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Full text of "Hysterien und Zwangsneurosen"

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INTERNATIONAL 

PSYCHOANALYTIC 

UNIVERSITY 

DIE PSYCHOANALYTISCHE HOCHSCHULE IN BERLIN 



WKm 




OTTO FENICHEL 

HYSTERIEN UND 
ZWANGSNEUROSEN 



I Fenichel, Hysterlea und Zwangsneurosen 







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1. 




Hysterien und 
Zwangsneurosen 

PsydioaneJytisdie spezielle Neurosenlehre 
Von 

Otto Fenidiel 

Berlin 

1931 

Internationaler Psychoanalytischer Verlag 

Wien 


1 

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1 




■■'■ 


^ 



Alle Rechte, 
insbesondere die der Übersetzung, vorbehalten. 



Copyright 1^31 

by „Internationaler Psychoanalytischer Verlag, 

Ges. m, b. H., Wien, L" 



Druck der Johann N. Vernay A.-G., Wien IX. 



Inhaltsverzeidinis 

Einleitung 7 

/. Kapitel 

Hysterie 13 

//. Kapitel 

Angsthysterie 40 

///. Kapitel 

Hysteriforme Krankheiten . . . . 57 

a) Die Organlibido ^j 

b) Aktuabeurosen, Pathoneurosen, Organneurosen 6$ 

c) Hemmungszustände j^ 

d) Die traumatische Neurose ^4 

IV. Kapitel 

Zwangsneurose . loi 

V,. Kapitel 

Prägenitale Konversionsneurosen 153 

a) Stottern i^^ 

b) Asthma bronchiale 1^2 

c) Psychogener Tic i^^ 

Literaturverzeichnis 17 j 

Register 188 



Einleitung 



Die Neurosenlehre ist für die praktische Psychoanalyse das, was die 
Pathologie für die klinische Medizin ist: Die zwar induktiv aus praktischer 
Erfahrung gewonnene, aber der weiteren Praxis nunmehr zu Grunde zu legende 
wissenschaftliche Basis. Sie will die Gesetzmäßigkeiten von Ätiologie, Ge- 
staltung und Verlauf der Neurosen verstehen und damit einer kausalen 
Therapie und Prophylaxe dienen; da die Neurosenlehre das relativ aus- 
gebauteste Stück der psychoanalytischen Psychologie überhaupt darstellt, wird 
eine genauere Reflexion über sie auch der nichtärztlichen allgemeinen Psycho- 
logie von Bedeutung sein. — Man darf aber von solcher Neurosenlehre nichts 
verlangen, was der Mediziner von der Pathologie auch nicht verlangt. Das 
Streben nach „Gesetzmäßigkeit" läßt sie nur formulieren, was von allgemeiner 
Bedeutung ist, und vergewaltigt so in einem gewissen Sinne die Einmaligkeit 
des Einzelfalles; dafür ermöglicht sie dem Praktiker eine allgemeinere 
Orientierung, ohne daß dieser vergessen darf, daß diese Orientierung allein 
zur Behandlung des Einzelfalles nicht ausreicht. 

Die Psychoanalyse sieht in der Neurose das Ergebnis eines Konfliktes 
zwischen dem Triebleben und einem ihm widersprechenden Teil der Persön- 
lichkeit, der den Trieben durch die von ihm ins Verk gesetzte Abwehr eine 
pathologische Form aufnötigt. Die Analyse interessierte sich zunächst für 
dieses Triebleben, das aus der Verdrängung zu befreien ihre wesentliche Auf- 
gabe war. Sie entdeckte dabei die ungeheure Welt des Unbewußten, fand 
mit ihrer Trieblehre die biologische Grundlage der Psychologie und rechtfertigte 
ihre dynamisch-ökonomische Auffassung des Seelenlebens. Nach heftigen 
Kämpfen um diese Fragen sind heute wenigstens die Autoren der engeren 
psychoanalytischen Schule von der Richtigkeit der Ansichten Freuds über- 
zeugt. ■'"■'" 

Dann kam die andere Frage nach der Natur des „Verdrängenden**, jenes 
triebwidersprechenden Teiles der Persönlichkeit, Wie kommt der Mensch 



dazu, sich seinen eigenen Trieben, die ihm bei ihrer Befriedigung Lust ver- 
sprechen, hindernd in den Weg zu stellen? Freud meinte von jeher, daß 
keine eingeborene Moral und kein göttlicher „Wille zu Höherem" oder 
ähnliche naturwissenschaftlich unfaßbare Jenseitsdinge plötzlich in das 
biologische Geschehen hineinspuken, sondern daß nur äußere Not, aus 
der Außenwelt stammender Zwang eine solche Wirkung entfalten kann. Im 
„Über-Ich** hat sich solche triebfeindliche Außenwelt einen intrapsychischen 
Vertreter geschaffen. Danach widerspricht also das Ich den Trieben deshalb, 
weil es die Folgen fürchtet, die — letzten Endes immer real — die Außen- 
welt bei Triebbefriedigung über es verhängen würde. Was für eine Außenwelt 
ist da aber gemeint? Die, die während der Kindheit erlebt wurde, während 
die pathogenen Verdrängungen vorfielen? Oder eine phylogenetische Ver- 
gangenheit, die schon verinneriicht wurde und in der Organisation des 
seelischen Apparates bereits organischen Niederschlag gefunden hat („zwei- 
zeitiger Ansatz des Sexualtriebes", Neigung zur Über-Ichbildung)? Beide 
Arten von Außenwelt sind bis zu einem gewissen Grade beteiligt. Freud, 
der Entdecker des kindlichen Seelenlebens, ist gewiß vor dem Verdacht ge- 
sichert, die Ontogenese der Triebkonfhkte zu unterschätzen. Und doch hat 
auch er den Versuch gemacht, manche biologische Voraussetzungen der Neu- 
rosen überhaupt, z. B. den erwähnten „zweizeitigen Ansatz", durch phylo- 
genetische Hypothesen zu erklären. — Aber noch nicht ganz entschieden 
ist die Frage nach der relativen Bedeutung dieser beiden Faktoren. 
Einige Autoren glauben, daß die biologischen Momente, z. B. die physio- 
logische Unfähigkeit des Kindes, seine Triebe ohne äußere Hilfe selbst 
zu befriedigen, und dadurch bedingte „Urphantasien", die unabhängig sind 
vom realen Erieben der Kinderzeit, in der Neurosenätiologie die ausschlag- 
gebende Rolle spielen. Wir halten diese Ansicht für falsch und gefähriich. 
FreiUch können Eriebnisse der Kindheit nur bei Gegebenheit einer bestimmten, 
phylogenetisch erworbenen Struktur des seelischen Apparates zu Neurosen 
führen, — aber dennoch sind, und gerade das war die Entdeckung der 
Psychoanalyse, die Neurosen Folgen eben dieser Erlebnisse. Der Ödipus- 
komplex mag in der Urmenschheit zum ersten Male aufgetreten sein. Die 
Menschen, die heute an ihrem Ödipuskomplex kranken, haben ihn in ihrer 
^Kindheit in einer bestimmten und nur von ihnen erlebten Form 
wirklich erlebt. Die praktische Psychoanalyse lehrt uns, wo das Über- 
ich, das weitere pathogene Triebabwehren verfangt, entsteht: Nicht an den 
Versagungen, die aus der Unzulänglichkeit der kindhchen Natur erwachsen, 
sondern an denen, die die Eltern oder Erzieher verbal oder durch ihr Be- 
nehmen setzen. Und diese triebfeindlichen Erziehungsmaßnahmen wieder 
repräsentieren triebfeindliche Forderungen der Kulturwelt, und zwar, wie 



wir gleich hinzufügen müssen, in den heutigen, realen Neurosen, die wir zur 
Behandlung bekommen, der heutigen Kulturwelt mit allen ihren heutigen 
Erscheinungen. Freilich hatten, so weit unsere Erfahrung reicht, andere 
Kulturen auch Neurosen, aber andere Neurosen, weil sie eben auch 
andere Triebversagungen forderten. Das Tabu, dessen heutiges Auftreten 
wir als „Zwangsneurose" diagnostizieren, ist in anderen Kulturen normal, 
eine „Teufelsneu rose im siebzehnten Jahrhundert", wie sit Freud einmal 
untersuchtes wäre nach einem heutigen diagnostischen Schema nicht zu 
erfassen, — und wir können sogar beobachten, wie gegenwärtig die Neurosen- 
bilder sich ändern, offenbar parallel zu Änderungen in der Gesellschafts- und 
Moralstruktur. Denn es ist die jeweils herrschende Moral, die sich in der 
Einzelseele gegen die Triebe richtet, und die Moral ist eine relative Größe, 
abhängig von der Gesellschaftsstruktur. Hier ist die Stelle, wo der Psychologe 
seine Inkompetenz eingestehen und zugeben muß, daß die Neurosenätiologie 
keine rein individuell-medizinische Angelegenheit ist, sondern einer soziologi- 
schen Ergänzung bedarf: Wie könnte etwa der Ödipuskomplex voll verständ- 
lich werden ohne Berücksichtigung von Geschichte und Funktion der 
Familie? 

Dieser Punkt wurde gerade deshalb hier etwas breiter erörtert, weil im 
Folgenden sehr wenig davon die Rede sein wird und er dennoch nicht ver- 
gessen werden darf. Es wird von ihm aus verschiedenen Gründen nur wenig 
die Rede sein. Erstens repräsentiert gerade er das heute noch dunkelste Gebiet 
innerhalb der Neurosenlehre; die großartigen Entdeckungen Freuds auf 
dem Gebiete des individuellen Seelenlebens des Neurotikers dagegen sind ge- 
sichert und sollen in ihrer gesicherten Form ausführlich dargestellt werden. 
Zweitens sind sie auch für den einzelnen Arzt praktisch nicht belangvoll, der 
auf dem Gebiete der Einzeltherapie mehr leisten kann, als mit Versuchen zur 
Gesellschaftsänderung. (Aber die Frage der Neurosenprophylaxe der Massen 
ist ein Problem, das des Nachdenkens der Psychoanalytiker schon wert wäre.) 
Drittens aber befassen wir uns mit den Fragen der s p e z i e 1 1 e n Neurosen- 
lehre, - und gerade für dieses Gebiet ist das gesellschaftliche Moment weit 
weniger bedeutungsvoll, denn die Entscheidung darüber, ob eine Hysterie 
oder eine Zwangsneurose auftritt, ist, wenn auch nicht nur von kon- 
stitutionellen, sondern auch von erlebnismäßigen Faktoren, nur relativ wenig 
von der Differenz verschiedener Moralen oder gesellschaftlicher Strukturen 
abhängig. 

Das Folgende soll auch kein Lehrbuch der Psychoanalyse darstellen, sondern 
(zusammen mit dem gleichzeitig erscheinenden Buche des Verfassers über 

i) Freud: Eine Teufelsncurose im siebzehnten Jahrhundert (Ges. Sehn, Bd.X). 



10 



„Perversionen, Psychosen, Charakterstörungen") nur ein Lehrbuch einer 
psychoanalytischen DiszipHn, der speziellen Neurosenlehre. Eine spezielle 
Pathologie setzt zweierlei voraus und ist selbst Voraussetzung eines Dritten. 
Sie kann nur auf einer Forschungstechnik und einer allgemeinen Pathologie 
aufbauen — und sie kann nicht schon selbst eine umfassende, das Pathologische 
mitberücksichtigende Biologie darstellen. So müssen auch wir voraussetzen die 
Kenntnis sowohl der psychoanalytischen Technik als auch der allgemeinen 
Neurosenlehre und können nicht geben eine theoretische Psychologie („Meta- 
psychologie" nach dem Ausdruck Freuds). Was den ersten Punkt, die 
Technik, anlangt, ist zu sagen: Wer nie eine Analyse erlebt hat, wird das, 
was im Folgenden auseinandergesetzt wird, zwar dem Sinne nach verstehen, 
er wird es aber unglaubwürdig und „weit hergeholt" finden, noch um 
einen Grad mehr, als wenn er psychoanalytische Krankengeschichten liest. 
Im Gegenteil wird die recht aufmerksame Lektüre solcher Krankengeschichten 
noch der beste Weg sein, eigene fehlende Erfahrungen zu ersetzen, aber auch 
dem Erfahreneren ebenso die wichtigste Ergänzung zur Lektüre dieses Buches 
sein, wie der Besuch klinischer Vorlesungen und die Lektüre klinischer Mit- 
teilungen die wichtigste Ergänzung des Studiums der Pathologie ist. — Für 
die allgemeine Neurosenlehre bin ich in der glücklichen Lage, ein ausge- 
zeichnetes Buch nennen zu können, dessen gründliche Kenntnis gewiß die 
folgende Lektüre sehr erleichtern wird: Freuds „Vorlesungen zur Ein- 
führung in die Psychoanalyse". — Ich denke als Leser am ehesten an den 
angehenden Analytiker, der in einer „Pathologie" über die Krankheit, die er 
zu behandeln hat, nachlesen möchte, und der bei der bisherigen Zerstreuung 
der „analytischen Pathologie" in der gesamten Literatur keine leichte Auf- 
gabe hat. Aber ich hoffe, der Nichtanalytiker wird sich ebenfalls über die 
Resultate psychoanalytischer Forschung informieren können und auch der 
schon länger tätige praktische Analytiker sich manches langwierige Nach- 
schlagen von Spezialliteratur erübrigen können. 

Noch einmal sei betont: Die folgenden Untersuchungen stellen das 
Typische dar. Dieses Typische kennt die Neurosenlehre nur formal, 
nicht inhaltlich. Die durch die Worte „Ödipuskomplex" oder „Kastrations- 
angst" repräsentierten psychischen Realitäten sind unendlich mannigfaltig. 
Wir geben nur den Rahmen, der durch tausenderlei Spezifitäten ausgefüllt 
sein kann. Wenn man auch in Fachausdrücken schon beschreiben kann, was 
in der Seele jedes Neurotikers vor sich geht; wie es vor sich geht, das 
realisierende Moment, hängt davon ab, was der Mensch tatsächlich an 
Einzelerlebnissen erlebt hat und wie er darauf reagierte, was wieder abhängt 
von seiner Konstitution und sämtUchen jeweils noch früheren Erlebnissen. 
Deshalb hat sich trotz aller Fortschritte der Neurosenlehre an der 



historischen Forschungsarbeit in jeder einzelnen Psychoanalyse und den 
durch sie bedingten Schwierigkeiten nichts geändert. 

Bevor wir nun beginnen, möchten wir einmal radikal die Möglichkeit 
einer speziellen Neurosenlehre überhaupt in Frage stellen: 

Eine spezielle Neurosenlehre setzt spezielle Neurosen voraus, für die 
unbewußte Inhalte oder psychische Mechanismen oder beide spezifisch ver- 
schieden sind; ihrer praktischen Anwendung müßte in jedem Falle eine 
Diagnosenstellung vorangehen. Nun ist zu fragen: ist der Psychoanalytiker 
überhaupt in der Lage, aus der Symptomatologie und dem Verlaufsbild oder 
aus den analytisch aufgedeckten spezifischen Inhalten oder Mechanismen die 
Diagnose einer bestimmten Neurosenform zu stellen und praktischen Vorteil 
daraus zu ziehen? Nun ist ja die Diagnostik und die spezielle Pathologie 
überall nur relativ gültig, kein wirklicher Fall stellt eine typische Krank- 
heitsindividualität so dar, wie sie im Lehrbuch geschildert ist. Man zögert 
nicht, trotzdem die theoretische und praktische Bedeutsamkeit der speziellen 
Pathologie und der Diagnostik anzuerkennen, weil man weiß, daß zwar ein- 
zelne Züge abweichen können, im Großen und Ganzen aber die einzelnen 
Krankheitsformen doch bei den verschiedenen Fällen gleiche typische Eigen- 
schaften haben. Schon nicht mehr so sicher ist dies in der Psychiatrie, wie es 
die Unterscheidung zwischen Zustandsbild- und Krankheitsdiagnose zeigt. Die 
letztere ist oft strittig, vielfach müssen wir einen einheitlichen Namen für 
ganze Gruppen von Krankheiten anwenden, weil wir zwar wissen, daß inner- 
halb dieser Gruppen sehr verschiedene Zustands- und Verlaufsformen, also 
verschiedene Krankheiten, vorkommen, dm Typisierung dieser einzelnen 
Formen aber noch willkürhch wäre, z. B. die noch nicht in allgemein 
anerkannter Weise unterteilte Gruppe der Schizophrenien. Man hat das 
Gefühl, daß die realen Fälle und die theoretische Krankheitsbeschreibung um 
so weniger zusammenpassen, je weniger man somatische, je mehr man 
psychische Krankheiten in Betracht zieht. Daß bei den Neurosen die Färbung 
des typischen Krankheitsbildes durch atypische individuelle Züge am stärksten 
ist, beweist schon die Uneinigkeit der Forscher in der Systematisierung und 
Bezeichnung der einzelnen Neurosenformen. Aus einleuchtenden praktischen 
Gründen hat da die Psychoanalyse — abgesehen von der theoretischen Grund- 
einteilung: Aktualneurose*-Psychoneurose, über deren Berechtigung erst 
später die Rede sein kann — je nach dem Verhalten des Kranken die „Über- 
tragungsneurosen" den „narzißtischen Neurosen" gegenüberstellt. Kann sie 
überhaupt diese beiden großen Gruppen noch unterteilen? Ist es nicht in 
Wahrheit vielmehr so, daß die realen Fälle nicht nur atypische individuelle 
Züge tragen, sondern jedesmal nebeneinander Inhalte und Mechanismen, die 
man traditionsweise verschiedenen Krankheiten zuschreibt? Gibt es überhaupt 



reine Hysterien, Angsthysterien, Zwangsneurosen? Oder hat nicht jeder reale 
Hysteriefall phobische und zwangsneurotische Züge und umgekehrt? Hat 
uns nicht Freud selbst gelehrt, daß am Grunde jeder Zwangsneurose ein 
konversionshysterischer Kern" und am Grunde jeder Neurose überhaupt eine 
Kinderphobie liege^? Und vor allem: Hat sich nicht in den letzten Jahren 
ein Wandel im Bilde der psychischen Krankheiten vollzogen? Zwingt uns 
nicht das Material, das wir in unserer Praxis zu sehen bekomn^en, anzu- 
nehmen, daß Hysterien und Zwangsneurosen, wie sie Freud zu Beginn seiner 
Forschungen sah, heute kaum mehr vorkommen, dagegen Fälle, die man als 
„Charakterstörungen", „Fehlentwicklung der Persönlichkeit" oder dergleichen 
bezeichnet, kurz Fälle, in deren Krankheit das Ich einbezogen ist, immer mehr 
und mehr überwiegen? Muß man da nicht fragen: Wozu überhaupt eine 
Diagnostik? Gibt es vielleicht keine spezielle Neurosenlehre, sondern nur eine 
Lehre spezieller Mechanismen innerhalb der allgemeinen Neurosenlehre? 

Wir glauben das nicht. Vor allem deshalb nicht, weil es, wenn auch selten, 
doch noch typische Neurosen gibt. Es ist eine in der psychoanalytischen 
Forschung gebräuchliche Methodik, von der auch wir häufig genug Gebrauch 
machen werden, zum Verständnis komplizierter Phänomene zu gelangen, indem 
man zuerst einen an sich zwar seltenen, aber leichter durchschaubaren 
Repräsentanten untersucht, um das Verständnis der seltenen einfachen Fälle für 
das der häufigeren komplizierten auszunutzen. Man denke etwa daran, wie 
die Sinnhaltigkeit der Fehlhandlungen an dem gewiß nicht häufigen Typ von 
Fehlhandlungen besonders demonstrabel wird, dessen Sinn sich ohne Analyse 
ganz von selbst versteht. In Bezug auf Inhalte und Mechanismen der meisten 
realen, zur Behandlung kommenden Fälle sind die typischen Neurosenformen 
solche seltene leichter durchschaubare Typen, nach deren Erfassung man erst 
an das Studium der atypischen Formen herangehen kann. In diesem Sinn 
werden wir vom Einfacheren zum Komplizierteren übergehen, und die 
Symptom- resp. Inhalt- und Mechanismenbilder, die wir beschreiben, 
sollen nicht behaupten, daß sie immer oder auch nur häufig in solch isolierter 
Form in der Wirklichkeit vorkommen. Wir legen auf unsere Systematik also 
hauptsächlich einen heuristischen Wert, 



2) Freud: Aus der Geschichte einer infantilen Neurose (Ges, Sehr., Bd. VIH, 
S. M7). 

3) Freud: Hemmung, Symptom und Angst (Ges. Sehr., Bd. XI, S. B9), 



/. KAPITEL 



Hysterie 



Die Hysterie ist das klassische Forschungsobjekt der Psychoanalyse. An 
ihr wurde die Methode der Psychoanalyse entdeckt, erprobt und ausgebaut; 
an ihr entstanden die Grundzüge der analytischen Theorie; ihrer Eigenart ist 
die Technik am besten angepaßt und auf ihrem Gebiet erzielt sie auch heute 
noch ihre großen therapeutischen Erfolge. Das Studium ihrer Phänomene 
überzeugt von der Richtigkeit der psychoanalytischen Neurosenlehre und erst 
auf ihrer Grundlage wird das Studium auch anderer Objekte ermöglicht. 

Die klinische Pathologie der Hysterie setzen wir als bekannt voraus. Ebenso 
das Wissen um die Ratlosigkeit, mit der die Medizin vor Freud ihren 
Phänomenen gegenüberstand. Hier versagten die großartigen Triumphe des 
materialistisch-biologischen Denkens in der Medizin und manch therapeuti- 
sches Vorgehen machte den Eindruck, als ob die materiaUstisch-biologischen 
Ärzte sich dafür an den Kranken rächen wollten. An einzelnen Stellen, die 
mehr in halbernster mündlicher Tradition als in wissenschaftHchen Büchern 
vertreten wurden, zeigten sich Ahnungen des wahren Sachverhaltes. So 
nimmt z. B. die Geschichte von der Hysterika, die in Ohnmacht fällt, um 
von ihrem Manne einen neuen Hut zu erhalten, die analytischen Lehren von 
der Sinnhaltigkeit der Symptome und vom sekundären Krankheitsgewinn 
vorweg, d. h. davon, daß die Symptome zum Vorteil der Persönhchkeit 
ausgenutzt werden. Allerdings nennen wir heute einen solchen Krankheits- 
gewinn „sekundär", weil wir wissen, daß er sich erst nach ausgebildetem 
Symptom einstellt, nicht aber für die Entstehung des Symptoms überhaupt 
verantwortlich gemacht werden kann. Die Meinung wieder, man müsse 
Hysterikern nur die Heirat anraten, dann werde schon alles gut werden, die 
zweifellos grundfalsch ist, nimmt die analytische Lehre von dem Zusammen- 
hang zwischen Hysterie und Sexuahtät vorweg, die zwar längst vor der 



M 

Analyse schon bekannt war (Krankheitsname, C h a r c o t^), aber nicht ernst 
genommen wurde. 

Der historische Ablauf der grundlegenden Entdeckungen ist wohl bekannt. 
Breuer hat den Fall Anna O. behandelt. Die Kranke erzählte Erinnerungen, 
die sie im Wachzustand nicht oder nicht mit allen Details erinnerte, die also 
ihrem Ich nicht voll zur Verfügung standen. Das Erleben, dessen Gedächnis- 
spur eine solche Sonderstellung in der Psyche einnahm, hieß ein 
„traumatisches". Wenn es mit Aflfekt wieder erinnert wurde, schwand das 
Symptom. Dieses war sinnvoll, drückte eine Fixierung an das Trauma aus 
(indem es z. B. eine in der traumatischen Situation vorgekommene Inner- 
vation total oder partiell wiederholte, die mit dem Bewußtwerden des 
Traumas zum Verschwinden gebracht werden konnte"). Ein einfaches Beispiel 
aus Breuer und Freud, „Studien über Hysterie": „Ein Mädchen, das in 
qualvoller Angst an einem Krankenbette wacht, verfällt in einen Dämmer- 
zustand und hat eine schreckhafte Halluzination, während ihr der rechte Arm, 
über der Sessellehne hängend, einschläft: Es entwickelt sich daraus eine Parese 
dieses Armes mit Kontraktur und Anästhesie." Die Theorie zur Erklärung 
dieses neuentdeckten Sachverhaltes lautete: Das Erlebnis des Traumas war 
kein vollständiges. Wenn wir uns die seelischen Vorgänge als nach dem 
Schema des Reflexapparates ablaufend vorstellen, müssen wir sagen, der durch 
das Trauma gesetzte Reiz ist nicht voll „abgeführt" worden, die Erinnerung 
ist nicht oder nicht voll bewußt, der Affekt ist „eingeklemmt". Das wird 
aufgehoben durch die in der Kur erfolgende „Abreaktion". 

Gleich hier sei bemerkt: Diese Theorie gilt eigentlich noch heute in vollem 
•Umfange für eine bestimmte Gruppe von Hysterien, die traumatischen Neu- 
rosen. Wir meinen, der seelische Apparat hat die Aufgabe, die an ihn heran- 
kommenden Reize zu „bewältigen", d. h. abzuführen oder auf eine hier 
nicht näher zu besprechende Weise zu binden und dadurch unschädlich zu 
machen. Hier zu erklären, was unter „binden" zu verstehen ist, würde zu 
weit führen; jedenfalls heißt es: entsprechende seelische Energiequantitäten 
als Gegenkraft bereitstellen. Wenn nun die Funktion des seehschen Apparates 
versagt, weil im traumatischen Erleben eine übergroße Summe von Reizen 
ihn plötzlich überschüttet, so suclit er diese notwendige Bindung in den 
Symptomen noch nachträglich zu leisten, z. B. indem der Neurotiker immer 
wieder seinen Unfall agiert oder von ihm träumt, um ihn so allmählich 
„abzureagieren". 

Den Komplikationen einer gewöhnlichen Hysterie erwies sich aber eine so 

i) Siehe Freud: Zur Geschichte der psychoanalytischen Bewegung (Ges. Sehr., 
Bd. IV, S. 418). 

2) Breuer und Freu d: Studien über Hysterie. 



einfache Theorie als nicht gewachsen. Zunächst erhob sich das Problem: 
Nicht bei jeder Hysterie sind die „traumatischen Erlebnisse" von so gewaltigem 
Schockcharakter wie etwa eine Granatverschüttung. Oft sind es Erlebnisse, 
die für andere Menschen oder unter anderen Umständen als höchst banal 
gelten würden. So mußte man fragen: Unter welchen Umständen wirkt ein 
Erlebnis als „Trauma" und bleibt in der Psyche in so verhängnisvoller Weise 
isoliert? Breuer meinte, daß da nur solche Erlebnisse in Betracht kommen, 
dk den Organismus in einem besonders sensibilisierten, einem sogenannten 
hypnoiden Zustand treffen. Das war eine Ad-hoc-Annahme, denn keine 
sonstigen Erfahrungen sprachen für die Existenz solcher besonderen Zustände. 
Freud vertrat dagegen einQ andere Auffassung, die die Grundlage der psycho- 
analytischen Lehre werden sollte: die dynamische. Er meinte, Erlebnisse 
bleiben in der Psyche dann isoliert, wenn im Ich des Kranken eine besondere 
Kraft sie aktiv abzuwehren sucht. Diese besondere Kraft will an das Erlebnis 
nicht decken. Es ist unangenehm und wird deshalb tendenziös ausgeschaltet, 
verdrängt. Wir haben also einen Konflikt zwischen den zum Bewußtsein 
hinstrebenden Erinnerungen und den gegen sie gerichteten verdrängenden 
Kräften des Ichs vor uns. Das Symptom muß als Anzeichen und Erfolg eines 
solchen Konfliktes verstehbar werden. Eine Bestätigung für diese Auffassung, 
nach der dk hysterische Amnesie die Folge eines tendenziösen Nicht- Wissen- 
WoIIens ist, brachte die Entdeckung Freuds vom tendenziösen Vergessen 
als Fehlhandlung und der Möghchkeit, es durch Psychoanalyse aufzuhebend 

Ich kann darauf verzichten, die Entwicklung der Psychoanalyse, das Auf- 
geben der Hypnose und die Einführung der freien Assoziation an Hand der 
Hysterie einzeln zu schildern. Grundlegend ist nur, daß sich als „anstößig", 
als verdrängungswürdig weniger äußere Vorgänge als innere erwiesen, daß ein 
Eriebnis nur dann als Trauma perzipiert wird, wenn es etwas „Inneres", eine 
anstößige Triebregung repräsentiert. Diese Triebregung ist es, die mit dem 
verdrängenden Ich im Kampf Hegt. Die Verdrängung ist aber kein einmaliges 
Ereignis. Der Weiterbestand der verdrängten Regung im Unbewußten — und 
zwar unter Ausschluß von der Organisation der Persönlichkeit und ihrer 
Weiterentwicklung, ist die Grundannahme der Psychoanalyse, die an dieser 
Stelle nicht bewiesen werden kann*; sk wird im Verlauf unserer Erörterungen 
.verständlicher werden. Der Trieb, auch der, dessen repräsentierende Vor- 
stellungen verdrängt sind, strebt immer mit einer gewissen Kraft seiner Be- 
setzung zur Motilität, zum Bewußtsein hin (ist also bei der psychoanalytischen 
Arbelt unser Bundesgenosse). Ein Gegendruck strebt mit ungefähr gleich 



3) Siehe Freud: Zur Psychopathologie des Alltagsiebens (Ges. Sehr., Bd. IV). 

4) Siehe Freud: Das Unbewußte (Ges. Sehr., Bd. V, S.49jff.). 



i6 



großer Kraft, der Gegenbesetzung, ihm entgegen und verhindert seine Be- 
wußtwerdung. (Diese Gegenbesetzung macht sich in der Psychoanalyse als 
„Widerstand" bemerkbar.) Das hysterische Symptom ist dann ein Kompromiß 
zwischen diesen kämpfenden Kräften: nach gewissen, durch analytische 
Deutungsarbeit rückgängig zu machenden Entstellungen, gelingt es dem Ver- 
drängten, sich doch durchzusetzen, „aus der Verdrängung", die somit „miß- 
lingt", „wiederzukehren". Manche Symptome drücken mehr diesen (ent- 
stellten) Befriedigungscharakter aus, andere mehr den Anspruch der ver- 
drängenden Kräfte; bei manchen, vielleicht bei den häufigsten, sind beiderlei 
Ansprüche gleichzeitig vertreten. Nehmen wir hiefür gleich ein paar Bei- 
spiele: 

Das Erröten bei der leisesten Erwähnung sexueller Themata drückt zu- 
nächst die Triebabwehr aus, denn es sagt: das ist mir unangenehm, ich schäme 
mich, damit will ich nichts zu tun haben. Zweitens aber verrät es dem Zu- 
schauer deutlich die sexuelle Regung, die eigene Triebbeteiligung, also gerade 
das, was hätte vermieden werden sollen. Oder: Eine Patientin bekommt in 
Gesellschaft, die für sie unbewußt eine sexuelle Versuchung bedeutet, Stuhl- 
drang, der sie zwingt, das Zimmer zu verlassen. Sie wehrt damit erstens die 
Situation, die ihr unangenehm ist, deutlich ab, denn sie verläßt ja das Zimmer; 
zweitens aber lehrt die Analyse, daß der Stuhldrang für viele Kinder eine 
Situation ist, die ausgesprochen erotischen Lustcharakter trägt; regrediert die 
Patientin im Symptom auf dieses kindliche Anzeichen der Erregung, so zeigt 
sie damit, daß Erregung in ihr ist, schafft sich also auf diese entstellte Art 
doch die verpönte sexuelle Lust. 

So ist die Hysterie also der Ausdruck eines Konfliktes. Wollen wir die 
Hysterie verstehen, so müssen wir also hintereinander beide betrachten: die 
verdrängten und die verdrängenden Kräfte. 

Die grundlegende Erfahrung über die verdrängten Kräfte ist die über 
ihre sexuelle Natur. Bei dieser Gelegenheit ein Wort zu dem der Psychoanalyse 
so häufig vorgeworfenen „Pansexualismus", Freud hat nie gesagt, daß alle 
seelischen Regungen des Menschen aus der Sexualität ableitbar seien. (Woher 
kämen denn die verdrängenden Tendenzen?) Er hat aber wohl gesagt, daß 
die Neurose, speziell die Hysterie, immer einen verdrängten sexuellen Inhalt 
hat^ Allerdings hat die Psychoanalyse, wie bekannt, dabei den Umfang des 
Begriffes „sexuell" erweitern müssen. Es läßt sich aber leicht zeigen, daß sie 
das durchaus legitim getan hat. Wie durfte Freud, fragt man, den Begriff 
der Sexualität, der in der deutschen Sprache etwas ganz Bestimmtes, mit Fort- 



j) Freud: Vorlesungen zur Einführung in die Psychoanalyse (Ges. Sehr., 
Bd. VII, S. 308). 7 



^7 



Pflanzung und Genitalem Verbundenes bedeutet, auf Organsensationen aus- 
dehnen, die nichts mit Fortpflanzung und Genitalem zu tun haben? Darauf 
ist mit der Gegenfrage zu antworten: Warum rechnete man auch vor 
Freud die Perversionen, die auch nichts mit Fortpflanzung und häufig auch 
nichts mit dem Genitale zu tun haben, zur Sexualität? Weil sie zum Orgasmus 
führen, im Erleben phänomenologisch dem sexuellen Leben des Normalen 
entsprechen und beim Kranken in jeder Beziehung an Stelle des Sexuallebens 
getreten sind. Allerdings hat man sich auch mit Perversionen ungern ab- 
gegeben. Das mußte sich aber ändern, als die Psychoanalyse neben dieser 
„Dyssexualität" eine „Präsexualität" entdeckte, die ihr inhaltKch gHch und 
die von Bloch bewiesene allgemeine Verbreitung perverser sexueller 
Neigungen unter allen normalen Menschen verständlich machte. Warum be- 
steht nun aber die Psychoanalyse darauf, diese „Präsexualität"^ das, woraus 
später die Sexualität wird, auch schon zur SexuaHtät zu rechnen? Aus zwei 
Gründen. Erstens wegen der Unmöglichkeit, zwischen der Sexualität des Er- 
wachsenen und ihren infantilen Vorstufen eine scharfe Grenze zu ziehen; 
nicht nur Orgasmusfähigkeit, auch ausgesprochen genitale Vorgänge wie 
Erektion können sich, besonders bei der Hysterie, an nichtgenitalen Körper- 
stellen, den erogenen Zonen, abspielen. — Zweitens, weil man sich aus be- 
stimmten Gründen gegen diese Namengebung wehrt, nämlich aus einem 
Widerstand heraus, der nicht an das reale eigene „sexuelle" Erleben der 
Kinderzeit erinnert werden will, dessen Erlebensqualität wirklich dem 
späteren Sexualleben außerordentlich ähnlich ist. Die Psychoanalyse hat aber 
theoretisch und praktisch Interesse daran, die Übereinstimmungen hier mehr 
zu betonen als die DifFerenzen. 

Wenn wir also sagen, die Hysterie beruhe auf verdrängten sexuellen Trieb- 
regungen, so muß man alle perversen, richtiger infantil sexuellen Trieb- 
regungen dazurechnen. Die Entdeckung: ,Das pathogen Verdrängte ist 
sexuell* muß ergänzt werden: ,Das pathogen Verdrängte ist infantir, was eine 
bessere^ Ausdrucksweise für die alte Formel ist: ,Die Hysteriker leiden an 
Reminiszenzen'. Ich erinnere daran, daß das häufige Symptom des Globus 
hystericus, wie die Analyse des Falles Dora von Freud bewies^ einen 
unbewußten Fellatiowunsch spiegelt. Sexuelle Sensationen spielen sich im 
Halse (z. B. Blutungen, die Deflorationsphantasien entsprechen), im Kopfe 
(z. B. Hyperämie, die einer Erektionsphantasie entspricht) und an anderen 
Organen ab. Wir sprechen von einer „Verlegung von unten nach oben" und 
sehen in ihr eine Technik der Entstellung, die durch Kindheitserlebmsse, durch 
infantile Sexualität ermöglicht wird. 



^) Freud: Bruchstück einer Hysterieanalyse (Ges. Sehr., Bd. VIII). 
2 F e n i ch e I, Hysterien und Zwangsneurosen 



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Heranzuziehen zum Verständnis der Hysterie ist ferner die Kindheitsamnesie. 
Wir haben gehört, daß die hysterischen Amnesien, ebenso wie das tendenziöse 
Vergessen, Verdrängungen sind. (Das „Entfallen" eines bekannten Namens oder 
Wortes ist überdies das beste Beispiel für das unmittelbare Erleben der Exi- 
stenz des Unbewußten. Man weiß, daß man den Namen weiß, kann ihn aber 
trotzdem nicht reproduzieren.) Nun wundern wir uns viel zu wenig über die 
Tatsache, daß wir alle mehr oder weniger unsere Kindheit vergessen. Ein 
etwaiger Mangel in der Ausbildung der Gedächtnisfunktion kommt nicht in 
Betracht. 

Die von Freud entdeckten rätselhaften Deckerinnerungen be- 
weisen die tendenziöse Natur der Auswahl der übriggebHebenen Kindheits- 
ennnerungen'. Die Kindheit wird vergessen um der in ihr spielenden Sexuali- 
tät willen, die tendenziös vergessen werden soll. Das Fortbestehen oder 
Wiedererwachen der infantilen sexuellen Regungen und des Verdrängungs- 
kampfes um sie sind das wichtigste Moment in der Ätiologie der Neurosen. 
Die hysterische Amnesie ist so eine Neuauflage der infantilen. 

Wieder kann es hier nicht der Ort sein, Existenz, Inhalt und Entwicklung 
der infantilen Sexualität im Einzelnen zu schildern oder gar zu beweisen; ihre 
(pragenitalen und autoerotischen) Eigenarten, ihre in langer Arbeit von Neu- 
rosenanalysen entdeckte Entwicklung (prägenitale Organisationsstufen, Ödipus- 
komplex, Latenzzeit, Pubertät«) brauchen heute in einer spezieUen Neurosen- 
lehre mcht mehr abgeleitet, müssen viehnehr für sie vorausgesetzt werden. 

Für die Hysterie interessieren uns besonders diejenigen infantilen sexuellen 
Regungen, die auch im engsten Sinne schon sexuell, nämhch genital, sind. 
Daß auch beim kleinen Kinde bereits das Genitale als Quelle sexueller Regungen 
eine mcht zu unterschätzende Rolle spielt, beweist die allgemeine Verbreitung 
der Onanie. Ursprünglich ist sie rein autoerotisch, später kommen Objekt- 
phantasien dazu; noch später wird sie wesentliche Repräsentanz und Exekutive 
der sexuellen Regungen des Kindes überhaupt. Dies Letztere spielt sich, wie 
uns Freud gezeigt hat, etwa im vierten bis sechsten Lebensjahre ab. Wir 
sprechen dabei von der phallischen Organisationsstufe der Libido, die schon 
weitgehend der endgültigen genitalen Organisation der Erwachsenen entspricht, 
freihch auch in einigen wichtigen Punkten sich von ihr unterscheidet«: Näm- 
hch erstens darin, daß sie sozusagen nur ein männliches und kein weibliches 
Genitale kennt, - was später verständhch werden wird. Zweitens dadurch, 
daß sie narzißtisch, d. h. besonders beim Knaben durch die Liebe zum eigenen 

iJl l^Aut'' ?u" ^^fJ^^iiin^rungen (Ges. Sehr., Bd. I); ferner Zur Psychopatho- 
logie des Alltagslebens (Ges. Sehr., Bd. IV). 

8) Freud: Drei Abhandlungen zur Sexualtheorie (Ges. Sehr., Bd. V). 

9) Freud: Die infantile Genitalorganisation (Ges. Sehr., Bd. V). 



Genitale mehr als durch die zum Objekt charakterisiert ist, so daß bei einem 
Konflikt, der entweder Organ oder Objekt bedroht, zweifellos dieses aufge- 
geben und jenes behalten wird. Drittens dadurch, daß diese Frühblüte der 
menschlichen Sexualität zum Untergang bestimmt ist. Bezüglich der Frage, 
wie dieser sich abspielt und welche Konsequenzen er hat, müssen wir hier 
wiederum auf Freud verweisen ^°. — Aber was Objektliebe, Eifersucht, zärt- 
liche wie sinnliche Sehnsucht anbelangt, so unterscheidet sich das Kind dieser 
Zeit viel weniger vom Erwachsenen, als man gewöhnlich annimmt. Und welche 
Objekte sind es, die zum Ziel dieses frühgenitalen Begehrens werden? Nach 
den Erfahrungen der Psychoanalyse, wie bekannt, die Eltern oder deren Stell- 
vertreter. Die phallische Organisationsstufe der Libido fällt zusammen mit 
dem Höhepunkt des Ödipuskomplexes. Der Satz Freuds, daß der Ödipus- 
komplex der Kernkomplex der Neurosen sei, gilt in ganz besonderem Maße 
für die Hysterie; Hysteriker haben ihre infantile Objektwahl entweder nie 
überwunden oder sind so weit an dieselbe „fixiert" geblieben, daß sie nach 
irgendwelchen Enttäuschungen des späteren Lebens auf dieselben wieder 
zurückgreifen müssen. Weil ihnen so alle Sexualität Repräsentant verbotener 
Inzestliebe wird, setzen sie die ursprüngHch dem Ödipuskomplex geltende Ver- 
drängungsneigung gegen jede Sexualität ein, so daß sie dadurch in ihren pa- 
thogenen Konflikt geraten. Sie sind charakterisiert dadurch, daß sie gleich- 
zeitig im Unbewußten die hartnäckigste Objektbindung und Sehnsucht und in 
höherer Schicht die oft anderen bewußten Wünschen widersprechende Ableh- 
nung sexueller Regungen in sich tragen. 

Dazu kommt noch eines: Die Hysterie ist bekanntHch bei Frauen viel häufi- 
ger als bei Männern. Das hängt damit zusammen, daß die weibUche Sexual- 
entwicklung komphzidrter ist. Auch die Frauen haben eine aktive, man könnte 
sagen, männliche Sexualität, die an der Klitoris zentriert ist. Diese muß 
zugunsten der passiv-weibHchen, an der Vagina konzentrierten Sexualität über- 
wunden werden. Das geschieht oft nicht oder nicht in genügendem Maße. 
Die Klitorissexualität wird festgehalten, entweder aus konstitutionellen Grün- 
den, oder wenn sie durch Erlebnisse besonders stark geworden ist, oder end- 
lich wenn der vaginalen Sexualität besondere Hindernisse (Verdrängungen 
etwa, wenn sie Repräsentant der ödipuswünsche geworden ist) entgegenstehen. 
Dies kann nun Ausgangspunkt verschiedener Konflikte werden, nicht nur 
darum, weil solche aktiven Sexualwünsche gleichzeitig vorhandenen passiven 
widersprechen, sondern auch deshalb, weil das aktiv-sexuelle Mädchen dem 
penisbesitzenden aktiv-sexuellen Knaben gegenüber stark benachteiligt ist, was 
zu den bekannten Phänomenen des „Penisneides" führen muß. Dieser spielt im 



lo) Siehe Freud: Der Untergang des Ödipuskomplexes (Ges. Sehr., Bd. V). 



Unbewußten der Hysterika ebenfalls eine große Rolle. Freilich deckt er oft, 
besonders wenn er bewußt oder dem Bewußtsein nahe ist, nur den unbewußten 
Wunsch „ich möchte vom Vater geliebt werden", aber das wirkliche Verhältnis 
von Penisneid zu Ödipuskomplex ist nicht immer völlig klar. Freud hält es 
für wahrscheinlich, daß es typischerweise einen ganz frühen, vor allem Ödipus- 
komplex etablierten, rein narzißtischen Penisneid gibt, der vielmehr (neben 
anderen Umständen) die Entwicklung des weibUchen Ödipuskomplexes erst 
einleitet". Wenn dagegen die analytische Erfahrung lehrt, daß häufig ein 
bewußtseinsnaher Penisneid dazu dient, den tief verdrängten Ödipuskomplex 
abzuwehren („Flucht aus der Weiblichkeit", Horney«), so ist offenbar ein 
solcher Penisneid nicht identisch mit dem von F r e u d gemeinten ursprünglich 
narzißtischen und die Schichtenlage zwischen Penisneid und Ödipuskomplex 
mag eine komplizierte sein. Weitere Komplikationen kommen daher, daß sich 
Maskulinität und Klitoriserogeneität, Femininität und Vaginal- bezw. Analeroge- 
neität keineswegs immer, wie wir es der Einfachheit halber bisher angenommen 
haben, entsprechen, so daß die Klitorisonanie auch femininen Phantasien 
Abfuhr verschafft. 

Der Ödipuskomplex und mit ihm die infantile Sexualität ist bekannthch zum 
Scheitern verurteilt. Physiologische Unzulänghchkeit (der kleine Sohn kann 
(\y mit der Mutter kein Kind zeugen, die kleine Tochter dem Vater keines ge- 

bären) und Außenweltsverbote wirken zusammen. Der Wunsch wird scheinbar 
aufgegeben und erscheint erst in der Pubertät wieder. Wie uns Freud auf- 
merksam gemacht hat, ist dieses Scheitern der infantilen Sexualität oft die 
führende Ursache der später bei Neurotikern häufigen Minderwertigkeits- 
gefühle". Dies ist der oft erwähnte „zweizeitige Ansatz" des menschlichen 
Sexuallebens. Dazwischen liegt die „Latenzzeit", die das gleichzeitig mit dem 
Untergang des Ödipuskomplexes gebildete „Über-Ich" entwickelt und aus- 
gestaltet, d. h. die der Triebunterdrückung dienenden Kräfte — Ekel, 
Scham, Charakter überhaupt — ausbildet". Der ideale Grenzfall wäre der, 
daß die ganze vorher am Ödipuskomplex gebundene Libido in dieser Arbeit 
aufgeht. In Wahrheit bleibt wohl bei jedem Menschen ein Stück der alten 
Inzestbindungen zeitiebens im Unbewußten bestehen. Wir sagten bereits, daß 
wir uns vorstellen müssen, daß die Menschen, bei denen das stärker der Fall 
ist, die an den Ödipuskomplex „fixiert" sind, für Neurosen prädisponiert sind. 
Die Pubertätsentwicklung nimmt dann meist, wie unter einem Wieder- 

in^^Il^^^-^'l ^''J'^^ psychische Folgen des anatomischen GeschlechtsunterscKiedes 
(Ores. Sehr., Bd. XI). 

12) Horney: Flucht aus der Weiblichkeit. Int. Z. f. Ps.-A. XII (1926). 

13) Freud: Jenseits des Lustprinzips (Ges. Sehr., Bd. VI, S. 207). 

14) Freud: Drei Abhandlungen zur Sexualtheorie (Ges. Sehr., Bd. V, S. 51). 



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liolungszwang, den gleichen Verlauf wie die sexuelle Frühzeit. Wenn die Los- 
lösung damals nicht voll geglückt ist, so glückt sie dann meist auch nicht. Die 
Frage, wovon ein solches Mißglücken aber damals abhing, wird so zum ent- 
scheidenden Problem der Ätiologie der Hysterie. Neben konstitutionellen Mo- 
menten, über die noch an anderen Stellen zu reden sein wird, kommen hiefür 
fixierende Erlebnisse in Frage, d. h. außerordentliche Befriedi- 
gungen oder außerordentliche Versagungen oder außerordentliches Abwechseln 
von beidem; die Hysterieanalyse fördert Unmengen verschiedenster derartiger 
„traumatischer" Kindheitserlebnisse zu Tage, deren unbewußte Wiederholungen 
die krankheitsveranlassenden „Traumen" des späteren Lebens meist darstellen. 
Übrigens ist natürlich für die Hysterie nicht nur Fixierung am Ödipuskomplex, 
sondern, damit untrennbar verbunden, seine besondere Unterdrückung, die 
Fixierung an der inzestverbietenden Kastrations- bezw, Liebesverlustangst 
charakteristisch (s. später). Gewöhnlich sind es ja dieselben Eltern, die 
sowohl besondere Gewährung als auch (an anderen Stellen oder zu anderen 
Zeiten) besondere Verbote in Bezug auf die Ödipuswünsche der Kinder setzen, 
nämlich die selbst neurotischen, die ihre eigenen ödipuswünsche und -befürch- 
cungen an ihren Kindern ausleben. Wir finden unter den Hysterikern häufig die 
ewigen Muttersöhnchen, — oder die Frauen, die keinen Mann wollen, aber in 
steter Ehrfurcht zu ihrem Vater aufsehen, — oder endlich, da ja besonderen 
ödipus wünschen besondere Unterdrückungen entsprechen müssen, Typen, die 
„zuviel Latenzzeit haben", die sich auch in und nach der Pubertät keine sexuelle 
Betätigung gestatten und, weil für sie jede sexuelle Regung den Inzest bedeutet, 
zu Sexualablehnung, Ekel vor der Sexualität oder Frigidität gelangen. Kom- 
men dann später im Leben des Erwachsenen reale Sexualansprüche, so kann 
zweierlei geschehen: Ist die Fixierung groß, so läßt der Betreffende den An- 
spruch erst garnicht an sich herankommen. Ist sie geringer, so greift er erst, 
wenn er im realen Sexualleben Enttäuschungen erlitten hat, auf den alten 
Inzestwunsch zurück. Wir begegnen hier zum ersten Male dem für die Neu- 
rosenlehre so wichtigen BegrifF der „Regression", d. h. dem Umstand, daß 
der Mensch dazu neigt, nach Enttäuschungen frühere Befriedigungswege neu 
zu aktivieren. Viele Menschen wollen nach Enttäuschungen besonders gezärtelt 
werden, wie sie es als Kinder wurden. Es ist die infantile Sexualität, 
auf die der in der erwachsenen Sexualität Enttäuschte zurückgreift. Welcher 
Teil der infantilen Sexuahtät dabei der bedeutendste wird, hängt von den 
jeweiligen „Fixierungsstellen" ab. Bei der Hysterie ist es der der phallischen 
Periode angehörige Ödipuskomplex. Dieser durch Regression aktivierte ödipus- 
wunsch muß dann von der PersönHchkeit neu verdrängt werden j zur Enttäu- 
schung (äußere Versagung) kommt die Verdrängung (innere Versagung). Wir 
haben also die ätiologische Reihe: Fixierung am Ödipuskomplex— Enttäu- 



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schungen der Realität - Regression - neuerlicher Verdrängungskampf - 
Symptombildung. Weil der erste Punkt dieser Reihe sich in der Kindheit ab- 
spielt und der entscheidende ist, kann nur die Analyse der Kindheit als kausale 
Analyse der Hysterie (und jeder Neurose) betrachtet werden. 

Nach so breiter Erörterung der verdrängten Kräfte nun noch einiges über 
die verdrängenden: Das Verbot der ödipusregungen ist dem Kinde 
von außen durch die Macht seiner physiologischen Grenzen und - wichtiger 
- durch die Macht seiner erziehenden Umgebung aufgedrängt worden. Die 
Frage, ob dabei jenen biologischen oder diesen sozialen Gründen mehr Bedeu- 
tung beizumessen sei die in letzter Zeit wieder Gegenstand wissenschaftlicher 
Erörterungen geworden ist (Freud hat stets diese Ansicht vertreten - 
englische Autoren verteidigen jene"), scheint zunächst nur von theoretischem' 
Interesse. Das ist aber ein großer Irrtum, denn von der Entscheidung dieser 
Frage hangt es ab, ob die Neurosen naturgegebene biologische Fakten sind 
oder eine soziale Erscheinung, entstanden aus den gegen das Trieb- 
leben des Einzelnen gerichteten Ansprüchen der jeweiligen ge- 
sellschaftlichen Institutionen, die ihrerseits von der Soziologie 
zu ergrunden sind. Wir meinen, die analytische Erfahrung beantwortet diese 
Frage eindeutig im Freudschen Sinne. Das reale Erleben des Kindes 
mit den von den Eltern gegebenen Erziehungsversagungen, deren Vorgehen dabei 
von gesellschafthchen Fakten diktiert ist, gibt den Ausschlag sowohl für die 
ersten Triebabwehren als auch für die spätere Entstehung des „Über-Ichs", das 
tur Art und Inhalt der weiteren Triebabwehren verantwortlich ist. Die biolo- 
gischen Fakten, vor allem die lange Hilflosigkeit des menschlichen Säughngs 
und der , zweizeitige Ansatz« des menschlichen Sexuallebens, ermöglichen 
diese äußere Einwirkung. 

Der Mensch, der seinen Ödipuskomplex verdrängt hat, hat also ein von 
außen kommendes Verbot akzeptiert. Er sorgt selbst für seine Exekutive. 
Jarum tut er das? Venn das wirklich aus einem rein inneren „Gewissenskon- 
flikt entsteht, so wird eine solche Motivierung zweifellos nicht die älteste sein, 
sondern eine, die genetisch reduzierbar ist auf die Angst vor äußeren Folgen, 
die die_ Befriedigung des Triebes durch das von außen gesetzte Verbot mit 
sich brachte. Das Kind verdrängt seine Sexualität, weil es 
Angst vor ihren Folgen hat. Es kann hier nicht ausgeführt werden. 

(Ge/Mh" B^XIf""'^^^,""l' ^«S/?!'^'« "«^ Hemmung, Symptom und Angst 
XvPhit\ '\^' ^^^'}'' °i' GefahrsituatJonen des unreifen Ich. Int. 2. f. Ps-A 
Klein und andwe Arbeit«;. ' ^ ^' "' "'"'''"' ^'''"'''" ^°" ^^J'«''* 



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daß und warum diese Angst so häufig den bewußten oder unbewußten Vor- 
stellungsinhalt einer gewaltsamen Beschädigung des Genitale hat und so als 
sogenannte „Kastrationsangst" auftritt. Der weibliche „Kastrationskomplex", 
sollte man meinen, könnte als Motiv der Verdrängung nicht in Betracht kom- 
men, denn der Glaube, einen Penis verloren zu haben, kann nie die dynami- 
sche Kraft einer für die Zukunft gültigen Drohung besitzen. Oft weist die 
Analyse nach, daß Mädchen andere analoge „Genitalbeschädigungsängste" 
haben, z. B. die vor dem Zerrissen- oder Gespaltenwerden. Trotzdem bleibt 
der merkwürdige Befund, daß auch Mädchen oft fürchten, die Sexualbefriedi- 
gung werde das Abschneiden oder Wegnehmen eines Körperteiles (eines phan- 
tasierten Penis) zur Folge haben, wozu wohl die prägenitalen „Kastrations- 
vorbilder", Entwöhnung und Stuhlverlust, das Ihrige beitragen^^. Dahinter steht 
die Angst, nach Triebbetätigung von den Personen der Umgebung nun nicht 
mehr geliebt und in kindlicher Hilflosigkeit allein gelassen zu werden (Liebes- 
verlustangst). Das Problem, woher es kommt, daß bei den meisten Hysterien 
nicht nur der Inhalt der ödipuswünsche und nicht nur der unbewußte Inhalt 
dieser Angst, sondern auch die Angst selbst unbewußt bleibt, werden wir im 
Kapitel Angsthysterie erörtern. Auch den Nachweis des genetischen Zusam- 
menhanges zwischen Gewissensangst und Kastrations- resp. Liebesverlustangst 
werden wir besser bei der Zwangsneurose als bei der Hysterie besprechen. 

Das hysterische Symptom erschien uns also als Kompromißbildung zwischen 
verdrängtem Ödipuskomplex, der sich in entstellter Form durchsetzt, — und 
verdrängenden Kräften. FreiHch darf man sich dies nicht so vorstellen, als 
ob das Symptom bei der Analyse diesen seinen letzten Gehalt ohne weiteres 
kenntlich werden ließe. Zwischen die ältesten ödipusphantaslen und die Sym- 
ptome des erwachsenen Hysterikers schieben sich alle möglichen Zwischen- 
gebilde ein, die man in ihrer analytischen Bedeutung gewiß nicht unter- 
schätzen darf. Hier ist vor allem wichtig das für das Seelenleben der Hysteriker 
bedeutungsvolle Gebiet der — vielleicht auch schon zum Teil unbewußten — 
Tagträume, die dem sexuell ablehnenden Patienten die sexuelle Befriedigung 
ersetzen und — die Abkömmhnge alter ödipusphantaslen sind. Der Weg von 
diesen zu jenen geht über die Onanie und die Onaniephantasien. Die frühinfan- 
tile Onanie ist die Exekutive der Ödipus-Sexualität. Ängste, die dieser gelten, 
verschieben sich auf die Betätigung. Deshalb erweist sich der Kampf um 
die Onanie oft als unbewußter Inhalt hysterischer Symptome. — Manche 
Krämpfe, rhythmische Muskelkontraktionen, Symptome der sensiblen Sphäre 
erweisen sich so als „Onanieäquivalente", als Ersatz und Abwehr von Onanle- 



17) Siehe Stärcke: Der Kastrationskompiex. Int. Z. f. Ps.-A. VII (1921), und 
Alexander: Kastrationskomplex und Charakter. Int. Z. f. Ps.-A. VIII (192a), 



Impulsen. Das häufigste „onanieäquivalentc"' Konversionssymptom ist das 
Bettnässen der Kinder. 

Die infantile Enuresis nocturna bietet der analytischen Forschung immer noch 
eine Reihe ungelöster Probleme. An ihrer Natur als Sexual äquivalent kann 
allerdings kein Zweifel sein. Ursprünglich ist sie — wie die psychologisch wohl analoge 
Incontinentia aivi — eine autoerotische Betätigung, die dem Kinde urethral- bezw. 
anal- und hauterotischen Lustgewinn bringt. In Analysen findet man noch Erinnerun- 
gen an diese Sensationen, die etwa in mancher Ejaculatio praecox, in der Sperma und 
Urm unbewußt gleichgesetzt werden, neurotisch wieder auferstehen — Wenn das 
größere, sonst schon reinliche Kind aber auf diese alte Lust wieder zurückgreift (und 
nur dieser Fall mteressiert als eine Art Konversionssymptom), so handelt es sich nicht 
mehr um Autoerotik. Begleitende Träume und die damit verbundenen Schuldgefühle, 
die die infantile Enuresis in der Regel ebenso der Verdrängung anheimfallen lassen 
wie die mfantile Onanie, beweisen ihre Verwandtschaft mit dieser. Sie ist wie die 
Onanie motorische Abfuhr sexueller Spannungen, erscheint als erster Onanieersatz- 
gelegentlich ist ein für diese Ersatzbildung verantwortliches Onanieverbot (oder 
aqmvalentes Erleben) nachweisbar, gelegentUch nicht. In diesem Sinne hat die Gleich- 
setzung der späteren Pollutionen und des kindlichen Bettnässens, das von Knaben in 
der Pubertätszeit - bewußt oder unbewußt - so oft vorgenommen wird, einen 
wahren Kern: Beide Erschemungen sind ihrer psychischen Funktion nach Versuche 
die Onanielust ohne die Onanieschuld zu genießen. Insofern sie gegen den Willen des 
die Sexuahtat unterdrückenden Ichs erfolgen, sind es neurotische Symptome. Aj^ie 
die Onanie kann auch die Enuresis den verschiedensten Sexualwünschen Abfuhr 
geben. Wie diese ist sie in der Blütezeit des Ödipuskomplexes vor allem Exekutive 
seiner Regungen. Insofern alte urethral- und hauterotische Erregungen dabei Ausdruck 
genitaler Tnebtendenzen werden, begegnen wir hier dem Mechanismus der Regres- 
!l'°n/'T' ?°'^ ""'"i ''f «^^^äftigen wird. Zwischen der tief verdrängten Schicht 
des Ödipuskomplexes und dem manifesten Symptom liegen - wie bei der ausge- 
bildeten Hysterie -- alle möglichen „intermediären" Sexualwünsche. Interessant ist, 
wie häufig gerade das Bettnässen Ausdruck von Sexualphantasien auch des anderen 
Geschlechtes wird, also femininer Tendenzen des Jungen und maskuliner des Mäd- 
chens^ Madchen mit besonderer Betonung der Urethralerotik stehen fast stets unter 
d?r Herrschaft emes Penisneides, ihr Symptom gibt dem Wunsche Ausdruck, so zu 
urinieren wie sie es am Knaben bewundern. - Aber auch bei Jungen findet man 
häufig die umgekehrte Auffassung, daß Inkontinenz eine „weibliche" Angelegenheit 
sei unddaß sie im „ziellosen« Urinieren weibliche Lust ersehnen. Mit dieser passiven 
Perzeption der Inkontinenz geht die der vorhin erwähnten Regression entsprechende 
infantile Hand m Hand: Wenn man das Bett beschmutzt wie ein Baby, so hegt 
häufig darin der Wunsch, wieder Baby sein zu dürfen«. Häufig tritt das Symptom 
auch nach der Geburt eines kleinen Geschwisterchens auf". 

Das Einkoten im späteren Alter ist ein selteneres Vorkommnis als das Einnässen, 
offenbar trotz analogen Aufbaues als häufiges, ausgesprochen neurotisches Geschehen 
nur bei einer bestimmten Intensität der Analerotik möglich, was dazu stimmt, daß es 
m der Anamnese späterer Zwangsneurotiker h äufiger ist als in der späterer Hysterien. 

1 8) Siehe z. B. Baudouin: Ein Fall von Bettnässen. Z. f. ps.-a. Päd. III (1920) 

in.'wwT '^"'"^^^'^•''''T^ kindlicher Enuresis wird geschildert von Freud 
m. Bruchstuck einer Hysterieanalyse (Ges. Sehr., Bd. VIII, S. 73 ff). 



— Von der onanistischen Betätigung verschiebt sich die Abwehr dann weiter auf die 
sie ersetzenden Entwicklungsprodukte, die Tagträume, 

Manchmal kann die Analyse in mustergültiger Weise aufdecken, wie das Tagträumen, 
ursprünglich dazu bestimmt, die Onanie zu unterdrücken, seine Funktion wechselt 
und zum entstellten Ausdruck der alten wiederkehrenden Onaniephantasien wird^^ 
Manchmal werden bestimmte Tagträumereien und Phantasiebereiche der Analyse 
lange entzogen, sei es, weil der Patient sie „vergißt", sei es, weil er diese „schönen" 
Gedanken nicht preisgeben will. In solchen Fällen enthalten sie oft den Schlüssel zum 
Verständnis des Ödipuskomplexes. Das war z, B. bei einer Patientin der Fall, die 
phantasierend „Ekstasen" erlebte, deren Verlust sie befürchtete. Nach der Aufdeckung 
der in der Vorstellung, die Analyse werde ihr etwas Gutes rauben, enthaltenen 
Kastrationsangst kam die Erinnerung an ähnliche „Ekstasen" der Pubertätszeit — und 
schließlich die, daß die Sensationen dieser von aller Sinnlichkeit so entfernten 
Ekstase identisch waren mit denen der wieder erinnerten frühkindlichen Onanie. — • 
In der Pubertät und gelegentlich auch später findet man oft phantastisch ausgestaltete 
Interessengebiete, mit denen der Betreffende wie mit einer „überwertigen Idee" fast 
unausgesetzt lustvoll-tagträumend beschäftigt ist, Sport, Technik, Krieg, Verkehrs- 
wesen usw. Es sind meist Abkömmlinge der Ödipus-Onaniephantasien. 

Eine Patientin empfindet eines Tages heftige Schmerzen in einem Finger. Sie sagt, 
sie hätte das Gefühl, als sei sie mit einem Messer geschnitten worden. Sie liebt einen 
abwesenden Vetter, der Medizin studiert, und entwickelt die Phantasie, der Betref- 
fende hätte vielleicht gerade im Seziersaal eine Leiche geschnitten, was sie in ihren 
Schmerzen zu fühlen bekomme. Diese primitive, dem magischen Denken entspre- 
chende Phantasie ist ein bewußter Tagtraum. Der unbewußte Teil des Tagtraumes ist 
die symbolische Gleichsetzung von Schneiden und Sexualverkehr, von Messer und 
Penis. Ganz unbewußt ist ferner der in der Analyse sehr deutlich gewordene Um- 
stand, daß der Vetter eine Ersatzperson für den Vater ist. — Derselben Patientin 
wurde übel, so oft sie mit ihrem Vater allein zu Hause bÜeb. Das war die Abwehr 
der ödipusversuchung. 

Eine Patientin klagt eines Tages über Erbrechen und heftige Übelkeit. Als Ursache 
läßt sich nur ermitteln, daß sie Fisch gegessen hatte. Daran knüpfen sich allerhand 
Tagträume über die Grausamkeit, Tiere zu essen, insbesondere Fische, weil Fische 
eine „Seele" hätten. Der Vater dieser Patientin war gestorben, das Essen der Leiche, 
das Hinübernehmen seiner Seele in den eigenen Körper, deckt die unbewußte Phan- 
tasie von der sexuellen Vereinigung mit ihm. 

Man kann dann auch sagen, das Symptom, Ausdruck des verdrängten 
Triebes, ist die entstellte Sexualbefriedigung des Hysterikers, dem eine echte 
Sexualbefriedigung unmöglich ist, was in manchen Symptomen, etwa in einer 
Urticaria, die ständiges Jucken verursacht, oder in gynäkologischen Störungen, 
die häufige vaginale Untersuchungen nötig machen, besonders deutlich wird. 
Selbstverständlich tragen die zwischen Ödipuskomplex und hysterisches Sym- 
ptom eingeschalteten Phantasien keineswegs immer genitalen Charakter. Als 
Zwischenglieder zwischen genital-sexuellem ödipuswunsch und scheinbar 
harmlosem Tagtraum sind, fast regelmäßig im Kindheitserleben wurzelnde 



20) Anna Freud: Schlagephantasie und Tagtraum. Imago VIII (1^22), 



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Sexualphantasien aus dem Bereich aller möglichen Scxualkomponentcn zu 
fanden: Homosexuelle, prägenitale, sadomasochistische, exhibitionistische schau- 
tnebhafte, muskel-, gleichgewichts-, hauterotische. Wenn wir sie hier als prin- 
zipiell nicht bedeutungsvoll kurz abtun können, so kann das der praktische 
Analytiker keineswegs. Sie dürfen bei der Analyse keinesfalls „übersprungen« 
werden, ihre breite Eruierung und Durcharbeitung erfordert im Gesamtverlauf 
der Hysterieanalyse vielleicht mehr Zeit und Aufmerksamkeit als die ödipus- 
Grundlage. Da sie deren Entwicklungsprodukte darstellen und die Spezifität 
der Symptome determinieren, kann eine sie überspringende Deutung der 
ödipuswunsche dynamisch diese in Wirklichkeit gar nicht erreichen, müßte 
also therapeutisch unwirksam bleiben. 

Der Ödipuskomplex selbst in seiner Jeweihgen durch die speziellen Kind- 
heu erlebnise bedingten Form ist ja nur durch Analyse dieser „Zwischen- 
gebilde" zu eruieren. Und wir dürfen niemals vergessen, daß d L Teg ^ 
Ödipuskomplex" unendlich viele, mannigfaltige, durch Konstitution u^ 
Erleben geformte für jeden Menschen nur jeweils einmalige, in W 

sp echen .Das Verhältnis der Zwischengebilde zum Ödipuskomplex kann 
dem der Tagreste zu den unbewußten Traumwünschen bei der T^marbeit 

verglichen werden. -iAcLumarDeic 

SenTln''". 'T'" '1 "'^^ ''^ " ^^*^^^° ^"""^ ^-«^I Steinten - 

entsprechend der allgememen Erogeneität aller Organe. Das bedingt die Viel 
gestaltigkeit der Hysterie, die bekanntlich „alle Krankheiten nachahLn kali:^'. 
Ferenczi spricht von einer „Genitalisierung der Organe", z. B. wenn ein 
Finger oder der ganze Körper „erigiert« wird^^ Besonders häufig und" 
«San, .t dabei die Gruppe der „oralen und analen hysterischen Symptome«: 
2: d^ßt'rT •'wf^'^^?"' Stuhlbeschwerden und dergl. Nun wissen 

re. ediert? ff T'"/" ''"" '^^ "^"^"^ "^'^ -^ *-e Stufe 
neben ] ^ " u"Tu ^'"^^ "^""'^ ^" ^'^^ '^'^ »genitalisierten Organs« 
neben anderem auch abhängen von analen oder oralen Fixierungen und doch 
werden wir bei der Besprechung der Zwangsneurose und Melancholie begrdf n 
Dn;wT" "^^d " "'^^^'^^'^^"«=^ -" -- Regression sprechen kö^n n: 
fu den T han?" ''\ 'nt-f ''^ Organisationsstufe, die genitalen Beziehungen 
zu den (phantasierten) Objekten, gehen nicht verloren; sie werden nur gleich- 
sam in Prägenitales „übersetzt«. Die prägenitale Fixierung gibt nur den aI 

S l^rt"^"^- ^P«'^^^°--'"^'^ 'ä« Ödipuskomplexes. Int. Z. f. Ps.-A., XVII (roji) 
") Ferenczi: Hysterie und Pathoneurosen, S. 17. ^^ ^ 



aber doch eigentlich genital, so daß der Terminus Ferenczis durchaus zu 
Recht besteht. 

Weniger als über die typischen Inhalte der hysterischen Symptome können 
wir über ihre typischen Mechanismen sagen. Hier ist manches noch unklar. 
Charakteristisch ist bekanntlich, daß das Symptom sich im körperlichen Bereiche 
abspielt; diesen „Sprung" aus dem Psychischen ins Körperliche nennen wir 
„Konversion". Wir können durch den Gedanken, daß das Symptom eine ent- 
stellte Sexualbefriedigung und jede Sexualbefriedigung ein körperliches 
Phänomen ist, ferner durch den, daß die körperliche Abfuhr einer seelischen 
Spannung das Wesen jedes, auch des normalen Affektes ausmacht'^ uns die 
Möglichkeit einer solchen Konversion etwas näher bringen, ohne sie jedoch 
wirklich zu verstehen. Ihre Voraussetzung ist die durch die Verdrängung des 
Ödipuskomplexes erforderliche Abwendung von der Realität und Zuwendung 
zur Phantasie, jene Ersetzung der realen Sexualobjekte durch die phantasierten 
Vertreter der infantilen Objekte, die wir „Introversion" nennen. Ihr entspricht 
das völHge Nach-innen-gewendet-Sein der Hysteriker, das sich eben auch darin 
zeigt, daß in den Symptomen an Stelle von nach außen gerichteten Handlungen 
(AUoplastik) nach innen, in den eigenen Körper gesandte Innervationen treten 
(Autoplastik). So kann es dazu kommen, daß die Phantasien der Hysteriker in 
realen körperlichen Funktionsänderungen entstellten plastischen Ausdruck 
finden; Ferenczi spricht von „hysterischer Materialisation"^* und hat 
sie uns etwas näher gebracht durch den Nachweis, daß alles Phantasieren wie 
alles Vorstellen und Denken überhaupt mit entsprechenden Körperinner- 
vationen Hand in Hand geht, daß das Handlungen ersetzende Denken 
Handlungsansatz, „Probehandeln" ist. Das Wenige, was wir über die 
Mechanismen der Konversion wissen, hat Freud in seinem Buche 
„Hemmung, Symptom und Angst" zusammengefaßt'^ Die Konversions- 
symptome stellen permanente oder intermittierende Besetzungsvorgänge dar, 
die an die Stelle gehemmter infantiler Sexualregungen getreten sind. Sie sind 
mit ihnen assoziativ verbunden. Der Zusammenhang ist in der Regel der, daß 
das Symptom einen Teil aus dem ganzen zu Grunde hegenden Komplex dar- 
stellt, so daß man den Eindruck gewinnt, als ob sich die infantil-sexuelle 
Energie auf einen kleinen Teil verschoben und konzentriert hätte. Im ein- 
zelnen sagt F r e u d: Der hysterische „Schmerz war in der Situation, in welcher 
die Verdrängung vorfiel, tatsächlich vorhanden" gewesen. 



zur 



23) Felix Deutsch hat versucht, den Weg, der von dieser „normalen zur 
hysterischen Konversion führt, zu klären. Siehe seine Arbeit: Zur Bildung des 
Konversionssymptoms. Int. Z. f. Ps.-A., X (1924), 

24) Ferenczi: Hysterie und Pathoneurosen. S. 23. 
2j) Freud: Hemmung, Symptom und Angst (Ges. Sehr., Bd. XI, S. 51), 



2% 



Ein ^ Patientin leidet an rechtsseitigen Bauchschmerzen. Sie wiederholt damit dk 
Sensationen einer Appendicitis, die sie als Kind durchgemacht und die ihr gleich- 
zeitig besondere Zärtlichkeit von Seiten ihres Vaters und „Kastrationsangst" gebracht 
hatte. 

„Die Halluzination war damals Wahrnehmung": 

Eine Patientin leidet an einer quälenden Halluzination von Metallgeschmack Es 
stellt sich heraus, daß sie als Kind den Wasserleitungshahn direkt in den Mund zu 
nehmen pflegte, um zu trinken. Damals war der Metallgeschmack Wahrnehmung 
gewesen. Diese Gewohnheit deckte die auf den Vater zielenden unbewußten Fellatio- 
wünsche. 

„Die motorische Lähmung ist die Abwehr einer Aktion« (letzten Endes der 
infantilen sexuellen Handlungen). Die Kontraktur ist ein Verschiebungsersatz 
für eine intendierte, aber gehemmte Muskelinnervation. Der Krampf ist ein 
Affektausbruch (sexuelle Handlung) ohne Kontrolle des Ichs. 

So kann der auf einen Körperteil beschränkte Krampf, wie erwähnt, die Erektion 
darstellen. Man darf aber nicht übersehen, daß der Muskelkrampf nicht nur den 
Durchbruch unterdrückter Regungen bedeutet, sondern gleichzeitig die Unter- 
druckung selbst Ein allgemeiner oder spezieller Hypertonus kann in unspezifischer 
Weise emfach besagen: Ich habe etwas zu unterdrücken. Ferenczi hat gezeigt 
wie dieser „Unterdrückungskrampf" z. B. von einer Verschiebung der Funktion der 
Analsphmkteren auf die gesamte Muskulatur ihren Ursprung nehmen kann'». Wir 
kommen darauf bei Besprechung der Hemmungen zurück. 

Immer also macht es den Eindruck, als sei durch eine Art Ver dich tu n g 
die ganze Besetzung der anstössigen Triebregung bei der Symptombildung auf 
em kleines Stück, das durch die innervierte Körperstelle repräsentiert ist, zu- 
sammengedrängt worden". Daß die hysterischen Symptome sich in jeglichem 
Körpergebiet manifestieren können, ist eine Folge der allgemeinen Erogeneität 
im menschlichen Körper, einer Tatsache, die mit der Auffassung, daß die zu 
Grunde liegenden körperiichen Vorgänge innersekretorischer Natur seien, gut 
übereinstimmt. Aber auch alle diese Fragen nach der „Organlibido" wollen wir 
zunächst noch verschieben. 

Gerade weil an der Konversion so vieles noch rätselhaft erscheint, ist es 
veriockend, bei der Formulierung, in ihr trete Autoplastik an Stelle von 
realitätsangepaßter AUopIastik, an größere theoretische Perspektiven zu denken. 
Wenn man sich dabei des unsicheren und spekulativen Charakters bewußt 
bleibt, ist es erlaubt, daran zu erinnern, daß nach Lamarcks Auffassung 
die Entwicklung der Arten durch „direkte Anpassung« erfolgen kann, das 
heißt dadurch, daß der Körper sich autoplastisch an die von der Außenwelt 
diktierten Bedürfnisse anpaßt. Nach dem berühmten Beispiel bekam die 

26) Ferenczi: Zur Psychoanalyse von Sexualgewohnheiten. Int. Z. f. Ps-A 

Äl, 1925, b. 13. : * 

27) Freud: Die Verdrängung. (Ges. Sehr., Bd. V, S. 477). 



^9 

Giraffe ihren langen Hals, um auf die hohen Bäume langen zu können. Die 
hysterische Konversion schiene dann ein letztes Überbleibsel dieser auto- 
plastischen Anpassungsfähigkeit der Tiere. 

Wir müssen nun noch ein paar Begriffe erörtern, die für hysterische 
Mechanismen wichtig sind, die aber noch nicht Erwähnung finden 
konnten. 

i) Das somatische Entgegenkommen: Die Psychoanalyse hat 
nie behauptet, alle Phänomene der Neurosen wären „nur psychisch", ist ja 
doch die Libido selbst als ein Korrelat hormonaler Stoffe vorzustellen. Für 
die körperlichen Konversionssymptome kann der Körper nicht gleichgültig 
sein. Werden z. B. in einem hysterischen Symptom genitale Wünsche dar- 
gestellt, indem sie auf nichtgenitale Körperstellen verschoben werden, so 
stünden ja unendlich viele Körperstellen dafür zur Verfügung. Was bestimmt 
nun die Auswahl der Körperzone, an der das Symptom sich manifestiert? 
Nun, oft genug auch Psychisches. Wir haben sowohl davon gesprochen, wie 
orale Symptome auf der regressiven Anziehung beruhen, die von oralen 
Fixierungen ausgeht, als auch davon, wie im allgemeinen die Organwahl von 
den Zufälligkeiten der historischen Kindheit abhängt. Daneben können hier 
aber auch rein somatische Faktoren in Betracht kommen. Es ist klar, daß sich 
ein Symptom dort am ehesten durchsetzen wird, wo ein locus minoris 
resistentiae vorliegt. Der vasomotorisch Labile wird vorzugsweise vaso- 
motorische Symptome, der stark Myope Augensymptome produzieren usw. 
Auf die Beziehung der sogenannten Organneurosen kommen wir später zu 
sprechen. Sicher aber ist eine durch somatische Determination lokalisierte 
Hysterie das, was man „psychogenen Überbau organischer Krankheiten" 
nennt. Und wenn die Lokalisierung etwa durch eine orale Fixierung erfolgte, 
so dürfen wir auch nicht vergessen, daß eine solche zwar zum Teil durch 
Erlebnisse während der oralen Phase der Libidoentwicklung gesetzt wird, zum 
anderen Teil auf konstitutioneller Erhöhung der oralen Sexuahtät beruht, also 
ebenfalls auf einem somatischen Entgegenkommen. 

2) Die hysterische Identifizierung. Neben den direkten Ge- 
fühlsbeziehungen zu Objekten, Liebe und Haß, gibt es noch eine zweite 
Möglichkeit von Beziehungen zwischen einem Subjekt und Objekten, die 
Identifizierung, die Angleichung des eigenen Ichs an das Vorbild des anderen, 
die durchaus unbewußt und praktisch meist als Ersatz für eine verloren ge- 
gangene eigentliche Objektbeziehung eintritt. Solche Identifizierungen spielen 
bei der Hysterie in mehrfacher Form eine große Rolle. 

a) Am verständhchsten . ist die „Identifizierung auf Grund des gleichen 
ätiologischen Anspruchs". Daß die Hysterie alle Krankheiten nachahmt, 
war stets bekannt. Was aber bewegt sie dazu? „Die Sucht aufzufallen" kann 



30 



uns nicht wirklich etwa eine Epidemie von chorea maior erklären. Wenn aber 
nach dem Beispiel Freuds, die AnfäUe des ersten Mädchens im Pensionat 
nach emem Liebesbrief aufgetreten sind, so versteht man, wenn dann auch 
alle anderen Mädchen Anfälle produzieren: Sie wollen auch Liebesbriefe be- 
An'Sl'hlf" "'". -h gleichsam, wenn man von einem solchen Anlaß 
Anfalle bekommen kann, dann bekommen wir auch welche, demi wir wollen 
den gleichen Anlaß haben- Die Identifizierung erfolgt hier, weil das Objekt 
einen langst ersehnten Wunsch crfülh bekommen hat, also „auf Grund einer 
rezenten Gemeinsamkeit", ohne daß vorher ,zu dem .betreffenden Objekt irgend 
Wehe Beziehungen bestanden haben müssen. Warum aber bekommen die 
Madche„Anfalle,abo Schmerzen. Leidenssymptome? Hier müssen wir 
uns d ran erinnern, daß das Symptom ja ein Kompromiß darsteüt. Es muß 
auch den verdrängenden Kräften Genüge tun. Diese Kräfte sind es, die etwa 
sagen: Du Wltest so glücklich sein wie die X. . . - nun sei zur Strafe To 
ungluckhch wie die X...! Es geht so zu wie in der Sage von MidaT der 
bestraft wird indem er durch das ihm gewährte viele Gold zugr^t 
mmerhm sei hier bemerkt, daß die beiden Bedeutungen der hysterischen 

mcht gleichwertig erschemen. sondern, daß der entstellte Befriedigungs 
Charakter überwiegt. Von reinen Hemmungssymptomen abgesehen Ti 
Impotenz - siehe spater -) scheint es keine hysterischen Symptome zu geben 
die nur die verdrängenden Kräfte befriedigen und nicht den Trieb. Dagegl' 

In IT? t'Jf " "'"^^'^'" triebbefriedigende Symptome' bt! 
denen aber kerne Strafbedeutung zukommt; man denke etwa an die sogenann 
ten hysterischen Stigmata, von denen der Patient selbst nichts weiß. ' 
b) Vom gleichen Typ ist die hysterische Identifizierung mit 

selben Husten, den ihre unbewußte Rivahn, Frau K., hatte- Die Analyse 
Jies den Ödipuskomplex nach; sie liebte den Vater und wäre gerne an Stele 

elbst die Gehebte des Vaters sein; sei sie nun dort, wo sie leidet. Die 

dentifizierung m der Schuld ist so der Index für die intendierte Identifizierung 

un Triebverlangen So wd dieser Fall identisch mit dem Mechanismus, den 

Freud als entlehntes Schuldgefühl" bezeichnet hat- Nach dem gleichen 

Typus Identifizieren sich hysterische Mädchen häufig mit ihrer Mutter! wobei 

samkeit nachgeahmt wird, sondern gerade die, an deren Stelle z u sein einem 

^^l ^''*"<J= Massenpsychologie und Ich- Analyse (Ges Sehr Bd W <: T 

^5 Freud: Bruchstück einer Hysterieanalyse (Ge. Sehr Bd VIII S .; '°'l' 
30) Freud: Das Ich und das Es (Ges. Sehr.. Bd. VlXm) ''~''^- 



31 



alten tiefen Triebwunsch entspricht, nur durch den Einfluß des Schuldgefühls 
an einer anderen Stelle als ursprünglich beabsichtigt. 

c) Ein anderer Typus von hysterischer Identifizierung ist schwerer zu ver- 
stehen. Es kommt vor, daß die am Ödipuskomplex erkrankte Hysterika sich 
nicht mit der Rivalin Mutter, sondern mit dem geliebten Vater identifiziert. 
Das ist eine tiefere Angelegenheit, zu deren vollem Verständnis uns erst das 
analytische Studium der Melancholie führt. Hier nur so viel: Wird man ge- 
zwungen, ein Objekt aufzugeben, so versucht man den Verlust dadurch wett- 
zumachen, daß man sich mit ihm identifiziert^ Übernimmt die Hysterika 
die Krankheit des Vaters, so beweist sie uns, daß sie vergebens danach strebt, 
sich von ihm zu lösen. 

