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Full text of "Imago. Zeitschrift für Anwendung der Psychoanalyse auf die Geisteswissenschaften IV 1916 Heft 4"

IM AGO 

ZEITSCHRIFT FÜR ANWENDUNG DER^^^ 
ANALYSE AUF DIE GEISTESWISSENSCHAFTEN 

HERAUSGEGEBEN VON PROF. DR. SIGM, FREUD 

SCHRIFTLEITUNG: . 

IV. 4. DR OTTO RANK / DR, HANNS SACHS^ 1^10 



i iii 



Die Pubertätsriten der Wilden. 

aber einige Übereinstimmungen im Seelenleben der Wilden 
und der Neurotiker. 

; ; : von or. Theodor reik. 

(Fortsetzung). 

Bis hieher haben sidi die Pubertätsriten relativ teiAt unserem 
Verständnisse ersAIossen: viel erhebliAeren SA^Iengke.ten 
begegnen wir, wenn wir uns dem zwe ten Akt des ^ßen 
Dramas das die Einweihungszeremonien darstellen, zuwenden. Wenn 
wr verfahren wie die der PsyAoanalyse fernestehenden Volker. 
Dsvdiologen und den Auferstehungsritus als eine direkte Fortsetzung 
5es Todesdramas ansehen, entgleitet der ganze Ritus unserem 

^^^ Wir entschließen uns dazu, diesem so komplizierten Produkt 
des primitiven Seelenlebens gegenüber dieselbe heuristisdie Tedmik 
zu verfolgen, die uns in der Analyse ansdieinend läppisAcr und 
sinnloser Handlungen der Neurotiker tiefreidiende AufsAlüsse gab. 
Die angeblidie Tötung der Jungen hat sidi uns als Bestrafung 
ihrer unbewußten Mordgelüste dargestellt. Diese Bestrafung ging 
von der Vätergeneration aus und /ar derAusdrud der den Jünglingen 
zugewendeten, feindseligen und radisüditigen Wünsdie dieser Männer. 
Gewiß besteht eine gewisse Verbindung zwisdien den Todes- und 
Auferstehungsriten, doA können wir in den letzteren unmöglidi die 
Wirksamkeit derselben Gefühlszüge annehmen, die jene grausamen 
Zeremonien zustande braditen. Wir werden vielmehr in den Auf- 
erstehungsriten den AusdruA gegensätzlidier, also zärtlidier und 
feindlidier Tendenzen erblidien, Wir wissen, daß dergleidien sdiein- 
bar unvereinbare Gefühlsgeg[ensät2c sehr wohl sidi in einer Seele 
finden, Dorfi was soll es nun bedeuten, daß die primitiven Väter 



INTERNATIONAL 

PSYCHOANALYTIC 

UNIVERSITY 

DIE PSYCHOANALYTISCHE HOCHSCHUIE IN BERLIN 





Wa 



i 



Märun?''^!^''.,™^™'"-^^*'''?«'^ '"=''^''" ""S darüber durA die Auf- 
nerÄLn «r l^tlXlZ^tT 2-|nS^handlu„,e„ der 
nämlicfi rw«.,- o*oJ s^'^^n Konnte, In diesen Symptomen werden 
|m and^eTn' fd/enV^ "el^f ^ot^"^'^' ledef eLeln das eine 

primitiv^ Vor^ T^^'"" Ausdrud. Ebenso wie die Väter der 
A« irn loJl vi''" 7'^'"*^" '' ^"* ^i^ Neurotiker, eine 

so erj|?'.?3> T' ?u "^ft '^''?^''' ""^ Auferstehungsriten zurüd., 
durA^sie tWnl"^^' ^°^^'"^^^ ß''^= ^^ primitivenVäter deuten 
Kre* der M^nn^ f ^\ ''^ '^^^" ^^^^'f' ^ie Jünglinge in den 
^ei^nlnÄr^-^^^'T^"^""' ^°^ ""^ ^"^^^ ^^"^^ Bedingung: 
entSrDlX^'"'""V^''J^ inzestuösen und feindseligen Regungen 
S r^wenn s e fe""nii^°"t"if '''' ^"^ "°" ""^ ^^^ ^^^ Jünglinge 
drohinr Wir VnLn "'^"J""' ","'S* ^^"f"* S^""^ ^^ Todes- 
Riten Tereiß a J P^n ""' "'^' verhehlen, daß wir uns bei diesen 
befinden Usprün.lAl'^^?'^ Stufe der »wilden« Völker 

Vätern x^^rk fi vfcn V^^^^ den ergrimmten 

darauf folgenden starkfnRenP.lA.^°'™# ^^'' J""«''"^^ ""^ ^'' 
Ritenfolee dip?fwf! j ^5^ .If*" ^^^^^ ^is zu jener zweizeitigen 

von eufe; nfan^'K ^"''''k*; '^'^ ''^^^'^ ^"*' ^t,er ihr müßt eU 
EntwiZn/derte ^'^"""^^' '^^ '^" ^^'^^ ^^^ '" ^'' 
riten d!' 'An^d^^'/^'^"'/'?'^^" ^^^e, welAeuns die Auferstehungs^ 

