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im \y, J anrnündert 



von 



ijigm. Xreud 



Internationaler 
X syckoanalytiscker Verlag 

Leipzig / W^ien / Zütick 



NEUE ARBEITEN ZUR 
ÄRZTLICHEN PSYCHOANALYSE 



i. 

und DR. OTTO RAHK 
aeir irsyaioanalyse , 

Zur WecLselteiieliung von Tteorje Und Praxis 
Die. analytiadie Situation. D»-.LibidoabIäuf und; seine Pliasen'. Die Lösungf der Lil^idofixierung 



DR- 5. FEREHCZI 
J&ntwicklungsziele 



Inhalt: Einleituns^. 

im Erlebnismoment. -^ Historist^-kritischer Ri^dcblick. ^ Theori^ und Praxis. — Ergebnisse. — Ausblidce. 



IL 



DR- KARL ABRAHAM, 
einer EntwidsJuniejSjGjes<lii<}ite 

auf Gruiia ae 



der J_/ibido 



Versudi einer i/ntwicklungsgescmcnte aer 

Psychoanalyse seetiiclier OtÖTuogen 
Inhaft: I. Die JnanisA-depressiyen Zustände ä. die pcäsenitalen Orjanisationsstufen d, Libido (Melancholie u. Zwangsneurose. 
Stufen der sadistisch-analen Entwidcljjngsphase. Objektverlust u. Introjektion in dernormalen Trauer u. in abnormen psych. 
Zuständen. Stufen d. qralen Phase. Das Infant. Vorbild der melandiol. Depression.) 11. Anfänge u. Entwicklung d. Objektliebe. 



ni. 



DR- OTTO RANK 
lErineSjXeurbsenanälyse in T] 



räumen 

/n*dÖ:OJe Widerstandspbaseri. (Kai(trationswJderstand. Zähkwang. Phaiitasiebildungen. Mntterregression tibido- 

Bbertraguag. Sdiuldgefühl.), — Die Heilungsfaktoren. (Ungeduld und Resignation. Identjfijierung mit ^em Analytiker. 

Akieptierung der Schwester. Entwöhnungsphabe. Usung der Ahalys?.) 



DR- KARL ABRAHAM 
Klimsdie Beiträge zur Psyclioanalyse 

Am dem InhaltrtSber die Bedeutung sexueller Jugendtraumen für die Symptomatologie der Dementia priec«. — Die 
^djosexnellen Differenzen der Hysterie und der Dementia praecox. - Die psychologischen Beziehungen' zwischen 
Sexualität und Alkoholismus. - Die Stellu^s^ der Verwandlenehe in der Psydkologie der Neurosen. - Bemerkungen 
anr Psychoanalyse einesFalles von Fuß-nndKorseltfetischisnios.— Ober ein kompliziertes Zeremoniell'neurotischer Frauen.— 
Ohrmusdiel und Gehörgang als erogene Zone. ^ Zur Psychogenese der St^aßenangst im Kindesajter. — Sotleii wir die 
Patienten ihre Träume aufsdireiben lassen? - Kritik zu C. G. Jung: Versudi einer Darstellung der psydioanalytischen 
'heorie. - Ube^ Einschränkungen und Umwandtungen der Schaulust bei den Psy<^oneiirotikem. - Ober ejaculatio praecox. 
Das Geldausgeben im Angstzustand. — Ober eine besondere Form des neurotisdien Wideritandes gegen die psydioalialyt. 
Methodik. —Prognose psydioänalyt, Behandlungen im vorgeschrittenen Lebensalter asro, 

DR- KARL ABRAHAM 
Psydaoanalytischfe iStudieri zur Ckapaktertildung 

Inhalt: L Ergänzungen zur Lehre vom Analcharakfer. — II. Beiträge der Oraterotik zur Charakterbildung. — ill. Zur 
Charakterbildung auf der „gettitalin" Entwidclungsstufe. ; / 

:\,, ■ ■'■'.DR- MAX' EITIKGON ■\^.:" -,.-.■; ;v.\ ■ ".' 
Bpiciit üter Jie Berliner Psycho analytische Poliklinik 

(März agao liM Juni igaä) 
Mit eilfein Geleitwort von Prqfj SIGM. FREUD 

pR. MAX EITINGOK 
.Zweiter Beridit über die Berliner Psytkoanlyt; Poliklinik 

(Juni igaa tis Mars iga^) 



Eine Teufelsneurose 

im siebzehnten Jahrhundert 



von 



Sigm. Freud 



1924 

Internationaler Psychoanalytischer Verlag 
Leipzig / Wien / Zürich 



„Eine Teufelsneurose im siebzehnten Jahrhundert" erschien zuerst 1923 
in „Imago, Zeitschrift für Anwendung der Psychoanalyse auf die Geistes- 
wissenschaften. Herausgegeben von Prof. Dr. Sigm. Freud". IX. Band, Heft 1 
(Religionspsychologisches Heft). 



Alle Rechte, 
insbesondere das der Übersetzung, vorbehalten 



Copyright 1924 

by „Internationaler Psychoanalytischer Verlag 

Ges. m. b. H. " , Wien 




INTERNATIONAL 

PSYCHOANALYTIC 

UNIVERSITY 

DIE PSYCHOANALYTISCHE HOCHSCHULE IN BERLIN 



Carl Fromme Ges. m. b. H., Wien V 



An den Neurosen der Kinderzeit haben wir gelernt, daß manches 
hier mühelos mit freiem Auge zu sehen ist, was sich späterhin 
nur gründlicher Forschung zu erkennen gibt. Eine ähnliche Er- 
wartung wird sich für die neurotischen Erkrankungen früherer 
Jahrhunderte ergeben, wenn wir nur darauf gefaßt sind, dieselben 
unter anderen Überschriften als unsere heutigen Neurosen zu 
finden. Wir dürfen nicht erstaunt sein, wenn die Neurosen dieser 
frühen Zeiten im dämonologischen Gewände auftreten, während 
die der unpsychologischen Jetztzeit im hypochondrischen, als or- 
ganische Krankheiten verkleidet, erscheinen. Mehrere Autoren, 
voran Charcot, haben bekannthch in den Darstellungen der Be- 
sessenheit und Verzückung, wie sie uns die Kunst hinterlassen 
hat, die Äußerungsformen der Hysterie agnosziert; es wäre nicht 
schwer gewesen, in den Geschichten dieser Kranken die Inhalte 
der Neurose wiederzufinden, wenn man ihnen damals mehr Auf- 
merksamkeit geschenkt hätte. 

Die dämonologische Theorie jener dunkeln Zeiten hat gegen 
alle somatischen Auffassungen der „exakten" Wissenschaftsperiode 
recht behalten. Die Besessenheiten entsprechen unseren Neurosen^ 
zu deren Erklärung wir wieder psychische Mächte heranziehen. 
Die Dämonen sind uns böse, verworfene Wünsche, Abkömmlinge 
abgewiesener, verdrängter Triebregungen. Wir lehnen bloß die 
Projektion in die äußere Welt ab, welche das Mittelalter mit 
diesen seelischen Wesen vornahm; wir lassen sie im Innenleben 
der Kranken, wo sie hausen, entstanden sein. 



I 

DIE GESCHICHTE DES MALERS CHRISTOPH 
HAITZMANN 

Einen Einblick in eine solche dämonologische Neurose des sieb- 
zehnten Jahrhunderts verdanke ich dem freundlichen Interesse 
des Herrn Hofrats Dr. R. Payer-Thurn, Direktor der ehemals 
k. k. Fideikommißbibliothek in Wien. Payer-Thurn hatte in 
der Bibliothek ein aus dem Gnadenort Mariazeil stammendes 
Manuskript aufgefunden, in dem über eine wunderbare Erlösung 
von einem Teufelspakt durch die Gnade der heiligen Maria aus- 
führlich berichtet wird. Sein Interesse wurde durch die Beziehung 
dieses Inhalts zur Faustsage geweckt und wird ihn zu einer ein- 
gehenden Darstellung und Bearbeitung des Stoffes veranlassen. 
Da er aber fand, daß die Person, deren Erlösung beschrieben 
wird, an Krampfanfällen und Visionen litt, wandte er sich an 
mich um eine ärztliche Begutachtung des Falles. Wir sind über- 
eingekommen, unsere Arbeiten unabhängig voneinander und ge- 
sondert zu veröffentlichen. Ich statte ihm für seine Anregung, 
wie für mancherlei Hilfeleistung beim Studium des Manuskripts 
meinen Dank ab. 

Diese dämonologische Krankengeschichte bringt wirklich einen 
wertvollen Fund, der ohne viel Deutung klar zutage liegt, wie 
manche Fundstelle als gediegenes Metall liefert, was anderwärts 
mühsam aus dem Erz geschmolzen werden muß. 



■■?sJTr yr - ' ßt f r -M^' -vy i ^ JWy i f-V'.V 



r 



Eine Teufelsneurose im siebzehnten Jahrhundert 



Das Manuskript, von dem mir eine genaue Abschrift vorliegt, 
zerlegt sich uns in zwei Stücke von ganz verschiedener Natur: 
in den lateinisch abgefaßten Bericht des mönchischen Schreibers 
oder Kompilators und in ein deutsch geschriebenes Tagebuch- 
bruchstück des Patienten. Der erste Teil enthält den Vorbericht 
und die eigentliche Wunderheilung^ der zweite Teil kann für die 
geistlichen Herren nicht von Bedeutung gewesen sein, um so wert- 
voller ist er für uns. Er trägt viel dazu bei, unser sonst schwan- 
kendes Urteil über den Krankheitsfall zu festigen, und wir haben 
guten Grund, den Geistlichen zu danken, daß sie dies Dokument 
erhalten haben, obgleich es ihrer Tendenz nichts mehr leistet, ja 
diese eher gestört haben mag. 

Ehe ich aber in die Zusammensetzung der kleinen handschrift- 
lichen Broschüre, die den Titel 

„Trophaeum Mariano-Cellense" 
führt, weiter eingehe, muß ich ein Stück ihres Inhalts erzählen, 
das ich dem Vorbericht entnehme. 

Am 5. September 1677 wurde der Maler Christoph Haitzmann, 
ein Bayer, mit einem Geleitbrief des Pfarrers von Pottenbrunn 
(in Niederösterreich) nach dem nahen Mariazeil gebracht.' Er habe 
sich in Ausübung seiner Kunst mehrere Monate in Pottenbrunn 
aufgehalten, sei dort am 29. August in der Kirche von schreck- 
lichen Krämpfen befallen worden, und als sich diese in den 
nächsten Tagen wiederholten, habe ihn der Praefectus Dominii 
Pottenbrunnensis examiniert, was ihn wohl bedrücke, ob er sich 
wohl in unerlaubten Verkehr mit dem bösen Geist eingelassen 
habe.^ Worauf er gestanden, daß er wirklich vor neun Jahren 
zu einer Zeit der Verzagtheit an seiner Kunst und des Zweifels 
an seiner Selbsterhaltung dem Teufel, der ihn neunmal versucht, 

1) Das Alter des Malers ist nirgends angegeben. Der Zusammenhang läßt einen 
Mann zwischen 50 und 40, wahrscheinlich der unteren Grenze näher, erraten. Er 
verstarb, wie wir hören werden, im Jahre 1700. 

2) Die Möglichkeit, daß diese Fragestellung dem Leidenden die Phantasie seines 
Teufelspaktes eingegeben, „suggeriert" hat, sei hier nur gestreift. 



Sigm. Freud 



nachgegeben und sich schriftlich verpflichtet, ihm nach Ablauf 
dieser Zeit mit Leib und Seele anzugehören. Das Ende des Ter- 
mins nahe mit dem 24. des laufenden Monats.' Der Unglückliche 
bereue und sei überzeugt, daß nur die Gnade der Mutter Gottes 
von Mariazeil ihn retten könne, indem sie den Bösen zwinge, 
ihm die mit Blut geschriebene Verschreibung herauszugeben. Aus 
diesem Grund erlaube man sich miserum hunc hominem omni 
auxilio destitutum dem Wohlwollen der Herren von Mariazeil zu 
empfehlen. 

Soweit der Pfarrer von Pottenbrunn, Leopoldus Braun, am 
1 . September 1677. 

Ich kann nun in der Analyse des Manuskripts fortfahren. Es 
besteht also aus drei Teilen: 

1. einem farbigen Titelblatt, welches die Szene der Verschrei- 
bung und die der Erlösung in der Kapelle von Mariazell darstellt^ 
auf dem nächsten Blatt sind acht ebenfalls farbige Zeichnungen 
der späteren Erscheinungen des Teufels mit kurzen Beischriften 
in deutscher Sprache. Diese Bilder sind nicht Originale, sondern 
Kopien — wie uns feierlich versichert wird: getreue Kopien — 
nach den ursprünglichen Malereien des Chr. Haitzmann; 

3. aus dem eigentlichen Trophaeum Mariano-Cellense (lateinisch), 
dem Werk eines geistlichen Kompilators, der sich am Ende P. A. E. 
unterzeichnet und diesen Buchstaben vier Verszeilen, welche seine 
Biographie enthalten, beifügt. Den Abschluß bildet ein Zeugnis 
des Abtes Kilian von St. Lambert vom 12. September 1729, 
welches in anderer Schrift als der des Kompilators die genaue 
Übereinstimmung des Manuskripts und der Bilder mit den im 
Archiv aufbewahrten Originalen bestätigt. Es ist nicht angegeben, 
in welchem Jahr das Trophaeum angefertigt wurde. Es steht uns 
frei anzunehmen, daß es im gleichen Jahr geschah, in dem der 
Abt Kilian das Zeugnis ausstellte, also 1739 oder, da 1714 die 
letzte im Text genannte Jahreszahl ist, das Werk des Kompilators 




Eine Teufelsneurose im siebzehnten Jahrhundert 



in irgend eine Zeit zwischen 1714 und 1729 zu verlegen. Das 
Wunder, welches durch diese Schrift vor Vergessenheit bewahrt 
werden sollte, hat sich im Jahr 1677 zugetragen, also 57 bis 
52 Jahre vorher 5 

5. aus dem deutsch abgefaßten Tagebuch des Malers, welches 
von der Zeit seiner Erlösung in der Kapelle bis zum 15. Januar 
des nächsten Jahres 1678 reicht. Es ist in den Text des Trophaeum 
kurz vor dessen Ende eingeschaltet. 

Den Kern des eigentlichen Trophaeum bilden zwei Schrift- 
stücke, der bereits erwähnte Geleitbrief des Pfarrers Leopold Braun 
von Pottenbrunn vom 1. September 1677, und der Bericht des 
Abtes Franciscus von Mariazeil und St. Lambert, der die Wunder- 
heilung schildert, vom 13. September 1677, also nur wenige 
Tage später datiert. Die Tätigkeit des Redakteurs oder Kompilators 
P. A. E. hat eine Einleitung geliefert, welche die beiden Akten- 
stücke gleichsam verschmilzt, ferner einige wenig bedeutsame 
Verbindungsstücke und am Schluß einen Bericht über die weiteren 
Schicksale des Malers nach einer im Jahre 1714 eingeholten 'Er- 
kundigung beigefügt.^ 

Die Vorgeschichte des Malers wird also im Trophaeum dreimal 
erzählt, 

1 . im Geleitbrief des Pfarrers von Pottenbrunn, 

3. im feierlichen Bericht des Abtes Franciscus und 

5. in der Einleitung des Redakteurs. Beim Vergleich dieser drei 
Quellen stellen sich gewisse Unstimmigkeiten heraus, die zu ver- 
folgen nicht unwichtig sein wird. 