Die Hysterie einer Patientin ahmte jahrelang eine Tuberkulose nach. Ihr Vater 
hatte als junger Mann eine Tuberkulose durchgemacht. Sie selbst hat den Beruf des 
Vaters ergnfFen und war der manifesten Homosexualität sehr nahe. 

Eine solche Identifizierung mit dem andersgeschlechtlichen Elternteil bietet 
natüriich gleichzeitig Gelegenheit zur Befriedigung des „negativen Ödipus- 
komplexes", wird durch konstitutionelle Erhöhung der Bisexualität erleichtert 
und wird uns als „geschlechtliche Fehlidentifizierung" in den folgenden 
Kapiteln öfter begegnen^^ 

d) Es gibt aber auch „multiple" Identifizierungen. Die Hysterika kann 
gleichzeitig oder nacheinander verschiedene Personen, mit denen sie sich nach 
den Typen a, b oder c identifiziert hat, darstellen. Besonders die Anfälle 
stellen oft ganze Dramen dar. 

Klassisch dafür ist das Beispiel der Patientin von Freud, die mit der linken 
Hand sich das Kleid herunterzureißen, mit der rechten es aber festzuhalten sucht; 
so Identifizierte sie sich gleichzeitig mit dem vergewaltigenden Mann und der über- 
taJlenen Frau'». Em etwas komplizierteres Beispiel ist der folgende Fall, der aller- 
dmgs nicht einem hysterischen Anfall, sondern einem onanistischen Spiel entnommen 
m: Em Patient tanzt erst nackt vor einem Spiegel, bekommt dann Stuhldrang und 
den Einfall, er könnte im Zimmer defäzieren, worauf die Ejakulation eintritt. Seinen 
Einfallen nach stellte der Tanz ein Paar im Geschlechtsverkehr dar, der Stuhldrang 
aber die Regungen eines zusehenden Kindes. So hatte er sich mit drei Personen 
gleichzeitig identifiziert'*. 



d.l'L^lr^ c?"l"^'^?T?"" """^ Melancholie (Ges. Sehr., Bd. V) und Das Ich und 
das Es (Ges. Sehr., Bd. VI). 

32) Einen einfachen Fall einer hysterischen Identifizierung von diesem Typus 
beschreibt Heinrich: Ein Fall von Identifizierung in der Zahnheilkundc. Int. Z. (. 
is.-A., XIV, 1928. 

c P^ ^j *,"/'„ ■"''"""'^^^ Ph^n'^asien und ihre Beziehung zur BisexuaUtät (Ges. 
scnr., Jid. V, S. 253). ^ 

s;i^^"^"^-'"t'''? ^ber die hysterischen (und die narzißtischen) Identifizierungen 
siehe Fenichel: Die Identifizierung. Int. 2. f. Ps.-A., XII (1926). 



32 



3) Sekundärer Krankheitsgewinn: Wenn nun die hysterischen 
Symptome ausgebildet sind, wie verhält sich dann das Ich dazu? In wider- 
sprechender Weise. Einerseits sucht es den Verdrängungskampf, den es gegen 
die mfantile Sexualität führt, gegen deren Abkömmling, das Symptom, fort- 
zusetzen. Es sucht dann das Symptom vom übrigen Gefüge der Persönhch- 
keit zu trennen will von ihm nichts wissen, empfindet es als ichfremd, 
besteht darauf, daß es organisch sein muß und nichts mit der Seele zu tun 
hat. Diese Verhaltungswdse macht sich in der Kur natürlich als Widerstand 
bemerkbar. 



h>sterische Symptome produzierte, versuchte in einer ganz merkwürdisen Weise 
diese Symptome zu verleugnen oder zu vernachlässigen Sie habe zwaf meW 
Tage nichts gegessen und erbrochen, ohne organisch krank zu se^ abTdas Sie • 
doch mcht von Bedeutung oder Interesse sein, das wäre nur so« T.\ Z 

..auben. daß diese „gleichgültige Angelegenhei;« „scho^" T WiX' Wot 



sem so 



Soweit ein solches Verhalten des Ichs Erfolg hat, sind außer den Symptomen 

der Affektbetrag scheint wirkhch verschwunden und das Verhalten des 
Kranken gegen^seine Symptome ist das, das nach Freud von Char cot 
Ja belle mdtfference des hysthiques" genannt worden ist- Damit hängt 
zusammen daß der ganze hysterische Prozeß gelegentlich mit d! 

nacteit:'' ' '"^ '''''''-' ''''' '^' ^^ ^^^-^— ^ ^- ^chs 

Wenn das Symptom die Form eines hysterischen Schmerzes angenommen 
hat, so ist es nicht nur von innen her, also etwa durch unbewußte Versuchungs- 
ituationen mobilisierbar, sondern auch von außen her durch Berührung der 
schmerzempfindhchen Stelle. Die Gegenbesetzung des Ichs muß dann die be- 
sondere Form einer Achtsamkeit vor einer solchen Berührung annehmen. Es 
gbt auch charakterhche Gegenbesetzungen, „Überkompensationen" bei der 
Hysterie. So wird eine hysterische Mutter, die ihre Kinder unbewußt haßt, 
eine ganz besondere kompensierende Zärtlichkeit diesen Kindern gegenüber 
entwickeln (mit der sie dann eventuell realiter die Kinder sehr quält). Diese 
/arthchkeit bleibt aber dann diesem einen Objekt, den Kindern, g genüber 

V Zde: d "'^'^ """ ^''' '" ''' 2-nSsneurose. zu einer teilenden 
Ver nderung des gesamten Verhaltens der Person im Sinne großer Güte und 

^<f e'^'j' ?!' Verdrängung (Ges. Sehr., Bd. V, S. 476). ' 

36) Freud: Hemmung. Symptom und Angst (Ges. Sehr., Bd. XI. S. 100). 



33 

Ichs als Angst bemerkbar; wir werden im nächsten Kapitel untersuchen, 
wovon das abhängen mag. 

Andrerseits aber sucht das lustgierige Ich die Symptome, wenn sie nun 
schon einmal da sind, so viel wie möglich auszunutzen. 'Wenn es schon leiden 
muß, so möchte es wenigstens so viel wie möglich dabei herausschlagen. Es 
folgt damit nur seiner eigenthchen Funktion, die darin besteht, die ver- 
schiedenen, von allen Seiten an es herankommenden Forderungen möglichst 
gleichzeitig zu befriedigen^^. Die Psychoanalyse leugnet nicht die Renten- 
neurose und nicht „die um eines neuen Hutes willen in Ohnmacht 
fallende Frau"; sie glaubt auch, daß aus Rente und Hut, aus Hoffnungen, 
die nicht aufgegeben werden wollen, schließHch Widerstände erwachsen 
können, die sich unter Umständen einer Heilung stärker entgegensetzen als 
die ursprünglichen Widerstände. 

Sie muß aber nach dem Gesagten bei der Ansicht bleiben, daß keine 
Rentenerwartung eine Hysterie erzeugen kann, und spricht deshalb vom 
sekundären Krankheitsgewinn, im Gegensatz zum primären, der 
darin liegt, daß durch die Krankheit ein Ausweichen vor dem Ödipus- 
komplex ermöglicht wird. Die Ansicht, die Rentenerwartungen erzeugen die 
Hysterie, vergleicht Freud mit Recht mit der Behauptung, ein Soldat habe 
sich im Kriege eigens ein Bein abschießen lassen, um eine Rente zu er- 
halten^^ 

Haben wir so Allgemeines über Genese und Mechanismen der hysterischen 
Symptome erfahren und dürfen wir mit Recht ablehnen. Spezielles zu sagen, 
weil die spezielle Mannigfaltigkeit unendlich ist und nur einzelne ausführliche 
Krankengeschichten darüber i>elehren können, wie die aufgezeigten 
Mechanismen in der vollen Wirklichkeit aussehen, so bleibt doch noch die 
Frage offen nach den typischen Symptomen der Hysterie, d. h. danach, 
daß so häufig bei Menschen verschiedenster Art und verschiedenster Ver- 
gangenheit dennoch gleichartige Symptome auftreten. Man könnte fragen; 
Ist das nicht ein Widerspruch gegen die analytische Lehre von der so extrem 
individuellen Determinierung der Symptome? 

In der Dora-Analyse^^ führt Freud das Symptom eines hysterischen 
Mutismus auf die Abwesenheit des Geliebten zurück und fragt, ob man nun 
in jedem Falle von Mutismus auf die Abwesenheit eines Geliebten schließen 
dürfe. Die Antwort lautet natürhch: Nein. Dasselbe Symptom könne aus 
verschiedenen Prämissen entstehen und die Frage bleibt, wieso verschiedene 



37) Die Darstellung dieses widerspruchsvollen Verhaltens des Ichs findet sich bei 
Freud: Hemmung, Symptom und Angst (Ges. Sehr., Bd. XI, S. 35fiF.). 

38) Freud: Hemmung, Symptom und Angst (Ges. Sehr., Bd. XI, S. 3^). 

39) Freud: Bruchstück einer Hysterieanalyse (Ges. Sehr., Bd. VIII). 

3 Fenichel, Hysterien und Zwangsneurosen 



34 



Pram:«en so oft doch zu dem gleichen Resultat führen. AUgemein gibt es 
zwe. Moghchk«ten .ur Antwort: Einerseits kann die typisl Natur de" 
Resultates die Folge des Krankheitsprozesses selber sein deT ia 1^7 
sc^^denen Individuen der gleiche ist. Das beste BeispS damr^r^ ut e^: 
das Zweifeln und Grübeln als Äußerungen des Krankheitsprozesses d!r 
Zwangsneurose abgeben. Andrerseits ist es zwar richoV A.a .° ™f ' "^^ 
von der individuellen Historik abhäneen IhT ul Symptome 

Menschen der verschiedensten Irt 3 / " Tl ''''" ^"""^ ^' ^^' 
maßen mitzumachen habTr^tr 5.^17 J^^^^^^^^ ^^^^^'^^- 

sein. die ihr Gepräge durch din Thalt d^K. . '^""^ ^' "^'^'^ 

erhalten, ohne daß die spezie'e Fori f T "" '''" Ödipuskomplex 

dem Symptom einen ^.1^^ S:::::elT^:.S: ^ "^ITT^ 
Symptome tragen auch individuell variable Detailzüge ^ d! 'v"' lin- 
der mdividuellen Historik entsprechen Ich dJ u ^^"^1''^««'= 
Symptome der Hysterie soweit Tk- T '"'''^ ''^^'^ ^P''"^^^ 
gefunden haben, be^r'C ^"" Psychoanalytische Aufklärung 

Dalltg'lirtgtLf ';"/" "^^'"^^"'^ die pantomimische 

infantilen w::ph2sr:;/i:fä":L't: m^ ^tr^^^ ^^^ 

stellt durch die gleichen Mechanismen, die in der Tr., n 

wirksam sind wie Verdirht,-,.. v l- . Traumentstellung 

BewußleSslü^L im ir 't'T''^' " orgasmusähnlichen Zuständen, die 
wuistseinslucke im Höhepunkt des Anfalls wird von Freud A.^ l 

trt f:f -^--^- - Höhepunkt des normalen Örlt.lel 
g setzt, so daß der ganze Anfall als Koitusäquivalent bezeichnet werden darf 

zälT '" '''-'^ '''''-' ^"-^-- -^^ -^-"chen iitni 

des^Ko^ '';= ^^ ""^^1^ "<= "^ch Freud die antagonistische Innervierung 
ds Koitus, also eine Darstellung des Geschlechtsverkehrs durch das GegTn 

P ielr^tl b ^'^T\^'''^' '- verdrängende! Kä.-: 
r!!^!:!:!!^:!^^^ männliche 

4xi 'it l'Zt Air""" "l" '^'^ '^''"'^'=''=" ^"^*" (««• Sehr.. Bd. V). 
S.Vs6) ^""'^^ Allgemeines über den hysterischen Anfall (Ges. Sehn Bd. V 



35 

Strebungen (Versuch, einen versteckten Penis herauszupressen)*^ und weib- 
liche (Geburtsdarstellung)*^ ihren Ausdruck finden. 

3) Hysterische Traumzustände** sind ein den Anfällen sehr ver- 
wandtes Gebiet. Es fehlt nur die „pantomimische Darstellung"; der Tagtraum, 
Abkömmling der zum Ödipuskomplex gehörigen infantilen Onanie, bricht 
als solcher, als Phantasie so weit durch, daß er den Patienten aus der Wirk- 
lichkeit entrückt. In manchen Fällen macht sich die geheime sexuelle Bedeu- 
tung der Absence direkt bemerkbar, indem der Kranke an ihr eine Art 
wollüstigen Genuß findet. In anderen ist der Einfluß der verdrängenden 
Mächte äußerhch bemerkbarer als der Durchbruch der verdrängten: Erstens 
indem die motorische Abfuhr, die der hysterische Anfall sich verschaffte, hier 
gesperrt ist, zweitens indem gegen den mobihsierten Tagtraum eine neue Ver- 
drängungswelle einsetzt, die ihn oft dem Bewußtsein so weit entzieht, daß 
der Patient selbst über das im Traumzustand Erlebte überhaupt nichts auszu- 
sagen weiß und nur eine Bewußtseinslücke empfindet. Hier schließen also die 
hysterischen Bewußtseinsstörungen an*^ die regelmäßig dem 
aktuellen Verdrängen eines mobisilierten Abkömmlings der infantilen Sexua- 
lität entsprechen. Das passag^re Ausschalten des gesamten Bewußtseins, der 
äußeren und der inneren Wahrnehmung, die Ohnmacht, ist sozusagen eine 
generalisierte Verdrängung, vielleicht das archaische Vorbild der Verdrängung 
überhaupt; diese kann ja als eine Art Bewußtseinsverlust aufgefaßt werden, 
bei der nicht mehr alle, sondern nur mehr bestimmte innere Wahrnehmungen 
dem Bewußtsein entzogen sind, und bei der das abwehrende Ich schon 
gelernt hat, eine Dauer arbeit zu leisten *^ 

Inhaltlich können die mit Traumzuständen und Bewußtseinsstörungen ein- 
hergehenden Triebdurchbrüche so mannigfaltig sein wie eben die den hysteri- 
schen Symptomen zugrundeliegenden infantilen Phantasien überhaupt. Aus 
dieser Mannigfaltigkeit hebt sich dreierlei als typisch heraus: Erstens kann 
eine passagere Bewußtseinstrübung den Orgasmus und damit eine Koitusphan- 
tasie darstellen. Zweitens kann sie einem (gegen sich und in tieferer Schicht 
auch gegen andere gerichteten) Todeswunsch Ausdruck verleihen. Drittens 

42) E. Weiß: Zum psychologischen Verständnis des arc de cercle. Int. 2. f. 
Ps.-A. X. (1^24). 

43) Barbara Lantos: Analyse einer Konversionshysterie im Klimakterium. Int. 
Z. f. Ps.-A. XV. (1^2^). 

44) Siehe Abraham: Über hysterische Traumzustände. Klinische Beiträge zur 
Psychoanalyse. Wien 1521. S. 53 ff. 

45) Vgl. Landauer: Die Bewußtseinsstörungen. In Federn-Meng; Das 
psychoanalytische Volksbuch. Stuttgart 1926, 

46) Fenichel: Über organlibidinöse Begleiterscheinungen der Triebabwehr. Int. 
2. f. Ps.-A, XIV (1928), S. 62, Fußnote. 



36 

kann sie infolge des Eindrucks, den sie erweckt, Anlaß zu aUerlei sekundären 

Gewinnen bieten. 

Auf die Fälle der sogenannten „Hysteroepilepsie" kommen wir später noch 

ZU sprechen. 

4) Hysterische Sehstörungen sind einmal von Freud zum 
Gegenstand emer eigenen kleinen Arbeit gemacht worden«. Ein hysterisches 
„ich kann nicht sehen" bedeutet ein „ich wül nicht sehen", deutet also auf 
emen verdrängten Schau- oder Zeigetrieb. Von der Strafseite aus gesehen, 
bedeuten s.e also em: Weil du Verbotenes schauen wolltest, darfst du über- 
naüpt nichts mehr sehen. 

5) Die Hemianästhesie steht (nach Ferenczi«) einerseits beson- 
ders xm Djenste des Verdrängenden; der Ausfall der Sensibilität erleichtert die 
Lnterdruckuns von Erinnerungen, die diese Körperteile zum Gegenstand 
haben. Sie dient aber andrerseits gleichzeitig dem Verdrängten, denn gerade die 

Ausnutzung^ Die hysterischen Sensibilitätsstörungen im allgemeinen sind den 
negativen Halluzinationen gleichzuachten. Es sind Verdrängungen innerer 
Wahrnehmungen, so wie jene äußerer. 

6) Das gleiche gilt für die h y s t e rischen Lähmungen, die als Hem- 
mungen der sexuahsierten Motorik ebenso entsprechen wie die Sensibilitätsstörun- 

Setner?""" '^f ""' '" ''^' ^^'""'^^' ^'^ ^ ^-^S' -« -- 
ein Sicherung gegen die unerwünschte sexualisierte Motorik, und ein ent- 
sdher Ausdruck der sich dennoch durchsetzenden sexuah;ierten Motoril 

vdente« X T^TT "^ ""'f'' ''''''''' ''' ""'''''''^"^^^ „Onanieäqui- 
daln wo hA . '"'; °'" ^°"^""'^^^ Entgegenkommen bestimmen 
di^ln brf r r\ T °'^'' ^^^^--8- lokalisieren. Der Umstand, daß 
dies angebhch links häufiger geschieht als rechts, wurde von Fere;czi 
dahin erklart, daß die linke Körperhälfte unbewußten Einflüssen deshalb 
a prion zugänglicher sei als die rechte, weil sie für das bewußte Ich weniger 

7) Analoges gilt für die Gesichtsfeld-Einschränkung. Das 

Seh? M.'y^'!'- °'' P'y'^°S^^^ Sehstörung in psychoanalytischer Auffassung (Ges. 
48) Ferenczi: Hysterie und Pathoneurosen. S. 34 ff 
In ^'"^f^f^i-. Hysterie und Pathoneurosen. S. ,6. ' 
SO St ekel: Die Sprache des Traumes. ^ 

Ji; irerenczi: Hysterie und Pathoneurosen. S. ,q. 



37 

8) Das Fehlen des R a c h e n r e f 1 e x e s ist nur ein Sonderfall der hysteri- 
schen Sensibilitätsstörungen. Es gilt dafür dasselbe, was wir für jene sagten: 
Sie ermöglichen und verhindern gleichzeitig die Materialisation nach oben ver- 
legter sexueller Phantasien. Der Globus hystericus ist eine „Materialisation" 
der Fellatio-Phantasie ^^. 

9) Fragen wir uns endlich nach den hysterischen Überfunktio- 
nen, d, h. danach, wieso dem Hysteriker in seiner Symptomatik Innervations- 
fähigkeiten und Körpersensationen zur Verfügung stehen, die dem normalen 
Erwachsenen nicht zugänglich sind. Es scheint dabei eine Regression zu archai- 
scheren Zuständen vorzuliegen, wie sie auch beim Kind noch teilweise vor- 
handen sind. Es ist kein Zweifel, daß bei der normalen Entwicklung zum 
Erwachsenen Körperfähigkeiten verlorengehen, die dem Hysteriker (aller- 
dings nicht seinem bewußten Ich) wieder zur Verfügung stehen. F e r e n c z i 
bemerkt mit Recht, daß die Erziehung nicht nur im Erlernen neuer, sondern 
auch im Verlernen „übernormaler" Fähigkeiten besteht ^^. Das kann natürHch 
nichts anderes heißen, als daß die Verdrängung der Autoerotik die Körper- 
fähigkeiten mit sich In die Verdrängung reißt, durch die jene ermöghcht 
wurde. Am deutlichsten wird das kenntlich an jenen „körperfremden" 
Typen, die, in Motorik wie Tiefensensibilität gehemmt, überhaupt kein rechtes 
Verhältnis zu ihrem Körper mehr finden können. Bei ihnen ist das „Körper- 
liche" verdrängt, weil körperlich und infantil-sexuell für sie gleichbedeutend 
geworden ist. Es ist kein Widerspruch, wenn gelegentlich Personen, die in 
ihrem Bewußtsein ihrem Körper so grenzenlos fremd gegenüberstehen, in ihrer 
hysterischen Symptomatik übernormale Körperfähigkeiten zu dokumentieren 
scheinen, deren Psychogeneität sie dann umso mehr vor sich leugnen können. 

Der Bemerkung, die Fellatiophantasie sei bedeutsam für die hysterische 
Symptombildung, sei noch ein kleines Stück Theorie beigefügt, das ebenfalls 
erst bei einer Untersuchung der Melancholie ganz verständHch werden kann. 
Die Fellatiophantasie ist im Unbewußten der Hysterika ungemein häufig. 
Die Analyse erweist, daß sie der euphemistische Ausdruck für dk 
anstößigere Phantasie ist, den Penis abzubeißen. Diese Phantasie ist reichlich 
überdeterminiert. Bei den einzelnen Fällen scheint den einzelnen Bedeutungen 
verschiedenes relatives Gewicht zuzukommen ^*. Sie bedeutet: erstens — den 
nach oben verlegten Koitus, zweitens — die Rache am beneideten, penis- 
besitzenden Mann, drittens — über die orale Schwängerungsphantasie — die 

J2) Siehe Fr eud: Bruchstück einer Hysterieanalyse (Ges. Sehr. Bd. VIII. S. 47). 

53) Ferenczi: Hysterie und Pathoneurosen. S. 17. 

54) Siehe Fenichel: Introjektion und Kastrationskomplex. Int. 2. f. Ps,-A. XI 
(1925), und Feigenbaum: A Gase of Hysterical Depression. Ps,-a. Review XIII 
(1926). 



38 



Schwängerung, yiertens - eine Identifizierung mit dem Mann: „Ich habe nun 
den Pems den xch ehr geraubt habe." In diesem Sinne entspricht da. Phantas" 
einer Partialeinverleibung des Objektes, was nach A b r , J. T f 

SexuaWel iV« ,„ A A- J ' ^^^ ^^'^^ ^''»^ah am em archaisches 
iexualziel ist . zu dem die Hysteriker dabei regredieren. Diese Phantasie 
„nun habe ich den Penis" ermöglicht die Unterbringung aller rlnTT 
trebungen^ln dieser, offenbar für das weibliche GeschU Z^^^ 

Sil f^^^^"^°\r °"^^" "^'^^ '^™ S'^'^«^^™ des ödipuskomix" 

«eht Sachs emen bedeutsamen Zug, der manche Differenzen zwischen dem 
weiblichen und männlichen Über-Ich zu erklären vermag». 
Nun wird aber der Partner durch diese Pb^ni-oc.-» -i 

E, « „och .i.ig„ aber Verlauf „„<, p,og»„^ ,,„ „jy„.„h,„ y^ 

..d „,ch ob.„w„„, ■>- Vide„.^^ "pi>^:„™/:**^^^^^^^^ 

der VerUrf d„ Beb Ji ™ „t„'^"X1;b :■ älltT f l" '" 
der P.ti=„tm auf die D«..u„sm an d.„ wljT "' ""» '" ''" '^'«hion 

»»..ei« „„rüglicbe, Kri.eri„„ für den Gang d r IS ^ L d r ST? 
r?.:er'rjt ZT' "'.■f^''-'^ Ko^p.ikario'::»",^ A^ cl', 

c.oana;«:nrirKf.^-^ir.:n"rntrdr^^^^ 

f. Ps'-A. XIV (S). ''"'"^'' ''" '•« ^"'^«"g des weiblichen Über-Ichs. Int. 2. 



39 



kehrt der komplizierte Apparat der Analyse nicht brauchbar scheint, weil ein- 
fachere Mittel zum Ziele führen können, in den selteneren Fällen, wo die 
Hysterie der zweckmäßigste Ausweg aus einem unangenehmen realen Konflikt 
zu sein scheint, bei besonders starken sekundären Gewinnen, bei vorge- 
schrittenem Alter und dgl. — wird man sich natüriich die Indikation gründ- 
lich zu überlegen haben. Lehnt man sie ab, so sind andere psychotherapeutische 
Maßnahmen angezeigt. Sowohl wegen Mangels eigener Erfahrung als auch 
wegen des prinzipiellen Unterschiedes zwischen psychoanalytischer = kausaler 
und anderer = symptomatischer Therapie werden wir über Indikation und Aus- 
sichten nichtanalytischer therapeutischer Maßnahmen hier und im Folgenden 
uns nicht äußern. Prinzipiell kann hiezu nur Folgendes gesagt werden: Theo- 
retisch kann die Psychoanalyse von solchen Maßnahmen zunächst die Hyp- 
nose verstehen ^^ sodann nach ihrem Vorbilde die ihr verwandten Sugge- 
stionsmethoden (sie argwöhnt, daß alle „eigenen Rezepte" der Psychotherapie 
verkappte Suggestionsmethoden sind). Aus diesem Verständnis kann sie prak- 
tische Konsequenzen ziehen. Sie lauten: Der Hypnose und Suggestion sind die 
infantil fixierten übertragungsfähigsten Patienten am zugänghchsten. Am besten 
also die Hysterien, weit schlechter die Zwangsneurosen (bei ihnen dürfte eher 
eine Methode der „Autosuggestion" zum Ziele führen ^^), gar nicht die narziß- 
tischen Neurosen. 

i 



57) Ferenczi: Introjektion und Übertragung. Bausteine zur Psychoanalyse. Bd. I, 
S. 9 ff., und R a d 6: Das ökonomische Prinzip der Technik. Int. Z. f. Ps.-A. XII {1926), 

y8) Abraham: Psychoanalytische Bemerkungen zu Cou^s Verfahren der Selbst- 
bemeisterung, Int. Z. f. Ps.-A. XIV (1926). 



n. KAPITEL 

Angsthysterie 



/ Es g:bt noch einen zweiten Typus hysterischer Krankheiten, der eigentlich 

{ dem Analytiker verständlicher ist, weil bei ihn. der Mechanisn^us, de Td d ' 

hy^tenschen Erscheinungen an. rätselhaftesten blieb, die Wers on, w^ 'if 

W. haben vorhin als Beispiel eines hysterischen Sympton^s das E röten ge-' 

wählt. Bekannthch sind die Fälle sehr häufig, bei denen ein solches Erröten 

Wchena ird, da« es da^t : i!^!;; tlatgi: ^I^^ZlZ. 
auch wirkhch eintritt. An Stelle des Konversionssymptoms st htalsoein Anlt 
Symptom im Vordergrund des Bildes. Das ist L iZTrovhZtT 
da s. häufig mit dem Gefühl des Beachtetw.rdens und ä nlicZ in di 'Närj 
des Be.iehungswahnes rückenden Sensationen einhergeht, in ^ar n Jl^S 

nchts :r d- 'fl ": '"^^ '''' ^-^ -^J -f-l^ere Phobien, bei denel 

nichts als die eigentliche Angst wesentlich erscheint. Denn wenn z B der In 
Straßenangst Leidende bestimmte Straßen und Plätze uZ UV ar t T 
Alleingehen überhaupt vermeidet, so dient ^s^^^o^t^^:: 

il derPat:; ''fZ-^'T"^^^^ - -sehen, l eintreten wtde, H^ 
sich der Patient nicht an diese Vorschriften. Die eigentliche Ph.K; • . • 

hor„ » K„.kl.»». die von F „ „ d „A„g^,„„L! g»a^. terfe». 

truher wurden die Angsthysterien vielfach 'rur 7^.. 

und Phob.m „ckt sd,c„ kombinim aoftrcM. Fr.ud .ie. ,b„ üh Tß 
sXl''"''' *»•'"' """ !'">■'''- «n.. fitatiarig» K».b» (G„. Scb,., Bd. VlII,' 



4^ 



sämtliche Eigenschaften der Hysterie teilen, so daß man ihre Verwandtschaft 
zu dieser höher einschätzen darf als die zu den Zwangsneurosen. 

9k junbewußten Voraussetzungen der Angsthysterie sind tatsächlich die- 
selben^ wie die der Konversionshysterie. Es ist ein schwieriges Problem, auf das 
"^j^J^ocTiJcm^^^ Antwort geben können, was dann darüber ent- 

scheidet, ob die eine Neurosenform auftritt oder die andere. Es scheint, daß 
die Angsthysterie der p ri m i ti ve r e Typus ist. Sie tritt auch in früherem 
Lebensalter auf (sie ist die typische Kinderneurosef^ und "Ist offenbar die 
elementarste Neurose, die wir kennen. In geringerem Grade scheinen ja solche 
Symptome geradezu zur normalen Kindheitsentwicklung zu gehören. Es gibt 
kaum jin Kind, das nicht gelegentlich Dunkelheits- und Tierangst hattet" Die ^ 
Angst vor der Dunkelheit kann dabei wohl auf dk vor dem Alleinsein reduziert 
werden (nach Freud sagte ein Kind in Angst vor der Dunkelheit: „Wenn 
jemand spricht, wird es heller"^). 

Auf den ersten BHck könnte man meinen, daß eine solche Angst mit dem 
Triebleben nicht viel zu tun zu haben braucht. Das Alleinsein ist ja für das 
hilflose Kind eine Realgefahr; trotzdem gewinnt man den Eindruck, daß bei 
dem ängstlichen Kind die Sehnsucht überwiegt, die, wenn es allein gelassen 
wird, oder wenn es das Liebesobjekt nicht mehr sehen kann, rapid ansteigt und 
das Kind in einen Erregungszustand versetzt. Es sieht dann, wie F r e u d sagte, aus, 
als ob das Kind sozusagen mit dieser Sehnsuchtserregung noch nichts Besseres 
anzufangen wüßte, als sie in Angst zu verwandelnd Darauf, was das heißen 
könnte, und auf die Beziehung dieser Sehnsucht zur alibidinösen Realgefahr 
der Hilflosigkeit werden wir noch später zurückkommen. Deutlicher ist die 
Triebbeziehung bei der Tierangst. Das Kind ist nicht so hochmütig wie der 
Erwachsene, der einen wesentHchen Unterschied zwischen Tier und Mensch 
sehen will; es kann sich Menschen in Tierform vorstellen und tut dies bei den 
Tierphobien regelmäßig*. Die Analyse kann nachweisen, daß die gefürchteten 
Tiere in entstellter Form einen Menschen, meist den Vater, darstellen. Der 
Vater als Tier (in einer Maske, als Dämon) hat dabei den Beigeschmack des 
Unheimhchen; er bedeutet, wie wir von der Traumanalyse her wissen, den 
leidenschaftlich erregten Vater, den Vater als Sexualwesen perzipiert. Das 
gefürchtete Tier ist eine E r s a t z v o r s t e 1 1 u n g für die in bestimmten Zu- 
sammenhängen anstößige Figur des Vaters, „die einerseits assoziativ mit der 
abgewiesenen Vorstellung zusammenhängt, andrerseits durch die Entfernung 
von ihr der Verdrängung entzogen ist" (Ver seh i e b u n gs e r s a t z^). Die 

2) Freud: Vorlesungen {Ges, Sehr., Bd. VII, S. 422). 

3) Freud: Hemmung, Symptom und Angst (Ges. Sehr., Bd. XI, S. yy). 

4) Freud: Die infantile Wiederkehr des Totemismus (Ges. Sehr,, Bd. X). 

5) Freud: Das Unbewußte (Ges. Sehn, Bd. V, S. 497). 



42 



erste eingehend analysierte Tierphobie eines Kindes, die des kleinen Han," 

S ™!^^^^- "t^"«- Inhalt der Neur;« genau so rö^i;:.' 
komplex, wie wir es für die Hysterie gefunden haben K^^^V " . ? 

unBewu.te Sachlage (und au/das i^ ^c^T^l^^ZZl^ 
Hysterie) durch die menschliche Bisexuahtät, durch den Umstand dT 
auch den „umgekehrten Ödipuskomplex« eibt d,V T • k ^""f.^'^"' '^^ «=" 

I- L T-i -1 . F"»^ui"piex gibt, die Liebe zum sleichffesrhl<.rlir 

hchen Elternteil und den Eifer<!i7rT,tc1,o« -i . S'cicngescöieciit- 

Das wesentliche Spezialproblem muß nun sein- w • j . • .. 
Das Wersionssymptom konnten wt auffl^' dTn'.KV^ ''"^"• 
drängten Ödipuskomplexes, gefärbt dur^f l^lfcLnaW .2 d ""'" 
drängenden Kräfte. Gilt eine solche Auffassung auTfSd A "" 

Früher meinte Freud, die -erdrücktere t tett^Sröd^ 
wünsch) nehme durch die Unterdrückung von selbst die Fol /a '^"'' 

-wenn sie vielmehr präexistente Ur«.U A T T! hervorzugehen, 

?) Imt Ä g' ?f ^ '■'''' '""'^■''"^•=" ^"^"^ («- S^hr. Bd. VIII). 
Seh;. Bd. VII. Vc^i:;4'x^°;|"""Se. zur Einführung in die Psychoanalyse (Ges. 
9) F r e u d: Hemmung. Symptom und Angst (G.s. Sehr. Bd. XI. S. 41). 



41 



beiden Geschlechtern die Gefahr des Liebesverlustes. Diese Ängste zwingen 
das Kind, die gefährlichen Triebe zu verdrängen. Und wenn nun bei der 
Phobie in jeder Versuchungssituation ein Angstanfall auftritt, so kann das 
wohl als eine Art von Warnung aufgefaßt werden, die das Ich erteilt: Wenn 
du dem mobilisierten Trieb nachgibst, wird das Schreckliche geschehen. So 
gibt das Ich gleichsam, wie Freud es nennt^^ ein „Signal", mit dem es den 
Vorgang der Verdrängung einleitet. Diese Angstbildung steht also offenbar 
den verdrängenden Mächten als spezifischer Mechanismus zur Verfügung. 
Genau so wie das Ich auf eine äußere Gefahr mit Angst reagiert, kann es sich 
der Angst als eines Signales bedienen, wenn es (es hat ja die Funktion der 
inneren Wahrnehmung) an den veränderten inneren Spannungen das Wirksam- 
werden verpönter Triebregungen, die es für gefährlich hält, verspürt. So 
scheint die Angst als vom Ich abgegebenes Signal die primitivste neurotische 
Symptombildung, allerdings nach dieser Auffassung eine, die nur den trieb- 
abwehrenden Kräften Ausdruck verleiht; die „Wiederkehr des Verdrängten aus 
der Verdrängung" wäre ja dann in der Angst nicht enthalten. 

Aber auch das kann nicht so ganz stimmen. F r e u d hat darauf aufmerksam 
gemacht, wie die in einer Gefahrsituation auftretende Angst eigentlich aus zwei 
Komponenten besteht, einer zweckmäßigen, der erhöhten Abwehrbereitschaft, 
und einer höchst unzweckmäßigen, dem eigentlichen Angstaffekt, der 
ja häufig genug durch die mit ihm verbundene Lähmung die zweckmäßige 
motorische Reaktion vereitelt oder erschwert". Es wäre, vom Standpunkt des 
rationalen Ichs aus gesehen, sowohl in der Situation der Realgefahr besser 
nur zu fliehen oder abzuwehren, ohne ein Angsterlebnis zu haben, als auch im 
Falle der für gefährlich gehaltenen Triebregungen nur zu verdrängen, ohne 
ein Angsterlebnis zu haben. Die rationale Verwendung der Angst als Signal 
mag wohl Angelegenheit des Ichs sein; daß das Ich sich aber gerade der Angst 
und keines zweckmäßigeren Mittels dazu bedient, das muß ihm von einer 
fremden Macht aufgezwungen sein, die ihm keine anderen Mittel zur Ver- 
fügung stellt. Diese außerhalb des Ichs gelegene Macht ist die „historische 
Reaktionsbasis" aller Lebewesen, ist der Niederschlag vergangener Erlebnisse, 
dem man nicht ausweichen kann. Die Analyse faßt die Affekte analog den 
hysterischen Anfällen als entstellte Reminiszenzen auf; Ihre unzweckmäßigen 
somatischen Reaktionen als solche, die in einer historischen Situation einmal 
zweckmäßig gewesen und nun nach Art bedingter Reflexe „fixiert" sind. Sie 
treten automatisch auf bei Anlässen, die an die ursprüngliche „traumatische" 
Situation erinnern, was die archaische Koppelung gewisser Vorstellungen und 

10) Freud: Hemmung, Symptom und Angst (Ges. Sehr. Bd. XI. S. ^5 ff). 

11) Freud: Vorlesungen zur Einführung in die Psychoanalyse (Ges. Sehr. Bd. VIL 
S. 409). 



44 



spezifischer Körperinnervationen (Abfuhrvorgänge) in den Affekten erklärt 

vorbildlaches Trauma aufzufassen". Die Geburt kann „Vf, A l / l . 
nur als Anwachsen der B e dTr n i " - •- "^^^^'^^ 

machen. Die Reaktion darauf, „dfe ers,^ An J " "7 ' ."^T"'" 
.weckmMg gewesen sein. „Die Ki:htun:X f^atioT I^ 1^7^ 

aTHeXe'sr ": ^:::wr bP "r -^^ ^-"-^- 

T„ W p r s g " °^ Vergütung des Blutes arbeiten" soU (Freude« 

bei. ilei... Kind. » .„„tST™! rST^S' Si...o„., „eU. .ci 
=chri.t i,, „„„ gegeben, .„bald d./.ich i£etSLi~,r'. J" "' 

! der,.™"" B ":'";,' ""•°"^''' '"*° '^°»"- - -™- 

.ein de. S^^ ^:' ^^^Z^^ rTTt^TJ" ^T 
mit Ans,. reagie"t .0 Lirm, e H Tu ™ "''°"""' "' «' ■*"'»"» 

J«r» Je-dt-srnJ:;::;" ;ir.et '-"'i ^t 

nuT™, leh , r ""■"""«'■■" V"?»? '"f historischer B„i. „,, „irf 

dT Zte^r^t HLreit^dT/rir-^^"'- "^- "» 

^ i.)^Freud: Vorlesungen zur Einführung in die Psychoanalyse (Ges. Sehr. Bd. VII. 
13) Freud: Hemmung, Symptom und Angst (Ges. Sehr. Bd. XI. S. 75). 



l 



45 



Kräfte bedienen sich dabei zweckmäßig des Komplexes der Angst, der aber als 

I solcher ihnen vom Es unzweckmäßig geliefert wird. Insofern die Angst ihrem 
letzten Ursprung nach also Ausdruck der gegebenen Bedürfnisspannung ist, 
ist auch das Symptom der Angsthysterie, der deutHch zu Tage tretende Aus- 
druck des Verdrängungsmotives, gleichzeitig Ausdruck der libidinösen Kräfte 
selbst. Ja, es ist wahrscheinlich, daß ein gutes Stück der alten Auffassung, 
wonach Angst automatisch aus unterdrückter Libido entsteht, insofern aufrecht 
erhalten werden muß, als das Ich die Energie zur Entwicklung des Angst- 
signals gerade der Energie des zu unterdrückenden Triebes entnehmen dürfte, 
worauf aber hier nicht näher eingegangen werden kann. Und so können wir 
auch für die Angsthysterie die Formel gelten lassen: In den Symptomen setzt 
sich der verdrängte Trieb gegen die Verdrängung durch. 

Manche Angstsymptome können durch die Entwicklung einer entsprechen- 
den Phobie (Vermeidung der zu Angst führenden Wahrnehmungen) wirklich 
vermieden werden und die Krankheit kann dadurch um den Preis einer ge- 
wissen Einschränkung der Freiheit des Ichs zum Stillstand kommen. Ob das 
geschieht oder nicht, hängt davon ab, ob die Verwandlung der Triebgefahr in 
eine Wahrnehmungsgefahr vollständig gelang oder nicht. Bei einem Ansteigen 
der Trieberregung genügt die bisherige „Projektion" nicht mehr. Für schwerere 
Fälle, insbesondere für die Angsthysterie des Erwachsenen ist es deshalb meist 
charakteristisch, daß die phobischen Bedingungen langsamer oder schneller an 
Umfang zunehmen. Konnte man zuerst einen bestimmten Platz nicht über- 
schreiten, so kann man schon nach einiger Zeit überhaupt nicht mehr über 
freie Plätze, später gar nicht mehr ins Freie und schließlich auch nicht ohne 
Begleitung aus einem Zimmer in das andere gehen u. dgl. Dieses Anwachsen 
des „phobischen Vorbaus" ist unschwer zu erklären. Die Gefahr, der in der 
Phobie ausgewichen werden soll, ist ja die Versuchung, letzten Endes die 
eigenen infantil-sexuellen Triebe, der Ödipuskomplex. Durch Ausschaltung der 
äußeren Gelegenheiten wird die Triebregung, bezw. die Möglichkeit ihres An- 
wachsens nicht ausgeschaltet, Sie wirkt weiter und erzwingt dadurch die 
immer weitere Zunahme der Phobie", 

Die alte Auffassung Freuds, daß der Phobiker eine innere Gefahr nach 
außen projiziere, da er in paradoxer und deshalb wirkungsloser Weise seinem 
gefähriichen Trieb auszuweichen sucht, indem er bestimmten äußeren Be- 
dingungen ausweicht, also eine innere Gefahr für eine äußere hält^', besteht 
zu Recht, auch wenn er später ergänzend hinzufügte, daß letzten Endes diese 
innere Gefahr ebenfalls eine äußere ist, insofern ja nicht die Triebhandlung 
als solche, sondern ihre äußeren Folgen (Liebesverlust und Kastration) ge- 

14) Freud: Das Unbewußte (Ges. Sehr. Bd, V. S. 498 f). 

15) Freud: Die Verdrängung {Ges. Sehr. Bd. V. S. 475). 



46 



drehtet werden". Freilich flieht der Phobiker letzten Endes vor den 
kastnerenden Eltern aber er flieht ja doch auch vor seinen, eigenen Triebe, 
da ja die äußere Gefahr der Kastration davon abhängt, wie er sich in trieb- 
maßiger Beziehung benimmt. Und deshalb erscheint uns die primitive 
Formuherung richtig: Das Ich des Angsthysterikers ergreift vor den an- 
stößigen Trieben die Flucht. Dazu stimmt, was wir über 'die primitive Na^r 
der Angsthysterie im Vergleich zur Konversionshysterie sagten. Das Ich kann 
noch keine andere komphziertere Abwehr ins Werk setzen; es kam. nur sich 
angstigen und fliehen; ;a, typischerweise kann es nicht einmal das, denn dt 

verctr ' " ^''''^''' '^'^"'" ^"^ '- ^^^-S- ^" P^-ht 

Der typische Angsthysteriker hat nun allerdings nicht nur Angst entwickeft 
und wieder abgewehrt, sondern mehr geleistet als das: Er weiß von se^em 
Ödipuskomplex ebenso wenig wie der Konversionshysteriker und hltan ^I 
der anstoßigen Triebregungen eine Reihe E^atzbüdungen in seinem Bei- 
sein die sich analytisch wie das Konversionssymptom als entstellter Ersatz 

statt zu verdrangen Angst; ihre Angst leitet eine mächtige Verdrängungs- 
I istung em. Allerdings bleiben die vom Verdrängten produzierten ErsX 
bildungen mit der ursprünglichen Angst verbunden. 

Als solcher Entstelluiigsersatz der anstößigen Triebregungen, letzten Endes 
des Ödipuskomplexes, bieten sich zunächst die Angstinhalte an. Die 
Analyse kann in ihnen sowohl den ursprünglichen unbewußten Angstinhalt 
als auch den unbewußten Triebinhalt, durch den jener hervorgerufen wurde 

::f de?; f/^--^^.^T•^j« ^-^^^ -^ ^^ Analysen des Leinen Hans" 
und des Wolfsmannes". Beide Kinder fürchten, gebissen oder gefressen zu 
werden. Daß sie auch das nicht klar wissen, daß Phobien so häufig eilT ganz 
unbestimmten, nebelhaften Inhalt haben, der an die Unklarheit manifester 
Traume erinnert und daß es oft eines guten Stücks Analysenarbeit bedarf, bis 
man genau angeben kann, wovor der Kranke sich fürchtet, oder, daß dieser 
Angstmhalt zwar einmal klar und bestimmt war. aber im Laufe der Ent- 
wicklung^ der Neurose sich änderte, immer umfangreicher und unbestimmter 
wurde, ist die Folge des selbstverständlichen Umstandes. daß der Vcr- 
drangungskampf durch die erste Symptombildung nicht erledigt ist. sondern 
gegen das Symptom als gegen den Abkömmling des Verdrängten, wie wir es 
für die Konversionshysterie bereits dargelegt haben, noch weiter wütet. Hier 

i6) Freud: Hemmung. Symptom und Angst (Ges. Sehr. Bd. XL S. 66 f) 

x's p''"i' ^"^^''r ^" ^^°^'' """ fünfjährigen Knaben (Ges. Sehr. Bd! YIII). 
18) Freud: Aus der Geschichte einer infantilen Neurose (Ges. Sehr. Bd VIII) 



47 

schon gilt, was bei der Zwangsneurose von kardinaler Bedeutung werden wird: 
Den Schlüssel zum Verständnis eines langdauernden komplizierten oder unbe- 
stimmten Symptoms gibt seine historische Reduzierung, die Entdeckung des 
Umstandes, wann, unter welchen Umständen und in welcher Form das 
Symptom zum ersten Male aufgetreten ist. — Beim kleinen Hans überwiegt 
die unbewußte Angstbedeutung: Gebissenwerden bedeutet in regressiv-oraler 
Sprache ausgedrückt: Kastriertwerden, 

Ein Patient, der Angst hat, von Hunden gebissen zu werden, entdeckt eines Tages 
zu seinem eigenen Erstaunen, daß diese Angst eigentlich ihrem Körpergefühl nach 
deutlich in den Genitalien sitzt, also den unbewußten Inhalt hat, ins Genitale ge- 
bissen zu werden. 

Beim Wolfsmann, der mehr feminin eingestellt war und einen negativen 
Ödipuskomplex entwickelt hatte, überwog die Triebbedeutung: Vom Vater 
Gefressenwerden war der regressiv-orale Ausdruck für den Wunsch, vom 
Vater koitiert zu werden. 

Es muß zugegeben werden, daß die Angst, vom Vater oder von der Mutter gefressen 
zu werden, an und für sich eine archaische unbewußte Angstvorstellung ist, die offenbar 
den oralen Trieben zugeordnet ist, — wie die Angst, kastriert zu werden, den genitalen. 
Es verhält sich bei der Angst, gefressen zu werden, wohl nicht anders, als wie wir es 
für den Penisneid angenommen haben^^. In der Praxis mag häufig diese Angst viel 
oberflächlicher sein als die tief verdrängte vor der Kastration, für die sie nur ein ent- 
stellter Ausdruck ist. Aber diese Entstellung bedient sich regressiver Formen und 
braucht nicht auszuschließen, daß es eine primitive orale Angst gibt, die unabhängig 
ist vom Ödipuskomplex und älter als dieser. In späterer Entwicklung gibt es überdies 
häufig Angsterscheinungen, die Elemente des Gefressenwerdens und des Kastriert- 
werdens mit einander vermengen; hierher gehören die interessanten Phantasien von der 
„fressenden Vagina dentata", die bei beiden Geschlechtern vorkommt, und die von der 
„intrauterinen Kastration"^". 

Die Ersetzung der Vorstellung des Kastriertwerdens durch die des Gebissen- 
werdens bietet die gleichen Vorteile wie jede Verdrängung: Die anstößige 
Vorstellung wird vermieden. Den gleichen Vorteil bringt die Ersetzung des 
gefürchteten Kastrators, also meistens des Vaters, seltener der Mutter, durch 
ein Tier. Da man, was einen bedroht, haßt, entgeht man, wenn man sich 
nicht mehr vom Vater, sondern vom Pferd bedroht fühlt, Haßregungen gegen- 
über dem Vater. So bietet diese Entstellung eine Lösung aus dem Ambivalenz- 
konflikt: Man kann den Vater, den man gleichzeitig haßt und liebt, nunmehr 
rein lieben, während aller Haß auf das böse Pferd verschoben ist. Mit Recht 
macht Freud darauf aufmerksam, daß man außerdem mit dem Vater täglich 

19) Vgl. Fenichel: Zur Angst vor dem Gefressenwerden. Int, Z. f. Ps,-A. XIV 
(1928). 

20) Siehe Fenichel: Zur Angst vor dem Gefressenwerden. Int. Z. f. Ps.-A. 
XIV (1928). 



48 



beisammen sein maß, „ährend m„ dem drohenden Pferde leich, „,. I, 
kann, .ndem „an die S.raße vemreide, ja, don V„H noch^t dll'Tnl 
ma„^d.e Se..e des BUderWCes, anf der er ab.ebilde. is. .^j,:tra:" 

is^r/rzteesn-^'e^btsrrix^^^^ 
l:t::;nr.L"L7e-;er ~'- - - -»»~= 

Wehs.e%e. ierZ™ Ze^nr".'" ^f *=''°'* *""»"^ 
Jem Alrer de, KmL ttLlLr^Sf Xdtf r"""" «" ''' ^ 
GefährlieU,ei. der ' Sex„albef,ied.g„„,, S e, dll ?""T°\™ •*" 
Verständnis des Ak.„, sei es durch d^^ IblTckt I, '"^"'"'" '^^ 

Genirde.. Inhal,, Grad „nd ZeirpuniTde^ W^nJ 'l'""""«"" -«•*» 
vari.ere„ „a.„r,e„äß seinen Detlt^lw^asT ^t: h h""" 
was davon es verarbeirpr. t^*.^ j • . / ^^^^ wahrnehmen, 

einieordne. ^rb wLb " "„d"^- f '""f" ^■■»"™°'^S« » 
all das ist von deL inl'a„l 17« , t^""* "'''" "'°'*°' ""'" '«■"•"• 

.esen. oder .leieh^escircMlrtZÄ^^^^ 

befriedigun,.. (OdipnshefX.;;^™ nd SaTr.?^^^^^^^ 

koppeln, so daß b« ,ni>. t. 7 »«^etahr (Kastration) miteinander zu 

«Se„ „:« i^nS sid s;t"hf rt° r "'^"«'"«"''" *^^*» 

ee,et,. ^T N ™''^ "'''* ^"^ Schlaf die hemmenden Kräfte herab 
»dTr 'S^^Tnt ";*'"■ ^°""— -k»S » si«n t; 
sehM. sich Salb sot^fean ""^ ^: ?"" »°"»™« b»i Kindern 

kam, psychisch ä,.ivalen. ™r„e,e„ Te'rderdnl ' K^LbTot h """"' 

S"i^°trrrvt%tir:sL4-^^^^ 

u."i^;;°(G=fs.Td.'rn,ff":' *"^« "=«■ =*• >«• xr. s. «, .„d Da. 

M."i?'.t. l p;.ÄSt"" "° "■"'" •""""» ^> «"" Kinde. V.. einer 



4^ 



auf die Eltern erleichtern. Freud hat darauf hingewiesen, daß die Idee von 
der Belauschung des elterlichen Koitus ebenso wie die von der Kastration zu 
den „Urphantasien" gehört, die, wo sie nicht wirklich erlebt, mit allen 
mögHchen Wirkhchkeitsstützen durch Phantasie ersetzt werden^^ Es scheint, 
daß ihr wirkliches Erleben zu Angstreaktionen prädestiniere, so daß es 
bei Angsthysterien häufiger nachzuweisen ist als etwa bei Konversionshysterien, 
obwohl es natürlich auch dort vorkommt (Hysterie mit Augensymptomen. 
Über die Bedeutung der „Urszene" für die Zwangsneurose später). Wenn 
wir sagten, der unbewußte Inhalt der Angsthysterie sei stets der Ödipuskomplex, 
so ist das zu ergänzen, nicht nur in dem Sinne, daß sich alle die bei der Kon- 
versionshysterie besprochenen Mittelglieder zwischen ödipuswunsch und 
Symptom auch hier einschieben, sondern in dem, daß jener auffallend häufig 
(aber nicht immer) durch Urszenenerlebnisse oder -phantasien repräsentiert ist. 
Von besonderer Bedeutung gerade für Angsthysterien scheint dabei eine mit 
solchen Erlebnissen gegebene Verstärkung bezw. Fixierung der leider noch 
so wenig erforschten Gleichgewichtserotik. 

Die Angstinhalte, die bei Angsthysterikern vorkommen können, sind außer- 
ordentlich mannigfaltig. Bekanntlich hat die voranalytische Psychiatrie eine 
Unmenge lateinischer Namen für die verschiedenen Phobien gebildet. In der 
Analyse erweisen sich scUießlich alle Angstanlässe entweder als Versuchungs- 
situationen für den zu unterdrückenden gefürchteten Trieb — wozu auch die 
Libidostauung nach Unterdrückung gewohnter Abfuhr (der Onanie) zu rechnen 
wäre — oder als Anspielungen auf die vermeintHche Gefahr, die drohen würde, 
gäbe man dem Triebe nach; am häufigsten sind sie beides zugleich, wie wir 
es bei den Tierphobien gesehen haben. 

Gelegentlich ist die Angst begründet in heftigen gegen das eigene Ich 
wütenden Strebungen, die ihren Ursprung in einem von Objekten abgewendeten 
sadistischen Impuls haben — und Todesangst tritt bei allen Anlässen auf, bei 
denen ein anderer Mensch Wut produzieren würde, dies am häufigsten bei 
partiell zum Sadismus regredierten Formen, also am ehesten bei mit Zwangs- 
neurose kombinierten Fällen. Es gibt viele Angsthysterien, die eine relativ sehr 
starke Beteihgung gewaltsam zerstörerischer Tendenzen erkennen lassen, oft 
über die Brücke Schauen = Fressen. 

Nicht alle Tierphobien sind nach dem Muster der beiden von Freud 
untersuchten Fälle gebaut. So schien ein lehrreicher Fall von Helene 
Deutsch einfacher konstruiert: Ein unbewußt passiv-femininer Junge 
fürchtete Hennen, weil diese ihn an seine libidinösen Wünsche und die 

23) Freud: Vorlesungen zur Einführung in die Psychoanalyse (Ges, Sehr. Bd. VII. 
S. 385 fiF). , 

4 Fenichel, Hysterien und Zwangsneurosen 



5° 



damit verbundene Kastrationsgefahr erinnerten. Es lag scheinbar eine einfache 
1 rojektxon des ganzen inneren Triebkonfliktes auf ein vermeidbares 
Objekt der äußeren Wahrnehmungen, auf ein Tier vor". 

Die Straßenangst ist in der Regel Angst vor der sexüeUen Versuchung, die 
auf der Straße lauert,- d:e Angst vor dem Alleinsein Angst vor der Versuchung 
zur Oname, dxe Angst, überfahren zn werden oder von einer Höhe herab 
zustürzen glexchzemg Ausdruck der Kastrationsbefürchtungen und der durch 
dxese Befürchtungen bedrohten (feminm-masochistischen) sexuellen Wünsche 
D:e so häufige Infektionsangst entpuppt sich in oberster Schicht als rationaU- 
sxene Kastratzonsangst (Geschlechtskrankheit als reale die Sexualbefriedigung be- 
drohende Gefahr ; m zwexter Schicht als feminine Wunscherfüllung (InfLon^= 
Schwängerung) m txefster als Ausdruck von prägenitalen IntroiekLs- bezw. 
Emverleibungsphantasien (Bazillen = introjiziertes Objekt) 

Der sehr archaischen „Berührungsangst« scheint kein typischer spezieUer 

nhal, ,„ entsprechen. Oft ist sie die manifeste Erscheinun^form e ^Jr In 

fektxonsangst" Freud machte darauf aufmerksam, daß es keine anstö^ge 

Tnebregung gxbt deren Ziel nicht eine B er ührung eines Objektes darsteUt 

s« es dxe aggressxve sxnnliche oder zärtliche Annäherung an ehxe andere Person 

Phob-k TT"f '" '''' ^^^^"^"^ '^''''''- ^^^ Gegenstände, die eix^ 
Ph bxker nxcht berühren darf, repräsentieren ihm also entweder dilsen oder 

gegeben " ' ""' '"" """^^ ^°' '''' ^^"^ ->'^^^ F«- 

difZ^-U^"^^-"'"" ^u^'l""' '°^'^' '^''^'^''' '"^- ^-«^1« berühren" und 
dxe Beruhrungsangste beziehen sich zunächst auf Gegenstände mit gemtal- 
syxnbolxscher Bedeutung. Die leichteste und verbreitetste Formlesrä- 
ruhrungsphobxe bleibt auch auf die Onanie beschränkt: Es handeltTh um 
Menschen, dxe das xnfantile Onanieverbot, das ja häufig auch den Wortlaut hat, 
„ass nxcht hxn!" als bloßes Berührungsverbot perzipiert haben oder in 
„ rotzxgem Gehorsam« perzipieren wollten - und die eine Scheu entwickelten, 
das exgene (oder em fremdes) Genitale mit den Händen zu berühren 
wahrend andere, entstelltere Onaniearten (Körperbewegungen in Bauchlage,' 
Schenkelzusammenpressen usw.) bewußt oder unbewußt geübt werden. Nicht 
selten hat exn so abgewehrter Onanxewunsch selbst vorher sich regressiv ver- 
ändert, so daß analerotische Beschmutzungswünsche durch die Phobie abge- 
wehrt ex-scheinen. Das dokumentiert sich gelegentlich manifest, wenn eben L 
schmutzxg gehaltene Gegenstände dieses Umstandes halber nicht berührt werden 
dürfen (Turklxnken, alles, was mit Closett oder Reinhaltung des Körpers zu 

24) Helene Deutsch: Psychoanalyse der Neurosen S. loi-iij 

2J) Freud: Hemmung, Symptom und Angst (Ges. Sehr. Bd. XL S. 6i). 



I 



51 



Ftun hat usw.). Solche Phobien finden sich, der Regression entsprechend, oft 
mit Zwangsneurosen kombiniert. 
Wird die Angst vor der drohenden zu der vor der bereits erfolgten Infektion, 
so kommen wir in ein Gebiet, wo — abgesehen von einfachen Fällen wie 
Syphilophobie u. dgl. — die angsthysterische Vorstellung in die Wahnidee 
übergeht, etwa in hypochondrische Ideen, von Bakterien oder von innen her 
zehrenden Krebszellen aufgefressen zu werden, und in Vergiftungsängste. Solche 
Befürchtungen sind noch auf dem Boden der Angsthysterie möglich und ent- 
sprechen dann verstärkten Infektionsängsten, den unbewußten Triebkonflikten 
um Kastration und Schwängerung. Die hier meist bedeutungsvollere tiefste 
Schicht, die wir oben nannten, die Introjektions-, bezw. Einverleibungs- 
phantasien, werden erst im Zusammenhang von Hypochondrie und manisch- 
depressivem Erscheinungskreis ganz verständhch. 

Die Infektions- und Berührungsängste geben ein besonders gutes Objekt zum 
Studium der magischen Denkart ab; sie sind das individuelle Gegen- 
stück zu dem, was die Ethnologen „kontagiöse Magie" nennen^^ Dem ent- 
spricht, daß sie in tiefster Schicht das prägenitale Triebziel der Objekteinver- 
leibung abwehren bezw. darstellen und entsprechend auch prägenitaler (anal- 
sadistischer und narzißtischer) gefärbt sind als andere Phobien. Ebenso scheint 
die Klaustrophobie typischerweise gleichzeitig Erinnerungen an infantil- 
sexuelle Betätigungen und an in der Kinderzeit erlittene Strafen, die auf die 
Kastration anspielen, zu enthalten. 

Der Versuchungscharakter der Angstanlässe wird vielleicht am deutHchsten 
bei den von Ferenczi so genannten „Sonntagsneurosen"^^ bei Menschen, die 
stets Sonntags Angst (oder Depressionen) bekommen: Es ist der Tag, an dem 
die Triebbefriedigung näher steht als sonst. — Bei diffusen Angstanfällen weist 
die Analyse ebenfalls Versuchung oder Bedrohung als Anlässe auf. Freilich muß 
man den Begriff „Versuchung" weit genug nehmen. Wie bei der Konversions- 
hysterie stößt man auch hier vor dem Ödipuskomplex auf die aus allen 
möglichen Partialtrieben bestehenden „Zwischengebilde". Auch diese Zwischen- 
gebilde sind nicht willkürliche, sondern für bestimmte Typen von Angst- 
hysterien sehr charakteristische. So erwähnten wir die Rolle, die der (kon- 
stitutionell oder akzidentell) erhöhten Analerotik für die Infektions- 
und Berührungsangst zukommt. — Für die Straßenangst hat vielfach das 
Gehen auf der Straße sexuelle Bedeutung angenommen, was eine Erhöhung 
der die Lokomotion begleitenden Muskel- und Gleichgewichts- 
erotik voraussetzt, die bei diesen Fällen auch regelmäßig, häufig als Fixierung 

26) Siehe 2. B. Rohe im: Das Selbst. Imago VII. (1921). 

17) Ferenczi: Sonntagsneurosen. Int. Z. f. Ps.-A. V. (191^). (Auch in „Bau- 
steine zur Psychoanalyse", Bd. IL S. 178 ff.). 



J2 



an die Zeit des Gehenlernens nachzuweisen ist, worauf Abraham als erster 
aufmerksam gemacht hat^". 

Ich selbst konnte einmal einen Fall beschreiben, dessen Anfälle von Straßenangst mit 
der Sensation begannen, die Beine würden ihm weggezogen oder liefen ihm weg. Die 
Analyse ergab, daß ein tief wirkendes Onanieverbot mit der Zeit des Gehenlernens 
zusammengefallen war, das der kleine Junge mit größtem Genuß und höchstem 
narzißtischem Stolz betrieb. Die Beine und ihre Funktion übernahmen die unterbundene 
Funktion des Penis. Spätere Steigerung der alten Konflikte ließ dann die dem Penis 
geltende Kastrationsangst auch auf dem neuen Gebiete erscheinen in Form der Angst 
er verlöre die Beine. Dies war die Grundlage seiner Agoraphobie«». ' 

Wir erwähnten schon die typische starke Beteiligung der Gleich- 
gew i c h t s e r o t i k. Eine andere Voraussetzung der Verschiebung der Sexual- 
sensationen auf das Gehen auf der Straße, noch deutlicher bei den Phobien, die 
die Öffentlichkeit fürchten, sei es das eigene Auftreten vor derselben (Lampen- 
fieber) oder jede Ansammlung vieler Menschen schlechthin, ist die (wieder kon- 
stitutionelle oder akzidentelle) Erhöhung und Abwehr der E x h i b i t i o n s I u s t. 
Die Angstanfälle einer Patientin hatten unverkennbar den unbewußten Zweck, allen 
Vorübergehenden in Schwäche und Hilflosigkeit aufzufallen. Die Analyse wies als 
unbewußtes Motiv dieser Exhibition eine gegen das eigene Ich gewendete ursprüng- 
lich gegen die Mutter gerichtete Aggression auf. „Seht alle her", rief sie gleichsam 
mit ihrer Angst, „so hilflos (d. h. penislos) läßt meine Mutter mich in die Welt hinaus»" 
Die Exhibition selbst hatte einen phantasierten Penis zum Inhalt, das Wissen um dessen 
hktive Natur bewirkte das Umschlagen der Perversion in Angst. 

Daß hier der Ka s tr a t i o ns k omplex wesentlich beteiligt war, ist kein 
Zufall. Manche solcher Angsthysterien sind im wahren Sinn Negative einer 
P e r V e r s i o n. Sie weisen die gleiche Psychogenese auf wie echte Perversionen 
(Verschiebung der Gesamtsexualität auf einen Partialtrieb zum Zwecke der 
Erledigung der wichtigsten infantilen Sexualkonflikte, besonders der Überwin- 
dung der Kastrationsangst), nur daß die Absicht der Verschiebung mißglückt, die 
perverse Neigung selbst verdrängt werden muß und die Angstentwickiung nicht 
vermieden werden kann. 

Bei der typischen Straßenangst scheint außerdem die vom Kranken geforderte 
schützende Begleitperson von tieferer Bedeutung zu sein als man zuerst annahm. 
Zunächst scheint ihre Funktion auf der Hand zu liegen: Sie schützt eben vor 
der Versuchung. Der Mann kann nicht fremde Frauen ansprechen, die Frau sich 
nicht ansprechen lassen, wenn sie in Begleitung des Ehepartners ausgeht. Der 
junge Mann, das junge Mädchen können nicht Abenteuer suchen, wenn sie von 



Tnr^7Vn^\^"jT^'''' ""' konstitutionelle Grundlage der lokomotorischen Angst, 
•int. z,. t. l-'s.-A. II. (1913). 

7:l^l^2'l^^r^\'^^tl organlibidinöse Begleiterscheinungen der Triebabwehr. Int. 
^^ r. iS.-/V« AIV. (1928), S. j6. 



53 

einem der Eltern begleitet sind und dgL mehr. Auch darauf, daß dabei zahl- 
reiche sekundäre Sexualwünsche sich äußern, hat Freud schon früher auf- 
merksam gemacht^". Wenn ein Mädchen verlangt, daß ihre Mutter ständig mit 
ihr geht, so erreicht sie damit die Erfüllung der unbewußten Absicht, die Mutter 
vom Vater zu trennen. Der Zwang, der auf die Begleitperson ausgeübt wird, 
kann natürlich in entstellter Form alle möglichen feindseligen Impulse gegen 
diese befriedigen. Aber erst Helene Deutsch hat nachgewiesen, daß die Er- 
scheinung der Begleitperson doch noch wesentlicher mit der Psychogenese der 
ganzen Krankheit verknüpft ist^^. Nach ihr ist die Begleitperson der Ersatz für 
den im Ödipuskomplex gehaßten Elternteil. Der Zwang, den der Kranke auf ihn 
ausübt, ist ein Symptom, das gleichzeitig diesen Ödipushaß befriedigt und vor 
ihm schützt, da die Gelegenheit, sich von der wohlwollenden Fürsorge der Be- 
gleitperson zu überzeugen, die gegen sie gerichteten Flaßimpulse herabzusetzen 
geeignet ist. 

Helene Deutsch hat nachgewiesen, daß die typischen Agoraphoben in einer 
Beziehung trotz des genitalen Charakters ihrer unbewußten Konflikte dem 
Zwangsneurotiker schon nahestehen: Ihr Ambivalenzkonflikt ist schärfer aus- 
geprägt. Der Angst, es könnte dem Kranken auf der Straße etwas zustoßen, 
geht häufig diie Angst voraus, einem ambivalent besetzten Objekt (dem im 
Ödipuskomplex gehaßten Eltern teil) konnte etwas zustoßen. Die Voraussetzung 
der Wandlung dieser gelegentlich bewußten Vorstufe zur eigentlichen Platz- 
angst sei die selbstbestrafende Identifizierung mit diesem unbewußt gehaßten 
Objekt. Wie bei den bei der Konversionshysterie besprochenen Identifizierungs- 
typen wird auch hier das Schuldgefühl mitbefriedigt, indem durch eine Wen- 
dung gegen das Ich an Stelle eines schuldbeladenen Todes-(Kastrations)wunsches 
eine Todes-(Kastrations)angst tritt. 

Ein Patient, der die „Wendung" nicht durchgeführt hatte, der nicht für sich fürch- 
tete, sondern seine Frau ans Haus fesselte, weil er fürchtete, i h r könnte, wenn sie 
ausgehe, etwas zustoßen, bestätigte die Ansichten von Helene Deutsch, In ihm war 
nämlich der negative, der feminine Ödipuskomplex zur Herrschaft gelangt, die Mutter, 
die durch die Ehefrau vertreten wurde, war ihm als Rivalin verhaßt, er wünschte ihr 
den ,Tod. Die unbewußte Absicht des neurotischen Ansinnens an die Frau, das Haus 
nicht zu verlassen, war, ihr die Möglichkeit zu sexuellen Abenteuern zu nehmen, eine 
hinter der Fassade zärtlicher Fürsorge versteckte leidenschaftliche Eifersucht. Piese 
aber war, wie so oft, homosexueller Natur, hatte den unbewußten Sinn: Nicht sie soll 
sexuelle Erlebnisse mit Männern haben, sondern ich. 

Die in der Verschärfung der Ambivalenz, in der Erhöhung der ätiologischen 
Bedeutung des Hasses gelegene Verwandtschaft mit der Zwangsneurose bestätigt 

30) Freud: Hemmung, Symptom und Angst. (Ges. Sehr. Bd. XL S. ^7 ff). 

31) Helene Deutsch: Zur Genese der Platzangst. Int. Z. f. Ps.-A. XIV. (1928), 



54 



sich durch das relativ häufige Vorkommen von MischfäUen. Außer auf die er- 
wähnten akzidentellen Erhöhungen von Muskelerotik und Exhibitionismus hat 
Helene Deutsch auf eine unbewußte Entbindungsbedeutung der agoraphoben 
Angstanfälle aufmerksam gemacht". 

Auf der Hand liegt, daß die angsthysterischen Erkrankungen des Erwachsenen 
gegenüber denen des Kindesalters überhaupt eine Menge sekundäre, zum Teil 
praktisch sehr belangvolle, aber für die Theorie der Krankheit relativ irrelevante 
Komplikationen erfahren, so vor allem die Regression in die Kinderzeit mit allen 
ihren sekundären Gewinnen: Der Agoraphobe ist ein Wesen geworden, das von 
einer Mutter behütet und beschützt werden muß, wie es seinerzeit in der Kind- 
heit der Fall war. 

Der g^wiß bedeutsame Unterschied zwischen kindlichen Tierphobien und 
Angsthysterien des Erwachsenen scheint uns im wesentlichen in solchen, durch 
die ganze relative Kompliziertheit der erwachsenen Seele in das Bild hinein- 
getragenen Komplikationen zu bestehen. Prbzipiell aber scheinen beide gleich- 
artig gebaut; wenn das Ich durch Versuchung an die ihm bei einer Sexual- 
handlung drohende vermeintliche Gefahr erimiert wird, so bricht in beiden 
Fallen das von ihm abgegebene Angstsignal als lautes neurotisches Symptom 
durch, - und zur Vermeidung dieser Angst wird die Phobie ausgebildet 
Alexander hat darauf aufmerksam gemacht, daß die besprochene Projek- 
tion, die darin liegt, daß die zu einer Gefahr gewordene innere Triebregung wie 
eine äußere Realgefahr behandelt wird, bei Erkrankungen des Kindesalters deut- 
licher zu Tage tritt als bei Erwachsenen". 

Der kleine Hans fürchtet das Pferd und nicht mehr seine Mutterliebe oder 
semen Vaterhaß. Die erwachsene agoraphobe Patientin aber, die nicht auf die 
Straße geht, weil das für sie die unbewußte Bedeutung erhalten hat, Prostituierte 
zu sein, tut nichts anderes, als was Menschen mit anderen Hemmungen eben- 
falls tun, d. h. sie unterläßt die Ausführung sexualisierter Funktionen, ohne 
ihren Trieb „in die Straße" zu projizieren. Uns scheint aber dieser Gegensatz, 
so richtig er ist. nicht wesentlich, denn auch bei dieser „Hemmung" der Erwachse- 
nen wird eine äußere Situation gemieden, um einer inneren Triebgefahr zu ent- 
gehen. Ja, in einem gewissen Sinn ist sogar die umgekehrte Formulierung eben- 
falls nchtig, daß die Kinder weniger projizieren als die erwachsenen Angst- 
hystenker; -- insofern nämlich, als das Kind, dem seine Triebbetätigung nur 
deshalb eine Gefahr ist, weil es fürchtet, vom Vater kastriert zu werden, mani- 
feste Angst vor dem Biß des Pferdes hat, also eine äußere Gefahr (Kastration) 
durch eme andere äußere (Biß) ersetzt hat, während beim Erwachsenen die Ka- 

32) H. Deutsch: Psychoanalyse der Neurosen. S. 134 ff. 

33) F. Alexander: Psychoanalyse der Gesamtpersönlichkeit. S. 154. 



ä 



55 

strationsangst längst introjiziert worden ist, so daß er mehr als das Kind eine 
eigentliche innere Gefahr, namÜch die Gewissensbisse, vermeidet, indem er der 
äußeren Situation ausweicht, die ihm Gewissensbisse verschaffen konnte. Beide 
Phobien leiden jedenfalls im Endresultat an Wahrnehmungsangst. 

Bezüglich Indikation und Verlauf der Behandlung sind die Angsthysterien im 
allgemeinen den Konversionshysterien gleichzusetzen. Die Übertragungsfähigkeit 
ist hier wie ciort ausgezeichnet; nur Formen, die mit Zwangssymptomen kom- 
biniert auftreten und vielfach auch die unbewußten Mechanisrtien der Zwangs- 
neurose aufweisen, geben eine diesem Umstand entsprechende schwerere Pro- 
gnose (s. Kapitel Zwangsneurose). 

Auf eine bei typischen Phobien nötige Modifikation der Technik hat Freud 
aufmerksam gemacht: Wenn das Gefüge der Neurose durch die Analyse ent- 
sprechend weit aufgelockert ist, muß aktives Eingreifen des Analytikers den Pa- 
tienten zur ersten Überwindung der Phobie bewegen, ihn veranlassen, sich dem 
Angstanfalie auszusetzen, um dann die Analyse bis zum vollen Erfolg weiter- 
führen zu können^*. Die Prognose ist im allgemeinen eine günstige, und nur wenn 
besondere kontraindizierende Momente vorhanden sind, wird man nicht zur 
Analyse raten. 

Müßig scheint es mir, an Hand der Angsthysterien eine Frage zu diskutieren, 
die Freud aufgeworfen hat^^ nämlich die, ob der Fund, daß manche Phobien 
Im wesentlichen die Reaktion auf aggressive Tendenzen darstellen (der kleine 
Hans haßt unbewußt seinen Vater und fürchtet deshalb seine Gegenmaßnahmen; 
in der Agoraphobie Ist oft der Haß gegen den gleichgeschlechtlichen Elternteil 
wesentlicher als die Liebe zum gegengeschlechtlichen), zu einer Revision der Be- 
hauptung führen müsse, daß die Neurosen stets auf einen Sexualkonflikt zurück- 
geben. Eine solche Frage hat nur Interesse für den, der den Gegensatz zwischen 
eigentlich sexuellen und aggressiven Trieben (Eros und Todestrieb) für über- 
ragend wichtig hält. Wir meinen, daß diese neuere Freudsche Triebeinteil ung^^ ' 
so viel auch für sie spricht, eine ganze Reihe Unklarheiten theoretischer Natur 
übrig läßt oder schafft, daß vor allem der „Todestrieb*' der exakt biologischen 
Fundierung, die sonst der „Trieb"begriff bei Freud hat, entbehrt, und daß die ; 
Tatsachen, die zu seiner Einführung bewogen haben, vielleicht zur Gänze von 
dem keine spezielle Triebart darstellenden, sondern jegliche Triebbetätigung 
beherrschenden „Nirwanaprinzip" erfaßt werden können^''. Sei dem aber wie 
immer: Wir bemühten uns, die klinischen Sachverhalte darzustellen und dabei 

34) Freud: Wege der psychoanalytischen Therapie (Ges. Sehr. Bd. VI. S. 144). 

35) Freud: Hemmung, Symptom und Angst (Ges. Sehr. Bd. XL S. 64 ff). 

36) Freud: „Jenseits des Lustprinzips" und „Das Ich und das Es" {Gqs. Sehr. 
Bd. VI). 

37) Vgl. zu dieser Frage B e r n f e 1 d und Feitelberg: Der Entropiesatz und 
der Todestrieb. Imago XVI (1930). 



56 

ohne triebtheoretische Festlegung in den allgemeinsten Fragen auszukommen. 
Und es scheint uns, daß das geht. Praktisch können wir jedenfalls die Formulie- 
rung vom Sexualgehalt aller Neurosen schon deshalb aufrecht erhalten, weil 
erstens in der sadomasochistischen Phase Aggression und Sexualität überhaupt 
nicht zu trennen sind, und zweitens, weil der pathogene Haß gegen den Vater 
uns immer in Form des Ödipuskomplexes, d. h. in Verbindung mit einer sexuellen 
Liebe zur Mutter, entgegentritt. 

Es bleibt ein viel wichtigeres, aber leider theoretisch schwer lösbares Problem 
übrig, das der „Neurosenwahl" zwischen Konversionshysterie und Angsthysterie. 
Wenn die Überlegungen vom „Angstsignal" richtig sind, so wäre zu erwarten, 
daß jede Neurose als Angsthysterie beginnt und auch späterhin allen kompli- 
zierten Symptombildungen Angst vorangeht, mit der das Ich das Bestehen der 
Gefahrsituation signalisiert. Tatsächlich gibt es auch solche Fälle. Aber es läßt 
sich nicht leugnen, daß die Mehrzahl der Konversionshysterien angstfrei ist. Auf 
ein Moment, das in vielen Fällen den Ausschlag geben dürfte, hat A 1 e x a n- 
d e r aufmerksam gemacht^^ Nach ihm können sich die Konversionshysterien die 
Angst vor dem strafenden Vater resp. dem Über-Ich dadurch ersparen, daß 
sie die von der strafenden Tendenz ausgehenden Ansprüche anderweirig befrie- 
digen, also dadurch, daß die Konversionssymptome auch den verdrängenden 
Mächten Genüge tun, eine Strafbedeutung haben. Das Ich des Konversions- 
hysterikers hätte im Gegensatz zu dem primitiveren des Angsthysterikers bereits 
gelernt, durch Leiden die Ansprüche des Ober-Ichs zu besänfrigen und sich so 
Angst zu ersparen. Obwohl wir, wie gesagt, die Plausibilität dieses Gedanken- 
ganges anerkennen, scheint uns der Umstand, daß uns der Leidens- und Straf- 
charakter der konversionshysterischen Symptome nicht notwendigerweise jedes 
Mal vorhanden schien, dagegen zu sprechen, daß hier der endgültige und prinzi- 
pielle Gegensatz zwischen den beiden Formen der Hysterie gefunden sei. Wir 
müssen voriäufig noch Freud recht geben, der sagt, daß die Momente, die den 
Ausschlag darüber geben, ob bei der Neurosenbildung die Angst manifest auf- 
tritt oder nicht, uns noch unbekannt sind^^ 



38) Alexander: Psychoanalyse der Gesamtpersönlichkeit, S. 66 f^. 

39) Freud: Hemmung, Symptom und Angst (Ges. Sehr. Bd. XL S. 50). 



///. KAPITEL 



Hysteriforme Krankheiten 

a) Die Organlibido 

Wir wollen in diesem Kapitel als „hysteriforme Krankheiten" einige Gruppen 
von Neurosen besprechen, die mit der Hysterie manche Punkte gemeinsam haben, 
in anderen aber erheblich von ihr abweichen, und in deren Gebiet wir Über- 
gangsformen zwischen Hysterie und Psychose auffinden werden. Ihnen allen ist 
mit der Konversionshysterie gemeinsam, daß die Symptome sich in objektiven 
oder subjektiven Veränderungen der körperlichen Funktionen manifestieren, und 
daß diese Veränderungen letzten Endes Folgen psychischer Konflikte sind. 