MLkenf^irl i w-'^f'^'^f" ^°" Tätern und Söhnen. In den 
Maskenfesten^ der Wilden, die naA der Erklärung von H. Seh urtz^ 

streder d^e^r'w 'f '" ^"'"üd^gehen, sehen wir vielfaA die Voll- 
mit höl.t \V^T' ^^'° ^"^^^^'•' "^'^i^^^r oder ältere Männer, 
selbst hint^M ^^^^^"'^ anderseits verbergen siA die Knaben 
selbst hmter Masken und sonstigen Vermummungen. 

w;p^o1n"!l ''i^"^'^"'^*^." Identifikationstendenz erklärt es sidi audi, 
wieso m den Knabenweihen der totemistisdie Kult so sehr in den 
Vordergrund tritt, ist dodi der Totem nidits anderes als das Urbild 
<les Vaters Wie bei den Vätern läßt sidi auA bei der Söhnegene-, 
ration ein Gefühlsgegensatz aufweisen, der in der zweizeitigen Rite 
vom 1 od und von der Wiederaufecstehung zur Darstellung gelangt. 
Uer kleme Arpad, dessen Analyse wirFerenczi verdanken 2, erzählt, 
wie er dem Hahn, der ihn gebissen, den Hals absdmitt. Später 



uc rtipdu, aessen /\najyse wirlr-erenczi v( 
wie er dem Hahn, der ihn gebissen, den Hals «^.^»»... w^^^lc, 
setzten nun bei dem kleinen Blutrünstigen jene IdentifikationgY^fgUjfi^ 



■ v,^Äti'Äir,. '''"""'''»''• '■ ""• '" "™- 







Die Pubertätsriten der Wilden 



191 



ein, die siA in so merkwürdiger Art, im beständigen Krähen und 
Gadcern, äußerten. Dieses Beispiel eignet sidi vorzüglich dazu^^ audi 
für unser Thema Aufklärungen zu bringen W.e hier au den DurA- 
bruA der feindseligen Regungen die ZärtliAkeit, reaktiv verstadit 
sidi in der völligen Identifikation mit dem früher gehaßten Objekt 
manifestiert, so ähnüA in den Todes- und Wiederaufers^hungsriten 
der primitiven Jünglinge. Die angeblidie Tötung der N7'-;"J^^^''t 
siA uns als die talionsartige Bestrafung ihrer 1^°^^" ""^ '"^^^^"^^Jj'^ 
Wünsdie, ihre Wiederbelebung als ihre gelungene Identihkation mit 

'" ^vSSr^S it^nun Wieder Beispiele aus den Initiationsriten 
heranziehen, die uns diese von uns angenommenen s^^^'^*^" ^^^^ 
wahrsdieinliAer maAen können. Von den Indianern vom Sondka 
Sound wd uns von John R. Jew.tt f°IS^'?^\E'"7f^^""S "'" 
beriditet- Der Häupding sdioß seine Pistole nahe beim Oh' e seines 
Sohnes ab. der sofort umfiel, als wäre er getötet. Die Frauen er- 
hoben ein fürditerlidies Gesdirei, rauften sidi dje Haare aus und 
jammerten, der Junge sei tot. Hierauf näherten ^jA ^^^' '" Wolis^^ 
feil vermummte Männer, eine Wolfsmaske auf dem Kopfe auf 
Händen und Füßen und trugen den Jungen mit sidi fort. Jewi t sah 
den Knaben später selbst in der Wolfsmaske. Der Indianerstamm 
gehört dem Totemclan des Wolfes an. Wir werden es nun als 
Bestätigung unserer Ansidit über den latenten Sinn des 1 od- und 
Wiederauferstehungsritus ansehen, wenn Frazer zw.sdien 'hm "r 
der Transformation des Jünglings in ein Totemtier '^g^^^^welche 
Zusammenhänge vermutet, wennglelA er die Art di^^^.B^^'^;"^" 
nidit anzuheben weiß^. Er verweist aber darauf, wie nahe dem 
pS^itiven Glauben ein TausA der Seelen und Gestalten hegt Den 
rai und Wiederauferstehungsritus dürfen wir seiner Ansidvt nadi 
in ParaHele setzen mit jener Erzählung eines baskisdien Jagers, m 
der d?ese behauptet, von einem Bären getötet worden zu sein. 
Der Bär aber hauAte seine Seele vor dem Verenden in ihn, so 
daß des Bären Körper nun tot, dodi er, der J^ger, em Bar war. 
Wenntmtotemistischen Glaubenssystem die Identifikation des Mannes 
^t dem Totem die Hauptrolle spielt, so darf m<ht vergessen weixlen, 
daß das Totemtier seinen Verehrern und Glaubigen durdi diese 
Identifikation SAutz und Hilfe gewahrt. 