Ich kann jetzt die Geschichte des Malers fortsetzen. Nach- 
dem er in Mariazeil lange gebüßt und gebetet, erhält er am 
8. September, dem Tag Maria Geburt, um die zwölfte Nacht- 
stunde vom Teufel, der in der heiligen Kapelle als geflügelter 
Drache erscheint, den mit Blut geschriebenen Pakt zurück. 

1) Dies würde dafür sprechen, daß 1714 auch das Datum der Abfassung des 
Trophaeum ist. 



Sigm. Freud 



Wir werden später zu unserem Befremden erfahren, daß in 
der Geschichte des Malers Chr. Haitzmann zwei Verschreibungen 
an den Teufel vorkommen, eine frühere, mit schwarzer Tinte 
und eine spätere, mit Blut geschriebene. In der mitgeteilten 
Beschwörungsszene handelt es sich, wie auch noch das Bild 
auf dem Titelblatt erkennen läßt, um die blutige, also um die 
spätere. 

An dieser Stelle könnte sich bei uns ein Bedenken gegen die 
Glaubwürdigkeit der geistlichen Berichterstatter erheben, das uns 
mahnen würde, doch nicht unsere Arbeit an ein Produkt mönchi- 
schen Aberglaubens zu verschwenden. Es wird erzählt, daß mehrere, 
mit Namen benannte Geistliche dem Exorzierten während der 
ganzen Zeit Beistand leisteten und auch während der Teufels- 
erscheinung in der Kapelle anwesend waren. Wenn behauptet 
würde, daß auch sie den teuflischen Drachen gesehen haben, wie 
er dem Maler den rot beschriebenen Zettel hinhält (Schedam 
sibi porrigentem conspexisset), so stünden wir vor mehreren un- 
angenehmen Möglichkeiten, unter denen die einer kollektiven 
Halluzination noch die mildeste wäre. Allein der Wortlaut des 
vom Abt Franciscus ausgestellten Zeugnisses schlägt dieses Bedenken 
nieder. Es wird darin keineswegs behauptet, daß auch die geist- 
lichen Beistände den Teufel erschaut haben, sondern es heißt 
ehrlich und nüchtern, daß der Maler sich plötzlich von den Geist- 
lichen, die ihn hielten, losgerissen, in die Ecke der Kapelle, wo 
er die Erscheinung sah, gestürmt und dann mit dem Zettel in 
der Hand zurückgekommen sei.^ 

Das Wunder war groß, der Sieg der heiligen Mutter über 
Satan unzweifelhaft, die Heilung aber leider nicht beständig. Es 
sei nochmals zur Ehre der geistlichen Herren hervorgehoben, daß 
sie diese Tatsache nicht verschweigen. Der Maler verließ Mariazeil 

l) . . . ipsumque Daemonem ad Aram Sac. Cellae per fenestrellam in comu Epistolae Schedam 
sibi porrigentem conspexisset eo advolans e Religiosorum manibus, qui eum tenebant, ipsam 
Schedam ad manum obtinuit, ... 



Eine Teufelsneurose im siebzehnten Jahrhundert 



nach kurzer Zeit im besten Wohlbefinden und begab sich dann 
nach Wien, wo er bei einer verheirateten Schwester wohnte. Dort 
fingen am n. Oktober neuerhche, zum Teil sehr schwere Anfälle 
an, über die das Tagebuch bis zum 15. Januar berichtet. Es 
waren Visionen, Abwesenheiten, in denen er die mannigfaltigsten 
Dinge sah und erlebte, Krampf zustände, begleitet von den schmerz- 
haftesten Sensationen, einmal ein Zustand von Lähmung der 
Beine u. dgl. Diesmal plagte ihn aber nicht der Teufel, sondern 
es waren heilige Gestalten, die ihn heimsuchten, Christus, die 
heilige Jungfrau Selbst. Merkwürdig, daß er unter diesen himm- 
lischen Erscheinungen und den Strafen, die sie über ihn ver- 
hängten, nicht minder litt, als früher unter dem Verkehr mit 
dem Teufel. Er faßte auch diese neuen Erlebnisse im Tagebuch 
als Erscheinungen des Teufels zusammen und beklagte sich über 
maligni Spiritus manifestationes, als er im Mai 1678 nach Mariazeil 
zurückkehrte. 

Den geistlichen Herren gab er als Motiv seiner Rückkehr an, 
daß er auch eine andere, frühere, mit Tinte geschriebene Ver- 
schreibung vom Teufel zu fordern habe.' Auch diesmal verhalfen 
ihm die heilige Maria und die frommen Patres zur Erfüllung 
seiner Bitte. Aber der Bericht, wie das geschah, ist schweigsam. 
Es heißt nur mit kurzen Worten: qua iuxta votum reddita. Er 
betete wieder und er erhielt den Vertrag zurück. Dann fühlte 
er sich ganz frei und trat in den Orden der Barmherzigen 
Brüder ein. 

Man hat wiederum Anlaß anzuerkennen, daß die offenkundige 
Tendenz seiner Bemühung den Kompilator nicht dazu verführt 
hat, die von einer Krankengeschichte zu fordernde Wahrhaftigkeit 
zu verleugnen. Denn er verschweigt nicht, was die Erkundigung 
nach dem Ausgang des Malers beim Vorstand des Klosters der 
Barmherzigen Brüder im Jahre 1714 ergeben. Der R. P^- Pro- 

1) Diese wäre, im September 1668 ausgestellt, g'/j Jahre später, im Mai 1678 
längst verfallen gewesen. 



10 Sigm. Freud 

vincialis berichtet, daß Bruder Chrysostomus noch wiederholt 
Anfechtungen des bösen Geistes erfahren hat, der ihn zu einem 
neuen Pakt verleiten wollte, und zwar nur dann, „wenn er etwas 
mehrers von Wein getrunken"-, durch die Gnade Gottes sei es 
aber immer möghch gewesen ihn abzuweisen. Bruder Chrysostomus 
sei dann im Kloster des Ordens Neustatt an der Moldau im 
Jahre 1700 „sanft und trostreich" an der Hektica verstorben. 



■■»;- -^rr-.; — ^F7>7-T- ^~ - 



II 

DAS MOTIV DES TEUFELSPAKTS 

Wenn wir diese Teufelsverschreibung wie eine neurotische 
Krankengeschichte betrachten, wendet sich unser Interesse zunächst 
der Frage nach ihrer Motivierung zu, die ja mit der Veranlassung 
innig zusammenhängt. Warum verschreibt man sich dem Teufel? 
Dr. Faust fragt zwar verächtlich: Was willst du armer Teufel 
geben? Aber er hat nicht recht, der Teufel hat als Entgelt für 
die unsterbliche Seele allerlei zu bieten, was die Menschen hoch 
einschätzen: Reichtum, Sicherheit vor Gefahren, Macht über die 
Menschen und, über die Kräfte der Natur, selbst Zauberkünste 
und vor allem anderen: Genuß, Genuß bei schönen Frauen. Diese 
Leistungen oder Verpflichtungen des Teufels pflegen auch im 
Vertrag mit ihm ausdrücklich erwähnt zu werden.^ Was ist nun 
für Christoph Haitzmann das Motiv seines Pakts gewesen? 

Merkwürdigerweise keiner von all diesen so natürlichen Wün- 
schen. Um jeden Zweifel daran zu bannen, braucht man nur die 
kurzen Bemerkungen einzusehen, die der Maler zu den von ihm 
abgebildeten Teufelserscheinungen hinzusetzt. Zum Beispiel lautet 
die Note zur dritten Vision: 

i) Siehe in Faust I, Studierzimmer: 

Ich. will niich hier zu deinemi Dienst verbinden, 
Auf deinen Wink nicht rasten und nicht ruhn; 
Wenn wir uns drüben wieder finden, 
So sollst du mir das Gleiche thun. 



Sigm. Freud 



„Zum driten ist er mir in anderthalb Jahren in dißer abscheüh- 
lichen Gestalt erschinen, mit einen Buuch in der Handt, darin 
lauter Zauherey und schwarze Kunst war begrüffen ..." 

Aber aus der Beischrift zu einer späteren Erscheinung er- 
fahren wir, daß der Teufel ihm heftige Vorwürfe macht, warum 
er „sein vorgemeldtes Buuch verbrennt", und ihn zu zerreißen 
droht, wenn er es ihm nicht wieder beschafft. 

Bei der vierten Erscheinung zeigt er ihm einen großen gelben 
Beutel und einen großen Dukaten und verspricht ihm jederzeit 
soviel davon, als er nur haben will, „aber ich solliches gar nicht 
angenomben", kann sich der Maler rühmen. 

Ein anderes Mal verlangt er von ihm, er solle sich amüsieren, 
unterhalten lassen. Wozu der Maler bemerkt, „welliches zwar 
auch auf sein begehren geschehen aber ich yber drey Tag nit 
continuirt, vnd gleich widerumb auß gelöst worden". 

Da er nun Zauberkünste, Geld und Genuß zurückweist, wenn 
der Teufel sie ihm bietet, geschweige denn, daß er sie zu Bedin- 
gungen des Pakts gemacht hätte, wird es wirklich dringlich zu 
wissen, was dieser Maler eigenthch vom Teufel wollte, als er sich 
ihm verschrieb. Irgend ein Motiv sich mit dem Teufel einzulassen, 
muß er doch gehabt haben. 

Das Trophaeum gibt auch sichere Auskunft über diesen Punkt. 
Er war schwermütig geworden, konnte nicht, oder wollte nicht recht 
arbeiten und hatte Sorge um die Erhaltung seiner Existenz, also 
melancholische Depression mit Arbeitshemmung und (berechtigter) 
Lebenssorge. Wir sehen, daß wir es wirklich mit einer Kranken- 
geschichte zu tun haben, erfahren auch, welches die Veranlassung 
dieser Erkrankung war, die der Maler selbst in den Bemerkungen 
zu den Teufelsbildern geradezu eine Melancholie nennt („solte 
mich darmit belustigen und melancoley vertreiben"). Von unseren 
drei Quellen erwähnt zwar die erste, der Geleitbrief des Pfarrers, 
nur den Depressionszustand („dum artis suae progressum emolu- 
mentumque secuturum pusillanimis perpenderet"), aber die zweite, 



IJi^ Lx- . ^^ . ,1- . .,, ., :. ... 



Eine Teufelsneurose im siebzehnten Jahrhundert 15 

der Bericht des Abtes Franciscus weiß auch die Quelle dieser 
Verzagtheit oder Verstimmung zu nennen, denn hier heißt es 
„accepta aliquä pusillanimitate ex morte parentis'^ und dem- 
entsprechend auch in der Einleitung des Kompilators mit den 
nämlichen, nur umgestellten Worten: ex morte parentis accepta 
aliquä pusillanimitate. Es war also sein Vater gestorben, er 
darüber in eine Melancholie verfallen, da näherte sich ihm der 
Teufel, fragte ihn, warum er so bestürzt und traurig sei, und 
versprach ihm „auf alle Weiß zu helfen und an die Handt zu 
gehen"? 

Da verschreibt sich also einer dem Teufel, um von einer Gemüts- 
depression befreit zu werden. Gewiß ein ausgezeichnetes Motiv 
nach dem Urteil eines jeden, der sich in die Qualen eines solchen 
Zustandes einfühlen kann und der überdies weiß, wie wenig 
ärztliche Kunst von diesem Leiden zu lindern versteht. Doch 
würde keiner, der dieser Erzählung soweit gefolgt ist, erraten 
können, wie der Wortlaut der Verschreibung an den Teufel (oder 
vielmehr der beiden Verschreibungen, einer ersten, mit Tinte und 
einer zweiten, etwa ein Jahr später, mit Blut geschriebenen, beide 
angeblich noch in der Schatzkammer von Mariazeil vorhanden 
und im Trophaeum mitgeteilt), wie also der Wortlaut dieser Ver- 
schreibungen gelautet hat. 

Diese Verschreibungen bringen uns zwei starke Überraschungen. 
Erstens nennen sie nicht eine Verpflichtung des Teufels, für deren 
Einhaltung die ewige Seligkeit verpfändet wird, sondern nur eine 
Forderung des Teufels, die der Maler einhalten soll. Es berührt 
uns als ganz unlogisch, absurd, daß dieser Mensch seine Seele 
einsetzt nicht für etwas, was er vom Teufel bekommen, sondern 
was er dem Teufel leisten soll. Noch sonderbarer klingt die Ver- 
pflichtung des Malers. 

Erste, mit schwarzer Tinte geschriebene „Syngrapha": 

1) Bild 1 und Leg-ende dazu auf dem Titelblatt, der Teufel in Gestalt eines 
yjErsamen Bürgers^^, 



14 Sigm. Freud 



Ich Christoph Haitzmann vndter schreibe mich diesen 
Herrn sein leibeigener Sohn auf () Jahr. l66^ Jahr. 

Zweite, mit B^ut geschrieben: 

Anno l66^ 
Christoph Haizmann. Ich verschreibe mich dißen 
Satan, ich sein leibeigner Sohn zu sein, und in 
^ Jahr ihm mein Leib und Seel zuzugeheren. 

Alles Befremden entfällt aber, wenn wir den Text der Ver- 
schreibungen so zurechtrücken, daß in ihr als Forderung des Teufels 
dargestellt wird, was vielmehr seine Leistung, also Forderung des 
Malers ist. Dann bekäme der unverständliche Pakt einen geraden 
Sinn und könnte solcherart ausgelegt werden: Der Teufel ver- 
pflichtet sich, dem Maler durch neun Jahre den verlorenen Vater 
zu ersetzen. Nach Ablauf dieser Zeit verfällt der Maler mit Leib 
und Seele dem Teufel, wie es bei diesen Händeln allgemein 
üblich war. Der Gedankengang des Malers, der seinen Pakt 
motiviert, scheint ja der folgende zu sein: Durch den Tod des 
Vaters hat er Stimmung und Arbeitsfähigkeit eingebüßt; wenn 
er nun einen Vaterersatz bekommt, hofft er das Verlorene wieder 
zu gewinnen. 

Jemand, der durch den Tod seines Vaters melancholisch ge- 
worden ist, muß doch diesen Vater lieb gehabt haben. Dann ist 
es aber sehr sonderbar, daß ein solcher Mensch auf die Idee 
kommen kann, den Teufel zum Ersatz für den gehebten Vater 
zu nehmen. 






III 

DER TEUFEL ALS VATERERSATZ 

Ich besorge, eine nüchterne Kritik wird uns nicht zugeben, 
daß wir mit jener Umdeutung den Sinn des Teufelspakts bloß- 
gelegt haben. Sie wird zweierlei Einwendungen dagegen er- 
heben. Erstens: es sei, nicht notwendig, die Verschreibung als 
einen Vertrag anzusehen, in dem die Verpflichtungen beider 
Teile Platz gefunden haben. Sie enthalte vielmehr nur die Ver- 
pflichtung des Malers, die des Teufels sei außerhalb ihres 
Textes gebheben, gleichsam „sousentendue" . Der Maler ver- 
pflichtet sich aber zu zweierlei, erstens zur Teufelssohnschaft 
durch neun Jahre und zweitens dazu, ihm nach dem Tode 
ganz anheimzufallen. Damit ist eine der Begründungen unseres 
Schlusses weggeräumt. 

