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Full text of "Die Mücke - Dokumentation der Ereignisse in Leipzig 1989"

DIE 



MÜ 










msiäiswnlmeml 

7A./2Z.4'8$ 






». ■ >jr äst jf a» 










+&*¥ 



KT 



Vox populi 



'Ist nicht der Witz und 
seine Aufnahme für jede 
soziologische und politi- 
sche Untersuchung wichtig? 

(Victor Kle 



"ufkleber, hergestellt 
zur Solidarität mit 
den Inhaftierten 




gesehen hat ." 

i 



^ oV >* INZ1B.1. 



* l"„wt»* * das ^nsa ,v £,. 







^ 7,tfft eW c a c^ e 



INHALT 



I. "Was war los in Leip_ 
II. 1« Solidarität in de* 
II. 2. Internationale Sol 




ig ?". 

DDR„ 
idar it at 



Impressum: Die Mücke. Dokumentation der Ereignisse in Leipzig, 
herausgegeben von Mitarbeitern der Arbeitsgruppe 
Menschenrechte und des Arbeitskreises Gerechtigkeit 
Leipzig, März 1989, innerkirchlich 



^ 



mumm 

für 1c f n so tv, JLont nur dio "Juago : 'olt" ati 

aauar, ali Jeno, für die Voraamtaluaga«*, i/ioiuuuga», 

F*oauo- und ?■: Lfjuia^sfroihelt zu oiaor douokratioohon Geoalleobuffc 

gabören, In uoipaig loa war ooll blas La ?erm oiaor Chronik doa 

lotsten Jeüaroc (orloht übur die v/onl grüßte Solidariaiarua^a ollo 

tan oineu "Sroignle" ai;u;erba.lb voa Berlin, dio dio DDR seit Jabven 
or lobte» vorgclogt worden« 

weloho (klronen-0 politisonon Beoüaungoa aur Beilegung doa Konflikt 00 
führton» ißt aahwcr au bourtoilea e i?oiJ. aa gegeocrbrtlgon Xafor~ 

;üationaatand oc ,aov zu untorooheidoa lat f Gerücht, xraa {jozlolto 

Foaliaforuntioa und von duroli Icdiakretioo öffentlich Gouordenea iut« 
Dioa küaaoa dio Verfaaaor, ae'ion weil ol priazipiolloo Üißtrauafi von 
aoltoa doa tttaatoa uad dor iiirJhoaioitu;.; iiuion gegenüber boatobt» zun 
jotzigon '/,«.•' Büt .'idaten* Jeder d m Betroffenen noch ihrou 

Freunden atergründo für die -olluag dor Sruittlungo- 

vorfohron aaeh / 35 der Sf'B0 mitgeteilt. 

Binigo dieser "Infuruotioaon" vollen wir aior Jodooh hcrvorhebea 
ohao ihre« oahrheit it er! .-.'klich tfaa jru kennen* Kauipf grupj on~ 

oitgltodor in Zivil« dio gegen dio Do&ona trauten vom 15. X« vergehe«' 
acuten» aoi.iGi - irritiert durci; dio l'oilnuhuo voa Eltern mit Kindorn- 
Bofohlo aicnt befolgt und otaoa vo» dos* Auf löauag dor Daoonatratlon 

Xanten Rini laoastJrantoa nioht ^oaehloaaoa haben, so do*J oa 

aur in o:i ido duroli BeroltaehaftapollZoi kau» Andoro aollen i» im 

ahfciaoln dar afragt wio aio in £ut.unft handeln würden - Inresa 

i ;ibor doa Vorgehen go^on friodlioha Demanetrontoa geäußert hoben« 

fuadsoohzig Ana tritt e und Auaaealüauo aus doa Karipfg^Ppen aoXlea dio 
Folge gowoaoa ooi 13. 1» ocli oo olao Sitzung dor Bezirksleitung dor 

QVSi gegeben habon» boi dor auch der 1» Sekretär dor Bozirkaloituag dor 
SBO ia DSSledaa f-odruv und 2 Polltburomitalioder aasiroaoad wurea, die dio 
Vorhaftuacou alo aieal tia Xatoroaao »ior .«zalcbaotoa* Dio Stoato- 

gioaorhoit aoll Ho Sroigaiauo ia )*.pziß au*a Anlaß zu aohuoa 

vorauobt aal . gaaocita Frio; l ßürGorrooiitöboi7oouag dor 

DDH vdreucebaa« . aumladaat die t'url- oa "SBerookg Kl?Aruac oiaoo 

SaoiMfüX'aalte.j" voa X3«l« oia Xadiz liofora« rad ©citlioi^liob soll der 
Staataratavoralt; ':.oh Uomosicoi ia Gospraoh alt doci 

aoliuedieoboa »idaa^oo 1* C 24»i# poraöalioii dio 

Siaatollu j^uittlaai^voriaaroa o % hm"ocv&» 

oa zut« ■ ^ Aktlvltätoa dor i^oipzi^os a :-il«bt eo im Blick» 

pmütt dor ö< ioakoit siaadoa u oroo« au dio Katuickluu(; 

auu 15«1» uad t dar tvroit ilGöXi» naiton wir oa füür 

aöfcic, lütt einer Car^rlk doa .lotzfc. i ;ot;iauca« Dioeo Caroalk 

iot aäoiior a Auob dio Soll . ■■ ^kuffiduason konntou vir 

aiabt aiio orcri laoa» uei >r utaaaliun uabokaaat bllob. 

uad zuü aad< ■, aafzuaobz^ . amoa dioaor Dolaaaoatatioa 

Goopvaa&t bnfcto^ • -oa all joao, die . i üborsaneea f-daloa biorfUr 

^ataohul ^äagoa ainii/ir Jodooh 

lator&aaioi''; Itato uad Dokuuontc 

' it in . en odoroplogoln« 

•'.-■-:. -zig UolOaar strt 31 
Big Uoiünor Str* 31 
.ok I^iobfcor «ig yioliaol-Ko.zmiar&zalw 

Straßo 18 

paig, fcfarz löaö 



"WAC WAR LOS IS Äl?21«3V'»w iüXNS ÜHBCN3S 



I,S.,2u88 In e -?::e»ji M< ü ition&gottesdienst; mit anseal leßender Vor* 

..:. ron Laiaz^er üaisgruppen atui Bsneflzkonsert iß d<£.< Mi- 
oa&öiiaki.' J wird über Perspektive» •• r ^rbe.it ä«c Grupf-« 
nach d&a 1 orgav es vjn dj.e Luxemb rfc-L^sbknesht-TiamonatraU ■■ 
1938 naongodaC&J - 

19, 2-88 Vor etwa Sou aus.: *i«e-Antragatei: ;^ra sprich: Pftarrar Führer 
in der Ni&olalkArcho aber n l*eban and Bleiben in dor DDP" 
Daß ein Ai-ead zu diesem Thema in einer Kirche atattf ladet, 
wird von don Ausreise-Antrags^ellern La andgültiges Z«i ;iaea 
der Kirche ::ur liilfe für ihr iWoolös- (jBiß-Overstnndeno 
Ist Ansohlt an de» Vortrag stollte» aSch die batr«|g3tolier 
ftSanfrod Hartmann, Frank öolfgang saaefcoG* Dr* Steffen Kind 
und i>r« Michael. Kuai.© (alle sind Mitarbeiter der "Arbeits« 
g puppe Ausreise des Arbeitskreises Goreohtlgkeit M uad des 
Geapräehakreises um Jugeadpfarrer Kadea) als Kontaktpersonen 
zur Ausreisaproblematik vor« Außerdem wird ein« Eingab© an 
den Kechtsaussahu£ der Volkskammer ▼erteilte Darin wird 
die Verwunderung zum Ausdruck gebracht s daß man.'frau sich 
offensichtlich "landesverräterisofcer Beziehungen" schuldig 
maohen muß, %n die DDR zügig verlassen zu können« Gleich- 
zeitig wird m; eine klare gesetzliche Regelung gebeten, vis 
sich an internationalen Konventionen ausrichten müßte« Der 
Hrief fand weit« Zustimmung und werde 1b Februar, ,^ärz uad 
April von Ovwa i?OüO Antragsteller» in der ganzen DDR abge- 
schickt- In der Folge des Abends bildet sich, neben dem sehe» 
bestehenden Geeprächskroia von Ausreise-Antrags teiierXanen 
um Jugendpfarrer Kaden oin »eiterer ^w Pfarrar Führer» 