Bei den Tompsonindianern in Britisdi-Üolumbia hatten 
die Krieger ein Messer oder einen Pfeil als persönlidien Totem. 
Diese Glüdtlichen lebten nun des sidieren Glaubens, unverwundbar 
zu sein. Hatte einen von ihnen ein Pfeil getroffen, so erbradi er 
Blut und die Wunde heilte. Diese pfeilgeprüften Krieger trugen 
weder Sdiilde noA Panzer. So überzeugt waren einzelne Tompson- 
Indianer von der Madit ihres Totem, sie wieder zum Leben zu 

' Narratives of the Advenrures and Sulfcrings of John R, Jeritr Middlc 

torrn 1820, p, 119. 

> Frazer, The golden bough. Balder the beaunful. Vol. 11, p. 272. 



192 



Dr, Theodor Reik 



• ii' 



S . 'a f ''\''*^ ^^^'^, ^^^^^^"' '" ^«'' s'^eren Hoffnung ihrer 
bald gen Auferstehung. Andere erprobten liebevoll die Totemmadit 
an Ihren hreunden, ersdiossen sie und erwarteten nun, mehr oder 
mmder treud.g bewegt, deren Wiedererwedung durdv den Pfeil- 
totem . Urne totemistisdie Übergangsstufe erblidten wir audi in den 
nitiationsmen der Carrierindianer,- der einzuweihende Jüngling 
^gt eine Bärenhaut an, geht ins Gehölz und bleibt 3 bis 4 Tage und 
^!r'^ dort Jede Nadit geht ein Teil seiner Mitbewohner auf die 
^u*e nadi dem vermißten Bärenjüngling. Dodi dieser antwortet 
aut Ihren lauten Ruf »Bär, komm her!« mit zornigem Brummen. 
AuA auf das S Alafen auf den Gräbern der Ahnen, auf die Träume 
vom lotem, weldie die Jungen Leute zur Pubertätszeit sehen sollen 
etc sei angewiesen. Ein junger Mann in Australien, der z. B. 
rischer von Beruf war, muß zwei Nädite auf dem Grabe seines 
Vortaliren der audi Fisdier war, zubringen, weil man hoffte, er 
werde alle Fähigkeiten jenes Vorfahren erbend Die Niskai- 
Indianer von Nordwestamerika begeben sid», wenn sie initiiert 
werden sollen, zu einem Grabe, graben eine Leidie aus und liegen 
m.t 'hiv m eme Dede eingewideft, die ganze Nadit. 
ni^t ^*^J"T"Se erstehen wie wir sehen, nadi ihrem >Tode« 

ZfntiF^'tuu ^^ ^' f "^''" ^^' ''^'^ ^^"^n' ™t denen sie siA 
fT^^A ^'^'r; ^'^ «'"'l """ erwaAsene Männer, sind ihresgleiAen. 
fptf.TIL"u "'$.' ^."^Sehen, daß audi in dieser ansdeinend völlig 
fnfht^A ^^^"^'^'ll^»'?", "oA die Ambivalenz ihre Wirksamkeit 
enttaltet, denn in ihr haben nidt nur die zärtliden Regungen ihren 
adäquaten Ausdrud gefunden, sondern aud die feindseligen Gefühle, 
indem die Jungimge durd ihre Wiederauferstehung nun wirklid die 
stelle des Vaters einnehmen, wie sie es durd den unbewußt ge- 
planten Vatermord zu erreiden wünsdten. Wir können nun die Tötung 
und Wiederbelebung der "Novizen als eine primitive Darstellungsform 
des i^rahespieles auffassen, das die jungen Leute zwisden zart- 
lidien und feindseligen Impulsen gegen das Totemtier oder den 
^ ^t:cr bewegt. Wir erinnern an den kleinen Hans, dessen Furdt, 
von Pferden gebissen zu werden, seinen unbewußten Wunsd ver- 
tritt, das Pferd möge fallen und sterben, und an seine Nadahmung 
des Tieres, also seine Identifikation mit dem Pferde, Wir weisen 
ferner darauf hin, daß in den Pubertätsriten eine Wiederholung 
jener Ursituation, der Entstehung des Totemsystems ^ stattfindet/ 
wie hier folgt aud dort auf die vehemente Durdisetzung der Feind» 
Seligkeit und des Hasses die reaktive Zärtlidkeit, die sid in dem 
Vorgang der Identifikation mit dem Totem einen in fast alle Reli- 
gionen aufgenommenen Ausdrud findet 

Die bisherigen Erklärungsversude der Ethnologen, weide 
diese Pubertätsfiten zum Gegenstand ihrer Forsdungen madlten 

1 Tke golden boujfi. Vol. II, p. 274. 

! Prazer Totemismus and cxogamy. Vol. II, p. 228. 

