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sneurose
im \y, J anrnündert
von
ijigm. Xreud
Internationaler
X syckoanalytiscker Verlag
Leipzig / W^ien / Zütick
NEUE ARBEITEN ZUR
ÄRZTLICHEN PSYCHOANALYSE
i.
und DR. OTTO RAHK
aeir irsyaioanalyse ,
Zur WecLselteiieliung von Tteorje Und Praxis
Die. analytiadie Situation. D»-.LibidoabIäuf und; seine Pliasen'. Die Lösungf der Lil^idofixierung
DR- 5. FEREHCZI
J&ntwicklungsziele
Inhalt: Einleituns^.
im Erlebnismoment. -^ Historist^-kritischer Ri^dcblick. ^ Theori^ und Praxis. — Ergebnisse. — Ausblidce.
IL
DR- KARL ABRAHAM,
einer EntwidsJuniejSjGjes<lii<}ite
auf Gruiia ae
der J_/ibido
Versudi einer i/ntwicklungsgescmcnte aer
Psychoanalyse seetiiclier OtÖTuogen
Inhaft: I. Die JnanisA-depressiyen Zustände ä. die pcäsenitalen Orjanisationsstufen d, Libido (Melancholie u. Zwangsneurose.
Stufen der sadistisch-analen Entwidcljjngsphase. Objektverlust u. Introjektion in dernormalen Trauer u. in abnormen psych.
Zuständen. Stufen d. qralen Phase. Das Infant. Vorbild der melandiol. Depression.) 11. Anfänge u. Entwicklung d. Objektliebe.
ni.
DR- OTTO RANK
lErineSjXeurbsenanälyse in T]
räumen
/n*dÖ:OJe Widerstandspbaseri. (Kai(trationswJderstand. Zähkwang. Phaiitasiebildungen. Mntterregression tibido-
Bbertraguag. Sdiuldgefühl.), — Die Heilungsfaktoren. (Ungeduld und Resignation. Identjfijierung mit ^em Analytiker.
Akieptierung der Schwester. Entwöhnungsphabe. Usung der Ahalys?.)
DR- KARL ABRAHAM
Klimsdie Beiträge zur Psyclioanalyse
Am dem InhaltrtSber die Bedeutung sexueller Jugendtraumen für die Symptomatologie der Dementia priec«. — Die
^djosexnellen Differenzen der Hysterie und der Dementia praecox. - Die psychologischen Beziehungen' zwischen
Sexualität und Alkoholismus. - Die Stellu^s^ der Verwandlenehe in der Psydkologie der Neurosen. - Bemerkungen
anr Psychoanalyse einesFalles von Fuß-nndKorseltfetischisnios.— Ober ein kompliziertes Zeremoniell'neurotischer Frauen.—
Ohrmusdiel und Gehörgang als erogene Zone. ^ Zur Psychogenese der St^aßenangst im Kindesajter. — Sotleii wir die
Patienten ihre Träume aufsdireiben lassen? - Kritik zu C. G. Jung: Versudi einer Darstellung der psydioanalytischen
'heorie. - Ube^ Einschränkungen und Umwandtungen der Schaulust bei den Psy<^oneiirotikem. - Ober ejaculatio praecox.
Das Geldausgeben im Angstzustand. — Ober eine besondere Form des neurotisdien Wideritandes gegen die psydioalialyt.
Methodik. —Prognose psydioänalyt, Behandlungen im vorgeschrittenen Lebensalter asro,
DR- KARL ABRAHAM
Psydaoanalytischfe iStudieri zur Ckapaktertildung
Inhalt: L Ergänzungen zur Lehre vom Analcharakfer. — II. Beiträge der Oraterotik zur Charakterbildung. — ill. Zur
Charakterbildung auf der „gettitalin" Entwidclungsstufe. ; /
:\,, ■ ■'■'.DR- MAX' EITIKGON ■\^.:" -,.-.■; ;v.\ ■ ".'
Bpiciit üter Jie Berliner Psycho analytische Poliklinik
(März agao liM Juni igaä)
Mit eilfein Geleitwort von Prqfj SIGM. FREUD
pR. MAX EITINGOK
.Zweiter Beridit über die Berliner Psytkoanlyt; Poliklinik
(Juni igaa tis Mars iga^)
Eine Teufelsneurose
im siebzehnten Jahrhundert
von
Sigm. Freud
1924
Internationaler Psychoanalytischer Verlag
Leipzig / Wien / Zürich
„Eine Teufelsneurose im siebzehnten Jahrhundert" erschien zuerst 1923
in „Imago, Zeitschrift für Anwendung der Psychoanalyse auf die Geistes-
wissenschaften. Herausgegeben von Prof. Dr. Sigm. Freud". IX. Band, Heft 1
(Religionspsychologisches Heft).
Alle Rechte,
insbesondere das der Übersetzung, vorbehalten
Copyright 1924
by „Internationaler Psychoanalytischer Verlag
Ges. m. b. H. " , Wien
INTERNATIONAL
PSYCHOANALYTIC
UNIVERSITY
DIE PSYCHOANALYTISCHE HOCHSCHULE IN BERLIN
Carl Fromme Ges. m. b. H., Wien V
An den Neurosen der Kinderzeit haben wir gelernt, daß manches
hier mühelos mit freiem Auge zu sehen ist, was sich späterhin
nur gründlicher Forschung zu erkennen gibt. Eine ähnliche Er-
wartung wird sich für die neurotischen Erkrankungen früherer
Jahrhunderte ergeben, wenn wir nur darauf gefaßt sind, dieselben
unter anderen Überschriften als unsere heutigen Neurosen zu
finden. Wir dürfen nicht erstaunt sein, wenn die Neurosen dieser
frühen Zeiten im dämonologischen Gewände auftreten, während
die der unpsychologischen Jetztzeit im hypochondrischen, als or-
ganische Krankheiten verkleidet, erscheinen. Mehrere Autoren,
voran Charcot, haben bekannthch in den Darstellungen der Be-
sessenheit und Verzückung, wie sie uns die Kunst hinterlassen
hat, die Äußerungsformen der Hysterie agnosziert; es wäre nicht
schwer gewesen, in den Geschichten dieser Kranken die Inhalte
der Neurose wiederzufinden, wenn man ihnen damals mehr Auf-
merksamkeit geschenkt hätte.
Die dämonologische Theorie jener dunkeln Zeiten hat gegen
alle somatischen Auffassungen der „exakten" Wissenschaftsperiode
recht behalten. Die Besessenheiten entsprechen unseren Neurosen^
zu deren Erklärung wir wieder psychische Mächte heranziehen.
Die Dämonen sind uns böse, verworfene Wünsche, Abkömmlinge
abgewiesener, verdrängter Triebregungen. Wir lehnen bloß die
Projektion in die äußere Welt ab, welche das Mittelalter mit
diesen seelischen Wesen vornahm; wir lassen sie im Innenleben
der Kranken, wo sie hausen, entstanden sein.
I
DIE GESCHICHTE DES MALERS CHRISTOPH
HAITZMANN
Einen Einblick in eine solche dämonologische Neurose des sieb-
zehnten Jahrhunderts verdanke ich dem freundlichen Interesse
des Herrn Hofrats Dr. R. Payer-Thurn, Direktor der ehemals
k. k. Fideikommißbibliothek in Wien. Payer-Thurn hatte in
der Bibliothek ein aus dem Gnadenort Mariazeil stammendes
Manuskript aufgefunden, in dem über eine wunderbare Erlösung
von einem Teufelspakt durch die Gnade der heiligen Maria aus-
führlich berichtet wird. Sein Interesse wurde durch die Beziehung
dieses Inhalts zur Faustsage geweckt und wird ihn zu einer ein-
gehenden Darstellung und Bearbeitung des Stoffes veranlassen.
Da er aber fand, daß die Person, deren Erlösung beschrieben
wird, an Krampfanfällen und Visionen litt, wandte er sich an
mich um eine ärztliche Begutachtung des Falles. Wir sind über-
eingekommen, unsere Arbeiten unabhängig voneinander und ge-
sondert zu veröffentlichen. Ich statte ihm für seine Anregung,
wie für mancherlei Hilfeleistung beim Studium des Manuskripts
meinen Dank ab.
Diese dämonologische Krankengeschichte bringt wirklich einen
wertvollen Fund, der ohne viel Deutung klar zutage liegt, wie
manche Fundstelle als gediegenes Metall liefert, was anderwärts
mühsam aus dem Erz geschmolzen werden muß.
■■?sJTr yr - ' ßt f r -M^' -vy i ^ JWy i f-V'.V
r
Eine Teufelsneurose im siebzehnten Jahrhundert
Das Manuskript, von dem mir eine genaue Abschrift vorliegt,
zerlegt sich uns in zwei Stücke von ganz verschiedener Natur:
in den lateinisch abgefaßten Bericht des mönchischen Schreibers
oder Kompilators und in ein deutsch geschriebenes Tagebuch-
bruchstück des Patienten. Der erste Teil enthält den Vorbericht
und die eigentliche Wunderheilung^ der zweite Teil kann für die
geistlichen Herren nicht von Bedeutung gewesen sein, um so wert-
voller ist er für uns. Er trägt viel dazu bei, unser sonst schwan-
kendes Urteil über den Krankheitsfall zu festigen, und wir haben
guten Grund, den Geistlichen zu danken, daß sie dies Dokument
erhalten haben, obgleich es ihrer Tendenz nichts mehr leistet, ja
diese eher gestört haben mag.
Ehe ich aber in die Zusammensetzung der kleinen handschrift-
lichen Broschüre, die den Titel
„Trophaeum Mariano-Cellense"
führt, weiter eingehe, muß ich ein Stück ihres Inhalts erzählen,
das ich dem Vorbericht entnehme.
Am 5. September 1677 wurde der Maler Christoph Haitzmann,
ein Bayer, mit einem Geleitbrief des Pfarrers von Pottenbrunn
(in Niederösterreich) nach dem nahen Mariazeil gebracht.' Er habe
sich in Ausübung seiner Kunst mehrere Monate in Pottenbrunn
aufgehalten, sei dort am 29. August in der Kirche von schrecs
einen Vertrag anzusehen, in dem die Verpflichtungen beider
Teile Platz gefunden haben. Sie enthalte vielmehr nur die Ver-
pflichtung des Malers, die des Teufels sei außerhalb ihres
Textes gebheben, gleichsam „sousentendue" . Der Maler ver-
pflichtet sich aber zu zweierlei, erstens zur Teufelssohnschaft
durch neun Jahre und zweitens dazu, ihm nach dem Tode
ganz anheimzufallen. Damit ist eine der Begründungen unseres
Schlusses weggeräumt.
Die zweite Einwendung wird sagen, es sei nicht berechtigt auf
den Ausdruck, des Teufels leibeigener Sohn zu sein, besonderes
Gewicht zu legen. Das sei eine geläufige Redensart, die jeder so
auffassen könne, wie die geistlichen Herren sie verstanden haben
mögen. Diese übersetzen die in den Verschreibungen versprochene
Sohnschaft nicht in ihr Latein, sondern sagen nur, daß der Maler
sich dem Bösen „mancipavit" , zu eigen gegeben, es auf sich ge-
nommen habe, ein sündhaftes Leben zu führen und Gott und
die heihge Dreieinigkeit zu verleugnen. Warum sollten wir uns
von dieser naheliegenden und ungezwungenen Auffassung ent-
i6 Sigm. Freud
fernen ?' Der Sachverhalt wäre dann einfach der, daß sich jemand
in der Qual und Ratlosigkeit einer melancholischen Depression
dem Teufel verschreibt, dem er auch das stärkste therapeutische
Können zutraut. Daß diese Verstimmung aus dem Tod des
Vaters hervorging, komme nicht weiter in Betracht, es hätte auch
ein anderer Anlaß sein können. Das klingt stark und vernünftig.
Gegen die Psychoanalyse erhebt sich wieder der Vorwurf, daß sie
einfache Verhältnisse in spitzfindiger W^eise kompliziert, Geheim-
nisse und Probleme dort sieht, wo sie nicht existieren, und daß
sie dies bewerkstelligt, indem sie kleine und nebensächliche Züge,
wie man sie überall finden kann, übermäßig betont und zu
Trägern der weitgehendsten und fremdartigsten Schlüsse erhebt.