27,2*88 Während des Beisgruppentreffeaa H Friedei|Konkret 71 vom 

28« bis 28* £■-- in Cottbus werden. gegen 16<>0Q r Jhr «ach einer 
Ausweiskontrolle Brigitte Moritz (AG FriedensdlanstJ und 
Kalna? Müller (Uonreltgruppe Bvrna) durah die .)%■■ Volkspc 
llzel zugeführt* Haan des üaschlaenonjae Ihrer Tagungzpap.tera 
werden sie au Inhalt und Zielsetzung.' \ dieses kt : shlio] an 
Seminars befragt, wobei Haine. 1 :' i/üllejc auch körperlich hprt 
bedrängt wird« 

38,2»83 In der Reformierten Klrcno findet eine Graphikauktion statte 
Der seriös ron 1H OCJ Mark, ist in 3 gleichen Teilen für die 
ökumenische Versammlung, die Arbelt ven Baisiagruppan und 
als Hilfsfond für "in Bedrängnis geratene Basisjruppenait- 
arbelterInnen , ' , bestimmt « 

29«&o88/ Die Mitarbeiter doa "ArboitafcreiaoB Gerechtigkeit" Frank 
l«8o88 Wolfgang Sonntag ,md Dr.- Michael Kunze werden inhaftiert- 

Innen wird die Erarbeitung und Verteilung d&r obengenanntes 
Eingabe vorgeworfen^ In diesem Zusammenhang werden auch iar 
Mitarbeiter das "Arböltskreisas Gerechtigkoit* Dr« Steffen 
&iad und einige anträgst e Herinnen des Gespräohakreises um. 
Jugondpfarrer Kaden zugeführt« sie alle und viel« lausend 
Antrags toller Innen sowie einige wenige Basisgruppenmitarbei- 
terinnen in der ganzen DDK sollen in den folgenden Monaton 
nach aufährongen oder Vorladungen fcina Belehrung unterschrei- 
ben,, die :-äaon die Mitarbeit an kirchlicher! Veranat alt ungon 

untersagt« 
10»3«G3 Aufgrund voa Verhandlungen deg Landesklrchenaates Sachsen 
mit staatlichen Vertretern, von .x,ira,.ua des norwegisch i 
f.ußenmin&t'toriuirs, de 5 SPD-Voraits,f.nden üo Brandt, der 
städtischen Solidarität und der sineieht staatlicher Organe 
Herder He?*r sountng and Herr ür« kunze aus der iJntersn - 
ohun^shaft enti<,.a;-3en 1 Xix^e äralttlungsTerfahron nach 



.las teil-.--: 
14. 3« (äe< /-.liehen 

,■ ; . w* ' :,■■'-' jwj) penoitar«» 

pofc die X&soa- 

gtadt au* .;.,.■■ :&ek*e|§ 
fahren i 

dura* wod fordern die Dauon« 

oti^mtt . i löet ölet dor *>e- 

^onuts &er iofctung ^a~ 

ohsenj r*den * ■ .>n i&sen öti^e führt» 

2&«5* .;er ■ B *ür Oßtiefcelt dos' 

reairii • :« ein/e Vertroter/I» 

jeder *eßt euf ■ ig. 

üu|...or * 

Fried« iw 

QWÜtfX 

, reatic " & 8 

dureh >ppen f 

die da» e~ 

uohlu i 3U 

fcteber« 

Ende i .* itextoeiti an 

Ar-ril/ des » "Initiativgruppe 

!• &• Leben*') w« - :<3a 

sind tie su tfis:sii Iw Eineats» Dt« 

äte&teeJ ajLorJ»©it befürchtet ei» adige Tei e an 

d&Ü &t&* itliOh' • ' ft» 

l*fc# iteim ■' • »eloei vOluae 

ilfjiati) cm des« offiziellen wolf I '-ellzunehuen» 

oiö ©erden naot »Ott »*JR>« ilanf&ug 

Gatten 

36* &• .af d« < '0-«?o8 f der iu 

ior ProLa»>eikijpo findet, i de* OIsu~ 

kioaisöi- • eeproo 

•"■Ade ' ÜTßerli :;em ; ffe&eton oder leoen 

:..ai an LitfQveättloa'i:-»li:..-ödio. Aufruf s 

l^ea Leonre; iwitercetoen 

5* Juni 10J ' ■ uaeitt! 

Fleiß . 

Aio Av^sdsruofe roffenheit 

liunu&t 

a lo, 
bie 

.... .i 

»J. »83 

■ •' I ' ' 

1 ' ' t tot* 



Uagirlua, Staatliche Gewaeseraufsioht » Jugendpfarrcr Ka- 
deiij versehiadeae Betriebsdirektoren, Pfarrer Woanebergor , 
Bus— Hyg°- laapaktioa, Pfarrer Hervor und Stadt re^ortor der 

••■•■■ ' lieüeadea Mahl bitten wir, Kleine Portionen 

aa G; eisen, Instrumente und Blumen mitzubringen* 

l^t;- Uwe 3cawa.be von dar Initiativgruppe Lebeu wird zugeführt« 
7 Stunden lang wird er zum am Weltumwelttug st,-tt findenden 
1« i-Ieläe-Gedenkujazug befra&t» 

3oö» Roland ^uester, dsr einer Verladung f.*r den 2.. JuuJL nicht aacu- 
gekox.ien war* wird .igeführt und zum selben Eheiua befr ,^t. 

i>«ü« Hat 3r aktiver Teilnahme voa Mi t arbeit er Innen er Initiativ- 
gruppe heben, des Arbeitskreises oerechtlga-eit uad de8 Arbeits - 
kreiaea - Solidarische Airohe - Regional« 

gruppe Leipzig nehmen 230 Burgerlanen Laipuig« am 1- i iei3e~ 
Geda.ikumzug teil- Der Gedenkmarsch war a-eine kirchliche Voran- 
ataltuagj sondern ward« von Staatsbürgerinnen ia ihrar Verant- 
wortung für die Unweit durchgeführt .. Kr fuhrt-, von der Teich- 
strafe auf eiaeia iwela jadlgea leg durah den Clara-Zetkin-jark 
Richtung Innenstadt» Ka gibt keine Behinderungen durch '..le Staat - 
lichea Organe (a- ümwel tblätter ID/dd; ;;tr -1 flichter Juai L;ßC), 
11-ü- Di© für dienen Tag geplante 1 bei:22&->! „u^xaifta merkst .:.tt ii*<! 
bereits einige Reihen » «..■. abg^sagit. dt» di- ;uperlnteadeate„. 
Dichter unc Ma- • i ..■ e« ablehnen, dlo Verani • mg zu ubar».e~.- 

12..v« An d'j.- Wallfahrt zue ■ ^weltgot te-idiouijt n. »tut«: an unter äau 

l'he.aa "Umaere Zukunft hat aehon begojuiea" « ilea Mitarbeit er 1 »ea 
dos Arbeitskreis aa 3ereehtlgkelt* ? ult Spruchbändern gegen Lora« 
kraft werke und für mehr Freiheit für Druckgenehmigungen" teil- 
nehmest» Vom Kirchen- /rat und Oeutsaa unu einigen l farrern wer- 
den sie au& dem slsb formierenden Zug herausgeholt und inteaslv 
geboten <"einge»chl< »äsen von einer Doppelreihe Kirchenvorstands- 
..litgliedera und Pfarrern) , dtese »allfahrt "'nicht zu &13brau- 
ehea" « Originalton Pfarrer » <. « s "Machen sie doch ihre eigene 
Dt mens trat loa an einem äderen Ort"- Die baiatruppen der DI .. 
«raren eingeladen, nun wird eine von *-hnen ausgeladen « Lie **ru • 
pe vorrichtet dann auf eine Tollaah.au, wahrend Mitarbeiter 
der AQU mit Plakaten an dar Wallfahrt teilnehmen» 

27c v* jie Initiativgruppe Leben gestaltet unter Leitung von Pfarrer 
Christoph Wonneberger d«s letzte Frledensgebet vor der ~Oi ar~ 
pausoo Ais ko nkr ete Fürbitte wird in ihm für lierra 'i'allig '?el r . 
^eaaÄmelt» da er aufgrund des Anbringen» von L sungea ia de.r l' •• 
terfäh-rung am Leußchaerpiata (Im 'Äuaarauenhang d^r Januar -ci ei ^ ■ 
ais^e) mehrere Tausend Mark Strafe uad Jehaden ersetz zu zaale_ 
aatttfe. Der anwesende Superintendenteas toll Vertreter Wugk diä- 
ten .1 ort sieh noch ! .;; Friede:ji^ebet von dieser '' konkreten i r 
bitte" 8 da sie eine 'illegale iiammlouti*' »ts - Dlwse Dlataazi ir-j 
stellt «laen Übergriff auf :U .• ausge. ■ .delte rriedensgebats- 
prascis dar,. <% die Fürbitte ia der /e: -..t.fc.t i-. t rfarrer .o. & 
bergers lag« Diese konkret* Fürbitte vri.uie uater audere^ - -. 
rliiaß für die folgende r\ueeii*anderafct.iUai J , "u. das Frieda s;_e--* 
,;.eu,0-j.neao 
ö»0» Die Initiativgruppe Delea, die \rbaita u x*upp<' ^easchearacht c . 
die irbeitsgruppe Umweltschutz und : er Arinitsi'jrois GareoLt. 
uelt gestalten in der Mlchaoliskiroha ein üeder-kgebet übe*' .:>. 
efr.hren der Mutzung v n Kernenergie - 

