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Full text of "Psychoanalytische Psychotechnik"

sy choanaly tis che 







svchotechn 





von 



Dr. FRITZ GIE5E 

Privataozent an der Tedinisaien 
Homscnule Stuttgart 



Internationaler 
J: sy cnoanaly tiscner Verlag 

Leipzig / Wien / Zütick 



f 







INTERNATIONALER PSYCHOANALYTISCHER VERLAG 

WIEN Vn. ANDREASGASSE 3 



Abraham: Der Versöhnungstag 

Andreas-Salome: Von frühem Gottesdienst 

B e rny : Zur Hypothese des sex. Ursprungs der Sprache 

Eisler: Der Fisch als Sexualsymbol 

Fclszeghy: Panik und Pankomplex 

Freud: Einige Übereinstimmungen im Seelenleben 

der Wilden und der Neurotiker 
Jones: Die Bedeutung des Salzes in Sitte und Brauch 
K e 1 s e n : Der Begriff d. Staates u. die Sozialpsychologie 
Kinkel: Zur Frage der psychologischen Grundlagen 

und des Ursprungs der Religion 
Kolnai: Über das Mystische 

— Zur psychoanalytischen Soziologie 
Levi: Die Kastration in der Bibel 

— Sexualsymbolik in der biblischen Paradiesgeschichte 

— Ist das Kainszeichen die Beschneidung 
Lorenz: Der Mythus der Erde 

— Das Titanenmotiv in der allgemeinen Mythologie 



IMAGO 

ZEITSCHRIFT FÜR ANWENDUNG DER PSYCHOANALYSE 
AUF DIE GEISTESWISSENSCHAFTEN 

Herausgegeben von Prof. Dr. SIGM. FREUD 

In den Bänden I- 1 — IX (1912—1923) sind unter anderen folgende Beiträge aus dem Gebiete der 

Soziologie, der Völkerpsychologie u. der Religionswissenschaft erschienen: 



Psychoanalytische 
:nese der Mora 



Müller-Braunschweig: 

Sichtspunkte zur Psychogenese der Moral 
Pf ist er: Die Entwicklung des Apostels Paulus 

— Anwendungen d. P.-A. in d. Pädagogik u. Seelsorge 
Rank: Die Nacktheit in Sage und Dichtung 

— Die Don Juan Gestalt (Zur sozialen Funktion der 
Dichtkunst) 

Reik: Das Kainszeichen 

— Die Couvade und die Psychogenese der Ver- 
geltungsfurcht 

— ödipus und die Sphinx 

Rohe im: Zur Psychologie der Bundesriten 
Schröder: Der sexuelle Anteil an der Theologie 

der Mormonen 
Silberer: Über Märchensymbolik 
Sperber: Ober den Einfluß sexueller Momente auf 

Entstehung und Entwicklung der Sprache 
Wölk: Das Tri-theon der alten Inder 



DER POLITISCHE MYTHUS 

BEITRÄGE ZUR MYTHOLOGIE DER KULTUR 

Von Dr. EMIL LORENZ 

In seiner edlen Wissenschaftlichkeit die Wage des Für und Wider liebevoll austarierend, ein Apotheker magischer 
Destillate und wiederum — wäre du Wort nicht so zerbeult: ein Barockmensch — dosiert er «eine Gedanken. In keiner 
Bibliothek eines politischen Menschen sollte das Buch fehlen (Kla genfurter Zeitung) 

Diese Darlegungen verdienen nicht nur du Interesse des Forschers, sie sind ebenso beachtenswert für den Künstler 
wie den gebildeten Laien. (Trierer Zeitung) 

In einer Durchleuchtung der Seele von Revolutionen spürt er mit unendlich feinfühligem Geilte den inneren Antrieben 
von Massenbewegungen nach und findet in den Trägern dieser Umstürze gewisse unbewußte Motive wirksam, die er in 
geistreichen Darlegungen bis zu den Keimzellen und Urformen zurückverfolgt. (Freie Stimmen) 

* * ¥ 

PSYCHOANALYTISCHE PSYCHOTECHNIK 

Von Dr. FRITZ GIESE 

I. Psychoanalyse und Wirtschaftspsychologie (Über erotisierte Reklame). — 
II. Psychologische Eignungsprüfung: 



Psychoanalytische 
Psychotechnik 



Von 



N 



Dr. Fritz Giese 

Privatdozent an der Technischen 
Hochschule Stuttgart 



Sonderabdruck aus „Imago, Zeitschrift für Anwendung der Psychoanalyse 
auf die Geisteswissenschaften" (herausgegeben von Prof. Dr. Sigm. Freud) 

X. Band (1924), Heft 1 



1924 

Internationaler Psychoanalytischer Verlag 
Leipzig / Wien / Zürich 






ALLE RECHTE, 

INSBESONDERE DAS DER ÜBERSETZUNG, 

VORBEHALTEN 



COPYRIGHT 1924 
BY INTERNATIONALER PSYCHOANALYTISCHER VERLAG 

GES. M.B.H., WIEN 



I 




INTERNATIONAL 

PSYCHOANALYTIC 

UNIVERSITY 

DIE PSYCHOANALYTISCHE HOCHSCHULE IN BERLIN 



GEDRUCKT BEI CARL FROMME GES. M.B.H., WIEN V 



I. 

Psychoanalyse und Wirt Schaftspsychologie 

Obschon manchen Forschern die Verbindung zwischen psychoanalytischen 
Auffassungen und dem Wirtschaftsleben mehr als gewagt erscheinen kann, muß 
man bei objektiver Behandlung wirtschaftswissenschaftlicher oder insbesondere 
wirtschaftspsychologischer Sachverhalte ohne weiteres zugeben, daß sehr 
viele Einzelheiten durch die Psychoanalyse eine Förderung erfahren würden. 

Sehr viele Einzelheiten: nicht alle. 

Denn es würde ein ziemlich abwegiges Unternehmen sein, etwa pauschal 
das gesamte Wirtschaftsleben als einen Ausdruck menschlicher Kultur zu 
nehmen, der seine restlose Aufklärung durch Psychoanalyse erfahren dürfte. 
Die Grenze, an der die Psychoanalyse unbedingt hier Halt machen muß, 
sind vor allen zwei Tatbestände. Einmal die Abhängigkeit der Wirtschafts- 
gestaltung von rein materiellen Zusammenhängen, die mit nur seelischen 
Vorgängen nichts gemeinsam haben und die Entwicklung des Wirtschafts- 
körpers von jeher bestimmen. Zweitens die notwendigerweise vorliegende 
Selbständigkeit des Gebildes Wirtschaft; das objektive, überindividuelle 
Dasein seiner selbst, das uns aus eben diesen Gründen ihm nur gerecht 
werden macht, wenn wir teleologische, also zugleich Wertungsmaßstäbe, an 
seine Existenz legen, zuletzt also vom rein Persönlichen, Massen- oder Einzel- 
menschlichen dabei ganz und gar absehen. Und wenn auch dort anfänglich 
noch Brücken zu einem immanenten Unbewußten — ganz ähnlich wie 
bei der Gestaltung des Organischen und des überpersönlichen Unbewußten 






Dr. Fritz Giese 



im Sinne vitalistischer Vorstellungen der Biologie — herüberleiten, so liegt 
das allerletzte Wort niemals im Seelischen, auch nicht etwa seiner kul- 
turellen Sublimierung, sondern im Eigendasein des objektiven Zusammen- 
hanges, den wir „Wirtschaft' nennen. Die Philosophie der Wertung und 
Zielsetzung löst die psychische Analyse ab, soweit überhaupt menschliche 
Erkenntnis in der Lage ist, Tatbestände dieser Stufe noch zu verstehen. 

Wir lassen also materielle Notwendigkeiten ebenso fort, wie kultur- 
philosophische Betrachtungsweisen. 

Welchen Sinn kann unter diesen Einschränkungen eine psychoanalytische 
Betrachtungsweise des Wirtschaftsleben dann haben? 

In doppelter Richtung dürfte naturgemäß unser Augenmerk liegen. 
Einmal in der Erklärung von Tatbeständen und Zusammenhängen, die 
bisher in anderer Weise schwer oder gar nicht deutbar waren. Zum anderen 
in der Möglichkeit, aus psychoanalytischen Ergebnissen auf das Wirtschafts- 
leben praktische Anwendungen im Sinne einer Wirtschaftsgestaltung zu 
verfügen. 

Zweifellos ergibt die Betrachtung des Wirtschaftskörpers eine sehr große 
Reihe von Sachverhalten, für die uns bis jetzt der innere, der notwendige 
Sinn verborgen ist, deren funktioneller Zusammenhang unklar oder dunkel 
war. Derartige Zusammenhänge sind immer seelischer Art, und die Auf- 
schließung des Wirtschaftslebens ist naturgemäß zunächst für unsere Zwecke 
die wirtschaftspsychologische. Die Beziehung zwischen dem lebendiger» 
Faktor des Ganzen, dem gestaltenden, dem betrachtenden, aber auch lei- 
denden und eingeordnetwerdenden Menschen und der objektiven Wirtschaft 
ist eine Funktion beider Größen, die wir als psychologisch zu bezeichnen 
pflegen. Tun wir das, so ist damit keineswegs gesagt, daß wir deshalb schon, 
der psychoanalytischen Betrachtungsweise uns bedienen müßten! Im Gegen- 
teil, ein sehr erheblicher Anteil dieser Gegenbeziehung gehört durchaus 
zur Oberflächenpsychologie, sagen wir deutlicher, zur Bewußtseinskultur des 
Menschen und eine tiefer zu schürfen versuchende Analyse wäre unangemessen 
und abwegig. Dann aber finden wir bei psychologischer Untersuchung 
Felder, die von der normalen Bewußtseinspsychologie, „schwer oder gar 
nicht deutbar sind". Alsdann wird die Psychoanalyse sicherlich tiefere Auf- 
schlüsse bieten. Man sieht schon, wie außerordentlich heikel eine Betrach- 
tung des genannten Zusammenhangs sein kann, denn er berührt alsbald 
grundsätzliche Fragestellungen, die über Anwendbarkeit der Tiefen- oder 
der Oberflächenpsychologie, der Kultur des Unbewußten oder des Bewußt- 
seins handeln und in manchem am Wirtschaftsleben nur ein Beispiel und 



Psychoanalytische Psychotechnik 



darüber hinaus eine breitere Gültigkeit erfahren sollten. — Psychoanalyse 
und Wirtschaftsleben bezieht sich also in diesem Zusammenhang auf see- 
lische Bindungen zwischen Mensch und Wirtschaftswelt, die von der Be- 
wußtseinspsychologie normalen und älteren Stils gar keine oder eine 
unzureichende Deutung erfahren würden. Keinesfalls ist dagegen eine Psycho- 
analysierung um jeden Preis gewollt! Ferner wird man bescheiden genug 
sein und zugeben, daß trotz der ungeheuren Tragweite der genialen Ent- 
deckungen Freuds, auch hier noch manches Dunkel verbleiben wird, daß 
also die Psychoanalyse keinesfalls restlos alles erklären kann. 

Was sie im vorliegenden Fall als ganz besonders geeignet erscheinen 
läßt, ist nicht nur das Grundsätzliche ihrer Tiefenforschung, als eigentlich 
derselbe Keimherd, der bis heute immer wieder Aufschlüsse bot: das Studium 
des pathologisch oder sagen, wir angekränkelten Normalseelendaseins, daß 
uns wie in mikroskopischer Vergrößerung die strukturellen Zusammenhänge 
für den Gesunden verdeutlichen hilft. In dieser Beziehung hat es mich 
immer gewundert, daß das Wirtschaftsleben früher auch von psychiatrischer 
Seite so wenig Beachtung erhielt und daß anderseits die Wirtschafts- 
wissenschaften sich um pathologisches Material allzu wenig gekümmert 
haben. Aber die Wirtschaftskunde in solchem Sinne und die Wirtschafts- 
psychologie im engeren ist überhaupt neuartig. Man möchte daher von 
Anbeginn aus heuristischen Gründen sich einer Betrachtungsweise versichern, 
die wiederholt als nicht ungünstig erschienen ist. (Das dies nicht gleich- 
bedeutend mit einer Pathologisierung der Wirtschaft ist, brauche ich nicht 
ausdrücklich anzugeben, obwohl gerade die Gegenwart des internationalen 
Wirtschaftslebens paradox genug ist, um dies nicht als bloße Ironie an- 
zusehen.) Diese Betrachtungsweise wird um so aufschlußreicher für Fälle 
sein, in denen auch der objektive Wirtschafts„körper" seine bestimmte 
Pathologie offenbart, krank ist, genau wie es eine Religion oder Literatur 
oder eine Wissenschaft kollektiv zu irgend einer Zeit sein kann. Doch will 
ich hier auf meine Auffassung der Pathologie einer Kultur nicht näher 
eingehen, sondern dies anderen Zusammenhängen vorbehalten. Auf jeden 
Fall muß prinzipiell in der Ableitung psychoanalytischer Erkenntnisse aus 
pathologischen Zusammenhängen für unseren Fall eher ein Vorteil, als etwa 
etwas Bedenkliches gesehen werden. 

Aber auch Anwendung sollte erstrebt werden aufs Wirtschaftsleben. Was 
kann das heißen? 

Man trennte im engeren Rahmen der Psychoanalytiker die ärztliche von 
der auf die Geisteswissenschaften angewandten Psychologie. Hiebei ist die 



< I 



Dr. Fritz Giese 






letztgenannte Fassung nur grob zu verstehen, denn man findet auch Über- 
tragungen auf die Naturwissenschaft — ich erinnere nur, weil es mir 
gerade einfällt, an das bekannte Beispiel vom Benzolring oder auch die 
Technik, für die ich selbst vor vielen Jahren in „Imago" eimal etwas bei- 
steuerte. Man geht aber doch noch immer in erster Linie darauf aus, schon 
bestehende Zusammenhänge anzunehmen, sie zu erklären und dann zu be- 
einflussen: also zu heilen oder entsprechend ihrer Daseinsform zu leiten 
(Psychoanalytische Therapie und Pädagogik). Wir werden im Wirtschafts- 
leben aber Fälle ermitteln können, in denen das Anwenden viel weiter zu 
fassen ist, in denen wir zu einer Art psychoanalytischer Psychotechnik ge- 
langen dürfen, in denen wir Neuwerte ausdrücklich unter Anwendung 
psychoanalytisch erkannter Gesetzmäßigkeiten bilden. Schon das nach- 
stehend genannte erste Beispiel kann hieher rechnen. Immerhin wird man 
zuzugeben haben, daß diese Möglichkeit verhältnismäßig neuen Ausblick 
erschließt, denn mir ist noch kein Fall von auf Geisteswissenschaft ange- 
wandter Psychoanalyse bekannt geworden, in denen Neuwerte ausdrücklich 
unter Verwendung tiefenpsychologischer Zusammenhänge geschaffen sind 
Die Möglichkeit, zu gestalten ist dort gering und man wird auch bezweifele 
ob es kulturell nützlich oder erstrebenswert sein könnte, Anleitungen zu»] 
Schreiben von Dramen auf psychoanalytischer Basis oder Anweisungen fü>. 
narzißtische Malerei jemals der Öffentlichkeit vorzulegen. Das Wirtschafts- 
leben jedoch, das vielfach, in seiner Beziehung zu materiell bedingtem 
Arbeitsstoff, mannigfachste Aufgaben dem Ich stellt, wird — infolge seiner 
materiellen Komponente — psychoanalytische Erkenntnisse erweitert ver- 
wenden können. Es findet sich alsdann also eine Parallelität zur Therani 
vor, nur mit dem Unterschied, daß von Anbeginn Situationen vermieden 
werden, die irgend eine Abweichung von Normalen, oder einen Zwang oder 
eine Anbrüchigkeit des beteiligten Menschen voraussetzen. Es ist angewandte 
Psychologie auf analytischer Erkenntnisgrundlage; würde ich hier arbeits- 
wissenschaftliche Kenntnisse voraussetzen dürfen, rechnet dies Gebiet in das 
Bereich der Objektspsychotechnik. 

Aus eben diesen Gründen muß jedoch noch eine weitere Besonderheit 
erwähnt werden, die gerade für die Psychoanalyse im engeren Sinne nicht 
uninteressant sein mag. Die Beschäftigung mit dem Wirtschaftsleben wird 
aller Wahrscheinlichkeit auch der analytischen Forschung selber gewisse 
neue Erkenntnisse erschließen und man kann sich vorstellen, daß diese 
auf beispielsweise medizinische oder pädagogisch gerichtete Fragestellungen 
rückwirken. 







Psychoanalytische Psychotechnik 



Die immer und immer wieder angeschnittene Frage nach der inneren 
Struktur unseres unterbewußten Lebens, unserer Triebe und lebensbestim- 
menden Energien, wird von hier aus beleuchtet. Vergessen wir nicht, daß 
alle Abspaltungen — seit Adler oder Jung oder auch St ekel — von hier 
den Ausgang nahmen, so daß es heute dem Fernerstehenden nicht leicht 
gemacht ist, Beurteilungen der Psychoanalyse nach richtig oder falsch zu 
teilen. Erinnern wir uns nur der Kontroverse um den Libidobegriff, so ist 
mit einem Wort gekennzeichnet, worum es sich dreht: Gerade die Ge- 
schichte dieses Begriffs (ich erinnere auch an Jungs Darstellungen) ist 
letzten Endes eine Geschichte des Kampfes der psychoanalytischen Bichtung 
mit den Gegnern — wie im eigenen Hause. Dieser Kampf wäre kaum 
vorteilhaft geworden, wenn nicht der Kern der Entdeckungen Freuds so 
überlegen real und heuristisch wertvoll zugleich (was ja nicht dasselbe sein 
muß) gewesen wäre. Heute sind die dreißig Jahre, die Gustave le Bon 
zum Durchdringen jeder neuen Lehre ansetzt, verstrichen und in den letzten 
Zeiten sind außerordentliche Annäherungen erfolgt. Man gedenke der 
Wirkungen auf die Psychiatrie und Neurologie, aber auch Pädagogik 
und Kunstwissenschaft. Sogar die offizielle Psychologie fand Anregungen 
und Gesichtspunkte, die sie ohne Psychoanalyse — trotz innerer Gegner- 
schaft — schwerlich je gefunden hätte. In solcher Tatsächlichkeit wesent- 
lichen Fortschritts wird allerdings die Psychoanalyse nicht umhin können, 
eine gewisse Toleranz ihrer Grundbegriffe und Leitsätze zu ertragen. Es 
scheint so, daß gerade die Übertragung auf das Wirtschaftsleben manches 
Schlaglicht werfen könnte. Eine engere Orthodoxie der Lehrmeinung muß 
dort scheitern und kann auch gegebenenfalls dazu führen, daß neue Ab- 
spaltungen zutage treten. Dieses negative Ergebnis wäre zu bedauern. 
Das Vorbild des Begründers der Psychoanalyse ist in dieser Beziehung von 
ergreifender Bedeutung und wer nicht allzu befangen blieb in lügenhafter 
Tradition, wird in den letzten Veröffentlichungen Freuds — so im „Jenseits 
des Lustprinzips" und vor allem dem „Ich und Es" — jene wahrhaft großzügige 
Erkenntnis wiederfinden, jene königliche Kunst des Aufbauens, die von je und 
auf allen Gebieten das Genie eines Meisters vom bloßem Glauben der Jünger- 
schaft geschieden hat: das Fallen-lassen-können eines früheren Leitgedankens 
oder das Erweitern einer vormaligen Lehrmeinung. Diese grundsätzliche 
Voraussetzung muß gemacht werden, wenn man Anwendungen auf neue 
Gebiete sucht und es kann auch der Psychoanalyse hiebei ergehen, wie 
jeder Wissenschaft, daß sie am neuen Stoff ihr Wissen modifiziert. Das 
starre Übertragen von Dogmen kann nicht im Sinne der Sache liegen. 



