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Full text of "Imago. Zeitschrift für Anwendung der Psychoanalyse auf die Geisteswissenschaften IV 1916 Heft 6"

IM AGO 

7FTTSCHRIFT FÜR ANWENDUNG DER PSyCHO^ 
ANALySE AUF DIE GEISTESWISSENSCHAFTEN 

HERAUSGEGEBEN VON PROF DR. SIGM. FREUD 

SCHRIFTLEITUNG: _ 

IV. 6. DR. OTTO RANK / DR. fiANNS SACHS 1916 



Einige Cliaraktertypen aus der psycfioanalytischen 

Arbeit. 

Von SIGM. FREUD. 

Wenn der Arzt die psydioanalytisdie Behandlung eines Nervösen 
durdiführt, so ist sein Interesse dabei keineswegs in erster 
Linie auf dessen Charakter gerietet. Er mödite viel eher 
wissen, was seine Symptome bedeuten, welAe Triebregungen suh 
hinter ihnen verbergen und durdi sie befriedigen, und über weidie 
Stationen der geheimnisvolle Weg von jenen Tnebwunsdien zu diesen 
Symptomen geführt hat. Aber die Tedinik, der er folgen muß nötigt 
deTär." bal^d, seine Wißbegierde vorerst -/-^-^^ Objekte -" 
riAten^ Er ben^erkt, daß seine Forsdiung durdi Widerstände bedroht 
Ztl die ihm der Kranke entgegensetzt, und darf diese Widerstände 
dem Charakter des Kranken zuredinen. Nun hat dieser Charakter 
rt«>n ersten Ansprudi an sein Interesse. , . , , 

Was siA der Bemühung des Arztes widersetzt, sind nidit immer 
die Charakterzüge, zu denen siA der Kr_anke bekennt, und die ihm 
von seiner Umgebung zugesprodien werden. Oft zeigen siA Eigen- 
«.iaftcn desKranken bis zu ungeahnten Intensitäten gesteigert, von denen 
r nur ein bcsAeidcnes Maß zu besitzen sdiien, oder es kommen 
Einstellungen bei ihm zum VorsAein, die siA In anderen Beziehungen 
des Lebens niAt verraten hatten. Mit der BesAreibung und Zurüdi= 
führung einiger von diesen überrasAenden Charakterzügen werden 
siA die naAstehenden Zeilen besAäftigen. 

•-.. ",■ . I. - 

;• ' .:■:■.-. D[q Ausnahmen. 

Die psyAoanalytisAc Arbeit sieht siA immer wieder vor die 
Aufgabe gestellt, den Kranken zum VerziAt auf einen naheliegenden 
und unmittelbaren Lustgewinn zu bewegen. Er soll niAt auf Lust 



INTERNATIONAL 

PSYCHOANALYTIC 

UNIVERSITY 

DIE PSYCHOANALYTISCHE HOCHSCHULE IN BERLIN 





i:!r:ii 



muTetfTndTp?^^^- "^d"*.^^"" "'^^ ^'^"ei^t keinem Mcnsdien zu. 
fahren^nlZ. J'^/'^SH^n "^"^ ihre Forderung, irdisAe Lust 



^ Nein der kII" Tu^S^'^f ^"^^ '" '^^^ 1^^^^^^ ^" gewähren. 
einTsA^i^ ,n. "fut"^ auf solcf^e Befriedigungen verziAten, denen 
nur den nS "tu'^H' ""*^°'^^' ^^ ^"^f' bloß zeitweilig entbehren, 
wenn .nri^ f f r? Lustgewinn gegen einen besser gesidierten, 
Worten 7r f "P^^*<>b^"^"' eintausdien lernen. Oder mit anderen 
LustD^'in. ^"f^';^der ärztlidien Leitung jenen Fortschritt vom 
der rHf.W/ 1""" Realitätsprinzip maAen, durdi welchen sidi 
Zl\tAlu^l°'^^''i^'^^^^^^ ß^' diesem Erziehungswerk 
ertlifi 7 EmsiAt des Arztes kaum eine entsdieidende Rolle, 

waf^li '" ^^^^^ tr"' ^'■^"^e" "'^fs anderes zu sagen, als 

r.trK' ^ Sern eigener Verstand sagen kann. Aber es ist niAt 
7H S. ^^7^Y^' s'* 2u wissen und dasselbe von anderer Seite 
er hlT"; ^.^f^'"^t übernimmt die Rolfe dieses wirksamen Anderen/ 
üht nA -^^^ Einflusses, den ein MensA auf den anderen aus. 

ühL icf'^^'T/'" '*''". ^"' ^^'•^"' <iaß es in der PsyAoanalyse 
^elZr ' A ^^^PS"S^iAe und Wurzelhafte an Stelle des Ab- 
bSent U""k ■ '""'^"^ r'" r"^"setzen, und sagen wir, der Arzt 
Lieb? %t ^^TuT P^'^J^^S^werk irgend einer Komponente der 
denV.rJ.ZA^'^''l ¥ '°'*^^ NaAerziehung wahrsÄeinliA nur 
Neben TTk' ''^''^^T r^'^ ^'''^ Erziehung ermögÜAt hat. 
un£w If. r'"°S f i^ f '^^^ ^'^ S^-oß^ Erzieherin, und der 
woJen^.^!? nT'^ ^V'-^.?^ Liebe der ihm Nä Asten dazu be. 
wogen auf die Gebote der Not zu aAten und siA die Strafen für 
deren Ut)er tretung zu ersparen. 

Fordert man so von den Kranken einen vorläufigen VerziAt 
auf irgend eine Lustbefriedigung, ein Opfer, die Bereitwilh'gkeit, zeit* 
weih'g für ein besseres Ende Leiden auf siA zu nehmen, oder auA 
nur den EntsA/uß, siA einer für alle geltenden Notwendigkeit zu 
unterwerfen, so stößt man auf einzelne Personen, die siA mit einer 
besonderen Motivierung gegen solAe Zumutung sträuben, Sie sagen, 
sie haben genug gelitten und entbehrt, sie haben AnspruA daraut, 
von weiteren Anforderungen versAont zu werden, sie unterwerfen 
siA keiner unliebsamen Notwendigkeit mehr, denn sie seien Aus^ 
nahmen und gedenken es auA zu bleiben. Bei einem Kranken solcher 
Art war dieser AnspruA zu der Überzeugung gesteigert, daü eine 
besondere Vorsehung über ihn waAe, die ihn vor derartigen sAmer^ 
liAen Opfern bewahren werde. Gegen innere SiAerheitcn, die sim 
mit soIAer Stärke äußern, riAten die Argumente des Arztes niAts 
aus, aber auA sein Einfluß versagt zunäAst, und er wird darauf 
hingewiesen den Quellen naAzuspüren, aus welAen das sAädliAe 
Vorurteil gespeist wird. 

Nun ist es wohl unzweifelhaft, daß ein Jeder siA für eine »Aus* 
nähme« ausgeben und VorreAte vor den anderen beanspruAen 
möAte, Aber gerade darum bedarf es einer besonderen und niAt 



Einige Charaktertypen aus der psydioanalytisdien Arbeit 



319 



überall vorfindlidhen Begründung, wenn er sidi wirklidi als Ausnahme 
verkündet und benimmt. Es mag mehr als nur eine soldie Begründung 
geben ■ in den von mir untersuditen Fällen gelang es, eine gemein- 
same Eigentümlidikeit der Kranken in deren frühen Lebensschick- 
salen nadizuweisen: Ihre Neurose knüpfte an ein Erlebnis oder an 
ein Leiden an, das sie in den ersten Kinderzeiten betroffen hatte, an 
dem sie sidi unsdiuldig wußten, und das sie als eine ungere Ate Benadi- 
teiligung ihrer Person bewerten konnten Die VorreAte die sie aus 
diesem UnreAt ableiteten, und die Unbotmäßigkeit, die siA daraus ergab, 
hatten niAt wenig dazu beigetragen, urn die Konflikte, die spater zum 
AusbruA der Neurose führten, zu versAärfen. Bei einer dieser Patien- 
tinnen wurde die besproAene Einstellung zum Leben vollzogen, als 
sie erfuhr, daß ein sAmerzhaftes organisAes Leiden, welAes sie an 
der ErreiAung ihrer Lebensziele gehindert hatte, kongenitalen Ur- 
sprungs war. Solange sie dieses Ldden für eine zufällige spatere 
Erwerbung hielt, ertrug sie es gedudig,, von ihrer Äufkarung an, 
es sei ein Stüdc mitgebraAter ErbsAaft, wurde sie rebellisA. Der 
junge Mann, der siA von einer besonderen Vorsehung^ bewadit 
glaubte, war als Säugling das Opfer einer zufälligen Infektion durA 
seine Amme geworden und hatte sein ganzes späteres Leben über 
von seinen EntsAädigungsansprüAen wie von einer Unfallsrente 
gezehrt, ohne zu ahnen, worauf er seine AnsprüAe gründete In 
seinem Falle wurde Ae Analyse, welAe dieses Ergebnis aus dunkeln 
Erinnerungsresten und Symptomdeutungen konstruierte, durA Mit- 
teilungen der Familie objektiv bestätigt. 

Aus leiAt vcrständÜAen Gründen kann lA von diesen und 
anderen KrankengesAiAten ein mehreres niAt mitteilen. JA will auA 
auf die naheliegende Analogie mit der Charakterverbildung naA langer 
KränkliAkeit der Kinderjahre und im Benehmen ganzer Völker mit 
leidensAwerer Vergangenheit niAt eingehen. Dagegen werde iA es 
mir niAt versagen, auf jene von dem größten DiAter gesAaffene 
Gestalt hinzuweisen, in deren Charakter der AusnahmsanspruA mit 
dem Moment der kongenitalen BenaAteiligung so innig verknüpft und 
durA dieses motiviert ist. 

Im einleitenden Monolog zu Shakespeares RiAard III. sagt 
Glostcr, der spätere König: 

»DoA iA, 2u Possenspielen niAt gemaAt, \: 

NoA um zu buhlen mit verliebten Spiegeln^ 
IA, roh geprägt, entblößt von L]ebes=Majestät 

' , Vor leiAt siA dreh'nden Nymphen siA zu brüsten/ 

', ,v IA, um dies sAöne Ebenmaß verkürzt. 

Von der Natur um Bildung falsA betrogen, 
Entstellt, verwahrlost, vor der Zeit gesandt ^ 

' In diese Welt des Atmens, halb kaum fertig 

GemaAt, und zwar so lahm und ungeziemend, 

- • Daß Hunde bellen, hink' iA wo vorbei/ 



iijiii £ 



■i'-'l 




Und darum, weil id. nidit als ein Verliebter 
,, -in bered 

gewillt ein Bösewidit 



U 



Kann^ür.end..,inerSer\^^^^ 
und beind den eitlen Freuden dieser Tage.« 



<Iie Beziehunriu u^ "i" Vk°" ^'^^^^ P^^^'-^n^'^rede wird vielleicht 
anderes zu sLen T iTi ^""^^ vermissen. RiAard sdieint nichts 
•A ^^iIl midi Lü£L%trfl''''^ in dieser müßigen Zeit und 
nidit als Liebon^r ?' u i ^ I"^ ^^^' ^^S^en meiner Mißgestalt midv 
intrigieen morden "7^^^'''" '^^""' ^^^^' '* ^^n Bösewkht spielen, 
Vierung m'üßte ied; Z ^^' T '^"'* ^^^ällt. Eine so frivole Moti^ 
^enn sidi n Ak Fm f' ^°u. ^"teilnähme beim Zuschauer erstid^en, 
<Ias StüA nsvLlo r' ^'"'TJ'^^ ^^^'^ärge. Dann wäre aber auA 
einen geheimen fe^ unmoglid. denn der Dieter muß bei uns 
schaffen vemeh.n^'""^ ^°" Sympathie für seinen Helden zu 
d GesAdhAk;-™!^'" ^'^ ß^^^underung für seine Kühnheit 



inneren/GeS^lTmTirm^^^^^^^ ^'"^ "^^^^'*^" 

deutet blo7r uti'T; '^i' R ^^"^'''S R'^^^^d^ ^^gt "i*^ ^"^^'- '' 
Wenn wS- aber die V^'^H '' T' ^^^ Angedeutete auszuführen, 
wir aoer diese Vervo stänrliVrTr.^ „l j j.,„r:..A^t- 



der AnsZi^v^n Fr'ivoIitT' d''"^'r"^ vornihmen, dann sAwindet 
führhdikeit n.w L™f'^f' 'Ja"'? .kommt die Bitterkeit und Aus^ 

dl 

m 

Na,u.. ha, -^■sAwrT.-uZTraVSfbf- ^' ''"" '"" 



Redit, und Ts t rdl' r-'""" ^'^^^talt gesAildert hat. zu ihrem 
Sympathie auA ZrA^^'^^'1^^'^^^'' ^'^^' ^emaAt, die unsere 
Nptm. k'! !" .I"*^ den BosewiAt erzwingt. Rs heiß dann: Die 



begangen, indem sie mir 



DasTeben s'mfr • ^r' \''^^ die Liebender MensAen gewinnt, 
holen werde Ut^ ^4 E^t^Aädigung dafür sAuldig, die iA mir 
miA übe/d^ R^ditl !?„ ^"^P^"* ^-^"f' -- Ausnahme zu sein. 



mim nbpr Aie> n^J 1 f -"■^piu'Ji udraur, eine /\usnanme zu öcui, 
lassen IA darf llk I^T ?" ^'"^^^^u setzen, durA die siA andere hindern 

Mdnun frff,Y '^7^*'^""' ^^""^" '">^ istUnreAt ges Aehen, - 

una nun tuhlen wir, daß w/r selbst so werden könnten wie Richard, 
J^daiiwir es im kleinen Maßstäbe bereits sind. jRiAard ist eine gigan= 
\Y/- ^ y^^Sfößerung dieser einen Seite, die wir auch in uns finden. 
Wir glauben alle Grund zu haben, daß wir mit Natur und SAiA- 
sal wegen kongenitaler und infantiler BenaAteihgung grollen,- wir 
fordern alle EntsAädigung für frühzeitige Kränkungen unseres Nar- 
zißmus, unserer Eigenliebe, Warum hat uns die Natur niAt die 
goldenen Lodcen Balders gesAenkt oder die Stärke Siegfrieds oder 
die hoheStirne des Genies, den edlen GesiditssAnitt des Aristokraten? 
Warum sind wir in der Bürgerstube geboren anstatt im KönigssAloß? 
Wir würden es ebenso gut treffen, sAön und vornehm zu sein, wie 
alle, die wir jetzt darum beneiden müssen. 

Es ist aber eine feine ökonomisAe Kunst des Diditers, daß er 
seinen Helden niAt alle Geheimnisse seiner Motivierung laut und Test= 
los aussprcAen läßt. DadurA nötigt er uns, sie zu ergänzen, be-^ 
sAäftigt unsere geistige Tätigkeit, lenkt sie vom kritisAen Denken 



I 



Einige Charaktertypen aus der psydioanalytisdien Arbeit 321 



ab, und hält uns in der Identifizierung- mit dem Helden fest, Ein 
Stümper an seiner Stelle würde alles, was er uns mitteilen will, in 
bewußten Äusdrudi fassen und fände sidi dann unserer kühlen, frei 
beweglidien Intelligenz gegenüber, die eine Vertiefung der Illusion 

unmöglid) madit, ^ < < < , 

Wir wollen aber die »Ausnahmen« mit verlassen, ohne zu 
bedenken, daß der Ansprudi der Frauen auf Vorredite und Befreiung 
von soviel Nötigungen des Lebens auf demselben Grunde ruht. Wie 
wir aus der psydioanalytisdien Arbeit erfahren, betraditen sidi die 
Frauen alle als infantil gesdiädigt, ohne ihre Sdiuld um ein Stüdi 
verkürzt und zurüdigesetzt, und die Erbitterung so mandier Toditer 
eejjen ihre Mutter hat zur letzten Wurzel den Vorwurf, daß sie 
sie als Weib anstatt als Mann zur Welt gebradit hat. . :: 

IL " -■ - - -■ .-:"■■■ -'''''^': 

Die am Erfolge sdieitern. 

Die psydioanaly tische Arbeit hat uns den Satz gesdienkt: Die 
Menseben erkranken neurotisdi infolge der Versagung. Die Ver- 
sagung der Befriedigung für ihre libidinösen Wünsdie ist gemeint, 
und ein längerer Umweg ist nötig, um den Satz zu verstehen. Denn 
zur Entstehung der Neurose bedarf es eines Konflikts zwisdien den 
libidinösen Wünsdien eines Mensdien und jenem Anteil seines 
Wesens den wir sein Idi heißen, der Ausdrudi seiner Selbst- 
erhaltungstriebe ist und seine Ideale von seinem eigenen Wesen ein- 
sdiließt Ein soldier pathogener Konflikt kommt nur dann zustande, 
wenn sidi die Libido auf Wege und Ziele werfen will, die vom Idi 
längst überwunden und geäditet sind, die es also audi für alle 
Zukunft verboten hat, und das tut die Libido erst dann, wenn ihr 
die Möglidikeit einer idigerediten idealen Befriedigung benommen ist. 
Somit wird die Entbehrung, die Versagung einer realen Befriedig 
gung die erste Bedingung für die Entstehung der Neurose, wenn 
aucii lange nidit die einzige. 

Um so mehr muß es uberrasdiend, ja verwirrend wirken, wenn 
man als Arzt die Erfahrung madit, daß Mensdien gelegentlidv gerade 
dann erkranken, wenn ihnen ein tief begründeter und lange gehegter 
Wunsdi in Erfüllung gegangen ist. Es sieht dann so aus, als ob 
sie ihr Glück nidit vertragen würden, denn an dem ursädilidien 
Zusammenhang zwisdien dem Erfolg und der Erkrankung kann 
man nidit zweiteln. So hatte idi Gelegenheit, in das SdiiAsal einer 
Frau Einsidit zu nehmen, das idi als vorbildlidi für soldie traeisdie 
Wendungen besdireiben will, ^ 

K°f !1^^' Herkunft und wohlerzogen, konnte sie als ganz 
junges Mäddien_ ihre Lebenslust nidit zügeln, riß sidi vom Eltern- 
haus los und trieb sidi^ abenteuernd in der Welt herum, bis sie die 
ßekanntsdiatt eines Künstlers maditc, der ihren weibüien Reiz zu 

Ima^o lV/6 21 




1 1 



1 1^1 



^^^^r^^^^^^^^ |inere Anlage an der Herab^ 

gewann an ihr *.;^« l vci stand, tr nahm sie in sein Haus und 
nur die bürierlire RT"^,^.'^'"'^^^ährtin, der zum vollen Glüdc 
langem Eusam^' „r .^^'^^^'''"erung zu fehlen sdiien. NaA jahre^ 

<lem Gesetz zu r^l^, i ^f """ ^^'•^''f' ^'^ 2" «einer Frau vor 

werden so* eS/^1^'"'' <^f^" reAtmäßige Herrin sie nun 
in d^e VJmiii; . f f!'* ^"' 7.'^''^°'^^ ^«" ^^» Verwandten, die sie 
lose Eifersuif li" V ", T"^f"' ^P^"-«^ ^^"^ Manne durA sinn. 
Arbek und ti-f ''" ^ '^ '<"^""'' ''"' '" '"'"^^ künstlerisAen 

Eine ande . R. K '2 ""J^^^iJ^^are seelisd.e Erkrankung. 
" Mann Tr .;Z^ I 5"^^""/ ^^'^^^ "^'•- ^i"^" ^öAst refpektabfen 
greifliAen Wunä "'^^.^^'^'f *^^ Lehrer, durd. viele Jahre den be- 
te ers zu wr^ ^""f'' ^""\ ^^•- N^^fo'^er im Lehramt seines 
baue Als nJrr' d'^''"' '^^^^^ '" ^'"^ Wissensdiaft eingeführt 
teilten daß kSn .n7 ^"t'''" ^'"^"^^ ^'^^" ^'^ Kollegen ihm mit. 
beS er zaS.ff '"■ ^' "'' ^^ dessen Nadifol.er alsersehen sei, 
sich für unwü& ? T'"^""' verkleinerte seine \^erdienste, erklärte 
fiel in einrÄiol- ''^"\.^"SecIaAte Stellung auszufüllen, und ver. 
TätigkeTau^di^Itt ' ^" '^" ^"^ ^'^ "^*^^- J-'-- von |eder 

doA if deTefnen zu.f "' ^'!?'«" f ^"^ ^°'-^ «-^^ ^'^ ^-ff-" ^'^ 
erfüllung hfn Sirt nnTf' O^ t ?^krankung auf die Wunsd.. 

der Me^sA erkraS rv '" '^'^^'" Erfahrungen und dem Satze, 
sAeidun^HnPr r R an Versagung, ist niAt unlösbar. Die Unter. 
a7 Wfnn Tn ?"^g''^'^'?^" ^ö" einer inneren Versagung hebt ihn 
Sido ihr^ R f^'/^^^'^^l t' ^^'f^^' weggefallen ist an dem die 
Vef^Ltl ¥'''^^'S""g finden kann, so 'ist dies eine äußerliAe 
lan^r .^I^' 2^ "^ ^" ^'"^ wirkungslos, noA niAt pathogen, so 
vomM "f. ^'"^ J"".''^ Versagung zu ihr gesellt. Diese muß 
Tr^n ^"i^^^^" «'^d der Libido andere Objekte streitig maAen, 
nn7"c x/. f. w"" ^^mäAtigen x^ill. Erst dann entsteht ein Konflikt 
und die MoghAkeit einer neurotisAen Erkrankung, d. h. einer Ersatz- 
Detnedigung auf dem Umwege über das verdrängte Unbewußte. 
Uie mnere Versagung kommt also in allen Fällen in BetraAt nur 
tritt sie niAt eher in Wirkung, als bis Ae äußerliAe reale Ver. 
sagung Ae Situation für sie vorbereitet hat, In den Ausnahmsfällen, 
wenn die MensAen am Erfolg erkranken, hat die innere Versagung 
•• ß Ä. Hz" gewirkt ja sie ist erst hervorgetreten naAdem die 
bllt etaT mf T' ^" WunsAerfüIIung Plat'z gemaAth* Daran 
FrwLnn. h '''''" ^V'1^"'" Auffälliges, aber bei näherer 

firZ^jJ^ \w' T 1°*' ^' ^^' sA niAt ungewöhnliA, 

T?Li J Pu'T -^^T"^ ^^^ ^"^'"^«^ toleriert, solange er ein 
Dasein als Phantasie fuhrt und ferne von der Erfüllung sAeint, 
wahrend es siA sAarf gegen ihn zur Wehre setzt, sobald er siA 



\m"v: 



Einige Charaktertypen aus der psydioanatytischen Arbeit 



323 



der Erfüllung nähert und Realität zu werden droht, Der Unter- 
sdiied gegen wohlbekannte Situationen der Neurosenbildung liegt 
nur darin, daß sonst innerlidie Steigerungen der Libidobesetzung die 
bisher geringgesdiätzte und geduldete Phantasie zum gefurditeten 
Gegner machen, während in unseren Fällen das Signal zum Aus. 
brudi des Konflikts durdi eine reale äußere Wandlung gegeben wird. 
Die analytisdie Arbeit zeigt uns leicht, daß es Gewissens^ 
mächte sind, welche der Person verbieten, aus der gludlidien realen 
Veränderung den lange erhofften Gewinn zu ziehen. Eine sdiwierige 
Aufgabe aber ist es! Wesen und Herkunft dieser nditenden und 
strafenden Tendenzen zu erkunden, die uns durA ihre Existenz oft 
dort überrasAen, wo wir sie zu finden nidit erwarteten. Was wir 
darüber wissen oder vermuten, will ich aus den bekannten Grüneren 
nidit an Fällen der ärzdiAen Beobachtung sondern an Gestalten 
erörtern, die große DiAter aus der Fülle ihrer Seelenkenntnis er- 

sAafFen haben. t^ r < i, -jl^ a. 