Die Konversion zeigte uns, daß der gesamte Körper Ausdrucksmittel der 
Psyche werden kann. Er kann es aber offenbar auf verschiedene Weise. Bevor 
wir die Unterschiede des äußeren Krankheitsbildes bei der Konversionshysterie 
einerseits, Aktualneurosen, Organneurosen, Hemmungszuständen und traumati- 
schen Neurosen andererseits beschreiben, müssen wir, da es uns um das Verständ- 
nis der spezifischen unbewußten Vorgänge zu tun ist, weiter ausholen und zu- 
nächst ein Kapitel nachtragen, das wir bei Besprechung der konversions- 
hysterischen Symptome zwar schon angedeutet, aber noch allzusehr vernach- 
lässigt haben: Eine Klärung der Vorstellungen, die wir den Problemen des so- 
genannten psychophysischen Grenzgebietes zugrundelegen dürfen. 

Die Psychoanalyse versucht das sogenannte „psychophysiscbe Grenzgebiet", 
die normalen körperlichen Begleiterscheinungen der Triebkonflikte des seelischen 
Apparates und ihre pathologischen Zerrbilder, mit Hilfe der Hypothese der 
„Organlibido" zu erfassen, die von Freud aufgestellt\ hauptsächlich von 
Ferenczi ausgebaut und fruchtbar gemacht wurde^ Diese Hypothese wurde 
auf empirischem Wege gewonnen, dient heuristisch der empirischen Forschung 



i) Freud: Zur Einführung des Narzißmus (Ges. Sehr. Bd. VI). 
2) Ferenczi: Hysterie und Pathoneurosen. 



J8 

und erwartet auch ihren weiteren Ausbau und eventuelle Korrekturen einzig 
von der Empirie. 

Was ist „Libido"? Man kann mit Freud definieren: Energie des Sexual- 
triebes. Also sein quantitatives Moment^ Wir nehmen an, daß jedem Menschen 
eine bestimmte Gesamtquantität „Sexualtriebstärke", also Libido, zur Verfügung 
steht, die allerdings aus außerpsychischen somatischen QueUen gesteigert oder 
verringert werden kann (normale und pathologische Veränderungen der inneren 
Sekretion, Pharmakologie), aber sonst in ihrer Summe unveränderlich ist. Wer 
seine Libido an einer Stelle allzusehr ausgibt, hat für andere Stellen zu wenig 
übrig. Freilich darf man sich das nicht so grob vorsteUen, als ob ein Mensch nur 
entweder Sexualverkehr haben oder sublimieren könnte, - dazu ist das Gebiet des 
durch die Psychoanalyse in seinem Umfang erweiterten „Sexualtriebes" doch zu 
rnanmgfaltig und kompliziert, - aber es bleiben genug Erscheinungen, die wir 
dadurch erklärbar machen können, und die „libidoökonomische" Beschreibung 
emes seelischen Vorgangs bleibt - trotz des mißUchen Umstandes. daß wir 
seehsche Größen nicht messen können, - eine der drei Grundaufgaben der 
theoretischen Psychoanalyse, der sogenannten „metapsychologischen« Darstellung 
des betreffenden Vorgangs. 

Mit Veränderungen der Libidoverteilung müssen körperHche Vorgänge aufs 
engste verbunden sein, über die wir uns ebenfalls ein möglichst klares Bild 
machen müssen. Libido ist Energie des Sexualtriebes, - und das Triebleben ist 
ja ein „Grenzgebiet", das einmal von der psychologischen, ein anderes Mal von 
der materiell-biologischen Seite aus angesehen werden kann. Von jener aus er- 
scheint der Trieb als ein mit Energie ausgestatteter Drang zu einer bestimmten 
Handlung, dem Triebziel, die mit dem Erlebnis der Befriedigung einhergeht. 
Von dieser aus haben wir eine „Triebquelle«, eine auf die Psyche als Reiz 
wirkende Veränderung der Körperlichkeit, und das Ziel erscheint als körperliche 
Aufhebung der reizenden Veränderung und der durch sie gesetzten Spannung.« 
Was für körperliche Veränderungen sollen wir nun beim Sexualtrieb annehmen? 
Welche Spannung gibt den Triebreiz ab und wird im Orgasmus zum Schwinden 
gebracht? Wenn Freud die Ähnlichkeit der sexuellen Erregung mit einer 
Intoxikation in allen Einzelheiten nachwies,^ so befindet er sich in völliger 
Übereinstimmung mit der Physiologie, die die i n n e r e S e k r e t i o n als grund- 
legend für die Sexualität erkannt hat, also die Triebquelle in Sexualhormonen 
oder -Stoffen sieht, die im Blute kreisen und auf chemischem Wege sensible Ver- 
änderungen, besonders im Zentralapparat und an den Genitalien, hervorrufen. 
Wir brauchen uns hier nicht weiter auf Fragen der Sexualphysiologie einzu- 

^s c''^" j' S"".", Abhandlungen zur Sexualtheorie (Ges. Sehr. Bd. V. S. 92) 

4) treud: Triebe und Triebschicksale (Ges. Sehr. Bd. V. S. 444 f) 

5) Freud: Drei Abhandlungen zur Sexualtheorie (Ges. Sehr. Bd. V S 91) 



S9 

lassen, etwa auf die Frage nach Spezifität und Ursprungsort der Sexualhormone 
(innersekretorischer Anteil der Keimdrüsen, Verhältnis zu anderen Drüsen wie 
Schilddrüse, Hypophyse etc.). Uns genügt die grobe Vorstellung von Sexual- 
stofFen, die chemisch einwirken und ckdurch Triebreize für das Seelenleben ab- 
geben. Das Feinermachen dieser groben Vorstellungen, letzten Endes die 
chemische Darstellung der Sexualstoffe, ist die noch fehlende biologische Basis, 
auf die die ganze Libidotheorie der Psychoanalyse einmal aufgesetzt werden 
soll. 

Nun gehen wir einen Schritt weiter: Die Psychoanalyse lehrte uns, daß 
sexuelle Triebreize nicht nur von den Genitalien, sondern auch von anderen 
Körperstellen, den sogenannten „erogenen Zonen*', ausgehen. Das zwingt zur 
Konsequenz, daß die Sexualstoffe nicht nur an den Genitalien angesammelt sind 
oder wirken, sondern sich eben an allen erogenen Stellen finden lassen müssen. 
Sie müssen in gleichem Maße verschieblich sein, wie psychologisch nach den 
Befunden der Psychoanalyse etwa eine Regression von der Genital- zur Anal- 
erotik möglich ist, etwas, was mit der Annahme des Transportes durch die Blut- 
bahn gut in Einklang zu bringen ist. Wir müssen also annehmen, daß die 
Sexualstoffe überall vorhanden, aber ungleich verteilt sind, und daß die Vertei- 
lung je nach physischen oder psychischen Umständen wechseln kann. Wenn wir 
nun sagen, die Organe hätten verschiedene L i b i d o b e s e t z u n g, so ist das 
zunächst nur ein etwas inkorrekter Ausdruck für: sie sind mit verschiedenen 
Quantitäten Sexualstoff versehen, so daß verschieden starke libidinöse Erregungen 
von ihnen ausgehen. Dafür gibt es objektive und subjektive Anzeichen, und 
eines unserer wesentlichen Probleme wird die Aufklärung des Umstandes sein, 
daß diese objektiven und subjektiven Zeichen selten übereinstimmen, daß meist 
nur die einen oder nur die andern nachweisbar sind. Objektiv: Das erregte 
Genitale ist in bestimmter Weise physiologisch verändert; es hat einen erhöhten 
Turgor, zeigt Rötung und Schwellung, also entzündungsähnliche Erscheinungen. 
Ferenczi hat im einzelnen nachgewiesen, daß auch an anderen Organen 
durch Steigerung ihrer Libidobesetzung dieselben Veränderungen vor sich gehen 
können (z. B. bei der „Genitalisierung" der Hysterie).^ — Die Umstände zwingen 
uns allerdings anzunehmen, daß solche objektiven Zeichen der Libidobesetzung 
der Organe nur unter bestimmten Umständen sichtbar werden, unter anderen 
nicht; wir werden uns später fragen, welche quantitativen oder qualitativen Um- 
stände hiefür entscheidend sein mögen. — Subjektiv: Hier gehen wir wohl am 
besten vom Rätsel der Hypochondrie aus, das Freud mit folgender An- 
nahme löste :^ Die Organe, von denen hypochondrische Sensationen ausgehen, sind 



6) Ferenczi: Hysterie und Pathoneurosen, S. 17. 

7) Freud: Zur Einführung des Narzißmus (Ges, Sehr. Bd. VI. S. 166 §). 



6o 



chondrie abnimmt. Wir nehmen ^n A.a j . ^^^anme seiner htypo- 

Libido „i„ de. Org,„„ u„„ "Lch" tf m T . '""* ^°«™''=« 

w„fc.„.Di.Un«™d,mgdIerdi„r Verhältni« Tv ■ ü-^ T"' "°" 

deutlich» pH^i„,„,i„H„ Po„ci.„, ,ef„,dJ„l;7;^^^^^ 

Wie verhalt sich nun „Erogeneität" A h A t ^^^^^^^^ogie. 

sich evtl. m jenen objektiven Zeichen des erregten GenitI, t''^^'^'^'''' ^'^ 

Symptomen der „Libidostauung", die uns n den mT "^"^T"' '" '^'" 

der Hypochondrie entgegentreten > KöZ^ Aktualneurosen, besonders in 

B.chein.ngen n. . u?«^:: W^ulrbierr:^^^^^^^^^^ 
Besetzungsmenge Erogeneität, psychisch: Sexualerregung le höhte ab 'T" 
ung, psychisch: unlustvolle Spannung, hervorruft Ja Ia- u . ^'^"" 

^^^A ^wel,. J., ,. „„t. T^3., ,„„ S.z„afa ofafaSubiete »„ können. 
pton^L^pfa'j;' £.S»™^1'°° ''" "'""••'"«i« ™.n b«,i™„„ Svm- 



6I 



Und wir beginnen zu ahnen: Der rein physiologische Vorgang mag bei Hysterie 
(und ähnhchen Prozessen wie extragenitalen Perversionen u. dgl.) und Hypo- 
chondrie (und ähnlichen Prozessen wie Aktualneurosen, psychotischen Körper- 
sensationen u, dgl.) derselbe sein: Die SexualstoflFe sind weniger genital konzen- 
triert, zu viel in den Organen angesammelt. Die Differenz zwischen den 
zweierlei Prozessen, die Entscheidung darüber, ob Erogeneität oder Stauung ein- 
tritt, kann nicht n u r von der Menge der „gestauten" Sexualstoffe, nicht n u r 
davon abhängen, ob (in perverser Handlung oder hysterischem Symptom) eine 
Abfuhr der an den Organen angesammelten Sexualstoffe in Triebhandlungen 
möglich ist oder nicht, sondern von einem psychologischen Faktor, der 
vielleicht eben über diese Abfuhrmöglichkeit entscheidet, und den wir jetzt 
untersuchen müssen. 

Auch bei der Erregung der Objektliebe sammeln sich an Genitalien und 
erogenen Zonen, bei der perversen oder hysterischen Objektliebe fast nur an 
erogenen Zonen, spannende SexualstofFmengen an, sind also in einem Sinne die 
Organe „libidobesetzt". Beim „narzißtischen" Zustand der Hypochondrie sind es 
die Organe ebenfalls. In vorläufiger Aus drucks weise können wir also sagen, es 
müsse einen gewaltigen Unterschied ausmachen, ob die Organe mit „Objekt- 
libido" oder mit „narzißtischer", mit „Ichlibido" besetzt sind, und wir müssen 
fragen, was unter einer solcher qualitativen Verschiedenheit der Libido, der 
seelischen Sexualtriebenergie, eigentlich vorzustellen ist. 

Im ersten Fall, sagten wir, sind „Objekte libidobesetzt", im zweiten Fall nicht. 
Was also ist unter „Objektbesetzung" zu verstehen? Zweifellos etwas, was mit 
der körperlichen Verteilung der Sexualstoffe nicht mehr direkt zu tun hat. Aber 
natürlich auch etwas, was nichts zu tun hat mit der objektiven Person des 
Liebesobjekts, sondern ein intrapsychischer Vorgang im Liebessubjekt. Wenn sich ' 
A in B verliebt, so spielt sich doch dieser Prozeß nicht in oder an B, sondern • 
lediglich in A ab, der der Person B gegenüber anders zu fühlen, zu denken und 
zu handeln beginnt. Was also wird „besetzt"? Die Summe aller Vorstellungen, 
die A von B hat, wir möchten sagen, seine intrapsychische Objekt- 
repräsentanz. Sie wird mit besonderer Macht ausgestattet, d. h. sie erhält ■ 
besondere psychische Energiemengen zur Verfügung. Die durch die „libidinöse", 
d. h. sexualstoffHche Besetzung der Genitalien oder der erogenen Zonen gesetzten 
Sexualspannungen drängen nun zu Triebhandlungen mit der Person, deren Re- 
präsentanz intrapsychisch „besetzt" ist." Wenn nun bei einer „Regression zum 
Narzißmus" diesen „Objektrepräsentanzen" die Besetzung wieder entzogen wird, ' 
wem fließt sie zu? Auch der eigene Körper war für die Seele einmal „Außen- 
welt" gewesen, wenn auch ein Stück Außenwelt von ganz besonderer Art (dessen 

lo) Fenichcl: Die Identifizierung. Int. Z. f. Ps.-A. XII (x^z6). 



62 



Erkenntnis erst zur Unterscheidung von Ich und Außenwelt, damit zur Errich 

aITk ^t^.^^»:;--^'^^ -- »^^ aber nicht zu handeb habe^ " 

Auch der Korper und seme Organe sind intrapsychisch durch Vorstellungs- und 
Ernpfindungsdaten und deren Zusamn^enfassungen repräsentiert - (und über dt 
Bedeutung icser Repräsentanz, des „Körperschemas- für das Seelenleben übe 
haupt wäre v:el zu sagen). Es gibt also auch iatr apsychische Orgal 
reprasentanzen. Beim Narzii?mus hat also ein übergane der H.J. 

tanzen (Hypochondrie, Psychose). Zwischen beiden Typen stehen wlf 2 
Aktualneurosen, Neurasthenie und Angstneurose und dlJ ^ 

neurf)9Pn" n; .. -^"S«neurose, und die sogenannten „Organ- 

neurogen De ersteren müssen, wie bereits gesagt, nach Freud vo geslüt 
jerden als korperhch-toxische Folgen der im (durch äußere, aber häufigefwoh 
durch psychogene innere Gründe) gehemmten Orgasmus nicht abgeftü^^lL"! 

l^ruTd' h"1 r '^' ^°^^""^''' ''' "'^^ -^«^^^ oLsmushemZg 

toung Ir S" ""' """ "^^ ''^'''' ^^'^-^ -^ „intrapsychischen 
gesetzung der Organreprasentanzen" besteht; und es gibt wohl auch fließende 

cho:dTu:r: t"d " ^^™^°-- -^ der volbarzißtischen S^^ : 

..nsh^en die sich nur an einem einzigen Or^2^^-:^l-Z 
alle Gesetze der Hysterie gelten, deren Symptome also einen speziellen unb 
jußten mfantd-sexuellen Sinn haben, als auch narzißtische, psychosenähere Fälle 
deren yn^ptome unspezifisch Ausdruck sind der narzißtischen bT^L ng t' 
Organreprasentanzen und der in ihrer Folge auftretenden Anhäufung von Sexua 
« ffen an den Organen ohne adäquate Abfuhrmöglichkeit (die ;! eben durch 
die Regression zum Narzißmus geraubt wurde). Natürlich piegin auch di^e 
erSrFrCir '' -^^^^"^^^^^^^ AußenweMon^L! in re^e^! 

daW°t/T""°' " '" ^'"^""^ "^- 'l- K^P-I ..Organlibido« kommt 
Voi ::'^ ~ ^" "^^-^ -' «'^ S-- -> <iaß die organlibidinösen 

_!!!!!!!L!!L^!!!lf!:^^ -'s sich 

")|r^7^7^~[^r^^ das Es (Ges. Sehr. Bd. VI. S. 365,). ' 

") S c h 1 1 d e r: Das Körperschema. Berlin 1523. 



H 



f 

V chemisch am Organ abspielende gedacht sind, oder als solche, die sich zunächst 
H psychisch an der Organrepräsentanz abspielen, die dann ihrerseits physiologische 
H Veränderungen in den Organen hervorruft. Freud hat bei den Aktualneurosen 
an das direkt Körperliche gedacht, ^^ Ferenczi bei seinen „Pathoneurosen" 
ebenfalls/* Und doch wird man im Gegensatz zur Hysterie und Normalität 
für viele „organlibidinöse" Erscheinungen ausdrücklich die zweite Annahme 
machen müssen, F r e u d hat sie z. B. seiner neueren Beschreibung des S c h m e r- 
z e s als eines organHbidinösen Phänomens zugrundegelegt,^^ aber die Unterschei- 
dung zwischen „Überladung erogener Zonen mit Sexualstoffen" und „narziß- 
tischer Libidobesetzung der Organrepräsentanzen" schon in seiner ersten ein- 
schlägigen Arbeit „Zur Einführung des Narzißmus" getroffen, wo es heißt: 
„Jeder Veränderung in der Erogeneität in den Organen könnte eine Veränderung 
der Libidobesetzung im Ich", d. h. an den Organrepräsentanzen, „parallel 
gehen".^^ Und nur diese letzterwähnte „Libidobesetzung im Ich" kann Anspruch 
darauf erheben, „narzißtische Organlibido" im engeren Sinne genannt zu werden. 
Nach dieser Klärung bleibt noch eine weitere Schwierigkeit zu überwinden: 
Wenn die Theorie der Hypochondrie richtig ist, so muß sie auch für die organi- 
schen Krankheiten zutreffen, denn auch diese bringen, wie Freud gezeigt hat,^' 
eine Regression zum Narzißmus, eine Rückziehung der Objektbesetzungen auf 
das erkrankte Organ mit sich. Das Resultat: psychische Überbesetzung von 
Organrepräsentanzen auf Kosten von Objektrepräsentanzen — ist also bei Hypo- 
chondrie und organischer Krankheit gleich. Die Differenz liegt in der Genese: 
Bei der Hypochondrie können wir uns, wie gesagt, materielle „sexualstoffliche" 
Veränderungen am Organ als Konsequenz der primären psychogenen Über- 
besetzung der Organrepräsentanz vorstellen, bei der organischen. Krankheit muß 
die Überbesetzung der Organrepräsentanzen Folge der vorangegangenen 
materiellen Organveränderungen sein. 

Ferenczi nun hat gezeigt, daß es sich tatsächlich so verhält. Er hat in den 
„Pathoneurosen" eine Form von neurotischen Erkrankungen beschrieben, die als 
direkte Konsequenzen der durch eine organische Krankheit hervorgerufenen 
Libidoverschiebungen entstehen.^^ Und nun die neue Schwierigkeit: Ist es so, daß 
der Organismus zur Heilung eines kranken Organs, d, h. zur Steigerung seiner 

13) Freud: Über die Berechtigung von der Neurasthenie einen bestimmten Sym- 
ptomenkomplex als „Angstneurose" abzutrennen (Ges. Sehr. Bd. I). — Meine An- 
sichten über die Rolle der Sexualität in der Ätiologie der Neurosen (Ges. Sehr, ßd, V). 
— Siehe aber auch: Hemmung, Symptom und Angst (Ges. Sehr. Bd. XL S, 82). 

14) Ferenczi: Hysterie und Pathoneurosen. 

ij) Freud: Hemmung, Symptom und Angst (Ges. Sehr. Bd. XL S. ii4f). 

16) Freud: Zur Einführung des Narzißmus (Ges. Sehr. Bd. VL S. i6y). 

17) Freud: Zur Einführung des Narzißmus (Ges. Sehr. Bd. VL S. i6j f). 

18) Ferenczi: Hysterie und Pathoneurosen. 



64 

rain Psychische, die ,lä.„t^„^^S^^ '*' "^ T '""'^ ""= 
Eocrgie. ,ch.,f „„„„ l^„, Lde,rißlh "'"'", ™ ''" '«™ 
.»ngsfaho,, die n„zi8n,ehe „d„ IchlTÜdo f ?° '"'^™" ""'■"'- 
tische Libido, das is, ja „ich« Id , j "" '^''■■" N"" ™= »=«iß- 

Körper- und 0~, 1" "'""f .^ ^''<-''^^. '>s die Libido, die 
repr.se„,„„., bL,.'™: /"„l "J^' "","" »ObM-abido" Obieh- 
IcherhalMg ebenso ™ die «Jh 1. ^°'^" " '^ «l" t^'P^rWe 

Taus- sprich, also™?, TZ^ ™° T" ""If^"' ^"^ •l'»"«- 
logisch op.i:„aIe„ Libid„be,er„g d» o"L " ■^""''"if:- ~ P'ysio- 
S.»als»ffbese,z„„g Js auch „,1h t?, °° "^"^ "' materieller 

I>i^ Fo,ge„ der ..^Z^L'st:^^ ^T^: '" °'^«P.-«»n.« 
Forschung bekann, (Hypoehondri- T ?""' 'l''"™"8e„ sind de, klinischen 
pathologische »Jj^Lit^lZlZ^'-Z"'^''" 7" »"- ='« 
Sesag. werden, Nicht iede F„rf j , ° ""'='' «'"«l" "«i" 

den von Kbrper.eilen nd D^l "« "^^ """S^"' "■■*' '"'" ^"•^™- 

.'.;™ solche Patholog.sche'raLSnrotlLt "''"'''/"' 

werden. Wir wissen, daß, wenn 2 R U ^. "^V'^Sanlibidobesetzung gedeutet 

Triebregung äußerlich nicLtTL^W "" ^""" ""^ Vorstdluns, eine 
libidinösen Besetzung en'ktd« tt 7' ""' ^" ""^'^ ^'""'^^ --^^^-^^ ^h- 
mit eine, hohen Li id e ratV^^^^^^^^ ''' ta„„ verdräng, d. h. zwar 

hohen G e g e n b e s e t z u n g an7er Man^ 7" "" t"'^^^""^''^"''^" ^^-'^ 
Phänomen läßt sich leicht aucri:.R IT""' "''^''"^''' ''^- ^^^ -''-'«'ge 
sind hier die Fragen rAbwehT u d"v d ""'''f'''" "^^'^""-" '^^^ 
für KörpersensibilLt und mI^ d J^ M ^f "^'^ ""^^ '^'^^ ^'^^^- 
und Aktualneurosen als auch rdi: d , 7 '^"' '^"''^"'" ^'^'^ ^rgan- 

falienden Karperhe..::;: Z l^^Z^l ^" '^! ^^^^^^ ^« ^^^'^ 
erforscht. allergrößter Bedeutung waren, noch allzu wenig 



«1 tI" ki Ob ^'f^T' '" ''"^''^"^"^ (^- S<=hn Bd. VI). 

J. /(";',). '^''^^ '^"^ Bee.„fl„ssungsapparat i„ der Schizophrenie. I„t. Z. f. 



Ps..A. V 



f. SrxivVxis?" °'-^-^^'''^«- Begleiterscheinungen der Triebabwehr. Int. 2. 



k 



65 

b) Aktuabeurosen, Patlioneurosen, Org-aimeurosen 

Nachdem wir so die libidotheoretische Auffassung der hieher gehörigen Neu- 
rosen behandelt haben, können wir uns jetzt in der systematischen Darstellung 
ihrer hauptsächlichen Erscheinungsformen kurz fassen: 

Von den Aktualneurosen ist die Hypochondrie als theoretischer Typ 
am klarsten herauszustellen. Realiter kommt sie selten als isolierte Aktualneurose 
vor, häufiger als komplizierender Faktor in das Bild einer anderen seelischen 
Krankheit eingesprengt, in leichteren Graden bei Zwangs- und anderen Neu- 
rosen, in schwereren bekanntlich bei sämtlichen Psychosen. Wir haben klar- 
gestellt,^ daß der Kranke, der über hypochondrische Sensationen klagt, recht 
hat. Seine Organe sind tatsächlich verändert und zwar durch eine voraus- 
gegangene Verstärkung des Narzißmus, die eine Überbesetzung der Organ- 
repräsentanzen und damit eine körperiiche Libidostauung herbeigeführt hat.^' 
Der Anlaß für eine solche Überbesetzung der Organe kann natürlich auch ein 
physischer sein. Bei einer gewöhnlichen organischen Erkrankung ist ja, wie ge- 
sagt, derselbe Mechanismus am Werk, doch sprechen wir von Hypochondrie 
nur, wenn keine entsprechende grobe organische Veränderung vorliegt. Auch 
dann noch könnte ein physischer Faktor zum Narzißmus zwingen, z. B. ein 
solcher toxischer Natura die Hypochondrie bei toxischen Psychosen ist von 
psychoanalytischer Seite noch nicht untersucht worden; über eine ev. toxische 
Natur der schizophrenen und depressiven Hypochondrien wäre an anderer 
Stelle zu sprechen. Für uns werden zunächst die Typen von Hypochondrien 
wichtiger sein, bei denen die pathogene Regression rein psychischer Natur ist. 
Solche psychische Ursachen können hier dieselben sein, die auch sonst Anlaß 
zu narzißtischer Regression abgeben, wie wir ja tatsächlich Hypochondrien 
meist im Bilde narzißtischer Neurosen auftreten sehen. Wir können nicht die 
für Schizophrenie und Depression bedeutungsvolle Lehre vom Narzißmus hier 
zur Gänze besprechen"^ sondern an dieser Stelle nur erwähnen, daß von allen 
den ursprünglich objektlibidinösen Regungen, die von den Objekten auf die 
eigenen Organe rückgewendet werden, die feindseligen und sadistischen für die 
Hypochondrie eine besonders hervorragende Rolle zu spielen scheinen. Die 
Hypochondrie entspricht dann „einem das eigene Ich gewendeten Sadis^ 

mus und kann gleichzeitig vom Gewissen wegen der ursprünglichen Objekt- 
^^^^.^^^^^^S'^^^^ ausgehende Straf bedürfnisse und „gegen das Ich gewendete*' 
masochistisch-libidinöse Bedürfnisse befriedigen. 

Man muß bei der Hypochondrie unterscheiden zwischen hypochondrischen 
Sensationen und hypochondrischer Angst. Gewöhnlich treten beide bei ein- und 

22) Freud: Zur Einführung des Narzißmus (Ges, Sehr. Bd. VI. S. 166 ff). 

23) Siehe mein Buch: „Perversionen, Psychosen, Charakterstörungen." 

5 F e n i c h e 1, Hysterien und Zwangsneurosen 



6^ 



einer narzißtischen zLndun;! den e r."' "° '" °^^'^^^"^^^ "«^ 

-an an die isolierte überbesetz 1 der T" TT'' '^' '^^^ ^"^^^ --^^ 
r«p. an die ihnen entgegeng I\t h "^^^^^^^ Organrepräsentanzen 
chondrische Selbstbeob h .!^^^^^^^^ '^^^"^ '^^ ''-^-^^ ^ypo- 

Gegenbesetznng sein .ie die SelbstLob 1^; Z ^ '^''T'' ''' 
Depersonalisierten. Bei den sensationellen ZLnsl^PTT'" "'^^ 
quenz eingetretenen Veränderungen an den O ,. '^'^ ^°°'*- 

psychische Bedeutung der hypo hondrL a ''T "^'"'' -«^ntlicher. Die 
in überraschend Warer und ^^J^T^^r W '"/r ^''^ ''^^ ^«^^'^^ «^^ 
^er Regel entstellte (.asochistil ^^^^^^^^^ "^f-"^ ^^^ ^ie ist in 
innere etwa an die Fortsetzung A " T°^ ^""^^ Kastratxonsangst. Ich er- 
Brunswick-- . /""""""'^S/^^ Analyse des Wolfsmanns von Macfc 

wl^n^Zt^nThe::^^^^^ .^^ ^^^^ ^^ Verschiebung der 

folgen. In tiefster Schicht s're nt dabe TTt ""''"^'" ^ ^^"^^^^-«^ -- 
von ausschlaggebender Bereutul W ''"'^"^^'""^ '^^ Introjektion 

feindliche Regungen L^^^Z ^ 'Z"'^ '^^Z ''''^''' ''''-'' 
im Unbewußten diese Zuwendung als Zi^tT Tf ^ '''''"' '"^ ''' 
-le oder respiratorische) IntroiLin XhT L't' h^^ ^^''^^- 

Organ repräsentiert in, Unbewußten nicht nur de AT ''""^^^ 

gleichzeitig das aus der Außenweh in d S^f-hrdeten Penis, sondern 

ambivalent besetzte Objekt "''"'" "^''^'^ aufgenommene 

und (strafender) Kastration, in nächster von Hv t .'"'"'' ^°" Hypochondrie 
befnedigung (Schwangerschat), in tS^r T v^IT J"^ ""' ^^"''"'«^' ^exual- 
und ,„troj«iertem Ob;ekt, dl übeMch I cTe '^^'"^^""''T'' ^^^^'-»^'» Organ 
«achte, war nicht nur kranker Penis und als nL ^--u ^'°"'''" ^" ^^^''^ff^« 

^.rriticf rrL'::%:lt ""™ -"-■ °-" --'■■ 

^4) Mack-Brunswirlr- T?;« tsjl ^ ^ " ' — ' 

».) P.nr.t,,, Ob., ,.pi„„,i^. ,„,„.,„„,, ,^,^ ^^ , ^^^^^ ^^__ ^_^^_^^ 



r. 
jiziertem Objekt wurde von Simmel nachgewiesen. So schreibt er: „Das 
introjizierte Elternsubstitut ist zum Krankheitsstoff geworden, dessen man sich 
zu Genesungszwecken entäußern muß" und spricht von der Möglichkeit, daß 
ein Organ diesen Stoff repräsentiert,^^ , 

Schmerzhafte Sensationen wk Krankheitsbefürchtungen können auch bei der 
Konversionshysterie auftreten, und es wird Fälle geben, bei denen es mehr oder 
minder der Willkür überlassen bleibt, ob man sie der Hysterie oder der Hypo- 
chondrie zurechnen will. In der Regel wird man den ausgesprochenen Hypo- 
chonder unschwer vom Hysteriker unterscheiden und zwar an den Charak- 
teren, die die direkte Konsequenz ihrer libidotheoretischen Differenz sind: Der 
liypochonder trägt sein narzißtisches, weitabgewandtes, monomanes Wesen deut- 
lich genug zur Schau. So ist die Hypochondrie ein Gebiet des Übergangs von 
leichten hysterieähnlichen zu schwer wahnhaften, zweifellos zu den Psychosen 
zu rechnenden Formen. 

Die aktualneurotische Angst ist leichter verständlich. Wir erwähnten, daß 
Freuds Fund zweifellos zu Recht besteht, daß es inhaltsleere Angstanfälle 
und vegetative „Äquivalente" bei chronisch gestörtem Orgasmus gibt, die nach 
Abstellung des sexuellen Abusus schwinden. Allerdings ist fraglich, ob wir 
häufig von solchen reinen „Angstneurosen" werden sprechen können, ob nicht 
vielmehr meist die chronische Störung des Orgasmus, die die Angst verursacht, 
ihrerseits Folge einer psychoneurotischen Störung ist. Wie wir uns die aktual- 
neurotische Angst vorzustellen haben, darüber kann nach dem, was wir in dem 
Kapitel über Angsthysterie ausführten, kein Zweifel sein: Es ist die reine Es- 
Angst, dieselbe, die der hungrige Säugling empfindet. Die gestaute, an der Ab- 
fuhr gehinderte sexuelle Erregung ist für die Psyche die traumatische geburts- 
analoge „Erhöhung der Bedürfnisspannung". Hier ist keine Rede von einem 
vom Ich abgegebenen Angstsignal, sondern die durch die sexuelle Unbefriedi- 
gung gesetzte „Bedürfnisspannung", die Überschwemmung mit infolge der 
Stauung toxisch wirkenden Sexualstoffen schlägt automatisch in Angst um. 

Reich hat darauf aufmerksam gemacht, daß es während der sexuellen 
Erregung typische vegetative Erscheinungen gibt. Im normalen Sexualablauf 
werden offenbar solche vegetative Besetzungen in genitale verwandelt und 
genital abgeführt. Bei gestörtem Orgasmus unterbleibt dies, das vegetative 
System bleibt überbesetzt, was die Erscheinungen der Aktualneurosen, insbe- 
sondere die Angst der Angstneurose bewirkt'^ wir möchten hinzusetzen, indem 

26) Simmel: Doktorspiel, Kranksein und Arztberuf. Int. Z. f. Ps.-A. XII (1^26). 
— Für ein bestimmtes „Organ", nämlich den Intestinalinhalt, wurde die Gleichsetzung 
mit dem Objekt schon erkannt und genetisch verstanden in „Die psychophysische Be- 
deutsamkeit des Intestinalorgans für die Urverdrängung". Vortrag auf d. VIII. Internat, 
ps.-a. Kongreß in Salzburg. Autoreferat. Int. Z. f. Ps.-A. X (1924). 

27) Reich: Die Funktion des Orgasmus. S. 69 ff. 

s* 



62 



Am unbestimmtesten ist noch das Gebiet der mir W.r M i. j ■ 
Angstneurose nahe verwandten neurastheni chen llSnunl I "' 

müssen sie ebenfalls als Folgen der Dhv«\.t, ° J;«'=^«nungen. Im ganzen 
seits wieder Folge einer VsM r^ . ^xbidostauung, die aber ihrer- 

aWn Formen LI 0^^ Ter A^t ^^" '^""l ^"'^^'^'^ ^-''^ '^ 
vegetativen Überbesetzung au^Wn TT"- T'''^' ^^^ ^"^'^"^'^^ ^^^ 

.- A.g„ drinle" ^7°7™"- *» "«l". <i.ß »aad,. P,d„L 

.e.„ Ge..,. p4tt;Lt „::;s ctt^ -"r- ""'™ 

die chronische Neurasthenie der 7. ^ ' ^^"t^^^^^^ ^^r, daß 

hören im Gegensatz t'^^^ ^-'^^ - Vielleicht ge- 

Entwicklungsstörungen Lher d e ^/"'TT'" ^'' "^""^" ^^''^^•--" 
Stufe und somit keinen J Va- 1 ^"'^"* '''"^^"P^ ^"^ P^^^^e 
genitalität Z nicht Ko''" ^.'^^P-'^o-Pl- entwickelt haben, deren Prä- 

die schwere lasthenthe'Er"' "'' ''" «^'^-^^^'---he Sexualstörung ist 
werden), ihr 2cS;c^^^^ Inh^; " V°u ^f'' ''' ^''' '^""'^ -«^^^ ^P-''- 

schen Neurasthenikern Ona nisten ^7 'u " "'^ ""'" '^'=" '=^™°'- 
infolge ihrer orgastischen i:^Z ltor^:1:::T "^1'''^' ?''''' 
neurotischen Beschwerden verantwortlich TZZ^ tu^j''' •^'"^^■ 
die Form ihrer Onanie zu analysieren um T i ^ ^'""^' ^'' 

zu erkennen." Ihrer On^J Z u 1 ^^''"' Prägenitalen Gehalt 

nungen genital aSuf^re S^^^^ ^^r' ^T"^^^^^ ^^- 

3:) Re.ch: über Spezifität der 0„aniefor«e„. I„. Z. f. P.-A. VIII (.,..). 



warum die „Zwangsonanisten" und ihr extremster Grad, die „Onaniesüchtigen" 
so ^ oft chronische Neurastheniker sind.^^ Dieselbe innere abfuhrgehemmte 
„Libidostauung" ist dafür verantwortlich, daß der Neurastheniker durch die 
ewige innere Unruhe konzentrations- und so oft arbeitsunfähig wird. 

Wir verstehen nun, daß einerseits die durch Störungen des Orgasmus be- 
dingten Aktualneurosen eine indirekt psychische Ätiologie haben, indem es ja 
meist der als infantil aufgefaßten Sexualität entgegenstehende Angst- und 
Schuldgefühle sind, die den Orgasmus stören, daß andrerseits alle Psycho- 
neurosen ebenfalls „libidogestaut" sind, weil ihre eigentliche Sexualität verdrängt 
und nicht abfuhrfähig ist.^^ Deshalb erscheinen in den Komplikationen der 
Wirklichkeit aktual- und psychoneurotische Symptome so oft nebeneinander, 
so daß die schroffe Gegenüberstellung von Aktual- und Psychoneurosen oft 
ein allzu theoretisches Gesicht zeigt. 

Die Frage nach der Indikation der analytischen Behandlung ist bei den 
Aktualneurosen bereits viel problematischer als bei den Hysterien. Bei den 
seltenen akuten aktualneurotischen Störungen, deren auslösende Ursache sich 
scheinbar bei einer einfachen Exploration ermitteln läßt, wird man, wenn an- 
gängig, die Ursache abstellen, und so weit sich dies überhaupt bewerkstelligen 
läßt, rasch Erfolge erzielen. So weit diese Ursachen in unveränderbaren äußeren 
Realitäten verankert sind, wird allerdings therapeutische Hilfe kaum möglich 
sein. Anders bei den schwereren und chronischen Formen; insofern sie eben- 
falls Folgen der infantilen Triebentwicklung sind (Regression zum Narzißmus), 
müßte prinzipiell die analytische Therapie am Platze sein. Aber man erkennt 
sofort, worin sich eine solche Behandlung von der einer Hysterie unvorteilhaft 
unterscheidet: Die chronischen Aktualneurosen sind nicht mehr zu den „Über- 
tragungsneurosen" zu rechnen. Je hysterieähnlicher sie sind, desto besser die 
Prognose, je mehr der Narzißmus vorherrscht, umso zweifelhafter, unsicherer 
und therapeutisch unbrauchbarer sind die Übertragungserscheinungen. Die 
schweren hypochondrischen Formen unterscheiden sich in ihrer Beeinflußbarkeit 
kaum mehr von richtigen Psychosen. Aber selbst wenn dies wegfiele, stößt man 
bei chronischen Neurasthenien auf eine weitere Schwierigkeit, auf die Reich 
nachdrücklich aufmerksam gemacht hat:^* Die neurotischen Störungen des 
Libidohaushaltes sind umso leichter im Sinne eines normalen Genitalprimats 
zu beseitigen, je mehr dieser Genitalprimat in der Seele des Betreffenden bereits 
vorbereitet, sozusagen „gebahnt" ist. Das macht die gute Prognose der Hysterie 

32) Näheres darüber im Kapitel „Perversionsähnliche Neurosen" meines Buches „Per- 
versionen, Psychosen, Charakterstörungen". 

33) Reich: Die Funktion des Orgasmus. S. 18 ff. 

34) Reich: Weitere Bemerkungen über die therapeutische Bedeutung der Genital- 
libido. Int. 2. f: Ps.-A. XI (1925). 



70 



aus; hier ist der Genitalprimat ja bereits vorhanWpn UUa j • r m 
m.B aufgegeben .erden. E^sJecHend w^dt t ' Wn l^^r zf ^ 
neurose umso eher .u heilen ist, je deutlicher in ihrer Kif ,?^" 

vor der verhängnisvollen Regression eine pt li che Isf ^^^^^^^ 
war. Die chronischen Neurastheniker sind nun abe S M T T'^'"'" 
rade diese kindliche Genitalitä, an die die spLt Tht C"' . ° ^" 

gan. oder fast gan. fehlte. So erscheint ^^1 P^ Isl d: T T '^t 
chronischen Aktualneurosen in nicht allzu .fin..- \ f °'' '^"'^ ^""^^y^ l»« 
Entscheidung ie nach den Un:tfnde " l^^^^^^ ""'^ ^l^" ^^^ ^'^ 
fantile Genitalität) treffen, die ev erst .n. ,•• ^^''''^S^^^^^'^^^Sküt, i„- 

werden können. Für die IndLl . "^'"'^ Probeanalyse eruiert 

allem der Umstand sprhen daß ^"':^ ^\^--f^«^^f*- Fällen wd vor 
- .ei bestimrnlZ - ^rh^: ^J-^- ^^^^^^^^ - 

un..ekehrter Richtung ab. ^^ J:: :^:^^Z^r:^ f^^J^ 

•Wir, wie eine psychische TTr.^.^ ^ J^^rmen der Hypochondrie sahen 

P»du.i„„.. Bei d» P,U. Z t":"-."!""" "7"«* ''"""°°« 
dazu .winp. das be.„ffe„d. 0,5«, 1 ,2. t! J " *! ""»* 

Hoh.,bo„„„g .„„„„„„ „ ,^ ° .""■ ™ f =P™«nM^ m,, besonderer 

-be„ i. ^L^ZrllZ^'^^T'''."^ Obiek.bese..„„,e„ enc 

:nit rr:z?t%™ -- 7 «. ~t:e r: 

Krankheiten" wäre die in de/p • u "P'^^^'^^Senen Entstehung organischer 

Frage bedeutsaZ ob d n dTAllr T 7 ['^^^"'^ ""^^'^^^^""^ ^- 
organischen Krankheiten I psycht er Kot£^^^^^ Zusammenhänge der 
Hypochondrie oder dem der plZ ^°f '^^'^^ "^'^^ '^'^ Typus der 

llllLl^'v'' Zur Einführung des Narzißmus (Ges. Sehr Bd ^^TTITI^ 

ver^nlSSi^^riTo^t ^^}^^ ^L^^L. sehr 

Ps-A. VIII (19«), Der gesunde und rfJ. TT J?' ""''. «'•S^nkrankheiten. Int. 2. f. 
tüng. Int. Z. f! P -A. XII fiSörGroHr l^T^f P^X-^ho^nalytischer Beleuch- 
schen im Menschen. Int 2. f pf-A VH (^Vo) ^ '''' ^'y'^^'^-^r^^ des Organi- 



71 

Natur solcher Überbesetzung erkrankter Organe mit der Begründung ange- 
zweifelt, daß es doch nicht angehe, bei einem psychisch normalen, nur etwas 
egoistischer oder eigenwilliger gewordenen Menschen denselben Mechanismus an- 
zunehmen, der den Psychotiker charakterisiert, nämlich die narzißtische Regres- 
sion. Darauf ist zu erwidern: Die psychische Veränderung des kranken Men- 
schen hat insofern tatsächlich mit den Psychosen mehr Ähnlichkeit als mit den 
Neurosen, als die Abwendung von der wirklichen und phantasierten ObjektweJt 
hier wie dort eine Rolle spielt. Der Unterschied ist allerdings ein sehr erheb- 
licher, erweist sich in der Theorie aber als bloß quantitativer Natur: 
Der Kranke hat nur einen kleinen Teil seiner Libido dasselbe Schicksal er- 
fahren lassen, das der Psychotiker fast seiner ganzen Libido bereitet. 

So wird ohne weiteres verständlich, daß die eigentlichen Pathoneurosen, 
d. h. über die normalen psychischen Folgen einer somatischen Erkrankung 
quantitativ hinausgehende psychische Folgen organischer Krankheiten, ebenfalls 
psychoseähnlichen Charakter tragen. Wir haben hier wiederum ein 
Übergangsgebiet von der Hysterie zur Psychose vor uns, deren meiste oder 
wenigstens deutlichere Vertreter dem psychotischen Pol näher stehen. Man wird 
weiter begreifen, daß Menschen, die zur narzißtischen Regression neigen, die 
auch sonst Zeichen von erhöhtem konstitutionellem Narzißmus bieten, auch am 
meisten zu Pathoneurosen neigen; ebenso, daß sich Pathoneurosen am ehesten 
nach Erkrankung solcher Organe einstellen, denen eine besondere narzißtische 
Besetzung zukommt: Genitalien, Gehirn. Wahrscheinlich gehört ein Teil der 
postoperativen akuten Psychosen hierher. Ferenczi und Hol los haben 
es sehr wahrscheinlich gemacht, daß auch ein gut Teil der Symptomatologie der 
dementia paralytica nicht direkt Folge des degenerativen Hirnprozesses ist, 
sondern indirekte pathoneurotische Reaktion auf die Selbstwahrnehmung des 
organisch bedingten Nachlassens der Gehirnfunktionen .^^ Den häufigen akuten 
Psychosen nach Verstümmelungen u. dgL, deren Funktion, die Abweisung der 
unliebsamen Realität, überdeutlich ist, und deren Symptombild vom Kampf 
zwischen Leugnungsneigung und Wahrnehmung beherrscht wird (Projektion 
etc.), liegt ebenfalls eine narzißtische Regression von pathoneurotischer Art 
zugrunde, nur ist diese psychisch weiterverarbeitet.^^ 

Was die Frage der Behandlung der Pathoneurosen anlangt, so haben viele 
von ihnen, entsprechend ihrem libidotheoretischen Charakter, akuten Verlauf, 
heilen also nach kurzer Zeit von selbst. Die Analyse solcher Fälle hätte also 
nur (gewiß recht bedeutendes) theoretisches, aber kaum therapeutisches Inter- 
esse, Bei schwereren Formen, die in chronische Psychosen übergehen, kann 

37) Ferenczi und H o 1 1 6 s: Zur Psychoanalyse der paralytischen Geistesstörung. 

38) Siehe Freud: Neurose und Psychose (Ges. Sehr., Bd. V), ferner 2. B. Brill; 
Unconscious Insight. Int, Journ. of Ps.-A. X (1929). 



72 



man nicht mehr von eigentlichen „Pathoneurosen" sprechen ,o A 

durch organische Krankheiten „pathoneurotisch« veran .ß t ^ ™, •^''^ 

Psychosen. ^craniaisten nchtigen 

Hypochondrie ausg^sparnt^" sl7 W Diffef '" Konversionshysterie und 
die Aufgabe haben, zn entscheiden X ff "^^"^"^"^2 ^^'^ -Iso zunächst 
einer Organneurose' We;^ ^t A^l 17""^^^^^ 
Beziehungen, also Wersionssymptom^ 'd""™ 'f"''" '^^"^^- 
Ersatz aufgegebener Objektbeziehungr """"^ "'"" narzißtischer 

Fangen wir mit den hysterieähnlichen Formen an Wir h.K . 
sprochen, w.e mannigfache Umstände die OrZvI" dl K • T ^" 

best„: Somatisches Entgegenkommen, ^'l^^l t an^rS-""^""^ 
partielle prägenitale Fixierung und die r J '^'^'f ^^' "^^ ^°*'^« Historik. eine 
-r symbolischen Anspielung. In allefdi^r'S-l " "^^'^^^^^^ Organs 
den ein Organ über alle andel W T '"^''" ^^°° "«^^ Umstän- 

nur an einem einzigen C^rCnerbl^^^^^^^^ . T' '^' ^^^ »>^-- -^ 
üblich, von Organn™ i: "^ ^^^i^ 5 'f^" '^ ^^ ^'^'^^'^^ 

sierte Konversionshysterie. ^ "^^""^ '^'^ Bezeichnung: J,okaIi- 

neu^^t;^r- ---^^^^^^^^^^^^ -r .«. „Herz- 

versionshysterie nach Ferenc^; r °*V '""^ ^°^' ^"^ «a« bei der Kon- 

Patient berichtet, daiS ^ 1^:^.1' fZ^^T'VT'r ^'" ^^ rotifcW 
Herz imnier größer, die ganze B ust Lte;stetfJ°'^K^^^^ ''^^^' ^^^ ''- 

fast unerträglichen Höhepunkt auf efnmarabb .1 A "^ ! ,'^'" *" ^'"^"^ S^'^'^^^« 
Herz nieder ..-^en/chrumpfe^ örkl^f ^f /^^^^^^^^ ^"«'-^ -^ d- 
der erxgiert wird und schließlich zur EjaSSn ko . •'. '^"^ ^^"'' ''^'^^^»«. 

™it infantilem Material gegeben werd« kotr? T :, '''' ''''" '"^ Zusammenhang . 
darauf berichtet er: Die SensatiLr • , ' "^'"" ^^' P^"^«» an. Einige Taee 

Würdige andere eingestellt'Tr„r7as^SS;":f \'f ^ ""''' '"''^ -^ -''- 
und irgend etwas in sich aufnehmen möchtfwa^ U ''•"''" auseinanderbreche 
frühere Wachsen und Schrumpfen. sT konnte daTH "' "'"^''' ''"''^"^ -' ^'^ das 
bisexuellen Charakter annehmen, sowohl da^ 2" pl""" Symptomatologie einen 
Gemtale darstellen. "*' mannhche wie auch das weibliche 

Analoges ist selbstverständlich an allen n,„ 
Magen-Darm-Neurosen, deren OrganwaWHT •'''''"'" "'''^''^' '^ ^^ ^'^ 
stimmt wird. Solche präeenita fn ""' "''"'■^"^^^ P'^^«""? be- 

^- Sinne, daß die ^SS^^ ^^^ ^Z """ "^^^^ "^ ^° 
Symptomen auftreten, sondern auch in T 7^ '^ ^'''^ Konversions- 



71 



rakteristiken regressiv an ihre Stelle treten und nun in Konversionssymptomen 
sich äußern. Solche richtigen „prägenitalen Konversionsneurosen" mit — im 
Gegensatz zur Hysterie — voller Regression stellen z. B. Tic, Stottern, 
Asthma bronchiale dar. Wir werden auf sie zurückkommen, sobald wir bei der 
Zwangsneurose den Charakter der auch bei ihnen vorliegenden echten Regres- 
sion studiert haben werden. 

Dagegen wollen wir über die noch tiefer regredierten, hysterie-fernen Organ- 
neurosen, die also den Übergang zur narzißtischen Hypochondrie darstellen, 
noch einige Worte sagen. Es sind dies die eigentlichen, im Gegensatz zur Hy- 
sterie immer narzißtischen und schwer beeinflußbaren „Organneurosen". Die 
bei ihnen erkrankten Organe sind ebenso „libidinisiert" wie die der Konver- 
sionshysterie. Ihre Grundlage ist ebenfalls die allgemeine Erogeneität aller 
Organe und Funktionen, ihre Symptome setzen dort an, wo physiologische 
Funktionen sexuelle Bedeutung angenommen haben, wo ihr Ausüben (abzu- 
wehrende) sexuelle Lust bringt. Aber wir verstehen jetzt, wo der Unterschied 
liegt: Bei der hysterischen Form der Libidinisierung der Organe sind die unbe- 
wußten Objektbesetzungen erhalten geblieben, bei der anderen zwar nicht ganz, 
aber partiell aufgegeben worden, so daß das Hervortreten der Organe genau 
so wie bei den Aktualneurosen und Psychosen auf Kosten der Objektbesetzungen 
geschieht. Wie bei der Hypochondrie ist analytisch nachzuweisen, daß die Vor- 
gänge in den erkrankten Organen nicht nur den Sinn der libidinösen Befriedi- 
gung und der Kastration haben, sondern daß die Organe auch die introjizierten 
Objekte repräsentieren, und daß die Konflikte, die ursprünglich der Kranke 
mit Objekten der Außenwelt zu bestehen hatte, sich nunmehr intrapsychisch 
zwischen ihm und seinen Organen abspielen. Das bringt solche Fälle ganz in die 
Nähe der Melancholie, deren Inhalt ebenfalls ein narzißtischer Konflikt zwischen 
dem Kranken und den introjizierten Objekten charakterisiert. 

^ Ich hatte Gelegenheit, eine schwere vasomotorische Neurose mit angina pectoris- 
artigen Anfällen zu analysieren. Die Anfälle waren zum ersten Male aufgetreten, als 
bald nach dem Tode der Mutter der Patient die Nachricht von einer schweren Er- 
krankung des Vaters bekam.- Der infantil- narzißtisch an das Elternhaus fixierte, ohne 
Eltern lebensunfähige Mensch sah sich plötzlich vor der Gefahr des Alleingelassen- 
werdens. Die Pseudoangina pectoris nun hatte nicht nur den nahe liegenden Sinn der 
Identifizierung mit dem herzkranken sterbenden Vater. Der reale Vater verlor im Mo- 
ment der Erkrankung jedes Interesse für den Patienten. Er zog sich vollkommen von 
der Objektwelt zurück und lebte nur noch seinen Anfällen unter einer schrecklichen 
Todesangst. Er hatte den Vater introjiziert und fürchtete nun, von seinem Herzen 
so verlassen (getötet) zu werden, wie er realiter in Gefahr stand, vom Vater verlassen 
zu werden. Seine Einstellung zur Krankheit, die furchtbaren sadistischen Verdam- 
mungsworte, die er gegen sein Herz schleuderte, — während er sich in Wirkhchkeit 
passiv-masochistisch genießend seiner Krankheit hingab, spiegelte vollkommen seine 
mfantile Beziehung zum Vater wieder. In jeder Beziehung war das Herz zum vater- 



74 



repräsentierenden Über-Ich sewotden nr.^ ^* n 

dem Vater gehende Amli..^t^\::it'H^^:^ Td d" K 'S^° ''^^^-hende. 

ogie und Träume zeigten überLstimmutrSSrEÜn "'^^"'- ''''"P^°«^*°- 

mfantiler Einstellung zum Vater bis in aU^rkll^e Detair ' '" '^"'^^^" ""^ 

Solche tiefe prägenital-narzißtische hypochondrie h^w i ,.,•.. 
Mechan..en der Organneurosen scheinen ttTsoIoTf^^^^^^^ 
sonstigen vegetativen Neurosen ferner K "^^'^^^ ""^«»^^"h en und 
Haut häufig. ' '°'' ''" PSFchogenen Erkrankungen der 

Die Ähnlichkeit dieser Fällp mi*- ^^- i • i 

Dostojewski aufgedeckt hltl^rigtr:'^^^^^^^ "^^"^ ^^^ 

Epilepsie oder wenigstens die sogenLte hI . ^M "'• ""^' ^""^^ '^'^ 
der eigentlichen oder narzißti IT o »^^''^^^-^P'^'^P'''-" in dieses Kapitel 
Freudsche Auffassunrird "^^^^^^r"'"""" "°"'^«'>'=° --e.« Die 
^eichnetes S.ndro^I ^^l^l ^^k ^^^^ ^^ c^.aniscH vor.e- 

nisch, ein anderes Mal (Hystero Eoilei 7 t.'- ? ^™"''' ^^^^'P'''^) "^S^" 
ist so einleuchtend, daß " Ta^^ "^"l^^^^^^^^^ '"^^^'^'^ "^^'^^ ^-n»*" 
Analyse wird psychisch Z U-- ""^' ""^^^ ^^"^^I- tann. Eine 

auch'rein org::^!:^^;™^^^^ -f'^-W da Ja 

we.den b.w. pathoneuro LheFlg "n hXn dI ^T^^ '"^^"^^^ 
sehen Ende der Reihe einzuordnen sind^Te^denJh^ t T ^^^•=''- 

des epileptoiden Syndroms entsprechend tief er 7^L "1""^'" ""'""^ 
verankert sein als die eigentliche^Konvel^tL fso ^Jß ^ 
gorie der Epilepsie wohl am besten als Or.. T ° '*'"" ^"'- 

^i-n wird. Daß eine solche Zl:^TSZj''^ffr^-' 
ungeheuren, gegen das eieene T.I, j »^enirns meist Ausdruck einer 

Ä wa, Ute dia Ü! rt T- '"""" '■' "^'"»'-i '- „e 



7% 



sein. Bei der Epilepsie endlich wird das Hauptstreben der Probeanalyse darauf- 
zu richten sein, festzustellen, wie weit überhaupt eine Organneurose vorliegt, 
d. h. man muß das relative Gewicht der beteiligten organischen und psychischen 
Faktoren abschätzen. Das ist gewiß nicht leicht. Exakte Kriterien hiefür lassen 
sich noch nicht angeben. 

c) Hemmungszustände 

"Wir haben erfahren, daß das hysterische Symptom Ausgang eines Trieb- 
konfliktes ist, der Wiederkehr der verdrängten infantilen sexuellen Regungen aus 
der Verdrängung, seine Entstehung verdankt. Freilich waren an der Symptom- 
bildung auch die abwehrenden Kräfte beteiligt, doch schien im allgemeinen die 
Befriedigungsbedeutung über die Abwehrbedeutung zu prävalieren. Wir werden 
hören, daß das bei der Zwangsneurose anders zu sein scheint. Bei ihr 
springen Symptome mit Abwehrbedeutung in die Augen. Aber auch sie werden 
ergänzt durch Symptome, die entstellte Triebdurchbrüche sind, oder enthalten 
selbst einen verborgenen Befriedigungscharakter, so daß die Wiederkehr des 
Verdrängten doch auch hier wesentlich zu sein scheint. Aber denken wir jetzt 
an zwei^ andere Typen von Symptomen, die wir bereits kennen gelernt haben. 
Wenn sich eine Phobie entwickelt, so konnten wir dabei zwei Stufen unter- 
scheiden: Nach der Sexualisierung der harmlosen Funktion (z. B. des Gehens 
auf der Straße) entstand zunächst Angst bei jeder Situation, die an die an- 
stößige Funktion gemahnte. Erst dann entwickelt sich, um dieser Angst zu ent- 
gehen,^ der eigentliche phobische Vorbau: — der Kranke vermeidet einfach die 
Situation resp. die Ausübung der Funktion, durch die Angst entstehen würde. 
Diese zweite, eigentlich phobische Symptombildung bei einer bestehenden 
Angsthysterie ist leicht zu verstehen und braucht zu ihrer Erklärung keine 
weitere Heranziehung des ursprünglichen Triebkonfliktes: Das Ich, das ja über 
die Motilität herrscht, und das die unangenehme Angst zu spüren bekommen 
hat, unterläßt einfach die motorische Aktion und entgeht der Angst; ein Vor- 
gang, der als sich ganz im Ich abspielend gedacht werden kann, den wir als 
einfache Hemmung bezeichnen und der in dem Fall der Phobie erst nach bereits 
ausgebildeter eigentlicher Angsthysterie einsetzt. Es ist natürlich auch denkbar, 
daß es dem Ich in anderen Fällen gelingt, sich unangenehme Konflikte zu er- 
sparen, indem es von vornherein die in anstößiger Weise sexualisierte Funktion 
hemmt, deren Charakter es durch die ihm zukommende innere Wahrnehmung 
kennt. Freilich werden wir — genau wie - bei der Verdrängung — fragen 
müssen, auf welche Art das Ich solche Nichtzulassung zur motorischen Aktion 
ins Werk setzt. 

Zweitens erinnern wir uns an ein Konversionssymptom, das auch bei anderen 
Neurosen als bei der Hysterie vorkommt, an die psychogene männliche Impo- 



7« 



tenz. Nehmen wir einen einfachen Fall: Die Analyse hätte ergeben, daß der 
Mann an der Angst leidet, seinem Glied könnte in der Vagina Schaden ent- 
stehen; sem Ich fürchte diesen Schaden und wolle deshalb die Triebhandlung 
d:e das Es verlangt, den Geschlechtsakt, unterdrücken. Es ist klar, welche 
Funktion ber das Symptom hat: von einer „entstellten" Befriedigung durch 
d.e Impotenz kann kerne Rede sein. Die Impotenz ist eine körperKcL Ver- 
änderung von den abwehrenden Schichten des Ichs ins Werk gesetzt, die ver- 
hmdert, daß eme für gefährlich gehaltene Triebhandlung ausgeführt w rd Di 1 
Scbchten des Ichs smd natürlich die tiefsten, Es-nächsten. die, in denen d 
Kastrat.onsangst sitzt, und denen zum Zwecke der Triebiwel^ noch Inne 
vannen zu Gebote stehen die der WiUkür entzogen sind. Man kann ^Z: 
läßt Sit älll Vr l''''"^^^''--^ f- gefährlich, unter- 

Wenn wir die Definition des neurotischen Symptoms als entsteUte Sexual 
befneigung, also als Durchbruch des Es ernst nehmen, so ist ein solch 1 
Potenz, deren Psychogenese sich lediglich im Ich abspidt (allerd^^gs natMTh 
-h gegen Regungen des Es wendet), kein neurotisches S^Lpto^;^: J' 
J.e er von emer Hemmung". Es ist zu erwarten, daß besonders die .ichern- 

hy^tenschen Symptom mcht :mmer scharf werden trennen lassen. Auch dafür 
haben wxr bereus ein Beispiel erwähnt: Dysfunktionen der Muskulatur beson 
ders von hypertonischem Charakter, können, sagten wir, nicht nur n hyrri- 
schem Smne etwa die Erektion bedeuten, sondern auch die Neigung zu 2. 
memer motorischer Hemmung anstößiger Triebregungen (z. B vers hobene 
Sphinkterenfunktion) ausdrücken. s 6 V ß. versciiobene 

„Hemmungen" können sowohl neben neurotischen Symptomen aller Art als 

LL:«:! ~ '^"^" ^^~ ^-^ ^- Wanten u 

variablen Hemmungen müssen wir auch beim Normalen annehmen. Hier kann 

es sich nur um die Besprechung solcher Fälle handeln, bei denen ein oder 

Krtr-r,r' '''T^''' ^^^^^^'^ '^^ ^--^-^^ eines ^y h gent 
an dt Hvt T ?^ '^'^^"^-^-°"-- '•-- FäUe schließen sich 

an d:e Hysterie an; es gibt aber auch solche, die sich mehr an Organneurosen 
Zwangsneurosen und Psychosen anschließen. nneurosen, 

Eine systematische Darstellung der für das Ich möglichen Hemmungs- 
und w'\v"" '"^'^' ^"^'^' ^''' P^^"^ •'--^ «- -Iche gegeben hat 
und wir ihn hier nur zu referieren brauchen.« 

I) Menschen im akuten Verdrängungskampf, d. h. Menschen, die es nötig 
42) Freud: Hemmung, Symptom und Angst (Ges. Sehr. Bd. XI. S. 23-27). 



77 



I 

haben, fortwährend an sie herantretende innere Triebansprüche oder Ver- 
suchungen abzuwehren, benötigen dafür einen großen Aufwand. Sie verwenden 
ihre Energie für die Gegenbesetzung; es bleibt nichts übrig für die Ichfunktio- 
nen. Sie kommen in einen Zustand von „allgemeiner Hemmung aus ökonomi- 
scher Verarmung". Das Ich will gar nichts mehr tun, weil es alles für eine 
innere, stille, zehrende Aufgabe verwendet. Manches von dem, was man in der 
Praxis „chronische Neurasthenie" oder vor allem „Erschöpfungsneurosen" 
nennt, wird hieher zu zählen sein; ebenso manche allgemeine Arbeitshemmung, 
auch bei Kindern; es ist klar, daß es von hier aus Übergangsfälle zur Hebe- 
phrenie geben wird. 

2) Es gibt Menschen mit einem besonders intensiven, aus dem infantilen 
Sexualleben stammenden Schuldgefühl, die immer ihrem Gewissen Abzahlungen 
leisten müssen. Es geht ihnen sozusagen nur gut, solange es ihnen schiecht geht. 
Die von Freud geschilderten Charaktertypen derer, „die am Erfolge schei- 
tern"*^ „der Verbrecher aus Schuldbewußtsein"** und schließlich der moralische 
Masochist überhaupt,*^ sind die extremen Vertreter dieser Typen. Sie dürfen 
von ihren Begabungen, den Möglichkeiten ihrer Veranlagung und ihres Cha- 

, rakters, nicht Gebrauch machen. Sie hemmen ihre Funktion, deren Betätigung 
zu Erfolgen führen könnte. Solche Hemmungen befriedigen einen vom Über-Ich 
an das Ich gestellten Anspruch. 

3) Die meisten Fälle werden dem für die Phobie gültigen Typus angehören: 
Das Ich hemmt eine Funktion, wenn es aus unbewußten Motiven sexuelle Re- 
gungen abzuwehren hat, und wenn die an sich harmlose Funktion durch Ver- 
schiebung sexuelle Bedeutung angenommen hat. Die Tätigkeit wird dann deshalb 
gehemmt, weil ihre Ausübung eine sexuelle Lust brächte, der die Abwehr eigent- 
lich gilt. Was bei der Impotenz direkt an der sexuellen Funktion geschieht, 
geschieht hier an der verschobenen sexuellen Funktion. Freud sagt diesbezüg- 
lich: „Wir haben ganz allgemein die Einsicht gewonnen, daß die Ich-Funktion 
eines Organs geschädigt wird, wenn seine Erogeneität, seine sexuelle Bedeu- 
tung, zunimmt. Es benimmt sich dann, wenn man den einigermaßen skurrilen 
Vergleich wagen darf, wie eine Köchin, die nicht mehr am Herde arbeiten 
will, weil der Herr des Hauses Liebesbeziehungen zu ihr angeknüpft hat. Wenn 
das Schreiben, das darin besteht, aus einem Rohr Flüssigkeit auf ein Stück 
weißes Papier fließen zu lassen, die symbolische Bedeutung des Koitus ange- 
nommen hat, oder wenn das Gehen zum symbolischen Ersatz des Stampfens auf 
dem Leib der Mutter Erde geworden ist, dann werden beide, Schreiben und 

43) Freud: Die am Erfolge scheitern {Q^%, Sehr. Bd. X). 

44) Freud: Die Verbrecher aus Schuldbewußtsein ißts. Sehr, Bd. X). 

45) Freud: Das ökonomische Problem des Masochismus (Ges. Sehr. Bd. V). 



78 



Gehen, unterlassen, weil es so ;<:f oU «k i- 

.io~n, M „ich, .i„= „e„„li,t, v3S„ " ? '^ =»»h.„dea Fmk- 

.0.., .. H.,ch„ ^^.JLTsr,::^^^zT'-"' 

einiges zu bemerken: genetischen Typen ist noch 

^Jzj::':Ii^£^ :;~^ r— - ^^«-ischer ve. 

»Erschöpfungsneurose- Lt ; ii^^^^^^^ '''™^" ^^''^ ^^ ^»^-n, der 
eine einzelne erlebte Situa^n d 1 ^rnaW V""" ''='^'=^^^ "'^^ ^'^'^ 

erfordern, und schwinden, sobald dleT^hrr-^"'^ Jerdrängungsleistung 
geändert hat. Die chronischen Foren te'- "'""V" "/^^ '"^ Situation sich 
verdrängte Regung auf Kosten der ^^ l^t T"^""'^ ^ «^"^^^ Lebens 
halten haben, bei denen also nur J- T ' '" P™Iichkeit niederzu- 

-.er durch seine V^^ZZ^^'^:rZlTft ''^ ^^ 
nung tritt, sind jene charakterlich .11 A ''«onders deutlich in Erschei- 

Intensität zu lebL scheinen akndr TT'^"' ^^ "^^ ^^-S-- 
keit, Mangel an Initiative e tm^r;jV7\''''''''^' ^^^^Ä- 
akuten als auch bei den chronisch plef^^Lr^ T'^ ''' '^^ 
sadistischen Regungen mehr im Vordergrund zu thT. "" ''^ '^^""^"- 
sexuellen. Die Differenz gegenüber der H^K T '^^ '''" '"^ '^^^ 8«°'^-l- 

au konstruieren: Hier sind dkv rd ^'^^"7" "' ^^^"etisch leicht 
noch vorhanden und I dint bretTe7d ^kI^^^^^^ ^ "'^^-"«- 
-cht nur manifest, sondern absolut 1 vbt ?'""" ^" '''^ ^—8 
«ch überhaupt entzogen,':!! tur't Tea^ H^^^^^^^^^^^^ 
Praxis wird eine derartige Unterscheidung • U, .''^"''^'"- ^° ^'' 
Hebephrenie ist die narzißtische Ct^f^Lt' '^' T' ^"'^'^ '" ''' 

an eine totale. Man sieht dann eben 2 Tß iT" "u' ""'^ ^°" ^'^^-^ 
denen die Analyse ursprünglich t efe f R ^ '^'^^'"^^ ^^"-J'-' f>" 

-ist. Bezüglich der akuten Form f^wl ^rTT' ?^'^'^"'^^^ -^l^' 
allen Gelegenheiten in Apathie verfiJ J '"^ ''"'" P^"' ^^^ bei 

hätten,- er durfte sich Wn Xt; K ."" ''""'''° " """^ ^^"^^^^ 
druck der anstößigen inf nlel:^ f T • f"""' ^'' '' ^^^ ^'^ ^- 
«»elbst konnte in einem Falle L^d f '^ """^^ ^-''--n wäre." Ich 

^■^l chronisch Apath^tf ^t tf i/f ^^^^^^^ "^-^^ ~ ^^^ 
schwer aggressive Typen, die ihre Clität a^K '^^ '"^ ""^^"'^^^^^^ 
bzw. .n Masochismus wandelnd geg^fZ r r''"''"'''"^'' ^^'"'"^"' 

-ist im Unbewußten gigantische VeM "'?' ''^ "•=^^^°- ^^ Analyse 



46)f7;77-Z^^ ll_::^^^^^^^auptautgabe; d( 

- -"^; s=- 1»- - ts^^^ii^ 



73 



I 

Wt die Patienten, an ihre „Apathie*' sich klammernd, dem Gefühl Ausdruck ver- 
^ leihen, sie würden, gäben %it ihre Hemmung auf, im übermächtigen Druck ihrer 
gestauten aggressiven Regungen explodieren wie eine ventillose Dampf- 
maschine, so muß der Analytiker ihnen recht geben. Wahrscheinlich handelt es 
sich beim „Raptus" der Psychosen, vielleicht auch bei manchen epileptischen 
Anfällen, um solche „Explosionen". Äußere übertriebene Ruhe kann also innere 
höchste Unruhe verdecken, die der Libidostauung entspricht. Oft wird die 
„Ruhe" oder Apathie nur durch die Arbeits- und Tatunlust vorgetäuscht, die 
in Wahrheit durch innere Spannung und Unruhe erst verursacht wird. 

Natürlich kann das deskriptive Bild einer Apathie allein nicht ausreichen, um 
die Diagnose einer solchen ökonomischen Hemmung zu stellen. Darüber gibt 
nur ein Analyseversuch Aufschluß. In den Fällen, in denen dieser Mechanis- 
mus fast rein vorhanden ist, ist die Prognose einer Analyse durchaus günstig, 
denn die Befreiung vom zehrenden Verdrängüngskampf muß dem Patienten ja 
seine vollen Kräfte wiedergeben. Schwieriger sind die chronischen Fälle zu be- 
handeln: Es stehen bei langdauernden, charakterlich verankerten Formen dem 
praktischen Heilen alle die Schwierigkeiten entgegen, mit denen die Charakter- 
analyse im Gegensatz zur Symptomanalyse zu kämpfen hat, nämlich die Un- 
sicherheit der Stellungnahme des Ichs und die Unvollständigkeit von Krank- 
heitseinsicht und Heilungs wünsch. Bei Fällen, die der Hebephrenie nahe stehen, 
kommen die aus dem Narzißmus erwachsenden Schwierigkeiten noch hinzu, 
die näher abzuschätzen Hauptaufgabe der differentialdiagnostischen Probe- 
analyse sein wird. 

Die schweren Fälle des zweiten Typus, „Hemmung, um einen Ober-Ich- 
Anspruch zu befriedigen", zeigen deutlich den schweren narzißtischen Charak- 
ter ihrer Störung. Der tragende Konflikt spielt sich ja hier bereits rein intra- 
psychisch, ohne Rücksichtnahme auf die Objekte der Außenwelt, zwischen dem 
Ich und seinem Über-Ich ab. Wenn auch solche Fälle trotzdem Objekt- 
beziehungen, oft in allen kleinen Details, widerspiegeln, so erklärt sich das da- 
durch, daß ja das Über-Ich durch Introjektion von Objekten entstanden ist; 
wir haben dann einen indirekten Beweis für die Genese des Über-Ichs vor uns. 
Von den masochistischen Charaktertypen sind solche Fälle überhaupt nicht 
zu unterscheiden; zu den manisch-depressiven Psychosen gibt es Übergänge. 
(„Gehemmt" sind dabei natürlich nur die depressiven Phasen.) In die Kategorie 
der Übergänge solcher „Hemmungen" zu den depressiven Psychosen gehören 
Fälle, die eigentlich sämtliche klinischen Anzeichen einer Melancholie bieten — 
mit der einzigen Differenz, daß diese Anzeichen nicht akut einsetzen, sondern, 
charakterlich verankert, während des ganzen Lebens andauern. Von der Intensi- 
tät der in solchen Fällen wirksamen Aggressionstendenzen und der Schuld- 
gefühle kann man sich kaum eine Vorstellung machen. 



8o 



eines .weiten Bruders und des einz^T GdieLf " •^™'"^ '" ''^^ ^"''^«ät, 
Quälereien durch eine sadistische Stiefmutter wSh^ ^™ '^""'" ^^''"°' "««hörte 
gebenhelt", d. h. als Strafe für unhZZ Z£rLT ^v" /"'^"'^ ~ "'^ "E^ 
wieder erstehenden Racheimpulse hin.enol^fl; u Verdrängung aller fmxner 

Bild wie akut eine Melancfolie/ tTr^^,^^\)l' '"''"t^^'^'^^ ^ ähnliches 
gänzt durch häufige Unfälle, Geldverlute tndt ^/''^^.^f ^''«e««Sen wurden er- 
Ich gewendeten Zerstörungs riebes In alrLeh "^ °""^'° ^'' ^^^^ '^^ -S«e 
Manische Züge verrieten sich nur in anfdwt T^'""^" "*'' "" ^°'^'^ S^^^^«^- 
- Die bei solchen Fällen wirksamen Milwnl"^^^^^^ '"^"^"; ^" ^''^"''"^^^ie. 
nur :m Zusammenhang mit den m.nisch-S^^^^X^Z""^" T' "^'""^^ S^"^"" 
Freud hat wiederholt A.ra f c T ^'"^^^»"S^« besprochen werden. 
wieaernolt darauf aufmerksam eemacht ^,« a- j, ■■■, ■ 
eines starken unbewußten Schuldgefühls ^Z SJ^^^J^daß die Bewältigung 
den schwierigsten Aufgaben gehöht I "T 'l^^^'^^^-P^ niöglich ist, zu 
Theoretisch kann der TZtZ t '"' Psychoanalyse stellen kann.» 

lytischen Aufrollung dral^beri^^^^^^^^^^ T? '^'"^''^^^^^^ ^ '^^ -- 
be.iehungen bestehen, was itr^ud ^Zt" '^"f^ °^^^^^- 

den relativ seltenen Fällen d.c tu ^ ' ™ ^"''«^htsreichsten in 

über eine zur BehandW .oMerär '^'"^'^^?' ^^^^^^^^ ^-"•" 
psychoanalytischen Techmk ist in d . ^\ ^''^^-'^^8^ Modifikation der 
diesbezüglichen Untersuchu„r "-t",^'*'''" ^^" "^^^ '«i^^"«^« -Orden, die 
solcher Fälle J^^^^SL::^'^:^ 'Y''^'''''- ^^^ ^™^"- 
gestellt werden. Es gibt auch h 1^/^^ ^""' '''" ""'^^ ^^^'^^^^^ft 
Über-Ich zuliebe ihr gan^s i f« "" "'"'' ^" "'"''' ''^"" 

sondern nur an der einen oder aide f ^"^^^ ^^^""^ -'J ruinieren, 

Erfahrung lehrt, daß T s:^.:::^':^^:::^^^^' 'fr-'' 

zur Impotenz durch organische Veränd;rung ^^^^ u " '^"'^°^" 

gen bestimmter Berufstätigkeiten /vif (^^'"pO gesicherten Hemmun- 
lytisch undankbare O^f ^te ^^^^^^^^^^ ^sD ana- 

darauf zurückzuführen sein, daß solche Fäll ^^ ^ f ""'^' "^ "^"^ ^^^ 
und eigentlich narzißtische Mtel, tl "rf " ^"^^°"^ ^^^^^- 
lytische Prognose solcher FäHe wtd ,1? , ^^ ""^ """ ''^^ 

mus der Hemmung eb ProLr I , "" '''^'°^^°' ^^^^^^" ^echanis- 

Sie Wird ™ ernsL%fr rsicl^rSr^^^^^^^^^ -^^^• 

49) Freud: Das Ich und das Es (Ges. Sehr Bd VT <; a 



I 



JL,il 



r 



8i 

Auch hiezu ein kasuistisches Beispiel: Ein Geiger leidet beim Spiel an solchen Finger- 
krämpfen, daß er daran denkt, den Beruf aufzugeben, da er überhaupt nicht mehr 
öffentlich spielen kann. Er war früher Maler gewesen und hatte auf Wunsch seines 
jüngeren Bruders, der sich als Maler bereits einen Namen geschaffen hatte, und der 
die Konkurrenz des Bruders fürchtete, den Beruf gewechselt. Da dem Patienten die 
Malerei weit mehr am Herzen lag als die Musik, war schon seine Bereitwilligkeit, der 
Aufforderung des Bruders zu folgen, höchst eigentümlich. Die Neurose, die ihm die 
Möglichkeit des Geigens nahm, entsprach zunächst der unbewußten Tendenz, diese 
Bereitwilligkeit wieder aufzuheben, zur Malerei zurückzukehren, den Bruder zu über- 
treffen, ja, ihn zu töten. Die Bereitwilligkeit war eine Überkompensation starker Haß- 
tendenzen gegen den Bruder gewesen. Da der Patient bewußt gar nicht daran dachte, 
die Malerei wieder aufzunehmen, sich immer wieder zur Geige zwang und sich 
schwerste Blamagen, Zurücksetzungen und Demütigungen holte, sah man, daß der 
Krampf ebenso wie jene Bereitwilligkeit außerdem und vor allem der Selbstbestrafung 
für die Haßtendenzen gegen den Bruder entsprach, die Ansprüche eines strengen Über- 
Ichs befriedigte. Die Kindheitsgeschichte ließ diese Verhältnisse verstehen: Der Patient 
hatte eine Reihe älterer Geschwister, denen gegenüber er sich von Anfang an zurück- 
gesetzt fühlte. Im Alter von drei Jahren, als er längst gehen konnte, erkrankte er an 
spinaler Kinderlähmung. Gegen die Folgen der Krankheit wurde gar nichts unter- 
nommen. Der Patient konnte nicht mehr gehen, sondern kroch auf allen Vieren in der 
Stube umher. Niemand kümmerte sich um ihn, er vegetierte wie ein Tier und fühlte 
sich als das niedrigste Wesen, die ganze Welt wegen seiner Niedrigkeit hassend. Als 
er sechs Jahre alt war, wurde ein jüngerer Bruder, der nachmalige Maler, geboren. 
Nun gab es plötzlich ein Wesen, das noch kleiner war, noch weniger gehen konnte, — 
eine ungeheure Genugtuung. Aber welche Enttäuschung mußte es sein, welcher Haß 
entbunden werden, als der kleine Bruder besser kriechen, ja gehen lernte, den älteren 
Konkurrenten aus dem Felde schlug! Diese Situation, das Überholtwerden durch den 
gehen lernenden Bruder, wiederholte der Patient in den Selbstbestrafungen seiner 
späteren Berufshemmung- Der Wunsch, den Bruder zu überholen, mußte so unter- 
drückt werden. 

Bis hieher sieht die Krankengeschichte fast wie eine individualpsychologische aus. 
Wo ist hier die verdrängte Kindersexualität? Die Nachricht, daß nicht nur der Bruder, 
sondern auch der Vater Maler war, ließ in die tiefere Schicht eines dem Vater gelten- 
den Schuldgefühls blicken. Nach einigen Monaten Analyse, die das völlige Beherrscht- 
werden dieses Menschen durch unbewußte Schuldgefühle und die entsprechenden Wider- 
stände gezeigt hatten, gestand der Patient, daß er mit 20 Jahren mit der Geliebten 
des Vaters (die Mutter war früh gestorben) heimlich Geschlechtsverkehr gehabt hatte. 
Dann brach er die Analyse ab, weil er einem Menschen, der das von ihm wußte, nicht 
mehr in die Augen sehen konnte. So wurden die entsprechenden infantilen Erlebnisse 
nicht eruiert; aber man sah, daß der dem Bruder geltende Ambivalenzkonflikt in 
tieferer Schicht die Konflikte des Ödipuskomplexes deckte. Das ödipusschuldgefühl war 
es, das keinen Erfolg erlaubte, das Geigen hemmte und den Patienten die Änderung 
versprechende Analyse abbrechen ließ. 

