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SIGM. FREUD 








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Zeitgemäßes über 
Krieg und Tod 



von 



Sigm. Freud 



1924 

Internationaler Psychoanalytischer Verlag 

Leipzig / Wien / Zürich 



Alle Rechte, 
insbesondere das der Übersetzung, vorbehalten 



Copyright 1924 

by „Internationaler Psychoanalytischer Verlag 

Ges. m. b. H.", Wien 




INTERNATIONAL 

PSYCHOANALYTIC 

UNIVERSITY 

DIE PSYCHOANALYTISCHE HOCHSCHULE IN BERLIN 



Gedruckt bei Carl Fromme Ges. m.b.H., Wien V 



ZEITGEMÄSSES ÜBER KRIEG UND TOD 

Zuerst erschienen anfangs IQIJ in „Imago", 
Bd. V, dann in der Vierten Folge der „Sammlung 
kleiner Schriften zur IVeurosenlehre u . Eine hollän- 
dische Übersetzung (von Dr. Jan van Emden) 
erschien IplJ (unter dem Titel „Oorlog en 
Dood H ), eine englische (von Brill und Kuttner) 
1918. 



DIE ENTTÄUSCHUNG DES KRIEGES 

Von dem Wirbel dieser Kriegszeit gepackt, einseitig unterrichtet, 
ohne Distanz von den großen Veränderungen, die sich bereits 
vollzogen haben oder zu vollziehen beginnen, und ohne Witterung 
der sich gestaltenden Zukunft, werden wir selbst irre an der Be- 
deutung der Eindrücke, die sich uns aufdrängen, und an dem 
Werte der Urteile, die wir bilden. Es will uns scheinen, als hätte 
noch niemals ein Ereignis so viel kostbares Gemeingut der Mensch- 
heit zerstört, so viele der klarsten Intelligenzen verwirrt, so gründ- 
lich das Hohe erniedrigt. Selbst die Wissenschaft hat ihre leiden- 
schaftslose Unparteilichkeit verloren - 7 ihre aufs tiefste erbitterten 
Diener suchen ihr Waffen zu entnehmen, um einen Beitrag zur 
Bekämpfung des Feindes zu leisten. Der Anthropologe muß den 
Gegner für minderwertig und degeneriert erklären, der Psychiater 
die Diagnose seiner Geistes- oder Seelenstörung verkünden. Aber 
wahrscheinlich empfinden wir das Böse dieser Zeit unmäßig stark 



Sigm. Freud 



und haben kein Recht, es mit dem Bösen anderer Zeiten zu ver- 
gleichen, die wir nicht erlebt haben. 

Der Einzelne, der nicht selbst ein Kämpfer und somit ein Par- 
tikelchen der riesigen Kriegsmaschinerie geworden ist, fühlt sich 
in seiner Orientierung verwirrt und in seiner Leistungsfähigkeit 
gehemmt. Ich meine, ihm wird jeder kleine Wink willkommen 
sein, der es ihm erleichtert, sich wenigstens in seinem eigenen 
Innern zurechtzufinden. Unter den Momenten, welche das seeli- 
sche Elend der Daheimgebliebenen verschuldet haben, und deren 
Bewältigung ihnen so schwierige Aufgaben stellt, möchte ich zwei 
hervorheben und an dieser Stelle behandeln: Die Enttäuschung, 
die dieser Krieg hervorgerufen hat, und die veränderte Einstel- 
lung zum Tode, zu der er uns — wie alle anderen Kriege — 
nötigt. 

Wenn ich von Enttäuschung rede, weiß jedermann sofort, was 
damit gemeint ist. Man braucht kein Mitleidsschwärmer zu sein, 
man kann die biologische und psychologische Notwendigkeit des 
Leidens für die Ökonomie des Menschenlebens einsehen und darf 
doch den Krieg in seinen Mitteln und Zielen verurteilen und 
das Aufhören der Kriege herbeisehnen. Man sagte sich zwar, die 
Kriege könnten nicht aufhören, solange die Völker unter so ver- 
schiedenartigen Existenzbedingungen leben, solange die Wertungen 
des Einzellebens bei ihnen weit auseinandergehen, und solange 
die Gehässigkeiten, welche sie trennen, so starke seelische Trieb- 
kräfte repräsentieren. Man war also darauf vorbereitet, daß Kriege 
zwischen den primitiven und den zivilisierten Völkern, zwischen 
den Menschenrassen, die durch die Hautfarbe voneinander ge- 
schieden werden, ja Kriege mit und unter den wenig entwickelten 
oder verwilderten Völkerindividuen Europas die Menschheit noch 
durch geraume Zeit in Anspruch nehmen werden. Aber man 
getraute sich etwas anderes zu hoffen. Von den großen weltbe- 
herrschenden Nationen weißer Rasse, denen die Führung des 
Menschengeschlechtes zugefallen ist, die man mit der Pflege weit- 



'Leitgemäßes über Krieg und Tod 



umspannender Interessen beschäftigt wußte, deren Schöpfungen 
die technischen Fortschritte in der Beherrschung der Natur wie 
die künstlerischen und wissenschaftlichen Kulturwerte sind, von 
diesen Völkern hatte man erwartet, daß sie es verstehen würden, 
Mißhelligkeiten und Interessenkonflikte auf anderem Wege zum 
Austrage zu bringen. Innerhalb jeder dieser Nationen waren hohe 
sittliche Normen für den einzelnen aufgestellt worden, nach denen 
er seine Lebensführung einzurichten hatte, wenn er an der Kultur- 
gemeinschaft teilnehmen wollte. Diese oft überstrengen Vor- 
schriften forderten viel von ihm, eine ausgiebige Selbstbeschrän- 
kung, einen weitgehenden Verzicht auf Triebbefriedigung. Es war 
ihm vor allem versagt, sich der außerordentlichen Vorteile zu 
bedienen, die der Gebrauch von Lüge und Betrug im Wett- 
kampfe mit den Nebenmenschen schafft. Der Kulturstaat hielt 
diese sittlichen Normen für die Grundlage seines Bestandes, er 
schritt ernsthaft ein, wenn man sie anzutasten wagte, erklärte es 
oft für untunlich, sie auch nur einer Prüfung durch den kriti- 
schen Verstand zu unterziehen. Es war also anzunehmen, daß er 
sie selbst respektieren wolle und nichts gegen sie zu unternehmen 
gedenke, wodurch er der Begründung seiner eigenen Existenz 
widersprochen hätte. Endlich konnte man zwar die Wahrnehmung 
machen, daß es innerhalb dieser Kulturnationen gewisse einge- 
sprengte Völkerreste gäbe, die ganz allgemein unliebsam wären 
und darum nur widerwillig, auch nicht im vollen Umfange, zur 
Teilnahme an der gemeinsamen Kulturarbeit zugelassen würden, 
für die sie sich als genug geeignet erwiesen hatten. Aber die 
großen Völker selbst, konnte man meinen, hätten so viel Ver- 
ständnis für ihre Gemeinsamkeiten und so viel Toleranz für ihre 
Verschiedenheiten erworben, daß „fremd" und „feindlich" nicht 
mehr wie noch im klassischen Altertume für sie zu einem Be- 
griffe verschmelzen durften. 

Vertrauend auf diese Einigung der Kulturvölker haben unge- 
zählte Menschen ihren Wohnort in der Heimat gegen den Auf- 



Sigm. Freud 



enthalt in der Fremde eingetauscht und ihre Existenz an die 
Verkehrsbeziehungen zwischen den befreundeten Völkern geknüpft. 
Wen aber die Not des Lebens nicht ständig an die nämliche Stelle 
bannte, der konnte sich aus allen Vorzügen und Reizen der Kultur- 
länder ein neues größeres Vaterland zusammensetzen, in dem er 
sich ungehemmt und unverdächtigt erging. Er genoß so das blaue 
und das graue Meer, die Schönheit der Schneeberge und die der 
grünen Wiesenflächen, den Zauber des nordischen Waldes und 
die Pracht der südlichen Vegetation, die Stimmung der Land- 
schaften, auf denen große historische Erinnerungen ruhen, und 
die Stille der unberührten Natur. Dies neue Vaterland war für 
ihn auch ein Museum, erfüllt mit allen Schätzen, welche die 
Künstler der Kulturmenschheit seit vielen Jahrhunderten geschaffen 
und hinterlassen hatten. Während er von einem Saale dieses 
Museums in einen andern wanderte, konnte er in parteiloser 
Anerkennung feststellen, was für verschiedene Typen von Voll- 
kommenheit, Blutmischung, Geschichte und die Eigenart der Mutter 
Erde an seinen weiteren Kompatrioten ausgebildet hatten. Hier 
war die kühle unbeugsame Energie aufs höchste entwickelt, dort 
die graziöse Kunst, das Leben zu verschönern, anderswo der Sinn 
für Ordnung und Gesetz oder andere der Eigenschaften, die den 
Menschen zum Herrn der Erde gemacht haben. 

Vergessen wir auch nicht, daß jeder Kulturweltbürger sich 
einen besonderen „Parnaß" und eine „Schule von Athen" ge- 
schaffen hatte. Unter den großen Denkern, Dichtern, Künstlern 
aller Nationen, hatte er die ausgewählt, denen er das Beste zu 
schulden vermeinte, was ihm an Lebensgenuß und Lebensver- 
ständnis zugänglich geworden war, und sie den unsterblichen 
Alten in seiner Verehrung zugesellt wie den vertrauten Meistern 
seiner eigenen Zunge. Keiner von diesen Großen war ihm darum 
fremd erschienen, weil er in anderer Sprache geredet hatte, weder 
der unvergleichliche Ergründer der menschlichen Leidenschaften, 
noch der schönheitstrunkene Schwärmer oder der gewaltig drohende 



Zeitgemäßes über Krieg und Tod 



Prophet, der feinsinnige Spötter, und niemals warf er sich dabei 
vor, abtrünnig geworden zu sein der eigenen Nation und der 
geliebten Muttersprache. 

Der Genuß der Kulturgemeinschaft wurde gelegentlich durch 
Stimmen gestört, welche warnten, daß infolge altüberkommener 
Differenzen Kriege auch unter den Mitgliedern derselben unver- 
meidlich wären. Man wollte nicht daran glauben, aber wie stellte 
man sich einen solchen Krieg vor, wenn es dazu kommen sollte? 
Als eine Gelegenheit die Fortschritte im Gemeingefühle der 
Menschen aufzuzeigen seit jener Zeit, da die griechischen Am- 
phiktyonien verboten hatten, eine dem Bündnisse angehörige Stadt 
zu zerstören, ihre Ölbäume umzuhauen und ihr das Wasser ab- 
zuschneiden. Als einen ritterlichen Waffengang, der sich darauf 
beschränken wollte, die Überlegenheit des einen Teiles festzu- 
stellen, unter möglichster Vermeidung schwerer Leiden, die zu 
dieser Entscheidung nichts beitragen könnten, mit voller Schonung 
für den Verwundeten, der aus dem Kampfe ausscheiden muß, 
und für den Arzt und Pfleger, der sich seiner Herstellung widmet. 
Natürlich mit allen Rücksichten für den nicht kriegführenden 
Teil der Bevölkerung, für die Frauen, die dem Kriegshandwerk 
ferne bleiben, und für die Kinder, die, herangewachsen, einander 
von beiden Seiten Freunde und Mithelfer werden sollen. Auch 
mit Erhaltung all der internationalen Unternehmungen und Insti- 
tutionen, in denen sich die Kulturgemeinschaft der Friedenszeit 
verkörpert hatte. 

Ein solcher Krieg hätte immer noch genug des Schrecklichen 
und schwer zu Ertragenden enthalten, aber er hätte die Entwick- 
lung ethischer Beziehungen zwischen den Großindividuen der 
Menschheit, den Völkern und Staaten, nicht unterbrochen. 

