht und dadurch dem 
Ganzen am besten dient." 

Hier sind wir am Kernpunkt angelangt: das deutsche Volk soil sich "foderalistisch" einer 
"Ganzheit" eingliedern. Und dieses "Ganze", fiir das Deutschland ein Mittel zum Zweck der 
"konzentrierten" Herrschaft sein soil, bedeutet die Weltpolitik des Vatikans. Mit anderen 
Worten, es soil der Versuch gemacht werden, das blutige miBgliickte Experiment des 
konfessionellen rasselosen Weltstaates nochmals durchzufiihren. Wir sollen dazu das 
Versuchsobjekt abgeben; alles das, was mit dem Herzblut unserer Besten als Nationalkultur 
erworben wurde, hinwerfen, den Konfessionskrieg aufs Papier schreiben (wieder im Namen 
Gottes und der Liebe) und damit bekraftigen, daB wir uns selbst aufgegeben haben. 

Der Aufsatz der "Germania" spricht (im Jahre 1924) off en von der Riickkehr zum Mittelalter. 
Wer das gerade damals abgeschlossene bayerische Konkordat verstanden hat, weiB, daB es 
den ersten offenen Schritt bedeutete, die Erfolge des "groBen Katholiken" Erzberger (so hieB 



es in seiner Grabrede) heimzuholen und Bayem zum Sprungbrett fur die Wiedereroberung 
Deutschlands, d.h. zum Herd fiir den Konfessionshader auszubauen. 

Durch Revolution zum Mi ttel alter! Eine merkwiirdige Losung! Papst Pius XL sagte (getreu 
der Politik Pius IX.) am 23. Mai 1923 im Konsistorium, DaB der deutsche Katholizismus 
"sowohl mitten im Toben 



[475] Die uniiberbriickbare Kluft 

des Weltkrieges, wie auch unter den jetzigen verwickelten Verhaltnissen seinen Eifer, seine 
Tatkraft und sein Organisationsgeschick dafiir eingesetzt habe, den "traurigen Abfall von der 
romischen Kirche, der vor 400 Jahren stattfand, wieder wettzumachen". Das ist deutlich. Der 
"Bayer. Kurier", das Organ des bayerischen Zentrums, aber drohte uns alien unverbliimt in 
einer Weise, daB man sich wundern muB, daB folgende Worte fast ungehort verhallt sind. Er 
schrieb am 5. Juli 1923: "Es wirkt eine immanente Gerechtigkeit in der Weltgeschichte, die zu 
strafen und zu rachen weiB, wie sie auch das deutsche Volk erreicht hat, well es sich nicht 
beugen wollte der gottgesetzten Autoritat, ein Unterfangen, das nun schon seit vier 
Jahrhunderten alle Not iiber die deutschen Lande brachte, und das die deutsche Nation dem 
Untergang weiht, wenn sie nicht noch in letzter Stunde aus der Geschichte zu lemen weiB." 



Also: entweder unterwirft sich das deutsche Volk dem Spruche einer auswartigen 
Macht, Oder die "rachende Gerechtigkeit" wird es von der Erde vertilgen. 



:j 



Die,, Augsburger Postzeitung", ein fiihrendes siidkatholisches Blatt, schrieb im getreuen 
Dienst des romischen Mythus am 16. Marz 1924 in einer Polemik gegen Ludendorff: "sie (die 
katholische Kirche) ist die einzige religiose Einrichtung groBen Stils - die einzige Einrichtung 
fast iiberhaupt auf Erden - die sich nie dem Staate unterordnete ... Darum sind ihre Bande 
heiliger als die des Volkes, ihre Ordnungen hoher als die des Staates. Den Volkischen ist Staat 
oder Volk das Absolute, der hochste Wert und Zweck." 

Auch hier wird mit dankenswerter Offenheit jene uniiberbriickbare Kluft gekennzeichnet, 
welche zwischen dem deutschen Menschen schlechtweg und den Machtanspriichen eines 
fremden Mythus und seiner Institution liegt, deren Zentrum sich auBerhalb Deutschlands 
befmdet, wobei noch 



[476] Protestantismus "Beleidigung Gottes" 

ausdriicklich anerkannt wird, daB Staat und Volk fiir dieses Zentrum nur eine untergeordnete 
Bedeutung besitzen. Zu gleicher Zeit wird mit aller Eindeutigkeit die Uberberechtigung 
kirchlicher Interessen iiber staatliche und volkliche gefordert, d.h. das Recht auf Hoch- und 
Landesverrat im Namen eines hoheren Ideals gegeniiber einem minderwertigen. Der 
nordische Typus soil sich dem romischen Schema, der nordische Mythus dem romischen 
Zauber unterwerfen. In dieser Scharfe wollen sich jedoch viele gute deutsche Menschen das 
Problem im Falle eines Konfliktes mit kirchlichen Machtinteressen nicht vorstellen aus 
angeborener Feigheit oder Bequemlichkeit. Tatsachlich riihrt aber dieses Problem Tag fiir Tag 
an die Lebensinteressen eines jeden Deutschen, und die Entscheidung, ob er fiir kirchliche 
Machtanspriiche oder deutsche Notwendigkeiten sich in erster Linie einsetzen soil, wird 



keinem erspart bleiben, um so mehr, als die schwarze Presse ausdriicklich das Vorrecht 
kirchlicher Machtpolitik (nicht etwa kirchlicher Seelsorge) in Anspruch nimmt. 

Die Politik Pius XL steht folgerichtigerweise ganz eindeutig im Zeichen einer neuen alle 
Instinkte der Inquisition aufpeitschenden Gegenreformation: um das germanische 
Deutschland fiir immer zu brechen. Gleich in seiner Antrittsrede hatte er den "triiben Geist der 
Reformation" fiir alle "Rebellionen seit vier Jahrhunderten" verantwortlich gemacht. Luther 
hatte die christlichen Sitten zerriittet (die Verlotterung der damaligen Kirche war also 
"christliche Sitte") und hatte sich zwischen Seele und Gott gesetzt. Diese Stoning des 
geistigen Vermittlergeschafts kann die romische Kirche natiirlich nicht verschmerzen. 

Im Dezember 1929 jubelte Papst Pius iiber den Verfall des Protestantismus, um doch wenige 
Monate spater seinem Unwillen iiber das Fortschreiten dieses Protestantismus in R o m 
Ausdruck zu geben und ihn dreist als eine "Beleidigung des gottlichen Stifters der 



[477] "Wiederherstellung der Latinitat" 

katholischen Kirche" hinzustellen. In der Weihnachtsrede 1930 nannte der Papst den 
Protestantismus hinterlistig, versteckt, aber zugleich auch kiihn und unverschamt, um am 16. 
Marz 193 1 die Hohe der Hetze zu erklimmen, indem er alle akatholischen und 
protestantischen Bekenntnisse als "iiberlebtes Ketzertum" zu bezeichnen wagte. Da die Welt 
es hier nicht mit einem kleinen Hetzkaplan, sondem mit dem Oberhaupt aller Katholiken zu 
tun hat, das seine Worte zu wagen pflegt, so bedeuten alle diese Ausfalle nichts anderes als 
ein bewuBtes Aufpeitschen von iiber hundert Millionen Menschen mit dem Zweck, die 
errungenen Machtstellungen durch einen einkreisenden Angriff auf den Protestantismus 
welter auszubauen. Dadurch enthiillt sich das wahre Wesen des "Konigtums Christi", der 
sogen. "Katholischen Aktion", der volkszermiirbenden pazifistischen Politik der 
Zentrumspartei, der Inbannerklarung des deutschen Nationalismus durch den romischen 
Episkopat in Deutschland, durch die bischoflichen Erklarungen gegen den Nationalismus 
iiberhaupt. Kein deutscher Katholik kann sich heute der furchtbaren Erkenntnis verschlieBen, 
daB die zielbewuBte, unsentimentale romische Politik sich mit dem marxistischen 
Untermenschentum und alien auBeren Feinden Deutschlands zusammengeschlossen hat, um 
das zu vollenden, was im November 1918 noch nicht ganz gelungen war. Die romische 
Politik opfert zur Erreichung dieses Zieles auch Existenz und Leben der gesamten heutigen 
katholischen Generation, um die nachfolgenden verkiimmerten Erben aller Deutschen unter 
ihre BotmaBigkeit zu zwingen. Das ist die "abendlandische Sendung", von der die 
katholischen Stimmen im Zentrum noch immer schwarmen, jene "Wiederherstellung der 
Latinitat" mit Hilfe der Zwangsdrohungen des uns leider noch feindlichen Frankreichs und 
seiner Bundesgenossen. 

Genau so wie die Presse des Zentrums spricht die fiihrende christlich-soziale Partei in 
Osterreich. Anfang 1921 



[478] Heinrich I. 

wurde in der Zeitschrift "Das neue Reich" das Prinzip des reinen Nationalstaates als direkt 
unchristlich bezeichnet. Man wird eben wahlen miissen! Und so kamen auch die Redner des 



Deutschen Katholikentages 1923 zu Konstanz zu dem Ergebnis, daB die groBte Haresie von 
heute jener "iibertriebene Nationalismus" sei, der auch schon die "schlimmsten Verheerungen 
und Verwiistungen" selbst in den Kopfen der Katholiken angerichtet habe. Eine Losung, die 
deutsche Bischofe alle Monate wiederholen. 

Diese Bekenntnisse, die sich leicht vertausendfachen lieBen, sind klar und eindeutig, aber sie 
werden verwischt, da von Zeit zu Zeit die Zentrumsfiihrer, wenn es nicht anders ging, 
geradezu von Vaterlandsliebe trieften und sich, da es wiedemm nicht anders ging, gar 
erdreisteten, zu erklaren, die Unterstiitzung kirchlicher Machtpohtik sei das eigentliche 
Deutsche. Aus dieser geistigen Einstellung heraus ergibt sich die Wiirdigung der deutschen 
Geschichte, die Ablehnung des Versuches, ein wirklich Deutsches Reich zu schaffen und das 
Bestreben, einen echt deutschen Typus fiir die Zukunft nie und nimmer zuzulassen. Das 
sogen. heilige romische Reich deutscher Nation, jenes Gebilde unorganischer Art, fiir welches 
Hunderttausende von Deutschen umsonst ihr Blut vergossen haben, wird heute mit 
marchenhafter Glorie umgeben und die Zeit des Mi ttel alters als eine Zeit des Friedens 
dargestellt, der sich daraus ergeben habe, daB die Kirche die Geschicke der Welt bestimmte. 
Auch wir verehren die groBen Gestalten deutscher Vergangenheit; auch wir sind stolz auf die 
Personlichkeiten, die damals Europa beherrschten. Aber wir sind stolz auf sie nicht als auf die 
Vertreter kirchlicher Machtanspriiche, sondern als Vertreter deutschen Blutes und des 
deutschen Machtwillens. Ein Heinrich I., welcher 925 die streitenden deutschen Stamme 
vereinte, eine Salbung durch den Papst ablehnte und den Rhein zu Deutschlands Strom 
machte, gilt uns als Verkiinder eines Deutschen Reiches; gleichfalls 



[479] Heinrich der Lowe 

als einer der groBten Manner unserer Geschichte erscheint Heinrich der Lowe, der mit der 
ganzen Macht einer starken Personlichkeit den Eroberungsfahrten nach Italien Einhalt zu 
gebieten versuchte, die Siedlung des Ostens begann, somit den ersten Grundstein legte fiir ein 
kommendes Deutsches Reich und die ersten Sicherheiten schuf fiir die Erhaltung und 
Starkung des deutschen Volkstums. Diese Bewunderung hindert uns aber nicht, das 
ungliickselige System des rasselosen GroBromischen Reiches abzulehnen, das 
zusammenbrechen muBte und zusammenbrach, als die anderen Volker Europas ihre 
National staaten griindeten. Diesen Mythus heute nochmals durchsetzen zu wollen, bedeutet 
ein Verbrechen am deutschen Volke, und wir kampfen alle fiir eine Zeit, da das Eintreten fiir 
diesen Gedanken von der gesamten Nation ebenso als ein Landesverrat betrachtet werden 
wird, wie der Versuch zur Aufrichtung einer bolschewistischen Weltrepublik. 

Diese AuBerungen der an den romischen Mythus gebundenen Menschen sind alle kein Zufall, 
sondern nur einige Symptome von Taufenden fiir die Wirksamkeit des romischen Gedankens 
der kirchlichen Weltherrschaft, der Liebe, Unterwerfung, knechtischen Gehorsam, 
Verleugnung national er Ehre im Namen des " Stellvertreters Christi" fordert. Das ist neben 
dem damonischen Judentum das Zweite fremdartige Zuchtsystem, welches seelisch-geistig 
iiberwunden werden muB, soil einst ein ehrbewuBtes deutsches Volk und eine echte 
Nationalkultur entstehen. 

Das Wesen der heutigen Wei tr evolution liegt im Erwachen der rassischen Typen. Nicht in 
Europa allein, sondern auf dem ganzen Erdenrund. Dieses Erwachen ist die organische 
Gegenbewegung gegen die letzten chaotischen Auslaufer des liberal-wirtschaftlichen 



Handlerimperialismus, dessen Ausbeutungsobjekte aus Verzweiflung dem bolschewistischen 
Marxismus ins Garn gingen, 



[480] Vom Sterben der alten Kirchen 

um zu vollenden, was die Demokratie begonnen hatte: die Ausrottung des Rasse- und 
VolksbewuBtseins. Die Lage des romischen Reiches beim Auftreten des Christentums war 
ahnlich wie die heutige Lage des Abendlandes. Der Glaube an die alten Gotter war dahin, die 
nordische Herrscherschicht war an Zersetzung fast gestorben, der Staatswille gebrochen. Kein 
typenbildendes Ideal beherrschte die Welt, dafiir aber tausend schwarmerische Lehrer aus 
alien Zonen. Inmitten dieses Chaos hatte eine "Religion der Liebe" nie siegen konnen. sie 
konnte zwar zu Opfem einzelner, zu Emporungen und Revolutionen fiihren, wie sie Paulus im 
Endziel erstrebte, als er seine hypnotisierenden predigten hielt, die hauptsachlich von 
leidenschaftlichen Frauen besucht waren; sie siegte aber als Form nur dank dem jiidischen 
Willen und dem ihm eigenen Fanatismus, der sich als Herrschsucht, Weltherrschaftssucht auf 
den erstiirmten Staat iibertrug. Heute sind die alten Gotter ebenfalls tot, der orientalische 
Glaube an den Kaiser "von Gottes Gnaden" ist unwiederbringlich dahin, die Vergotterung 
"des Staates" an sich ist gleichfalls verschwunden, well er ohne Inhalt zu einem blutleeren 
Schema geworden war. Es siegte die Demokratie, als sie sich selbst schon im Zustande 
parlamentarischer Verwesung befand. Die starren Kirchen geben dem Suchenden keine 
Befriedigung mehr und ein Heer von Sektierem sucht inneren Halt bei StraBenaposteln oder 
bei Zeltpredigern, die "ernst" die alte Judenbibel "erforschen", um sich und ihrer Gefolgschaft 
ein ewiges Leben hier auf der Erde zu prophezeien. Der rasselose Gedanke des 
Intemationalismus hat also einen Hohepunkt erreicht: Bolschewismus und Welttrusts sind 
seine Zeichen vor dem Untergange eines Zeitalters, wie es heuchlerischer und ehrloser die 
Geschichte Europas noch nicht gesehen hat. 

Das Chaos ist heute fast zum bewuBten Programmpunkt erhoben worden. Als letzte Folge 
eines demokratisch 



[481] Einen neuen Typus schaffen! 

zersetzten Zeitalters melden sich die naturentfremdeten Sendboten der Anarchic in alien 
GroBstadten aller Staaten. Der Ziindstoff ist vorhanden in Berlin genauso wie in New York, 
Paris, Shanghai und London. Als natiirliche Abwehr gegen diese Weltgefahr geht ein neues 
Erleben wie ein unfaBbares Fluidum iiber den Erdball, welches die Idee des Volkstums und 
der Rasse instinktiv und bewuBt ins Zentrum des Denkens stellt, verbunden mit den organisch 
gegebenen Hochstwerten einer jeden Nation, um welche ihr Fiihlen kreist, welche ihren 
Charakter und die Farbigkeit ihrer Kultur von je bestimmten. Als Aufgabe wird plotzlich von 
Millionen erfaBt, was zum Teil vergessen, zum Teil vernachlassigt worden war: einen Mythus 
zu erleben und einen Typus zu schaffen. Und aus diesem Typus heraus Staat und Leben zu 
bauen. Jetzt firagt es sich aber, wer inmitten eines Gesamtvolkes dazu berufen ist, die 
typenbildende Architektonik zu entwerfen und durchzusetzen. Damit ist ein Problem 
innerhalb der Rasse und des Volkstums beriihrt: die Geschlechterfrase. 



Der Mythus des 20. Jahrhunderts 

Alfred Rosenberg 

[482] bis [522] 

II. Der Staat und die Geschlechter 

1. 

Wir haben gesehen, wie hinter alien religiosen, moralischen und kiinstlerischen Werten 
rassisch bedingte Volker stehen, wie durch hemmungslose Vermischungen schlieBlich alle 
echten Werte getilgt werden, die Volksindividualitaten in einem Rassenchaos verschwinden, 
um als unschopferisches Gemengsel fortzuvegetieren oder aber, einem neuen, starken 
Rassenwillen dienstbar, geistig und stofflich Untertan zu werden. Innerhalb dieser 
weltumspannenden Gegensatze der Rassen und Seelen schwingt das Leben aber noch 
auBerdem um zwei Pole: den mannlichen und weiblichen. Sind die auBeren rassischen und 
tiefsten seelischen Merkmale, Richtungen und Wertgefiige von Mann und Weib eines 
artbedingten Volkes auch gleich, so hat die Natur neben den Polaritaten physikalisch- 
weltanschaulicher Art auch die geschlechtliche Polaritat geschaffen, um organische 
Spannungen, Zeugungen, Entladungen zu schaffen, als Vorbedingung einer jeglichen 
Schopfung. Aus dieser grundsatzlichen Einsicht ergibt sich zweierlei: daB gewisse 
Eigentumlichkeiten des Mannlichen und des Weiblichen, wenn auch auf verschiedenen 
Ebenen und innerhalb einer verschiedenen Typik, doch sich ahnlich sein werden gemaB den 
einfachen, urewigen Gesetzen der physischen Bauplane dieser Welt; dann aber auch, daB 
Versuche zur Aufhebung der geschlechtlich bedingten Spannungen notwendig eine 
Verringerung schopferischer Krafte im Gefolge haben miissen. Was 
Geschlechtskollektivismus im Falle der Rassenvermischung, das bedeutet Verwischung 



[483] GeschlechtUche Polaritat 

der Geschlechtsmerkmale innerhalb eines Rassentums, wobei, auBerlich betrachtet, das zweite 
als Folge der Predigt einer rassenlosen Menschheit erscheint. 

Man sollte meinen, daB die Anerkennung der allein die Schopfung erhaltenden, Spannung und 
Entladung erzeugenden Tatsache der geschlechtlichen Polaritat eine ewige, unerschiitterliche, 
well tausendfach belegte Uberzeugung sein miisse. Tatsachlich sind alle tieferen Denker 
dieser Anschauung gewesen, die als selbstverstandliche, sich aus dem Leben ergebende 
Folgerung die Feststellung zeitigt, daB der Mann auf alien Gebieten der Forschung, Erfmdung 
und Gestaltung dem Weibe iiberlegen ist, dessen Wert aber auf dem ebenso wichtigen, alles 
andere voraussetzenden Wert der Blutserhaltung und Rassenvermehrung beruht. In Zeiten der 
auBeren Katastrophen und inneren Zersetzung jedoch erhebt sich der feministische Mann mit 
dem emanzipierten Weib als Symbole eines kulturellen Verfalls und staatlichen Untergangs. 
Die Reden der Medea des Euripides sind von gleicher Art wie die Tiraden des Fraulein 
Stocker oder der MiB Pankhurst, ohne daB sich trotz aller Freiheiten der Frau wahrend 
Renaissance, Sonnenkonigszeit. Jakobinertum, Demokratie von heute etwas anderes gezeigt 
hatte, als was Aristoteles mit wenigen Worten ausdriickt: "Das Weibchen ist Weib kraft einer 
gewissen Fahigkeitslosigkeit." Das hatten die alten Mythendichter erkannt, als sie das in ein 
kosmisches Gesetz eingebettete Schicksal durch weibliche Wesen versinnbildlichten: die 



Germanen durch die Nornen, die Griechen aber durch die Moiren. Die Fahigkeitslosigkeit ist 
die Folge des auf das Pflanzenhafte und auf das Subjektive gerichteten Wesens. Es fehlt der 
Frau aller Rassen und Zeiten die Gewalt einer sowohl intuitiven als geistigen 
Zusammenschau: iiberall da, wo eine mythische Weltgestaltung, ein groBes Epos oder Drama, 
eine dem Kosmos nachforschende 



[484] Staat und Ehe 

wissenschaftliche Hypothese in der Weltgeschichte auftaucht, steht ein Mann als Schopfer 
dahinter. Dem alten arischen Inder ist es der Prajapati, d. h. der "Herr der Geschopfe", der 
diese Welt bildet, oder unmittelbar der Purusha, d. h. Mann und Geist; die Germanen formen 
aus dem Riesen Ymir Himmel und Erde und ein mannlicher Geist ist es iiberall, der gegen das 
Chaos eine Weltordnung gebiert. 

iiberall also, wo etwas Typisches und Typenzeugendes aufsteht, wirkt der Mann als die 
zeugende Ursache. Zwei der groBten mannlichen Akte der Geschichte aber heiBen Staat und 
Ehe. 