Die Hemmung der „sexualislerten Ich-Funktion" ist derjenige Hemmungs- 
typus, der der Hysterie am verwandtesten ist; er wird auch einer Analyse die 
beste Aussicht geben. Näheres Hinsehen belehrt darüber, daß eigentlich zwei 

6 Fenichel, Hysterien und Zwangsneurosen 



82 



Psychogenesen der Hemmungen hier unter einem Namen zusammengefaßt sind 
d.e sxch aber praktisch wohl schwer werden trennen lassen. dII^Ii:^ 
der Kochm mit dem Liebesverhältnis zeigt uns, daß die blo«. <; T 
einer Funktion an sich, - auch wenn das Ich d7 \ Sexuahsierung 

hebt - „VK .r» M T , ^*^^S^° ^"'i^i» Einspruch er- 

hebt, - sich als Hemmung dieser Funktion manifestieren muß. Es mag unter 
Umstanden wichtig sem zu unterscheiden, ob das Ich irgendwo M ZT 
noniert, weil es, statt die Funktion zu erfüllen, sexuelle lL genieÜ^, f 
weil es aus Kastrationsangst auf die sexualisierte Funktion verzieht! Man 
;t Z: :;feLir^'^ ^-gungshemmende Muskelspiele otrSte^! 

gen herausfällt, und - je nachdem oh T ? ' '"'''^ ^^'"'°"'^- 

charakteristisch bei der Angsthvsterie di. / u ? « Hemmungen 

»uo Ko„=„io»y„p;irdrM„l: 1 2 fT?^ '"*'™""^ ""■*■""«'- 

einsteUe'n muß ' "" ''"" ^'^'^^" ^" ^-^^^-' '^^ Sexualfunktion 

repräsentiert in der ^St:'::l^:'t^Lf'^f Die Impoten. 
von den tiefen abwehrenden Schichten des Ichl^n, W T "=T""^ ' '''P' '^"^ 
rung. Das Ich versagt sich d.n GeJu U. l Z ^''''""" körperlichen Siehe- 

J2) Reich: Die Funktion des Orgasmus. S. 14! ' 



t 

■ aufgebaut wurde. Weil das Festhalten an den infantilen Sexualzielen eben das Charak- 
^ teristikum der Neurosen ist, kommen Potenzstörungen auch als Begleiterscheinungen bei 
sämtlichen Neurosen^ vor. Der „Kernkomplex" der infantilen Sexualität ist der Ödipus- 
komplex. Die typischen und einfachen Fälle von Impotenz gehen auch, wie 
F e r e n c 2 i^3 und dann S t e i n e r in einer Monographie über diesen Gegenstand^* ge- 
zeigt haben, auf die Persistenz der unbewußten sinnlichen Liebe zur Mutter zurück. Es 
muß freilich nicht so sein. Wir dürfen wieder den „vollständigen Ödipuskomplex" 
nicht vergessen; Auch der feminin eingestellte Mann weicht aus Angst der Penisfunktion 
aus — und die „feminine Identifizierung", über die in anderen Zusammenhängen mehr 
die Rede sein wird,^^ ^^i^i^ ^^^ ^^^ Psychogenese der hartnäckigeren Impotenzfälle eine 
große Rolle.^6 Da die feminine Identifizierung in der Regel, schematisch gesprochen, 
eine Sexualisierung der Abwehr der aktiv-männlichen Sexualität darstellt, schließen 
sich hier Fälle an, bei denen auch das Symptom der Impotenz selbst eine versteckte 
Befriedigungsbedeutung angenommen hat, nämlich eine masochistische. F r e u d hat bzgl 
der Prognose der Impotenz mit. Recht gesagt: „Es ist eine böse Überraschung, wenn 
uns die Analyse als Ursache der ,bloß psychischen' Impotenz eine exquisite, vielleicht 
längst eingewurzelte masochistische Einstellung enthüllt."^^ — Der Impotenzform 
Ejaculatio praecox kommt immer mehr Gewicht zu als der Erektionsunfähig- 
keit. A b r a h a m hat bei typischen Fällen vor allem dreierlei einander ergänzende un- 
bewußte Grundlagen gefunden t^s i) (wie bei den schwereren Erektionsstörungen) eine 
feminine Einstellung, die sich schon in der erogenen Leitzone dokumentiert; statt des 
Penis (der Glans) ist die Peniswurzel und der Damm (resp. die tiefer unter dem Damm 
gelegenen Partien der Urethra) die erregbarste Partie, was einerseits auf eine konstitu- 
tionelle Erhöhung der Bisexualität hinweist, andererseits auch reaktiv nach psychogener 
Hemmung der Peniserogeneität eintreten kann. 2) Eine hinter der Passivität verborgene 
sadistische Einstellung mit dem Ziele, die Frau (= die Mutter) zu beschädigen und zu be- 
schmutzen. 3) Eine verstärkte Urethralerotik, die den Samen noch so als autoerotischen 
Luststoff behandelt wie in der Kindheit den Urin. Alle drei Eigenschaften deuten auf 
eine weit tiefere Störung als sie der einfachen Hemmung oder der Hysterie entspräche. 
Dazu paßt auch die Ergänzung von Tausk, der auf die Bedeutung eines schweren 
Onanieschuldgefühls hinwies.^» Reich konnte diese Eigenschaften — also die unbe- 
wußt prägenitale Verwendung der Genitalorgane — bei schweren Ejaculatio praecox- 
Fällen, die er der erwähnten chronischen Neurasthenie subsumierte, bestätigen. Doch wies 
er mit Recht darauf hin, daß es auch eine leichtere, der Hysterie verwandtere Form 
der Ejaculatio praecox gibt, bei der die Störung nur gelegentlich auftritt, der Samen- 
erguß nicht fließend, sondern stoßweise erfolgt, und die andere Zeichen der erreichten 
genitalen Stufe aufweist; bei ihr ist die Prognose wesentlich günstiger als bei der 

53) Ferenczi: Analytische Deutung und Behandlung der psychosexuellen Impo- 
tenz beim Manne. Psych.-Neur. Woch. i^oS. 

54) Steiner: Die psychischen Störungen der männlichen Potenz. Leipzig und 
Wien. 1^13. 

55) Vgl. mein Buch „Perversionen, Psychosen, Charakterstörungen". 

$6) Steiner: Die Bedeutung der femininen Identifizierung für die männliche Im- 
potenz. Int. 2. f. Ps.-An. XVL 1930. 

57) Freud: Ein Kind wird geschlagen. Ges. Sehr. Bd. V. 

j8) Abraham: Über Ejaculatio praecox. Int. 2. f. Ps.-A. IV. 19 17. 

59) Tausk: Bemerkungen zu Abrahams Aufsatz „Über ejaculatio praecox". Int. Z. 
f. Ps.-A, IV (1917). 

6* 



84 



chronischen Neuras tlienrV 60 n^' j* 

em Beruhrungsverbot häufig, die vorzeiZ S 7«"=h»-bung eines Onanieverbots auf 
bot. für Vern^eidung ode'' Kür^g X itt"" 1" '"^ ^'"^^'"'"S '«-Tv"' 

In der Frigidität erblicken Jr «.t t™"' w" ""'"'"'^^ ^"^^«""^ 
£f ;""""? '" '^'"'"•"-' ^P-iell vS n se " , " '"^°^^°^ «■-" Ausdruck 
Befneigung der infantil gebliebenen GeSül "if ""' ''"'='' '"'^^ «^h""^ die 

und .war als Liebesverlust oder Genitalb schädl "^"''''^''''^ ^^^^^r perzipij 

den machtigen väterlichen Penis, ^"11'"^!'' '' " '^'^ 2-"— erden durl 
^.rfcsam nachweisen kann. Das Nlif " f ""^^ '° Fällen totaler Frigidität If 
damit nichts zu tun haben" IV^^^""" versinnbildlicht die Tendenlil n 

.Karperentfremdung" It-ekL":: 2 tt'ft' ^«^^inere; Ir^^^^ I 
ubhche sexualablehnende Mädchenerziehlnf Fr "I r ü"""/ '^^^ ^"S'*^« durch die 
ral Srt" ^-''''^"«-ör-g lucrveSen' f 'T »^-^-''-S" analog 
rade Gelegenheit, sich im entfremdeten Ort ^u ?''''" Sexualphantasien ge 
emer bloßen Hen.mungserschei„„ngI"S'„°2:Lh^^^^^^^^ die Frigidität so aus 

I'chen mfantilen Sexualphantasien d.e 11^^,^^"'^'°'^ wandelnd. Die wesent 
Wplex „nd die dem verkehrten o^pukl'?"''^'^^' \°'"™-' ^^ wieder JdTp". 
;r"ng". _ Mit der männlichen Ein^teH^ZT ^^ entsprechende „maskuline IdentifiJe 

neben der durch Angst bedingterton der v"' 7 "'^^ ""^^«' ^ t°«-* dafür 
(psychogene Anlässe der Frfgidi ät7 auch """^'"t""' ^er wirkenden Ablehnt" 
ak^denteUe Verstärkung der KlLreU^ltTroee"" a'T "^-"---He oder 
erhöhte Khtonserogeneität entspricht manT i -^ ^"^^'''^ '" Betracht.-^ Diese 
-ht^enaktiv-männlichenSexuafs tebenri^^^^^^^ erhöhten Bisexualität, einem 

S^^:ä:eS:iS^--^siSr 

5^r -^S- sSe:s:^Ä^ir^l- - 

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■ Die Einsicht daß bei den Phobien die phobische Hernmung dazu dient, eine 

■ vollzogene Verdrängung zu sichern, zwingt zur Kommentierung der Freu d- 
I fr ^r7.''"-""- ^^ß '^^ I<^^ durch Hemmungen sich den Vollzug neuer- 

aI '^^'"'''■^"^""S:" ZT'-^ ""^"""^ "^"^ ^^"^ "-= Es erspart sich das 
Akutwerden emes Konfliktes und damit einen Aufwand zur Erhöhung einer 
schon bestehenden Verdrängung, ein „Nachdrängen" nach vorher vollzogenen 
Urverdrangungen. Es wäre vielleicht richtiger zu formulieren: Diese Forr! der 
Hemmung :st em Typus der Verdrängung bzw. der Verdrängungssicherung, der 
Gegenbesetzung, durch den sich das Ich andere, mehr Aufwand erfordernde 

tZ T'^U '"'"u- '' "^ '" P'"''^"^^ ^^™"^^ '^•^i-g^ Hemmungs- 
form dxe theoretisch am eindeutigsten zu verstehen ist als eine Spezialform 

der Gegenbesetzung. Der Phobiker verwendet ebenso Interesse und Aufmerk- 
amke« darauf, die Angstbedingungen zu vermeiden, wie der an hysterischen 
Schmerzen I-dende die Berührung der schmerzhaften Körperstdien von 
außen vermeidet. Charakteristisch ist die Lokalisation der Gegen- 
besetzung: Hier an der sensiblen, dort an der motorischen Ichgrenze 

Wenn ein Hysteriker etwa nicht gehen, nicht sprechen kann, so wird es 
siTl"" f "'^" Mechanismus handeln, besonders wenn eine wirk- 

Dioiser „Jöesetzungsentzug . 

Bei der Hemmung aus ökonomischer Verarmung muß dagegen der Be- 
setz ung sentzug der allein wesentliche Mechanismus sein; denn nur er 
kann die an anderen Stellen nötigen Libidomengen zur Verfügung stellen. 

Die Erwartung daß der reine Besetzungsentzug bei den Hemmungen, z. B. 
bei den Fallen, denen gewisse Interessen oder Fähigkeiten einfach abgehen, 
dX ^^°'"\^°"^ T^- ^°-- ^^^ bei den zu Neurosen führenden Ver- 
irr'"' '^ '" -" Aufrechterhaltung umfangreicher Gegenbesetzungen 
bedürfen, wird a l^rdings außerhalb des Typs der „ökonomischen v'r- 

lavse r ' ""'"^'r' ""'' '^" ^"^^''^^ '-- -J^ bei näherer 

Analyse Gegenbesetzungen regelmäßig nachweisen. Ich konnte z. B. das Wir- 

nL"\ V rr""''"/"'' ^'' ..Körperhemmungen«, bei unzweckmäßigem 
n otor^chen Verhalten und bei der Entfremdung von Körperteilen - analog 
der Selbstbeobacht ung bei der Depersonalisation - aufzeigen,- so daß also 

P/-A. Vn ("5^0^ ^"^^"^""S^formen des weiblichen Kastrationskomplexes. Int. 2. l 

66) Freud: Hemmung, Symptom und Angst (Ges. Sehr. Bd. XI. S 16) 
Z. f^lü'xiV iiS? °'^''''^'^- Begleiterscheinungen der TrietLehr. Int. 



S6 



mcht nur, wxe Federn meinte- Kbidoentblößte Organe aus dem Ichgefühl 
schwmden sondern auch die mit der höchsten Libidobesetzung, wenn ihr eine 
entsprechende Gegenbesetzung entgegensteht, so wie etwa nebensächlich 
scheinende Stellen emes manifesten Traumes gelegentlich zwar wirklich Hbido- 
armen SteUen der latenten Traumgedanken entsprechen, meist aber gerade 
den hbdobesetztesten, nur durch Gegenbesetzung an der Manifestation ver- 
nmaerten. , , 

An das Gesagte knüpfen zwei theoretische Probleme an, die wir gleich hier 
kurz diskutieren wollen, die Frage nach der Natur der über-Ich-HLmungel 
und die nach dem Verhältnis von Hemmung und Verdrängung 

Wie verträgt sich die Auffassung, in der Hemmung setze das Ich einen 
Besetzungsentzug oder eine Gegenbesetzung durch, mit der Existenz vo^ 

gelten? Es ist im Grunde genau dasselbe. Denn wo Ich und Über-Ich mit 
einander m Konflikt geraten sind, gibt es an ihrer Grenze gena^s Käm^ 
Besetzungsentzuge und Gegenbesetzungen wie sonst zwischen Ich und Es 
über den dadurch entstehenden „Zweifrontenkampf« des Ichs werden wii^ 
flirir '^' '-' ''''''-'-' '- ^— Charakteristisches er- 

Aber als „Besetzungsentzug und Errichtung von Gegenbesetzungen" wird 

heoretisch auch das Wesen der Verdrängung beschrieben/ Ist also „SemmuTg" 

und „Verdrängung« eigentlich dasselbe? Oder vielleicht - wir sagten L 

Die Verwandtschaft von „Hemmung" und „Verdrängung" sieht man am 

iel^^rdT ""^^^^T '^ ''''''^'' '-' '''''^''^ LualentXklunT 
d^ der Verdrängung eines bestimmten Partialtriebes entsprechen. Wenn z. B 

der Schautneb von emer Verdrängung betroffen wird, so gibt es spezifische 

„Schauhemmungen«, die etwa in extremen Fällen so weit geln daß SrEe 

treffende die wirklichen Objekte gar nicht mehr ansieht, nur l der TW L" 

^:ZZTaTuV''' t'^'^'r' ''^' ^^^^" '"'^'^'''^ ^->^-her führen. 
Tket kS f;"f ^^.-"<^7;-d-"8t, gibt es Eßhemmungen, von denen 
a kein Kmd ganz frei ist und deren spezielle Natur durch die Analyse der 
speziellen zugrundeliegenden Verdrängung aufgedeckt wird, z. B. Abnegung 
gegen Milchgenuß bei Verdrängung von Wünschen nach Regression kdi! 

stischen Tendenzen, gegen Kot- oder Penissymbole (z. B. Spina t oder Spargel), 



87 

gegen „Ausschweifungs^symbole wie Alkohol bei den entsprechenden Trieben.^** 
— Ebenso gibt es Aggressionshemmungen bei Verdrängung des Sadismus, anale 
Hemmungen (anale Prüderie) bei solcher der Analerotik; Verdrängung der 
Kastrationsangst kann 2. B, bei der Erinnerung an eine „Schneiderschere" zu 
einer „Schneiderhemmung" mit Vernachlässigung der Kleidung führen u. dgl. 
Auch andere spezielle zu den Phobien überleitende Hemmungen, wie z. B. Ab- 
neigung gegen Baden und Schwimmen, erklären sich so, daß die betreffenden 
Funktionen bei der Verdrängung der kindlichen Sexualität „mitgerissen" worden 
sind. 

Nach diesen Beispielen scheinen uns „Hemmung" und „Verdrängung" theore- 
tisch tatsächlich denselben Prozeß zu bedeuten, nur unter verschiedenen 
Aspekten betrachtet. „Verdrängung" ist der psychische Mechanismus; „Hem- 
mung" seine Manifestation. Richtiger: "Wenn die Verdrängung (der Besetzungs- 
entzug oder die Gegenbesetzung) allein Änderungen im Verhalten der 
Person hervorruft, so sprechen wir von „Hemmungen". Das „Symptom" 
dagegen ist nicht mehr Manifestation der Verdrängung, sondern ihres Miß- 
lingens. 

Durch diese Überlegungen gerät die „Hemmung" in die Nähe aller sonstigen 
Manifestationen der Abwehrtätigkeit des Ichs. Wie verhält sie sich z. B. zu 
den „Reaktionsbildungen"? Man erkennt sofort; Diese sind nur potenzierte 
„Hemmungen". (Freilich kann es, wie es sekundäre Abwehrkämpfe gegen 
Symptome gibt, auch überkompensierende Reaktionsbildungen gegen schon aus- 
gebildete Hemmungen geben.) Auch in der Charakterbildung überhaupt kommt 
ja vielfach die Abwehrfunktion des Ichs deutlicher zum Ausdruck als die sich 
durchsetzenden Triebe, Definiert man den Charakter als die habituelle Art, sich 
mit Trieb- und Umwelt auseinanderzusetzen, so bilden die chronischen Hem- 
mungen eine besondere Art von Charakterzügen, — freilich neben anderen, 
triebgemäßeren. Wenn Reich vom „Panzer" spricht, den der Charakter zum 
Schutze des Ichs darstellt,^^ so wird gerade dieser Aspekt des Charakterproblems 
sich mit den Fragen der chronischen Hemmungen auf das Innigste berühren. 
Insofern der Schutz gelingt, „erspart" sich das Ich dadurch „Verdrängungen", 
korrekter: andere, aufwandreichere Abwehren. Hat Freud ein andermal von 
„Einbußen" gesprochen, die das Ich „an seiner Gestalt" erleide, um sich „Ver- 
drängungen" zu ersparen,*^^ so denken wir daran, daß durch chronische Hem- 
mungen ja Fähigkeiten, Funktionen des Ichs, brachgelegt werden, also tatsäch- 

70) Vgl. hiezu Else Fuchs: Verweigerte Nahrungsaufnahme. Z, f. ps.-a. Päd. IV 

(1^30)- 

71) Reich: Über Charakteranalyse. Int. 2. f. Ps.-A. XIV (1928) und: Der 
genitale und der neurotische Charakter. Int. Z. f. Ps.-A. XV (1^29). 

72) Freud: Neurose und Psychose (Ges. Sehr. Bd. V. S. 422). 



lieh die Gestalt des Ichs sich verändert. Identifizierungen können dabei mit- 
spielen, müssen es aber nicht.'^^ 

Wie es kein Organ gibt, das nicht Sitz von Konversionssymptomen, so gibt 
es auch kerne Funktion, die nicht Gegenstand einer Hemmung werden könnte. 
A le vorkommenden Hemmungen aufzuzählen wäre ebenso wenig möglich wie 
alle vorkommenden Phoben. Von den für die Praxis wichtigsten haben wir 
die Berufshemmungen d,e Sexualhemmungen, die Bewegungshemmungen er- 
wähnt. Es sexen noch emige Typen hervorgehoben, die für die Praxis von 
mcht.gkeu smd; es handelt sich also jetzt um eine Orientierung nach dem ge- 
her^mten Gebiet; auf ,edem derselben kann die Hemmung wieder nach allen 
drei besprochenen psychogenetischen Typen erfol-en 

Eme Sonderstellung nimmt hier vor allem die sogenannte Erythrophobie ein 
d. h. eme allgememe Hemmung im Umgang mit Menschen, die minder An"' 

vergeht. Es handelt sich um Menschen, bei denen die soziale Hemmung so sehr 
überwiegt, daß man sie deshalb nicht einfach zur WersionshysZeMnen 
kann Meist mischen sicn mehr oder weniger paranoide KrankhLzüge n dis 
Bild; die Patienten meinen, daß alle Menschen sie daraufhin ansehen I 
rot werden oder nicht, fühlen sich schließlich dauernd beob chteT D^^^^^^^ 
verraten die stark narzißtische Fixierung dieser Krankheit. Hyster nä^re Fof 

^exuaierregung und ihre Hemmung aus und können wie eine Hysterie behan 
del wer en Psychosenähere Fälle haben unter Umständen schSLh " 

IfZt '' ^r '"'"^ "^^^^'^""^ "^'^^ ^'^ 'J- narzißtisch Lg 

Jas denkt man jetzt über mich? Sie kennen nicht mehr Liebe und Haß son 

prchoTFT: ^"'"• '''- "^'^"'^^"-^ - ^i^-- schwierig 11 r 

feTen Ch^ft '^'V^°" '" Erythrophobie ein kontinuierliche' Übergang zu 
;enen Charakteranomahen, die man als „chronische Schüchternheit" bezeichnen 

in'i:: S:::ie1::t^^l7'™^ ^^^ »Körperhemmungen-, denen 

nicht nur T T ^ . ^'^ '"°*°"^'=I^«n Hemmungen gehören 

^^^^^^^^^^^Li^J!!^l_^!!!l^^ sondern 

5« Kapitel »CharakStCgt" ^'Ies"Buc£"p ''' ^."—"hängenden Probleme 
Störungen". ^ " "^'"'' ^"<=^« ..Perversionen, Psychosen, Charakter- 



alle die feinen motorischen Ungeschicklichkeiten und UnZweckmäßigkeiten des 
Normalen, die ein normales Vorbild der organneurotischen und katatonen Er- 
scheinungen darstellen/' Auf sensibler Seite gehört hieher die Körperfremdheit, 
das weite Gebiet der Hemmungen der inneren Wahrnehmungen, das mit den 
motorischen Dysfunktionen in engster Beziehung steht, und das wieder den 
Übergang repräsentiert vom Normalen zur Organentfremdung und Depersonali- 
sation, Die sensiblen Hemmungen können infolge des mangelnden Kontakts von 
Bewußtsein und Körper wieder sekundär motorische verursachen^^ Genetisch 
kommen für die Körperhemmungen alle drei Typen in Betracht, am meisten 
aber wohl der dritte. "Wir haben bereits, als wir davon sprachen, daß dem 
Hysteriker Körperfunktionen zur Verfügung stehen, die dem Normalen ver- 
lorengehen, darauf hingewiesen, daß mit der Verdrängung der Autoerotik (resp. 
der infantilen Sexualität überhaupt) die Körperfähigkeiten, mit deren Hilfe 
jene betätigt wurde, mit in -die Verdrängung gerissen werden, indem Körper- 
hemmungen gesetzt werden, die den zugehörigen Gegenbesetzungen entsprechen. 
Schwerere motorische Hemmungen stammen oft aus bestimmten vergangenen 
traumatischen Situationen, z. B. aus der Angstlähmung einer „Urszene". In der 
Analyse werden sie wohl häufig als Begleiterscheinung bei neurotischen Phäno- 
menen und ihrer Bekämpfung ein interessantes Studienobjekt abgeben, aber wohl 
kaum je an sich eine Indikation für eine psychoanalytische Behandlung dar- 
stellen. 

Den körperlichen Hemmungen können wir die geistigen gegenüberstellen. 
Ein praktisch-analytisch sehr bedeutungsvolles, leider noch nicht genügend 
studiertes Kapitel sind die Intelligenzhemmungen. Obwohl alle Analytiker sich 
darin einig sind, daß sie eine große Rolle spielen, und daß wohl ein ganz be- 
trächtlicher Prozentsatz der als Debilität bezeichneten Fälle sich als durch 
Hemmung bedingte Pseudodebilität herausstellen wird, sind solche Pseudo- 
debilitäten erst in neuester Zeit Gegenstand einer besonderen Untersuchung ge- 
worden .^^ 

Vom Mechanismus der Inteiligenzhemmungen selbst kann man sich in jeder 
vom Widerstand beherrschten Analysenstunde überzeugen. Jeder Intellekt läßt 
dort nach, wo affektive Motive ihn dazu verleiten. Ober die Gründe, die dar- 
über hinaus das Ich bewegen können, dauernd auf seinen Intellekt zu ver- 
zichten, ihn zu hemmen und dumm zu werden, kann man zwei Erwartungen 

7^) Fenichel: Über organlibidinöse Begleiterscheinungen der Triebabwehr. Int. 
2. f. Ps,-A. XIV (1928), 

jj) Berta Bornstein: Zur Psychogenese der Pseudodebilität. Int. 2. f. Ps.-A. XVI 
(1930). Seither erschien ein Sonderheft der „Zeltschrift für psychoanalytische Päda- 
gogik"^ zum Thema „intellektuelle Hemmungen" mit Beiträgen verschiedener Autoren 
und einer zusammenfassenden Darstellung „Psychoanalytische Auffassung der intel- 
lektuellen Hemmung" von Federn. Z. f. ps.-a. Päd. IV. Heft 11/12 (1930). 



90 



hegen: Erstens wird genau wie bei anderen Hemmungen die gehemmte Funk- 
tion vorher sexualisiert sein müssen. So setzt die PseudodebiHtät eine „Verle- 
gung nach oben", eine Sexualisierung der Denkfunktion voraus; die "Denk- 
funktion kann bei beiden Geschlechtern besonders der männHchen Sexualfunk- 
tion gleichgesetzt werden, ihre Hemmung die Kastration bedeuten. Vielleicht 
noch mehr kommt eine besonders anale Perzeption der Denkfunktion ihre 
analerotische Libidinisierung in Betracht, über die im Kapitel Zwangsneurose 
mehr die Rede sein wird. Zweitens wird in den Konflikten der infantilen Se- 
xualität bei den betrefFenden Patienten der Trieb, der der Entwicklung des 
Intellekts am meisten Nahrung bietet, eine hervorragende Rolle spielen und spe- 
zifisch gehemmt sein müssen: der sexuelle Forschungstrieb. Bei einem von mir 
beobachteten Fall stand diese Forschungshemmung wieder im engsten Zusammen- 
hang mit den sadistischen Trieben, die resultierende „Dummheit" war eine gegen 
die versagenden Eltern gerichtete Racheaktion. Zu dieser Beziehung zum Sadis- 
mus paßt es auch, daß die Sexualisierung des Denkens, wie gesagt, mehr prägeni- 
talen (analen und oft oralen) als genitalen Charakter hat. Den Erkenntnissen 
über die genetischen Beziehungen von Wißtrieb und oraler, später manualer 
(Greiflust), erst zuletzt analer Bemächtigung™ entspricht es, daß die Hemmung 
dieser Triebe auch bei der Hemmung des Intellekts eine große Rolle spielt.™ 

Auch im Falle von Berta Bornstein erwies sich die intellektuelle Totalhemmune 
als wesentlich prägenital fundiert; eine oral-sadistische Fixierung hatte den 
spateren Objektbeziehungen und dem Ödipuskomplex ihren Stempel aufgedrückt und 
aL Oh,- ^r I , U!""ände entstandenen Identifizierungsschwierigkeiten mit einer 

Art Objektverlust, als die die Dummheit sich darstellte, reagieren lassen. Die Dumm- 
heit war dann überdies vom Ich zu allerlei sekundären Funktionen benutzt worden.«- 
Häufig untersucht wurden partielle Intelligenzstörungen (Versagen von 
Schulkindern in bestimmten Unterrichtsfächern, Unfähigkeit oder bloße Unlust 
gewisse Wissensgebiete zu begreifen u. dgl. m.). Die analytische Untersuchung 
solcher Fälle bestätigt all das, was wir über die Hemmungen im allgemeinen 
gesagt haben: Das betreffende Gebiet oder ein Gegenstand, der bei seiner ersten 
Vermittlung mit ihm verbunden war, oder endlich die Art und Weise dieser 
ersten Vermittlung (Person des Lehrers u. dgl.), gelegentlich auch ein ganz spe- 
zieller Zug, der mit dem Gebiet als solchem wenig zu tun zu haben scheint, 
wie eine bestmimte Ziifer bei der Mathematik, ein bestimmter Buchstabe beim 
Lese- und Schreibunterricht, sind as soziativ verbunden mit wesentlichen Kon- 

(i9?o).^''^ ^"^'^''^^'•'^'^ Entwicklung des Wißtriebes bei einem Kinde. Imago XVI 
Z.l^?-a.%äd!'"lV ('930) ^'^'"^""8'=°^^''^''«" Sexual- und Intellektentwicklung. 
(i93°i^'"* Bornstein: Zur Psychogenese der PseudodebiHtät. Int. Z. f. Ps.-A. XVI 



I 



m 



flikten des infantilen Sexuallebens, denen das Ich mit solcher Hemmung ent- 
weder auszuweichen sucht, oder derentwegen das Über-Ich diese Hemmung als 
Strafe über das Ich verhängt. 

Bei den speziellen Hemmungen des Wissens oder Begreifens wird wie bei den allge- 
meinen Intelligenzhemmungen das Schicksal der infantilen Sexualität, meist speziell 
des Forschungstriebes, dk spezielle Form erklären. Der von der Analyse aufgedeckte 
Zusammenhang Ist oft einer, der dem bewußten Denken des Erwachsenen wenig ein- 
leuchtend erscheint. So kann z. B. die plötzlich entdeckte große Papierschere der 
Lehrerin eine bleibende Hemmung für das Gebiet, das zufällig in der betrejEFenden 
Stunde besprochen wurde, setzen, weil so die Kastrationsangst geweckt wurde. Bei- 
spiele für spezielle Lese-, Schreib- und Rechenheramungen siehe z. B. bei A i c h h o r n^*, 
Klein«^ Rad6«^ Tamm«*, Zulliger^^ u. a. 

Mit den Denkhemmungen aufs engste verbunden sind die Sprachhemmungen, 
vom Stottern bis zur Unsicherheit der Aus drucks weise und der Wortwahl — ■ 
ev. nur in bestimmten Situationen oder nur bestimmten Personen gegenüber. 
Wir werden anläßlich des Stotterns, das ja nicht nur eine Sprachhemmung, 
sondern zweifellos gleichzeitig entstellte Befriedigung (also neurotisches 5)^1- 
ptom) ist, auf die Sprachhemmungen noch ausführlich zu sprechen kommen. Bei 
der Verwandtschaft von realitätsgerechtem (in Worten erfolgendem) Denken 
und Sprechen dürfen wir mit Recht erwarten, daß die Verhältnisse für Sprach- 
hemmungen ganz ähnlich liegen wie für Denkhemmungen. 

Wir sehen, daß wir mit allen diesen Arten von Hemmungen, sobald sie 
chronisch werden und sich charakterlich verankern, in das Kapitel der Cha- 
rakterfehlentwicklungen geraten. 

Nicht nur auf dem Gebiete des Intellekts, auch auf dem des Fühlens und 
Wollens gibt es allgemeinere und speziellere Hemmungen; es gibt nicht nur 
psychogen Dumme, sondern auch psychogen Kalte, affektlahme Nur-Intelligenz- 
menschen, die ein reich differenziertes Gefühlsleben gehemmt und diese Hem- 
mungen durch den Intellekt überkompensiert haben, — wieder der Entfremdung 
und Depersonalisation verwandte Typen, die der analytischen Behandlung einen 
besonders hartnäckigen Widerstand entgegensetzen und über die später besonders 



8i) Aichhorn: Psychoanalytisches Verständnis und Erziehung Dissozialer. In: 
Das psychoanalytische Volksbuch. 

82) Klein: Zur Frühanalyse. Imago IX (1923), Die Rolle der Schule in der 
libidinösen Entwicklung des Kindes. Int. 2. f. Ps.-A. IX (1923), Die Rollenbildung 
im Kinderspiel. Int. 2. f. Ps.-A. XV (1929) u. an anderen Orten. 

83) Rado: Über eine besondere Äußerungsform der Kastrationsangst. Int. 2. f. 
Ps.-A. V (1919). 

84) Alfhild T a m m: Die angeborene Wortblindheit und verwandte Störungen bei 
Kindern. 2. f. ps.-a. Päd. I (1927), Kurze Analysen von Schülern mit Lese- und 
Schreibstörungen. 2. f. ps.-a. Päd. III (1929). 

85) 2ulliger: Aus dem unbewußten Seelenirben unserer Schuljugend, Bern 1923. 
Gelöste Fesseln, Dresden 1926. 



92 



zu sprechen sein wird. Es gibt auch eine echte „Verdrängung" des Gefühls- 
lebens, ein plötzliches Schwinden aller direkten und warmen Beziehungen zu 
Menschen, eine, wenn man so sagen darf, „allgemeine Frigidität«, die wohl auch 
am häufigsten bei frigiden Frauen auftritt und dem Mechanismus nach mit der 
genitalen Frigidität identisch ist. Der extremste Fall, den ich sah, ging auf die 
Schreckwirkungen eines real erlebten Inzests zurück, in geringerem Grade ist 
ähnliches bei allen Zwangscharakteren zu finden, im geringsten wird es durch 
die häufige Scheu repräsentiert, „große Gefühle" sich einzugestehen. Besonders 
bei starker Trauer scheint solche „Verdrängung« regehnäßig versucht z« werden, 
wobei vielleicht der Mechanismus der Identifizierung mit dem verlorenen (toten 
Objekt eine große Rolle spielt. ' 

Die Phänomene der Depersonalisation gehören in einem bestimmten Sinne 
ebenfalls hieher: Es sind die akutesten Hemmungen bestimmter Gefühls- und 
anderer intrapsychischer Wahrnehmungen. 

J wt^tlklet'-'V" ''^°''^=^^^«^" P^« ^^^«^^ «- -"gemeine Gefühlshemmung 
im Wesentlichen eme Fixierung an eine Urszenensituation dar, in der der Knabe 
heftigste Erregung unterdrückend, sich ruhig und schlafend gestell ^Le Ebenso s^ntl 
er sich im spateren Leben allen heftigen Gefühlen gegenübej ruhig und sctkld? 

Wollten wir nun gar auf die feineren Differenzierungen der charakterlichen 
Hemmungen eingehen, so stünde eine Diflerenzierungsarbeit von ungeheurem 
Umfange vor uns. Am einfachsten sind noch die erwähnten umschriebenen Hem- 
mungen die bestimmten Verdrängungsstößen während der infantilen Sexual- 
entwicklung entsprechen, und die auch durch deren Aufhebung beseitigt werden 
konnen._ Die meisten aber sind dank der Neigung der Verdrängungen zu Ver- 
allgemeinerung und Verschiebung in Struktur und Genese komplizierter. 
So will ,a jede verpönte Triebregung, mag sie nun sinnlich, aggressiv oder 
zardic sein, die Triebh an dlung. die Berührung mit Objekten; deshllb 
kann jede zu allgemeinen Berührungs- und Motilitätshemmungen führen. Die 
»Spielhemmungen« der Kinder sind solche verallgemeinerte Sexual- oder 
Aggressionshemmungen; der Abscheu vor ganzen Betätigungsgebieten erweist 
sich z. B als verallgemeinerte Onaniehemmung, „gesellschaftliche" Hemmungen 

tnVfc Vt'"f'"^ "'"^^'" Vorstellungen zurück, die sich das Kind 
von der Geselligkeit der Erwachsenen gemacht hat, die merkwürdigen häufigen 
»Agnoszierhemmungen« sind verallgemeinerte Schau- oder Inzesthemmungen, 

it" d" d ^T"'"""^' '^" Geschlechtsunterschied zur Kenntnis'zJ 
nehm en. Die in den Hemmungen manifest werdenden Sexual isierungen mancher 

Ps!A.?V(iä).'" "'" -" Kulovesi: Zur Entstehung des Tics. Int. Z. f. 
XV?(f//5 ^°'^«^^^'°= 2">- P^ychogenese der Pseudodebilität. Int. Z. f. Ps.-A. 



93 

Gebiete verraten uns heute noch deren ursprünglichen archaischen Sinn, z. B. die 
Gruß- und Höflichkeitshenimungen aus unbewußter Ambivalenz .^^ Das ganze 
Leben ist voll von „unsympathischen", d. h. leicht gehemmten Dingen, Funk- 
tionen, Atmosphären. Jedem Menschen fehlen aus Hemmungsgründen die eine 
oder andere ihm von Natur aus mögliche Art und Weise der Perzeption des 
Erlebens, fehlen bestimmte „Erlebnisqualitäten", die ihm unter Umständen durch 
eine analytische Behandlung wieder eröffnet werden können. Wer weiß, wie 
viele der menschlichen Charakterdifferenzen überhaupt auf menschliche Hem- 
mungen zurückgehen? Die Frage ihrer Beseitigung durch Analyse ist durchaus 
noch nicht entschieden. Auf der einen Seite ist das Gefühl, das manche Patienten 
nach der Analyse schildern, es sei ihnen eine neue Fülle des Erlebens gegeben, 
nicht nur auf den ersparten Verdrängungs- und Symptomaufwand, sondern auch 
auf solche Eröffnung gehemmt gewesener Qualitäten zurückzuführen. Auf der 
anderen Seite ist solche ErÖfFnung gewiß nicht zu leicht vorzustellen und umso 
schwieriger, je älter, je eingefahrener die Hemmung bereits ist. Vielleicht wird 
der Kinderanalyse, die prophylaktisch wirken kann, auf diesem Gebiete mehr 
Erfolg werden als der Analyse des erwachsenen Neuro tikers. In diesen allge- 
meinen Hinsichten fließt das Gebiet der Hemmungen weit mit dem der neuroti- 
schen Charaktergrundlage zusammen. 

Die psychoanalytische Begabungsforschung, die noch in ihren ersten Anfängen 
steht, hat bisher mehr über die positiven Bedingungen gewisser Begabungen ge- 
sagt^® als über die negativen, d. h. über die Möglichkeit, daß ein größerer 
oder geringerer Prozentsatz sogenannter „Unbegabungen" nicht auf einem Man- 
gel an Fähigkeiten beruhen könnte, sondern auf einer spezifischen psychogenen 
Hemmung. Wahrscheinlich gemacht wurde das für einen großen Teil der so- 
genannten „Unmusikalischen",^'* die nämlich in der Analyse früher oder später 
zugeben müssen, daß ihnen Musik nicht eigentlich gleichgültig, sondern unange- 
nehm ist: Sie ist zu nahe verbunden der zu verdrängenden infantilen Sexualität. 
Von rein analytischen „Heilungen" von Unmusikalischen ist zwar nichts be- 
kannt, doch können die mehrminder suggestiv erzielten Erfolge von J a k o b y^* 
ebenfalls als Beweis für die Hemmungsnatur mancher Unmusikalität heran- 
gezogen werden. Auf zeichnerischem Gebiet, das nicht nur eine Freiheit des 
Schau triebes, sondern vor allem der Analerotik (Schmierlust) verlangt, deren 

88) Vgl. Freud: Eine Beziehung zwischen einem Symbol und einem Symptom (Ges. 
Sehr. Bd. V) und Reik: Drei psychoanalytische Notizen. Imago XII (1^2^). 

89) z. B. Hermann: Beiträge zur Psychogenese der zeichnerischen Begabung. 
Imago VIII (1922), Organlibido und Begabung. Int. 2. f. Ps.-A. IX (1923) und die 
zusammenfassenden Darstellungen: Die Begabung im Lichte der Psychoanalyse. Z. f. 
ps.-a. Päd. I (1926) und Begabtheit und Unbegabtheit. Z. f. ps.-a. Päd. IV (1930). 

90) B e r n f e 1 d: Zur Psychologie der Unmusikalischen. Arch. f. d. ges. Psych. 34, 2. 

91) Jakoby: Muß es Unmusikalische geben? Z. f. ps.-a. Päd. I (192^). 



94 



Subhmierung zur zeichnerischen Tätigkeit unerläßlich ist, dürfte es nicht 
anders hegen Freüich wäre es heute noch vorschnell zu behaupten, daß 
alle oder auch nur die memen speziellen Unbegabungen von solcher Hemmun.s- 
itur warpn. ^ 



1 



natur waren. 



d) Die traumatische Neurose 



Es xst klar daß alle Neurosen, besonders deutHch Hysterie und Angsthysterie 
.oweu sxe nxcht charakterlich verankert sind und seit der Kindheit cSS 
bestehen, eznen Anlaß haben müssen, bei den, sie ausbrechen. Als Anlaß kl^ 

^JZ^T-^-'^'-'T' ^'' *^ —laggebenden ilt^Z 
bexualkonflikte aktiviert: Also alles, was entweder die infantilen Sexual- 
regungen verstärkt somatische Momente wie Pubertät und KlillfSum 
L^besentuuschungen, die zu Regressionen Veranlassung geben, Lebenssituaren,' 
dze für d:e mfantilen Tnebe Versuchungen darstellen, - oder was die den 

ie7 K r r """' ^'' ^'^ ^''^'^' 'l- K-*-ü°n oder des VerluL 

wxe Unfälle und dgl. können natürlich ebenso einen Anlaß zu neurotischen Er 
krankungen abgeben wie andere Erlebnisse, sei es, indem sie verZ t „ Idl 
masocbstxschen Tnebregungen Versuchung bedeuten, sei es (wohl häu^g") dTß 
«e als Kastration oder als Gefahr, die Liebe des Elternver Leters, d^thick 
-Is . zu verlieren, perzipiert werden. Das ist ohne weiteres v^s^dl et- 
Hysterien, die sich durch nichts anderes auszeichnen, als daß ihr Anlari Un 
a lätlTd T- r T- '^""' '""^'^'^ ^hervorgehoben zu werden. De^ Un- 
N uro •■ ' 'f """'' ^^^^"^""^^ ""'' determinierende Ursache der 

beschritb ", ' u- l '' "" ^" ^'' ^"™^ ^^' »traumatische Neurose" 

U h d h ' ""^i"' '°" '""^ ^" ^^^- ^^^ dokumentiert sich gelegent- 

^ch durch ein groteskes Mißverhältnis zwischen der relativ geringfügigen 

Naturgas „Traumas" und der Schwere der dadurch angeblich bfdinX 

Freud hat darauf hingewiesen, daß Anlaß (aktuelles Erlebnis) und deter- 

Verhältnis einer „Erganzungsreihe" stehen.- Das heißt: Ein Mensch der durch 
Konstitution und infantile Fixierungen eine neurotische Disposiln in das Tr 
wachsene Alter mitbringt, wird schon bei geringen LebensschL^eiten t iV 



r 



95 



fantllen Konflikte aktivieren und erkranken. Der Mensch mit geringer ent- 
sprechender Disposition wird, da ja jeder Mensch in den Resten seiner infantilen 
Sexualität gewisse Ansatzmöglichkeiten dazu mitbringt, bei sehr schweren 
Lebensschicksalen ebenfalls neurotisch erkranken können. Wir bekommen so 
eine kontinuierliche ätiologische Reihe von Fällen, deren Aktualanlaß praktisch 
völlig irrelevant ist, bis zu solchen, deren spezifische Anlässe von ausschlaggeben- 
der Bedeutung sind; aber alle wären letzten Endes an den unerledigten Resten 
ihrer infantilen Konflikte erkrankt. 

Mag ein Unfall nun durch Aktivierung des infantilen Sadomasochismus oder 
der infantilen Kastrationsangst oder durch beides wirken, es wird einleuchten, 
daß wir bei den nach Unfällen einsetzenden Neurosen die Einordnung der Fälle 
in die besprochene kontinuierliche Reihe leichter vornehmen können als 
sonstwo. Je belangloser der Unfall objektiv erscheint, um so geringer werden 
wir seine spezifische ätiologische Bedeutung einschätzen; je erschütternder das 
reale objektive Geschehen, um so eher werden wir verstehen, daß auch Men- 
schen, die sonst gesund geblieben wären, erkranken können. 

Diese letzteren Fälle sind es, die eine eigene Hervorhebung aus der Reihe 
anders gebauter Neurosen verdienen. Es läßt sich für sie eine der alten Schock- 
Theorie nahestehende Erklärung verteidigen, die das Moment der infantilen 
Sexualkonflikte zunächst völlig zu vernachlässigen scheint; wir werden darauf 
zurückkommen, daß dies nur scheinbar ist. 

Wir haben bei der Untersuchung der Frage nach der Herkunft der neuroti- 
schen Angst mit F r e u d®^ unterschieden zwischen „traumatischer Situation", 
d. h. Überschwemmung des seelischen Apparates mit unerledigten Erregungs- 
mengen, und „Gefahrsituation", d. h. Voraussicht, daß eine gegebene Situation 
unter Umständen zu einer traumatischen werden könnte. Wir haben weiter 
verstanden, daß in der traumatischen Situation automatisch Angst entsteht, daß 
das Ich später lernt, bei Gefahrsituationen ein Stück der Angst, die eintreten 
würde, wenn sie sich zur traumatischen weiterentwickelte, als Gefahrsignal vor- 
wegzunehmen; die Angst der Angsthysterie erschien uns als eine der Gefahr- 
situation entsprechende „Ich-Angst", die Angst des Säuglings und die der 
Aktualneurosen als der traumatischen Situation entsprechende „Es- Angst". 

Wenn wir nun einerseits wissen, daß traumatische Neurotiker ungeheure 
Angstquantitäten zu produzieren pflegen, wenn wir andererseits wissen, daß das 
Traumleben dieser Kranken sich über die Wunscherfüllungstheorie der Träume 
hinwegsetzt und immer und immer wieder das höchst unlustvolle Erleben des 
Unfalles reproduziert, als sollte seine noch nicht geleistete psychische Bewälti- 
gung nachgeholt werden, so erscheint für solche Fälle wohl die Theorie gerecht- 

93) Freud: Hemmung, Symptom und Angst (Ges. Sehr. Bd. XI). 



96 



^ 



fertigt, die Freud in „Jenseits des Lustprinzips""« aufgestellt hat und die an 
dxe alten Vorstellungen aus den „Studien über Hysterie«- wieder anscHießf 
Der schwere Unfall wirkte auf das Seelenleben im wahren Sinne „traumatisch" 
Der Reizschutz des seehschen Apparates wurde überwältigt und ungebundene' 
Erregungsmengen überfluteten den Apparat, was sich subjektiv wieder als Be! 
durfnisspannung bemerkbar machen mußte. Eine der Geburt analoge Situation 
war hergestellt. Die Symptomatologie der traumatischen Neurose entspräche 
tei s der sich automatisch emstellenden Es-Angst, teils Versuchen zu nachträg- 
licher Reizbewaltigung. Für diese Theorie spricht das weitere von Freud an- 
geführte Indiz, daß eme traumatische Neurose umso eher eintritt, je plötzlicher 
und unerwarteter das Trauma eintrat, d. h. je weniger der psycHsche Appax 
sich für die zu leistende Abwehr durch Bereitstellung entsprechender Bindung^- 
energien vorbereitet hatte.- Für den Gedanken, daß ein wiederholtes Auftreten 

ZelirT" f r"'"^^-- V--l> - nachträglichen Reizbewaltigung 
darstellt gibt es Analogien bei Tic und schizophrenen Stereotypien. 

Kern Zweifel, daß es so gebaute Neurosen geben kann. (Leider sind sie ob- 
wohl sie von so großer theoretischer Bedeutung wären, praktisch analytisch 'noch 
kaum untersucht worden.) Dennoch hat die Kritik unrecht, die meint, die Ext 
stenz solcher Neurosen widerlege die Freud sehe Theorie von der Ldeuttg 
des Unbewußten und der Sexualität für die Neurosen, denn die (allerdings 
geringe) Erfahrung lehrt, daß auch für solche traumatischen Neuro.! '^l^Z 
Sinne jene Momente durchaus nicht unwichtig sind 

Wir hörten, daß das Ich, durch das traumatische Erleben überrumpelt nach- 
traghch seine Bindungsfunktion zu erfüllen sucht. Aber wie macht es da ^1 
perzipiert seine Niederlage in seinen tieferen Schichten nicht anders als da 
neurotisch disponierte Ich einen weniger mächtigen Krankheitsanlaß perzipier 
d Gefahrdung seiner Existenz, was ja subjektiv nichts anderes 'heißt als 
Kastration und Verlust der Liebe der Eltern (des Schicksals). Die objektiv 
b gründet erscheinende Angst vor dem Verlust des Lebens ruht auf der Basis 

wed?hL" '"".'"" """'"'' '" ^'' ^^^'"^ "^-^ »'^«^ "nd die jetzt 
wieder hochkommen, der Ängste vor Kastration und Liebesverlust. Die Wir- 

NeuLtn Td ^"^=^,.^^\^^'-^- '^-^J-h bei postoperativen traumatischen 
Neurosen, bei denen die Operation als Kastration perzipiert wurde; sie sind 

u d Maßfaf "t '^-,^r^l^^^'^-'>-^- urologischen 0;erationen 
und Maßnahmen als nach Operationen in anderen Körpergebieten.- Die Angst 

ot^N V^"^^'- J'"',"!f 'i« Lustprinzips (Ges. Sehr. Bd. VL S. ^^ 
ll\ B ' ' "j ' ."'''^ Freud: Studien über Hysterie. ^ ^* 

96) Freud: Jenseits des Lustprinzips (Ges. Sehr. Bd. VL S i<,8^ 
f. S-A XVn'dSx; '"^ Potenzstörungen „ach urologischen Splationen. Int. Z. 



i 



^7 



i 

^Bvor Liebesverlust bei „übertragungsneurotischen" Typen der Kriegsneurosen 

^ wurde besonders von P f i s t e r klar gestellt»^® Die narzißtisch-libiditiöse Natur 

' der Kräfte, die sich diesen Ängsten entgegensetzen, ist schon längst an anderen 

Objekten als der traumatischen Neurose nachgewiesen worden. Die Existenz 

des libidinösen Narzißmus ist also die Widerlegung der Behauptung von der 

ahbidinösen Natur der Unfalls- und Kriegsneurosen.®® 

Kompliziert wird die Sache dadurch, daß es in der Seele des Menschen, zu- 
mindest in der Seele mancher Menschen, eine Instanz gibt, die mit dem lebens- 
vernichtenden und kastrierenden Schicksal konform geht: das Über-Ich. Das 
traumatisch gefährdete Ich erlebt nicht nur das Schreckliche; Ich werde vom 
Schicksal, diesem Nachfolger des Elternpaares, verlassen und kastriert, sondern 
darüber hinaus: Es geschieht mir recht, denn ich bin schuldig; und: Ich bin 
ganz hilflos und verlassen, weil ich von mir selbst (von meinem eigenen Über- 
ich) verlassen werde. Eine solche Verinnerlichung des ursprünglich zwischen 
Außenwelt und Ich spielenden Gegensatzes zu leinem, der jetzt zwischen Ober-Ich 
und Ich spielt, macht die traumatische Neurose zu einer wahrhaft narzißtischen 
AfFcktion. Wird so der Unfall als Bestrafung perzipiert, so ist es klar, daß 
die bestrafte Schuld letzten Endes nichts anderes ist als die infantile ödipus- 
schuld, ohne deren Vorhandensein gewiß auch die traumatischen Neurosen, 
wenigstens in der Form, in der wir sie kennen, nicht existierten. 

Wir sagten: Ein Teil der Symptomatologie der traumatischen Neurosen mag 
direkt dem Durchbruch des Reizschutzes, der Überflutung des seelischen Appa- 
rates mit unerledigten Erregungsquantitäten entsprechen. Ein anderer Teil ent- 
spricht der Reaktion des Ichs darauf. Diese Reaktion ist wieder teilweise Ver- 
such zum Nachholen der Bindung. Zum großen Teil ist aber für die Reaktion 
des Ichs charakteristisch, daß das Trauma sofort in assoziative Zusammen- 
hänge eintrat und infantile Konflikte aktivierte, alten infantilen Drohungen 
und Erlebnissen plötzlich ernsten Charakter verlieh. So zeigt z. B. Stau- 
dach er, daß die Symptomatologie einer auf einen Granatschock folgenden 
Kriegsneurose in allen Details durch ein Erlebnis des dritten Lebensjahres 
determiniert war."^ Dem Ich droht im Trauma das Schicksal, d. h. der Vater, 
mit Kastration und Liebesentzug, ja, es droht der introjizierte Vater, das Über- 
Ich, den Konflikt so zu einem rein narzißtischen gestaltend. So sieht sich das 
Ich von allen äußeren und inneren Schutzmächten verlassen. 



98) Pf ist er: Die verschiedene Psychogeneität der Kriegsneurosen. Int. 2. f. 

Ps.-A. V (1919). . ,. 

99) Siehe Simmei: Kriegsneurosen und psychisches Trauma 1918 und die 
Broschüre: Zur Psychoanalyse der Kriegsneurosen mit Beiträgen von Freud, 
Ferenczi, Abraham und Jones. 

100) Staudachen Heilung eines Falles von Kriegsneurose. Int. 2. f. Ps.-A. 
XIV (19Z8). 

7 F e n i e h e 1, Hysterien und Zwangsneurosen 



98 



Freud hat bezüglich der Kriegsneurosen darauf aufmerksam gemacht daft 
als mtrapsychischer Vertreter solchen Schicksals nicht nur das eigentliche in 
der Kindheit erworbene Über-Ich in Betracht kommt, sondern auch erst später 
durch dentzfizxerung in der Seele geschaifene Instan2en. also alle jene späteren 
dealbxldungen, die m:t dem eigentlichen aus dem Ödipuskomplex stammenden 
Über-Ich m Konflikte geraten können und leider noch al Wenig durchforscht 
smd Freud hat von „parasitären Doppelgängern des Über-Ichs" gesprochen 
die für bestimmte Zeiten die Macht des Über-Ichs an sich reißen können - 
Radö hat gezeigt daß etwa die intrapsychische Repräsentanz der Befehle des 
Hypnotiseurs als solches „parasitäres Über-Ich" aufgefaßt werden muß - Fi„ 
solcher Doppelganger ist auch nach Freud das suggerierte „Kriegs-Über-Ich" 
das im Gegensatz zum verwurzelten eigentlichen Über-Ich sonst verpönte Trieb- 
handlungen gestattet, ja gebietet, dagegen in „Tapferkeit" und dgl. neue For- 
derungen erhebt, die das Ich in einer unerhörten, vom eigentlichen Über-Ich 

Freud in vielen Kriegsneurosen das ..Friedens-Ich" zur Wehr 

So setzen sich die Erscheinungen der traumatischen Neurose praktisch aus 
viererlei Elementen zusammen; in verschiedenen Fällen werden die vier MotL 
in verschiedener relativer Stärke vertreten sein: 

i) Konversionshysterische Erscheinungen. 

2) Das eigentlich traumatische Element, die Durchbrechung des Reiz- 
schutzes und seine Wiedergutmachung. 

3) Die Erscheinungen der aktualisierten Angst vor den Eltern wegen infan- 
tiler Vergehen und ihrer Abwehr. 

4) Die Erscheinungen des „Ich-Konfliktes", der narzißtischen Spannung 
zwischen Ich und Über-Ich, resp. Über-Ich-Parasit. 

Von den für die traumatische Neurose charakteristischen Symptomen gehört 
der Wiederholungszwang, der die Kranken in Traum und Lebfn I Unfa 
immer wieder erleben läßt, in die zweite Kategorie. Die so häufigTAng 

'ZlZl'trt^V^''^ ""' ''' '' ^'''''-' verschiedenen KatgoriL 
17 7" u ^^" '^"'^ ''"'" ^"'^^'"^ '^^"'^ ^°° 'J-^lben Art sein wie 
1 sor "ht ' '•""\^'°^. ''^^ ^'^^^^"^"^^ ''^•'^')- ^- --- Kategorie 
v^rttll"" t:\^\'T ^^^—1°^« "E-Angst"; bei Fällen der 
verten Kategone erhalt die Auffassung Freuds. Todesangst sei die Angst 

l!!^!!!::!!!!:::!:!,^^ wir beflr 



99 



r 

H Melancholie zurückkommen werden und die für die Psychologie des Selbst- 
I mordes von grundlegender Bedeutung zu sein scheint/*** ihren guten Sinn. 

Daß sekundäre Gewinne, die bei der Genese belanglos sind, später und vor 
allem praktisch von ausschlaggebender Bedeutung werden können, gilt natür- 
lich für die traumatischen Neurosen nicht anders als für die Hysterien („Ren- 
tenneurosen"). Rücksicht auf sekundäre Gewinne mag neben allgemeinen 
Widerstandsmotiven auch dafür ausschlaggebend sein, daß bei traumatischen ' 
Neurosen, die am anderen Ende der kontinuierlichen Reihe liegen, also bei 
Konversionshysterien, die bloß durch einen unbedeutenden Unfall veranlaßt 
worden sind, vom Kranken selbst der Unfall als „Ursache" besonders in den 
Vordergrund und dadurch die zu verdrängenden psychischen Konflikte in den 
Hintergrund gerückt werden. Überlegung und Erfahrung zeigen, daß der Emp- 
fang einer Rente oder der Kampf um eine solche für eine analytische Behand- 
lung keinen guten Boden schafft. Trotzdem wird, wer für das neurotische 
Geschehen analytisches Verständnis besitzt, über die Rentenfrage anders denken 
als es meistens üblich ist. 

Man könnte nun im Anschluß an die Besprechung der traumatischen Neurose 
noch kurz die Frage erörtern, was von der alten „Trauma-Lehre" noch gilt, 
wie weit alle Hysterien eigentlich als traumatisch aufzufassen sind. Die Ant- 
wort lautet: Nur insofern, als sie auf Verdrängungen bestimmter Situationen 
beruhen. Nun haben wir aber erfahren, wie solche Situationen nicht um ihrer 
selbst willen verdrängt werden, und wie die BegrijEFe Ödipuskomplex, Kastra- 
tionskomplex und dgL nicht einen einmaligen Wunsch, nicht eine einmalige 
Drohung bedeuten, die aufgefunden werden müßte, um den Patienten mit 
einem Schlage zu heilejh. Nur dann ist jede Hysterie eine traumatische, wenn 
wir als „Trauma" die gesamte Kindheit und häufig genug auch die Latenzzeit 
und Pubertät rechnen würden, was gewiß dem Begriffe des „Traumas" wider- , 
spricht. 

Und wie ist es mit der analytischen Therapie bei den traumatischen Neurosen? 
Soweit sie Hysterien oder hysterieähnlich sind, sind sie auch ebenso gut zu 
behandeln wie Hysterien. Je mehr man aber den Begriff auf das andere Ende 
der kontinuierlichen Reihe beschränken möchte, um so unsicherer dürfte die 
Prognose werden. Leider ist die Literatur über diesen Gegenstand noch sehr 
gering, so daß man kaum etwas Sicheres aussagen kann. Ist nur die Erregung 
des „Traumas" nachträglich zu binden, so wird die Neurose nach einiger Zeit 
spontan heilen. In den übrigen Fällen dürfte man auf analytischen Erfolg 



104) Ich darf in diesem Zusammenhang an den als „Organneurose" zitierten Fall 
(S. 73) erinnern. Es bestand die symbolische Gleichung Herz = Über- Ich = introjizierter 
Vater. Die Todesangst der Pseudoangina pectoris war die Angst, vom Über-Ich ver- 
lassen zu werden. 



7* 



lOO 



umso eher hoffen, je größer der relative Anteil der kindlichen Objektbeziehun- 
gen in der Ätiologie ist, je höher aber der narzißtische Einschlag, umso weniger' 
Aus praktischen wie theoretischen Gründen wäre sehr zu wünschen daß 
mehr hieher gehörige Fälle einer analytischen Behandlung unterzogen würden 



^ 



\l ' 



IV, KAPITEL 

I 

Zwangsneurose 

Die Zwangsneurose scheint auf den ersten Blick ein dankbareres Objekt für die 
psychoanalytische Untersuchung darzustellen als die Hysterie. Ihre Symptome 
und Merkwürdigkeiten spielen sich ausschließlich auf psychischem Gebiete ab; 
die Aufdeckung ihrer Genese und Gesetze scheint deshalb eine legitime Aufgabe 
einer rein psychologischen Methode. Das Rätsel der Konversion, das uns in uner- 
wünschter Weise somatische Komplikationen brachte, fallt hier weg. 

Trotzdem ist sie aber viel schwerer durchschaubar. Ihr Aufbau ist kompli- 
zierter, der Weg vom verursachenden Konflikt bis zum Symptom ein verschlun- 
gener er. Die Erforschung der Zwangsneurose befindet sich vielfach noch in dem 
Stadium einer in Gang befindlichen Analyse, die Freud einmal mit einem 
Mosaikspiel verglichen hat.^ Einige größere oder kleinere Komplexe sind ver- 
ständlich geordnet, sinnvoll. Wie sie sich alle zu einem Ganzen zusammenfügen, 
bleibt aber noch an manchen Stellen fraglich. Die Zwangsneurose als solche ist, 
wie Freud sagte, als Problem noch unbezwungen.^ 

Methodisch werden wir am besten so vorgehen, daß wir mit dem beginnen, 
was sich am ehesten aus der Fülle der Erscheinungen der Zwangsneurose isolieren 
läßt, dem Symptom. Dieses bietet uns wieder einzelne Züge, die uns von der 
Hysterie her bekannt erscheinen, und an denen wir eine erste Orientierung 
gewinnen können. So müssen wir mit den Übereinstimmungen zwischen dem 
hysterischen und dem Zwangssymptom beginnen; bei dem Vergleich werden uns 
die Differenzen ebenfalls auffallen. 

Gemeinsam ist vor allem, daß das Zwangssymptom ebenso wie das hysterische 
auf einem Triebkonflikt basiert. Es ist verhältnismäßig unschwer, sich — wenn 
man eine größere Anzahl von Zwangssymptomen daraufhin ansieht — auch ohne 
tiefgehende Analyse davon zu überzeugen. Ein gut Teil der Zwangszweifel läßt 

i) Freud: Zur Ätiologie der Hysterie (Ges. Sehr. Bd. L S. 420). 

2) Freud: Hemmung, Symptom und Angst (Ges. Sehr. Bd. XL S. 52). 



102 



sich, in kindliche Sprache übersetzt, auf die Formel reduzieren: „Kann ich 
schlimm sein oder muß ich brav sein?", was wiederum nichts andere^ heißt, als 
daß der Patient zwischen seinen Trieben und ihnen entgegengesetzten Tendenzen 
schwankt. Die einzelnen Symptome, so weit sie leicht als sinnvoll zu erweisen 
sind, geben dann - wie bei der Hysterie - entweder mehr den Trieben nach 
stellen also e n t s t e 1 1 1 e B e f r i e d i g u ngen dar, oder sie manifestieren 
mehr die Wirksamkeit der verdrängenden Kräfte und tragen Straf- oder 
Bußcharakter. 

Als Beispiel für die erste Kategorie seien jene rhythmisch wiederholten 
Zwangshandlungen, wie Klopfen, Muskelspiele rnid dgl. genannt, die sich bei 
der psychoanalytischen Untersuchung als Onanieäquivalente erweisen. Diese 
Natur des Symptoms ist dem Patienten unbewußt; es handelt sich wie beim 
Konversionssymptom um eine Wiederkehr des Verdrängten aus der Verdrängung 
Hier stoßen wir übrigens schon auf die erste bedeutsame Differenz: Es kommt 
vor, daß der Wortlaut der verdrängten, früher in der unterdrückten Onanie 
abgeführten Tendenz dem Zwangsneurotiker bewußt ist. Nicht nur daß es 
z. B eine Zwangsonanie gibt, bei der der Sexualcharakter des Symptoms von 
vornherein manifest ist; es tauchen auch die speziellen infantilen Triebinhalte 
die die Analyse als eigentlichen Gehalt der Onaniephantasien nachweist, oder 
wenigstens manche von ihnen, ins Bewußtsein. Recht häufig sind zwanghafte 
Mordgedanken, die der direkte Ausdruck infantiler Mordimpulse sind. Sie er- 
scheinen typischerweise allerdings ihres Affektgehaltes entkleidet, werden also 
nicht nur zwanghaft, also ichfremd, erlebt, sondern außerdem häufig überhaupt 
nicht als Impuls, sondern als leerer Vorstellungsinhalt, was offenbar Werk der 
Entstellung ist. (Allerdings macht F r e u d wiederum darauf aufmerksam, daß 
solche leeren Vorstellungsinhalte, von denen die Patienten sagen, daß sie sie 
„kalt lassen könnten", sie praktisch gar nicht kalt lassen.») Auch die auf dem 
Wege zu den eigentlichen pathogenen Triebtendenzen liegenden Erinnerungen 
aus der Kindheit oder späterer Zeit können im Gegensatz zur Hysterie durchaus 
bewußt sein. Die alte rein beschreibende Formel lautet: Bei der Hysterie sind die 
veranlassenden Szenen verdrängt, bei der Zwangsneurose ihre Zusammenhänge 
mit dem Symptom. Diese Differenzen des Bewußtseinsbereiches bei Hysterie und 
Zwangsneurose werden wir uns also als ersten wesentlichen Unterschied, den 
eme Theorie der Zwangsneurose zu erklären haben wird, merken. Sie deutet auf 
eine Differenz der vom Ich gegen die unliebsamen Triebe angewandten Ab- 
wehrmethode. 

Für den zweiten Typus von Zwangssymptomen, denen mit Büß- und 
btraf Charakter, sei als Beispiel der Waschzwang genannt. Seine Trieb- 



I 



103 

grundlage ist die Infantile Schmutzlust. Wer sich immer wäscht, kann bestimmt 
nicht schmutzig sein. Das Symptom dient der Abwehr, der Überkompensation des 
anstößigen Triebes. Die Entstellungsmechanismen sind dabei im allgemeinen die 
gleichen wie bei der Hysterie, nur scheint dem Mechanismus der „Verschiebung 
auf ein Kleinstes" eine für die Zwangsneurose besonders ausgesprochene Rolle 
zuzufallen. Es ist für den Zwangsneurotiker charakteristisch, daß seine Sym- 
ptome, seine Grübeleien, Zweifel und dgl. sich um scheinbar banale, gering- 
fügigste Dinge drehen, ein Zug, der am Wesen des Zwangsneurotikers als einer 
der sonderbarsten auffällt. Es stellt sich dann heraus, daß — genau so wie bei 
den Deckerinnerungen — die „Kleinigkeit", um die der Zwang geht, der ent- 
stellte, durch Verschiebung zustandegekommene Vertreter einer mit ihm asso- 
ziativ verbundenen, durchaus wichtigen Angelegenheit Ist. Auch bei den Buß- 
symptomen fallen uns gleich Differenzen gegenüber den hysterischen Sym- 
ptomen in die Augen: Wir haben zwar von den hysterischen Symptomen gesagt, 
daß Sit häufig nicht nur dem durchbrechenden verdrängten Trieb, sondern In 
ihrer Straf bedeutung auch den verdrängenden Kräften Abfuhr geben: Dies 
war aber hier nur akzidenteller Natur. Das scheint bei der Zwangsneurose 
anders zu sein. Die Abwehr-, Büß- oder Straf Symptome erscheinen auf den 
ersten Blick mindestens ebenso häufig wie die Befriedigungssymptome. Die 
Analyse der historischen Entwicklung der Zwangsneurose überzeugt uns, daß bei 
der Entstehung der Abwehrcharakter der Symptome überwiegt, und daß sich der 
Befriedigungscharakter erst allmählich im Verlaufe der Entwicklung der schon 
etablierten Neurose vordrängt. Diese relative Prävalenz der Abwehr wollen wir 
als zweite Differenz gegenüber der Hysterie festhalten. 

Neu und charakteristisch scheint auch die Neigung zu „Buße n" zu sein. 
Die Symptome sollen etwas wieder gut machen, eine Gewissensregung ver- 
söhnen. Es Ist nicht mehr so, als ob im wesentlichen bei Befriedigung der 
anstößigen Triebregungen die Rache der Außenwelt gefürchtet wird (Liebes- 
verlust, Kastration); vielmehr scheint hier der ganze Prozeß in einem höheren 
Maße verinner licht; der gefürchtete Rächer wird nicht in der Außenwelt, sondern 
in der eigenen Seele angenommen. Die ganze Persönlichkeit des Kranken scheint 
gespalten In ein Kind, das schlimm sein, aber auch einen strengen Erzieher durch 
Bußen versöhnen will, und In den strengen Erzieher, der das schlimme Kind mit 
Strafen bedroht. Hier wird nicht mehr — wie bei der Phobie — eine äußere 
Wahrnehmung, sondern ein Innerer Vorgang gefürchtet. Dem entspricht, daß der 
Phobiker eine seiner eigenen Person drohende Gefahr fürchtet, während es in 
Zwangsbefürchtungen so oft heißt, einem äußeren Objekt drohe eine (nämlich 
vom Kranken ausgehende) Gefahr. Diese „Verinnerlichung", die unvergleichlich 
größere Rolle, die dem Über-Ich für Mechanismen und Symptomatologie 
zukommt, Ist die dritte Differenz gegenüber der Hysterie* — Und endlich noch 



104 



eines: Wo wir bei dem hysterischen Symptom den Abwehrcharakter deutlich 
sahen, da war es die Gleichzeitigkeit dieses Abwehrcharakters mit einer unbe- 
wußten Befriedigung, die uns auffiel. Das gibt es, wie wir noch hören werden, bei 
der Zwangsneurose auch. Aber außerdem gibt es hier die sogenannten „zwei- 
zeitigen Symptome", Zwangshandlungen, bei denen der Kranke rasch 
hintereinander widersprechende Handlungen ausführen muß, deren zweite die 
erste wieder aufhebt. Die Analyse ergibt, daß das eine der Symptome Abwehr-, 
das andere Befriedigungscharakter hat. So muß z. B. der „Rattenmann" einen 
auf der Straße liegenden Stein wegräumen und dann wieder hinlegen.* 

Ein Patient muß, als seine Mutter schwer erkrankt, Zwangsgebete für die Mutter 
aussprechen und sich dann einen leichten Schlag auf den Mund geben. Mit dieser 
Zwangshandlung hob er unbewußt die Wirkung des Gesagten wieder auf. 

Die Existenz der zweizeitigen Symptome erscheint als vierte Differenz gegen- 
über der Hysterie. 

Sehen wir die der Neurose zugrundeliegenden Triebkonflikte näher an, so 
fällt ebenso wie bei der Hysterie ihre „historische Basis« auf. Man kann von 
den Zwangsneurotikern ebenso wie von den Hysterikern sagen, daß sie an „Re- 
miniszenzen" leiden. Ich erinnere etwa an das klassische Beispiel Freuds von 
der komplizierten Zwangshandlung mit der roten Tinte,« die nie verständlich 
wäre ohne Kenntnis der zugrundeliegenden „traumatischen" Erinnerung an die 
Hochzeitsnacht. Bei sehr vielen Zwangssymptomen muß man, um zu ihrem 
Verständnis zu gelangen, fragen: Wann ist dieser Zwang zum ersten Male auf- 
getreten? und wird nur in den historischen Details der damaligen Szene die 
Erklärung für das spätere Zwangsverhalten finden. 

Ein Patient muß vor dem Schlafengehen lange Zeit hindurch das Fenster abwech- 
selnd offnen und schließen. Die Analyse ergibt, daß das Symptom zum ersten Male 
auttrat, als er im Pubertätsalter mit einem Kameraden, mit dem er zusammenschlief, 
emen Streit darüber hatte, ob das Fenster geöffnet oder geschlossen werden sollte. Der 
spatere tagliche Abendzwang bedeutete also zunächst: Wer wird sich durchsetzen wer 
von uns ist stärker? Von dieser Formel aus gelang es, tiefer ins Unbewußte ein- 
zudringen, und die Frage: Soll ich mit den anderen Männern männlich den Kampf 
aufnehmen oder soll ich, passiv-feminin, mich willenlos ihren Wünschen fügen> die 
in der homosexuellen Versuchungssituation des gemeinsamen Schlafraumes in' der 

Zwangsneurose" ^°"^'" '^*'' "^'^' ''^^ ''^ ^^' "'^'"''' ^*'"^'''' '^^ 

Auch daß diese historische Basis immer wieder die infanule Sexualität ist, 
wird in der Analyse ebenso deut lich, dank der Differenzen des Bewußtseins- 

Bd^^vJlI.'s^to?"'"'^'"'^"' "'"' ''"'° ^*" ^°" Zwangsneurose (Ges. Sehr. 
Bd!ML|.\%I°."'^"""^'" ^""^ Einführung in die Psychoanalyse (Ges. Sehr. 



105 



r 

H Inhalt selbst scheint — zunächst wenigstens für manche Fälle — identisch zu 
H sein: Der Ödipuskomplex ist oft viel gröber und deutlicher schon auf den ersten 
H Blick als wirksam zu erkennen als bei der Hysterie, 

H Ein leider nicht analysierter Patient klagte über zweierlei Zwangsimpulse: Erstens 
V hatte er beim Anblick einer Frau den Gedanken: Ich könnte diese Frau töten. Zwei- 
tens beim Anblick von gefährlichen Instrumenten (Messer, Hammer) den: Ich könnte 
mir damit mein Glied abschneiden oder abhacken. — • Die nähere Befragung ergibt, 
daß der erste Impuls zuerst in der Form aufgetreten war: Ich könnte meine Mutter 
töten. Die Ausdehnung auf alle Frauen war bereits eine entstellende Verallgemeinerung. 
Wenn wir nun weiter erfahren, daß der Betreflfende sexuell asketisch lebte und nur 
eine Form von Sexualbefriedigung kannte, Pollutionsträume mit der Vorstellung, daß 
er eine Frau erwürge oder sonstwie töte, so ist wohl kein Zweifel, daß die gegen 
Frauen gerichteten Mordimpulse nur ein entstellter Ausdruck für seine sexuellen Ge- 
lüste waren. Machen wir diese Entstellung rückgängig, so leidet also der Patient an den 
beiden Impulsen: Die Mutter sexuell zu vergewaltigen und sich das Glied abzuhacken, 
ein zweizeitiges Symptom, dessen erste Hälfte die Befriedigung des ödipuswunsches, 
dessen zweite die dafür gefürchtete Strafe, die Kastration, darstellt. 

Aber ganz so einfach ist diese Übereinstimmung mit der Hysterie nicht. 
Schon an diesem Beispiel fällt uns auf, in welcher WdsQ der Inzestwunsch ent- 
stellt ist, Wie kommt es zustande, daß der Patient im Symptom sagt „die Mutter 
töten", wenn er meint, „mit der Mutter sexuell verkehren"? Die Sexualträume 
des Patienten waren offenkundig sadistischer Natur. Im Zwange scheint sich 
dieselbe sadistische Einstellung gegen eine Abwehrtendenz durchzusetzen. Wir 
haben es inhaltlich also nicht nur mit einer infantilen Bindung an die Mutter, 
sondern speziell mit einer sadistischen Form dieser Bindung zu tun. Es scheint 
dies kein Zufall zu sein. Unverhüllte oder verhüllte Grausamkeitstendenzen 
oder Reaktionsbildungen gegen solche sind regelmäßig bei allen Zwangsneurosen 
aufzudecken. Mit ebensolcher Regelmäßigkeit finden sich aber auch analerotische 
Tendenzen und Abwehren gegen solche in verschiedenster Form. Dieses regel- 
mäßige Zusammentreffen von grausamen und analen Zügen bei der Zwangs- 
neurose, auf die Jones besonders hingewiesen hat,^ hat Freud erst von der 
engen Zusammengehörigkeit dieser beiden Gebiete, von der Existenz einer 
infantilen „anal-sadistischen" Organisationsstufe der Libido überzeugt.'^ Die 
anal-sadistische Natur der abgewehrten und sich dennoch durchsetzenden in- 
fantilen Sexualregungen ist ein weiterer Unterschied gegenüber der Hysterie. 
Ist man einmal darauf aufmerksam geworden, so ist die anal-sadistische Trieb- 
einstellung des Zwangsneurotikers in der einen oder anderen Form meist schon 
ohne tiefgehende Analyse am manifesten Symptombild deutlich; in manchen 

6) Siehe Jones: Haß und Analerotik in der Zwangsneurose. Int. Z, f. Ps.-A. I 

7) Freud: Die Disposition zur Zwangsneurose (Ges. Sehr. Bd. V). 



xo6 



Fällen nur durch die überdeutliche Abwehrbetonung, durch eine überkompen- 
si^rende Güte, durch Sinn für Gerechtigkeit, Ordnung und ReinKchkeit, durch 
Unfähigkeit zu jeder, auch der praktisch notwendigen Aggression, durch Pein- 
lichkeit in allen Geldangelegenheiten u. dgl. m.; häufiger durch ein Gemenge 
von solchen Zügen und extrem widersprechenden direkten analen und sadisti- 
schen Triebhandlungen oder Charakterzügen, die dem ganzen Verhalten des 
Patienten etwas irrational Widerspruchsvolles geben. Sie sind ordentlich und 
unordentlich, sauber und schmutzig, gütig und grausam zugleich. (Ich verweise 
diesbezüglich auf die Schilderungen des analen Charakters bei F r e u d^ 
Jones« und Abraham^'*.) Gelegentlich ist die Triebgrundlage solcher Er- 
scheinungen überhaupt nicht zu übersehen. Es ist nicht selten, daß ein Zwangs- 
neurotiker, der in Zwangshandlungen, Äußerungen oder Benehmen jene 
Charakterzüge zeigt, gleich in der ersten Besprechung betont, daß ihm der 
Sexualverkehr nebensächlich sei, aber beim Aussprechen anal-obszöner Worte 
in freudiges Lachen ausbricht und sich dabei über zwanghafte Mordimpulse be- 
schwert. Oder die Absicht von Zwangssymptoraen, Schmutzlust abzuwehren, 
wird auch ohne Analyse deutlich, wenn komplizierte Zeremoniells bewußt dazu 
dienen, Verunreinigungen mit realem oder imaginärem Schmutz zu vermeiden. 
So konnte Freud sagen, dk Trieborganisation des Zwangsneurotikers erinnere 
an die des Kindes vor Erreichung des Genitalprimats, wo der Akzent ebenfalls 
auf den analen und sadistischen Regungen ruhte.^^ 

Dieser Vergleich mit dem Kinde der prägenitalen Zeit scheint allerdings in 
Widerspruch zu stehen zu unserem früheren Fund, daß die Zwangsneurose, 
oder vielleicht nur manche Zwangsneurose, sich ebenfalls um die Abwehr des 
Ödipuskomplexes bemüht, da wir die Höhe des Ödipuskomplexes des Kindes 
in die phallische Stufe verlegen. Weiter scheint mit dem Analsadismus der 
weitere Befund im Widerspruch, daß viele Zwangshandlungen eine besonders 
enge Beziehung zur kindlichen genhalen Onanie, ihrer Abwehr bzw. ihrem Sich- 
dennoch-Durchsetzen zeigen. Diese Beziehung zur Onanie scheint eine viel 
typischere als die gelegentlich — - wie wir erwähnten — auch bei der Hysterie 
nachweisbare. Wir müssen sogar die besonders innige Relation zwischen Symp- 
tom und Onanie als einen weiteren Diiferenzpunkt zur Kenntnis nehmen und 
werden mit seiner Aufklärung und mit der der anal-sadistischen Prävalenz auch 
den scheinbaren Widerspruch zwischen prägenitaler und genitaler Deutung der 
Zwangssymptome zu lösen haben. 



8) Freud: Charakter und Analerotik (Ges. Sehr. Bd. V) und Über Trieb- 
umsetzungen, insbesondere der Analerotik (Ges, Sehr. Bd. V). 

9) Jones: Über analerotische Charakterzüge. Int. 2. f. Ps.-A. V (191^). e 

10) Abraham: Psychoanalytische Studien zur Charakterbildung. 1 il 

11) Freud: Die Disposition zur Zwangsneurose (Ges. Sehr. Bd. V. S. 281 ff.). !f 



107 

Endlich müssen noch zwei weitere Differenzen, die schon Erwähnung ge- 
funden haben, ausdrücklich hervorgehoben werden: EHe Differenz bezüglich der 
Amnesien, die Formel: bei der Hysterie wird die Erinnerung, bei der Zwangs- 
neurose ihr Zusammenhang mit dem Symptom verdrängt, — läßt ebenso wie die 
„zweizeitigen Symptome" die Frage aufwerfen, ob die Methoden, die das Ich 
des Zwangsneurotikers gegen unliebsame Triebregungen anwendet, nicht ganz 
andere sind als bei der Hysterie, ob hier nicht neben der Verdrängung noch 
andere, neue Abwehrmethoden zu erkennen sind. 

Wir erwähnten auch bereits die charakterlichen Verankerungen der Reak- 
tionsbildungen der anal-sadistischen Triebregungen bei Zwangsneurosen. Auch 
bei Hysterikern fanden wir eine ähnliche Erscheinungsform der „Gegen- 
besetzung"; z. B. wenn die Hysterika, die ihr Kind unbewußt haßt, zu ihm 
überzärtlich wird. Aber dort blieb diese Zärtlichkeit auf das eine Objekt, 
häufig auch auf kurze Zeit, beschränkt. Der Zwangsneurotiker scheint eher 
dazu zu neigen, ein überhaupt zärtlicher Mensch zu werden, d. h. seine 
Reaktionsbildung charakterlich zu verankern. Man kann gleich den Verdacht 
äußern, daß dies mit der „größeren Verinnerlichung" des Zwangsneurotikers, 
mit der größeren Bedeutung, die dem Über-Ich zukommt, zusammenhängt. 
Aber dieses Auftreten von reaktiven Charakterzügen scheint nicht die einzige 
Art zu sein, in der — und damit haben wir bereits die isolierte Betrachtung 
des Symptoms verlassen — der Charakter des Zwangsneurotikers durch seine 
Krankheit verändert wird. Es kommen noch die ebenfalls schon erwähnten, 
zum Krankheitsbild direkt gehörigen Charakterzüge, Neigung zum Zweifeln 
und Grübeln, hinzu, und endlich scheint sich besonders die Tätigkeit des 
Intellekts, das Denken, in einer formal eigenartigen Weise verändert zu haben, 
die wir später noch zu beschreiben haben werden. Besonders zugespitzte Logik 
scheint sich mit einer durchaus irrationalen magischen Unlogik gut zu ver- 
tragen, das ganze Denken nimmt eine trotzige, eigensinnige, von merk- 
würdigem Aberglauben, an den der Patient nicht glaubt, und den er doch 
festhält, durchsetzte Eigenart an. Damit verbunden ist eine für die analytische 
Arbeit besonders unangenehme Erscheinung, eine außerordentliche Er- 
schwerung der für die Kur notwendigen „freien Assoziation", die dem 
Hysteriker so leicht fiel. Der Patient bringt es nicht fertig, sich loszulassen 
und problemlos und unsystematisch zu reden, etwas zu sagen, ohne zu wissen, 
wo es hinführen wird. Er steht unter einer der Analyse ungünstigen gesteigerten 
Selbstkontrolle. 