Der Krieg, an den wir nicht glauben wollten, brach nun aus 
und er brachte die — Enttäuschung. Er ist nicht nur blutiger 
und verlustreicher als einer der Kriege vorher, infolge der mächtig 
vervollkommneten Waffen des Angriffes und der Verteidigung, 



8 Sigm. Freud 



sondern mindestens ebenso grausam, erbittert, schonungslos wie 
irgend ein früherer. Er setzt sich über alle Einschränkungen hinaus, 
zu denen man sich in friedlichen Zeiten verpflichtet, die man das 
Völkerrecht genannt hatte, anerkennt nicht die Vorrechte des 
Verwundeten und des Arztes, die Unterscheidung des friedlichen 
und des kämpfenden Teiles der Bevölkerung, die Ansprüche des 
Privateigentums. Er wirft nieder, was ihm im Wege steht, in 
blinder Wut, als sollte es keine Zukunft und keinen Frieden 
unter den Menschen nach ihm geben. Er zerreißt alle Bande der 
Gemeinschaft unter den miteinander ringenden Völkern und droht 
eine Erbitterung zu hinterlassen, welche eine Wiederanknüpfung 
derselben für lange Zeit unmöglich machen wird. 

Er brachte auch das kaum begreifliche Phänomen zum Vor- 
scheine, daß die Kulturvölker einander so wenig kennen und ver- 
stehen, daß sich das eine mit Haß und Abscheu gegen das andere 
•wenden kann. Ja, daß eine der großen Kulturnationen so allge- 
mein mißliebig ist, daß der Versuch gewagt werden kann, sie als 
„barbarisch" von der Kulturgemeinschaft auszuschließen, obwohl 
sie ihre Eignung durch die großartigsten Beitragsleistungen längst 
erwiesen hat. Wir leben der Hoffnung, eine unparteiische Ge- 
schichtsschreibung werde den Nachweis erbringen, daß gerade 
diese Nation, die, in deren Sprache wir schreiben, für deren Sieg 
unsere Lieben kämpfen, sich am wenigsten gegen die Gesetze der 
menschlichen Gesittung vergangen habe, aber wer darf in solcher 
Zeit als Richter auftreten in eigener Sache? 

Völker werden ungefähr durch die Staaten, die sie bilden, 
repräsentiert ; diese Staaten durch die Regierungen, die sie leiten. 
Der einzelne Volksangehörige kann in diesem Kriege mit Schrecken 
feststellen, was sich ihm gelegentlich schon in Friedenszeiten auf- 
drängen wollte, daß der Staat dem Einzelnen den Gebrauch des 
Unrechts untersagt hat, nicht weil er es abschaffen, sondern weil 
er es monopolisieren will wie Salz und Tabak. Der kriegführende 
Staat gibt sich jedes Unrecht, jede Gewalttätigkeit frei, die den 



Zeitgemäßes über Krieg und Tod 



Einzelnen entehren würde. Er bedient sich nicht nur der erlaubten 
List, sondern auch der bewußten Lüge und des absichtlichen Be- 
truges gegen den Feind, und dies zwar in einem Maße, welches 
das in früheren Kriegen Gebräuchliche zu übersteigen scheint. 
Der Staat fordert das Äußerste an Gehorsam und Aufopferung 
von seinen Bürgern, entmündigt sie aber dabei durch ein Über- 
maß von Verheimlichung und eine Zensur der Mitteilung und 
Meinungsäußerung, welche die Stimmung der so intellektuell 
Unterdrückten wehrlos macht gegen jede ungünstige Situation 
und jedes wüste Gerücht. Er löst sich los von Zusicherungen und 
Verträgen, durch die er sich gegen andere Staaten gebunden hatte, 
bekennt sich ungescheut zu seiner Habgier und seinem Macht- 
streben, die dann der Einzelne aus Patriotismus gutheißen soll. 

Man wende nicht ein, daß der Staat auf den Gebrauch des 
Unrechts nicht verzichten kann, weil er sich dadurch in Nach- 
teil setzte. Auch für den Einzelnen ist die Befolgung der sitt- 
lichen Normen, der Verzicht auf brutale Machtbetätigung in der 
Regel sehr unvorteilhaft, und der Staat zeigt sich nur selten dazu 
fähig, den Einzelnen für das Opfer zu entschädigen, das er von 
ihm gefordert hat. Man darf sich auch nicht darüber verwundern, 
daß die Lockerung aller sittlichen Beziehungen zwischen den Groß- 
individuen der Menschheit eine Rückwirkung auf die Sittlichkeit 
der Einzelnen geäußert hat, denn unser Gewissen ist nicht der 
unbeugsame Richter, für den die Ethiker es ausgeben, es ist in 
seinem Ursprünge „soziale Angst" und nichts anderes. Wo die 
Gemeinschaft den Vorwurf aufhebt, hört auch die Unterdrückung 
der bösen Gelüste auf, und die Menschen begehen Taten von 
Grausamkeit, Tücke, Verrat und Roheit, deren Möglichkeit man 
mit ihrem kulturellen Niveau für unvereinbar gehalten hätte. 

So mag der Kulturweltbürger, den ich vorhin eingeführt habe, 
rä*tlos dastehen in der ihm fremd gewordenen Welt, sein großes 
Vaterland zerfallen, die gemeinsamen Besitztümer verwüstet, die 
Mitbürger entzweit und erniedrigt! 









io Sigm. Freud 

Zur Kritik seiner Enttäuschung wäre einiges zu bemerken. Sie 
ist, strenge genommen, nicht berechtigt, denn sie besteht in der 
Zerstörung einer Illusion. Illusionen empfehlen sich uns dadurch, 
daß sie Unlustgefühle ersparen und uns an ihrer Statt Befriedi- 
gungen genießen lassen. Wir müssen es dann ohne Klage hin- 
nehmen, daß sie irgend einmal mit einem Stücke der Wirklich- 
keit zusammenstoßen, an dem sie zerschellen. 

Zweierlei in diesem Kriege hat unsere Enttäuschung rege ge- 
macht: die geringe Sittlichkeit der Staaten nach außen, die sich 
nach innen als die Wächter der sittlichen Normen gebärden, und 
die Brutalität im Benehmen der Einzelnen, denen man als Teil- 
nehmer an der höchsten menschlichen Kultur ähnliches nicht zu- 
getraut hat. 

Beginnen wir mit dem zweiten Punkte und versuchen wir es 
die Anschauung, die wir kritisieren wollen, in einen einzigen 
knappen Satz zu fassen. Wie stellt man sich denn eigentlich den 
Vorgang vor, durch welchen ein einzelner Mensch zu einer 
höheren Stufe von Sittlichkeit gelangt? Die erste Antwort wird 
wohl lauten: Er ist eben von Geburt und von Anfang an gut 
und edel. Sie soll hier weiter nicht berücksichtigt werden. Eine 
zweite Antwort wird auf die Anregung eingehen, daß hier ein 
Entwicklungsvorgang vorliegen müsse, und wird wohl annehmen, 
diese Entwicklung bestehe darin, daß die bösen Neigungen des 
Menschen in ihm ausgerottet und unter dem Einflüsse von Er- 
ziehung und Kulturumgebung durch Neigungen zum Guten ersetzt 
werden. Dann darf man sich allerdings verwundern, daß bei dem 
so Erzogenen das Böse wieder so tatkräftig zum Vorschein kommt. 

Aber diese Antwort enthält auch den Satz, dem wir wider- 
sprechen wollen. In Wirklichkeit gibt es keine „Ausrottung" des 
Bösen. Die psychologische — im strengeren Sinne die psycho- 
analytische — Untersuchung zeigt vielmehr, daß das tiefste Wesen 
des Menschen in Triebregungen besteht, die elementarer Natur, 
bei allen Menschen gleichartig sind und auf die Befriedigung 






Zeitgemäßes über Krieg und Tod 1 1 

gewisser ursprünglicher Bedürfnisse zielen. Diese Triebregungen 
sind an • sich weder gut noch böse. Wir klassifizieren sie und ihre 
Äußerungen in solcher Weise, je nach ihrer Beziehung zu den 
Bedürfnissen und Anforderungen der menschlichen Gemeinschaft. 
Zugegeben ist, daß alle die Regungen, welche von der Gesell- 
schaft als böse verpönt werden — nehmen wir als Vertretung 
derselben die eigensüchtigen und die grausamen — sich unter 
diesen primitiven befinden. 

Diese primitiven Regungen legen einen langen Entwicklungs- 
weg zurück, bis sie zur Betätigung beim Erwachsenen zugelassen 
werden. Sie werden gehemmt, auf andere Ziele und Gebiete 
gelenkt, gehen Verschmelzungen miteinander ein, wechseln ihre 
Objekte, wenden sich zum Teil gegen die eigene Person. Reaktions- 
bildungen gegen gewisse Triebe täuschen die inhaltliche Verwand- 
lung derselben vor, als ob aus Egoismus — Altruismus, aus Grau 
samkeit — Mitleid geworden wäre. Diesen Reaktionsbildungen 
kommt zugute, daß manche Triebregungen fast von Anfang an in 
Gegensatzpaaren auftreten, ein sehr merkwürdiges und der 
populären Kenntnis fremdes Verhältnis, das man die „Gefühls- 
ambivalenz" benannt hat. Am leichtesten zu beobachten und vom 
Verständnis zu bewältigen ist die Tatsache, daß starkes Lieben und 
starkes Hassen so häufig miteinander bei derselben Person vereint 
vorkommen. Die Psychoanalyse fügt dem zu, daß die beiden ent- 
gegengesetzten Gefühlsregungen nicht selten auch die nämliche 
Person zum Objekte nehmen. 

Erst nach Überwindung all solcher „Triebschicksale' stellt 
sich das heraus, was man den Charakter eines Menschen nennt, 
und was mit „gut" oder „böse" bekanntlich nur sehr unzu- 
reichend klassifiziert werden kann. Der Mensch ist selten im 
ganzen gut oder böse, meist „gut" in dieser Relation, „böse" in 
einer anderen oder „gut" unter solchen äußeren Bedingungen, 
unter anderen entschieden „böse". Interessant ist die Erfahrung, 
daß die kindliche Präexistenz starker „böser" Regungen oft 



12 



Sigm. Freud 



geradezu die Bedingung wird für eine besonders deutliche Wen- 
dung des Erwachsenen zum „Guten". Die stärksten kindlichen 
Egoisten können die hilfreichsten und aufopferungsfähigsten Bür- 
ger werden 5 die meisten Mitleidsschwärmer, Menschenfreunde, 
Tierschützer haben sich aus kleinen Sadisten und Tierquälern 
entwickelt. 

Die Umbildung der „bösen" Triebe ist das Werk zweier im 
gleichen Sinne wirkenden Faktoren, eines inneren und eines 
äußeren. Der innere Faktor besteht in der Beeinflussung der 
bösen — sagen wir: eigensüchtigen — Triebe durch die Erotik, 
das Liebesbedürfnis des Menschen im weitesten Sinne genommen. 
Durch die Zumischung der erotischen Komponenten werden die 
eigensüchtigen Triebe in soziale umgewandelt. Man lernt das 
Geliebtwerden als einen Vorteil schätzen, wegen dessen man auf 
andere Vorteile verzichten darf. Der äußere Faktor ist der Zwang 
der Erziehung, welche die Ansprüche der kulturellen Umgebung 
vertritt, und die dann durch die direkte Einwirkung des Kultur- 
milieus fortgesetzt wird. Kultur ist durch Verzicht auf Trieb- 
befriedigung gewonnen worden und fordert von jedem neu An- 
kommenden, daß er denselben Triebverzicht leiste. Während des 
individuellen Lebens findet eine beständige Umsetzung von äußerem 
Zwange in inneren Zwang statt. Die Kultureinflüsse leiten dazu 
an, daß immer mehr von den eigensüchtigen Strebungen durch 
erotische Zusätze in altruistische, soziale, verwandelt werden. Man 
darf endlich annehmen, daß aller innere Zwang, der sich in der 
Entwicklung des Menschen geltend macht, ursprünglich, d. h. in 
der Menschheitsgeschichte nur äußerer Zwang war. Die 
Menschen, die heute geboren werden, bringen ein Stück Neigung 
(Disposition) zur Umwandlung der egoistischen in soziale Triebe 
als ererbte Organisation mit, die auf leichte Anstöße hin diese 
Umwandlung durchführt. Ein anderes Stück dieser Triebumwand- 
lung muß im Leben selbst geleistet werden. In solcher Art steht 
der einzelne Mensch nicht nur unter der Einwirkung seines gegen^ 



Zeitgemäßes über Krieg und Tod ji 

wärtigen Kulturmilieus, sondern unterliegt auch dem Einflüsse der 
Kulturgeschichte seiner Vorfahren. 