2?.-. : x ie Vertreterinnen der Basisgruppen im Beiirkaaynodalauaaoaju. 
/»•laden uad Gerechtigkeit erhalten einen auf den 15 A-u^ust 
dc.tiertea Brief von Superlate.vdent Uatjiriu». Ia iha heiSt oc 



unter ander em: 

"Die Nlkolaikirchgeiueinde übernimmt nach der Sommerpause Durch- 
führung und Verkündigung der Friedensgebete seibat» 
Die u»oistexi Teil*. • Mor «lind . t des Zusammenkünften sind 
nicht intereacie und engagiert as den Fragen "Frieden-Ge- 
rechtigkeit Dewaii :g der Schöpfung Inne des fconzill^aren 
l'r zesaea, zcna-v ' rwaron von ii s drehe, daii dissg «ich für 
ihre Probleme eins >...--'' 

Herr MagirJ r&iPi (i» Absprache mit dem If arramtalei- 
ter 5t o Niki L&j ••.-. Johannis < Pfarrer Führer), ohne daß es 
»inen Klrehenror* ündsbeschluß von ilt* Nikolai -St. Junaunis 
gibt, ohne eich mit den Bsisgruppen beraten 2-1 nahen, ohna den 
Beschluß deti Bczi^ssynodalaussehusses zu beachten (er galt 
bia zum 31« Oktober) an, daü die B?»isisgruppen von der Gestal- 
tung de« 1 Frieden» gebet e ausgeschlossen werde.. 
C5-.il» 13 Mitarbeiterinnen der Initiativgruppe heften 4 de® Arbeits- 
kreises Gerechtigkeit» der Aktion Sühnezeichen, des Arbeits- 
kreises Solidarische Kirche - H^gionalgruppe Leipzig und der 
Arbeitsgruppe Umweltschutz richten eine Protesterklärung an 
Superintendent Magxrius« In inr heißt es- 

"».. sie grenzen uns aus mit der Begründung, laß wir alü 
Gemeinde n >»< rix den Fragen Frieden, Gerechtigkeit, Bewah- 
rung der Schöpfung im Sinne Aea Jconziliaren Prozesses nicht 
interessiert i eugagiort sind »»» 
Gegen diese \'f, ahranaweiee j.ro testieren wir! 
Allen Gruppen iat ein tiefes und enr liebes Interesse den 
Friedensgebetan Selbst Verständnis»» unser Anliegen ist es, 
in den Gebeten unseren Problemen« unseren Erwartungen an 
die DDR-Gesellschaft, wie auch unserer Stellung zu globa- 
len Problemen - die im kon r aliaren Prozeß zusammengefaßt 
sind - Ausdruck zu rerleihenc- Dies mb hten wir mit unserer 
eigenem Sprache, unseren eigenen Gedanken, der Vielfalt 
unserer Meinungen, der Erschütterung und Besorgtheit tun 
und das selbstverständlich in der uns eigenen Glauben* - 
form« 

Die in den letzten Monaten vorwiegend dur^h Auareisean- 
tragst eiler vergrößerte Gemeinde stellt in den Augen dar 
Staateorgane (.für wen auch iumer) eine potentielle Ge- 
fahr dar- Mit der beabsichtigten Ausgrenzung der Antrag- 
steller atelJ in Sie sich auf die Seite derer, die dieser 
Gemeinde ein •;•■ rliehee Inte'; esse an Inhalt und Botschaft 
dieser Gctte&d onsfce absprechen« Die Gemeinde nimmt aber 
diszipliniert : aufmerksam an den Gottesdiensten teil 
und wächst mit ihnen» 

Ihr Urteil über 'die meisten Teilnehmer* iat eine Diffa- 
mierung! 

Mit Befremden stellen wir fest, daß die versuracalten rail- 
nekmer von Ihnpi3 ni^ht als Gemeinde Christi angenommen 
Verden« 
Sir fordern?. 

- Offenlegung der tatsächlichen Hintergründe Ihrer uns — - 
verständlichen Entscheidung , 

- Wiederherstellung der Möglichkeit für die Leipziger kirch- 
lichen Baaiagruppen. die Friedonsgebete in i.iK,euvvr i;it - 
wortuiig (unzynaiert; zu gestalten» H 

39*ö* l-'>tz intensiver Bitten /erweigern Superintendent iviagirius und 
> farrer Führer d.-i Verlesen der Protesterklärung und eiue Dis- 
kussion über beia Texte mit der Gemeinde des Friedenagebetes- 
daraufhin entachli Jen siel: einige Baeisgrufpenmit arbeit er In: ,e,i, 
die Diakuasion nac us Friedensgebot auch ohne Genehmigua^ 



fcoonit u . Lteäu- : . ;. ein Deeisgruppen- 
■ . tr i '.texte verli« . ,3 1 sich Pfarrer Führer a f 
■ .ja« Bank und aag? unter ander rpi 

T ö8£» Bind keine .....vits von ans(e der Brief verlese?/ 
Verfasse* sau sie hier weite: : aiben, arbeiten wir 
nur den Staat in die Hände, der de La sasgebet de eher ie 

lieber ? aufhören lasse», will.» * 

Anschließend unterzeichnen 3üv Prs < : sbetateilnehmerlaaea 
die Protesterklärung der Basiegrupp« »beiterlnnen* 

päter- werdec gegen die TheologiesV, ;: -. Jochen Lfißig und 
Tboaas KudolpJ . eide Mitarbeiten ■ ■ >eitskreises Gereoh- 
tigkei t" ) wegen .u.rer reilaahrae an • /Ution von Theolo- 
gischen. Seminar, zlner kirchlichen iingssthtte, Diszi- 
plinare*:? ifen v . \ h ogt« 

Eooh «1 Abend ..des 23. 8. beschließt r\e: archeavorstand ^on 
^ J i&kolai-3t« iehanais« wa« auf .ino-Ydr-uag Superintendent 
üagirlus* (in Absprache alt Pfr. Führer j „im schon Friedens- 
gebetsprauig ist . 

Thomtta Ruaolpb iroa "Arbeitskreis Gerechtigkeit" wird suo Lei- 
ter der Volkspolizei des Bezirkes vorgeladen, weil er zu einer 

tumdkette von der Innenstadt buk uaoasgelände an 4. 9. aufge- 
rufen haben soll, pie 8 wa r nicht der Fall» Die Staatsaieher- " 
bsit hatte sich geirrt«. 

4« 9* Am Tag der .iesseor Öffnung fahren etne -cO Fahrradfahr crimen 
von dar Innenstadt am üeseegelinde (auf dem eich der Staats- 
ratsvorsitzende ßrich Iloneoker und iie Politproninena aus Ost- 
und West befindet) vorbei ins Grüne, Ihre Fahrt sollte Zeichen 
für eine Soiidargeffielnsohaft all derer sein, die truKr oel v 
individuelle Rechte eintreten, Einige <ie< Teilnehmerinnen vrer- 
•den später S^öcU. Klärung eines Sachverhaltes" vorgeladen* 

5. 9« (MesseEsontag) Vor dem Beginn des Friedensgebetes werden in der 
Hikelaikirche unter dein Titel "Die üdrehe" die Dokumente des 
staatlichen und kirchlichen Dienatwagee ^er Erklärungdes Polit- 
Duromltgliedes Dr. n. Jarowinsky an. i>r $. Lolch von 19. B.198S 
and ein Oifeaer Brief an den Laodes'bischof Dr. J. tleapei aber 
r:.3 Vorgäbe ui das Friedensgebet verteilt« Im Anschluß an das 
rrieaenngeoet fird auf .des nikolaiklrokacf folgende Erklartmp 
verlesen s " " J 

";."ir, 4, a< einige Mitglieder dei Leipziger kirchlichen Ea- 
sisgruppen Gerechtigkeit, Initiative ,.o.,en und Solid iriaohe 
Kiroi :, heute noch elaual de " rrauoh, uns au die $f~ 

ceit 2U wenden« Bisher hat. *n wir die Mfc>liohkeit. 
äas in rohe ati tun» Vor z-arei üben wurde uns üe 
Sprecherlay :ia iureh die i/erantwo ;hen entzogen» "'kot- 
ge ■■ n öffentlichen Beteu.erua.r0/3 des Superintendenten 
UK ; i*e irrere dleeer Kirche, laß ihre Entscheidung al- 
lein 1 , Gewissen und vor ,., : , - ., tx tffen ist;,, '«rissen 
wir» daö raaasiver livS^ror Druoii 3'ar r ,bcstzung dea Friedens-' 
gebetes der ürui :»en {■-fuhrt hat D den Gebeten sind öfter 

i taut geworden, die hioa . • sa d nicht an die Öf- 
fentlichkeit dvlrfens Ontufrledenheit rit üirohe und Staat - 
Protest gegen Unterdrückung - a ' -.a? Solidarität. Dacdt 
soll Jets» .ü/ivi3 sein! 
Kfir eaipf aden Ai* Vorgange ar. die Awaetzung dieser kir-oMi- 

-r.a 7eranateltuag «is skandalo, 
' w»a a weil hier ßntscneidvni . .'on Leuten beeinflußt 
»rden, die üöer d&s, was in einer Xirche passiert, nichts 
zu befinden haben, U?ute, iie eowoi national als auch 
int er rational dae Heohtdiei freif.-at deligionsaueübunp" f ;: r 
als vert7irklicht •■ . 