Der heutige Feminismus hat - ohne daB es der Verfasser wollte - in Bachofen eine 
Verklarung seines Wesens gefunden und manche angekrankelte Denker haben dessen bei 
alien interessanten Einzelheiten ausschweifende Phantasien iiber das Mutterrecht fiir bare 
geschichtliche Tatsachen genommen. So sehr er und alle ihm Verwandte darin recht haben, 
das Hetarentum als eine Form der Frauenherrschaft anzusprechen, so unrecht ist es, 
anzunehmen, als habe es staatliche Formen dieser Gynaekokratie gegeben. Bachofen z. B. 
scheut sich nicht, von einer hohen Stellung der Frau innerhalb einer Gemeinschaft auf 
"Matriarchat" zu schlieBen und sich dann hochst poesievoll dariiber auszulassen. Er versteigt 
sich z. B. sogar so weit, dies fiir Sparta angesichts der weiblichen Freiheiten innerhalb dieses 
rauhen Dorerstammes zu behaupten. Dabei bot gerade Sparta das Beispiel einer 
durchgebildetsten Staatsrason ohne jede weibliche Zutat. Die Konige und die Ephoren 
bildeten die absolute Macht, deren Wesen eben die Erhaltung und Ausbreitung dieser Macht 
durch Vermehrung und Stahlung der dorischen Oberschicht war. Zu diesem Zweck muBten 
auch die Frauen an gymnastischen spielen teilnehmen; im iibrigen aber war ihnen das Tragen 
goldenen Schmuckes ebenso 



[485] Staat aus Mannerbiinden entstanden 

verboten, wie zierliche Haarfrisuren. Wenn bei den Germanen die Frau hohe Achtung genoB, 
so nicht, well hier noch mutterrechtliche Zustande als "erste Stufe" fortwirkten, sondern im 
Gegenteil, well das Vaterrecht restlos verwirklicht war, das allein Stetigkeit gewahrleistete 
und infolge der rassischen Artung des nordischen Menschen mit groBter Achtung vor der Frau 
verbunden war. Von jener GroBmiitigkeit begleitet, die ein Teil jenes ewig forschenden, freien 
Wesens war, aber in Zeiten der Krisen auch Zur ungeheuren Gefahr fiir das Ganze zu werden 
vermag: das war damals, als einst die Emanzipation der Juden bewilligt wurde, das kam 
spater, als der Gedanke der politischen Frauenemanzipation auf staatlich-rechtlichem Gebiete 
als behandlungsfahig anerkannt wurde. 



Eine noch immer herrschende Ansicht besagt, die Zelle des Staates bilde die Familie. Diese 
Anschauung ist zu einem Zwangsglaubenssatz geworden, der sich angesichts der alle 
Familiengedanken zersetzenden marxistischen und demokratischen Bestrebungen immer 
erneut befestigt. Dieses Dogma triibt den Blick nicht nur fiir die Betrachtung der Frauenfrage, 
sondern iiberhaupt fiir die Beurteilung des Wesens der heutigen Erneuerungsbewegung und 
des neuen Staatsgedankens unserer Zukunft. 

Der Staat ist nirgends die Folge eines gemeinsamen Gedankens von Mann und Frau gewesen, 
sondern das Ergebnis des auf irgendeinen Zweck zielstrebig eingestellten Mannerbundes. Die 
Familie hat sich bald als starkere, bald als schwachere stiitze staatlicher und volkischer 
Architektonik erwiesen, ist sogar oft zielbewuBt in ihren Dienst gestellt worden, aber war 
nirgends die Ursache, noch die wichtigste Erhalterin eines staatlichen, das heiBt 
machtpolitischen und sozialen Gemeinwesens. 



[486] Die Zucht Agyptens 

Der erste, iiberall in der Welt entstehende Zweckverband ist der ZusammenschluB der Krieger 
einer Sippe, eines Stammes, einer Horde zwecks gemeinsamer Sicherung gegen eine firemde 
feindliche Umwelt. Beim Unterjochen des einen Stammes durch einen anderen wurde auch 
der eine besiegte kriegerische Zweckverband dem anderen, siegenden eingegliedert. So 
entstand der erste Keim des unbewuBt in der Idee vorhandenen Zweckverbandes "Staat". 
Alles, was wir gleichnishaft mit Rom, Sparta, Athen, Potsdam bezeichnen, nimmt vom 
kriegerischen Mannerbunde seinen Ausgang. 

Aber auch das ganze staatliche Wesen Chinas, Japans, Indiens, Persiens, Agyptens beruht auf 
diesem Urgrunde, der unter ruhigeren auBeren Verhaltnissen dann einen verschiedenartigen 
Charakter erhielt, jedoch im Kern stets ein Mannerbund blieb: und das bis zum Untergang der 
einen oder anderen Kultur. Den Untergang aber bedeutete die Auflosung des Gedankens eines 
mannlichen Zuchtsystems, einer mannlichen typenbildenden Norm. 

Agypten ging verbal tnismaBig schnell von dem kriegerischen Mannerbund zu einem 
technischen Verbande iiber, der lange Zeit den Stempel des gelehrten Schreibers und des 
Beamten trug, dann mehr und mehr durch den Priesterbund verdrangt wurde. Man hat 
Agypten deshalb den typischen Beamtenstaat genannt, oder den "Schreiber" als seinen 
wesentlichsten Typus hingestellt, in jedem Fall wurde eine ganz bestimmte technische Norm 
als MaBstab alles Handelns anerkannt, die typenziichtend durch Jahrtausende hindurch 
gewirkt hat. Die erste groBe Kulturlei stung des Nilreiches ist deshalb die Urbarmachung des 
Landes und die Ausnutzung der mit den Uberschwemmungen zusammenhangenden 
Bodenveranderungen, Stammnamen besitzt Agypten nicht, es kennt weder 
Geschlechterverbande noch Blutrache. Die Familie hat im groBartigen agyptischen 
Staatsgebilde fast gar keine Rolle 



[487] Die Lebensnormen Chinas 

gespielt; dieser agyptische Staatsgedanke des gelehrten Beamtentums ist dennoch von einer 
Jahrtausenden trotzenden Zahigkeit gewesen. Geziichtet aber wurde dieser Typus durch den 
Zweckverband der agyptischen Techniker, die Gelehrten, die "Schreiber", die iiber 



Stromreguliemng, Landbewassemng, atmospharische Einwirkungen, konigliche Bauplane 
nsw. zu beraten hatten, um dann durch den Priesterverband der ganzen Tatigkeit die religiose 
Weihe geben zu lassen "siehe, es gibt keinen stand, der nicht regiert wiirde, nur der Schreiber, 
der regiert selbst", heiBt es im Kernsatz der Lehre des Duauf. So ziichtete der gelehrte 
Techniker, der korrekte, aber nicht unbestechliche Schreiber eine staatliche Gemeinschaft. 

Etwas ahnliches sehen wir in China vor sich gehen Auch hier verwandelt sich der 
Kriegerbund in eine gelehrte Mannergesellschaft Nachdem Lao-tse und Konfuzius zusammen 
sich als Klassiker der chinesischen Seele durchgesetzt hatten, wurde ihre Moral- und 
Lebenslehre (wobei Konfuzius vollstandig iiberwog) MaB und Richtschnur fiir Staatsleben, 
Religion und wissenschaftliche Betatigung des chinesischen Volkes. Zur Erhaltung der Norm 
wandelte sich der Kriegerbund in eine auBerlich nur lose zusammenhangende Gesellschaft, 
die ihren beherrschenden Typus im gelehrten Mandarin fmdet. Dieser Typus beherrscht seit 
Jahrtausenden das Leben Chinas; kein hoherer Beamter, der nicht seine philosophische 
Priifung in der klassischen Lehre des Konfuzius abgelegt hatte. Dieses Zuchtsystem hat das 
chinesische Reich auch in Zeiten zusammengehalten, als der rein politische Verband durch 
Kriege und Revolutionen gelockert wurde: die durch ein offenbar rassisch bedingtes System 
zusammengehaltene Mannergesellschaft hat diese Zeiten iiberdauert. Bei China kommt 
allerdings noch der ganze Ahnenkult hinzu, der einen Zusammengehorigkeitsinstinkt 
wenigstens im Sippenglauben hochgeziichtet hat und in seiner Erdverbundenheit den 



[488] Die Kastenordnung Indiens 

dauerhaftesten Kitt des alten Chinas abgab und noch heute abgibt. Die Familie, von seiten des 
Einflusses der Frau betrachtet, hat zum chinesischen Gesellschafts- und Staatstypus so gut wie 
nichts beigetragen. 

Diese beiden, scheinbar etwas femliegenden Beispiele erfahren ihre Erganzung auch in den 
unbestritten von Ariem gegriindeten Reichen. Ganz klar zeigt sich dieses in der 
Kastenordnung Indiens. Den Lebensstil des alten Indiens bestimmte zunachst die 
Kriegerkaste, die Kschatryas. In den altvedischen Gesangen weht ein tapferer wehrhafter 
Geist, der sich bis auf die nachchristliche Verfallzeit hinaus erstreckt; ja bis auf heute sind die 
Radschputs (Kriegergeschlechter) ein rassisch immerhin noch arisch bedingter Fremdkorper 
im zerfetzten Indien Nach und nach ging aber die geistige Leitung des Volkes auf die 
Brahmanen iiber, die schlieBlich alle Inder geistig unter ihre Herrschaft brachten. 
Geheimwissen und zauberhafte Riten waren die stilbildenden Elemente, die sich derart stark 
durchsetzten, daB der Brahmanismus auch heute noch die bindende Kraft darstellt, der sich 
Hunderte von Millionen unterordnen. Dabei ist es charakteristisch, daB die Brahmanen (im 
Gegensatz z. B. zu den romischen Papsten) nie nach politischer Macht gestrebt haben, und 
doch war ihre Autoritat so groB, durch die Falschung eines alten Vedatextes die 
Witwenverbrennung einzufuhren, eine MaBnahme, die nur auf eine selbstherrliche 
Mannergeselllchaft zuriickgehen kann. Nirgends ist die Macht einer zwingenden, 
gestaltenden, architektonischen Idee starker in Erscheinung getreten, als im Typus des 
waffenlosen und doch herrschenden Brahmanen; bewundernswert bleibt auch die stilbildende 
Kraft seiner Philosophic, selbst als durch die schrankenlos weite und rassen-vemeinende All- 
Eins-Lehre die Vermischung mit den Eingeborenen gefordert wurde und dunkle Mischlinge 
zu hohen Amtern gelangten. 



[489] Die Ephebie in Hellas 

Ein anderes, ebenso anschauliches Beispiel fiir den Mannerbund als Keimzelle des Staates 
und Riickgrat eines Lebensstils bietet uns Hellas in seinen Typen, die mit den Namen Sparta 
und Athen umschrieben werden. Es hieBe Elementarweisheiten wiederholen, wollte man die 
Macht der Kriegervereinigung auf spartanisches Leben schildern; in Athen war es aber nicht 
wesentlich anders. Und als dort spater die Erkenntnis des Zerfalls wahrend der 
Demokratisierung einsichtigeren Mannern aufstieg, griff man in hochster Not auf die immer 
noch bestehenden Mannerbiinde zuriick. Die Angehorigen dieser Vereinigungen nennen sich 
nicht Familie und Sippe, sondern bezel chnen sich als,, Briider"; sie stellten auch im 
griechischen Leben eine ganz bewuBte Abkehr von den von Gefuhlen abhangigen 
Verwandtschaftsverkniipfungen dar. Hier in Athen tritt der Jugendbund, die Ephebie, an die 
erste Stelle, und es ist nicht Zufall, wenn Aristoteles die Darstellung der Verfassung Athens 
mit diesem verstaatlichten Jugendverbande beginnt. Diese Verstaatlichung bedeutete den kurz 
vor ihm durchgefuhrten Versuch der sich auflockernden individualistischen Demokratie, den 
urspriinglichen Zusammenhang des kriegerischen altgriechischen Mannerbundes 
wiederherzustellen*. Sie besagt in unserer Sprache nichts anderes als die Einfiihrung der 
allgemeinen militarischen Dienstpflicht fur alle jugendlichen freien Athener. Mit dem 18. 
Jahre wurden diese in Kasernen untergebracht, einheitlich uniformiert; Turnmeister und 
Erzieher wachten streng iiber die Einhaltung der Kraft und Einheit verbiirgenden Zucht. 
Dieser Verzweiflungsakt der griechischen Demokratie, die auf die bestehenden 
Jungmannerorganisationen zuriickgriff, im BewuBtsein, daB aus ihnen einst das athenische 
aristokratische Staatswesen entstanden war, er kam zu spat. Athens Kraft war durch 

^ Ndheres uber Typenzucht E. Krieck: "Menschenformung". 



[490] Der pater familias in Rom 

Demagogen, Sophisten, Demokraten, vom Frauentum emanzipierte Frauen und 
Rassenmischung zersetzt und muBte einem neuen kraftvollen Mannerbunde Platz machen: 
den Kriegern Alexanders des GroBen. Geht man noch tiefer, so wird man auch die 
athenischen Kiinstlergilden und die Philosophenschulen, auch die Stoa, als Mannerbunde 
anzusprechen haben, ohne die groBe Rolle der Orakelgottinnen im griechischen Leben zu 
iibersehen Gerade diese aber stellen die rein gefiihlsmaBige und nicht typenbildende Seite 
vorgriechischen Lebens dar; sie und der Dionysoskult hangen fraglos auch rassisch mit der 
unterjochten Schicht der Eingeborenen enger zusammen, wie denn auch Bacchus zum 
Symbol der griechischen Spatzeit heranwuchs. Bacchusfeste, Hetarenwirtschaft und 
demokratische Sklavenemanzipation waren die zersetzenden Krafte des griechischen 
Volkstums, des athenischen Staates, der hellenischen Kultur iiberhaupt. 

Ein sehr interessantes Verhaltnis zwischen Staat, Volk, Mannerbund und Familie konnen wir 
in Rom beobachten. Der Einzelne hort in Rom fast auf, Personlichkeit zu fein. Sein ganzer 
Dienst und sein ganzes Leben gehorten der Gemeinde. Das BewuBtsein der Macht und GroBe 
dieses Gemeinwesens bildete aber riickwirkend wiederum den Stolz, ja, das personliche 
Eigentum des Burgers. War er aber staatlich nur eine Zahl, so gait der privatrechtliche 
Individualismus unumschrankt. Hier setzt sich auch die "Familie" ein, die fraglos ein 
ungeheuer wichtiger Stein im Bau des romischen Staates gewesen ist. Diese "Familie" aber 
war bekanntlich nichts anderes als ein Werkzeug des "pater familias", der iiber Leib und 
Leben aller Mitglieder lebenslanglich verfiigte. Es herrschte also auch hier die unerbittlichste 



mannliche Zucht. Dieser Tyrannei des Familienoberhauptes entzog sich nur der erwachsene 
Sohn durch Eintritt in den Mannerbund: die Kurie, das Heer. Hier stand der Sohn dem Vater 



[491] Die romische Kirche ein Mannerbund 

gleichberechtigt, ja, manchmal sogar als Vorgesetzter gegeniiber. Diese beiden Machte 
glichen sich gegenseitig aus, wachten iiber die Staatsbiirgerzucht und schufen jenen starren 
romischen Typus, der die Welt eroberte, dessen Gesetze noch heute die Norm auch des 
abendlandischen Lebens bestimmen. Und hier ist gleich zu sagen: das kraB individualistische, 
privatkapitalistische romische Gesetz schuf die romische Kraft, hat aber - aus der arteigenen 
Umgebung gelost - zersetzend auf das germanische Wesen eingewirkt, und muB einmal 
ausgeschieden werden, wenn wir wieder gesunden wollen. 

Die Grundsatze des zusammenbrechenden Roms wurden von einem neuen, auf 
Weltherrschaft ausgehenden Mannerbund aufgenommen: von der katholischen Kirche. 

Das Christentum trat in die Weltgeschichte ein, getragen von einer groBen Personlichkeit, 
jedoch als rasselose Massenbewegung zunachst nur gefiihlsmaBig (emotionell) getrieben und 
staatsauflosend. Als es sich aber den Staat erobert hatte, begannen die Priester, ahnlich wie in 
Agypten und Indien, die Architektur des Gedankens auszubauen, sich als die 
alleinberechtigten Mittler zwischen Mensch und Gott auszugeben und die Geschichte aus 
diesem Gesichtspunkt zu - verbessem. Dieses schon geschilderte kirchliche System hat eine 
ungeheure Zuchtkraft bewiesen und wurde durch den Zolibat seiner Vertreter zu einem ganz e 
X t r e m e n Mannerbund ausgestaltet. Die Frauen galten und gelten bis heute nur als dienende 
Elemente, wobei durch die Einfiihrung des Isis-Maria-Kultes u. a. auch ihrem miitterlichen 
Empfmden Rechnung getragen wurde. Durch dieses Zulassen der gefuhlvollen Seite - 
beginnend mit duldender Hingabe und endigend in religioser Hysteric-, gepaart mit dem 
vollstandigen AusschluB des weiblichen Elements aus der Struktur des kirchlichen Gebaudes, 
hat das kirchlich-romische System des Mannerbundes seine Widerstandsfahigkeit 



[492] Germanisches Rittertum 

begriindet, wobei jedoch nicht iibersehen werden darf, daB die Typen des Brahmanen und des 
Mandarinen noch weit alter sind und gefestigter erscheinen als der Typus des romischen 
Priesters. 

DaB die Fiihrer mannlicher Vereinigungen iiberall bestrebt gewesen sind, ihre Herrschaft als 
von Gott gewollt hinzustellen, versteht sich von selbst. Das tat der agyptische Pharao ebenso 
wie der Brahmane, welcher kiihn erklarte, wer die Geheimnisse des Veda kenne und das 
Opferzeremoniell beherrsche, "in dessen Hand sind die Gotter". 

Die Idee des Gottesgnadentums wurde nun im Abendlande von einem ganz anders als das 
romische Priestertum gearteten Mannerbunde iibemommen: vom germanischen Rittertum, das 
im Kaisertum seine Gipfelung erreichte. Das Mittelalter bedeutet den qualvollen Versuch, 
Monchtum und Rittertum, diese beiden groBen Typen des Mannerverbandes, aneinander 
"anzugleichen", wobei jeder bemiiht war, sich den anderen dienstbar zu machen. 



Das romische System war seinem Wesen nach nicht nordisch, das Ritterwesen des 
Mittelalters deshalb auch nur eine Seite des Kampfes um die Ablosung von ihm. Die 
germanischen Stande und Gilden, die Stadtebiinde, die Hansa, usw. erscheinen als weitere 
Krafte, die sich vom romischen Gedanken frei machten. Der Protestantismus als 
gegenromische Gefiihlseinstellung entsprach deshalb einer iiber ganz Europa verbreiteten 
Stimmung, er war, wie selbst ein Gorres bekannte, das ethische Gewissen des germanischen 
Menschen. Aber die Reformation trug keine typenbildende Kraft in sich, sondem lockerte 
bloB den Boden fur den Nationalgedanken, der erst in unserer Zeit seine mythische Kraft zu 
entfalten beginnt. Es zeigt sich heute klar, daB das romische Zuchtsystem nur durch eine 
andere typenziichtende Kraft beseitigt werden konnte: diese 



[493] Das preuBische Offisierkorps 

erwuchs zuerst im Typus des preuBischen Offiziers, der sie sich 1914 erwies, der Typus des 
deutschen Soldaten geworden ist. Das preuBische, dann deutsche Heer war eines der 
grandiosesten Beispiele des architektonischen, dem nordischen Menschen entsprechenden, 
auf Ehre und Pflicht aufgebauten Mannerbundes. Deshalb hat sich natumotwendig gegen ihn 
der HaB der iibrigen gerichtet. 