Heißen wir die einem Menschen zukommende Fähigkeit zur 
Umbildung der egoistischen Triebe unter dem Einflüsse der Erotik 
seine Kultureignung, so können wir aussagen, daß dieselbe aus 
zwei Anteilen besteht, einem angeborenen und einem im Leben 
erworbenen, und daß das Verhältnis der beiden zueinander und 
zu dem unverwandelt gebliebenen Anteile des Trieblebens ein sehr 
variables ist. 

Im allgemeinen sind wir geneigt, den angeborenen Anteil 
zu hoch zu veranschlagen, und überdies laufen wir Gefahr, 
die gesamte Kultureignung in ihrem Verhältnisse zum primitiv 
gebliebenen Triebleben zu überschätzen, d. h. wir werden dazu 
verleitet, die Menschen „besser" zu beurteilen, als sie in Wirk- 
lichkeit sind. Es besteht nämlich noch ein anderes Moment, 
welches unser Urteil trübt und das Ergebnis im günstigen Sinne 
verfälscht. 

Die Triebregungen eines anderen Menschen sind unserer Wahr- 
nehmung natürlich entrückt. Wir schließen auf sie aus seinen Hand- 
lungen und seinem Benehmen, welche wir auf Motive aus seinem 
Triebleben zurückführen. Ein solcher Schluß geht notwendigerweise 
in einer Anzahl von Fällen irre. Die nämlichen, kulturell „guten 
Handlungen können das einemal von „edlen' Motiven her- 
stammen, das anderemal nicht. Die theoretischen Ethiker heißen 
nur solche Handlungen „gut", welche der Ausdruck guter Trieb- 
regungen sind, den anderen versagen sie ihre Anerkennung. Die 
von praktischen Absichten geleitete Gesellschaft kümmert sich aber 
im ganzen um diese Unterscheidung nicht; sie begnügt sich 
damit, daß ein Mensch sein Benehmen und seine Handlungen 
nach den kulturellen Vorschriften richte, und fragt wenig nach 
seinen Motiven. 

Wir haben gehört, daß der äußere Zwang, den Erziehung 
und Umgebung auf den Menschen üben, eine weitere Umbildung 



14 



Sigm. Freud 



seines Trieblebens zum Guten, eine Wendung vom Egoismus zum 
Altruismus herbeiführt. Aber dies ist nicht die notwendige oder 
regelmäßige Wirkung des äußeren Zwanges. Erziehung und Um- 
gebung haben nicht nur Liebesprämien anzubieten, sondern 
arbeiten auch mit Vorteilsprämien anderer Art, mit Lohn und 
Strafen. Sie können also die Wirkung äußern, daß der ihrem 
Einflüsse Unterliegende sich zum guten Handeln im kulturellen 
Sinne entschließt, ohne daß sich eine Triebveredlung, eine Um- 
setzung egoistischer in soziale Neigungen, in ihm vollzogen hat. 
Der Erfolg wird im groben derselbe sein 5 erst unter besonderen 
Verhältnissen wird es sich zeigen, daß der eine immer gut handelt, 
weil ihn seine Triebneigungen dazu nötigen, der andere nur gut 
ist, weil, insolange und insoweit dies kulturelle Verhalten seinen, 
eigensüchtigen Absichten Vorteile bringt. Wir aber werden bei 
oberflächlicher Bekanntschaft mit den Einzelnen kein Mittel haben, 
die beiden Fälle zu unterscheiden, und gewiß durch unseren 
Optimismus verführt werden, die Anzahl der kulturell veränderten 
Menschen arg zu überschätzen. 

Die Kulturgesellschaft, die die gute Handlung fordert, und sich 
um die Triebbegründung derselben nicht kümmert, hat also eine 
große Zahl von Menschen zum Kulturgehorsam gewonnen, die 
dabei nicht ihrer Natur folgen. Durch diesen Erfolg ermutigt, hat 
sie sich verleiten lassen, die sittlichen Anforderungen möglichst 
hoch zu spannen und so ihre Teilnehmer zu noch weiterer Ent- 
fernung von ihrer Triebveranlagung gezwungen. Diesen ist nun 
eine fortgesetzte Triebunterdrückung auferlegt, deren Spannung 
sich in den merkwürdigsten Reaktions- und Kompensations- 
erscheinungen kundgibt. Auf dem Gebiete der Sexualität, wo 
solche Unterdrückung am wenigsten durchzuführen ist, kommt es 
so zu den Reaktioriserscheinungen der neurotischen Erkrankungen. 
Der sonstige Druck der Kultur zeitigt zwar keine pathologische 
Folgen, äußert sich aber in Charakterverbildungen und in der 
steten Bereitschaft der gehemmten Triebe, bei passender Gelegen- 



Zeitgemäßes über Krieg und Tod 



15 



heit zur Befriedigung durchzubrechen. Wer so genötigt wird, 
dauernd im Sinne von Vorschriften zu reagieren, die nicht der 
Ausdruck seiner Triebneigungen sind, der lebt, psychologisch ver- 
standen, über seine Mittel und darf objektiv als Heuchler bezeichnet 
werden, gleichgültig ob ihm diese Differenz klar bewußt worden 
ist oder nicht. Es ist unleugbar, daß unsere gegenwärtige Kultur 
die Ausbildung dieser Art von Heuchelei in außerordentlichem 
Umfange begünstigt. Man könnte die Behauptung wagen, sie sei 
auf solcher Heuchelei aufgebaut und müßte sich tiefgreifende 
Abänderungen gefallen lassen, wenn es die Menschen unternehmen 
würden, der psychologischen Wahrheit nachzuleben. Es gibt also 
ungleich mehr Kulturheuchler als wirklich kulturelle Menschen, ja 
man kann den Standpunkt diskutieren, ob ein gewisses Maß von 
Kulturheuchelei nicht zur Aufrechterhaltung der Kultur unerläßlich 
sei, weil die bereits organisierte Kultureignung der heute lebenden 
Menschen vielleicht für diese Leistung nicht zureichen würde. 
Anderseits bietet die Aufrechterhaltung der Kultur auch auf so 
bedenklicher Grundlage die Aussicht, bei jeder neuen Generation 
eine weitergehende Triebumbildung als Trägerin einer besseren 
Kultur anzubahnen. 

Den bisherigen Erörterungen entnehmen wir bereits den einen 
Trost, daß unsere Kränkung und schmerzliche Enttäuschung wegen 
des unkulturellen Benehmens unserer Weltmitbürger in diesem 
Kriege unberechtigt waren. Sie beruhten auf einer Illusion, der 
wir uns gefangen gaben. In Wirklichkeit sind sie nicht so tief 
gesunken, wie wir fürchten, weil sie gar nicht so hoch gestiegen 
waren, wie wirs von ihnen glaubten. Daß die menschlichen Groß- 
individuen, die Völker und Staaten, die sittlichen Beschränkungen 
gegeneinander fallen ließen, wurde ihnen zur begreiflichen An- 
regung, sich für eine Weile dem bestehenden Drucke der Kultur 
zu entziehen und ihren zurückgehaltenen Trieben vorübergehend 
Befriedigung zu gönnen. Dabei geschah ihrer relativen Sittlichkeit 
innerhalb ihres Volkstumes wahrscheinlich kein Abbruch. 



Wir können uns aber das Verständnis der Veränderung, die der 
Krieg an unseren früheren Kompatrioten zeigt, noch vertiefen und 
empfangen dabei eine Warnung, kein Unrecht an ihnen zu 
begehen. Seelische Entwicklungen besitzen nämlich eine Eigen- 
tümlichkeit, welche sich bei keinem anderen Entwicklungsvorgang 
mehr vorfindet. Wenn ein Dorf zur Stadt, ein Kind zum Manne 
heranwächst, so gehen dabei Dorf und Kind in Stadt und Mann 
unter. Nur die Erinnerung kann die alten Züge in das neue Bild 
einzeichnen 5 in Wirklichkeit sind die alten Materialien oder 
Formen beseitigt und durch neue ersetzt worden. Anders geht es 
bei einer seelischen Entwicklung zu. Man kann den nicht zu ver- 
gleichenden Sachverhalt nicht anders beschreiben als durch die 
Behauptung, daß jede frühere Entwicklungsstufe neben der späteren, 
die aus ihr geworden ist, erhalten bleibt; die Sukzession bedingt 
eine Koexistenz mit, obwohl es doch dieselben Materialien sind, 
an denen die ganze Reihenfolge von Veränderungen abgelaufen 
ist. Der frühere seelische Zustand mag sich jahrelang nicht 
geäußert haben, er bleibt doch soweit bestehen, daß er eines 
Tages wiederum die Äußerungsform der seelischen Kräfte werden 
kann, und zwar die einzige, als ob alle späteren Entwicklungen 
annulliert, rückgängig gemacht worden wären. Diese außerordent 
liehe Plastizität der seelischen Entwicklungen ist in ihrer Richtung 
nicht unbeschränkt; man kann sie als eine besondere Fähigkei 
zur Rückbildung — Regression — bezeichnen, denn es kommt 
wohl vor, daß eine spätere und höhere Entwicklungsstufe, die 
verlassen wurde, nicht wieder erreicht werden kann. Aber die 
primitiven Zustände können immer wieder hergestellt werden; 
das primitive Seelische ist im vollsten Sinne unvergänglich. 

Die sogenannten Geisteskrankheiten müssen beim Laien den 
Eindruck hervorrufen, daß das Geistes- und Seelenleben der Zer- 
störung anheimgefallen sei. In Wirklichkeit betrifft die Zerstörung 
nur spätere Erwerbungen und Entwicklungen. Das Wesen der 
Geisteskrankheit besteht in der Rückkehr zu früheren Zuständen 



Zeitgemäßes über Krieg und Tod 17 



des Affektlebens und der Funktion. Ein ausgezeichnetes Beispiel 
für die Plastizität des Seelenlebens gibt der Schlafzustand, den wir 
allnächtlich anstreben. Seitdem wir auch tolle und verworrene 
Träume zu übersetzen verstehen, wissen wir, daß wir mit jedem 
Einschlafen unsere mühsam erworbene Sittlichkeit wie ein Gewand 
von uns werfen — um es am Morgen wieder anzutun. Diese 
Entblößung ist natürlich ungefährlich, weil wir durch den Schlaf- 
zustand gelähmt, zur Inaktivität verurteilt sind. Nur der Traum 
kann von der Regression unseres Gefühllebens auf eine der frü- 
hesten Entwicklungsstufen Kunde geben. So ist es z. B. bemer- 
kenswert, daß alle unsere Träume von rein egoistischen Motiven 
beherrscht werden. Einer meiner englischen Freunde vertrat diesen 
Satz vor einer wissenschaftlichen Versammlung in Amerika, wor- 
auf ihm eine anwesende Dame die Bemerkung machte, das möge 
vielleicht für Österreich richtig sein, aber sie dürfe von sich und 
ihren Freunden behaupten, daß sie auch noch im Traume al- 
truistisch fühlen. Mein Freund, obwohl selbst ein Angehöriger der 
englischen Rasse, mußte auf Grund seiner eigenen Erfahrungen 
in der Traumanalyse der Dame energisch widersprechen: Im 
Traume sei auch die edle Amerikanerin ebenso egoistisch wie der 
Österreicher. 