' V 



-~ ? ~ 



- «.um .vnderen, reil die klroh.iisij.eB Vertreter die Ver- 
schleierung oder tatsächlichen 8ach.Terh.alte ml ^betreiben, 
indem sie i&r eigens« Reden und di&s Reden anderer nach 
der politischer, Gefälligkeit zensieren. 
Wenn diese Haltung in der Eirene zur Regel wird,* sehen wir 
die Glaubvüx <gkeit dieser Institution gefährdet* wir «ehen 
uns als Chri: ph und als Leute, die di« Wahrheit lieben, 
verpflichtet, >er au protestieren. Wir rufen alle Verant- 
wortlichen dazu auf, die wahren. .Hintergründe ihrer ^ntschei- 
dungen cff anzulegen and wenigstens in ihren Räumen das Reoht 
teer freien Meinungsäußerung aufrecht zu erhalten- Wir bitten 
>aa Solidarität aller, die so emfpindea wie wir. Wir bitten 
all jene-, den«*n die Freiheit d er Kirche und die Freiheit der 
Meinungsäußerung tn diesem Land am Herren liegen, »ich zu 
Wor'c su melden- " 

Später verfassen auch die Arbeitsgruppe Menschenrechte, die 
Friedensgebetsgeßeinde, der Gesprächskreis um Pfarrer Kaden 
und die Arbeitsgruppe Umweltschutz Protestschreiben wegen der 
Ausgrenzung 1er $ta$i*gruppen ^om Friedensgebet. 

Nach dem Friedensgebet versuchten etwa 200 Antrags teil er Innen 
eine MsnacheaiKette zu bilden und gingen Riohtuag Markt . Dort 
löste »ich die Menschenkette nach dem Eingreifen von Staats- 
aioherheitakräften in Zivil auf* 

ll 9c Mitarbeiter des- "Arbeitskreises Gerechtigkeit" organisieren als 
Staatsbürger DDR. die Teilnahme einer Gruppe v«*n etwa 50 Bür- 
gerinnen am UNICEF-Lauf Sport Aid, da sie nicht verstehen, wa- 
rum nebsn Chile» Rumänien und Südafrika auch die DDR offiziell 
nicht teilnehme will» 124 Lander (darunter die Sowjetunion) be- 
teiligen alch offiziell an dem Lauf- 50 Menschen Leipzigs 
setzen ein Zeichen unserer Mitschuld an i.QX' Armut der Zwei- 
Drittel -Welt und für eine Unterstützung der Armen.-. Das Start- 
gell ging wie in einem Gespräch mit staatlichen Vertretern 
diesen mitgeteilt, wurde - an Brot für die Welt* 
(3* Streiflichter 7» 20^ 9. 1938) 

2y*9 u - In der Phlliopu& Kirchgemeinde findet die 1- Leipziger Zukunfts- 
2olü- Werkstatt statt (a. Streiflichter Okt* 1988 , Kontakte Okt* 1988) 
3« 10. Nach dem Friedanagebet kommt es auf dem Nikolaikirchhof zum 

ersten Meeting über aktuelle Fragendder Gesellschaft, da diese 
Fragen wiederholt aus dem Informationsteil der Friedensgebete 
entfernt wurden ■ 

7c 10«. Ein Meeting von 60 Antragstellerinnen zu Mens chenreoht» fragen 
auf dem Thomaakircnixof wird durch geschickten Einsatz ziviler 
Sioherheitskräfty im Ansatz gesprengt« 

10,10. Nach dem Friedensgebet in der Nikolaikir:-he werden vor etwa 
200 Meaechen von Basisgruppenmitgliederlnnen ein Beschluß zu 
gesellschaftlichen .Prägen der Synode des Bundes der ev. Kirchen 
in der DDR verlesen und weitere aktuelle Informationen gegeben, 
die in der Kirch* nicht angesagt werden durften» 

1? -10. Nach dem Frittdencgebet veranstalten 300 Menschen auf dem Nik^- 

lalkirohhof »sin Meeting über die Zensur der Kirchenzeitungen und 
den verh.in&ei-ien Schweigemarsch von 200 Personen in Berlin aio 
10- 10. Sin Brief entwarf an den Staatssekretär für Kirchen* ra- 
gen Dr K. Löffier wird vorgestellt und angenommen» 



Staatssekretär für Kirchenfragen Leipzig, am 17 , 10 .88 

Herr G* Löffler 

(Adresse) 

Sehr geehrter Herr Staatssekretär! 

A» 10.10- B3 iand in Berlin eine friedliche Demonstra- 
tion gegen die fortgesetzte Zensur in evangelischen Kir- 
chenzeit ungan statt« Der Demcr s trat ionszug' wurde nach we- 
nigen Metern von zivilen und \jp.i formierten Sicherheitskräf- 
ten gestoppt uad die mitgeftthrten Plakate heruntergerissen» 

Im folgenden Handgemenge wurden auch in der DDR akkre- 
ditierte Journalisten aus der Bundesrepublik Deutschland hei 
ihrer Arbeil ehindertc 

80 Perser wurden vorläufig festgenommen* Entgegen der 
ADN-Meldung 9 aß alle Pestgenommenen gegen 21 <> 00 Uhr ent- 
lassen wurden, w,ren die letzten Beteiligten erst 
0«15 Uhr frei -. 

Wir sind der Meinung, daß 
auch in der DDR eine friedliche 
Demonstration möglich sein muß! 
Wir unterstützen den Protest der Berliner Christen, Wir 
erwarten von den kommenden Gesprächen zwischen Kirche und 
Staat die verbindliche Zusage , daß Eingriffe in kirchliche 
Publikationen in Zukunft unterbleiben» 

274 Unterschriften 

20ol0o Beate Fanrnl ander, Maxfred Fahrnländer und Aacol Hollcki werden 
wegen des Meetings vom 17c. 10« zugeführt; am 21« 10 wird Stefan 
Fehrnländer zugeführt 9 am ZA« 10» wird Thomas Baumann (alle 
sind Mitarbeiterinnen. des"Arbeit3kreises Gerechtigkeit") zum 
Amt für Inneres bestellt «„Von dort wird er durah Mitarbeiter 
des MfS auf die Du. -;roffstraße zugeführt. 
23*10« Andree Botz, lfiehael Arnold und Andreas Radlcke von der Initia- 
tivgruppe Leben werden zugeführt und zur Arbelt ihrer Baaisgruppe 
befragt «, 
24»l0o Während des Friodensgebetes in der Nikolaikirche gehen etwa 
15 Basisgruppenmltgliederlnnen in den Altarraum.. Sie tragen 
Kerzen und Plakate folgenden Inhaltes s 
"Wir mahnen, an die zu "denken, die gehen mußten" 
"Wir mahnen, die Wahrheit zu denen" 
"Wir mahnen uns, danach zu handeln',' 
"Mündigkeit verpflichtet - zivil er ""Ungehorsam" 

Im Anschluß an das Friedensgebet wollen sie eine Erklärung abge- 
ben. Dies wird, ihnen vom anwesenden Stiperintendanten Maglrius 
verwehrt ■. Daraufhin verlassen sie mxt den Plakaten die Kirche 
und verlesen die Erklärung vor etwa 450 Personen auf dem Niko- 
laikirchhof. In ihr heißt es u-> a»s 

"Unsere Arbeit in den Gruppen ist getragen durch den a^n 
Christus geleb* m Glauben an Menaohlichkeitund Menschenwürde . 
Wir brauchen di< 8 .ilidarltät alier - die auf verschiedenste 
Art und. Welse nasn diesen Werken suchen und leben möchten- 
Wir können nicht mshr nebene inander für dasselbe! wirken 
wollen* Es ist Zeit - sich zu engagieren - weil wir jetzt 
leben und nicht mehr lediglich auf Veränderungen in der Zu- 
kunft hol f en konnex 

Die Angst der Menschen vor ihrer Umwelt und vor sich selbst 
wachst ständig - Die Kluft zwischen persönlichem Denken und 
Fühlen und dem Handeln nach Normen» suggesstierten Wünschen 
und gesellschaftlichen Ansprüchen nimmt immer mehr zu, 
/Unjßt und Zwiespalt zerstören Lebenssinn und menschliche 



9 - 



Beziehungen. 