Die Zwangsneurose stimmt also mit der Hysterie darin überein, daß sie 
einen Versuch darstellt, auf unzweckmäßige Weise einen Konflikt zwischen 
einer nicht überwundenen oder wieder aufgefrischten infantilen Triebregung 
und ihrer Abwehr durch das Ich zu lösen. Sie unterscheidet sich von ihr durch 



io8 



eine Reihe von Punkten: Das Bewußtwerden des VorsteUungsinhaltes mancher 
anstößiger Triebregungen; das Überwiegen der Abwehrsymptome über 
die Befnedigungssymptome; die große „Verinnerlichung"; das Hervortreten 
der Rolle des Über-Ichs; die Existenz zweizeitiger Symptome; die große Rolle 
die einerseits die anal-sadistischen Triebregungen, andrerseits die genitale 
Onanie spie t; das Wirksamwerden neuer Abwehrmethoden des Ichs und 
spezifische Veränderungen des Charakters bestimmen die Besonderheit der 
Zwangsneurose. Eine Theorie der Zwangsneurose wird also diese Eigenarten 
einheithch zu erklären haben. Eine völlig gesicherte eindeutige Theorie lie« 
wie gesagt, noch nicht vor. Ich will versuchen, zusammenzustellen, wie nat 
die Auffassungen Freuds einer solchen Theorie bereits kommen. 

Ausschlaggebend für jede Theorie der Zwangsneurose ist der Begriff der 
Regression Freud hat in seiner ersten diesbezüglichen Publikation 
also vor Aufstellung der anal-sadistischen Organisationsstufe der Libido, diesen 
Begriff in einem anderen Sinne gebraucht als später. Er schreibt dort von 
„Gedanken, die regressiv Taten vertreten".- Was ist damit gemeint? Der 
Zwangsneurotiker, der sich wegen unbewußter Mordimpulse schwere Buß- 
handlungen und Einschränkungen auferlegt, tut so, als ob er ein Mörder 
wäre. Viele Zwangshandlungen erweisen sich bei der Analyse als Schutz- 
maßnahmen für Personen, denen der Patient unbewußt den Tod wünscht, so 
als ob er tatsächlich der Meinung wäre, daß sein bloßer Wunsch auch real 
toten konnte. So kann man also sagen: der Zwangsneurotiker überschätzt seine 
Gedanken, glaubt wie es ein Patient von Freud ausdrückte, an die 
„Mmacht der Gedanken"." Dieser Glaube und seine narzißtische Grundlage 
sind, wie bekannt, Bestandteile des magischen Weltbildes, dessen Wirksam- 
keit m der Zwangsneurose, auch in dem merkwürdigen erwähnten Aber- 
glauben der Zwangsneurotiker (Zwangsorakel, Zwangsopfer u. dgl.) zu Tage 
tritt. Es scheint so, als ob bei den Zwangsneurotikern eine primitive Denk- 
stufe wieder aktuahsiert worden wäre. Man könnte in diesem Sinne mit Recht 
von einer Regression, von einem Zurückgreifen auf schon überwunden 
gewesene Formen sprechen, Formen, bei denen zwischen Gedanken und den 
Taten, die durch sie repräsentiert sind, noch nicht unterschieden wurde. Das 
Merkwürdige ist, daß diese Regression zum Narzißmus beim Zwangsneurotiker 

2jrA '%.ff ""^'^ "' ^^"^"'^ '"^ ^^'^ - '^-^ - das Orakel 

gaubt, daß er es erfüllen muß, obwohl er bewußt gleichzeitig weiß, daß es 

Unsinn ist. über diese merkwürdige Spaltung der Persönlichkeit des Zwangs- 
neurotikers später. -^vviiigs 

Bd'vnrs^tzJr"^"""'" "'"'" ""'" ^*" von Zwangsneurose (Ges. Sehr. 
13) Freud, ebenda S.338. 



Im libidotheoretischen Sinn bedeutet „Regression" heute etwas anderes. Beim 
Hysteriker haben wir angenommen, daß der verdrängte Gedanke zwar aus 
dem Bewußtsein schwindet, aber gerade aus der Neurose geschlossen werden 
kann, daß er im Unbewußten unverändert erhalten geblieben ist und von 
dort aus weiterwirkt. So weit uns bei der Analyse der Zwangsneurose im 
Unbewußten der Patienten der Ödipuskomplex begegnet, besteht hier kein 
Unterschied. Wenn wir aber neben dem Ödipuskomplex den Kampf gegenüber 
stark gewordenen prägenitalen Regungen aus der Zeit vor dem Ödipus- 
komplex auffinden, so liegt der Gedanke nahe, daß diese Regungen sich auf 
Kosten der abgewehrten ödipusregungen breitmachen, daß die eigentlich 
phaUischen ödipusregungen tatsächhch um so viel geringer geworden sind, 
als die prägenitalen anal-sadistischen Regungen zugenommen haben. Wir 
können uns vorstellen, daß der Patient, als er seinen Ödipuskomplex abzu- 
wehren suchte, partiell auf ältere anal-sadistische Regungen zurückgriff. Da 
auch diese anstößig waren oder das am Ödipuskomplex haftende anstößige 
Element durch die Regression nicht ganz ausgeschaltet werden konnte, mußte 
auch gegen diese anal-sadistischen Regungen ein weiterer Abwehrkampf durch- 
geführt werden, der zur Genese der Zwangsneurose führte. Vom Standpunkt 
des Ichs aus gesehen, wäre eine solche „Regression" eine Abwehrart, die 
koordiniert neben die Verdrängung träte. Sie schöbe sich zwischen Ödipus- 
konflikt und Symptombildung als gegenüber der Hysterie komplizierender 
Faktor neu ein. Wir müssen uns erstens fragen: Läßt sich eine solche Annahme 
durch die Erfahrung bestätigen? Und, wenn dies bejaht wird, zweitens: Welche 
Umstände entscheiden, ob dieser Abwehrweg der Regression eingeschlagen wird 
oder nicht, ob es also zur Bildung einer Zwangsneurose oder einer Hysterie 
kommt? 

Zur ersten Frage ist zu sagen, daß die Existenz der Regression bei der 
Zwangsneurose nicht nur durch Erfahrung belegt werden kann, sondern daß 
nur analytische Erfahrung und nicht Spekulation diese Auffassung nahelegte. 
Sie erklärt uns die häufigen Fälle, bei denen Züge des phaUischen Ödipus- 
komplexes (als Reste) neben solchen der prägenitalen anal-sadistischen Organi- 
sationsstufe auftreten. Für die Fälle, bei denen das anal-sadistische Material 
ausschließhch das Krankheitsbild zu beherrschen scheint, kann theoretisch 
allerdings neben der Regression auch eine Entwicklungsstörung in dem Sinne 
in Frage kommen, daß die Abwehr des Ichs bereits zur Zeit der erstmaligen 
anal-sadistischen Organisationsstufe der Libido eingesetzt hätte, so daß die 
Patienten den phallischen Ödipuskomplex gar nicht erreicht hätten und 
dieser in der Pathogenese keine Rolle spielte. Wir werden hören, daß die 
klinische Erfahrung bei typischen Zwangsneurosen nicht für diese MögHch- 
keit spricht. 



HO 



Eine Art „Regression zu Prägenitalem" hab^n wir bereits bei der Hysterie 
kennen gelernt. Wenn wir aber die Frage, warum Symptome von genitaler 
Bedeutung sich bei manchen Hysterikern an der Mundzone lokalisieren, dahin 
beantwortet haben, daß eine prägenitale orale Fixierung dabei den Ausschlag 
geben könnte, so haben wii- schon damals betont, daß das Regressionsmoment 
sich hier ledighch in der Wahl der Lokalisierung ausdrückt, während alle 
Erwerbungen der genitalen Stufe sonst erhalten bleiben. Hier, bei der Zwangs- 
neurose, handelt es sich um etwas anderes. Bei der hier in Betracht kommen- 
den echten Regression werden die anstößigen genitalen ödipus- 
regungen wirklich (wenn auch nicht gänzlich) aufgehoben und durch die 
gesamte prägenitale Wunschwelt, mit den an ihr haftenden Eigenschaften 
(Ambivalenz, Bisexualität, sadistische Sexualauffassung usw.) ersetzt. 

Das Vorhandensein genitaler ödipusreste neben einer prävalierenden anal- 
sadistischen Tnebwelt würde allein noch nicht dieWirksamkeit der Regression 
beweisen Ein wirklicher Beweis kann nur durch die Analyse gegeben werden, 
die bei der typischen Zwangsneurose eine bereits vor der verhängnisvoUen 
anal-sachstischen Regression gelegene phalHsche ödipusperiode nachweisen kann. 
Ein solcher Beweis gelingt vollständig nur in seltenen Fällen (diese 
seltenen Falle smd dann um so beweisender), regelmäßig dagegen partiell. 
Gelegentlich kann man die Regression bei Entwicklung einer Zwangsneurose 
noch in statu nascendi am Werke sehen. 

.d^-^^'T ? ^l" Latenzzeit entwickelt zunächst eine mächtige Angst vor den 
^h einstellenden Erektionen. Er gibt an, er hätte Angst, er könnte das erigierte 
GIed irgendwie verletzen. Zur Abwehr der Angst gewöhnt er sich daran, wenn eine 
Erektion sich einstellt, zu onanieren, um dadurch die Erektion zum Schwinden zu 
bringen. Die Angst schwindet später, aber es stellt sich als Konversionssymptom 
häufiger Urmdrang später Stuhldrang ein. Erst jetzt entwickelt sich ziemlich rasch 
eine ausgebreitete Zwangsneurose. Wir sehen hier, wie sich genitale Regungen gegen 
die sie bedrohende Kastrationsangst erst grob dennoch durchsetzen, dann in Kon- 
versionssymptomen durch prägenitale ersetzt werden, bis erst nach dem regressiven 
Hervortreten der Analerotik die Zwangsneurose eintritt. 

In der Analyse der Zwangsneurose überrascht es immer wieder, daß nach Auf- 
deckung einer dem Bewußtsein entschwundenen anal-sadistischen Triebwelt der frühen 
mach/' T T ^'^^T^ ^'' Durcharbeitens tiefster Schichten des Unbewußten 

mach^ sich erst die gänzlich verdrängten Erinnerungen an eine noch frühere, an 
der Kastrationsangst gescheiterte rein phallisch organisierte Zeit meldet. Man 
dar sich also nicht dazu verleiten lassen, etwa zu meinen, in den zuerst erinnerten 
naUadistischen Trieben bereits den Ausdruck der ursprünglichen prägenitalen anal- 

Vor W ?:'T'ZTt ;°.'-'"!' ^" ^'^"- ''' -"^" ''--' -8--« Natur. 
11 V i^ der phänische Ödipuskomplex und erst noch früher die ursprüngliche 
SuT Entwicklung _ Häufiger als in solcher Gesamtheit meldet sich die 
phänische Odipussituation der Kindheit der Zwangsneurotiker nur in ein- 
zelnen Zügen oder die Entwicklungsgeschichte kann in der eines Einzelsymptoms 



durchschaut werden: So ließ sich hinter der Angst eines Mädchens, eine Schlange 
könnte aus dem Klosett kommen und ihr in den After kriechen, die historische Vor- 
stufe aufdecken, die Schlange könnte in ihrem Bett liegen. Erst die zur Abwehr des 
Ödipuswunsches ins Werk gesetzte Regression transponierte den Angstort vom Bett 
ins Klosett. 

Ein indirekter, aber fast experimenteller Beweis für die Wirksamkeit der 
Regression in der Ätiologie der Zwangsneurose sind jene seltenen Fälle, wo 
ein hysterisches Symptombild sich nach erfolgter Aufgabe der genitalen 
Sexualität in ein zwangsneurotisches wandelt: Freud sah das einmal bei 
einer Frau eintreten, nachdem äußere Erlebnisse eine völlige Entwertung des 
Genitallebens erzwungen hatten;^* häufiger sieht man es postklimakteriell, also 
nach somatisch erzwungener Regression. Besonders charakteristisch für die 
Wirksamkeit der Regression ist der Nachweis des Scheiterns dieser Abwehr, 
d. h. der Nachweis, daß die Kastrationsangst durch das Verlegen des Schwer- 
punktes des Trieblebens auf das anale Gebiet nicht vermieden wurde, also das 
Auftreten einer sozusagen „analen Kastrationsangst". Charakteristisch dafür 
ist neben den erwähnten häufigen Beispielen etwa das Konversionssymptom, 
das sich gelegentlich in eind Zwangsneurose eingestreut vorfindet, nur in kleinen 
Mengen oder ungef ormt def äzieren zu können. Das ganze von Freud be- 
handelte Material der symbolischen Gleichung Kot = Penis hat zum Teil hier 
seinen Ursprung.^^ 

Die typischen Klosettängste der Kinder und Zwangsneurotiker, mögen sie nun die 
Form haben, ins Klosett zu fallen, von einem Klosettungeheuer gefressen zu werden, 
oder sich als Infektionsangst rationalisieren, haben in der Regel in der Analyse nach- 
weisbare genitale Bedeutung, sind regressive Entstellung für Kastrationsängste oder — 
wie wir mit Einbeziehung des weibHchen Geschlechtes vorsichtshalber sagen — 
für Genitalbeschädigungsängste. Dabei ist es allerdings fraglich, ob ein solcher Nach- 
weis für beide Geschlechter gleiche Bedeutung hat. Denn die Genitalbeschädigungs- 
angst fällt wahrscheinlich nicht bei beiden Geschlechtern in dieselbe Entwicklungs- 
zeit. Sie ist beim Jungen sicher das Moment, das den schon etablierten Ödipus- 
komplex bedroht. Sie ist beim Mädchen vielleicht schon ein Umstand, der ihn ein- 
leitet.^0 Jedenfalls verhält es sich mit den „analen" Ängsten wohl nicht anders als 
mit den „oralen": Anale Angst ist zwar praktisch meist Entstellung für genitale, aber 
regressive, dk eine alte prägenitale autonome Angst vor dem Kotverlust wieder 
mobilisiert. In der Analyse ist sehr schwer festzustellen, welcher Anteil einer analen 
Angst nicht regressiver Natur ist, sondern einem Überrest rein prägenitaler Ängstlich- 
keit entspricht, die der sich bildenden Kastrationsangst schon von ihrem ersten 
Auftreten an eine bestimmte Tönung gab. (Bekanntlich sind die prägenitalen Erfahrun- 

14) Freud: Die Disposition zur Zwangsneurose (Ges. Sehr. Bd. V), 

15) Freud: Über Triebumsetzungen, insbesondere der Analerotik (Ges. Sehr. 
Bd. V). 

i^) Freud: Einige psychische Folgen des anatomischen Geschlechtsunterschiedcs 
(Ges. Sehr. Bd. XL S. 13 ff.). 



I 12 



gen von Brust- und Stuhlverlust archaische Vorläufer der Kastrationsidee.^^) Ein 
Kind, dessen zahlreiche Ängste auf ein Grauen vor dem „Verschwinden" der Stuhl- 
mengen im Klosett zurückgingen, drückte darin zweifellos die Angst aus, sein Penis 
könnte zur Strafe für seine ödipuswünsche ebenso verschwinden. In einem anderen 
Falle wieder konnte ich wahrscheinlich machen, daß bestimmte anale Erfahrungen 
das Mädchen erst überhaupt auf die Idee der Kastration brachten, und daß ihr ganzer 
Ödipuskomplex von Beginn an durch diese fixierenden analen Erlebnisse gefärbt 



war.- 



Material, in dem Vorstellungen und Verhaltungsweisen der genitalen Organi- 
sationsstufe der Libido mit solchen ihrer anal-sadistischen Vorstufe vermengt 
erscheinen, gibt es bei jedem Zwangsneurotiker im Überfluß. Es ist, wie schon 
erwähnt, nicht immer leicht zu entscheiden, welcher Anteil solcher Ver- 
mengung Resultat der pathogenen Regression ist, und welcher als Folge 
der anal-sadistischen Fixierung dem Ödipuskomplex und der phaUischen 
Stufe schon bei ihrem ersten Auftreten in der frühen Kindheit die prägenitale 
Färbung verlieh. Dieses Material allein beweist also das Vorhandensein der 
Regression noch nicht/«^ Ich erinnere etwa an Zwangsneurotiker und ihnen 
charakteriich verwandte Typen, die das Genitalleben „anal" perzipieren, als 
Klosettangelegenheit betrachten, oder an solche, bei denen diese anale Per- 
zeption des Genitallebens schon „sublimierter" ist, die also etwa alle sexuellen 
Angelegenheiten unter dem Gesichtswinkel des Geldes (Dirnenphantasien bei 
beiden Geschlechtern) oder des Besitzes betrachten; oft wird die „anale" Natur 
einer genitalen Betätigung nur dem Analytiker deutlich, indem z. B. beim 
Manne der Akzent auf maximale Retention des Samens gelegt wird, sei es im 
Akte zur Erhöhung der am Kot erlernten Spannungsvorlust, sei es in der 
Ideologie der „Bewahrung des Samens". 

Die in solchen Fällen unbewußt erfolgte Gleichsetzung von Ejakulation und 
Defakauon erwies sich 2. B. deutlich bei einem Manne, der lange in Prostituierten- 
straßen herumzustreifen pflegte, um nachher zu Hause zu onanieren. Die Analyse 
ergab, daß die Vorlust des „Schauens« als Essen, die Endlust der Onanie als dk 
folgende Kotentleerung gedacht war. 

Die Kastrationsangst als Motiv des ganzen Regressionsvorganges ist aller- 
dings nicht bei allen Zwangsneurosen leicht nachzuweisen. Der Affektgehalt 
der (der Eigenart der Zwangsneurose entsprechend gar nicht immer 
unbewußten) Kastrations Vorstellung ist oft am allerschwierigsten in die Analyse 

17) Alexander: Kastrationskomplex und Charakter. Int. 2. f. Ps.-A. VIII 
(192.2) und Stärcke: Der Kastrationskomplex. Int. 2. f. Ps.-A. VII (1^21). ' 

D 'a ^^."ir ''^^^' ^'''" P'^^g^^itaJen Vorgeschichte des Ödipuskomplexes. Int. 2. f. 
1 s.-A. XVI (1930). 

i8a) In der erwähnten Arbeit: 2ur prägenitalen Vorgeschichte des ödipus- 
komple^s. Int. 2. f. Ps.-A. XVI (1930), versuchte ich bei einigen geeigneten Fällen 
diese Differenzierung durchzuführen. 



113 



■ zu bekommen. Hier spielen sich gelegentlich die entscheidenden Widerstands- 
H kämpfe bei der Analyse der Zwangsneurose ab. 

Die unmittelbare Wirkung der Regression ist eine zweifache: Der stark- 
werdende Sadismus verdichtet sich mit dem ursprünglich aus dem Ödipus- 
komplex stammenden Haß gegen den gleichgeschlechtUchen Elternteil und 
fordert dadurch weitere Abwehr heraus, und die hervortretende Analerotik 
bringt ein Ausweichen aus der phalUsch-aktiven in die anal-passive Haltung, 
beim Manne also ein Hervortreten der feminin-homosexuellen Züge, die dem 
Ich ebenfalls meist anstößig erscheinen. Das Schwanken zwischen dieser durch 
die Regression in die Höhe getriebenen femininen und der ursprünglichen, 
durch den Sadismus noch übertriebenen männhchen Haltung macht, wie wir 
noch hören werden, einen der typischen Konflikte des zwangsneurotischen 
Unbewußten aus. 

Der typische Verlauf ist folgender: Eine aktiv-phallische ödipuseinstellung 
wird durch die Vorstellung, die Befriedigung würde den Penis kosten, gehemmt. 
Die Regression erzwingt die feminine Einstellung. Alle (aktive) Sexualbefrie- 
digung ist derart mit der Angstvorstellung der Kastration verlötet, daß scMieß- 
hch die eine ohne die andere nicht mehr denkbar ist, der Sexualtrieb keine 
andere Möglichkeit mehr hat, als die Kastration selbst zu bejahen, sie zum 
Triebziel zu machen. (Kastration als Vorbedingung der Möglichkeit femininer 
Befriedigung.) Eine solche Einstellung hebt aber nicht etwa die Kastrations- 
angst auf, sondern Kastrationsangst und Kastrationssehnsucht haben neben- 
einander Platz. Die Kranken suchen unbewußt die Kastration nur etwa so 
auf, wie Kinder die Sensationen der Angst in der Freude an gruseligen 
Märchen aufsuchen. Die entsprechenden Wünsche, Phantasien oder Hand- 
lungen müssen den Charakter des Unernsten, Spielerischen behalten, sie 
müssen „Kastrationsersatzbildungen" anstreben und nicht die Kastration selbst. 
Oft werden nach kastrationssymboKschen Spielen und Handlungen Zeremoniells 
mit dem Sinn des „Ungeschehen-Machens" ausgeführt; auch dürfen solche 
Maßnahmen über eine gewisse Intensitätsgrenze nicht hinausgehen, widrigen- 
falls die Lust in manifeste Angst umschlägt. Man muß sich auch vor Augen 
führen, daß man nicht jede passiv-feminine Strebung eines Mannes als 
„Kastrationslust" bezeichnen darf. Der Mann möchte in seinen Körper etwas 
eingeführt erhalten, nicht aber kastriert werden. Die Idee, daß die Erfüllung 
solchen Wunsches den Preis der Kastration kosten könnte, erregt nicht Er- 
höhung der Sehnsucht, sondern maximale Angst, die dann das Motiv zur 
Verdrängung der Sehnsucht abgibt. So war der Sachverhalt bei dem „Wolfs- 
mann" Freuds, der seinen „verkehrten" Ödipuskomplex aus Kastrations- 
angst verdrängte, aber keine „Kastrationslust" hatte.'» 

19) Freud: Aus der Geschichte einer infantilen Neurose (Ges. Sehr. Bd. VIII). 

S Fenichel, Hysterien und Zwangsneurosen 



114 



Wir sind unversehens in eine neue Reihe von Problemen geraten und wer- 
den uns nach den Beziehungen der Zwangsneurose zur Bisexualität und zum 
Masochismus fragen müssen. Die letztere Frage berührt offenbar die früher 
gestellte nach der Bedeutung des Über-Ichs. 

Zuerst wollen wir uns aber, unserem Vorsatz gemäß, die für eine Theorie 
der Zwangsneurose bedeutendere Frage vorlegen, die nach der Neurosenwahl. 
Was entscheidet darüber, ob nach dem Scheitern des Ödipuskomplexes an der 
Kastrationsangst eine Abwehr durch reine Verdrängung (Voraussetzung der 
Hysterie) erfolgt oder der folgenschwere Schritt des Abwehrversuchs durch 
Regression (Voraussetzung der Zwangsneurose)? Die Entscheidung darüber 
kann nur bei drei Faktoren liegen, wahrscheinhch meist in dem Zusammen- 
wirken von zweien oder dreien derselben, bei der Natur i) der Spuren 
der prägenitalen Triebe, i) der phallischen Organisa- 
tion, 3) des abwehrenden Ichs. 

Der ausschlaggebende Punkt ist wohl der erste. Wir wissen, daß ganz allge- 
mein frühere Libidopositionen um so eher wieder besetzt werden, je stärker 
man an sie fixiert ist. Diese allgemeine Regel gilt auch hier. Unter der Ein- 
wirkung der Kastrationsangst werden am ehesten diejenigen Menschen auf die 
anal-sadistische Organisationsstufe regredieren, die die stärksten anal-sadistischen 
Fixierungen haben. Nach Freuds Bild: Nach einer Niederlage zieht sich eine 
Armee am ehesten an die Orte zurück, wo sie beim Vormarsch die stärksten 
Besatzungen zurückgelassen hat.'» 

^ Wie entstehen Fixierungen? Aus Konstitution und fixierendem Erleben, die 
sich zueinander wie eine Ergänzungsreihe verhalten.'^ Und was ist wieder unter 
„fixierendem Erichen" zu verstehen? Besondere Befriedigungen, besondere Ver- 
sagungen oder ein Abwechseln zwischen besonderen Befriedigungen und beson- 
deren Versagungen während der entwicklungsgeschichtlichen Blütezeit eines 
bestimmten libidinösen Gebietes. Je größer vorher die Befriedigungen waren, 
um so eher wirken auch objektiv nichttraumatische spätere Versagungen 
traumatisch (Verwöhnung). So werden für die Regression auf das Anal- 
Sadistische nach Enttäuschung oder Gefährdung der phallischen ödipus- 
wünsche diejenigen Menschen disponiert sein, die entweder eine konstitutionell 
verstärkte Analerotik mitbringen oder während der anal-sadistischen Organisa- 
tionsstufe der Libido durch Erlebnisse oder durch somatische Faktoren 
an dieselben besonders fixiert worden sind, wovon die Analyse von Zwangs- 
neurosen die verschiedensten Varianten nachweist. 



^ 20) Freud: Voriesungen zur Einführung in die Psychoanalyse (Ges. Sehr. Bd. VII. 
21) Freud: Vorlesungen zur Einführung in die Psychoanalyse (Ges. Sehr. Bd. VIII. 

3. 370;. 



\ 



Entweder es überwog ztinächst die Verwöhnung, — dann sehen wir die 
frühe Kindheit oft überschwemmt von anal-sadistischen Triebäußerungen und 
werden es nicht verwunderlich finden, wenn man später gern auf diese Befrie- 
digungen zurückgreift (die allerdings oft noch ein spätes traumatisches Vcr- 
sagungsende fanden). Oder aber die Fixierung ist wesentlicher gekennzeichnet 
durch frühe Versagungen, 2. B, eine allzu frühe und heftige Erziehung zur 
Reinlichkeit durch selbst anal fixierte Erziehungspersonen. Dann ist in der 
Anamnese von frühen analen Triebdurchbrüchen oft fast nichts nachweisbar, 
die Reinlichkeitserziehung vollzog sich angeblich sehr früh und reibungslos. 
Aber das ist nur eine Lücke, bedingt durch allzufrühc Verdrängung dieser 
Triebansprüche, die eben Anlaß ist zur Fixierung. Sie kann schon beim kleinen 
Kinde lange vor voller Etablierung des Ödipuskomplexes während der Blüte- 
zeit der anal-sadistischen Libidoorganisation zu analerotischen Reaktionsbildun- 
gen und Neurosen, die einem unbewußten Konflikt zwischen Schmutzlust und 
Angst vor Bestrafung entsprechen,^^ ja selbst zu kleinen Zwangsneigungen 
führen, kann ferner artefiziell ein allzufrühes Eintreten in die phallische Phase 
bewirken. Beides veranlaßt dann eine regressive Abwehr dieser phallischen 
Phase. So entsprechen Fixierung und Regression einander. Es werden aber auch 
gerade die konstitutionell Analen sein, die auch am meisten anal fixierende 
Erlebnisse haben (besonders, wenn Eltern und Erziehungspersonen zusammen- 
fallen). 

Von Seiten der phallischen Organisation wird ihre besondere Schwäche als 
der Umstand, der die Regression begünstigt, in Betracht kommen. Man gibt 
leichter etwas auf, woran einem nicht allzuviel gelegen ist. Weitere Überlegung 
zeigt, daß dieser Punkt mit dem erstbesprochenen fast zusammenfällt, denn die 
phallische Organisation wird sich eben um so schwächer entwickeln, je stärker 
die prägenitalen Fixierungen sind. Der anal Fixierte wird den Fortschritt von 
der analen zur phallischen Phase nur zögernd mitmachen und bereit sein, 
diesen Neuerwerb auch schon bei kleinen Enttäuschungen oder Gefährdungen 
wieder aufzugeben. Man sieht, hier ist der fließende Übergang zu Entwicklungs- 
störungen ohne eigentliche Regression, zu Fällen, bei denen die prägenitalc 
Fixierung und ein frühzeitiger Einspruch des Ichs gegen die phallischen ödipus- 
wünsche so stark war, daß praktisch eine phallische Stufe überhaupt nicht 
mehr erreicht wurde. Der Zusammenhang kann manchmal der sein, daß durch 
allzu strenge Reinlichkeitserziehung (Verdrängung der Analerotik) das Kind 
sehr früh, noch zur Zeit, in der sonst die anal-sadistische Organisation prä- 
vaUert, stärkere genitale "Wünsche entwickelt und daß auch gegen diese schon 

22) Siehe Wulff: Phobie bei einem anderthalbjährigen Kinde. Int. 2. f. Ps.-A. 
XIII (1927) und den besonders interessanten Fall von Herta B o r n s t c i n: Die Phobie 
eines 2>^ jährigen Kindes. Int. Z. f. Ps.-A. XVII (193 1). 



ii6 



so frühzeitig Einspruch erhoben wird. Wir sagten also, je schwächer die phal- 
hsche Organisation, um so eher die Regression auch bei geringen Enttäuschun- 
gen und Gefahrdungen. Umgekehrt können sehr starke und plötzliche Ent 
tauschungen und Gefährdungen auch bei nicht so stark Fixierten zur Regres- 
sion Veranlassung geben. Es scheint, daß die Regression erleichtert wird, wenn 
die Kastrationsdrohung plötzlich, trauma-artig während der phalhsche; Ent- 
wicklungsstufe der Libido das Kind trifft; z. B. durch den AnbHck eines Weib- 
chen Genitales, der die bis dahin gering geschätzte Drohung mit einem Male 
als reale Gefahr erkennen läßt. 

An. schwierigsten ist die zur Regression besonders disponierende Natur des 
abwehrenden Ichs zu beschi-pihpr, AI„ fr , iNatur aes 

einerseits eine hl ^ 7^ / Voraussetzung der Regression scheint 

einerseits eme besondere Schwache, andererseits eine relative Stärke der Ich, 
Organisation m Betracht zu kommen: Schwäche darum, weil die R^ress^x 

hyst r e Daß man bei Enttäuschungen und Gefährdungen -höherer Wünsche 
au frühere zurückgreift, ist ein Vorgang, der sich automatisch abspICden 
das Ich zunächst passiv erlebt. Freilich kann und wird es diesen Vogalg 

£:i:it ^.T™^.^^^-^- ^^) für seine Zwecke ausnutzen.!?s2 
antreten aktiv fordern; sem Aktivitätsanteil ist aber jedenfalls dabei geringer 
a^. etwa bei einer echten Verdrängung mit Errichtung einer GegenbefetZ 
T-oZl r""' 'f ': '''' '-' ^--S-urose zur Zeit des ScWns" 

weit ausgebildeten Ödipuskomplex schon in prägenitaler Zeit enZen Ia3 

zXneu^o r r; h" ^^^'-"T-S- f'- der Psychogenese der 

das S eirt7pi"her7 " ~ '^'^^^^^-^-'-h' ^aß eine solche Genese 

einer typischen Zwangsneurose ergäbe. Wahrscheinlicher ist, daß aus 



117 

solcher Genese ein der Zwangsneurose verwandtes Charakterbild mit atypischen 
allgemein infantilen Zügen resultiert, Wir hörten, daß Reich wohl mit 
Recht eine solche Genese für die chronische Neurasthenie annimmt.^^ 

Wie ist es nun mit den für die Zwangsneurose so charakteristischen und ver- 
hängnisvollen Eigenschaften der BisexuaUtät und der Ambivalenz? Sind diese 
Eigenschaften, konstitutionell verstärkt, eine Voraussetzung für den Eintritt 
der ausschlaggebenden Regression oder sind sie, umgekehrt, ihre Folge? Beides! 
Wir wissen, daß besonders ausgeprägte BisexuaUtät und Ambivalenz Charaktere 
der prägenitalen Entwicklungsstufen der Libido sind, die erst beim Eintritt des 
Genitalprimats und der damit verbundenen „postambivalenten Objektliebe" 
allmählich überwunden werden (Abraham'*). Die anal-sadistische Organisa- 
tionsstufe ist als solche den Objekten gegenüber ambivalent; ein Mann etwa 
mit analen Zügen muß feminine Sexualwünsche haben, infolge des gleichzeitigen 
Sadismus aber auch maskuline. Insofern die prägenitale Fixierung Voraus- 
setzung der Regression ist, sind es auch die der prägenitalen Fixierung zuge- 
hörigen Eigenschaften BisexuaHtät und Ambivalenz. Insofern erst die Regres- 
sion Ursache dafür ist, daß die anal-sadistische Einstellung besonders aus- 
geprägt und endgültig beibehalten wird, insofern sind ihre Eigenschaften 
BisexuaHtät und Ambivalenz Folgen der Regression. 

Alles bisher über die Regression und ihre Folgen Gesagte bezieht sich zu- 
nächst auf die Zeit des Unterganges des Ödipuskomplexes. Tatsächlich sehen 
wir die ersten Zwangssymptome zu dieser und der folgenden Zeit, der Latenz- 
zeit, auftreten. Das Bild der Zwangsneurosen der Erwachsenen jedoch erscheint 
durch die Entwicklungsprozesse, die sich zwischen verhängnisvoller Regression 
und Erwachsenheit abspielen, in unerfreuHcher Weise komphziert. 

Man kann unter den Zwangskrankheiten im Erwachsenenalter seltenere mehr 
akute und häufigere chronische Formen unterscheiden. Die akuten scheinen 
auf einen äußeren Anlaß hin auszubrechen, der sich von den Anlässen der 
Hysterie nicht unterscheidet, also libidoökonomisch als Ursache einer Wieder- 
auffrischung verdrängter infantiler Sexualkonflikte aufgefaßt werden muß. 
Damit diese Mobihsierung aber zu einer Zwangsneurose führe, muß der Mensch 
eben aus seiner Kindheit eine entsprechende Disposition mitbringen, d. h. er 
muß damals die geschilderte Regression vollzogen haben. Auch wenn der Teil 
der genitalen Libido, der auf die anal-sadistische Stufe zurückgeworfen wurde, 
so gering war, daß die Pubertät ohne allzu große Schwierigkeiten überwunden 
werden konnte, muß ein genügend großer restlicher Teil dieses Schicksal er- 
fahren haben. Die kindliche Abwehr des Ödipuskomplexes muß den Regres- 

23) Reich: Über die chronische hypochondrische Neurasthenie. Int. 2. f. Ps,-A. 
XII (1926). 

24) Abraham: Versuch einer Entwicklungsgeschichte der Libido, 



ii8 



slonsweg emgeschlagen und so gleichsam „gebahnt" haben, damit die späte 
Lebensenttäuschung mit dem Wiederaufflackem des Ödipuskomplexes auch eine 
abermalige Regression zur anal-sadistischen Stufe erzwingt, deren Abwehr in 
der Neurose manifestiert wird. 

Häufiger sind chronische Fälle, deren Zwangsneurose bei bestimmten An- 
lässen nur exazerbiert, aber im Grunde von der Pubertät an unausgesetzt be- 
steht. Ist es solchen Fällen während der Latenzzeit noch gelungen — ev. mit 
Hilfe von Zwangszeremoniells oder Reaktionsbildungen im Charakter — die 
pathogenen Triebkonflikte vorübergehend zu beruhigen, so ändert sich dieses 
Bild in der Pubertät.== Der Sexualvorstoß dieser Zeit verläuft analog der der 
frühen Kindheit. Eine neuerliche Regression auf die anal-sadistische Organisa- 
tionsstufe findet statt. Aber das Über-Ich, auf dessen Einspruch diese neuerliche 
Welle analer und sadistischer Sexualwünsche stößt, hat sich seinerseits den Ein- 
flüssen der ersten infantilen Regression nicht entziehen können. Es ist selbst in 
typischer Weise sadistisch geworden und wütet mit besonderer Strenge gegen 
die unverständlichen, aus dem Es auftauchenden analen und sadistischen Trieb- 
ansprüche. Es wütet ebenso gegen die AbkömmHnge der eigentlich phallischen 
ödipuswünsche, die sich noch neben den durch Regression entstellten Trieb- 
ansprüchen erhalten haben, d. h. gegen die Onanieversuchung. Der „verinner- 
hchte" Kampf zwischen dem Ich und dem durch die Regression sadistisch 
gewordenen Über-Ich spiegelt dann in allen Details die ursprünglichen Ambi- 
valenzkonflikte wider, die gegen die ersten versagenden und kastrationsdrohenden 
Vertreter der Außenwelt gerichtet waren. „Das überstrenge Über-Ich besteht 
um so energischer auf der Unterdrückung der Sexualität, da sie so abstoßende 
Formen angenommen hat. So zeigt sich der Konflikt bei der Zwangsneurose 
nach zw« Richtungen verschärft: Das Abwehrende ist intoleranter, das Abzu- 
wehrende unerträglicher geworden. Beides durch den Einfluß des einen Mo- 
mentes der Libidoregression" (Freu d'°). 

Der fortwährende Kampf gegen zwei Fronten, gegen die Triebe und das 
Über-Ich, sowie die Auseinandersetzung des Ichs mit den bereits etablierten 
Symptomen (sekundärer Abwehrkampf, weitere Reaktionsbildungen, Entwick- 
lungstendenz von der Abwehr- zur Befriedigungsbedeutung der Symptome) 
komplizieren und charakterisieren die weitere Entwicklung der Zwangsneurose. 
Die Hervorhebung der Regression als des zentralen Punktes in der 
Psychologie der Zwangsneurose beantwortet die Frage, ob das Ich sich hier 
anderer Abwehrarten bedient, bejahend, da ja eben die Regression selbst 
eine neue Abwehrart darstellt. Eine weitere bei der Hysterie nicht vorhandene 
Abwehrart haben wir in der Bildung konstanter, im Chara kter verankerter 

^<\l'""^f' "^'"'"""g' Symptom und Angst (Ges. Sehr. Bd. XL S. 56). 
ift) iTe«d: Hemmung, Symptom und Angst (Ges. Sehr. Bd. XL S. j6). 



1 



119 



Reaktionsbildungen kennen gelernt. Freilich müssen wir betonen, daß trotzdem 
auch die eigenthche Verdrängung bei der Zwangsneurose nicht fehlt; sie hat 
nur weniger ausschließlichen Charakter: Weder der Wortlaut aller anstößigen 
Triebregungen noch sämtliche pathogenen Kindheitserlebnisse sind jemals dem 
Zwangsneurotiker gänzlich bekannt (nur daß er sie überhaupt zum Teil 
kennt, wurde uns Problem). Sogar die Zwangssymptome selbst sind noch 
Gegenstand eines sekundären Verdrängungsprozesses, denn die Kranken wissen 
oft genug nicht anzugeben, was ihre Zwangsimpulse eigentUch von ihnen ver- 
langen; diese Impulse haben häufig einen merkwürdig blassen, unbestimmten, 
traumhaften Charakter, und es bedarf eines guten Stückes Analysenarbeit, um 
die Verdrängungen soweit aufzuheben, daß die Zwangsimpulse oder die Wort- 
formeln des Zwangsneurotikers überhaupt klar bewußt werden. 

Aber die Abwehrdiflerenzen scheinen damit nicht erschöpft. Es macht den 
Eindruck, als ob die Abwendung vom Genitalen und die Zuwendung zum 
Anal-Sadistischen auch für das Ich die Folge hätte, daß es seine Abwehr- 
methoden weitgehend ändere. Die konsequente Verdrängung, wie wir sie bei 
der Hysterie kennen lernten, scheint dem genitalen Charakter der zu ver- 
drängenden Triebe zugeordnet. Zum Anal-Sadistischen gehören andere 
charakteristische Abwehrarten; das hängt mit der „VerinnerUchung^* und mit 
dem noch zu besprechenden Umstand zusammen, daß auch das Ich und seine 
Funktionen (Denken) von der durch Regression erniedrigten Libido mehr 
sexualisiert werden als von der unverändert genitalen. 

Freud hat noch zwei solche für die Zwangsneurose charakteristische Ab- 
wehrarten beschrieben: Die „Isolierung" und das „Ungeschehen- 
machen".'^ Beiden Mechanismen sind wir bei unserer Erörterung schon 
begegnet. Wir wollen sie nun auch reflektierend hervorheben. 

Auf die „Isolierung" wurden wir aufmerksam, als wir die Formel 
aussprachen, der Hysteriker verdränge die infantilen Inhalte, der Zwangs- 
neurotiker ihre Zusammenhänge mit den Symptomen. Macht man einen 
Zwangsneurotiker auf einen solchen Zusammenhang aufmerksam, so stößt 
man auf den gleichen Widerstand wie bei einem Hysteriker, den man mit 
seinen infantilen ödipuserlebnissen bekannt macht. Genetisch Zusammen- 
gehöriges wird also durch einen eigenen Widerstands aufwand, durch eine 
besondere „Gegenbesetzung" des Ichs auseinandergehalten. Das eine bleibt vom 
anderen „isoUert". Die Sondernatur der Abwehrart „Isolierung" erhellt aber 
erst aus den so häufigen Zwangssymptomen, in denen zwischen ursprüngUch 
zusammengehörigen Vorstellungen, Gefühlen, Gegenständen — tatsächliche, 
räumliche oder zeitliche Intervalle eingeschaltet werden. „Was so auseinander- 

27) Freud: Hemmung, Symptom und Angst (Ges. Sehr. Bd. XL S. 59 ff*)^ 



120 



gehalten wird ,st gerade das, was assoziativ zusammengehört. Die motorische 
^oherung soll eme Garantie für die Unterbrechung des Zusammenhanges im 
Denken ergeben.- Am strengsten wird isoliert gehalten, was, urspriLgHch 
zusammengehong, nur durch die weitere Entwicklung auseinandergerLen 
wurde, .. B die Äußerung der Ambivalenz des Vaterkomplexes in der Be- 
ziehung zu Gott bei religiösen Zwangsneurotikern.»« 

erwJtLf !S r d""'""'^' '" r ''"^™'"^'= ^^^^ -- Lebens nicht 

obwoU dorak Hystein r^^^^^^^^ T ''''"'''" ^^^'^«'=' 

uni-^r ^^n 7«.o M ^^ , ^^^S^"' SO gibt es auch besondere „Iso ierungs"-FälIe 

Onanii, L, d„ er d.n R., „alte mT,„T j ' ""''' «'8'° "i" 

eines Barbiers — der Bp«,r-t, !);» u i.- ■ j . »Gemiedene" war Sohn 

ladens, dann der Verkehr 1 M ^'^''";'^''*.«f' «^^^ 'ä- Besuch jedes Barbier- 
des St;dtteiles,t Z't BarbSÄg''^ ^'^' '~ '^^-"> ^-" ^^ ««-^ 

PhSrSS:trt^i t^enTvtr ^" n-^-'^-^^-P-- '•-hse.ten 
der Symptomatik nichts übe die Ursachen dTr ^^f "'""^^T" ^'^^'^ "^^ "»"^ 

28) Freud: Hemmung, Symptom und Angst (Ges. Sehr. Bd. XI. S. 61)'. 



121 



das Bedürfnis danach trat nicht mehr auf, an seine Stelle trat nun immer deutlicher das 
neurotische Bestreben, die Vorstellungen „Familienangehörige« und „unsympathische 
Personen und örthchkeiten" auseinanderzuhalten, sie 2u isolieren. ^ 

Diese Isolierung wurde nun der Hauptinhalt der Neurose, die Phobie trat in den 
Hintergrund. Der Patient konnte nun wohl wieder an Unsympathisches denken, aber 
nicht gleichzeitig an „sympathische" Menschen. So verriet er den Ödipuskomplex als 
das anstößige Moment seiner Onanie. Im Ausbau dieses Isolierungsbestrebens des Ichs 
als Abwehr des in der Pubertät aktivierten Ödipuskomplexes bildete sich jetzt in 
wenigen Monaten eine Zwangsneurose allerschwerster Art aus. 

Es erging dem Patienten, wie es dem Mann bei Wedekind erging, der an 
keinen Bären denken sollte. Wenn er etwa an den Barbierladen dachte, fiel ihm sofort 
die Großmutter ein. Dieses quälendste Symptom nannte er dk „Verknüpfung". Gegen 
sie half nur ein Mittel: Die Abwehr durch „Ungeschehenmachen". Das war in diesem 
Falle die sogenannte „Auseinanderknüpfung". Wenn er nach gleichzeitigem Denken 
an verbotenen Ort und sympathischen Menschen völlig isoliert das reine 
Bild des von allem sympathischen Beiwerk befreiten Unsympathischen sehen konnte, 
so war alles wieder gutgemacht und der Patient beruhigt. Schon nach kurzer Zeit 
war er vom Morgen bis zum Abend einzig mit „Auseinanderknüpfungen" beschäftigt. 
Nun traten die zwei Erscheinungen dazu, die eine sich ausbildende Zwangsneurose zu 
erschweren pflegen: Eine großartige Umfangserweiterung des Symptombereiches und 
der Durchbruch der abgewehrten Regung im Symptom selbst. 

Die Einteilung der Objekte in „sympathische" und „unsympathische" umfaßte zu- 
nächst sämtliche Personen und örtlichkeiten. Nicht nur alle Mitschüler wurden 
unsympathisch, alle Verwandten sympathisch, sondern alle anderen Menschen wurden 
nach oberflächlichen Assoziationen auch einer der beiden Kategorien zugeordnet und 
verfielen damit dem Bereich der Verknüpfung und Auseinanderknüpfung (z. B. 
wurden Freunde und Berufsgenossen von Leuten, die er etwa auf dem Weg in den 
verbotenen Stadtteil sah, unsympathisch, fast alle Frauen, wenn gegen sie nichts Be- 
sonderes vorlag, sympathisch). Das Analoge geschah mit allen örtlichkeiten, so daß 
es eme Anzahl Variationen der „Verknüpfung" (sympathischer Mensch an unsympathi- 
schem Ort, unsympathischer Mensch an sympathischem Ort, sympathischer Mensch 
gleichzeitig mit unsympathischem Mensch, sympathischer Ort mit unsympathischem 
Ort, „Mischperson", d. h. solche, die Züge von sympathischen und unsympathischen 
Menschen vereinigte, z. B. die Großmutter mit Gesichtszügen der Mutter des Ge- 
miedenen, „Mischorte") und „Auseinanderknüpfung" gab. — Des weiteren gelangten 
alle Konkreta in den Symptombereich (z. B. wurden Spiegel, die an den Barbierladen 
erinnerten, unsympathisch, so daß die Erscheinung „das Bild der Schwester in einem 
Spiegel" eine quälende Verknüpfung war), dann auch Abstrakta, z. B. wurden einige 
Worte, die er von unsympathischen Menschen gehört hatte, unsympathisch, so daß 
er sie nicht in Sätzen gebrauchen konnte, in denen sympathische Worte vorkamen. 

Fortwährend traten die anstößigen „Verknüpfungen" (die verpönten ödipus- 
regungen) ins Bewußtsein, fortwährend mußten sie durch „Auseinanderknüpfungen" 
d. h. mit Hilfe des „Ungeschehenmachens", das in diesem Falle mit der „Isolierung" 
zusammenfiel, abgewehrt werden, widrigenfalls Angst und quälende Spannungsgefühle 
entstanden. Dabei galt noch eine schwere Bedingung: Bevor die Auseinanderknüpfung 
gelungen war, durfte der Ort, an dem sich der Patient zur Zeit, der Verknüpfung 
befunden hatte, nicht verlassen, die Beschäftigung, der er zur Zeit der Verknüpfung 
hingegeben war, nicht unterbrochen werden. Diese Bedingung war die sozial 



schädigendste: Da eine Auseinanderknüpf ung gelegentlich Stunden benötigte, kam es 
vor, daß der Patient stundenlang still stehen oder eine sinnlose Beschäftigung fort- 
setzen mußte. So war es immer fraglich, ob es nach der Analysenstunde gelingen 
werde, das Sofa zu verlassen, und die Angst, eventuell zwischen Verknüpfung und 
Auseinanderknüpfung eine Behandlungsstunde abbrechen zu müssen, quälte den 
Patienten die ganzen Stunden hindurch. Ginge die Auseinanderknüpfung auch nur 
in einem geringen Detail anders vor sich als die Verknüpfung, so bliebe sie wirkungs- 
los; ein, wie mir scheint, für den Mechanismus des Ungeschehenmachens charakteristi- 
scher Zug, 

Endlich wurden die zur Abwehr bestimmten Symptome selbst Ausdruck der ver- 
pönten Triebregungen: Der Zwang zur Auseinanderknüpfung machte es nötig, daß der 
Patient immer genügend unsympathische Menschen, örtKchkeiten, Dinge, Eigen- 
schaften „parat" habe. Die Sehnsucht, die quälenden Spannungen rasch zu beendigen 
besiegte die Phobie und brachte die Wiederkehr des Verdrängten: Der Patient suchte' 
unsympathische Orte auf, sah sich unsympathische Menschen möglichst genau an, 
damit er sie gegebenenfalls parat habe! Allerdings gelang das nicht mit aUem 
Unsympathischen: der „Gemiedene" z. B. blieb auch weiterhin gemieden; es stellte 
sich schließlich eine Reihe gradueller Verschiedenheiten her: Es gab ganz Un- 
sympathisches, das phobisch gemieden wurde, weniger Unsympathisches, das er mit 
Vorliebe aufsuchte, um, wenn Sympathisches erscheint, rasch auseinanderknüpfen zu 
können, wenig Indifferentes, leicht Sympathisches, ganz Sympathisches. Am Ende 
dachte er bewußt und angestrengt fast nur an Unsympathisches, in der Hoffnung, 
dadurch die Auseinanderknüpfung rascher bewältigen zu können; erinnert man sich 
daran, daß die Gedanken an Unsympathisches eigentlich die Onanie bedeuteten, so 
onanierte er nun also ununterbrochen. Und tatsächlich: War die Spannung aufs 
höchste gestiegen und wollte die Auseinanderknüpfung trotz höchster Anstrengung 
nicht gelmgen, so kam es gelegentlich, zur Überraschung des Patienten, zur Pollution. 
Auch die Verknüpfung selbst, d. h. das Zusammenbringen sympathischer Menschen 
mit unsympathischen Worten, setzte sich nun, dem Patienten unbemerkt, gegen 
das isolierende Ich durch. Einer seiner zahlreichen sekundären Krankheitsgewinne war, 
daß er sich wie ein kleines Kind anziehen ließ, weil sonst das Anziehen durch die 
zahlreichen eingeschalteten Auseinanderknüpfungen stundenlang dauerte. Wenn ihn 
nun seine Großmutter anzog, so fuhr er plötzlich mit den wüstesten Schimpfworten 
los. Damit memte er aber nicht die Großmutter, sondern die unsympathischen 
Menschen, deren Bilder ihm während dieser Beschäftigung, so eine Verknüpfung 
bildend, in den Sinn kamen. 

In einem zweiten Fall ließ sich etwas Ähnliches beobachten: Ein schwer grübel- 
und zweifelsüchtiger Patient, mit dem sich wegen der Schwere seiner Krankheit die 
analytische Arbeit kaum durchführen ließ, protestierte gegen die Grundregel. Es 
stellte sich schließlich heraus, daß er bestrebt war, die Existenz einer Freundin zu 
verschweigen. Aber nicht etwa, weil er darüber überhaupt nicht sprechen; oder die 
Betreffende nicht bloßstellen wollte, sondern, weil er in der Analyse bereits über 
Onanie gesprochen hatte und alle grobe Sexualität von dieser Freundin isoliert ge- 
halten bleiben mußte. Er wolle eventuell von ihr doch reden, meinte der Patient, 
wenn er nur sicher wäre, daß ihm dann in der gleichen Stunde nicht noch vielleicht 
etwas grob Sexuelles einfallen werde. Die Idee, daß auch in diesem Falle solche „Aus- 
einanderknüpfung" die Antwort auf eine zwanghafte „Verknüpfung", die Abwehr der 
ödipusregung war, fand erst viel später Bestätigung. Das Symptom, das der Patient 



r 



123 

am ängstlichsten hütete und am ausgiebigsten zu dissimulieren suchte, bestand darin, 
daß er, wenn er die Freundin sah oder ihr Name genannt wiirde, den Zwangseinfall 
hatte: „Kleine Hure". Dieses Symptom also entsprach dem Odipus-Triebanspruch, 
gegen den das Ich sich mit dem Mittel der Isolierung zur Wehr setzte. Wir werden 
daran gemahnt, daß die von Freud geschilderte, für unseren Kulturkreis und 
speziell für die Pubertätszeit charakteristische Spaltung der Sexualität in Sinnlichkeit 
und Zärtlichkeit durch „IsoHerungs^'-Maßnahmen gehalten wird, die das Ich ins 
Werk setzt, um den Durchbruch der ursprünglich ebenfalls auf das Zärtlichkeitsobjekt 
(Inzestobjekt) gerichteten Sinnlichkeit zu verhindern. — Interessant war, wie dieser 
zu paranoiden Mechanismen neigende Patient die Triebabwehr der IsoHerung mit 
der der Projektion verband. Einen schwer überwindbardn Widerstand setzte ich durch 
folgende Unvorsichtigkeit: Als der Patient einmal, um die Psychoanalyse ad absurdum 
zu führen, meinte, es falle einem ja doch nur ein, was man wolle, antwortete ich, 
ihm falle ja doch „kleine Hure" ein, obwohl er es nicht wolle. Tagelang warf mir 
nun der Patient vor, wie gemein und sinnlich ich wäre, weil ich seine Freundin eine 
Hure nenne und, was er einmal gestanden hätte, ausnutzte, um ihn einer Schweinerei 
mit seiner Freundin zu bezichtigen; letztere gehöre eben, wie er gleich gewußt hätte, 
nicht in die Analyse. 

Ein anderer Patient hatte durch seine Eheschließung eine großartige Isolierung ge- 
schaffen. Das Zusammenleben mit seiner Frau sollte mit der infantilen Vorzeit keinen 
Zusammenhang haben. An den Punkten, an denen sich gegen die Isolierungsabsicht 
infantil-sexuelle Strebungen in die Ehe eingedrängt hatten, waren schwere abwehrende 
Zwangssymptome entstanden. Diese Isolierung bewirkte, daß eine tiefgehende Analyse 
der Kindheit therapeutisch erfolglos blieb, bis auch der volle Zusammenhang dieser 
mit der Ehe durchgearbeitet und die dk Isolierung behütenden Widerstände über- 
wunden waren. 

Von einem weiteren Fall sei noch angeführt, wie er die Isolierung in den Dienst 
des Widerstandes stellte. Wenn er einmal verdrängtem Material, d. h. vom Ich 
abgewehrten Inhalten, sich mit seinen Einfällen näherte, so tat er das in der Weise, 
daß er etwa zehn Minuten vor Ende der Stunde damit abbrach und dann unwichtiges 
Zeug brachte. Der Übergang von wichtigem zu unwichtigem Material spielte sich 
plötzlich und ruckartig ab. Der unbewußte Zweck dieser Technik war, eine Einfluß- 
nahme des analytischen Materials auf die Realität hintanzuhalten. Das Unwichtige 
am Ende der Stunde ist im wörtlichen Sinn eine Isolierschicht, die die Be- 
rührung des in der Analyse Vorgebrachten mit dem Alltag verhindert, indem sie sich 
zwischen beide einschiebt.^® 

Häufig wird diese Isolierschicht dadurch gesichert, daß der Kranke m einer ge- 
wissen zeremoniell festgelegten Weise zählen (Zeit messen) muß, bevor er eine 
neue Betätigung beginnen darf, — eine der unbewußten Absichten des Zählzwanges. 

Zwei Sonderfälle der Isolierung beanspruchen noch besondere Hervorhebung: 
Das eine ist das bekannte „Aflektleer-werden" von anstößigen Triebregungen, 
wenn sie in Zwangsimpulsen bewußt werden; hier wird Vorstellungsinhalt und 
Affektbetrag auseinandergehalten. Der zweite Fall tritt ein, wenn das Ich die 
Abwehr der Isolierung nicht nur gegen die aus dem Es kommenden Trieb- 

z^) Die obigen Ausführungen über Isolierung wurden zum großen Teile schon 
publiziert. Siehe Fenichel: Zur „Isolierung". Int. Z. f. Ps.-A. XIV (1928). 



124 



regungen, sondern auch gegen die von seinem strengen Über-Ich erhobenen 
Forderungen, gegen die Schuldgefühle, anwendet. Die meisten Zwangsneurotiker 
leiden unter schweren bewußten Schuldgefühlen, ohne angeben zu können, 
wessen sie sich eigentlich schuldig fühlen. Viele müssen sich ihr ganzes Leben 
durch ein ständiges schlechtes Gewissen verbittern. Sie fürchten, sie blufften 
nur, es werde sich schon noch herausstellen, daß sie eigentlich jeden Erfolges, 
jeder Anerkennung unwert wären. Wenn die Analyse die Konflikte der 
infantilen Sexualität, den Ödipuskomplex und seine regressiven Vertreter, als 
das Motiv dieses Schuldgefühls nachweist, so sagt Freud mit Recht,' bei 
diesen Kranken hätte das Über-Ich mehr Einsicht in den wahren Sachverhalt 
als das Ich.'" Infolgedessen macht sich der Einfluß des Über-Ichs, das der 
Allmacht der Gedanken zufolge Gedanken gleich Taten bewertet, durch 
schwere Schuldgefühle bemerkbar, ohne daß das Ich wüßte, wofür diese Be- 
lastung es trifFt. Das Ich spürt das SchuldgefüU, es ist aber von seinem Anlaß 
„isoliert". Noch deutlicher wird das, wenn die anstößigen infantilen Trieb- 
regungen auch aktuellen realen Ausdruck finden. Wenn ein Zwangsneurotiker 
mit solchem chronischen schlechten Gewissen bei skrupelhafter Fürsorge für 
das Wohlergehen aller anderen, durch seine Symptome oder durch sein 
sonstiges Verhalten andere Personen objektiv schädigt, ohne das geringste 
Verständnis oder Schuldgefühl deshalb zu zeigen, so verstehen wir: er hat 
gegen das in ihm wegen seiner realen Handlungen, die die ödipustat vertreten, 
entstehende Schuldgefühl die Abwehr der Isolierung angewendet. Aller- 
dings gibt es auch wieder Zwangsneurosen ohne jedes Schuldgefühl; es könnte 
sem, daß unter Umständen dem Ich auch eine volle Verdrängung der Über- 
ich-Ansprüche gelingt. Oder der Anspruch des Über-Ichs mag durch die zahl- 
reichen in den Zwangshandlungen vollzogenen Straf- und Bußhandlungen so 
weit befriedigt sein, daß das Schuldgefühl verschwinden kann." 

Freud hat ferner auf ein normales Vorbild und auf eine genetische Be- 
ziehung der „Isolierung" aufmerksam gemacht.»'' Das normale Vorbild ist die 
Konzentration oder überhaupt das geordnete Denken, das ja in einem fort- 
währenden Ausschalten affektiven Assoziierens im Interesse der Sachlichkeit 
besteht. Der Zwangsneurotiker, der sein Denken, wie wir gleich hören werden, 
„sexualisiert" hat, benimmt sich also in seiner fortwährenden IsoUerungsarbeit 
wie eine Karikatur des normalen Denkers. Von hier aus wird auch ein für die 
analytische Therapie bedeutungsvolles Moment verständhch. Die sogenannte 
freie Assoziation erscheint von hier aus im wesentlichen als eine Aufhebung 
von Isolierungs-Gege nbesetzungen. Durch die Vorschrift, ohne Auswahl alles 

30) Freud: Hemmung, Symptom und Angst (Ges. Sehr. Bd. XI. S 57) 

31) Alexander: Psychoanalyse der Gesamtpersönlichkeit. S. 88 £f. 

32; ireud: Hemmung, Symptom und Angst (Ges. Sehr. Bd. XI S 62) 



k 



125 

in der Reihenfolge zu äußern, wie es von selbst einfällt, sollen die Isolierungen 
des normalen Denkens aufgehoben, die ursprünglichen unbewußten assoziativen 
Zusammenhänge wieder sichtbar werden. Da der Zwangsneurotiker eine be- 
sonders erhöhte Isolierungsarbeit leistet, also gerade hier wesentliche Teile 
seiner Gegenbesetzung investiert, fällt ihm das freie Assoziieren so schwer. Im 
vollen Maße erlernt es der typische Zwangsneurotiker überhaupt nicht. Er will 
stets Ordnung, Systematik, Programm. Psychologisch gesehen heißt das, er kann 
auf seine Isolierungen nicht verzichten; er hat eine besonders große Angst 
davor, ursprünglich affektive Zusammenhänge wieder zu entdecken (allerdings 
auch affektive Erlebnisse überhaupt zu haben, deshalb flüchtet er in den über- 
kompensierenden Verstand). Die genetische Beziehung, die wir erwähnten, ist 
die unter Hinweis auf Berührungszeremoniells (Schwellen-Symbolik, Pflaster- 
steinzwang u. dgl.) von Freud geäußerte Meinung, daß das alte Tabu der 
Berührung, also das Bestreben, den räumlichen Kontakt zweier Objekte zu 
vermeiden, das sich in so vielen Zwangssymptomen, die Berührung von Gegen- 
ständen betreffend, und in den phobischen Ängsten vor Berührung und Infek- 
tion äußert, das Vorbild der Isolierung sei. Und die Vermeidung der Berührung 
wiederum konnte solche Bedeutung erlangen, weil ja alle verpönten Trieb- 
regungen, die sinnlichen, die aggressiven und die zärtlichen, nur bestimmte 
Formen von Berührung der Objekte anstreben. 

Das „Ungeschehenmachen" Ist zwar allgemein leichter einfühlbar 
als die Isolierung, aber, psychologisch gedacht, eher ihr Spezialfall. Wir haben 
von den zweizeitigen Symptomen gesprochen, deren zweiter Teil die Wirkung 
des ersten wieder aufhebt. Bei manchen hiehergehörigen Fällen geschieht dies 
faktisch; bei anderen geschieht es nur magisch; endlich finden sich viele 
Symptome, die zwar gar nicht mehr den Charakter der Zweizeitigkeit tragen, 
deren einziger Sinn aber ist, etwas Vorausgegangenes wieder aufzuheben, unge- 
schehen zu machen, eigentlich in magischer Weise der Einsinnigkeit der Zeit 
entgegenzuwirken, Auch manche Reaktionsbildungen können wir hieher 
rechnen, insofern sich bei der Analyse herausstellt, daß sie nicht nur den Zweck 
haben, zukünftige Triebhandlungen unmöglich zu machen, sondern auch ver- 
gangene wieder aufzuheben. Hieher gehören ferner sämtliche Symptome mit 
Bußbedeutung; denn das Wesen der Buße Ist, vorangegangene Sünden wieder 
aufzuheben. Eine sehr merkwürdige Neigung der Zwangsneurotiker ist eben- 
falls hieher zu rechnen, nämlich die, eine einmal ausgeführte Handlung zunächst 
einmal, später öfter, zu wiederholen. Manchmal ist es leicht zu zeigen, daß die 
Wiederholung in dem einen oder anderen Detail von der ursprünglichen 
Handlung wieder abweicht, und daß gerade in diesem Punkt die Wieder- 
aufhebung, das Ungeschehenmachen, gelegen ist. Beim einfachen „Noch-einmal- 
machen-Müssen" handelt es sich darum, daß das Über-Ich merkt, daß sich in 



iz6 

die Ausführung der Handlung ein anstößiges Motiv eingeschlichen hat* Der 
Wiederholungszwang will das Ich zwingen, die Handlung zum zweitenmal 
ohne geheimen unbewußten Nebensinn resp. mit dem entgegengesetzten unbe- 
wußten Nebensinn auszuführen, um die magische Wirkung der ersten Hand- 
lung „ungeschehen zu machen*', Wenn aber bei der ständigen Zerrissenheit des 
Kranken, der Tat und Buße zugleich will, sich in die wiederholende Handlung 
mit Bußbedeutung wieder ein Stück Befriedigung eingeschlichen hat, so ver- 
spürt das Über-Ich das abermals und erzwingt eine dritte, vierte, fünfte Aus- 
führung der Handlung. 

Der Charakter des „Ungeschehenmachens" ist umso deutlicher, je „zweizeitiger" ein 
Symptom erscheint. So verspürt etwa ein Patient den Zwangsimpuls, seinen Kopf 
nach oben zu recken. Es stellt sich heraus, daß er knapp vorher mit dem Lift nach 
abwärts gefahren ist und das Gefühl hat, er könnte sich bei der schnellen Abwärts- 
bewegung sein Gehirn verletzt haben („nach oben verlegte" Kastrationsangst). Die 
ruckartige Kopfbewegung, die nach der unbewußten Vorstellung des Patienten das 
nach unten gerutsche Gehirn wieder nach oben wirft, hebt also die vorangegangene 
Kastration wieder auf. Die gegenüber der Hysterie hervorgehobene Differenz der 
Existenz „zweizeitiger Symptome" erweist sich so als Spezialfall der Differenz ver- 
schiedener Abwehrmechanismen des Ichs. 

Das „Auseinanderknüpfen" des Isolierungsfalles ist gleichzeitig ein selten schönes 
Beispiel für das „Ungeschehenmachen". Die Symptome, die durch Wiederholung unge- 
schehen machen wollen, können gleichzeitig als Beispiel für die Tendenz der Zwangs- 
neurosen dienen, in die Buß-Symptome immer mehr Befriedigungscharakter einzu- 
schmuggeln. Ein Patient, der die schwersten Skrupel wegen unnötiger Geldausgaben 
hat, hat wieder einmal für lo Pfg. eine Zeltung gekauft (symbolhafter Ersatz für den 
Besuch einer Prostituierten). Er empfindet Reue, will die Tat ungeschehen machen, 
kehrt zum Zeitungsstand zurück, weiß aber nicht, was jetzt zu tun wäre. Er kommt 
auf die Idee, daß das Kaufen einer zweiten Zeitung ihm die Ruhe geben könnte. Aber 
der Zeitungsstand ist bereits geschlossen. Er nimmt ein Zehn-Pfennigstück aus der 
Tasche und wirft es weg. — Derselbe Patient hat beim Schreiben allerhand Zwangs- 
zeremoniells zu erfüllen, die ebenfalls mit seinem Prostituiertenkomplex zusammen- 
hängen. Er hat in einem Postamt eine Karte geschrieben. Nachdem er sich schon etwa 
zehn Minuten weit entfernt hat, fallt ihm ein, er könnte sich im Postamt durch 
seine Zwangssymptome auffällig benommen haben. Er wird sehr unruhig und be- 
schließt zurückzugehen, um im gleichen Postamt, weniger auffällig, eine zweite Karte 
zu schreiben. Objektiv hat nicht nur dieses Wiedererscheinen des Patienten im Post- 
amt sicherlich auffallender gewirkt als seine Schreibschwierigkeiten, die man kaum 
bemerkt haben dürfte, sondern es stellte sich heraus, daß der Patient auf dem Wege 
vom Postamt zu der Stelle, wo ihn der Zwang zurückzugehen überkam, Prostituierte 
gesehen hatte, so daß ihm die Rückkehr ermöglichte, noch zweimal an denselben 
vorüberzugehen. 

Hier noch ein paar typische Beispiele für das Einschleichen des Triebes in Trieb- 
abwehrsymptome: Ein Patient muß, um sich zu vergewissern, daß er den Gashahn 
geschlossen hat, ihn immer wieder berühren, so objektiv die Gefahr, ihn zu öffnen, 
erhöhend; er muß die auf einem Regal aufgestapelten Gegenstände Immer wieder 
zurechtschieben, damit sie niemandem auf den Kopf fallen, objektiv erst dadurch die 



127 

Möglichkeit eines Herunterfallens herbeiführend; er muß, um feindseHge Impulse 
gegen geliebte Personen abzuwehren, sie vor eingebildeten Gefahren derartig „liebevoll" 
schützen, daß er sie objektiv unerträglich quält. 

Eine Patientin, die Watermann beobachtete, litt an einer so massiven Schmutz- 
phobie, daß sie an manchen Tagen das Bett nicht verlassen konnte, weil ihr die 
Kleider und das ganze Zimmer beschmutzt erschienen. Da sie das Bett aber aus 
Schmutzangst auch nicht verlassen konnte, um ihre Bedürfnisse zu befriedigen, geschah 
es schließlich, daß sie das Bett besehmutzte. 

Das sjUngeschehenmachen" und sein Mißlingen durch Einschleichen der 
Triebe in Abwehrsymptome erklärt das häufige Anwachsen der Zahl der 
nötigen Wiederholungen, den immer zunehmenden Umfang der zeremoniellen 
Sicherungen, den Zweifelzwang (der auch andere Grundlagen hat) und schließ- 
lich die Erfolglosigkeit aller dieser Maßnahmen. Hieher gehört das charakte- 
ristische, zu Skrupeln und Zweifeln führende Schwanken des Ichs zwischen 
Trieb (Es) und Reue (Über-Ich), und die Möglichkeit der zwangsneurotischen 
Endzustände der vollen „Willenslähmung", in denen nichts mehr getan oder 
gedacht werden kann, ohne daß damit auch das Gegenteil gedacht oder 
getan würde. 

Isolieren und Ungeschehenmachen sind im Grunde magische Handlun- 
gen, ihre Anwendung ist eine Konsequenz der partiellen Regression zu narziß- 
tischen prälogischen Denkformen; die tieferen Schichten des Ichs, von denen 
die Abwehr ausgeht, sind wieder magisch-animistisch geworden, worüber später 
noch zu reden sein wird. 

Das Problem, wieso bei der Zwangsneurose anstößige Triebinhalte bewußt 
werden können, scheint also zum Teil dadurch gelöst, daß das Ich statt der 
Verdrängung andere Abwehrarten — Regression und In ihrer Konsequenz 
Reaktionsbildung, Isolierung und Ungeschehenmachen •— anwendet. Die For- 
mulierung von Schultz-Hencke, der einmal mit Recht darauf hinweist, 
daß ja immer nur Partialimpulse (Mordimpulse z, B.), nie der eigentliche 
unbewußte pathogene Gesamtzusammenhang bewußt wird, und dann meint, 
diese Partialbewu^ßtwerdung sei möglich, wenn der bewußte Mordimpuls von 
der motorischen Sphäre so weit entfernt sei, daß eine Verwirklichung keines- 
falls in Frage komme, so daß der Patient das Bewußtwerden der Vorstellung 
als „affektleer" fühle,^^ scheint uns richtig; aber im Grunde nur eine andere 
Formulierung für den Tatbestand, daß der Zwangsneurotiker isoliert, wo der 
Hysteriker verdrängt. Daneben kommt die Auffassung von Alexander 
in Betracht, daß die zahlreichen Bußhandlungen der Zwangsneurotiker die An- 
sprüche des Über-Ichs so weit befriedigen, daß es in seiner Strenge nachlasse 
und das Bewußtwerden der zu den Impulsen gehörigen Vorstellungen gestatte.^* 

33) Schultz-Hencke: Einführung in die Psychoanalyse. S. 176 £F. 

34) Alexander; Psychoanalyse der Gesamtpersönlichkeit. S. 88 if. 



I2S 



nu TTS f """"" "'J"^""'^"'^« Erschöpfbarkeit der Duldsamkeit des 
Über-Ichs scheint uns allerdings so sehr ad hoc konstruiert, daß wir es für 
vorteilhafter halten, den relativen Ersatz der Verdrängung durch Isolierung 
hier als E klarung heranzuziehen. Eine Vermutung darüber, warum der 
Gemtahtat die eigenthche Verdrängung, den prägenitalen aggressiven Impulsen 

Genll r t U T '" '"^"^^" ^''^'^'^'^ '^^ Erziehergeneration: 

Genitale Geschehnisse werden so weit wie möglich überhaupt totgeschwiegen- 

2rr::cMs:m?xi "^^ '- ^'^^ ^^^^ ^-- - -^^^ -geschLt 

abw ^d-"' '1f '""' '^'^ " ""^^ Zwangssymptome direkt der Onanie- 
abwehr dienten. Wir verstehen jetzt, warum dieser Befund dem anderen 
Zwangssymptome stellten Abwehr und Befriedigung anal-sadistischer TrieTe' 
dar, nicht widerspricht: Die Onanieversuchung wird eben zuerst durch Regres- 
sion ihr regressiver Ausdruck dann aber noch weiter abgewehrt. Ursprünjhch 

^n!nt^ :■ rf '"'^ '^' ^° "^* pr^B^rnt.l.a. Insofern L f!üh 
kmdhche Onanie die Exekutive des Ödipuskomplexes ist, wäre ja jede Abwehr 
des Ödipuskomplexes eine Onanieabwehr. Freuds Behauptung von einem 
engeren Zusammenhang zwischen Zwangssymptom und Onanie- bedeutet etwas 
Spezielleres bedeutet, daß die Triebabwehr, die das Zwangssymptom splt 
«d. speziell gegen die Exekutive richtet, diese angreift, während L dgenS 
die begleitenden Phantasien meint. Eine Bestätigung dafür sieht Freud im 

in Tl- t" r''' "^"^f "" '^'' Zwangssymptome: Es ist die Latenzzeit, 
m der die Forderung nach „Verzicht auf den Ödipuskomplex" sich real al 
Forderung nach Aufgabe der Onanie geltend macht. (Die hysterischen Sym- 
ptome treten im allgemeinen früher auf.) Die Beobachtung Freuds, der die 
Onanie abwehrende Junge produziere Zwangssymptome, speziell Zeremoniells." 
ist in der männlichen Pubertät leicht zu bestätigen, da sich oft auch bei sonst 
nicht zwangsneurotischen Jungen der bewußte Onanieabwehrkampf mit leich- 
ten Zwangssymptomen verbindet: Nur unter gewissen Bedingungen, bei Ein- 
haltung gewisser Zeremoniells (z. B. zeitlicher Art) darf onaJert werden. Die 
Formen smd mannigfaltig und werden durch die besprochene für die Zwangs- 
neurose so charakteristische Sexualisierung der Sexualabwehr kompliziert. Der 
Zusammenhang zwischen Zwangszeremoniells und Onanie ist ein so inniger, 

gtprlhen h^::3^'^ ^°" '''' "^^^'"^^^^"^ ''' ^^«^ "^-^°-- '^ ^-^^" 



^S ir^ t «' angstliche Mutter. Int. Z. f. Ps.-A. XIII (19.7). 

^8 R.7/1 V •''^'.^''?P'°"J ""^ ^«S« (Ges. Sehr. Bd. XI. S. jj). 

38) Rado: Vortrag m der deutschen psychoanalytischen Gesellschaft 19 i 



129 



In dem zur Illustnerung der „Isolierung« beschriebenen Fall war das Zwangssymptom 
d.relaer Ausdruck der Onanie-Abwehr und wurde im Laufe der Entwicklung schließ- 
hch wieder zum Onan.e-Aqu.valent. Die Entwicklungsrichtung von der Bußbedeutung 
des Symptoms zu der Befr edigungsbedeutung war hier ganz besonders deutlich. Di! 

Sv™Z r'/T'r "ä" ^^r^"^^ "" den mütterlichen Frauen als Kern des 
Symptoms ließ über den Od.puscharakter der Onaniephantasien keinen Zweifel. Die 
Regression zur anal-sadmischen Organisationsstufe imponiert in diesem Fall von 
Zwangsneurose vxel weniger als der Zusammenhang mit dem phallischen Ödipuskom- 
plex und seinem Ausdruck m der Pubertätsonanie 

On^ni^tZlT'^' eines onanieabwehrenden Zwangssymptoms, das allmählich zum 
Onanie- Aquvalent wurde: In emer komplizierten Neurose, in der aber die Zwangs- 
symptome überwogen konnte die nach der Onanie auftretende Angst dufcll 

d?nndtr""\". .^"'^^'^/"r'^'^ "^^''^"- °-- Muskelanspannen wurde 
Onanif k "^^3^^"" ^'^^°P^'" '^'' ^"'^'=' '"^^''^^^'^h durch einen neuerlichen 

an^nf ■ f" 7" '"'^^ ''" '''''''''' ^""^^ ^^^' deutlich. Das Muskel- 

anspannen verriet sich m der Analyse als ein verschobener Krampf der analen Sphink- 
teren und a s Vorläufer der phallischen Pubertätsonanie erwies sich die anX Onal 
des klemen Jungen durch Herumrutschen auf dem Stuhl 

J^J^Zla h"t" ^'"pJ'^'^ Gewissensbisse, wenn er geturnt hatte. Die Analyse 
w es nach daß das Turnen die phallische Onanie vertrat. (Regressive Verschiebung des 
Penisnarzißmus auf den ganzen Körper.-) Diese Gewissensbisse, mit denen er AZ 
.wangsneurotischer Art auseinandersetzte, befahlen ihm schließlich: Onaniere jetzt, 

cTnuton^reX"'^ ^" ^^^'^^"' ^'^'^ " ""'^^ "^^^^^^ ^^-^-'>''- ^^^^ 
Wahrscheinlich handelt es sich bei der z^^anghaften Onanie ohne Genuß 
haulig darum: Sie ersetzt in sexualisierter Form ein onanieabwehrendes oder 
-bestrafendes Zwangssymptom. So entsteht dann das paradoxe Bild: Nicht das 
Zwangssymptom scheint die Onanie abzuwehren, sondern die Onanie das 
Zwangssymptom. Es ist nicht so selten, daß sich Zwangsneurotiker ihren 
Grübeleien und Zweifeln endlich durch Onanie entziehen. Die Onanie erscheint 
dann als inadäquater Versuch, durch die neurotische Libidostauung entstandene 
als unerträglich empfundene innere Spannungen genital abzuführen. Manifest 
ist dann die sekundäre Sexualbefriedigung der Sexualabwehr deutlicher erkenn- 
bar als die Strafbedeutung der Onanie, ihr latenter Sinn als Selbstschädigung 
oder als larvierter Selbstmord (Selbstkastration)." Viele Zwangssymptome zeigen 
den Zusammenhang mit der Onanie in ihrem Inhalt. Manche Skrupel, die Angst 
man hätte etwas nicht ordentlich gemacht, gelegentlich auch der regressiv ge- 
farbte Selbstvorwurf, man hätte sich oder andere durch Unachtsamkeiten 

Int^7^f' V^i 'iTv?'"'o^ °'-S^"l'bidinöse Begleiterscheinungen der Triebabwehr. 
mt. /i. t. i.-'s.-A. AlV (1928). 

40) H i r n ik: Schicksale des Narzißmus bei Mann u. Frau. Int. Z. f. Ps.-A. IX (192O 

^' Ir^.^'"^^}'- ^""^ ^''"''^ ''" Strafbedürfnisses. Int. Z. f. Ps.-A. XI (192?) 

K,t;, Y P "• '" "2^^T°"'''''" ""'• "^"^'^ zusammenhängende Probleme im 

SStjSr:™:™'" '^^"^°^^"" "^"'^" ^"«^^^ ..Perversionen, Psychosen. 

9 Fenichel, Hysterien und Zwangsneurosen 



130 



geschädigt, krank oder vor allem häßlich gemacht, entpuppen sich in der 
Analyse als Selbstvorwürfe wegen Onanie. 

Ein Patient z. B. hatte Angst, er könnte ein entlehntes Buch beschmutzt haben. 

Das bedeutete, man könnte in ihm Spermaspuren entdecken und auch regressiv 

er pflegte, wie viele Zwangsneurotiker, im Klosett ein Buch zu lesen — , er könnte das 
Buch im Klosett beschmutzt haben. Zur Angst, etwas liegen gelassen zu haben, wies 
die Analyse in demselben Falle nach, daß der Patient zur komplizierten Onanietechnik 
seiner Pubertät verschiedene Gegenstände gebraucht hatte; einer davon konnte Hegen 
gelassen worden sein und ihn so verraten. Schließlich bedeuteten Hegengelassene Gegen- 
stände das Sperma selbst, die Spuren der Onanie, die entdeckt werden könnten. 

Gelegentlich stellt sich bei Zwangssymptomen, bei denen man es nicht er- 
wartet, noch eine überraschende Beziehung zur Onanie heraus. 

Eme Frau mußte, so oft sie an einer Wasserleitung vorüberging oder eine solche in 
Funktion setzte, bis fünf oder sechs zählen. Da es sich um eine Patientin handelte, die 
völlig unter der Herrschaft des Penisneides stand, war es selbstverständlich, daß ein 
an der Wasserleitung hängendes Symptom mit diesem Penisneid zusammenhängen 
müsse. Da sie sich erinnerte, daß die Mutter ihr anläßlich eines eitrigen Fingers Angst 
vor dem Fingerabschneiden gemacht hatte, so lag es nahe, das Zeremoniell so zu 
deuten: Der Anblick einer Wasserleitung — eines Penis — zwingt die Patientin, sich 
zu überzeugen, daß sie nicht bloß vier, sondern fünf oder sogar sechs Finger hat. 
Später aber stellte sich doch auch hier ein enger Zusammenhang mit der Onanie 
heraus: Die Patientin pflegte so zu onanieren, daß sie den Finger penisartig vor ihr 
Genitale hielt und den Urin darüberlaufen ließ. 