Es kann also auch die Triebumbildung, auf welcher unsere Kultur- 
eignung beruht, durch Einwirkungen des Lebens — dauernd oder 
zeitweilig — rückgängig gemacht werden. Ohne Zweifel gehören 
die Einflüsse des Krieges zu den Mächten, welche solche Rück- 
bildung erzeugen können, und darum brauchen wir nicht allen 
jenen, die sich gegenwärtig unkulturell benehmen, die Kultur- 
eignung abzusprechen, und dürfen erwarten, daß sich ihre Trieb- 
veredlung in ruhigeren Zeiten wieder herstellen wird. 

Vielleicht hat uns aber ein anderes Symptom bei unseren Welt- 
mitbürgern nicht weniger überrascht und geschreckt als das so 
schmerzlich empfundene Herabsinken von ihrer ethischen Höhe. 
Ich meine die Einsichtslosigkeit, die sich bei den besten Köpfen 

Freud, Krieg und Tod. 



j8 Sigm. Freud 



zeigt, ihre Verstocktheit, Unzugänglichkeit gegen die eindringlich^ 
sten Argumente, ihre kritiklose Leichtgläubigkeit für die anfecht- 
barsten Behauptungen. Dies ergibt freilich ein trauriges Bild, und 
ich will ausdrücklich betonen, daß ich keineswegs als verblendeter 
Parteigänger alle intellektuellen Verfehlungen nur auf einer der 
beiden Seiten finde. Allein diese Erscheinung ist noch leichter zi* 
erklären und weit weniger bedenklich als die vorhin gewürdigte. 
Menschenkenner und Philosophen haben uns längst belehrt, daß 
wir Unrecht daran tun, unsere Intelligenz als selbständige Macht 
zu schätzen und ihre Abhängigkeit vom Gefühlsleben zu über- 
sehen. Unser Intellekt könne nur verläßlich arbeiten, wenn er 
den Einwirkungen starker Gefühlsregungen entrückt sei ; im gegen- 
teiligen Falle benehme er sich einfach wie ein Instrument zn 
Händen eines Willens und liefere das Resultat, das ihm von diesem 
aufgetragen sei. Logische Argumente seien also ohnmächtig gegen 
affektive Interessen, und darum sei das Streiten mit Gründen, 
[die nach Falstaffs Wort so gemein sind wie Brombeeren, in der 
Welt der Interessen so unfruchtbar. Die psychoanalytische Erfah- 
rung hat diese Behauptung womöglich noch unterstrichen. Sie 
kann alle Tage zeigen, daß sich die scharfsinnigsten Menschen 
plötzlich einsichtslos wie Schwachsinnige benehmen, sobald die? 
verlangte Einsicht einem Gefühlswiderstand bei ihnen begegnet, 
aber auch alles Verständnis wieder erlangen, wenn dieser Wider- 
stand überwunden ist. Die logische Verblendung, die dieser Krieg 
oft gerade bei den besten unserer Mitbürger hervorgezaubert hat, 
ist also ein sekundäres Phänomen, eine Folge der Gefühlserregung, 
und hoffentlich dazu bestimmt, mit ihr zu verschwinden. 

Wenn wir solcher Art unsere uns entfremdeten Mitbürge 
wieder verstehen, werden wir die Enttäuschung, die uns die Groß- 
individuen der Menschheit, die Völker, bereitet haben, um vieles 
leichter ertragen, denn an diese dürfen wir nur weit bescheidenere 
Ansprüche stellen. Dieselben wiederholen vielleicht die Entwick- 
lung der Individuen und treten uns heute noch auf sehr primi- 



Zeitgemäßes über Kr ieg und Tod ig 

tiven Stufen der Organisation, der Bildung höherer Einheiten, 
entgegen. Dementsprechend ist das erziehliche Moment des äußeren 
Zwanges zur Sittlichkeit, welches wir beim Einzelnen so wirksam 
fanden, bei ihnen noch kaum nachweisbar. Wir hatten zwar ge- 
hofft, daß die großartige, durch Verkehr und Produktion her- 
gestellte Interessengemeinschaft den Anfang eines solchen Zwanges 
ergeben werde, allein es scheint, die Völker gehorchen ihren 
Leidenschaften derzeit weit mehr als ihren Interessen. Sie bedienen 
sich höchstens der Interessen, um die Leidenschaften zu ratio- 
nalisieren; sie schieben ihre Interessen vor, um die Befriedigung 
ihrer Leidenschaften begründen zu können. Warum die Völker- 
individuen einander eigentlich geringschätzen, hassen, verabscheuen, 
und zwar auch in Friedenszeiten, und jede Nation die andere, 
das ist freilich rätselhaft. Ich weiß es nicht zu sagen. Eis ist in 
diesem Falle gerade so, als ob sich alle sittlichen Erwerbungen 
der Einzelnen auslöschten, wenn man eine Mehrheit oder gar 
Millionen Menschen zusammennimmt, und nur die primitivsten, 
ältesten und rohesten, seelischen Einstellungen übrig blieben. An 
diesen bedauerlichen Verhältnissen werden vielleicht erst späte 
Entwicklungen etwas ändern können. Aber etwas mehr Wahr- 
haftigkeit und Aufrichtigkeit allerseits, in den Beziehungen der 
Menschen zueinander und zwischen ihnen und den sie Regieren- 
den, dürfte auch für diese Umwandlung die Wege ebnen. 






II 

UNSER VERHÄLTNIS ZUM TODE 

Das zweite Moment, von dem ich es ableite, daß wir uns so 
befremdet fühlen in dieser einst so schönen und trauten Welt, 
ist die Störung des bisher von uns festgehaltenen Verhältnisses zum 

Tode. 

Dies Verhältnis war kein aufrichtiges. Wenn man uns anhörte, 
so waren wir natürlich bereit zu vertreten, daß der Tod der not- 
wendige Ausgang alles Lebens sei, daß jeder von uns der Natnr 
einen Tod schulde und vorbereitet sein müsse, die Schuld zu be- 
zahlen, kurz, daß der Tod natürlich sei, unableugbar und unver- 
meidlich. In Wirklichkeit pflegten wir uns aber zu benehmen, 
als ob es anders wäre. Wir haben die unverkennbare Tendenz 
gezeigt, den Tod beiseite zu schieben, ihn aus dem Leben zu 
eliminieren. Wir haben versucht, ihn totzuschweigen ; wir besitzen 
ja auch das Sprichwort: man denke an etwas wie an den Tod. 
Wie an den eigenen natürlich. Der eigene Tod ist ja auch un- 
vorstellbar, und so oft wir den Versuch dazu machen, können wir 
bemerken, daß wir eigentlich als Zuschauer weiter dabei bleiben. 
So konnte in der psychoanalytischen Schule der Ausspruch gewagt 
werden: Im Grunde glaube niemand an seinen eigenen Tod oder, 
was dasselbe ist: Im Unbewußten sei jeder von uns von seiner 
Unsterblichkeit überzeugt. 



Zeitgemäßes über Krieg und Tod 21 



Was den Tod eines anderen betrifft, so wird der Kulturmensch 
es sorgfältig vermeiden, von dieser Möglichkeit zu sprechen, wenn 
der zum Tode Bestimmte es hören kann. Nur Kinder setzen sich 
über diese Beschränkung hinweg; sie drohen einander ungescheut 
mit den Chancen des Sterbens und bringen es auch zustande, 
einer geliebten Person dergleichen ins Gesicht zu sagen, wie z. B.: 
Liebe Mama, wenn du leider gestorben sein wirst, werde ich 
dies oder jenes. Der erwachsene Kultivierte wird den Tod eines 
anderen auch nicht gern in seine Gedanken einsetzen, ohne sich 
hart oder böse zu erscheinen; es sei denn, daß er berufsmäßig 
als Arzt, Advokat u. dgl. mit dem Tode zu tun habe. Am wenig- 
sten wird er sich gestatten, an den Tod des anderen zu denken, 
wenn mit diesem Ereignis ein Gewinn an Freiheit, Besitz, Stellung 
verbunden ist. Natürlich lassen sich Todesfälle durch dies unser 
Zartgefühl nicht zurückhalten; wenn sie sich ereignet haben, sind 
wir jedesmal tief ergriffen und wie in unseren Erwartungen er- 
schüttert. Wir betonen regelmäßig die zufällige Veranlassung des 
Todes, den Unfall, die Erkrankung, die Infektion, das hohe Alter, 
und verraten so unser Bestreben, den Tod von einer Notwendig- 
keit zu einer Zufälligkeit herabzudrücken. Eine Häufung von 
Todesfällen erscheint uns als etwas überaus Schreckliches. Dem 
Verstorbenen selbst bringen wir ein besonderes Verhalten ent- 
gegen, fast wie eine Bewunderung für einen, der etwas sehr 
Schwieriges zustande gebracht hat. Wir stellen die Kritik gegen 
ihn ein, sehen ihm sein etwaiges Unrecht nach, geben den 
Befehl aus: de mortuis nü nisi bene, und finden es gerecht- 
fertigt, daß man ihm in der Leichenrede und auf dem Grab- 
steine das Vorteilhafteste nachrühmt. Die Rücksicht auf den 
Toten, deren er doch nicht mehr bedarf, steht uns über der 
Wahrheit, den meisten von uns gewiß auch über der Rücksicht 
für den Lebenden. 

Diese kulturell-konventionelle Einstellung gegen den Tod ergänzt 
sich nun durch unseren völligen Zusammenbruch, wenn das Sterben 






22 Sigm. Freud 






eine der uns nahestehenden Personen, einen Eltern- oder Gatten- 
teil, ein Geschwister, Kind oder teuren Freund getroffen hat. Wir 
begraben mit ihm unsere Hoffnungen, Ansprüche, Genüsse, lassen 
uns nicht trösten und weigern uns, den Verlorenen zu ersetzen. 
Wir benehmen uns dann wie eine Art von Asra, welche mit- 
sterben, wenn die sterben, die sie lieben. 

Dies unser Verhältnis zum Tode hat aber eine starke Wirkung 
auf unser Leben. Das Leben verarmt, es verliert an Interesse, 
wenn der höchste Einsatz in den Lebensspielen, eben das Leben 
selbst nicht gewagt werden darf. Es wird so schal, gehaltlos wie 
etwa ein amerikanischer Flirt, bei dem es von vornherein fest- 
steht, daß nichts vorfallen darf, zum Unterschied von einer kon- 
tinentalen Liebesbeziehung, bei welcher beide Partner stets der 
ernsten Konsequenzen eingedenk bleiben müssen. Unsere Gefühls- 
bindungen, die unerträgliche Intensität unserer Trauer, machen 
uns abgeneigt, für uns und die unseligen Gefahren aufzusuchen. 
Wir getrauen uns nicht, eine Anzahl von Unternehmungen in 
Betracht zu ziehen, die gefährlich, aber eigentlich unerläßlich sind 
wie Flugversuche, Expeditionen in ferne Länder, Experimente mit 
explodierbaren Substanzen. Uns lähmt dabei das Bedenken, wer 
der Mutter den Sohn, der Gattin den Mann, den Kindern den 
Vater ersetzen soll, wenn ein Unglück geschieht. Die Neigung, 
den Tod aus der Lebensrechnung auszuschließen, hat so viele . 
andere Verzichte und Ausschließungen im Gefolge. Und doch hat 
der Wahlspruch der Hansa gelautet: Navigare necesse est, vivere. 
non 'necesse! Seefahren muß man, leben muß man nicht. 