Wir können dem nur durch gemeinsames , bewußtes , fteues H&n- 
dein und Umsetzung unserer Erkenntnisse begegnen. 
Unser© Forderung nach Veränderungen müssen inJier gesell- 
schaft Hohen Öffentlichkeit sichtbar werden* 
Die Arbeit der kirchlichen üaaisgruppen ist ein versuchter Weg 
an den alles umfassenden Themen Frieden • Gerechtigkeit - 
Bewahrung der Schöpfung zu arbeiten. 

Sie basiert darauf - sich gegenseitig anzuregen und zu motivie- 
ren - Probleme gemeinsam zu tragen und im Handeln nicht allein 
zu sein. 

Auch wenn diese Arbeit von verschiedenen Seiten in der Kirche 
weder geachtet, anerkannt oder &ar gefördert wird - gilt es, 
dieaen minimalen Freiraum in diesem Land zu nutzen. 
Es liegt an uns - die Kirche linier wieder an ihre im Evange- 
lium verankerte und von Christus gelebte Aufgabe zu erinnern - 
sich dem iiensohen und seiner Umwelt zuzuwenden. 
üir bitten Stich, diese iVorte anzunehmen und sie nach eigenem 
Ermessen umzusetzen. 
26.10./r;eoen ihrer aktiven Teilnahme am Meeting vom 24. 10. werden am 
4.11. 26. 10. Katrin Iiattenhauer, Rainer Müller (beide Arbeitskreis 

Gerechtigkeit), Uue schwabe und Frank Selicntin (beide Initiativ- 
gruppe Loben) zugeführt} am 31. 10, wird Anita Ungar (Initia- 
tivgruppe Leben) zugeführt; bereits am 27. 10. wird Gesine 
Oltmanns (Arbeitskreis Gerechtigkeit) zugeführt. Am 1. 11. wird 
Jochen Läßig (Arbeitskreis Gerechtigkeit) "zwecks Klarung eines 
Sachverhaltes" vorgeladen, am 4* 11. wird Uwe Schwabe erneut 
vorgeladen. 

An 17. ilovember erhalten die Zugefühlten Urdnungsstrafverüfungen, 
Hainer Müller und Geeine Oltmanns über je 500.75 if| Frank 
Sellentin über 400.75 ik\ Jochen Läßig über 200.75 M| Anita 
Ungar und Katrin iiattenhauer über Je 150.75 M. Uwe Schwabe er- 
hält einen Verweis. 

In der Ordnungsstrafverfügung heißt es: 

"Sie haben am 24. Oku 1988 eine Ordnungswidrigkeit begangen, 
indem Sie in 7010 Leipzig* fllkolaikirohhof , an einer Versamm- 
lung teilnahmen, durch die die öffentliche Ordnung und Sicher- 
heit beeinträchtigt wurde und gesellschaftliche Interessen miß- 
achtet wurden." 

"Begründung-. Wer vorsätzlich das sozialistische Zusammenleben 
der Bürger stört, indem er eine Zusammenkunft, die geeignet iot t 
gesellschaftliche Interessen zu mißachten oder die öffentliche 
Ordnung und sioherhait zu beeinträchtigen, organisiert, in son- 
stige* Weise daran mitwirkt, kann mit Ordnungsstrafe belegt 
werden ♦ " 

Lnde Ilovember leben die Betroffenen Beschwerde ein. Am 19.12. 
erfolgt die Ablehnung .*er Beschwerde. Am 2.1. rrifft eine Mahnung 
aur Zahlung ein, durch die sich der Betrag um 10,- LI (Mahnge- 
bühr) erhöht*. 

'Mahnung 
Sie, nahen Ihre Zahlungspflicht nicht eingehalten und hierfür 
auch keine Gründe angegeben. Es wird darauf aufmerksam gemacht, 
daß ohne weitere Mahnung die Vollstreckung erfolgt, wenn Sie 
bis zum 16. !• 89 keine Zahlung leisten." 

Bio iiitte Februar wurde weder der Betrag gezahlt, noch voll- 
streckt (also gepfändet). 
29.10. Von der Initiativgruppe Leben, dem Arbeitskreis Gerechtigkeit 
undder Aktion Sühnezeicheo wird der 1. Abend zur Solidarität 
mit dem rumänischen Volk durchgeführt. Ein Protestschreiben 
wird verfaßt. 



. 



Protesterkiäa \ ng 

Lei-yKigj den 1; iiove&bor 19 



Sir aohten die nationale Souveränität Rumäniens* glauben 
aber 5 , daß arir angesichts der fa'en^ehenrechtsverletzuEgen 
in Rumänien nicht sohwelgen dürfen ;~>d die in Rumänien le- 
benden lAmscmn unsere Solidarität brauchen- 
wir protestieren* 

- daß trö.ts angeblicher wirtschaftlicher Srfolge und Fort- 
schritte die Lebensbedingungen füs die Mexuchen in Ru-« 
siänien :siui6h3M»&d katastrophaler verdau und -selbst G-rund- 
nahrungsiäit&el nicht in ausreichen des» Uaße sur Verfü- 
gung stafc.en, 

- ijer^on die geplante Blnebmmg voa fci 3ÖG Dörfern, 

- gegen die Isolierung & ör Bevölkerung, s. B« durch arill- 
küriiaLa Raisebesohränkungea» tTbsrnaehtungsverbot für 
Ausländer bei Privatpersonen? be aränkfce Telefonier 
möglioh&eiten los Ausland, 




sehenden Personenkult flioolae Ceauoeaou«. £r l&% mit den 
Grundsätaen Sozialist isolier Demokratie nicht vereinbar* 
üir sehen in dar l'erieihuag des Scirl-Siarx-Ordenö an 
/iioolae Ceancescu dureh die Regierung der DDR aine 3ür- 

digimg dieser Verhältnisse in Rumänien. Deshalb distan 

zieren wir un& Odavoa« 

Wir bitten um Änderung der Verhältnisse* 

Pur die Bürger Rumäniens nehr Brot* oon* Freiheit» mehr 

Mens chl i chke i t • 

Diese Erklärung vurda von 89 Teilnehmer» des Rumänisnta- 
ges am 29*. 10« 83 in Lei^siig-Moelesu angenommen» 

Im Hamen der Tailnehaer* Geeine ültsanns (Adresse) 

31. 10» Die Initiativgruppe Laben und die Arbeitsgruppe töeaaohenrefth- 

te veranstalten In der Lukaskirehgeaaeiads aiit SSO Personen 
einen Abend -zum soziale» Frie&ensdienst- . 

S.U. bis 16-11« Friedens dekade 

».11« Aus Retroffeneb.it iher den Kustaac i imrei < ft for- 
miert sich, nach dea Friedansgebet gna Progroagedenlc-sa, 
als -ans »Initiative sur gesellschaftl in Srneuerung der 
P DR" ein Seh^eigeEarscsh. Der di . . vor 200 Personen führt von 
der HikAlaiki*ona aua Gedenkstein au dar ehemaligen Synagoge. 
hm Gedenkstein »erden Kerisen niedere es teilt. Dew Sng duron. 
die Innenstadt wrir.1 van der »olisei die Straße frelgeiia.lt es« 

.Über.. die. Gründe und .Hint ergründe des Wöiurei&ssarec&eß gibt. 

ein Flugblatt. Auskunft» 

Initiative aar gesellsohaft liehen Brneaerucg der DDR 

Leipzig» des. 9« Hcv.1988 

Die Pogroonaoh vor 60 Jahren mahnt «a j 5 

Die Menschen in Deutschland waren 1933 durch fünf u 
fasehistisofee Diktatur \md Ideologie ia Denken und Fühlen 

geprägt und d< formiert . daß und Gewalt gegenüber Aade 
lenkenden fanden in den b'öpfen der km!&Ghen daßtals 1! 
Legitimation- Dia Angst vor des totalitäres Staatsgef ; 
und das Lllß treuen zu seinen Mitmenschen i. taten sich in 
der Gesellschaft aas. Unter dem ständigen l-iinfluß des fa- 
schistisches l'- assankult.es vorder Kritik and aufbegehren 



- 11 



bis ins eigcx, Danken selbst zensiert. Cie Ms .en sogen 
sich in die PriTatephare zurück» Sie vol n eine innere 
Emigration oder mußten emigrieren« Wissen und Ahnung um 
Raseenverfolgung and Gewalt, gegen Andersdenkende brachte 
nur wenige «Jensonen zum Handeln* 

t.ii» erfahr n durch die Aufarbeitung der Zeit des Sta« 
iinisauü au* len aeitungen der Cawööiuaion, wie Anders« 
denkende unte* 5 ueia keckuiauwel der tuarxistiscfe-lsninis ti- 
schen Ideologie verfolgt und ermordet erurden. 

tfir erlebe i in unserem Land» wie Menschen mit kon- 
struktiv-krit .sehen Meinunger, kriminalisiert und als 
Staatsfeinde verfolgt werden. Wir erleben Ausgrenzung und 
Diakriminderuug , ftie lange ■■erd'sn aar als mündige Bür- 
gerlnnea des treten sozialistischen Siaai:3ü auf deutschem 
Boden noch zt lehear 

Kenn Skinheads und einige Fußballt "ans neonazistische 
Parolen schalen? 