Vergeblich würden wir dagegen geltend machen, daß durch
diese Abweisung so viele schlagende Analogien aufgehoben und
feine Zusammenhänge zerrissen werden, die wir in diesem
Falle aufzeigen können. Die Gegner werden sagen, diese Ana-
logien und Zusammenhänge bestehen eben nicht, sondern
werden von uns mit überflüssigem Scharfsinn in den Fall
hineingetragen.
Nun, ich werde meine Entgegnung nicht mit den Worten ein-
leiten: seien wir ehrlich oder seien wir aufrichtig, denn das muß
man immer sein können, ohne einen besonderen Anlauf dazu zu
nehmen, sondern ich werde mit schlichten Worten versichern,
daß ich wohl weiß, wenn jemand nicht bereits an die Berechti-
gung der psychoanalytischen Denkweise glaubt, werde er diese
Überzeugung auch nicht aus dem Fall des Malers Chr. Haitzmann
im siebzehnten Jahrhundert gewinnen. Es ist auch gar nicht meine
Absicht, diesen Fall als Beweismittel für die Gültigkeit der Psycho-
analyse zu verwerten; ich setze vielmehr die Psychoanalyse als
gültig voraus und verwende sie dazu, um die dämonologische
i) In der Tat werden wir später, wenn wir erwägen, wann und für wen diese
Vers ehr eibungen abgefaJ3t wurden, selbst einsehen, daß ihr Text unauffällig und all-
gemein verständlich lauten mußte. Es reicht uns aber hin, wenn er eine Zweideu-
tigkeit bewahrt, an welche auch unsere Auslegung anknüpfen kann.
Eine Teufelsneurose im. siebzehnte n Jahrhundert 17
Erkrankung des Malers aufzuklären. Die Berechtigung hiezu nehme
ich aus dem Erfolg unserer Forschungen über das Wesen der
Neurosen überhaupt. In aller Bescheidenheit darf man es aus-
sprechen, daß heute selbst die Stumpferen unter unseren Zeit-
und Fachgenossen einzusehen beginnen, daß ein Verständnis der
neurotischen Zustände ohne Hilfe der Psychoanalyse nicht zu
erreichen ist.
„Die Pfeile nur erobern Troja, sie allein"
bekennt der Odysseus in Sophokles' Philoktet.
Wenn es richtig ist, die Teufelsverschreibung unseres Malers
als neurotische Phantasie anzusehen, so bedarf eine psychoanalyti-
sche Würdigung derselben keiner weiteren Entschuldigung. Auch
kleine Anzeichen haben ihren Sinn und Wert, ganz besonders
unter den Entstehungsbedingungen der Neurose. Man kann sie
freihch ebensowohl überschätzen wie unterschätzen, und es bleibt
eine Sache des Takts, wie weit man in ihrer Verwertung gehen
will. Wenn aber jemand nicht an die Psychoanalyse und nicht ein-
mal an den Teufel glaubt, muß es ihm überlassen bleiben, was
er mit dem Fall des Malers anfangen will, sei es, daß er dessen
Erklärung aus eigenen Mitteln bestreiten kann, sei es, daß er
nichts der Erklärung Bedürftiges an ihm findet.
Wir kehren also zu unserer Annahme zurück, daß der Teufel,
dem unser Maler sich verschreibt, ihm ein direkter Vaterersatz
ist. Dazu stimmt auch die Gestalt, in der er ihm zuerst erscheint,
als ehrsamer älterer Bürgersmann mit braunem Vollbart, in rotem
Mantel, schwarzem Hut, die Rechte auf den Stock gestützt, einen
schwarzen Hund neben sich (Bild 1).^ Später wird seine Erschei-
nung immer schreckhafter, man möchte sagen mythologischer:
Hörner, Adlerklauen, Fledermausflügel werden zu ihrer Ausstattung
verwendet. Zum Schluß erscheint er in der Kapelle als fliegender
1) Aus einem solchen schwarzen Hund entwickelt sich hei Goethe der Teufel
selbst.
Freud, Eine Teufelsneurose. 2
i8 Sigm. Freud
Drache. Auf ein bestimmtes Detail seiner körperlichen Gestaltung
werden wir später zurückkommen müssen.
Daß der Teufel zum Ersatz eines geliebten Vaters gewählt
wird, klingt wirklich befremdend, aber doch nur, wenn wir zum
erstenmal davon hören, denn wir wissen mancherlei, was die
Überraschung mindern kann. Zunächst, daß Gott ein Vaterersatz
ist oder richtiger: ein erhöhter Vater oder noch anders: ein Nach-
bild des Vaters, wie man ihn in der Kindheit sah und erlebte,
der Einzelne in seiner eigenen Kindheit und das Menschen-
geschlecht in seiner Vorzeit als Vater der primitiven Urhorde.
Später sah der Einzelne seinen Vater anders und geringer, aber
das kindliche Vorstellungsbild blieb erhalten und verschmolz mit
der überlieferten Erinnerungsspur des Urvaters zur Gottesvor-
stellung des Einzelnen. Wir wissen auch aus der Geheimgeschichte
des Individuums, welche die Analyse aufdeckt, daß das Verhältnis ,
zu diesem Vater vielleicht vom Anfang an ein ambivalentes war,
jedenfalls bald so wurde, d. h. es umfaßte zwei einander ent-
gegengesetzte Gefühlsregungen, nicht nur eine zärtlich unter-
würfige, sondern auch eine feindselig trotzige. Dieselbe Ambi-
valenz beherrscht nach unserer Auffassung das Verhältnis der
Menschenart zu ihrer Gottheit. Aus dem nicht zu Ende ge-
kommenen Widerstreit von Vatersehnsucht einerseits, Angst und
Sohnestrotz anderseits haben wir uns wichtige Charaktere und
entscheidende Schicksale der Religionen erklärt.'
Vom bösen Dämon wissen wir, daß er als Widerpart Gottes
gedacht ist und doch seiner Natur sehr nahe steht. Seine Geschichte
ist allerdings nicht so gut erforscht wie die Gottes, nicht alle
Religionen haben den bösen Geist, den Gegner Gottes, aufge-
nommen, sein Vorbild ira individuellen Leben bleibt zunächst im
Dunkeln. Aber eines steht fest, Götter können zu bösen Dämonen
w^erden, wenn neue Götter sie verdrängen. Wenn ein Volk von
i) Siehe Totem und Tabu und im Einzelnen Th. Reik, Prohleme der Religions-
psychologie I, 1919.
einem anderen besiegt wird, so wandeln sich die gestürzten Götter
der Besiegten nicht selten für das Siegervolk in Dämonen um.
Der böse Dämon des christlichen Glaubens, der Teufel des Mittel-
alters, war nach der christlichen Mythologie selbst ein gefallener
Engel und gottgleicher Natur. Es braucht nicht viel analytischen
Scharfsinns, um zu erraten, daß Gott und Teufel ursprünglich
identisch waren, eine einzige Gestalt, die später in zwei mit
entgegengesetzten Eigenschaften zerlegt wurde.' In den Ur-
zeiten der Rehgionen trug Gott selbst noch alle die schreckenden
Züge, die in der Folge zu einem Gegenstück von ihm vereinigt
wurden.
Es ist der von uns wohlbekannte Vorgang der Zerlegung einer
Vorstellung mit gegensinnigem — ambivalentem — Inhalt in
zwei scharf kontrastierende Gegensätze. Die Widersprüche in der
ursprünghchen Natur Gottes sind aber eine Spiegelung der Am-
bivalenz, welche das Verhältnis des Einzelnen zu seinem persön-
hchen Vater beherrscht. Wenn der gütige und gerechte Gott ein
Vaterersatz ist, so darf man sich nicht darüber wundern, daß auch
die feindhche Einstellung, die ihn haßt und fürchtet und sich
über ihn beklagt, in der Schöpfung des Satans zum Ausdruck
gekommen ist. Der Vater wäre also das individuelle Urbild sowohl
Gottes wie des Teufels. Die Religionen würden aber unter der
untilgbaren Nachwirkung der Tatsache stehen, daß der primitive
Urvater ein uneingeschränkt böses Wesen war, Gott weniger ähnlich
als dem Teufel.
Freihch, so leicht ist es nicht, die Spur der satanischen Auf-
fassung des Vaters im Seelenleben des Einzelnen aufzuzeigen.
Wenn der Knabe Fratzen und Karikaturen zeichnet, so gelingt
es etwa nachzuweisen, daß er in ihnen den Vater verhöhnt, und
wenn beide Geschlechter sich nächthcherweise vor Räubern und
Einbrechern schrecken, so hat die Erkennung derselben als Ab-
i) Siehe Th. Reik, Der eigene und der fremde Gott (Imago-Bücher III, 1925)
im Kapitel: Gott und Teufel.
L
Spaltungen des Vaters keine Schwierigkeit.' Auch die in den Tier-
phobien der Kinder auftretenden Tiere sind am häufigsten Vater-
ersatz wie in der Urzeit das Totemtier. So deuthch aber wie bei
unserem neurotischen Maler des siebzehnten Jahrhunderts hört
man sonst nicht, daß der Teufel ein Nachbild des Vaters ist und
als Ersatz für ihn eintreten kann. Darum sprach ich eingangs
dieser Arbeit die Erwartung aus, eine solche dämonologische
Krankengeschichte werde uns als gediegenes Metall zeigen, was
in den Neurosen einer späteren, nicht mehr abergläubischen
aber dafür hypochondrischen Zeit mühselig durch analytische
Arbeit aus dem Erz der Einfälle und Symptome dargestellt werden
muß.^
Stärkere Überzeugung werden wir wahrscheinlich gewinnen,
wenn wir tiefer in die Analyse der Erkrankung bei unserem
Maler eindringen. Daß ein Mann durch den Tod seines Vaters
eine melancholische Depression und Arbeitshemmung erwirbt, ist
nichts Ungewöhnliches. Wir schließen daraus, daß er an diesem
Vater mit besonders starker Liebe gehangen hat, und erinnern
uns daran, wie oft auch die schwere Melancholie als neurotische
Form der Trauer auftritt.
Darin haben wir gewiß recht, nicht aber, wenn wir weiter
schließen, daß dies Verhältnis eitel Liebe gewesen sei. Im Gegen-
teil, eine Trauer nach dem Verlust des Vaters wird sich um so
eher in Melancholie umwandeln, je mehr das Verhältnis zu ihm
i) Als Einbrecher erscheint der Vater Wolf auch in dem bekannten Märchen
von den sieben Geißlein.
2) Wenn es uns so selten gelingt, in tmsereu Analysen den Teufel als Vaterersatz
aufzufinden, so mag dies darauf hinweisen, daß diese Figur der mittelalterlichen
Mythologie bei den Personen, die sich unserer Analyse unterziehen, ihre Rolle längst
ausgespielt hat. Dem frommen Christen früherer Jahrhunderte war der Glaube an
den Teufel nicht weniger Pflicht als der Glaube an Gott. In der Tat brauchte er
den Teufel, um an Gott festhalten zu können. Der Rückgang der Gläubigkeit hat
dann aus verschiedenen Gründen zuerst und zunächst die Person des Teufels be-
troffen.
VFenu man sich getraut, die Idee des Teufels als Vaterersatz kulturgeschichtlich
zu verwerten, so kann man auch die Hexenprozesse des Mittelalters in einem neuen
Lichte sehen.
Eine Teufelsneurose im. siebzehnten Jahrhundert
B im Zeichen der Ambivalenz stand. Die Hervorhebung dieser Am-
bivalenz bereitet uns aber auf die Möglichkeit der Erniedrigung
des Vaters vor, wie sie in der Teufelsneurose des Malers zum
Ausdruck kommt. Könnten wir nun von Chr. Haitzmann so viel
erfahren wie von einem Patienten, der sich unserer Analyse unter-
zieht, so wäre es ein leichtes, diese Ambivalenz zu entwickeln,
ihm zur Erinnerung zu bringen, wann und bei welchen Anlässen
er Grund bekam, seinen Vater zu fürchten und zu hassen, vor
allem aber die akzidentellen Momente aufzudecken, die zu den
typischen Motiven des Vaterhasses hinzugekommen sind, welche
in der natürlichen Sohn- Vaterbeziehung unvermeidlich wurzeln.
Vielleicht fände dann die Arbeitshemmung eine spezielle Auf-
klärung. Es ist möglich, daß der Vater sich dem Wunsch des
Sohnes, Maler zu werden, widersetzt hatte 5 dessen Unfähigkeit,
seine Kunst nach dem Tode des Vaters auszuüben, wäre dann
einerseits ein Ausdruck des bekannten „nachträglichen Gehorsams ,
anderseits würde sie, die den Sohn zur Selbsterhaltung unfähig
macht, die Sehnsucht nach dem Vater als Beschützer vor der
Lebenssorge steigern müssen. Als nachträglicher Gehorsam wäre
sie auch eine Äußerung der Reue und eine erfolgreiche Selbst-
■ bestrafung.