Es kann dann nicht anders kommen, als daß wir in der Welt 
der Fiktion, in der Literatur, im Theater Ersatz suchen für die 
Einbuße des Lebens. Dort finden wir noch Menschen, die zu 
sterben verstehen, ja, die es auch zustande bringen, einen anderen 
zu töten. Dort allein erfüllt sich uns auch die Bedingung, unter 
welcher wir uns mit dem Tode versöhnen könnten, wenn wir. 
nämlich hinter allen Wechselfällen des Lebens noch ein unantast- 






. Zeitgemäßes über Krieg und Tod 2 a 

bares Leben übrig behielten. Es ist doch zu traurig, daß es im 
Leben zugehen kann wie im Schachspiel, wo ein falscher Zug 
uns zwingen kann, die Partie verloren zu geben, mit dem Unter- 
schiede aber, daß wir keine zweite, keine Revanchepartie beginnen 
können. Auf dem Gebiete der Fiktion finden wir jene Mehrheit 
von Leben, deren wir bedürfen. Wir sterben in der Identifizierung 
mit dem einen Helden, überleben ihn aber doch und sind bereit, 
ebenso ungeschädigt ein zweites Mal mit einem anderen Helden 
zu sterben. 

Es ist evident, daß der Krieg diese konventionelle Behandlung 
des Todes hinwegfegen muß. Der Tod läßt sich jetzt nicht mehr 
verleugnen; man muß an ihn glauben. Die Menschen sterben 
wirklich, auch nicht mehr einzeln, sondern viele, oft Zehntausende 
an einem Tage. Es ist auch kein Zufall mehr. Es scheint freilich 
noch zufällig, ob diese Kugel den einen trifft oder den anderen; 
aber diesen anderen mag leicht eine zweite Kugel treffen, die 
Häufung macht dem Eindruck des Zufälligen ein Ende. Das Leben 
ist freilich wieder interessant geworden, es. hat seinen vollen In- 
halt wieder bekommen. 

Man müßte hier eine Scheidung in zwei Gruppen vornehmen, 
diejenigen, die selbst im Kampfe ihr Leben preisgeben, trennen 
von den anderen, die zu Hause geblieben sind und nur zu er- 
warten haben, einen ihrer Lieben an den Tod durch Verletzung, 
Krankheit oder Infektion zu verlieren. Es wäre gewiß sehr inter- 
essant, die Veränderungen in der Psychologie der Kämpfer zu 
studieren, aber ich weiß zu wenig darüber. Wir müssen uns an 
die zweite Gruppe halten, zu der wir selbst gehören. Ich 
sagte schon, daß ich meine, die Verwirrung und die Läh- 
mung unserer Leistungsfähigkeit, unter denen wir leiden, seien 
wesentlich mitbestimmt durch den Umstand, daß wir unser bis- 
heriges Verhältnis zum Tode nicht aufrecht halten können und 
ein neues noch nicht gefunden haben. Vielleicht hilft es uns dazu, 
wenn wir unsere psychologische Untersuchung auf zwei andere 



24 Sigm. Freud 






Beziehungen zum Tode richten, auf jene, die wir dem Ur- 
menschen, dem Menschen der Vorzeit, zuschreiben dürfen, und 
jene andere, die in jedem von uns noch erhalten ist, aber sich 
unsichtbar für unser Bewußtsein in tieferen Schichten unseres 
Seelenlebens verbirgt. 

Wie sich der Mensch der Vorzeit gegen den Tod verhalten, 
wissen wir natürlich nur durch Rückschlüsse und Konstruktionen, 
aber ich meine, daß diese Mittel uns ziemlich vertrauenswürdige 
Auskünfte ergeben haben. 

Der Urmensch hat sich in sehr merkwürdiger Weise zum Tode 
eingestellt. Gar nicht einheitlich, vielmehr recht widerspruchsvoll. 
Er hat einerseits den Tod ernst genommen, ihn als Aufhebung 
des Lebens anerkannt und sich seiner in diesem Sinne bedient, 
anderseits aber auch den Tod geleugnet, ihn zu nichts herabge- 
drückt. Dieser Widerspruch wurde durch den Umstand ermög- 
licht, daß er zum Tode des anderen, des Fremden, des Feindes, 
eine radikal andere Stellung einnahm als zu seinem eigenen. Der 
Tod des anderen war ihm recht, galt ihm als Vernichtung des 
Verhaßten, und der Urmensch kannte kein Bedenken, ihn herbei- 
zuführen. Er war gewiß ein sehr leidenschaftliches Wesen, grau- 
samer und bösartiger als andere Tiere. Er mordete gerne und 
wie selbstverständlich. Den Instinkt, der andere Tiere davon ab- 
halten soll, Wesen der gleichen Art zu töten und zu verzehren, 
brauchen wir ihm nicht zuzuschreiben. 

Die Urgeschichte der Menschheit ist denn auch vom Morde 
erfüllt. Noch heute ist das, was unsere Kinder in der Schule als ' 
Weltgeschichte lernen, im wesentlichen eine Reihenfolge von 
Völkermorden. Das dunkle Schuldgefühl, unter dem die Mensch- 
heit seit Urzeiten steht, das sich in manchen Religionen zur An- 
nahme einer Urschuld, einer Erbsünde, verdichtet hat, ist wahr- 
scheinlich der Ausdruck einer Blutschuld, mit welcher sich die 
urzeitliche Menschheit beladen hat. Ich habe in meinem Buche 
„Totem und Tabu" (1915), den Winken von W. Robertson 



Smith, Atkinson und Ch. Darwin folgend, die Natur dieser 
alten Schuld erraten wollen, und meine, daß noch die heutige 
christliche Lehre uns den Rückschluß auf sie ermöglicht. Wenn 
Gottes Sohn sein Leben opfern mußte, um die Menschheit von 
der Erbsünde zu erlösen, so muß nach der Regel der Talion, der 
Vergeltung durch Gleiches, diese Sünde eine Tötung, ein Mord 
gewesen sein. Nur dies konnte zu seiner Sühne das Opfer eines 
Lebens erfordern. Und wenn die Erbsünde ein Verschulden gegen 
Gott- Vater war, so muß das älteste Verbrechen der Menschheit 
ein Vatermord gewesen sein, die Tötung des Urvaters der primi- 
tiven Menschenhorde, dessen Erinnerungsbild später zur Gottheit 
verklärt wurde. 1 

Der eigene Tod war dem Urmenschen gewiß ebenso unvor- 
stellbar und unwirklich, wie heute noch jedem von uns. Es ergab 
sich aber für ihn ein Fall, in dem die beiden gegensätzlichen 
Einstellungen zum Tode zusammenstießen und in Konflikt mit- 
einander gerieten, und dieser Fall wurde sehr bedeutsam und 
reich an fernwirkenden Folgen. Er ereignete sich, wenn der Ur- 
mensch einen seiner Angehörigen sterben sah, sein Weib, sein 
Kind, seinen Freund, die er sicherlich ähnlich liebte wie wir die 
unseren, denn die Liebe kann nicht um vieles jünger sein als 
die Mordlust. Da mußte er in seinem Schmerz die Erfahrung 
machen, daß man auch selbst sterben könne, und sein ganzes 
Wesen empörte sich gegen dieses Zugeständnis; jeder dieser 
Lieben war ja doch ein Stück seines eigenen geliebten Ichs. 
Anderseits war ihm ein solcher Tod doch auch recht, denn in 
jeder der geliebten Personen stak auch ein Stück Fremdheit. Das 
Gesetz der Gefühlsambivalenz, das heute noch unsere Gefühls- 
beziehungen zu den von uns geliebtesten Personen beherrscht, 
galt in Urzeiten gewiß noch uneingeschränkter. Somit waren 
diese geliebten Verstorbenen doch auch Fremde und Feinde ge- 

1) Vgl. „Die infantile Wiederkehr des Totemismus" (die letzte Abhandlung in 
„Totem und Tabu"). 



26 



Sigm. Freud 



wesen, die einen Anteil von feindseligen Gefühlen bei ihm her- 
vorgerufen hatten. 1 

Die Philosophen haben behauptet, das intellektuelle Rätsel, 
welches das Bild des Todes dem Urmenschen aufgab, habe sein 
Nachdenken erzwungen und sei der Ausgang jeder Spekulation 
geworden. Ich glaube, die Philosophen denken da zu — philo- 
sophisch, nehmen zu wenig Rücksicht auf die primär wirksamen 
Motive. Ich möchte darum die obige Behauptung einschränken 
und korrigieren: an der Leiche des erschlagenen Feindes wird 
der Urmensch triumphiert haben, ohne einen Anlaß zu finden, 
sich den Kopf über die Rätsel des Lebens und Todes zu zer- 
brechen. Nicht das intellektuelle Rätsel und nicht jeder Todesfall, 
sondern der Gefühlskonflikt beim Tode geliebter und dabei doch 
auch fremder und gehaßter Personen hat die Forschung der Men- 
schen entbunden. Aus diesem Gefühlskonflikt wurde zunächst die 
Psychologie geboren. Der Mensch konnte den Tod nicht mehr 
von sich ferne halten, da er ihn in dem Schmerz um den Ver- 
storbenen verkostet hatte, aber er wollte ihn doch nicht zuge- 
stehen, da er sich selbst nicht tot vorstellen konnte. So ließ er 
sich auf Kompromisse ein, gab den Tod auch für sich zu, bestritt 
ihm aber die Bedeutung der Lebensvernichtung, wofür ihm beim 
Tode des Feindes jedes Motiv gefehlt hatte. An der Leiche der 
geliebten Person ersann er die Geister, und sein Schuldbewußt- 
sein ob der Befriedigung, die der Trauer beigemengt war, be- 
wirkte, daß diese erstgeschaffenen Geister böse Dämonen wurden, 
vor denen man sich ängstigen mußte. Die Veränderungen des 
Todes legten ihm die Zerlegung des Individuums in einen Leib 
und in eine — ursprünglich mehrere — Seelen nahe; in solcher 
Weise ging sein Gedankengang dem Zersetzungsprozeß, den der 
Tod einleitet, parallel. Die fortdauernde Erinnerung an den Ver- 
storbenen wurde die Grundlage der Annahme anderer Existenz- 



l) Siehe „Tabu und Ambivalenz" (die zweite Abhandlung in „Totem und Tabu"), 



Zeitgemäßes über Krieg und Tod 27 



formen, gab ihm die Idee eines Fortlebens nach dem anschei- 
nenden Tode. 

Diese späteren Existenzen waren anfänglich nur Anhängsel an 
die durch den Tod abgeschlossene, schattenhaft, inhaltsleer und 
bis in späte Zeiten hinauf geringgeschätzt; sie trugen noch den 
Charakter kümmerlicher Auskünfte. Wir erinnern, was die Seele 
des Achilleus dem Odysseus erwidert: 

Denn dich Lebenden einst verehrten wir, gleich den Göttern, 
Argos Söhn'; und jetzo gebietest du mächtig den Geistern, 
Wohnend allhier. Drum laß dich den Tod nicht reuen, Achilleus. 
Also ich selbst; und sogleich antwortet' er, solches erwidernd: 
Nicht mir rede vom Tod ein Trostwort, edler Odysseus! 
Lieber ja wollt' ich das Feld als Tagelöhner bestellen 
Einem dürftigen Mann, ohn' Erb' und eigenen Wohlstand, 
Als die sämtliche Schar der geschwundenen Toten beherrschen. 

(Odyssee XI v. 484 — 491.) 

Oder in der kraftvollen, bitter-parodistischen Fassung von H. Heine: 

Der kleinste lebendige Philister 

Zu Stuckert am Neckar 

Viel glücklicher ist er 

Als ich, der Pelide, der tote Held, 

Der Schattenfürst in der Unterwelt. 

Erst später brachten es die Religionen zustande, diese Nach- 
existenz für die wertvollere, vollgültige auszugeben und das durch 
den Tod abgeschlossene Leben zu einer bloßen Vorbereitung herab- 
zudrücken. Es war dann nur konsequent, wenn man auch das 
Leben in die Vergangenheit verlängerte, die früheren Existenzen, 
die Seelenwanderung und Wiedergeburt ersann, alles in der Ab- 
sicht, dem Tode seine Bedeutung als Aufhebung des Lebens zu 
rauben. So frühzeitig hat die Verleugnung des Todes, die wir 
als konventionell-kulturell bezeichnet haben, ihren Anfang ge- 
nommen. 