Wann verf&s i'ngswidrige Ausländerfeindlichkeit gerade 
auch geger /"leidgeprüfte polnische iTolk us sich greift? 
v7enn ?in Vertreter der ürei sleitua*; dar PK* an der 
C. v. Oßaiatz.Ky EOS in Berlin» im Zusammenhang mit den 
Releglerungen und sehulstrafon gegen Schüler , die die 
offizielle 'Speakers Corner ' zxm friedlichen Meinungs- 
streit über die Situation in Polen und "iilitärparaden 
nutzten, sagte, 'man bemühe sich, um jeden zu kämpfen 
(z. n. um Grabschänder, Skinheads u« a.) f aber in die- 
sem Fall müßte die Trennung vor., eindeutig staatsfeind- 
lichen Schülern erfolgen'? 

Wenn die Fr »iheit der Presse» über alle gesellschaft- 
lichen Bereiche zu berichten» durch die sogenannte Druak- 
genehmigur.t-jpraxis verhindert wird? 
Wenn Junge Uon80hen» die sich anders kleiden als die 
Mehrheit der Bevölkerung » wie die Punks in Dresden we- 
gen "unästhetischen Aussehens" Ordnungsstrafen zahlen 
müssen odex physische Gewalt durch Polizisten 
erleiden mt sen? 

nenn üitart >iter der Kirche.' von ujj.t.en in Weimar - wie 
z. ß« Jörg /. ikor - für Ihr JEngagement aus Aufklärung 
über IWF und Weltbank psychisch unter Druck gesetzt und 
physisch mißhandelt werden? 

wenn Oitarteitern kirchlicher und unabhängiger Gruppen - 
wie am 23. 10«, 1» 11«, 4» 11* in Berlin und zwischen 
dem SO« 10 < und 1. 11 o in Leipzig geschehen - auf Grund 
ihres friedlichen Engagements und ihrer öffentlichen 
Meinungsbekundung zugeführt, und Ermittlungsverfahren 
wegen krimineller Handlungen angedroht werden? 
Wenn Schriftsteller - wie am 1. 11. Johanr.es Bader ~ 
nach Leeunc ?n, bei denen sie auch über gesellschaftliche 
Probleme informierten, polizeilich zugeführt und Manu- 
skripte oei chlagnahmt werden? 

Eenn eir das Gedenken an die Pogromnacht für uns an- 
nehmen 5 müss ' l wir unsere Verantwortung als Mensch wahr- 
nehmen; die i rantwortung für die Freiheit, de» Menschen 
in unserem L* i, die Verantworte-;:, für &'rieö.en s Gerech- 
tigkeit und I ahrung der sohepfung. 

Wir protestieren gegen neostalinistische Tendenzen in 
der Gesellschaf tsotruktur d DB ?*ii »testieren gegen 
n e o n a z i s t i s o h e Tendenzen in Denken und 



12 - 



Handeln einiger «Jensonen dieses Landes. 

Wir fordern die Regierung der DDR auf,,, die Kriminali- 
sierung und Ausgrenzung von Andersdenkenden, die die ?für- 
de des einzelnen achten» zu beenden, Wir fordern einen 
ö f f e n t 1 . o h e a a i a 1 o g aller gesell- 
schaftlichen Kräfte, der Kritik und Selbstkritik ein- 
schließt, über alle- Problewfelder dieses Landes. 

11» 11. In der Bikolaikirciie findet dev "Abend für den Frieden 5 * .jtatt. 
Er wird allgemein als Höhepunkt der Priedensdekade angesehen. 
In Vorträgen, Podiumsdiskussion und Ständen wird von 1000 Per- 
sonen der Fragen nach Frieden, Gerechtigkeit und Bewahrung 
der ümweltgedaoht. Bedauerlich war, daß leider einige Gruppen 
erneut ausgegrenzt wurden. So wurde dem Arbeitskreis Gerech- 
tigkeit von Pfarre.' Führer die Genehmigung smr Aufstellung 
dreier Tafeln zur Ausreiseproblematik kurzfristig wieder ent- 
zogen. Kurzerhand entfernte er auch die von einem Mitarbeiter 
der AGM an eine Klageasuer angebrachten Bilder über die Po~ 
lizeieinsätze gegen friedliche Demonstranten In Prag. 

13.11. In der Reformierten Kirche wird von der AG Umweltschutz, dein 

Christlichen Umweltsetalnar RÜtha und dem Jugendpfarramt Leipzig 
mit 500 Personen "Bin Tag für Sspenhaln" veranstaltet« Stände, 
Vortrage und eine. .j'odiumsdiskuosion geben Auskunft über den 
Zustand der Region Borns /Espenhain. Die Aktion "Eine Mark für 
Espenhain" als Zeichen dafür» daß die Braunkohleschwelerei in 
Lspenhain,rekonstniktionsbedürftig ist, wurde erneut unter- 
stutzt, 
(s. Streiflichter Jovember 1988) 

16.Ho Mitarbeiterinnen des Arbeitskreises solidarische Kirche gestal- 
ten einen Informatione&bend' über Rumänien» 

17*11» Familie Kleine chma(.?er und Marion Klement werden inhaftiert, 
nachdem sie Ausreise-Antragsteller für den 20. XI« zu einem 
"Schaufensterbummel" mit anschließender Diskussion über in 
der DDR tabuisiert? T&emen aufgerufen haben sollen. 

19*11.» Am 2* Leipziger Tag zum konziliaren Prozeß werden die Ergeb- 
nisse von Magdeburg besprochen. 

20.11» In der Karl-Tauohntta-strl treffen sich Ausreise-Antrags tel- 
lerinnen zum "Schs. uf ensterbummel" (s. o.)» Nach einer Auffor- 
derung durch die S cherheitskräfte, 3ioh zu zerstreuen, setz- 
ten sich trotzdem ,twa 60 Personen Richtung Innenstadt In Be- 
wegung, liaoh massi/em Polizeieinsatz löst sich die Gruppe auf« 
22 Personen, darunter auch ein 15 jähriger Junge, der auf dem 
Weg zum Zoo war, worden zugeführt. 8 Personen er- 

halten Ordnungsstrufbescheide zwischen 100.- und 500»- Mark, 
weil sie "in sonst '.ger Weise an einer Zusammenkunft teilge- 
nommen" haben, "die geeignet war, die öffentliche Ordnung und 
Sicherheit zu beeinträchtigen". 

20.11» Der DDR-weite Aufruft wegen -3$? Relegierungen. und schulstrafen 
gegen Sohüler der berliner EOS "Carl von Ossietzky" am 27.11. 
einen Aktionstag durchzuführen, .wird bekannt. Von folgenden 
Leipziger Basisgruppen wird der Aufruf mitgetragen* Arbeits- 
gruppe Friedensdienst, Arbeitsgruppe Menschenrechte, Initiativ- 
gruppe Leben, Arbeitskreis Gerechtigkeit, Offene Arbeit leokau» 
Arbeitsgruppe Umweltschutz, Mitglieder des Arbeitskreises 
Solidarische Kirche / Regionalgruppe Leipzig. 

21.11» Es kommt zu einem Gespräch zwischen Landasbiochof Dr* J«. Rempelt 
dem LK R Auerbach, den Superintendenten Richter und kia^irlus 
sowie einigen Pf ar ern und Basisgruppeninltarbelterlnueia iber 
die Themen des kor biliaren Prozesses und die Situation in der 
Stadt, bei dem auch sie Vorgänge um das Friedensgebet bespro- 
chen wurden. 