Eine Person, die naA erreiAtem Erfolg zusammenbriAt, naA^ 

dem sie mit unbeirrter Energie um ihn gerungen hat, ist Shakespeares 
Lady Macbeth. Es ist vorher kein SAwanken und kein Anzeichen 
eines inneren Kampfes in ihr, kein anderes Streben, als die Bedenken 
ihres ehrgeizigen und doA mildfühlenden Mannes zu besiegen. Uem 
Mordvorsatz will sie selbst ihre Weibli Akeit opfern ohne zu erwägen, 
welA entsAeidende Rolle dieser WeibliAkeit zufallen muß, wenn es 
dann gelten soll, das durA VerbreAen erreiAte Ziel Ares bhr= 
geizes zu behaupten, 

<Akt I, Szene 5>: 

»Kommt, ihr Geister, 
Die ihr auf Mordgedanken lausdit, entweiht miA.« 
____^^ — — — — An meme Brüste, 
Ihr Mordeshelfer! Saugt mir MilA zu Galle!« .^ ^ ;. 

<Äkt I, Szene 7>: ' ~. 

»lA gab die Brust und weiß. 
Wie zärtÜA man das Kind liebt, (las man tränkt. ./ 

Und doA, dieweil es mir ins Antlitz laAelt, . r 

^X/^ollt' reißen iA von meinem Mutterbusen ^^ ■.;.;> .-• 

Sein zahnlos Mündlein, und sein Hirn aussAmc tern, , • .. ,. ... 
Hätt' iA's gesAworen, wie du jenes sAwurst!« 
' Eine einzige leise Regung des Widerstrebens ergreift sie vor 
der Tat: 

(Akt II, Szene 2) : ■ 

»Hätt' er gegliAen meinem Vater niAt 
Als er so schlief, iA hätt's getan,« 

Nun, da sie Königin geworden durA den Mord an Duncan, 
meldet siA flüAtig etwas wie eine EnttäusAung, wie ein Uberdrul), 
Wir wissen niAt, woher. 

21» 



324 



Sigm. Freud 




<Akt III, Szene 2); , ; ;. 

:; »Nldits hat man, alles Lüge, 

Crelingt der Wunsch, und fehlt dodi die Genüge, 

Als durA Zerstörung ew'ger Angst zu sdiwören.« 

Dodi hält sie aus. In der nadi diesen Worten folgenden Szene 
des öanketts bewahrt sie allein die Besinnung, dedt die Verwirrung 
inres Mannes, findet einen Vorwand, um die Gäste zu entlassen, 
und dann entschwindet sie uns. Wir sehen sie <in der ersten Szene 
aes tuntten Aktes) als Somnambule wieder, an die Eindrüde jener 
Mordnadit fixiert. Sie spridit ihrem Manne wieder Mut zu wie damals: 

. . »Pfui, mein Gemahl, pfui ein Soldat und furditsam? - Was 

,_ habeij wir zu fürditen, wer es weiß? Niemand zieht unsere MaAt 
zur Rediensdiaft.« — — — 

Sie hört das Klopfen ans Tor, das ihren Mann naA der Tat 
ersAredte. Daneben aber bemüht sie sidi »die Tat ungesAehen zu 
maAen, die niAt mehr ungesAehen werden« kann. Sie wäsAt ihre 
rtande die mit Blut befleAt sind und naA Blut rieAen, und wird 
der VergebhAkeit dieser Bemühung bewußt. Die Reue sAeint 
sie niedergeworfen zu haben, die so reuelos sAien. Als sie stirbt, 
hndet Macbeth, der unterdes so unerbittliA geworden ist, wie sie 
siA anfangliA zeigte, nur die eine kurze NaArede für sie: 

<Akt V, Szene 5): 
»Sie konnte später sterben. 
Es war noA Zeit genug für solA ein Wort.« 

Und nun fragt man siA, was hat diesen Charakter zerbroAen, 
der aus dem härtesten Metall gesAmiedet sAien? Ist's nur die Ent-- 
tausAung, das andere GesiAt, das die vollzogene Tat zeigt, sollen 
wir rüdsAließen, daß auA in der Lady Macbeth ein ursprüngliA 
weiAes und weibliA mildes Seelenleben siA zu einer Konzentration 
und HoAspannung emporgearbeitet hatte, der keine Andauer be^ 
sAieden sein konnte, oder dürfen wir naA AnzeiAen forsAen, die 
uns diesen ZusammenbruA durA eine tiefere Motivierung mensAIiA 
näher bringen? 

lA halte es für unmögliA, hier eine EntsAeidung zu treffen. 
Shakespeares Macbeth ist ein GelegenhcitsstüA, zur Thron= 
besteigung des bisherigen SAottenkönigs James gediAtet Der Stoff 
war gegeben und gleiAzeitig von anderen Autoren behandelt worden, 
deren Arbeit Shakespeare wahrsAeinliA in gewohnter Weise ge- 
nutzt hat. Er bot merkwürdige Anspielungen an die gegenwärtige 
Situation. Die .)ungfrauliAe« Elisabeth, von der ein Gerede wissen 
wollte daß sie nie imstande gewesen wäre, ein Kind zu gebären, 
Ae siA einst bei der NaAriAt von James' Geburt im sAmerzliAen 



Einige Charaktertypen aus der psydioanalytisAen Arbeit 



325 



Aufsdirei als »einen dürren Stamm« bczeiAnet hattet war eben 
durch ihre Kinderlosigieit genötigt worden, den SAottenkonig 2U 
ihrem Nadifolger werden zu lassen. Der war aber der 6ohn jener 
Maria, deren Hinriditung sie, wenn audi widerwillig, angeordtiet 
hatte, und die trotz aller Trübung der Beziehungen durdi pohUsAe 
RüAsiditen dodi ihre Blutsverwandte und ihr Gast genannt werden 

konnte. „ , < 

Die Thronbesteigung Jakobs I. war wie eine Demonstration des 
Fludies der Unfruditbarkeit und der Segnungen der fortlaufetiden 
Generation. Und auf diesen nämÜAen Gegensatz ist die Entwiddung 
in Shakespeares Macbeth eingestellt. Die Sdii^disalssAwestern haben 
ihm verheißen, daß er selbst König werden, dein Banquo aber daß 
seine Kinder die Krone überkommen sollen Macbeth empört Sid^ 
gegen diesen Sdiidsalssprudi, er begnügt sidi nidit mit der Betne-^ 
digung des eigenen Ehrgeizes, er will Gründer ^"^^^Dynast.e ein 
und nidit zum Vorteile Fremder gemordet haben. Man übersieht 
diesen Punkt, wenn man in Shakespeares Stüd nur die Tragödie 
des Ehrgeizes erbÜden will. Es ist klar, da Macbeth selbst n.ch 
ewig leben kann, so gibt es für ihn nur einen Weg, den 1 eil der 
Prophezeiung, der ihm widerstrebt, zu entkräften, wenn er nam A 
selbst Kinder hat, die ihm nadifolgen können. Er sdiemt sie audi 
von seinem starken Weib zu erwarten; 

, ..; - '-. " <Akt I, Szene 7): 

"--''" ~ »Du, gebier nur Söhne, 
•-.:;. Nur Männer sollte dein unsdircAba^Mark 

• ■-" Zusammensetzen,-« — — — 

Und ebenso klar ist, wenn er in ^'^^^'' Erwartung getäu^^^^^^ 

wird, dann muß er siA dem SAidcsal ^'f ^^f^^"' PJ'^^JfT^Wüten 
verliert Ziel und Zwed. und verwandelt sidi in ^as binde Wut^n 
eines zum Untergang Verurteilten, ^er vorher noA was ,hm^^^^^ 

bar ist, verniAten will. Wir sehen, daß ^^ff.tlwTntn^^^^ 
durAmaAt, und auf der Höhe der Tragödie ^^^^IJ^^^^ ^^^ 
sdiütternden, so oft sdion als vieldeutig erkannten ^usrut der^^^^^^^ 
SAlüssel für seine Wandlung enthalten könnte, den Ausruf Macdutts. 

.;-- ; -V. ;. ^ v . ^^kt IV, Szene 3); ^ ■' ■ ,^_ .. - 

»Er hat keine Kinder.« • : ' . . • • 

^^v Das heißt gewiß: Nur weil er selbst km^erlos ist, konnte ^ 
meine Kinder morden, aber es kann audi mehr in sidi fassen und 

' Vgl. Macbeth <Akt III, Szene 1): 
_ -' -. »Auf mein Haupt setzten sie unfruditbar Gold, 

" ■■ ■ - Ein dürres Zepter reiditcn sie der Faust, 

• Daß es entgleite dann in fremde Hand, 
Da nicht mein Sohn mir nachfolgt. — — — 



P'! ! 




Sigm. Freud 



uLuT ""'^.^ ^' "^^^ tiefste Motiv bloßlegen, welAes sowohl 
Macbeth weit über seine Natur hinausdrängt, als auch den Charakter 
2Ju 2^'^'' ^" 'f'"^' ^'"^'S sdiwadien Stelle trifft. Hält man 
IZiA: "" ^T ^^"^ Gipfelpunkt, den diese Worte Macduffs 

vSlTl^-'''/^ "f^^ ™^" ^^^ ganze Stüd. von Beziehungen auf das 
istl^^n 'f''^^^' durdisetzt. Der Mord des gütigen Duncan 
den v5 '"'^'''' '■' "''^ Vatermord, im Falle Banquos hat Macbeth 
Stet .r / ^^^^'T' ""^^'^"^ ''^"^ ^er Sohn entgeht, bei Macduff 
und .tn ^^f ^'^^^'^^.^eil ihm der Vater entflohen ist. Ein blutiges 
BesVj,"/ '' ^'"<^ '^^^^" '^"1 Ji^ SAid^salssdiwestern in der 

ßesdiworungszene ersAcitien, das bewaffnete Haupt vorher istwoh 
des RäL ^1' ^T^T'^^^''"^' aber erhebt sidi die düstere Gestalt 
de St ' •^''^^"?' ^^' ''^^'' <^'"<^ Ausnahme von den Gesetzen 
aus \yZT-l "''i^ ^' "'*t ^°" seiner Mutter geboren, sondern 
aus Ihrem Leib gesAnitten wurde 

PoetisS^n'r'^ nun durdiaus im Sinne der auf Talion aufgebauten 
UnÄLA'v*^'?''''S^^"'^ ^*^ Kinderlosigkeit Macbeths und cl.e 
gegen dit Hl- T^'^^'^y die Strafe wären für ihre VerbreAen 
Sn knn ,' ^^^".' ^''. Generation, wenn Macbeth nidu Vater 
Sr .e° nb^ ^f '' ^^" K'"^^--" ^'^ Vater und dem Vater die 
völKÄ """^ T"" ^'* ^° ^" ^l^'-Lady Macbeth die Entweihung 
lA Se ^1' '" ^"'' T ^'^ Geister des Mordes aufgerufen h a ■ 
d* VerwanZn/r"t^^ ohneweiters die Erkrankung der ^7; 
KindeSirV^l'^P^^^^^ in Reue, als Reaktion auf ih^e 

ungen de n1'/"^*. ^'*^ ^'^ von ihrer Ohnmadit gegen die SatZj= 
daß ihr Verbr'^ ".^'^"/"«^ ""J gleiAzeitig daran gemahnt wird/ 
TeH seines Er t^ ^"k^* '^^ ^'S--^ Versdfulden un. den besseren 
den Stoff d;rur\"°''"^f^^d<l577>,auswekherShakespeare 

Erwähnung L T?.'^''*^ ^^^Pf^«^' ^^det die Lady nur eine einzige 
um selbst yl ^^'•S^'^iSe, die ihren Mann zum Morde au staAc t, 
von eine Fn"?^^^ ^"'^'"' ^^" 'l"-^" ^^'^'^'•''" ^d^id^salen u'd 
blutigLwütä '*-''.!" tt'^^"^'""S im Charakter Macbeths zum 

Duncan dtS' ^ K ^!' Holinshed liegen zwisdicn dem Mord an 

taten z;hnfahrT ^"'^f^ ^°"'^ ^'^^ ""^ -"-" ^^'^^•"" ^^t 
Herrsdier erwett p" ''""T ^•' ^'* ^'^ ^»renger, aber gered^^^ 
Änderung e ^«1; ^? "i* ^'^^^'^ Zeitraum tritt bei ihm d'e 
die Banquo ep'teZ Pr T ^"^'^"'^ ^'^'' ^"älenden BefürAtung, dal) 
seines l^nen Sd)il°f tf '""^ ^'* ^''^"'^^ ^'•f""'^" ^^ö""'' T wtd 
^ie beiÖesDet^v • ^"" ^«-^f ^^l^^ er Banquo töten und ;^J^ 
Es wird auA be Hn?" T";*" Verbred.en zum anderen fortgerissen^ 
Kinderlosigkdt is J^u'^^'^u "**^ ausdrüddidi gesagt, daß es seine 
2^it und Raum füT i^' '''" ^"^ ^i^^^" Weg treibt, aber es bl<^b 
Shakespeare ratemrn'?" naheliegende Motivierung. Anders b^ 
in atemraubender I last jagen in der Tragödie die br 





Einige Charaktertypen aus der ps/choanalytisAeii Arbelt 



327 



eignisse an uns vorüber, so daß siA aus den Angaben der Personen 
im Stüde etwa eine Woche als die Zeitdauer ihres Ablaufes be- 
redten läßti. Durdi diese Besdileuni^ung wird all unseren Kon- 
struktionen über die Motivierung des Umsdiwungs im üharakter 
Macbeths und seiner Lady der Boden entzogen Es fehlt die Zeit, 
innerhalb weldier die fortgesetzte Enttäusdiung der Kinderho&nung 
das Weib zermürben und den Mann in trotzige Raserei treiben konnte, 
und es bleibt der WiderspruA bestehen, daß soviel feine Zusammen^ 
hänge innerhalb des Stüdces und zwisdien ihm und seinem Anlal) 
ein Zusammentreffen im Motiv der Kinderlosigkeit anstreben, wahrend 
die 2eitlidie Ökonomie der Tragödie eine 91^^;^^^^'"^"^^^^'""^ ^"' 
anderen als den innerÜdisten Motiven ausdrüddidi ablehnt. 

Weldies aber diese Motive sein können, die '" ^o kurzer ^eit 
aus dem zaghaften Ehrgeizigen einen hemmungslosen U^JtenA und 
aus der stahlharten Anstifterin eine von Reue zerkn.rsAte Kranke 
madien, das läßt siA meines EraAtens nidit erraten. I^ me ne wir 
müßten darauf verziAten, das dreifaA gesAiditete Dunkel zu du A- 
dringen, zu dem siA die sAleAte Erhaltung des Textes, die un. 
bekannte Intention des DiAters und der geheime Sinn ^^^ f^f ^ J'^ 
verAAtet haben. lA möAte es auA niAt gelten lassen <^f^l^^^ 
einwende, solAe UntersuAungen seien müßig angesiAts der grolV 
artigen Wirkung, die die Tragödie auf den ZusAauer ausübt üer 
Dichter kann uns zwar durA seine Kunst während der Darstellung 
überwältigen und unser Denken dabei lähmen, aber er kann uns nidit 
daran hindern, daß wir uns naAträgliA bemühen, ^'^^e Widmung 
aus ihrem psyAologisAen MeAanismus zu .i'^gi^^f^"\^^Ji* .^'^ ^'^ 
merkung, es stehe dem DiAter frei, die "^t^^''*/ .^^'^n ^^^^^^^^ 
ihm vorgeführten Begebenheiten in beliebiger Y'-'^rxl^/Hn, S 
^enn er durA das Opfer der gemeinen Y^l^^^*^'"''f ^^ ^Z^^, „ ^^^ 
gerung des dramatisAen Effekts er^ieen kann, sAent mir h^^^^^^^^^^^ 
an ihrem Platze. Denn ein solAes Opfer ist doA nur ^^ ^^f j^^^^^^^^^ 
wo es bloß die WahrsAeinliAkeit störtj, ^^^J "^^^^ ^kune ^r^ 
sale Verknüpfung aufhebt, ^"d der dramatisAen Wirkung ^ 
kaum AbbruA gesAehen, wenn der Eeitablauf "jb^t^fxfl e n" 
wäre, anstatt durA ausdrüAÜAe Äußerungen auf wenige läge ein- 

geengt zu werden. ,, . j J^o A/farbpth als 

Es fällt so sAwer, ein Problem w das des Macbeth als 

unlösbar zu verlassen, daß iA noA den VersuA wge eine^e- 
merkung anzufügen, die naA einem neuen Ausweg wc^stLudwg 
lekels hat kürzHA in einer Shakespeare^Studie ein S^f^^^/^^^^^ 
des DiAters zu erraten geglaubt, welAes auA für Macbeth in Be^ 
traAt kommen könnte. Er meint, daß Shakespeare häufig einen 
Charakter in zwei Personen zerlegt, von denen dann jede unvou- 

' J. Darmstettcr, Macbeth, Edition classique, p, LXXV, Pans von ihm 
^ Wie in der Werbung RiAards III. um Anna, an der Bahre des von inm 
ermordeten Königs. 



liir 


1 'i 


: i ■ '■ 




und der Ladv P^ zusammensetzt So könnte es aud. mit Macbeth 
sollte man sfe aT^.ThlT ''d''"^' -^ "atürliA zu niAts führen, 
vierun^ihrer Umt '^'^^'^"^iS^ l^'^^n fassen und nadi der Moti^ 

aber idi wiH rlo4, ^".."^"^en, ich folge dieser Spur nidit weiter, 

fassun* I^^ zt dtßl^A "' T'^ ^" ^° ^"^f^"''^^^ ^cise diese Auf. 
beth hivo br;^^^^^^ de Angstkeime, die in der Mordnadit bei Mac 