An der Leiche der geliebten Person entstanden nicht nur die 
Seelenlehre, der Unsterblichkeitsglaube und eine mächtige Wurzel 



L_ 



28 Sigm. Freud 






des menschlichen Schuldbewußtseins, sondern auch die ersten 
ethischen Gebote. Das erste und bedeutsamste Verbot des er- 
wachenden Gewissens lautete: Du sollst nicht töten. Es war 
als Reaktion gegen die hinter der Trauer versteckte Haßbefriedigung- 
am geliebten Toten gewonnen worden und wurde allmählich auf 
den ungeliebten Fremden und endlich auch auf den Feind aus- 
gedehnt. 

An letzterer Stelle wird es vom Kulturmenschen nicht mehr 
verspürt. Wenn das wilde Ringen dieses Krieges seine Entschei- 
dung gefunden hat, wird jeder der siegreichen Kämpfer froh i n 
sein Heim zurückkehren, zu seinem Weibe und Kindern, unver- 
weilt und ungestört durch Gedanken an die Feinde, die er im 
Nahkampfe oder durch die fernwirkende Waffe getötet hat. E s 
ist bemerkenswert, daß sich die primitiven Völker, die noch auf 
der Erde leben und dem Urmenschen gewiß näher stehen als 
wir, in diesem Punkte anders verhalten — oder verhalten haben 
solange sie noch nicht den Einfluß unserer Kultur erfahren hatten. 



Der Wilde Australier, Buschmann, Feuerländer ist keines- 

wegs ein reueloser Mörder; wenn er als Sieger vom Kriegspfade 
heimkehrt, darf er sein Dorf nicht betreten und sein Weib nicht 
berühren, ehe er seine kriegerischen Mordtaten durch oft lang- 
wierige und mühselige Bußen gesühnt hat. Natürlich liegt die 
Erklärung aus seinem Aberglauben nahe; der Wilde fürchtet noch 
die Geisterrache der Erschlagenen. Aber die Geister der erschla- 
genen Feinde sind nichts anderes als der Ausdruck seines bösei 
Gewissens ob seiner Blutschuld; hinter diesem Aberglauben ver- 
birgt sich ein Stück ethischer Feinfühligkeit, welches uns Kultur- 
menschen verloren gegangen ist. 1 

Fromme Seelen, welche unser Wesen gerne von der Berührung 
mit Bösem und Gemeinem ferne wissen möchten, werden gewiß 
nicht versäumen, aus der Frühzeitigkeit und Eindringlichkeit des 



1) Siehe „Totem und Tabu". 






Zeitgemäßes über Krieg und Tod 29 



Mordverbotes befriedigende Schlüsse zu ziehen auf die Stärke 
ethischer Regungen, welche uns eingepflanzt sein müssen. Leider 
beweist dieses Argument noch mehr für das Gegenteil. Ein so 
starkes Verbot kann sich nur gegen einen ebenso starken Impuls 
richten. Was keines Menschen Seele begehrt, braucht man nicht 
zu verbieten, 1 es schließt sich von selbst aus. Gerade die Betonung 
des Gebotes: Du sollst nicht töten, macht uns sicher, daß wir 
von einer unendlich langen Generationsreihe von Mördern ab- 
stammen, denen die Mordlust, wie vielleicht noch uns selbst, im 
Blute lag. Die ethischen Strebungen der Menschheit, an deren 
Stärke und Bedeutsamkeit man nicht zu nörgeln braucht, sind 
ein Erwerb der Menschengeschichte 5 in leider sehr wechselndem 
Ausmaße sind sie dann zum ererbten Besitze der heute lebenden 
Menschheit geworden. 

Verlassen wir nun den Urmenschen und wenden wir uns dem 
Unbewußten im eigenen Seelenleben zu. Wir fußen hier ganz 
auf der Untersuchungsmethode der Psychoanalyse, der einzigen, 
die in solche Tiefen reicht. Wir fragen: wie verhält sich unser 
Unbewußtes zum Problem des Todes? Die Antwort muß lauten: 
fast genau so wie der Urmensch. In dieser wie in vielen anderen 
Hinsichten lebt der Mensch der Vorzeit ungeändert in unserem 
Unbewußten fort. Also unser Unbewußtes glaubt nicht an den 
eigenen Tod, es gebärdet sich wie unsterblich. Was wir unser 
„Unbewußtes" heißen, die tiefsten, aus Triebregungen bestehenden 
Schichten unserer Seele, kennt überhaupt nichts Negatives, keine 
Verneinung — Gegensätze fallen in ihm zusammen — und kennt 
darum auch nicht den eigenen Tod, dem wir nur einen nega- 
tiven Inhalt geben können. Dem Todesglauben kommt also nichts 
Triebhaftes in uns entgegen. Vielleicht ist dies sogar das Geheimnis 
des Heldentums. Die rationelle Begründung des Heldentums ruht 
auf dem Urteile, daß das eigene Leben nicht so wertvoll sein 



Vgl. die glänzende Argumentation von Frazer (Freud, „Totem und Tabu" - ). 



jo Sigm. Freud 



kann wie gewisse abstrakte und allgemeine Güter. Aber ich meine, 
häufiger dürfte das instinktive und impulsive Heldentum sein, 
welches von solcher Motivierung absieht und einfach nach der 
Zusicherung des Anzengruberschen Steinklopferhanns: Es kann 
dir nix g'scheh'n, den Gefahren trotzt. Oder jene Motivierung 
dient nur dazu, die Bedenken wegzuräumen, welche die dem 
Unbewußten entsprechende heldenhafte Reaktion hintanhalten 
können. Die Todesangst, unter deren Herrschaft wir häufiger 
stehen, als wir selbst wissen, ist dagegen etwas Sekundäres, und 
meist aus Schuldbewußtsein hervorgegangen. 

Anderseits anerkennen wir den Tod für Fremde und Feinde 
und verhängen ihn über sie ebenso bereitwillig und unbedenklich 
wie der Urmensch. Hier zeigt sich freilich ein Unterschied, den 
man in der Wirklichkeit für entscheidend erklären wird. Unser 
Unbewußtes führt die Tötung nicht aus, .es denkt und wünscht 
sie bloß. Aber es wäre unrecht, diese psychische Realität im 
Vergleiche zur faktischen so ganz zu unterschätzen. Sie ist be- 
deutsam und folgenschwer genug. Wir beseitigen in unseren un- 
bewußten Regungen täglich und stündlich alle, die uns im Wege 
stehen, die uns beleidigt und geschädigt haben. Das „Hol' ihn 
der Teufel", das sich so häufig in scherzendem Unmute über 
unsere Lippen drängt, und das eigentlich sagen will: „Hol' ihn 
der Tod", in unserem Unbewußten ist es ernsthafter, kraftvoller 
Todeswunsch. Ja, unser Unbewußtes mordet selbst für Kleinig- 
keiten 5 wie die alte athenische Gesetzgebung des Drakon kennt 
es für Verbrechen keine andere Strafe als den Tod, und dies mit 
einer gewissen Konsequenz, denn jede Schädigung unseres all- 
mächtigen und selbstherrlichen Ichs ist im Grunde ein crimen 
laesae majestatis. 

So sind wir auch selbst, wenn man uns nach unseren unbe- 
wußten Wunschregungen beurteilt, wie die Urmenschen eine Rotte 
von Mördern. Es ist ein Glück, daß alle diese Wünsche nicht die 
Kraft besitzen, die ihnen die Menschen in Urzeiten noch zu- 



Zeitgemäßes über Krieg und Tod 51 

trauten $* in dem Kreuzfeuer der gegenseitigen Verwünschungen 
wäre die Menschheit längst zugrunde gegangen, die besten und 
weisesten der Männer darunter wie die schönsten und holdesten 
der Frauen. 

Mit Aufstellungen wie diesen findet die Psychoanalyse bei den 
Laien meist keinen Glauben. Man weist sie als Verleumdungen 
zurück, welche gegen die Versicherungen des Bewußtseins nicht 
in Betracht kommen, und übersieht geschickt die geringen An- 
zeichen, durch welche sich auch das Unbewußte dem Bewußtsem 
zu verraten pflegt. Es ist darum am Platze darauf hinzuweisen, 
daß viele Denker, die nicht von der Psychoanalyse beeinflußt sein 
konnten, die Bereitschaft unserer stillen Gedanken, mit Hinweg- 
setzung über das Mordverbot zu beseitigen, was uns im Wege 
steht deutlich genug angeklagt haben. Ich wähle hiefür ein ein- 
ziges berühmt gewordenes Beispiel an Stelle vieler anderer: 

Im ,Pere Goriot" spielt Balzac auf eine Stelle in den Werken 
J. J. Rousseaus an, in welcher dieser Autor den Leser fragt, 
was er wohl tun würde, wenn er — ohne Paris zu verlassen 
und natürlich ohne entdeckt zu werden — einen alten Mandarin 
in Peking durch einen bloßen Willensakt töten könnte, dessen 
Ableben ihm einen großen Vorteil einbringen müßte. Er läßt 
erraten, daß er das Leben dieses Würdenträgers für nicht sehr 
gesichert hält. „Tuer son mandarin" ist dann sprichwörtlich 
geworden für diese geheime Bereitschaft auch der heutigen 
Menschen. 

Es gibt auch eine ganze Anzahl von zynischen Witzen und 
Anekdoten, welche nach derselben Richtung Zeugnis ablegen, wie 
z. B. die dem Ehemanne zugeschriebene Äußerung: Wenn einer 
von uns beiden stirbt, übersiedle ich nach Paris. Solche zynische 
Witze wären nicht möglich, wenn sie nicht eine verleugnete 
Wahrheit mitzuteilen hätten, zu der man sich nicht bekennen 



1) Vgl. über „Allmacht der Gedanken" in „Totem und Tabu". 



3^ Sigm. Freud 



darf, wenn sie ernsthaft und un verhüllt ausgesprochen wird. Im 
Scherz darf man bekanntlich sogar die Wahrheit sagen. 

Wie für den Urmenschen so ergibt sich auch für unser Un- 
bewußtes ein Fall, in dem die beiden entgegengesetzten Ein- 
stellungen gegen den Tod, die eine, welche ihn als Lebensver- 
nichtung anerkennt, und die andere, die ihn als unwirklich 
verleugnet, zusammenstoßen und in Konflikt geraten. Und dieser 
Fall ist der nämliche wie in der Urzeit, der Tod oder die Todes- 
gefahr eines unserer Lieben, eines Eltern- oder Gattenteils, eines 
Geschwisters, Kindes oder lieben Freundes. Diese Lieben sind uns 
einerseits ein innerer Besitz, Bestandteile unseres eigenen Ichs 
anderseits aber auch teilweise Fremde, ja Feinde. Den zärtlichsten 
und innigsten unserer Liebesbeziehungen hängt mit Ausnahme 
ganz weniger Situationen ein Stückchen Feindseligkeit an, welches 
den unbewußten Todeswunsch anregen kann. Aus diesem Ambi- 
valenzkonflikt geht aber nicht wie dereinst die Seelenlehre und 
die Ethik hervor, sondern die Neurose, die uns tiefe Einblicke 
auch in das normale Seelenleben gestattet. Wie häufig haben die 
psychoanalytisch behandelnden Ärzte mit dem Symptom der über- 
zärtlichen Sorge um das Wohl der Angehörigen oder mit völlig 
unbegründeten Selbstvorwürfen nach dem Tode einer geliebten 
Person zu tun gehabt. Das Studium dieser Vorfälle hat ihnen über 
die Verbreitung und Bedeutung der unbewußten Todeswünsche 
keinen Zweifel gelassen. 