Da wir eine solche Analyse mit Chr. Haitzmann, f 1700, nicht
anstellen können, müssen wir uns darauf beschränken, diejenigen
Züge seiner Krankengeschichte hervorzuheben, welche auf die
typischen Anlässe zu einer negativen Vatereinstellung hinweisen
können. Es sind nur wenige, nicht sehr auffällig, aber recht
interessant.
Vorerst die Rolle der Zahl Neun. Der Pakt mit dem Bösen
wird auf neun Jahre geschlossen. Der gewiß unverdächtige Be-
richt des Pfarrers von Pottenbrunn äußert sich klar darüber: pro
novem annis Syngraphen scriptam tradidit. Dieser vom 1. Sep-
tember 1677 datierte Geleitbrief weiß auch anzugeben, daß die
Frist in wenigen Tagen abgelaufen wäre: quorum et finis 24
mensis hujus futurus appropinquat. Die Verschreibung wäre also
am 24. September 1668 erfolgt/ Ja in diesem Bericht hat die
Zahl Neun noch eine andere Verwendung. Nonies — neunmal —
will der Maler den Versuchungen des Bösen widerstanden haben,
ehe er sich ihm ergab. Dies Detail wird in den späteren Berichten
nicht mehr erwähnt; „Post annos novem" heißt es dann auch
im Attest des Abtes und „ad novem annos'\ wiederholt der Kom-
pilator in seinem Auszug, ein Beweis, daß diese Zahl nicht als
gleichgültig angesehen wurde.
Die Neunzahl ist uns aus neurotischen Phantasien wohl be-
kannt. Sie ist die Zahl der Schwangerschaftsmonate und lenkt, wo
immer sie vorkommt, unsere Aufmerksamkeit auf eine Schwanger-
schaftsphantasie hin. Bei unserem Maler handelt es sich freilich
um neun Jahre, nicht um neun Monate, und die Neun, wird
man sagen, ist auch sonst eine bedeutungsvolle Zahl. Aber wer
weiß, ob die Neun nicht überhaupt ein gutes Teil ihrer Heilig-
keit ihrer Rolle in der Schwangerschaft verdankt; und die Wand-
lung von neun Monaten zu neun Jahren braucht uns nicht zu
beirren. ^Wir wissen vom Traum her, wie die „unbewußte Geistes-
tätigkeit" mit den Zahlen umspringt. Treffen wir z. B. im Traum
auf eine Fünf, so ist diese jedesmal auf eine bedeutsame Fünf des
Wachlebens zurückzuführen, aber in der Reahtät waren es fünf
Jahre Altersunterschied oder eine Gesellschaft von fünf Personen,
im Traum erscheinen sie als fünf Geldscheine oder fünf Stücke
Obst. Das heißt die Zahl wird beibehalten, aber ihr Nenner be-
hebig, je nach den Anforderungen der Verdichtung und Verschie-
bung vertauscht. Neun Jahre im Traum können also ganz leicht
neun Monaten der Wirklichkeit entsprechen. Auch spielt die
Traumarbeit noch in anderer Weise mit den Zahlen des Wach-
lebens, indem sie mit souveräner Gleichgültigkeit sich um die
Nullen nicht bekümmert, sie gar nicht wie Zahlen behandelt.
.Ji\^r ^^'^""P^"'*' ^^^ die wiedergegebenen Verschreibungen beide die Jalires-
zahl 1669 zeigen, wird uns später beschäftigen.
Eine Teufelsneurose im siebzehnten Jahrhundert 525
Fünf Dollars im Traum können fünfzig, fünfhundert, fünftausend
Dollars -der Realität -vertreten.
Ein anderes Detail in den Beziehungen des Malers zum Teufel
weist uns gleichfalls auf die Sexualität hin. Das erstemal sieht
er, wie schon erwähnt, den Bösen in der Erscheinung eines ehr-
samen Bürgers. Aber schon das nächste Mal ist er nackt, miß-
gestaltet und hat zwei Paar weiblicher Brüste. Die Brüste, bald
einfach, bald mehrfach vorhanden, fehlen nun in keiner der fol-
genden Erscheinungen. Nur in einer derselben zeigt der Teufel
außer den Brüsten einen großen, in eine Schlange auslaufenden
Penis. Diese Betonung des weiblichen Geschlechtscharakters durch
große, hängende Brüste (nie findet sich eine Andeutung des weib-
lichen Genitales) muß uns als auffälliger Widerspruch gegen
unsere Annahme erscheinen, der Teufel bedeute unserem Maler
einen Vaterersatz. Eine solche Darstellung des Teufels ist auch
an und für sich ungewöhnlich. Wo Teufel ein Gattungsbegriff
ist, also Teufel in der Mehrzahl auftreten, hat auch die Dar-
stellung von weiblichen Teufeln nichts Befremdendes, aber daß
der eine Teufel, der eine große Individualität ist, der Herr der
Hölle und Widersacher Gottes, anders als männlich, ja übermänn-
lich mit Hörnern, Schweif und großer Penisschlange gebildet
werde, scheint mir nicht vorzukommen.
Aus diesen beiden kleinen Anzeichen läßt sich doch erraten,
welches typische Moment den negativen Anteil seines Vaterver-
hältnisses bedingt. Das, wogegen er sich sträubt, ist die feminine
Einstellung zum Vater, die in der Phantasie, ihm ein Kind zu
gebären (neun Jahre) gipfelt. Wir kennen diesen Widerstand genau
aus unseren Analysen, wo er in der Übertragung sehr merkwür-
dige Formen annimmt und uns viel zu schaffen macht. Mit der
Trauer um den verlorenen Vater, mit der Steigerung der Sehn-
sucht nach ihm, wird bei unserem Maler auch die längst ver-
drängte Schwangerschaftsphantasie reaktiviert, gegen die er sich
durch Neurose und Vatererniedrigung wehren muß.
^4 Sigm. Freud
Warum trägt aber der zum Teufel herabgesetzte Vater das
körperliche Merkmal des Weibes an sich? Dieser Zug erscheint
anfangs schwer deutbar, bald aber ergeben sich zwei Erklärungen
für ihn, die miteinander konkurrieren ohne einander auszuschließen.
Die feminine Einstellung zum Vater unterlag der Verdrängung,
sobald der Knabe verstand, daß der Wettbewerb mit dem Weib
um die Liebe des Vaters das Aufgeben des eigenen männlichen
Genitales, also die Kastration, zur Bedingung hat. Die Ablehnung
der femininen Einstellung ist also die Folge des Sträubens gegen
die Kastration, sie findet regelmäßig ihren stärksten Ausdruck in
der gegensätzhchen Phantasie, den Vater selbst zu kastrieren, ihn
zum, Weib zu machen. Die Brüste des Teufels entsprächen also'
einer Projektion der eigenen Weibhchkeit auf den Vaterersatz.
Die andere Erklärung dieser Ausstattung des Teufelskörpers hat
nicht mehr feindseligen, sondern zärthchen Sinnj sie erblickt in
dieser Gestaltung ein Anzeichen dafür, daß die infantile Zärthch-
keit von der Mutter her auf den Vater verschoben worden ist,
und deutet so eine starke, vorgängige Mutterfixierung an, die
ihrerseits wieder für ein Stück der Feindsehgkeit gegen den Vater
verantworthch ist. Die großen Brüste sind das positive Geschlechts-
kennzeichen der Mutter, auch zu einer Zeit, wo der negative
Charakter des Weibes, der Penismangel, dem Kinde noch nicht
bekannt ist.'
Wenn das Widerstreben gegen die Annahme der Kastration
unserem Maler die Erledigung seiner Vatersehnsucht unmögUch
macht, so ist es überaus verständlich, daß er sich um Hilfe und
Rettung an das Bild der Mutter wendet. Darum erklärt er, daß
nur die heilige Mutter Gottes von Mariazell ihn vom Pakt mit
dem Teufel lösen kann, und erhält am Geburtstag der Mutter
(8. September) seine Freiheit wieder. Ob der Tag, an dem der
Pakt geschlossen wurde, der 24. September, nicht auch ein in
1) Vgl. Eine Kiudheitseriimerung des Leonardo da Vinci [Ges. Schriften, Bd. IX].
Eine Teufelsneurose im siebzehnten Jahrhundert
25
ähnlicher Weise ausgezeichneter Tag war, werden wir natürlich
nie erfahren.
Kaum ein anderes Stück der psychoanalytischen Ermittlungen
aus dem Seelenleben des Kindes klingt dem normalen Erwachsenen
so abstoßend und unglaubwürdig wie die feminine Einstellung
zum Vater und die aus ihr folgende Schwangerschaftsphantasie
des Knaben. Wir können erst ohne Besorgnis und ohne Bedürfnis
nach Entschuldigung von ihr reden, seitdem der sächsische Senats-
präsident Daniel Paul Schreber die Geschichte seiner psycho-
tischen Erkrankung und weitgehenden Herstellung bekannt gemacht
hat.' Aus dieser unschätzbaren Veröffentlichung erfahren wir, daß
der Herr Senatspräsident etwa um das fünfzigste Jahr seines Lebens
die sichere Überzeugung bekam, daß Gott — der übrigens deut-
liche Züge seines Vaters, des verdienten Arztes Dr. Schreber an
sich trägt — den Entschluß gefaßt, ihn zu entmannen, als Weib
zu gebrauchen und aus ihm neue Menschen von Schreberschem
Geist entstehen zu lassen. (Er war selbst in seiner Ehe kinderlos
geblieben.) An dem Sträuben gegen diese Absicht Gottes, welche
ihm höchst ungerecht und „weltordnungswidrig" vorkam, er-
krankte er unter den Erscheinungen einer Paranoia, die sich aber
im Laufe der Jahre bis auf einen geringen Rest rückbildete. Der
geistvolle Verfasser seiner eigenen Krankengeschichte konnte wohl
nicht ahnen, daß er in ihr ein typisches pathogenes Moment auf-
gedeckt hatte.
Dieses Sträuben gegen die Kastration oder die feminine Ein-
stellung hat Alf. Adler aus seinen organischen Zusammenhängen
gerissen, in seichte oder falsche Beziehungen zum Machtstreben
gebracht und als „männhchen Protest" selbständig hingestellt. Da
eine Neurose immer nur aus dem Konflikt zweier Strebungen
hervorgehen kann, ist es ebenso berechtigt, im männhchen Protest
1) D. P. Schreber, Denkwürdigkeiten eines Nervenkranken, Leipzig 1905. Vgl.
meine Analyse des Falles Schreber [Psychoanalytische Bemerkungen über einen
autobiographisch beschriebenen Fall von Paranoia. Ges. Schriften, Bd. VIII].
26 Sigm. Freud
die Verursachung „aller" Neurosen zu sehen wie in der femininen
Einstellung, gegen welche protestiert wird. Richtig ist, daß dieser
männliche Protest einen regelmäßigen Anteil an der Charakter-
bildung hat, bei manchen Typen einen sehr großen, und daß er uns
als scharfer Widerstand bei der Analyse neurotischer Männer ent-
gegentritt. Die Psychoanalyse würdigt den männlichen Protest im
Zusammenhang des Kastrationskomplexes, ohne seine Allmacht
oder Allgegenwart bei den Neurosen vertreten zu können. Der
ausgeprägteste Fall von männhchem Protest in allen manifesten
Reaktionen und Charakterzügen, der meine Behandlung aufgesucht
hat, bedurfte ihrer wegen einer Zwangsneurose mit Obsessionen,
in denen der ungelöste Konflikt zwischen männlicher und weib-
hcher Einstellung (Kastrationsangst und Kastrationslust) zu deut-
hchem Ausdruck kam. Überdies hatte der Patient masochistische
Phantasien entwickelt, die durchaus auf den Wunsch, die Kastra-
tion anzunehmen, zurückgingen, und war selbst von diesen Phan-
tasien zur realen Befriedigung in perversen Situationen vorge-
schritten. Das Ganze seines Zustandes beruhte — wie die Adler-
sche Theorie überhaupt — auf der Verdrängung, Verleugnung
frühinfantiler Liebesfixierungen.
Der Senatspräsident Schreber fand seine Heilung, als er sich
entschloß, den Widerstand gegen die Kastration aufzugeben und
sich in die ihm von Gott zugedachte weibliche Rolle zu fügen.