Diese Beobachtungen lieBen sich noch beliebig lange eweitern: der deutsche 
Schwertritterorden, die Templer, der Freimaurerbund, der Jesuitenorden, der 
Rabbinerverband, der englische Klub, die deutschen Studenten-Korporationen, die deutschen 
Freikorps nach 1918, die S.A. der N.S.D.A.P. usw.; das alles sind sprechende Beispiele f iir 
die eine unumstoBliche Tatsache, daB ein staatlicher, volkischer, sozialer oder kirchlicher 
Typus, wie immer er in seinen Formen auch verschieden sein mag, fast ausschlieBlich auf 
einen Mannerbund und seine Zucht zuriickgeht. Die Frau, die Familie wird angegliedert oder 
ausgeschlossen, ihre Opferfahigkeit wird in den Dienst eines Typus gezwungen, und erst die 
Macht eines anderen Gedankens lost auch sie aus dem ziichtenden System, um sie als 
errgendes Element der Zersetzung zu gebrauchen, - wie in der hellenischen Demokratie, im 
spaten, rasselosen Rom, wie in der heutigen "Emanzipations"bewegung - oder um nach 
einem revolutionaren Ubergang ihre Kraft leidenshaftlicher Hingabe einem neuen, 
typenbildenden Ideal diestbar zu machen. 



Die Forderung auch nach der politischen Gleichberechtigung fur die Frauen war die 
natiirliche Folge der Gedanken der franzosischen Revolution. Diese trieb alle subjektiven 
Bestrebungen auf Grund ihrer sog. Menschenrechte auf die Spitze, und wie aus der Predigt 
der unsinnigen Menschengleichheit die Judenemanzipation folgte. 



[494] Beginn der "Emanzipation" 

so auch die "Befreiung der Frau aus der mannlichen Sklaverei". Die Forderung der heutigen 
Frauenemanzipation wurde im Namen eines schrankenlosen Individualismus erhoben, nicht 
im Namen einer neuen Synthese. Im Sinne des " Auslebens" wurde die Bewegung denn auch 
von der Gefolgschaft aufgefaBt. Hinzu kam nun aber als verstarkendes Moment die sich durch 
Welthandel und Uberindustrialisierung zuspitzende soziale Lage. Die Frauen waren 



gezwungen, ihren Mannem in der Fabrik behilflich ZU sein, um das Leben der Familie zu 
fristen; dieses verstarkte Angebot an Arbeitskraften verringerte den Lohn des Mannes noch 
mehr. Dadurch wurde die Junggesellenzeit unnatiirlich verlangert, was wiederum die Zahl der 
unverheirateten heiratsfahigen Frauen vergroBerte, andererseits die Prostitution hochziichtete. 
Hier hatte fiir den Staat eine seiner wichtigsten Aufgaben geharrt. Er war aber der 
anstiirmenden Industriealisierung und Proletarisierung nicht gewachsen, konnte es vielleicht 
auch nich sein. So erblickte die durchaus berechtigte Arbeiterbewegung in der Frau einen 
Leidensgenossen und machte ihre Sache gleichfalls zu einem Programmpunkt ihrer 
Bestrebungen. 

Der 1902 ins Leben gerufene "Verband fiir Frauenstimmrecht" verkiindete 1905 folgende 
Forderungen: Zulassung der Frau zu alien verantwortlichen Amtern in Gemeinde und Staat; 
Zuziehung der Frauen bei der Rechtspflege; kommunales und politisches Wahlrecht nsw. Das 
war der programmatische, bewuBte Griff nach dem Staat. 

Halten wir uns die anfangs dargestellte Tatsache vor Augen, daB in der ganzen 
Weltgeschichte Staat, soziale Architektonik, iiberhaupt jeder dauemde ZusammenschluB die 
Folge mannlichen Willens und mannlicher Zeugungskraft gewesen sind, so ist klar, daB ein 
grundsatzlich zugestandener, dauernder staatlicher EinfluB der Frau den 



[495] Das Frauenwahlrecht 

Beginn des offenkundigen Verfalls darstellen muB. Es kommt hier gar nicht auf den guten 
Willen zur "positiven Mitarbeit", auch nicht auf die eine oder andere tiichtige, ja groBe 
weibliche Personlichkeit, sondem auf das Wesen des Weibes an, das letzten Endes an alle 
Fragen lyrisch oder intellektuell, nicht architektonisch, herangeht, d. h. nur das einzelne 
betrachtend, atomistisch und nicht zusammenschauend. Unsere feministisch-demokratische 
"Humanitat", die den einzelnen Verbrecher bedauert, den Staat, das Volk, kurz, den Typus 
aber vergiBt, ist so recht der Nahrboden fiir alle Normen vemeinenden oder nur gefiihlsmaBig 
(emotionell) an ihnen teilhabenden Bestrebungen. 

Es ist bezeichnend fiir das Wesen der Vorkampferinnen eines "Frauenstaates", daB sich ihr 
Angriff (im Einklang mit der gesamten marxistischen und demokratischen Judenpresse) 
instinktiv gegen den "preuBischen Militarismus" richtete, d. h. gegen die ziichtende und 
typenschaffende Grundlage eines jeden Staates, solange es iiberhaupt Kultur en, Volker und 
Staaten gibt. So wurde z. B. England im allgem einen gelobt, weil es "keinen kontinentalen 
Militarismus" kenne (Schirmacher). Die Englander hatten aber noch bis 1832 den Frauen das 
politische, bis 1835 das kommunale Wahlrecht unter voller Gleichberechtigung mit den 
Mannem zugestanden, dann aber aus sehr stichhaltigen Griinden der Erfahrung wieder 
abgeschafft (erst 1929 aber unter dem neuen Andrang der Demokratie wieder eingefiihrt). Auf 
Deutschland und seine " Vergewaltigungen" sind die Emanzipierten nicht gut zu sprechen 
gewesen: "Keine unserer modemen Kulturnationen ist in der Lage, ihre politische Existenz 
einem kaum vor Menschenalter ausgefochtenen siegreichen Krieg zu verdanken. Jeder Krieg 
aber, jede Betonung und Forderung des Militarismus sind Verringerungen der Kulturmachte 
und des Fraueneinfluses". Fiir die Tatsache, daB jede Kultur 



[496] Streben nach Macht 



seit 8000 Jahren nur unter dem Schutz des Schwertes entstanden ist und rettungslos unterging, 
wo der unbedingte Wille zur Selbstbehauptung nicht mehr vorhanden war, haben die 
"Emanzipierten" keine Augen und kein Verstandnis. Wie der marxistisch Verseuchte nur 
seine Klasse, seinen Glaubensgenossen sieht, so die Emanzipierte nur die Frau. Nicht Frau 
und Mann, Schwert und Geist, Volk und Staat, Macht und Kultur. Und wie das mythen- und 
charakterlose 19. Jahrhundert hilflos dem Parlamentarismus, Marxismus, kurz, alien 
zersetzenden Kraften gegeniiber stand, so auch dem atomisierenden Feminismus 
demokratischer Politiker, die sich dabei besonders groBziigig vorkamen. 

Diese "GroBziigigkeit", besser Schwache der mannlichen typenbildenden Kraft, hat die 
Frauenbewegung denn auch ermutigt, das auszusprechen, worauf das Ganze hinauslauft: auf 
die Erringung der Macht. Macht ist siiB; nach ihr jagt die Frau ebenso wie der Mann, und daB 
weibliche Energien sich straffen, wenn die Manner miide werden, ist eine naturnotwendige 
Erscheinung. 

Zur Begriindung dieses allgemeinen Machtanspruches entstand eine ganze Literatur, die die 
"absolute Ebenbiirtigkeit der Frau nachweisen sollte, wobei die Tatsache, daB Frauen gebaren, 
in erfrischender Logik als Ursache der "grundsatzlichen" Gleichheit hingestellt wurde 
(Elbertskirchen). 

Verweist man nun auf die Geschichte als auf die Kronzeugin fur den Mangel der Frau an 
typenbildeder Kraft, so klagt diese iiber die gewaltsame Unterdriickung, die sie gehemmt 
habe, ohne zu merken, daB dies Zugeben allein schon entscheidend ist. Denn gerade die 
groBten mannlichen Genies sind oft Kinder der Armut und der Unterdriickung gewesen, 
trotzdem sind sie Herrscher und Menschenformer geworden. Nun liegt aber auBerdem in der 
Behauptung der Unterdriickung eine offensichtliche Geschichtsfalschung 



[497] Die mannliche synthetische Schau 

vor. Selbst im dunklen Mittelalter genossen die Edelfrauen eine bessere Erziehung, als die 
rauhen Ritter, die auf Kampf und Abenteuer zogen. Sie hatten auch MuBe genug gehabt, am 
hauslichen Herd Anatomic und Sternenkunde zu studieren. Trotzdem ist aus der Mitte dieser 
Frauen kein Walther von der Vogelweide, kein Wolfram, kein Roger Bacon erstanden, der als 
von der Kirche durch ganz Europa gehetzter Mensch einer der Begriinder unserer 
Wissenschaft wurde. Dazu hat es keiner "Macht" bedurft, sondern nur jenes ideenbildenden 
synthetischen Schauens, das einmal fur immer das Kennzeichen des mannlichen Wesens ist. 

Das Griechentum gab, wenn auch nicht der Gattin, so doch der Hetare geistige Freiheit. AuBer 
der lyrisch-sexuellen Sappho ist trotzdem nichts Nennenswertes entstanden, vielmehr war 
gerade diese Frauenfreiheit ein plastisches Zeichen des hellenischen Unterganges. Auch die 
Renaissance gab der Frau die gleichen Moglichkeiten wie dem Manne. Vittoria Colonna, 
Lukrezia Borgia, vielleicht noch die eine oder andere kennt die Geschichte unserer Kultur; die 
erste durch die Gedichte Michelangelos, die zweite durch ihre schrankenlose Triebhaftigkeit. 
Bleibende Werte des Genies zu schaffen, hat die Frau auch hier - unterlassen. 



Der Einbruch der Frauenbewegung in die zusammenbrechende Welt des 19. Jahrhunderts ist 
in breiter Front vor sich gegangen und hat sich naturnotwendig mit alien anderen zersetzenden 



Kraften verstarkt: mit Welthandel, Demokratie, Marxismus, Parlamentarismus. Die ungeheure 
Emsigkeit der Frau auf alien Gebieten hat nun aber nach Jahrzehnten selbst so manche 
Vorkampferin zu Bescheidenheit veranlaBt, als die Taten und Siege gezahlt wurden; es 
blieben nur Sonja Kowalewsky, Madame 



[498] Die "Logik" der Emanzipation 

Curie, deren Genie plotzlich dahin war, als ihr Mann iiberfahren wurde, und eine sagenhafte 
Erfinderin der Mahmaschine. Sonst: eine Reihe tiichtiger Arztinnen, Kunstgewerblerinnen, 
fleiBiger Biirodamen, gelehrterNaturwissenschaftlerinnen, aberkeine Synthese ... 

Die "Wissenschaft" der Emanzipation erklart, die sog. weiblichen Eigenschaften seien bloB 
durch die Jahrtausende alte Herrschaft des Mannes hervorgerufen. Herrschte die Frau - wie es 
zeitweise vorgekommen sei - so hatten sich "weibliche" Eigenschaften beim Manne 
herausgebildet. Deshalb diirfe nur die Leistung, nicht das Geschlecht gewertet werden. 

Diese "Logik" ist ebenso typisch wie weit verbreitet. Sie entspringt im wesentlichen der 
verstaubten Milieutheorie, wonach der Mensch nichts als ein Erzeugnis seiner Umgebung sei. 
Dieser darwinistische Ladenhiiter muB selbst heute noch herhalten, um der Frauenrechtlerin 
die "weltanschauliche" Stiitze und das "wissenschaftliche" Riickgrat zu verschaffen. Es laufen 
hier zwei unvereinbare Gedankenreihen nebeneinander her. Einerseits gehort es zur 
Propagandakunst, die mannliche Ritterlichkeit und das Mitleid anzurufen, um das Los der um 
Freiheit und Kultur vom rohen Mann der Vergangenheit betrogenen Frau darzustellen und 
eine Anderung fiir die Zukunft zu fordern, andererseits ist man heute um den Nachweis 
bemiiht, daB die Manner iiberhaupt "abgewirtschaftet" hatten, daB das " Jahrhundert der Frau" 
heranriicke, daB es bereits in der Vergangenheit Frauenstaaten gegeben habe, in denen die 
Manner die folgsamen Haustiere gespielt hatten. Daraus sollen wir die Beruhigung schopfen, 
daB der Zusammenbruch des Mannerstaates kein Chaos nach sich ziehen werde, sondem im 
Gegenteil den Beginn einer echten Kultur, eines echten humanen Staates. 

Es ist ergotzend, zu verfolgen, wie diese neuen Geschichtsschreiber vorgehen. Diese 
berichten z. B., eine Kamtschadalin 



[499] Mutterverehrung in Agypten 

sei auch durch die groBten Versprechungen nicht dazu zu bewegen gewesen, Wasche zu 
waschen, Kleider zu flicken, oder andere hausliche Dinge zu verrichten (daher stammt 
vermutlich die hohe Kultur Kamtschadaliens). Auf Agypten hat man es besonders abgesehen 
und Diodor und Strabo und Herodot nach Worten abgesucht, um die Anzeichen einer 
Frauenverehrung als den Frauenstaat Agypten zu deuten. Das soil z. B. aus der Uberschrift 
iiber den Skulpturen eines Tores des Konig Ramses und seiner Gemahlin hervorgehen. Es 
heiBt dort namlich:"siehe, was die Gottin Gemahlin spricht, die konigliche Mutter, die Herrin 
der Welt." Dies soil beweisen, daB die Konigin iiber dem Konig gestanden habe ... Das Wort 
von der Mutter wird geflissentlich iiberhort. Femer habe der mannliche Agypter hauptsachlich 
die hauslichen Arbeiten verrichtet, wahrend die Frau herrschte. Zugestanden. Dann aber fallt 
ein fiir allemal die alte Lehre, daB die Frauen bloB deshalb keine Staaten gegriindet, 
Wissenschaft geschaffen hatten, well sie unterdriickt worden waren! Zugleich aber wird - 



ungewollt natiirlich - ein anderes bewiesen: daB die Frauen bei oder trotz aller Freiheit keinen 
Staat gegriindet noch erhalten haben. Denn Agypten war kein Frauenstaat. Von Konig Menes 
(etwa 3400 v.Chr.) an ist Agyptens Staatsgeschichte Mannergeschichte. Das erste Konigsgrab 
ist das des Ghent, dessen Regierung die Gmndlage agyptischer Kultur schuf. Der Konig wird 
die Verkorperung des Horus; er kann auch nach dem Tode "die Weiber ihren Gatten 
wegnehmen, wohin er will, wenn fein Herz die Lust ergreift". "Der Gott" heiBt er, oder "das 
groBe Haus" (par'o, Pharao). Seine feste Schranke findet das Konigtum im Zeremoniell, in 
der typisierenden Rechtsordnung, an deren Befolgung seine Gottheit gekniipft ist. Jeder der 
Konige baut sich nach Moglichkeit eine eigene Residenz, sein eigenes Grabdenkmal. Den 
Rhythmus des gewohnlichen Lebens bestimmt - siehe oben - 



[500] Regierende Frauen 

der Beamte, der Kammerherr, der Techniker, kurz, der "Schreiber". Nach Zeiten der Unruhen 
ringt sich Amenemhet I. zur schaffenden Macht empor, die klassische Zeit Agyptens beginnt. 

Die Tatsache des agyptischen Manner staates bei zeitweise groBter Freiheit der Frauen zeigt, 
daB es zwar Frauenherrschaft geben kann, aber keinen Frauenstaat. Dieser Begriff ist ein 
Widerspruch in sich, wie das Wort Mannerstaat eigentlich eine Tautologie darstellt. 

Es ist also nicht so, als fande ein Pendelschlag zwischen zwei Typen - Mannerstaat und 
Frauenstaat - statt, und als sei das mittlere Stadium des Gleichgewichts und der 
"Gleichberechtigung" das erstrebenswerte Ziel der Kultur. Vielmehr bedeutet der 
"Pendelschlag" hinweg von der mannlichen Typenbildung eine Zeit der Entartung. Das 
Pendel schwingt nicht zu einem neuen Typus hiniiber, sondern landet im Sumpf. Das Beispiel 
hinkt nicht nur, sondern gibt ein ganz irrefiihrendes Bild. Fiir eine europaische Rasse (und 
nicht nur fiir sie) ist eine Zeit der Frauenschaft eine Zeit des Verfalls des Lebensgefiiges, die 
bei weiterem Fortdauem den Untergang einer Kultur, einer Rasse bedeutet. 

Wenn Frauen im Verlauf der europaischen Geschichte auch zur Herrschaft gekommen sind 
(durch dynastische Erbfolge), und gut oder schlecht regiert haben, so taten sie das inmitten 
und gehalten von der jeweiligen Form des Mannerstaates. Seinem Typus haben sie sich unter- 
und eingeordnet, um nach ihrem Tode wieder einem Manne Platz zu machen. Minister, 
Generale, Soldaten von Frauen gestellt, das ware Voraussetzung fiir einen "Frauenstaat". 

Die Zeit des Unterganges des absolutistisch-monarchistischen Prinzips in Frankreich brachte 
- naturnotwendig - die Frauen zu maBgebendem EinfluB. Die Adelsdame besaB alle Rechte 
der Lehens- und Feudalherren; sie konnte Truppen ausheben, trieb Steuern ein. Die 



[501] Die Frau in Amerika 

GroBgrundbesitzerinnen hatten Sitz und Stimmrecht in den Standevertretungen (z.B. Madame 
de Sevignee), ja wurden Pairs von Frankreich. In dem sich zersetzenden Zunftwesen hatten 
die Meisterinnen gar iiber das Berufswahlrecht zu bestimmen. Die franzosischen 
Revolutionsideen schlossen die Befreiung der Frau in sich (ihre Vorsprecherinnen waren die 
Halbweltdamen Olympe de Gouges und Theroigne de Mericourt); solange die Revolutionare 
aber kampften, verloren die Frauen alle Rechte, die sie unter dem alien Regime 



besessen hatten. Spater zogen sie den Nutzen aus dem demokratischen Siege. Napoleon ist ob 
seines antifeministischen Code Napoleon bei den Emanzipierten sehr verhaBt, um so mehr 
lobt man die Amerikaner, die von vornherein der Frau Gleichberechtigung eingeraumt hatten. 
Das stimmt. sieht man sich nun die Geschichte der Vereinigten Staaten an, so bemerken wir 
deutlich zweierlei: Frauenherrschaft in der Gesellschaft, jedoch den Mannerstaat. Der 
amerikanische Mann gebraucht im Leben heute noch riicksichtslos seine Ellenbogen, die 
ununterbrochene Jagd nach dem Dollar bestimmt fast ausschlieBlich sein Dasein. Sport und 
Technik sind seine "Bildung". Der freien Frau stehen alle Bahnen der Kunst, Wissenschaft 
und Politik offen. Ihre soziale Stellung ist unbestritten der mannlichen iiberlegen. Die Folge 
dieser Frauenherrschaft in Amerika ist das auffallend niedrige Kulturniveau der Nation. Bin 
echter Kultur- und Lebenstyp wird auch in Amerika nur dann einmal entstehen, wenn die Jagd 
nach dem Dollar mildere Formen angenommen hat und wenn der heute nur technische Mann 
iiber Wesen und Ziel des Daseins nachzudenken beginnen wird. Emerson war vielleicht der 
erste nachdenkliche Augenblick 

des Amerikanertums; aber zunachst allerdings nur ein Augenblick. 

Trotz des gesellschaftlichen Vorherrschens der Frau ist der Staat aber naturnotwendig 
mannlich; ware die Diplomatic 



[502] Die "doppelte Moral" 

und Landesverteidigung auch weiblich, Amerika als Staat ware iiberhaupt nicht mehr. 

Das Wesen des Staates kann inhaltlich verschieden sein, formal betrachtet ist er stets Macht. 
Eine Macht wird auf dieser Welt nur im Kampf, im Kampf auf Leben und Tod, erfochten und 
erhalten. Die Forderung nach politischer Herrschaft der Frau bedingt, um als 
Gleichberechtigung gelten zu konnen, auch eine Frauenarmee. Auf diese Lacherlichkeit und 
die organische Unmoglichkeit dieser Forderung braucht man nicht naher einzugehen. Die 
Frauenkrankheiten wiirden in der Armee schnell zunehmen, der Rassenverfall ware 
unausbleiblich. Gar eine gemischte mannlich-weibliche Armee ware nichts als ein groBes 
Bordell. 