' hreud. Totem und Tabu. Vgl. oben, , ', 



scheiterten — vom Mangel der psyAoanalytisAcn Kenntnisse a:b. 
iresehen — daran, daß sie sidi von dem manifesten Inhalt der 
Riten verführen ließen, in der Wiederauferstehungszeremon.e eme 
direkte Fortsetzung der Todesriten zu sehend Wir haben durdi die 
Analyse der latenten Gedankenzüge erkannt, daß in ihr nidit eine 
Fortsetzung der früheren, zur Produktion der Totungsr.te fuhr^den 

psydiisdien Aktion, sondern ^^^ ,''^^^'^,^ ^'^T^ rtultr 
samkeit der vorausgehenden Impulse vorliegt. War die Tötung der 
Jünglinge ein Ritus! der repräsentativ die femdseligen Gelüste der 
unlen Leute vertrat, die im Inzestkomplex wurzelten, so wird im 
Identifikationsdiarakter der Wiederauferstehungsdarstellung die zart- 
Ijdie, respektive homosexuelle Reaktion siditbar. 

VI. 
Die Verbindung der Tötungssimulation mit der Besdineidungs- 
Operation wurde von uns früher gefunden: die Beschneidung ist 
keine Ablösung des Mensdienopfers, vielmehr sind lotung und 
Beschneidung zwei getrennte, nur durdi das unbewußte Seelenleben 
verbundene Aktionen, von denen die erste die Bestrafung für die 
unbewußten Mordsgelüstc gegen den Vater, die zweite die Be- 
strafung für den Inzestwunsch der im »gefährlidisten Alter« stehenden 
jungen Leute zeigt. Wir würden uns, wenn wir die innige Ver- 
bindung dieser beiden zugrunde Hegenden Faktoren berüdtsiditigen, 
nidit wundern, wenn wir audi in den Wiederauferstehungsriten eme 
Reaktion auf die Kastrationsdrohung, welAe die Beschneidung gene- 
tisdi und symbolisdi darstellt, vorfänden. Tatsädilidi ist eine soldie 
audi vorhanden. Erinnern wir uns jener Varianten der Emweihungs- 
Zeremonien, in denen angenommen wird, daß die Geister den jung- 
linecn im Walde gewisse Körperteile entnehmen, und ihnen datur 
neue einsetzen, z. B. bessere Eingeweide Lungen etc. Vergegen- 
wärtigen wir uns ferner, daß die Identifikation mit dem Togmtier 
oder mit den Ahnengeistern den Knaben die Kräfte und Fähig- 
keiten ia sogar die körperlidien Eigens diaften des Totems verleiht. 
Wir werden dann ohne Sdiwierigkeiten in dieser Identifikation jenes 
Moment finden, das eine Beruhigung der Kastrationsc^rohung dar- 
stellt, nämlidi die Wunsdiphantasie, für den eigenen klemen Penis 
den großen des Vaters auszutausdien. Ja man kann sogar sagen, 
daß es diese Wunsdiphantasie ist, welche dem Bewußtsein der Völker 
in mehr oder minder entstellter Form als der einzige Sinn der Be- 
sÄneidung präsent ist. Fragen wir die Primitiven nach dem Zwedie 
der Besdineidung, so stimmt ihre Antwort mit dem Verstand der 

> Man muß sidi dabei immer vor Augen halten, ciaß das Ensemble dieser 
Riten aus versAiedenen Zeiten und versAiedenen psydhisdien Konstellationen 

SÜmt M im hbtorisä zu erfasacn isi Dk mi/npritcn sind sidierM priitii' 
tiver als die anderen, in deren Genese der Anteil der Verdrängung feindssiigcr 
Gefühle, der psycfiisdien Reaktionsbildun? und die Wirksamkeit der durdi die 
fortsciireitende Verdrängung geforderten seelisdienVersdiiebung deutlidi erkennbar ist. 



Imaifo lV/4 



13 




Dr. Theodor Reik 



Verständigen, der Anthropologen und Ethnologen überein, indem 

^'? -i"^^^^"' ^^ ^^^^ ^^"^ Operation, um den Sexualverkehr zu 
erleiditern oder sein Vergnügen zu erhöhen. Die früher angegebene 
Wunsdiphantasie der Primitiven aber, durdi ihre Identifikation mit 
dem Vater statt des eigenen abgesdinittenen Penis, den größeren 
J°/^"^^ otier Vaters zu erhalten, bietet uns eine genaue Völker-^ 
psydiologisdie Parallele zu gewissen infantilen Reaktionen der Kastra- 
tionsdrohung. Jene Operation und jene Organersetzung durdi Geister- 
hand in den primitiven Einweihungsriten gleiÄt Zug um Zug der 
Phantasie des kleinen Hans, dem angeblidi ein Installateur den »Podl« 
und den »Wiwimadver« wegnimmt, um ihm zwei größere Excm»' 
plare jener wertvollen Körperteile »wie derVatti sie hat« zu geben. 
Nachdem wir so die seelisdien Kräfte, welche die Auferstehung 
zum Ausdruck der zärtltdien Reaktion auf unbewußte Todeswünsdie 
maditen, dargestellt haben, werden wir bereit sein zuzugestehen, 
daß ein Stück Ahnenverehrung hier seine Manifestation gefunden 
hat. Denn die Väter der Jünglinge haben siA wieder mit ihren 
Vätern, also mit den Großvätern der Novizen identifiziert, was 
schon aus der Analyse der Vergeltungsfurdit erhellt. So bedeutet 
also die Axiterstehung, die in plastisdier Form die Identifikation 
S A^^'q.^ ""' " ^i"^"" '" ^i^ gegenwärtige Männergemein- 
.ir Krf T^"' '°t"t^'? ''^ ^^^"t <ien Jüngling als Glied in die 
große Kette, die vom Urahnen zum Urenkel führt Alle Gebräudve 
der Ahnenverehrung, wie sie z. B. Trilles in senem Buche über 
fm"anTsSrb:.etl.^ ^^ f'''^'^'' unj^ welÄe Frobenfus^ als 
nodT zurück. ^^ ^^^ Junglingsweihen kommen wir 