1 1 nni 



;- '■ 



■ 
- 

rinne rc t.lv- 

uppe I 

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m, mi1 

nalie. Araber tref- 

fen Ordnon; t~ 

■ans v oh ur In 

7oß ein. auf eh noc 

ufgrur. >inand< rativ-: 

cheiden ..- Olttaan 

.dem Arbeit i a Gerchtigkeit ans« 
8 »/So Xa; ZusaiiSBenhang mit für den Tag der Menschenrechte befürchteten 
Aktionen müssen alle Auereise-Ant.r&gst-elXeir dar "Arbeltegruppe 

preise des Arbeitskreises Gerechtigkeit" die DDR ;t 
rarlaoaac« 
10« 12» 31ne Arbeitsgrupp© zur Situation der Ma»söheureohtc n in der 
auch drei Leips* g«r Gru&psn mitarbeiten» kündigt den Beginn 
ihrer Arbeit an 

Arbeitsgruppe zur Situation der Menschenrechte in der DöR 

Am 10» Dezember 1948 verubechiedete dia Vollversammlung 
dar Vareinten Nationen die Allgemeine Srklärung der Manschen» 
rechte« Ana Anlaß dea 40. •Tahrestagea diese« Ereignisses 
wird die "Arbw-tagruppe zur Situation &dr &*ensofeaarachte ö 
Bit der SoE&luug und Veröffentlichung konkreter Verletzungen 
dar Menschenrechte in d&r DDR beginne*»» ' l.r stützen uns 
hierbei auf dl© von dar DDR auerlfcaunt© Allgeeein© Srklärung 
der Kam ?echte von 194S und aaf die von der DDR ratifi- 
ziert an UHO« J&onve&ticnen übe«» zivile und ooü tische Recht© 
eoisle übar wirtschaftliche,, soziale und kulturelle Rechte 
von 1966» Dar Stand bei der l?ar«4rklichuiie dar &©&eaheurechte 
ist sin entscheidender Indikator für den Zustand ©iaor 
Gesellschaft« Aus diesea Grunde ist dlo Information dar 
öeffeutliohlcslt über Uenaaas&redatsverlotzuagen unerläßlich« 
auch tsb Ansatzpunkte für ©ine breite Diskussion über die 
gesell-schaf tilahsn Verhältnisse in dar DDR und zu not« 
wendigen Varändarungaii zu markiar^sn« ;,<ir rufea dazu auf, 
unser Anll* n vielfältiger iveiase zu unterstützen» 

10* Bftzeribsr 1968 
Kontakt adre« 



•>»«W*»*7M*» «« — ■* •»»•tri»- ■ 



Bariin« id dar aii&aapcamten Situation keine 

Ic udresae angegeben «erden* 1 ationaa 

können aber in dar Ctoelt-Bibllothek (1068 Berlin» 
Grlebanowstr» 16) abgegeben werden* 
Güstrow* Heiko Liatz 3800 Güstrow Yrotsche Str. 11 
Halles rin i&genfeld 4020 Holle Marthastr» 12 

Jenat ler Oberthiir 6804 Dorndorf ßurgelsche Str. lo 

Leipzig* gang Sarstadt 7o5o Lsipzig iäleastr« 12 

Doreen Penno 7o5o Leipzig Loßnlger str* 14 
Baniffcurg« illahaol Klei© 46oo öaurabürr -aoltt-Pieck-Platisll 

liis £ den Arseitssoh^erpunkte sind lückenhaft, da zur 

Zeit bestimmt© irobleaüPeldte? w©gen ihres Umfange« wahvseaein» 
liefe vo& un a eicht erschöpfend bearbeitet rrerden können» 



Dies bedeutet jedoch keine tfi^chränkung unserer Forde- 
rung na3ii der vollkommenen Garantie und Durchsetzung aller 
£Jenachenrechte. Ebenfalls fordern wir hiermit von der Re- 
gierung ier DjDR die Unterzeichnung void Ratifizierung des 
Fakultativprotokolles zu der Konvention über zivile und 
politische Rechte, in den das Appellationsrecht eines ein- 
zelnen Bürgers bei internationalen Instanzen im Fai*e von 
Monsofaenrechtsverletzungen festgeschrieben ist» 

frir weisen darauf hin, daS wir keine Ap^ellaticnsinstanz 
ersetzen kennen und wollen. 

Wir hoff an, daß sich die Arbeiteschwerpunkte bald er- 
weitern lassen* um die ükens chenrechtssituatien in der DüP 
möglichst umfassend zu dokumentieren. ... 

Mitglieder c p Initiative Frieden und Menschenrechte 
Unrerelt-Biblio hek der Zionekirchg-::-meincie (Berlin) 
&itgliedt*r des. Arbeitskreises Solidarische Kirche / Re- 
gionalgruppe i aipzig 
Arbeitsgruppe iiSoaschenreohte (.Leipzig) 
Arbeitskreis Gerechtigkeit (Leipzig) 

Mitglieder des Arbeitskreises Solidarische &i rohe / Re- 
gionalgruppe Thüringen 
Mitglieder des Frledenskreisas .Kaumburg 

DDR» <ien 10* Dezember 1903 

(um die Arbeltsschwerpunk- 
te gekürzt) 

19. / Die ?1 Arbeitsgruppe zur Situation der fa&nsohenrechte" gibt die 
20.12« ersten Mitteilungen über feienschenreohts Verletzungen. heraus. 
24.12» Bürgerinnen Leipzigs schicken ein Protestsohreiban gegen die 

wiederholten Einschränkungen verfassungsmäßig garantierter ( 

Rechte ab. 

Ver t eilers ; "ITsues Deutschland" - Redaktion 
Uinlaterlum des Innern 
Staatsrat der DDR 

Wirf die Unterzeichner dieses Schreibens, protestleren 
hiermit gegen die in den letzten tfoohen verstärkt auftre- 
tenden Beeinträchtigungen van verfassungsmäßig garantier- 
ten Rechten. 

Wicht nur uns* sondern großen Tollen der Bevölkerung ist 
es unverständlich, wie man öffentlich von gesellschaftli- 
chen Fortschritt und existierender Rechtssicherheit re- 
den kann - wena gleichzeitig entscheidende Artikel der 
Verfassung praktisch außer Kraft gesetzt sind. 
Dieaes bezieht sich auf die Artikel in denen das Recht auf 
«'4einungs- und Fressefreiheit» das Recht auf uneingeschränk- 
te Religionsausübung und der Schutz der Persönlichkeit 
und Freiheit festgelegt sind» 

gerade angesichts des Tage© .'3er üiensoheurechte am 10. De- 
zember lassen lie in Folgenden aufgelisteten staatlichen 
Übergriffe und Verbote stark© Zweifel an der innenpoliti- 
schen Dlaloafähigkeit der Regierung Jder DDR aufkommenl 

wir protestieren s 

- "gegen "dae ''InhaTtierungen und aausdurchsuc hangen von Mit- 
gliedern des Arbeitskreises 'Vorbereitungen von Gottes- 
diensten" in Berlin 

•• gegen die Ordnungestrafverfahren und Zuführungen in 
Leipzig als Folge der Friedensgebete vom 17. /24. 10 .1988 

- gegen dio Schuls trafen und Ho legi orangen von Schülern 



- 15 - 



dar "Carl von üa ;i8tzk,y" Jüü In Berlin 

- ge^oo das aUff~hrunc;Bverbot von fünf sowjetischen Filmen 

- gegen daa Verbot «Ler so 3 et Ischen konats zeit* cor i I 
"Der Sputa: 

- gegen die Zonsur von Zeitschriften und kirchlichen Wo- 
chenblättern 

Diese bis in die Privat sphära der Persönlichkeit rslohe 
den Rejjrsssaliea verletzen nickt nur die Vünfde de» Itan- 
schen? sie untergraben .Jegliche Ucglicakeit auf geirell~ 
aohaft liehe Mltgestaltung« 

Wir fordern endlich Rechtssicherheit für Ander sdea 
die Aufhebung der unsiaiigen Publikation«- und Fi Law »r 
te sowie einen öffentlichen Problemdialog alle? ge* 
schaftlichea Kräfte! 