^^idlun^?in*n/ P*'-^'' ^^'?' ^°"^^'-" b^' ^^^ Lady zur Ent. 
des Dofdies .S ■ f. ? "' ^"f ^°^ ^^'- '^^^ die Halluzination 
verfällt er hafnS^^' aT ''l' *' ^P^^^^^ '^'' S^'^^igen Erkrankung 
nidht mehr ulT^ dem Morde im Hause sdireien'gehört; SAIaft 
i Äen .h """'^'^ .^"" ^'^^^^f ""d also soll Macbeth nidit 
nid^t mehf sAIäfr ^'^^ ^7^^"^^" /^'*ts davon, daß König Macbeth 
SAIafraufstfhr !:, T T"^ ^'1 f 4""' ^^'^ die Königin Ls ihrem 
los da mÄ "n h"''^'^'"^ n^ '^'' ^*"^^ ^^"•ä''' ^^ ^tand hilf, 
nidit re,Wa.rJl" M^'ü ""^ ^'^^^^' ^^^ ^" des Meergotts Flut 
St uTs ab dL T.f ^.""^%^'^ ^'•östete damals: Ein wenig Wasser 
C^-^v'mndel?'A.t^'A^f''i''.'''^ ^'' die eine Viertelstunde 
tigeVkann Tiflp Wo l''"'*-i'' M^^^""S des Blutes nidu besei^ 

er in seiner Gewi«<.nctn .' c- t '^ ^° ^^^^^^^ sidi an ihr, was 
Tat, er wld deTfror f ^l"!-*;'^^ ^^e wird die Reue nad. der 
der Reaktion auf dl.% 1 "IJ^^Pf^" miteinander die MögliAkeiten 
einzigen pyAislnIn/-^f*'"' ^j" "'^^' ""^'"'^^ Anteile einer 
zigen Vorbilds ^"^'^'^"^''^at und vielleid^t Nachbilder eines ein- 

beantworten Snn"" ^"' ^"'^'' ^"^ ^^"^y Macbeth die Frage niAt 
samrir°St .0 • tT"'"'^ '% "^* ^^"^ Erfolge als Kranke zu- 
sSw ein.. T^' ""' I^'""'*^ -^'"^ ^^^^^^' AussiAt bei der 
ÄloiAen r1''' VT?^'" Dramatikers, der die Aufgabe der 
folgen St ^^^^"^diaft mit unnadisiditiger Strenge zu ver^ 

AdoDHvi^^i!-^!??^'^''^ ^°'^^' ^'"'^'" Hebamme, ist von ihrem 
Fesse iTer o.i? .^''' fl' ^^^'^^"1^^"" ""d Veräd^terin jener 
dete sfttSr^T r' ^^^'^^/'"^ auf religiösem Glauben gegrün. 
defDok f^. ' tl ff^"'^T1l'V^^^^^ "^öAte. NaA demtode 
Smmlz eln7f if ' r lt>^""]^"^^ '" Rosmersholm, dem 
niä? kennen und ^j ^^ ^^^^leAtes, dessen Mitglieder das LaAen 

hatÄRoleto'irhts^n^^^^ 

RebeTk^'die Fra * dte itt Wef''lT ^"^"" ''^"^'"' ^^^*''^^^ 
sidi dabei ihres "mulen 'Tj^f ^^^'^f' wegzuräumen, und bedient 
2!_ ^>"i"^'S€n. fre.geborenen«, durA keine RüAsiditen 

' Vgl, Darmstetter I. c. 



PPPIPipppllllil 



Einige Charaktertypen aus der psydioanatytischen Arbeit 



329 



gehemmten Willens. Sie spielt ihr ein ärztlidies Budi in die Hand, 
in dem die Kinderzeugung als der Zwed der Ehe hingestellt wird, 
so daß die Arme an der BereAtigung ihrer Ehe irre wird, sie laßt 
sie erraten, daß Rosmer, dessen Lektüre und Gedankengange Sie 
teilt, im Begriffe ist, sidi vom alten Glauben bszumadien und die 
Partei der Aufklärung zu nehmen, und nadtdem sie so das V er-- 
trauen der Frau in die sittlidie Verläßlidikeit 5^^^^^^^"^" f f *""Yi 
hat, gibt sie ihr endlidi zu verstehen, daß sie selbst, Rebekka, bald 
das Haus verlassen wird, um die Folgen eines unerlaubten Verkehrs 
mit Rosmer zu verheimliAen. Der verbredierisdie Plan gelmgt. Uie 
arme Frau, die für sAwermütig und unzuredinungsfahig gegolten 
hat, stürzt siA vom Mühlensteg herab ins Wasser, «ni fefuhl des 
eigenen Unwerts und um dem GlüAe des gehebten Mannes mdit 

'"" "^Sdt Ja\rTnd Tag leben nun Rebekka ""^ R°^«^^^ ^"^j" ^^"^ 
Rosmersholm in einem Verhältnis, welches er für eine rein §e st.ge 
und ideelle FreundsAaft halten will. As aber von ^^^^^j^l]/'^ 
ersten Statten der NaArede auf dieses Verhältnis ff ^"'J^^'^' 
zeitig quälende Zweifel in Rosmer rege gemadit werden TuulS^l 
Moüven seine Frau in den Tod gegangen ist bittet er Rebekka seine 
zweite Frau zu werden, um der traurigen Vergangenheit eine neue 
lebendige WirkliAkeit entgegenstellen zu können. <Akt li.> ^'<: )u°^'^ 
bei diesem Antrage einen Augenblidi lang auf, aber sdion im nadis en 
erklärt sie, es sei unmöglidi, und wenn er weiter in sie dringe, werde 
sie .den Weg gehen, den Beate gegangen ist«. Verstandn.sbs nimmt 
Rosmer diese Abweisung entgegen • "oA unverstandhdjer ist s^e aber 
für uns, die wir mehr von Rebekkas Tun und AbsiAten wissen 
Wir dürfen S nidlt daran zweifeln, daß ihr Nein -nsj gememt st. 
Wie konnte es kommen, ^aß^clie Abenteurerin mit dem^ut.gen 
freigeborenen Willen, die siA ohne jede R"^^;*^^ j^" ^w^, "^a 

VerwirkliAung ihrer J^^^^l^^t^r^^^^^^^^^^^ st^it 

ihr angeboten wird, die Frudit des ™Ses z P ^ 

uns selbst die Aufklärung im vierten M^ Das^ do* ^^^^^^ 
Furditbare, jetzt, da alles Gludi der Welt m.r mn v 
geboten wird, - jetzt bin iA eine ^<>^^^SV'Zi2rrT. sTe Tst 
eigene Vergangenheit mir den Weg zum Glud. J^'" P;;;^;;^^ ^ 
also eine andere geworden unterdes, ihr Gewissen '^^^^J^* ^^^'j' 
hat ein SAuldbewußtsein bekommen, welAes ihr den Genuß versagt^ 
Und wodurA wurde ihr Gewissen geweAt?lioreA wir s^ 
selbst und überlegen wir dann, ob wir ihr voll Glauben sAenken 
dürfen, .Es ist die LebensansAauung des »auses Ro rner ode 

wenigstens deine LebensansAauung, - de '^^'"^" Y'^^^f ",f' Qe- 
hat '. . Und ihn krank gemaAt hat, Ihn gekneAtet hat mit Ge 
setzen, die früher für miA niAt gegolten haben. Das Zusammen 
leben mit dir, - du, das hat meinen Sinn g^^^f'l , . 

Dieser Einfluß, ist hinzuzunehmen, hat sjA ^^^ f 'tendje 
maAt, als sie mit Rosmer allein zusammenleben durtte,- 



in 



330 



Sigm- Freud 



vi' tTf '" Einsamkeit, - als du mir deine Gedanken alle ohne 
Vorbehalt gabst, — eine jeglidie Stimmung, so wid\ und so fein 
wie du sie fühltest, — da trat die große Umwandlung ein«. 
( f w ^°lj^^'* ^^"^ s'^ «^i^ andere Seite dieser Wandlung be* 

klagt: »Weil Rosmersholm mir die Kraft genommen hat, hier ist 
mein mutiger Wille gelähmt worden. Und versdiandelt! Für midi 
ist die Zeit vorbei, da idi alles und jedes wagen durfte. lA habe 
die bnergie zum Handeln verloren, Rosmer.« 

Diese Erklärung gibt Rebekka, nadidem sie sidi durdi ein 
treiwilhges Geständnis vor Rosmer und dem Rektor Kroll, dem 
Bruder der von ihr beseitigten Frau, als Verbredierin bloßgestellt 
hat. Ibsen hat durdi kleine Züge von meisterhafter Feinheit fest- 
gelegt, daß diese Rebekka nidit lügt, aber audi nie ganz auf- 
riAtig ist. Wie sie trotz aller Freiheit von Vorurteilen ihr Alter 
""^^ä" Jafir herabgesetzt hat, so ist audi ihr Geständnis vor den 
beiden Männern unvollständig und wird durdi das Drängen Krolls 
in einigen wesentlidien Punkten ergänzt. Audi uns bleibt die Frei^ 
heit anzunehmen, daß die Aufklärung ihres VcrziAts das eine nur 
preisgibt, um ein anderes zu versdiweigen. 

j R j^^r^'5' ^^^ ^^^^^ keinen Grund, ihrer Aussage zu mißtrauen, 
daß die Luft auf Rosmersholm, ihr Umgang mit dem edlen Rosmer, 
veredelnd und — lähmend auf sie gewirkt hat. Sie sagt damit, 
was sie weiß und empfunden hat. Aber es braudite nidit alles zu 
sein, was in ihr vorgegangen ist,- audi ist es nidit notwendig, daß 
sie sich über alles Rediensdiaft geben konnte. Der Einfluß Rosmers 
konnte audi nur ein Dedcmantel sein, hinter dem sidi eine andere 
Wirkting verbirgt, und nadi dieser anderen Riditung weist ein 
bemerkenswerter Zug. 

Nodi nadi ihrem Geständnis, in der letzten Unterredung, die 
das ötüd beendet, bittet sie Rosmer nodimals, seine Frau zu 
werden. Er verzeiht ihr, was sie aus Liebe zu ihm verbrodien hat. 
Und nun antwortet sie nidit, was sie sollte, daß keine Verzeihung 
ihr das Sdiuldgefühl nehmen könnte, das sie durA den tüdkisdien 
Betrug an der armen Beate erworben, sondern sie belastet sidi 
mit einem anderen Vorwurf, der uns bei der Freidenkerin fremd- 
artig berühren muß, keinesfalls die Stelle verdient, an die er von 
Rebekka gesetzt wird: »Adi, mein Freund, — komm nie wieder 
darauf! Es ist ein Ding der Unmöglidikeit — ! Denn du mußt 
wissen, Rosmer, idi habe eine Vergangenheit.« Sie wifl natürlidi 
andeuten, daß sie sexuelle Beziehungen zu einem anderen Manne 
gehabt hat^ und wir wollen uns merken, daß ihr diese Beziehungen 
zu einer ^eit da sie frei und niemandem verantwortlidi war, ein 
iTh'T ^"^?•"^^/ie'• Vereinigung mit Rosmer dünken als ihr 
wirkhA verbredierisdies Benehmen gegen seine Frau. 

Rosmer lehnt es ab von dieser Vergangenheit zu hören. Wir 
können sie eiraten obwohl alles, was dahin weist, im Studie sozu- 
sagen untenrdisdi bleibt und aus Andeutungen ersdilossen werden 



Mi 



Einige Charaktertypen aus der psyAoanalytisdien Arbeit 331 



muß. Aus Andeutungen freilich, die mit soldier Kunst eingefügt 
sind, daß ein Mißverständnis derselben unmöglich wird. 

Zwisdien Rcbekkas erster Ablehnung und ihrem Geständnis 
geht etwas vor, was von entsdieidender Bedeutung für 'hr weiteres 
Sdiidisal ist. Der Rektor Kroll besudit sie, um sie durch die Mit- 
teilung zu demütigen, er wisse, daß sie ein illegmmes Kmd sei die 
Toditer eben jenes Doktors West, der sie naA dem Tode ihre 
Mutter adoptiert hat. Der Haß hat seinen Spursinn gesdiaHt, al^er 
er meint niit, ihr damit etwas Neues zu sagen. '\^^^lJ^fJ^. 
meinte, Sie wüßten ganz genau Besdieid. Es ^^^re doA ^on^t redit 
merkwürdig gewesen, daß Sie siA von Do^f r West adoptieren 

ließen -.«%Und da nimmt er Sie -^, ^f r/tf'-U %tZl-^^ 
Ihrer Mutter. Er behandelt Sie hart. Und <^o*,.^ e'f^" J'e be^ 'f^^ 
Sie Wissen, daß er ^-n nt^t emen P^^^^^^^^^^^ 

sfbei^ihm"ts""Lragen^s:?nfL^^^^^^^^^^ 

AugenbliÄ.« - .Was Sie für ihn getan haben, das J^ite f auf 
dem natürliAen Instinkt der ToAtef he^ Ihr ganzes ubn^^^^ Aut^ 
treten halte iA für ein natürliAes Ergebnis Ihrer H^rkunh^. 

Aber Kroll war im Irrtum. Rebekka hatte nich s dav°n ge- 
wußt, daß sie die ToAter des Doktors West «^^ ^f J^; ^1« Kro»! 
mit dunklen Anspielungen auf ihre Vergangenheit begann mußte 
sie annehmen, er meine etwas anderes. NaAdem sie W ffe" h^t 
worauf er sich bezieht, kann sie noch eine Weile »hre fassuj ^^'^ 
wahren, denn sie darf glauben, daß ihr F^'"'^. ^^'"f^^^'Sren 
jenes Alter zugrunde gelegt hat, das sie iJ'^,,^^;^/'"^7„;;Xg 
BesuA fälschlii angegeben Aber "f .^^^j^ro U^^^^^^ 
siegreidi zurüAgewiesen: *Mag sein. Aber ^f^^^^f ^^ ^ ^^.^ 
rid^tig sein, denn ein Jahr, ehe er angestellt l^f'J^^'^^u^^^^ \ 
oben%orübergehend zu Besud. gewesen«, "f ^l^^^^ J^^^g^^ ^Jf ^ 
teilung verliert sie jeden Halt »Das ist nicht ^^h^;;^^^^^;^/^^, 
umher und ringt die Hände: »Es ist unmöglich. Sie woHer^m 

tloß einreden. Das kann ja nun -^ .^^Äg ^^^^^^^^^^^ ^ 

mdit wahr sein! Nun und nimmermehr ■-!« ^^'^^3^^^ ■ 

arg, daß Kroll sie nidit auf seine Mittedung zuruAzutuhren verm g 

T • t — wrariim um Gottes willen, 
Kroll: .Aber, meine Liebe, - ^f/^j^Jezu Angst? Was 
werden Sie denn so heftig? Sie madien mir geradezu J^ s 

"" '"kfKra ""NiÄie'sollen weder etwas glauben nodi etwas 

'^"'^ KroH: .Dann müßten Sie mir aber ^'^^^^^^^^^iZT 
Sie sid. diese SaAe - diese Möglidjkeit so ^^^"^h einfaS Herr 

Rebekka <faßt siA wieder); *Das ist do* sehr et ^ 
Rektor. Idi habe doA keine Lust, für cm uneheliches Jxm 
gelten.« 

Das Rätsel im Benehmen Rebe kkas läßt "«^ ^'"f Lösung zu 
Die Mitteilung, daß Doktor West ihr Vater sein kann, ist 



t 



[ilfnii i^= 



1 j 



1 



[IV l-T 
lii-,;: 



332 



Sig:m. Freud 



schwerste SAIag, der sie betreffen konnte, denn sie war nidit nur 
d|e Adoptivtoduer, sondern audi die Geliebte dieses Mannes. Als 
iVroll seine Reden begann, meinte sie, er wolle auf diese Be^ 
Ziehungen anspielen, die sie wahrsdieinlidi unter Berufung auf ihre 
Freiheit einbekannt hätte. Aber das lag dem Rektor ferne,- er 
wuDte nidits von dem Liebesverhältnis mit Doktor West, wie sie 
mdits von dessen Vatersdiaft. Nidits anderes als dieses Liebes- 
verhältnis kann sie im Sinne haben, wenn sie bei der letzten 
Weigerung gegen Rosmer vorsdiützt, sie habe eine Vergangenheit, 
aie sie unwürdig madie, seine Frau zu werden. Wahrsdieinli* 
hatte sie Rosmer, wenn er gewollt hätte, audi nur die eine Hälfte 
Ihres Geheimnisses mitgeteilt und den sdiwereren Anteil desselben 
verschwiegen. 

Aber nun verstehen wir frcilidi, daß diese Vergangenheit ihr 
a^ das sdiwerere Hindernis der Ehesdiließung ersdieint, als das 
sdiwerere — Verbredien. 

NaAdem sie erfahren hat, daß sie die Geliebte ihres eigenen 
hrTf^F^T,'' ]'/' ^"^^''^''■ft sie sidi ihrem jetzt übermäditig hervor- 
breAenden Sdiuldgefühl. Sie legt vor Rosmer und Kroll das Ge^ 
InA^^u- ' c, ^f ' "'^ s'* 2ur Mörderin stempelt, verziditet 
endgültig auf das GlüA, zu dem sie sidi durdi Verbredien den 

UaLfurl L VJu' ""/ '■"'^^f ^"'- Abreise. Aber das cigent i^e 
St ^pIp XY^K'^y^''"'"^' ^^>*^s ^ie am Erfolg sAeitern läßt, 
bleibt geheim. Wn haben gesehen, es ist noA etwas ganz anderes 
Rosmer ^^"'°'P^^''^ ^°" Rosmersholm und der sittigende Einfluß 



Pmw r ""' ^^^"^'^ gefolgt ist, wird jetzt nlAt versäumen, einen 
t^nnn- ^^""^"^/'"Sen, der dann mannen Zweifel reÄtfertigen 
kann Die erste Abweisung Rosmers durA Rebekka erfolgt Ja vor 
Si^ n\^''"* .^^°"^' ^'^o vor seiner AufdeAung ihrer un- 
l\Zr ^ "'^' ""^ ^" ^•"^'- Zeit, da sie um ihren Inzest noA 
Dorf, ! 75 ' "7,"^^"" wir den Diditer riditig verstanden haben. 
WnR ^'^^^/^w^'swng energisdi und ernst gemeint. Das Sdiuld^ 
her '^'l ''^''" ^"f ^^n Gewinn aus ihren Taten verzidjten 
wTrL^ A '*°" ''''' '^''^' Kenntnis um ihr Kapitalverbredien 
Ou^t A "'ä^T.'?" '"i'' ^^^'<^1 ^"Reben, dann ist der Inzest als 

W A*"'tT"'^l'^'"^ ^'^"<^i^t überhaupt zu streiken. . 
lebend; P " H'^'''\ ^^^^^^^ ^est behandeh, als wäre sie eine 

Verst.nH T". """^ T^V*' ^'"^ Sdiöpfung der von dem kritisAesten 
suchen bei t"'g", ^^^"^^^'^ ^^^ Diditers Ibsen. Wir dürfen ver^ 
fes* uhaften n ^ R^^S""^. ^'^^^^ Einwands denselben Standpunkt 
vor der Kenn^- ' P'T'"^ ''' ^ut, ein Stüd. Gewissen war aU* 
Twe.e ^r H ^w'^^ ^^= R^J^^l^'^^ ^^'w^-'d^^- Es steht n.ci^ 
maAen ^den Reblkf ^f"^"""^ den Einfluß verantwortliA z^ 

komme'n w ? von £ A^l ^'''^'r ""^ '^''^H'' ^^''\tZ 
Das BenehLn D T .^"f •^«'nnung des zweiten Motivs niAt Irci- 
uas Benehmen Rebekkas bei der Mitteilung des Rektors, ihre uH' 



Einige Charaktertypen aus der psycfioanalytisdien Arbeit 



333 



mittelbar darauffolgende Reaktion durdi das Geständnis lassen 
keinen Zweifel daran, daß erst jetzt das stärkere und das ent- 
sdieidende Motiv des Verzidits in Wirkung tritt. Es liegt eben ein 
Fall von mehrfadier Motivierung vor, bei dem hinter dem ober^ 
ffäAliAeren Motiv ein tieferes zum Vorsdiein kommt. Cjebo te der 
poetisdien Ökonomie hießen den Fall so gestalten, denn dies tiefere 
Motiv sollte nidit laut erörtert werden, es mußte gededjt b eiben 
der bequemen Wahrnehmung des Zuhörers im Theater f^'l'^'ll' 
entzogen, sonst hätten siA bei diesem sAwere Widerstände erhoben 
auf die peinlidisten Gefühle begründet, weldie die Wirkung des 
Sdiauspiels in Frage stellen könnten. ^„^^A^r^U^no 

Mit ReAt dürfen wir aber verlangen, daß das ^orge Aobe. e 
Motiv niAt ohne inneren Zusammenhang mit de^ vo" ^^ f^" 
dedten sei, sondern siA als eine Milderung und Ab eitung aus 
dem letzter;n erweise. Und wenn wir ^em Didjter zutrauen dürfen 
daß seine bewußte poetisdie Kombination f^'S^"^.^'^ fl, ""^'^ 
wußten Voraussetzungen I?-orgegangen jst^^^^^^^^^^ 
den Versudi madien zu zeigen, dal) er diese roruei uns r 
Rebekkas SAuIdbe wußtsein entspringt aus der Qüf^l^^/ ^"^" 
Vorwurfs, noA ehe der Rektor ihr diesen ni.t ^^f'f^^^^^^^^ 
zum Bewußtsein gebraAt hat. Wenn wir ausführend ""d ^^f^"^^^^ 
ihre vom DiAter angedeutete Vergangenheit ^^konstru eren, so 
werden wir sagen, sie' kann niAt ohne Ahnung ^%^l'^'lll^;^;^ 
Ziehungen zwisAen ihrer Mutter und dem Doktor West gewesen 
sein. Es muß ihr einen großen Eindrud. gemadit ^f e-^/^ ^'^ ^»^ 
NaAfolgerin der Mutter bei diesem Manne wurde und s^ st^d 
unter dir HerrsAaft des Ödipuskomplexes, auA wenn ^e ^^t 
wußte, daß diese allgemeine Phantasie in ihrem Fal^ ^^"^ J f ^ 
keit geworden war. Als sie naA Rosmersholni ^l^^''l2r%gcs 
innere Gewalt jenes ersten Erlebnisses ^^^^ ^"' .^r/fr' e Mal 
Handeln dieselbe Situation herbeizuführen, ^J^^f'* J^Mutfer zu 
ohne ihr Dazutun verwirkliAt hatte ;1'^. P^f^^i^^^r.Umen. 
beseitigen um b-- Manne und Vatei^eS^ell^_^ ^_^ 

Sie sdiildert mit überzeugender .^'"^nngnam , Beseitigung 

ihren Willen genötigt wurde, Sdiritt um Sdintt zur bese.tg g 
Beatens zu tun. 