Dr. Fritz Giese 



Unter solchen vorherigen Erwägungen sei nun an Spezielleres gedacht. 
Es liegt nicht in meiner Absicht, hier in systematischer Form Psychoanalyse 
und Wirtschaftsleben zu verbinden. Dazu ist die Forschung noch zu küm- 
merlich, dazu gibt es auch vorläufig noch viel zu viel Hinweise und An- 
regungen, als fest umrissene Tatbestände — und dazu mangelt es hier des 
Raums. Ich behalte mir vor, bei anderer Gelegenheit ein Schema grund- 
sätzlicher Art anzudeuten. 1 Hier soll es sich nur darum handeln, an etlichen 
Illustrationsbeispielen darzustellen, in welcher Mannigfaltigkeit und in welchem 
Ausmaße die einschlägigen Beziehungen sich entwickeln können, für die 
künftige Aufschließung des Ganzen. 

Man wird sich zweckmäßig zu erinnern haben, in welcher Form denn 
die angewandte Psychologie schlechthin heute bereits des Wirtschaftslebens 
sich bemächtigte. — Man ersieht sogleich, daß diese Bindung ebenfalls 
noch im Werden ist. Wirtschaftskunde, Arbeitswissenschaft: das sind alles 
neue Begriffe und die psychologische Durchdringung ist daher erst recht 
nicht vollzogen. Man kann sich immer noch am ehesten ein Bild von der 
Sachlage machen, wenn man die Aufstellungen Münsterbergs verfolgt 
der als erster Psychologe sich mit dem Wirtschaftsleben befaßt hat. 

Münsterberg trennt bekanntlich drei wesentliche Anwendungsbereiche 
voneinander: 1. Auslese der geeigneten Persönlichkeiten für das Wirtschafts- 
leben; 2. Gewinnung bestmöglichster Leistungen; 3. Erzielung erstrebter 
psychischer Wirkungen. In die erste Gruppe rechnen wir, unter Verwen- 
dung der jetzt üblicher gewordenen Bezeichnungen, die Berufsberatung 
die Begabtenauslese, die psychotechnische Eignungsprüfung für Kinder 
Jugendliche, Erwachsene, Gesunde wie Kranke, die Berufsauslesen für be- 
stimmte Sonderarbeiten (Verkehr, Industriefacharbeiten, Landwirtschaft u.a.m.) 
und die Werkschulpsychologie. — Unter die zweite Gruppe würden wir 
heute rechnen alle Anlernverfahren (bei der Straßenbahn, der Eisenbahn 
den Kraftfahrzeugen, den Lehrlingsausbildungsgängen usw.), die Übungs- und 
Ermüdungsforschung, das Verfahren der rationellen Betriebsführung ein- 
schließlich wissenschaftlicher Betriebsführung und Taylorsystem. Die dritte 
Abteilung deckt sich etwa mit der Werbkunde oder Reklamepsychologie. 
Münsterbergs alte Einteilung wird heute durch einen anderen Gesichts- 
punkt noch ergänzt. Man trennt die angewandte Psychologie (auch Psycho- 

1) Hiebei nehme ich auch Bezug auf meine Vorlesungen an der Universität Halle 
insbesondere „Wirtschaft und Persönlichkeit" (Sommer 1923) und „Psychoanalyse des 
Wirtschaftslebens". Letztere hatte ich für Winter 1923/24 angekündigt, bevor ich 
die Berufung an die Technische Hochschule Stuttgart erhielt. 



uis.. 



Psychoanalytische Psychotechnik 



technik genannt, was nicht mit Psychologie für technische Zwecke ver- 
wechselt werden darf!) nach ihrem Untersuchungsgegenstand und hat nun, 
wie ich seiner Zeit vorgeschlagen, entsprechend der Gegenüberstellung von 
Personen und Sache (vgl. W. Sterns philosophische Darstellung dieser 
Polarität) der Subjektspsychotechnik eine Objektspsychotechnik gegenüber- 
gestellt. Jene ist die Anwendung seelenkundlicher Untersuchungen auf In- 
dividuen — diese behandelt Anpassung der Dinge an die menschliche 
Eigenart. In beiden Fällen werden also auch Fragen anzuschneiden sein, 
die psychoanalytisch beleuchtbar sind oder nur durch die Psychoanalyse 

selber Aufhellung erfuhren. 

Die Beziehung zwischen Psychotechnik und Psychoanalyse ist bereits, 
wenn auch nur vorläufig, behandelt worden. So von Hermann und von 
Schneider. Die fachliche Psychotechnik ihrerseits hat sich kaum damit 
befaßt, es sei denn, man verweise auf den Tatbestand, daß wenigstens ge- 
legentliche Referate über psychoanalytische Literatur — so seitens Baum- 
garten — oder zusammenfassende Hinweise, wie ich sie seit längerem gab, 
in der psychotechnischen Fachliteratur geboten wurden. Ich werde im Zu- 
sammenhang mit vorstehendem Thema außerdem auf die Besprechungen 
der Ror seh ach sehen Methode in wirtschaftswissenschaftlicher Anwendung 
zurückkommen, wobei die Versuche Römers und die Kontroversen um diese 
erwähnenswert sind. Sonst indessen hat die Psychologie in ihrer wirtschaft- 
lichen Praxis sich kaum mit Fragen der Tiefenpsychologie befaßt und es 
wird darzustellen sein, welche Gründe dafür ausschlaggebend waren. 

Man könnte nun, um Illustrationbeispiele zu suchen, denselben Weg 
geben, den etwa Münsterberg beschreitet, und dann Gruppe für Gruppe 
nachweisen, wo überall psychoanalytisches Material verborgen ist oder not- 
wendigerweise herbeigeschafft werden sollte. Doch erscheint das jetzt noch 
zu umständlich, da erhebliche fachliche Voraussetzungen zu machen wären, 
gleichviel ob ein Psychoanalytiker das psychotechnische oder der Psychologe 
das psychoanalytische Gebiet kennen lernen will. Ich ziehe daher vor, von 
beiden Lagern her bestimmte Stichproben auszusuchen, die ich um schlag- 
wortähnliche Begriffe ordne. Damit ist naturgemäß nur eine Art Auswahl 
und ein Vorgeschmack geboten, aber da beiderseits solche Schlagworte den 
Vorzug der Bekanntschaft besitzen, läßt sich besser mit ihnen verfahren. 
Hiebei werden — ich wiederhole es ausdrücklich nochmals, um keines- 
falls mißverstanden zu werden — alle jene Einschränkungen aufrecht- 
erhalten, die ich eingangs hinsichtlich Anwendung der Psychoanalyse 
auf das Wirtschaftsleben machte. In gewisser Beziehung treffen diese 






Dr. Fritz Giese 



Einschränkungen die gesamte Psychologie überhaupt, gleichviel welcher j 
Richtung. 

Um das Verständnis zu erleichtern, beginne ich mit einigen Hinweise!! 
aus der Reklamepsychologie, um später über Anwendungen auf das Taylor- 
system, die wissenschaftliche Betriebsführung einschließlich der Lohnprobleme, 
in das viel schwierigere Bereich der Subjektspsychotechnik zu gelangen, von 
dem ich Fragen der Eignungsanalysen und kollektivpsychologischer Ver- 
haltungsweisen sowie der Beziehungen zwischen Wirtschaft und Persönlichkeit 
(Wirtschaft als Erlebnisform) auswählen werde, sobald es meine Zeit erlaubt. 



Beispiel: Erotisierte Reklame 

Zu den sogenannten Reklameinhalten gehört zunächst naturgemäß auch 
die Erotik. — Es ist nicht meine Absicht, hier auf eine genauere Besprechung 
der erotischen Reklame einzugehen. Denn in diesem Sinne wäre Psycho- 
analyse überflüssig, da es sich eher um Sexualwissenschaft handelt, und beides 
ist niemals das Gleiche. Erotik als Reklameinhalt ist immer sozusagen Be- 
wußtseinsgegenstand — hat mit den unterbewußten oder, wie wir spezifischer 
sagen dürften, libidinösen Strebungen gar nichts zu tun. Ich kann daher hier 
nur, im Anschluß an meine Darstellungen in Marcuses „Handwörterbuch 
der Sexualwissenschaft" über ausgesprochene Sexualreklame (also erotische 
Reklame), das wesentliche andeuten: 

Die erotische Reklame umfaßt alle geläufigen Reklamewege, wie Plakat, 
Broschüre, Inserat, Musterprobe, Lichtbild, Attrappe usf. Ihr Inhalt bezieht 
sich auf die natürlichen Sexualgegenstände, insbesondere Liebesmarkt (ein- 
schließlich Ehe und Bekanntschaftsanbahnung), erotische Erholungsstätten, 
erotische und zum Teil ausgesprochen pornographische Literatur wie Kunst, 
hygienische Artikel für Vorbeugung der Empfängnis, Sexualhygiene und 
Erhöhung sexuellen Genusses (erotische Parfüms, Aphrodisiaka u. a. m.). 
Alle diese und ähnliche Reklameinhalte rechnen immer mit dem ausge- 
sprochenen Vollbewußtsein. Sie führen auf dem Wege apperzeptiver Auf- 
nahme des Reklamegegenstandes in rational-logischer Weise dem zu beein- 
flussenden Publikum den Reklameinhalt nahe und arbeiten wie jede Reklame 
sinnentsprechend mit mnemischen Nachwirkungen — um bei Kaufanlaß 
den Wahlentschluß des Konsumenten entsprechend zu leiten, führen diese 
jedoch in allererster Linie oberbewußt durch. Natürlich benützt die Sexual - 
reklame — wiederum wie jede andere — auch die triebähnlichen Regungen 









Psychoanalytische Psychotechnik 



des Verbrauchers als Anreiz. Schmeicheleien („Der Mann von Welt be- 
nützt . . ."), die Wirkung der Autorität („Schauspielerin X. trägt Büsten- 
halter Y. B ), die natürliche Trägheit (Verteilung von Gummiartikeln 
in Friseurläden, wohin der Kunde sowieso gelangt), Eitelkeitsanregung 
(„Wollen Sie erfolgreich sein im Wettbewerb . . ." usw.) und alle sonstigen 
emotionalen Regungen des Menschen werden auch hier zum Ansprechen 
gebracht, genau wie es jede andere Spezialreklame, etwa für Klubsessel 
oder Bohnermasse oder Streichhölzer, im Wirtschaftskampfe ausnützen 

muß. 

Einen Punkt kann ich zunächst beiläufig berühren, den ich bei meinen 
Vorlesungen über Reklamepsychologie stets der Freudschen Terminologie 
entnehme: den Tatbestand, daß jede erfolgreiche Reklame — und zwar 
auch die im Unterbewußtsein durch logische Apperzeption zustande ge- 
kommene — immer nebenher den Grundsatz der Vorlustweckung benützt. 
Der zu beeinflussende Kunde soll auch in Augenblicken, wo er das ange- 
priesene Stück überhaupt gar nicht unmittelbar sucht, durch Weckung 
emotional angenehmer Vorgefühle Lust zum Erwerb erhalten. Hiebei ist 
zudem auch gerade der überflüssige Erwerb für die Vorlustwirkung kenn- 
zeichnend. Das beste Beispiel ist die das Warenhaus durchschreitende Frau. 
Das Warenhaus weckt Vorlust auf Reklamegegenstände, weil diese lust- 
weckend zur Schau gegeben sind. Die Käuferin unterliegt — meist stärker 
als der Mann — dieser Vorlust und erwirbt daher, obschon sie A kaufen 
wollte, nachher B (statt des Aluminiumkessels einen Hauspantoffel). Eine 
Reklame kann beispielsweise hochwertig in apperzeptiver Richtung sein, 
also in noch zu erwähnendem Werte der „Sinnfälligkeit" an erster Stelle 
stehen. Wird nicht zugleich vom Oberbewußtsein herüber ins Emotional- 
reich die Vorlust geweckt, versagt oft diese Reklame, da wegen Vorlust- 
mangel ein Verlust mnemischer Nachwirkung (des Nachklingens wie der 
Gegenwartsbereitschaft) des Reklameartikels erfolgt. Statistische Forschungen 
ergaben, daß die mit Vorlustbeiwerk betonten Reklameinhalte besser behalten 
werden und schneller reproduzierbar sind. Die Vorlust kann beispielsweise 
auch den Weg des Humors oder der Komik schreiten: nur darf dann das 
Reklamestück darüber die Stiftung assoziativer Beziehungen zum Reklame- 
inhalt nicht verabsäumen. Ist die Komik zu stark, dann wird aus der 
erstrebten Vorlust eine Augenblickslust, die sich aber gar nicht zum Reklame- 
inhalt, sondern zum Scherz, dem Witz oder der Komik der Darstellung 
selbst wendet. Es ist bedauerlich, daß ich an diesem Orte nicht durch 
entsprechende Abbildungen die Vorlustwirkung und anderseits die Störung 



i o Dr. Fritz Giese 



der Vorlust durch falschen Humor oder das Fehlen der Reklamewirkung 
wegen Vorlustmangel vorführen kann. 

Mit dem Begriff der Vorlust sind wir aber bereits aus der Zone der 
groben, äußerlichen Sexualreklame heraus, denn das Vorlustprinzip gilt für 
alle Reklamewerte. Man wird hier, wenn man Psychoanalytiker ist, im 
Vorlustprinzip libidinöse Vorstellungen erblicken. Man wird sagen wollen, 
daß Vorlust letzten Endes immer — wenn auch sublimiert — an Libido 
(und dies zwar sogar im engeren Sinne) erinnert. Insofern könnte man 
bereits hinsichtlich der Notwendigkeit der Vorlustweckung von erotisierter — 
im Gegensatz zu erotischer (!) — Reklame reden. Dieses libidinöse Vorlust- 
prinzip wäre dann zugleich ein Gesetz psychologischer Reklamewirkung. 
Keine Reklamewirkung wesentlicher Art ohne Vorlust. Vorlust, wie sie 
drastisch das Schaufenster des Delikatessenhändlers, wie sie feiner über den 
Weg der Neugier das siebenmal an den Anschlagsäulen wiederholte Frage- 
zeichen bietet (das dann am achten Tage endlich enthüllt, wer im Kabarett Z. 
demnächst auftreten wird). Und man dürfte ferner in diesem Zusammen- 
hang betonen, wie die Menschen typologisch verschieden reagieren, je nachdem 
ihr Ich sich zur Vorlust stellt. Gibt es doch — nach meinen Beobachtungen — 
Reklamen, bei denen gewisse Menschen sich mit der Vorlust vollauf be- 
gnügen. Gibt es doch Leute, die Reklame suchen, nur um Vorlust zu 
genießen, ohne je die eigentliche Lust zu erstreben. (Beispiele: Sammler 
von Prospekten, Bildchen, Katalogen usf.) Diese Vorlust Jäger können sogar 
ihre Vorlust auf Inhalte richten, die an sich alles andere als libidinös 
sind. Ich kenne Fälle, wo Kataloge elektrischer Schalter oder Bücherlisten 
aus Freude an sich, zum Vorlustgegenstand, gesammelt wurden : und es ist 
selbstverständlich, daß — wenn auch nicht in allen Fällen — hier der 
Psychoanalytiker Beziehungen zwischen Reklame und Sammeltrieb über- 
haupt entdecken würde. Ich kann in der Kürze jedoch hierauf nicht mehr 
eingehen, denn das Thema Reklameanalyse ist ungeheuer breit. 

Einen weiteren Punkt immanenter Erotisierung könnte man jedoch noch, 
erwähnen, nämlich die erhöhte Reklamewirkung von rhythmisch gebotenen 
Reklamewerten. 

Ich unterscheide dabei akustische, optische und motorische Rhythmik — 
entsprechend der gröbsten Dreiteilung der Vorstellungstypik — und rechne 
hieher auch das Prinzip der Reihung oder Häufung, das im Reklamewesen 
eine große Rolle spielt, da es anerkannterweise wirkt. Diese Wirkung ist 
aber genau wie bei der vorigen Tatsächlichkeit mnemisch. Ist Erinnerungs- 
wert voll Lustbetonung. Daher, wie die Experimente erweisen, notwendig 



II ■■! II« ' I ■ . 




Psychoanalytische Psychotechnik 



1 1 



1 



bei guter Reklame, also einer Reklame, die praktisch über die Apperzeption 
hinaus zum Kaufe führt. 

Sehr bekannt ist die akustische Rhythmik in Gestalt der gereimten oder 
auch nur taktierten Sätze. Der Reklamefachmann sagt nicht „Reinige dich 
mit dem Abradorstein", sondern ausdrücklich „Bims' die Hand mit Abrador". 
Er sagt „Biomalz — Gott erhalt's" oder er dichtet vierzeilig „Das Stiefel- 
putzen, Einst 'ne Qual — Zur Spielerei wird's Mit Erdal!" usw. Je ein- 
fältiger die akustische Rhythmisierung, um so eindringlicher wirkt sie im 
volkstümlichen Sinne. Ich verzichte darauf, hier jetzt meine Beobachtungen 
über die Beziehungen zwischen archaischem Denken und Reklame mitzuteilen. 
Es wäre das ein Kapitel für sich. 

Optisch ist der Rhythmus — entsprechend experimentellen Befunden der 
Sinnespsychologie — weniger gut zu fassen. Hier aber tritt in erster Linie 
ein jenes Reklameprinzip der Reihung, der Anhäufung desselben Reizes 
in Menge und die daraus folgende verstärkte Nachwirkung in mnemischer 
Beziehung. Wir sehen Reklamebilder von Sektfirmen, in denen nicht einer, 
sondern fünf Oberkellner nebeneinander dieselbe Marke präsentieren. Wir 
finden die Glühlampen nicht einmal, sondern serienweis ausgelegt. Diese 
Verstärkung durch optische Reihung ist reklametechnisch bekannt und letzten 
Endes rhythmisches Prinzip. Ich will nicht untersuchen, ob dabei auch 
Gestaltauffassungen des Ganzen eintreten. Nach meinen Erfahrungen ist dies 
gerade nicht der Fall ; der Beobachter sieht vielmehr die Wiederholung der 
Einzelheiten und empfindet sie als Rhythmus — nicht als Komplexgestalt. 
Aber das nur nebenbei. 