sonderwtBeLlLen defjf ^'' Pü'>-^ätsnten zu erklären: das 

dorf und ihre AmneS wfert'•?'''^S"*^^'^^'^•^^^T^^^ 

der Jünglingsw« 

dieser so befrei 

sich, als hätten 

der Initiierten 

Schwestern die 

Initiierten zeigt siA'kein freufcV Ausdr.:^''" -i" - V. " < f • 
ocf ^-.^ %T ^"sdrudt, nidit eine Muskel «n 



dort und ihre Amnesie WC C\ '"^^er KuckKehr m rnrneima - 

der Jünglingsweihe hervor ,1 '" ''"'^" ^^^e aus diesem Teile 
A\i.^^T c^ u^t^^ f-.j A' "•" uns einen Zticrancr cr„r ÄTifkläruns? 



dieser so befremdenden "s'itte ""..""! ^S"^" -"^^."S: zur Aufklärung 
sich, als hä 
der Initiiert 

Sdiwcstern die Iünelinrr"CT'TT ''"^^" ^'^ Altern, Brüder und 
^ ÄTÄe'^T,^;^..^.^".';' -•- Augen d.r 



Sich, als hätten sie ihr früW.! T ^t^^^""' ^'^ Jünglinge benehmen 
der Initiierten des NetÄiL ^^"" vergessen. Bei Ir Rückkehr 
Sdiwestern die TfinJ^; '1 Ä"''!^' ^"f^n die Eltern, Brüder und 



ihrem Gesichte beweet <\<^ W^ ■ - —^ -• '- -— 

sehen fühlen mÖFen si/m.v '"'"'^' ^'^ ^^' <liesem Wieder 
nommen daß w Tnc J r ^" ? unterdrüAcn, es wird ange- 
waX? . f '1^'^ ^^'^I?^Jand kommend,' auA ihre V 



wanrftPn nUf k 7 '-'ciiicnanQ Kommend, auA ihre Ver- 
den Ff f. r. T ^ "'i'""'"' Di^ ^'ten führen die Knaben zu 
Die Nov Ln l ^^^*^>stern und zu ihren alten Wohnsitzen, 
inlr w ^ ^ r Tl '^'' MutterspraAe niciit spreciien zu können,- 
sogar wie m an ißt, haben sie vergessen. Deshalb muß ihnen alles 

p. 372 ff.^' ^' ^'''^'"' *^« Totemisme diez les Fans«. Münster i. W. 1912, 
= Mask€n und Geheimbünde Afrikas, p. 214. 



Die Pubertätsriten der Wilden 



195 



J 



MunT Berden Indianern von Virginia besieht e.e..na^^^^^^^^^ 
Zeremonie, in deren Verlauf die Jüng.nge ^l^.^^i™^^ 
Walde weilen, wenig Nahrung erhalten, dafür ^ber^'j".^^^^;^^^ 
von berausd^enden Wurzeln. Ma. -mmt an^ daß d.e^se^ armen 
Kreaturen so viel von diesem Cietrank, a^s m^" RrH^nisse Ein- 
nehmen, daß sie die Erinnerung an alle ^f ^^^^^^^^^^^^ 
drüdie und Kenntnisse verlieren. Sobald der ^^^^^'""'^"j \u, g^- 
hat, daß sie davon genug ^,f ^S.^t^h^^r^^^^^^ 
smnung zurüA, indem er di^l'jo™^ j^^ j^„|, dieser Radi- 
Knapp vorher aber bringt er die Knaben, weim 

kalkuTniAt völlig bei SiT-^^lHeT L Ve^^^^^^^^^^ 

mehr spredien können, "•*t%^i''X";,f sich von ihrem früheren 

kennen etc. Sie aditen angstliA darauf, s ai v 

Dasein niAts anmerken .u lassen s^nst mußten sg d.^ganze ^^ 

noA einmal madien. Das zweite Mal f J^'\'^ ^j^jj. haben 

streng, daß selten einer "jt ^lem^^^^^^^ ,^ 

^^S.^^Ä^^UtrDie..Miie.^ ^^^^^ 
sAlossenen Augen nadi Hause und offnen sie erst aut wiea 
holten Befehl dies Häuptlings. < Knaben sidi 