>Aber glaubt Ihr denn, id. ging -^^ .^^t^' ^^ tf^ 
Überlegung! Damals war idi dodi n.At ^f J*. X','j;";ollte iA 
vor EuA stehe und erzähle. Und dann gibt ^^^f^^'^^He Beate 
meinen, zwei Arten Tillen in einem MensAnIA ^wol t^^ ^^ 

weg haben! Auf irgend eine Art. Aber im § ^^.^^^^ 

würde jemals dahin kommen. Bei J^^^.^*""' ; "^jr Nun niAt 
vorwär s zu wagen, war es mir afs sAne etwas in ™^;^^"f^^^,„. 
weiter! Keinen SAritt mehr! - Und '^''di konn e jAjs ^\^\ 
lA mußte noA ein winziges SpürAen weiter. Und no* ein ^^^^s^^ 
SpürAen. Und dann noA eins - und ^^-f ^^ "^^J'^^^ siA.« 
ist es gesAehen. - Auf diese Weise geht so etwas vor 





Alfpc ?'t^ Besdiönigung, sondern wahrhafte RedicnsAaft. 

^n^L, A ^j ^°smersholm mit ihr vorging, die Verliebtheit in 
Kosmei und die Feindseligkeit gegen seine Frau, war bereits Erfolg 

l Z -.hr.Al ""^j' erzwungene Nadibildung ihres Verhältnisses 
zu ihrer Mutter und zu Doktor West 

Rnc^ "^ L^'"™ ''\ o^' SAuldgefühl das sie zuerst die Werbung 
Kosmers abweisen läßt, im Grunde nidit versdiieden von jenem 
f° ?\yr .''^ ."^* "^^^ Mitteilung KroIIs zum Geständnis 
zwingt Wie sie aber unter dem Einfluß des Doktors West zur 
^reidenkenn und Veräditerin der religiösen Moral geworden war, 
so wände te sie sidi durdi die neue Liebe zu Rosmer zum Gewissens- 
und AdelsmensAen. Soviel verstand sie selbst von ihren inneren 
vorgangen, und darum durfte sie mit Redit den Einfluß Rosmers 
als das Ihr zugangliA gewordene Motiv ihrer Änderung bezeidinen. 
^ Uer psydioanalytisdi arbeitende Arzt weiß, wie häufig oder 
wie regelmäßig das Mäddien, weldies als Dienerin, Gesellsdiafterin, 
Jtrzieherm in ein Haus eintritt, dort bewußt oder unbewußt am 
) jf^ij^mspinnt dessen Inhalt dem Ödipuskomplex entnommen ist, 
dan die Frau dts Hauses irgendwie wegfallen und der Herr an 
deren ^^telle sie zur Frau nehmen wird. .Rosmersholm<^ ist das 
S^. MJr"''r, ij Gattung, weldie diese alltäglidie Phantasie 
vL^ a1 ^f '^^"^'^- Es wird eine tragisdie Didifung durdi den 
wTam,!. f- T ^T'^"""} ^'^^ Heldin die ganz entsprediende 
WirkliAkeit in ihrer Vorgesdiidite vorausgegangen ist^ 

• I-t ?f7l ^"'''^"^^'te bei der Dichtung kehren wir nun 
zur arztlidjen Erfahrung zurüd. Aber nur, um mit wenigen Worten 
die volle Übereinstimmung beider festzustellen. Die psydioanalytisdie 
Arbeit lehrt, daß die Gewissenskräfte, weldie am Erfolg erkranken 
lassen anstatt wie sonst an der Versagung, in intimer Weise mit 
dem Udipuskompiex zusammenhängen, mit dem Verhältnis zu 
Vater und Mutter, wie vielleidit unser Sdiuldbewußtsein überhaupt. 

IIL 
Die VerbreAer aus Schuldbewußtsein, 

In den Mitteilungen über ihre Jugend, besonders über die 
Jahre der Vorpubertät, haben mir oft später sehr anständige Per^ 
sonen von unerlaubten Handlungen beriditet, die sie sidi damals 
hatten zusAulden kommen lassen, von Diebstählen, Betrügereien 
und selbst Brandstiftungen. lA pflegte über diese Angaben tSit der 
Auskunft hinwegzugehen, daß die Sdvwädie der moralisdien Hem- 
mungen m dieser Lebenszeit bekannt sei, und versudite nidit, sie in 

selben Mktdn^^ivlK t" A^^'^'f''"'^' i" >Ros.nershoIm« ist bereits mit den- 
selben Mitteln wie hier, m dem überaus feichlia tigen Werke von O Rank Das 
Inzest-Motiv m D.dttung und Sage, 1912, erbradit u^o^den 



Einige Charaktertypen aus der psyAoanalytisAen Arbeit 335 



einen bedeutsameren Zusammenhang einzureihen. Aber endliA 
wurde idi durdi grelle und günstigere Fälle, bei denen soldie Ver- 
gehen begangen wurden, während die Kranken sidi in meiner Be- 
handlung befanden, und wo es sidi um Personen jenseits jener 
jungen Jahre handelte, zum gründlidicren Studium solcher VortaUe 
aufgefordert. Die analytisdie Arbeit braAte dann das uberrasdiende 
Ergebnis, daß soldie Taten vor allem darum vollzogen wurden, 
weil sie verboten und weil mit ihrer Ausführung eine seelisAe )^v= 
leiditerung für den Täter verbunden war. Er litt an einem druAcndcn 
Sdiuldbewußtsein unbekannter Herkunft, und "adidetn er ein Ver- 
gehen begangen hatte, war der Drude gemildert. Das Sdiuldbewußt- 
sein war wenigstens irgendwie untergebradit, a a a^^ 

So paradox es klingen mag, iA muß behaupten, daß da 
SAuldbewußtsein früher dawar als das Vergehen daß es n.dit aus 
diesem hervorging, sondern umgekehrt, das Vergehen aus dem 
SAuIdbewußtsein, Diese Personen durfte man mit ^"^5"!.^^** ^'^ 
Verbrecher aus Sdiuldbewußtsein bezeidinen. Die Praexistenz des 
Sdiuldgefühls hatte sidi natürlidi durdi eine ganze Reihe von 
anderen Äußerungen und Wirkungen nadiweisen lassen. 
^ Die Feststellung eines Kuriosums setzt der ^«^^^"/^^^^^^^^^ 
Arbeit aber kein Ziel Es sind zwei weitere Fragen zu beantworten 
woher das dunkle Sdiuldgefühl vor der Tat stammt, und ob es 
wahrsdieinlidi ist, daß eine soldie Art der Vefursadiung an den 
Verbredien der Menschen einen größeren Anteil hat. 

Die Verfolgung der ersten Frage verspradi eine A"skuntt 
über die Quelle^es mensAliAen SAuldgefüh s überhaupt. Da 
regelmäßige Ergebnis der analytischen Arbeit ^^^'''^'J'^^r^ 
dunkle Schuldgefühl aus dem Ödipuskomplex stamme, eine Reakt.on 
sei auf die beiden großen verbredjerisAen AbsiAtei^ den Vat^r^u 
töten und mit der ^Mutter sexuell zu verkehren. Im Ver^'f^^^^^ 
diesen beiden waren allerdings die zur Fixierung des Sdiuldgehihls 
begangenen Verbrechen Erleiciiterungen ^""^ /^"^ .^^^^^^,,Z 
niuß sicf. hier daran erinnern, daß Vatermord und Muttennzes de 

beiden großen VerbreAen der MensAen ^'"^'. ^^Xlt we den 
primitiven GesellsAaften als solciie verfolgt und verabsAeutw^^^^^^ 
AuA daran, wie nahe wir durA andere UntersuAungen der^ 
"ahme gekommen sind, daß die MensAheit hr Gew.ssen^das nun as 
vererbte SeelenmaAt auftritt, am Ödipuskomplex erworben h^^^^ 

Die Beantwortung der zweiten Frage geht "ber die psyc^ 
analytisAe Arbeit hinaus. Bei Kindern kann man °b"ewe.ter be^ 
obachten, daß sie .sAlimm. werden um Strafe zu FO^^^^'^J^^ 
und nadi der Bestrafung beruhigt und zufrieden ^f-.^'^^fS, 
analytisdie Untersudiun| führt oft auf die Spur des SA"Idgetuh'^ 
welAes sie die Strafe sudien hieß Von den ^^^^^iSjäl 
breiern muß man wohl alle die abziehen, die ohne Sd^uWgefuni 

VerbreAen begehen, die entweder keine ^^^I^I'^*?". ^/'^^hrem 
entwickelt haben oder sidi im Kampf mit der GesellsAaft zu ihrem 



336 



Sigm. Freud 



ifln 



Tun bereditigt glauben. Aber bei der Mehrzahl der anderen Ver^ 
bredier, bei denen, für die die Strafsatzungen ei;gendidi gemadit 
sind, könnte eine soldie Motivierung des Verbrediens sehr wohl in 
ßetradit kommen, mandie dunkle Punkte in der Psydiologie des 
Verbrediers erhellen, und der Strafe eine neue psydiologisdie 
rundierung geben. 

^ Ein Freund hat midi dann darauf aufmerksam gemadit, daß 
oer »Verbredier aus Sdiuldgefühl« audi Nietzsche bekannt war. 
Die Präexistenz des Sdiuldgefühls und die Verwendung der Tat 
zur Rationalisierung desselben sdiimmern uns aus den dunklen 
Reden Zarathustras »Über den bleidien Verbrcdier« entgegen. 
Überlassen wir es zukünftiger Forsdiung zu entsdielden, wieviele 
von den Verbrediern zu diesen »bleidien« zu redinen sind. 



\ i. 





Ein Dicfiter und sein Vater 337 



.-^ Ein Dichter und sein Vater. 

Beitrag zur Psydiologie religiöser Bekehrung und telepathisAer 

Phänomene. 

Von Dr. EDUARD HITSCHMANN. 

In den Selbstbiographien echter Diditer finden wir dank deren 
intuitiver, von Jugend auf geübter Selbstanalyse fast regeU 

mäßig Bestätigungen unserer psydioanalytisAen, erfahrungs- 
gemäß erworbenen Anstauungen über die E^/w/^i""^^';^ i; f g^ " 
sdien Persönlidikeit. Eigenartige Färbung enthält das ßild der i^^' 
^id^lung einer DiAterpsyAe bekanntlidi durdi ein starkes k'ndhAes 
Erleben der Ödipus-Einstellung und das ÜberwAern phantast^Aer 
Tagträume, die ^ohl mit der dem Ödipuskomplex angehörenden un- 
stillbaren SehnsuAt im Zusammenhang steht. Y^'j^f^ 'trf^ 
starke VaterpersönllAkeit neben einer zarten leidenden oderjmh 
<iahingehenden Murterfigur der Phantasie das ^f5\, ./ ! i. das 
,, Im Kampfe gegen den Vater und für die M""er siegt das 
Verweigern pünkdidier Pfliditarbeit und bürgerhdier B^^^f^^J;-,, ^" 
^er Seite der unterdrüAten Weiblidikeit nimmt der Knabe te an 
^eren Trostgewinnen durdi Gedankenentsdiädigung und Uetuhis- 
exzeß und an der Fludit vor dem männlichen vaterhdien l y^^nnen. 

, Konnte idi dieses besAriebene Verhältnis an <^^^2'Tfer 
^erke Jakob Wassermanns^ als Inhalt der DiAtung, '^^P^^^lf^'^ 

Phantasie des diAtenden Jünglings ^'^^'''% fj'7 .Z s^^^- 
Dauthendeys Werk »Der Geist meines Vaters« emes"^^^^^^^ 
autobiographisAe Darstellung analoger Einstellungen voll mteressanter 

iJetails in die Hand. ^ . < Vaters geht der berühmt ge. 

Jahrelang naA dem Tode des Vaters geiu Vaterstadt 

wordene weitgereiste DiAter, naAdem er siA in der Vatmt 
;^ieder niedergelassen, daran, seinem Vater m seinem bu*e ein 

E^enkmal ^u sitzen. Dieser Vater ^^l,'^^ IfZ Z.M^T ^l 
^esen, hatte die Daguerrotypie in DeutsAland e, geH^ihr^ w ^ 

spater in Petersburg relA geworden ^^<^ .^'^%^'l ursprüngÜAer 
sAaftliA auf dem Gebiete der Photographie^ Von "J^P^ 
teAnisAer Begabung, war er ein aufreAter, ^f^'^'-^J;^^"^^^^^ 
Mann der WissensAaft, der vor der Natur «"^..^^"^'^fl'sTsA 
TeAnik gläubig niedersank, aber zeitlebens ganzl A ^^"^;^*: .^^^^ 
Verhältnfs zur^Kunst blieb! Er war ^ine Kraftnatur volegoisUsA 
Tatkraft, ein zäher Arbeiter, jähzornig rauh, ^ff^Tse^em 
RauAer und SAaAspieler. Er ^rar kein Stilist, konnte fber se nem 
jüngeren Sohn, dem späteren DiAter stundenlang aus seinem reicJien 

' Imago, Bd. 1. 

' Verlag Albert Langen, MünAen. 

Imago IV/6 



338 



Df, Eduard Hitsdimann 




Leben erzählen. Zweimal wählte der gewandte sdilanke Mann viel 
jüngere, zarte Mäddien zur Frau, Die erste starb durch Selbstmord, 
ansdieinend unverstanden, zu kühl behandelt, vielleidit audi in 
einer Liebe zu einem homogeneren Mann verfangen. Die zweite 
Frau, die Mutter des Didvters, immer sanft und nadigiebig und 
diarakterisiert durdi träumerisdie dunkle Augen, starb an Sdbwind= 
suAt, als der Knabe sedis Jahre alt war. 

Das Budi geht von der eigenartigen Fesselung aus, die der 
Diditer stets am Grabe seiner Eltern empfindet, denn die beiden 
Toten <bei Vaters Tod war er bereits erwadisen, hatte mit ihm 
gebrodien und ihn verlassen) erfüllen ein Großteil seines Wesens, 
das dem Totenkult verwadisen bleibt sein Lebelang. Daneben erfüllt 
ihn nod\ die Liebe zur Natur und zur Diditung und vor allem 
zur geliebten Frau: 

»Dodi ein Weg ist von Toten mir freigegeben. ,. '-: 

Der ist dort, wo sidi zwei Augen heben, 
Zwei Lippen lodten midi zu sidi fort . - 

Und der Liebsten wortloses Wort.« 

Besonders fesselnd sind die telepathisdien Ankündigungen, die 
der Sohn vom Tode des Vaters empfangen hat. Seit einiger Zeit 
für Okkultistisdies, Zahlensymbolik u. dgl. interessiert, spielt der 
Sohn eines Tages mit einer sogenannten »Sternkarte«, zwei kon^ 
zentrisdien, versdiieden großen, kreisförmigen Blättern, auf deren 
kleinerem Sternbilder und Mildistraße verzeidinet sind, während auf 
dem Rande des größeren die dreihundertfünfundsedizig Tage des 
Jahres eingezeidmet sind. Stellt man einen Tag auf dem Meridian 
der Sternkarte ein, so kann man daraus die Stellung der Sterne 
jenes Tages ersehen. Er stellt sie nun »in Gedanken« zuerst auf 
den Geburtstag seines Vaters ein und dann auf seinen eigenen 
Geburtstag, ist erstaunt, daß die Mildistraßen an diesen beiden 
Daten sidi kreuzen, und fragt verwundert, ob dies den Kontrast 
seiner Natur mit der des Vaters ausdrücke. Unmittelbar 
darauf taudit ohne äußeren Anlaß eine deutlidie langdauernde 
Halluzination eines charakteristischen Tabakgeruches auf, 
der ihm aus seiner Jugend als für den Vater typisch in Erinnerung 
war. Dies gesdiah, als er sidi eben wasdien wollte, er wusdi daher 
die Hände zwei« und dreimal, da er den Gerudi von diesen aus^ 
gehend annahm,- daß es eine Halluzination war, war dadurdi be- 
wiesen, daß die Gattin das Vorhandensein des GeruAes absolut 
leugnete. Mehrere Stunden später trifft ein Telegramm ein, das 
besagt, daß der Vater zur selben Stunde, als die Tabakhalluzination 
des Sohnes in Paris auftrat, daheim in Wiürzburg gestorben ist. 
Diesem den Sohn niAt etwa traurig, sondern nur feierlidi stimmen- 
den Gesdiehen war drei Monate früher ein den Tod des Vaters 
ankündigender Traum vorausgegangen. Er fuhr damals aus dem 
Sdilafe auf, wie ein Leidinam ausgestredt, die Hände über die 



Ein Dichter und sein Vater 339 



Brust gefaltet, und hörte eine laute Stimme sagen: »Im September 
stirbt dein Vater!« Audi damals hatte er keine Trauer emphinden, 
sondern nur einen feteHidien Sdiauder vor der erhabenen lodes= 
botsAaft. Das Traumerlebnis wurde im Tagebudi notiert,- als der 
1. September herannahte, gedaditen der Diditer und seine hrau der 
Prophezeiung, am 5. September trat der angekündigte Tod wirklich 
ein. Nur wenige Tage währte des Sohnes Sdimerz und wurde 
alsbald wieder von einer ruhig feierlidien Stimmung abgelost, sowie 
dem beruhigenden Empfinden, daß der Vater auA als Toter um 
ihn sein könne. NoA einmal hört der Sohn einen Monat spater 
des Vaters Stimme im Schlafe,- sie sagt: =.HaIte ^^'"^Hande nur 
immer fest in meiner Hand.« <In der Folge träumt er gleiAfalls ott 

freundlidien Inhalts vom Vater.) .. j •. j„„ ^^-o.. 