Der optische Rhythmus verbindet sich gern mit motorischem, obschon 
letzterer auch bekannt ist (Beispiel: Klopfapparate hinter Fensterscheiben, 
um die Aufmerksamkeit zu erregen). Der optischmotorische Rhythmus feiert 
den Reklamehöhepunkt im Trickfilm, welcher in ganz beliebiger Sukzession 
Reklameinhalte vorführt, und zwar im Sinne genetischer Folge. Diese 
Rhythmik hat — zumal wenn sie noch, wie sehr häufig, den Nebenweg 
des Humors ausnützt — ungeheure Reklamewirkung! Sie ist weitaus besser 
als der Film in natürlicher Rhythmik. (Gehtempo usw.). In allen Fällen 
ist das, was den Beeinflussenden trifft, eine ausgesprochene Mitbeanspruchung 
des Unterbewußtseins und nun braucht man nur der verschiedenen Er- 
klärungsversuche des Rhythmischen sich zu erinnern, um auch zur Psycho- 
analyse eine Verbindung zu bekommen. Sicherlich gehört die theoretische 
Erklärung des Rhythmus durch die Psychoanalyse zu den elegantesten und 
wahrscheinlichsten. Die Anwendung aber auf die Reklame ist dadurch ge- 



* 



12 



Dr. Fritz Giese 



geben. Denn im Sinne einer Objektspsychotechnik ist es nunmehr Aufgabe 
des Psychologen, diejenige Rhythmik zu ermitteln, die normalerweise unter- 
bewußt dem Gesunden die gemäßeste ist. Er wird dann wahrscheinlich 
gewisse Typen finden und seine akustisch-optisch-motorische Reklame- 
rhythmik zuschneiden können auf die Gesetzmäßigkeit der unterbewußten 
Rhythmik. Aus einem solchen Fall kann der Fernerstehende auch zugleich 
ermessen, wie interessant und aufschlußreich für die Theorie der Psycho- 
analyse derartige nüchterne Wirtschaftsfragen (- Steigerung des Absatzes 
durch psychologische Mittel — ) werden können und warum auf unserem 
Gebiete eine, angewandte Psychoanalyse nach anderen Wegen führt, als die 
der Therapie der medizinischen Psychoanalyse. 

Wir sehen ferner, daß das Lust-Unlustprinzip in unserem Zusammenhange 
der besonderen Beachtung bedarf. Nicht die Unlust interessiert den Reklame- 
psychologen, sondern gerade die Lustweckung— das Unlustmeiden. Er er- 
mittelt seine Erfahrung in Ergänzung zu den im Vordergrund der Medizin 
stehenden Unlustfällen (Verdrängungsgedanke) gerade aus dem Positiven- 
aus der Frage, warum ein Reklameinhalt eben lustbetont war, warum die 
Lust ihm mnemische Überlegenheit im Ich gab; die Umkehrung zur medi- 
zinischen Frage, die die Unlustkomponente als gedächtnisbeeinflussend be- 
trachtet, und dies im positiven wie negativen Sinne (Vergessen — Erinnern) 
Im Rahmen der Erotisierung von Reklamewerten möchte ich aber -J 
zur Verdeutlichung, daß gar nichts Gesuchtes in einer solchen Psychoana- 
lysierung der Werbkunde liegt — noch einen viel drastischeren Fall aus- 
wählen. Nämlich die Erotisierung von ausgesprochen nichtsexuellen Inhalten 
und die Störung der Sinnfälligkeit und der mnemischen Wirkung einer 
Reklame durch Erotisierung. Letzteres könnte man auch formulieren als 
„Verschlechterung der Reklamewirkung durch libidinöse Ablenkung des 2u 
beeinflussenden Reagenten". Ich bespreche beide Möglichkeiten. 

Die Erotisierung von Reklameinhalten, die an sich unmittelbar mit 
Sexualität gar nichts zu tun haben, ist heute eine geläufige Methode. Man 
wird dabei annehmen dürfen, daß viele Entwürfe diese Tendenz ganz und gar 
unbewußt bringen, und daß nur in wenigen Fällen auf das erotische Gebiet ' 
angespielt wird, um zielentsprechende Assoziationen zu stiften und so di e 
Apperzeption des Reklameinhaltes mit einem sympathischen Gefühlston z u 
versehen, der wiederum das mnemische Haftenbleiben beim Gesunden ver- 
bürgt. Wir können gewisse Branchen beobachten, die noch indirekt zur ero- 
tischen Ware Beziehung besitzen. So die Seifenfabriken, die naturgemäß über 
den Weg der Hygiene auch die Beziehungen der Geschlechter bestimme^ 






Psychoanalytische Psychotechnik 



mögen. Wir wundern uns daher nicht, wenn die einschlägige Reklame etwa 
mit der Abbildung von Frauengestalten arbeitet, um ihr Produkt angemessen 
zur Wirkung zu bringen. Sehr viele Firmen der Seifenbranche tun das nicht, 
sondern bilden etwa ihre Packungen ab, geben in Stichworten die materielle 
Güte des Fabrikats allein an. Andere erotisieren: sie legen bei der bildlichen 
Darstellung die Packung zu der schönen — meist im Neglige dargestellten — 
Frau. Dabei wird kein Wort verloren über gewisse hautreinigende Wirkungen 
des Produkts, um etwa die Berechtigung zu erläutern. Bei Fabrikaten für 
Vertreibung von Sommersprossen oder Hautunreinigkeiten wäre die Abbildung 
eines Gesichts verständlich, um die Teintwirkung zur Schau zu führen. Das 
ist bei der erotisierten Reklame nicht gemeint. Man wird sich fragen, wie der 
Künstler die Wirkung sich denkt und wie diese praktisch zustande kommt? 
Nach meinen Beobachtungen sind hier sehr verschiedene Einstellungen der 
typischen Geschlechter zu erkennen. (Ich sehe also von dem bekannten Über- 
gangsverhalten und der psychischen Doppelgeschlechtlichkeit des Menschen 
ab.) Der Mann empfindet beim Betrachten derartiger Vorführungen in erster 
Linie Sympathie zum Fabrikat durch die libidinöse Anregung des Dargestellten. 
Ihm gefällt der Kopf, die Gestalt und auf diesem Umwege erinnert er den 
Bildinhalt. Die Frau neigt eher zu einer ganz anderen Tendenz: nämlich 
dem Sicheinfühlen in die Rolle der Dargestellten. Sie identifiziert sich mit 
dem Bilde und erträumt — momentan und unterbewußt geleitet — im 
Augenblick Situationen, in denen sie ebenso ideal wirken könnte, wie das 
Bild. Diese Ichidealisierung ist selbstverständlich oft nichts weiter als eine 
augenblickliche Regung; aber diese genügt wieder, die Reklame einzuprägen. 
Es scheint auch in der Reklame derselbe Grundsatz vorzuliegen, den ich 
experimentell beim Beobachten erotischer Postkarten erschließen konnte. 
Der Mann beobachtet immer eher das andere Geschlecht gern und in aktiver 
Einstellung; die Frau träumt sich in Pärchenbilder oder auch Darstellung 
des eignen Geschlechtes, in der Einstellung auf Bollentausch. 

Anmerken kann man, daß in der Reklame unästhetische Dinge selten 
durch Frauengestalten symbolisiert werden, daß hier vielmehr figürlich der 
Mann gewählt wird. So bei Hühneraugenmitteln etwa. Anderseits werden 
rein maskuline Angelegenheiten' „verniedlicht" durch feminine Zutat. So 
bei der Rasierapparatindustrie, die häufig nicht den Mann, sondern dazu 
ein weibliches Wesen darstellt, das den durch Apparat „gut Rasierten" an- 
schaulich karessiert (Vorlustweckung). 

Die Erotisierung der Reklame greift aber noch viel weiter. Ich kann 
erinnern an die zahllosen Abbildungen der Mundkosmetik, die bereits zu 






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Dr. Fritz Giese 



seiner Zeit, als bildliche Reklame in künstlerischer Form sehr selten war 
sich weiblicher Anreize bediente (Beispiel: das Kalodontmädchen). Weiter 
die Zigarettenindustrie. Vor fünfzehn oder zwanzig Jahren war das offizielle 
Rauchen der Damen relativ selten. Und trotzdem benutzten die Zigaretten- 
firmen Frauenköpfe, um dem Manne diese oder jene Marke anzupreisen 
seine Kauflust zu wecken. Das weibliche Geschlecht wurde rauchend dar- 
gestellt oder die Marke durch einen Frauennamen verniedlicht. Entwicklungs- 
psychologisch ist anzumerken, daß diese Tendenz gerade die Zigaretten- 
industrie traf und daß abstrakte Symbole — ich erinnere an den Reemtsma- 
schiffsdrachen — dem Volk fremdartig bleiben. (Dies Ergebnis ermittelte 
ich in meiner psychotechnischen Praxis.) Ferner geht die Industrie der 
Zigarre — dem Genußmittel für starke Männlichkeit, das historisch ältere 
Bestandstück und, wie die Psychoanalyse vielleicht sagen würde, das „phal- 
lische Symbol des Ludlers" — nicht auf zu starke Erotisierung ihrer Reklame- 
mittel ein. Sie bildet die Pflanzerköpfe oder das rauchende Männervorbild 
ab. Man wird es für selbstverständlich finden, daß sie keine zigarrenrauchende 
Frau darstellt. Das ist richtig : sie bildet aber auch keine erotisierten Szenen 
dar, wie die noch zu nennende Sektindustrie oder andere Branchen. Die 
Zigarre an sich ist nur Männlichkeitszeichen, eignet sich aber für erotische 
Szenen schwerlich so wie die Zigarette. Entwicklungspsychologisch ist in 
diesem Zusammenhang ferner interessant, daß die „Marken" des einfachen 
Mannes auch in der Zigarettenindustrie zur maskulinen Vergröberung neigen, 
von der erotisierten Namensgebung weniger wissen. Der Handlungsgehilfe 
und der Friseur rauchen die Marken „Dolly" oder „Fritzi Massary" usw., 
der Arbeiter greift zur „Dicken Bohne" oder der „Feinen Nummer". Auf 
jeden Fall ist hiebei das optische Motiv ganz ausgeschaltet und nur in 
äußerst groben Beispielen durch sprachliche Symbolik ersetzt. Hinzufügen 
kann man, daß die Absatzstatistik der Fabriken genau beweist, wie Provinzial- 
und Ländereinflüsse die Struktur der Bevölkerung auch in dieser Beziehung 
scheiden, wie etwa die Lustempfindung am Zigarettengenuß im Westen Deutsch- 
lands (Rheinland) und Osten (slawischer Einschlag) stets größer war. Es ist 
unmöglich, im vorliegenden Zusammenhang auf diese Dinge oder auf die 
differenzierte Abwanderung zum Pfeifengenuß, beziehungsweise die Abstinenz 
in Zeiten hoher Teuerung der Rohstoffe und der Tabakbesteuerung, hinzu- 
weisen. Man kann außerordentlich interessante völkerpsychologische Ergeb- 
nisse finden. — Die Erotisierung der Reklame befaßt sich aber auch mit 
Gegenständen, die nicht ohneweiters dazu gegeben erschienen und die erst 
im Laufe der werbkundlichen Verfeinerung der Anbietungsverfahren zu 



...._.. 



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Psychoanalytische Psychotechnik 



1^ 



dieser erotisierten Note gediehen. Hieher rechnet die Branche der Trink- 
mittel. In erster Linie Bier, Wein, Spirituosen. 

Noch immer wird das Bier vielfach durch Männer (der heilige Engelhardt, 
das Bürgerbräu usw.) symbolisiert. Neuerlich taucht aber auch die Kellnerin 
auf, um die Bierfabrikate anzupreisen. Noch klarer bei den Edelgetränken : Die 
Sektfirmen haben sich in gesteigertem Ausmaße mit erotisierten Zusammen- 
hängen in der Beklame befaßt. Pärchenbilder mit Sektglas beim Anstoßen, 
Boudoireinblicke, sogar Sportbilder oder Symbolikvignetten auf und an den 
Flaschen: das ist gang und gäbe und ersetzt frühere Darstellungen der 
Flaschenpackungen. Einige Firmen gaben ganze Mappen von Künstlerzeich- 
nungen heraus, die beliebten Zeichnern Gelegenheit boten, die Weiblichkeit 
mit Sekt oder Likör in Beziehung zu bringen. Ein Beispiel sind die Reklamen 
von „Henckel Trocken" und „Kupferberg Gold", die Heilemann illustrierte. 
Hier ist die Erotisierung im Zusammenhang des „Stimmunghabens'" und 
des erhöhten Materialgenusses in Gesellschaft anderer gedacht. Es scheint, 
daß diese Bilder das Publikum immer noch mehr anziehen, als die, welche 
den Einzelgenießer berücksichtigen. (Ich erinnere an Darstellungen wie bei 
Firma Braun, „Edelliköre", die bespielsweise einen genußsüchtig an der 
Flasche schnuppernden jungen Gent vorführt.) Die Psychoanalyse würde 
in ihrer Terminologie sagen, daß die Vorführung des narzißtischen Genusses 
in dieser Beziehung reklamewirksamer sei. Eine zweite Frage wäre die, ob 
energetisch gesprochen der Kaufantrieb durch Vorlustweckung mittels eroti- 
siertem Pärchenbild unmittelbar erheblicher ist, oder ob bei solipsistisch 
gerichteten Einzeldarstellungen die bildliche Symbolik im Betrachter zunächst 
peinliche Vorstellungen, also Hemmungen auslöst. Hiebei könnten diese 
Hemmungen einfach aus Nahelegung der Selbsterkenntnis folgern („Lieber 
Freund, wir wollen offen sein. Du bist ein ausgesprochener Egoist und 
genießt für dich allein am liebsten . . ."). Ich will das nicht entscheiden 
ohne statistische Unterlagen. Leider wissen wir durchaus nicht, ob und 
inwieweit die unterbewußte Vorstellungstypik bei Normalen verbreitet ist. 
Wir kennen nicht die Größe der Populationen jedes Typs. 

Es mag die Psychoanalyse auch interessieren, daß in der Getränke- 
branche das Kind häufig Symbol wird. Beispiele: das Berliner Kindl, das 
Pichlbräu. Dergleichen wirkt teils humoristisch, teils freundlich und löst 
ein gewisses Behagen aus. Obwohl man eigentlich sagen muß, daß Kind 
und Bier logisch gar nichts miteinander zu tun haben können, ja daß 
manche Temperenzler mit Recht entsetzt sein können über die — Gedanken- 
verbindung der Werbefachleute. Der praktische Erfolg solcher Symbolik im 






i6 



Dr. Fritz Giese 



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Reklamewesen steht aber fest. Ich will wieder nur darauf verweisen und 
noch nicht entscheiden, ob hier das Kind an das ursprünglichere Getränk 
der infantilen Zeit erinnert (Muttermilch-Ersatz) oder bei anderen Typen 
eine gewisse Befriedigung durch die Komik ausgelöst wird: Die Freude 
endlich erwachsen zu sein. Vielleicht kommt beides und sicher auch noch 
anderes vor. (Beim oben erwähnten Beispiel „Berliner Kindl" ist der Aus- 
druck „ein Berliner Kind" typisch infantil gesehen und im Sprachgebrauch 
aller Länder bekannt — und wegen des Gefühlstons stets beliebt gewesen. 
Die Reklame kann daher auch den Sprachgebrauch nur noch unterstreichen, 
wenn sie ein Baby mit Bierglas abbildet. Auf jeden Fall ist aber der gewählte 
Titel für eine Brauerei dann unterbewußt entsprechend zu erläutern.) 

Was wir bei den alkoholischen Getränken finden, sehen wir auch bei 
anderen. Dies erweist, daß nicht etwa Vorfreude auf alkoholischen „Rausch" 
mit anschließenden erotischen Exzessen das Leitmotiv sein konnte. Die 
Erotisierung ist viel zarter und feiner. Das zeigen Plakate von Firmen, 
die Tees oder koffeinfreien Kaffee fertigen. Auch hier tritt die servierende 
Kellnerin und die Frau als Symbol auf und keinesfalls in Beziehimg nur 
zum Ursprungsland des Erzeugnisses. (Die Chinesin bei der Teemarke usw.) 
Vielfach finden wir dann sogar Abweichungen, die die Frau als Mutter- 
Imago (nach psychoanalytischer Theorie) hinstellen. Ich rechne nicht hieher 
Kakaoplakate, die die Bekömmlichkeit für Kinder vorführen, und so etwa 
die Mutter mit den Kleinen am Frühstückstisch veranschaulichen ; hier ist 
natürlich unmittelbar die Gedankenbindung geboten. Dagegen tritt das 
Motiv der Mütterlichkeit in anderen Fällen sehr deutlich zutage, und 
manche, wenn auch nicht alle Beobachter mögen entsprechende Erinne- 
rungen an die Mutter, welche für das Wohl und Wehe sorgte, beim Be- 
trachten solcher symbolisierten Anzeigen bekommen. 

Dies Beispiel offenbart aber sogleich ein ganz neues Problem, das 
wiederum der experimentellen Forschung zugänglich gemacht werden kann. 
In pathologischen Fällen, also der klassischen Klientel der Psychoanalyse, können 
solche und andere Beispiele im Neurotiker usw. gegebenenfalls Hemmungen, 
Ablehnungen oder gänzliches Vergessen von Reklameinhalten bewirken. Es 
wäre zu untersuchen, wie Kauflust und Kaufhandlung in dieser Beziehung 
konstitutionell gegeben sind. Aber das sind Fragen, deren Beantwortung 
der Reklamepsychologie erst künftig möglich sein wird. 

Daß in dasselbe Gebiet auch Darstellungen von Bureauartikeln fallen, 
ist der Sachlage nach selbstverständlich, denn das Bureau und das Geschäfts- 
leben, in dem nebeneinander beide Geschlechter berufstätig sind, legt eroti- 



Psychoanalytische Psychotechnik 1 7 












sierte Sachverhalte nahe. Wir wissen aus den therapeutischen Analysen sehr 
genau, wie oft dort ausgesprochene Sexualkonflikte zustande kamen. Diese 
erotisierte Stimmungslage wird etwa benützt, um für eine Schreibmaschine 
Reklame zu machen. Bildet man nur ein Tippfräulein mit dem Fabrikat 
ab, kann man sagen, daß dies ebenso selbstverständlich sei wie die Dar- 
stellung des Drehers bei der Industriereklame für Revolverautomaten oder 
genormte Passungen. Wird dagegen — wie sehr häufig — nicht nur das 
Tippfräulein, sondern auch der diktierende Chef dargestellt, und liegt zudem 
in den Mienen der Personen zeichnerisch ein entsprechender Ausdruck, so 
kann die Rubrizierung des Reklamegegenstandes nicht zweifelhaft sein. Das 
gleiche gilt für Abbildungen, die im Beiwerk Stigmata einschlägiger Art 
bieten; kokettes Strumpfwerk oder Halsausschnitte des dargestellten Maschinen- 
personals. Es ist mir aufgefallen, daß die englische Reklame bei Bureau- 
artikeln wie auch anderen Branchen sachlicher Natur viel mehr mit dem 
Mann zu operieren scheint, als die kontinentale. Ich denke hiebei an 
Reklamen für Schreibgeräte, besonders Füllfederhalter und Bleistifte. Doch 
muß auch diese Beeinflussung durch völkerpsychologische Struktur eines 
Konsumentenstammes noch untersucht werden. 