Da der Kastrationskomplex dieser Patientin nach dem Rachetypus kon- 
struiert war und stark sadistischen Charakter trug, können wir zwar in diesem 
sadistischen Moment die Wirkung der pathogenen Regression erkennen, aber 
das anale Moment tritt hier gegenüber dem urethralen in den Hintergrund. 
Dagegen scheint der Zählzwang, dessen Analyse uns Harnik gegeben 
hat,*^ ein spezifisches Abwehrmittel gegen die anale Onanie zu sein und sich 
ontogenetisch zuerst am Kot gezeigt zu haben. 

Man täte allerdings Unrecht, glaubte man mit dieser Formel das seltsame Phänomen 
des Zählzwanges schon erschöpft zu haben. Es ist reichlich überdeterminiert. Es dient 
vielleicht in tiefster Schicht dazu, Todeswünsche abzuwehren, da das Feststellen der 
Zahl von Gegenständen darüber vergewissert, daß keiner fehlt. Allerdings dringt das 
Abgewehrte in die Abwehr ein — und Zählen erhält dann selbst die unbewußte Be- 
deutung von Töten und muß seinerseits abgewehrt werden.** Das wird durch den 
Umstand erleichtert, daß dem Zählen a priori auch die Bedeutung des In-Besitz- 
Nehmens, des Bemächtigens zukommt. Wir erwähnten schon, daß inhaltsloses Zählen 

43) Harnik: Der Zählzwang und seine Bedeutung für die Psychologie der Zahlen- 
vorstellung. Vortrag auf dem VIII. intern, ps.-a. Kongreß. Autoreferat. Int. Z. f. Ps.-A, 
X (1924), 

44) Ein besonders eindrucksvolles Beispiel für die Beziehung von Zählzwang und 
triebhafter Aggressivität gibt Berta Bornstein in: Zur Psychogenese der Pseudo- 
debihtät. Int. Z. f. Ps.-A, XVI (1930). 



131 



auch ein 2eitmes.sen bedeutet und als Maßnahme zur Sicherung einer Isolierung 
zwischen zwei Tätigkeiten eingeschaltet werden muß. Endlich ergibt sich das zwang- 
hafte Zählen auch als Abwehr bzw. Resultat des wiederholten Durchführens von 
Handlungen, das seinerseits wieder dem Bestreben nach Ungeschehenmachen entspringt. 

Eine Abwehr der analen Onanie ist wohl auch die wesentliche Absicht des 
Waschzwanges. Die anale Onanie verrät sich ja leicht durch beschmutzte 
oder riechende Finger. ' 

^ Das Waschen macht die geschehene Onanie unbemerkbar, wirkt also als Rationali- 
sierung des irrationalen Mechanismus des Ungeschehenmachens. Gelegentlich können 
zwangsneurotische Patienten alle Skrupel durch ein Bad und nachheriges Anlegen von 
frischer Wäsche zum Verschwinden bringen. (Siehe die Bedeutung des rituellen Bades 
als Mittel des Sündenabwaschens, — ebenfalls eine Erscheinung des „Ungeschehen- 
machens",) Das ist wohl die Ursache, warum in der Latenzzeit Zeremoniells sich so 
oft an das Waschen anheften. Auch bei den Entkleidungs- und Schlafzeremoniells muß 
man wohl an einen Zusammenhang mit der Onanieversuchung denken. 

Es bleiben noch zwei genannte Besonderheiten der Zwangsneurose zu be- 
sprechen: Die Rolle des Über-Ichs und die Veränderung von Denken und 
Charakter. Auch das hysterische Symptom nahm seinen Ursprung von einem 
vom Ich ausgehenden Einspruch gegen die Triebkräfte. Jedoch schien dieser 
Einspruch zwar widerwillig, der äußeren Not (Kastrationsdrohung, Liebes- 
entzug) gehorchend, vollzogen, aber doch vom Ich im großen und 
ganzen nunmehr, da an die äußere Not geglaubt wird, bejaht zu 
werden. Der Eindruck, daß eine innere, dem Ich entgegengesetzte 
oder feindliche Instanz die Triebunterdrückung mit aller Gewalt fordere 
und gegen das Ich durchzusetzen suche, den man bei der Hysterie nur selten 
gewinnt, scheint für die Zwangsneurose charakteristisch zu sein. Was Freud 
im „Ich und Es" über die gleichzeitige Abhängigkeit des Ichs von Es und 
Über-Ich und über die Schwierigkeiten der Versöhnung dieser mehrfachen Ab- 
hängigkeit sagte,*^ das alles wird erst bei der Analyse der Zwangsneurose deut- 
lich. Wenn auch die Idee der Identifizierung mit der triebverbietenden Außen- 
person, ihrar Introjektion, an der Melancholie gewonnen wurde, so ist doch die 
Zwangsneurose in diesem Punkte bereits der Melancholie ähnlich, und die 
Analyse zeigt uns, daß das Ich sich mit einem solchen versagenden Teil seiner 
eigenen Psyche ebenso feindlich resp, ambivalent auseinandersetzt, wie es dies 
seinerzeit mit dem Vater oder seinen Vertretern getan hat. Die genetische 
Analyse des zwangsneurotischen Schuldgefühls ist der Beweis für die Abstam- 
mung der Gewissensangst von der Kastrationsangst. Die größere Rolle, die das 
Über-Ich im ganzen in der Zwangsneurose spielt, das, was wir die „Verinner- 
lichung" nannten, scheint eine Folge des späteren Auftretens der Zwangs- 



45) Freud: Das Ich und das Es (Ges. Sehr. Bd. VI. S. 393 ff.). 
9* 



132 



ncurose zu sein, die erst beginnt, nachdem eben die Entwicklung der Kastra- 
tionsangst zur Gewissensangst, die Introjektion der versagenden Außenwelt 
bereits vor sich gegangen ist. Zur Erklärung der archaischen Natur dieses 
Wirkens des Über-Ichs müssen wir allerdings noch einen anderen Faktor her- 
anziehen. 

Die Einstellung, mit der das zwangsneurotische Ich seinem Über-Ich entgegen- 
tritt, ist die eines schlimmen Kindes zu einem strengen autoritativen Erzieher 
Dieses Verhältnis beherrscht so sehr das Krankheitsbild, daß sich oft auf den 
eisten Bhck nur der Gegensatz des Ichs zum Über-Ich zeigt, während es sich 
mit dem Es fast zu decken scheint. Solche Patienten machen den manifesten 
Emdruck emer „Spaltung". Sie benehmen sich abwechsekd wie em schlimmes 
Kind und wie ein strenger, strafender Erzieher. 

Ein Patient durfte sich zwangsweise nicht die Zähne putzen u. dgl. Nachdem er 
d es öfter unterlassen hatte, gab er sich Ohrfeigen und hielt sich Schimpfreden 1 
Em anderer Patient trug stets em Notizbuch bei sich, in dem er sich selbst - je nach 
semem Verhalten - einen Lob- oder Tadelstrich eintrug. ^ 

Aber diese vom Über-Ich geforderte „Moral« ist nicht nur eine autoritative 
und starre, sondern auch eine automatisierte, und zwar eine Scheinmoral, 
deren merkwürdig-archaische Züge, die für die Symptomatik der Zwangs- 
neurose so bodeutungsvoll sind, Alexander unter der Bezeichnung „Bestech- 
hchkeit des Über-Ichs" zusammengefaßt hat.*» 

Daß das Ich sich zu seinem Über-Ich wie zu einer autoritativen Person 
emstellt, ist aus seiner EntstehungsgescHchte begreiflich. Es verhält sich eben 
2u Ihm wie es sich zu seinem Vater verhalten hat, übrigens nicht nur im 
Gehorsam, sondern auch in der Auflehnung und im seltsamen kindhchen 
Gemisch von Gehorsam und Auflehnung, das den zwangsneurotischen Cha- 
rakter kennzeichnet. So erweisen sich die zahlreichen Absurditäten der Zwangs- 
grubeleien als Fortsetzung der seinerzeitigen Spottgelüste gegen den Vater" 
Aber mcht jeder Vater eines Zwangsneurotikers ist unmenschlich grausam 
und gleichzeitig so bestechlich und buchstabengläubig gewesen wie das zwangs- 
neuroti^che Über-Ich. Diese Eigenschaften müssen anderswie erklärt werden. 
Und da kann uns ein Moment nicht entgehen: Der Regression zur anal- 
sadistischen Organisationsstufe der Libido, die ja so viele Eigenheiten der 
Zwangsneurose erklären konnte, entging ja auch nicht das Über-Ich. Um den 
gleichen Grad, um den die Trieb wünsche des Ichs der Außenwelt gegen- 
über sadistischer wurden, wurde auch das Verhalten des Über-Ichs dem Ich 
gegenüber sadistischer. Dabei scheint dieser Sadismus des Über-Ichs umso 



S 



46) Alexander: Psychoanalyse der Gesamtpersönlichkeit. S. 45 ff. u. S 100 
324) Bemerkungen über einen Fall von Zwangsneurose (Ges. Sehr. Bd. VIII. 



r 



133 



größer zu werden, je mehr sich das Ich der tatsächlichen Aggression 
gegen außen enthält. Freud hat uns verständHch gemacht, daß es sich dies- 
bezüghch nicht so verhält, wie man gewöhnlich annimmt, sondern geradezu 
umgekehrt. Man meint, daß ein Mensch, der an sich selbst strenge Forderungen 
richtet, sich auch der Aggressionen nach außen enthalte. In Wirklichkeit ist 
es umgekehrt. Die Aggressionsneigung wechselt ihre Richtung. Wenn sie nicht 
mehr gegen Objekte gerichtet werden kann, wendet sie sich statt dessen nach 
innen und wütet in der Funktion des Über-Ichs gegen das Ich weiter.*« Man 
sieht so, daß der Sadismus des Über-Ichs aus zwei verschiedenen Quellen fließt: 
Erstens aus der Aggression (den Verboten) der Erzieherpersonen gegen das Ich, 
die nach der Introjektion in gleicher Weise vom Über-Ich exekutiert wird; so- 
dann aber aus der vom Ich gegen die Objektwelt gerichteten Aggression, 
die die Reaktion auf die von außen kommende Versagung darstellt und die 
sich durch die Regression so besonders verstärkt hat und nach innen gewendet 
worden ist. Diese zweite Quelle erklärt den Umstand, daß das Über-Ich bei 
den Zwangsneurotikern um so viel grausamer ist als es die realen Erzieher- 
personen gewesen waren. In ähnhcher Weise spiegeln sich in den Selbstvor- 
würfen der Depressiven vom introjizierten Objekt ausgehende und gegen das 
introjizierte Objekt gerichtete Vorwürfe wider. 

Wie reagiert nun das zwangsneurotische Ich auf dieses durch Regression 
und Wendung nach innen verstärkte Über-Ich? Widerspruchsvoll, wie sich 
auch ein Kind einem strengen Erzieher gegenüber widerspruchsvoll benimmt. 
Es sucht seine Forderungen, so gut es kann, zu erfüllen, aber gleichzeitig sich, 
wenn es nur irgendwie dazu Gelegenheit findet, solchen Forderungen zu ent- 
ziehen. Man muß beachten, daß eine solche Stellungnahme des Ichs ja nicht 
eine einmalige Angelegenheit etwa zur Zeit der Neurosenentstehung ist, 
sondern daß sk, (ebenso wie die Stellungnahme zu den anstößigen durch 
Regression erniedrigten Triebregungen des Es) einen Daueraufwand darstellt. 
Theoretisch müssen wir bei der Zwangsneurose von einer doppelten Gegen- 
besetzung, einer gegen das Es und einer gegen das Über-Ich gerichteten, 
sprechen. Dieses dauernde Ausgleichen zwischen den widersprechenden An- 
sprüchen des Es und des Über-Ichs, das uns den Eindruck machte, dem wir 
bei Betrachtung des Zwangssymptoms zu allererst Ausdruck verliehen, daß 
der Kranke fortwährend zwischen „Schlimmsein" und „Bravsein" schwanke, 
spielt sich, dank den beschriebenen archaischen Eigenschaften des Über-Ichs, 
auf einem merkwürdigen, magischen Niveau ab, so daß man das Verhalten 
des zwangsneurotischen Ichs wieder als eine Karikatur der Funktion des 
normalen Ichs bezeichnen kann, die ja ebenfalls darin besteht, widersprechende 



48) Freud: Das ökonomische Problem des Masochismus (Ges. Sehr. Bd. V. S. 386). 



134 



Ansprüche miteinander in Einklang zu bringen. Gibt das Ich einer Triebregung 
nach, so entstehen neue Bußforderungen; hat es Buße geleistet, so nützt es 
ihm nichts, weil der Trieb dennoch weiterwirkt, ja, das Ich nach dem Grund- 
satz der ,3estechlichkeit des Über-Ichs« in jeder vollzogenen Buße einen 
i-reibnef für neues verbotenes Tun erWickt.** 

Diese deskriptiv sicher richtige Darstellung von Alexander wird erst 
ganz verständlich, wenn man die ökonomischen Zusammenhänge in Betracht 
zieht die Rade an der „Idealisierung« beschrieben hat, d. h. den Umstand, 
daß das Ich durch vorangegangene Idealerfüllung („Befriedigung des Über- 
Ichs ) einen so hohen narzißtischen Lustgewinn erhält, daß es im Befriedi- 
gungsrausch passag^r in seiner triebzensurierenden Tätigkeit nachläßt™ 

Die allgemeinste Formel des zwangsneurotischen Zweifels lautet: Soll ich 
dem Trieb nachgeben oder mich kastrieren, soll ich dem Es oder dem Über- 
ich folgen? Bekanntlich können schwere Fälle von Zwangsneurose in praktisch 
einer Psychose gleichende Endzustände übergehen, in denen das bewußte Ich 
t-Trl ^^'''°' -"^o--en ausgeschaltet und in der sogenamxten 
„mUensIahmung" ein Spielball der widersprechenden Regungen des Es und 
des Über-Ichs geworden ist. Bei der Hysterie schon sagten wir, daß im sekun- 
dären Abwehrkampf das Ich sich gegenüber den schon ausgebüdeten 
Symptomen widerspruchsvoll benimmt, einmal sie als Abkömmlinge ver- 
drängter Triebe selbst zu verdrängen sucht, dann wieder sich bemüht, sich 
mit ihnen auszusöhnen und möglichsten Nutzen (sekundären Gewinn) aus 
Ihnen zu ziehen. Man wird nach dem Gesagten verstehen, daß solch wider- 
spruchsvolks Verhalten bei der Zwangsneurose noch viel deutlicher wird. Die 
weitere Abwehr der einmal gebildeten Zwangssymptome erfolgt wieder auf 
regressiv erniedrigtem magischen, zwanghaften Niveau. Man denke z. B an die 
gegen Zwangsimpulse gerichteten „Abwehrformeln", über die noch die Rede sein 
wird. Die Einordnung der Symptome in das Ich kann sich besonders der er- 
wähnten bleibenden Reaktionsbildungen bedienen, die große sekundäre narziß- 
tische Gewmne geben können (etwa im Gefühl, besonders gut und edel oder 
besonders intelligent zu sein), die bei der analytischen Behandlung häufig als 
die am schwersten zu überwindenden Widerstände des Zwangsneurotikers 



Daß das Aufsichnehmen der Über-Ich-Forderungen zunächst Unlust mit sich 
bringen muß scheint so selbstverständlich, daß darüber wenig zu sagen ist 
Problematischer ist, warum das Ich sich dennoch für solche Unlust zugänglich 

G:i^:i'::7^:^,£^S:''''^^^ '-' ^^^--^^^^^^ »nd Reik= 

so) Radö: Eme ängstliche Mutter. Int. Z. f. Ps.-A. XIII (1027) V^l H« k. : \ 
..Charakterstörungen" meines Buches „Perversionen. PsXeräar^LttlSSS 



I 



135 

zeigt, ja in manchen Fällen sie in verhängnisvoller Weise anzustreben scheint, 
was wie eine Perversion imponiert. Eine solche Bereitschaft des Ichs, die vom 
Über-Ich verhängten Strafen, Bußen und Grausamkeiten auf sich zu nehmen, 
ein solcher moralischer „Masochismus des Ichs", scheint das Gegenstück des 
vorhin erwähnten „Sadismus des Über-Ichs" zu sein.^^ Er schöpft seine 
Energie aus zwei verschiedenen, praktisch wohl schwer von einander unter- 
scheidbaren Quellen: Einmal vermag das Über-Ich, wenn seine Forderungen 
nicht erfüllt werden, über das Ich eine noch größere Unlust zu verhängen. 
Die innere Spannung, als die sich dem Ich eine Forderung des Über-Ichs 
bekannt gibt und die nicht bewußt zu sein braucht, die man — je nachdem — 
Angst vor dem Über-Ich, Schuldgefühl, Reue, Strafbedürfnis nennt, muß das 
eine Motiv des Ichs sein, Unlust auf sich zu nehmen. (Bei der Hysterie, die 
unter Symptomen mit Strafbedeutung leidet, ist es ja prinzipiell dasselbe; da 
aber die Zwangsneurose das gefürchtete äußere Objekt viel mehr durch ein 
gefürchtetes Über-Ich ersetzt hat, spielt dieser Mechanismus hier eine viel 
entscheidendere Rolle; die aus der „Bestechlichkeit des Über-Ichs'* stammenden 
Hoffnungen des Ichs, durch Aufsichnehmen von Unlust Triebfreiheit zu ge- 
winnen, gehören natürlich ebenfalls hierher.) Das zweite Motiv ist echt maso- 
chistischer Natur. Wir haben davon gesprochen, daß und warum eine bisexuelle 
Konstitution Voraussetzung oder wenigstens Begleiterscheinung jeder Zwangs- 
neurose ist. In regressiv erniedrigter Form muß ja der feminine Sexualwunsch 
des Mannes, vom Vater koitiert zu werden, die Form des Wunsches annehmen, 
vom Vater geschlagen, gequält zu werden. Dieser Wunsch sucht bei vielen 
Zwangsneurotikern auf narzißtischer Stufe im Verhältnis zum eigenen Über- 
Ich Befriedigung. Wir sprachen davon, daß die ganze Ambivalenz, die dem 
Vater galt, sich im Verhältnis zum Über-Ich (etwa in Absurditäten der Zwangs- 
zweifel) widerspiegle. Die passiv-feminine Einstellung ist ein Teil der Ambi- 
valenz. In der Folge erleidet der „moralische Masochist" beim Erdulden von 
Schicksalsschlägen (von Schlägen, die der Vater -^ das Schicksal ihm verabreicht) 
wirkliche sexuelle Lust. Hier ist nach den Worten Freuds die Moral beson- 
ders „sexualisiert" worden. Sie, die aus dem Ödipuskomplex entstanden ist, ist 
hier wieder zum Ödipuskomplex regrediert.^® 

Die ersterwähnte Motivierung, also der besondere unbewußte Gehorsam des 
Ichs gegenüber seinem Über-Ich ohne Mitspielen der feminin-masochistischen 
Hingabe, bedarf noch eines kurzen terminologischen Exkurses. Freud, der 

ji) Siehe Freud: Das ökonomische Problem des Masochismus (Ges. Sehr. Bd. V. 
S. 38^). 

52) Freud: Das ökonomische Problem des Masochismus (Ges. Sehr. Bd. V. S. 385). 
— Näheres über die Beziehungen zwischen Zwangsneurose und Masochismus siehe 
im Kapitel: „Perversionen" meines Buches „Perversionen, Psychosen, Charakter- 
störungen". 



iy6 



ursprünglich die Ausdrücke „unbewußtes Schuldgefühl" und „Strafbedürfnis" als 
synonym verwandte, _ beides ist eine topisch spezifizierte Angst: Angst des 
Ichs vor dem Über-Ich- _ hat unlängst folgenden Vorschlag zur Unter- 
scheidung gemacht: „Das Schuldgefühl", schreibt er, „... ist die dem Ich zu- 
geteilte Wahrnehmung, daß es (vom Über-Ich) überwacht wird, die Ab- 
schätzung der Spannung zwischen seinen Strebungen und den Forderungen 
des Über-Ichs, und die der ganzen Beziehung zugrundeliegende Angst vor 
dieser Wehen Instanz". Dieser vortrrfHchen Definition muß man selbst- 
verständlich voll beipflichten. Das „Strafbedürfnis" aber „ist eine Triebäußerung 
des Ichs, das unter dem Einfluß des sadistischen Über-Ichs masochistisch ge 
worden ist".^' Freud will also das Strafbedürfnis aus unserer „ersten Moti- 
vierung ausnehmen und mit dem Trieb des moralischen Mochisten zu- 
sammenfallen lassen Es scheint uns aber sicher, daß ein Ich auch aus bloßen 

fr Unf un ' t-^'^;'''"^^'"^^ ''' -«^^-^- ^— ' Strafe auf! 
sucht. Und uns scheint dieses Verhalten gerade für die Psychologie der 

Zwangsneurose bedeutungsvoll. Allerdings tragen diese aufgesuchten rafJn 

oft den Charakter prophylaktischer Maßnahmen: Ich füge mir dies oder das z" 

dam« h schwererem^entgehe. Ich erleide Geld- oder ErfolgsverW, da^; 

ich mir dafür meinen Penis erhalte. 

Der Versuch von Rad6, die Äußerungen des Gewissens als die eines 
Tnebes wenn auch des phylogenetisch Jüngsten, dessen Entstehung durch 
Intro;ektion äußeren Zwanges wir heute noch beobachten können, genau o 
wie andere Tnebansprüche zu betrachten, die ja nach Freud a"e Nieder- 
schlage ehemals^ äußerer Not sind.- scheint uns hier weiter zu f ühtn ^ Nach 
der obigen^Definltion wäre dieser Auffassung das Schuldgefühl de: Trfeb 
reiz des Gewissenstriebes; „Strafbedürfnis" wäre dann offenbar ein spezieller 
T^Teth "d ' '^^t, ^"^''^P--"^ J— den, eine Intention zu 
Jav^ K ." r': '''"'' " '^^^ verschiedene geben kann, unabhängig 
h t od r "^.™™b" -h n.it einem passiv-erotischen Trieb legt 

hat oder nicht. Die Strafe ist ein Mittel, Schuldgefühle zu tilgen, aber i!w 

':^^'^'^1rT?^ """^^^ '-' -prünglich!te;denL:t 
an jene Zeiten, da anstelle des Gewissens noch äußere Gewalt, an Stelle der 

?::LTT r '^^'^- °'^^ ^^^''— ^-ngst wa. ^les Ird 

?rf hr^nril^T^f"'"^ "^ '''^^"^'^"^^ ''' ^"^^^^^ ^"-h die 
i^^rf ahrung, daß nach vollzogener Strafe alles Schlimme „ungeschehen ge- 

^6 1\7a'-Z'''^' und Triebschicksale (Ges.' Sehr'. Bd. V). 
iA^^^- ""'' ^^y^^^^'^^-- Wirkungen der Rauschgifte. I„t. 2. f. Ps.-A. XII 



137 

macht", die Liebe der Eltern nicht mehr entzogen war. Die Strafe wird nicht 
an sich gewollt, sondern als Mittel hingenommen, die durch die Tat verlorene 
Liebe der Eltern wiederzugewinnen.^^ Gelänge es aber, die verlorene Liebe auch 
ohne Erduldung von Strafe wiederzuerlangen, so wäre das eine Art von 
Schuldtilgung, die dem Kinde natürlich viel angenehmer sein müßte als die 
Strafe. Wir sehen: Die Verzeihung ist das eigentlich Angestrebte, die 
Strafe ein Mittel dazu neben anderen. Das „Strafbedürfnis" ist einem „Absolu- 
tionsbedürfnis" ko- bzw. subordiniert.. 

Ein Patient produziert nach onanistischen Akten Zwangsskrupel und hypochon- 
drische Beschwerden. Beide Arten von Symptomen bereiten große Qualen. Die Ana- 
lyse konnte deutlich zeigen, daß die verschiedenen gefürchteten Krankheiten — 
Kastrationsbedeutung hatten. Der schlechte Zustand, in den der Patient geriet, mußte 
als Selbstbestrafung aufgefaßt werden, ihr Produzieren also als Anzeichen eines 
Strafbedürfnisses. Dieser Patient erfand nun eines Tages eine Methode, sich die 
Hypochondrie und Skrupel gänzlich zu ersparen. Er begab sich so bald als möglich 
nach jedem onanistischen Akt zum Arzt und ließ sich gründlich untersuchen und 
versichern, daß ihm nichts fehle. Die Analyse ergab: Der Arzt war der Kastrator; 
seine Versicherungen, daß dem Patienten nichts fehle, entsprachen einem Verzicht 
auf das ihm zustehende Recht der Kastration. So bedeutete das freiwillige Aufsuchen 
des Arztes die Unterwerfung des Patienten gegenüber den Ehern resp. dem Über-Ich; 
die Gesundheitserklärung aber eine Absolution. Diese Absolution brachte die Beruhi- 
gung des Gewissensanspruches, und damit erübrigten sich andere Mittel solcher Be- 
ruhigung, nämlich die Selbstbestrafung. Das Strafbedürfnis wurde überflüssig, weil 
eine andere Methode der Gewissensbefriedigung an seine Stelle getreten war. 

Obwohl es bekannt ist, daß Hypochonder auf Zuspruch und Aufklärung 
wenig reagieren, findet man doch Hypochonder, die nach beruhigenden Ver- 
sicherungen des Arztes für einige Zeit Ruhe haben, bis dann die Beschwerden 
wiederkommen, die auf neuerliche Beruhigung wieder schwinden. Offenbar 
holen sich solche Patienten immer vom Arzt die Absolution, die die selbst- 
bestrafenden Hypochondrien überflüssig macht, bis die Gewissensspannung 
wieder mehr angewachsen ist und neueriiche Selbstbestrafung notwendig 
macht, was dann wieder durch neuerliche Absolution kompensiert werden 
kann. Daß solches „Absolutionholen" ebenso sexualisiert sein kann wie jedes 
Selbstbestrafungssystem,, indem z. B. die ärztUche Untersuchung als homo- 
sexueller Akt perzipiert wird, ist selbstverständlich. Solches „Absolutionholen", 
d. h. die Abhängigkeit des Selbstgefühls von der Versicherung anderer, daß 
sie den Patienten nicht fallen lassen, ist für die gesamte soziale Haltung vieler 
Zwangsneurotiker charakteristisch. Wie es für den „Verbrecher aus Schuld- 
gefühl" eine Erleichterung bedeutet, wenn er sein präexistentes Schuldgefühl 
an eine sekundäre ReaHtät anheften kann,^'^ so ist es offenbar für viele 



57) Rad6: Das Problem der Melancholie, Int. 2. f. Ps.-A. XIII (15)27). 

58) Freud: Die Verbrecher aus Schuldbewußtsein (Ges. Sehr. Bd. X.). 



138 

von Schuldgefühlen geplagte Zwangsneurotiker (und Depressive) eine Er- 
leichterung, wenn sie spüren, daß sie von realen Personen nicht für ebenso 
schuldig befunden werden wie von sich selbst. Dabei wird die Über-Ich-Angst 
wieder in eine Art soziale Angst umgewandelt. In größerem Ausmaße ist 
solches „Rückprojizieren" des Über-Ichs in die Realität, aus der es seinerzeit 
introjiziert wurde, zwar mehr ein paranoischer Mechanismus, der für para- 
noide Erkrankungen und Charakterstörungen bezeichnend ist, deren Beziehung 
zur Außenwelt viel mehr von sozialer Angst als von Haß und Liebe regiert 
wird, während der typische unter Schuldgefühlen leidende Zwangsneurotiker 
ja von den Unsinnigkeiten seiner Schuldgefühle überzeugt ist. Immerhin findet 
man auch in der Analyse der Zwangsneurotiker recht häufig, daß auch sie 
durch soziale Angst, die ihr lastendes Schuldgefühl lindern soll, in ihrem 
Selbstgefühl von den Reaktionen der Außenwelt abhängiger sind als sie wissen 
und gerne zugeben wollen. Natürlich spielt auch hiebei wieder die feminine 
Sexualisierung eine bedeutende Rolle. Häufig deckt solche unbewußte soziale 
Angst die in noch tieferer Schicht unbewußte Homosexualität, Auch darf man 
nicht übersehen, daß derjenige, dessen Unbewußtes von aggressiven Neigungen 
gegen die Außenwelt erfüllt ist, ja allen Gi'und hat, diese Außenwelt zu 
fürchten. Je „verinnerlichter", je echter eine Zwangsneurose ist, umso weniger 
werden sich die Gewissensansprüche durch äußere Maßnahmen beseitigen 
lassen.^® 

Die tiefe Angst vor seinem Über-Ich treibt den Zwangsneurotiker immer 
wieder in den aussichtslosen Kampf gegen seine infantilen Triebe. Die Analyse 
läßt in dieser Angst das Entwicklungsprodukt der Kastrationsangst erkennen. 
Was in der Kindheit vom Vater gefürchtet wurde, wird jetzt vom Über-Ich 
erwartet, und wie es die tiefste und primitivste Angst des kleinen Kindes war, 
vom Erwachsenen verlassen zu werden, so könnte es jetzt in gleicher ^cisq 
von seinem eigenen Über-Ich im Stich gelassen, nicht mehr gehebt werden. 
Wir erwähnten anläßlich der „Organneurosen" einen Fall, der uns diese Angst 
drastisch demonstrierte, und besprachen ihre Wirksamkeit bei den traumati- 
schen Neurosen. Freilich müßte man nun fragen: Wenn diese Angst bzw. das 
wirkliche Eintreten dessen, was in dieser Angst gefürchtet wird, der Haupt- 
faktor für die Ätiologie des Selbstmordes ist, warum ist der Selbstmord bei 
der typischen Zwangsneurose ein so überaus seltenes Ereignis? Die Antwort 
Freuds auf diese Frage lautet: Weil bei der Zwangsneurose nicht wie bei der 
Melancholie der gesamte Libidogehalt des Individuums auf diesen Kampf 
zwischen Ich und Über-Ich konzentriert ist, sondern weil ein gutes Stück 
erhaltener Objektbeziehungen und vielleicht gerade die aggressive Natur dieser 

59) Näheres über die soziale Angst siehe im Kapitel „Charakterstörungen" meines 
Buches: „Perversionen, Psychosen, Charakterstörungen.*'' 



139 

erhaltenen Beziehungen vor dem gänzlichen Verfall in diese narzißtische 
Angst schützt.^° Freilich zwingt diese Angst dennoch auch dem Zwangsneu- 
rotiker genug Leid auf. Der Kranke gerät in den immer wachsenden Kreis: 
Reue, Bußhandlung, neue Tat, neue Bußhandlung — bis zur Willenslähmung. 
Die Entwicklungstendenz der Zwangsneurose geht dabei, wie erwähnt, auf eine 
immer weitergehende Verschiebung, auf ein Wachstum des Umfanges des 
Symptombereichs (analog dem „phobischen Vorbau") und endlich auf ein 
immer deutlicheres Hervortreten der Befriedigungsbedeutung der Symptome 
auf Kosten der Bußbedeutung. Gewiß müssen nicht alle Zwangsneurosen einen 
so verhängnisvollen Verlauf nehmen, sondern es können Zwangsneurosen wie 
Phobien in bestimmten Stadien der Entwicklung stationär werden. Das ist 
dann die Folge bestimmter ökonomischer Konstellationen, die die Analyse für 
den einzelnen Fall aufdecken kann. 

Vieles, was zur Veränderung der Denkart und des Charakters des Zwangs- 
neurotikers gehört, ist im Vorhergehenden bereits besprochen worden. Schon 
der auffallendste Zug, nämlich das Erlebnis des Zwanges überhaupt, ist ein 
Symptom für die merkwürdige Spaltung in der Seele des Zwangsneurotikers, 
über die noch einiges zu sagen ist. Im hysterischen Symptom wird das Ich 
gleichsam überrumpelt; die Motihtät wird in Funktion gesetzt, ohne daß das 
Ich der eigenen Mitwirkung gewahr würde. Beim wahnhaften Handeln wie- 
derum ist das Ich so vollständig mit in den Krankheitsprozeß einbezogen, daß es, 
scheinbar unverändert die Herrschaft über die Motilität ausübend, mit seiner 
ganzen Kraft die Motilität unzweckmäßig in Funktion setzt; beim Perversen 
oder triebhaft Handelnden erscheint das Ich dazu bestochen, einem objektiv 
unzweckmäßig erscheinenden Motiv seine Hilfe zu leihen. Beim Zwangserleben 
findet etwas anderes statt. Weder ist das Ich in seiner Rolle als Beherrscher der 
Motihtät abgesetzt oder geschwächt wie bei der Hysterie, noch ist sein objek- 
tives Urteil gefälscht wie beim Wahn. Der Zwangskranke erlebt die Ausführung 
einer Zwangshandlung weder als etwas, das ihm passiv zuströmt, noch als 
sein eigentliches Wollen, dem er, wie etwa der Perverse, schließlich nach- 
zugeben sich entschließt; sondern es ist ein sonderbares Zwischending. Das Ich, 
der bewußte Anteil der Persönlichkeit, führt Handlungen aus, die es nicht 
will. Es wird gleichsam zum Wollen gezwungen von einem anderen mächtigeren 
Faktor. Diese gleiche Spaltung ist es, auf die wir schon einmal stießen, als 
wir davon sprachen, daß und wie der Zwangsneurotiker „abergläubisch" sei. 
Der Zwangsneurotiker erwartet Orakel, „schließt" mit Gott „Wetten" ab, 
wirkt magisch durch Worte und Gesten, fürchtet die magische Wirkung von 
Worten anderer am eigenen Körper, glaubt an Gespenster, Dämonen u. dgl. m. 



60) Freud: Das Ich und das Es (Ges. Sehr. Bd. VI. S. 3^3). 



140 



und ist dabei ein intelligenter Mensch, der sehr genau weiß, daß das alles Unsinn 
ist. Dabei ist dieser Widerspruch keineswegs genügend erfaßt, wenn man sagt, 
der Zwangsneurotiker sei eben bewußt aufgeklärt, im Unbewußten denke er 
animistisch-magisch. Denn er erlebt ja einen TeU des animistisch-magischen 
Denkens bewußt; äußert, er müsse jetzt so denken und danach handeln, 
obwohl er nicht daran glaube. So kann man sagen: Ein Teil des Ichs des 
Zwangsneurotikers ist von der Krankheit mitergriffen, ist regrediert auf die 
animistisch-magischen Vorstufen des Denkens. Ein anderer Teil, von diesem 
isoliert, ist intakt geblieben. Dem „regredierten« Ich entspricht es z. B auch 
daß die Abwehr, die das Ich gegen schon ausgebildete Zwangssymptome 
„sekundär" ins Werk setzt, nicht vernünftig ist, sondern selbst wieder 
Zwangscharakter trägt, z. B. indem Zwangsimpulse durch magische Zauber- 
rormeln gebannt werden. 

Gelingt es erst einmal, die Aufmerksamkeit eines Zwangsneurotikers auf die während 
e nes Denkens und Sprechens in seinem Bewußtsein leise ablaufenden unauf- 
fälligeren Prozesse zu lenken, so ist man überrascht, wie das Erleben auch des 
„leichten Falles" erfüllt ist von allerhand kleinen, schwer wiederzugebenden, selbst 

oltVT r\'" "^"r"'^ ''' ^^'^^°'^^°" benutzenden magischen Gedanke^ 
Gedankenbruchstucken und Impulsen. Auch sie haben teils befriedigenden, teil 
bußend-askeuschen Charakter, oft beides zugleich." 

Dieses Herabsinken eines Teiles der Denkfunktion auf archaische Formen 
wird uberkompensiert durch ein besonderes Betonen des Intellekts und der 
Begriflswelt, also der Denktätigkeit des restlichen Teils des Ichs. Da die 
,,Iso lerung« der typische Abwehrmechanismus der Zwangsneurose ist, also 
Affekte und Gefühle in Verbindung mit den zugehörigen Vorstellungen nicht 
zugelassen werden, wird es uns nicht überraschen zu hören, daß die meisten 
Zwangsneurosen den„a£Fektlahmen Charakteren" entsprechen, von denen wir 
im Kapitel „Hemmungen" handelten: Viele haben sich aus der Welt der 
Gefühle in die Welt der Begriffe, ja selbst noch aus dieser in die Welt der 
Worte zurückgezogen. (Da die psychoanalytische Kur mit Hilfe von Worten 
Gefühle beeinflussen will, so wird man verstehen, welche Gefahr bei der 
Behandlung von Zwangsneurotikern gerade an dieser Stelle gelegen ist; nämhch 
die daß die Worte, die zwischen Arzt und Patient gewechselt werden, inner- 
halb der Wort- und Begriffssphäre isoliert bleiben könnten.) Diese Begriffs- 
und Wortsphäre wird dann natürlich aus Kompensationsgründen (ebenso wie 
die ethische) ganz besonders entwickelt. 

Aber wie bei der Zwangsneurose der Trieb schKeßlich immer dort be- 
sonders in Erscheinung tritt, wo zuerst die Abwehr etabhert wurde, so auch 

i.Vs..I%^i7^ '^'"'''' '^''" ""' ''"°"*^'" ^°"» ^'*" Zwangsphantasien. Int. Z. 



141 

hier. Gerade auf dieses Gebiet des Intellekts und der Denkfunktion folgt der 
Trieb nach, und hier tobt der heißeste Kampf. Der Zwangsneurotiker will in 
der Begriffs- und Wortwelt dem Triebkampf entgehen. Die Triebe besetzen 
gerade die Begriffs- und Wortwelt, die dadurch einen seltsamen Charakter 
gewinnt, — eine Wertigkeit erhält, die beim Gesunden eben der Trieb- und 
nicht der Denkwelt zukommt. Die „Überbesetzung", die „Sexualisierung" des 
Denkens ist der Mechanismus, der uns die verschiedenen Denkeigenheiten, die 
uns an der Zwangsneurose auffielen, erklärt. Jetzt erst verstehen wir den 
früher nur beschriebenen Faktor, daß der sekundäre Abwehrkampf gegen die 
Zwangssymptome sich selbst wieder in Zwangsform abspielt: Wieder hat sich 
m die Abwehr das Abgewehrte selbst hineingedrängt; an der gegen das 
Symptom gerichteten „Formel" sind Triebabwehr und Trieb gleichermaßen 
beteiligt. Wir haben ferner in der „Verschiebung auf ein Kleinstes" einen für 
die Zwangsneurose charakteristischen Zug kennen gelernt, der uns erklärt, 
daß ein Zwangssymptom erst durch die historische Zurückführung auf das 
zugehörige „Große" verständlich gemacht werden kann; die Verschiebung des 
psychischen Gewichtes von einem oder vielen Triebimpulsen auf die zugehörige 
Vorstellung, schheßlich auf einen Begriff oder ein Wort, die Ersetzung der 
Triebkonflikte durch Begriff- und Wortprobleme, ist der bedeutungsvollste 
Spezialfall dieser „Verschiebung auf ein Kleinstes". Dieser Mechanismus liegt 
dem Grübelzwang zugrunde. (Woraus sich ohne weiteres der therapeutische 
Rat ergibt, mit Grübelsüchtigen nicht über ihre philosophischen Probleme zu 
diskutieren, da sie ja, über Philosophie denkend und redend, etwas anderes 
meinen, und es therapeutisch nur auf dieses „Andere" ankommt.) 

Werden die Spaltungen und Gegensätze, die das Triebleben des Zwangs- 
neurotikers durchziehen, auf diese dem Grübelzwang zugrundeliegenden 
sexuahsierten Denkprobleme verschoben, so entsteht die „Zweifelsucht". 
Zweifel ist der auf das Intellektuelle verschobene Triebkonflikt. Da die Abwehr- 
form der Isolierung, die bei der Zwangsneurose ihre ursprüngliche Funktion 
zur Unterdrückung anstößiger infantiler Triebregungen voll behalten hat, in 
gewandelter Funktion die Voraussetzung des normalen Denkens ist, mutet das 
zwangsneurotische Denken und insbesondere der Zwangszweifel wie eine 
Karikatur des normalen Denkens und des methodischen Zweifels des Forschers 
an. Die wahren Inhalte der Zweifelsucht können also genau so mannigfaltig 
sein wie die ursprünglich einer Zwangsneurose zugrundehegenden Konflikte; 
ebenso wie man diese mannigfaltigen Konflikte mit einem gewissen Recht auf 
die allgemeine Formel reduzieren kann: Es stehe in ihnen Männlichkeit gegen 
Weiblichkeit (BisexuaHtät), Liebe gegen Haß (Ambivalenz) und vor allem 
unerläßlich und pathognomonisch der Gegensatz von Es (Triebanspruch) und 
Über-Ich (Gewissensanspruch), hat es auch seine Richtigkeit zu behaupten, die 



142 

gleichen Konflikte lägen der Zweifelsucht zugrunde, so daß die Zwangszweifler 
in irgendwie spezialisierter Form letzten Endes immer nur in drei Dingen 
zweifeln: Ob sie sich männlich einstellen sollen oder weibhch, ob sie Heben 
sollen oder hassen, ob sie „brav" sein sollen oder „schlimm". 

Bisexualität und Ambivalenz sind dabei, wie wir hörten, (Voraussetzung und) 
Folgen der verhängnisvollen Regression auf prägenitale Organisationsstufen der Libido. 
Ein Traum wie der, man müsse sich zwischen einer Kindertrompete und einem 
Kinderpfeifchen entscheiden, wobei die Analyse die Trompete als Symbol des Anus, 
damit der Femininität, das Pfeifchen als Symbol des Penis, damit der Maskulinität 
entlarvt, sind bei Zwangszweiflern keine Seltenheit. 

Die gefürchteten Endzustände der „Willenslähmung" sind extrem fortgeschrittene 
Zweifelsformen. Ein Patient, der schwankte, ob er zur Analysenstunde kommen oder 
dxic in entgegengesetzter Richtung wohnende Freundin besuchen sollte, fuhr buch^ 
stäblich eine Stunde lang auf der Untergrundbahn immer eine Station abwechselnd 
hin und wieder zurück. 

Ein Versuch zur Abwehr von Zweifeln sind auch die großartigen IsoHerungs- 
leistungen mancher Zwangsneurotiker, die ihr ganzes Leben als Provisorium auf- 
fassen, weil sie die Entscheidung hinausschieben, erst „später einmal" vollziehen 
wollen, und in allen Angelegenheiten vor lauter Vorbereitungen nicht zur Sache selbst 
kommen. Als eine häufige unbewußte Bedingung des „neuen Lebens", das die Zukunft 
bringen soll, weist die Analyse etwa den erwarteten Tod der Eltern nach — also 
wieder eine Beziehung zur verstärkten Ambivalenz; der eventuelle reale Tod der 
Eltern kann aber ebenfalls — natürlich infolge der entstehenden Schuldgefühle — 
keine Entscheidung bringen, der Kampf des Es 'ist ja schon lange nicht mehr gegen 
den realen kastrationsdrohenden Vater, sondern gegen das introjizierte Über-Tch 
gerichtet. 

In Zweifelsnöten greifen viele Zwangsneurotiker zur (oft phantasielosen) Onanie. 
Wir sagten bereits, daß bei so ausgelöster Zwangsonanie zweierlei vorUegt: Ein 
inadäquater Versuch, nicht mehr genitale Konflikte, z. B. Gewissenskämpfe, genital 
abzuführen, um sich zu entspannen, und das Sich-dennoch-Durchsetzen des im 
ursprünglichen Zwangssymptom bekämpften Triebes, oft mit verändertem Vorzeichen, 
so^ daß er nunmehr nicht nur Befriedigung, sondern auch strafende Selbstvernichtung 
bringen soll. Es ist wieder der Begriff der „Libidostauung", der solche Zustände ver- 
ständlich machen kann. 

Mit der Zweifelsucht eng zusammen hängt das Phänomen, das Graber 
„neurotische Typisierung" genannt hät,'^ die Neigung der Zwangsneurotiker 
zu falschen Verallgemeinerungen, zur Ordnung aller Vorstellungen nach be- 
stimmten kontradiktoiuschen und vorschnell nach Merkmalen bestimmten 
Kategorien, über deren Natur und Bewertung dann Zweifelskämpfe aus- 
brechen können. Häufig sieht man dabei auf den ersten Blick, daß der logische 
Fehler dadurch entsteht, daß Zusammengehöriges voneinander isoliert ge- 
halten wird. 



62) Grab er: Über neurotische Typisierung. Vortrag in der deutschen ps.-a. 
Ges. 1^30. 



M3 



So verbrachte ein zwangsneurotischer Schachspieler Stunden mit dem Zweifel, ob 
er beim Spiel mehr Strategie oder Taktik anwenden solle, selbstverständlich generell 
und abstrakt gedacht, nicht etwa, in einer konkreten Schachsftuation. Dahinter ver- 
barg sich der unbewußte Zweifel, ob er den Gegner besiegen oder sich besiegen lassen 
solle, ob er die männliche oder weibliche Haltung einnehmen solle. 

Man erkennt an dieser Karikatur des begrifflich-logischen Denkens, daß die 
analerotische Neigung zur Systematisierung auf der fortwährenden Anwendung 
der Triebabwehr der Isolierung beruht. Wie der Zwangsneurotiker nicht 
frei assoziieren kann, weil er immer dafür sorgen muß, daß nicht ursprünglich 
Zusammengehöriges wieder in Berührung miteinander gerate, so kann er auch 
nicht frei wahrnehmen, sondern muß das Wahrgenommene sofort in Kategorien 
stecken. Was ihn dazu treibt, ist die alte Angst vor der Gefahr, die ein 
Triebdurchbruch bedeuten würde, sowohl — nach der Verinnerlichung — die 
Angst vor der eigenen Innenwelt (in Kategorien gesteckte Gedanken sind 
gleichsam vom Ich schon erfaßt und unschädlich gemacht), als auch äußere 
Kastrationsangst, denn „typisierte" Menschen erscheinen weniger gefährlich 
als solche, von denen man vorher nicht ahnt, was sk tun oder sagen werden. 

Die mit der Sexualisierung des Denkens Hand in Hand gehende Sexuali- 
sierung des Redens und der Sprache zeigt sich vielleicht am deutlichsten in 
den zwangsneurotischen „Abwehrformeln". Hier haben Wörter ihre volle 
ursprüngliche magische Bedeutung wiedererlangt. Auf die Beziehung zu den 
Zaubersprüchen der Primitiven ist wiederholt hingewiesen worden. 

Die krasse Absurdität mancher Scheinprobleme, an denen sich zwangs- 
neurotisches Grübeln und Zweifeln abspielt, entspricht, genau so wie Ab- 
surdität im Traume Spott und Hohn bedeutet, — einer spöttisch-höhnischen 
Einstellung gegenüber dem eigenen Über-Ich (in der analytischen Kur oft: 
gegenüber dem Analytiker), also letzten Endes wieder der feindseligen Ein- 
stellung gegenüber dem Vater. 

Ein Patient, der die Zwangsbefürchtung hatte, der Analytiker könnte während der 
Stunde sterben, muß sich deshalb zwangsweise nach ihm umsehen und folgende Be- 
ruhigungsformel aussprechen: „Der lebendige Doktor sitzt in Abstand hinter mir" 
(in Abstand ™ Einhaltung des Tabus der Berührung).' 

Gerade aus der Art, wie Gedanken und Worte von den Zwangsneurotikern 
behandelt werden, kann man, diese Behandlung als Regression auffassend, auf 
die ursprüngliche magische Bedeutung der Gedanken und Worte Rückschlüsse 
ziehen. Im Unbewußten der Zwangsneurotiker können Worte töten und 
lebendig machen, Wunder wirken und die Zeit zurücklaufen lassen. Durch das 
Aussprechen eines Sachverhaltes glaubt das Unbewußte des Zwangsneurotikers, 
die Wirklichkeit zu zwingen, so zu verlaufen, wie es ausgesprochen wurde. 
F e r e n c z i machte darauf aufmerksam, wie diese Zauberwirkung der Worte, 
die aus der Zeit stammt, in der das kleine Kind reden lernte („Periode der 



144 

Allmacht der Worte"), sich am ehesten erhalten hat in den „obszönen 
Worten", die es vermögen, Sprecher und HÖrer zu veranlassen, das Gemeinte 
wie leibhaftig zu erleben. Die Scheu, obszöne Worte auszusprechen, ist die 
Abwehr eines besonderen Triebes, dies zu tun; dieser, auch als selbständige 
Perversion (Koprolalie) auftretend, ist bei Zwangsneurotikern häufig und hat 
den unbewußten Sinn, den Hörer magisch zu sexuellem Erleben zu zwingen.*'^ 
Daß darin ein sadistisches Moment liegt, ist ebenso deutlich, wie etwa daß 
das Aussprechen analer Wörter anal-, die Sprachlust überhaupt oral-libidinÖsen 
Gewinn bringt. Die Koprolalie ist deshalb Sache „regredierter Libido" und 
zur Zwangsneurose passend. 

Der besondere Genuß an Pornographie geht ebenfalls auf die halluzinatorische 
Kraft obszöner Worte, also auf ihre magische Gewalt zurück. Die Zusammen- 
hänge mit der Analerotik zeigen sich z. B. In dem häufigen Zwang, im Klosett 
zu lesen, orale Züge weist die Analyse der „Leseleidenschaft" regelmäßig auf, 
indem Aufnehmen gelesener Worte und Aufnehmen von Essen unbewußt 
gleichgesetzt werden.^* Das sadistische Moment scheint wegzufallen; doch 
wird gerade von Pornographielesern häufig ein „unschuldiger" Zuhörer hlnzu- 
phantasiert.®*^ Bekanntlich war es auch der Punkt der magischen Denkweise, an 
dem Freud zum ersten Male auf „einige Übereinstimmungen im Seelenleben 
der Wilden und der Neurotiker" hinweisen konnte.''^ Ihre Basis ist die Ver- 
stärkung des Narzißmus, die beim Zwangsneurotiker eben im Glauben an die 
„Allmacht der Gedanken" zu Tage tritt. 

Ein Zwangsneurotiker findet besondere Freude am Spiel mit einem kleinen Papier- 
blumenstrauß, der durch Schütteln kaleidoskopartig neue Formen annimmt. Die 
Analyse ergibt, daß er „lieber Gott" spielt und auf magische Welse neue Welten 
schafft. Ein anderer Zwangsneurotiker, durch die Analyse in Selbstbeobachtungen 
geschärft, ertappt sich bei dem Gedanken, daß es ihn wundere, daß er, wenn er 
durch eine Tür gehe, sie ÖJfiFnen müsse. Eigentlich erwartet er, daß sein Wunsch 
genügen müsse, um die Tür von selbst sich öffnen zu lassen. Nur die Stellungnahme 
der höheren Anteile des Ichs unterscheidet solchen Allmachtsglauben vom Größen- 
wahn. 

Der narzißtisch begründeten „Allmacht der Gedanken" entspricht auch die 
Möglichkeit, ein unerwünschtes Stück der Realität „wegzuwünschen", also die 
seltsame Fähigkeit zur wenigstens partiellen Leugnung der Realität, wo sie 
mit Triebwünschen in Konflikt steht. Im vollen Umfang ist ja ein solcher 
Verlust der Fähigkeit der Realitätsprüfung ein Charakteristikum der Psychose, 

63) Ferenczi: Über obszöne Worte. Zentralbl. f. Ps.-A. I (1911). 

64) Näheres darüber im Kapitel „Charakterstörungen" meines Buches „Perversionen, 
Psychosen, Charakterstörungen". 

64a) Auch in der Lyrik hat die Sprache magische, zur halluzinatorischen Anschauung 
zwingende Kraft. 

65) Freud: Totem und Tabu (Ges. Sehr. Bd. X). 



M5 

bei welcher Halluzination und Wahnideen den wirkUchen Bruch mit der 
realen Außenwelt bezeugen. Für die Neurose ist als „Abwendung von der 
Realität", wie wir hörten, die Introversion charakteristisch; also zwar die 
Abwendung von wirklichen Objekten und die Zuwendung zu denen der 
Phantasie, die die Vertreter der infantilen Objekte sind, aber nicht die 
wirkHche Aufhebung der Objektbesetzungen. Aber die Zwangsneurose steht 
auch auf diesem Gebiet der Psychose, dank ihrer „Allmacht der Gedanken", 
um einen Schritt näher als die Hysterie. So wie ein Teil der Persönlichkeit 
auf die magische Gedankenwelt zurückgreift, während — im Gegensatz 
zur Psychose — der höhere Anteil des Ichs seine Kritik bewahrt, kann auch 
jener tiefere Teil des Ichs die Realität, der Gedankenallmacht entsprechend, 
leugnen und ändern, während die bewußte Persönlichkeit gleichzeitig um die 
Wahrheit weiß. 

Ein Patient mit geographischen Zwängen ist durch seinen „Ordnungszwang" von 
künstlichen Grenzen bedrückt. Er möchte, daß es nur Länder geben soll, die gleich- 
zeitig geographische Einheiten sind. Deshalb nennt er z. B. die ganze Pyrenäen- 
halbinsel „Spanien" und anerkennt nicht die Existenz Portugals. Eines Tages lernt 
er einen Ausländer kennen. Der Patient fragt ihn, was er für ein Landsmann sei. 
Der Mann antwortet: Ein Portugiese. Was nun im Patienten vor sich ging, beschreibt 
er mit folgenden Worten: „Ich habe mir gedacht: Es wird ein Spanier sein. Er sagt, 
Portugiese." 

Bekanntlich suchen die Kinder, durch die Realität von der Nichtberechtigung 
des Glaubens an ihre eigene Allmacht überzeugt, so lange wie möglich 
wenigstens an die Allmacht der Erwachsenen zu glauben. 

Eine Patientin war von der Allmacht der Erwachsenen überzeugt, weü sie ihr 
anzusehen vermochten, wenn sk als Kind den Stuhldrang zurückhielt. 

Auch davon finden sich beim Zwangsneurotiker viele Spuren. Später geht 
die Eigenschaft der Allmacht von den Eltern bekanntKch auf Gott über und 
um diese letzte allmächtige Elternfigur toben bekanntlich in Zwangsneurosen 
die heftigsten Ambivalenzkämpfe. Kaum eine Zwangsneurose, in der nicht 
„religiöse" Symptome, Zwangskämpfe zwischen Glauben und blasphemischen 
Impulsen, existierten, oft gerade bei den bewußt Ungläubigsten. Der Religiöse 
selbst schwankt, wie die psychoanalytische Religionspsychologie gezeigt hat, 
ebenso wie der Zwangsneurotiker zwischen Unterwerfung unter die Vaterfigur 
und Empörung gegen sie, wobei beides, Unterwerfung und Empörung, sexuali- 
siert ist. Freilich bestehen trotz der von F r e u d^^ und besonders R e i k^^ 
herausgearbeiteten Übereinstimmung zwischen Zwangsneurotiker und Rehgiösem 
ebenso auch wichtige Differenzen wie zwischen Zwangssymptom und Ritual. 

66) Freud: Zwangshandlungen und Religionsübungen (Ges. Sehr, Bd. X). 

67) Reik: Das Ritual. Der eigene und der fremde Gott. Endphasen des religiösen 
und des zwangsneurotischen Glaubens. Imago XVI (1^30) und anderes. 

xo Fenichel, Hysterien und Zwangsneurosen 



14^ 

Die Psychologie der Religion endlich ist noch ein gan^ anderes Forschungs- 
gebiet als die Psychologie der Religiösen. 

Freud hat darauf aufmerksam gemacht, daß dem Glauben an die Allmacht 
der Gedanken, also an die äußere Wirksamkeit von Liebe und Haß, bei dem 
Zwangsneurotiker auch eine ReaUtät entspricht: Zwar nicht nach außen hin, 
aber innerlich haben ja die Gedanken solche Macht, da sie eine Neurose ent- 
stehen lassen konnten. In dieser inneren Wirksamkeit unterschätzt der Zwangs- 
neurotiker seine Gedanken ebenso wie er ihre äußere Wirksamkeit über- 
schätzt.^^ Kein Wunder, daß das Über-Ich des Zwangsneurotikers ihn für seine 
für so wirkungsvoll gehaltenen Gedanken, Vorstellungen und Worte ebenso 
verantwortlich macht wie für Handlungen. Das ist der Sinn der Freud sehen 
Formel; „Gedanken, die regressiv Taten vertreten".^® 

Die Sexualisierung der Denkfunktionen scheint dazu zu stimmen, daß die 
Zwangsneurose typischerweise in der Latenzzeit beginnt. Denn die Latenzzeit 
ist das Alter, in dem auch normalerweise die Libido vom Triebziel zu 
Sublimierungszwecken abgelenkt wird, und in dem die intellektuellen Fähig- 
keiten erstarken. Es entspricht ferner durchaus dem Fund, daß die in der 
Zwangsneurose bekämpfte Libido auf die anal-sadistische Stufe zurückgekehrt 
ist, daß die im normalen und vor allen Dingen im pathologischen Denken 
verwendete Libido analen Charakters zu sein scheint. Wir haben diesen 
Umstand bereits bei der Besprechung der „Denkhemmungen" und auch vorhin 
bei Koprolalie und Pornographie erwähnt. Die unbewußte Gleichsetzung von 
Gedanken (Kopf inhalt) und Kot (Darminhalt), die dem mit der Psychoanalyse 
nicht Vertrauten wohl besonders unglaubwürdig klingt, ist eine analytisch 
alltägliche Erfahrung. Das Produzieren oder Nicht-Produzieren von Einfällen 
in der analytischen Kur z. B. wird vom Zwangsneurotiker unbewußt ganz 
regelmäßig dem Produzieren von Stuhl gleichgesetzt. Nicht nur so grobe 
Dinge wie Zurückhalten und schKeßliches Hervorsprudeln der Gedanken und 
Worte, sondern viel feinere Details der Denk- und Sprechart kann die Analyse 
häufig als Wiederholung entsprechender Details in den infantUen Klosett- 
gewohnheiten nachweisen. Die Allmachtsphantasien, die sich, wie wir hörten, 
mit den Gedanken und Worten der Zwangsneurotiker verbinden, erweisen sich 
als Wiederholungen der von Abraham nachgewiesenen infantil-narzißtischen 
Überschätzung der Exkretionsfunktionen^" (ein Befund, der auch für die Er- 
forschung der Phylogenie der Sprache von Bedeutung sein dürfte). Auch 



^8) Freud: Bemerkungen über einen Fall von Zwangsneurose (Ges. Sehr. 
Bd. Vm, S. 539). 

69) Freud, ebenda S. 347 ff. 

70) Abraham: Zur narzißtischen Bewertung der Exkretionsfunktionen in Traum 
und Neurose. Int. Z. f. Ps.-A. VI (1920). 



147 



organneurotische Erscheinungen im Bereiche der Kopf- und Sprechwerkzeuge 
zeigen analytisch die gleiche Abhängigkeit von der analen Erotik und ihren 
Erscheinungsweisen. Besonders auf die unbewußte Gleichsetzung von Sprache 
(und im Zusammenhang damit auch Atmung) und Analfunktion und ihre Be- 
deutung für die Neurosenlehre ist wiederholt hingewiesen worden. Daß andrer- 
seits die Sprache so oft auch phalHsche, die Sprechfähigkeit Potenzbedeutung 
hat (Jones", F 1 ü g e P), steht nicht im Widerspruch zu diesem Befund. 
Wir müssen nur daran denken, daß wir auch sonst als Grundlage zwangs- 
neurotischer Symptome anale und phallische Tendenzen fanden, was sich 
durch die Annahme der Regression erklären ließ. Wir werden hören, daß für 
Neurosen wie Stottern und Asthma bronchiale, d. h. für die Sprach- und 
Atemneurosen, damit auch für die Sprach- und Atemerotik, aber auch iüt 
Organneurosen des Kopfes wie Migräne, ein solcher Zusammenhang mit der 
Analerotik sich typisch nachweisen läßt. (Vielleicht gehört der erwähnte 
noch nicht erforschte Zusammenhang zwischen Epilepsie, die wir als eine 
„Organneurose des Gehirns" bezeichnet haben, und Sadismus in dasselbe 
Kapitel.) Als genetisch bedeutsam für einen solchen Zusammenhang muß man 
an das zeitliche Zusammentreffen von Intellektausbildung und Entstehung von 
Reaktionsbildungen gegen Analerotik und Sadismus denken, aber wohl auch 
darüber hinaus an die physiologische Relation der Blutfülle von Kopf und 
Bauchorganen. 

Für die analerotische Perzeption der Kopfvorgänge nur ein Beispiel für viele: Ein 
sonst zwangsneurotischer Patient leidet u. a. an chronischen Kopfschmerzen. Er 
bezeichnet das als: „Die Nerven tun mir weh". Unter „Nerven" stellt er sich kleine 
weiße bis rosafarbene, fadenartige, bewegliche Gebilde vor, zu welcher Vorstellung 
er beim Zahnarzt gekommen ist, der ihm den „Nerv" eines Zahnes gezeigt hatte. 
Er träumt emmal vom „nervus vagus", d. i. der „herumschweifende" Nerv. Er meint 
einen weißen Faden, der von unten her in seinen Kopf eindringt, dort herumschweift 
und Ihn zwickt. Als das infantile Vorbild dieser Vorstellung erwiesen sich schheßlich 
die Oxyuren, die ihm heute im Kopf ebenso viel Beschwerden machen wie als Kind 
im After. 

Die Sexualisierung des Denkens und ihre Folgeerscheinungen, einerseits die 
Allmacht der Gedanken, die Magie, die Besetzung der Wortvorstellungen, 
andrerseits das Sich-Zurückziehen in die Begriffs- und Wortwelt und die 
Neigung zum Grübeln und Zweifeln sind nicht die einzigen chronischen Ver- 
änderungen der Persönlichkeit des Zwangsneurotikers, die neben den eigent- 
hchen Symptomen für ihn charakteristisch sind. Wir haben die Veränderungen 
des Charakters durch „Reaktionsbildungen" erwähnt und müssen sie hier nur 
der systematischen Übersicht wegen wiederholen. Wir wissen, charakteristisch 

71) Jones: Essays in applied Psycho- Analysis. Kap. VIII. 

72) Flügel: A Note on the Phallic Significance of the Tongue and of Speech. 
Int. Journal of Ps.-A. VI (1925). ^ 



148 

für sie ist: erstens daß sie fast nie vollständig gelingen, sondern daß die Seele 
des Zwangsneurotikers von ewigem Kampf zwischen Trieben und Reaktions- 
bildungen erfüllt ist; zweitens- daß gerade die charakterlichen Reaktions- 
bildungen geeignet sind, hohe narzißtische Befriedigungen zu gewähren, die der 
analytischen Behandlung der Zwangsneurose die größten Schwierigkeiten ent- 
gegensetzen. 

Die diesbezüglichen charakterlichen Veränderungen der Zwangsneurose fallen 
zusammen mit den Eigenheiten des sogenannten analen Charakters, der ja 
vortreffliche literarische Schilderung gefunden hat,^^ Nur ein Punkt sei seiner 
praktischen Wichtigkeit wegen noch besonders hervorgehoben: Die merk- 
würdige irrationale Beziehung aller Zwangsneurotiker zu Geld und Zeit. 
Die in ihrem "Wesen nicht leicht durchschaubaren Beziehungen zwischen Zeit 
und Analerotik, die H ä r n i k ausführlich dargestellt hat,'^* brauchen hier 
nicht referiert zu werden. Für die Zwangsneurose wesentlich ist die Existenz 
dieses Zusammenhanges, ist die Tatsache, daß die Beziehung des Kranken zur 
Zeit ebenso wie die zum Geld der Schauplatz der wildesten Triebkonflikte und 
ihrer Abwehr durch Zwangssymptome geworden ist, daß dieser Zusammenhang 
genetisch auf die Regression, d. h. auf die analerotische Natur der zwangs- 
neurotischen Triebregungen zurückzuführen ist, und daß die Irrationalität — 
Überpünktlichkeit und Unpünktlichkeit — ebenfalls ein Moment ist, das die 
Schwierigkeiten der praktischen Analyse der Zwangsneurose erhöht. Man geht 
vielleicht oft fehl, wenn man allzuviel nach verborgenen objektlibidinösen 
Konflikten in solchem irrationalen Benehmen sucht. Es stellt ja vielfach eine 
Art von Autoerotik dar. Viele Zwangsneurotiker kommen immer zu 
spät, nicht um die anderen durch Wartenlassen zu ärgern, sondern um durch 
das maximale Verschieben der Aktion die gleiche autoerotische Spannungslust 
zu genießen wie als Kind durch die anale Retention."^^ 

Überlegen wir uns nun, wie weit die Aufklarung der Differenzen der 
Zwangsneurose gegenüber der Hysterie, die wir uns zum Ziel gesetzt haben, 
von uns geleistet werden konnte. 

Die charakteristische Triebabwehr der Regression auf die anal- 
sadistische Organisationsstufe der Libido erwies sich als der Angelpunkt, von 
dem aus diese Differenzen geklärt werden können. Der Widerspruch, daß sich 
als unterdrückte Triebregungen sowohl die Tendenzen des phalHschen ödipus- 

73) Freud: Charakter und Analerotfk (Ges. Sehr. Bd. V), Über Triebumsetzungen 
insbesondere der Anälerotik (Ges. Sehr. Bd. V). Jones: Über analerotische 
Charakterzüge. Int. 2. f. Ps.-A. V (1919). Abraham: Psychoanalytische Studien 
zur Charakterbildung. 

74) H a rn i k: Die triebhaft-affektiven Momente im Zeitgefühl. Imago XI (1925). 

75) Auch darüber Näheres im Charakter-Kapitel meines Buches „Perversionen, 
Psychosen, Charakterstörungen". 



M9 

komplexes als auch anal-sadistische Regungen herausstellten, ist dadurch 
erklärt, daß die Abwehr zunächst den phallischen Ödipuskomplex trifft und 
ihn regressiv durch Anal-Sadismus ersetzt, daß aber dann gegen diesen der 
eigentliche zur Zwangsneurose führende Abwehrkampf weitergeht. Offenbar 
werden aber gegen diese anal-sadistischen Regungen andere Abwehrarten ins 
Werk gesetzt als bei der Hysterie gegen die genital gebliebenen ödipus- 
strebungen, nämlich neben Verdrängung auch Reaktionsbildung, Isolierung, 
Ungeschehenmachen, Ausweichen in die Begriffs- und Wortwelt (was als 
spezieller Fall der Isolierung aufgefaßt werden kann). Das macht die Ver- 
schiedenheit des Bewußtseinsumfangs, das partielle Bewußtwerden pathogener 
Triebregungen bei der Zwangsneurose, erklärlich. Dem regressiven Moment 
entspricht das relativ spätere Einsetzen der Zwangsneurose, was, da inzwischen 
der kastrationsdrohende Vater durch Introjektion zum Über-Ich wurde, die 
Differenzen der „Verinnerlichung", des Überwiegens der Bedeutung des 
Über-Ichs und damit die des relativen Überwiegens der Straf- und Buß- 
symptome über die Befriedigungssymptome erklärt. Regression und „Ver- 
innerlichung" sind weiter für die besondere Über-Ich-Strenge verantwortlich, 
da sich ja auch die hbidinöse Besetzung des Über-Ichs der zum Sadismus 
ziehenden Regression nicht erwehren konnte. Auch die weit mehr als bei der 
Hysterie über die Symptombildung hinausgreifende Wirkung der Krankheit 
auf die Persönlichkeit des Kranken (Sexualisierung des Denkens, Zweifel- und 
Grübelsucht, Reaktionsbildungen im Charakter) konnten wir in Zusammen- 
hang mit dem Grundphänomen der Regression bringen. Es läßt sich nicht 
leugnen, daß die psychoanalytische Durchforschung der Zwangsneurose noch 
viel ungeklärter ist als die der Hysterie und viele wesentliche Probleme 
ungelöst läßt. Immerhin ist uns schon vieles verständUch und der Forschungs- 
weg für noch Unverständliches geebnet. Jedenfalls ist die Zwangsneurose ein 
Gebiet, dem die nichtpsychoanalytische Psychologie völlig hilf- und verständ- 
nislos gegenüberstehen mußte. 

Wie steht es nun mit der analytischen Therapie der Zwangsneurose? Die 
Zwangsneurose gilt als zweiter Grundtyp der sogenannten „Übertragungs- 
neurosen", im allgemeinen als das zweite große Indikationsgebiet der Psycho- 
analyse. Immerhin zeigt die einfachste Überlegung über die spezifisch zwangs- 
neurotischen Mechanismen, um wie viel schwieriger sich eine solche Analyse 
stellen muß als die einer Hysterie. Die Schwierigkeiten sind so groß, daß wir 
gut daran tun, bei schweren Fällen, die schon eine langjährige Entwicklung 
der Krankheit hinter sich haben, mit schnellen Heilungsversprechen vorsichtig 
zu sein. Wir werden uns oft mit Besserungen begnügen müssen. Ob die so- 
genannten „Endzustände" mit Willenslähmung analytisch überhaupt angreifbar 
sind, muß dahingestellt bleiben, 



IJO 



Welcher Art sind nun die erwähnten Schwierigkeiten? Darüber muß im 
Interesse der Stellung der Prognose für den einzelnen Fall möglichste Klarheit 
herrschen. 

Es sind nicht weniger als fünf der erwähnten Punkte, durch die sich die 
Zwangsneurose von der Hysterie unterscheidet, die gleichzeitig bewirken, daß 
die Analyse der Zwangsneurose kompliziert wird: 

i) Die Zwangsneurose ist eine Übertragungsneurose. Aber was überträgt 
sk> Ihr Triebleben ist ganz oder teilweise auf die anal-sadistische 
Stufe zurückgeworfen worden. Wo sie eine intensive Objektbeziehung ent- 
wickelt, trägt diese sadistische, objektfeindliche Züge. Mit dieser archaischen 
Einstellung der Libido ist, wie wir hörten, eine Erhöhung der 
Ambivalenz und der Bisexualität verbunden. Der Analytiker sieht 
sich also einer Gefühlswelt gegenüber, in die ihm die Einfühlung nicht so 
leicht gelingt wie in die Affektstürme der Liebe und des Hasses eines 
Hysterikers. Das Gefühlsgemenge des Zwangsneurotikers seinem Analytiker 
gegenüber wird sich darin dokumentieren, daß er sich gegen ihn auflehnt und 
sich ihm wollüstig zu unterwerfen sucht. Der Ambivalenz und Bisexualität 
entsprechend wird jede Regung irgendwie auch von ihrem direkten Gegenpart 
begleitet sein. Im Prinzip steht dem Analytiker zur Beherrschung einer solchen 
Übertragung und gegen dk sich aus ihr entwickelnden Widerstände nur das- 
selbe zur Verfügung wie bei der Behandlung der Hysterie: Die Übertragungs- 
d e u t u n g. Sie wird beim ambivalenten Verhalten der Kranken sowohl inhalt- 
lich schwieriger sein (die Hauptaufgabe wird da die ökonomisch richtige 
Abschätzung der relativen Anteilnahme der beiden Komponenten der 
Ambivalenz bilden) als auch formal, da man des richtigen Verständnisses 
des Patienten weniger sicher sein kann; er -zeigt größere Neigung zum vollen 
Versinken in die Übertragungssituation, was ihm das distanzierte Durch- 
arbeiten einer Deutung erschwert. 

2) Der Hysteriker empfindet seine Symptome als durchaus ichfremd. Sein 
Ich verbündet sich mit dem Arzte zum Kampf gegen die fremden Elemente 
der Neurose. Beim Zwangsneurotiker liegt dieser Punkt niemals so ideal. 
S e i n I c h ist „g e s p a 1 1 e n". Auf einen Teil desselben kann der 
Analytiker sich gewiß als auf seinen Mithelfer verfassen. Der restliche Teil 
denkt magisch statt logisch, hält praktisch die Seite des Widerstandes und 
erzwingt, daß die ganze Analyse in Perioden, in denen dieser Teil die Persön- 
lichkeit stärker beherrscht, der Analyse einer Psychose ähnlicher wird. Ja, die 
Spaltung macht die Sache gelegentHch noch unangenehmer als bei der Psychose: 
Der bewußte Anteil der Persönlichkeit arbeitet ja mit. Aber insofern er vom 
unbewußten magischen Teil „isoliert" ist, wirken die noch so gut verstandenen 
Deutungen nicht, wenn die Isolierung nicht aufgehoben wird, und sie können 



dann gewiß dem Kranken, der vor seiner Gefühlswelt in die Schattenwelt der 
Begriffe und Worte geflüchtet ist, unter Umständen statt einer Heilung nur 
einen Symptomwechsel bringen, indem er etwa statt in philosophischer, nun- 
mehr in psychoanalytischer Nomenklatur grübelt und statt in der Kur zu 
erleben, über seine Krankheit Theorien aufzustellen beginnt. Diese Gefahr 
muß der Analytiker eines Zwangsneurotikers immer vor Augen haben, um auf 
den "Wert des Erlebens, auf die Überbrückung der verhängnisvollen Isolierung 
sein Hauptaugenmerk zu richten. 

3) Wir hörten, daß neben dieser Isolierung von Gefühl und Verstand eine 
bestimmte Art der Gegenbesetzung für die Zwangsneurose besonders charakte- 
ristisch ist, die ihr die Erfüllung der wesentlichen technischen Bedingungen der 
Analyse sehr erschwert oder ganz unmöglich macht: Es ist die fortwäh- 
rende, auf sich selbst gerichtete zensurierende Auf- 
merksamkeit, die den Patienten keinen Moment verläßt, ihn zwingt, 
fortwährend zu isolieren und sich vor der Programmlosigkeit der wirkHchen 
freien Assoziation in feste, verstandesmäßige Gedanken zu flüchten. Statt in 
der Analysenstunde laut zu erleben, gibt der Patient sozusagen ein unvoll- 
ständiges Inhaltsverzeichnis oder Titelangaben seiner Erlebnisse. Dabei werden 
Versuche, den Patienten über das, was eigentlich von ihm gefordert wird, 
zu belehren, sehr häufig selbst wieder zum Gegenstand von Grübeleien ge- 
macht. Der Patient will in seiner kompensierenden Übergewissenhaftigkeit alles, 
was von ihm gefordert wird, erfüllen und wendet, da ihm das unmöglich ist, 
seinen Fleiß an falscher Stelle an. Den Weg zu finden, um den Patienten 
erleben zu lassen, was mit „freier Assoziation" gemeint ist, und sich dennoch 
davor zu hüten, theoretische Gespräche zu führen und Grübelmaterial zu 
liefern, ist vielleicht die technische Hauptaufgabe der Analyse der Zwangs- 
neurose. 

4) Das Denken und Reden des Zwangsneurotikers ist 
sexualisiert. Denken und Sprechen sind aber die Methoden der 
Psychoanalyse. Es verhält sich also beim Zwangsneurotiker so, daß die Funk- 
tion, mit deren Hilfe er von einer Krankheit geheilt werden soll, selbst von 
der Krankheit ergriffen ist. Ein Patient hat dafür den treffenden Vergleich ge- 
funden: Er sei, ein Handtuch in der Hand haltend, ins Wasser gefallen, und 
man versuche nun, ihn mit diesem Handtuch zu trocknen. Dieses Dilemma 
scheint unlösbar. Praktisch wird es dadurch dennoch lösbar, daß — im Gleich- 
nis gesprochen — das Handtuch ja noch einige trockene Stellen behalten hat, 
d. h.: Soweit die bewußte Persönlichkeit des Patienten, im Gegensatz zur 
Psychose, die Irrationalität seines ganzen Benehmens beurteilen kann, kann 
man dieses Stück intakten Ichs benutzen, um ein erstes Stück Analyse zu 
machen, in der Hoffnung, dadurch wieder ein Stück weiterer Analysierfähig- 



rj2 



keit herzustellen. Dies mag der Grund sein für die Unangreifbarkeit der End- 
zustände, bei denen das intakte Ich völlig ausgeschaltet ist. 

5) „Sekundäre Gewinne" hatten wir bei der Hysterie ebenfalls. Aber sie 
waren nicht so prinzipiell mit der Persönlichkeit verbunden wie etwa die 
narzißtischen Gewinne aus den char ak t er lieh en Re- 
aktionsbildungen. Manche Analyse einer Zwangsneurose scheitert 
daran, daß der Analytiker es nicht fertig bringt, den „guten" Patienten davon 
zu überzeugen, daß es vorteilhafter wäre, sich von der Analyse partiell „ver- 
derben" zu lassen. Der Analytiker wird nicht nur gelegentlich Vertreter des 
Über-Ichs, sondern bei dem, der für seine Triebunterdrückung durch sein 
Ober-Ich hohen, narzißtisch-sekundären Gewinn erhält, auch zum Verführer, 
zum Vertreter des gefürchteten Es, gegen den er sich von vornherein sträubt.' 
Alle diese Schwierigkeiten sind nicht unüberwindbar, sie dürfen aber auch 
nicht geringgeschätzt werden. Ihretwegen ist jede Analyse einer Zwangsneu- 
rose ein schwieriges und langdauerndes Unternehmen. An Analysenzeit erfor- 
dern Zwangsneurosen im allgemeinen ein Vielfaches von dem, was Hysterien 
benötigen. Natürlich gibt es gelegentlich auch akute Zwangsneurosen, die bei 
bis dahin gesunden Personen aus äußeren Anlässen im späteren Lebensalter plötz- 
lich ausbrechen und die relativ leicht zu beheben sind. Wir denken hier aber 
besonders an die Fälle, die der Analytiker häufiger sieht, die die Zwangsneu- 
rose aus ihrer Latenzzeit mitbringen. Das sind die Fälle, die jene berüchtigt 
langen Behandlungszeiten benötigen. Aber es muß gesagt werden, daß häufig 
diese lange Behandlung und große Mühe wirkhch lohnt und voUe Heilung 
auch schon bei veralteten Fällen wiederholt erzielt wurde. 

Nur der Gang der Analyse selbst kann einen Eindruck darüber vermitteln, 
welche relative Stärke den fünf erwähnten Schwierigkeiten im gegebenen Falle 
zukommt, und den Analytiker dadurch die Prognose abschätzen lehren. Frische 
Fälle sind am günstigsten, Endzustände und Übergänge zur Schizophrenie am 
schlechtesten. Bei der Hilflosigkeit jeder anderen Therapie wird man im all- 
gemeinen jedem Fall von Zwangsneurose, soweit es äußere Umstände eriauben, 
zumindest zu einem Analysenversuch raten. 

Über das Problem der Neurosen wähl der Zwangsneurose brauchen 
wir nicht weiter zu sprechen. Da die Regression zur anal-sadistischen Stufe 
uns der Angelpunkt der zwangsneurotischen Entwicklung schien, fallen die 
Gründe, die an Zwangsneurose erkranken lassen, mit denen zusammen, die 
dafür verantwortlich zu machen sind, daß der Ödipuskomplex durch Regres- 
sion und nicht anders abgewehrt wird. Und welche Gründe das sind, haben 
wir bei der Besprechung der Regression bereits auseinandergesetzt. 



V. KAPITEL 



Prägenitale Konversionsneurosen 

a) Stottern 

Wir haben besprochen, daß das Gebiet der Organneurosen von dem der 
Hysterie bis zu dem der Hypochondrie reicht, daß also unter diesem Namen 
sowohl monosymptomatische Konversionshysterien als auch echte narzißtische 
Neurosen mit den Mechanismen der Hypochondrie, meist aber -Gebilde ver- 
standen werden, die zwischen beiden hegen. Auf diesem Zwischenstück der 
organneurotischen Strecke gibt es nun, wie wir auch bereits erwähnten, 
Krankheitsformen, die man als „prägenitale Konversionsneurosen" zusammen- 
fassen muß. Wir wollen darunter Neurosen verstehen, deren Symptome zwar 
wie die konversionshysterischen einen psychischen Konflikt zwischen infantilen, 
auf das Objekt gerichteten Sexualwünschen und gegen diese gerichteten 
Abwehrtendenzen ausdrücken^ aber im Gegensatz zur Konversionshysterie sind 
die auf das Objekt gerichteten Sexualwünsche prägenital — anal- oder 
oral-sadistisch — und zielen auf Einverleibung des Objektes; auch scheint die 
ganze Neurose narzißtischer unterbaut als die Hysterie. Die Symptomatik hat 
also zwar Konversionscharakter, aber das ganze übrige Benehmen der Patienten 
entspricht mehr dem einer Zwangsneurose als dem einer Hysterie. Die 
prägenitale Natur ihrer Sexualität prägt sich nicht nur im unbewußten Inhalt 
ihrer Symptome aus, sondern die Kranken zeigen auch in ihrem sonstigen Ver- 
halten alle die Eigenschaften, die wir bei der Zwangsneurose als Konsequenzen 
der echten Regression erkannt haben: die Erhöhung der Ambivalenz und der 
BisexuaHtät, die Sexualisierung des Denkens und Redens, die partielle Regression 
zum magisch-animistischen Denken. Oft läßt sich die regressive Natur der 
prägenitalen Tendenzen, ihre Funktion, die anstößigen ödipusregungen zu er- 
setzen, in der Analyse mit denselben Mitteln wie bei der Zwangsneurose 



154 



nachweisen, so daß solche Fälle bis auf den Konversionsch.araktcr ihrer 
Symptome in Inhalt und Mechanismen der Zwangsneurose vollkommen 
gleichen. Manchmal •— sicher seltener — gelingt das nicht, und man muß die 
Frage offen lassen, ob nicht eine Entwicklungsstörung vorliegt, die den Patienten 
primär prägenital fixierte und überhaupt nicht bis zum phallischen Ödipus- 
komplex kommen ließ. In nicht ganz korrekter, aber eindringlicher Weise 
könnte man also sagen: Es handelt sich im Grunde um Zwangsneurosen mit 
allen ihren psychischen Inhalten und Mechanismen — nur die Symptomatik 
sieht hysterisch aus. So muß sich uns vor allem hier das Problem ergeben, 
wovon es abhängt, ob sich eine Zwangsneurose oder eine solche prägenitale 
Konversionsneurose entwickelt. Da diese äußerlich wie eine Hysterie aussieht, 
konnten erst praktische analytische Erfahrungen lehren, daß sie innerlich 
anders gebaut ist, , 

Theoretisch müßten wir erwarten, daß sich ein solcher prägenitaler Inhalt 
am ehesten bei solchen Konversionssymptomen zeigen wird, die sich direkt 
an den prägenitalen erogenen Zonen abspielen. So wird man zunächst einen 
analerotischen Gehalt bei den Organneurosen des Darmes erwarten. Zweifellos 
wird diese Erwartung auch bis zu einem gewissen Grade erfüllt. In der 
Anamnese von Zwangsneurotikern findet man oft infantile Darmerkrankungen 
mehrmmder psychogener Natur, die gelegentlich im Verlauf der Analyse als 
passagere Konversionssymptome reaktiviert werden und von Freud als „das 
Stückchen Hysterie" bezeichnet wurden, „das regelmäßig zu Grunde einer 
Zwangsneurose gefunden wird."^ Reste solcher infantilen Störungen finden sich 
bei manchen Zwangsneurosen auch spontan, z. B. psychogene Verstopfungen 
und Diarrhöen. Wir erinnern uns weiter, daß zum Bilde der chronischen 
Neurasthenie, dieser exquisit prägenitalen Krankheit, ebenfalls chronische Ver- 
stopfung und Meteorismus gehörte.^ Alle diese Darmsymptome sind direkte 
neurotische Überreste der infantilen Analerotik. Trotzdem kann man nicht 
sagen, daß alle Darmkonversionen diesen Charakter hätten und tiefer oder 
narzißtischer wären als anderswo lokalisierte Hysterien. Wir erwähnten ja, daß 
das regressive Moment bei Konversionshysterien sich eben nur auf die Wahl 
des Symptomorgans beschränken kann. Organneurosen des Darmes können 
ebenso wie solche irgend eines anderen Organsystems an allen Stellen der von 
der Hysterie zur Hypochondrie reichenden Reihe gelegen sein. 