Die PsyAoanalyse hat sidi noA niAt genügend mit den pro. 
phetisAen Träumen besAäftigt,- es mag daher geboten se^"; ^en 
Beridvt über Dauthendeys BuA mit der P'y^P^T'l?^^! 
^dieser telepathisAen Phänomene verbunden durAzufuhren üa 
Verhältnis des Vaters Dauthendey zu seinen beiden Söhnen wa 
ähnliA und dodi versdiieden. Der ältere Bruder, '^J^y^J^^X V'^^ 
äußerlidt überaus gleichend und in Identifizierung %;^'lJ°lfZ, 
selben Interessen für Tedmik und Photographie erfüllt, ;^'^"f ;'* 
mit dem Vater, der imstande war, seine Söhne in grausamster Weise zu 
^üditigen, gar nicht. Er setzte dem Vater seit jeher mannhAen Irotz 

entgegen. Je älter sie wurden, desto härter ^%"t"nläzÄ "da 
alterer Sohn gegenüber. Eines Tages reiste der Sohn P^og^*^^' '^^ 
er neben seineiS Vater nidit arbeiten könne., gmg "f^^^^^^^^^ 
Amerika und ersAoß sid> zwei Jahre späterim Verfof ng wahn^ 
Anders der aAt Jahre jüngere '^^^^^t^SbenbÜd seine 
;^ar sanfter, für ihn empfand der Vater, a^s ^^ J^'^^j^' '[^^""^f 
früh verstorbenen Frau, inniger und spraA ^'^, ^^^ '^'^^^J' lieb^ 
■mimen Wanderungen aus. Der Knabe war ansaieiend das L^D 
lingskind, nur ein! tiefe Differenz zwisdien Vater und Sohn wa 
vorhanden,, der Sohn war von Kind ^f ''^V^^^^''"^J%r^ 
g extremer Gegner und Verfo ger des ton^^^^ d^s^ er^^^^^^ 
^ohne immer wieder vorwarf und mit kalten t^"scm: 
austreiben wollte'. WeiAer und nadigiebiger veranlagt, blieb 

^ , ^ überaus charakteristisd, berietet der Di Ater vo" di^ «j^j;; ISkTr^v 
^as Verlangen (des Vater3>, daß idj nidit ^'^^f!^^/f^l^^Zr niemand befehlen 
mem Herz herausgesdinitten werden . . -Aber '° ^ ^J-^ „^ir selbst wohl 
konnte, traumlos zu sAlafen, so sah lA bal^^^^."^^'"V^"Tar ebenso unbewußt in 
befehlen konnte, zu arbeiten, aber daß die Traamc .^^J%T^i,^ Gehirn . . • 
meinem waAen Gehirn aufstiegen wie naAts .n ^^'^^^'f^^^^ „jtten im Zu^ 
Und mitten im Arbeiten, minen im Sdireiben von SAu arDeiten, ^^^ 

''oren . . ., ],onnte iA es nie verhindern daß '* Pj°f'*.iS vor meinen 
SAulsaal fort war, GespräAe in meinen Ohren horte, t^^"^^^ j^„ p,„onen aus 
Augen sah, Waldwege wanderte, GloAen '^"^f .^^/^e "nd mit ^„^^j,^ 

GesAiAten, die iA gelesen hatte, im Gfi^t verkehrte und da« i<h '^ 

Weder ,„,,",x»,f.,i.J'- j^^ Q4.,.\.-n-^t Aen Faden verloren nane 



»^esAiAten, die iA gelesen hatte, im Geist verkehrte, una u.» 
*'eder zurüAgekehrt in den SAulsaal, den Faden verloren hatte 



22» 



■340 



Dr. Eduard Hitsdimann 



Sohn trotz intensivster Widerstände gegen den Vater und Fludvt- 
Planen <er wollte gegen den Willen des Vaters Maler, später Diditer 
werden) gezwungen im Hause und löste dtn Vater als Chef im 
Danaien fjiotographengesdiäft ab. Erst In den Zwanzigerjahren tritt 
er eines lages vor den Vater hin und erklärt, das Haus verlassen 
zu müssen,- er habe seit Jahren ein verlorenes Leben gelebt. Sdion 
em Vierteljahr hindurA hatte er mit dem Vater fast gar nidit ge- 
sprochen, nur mit Ja und Nein geantwortet! 

»Denn idi war«, wie es in dem Budie heißt, »todmüde vom 
Uruck seines Geistes geworden.« 

• ■^^"/''J^ennt hier sehr klar die Ambivalenz des Sohnes, der einer^ 
seits, der Mutter entbehrend, am Vater liebebedürftig hängt, anderseits 
sich von ihm unterdrückt fühlt. Mit Mühe madit er sidi endlidi, voll 
hreiheitsschnsuAt und diditerischer Pläne, vom Vaterhause los und 
reist in die Welt. Nach Jahren, als angesehener Diditer in die Heimat- 
stadt, wo audi das Grab der Mutter liegt, zurüdcgekehrt, wird ihm 
vom Vater, der ihn freilidi nur sehr sdimal und engherzig unterdes 
unterstützt hatte, eine Art Abbitte geleistet: Er habe sein Träumen 
und Diditen untersdiätzt ! 

Jedodi als der Sohn bald darauf wieder in der Ferne heiratet, 
sdimollt der Vater, der audi trotz notorischer Not des Sohnes kein 
Ureld mehr hergibt, mit ihm und sdicint die Frau abzulehnen. Im 
Mai hatte der Sohn geheiratet, im Juni den des Vaters Tod an- 
kündigenden Traum gehabt, im September ist der Vater gestorben. 

In dem Budie, das der Sohn nadi Jahren dem Andenken 
des Ueistes seines Vaters widmet, werden der ankündigende Traum 
wie <lte Zigarettengerudihalluzination als mystisdie Ersdieinungen 
dargestellt,, nicht sowohl SAmerz als Feierlidikeit erfüllt den Sohn, 
von Keue ist keine Rede, Den nüditernen Analytiker drängt es zu 
rationalistisdier Erklärung der nidit seltenen, den Tod naher An- 
gehöriger verkündenden Träume, und erfahrungsgemäß sudit er nadi 
aem unbewußten Todes wünsch des Träumers^, 

^5!^°^"' '"^ der Welt umherstreifend, der Diditkunst gewidmet, 
ist endlich aus der masodiistisdihomosexuellen Vatereinstellung frei 
und zur heterosexuellen Liebe fähig geworden, heiratet das längst 
gclicDte Mäcfcfien, — darf aber die Erwählte nicht dem Vater vor» 
führen und kann nidit in die Heimatstadt zurüdt, wo die geliebte 
Mutter im Grabe liegt. Ja gerade jetzt zeigt sich der Vater er- 
barmungslos, gibt dem völlig mittellosen Paare keinen Kreuzer mehr, 
so daß sie elend darben, Durdi Regression findet der Sohn im' 
infantilen Haß gegen den Träumenverbieter und Liebesstörer Ver* 
Stärkung seiner unbewußten Todeswünsdie : denn nur der Tod des 
Vaters kann ihm durdi das Erbe die Mittel zur Lebensfristung 
geben, ihm den Besud» der geliebten Heimal freigeben! 



' Vgl. Freud, »Die Traumdeutung«. 




Ein DiAtcr und sein Vater 341 



Daß trotz und neben aller Liebe zum Vater eine heftige Vater- 
ablehnung schon frühzeitig da war, ergibt sidi aus folgenden zitierten 
Worten : 

Als Knabe »fand iA, wenn idi neben meinem Vater ging, war 
das Leben sdiwer. Die Mutter hatte mir nie von Gesetzen gesprodien, 
der Vater hingegen ersdiien mir wie die Verkörperung jener Oebote.« 
An anderer Stelle heißt es: »Wieder fühlte idi mid» im Innersten 
weit getrennt von ihm und sdiwieg, erstaunt darüber, daß es kerne 
Brüde geben konnte zwisdien Vater und Sohn, zwisdien Oeist und 

In einer späteren Fortsetzung seiner Autobiographie <»Ge* 
dankengut aus meinen Wanderjahren«) verrät der Dichter 
tiefe Reue über des Vaters Tod, weil bei der TodesnaAricht ^ein 
Aufatmen« in ihm war, »das er damals aber niAt gleiA bewußt 
fühlen wollte.« »Denn«, heißt es weiter, ^di fand es haßhdi und 
gemein, daß der Tod meines mir so lieben alten Vaters mich in 
meiner bedrängten Lage aufatmen madien sollte.« Er war erst 
durdi die Erbsdiaft von dem veritabeln Hungern befreit und ciurdi 
die Erbsdiaft in die Lage versetzt, weiter zu leben. »Im wilden 
Hohn, der midi damals über soldie Tragik befiel, nannte idi das 
Erben Menschenfresserei,« 

Der gedanklidie Zusammenhang zwisdien LiebcserfüUung <in 
der Ehe) und dem konsekutiven Tod des Vaters erinnert an Fälle 
von Zwangsneurose S respektive Zwangsbefürditung vom Tode des 
gleidigesdiledididien Elternteiles. Die Ambivalenz, wobei der Haß 
im Unbewußten ruht, die sadistisdi-masodiistisdie Anlage, die homo- 
sexuelle Bindung, der Totenkult, die Neigung zum Aberglauben und 
das Gefühl der Allmadit der Gedanken finden sidi gleidifalls. 

Der Traum vom Tode naher Angehöriger wird ja gerade ge= 
fördert durdi Sorge um ihr Leben (tatsädilidi war der Vater hier 
leidend und es fehlte längere Zeit Nadiridit von ihm), und daß der 
Traum auf infantile Ausdrudisweisen (Töten = Weghabenwollen) 
zurüdigreifen kann, ist längst erwiesen. Der Ausdruck desSdimerzes 
ist hier auffallend gering — Im Gegensatz zur Regel. Die Zigaretten- 
raudihalluzination und das Resultat des Spiels mit der Sternltarte 
gehören dem im angekündigten Todesmonat besonders intensiven 
mehr weniger bewußten Dcnketv an den VatCT an, das vom Oetühl 
der Dissonanz der Personen voll ist. Wäre der Vater an diesem 
Tage nicht gestorben oder gar in jenem Monat nidit, so wäre die 
Halluzination mit samt dem Traum in Vergessenheit geraten. Für 
die Deutung des zeitlidien Zusammenfalls von erinnernder Halluzi- 

Mtm mi M fehlt ms a/fe d^m. 

In diesem Zusammenhang sei erinnert, daß sowohl im Traum 
von Vaters Tod wie in dem nadiher, die Lage der Hände des 

1 Freud, »Bemerkungen über einen Fall von Zwangsneurose«. Jährt, f. 
psydioanal. u. psydhopath, ForsAungen, I. Bd, 



S42 



Dr. Eduard Hitsdimann 



Träumenden speziell hervorgehoten ist. Ein Händespiel mit der 
Sternkarte bringt die Gegensätzlidikeit von Vater und Sohn in Er* 
sAeinung. Der Zigarettengerudi der Hände wird wie mit Wasdi- 
zwang wegzulösdien gesuAt. Es könnte dies als eine Hindeutung 
auf einen vom Vater in der Kindheit gerügten Kinderfehler gelten, 
auf dessen Aufgeben hin das Tagträumen besonders reidi aufgeblüht 
wäre. 



Außer von den telepathisdien Ersdieinungen vor Vaters Tod und 
ihrer Deutung, sei als weiterer sdiöner Illustration psydioanalytisdier 
Erkenntnis beriditet von der religiösen Bekehrung, die dieser 
Vatersohn mitmadite, riditiger seinem Abfall von Gott. Von einer 
religiösen Mutter stammend, vom Vater beeinfiußt, der immerhin 
dodi an einen Weltgeist glaubte, war der Knabe und Jüngling nidit 
weniger fromm und religiös gewesen, als andere junge Leute 
seiner Zeit. 

Eines Tages nun war es »ein einziger Satz aus dem Munde 
eines Freundes«, der einen »großen Umsturz« in ihm vollzog,- der 
Diditer entsinnt sidi deutlidi »der Augenblicke dieses großen Um* 
Sturzes«, was hervorgehoben sei mit Rüdcsidit audi auf sonstige Bertdite 
über plötzlidie Bekehrungen <z, B, Buddha, Swedenborg), die aber 
— wie jeder Einsiditige sidi sagen muß — nur aus längst gereifter 
Disposition des Unbewußten vor sidi gehen können. Dafür ist Dauthen* 
dey ein sdiönes Beispiel. Seine Beeinflussung durdi den philosophisdien 
Freund, der ihn zu einem seltsamen mystisdien Pantheismus ohne 
persönlidien Sdiöpfcr bekehrt, fällt nämlidi gerade in die Zeit 
sdiwerer innerer Kämpfe um die Ablösung vom Vater, Die 
ersten Gedidite waren schon entstanden <1890>, die Differenzen zu 
Hause waren akut geworden, die wirklidie Befreiung sollte erst 
kommen. Weihnaditcn 1891 verließ er das Vaterhaus in feindseligem 
Brudi. Man höre die Worte des so gelegen gekommenen Bekehrers : 
»Die Vorstellung von einem Sdiöpfer kennt keine Freiheit des 
persönlidien. Idibewußtseins ... Der Klügere, der sdiöpferisdie 
Mensdi wird sidi gegen eine soldie Vorstellung strauben, die sein 
Idibewußtsein von einem SAöpfer abhängig madit. Idi, für meinen 
Teil, stellte mir lieber vor, daß die Welten sich selbst sdiufen.« Der 
Diditer wehrt sidi anfangs heftig, »auf die uralte Vorstellung von 
Gott und dem Sdiöpfer oder Weltgeist, wie sein Vater immer ge^ 
sagt hatte, kurzerhand zu verzichten.« »Nein,« erklärt er, »idi kann 
ihn nidit absetzen, den alten großen Gott, Ich kann mir den Himmel 
nidit leer denken . , .« Aber bald ist der Diditer zu einer neuen, 
unpersönHdien Religion bekehrt, die er begeistert ausführlidi im Budie 
predigt, und von der eines klar wird, nämlich daß ein persönlidier 
Gott, ein allmäditiger Lenker geleugnet wird, »Ihr seid Gesdiöpfe 
und Sdiöpfer zugleidi, . . Wir besitzen alles, alles besitzt uns, . . Das 



Ein Diditer und sein Vater 343 



Leben ist ein Fest.« Aus dcrgleithen Gefühlsideen, verbunden mit 
Seelenwanderungsglauben besteht das neue Bekenntnis, eine Art 
Naturreligion, für die der Diditer nun Prophet wird. 

*Man muß seine eigene Sdiuld auf sieb nehmen, aber audi 
die Freuden werden nidit mehr Gesdienke, sondern eigene Errungen- 
sLften Mali^t niAt mehr GesAöpf, das auf Gnade und Ungnade 
KneAt eines Herrn ist, sondern ist He- ge-orden, eigener Herr 
seines Lebens und aller Zukünftigen Leben.« Der Abfall vom 
Vater bedingrden Abfall von Gott Es ist dies em sAones 
Beispiel f^ die'häufige psychoanalytische Erfahrung daß d^r Mens* 
das analoge Verhältnis zu Gott hat, wie er es zum Vater hat. 
Gott S dn ei-höhL und an den Himmel P-i-i^l ^f f Fr^r 
Überwindung des Vaterkomplexes ist hier gleidizeitig Frei- 
werd^n für di Liebe, das Weib! Hinter der allerdings aud. von 
Tßen angeregten Bekehrung steht also eigen thA eine neue Ver- 
wendungTr Libido, ein Libidowandel. NaA Freud ist ein sokber 
Libidowandel hinter jeder Bekehrung zu vermuten. In diesem Sinn 
heißt es über seinen neuen Glauben weiter bei Dauthendey: .Aud. 
das Liebesgefühl wird dann von dir reiAer bedadit. Du wirst keinen 
Gott höher stellen als das Herz der Frau die du auserwahlen wirst « 
— ^»Außer der Liebe gibt es im ganzen Weltall keine höhere Seligkeit, 
für jede Gestalt bedeutet die Liebe die hödiste Leb.enshöhe.« i atsadili* 
ging dem Diditer um diese Zeit erst die Liebe zum Weibe völlig auf,- 
bis dahin hatte sidi »das lei Ate JünglingssAwärmen nodi nidit zu mann- 
haftem Liebestrieb entwLdcelt«. 

Seine ansAeincnd energisAe und selbständige Frau ist nadi 
Vaters Tod eine Art Ersatz,- der DiAter kann kaum ein Werk be= 
ginnen, ohne ihrer zu erwähnen oder sie lebend auftreten zu lassen 
als seine geliebte Frau ,• sie animiert ihn, er diktiert ihr seine Werke. 

Dauthendeys Bekehrung geht von Gottvater zu Mutter Natur, 
von der Homosexualität zur HeteroSexualität, ist eine Regression zur 
frühesten Liebe — zur Mutter, deren früher Tod das spätere jahre- 
lange Überwiegen der VaterpersönliAkeit erleiAterte, 

Den umgekehrten Weg: zu Gott, zur Homosexualität bedeuten 
die Bekehrungen, die wir als Fälle religiöser Paranoia auffassen, 
z, B. Swedenborg^. Freud hat die Analyse einer solAen in grund- 
legender Weise dargelegt (SAreber)^. Wir dürfen hier niAt ver* 
gesscn, daß Dauthendeys Bruder in Paranoia zugrunde ging,- es sieht 
so aus, als hätte des DiAters günstiger gestaltetes Parallelogramm 
der Libidokräfte den Weg zur Gesundheit gestattet, wobei das Aus- 
leben in der DiAtung und der Liebe das geglüAte Heilungsbestreben 
Jai*Stölkll. Vermutlic/l war ihm der Umstand günstig, daß er als 
Jüngster Lieblingskind beider Eltern gewesen war. AuA eine 

1 Hitscfimann,»SwedenborgsPaianoia«. Zentralbl. f, Psychoanalyse, III. Bd. 

- Freud, »Psydioanalytische Bemerkungen über einen autobiographisdb bc» 
stjiriebenen Fall von Paranoia«. Jahrb. f. psycfioanal, u. psydiopatli. Forsdiungen, 
III. Bd, 




fi ' 



ofe^m S if Begabung könnte man beiden Brüdern zuspreAen. 
hafaSfn *( 4^^x'*' ^^^f^ündigende Stimme, sowie die Gerudis- 
hören wn^Hlf D'^liters cntsprädien dem paranoisAen Stimmen* 
noren und Halluzmieren des unglüdclidien älteren Bruders. - 

fpnael' f ^ ^"T^'* ^"^'^"' ^^s Dichters Werke, die sidi an* 
rang Aarakteristischerweise ihrer Traditionslosigkeit brüsten, darauf 
aurdizuarbeiten, wie seine infantilen Komplexe dort mitspredien. Um 
nur ümiges zu erwähnen, so spielen aud) dort Mitleid mit der 
^rau, Juitersudit und Lösung der Konflikte durdi Mord eine große 
Koiie, gewalttatige Vater-Imagines treten auf. s>RaubmensAcn« 
nennt der Didster ein Werk, dessen Sdiluß idi hersetze, um nodi 
zu zeigen daß der unbewußte Gedanke, »der Vater könnte ihm die 
rrau rauben« an Jenem Todeswunsditraum mitgezeugt hat: »Der 
KaubmensA, der der jungen Österreidierin die Ehre nahm, und der 
Kaubmensdi der Orla tötete, und der Raubmensdi, der mir Hannas 
stimme und Hannas Bild stahl, sie alle drei sind im Grunde eine 
und dieselbe Seele in drei versdiiedenen Verkörperungen,- sie sind 
die See e aller Verniditung, die bald Böses, bald Gutes ausriditet, 
die ^eele des Todes, der im Grunde in nidits versdiieden ist von 
der Seele des Lebens. Dieses zu erfassen, wird nur dem möglidi 
Sern, den jenials beides — hödistcs Leben und grausamste Ver- 
niditung — abgründig ersdiütterte, « 

Ein Epos »PhalFus« deutet auf späten und umso begreiflidieren 
bexualstolz. Das bekannteste Werk, »Die Spielereien einer Kaiserin«, 
spielt im Land seiner Kindheit, Rußland, die Heldin stirbt wie seine 
Mutter an Sdiwindsudit, geht unter Eifersudit von Hand zu Hand 
der Manner <J>Dirnentypus«> und entspridit sogar der Traum* 
Symbolik — als Kaiserin. — Das Sdiwelgen in NatursA wärmerei 
und intimen Sdiilderungen derselben gemahnt an den Mutterkomplex. 
Dauthendey hat japanisdie Liebesgesdiiditen und asiatisdie 
Novellen gesdirieben, mit Vorliebe exotisAe Stoffe behandelt, war 
in Mexiko und hat eine Weltreise unternommen. Und selbst diese 
zeitweilige Europafludit und das Interesse für andere Länder 
finden ihre Ableitung aus dem Vaterkomplex. Zur Zeit, da der Sohn 
aus dem Vaterhaus fort wollte, sagte er sidi: »Idi will aus diesem 
sdiulplanmäßigen Europa fort, Idi will versdiwindcn. Es muß dodi ein 
Land geben, wo idi oem Hang der einfältigen Träumerei nadigehen 
kann, unbeaditet, unauffällig und niemandem sdiädlidi. Denn den 
offenen und audi den stillen Kampf mit dem Geiste meines Vaters 
konnte idi nidit mehr weiterkämpfen. Hier hatte er redit hier in 
Würzburg, in Deutsdiland, in Europa. Aber die Erde war groß « 
Diese überstarke Vaterpersönlichfceit des Vater Dauthen- 
dey, an der eine Gattin in Selbstmord, ein Sohn in Verfolgungswahn 
scheitert, gleidit jenen von Malern <Klinger z. B.> und Karikaturisten 
hingeworfenen Riesengestalten des Hintergrundes <Bismardc z. B.), in 
deren Sdiatten sidi die Leben der anderen in ewiger Abhängigkeit 
zwerghaft abspielen. 