Die zweite Einwendung wird sagen, es sei nicht berechtigt auf 
den Ausdruck, des Teufels leibeigener Sohn zu sein, besonderes 
Gewicht zu legen. Das sei eine geläufige Redensart, die jeder so 
auffassen könne, wie die geistlichen Herren sie verstanden haben 
mögen. Diese übersetzen die in den Verschreibungen versprochene 
Sohnschaft nicht in ihr Latein, sondern sagen nur, daß der Maler 
sich dem Bösen „mancipavit" , zu eigen gegeben, es auf sich ge- 
nommen habe, ein sündhaftes Leben zu führen und Gott und 
die heihge Dreieinigkeit zu verleugnen. Warum sollten wir uns 
von dieser naheliegenden und ungezwungenen Auffassung ent- 



i6 Sigm. Freud 



fernen ?' Der Sachverhalt wäre dann einfach der, daß sich jemand 
in der Qual und Ratlosigkeit einer melancholischen Depression 
dem Teufel verschreibt, dem er auch das stärkste therapeutische 
Können zutraut. Daß diese Verstimmung aus dem Tod des 
Vaters hervorging, komme nicht weiter in Betracht, es hätte auch 
ein anderer Anlaß sein können. Das klingt stark und vernünftig. 
Gegen die Psychoanalyse erhebt sich wieder der Vorwurf, daß sie 
einfache Verhältnisse in spitzfindiger W^eise kompliziert, Geheim- 
nisse und Probleme dort sieht, wo sie nicht existieren, und daß 
sie dies bewerkstelligt, indem sie kleine und nebensächliche Züge, 
wie man sie überall finden kann, übermäßig betont und zu 
Trägern der weitgehendsten und fremdartigsten Schlüsse erhebt. 
Vergeblich würden wir dagegen geltend machen, daß durch 
diese Abweisung so viele schlagende Analogien aufgehoben und 
feine Zusammenhänge zerrissen werden, die wir in diesem 
Falle aufzeigen können. Die Gegner werden sagen, diese Ana- 
logien und Zusammenhänge bestehen eben nicht, sondern 
werden von uns mit überflüssigem Scharfsinn in den Fall 
hineingetragen. 

Nun, ich werde meine Entgegnung nicht mit den Worten ein- 
leiten: seien wir ehrlich oder seien wir aufrichtig, denn das muß 
man immer sein können, ohne einen besonderen Anlauf dazu zu 
nehmen, sondern ich werde mit schlichten Worten versichern, 
daß ich wohl weiß, wenn jemand nicht bereits an die Berechti- 
gung der psychoanalytischen Denkweise glaubt, werde er diese 
Überzeugung auch nicht aus dem Fall des Malers Chr. Haitzmann 
im siebzehnten Jahrhundert gewinnen. Es ist auch gar nicht meine 
Absicht, diesen Fall als Beweismittel für die Gültigkeit der Psycho- 
analyse zu verwerten; ich setze vielmehr die Psychoanalyse als 
gültig voraus und verwende sie dazu, um die dämonologische 

i) In der Tat werden wir später, wenn wir erwägen, wann und für wen diese 
Vers ehr eibungen abgefaJ3t wurden, selbst einsehen, daß ihr Text unauffällig und all- 
gemein verständlich lauten mußte. Es reicht uns aber hin, wenn er eine Zweideu- 
tigkeit bewahrt, an welche auch unsere Auslegung anknüpfen kann. 






Eine Teufelsneurose im. siebzehnte n Jahrhundert 17 

Erkrankung des Malers aufzuklären. Die Berechtigung hiezu nehme 
ich aus dem Erfolg unserer Forschungen über das Wesen der 
Neurosen überhaupt. In aller Bescheidenheit darf man es aus- 
sprechen, daß heute selbst die Stumpferen unter unseren Zeit- 
und Fachgenossen einzusehen beginnen, daß ein Verständnis der 
neurotischen Zustände ohne Hilfe der Psychoanalyse nicht zu 
erreichen ist. 

„Die Pfeile nur erobern Troja, sie allein" 

bekennt der Odysseus in Sophokles' Philoktet. 

Wenn es richtig ist, die Teufelsverschreibung unseres Malers 
als neurotische Phantasie anzusehen, so bedarf eine psychoanalyti- 
sche Würdigung derselben keiner weiteren Entschuldigung. Auch 
kleine Anzeichen haben ihren Sinn und Wert, ganz besonders 
unter den Entstehungsbedingungen der Neurose. Man kann sie 
freihch ebensowohl überschätzen wie unterschätzen, und es bleibt 
eine Sache des Takts, wie weit man in ihrer Verwertung gehen 
will. Wenn aber jemand nicht an die Psychoanalyse und nicht ein- 
mal an den Teufel glaubt, muß es ihm überlassen bleiben, was 
er mit dem Fall des Malers anfangen will, sei es, daß er dessen 
Erklärung aus eigenen Mitteln bestreiten kann, sei es, daß er 
nichts der Erklärung Bedürftiges an ihm findet. 

Wir kehren also zu unserer Annahme zurück, daß der Teufel, 
dem unser Maler sich verschreibt, ihm ein direkter Vaterersatz 
ist. Dazu stimmt auch die Gestalt, in der er ihm zuerst erscheint, 
als ehrsamer älterer Bürgersmann mit braunem Vollbart, in rotem 
Mantel, schwarzem Hut, die Rechte auf den Stock gestützt, einen 
schwarzen Hund neben sich (Bild 1).^ Später wird seine Erschei- 
nung immer schreckhafter, man möchte sagen mythologischer: 
Hörner, Adlerklauen, Fledermausflügel werden zu ihrer Ausstattung 
verwendet. Zum Schluß erscheint er in der Kapelle als fliegender 

1) Aus einem solchen schwarzen Hund entwickelt sich hei Goethe der Teufel 
selbst. 

Freud, Eine Teufelsneurose. 2 



i8 Sigm. Freud 



Drache. Auf ein bestimmtes Detail seiner körperlichen Gestaltung 
werden wir später zurückkommen müssen. 

Daß der Teufel zum Ersatz eines geliebten Vaters gewählt 
wird, klingt wirklich befremdend, aber doch nur, wenn wir zum 
erstenmal davon hören, denn wir wissen mancherlei, was die 
Überraschung mindern kann. Zunächst, daß Gott ein Vaterersatz 
ist oder richtiger: ein erhöhter Vater oder noch anders: ein Nach- 
bild des Vaters, wie man ihn in der Kindheit sah und erlebte, 
der Einzelne in seiner eigenen Kindheit und das Menschen- 
geschlecht in seiner Vorzeit als Vater der primitiven Urhorde. 
Später sah der Einzelne seinen Vater anders und geringer, aber 
das kindliche Vorstellungsbild blieb erhalten und verschmolz mit 
der überlieferten Erinnerungsspur des Urvaters zur Gottesvor- 
stellung des Einzelnen. Wir wissen auch aus der Geheimgeschichte 
des Individuums, welche die Analyse aufdeckt, daß das Verhältnis , 
zu diesem Vater vielleicht vom Anfang an ein ambivalentes war, 
jedenfalls bald so wurde, d. h. es umfaßte zwei einander ent- 
gegengesetzte Gefühlsregungen, nicht nur eine zärtlich unter- 
würfige, sondern auch eine feindselig trotzige. Dieselbe Ambi- 
valenz beherrscht nach unserer Auffassung das Verhältnis der 
Menschenart zu ihrer Gottheit. Aus dem nicht zu Ende ge- 
kommenen Widerstreit von Vatersehnsucht einerseits, Angst und 
Sohnestrotz anderseits haben wir uns wichtige Charaktere und 
entscheidende Schicksale der Religionen erklärt.' 

Vom bösen Dämon wissen wir, daß er als Widerpart Gottes 
gedacht ist und doch seiner Natur sehr nahe steht. Seine Geschichte 
ist allerdings nicht so gut erforscht wie die Gottes, nicht alle 
Religionen haben den bösen Geist, den Gegner Gottes, aufge- 
nommen, sein Vorbild ira individuellen Leben bleibt zunächst im 
Dunkeln. Aber eines steht fest, Götter können zu bösen Dämonen 
w^erden, wenn neue Götter sie verdrängen. Wenn ein Volk von 

i) Siehe Totem und Tabu und im Einzelnen Th. Reik, Prohleme der Religions- 
psychologie I, 1919. 



einem anderen besiegt wird, so wandeln sich die gestürzten Götter 
der Besiegten nicht selten für das Siegervolk in Dämonen um. 
Der böse Dämon des christlichen Glaubens, der Teufel des Mittel- 
alters, war nach der christlichen Mythologie selbst ein gefallener 
Engel und gottgleicher Natur. Es braucht nicht viel analytischen 
Scharfsinns, um zu erraten, daß Gott und Teufel ursprünglich 
identisch waren, eine einzige Gestalt, die später in zwei mit 
entgegengesetzten Eigenschaften zerlegt wurde.' In den Ur- 
zeiten der Rehgionen trug Gott selbst noch alle die schreckenden 
Züge, die in der Folge zu einem Gegenstück von ihm vereinigt 
wurden. 

Es ist der von uns wohlbekannte Vorgang der Zerlegung einer 
Vorstellung mit gegensinnigem — ambivalentem — Inhalt in 
zwei scharf kontrastierende Gegensätze. Die Widersprüche in der 
ursprünghchen Natur Gottes sind aber eine Spiegelung der Am- 
bivalenz, welche das Verhältnis des Einzelnen zu seinem persön- 
hchen Vater beherrscht. Wenn der gütige und gerechte Gott ein 
Vaterersatz ist, so darf man sich nicht darüber wundern, daß auch 
die feindhche Einstellung, die ihn haßt und fürchtet und sich 
über ihn beklagt, in der Schöpfung des Satans zum Ausdruck 
gekommen ist. Der Vater wäre also das individuelle Urbild sowohl 
Gottes wie des Teufels. Die Religionen würden aber unter der 
untilgbaren Nachwirkung der Tatsache stehen, daß der primitive 
Urvater ein uneingeschränkt böses Wesen war, Gott weniger ähnlich 
als dem Teufel. 

Freihch, so leicht ist es nicht, die Spur der satanischen Auf- 
fassung des Vaters im Seelenleben des Einzelnen aufzuzeigen. 
Wenn der Knabe Fratzen und Karikaturen zeichnet, so gelingt 
es etwa nachzuweisen, daß er in ihnen den Vater verhöhnt, und 
wenn beide Geschlechter sich nächthcherweise vor Räubern und 
Einbrechern schrecken, so hat die Erkennung derselben als Ab- 

i) Siehe Th. Reik, Der eigene und der fremde Gott (Imago-Bücher III, 1925) 
im Kapitel: Gott und Teufel. 



L 



Spaltungen des Vaters keine Schwierigkeit.' Auch die in den Tier- 
phobien der Kinder auftretenden Tiere sind am häufigsten Vater- 
ersatz wie in der Urzeit das Totemtier. So deuthch aber wie bei 
unserem neurotischen Maler des siebzehnten Jahrhunderts hört 
man sonst nicht, daß der Teufel ein Nachbild des Vaters ist und 
als Ersatz für ihn eintreten kann. Darum sprach ich eingangs 
dieser Arbeit die Erwartung aus, eine solche dämonologische 
Krankengeschichte werde uns als gediegenes Metall zeigen, was 
in den Neurosen einer späteren, nicht mehr abergläubischen 
aber dafür hypochondrischen Zeit mühselig durch analytische 
Arbeit aus dem Erz der Einfälle und Symptome dargestellt werden 
muß.^ 

Stärkere Überzeugung werden wir wahrscheinlich gewinnen, 
wenn wir tiefer in die Analyse der Erkrankung bei unserem 
Maler eindringen. Daß ein Mann durch den Tod seines Vaters 
eine melancholische Depression und Arbeitshemmung erwirbt, ist 
nichts Ungewöhnliches. Wir schließen daraus, daß er an diesem 
Vater mit besonders starker Liebe gehangen hat, und erinnern 
uns daran, wie oft auch die schwere Melancholie als neurotische 
Form der Trauer auftritt. 

Darin haben wir gewiß recht, nicht aber, wenn wir weiter 
schließen, daß dies Verhältnis eitel Liebe gewesen sei. Im Gegen- 
teil, eine Trauer nach dem Verlust des Vaters wird sich um so 
eher in Melancholie umwandeln, je mehr das Verhältnis zu ihm 

i) Als Einbrecher erscheint der Vater Wolf auch in dem bekannten Märchen 
von den sieben Geißlein. 

2) Wenn es uns so selten gelingt, in tmsereu Analysen den Teufel als Vaterersatz 
aufzufinden, so mag dies darauf hinweisen, daß diese Figur der mittelalterlichen 
Mythologie bei den Personen, die sich unserer Analyse unterziehen, ihre Rolle längst 
ausgespielt hat. Dem frommen Christen früherer Jahrhunderte war der Glaube an 
den Teufel nicht weniger Pflicht als der Glaube an Gott. In der Tat brauchte er 
den Teufel, um an Gott festhalten zu können. Der Rückgang der Gläubigkeit hat 
dann aus verschiedenen Gründen zuerst und zunächst die Person des Teufels be- 
troffen. 

VFenu man sich getraut, die Idee des Teufels als Vaterersatz kulturgeschichtlich 
zu verwerten, so kann man auch die Hexenprozesse des Mittelalters in einem neuen 
Lichte sehen. 



Eine Teufelsneurose im. siebzehnten Jahrhundert 



B im Zeichen der Ambivalenz stand. Die Hervorhebung dieser Am- 
bivalenz bereitet uns aber auf die Möglichkeit der Erniedrigung 
des Vaters vor, wie sie in der Teufelsneurose des Malers zum 
Ausdruck kommt. Könnten wir nun von Chr. Haitzmann so viel 
erfahren wie von einem Patienten, der sich unserer Analyse unter- 
zieht, so wäre es ein leichtes, diese Ambivalenz zu entwickeln, 
ihm zur Erinnerung zu bringen, wann und bei welchen Anlässen 
er Grund bekam, seinen Vater zu fürchten und zu hassen, vor 
allem aber die akzidentellen Momente aufzudecken, die zu den 
typischen Motiven des Vaterhasses hinzugekommen sind, welche 
in der natürlichen Sohn- Vaterbeziehung unvermeidlich wurzeln. 
Vielleicht fände dann die Arbeitshemmung eine spezielle Auf- 
klärung. Es ist möglich, daß der Vater sich dem Wunsch des 
Sohnes, Maler zu werden, widersetzt hatte 5 dessen Unfähigkeit, 
seine Kunst nach dem Tode des Vaters auszuüben, wäre dann 
einerseits ein Ausdruck des bekannten „nachträglichen Gehorsams , 
anderseits würde sie, die den Sohn zur Selbsterhaltung unfähig 
macht, die Sehnsucht nach dem Vater als Beschützer vor der 
Lebenssorge steigern müssen. Als nachträglicher Gehorsam wäre 
sie auch eine Äußerung der Reue und eine erfolgreiche Selbst- 
■ bestrafung. 

Da wir eine solche Analyse mit Chr. Haitzmann, f 1700, nicht 
anstellen können, müssen wir uns darauf beschränken, diejenigen 
Züge seiner Krankengeschichte hervorzuheben, welche auf die 
typischen Anlässe zu einer negativen Vatereinstellung hinweisen 
können. Es sind nur wenige, nicht sehr auffällig, aber recht 
interessant. 

Vorerst die Rolle der Zahl Neun. Der Pakt mit dem Bösen 
wird auf neun Jahre geschlossen. Der gewiß unverdächtige Be- 
richt des Pfarrers von Pottenbrunn äußert sich klar darüber: pro 
novem annis Syngraphen scriptam tradidit. Dieser vom 1. Sep- 
tember 1677 datierte Geleitbrief weiß auch anzugeben, daß die 
Frist in wenigen Tagen abgelaufen wäre: quorum et finis 24 



mensis hujus futurus appropinquat. Die Verschreibung wäre also 
am 24. September 1668 erfolgt/ Ja in diesem Bericht hat die 
Zahl Neun noch eine andere Verwendung. Nonies — neunmal — 
will der Maler den Versuchungen des Bösen widerstanden haben, 
ehe er sich ihm ergab. Dies Detail wird in den späteren Berichten 
nicht mehr erwähnt; „Post annos novem" heißt es dann auch 
im Attest des Abtes und „ad novem annos'\ wiederholt der Kom- 
pilator in seinem Auszug, ein Beweis, daß diese Zahl nicht als 
gleichgültig angesehen wurde. 