Er wurde dann klar und ruhig, konnte seine Entlassung aus der
Anstalt selbst durchsetzen und führte ein normales Leben bis auf
den einen Punkt, daß er einige Stunden täglich der Pflege seiner
Weiblichkeit widmete, von deren langsamem Fortschreiten bis zu
dem von Gott bestimmten Ziel er überzeugt blieb.
' IV
DIE ZWEI VERSCHREIBUNGEN
Ein merkwürdiges Detail in der Geschichte unseres Malers ist
die Angabe, daß er dem Teufel zwei verschiedene Verschrei-
bungen ausgestellt.
Die erste, mit schwarzer Tinte geschriebene, hatte den Wortlaut:
„Ich Chr. H. vndterschreibe mich diesen Herrn sein leibeigener
Sohn aujf ^ Jahr."
Die zweite, mit Blut geschrieben, lautet:
„Ch. H. Ich verschreibe mich dißen Satan ich sein leibeigener
Sohn zu sein vnd in 5). Jahr ihm mein Leib und Seel zuzuge-
her en."
Beide sollen zur Zeit der Abfassung des Trophaeum im Archiv
von Mariazell im Original vorhanden gewesen sein, beide tragen
die nämliche Jahreszahl 1669.
Ich habe die beiden Verschreibungen bereits mehrmals erwähnt
und unternehme es jetzt, mich eingehender mit ihnen zu be-
schäftigen, obwohl gerade hier die Gefahr, Kleinigkeiten zu über-
schätzen, besonders drohend erscheint.
Die Tatsache, daß sich einer dem Teufel zweimal verschreibt,
so daß die erste Schrift durch die zweite ersetzt wird, ohne aber
ihre eigene Gültigkeit zu verhören, ist ungewöhnhch. Vielleicht
. befremdet sie andere weniger, die mit dem Teufelsstoff vertrauter
I
Sigm. Freud
sind. Ich konnte nur eine besondere Eigentümlichkeit unseres
Falles darin sehen und wurde mißtrauisch, als ich fand, daß die
Berichte gerade in diesem Punkt nicht zusammenstimmen. Die
Verfolgung dieser Widersprüche wird uns in unerwarteter Weise
zu einem tieferen Verständnis der Krankengeschichte leiten.
Das Geleitschreiben des Pfarrers von Pottenbrunn weist die
einfachsten und klarsten Verhältnisse auf. In ihm ist nur von
einer Verschreibung die Rede, die der Maler vor neun Jahren
mit Blut gefertigt, und die nun in den nächsten Tagen, am
24. September fällig wird, sie wäre also am 24. September 1668
ausgestellt worden; leider ist diese Jahreszahl, die sich mit Sicher-
heit ableiten läßt, nicht ausdrücklich genannt.
Der Attest des Abtes Franciscus, wie wir wissen, wenige Tage
später datiert (12. Sept. 1677), erwähnt bereits einen komplizier-
teren Sachverhalt. Es liegt nahe anzunehmen, daß der Maler in-
zwischen genauere Mitteilungen gemacht hatte. In diesem Attest
wird erzählt, daß der Maler zwei Verschreibungen von sich ge-
geben, die eine im Jahre 1668 (wie es auch nach dem Geleit-
brief sein müßte) mit schwarzer Tinte geschrieben, die andere
aber sequenti anno l66^ mit Blut geschrieben. Die Verschreibung,
die er am Tage Maria Geburt zurückbekam, war die mit Blut
geschriebene, also die spätere, 1669 ausgestellte. Dies geht nicht
aus dem Attest des Abtes hervor, denn dort heißt es im weiteren
einfach: schedam r edder et und schedam sibi porrig entern con-
spexisset, als ob es sich nur um ein einziges Schriftstück handeln
könnte. Aber wohl folgt es aus dem weiteren Verlauf der Ge-
schichte sowie aus dem farbigen Titelblatt des Trophaeum, wo
auf dem Zettel, den der dämonische Drache hält, deutlich rote
Schrift zu sehen ist. Der weitere Verlauf ist, wie bereits erwähnt,
der, daß der Maler im Mai 1678 nach Mariazell wiederkehrt,
nachdem er in Wien neuerliche Anfechtungen des Bösen erfahren,
und das Ansuchen stellt, es möge ihm durch einen neuerlichen
Gnadenakt der heihgen Mutter auch dies erste, mit Tinte ge-
schriebene Dokument wiedergegeben werden. Auf welche Weise
dies geschieht, wird nicht mehr so ausführlich wie das erstemal
beschrieben. Es heißt nur qua iuxta votum reddita und an an-
derer Stelle erzählt der Kompilator, daß gerade diese Verschrei-
bung „zusammengeknäult und in vier Stücke zerrissen^'' dem Maler
am 9. Mai 1678 um die neunte Abendstunde vom Teufel zuge-
worfen w^urde.
Die Verschreibungen tragen aber beide dasselbe Datum: Jahr
1669.
Dieser Widerspruch bedeutet entweder gar nichts oder er führt
auf folgende Spur:
Wenn wir von der Darstellung des Abtes als der ausführ-
licheren ausgehen, ergeben sich mancherlei Schwierigkeiten.
Als Chr. H. dem Pfarrer von Pottenbrunn bekannte, er sei in
Teufelsnöten, der Termin laufe bald ab, kann er (im Jahre 1677)
nur an die im Jahre i668 ausgestellte Verschreibung gedacht
haben, also an die erste, schwarze (die im Geleitbrief allerdings
einzig genannt und als die blutige bezeichnet wird). Wenige
Tage später, in Mariazeil, bekümmert er sich aber nur darum,
die spätere, blutige, zurückzubekommen, die noch gar nicht fällig
ist (1669 — 1677), und läßt die erste überfällig werden. Diese
wird erst 1678, also im zehnten Jahr zurückerbeten. Ferner,
warum sind beide Verschreibungen aus dem gleichen Jahr 1669
datiert, wenn die eine ausdrücklich „anno subsequenti" zu-
geteilt ist?
Der Kompilator muß diese Schwierigkeiten verspürt haben,
denn er macht einen Versuch, sie zu beheben. In seiner Einleitung
schließt er sich der Darstellung des Abtes an, modifiziert sie aber
in einem Punkte. Der Maler, sagt er, habe sich im Jahre, 166 9
dem Teufel mit Tinte verschrieben, „deinde vero", später aber
mit Blut. Er setzt sich also über die ausdrückliche Angabe der
beiden Berichte, daß eine Verschreibung ins Jahr 1668 fällt, hinweg
und vernachlässigt die Bemerkung im Attest des Abtes, daß sich
3° Sigm. Freud
zwischen beiden Verschreibungen die Jahreszahl geändert, um im
Einklang mit der Datierung der beiden, vom Teufel zurückge-
gebenen Schriftstücke zu bleiben.
Im Attest des Abtes findet sich nach den Worten sequenti vero
anno 1669 eine in Klammern eingeschlossene Stelle, welche lautet:
sumitur hie alter annus pro nondum completo uti saepe in lo-
quendofieri solet, nam eundum annum indicant Syngraphae quarum
atramento scripta ante praesentem attestationem nondum habita
fuit. Diese Stelle ist ein unzweifelhaftes Einschiebsel des Kom-
pilators, denn der Abt, der nur eine Verschreibung gesehen hat,
kann doch nicht aussagen, daß beide dasselbe Datum tragen. Sie
soll wohl auch durch die Klammern als ein dem Zeugnis fremder
Zusatz kenntlich gemacht werden. Was sie enthält, ist ein anderer
Versuch des Kompilators, die vorliegenden Widersprüche zu ver-
söhnen. Er meint, es sei zwar richtig, daß die erste Verschreibung
im Jahre 1668 gegeben worden ist, aber da das Jahr schon vor-
gerückt war (September), habe der Maler sie um ein Jahr vor-
datiert, so daß beide Verschreibungen die gleiche Jahreszahl zeigen
konnten. Seine Berufung darauf, man mache es ja im mündhchen
Verkehr oft ähnlich, verurteilt wohl diesen ganzen Erklärungs-
versuch als eine „faule Ausrede".
Ich weiß nun nicht, ob meine Darstellung dem Leser irgend
einen Eindruck gemacht und ob sie ihn in Stand gesetzt hat,
sich für diese Winzigkeiten zu interessieren. Ich fand es unmöglich,
den richtigen Sachverhalt in unzweifelhafter Weise festzustellen,
bm aber beim Studium dieser verworrenen Angelegenheit auf eine
Vermutung gekommen, die den Vorzug hat, den natürlichsten Her-
gang einzusetzen, wenngleich die schriftlichen Zeugnisse sich auch
ihr nicht völlig fügen.
Ich meine, als der Maler zuerst nach Mariazeil kam, sprach er
nur von einer regelrecht mit Blut geschriebenen Verschreibung,
die bald verfallen sollte, also im September 1668 gegeben war,
ganz so wie es im Geleitbrief des Pfarrers mitgeteilt ist. In Mariazeil
Eine Teufelsneurose im siebzehnten Jahrhundert 51
präsentierte er auch diese blutige Verschreibung als diejenige, die
ihm der Dämon unter dem Zwang der heiligen Mutter zurück-
gegeben hatte. Wir wissen, was weiter geschah. Der Maler ver-
ließ bald darauf den Gnadenort und ging nach Wien, wo er sich
auch bis Mitte Oktober frei fühlte. Aber dann fingen Leiden und
Erscheinungen, m denen er das Werk des bösen Geistes sah,
wieder an. Er fühlte sich wieder erlösungsbedürftig, fand sich
aber vor der Schwierigkeit, aufzuklären, warum ihm die Beschwö-
rung in der heiligen Kapelle keine dauernde Erlösung gebracht
hatte. Als ungeheilter Rückfälliger wäre er wohl in Mariazeil
nicht willkommen gewesen. In dieser Not erfand er eine frühere,
erste Verschreibung, die aber mit Tinte geschrieben sein sollte,
damit ihr Zurückstehen gegen eine spätere, blutige, plausibel
erscheinen konnte. Nach Mariazell zurückgekommen, ließ er sich
auch diese angeblich erste Verschreibung zurückgeben. Dann
hatte er Ruhe vor dem Bösen, allerdings tat er gleichzeitg etwas
anderes, was uns auf den Hintergrund dieser Neurose hinweisen
wird.
Die Zeichnungen fertigte er gewiß erst bei seinem zweiten
Aufenthalt in Mariazeil anj das einheitlich komponierte Titelblatt
enthält die Darstellung beider Verschreibungsszenen. Bei dem
Versuch, seine neueren Angaben mit seinen früheren in Einklang
zu bringen, mag er wohl in Verlegenheiten geraten sein. Es war
für ihn ungünstig, daß er nur eine frühere, nicht eine spätere
Verschreibung hinzudichten konnte. So konnte er das ungeschickte
Ergebnis nicht vermeiden, daß er die eine, die blutige Verschrei-
bung zu früh (im achten Jahr), die andere, die schwarze, zu spät
(im zehnten Jahr) eingelöst hatte. Als verräterische Anzeichen
seiner zweifachen Redaktion ereignete es sich ihm, daß er sich
in der Datierung der Verschreibungen irrte und auch die frühere
in das Jahr 1669 setzte. Dieser Irrtum hat die Bedeutung einer
ungewollten Aufrichtigkeit 5 er läßt uns erraten, daß die angeblich
frühere Verschreibung zu einem späteren Termin hergestellt wurde^
52 Sigm. Freud
Der Kompilator, der den Stoff gewiß nicht früher als 1714, viel-
leicht erst 1739 zur Bearbeitung übernahm, mußte sich bemühen,
die nicht unwesentlichen Widersprüche, so gut er konnte, weg-
zuschaffen. Da die beiden Verschreibungen, die ihm vorlagen, auf
1669 lauteten, half er sich durch die Ausrede, die er in das
Zeugnis des Abtes einschaltete.
Man erkennt leicht, worin die Schwäche dieser sonst anspre-
chenden Konstruktion gelegen ist. Die Angabe zweier Verschrei-
bungen, einer schwarzen und einer blutigen, findet sich bereits
im Zeugnis des Abtes Franciscus. Ich habe also die Wahl, ent-
weder dem Kompilator unterzuschieben, daß er an diesem Zeugnis
im engen Anschluß an seine Einschaltung auch etwas geändert
hat, oder ich muß bekennen, daß ich die Verwirrung nicht zu
lösen vermag.*
Die ganze Diskussion wird den Lesern längst überflüssig und
die in ihr behandelten Details zu unwichtig erschienen sein. Aber
die Sache gewinnt ein neues Interesse, wenn man sie nach einer
bestimmten Richtung hin verfolgt.