Ein Dichter und sein Vater 345 



»Meines Vaters Geist waltete über allem, was idi tat«, sagt 
Dauthendey. :.Er geht wie ein Lebender bei mir aus und ein.« ^ Sem 
Geist geht für midi tägliA mit der Sonne immer noA auf und steht 
mit den Sternen nadits am Himmel.. 2u stark und zu hart, um 
rein geliebt zu werden, sind diese Über^Vater anderseits so an- 
ziehend und imposant, so wirkungsvoll nad; allen Seiten und dem 
Ehrgeiz vorbildlkb, daß sie vom Kinde n.djt SlejAgult.g abgelehnt 
werden können. Wie in weiblidier Abhängigkeit bleibt der Sohn von 
seiner glei6gesdiIeAtlidien Seite her eine Zeitlang oder dauernd _ge-- 
fe seit odTr reißt sidi - im Widerstand sozusagen gegen den ernst 
UnwideSehulen - in heldenhafter Liebe zur Mutter oder ihren 

^'^Im T^alenTJSn Ifnd die Söhne soldier gewaltsamer und dodj 
geliebte^ Väter meist sdiwäAliAe Epigonen oder Neui^tiker. G^^^^^^^^^ 
ihnen aber das heroisAe Überwinden so ^^""/'^^^^^Ä " ^as 
KomDlexe sie produktiv gemadit haben. Aus der tUicht in das 
Sen und T Phantast ist die Didittmg Dauthendeys praditig 
erSük In ihm hat das Unbewußte durdi das Vatererlebnis eine 
besondere BerSdierung und Verstärkung erfehren. .Während mein 
Va^er/sagt er, .ste?s mit einsetzendem Willen sein Leben nadi 
klarem Plan hatte aufbauen können, war idi und bm id. nodi heute 
nur dann stark, wenn idi äußerlidi meinen Willen aussdjake.« Und 
überaus vielsagend und audi jene telepathisAen Erlebnisse auf^ 
klärend, heißt es weiter: »Immer kam in meinem Leben von selbst, 
was iA in meinem tiefsten Unterbewußtsein gewünscht.« 




346 



Hanns Sachs 



! 

I 

i 



1 Si 



Die Heimkehr der Seele, 

Von HANNS SACHS. 

L Auszug-. ' ; . ^f 

Der MensA stand an der Sdiwelle seines Reidies, aber er 
erkannte es nidit. Von einer unbekannten Gewalt durdi 
tausend Körperhüllen gehetzt, war er tausendmal zerstampft, 
verendet verwest und tausendmal neu geztugt und empfangen, ehe 
er aus dem untersten Sdiadit der Tiefsee, aus dem Blütenbüsdiel im 
Mittagswmd, aus Bärenhöhle und AfFenrudel endlidi an die Pforte 
semer Bestimmung gelangte. Lange hatte er die vielversdilungenen, 
dunklen Oange im Hause des Lebens treppauf, treppab durdiirren 
müssen, solange, daß er nun mit blidilosen Augen und gesenkten 
idiultern, frierend und hilflos vor seine neue Heimat trat. 

Nodi lag die Welt leer und kalt, wie eine Steinwüste voll 
Ueroli und geborstenen Felsentrümmern, färb- und sdiattenlos einen 
grauen Himmel anstarrend, an dem nodi keine Sonne aufgegangen 
ist. Nidit Hoffnung oder Furdit, nidit Trauer nodi Freude vermodite 
die Ode zu sdienken, nur Lust und Qual des flüd>tigen Augenblids, 
den die nadiste Berührung auslöset. Der Gruß in Freundesaugen, 
bdiutz und Zärtlidikeit geliebter Hände waren nodi nidit erwadit,- 
so zog kein Wunsdi die halb nodi träumende Seele in die seelen- 
tremde Welt und keine Brüdce führte über den Abgrund, der Idi 
von rsjidit^di sdieidet. Rings um das enge, kleine Selbst wudierte 
eine Uornenhedie,- Erkenntnis wird sidi mit ihren zarten Kinderfüßen 
nie durdi die stadiligen, diditverwebten Zweige wagen, wenn ihr 
mdit behnsudit, die vorwärtsstürmende, heißatmende Amazone den 
Weg bahnt. 

f. Irgendwo, irgendeinmal auf der großen Wandersdiaft hatte 
die Brunst des Mensdien das Maß ihrer Gezeiten, Ebbe und Flut 
verloren und die Dämme brediend sein ganzes Wesen überflutet. Ein 
in ewiger, pausenloser Gier Ledhzender war der Mensdi geworden, 
dem der Trank immer wieder von den ledizenden Lippen gerissen 
wurde. So drüdite ihm das Sdiidsal sein Herrsdiersiegel, das Leiden 
auf die Stirne, die seitdem begann, sidi hodi und frei zu wölben. 
Leidensdiaftgesdiwellt riditete sidi das Idi stolz empor, in der Not 
rastloser Spannung ward die Gier geläutert und siehe in das 
stumpfe Tierauge trat zum erstenmal der sdiöne Sternenblid der 
oehnsumt. 

So zog die erste Sehnsudit getrieben, nidit gelodt, in die Öde 
hinaus Und da kalte Einsamkeit so unerträglidi war, wie heiße Not, 
so rief sie ihre Klage in die Welt, zufrieden vom EAo die Antwort 
zu hören,, jeden Reiz, der ihr cntgegensdilug, Sdimerz und Lust, 
die ihr bisher gesdiwiegen hatten, begann sie zu befragen, ob sie 




Die Heimkehr der Seele 



nicht einen Gruß Wäd^ten, f^^^^X^i^. 
^d tS Z'ä ':t:J',^^^1f^^-^^^ Bilde das .e 
Sehnsucht kannte und liebte, - dem ^^S^\^2f'y^uXn ^Atbar, 
Nebel und Fels und Strom und BusA ""^.^^JS/^^^^^^^ 
denn sie alle waren ein lA geworden, em ^^^^\^^ h^^^e. Wo 
Sehnsudit hinübergeführt und in fremde ^"^/^T;^^,;^ gesuAt 
er sonst nur Stillung seiner Brunst, nur Kampf und ^^ E 
hatte, da entded^te der MensA sein "^.^^f^A^X^, dessen 
das aus den Augen eines andern sah, ^f J . Hand sAIiA 

Blut naA gleiAen Maßen poAte, wie f^^'K. j^r MensA 
siA in Hand und BliA in BliA, semesgle.Aen ha^te ^^^^^ 

gefunden, neben die SehnsuAt trat sAuAtern ladielna 
HärtliAkeit. , ,, T,-:vArp zu zimmern, die 

Es bedurfte starker See en, um de ^^^^^^ ^^j^eit hinaus- 
vom lA hinüberreiAt zum NiAt-lA, ."? J^ ' ^^, höAste Not 
^ugeleiten in die Welt und dort -"^"f ^a J^reitenden bei dem 
ein Asyl gesuAt hatte. Wer waren die Vor^ns ^.^^^^ ^^^ 

großen Aufstieg zur Weltherrschaft, ^^^fA^^herren aller Priester 
die unsiAeren, Lghaften SAritte lenkten, d>e Ahnherr ^^^^^ ^^^ 
und Könige? Ihre SehnsuAt sAütteten s e aj^s i 
in der Öde wuAs ein Hain, der die Fff^j';"^^.^^^ g ^^^^ ^,, 
denn seine Wipfel rausAten ihnen m <^^' /^^ leiten, ließen 
eigenen Seele zu. Sie malten F^'-f " '".^'^/'d stimmten das ver^ 
die Düfte aufquellen wie aus gP^^'-^^/S, " "„ie Künstler waren 
worrene Brausen der Welt zu Jon und Harmom ^_^^^^^ ^.^ .^^^ 

die ersten Führer, die ersten VersAwender ih^^« ^.^^ ^j,^,ünnige 
Seele hingaben, um zu beleben. P'-'^^^^^^^^^eYne Krone versAaAert 
Söhne, die ihres Vaters Weg yflf^^" ""J '^'„ Sendung treu, des 
haben, der Künstler allein hUeh der |^^^^ „fahren in die mit 
MensAen Seele aus der eigenen Enge nma 
seinem Geist belebte Welt. 

n. Symbol 

A Kerker befreit hatte, 
Da des MensAen Seele siA ^"^ -J^^Jf^ärts zur Abendröte 
wuAsen ihr die Flügel. Sie ^jhwang s.di ^ ^^^^^^ ^^^ sie Ae 
und über den glühenden Rand der WoiKen F ^^^ Brandung des 
Götter in goldenem Saale sitzen, sie stand ^^^^ ^jj^ Wiehern 
Meeres und lausAte dem dumpfen ^/^Xnmähne zu Tausenden 
der Rosse, die mit weißsAäum.ger W^"^^^^^^^ sie sAlug die 
heranstürmen und am Ufer in GiS^\J^'% vor den strengen 
Augen auf zum NaAthimmel und beugte ^ ^^^^^^ghlen- So flog 
und liebreiAen BliAen, Ae aus den Sternen ni ^^.j ^.^ ^^^.^ 

und sAwebte sie vom Aufgang bis ^^^fj'^^^^^^^ 
NäAsten und Liebsten nur als sAeuer Gast verweil 



348 



Hanns Sadis 



daß ihrer Liebe fremder und eigener Haß, ihrem Begehren fremdes 

und eigenes Verbot in den Weg trete, Aus ihres Vaters Haus 

vertrieben, raftte sie kleine Erinnerungsstücke auf und verwahrte 

die wertlosen Dinge zunädist dem Herzen: einen Kiesel von dem 

Gartenwege, auf dem das Kind einst die ersten Sdiritte getan hatte, 

eine Blute die durdi die Gitterstäbe ins Freie gewadisen war, 

Oder em buntes Spielzeug, das mit klopfendem Herzen erbeutet 

wurde, wenn die Pforte einmal versehentlidi offen stand und der 

WaAter mit dem feurigen S Awerte sdihef. Mandie geraubte Blume 

ward draußen in die Erde gepflanzt und gedieh, im steinigen Boden 

der Wirkhdikeit zur Nahrungspflanze verändert, als Ähre und 

-ackertrudit,- aus dem Spielzeug wurde unversehens tüditiges Arbeits-- 

gerat, das die schwieÜge Faust in nimmermüdem Takte auf und 

nieder sdiwang. Anderes hheb, was es war, ein unnützer Tand, 

vergilbt und verdorrt bedeutungslos für jeden, der nidit den Blidc 

der Liebe besaß. Im Alltag veraditet, war es der Seele dodi ebenso 

teuer, wie jene anderen Andenken, die in der Wirkfidikeit heimisdi 

geworden. Wenn die Dämmerung den Sdilüssel bietet, der die 

norte der Iräunae öffnet, so rafft sie noA heute aus Acker und 

ötube oder aus dem tiefsten FaA vergessener Sdiränke den teuern 

Kaub von einst zusammen und preßt ihn an die Lippen, damit er 

Erfüll^ "'^ Si'ünend erhalte und sie leite auf den Weg der 

IIL Krönungsmarsdi, 

fr... '^\^"^^^'^J' l^"" ^'^ ^'^^'^^" Gesetze auferlegt, ohne zu 
Irifff ' r Z ™V^'" ^T^" ."."^ Ordnungen seines Reidies stimmen, 
Zff W-,f^f"'^ /°" ^"'. ^^^' ß^^'^^- Daheim hatte sein halb. 
Kf^A cT ^^T""^"^^" Sdiranken gekannt, wie ein sAwadies 

^ nd, das auf dem Throne des Despoten sitzt Nun hält er seinen 
t^mzug auf strahlenc^em Siegeswagen, über den sidi der Morgen-- 
h mmel als Triumphbogen wölbt. Den Zug eröffnet der Herold, 
ein naditer Jung Iing, eine Weinranke im Haar, aus deren röthdiem 
:>dummer dunkelblaue, bereifte Beeren glänzen,- in der Hand hält 
er den elfenbeinernen Stab mit dem Zeidien des bodsgestaltieen 
Gottes. Neben ihm trabt ein Wolf, das graubraune Fell mit Blut 
beriedct, i>diaumHodten vor dem heiser bellenden Radien Dem Wasen 
voran sdireiten zwei großgestakete Frauen, blond die eine, dunkel- 

Furpurgewandern die aus erhobenen Händen Narzissen auf den 
Weg streuen. Hinter dem Wagen sdileidien mit bkssen allzufrüh 
greisenhaft gewordenen KindergesiAtern Wahrh^ unTwis en die 
sAmaken Handge^nke mit Fesseln besAwert, sie tragen demütig 

sSJS^^il^ T'^-^'^^^^l^ 7'' "^'f ^^■^rnM.n FIügelrausAen 
sAmiegt siA ihm das Konigskleid an die SAultern und auf seiner 




Die Heimkehr der Seele 



Stirne scf^immert das Diadem der UnsterbliAkeit. Vor ^^^^^ 
c^:«^. ij_ ..__._.._.- .:_! Q^^r^ ,mf4 Triton auf die J\me nieuci. 



^uiiie smimmert das Diadem der UnsterDuaiKen- nieder 

seiner HerrsAerwürde sinken Satyr und Tnton auf die Kme n^der 
Nymphe und Dyade beten den Gekrönten in D^ut ^n- -^ 
hinter einem Myrtenstraudi steht der alte Pan, d.e Hirtentlote 
den zottiofn hi^nAfn und cffinst spöttisoi. 



1 einem iviyriensu duui aitm v"^- --- 
zottigen Händen und grinst spöttisdi. 

IV. Pan tanzt mit Psydie. 



Pan tanzt. Sein Kopf ist .ie aus flüdjdg ^^^^^^ 
grauen Porphyr, sein Leib gleidit einer "'■^'^.^"' ,^'' {ggsener Junge 
Gehangenen Pleite, trotzdem tanzt er me em f"^f '^^^^^^^^^^ ^p^ 
m hohen ßockssprüngen im Krdse herum ""^ ' . Tanz^^eise. 
an seinen Lippen die sdirillen Töne ^'^^' ^f^'^J^ Ziegenaugen 
Beim Springen und Pfeifen «^en^e^^^, 'Tjo PsyAe im MitteU 
doA nidit einen Augenblidc von der Stelle Jf' tT.^je sdilägt. Sieben 
Punkt seines Kreises steht und ladiend m me .^^^^ ^^^^ j,^ 

huntc f-,_L__-j.-_- cj ^f*»^lJncT<> wicsren sicn ui^" ,„„„^^^^„1 

de: 

Plüpelsrhlacf ^.,P Psydl 

V. Aufruhr. 




mit langsamem 
"tirne Rast. 



• r ; n^s erfuhr des Mensdien 
w. Huldigen und Gehordien ist zweierlei, i^^ ^^^ g^;^, 

Wille, da er nun begann sein Zepter ^^ 'f^^^,, rings um ihn. 



w. Huldigen und Gehordien ist ^'^^'^'"'''-r^-.^g^n un , 

Wille, da er nun begann sein Zept^\'%t^mL rings um ihn 
salslauf der Dinge zu lenken ^^'''^Zlieaus s< "^ ' —^' 
<^ie er sidi Untertan klaubte, weil er selbst s 



saisiaut der Dinge zu lenken ™" "=•,,:;::„ aus seiner beftnsuau 
?ie er sidi Untertan glaubte, weil er s^'f;/ - ^^ feindlidi entgegen, 
heraus gesdiaffen und beseelt hatte, J^J^" . erheben, spotteten 
vvie Kinder, die gegen ihren Vater ^a^ ra uncrforsdite, 

seiner Bloß; und Ltzogen siA «^'"^/J^^ÄsAen den Wurzeln 



■— cua gesmaiien una uesecu .• — ' , panier erneueii, ■^k— -- 
«^ie Kinder, die gegen ihren Vater ^a^ ra uncrforsdite, 

feiner Bloß; und Ltzogen siA «^'"^/J^^'^^tisAen den Wurzeln 
dunkle Gewalten, die in lidvtlosen H^ll'"" ^^n, Ahnungslosen in 
der Welt 1^— n .t\.acn herauf und hden u ^^^^.jpgrisdie Netze 



ferner tJiöDe und entzogen sim ="="'VV-.r< _ zwisdien den yv u.--.. 
dunkle Gewalten, die in lidvtlosen H^ll'"" ^^n, Ahnungslosen in 
der Welt hausen, stiegen herauf ""^ .^^^„d betrügerisdie Netze 
den Arm, stellten seinen Füßen F«''^Xen Gesiditer waren nur 
seinen Sinnen. Die vertrauten hebeseligen j^. ^^^^^ ^as 

^asken, die er hergeliehen und "»"/'t^'Jfuhr er fort mit lauter 
dahinterstak, w.r ,md blieb unheimhA. ,^_^^1 , geöffneten Mund, 



Y^dSKen, die er hergeiiehen unu u. .-- .^^ gr rort ""Vr 7 

Jahinterstak, war und blieb unheimhA- ^;^^^ ^ geöffneten Mund 
Stimme zu befehlen, doA der Sturm f^l^^Ue feeute, die seme 
^er Donner übertönte seinen Ru ^''Xn'fJe^ und enger. Hunger 
WünsAe niAt aAt hatte, umstellte fh" ^"g,i gdferndem Radie" 
und Not, Kälte und Hitze sprangen 'hn^it g'e^S^^^^^j .j^^^^ sdioß. 
fn und nirgends öffnete ihm die brde y ^^^^^^ „„d riet 
VergebliA hob er seinen HerrsAermantel zum ^,^^^ tnehme^^^ 
nadi einem Gewaltigen dort oben der >hm sem" ^^.^ g h Je 
"nd im TausAe sLtz und Hilfe S^^.^^^^," /°; Hohn sank wieder 
aus den Wolken auf seine B/^ränger und J«e^^^„^_ 
und wieder der Purpur auf seine bdiuitern 




fadensdiefnir sA "f-^ T '!!*' endenwollenden Kampf das Gewebe 
^vrisAen dfn Kr^Ie^ ^?'l-'f"^ ^P^^" für Lappen nß aus, blieb 
Weid der Allm.^. " . ^^''"'.'\ "^^^ B^^^'*^"' ^'^ ^°"^ Königs- 

BettlertraAt ,n?f,Tx?'^'" ^^'•sd.Iissene Fetzen übrig waren, halb 
die so herW.-^ Narrengewand. Audi das Gold der Krone, 

Edelsteine eM.-^?" 'T^' ^"'[" ^eleuditet hatte, erblindete, die 
ein urhUl^fadernlrS ''""^ "^''^"' "^''^" ^'^"^ '''' "" 
^edemü!ilfTf^"w/^'' "^^f ^^"^* meinen Vf^illen entkönigt und 
Wer fL L '^'" '*'^l*^" ""^ '^^" besAÜA die Sorge, sein 
Kr^nuLl u j''\'^^^' ^^°""^ siedi und sdiwadi werden aus 
dI beS ' ^"^'"f^en Sdimadi und am Ende gar sterben. 

2u suA.n 7 'T^' ^'^'^' "^'^ ^'"^"^ Heilmittel für den Kranken 
siA pÄ ^^^,''^" genesen und erstarken ließe. Und die Seele hob 
aus über 5 W/"r?'"^'L^T Libellenflügehi über die Erde und blickte 
weiten ,^ Yf"^^' "".^ dunklen Ströme bis in die fernsten Himmels. 
Sonne un^ }" W^ JT ^'"^ ""^ ^'^ kolken, die aufgehende 
i>onne und das MondiiAt, aber nirgends erhielt sie Antwort. 

VI Psydie in der Sdiuie. 

unten "^tk' Z^ Au'"'^ '^^'^'" ?>^*^ '" loseisendem Ffuge. Tief 
lohtes Grab D.V R ^^ "'« '" '^' ^°" sAwelenden Fädeln um- 
Felsen ^feln d^?!.^ S?'V""^r;^ "^^^" '^öAsten Eis. und 
Kein r^;^Hr ^.1 ^ m.Idifarb.gen Nebel, der die Fluren bedeute, 

rf.o rj t ! drang von unten empor, kein Vogel ^ab sinkend 

L^d^on d'e.""' t St"--nd heu/e und sang L irOhr'sein 
Jjd. vir K ^'''^'"' sdiauerlidien Leere. Die Einsamkeit mühte 
s^i vergebens, sie zurüdzusdiredien, ob sidi audi Warnung naA 
Warnung, aus zahnlosem A/tweibermund gute Ratsctiläge kreischend, 
an Ihre zarten Flügel hing, sie strebte weiter in die Höhe, bis hinauf 
zu den Sternen. Dort oben war ihre letzte Hoffnung auf die Ant. 
wort, die alle Erdeiidinge geweigert hatten. 

Eine lange, lange Nadit währte Psydies Sternenreise. Als sie 
wieder herniederstieg zur Erde, hodtte graues Zwielidit auf allen 
Zweigen, der Morgen sdiielte unter versdilafenen Augenhdern den 
fröstelnden Bergen über die verdrießlidi hodigezogene Sdiulter. 
Psydies Wangen waren bleidi, ihr blondes Haar verwirrt, die auf- 
gelösten Lodcen von Sternentau getränkt, aber in ihren Augen 
brannte ein klares, kaltes Leuditen, Die Antwort, um die sie aus* 
gezogen war, hatten ihr Sonne, Mond und Sterne nicht geben 
können, aber sie hatte dort oben erfahren, daß das geringste Ding 
auf Erden ihr dies Geheimnis und alle anderen dazu enthüllen 
werde, wenn sie nur erst gelernt hätte, es in seiner Spradie zu 
befragen. 