Der Laie empfindet ein außerordentliches Grauen vor dieser 
Gefühlsmöglichkeit und nimmt diese Abneigung als legitimen 
Grund zum Unglauben gegen die Behauptungen der Psycho- 
analyse. Ich meine mit Unrecht. Es wird keine Herabsetzung 
unseres Liebeslebens beabsichtigt, und es liegt auch keine solche 
vor. Unserem Verständnis wie unserer Empfindung liegt es freilich 
ferne, Liebe und Haß in solcher Weise miteinander zu ver- 
koppeln, aber indem die Natur mit diesem Gegensatzpaar arbeitet 
bringt sie es zustande, die Liebe immer wach und frisch z\\ 






Zeitgemäßes über Krieg und Tod «* 

erhalten, um sie gegen den hinter ihr lauernden Haß zu ver- 
sichern. Man darf sagen, die schönsten Entfaltungen unseres 
Liebeslebens danken wir der Reaktion gegen den feindseligen 
Impuls," den wir in unserer Brust verspüren. 

Resümieren wir nun: unser Unbewußtes ist gegen die Vor- 
stellung des eigenen Todes ebenso unzugänglich, gegen den 
Fremden ebenso mordlustig, gegen die geliebte Person ebenso 
zwiespältig (ambivalent) wie der Mensch der Urzeit. Wie weit 
haben wir uns aber in der konventionell-kulturellen Einstellung 
gegen den Tod von diesem Urzustände entfernt! 

Es ist leicht zu sagen, wie der Krieg in diese Entzweiung ein- 
greift. Er streift uns die späteren Kulturauflagerungen ab und 
läßt den Urmenschen in uns wieder zum Vorschein kommen. Er 
zwingt uns wieder, Helden zu sein, die an den eigenen Tod 
nicht glauben können ; er bezeichnet uns die Fremden als Feinde, 
deren Tod man herbeiführen oder herbeiwünschen soll 5 er rät 
uns uns über den Tod geliebter Personen hinwegzusetzen. Der 
Krieg ist aber nicht abzuschaffen; solange die Existenzbedingungen 
der Völker so verschieden und die Abstoßungen unter ihnen so 
heftig sind, wird es Kriege geben müssen. Da erhebt sich denn 
die Frage: Sollen wir nicht diejenigen sein, die nachgeben und 
sich ihm anpassen? Sollen wir nicht zugestehen, daß wir mit 
unserer kulturellen Einstellung zum Tode psychologisch wieder 
einmal über unseren Stand gelebt haben, und vielmehr um- 
kehren und die Wahrheit fatieren? Wäre es nicht besser, dem 
Tode den Platz in der Wirklichkeit und in unseren Gedanken 
einzuräumen, der ihm gebührt, und unsere unbewußte Ein- 
stellung zum Tode, die wir bisher so sorgfältig unterdrückt 
haben, ein wenig mehr hervorzukehren? Es scheint das keine 
Höherleistung zu sein, eher ein Rückschritt in manchen Stücken, 
eine Regression, aber es hat den Vorteil, der Wahrhaftigkeit 
mehr Rechnung zu tragen und uns das Leben wieder erträg- 
licher zu machen. Das Leben zu ertragen, bleibt ja doch die 

Freud, Krieg und Tod. * 






34 



Sigm. Freud: Zeitgemäßes über Krieg und Tod 



erste Pflicht aller Lebenden. Die Illusion wird wertlos, wenn sie 
uns darin stört. 

Wir erinnern uns des alten Spruches: Si vis pacem, para 
bellum. Wenn du den Frieden erhalten willst, so rüste zum 
Kriege. 

Es wäre zeitgemäß, ihn abzuändern: Si vis vitam, para. 
mortem. Wenn du das Leben aushalten willst, richte dich auf 
den Tod ein. 






INHALTSVERZEICHNIS 

Seite 

I. Die Enttäuschung des Krieges 3 

II. Unser Verhältnis zum Tode 2 ° 



I 



INTERNATIONALER PSYCHOANALYTISCHER 

Wien VH. Andreasgasse 3 



VERLAG 



SIGM. FREUD 
GESAMMELTE SCHRIFTEN 



Stadien Ober Hysterie / Frühe Arbeiten zur 
Neurosenlehre (1892-99) (Charcot-Ein Fall von 
hypnot. Heilung nebst Bemerkungen über d Ent- 
stehung hyster. Symptome durch d. < ^egenw.llen - 
Quelques considörations pour une ctude compara- 
tive des paralysies motrices organ et hysteriques ; - 
Die Abwehr-Neuropsychosen — Über die Bcrechu- 
eung, von der Neurasthenie einen bestimmten 
Svmptomenkomplcx als .Angstneurose ,f>zn. 
Trennen - Obsessions et phobies - Zur Kritik der 
Anestneurose — Weitere Bemerkungen Ober de 
Anwehr-Neuropsychosen - L'heredit« et IW.ologie 
des nevroses - Zur Ätiologie der Hysterie - 
Die Sexualität in der Ätiologie der Neurosen — 
Über Deckerinnerungen) 

n 

Die Traumdeutung 

m 

Nachtrüge zur Traumdeutung / Ober den 
Traum / Beiträge zur Traumlehre (.Märchenstoffe 
in Träumen — Ein Traum als Beweismittel — 
Traum und Telepathie — Bemerkungen zur Theorie 
und Praxis der Traumdeutung) 

rv 

Zur Psychopathologie dea Alltagslebens t Da» 
Interesse an der Psychoanalyse / Ober Psycho- 
analyse/ Zur Geschichte der psychoanalytischen 
Bewegung 



Drei Abhandlungen zur Sexualtheorie / Arbeiten 
zum Sexualleben und zur Neurosenlehre (Meine 
Ansichten über die Rolle der Sexualilät in der 
Ätiologie der Neurosen — Zur sexuellen Aufklärung 
der Kinder — Die „kulturelle* Sexualmoral und 
die Nervosität — Ober infantile Sexualtheorien — 
Beiträge zur Psychologie des Liebeslebens : Ober 
einen besonderen Typus der Objektwahl beim 
Manne. Ober die allgemeinste Erniedrigung des 
Liebeslebens. Das Tabu der Virginität — Die 
infantile Genitalorganisation — Zwei Kinderlügen — 
Gedankenassoziation eines vierjährigen Kindes — 
Hysterische Phantasien und ihre Beziehung zur 
Bisexualität — Ober den hysterischen Anfall — 
Charakter u. Analerotik — Ober Triebumsetzungen, 
insbesondere der Analerotik — Die Disposition zur 
Zwangneurose — Mitteilung eines der psycho- 
analytischen Theorie widersprechenden Falles von 
Paranoia — Die psychogene Sehstörung in psycho- 
analytischer Auffassung — Eine Beziehung zwischen 
einem Symbol und einem Symptom — Über die 
Psychogenese eines Falles von weiblicher Homo- 
sexualität — „Ein Kind wird geschlagen" — Das 
Ökonomische Problem des Masochismus — Über 
einige neurotische Mechanismen bei Eifersucht, 
Paranoia und Homosexualität — Ober neurotische 
Erkrankungstypen — Formulierungen Aber die 
zwei Prinzipien des psychischen Geschehens — 



Neurose und Psychose — Der Untergang des 
Ödipuskomplexes) / Mctapsychologie (Einige 
Bemerkungen Ober den Begriff des Onbewußten 
in der PsA. — Triebe und Triebschicksale — Die 
Verdrängung — Das Unbewußte — Metapsycholog. 
Ergänzung z. Traumluhre — Trauer und Melancholie) 

VI 

Znr Technik (Die Freudsche psychoanalytische 
Methode — Über Psychotherapie — Die zukünftigen 
Chancen der psychoanalytischen Therapie — Über 
„wilde" Psychoanalyse — Die Handhabung der 
Traumdeutung in der Psychoanalyse— Zur Dynamik 
der Übertragung — Ratschläge für den Arzt bei 
der psychoanalytischen Behandlung — Über fausse 
reconnaissance [„dejä raconte") während der psycho- 
analytischen Arbeit— Zur Einleitung der Behandlung 

— Erinnern, Wiederholen und Durcharbeiten — 
Bemerkungen über die Übertragungslicbe — Wege 
der psychoanalyt Therapie — Zur Vorgeschichte 
der analyt Technik) / Zur Einführung des Nar- 
zißmus / Jenseits des Lustprinzips / Massen- 
psychologie und Ich-Analyse / Das Ich und das 
Es / Anhang (Der Realitatsverlust bei Neurose und 
Psychose — Notiz Ober den Wundcrblock) 

vn 

Vorlesungen zur Einführung in die Psychoanalyse 

VBI 

Krankengeschichten (Bruchstück einer Hysterie- 
analvse — Analyse der Phobie eines fünfjährigen 
Knaben — Über einen Fall von Zwangsneurose — 
Psa. Bemerkungen Ober einen autobiographisch be- 
schriebenen Fall von Paranoia — Aus der Geschichte 
einer infantilen Neurose) 

Dt 

Der Witz und seine Beziehung zum unbewußten 
/ Der Wahn und die Trfiume In W. Jensens 
.Gradiva" / Eine Kindheitserinnerung des Leo- 
' nardo da Vinci 



Totem und Tabu / Arbeiten zur Anwendung der 

Psychoanalyse (Tatbestandsdiagnostik und Psycho- 
analyse—Zwangshandlungen und ReligionsUbung — 
Ober den Gegensinn der Urworte — Der Dichter 
und das Phantasieren — Mythologische Parallele 
zu einer plastischen Zwangsvorstellung — Das 
Motiv der Kästchenwahl — Der Moses des Michel- 
angelo— Einige Charaktertypen aus der psa. Arbeit: 
Die Ausnahmen. Die am Erfolge scheitern. Die 
Verbrecher aus Schuldbewußtsein — Zeitgemäßes 
Über Krieg und Tod — Eine Schwierigkeit der 
Psychoanalyse — Eine Kindheitserinnerung aus 
-Dichtung und Wahrheit" — Das Unheimliche — Eine 
Tcufclsncurose im 17. Jahrhundert 

XI 
Nachtrüge / Bibliographie I Register - 






Die Bände I und IV-X erscheinen IQ24, die drei restlichen IQ25 



Internationaler Psychoanalytischer Verlag 

Wien VII, Andreasgasse 3 

Dr. OTTO RANK 
Psychoanalytische Beiträge zur Mythenforschung 

I n h al t : Mythologie u. Psychoanalyse / Symbolik / Völkerpsychol. Parallelen z. d. infant. Sexualtheorien / 
Deutung der Sintflutsage / Männeken-Piß u. Dukaten-Scheißer / Brüdermärchen / Mythus u. Märchen. 

Daß Rank es verstanden hat, sein Thema klar, übersichtlich und fesselnd zu gestalten, ist für den 
Kenner seiner Arbeiten keine Überraschung. Zeitschrift für Sexualwissenschaft 

Kritische Leser werden viel Anregung und interessantes Material in diesen Aufsätzen finden. 

Literarisches Echo. 

Libro ... de una presentaciön elegante es una de las magnificas contribuciones a la interpretaciön 
psicoanalitica de mitos y legendas. Revista di Psiquiatria, Lima 

Dr. OTTO RANK 



Das Trauma der Geburt 

und seine Bedeutung für die Psychoanalyse 

Inhalt: Analytische Situation / Infantile Angst / Sexuelle Befriedigung / Neurotische Reproduktion / 
Symbolische Anpassung / Heroische Kompensation / Religiöse Sublimierung / Künstlerische Ideali- 
sierung / Philosophische Spekulation / Psychoanalytische Erkenntnis / Therapeutische Wirkung 

Dr. EDUARD HITSCHMANN 
Gottfried Keller 

Sind die Künstler-Psychoanalysen besser (d. h. vorsichtiger in der Materialbewertung) geworden 
oder haben wir im Laufe der Zeit nähere Fühlung mit der Psychoanalyse gewonnen ? Wohl beides . 
Das vorliegende Keller-Buch hat mir auch als Literarhistoriker einige Lichter aufgesteckt . . . Das 
Buch vertieft unseren Hinblick in die erotischen Probleme bei dem Menschen wie bei dem Künstler 
Keller. Es erklärt die Hemmungen in seiner persönlichen Liebeswahl und Sexualität und beleuchtet 
entsprechende Motive seiner Dichtung. Prof. Harry Maync (Bern) im Literarischen Echo. 