Dem heutigen Mannerstaat wird die doppelte Moral zugeschrieben. Tatsache ist zunachst, daB 
er die Familie geschaffen und erhalten hat, nicht die Familie ihn. Tatsache ist, daB der 
Mannerstaat auch z.B. dem schuldigen mannlichen Teil bei einer Ehescheidung die Pflicht 
auferlegt, seine geschiedene Frau standesgemaB zu erhalten. Von den nach 
"Gleichberechtigung" rufenden Frauen ist aber noch nirgends zu horen gewesen, daB sie im 
Falle der Untreue der Frau ihr die Pflicht auferlegen wollen, fiir den betrogenen Mann zu 
sorgen Und doch ware das eine ganz selbstverstandliche Forderung, wenn keine Unterschiede 
bestehen sollen. Tatsachlich wollen die Frauenrechtlerinnen in ihrem tiefsten Wesen nichts 
anderes, als sich auf Kosten des Mannes aushalten lassen. In Amerika ist es soweit, daB das 
einseitige Scheidungsrecht fast iiberall durchgefiihrt worden ist. Dariiber hinaus wird 
angestrebt, dem Manne die gesetzliche Verpflichtung aufzuerlegen, einen bestimmten 
Prozentsatz seines Einkommens der Frau zu iibergeben. 

Wie die Juden iiberall nach "Gleichberechtigung" rufen und darunter nur ihre 
Vorberechtigung verstehen, so steht die beschrankte Emanzipierte fassungslos dem Nachweis 
gegeniiber, daB sie keine Gleichberechtigung fordert, sondern 



[503] Antiliberale Reaktion 

ein Parasitenleben auf Kosten der mannlichen Kraft, ausgestattet dazu noch mit 
gesellschaftlichen und politischen Vorrechten. 

Der vom Liberalismus verseuchte Mann des 19. Jahrhunderts hat das ebenfalls nicht 
begriffen. Das Chaos der Gegenwart ist die rachende Nemesis fiir diese Selbstvergessenheit. 
Heute sieht der erwachende Mensch, daB der Gott Stimmzettel ein leerer, unwichtiger Wisch, 
das vierschwanzige - allgemeine, gleiche, geheime, direkte - Wahlrecht keine magische 
Wiinschelrute ist, sondern ein Zersetzungswerkzeug volksfeindlicher Demagogen. Dieses 
allgemeine Stimmrecht soil also der Frau genommen werden? Ja! - Und dem Manne auch! 
Ein volkischer Staat wird entscheidende Wahlen nicht durch anonyme - mannliche und 
weibliche - Massen vomehmen lassen, sondern durch verantwortliche Personlichkeiten. 

Der Liberalismus lehrte: Freiheit, Freiziigigkeit, Freihandel, Parlamentarismus, 
Frauenemanzipation, Menschengleichheit, Geschlechtergleichheit usw., d. h. er siindigte 
gegen ein Naturgesetz, daB Schopfung nur durch Auslosungen polarbedingter Spannungen 
entsteht, daB ein Energiegefalle notig ist, um Arbeit irgendwelcher Art zu leisten, Kultur zu 
schaffen. Der deutsche Gedanke fordert heute, mitten im Zusammensturz der feminisierten 
alten Welt: Autoritat, typenbildende Kraft, Beschrankung, Zucht, Autarkic 
(Selbstversorgung), Schutz des Rassencharakters, Anerkennung der ewigen Polaritat der 
Geschlechter. 



Der Ruf nach Gleichberechtigung, richtiger nach dem "Frauenstaat", hat cine sehr 
bezeichnende Unterstromung. Die Forderung, frei in Wissenschaft, Recht, Politik bestimmen 
zu konnen, zeigt sozusagen "amazonenhafte" Ziige, d. h. Tendenzen, dem Manne auf 
ausgesprochen mannlichem 



[504] Leugnung des Pflichtgedankens 

Gebiet Konkurrenz zu machen, sich sein Wissen, Konnen und Handeln, anzueignen, sein Tun 
und Lassen nachzuahmen. Daneben geht aber die Forderung nach erotischer Freiheit, 
geschlechtlicher Schrankenlosigkeit. 

Der rein individualistische Gedanke, als eine Ursache aller verrotteten sozialen und 
politischen Zustande lockerte auch die ehedem strengeren Zuchtformen des mannlichen 
Teiles in alien Volkem. Wenn man nun meinen sollte, die Frau wiirde alle ihre Krafte in 
Tatigkeit treten lassen, um sich, ihre Kinder, vor den Folgen der Auflosung ZU schiitzen, so 
sehen wir die "Emanzipierte" das genaue Gegenteil tun: sie fordert das Recht auf "erotische 
Freiheit" nun auch fiir das ganze weibliche Geschlecht. Einzelne ernste Frauen sind diesem 
Treiben gewiB entgegengetreten, doch hatte die Lehre der "erotischen Revolution" sich in den 
Reihen der Frauenrechtlerinnen vielfach durchgesetzt, wo es doch klar war, daB, wenn 
irgendwo, so hier eine typenschaffende und gestaltende Kraft der Frau in Erscheinung treten 
miiBte. Die Worte: "Eine Frau, die Selbstachtung besitzt, kann eine gesetzliche Ehe nicht 
eingehen" (Anita Augspurg), darf man als Evangelium des erotischen Programms betrachten. 



Verbramt durch Pochen auf "Personlichkeitswert" und "Selbstbestimmung" geben wahnwitzig 
gewordene Weiber den letzten Schutz ihres Geschlechtes preis, zerstoren die einzige Form, 
die ihnen und ihren Kindern eine Lebenssicherheit bietet. Die Emanzipierte hilft sich dadurch, 
daB sie fordert, fiir die geborenen Kinder habe einfach der Staat zu sorgen. Welcher Staat? 1st 
er etwa eine Versorgungsanstalt fiir die Folgen entfesselter Geschlechtlichkeit? Auch hier die 
Leugnung des Pflichtgedankens fiir sich und Forderungen - an andere. Damit ist 
eingestanden, daB auch ein Staatsgedanke fiir die echte "Emanzipierte" iiberhaupt nicht 
besteht. Denn ohne Pflichtbegriff ist ein Staat auf die Dauer nicht denkbar. Die Rechtlerin 
verflucht die Ehe als Prostitution; aber 



[505] Abtreibung im "Frauenstaat" 

wenn an stelle des Mannes "der Staat" zahlt, was andert sich denn an der ganzen Sache? 

Wenn der Mann nur subjektiv, das heiBt ohne Beziehung auf die Allgemeinheit dachte, so 
konnte ihm das schlieBlich alles recht sein. Er geht von einer Frau zur anderen, amiisiert sich 
nach Kraften, die Zeche aber hatte doch nur die Frau zu zahlen, wenn sie schwanger 
zuriickbleibt. Diese notwendige Folge der Lehren der Emanzipation hat vieles nachdenkhche 
Stirnrunzeln hervorgerufen. Nach eifrigem Uberlegen forderte man dann "ganz energische 
Bestimmungen" gegen den polygamen Mann, der vielleicht wirklich auf den unglaubhchen 
Gedanken kommen konnte, recht viel freie Ehen auszukosten (Ruth Bre). Damit ware also die 
"freie Liebe" wieder zu Ende; die Frau wiirde dem Manne das notige MaB von Liebesfreuden 
vorschreiben. 

Die anderen "Emanzipierten" haben bekanntlich einen besseren Ausweg gefunden: 
Abtreibung, wenn Vorbeugen nicht geholfen hat. " Aus der Feme winkt schon lockend die 
Zeit, in der es der Wissenschaft gelingen wird, unschadliche Mittel zur Vemichtung des 
keimenden Lebens aufzufmden. ...Eine frohe Aussicht fiir alle diejenigen, die nicht von der 
"rage du nombre" besessen sind." so schrieb die Dame Stocker in - "Mutterschutz". 

Dieser Sehnsuchtsschrei einer Prophetin hat natiirlich auch seine "wissenschafthche" 
Unterlage. Was die Abtreibung betrifft, so ist man der Meinung, diese sei nur dank dem 
Mannerstaat strafbar. Ganz anders ware es in einem "Frauenstaat". Da wiirde das Weib sofort 
die Erlaubnis zur Vernichtung des keimenden Lebens erteilen. Das gehore eben auch zu den 
Rechten, zur physischen Freiheit des Weibes. (Mit stolz wird bemerkt, daB der Kanton Basel 
die Abtreibung bereits gestattet habe.) Diese Wissenschaftler der Frauenentfesselung befmden 
sich mit ihrem begeisterten Gefolge also wieder in schonster Einheitsfront 



[506] Emanzipation und Rassenchaos 

mit der gesamten auf Zersetzung und Vemichtung unserer Rasse abzielenden Politik der 
Demokratie und des Marxismus. Aus dem Recht auf absolute personliche Freiheit folgt 
notwendig auch die Aberkennung rassischer Schranken. Die "Emanzipierte" darf fiir sich das 
Recht auf Verkehr mit Niggem, Juden, Chinesen in Anspmch nehmen, und aus der Frau, als 
der bemfenen Erhalterin der Rasse, ware dank der Emanzipation die Vernichterin aller 
Gmndlagen des Volkstums geworden. 



Den echten "Emanzipierten" fehlt bei alien ihren Betrachtungen neben dem Ehr- und 
Pflichtbegriff auch fast jede sittliche Bindung. sie kennen nur die Ideen und Begriffe der 
"Entwicklung", "Machtverhaltnisse", "Umschichtung", aber das notwendige Gegenstiick zur 
Idee der Entwicklung, die Idee der Entartung, fehlt fast vollstandig. Sie sprechen deshalb sehr 
kiihl dariiber, daB beim Starkerwerden der Bestrebungen auf den "Frauenstaat" hin neben die 
weibliche auch die mannliche Prostitution (nebst Mannerbordellen) treten wiirde. DaB diese 
jedoch keinen groBen Umfang annehmen konnte - von wegen der physischen Riickstandigkeit 
des Mannes gegeniiber der weiblichen Veranlagung - wird als besonders schones Zeichen der 
kommenden Herrlichkeit gedeutet. 

Eine andere starke Gruppe der Emanzipierten (Frl. Elbertskirchen, Fr. Meisel-HeB, Augspurg 
usw.) bekampft natiirlich die Prostitution, aber weniger aus allgemein sittlichen Griinden, als 
urn den anderen Frauen eine lebenslangliche Versorgung zu sichem. Wie unehrlich der 
Kampf dieser Gruppe ist, geht allein schon daraus hervor, daB sie fur sich keine Ehebindung 
anerkennen will (die doch einzig mogliche Konsequenz), sondern eine "freie" Liebe auf 
Lebenszeit in Anspruch nimmt. 

Einen gewissen Vorgeschmack fur die Znstande der erstrebten frauenstaatlichen Zukunft 
geben uns gewisse Zentren unserer demokratisch geleiteten GroBstadte. Die zarten 



[507] Die Schuld des Mannes 

trippelnden Mannchen in Lackschuhen und lila Striimpfen, mit Armbandem behangen, mit 
zarten Ringen am Finger, mit blau untermalten Augen und roten Naslochern, das sind die 
"Typen", die im kommenden "Frauenstaat" allgemein werden miiBten. Die echten und 
folgerichtigen Emanzipierten sehen das alles nicht als Verfall und Entartung an, sondern als 
"Pendelschlag" vom verhaBten Mannerstaat zum Frauenparadies, gleichsam als 
entwicklungsgeschichtliche Notwendigkeit. Damit ist jeder Wertunterschied aufgegeben, 
Jeder Bastard, jeder Kretin kann sich stolzgeschwellt als notwendiges Glied der menschlichen 
Gesellschaft betrachten und das Recht auf freie Betatigung und Gleichberechtigung fur sich in 
Anspruch nehmen. 

Nun laBt sich z.B. die Geburtenvorbeugung angesichts heutiger sozialer Zustande als 
Verzweiflungstat eben begreifen, aber e i n Ding ist es, diesen Volksuntergang zu fordem, 
und ein ander Ding, mit leidenschaftlichem Willen eine Staatsmacht zu erstreben, welche die 
Beseitigung der uns alle korrumpierenden Voraussetzungen dieses Elends sich zum Ziel setzt. 
Das eine bedeutet rassischen und kulturellen Untergang, das zweite Rettungsmoglichkeit fur 
Frau und Mann, fur das ganze Volk. 

Der Mann ist angesichts der heutigen Zustande durchaus nicht in Schutz zu nehmen. Im 
Gegenteil: er ist in erster Linie schuld an den heutigen Lebenskrisen. Aber seine Schuld liegt 
ganz wo anders, als wo die Emanzipierten sie suchen! Sein Verbrechen ist, nicht mehr ganz 
Mann gewesen zu sein, deshalb hat auch das Weib vielfach aufgehort, Frau zu sein. Der Mann 
wurde weltanschauungslos. Sein bisheriger religioser Glaube zerbrach, seine 
wissenschaftlichen Begriffe wurden schwankend; deshalb verlor sich auch seine typen- und 
stilbildende Kraft auf alien Gebieten. Deshalb griff die "Frau" nach dem Staatsruder als 
"Amazone" einerseits; deshalb forderte sie erotische Anarchic als "Emanzipierte" 
andererseits. In beiden Fallen 



[508] Geschichte der Gottin Istar 

hat sie sich nicht vom Mannerstaat emanzipiert, sondern nur die Ehre ihres eigenen 
Geschlechts verraten. 

Bei den orientalischen Volkem war die religiose Prostitution sehr gebrauchlich. Die Priester 
lieBen sich nirgends dieses Vergniigen entgehen, und die frommen Babylonierinnen und 
Agypterinnen - auch nicht. Man verfolge doch z.B. nur die Geschichte der Gottin Istar, urn an 
der Wandlung dieser Gottheit den Untergang eines Volkes abzulesen. Zunachst war sie eine 
jungfrauliche Gottin der Jagd, ja des Krieges. Man zeichnete sie noch zu Hammurabis Zeiten 
mit dem Bart. Dann gait sie als Himmels-Konigin, als Gottin des Anus, als Gottin der Liebe 
und der Fruchtbarkeit. Mit den phonizischen Einfliissen wurde sie zum Schutzgeist der 
"religiosen" Prostitution, bis sie schlieBlich als Astarte Symbol des geschlechtlichen 
Anarchismus wurde. Damit war auch Babylon als Staat und Typus aufgelost, am Ende. 

Wer den europaischen Untergang abwenden mochte, muB sich endgiiltig von der liberalen, 
staatzersetzenden Weltbetrachtung losen und alle Krafte, Manner und Frauen, jede auf den 
ihnen zugewiesenen Gebieten sammeln fiir die Parole: Rassenschutz, Volkskraft, Staatszucht. 



Ein Werturteil iiber die Frau ist mit den vorhergehenden Ausfiihrungen natiirlich nicht gefallt 
worden. Es bedeutet jedoch fiir die Ziichtung eines kommenden Geschlechts deutschbewuBter 
Menschen eine entscheidende Einsicht, daB der Mann an Welt und Leben erfmdend, 
gestaltend (architektonisch) und zusammenfassend (synthetisch) herangeht, die Frau jedoch 
lyrisch. Mag der Durchschnittstmann im gewohnlichen Leben auch nicht immer groBe 
geistige Architektonik verraten, Tatsache bleibt, daB groBe Staatsgriindungen, Rechtskodices, 
typenbildende Verbande politischer. 



[509] Die Frau als Schiitzerin des Lebens 

militarischer, kirchlicher Natur, umfassende philosophische und Schopfungssysteme, 
Symphonien, Dramen und Sakralbauten samt und sonders, solange die Menschheit besteht, 
vom synthetischen Geist des Mannes geschaffen worden sind. Demgegeniiber vertritt die Frau 
eine Welt, die in ihrer Schonheit und Eigenart der des Mannes nicht nach-, sondern 
ebenbiirtig gegeniibersteht. Die "amazonenhafte" Emanzipierte ist daran schuld, daB die Frau 
die Hochachtung vor ihrem eigenen Wesen zu verlieren begann und die Werte des Mannes zu 
den ihrigen machte. Dies bedeutete eine seelische Stoning, ein Ummagnetisieren der 
weiblichen Natur, die denn auch heute irrlichternd dahinlebt, ahnlich wie umgekehrt die 
"moderne" mannliche, die anstatt sich um Architektonik und Synthetik des Daseins zu 
kiimmern, die Gotzen der Humanitat, Menschenliebe, des Pazifismus, der Sklavenbefreiung 
nsw. anzubeten begann. Man irrt auch, wenn man das als Ubergangsstadium betrachtet. Die 
Frau ist dank der "Emanzipations"bewegung nicht architektonisch geworden, sondern bloB 
intellektuell (als "Amazone") oder rein erotisch (als Vertreterin der geschlechtlichen 
Revolution). In beiden Fallen hat sie ihr Eigenstes eingebiiBt und das Mannliche doch nicht 
erreicht. Das gleiche gilt - umgekehrt - vom "emanzipierten" Manne. 



Vom Standpunkt der Frau konnten Staat, Rechtskodex, Wissenschaft, Philosophie als etwas 
AuBeres angesehen werden. Wozu denn immer Formen, Schemen, BewuBtsein? 1st das 
dahinflieBende spontane, UnbewuBte im Erleben des Tiefsten nicht groBer und schoner? 
Braucht es denn immer der Werke, um Seele zu beweisen? Und sind diese Formen und Werke 
des Mannes nicht oft aus einer Atmosphare des Lyrisch-Weiblichen geboren, die ohne die 
Frau nicht immer zustande gekommen waren? Das Leben ist sein und Werden, BewuBtsein 
und UnterbewuBtsein zugleich. In seinem ewigen Werden sucht 



[510] Der Mythus der Freya 

der Mann durch Ideenbildung und Werke ein Sein zu erschaffen, versucht, die "Welt" sich als 
organisch-architektonisches Gefiige zu bilden. Das Weib ist die ewige Behiiterin des 
UnbewuBten. Die nordisch-germanischen Mythen stellen die Gottin Freya als Hiiterin der 
ewigen Jugend und Schonheit hin. Raubte man sie den Gottern, so wiirden diese altem und 
dahinsinken. In ihrem Verhaltnis zu Loki offenbart sich mythische Urweisheit. 

Loki war ein Gotterbastard. Lange wurde beraten, ob man ihn in Walhall als gleichberechtigt 
anerkennen diirfe. SchlieBlich geschah es. Dieser Bastard Loki spielte den Unterhandler, als 
Odins Burg durch Riesen neu erbaut werden sollte. Er bot Freya als Zahlung an! Als die 
Gotter von diesem Abkommen horten, weigerten sie sich, es auszufiihren. Darauf betriigt Loki 
auch die Riesen so gerat Odin, der Hiiter des Rechts, selbst in Schuld. Die Siihne ist der 
Untergang Walhalls. In diesem Mythus ist tiefste, erst heute wieder erwachende Erkenntnis 
niedergelegt: der Bastard liefert bedenkenlos das Symbol rassischer Unsterblichkeit, ewiger 
lugend aus und stiirzt auch die Edlen in schuld. Was mag wohl Odin dem toten Baldur ins Ohr 
geraunt haben, als er ihn auf seiner letzten Fahrt begleitete? 

In die heutige Sprache iibertragen, sagt der germanische Mythus: in der Hand und in der Art 
der Frau liegt die Erhaltung unserer Rasse. Aus politischer Knechtung kann sich noch jedes 
Volk aufraffen, aus rassischer Verseuchung nicht mehr. Gebaren die Frauen einer Nation 
Neger- oder Judenbastarde, geht die Schlammflut von Nigger "kunst" weiter so ungehindert 
iiber Europa hinweg wie heute; darf die jiidische Bordell-Literatur weiterhin noch ins Haus 
gelangen wie jetzt, wird der Syrier vom Kurfiirstendamm auch fernerhin als "Volksgenosse" 
und ehemoglicher Mann betrachtet, dann wird einmal der Zustand eintreten, daB Deutschland 
(und ganz Europa) 



[511] Die Sendung der Frau 

in seinen geistigen Zentren nur von Bastarden bevolkert sein wird. Mit der Lehre von der 
erotischen "Wiedergeburt" greift der Jude heute - und zwar auch mit Hilfe der Lehren der 
Frauenemanzipation - an die Wurzeln unseres ganzen Seins iiberhaupt. Wann das erwachende 
Deutschland so weit sein wird, um mit einem eisernen Besen und mit riicksichtsloser Zucht 
eine restlose Sauberung durchzufiihren, ist unbestimmt. Wenn aber irgendwo, so lage bereits 
heute in der Predigt von der Reinerhaltung der Rasse die heiligste und groBte Aufgabe der 
Frau. Das bedeutet das Hiiten und Wahren jenes UnbewuBten, des noch ungeballten, deshalb 
aber gerade urspriinglichen Lebens; des Lebens, von dem auch Gehalt, Art und Architektonik 
unserer rassischen Kultur abhangig ist, jener Werte, die allein uns schopferisch machen. 
Anstatt aber auf dieses Allerwichtigste und GroBte zu achten, horten noch viele Frauen auf 



das Ablenkungsgeschrei der Feinde unserer Rasse und unseres Volkstums und waren alien 
Ernstes bereit, um Stimmzettel und Parlamentssitze willen dem Manne den Kampf bis aufs 
Messer anzusagen. Angeblich, um nicht eine " Staatsbiirgerin zweiter Klasse" zu bleiben, ist 
die Frau auf das "Recht der Wahl" gehetzt worden (als ob unter der heutigen Geldherrschaft 
das Schicksal durch Wahlen entschieden wiirde), wahrend ihr der Instinkt der Manneswahl 
verschmutzt wird durch die offen und versteckt seelen- und rasseverseuchenden Zeitschriften 
und Werke. Die Frau tragt heute das Geld in die jiidischen GroBwarenhauser, aus deren 
Schaufenstern der glitzernde Verfall einer verfaulenden Zeit hervorschaut, und der heutige 
liberale und gedampft-nationale Mann ist zu schwach, um der Gesamtstromung sich 
entgegenzustemmen . 