Merkwürdigerweise kann man das von einer anderen Neurose nicht sagen, 
deren funktionsbeeinträchtigende Symptomatik sich am oralen Pol abspielt. 
Die funktionellen Sprachstörungen, soweit sie den Charakter der bloßen Hem- 

i) Freud: Aus der Geschichte einer infantilen Neurose (Ges. Sehr., Bd. VIII, S. 517). 
2) Siehe Reich: Über die chronische hypochondrische Neurasthenie mit genitaler 
Asthenie. Int. Z. f. Ps.-A. XII (1^2^) und: Die Funktion des Orgasmus. 



155 



mung überschreiten, erweisen sich als typische Vertreter unserer Gruppe. Diese 
Erkenntnis ist zunächst eine rein empirische. Erst nachträglich fällt es dann 
nicht schwer, auch theoretisch zu erkennen, welches gemeinsame Moment das 
Stottern von vornherein in die Nähe der Zwangsneurose rücken mußte: die 
Sexualisierung der Sprache. 

Im Symptom des Stotterns ist deutlicher noch als in anderen Konversions- 
symptomen auf den ersten Blick der Konflikt gegeneinander wirkender Ten- 
denzen zu erkennen: Der Patient will etwas sagen und er will es nicht sagen. 
Von den dreierlei Motiven, die das Ich zur Hemmung einer Funktion bewegen 
können, fällt die „allgem'eine ökonomische Verarmung" hier weg, denn sie 
könnte nicht die spezifische Beschränkung auf die Sprachfunktion erklären; eine 
Redehemmung um einer Über-Ich-Forderung zu genügen, kommt natürlich 
m Betracht; da wir aber vom Stottern als einer Neurose wesentlich erst dann 
sprechen, wenn im Symptom in verhüllter Form die mit dem Reden unter- 
drückte Tendenz sich dennoch durchsetzt, so wird wohl die vorangegangene 
Sexualisierung des Sprechens das Hauptmotiv der Sprachstörung sein. Das be- 
stätigt auch tatsächhch die Analyse der Stotterer. 

Wir haben bei der Zwangsneurose ausgeführt, unter welchen Voraussetzungen 
eine Sexualisierung der Sprachfunktion erfolgt, und welche Folgen sie hat. Alles 
dort Ausgeführte gilt in noch erhöhtem Maße für den Stotterer. 

Der Stotterer will sprechen und gleichzeitig nicht sprechen, etwas geheim 
halten. Warum? Weil „sprechen" für ihn etwas anderes bedeutet, etwas, was 
sein Trieb verlangt und was sein Ich abwehrt, ein Stück infantiler Sexualität. 
Die Analyse zeigt, daß dieses Stück infantiler SexuaHtät in hervorragendem 
Maße die anal-sadistische Wunschwelt ist. Der Sprachfunktion kommt 
typischerweise beim Stotterer eine zweifache Bedeutung zu. Sprechen heißt 
erstens obszöne, besonders anale Wörter sprechen, und heißt zweitens aggressiv 
sein, letzten Endes töten. Die analerotische Natur des Redens erweist die 
Analyse, wenn sie z. B. die Einzelsituationen, in denen Stottern auftritt oder 
sich verstärkt, als anale Versuchungssituationen erkennen läßt. In einer tiefen 
Schicht ist das Reden überhaupt oder das Reden in bestimmten Situationen 
dem Defäzieren einfach gleichgesetzt. Das „Herauslassen" der Wörter aus dem 
Mund hat den gleichen Lustcharakter und unterliegt den gleichen unbewußten 
Einflüssen wie das Defäzieren. Dem Stottern Hegt eine Lust zugrunde, mit den 
Wörtern zu „spielen", die sich vielfach als eine nach oben verlegte Fort- 
setzung des infantilen Spielens mit dem Kot erweist. Wenn in solchen Fällen 
das Reden gehemmt wird, so handelt es sich dann um ein Wiederauftauchen 
der Abwehrtendenzen, die sich seinerzeit gegen das Kotspielen gerichtet hatten. 
Im Stottern endlich kehrt gegen solches Verbot „das Verdrängte aus der Ver- 
drängung" wieder, indem jetzt die Wörter erst recht „zurückgehalten" werden. 



156 

so wie seinerzeit der Kot zur Erzielung autoerotischer Lust zurückgehalten 
worden ist. Man kann geradezu von einer „Verlegung" der Funktion der 
Analsphinkteren „nach oben" beim Stottern sprechen.^ 

Welche typische Affinität zwischen Redefunktion und analer Libido besteht, 
haben wir uns bereits bei der Psychologie der Zwangsneurose klar gemacht. 
Auch der sadistische Nebensinn des Redens ist von allgemeiner Bedeutung 
und läßt sich im gesellschaftlichen Leben überall nachweisen. Er Ist nur beim 
Stotterer quantitativ gesteigert, und zwar weil er bei ihm der verdichtete Ver- 
treter der gesamten anstößigen infantilen Sexualität, besonders des regressiv 
entstellten Ödipuskomplexes geworden ist. 

Dieser sadistischen Bedeutung des Redens entsprechen zwei der häufigsten Bedin- 
gungen für das Eintreten oder die Verschlimmerung des Stotterns: Häufig geschieht 
dies bei Debatten und sonstigen Situationen, in denen dem Kranken besonders daran 
gelegen ist, zu zeigen, daß er im Recht ist; hinter diesem scheinbaren Ehrgeiz ver- 
steckt sich dann die feindselige oder sadistische Tendenz, durch seine Worte alle 
Gegner und Zuhörer zu töten. — Noch häufiger tritt das Stottern auf oder ver- 
schlimmert sich Vorgesetzten, Respektspersonen, Vaterersatzfiguren gegenüber, also bei 
Personen, denen gegenüber die Ambivalenz und dk verdrängten aggressiven Regungen 
besonders stark sind. Eine Stotternde, die Gar ma beobachtete, litt außer an Stottern 
an der Angst, jemanden zu beschädigen. Insbesonders war das Mädchen der Ansicht, 
die Frau könnte beim Sexualverkehr den Mann beschädigen. Außerdem hatte sie die 
verschiedensten Tagträume, wie sie durch ihren BHck dk ganze Welt, alle Männer 
bannen und töten könnte. — Aus der Traumanalyse wissen wir, daß die Sprache auch 
als Symbol des Lebens, Stummsein als Symbol des Totseins auftritt. Dieselbe Symbolik 
gilt auch für den Stotterer. Wenn er nicht reden kann, so drückt er häufig damit 
nur die unter dem Einfluß des Über-Ichs gegen das eigene Ich gerichtete Tendenz 
zum Töten aus. 

Es leuchtet ein, daß mit dieser anal-sadistischen Libidinisierung des Sprechens 
ein Wiederaufflackern der infantilen Periode der „Allmacht der Worte"* ge- 
geben ist. Daß und inwiefern die Freude am Aussprechen von Obszönitäten 
von magisch-narzißtischer Natur ist und den Hörer zwingt oder zwingen will, 
die ausgesprochenen Gegenstände mit halluzinatorischer Deutlichkeit vorzu- 
stellen, insofern eben den obszönen Wörtern noch ein Stück der magischen 
Wirksamkeit verblieben ist, die einst die Sprache überhaupt hatte, wurde be- 
reits erwähnt.^ Und daß der Gedanke, man könnte durch Wörter töten, einer 
magischen Überschätzung der Sprache entspricht, ist klar. Der anal-sadistischen 
Bedeutung der Symptome entspricht auch der typischerweise anal-sadistische 
Charakter des Stotterers überhaupt. Die verhängnisvolle Regression (oder Ent- 

3) Vgl hiezu Grab er: Redehemmung und Analerotik. 2. f. ps.-a. Päd. III (1^28) 
und Schneider: Über das Stottern, Bern 1922, aber auch die sonstige psycho- 
analytische Kasuistik über Stottern. 

4) Ferenczi: Entwicklungsstufen des Wirklichkeitssinnes. Int. 2. f. Ps.-A. I (1913). 
j) Siehe Ferenczi- Über obszöne Worte. Bausteine zur Ps.-A., Bd. i, S. 171 ff. 



^57 



Wicklungsstörung) ist nicht auf einen kleinen Symptomenbereich beschränkt 
gebheben; die Erfahrung lehrt, daß die Stotterer, wie wir es von den „prägeni- 
talen Konversionsneurosen" im allgemeinen sagten, einen typischen Zwangs- 
^harakter aufweisen. 

Wir haben zunächst die anal-sadistische Natur der unbewußten Sexualität 
des Stotterers eingehend besprochen, weil ihr nach dem übereinstimmenden 
Urteil aller Autoren die führende Rolle zukommt. Damit ist aber keineswegs 
gesagt, daß nicht auch andere Erotismen und Partialtriebe ihren Anteil an der 
Sexualisierung des Redens haben. Es ist wie bei allen neurotischen Symptomen 
auch hier so, daß es überhaupt keine infantile Sexualregung gibt, die nicht im 
Symptom neben den das Wesen des verdrängten Inhalts ausmachenden Regungen 
akzessorisch auch Ausdruck finden könnte. Wir wollen dreierlei solche In- 
halte herausgreifen, die für das Stottern charakteristisch scheinen, phallische, 
orale und exhibitionistische Tendenzen. 

Bei der Untersuchung der zwangsneurotischen Symptome widerfuhr es uns, 
daß wir nebeneinander Tendenzen aus dem phaUischen Ödipuskomplex und 
anal-sadistische Trieb wünsche aufdeckten; dieser Widerspruch löste sich durch 
die Entdeckung der Regression, d. h. des Umstandes, daß phallische ödipus- 
wünsche zunächst in anal-sadistische verwandelt und erst in dieser verwan- 
delten Form durch das Zwangssymptom abgewehrt wurden. Insofern die Ver- 
wandlung keine vollständige war, konnte die Analyse neben anal-sadistischen 
Regungen auch noch ödipus- und Kastrationskomplex und überhaupt 
phaUische Tendenzen nachweisen. Genau dasselbe gilt für den Stotterer. Die 
Hervorhebung des anal-sadistischen Moments geschah, weil es uns an dieser 
Stelle wichtig schien, die Differenz gegenüber der Hysterie hervorzuheben. 
Jetzt müssen wir nachtragen, daß die Rolle, die ödipus- und Kastrations- 
komplex im Unbewußten des Stotterers spielen, hinter der bei der Hysterie 
nicht zurücksteht, und daß diesbezüglich das Stottern — wie die prägenitalen 
Konversionsneurosen überhaupt — der Zwangsneurose gleicht. In manchen 
Fällen gelingt der Analyse wie dort der volle historische Nachweis der statt- 
gehabten Regression. 

Alfhild T a m m berichtet z. B. von einem Jungen, der erst genital onanierte, dann 
diese Praktik durch anale Onanie ersetzte und erst nach deren Unterdrückung an 
Stottern erkrankte,^ 

Erwähnenswert ist, daß der Sprachfunktion auch von dieser Seite her eine 
symbolische Bedeutung zukommt, die besonders Jones^ und Flügel^ 

6) Alfhild Tamm: Zwei Fälle von Stottern. Z. f. ps.-a. Päd. II (1^28). 

7) Jones: Essays in Applied Psychoanalysis. Kap. VIII. 

8) Flügel: A Note of the Phallic Significance of the Tongue and of Speech. Int. 
Journ. of Ps,-A. VI (1925). Siehe dazu auch Bryan: Speech and Castration. Int. 
Journ. of Ps.-A. VI (1925). 



158 

herausgearbeitet haben. Die Sprachfunktion wird im Unbewußten häufig der 
Genitalfunktion gleichgesetzt, besonders von beiden Geschlechtern der männ- 
lichen Genitalfunktion. Reden können bedeutet dann potent sein, das Versagen 
der Sprache kastriert sein. Knaben lassen in einem besonderen Redeehrgeiz 
typischerweise einen Konkurrenzkampf erkennen (kann ich ebenso gut reden 
wie der Vater?), der sich in der Analyse als phallische Konkurrenz erkennen 
läßt. Mädchen mit einem entsprechenden Ehrgeiz haben dann typischerweise 
ihren Penisneid „nach oben verlegt" und wollen unbewußt ebenso genital funk- 
tionieren wie iVIänner. Die gleiche phallische Symbolik des Redens findet sich 
auch im Unbewußten der Stotterer. Alle Konflikte, die zwischen den Ideen 
des Potentseins und des Kastriertseins möglich sind, können so im Symptom 
des Stotterns Ausdruck finden, nur typischerweise in regressiv entstellter Form. 
Es sei in diesem Zusammenhang an das häufige Märchen- und Mythenmotiv 
des „Zungeherausschneidens" erinnert, in dem die Zunge = die Redefähigkeit als 
phallisches Symbol erscheint. Verschiedene Autoren sind dem diesbezüglichen 
Material in Ethnologie und Sprachwissenschaft nachgegangen.^ 

Die Sprachfunktion ist eine — im weiteren Sinne des Wortes — o r a 1 e. An 
Ihren Störungen können die Schicksale der oralen Libido nicht unbeteiligt sein. 
Allerdings könnte ihre Beteiligung auf derselben Stufe stehen wie etwa in einer 
Hysterie mit oralen Symptomen, d, h. sich darauf beschränken, die Lokalisation 
der Funktionsstörung zu bestimmen, während die eigentliche pathogene Re- 
gression selbst nur bis zu einer anal-sadistischen Stufe erfolgt ist. Oft hat man 
aber auch den Eindruck, daß sie dort nicht haltgemacht hat, sondern daß im 
Symptom außer dem bisher Besprochenen auch eigentlich orale Wünsche und 
Haltungen ausgedrückt werden, daß die anstößigen Wunschregungen des 
Ödipuskomplexes bis in die Form oraler Einverleibungswünsche entstellt 
wurden, um die dann der neurotische Kampf im Stottern tobt. So kann man 
ganz allgemein auch eine besondere orale Fixierung als eine weitere Voraus- 
setzung dieser Neurose erkennen (C o r i a t ^**). Die Schwere des Falles wird da- 
von abhängen, welches relative Gewicht dieser oralen Komponente zukommt. 
Je mehr sie sich darauf beschränkt, nur die Lokalisation des Symptoms zu be- 
stimmen, umsomehr wird der Fall objektlibidinös gehalten und umso leichter 
wird er beeinflußbar sein; je stärker hinter der regelmäßig vorhandenen analen 
die orale Komponente wirksam ist, um so ambivalenter, ja eigentlich narziß- 
tischer und psychosenäher wird der Fall sein, und tatsächlich gibt es Fälle 
von Stottern, die einen fließenden Übergang zu den oral fixierten manisch- 
depressiven Erkrankungen darstellen. 



9) Siehe Rank: Psychoanalytische Beiträge zur Mythenforschung. 

10) Coriat: The Oral-Erotic Components of Stammering. Int. Journ. of Ps.-A. 
VIII (1927) und: Stammering. New York und Washington 1928. 



155 

Die vorhin^ erwähnte Verschiebung des genitalen Konkurrenzkampfes auf das 
Redcgebietj dit Entwicklung eines besonderen Redeehrgeizes samt der mit ihr ver- 
bundenen Gefahr der Sprachstörung, wird dementsprechend dort erleichtert sein, wo 
Konstitution oder fixierendes Erleben in der frühen Kindheit eine besondere orale 
Sexualauffassung gesetzt haben. Infantile Tendenzen, so laut schreien zu können wie 
Erwachsene, meist in Verbindung mit ähnlichen analen Tendenzen (Flatusehrgeiz") 
smd bei Stotterern meist in grotesken Formen nachweisbar. Ihre eigentliche orale 
Form lautet: Ich will so viel fressen können wk die Erwachsenen, und ist häufig eine 
Abwehr der entgegengesetzten passiven Angst: Ich möchte vom Erwachsenen nicht 
gefressen werden. Natürlich sind das alles in der Regel regressive Entstellungen für 
ödipus- und Kastrationsgedanken. Nicht nur im Äußern, auch im Aufnehmen von 
„Worten" ist sehr oft die orale Komponente deutlich.^^ 

^ Man darf nicht übersehen, daß der oralen Libidinisierung der Redefunktion 
ein physiologisches Moment zugrundeliegt. Ihre „Sexualisierung" überhaupt wird 
nur dort möglich sein, wo die Funktion als solche schon einen größeren (oralen) 
lihidinösen Zuschuß liefert. In diesem Sinne ist der für das Stottern erforder- 
liche orale Fixierungspunkt, von dem wir sprachen, die Zeit des Sprechen- 
lernens. Bevor die Sprache praktisches Verständigungsmittel war, hatte die 
Innervation der Sprachwerkzeuge rein libidinöse Funktion; in diese Zeit fällt 
ja auch die schon erwähnte „Allmacht der Sprache". Die Entwicklung vom 
autoerotischen Lallen oder Schreien über die magische Beeinflussung der Umwelt 
durch die Sprachwerkzeuge und den allmählichen Gewinn des Wortverständ- 
nisses bis zur Verwendung der Sprache als zweckmäßigen Verständigungsmittels 
ist eine recht komplizierte, die an verschiedenen Stellen fixierende Störungen 
erleiden kann. Leider ist dieser Entwicklungsgang, der offenbar die wichtigste 
Sublimierung der oralen Libido darstellt, im einzelnen noch allzuwenig erforscht. 
Versuche dazu liegen von Sabine Spiel rein'» und Mary Chadwick'* 
vor. Vielleicht wird hier die Analyse der pathologischen Verzerrungen, also der 
Stotterer, uns noch mehr über den normalen Ablauf lehren; von hier aus können 
vielleicht auch die noch so weitgehend ungelösten Probleme der Phylogenie der 
Sprache durch die Analyse Förderung erfahren. Bei den erwähnten schwersten 
Formen des Stotterns liegen, ihrer oralen Fixierung und der Natur der oralen 
Wunschregungen entsprechend, dem Symptom noch andere und tiefere Deter- 
minationen zugrunde als die bisher besprochenen. Die Störungen der Sprach- 

ii) Ferenczi: Der Flatus, ein Vorrecht der Erwachsenen. Int. 2. f. Ps.-A. I (1^13). 
[Auch in; Bausteine zur Psychoanalyse. Bd. II. S. 27 f.] 

12) Über das „Verschlingen" gehörter oder gelesener Worte vgl. das Kapitel 
„Charakterstörungen" meines gleichzeitig erscheinenden Buches „Perversionen, 
Psychosen, Charakterstörungen", 

13) Spielrein: Zur Frage der Entstehung und Entwicklung der Lautsprache. 
Int. 2. f. Ps.-A. VI (1920). ^ 

X4) Chadwick: Die Unterscheidung zwischen Ton und Sprache in der frühen 
Kindheit. 2. f. ps.-a. Päd. II (1928). 



i6o 



funktion bedeuten dann nicht nur mit der Störung des Verständigungsmittels 
eine schwere Störung der Objektbeziehungen überhaupt, sondern die Worte, 
die ausgesprochen und nicht ausgesprochen werden sollen, erhalten hinter der 
erwähnten phallischen und analen Bedeutung noch die Bedeutung eines 
introjizierten Objektes, die dargestellten Konflikte sind Einverleibungskonflikte, 
und ein ursprünglich zwischen Patient und Objekten spielender Konflikt spielt 
nunmehr, wie wir es für narzißtische Typen der Organneurosen überhaupt be- 
schrieben haben, zwischen dem Ich und seinen Sprachwerkzeugen, resp. seinen 
Sprachprodukten. 

Zu den bereits erwähnten und erklärten typischen Bedingungen, die bei 
Stotterern das Auftreten der Symptome hervorrufen oder beschleunigen, konimt 
noch eine typische hinzu: Die Bedingung des öffentlichen Redens. Diese 
Bedingung weist uns hin auf die starke Beteiligung einer unbewußten 
exhibitionistischen Tendenz, die mit dem Symptom gehemmt wiriiJ^ 
Fälle, bei denen das Stottern überhaupt nur unter dieser Bedingung auftritt, 
rücken in die Nähe anderer Neurosenformen, bei denen die unbewußte 
Exbbitionslust wesentlich beteiligt ist, der Erythrophobie und der „chronischen 
Schüchternheit". Wenn ein Schauspieler im Lampenfieber nicht nur die RoUe 
vergißt, sondern zu stottern beginnt, so wird gewiß auch für diesen Fall die 
Bedingung der „Sexualisierung der Redefunktion" mit ihren besprochenen 
Begleit- und Folgeerscheinungen, und zwar in Verbindung mit einer besonderen 
exhibitionistischen Tendenz, zu sehen sein. Dennoch wird man das Gesamtbild 
weniger der speziellen Neurosenform „Stottern" als eben der Angsthysterie zu- 
rechnen und das dort Gesagte zum Verständnis heranziehen müssen. 

Wir haben bei der bisherigen Besprechung des Stottersymptoms besonders das 
aus der Verdrängung wiederkehrende Verdrängte dargestellt. Wir müssen nach- 
tragen, daß das, was für alle neurotischen Symptome gilt, hier besonders aus- 
geprägt ist: das Symptom trägt auch den verdrängenden Mächten Rechnung. 
Wie bei der Zwangsneurose läßt sich bei dem ihr den Mechanismen nach so 
nahestehenden Stottern die Wirksamkeit eines besonders starken Über-Ichs nach- 
weisen. Viele Stotterer produzieren ihr Symptom überhaupt nur dann, wenn 
sie sich dadurch in irgend einen Nachteil setzen. So erhalten wir verhältnis- 
mäßig leicht den Eindruck, daß viele Stotterer sich mit ihrem Symptom selbst 
bestrafen, um den Forderungen eines strengen Über-Ichs Genüge zu tun, ev. 
um^ nach den Grundsätzen der „Bestechlichkeit" sich für neue Triebhandlungen 
freizukaufen. Manche Formen von Stottern sind in dieser Beziehung den er- 
wähnten „Berufsne urosen" gleichzuachten und ebenso schwer zu beeinflussen wie 

d.n^^K?''''? «ndrucksvollen Fall, bei dem das Stottern überhaupt fast ausschließlich 
den Kampf um die Exhibmon widerspiegelte, schilderte Ada Müller-Braun- 
scnweig: Zur Psychoanalyse des stotternden Kindes. Neue Erziehung. X (1928) 



i6i 

diese. Wenn man gerade Autoritäten gegenüber nicht sprechen kann, so hemmt 
man ja damit nicht nur seine Aggression, sondern pflegt sich auch auf ver- 
schiedene Weise zu schädigen, da es ja meist darauf ankommt, gerade in dieser 
Situation gut zu sprechen. 

Von den sekundären Gewännen des Stotterns, die natürlich ebenso 
mannigfaltig sein können wie sekundäre Gewinne überhaupt, scheinen zwei 
besonders charakteristisch: In oberflächlicher Schicht fordert der Stotternde, so 
sehr er andrerseits auch lächerlich wirkt, das Mitleid heraus, was sich in ver- 
schiedenem Sinne ausnutzen läßt. In tieferer Schicht bietet das Stottern Gelegen- 
heit zur ausgiebigen Trotzbefriedigung (was dem analen Charakter der Stotterer 
entspricht) und damit zu einem Stück realer Äußerung der im Symptom latent 
enthaltenen Aggression. 

Oft tritt das Symptom nur bei ganz bestimmten Buchstaben oder ganz be- 
stimmten Wortbildern hervor. Die Analyse weist dann — ganz wie wir es bei 
den Hemmungen besprochen haben — die assoziative Verbindung des veran- 
lassenden Moments mit den wichtigsten Konflikten der infantilen Sexuali- 
tät nach.^^ 

Aus dem Gesagten geht hervor, daß die Prognose beim Stottern nicht leicht 
zu stellen ist, weil sehr verschieden tiefe neurotische Strukturen hinter demselben 
stecken können. Gelegentlich wird von sehr raschen und leichten therapeutischen 
Erfolgen bei Stottereranalysen berichtet. Es dürfte sich dann um Fälle handeln, 
die mehr den „Hemmungen" nahestehen und in deren Krankengeschichte dem 
aktuellen Moment eine relativ große Bedeutung zukommt. Im allgemeinen muß 
man die Prognose ernster stellen als bei einer Konversionshysterie, da ja die 
Regression mit ihren Folgeerscheinungen das Bild kompliziert. Für schwerere, 
seit der Kindheit bestehende Formen des Stotterns gilt, entsprechend der Ähnlich- 
keit ihrer Struktur mit der Zwangsneurose, auch prognostisch alles, was für 
die Zwangsneurose gilt. Die noch tiefer regredierten oralen Formen sind ihrer 
narzißtischen Natur wegen ebenso schwer zugänglich wie andere narzißtische 
Organneurosen. Dagegen scheinen die Stotterer merkwürdigerweise verhältnis- 
mäßig nicht so sehr an ihrem speziellen Symptom zu hängen, und es mag oft 
gelingen, das Stottern selbst zu heilen, ohne daß der zur Neurose disponierende 
prägenitale Charakter wirklich beeinflußt würde. Da dem Patienten damit sehr 
gedient ist und häufig nicht mehr zu erreichen sein wird, wird man im allge- 
meinen zur psychoanalytischen Behandlung raten, allerdings bei der Probe- 
analyse dieselbe Vorsicht wie bei Zwangsneurosen und Organneurosen walten 
lassen. 

i^) Siehe Eder: Das Stottern — eine Psychoneurose und seine Behandlung durch 
Psychoanalyse. Int. Z. f. Ps.-A. I (1^13). 

II Fenichel, Hysterien und Zwangsneurosen 



l62 

b) Asthma bronchiale 

Wir haben beim Stottern die Sprachfunktion eine orale genannt und nach- 
gewiesen, daß sie zum Schauplatz von nach oben verlegten analen Tendenzen 
wird. Wir haben dabei vernachlässigt, daß das Sprechen ja eine Funktion nicht 
nur der Mundwerkzeuge, sondern vor allem des Respirationstraktus ist. Gerade 
die Analyse der analen Zuschüsse der Sprachfunktion erweist, daß die bei ihr 
nötige Atemregulierung das Moment ist, das mit den analen Funktionen 
unbewußt analogisiert wird. Vom Standpunkt der Libidotheorie aus muß man 
fragen, ob der respiratorische Anteil der Sprachfunktion erst durch die beim 
Stottern nachgewiesenen analen Zuschüsse Hbidinöse Bedeutung erhält oder .ob 
es eine autonome „respiratorische Erotik" gibt. Wenn wir diese Frage bejahen, 
so müssen wir ergänzen: Das Stottern beruht nicht nur auf einer anal-oralen, 
sondern auf einer anal-oral-respiratorischen Fixierung. Schon diese Verbindung 
muß uns zu der Annahme führen, daß die respiratorische Erotik, wenn sie 
existiert, einen prägenitalen, den frühen Organisationsstufen der Libido zuge- 
hörenden Charakter haben muß. Dieser Verdacht wird durch die klinische 
Erfahrung außerordentlich verstärkt, daß die Organneurosen des Atemsystems 
sich als dem Stottern sehr verwandt, als von der Konversionshysterie deutHch 
unterschieden, als typische „prägenitale Konversionsneurosen" erweisen. Die 
Sonderstellung des Asthma bronchiale in einem System der Neurosen 
ist zwar bisher noch nicht ausdrücklich formuliert worden. Dennoch findet man, 
wenn man die betreffende Literatur durchsieht, daß sich alle Autoren darin 
emig sind, daß das Asthma keine Konversionshysterie ist. Der Asthmakranke 
benimmt sich außerhalb seiner Symptomatik wie ein Zwangsneurotiker oder gar 
wie eine narzißtische Neurose (Ambivalenz, Bisexualität, Denk- und Sprach- 
sexualisierung, Charakter). Die Analyse weist auch - in gleicher Weise wie 
bei Zwangsneurose und Stottern - eine R e g r e s s i o n nach, die sich zwischen 
Ödipuskomplex und Konversion einschiebt, immer bis zur anal-sadistischen 
Stufe geht, gelegentlich aber darüber hinaus bis zum Narzißmus, so daß dann 
zwischen dem Patienten und seinen Atmungsorganen auf narzißtischer Basis die 
ernst zwischen ihm und dem Realobjekt spielenden Konflikte ausgetragen 
werden." 

Daß es eine autonome respiratorische Erotik gibt, ist sehr wahrscheinlich, ja 



17) Nach Weiss ist der Asthmaanfall letzten Endes eine Reaktion auf eine Tren- 
nung von der Mutter, ein Sehnsuchtsschrei nach der Mutter. Es ist wahrscheinlich, daß 
StiX U.Tff^ *"' e gentlich hieß: Eine Reaktion auf ihren Verlust durch nar- 



i63 

im Grunde eine Annahme, die sich selbstverständlich aus der Freud sehen 
Lehre von den erogenen Zonen ergibt, nach der ja jede Körperfunktion Quelle 
libidinöser Erregung werden kann. Beim Normalen scheint ihre Bedeutung keine 
besonders hervorragende zu sein, sie beherrscht keine Libidophase, sondern ist 
nur anderen Erotismen beigeordnet. Daß das die archaischen Erotismen der 
Analität und Oralität sind, ergibt sich aus der Analyse der analen und oralen 
Struktur der Asthmakranken, sowie aus dem reichlichen ethnologischen Material, 
das über Sexualisierung des Atems vorliegt/« Sie ist aufs innigste verbunden 
mit der Riechlust, da die Funktion des Riechens (Schnüffeins) und Atmens im 
Unbewußten überhaupt nicht unterschieden scheinen. Auch die Riechlust hat 
man nach ihrem hervorragenden infantilen Objekt meist der Analerotik zuge- 
rechnet, ebenso wie man in der Sexualisierung der Atemfunktion bei Asthma 
vor allem die anale Komponente betont hat. Es mag sein, daß die respiratorische 
Erotik erst durch anale Zuschüsse symptombildende Gewalt erhält. Sicher ist, 
daß sie zu solchen prägenitalen Zuschüssen eine besondere Affinität aufweist, 
was auf ihren eigenen prägenital archaischen Charakter weist, und wir haben 
keinen Grund, ihren autonomen Kern zu bezweifeln. 

Das Asthma bronchiale ist die Neurose der Atemfunktion wie das Stottern 
die der Sprachfunktion. Ihre Voraussetzung ist wie dort die Sexualisierung dieser 
Funktion, die durch regressive Veränderung der ödipusregungen entstanden ist, 
wodurch die ^diesen geltenden Abwehrkräfte gegen sie gerichtet wurden. Das 
Asthma gleicht auch darin dem Stottern, daß es in leichteren Fällen Auseinander- 
setzungen mit anal-sadistischen Vertretern des Ödipuskomplexes darstellt, in 
schweren darüber hinaus um die durch tiefere Regression wiedergeweckten 
Tendenzen nach Einverleibung der Objekte und ihre Abwehr kämpft. Denn 
auch darin erweist sich die respiratorische Erotik der oralen verwandt, daß ihre 
objektlibidinöse Komponente das Ziel der Einverleibung der Objekte 
oder ihrer Teile hat, die respiratorische Introjektion durch Einatmung oder 
Geruch. Diese archaische Tendenz tritt mit oralen Einverleibungswünschen 
verdichtet auf. Es stellen sich ihr wie dieser unter Umständen Angst und Ab- 
wehrkräfte entgegen, und sie kann in der spezifischen Form restierender 
Identifizierungen auch noch in der Zeit des Genitalprinuts ihren Ausdruck 
finden. Gelegentlich kann man sie in besonderer Ausprägung nicht nur bei 
Asthmakranken, sondern auch bei tief regredierten narzißtischen Neurosen, z. B. 
bei Flypochondrien, die die Nase oder die tieferen Atmungsorgane betreffen, 
nachweisen. Ihre Verankerung verdanken -solche Phantasien ihrer Legierung mit 
der Geruch s er otik. Es ist oft gesagt worden, daß die „niederen Sinne" 

i8) Vgl. Jones; Die Empfängnis der Jungfrau Maria durch das Ohr. Jahrb. 
f. ps.-a. u. Psychopath. Forschgn. VI (1914), Rank: Der Doppelgänger. Image 
III (1^14) und Rohe im: Das Selbst. Imago VII (1921). 



1^4 

eine nähere Affinität zu prägenitalen Erotismen zeigen als die höheren/^ was 
sich schon dadurch zeigen läßt, daß Geruchswahrnehmungen, -erinnerungen und 
-assoziationen in der prägenitalen Entwicklungsperiode der Kindheit unvergleich- 
lich mehr im Vordergrunde stehen als beim Erwachsenen. Es ist der Yer- 
drängungsschub, der die Prägenitalität überhaupt trifft, der auch den Geruchs- 
sinn des durchschnittlichen Erwachsenen so viel stumpfer macht als er in der 
Kindheit gewesen war. Freud nimmt an, daß diese gegen den Geruch ge- 
richtete Verdrängungsneigung einer Erscheinung des biogenetischen Grund- 
gesetzes entspricht, eine ontogenetische Wiederholung einer „biologischen Ver- 
drängung" des Menschengeschlechts sei.^° Wie dem auch sei: Diese unter- 
gegangene Geruchserotik wird bei Regressionen zur anal-sadistischen, resp. der 
schon der oralen verwandten respiratorischen Erotik neu belebt. Die respiratori- 
schen Introjektionsphantasien beruhen ja letzten Endes auf einer physiologischen 
Wahrheit, indem beim Geruchsakt reahter Partikel der Außenwelt in den 
Körper aufgenommen werden. Das wesentliohe Objekt der kindlichen Riechlust 
ist der Kot — und dieser Umstand ist dafür verantwortlich, daß wir in der 
Praxis Geruchs- und Analerotik, die aus ganz verschiedenen erogenen Quellen 
stammen, so nahe beieinander finden. (Allerdings kann die Analyse wie bei 
vielen von ihr aufgedeckten analerotischen Triebwünschen auch bei Er- 
scheinungen der Riechlust recht häufig den regressiven Charakter ihres analen 
Objektes nachweisen; eine anale Riechlust kann regressiver Ausdruck sein für 
genitale Riechlust, die z. B. dem Menstrualgeruch gilt.) Wir erwähnten schon, 
daß diese Sexualisierung von Geruch und Atem sich über die anale Periode 
hinaus bis in die orale verfolgen läßt. Aber es scheint uns nicht gerechtfertigt, 
das „Schnüffeln" als ein „Äquivalent" des Saugens zu betrachten, wie es 
Oberndorf getan hat.^^ Es ist vielmehr etwas, was während des Saugens 
neben diesem auch geschieht, allerdings sicher weniger Interesse des Säuglings 
auf sich konzentriert als die orale Aufnahme. Aber man denke auch an die 
physiologische Auskunft, daß vieles von dem, was wir „Geschmackswahr- 
nehmung" nennen, in Wahrheit Geruchswahrnehmung ist.^^ Prinzipiell kann 
[das Asthma auf die Formel gebracht werden: Besondere Sexualisierung der 
Atemfunktion, Verdrängung und Dennoch-Durchbrechen der damit entstehenden 
Sexualwünsche. Diese selbst entsprechen sehr mannigfaltigen Phantasien, vor 
allem oral-analen, die regressiver Ausdruck des Ödipuskomplexes sind. 

Bei der Ähnlichkeit der Struktur von Stottern und Asthma werden wir ver- 

19) Vgl. Hermann: Sinnesmodalität und Denkformen. Imago XV (1929). 

20) Freud: Das Unbehagen in der Kultur. 

21) Oberndorf: Submucous Resection as a Castratlon Symbol. Int. Journal of 
Ps.-A. X (1929). 

22) Zu diesen ganzen Ausführungen vgl. Fenichel: Über respiratorische Intro- 
jektion. Int. Z. f. Ps.-A. XVII (193 1). 



165 

Stehen, daß genau so wie dort das Sprechen so hier das Atmen magische 
Bedeutung angenommen hat und Allmachtsphantasien Ausdruck verleiht. Es 
paßt auch zur libidotheoretischen Deutung der Atemneurosen, daß sich bei 
Zwangsneurotikern so oft auf die Atemtätigkeit bezügliche Zeremoniells, Gebote 
und Verbote finden, die dann ebenfalls Ausdruck der mit dem Atem ver- 
bundenen Allmachtsphantasien sind,^^ Die hierher gehörigen, bei echten 
Zwangsneurotikern nicht seltener als bei Asthmatikern vorzufindenden 
Phantasien finden ihre Parallele in den oft beschriebenen ausgiebigen Maß- 
nahmen des Atemzaubers bei Primitiven und gegenwärtigen Sekten. Die be- 
kannte allgemein magische Bedeutung des Atems ist sicher nicht nur daraus zu 
erklären, daß die Atemfunktion die einzige ist, bei der dem Menschen eine will- 
kürliche Einflußnahme auf das Vegetativsystem ohne weiteres möglich ist. Es 
gibt keine narzißtisch- animistische Weltanschauung, in der nicht der Atem als 
das Leben an sich naraaßtisoh besetzt wäre. 

In seiner Arbeit ;,Das Selbst" faßte R 6 h e i m alle magisch-narzißtischen 
Handlungen, die sich auf das eigene Ich beziehen, systematisch zusammen^* — 
und dabei spielt die Atmung keine geringe Rolle. Freilich" neigt auch er dazu, 
den Atemzauber, seine Autonomie unterschätzend, nur für eine besondere Er- 
scheinungsform des oralen Zaubers zu halten, so wenn er schreibt, der „Hauch- 
zauber" sei „eine reduzierte, weniger sinnfällige, halb symbolische und daher 
auch mehr sublimationsfähige Form des Spuckens".^^ Wichtiger für uns sind 
seine Ausführungen über den „Seelen- Stoff", in denen er die allgemeine Ver- 
breitung der sogenannten „Hauch-Seele" studiert. Die Zusammenfassung, „in 
unserem Sinne" sei „die Hauchseele als eine Hypostasierung der oralen 
Erogeneität des Hauchenden und der Hauterogeneität des Angehauchten zu 
betrachten",^® zeigt die nahe Verwandtschaft mit der oralen und der Hauterotik, 
unterschlägt aber wieder die Respiradonsnatur des Hauchens. Das Material 
dafür, daß der Tote der Seele und diese wieder einerseits Kot, andrerseits Luft 
oder Atem gleichgesetzt wird, erstreckt sich bei R 6 h e i m über viele Seiten 
und entspricht dem unbewußten Denken von Patienten, denen tote Angehörige 
unbewußt Kot und damit Ateminhalt geworden sind. Die Atemvorstellungen 
machen zwar nur einen Teil des magisch-animistischen Denkens aus, aber 
scheinbar doch keinen geringen, so daß eine besondere Hervorhebung derselben 
besonders im Vergleich mit klinischem Material sehr lohnen würde. 

Auch für D a 1 y s Fund von der erotischen Bedeutung des Menstrualgeruchs, 

23) Vgl. Helene Deutsch: Zur Psychogenese eines Tic- Falles. Int. Z. f. Ps.-A, 
XI (1^25). 

24) Roheim: Das Selbst, Imago VII (1921). 

25) Roheim: Das Selbst, Image VII (19^1), S. 5. 

26) Roheim; ebendort, S 145. 



i66 

dessen Einverleibung durch die damit verbundene Gefahr der Identifizierung mit 
dem „kastrierten" weiblichen Geschlecht gefürchtet wird,^^ finden sich klinische 
Parallelen bei Patienten mit regressiv gesteigerter Neigung zur respiratorischen 
Introjektion; ich konnte einen soeben Fall beschreiben.^^ 

Die besonders enge Beziehung der Atemfunktion zur Angst kann für den 
unbewußten Sinn der Asthmasymptome nicht ohne Bedeutung sein. Man kann 
erwarten, daß eine besondere Angst in Verbindung mit Atemerscheinungen — 
wie etwa Nasen- und Lungenhypochondrien oder eine besondere Erstickungs- 
angst — der Abwehr einer besonders erhöhten respiratorischen Sexualität gilt, 
und auch die Befunde der Asthmakranken scheinen diese Erwartung zu be- 
stätigen. Allerdings muß man sie auf besonders ausgesprochene Fälle beschränken. 
Denn man darf zweierlei nicht übersehen, was Härnik in einer Arbeit 
betont hat, in der er die grundlegende archaische Bedeutung und allgemeine 
Verbreitung der Erstickungsangst nachweist, die also nicht nur auf Fälle von 
Asthma, Hypochondrie, Atemzwängen oder dgl. beschränkt ist.^^ Wir wollen 
aus seiner Arbeit zweierlei Momente herausheben, die in unserem Zusammenhang 
belangvoll erscheinen. Wir können erstens oft hinter einer manifesten Erstickungs- 
angst in der Analyse die verdrängte Kastrationsvorstellung nachweisen, so daß 
wir die Erstickungsangst für einen entstellten Ausdruck der Kastrationsangst 
erklären müssen. 

So hatte ein Patient die Phantasie, der Analytiker könnte ihm mit einer Schere ,4k 
Luft abschneiden", d. h. eine phantasierte Luftzufuhr, wie sie etwa ein Taucher hat, 
unterbinden und ihn so ersticken lassen. Das deckte natürlich eine Angst, die Schere 
könnte seinen Penis abschneiden. Der Mitder zwischen Kastrationsangst und Atem- 
funktion war eine aus der Latenzzeit stammende Angst, er könnte beim Schlafen unter 
der Decke ersticken. Unter der Decke pflegte er sich nämlich analen und oralen Phan- 
tasien hinzugeben, die regressive Abkömmlinge alter Onaniephantasien waren,' das 
„unter die Decke Kriechen" war die Fortsetzung des verbotenen frühinfantilen „die 
Hände unter die Decke Legens". 

Das hindert aber nicht, daß diese Entstellung regressive. Bahnen ein- 
schlug und die Vorstellung des Erstickens bereits zu einer Zeit angstbesetzt war, 
in der es noch keine Käst rations Vorstellung gab; dasselbe gilt ja z. B. für die 
orale Angst vor dem Gefressenwerden .^"^ Sodann ergibt sich aus dem zweiten 
Funde von Härnik, daß die Angst vor der Erstickung jeder Todesangst zu- 
grunde liegt und eigentlich der archaischeste Angstinhalt überhaupt sei,^^ daß, 

27) Daly: Hindu-Mythologie und Kastrationskomplex. Imago XIII (1^27) und: 
Der Menstruationskomplex. Imago XIV (1928). 

28) Fenichel: Über respiratorische Introjektion. Int. Z. f. Ps.-A. XVII (193 1). 

29) Hdrnik: Über eine Komponente der frühkindlichen Todesangst. Int. Z. f. 
Ps.-A. XVI (1930). 

30) Vgl. Fenichel: Angst vor dem Gefressenwerden. Int. Z. f. Ps.-A. XIV (k^zS), 

31) Härnik, a. a. O. 



I«7 

W€nn eine mit der Befriedigung infantiler Sexualität verbunden gedachte Gefahr 
als Ersticken perzipiert wird, diese Sexualität selbst keineswegs respiratorischen 
Charakter haben muß. Atemangst muß nicht immer Abwehr von Atemerotik 
sein, sondern das Atemmoment könnte durch die Qualität der Angst erst dazu 
gekommen sein. Wahrscheinlich ist das nur bei Nasen- und Lungenhypochondrie 
und bei Fallen, bei denen die. Vorstellung des Erstickens eine ganz besondere 
Rolle spielt, anders. Eine solche hervorragende Betonung des Atem- 
moments auf der Angstseite darf auch als Indiz einer besonderen Sexualisierung 
des Atems aufgefaßt werden. Sonst aber hat H d r n i k gezeigt, wie oft der 
Säugling und das kleine Kind Erstickungserlebnisse haben müssen, durch die 
jedes gefährliche Erlebnis in tiefster Schicht mit der Idee der Erstickung 
verbunden bleibt.^^ Eine nähere Erwägung der Freud sehen Angsttheorie^* 
macht auch theoretisch klar, daß es so sein muß: Ateminnervierungen gehören 
eben zu dem Wesen der Angst. Sie waren im Vorbild jeder traumatischen 
Situation, dem Geburtsakte, vorhanden, und alle späteren Ängste sind ja ein 
partielles "Wiedererlebeh dieser Situation. Diese Verbindung von Angst und Atem 
ist eine so wesentliche und innige, diaß man sogar daran denken muß, daß 
umgekehrt oft eine besondere Sexualisierung der Atemfunktion auf eine primäre 
Sexualisierung der Angst zurückgehen könnte.^^ Jedenfalls tut man gut, bei 
pathologischen Erscheinungen im Bereiche der Atemfunktion an die Angst zu 
denken, und so glaube ich, Harniks schöne Arbeit zu ergänzen, wenn ich 
noch ein allzuwenig beachtetes Symptom im Bereiche des Normalen mit der 
Erstickungsgefahr in Beziehung bringe: 

Mit dem Atem verhält es sich nicht anders wie mit den anderen Muskel- 
funktionen. Sie alle werden vom Durchschnittsmenschen nicht optimal durch- 
geführt, sondern zeigen die merkwürdigen Erscheinungen von Hemmungs- 
charakter, die ich als „Dystonus" bezeichnet habe.^* Änderungen des Atem- 
rhythmus, vor allem vorübergehender Atemstillstand, variable ungleichmäßige 
Beteiligung einzelner Thoraxanteile an der Atmung, sind die Wege, auf denen 
die kontinuierlichen, kleinen psychischen Alterationen ihren unzweckmäßigen 
Einfluß auf die Atemfunktion geltend machen. Besonders deutlich wird er bei 
der Intendierung einer neuen Handlung, bei jeder Bewegung, bei jeder Änderung 
der Aufmerksamkeitsrichtung. Man kann sich leicht durch Selbstbeobachtung 
von dem Umfang dieser Störungen überzeugen. Ihre Beziehung zur Aufmerk- 
samkeit ist besonders deutHch. H o 1 1 6 s nahm an, daß solche Atemstörungen 

32) Freud: Hemmung, Symptom und Angst (Ges. Sehr. Bd. XI). 

33) Diese Ansicht ist schon vertreten bei Ma r c inowski: Heilung eines 
schweren Falles von Asthma durch Psychoanalyse. Jbch. f. ps.-a. u. psychopath. 
Forschgn. V (1913). 

34) F e n i c h e 1: Über organlibidinÖse Begleiterscheinungen der Triebabwehr, 
Int. 2. f. Ps.-A. XIV (1928). • 



x6S 



einer Störung der rhythmischen Abwechslung der Aufmerksamkeitsrichtung 
nach außen oder innen entspricht,^^ nach H e y e r liegen darüber auch experi- 
mentelle Untersuchungen vor.^^ Ich will mich bei diesen nicht lange aufhalten, 
sondern nur S u t e r zitieren, der so weit geht, zu sagen, „vollständige Atmungs- 
hemmung" sei das „theoretische Optimum der Aufmerksamkeitsleistung".^^ 
Aber diese Störungen erweisen sich als durch Übung leicht korrigierbar; man 
überzeugt sich leicht, daß sie vom Ich, dem bewußtseinsnahen, trieb abwehrenden 
Teil der Persönlichkeit, ins Werk gesetzt werden, denn man kann sie bis zu 
einem gewissen Grade unterlassen, wenn man sich darauf einstellt. Es handelt 
sich also um die Hemmung einer Ichfunktion. Die enge Beziehung von Angst 
und Atmung läßt es nun als wahrscheinlich erscheinen, daß den fortwährenden 
Atmungsschwankungen eine fortwährende unbewußte Angstbereitschaft zu- 
grundeliegt. Vorübergehenden Atemstillstand bei Steigerung der Kastrations- 
angst kann der Analytiker tägHch beobachten. Zwerchfellkrämpfe werden auch 
von Nichtanalytikern als Angstanzeichen gewertet. Die Atemsymptome wären 
eben „Angstsignale" geringen Ausmaßes. Es macht den Eindruck, als ob das 
Ich mit der Atemhemmung bei Intendierung einer neuen Handlung, bei einer 
neuen Wahrnehmung, bei jeder Veränderung der Aufmerksamkeit probieren, 
abtasten möchte, ob es sich fürchten soll oder nicht. Zwar ist nicht jedes 
Erlebnis eine Gefahr, das durch Angstsignal angezeigt werden müßte, aber es 
könnte eine sein, so daß eine Art „Vorsignal" in der Atemhemmung dem 
Ich angezeigt erscheint.^^ 

Mit diesen Ausführungen sind wir scheinbar vom Problem des Asthmas 
schon recht weit abgekommen; wir glauben aber, daß ein genaueres Verständnis 
auch der normalen Grundlagen der libidinösen und der Angstbedeutung der 
respiratorischen Funktion das Verständnis ihrer pathologischen Verzerrungen 
erleichtern muß. 

Bezüglich der Therapie des Asthma kann bei der Ähnlichkeit der Struktur 
vollkommen auf das verwiesen werden, was über das Stottern gesagt wurde. 
Freilich sind Symptomheilungen hier schwerer zu erzielen; man muß sich schon 
die radikale Behandlung der zugrundeliegenden prägenitalen Struktur zur Auf- 
gabe machen. Diese dürfte im ganzen nicht leichter und nicht schwerer sein als 
bei der Zwangsneurose. 



35) Hol los: Die Phasen des Selbstbewußtseinsaktes. Int. Z. f. Ps.-A. V {1919). 

36) Hey er: Das körperlich-seelische Zusammenwirken in den Lebensvorgängen. 



1925 



37) Suter: Die Beziehung zwischen Aufmerksamkeit und Atem. Arch. f d ees 
Psych. 1925. ' • & • 

^ 58) 'Alle diese Ausführungen wurden schon in meiner Arbeit: Über respiratorische 
Introjektion. Int. 2. f. Ps.-A. XVII (193 1) auseinandergesetzt. 



169 

c) Psychogener Tic 

Auch die Symptomatologie des psychogenen Tics verdankt einem Konversions- 
vorgang ihre Entstehung, Wie bei Krampf, Lähmung, Kontraktur oder Anfällen 
in der Hysterie, so versagt auch hier die willkürliche Muskulatur dem Ich ihren 
Dienst, um ihre Funktion unabhängig vom Willen zu betätigen. Allerdings 
sind auch schon im äußeren Bild des Symptoms wesentliche Unterschiede gegen- 
über der Hysterie deutlich, die ja die Autoren schon lange vor der Psycho- 
analyse dieses Krankheitsbild von der Hysterie differenzieren ließen. Die Stereo- 
typie der Ticbewegungen scheint sie schon in die Nähe katatoner Erscheinungen 
zu rücken. Allerdings gibt es auch wieder Fälle, z. B. Schütteltremoren, die, wie 
wir schon im Kapitel über traumatische Neurosen ausführten, doch auch nur 
speziell geformte Hysterien sind. Wie wir dort. von einer kontinuierlichen Reihe 
zwischen Hysterie und narzißtischer „traumatischer Neurose" sprachen, so wird 
wohl auch unter dem Namen „psychogener Tic" verschiedenartiges zusammen- 
gefaßt, was die Hysterie und die Katatonie kontinuierlich verbindet. Manche 
Ticformen zeigen auch die größte Ähnlichkeit mit den ja ebenfalls auf dieser 
Linie einzureihenden Zwangsbewegungen, doch unterscheiden sie sich von diesen 
phänomenal dadurch, daß der Zwangsneurotiker seine Bewegungen ja willkür- 
lich macht, nur daß er seinen Willen nicht so betätigen kann, wie er möchte, 
während die Ticbewegung sich unabhängig vom Willen automatisch durchsetzt. 
Daß beide Phänomene dennoch verwandt sind, zeigt der Umstand, daß lange 
dauernde Zwangsbewegungen sich allmählich durch Automatisierung in Tic- 
bewegungen verwandeln können.^® 

Erst die nähere Betrachtung des außersymptomatischen Verhaltens der aus- 
gesprochenen Tic-Kranken belehrt darüber, daß ihr Seelenleben auf einer 
primitiveren Stufe steht als das der Hysterie, daß es sich auch hier um eine 
„prägenitale Konversion" handelt. Diese Bezeichnung, die von Abraham 
stammt,*" ist sogar für diese Krankheitsform geprägt und erst von uns auf die 
ganze hier besprochene Gruppe übertragen worden. Die zwei Momente, die im 
Seelenleben des Tic-Kranken am auffälligsten sind — und darin stimmen 
sämtliche Autoren, die solche Fälle behandelt haben, überein — sind erstens ein 
ausgesprochener Analcharakter, zweitens ein besonders ausgeprägter Narzißmus, 
eine geringe Neigung zur Ausbildung von Objektbeziehungen überhaupt. Die 
erste Eigenschaft teilt der Tic-Kranke mit dem Stotterer und Asthmatiker, und 
sie darf hier auch ebenso erklärt werden wie dort: Auch hier ist durch Regres- 
sion vom Ödipuskomplex her oder durch eine Entwicklungsstörung das prä- 

39) Vgl. Landauer: Automatismen, Zwangsneurose und Paranoia. Int. Z. 

f. Ps.-A. xni (1927). 

40) Abraham: Beitrag zur Tic-Diskussion. Int. Z. f. Ps.-A. VII (1921). 



170 



genitale, besonders, wie Abraham nachwies,*^ das anal-sadistische Moment 
in den Vordergrund gerückt und wird vom Ich abgewehrt. Wie die anal- 
erotischen Zuschüsse beim Stottern die oral-respiratorische Erotik der Sprach- 
funktion, beim Asthma die eigentliche Respirationserotik in die Höhe trieben, 
so hier die Muskelerotik, deren konstitutionelle oder akzidentelle Verstärkung 
die Voraussetzung einer solchen Verschiebung ist.*' Die narzißtische Haltung ist 
auch bei den Tic-Kranken in verschieden hohem Grade ausgebildet. In manchen 
Fällen ist, wieder ganz analog wie bei Stottern und Asthma, zumindest im un- 
bewußten Phantasieleben, noch so viel an tragfähigen Objektbeziehungen vor- 
handen wie bei einer durchschnittlichen Zwangsneurose. In anderen Fällen — 
und man erhält den Eindruck, daß das die ausgeprägtesten Typen von psycho- 
genem Tic sind — scheinen die Beziehungen zur Objektwelt in viel höherem 
Grade gelockert als bei den bisher von uns besprochenen Regressionsneurosen. 
Man versteht bereits, daß gerade die Tiefe der Regression für die Schwere und 
Art des Falles den Ausschlag geben wird. Manche sich automatisch stereotyp 
vollführende Bewegungen ereignen sich als Ausdruck genitaler Objektphantasien 
ohne Regression — und für solche Fälle gelten die Gesetze der Konversions- 
hysterie. Sie erweisen sich in der Analyse meist als Onanieäquivalente, als ein 
nach Unterdrückung der genitalen Onanie „nach oben verlegter", sich dennoch 
durchsetzender Ersatz für sie.'' Manche wieder waren einst ausgesprochenes 
Zwangssymptom und idienten der Abwehr oder der Ausführung unbewußter 
feindseliger oder analer Strebungen; sie wurden nur mit der Zeit „automatisiert" 
und immer weiter ausgeführt, ohne daß es dazu einer besonderen Aufmerksam- 
keitsleistung des Patienten mehr bedurfte. Sie entsprechen einer Regression auf 
die anal-sadistische Stufe und gehorchen den Gesetzen der Zwangsneurose. 
Wieder andere — und das sind die eigentlichen schweren Tic-Fälle — er- 
weisen durch ihr äußerlich narzißtisches Verhalten und durch den in der Analyse 
aufdeckbaren weitgehenden unbewußten Objektverlust, daß ihre Regression bis 
zum Narzißmus vorgeschritten ist. Wieder andere endlich ereignen sich, einge- 
streut in ein psychotisches Krankheitsbild als katatone „Stereotypien".*« 

41) Vgl. Sa dg er: Ein Beitrag zum Verständnis des Tic. Int. 2. f. Ps-A 
II (1^14). 

42) Vgl. Reich: Der psychogene Tic als Onanieäquivalent. 2. f. Sexuaiwschft. 
XI (1925). 

43) Wenn also Ferenczi den Objektverlust der Tic-Kranken in den Vorder- 
grund ruckt, Helene Deutsch und Melanie Klein dagegen die Objektbeziehungen 
betonen, die sie fanden, so erklärt sich dieser scheinbare Widerspruch leicht dahin, daß 
der Grad des Narzißmus des Tics in der besprochenen Weise schwankt. Siehe 
Ferenczi: Psychoanalytische Betrachtungen über den Tic. Int. 2. f. Ps-A VII 
{i5>2i), [Auch in: Bausteine zur Psychoanalyse, Bd. I. S. 153 ff.], Helene Deut'sch: 
2ur Psychogenes« eines Tic-Falles. Int. 2. f. Ps.-A. XI {1925) und Melanie Klein; 
Zur Genese des Tics. Int. 2. f. Ps.-A. XI (1925). 



171 



Soweit wir bis jetzt bereits narzißtische Krankheitsbilder studiert haben — 
Hypochondrien, narzißtische Organneurosen — sahen wir, wie sich in ihnen 
die Organe sozusagen selbständig gemacht haben und dem übrigen Ich ent- 
gegengetreten sind. Sie erwiesen sich als Repräsentanten introjizierter Objekte, 
sozusagen als somatisches Über-Ich; der neurotische Konflikt war die intra- 
psychische Fortsetzung eines ehemaligen Konfliktes mit Objekten der Außen- 
welt, der ganze Prozeß verwandt dem ebenfalls narzißtischen Konflikt der 
Melancholie. Bei den narzißtischeren Formen des Tics ist es die M u s k u 1 a t u r, 
die sich dank einer besonderen „narzißtischen Besetzung« der „Muskelrepräsen- 
tanzen" selbständig gemacht hat. Da die Motilität im allgemeinen das Abfuhr- 
organ des psychischen Apparates ist, werden natürlich auch die Ticbewegungen 
die Funktion der Abfuhr innerer Spannungen haben. Aber um was für Spannun- 
gen handelt es sich da? Ehemals gesetzte und „unerledigt gebliebene" Er- 
regungen sind es, die nun - genau wie bei manchen Folgen der traumatischen 
Neurosen, die ja häufig genug ticartigen Charakter haben — nachträglich durch 
automatische Abfuhr „erledigt" werden. Aber diese Erregungen haben nur mehr 
wenig mit dem objektgerichteten Sexualleben des gesamten psychischen Apparates 
zu tun. Hier liegt die Differenz gegenüber Afifektbewegungen und hysterischen 
Anfällen. (Höchstens manches unwillkürHche Spiel der mimischen Muskulatur 
steht als Normalvorbild dem Tic schon näher.) Der Eindruck, den man bei der 
Analyse gewinnt, ist vielmehr der, als ob die im Tic innervierte Muskulatur 
bzw. ihre intrapsychische Repräsentanz der körperlibidinösen Hypochondrie 
verwandte Stauungen zu erledigen suche. Ferenczi, der diese Eigenheit 
entdeckte," suchte ihr durch eine besondere Nomenklatur Ausdruck zu geben, 
indem er von Spuren in „Icherinnerungssystemen" sprach, die im Tic „ab- 
reagiert" werden. Damit ist gemeint, daß bei diesen Kranken bestimmte Erleb- 
nisse in den narzißtischen Besetzungsgrößen der Organrepräsentanzen — und 
nicht nur in den Objektrepräsentanzen — Gedächtnisspuren hinterlassen haben. 
Solche narzißtische „Icherinnerungsspuren" an alle die Organe betreffenden Er- 
lebnisse sind in den Organrepräsentanzen relativ leicht nachweisbar; das Pro- 
blem der TicfäUe kann nur sein, was ihre besondere Intensität, ihre Lokalisie- 
rung an der Muskulatur und ihre Fähigkeit, ohne Vermittlung des regulierenden 
Gesamt-Ichs in Funktion zu treten, verursacht. Diese grundlegenden Fragen 
sind allerdings, wie so viele Probleme im Gebiet der Hypothese der Organlibido, 
beim heutigen Stande unseres Wissens noch nicht zu beantworten. Wir können 
nur sagen: Wie sich bei der Hysterie in Objektphantasien Gedächtnisspuren in- 
fantiler Erlebnisse gegen den Willen des Ichs durchsetzen, so setzen sich beim 
narzißtischen Tic gleichzeitig erworben e entsprechende organUbidinös-narziß- 

44) Ferenczi: Psychoanalytische Betrachtungen über den Tic. Int. Z. f Ps-A 
VII (icjzi). [Auch in: Bausteine für Psychoanalyse. Bd. I. S. 193 ff.] 



tische Spuren durch. Alles was die Objektbesetzungen eines Menschen herab- 
zusetzen, seine narzißtischen zu erhöhen geeignet ist, wird auch das Zustande- 
kommen dieses Phänomens erleichtern. Ihre ausgesprochenste Form, die unzen- 
tralisierte, automatische Abfuhr der narzißtischen Libidostauung der Musku- 
latur, dürften die katatonen Stereotypien bei Menschen darstellen, die fast jeden 
Kontakt mit der Objektwelt durch Regression zum Narzißmus verloren haben. 
Mischgebilde zwischen diesen dunklen katatonen Mechanismen und den bekann- 
teren Phänomenen der hysterischen und der Zwangsbewegungen sind eben die 
Tics. 

Es stimmt zu diesen nicht sehr klaren Vorstellungen, die einen sehr frühen 
Fixierungspunkt für den Tic-Kranken erfordern, daß die „traumatischen Erleb- 
nisse'', deren narzißtische Spuren der Tic abführen will, sich, soweit ihre Aufr 
deckung der Analyse überhaupt gelang, auch tatsächlich als frühinfantile prä- 
genitale Erlebnisse herausstellen; sei es, daß sie von Anfang an solch gewaltige 
traumatische Bedeutung hatten, sei es, daß sie sie nachträglich durch regressive 
Verschiebung der dem Ödipuskomplex zugehörigen Libido erlangten. 
^ Der interessanteste Fall der Literatur, der von K u 1 o v e s i, erwies sich als durch 
eine In früher Kindheit erlebte Urszene determiniert.*^ Er hatte in seiner damaligen 
Erregung aus Angst Bewegungsimpulse, vor allem die zu schreien und zu weinen, unter- 
drückt und holte diese damals nicht ausgeführten Bewegungen in seinem Tic zeidebens 
nach. Er war an diese Urszene fixiert geblieben und nach späteren Liebesenttäüschungen 
wieder voll zu ihr regrediert. Im Tic, als in seiner entstellten Sexualbefriedigung, 
erlebte er sie immer wieder, allerdings in korrigierter Form ohne Bewegungshemmung. 
Die automatisierte Bewegung trug dabei den beschriebenen organlibidinösen Charakter. 
— Dasselbe In gehemmter Form, sozusagen einen negativen Tic, kann man gelegendich 
bel^ schweren narzißtischen, der Hebephrenie nahestehenden Allgemeinhemmungen nach- 
weisen: Ein solcher Patient war an eine wiederholte Urszene narzißtisch fixiert 
geblieben, in der er sich schlafend gestellt hatte; „er stellte sich" allen Triebsituationen 
und schließlich dem ganzen Leben gegenüber ebenso „schlafend". — Daß die einem Tic- 
Fall zugrundeliegende Urszene immer eine akustische sein müsse, wie Melanie 
Klein annimmt,*^ scheint nicht einleuchtend. — Die übrige TIciiteratur gibt die Be- 
stätigung^ dafür, daß die Krankheit in die Rubrik „prägenitale Konversionen" zu 
rechnen ist, indem sie zahlreiche Beweise für den anal-sadistischen und narzißtischen 
(exhibitionistischen) Gehalt der Phantasien gibt, die im Unbewußten des Patienten 
den Ödipuskomplex ersetzen. Auch hier ist nicht in allen Fällen klar, ob es 
sich um eine Regression oder um eine Entwicklungsstörung handelt.*^ 

Hier seien einige Bemerkungen über die noch zu wenig beachtete pathogene 
Bedeutung der Gleichgewichtserotik eingeschaltet, die gerade beim 

45) Kulovesi: Zur Entstehung des Tics. Int. Z. f. Ps.-A. XV (1929). 

46) Melanie Klein: Zur Genese des Tics. Int. Z. f. Ps.-A. XI (192 j). 

47) Vgl. zu dieser Fr ige besonders Melanie Klein: Zur Genese des Tics. Int. Z. 
t Ps.-A. XI (1925) und Vilma Kovacs: Analyse eines Falles von Tic convulsif. 
Int. Z. f. Ps.-A. XI (1925). . 



173 



Tic ebenfalls in Erscheinung tritt. Auch ihr kommt oft eine „prägenitale" 
Bedeutung zu, nicht jeder psychogene Schwindelanfall ist einfach hysterisch. 
Menschen, bei denen Symptome aus diesem Bereiche eine Konversionsneurose 
beherrschen, sind oft an eine Urszene fixiert, als deren Gedächtnisrepräsentanz 
durch Verschiebung eine „Icherinnerungsspur" des Gleichgewichtsapparates 
zurückblieb. Eine eindrucksvolle Analyse solcher Art hat French durchge- 
führt.*^ Als Normalvorbild solcher Vorgänge können wir gewisse onanistische 
Spielereien betrachten, bei denen Gleichgewichtssensationen (meist kombiniert 
mit Körperentfremdungen, wie sie sich während des Einschlafens einstellen) 
sekundär sexualisiert erscheinen, die die Reminiszenzen an eine Urszene ver- 
decken. Einschlafphantasien verraten oft nur durch solche sie begleitende 
Sensationen ihre genetische Herkunft aus infantilen Onaniephantasien.*^ 

Die Prognose der psychoanalytischen Behandlung des Tics wird natürlich — 
abgesehen von der nicht immer leichten Differentialdiagnose gegenüber organi- 
schen Fällen, die natürlich vorher gesichert sein muß — von der jeweiligen 
unbewußten Struktur abhängen. Hysterische und zwangsneurotiscbe Formen sind 
wie Hysterien oder Zwangsneurosen zu behandeln, katatone werden so schwer 
zugänglich sein, wie es Katatonien eben sind. Da die charakteristischeren und 
schwereren Fälle von Tic der Psychose verwandter sind und gerade durch ihren 
narzißtischen Gehalt pathognomonisch charakterisiert erscheinen, wird die 
Behandlung jedenfalls eine sehr schwierige und die Prognose eine zweifelhafte 
sein. Immerhin sind bei genügender Übertragungsfähigkeit und entsprechend 
langer Dauer der Analyse volle Erfolge erzielt worden. 



Bevor wir dieses Kapitel verlassen, müssen wir noch einmal daran erinnern, 
daß die sogenannten „Organneurosen" eine kontinuierliche Reihe von der Hyste- 
rie zur Psychose darstellen. Nicht nur im Bereich von Darm, Sprach- und Atem- 
werkzeugen und Muskulatur, sondern auch in anderen Organsystemen trifft 
man daher Konversionsneurosen, die in unserem Sinne als „prägenitale", gele- 
gentlich darüber hinaus als ausgesprochen narzißtische, durch Konflikte mit dem 
Über-Ich charakterisierte zu bezeichnen sind. Hervorhebenswert sind vor allem 
die vegetativen, vasomotorischen und trophischen Neu- 
rosen, die niemals einer einfachen Hysterie gleichwertig sind und häufig mit 
Hypochondrien, schweren Zyklothymien und echten Psychosen, immer aber mit 
aktualneurotischen Symptomen (s. das betreffende Kapitel) kombiniert auf- 



48) French: Beziehungen des Unbewußten zur Funktion der Bogengänge. Int. 2. 
f. Ps.-A. XVI (1^30). 

49) F e n i ch e 1: Über organiibidinöse Begleiterscheinungen der Triebabwehr. Int. Z. 
f. Ps.-A. XIV (1928). 



174 



treten, ferner ein wahrscheinlich nicht geringer Prozentsatz der psychogenen 
Erkrankungen der Haut. Ihre analytische Prognose ist daher nie eine einfache, 
kann aber je nach dem Ausmaß der narzißtischen Komponente eine recht ver- 
schiedene und gelegentlich sehr wohl aussichtsreiche sein. 



Literaturverzeidmis 



Das folgende Literaturverzeichnis umfaßt, nach Kapiteln geordnet: a) alle Arbeiten, 
auf die im Text der betreffenden Kapitel Bezug genommen wurde, b) alle Arbeiten 
der ^ngeren psychoanalytischen Schule zur Theorie der betreffenden Neurosenform, 
c) alle diejenigen kasuistischen psychoanalytischen Mitteilungen, die für das Ver- 
ständnis der betreffenden Neurosenform etwas Neues brachten. In einem Anhang 
„sonstige Kasuistik« folgen d) die sonstigen publizierten psychoanalytischen Kranken- 
geschichten. Von der nichtdeutschen Literatur wurde nur die englische berücksichtigt. 

Abkürzungen 

GS = Sigm. Freud, Gesammelte Schriften, Bd. I~XI. Journ Nerv Ment = Journal of Nervous and Mental 
Internationaler PsA. Verlag, Wien Diseases 

I Journ PsA = International Journal of Psycho- t,.. j _ v • ^ t r- 

^^^ly^l^ \ ^ Päd == Zeitsdirift für psa. Pädagogik 

L PsA. V. = Internationaler Psydioanalytisdier Verlag, ^^^' ^^^ ~ Psydioanalyse, psydioanalytisch 

Wien PsA. Rev. = Psychoanalytic Review 

Jb = Jahrbuch für psychoanalytische und psycho- Z - Internationale Zeitschrift für Psydioanalyse 

pathoiogisdie Forschungen, Bd. I-Vj Jahrbudi der 7hl - y.nr.,IW... f- t> ^ r 

Psychoanalyse, Bd. VI ^^^ ^ Zentralblatt für Psydioanalyse 

I. Kap.: Hysterie 

i) Abraham: Über hysterische Traumzustände. Jblli^io. Enthalten auch in: 
Abraham: Klinische Beiträge zur Psychoanalyse. I. PsA. V. 1921 

2) — : Versuch einer Entwicklungsgeschichte der Libido. L PsA. V. 1924 

3) — : Psychoanalytische Bemerkungen zu Cou^s Verfahren der Selbstbemeisterung. 

2 XIV i^z6 

4) Alexander: Kastrationskomplex und Charakter. Z VIII 1^22 

5) Baudouin: Ein Fall von Bettnässen. Päd III 1929 

6) Breuer u. Freud: Über den psychischen Mechanismus hysterischer Phänomene. 

NeuroI.Zentralbl. 1893. (GSI) 

7) — : Studien über Hysterie. Wien 1895. (GSI) 

8) Brill: Hysterical Dream States. New York Med. Journ. 1912 

9) Coriat: Some Hysterical Mechanisms in Children. Journ. Abnorm. Psych. IX. 1924 

10) F. Deutsch: Zur Bildung des Konversionssymptoms. Z X 1924 

11) — : Das psychogene Fieber. Med. Klinik 192Ö 



176 



Erster Teil: Hysterie. In: Psychoanalyse der Neurosen. 



12) Helene Deutsch: 

I.PsA. V. 1930 

13) Eisler: über hysterische Erscheinungen am Uterus. 2 IX 19a, 

14) Federn: Hysterie und ihre Behandlung In- P.A V^lt U u c 

15) Feigenbaun:: A Gase of Hysterical Spr ^^0^ Psltttm T^ 

16) Feldmann: über Erröten. Z VIII 19.Z P-'A. Rev. XIII i^aö 

17) Fenichel: Introjefction und Kastrationskomplex. Z XI 192. 
lü) —. Die Identifizierung. Z XII 1926 

21 Ferenczi: Introjektion und Übertragung. Jb I 1909 

.M -; J^T^^^'-^^fi^dung nach Schluß der Analysenstunde. 2IIX914 

23) -. Psychogene Anomalien der Stimmlage. Z III 191 j ^^ 

24) -: Hysterie und Pathoneurosen. I.PsA. V 1919 
S7'^"^^T^c°r'^''''°°^^^"^'sewohnhe;ten. ZXI192. y • 

27) Freud: Zur Ätiologie der Hysterie. GSI 

28) --: Über Deckerinnerungen. GSI 

29) -: Zur Psychopathologie des Alltagslebens. GS IV 

30) — : Drei Abhandlungen zur Sexualtheorie. GS V 
31 -: Bruchstück einer Hysterie-Analyse. GS VIII 

3a) ~^M.ne Ansichten über äi. Rolle der Sexualität in der Ätiologie der Neurosen. 

34) -• Sit'''' Phantasien und ihre Beziehung .ur Bisexualität. GS V 
,4) -. Allgemeines über dm hysterischen Anfall GS V 

11) '~' S!e 7?T« e'^'^'r^ ^^ psychoanalytischer Auffassung. GS V 
7 I.' Zu "^^^r^/f ^ 7--I7-I -d die moderne Nervosität, GS V 
S ' n ?'?.^'^'' ^'^ psychoanalytischen Bewegung. GS IV 

3^J —: Die Verdrängung. GS V & iv 

3.9) — : Das Unbewußte. GS V 

40) -: Vorlesungen ^ur Einführung in die Psychoanalyse. GS VII 

41) — : Trauer und Melancholie. GS V y ^o y n 

42) —i Jenseits des Lustprinzips. GS VI 

43) -* Massenpsychologie und Ich-Analyse. GS VI 

44) ^: Das Ich und das Es. GS VI 

45) — : Die infantile Genitalorganisation. GS V 
4^) -: Der Untergang des Ödipuskomplexes. GS V 

49) Graber: Aus der Analyse eines nachtwandelnden Knaben Päd IV to,. 

55 SaWa'^K ""' ^r^'^'""^ '" ^""''='''« Sexualität. 2 XIV ^928 
JJ Salomea Kempner: Beitrag zur Oralerotik. Z XI X92. 

J6) Melanie Klein: Die Rollenbildung im Kinderspiel. Z XV X929 



t 



^77 



.8 L?K T B^^f^^^^'^^örungen. In: PsA Volksbuch, Stuttgart 19.6 ' 

MarcuT p"T^ ^^nalyse einer Konverdonshysterie im Klimakteri«». Z XV x,., 
J9 Marcus: Psychische Beeinflussung der Menstruation. 2bl II loiz " 

XV ■;,tl'"'^ '"'"'' ^"' "^"^""^ ^-- States. Jol. Abnorm. Psych. 

6:) P-^epel.^ On the Physiology of Hysterical Aphonia and Mutism. I Journ PsA 
62) Pfister: Zur Psychologie des hysterischen Madonnenkultus. Zbl I x.ii 

'' ""^r^ ^:T"°'' '"^' ''''''^''- ""-'^ -' der"sch.angeren 
''^ """xm 1)1 ^^^'^'^"^^"^^'^ °f M"I''Pl= P— lity. Journ. Abnorm. Psych. 
SJ J*f ' ?.u' °^°'^°*°"<=he Prinzip der Technik. Z XII 1926 

ö! tt" r t'° '^"i"''' ^'^ '^'' ^'""°S 'l« ^"Wichen Ober-Ichs. Z XIV 1028 
2 i 'übe ^r\"',"\'" "^-^""^^ ""'^ ''" '^'^-"-hen Delirs. Zbl f xlx ' 

t : m ^^^-l^J'^bolische Verwertung des Kopfschmerzes. Zbl II ^,,, ' 
70 ^hild "■ f f "'ä^I" "-'J Mondsucht. Leipzig „nd Wien ,914 
70 Schilder: Psychogene Parästhesien. Dtsch. Z. f. Nervenhkd. 64. 1519 
7r N. Searl: Gefahrsituationen des unreifen Ich. Z XVI 19,0 

72) Starcke: Der Kastrationskomplex. Z VII 1921 

73) Stekel: Die Sprache des Traums. Wiesbaden io„ 

74) Vollrath: Anadyrskaja bolj. Z VII 192 1 

75) Weiß: Zum psychologischen Verständnis des Are de Cercle. Z X 1924 

76) Westerman-Holstijn: Retentio urinae. Z X 1924 ^ 

77) Wulff: Simulation oder Hysterie? Z II 1914 

Sonstige Kasuistik 

78) Bilz: Über einen Pall von Globus bei Magenneurose. Z XVI 19,0 

79 Bryan: Epmaxis in a Man Simulating Menstruation. I Journ PsA VII ,026 

80) Eiskn Eine unbewußte Schwangerschaftsphantasie bei einem Ma^ne unter dem 

Bilde einer traumatischen Hysterie. Z VI 1920 

81) Emerson: The Gase of Miss A. PsA. Rev I 1914 

8.) Ann^a^^Freud: Ein hysterisches Symptom bei einem 2Kiährigen Kinde. Image IX 

sÜ Frinf "if' ""'"?' 1"'' hysterischen Symptoms mittels Selbstanalyse. Z I lox, 
84) Fnnk:^ Report of a Case.of Psychogenetic Convulsiöns. New-York Med. Journ. 

lll ^ÜrT'' ^ ^r^u °^P^*"'J°-Epnepsia Hysterica. PsA. Rev. X 1923 
' rnrnl? V :::: ''^''''-''^ ^™ ^- «— ^^ emem vieri.hrl- 

m LZ''K^f'"^ ^r"^'" '" "^''^"^- P^P^" «'» P'A. London 1910 
^ Sterl'rXIV X9tr'''^^ '''''' Konversionshysterie im vorgeschrifteLn Lebens- 
89) Lampl: Ein Fall von entlehntem Schuldgefühl. Z XI 192. 

12 Fenichel, Hysterien und Zwangsneurosen 



178 



1 



92) Reich: Eine hysterische Psychose in statu nascendi. 2 XI 15,25 

9}) Saaier: Eine Hysterie-Analyie und ihre Lehren. 2bl III 1^13 

94)Sadger: Ein Fall von Pseudoepilepsia hysterica, psychoanalytisch aufgelöst. 

Kimische Rundschau 190^ 
95.) -: Ein merkwürdiger Fall von Nachtwandeln und Mondsucht. 2 IV 1916 

96) Starcke: Em emfacher Lach- und Weinkrampf. ZV 1919 

97) ^l'^'^'^''^^^^^ Brain Tremor. New York Med. Journ. 60, r,,, 

98) Wholey: A Gase of Multiple Personality. PsA. Rev. XIII 1928 

IL Kap.: Angsthysterie 

99) Abraham: Zur Psychogenese der Straßenangst im Kindesaker. 2 I 191, 
" 7erkeS'f f Nachwirkungen der Beobachtung des elterlichen Geschlechts^ 

Verkehrs bei einem neunjährigen Kinde. Z I 1913 
loi) -: über eine konstitutionelle Grundlage der lokomotorischen Angst. Z II i<,x4 
102) -. Bemerkungen zu Ferenczis Mitteilung über Sonntagsneurosen Z V 191/ 

Nr. 9s) xoo) loi) 10.) enthalten auch in: Abraham, KlinisAe BeMge zur Psychoanalyse. I. ftA. V. ,;,„ 
103 -: Belauschung des elterlichen Geschlechtsverkehrs. Päd IH 102g 
104) Alexander: Zur Theorie der Zwangsneurose und Phobie. Z 3ail 1927 
105, -: Psychoanalyse der Gesamtpersönlichkeit. I. PsA. V 1927 

ro7 Iw 7 ™t "tf "^= ""^ Entropiesatz «>d der Todestrieb. Imago XVI X930 

107 Blum: Zur Psychologie von Studium und Examen. Z XII 1926 

loS; Mary Chadwick: Menstruationsangst. Päd V 1931 

109) Helene Deutsch: Zur Genese der Platzangst. Z XIV 1928 

HO -: IL Teil: Phobie in: Psychoanalyse der Neurosen. I. PsA. V. 19,0 

III) Feigenbaum: An Introduction to the Study of Psychoanalytic Diagnosis. 