Eine eigentümliche Stellung in der Reklame nimmt das Tier ein. Auch 
bei ihm kommen allgemein gesprochen emotionale Motive hinzu. Natürlich 
wird man niemals eine Reklame hieherrechnen, deren Inhalt mit Tieren 
zu tun hat oder wo die Namenswahl des Fabrikats Tierdarstellung nahe- 
legt. (Beispiel fürs erste Hundekuchen; für den zweiten Fall etwa die Dar- 
stellung des Löwen als Marke für ein „Löwenbräu".) 

Wenn eine Sammlung von Sprachführern und Wörterbüchern durch 
eine Reihe aufrechtsitzender Pinguine oder ein Lackfabrikat durch einen 
Pinscher mit Pinsel im Maul versinnbildlicht wird — ohne daß irgend- 
welche sonstigen Beziehungen äußerer Art bestehen, etwa wie beim Pelikan 
der Pelikanfabrikate der Firma Günther -Wagner - so muß man fragen 
was hier reklametechnisch als Reizwert gesucht wird? Es entsteht vielfach 
der Humor auf der Basis des Verständnisses für die Kreatur und es ist 
reklamepsychologisch zugleich bekannt, daß dieses Verständnis für die Wesen 
unter uns, die wohlwollende Humanität, in der Reklame der germanischen 
Völker eine stärkere Rolle spielt als bei den romanischen beispielsweise. 
Der Reklamekünstler rührt mit seinem Text an diese schlummernde Eigen- 
schaft des Wohlwollens mit der Schwäche; man wird aber zugleich die 
Beziehungen zwischen Mensch und Tier im Spieltrieb erinnern und so 
verstehen, warum vermutlich eine spätere Forschung auch diese Fälle in 






. -> 



1 8 Dr. Fritz Giese 



gewisser Beziehung zu den vorlustbetonten und auch erotisierten Beispielen 
rechnen dürfte. Es Hegt mir fern, dies sogleich zu behaupten, man muß 
aber auf des Tierproblem hindeuten. Die Ausdeutung in Symbolik selber — 
in Analogie zur Schlange, Giraffe usw. — halte ich für weniger fruchtbar, 
da nur sehr wenige Symbole Allgemeinverständlichkeit und unterbewußte 
Gleichförmigkeit erweisen. Etwas anders ist dagegen die kulturelle Symbolik 
wie wir sie in Darstellung der Nationen finden. Wenn ein gegenwärtiges 
Plakat im deutschen Ruhrkampf Frankreich in einer Frauengestalt ver- 
körperte, die mimisch aufreizend wirkt, so ist diese Symbolik klar (Ich 
bemerke, daß das fragliche Plakat jedoch abirrte, indem es zur Mimik 
sadistischer Gesichtszüge einen libidinös anklingenden nackten Frauen- 
korper fügte.) In ähnlicher Weise hat Frankreich im Kriege durch die 
dortigen Aufrufe zum Schützengrabenkampf die Tragödie des Schlachtfeldes 
vermedhcht, indem vielfach der von Frauenhuld belohnte Held oder die 
hübsche Amazone im Stahlhelm dem Publikum veranschaulicht ward. Die 
franzosische Reklame ist überhaupt in dieser Beziehung viel offener erotisch, 
als unterbewußt erotisierend. 

Ich möchte die Betrachtung nicht schließen, ohne auf einen weiteren 
interessanten Sachverhalt hinzudeuten, der teilweise herüberführt in einen 
wirtschaftspsychologischen Begriff, dessen Besprechung ich im Zusammen- 
hang mit dem Taylorsystem noch geben werde. Nämlich die Sinnfälligkeit 
von Darstellungen. 

Bei der Reklame bedeutet Sinnfälligkeit soviel wie sofortiges Verstehen 
und unmittelbares In-den-Sinn-kommen eines Reklameinhalts. Wissenschaft- 
lich heißt es apperzeptive Unterstützung des Betrachters. Hiebei sind ver- 
schiedene Wege möglich, um eine Darstellung sinnfällig zu machen. Die 
Sinnfälligkeit kann durch logische Assoziationen und perzeptive Hilfsmittel 
zustande kommen. So bei sachlicher Aufteilung von Schaufenstern in Gebiets- 
gruppen, durch Abbau überladener Schaumengen, durch optische Kontrast- 
gebungen in Farbe oder Helligkeit, durch Auflösung einer Gesamtgestalt 
oder Gesamtsituation aus der Simultaneität der Darstellung in sukzessive Dar- 
stellung (Entstehenlassen eines Ganzen im Trickfilm oder dem Leuchtplakat) 
durch sogenannte Blickfanglinien und vieles mehr. Es wäre gut, wenn ich 
diese Fälle einer logisiert gebotenen Sinnfälligkeit im Bilde vorführen könnte 
denn um so klarer würde die nachstehend bezeichnete emotionale Sinn- 
fälligkeit werden, und zudem würde manchen Lesern verständlich, weshalb 
ich ausdrücklich sage, daß eine allgemeinste Psychoanalysierung der Reklame- 
psychologie nicht am Platze sein kann. Auch dann, wenn man zugibt, daß 






- 



Psychoanalytische Psychotechnik 



19 



die hier ebenfalls in Betracht stehenden Fragen der Enge des Bewußtseins 
und der Spaltung der Aufmerksamkeit — welche jene logisch geleitete 
Sinnfälligkeit berücksichtigt — innerlich mit unterbewußten Tatbeständen 
zusammenhängen . 

Wenn Sinnfälligkeit durch gefühlsmäßige Werte zustande kommt, so 
finden wir zweierlei. Häufig die Weckung der Heiterkeit beim Beobachter 
und ebenso häufig produktive Unterströmungen des Zeichners und beides 
durchaus unterbewußt geboten. Was die Heiterkeit des Beobachters belangt, 
so zeichnet sie sich bei der Sinnfälligkeit einer Reklame durchaus durch 
ethisch unterwertige Gefühle, wie Schadenfreude, auch Roheit und Gefühle 
metatropistischer Form (insbesondere sadistischer Färbung) aus. Einige Bei- 
spiele: Eine Firma für Etiketten mit Nadelschutz zum Auszeichnen von 
Waren, bringt über dem Begleittext eine Figur, der ein riesiger Degen 
Brust und Rücken durchstoßen hat. Die Bluttropfen hängen am Schwert, 
der Ärmste ist wahrhaft aufgespießt; sein Gesicht zeigt erschrockene Angst; 
die Schwarzweißzeichnung ist mit Fettdruck erläutert durch den Satz: „Sie 
können sich nicht mehr pieken." Immer hat in meinen Vorlesungen dies 
Bild, projiziert, ungeheure Heiterkeit und Schadenfreudegelächter ausgelöst. 
Werbetechnisch ist es ausgezeichnet, denn die assoziative Beziehung zwischen 
dem sich Verletzenden und den nun angepriesenen Nadelschutzetiketten ist 
geboten und haftet mnemisch, wie mir Experimente erwiesen, ausgezeichnet. 
Warum aber? Weil die Freude am Unglück eines anderen, weil der Lust- 
effekt, selber nicht in diese peinliche Situation der Reklamefigur zu geraten, 
für den Betrachter den Ausschlag bietet. Die Sadismusfreude der Leute wird 
noch klarer bei ähnlichen Bildern, die zugleich reklametechnisch schlecht 
sind. Jemand haut einem beleibten Gegenüber mit einem Riesenbesen auf 
die Nase. Das Blut spritzt sichtlich; zur Befriedigung des Lesers steht in 
Fettdruck darunter: „Das merkt man." Alles lacht schadenfroh. Hinterher 
empfiehlt der Fabrikant Patent-Medaillon-Stahlblechplomben (in Fettdruck), 
die bekanntlich zu Paket- und Flaschenverschlüssen dienen. Bild und Text 
werden ungeschickt verbunden mit: „Das merkt man bei einem Versuche 
sofort, daß unsere Patent-Medaillon-Stahlblechplomben . . . alle anderen über- 
treffen." Der Fabrikant fordert also mit der Assoziation — zu seinem eigenen 
Schaden, da er den Begriff Plombe auf eine ganz falsche Richtung lenkt! — 
noch einen ganz bestimmten Vorstellungsablauf hämischer Art: Das Zu- 
schlagen auf Nase und Gesicht unter Blutspritzen geht zugleich auf die 
Zähne = Zahnplomben. Der Erfolg ist also, sadistisch betrachtet, äußerst 
eroiebig. Alsdann wird die logische Assoziation Plombe— Paketplombe— Patent- 

2* 



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Dr. Fritz Giese 



Stahlblechplombe angeknüpft. Das Plakat sinkt in seiner Wirkung, da das 
Publikum am ersten Abschnitt lustbetont hängen bleibt. 

Ein weiteres Beispiel mit Gegenstück, um die Sinnfälligkeit zu erläutern. 
Jemand fertigt Metallsägen. Dies wird versinnbildlicht, indem scheibenweise 
vor einem Rundblock Metallschichten abgeschnitten vorgeführt sind und die 
Säge gerade dabei ist, eine neue Scheibe vom Block abzuteilen. Niemand wird 
an der Logik dieser Sinnfälligkeit Zweifel hegen. Ein anderer fertigt Rasier- 
klingen. Auch deren Schärfe will er versinnbildlichen. Was tut er? Er stellt 
einen Dackel dar, dem mit der Klinge der Leib in der Mitte durchgeschnitten 
ist. Welch groteske Vorstellung, Hunde mit Rasierklingen zu tranchieren. Und 
welche unterbewußte, interessante Ideenverbindung! Das Plakat ist unwirksam, 
denn es ist für viele abstoßend oder dumm und keinesfalls komisch. 

Die andere Möglichkeit, Gedankengänge des Künstlers aufzufinden, bieten 
Plakate, die Sinnfälligkeit suchen und entgleisen. Schon das eben genannte 
rechnet hieher. Aber die erotisierten Leitvorstellungen finden sich auch 
noch drastischer und zeigen uns Wege der künstlerischen Produktion an. 
Jemand fabriziert Mundspiegel. Er will die praktische Brauchbarkeit des 
Mundspiegels vorführen. Er tut es, indem der Künstler einen Mann auf 
einer Kirchturmspitze sitzen läßt, den Spiegel in der Hand. Darunter der 
Satz: „Sie sehen einfach alles." Logisch betrachtet ist es ein Unsinn, durch 
einen Mundspiegel eine Ortschaft betrachten zu lassen. Erstens ist das 
ungewöhnlich und zweitens lenkt es nicht nur ab von der Anwendung des 
Mundspiegels selbst, sondern veranschaulicht auch keinesfalls die besondere 
Güte des Fabrikates. Beide Absichten schlagen fehl. Die Darstellung würde viel 
eher für einen Feldstecher oder ein Zielfernrohr von Belang sein. Die Analyse 
wird aber fragen: wie kam der Künstler auf diesen Gedanken, den Mann mit 
dem Mundspiegel auf die Kirchturmspitze zu setzen? Ich will mich jeder 
näheren Annahme enthalten; klar ist, daß hier unterbewußte Vorstellungen 
den Künstler geleitet und überaus schlecht beraten haben. Wenn er rein ober- 
bewußtlich gearbeitet haben sollte, könnte man seiner intellektuellen Fähig- 
keit nur eine äußerst geringe Konzeption zuweisen und fast zu seiner Ent- 
schuldigung wird man annehmen, daß er sich durch unterbewußte erotisierte 
Vorstellungen hat in die Irre leiten lassen : von der erstrebten Sinnfälligkeit fort. 
Hiemit komme ich zu dem eingangs erwähnten zweiten Fall: der Möglich- 
keit, daß der Reklamereagent durch erotisierte Darstellungen nichtsexuell 
betonter Branchen aus der Bahn geworfen wird, daß die Reklamewirkung 
verpufft. Hiebei ist dann von Sinnfälligkeit oft niemals die Rede gewesen, i 
Das Erotische drängt sich mit anderen Worten hervor. Aus erotisierter 









Psychoanalytische Psychotechnik 



21 






Darstellung wird Erotik am unangemessenen Platze. Und diese libidinöse 
Darstellung der Reklame bewirkt ausgesprochene Fehlschlage. Einige Bei- 
spiele werden es verdeutlichen. Wenn Schuhfirmen elegante Frauen vor- 
führen, die das Produkt tragen oder auch nur partiell die Wade bieten — 
wobei uns wiederum das Prozentualverhältnis der im Publikum verbreiteten 
fetischistischen Vorstellungen fesseln könnte — so wird man darin eine 
natürliche Sinnfälligkeit erblicken. Wenn Florstrümpfe vorgeführt werden 
an einem Akt, wird man ebenfalls nicht unbedingt darin etwas Gesuchtes 
sehen. Auch ins Anzügliche kann diese Symbolik gehen, beispielsweise 
wenn eine andere Firma, die seidene Damenstrümpfe fabriziert, zwei über- 
einandergeschlagene grünbestrümpfte Beine demonstriert, die ein schwarzer 
Kater mit grünen Augen und rotem Halsband interessiert beblinzelt. Unklar 
wird dagegen die Erotisierung wirken, wenn eine dritte Firma, die eine 
Strumpfmarke „Dreiringe" offeriert, wiederum nur einen Unterkörper, einen 
lila Zwickelstrumpf im Schritt darstellt, der zugleich in drei ineinander- 
geschlungene große Ringe tritt. Hier verwirrt sich der apperzeptive Ein- 
druck ohneweiters und man würde besser einen einfachen Strumpf mit 
drei Ringen oder zu Ringen geformte Strümpfe oder wieder übereinander- 
geschlagene Beine mit Strumpfringen oder meinetwegen Fußspangen wählen, 
als diese durch erotisierte Zwischengedanken abwegig gewordene Versinn- 
bildlichung des Reklamegegenstandes. Ein anderes Geschäft stellt dar einen 
elegant gekleideten Herrn in Zylinder und Gut, der einer Dame einen 
Handspiegel reicht. Das weibliche Wesen setzt sich gerade den Hut zurecht. 
Zur Seite ist auf einem Stativ ein Damenhut zu erblicken. Jeder wird 
apperzipieren wollen, daß es sich um ein Damenhutgeschäft handle. Darunter 
steht aber in großen Buchstaben: Fa. N. N., Herren-Moden. Ein Beispiel 
erotisierter Entgleisung, denn was soll die Pärchendarstellung und zudem 
in dieser Situation des Hutaufsetzens der Dame? Der Gedanke: „Mann, 
kleide dich gut, dann machst du Avancen" (der vielleicht dem Künstler 
vorschwebt), hat zu einer Überbetonung des rein erotisierenden Motivs geführt, 
und die logische Bindung zwischen Bildinhalt und Text ist nicht nur nicht 
gegeben, sondern sogar künstlich unterbunden. Dient der Entwurf etwa als 
Zeitschrifteninserat und sucht ebenso ein Mann beim Durchblättern Inserate 
für seine Zwecke, wird er niemals dieses Bild näher betrachten, da er schon 
in der perzeptiven Aufmerksamkeitszone sofort annimmt, daß es sich um 
eine Anzeige für Damen handle. 

Grotesker ist noch ein anderes Beispiel. Eine sehr bekannte Schreib- 
maschinengesellschaft macht für ihr Fabrikat Reklame, indem sie Künstler- 



22 Dr. Fritz Giese 



blätter von hervorragenden Fachleuten entwerfen läßt. Der Künstler erotisiert 
das Thema in einer Form, die den kaufmännischen Erfolg gänzlich ver- 
hindert. Er wählt nicht das Tippfräulein als Arbeitssymbol für die Schreib- 
maschine. Er bietet beispielsweise vielmehr Einblick in ein Boudoir, in 
dem auf einem hübschen Sofa eine elegante Dame mit Strumpf und Hemd 
bekleidet hockt. Sie liest ein Billettdoux, in der einen Hand kost sie haltend 
den Schoßhund. Auf einem Tischchen vor ihr ist eine Schreibmaschine 
aufgestellt. Das farbige Bild enthält einen schmalen, weißen, unteren Rand, 
der die Firma nennt, bringt aber sonst nichts Näheres. Was wird geschehen? 
Mancher wird sich libidinös an der Nudität freuen. Keiner wird darauf 
verfallen, daß das eine Reklame für eine Schreibmaschine sein soll. Wer 
die Zeichnung besonders schätzt, wird aber den weißen Rand mit dem 
Firmenaufdruck säuberlich abschneiden und das Ganze sich als Vielfarbendruck 
vielleicht an die Wand der Junggesellenwohnung hängen. Keine, auch nicht 
die geringste bewußte Brücke zwischen erotisiertem Gefühlston des Bildes 
und logischer Apperzeption der Schreibmaschine und ihrer Herkunft. Ein 
Beispiel für viele, um Versager der Werbkunde durch ganz und gar un- 
angebrachte Emotionalisierung eines bildnerischen Sachverhaltes vorzuführen. 
Man könnte dergleichen Parallelen in großer Fülle bringen. 

Ich möchte hiemit die kurzen Bemerkungen über Reklamepsychologie 
in psychoanalytischer Beleuchtung schließen. Jedem wird klar geworden 
sein, welche Fülle von Problemen dort noch verborgen ruht und wie auch 
die Psychoanalyse selber zu typologischen Ergebnissen durch die Reklame 
kommen kann, welche Befunde der Pathologie ergänzen helfen. 

LITERATUR 
(In der Reihenfolge des Zitats) 

Giese, Sexualvorbilder bei einfachen Erfindungen. Image- 1915. — Jung, Wand- 
lungen und Symbole der Libido. Jahrbuch, III ff., 1912, und Psychologische Typen. 
Zürich 1921. — Le Bon, Psychologische Grundgesetze der Völkerentwicklung. Leipzig 
1922. — Freud, Jenseits des Lustprinzips. Wien 1920, und Das Ich und das Es. 
Wien 1925. — Münsterberg, Psychologie und Wirtschaftsleben. Leipzig 1916. — 
W. Stern, Person und Sache. Leipzig 1906 und 1919. — Giese, Psychotechnisches 
Praktikum. Halle 1925. — Hermann, Intelligenz und tiefer Gedanke. Internationale 
Zeitschrift für Psychoanalyse, Bd. 6, 1920. — Grüninger, Psychotechnik und Psycho- 
analyse. Ebenda. — Schneider, Ernst, Psychotechnik und Psychoanalyse. Schubreform 
(Berner Seminarblätter) 1921. — Baumgarten, Die psychoanalytische Bewegung. 
Praktische Psychologie 1920. — Giese, Medizinische Psychologie. Referat in Psycho- 
technische Rundschau 1921 (2). — v. Härtungen, Psychologie der Reklame. Stutt- 
gart 1921. — Seyffert, Die Reklame des Kaufmanns. Leipzig 1914. 






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Psychoanalytische Psychotechnik 






IL 
Psychologische Eignungsprüfung 

Von psychoanalytischer Seite ist wiederholt auf das psychotechnische 
Problem der Eignungsprüfungen hingewiesen worden. So hinsichtlich des 
Intelligenzbegriffs von Hermann, so von Grüninger anläßlich der Berliner 
Begabtenauslese, so von Schneider. Umgekehrt haben Fachpsychologen ver- 
hältnismäßig wenig sich um die Tiefenpsychologie in ihrer Beziehung zur 
Eignungsprüfung gekümmert. Erwähnt sei das Referat von Baumgarten, 
meine eigenen laufenden Literaturberichte in psychotechnischen Zeitschriften 
und die psychognostisch ausgewertete Überprüfung der Rorschachschen 
Methode durch Römer. Auf dies letzte komme ich noch zurück. 