Die lyrische Leidenschaft der Frau, die in Zeiten der Not genau so heroisch zu werden vermag 
wie der Formwille des Mannes, schien auf lange verschiittet. 



[512] Freiheit der Bildung! 

Aufgabe der echten Frau ist es, diesen Schutt hinwegzuraumen. Emanzipation der Frau von 
der Frauenemanzipation ist die erste Forderung einer weiblichen Generation, die Volk und 
Rasse, das Ewig-UnbewuBte, die Grundlage aller Kultur vor dem Untergang retten mochte. 

Die Zeiten des Biedermeier und des "vertraumten Madchendaseins" sind natiirlich endgiiltig 
voriiber. Die Frau gehort hinein in das Gesamtleben des Volkes; ihr haben alle 
Bildungsmoglichkeiten freizustehen; fiir ihre korperliche Ertiichtigung ist durch Rhythmik, 
Turnen, Sport die gleiche Sorgfalt anzuwenden wie fiir den Mann. Unter heutigen sozialen 
Verhaltnissen diirfen ihr auch im Berufsleben keine Schwierigkeiten bereitet werden (wobei 
die Mutterschutz-Gesetze noch strenger durchgefiihrt werden miissen). Wohl aber wird das 
streben aller Emeuerer unseres Volkstums dahingehen, nach Brechung des volksfeindlichen, 
demokratisch-marxistischen Auslaugesystems einer sozialen Ordnung den Weg zu bahnen, 
die junge Frauen nicht mehr zwingt (wie es heute der Fall ist), in scharen auf den wichtigste 
Frauenkrafte verbrauchenden Arbeitsmarkt des Lebens zu stromen. Der Frau sollen also alle 
Moglichkeiten zur Entfaltung ihrer Krafte offenstehen; aber iiber eines muB Klarheit 
bestehen: Richter, Soldat und Staatslenker muB der Mann sein und bleiben. Diese Berufe 
fordern heute mehr als je eine unlyrische, ja rauhe, nur das Typische und Allgemeinvolkliche 
anerkennende Einstellung. Es hieBe pflichtvergessen an unserer Vergangenheit und Zukunft 
handeln, wollten die Manner hier nachgeben. Der harteste Mann ist fur die eiseme Zukunft 
gerade noch hart genug. Wenn auf Rassen- und Volksverhohnung, wenn auf Rassenschande 
einmal Zuchthaus und Todesstrafe stehen werden, dann wird es stahlerner Nerven und 
schroffster Formkrafte bediirfen, bis 



[513] Architektonik und Lyrik 

das "Ungeheuerliche" einmal zur Selbstverstandlichkeit geworden ist. 

Verschiedene Seelen diirfen nicht nivelliert, "ausgeglichen", sondem miissen als organische 
Wesen geachtet, in ihrer Eigenart gepflegt werden. Architektonik und Lyrik des Daseins ist 
ein Doppelklang, Mann und Frau sind die Lebensspannung erzeugenden Pole. Je starker jedes 
Wesen fiir sich ist, um so groBer der Arbeitseffekt, der Kulturwert und Lebenswille des 



ganzen Volkes. Wer dieses Gesetz zu unterwiihlen sich anmaBt, muB in dem echten Mann und 
in der echten Frau seine entschiedenen Feinde finden. Wehrt sich niemand mehr gegen das 
Rassen- und Geschlechtschaos, dann ist der Untergang unvermeidhch geworden. 

Im ersten Buch ist der Hochstwert des Germanen ausfiihrlich behandelt worden. Ihm dienen - 
in verschiedener Weise - der deutsche Mann und die deutsche Frau. Ihn als Lebenstypus aber 
ziichten kann und muB die Aufgabe des Mannes, eines Mannerbundes sein. Wir stehen mitten 
in einem ungeheuren GarungsprozeB, noch ringen viele Personlichkeiten und Verbande gegen 
das kirchliche Mittelalter und die Freimaurerei nur im instinktiven, negativen Abwehrkampf. 
sie sind noch uneinig, weil der Typus der Zukunft erst herausgearbeitet werden muB und der 
Hochstwert der Ehre nicht unbedingt anerkannt ist. Der groBe Gedanke geht von wenigen aus, 
um andere aber zu Fiihrem zu bilden, miissen diese wenigen nur Personhchkeiten an leitender 
stelle dulden, denen die Gedanken der Ehre und Pflicht Selbstverstandlichkeit geworden sind. 
Alles Nachgeben hier - sei es aus welchen Griinden immer - wird auf die Dauer schadlich 
wirken miissen. Kraft und Seele und rassische Einstellung miissen zusammenfallen, um den 
kommenden Typus schaffen zu helfen. Dies durchzufiihren ist die erste und letzte Aufgabe 
eines Fiihrers zur deutschen Zukunft. 



[514] Der Hochstwert der Ehre 

7. 

Das Deutsche Reich wird also, wenn es nach der Revolution von 1933 bestehen soil, das 
Werk eines zielbewuBten Mannerbundes sein, der sich iiber den im kommenden Leben zur 
Geltung zu bringenden Hochstwert im klaren sein muB. Der Hochstwert, um den sich alle 
iibrigen Lebensgebote gruppieren sollen, muB dem innersten Wesen des Volkes entsprechen, 
nur dann wird es die notwendige rauhe Zucht, eine Jahrzehnte dauernde Zucht ertragen, und 
zwar freudig ertragen. Diese eine einzige, innerste Wendung muB aber vollzogen werden; aus 
ihr ergibt sich alles iibrige. 

Aus dem Lehrsatz von der " Stellvertretung Gottes" schopfte das Papsttum seine moralische 
und theoretische, dann aber auch seine sich praktisch-politisch auswirkende Kraft. Dieses 
mythisch begriindete Dogma allein bestimmte bis auf heute die Typen, die Geschichte von 
Millionenvolkern. 

Dieses Dogma wird heute bewuBt und riicksichtslos abgelehnt, bekampft und durch den 
gleichfalls zu mythischer Kraft anwachsenden Glauben an eigene Seelen- und Rassenwerte 
ersetzt. Die Idee der Ehre - der Nationalehre - wird fiir uns Anfang und Ende unseres ganzen 
Denkens und Handelns. Sie vertragt kein gleichwertiges Kraftzentrum, gleich welcher Art, 
neben sich, weder die christliche Liebe, noch die freimaurerische Humanitat, noch die 
romische Philosophic. 

Alle Krafte, welche unsere Seelen formten, hatten ihren Ursprung in groBen Personlichkeiten. 
Sie wirkten zielsetzend als Denker, wesenenthiillend als Dichter, typenbildend als 
Staatsmanner. sie alle waren irgendwie geartete Traumer ihrer selbst und ihres Volkes. 

Ein Goethe hat keine Typen geziichtet, vielmehr bedeutete er eine allgemeine Bereicherung 
des gesamten 



[515] Der Reichtum Goethes 

Daseins. Manches seiner Worte hat verb orgene seelische Quellen zum Sprudeln gebracht, die 
sonst vielleicht nicht durchgebrochen waren. Und dies auf alien Gebieten des Lebens. Goethe 
stellte im Faust das Wesen von uns dar, das Ewige, welches nach jedem UmguB unserer Seele 
in der neuen Form wohnt. Er ist dadurch der Hiiter und Bewahrer unserer Anlage geworden, 
wie unser Volk keinen zweiten besitzt. Wenn die Zeiten erbitterter Kampfe einst voriiber sein 
werden, wird Goethe auch wieder nach auBen bemerkbar zu wirken beginnen. In den 
kommenden Jahrzehnten jedoch wird er zuriicktreten, well ihm die Gewalt einer 
typenbildenden Idee verhaBt war und er sowohl im Leben wie im Dichten keine Diktatur 
eines Gedankens anerkennen wollte, ohne welche jedoch ein Volk nie ein Volk bleibt und nie 
einen echten Staat schaffen wird. Wie Goethe seinem Sohn verbot, an dem Freiheitskriege der 
Deutschen teilzunehmen, und den Stein, Scharnhorst und Gneisenau den Schmiedehammer 
des Schicksals iiberlassen muBte, so ware er - heute unter uns weilend - nicht ein Fiihrer im 
Kampf um die Freiheit und Neugestaltung unseres Jahrhunderts. Es gibt keine echte GroBe 
ohne beschrankende Opfer; der unendlich Reiche konnte sich nicht zusammenballen und ein 
Einziges riicksichtslos verfolgen. 

Auch Jesus ist kein Typenbildner, sondern Seelenbereicherer gewesen. Seine Personlichkeit 
in den Priesterbund Roms eingefiigt haben Gregor "der GroBe", Gregor VII., Innozenz III. 
und Bonifaz VIII. Er wurde der Diener seiner "Knechte" zum genau umgekehrten Zweck als 
er es sich vorgestellt hat. Ahnlich ist es mit dem hi. Franziskus. Demgegeniiber waren 
Mohammed und Konfuzius starke typenschaffende Machte. Sie steckten ein Ziel, zeichneten 
Wege; Mohammed erzwang dazu Befolgung seiner Lehren, wahrend Konfuzius in stillerer 
Auswirkung chinesisches Volkstum schuf und erhielt. 



[516] Alexander und Napoleon 

Wesentlich ahnlich wie Mohammed bildete Ignatius einen Typus. Er zertrat bewuBt das 
Ehrgefiihl des Menschen, setzte den Gedanken ein neues Ziel, gab genau Mittel und Wege an, 
war also bewuBter Seelenziichter und dariiber hinaus schuf sich der Jesuitengeist auch nach 
auBen hin einen gleichsam physiognomisch bestimmbaren Typus. 

Auf kiinstlerischem Gebiet erleben wir gleichartige Erscheinungen. Es gibt hier 
Personlichkeiten, die einzigartig sind, keinen allgemeinen Stil schaffen, andere dagegen, die 
typenbildend weiterleben. Ein Michelangelo z. B. hat die Kunst bereichert wie nur ganz 
wenige, eine Fortfuhrung seiner Arbeitsweise aber fiihrte zum Chaos. Das gleiche mag von 
Rembrandt und Leonardo gelten. Raffael dagegen hat eine groBe typenbilbende Kraft 
bewiesen, ahnlich Tizian und die griechische Kunst. 

Eine verwandte Erziehung bietet auch das politische Leben. Ein Alexander gebiert und 
verkorpert die Idee eines Weltreiches. Rom greift diesen Gedanken auf Der Eigenname Casar 
wachst sich dann aus zu den Monarchentiteln Kaiser und Zar. Verbunden mit kirchlich- 
romischem Denken entsteht der Typus des Herrschers von Gottes Gnaden. Napoleon bedeutet 
eine gleich starke umwalzende Kraft wie Casar, wirkte aber bis auf heute nur aufwiihlend und 
nicht typenschaffend. In anderer Weise zerbrach Luther die fremde Kruste iiber unserem 
Leben, aber er hat weder in religioser noch staatlicher Hinsicht einen Typus verkiindigt. Er 



hatte unsere Anlage wieder frei zu machen, den Schlag gegen den Felsen zu fiihren, um dem 
verstopften Lebensquell zum Durchbmch zu verhelfen. DaB sich lange, bis auf die groBen 
PreuBenkonige, kein Mann fand, diesen in ein organisches FluBbett zu zwingen, bedeutete die 
Tragik der spateren deutschen Geschichte. 

Angesichts des nach kaum 44 jahrigem Bestehen erfolgten 



[517] Bismark und Moltke 

Zusammenbruchs des zweiten Reiches entsteht nun auBer den bereits anfangs behandelten 
Fragen noch eine letzte: war 1870 iiberhaupt eine typenbildende staatsmannische Kraft am 
Werk oder nicht? Ja und Nein. Ich glaube, Bismarck wird - was die Folgen seines Schaffens 
und dessen Triebfeder, nicht die Mittel der Arbeit betrifft - einmal ahnlich beurteilt werden 
wie Luther. Er gehort zu jenen Naturen, die, mit einem nur selten erscheinenden Willen 
begabt, einer ganzen Zeit ihren Stempel aufzwingen konnen, um sich herum aber eine Ode 
schaffen, besat mit totgetretenen Personhchkeiten, die sich nicht bedingungslos untergeordnet 
hatten. Es ist seit Jahrzehnten dariiber Klage gefiihrt worden, daB Bismarck im Gefiihl seiner 
absoluten Uberlegenheit alle Ministerien gleichsam als verschiedene Privatkontore betrachtete 
und die Minister als seine Kanzleivorsteher. Und so unklug sich Wilhelm II. auch Bismarck 
gegeniiber verhalten haben mag und so mittelmaBig auch seine Begabung beim Durchlesen 
seiner "Ereignisse und Gestalten" erscheint, ein richtiges Bild ist in ihnen doch enthalten. 
Wilhelm vergleicht Bismarck mit einem erratischen Block auf freiem Felde. Walzte man ihn 
fort, so fand man unter ihm nur Gewiirm. Das ist Symbol unserer politischen Geschichte der 
letzten fiinfzig Jahre. Der Kaisergedanke von 1871 war nur Riickblick auf das innerlich tote 
Kaisertum "von Gottes Gnaden", Zugleich verband er sich in wilder Ehe dem chaotischen 
Liberalismus. Nur einem Bismarck gelang es noch, diesem unorganischen Gebilde iiberhaupt 
einen heiBen Lebensodem einzublasen. Im Gefiihl seiner Unersetzlichkeit steigerte sich sein 
herrisches PflichtbewuBtsein dahin, keine Nachfolge selbstandiger Natur zuzulassen. 
Deutschlands Geschichte hatte sich im wesentlichen nicht geandert, auch wenn Wilhelm II. 
Bismarck noch weiter im Amte belassen hatte. so schuf und zimmerte der groBe Mann mit 
einer Hand das Reich und setzte mit der anderen 



[518] Der groBe Generalstab 

die Lunte ins eigene Haus. Und es war keine andere politische Kraft vorhanden, das Unheil zu 
vermeiden. 

Neben Bismarck aber wirkte eine Personlichkeit, auf die es zuriickzufiihren ist, daB 
Deutschland nicht schon friiher versank, und der in erster Linie die Moglichkeit der 
viereinhalb Jahre des Heldenkampfes im Weltkriege zu danken sind: Moltke (ein wichtiger 
Hinweis Spenglers).Der Schopfer des groBen Generalstabes ist die starkste typenbildende 
Kraft seit Friedrich dem GroBen. Er war nicht der Mann, um im politischen Redekampf des 
Volkes Seele zu Schmieden, er war es aber, der vorhandene Personlichkeitswerte groBziichten 
half und VerantwortungsbewuBtsein des einzelnen zur Voraussetzung alles Handelns machte. 
Das von Moltke durchgefiihrte Verhaltnis zwischen dem verantwortlichen Feldherrn und 
seinem Stabschef war das gerade Gegenteil dessen, was Bismarck in der Diplomatic tat, 
indem er seine Minister gar finanziell von sich abhangig zu machen bemiiht war. Der direkte 



Untergebene war verpflichtet, seine Anschauungen, begriindet, mit aller scharfe zu vertreten, 
sie bei gegenteiligem Befehl sogar zu Protokoll zu geben. Dieser Grundsatz, von oben bis 
nach unten durchgefiihrt, gefordert durch Bestimmungen, die samtlich darauf hinausliefen, 
den deutschen Soldaten - trotz scharfster Disziplin - zum selbstandig denkenden und 
entschlossen handelnden Menschen und Kampfer zu erziehen, das war das deutsche 
Geheimnis der Erfolge im Weltkrieg. Trotz der nie zu vermeidenden menschlichen Mangel ist 
der vom preuBischen Offizier Friedrichs des GroBen sich ausweitende Typus des deutschen 
Soldaten der sprechende Beweis dafiir, daB auch fiir das entstehende Dritte Reich einzig und 
allein die Methode des Grafen Moltke der rettende Weg sein kann, will man es vermeiden, 
daB nach einer befreienden Erhebung und taumelnder Freude wieder ein Zusammenbrach 
folgt. 



[519] Der Offizier am Ende des 19. Jahrhunderts 

Moltke war eine Personlichkeit von unerbittlicher Folgerichtigkeit; seine Dynamik aber ergoB 
sich nicht wie diejenige Luthers oder Bismarcks in furchtbaren Ausbriichen, er zog sich auch 
selten in gleich tiefer seelischer Zerknirschung zuriick wie die Seelen der beiden anderen. 
Nichtsdestoweniger wirkte Moltke zwingend auf seine Umgebung. Zwingend, aber nicht 
niederdriickend. Deutschlands Zweites Reich wurde auf den Schlachtfeldern gegriindet, von 
Bismarck geschaffen; erhalten aber hat es in erster Linie die Personlichkeit und Typen 
schaffende Kraft des Moltkeschen Genies. so kam es, daB nach Bismarck lauter Nullen oder 
richtungslos geschmeidige Naturen Kanzler des Reiches wurden, die zwischen seinen Lehren 
und liberalisierenden Kraften hin- und herschwankten, um schlieBlich das deutsche Volk ins 
Netz feindlicher, "ziel"- bewuBter Diplomaten zu fiihren. so kam es aber auch, daB dem 
grauen deutschen Heere eine so groBe Anzahl iiberragender Feldherren und Soldaten entstieg, 
wie sie die gesamte iibrige Welt nicht aufzuweisen hatte. Das wirkliche Deutsche Reich war 
von 1914-1918 nicht in Deutschland mehr, sondern stand an der Front. An der Front bei den 
Falklandinseln und in Tsingtau, in Deutsch-Ostafrika, im Indischen Ozean, iiber England. In 
Deutschland saB auf den Ministersesseln das Gewiirm und wuBte nicht, was es mit dem 
gewaltigen Staat im Felde anfangen sollte. 

Es war nicht die schuld des Moltkeschen Systems, wenn sich der Offizierstypus vor dem 
Kriege immer mehr vom iibrigen Volk abgesondert hatte, Kaste wurde und schlieBlich die 
schlechten Seiten einer solchen fur Deutschland unorganischen Absonderung aufzuweisen 
begann. Ein nur auf Ehre gegriindeter Offiziersstand muBte sich immer mehr vom 
skrupellosen Handlertum und Borsenschiebertum ablosen. Um aber diese Ablosung 
durchzufiihren, muBten schroffe Grenzen gezogen werden, die menschlich unangenehm 



[520] Untergehendes Biirgertum 

schienen, zwecks Erhaltung des Typus aber notwendig war. Dieser von der jiidischen 
Verleumderpresse verfolgte Offizier war es, der Deutschland spater selbstlos verteidigte und 
sich fast restlos hingab auf den Schlachtfeldern, dariiber hinaus auch noch jene bildete, die 
1914 bis 1918 zum erstenmal das graue Ehrenkleid anzogen. 

Das biirgerliche und marxistische Deutschland war mythenlos geworden; es hatte keinen 
Hochstwert mehr, an den es glaubte, fur den es zu kampfen bereit war. Es wollte die Welt 



"friedlich" wirtschaftlich erobern, sich den Geldsack fiillen und war in seinem Handler- und 
Schachertum bereits so tief gesunken, daB es erstaunt war, wenn andere Volker sich dies nicht 
gefallen lieBen und Biindnisse gegen die Gefahr des deutschen Handel sreisenden schlossen. 
Im August 1914 wurde der Hochstwert des Moltkeschen Heeres endlich zum Hochstwert des 
ganzen Volkes. Alles, was noch echt und groB war, warf die handlerische Schlacke ab und 
dankte dem deutschen Soldaten fiir die Hiitung des nationalen Ehrbegriffes. Moltke schien 
iiber Bleichroeder zu siegen. Da wurde er vom obersten Kriegsherrn preisgegeben. Anstatt 
wenigstens jetzt nach vielen Jahren der Unbekiimmertheit gegeniiber dem Hochstwert unseres 
Volkes die Gelegenheit zu erfassen und jenes Gesindel an den Galgen zu hangen, das ihn seit 
Jahren bespieen hatte, reichte der Kaiser den marxistischen Fiihrem die Hand, rehabilitierte 
ungewollt die Landesverrater und setzte das Gewiirm zum Herm ein iiber den um sein Dasein 
kampfenden Staat. Bis er mit dem Volk den Dank dieses Gewiirms am 9. November 1918 
ausbezahlt erhielt. 