Frazer glaubt, cfaß lie -'^^^i\^,tf„Tß " ffe ist Ta natural 
aus den Voraussetzungen der Riten ^^fJ^^Jj^^.'d'bV^^ 
effect of the shock to the nervous system P^^^"^^^ J^^.^^ ßrsdiei- 
from the dead«. Audi wir meinen daß d'^/|"^^^^^^^^^ ^it 

nungen bei der Rüdkehr in einem bestimmten Zusammenhg^ ^^^ 

den übrigen Zügen der P"berratsfe,er s eh n do^ .^ ^^^^^ 

kannt, daß die Reihe der Gebrauche bei ^'^^^ ^^^^ ,i„em uns 
anderes bedeutet, als sie zu sein ^^emt *lan sie ^.^^^ 

unverständliA, ja oft absurd f^^t^J^Tfll^Lt. Es dürfte 
latenten Sinn enthält, den uns die P^yf^^^jg^^ ErsAeinungen als 
also jede Erklärung f^^'^^^^^^"' CiDtomengebäude der Zwangs- 
Ganzes erfaßt und sie etwa wie ^'.^^^l^T^^^ Krankheit erklären 
neurose aus einer bestimmten EigensAaft der j^^anK^^^ ^.^ 

will. Aufklärung kann uns von ^f^ J^^fdeT üngiingsweihe, also 
gleiAung dieser Sitten mit andern Details der i^^^^^^y^^^^ ^^^ 
durdi eine Erweiterung unseres Wissens aj^ , j j ^urd» 

durdi Anwendung der P^yA/^^^^^y^^^^^c^Se 

sie errungenen Auskünfte über ahnhdie Symptome. . 

VII. 

Wollen wir das Benehmen der Jf "Sf ^e^",, t fdif Ka^^^^ 
verstehen, so wird unsere erste Frage I^"^^"- .,^^f Skehr in die 
daten zwisAen ihrer angeblidien Tötung und ihrer Kud^Ken 

"" ^golden bough, Balder the beautiful, Vof: II, P- 238. ^^^ 



m: ^' 






■; I 



i 



V ! 




Dr. Theodor Reik 



M^m Äe T ^''"''''' ,^'^ '''' "^^'^^^"^ '" ^ägenen Hütten, 

AränLnTen „n^p'^K'.^'^" ^^''^^" ^^""^'•« 1^^^^*^^ allerlei Be^ 

Verbot a!,..rl^"'^'i''"""S^" unterworfen. Vielleicht das widitigste 

dem Umtn^^'w ^"'7''" '^"^" eingehalten werden muß, gilt 

sAnittenTh5i 7 l'"' '*°"''"" GesAIedrt. Die Abaketa <Be- 

latsTsfe dt 4'n^"^r?'" ''^^'^^" i" ihrer Isolierhütte. Ver^ 

verhälenff Ic A.'A"^ kurze Edt, so müssen sie ihr Gesidit 

Mutter dürtn ^''^*? ""^ ^'•^"^" ^^'^^"' f>eso"ders der eigenen 

St tn!..!,''fl TT^^' ^?f ^'^ ^"Sen kommen, sobald sie ihr 

aistälnTr^ ?V^^^ ^"'"^ Unmatierastamm in Zentral. 

2uS If P ' ^^^^'*^^° ^^if' daß der BesAnittene, wenn er 

Würdf tin p T'"'P."' f ^'" ^°"t^' öt'e'- si^ binweghüpfen muß. 

haar lebt l^-. 5 '" i'"^''"^ ^"'^" ^^" ^'' ^'^''' ^'' ^^ P"-^"^"' 
nu? da, ^F r'^x/T ^^P*" ^"«-^^ ^oli Läuse werden. Nidit 
der Frau 72. '^/^P"ß/P"f berührt, wird er früher oder später 
versucht? Ä ' '^ '^P ?^S"" ^"^d^= ^ Warum kommst du und 
Threm B X .S^Kr'^""-; .""^ ''^ ^^rde ins Lager gehen, es 
D e Pubertt kandf^il" ^-^/'^l^^ ^"^^^ ^^^ Missetäter töten ^. 

sid, TeiXtfltt rwt;^^^^^^^^ -y- 

eeen, um nicht «yoc<,K»r , °°^ '"'t Frauen pass crt, nieder- 

dlrf '„r eiCZlJilTK '^^e"'f" ."^'''^"t? \^'t 
semer Einweihung mehr anfT fk > V ^"'^^ k^'" ^"^^^ "^* 
rande sitzen wie seSe Mm ^"'"l^'^i" Matte oder demselben Bett^' 
Besdinitrener mehr s4er M tt ^h* ^'' ^^" Makauas darf kein 
Ankunft zumindestens t;,,,*- Jl u "^ betreten, ohne zuvor seine 
"' ^^""^ gemeldet zu haben. Bei den Jaos hält 

A.ii)ert ochwejp'pr Fi d- 
und Ama^Fingo in der Kaff;aria /SüSrikff ^'^'^^^'^^'^S unter den Amaxosa 