Dr. EMIL LORENZ 
Der politische Mythus 

Beiträge zur Mythologie der Kultur 

In seiner edlen Wissenschaftlichkeit die Wage des Für und Wider liebevoll austarierend, ein 
Apotheker magischer Destillate und wiederum — wäre das Wort nicht so zerbeult: ein Barock- 
mensch — dosiert er seine Gedanken. In keiner Bibliothek eines politischen Menschen sollte das 
Buch fehlen. Klagenfurter Zeitung. 

Diese Darlegungen verdienen nicht nur das Interesse des Forschers, sie sind auch ebenso beachtens- 
wert für den Künstler wie den gebildeten Laien. Trierer Zeitung. 

In der Durchleuchtung der Seele von Revolutionen spürt er mit unendlich feinfühligem Geiste den 
inneren Antrieben von Massenbewegungen nach und findet in den Trägern dieser Umstürze unbewußte 
Motive wirksam, die er geistreich bis zu den Urformen zurückverfolgt. Freie Stimmen. 

Prof. Dr. HEINRICH GOMPERZ 

Psychol. Beobachtungen an griechischen Philosophen 

(Sokrates — Parmenides) 

Dr. FRITZ GIESE 
Psychoanalytische Psychotechnik 

I. PsAnalyse u. Wirtschaftsleben. Über erotisierte Reklame. II. Psychol. Eignungsprüfung 









IMAGO -BÜCHER 



I. 
DER KÜNSTLER 

ANSITZE ZU EINER SEXUAL-PSYCHOLOGIB 

Von Dr. OTTO RANK 

Das Werk Ranks behandelt in lichtvoller Darstellung 
entscheidende Fragen. Der Weg ist kühn — aber kein 
Marsch auf der Straße. Die Zeit 

Viele sehr verdienstvolle, wenn auch harte und bei- 
nahe rücksichtslose Meinungen. Es gehört eine große 
Freiheit des Geistes und eine sehr schätzbare Unbe- 
fangenheit dazu. Rank hat auf dem Wege zur Seelen- 
schau des Künstlers eine ganze Menge psychologischer 
Probleme auf ihren sexuellen Gehalt hin geprüft und 
mit schöner Prägnanz demonstriert. 

Münchner Allgemeine Zeitung. 

IL 
TOLSTOIS KINDHEITS- 
ERINNERUNGEN 

EIN BEITRAG ZU FREUDS LIBIDOTHEORIE 
Von Dr. N. OSSIPOW 

Auf der gigantischen Persönlichkeit dieses großen 
Russen, erschütternd entgegenschimmernd aus seinem 
künstlerischen Schaffen, fast nacktgeschurft in dem 
Autobiographischen, ruht hier zum erstenmal der 
ceschärfte und geläuterte Blick psychoanalytischer 
Erkenntnis. Der Mensch und Kunstler, selbst ein 
Zereliederer, selbst ein Träger genialischer Tiefen- 
psychologie, tritt hier in den Leuchtkegel modernster 
wissenschaftlicher Seeleneinsicht. In merkwürdiger 
Weise kreuzen sich dabei die Wege Tolstoischer 
Sexualgriibclei mit denen der psychoanalytischen Eros- 
lchre Die Studie beansprucht, sowohl von den <je- 
nießern Tolstoischer Kunst willkommen geheißen zu 
werden, als auch bei dem wissenschaftlich orientierten 
Leser brennendes Interesse vorzufinden. 

III. 

DER EIGENE UND DER 
FREMDE GOTT 

ZUR PSYCHOANALYSE DER 
RELIGIÖSEN ENTWICKLUNG 

Von Dr. THEODOR REIK 

Inhalt: Über kollektives Vergessen. — Jesus und 
Maria im Talmud. - Der hl. Epiphanius verschreibt 
sich. — Die wiederauferstandenen Götter. — Das Evan- 
gelium des Judas Ischkarioth. — Die psychoanalytische 
Deutung des Judasproblems. - Gott und Teufel. — 
Die Unheimlichkeit fremder Götter und Kulte. — Das 
Unheimliche aus infantilen Komplexen. — Die Äqui- 
valenz d. Triebgegensatzpaare. — Über Differenzierung. 
Diese Arbeiten sollen, schreibt der Verfasser in der 
Vorbemerkung, „einen Versuch darstellen, von ana- 
lytischen Gesichtspunkten aus die Erscheinungen der 
religiösen Feindseligkeit und Intoleranz psychologisch 
zu erklären und zugleich den tieferen Ursachen der 
religiösen Verschiedenheiten nachzuforschen. Woferne 
die Konvergenz der Ergebnisse in diesen von ver- 
schiedenen Seiten hergeführten Untersuchungen einen 
Schluß auf die Richtigkeit des Ganzen zuläßt, würde 
ich hoffen, daß die vorliegende Aufsatzreihe ein 
wichtiges Stück der religiösen Entwicklung in einem 
neuen Lichte erscheüien läßt." 



IV. 

DOSTOJEWSKI 

Von JOLAN NEUFELD 

Wie ist es möglich, daß ein Mensch so loyal gesinnt 
ist und dabei an einer Verschwörung gegen den 
Zaren teilnimmt? Wie kann jemand tief religiös und 
zugleich absolut ungläubig sein? Woher kommt es, 
daß ein Mensch, der mit jeder Nervenfaser an seiner 
Heimatscholle klebt, Monate, ja Jahre im Auslande 
verbringt? Woher kommt es, daß er dem Gelde un- 
unterbrochen nachjagt, um es dann wie etwas voll- 
kommen Wertloses zum Fenster hinauszuwerfen? 
Wie das Leben, so ist auch die Dichtung Dostojewskis 
enigmatisch. Rätselhafte Charaktere, entgleiste Perverse 
sind die Helden seiner Romane und geben uns Rätsel 
über Rätsel auf, die mit der Bewußtseinspsychologic 
überhaupt nicht lösbar sind. Der Zanberschlüssel der 
Psychoanalyse aber sprengt die Schlösser. 

V. 

GEMEINSAME 

TAGTRÄUME 

Von HANNS SACHS 

Als die Psychoanalyse auf die entscheidende Bedeutung 
der Tagträume für den Lebensweg und die Liebeswahl 
des Einzelnen hinwies, traf sie wenigstens an dieser 
eüien Stelle mit einer längst gangbaren Überzeugung 
zusammen, daß nämlich die Tagträume die allgemein 
menschliche Vorstufe seien, von der aus sich in be- 
gnadetem Sonderfülle der Aufstieg zum Kunstwerk, 
zur Dichtung vollziehe. Sachs weist nun die unbe- 
wußten Quellen der Tagträume nach, und untersucht 
eingehend die Frage, wie sich der Tagtraum zum 
Kunstwerk verwandelt, wodurch sich der Dichter vom 
Neurotiker, vom Verbrecher, vom Führer der Masse 
und schließlich in der Literatur vom Pfuscherund Nach- 
ahmer unterscheidet. Er weist auf den Zusammenhang 
zwischen dem nach Entlastung lechzenden Schuldbe- 
wußtsein und dem zur Aufgabe des Ichs und zur 
Verschiebung auf das Werk bereiten Narzißmus hin. 
Im Resonderen analysiert er dann in zwei breit an- 
gelegten Studien zwei Kunstwerke, die beide Anzeichen 
und Vorboten einer Produktionshemmung im Leben 
ihrer Schöpfer darstellen: Seh illers„G eis terseher" 
und Shakespeares „Sturm". Die Psychoanalyse 
entwickelt sich „nach dem Gesetz nach dem sie ange- 
treten"; da sie aus der Erforschung der Störungen er- 
wachsen ist, die der unvollkommenen Bewältigung un- 
bewußter Wünsche ihr Dasein verdanken, so vermag sie 
sich den Problemen der künstlerischen Schöpfung auch 
am besten von der Seite der Hemmungen her zu nahern. 

VI. 

DIE AMBIVALENZ 
DES KINDES 

Von Dr. HANS GUSTAV GRABER 

Aus dem Inhalt: Ambivalenz bei Bleuler; bei Freud. 
Der Urhaß. Die Elternbindung. Der Geschlechtsunter- 
schied. Das Lustverbot. Tierphobien. Das Über-Ich. 

VII. 

PSYCHOANALYSE 

UND LOGIK 

Von Dr. I. HERMANN 

Ausdemlnhalt: Dualschritte aus der Entwicklun gs- 

psychologie; in der Biologie; in der schönen Literatur. 

Der Umkehrschritt. Der Abwendungsschritt. Der 

Schritt des Sinkens. Über Sophismen. 



INTERNATIONALER PSYCHOANALYTISCHER VERLAG 

Wien VII. Andreasgasse 3 



Internationaler Psychoanalytischer Verlag 

Wien VII. Andreasgasse 3 



I MAGO 

ZEITSCHRIFT FÜR ANWENDUNG DER PSYCHO- 
ANALYSE AUF DIE GEISTESWISSENSCHAFTEN 

HERAUSGEGEBEN VON 

Prof. Dr. SIGM. FREUD 






SONDERHEFTE 
Soziologisches Heft 

(VIII. Band, 1922, Heß 2) 

Aus dem Inhalte : Prof. Dr. H. Reisen: Der Begriff de« Staates u. die Sozialpsychologie / Dr. O. Rank: Die D » 
Juan-Gestalt. Zur sozialen Funktion der Dichtkunst / Aurel Kolnai: Zur psychoanalyt. Soziologie / u*u>. 

Religionspsychologisches Heft 

(IX. Band, 1923, Heft 1) 

Aus dem Inhalte: Sigm. Freud: Eine Teufelsneurose im siebzehnten Jahrhundert / Dr. Franz Alexander; 

Über Buddhas Versenkungslehre / Ernest Jones: Über den Heiligen Geist / Rudolf Löwenstein: Znj 

Psychoanalyse der schwarzen Messen / Gt'-za Roheim: Nach dem Tode des Urvaters / usw. 

Pädagogisch-jugendpsychologisches Heft 

(IX. Band, 1923, Heft 2) 
Aus dem Inhalte : Ernest Jo n es : Einige Probleme des j ugen dlichen Alters / Dr. Siegfried Bernfeld: Eine typisch« 
Form der männlichen Pubertät / August Aichhorn: Die Erziehung in Besserungsanstalten / Melanie Klein.» 
Zur Frühanalyse / Anna Freud: Ein hysterisches Symptom bei einem zwei ein vierteljährigen Kinde / ttsu>' 

Philosophisches Heft 

(IX. Band, 1923, Heft 3) 




Ästhetisch-kunstpsychologisdies lieft 

(IX. Band, 1923, Heft 4) 
Aus dem Inhalte: Alice Edlint: Die mexikanische Kriegshieroglyphe atl-tlachinolli / P. G van der WolV- 
Der lanz der Ciwa/Dr. Sigmund Pfeiffer: Musikpsychologische Probleme/ A. van der Chijs: Infantilis mu : 
in der Malerei / Aurel Kolnai: Gontscharows „Oblomow* / usw. 

Ethnologisches Heft 

(X. Band, 1924, Doppelheft 2 u. 3) 

Aus dem Inhalte: Ernest Jones: Psychoanalyse und Anthropologie / B. Malin owski: Eine mntterrechtUch-, 
Form des Familienkernkomplexes / G. Roheim: Die Sednasage / Hans Zulliger: Zur Psychologie der Trauer 
und Bestattungsgebräuche / Beate Rank: Zur Rolle der Frau in der Entwicklung der menschlichen 
Gesellschaft /.Flora KrauB: Die Frauensprache bei primitiven Völkern / A. Arndt: Tabu u. Mystik / i^si 



„Image-" erscheint 4 mal jährlich, im Gesamtumfang von ca. 500 Seiten 



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