Überblickt man die gegenwärtige Lage beider Gebiete, so kann man 
hinsichtlich der Psychoanalyse sagen, daß sie nach Jahren gewisser ein- 
seitiger Kämpfe doch zu einer abgeklärteren, in sich gefestigteren, von 
Schlacken gesäuberten Theorie und einer vielfach erfolgreichen Praxis kam. 
Auf der anderen Seite ist zuzugeben, daß die psychotechnischen Eignungs- 
prüfungen nicht immer das gehalten haben, was sie versprachen, oder was 
man von ihnen erwartete. Denn abgesehen davon, daß hiebei bestimmte 
Modefragen - so die Hochbegabtenauslese - ihre Aktualität einbüßten, 
bringen auch die laufenden Untersuchnngen in Schule, Industrie, Berufs- 
beratung oder Anbrüchigenfürsorge immer wieder Fälle, bei denen das Rüst- 
zeug der Oberflächenpsychologie nicht ausreicht. Bei denen der Ruf nach 
Vertiefung der Diagnose mit Recht ertönt. Man kommt so unmittelbar zu 
zwei Fragestellungen: welche Anforderungen der Psychotechnik können 
von der Oberflächenpsychologie nicht erfüllt werden, würden also mit 
Nutzen durch analytische Auffassungen Unterstützung erhalten — und 
welche Hilfsmittel gibt es auf diesem Wege? 

Daß durchaus nicht alle Fragen der Psychodiagnose — in Sonderheit 
bei Eignungsprüfungen — jetzt oder jemals psychoanalytischer Hilfe be- 
dürfen, ist ohne weiteres klar. Sehr viele dieser Diagnosen müssen sich 
aus Gründen der Wirklichkeit auf Gebieten bewegen, die nicht von der 
Analyse im engeren Sinne erfaßt werden. Viele psychische Qualitäten, 
welche industrielle Berufe erfordern. — Eigenschaften der Arbeitshand, der 
Aufmerksamkeitsverteilung oder der intellektuellen Anlage — werden natur- 
gemäß keiner Analyse benötigen und höchstens hier und dort durch 
psychoanalytische Gesichtspunkte theoretische Klarstellungen erfahren. 



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2 4 



Dr. Fritz Giese 



Praktisch dagegen mangelt es zweifelsohne der heutigen Eignungs- 
prüfungen, nach Grundlage wie Durchführung der Versuche, erheblich an 
Berücksichtigung der emotional gerichteten Faktoren. Doch scheint es 
mir — wie man es gelegentlich liest — unrechte Kritik zu bedeuten, wenn 
man der Psychotechnik vorwirft, sie kümmere sich nicht darum. Sie würde 
es schon tun, wenn es methodisch ohneweiters möglich wäre und sie 
wird es tun müssen, wenn ihre Ergebnisse verbessert werden sollen. Denn 
im Nichtuntersuchen oder Nichtbeobachten der Gefühlssphäre — in die 
wir natürlich zweckhaft voluntative und überhaupt unterbewußte Vorgänge 
miteinschließen — liegt unbedingt ein Manko. Ausgeschlossen müssen 
natürlicherweise Hemmungen werden, die persönlicher Art sind: Es gibt 
Gegner der Psychoanalyse, weil sie ein Unterbewußtsein annimmt, oder 
weil sie einen gewissen Nachdruck auf sexuelle Tatbestände legte. Beides 
ist vielen Fachpsychologen Grund, in der ganzen Richtung etwas Ent- 
artetes zu erblicken und es kommen noch andere Motive von sogenanntem 
Rasseempfinden hier und dort hinzu, um von Anbeginn die Ablehnung zu 
unterstreichen und jedwede unvoreingenommene Stellungnahme zu hindern. 
Dergleichen kann selbstverständlich subjektiv erklärbar sein, wird indessen 
niemals die objektive Notwendigkeit unterbinden, jedes Mittel des Fort- 
schritts zu übernehmen, das die Sache fördern kann. Bei objektiver Be- 
urteilung wird man aber zuzugeben haben, daß die Psychoanalyse außer- 
ordentlich wichtige und vielfach entscheidende Klärungen bis dahin dunkler 
Gebiete ermöglichte und man wird dies auch tun, wenn man hier oder 
dort nicht immer mit allen Ansichten der breiteren psychoanalytischen 
Gefolgschaft übereinstimmt. Ja, im sozial bedingten Kreis der psychotech- 
nischen Eignungsprüfung wird man es sogar für Pflicht halten, jedes 
Mittel zu versuchen, allgemeine Interessen angemessen zu berücksichtigen. 
Nun ist ein Einwand von gegnerischer Seite sehr häufig gemacht worden : 
nämlich die Beschränkung der Gültigkeit psychoanalytischer Erkenntnisse 
auf eine kleinere Population. Man sagt immer wieder, daß die gefundenen 
Gesetze wohl zutreffen, aber nur für einen kleinen Kreis von Leuten, deren 
pathologisch gerichtete Konstitution außer Frage steht. Manchmal ist 
beispielsweise auch die soziale Bevorzugung bestimmter Schichten hervor- 
gehoben worden. Psychoanalyse sei nur etwas für arbeitslose Gebildete. Ich 
will nicht auf den Kern des Vorwurfs hier näher eingehen, möchte aber 
doch die Erfahrungen der Berliner Poliklinik in den Vordergrund rücken, 
deren Klientel, wie die von Eitingon mitgeteilten Statistiken ersehen 
lassen, durchaus nicht nur den sogenannten gehobenen Schichten ent- 






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Psychoanalytische Psychotechnik 



25 



stammt. Das ist besonders wichtig für die Eignungsprüfung, da diese 
zweifelsohne — vor allem aus Gründen des Arbeitsmarktes — bei der 
Lehrlingsprüfung in erster Linie proletarische Schichten vor sich sieht. 
Immerhin kann zugegeben werden, daß das statistische Streuungsverhältnis 
der interindividuellen Stellungsnahmen und Verhaltungsweisen in der 
Psychoanalyse noch stärker untersucht werden könnte und wenn vormals 
die Einzelfälle der durchgeführten Analysen vielleicht nicht genügten, so 
sieht das heute angesichts des Materials anders aus. Eine solche Statistik 
müßte natürlicherweise auch das intraindividuelle Vorkommen dieser oder 
jener emotional betonten Einstellung (sagen wir Analerotik, Ödipus-Komplex, 
um Stichworte zu erwähnen) beim selben Menschen untersuchen, obschon 
oder weil die Simultaneität aller Varianten bei fast allen Fällen und über- 
trafen auch bei jedermann angenommen wurde. Dies ist eine Forderung, 
die durchaus wissenschaftlichen Wert hat und Untersuchungen der Normal- 
psychologie über Vorkommen von Farbenblindheit oder eidetischer Vor- 
stellungswelt etwa parallel laufen würde. 

Bleiben wir also bei der Annahme der verhältnismäßigen Allgemein- 
gültigkeit der psychoanalytischen Befunde — eine Annahme, die hinsicht- 
lich der Fehlleistungen des Alltags jeder offene Beobachter wohl ohne- 
weiters zugeben würde — so entsteht die oben genannte Frage, inwieweit 
in der psychotechnischen Eignungsprüfung die Tiefenpsychologie An- 
wendung finden könnte? Ein erstes Gebiet wäre schon die sogenannte 
Berufskunde. Jeder Eignungsprüfung geht naturgemäß eine Aufstellung 
der für den betreffenden Beruf oder die Arbeitskategorie en bloc notwen- 
digen psychischen Funktionen, der Berufs- und Arbeitseigenschaften voraus. 
Das bedingt aber wiederum eine Untersuchung der Berufseigenart selbst, 
denn bevor ich aus der Fülle der Prüfmittel mir die für den Fall not- 
wendigen Arten aussuche, also das Versuchsschema bilde, muß ich wissen, 
wie der Beruf sich darstellt, welches Gesicht er hat. Die volkswirtschaft- 
liche und pädagogische oder rein medizinische Seite (Gewerbehygiene) 
würde dabei für diesen Zweck nicht so wichtig sein, als die psychologische 
Berufskunde. Die berufkundliche Erschließung der Arbeitsfelder ist in 
großen Zügen versucht worden, aber in dieser Beziehung noch sehr dürftig. 
Nur wo es zur Ausarbeitung bestimmter psychotechnischer Ausleseverfahren 
kam, hat man sich mit den psychologischen Gegebenheiten befaßt. 

Ich möchte einige Punkte nennen, von denen anzunehmen wäre, daß 
psychoanalytische Betrachtung Fortschritte bringen könnte. Jene berufs- 
psychologischen Eigenschaften, die sich an der Oberfläche bewegen, inter- 



26 



Dr. Fritz Giese 



essieren dabei nicht. Es ist anzufügen, daß deren Zahl durchaus nicht 
gering ist. 

Erstlich zeigen bestimmte Berufe ausgesprochen emotionale Werte, über 
deren unmittelbare Zuordnung zur Psychoanalyse gar keine Zweifel be- 
stehen können. Es sind das mit anderen Worten Berufe, bei denen der 
Libidobegriff im ursprünglichsten und engeren Sinne eine Rolle spielen 
muß. Es sind Berufe mit erotischer Komponente dieser oder jener Form. 
Das Gasthauspersonal ergibt beispielsweise eine Klientel dieser Art und die 
Berufskunde muß darauf verweisen. Es können Individuen, die in dieser 
Beziehung erotisch leicht ansprechen, in der Eignungsprüfung gegebenen- 
falls eine andere Beurteilung erfahren müssen, als neutralere Strukturen. 
Dabei ist das „Ansprechen" durchaus nicht nur im affirmativen und aktiven 
Sinne zu verstehen. Gerade die Klientel der Psychoanalyse, die Psycho- 
genen, stellen in einem solchen Berufe gegebenenfalls unangemessenere 
Vertreter dar, wenn sie Verdrängungszugängen — also dadurch beruflicher 
Arbeitshemmungen — unter Umständen schneller unterliegen, als andere. 
Die Erotik in unmittelbarer Form spielt auch bei Berufen eine Rolle, bei 
denen man es gar nicht erwartet. Ich möchte erinnern an meine beruf- 
kundlichen Untersuchungen im Reichspostdienst. Hier fand ich — veran- 
laßt durch Meldungen der Behörde — erotische Einflüsse bei den Tele- 
phonistinnen. Ein Typus neigj bei dem engen Zusammenarbeiten mit vielen 
gleichgeschlechtlichen Kollegen zu Freundschaften, über deren innere Natur 
hier oder dort kein Zweifel sein konnte. Dieser Tatbestand, als Privat- 
angelegenheit, würde nicht interessieren, wenn nicht durch Cliquenbildung, 
Bevorzugung von Freundinnen usw., unliebsame amtliche Hinderungen, 
kurz Subjektivität im Betriebe, einreißen könnten. Ein anderer Typus 
reagierte anders. Er war subjektiv gefährdet in der Bedienung der 
Teilnehmer, also den sogenannten Anrufsplätzen. Es gibt — beispielsweise 
in Großstädten — Ämter, bei denen die Dielen, Bars, die Lebewelt in 
überwiegender Zahl Anschluß hat und ich fand Individuen, die ein Ver- 
gnügen daran fanden, die oft sehr intimen Gespräche der Lebewelt begierig 
auf dem Amte abzulauschen. Da diese Gespräche häufig, äußerst realistisch 
und zeitlich ausgedehnt sein können, auch in der Ruhe des Nachtdienstes 
zustande kommen, ist ein solches berufskundliches Ergebnis erotischer Ge- 
fährdung von seelisch Inklinierenden nicht ohne Interesse, denn es wird 
bei praktischen Berufsberatungen eine Rolle spielen. 

Auch mittelbar mit dem Libidobegriff in Beziehung stehende Berufs- 
eigenarten sind festzustellen. Erinnert sei nur an die Gefährdung von 



' 



Psychoanalytische Psychotechnik 



27 



m 



kleptomanisch gerichteten Frauen — und wir wissen heute (sogar 
Kreisen, die die Psychoanalyse ablehnen), daß die Kleptomanie ähnlich wie 
das Zopfabschneiden einen ausgesprochen sexuellen Hintergrund hat. Das- 
selbe gilt auch der Berufsuntersuchung auf Verführung zur phantastischen 
Lüge. Andere Berufe (Beispiel Pädagogik) können zu sadistischen Einstel- 
lungen schneller verleiten, als manche, deren Vorbildungsbedingungen viel- 
leicht nicht wesentlich abweichen vom Gefahrenberuf (Beispiel Archivar). 
Eine solche Berufskunde fehlt uns noch, und zwar in zweierlei Form. Ein- 
mal muß die objektive Prüfung der Berufslage uns auf derartige Gefahr- 
punkte verweisen. Neben der objektiven Analyse ist aber eine genetische, 
historische Musterung berufsgescheiterter Personen vorteilhaft. Schon eine 
flüchtige Prüfung des veröffentlichten psychoanalytischen Materials erwies 
mir, daß aus der Geschichte der Psychogenen beispielsweise für Berufs- 
einflüsse gefährlicher Art und genannter Richtung außerordentlich viel zu 
erschließen wäre. Ebenfalls eine kommende Aufgabe, um Berufskunde und 
Psychoanalyse näher zu bringen. 

Man braucht jedoch nicht den engeren Libidobegriff zu wählen. Es gibt 
auch noch andere berufkundliche Einflüsse, von denen ich hier nur das 
„Materialgefühl" nennen will. Ich verstehe darunter die eigentümliche 
Erscheinung, daß in beruflicher Arbeit jedes Individuum ein bestimmtes, 
gefühlsmäßig bedingtes Verhältnis zum Stoff im äußeren Sinne aufweist. 
Sehr viele praktische Fälle bei Prüfungen erwiesen, daß dieses Material- 
gefühl die Berufstüchtigkeit außerordentlich beeindrucken kann. Das 
Materialgefühl äußert sich in der gestaltenden Funktion des Arbeitenden 
auf den Arbeitsstoff. Es zeigt sich darin, ob der Stoff Freude bereitet und 
darin, inwieweit er anregt zur formalen Modifizierung. Manche Jungen 
kneten gern weichen Stoff. Andere arbeiten mit blankem Metall lieber. 
Einige lieben Holz und können aus ihm viel mehr machen — also ver- 
arbeitungstechnisch, phantasievoll, erfinderisch betrachtet — als aus Papier 
oder Arbeiten mit Steinen. Eigenartige Beziehungen zu Textilerzeugnissen 
finden sich bei Mädchen. Manche Menschen arbeiten gern in Flüssigkeiten 
(Wasser, chemischen Bädern usw.). Alle diese Dinge erklären sich aus ver- 
schiedenen emotional-unterbewußten Beziehungen zum Stoff. Einschlägige 
Untersuchungen zu dieser Frage, die arbeitswissenschaftlich noch keine 
Behandlung gefunden, habe ich zur Zeit eingeleitet. Es kommt wieder nur 
auf das Wesentliche an, und dies besagt, daß berufskundlich Ichanalyse 
und Materialfrage in ganz bestimmtem Zusammenhang stehen. Ja, daß die 
Materialgefühle überhaupt nur verstanden werden, wenn wir das Unter- 












. 



28 Dr. Fritz Giese 



bewußtsein erschließen. Der Weg kann vorteilhaft nur über die Psyche 
analyse leiten. 

Doch nicht nur das Material gefühl entscheidet. Die Berufsneiguru 
als Ganzes ist gefühlsbetont. Wir kennen aus einschlägigen Untersuchungei 
die außerordentliche Mannigfaltigkeit der sogenannten Berufswünsche vor 
Kindern und Jugendlichen. Tägliche Praxis erweist, daß beispielsweise bt 
stimmte Lieblingsberufe zustande kommen, bei denen in allererster Linie 
der Wunsch nach gutem und schnellem Verdienst Anreiz zur Berufswahl 
war. Daher auch die Überfüllung dieser Lieblingsberufe des Drehers 
Schlossers und Elektromonteurs in industriellen Gegenden Deutschlands 
und die Nachwuchsverarmung wirtschaftlich nicht so günstiger Zweige, 
gleich dem Buchbinder, Gärtner oder Friseur — um einige Beispiele aus 
der Wirklichkeit zu nennen. Das ökonomische Motiv ist beim einfacher 
organisierten Menschen außerordentlich groß, würde jedoch nicht aus- 
reichen, um uns Berufsbeliebtheit und Berufswahl im allgemeinen wie im 
Einzelfall zu erläutern. Auch da kann die Psychoanalyse wieder besondere 
Aufklärungen gelegentlich bieten. 

Thalberg, Maday und Kramer haben sich bereits über die Berufs- 
psychologie in diesem Sinne geäußert, und Adler gab einen Beitrag zur 
Psychologie der ärztlichen Berufswahl. Wesentlicher und entwicklungs- 
möglicher erscheint mir aber eine Aufstellung, welche in anderem Zu- 
sammenhange St ekel bot. Er führt gewisse Berufsneigungen zurück auf 
psychologische Untergründe und man wird zugeben, daß seine Aufstellung 
aussichtsreiche berufskundliche Überblicke verheißt. Er kennt fünf Wahl- 
motive. Ein Typus nimmt einen bestimmten Beruf, weil er sich innerlich 
mit dem Vater identifiziert. Dieser Fall ist in Erbberufen sehr gegeben, 
kommt aber aus Milieugründen, aus der Beziehung zwischen Kind und 
Eltern, natürlicherweise auch vor, ohne daß das Vatervorbild äußerlich 
selbstverständlich gewesen wäre. Gegenstück ist der zweite Typus, der aus 
Differenzierung zum Vaterberufe entsteht. So wird der Kaufmannssohn 
oppositionell Künstler. Der Kampf zwischen den Generationen entscheidet. 
Wiederum ist die Familienstimmung für die Berufswahl entscheidend. 
Dritter Typus ist geleitet durch die Sublimierung der dem Ich inne- 
wohnenden Triebe. Hiebei sind diese Triebe als ausgesprochen objektiv- 
kulturfeindlich anzusehen. Sie werden durch den Beruf unterjocht. Der 
Beruf dient als Bändiger. So ist mancher Chirurg zu seinem Beruf gelangt 
und es gibt natürlich auch in den nichtakademischen Berufen ähnliche 
Fälle (vgl. Fleischer). Vierter Typus steht im Dienste unterbewußter 









Psychoanalytische Psychotechnik 



2 9 



Neigungen. Diese werden ausgebeutet für den Beruf, ergeben sogar oft 
berufliche Qualitäten höheren Grades. Neulich wurde ich mit einem der- 
artigen Fall bekannt. Es war ein Mann, der sich der Pediküre widmete. 
Er war ausgesprochener Fuß- und Beinfetischist, wußte dies auch und 
erklärte, daß es ihm beispielsweise eine tiefe Freude mache, sich vorzu- 
stellen, daß die von ihm behandelten Damen auf der Straße (an ihm) 
vorbeipromenierten. Friseure, Schuhmacher, Masseure, viele Modisten rechnen 
hieher. Auch Verkaufspersonal in Handschuhgeschäften, bei Juwelieren. 
Man kann selbstverständlich das gleiche auch in höheren Berufen finden — 
Beispiele zu bieten, wird sich erübrigen. Ein fünfter Typus ist narzißti- 
scher gerichtet. Er wählt den Beruf in Selbstschutz und zur Sicherung 
gegenüber unzweckmäßigen Neigungen, die dem Ich (also nicht so, wie 
beim dritten Typus, der Gesamtheit) schaden. So ist ein Richter zu be- 
greifen, der das Niederhalten eigner moralischer Schwäche im Beruf meistern 
will. Viele andere und gerade höhere Berufe rechnen in diese Gruppe. In 
jedem Fall sieht man ohneweiters ein, daß die unterbewußten Vorgänge 
eine sehr erhebliche Beeinflussung ausüben werden und man könnte 
Stekels Typologie durchaus noch erweitern. Es wird der Hinweis genügen, 
um anzudeuten, welche künftigen Aufgaben berufskundlicher Art gerade 
für die Psychoanalyse gegeben sind. Man braucht auch wiederum nur die Be- 
handlungsberichte von Patienten durchzublättern, um sofort in Fülle Belege 
zu ermitteln. Freilich fehlt auch da wieder die notwendige typologische 
Statistik, die dann psychotechnisch betrachtet von außerordentlichem Belange 
sein könnte, zumal Berufsgescheiterte für Beratungszwecke die Arbeits- 
wissenschaft ganz besonders interessieren. Ebendorthin rechnen Berufs- 
wechselmotive, Abwanderungstendenzen, soweit sie nicht rein wirtschaftlich 
notwendig sind oder aus sonstigen äußeren Gründen zustande kamen. 