Es steht auBer Frage, daB der Moltke-Typ in der ersten Zeit des ein kommendes Deutschland 
formenden Mannerbundes - nennen wir ihn den Deutschen Orden - nicht stark in den 
Vordergrund treten wird. Um inmitten des heutigen chaotischen Durcheinanders die Seelen 



[521] Probleme des Fiihrertums 

emporzureiBen, dazu bedarf es predigten der Luther-Naturen, die hypnotisieren, und 
Schriftsteller, welche die Herzen bewuBt ummagnetisieren. Der lutherhafte Fiihrer zum 
kommenden Reiche aber wird sich im Klaren dariiber sein, daB er dem Bismarcksystem nach 
dem Siege unbedingt entsagen und die Moltkeschen Grundsatze auch auf die Politik 
iibertragen muB, wenn er nicht nur sich verwirklichen, sondern auch iiber seinen Tod hinaus 
ein dauerhaftes, auf einen Hochstwert eingeschworenes Reich schaffen mochte. Wie die 
Dinge sich auch immer gestalten mogen, ob eruptive ob formenschaffende Machte, beide 
diirfen nur seelisch-nordischen Wesens sein. Mit Abkommlingen der in Europa eingesickerten 
ganz fremden Rassen, kann man keine germanisch bestimmte Fiihrerschicht bilden, es sei 
denn, man verzichtet auf ein Heiliges Germanisches Reich Deutscher Nation und iiberlaBt die 
Zukunft dem "freien Spiel der Krafte" auf politischem Gebiet, wie es nach 1871 fiir die 
wirtschaftliche Sphare zum Grundsatz erhoben wurde. Dann werden aber alle Opfer an Geist 
und Blut umsonst gebracht worden sein. Nach einer kurzen Zeit wird die gleiche " 
Demokratie" ans Ruder kommen und der deutsche Befreiungskampf nur eine Episode auf 
dem Wege zum Untergang, nicht ein Anzeichen eines neuen doch so leidenschaftlich 
erstrebten Aufstiegs gewesen sein. 

Ein Glaube, ein Mythus ist nur dann echt, wenn er den ganzen Menschen erfaBt hat; und mag 
der politische Fiihrer an dem Umkreis seines Heeres seine Gefolgschaft nicht im einzelnen 
priifen konnen, im Zentrum des Ordens muB absolute Geradlinigkeit durchgefiihrt werden. 
Hier haben zum Besten der Zukunft alle politischen, taktischen, propagandistischen 
Erwagungen zuriickzutreten. Der Fritzische Ehrbegriff, Moltkes Zuchtmethode und 
Bismarckscher heiliger Wille, das sind die drei Krafte, die in verschiedenen Personlichkeiten 
in verschiedener Mischung verkorpert alle nur einem dienen: der Ehre der deutschen Nation. 
Sie 



[522] Der Typus der .Zukunft 



ist der Mythus, der den Typus des Deutschen der Zukunft bestimmen muB. Hat man das 
erkannt, so wird man aber bereits in der Gegenwart beginnen, ihn zu formen. 

Der Mythus des 20. Jahrhunderts 

Alfred Rosenberg 

[523] 

III. Volk und Staat 

1. 

Volk, Staat, Kirchen, Klassen und Heere haben im Verlauf unserer Geschichte in sehr 
verschiedenem Krafteverhaltnis zueinander gestanden. Die Ubemahme des romischen 
Christentums bedeutete grundsatzlich das Aufgeben des organisch-germanischen 
Konigsgedankens als MaBstab weltlichen Handelns zugunsten der erdgelosten Kaiseridee, wie 
sie als Erbe des alten Roms von der Kirche iibemommen worden war. Tausend Jahre dauerte 
es, bis sich - mit Heinrich dem Lowen beginnend, von Brandenburg fortgefiihrt - das 
nordische Konigtum emeut durchsetzte, wahrend das romische Kaisertum im Sumpf des 
Hauses Habsburg verging. Zwar waren auch die Staufen selbstbewuBt genug, ihr Kaisertum 
als deutsch und unabhangig von Rom zu erklaren (auf dem Tage zu Besancon z. B. waren die 
papstlichen Legaten, welche das Kaisertum als papstliches Lehen bezeichneten, von den 
Grafen und Herzogen Friedrichs I. fast totgeschlagen worden), doch wurde dieses 
SelbstbewuBtsein nicht auf einer grundsatzlich festgelegten Lehre von der Vorherrschaft des 
Kaisers iiber den Papst aufgebaut, somit nicht Uberlieferung und weiter wirkende 
typenbildende Kraft. 

Rom dagegen falschte zielbewuBt bereits um 750 sich seine "Konstantinische Schenkung" 
(daB im iibrigen Konstantin arianisch getauft worden war, wird unterschlagen). Papst Hadrian 
I. belog Karl den GroBen mit der Behauptung, diese "Schenkung" befmde sich im 
Vatikanischen Archiv, und der vom Morgenland geblendete 



[524] Rom und der staatsbiirgerliche Eid 

Frankenkonig anerkannte die Vorherrschaft des romischen Bischofs grundsatzlich, auch wenn 
sich im Jahr 800 der Papst noch vor Karl dem GroBen zu Boden warP. Die nachsten Papste 
folgerten bereits aus der unechten Urkunde ihre gesetzlich und uberlieferungsgemaB 
festgelegte Vorherrschaft (trotz der spater nachgewiesenen Falschung), eine ganze Literatur 
von der Vorberechtigung der Kirche iiber das Kaisertum entstand, die in der Bulle Unam 
Sanctam Bonifaz VIII. ihren Hohepunkt erreichte. Danach "erklarte, defmierte" Bonifaz, "daB 
es eine Heilsnotwendigkeit ist, daB jedes Geschopf dem romischen Papst unterworfen sei". 
Diese Bulle wurde von dem 1914 verstorbenen Jesuitengeneral Wemtz ausdriicklich als 
"dogmatische Definition" bezeichnet, welche das richtige "Verhaltnis zwischen Kirche und 
Staat fur ewige (!) Zeiten feierlich verzeichnet". Genau so urteilen die anderen Kirchenlehrer. 
Daraus folgten notwendig alle Vorbehalte iiber staatliche Eide eines Rom als Hochstwert 
anerkennenden Menschen. Lehmkuhl, s. J., der Berater der deutschen Zentrumspartei, 
erklarte, es sei klar, daB staatsbiirgerliche Eide "niemals" verpflichtend sein konnten, die dem 



"kirchlichen Recht" widersprachen. Da dieses "Recht" aber die Unterordnung des Staates 
unter die Kirche heischt, so fordert Rom gmndsatzlich, keine Eide anzuerkennen, 

* Aufierordentlich belehrendwdre eine genaue Zusammenstellung aller Fdlschungen, auf 
welche sich die Anspriiche der romischen Kirche griinden. Neben der beriichtigten 
"Konstantinischen Schenkung" sei hier die Fdlschung der Ergebnisse der 
Kirchenversammlung von Nicda genannt, wonach die Vorrangstellung des romischen 
Bischofs als vonjeher bestehend hingestelhwurde; ferner die znsammengefdischten 
"authentischen" Mdrtyrergeschichten, Uber 500 an der Zahl; die Fdlschung der Belehrung 
und Taufe Konstantins des Grofien;Pseiidokyrill usw. Kurz gesagt, fast alle "urkundUch" 
beglaubigten Forderungen der romischen Kirche beruhen auf Urkundenfdlschungen. 



[525] Verteidigung der Fahnenflucht 

die nicht von ihm "geheiligt" sind. Bereits Sanchez, s. J., schreibt der Kirche die Gewalt zu, 
Eide als null und nichtig zu erklaren, und Lehmkuhl, s. J., verteidigt sogar offentlich die 
Fahnenflucht, j a, verpflichtet die Katholiken dazu, falls diese gezwungen wiirden, an einem 
"ungerechten Kriege" teilzunehmen (wie 1866 und 1870)*! 

Dieser ganz eindeutigen romisch- kirchlichen Stellungnahme dem Staate an sich gegeniiber 
ergibt sich nun vom Standpunkt des deutschen Volksstaatsgedankens ein natiirliches 
Gegenstiick. 

Nach dem Zusammenbruch des absolutistischen Konigtums 1789 rangen demokratische 
Grundsatze mit dem Nationalgedanken. Abgesondert am Anfang und spater beide 
Bewegungen zur Erstarrung bringend, bildete sich eine neue blutfremde Machtlehre, wie sie 
in Hegel ihren Hohepunkt fand und von Karl Marx dann in neuer Umfalschung - Staat und 
Klassenherrschaft gleichsetzend - iibernommen wurde. Heute stehen wir "dem Staat" 
ahnlich gegeniiber wie Rom, bloB von der inneren Seite des Problems her: "der Staat", der 
sich und das Volk den ehrlosen Wirtschafrsmachten ausgeliefert hatte, war den breiten 
Massen gegeniiber immer mehr als ein seelenloses Werkzeug der Gewalt aufgetreten. Die 
Anschauung Kegels von der Absolutheit des Staates an sich war in den letzten Jahrzehnten in 
Deutschland (und nicht nur in Deutschland) herrschend geworden. Der Beamte riickte nach 
und nach immer mehr zum Herrn empor und vergaB, dank der gleichen Einstellung der 
Regierenden, daB er nichts anderes war und sein durfte als ein Beauftragter der 
Volksgesamtheit zur Erledigung technischer oder politischer Geschafte. "Der Staat" und "der 
Staatsbeamte" losten sich also aus dem organischen Volkskorper heraus und traten als ein 
gesonderter mechanischer Apparat ihm 

* Vgl. Hoensbroech: "Der Jesuitenorden", Ed. I, s. 330. 



[526] Der alte wesenlose Staat 

gegeniiber, um schlieBlich die Herrschaft iiber das Leben zu beanspruchen. Dieser 
Entwicklung standen Millionen in Kampfstellung gegeniiber; da aber eine solche sich im 
national en Lager nicht offen herauswagte, so schlugen sich die Unzufriedenen auf die Seite 
der internationalen Sozialdemokratie, ohne im Innern wirklich Marxisten zu sein. 



Die Revolte von 1918 hatte an alledem nichts geandert, well die Marxisten naturlich mit dem 
deutschen Volk erst recht nichts zu tun hatten. sie erstrebten nur die Durchsetzung bestimmter 
intemationaler Grundsatze, gebrauchten den alten technischen Apparat und "der Staat an sich" 
trat wieder in scharfste Tatigkeit gegen "Staatsverleugner". Die Rollen waren also vertauscht, 
das seelenlose Wesen war geblieben Aber dieses Wesen war nach 1918 urn vieles deutlicher 
geworden, weil "der Staat" friiher offenkundige Volksfeinde doch noch ab und zu 
zuriickdammte, nun aber in der Person seines Anwaltes Manner verurteilte, von denen er 
durch feine Urteile selbst zugeben muBte, daB all ihr Denken und Handeln nur im Dienst und 
in Opfern fiirs Volk bestanden hatten. 

Staat und Volk standen sich von 1918 bis 1933 also off en als Gegner, oft als Todfeinde 
gegeniiber. Wie dieser innere Konflikt iiberwunden werden wird, so wird sich Deutschlands 
Schicksal auch nach auBen gestalten. 

Der Staat ist uns heute kein selbstandiger Gotze mehr, vor dem alle im staube zu liegen 
hatten; der Staat ist nicht einmal ein Zweck, sondern er ist auch nur ein Mittel zur 
Volkserhaltung. Ein Mittel unter anderen, wie es Kirche, Recht, Kunst und Wissenschaft 
ebenso sein sollten. Staatsformen andem sich und Staatsgesetze vergehen, das Volk bleibt. 
Daraus folgt allein schon, daB die Nation das Erste und Letzte ist, dem sich alles andere zu 
unterwerfen hat. Daraus folgt aber auch, daB es keine- Staats-, sondern nur Volksanwalte 
geben darf 



[527] Das Problem der Monarchie 

Die ganze rechtliche Lebensgrundlage wiirde sich dadurch verandern und solche 
erniedrigenden Verhaltnisse unmoglich machen, wie sie im letzten Jahrzehnt an der 
Tagesordnung waren. 

Ein und derselbe Staatsanwalt hakte friiher den kaiserlichen Staat, dann den republikanischen 
zu vertreten. Ein "unabhangiger" Richter war ebenfalls von einem Schema als solchem 
abhangig. Und so konnte es kommen, daB auf Grund des romischen "Rechtes" der 
Staatsanwalt als "Diener des Staates" im Namen "des Volkes" die volkische Fiihrung des 
Volkes verhinderte: die abstrakte "Volkssouveranitat" der Demokratie und das verachtliche 
Wort Kegels: "Das Volk ist derjenige Teil des Staates, der nicht weiB, was er will", haben das 
gleiche gehaltlose Schema der sogenannten " Staatsautoritat" gezeugt. 

Der Volkheit Autoritat steht aber hoher als diese "Staatsautoritat". Wer das nicht zugesteht, ist 
ein Feind des Volkes, und sei es der Staat selber. so war die Lage bis 1933. 

Dies nach der einen, schematischen Seite hin. Nach der anderen, inhaltlichen, ist zu sagen, 
daB ein unbedingter Legitimismus genau so unvolkisch ist wie das alte Staatsrecht. Auch die 
Frage der Monarchie (und des Monarchen) ist eine ZweckmaBigkeitsfrage (allerdings im 
hochsten Sinne) und nicht eine dogmatische. Menschen, die sie als eine solche betrachten, 
unterscheiden sich ihrer Charakterformung nach nicht wesentlich von den Sozialdemokraten, 
die im gewissen sinne legitimistische Republikaner sind, ohne Riicksicht darauf, was sonst 
mit dem ganzen Volk auch geschehen moge. so fiihlt der erwachende gerechte Instinkt des 
deutschen Volkes heute iiberall. so wird er sich auch durchsetzen. Die Republik wird volkisch 
werden miissen oder verschwinden. Und eine Monarchie, die sich nicht von vomherein 
gewisser alter Vorurteile entledigt, konnte gleichfalls nicht von 



[528] Rasselose Autoritat gebiert Anarchic 

langer Dauer sein. Denn sie miiBte dann an den gleichen Ursachen zugrunde gehen wie einst 
das Kaisertum Wilhelms II. 

Der Geist der Zukunft hat seine Forderungen heute endlich deutlich angemeldet. Vom 30. 
Januar 1933 an hat seine Herrschaft begonnen. 

Im 17. Jahrhundert begann das Abtreten des Papstes vom offenen Weltstaat; 1789 machte die 
Dynastie als absoluter Wert Raum dem stillosen Liberahsmus. 1871 begann der Gotze Staat 
sich selbstandig vom Volk ZU machen, das ihn doch erst erschaffen hatte. Heute beginnt das 
Volk! endlich bewuBt die ihm gebiihrende Stelle zu beanspruchen. 



Die Forderung nach Freiheit sowohl als der Ruf nach Autoritat und Typus sind fast iiberall 
falsch gestellt und unorganisch beantwortet worden. Autoritat wurde in Europa gefordert im 
Namen eines abstrakten staatlichen Grundsatzes oder im Namen einer angeblich absoluten 
religiosen Offenbarung, d. h. im Namen des liberalistischen Individualismus und des 
kirchlichen Universalismus. In jedem Fall wurde der Anspruch erhoben, daB alle Rassen und 
Volker sich dieser "gottgegebenen" Autoritat und ihren Formen zu unterordnen hatten. Die 
Antwort auf diese Zwangsglaubenssatze war der schrei nach hemmungsloser Freiheit 
gleichfalls fiir alle Rassen, Volker und Klassen. Die rasselose Autoritat forderte die Anarchie 
der Freiheit. Rom und der Jakobinismus in seinen alten Formen und in seiner spaten reinsten 
Ausgestaltung in Baboeuf und Lenin bedingen sich innerlich gegenseitig. 



[529] Freiheit nur im Typus moglich 

Die Idee der Freiheit wie auch das Anerkennen der Autoritat erhalten nun innerhalb der 
heutigen rassisch-seelischen Weltanschauung einen ganz anderen Charakter. Das Volkstum 
ist gewiB nicht nur einrassig, sondern auch durch Faktoren geschichtlicher und raumlicher Art 
gekennzeichnet, jedoch ist es nirgends die Folge einer gleichmaBigen Mischung 
verschiedenrassischer Elemente, sondern bei aller Mannigfaltigkeit stets durch das 
Uberwiegen der Grundrasse gekennzeichnet, welche Lebensgefiihl, staatlichen Stil, Kunst und 
Kultur bestimmte. Diese Rassendominante fordert einen Typus. Und eine echte organische 
Freiheit ist nur innerhalb eines solchen Typus moglich. Freiheit der Seele wie Freiheit der 
Personlichkeit ist stets Gestalt. Gestalt ist stets plastisch begrenzt. Diese Begrenzung ist 
rassisch bedingt. Diese Rasse aber ist das AuBenbild einer bestimmten Seele. 

Damit ist der Kreis geschlossen. Indischer Internationalismus marxistischer oder 
demokratischer Art liegt ebenso auBerhalb dieses Organismus wie romische, Internationale 
Geltung heischende Autoritat nebst alien kirchlichen Machtanspriichen. 

Die Sehnsucht nach Personlichkeit und Typus ist im tiefsten Innern dasselbe. Eine starke 
Personlichkeit wirkt stilbildend, der Typus ist aber - metaphytisch betrachtet - schon vor ihr 
gegeben, die Personlichkeit also nur seine reinste Auspragung. Diese ewige Sehnsucht nimmt 
in jeder Epoche eine andere Form an. Um die Wende des 19. Jahrhunderts erlebten wir das 



Erscheinen einer groBen Zahl von Personlichkeiten, die als Bluten unserer Gesamtkultur ihr 
ein unverlierbares Geprage schenkten. Das Zeitalter der Maschiene zerstorte auf lange sowohl 
Personlichkeitsideale wie typenbildende Krafte. Das Schema, die Fabrikware, wurde Herr; der 
kahle Kausalitatsbegriff besiegte echte Wissenschaft und 



[530] Nietzsche der Prophet 

Philosophie, marxistische Soziologie erdrosselte durch ihren Massenwahn (Quantitatslehre) 
alles Wesen (Qualitat), die Borse wurde der Gotze der stoffanbetenden (materialistischen) 
Zeitseuche. Friedrich Nietzsche stellte den verzweifelten Schrei unterdriickter Millionen 
dagegen dar. Seine wilde Predigt vom Ubermenschen war eine gewaltsame VergroBerung des 
unterjochten, vom stofflichen Druck der Zeit gedrosselten Eigenlebens. Nun wenigstens Einer 
plotzlich in fanatischer Emporung alle Werte zerstorte, ja wild zu toben begann, ging eine 
Erleichterung durch die Seelen aller suchenden Europaer. DaB ein Nietzsche verriickt wurde, 
ist Gleichnis. Ein ungeheuer gestauter Wille zur Schopfung brach sich zwar Bahn wie eine 
Sturzflut, aber der gleiche innerlich schon lange vorher gebrochene Wille konnte die 
Gestaltung nicht mehr erzwingen. Er trat aus den Ufern. Eine seit Geschlechtern geknebelte 
Zeit begriff in ihrer Ohnmacht nur die subjektive Seite des groBen Wollens und Erlebens 
Friedrich Nietzsches und verfalschte das tiefste Ringen nach Personlichkeit zum Ruf nach 
dem Ausleben aller Triebe. 

An das Banner Nietzsches reihten sich dann die roten Standarten und die marxistischen 
nomadischen Wanderprediger, eine Sorte von Menschen, deren Lehre kaum je einer mit 
gleichem Spott als Wahnsinn entlarvt hatte, wie gerade Nietzsche. In seinem Namen ging die 
Rassenverseuchung durch alle Syrier und Nigros vor sich, in seinem Zeichen, wahrend doch 
gerade Nietzsche die rassische Hochzucht erstrebte. Nietzsche war in die Traume briinstiger 
politischer Buhler gefallen, was schlimmer war als in die Hande einer Rauberbande. Das 
deutsche Volk horte nur von Losung aller Bindungen, Subjektivismus, "Personlichkeit" und 
nichts von Zucht und innerem Hochbau. Nietzsches schones Wort: "Von der Zukunft her 
kommen Winde mit heimlichen Fliigelschlagen; und an feine Ohren ergeht gute Botschaft", 
war nur ein sehnsiichtiges 



[531] Personlichkeit schafft Typen 

Ahnen inmitten einer wahnsinnigen Welt, in der er, neben Lagarde und Wagner, als fast der 
einzige Weitschauende lebte. 