London 1904, p. 338. Die Erklärung l.'"'^^'"" Tribes of Central-Australia. 
vorweg genommen. Bei demselben <;tl ^""t'^ ^'^"^ «"'^ Komplexes sei hier 
stodt, Reichen er keinesfalls Ter iSnlT ""^^^ '"^^^ Beschnittene einen Feuer- 
und seine Mutter getötet werden n-c^"^.^^"^^" '^^sen darf, sonst würden er 
der damit verknüpften Drohun<r ;.f!:'!f^''J''°.* '^^ ^'" Pcnissymbol und der Sinn 
emem anderen Werke (The ?fat!5. T ["^''^l'^- ^ie Spencer und GiKen in 
P; 322) berieten, übergibt dkSrf';'^'%^^ Central-Austrdia. London 1S99, 
einen Feuerstodt mit der Bemerkung ?f Srfiwiegermutter dem AruntajüngÜng 
halten sofl, »mit anderen Worton ■. d "" '"" ''""i^'' z" seinem eigenen Feuer 
anderen Männern gehören« Bei X'r R ' x '"?)'^" ''^'"«n Verkehr halten soll, die 
Hahnes auf einen Baum sestriA^n ßeschneidung i„ Lukuledi wird das Blut eines 
Stamm im Hause des Bescfinittenen af. A- Iß'^^ '" Madagaskar sAneiden einen 
Pubertätsfeier einen Baum den X^r. ^aresauinsulaner sdimücken in der 
reißen und dessen Schmuck sid, an.;!, '^"^n^^""" ^"^"^ bewundern, dann aus- 
BrauA der Völker, pp. 180 TqI Ä"wf' °"-f^^"^' Das Kind in Sitte und 
bedeuten auch hier Bäume SfAh^'J J '^ ™ ^faume, im Mythus und Witz 
und primitive Wesen, so'wie d L P 1^^ männliche Genitale. Über das archafsdie 
Ffeud, Dk Traumdeutung. 4 Auff " ^^' Sexualsymbole vgl. besonders 

' Prof' Dr^S Wey^li^M",?"" .T^ ^'■^"* '^^^ Völker. Bd. II, p. 764- 
gebieten.« Ergänzungsheft Nr. 1. Berlin" foos"^ "zT" ""^ '^'" ^^"tsdien Sdiutz- 



Die Pubertätsriten der Wilden 



der Mentor seinen Zöglingen folgende Rede ^F'Jf^'l^^;'^^ 
.Du, mein Lehrling, jetzt bist du i'^^'^"'«^"; ,^^7" Y?I. du 
dein^ Mutter - ehre sie. Ins Haus gehe n.At ^^^W^^^^^^ 
möAtest sie sonst treffen in zärtlidier Umarmung^ Vor MadAen 

tnußt du keine Angst haben,- sA aft ^"^-•^'"^"' .^^^ " bfsT sol 
wenn du fertig bist' soll sie diA kneten, ^7" ^/^'S ß^^'i^J^'J 
siediA grüßen: masakam. Dann antwortest du marhababe^^^^^^^ 

mond nLm diA in aAt, d^"" ^"^^^l^ ^"ii^^tJ würdesTso^^^ 
Vor Kohabitation während der Regel hüte ^'^ <^" ™f J^le « 
sterben), die Regel ist gefährliA, <sie bring > ^fft Sie s eilt 
Verweilen wir ein wenig bei dieser ^°Wv.olIenden Rede^ bi^^^^^^^^^ 
eine MisAung von Verboten und geboten sttthAen^^^ 
und hygienislenRatsAlägen dar. A- 'hne" j^f en w^^^^^^ 
gleiAsam als Gruppierungspunkte hervor. 1. das "^^'l^'.^^ p^^f^ 
Litus zu beobaAten und 2. die formelle Erlaubms, ^^J^^a^Xn 
Forderung, in GesAleAtsverkehr mit M^^t^.n sondern auA in 
diese Momente niAt nur zeitliA aufemanderfolgen sondern aum 
irgend einem inneren Zusammenhange stehen? ^f ^^ *^^^^ 
Das Verbot, den elterliAen Koitus zu stören, ^«^^ , ™^ r^^'jj™ 
auf einem Bettrande oder einer Matte zu sitzen, s'f'.^'^^^f ^^f ^"^ 
inzestuöser WünsAe verhindern, während der Hmweis aut^ den 
Koitus mit MädAen der gerade zur Pubertätszeit so « J J 
drängenden Libido andere Wege weist Insoferne fj^J^^Xz^^ 
wähl immer eine unbewußte V^^^'^^^^^ ^J.^''^''^^'"^^^^^ 
begehrens bildet, kann man -^en, daß dieser H.owe^d^^^^^^^ 

des ersten Verbotes paralysiert S^J^j'^^ie wir iAt fläAenhafi 
wieder einen der KompromißausdruAe dai, die wir j ^^,, 

sondern historisA erfassen müssen. Prima ist ^J*/^ f;^j^^,,„ ße» 
bot, das gerade dem drohenden DurAbiuA des 
gehrens zur Pubertätszeit wehren solL ^^^^^^^g:^^^ 