Nach der kurzen Erläuterung psychoanalytischer Anwendung im Rahmen 
per Berufskunde zum zweiten: der Verwendung der Tiefenpsychologie für 
die eigentliche psychologische Beratung und Diagnose. Zur Eignungs- 
drüfung. — Hiebei sind zwei Gesichtspunkte grundsätzlich zu trennen. 
"Wir finden heute einmal das Beobachtungsprinzip, zum anderen das Ex- 
periment. Für beide Fälle, die sich in der Praxis zu ergänzen pflegen, 
einige Anmerkungen. 

Das psychologische Beobachten der Berufsanwärter findet heute schon 
seitens der Lehrer in den. Schulen statt. Es wird dann später hier und 
dort geregelt fortgesetzt während der Lehrzeit in den Werkschulen. Immer 
liegt dabei die Absicht zugrunde, sich Rechenschaft zu geben über die im 



go Dr. Fritz Giese 






Individuum schlummernden Eigenschaften. Zu diesem Zwecke hat man 
eigene Beobachtungsbogen entworfen; Vordrucke, die nach genauen Regeln 
und Schemata die berufsnotwendigen Gesichtspunkte vereinen. Es ist nicht 
Platz genug, um dergleichen Proben zu bieten, auch ist die Literatur über 
das Gebiet erheblich groß. Aber alle Bogen dieser Art berücksichtigen 
gerade die seelischen Eigentümlichkeiten, welche das Experiment ver- 
geblich suchen würde : die moralischen, ethischen, gefühlsmäßigen und 
voluntativen Eigenschaften. Auskünfte über sittliches Verhalten, über 
Ehrgeiz, Fleiß, Ordnungsliebe, Ehrlichkeit oder Wahrheitsstreben sind 
am Platze. Dergleichen Bogen waren vormals sogar in bestimmten Gegenden 
für weiteste Kreise gedacht. Es entstand indessen alsbald lebhaftester Wider- 
spruch. Aus innerpolitischen Gründen mußten die Entwürfe zurückgezogen 
werden — lächerlicherweise entstanden sogar Kämpfe um schulische Angabe 
der Konfession, der Aufmerksamkeit oder des Fleißes, und dieselbe partei- 
politische Machenschaft hat in Deutschland auch das Zensurenwesen wie 
die Methode der Rangplätze in den Schulen hier und dort grundsätzlich 
beseitigt. Ein wundervolles Beispiel für die hemmungslose Abreaktion der 
zur Macht gekommenen unteren Schicht. Die jahrelangen Fesseln wurden 
mit parteipolitischen Schlagworten beseitigt, man sprach von Wiederauf- 
leben eines Steckbriefverfahrens, wenn dergleichen Berufsberatungsbogen 
eingeführt werden sollten. Eine tiefere Begründung mochte gelegentlich 
deshalb gegeben sein, weil einige der Vordrucke außer der Individualauf- 
nahme des Stellenanwärters auch Familienvorgeschichte verlangte, über die 
Eltern und Geschwister Angaben forderten, die zu bieten den allermeisten 
Leuten außerordentlich hemmungsvoll wurde. Kriminalität, Krankheit, 
außereheliche Geburten u. dgl. kamen zu Protokoll, ja etliche Bogen 
suchten sich auch über Wohnungsgröße, Interessenahme der Eltern am 
Kinde, sogar über die Dauer der Stillzeit zu orientieren. Wiederum war 
die Folge die, daß die meisten Formulare im Publikum abgelehnt wurden 
und da die natürliche Trägheit der zur Ausfüllung bestimmten Pädagogen 
hinzukam — falls nicht der Geltungstrieb dieses Phlegma ins Wichtigtun 
umgekehrt hatte — so verschwanden die Beobachtungsbogen und machten 
höchstens kleineren Auskunftszetteln Platz, deren Verbreitung durch wirt- 
schaftliche Einengung vielfach segensreich beschränkt blieb. So außer- 
ordentlich gut der Grundgedanke der Familiengeschichte und der Beob- 
achtung des Anwärters war, so schwierig wurde es in der Wirklichkeit. 
Die Motive der Kämpfe gegen die Idee sind durchweg unterbewußt 
gegeben und eigentlich restlos nur psychoanalytisch, dazu massenpsycho- 



logisch zu verstehen. Die Analyse kann hier wiederum interessante Ent- 
deckungen machen. Als Forderung freilich bleibt dies: Beobachtungen ein- 
zurichten, welche die Erkenntnisse der psychoanalytischen Forschungen 
hinreichend verwerten, denn ganz zweifelsfrei ist der Beobachtungsbogen 
ein Weg zur Ergänzung des bloßen Experiments und für Mengenzwecke 
in dieser oder jener Weise das einzige Mittel. Beobachtungsbogen sind ge- 
blieben für pathologische und kriminelle Jugend. Für die Klientel der 
Berufsfürsorge. Hier wird eine Durchdringung der Motive des Handelns 
der gefährdeten Jugend mit tiefenpsychologischen Erkenntnissen erfreulich 
sein, da sich unter der Masse dieser Jugend, wie ich in jahrelanger Praxis 
fand, alle erdenklichen Spielarten finden; vom sexuellen Trauma des 
Klienten, von Kriminalität offener Art bis zu feineren und vielen unver- 
ständlicheren Verhaltungsweisen, gleich der Vagabundage, der phantastischen 
Lüge u. ä. m. 

Neben die Beobachtung trat das Experiment, die psychotechnische 
Eignungsprüfung im engeren Sinne. Man muß zugeben, daß manche Prüf- 
schemata in unglaublicher Oberflächlichkeit operieren. Willenseinstellungen 
werden höchstens durch ergographische oder Reaktionsversuche festgestellt, 
dagegen ist von gefühlsmäßigen Faktoren so gut wie nirgends die Rede. 
Es ist interessant, daß in wenigen Fällen dergleichen überhaupt gesucht 
ward. Man glaubte tatsächlich vom emotionalen Strukturelemente absehen 
zu können. Man trieb Mechanismus, statt seelisches Verstehen. Nicht alle 
Eignungsprüfungen müssen sich das vorwerfen lassen. Es sind bestimmte 
Verfahren ausgearbeitet und versucht worden, um in die Tiefe zu dringen. 
Eine Reihe derartiger Methoden seien kurz erwähnt, indem zugleich die 
praktische Bewährung in der Eignungsprüfung angemerkt werden soll. 
Alle diese Versuche mögen dem geschulten Psychoanalytiker unendlich ein- 
fältig und zu grob erscheinen; es wird aber am Schluß eine Darlegung 
der wirklichen Aufgaben der Psychotechnik erfolgen und sich daraus diese 
krampfhafte Bemühung erklären lassen. 

Zunächst ist eine Reihe von sogenannten Tests erwähnenswert, die es 
sich zur Absicht machten, das sittliche Verhalten, die ethische Einstellung 
des Prüflings zu ermitteln. Nicht alle können hier erwähnt werden, nur 
die wesentlicheren Verfahren, die irgendwie etwas Neues brachten. Da 
wäre zu nennen das Verfahren von Ziehen, der Verbrechen und Hand- 
lungen beurteilen ließ. Nach meinen eigenen Ergebnissen indessen stellte 
sich heraus, daß dieses, von manchen nachgeahmte Untersuchungsverfahren, 
gerade in entscheidenden Fällen uns nicht den Blick in die Tiefe tun 



läßt, den wir brauchen. Ich prüfte ethisch Minderwertige und auch Krimi- 
nelle und fand sehr häufig tadellos „ethische", also unverdächtige Lösungen. 
Auch der Abwegige kann eben theoretisch angemessen denken — wenn 
es just verlangt oder erwartet wird — aber zwischen Theorie und Hand- 
lung klaffen Unterschiede. Wesentlich gewandter ist dann die Methode 
Fernaids, der ebenfalls kriminelle Fälle gab, jedoch nun nicht weiter 
abfragte oder auf gut? oder schlecht? und mit der bloßen Warumfrage 
arbeitete, sondern Rangreihen bilden ließ. Auf Karten verzeichnete illegale 
Handlungen waren — quasi vom Standpunkt des beurteilenden Vor- 
gesetzten oder Richters — nach Schwere des Vergehens zu „ordnen . Dieser 
technische Kniff verrät indirekt erheblich mehr und wenn man ferner die 
Beispiele nicht zu drastisch gibt, sondern Tatbestände beifügt, die vulgär 
möglich sind, so findet man hübsche Einblicke in die Auffassungswelt des 
Prüflings. Aber einwandfrei ist der Versuch auch noch nicht, denn ihm 
ermangelt die Spontaneität des Handelns. Ich habe entsprechende Beispiele 
in meinem Buche „Eignungsprüfungen" mit Lösungsergebnis vorgeführt. 
Ebendort entwickelte ich einen anderen Versuch, den ich „Stellenanwärter- 
test nenne. Die Versuchsperson soll sich nach Bild und Personalbeschrei- 
bungen eine Verkäuferin für ein Geschäft auswählen. Die Bilder und 
Personalbeschreibungen sind so gewählt, daß Wertungen unbedingt erfolgen 
müssen. Der Versuch lief besser ab, als der Fernaldsche, da hiebei die 
Versuchsperson ganz unvermittelt sich verraten kann. Heftige, gefühls- 
betonte Stellungsnahmen treten spontan auf. Innerpolitische Standpunkte, 
Erinnerungen an eigenes Erleben wird oft sprudelnd produziert. („Na, das 
ist auch so eine, ich weiß Bescheid, wie bei der Frida N . . . „Was, die 
soll in ein Geschäft und hat das Lyzeum besucht? Da nimmt sie unser- 
einen doch nur das Brot weg . . ." „Das uneheliche Kind bei dieser hier 
schadet nichts. Ist Privatsache . . ." „Geschlechtskrank war sie vor fünf 
Monaten . . . Mit so einer würde ich nicht zusammen arbeiten usw. . . .") 
Je harmloser der Versuch aufgezogen wird, um so bessere Einblicke ver- 
schafft er uns. Ideal freilich ist auch diese Probe nicht. 

Man kann auch die Phantasie und Kombination reizen, um so Ein- 
blicke zu erhalten. Hier wäre das Rorschachsche Verfahren zu nennen, 
das Römer nachgeprüft und verbessert hat. Ich muß nach eigenen Ver- . 
suchen bestätigen, daß dieser Test — das Deutenlassen farbiger Klexo- 
graphien, nach dem Vorbild Kirckpatricks u. a. — nicht ohneweiters 
für jede Klientel paßt. Ungebildete genierten sich, fanden sich wohl ver- 
ulkt. Wenn auch dann die aufsteigende Reaktion des Selbstbewußtseins 



Psychoanalytische Psych otechnik 32 

interessant ist, so bricht der Versuch doch leicht vorzeitig ab. Die Figuren 
sind auch etwas zu ähnlich, zu schematisch in ihrer Symmetrie. Römer 
hat die Vorlagen verbessert, und ich selbst habe versucht, durch zwei weitere 
Modifikationen weiter zu kommen: ernstlich durch dreidimensionale, also 
körperliche, farbige Gebilde und dann durch veränderliche, im Rauch- 
verfahren gewonnene Phantasiesymbole. Gerade das letztere scheint nicht 
übel zu sein, da es schnelle, unvermittelte Anpassung, fast im Sinne der 
freien Assoziation, bedingt. Ich berichte bei Gelegenheit über diese Ver- 
suche. Grundsätzlich ist wieder zu sagen, daß das Deutenlassen von 
Rorschach-Figuren seinen Wert haben kann, daß es aber methodisch noch 
verbesserbar ist, da viele Menschen Hemmungen besitzen oder so stark 
perseverieren bei Produktion ihrer phantastischen Einfälle, daß in der 
Eignungsprüfung leider zu wenig herauskommt aus dem Experiment. Ich 
habe übrigens bereits 1915 in meiner Arbeit über Korrelationen noch ein 
anderes Verfahren der suggestiv geleiteten Phantasie mitgeteilt, nämlich 
Darbieten von berußten Figuren im Tachistoskop. Mischt man sinnvolle 
und sinnlose Schwarzweißgebilde und bietet sie (angeblich zwecks „Augen- 
prüfung") kurzzeitig, so findet man bestimmte Typen, die außerordentlich 
starke Phantasien aus den sinnlosen Gebilden entwickeln, sie deuten, ohne 
eine Ahnung zu besitzen, daß gar nichts zu deuten wäre. Ich fand so sehr 
kennzeichnende Hinweise der Deutung: junge Mädchen mit Bändern, 
Eingeweide u. a. m. wurde aus sinnlosen Schnörkeln abgelesen. Auch 
dieser Versuch ist möglich und besitzt den Vorzug, besonders harmlos zu 
wirken. Das ist wichtig, da viele Experimente versagen, wenn die Versuchs- 
person zu deutlich merkt, was von ihr eigentlich verlangt wird. Aus diesem 
Grunde ist auch der freie Assoziationsversuch, den ich immer den Eignungs- 
prüfungen einfügte — unter Wahl usueller Stichworte mit möglichem 
Komplexwert — nur bedingt brauchbar für vorliegende Zwecke. Viele 
genieren sich zu stark, andere assoziieren gänzlich oberflächlich (Klang- 
assoziation, Gegensatzassoziation usw.). Dazu kommen Schwierigkeiten in 
der mündlichen Verständigung, weil die gegenseitige Gewöhnungszeit zu 
kurz ist. Nur bei Hysterikern (Kriegsbeschädigten) ergaben sich typische 
Verhaltungsweisen: nicht nur komplexbedingte Zeitverlängerungen (Reiz- 
wort: Rente, Arbeit, Krüppel usf.), sondern auch Wutanfälle mit Über- 
gang zu Tätlichkeitsversuchen, Zitterausbruch usf. Dergleichen kann renten- 
diagnostisch sehr wertvoll sein. Im großen und ganzen, und bei normalem 
Material, ist die Assoziation in der Eignungsprüfung nicht verwendbar. Das 
gleiche gilt von der gebundenen Assoziation (die besser durch reine Intelli- 



:— . 






34 Dr. Fritz Giese 




genzprüfungen Ersatz findet) und eingeengt geleiteter Assoziation ; etwa dem 
Hersagen von frei einfallenden Worten in fünf Minuten oder Nennen von 
Worten mit bestimmten Anfangsbuchstaben. Das Wesentliche ist, daß hiebet 
der Ernst der Prüfung nicht immer gewahrt bleibt, daß viele meinen, 
veralbert zu werden. Die Sachlage gegenüber der psychoanalytischen Be- 
handlung ist eben eine ganz andere. 

In Anbetracht solcher Tatbestände habe ich im Bemühen, der psycho- 
technischen Eignungsprüfungen Tiefeneinblicke zu verschaffen, weitere neue 
Methoden erprobt. — Ich nenne zunächst zweierlei: meinen Spontanklappen- 
apparat und die Arbeitsprobe. Ersterer besteht darin, daß man mit der 
Versuchsperson einen Pseudogedächtnisversuch macht. Zu diesem Zwecke 
geleitet man sie in ein Einzelzimmer, das einen Bahmen mit vierund- 
zwanzig Klappen an der Wand aufweist. Jede Klappe trägt ein Titelschild. 
Hebt man die Klappe, ist darunter eine Photographie zu sehen. Titel und 
Photoinhalt sind verschiedensten Gebieten entlehnt: Technik, Geschichte, 
Erotik, Kriminalistik usf. Der Prüfling soll sich Titel und Inhalt gut ein- 
prägen und wird zwanzig Minuten allein gelassen. Nun ist jede Klappe 
mit elektrischem Kontakt versehen, der zu einem Lampensignalfeld im 
Zimmer des Versuchsleiters führt. Außerdem sind Beobachtungslöcher ver- 
steckt in der Wand. Der Versuchsleiter kann am Signalfeld beobachten, 
welche Bilder am häufigsten und am längsten beobachtet wurden, da die 
Pseudolernzeit zu lang gewählt ist, der Prüfling demnach alsbald Wahl- 
beobachtung treibt. Direkt gibt zudem das Schauloch Auskunft. Der Apparat 
arbeitete außerordentlich drastisch. Wie ich in meiner Mitteilung auf dem 
Kongreß in Milano angegeben, wurden mir zu bestimmtem Prozentsatz 
beispielsweise Aktbilder gestohlen. Einige Typen trieben offensichtlich 
Masturbation. Andere richteten sich durchaus lyrisch-gefühlbetont ein, lasen 
Gedichte, sahen dramatische Szenen genauer an usf. Andere waren unge- 
horsam, folgten nicht der Instruktion, sondern aßen ihr Brot. Andere 
zündeten sich eine Zigarette an, wieder andere dösten vor sich hin. Der 
Abschluß des Pseudogedächtnisversuchs besteht darin, daß die behaltenen 
Titel und Bildinhalte vom Prüfling aufgeschrieben werden. Hiebei sind 
abermals interessante Divergenzen zwischen objektiver Beobachtung und 
subjektiven Angaben (scheinbares Vergessen ; Unterschlagung von gesehenen 
Bildern) häufig. Ähnlich habe ich auch Pseudoatemversuche mit umge- 
schnalltem Pneumographen unter Alleinbleiben der Versuchspersonen ge- 
macht. Der Prüfling erhielt dann ein Bilderalbum zum Beobachten. 
Mittels Schauloch aus dem Nebenzimmer wurde sein Verhalten beobachtet 



iZFrz7xxv*~Tx- 



Psychoanalytische Psychotechnik 



55 



und beim Umblättern stets ein Markiermagnetsignal auf der Rußfläche des 
Kymographions vermerkt, um später die Symptome der Atemkurve festzu- 
legen. Hiebei kam es — vor allem beim weiblichen Geschlecht — oft zum 
Tagtraum. Doch eignet sich diese Variante nur unter Vorsicht (Komplex- 
verhütung ist notwendig bei Psychogenen). 