1) Der Kompilator, meine ich, fand sich zwischen zwei fixen Punkten eingeengt.
Einerseits fand er sowohl im Geleitbrief des Pfarrers wie im Attest des Abtes die
Angabe, dai3 die Verschreibung (zumindest die erste) im Jahre 1668 ausgestellt
worden sei, anderseits zeigten beide im Archiv aufbewahrten Verschreibungen die
Jahreszahl 166g; da er zwei Verschreibungen vor sich liegen hatte, stand es für ihn
fest, daß zwei Verschreibungen erfolgt waren. Wenn im Zeugnis des Abtes nur von
einer die Rede war, wie ich glaube, so mußte er in dieses Zeugnis die Erwähnung
der anderen einsetzen und dann den Widerspruch durch die Annahme einer Vor-
datierung aufheben. Die Abänderung des Textes, die er vornahm, stößt au die Ein-
schaltung, die nur von ihm herrühren kann, unmittelbar an. Er war gezwungen,
Einschaltung und Abänderung durch die Worte sequenti vero anno i66<) zu verbinden,
weil der Maler in der (sehr beschädigten) Legende zum Titelbilde' ausdrücklich
geschrieben hatte:
I Nach einem Jahr würdt Er
. . . schrökhliche betrohungen in ab-
gestalt Wr. 2 bezwungen sich,
n Bluut zu verschreiben.
Das „Verschreiben" des Malers, als er die Syngraphae anfertigte, durch das ich
zu meinem Erklärungsversuch genötigt worden bin, erscheint mir nicht weniger
interessant als seine Verschreibungen selbst.
Ich habe eben vom Maler ausgesagt, daß er, durch den Ver-
lauf seiner Krankheit unliebsam überrascht, eine frühere Verschrei-
bung (die mit Tinte) erfunden habe, um seine Position gegen
die geistlichen Herren in Mariazeil behaupten zu können. Nun
schreibe ich für Leser, die zwar an die Psychoanalyse glauben,
aber nicht an den Teufel, und diese könnten mir vorhalten, es
sei unsinnig, dem armen Ke|-1 von Maler — hunc miserum nennt
ihn der Geleitbrief — einen solchen Vorwurf zu machen. Die
blutige Verschreibung war ja genau so phantasiert wie die an-
gebhch frühere mit Tinte. In Wirklichkeit ist ihm ja überhaupt
kein Teufel erschienen, der ganze Pakt mit dem Teufel existierte
ja nur in seiner Phantasie. Ich sehe das ein; man kann dem
Armen das Recht nicht bestreiten, seine ursprüngliche Phantasie
durch eine neue zu ergänzen, wenn die geänderten Verhältnisse
es zu erfordern schienen.
Aber auch hier gibt es noch eine Fortsetzung. Die beiden Ver-
schreibungen sind ja nicht Phantasien wie die Teufelsvisionen 5 sie
waren Dokumente, nach der Versicherung des Abschreibers wie
nach dem Zeugnis des spätereren Abtes Kilian im Archiv von
Mariazell für alle sichtbar und greifbar aufbewahrt. Also stehen
wir hier vor einem Dilemma. Entweder haben wir anzunehmen,
daß der Maler die beiden ihm angeblich durch göttliche Huld
zurückgestellten Schedae selbst zur Zeit verfertigt, da er sie brauchte,
oder wir müssen den geistlichen Herren von Mariazell und Sankt
Lambert trotz aller feierlichen Versicherungen, Bestätigungen durch
Zeugen mit beigefügten Siegeln usw. die Glaubwürdigkeit ver-
weigern. Ich gestehe, die Verdächtigung der geistlichen Herren
fiele mir nicht leicht. Ich neige zwar zur Annahme, daß der
Kompilator im Interesse der Konkordanz einiges am Zeugnis des
ersten Abtes verfälscht hat, aber diese „sekundäre Bearbeitung"
geht nicht weit über ähnliche Leistungen, auch moderner und
weltlicher Geschichtsschreiber, hinaus und geschah jedenfalls im
guten Glauben. Nach anderer Richtung haben sich die geisthchen
Freud, Eine Teufelsneurose. j.
34 Sigm. Freud
Herren gegründeten Anspruch auf unser Vertrauen erworben Ich
sagte es schon, nichts hätte sie hindern können, die Berichte über
die UnVollständigkeit der Heilung und die Fortdauer der Ver
suchungen zu unterdrücken, und auch die Schilderung der Be
schwörungsszene in der Kapelle, der man mit einigem Bangen
entgegensehen durfte, ist nüchtern und glaubwürdig geraten. Es
bleibt also nichts übrig, als den Maler zu beschuldigen. Die rote
Verschreibung hatte er wohl bei sich, als er sich zum Bußgebet
m die Kapelle begab, und zog sie dann hervor, als er von seiner
Begegnung mit dem Dämon zu den geistlichen Beiständen zurück-
kehrte. Es muß auch gar nicht derselbe Zettel gewesen sein der
später im Archiv aufbewahrt wurde, sondern nach unserer Kon-
struktion kann er die Jahreszahl 1668 (neun Jahre vor der Be-
schwörung) getragen haben.
V
DIE WEITERE NEUROSE
Aber das wäre Betrug und nicht Neurose, der Maler ein Simu-
lant und Fälscher, nicht ein kranker Besessener! Nun, die Über-
gänge zwischen Neurose und Simulation sind bekanntlich fließende.
Ich finde auch keine Schwierigkeit anzunehmen, daß der Maler
diesen Zettel ebenso wie die späteren in einem besonderen, seinen
Visionen gleichzustellenden Zustand geschrieben und mit sich ge-
nommen hat. Wenn er die Phantasie vom Teufelspakt und von
der Erlösung durchführen wollte, konnte er ja gar nichts an-
deres tun.
Den Stempel der Wahrhaftigkeit trägt dagegen das Tagebuch
aus Wien an sich, das er bei seinem zweiten Aufenthalt zu Mariazeil
den Geistlichen übergab. Es läßt uns freilich tief in die Motivie-
rung oder sagen wir lieber Verwertung der Neurose blicken.
Die Aufzeichnungen reichen von seiner erfolgreichen Beschwö-
rung bis zum 15. Januar des nächsten Jahres 1678. Bis zum
1 1 . Oktober erging es ihm in Wien, wo er bei einer verheirateten
Schwester wohnte, recht gut, dann aber fingen neue Zustände
mit Visionen und Krämpfen, Bewußtlosigkeit und schmerzhaften
Sensationen an, die dann auch zu seiner Rückkehr nach Mariazell
im Mai 1678 führten.
Die neue Leidensgeschichte gliedert sich in drei Phasen. Zuerst
meldet sich die Versuchung in Gestalt eines schön gekleideten
3'
^ . Sigm. Freud
Kavahers der .hm zureden will, den Zettel wegzuwerfen der
se,ne Aufnahme in die Bruderschaft von, heilig« Roselan
besche,n.g,. Da er „idemand, wiederholte sich lieselbe Ersc:eT
nung am nächsten Tag, aber diesmal in einem nräch,r
schmückten Saal, in dem vornehme Herren JZiZnlf
-nzten. Derselbe Kavalier, der ihn schon einma ;:'ur ^^l
.hm emen auf Malerei bezüglichen Antrag' und ..ZlTfZ
dafür em schönes Stück Geld. Nachdem l diese ZI dur^
Gebete zum Verschwinden gebracht, wiederholte sie sich tZt
Tage spater m noch eindringlicherer Form. Diesmal schicS
der Kavaher eme der schönsten Frauen, die an der FestSlI
saßen, zu ihm hin, um ihn zur Geselhchaft zu briLrÜnd
er hatte Mühe, sich der Verführerin zu erwehren 'Im er
schreckendsten war aber die bald darauf folgende Vidon eint
noch prunkvolleren Saales m r^orv. ■
gerichteter Thron" war KavalTere T 7 T »<""*'"* ""/-
j- A 1 . Jvavaliere standen herum und erwartetPn
d.e Ankunft thres Königs. Dieselbe Pe.on, die sich seh ^0"
Z Th°ron rb""T'""'.^^ °"^ '^" ^" ""'• forderte La:'
aeti fhron zu besteigen, „e „wollten ihn für ihren Koni;, h„l,
unä tn Ewi^.i. _,„„., „, dieser^AusschltnT ^
Phantasie schheBt die erste, rech, durchsichtige Phase der Tr
suchungsgeschichte ab. ^
und sechs Jahre lang m einer Wüste Gott dienen solle Der
i) Eine mir unverständliche SteUe
Eine Teufelsneurose im siebzehnten Jahrhundert 37
liehen Vorschlag nicht angenommen hatte, und führte ihn in die
Hölle, damit er durch das Los der Verdammten geschreckt werde.
Offenbar blieb aber die Wirkung aus, denn die Erscheinungen
der Person im Glänze, die Christus sein sollte, wiederholten sich
noch mehrmals, jedesmal mit stundenlanger Geistesabwesenheit
und Verzücktheit für den Maler. In der großartigsten dieser Ver-
zücktheiten führte ihn die Person im Glänze zuerst in eine Stadt,
in deren Straßen die Menschen alle Werke der Finsternis übten,
und dann zum Gegensatz auf eine schöne Au, in der Einsiedler
ihr gottgefälliges Leben führten und greifbare Beweise von Gottes
Gnade und Fürsorge erhielten. Dann erschien an Stelle Christi
die heilige Mutter selbst, die ihn unter Berufung auf ihre früher
geleistete Hilfe mahnte, dem Befehl ihres lieben Sohnes nach-
zukommen. „Da er sich hiezu nicht recht resolviref^ kam Christus
am nächsten Tage wieder und setzte ihm mit Drohungen und
Versprechungen tüchtig zu. Da gab er endlich nach, beschloß aus
diesem Leben auszutreten und zu tun, was von ihm verlangt
wurde. Mit dieser Entschließung endet die zweite Phase. Der
Maler konstatiert, daß er von dieser Zeit an keine Erscheinung
oder Anfechtung mehr gehabt hat.
Indes muß dieser Entschluß nicht sehr gefestigt oder seine
Ausführung allzulang aufgeschoben worden sein, denn als er am
36. Dezember in St. Stephan seine Andacht verrichtete, konnte
er sich beim Anblick einer wackeren Jungfrau, die mit einem
wohlaufgeputzten Herrti ging, der Idee nicht erwehren, er könnte
selbst an Stelle dieses Herrn sein. Das forderte Strafe, noch am
selben Abend traf es ihn wie ein Donnerschlag, er sah sich in
hellen Flammen und fiel in Ohnmacht. Man. bemühte sich, ihn
zu erwecken, aber er wälzte sich in der Stube, bis Blut aus Mund
und Nase kam, verspürte, daß er sich in Hitze und Gestank be-
fand, und hörte eine Stimme sagen, daß ihm dieser Zustand als
Strafe für seine unnützen und eiteln Gedanken geschickt worden
sei. Später wurde er dann von bösen Geistern mit Stricken ge-
38
Sigm. Freud
geißelt und ihm versprochen, daß er all« T^I ^ ' '
solle, bis er sich antscMosse; h^be in Z I " ^'T "^*°
«ten. Diese Erlebnisse seMen L '"''" "^f ="™<len einzu-
reichen (.3. Januar) fort. ^ ™"'"' *" ^*-*nunge„
pha^iiTsL^herT t: ""'''' ''^ ^--'-«"^-
gel« werden, das Me LT / "^ ^''^^Phantasien .1
Er begibt siJh iL Mai ''"t"'^"'="*'= '=— "ü- bereits,
schidrte von einer Mh ""* . '"™^''»' W-S« *" die Ge-
Verschreibu; ::: dTr' -' -hwarzer Tinte geschriebenen
™.> Ten« U't tdl Lr: L^Tnfhl"' ""^ ^' "°*
ist geheilt. ' ^^^ ^"''^ ^i^se zurück und
in,To;tn:Xi=r"r"'r ™'* - - --> -
der Forderung der ^t. it ptas: sll Ta' T T' ''' ""*
trifft. Er geht .„ar nicht in die Wtjte 1 S ^'^i^" ''^"'™-
aber er tritt in den Orden d. H T Umsiedler zu „erden,
Mto es,. ^"^ Barn^herzigen Brüder ein: reli^osus
ein'lts':r;ests^*""r ^^"'""°" -i^ Verständnis «r
Maler sich del Wd vT f^' ""-■ '"""''" ™. "aß der
Vaters, versutL t un T ™'>'""' ™' '' "°* "^^ Tode des
- erhalten Zelirn * '"«^ ''""^' '"^ =---
Trauer un, den vL^s^r' 7""'°°' ^"^"^^--ng und
^iertere Ar. mi.etW e ' verSt^'^ier' ht"'"*^ °''' """'''-
nungen des Tenfok ^ '^""""P't- Vielleicht waren die Erschei-
stattf, wea d^ B , "m.:" '""'™*'^='' "■" Briisten ausge-
erfüUt sich nlht rXT™: "''"^ '°'"«- °'^ Hoffnung
nicht orde„.,i:ti:r!d:rt.:rti-f **• '- '°""'
genug Arbeit. Der Gelei.brief de^Pf "'"' '"'' "*'
Eine Teufels neurose im siebzehnten Jahrhundert 39
Streut, die wie die Inhalte der erschauten Szenen zeigen, daß sich
auch nach der erfolgreichen ersten Beschwörung daran nichts
geändert hatte. Wir lernen einen Menschen kennen, der es zu
nichts bringt, dem man auch darum kein Vertrauen schenkt. In
der ersten Vision fragt ihn der Kavaher, was er eigenthch an-
fangen wolle, da sich niemand seiner annehme („dieweillen ich von
iedermann izt verlassen, waß ich anfangen würde^'). Die erste
Reihe der Visionen in Wien entspricht durchaus den Wunsch-
phantasien des Armen, nach Genuß Hungernden, Verkommenen:
Herrliche Säle, Wohlleben, silbernes Tafelgeschirr und schöne
Frauen; hier wird nachgeholt, was wir im Teufelsverhältnis ver-
mißt haben. Damals bestand eine Melancholie, die ihn genuß-
unfähig machte, auf die lockendsten Anerbieten verzichten hieß.