Die Neunzahl ist uns aus neurotischen Phantasien wohl be- 
kannt. Sie ist die Zahl der Schwangerschaftsmonate und lenkt, wo 
immer sie vorkommt, unsere Aufmerksamkeit auf eine Schwanger- 
schaftsphantasie hin. Bei unserem Maler handelt es sich freilich 
um neun Jahre, nicht um neun Monate, und die Neun, wird 
man sagen, ist auch sonst eine bedeutungsvolle Zahl. Aber wer 
weiß, ob die Neun nicht überhaupt ein gutes Teil ihrer Heilig- 
keit ihrer Rolle in der Schwangerschaft verdankt; und die Wand- 
lung von neun Monaten zu neun Jahren braucht uns nicht zu 
beirren. ^Wir wissen vom Traum her, wie die „unbewußte Geistes- 
tätigkeit" mit den Zahlen umspringt. Treffen wir z. B. im Traum 
auf eine Fünf, so ist diese jedesmal auf eine bedeutsame Fünf des 
Wachlebens zurückzuführen, aber in der Reahtät waren es fünf 
Jahre Altersunterschied oder eine Gesellschaft von fünf Personen, 
im Traum erscheinen sie als fünf Geldscheine oder fünf Stücke 
Obst. Das heißt die Zahl wird beibehalten, aber ihr Nenner be- 
hebig, je nach den Anforderungen der Verdichtung und Verschie- 
bung vertauscht. Neun Jahre im Traum können also ganz leicht 
neun Monaten der Wirklichkeit entsprechen. Auch spielt die 
Traumarbeit noch in anderer Weise mit den Zahlen des Wach- 
lebens, indem sie mit souveräner Gleichgültigkeit sich um die 
Nullen nicht bekümmert, sie gar nicht wie Zahlen behandelt. 

.Ji\^r ^^'^""P^"'*' ^^^ die wiedergegebenen Verschreibungen beide die Jalires- 
zahl 1669 zeigen, wird uns später beschäftigen. 



Eine Teufelsneurose im siebzehnten Jahrhundert 525 

Fünf Dollars im Traum können fünfzig, fünfhundert, fünftausend 
Dollars -der Realität -vertreten. 

Ein anderes Detail in den Beziehungen des Malers zum Teufel 
weist uns gleichfalls auf die Sexualität hin. Das erstemal sieht 
er, wie schon erwähnt, den Bösen in der Erscheinung eines ehr- 
samen Bürgers. Aber schon das nächste Mal ist er nackt, miß- 
gestaltet und hat zwei Paar weiblicher Brüste. Die Brüste, bald 
einfach, bald mehrfach vorhanden, fehlen nun in keiner der fol- 
genden Erscheinungen. Nur in einer derselben zeigt der Teufel 
außer den Brüsten einen großen, in eine Schlange auslaufenden 
Penis. Diese Betonung des weiblichen Geschlechtscharakters durch 
große, hängende Brüste (nie findet sich eine Andeutung des weib- 
lichen Genitales) muß uns als auffälliger Widerspruch gegen 
unsere Annahme erscheinen, der Teufel bedeute unserem Maler 
einen Vaterersatz. Eine solche Darstellung des Teufels ist auch 
an und für sich ungewöhnlich. Wo Teufel ein Gattungsbegriff 
ist, also Teufel in der Mehrzahl auftreten, hat auch die Dar- 
stellung von weiblichen Teufeln nichts Befremdendes, aber daß 
der eine Teufel, der eine große Individualität ist, der Herr der 
Hölle und Widersacher Gottes, anders als männlich, ja übermänn- 
lich mit Hörnern, Schweif und großer Penisschlange gebildet 
werde, scheint mir nicht vorzukommen. 

Aus diesen beiden kleinen Anzeichen läßt sich doch erraten, 
welches typische Moment den negativen Anteil seines Vaterver- 
hältnisses bedingt. Das, wogegen er sich sträubt, ist die feminine 
Einstellung zum Vater, die in der Phantasie, ihm ein Kind zu 
gebären (neun Jahre) gipfelt. Wir kennen diesen Widerstand genau 
aus unseren Analysen, wo er in der Übertragung sehr merkwür- 
dige Formen annimmt und uns viel zu schaffen macht. Mit der 
Trauer um den verlorenen Vater, mit der Steigerung der Sehn- 
sucht nach ihm, wird bei unserem Maler auch die längst ver- 
drängte Schwangerschaftsphantasie reaktiviert, gegen die er sich 
durch Neurose und Vatererniedrigung wehren muß. 



^4 Sigm. Freud 



Warum trägt aber der zum Teufel herabgesetzte Vater das 
körperliche Merkmal des Weibes an sich? Dieser Zug erscheint 
anfangs schwer deutbar, bald aber ergeben sich zwei Erklärungen 
für ihn, die miteinander konkurrieren ohne einander auszuschließen. 
Die feminine Einstellung zum Vater unterlag der Verdrängung, 
sobald der Knabe verstand, daß der Wettbewerb mit dem Weib 
um die Liebe des Vaters das Aufgeben des eigenen männlichen 
Genitales, also die Kastration, zur Bedingung hat. Die Ablehnung 
der femininen Einstellung ist also die Folge des Sträubens gegen 
die Kastration, sie findet regelmäßig ihren stärksten Ausdruck in 
der gegensätzhchen Phantasie, den Vater selbst zu kastrieren, ihn 
zum, Weib zu machen. Die Brüste des Teufels entsprächen also' 
einer Projektion der eigenen Weibhchkeit auf den Vaterersatz. 
Die andere Erklärung dieser Ausstattung des Teufelskörpers hat 
nicht mehr feindseligen, sondern zärthchen Sinnj sie erblickt in 
dieser Gestaltung ein Anzeichen dafür, daß die infantile Zärthch- 
keit von der Mutter her auf den Vater verschoben worden ist, 
und deutet so eine starke, vorgängige Mutterfixierung an, die 
ihrerseits wieder für ein Stück der Feindsehgkeit gegen den Vater 
verantworthch ist. Die großen Brüste sind das positive Geschlechts- 
kennzeichen der Mutter, auch zu einer Zeit, wo der negative 
Charakter des Weibes, der Penismangel, dem Kinde noch nicht 
bekannt ist.' 

Wenn das Widerstreben gegen die Annahme der Kastration 
unserem Maler die Erledigung seiner Vatersehnsucht unmögUch 
macht, so ist es überaus verständlich, daß er sich um Hilfe und 
Rettung an das Bild der Mutter wendet. Darum erklärt er, daß 
nur die heilige Mutter Gottes von Mariazell ihn vom Pakt mit 
dem Teufel lösen kann, und erhält am Geburtstag der Mutter 
(8. September) seine Freiheit wieder. Ob der Tag, an dem der 
Pakt geschlossen wurde, der 24. September, nicht auch ein in 



1) Vgl. Eine Kiudheitseriimerung des Leonardo da Vinci [Ges. Schriften, Bd. IX]. 



Eine Teufelsneurose im siebzehnten Jahrhundert 



25 



ähnlicher Weise ausgezeichneter Tag war, werden wir natürlich 
nie erfahren. 

Kaum ein anderes Stück der psychoanalytischen Ermittlungen 
aus dem Seelenleben des Kindes klingt dem normalen Erwachsenen 
so abstoßend und unglaubwürdig wie die feminine Einstellung 
zum Vater und die aus ihr folgende Schwangerschaftsphantasie 
des Knaben. Wir können erst ohne Besorgnis und ohne Bedürfnis 
nach Entschuldigung von ihr reden, seitdem der sächsische Senats- 
präsident Daniel Paul Schreber die Geschichte seiner psycho- 
tischen Erkrankung und weitgehenden Herstellung bekannt gemacht 
hat.' Aus dieser unschätzbaren Veröffentlichung erfahren wir, daß 
der Herr Senatspräsident etwa um das fünfzigste Jahr seines Lebens 
die sichere Überzeugung bekam, daß Gott — der übrigens deut- 
liche Züge seines Vaters, des verdienten Arztes Dr. Schreber an 
sich trägt — den Entschluß gefaßt, ihn zu entmannen, als Weib 
zu gebrauchen und aus ihm neue Menschen von Schreberschem 
Geist entstehen zu lassen. (Er war selbst in seiner Ehe kinderlos 
geblieben.) An dem Sträuben gegen diese Absicht Gottes, welche 
ihm höchst ungerecht und „weltordnungswidrig" vorkam, er- 
krankte er unter den Erscheinungen einer Paranoia, die sich aber 
im Laufe der Jahre bis auf einen geringen Rest rückbildete. Der 
geistvolle Verfasser seiner eigenen Krankengeschichte konnte wohl 
nicht ahnen, daß er in ihr ein typisches pathogenes Moment auf- 
gedeckt hatte. 

Dieses Sträuben gegen die Kastration oder die feminine Ein- 
stellung hat Alf. Adler aus seinen organischen Zusammenhängen 
gerissen, in seichte oder falsche Beziehungen zum Machtstreben 
gebracht und als „männhchen Protest" selbständig hingestellt. Da 
eine Neurose immer nur aus dem Konflikt zweier Strebungen 
hervorgehen kann, ist es ebenso berechtigt, im männhchen Protest 



1) D. P. Schreber, Denkwürdigkeiten eines Nervenkranken, Leipzig 1905. Vgl. 
meine Analyse des Falles Schreber [Psychoanalytische Bemerkungen über einen 
autobiographisch beschriebenen Fall von Paranoia. Ges. Schriften, Bd. VIII]. 



26 Sigm. Freud 



die Verursachung „aller" Neurosen zu sehen wie in der femininen 
Einstellung, gegen welche protestiert wird. Richtig ist, daß dieser 
männliche Protest einen regelmäßigen Anteil an der Charakter- 
bildung hat, bei manchen Typen einen sehr großen, und daß er uns 
als scharfer Widerstand bei der Analyse neurotischer Männer ent- 
gegentritt. Die Psychoanalyse würdigt den männlichen Protest im 
Zusammenhang des Kastrationskomplexes, ohne seine Allmacht 
oder Allgegenwart bei den Neurosen vertreten zu können. Der 
ausgeprägteste Fall von männhchem Protest in allen manifesten 
Reaktionen und Charakterzügen, der meine Behandlung aufgesucht 
hat, bedurfte ihrer wegen einer Zwangsneurose mit Obsessionen, 
in denen der ungelöste Konflikt zwischen männlicher und weib- 
hcher Einstellung (Kastrationsangst und Kastrationslust) zu deut- 
hchem Ausdruck kam. Überdies hatte der Patient masochistische 
Phantasien entwickelt, die durchaus auf den Wunsch, die Kastra- 
tion anzunehmen, zurückgingen, und war selbst von diesen Phan- 
tasien zur realen Befriedigung in perversen Situationen vorge- 
schritten. Das Ganze seines Zustandes beruhte — wie die Adler- 
sche Theorie überhaupt — auf der Verdrängung, Verleugnung 
frühinfantiler Liebesfixierungen. 

Der Senatspräsident Schreber fand seine Heilung, als er sich 
entschloß, den Widerstand gegen die Kastration aufzugeben und 
sich in die ihm von Gott zugedachte weibliche Rolle zu fügen. 
Er wurde dann klar und ruhig, konnte seine Entlassung aus der 
Anstalt selbst durchsetzen und führte ein normales Leben bis auf 
den einen Punkt, daß er einige Stunden täglich der Pflege seiner 
Weiblichkeit widmete, von deren langsamem Fortschreiten bis zu 
dem von Gott bestimmten Ziel er überzeugt blieb. 



' IV 
DIE ZWEI VERSCHREIBUNGEN 

Ein merkwürdiges Detail in der Geschichte unseres Malers ist 
die Angabe, daß er dem Teufel zwei verschiedene Verschrei- 
bungen ausgestellt. 

Die erste, mit schwarzer Tinte geschriebene, hatte den Wortlaut: 
„Ich Chr. H. vndterschreibe mich diesen Herrn sein leibeigener 
Sohn aujf ^ Jahr." 

Die zweite, mit Blut geschrieben, lautet: 

„Ch. H. Ich verschreibe mich dißen Satan ich sein leibeigener 
Sohn zu sein vnd in 5). Jahr ihm mein Leib und Seel zuzuge- 
her en." 

Beide sollen zur Zeit der Abfassung des Trophaeum im Archiv 
von Mariazell im Original vorhanden gewesen sein, beide tragen 
die nämliche Jahreszahl 1669. 

Ich habe die beiden Verschreibungen bereits mehrmals erwähnt 
und unternehme es jetzt, mich eingehender mit ihnen zu be- 
schäftigen, obwohl gerade hier die Gefahr, Kleinigkeiten zu über- 
schätzen, besonders drohend erscheint. 

Die Tatsache, daß sich einer dem Teufel zweimal verschreibt, 

so daß die erste Schrift durch die zweite ersetzt wird, ohne aber 

ihre eigene Gültigkeit zu verhören, ist ungewöhnhch. Vielleicht 

. befremdet sie andere weniger, die mit dem Teufelsstoff vertrauter 



I 



Sigm. Freud 



sind. Ich konnte nur eine besondere Eigentümlichkeit unseres 
Falles darin sehen und wurde mißtrauisch, als ich fand, daß die 
Berichte gerade in diesem Punkt nicht zusammenstimmen. Die 
Verfolgung dieser Widersprüche wird uns in unerwarteter Weise 
zu einem tieferen Verständnis der Krankengeschichte leiten. 

Das Geleitschreiben des Pfarrers von Pottenbrunn weist die 
einfachsten und klarsten Verhältnisse auf. In ihm ist nur von 
einer Verschreibung die Rede, die der Maler vor neun Jahren 
mit Blut gefertigt, und die nun in den nächsten Tagen, am 
24. September fällig wird, sie wäre also am 24. September 1668 
ausgestellt worden; leider ist diese Jahreszahl, die sich mit Sicher- 
heit ableiten läßt, nicht ausdrücklich genannt. 

Der Attest des Abtes Franciscus, wie wir wissen, wenige Tage 
später datiert (12. Sept. 1677), erwähnt bereits einen komplizier- 
teren Sachverhalt. Es liegt nahe anzunehmen, daß der Maler in- 
zwischen genauere Mitteilungen gemacht hatte. In diesem Attest 
wird erzählt, daß der Maler zwei Verschreibungen von sich ge- 
geben, die eine im Jahre 1668 (wie es auch nach dem Geleit- 
brief sein müßte) mit schwarzer Tinte geschrieben, die andere 
aber sequenti anno l66^ mit Blut geschrieben. Die Verschreibung, 
die er am Tage Maria Geburt zurückbekam, war die mit Blut 
geschriebene, also die spätere, 1669 ausgestellte. Dies geht nicht 
aus dem Attest des Abtes hervor, denn dort heißt es im weiteren 
einfach: schedam r edder et und schedam sibi porrig entern con- 
spexisset, als ob es sich nur um ein einziges Schriftstück handeln 
könnte. Aber wohl folgt es aus dem weiteren Verlauf der Ge- 
schichte sowie aus dem farbigen Titelblatt des Trophaeum, wo 
auf dem Zettel, den der dämonische Drache hält, deutlich rote 
Schrift zu sehen ist. Der weitere Verlauf ist, wie bereits erwähnt, 
der, daß der Maler im Mai 1678 nach Mariazell wiederkehrt, 
nachdem er in Wien neuerliche Anfechtungen des Bösen erfahren, 
und das Ansuchen stellt, es möge ihm durch einen neuerlichen 
Gnadenakt der heihgen Mutter auch dies erste, mit Tinte ge- 



schriebene Dokument wiedergegeben werden. Auf welche Weise 
dies geschieht, wird nicht mehr so ausführlich wie das erstemal 
beschrieben. Es heißt nur qua iuxta votum reddita und an an- 
derer Stelle erzählt der Kompilator, daß gerade diese Verschrei- 
bung „zusammengeknäult und in vier Stücke zerrissen^'' dem Maler 
am 9. Mai 1678 um die neunte Abendstunde vom Teufel zuge- 
worfen w^urde. 