Ganz anders ist die Arbeitsprobe gedacht. Ich verweise auf meine ent- 
sprechende Darstellung an anderer Stelle. Grundsätzlich wird an neutralem 
Stoff eine Arbeitserledigung verlangt und das Gesamtverhalten des Prüf- 
lings in kollektivem wie singulärem Arbeiten, neben quantitativer Analyse 
des Leistungseffekts, beobachtet. Emotional bestimmte Tiefenregungen wie 
Wut, Ehrgeiz, Verschlagenheit, Zuvorkommenheit, Selbständigkeit, Mut- 
losigkeit und vieles mehr zeigt sich sogleich und bietet naturgemäß gute 
Einblicke, weitaus tiefer, als . reine Tntelligenzproben oder sinnespsycho- 
logische Befunde. Zum Schluß kann erwähnt werden, daß sich gelegentlich 
auch die graphologische Diagnose — in Ergänzung hiezu und mit Benützung 
der Klag es sehen Grundsätze — bewährte. Hierüber habe ich früher berichtet. 
Neuerdings habe ich alsdann in noch zwei weiteren Tests Hilfsmittel 
für Tiefenpsychologie erstrebt. In meinem (bereits in den „Eignungs- 
prüfungen", S. 270 ff. erwähnten) Paradoxietest und in dem „Körperhaltungs- 
Einfühlungsversuch" . 

Der Paradoxietest kann nämlich thematisch in eine Zone gebracht 
werden, der psychoanalytisch kennzeichnende Bewußtseinsinhalte besonders 
nahe liegen. Bei ihm soll bekanntlich der Prüfling alle Folgerungen aus 
einer paradoxen Prämisse in Stichsätzen niederschreiben. Ist die Prämisse 
angemessen geboten, zeigen die produzierten Denkfolgerungen interessante 
Angaben. Versuche, die bereits mit zwölf- bis vierzehnjährigen Schul- 
kindern begannen, boten schöne Einblicke. War etwa gegeben: „Was 
würde geschehen, wenn eines Tages plötzlich überall statt Wasser — 
Marmelade sich befände?" so beobachtete man außerordentlich klar das, 
woran der Prüfling zunächst dachte. Also die Bereitschaft von Bewußt- 
seinsinhalten ; die Weckzeit für bestimmte Inhalte. Daß derartige Individual- 
inhalte Symptomwert tragen, braucht nicht betont zu sein! Thematisch 
ähnliche Ergebnisse kamen z. B. auch bei der Prämisse zustande: „Eines 
Tages sind alle Frauen vier Meter, alle Männer nur fünf Zentimeter groß." 
Hier fand ich bei Kindern wie Erwachsenen sehr fesselnde Ergebnisse: 
beim weiblichen Geschlecht wurde etwa die Möglichkeit des leichten 
„Tottretens" der kleinen Männer (man gedenke des „Kopfzertretens der 
Schlange!"), des Ansichreißens der Herrschaft im Lande — aber auch die 

3' 






§■■■■■■■■ 



Unmöglichkeit, den „Bart zu sehen", sehr oft — und auch schon bei 
Zwölfjährigen — erwähnt. Im umgekehrten Fall (Männer drei Meter, 
Frauen fünfzig Zentimeter) wurden männliche Tyranneneinstellungen usw. 
geweckt. Ich komme auf diese Dinge, welche mein Paradoxietest ermittelt, 
zurück, da ich den Versuch auch in Beziehung zum schizophrenen Vor- 
stellungskreis erforsche. Die Einfühlungsprobe auf „Körperhaltung" besteht 
darin, daß jemand Posen imitieren muß. Diese werden in Bild, besser in 
Lichtbild, und zwar bei Dauerpose, vorteilhafter noch (filmartig) in Wechsel- 
stellungen geboten. Man kann auch aus Vorbildern Posen „wählen" lassen. 
In jedem Fall offenbart sich hier die Beziehung zwischen Ich und vor- 
geführtem Ausdruckstyp. Dem einen „liegt" die heroische, dem anderen 
die melancholische Pose eher; er fühlt sich jeweils rascher ein, kann 
auch temporärem Wechsel gewandter Folge leisten. Der Gedanke des 
„Körperhaltungs-Einfühlungstests" beruht auf Beobachtungen, die ich im 
Gebiete der Körperkultur machte, worüber auch mein Buch „Körperseele" 
Bildmaterial bietet. Es ist hier nicht der Ort, näher darauf einzugehen. 
Zumal die Psychoanalyse kann dem Gedanken Wert abgewinnen; hievon 
bei Gelegenheit. 

Überschaut man alles, wird man zugeben, daß die Psychotechnik sich 
bemüht hat, den Anforderungen auf Tiefenschau gerecht zu werden. Mehr 
als dergleichen vermag sie bisher nicht zu leisten. Es kann psychoanaly- 
tischen Gepflogenheiten kaum genügen. Leider aber versagen bei so kurz- 
fristigen Untersuchungen alle sonstigen Bemühungen ganz und die klassische 
Form der Analyse wird unmöglich. Ein wenig günstiger mag es liegen, 
wenn wir die psychodiagnostischen Verfahren über die Berufsauslese aus- 
dehnen auf die Lehrzeitbeobachtung. Hier steht dem Psychologen mehr 
Zeit — zumindest vier Wochen bis ein halbes Jahr — zur Verfügung. 
Er will sehen, ob der Lehrgang Erfolg verspricht und soll dann die Elemente 
herausnehmen, deren Ausbildung sich nicht zu verlohnen scheint. Daselbst 
steht zudem zweierlei im Mittelpunkt des Interesses: erstlich die Pubertät 
des Jugendlichen, die eine Momentaufnahme bei Prüfungen schwerlich 
faßt und die erfahrungsgemäß den Entwicklungsgang erheblich ändern 
kann. Das ist wiederum ein ganz typisch psychoanalytisches Problem und 
nach meinen Beobachtungen kommt man hinter oft rätselhafte Versager 
sonst bestens beanlagter — gerade auch intellektuell gutbefähigter — Lehr- 
linge nur, wenn man die Psychoanalyse in ihren Erkenntnissen wertet. 

Ein zweites ist weniger bekannt: das Problem der Lehrstelleneichung. 
Mir ist aus großstädtischen Berufsämtern bekannt, daß bestimmte Lehr- 












Psychoanalytische Psychotechnik 



57 



stellen bei bestimmten Lehrlingstypen eine Gefahr darstellen. Es finden 
sich Meister und Vorgesetzte von zweifelhaft normalem Empfinden. Eine 
deutsche Großstadt hat beispielsweise eigens Rechercheure angestellt, um 
Gefahren der Homosexualität des Meisters zu verhüten, weil dergleichen 
vorkommt. Der Weg für die Praxis führt zumeist über das (geänderte) 
Verhalten des Lehrlings und die Diagnose kann sich daher auch auf eine 
Eichung von Lehrstellen im objektiven Sinne erstrecken. Daß dies alles 
jedoch nie experimentell, sondern rein analytisch vonstatten gehen müßte, 
ist ohneweiters klar. 

Wir schließen, indem wir die Aufgaben zusammenfassen, deren Er- 
füllung durch psychoanalytische Methoden zu erhoffen wäre, da die normale 
Psychotechnik nur selten oder gar nicht genügt: Als Klientel wird sich der 
Aufgabenkreis zunächst nur drei Arten von Berufsvertretern suchen, nicht 
etwa alle. Ich rechne hieher die Pathologischen, die Gefährdeten und die 
Anbrüchigen. Unter die Pathologischen rechnen beispielsweise die Hilfs- 
schüler, Geistesschwachen aller Grade, auch Mindersinnige. Gefährdet ist 
das Gros der der Jugendfürsorge Unterstehenden und die Fälle, in denen 
das häusliche Milieu (Elterneigenart) Beachtung verdient. Bei den Kriegs- 
beschädigten kommen alle Neurotiker nach Unfall, die Psychogenen 
(Hysteriker usw.) und insgesamt alle Kopfschußverletzten in Betracht. 
In erster Linie sind hier nach meinen jahrelangen Erfahrungen die 
Epileptiker und die Stirnhirnverletzten wichtiges Material, da (wie ich 
immer beobachten mußte) dort sehr erhebliche Einflüsse auf libidinöse 
Komponenten zustande kommen. Eine große Zahl der Stirnhirnleute 
erbrachte eheliche Konflikte. Ich kann hier nicht auf nähere Begrün- 
dungen verweisen. 

Daß gelegentlich ausgelesene Hochbegabungen der analytischen Durch- 
prüfung bedürfen, mag sein. Vorerst wird man freilich eher eine Analyse 
erfolgreicher Menschen erhoffen, da man die Grenze, von der aus 
Abweichung von sogenannter Normalität und glatter Funktion des un- 
gestörten Unterbewußtseins schädlich wirkt, bis jetzt einwandfrei noch 
nicht ermittelte! Wir brauchen in diesem Sinne eine Art Verdrängungs- 
ökonomie und eine Musterung teleologisch angemessener Sublimierungs- 
wege der Psyche. Mit Putnam möchte ich also — wenigstens für Zwecke 
der wirtschafts-wissenschaftlichen Fragen — gerade auch auf philosophi- 
sche Gegebenheiten und Wertungsgegenstände verweisen, obwohl mir die 
ablehnende Haltung diesen Ansichten gegenüber von mancher Seite be- 
kannt ist. 



< 







5» 



Dr. Fritz Giese 



Zweitens ist wichtig, daß die Psychoanalyse für Vorschulung der in 
dieser Materie tätigen Kräfte sorgt. Die Schulung der Experten ist um so 
nötiger, um das Schlimmste, nämlich die spielerische Beschäftigung mit 
der Analyse, zu verhindern und aus der Wissenschaft das ausgesprochene 
Dilettantentum, die wilde Praktikerschaft zu vertreiben. Dieser Weg ist 
sicherlich schwerer, als alles andere und bedingt für das genannte Gebiet 
auch einen zweckmäßigen Ausschnitt aus der ganzen Lehre, denn alles 
wird in der Berufsberatung ja nur unter bestimmten Sonderbedingungen 
zur Diskussion stehen. So fällt das eigentliche Therapieprinzip für die Aus- 
lese jedenfalls fort. Die Praktiker würden den Fall dem Sonderfachmann 
weiterzuleiten haben, um Heilungen zu versuchen. Aufklärung in aus- 
gelesener Art und in strengster Methodik ist daher nötig, wenn die Psycho- 
analyse den genannten Aufgaben gerecht werden soll. 

Endlich ein drittes: wir benötigen neuer Methoden der Art, daß die 
Diagnose und Prognose schnell erzielbar ist. Ich betone, daß die Therapie 
nicht mehr zu den Aufgaben der Eignungsprüfung rechnet. Die oben ge- 
nannten Erfahrungen aus der wirklichen Praxis der Psychotechnik geben 
zu denken! Die Prüfungszeiten sind so kurz, daß selbst der gewöhnliche 
Assoziationsversuch versagen kann, und daß man nur mit Tricks einiges 
erreicht. Denn mehr als drei Sitzungen pro Kopf gestattet die heutige 
Frequenz nicht. Die Eignungsprüfung wird zu teuer und wegen zu geringer 
Mengenerfassung auch wertgemindert. Die praktische Berufsauslese fordert 
Massendurchtrieb. Rechnen wir von diesem aber auch nur die eben er- 
wähnte, typisch der Psychoanalyse zu unterstellende, Klientel ab, so wird 
man doch zugeben, daß die Zeitkürze sich mit der Therapiebreite über- 
haupt nicht mehr vergleichen läßt. Es war mir äußerst interessant zu sehen, 
daß dieses Problem übrigens auch die Therapie selber bewegt, wenn ich den 
Bericht der Berliner Psychoanalytischen Poliklinik durchlese. Die Behandlungs- 
dauer ist selten ideal gedehnt, viele brachen vorher ab und manche wurden 
auch relativ schnell fertig. Es sind nicht nur ökonomische Ziele, als sach- 
liche Ideale, die uns vorschweben, wenn wir eine schnelle Diagnose — 
und nur die Diagnose brauchen wir! — der Eignungsprüfung zu über- 
mitteln fordern. 

Es entsteht daher die neue Aufgabe, für psychoanalytische Schnell- 
diagnostik Verfahren und für deren Ergebnisse eine Symptomlehre zu ent- 
wickeln. Hiebei würde der Tiefenschnitt in die Persönlichkeit nur dem 
Wesentlichen gelten, während das Herauspräparieren der verlagerten und 
überwachsenen Komplexe für eine robuste Berufungsberatungspraxis kaum 



Psychoanalytische Psychotechnik 



59 



erforderlich ist. Bis diese Aufgabe gelöst wird, muß die Psychotechnik sich 
mit ihren oberflächlicheren Verfahren begnügen, kann also auch die 
Eignungsprüfung nicht zu optimaler Sicherheit gelangen. 

Anderseits würde die neue Aufgabenstellung auch für die Psychoanalyse 
selbst wertvoll sein können: denn die Schnelldiagnose ist therapeutisch zu 
verbinden mit der Forderung nach fraktionierter Analyse. Sie hat als solche 
auch in der Berliner Statistik bereits ihren Ausdruck gefunden! Hinzu 
käme die wissenschaftliche Erkenntnis, daß eine Totallösung individuell 
gar nicht erwünscht sein mag; viele Individuen brauchen, rein biologisch, 
ihren Komplex; sind komplexfrei unglücklicher — beziehungsweise un- 
möglich, da sie sogleich neue Ersatzkomplexe produzieren. 

Die Symptomlehre aber führt zu einer psychoanalytischen Typologie. 
Wir warten notwendigerweise auf diese charakterologische Zusammen- 
fassung und schon die vorliegenden, reichen Erfahrungen der Analytiker 
sollten eine solche „Menschenkunde" ermöglichen. Mit anderen Worten 
müssen aus Einzelfällen (wie stets in der Psychologie) Allgemeinerkennt- 
nisse folgen und es kann hiebei weniger Wert auf belletristische Dar- 
stellung der Einzelkasuistik als auf nüchterne Synthese der charakterologi- 
schen Typen-Populationen Wert gelegt werden. Dadurch würden zugleich 
weitere wissenschaftliche Fragen (wie etwa die nach der Konstanz des 
Typus im Individuum; nach Korrelation von Altersstufe und Typen- 
gestaltung) eine angemessene Bearbeitung finden. 

Man möchte hoffen, daß die Fragen der Psychotechnik Anregung für 
die psychoanalytische Forschung enthalten und nicht umsonst gestellt sind. 



LITERATUR 

Hermann, Intelligenz und tiefer Gedanke. Internationale Zeitschrift für Psycho- 
analyse, Bd. 6, 1920. — Grüninger, Psychotechnik und Psychoanalyse. Ebendort. — 
Ernst Scheider, Psychotechnik und Psychoanalyse „Schulreform" (Berner Seminar- 
Hätter) 1921. — Römer, Über die Anwendung des psychodiagnostischen Verfahrens 
nach Rorschach auf Fragen der Berufsberatung. Kongreßbericht über den 7. Kongreß 
für experimentelle Psychologie. Jena 1922. — Desgleichen auf dem 8. Kongreß für 
Psychologie. Leipzig 1923 und in „Praktische Psychologie" 1925. — Baumgarten, 
Die psychoanalytische Bewegung. „Praktische Psychologie" 1920. — Friedländer, 
Eignes und Fremdes zu der Freudschen Psychoanalyse. Zeitschrift für angewandte 
Psychologie, Bd. 22, 1925 — Giese, Medizinische Psychologie in „Psychotechnische 
Rundschau", Cöthen 1922. — Eitingon, Bericht über die Berliner Psychoanalytische 
Poliklinik. Zeitschrift für Psychoanalyse, Bd. 8, 1922. — Giese, Berufspsychologische 
Beobachtungen im Reichstelegraphendienst. Leipzig 1923. — Thalberg, Zur Berufs- 
wahl. — Kramer, Kindliche Phantasien über Berufswahl. — Maday, Psychologie der 



1 



4 o 



Dr. Fritz Giese: Psychoanalytische Psychotechnik 



Berufswahl. — Adler, Ein Beitrag zur Psychologie der ärztlichen Berufswahl: sämt- 
lich in Adler-Purtmüller, „Heilen und Bilden", München 1914. — Stekel, Berufs- 
wahl und Kriminalität, Archiv für Kriminalanthropologie, Band 41, 1911. — Ziehen, 
Die Prinzipien und Methoden der Intelligenzprüfung. Berlin 1911. — Stern- Wieg- 
mann, Methodensammlung zur Intelligenzprüfung. Leipzig 1922. — Fernald: siehe 
Jacobsohn-Lask, Über die Fernaldsche Methode. Leipzig 1920. — Giese, Psycho- 
technische Eignungsprüfungen an Erwachsenen. Langensalza 1921. — Rorschach, 
Psychodiagnostik. Bern 1921. — Kirckpatrick: vgl. Meumann, Vorlesungen zur 
Einführung in die experimentelle Pädagogik, Bd. II. Leipzig 1913. — Giese, Korre- 
lationen psychischer Funktionen. Zeitschrift für angewandte Psychologie, Bd. 10, 
1915. — Giese, Über erotische Inklination. Kongreßbericht über den 5. Kongreß 
für Psychotechnik, Milano 1922. — Giese, Die Arbeitsprobe in der Psychognostik. 
Zeitschrift für angewandte Psychologie. 1924. — Giese, Handschriftendiagnose in 
„Deutsche Psychologie", Bd. III, 1921. — Klage s, Handschrift und Charakter. Leipzig 
1917. — Putnam, Allgemeine Gesichtspunkte zur psychoanalytischen Bewegung. Inter- 
nationale Zeitschrift für Psychoanalyse, Bd. 4, 1918. — Jones, Nachruf auf Professor 
Putnam. Ebendort, Bd. 5, 1919. — Giese, Körperseele. München 1924 (Delphin- 
verlag), und Giese, Ausdruckshand und Arbeitshand. Zeitschrift „Arbeitsschule" 1924. 



IMAGO -BÜCHER 



I. 
DER KÜNSTLER 

ANSÄTZE ZU EINER SEXUAL-PSYCHOLOGIE 
Von Dr. OTTO RANK 

Das Werk Ranks behandelt in lichtvoller Darstellung 
entscheidende Fragen. Der Weg Ist kühn — aber kein 
Marsch auf der StraOe. D i e Z c i t. 

Viele sehr verdienstvolle, -wenn auch harte und bei- 
nahe rücksichtslose Meinungen. Es gehört eine große 
Freiheit des Geistes und eine sehr schätzbare Unbe- 
fangenheit dazu. Rank hat auf dem Wege zur Seelen- 
schau des Künstlers eine ganze Menge psychologischer 
Probleme auf ihren sexuellen Gehalt hin geprüft und 
mit schöner Prägnanz demonstriert. 