Seit der Beschwörung scheint die Melanchohe überwunden, alle
Gelüste des Weltkindes sind wieder rege.
In einer der asketischen Visionen beklagt er sich gegen die
ihn führende Person (Christus), daß ihm niemand glauben wolle,
so daß er dessentwegen, was ihm anbefohlen, nicht vollziehen
könne. Die Antwort, die er darauf erhält, bleibt uns leider dunkel
(„so fer man mir nit glauben, waß aber geschechen, waiß ich
wol, ist mir aber selbes auszuspröchen vnmöglich"). Besonders auf-
klärend ist aber, was ihn sein götthcher Führer bei den Ein-
siedlern erleben läßt. Er kommt in eine Höhle, in der ein alter
Mann schon seit sechzig Jahren sitzt, und erfährt auf seine Frage,
daß dieser Alte täglich von den Engeln Gottes gespeist wird. Und
dann sieht er selbst, wie ein Engel dem Alten zu essen bringt:
„Drei Schüßerl mit Speiß, ein Brot und ein Knödl und Getränk.^'
Nachdem der Einsiedler gespeist, nimmt der Engel alles zusammen
und trägt es ab. Wir . verstehen, welche Versuchung die frommen
Visionen zu bieten haben, sie wollen ihn bewegen, eine Form
der Existenz zu wählen, in der ihm die Nahrungssorgen abge-
nommen sind. Beachtenswert sind auch die Reden Christi in der
letzten Vision. Nach der Drohung, wenn er sich nicht füge, werde
I
i
12- Sigm. Freud
etwas geschehen, daß er und die Leute [daran] glauben müßten
mahnt er d.rekt: „Ich solle äie Leith nit achten, obu>ollen ^Ton
^hnen verfolgt u^uräte, oäer von ihnen keine hilfflaistun, empßenle
iyott wurde mich nit verlasßen." ^ '
Ch Haitzmann war soweit Künstler und Weltkind, daß es ihm
nicht leicht hei, dieser sündigen Welt zu entsagen. Aber end^^T
tat er es doch mit Rücksicht auf seine hilflose Lage. Er trat n
einen geistlichen Orden ein, damit war sein innerer Kampf 2
s^ne matenelle Not zu Ende. In seiner Neurose spiegelt sich
dieser Ausgang darin, daß die Rückstellung einer angebhch ersten
Verschreibung seine Anfälle und Visionen beseitigt. Eigenthch
hatten beide Abschnitte seiner dämonologischen ErlLkufg d n
selben Sinn gehabt. Er wollte immer nur sein Leben sichern, das
erste Mal mit Hilfe des Teufels auf Kosten seiner Seligkeit, und
als dieser versagt hatte und aufgegeben werden mußte, mit
Hilfe des geisthchen Standes auf Kosten seiner Freiheit und der
meisten Genußmöglichkeiten des Lebens. Vielleicht war Chr
Haitzmann nur selbst ein armer Teufel, der eben kein Glück
hatte, vielleicht war er zu ungeschickt oder zu unbegabt, um
sich selbst zu erhalten, und zählte zu jenen Typen,' di; als
,,ew,ge Saughnge" bekannt sind, die sich von der beglückenden
Situation an der Mutterbrust nicht losreißen können und durchs
ganze Leben den Anspruch festhalten, von jemand anderem
ernährt zu werden. Und so legte er in dieser Krankengeschichte
den Weg vom Vater über den Teufel als Vaterersatz zu den
frommen Patres zurück.
Seine Neurose erscheint oberflächlicher Betrachtung als ein
Gaukelspiel, welches ein Stück des ernsthaften, aber banalen
Lebenskampfes überdeckt. Dies Verhältnis ist gewiß nicht immer
so aber es kommt auch nicht gar so selten vor. Die Analytiker
erleben es oft, wie unvorteilhaft es ist, einen Kaufmann zu be-
handeln, der „sonst gesund, seit einiger Zeit die Erscheinungen
einer Neurose zeigt". Die geschäftliche Katastrophe, von der sich
Eine Teufelsneurose im siebzehnten Jahrhundert
41
der Kaufmann bedroht fühlt, wirft als Nebenwirkung diese Neurose
atif von der er auch den Vorteil hat, daß er hinter ihren Sym-
ptomen seine realen Lebenssorgen verheimlichen kann. Sonst aber
ist sie überaus unzweckmäßig, da sie Kräfte in Anspruch nimmt,
die vorteihafter zur besonnenen Erledigung der gefährlichen Lage
Verwendung fänden.
In weit zahlreicheren Fällen ist die Neurose selbständiger und
unabhängiger von den Interessen der Lebenserhaltung und Be-
hauptung. Im Konflikt, der die Neurose schafft, stehen entweder
nur libidinöse Interessen auf dem Spiel oder libidinöse in inniger
Verknüpfung mit solchen der Lebensbehauptung. Der Dynamis-
mus der Neurose ist in allen drei Fällen der gleiche. Eine nicht
real zu befriedigende Libidostauung schafft sich mit Hilfe der
Regression zu alten Fixierungen Abfluß durch das verdrängte
Unbewußte. Soweit das Ich des Kranken aus diesem Vor-
gang einen Krankheitsgewinn ziehen kann, läßt es die Neurose
gewähren, deren ökonomische Schädlichkeit doch keinem Zweifel
unterliegt.
Auch die üble Lebenslage unseres Malers hätte keine Teufels
neurose bei ihm hervorgerufen, wenn aus seiner Not nicht eine
verstärkte Vatersehnsucht erwachsen wäre. Nachdem aber die
Melancholie und der Teufel abgetan waren, kam es bei ihm
noch zum Kampf zwischen der libidinösen Lebenslust und der
Einsicht, daß das Interesse der Lebenserhaltung gebieterisch Ver-
zicht und Askese fordere. Es ist interessant, daß der Maler die
Einheithchkeit der beiden Stücke seiner Leidensgeschichte sehr
wohl verspürt, denn er führt die eine wie die andere auf Ver-
schreibungen, die er dem Teufel gegeben, zurück. Anderseits
imterscheidet er nicht scharf zwischen den Einwirkungen des bösen
Geistes und jenen der göttlichen Mächte, er hat für beide eine
Bezeichnung: Erscheinungen des Teufels.
INHALTSVERZEICHINIS
Seite
I. Die Gescliiclite des Malers Christoph. Haitzmann 4
II. Das Motiv des Teufelspakts . . . . , n
III. Der Teufel als Vaterersatz 15
IV. Die zwei Verschreibungen . i 27
V. Die weitere Neurose 55
INTERNATIONALER PSYCHOANALYTISCHER
Wien Vn. Andreasgasse 3
VERLAG
SIGM. FREUD
GESAMMELTE SCHRIFTEN
I
Studien über Hysterie / Frühe Arbeiten «ur
Nenrosenlehre (1892-99) (Charcot — Ein Fall von
hvpnot. Heilung nebst Bemerkungen über d. Ent-
stehung hyster. Symptome durch d. GegenvrÜlen —
Quelques consid^rations pour une 6tude compara-
tive des paralysies motrices organ. et hyst6riques -—
Die Abwehr-Neuropsychosen — Über die Berechti-
gung, von der Neurasthenie einen bestimmten
Svmptomenkomplex als „Angstneurose" abzu-
trennen — Obsessions et phobies — Zur Kritik der
An°-stneurose — Weitere Bemerkungen über die
Abwehr-Neuropsychosen — L*h6r6dit6 etl'ötiologie
des nßvroses — Zur „Ätiologie der Hysterie —
Die Sexualität in der Ätiologie der Neurosen —
Über Deckerinnerungen)
n
Die Tranmdentnng
III
KaditrSge zur Traumdeutungr / Über den
Traum / Beiträge zur Traumlehre (Märchenstoffe
in Träumen — Ein Traum als Beweismittel —
Traum und Telepathie — Bemerkungen zur Theorie
und Praxis der Traumdeutung)
IV
Zur Psychopathologie des Alltagslebens ' Das
Interesse an der Psychoanalyse / Über Psycho-
analyse/Zur Geschichte der psychoanalytischen
Bewegung
Drei Abhandlungen zur Sexualtheorie / Arbeiten
zum Sexu&lleben und zur Neurosenlehre (Meine
Ansichten über die Rolle der Sexualität in der
Ätiologie der Neurosen — Zur sexuellen Aufklärung
der Kinder — Die „kulturelle" Sexualmoral und
die Nervosität — Über infantile Sexual theorien —
Beiträge zur Psj^chologie des Liebeslebens : Über
einen besonderen Typus der Objektwahl beim
Manne. Über die allgemeinste Erniedrigung des
Liebeslebens. Das Tabu der Virginität — Die
infantile Genitalorganisation — Zwei KinderlOgen —
Gedankenassoziation eines vierjährigen Kindes —
Hj-^sterische Phantasien und ihre Beziehung zur
Bisexualität — Über den hysterischen Anfall —
Charakter u. Analerotik — Über Triebumsetzungen,
insbesondere der Analerotik — Die Disposition zur
Zwangneurose — Mitteilung eines der psycho-
analytischen Theorie widersprechenden Falles von
Paranoia — Die psychogene Sehstörung in psycho-
analytischer Auffassung — Eine Beziehung zwischen
einem Symbol und einem Symptom — Über die
Ps^-^chogenese eines Falles von w^eibliclier Homo-
sexualität — „Ein Kind wird geschlagen" — ^P^^
ökonomische Problem des Masochismus — Über
einige neurotische Mechanismen, bei Eifersucht,
Paranoia und Homosexualität — Über neurotische
Erkrankungstypen — Formulierungen Über die
zwei ' Prinzipien des psychischen Geschehens —
Neurose und Psychose — Der Untergang _ des
Ödipuskomplexes) / Metapsychologie (Einige
Bemerkungen über den Begriff des Unbewußten
in der PsA. — Triebe und Triebschicksale — Die
Verdrängung — Das Unbewußte — Metapsycholog.