Diese Wahnsinnsepoche stirbt jetzt endlich. Die starkste Personlichkeit ruft heute nicht mehr 
nach Personlichkeit, sondern nach Typus; der volkische, erdverwurzelte Lebensstil, ein neuer 
deutscher Menschentyp, "geradwinklig an Leib und Seele", entsteht, ihn zu bilden ist die 
Aufgabe des 20. Jahrhunderts. Die echte Personlichkeit von heute sucht gerade in ihrer 
Hochstentwicklung jene Ziige plastisch zu gestalten, jene Gedanken am lautesten zu 
verkiinden, die sie als Ziige des erahnten neuen und doch uralten deutschen Menschentypus 
erlebt, vor erlebt hat. Frei werden nicht von, sondern fiir etwas! 

Typus ist nicht Schema, ebensowenig wie Personlichkeit Subjektivismus. Typus ist die 
zeitgebundene plastische Form eines ewigen rassisch- seelischen Gehalts, ein Lebensgebot, 



kein mechanisches Gesetz. Im Anerkennen dieses Ewigen ist der Wille zum Typus auch Wille 
zu strenger formender staatlicher Zucht an einem Geschlecht, das subjektiv-zuchtlos und 
konventionell erstarrt ist. 

Das Erleben des Typus aber, das ist die Geburt der Erkenntnis des Mythus unserer ganzen 
Geschichte: die Geburt der nordischen Rassenseele und das innerliche Anerkennen ihrer 
Hochstwerte als des Leitstems unseres gesamten Daseins. 



Eine weitere Erkenntnis liegt in der Feststellung, daB die mit Handen nicht faBbare Idee der 
Volksehre doch ihre Verwurzelung in allerfestester, stofflichster Wirklichkeit aufweist: im 
Ackerboden einer Nation, d. h. in ihrem Lebensraum. 



[532] Kampf um die innere Freiheit 

Die Idee der Ehre ist von der Idee der Freiheit unzertrennlich. Mag man der Fassung dieser 
Idee in noch so verschiedener Abart begegnen, so besteht die metaphysisch tiefste zweifellos 
in dem deutschen Bekenntnis von Eckehart, Luther, Goethe bis zu H. St. Chamberlain, der sie 
unserer Zeit so lichtvoll gedeutet hat: in dem Eingestandnis der Parallelitat von 
Naturgesetzllchkeit und Freiheit, ZusammengefaBt im menschlichen Einzelwesen, ohne daB 
sich dieses Ratsel weiter losen lieBe. Das der Kausalitat unterworfene AuBere antwortet wie 
andere organische Wesen auf Reize und Motive, wovon das Innerste, die mit dem Willen 
verbundene schau doch unberiihrt und unberiihrbar bleibt, so sehr sie auch rein mechanisch an 
ihrer Auswirkung verhindert werden mag. Weshalb die Tatsache allein schon, daB Menschen 
diese innere Freiheit bestreiten, beweist, daB diese vorhanden ist. 

Die groBe Katastrophe unseres geistigen Lebens bestand darin, daB eine siindhafte, durch 
Blutvergiftung mitbedingte Verschiebung in der Freiheitsauffassung im deutschen Leben 
immer mehr zu herrschen begann: als sei Freiheit gleichbedeutend mit 
Wirtschaftsindividualismus. Dadurch wurde die wahre innere Freiheit des Forschens, 
Denkens und Gestaltens gestort: Schau und Wille wurden der Spekulation und dem Triebe 
immer mehr dienstbar. Dieses Hiniibergreifen der "Freiheit" in organische Prozesse zeitigte 
notwendig eine Naturentfremdung, abstrakt-schematische, wirtschaftliche und politische 
Lehren, die nicht mehr hinhorchten auf die Gesetze der Natur, sondern dem 
Vereinzelungstriebe des Indinidumns folgten. so hat eine scheinbar geringe 
erkenntniskritische Verschiebung ungeheures materielles Unheil iiber die Welt gebracht, denn 
Tag fiir Tag racht sich die unerbittliche Natur bis zur kommenden Katastrophe, bei der die 
sogenannte Weltwirtschaft mitsamt ihrem kiinstlichen, naturwidrigen Unterbau, einem 
Weltuntergang vergleichbar. 



[533] Ackerboden und Freiheitsidee 

Zusammensturzen wird. Braucht nun ein auBerer Druck eine starke Personlichkeit nicht zu 
brechen, kann er sie hochstens mechanisch zerstoBen, so ist doch klar, daB er bei M i 1 1 i o n e 
n massen eine Charaktervergiftung zur Folge haben kann. Eine solche wurde beim deutschen 
Volk durch den Mangel an Lebensraum hervorgerufen. Immer kl einer wurde im 19. 



Jahrhundert die Bodenflache, auf der noch erdverbundene Bauern geboten, immer groBer die 
Zahl der landlosen, besitzlosen Proletarier. Eng im Raum stieBen sich die Millionen in den 
Weltstadten, aber immer weiter stieg die Menschenflut. sie rief nach Industrialisierung, nach 
Ausfuhr, nach Weltwirtschaft, oder vielmehr: in ihrer Not geriet sie unter den EinfluB 
syrischer Verschworer, die die Millionen Besitzlosen nicht in raumsehnsiichtige Menschen 
verwandeln, sondem die noch Besitzenden auch noch proletarisieren wollten, um sich 
Sklavenheere ohne Boden und Eigentum zu sichem und durch ein nie erreichbares Irrlicht der 
"international en Weltbefriedung" auszubeuten. Mit diesem Diebstahl der Raumidee wurde 
aber die Seelenvergiftung erreicht: die Idee der Volksehre erschien plotzlich als 
unwesentliches Phantom, die Prediger des Raumkampfes wurden zu "volksfeindlichen 
Imperialisten" gestempelt und ein berechtigter, riesiger Freiheitskampf verfalscht, marxistisch 
miBleitet, um verzweifelnd im Sumpf des intemationalen Kommunismus zu enden. 

Die echte schopferische Idee der Freiheit kann bei einem Volksganzen voll erbliihen nur 
dann, wenn dieses Luft hat zum atmen und Land zum ackem. Eine lebendig wirkende Ehre 
wird man deshalb nur bei einer Nation dauernd tatig am Werke sehen, welche iiber 
geniigenden Lebensraum verfiigt; und tiefer: wo sich die Idee der gepeinigten Nationalehre 
erhebt, da ertont die Forderung nach Raum. Deshalb kennen weder das bodenfremde 
Judentum noch das bodenfremde Rom die Idee der Ehre; 



[534] Der Begriff des Sozialismus 

oder besser: well sie diese Idee nicht kennen, deshalb wirkt in ihnen auch nicht die Sehnsucht 
nach Ackerland, iiber welches ein starkes und frohes Geschlecht seine fruchtbringende Saat 
ausstreut. Heute, da alle Feinde Deutschlands Ehre antasten, haben sie ihm auch seinen Raum 
gestohlen; deshalb geht auch der metaphysische Kampf letzten Endes um ununterdriickbare 
innerste Charakterwerte, bedeutet ein Ringen um Lebensraum. Lines starkt und stahlt das 
andere. Mit Schwert und Pflug fiir Ehre und Freiheit lautet also notwendig der Schlachtruf 
eines neuen Geschlechts, das ein neues Reich errichten will und nach MaBstaben sucht, an 
denen es sein Handeln und sein streben fruchtbringend zu beurteilen vermag. Dieser Ruf ist 
nationalistisch. Und sozialistisch! 



Im allgemeinen bezeichnet man mit Sozialismus eine Anschauung, welche die Unterordnung 
des Einzelnen unter den Willen eines Kollektivs fordert, heiBe dies nun Klasse, Kirche, Staat 
oder Volk. Diese Begriffsbestimmung ist vollkommen inhaltslos und laBt alien willkiirlichen 
Verbindungen freies Spiel, da der wesentliche Inhalt des Wortes vollkommen beiseite 
geschoben wird. Bedeutet soziale Tatigkeit ein privates Untemehmen zum Zweck der Rettung 
des Einzelnen vor seelischem und materiellem Zusammenbruch, so bedeutet Sozialismus die 
von einem Kollektiv durchgefiihrte Sicherung des Einzelwesens bzw. ganzer Gemeinschaften 
vor jeglicher Ausbeutung ihrer Arbeitskrafte. 

Jede Beugung des Individuums unter das Gebot eines Kollektivs ist also nicht Sozialismus, 
somit auch nicht jede Vergesellschaftung, Verstaatlichung oder "Nationalisierung". sonst 
konnte man ja auch das Monopol 



[535] Marxismus fordert Geldherrschaft 

als eine Art Sozialismus betrachten, was der Marxismus praktisch durch seine 
lebensfeindliche Lehre tut: den Kapitalismus so steigem zu helfen, daB er sich in wenigen 
Handen zusammenballt, urn dann die sog. Diktatur des Proletariats an die stelle der Herrschaft 
der groBen Weltausbeuter zu setzen. Grundsatzlich bedeutet das iiberhaupt keine Anderung 
der Verhaltnisse, sondern nur einen Weltkapitalismus mit anderem Vorzeichen. Weshalb der 
Marxismus iiberall mit der demokratischen Plutokratie marschiert, die sich dann aber stets als 
starker als er selbst erweist. Ob eine MaBnahme sozialistisch ist, kann sich also nur aus ihrer 
Folge ergeben, sei jene nun vorbeugender Art oder bereits vorliegende Tatsachen andernd. 
MaBgebend fiir diese Folge ist dabei das Wesen der Ganzheit (des Kollektivs), in deren 
Namen die Durchfiihrung einer das Individuum einschrankenden, gesellschaftlich- 
wirtschaftlichen Anweisung erfolgt. Der biirgerlich-parlamentarische Staat verfiigt tausend 
"sozialistische" Eingriffe, er belegt zugunsten von "Reparationen" alle Untemehmen mit 
Zwangshypotheken, er regelt Zolle, Anleihezinsen und Arbeitsverteilung; trotzdem ist er ein 
Klassenstaat, dessen herrschende Parteien nicht sozialistische, sondern das gesamte Volk 
belastende MaBnahmen erlassen. Genau so wenig vermag der von unten klassenkampferische 
Marxismus das Recht fiir sich in Anspruch zu nehmen: denn die bei seinem Triumph ihm 
unterstehenden Millionen eines Volkes werden nicht als Gesamtheit erfaBt, sondern zum 
groBen Teil als Ausbeutungsobjekte zugunsten der rein marxistisch interessierten 
Gemeinschaftsangehorigen. Deshalb war unter bisherigen politischen Bedingungen das Wort 
vom Staat irrefiihrend gebraucht, denn der "Staat" steht entweder im Dienste der Bourgeoisie 
oder des marxistischen Klassenkampfes, besteht) t also iiberhaupt nicht, so sehr sein Ersatz 
auch Anbetung fordert. Wie 



[536] Rationalismus ist Sozialismus 

immer sich der Konfessionalismus und dieser doppelseitig gefiihrte Klassenkampf auch 
dagegen strauben mogen: eine sozialistische MaBnahme kann keiner von ihnen erlassen und 
durchfiihren. Dies kann nur der Vertreter eines Systems, der das Volk als einen Organismus 
zu erfassen vermag, den Staat - wie ausgefiihrt - als Mittel zu dessen auBeren Sicherung und 
inneren Befriedung betrachtet, dem also die Ganzheit "Nation" der MaBstab fiir das 
Individuum und kleinere Kollektive einschrankende Handlungen ist. Aus diesem 
Gedankengang heraus, fiir den die Welt endlich reif zu werden beginnt, lost sich der groBe 
verhangnisvolle Kampf des 19. Jahrhunderts, das groBe Ringen zwischen Nationalismus und 
Sozialismus. Der alte Nationalismus war vielfach nicht echt, sondern ein Deckschild fiir 
agrarische, groBindustrielle, spater auch fmanz-kapitalistische Privatinteressen, weshalb das 
Wort, der Patriotismus sei die letzte Zuflucht der groBen Gauner, nicht selten seine 
Berechtigung nachweisen konnte. Und der Marxismus war ebenfalls kein Sozialismus, 
sondern als Sozialdemokratie offenbar Anhangsel der Plutokratie, als Kommunismus 
volkszerstorendes Toben gegen die echten Sozialismus ermoglichenden Eigentumswerte aller 
Nationen. Es ergibt sich also nicht Kampf, sondern Gleichung zwischen echtem 
Nationalismus und echtem Sozialismus, eine begriindete Zusammenschau, die Deutschland 
Hitler verdankt. 

Eine sozialistische MaBnahme vorbildlicher Art war die Verstaatlichung der deutschen 
Reichsbahn, die somit der geschaftshungrigen privaten Willkiir entzogen wurde, und bei der 
Betriebssicherheit jene volkserhaltende Voraussetzung war, die jedem Deutschen zugute kam. 
Eine echt sozialistische MaBnahme ist die Kommunalisierung der Elektrizitatswerke und der 



stadtischen Wasserversorgung, deren Dienst alien ohne Unterschied der Klassen und 
Konfessionen gilt. Sozialistische Einrichtungen sind der stadtische 



[537] Caritas und Almosen des Liberalismus 

elektrische Verkehr, die Polizei, die offentlichen Bibliotheken usw., wobei es vollkommen 
gleichgiiltig ist, ob diese Einrichtungen in einer Monarchie oder einer Republik vollzogen 
werden, was erneut diese Staatsform als vom Wesen der Fragen unabhangig erscheinen laBt. 
Die Monarchie war, wie das Beispiel der deutschen Reichsbahn ebenso wie das Exempel der,, 
Reichsbank" zeigt, wesentlich sozialistischer als die Republik von Weimar, die durch 
Unterzeichnung des Dawesdiktates und anderer Unterwerfungsurkunden beide vollkommen 
unter die Kontrolle privater - dazu noch auslandischer - Finanziers brachte. 

Der Kampf ums Dasein und die private Fiirsorge (manchmal auch kluge Symbiose) 
bestimmen das offentliche menschliche Leben. Das erste ist ein natiirlicher AusIeseprozeB, 
das zweite ein rein menschlicher, durch das Christentum vertiefter, edler Wille zum Nachsten. 
Beide Faktoren, sich selbst iiberlassen, wiirden den Tod jeder Kultur, jedes echten 
Volksstaates bedeuten. Es gibt deshalb gar keinen "natiirlichen", aber ebensowenig einen 
christlichen" Staatsgedanken. Der echte Staat germanischer Auffassung besteht darin, das 
Ringen um EinfluB an bestimmte Voraussetzungen zu binden, nur unter der Herrschaft von 
Charakterwerten vor sich gehen zu lassen. Der moderne Wirtschaftsindividualismus als 
Staatsgrundsatz bedeutete deshalb den Anspruch auf Gleichstellung eines gliicklichen 
Betriigers mit einem Ehrenmann Deshalb siegte auch nach 1918 iiberall der Schieber mit 
seinen Genossen. Die Caritas ihrerseits, als Almosen eines Diktators an unterdriickte 
Millionen oder als personliche Wohltatigkeit, heilt keine Schaden, sondern iiberklebt bloB 
eiternde Wunden. Sie ist so recht das Gegenstiick zur hemmungslosen Ausbeutung. Bisweilen 
baut der groBte Betriiger sogar fiir seine durch Jahrzehnte ausgepliinderten Opfer 
Krankenhauser 



[538] Der sozialistische Eigentumsbegriff 

und laBt sich dann von seinen Zeitungen als - Philanthrop feiem. 

Wer allso heute Nationalist sein will, muB Sozialist sein. Und umgekehrt. Der Sozialismus der 
grauen Front von 1914-1918 will staatliches Leben werden. Ohne ihn wird auch nie der 
Marxismus iiberwunden, nie das Internationale Kapital unschadlich gemacht werden. Aus 
diesen Griinden heraus wird begreiflich, daB eine echt sozialistische MaBnahme - von der 
Folge aus als solche deutbar - zunachst dem privaten Eigentumsbegriff gegeniiber neutral ist. 
Sie wird ihn dort anerkennen, wo er eine Gesamtsicherung verbiirgt, und wird ihn dort 
beschranken, wo er Gefahren birgt. Deshalb sind z. B. die Forderung auf Verstaatlichung der 
Eisenbahn und auf personlichen Grundbesitz beides sozialistische (und nationalistische) 
Forderungen. Beide dienen den wirtschaftlich Bedriickten, um ihnen die Voraussetzung fur 
kulturelle und staatliche Schopfungen zu geben. 

Von diesem neuen Standpunkt aus wird deshalb auf manche LebensauBerung breiter 
Volksschichten ein ganz anders geartetes Licht als bisher fallen. 



Die Verbindung zwischen Individualismus und Wirtschafts-Universalismus konnen wir in 
den letzten 100 Jahren auf politischem Gebiete unmittelbar verfolgen in der demokratischen 
und marxistischen Bewegung, welche von der Gliickseligkeit des einzelnen ausgeht und 
zugleich eine Menschheitskultur verkiindet, auf ein Pan-Europa hinausmochte, letzten Endes 
auf eine Weltrepublik, sei es eine Republik der Borsenmanner, sei es ein Gebilde der Diktatur 
des Proletariats als Schutzform dieser Weltborsen-Diktatur. Der Dawesplan und der 
Youngplan sind beides Gleichnisse eines Zusammengehens von Universalismus und 
blutlosem Individualismus. Es ergibt sich deshalb 



[539] Gegen den Universalismus 

daB als organisch nur Wechselwirkungen zwischen Ich und Gesellschaft, zwischen Ich und 
Nation anzuerkennen sind, weil im Begriff der Gesellschaft - also eines menschlich 
Organisierten - fur uns die organisch blutsmaBige Gebundenheit durch Charakterwerte und 
Ideale mit einbegriffen ist. Aus dieser grundsatzlichen Anschauung erwachst dann auch das 
gesamte neue Gedanken- und Staatssystem auf der Grunderkenntnis, daB nicht etwa ein 
abstrakter Individualismus oder abstrakter Universalismus oder abstrakter Sozialismus, 
gleichsam aus den Wolken sich herniederlassend, Volker formen, sondern, daB umgekehrt 
blutsmaBig gesunde Volker den Individualismus als MaBstab nicht kennen, ebenso wenig wie 
den Universalismus. Individualismus und Universalismus sind, grundsatzlich und 
geschichtlich betrachtet, die Weltanschauungen des Verfalls, bestenfalls des durch 
irgendwelche Umstande zerkliifteten, ungliicklichen Menschen, der sich zu einem letzten 
Zwangsglaubenssatz fliichtet, um seiner inneren Zerspaltung dadurch zu entgehen. 

Aus diesem ganzen Erlebnis einer Neugeburt, aus dem Anerkennen uralter ewiger Werte und 
aus der neuen Fassung der organischen Gegensatze ergibt sich uns plotzlich ein strahlend 
helles Licht, wenn wir die Entwicklung der letzten Geschichtsepochen iiberblicken. Wir 
sehen, es sei dieser wichtigste Punkt nochmals hervorgehoben, durch das gesamte 19. 
Jahrhundert bis hinein ins 20. zwei groBe Bewegungen - den Nationalismus und den 
Sozialismus - miteinander ringen und die Tatsache, daB sie beide groB und stark geworden 
waren, zeigt, daB ihnen beiden notwendig ein organisch gesunder Kern, organisch gesunde 
Triebfedern zugrunde liegen, ganz gleich, welche Menschen und Systeme sich im Laufe der 
Zeit dieser Willensmachte und Gedankenanlagen bemachtigt haben. Wir sehen den deutschen 
alten Nationalismus nach seinem groBen 



[540] Dynastizismus vergiftete den Nationalismus 

Aufflammen in den Freiheitskriegen, nach seiner tiefsten Begriindung durch Fichte, nach 
seinem explosiven Auftreten durch Bliicher und den Freiherrn vom Stein und Ernst Moritz 
Arndt und in seiner militarischen Tatkraft durch Scharnhorst und Gneisenau verkorpert, in die 
Hande eines innerlich iiberlebten, aber organisatorisch noch starken Geschlechtes iibergehen, 
wie es durch das System Mettemich am scharfsten dargestellt wurde. Der aufbliihende 
Nationalismus ging also gleich nach seinem Entstehen eine verhangnisvolle Verbindung ein 
mit dem Dynastizismus. 

Der Wert des Konigs oder Kaisers an sich stand hoher als der Wert des gesamten Volkes. Wir 
sehen eine Hoflingswirtschaft groB werden, die schon fruher zu einem Zusammenbruch 



gefiihrt hatte, wenn nicht die gewaltige Macht Bismarcks nochmals den Versuch 
unternommen hatte, Monarchie und Nation zu einem Einheitsblock unter dynastischer 
Fiihmng zusammenzuschmieden Aber wahrend Konig Friedrich der GroBe auch in 
schwersten Schicksalstagen diese Einheit verkorperte, hatte sein Nachfolger Kaiser Wilhelm 
II. diesen Glauben bereits verloren, indem er erklarte, seinem Volke einen Biirgerkrieg 
ersparen zu wollen und iiber die Grenze ging. Er hat damit den dynastischen Begriff von dem 
Volksganzen gelost und am 9. November 1918 zerbrach der dynastische Staatsgedanke, was 
allmahlich alle bewuBten deutschen nationahstischen Kreise zu begreifen beginnen. 