Münchner Allgemeine Zeitung. 

IL 
TOLSTOIS KINDHEITS- 
ERINNERUNGEN 

EIN BEITRAG ZU FREUDS LIBD30THEORIE 

Von Dr. N. OSSIPO "W 

Auf der gigantischen Persönlichkeit dieses großen 
Russen, erschütternd entgegeuschimroernd aus seinem 
künstlerischen Schaffen, fast nacktgeschürft in dem 
Autobiographischen, ruht hier zum erstenmal der 
geschärfte und geläuterte Blick psychoanalytischer 
Erkenntnis. Der Mensch und Künstler, selbst ein 
Zergliedercr, selbst ein Troger genialischer Tiefen- 
psychologie, tritt hier in den Leuchtkugel modernster 
wissenschaftlicher Secleneinsicht. In merkwürdiger 
Weise kreuzen sich dabei die Wege Tolstoischer 
Sexual grübet ei mit denen der psychoanalytischen Eros- 
ichre. Die Studie beansprucht, sowohl von den Ge- 
nießern Tolstoischer Kunst willkommen geheißen zu 
werden, als auch bei dem wissenschaftlich orientierten 
Leser brennendes Interesse vorzufinden. 



III. 

DER EIGENE 
FREMDE 



UND DER 
GOTT 



ZUR PSYCHOANALYSE DER 
RELIGIÖSEN ENTWICKLUNG 

Von Dr. THEODOR REDX 

Inhalt; Über kollektives Vergessen. — Jesus und 
Moria im Talmud. — Der hl. Epiphanius verschreibt 
sich. — Die wiederauferstandenen Götter. — Das Evan- 
gelium des Judas Ischkarioth. — Die psychoanalytische 
Deutung des Judasproblems. — Gott und Teufel. — 
Die Unheiralichkcit fremder Götter und Kulte. — Das 
Unheimliche aus infantilen Komplexen. — Die Äqui- 
valenz d. Triebgegensatzpaare. — Ü ber Differenzierung. 
Diese Arbeiten sollen, schreibt der Verfasser in der 
Vorbemerkung, „einen Versuch darstellen, von ana- 
lytischen Gesichtspunkten aus die Erscheinungen der 
religiösen Feindseligkeit und Intoleranz psychologisch 
zu erklären und zugleich den tieferen Ursachen der 
religiösen Verschiedenheiten nachzuforschen. Woferne 
die Konvergenz der Ergebnisse in- diesen von ver- 
schiedenen Seiten hergeführten Untersuchungen einen 
Schluß auf die Richtigkeit des Ganzen zuläßt, wurde 
ich hoffen, daß die vorliegende Aufsatzreihe ein 
wichtiges Stück der religiösen Entwicklung in einem 
neuen Lichte erscheinen läßt." 



IV. 

DOSTOJEWSKI 

Von JOLAN NEUFELD . 

Wie ist es möglich, daß ein Mensch so loyal gesinnt 
ist und dabei an einer 'Verschwörung gegen den 
Zaren teilnimmt? Wie kann jemand tief religiös und 
zugleich absolut ungläubig sein ? Woher kommt es, 
daß ein Mensch, der mit jeder Nervenfaser an seiner 
Heimatscholle klebt, Monate, ja Jahre im Auslande 
verbringt? Woher kommt es, daß er dem Geldo un- 
unterbrochen nachjagt, um es dann wie etwas voll- 
kommen Wertloses zum Fenster hinauszuwerfen ? 
Wie das Leben, so ist auch die Dichtung Dostojewskis 
enignmtisch. Rätselhafte Charaktere, entgleiste Perverse 
sind die Helden seiner Romane und gehen uns Bätsei 
über Rätsel auf, die mit der liewußtseuispsychologie 
überhaupt nicht lösbar sind. Der Zauberschlüsscl der 
Psychoanalyse aber sprengt die Schlösser. 

V. 
GEMEINSAME 

TAGTRÄUME 

Von HANNS SACHS 

Als die Psychoanalyse auf die entscheidende Bedeutung 
der Tagträume für den Lebensweg und die Liebeswahl 
des Einzelnen hinwies, traf sie wenigstens an dieser 
einen Stelle mit einer längst gangbaren Überzeugung 
zusammen, daß nämlich die Tagträume die allgemein 
menschliche Vorstufe seien, von der aus sich in be- 
gnadetem Sonderfalle der Aufstieg zum Kunstwerk, 
zur Dichtung vollziehe. Sachs weist nun die unbe- 
wußten Quellen der Tagträume nach, und untersucht 
eingehend die Frage, wie sich der Tagtraum zum 
Kunstwerk verwandelt, wodurch sich der Dichter vom 
Neurotiker, vom Verbrecher, vom Führer der Masse 
UTid schließlich in der Literatur vom Pfuscher und Nach- 
ahmer unterscheidet. Er weist auf den Zusammenhang 
zwischen dem nach Entlastung lechzenden Schuldbe- 
wußtsein und dem zur Aufgabe des Ichs und zur 
Verschiebung auf das Werk bereiten Narzißmus hin. 
Im Besonderen analysiert er dann in zwei breit an- 
gelegten Studien zwei Kunstwerke, die beide Anzeichen 
und Vorboten einer Produktionshemmung im Leben 
ihrer Schöpfer darstellen: Schillers„Geisterseher" 
und Shakespeares „Sturm". Die Psychoanalyse 
entwickelt sich „nach dem Gesetz nach dem sie ange- 
treten"; da sie aus der Erforschung der Störungen er- 
wachsen ist, die der unvollkommenen Bewältigung un- 
bewußter Wünsche ihr Dasein verdanken, so vermag sie 
sich den Problemen der künstlerischen Schöpfung auch 
am besten von der Seile der Hemmungen hei' zu nahem. 

VI. 

DIE AMBIVALENZ 
DES KINDES 

Von Dr. HANS GUSTAV GRABER 

Aus dem 1 «halt: Ambivalenz bei Bleuler; bei Freud. 
Der Urhaß. Die Elternbindung. Der Geschlechuunter- 
«chied. Das Lustverbot. Tierphobien. Dos Über-Ich. 

VII. 

PSYCHOANALYSE 
UND LOGIK 

Vou Dr. L HERMANN 

A us dem l n hui t : Dualschritte ansderEntwicklungs- 

psyebologie; in der Biologie; in dei' schonen Literatur. 

Der UmkehrschritL Der Abwcndungsschritt. Der 

Schritt des Sinkens. Über Sophismen. 



INTERNATIONALER PSYCHOA ALYTNISCHER VERLAG 

Wien VII. Andreasgasse 5 



INTERNATIONALER PSYCHOANALYTISCHER VERLAG 



SIGM. FREUD 

GESAMMELTE SCHRIFTEN 



I 

Studien über Hysterie / Frühe Arbeiten 

zur Neurosenlebre (1893 — 98) (Ein Fall von 
hypnot Heilung nebst Bemerkungen über d. Entstehung 
hyster. Symptome durch den Gegenwillen — Charcot — 
Quelques considerations pour une etude comparative 
des paralysies motrices organ. et hyste>iques — Die 
Abwehr-Neuropsychosen — Ober die Berechtigung, von 
d. Neurasthenie einen bestimmten Symptomenkomplex 
als „Angstneurose" abzutrennen - Obsessionset phobies 

— Zur Kritik d. Angstneurose — Weitere Bemerkungen 
über die Abwehr-Neuropsychosen — L'heredite et 
Tetiologie des nevroses — Zur Ätiologie der Hysterie 

— Die Sexualität in der Ätiologie der Neurosen 

— Ober Deckerinncrungen) 

II 
Die Traumdeutung (L—VI. Kapitel) 

III 
DieTraumdeutung ( VII. u. VIII. Kapitel) / Über 

den Traum / Beiträge zur Traumlehre 
(Märchenstoffe in Traumen — Ein Traum als Beweis- 
mittel — Traum und Telepathie — Bemerkungen zur 
Theorie und Praxis der Traumdeutung) 

IV 

.Zur Psychopathologie des Alltagslebens 

/ Das Interesse an der Psycnoanalyse / 

Über Psychoanalyse / Zur Gesdudite 

der psychoanalytischen Bewegung 

V 
Drei Abhandlungen zur Sexualtheorie / 
Arbeiten zum Sexualleben und zur Neu- 

rosenlelire (Meine Ansichten über die Rolle der 
Sexualität in der Ätiologie der Neurosen — Zur se- 
xuellen Aufklärung der Kinder — Die „kulturelle* 4 
Sexualmoral und die Nervosität — Ober infantile 
Sexualtheorien — Beiträge z. Psychologie des Liebes- 
lebens: Ober einen besonderen Typus der Objektwahl 
beim Manne. Ober die allgemeinste Erniedrigung des 
Liebeslebens. Das Tabu der Virginität — Die infantile 
Genitalorganisation — Zwei Kinderlügen — Gedanken- 
assoziation eines 4 jähr. Kindes — Hysterische Phan- 
tasien und ihre Beziehung zur Bisexualität — Ober 
den hysterischen Anfall — Charakter und Analerotik 

— Ober Triebumsetzungen, insbesondere der Anal- 
erotik — Die Disposition zur Zwangsneurose — Mit- 
teilung eines der psychoanalytischen Theorie wider- 
sprechenden Falles von Paranoia — Die psychogene 
Sehstörung in psychoanalytischer Auffassung — Eine 
Beziehung zwischen einem Symbol und einem Symptom 

— Ober die Psychogenese eines Falles von weiblicher 
Homosexualität — »Ein Kind wird geschlagen 4 * — 
Das ökonomische Problem des Masochismus — Ober 
einige neurotische Mechanismen bei Eifersucht, Pa- 
ranoia u. Homosexualität — Ober neurot« Erkrankungs- 



typen — Formulierungen über die zwei Prinzipien des 
psychischen Geschehens — Neurose und Psychose — 

Der Untergang des Ödipuskomplexes) / Aletapsy^ 

dioiogie (Einige Bemerkungen über den Begriff des 
Unbewußten in der PsA. — Triebe u. Triebschicksale — 
Die Verdrängung — Das Unbewußte — Metapsycholog, 
Ergänzung z. Traumlehre — Trauer und Melancholie) 

VI 

Zur ledinik (Die Freudsche psychoanalytische 
Methode — Ober Psychotherapie — Die zukünftigen 
Chancen der psychoanalytischen Therapie — Ober 
„wilde" Psychoanalyse — Die Handhabung der Traum- 
deutung in der Psychoanalyse — Zur Dynamik der 
Übertragung — Ratschläge für den Arzt bei der psy- 
choanalytischen Behandlung — Über fausse recon- 
naissance [„deja raconte"] während der psychoana- 
lytischen Arbeit — Zur Einleitung der Behandlung 

— Erinnern, Wiederholen u. Durcharbeiten — Bemer- 
kungen über die Übertragungsliebe— Wege der psycho- 
analyt. Therapie — Zur Vorgeschichte der analyt. Tech- 
nik) / Zur Einführung des Narzißmus / 
Jenseits d. Lustprinzips / .Massenpsydio- 
logie u. Ich-Analyse / Das leb u. Jas Es 

VII 

V orlesungen zur Einfünrung in die 

Psy da o analy s e 

VIII 

Krankengeschichten (Bruchstück einer Hysterie- 
analyse — Analyse der Phobie eines 5 jähr. Knaben 

— Ueber einen Fall v. Zwangsneurose — Psa. Bemerkun- 
gen über einen autobiograph. beschriebenen Fall v. Para- 
noia — Aus der Geschiente einer infantilen Neurose) 

IX 

Der \v ltz und seine Beziehung zum 
Unbewuijten/IJer vVahn und die Träume 
in vV^. Jensens „Gradiva" / Eine Kind- 
Iieitsennnerung des Leonardo da V inci 

X 

Totem und Tabu/ Arbeiten zur Anwen- 
dung der Psychoanalyse (Tatbestandsdia- 
gnostik und Psychoanalyse — Zwangshandlungen und 
Religionsübung — Ueber den Gegensinn der Orworte 

— Der Dichter und das Phantasieren — Mytholo- 
gische Parallele zu einer plastischen Zwangsvorstellung 

— Das Motiv der Kastchenwahl — Der Moses des 
Michelangelo — Einige Charaktertypen aus der psy- 
choanalytischen Arbeit — Zeitgemäßes über Krieg und 
Tod — Eine Schwierigkeit der Psychoanalyse — Eine 
Kindheitserinnerung aus „Dichtung und Wahrheit 4 * — 
Das Unheimliche — Eine Teufelsneurose im 17. Jahrh.) 

XI 
Nachträge / Bibliographie / Register 



Die Bände Iv, V, vllu. V III erscheinen JMai 192 4, die anderen bis Ende 19 2 5 



INTERNATIONALER PSYCHOAN ALYTISCHER VERLAG 

SIGM. FREUD 
GESAMMELTE SCHRIFTEN 



i 

Studien über Hysterie / Frune Arbeiten 

zurNcurosenlenrc(i893 — 98) (Ein Fall von 
hypnot. Heilung nebst Bemerkungen überd. Entstehung 
hyster. Symptome durch den Gegenwillcn — Charcot — 
Quelques considerations pour une etude oomporative 
des paralysies motrices organ. et hysteViques — Die 
Abwehr-Neuropsychosen — Ober die Berechtigung, von 
d. Neurasthenie einen bestimmten Symptomenkomplex 
als „Ano;stneurose M abzut rennen - Obsession* et phobies 

— Zur Kritik d. Angstneurose — Weitere Bemerkungen 
über die Abwehr-Neuropsychosen — L'heredite et 
l'ctiologie des nevroses — Zur Ätiologie der Hysterie 

— Die Sexualität in der Ätiologie der Neurosen 

— über Decke rinncrungen) 

II 
Die Traumdeutung (l.—VL Kapi(el) 

III 
DieTraumdeutung (VB. u. VIII. Kapitel) / Uoer 
den Traum Beiträge nur Tratnnlehrc 
(Märchenstoffe in Traumen — Ein Traum als Beweis- 
mittel — Traum und Telepathie — ■ Bemerkungen zur 
Theorie und Praxis der Traumdeutung) 

IV 

Zur Psychopathologie des Alltagslebens 

/ Da« Interesse an der Psychoanalyse / 

über Psychoanalyse / Zur Gescnicute 

der psydioanalytisdien Bewegung 

V 

Drei Abhandlungen zur ocxualtiieonc / 

Arbeiten zum Sexualleben und :urNcu- 

n lehre (Meine Ansichten über die Rolle der 
Sexualität in der Ätiologie der Neurosen — ■ Zur se- 
xuellen Aufklärung der Kinder — - Die „kulturelle" 
Sexualmoral und die Nervosität — Ober infantile 
Sexualtheoricn — Beitrage z. Psychologie des Liebes- 
lebens: Ober einen besonderen Typus der Objektwahl 
beim Manne. Ober die allgemeinste Erniedrigung des 
Liebeslcbens. Das Tabu der Virginitat — Die infantile 
Genitalorganisation — Zwei Kinderlügen — Gedanken- 
assoziation eines 4 jähr. Kindes — Hysterische Phan- 
tasien und ihre Beziehung zur Bisexualität — Ober 
den hysterischen Anfall — Charakter und Analerotik 

— Ober Triebumsetzungen, insbesondere der Anal- 
erotik — Die Disposition zur Zwangsneurose — Mit- 
teilung eines der psychoanalytischen Theorie wider- 
sprechenden Falles von Paranoia — Die psychogene 
Sehstörung in psychoanalytischer Auffassung — Eine 
Beziehung zwischen einem Symbol und einemSy mptoin 

— Ober die Psychogcncse eines Falles von weiblicher 
Homosexualität — „km Kind wird geschlagen" — 
Das ökonomische Problem des Masochismus — Ober 
einige neurotische Mechanismen bei Eifersucht, Pa- 
ranoia u. Homosexualität — Über neurot. Erkrankungs- 



typen — Formulierungen über die zwei Prinzipien des 
psychischen Geschehens — Neurose und Psychose — 

Der Untergang des Ödipuskomplexes) / Metapsy- 

aiologie (Einige Bemerkungen über den Begriff des 
Unbewußten in der PsA, — Triebe u, Triebschicksale — 
Die Verdrängung — Das Unbewußte — Metapsycholog. 
Ergänzung z. Traumlehre — Trauer und Melancholie) 

vi 

Zur ledinik (Die Freudsche psychoanalytische 
Methode — Ober Psychotherapie — Die zukünftigen 
Chancen der psychoanalytischen Therapie — Ober 
„wilde" Psychoanalyse — Die Handhabung der Traum- 
deutung in der Psychoanalyse — Zur Dynamik der 
Übertragung — Ratschläge für den Arzt bei der psy- 
choanalytischen Behandlung — Ober fausse recon- 
naissance [„deja racontc'J während der psychoana- 
lytischen Arbeit — Zur Einleitung der Behandlung 

— Erinnern, Wiederholen u. Durcharbeiten — Bemer- 
kungen über die Übertragungsliebe — Wege der psychc- 
analyt. Therapie — Zur Vorgeschichte der anaiyt. Tech- 
nik) / Zur Einführung des Narzißmus / 
Jenseits d. Lustprinzips / Masscnpsydio- 
logie u. Ich-Analyse / Das Id» u. das Es 

VII 

Vorlesungen zur Einführung in die 

Psychoanalyse 

VIII 

Krnnkcngeschiditen (Bruchstück einer Hystcrie- 
analyse — Analyse der Phobie eines 5 jähr. Knaben 

— Ueber einen Fall v. Zwangsneurose — Paa. Bemerkun- 
gen über einen autobiograph. beschriebenen Fall v. Para- 
noia — Aus der Geschichte einer infantilen Neurose) 

IX 

Der vVitz und seine Beziehung zum 
Unbe-wuljten/DexWahnunddieTräuine 
in VV . Jensens „Gradiva / Eine Kind- 
heitsennnerung des Leonardo da Vinci 

X 
Totem und Tabu/ Arbeiten zur Anwen- 
dung der Psychoanalyse (Tatbestandsdia- 
gnesük und Psychoanalyse — Zwangshandlungen und 
Religionsübung — Ueber den Gegensinn der Örworte 

— Der Dichter und das Phantasieren — Mytholo- 
gische Parallele zu einer plastischen Zwangsvorstellung 

— Das Motiv der Kästchenwahl — Der Mose« des 
Michelangelo — Einige Charaktertypen aus der psy- 
choanalytischen Arbeit — Zeitgemäßes über Krieg und 
Tod — Eine Schwierigkeit der Psychoanalyse — Eine 
Kiudheitserinnerung aus „Dichtung und Wahrheit" — 
Das Unheimliche — Eine Teufelsneurose im 17. Jahrh.) 



Nachträge / 



XI 
Bibliographie 



/ Register 



Die Bände Iv, V, VIIu. VIII ersdieinenMai it)xj,Jie anderen bis Ende ipa5 



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von 



Dr. FRITZ GIESE 

Privatdozent an der Teconi.scnen 
Hochschule Stuttgart 



Internationaler 
Psychoanalytischer Verlag 

Leipzig / \\^ien / Züri 



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