So kam über Psydie der Entsailuß, in die Sdiule zu gehen, 
um die Spradie der Dinge zu erlernen. Ein dunkles, staubfarbenes 



Die Heimkehr der Seele 361 



Sdiülerkleid zog sie über die zarten, sdiimmernden Maddien- 
sdiultern, zwang ihre Loden in ehrbare Zöpfe und wandelte^ den 
Lederranzen mitdlAen Büdiern vollgestopft, mit bedaditigen SAr.t en 
den Weg zur SAulc, der, wie bekannt, zwisdien zwei S^^^S^/^^^" 
Mauern in weiten Windungen und Kehren bald bergan, i>ald w^^de 
abwärts läuft. Nur manAmal durdizud^te es sie ""^/'^ JjP?^,^ ™' 
den Flügeln, daß sie vom Boden gehoben wurde ""^^,^>"^X7f"^' 
biid über die Mauern hinwegsehen k°""tj, ms blühende Land 
hinaus. DoA das Kleid von derbem Stoff und die brawn schweren 
SAuhe zogen sie gleiA wieder hinunter auf den Weg, den zu 

''^"l^e Ä Mägde, die einst in Fesseln dem Triumohwagen 

des ^fens gefolgt iar^n. Wissen V^'^f'^l'^renfBX: 
in der S Aule als Lehrerinnen auf erhöhtem ^tuhl, Jtre'^ge ß^^^^ 
gläser vor den Augen, und egten die Stirnen 'JJ^^^^" *^X^ 
als sie die neue Sdiülerin erbMten. Die aber {».^tdemut.g solange 
bis sie ihr Herz erweiAen ließen und s.e aufnahmen zu Lehre und 
UnterriAt. Dabei haben sie ihr mandies hebe Mal aut die feinen, 
mutwilligen Finger gesdilagen, 

VII. Die gläserne Mauer. 

Um den Preis vieler Tränen und Tintenfledce ist es Psyche 
endlidTrelunTen hie und da ein kleines Stüd ihrer Sdjulaufgaben 
zu I^nen ffl'das Wenige wäre zu viel für ihre Geduld gewesen 
hat e sldi nX die Neuser mitleidig neben säe gesetzt und bun e 
Bilder über das verstaubte Bud» ausgebreitet, um ihren rasdi er^ 
^winden Eifer zu beleben Stumm waren ^d.e^mgen^^m^^ 
\üuaor aber statt zu verstehen, was der Wmd mit aen woikcu 
spraA wenn er sie über den blassen Ffühlingshimmel trieb, oder 
wie die Hedcenrosen den braungoldenen Bienen riefen, wenn ihre 
weißen Blütenblätter sidi auftaten und den Weg in ihren bdioJ^ 
freigaben, mußte sie erst alles Leben zerpflüdscn und zerstören, 
einstampfen und verreiben. Verbundenes auflösen, Feindhdies zu^ 
sammenbrauen, um sdiließlidi ein abgerissenes Stammeln ein vei- 
drießlidies Murmeln zu vernehmen, das nur selten einen Augenblidi 
lang sidi zu klarem Sinn zusammenfügte. 

Unwillig ob der langwierigen Martergänge, an deren tnde 
kein Ziel mit holdem Gewähren stand, legte sie Büdier, _ Kolben 
und Pressen beiseite, um nadi Liebe und Laune irgendwo ein freies 
Stüdt Grünen und SÄwellen leidensdtaftlidi zu erfassen und an 
die Brust zu drüdten. Aber ihre ausgestreuten Arme erreiditen 
keine Blume, keinenf Halm',- so nah sie vor ihren Augen audi 
blühten und niditen, ihre Finger prallten zurüdt von einer unsidit^ 
baren Wand. Immer wieder und wieder griff sie mit sehnsüditigen 
Händen zu, versudite bald hier, bald dort sidi dem Gefängnis zu 
entwinden^ wie die Fliege, die unablässig gegen eine Sdieibe summt, 



|!| 



352 




1 :!i'i 




von dem I^endi Jn T T^TS?^.'^''^.^ eingesAIossen, abgesperrt 

wSsen einiJnnr '"i ^'', '^" ^'^^ """ ^" ^^^ ^id> selbst ge^ 
dir^sseTsSr -^ba^ ht/-^^^^^^ ^^"^^' ^'-^ "- '^^ ^-- 

VIII. Gesetz. 

Pans iTe^uZ "^r "if ^'"/*^" W'^'^ ^^"^ S^^orden über 
Säffer zu^e^t p'f ^"'^ ""^ angekoppelt lagen ^dfe blutgierigen 
Zähne .mmIT "'^'"', ^1«'^ "°* ^'"^'- ^" ^""'•'•en und die 

Sten Stria'"' n r}'''t '' ^'* ^^'^ ^'^^^^ vor den wohU 
dfe Demu7T't"d t- i' Sjegm heiteres LäAeln war erlösten, 
kdne Frend^ t' ^^'^^^^e Gehorsam der GesAöpfe gab ihm 
AT/st und TW f "'^^''''A ^^^ "'*f Anbetung, sondern 

™en 2 H^p '' -T'"^"?? J'^'"" ^"*^" J^eugte, die stets bereit 
S ;»^o s,V T ^If ^"* F^^". ^^" a^f^usAnellen, im Augen. 
RaubtiTrzähnV. ^*'"Tu"drv""^^^'f^"^^^ bänden säßen ihre 
er besS L? '^T ^^^\^' ^^ ^^^^'^ 'J^" «einer HerrsAaft und 

rndtn1id^Sntnnte"' ^" ^"^^"' ^^ ^ ^^" ^^'"" ^^^ 

führt .^aus"lm'^du^Z2,-^'%l''' ^^^«^" ^"'^ ^^" HoAwald 
gelangt:"^ auf einf ^fe Hflt"N^ --en NadelgeruA 

über das Alpeneras war Ir e ^^di mandier Wanderstunde 

derBaumdesTeiensTteL n.itBll.''''^^^^^ ^"^'*^' "° 

Der Wind ging mit ^^rüiC^^'^X::^ ^^^^^ 
Zweige und streute den Sam^«./^ l • , . * ^'^ Blatter und 
Welt hinaus. Der Wanderer vi '" duftenden Wolken in die 
einen Zweig zu stdi herabzubipl'"^" -^ ™^ ^^'"^" starken Armen 
sidi an den Früditen erouidcPn%!i ^^'-^^ yermoAte es, er durfte 
nadi seinem Gefallen aber d/nn-S^ '' "^ ^^'''' ""^ ^°^^" ^^'^^" 
gepflanzt sein, der ihm Nahrunr^d T? "/*' f"'' •'^" ^Je«- ^^""^ 
darbot, Er ließ siA im SAatten^m^^' ^'^ ^leiAgültig und wahllos 
bis seinBliA auf darwet TanS fi f 'i'^'"'^ '" ^'* ^^^«^^^ '''^'^^' 
Umsdiau haltend besah er dif u ^' ""^^"'^ ausgebreitet lag. 
Kornfelder zwisdien dem erün^n Wr' /•^Selmäßigen Streifen der 
vom Laub ihrer FruAtj^ärtln h "^ . ^'"'^^".^' ^'^ ^'^inen Häuser, 
Straßen, die siA zwislen "hn- ' """"^r^'" reißen Bänder der 

letzten Grau der Dämte^ "veS^h .""^ '^ ''' ^'H '"^ 
sdion an des dritten Reidies Grl ' , ^'^ erkannt, daß er 

dort zu herrsAen, nidit er u^^ angelangt sei, aber nidit um 
ein Reidi der Freiheit und^Rin? "".^^"^ ^in anderer, denn es war 
Feind mehr, nidit Herr noA D '' iP ^^^ "'*^ ^^^""^ "°* 
aneinander vorüber auf ve^etrJ^ii^' Dasein lief gleiAgültig 

Er wußte siA eins mit allem Wer dl"' "^ '' "'^^''. """"" ^"i^"'"''- 
sdiritt, und war einsamer, als je vorher. """ '"'""" *" 



Die Heimkehr der Seele 



Seufzend erhob er sich und sdintt ^^'"^Zn Säukneängen des 
Land hinab. Tiefe Nadit hing in den ^"^^" , zwisdien den 
Waldes. Im Dunkel der Stämme und ^°J^ r -^ Liebestaumel 
Wipfeln erglänzten kleine Glühpunkte: ^^"*g^ j^^jt zum anderen 
einer SommernaAt und von einem lor aer s 
wandernde Gestirne. 

IX. Zauberlehrling. 

c • A.n Mittelpunkt der Welt 
Damals, als der MensA siA m den Mi^ >^^^^jj.^ fielen 

gestellt hatte wie in einen Spiegels^a"' ^^ < j^ sprang all 

SAeiben sein Bild zurück^^arf und ^'^J^'^^^ seinen WünsAen 

sein Vermögen, ob wirkliA o^^^^^^'^^tLr Angst ohne Zaudern 
und BegierdL, aus seiner SehnsuAt und e,ne/^^^ ,uch m 

und ZwisAen^licd hervor. NiAt bloß • se ^.^ ^^ ,„ 

allen seinen Mitteln erkannte er ^'^^ f f /^^d.s Willens in Fe^en 
seine Liebe. Später, als der AllmaAtsmante ü ^^^ j^ „^^en 

hing, trafen siA WunsA ""d Erfu unj "°* ^^^^ B,,d. und Hug 
SAleiAwegcn der Phantasie ;^oste siA^w j^^^ ,^t 

beim unsiAeren SAein des Mondes m den ^ ^^^^ Warnungstafeh 
PsyAe auf der SAulbank gesessen standen „ledergesAlagenen 
aufgeriAtet, an denen ^i% liebenden nur ^.^^j^^^^,, ^ag^n^ 
Augen und ängstliA klopfendem Herzen v ^^.^^^ „„ 

Statt in verbotenen LiebesnäAten sei ten J ^^^.^„,„,,, staub.gen 
an nur mehr am liAten Tage, l"^ ,.f '^".jen Lehrerinnen Fsyä^^s 
ReiAe der Außenwelt treffen und f'^^^^f Verlies führten s^e d^ 
fußten ein Mittel dazu. Vor em finstei^^ eisernes Ges Ale At 
SAüIerin, in dem ihre Söhne sAlummerten,^_^ ^.^^ beiden kennen 
an Herz und Gliedern ganz ^us ^^^»'^'^ EntzüAung von jhren 
noA Leidenschaft, weil sie ohne Ra-* "^ p^^^, ,, Ä hJ 
Muttern empfangen wurden ^| , i^r ^^d ^enn ein ^uns 
Stunde die MasAinen aus dem SAI^f^ "^ sAiAte sie <1'^ "^"JJ 
seiner Gewährune würdig zu /'"ÄrsAlosse Pans ^^^^^'^^ 
Diener aus, um cfic Braut aus dem Zaube ^^^^.^^^ 'V fSaa 
und heimzuführen. Da galt es Felsen ju^ ^urde, mit ^f^^^^l^ 
^as tausend Meilen entfernt S^^"* spitzfindige Rätsel zu losen 

um die Wetre zu fliegen und ^^^'^^J'JU und "n^^^.'^^.^tm bis^ 
- aber Ae eisernen fetter blieben sta"dha ^^ der Bräutigam bt^^ 

FreiliA, bis die Braut befreit war K ^^^ '^* K 

>^eilen sAon gestorben sein, oder so f\l^^^^ GesAleAtes .wurden 
und kalt von ihr ab wandte, ^nd des^isern^n unter Ar^ 

immer mehr und mehr, so daß ^ J^ X S^ele^oA in d'e W|^^^ 
Tritten zu erdröhnen. Kaum jagte sA die ^^j^, fea traf d^^ 
hinaus, weil sie überall auf die ^^^^^^^^^^^ 

ihr in gefühlloser Kälte undunabande.l^err ^.^ ^^s glühender 

mal sAien es ihr, als ob ein tuA.sdier ^3 




Kohle, die statt (fps Ä,,^ 

entlan^Iitte. "^"^'^ ^"^ ^''nem Eisenkoloß funkelte, an ihr 

^r^\sil7^Ztt^^^ P- Tag kam, an dem die 

S'A warfen, der Tag an dem .i°* "^'^ ^^nsd^cn hohnlaAend von 
»"•t eisernen Füßen ihre C?phw ""'"' ^'""'^ S'"^" ^^''öteten Himmel 
wehklagend sidi >^indenden R ^" ^'"^"^ färAterh-dien Knäuel 
"?'t.Blut besudelt Mensrnhh!^^'''"- ^"^^"^"^^"^raten, an dem sie 
S<eng eintranken. Da sSpil '''''. ""^'"'ättliAcn Stahlsdmauzen 
J«- Haar und verhüllte ihr Ä?" "''', gerungenen Händen, raufte 
d^s die eisernen Giganten ii.]"' '■^''?^ das Zauber^x^ort sudiend, 
vj'ganten wieder zurüdibannt in ihre Höhle. 



^- Die Heimkehr der Seele. 



P "^'" ^cr oeeie. 

heitsführer'''drvor d^f anderetdf*? ^"^^'/'^ -^^-" Mensd.. 
niaßtrauisA davor stehen bheben iV5'' w".^""*^^ ^'■^^""^en und 
^chen SAattenwege der PhantaX' l^'^ Warnungstafeln die lieb^ 
Knedite ersAienen uX^T7j"{^''''l'^°^^''^'^ ^'^ ^'^ ^i^ernen 
ja^es zu rüsten begannen da .n^ Vern.chtungskampf des jüngsten 
der Welt der Seele IlS nf* nS. f' ^""''''^'■' ^^'^ ^''^"f^^" '" 
nn/ R-u^""'""^^"- So wie sie dnst X i^"^i' '^' ""^ ^'^ fingen an, 
und Bddern hinausgesAmeile It ha«en^ ^5^^" ?'^'^^' ^'^^ Worten 
w^r^c n "'n^'". ^^'^"^ haben um r "" ^"5 '^^'»e Öde, so lodccn 
^arts Das ReiA Pans verfäS ^rd ' ^^°'S"' ^^^^^^"^ ""d heim. 
Unk?*r'^. r^^ ^r^"^" "^^epflüiter ä!1 ""^ ""^uAtbar, wie ein 
Unkraut überläßt. Im Reidi der <;^ f r *^''' den der Enkel dem 

natte, aber nidtt mit Hpr Q*- / SeDiuht, eedufror n«^ f t 
sonf1f>rn ^(^ . ^«'"'"^ *^er Starke unH Of f *^ ,""et und geklungen 

Luft, von dem n,-;i' ^'^f ^'•' -getönter' N^^l ^r"^ ^äßlid.. Gesund 
Die Seele enT..^ "''^' "" erraten LT ^U^u ^^^«Awebt in der 
erreiAt sa^ r ^? ^^"SSam der WpI^ '''t?^^""^ ^^' «der Farbe, 
-ur *uASe?T°* °^ ^«^«-en BluLeTfe ^^V^, ^^s dunkle Tor 
Seh„suAt\trebI:'?f.°""^^^ ^°* "u i^fe'V\^^^^ ^''^/"-^^ 
^wiAen Arme und' kär ^^'"^^^^rende nimmt d^'r""'' " *' ^^" 
Wn Ahenteuerl^^^^ -;;^e^CHenl^^^ '^rH;: 




Büciier 




Bücher. 

^ DAS BILD DES RAMSES. Drama von Franz Dubsky, Verlag 
^eorg Müller. Münd^cn. . ^^j^^ 

Wer in aufnahmsfähigcr, empfängliAcr Gemutstimmung 'ThierSen 
ägyptischer Altertümer durdisfhreitet, wird beim ^"^^ ^^y empfinden, 
^Jleidimut thronenden Kolossalstatuen gewil) noOi eiw ^^^^^ ^^^ j^.^^^j^ 
als ardiäologisdics oder kunsthistorisches Interesse, ivd ,^^ ^^.^ ^^,- 
Jaften ^.ird ihn erfassen und in seinen Bann z'f^^"' j^^, Bewegung und 
Jrter GesdimaA audt sagen, daß hinter der ^^^aIm stedce, sondern 
J^^Ausdrudslosigkeit der Züge keine «^^^"^VrSn Gleidiwohf werden 
""r eine zur Schablone gewordene künstlensdie if^d.t.o^ ^^^ ^„^^^, ^^j, 
^"- iU gegen seinen Geschmad. redit f b«"' ^T gelber finden - eme 
^".nadist nidit in jenen Bildsäulen, sondern in .nm . ^^.^^^^ bewußten 
«atselsrimmung, die ihn ergreift, weil ^"""^[""/ü'b'er ihn werfen und em 
^^nken fremd und unheimlich sind, ihre ^f^"^",, ,ß ersdieinen lasse"- 
Stu'^' seiner eigenen Seele ^^cideut/g^-^nt^^/f 3 „ur für Au^enbhd^e 



c .. , ' "<-'iiiu una unneimuui amvi, -.„^(hotr crscnem«^" ■" — ; ,. , 

Stucic seiner eigenen Seele zweideutig und rat eJhart er ^^^ ^^ ,b( d,e 
. Was gibt diesen Figuren die Macht, ^^"" f f, erwedcen, die .hrer 
^'ne dunkle Empfindung von Angst und -^weifei 

«arren Eindeutigkeit völg fremd zu sem f^^';^.^, .diwer falten. Diese 
^.. . Die Antwort wird dem Psy«^^«^"^^^"'^' „"Äer Ur.eit stammend 
J<>n'gsbilder sind Vatergestalten, die aus " "^*^^en. Sie spred.enn._At 
^^" BesAauer leidet in die eigene Urzeit ^"^l^T ' „nftbedenken beein» 



vem audi nur lu. - ^ 

' A 7«,eik\ zu erweAen, die mr 

lUnkle Empfindung von Angst und --wen 
T Eindeutigkeit völlig fremd 

Die Antwort wird dem PsyM— •— . „^.„^(ku^er urzen ^- . , 

er sind Vatergestalten, die aus "^"^^^en. Sie spred.enn._At 
,-. -.smauer leidet in die eigene Urzeit ^"37,'nunftbedenken beein» 

2^ « unternommen, ihn gestaltend zu deuten, e^ 



. Ein Did^ter, auf den dieser Ei ndrucK offenbar b«^.^^ E^Pjä S 

J^^t « unternommen, ihn gestaltend zu deuten, er ^^ ^,^^^ Anblick an. 
^°2"sagen rüAübersetzt, indem er siA von <J^^ ^^fj^s Königs Ramseslh 
f ^^Sten Phantasie in de Entstehungszeit des B. df J^ ^,^ „,,es, eben em. 
führen ließ, so daß der alte, verdrängte Konflikt s.^ ^.^ .„de 

^^'^"des Ereignis vor seinen und ""f ^" ;^Sne Personen /erteilt, der 
^'d^rstrebenden Einstellungen sind auf versA.ed^^' Kindestreue und 

{""•^re H^.iespalt wird als dramatisier Konfiikt zw. 
^asallenauflehnung dargestellt. ^ . ,Kostüm«, das heißt um d e-- 

i, . Es handelt siA also niAt bloß ^^''^tZ am angemessensten .s- 
gip Lokalfarbe, die dem Charakter der HandunS Stimmungselement 
da" yndOrt sind ein wesentlidier TeH des "Ä^erk'S, ^.^^ mögl.A, d.e^" 
vS,:5« ^"dere in sid. einsd>Iießn Fre.l.A ^^5111? festzuhalten "dn^f 



356 



Büdie 



^ 



aber erst mit einem Teil ihrer Masse zu schwingen vermag. An einzelnen 
Stellen tritt sie mit ganzer Kraft in den Dienst des dramatisdien Aus= 
druds, anderwärts klingt sie nodi unsidier. 