^ V ?', 'I °^ ' ^''' °^ Gamophobia. PsA. Rev. XVII 1930 
19) Fenichel: über organlibidinöse Begleiterscheinungen der Triebabwehr. Z XIV 1928 
112; —. Zur Angst vor dem Gefressenwerden. Z XIV 1928 
113) Ferenczi: Spektrophobie. Z III 1915 

'"^ "aLat^rr^PsA. v:^.;!^ ^-^^ '- '---' ^— ^- - ^-^°- 

üS l''''f--^'f^''J'^ 'J« Unbewußten zur Funktion der Bogengänge. Z XVI 1930 
1x6) Freud: Analyse der Phobie eines fünfjährigen Knaben. GS VIII ^^ 

117; — : Totem und Tabu. GSX 

38) —: Die Verdrängung. GS V 

39) — : Das Unbewußte. GS V 

40) -: Vorlesungen zur Einführung in die Psychoanalyse. GS VII 

11»; —: Aus der Geschichte einer infantilen Neurose. GS VII 

119) —: Wege der psychoanalytischen Therapie. GS VI 
48) — : Hemmung, Symptom und Angst. GS XI 

120) ^J^dj|>°^^Beitrag zum Verständnis der Einschlafstörungen der Kinder. Wiener 

T»! Z' ^.1^"^^, P^y'=l'°'^^»^°'« der Kinder. Ztschr. f. Kinderhkde. 192. 
» R-ri^' '^'T Komponente der frühkindüchen Todesangst. Z XVI 1930 
123; Hitschmann: Kinderangst und Onanieentwöhnung. Zbl III 191, 

ITs) ~'^mc''BlJt°^°''-i ''''l^'^ ^°"'"^- '''■■ P*P-* «f p'a. London X9.X 
"j; . Die Beziehung zwischen Angstneurose und Angsthysterie. ZI191J 



1/9 

126) Jones: AngstafFekt und Geburtsakt. 2 IX 1923 

127) Miller: The Analysis of Agora-Claustrophobla. Brit, Journ. of Medic. Fsychol. 

X 1950 

128) „Von einer Mutter": Die Entstehung des Pavor nocturnus bei einem Kinde. 

Päd I 1927 

129) Roheim: Das Selbst. Imago VII 1921 

130) Sadger: Über Prüfungsangst und Prüfungsträume, 2 VI 1920 

131) Seif: Zur Psychopathologie der Angst. 2 I 1913 

132) Spitz: Angstaffekt und Bedürfnisspannung. 2 XVI 1930 

133) Stekel: Nervöse Angstzustände und ihre Behandlung 

134) Stern: Night Terrors. New York Med Journ. 60, 191^ 

135) Wulff: 2ur Psychologie der Syphilophobie. 2bl III 1913 

Sonstige Kasuistik 

136) Binswanger: Analyse einer hysterischen Phobie. Jb III 1911 
i37)Berta Bornstein: Phobie eines 2 K jährigen Kindes. 2XVni93i 
138) Cohn: Analyse eines Falles von Straßenangst. 2 XIV 1928 

135») Culler: A Phobie Gase. Brit, Journ. of Medic. Psychol. X 1930 

140) Federn: Ein Fall von Pavor nocturnus mit subjektiven Lichterscheinungen. 

211913 

141) Ferenczi: Ein kleiner Hahnemann. 2I1913 

142) Friedjung: Ein Beispiel einer kindlichen Phobie. 2blIIi9ia 

143) Graven: A Gase of Smoke Phobia. PsA. Rev. XII 1925 

144) Hirsch: Eine Feuerphobie als Folge unterdrückter Onanie. Päd II 1928 
14 j) Jones: A Simple Phobia. In: Papers of PsA, London 191 1 

146) Landauer: Analyse der Phobie eines achtjährigen Mädchens. Päd I 1927 

147) Levy-Suhl: Phobie eines zweijährigen Kindes. Päd II 1927 

148) Ada Müller Braunschweig: Ein Fall von Schattenangst und Fragezwang. Päd IV 

1930 

149) Oberndorf: Analysis of a Glaustrophobia. Med. Record 1928 
ijo) Prince: Die Psychopathologie eines Falles von Phobie. 2I1913 

151) Putnam: A Clinic Study of a Gase of Phobia. Journ. Abnorm. Psych. VII 191z 

152) Reik: Zur lokomotorischen Angst. 2 II 1914 

1^3) Sadger: 2um Verständnis infantiler Angstzustände. 2III1915 
154) Sabine Spielrein: Tiersymbolik und Phobie bei einem Knaben. 2 II 19 14 
1 5 j) —: Schnellanalyse einer kindlichen Phobie. Z VII 1921 

15^) Wohlgemuth: The „Synthesis« of an Anxiety Neurosis. Brit. Journ. of Med. 
Psych. V 1925 

157) Wulff: Phobie bei einem anderthalbjährigen Kinde. 2 XIII 1927 

III. Kap.: Hysteriforme Krankheiten 

158) Abraham: Über ejaculatio praecox. 2 IV 1916. Auch in: Abraham, Klinische 

Beiträge zur Psychoanalyse. LPsA. V. 1921 
IJ9) ~: Äußerungsformen des weiblichen Kastrationskomplexes. ZVII1921 
160) Aichhorn: Psychoanalytisches Verständnis und Erziehung Dissozialer. In: Das 

PsA Volksbuch, Stuttgart 1927 
i^i) Bernfeld: Zur Psychologie des Unmusikalischen. Arch. f. d. ges. Psych. 34 



i8o 



j6z) Berta Bornstein: Zur Psychogenese der Pseudodebilitat, 2 XVI 1930 

163) — : Beziehungen zwischen Sexual- und Intellektentwicklung. Päd IV 1930 

164) Brill: Unconscious Insight. Some of its Manifestations. I Journ PsA X 1929 
1^5) Burrow: Die psychologische Analyse der sogenannten Neurasthenie. 2I1913 

166) Edith Buxbaum: Über schwierige, insbesondere faule Schüler. Päd IV 1930 

167) Bychowski: Schwierigkeiten in der Schule und ihre Psychotherapie. Päd IV 1930 

165) ChristofFel: Psychoanalyse und Medizin in ihren Beziehungen zur Angstneurose. 

2 XVII 193 1 

169) Clark: Psychologische Studien über Natur und Pathogenese der Epilepsie. 

2 III 1915 

170) Dane: Notes on Psychoanalysis of War Neuroses. I Journ PsA VIII 1927 

171) F. Deutsch: Psychoanalyse und Organkrankheiten. 2 VIII 1922 

172) —: Der gesunde und der kranke Körper in psychoanalytischer Betrachtung, 

2 XII 1926 

173) Helene Deutsch: 2ur Psychologie der weibhchen Sexualfunktionen. I. PsA. V 

192J 

174) — : Der feminine Masochismus und seine Beziehungen zur Frigidität. 2 XVI 1930 

175) Eder: War Shock. The Psychoneuroses in War. London 1917 

176) Emerson: The Psychoanalytic Treatment of Hystero-Epilepsia. Journ. Abnorm. 

Psych. X 191 5 

177) Federn: Einige Variationen des Ichgefühls. 2 XII 1926 

178) — : Das Ich als Subjekt und Objekt im NarzilSmus. 2 XV 1929 

179) — : The Neurasthenie Gore in Hysteria. Med. Rev. of Rev. Psychopath. Numb 

1930 

180) —: Psychoanalytische Auffassung der „intellektuellen Hemmung". Päd IV 1930 

181) Federn und Meng: Funktionelle Störungen des Geschlechtsaktes. In: Das PsA 

Volksbuch, Stuttgart 1927 
16) Feldmann: Über Erröten. 2 VIII 1922 

18) Fenichel: Die Identifizierung. 2 XII 1926 

19) —: Über organlibidinöse Begleiterscheinungen der Triebabwehr, 2 XIV 1928 

182) — ; Über respiratorische Introjektion. 2XVII1931 

183) Ferenczi: Analytische Deutung und Behandlung der psychosexuellen Impotenz 

des Mannes. Psych.-neur. Wochschr. 1908. Auch in: Ferenczi, Bausteine zur 
Psychoanalyse. Bd. IL L PsA. V. 1927 

184) — ; Über zwei Typen der Kriegsneurose. 2 IV 1916 

18 j) -: Denken und Muskelinnervation. 2 V 1919. Auch in: Ferenczi, Bausteine zur 

Psychoanalyse. Bd. L L PsA. V. 1927 
24) — i Hysterie und Pathoneurosen, L PsA. V. 1919 

18^) — : Organneurosen und ihre Behandlung. In: Das PsA Volksbuch, Stuttgart 1927 
187) — : Aus der Kindheit eines Proletariermädchens. Päd III 1929 
1S8) Ferenczi und Holl6s: 2ur Psychoanalyse der paralytischen Geistesstörung. L PsA. 
V. 1922 

189) Feßler: Psychogene Potenzstörungen nach urologischen Operationen. 2 XVII 193 1 

190) Freud: Über die Berechtigung, von der Neurasthenie einen bestimmten Sym- 

ptomenkomplex als „Angstneurose" abzutrennen. GSI 

191) — : 2ur Kritik der „Angstneurose". GSI 

T92) — : Die SexuaHtät in der Ätiologie der Neurosen. GSI 
30) — : Drei Abhandlungen zur Sexualtheorie. GSY 



i8i 

32) Freud: Meine Ansichten über die Sexualität in der Ätiologie der Neurosen. GS V 

193) — : Über neurotische Erkrankungstypen. GS V 

194) —' 2:ur Einführung des Narzißmus. GS VI 
19s) — : Triebe und Triebschicksale. GS V 

38) —: Die Verdrängung. GS V 
$9) — : Das Unbewußte. GS V 

196) — : Die am Erfolge scheitern. GSX 

197) — : Die Verbrecher aus Schuldbewußtsein. GSX ' 

198) — : Eine Beziehung zwischen einem Symbol und einem Symptom. GS V 
40) — : Vorlesungen zur Einführung in die Psychoanalyse. GS VII 

199) — : „Ein Kind wird geschlagen". GS V 

200) — : Einleitung zu „Zur Psychoanalyse der Kriegsneurosen". GS XI 
42) — : Jenseits des Lustprinzips. GS VI 

44) — -: Das Ich und das Es. GS VI , 

201) — : Neurose und Psychose. GS V 

202) — : Das ökonomische Problem des Masochismus. GS V 
48) —: Hemmung, Symptom und Angst. GS XI 

203) — : Dostojewski und die Vatertötung. In: Almanach der Psychoanalyse 1930, 

I. PsA. V. 1930 

204) Else Fuchs: Verweigerte Nahrungsaufnahme. Päd IV 1930 

205) Groddeck: Über die Psychoanalyse des Organischen im Menschen. ZVII1921 
20^) Hermann: Beiträge zur Psychogen ese der zeichnerischen Begabung. Imago VIII 

1922 

207) — ; Organlibido und Begabung. 2 IX 1923 

208) — : Die 'Begabung im Lichte der Psychoanalyse. Päd I 1926 

209) — : Begabtheit und Unbegabtheit. Päd IV 1930 

210) Hollos: Von den Pathoneurosen zur Pathologie der Neurosen. 2 IX 1923 

211) Jacoby: Muß es Unmusikalische geben? Vdd I 192^ 

212) Joki: 2ur Psychogenese des Schreibkrampfes. 2 VIII 1922 

125) Jones: Die Beziehung zwischen Angstneurose und Angsthysterie. 2 I 1913 

213) Melanie Klein: 2ur Frühanalyse. Imago IX 1923 

214) — : Die Rolle der Schule in der libidinösen Entwicklung des Kindes. 2 IX 1923 
56) — : Die Rollenbildung im Kinderspiel. 2 XV 1929 

215) Kulovesi: 2ur Entstehung des Tics. 2 XV 1929 

2x6) Laforgue: Die Mechanismen der Selbstbestrafung und ihr Einfluß auf den 
Charakter des Kindes. Päd IV 1930 

217) A. Lampl-de Groot: 2ur Entwicklungsgeschichte des Ödipuskomplexes der Frau. 

2 XIII 1927 

218) Landauer: Die symptomatische Neurasthenie. 2. f. d. ges. Neur. u. Psych. XIV 

1929 

219) — : 2ur psychosexuellen Genese der Dummheit. 2, f. Sexw. 1929 

220) Ruth Mack-Brunswick: Ein Nachtrag zur Freuds Geschichte einer infantilen 

Neurose. 2 XV 1929 

221) Maeder: Sexualität und Epilepsie. Jb I 1909 

222) Meng: Angstneurose und Sexualleben. D. Arzt. 2tg. IV 1929 

223) Oberndorf: Traumatic Hysteria. New York Med. Journ. 5^, 1917 

224) „Die Onanie". Diskussion der Wiener Psychoanalytischen Vereinigung, Wies- 

baden 19 12 



l82 

Z2s) Pfister: Die verschiedene Psychogenkät der Kriegsneurosen. 2 V 1919 
226) Radö: Eine besondere Äußerungsform der Kastrationsangst. Z V 1919 
65) — : Das ökonomische Prinzip der Technik. 2X11 1^26 
zzj) Reede: Con Version Epüepsy. PsA. Rev. IX 1922 

228) Reich: Trieb- und Libidobegriife von Forel bis Jung. 2. f. Sexw. IX 1922 

229) — : Über Spezifität der Onanieformen. 2 VIII 1922 

230) — : 2ur Triebenergetik. 2. f. Sexw. X 1923 

231) — : Über Genitalität. 2 X 1924 

232) — : Weitere Bemerkungen über di^ therapeutische Bedeutung der Genitallibido. 

2 XI 1925 

233) —: Über die chronische hypochondrische Neurasthenie mit genitaler Asthenie 

2 XII 1926 
^34) —* Die Funktion des Orgasmus. I. PsA. V. X927 
^'i^) —' Über Charakteranalyse. 2 XIV 1928 

236) — : Der genitale und der neurotische Charakter. 2 XV 1929 

237) Reik: Drei psychoanalytische Notizen. Imago XII 1926 

238) —^i Der Schrecken. L PsA. V. 1929 

^39) Riggall: Psycho-Sexual Impotence. Med. Press and Circ. 1920 

240) Sadger: 2ur sexuellen Anästhesie des Weibes. Fortschr. d. Med. 1914 

241) Saussure: 2ur psychoanalytischen Auffassung der Intelligenz. Imago XII i^2(5 

242) Schilder: Die Angstneurose. Wiener Med. Woch. 1923 

243) — : Das Körperschema. Berlin 1923 

244) — : 2ur Lehre von der Hypochondrie. Monatsschr. f. Psych, u, Neur. 5Ö, 1924 

245) — : Entwurf zu einer Psychiatrie auf psychoanalytischer Grundlage. I.* PsA, 

V. 1925 

24^) — ; 2ur Psychologie der progressiven Paralyse. 2eitschr. f. d. ges. Neur. u. 
Psych. 9j, 1925 

247) — : The Neurasthenic-Hypochondriac Character. Med. Rev. of Rev. Psycho- 

path. Numb. 1930 

248) Wera Schmidt: Die Entwicklung des Wißtriebes bei einem Kinde. Imago XVI 1930 

249) Schultz-Hencke: 2ur Diskussion der Organneurosen. Nervenarzt I, 11 

250) Sinmiel: Kriegsneurosen und psychische Traumata. München u. Leipzig 191 8 

251) —: Die psychophysische Bedeutsamkeit des Intestinalorgans für die Urverdrän- 

gung, Vortrag a. d. VIIL Internat, ps.-a. Kongreß, Autoref. 2 X 1924 

252) — : Doktorspiel, Kranksein und Arztberuf. 2 XII 1926 

253) Staudacher: Heilung eines Falles von Kriegsneurose. 2 XIV 1928 

254) Steiner: Die psychischen Störungen der männlichen Potenz. Wien u. Leipzig 1913 

255) — : Die Bedeutung der femininen Identifizierung für die männliche Potenz. 

2 XVI 1930 
2s6) Stekel: Die psychische Behandlung der Epilepsie. 2bl I 191 1 
2J7) — : Die Impotenz des Mannes. 

258) — : Die Geschlechtskälte der Frau. 

259) Alfhild Tamm: Die angeborene Wortblindheit und verwandte Störungen bei 

Kindern. Päd I 1927 
2^0) — : Kurze Analysen von Schülern mit Lese- und Schreibstörungen. Päd III 1929 

261) Tausk: Bemerkungen zu Abrahams Aufsatz über Ejaculatio praecox, 2 IV 1917 

262) — : Der Beeinflussungsapparat in der Schizophrenie. 2 V 1919 

263) Wyrubow: 2ur Frage der Genese und Therapie der Angstneurosc. 2bl III 1912 



1 



i83 

264) Zulliger: Psychoanalytische Erfahrungen aus der Volksschulpraxis. Bern 1921 
16$) — ; Aus dem unbewußten Seelenleben unserer Schuljugend. Bern 1^23 
266) — : Gelöste Fesseln. Dresden 1926 
2$y) — : Versager in der Schule. Päd IV 1930 

268) Zur Psychoanalyse der Kriegsneurosen (Freud, Ferenczi, Abraham, Simmel, 
Jones). I. PsA, V. 1919 

Sonstige Kasuistik 

Z69) Therese Benedek: Aus der Analyse eines Falles von Erythrophobie. 2 XI 1925 

270) Benni: Ein Fall von Intestinalneurose. Zbl II 19 12 

271) Bowman: Analysis of a Gase of War Neurosis. PsA. Rev. VII 1920 

272) Eisler; Ein Fall von krankhafter Schamsucht. Z V 1919 

273) Flügel: A Gase of Affective Inhibition of an Intellectual Process. I Journ PsA 

IV 1923 

274) Hedwig Just-Keri; Lernhemmungen in der Schule. Päd IV 1930 

275) Luzenberger: Psychoanalyse in einem Falle von Errötungsangs t. Zbl I 1911 

276) Marcinowski: Eine kleine Kriegsneurose, Z III 191 5 

277) Menninger: Psychoanalytic Study of a Gase of Organic Epilepsy. PsA. Rev, 

XIII 1926 

278) Read: A Study of Two Epileptoid Gases in Soldiers. Journ. Abnorm. Psych. 

XIII 1928 

279) Rickman: Ein psychologischer Faktor in der Ätiologie von Descensus Uteri, 

Dammbruch und Vaginismus. Z XII 1926 

280) Sadger: Deutung und Heilung paranoider Zustände bei einem Falle von trauma- 

tischer- Neurose. Neue ärztl, Zentralztg, 1919 

281) Schilder: Über eine Psychose nach Staroperation. Z VIII 1922 

282) Melitta Schmideberg: Intellektuelle Hemmung und Aggression. Päd IV 1930 

283) Stekel: Ein Fall von Schreibstottern. Zbl I 191 1 

284) Tannenbaum: Über einen durch Analyse geheilten Fall von Dyspareunie. 

Zbl IV 1914 
28^) Westerman-Holstijn: Aus der Analyse einer Patientin mit Akzessoriuskrampf. 

Z VIT 1921 
zB6) Zulliger: Hintergründe einer orthographischen Hemmung. Päd IV 1930 

IV. Kap.: Zwangsneurose 

287) Abraham: Über ein kompliziertes Zeremoniell neurotischer Frauen, Zbl II 1912 

288) — ; Zur narzißtischen Bewertung der Exkretions Vorgänge in Traum und Neurose. 

Z VI 1920 

Nr. 287) u. 288) audi in: Abraham» Klinisdie Beiträge zur Psydioanalyse. I. PsA. V. 192 1. 
2) — : Versuch einer Entwicklungsgeschichte der Libido. I. PsA. V. 1924 

289) —: Psychoanalytische Studien zur Charakterbildung, I. PsA, V. 1924 

290) Achelis: Das Plattenlaufen. V'id III 1929 

4) Alexander: Kastrationskomplex und Charakter, Z VIII 1922 

291) — : Über Traumpaare und Traumreihen, Z XI 1925 

104) — : Zur Theorie der Zwangsneurose und Phobie, Z XIII 1927 

105) — : Psychoanalyse der Gesamtpersönlichkeit, I, PsA, V. 1927 



1^4 

iSz) Berta Bornstein: Zur Psychogenese der Pseudodebilität. 2 XVI 1^30 
137) — : Phobie eines 2 J^ jährigen Kindes. 2 XVII 193 1 

292) Helene Deutsch: III. Teil: Zwangsneurose, In: Psychoanalyse der Neurosen. 

I. PsA. V. 1929 

293) Federn: Über einen alltäglichen 2wang. 2 XV 1929 

294) Fenichel: Zur Klinik des Strafbedürfnisses. Z XI 1925 

295) — : Zur Isolierung, Z XIV 1928 

19) — : Über organlibidinöse Begleiterscheinungen der Triebabwehr. 2 XIV 1928 

296) — : Zur prägenitalen Vorgeschichte des Ödipuskomplexes. Z XVI 1930 

297) Ferenczi: Über obszöne Worte. Zbl I 1911 

298) — : Zwangsneurose und Frömmigkeit. 2 II 1914 

Nr. 297) u. 298) audi in: Ferenczi, Bausteine zur Psydioanalyse. Bd. I u. H. I. PsA. V, 1927 

299) — : Waschzwang und Masturbation. 2 VIII 1922 

300) Flügel: A Note on the Phallic Significance of the Tongue and of Speech. I Journ, 

PsA VI X92y 
27) Freud; 2ur Ätiologie der Hysterie. GS I . . ■ 

30) — : Drei Abhandlungen zur Sexualtheorie. GS V " 

301) — : 2wangshandlungen und Religionsübungen. GS X 

302) — : Charakter und Analerotik. GS V 

303) — : Bemerkungen über einen Fall von 2wangsneurose. GS VIII 

304) — : Beiträge zur Psychologie des Liebeslebens. GS V _^ 

117) — : Totem und Tabu. GS X ^ 

305) — : Die /Disposition zur 2wangsneurose. GS V 
195) — : Triebe und Triebschicksale. GS V 

197) — : Die Verbrecher aus Schuldbewußtsein. GS X 

30^) — : Über Triebumsetzungen insbesondere der Analerotik. GS V 

307) — : Mythologische Parallele zu einer plastischen Zwangsvorstellung, GS X 
40) — : Vorlesungen zur Einführung in die Psychoanalyse. GS VII 

118) — : Aus der Geschichte einer infantilen Neurose. GS VIII 
44) -^i Das Ich und das Es. GS VI 

zoz) — : Das ökonomische Problem des Masochismus. GS V 
47) — : Einige psychische Folgen des anatomischen Geschlechtsunterschiedes. GS XI 
40) — : Hemmung, Symptom und Angst. GS XI 

308) — : Das Unbehagen in der Kultur. I. PsA. V. 1930 

309) Graber: Redehemmung und Analerotik. P'id II 1928 

310) --: Über neurotische Typisierung. Vortrag i. d. Deutschen PsA Ges. 19,0 

311) Clara Happeh Onanieersatzbildungen. 2 IX 1923 

' 312) Hirnik: Schicksale des Narzißmus bei Mann und Frau. 2 IX 1923 

313) --: Der 2ählzwang und seine Bedeutung für die Psychologie der 2ahlenvorstel- 

lung. Vortrag a. d. VIIL Int. PsA Kongreß. Autoref. 2 X 1924 

314) --: Die triebhaft-affektiven Momente im 2eitgefühl. Imago XI 1925 

315) Hermann: Die 2wangsneurose und ein historisches Moment in der Über-Ich- 

bildung. 2 XV 1929 

316) Hitschmann: Urethralerotik und 2wangsneurose. 2 VI 1920 

317) Jones: Unbewußte 2ahlenbehandlung. 2bl 11 191 2 

318) — : Haß- und Analerotik in der 2wangsneurose. 2 I 1913 

3W — : Über analerotische Charakterzüge. 2 V 1919 ' * 

320) — : Die Theprie der Symbolik. 2 V i^r^ 



i85 

321) Jones: Essays in applied Psycho- Analysis. 1523 

322) Landauer: Automatismen, Zwangsneurose und Paranoia. 2 XIII 1^27 

323) Meng: Zwangsneurose und ihre Behandlung. In: Das PsA Volksbuch, Stuttgart 

1927 

324) Nunberg: Schuldgefühl und Strafbedürfnis. Z XII 192^ 
32j) Odier: Geld und Neurose, Referat: PsA Bewegung III 1931 

326) Rad6: Die psychischen Wirkungen der Rauschgifte. Z XII 1926 

327) — : Eine ängstliche Mutter. Z XIII 1927 

328) — : Das Problem der Melancholie. Z XIII 1927 

233) Reich: Über die chronische hypochondrische Neurasthenie mit genitaler Asthenie. 
Z XII 1926 

329) Reik: Eine typische Zwangsbefürchtung. Z II 19 14 

330) — : Das Ritual. L PsA. V. 1919 

331) — : Der eigene und der fremde Gott. I. PsA. V. 1920 

332) — : Geständniszwang und Straf bedürfnis. I. PsA. V. 1925 

333) —: Endphasen des religiösen und des zwangsneurotischen Glaubens. Imago 

XVI 1930 

334) Rorschach: Zum Thema; Uhr und Zeit im Leben der Neurotiker. Zbl 11 1912 

335) Schilder: Zur Kenntnis der Zwangsantriebe. Ztschr. f. d. ges. Neur. u. Psych. 65, 

1921 
33^) Schultz-Hencke: Einführung in die Psychoanalyse. Jena 1927 

337) Simmel: Zum Problem von Zwang und Sucht. Ber. ü. d. V. Allg. Ärztl. Kongr. 

f. Psychotherapie 1930 
72) Stärcke: Der Kastrationskomplex. Z VII 1921 

338) Stekel: Die Beziehungen des Neurotikers zur Zeit. Zbl II 1912 

339) Stern: Compulsion Neurosis. New York Med. Journ. 100 1914 

340) Tausk: Über eine besondere Form von Zwangsphantasien. Z IV 1916 

341) Witteis: Verdrängung und Zwangsideen in der Kindheit. Päd II 1928 
157) Wulff: Phobie bei einem anderthalbjährigen Kinde. Z XVI 1927 

Sonstige Kasuistik 

342) Eder: A Gase of Obsession and Hysteria treated by the Freud Psychoanalytic 

Method. Brit. Med. Journal 191 1 

343) Eisler: Analyse eines Zwangssymptoms. Z VIII 1922 

344) Fenichel: Infantile Vorstufe eines „affektlosen Trotzes". Z XI 192^ 

345) Ferenczi: Symmetrischer Berührungszwang. Z IV 1916 

34^) Frink: A Psychoanalytic Study of a Severe Gase of Gompulsion Neurosis. 
PsA. Rev. IV 1917. 

347) Furrer: Trotzneurose eines fünfzehnjährigen Mädchens. Päd I 1926 

348) Hitschmann: Gesteigertes Triebleben und Zwangsneurose bei einem Kinde. 

Z I 1913 

349) — : Ein Fall von Zwangsbefürchtung vom Tode des gleichgeschlechtlichen Eltern- 

teiles. Z III 191 5 

350) Jones: Einige Fälle von Zwangsneurose. Jb IV u. V 1912 u. 1913 

' 351) Lotte Kirschner: Aus der Analyse einer zwangsneurotischen Arbeitshemmune. 
Z XIV 1928 ^ 

352) Landauer: Gedanken bei Analyse einer Folie du doute. Z XI 1925 
}S}) Lehrman: A Compulsion Neurosis in a Chüd. Arch. Neur. and ?s. IV 1915 



1 



i%6 

91) Liepmanni Deutung und Heilung einer Zwangsneurose und einer hysterischen 

Neurose durch Psychoanalyse. Z XIII 1927 
354) Nepallek: Analyse einer scheinbar sinnlosen infantilen Obsession. 2bl I 191 1 
555) Reich: Kindliche Tagträume einer späteren Zwangsneurose. 2 VII 1^21 

356) Riklin: Aus der Analyse einer Zwangsneurose. Jb II 1910 

357) Eugenia Sokolnicka: Analyse einer infantilen Zwangsneurose. 2 VI 1920 

358) Stekel: Über ein Zeremoniell vor dem Schlafengehen. Zbl II 19 12 
3J9) Sterba: Eine 2wangshandlung aus der Latenzzeit. Päd II 1928 

V, Kap.: Prägenitale Konversionsneurosen 

360) Abraham: Beitrag zur Tic-Diskussion. Z VII 1921 

361) Achelis: Das Stottern, Päd III 1929 

362) Bryan: A Note on the Tongue. I journ PsA III 1922 

363) — : Speech and Castration. I Journ PsA VI 1925 

364) Mary Chadwick: Die Unterscheidung zwischen Ton und Sprache in der frühen 

Kindheit. Päd II 1928 

365) Coriat: Ein Typus von anal erotischem Widerstand. Z XII 192^ 

366) — : Stammering as a Psychoneurosis. Journ. Abnorm. Psych. IX 1914 

367) — : The Oral-Erotic Components of Stammering. I Journ PsA VIII 1927 

368) — : Stammering. New York a. Washington 1928 

369) — : Die Verhütung dt$ Stotterns. Päd II 1928 

370) — : The Oral Libido in Language Formation. I Journ PsA X 1929 

371) Daly: Hindu-Mythologie und Kastrationskomplex. Imago XIII 1927 

372) — : Der Menstruationskomplex, Imago XIV 1928 

373) Helene Deutsch: Zur Psychogenese eines Tic-Falles. Z XI 1925 

374) Eder: Das Stottern — eine Psychoneurose und seine Behandlung durch die 

Psychoanalyse, Z I 191 3 
19) Fenichel: Über organlibidinöse Begleiterscheinungen der Triebabwehr. Z XIV 1928 
112) —: Zur Angst vor dem Gefressen werden, Z XIV 1928 
1S2) — : über respiratorische Introjektion. 2 XVII 193 1 
297) Ferenczi: Über obszöne Worte. Zbl I 1911 

375) —: Entwicklungsstufen des Wirklichkeitssinnes. ZI 191 3 
}/6) — : Der Flatus, ein Vorrecht der Erwachsenen. ZI1913 

23) — : Psychogene Anomalien der Stimmlage. Z III 191 5 

377) — : Psychoanalytische Betrachtungen über den Tic. Z VII 1 921 

Nr. Z97) i7S) 37^) 23) 377) audi in : Ferenczi, Bausteine zur Psydioanalyse. Bd. I u. II. I. PsA. V. 1927 

378) — : Tic-Diskussion. 2VII1921 

379) Flügel: Some Unconscious Factors in the International Language Movement. 

I Journ PsA VI 1925 
300) — : A Note of the Phallic Significance of the Tongue and of Speech, I Journ PsA 

VI 1925 
115) French: Beziehungen des Unbewußten zur Funktion der Bogengänge. 2 XIV 1928 
194) Freud: 2ur Einführung des Narzißmus. GS VI 
118) — : Aus der Geschichte einer infantilen Neurose. GS VIII 
48) — : Hemmung, Symptom und Angst. GS XI "* 

308) ~: Das Unbehagen in der Kultur. L PsA. V. 1930 

309) Graber: Redehemmung und Analerotik. Päd II 1928 • • 



18/ 

122) Hdmik: Über eine Komponente der frühkindlichen Todesangst 2 XVI 1930 
381) Hermann: Sinnesmodalitäten und Denkformen. Imago XV 192^ 
^l^l ^Tr ^^' körperlich-seelische Zusammenwirken in den Lebensvorgängen. 1925 
385; Holl6s: Die Phasen des Selbstbewußtseinsaktes. 2V1919 

384) Jones: Die Empfängnis der Jungfrau Maria durch das Ohr. Jb VI 19 14 

321) — : Essays in applied Psycho-Analysis. London 1923 

385) Melanie Klein: Zur Genese des Tics. 2 XI 1925 

386) Vilma Kovdcs: Analyse eines Falles von Tic convulsif. Z XI 1925 

387) Kulovesi: Zur Entstehung des Tics. 2 XV 1929 

322) Landauer: Automatismen, 2wangsneurose und Paranoia. 2X1111927 

388) Lewin: Kotschmieren, Menses und weibliches Überich. 2 XVI 1930 

389) Marcinowski: Die Heilung eines schweren Falles von Asthma durch Psycho- 

analyse. Jb V1913 

390) Ada Müller-Braunschweig: 2ur Psychoanalyse des stotternden Kindes. Neue 

Erziehung X 1928 

391) Oberndorf: Simple Tic Mechanisms. Journ. Amer. Med. Assoc. 191^ 

392) —i Submucous Resection as a Castration Symbol I Journ PsA X 1929 
39}) Ophmjsen: Tic-Diskussion. 2 VII 192 1 

394) Rank: Der Doppelgänger. Imago III 1914 

395) — : Psychoanalytische Beiträge zur Mythenforschung. I. PsA. V. 1919 

396) Reich: Der psychogene Tic als Onanieäquivalent. 2. f. Sexw. XI 1925 

233) -: Über die chronische hypochondrische Neurasthenie mit genitaler Asthenie. 

2 XII 1926 

234) -™: Die Funktion des Orgasmus. I. PsA, V. 1927 
129) R6hein>: Das Selbst. Imago VII 1921 

397) Sadger: Ist das Asthma bronchiale eine Sexualneurose? 2bl I 191 1 

398) — : Ein Beitrag zum Verständnis des Tic. 2111914 

399) Schneider: Über das Stottern. Bern 1922 

400) — : Über den Sinn des Stotterns. Päd II 1928 

401) Sabine Spielrein: 2ur Frage der Entstehung und Entwicklung der Lautsprache. 

Autoref. 2 VI 1920 

402) ^: Die Entstehung der kindlichen Worte Papa und Mama. Imago VIII 1922 

403) A Stegmann: Ergebnisse der psychischen Behandlung einiger Fälle von Asthma. 

Zbl I 191 1 

404) Suter: Die Beziehungen zwischen Aufmerksamkeit und Atem. Arch f d ees 

Psych. 1925 • • ö • 

405) Alfhild Tamm: Zwei Fälle von Stottern. Päd 11 1928 

40^) Weiß: Analyse eines Falles von nervösem Asthma. Z VIII 1922 

407) Wulff: Zur Psychogeneität des Asthma bronchiale. Zbl III 1913 

Sonstige Kasuistik 

408) Dattner: Eine psychoanalytische Studie an einem Stotterer. Zbl II 1912 

409) Meng: Aus Analysen von stotternden Kindern. Päd II 1928 

410) M. N. Searl: Ein Fall von Stottern bei einem Kind. 2. XIII 1927 

411) Melitta Schmideberg: Einige Bemerkungen zu dem von Ella Terry beschriebenen 

Fall. Päd V 193 1 

412) Ella Terry: Stottern und Stehlen. PädVi93i 



Regist 



er 



Abasie 85 

Aberglaube 107 f, 139 f 

Abhängigkeiten des Ichs 131 

Abraham 35, 38,. 39, 52, 83, 85, 
97, 106, 117, 146, 148, 169 
170, 175, 178, 179, 183, 186 

Abreaktion 14 

Abßence 35 

Absolution 137 

Absolutionsbedürfnis 137 

Absurditäten im Grübelzwang 
lö2, 143 

Abusus, sexueller 67 

Abwehr-formeln 134, 140 f, 143: 
-kämpf, sekundärer 118 f, 134, 
140 f; -methoden der Zwangs- 
neurose 107, 118 ff, 127, 149: 
und Befriedigung im Symptom 

Achelis 183, 186 
Ätiologie, allgemeine der Neu- 
rosen 8 f ; gleicher ä. Anspruch 

Affekt 43 f; -bewegungen 171* 
eingeklemmter 14; -leere der 
Zwangsneurotiker 102, 123, 
127, 140 ' 

Aggression nach außen und 
l^J^Pr.^ ^^^ ffj -shemmungen 
78f, 87; und Sexualität 55 f 
Agnoszierhemmungen 92 
Agoraphobie 50 ff 
Aichhorn 91, 179 
Aktualneurosen 60, 62 f, 65 ff, 
69 f; Indikation und Prognose 
69 f ; und Psychoneurosen 69 
Akustische Uiszene 172 
Alexander 54, 56, 112, 124, 127, 
128, 132, 134,^175,' 178 183 
Allemsem, Angst vor 41, 44, 50 
Allmacht der Erwachsenen 145; 
der Exkretion 146; der Gedan- 
ken 108, 124, 133 f, 144 ff; der 
Wörter 143 f, 156,' 159 ' 
AUoplastik 27 

Ambivalenz 47, 53 f, 110, 117, 
132 ff, 141f;i45, isO, 162 * 
Amnesie 15, 18 

Analcharakter 106, 14S, 157, 169 
A^alj Angst Ulf; Fixierung 
114 ff; Intro jektion 66; Kastra- 
tion Ulf; Perzeption der 
Genitalität 112; Prüderie 87 
A"^^.^Joti^ 24 51, 87, 105, 114, 
146 f, 155 ff, 163 f; in der 
/Zwangsneurose 105 f, 109 ff, 

146 f: 15^5'?'^ ^^*^ ^^^^^^^^ 

^"i^t^'^l^Ä^^^ß Organisations- 
stufe 105 f, UOf, 112, 114, 



Anfall, hysterischer 30, 34, 171 
Angina pectoris s. Pseudo- 
angina pectoris 
Angst 42 ff, 67; -anlasse 49, 51; 
bei Hysterie 56; bei traumati- 
scher Neurose 98; -hysterie 
40 ff; -hysterie der Kinder 
54 f; -hysterie, Indikation und 
Prognose bei 55; -hysterie, 
Technik bei 55; -hysterie und 
Konversionshysterie 56; -hy- 
sterie und Ödipuskomplex 42, 
46; -Inhalte 46 f, 49 f; -lust 
113, 167; -neurose 60, 62, 67 f: 
-Signal 43 f, 48, 56, 98, 168; 
soziale 88, 138; -träume 48; 
und Aggression 49, 53 f; und 
Atmung 166 ff; und Bedürfnis- 
spannung 44, 67; und Geburt 
44, 167; und Hypochondrie 
b5 f; und Über-Ich 56, 138 f: 
und Verdrängung 42 f; vor 
dem Gefressen werden 47, 159, 
166; vor Kastration, vor Lie- 
besverlust usw. s. Kastra- 
tions-, Liebesverlust- ustv. 
-Angst; -Vorstellung und 
Wahnidee 51 
Animismus 108 
Anpassung, direkte 28 
Apathie 78 f 
Appendicitis 28 
Appetitlosigkeit 26, 32 
Arbeitsstörung 69, 77 
Are de cercle 34 
Assoziation, freie 15, 107, 124 f, 

151 
Asthenie, genitale 68 f, s. auch 

Neurasthenie 
Asthma bronchiale 162 ff; Indi- 
kation und Prognose 168 
Atem-dystonus 167 f; -funktion, 
Sexualisierung der 163 ff; 
-hypochondrie 163, 166; -Zere- 
moniells 165 f 
Atmung 147, 162 ff; -serotik s, 
respiratorische Erotik; und 
Angst 166 ff 
Aufmerksamkeit 167 f 
„Auseinanderknüpfung" 

(Zwangsfall) 121 ff 
Außenwelt, eigener Körper als 

61; und Ich 62 
„Ausweichen" 81 
Autoerotik 18, 24, 148 
Automatisierung 169 f 
Autoplastik 27 ff 
Autosuggestion 39 

Badeangst 87 
Bad, rituelles 131 
Baudouin 24, 175 



Bazillenangst 50 
Bedingter Reflex 43 
Bedürfnisspannung 44, 67 f, 96 
Befriedigung 58, 114; -srausch 
des Ichs 134; und Abwehr im 
Symptom 75, 102 ff, 118 f, 
122 f, 126 f, 129, 139 
Begabung 93 f; -shemmung 93 f 
Begleitperson (bei der Straßen- 
angst) 52 f 
Begriffswelt 140 ff 
Bemächtigungstrieb 90, 130 
Benedek Therese 183 
Benni 183 

Bernfeld 55, 93, 178, 179 
Berührungs-angst 50 f, 92, 125, 
143; -verbot 50 f, 84, 92, 125: 
-Zeremoniells 125 
Berufsneurosen 80 
Besetzung 15 59, 61 ff, 70 f, 
85 f; der Objekte 59 ff, 63 ff, 
ISh J^L^^^ O^^^^e 59 ff, 63, 
65 f 70 ff; -sentzug 85 f, 145 
Bestechlichkeit des Über-Ichs 

132, 134 f, 160 
Bettnässen 24 

Bewältigung, nachträgliche 95 ff 
Bewußtseins-störungen 35; 
-sumfang, Differenz des 102, 

Biiz 177 ' 

Binswanger 179 

Biogenetisches Grundgesetz 164 

Bisexualität 31, 72, 83 f, HO, 

^^113. 117, 141 f, i50, l'62 ' 

Blasphemie 145 

Bloch 17 

Blum 178 

Bornstein Berta 89, 90, 92, 115, 

^ 130, 179, 180, 184 ' 

Bowman 183 

Breuer 14, 15, 96, 175 

BriU 71, 175, 180 

Bryan 157, 177, 186 

Burrow 180 

Bußsymptome 102 1 125 

Buxbaum Edith 180 

Bychowski 180 

Chadwick Mary 159, 178, 186 
Charakter 20, 87; analer usw. 
s. Analcharakter usw.; -ana- 
^pe 79; -Veränderungen bei 
der Zwangsneurose 107, 139 ff, 
Charcot 14, 32 (147 IT 

Chorea maior 30 
Christoffel 180 

„Chronische Melancholie" 79 f 
Clark 74, 180 
Cohn Franz 179 
Coriat 158, 175, 186 
CuUer 179 



Dämonenglaube 139 f 

Daly 165, 166, 186 

Damm als erogene Zone 83 

Dane 180 

Darmneurosen 72, 154 

Dattner 187 

Debilität 89 

Deckerinnei'ungen 18 

Defäkation =z Ejakulation (Sym- 
bolische Gleichung) 112 

Deflorationsphautasie 17 

Dementia paralytica 71 

Denk-en geordnetes 124 f ; -en 
und Analerotik 146 1, 155 ff; 
-funktion, Sexualisierunff der 
90, 124 f, 140 ff, 146 f, 151 f, 
155 ff, 162; -Veränderungen der 
Zwangsneurose 107, 124 f, 139 f 

Depersonalisation 85, 89, 91, 92 

Dermatosen 74, 174 

Deutsch Felix 27, 70, 175, 180 

Deutsch Helene 49, 50, 53, 54 

isWfe' ""' "'' "«' ^™' 

Diagnostik 11 
Diarrhoe s. Durchfall 
Dimeujphantasien 112 
Disposition 20, 94, 117 
Doppelgänger des Über-Ichs 98 
Dora (Patientin Freuds) 17, 30, 
Dostojewski 74 [33 

Dunkelheitsangst 41, Ai 
Durchfall 154 
Dynamische Auffassung des 

Seelenlebens 15 
Dystonus 76, 82, 88 f, 167 f 

Eder 161 180, 185, 186 
Ehe als Isolierung 123 
Ejaculatio praecox 24, 68, 83 f 
Ejakulation — De;fäkation (sym- 
bolische Gleichung) 112 
Eifersucht 53 
Einkoten 24 f 

Einsamkeitsangst 41, U. 50 
Einschlafphantasien 173 
Einsinni^keit der Zeit 125 

Einziehung der Objektbesetzun- 
gen 85 f, 145, 170 

Eisler 176, 177, 183, 185 

Ekel 20 

Ekstase 25 

Emerson 177, 180 

Endzustände der Zwangsneurose 

^127, 134, 142, 149 

Entbindungsphantasien 54 

Entfallen eines Namens 18 

Entfremdung 64, 84, 89, 91 

Entgegenkommen, somatisches 
29, 72 

Entkleidungszeremoniells 131 
Entlehntes Schuldgefühl 30 
Entspannung 58 
Entwertung der Genitalität 111 
Entwieklungsstörung und Re- 
ilff^'m^' 109, 115 ff, 153 f, 
Entwöhnung 23, 112 
Enuresis 2i 

Epidermale Introjektion 66 
^ Epilepsie 74, 79, 147 
Epileptoider Komplex 74 
Erbrechen, hysterisches 25 f, 32 
Erektion 28, 75 ff; Angst vor 
der 110; -sphantasien, weib- 
liche 17; -sstörungen. s. Im- 
potenz 
-«rgänzungsreihe 94 f, 116 



Erinnerungsspuren, narzißtische 
171 ff 

Erogen-eität, allgemeine 26, 28, 
60 f, 73; -e Zonen 17, 59 f, 63, 

Eros 55 [154, 163 

Erregungsablauf 67 

Erröten 16, 40, 88, 160 

Ersatzvorstellung 41, AQ ff 

Erschöpfbarkeit der Über-Ich- 
Duldsamkeit 128 

Erschöpfungsneurosen 77 f 

Erstickungsangst 166 f 

Erythrophobie 40, 88, 160 

„Es-Angst" 44, 67, 95 f, 98 

Eßhemmungen 86 f 

Exhibition 52, 160, 172 

Exkretion, narzißtische Über- 
schätzung der 146 

Federn 35, 72, 86, 89, 176, 179, 
180, 184 » ' ) ' 

Fehlhandlungen 12, 15 

Fehlidentifizierung, geschlecht- 
liche 31, 83 f, 8. auch Femi- 
ninität des Mannes und Mas- 
kulinitäi der Frau 

Feigenbaum 37, 176, 178 

Feitelberg 55, 178 

Feldmann 88, 176, ISO 

Fellatio 17, 28, 37 

Femininität des Mannes 24, 47, 
66, 83, 113, 117, 135, 138, 166 

Fenichel 26, 31, 35, 37, 47, 52, 
61, 64, 66, 85, 89, 112, 123, 
129, 164, 166, 167, 173, 176 
178, 180, 184, 185, 186 

Ferenczi 26, 27, 28, 36, 37, 39, 
51, 57, 59, 60, 63, 70, 71, 72, 
80, 83, 97, 143, 144, 156, 159, 
170, 171, 176, 178, 179, 180, 
183, 184, 185, 186 
Feßler 96, 180 

Fixierende Erlebnisse 21, 114 f 
Fixierung 19, 21, 114 ff, 172; am 
Ödipuskomplex 20 f; anale 
114 ff; orale 158; prägenitale 

26, 72, 114 f, 117; und Ee- 
gression 115 f 

Flatus 159 

Flucht, Phobie als 46 
Flügel 147, 157, 183, 184, 186 
Forschungstrieb, sexueller 90 f 
„Freibrief** 134 f, 160 
French 173, 186 
Freud Anna 25, 176, 177 
Freud Sigmund 8, 9, 10, 12, 13, 
14, 15, 16, 17, 18, 19, 20 22 

27, 28, 30, 31, 32, 38, 34 36 
37, 40, 41, 42, 43, 44, 46 47 
48, 49, 50, 53, 55, 56 57 58 
59, 60, 62, 63, 64, 65, 66, 67 
70, 71, 74, 76, 77, 78 80 82 
83, 84, 85, 86, 87, 93, 94, 95, 
96 97, 98, 101, 102, 104, 105, 
106, 108, 111, 113,' 114, 118 
119, 120, 123, 124, 125 128 
131, 132, 133, 135, 136 137 
138, 139, 144, 145, 146, 148 
154, 163, 164, 167, 175 176 
178,^ 180, 181, 183, 184, 186 

Friedjung 178, 179 

Friedland 177 

Frigidität 84; allgemeine 92 

Frink 177, 185 

Frustrane Erregung 60 

Fuchs Else 87, 181 

Fühlen, Hemmungen des 91 f 

Funktionsveränderung, sichernde 

Furrer 185 



189 

Garma 156 

Gebete, zwanghafte IO4 

Geburt und Angst iA 

Gedächtnis 18 

Gedanke =: Kot (symbolische 

Gleichung) 146 f 
Gedanken, Allmacht der 108, 
124, 133 f, 144 ff; und Tat 108, 
124, 146 
Gefahrsituation 44, 95, 168 
Gefressenwerden, Angst vor dem 

47, 159, 166 
Gegenbesetzung 16, 32, 64, 66, 
82. 85 f, 107, 119, 125; dop- 
pelte 8. Zweifrontenkampf 
des Ichs; und Hemmung 82 f, 
85 f 
Gegenteil, Darstellung durch das 

34 
Geheimnis 155 
Gehenlernen 52 

Gehirn, Organneurose des 74, 
Geigerkrampf 80 f ri47 

Geld 112, 148 

Genitai-ausschluß 38; -beschädi- 
gungsangst 23, 42, 84, 111; 
-isierung 26, 59, 72; -ität, 
Therapeutische Bedeutung der 
69 f ; -ität und Verdrängung 
128; -primat 69 f, 117, 163 
Geographische Zwänge 145 
Geruchsakt 164 
Geruchserotik 163 ff 
Geschlechtliche Fehlidentifizie- 
rung s. Fehlidentifizierung 
Geschlechtskrankheiten, Angst 

vor 50 
Geschmackswahrnehmung 164 
Gesellschaftsordnung und Neu- 
rosen 9, 22 
Gesichtsfeld einschränkung, 

hysterische 36 
Gewinn sekundärer, s. Krank- 
heitsgewinn 
Gewissen 94, s. auch dber-lch; 
-sangst und Kastrationsangst 
131 f ; -strieb 136 f 
Gleichgewichtserotik 49, 51 f 

172 f 
Globus hystericus 17, 37 
Gott 145 

Graber 143, 156, 176, 184, 186 
Graven 179 
Greiflust 90 

„Grenzgebiet zwischen Physi- 
schem und Psychischem*' 58 
Groddeck 70, 181 
Größenwahn 144 
Grübelsucht 107, 132, 141, 151 
Grußhemmungen 93 

Häßlichkeitsangst 130 

Halluzinationen 28; negative 36 

Hans, kleiner (Patient von 
Freud) 42, 46, 47, 54 

Happel Clara 184 

Härnik 129, 130, 148, 166, 167, 
178, 184, 186, 187 ' 

Hauch-seele, -zauber 165 

Hauterotik 24, 165 

Haut, psychogene Erkrankun- 
gen der 74, 174 

Hebephrenie 77 ff 

Heilungswunsch 79 

Heinrich 31, 176 

Hemianästhesie 36 

Hemmung; aus Ökonomischer 
Verarmung 77, 78 f; sexuali- 
sierter Funktionen 77 f. 81 ff; 
Über-Ich-befriedigende 77, 



190 



79 ff, 86 f; "smotive 76 ff; 
-szustände 75 ff; -szustände, 
Indikationen und Prognose 
79, 80, 93; und Gegen- 
besetzung 82 f, 85 f; und 
Reaktionsbildung 87; und 
Symptom 76, 87; und Ver- 
drängung 85 ff 

Herbert 176, 177 

Hermann 93, 164, 181, 184, 187 

Herzneurose 72 

Heyer 168, 187 

Hirsch 179 

Historik in der Psychoanalyse 
11, 29, 72, 104 

Historische Reaktionsbasis 43 

Hitschmann 177, 178, 184, 185 

Höflichkeitshemmungen 93 

Höhenangst 50 

HoUös 71, 167, 168, 180, 181, 
187 

Homosexualität 104 

Hormone 58 f 

Horney Karen 20, 176 

Hühnerphobie 49 f 

Hunger, 26, 44 

Hypertonus 28, 36, 76 

Hypnoider Zustand 15 

Hypnose 39, 98 

Hypochondrie 59 ff, 62 ff, 163, 
171; und Angst 65 f; und 
organische Krankheit 63, 65; 
und Sadismus 65 f; und Über- 
leb 66 f; -Iseh besetztes Or- 
gan 66 f ; -ische Ideen 51, 
65 f, 137; Sensationen 65 f, 
137 

Hypophyse 59 

Hysterie 13 ff; Angst, bei 56; 
Indikation und Prognose 38 f; 
lokalisierte 72; typische Sym- 
ptome 33 ff; und Hypochon- 
drie 67; und Ödipuskomplex 
18 ff, 25 f; und Zwangsneu- 
rose 101 ff 

Hysteriforme Krankheiten 57 ff 

Hysteroepilepsie 74 

Ich 62, 87 f, 116 f, 131, 133 ff; 
-Angst 44, 95, 98; -erinne- 
rungssysteme 171, 173; -ge- 
fühl 86; -Ubido 61, 64; 
-regression 140 f; und Außen- 
welt 62; und Motilität 139, 
169, 171; und Regression 
116 f ; und Symptome 32 f, 46, 
116 ff, 133 ff, 139 ff; Verhalten 
gegenüber Über-Ich 133 ff; 
Zweifrontenkampf des 86, 
118 f, 131 ff 

Idealerfüllung 134 

Idealisierung 134 

Idee überwertige 25 

Identifizierung 29 ff, 53 f, 88, 
163, 166; bei der Platzangst 
53 f ; hysterische 29 ff; mit 
dem andern Geschlecht s. 
Fehlidentifizierung; multiple 

Impotenz orgastische 68, 84; 
psychogene 75 ff, 82 f 

Incontinentia alvi 24 f 

Indiff^rence, la belle des hyste- 
riques 32 

Indikation der Analyse bei 
Aktualneurosen 69 f; bei 
Angsthysterie 55; Asthma 168; 
Hemmungszuständen 79, 80, 
93; Hysterie 38 f; Organ- 
neurosen 74 f; Pathoneurosen 



71 f; Stottern 161; Tic 173; 

traumatischer Neurose 99 f; 

Zwangsneurose 149 ff 
Infantilität und Neurose 17 f, 

22, 82 f, 94 f, 104 f 
Infektionsangst 50 f, 111, 125 
Initiativemangel 78 f 
Innere Sekretion 58 f 
Innere Wahrnehmung 89 
Intellekt, Überbetonung des 

140 ff 
Intelligenzhemmungen 89 ff 
Intoxikation 58 
Introjektion 50 f, 55, 66, 73, 79, 

132, 160, 163, s. auch Ein- 
verleibung 
Introversion 27, 145 
Isolierung 119 ff, 142 f, 150 f ; 

-sneurose 120 ff; und Über-Ich 

124 

Jackson 74 

Jacobi 93, 181 

Jokl 80, 181 

Jones 22, 97, 105, 106, 147, 148, 
157, 163, 176, 177, 178, 179, 
181, 183, 184, 185, 187 

Just-Keri, Hedwig 183 

Kannibalismus 86 

Kastration anale 111 f; intrau- 
terine 47 

Kastrationsangst 23, 42, 45 ff, 
52, 66, 82, 87, 94 f, 96 f, 
111 ff; rationalisierte 50; und 
Kastrationswunsch 113 

Kastrations-ersatzbildungen 113, 
136, 166; -Impulse, zwang- 
hafte 105; -komplex 23, 52; 
-komplex, weiblicher 23, 52, 
84 f, 130, s. auch Penisneid; 
-lust 113; -Vorbilder 23, 111 f 

Katatonie 169 f, 172 

Keimdrüsen 59 

Kempner Salomea 176 

Kind-erängste 41, 54 f; -erläh- 
mung spinale 81; -heit, s. 
Infantilität; -heitsamnesie 18 

Kirschner Lotte 177, 185 

Klaustrophobie 51 

Klein Melanie 22, 91, 170, 172, 
176, 181, 187 

Klimakterium 94, 111 

Klitoris-erotik 19 f, 84; -onanie 
84 

Klosett-angst 111 f ; -lektüre 130, 
144 

Körper-entfremdung s. Ent- 
fremdung; -hemmungen 37, 64, 
85, 88 f; -libido s. Organ- 
libido; -Schema 62; Verhältnis 
zum eigenen 37, 61 f; Wahr- 
nehmung des eigenen 61 f 

Koitus-belauschung s. XJrszene; 
"Phantasien 34 t 

Konstitution 114, 117 

Kontagiöse Magie 51 

Kontraindikationen der Analyse 
38 f 

Kontraktur 28 

Konversion 27 ff, 57, 153; 
-shysterie s. Eysterie; -shyste- 
rie und Angsthysterie 56 ; 
-sneurosen, prägenitale 72 ff 

Konzentrationsstörung 69, 124 

Kopfschmerzen 147 

Koprolalie 144, 146 

Kot " Gedanken ~ Wörter 
(symbolische Gleichung) 146 f, 
155 



Kot — Penis (symbolische Glei- 
chung) 111 

Kot =: Seele = Ateminhalt (sym- 
bolische Gleichung) 165 

Koväcs Vilma 172, 187 

Krampf, hysterischer 28 

Krankengeschichten, psycho- 
analytische 10 

Krankheit, organische 63 f, 70 f ; 
organische, Psychogeneität 
von 70 f; -sanlaß 94 ff, 117; 
-seinsicht 79; -sgewinn sekun- 
därer 13, 32 f, 99, 134, 152, 
161; und Zustandsbild 11 

Kriegsneurose 97 ff 

Kriegs-Über-Ich 98 

Kulovesi 92, 172, 181, 187 

Lähmung, hysterische 28, 36 

Laforgue 181 

Lamarck 28 

Lampenfieber 52, 160 

Lampl 177 

Lampl-de Groot A. 84, 181 

Landauer 35, 169, 177, 179, 181, 
185, 187 

Lantos Barbara 35, 177 

Latenzzeit 18, 20, 146 

Lehrman 177, 185 

Lese-hemmung 90 f ; -leiden- 
schaft 144 

Leugnung der Realität 144 f 

Levy-Sum 179 

Lewin 187 

Libido 58 ff; -besetzung s, ße- 
setzung; -Ökonomie 58; -Stau- 
ung 49, 60 f, 64 f, 68 f, 79, 
129, 142, 173; -theorie 58 ff; 
-tonus 64; und Angst 42 f 

Liebes-enttäuschung 94; -verlust- 
angst 23, 43, 45 f, 84, 96 f 

Liepmann 177, 186 

Links und rechts 36 

Lokalls-ation der Gegen- 
besetzung 85; -ierte Hysterie 
72 

Lungenhypochondrie 166 f 

Lnstphysiologie 60 

Luzenberger 183 

Lyrik 144 

Mack-Brunswick Ruth 66, 181 
Mädchenerziehung, sexualableh- 
nende 84 
Maeder 181 

Magendarmneurosen 72, 154 
Magie 51, 107 f, 125 f, 127, 134, 

139 f, 144, 156, 165 
Magisch-animistisches Weltbild 

108, 127, 139 f, 144, 156, 165 
Marcinowskl 167, 183, 187 
Marcus 177 
Maskulinität der Frau 19 f, 24, 

84, s. auch Penisneid 
Masochismus 65 f, 78 f, 83, 135; 

moralischer 77, 80, 135 f; 

m. Charakter 79 
Masturbation s. Onanie 
Materialisation, hysterische 27, 

37 
Mathematikhemmun^ 90 f 
,, Melancholie, chronische" 79 f 
Meng 35, 72, 180, 18L 185, 187 
Menninger 183 
Menstruation 164 ff 
Metapsjrchologie 10, 58 
Meteonsmus 154 
Mldas 30 

Mienenspiel 171 * 
Migräne 147 



191 



Miller 179 

Mimik 171 

Minderwertigkeitsgefühl 20 

Mitleid 161 

Mitsprechen der Symptom© S8 

Moral 9, 132, 135; -ischer Maso- 
chismus 77, 80, 135 f ; Öexuali- 
sierung der 135 

Mordimpulse, 102, 105 

Mosaikspiel 101 

Motilität und Ich 139, 169, 171 

Motorik, Hemmungen der 37, 64, 
88 f, 92, a. auch Dystonus 

Moxon 177 

Müll er-B raunschweig Ada 160, 
179, 187 

Multiple Identifizierung 31 

Musikalität 93 

Muskel-erotik 51 f, 82, 129, 167, 
170 ffj -repräsentanz 171 f; 
-spiele 102, 109 

Mutismus 33, 85, 156 

Myopie 29 

Narzißmus 18 f, 60 f, 63 ff, 70 f, 
73, 97, 144, 153, 169 f, 171 f 

Narzißtische Neurose 97 

Nasenhypochondrie 66, 163, 166 f 

Negativ der Perversion 52 

Nepallek 186 

, jNeues Leben' ' der Zwangs- 
neurotiker 142 

Neurasthenie 60, 62, 68 f, 77, 
83 f, 154: und Zwangsneurose 
68, 117 

Neurosenlehre, allgemeine 10; 
spezielle 7, 10, 11 f 

Neurosenwahl 56, 114 ff, 152 

Nirwanaprinzip 55 

Nunberg 185 

Oberndorf 164, 179, 181, 187 

Objekt-besetzung 59 ff, 63 ff, 
70 f, 73; -beziehungen, Ein- 
ziehung der 85 f, 145, 170; 
-einverleibung s. Einverlei- 
bung; -ive Zeichen der 
Libidobesetzung 59; -libido 
61 f; -liebe, postambivalente 
117; -repräsentanz 61 f; -Ver- 
lust 85 f, 145, 170 

Obstipation 154 

Obszöne Wörter 144, 155 f 

Odier 185 

Ödipuskomplex 18 f, 25 f, 42, 
81, 83 f, 105, 110 f, 157; Fixie- 
rung am 20 f; negativer (ver- 
kehrter) 31, 42, 47, 83 f, 113; 
und Penisneid 20; weiblicher 
20, 84 

Öffentliches Reden 160 f 

Ökonomischer Gesichtspunkt 58 

ökonomische Verarmung (an 
Libido) 77, 78 f 

Ohnmacht 35 

Onanie 18, 23 ff, 50, 68 f, 83, 
106, 118 f, 128 ff; ^abwehr 49, 
83, 118 ff, 128 ff; -äquivalent 
23 ff, 36, 82, 102, 129, 170, 
173; anale 129 ff; -arten, ent- 
stellte (Zerrformen der 0.) 50, 
68, 128; -form 50, 68, 130; 
Phantasien 23 ff, 166; -sucht 
69; und Zwangsneurose 106, 
128 ff; -Versuchung 48, 50, 
128 ff, 131 

Opfer 108 

Ophuijsen 187 

Orakel 108, 139 



Orale Angst 47, 159, 166; Fixie- 
rung 158; Introjektion 66, 160, 
s. auch Introjektion; Sexual- 
auffassung 159 

Oralerotik 29, 86 f, 158 ff, 163, 
165 

Organ-besetzung 59 ff, 63 ff, 
70 f, 73; hypochondrisch be- 
setztes 66 f, 171; -isations- 
stufen der Libido 18; -ische 
Krankheiten 63 ff, 70 f; -ische 
Krankheiten, Psychogeneität 
von 70 f; -libido 57 ff, 63 f, 
88, 171 f ; -neurosen 62, 72 ff, 
153 ff, 173; -neurosen, Indi- 
kation und Prognose bei 74 f; 
-repräsentanz 62 f, 66, 171 f ; 
und Über-Ich 66 f, 73 f, 171; 
-Veränderungen, sichernde 76; 
wähl 29, 72 . 

Orgasmus 35, 58, 69; mißlun- 
gener 60, 62, 67 ff, 84 

Orgastische Impotenz 68, 84 

Oxyuren 147 

„Pansexualismus" 16 

Parasitäres Über-Ich 98 

Partialeinverleibung 38 

Passagöre Symptome 32 

Pathoneurosen 63 f, 70 ff; Indi- 
kation und Prognose bei 71 f ; 
und Psychosen 71 

Pavor nocturnus 48 

Penis = Kot (symbolische Glei- 
chung) 111 

Penisneid 19 f, 24, 130, 158; und 
Ödipuskomplex 20 

Perepel 177 

Perversion 17, 52; Negativ der 
52 

Pfister 97, 177, 182 

Pflasterstein zwan^ 125 

Phallische Organisationsstufe 
18 f, 70, 106, 110 ff, 115 f, 
157 f 

Phobie 40, 43 ff, 49 f, 75, 77, 

82, 85 
Phobischer Vorbau 40, 45 
Phylogenie 8 
Piutti Helene 177 
Platzangst s. Agoraphobie 
Pollutionen 24 
Pornographie 144, 146 
Postoperative Neurosen und 

Psychosen 71, 96 f 
Potenz-Störungen s. Impotenz; 

und Sprache 158 
Prägenitale Fixierung 26, 72, 

83, 114 f, 117; Konversions- 
neurosen 72 f, 153 ff; Prägeni- 
talität 18, 26, 68, 83, 106, 
110 f, 114 f, 117, 153, 162, 164^ 

Prälogik 127 [173 

Prince 177, 179 
Probeanalyse 74. 79 
Probehandeln 27 
Prognose bei Aktualneurosen 

69 f; Angsthysterie 55; Asthma 

168; Hemmungszuständen 79, 

80, 93; Hysterie 38 f; Organ- 
neurosen 74 f; Pathoneurosen 

71 f; Stottern 161; Tic 173; 

traumatischer Neurose 99 f; 

Zwangsneurose 149 ff 
Progressive Paralyse 71 
Projektion 45, 50, 54 f, 71, 123; 

bei der Phobie 45, 50 54 f; 

des Über-Ichs 138 
„Proletariermädchen" (Patientin Saaler 178 

von Ferenczi) 80 Sachs 38, 177 



Prostitutiousphantasien s . Dir- 
nenphantasien 

Provisorium, Leben als 142 

Pseudoangina pectoris 73 f, 99 

Pseudodebilität 89 f 

Pseudologie 80 

Psychogeneität organischer 
Krankheiten 70 f 

Psychogener Überbau 29 

Psychoneurosen und Aktualneu- 
rosen 69 

Psych ophysisches Grenzgebiet 
57 ff 

Psychosen und Pathoneurosen 71 

Psychotherapie, nichtanalytische 
39 

Pubertät 18, 20 f, 94, 118, 128 

Putnam 179 

Quelle des Triebes 58, 163 

Rachenreflex 37 

Kachetypus des weiblichen Ka- 
strationskomplexes 85, 130 

Radö 39, 84, 91, 98, 128, 134, 
136, 137, 177, 182, 185 

Rank 158, 163, 187 

Raptus 79 

Rattenmann (Patient Freuds) 104 

Read 183 

Reaktionsbildungen 32, 87, 105, 
107, 118, 125, 134, i47ff; bei 
der Hysterie 32; bei der 
Zwangsneurose 105 ff, 134, 
147 ff, 152; und Hemmungen 87 

Realität, Leugnung der 144 f 

Realitätsprüfung 144 f 

Rechts und links 36 

Redeehrgeiz 158 f 

Redefunktion s. Sprachfunktion 

Redenlernen s. Sprechenlernen 

Reede 182 

Regression 21, 24, 26, 38, 63, 
65, 72 f, 108 ff, 114 ff, 162, 
170; als Abwehrart 109, 118; 
bei der Zwangsneurose 105 ff, 
134, 147 ff, 152; in die Kin- 
derzeit 54, 117; in statu nas- 
cendi 110; und Entwieklungs- 
stönmg 68, 109, 115 ff, 153 f, 
169 f, 172; und Fixierung 
115 f; zum Narzißmus 63, 
65, 69, 71, 160, 162 171 f 

Reich 67, 68, 69, 82, 83, 84, 87, 
117, 154, 170, 178, 182, 185, 
186, 187 

Reik 93, 134, 145, 179, 182, 185 

Reinlichkeitserziehung 115 
Reizbewältigung 14, 96 f, 171 
Reiz schütz 96 f 
Religiöse Zwangsvorstellungen 

Religionspsychologie 145 f 
Rentenneurose 33, 99 
Respiratorische Erotik 162 ff; In- 
trojektion 66, 163 
Retention des Samens 112 
Retentionslust 112, 148, 155 f 
Rhythmische Zwangshandlungen 
Rickman 183 fl02 

Riechlust 163 ff 
Riggall 182 
Rikfin 186 
Ritual 145 

Röheim 51, 163, 165, 179, 187 
Rorschaoh 185 



I^Z 



Sadger 170, 177, 178, 179, 182, 

183, 187 
Sadismus des Über-Ichs 118 f, 
132 ff; in der Zwangsneurose 
105 f, 109 5, 113; und Angst 
49, 53 f; und Epilepsie 74; und 
Hypochondrie 65 f; und Impo- 
tenz 83; und Sprache 156; 
Verdrängung des 87, s. auch 
A ggressionshemmung 

Sadistische Sexualauffassung 110 

Sadomasochismus, Mobilisierung 
des 94 f 

Samen, Retention des 112 

Saussure 182 

Scham 20 

Schauen = Fressen (symbolische 
Gleichung) 49 

Schauhemmungen 86 

Schautrieb 86, 93 

Scheinmoral 132 

„Schicksal' 94, 96 ff, 135 

Schilddrüse 59 

Schilder 62, 177, 182, 183, 185 

Schlaf 48 

Schlaf zeremoniell 131 

Schmerz 63 ; hysterischer 25, 
27 f 32 

Schmidt Wera 90, 182 

Schmideberg Melitta 183, 187 

Schmierlust 93, 103 

Sehmutzangst 50 f, 127, 130 

Schneider 156, 187 

,, Schneiderhemmungen" 87 

Schnüffeln 163 f 

Schreib -hemmungen 80, 90 f; 
-krampf 80 

Schüchternheit, chronische 88, 
160 

Schütteltremor 169 

Schuldgefühl 77, 79 ff, 124 f, 
136 f, s. auch Vher-lch; ujQ.d 
Zwangsneurose 124 f 

Schultz-Hencke 72, 127, 182, 185 

Schwängerung, Infektion als 50 

Schwanger Schaftsphantasie 50, 66 

Schwellen Symbolik 125 

Schwimmangst 87 

Schwindelanfall 173 

Searl N. 22, 177, 187 

Seele = Kot = Ateminhalt (sym- 
bolische Gleichung) 165 

Seelenstofl 165 

Sehen s. auch Schauen; peri- 
pheres und zentrales 36; Seh- 
störungen, hysterische 36. 

Seif 179 

Sekundärer Krankheitsgewinn s. 
Krankheitsgewinn 

Selbst-beobachtung 66, 85, 107, 
151; -bestraf ung 129, 137, 160, 
s. auch Straf bedürfnis; -erhal- 
tungsenergien 64; -gefühl 137 f; 
gefühlzufuhr, äußere 137 f; 
-kastration 129; -kontroUe des 
Zwangsneurotikers 107; -mord 
99, 129, 138 
Sensibilitätsstörungen 36 f, 84, 
89, 8. auch Entfremdung. 

Sexual-ablauf 67; -hemmungen 
82 ff; -hormone 58 f; -isierung 
von Funktionen 73, 77 f, 81 ff, 
140 ff; -isierung einzelner 
Funktionen s, unter den be- 
treffenden Wörtern; -ität 16 f, 
55; -ität, infantile 17 f, 21, 
104 f ; -ität und Aggression 
55 f; -Physiologie 58 f; -Stoffe 
58 f 
Simmel 67, 97, 182, 183, 185 



Sinnhai tigkeit der Symptome 13 
Sinnlichkeit und Zärtlichkeit 123 
Sokolnicka Eugenia 186 
Somatisches Entgegenkommen 

29, 72 
Sonntagsneurosen 51 
Soziale Ai^st 88, 138; Hem- 
mungen 88, 92 
Soziologie 9, 22 
„Spaltung" 132, 139, 150 f 
Sphinkterenfunktion 28, 76, 

129, 156 
Spielhemmungen der Kinder 92 
Spielrein Sabine 159, 179, 187 
Spitz 179 

Sprachehrgeiz 158 f 
Sprache; = Leben (symbolische 
Gleichung) 156; = Potenz 
(symbolische Gleichung) 158; 
und Analerotik 146 f, 155 ff; 
und Sadismus 156; Sprach- 
funktion, Sexualisierung 143 f, 
147, 151, 155, 162; Sprach- 
hemmungen 91, 154 ff 
Sprechenlernen 143 f, 159 
Spucken 120, 165 
Staercke 112, 177, 178, 185 
Staudacher 97, 182 
Stegmann A. 187 
Steiner 83, 182 
Stekel 36, 74, 177, 179, 182, 

183, 185, 186 
Sterba 186 

Stereotypien 82, 96, 169 f, 172 
Stern 179, 185 
Stigmata, hysterische 30 
Stottern 91, 153 ff; Indikation 
und Prognose 161; Ödipus- 
komplex bei 157 f ; Partial- 
triebe bei 157 ff; Über-Ich bei 
160 f; Stotteranlässe 156, 161 
Strafbedürfnis 65, 81, 97, 135 ff 
Strafe 136 f 

Strafsymptome, hysterische 30, 
56, 135; zwangsneurotische 
102 f, 129, 135 
Straßenangst 50 ff 
Stuhl-beschwerden 26; -drang, 
neurotischer 16, 110; -Inkon- 
tinenz 24 f ; -Verlust 23, 112 
Stummheit s, MuUsmus 
Subjektive Zeichen der Libido- 

besetzung 59 f 
Suggestion 39 
Suter 168 187 
Symbolische Anspielung 72 
Symptom 16, 75, 87, 101 ff; 
Sinnhai tigkeit des 13; und 
Hemmung 76, 87 
Syphilophobie 50 f 
Systematisierung, Neigung zur 



Tabu 9 

Tagtraum 23 ff 

Tamm Alfhild 91, 157, 182, 187 

Tannenbaum 183 

Tat und Gedanke 108 

Tausk 64, 83, 140, 182, 185 

Technik, psychoanalytische 10; 
bei Angsthysterie 55 

IVrry Ella 187 

Teufelsneurose 9 

Theoretiker 86, 91 f 

Therapeutische Bedeutung der 
Genitalität 69 t 

Tic, psychogener 96, 169 ff; In- 
dikation und Prognose 173 

Tiefensensibilität, Hemmungen 
der 37, 64. 89 



Tierphobie 41 f , 49 f 

Todesangst 49, 96, 98 f, 166 f 

Todestrieb 65 f 

Todeswünsche 35, 130, 142, 156 

Toxische Psychosen 65 

Trauer 92 

Traum 86, 95 

Trauma 14, 15, 21, 43, 96 ff, 
172; traumatische Neurose 14 f, 
94 ff; Indikation und Prognose 
bei 99 f ; traumatische Situa- 
tion 43 f, 95 f, 167 

Traumzustände, hysterische 35 f 

Trieb 58, 136; -gefahr 45; -lehre 
55 f, 58; -quelle 58, 163; -reiz 
136 ; -repräsentanz 15 ; ver- 
drängter 7, 16 ff; -ziel 58 

Trophische Neurose 173 

Trotz 161 

Turnen 129 

Typische Symptome 33 ff 

Typisierung, neurotische 143 f 

Überbau, psychogener 29 

überfahrenwerden, Angst vor 
dem 50 

,, Überfunktionen", hysterische 
37, 89 

Über-Ich; bei der Zwangsneurose 
103, 107, 118 f, 124, 131 ff, 
146, 149; bei Mann und Frau 
38; beim Stotterer 160 f; 
-Bildung 8, 20, 22, 79, 132; 
-Funktion, Sexualisierung der 
77, 79 f, 135 f; Projektion des 
138; Sadismus des 118 f, 
132 ff; -Sphäre, Terminologie 
der 135 ff; und Angst 56, 97 ff, 
138 f; und Hemmungen 77, 
79 ff, 86 f; und Organ 66 f, 
73 f, 171 

Überkompensation 32, 81, 103, 
106, 140 

Übertragung 38, 55, 150 

Unbegabtheit 93 f 

Unfall 94 ff 

Ungeschehenmachen 113, 121, 

Ungeschicklichkeit 88 f [125 ff 

Unmusikalische 93 

Untergang des Ödipuskomplexes 

Urethralerotik 24, 83, 110 [20 

Urindrang, neurotischer 110 

Urologie 96 f 

Urphantasien 49 

Urszene 48 f, 89, 92, 172 f; Ur- 
szenenäquivalente 48 f 

Urticaria 25 

Urverdrängung 85 

Vagina dentata 47 
Vaginalerotik 19 f, 84 
Vaginismus 84 f 

Vasomotion 29, 73 [173 

Vasomotorische Neurosen 73 f, 
Vegetative Besetzungen 67 f 
Vegetative Neurosen 74, 173 
Verarmung, ökonomische (an 

Libido) 77, 78 f 
Verbrecher aus Schuldgefühl 
Verdichtung 28 [77, 137 

Verdrängende Kräfte 7 f, 22 f, 

30, 34, 43, 160 
Verdrängung 15 f, 21 f, 35, 42, 
46, 119; bei der Zwangsneu- 
rose 119; säkulare 164; 
-skampf, akuter 76 ff; -smotiv 
22 f ; und Angst 42 f ; und 
Genitalität 128; und Hem- 
mung 85 ff; von Über-Ich- An- 
sprüchen 124; Vorbild der 35 



^93 



Vergessen, tendenziöses 15, 18 
Verinnerliehung 97, 103, 107, 

118, 131 ff, 138 f, 149; der 

Ambivalenz 118, 131 ff, 138 f 
Verlegung von unten nach 

oben 17 
Verliebtheit 61 
Versagung 114 f 
Verschiebung auf ein Kleinstes 

103, 141; Verschiebungseraatz 

41, 66, 103 
Versuchungssituation 48 ff, 94 
Verwöhnung 114 f 
Verzeihung 137 
Violinspielerkrampf 80 f 
Vital energie 64 
Vollrath 177 
Vorlust 112 

Wahnidee u. Angstvorstellung 51 
Wahrnehmungsangst 45, 48, 55 
Wandel der Neurosenbilder 12 
Waschzwang 102 f, 131 
Watermann 127 
Wechsler 178 
Wedekind 121 
Weiß 35, 162, 177, 187 
Wendung gegen das Ich 65 f, 

78 f, 132 ff, 156 
Westermann-Holatijn 177, 183 
„Wetten mit Gott'' 139 
Whole 178 
Widerstand 16, 32 f 
Wiederholungszwang 20 1, 98, 

125 f 
Wiederkehr aus der Verdrän-. 



gung 16, 45, 75, 102, 122, 

155 f, 164 
Willenslähmung 127, 134, 139, 

142, 149 
Wißtrieb 90 f 
Witteis 185 
Wohlgemuth 179 
Wolfsmann (Patient Freuds) 42, 

46, 47, 48, 66, 113 
Wollen, Hemmungen des 91 f 
Wörter, Allmacht der 143 f, 156, 

159 
Wörter =z Kot (symbolische 

Gleichung) 146 f, 155 
Wortverständnis 159 
Wortwelt 140 ff 
Wulff 115, 177, 179, 185, 187 
Wunscherfullungstheorie des 

Traumes 95 
Wut 49, 78 
Wyrubow 182 

Zähizwan^ 120, 123, 130 f 
Zärtlichkeit, überkompensierende 

32; und Sinnlichkeit 123 
Zauberformeln s. Abwehrformeln 
Zeichnerische Begabung 93 f 
Zeigelust s. Exhibition 
Zeit, Neurotisches Verhalten 

zur 148 
Zerrformen der Onanie 50, 68, 
Ziel des Triebes 58 [128 

ZuUiger 91, 183 
Zungeherausschneiden 158 
Zustandsbild und Krankheit 11 
Zwang, Erlebnis des 139; 



Z-sbewegungen 169 f; Z-s- 
Charakter 157; Z-sgebete 104; 
Z-sneigungen, infantile 115 
Zwangsneurose 101 ff; Abwehr- 
methoden der 107, 118 ff, 127, 
149;. akute 117 f; Charakter- 
veränderungen bei 107, 139 ff, 
147 ff; chronische 118 f; Denk- 
eigenheiten der 107, 124 f, 
139 ff; Indikation und Pro- 
gnose bei 149 ff; Neurosen- 
wahl der 114 ff, 152; Regres- 
sion bei 108 ff, 114 ff, 148 f ; 
Sadismus und Analerotik bei 
105 ff, 109 ff, 113 f; Schuld- 
gefühl bei 124; Über-Ich bei 
103, 107, 118 f, 124, 131 ff, 
146, 149; und Hysterie 101 ff; 
und Neurasthenie 68, 117; 
und Ödipuskomplex 105 f, 109 ff, 
115 f ; und Onanie 106, 128 ff; 
und Religion 145 f ; Verdrän- 
gung bei 119; Zusammenfas- 
sung der Theorie der 148 f 

Zwangsonanie 69, 102, 129, 142 

Zwangsskrupel 137 

Zwangszweifel 101 f, 107, 134, 
141 f 

Zweifelsucht 101 f, 107, 134, 
141 f 

Zweifrontenkampf des Ichs 86, 
118 f, 131 ff 

Zweizeitiger Ansatz des Sexual- 
lebens 8, 20, 22 

Zweizeitiges Symptom 104 f, 

ZwerchfeUkrampf 168 [125 f 



13 Fenichei, Hysterien und Zwangsneurosen 



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InKalt: Vorwort — I) Perversionen — ■ H) Perversions verwandte Ncu=^ 
rosen: a) Sonstige ncurotisdie Scxualstörungen/ h) ImpubKandlungen 
und Süchte — III) Die Schizophrenien — IV) Die manisch-depressive 
Gruppe — V) Charakterstörunsen — Literaturverzeichnis — Register 



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