Ergänzung z. Traumlehre — Trauer und Melancholie)
VI
Zur Technik (Die Freudsche psychoanalytische
Methode — Über Psychotherapie — Die zukünftigen
Chancen der psychoanalytischen Therapie — Über
„wilde" Psychoanalyse — Die Handhabung der
Traumdeutung in der Psychoanalyse — Zur Dynamik
der Übertragung — Ratschläge für den Arzt bei
der psychoanalytischen Behandlung — Über fausse
reconnaissance [„döjä racont6"] während der psj-cho-
analytischen Arbeit — Zur Einleitung der Behandlung
— Erinnern, Wiederholen und Durcharbeiten —
Bemerkungen über die Übertragungsliebe — Wege
der psychoanalyt Therapie — Zur Vorgeschichte
der analyt. Technik) / Zur Einführung des Nar-
zißmus / Jenseits des Lustprinzips / Massen-
psychologie und Ich- Analyse / Das Ich und das
Es / Anhang (Der Realitätsverlust bei Neurose und
Psychose — Notiz über den Wunderblock)
vn
Vorlesungen zur Einführung in die Psychoanalyse
VIII
ICrankengeschichten (Bruchstück einer Hysterie-
analyse — Analyse der Phobie eines fünfjährigen
Knaben — Über einen Fall von Zwangsneurose —
Psa. Bemerkungen über einen autobiographisch be-
schriebenen Fall von Paranoia — Aus der Geschichte
einer infantilen Neurose)
IX
Der "Witz und seine Beziehung zum Unbewufiten
/ Der Wahn und die Träume In W. Jensens
„Gradiva** / Eine Kindheitserinnerung des Leo*
nardo da Vinci
Totem und Tabu / Arbeiten zur Anwendung der
Psychoanalyse (Tatbestandsdiagnostik und Psycho-
analyse — Zwangshandlungen und Religionsübung —
Über den Gegensinn der Urworte — Der Dichter
und das Phantasieren — Mythologische Parallele
zu einer plastischen Zwangsvorstellung — Das
Motiv der Kästchenwahl — Der Moses des Michel-
angelo — Einige Charaktertypen aus der psa. Arbeit:
Die Ausnahmen. Die am Erfolge scheitern. Die
Verbrecher aus Schuldbewußtsein — Zeitgemäßes
über Krieg und Tod — Eine Schwiexigkeit der
Psychoandyse — Eine Kindheitserinnerung aus
„Dichtung und Wahrheit" — Das Unheimliche — Eine
Teufelsneurose im 17. Jalu-liundert
XI
Nachträge / Bibliographie / Register
Die Bände I und IV-X ersdieinen I924, die drei resdidien I925
Internationaler Psychoanalytischer Verlas-
Wien VII, Andre asgasse 5
Dr. OTTO RANK
Psychoanalytische Beiträge zur Mythenforschunff
pslco^atStica d^e^ S^or^lTÄ. ^^^^""^ '' ""^ ''^ ^^ -^^«^as eonWbuciotril^rieta:«;-
Revista di Psiqnlatria, UmZ
Dr. OTTO RANK
Das Trauma der Geburt
, ' , , , """^ '^^'^ Bedeutung für die Psychoanalyse
l^b\\^;ÄSLlrA:?oiJ^^^^^^ Neurotische Reproduktion /
~, . PMlosopMscbe Spekulation ^ "^^^^^^^J^^^Pi^^^^^:^^^
Dr. EDUARD HITSCHMANN
Gottfried Keller
odeÄleiU'^?S'?;ÄTz^J=r^tT^'^^^^^ <•- MateHalbewenun,) geworden
Das vorliegende Keller-Buch hat mir auch als ?ftS=ll?^t ■1*°*?''.^''''' 6«'^°™™? wShl beides
Buch vertieft unseren Einblick in X erotfschen PrXme Tef H ''"^' ^^^""^ aufgesteckt . ^Das
Keller. Es erklärt die Hemmungen in seiner uersfinlT.W b« dem Menschen wie bei dem Künstler
entsprechende Motive seiner DlLtung.^^^"" ^'"^^^^^^^fnT^rn^^^^^^
Dr. EMIL LORENZ
Der politische Mythus
Beiträge zur Mythologie der Kultur
Apot?el^e?5aÄr"^Sarjj„T^ed'^;u:^ü^teT '^^^^^t ""=''-''" — ^-end, ein
BTSthren^---^ - -- «--•^- l' S?ner B^llothtk ^ ^JZ^^^^^^i
wer^ÄS:? ^S^-^eSijS^tSrif-^— ^^ ^^^^^ -Sn^^^r:: ^^S
_ In der Durchleuchtung der Seele von Revol„«„„»„ .._. Trierer Zeitung,
inneren Antrieben von Massenbewegurg"n nich i^^d ffj^?^ 1 niU unendlich feinfühligem Geiste den
Motive wirksam, die er geistreich Ms^l^dr Urfo™Sf '^uäck^erf^ir "ä'-- Umstürze unbe^^'fl^^
^ l'reie Stimmen.
Prof. Dr. HEINRICH GOMPER Z
Psychol. Beobachtungen an griechischen Philosophen
(Sokrates — Parmenides)
Dr. FRITZ GIESE
Psychoanalytische Psychotechnik
I. PsAnalyse u. WirtscHaftslehen. üier erotisierte ReHa^e. II. Psycho! Eignungsprüfung
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IMAGO- BÜCHER
I.
DER KUNSTLER
ANSÄTZE ZU EINER SEXUAL-PSYCHOLOGIB
Von Dr. OTTO RANK
Das Werk Ranks behandelt in lichtvoller Darstellung
entscheidende Fragen. Der Weg ist kühn — aber kein
Marsch auf der Straße. Die Zeit.
Viele sehr verdienstvolle, vrenn auch harte und bei-
nahe rücksichtslose Meinungen. Es gehört eine große
Freiheit des Geistes und eine sehr schätzbare Unbe-
fangenheit dazu. Rank hat auf dem Wege zur Seelen-
schau des Künstlers eine ganze Menge psychologischer
Probleme auf ihren sexuellen Gehalt hin geprüft und
mit schöner Prägnanz demonstriert.
Münchner Allgemeine Zeitung.
II.
TOLSTOIS KINDHEITS-
ERINNERUNGEN
EIN BEITRAG ZU FREUDS LIBIDOTIIEORIE
Von Dr. N. OSSIPOW
Auf der gigantischen Persönlichkeit dieses großen
Russen, erschütternd entgegenschimraemd aus seinem
künstlerischen Schaffen, fast nacktgeschürft in dem
Autobiographischen» ruht hier zum erstenmal der
geschärfte und geläuterte Blick psychoanalytischer
Erkenntnis. Der Mensch und Künstler, selbst ein
Zergliederer, selbst ein Träger genialischer Tiefen-
psychologie, tritt hier in den Leuchtkegel modernster
wissenschaftlicher Seelen einsieht. In merkwürdiger
Weise kreuzen sich dabei die Wege Tolstoischer
Sexual grübelei mit denen der psychoanalytischen Eros-
lelire. Die Studie beansprucht, sowohl von den Ge-
nießern Tolstoischer Kunst w^illkoramen geheißen zu
werden, als auch bei deni wissenschaftlich orientierten
Leser brennendes Interesse vorzufinden.
III.
DER EIGENE
FREMDE
UND DER
GOTT
ZUR PSYCHOANALYSE DER
RELIGIÖSEN ENTWICKLUNG
Von Dr. THEODOR REIK
Inhalt: Über kollektives Vergessen.. — Jesus und
Maria im Talmud. — Der hl. Epiphanius verschreibt
sich. — Die wiederauferstandenen Götter. — Das Evan-
gelium des Judas Ischkarioth. — Die psychoanalytische
Deutung des Judasproblems. — Gott und Teilfel. —
Die Unheimlichkeit fremder Götter und Kulte. — Das
Unheimliche aus infantilen Komplexen. — Die Äqui-
valenz d. Triebgegensatzpaare. — Über Differenzierung.
Diese Arbeiten sollen, schreibt der Verfasser in der
Vorbemerkung, „einen Versuch darstellen, von ana-
lytischen Gesichtspunkten aus die Erscheinungen der
religiösen Feindseligkeit und Intoleranz psychologisch
zu erklären und zugleich den tieferen Ursachen der'
religiösen Verschiedenheiten nachzuforschen. W^ofeme
die Konvergenz der Ergebnisse in diesen von ver-
schiedenen Seiten hergeführten Untersuchungen einen
Schluß auf die Richtigkeit des Ganzen zuläßt, würde
ich hoffen, daß die vorliegende Aufsatzreihe ein
wichtiges Stück der religiösen Entvncklung in einem
neuen Lichte erscheinen läßt."
IV.
DOSTOJEWSKI
Von JOLAN NEUFELD
Wie ist es möglich, daß ein Mensch so loyal gesinnt
ist und dabei an einer Verschwörung gegen den
Zaren teilnimmt? Wie kann jemand tief religiös und
zugleich absolut ungläubig sein? Woher kommt es,
daß ein Mensch, der mit jeder Nervenfaser an seiner
Heimatscholle klebt, Monate, ja Jahre im Auslande
verbringt? Woher kommt es, daß er dem Gelde un-
unterbrochen nachjagt, um es dann wie etwas voll-
kommen Wertloses zum Fenster hinauszuwerfen?
Wie das Leben, so ist auch die DichtUTig Dostojewskis
enigmatisch. Rätselhafte Charaktere, entgleiste Perverse
sind die Helden seiner Romane und geben uns Rätsel
über Rätsel auf, die mit der Bew^ußtseinspsychologie
überhaupt nicht lösbar sind. Der Zauberschlüssel der
Psychoanalyse aber sprengt die Schlösser.
V.
GEMEINSAME
TAGTRÄUME
Von HANNS SACHS
Als die Psychoanalyse auf die entscheidende Bedeutung
der Tagträume für den Lebensweg und die Liebesw^alU
des Einzelnen hinwies^ traf sie w^enigstens an dieser
einen Stelle mit einer längst gangbaren Überzeugung
zusammen, daß nämlich die Tagträume die allgemein
menschliche Vorstufe seien, von der aus sich in be-
gnadetem Sonderfalle der Aufstieg zum Kunstwerk,
zur Dichtung vollziehe. Sachs wei;,t nun die unbe-
wußten Quellen der Tagträume nach, und untersucht
eingehend die Frage, wie sich der Tagtraum zum
Kunstwerk verwandelt, wodurch sich der Dichter vom
Neurotiker, vom Verbrecher, vom Führer der Masse
und schließlich in der I^iteratur vom Pfuscher und Nach-
ahmer unterscheidet. Er weist auf den Zusammenhang
2wischen dem nach Entlastung lechzenden Schuldbe-
wußtsein und dem zur Aufgabe des Ichs und zur
Verschiebung auf das Werk bereiten Narzißmus hin.
Im Besonderen analysiert er dann in zwei breit an-
gelegten Studien zwei Kunstwerke, die beide Anzeichen
und Vorboten einer Produktionshera mung im Leben
ih rer Seh Opfer darstellen: Schillers „Geisterseh er"
und Shakespeares „Stur m". Die Psychoanal yse
entwickelt sich „nach dem Gesetz nach dem sie ange-
treten"; da sie aus der Erforschung der Störungen er-
wachsen ist, die der unvollkommenen Bew^ältigung un-
bewußter Wünsche ihrDasein verdanken, so vermag sie
sich den Problemen der künstlerischen Schöpfung auch
am besten von der Seite der Hemmungen her zu nähern.
VI.
DIE AMBIVALENZ
DES KINDES
Von Dr. HANS GUSTAV GRABER
Aus dem Inhalt: Ambivalenz bei Bleuler; bei Frend.
Der Urllaß. Die Elternbindung. Der Geschlechtsunter-
schied. Das Lustverbot. Tierphobien. Das Über-Ich.
VII.
PSYCHOANALYSE
UND LOGIK
Von Dr. I. HERMANN
Aus dem Inhalt: Dualschritte aus der Entwicklungs-
psychologie; in der Biologie; in der schönen Literatur.
Der Umkeh«chritt. Der Abwendungsschritt. Der
Schritt des Sinkens. Über Sophismen.