Die Verschreibungen tragen aber beide dasselbe Datum: Jahr 
1669. 

Dieser Widerspruch bedeutet entweder gar nichts oder er führt 
auf folgende Spur: 

Wenn wir von der Darstellung des Abtes als der ausführ- 
licheren ausgehen, ergeben sich mancherlei Schwierigkeiten. 
Als Chr. H. dem Pfarrer von Pottenbrunn bekannte, er sei in 
Teufelsnöten, der Termin laufe bald ab, kann er (im Jahre 1677) 
nur an die im Jahre i668 ausgestellte Verschreibung gedacht 
haben, also an die erste, schwarze (die im Geleitbrief allerdings 
einzig genannt und als die blutige bezeichnet wird). Wenige 
Tage später, in Mariazeil, bekümmert er sich aber nur darum, 
die spätere, blutige, zurückzubekommen, die noch gar nicht fällig 
ist (1669 — 1677), und läßt die erste überfällig werden. Diese 
wird erst 1678, also im zehnten Jahr zurückerbeten. Ferner, 
warum sind beide Verschreibungen aus dem gleichen Jahr 1669 
datiert, wenn die eine ausdrücklich „anno subsequenti" zu- 
geteilt ist? 

Der Kompilator muß diese Schwierigkeiten verspürt haben, 
denn er macht einen Versuch, sie zu beheben. In seiner Einleitung 
schließt er sich der Darstellung des Abtes an, modifiziert sie aber 
in einem Punkte. Der Maler, sagt er, habe sich im Jahre, 166 9 
dem Teufel mit Tinte verschrieben, „deinde vero", später aber 
mit Blut. Er setzt sich also über die ausdrückliche Angabe der 
beiden Berichte, daß eine Verschreibung ins Jahr 1668 fällt, hinweg 
und vernachlässigt die Bemerkung im Attest des Abtes, daß sich 



3° Sigm. Freud 



zwischen beiden Verschreibungen die Jahreszahl geändert, um im 
Einklang mit der Datierung der beiden, vom Teufel zurückge- 
gebenen Schriftstücke zu bleiben. 

Im Attest des Abtes findet sich nach den Worten sequenti vero 
anno 1669 eine in Klammern eingeschlossene Stelle, welche lautet: 
sumitur hie alter annus pro nondum completo uti saepe in lo- 
quendofieri solet, nam eundum annum indicant Syngraphae quarum 
atramento scripta ante praesentem attestationem nondum habita 
fuit. Diese Stelle ist ein unzweifelhaftes Einschiebsel des Kom- 
pilators, denn der Abt, der nur eine Verschreibung gesehen hat, 
kann doch nicht aussagen, daß beide dasselbe Datum tragen. Sie 
soll wohl auch durch die Klammern als ein dem Zeugnis fremder 
Zusatz kenntlich gemacht werden. Was sie enthält, ist ein anderer 
Versuch des Kompilators, die vorliegenden Widersprüche zu ver- 
söhnen. Er meint, es sei zwar richtig, daß die erste Verschreibung 
im Jahre 1668 gegeben worden ist, aber da das Jahr schon vor- 
gerückt war (September), habe der Maler sie um ein Jahr vor- 
datiert, so daß beide Verschreibungen die gleiche Jahreszahl zeigen 
konnten. Seine Berufung darauf, man mache es ja im mündhchen 
Verkehr oft ähnlich, verurteilt wohl diesen ganzen Erklärungs- 
versuch als eine „faule Ausrede". 

Ich weiß nun nicht, ob meine Darstellung dem Leser irgend 
einen Eindruck gemacht und ob sie ihn in Stand gesetzt hat, 
sich für diese Winzigkeiten zu interessieren. Ich fand es unmöglich, 
den richtigen Sachverhalt in unzweifelhafter Weise festzustellen, 
bm aber beim Studium dieser verworrenen Angelegenheit auf eine 
Vermutung gekommen, die den Vorzug hat, den natürlichsten Her- 
gang einzusetzen, wenngleich die schriftlichen Zeugnisse sich auch 
ihr nicht völlig fügen. 

Ich meine, als der Maler zuerst nach Mariazeil kam, sprach er 
nur von einer regelrecht mit Blut geschriebenen Verschreibung, 
die bald verfallen sollte, also im September 1668 gegeben war, 
ganz so wie es im Geleitbrief des Pfarrers mitgeteilt ist. In Mariazeil 



Eine Teufelsneurose im siebzehnten Jahrhundert 51 

präsentierte er auch diese blutige Verschreibung als diejenige, die 
ihm der Dämon unter dem Zwang der heiligen Mutter zurück- 
gegeben hatte. Wir wissen, was weiter geschah. Der Maler ver- 
ließ bald darauf den Gnadenort und ging nach Wien, wo er sich 
auch bis Mitte Oktober frei fühlte. Aber dann fingen Leiden und 
Erscheinungen, m denen er das Werk des bösen Geistes sah, 
wieder an. Er fühlte sich wieder erlösungsbedürftig, fand sich 
aber vor der Schwierigkeit, aufzuklären, warum ihm die Beschwö- 
rung in der heiligen Kapelle keine dauernde Erlösung gebracht 
hatte. Als ungeheilter Rückfälliger wäre er wohl in Mariazeil 
nicht willkommen gewesen. In dieser Not erfand er eine frühere, 
erste Verschreibung, die aber mit Tinte geschrieben sein sollte, 
damit ihr Zurückstehen gegen eine spätere, blutige, plausibel 
erscheinen konnte. Nach Mariazell zurückgekommen, ließ er sich 
auch diese angeblich erste Verschreibung zurückgeben. Dann 
hatte er Ruhe vor dem Bösen, allerdings tat er gleichzeitg etwas 
anderes, was uns auf den Hintergrund dieser Neurose hinweisen 
wird. 

Die Zeichnungen fertigte er gewiß erst bei seinem zweiten 
Aufenthalt in Mariazeil anj das einheitlich komponierte Titelblatt 
enthält die Darstellung beider Verschreibungsszenen. Bei dem 
Versuch, seine neueren Angaben mit seinen früheren in Einklang 
zu bringen, mag er wohl in Verlegenheiten geraten sein. Es war 
für ihn ungünstig, daß er nur eine frühere, nicht eine spätere 
Verschreibung hinzudichten konnte. So konnte er das ungeschickte 
Ergebnis nicht vermeiden, daß er die eine, die blutige Verschrei- 
bung zu früh (im achten Jahr), die andere, die schwarze, zu spät 
(im zehnten Jahr) eingelöst hatte. Als verräterische Anzeichen 
seiner zweifachen Redaktion ereignete es sich ihm, daß er sich 
in der Datierung der Verschreibungen irrte und auch die frühere 
in das Jahr 1669 setzte. Dieser Irrtum hat die Bedeutung einer 
ungewollten Aufrichtigkeit 5 er läßt uns erraten, daß die angeblich 
frühere Verschreibung zu einem späteren Termin hergestellt wurde^ 



52 Sigm. Freud 



Der Kompilator, der den Stoff gewiß nicht früher als 1714, viel- 
leicht erst 1739 zur Bearbeitung übernahm, mußte sich bemühen, 
die nicht unwesentlichen Widersprüche, so gut er konnte, weg- 
zuschaffen. Da die beiden Verschreibungen, die ihm vorlagen, auf 
1669 lauteten, half er sich durch die Ausrede, die er in das 
Zeugnis des Abtes einschaltete. 

Man erkennt leicht, worin die Schwäche dieser sonst anspre- 
chenden Konstruktion gelegen ist. Die Angabe zweier Verschrei- 
bungen, einer schwarzen und einer blutigen, findet sich bereits 
im Zeugnis des Abtes Franciscus. Ich habe also die Wahl, ent- 
weder dem Kompilator unterzuschieben, daß er an diesem Zeugnis 
im engen Anschluß an seine Einschaltung auch etwas geändert 
hat, oder ich muß bekennen, daß ich die Verwirrung nicht zu 
lösen vermag.* 

Die ganze Diskussion wird den Lesern längst überflüssig und 
die in ihr behandelten Details zu unwichtig erschienen sein. Aber 
die Sache gewinnt ein neues Interesse, wenn man sie nach einer 
bestimmten Richtung hin verfolgt. 



1) Der Kompilator, meine ich, fand sich zwischen zwei fixen Punkten eingeengt. 
Einerseits fand er sowohl im Geleitbrief des Pfarrers wie im Attest des Abtes die 
Angabe, dai3 die Verschreibung (zumindest die erste) im Jahre 1668 ausgestellt 
worden sei, anderseits zeigten beide im Archiv aufbewahrten Verschreibungen die 
Jahreszahl 166g; da er zwei Verschreibungen vor sich liegen hatte, stand es für ihn 
fest, daß zwei Verschreibungen erfolgt waren. Wenn im Zeugnis des Abtes nur von 
einer die Rede war, wie ich glaube, so mußte er in dieses Zeugnis die Erwähnung 
der anderen einsetzen und dann den Widerspruch durch die Annahme einer Vor- 
datierung aufheben. Die Abänderung des Textes, die er vornahm, stößt au die Ein- 
schaltung, die nur von ihm herrühren kann, unmittelbar an. Er war gezwungen, 
Einschaltung und Abänderung durch die Worte sequenti vero anno i66<) zu verbinden, 
weil der Maler in der (sehr beschädigten) Legende zum Titelbilde' ausdrücklich 
geschrieben hatte: 

I Nach einem Jahr würdt Er 

. . . schrökhliche betrohungen in ab- 

gestalt Wr. 2 bezwungen sich, 

n Bluut zu verschreiben. 



Das „Verschreiben" des Malers, als er die Syngraphae anfertigte, durch das ich 
zu meinem Erklärungsversuch genötigt worden bin, erscheint mir nicht weniger 
interessant als seine Verschreibungen selbst. 



Ich habe eben vom Maler ausgesagt, daß er, durch den Ver- 
lauf seiner Krankheit unliebsam überrascht, eine frühere Verschrei- 
bung (die mit Tinte) erfunden habe, um seine Position gegen 
die geistlichen Herren in Mariazeil behaupten zu können. Nun 
schreibe ich für Leser, die zwar an die Psychoanalyse glauben, 
aber nicht an den Teufel, und diese könnten mir vorhalten, es 
sei unsinnig, dem armen Ke|-1 von Maler — hunc miserum nennt 
ihn der Geleitbrief — einen solchen Vorwurf zu machen. Die 
blutige Verschreibung war ja genau so phantasiert wie die an- 
gebhch frühere mit Tinte. In Wirklichkeit ist ihm ja überhaupt 
kein Teufel erschienen, der ganze Pakt mit dem Teufel existierte 
ja nur in seiner Phantasie. Ich sehe das ein; man kann dem 
Armen das Recht nicht bestreiten, seine ursprüngliche Phantasie 
durch eine neue zu ergänzen, wenn die geänderten Verhältnisse 
es zu erfordern schienen. 

Aber auch hier gibt es noch eine Fortsetzung. Die beiden Ver- 
schreibungen sind ja nicht Phantasien wie die Teufelsvisionen 5 sie 
waren Dokumente, nach der Versicherung des Abschreibers wie 
nach dem Zeugnis des spätereren Abtes Kilian im Archiv von 
Mariazell für alle sichtbar und greifbar aufbewahrt. Also stehen 
wir hier vor einem Dilemma. Entweder haben wir anzunehmen, 
daß der Maler die beiden ihm angeblich durch göttliche Huld 
zurückgestellten Schedae selbst zur Zeit verfertigt, da er sie brauchte, 
oder wir müssen den geistlichen Herren von Mariazell und Sankt 
Lambert trotz aller feierlichen Versicherungen, Bestätigungen durch 
Zeugen mit beigefügten Siegeln usw. die Glaubwürdigkeit ver- 
weigern. Ich gestehe, die Verdächtigung der geistlichen Herren 
fiele mir nicht leicht. Ich neige zwar zur Annahme, daß der 
Kompilator im Interesse der Konkordanz einiges am Zeugnis des 
ersten Abtes verfälscht hat, aber diese „sekundäre Bearbeitung" 
geht nicht weit über ähnliche Leistungen, auch moderner und 
weltlicher Geschichtsschreiber, hinaus und geschah jedenfalls im 
guten Glauben. Nach anderer Richtung haben sich die geisthchen 

Freud, Eine Teufelsneurose. j. 



34 Sigm. Freud 

Herren gegründeten Anspruch auf unser Vertrauen erworben Ich 
sagte es schon, nichts hätte sie hindern können, die Berichte über 
die UnVollständigkeit der Heilung und die Fortdauer der Ver 
suchungen zu unterdrücken, und auch die Schilderung der Be 
schwörungsszene in der Kapelle, der man mit einigem Bangen 
entgegensehen durfte, ist nüchtern und glaubwürdig geraten. Es 
bleibt also nichts übrig, als den Maler zu beschuldigen. Die rote 
Verschreibung hatte er wohl bei sich, als er sich zum Bußgebet 
m die Kapelle begab, und zog sie dann hervor, als er von seiner 
Begegnung mit dem Dämon zu den geistlichen Beiständen zurück- 
kehrte. Es muß auch gar nicht derselbe Zettel gewesen sein der 
später im Archiv aufbewahrt wurde, sondern nach unserer Kon- 
struktion kann er die Jahreszahl 1668 (neun Jahre vor der Be- 
schwörung) getragen haben. 



V 
DIE WEITERE NEUROSE 

Aber das wäre Betrug und nicht Neurose, der Maler ein Simu- 
lant und Fälscher, nicht ein kranker Besessener! Nun, die Über- 
gänge zwischen Neurose und Simulation sind bekanntlich fließende. 
Ich finde auch keine Schwierigkeit anzunehmen, daß der Maler 
diesen Zettel ebenso wie die späteren in einem besonderen, seinen 
Visionen gleichzustellenden Zustand geschrieben und mit sich ge- 
nommen hat. Wenn er die Phantasie vom Teufelspakt und von 
der Erlösung durchführen wollte, konnte er ja gar nichts an- 
deres tun. 

Den Stempel der Wahrhaftigkeit trägt dagegen das Tagebuch 
aus Wien an sich, das er bei seinem zweiten Aufenthalt zu Mariazeil 
den Geistlichen übergab. Es läßt uns freilich tief in die Motivie- 
rung oder sagen wir lieber Verwertung der Neurose blicken. 

Die Aufzeichnungen reichen von seiner erfolgreichen Beschwö- 
rung bis zum 15. Januar des nächsten Jahres 1678. Bis zum 
1 1 . Oktober erging es ihm in Wien, wo er bei einer verheirateten 
Schwester wohnte, recht gut, dann aber fingen neue Zustände 
mit Visionen und Krämpfen, Bewußtlosigkeit und schmerzhaften 
Sensationen an, die dann auch zu seiner Rückkehr nach Mariazell 
im Mai 1678 führten. 