ünt er » c hr 1 £ t en alt Ajdrejygsji i 

Fred Kowaseh Ge^ine OLtmanns Jens Fischer Gw« Schwäfee 

Anita Unger Detlef Rüokert Gert Qehmichen Uwe Der 

Frank sellöntin öde Eartmanu Carola Bornsohl eg 

Frank Diener Bernd Reihmaan Andreas Ludwig V' .?hrke 

Jochen Lärting E* kohl an Bernhard Buben Helmut Itaumann 

Thomas Käapfei 

6- lo Doreea Penno (Arbeitskreis Gerechtigkeit) wird "Zwecks Klä- 
rung eines Sachverhaltes" vorgeladen und zu alternativen Ak- 
tionen in Leipzig befragt-- A& 10« L ist sie au einer Zeugen- 
vernehiaung zus. gleichen Thetia Vorgeladen 
12*1» 2a der E&cbt uom 11 c zum 12- Januar werden Aufrufe a die 
Einwohnerinnen Leipzigs in viele Hausbriefkästen rertei.lt •■ 

Aufruf, aa alle Bürger der Stadt Letpzlft 

?öo Jahrestag der Ermordung zweier Arbeiterführer - R sa 
Luxemburg und Karl Liebknechts Und wieder werden taudond 
Werktätige verpflichtet, einer Kundgebung H öei2Uwohaen w , 
bei der die Redner die jährlich wiederkehrenden Aaspi 
chen halten» ^- t 

Beide Arbeiterführer traten für die allumfassendem poli- 
tischen und ökonomischen Interearen dar Arbeiteakiasse 
ein, «o auch für ein ungehindertes ysreiniguags- mä 
Yersamml angeloben« für ein« frei«, ungehemmte Presse» 
für allgemeine Wahlen und den freien Mei&ungskampf *v ken~ 
echen, die dieses Vermächtnis unter Berufung auf die ¥or- 
faaeung uneerea LÄSdeö nach 40 Jahren DDR-Geschichte in 
Anspruch nehmen 9 werden imiaer wieder kriminalisiert- 
Der Tag der Ermordung von Rosa Luxrraburg und Karl Lieb- 
knecht soll uns anlaß sein., weiter für sine Demokratisie- 
rung unsere» sozlelis'feleahua Staates einzutreten. Sa ist 
an der Zeit* mutig und offen unsere ttainung zu b 
Schluß mit der uah v lähmenden Teilnahmslosigkeit und Gleich- 
gültigkeit 8 La&ßen Sie uns gemoineam eintreten 

- für das Recht auf freie Meinungsäußerung, 
für die 7eraammluags-< und Tereiniguagsfrei 
heit, 

- für die Pressefreiheit und gegen das Ver - 

bot der Zeitschrift "Sputnik*" und kritisohesow 

sowjetische Filme . 
Gm nicht dis offizielle Kundgebung )ü ihrem eigenen Ani:»e- 
i^en zu stören rufen wir Sie auf, gemäß Artikel 2? und 28 
der Verfassung, sich 

.am. JL5 ^ ^ Januar^ .19^9_um__16 Jjhr _ auf . dem : ^arkt__vor _deia Alton 
Rathaus zu versammeln, abschließend Ist sin Schweigemarsch 






zen au S.er Jodeakstätte In der Braustraße \ ;ehen. 

"sozial! iChe Demokratie nt aber nicht erst im ge- 
lobten Lars . m. der üaterbsu der sozialistischen Wirt- 
schaft offen ist 

Ges« Axisg< 1914-1019, 

!&• feur iemekrat hen Erneuerung unserer 

3esellsc 

12*1«. Udo Hartmans, C ... Borasohlegel, Schwabe und Jochen 
Läßig :;e:--i- haftet. 

13.1. Constanze olf (; Gesine OlUaannr, , trt iüller, Frank Seilen- 
tin und r,oid werden \j€jMü \Hk . . Gegen 16.30 iJhr ^ei- 
den die erst .. iihaftierungen bekannt. 

14.1. Andrew Bot» 'ohaela Ziaga weröen verhaftet. 

In der LukusKiruhgemelnde bildet sioi sine Eontaktgruppe aus 
Mi t vorbei terl^Äesi des Arboii3£roisec Gerechtigkeit und der Ar- 
beitsgruppe ;<:. .enrechte, die .. die Verhaftungen infor- 
miert and • • für die Freilasse p Inhaftierten einsetzt« 
Erste solidaritätsadressen treffen ein« In Bautzen wi& die 
erste Fürbittandacht gehalten und in Berlin wird über die Vor- 
gänge in Leipzig auf einer Veranstaltung der jürche von unten 
informiert tsanwalt üchnur sichert seiünen Reohtsheistand 
zu> 

15ol. Gegen 16«J0 Uhr hält Fred Kowasoh auf dem Alten Markt folgende 
Redet 

Wir haben uns . ier versammelt , uro an der 70-. Jahrestag 
der Ermordung Rose Luxemb Karl Liebknechts zu 
erinnern, sie wurden verfolgt s weil sie sioh nachdrück.- 

oh für gesellschaftlichen Fortschritt einsetzten. 
Wir wollen, ihrer mit einem Schweif; eaaroch gedenken. 
Aber bevor wir schwej werden wir reden« und zwar von 
den erneuten massiven staatlichen Eingriffen in <i±r< Frei- 
heit der Persönlichkeit* 

Im Vorfeld dieser Veranstaltung kam es zu 11 Verhaftungen 
von Mitgliedern der Arbeitsgruppe Gerechtigkeit und ier 
Gruppe Leben" 

Wir protestieren soharf dagegen und fordern die Einstellung 
der Ermittlungsverfahren- Desweiteren wenden sir uns gegen 
die erfolgten Hausdurchsuchungen und die zahlreichen Zu- 
führungen. Dieses Vorgehen verdeutlicht , daß zur Zeit pak- 
tisch fe-modlegende Artikel uer Verfassung außer Kraft ge- 
setzt sind. Es betrifft im besonderen Andersdenkende, die 
sich für Reformen in der erstarrten Geocllschafts3truktur 
der DDR einsetv. »n« 

"Ein Sozialismus Ist ohne die uneingeschränkte Meinungs-, 
Presse- und Versammlungsfreiheit nicht möglich." 
Dieses ist und blieb eine der centralen Forderungen Rosa 
Luxemburgs . 

Ihr, tiarl Liobkneoht und allen anderen wollen wir heute ge- 
denken . 

Anschließend setzt sichear Demonstrationazug von 800 Bürgerinnen 
Leipzigs in Bewegung» Am Nouea Rathaus werden vom Ende des 0e- 
moüstrationszuges aus 2 Polizei -LffiS mit Demonstranten beladen. 
Dann geht es weiter in Richtung Dimitroffmuseia, wo 2 Pollzei- 
L&ü mit der Demonstranten der ersten 2 Reihen beladen werden« 
Hinter dem D iial troff mus eum hindern Polizeiketten den Demonstr 
tionszug aas Weitergehen und lösen j.nn aufc Dabei werden noch- 
$&&&: k * ; oX : mit Demonstranten beladen. Insgesamt wur- 
den etwa ICO Personen vorläufig festgenommen. Die bereitstellen' 



J, 



IT» 



....ur.' und. Wasserwerfer kamen ilcht süu Einsatz* 
21. Oü Dar /Midre« J3otz wird aus -der Untersuchungshaft entlassen. 
.Oü Uhr i arol* litornsehiegel , Udo Ura"toann und Michaela Ziegs 

"ürder. ans der Untersuchungshaft entlassen. Die einge- 
. edtetea Ermittlungsve* fahren nach 3 214 Abs« 1+3 
if u£an weiter. 
I. 13.00 Uhr n ed Kowasoh w».rd inhaftiert. AtA. 

Iv .1. Constanze rolf wird aus der Unters uchungehaft entlassen .^Die 

>ntaktper&onen der "Arbeitsgruppe ssur Situation der lte&3ohea~ 
rechte"", Heiko Lietz, Katrin'; - Peter Oberthür, 
>lfga»g Sarstedt, Dox^een Penno, Mtflckael Kleio, werden vor- 
! Laden und "Zwecks Klärung eines Sachverhalte» 11 befragt. 
19^1. s, OltJ^ann* , . iA* Arnold» F. sellentin, LT« Schwabe, R# Miller 

den Bxm der Unte i utohungshaft entlassen. 
.: 1. Fred Kowas« i -d aus der Unterst :hungshaft entlassen. 

e von de; Verhaftungen betrof 4 Leu Gruppen seben eine ge- 
inssma Erklärung ab ( Text i eil II.l./Dojfc. 8). 
21,1. Der 3. »ip.'.igei rag zum konzilj i >.*x Prozefl ü'frer die 3 naohge- 
iehtei Papiere der OV findet in der l&chaellskirche statt. 
:., fgang Sr.rotedt «M von seiner Arbeitsste le abgeholt und 
erneut ubei die Arbeitsgruppe kut Situation der Menschenrechte" 
fragt. Bei der Befreiung versuoht das iäfc eine "Steuerung:" 
beiXin zu konstruieren. 
Die Betroffenen verlesen in der K5.kolaik.ir che eine Stellungnahme 
(Text £ . Tidl II« 1./ Dok* 10). 
.1» Lttlungs verfahren werden nach ! 25 dei Stflß eingestellt« 
27, 1. Die Initiativgruppe Loben, darunter tfieledez gerade aus 1er 
ersuchuncishaft Entlassenen, gestaltet den 2. Leipziger Ru- 
■ nientag.