INTERNATIONALER PSYCHOANALYTISCHER VERLAG
Wien VII. Andreasgasse 5 ,
Internationaler Psychoanalytischer Verlag
Wien VII. Andreasgasse 3
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ANALYSE AUF DIE GEISTESWISSENSCHAFTEN
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Prof. Dr. SIGM. FREUD
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Soziologisches Heft
. . - ^ , (f''III. Band, 1922, Heft 2)
Reliaionspsydiolo^sdies Heft
Über B\d5."{s vÄuÄrJ fll^ä^'i^lT^^i^ t^^^^ Jahrhundert /Dr. Fran. Alexander:
Ps.choanal.se der schwärzen Messen / C^- RVeTxnf S^i\^"de^^'¥oL^d"fi'r.^a?e7sTi^ ^"
Pädagogisdi-i ugendpsvdiologisdies Heft
. , , (^^ Bandj Ip2}, Heft 2)
zur .ruhanal.. / Ann. .reu'd: eL H."-Hsä.°erÄc"-ereL\-^^^^^^
DU:1 1 .1 TT ^
Heft
(IX, JBandj 102^ Heft j^
G. Berber. Zur Xheor.e der »ensCichen i^eindseU^ke^tT^R^' «i^^A^'-Te'iÄ^l^i^XÄoffi
Asthetisdi-kimstpsydiologisdies Heft
(/JT. Bandy 102^ Heft a)
DSTr.fef^:^afS-%S>°ÄfTet^^^^^^ P.C. van der Wo..:
in der Malerei / Anrel KolnL^ (^^"f^l^^^f^g^^'J--^-^ ^''jChiU: Inf^üüsn.^
Heft
^ , , , , , (^- Band, 1^24, Doppelheft 2 u. ? )
drSS^-^^^^ f &^^f^^^t #eSML?z^l?.'^"°-.'"= -^- .unerrechmche
und Bestattungsgebrauche / Beate Rank- 7nVn«li. 5^ ti.^^"' ■^"^^^Ser: Zur Psychologe der Trauer-
Oesei™ . p,„.. ,..„,/ ,, .rauen%^rkc^rbe?^^J^Ln^^^,^:^rA.l"^^^^^^^^
„Imago" erscheint 4 mal jährlidi, im Gesamtumfang
von ca. 500 Selten
Internationaler Psy ckoan aly tiscner Verlag
(^ueUenscliriften zur seeliscnen Entwiciklung
Tageouai eines nalbwücnsigen J^4.äclm
(Von 11 hiS 1
\- Herausgegeoen von JL/r.
Prof. Freud in einem Briefe an die Herausg-ebcrin : Daa-,
Tagebudi ist ein kleines Juwel, Wirklidi, ich glaube, nodi
niemaU bat m^n insolcher Klarheit undWahrhaftjgrkeit in
die 3eelenregungen hineinljljdcen können, welche die £ntv i
Wicklung' des Mädchens unserer Gesellschafts- und Kultur-
stufe in den Jahren der Vorpübertat kennzeichnen. Wie die
Gefühle aus deni Kindisch- EgbJstischen hervorwachsen) bis
sie die soziale I^eife erreichen, wie die Beziehungen zu Eltern
und Ges^wistern zuerst aussehen, und dann allmählich an
Etnst Und Innigkeit gewinnen, wie Freundschaften ange-
sponnen nnd verlassen werden, die Zärtlidikeit nadi ihren
ersten Objekten tastet, Und "vor alleni, wie das Geheimnis '
des Gesdileditslebens erst versdiwomnjlien auftaucht, um
dann von der kindlidieh Seele ganz Besitz zu nehmen, wie
dieses Kind unter dem Bewußtsein sdnes geheimen Wissens.
Schaden leidet und ihn allmählich iiberwindet,'das ist so
reizend, natürlich' und dodi sp ernsthaft in diesen kunst-
losen Aufzeichnungen zum Ausdruck gekonimen, daß es Er-
ziehern und Psydiologen'das höchste Interesse einfloSen ntuß.
„Literarisches Echo": Weibliche Weisen der bürg^r-
licheu Welt werden sicJi beim TagebuiA Seite um Seite zu-
rückversetzt fühlen in ihr Einst; männlic^dn Wesen wird
es statt dessen nianche Kleinigkeit mitteilen, die sie noch
nicht wußten. Leu Andreas-Salom^*
„Vossische Zeitung": Denkt eudi, Wedekinds kleine
WendU, die an „Frühlings-Erwaidien" so tragisch zugrunde
geht, habe ihre Erlebnisse aufgezeidinet, denkt sie euch in
Geheimratskreise und auf Wiener Boden versetzt, -^ so habt
ihr das ^Tagebuch eines hälbwüdisigen Mädf^ens^. ^
„Neue Freie Presse": Hier, Wie viellbjcht in jedem auf-
richtigen Tagebudie einer Halbwüchsigen, ist natürlich der
Brennpunkt des Interesses die Sexualität. Die Sexualität,
H. Hug-Hellinutli
nidit die trotik. Denn hier (kommt die Neugier nodi aus
dem Inteilektuellen, aus dem wadhen Gehirn eines noch un*
entwidcelten Körpers, und die Unruhe Quillt aus dem Ver-
stand; nicht aus den noch dumpfen Zonefn körperlichen
Gefühls. Nirgends reagiert hier wirkliche Befriedigung auf
flrkenntnis, im Gegenteil: der erste zufällige Einblick wird
für das sdieue Kind zun^ seelischen Sc^odk . .'Es ist
immer gut, Mens'diliches zu verstehen, , und zu diesem Ver-
ständnis der Kinderseele scheint mir dieses Buch eines der
kostbarsten, das je die Wlssensdiaft Hand in HamJ mit
dem Zufall dargeboten. Stefan Zwetg.
,' Zum Zensurverbpt in England
„Frankfurter Zeitung": Das Aufsehen, das A Young
Girls Diary in England verursacht, hat eine große Sittlidi-
kejtskampagne ,feur Folge * . . Lord Alfred Douglas (der-,
selbe, der in seinen jüngeren Jahren wegen seiner gerichts-
notorisch gewprdenen Beziehungen zu Oskar Wilde viel ge-i
nannt worden isf) hat öffentlich einen großen Eid ge-
s'chwpren; die Psychoanalyse in England auszurotten. Als
erstes Objekt seiner Purifizierungsw'ut ist das Tagebuch
der kleinen Gretl Lainer ; auserkoren worden .. . Der Lon-
doner Zensor ist Sidher der Meinung) es komme ausschließ- ,
li<^ in Wien oder höchstens nodi bei sonstigen Hunnen
vor» daß z- B. das Denken und Fühlen junger Mädchen durc^
bevorstehende physiolog'säie Erscheinungen lebhaft be-
sdiäftigl wird. In der Kontineiitalrasse liegt die Schweinerei
„The New Statesman": Greitl Lainer (the name <diosen
by the Psycho;-AnaIy tical Society) bßlongs to the Casanova
iype of autöbiögrapher rather than to that of Rousseau and
Marie Baskirtscheff ; she is singularly little troubled with her
own Personality. She writes from a breathlesS interest in the
World aräUnd rather than from aiiy morbid taste for liötro-
spection pr self-explanation. ', '
II
Vom CretneinsaialtsleDeii oer Jugend
' ^ '.-I I . 111 ^ I ^ , 1 L I ' -M , r K /'
Beiträge zur Jugendforschung, Lerausgegeteh von .
; Dr. iSiegfriea Bernfela
Inhalt: Die Psychoanatyae 5n der Jug:endforschun j. Von Dr. S. Bern'feld. -^ Ein Freundinnenkreis. Vop Dh S. 'Bernfeld
Ein Schülerverein. Von Gerhard Fuehs.~Ein Knabenbuiid in einer Schulgemeinde. Von Wilhelm Hof f er.' — „ICnurrland."
Analyse eines Kinderspieles.'Von Gerhard Fuchs. ^ Die Iniliaiionsriten der historischen Berufsstände. Von Erwin Kohn.
Vorn didaterisck
en
m
ö aiafien der Jugenct
ISTeue Beiträge sur Jugendlorscnung von ' ^, ,, ,
jDr. »Sieglriea JDernlela
1 n h a 1 1 : Die psychologische Literatur über das, dichterische Schaf fen der Jugendlichen. — Pas Dichten einer Jugendlichen. —
Phantasie und Realität im Gedicht einer 17 jährigen. — Novellen jugendlicher Dichter. — Ober ein Motiv zur Produktion
satirischer Gedichte. — Das Erstlingswerk iiach Selbstzeugnissen..— Phantasiespiele der.Kinder. — Ergebnisse.
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rlysterie und Jramoneurosen
Inhalt: Über Pathoneurosen. Hysterische Materialisationsphänoraene. £rklärunS;Sversuch einigrer hysterischer Stigmata.
Technische Schwierigkeiten einer Hysterieanalyse. Ein Fall von hyster. Hypochondrie. Zwei Typen der Kriegsl^terie.
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Aus dem Inhalte: Zur analytischen Auffassung- der Psychoneurosen. — Träume der AKnung:sIosen. — Suggestion
und Psychoaiialyse. — Die Psychoanalyse des Witzes und des Koihisdien. — Ein Vortrag für Riditer und Staats-
anwälte. — Psychoanalyse und Kriminologie. ^ Philosophie und Psydioanalyse. — Zur Psydiogenese der Medianifc, —
Cbmelia, die Mutter der Gracchen. — Anatol France als Analytiker, — Glaube, Unglaube, Übericeugung.
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Inhalt: Ontogen«.tisches: Die Amphimixis der Erotismen im Ejakulationsakt. Der Begattungsakt als amphi"
miiktischer Vorgang. Etttwidclungsstufen des erotischem Realitatssinnes. Deutung einzelner Vorgänge beim Geschlechtsakte.
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über aas voroeAv^ü^te pnantasierende Denken
Aus dem Geleitwort von Prof. Freud: „Das Buch des Dr. Varendoniic eathäli eine bedeutsame Neuhmt uöd wird
mit Recht das Interesse aller Philosophen, Psychologen und Psychoanalytiker erwedcen. Es ist dem Autor in jahre-
langen Bemühungen gelungen, jener Art von phantasierender Denktätigkeit habhaft zu werden, wdcher man sich
während der Zusrande von Zerstreutheit hingibt, und in die man leicht vor dem Einsdilafen oder hei unvollkommenem
iBrwadien verfällt .... Er hat dabei eine Reihe von wichtigen Entdeckungen gemacht."
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Psymoanalytisoie J&rzieliung in iSow^jetruJ^lana
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Inhalt: Die äußeren Schidcsale. Die innere Einrichtung. Pgychoanalytisdie Leitsätze. Allgemein pädagogische Leitsätze.
PädagogiscJie Maßnahmen. Die Arbeit des Erziehers an sich selbst Beobachtungen aus dem Kinderheim-Laboratorium.
Anhang: Aus dem Tagebuch der jüngeren Gruppe.
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üysterie lind Jratlioneurosen
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Technisdie Schwierigkeiten einer Hysterieanalyse. Ein Fall von hyster. Hypochondrie, Zwei Typen der Kriegshysterie.
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und Psychoanalyse. — Die Psychoanalyse des Witzes und des Koihischen. r— Ein Vortrag für Richter und Staats*
anwälte. — Psychoanalyse und Kriihinologie. — Philosophie und Psychoanalyse. — Zur Psydhogenese der Medianik. —
Cornelia, die Mutter der Gracchen. ~ Anatol France als Analytiker. — Glauhe, Unglaube, Überzeugung.
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einer
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Inhalt: Ontogenetisches: Die Amphimixis der Erotismen im Ejakulationsakt. Der ßegattungsakt als ampM'"
mikÜscher Vorgang. Etitwicklung^stufen des erotisdieii Realitätssi nhes. Deutung einzelner Vorgängfe beim Gesdileditsakte.
Die individuelle Genitälfunktion. Phylogenetisches: Phylogenetische Parallele. Zum^thalassalen Regressionszugv,
Begattung unijl Befruchtung. Anhang und Ausblicke: Koitus und Sdilaf. Bioanalytische Konsequenzen.
Dr. Ernest Jon
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Xnerapie der .Neurosen
Inhalt: Allgemeines über die Bedeutung^ der Neurosen. ^ Hysterie. ~ Angsthysterie. — Neurasthenie. — Zwangs-
neurosen. ^~ Hypochondrie und Fixatiönshysterie. — Traumatische Neurosen, einsc^lieBHch der Kriegsneurosen. —
Prophylaxe der Neurosen. — Psychische Behandlung anderer, den Neurosen nahestehender Zustände.
J-)r. J. Varenoonck
Uoer das vorDe\v^u.5te pnantasierenoe -Denken
Aus dem Geleitwort von Prof. Freud; „Das Buch des Dr. Varendonck ertthalt eine bedeutsame Neuheit und wird
mit Recht das Interesse aller Philosophen, Psychologen und Psychoanalytiker erwecken. Es ist dem Autor in jahre-
langen Bemühungen gelungen, jener Art von phantasierender Denktätigkeit habhaft zu werden, wdcher maU sich
während der Zustände von Zerstreutheit hingibt, und in die man leicht vor dem Einschlafen oder bei unvollkommenem
Erwachen verfällt .... Ef hat dabei eine Reihe von wichtigen Entdeckungen gemacht."
Vera iScnmidt
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Leipzig / \V ien / Züiiclt.
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