Die neue Leidensgeschichte gliedert sich in drei Phasen. Zuerst 
meldet sich die Versuchung in Gestalt eines schön gekleideten 

3' 



^ . Sigm. Freud 



Kavahers der .hm zureden will, den Zettel wegzuwerfen der 
se,ne Aufnahme in die Bruderschaft von, heilig« Roselan 
besche,n.g,. Da er „idemand, wiederholte sich lieselbe Ersc:eT 
nung am nächsten Tag, aber diesmal in einem nräch,r 
schmückten Saal, in dem vornehme Herren JZiZnlf 
-nzten. Derselbe Kavalier, der ihn schon einma ;:'ur ^^l 
.hm emen auf Malerei bezüglichen Antrag' und ..ZlTfZ 
dafür em schönes Stück Geld. Nachdem l diese ZI dur^ 
Gebete zum Verschwinden gebracht, wiederholte sie sich tZt 
Tage spater m noch eindringlicherer Form. Diesmal schicS 
der Kavaher eme der schönsten Frauen, die an der FestSlI 
saßen, zu ihm hin, um ihn zur Geselhchaft zu briLrÜnd 
er hatte Mühe, sich der Verführerin zu erwehren 'Im er 
schreckendsten war aber die bald darauf folgende Vidon eint 
noch prunkvolleren Saales m r^orv. ■ 

gerichteter Thron" war KavalTere T 7 T »<""*'"* ""/- 
j- A 1 . Jvavaliere standen herum und erwartetPn 

d.e Ankunft thres Königs. Dieselbe Pe.on, die sich seh ^0" 

Z Th°ron rb""T'""'.^^ °"^ '^" ^" ""'• forderte La:' 
aeti fhron zu besteigen, „e „wollten ihn für ihren Koni;, h„l, 

unä tn Ewi^.i. _,„„., „, dieser^AusschltnT ^ 
Phantasie schheBt die erste, rech, durchsichtige Phase der Tr 
suchungsgeschichte ab. ^ 

und sechs Jahre lang m einer Wüste Gott dienen solle Der 



i) Eine mir unverständliche SteUe 



Eine Teufelsneurose im siebzehnten Jahrhundert 37 



liehen Vorschlag nicht angenommen hatte, und führte ihn in die 
Hölle, damit er durch das Los der Verdammten geschreckt werde. 
Offenbar blieb aber die Wirkung aus, denn die Erscheinungen 
der Person im Glänze, die Christus sein sollte, wiederholten sich 
noch mehrmals, jedesmal mit stundenlanger Geistesabwesenheit 
und Verzücktheit für den Maler. In der großartigsten dieser Ver- 
zücktheiten führte ihn die Person im Glänze zuerst in eine Stadt, 
in deren Straßen die Menschen alle Werke der Finsternis übten, 
und dann zum Gegensatz auf eine schöne Au, in der Einsiedler 
ihr gottgefälliges Leben führten und greifbare Beweise von Gottes 
Gnade und Fürsorge erhielten. Dann erschien an Stelle Christi 
die heilige Mutter selbst, die ihn unter Berufung auf ihre früher 
geleistete Hilfe mahnte, dem Befehl ihres lieben Sohnes nach- 
zukommen. „Da er sich hiezu nicht recht resolviref^ kam Christus 
am nächsten Tage wieder und setzte ihm mit Drohungen und 
Versprechungen tüchtig zu. Da gab er endlich nach, beschloß aus 
diesem Leben auszutreten und zu tun, was von ihm verlangt 
wurde. Mit dieser Entschließung endet die zweite Phase. Der 
Maler konstatiert, daß er von dieser Zeit an keine Erscheinung 
oder Anfechtung mehr gehabt hat. 

Indes muß dieser Entschluß nicht sehr gefestigt oder seine 
Ausführung allzulang aufgeschoben worden sein, denn als er am 
36. Dezember in St. Stephan seine Andacht verrichtete, konnte 
er sich beim Anblick einer wackeren Jungfrau, die mit einem 
wohlaufgeputzten Herrti ging, der Idee nicht erwehren, er könnte 
selbst an Stelle dieses Herrn sein. Das forderte Strafe, noch am 
selben Abend traf es ihn wie ein Donnerschlag, er sah sich in 
hellen Flammen und fiel in Ohnmacht. Man. bemühte sich, ihn 
zu erwecken, aber er wälzte sich in der Stube, bis Blut aus Mund 
und Nase kam, verspürte, daß er sich in Hitze und Gestank be- 
fand, und hörte eine Stimme sagen, daß ihm dieser Zustand als 
Strafe für seine unnützen und eiteln Gedanken geschickt worden 
sei. Später wurde er dann von bösen Geistern mit Stricken ge- 



38 



Sigm. Freud 



geißelt und ihm versprochen, daß er all« T^I ^ ' ' 

solle, bis er sich antscMosse; h^be in Z I " ^'T "^*° 
«ten. Diese Erlebnisse seMen L '"''" "^f ="™<len einzu- 
reichen (.3. Januar) fort. ^ ™"'"' *" ^*-*nunge„ 

pha^iiTsL^herT t: ""'''' ''^ ^--'-«"^- 

gel« werden, das Me LT / "^ ^''^^Phantasien .1 

Er begibt siJh iL Mai ''"t"'^"'="*'= '=— "ü- bereits, 
schidrte von einer Mh ""* . '"™^''»' W-S« *" die Ge- 
Verschreibu; ::: dTr' -' -hwarzer Tinte geschriebenen 

™.> Ten« U't tdl Lr: L^Tnfhl"' ""^ ^' "°* 

ist geheilt. ' ^^^ ^"''^ ^i^se zurück und 

in,To;tn:Xi=r"r"'r ™'* - - --> - 

der Forderung der ^t. it ptas: sll Ta' T T' ''' ""* 
trifft. Er geht .„ar nicht in die Wtjte 1 S ^'^i^" ''^"'™- 
aber er tritt in den Orden d. H T Umsiedler zu „erden, 

Mto es,. ^"^ Barn^herzigen Brüder ein: reli^osus 

ein'lts':r;ests^*""r ^^"'""°" -i^ Verständnis «r 
Maler sich del Wd vT f^' ""-■ '"""''" ™. "aß der 
Vaters, versutL t un T ™'>'""' ™' '' "°* "^^ Tode des 
- erhalten Zelirn * '"«^ ''""^' '"^ =--- 
Trauer un, den vL^s^r' 7""'°°' ^"^"^^--ng und 

^iertere Ar. mi.etW e ' verSt^'^ier' ht"'"*^ °''' """'''- 
nungen des Tenfok ^ '^""""P't- Vielleicht waren die Erschei- 

stattf, wea d^ B , "m.:" '""'™*'^='' "■" Briisten ausge- 

erfüUt sich nlht rXT™: "''"^ '°'"«- °'^ Hoffnung 

nicht orde„.,i:ti:r!d:rt.:rti-f **• '- '°""' 

genug Arbeit. Der Gelei.brief de^Pf "'"' '"'' "*' 



Eine Teufels neurose im siebzehnten Jahrhundert 39 

Streut, die wie die Inhalte der erschauten Szenen zeigen, daß sich 
auch nach der erfolgreichen ersten Beschwörung daran nichts 
geändert hatte. Wir lernen einen Menschen kennen, der es zu 
nichts bringt, dem man auch darum kein Vertrauen schenkt. In 
der ersten Vision fragt ihn der Kavaher, was er eigenthch an- 
fangen wolle, da sich niemand seiner annehme („dieweillen ich von 
iedermann izt verlassen, waß ich anfangen würde^'). Die erste 
Reihe der Visionen in Wien entspricht durchaus den Wunsch- 
phantasien des Armen, nach Genuß Hungernden, Verkommenen: 
Herrliche Säle, Wohlleben, silbernes Tafelgeschirr und schöne 
Frauen; hier wird nachgeholt, was wir im Teufelsverhältnis ver- 
mißt haben. Damals bestand eine Melancholie, die ihn genuß- 
unfähig machte, auf die lockendsten Anerbieten verzichten hieß. 
Seit der Beschwörung scheint die Melanchohe überwunden, alle 
Gelüste des Weltkindes sind wieder rege. 

In einer der asketischen Visionen beklagt er sich gegen die 
ihn führende Person (Christus), daß ihm niemand glauben wolle, 
so daß er dessentwegen, was ihm anbefohlen, nicht vollziehen 
könne. Die Antwort, die er darauf erhält, bleibt uns leider dunkel 
(„so fer man mir nit glauben, waß aber geschechen, waiß ich 
wol, ist mir aber selbes auszuspröchen vnmöglich"). Besonders auf- 
klärend ist aber, was ihn sein götthcher Führer bei den Ein- 
siedlern erleben läßt. Er kommt in eine Höhle, in der ein alter 
Mann schon seit sechzig Jahren sitzt, und erfährt auf seine Frage, 
daß dieser Alte täglich von den Engeln Gottes gespeist wird. Und 
dann sieht er selbst, wie ein Engel dem Alten zu essen bringt: 
„Drei Schüßerl mit Speiß, ein Brot und ein Knödl und Getränk.^' 
Nachdem der Einsiedler gespeist, nimmt der Engel alles zusammen 
und trägt es ab. Wir . verstehen, welche Versuchung die frommen 
Visionen zu bieten haben, sie wollen ihn bewegen, eine Form 
der Existenz zu wählen, in der ihm die Nahrungssorgen abge- 
nommen sind. Beachtenswert sind auch die Reden Christi in der 
letzten Vision. Nach der Drohung, wenn er sich nicht füge, werde 



I 

i 



12- Sigm. Freud 

etwas geschehen, daß er und die Leute [daran] glauben müßten 
mahnt er d.rekt: „Ich solle äie Leith nit achten, obu>ollen ^Ton 
^hnen verfolgt u^uräte, oäer von ihnen keine hilfflaistun, empßenle 
iyott wurde mich nit verlasßen." ^ ' 

Ch Haitzmann war soweit Künstler und Weltkind, daß es ihm 
nicht leicht hei, dieser sündigen Welt zu entsagen. Aber end^^T 
tat er es doch mit Rücksicht auf seine hilflose Lage. Er trat n 
einen geistlichen Orden ein, damit war sein innerer Kampf 2 
s^ne matenelle Not zu Ende. In seiner Neurose spiegelt sich 
dieser Ausgang darin, daß die Rückstellung einer angebhch ersten 
Verschreibung seine Anfälle und Visionen beseitigt. Eigenthch 
hatten beide Abschnitte seiner dämonologischen ErlLkufg d n 
selben Sinn gehabt. Er wollte immer nur sein Leben sichern, das 
erste Mal mit Hilfe des Teufels auf Kosten seiner Seligkeit, und 
als dieser versagt hatte und aufgegeben werden mußte, mit 
Hilfe des geisthchen Standes auf Kosten seiner Freiheit und der 
meisten Genußmöglichkeiten des Lebens. Vielleicht war Chr 
Haitzmann nur selbst ein armer Teufel, der eben kein Glück 
hatte, vielleicht war er zu ungeschickt oder zu unbegabt, um 
sich selbst zu erhalten, und zählte zu jenen Typen,' di; als 
,,ew,ge Saughnge" bekannt sind, die sich von der beglückenden 
Situation an der Mutterbrust nicht losreißen können und durchs 
ganze Leben den Anspruch festhalten, von jemand anderem 
ernährt zu werden. Und so legte er in dieser Krankengeschichte 
den Weg vom Vater über den Teufel als Vaterersatz zu den 
frommen Patres zurück. 

Seine Neurose erscheint oberflächlicher Betrachtung als ein 
Gaukelspiel, welches ein Stück des ernsthaften, aber banalen 
Lebenskampfes überdeckt. Dies Verhältnis ist gewiß nicht immer 
so aber es kommt auch nicht gar so selten vor. Die Analytiker 
erleben es oft, wie unvorteilhaft es ist, einen Kaufmann zu be- 
handeln, der „sonst gesund, seit einiger Zeit die Erscheinungen 
einer Neurose zeigt". Die geschäftliche Katastrophe, von der sich 



Eine Teufelsneurose im siebzehnten Jahrhundert 



41 



der Kaufmann bedroht fühlt, wirft als Nebenwirkung diese Neurose 
atif von der er auch den Vorteil hat, daß er hinter ihren Sym- 
ptomen seine realen Lebenssorgen verheimlichen kann. Sonst aber 
ist sie überaus unzweckmäßig, da sie Kräfte in Anspruch nimmt, 
die vorteihafter zur besonnenen Erledigung der gefährlichen Lage 
Verwendung fänden. 

In weit zahlreicheren Fällen ist die Neurose selbständiger und 
unabhängiger von den Interessen der Lebenserhaltung und Be- 
hauptung. Im Konflikt, der die Neurose schafft, stehen entweder 
nur libidinöse Interessen auf dem Spiel oder libidinöse in inniger 
Verknüpfung mit solchen der Lebensbehauptung. Der Dynamis- 
mus der Neurose ist in allen drei Fällen der gleiche. Eine nicht 
real zu befriedigende Libidostauung schafft sich mit Hilfe der 
Regression zu alten Fixierungen Abfluß durch das verdrängte 
Unbewußte. Soweit das Ich des Kranken aus diesem Vor- 
gang einen Krankheitsgewinn ziehen kann, läßt es die Neurose 
gewähren, deren ökonomische Schädlichkeit doch keinem Zweifel 
unterliegt. 

Auch die üble Lebenslage unseres Malers hätte keine Teufels 
neurose bei ihm hervorgerufen, wenn aus seiner Not nicht eine 
verstärkte Vatersehnsucht erwachsen wäre. Nachdem aber die 
Melancholie und der Teufel abgetan waren, kam es bei ihm 
noch zum Kampf zwischen der libidinösen Lebenslust und der 
Einsicht, daß das Interesse der Lebenserhaltung gebieterisch Ver- 
zicht und Askese fordere. Es ist interessant, daß der Maler die 
Einheithchkeit der beiden Stücke seiner Leidensgeschichte sehr 
wohl verspürt, denn er führt die eine wie die andere auf Ver- 
schreibungen, die er dem Teufel gegeben, zurück. Anderseits 
imterscheidet er nicht scharf zwischen den Einwirkungen des bösen 
Geistes und jenen der göttlichen Mächte, er hat für beide eine 
Bezeichnung: Erscheinungen des Teufels. 