Neben dem Dynastizismus war der deutsche Nationalismus des 19. Jahrhunderts eng 
verbunden mit der liberal en Demokratie, die immer starker und starker wurde, je mehr 
Industrietrusts, je mehr die Weltwirtschaft, je mehr der GroBhandel und die Weltbanken 
anwuchsen. Die Wirtschaftsinteressen dieser Trusts wurden nicht selten 



[541] Tod des alten Biirgertums 

als Nationalinteressen hingestellt, so z. B. falschte man die Deutsche Bank und ihre Profite in 
der Tiirkei zu Volksinteressen des Deutschen Reiches um. Wahrend des Krieges konnten wir 
erleben, daB das Schtachtgeschrei der Nation nicht in der Erklarung bestand, daB der Grund 
und Boden, der vom deutschen Volksheer erobert worden war, nun deutsches Reichseigentum 
werden sollte, sondern jahrelang wurde nur iiber die Erzgruben von Briey und Longwy [sic] 
geredet, es wurden also die Interessen von Industrie und Profit iiber die Interessen der 
gesamten Nation gestellt. An dieser naturwidrigen Verkniipfung und Umstiilpung der 
Rangordnung stirbt heute der biirgerliche Nationalismus, und erst ein neues Erleben 
verkiindet einen neuen Nationalismus und verkniipft sich dadurch unbewuBt und bewuBt mit 
alien germanischen Freiheitskampfen der Vergangenheit, vor allem aber mit der unbedingten 
GroBe jener Manner, die Deutschland 1813 aus der Tiefe wieder zur Hohe fiihrten. 

Genau so wie der Nationalismus des 19. Jahrhunderts von marxistisch-liberalistischen Kraften 
vergiftet worden war, ist es auch dem Sozialismus ergangen. Wir bestimmten im 
vorhergehenden schon als sozialistisch eine staatlich durchgefiihrte MaBnahme zum Schutze 
der Volksgesamtheit vor jeglicher Ausbeutung und ferner eine staatliche MaBnahme zum 
Schutze des einzelnen vor privater Profitgier. Es kommt aber auch hier nicht nur auf eine 
formale Tat an sich an, sondern sozialistisch wird eine Tat nur in Bezug auf ihre Auswirkung. 

Deshalb ist es moglich, daB eine sozialistische Tat durchaus nicht, wie ebenfalls schon 
festgestellt, eine formelle Verstaatlichung mit sich fiihrt, sie kann, im Gegenteil, sogar eine 
Verpersonlichung, ein Freimachen vieler Einzelkrafte bedeuten, wenn dieses Freiwerden eine 
Starkung der Gesamtheit nach sich zieht. Als Bismarck einmal 



[542] Bismarck als Sozialist 

von der konservativen Seite als "Sozialist" angegriffen wurde, erklarte er, daB der Begriff 
Sozialismus fiir ihn unter Umstanden durchaus nichts Abschreckendes habe. Er habe die 
Eisenbahnen sozialisiert und er erinnere an die Tat der Bauernbefreiung durch den 
Reichsfreiherrn vom Stein, die ebenfalls eine sozialistische MaBnahme darstelle. Hier beriihrt 
sich unsere Anschauung aufs tiefste mit derjenigen Bismarcks. Die Tat des Reichsfreiherrn 



vom Stein bedeutete die Freimachung von Hunderttausenden von Bauem aus einer 
ungeheueren Zwangsherrschaft. Durch dieses Freiwerden der schopferischen Krafte hoben 
sich die Wohlfahrt und der Charakter des Volkes, und die Tat des Reichsfreiherrn vom Stein 
bleibt bis heute einer der groBten Meilensteine in der Geschichte der deutschen sozialistischen 
Freiheit. 

Damit ist der neue Gedanke greifbar herausgeschalt. Er stellt Volk und Rasse hoher als den 
jeweiligen Staat und seine Formen. Er erklart Volksschutz fiir wichtiger als Schutz eines 
religiosen Bekenntnisses, einer Klasse, der Monarchie oder der Republik; er sieht im 
Volksverrat ein groBeres Verbrechen als im Hochverrat. somit beansprucht die deutsche 
Erneuerungsbewegung dem formalen Staat gegeniiber die gleiche Freiheit wie Rom: sie 
erblickt in dem Bekampfer "d e s Staates", der fiir sein Volk und seine Ehre leidend ins 
Gefangnis und Zuchthaus wandert, keinen Verbrecher, sondern einen Edelmann. sie 
anerkennt keine innere Verpflichtung einem Gebilde gegeniiber, welches einem 9. November 
1918 entsprossen ist. "Unrecht" ist fiir uns aber kein Kampf, wenn er zufallig auch gegen jene 
Angehorige einer echte Religion politisch verfalschenden Lehre geht, die grundsatzlichen 
Landesverrat als ihren "Glauben" ausgeben mochten, sondern ein ungerechter Kampf ist ein 
Kampf gegen Volksgenossen. Und Todfeinde eines deutschen Volkes und eines kommenden 
deutschen Staates sind deshalb alle jene Machte, die Konfession oder 



[543] Eid auf die Nationalehre! 

Klasse zu ihrem Feldgeschrei gegen deutsche Volksgenossen erheben*. 

Das neue Reich fordert von jedem im offentlichen Leben stehenden Deutschen den Eid nicht 
auf eine Staatsform, sondern den Eid, iiberall nach Kraften und Vermogen die deutsche 
Nationalehre als obersten MaBstab seines Handelns anzuerkennen und fiir sie zu wirken. Kann 
ein Beamier, Biirgermeister, Bischof, Superintendent usw. einen solchen Eid nicht leisten, so 
verliert er zwangslaufig alle Rechte zur Bekleidung eines offentlichen Amies. Diese 
Staatsbiirgerrechte selbst, die jeder friiher als Geschenk bei seinem 21. Lebensjahr erhielt, 
werden in einem neuen Staat erworben werden miissen (Ein Gedanke, den das 

* Eine Abkehr vom, ein Kampf gegen den Staat an sich kann z. B. eine Zeitlang ein 
berechtigtes "antinationales" Geprdge tragen, wenn er ndmlich von rassisch-bewufiten 
Herrencharakteren und nicht von Knechtsnaturen gefiihrt wird. Denn auch solchen wurde 
und ist ihr Recht aufBodenbesitz verkUmmert, gestohlen worden. Das sahen wir 14 Jahre, da 
der demokratische Geldpobel nach Enteignung des mobilen Besitzes seine Hand auch nach 
dem unbeweglichen Eigentum ausstreckte und Bauern und Gutsbesitzer durch Hypothe ken, 
Marktanarchie usw. indirekt beraubte. Bismarck sagte einmal, ein Staat, der ihm das 
Eigentum nehme, sei sein Vaterland nicht mehr. Das war die Absage eines Herrn; von 
dhnlichen GefUhlen bewegt, zogen bodenberaubte Deutsche in alle Weltteile, um Eigentum zu 
erwerben; das oft eintretende spdtere Abwenden von der Urheimat beruht auf der neuen 
Verbundenheit mit erkdmpftem Besitz. Der Schrei aber, "Eigentum ist Diebstahl", war der 
Kampfruf einer unschopferischen Sklavennatur. Es war kein Wunder, dafi der Syrier Marx 
diesen Ruf auf griff und mit an die Spitze seiner oden Lehre stellte. Uberall jedoch, wo der 
Marxismus irgendwie herrschend wurde, konnte er als unwahrhaftig entlarvt werden: bei 
seinen Extremsten ist geradezu die Gier nach Besitz dann am deutlichsten hervorgetreten. 
Deshalb lautet angesichts der frtiheren Volksberaubung auch fiir alle Proletarier, geradeftir 
sie, der Kampfruf Schaffung neuen Eigentums, Erkdmpfung neuen Lebensraumes. 



[544] Kein " Volk von Briidern" 

nationalsozialistische Programm bereits vertritt.) Erwerben durch untadeliges Verhalten in 
Erziehungsstatten und im praktischen Leben. Ein Deutscher, der sich gegen die Ehre der 
Nation vergeht, begibt sich ganz folgerichtig damit des Rechts, von diesem Volk noch Rechte 
irgendwelcher Art zuerteilt zu erhalten. Manner, die einen Eid aufs deutsche Volt aus 
Gewissenskonflikten nicht zu leisten imstande sind, soil der Staat nicht verfolgen, aber 
selbstverstandlich ist, daB sie damit den Anspruch auf Staatsbiirgerrechte verlieren. sie diirfen 
also nicht Lehrer, Prediger, Richter, Soldaten usw. sein. Die liberale Weltanschauung hatte es 
in ihrer volksfeindlichen Uferlosigkeit mit sich gebracht, daB unter der Lehre von der Freiheit 
der Gesinnung auch die Lehre von der Gleichberechtigung aller Tatigkeit politischer und 
lehrender Natur verstanden wurde, ganz ohne Bezug auf ein gestaltendes Zentrum. Es ergab 
sich daher ganz folgerichtig, daB nicht nur einem Bekampfer einer Staatsform, sondem weit 
dariiber hinaus einem Hetzer gegen das Volkstum schlechtweg, das doch jeden Staat zu tragen 
hat, die gleichen Rechte zugesprochen werden muBten, wie einem, der fur dieses Volk sein 
Leben hundertmal in die Schanze geschlagen hatte. Der liberalisierende geistige Bastard sah 
es meist sogar als besonders "menschlich" an, die internationalen "Weltideen" zu pflegen, das 
kraftvolle Betonen des eigenen Volksrechts aber dummdreist als riickstandig zu belacheln. 
DaB ein Chaos darauf folgen muBte, ist nur zu natiirlich. 

Es versteht sich auch von selbst, daB es immer politisch wirkende Personlichkeiten und 
Gruppen innerhalb eines Volkes geben wirb und geben muB. Ein "Volk von Briidern" ist eine 
Utopie und nicht einmal eine schone. Restlose Briiderschaft bedeutet Ausgleichung aller 
Wertgefalle, aller Spannungen, aller Lebensdynamik. Kampf bleibt auch hier stets der 
lebenzeugende Funke. Aber alle diese 



[545] Sterben aller alten Parteien 

Kampfe sollen sich innerhalb eines Ideals abspielen, auf ihren Wert an einem Wertmesser 
gepriift werden: ob die gepredigten Gedanken, geforderten MaBnahmen geeignet sind, das 
deutsche Volkstum zu veredeln und zu starken, die Rasse zu kraftigen, das EbrbewuBtsein der 
Nation zu erhohen. Politische Parteien, die bei ihrer Tatiqkeit danach fragen, inwieweit etwa 
die Internationale Klassensolidaritat oder Internationale Konfessionsinteressen gestarkt 
werden konnten, haben in einem deutschen Staat seine Daseinsberechtigung. Die Tatigkeit 
solcher volksfeindlichen Parteien in Vergangenheit und in der Gegenwart hat die Seele des 
Deutschen zemagt und zerrissen. Einerseits blieben auch die Anhanger des Marxismus und 
des Zentrums doch Deutsche, andererseits muBten sie auBerhalb des Deutschtums liegende 
Werte als Hochstwerte anerkennen. Das Problem des kommenden Reiches der deutschen 
Sehnsucht besteht also darin, diesen gequalten, irregeleiteten Millionen eine neue 
Weltanschauung zu predigen, ihnen aus einem neuen Mythus heraus einen alles formenden 
Hochstwert zu schenken, oder richtiger gesagt, den in alien schlummernden Wert des 
Volkstums und der Nationalehre vom Schutt der Jahrhunderte zu reinigen und in sein Zeichen 
das ganze Leben zu stellen. Erst wenn das geschehen ist, kann ein Deutsches Reich entstehen, 
sonst sind alle Versprechungen leeres Geschwatz. 

Der rein staatliche Apparat vermag aber diese Arbeit der Typisierung des Volkes nur in 
unvollkommener Weise durchzufuhren. staatliche Gesetze konnen fast nur abschlieBender 



Oder schrankenbildender Natur, nicht lehrhafter Art sein. Der Staat kann und muB z. B. eine 
bolschewistische vaterlandslose Partei unterdriicken; er kann das aber auf die Dauer nur tun, 
wenn hinter ihm eine starke lebenerneuemde Welle und schopferische gesellschaftliche 
Arbeit stehen. Diese Arbeit wird ein bewuBt aufgebauter Mannerbund durchzufiihren haben. 



[546] Hitler, der Erwecker der Rassenseele 

Wir wissen es seit 1933, mit Hilfe welcher Krafte der Unstaat vom November 1918 durch ein 
Deutsches Reich ersetzt worden ist. Wir kannten seit Jahren den Mann, der ein neues Banner 
auf den Tiirmen deutscher Stadte hochziehen wiirde. Wir kennen und erleben endlich heute 
die Machte der aus tiefem schlaf erwachenden Rassenseele, die diesen Mann notwendig 
tragen muBten. Aufgabe dieses neuen Staatsgriinders ist, einen Mannerbund, sagen wir einen 
Deutschen Orden, zu gestalten, der sich aus Personlichkeiten zusammensetzt, die fiihrend an 
der Emeuerung des deutschen Volkes teilgenommen haben. 

Die Mitglieder dieses "Deutschen Ordens" werden vom ersten Staatsoberhaupt nach der 
Neugriindung des Reiches aus alien schichten des Volkes ernannt. Vorbedingung ist: 
Leistungen im Dienste des Volkstums, gleich auf welchen Gebieten. Der auf diese Weise 
ernannte Ordensrat wird beim Hinscheiden eines Mitgliedes stets durch Neuemennungen 
vervollstandigt. Das Staatsoberhaupt - Prasident oder Kaiser oder Konig - wird aus dem 
Ordensrat und vom Ordensrat mit Stimmenmehrheit auf Lebenszeit gewahlt. (In dieser 
technischen Hinsicht ist die Organisation der romischen Kirche als Fortsetzung des 
nordischen altromischen Senats mustergiiltig.) Einerseits steigen somit die volksdienenden 
Krafte des Ordensrates aus alien Schichten der Nation nach oben iiber seine Stadt- und 
Gauverbande, in jedem Fall bedingt durch hervorragende personliche Leistungen; der 
Zusammenhang zwischen Volk und Fiihrung bleibt also erhalten, eine kastenmaBige 
AbschlieBung, wie sie nach 1871 zutage trat, wird vermieden. Andererseits jedoch wird die 
uferlose Demokratie und die mit ihr stets zusammengehende Demagogic verabschiedet und 
durch den Rat der Besten ersetzt. Eine Erbmonarchie veranlaBt zwar den Trager der Krone 
schon aus eigenem Interesse, seine Hauspolitik den Interessen des Volkes anzugleichen, 
jedoch besteht die Gefahr des Verfalls einer 



[547] Geld und Parlamentswahlen 

Dynastie wie bei jedem anderen Geschlecht. somit wird notwendig ein Byzantinismus 
einsetzen, ohne daB das Amt des Kaisers wiirdig vertreten ist. Als Folge dieser Zustande 
ergibt sich aber gerade das Gegenteil der durch die Einsetzung einer erblichen Monarchic 
angestrebten Stetigkeit des Staatslebens: eine Herabsetzung des Kaisertums, Unruhe, 
Revolution. 

Das Volk kann heute nur selten unmittelbar einen groBen Mann erschauen, dazu bedarf es 
vorhergehender Katastrophen, in denen sich einer sichtbar herausschalt, herausringt. Im 
gewohnlichen Leben ist deshalb eine Prasidenten- und Kaiserwahl, unmittelbar von 70 
Millionen ausgeiibt, nur eine Frage des Geldsacks. Daraus folgt, daB in 99 von 100 Fallen 
kein echter Volksfuhrer, sondern ein Angestellter der Borse, des Geldes iiberhaupt, an die 
spitze gelangt. Deshalb muB auch mit dieser verlogenen demokratischen Forderung im 
kommenden ersten deutschen Volksstaat endgiiltig gebrochen werden. 



Daraus ergibt sich auch, daB ein die Regierung beratendes Parlament neben dem leitenden 
Deutschen Ordensrat nicht durch eine Massenvernebelung zustande kommen darf, wie unter 
der Herrschaft des unsittlichen demokratisch-parlamentarischen Systems. Uber die Grenzen 
der Dorfgemeinde, der mittleren Stadt hinaus, verliert der Durchschnittsmensch den MaBstab 
fiir sein Urteil. Er vermag auch eine Personlichkeit selbstandig nur dann auf ihren Wert 
einzuschatzen, wenn er in der Lage gewesen ist, ihr Wirken an Ort und stelle zu verfolgen. 
Dies ist, wo Parteigruppen in alien Fallen die Wahlen zugunsten meist unbekannter GroBen 
beeinflussen, nicht moglich. Es muB also unbedingt von dem Grundsatz ausgegangen werden, 
daB keine Listen, sondern Personlichkeiten bei der Wahl ausschlaggebend sind. Deshalb wird 
in einem Deutschen Reich unserer Sehnsucht auch eine Parlamentswahl 



[548] Neugestaltung der Volksvertretung 

nicht auf der StraBe auszutragen sein, sondern durch die Vertreter der groBen Korperschaften 
des Landes: des Heeres, der Bauemverbande, der Beamtenschaft, der Organisationen der 
freien Berufe, der Handwerkergilden, der Kaufmannschaft, der Hochschulen und anderer 
Standegruppen. Je nach GroBe und Bedeutung wird den Vorsitzenden dieser Gruppen und 
Stande die Zahl der Vertreter zugebilligt werden miissen. In erster Linie werden hier die 
Heeresfiihrer zu beriicksichtigen sein. Das Heer muB von jedem parteipolitischen Kampf zwar 
fern gehalten, aber seine politische Ausschaltung, wie es die Borsen- und 
Journalistendemokratien anstrebten, muB im kommenden Reich ein fur allemal aufhoren. Das 
Heer ist nicht dazu da, sich wortlos aufs Schlachtfeld treiben zu lassen, aber auch nicht dazu 
geschaffen, damit es von feigen pazifistischen Demokraten im Namen "des Staates" verraten 
und entwaffnet wird. Die furchtbaren Erfahrungen des Weltkrieges stehen hier als mahnendes 
Beispiel fur alle Zeiten vor uns. sie diirfen sich nie mehr wiederholen. Abstimmen wird aber 
nicht eine heimliche, namenlose, aufgepeitschte Masse iiber zwanzig oder dreiBig Listen, 
sondern letzten Endes ein Kreis von Personlichkeiten. 

Schon Bismarck hatte das geheime Wahlrecht als ungermanisch bezeichnet. Das ist es auch. 
Durch diese Namenlosigkeit wird die Feigheit des Einzelnen als eine Denkungsart unter 
anderen anerkannt, es wird bewuBt das Gefuhl der Verantwortung untergraben. Auf ein 
ganzes Volk angewandt, bedeutet das Ziichtung einer seelischen Verlumpung. Nun werden 
aber Menschlichkeiten auch im besten Staat nicht zu vermeiden sein. Ein abgelehnter 
Kandidat wird eine Person, die ihn vielleicht aus rein sachlichen Griinden fur ungeeignet hielt, 
nur zu leicht als personlichen Feind betrachten, was viele und unerwiinschte 



[549] Der unverantwortliche Parlamentarier 

Schwierigkeiten im Gefolge haben muB. Der praktisch gangbare Weg ware demnach, wenn 
den wahlenden Personlichkeiten freigestellt wiirde, ihre stimme offen oder geheim 
abzugeben, sowohl in den Wahlen fur das Parlament wie fur die Wahl des Staatsoberhauptes 
innerhalb des Ordensrats. Mit dem ausgedriickten Wunsch verbunden, frei und offen seine 
Anschauung zu bekennen, wird es nach und nach moglich sein, eine verantwortungsfreudige 
Wahlerschaft groBzuziehen, was durch einen sofortigen Befehl der offenen Wahl sicher nicht 
zu erreichen ist. 



Im Zeichen des alten Parlamentarismus ist jeder einzelne Abgeordnete unverantwortlicher fiir 
sein Tun und Lassen als je ein unbeschrankt befehlender Monarch. Bin parlamentarisch 
gestiitztes Kabinett wiedemm bemft sich bei seinen Beschliissen auf die beriihmte,, 
Regiemngsmehrheit". Gelingt ein politisches Programm, so ist der parlamentarische Minister 
ein„ groBer Mann", gelingt es nicht, so zieht sich der betreffende Minister - auBersten Falls - 
zuriick, ohne zur Verantwortung gezogen werden zu konnen. Diese Tatsache reizt die 
skrupellosesten Parlamentarier naturgemaB, sich stets e