Ein Zug verdient nodi besondere Hervorhebung, weil sidi in ihm 
das innerlidie Erfaßtsein des Dicfitcrs von seinem Stoff ausspridit. Obwohl 
die Stellungnahme zu dem Vaterbildnis zwischen den Personen so aufgeteilt 
ist, daß Jede von ihnen eine andere Einstellung repräsentiert, setzt siÄ der 
innere Zwiespalt, der mit dieser äußerlidien Form der Erledigung nidit 
abgetan ist, nodi in das Seelenleben dieser Figuren fort, die erst dadurdi 
aus dem Relief zu vollkommener Plastik hervorwachsen. Bei der Königin 
ist dieser innere Konflikt durdi den Wedisel zwisdien Gesundheit und Läh-» 
mung ansdiaulidi gemadit,- viel weniger siditbar, aber auch viel tiefer in das 
Gewebe des Charakters versdilungen und von größter psydiologischer Wahrheit 
ist die Andeutung desselben Konfliktes in der Haltung und den Worten des 
Königs. Hinter dem Trotz sAimmert eine geheime Angst auf, die dem 
Trotz des SAwadben erst die rechte Nahrung gibt, denn sie lockt und zieht 
ihn, die gefürchtete Macht nidit nur vor dem Volke und der Königin, 
sondern noch mehr vor sidi se-Iber auf die Probe zu stellen. Im letzten 
Grunde steht aucfi bei dem König, der Leben und Reidi an den Abfall 
wagt, die Verehrung der väterlichen Größe und Gewalt, und wo diese 
tiefsten und verborgensten Dinge Ausdruck finden wollen, findet audi die 
Sprache ihr ganzes Erz, 

»Allgegenwärtig war 
Sein Bild in uns, denn überall im Haus 
Erdröhnten Schritte wie von ihm, und seine 
Augen blicJiten uns an. Und wenn wir waditen. 
So wachte er, und sdiliefen wir, so sdiHef 
Er neben uns und zwisdien uns. — Er schlidi 
In unsere Träume ein, und seine Nähe 
War greifbar und nicht wesenlos — ...<■< 

Wer für sold^c Menschlidikeiten ersten Ranges, wie es die Übermacht 
der Vater-Imago ist, die richtigen Worte zu finden weiß, der trägt den 
Diditcrtitel mit vollem Recht. 



H. S. 



ZUM UNSICHTBAR MACHENDEN RING. 



Das alte mythische Motiv vom unsiditbar machenden Ring, dessen 
Besitz dem Lyder Gyges zugesdirieben wurde und der in zahlreichen Märchen 
und Sagen ein beliebtes Requisit bildet, ersAeint in einem kürzlidi veröffent= 
liditen Roman 1 mitten in die modernste Gegenwart hinein versetzt, dorthin, 
wo sie in ihrer hödisten Steigerung auftritt: in das heutige Berlin, Und als 
Träger dieses wunderbaren Zauberinstrumentes ersdiafFt der Dichter einen 
aus der persönlichen Eingeengtheit der jede freie Entfaltung der Indivi« 
dualität brutalisierenden Großstadt hinausstrebenden jungen Mensdien, der 
sidv der geistigen Industrialisierung nidit unterwerfen will. 

Stefan Hörn, der nadi außen hin als bescheidener Bürger, in Wirklidi» 
keit als selbstzufriedener, weltabgcwandter Egoist in seiner kleinen Vaters 
Stadt den Lehrberuf ausübt, wird plötzlidi an der Schwelle des dreißigsten 
Lebensjahres von Reue über die sdiönen unbenutzten Jugendjahre und von 

'■ »Horns Ring« von Otto Flake. Berlin. Verlag S. Fisdier. Preis geheftet 
M. 4. — , gebunden M, 5. — . 



Bumer 



einer wilden Lust naA allen Abenteuern ^^^^'■^«^"^^^^V'/il „feiere 
läßt seine Mutter, der er einziger Trost ihres Alters war ""^ ^^-^^ beim 
Stellung, um in Berlin a!s freier SA^-i^^^f^Sf .''.'"jen ha/t^n WirW 
ersten Anlauf sieht er seine allzu persönhAen Id^ an den harten ^^^^^ 
keitendes modernen großstädtisAen Lebens zersAdlen und simse^ 
bedroht, der von ihm am «leisten gefürAteten Gefhr zu j^^^^^ 
Stelle einer mühselig Rösten Fessel eme andere enzu^aus*en^ ^^^ ^^^^^^ 
gezogen, eine Stadt zu erobern und n^"^' ^"5, ..x ^iu .eine freigewordenen 
madien konnte, eine Frau gewonnen, ^^^ ^^^^^ ^''' wird, verbinden 
Kräfte binden sollte. Mit Rudi, wie sein Sd^'d^sa genannt^ w.^,^^^^^^„^,.^^ 
ihn Fäden tiefreidiender sinnlidier Neigung/ aber se « n p^^.j^^jj^^.^ürfnis 
keit von Ebbe und Flut zeitweilig mädit.g f.'^P^JJfi " j J^ stets vom letzten 
hält ihn mehr als seine bescheidenen materiellen ^^'^ T Lebensbe« 

bindenden Schritt ab, audi als ein f'^f J^'^'tJrXer seine Gedanken 
dingungen nahegelegt sAeint. Ewisdiendurüi spi j^^irgten, die ihm 

audi mit der Möglidikeit, ei"\™"'°"""!5'*%erifordertea Lösung dieses 
allerdings als Weib gar nidits bedeutet. Von der g g.|^^^^ befreit ihn 

sAeinbar banalen, im Grunde aber tief »"«"^^'^ die er daheim nidit 
die Nadiridit einer sAweren Erkrankung seiner Mutter, 
mehr lebend antrifft. ^^n uneingeweihten Leser ganz un. 

An dieser Stelle setzt nun, für den ""^'"«^ .^.^^^^ ^.^ phantastisdie 
merklidi und durdi einen Irrenhausbesu* gut f" j^^nfalls nidit mehr neues 
Handlung mit dem Ring ein. mit der ein zweK , .^^j.^j^^.^ ^^^^^gten 

Motiv verknüpft ersAeint: das Ausleben der von ^^^ ^^^^.^^ ^.^ ^. 
Befriedigungsmöglidikeiten im Traume, ßs ist ' , Gewände, sondern 

durAführbare Verarbeitung des Ringmot.vs '" J^^^^J^ jurdi den Wahn 
audi diditerisA ein überaus feiner f"S. o^^' '" g^j^^ „a^fi ungehemmter 
eines Irren angeregt, die in uns al'f;^^ 'f^^S^nden Ring Gestalt gewinnt. 
Befriedigung aller Gelüste in dem ""l»*i^f tT^Tm Vaume seine kühnsten 
Mit diesem Kleinod gerüstet, verwirklicht H°rn ^^^ ^^afft sidi und 

SehnsüAte. Er ist Herr über unumsdirankte GeWmit ^^^ ^^^^^^^^,^ ^ 
anderen Gutes damit. Aber hinter allem bunten i Bestrebungen au , 

immer wieder der hödiste und treibende Y"3'^^^\,idit die MöghAkeit, 
die Vereinigung mit dem geliebten Weib, Und au ,_ _. „„, p,,a. 




"-"^ «lUBzuKosren, vermag ■"" --■-%,. „(»tnÜDrt harte- i^^" '"A. ^„i,^,, 
er beim ersten Flüggewerden seine Smne geknuprr ^^^ fdtwanke 

dem Traum Nahrung und Stoif S^S^^^^hre"^^^^ 

^wisAen Rudis stets neue Berufungen gewake«^^^^^^ .^ ^ ^„„pe^te 

Eroberung und Weras Millionen lost ^'^/^^^^P, Rudi dazu nehmen. Bemi 
yeise: Er hat selbst die Millionen und kann^^J^ ^j,^, ^^^^ =" PT"XaI 
ErwaAen fehlen allerdings die Mjibonen, d.ejid. ^^^.^^ ^ ^ M^ral 

Onkels in Amerika einstellen ""d vom ganzen ir ^,^ ^^^ ^^jj „^^ ,„ 
v.„ j.. .„.._ seligmadienden Gattenhebe zurucK, 



von der allein 



.Uli aer allem seiigmaaienucn x^«— 

Wirklidikeit umsetzt. . . n^^diidite, die reidi an kühnen 

, So endete eigentlich diese P^J^^^^^f f' pa^^ wenn man de« 

Ansätzen scf»ien, im seiAtesten turge-Iidien t^an ^.^^ fj„ aar 

BliA an der Oberflädie der .Lösung« haften ^^^'-^^^.^^ ^je die MensAen 
eyigen Motive der Kunst kommt es an, die so a ^.„sdien meiisAhdi 
überhaupt und solange Geltung haben werd^^, j^^^ p„d,IeuA^^^^^ 

leben, sondern auf ih?e Verknüpfung, 'h^^-XirSöpfung, aus den wenigen 
Darin liegt das Eigenartige jeder kunstlerisdien o 



358 



Bücher 



ii 



;5 



l'M 



stereotypen Zeichen des seelisdhcn Alphabets, einen immer neuen, noch niAt 
dagewesenen Sinn herzustellen. Und so hat denn Flake in seinem neuen 
u iT^j '" ^^^ uralten Kindersehnsucht vom unsichtbar machenden Ring nicht 
bloli das Symbol des männlidien Strebens nadi Herrsdiaft und Madit gesehen, 
sondern audi gezeigt, wie diese nadi außen geriditeten Tendenzen in letzter 
Linie in dem Verlangen gipfeln, mit dem geliebten Wesen eins zu werden. 
Die betreffende Stelle ist für die Auffassung des Ganzen so bedeutsam, daß 
sie hier in extenso Platz finden möge: »Am Ende aller Begegnungen, aller 
Trauer und aller Freude, stand die Umarmung, und man hat ein quälendes 
üeftihl, wie unbeschreiblidi einfach das war und wie unverständlidi man 
dodi gewesen wäre, hätte man es den Mensdien ins Gesicht gesagt. Aber 
die Frauen wußten um dieses Geheimnis. Menseben waren getrennt und 
hatten kein stärkeres Gesetz in sich, als diese Trennung aufzuheben und 
in ein Dunkel zu tauchen, in dem nodi alles und alles wieder ungetrennt 
war. Das andere, woran Mensdien ihren Sinn hängen, Stand, Beruf, Ziele, 
v^ar nur künstlidv und wesenlos gegenüber diesem Ewigen und Tiefsten, 
und sdimerzlich trug man in sich einen Wunsdi, immer wieder das große 
Mysterium zu vollziehen. Das war ein ganz sinnlicbes Verlangen, aber die 
Menschenliebe hatte hier eine ihrer natürlichsten Wurzeln, aus der Klein- 
liches und Starkes, Gewissenlosigkeit und unersdiöpflidie Zärtlidikeit stieg.« 
Hier hat ein Diditcr tief in das Triebwerk mensdilidier Leidensdiaften 
geblickt und mit innig verstehendem Verzeihen die in uns allen waltenden 
ewigen Naturgesetze als Kern des vielmißbrauditen Sdiidcsals bloßgelegt. 
Daß er es daneben glänzend versteht, ein Bild des äußeren modernen Kultur-' 
lebens in rhythmisdi und plastisdi gleidi paAendcr Weise mit den tedini« 
sAcn Mitteln der Spradie zu ent^x^erfen, mag für sein hohes Können sprecben. 
Ebenso die Großzügigkeit, mit der der konzentriertesten Realitätssdiilderung 
der aussdiweifendste Wunsdierfullungstraum des nadi bindender Liebe und 
freiheitgewährender Macht_ gleidvzeitig dürstenden heutigen Kulturmensdien- 
typus gegenübergestellt wird. 

Man könnte die restlose Befriedigungstendenz des Traumes mit dem 
Hinweis darauf bestreiten, daß Hörn, der zwar die Geliebte zum Weibe 
gewinnt und mit ihr Stunden des reinsten Genusses durdilebt, sie audi im 
Traume wieder verliert und daß eben ihr sdimcrzlidi empfundener Tod 6en 
Übergang ins Wadileben vermittelt. Aber gerade an dieser Stelle ist die 
tiefste Sehnsuditstillung des Traumes zu suAcn und zu finden, wenn man 
die bunten Fäden des diditerisdien Gewebes durA ihre vielfadien Ver= 
sdvlingungen hindurA dorthin verfolgt, wo sie mit dem seelisdien Hinter, 
?rund, auf dem sie ruhen, stofflidi verknüpft sind. Hörn träumt daheim, kurz 
nadidem er seine Mutter begraben hat, den Traum vom glänzenden äußeren 
Erfolg, auf den die Verstorbene vergeblidi gewartet hatte und von der 
dauernden Vereinigung mit Rudi, die ihm augensdie.nl.A die bisher im Unbe- 
wußten einzig Geliebte, nämlidi die Mutter, ersetzen soll Um diese Identität 
voll herzustellen, stirbt Rudi am SAIuß des Traumes und er begräbt sie, wie 
er wenige Tage zuvor seine Mutter bestattet hatte. Zum Überfluß geht die 
Versinnbildlidiung des Muttcrideals durdi Rudi so weit, daß sie, die in der 
realen Handlung des Romanes nie Kinder haben sollte, im Traume freudig 
Mutter wird. Bald darauf wird Hörn der kostbare Ring von einem Aben- 
teurer abgenommen, der ihn mißbrauciit, und der Held führt 311 der Seite 

seines Weibes ein besdiaulidies Dasein, das aikrdings nur von kurzer Dauer 

ist. So dient ihm eigentlidi der Ring, den er tatsächlidi gar niciit auszunützen 
versteht, in einem tieferen psydiologisdien Sinne nur dazu, die verlorene 



285^^ 




m 



n ct.tf wieder zu gewinnen, womit sehr gut in Einklang 
Mutter in neuer G^^talt wieder zu g ^^^ ^^^^^^ ^^^ 

steht, daß Hörn den Rmg nur ^^^"^^J f^^el breit in den Ödipuskomplex 
Besitzers erwirbt, "»5^ r""'/^" ^^^„c eesdiöpft hatte, 
ein, aus dem sie audi ^'^ ^ygessagc ge A^agischen Wirkungen des un» 
' Indem aber der ^°^'Z2tZcsei^^ Trägers verlegt, folgt er nicfit 
heimliAen Ringes in f TrwhS^„ge„, die ich an anderer Stelle dar. 
nur tiefreichenden seehsdienVerknuptug^^^^^^j.^ "^«P;""§'*ft ^t 
zulegen versuciiteV und zeigt dam^ q ^^^^ j^ß j,^ SehnsuAte, 

dprSln^mythus auf, sondern er drucict damit ^^^^^^^ seelisciien 

die zur Säaffung des R^nssyn^bols gefuh^^^^^^^ ^^,^^^ ^,,^ haben 

R^lität zwar fortleben, ab^^m^^f ^Sme zu verweisen ist. So wird der 
und hL Erfüllung in ^-jR-^ dÄ" ir Mythen,, zum Verstehet 
Dichter gleichzeitig zum ^eu^ ^^^ zukünftigen Daseins, in den die 

unseres gegenwärtigen JJ^ ^un^der m_^^^ Empfindens in neuer Gestaltung 

^d'^Verkirnng "i^ abx.idceln werden. Dr. Otto Rank. 

" THOMAS MANN ÜBER FRIEDRICH DEN GROSSEN. ^ 

Dichter A%]^'.^''%C mi hinaus und berauschen ^i^^/'" R^"^* .j^j; 
verhalten. Em.ge z-ehcn m ^^^^^^^^ ^^^ ^^^ t H A.Z 

Volksgenossen, ^^«^^^T" schwelgen in Mitleid, - andere berufen sich auf 
Blut des Nahkampfes f^^*:^;^^^^ ^^^.^^^^ ^^^ "H^f '^"l^f" 
ihre Nerven, »hre/J^^«- / .^^^^ Novellen nach ahen Stoffen oder an 
Patriotismus oder d.*ten ^^.^^^ Spielarten der Poeten wie 

Ehebrudisdramen ungesort ^„^^^ ^^^ histodsdien Umsturzes 

uns anderen, ^^f^^J^'Tc Einzelpsychologie der Persönlichkeiten in 
äS' EmsSunge^ fällenden Stellungen bleibt, in Verborgenheit 

^'^^^"'qi wendef st^denn Thomas Mann der vaterländischen Vergangenkit 
• .r ?eit wo Preußen auch von einer Koalition von Feinden om= 
zu, emer zieit, wo ^-J^^^ Jahrhunderten - in König Friedrich 

^^^%eTs"nlSe t m Mit^?Unkt Snd,' der sich ^inedlchterisAe Gestaltung 
^'"i. S die aus all dem was die Geschichte berichtet den Heros bilden 
r^'" Eb tie er PsyAoIoge wie Thomas Mann wird erfotgrei* abwägen, 
kann. ^'%"X Senden Kräfte des Genius in dem großen Konig erkennen 

'^K-;J;/n Aufsatz ^Friedrich und die Koalition«^! sidi nicht scheut, dern 
eÄAob|£n den gebührenden Platz einzuräumen. Der Prinz soll 
^n zSS aussAweifender Jüngling gewesen sein ein paar Debauchen sind 
XrS aber die Kräfte des Körpers sollen die Ne.gmigen des bösen 
Ans nicht genug sekundiert haben. .Als ganz junger MensA schon er« 
tlärte Friedrich, daß er nur Genuß von den Frauen wolle, sie hernaoi aber ver» 

Ate Er hat nie geliebt. Dann kam ein Malheur auf diesem Gebiet, man spriAt 
von einer Operation, die siA ansAIoß, - und von diesem Zeitpunkt an 
lar irgend etwas kupiert in seiner Natur . . ., das Weib hatte seine wer 

1 renVOK« RoKe in seinem Leben ausgespielt. Eine tiefe Misogynie ist fort; 



an 
wenig 
:an 



, ,'5;rNaAtheit in Sage und DiAtung., >lmago*, "■ j^^-^f "2. ^^^^ 
= Saminlung von SAriftcn zur Zeitgcsdndite. Berlin 1915, S. Fisdier. 



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Buch 



er 



nur kaT er Zl ""^^'•^^•^""i!* - • - Das andere GesdileAt ließ ihn nirfit 
Offenbar' Zn-t'^^-V'^^^^^^'T ^'' ^^ ^"^^^f^ ^s niAt in seiner Nähe . , . 
.^der übfiZn W '^"*' Männ]icf,keit von dem weiblidien Gegenpol nidit 
dazu b^Si 5"''t ^"^f °?T" Es ist denkbar, daß sein langes Kriegertum 
Sein bSS^' m s'n"?'"^'' ^'? ^"^^^^" GesAleAt zu entfremden . . • 
G ade dl r j-^°w 'IIV"™' "^^^»'^* überhaupt, war antifeminin in dem 
^eSn die fS ^'^, "^«'^hf /t von Liebe und Ehe aussdiloß,. Sein Haß 
damals drei F^r ^^",^. ^'|"ei<^t auch politisdie Folgen: Denn es regierten 
padotr .Fr^A^T' '^'l^"'"'" E'isabeth, Maria Theresia und die Pom. 

undTon Tn t '%""'''"^'''^' ~x P"^^^''^ ^^^'^ eigensinnig, despotisch 
niemaX^.rnf ' Sp/fsamkeit. Ausgebrannt, öde und bös, liebte er 
eSnden Tr "'^"^.^"V 'uI' '^" " "/ '^'^ ^'^ ^^"'S »ieriscbe Wärme zu 
L dt Sz n S''''t-y'^\"^'^^ d^^ Nachts sein Lager teilen.« 

immZrTZJ A ^^'T'^^^^ ™^ ^«^f'^fter gevrorden, starb er - der 
K vereitat -Tah"' ^'"' ~ ""^, ^"^'^°"^'- ""^ widerwärtiger Krank- 
'i^urirEf '/f^ '\^-f t«f^"^till«, wie es heißt, »aber niemand war 
und s^o^Winn-^''" ^''^^' ""j^ ^^"'^^'■^^ Hemd in seinen Schubladen, 
kleidete Sie i.r l?'' ""' "^"V^'". 'f"^" ^^^' ^«»"it man die Leidie be. 
W- ^^'^ ^'" Kinderleib.« - 

einer PsvL^Jn^ Jf ^R ^1 ■?°"'f A^^"" "'«^f "^^^ G«s<*i^^ Ansätze zu 
sirdre\^rn.lfe''-^"'^r*? f^'^f<^"- P^^ifi^i^ ""r Ansätze, und es rächt 
des streiken V^^™^ ?' ^^^"''''^?; des Reflexes der Fami ie, namentliA 
aSief Sie abTr t71 "1 ""t^"' ^''^'- ^'^ homosexuellen und die 
dieser ime?essantenÄn.r ^^'^''\ °^"^ ^^"^"^ ^"^ern die Ausführung 

auf den B eCchsef iw^^' vorwegnehmen zu wollen, sei nur hingewiesen 
den dl cäaWer iW h'^"^'""-'™^"". P"^^"* ^"^ seiner Schwester«, 
teiden .Vhre flTi i iir^ r^l f"^'"^" '^«^^"' "-^d in dem die 

de Sdnvester ^SSt Sehnsucht nadi einander bekennen, der Sdioßhund 
Deudfdike t! ^^^\ Uv'"'u'Z'' ^'5 ^™^'" ^^' ß^"^^'-^ i" drastisdier 
Ser JnS hft. u'"^ eigenartige Unterstreidiung. Einen homosexuellen 
Opfer il "" """^ ''"' Jünglingsaffäre, der Leutnant Katte zum 

Dr, E. Hitschmann. 



' Vgl. Rank «Das Inzestmotiv in Dichtung und Sage.« S. 436.