INHALTSVERZEICHINIS 

Seite 

I. Die Gescliiclite des Malers Christoph. Haitzmann 4 

II. Das Motiv des Teufelspakts . . . . , n 

III. Der Teufel als Vaterersatz 15 

IV. Die zwei Verschreibungen . i 27 

V. Die weitere Neurose 55 



INTERNATIONALER PSYCHOANALYTISCHER 

Wien Vn. Andreasgasse 3 



VERLAG 



SIGM. FREUD 
GESAMMELTE SCHRIFTEN 



I 

Studien über Hysterie / Frühe Arbeiten «ur 
Nenrosenlehre (1892-99) (Charcot — Ein Fall von 
hvpnot. Heilung nebst Bemerkungen über d. Ent- 
stehung hyster. Symptome durch d. GegenvrÜlen — 
Quelques consid^rations pour une 6tude compara- 
tive des paralysies motrices organ. et hyst6riques -— 
Die Abwehr-Neuropsychosen — Über die Berechti- 
gung, von der Neurasthenie einen bestimmten 
Svmptomenkomplex als „Angstneurose" abzu- 
trennen — Obsessions et phobies — Zur Kritik der 
An°-stneurose — Weitere Bemerkungen über die 
Abwehr-Neuropsychosen — L*h6r6dit6 etl'ötiologie 
des nßvroses — Zur „Ätiologie der Hysterie — 
Die Sexualität in der Ätiologie der Neurosen — 
Über Deckerinnerungen) 

n 

Die Tranmdentnng 

III 

KaditrSge zur Traumdeutungr / Über den 
Traum / Beiträge zur Traumlehre (Märchenstoffe 
in Träumen — Ein Traum als Beweismittel — 
Traum und Telepathie — Bemerkungen zur Theorie 
und Praxis der Traumdeutung) 

IV 

Zur Psychopathologie des Alltagslebens ' Das 
Interesse an der Psychoanalyse / Über Psycho- 
analyse/Zur Geschichte der psychoanalytischen 
Bewegung 



Drei Abhandlungen zur Sexualtheorie / Arbeiten 
zum Sexu&lleben und zur Neurosenlehre (Meine 
Ansichten über die Rolle der Sexualität in der 
Ätiologie der Neurosen — Zur sexuellen Aufklärung 
der Kinder — Die „kulturelle" Sexualmoral und 
die Nervosität — Über infantile Sexual theorien — 
Beiträge zur Psj^chologie des Liebeslebens : Über 
einen besonderen Typus der Objektwahl beim 
Manne. Über die allgemeinste Erniedrigung des 
Liebeslebens. Das Tabu der Virginität — Die 
infantile Genitalorganisation — Zwei KinderlOgen — 
Gedankenassoziation eines vierjährigen Kindes — 
Hj-^sterische Phantasien und ihre Beziehung zur 
Bisexualität — Über den hysterischen Anfall — 
Charakter u. Analerotik — Über Triebumsetzungen, 
insbesondere der Analerotik — Die Disposition zur 
Zwangneurose — Mitteilung eines der psycho- 
analytischen Theorie widersprechenden Falles von 
Paranoia — Die psychogene Sehstörung in psycho- 
analytischer Auffassung — Eine Beziehung zwischen 
einem Symbol und einem Symptom — Über die 
Ps^-^chogenese eines Falles von w^eibliclier Homo- 
sexualität — „Ein Kind wird geschlagen" — ^P^^ 
ökonomische Problem des Masochismus — Über 
einige neurotische Mechanismen, bei Eifersucht, 
Paranoia und Homosexualität — Über neurotische 
Erkrankungstypen — Formulierungen Über die 
zwei ' Prinzipien des psychischen Geschehens — 



Neurose und Psychose — Der Untergang _ des 
Ödipuskomplexes) / Metapsychologie (Einige 
Bemerkungen über den Begriff des Unbewußten 
in der PsA. — Triebe und Triebschicksale — Die 
Verdrängung — Das Unbewußte — Metapsycholog. 
Ergänzung z. Traumlehre — Trauer und Melancholie) 

VI 

Zur Technik (Die Freudsche psychoanalytische 
Methode — Über Psychotherapie — Die zukünftigen 
Chancen der psychoanalytischen Therapie — Über 
„wilde" Psychoanalyse — Die Handhabung der 
Traumdeutung in der Psychoanalyse — Zur Dynamik 
der Übertragung — Ratschläge für den Arzt bei 
der psychoanalytischen Behandlung — Über fausse 
reconnaissance [„döjä racont6"] während der psj-cho- 
analytischen Arbeit — Zur Einleitung der Behandlung 
— Erinnern, Wiederholen und Durcharbeiten — 
Bemerkungen über die Übertragungsliebe — Wege 
der psychoanalyt Therapie — Zur Vorgeschichte 
der analyt. Technik) / Zur Einführung des Nar- 
zißmus / Jenseits des Lustprinzips / Massen- 
psychologie und Ich- Analyse / Das Ich und das 
Es / Anhang (Der Realitätsverlust bei Neurose und 
Psychose — Notiz über den Wunderblock) 

vn 

Vorlesungen zur Einführung in die Psychoanalyse 

VIII 

ICrankengeschichten (Bruchstück einer Hysterie- 
analyse — Analyse der Phobie eines fünfjährigen 
Knaben — Über einen Fall von Zwangsneurose — 
Psa. Bemerkungen über einen autobiographisch be- 
schriebenen Fall von Paranoia — Aus der Geschichte 
einer infantilen Neurose) 

IX 

Der "Witz und seine Beziehung zum Unbewufiten 

/ Der Wahn und die Träume In W. Jensens 

„Gradiva** / Eine Kindheitserinnerung des Leo* 

nardo da Vinci 



Totem und Tabu / Arbeiten zur Anwendung der 
Psychoanalyse (Tatbestandsdiagnostik und Psycho- 
analyse — Zwangshandlungen und Religionsübung — 
Über den Gegensinn der Urworte — Der Dichter 
und das Phantasieren — Mythologische Parallele 
zu einer plastischen Zwangsvorstellung — Das 
Motiv der Kästchenwahl — Der Moses des Michel- 
angelo — Einige Charaktertypen aus der psa. Arbeit: 
Die Ausnahmen. Die am Erfolge scheitern. Die 
Verbrecher aus Schuldbewußtsein — Zeitgemäßes 
über Krieg und Tod — Eine Schwiexigkeit der 
Psychoandyse — Eine Kindheitserinnerung aus 
„Dichtung und Wahrheit" — Das Unheimliche — Eine 
Teufelsneurose im 17. Jalu-liundert 

XI 
Nachträge / Bibliographie / Register 



Die Bände I und IV-X ersdieinen I924, die drei resdidien I925 



Internationaler Psychoanalytischer Verlas- 

Wien VII, Andre asgasse 5 

Dr. OTTO RANK 
Psychoanalytische Beiträge zur Mythenforschunff 

pslco^atStica d^e^ S^or^lTÄ. ^^^^""^ '' ""^ ''^ ^^ -^^«^as eonWbuciotril^rieta:«;- 

Revista di Psiqnlatria, UmZ 

Dr. OTTO RANK 
Das Trauma der Geburt 

, ' , , , """^ '^^'^ Bedeutung für die Psychoanalyse 

l^b\\^;ÄSLlrA:?oiJ^^^^^^ Neurotische Reproduktion / 

~, . PMlosopMscbe Spekulation ^ "^^^^^^^J^^^Pi^^^^^:^^^ 

Dr. EDUARD HITSCHMANN 
Gottfried Keller 

odeÄleiU'^?S'?;ÄTz^J=r^tT^'^^^^^ <•- MateHalbewenun,) geworden 

Das vorliegende Keller-Buch hat mir auch als ?ftS=ll?^t ■1*°*?''.^''''' 6«'^°™™? wShl beides 
Buch vertieft unseren Einblick in X erotfschen PrXme Tef H ''"^' ^^^""^ aufgesteckt . ^Das 
Keller. Es erklärt die Hemmungen in seiner uersfinlT.W b« dem Menschen wie bei dem Künstler 
entsprechende Motive seiner DlLtung.^^^"" ^'"^^^^^^^fnT^rn^^^^^^ 

Dr. EMIL LORENZ 
Der politische Mythus 

Beiträge zur Mythologie der Kultur 

Apot?el^e?5aÄr"^Sarjj„T^ed'^;u:^ü^teT '^^^^^t ""=''-''" — ^-end, ein 
BTSthren^---^ - -- «--•^- l' S?ner B^llothtk ^ ^JZ^^^^^^i 

wer^ÄS:? ^S^-^eSijS^tSrif-^— ^^ ^^^^^ -Sn^^^r:: ^^S 
_ In der Durchleuchtung der Seele von Revol„«„„»„ .._. Trierer Zeitung, 

inneren Antrieben von Massenbewegurg"n nich i^^d ffj^?^ 1 niU unendlich feinfühligem Geiste den 
Motive wirksam, die er geistreich Ms^l^dr Urfo™Sf '^uäck^erf^ir "ä'-- Umstürze unbe^^'fl^^ 

^ l'reie Stimmen. 

Prof. Dr. HEINRICH GOMPER Z 
Psychol. Beobachtungen an griechischen Philosophen 

(Sokrates — Parmenides) 

Dr. FRITZ GIESE 
Psychoanalytische Psychotechnik 

I. PsAnalyse u. WirtscHaftslehen. üier erotisierte ReHa^e. II. Psycho! Eignungsprüfung 



1 



IMAGO- BÜCHER 



I. 
DER KUNSTLER 

ANSÄTZE ZU EINER SEXUAL-PSYCHOLOGIB 

Von Dr. OTTO RANK 

Das Werk Ranks behandelt in lichtvoller Darstellung 
entscheidende Fragen. Der Weg ist kühn — aber kein 
Marsch auf der Straße. Die Zeit. 

Viele sehr verdienstvolle, vrenn auch harte und bei- 
nahe rücksichtslose Meinungen. Es gehört eine große 
Freiheit des Geistes und eine sehr schätzbare Unbe- 
fangenheit dazu. Rank hat auf dem Wege zur Seelen- 
schau des Künstlers eine ganze Menge psychologischer 
Probleme auf ihren sexuellen Gehalt hin geprüft und 
mit schöner Prägnanz demonstriert. 

Münchner Allgemeine Zeitung. 

II. 
TOLSTOIS KINDHEITS- 
ERINNERUNGEN 

EIN BEITRAG ZU FREUDS LIBIDOTIIEORIE 
Von Dr. N. OSSIPOW 

Auf der gigantischen Persönlichkeit dieses großen 
Russen, erschütternd entgegenschimraemd aus seinem 
künstlerischen Schaffen, fast nacktgeschürft in dem 
Autobiographischen» ruht hier zum erstenmal der 
geschärfte und geläuterte Blick psychoanalytischer 
Erkenntnis. Der Mensch und Künstler, selbst ein 
Zergliederer, selbst ein Träger genialischer Tiefen- 
psychologie, tritt hier in den Leuchtkegel modernster 
wissenschaftlicher Seelen einsieht. In merkwürdiger 
Weise kreuzen sich dabei die Wege Tolstoischer 
Sexual grübelei mit denen der psychoanalytischen Eros- 
lelire. Die Studie beansprucht, sowohl von den Ge- 
nießern Tolstoischer Kunst w^illkoramen geheißen zu 
werden, als auch bei deni wissenschaftlich orientierten 
Leser brennendes Interesse vorzufinden. 



III. 

DER EIGENE 

FREMDE 



UND DER 
GOTT 



ZUR PSYCHOANALYSE DER 
RELIGIÖSEN ENTWICKLUNG 

Von Dr. THEODOR REIK 

Inhalt: Über kollektives Vergessen.. — Jesus und 
Maria im Talmud. — Der hl. Epiphanius verschreibt 
sich. — Die wiederauferstandenen Götter. — Das Evan- 
gelium des Judas Ischkarioth. — Die psychoanalytische 
Deutung des Judasproblems. — Gott und Teilfel. — 
Die Unheimlichkeit fremder Götter und Kulte. — Das 
Unheimliche aus infantilen Komplexen. — Die Äqui- 
valenz d. Triebgegensatzpaare. — Über Differenzierung. 
Diese Arbeiten sollen, schreibt der Verfasser in der 
Vorbemerkung, „einen Versuch darstellen, von ana- 
lytischen Gesichtspunkten aus die Erscheinungen der 
religiösen Feindseligkeit und Intoleranz psychologisch 
zu erklären und zugleich den tieferen Ursachen der' 
religiösen Verschiedenheiten nachzuforschen. W^ofeme 
die Konvergenz der Ergebnisse in diesen von ver- 
schiedenen Seiten hergeführten Untersuchungen einen 
Schluß auf die Richtigkeit des Ganzen zuläßt, würde 
ich hoffen, daß die vorliegende Aufsatzreihe ein 
wichtiges Stück der religiösen Entvncklung in einem 
neuen Lichte erscheinen läßt." 



IV. 

DOSTOJEWSKI 

Von JOLAN NEUFELD 

Wie ist es möglich, daß ein Mensch so loyal gesinnt 
ist und dabei an einer Verschwörung gegen den 
Zaren teilnimmt? Wie kann jemand tief religiös und 
zugleich absolut ungläubig sein? Woher kommt es, 
daß ein Mensch, der mit jeder Nervenfaser an seiner 
Heimatscholle klebt, Monate, ja Jahre im Auslande 
verbringt? Woher kommt es, daß er dem Gelde un- 
unterbrochen nachjagt, um es dann wie etwas voll- 
kommen Wertloses zum Fenster hinauszuwerfen? 
Wie das Leben, so ist auch die DichtUTig Dostojewskis 
enigmatisch. Rätselhafte Charaktere, entgleiste Perverse 
sind die Helden seiner Romane und geben uns Rätsel 
über Rätsel auf, die mit der Bew^ußtseinspsychologie 
überhaupt nicht lösbar sind. Der Zauberschlüssel der 
Psychoanalyse aber sprengt die Schlösser. 

V. 

GEMEINSAME 

TAGTRÄUME 

Von HANNS SACHS 

Als die Psychoanalyse auf die entscheidende Bedeutung 
der Tagträume für den Lebensweg und die Liebesw^alU 
des Einzelnen hinwies^ traf sie w^enigstens an dieser 
einen Stelle mit einer längst gangbaren Überzeugung 
zusammen, daß nämlich die Tagträume die allgemein 
menschliche Vorstufe seien, von der aus sich in be- 
gnadetem Sonderfalle der Aufstieg zum Kunstwerk, 
zur Dichtung vollziehe. Sachs wei;,t nun die unbe- 
wußten Quellen der Tagträume nach, und untersucht 
eingehend die Frage, wie sich der Tagtraum zum 
Kunstwerk verwandelt, wodurch sich der Dichter vom 
Neurotiker, vom Verbrecher, vom Führer der Masse 
und schließlich in der I^iteratur vom Pfuscher und Nach- 
ahmer unterscheidet. Er weist auf den Zusammenhang 
2wischen dem nach Entlastung lechzenden Schuldbe- 
wußtsein und dem zur Aufgabe des Ichs und zur 
Verschiebung auf das Werk bereiten Narzißmus hin. 
Im Besonderen analysiert er dann in zwei breit an- 
gelegten Studien zwei Kunstwerke, die beide Anzeichen 
und Vorboten einer Produktionshera mung im Leben 
ih rer Seh Opfer darstellen: Schillers „Geisterseh er" 
und Shakespeares „Stur m". Die Psychoanal yse 
entwickelt sich „nach dem Gesetz nach dem sie ange- 
treten"; da sie aus der Erforschung der Störungen er- 
wachsen ist, die der unvollkommenen Bew^ältigung un- 
bewußter Wünsche ihrDasein verdanken, so vermag sie 
sich den Problemen der künstlerischen Schöpfung auch 
am besten von der Seite der Hemmungen her zu nähern. 

VI. 

DIE AMBIVALENZ 

DES KINDES 

Von Dr. HANS GUSTAV GRABER 

Aus dem Inhalt: Ambivalenz bei Bleuler; bei Frend. 
Der Urllaß. Die Elternbindung. Der Geschlechtsunter- 
schied. Das Lustverbot. Tierphobien. Das Über-Ich. 

VII. 

PSYCHOANALYSE 
UND LOGIK 

Von Dr. I. HERMANN 

Aus dem Inhalt: Dualschritte aus der Entwicklungs- 
psychologie; in der Biologie; in der schönen Literatur. 
Der Umkeh«chritt. Der Abwendungsschritt. Der 
Schritt des Sinkens. Über Sophismen. 



INTERNATIONALER PSYCHOANALYTISCHER VERLAG 

Wien VII. Andreasgasse 5 , 



Internationaler Psychoanalytischer Verlag 

Wien VII. Andreasgasse 3 



I MAGO 

ZEITSCHRIFT FÜR ANWENDUNG DER PSYCHO 
ANALYSE AUF DIE GEISTESWISSENSCHAFTEN 

HERAUSGEGEBEN VON 

Prof. Dr. SIGM. FREUD 



SONDERHEFTE 
Soziologisches Heft 

. . - ^ , (f''III. Band, 1922, Heft 2) 

Reliaionspsydiolo^sdies Heft 

Über B\d5."{s vÄuÄrJ fll^ä^'i^lT^^i^ t^^^^ Jahrhundert /Dr. Fran. Alexander: 
Ps.choanal.se der schwärzen Messen / C^- RVeTxnf S^i\^"de^^'¥oL^d"fi'r.^a?e7sTi^ ^" 

Pädagogisdi-i ugendpsvdiologisdies Heft 

. , , (^^ Bandj Ip2}, Heft 2) 

zur .ruhanal.. / Ann. .reu'd: eL H."-Hsä.°erÄc"-ereL\-^^^^^^ 

DU:1 1 .1 TT ^ 



Heft 



(IX, JBandj 102^ Heft j^ 
G. Berber. Zur Xheor.e der »ensCichen i^eindseU^ke^tT^R^' «i^^A^'-Te'iÄ^l^i^XÄoffi 

Asthetisdi-kimstpsydiologisdies Heft 



(/JT. Bandy 102^ Heft a) 

DSTr.fef^:^afS-%S>°ÄfTet^^^^^^ P.C. van der Wo..: 

in der Malerei / Anrel KolnL^ (^^"f^l^^^f^g^^'J--^-^ ^''jChiU: Inf^üüsn.^ 



Heft 



^ , , , , , (^- Band, 1^24, Doppelheft 2 u. ? ) 

drSS^-^^^^ f &^^f^^^t #eSML?z^l?.'^"°-.'"= -^- .unerrechmche 
und Bestattungsgebrauche / Beate Rank- 7nVn«li. 5^ ti.^^"' ■^"^^^Ser: Zur Psychologe der Trauer- 
Oesei™ . p,„.. ,..„,/ ,, .rauen%^rkc^rbe?^^J^Ln^^^,^:^rA.l"^^^^^^^^ 



„Imago" erscheint 4 mal jährlidi, im Gesamtumfang 



von ca. 500 Selten 



Internationaler Psy ckoan aly tiscner Verlag 
(^ueUenscliriften zur seeliscnen Entwiciklung 



Tageouai eines nalbwücnsigen J^4.äclm 



(Von 11 hiS 1 
\- Herausgegeoen von JL/r. 

Prof. Freud in einem Briefe an die Herausg-ebcrin : Daa-, 
Tagebudi ist ein kleines Juwel, Wirklidi, ich glaube, nodi 
niemaU bat m^n insolcher Klarheit undWahrhaftjgrkeit in 
die 3eelenregungen hineinljljdcen können, welche die £ntv i 
Wicklung' des Mädchens unserer Gesellschafts- und Kultur- 
stufe in den Jahren der Vorpübertat kennzeichnen. Wie die 
Gefühle aus deni Kindisch- EgbJstischen hervorwachsen) bis 
sie die soziale I^eife erreichen, wie die Beziehungen zu Eltern 
und Ges^wistern zuerst aussehen, und dann allmählich an 
Etnst Und Innigkeit gewinnen, wie Freundschaften ange- 
sponnen nnd verlassen werden, die Zärtlidikeit nadi ihren 
ersten Objekten tastet, Und "vor alleni, wie das Geheimnis ' 
des Gesdileditslebens erst versdiwomnjlien auftaucht, um 
dann von der kindlidieh Seele ganz Besitz zu nehmen, wie 
dieses Kind unter dem Bewußtsein sdnes geheimen Wissens. 
Schaden leidet und ihn allmählich iiberwindet,'das ist so 
reizend, natürlich' und dodi sp ernsthaft in diesen kunst- 
losen Aufzeichnungen zum Ausdruck gekonimen, daß es Er- 
ziehern und Psydiologen'das höchste Interesse einfloSen ntuß. 

„Literarisches Echo": Weibliche Weisen der bürg^r- 
licheu Welt werden sicJi beim TagebuiA Seite um Seite zu- 
rückversetzt fühlen in ihr Einst; männlic^dn Wesen wird 
es statt dessen nianche Kleinigkeit mitteilen, die sie noch 
nicht wußten. Leu Andreas-Salom^* 

„Vossische Zeitung": Denkt eudi, Wedekinds kleine 
WendU, die an „Frühlings-Erwaidien" so tragisch zugrunde 
geht, habe ihre Erlebnisse aufgezeidinet, denkt sie euch in 
Geheimratskreise und auf Wiener Boden versetzt, -^ so habt 
ihr das ^Tagebuch eines hälbwüdisigen Mädf^ens^. ^ 



„Neue Freie Presse": Hier, Wie viellbjcht in jedem auf- 
richtigen Tagebudie einer Halbwüchsigen, ist natürlich der 
Brennpunkt des Interesses die Sexualität. Die Sexualität, 



H. Hug-Hellinutli 

nidit die trotik. Denn hier (kommt die Neugier nodi aus 
dem Inteilektuellen, aus dem wadhen Gehirn eines noch un* 
entwidcelten Körpers, und die Unruhe Quillt aus dem Ver- 
stand; nicht aus den noch dumpfen Zonefn körperlichen 
Gefühls. Nirgends reagiert hier wirkliche Befriedigung auf 
flrkenntnis, im Gegenteil: der erste zufällige Einblick wird 
für das sdieue Kind zun^ seelischen Sc^odk . .'Es ist 
immer gut, Mens'diliches zu verstehen, , und zu diesem Ver- 
ständnis der Kinderseele scheint mir dieses Buch eines der 
kostbarsten, das je die Wlssensdiaft Hand in HamJ mit 
dem Zufall dargeboten. Stefan Zwetg. 

,' Zum Zensurverbpt in England 

„Frankfurter Zeitung": Das Aufsehen, das A Young 
Girls Diary in England verursacht, hat eine große Sittlidi- 
kejtskampagne ,feur Folge * . . Lord Alfred Douglas (der-, 
selbe, der in seinen jüngeren Jahren wegen seiner gerichts- 
notorisch gewprdenen Beziehungen zu Oskar Wilde viel ge-i 
nannt worden isf) hat öffentlich einen großen Eid ge- 
s'chwpren; die Psychoanalyse in England auszurotten. Als 
erstes Objekt seiner Purifizierungsw'ut ist das Tagebuch 
der kleinen Gretl Lainer ; auserkoren worden .. . Der Lon- 
doner Zensor ist Sidher der Meinung) es komme ausschließ- , 
li<^ in Wien oder höchstens nodi bei sonstigen Hunnen 
vor» daß z- B. das Denken und Fühlen junger Mädchen durc^ 
bevorstehende physiolog'säie Erscheinungen lebhaft be- 
sdiäftigl wird. In der Kontineiitalrasse liegt die Schweinerei 

„The New Statesman": Greitl Lainer (the name <diosen 
by the Psycho;-AnaIy tical Society) bßlongs to the Casanova 
iype of autöbiögrapher rather than to that of Rousseau and 
Marie Baskirtscheff ; she is singularly little troubled with her 
own Personality. She writes from a breathlesS interest in the 
World aräUnd rather than from aiiy morbid taste for liötro- 
spection pr self-explanation. ', ' 



II 
Vom CretneinsaialtsleDeii oer Jugend 

' ^ '.-I I . 111 ^ I ^ , 1 L I ' -M , r K /' 

Beiträge zur Jugendforschung, Lerausgegeteh von . 

; Dr. iSiegfriea Bernfela 

Inhalt: Die Psychoanatyae 5n der Jug:endforschun j. Von Dr. S. Bern'feld. -^ Ein Freundinnenkreis. Vop Dh S. 'Bernfeld 
Ein Schülerverein. Von Gerhard Fuehs.~Ein Knabenbuiid in einer Schulgemeinde. Von Wilhelm Hof f er.' — „ICnurrland." 
Analyse eines Kinderspieles.'Von Gerhard Fuchs. ^ Die Iniliaiionsriten der historischen Berufsstände. Von Erwin Kohn. 



Vorn didaterisck 



en 



m 

ö aiafien der Jugenct 



ISTeue Beiträge sur Jugendlorscnung von ' ^, ,, , 

jDr. »Sieglriea JDernlela 

1 n h a 1 1 : Die psychologische Literatur über das, dichterische Schaf fen der Jugendlichen. — Pas Dichten einer Jugendlichen. — 

Phantasie und Realität im Gedicht einer 17 jährigen. — Novellen jugendlicher Dichter. — Ober ein Motiv zur Produktion 

satirischer Gedichte. — Das Erstlingswerk iiach Selbstzeugnissen..— Phantasiespiele der.Kinder. — Ergebnisse. 





INTERNATIONALER PSYCHOANALYTISCHER VERLAG 


1 




Wien, VII. Andreasgasse 3 






i/ r. ij. xerenezi ^ 


i 




rlysterie und Jramoneurosen 






Inhalt: Über Pathoneurosen. Hysterische Materialisationsphänoraene. £rklärunS;Sversuch einigrer hysterischer Stigmata. 
Technische Schwierigkeiten einer Hysterieanalyse. Ein Fall von hyster. Hypochondrie. Zwei Typen der Kriegsl^terie. 






jJr. iS. Terenczi 


- ■ 1 


Jropmäre Vorträge über xsydioanalyse 




Aus dem Inhalte: Zur analytischen Auffassung- der Psychoneurosen. — Träume der AKnung:sIosen. — Suggestion 
und Psychoaiialyse. — Die Psychoanalyse des Witzes und des Koihisdien. — Ein Vortrag für Riditer und Staats- 
anwälte. — Psychoanalyse und Kriminologie. ^ Philosophie und Psydioanalyse. — Zur Psydiogenese der Medianifc, — 
Cbmelia, die Mutter der Gracchen. — Anatol France als Analytiker, — Glaube, Unglaube, Übericeugung. 






JDr; ib. Jerenczx 






V ersudi einer Crenitaltneorie 

■ ; ■ 1 






Inhalt: Ontogen«.tisches: Die Amphimixis der Erotismen im Ejakulationsakt. Der Begattungsakt als amphi" 

miiktischer Vorgang. Etttwidclungsstufen des erotischem Realitatssinnes. Deutung einzelner Vorgänge beim Geschlechtsakte. 

Die individuelle Genitälfunktion. Phylogenetisches: Phylogenetische Parallele. Zumnthalassalen RegressionszugV. 

Begattung un^ BefruditUng. Anhang und Ausblicke: Koitus und Schlaf. Bioanalytische Konsequenzen. 






Dr. Kmest Jones 




Inerapie der iSeuTosen 




Inhalt: Allgemeines über die Bedeutung der Neurosen. — Hysterie. — Angsthysterie. — Neurasthenie. — Zwangs- 
neurosen. — Hypochondrie vaxd Fixatiönshysterie. — Traumatische Neurosen, einsdbließUfji der KriegSQeurosen. — 
Prophylai^e der Ncnirosen. — Psychische Behandlung anderer^ den Neurpsen nahestehende Zustände. - 






JJr. J. V arenaonck 






über aas voroeAv^ü^te pnantasierende Denken 






Aus dem Geleitwort von Prof. Freud: „Das Buch des Dr. Varendoniic eathäli eine bedeutsame Neuhmt uöd wird 
mit Recht das Interesse aller Philosophen, Psychologen und Psychoanalytiker erwedcen. Es ist dem Autor in jahre- 
langen Bemühungen gelungen, jener Art von phantasierender Denktätigkeit habhaft zu werden, wdcher man sich 
während der Zusrande von Zerstreutheit hingibt, und in die man leicht vor dem Einsdilafen oder hei unvollkommenem 
iBrwadien verfällt .... Er hat dabei eine Reihe von wichtigen Entdeckungen gemacht." 






Vera ocnmiclt 






Psymoanalytisoie J&rzieliung in iSow^jetruJ^lana 






Berifjit JXhec das Kin<ierLeim-Lal>ora.torittm in Moskau 






Inhalt: Die äußeren Schidcsale. Die innere Einrichtung. Pgychoanalytisdie Leitsätze. Allgemein pädagogische Leitsätze. 

PädagogiscJie Maßnahmen. Die Arbeit des Erziehers an sich selbst Beobachtungen aus dem Kinderheim-Laboratorium. 

Anhang: Aus dem Tagebuch der jüngeren Gruppe. 


J 



INTERNATIONALER PSYCHOANALYTISCHER 

\S^ien, V II. Andreasgasse 3 



VERLAG 



Dr. S. F 



ereixczi 



üysterie lind Jratlioneurosen 

Inhalt: Über Pathoneurosen. Hysterische Materialisationsphänomene. Erklärungsversudi einig-er hysterischer Stigmata. 
Technisdie Schwierigkeiten einer Hysterieanalyse. Ein Fall von hyster. Hypochondrie, Zwei Typen der Kriegshysterie. 



Dr. S. t 



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Populäre Vorträge über Psydioanalyse 

Aus dem Inhalte: Zur analytischen Auffassung der Psychoneurosen. — Träume 4er Ahnungslosen. — Suggestion 

und Psychoanalyse. — Die Psychoanalyse des Witzes und des Koihischen. r— Ein Vortrag für Richter und Staats* 

anwälte. — Psychoanalyse und Kriihinologie. — Philosophie und Psychoanalyse. — Zur Psydhogenese der Medianik. — 

Cornelia, die Mutter der Gracchen. ~ Anatol France als Analytiker. — Glauhe, Unglaube, Überzeugung. 



Dr. iS. F 



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V ersudi 



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Crenitaltli 



eorie 



Inhalt: Ontogenetisches: Die Amphimixis der Erotismen im Ejakulationsakt. Der ßegattungsakt als ampM'" 

mikÜscher Vorgang. Etitwicklung^stufen des erotisdieii Realitätssi nhes. Deutung einzelner Vorgängfe beim Gesdileditsakte. 

Die individuelle Genitälfunktion. Phylogenetisches: Phylogenetische Parallele. Zum^thalassalen Regressionszugv, 

Begattung unijl Befruchtung. Anhang und Ausblicke: Koitus und Sdilaf. Bioanalytische Konsequenzen. 



Dr. Ernest Jon 



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Xnerapie der .Neurosen 

Inhalt: Allgemeines über die Bedeutung^ der Neurosen. ^ Hysterie. ~ Angsthysterie. — Neurasthenie. — Zwangs- 
neurosen. ^~ Hypochondrie und Fixatiönshysterie. — Traumatische Neurosen, einsc^lieBHch der Kriegsneurosen. — 
Prophylaxe der Neurosen. — Psychische Behandlung anderer, den Neurosen nahestehender Zustände. 

J-)r. J. Varenoonck 
Uoer das vorDe\v^u.5te pnantasierenoe -Denken 

Aus dem Geleitwort von Prof. Freud; „Das Buch des Dr. Varendonck ertthalt eine bedeutsame Neuheit und wird 
mit Recht das Interesse aller Philosophen, Psychologen und Psychoanalytiker erwecken. Es ist dem Autor in jahre- 
langen Bemühungen gelungen, jener Art von phantasierender Denktätigkeit habhaft zu werden, wdcher maU sich 
während der Zustände von Zerstreutheit hingibt, und in die man leicht vor dem Einschlafen oder bei unvollkommenem 
Erwachen verfällt .... Ef hat dabei eine Reihe von wichtigen Entdeckungen gemacht." 

Vera iScnmidt 
Psycnoanalytiscne Ürzienung in iSo^etru^lana 

Berioit .ülter das K^aerheim-Laooratorium m jMoskau 

Inhalt: Die äußeren Sc^idcsale. Die innere Einrichtung. Psychoanalytische Leitsätze. Allgemein päd&gogisdie Leitsätze. 

Pädagogisdie Maßnahmen. Die Arbeit des Erziehers an sich selbst. Beobachtungen aus dem Kinderheim-Laboratorium. 

Anhang: Aus dem Tagebuch der jüngeren Gruppe. 



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PsydioanalytiscJaer Verlag 

Leipzig / \V ien / Züiiclt. 



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