Nun verstehen wir ^as Verbot mit brauen zus ^^^^^^ 

als eine von Aeser spezielleren Vermeidung ausgene ^^^ 

gemeinerung. Das Verbot galt ^^«P'-f ^^ f /;^/ h'e " aus auf alle 
männliAenkigung, d- Mutter, und wuj- h^^^^^ ^ 

Frauen übertragend DoA ^'^ ^f ^"^.^^xSmPszeit freigegeben 
den niAtverwandten Frauen naA der EmsAheßungsze.t g g^^ 

wurde. Ein anderer Zug der Pubertatsnten f^^^^^'J^^ „.j, der 
eröffnet siA nun unserem Verständnis: die C^exuan 

^S^Dr. Karl Weule, Negerleben '^^ pj'f^^\ ^SM^'C^^^^^'' 
^ Der Missionär S. Bamler erzahlt von ^f^^^'Xer Leute Häuser (ver- 
daß den Jungen gesagt wird; ^Stell d.ch 'l'^V^"^",^ die Jungen von ihren 
ühre nidlt fremdl Frauen).« GleiA darauf aber ^^^gj J^j^ ^.^^en anderer 
Vätern unterrichtet, wie sie sich auf ihren R^'^.^" *kob"rl„gen. Dieser Wider- 
erwerben könnten. Dabei prahlen die Alten von '5^^" ^f^^f Erlegte Verbot den 
spradi löst sidi, wenn' man bedenkt, .f^'' Jr Mutt/r galt während die Frauen 
Frauen des eigenen Stammes und vor allem '^^ ^""f-„%Richard Neuhauss, 
anderer Stämme gleichsam als -P^^^^^YT'tou T 
DeutsA^Neu-Guinca. Bd. III, p. 504, BeH.n 1911.) 












198 



Dr. Theodor Reik 



11 



Zeit der Riten bei vielen Stämmen. Es ersdheint als ein Widersprudh 
zu der von uns hervorgehobenen Vermeidung der Frauen, wenn 
viele Stämme die Pubertätsfeiern mit wüsten Orgien begleiten. So 
sind im Amaxosastamm zügellose Aussdireitungen der Besdinittenen 
mit Mäddien gebräudilidi. Jeder Jüngling darf jedes gereifte Mäddien 
benützen. Die Sdilußfeier der Besdineidung bei den Sulu-B as utos und 
anderen Völkern ist ebenfalls durch sexuelle Exzesse diarakterisiert^, 
Mandie zentraUaustralisdhe Stämme glauben, daß die Jünglinge nadi 
der Initiation Gesdilecfitsverkehr haben müssen oder sterben werden. 
Unmittelbar nadi derBesdineidung muß der jungeMann in Serange, einer 
Molukkeninsel, Verkehr mit jungen Mäddien, gleidigültig mit weldien, 
haben, »damit die Wunde heile«, <CrawIey.> Das wird fortgesetzt, bis 
die Wunde aufgehört hat zu bluten. Von den Kikuy u von westafrika 
beriditetChazac, daß sie glauben, daß der erste Koitus, den dieNeu^' 
Besdinittenen ausführen, zu ihrem oder ihrer Partnerinnen Tod führe. 
Diesem düsteren Sdiidtsal sudien sie sidi nun durdi folgende Maßregel 
zu entziehen. Sie sammeln siA nadi der Durdiführung der Pubertäts* 
riten zu Horden von 15 bis 20 Mann, überfallen einige alte Weiber 
an einsamen Plätzen, mißbraudien sie gesdileditlidi und töten sie. 
Der Tod dieser Greisinnen befreit die Jünglinge von aller Gefahr^- 
Diese und ähnlidie sexuelle Freiheiten hat Crawley als eine Art 
»Probe« des einen Gesdiledits beim andern erklärt^ »as if the 
preparation necessitatet putting it to the test,- and thercby cadi sex 
is practically inocculated against the other by being ,inoccuIat€d' 
with eadi other in view of the more permanent alliance of wedlodi,« 
Wir erkennen hier, daß auf die strengste Sexualabstinenz volle 
Scxualfreiheit folgt, die Entfesselung des Trieblebens. Dieser Wider=- 
sprudi ist von unseren Voraussetzungen aus lei<ht zu verstehen; 
hat das Verbot, Frauen zu sehen und mit ihnen zu verkehren, den 
Sinn, die inzestuöse Vereinigung des Reifenden mit seiner Mutter 
zu verhindern, so erkennen wir in jener Sexualfreiheit des Festes 
einen Durdibrudi dieses Verbotes. Dabei ist ebenso wie in der 
vorerwähnten Rede des Mentors für die Jünglinge der Jaos diese 
Sexualbefriedigung ein Ersatz, gleidisam eine Entsdiädigung, für das 
unerreidibare Inzestziel, Die innige, zcitlidie und gedanklidie Bezie- 
hung der Verhältnisse zur BesAneidung läßt uns vermuten, daß 
diese Operation in den Orgien eine Art von naditräglidier Redit* 
Fertigung findet; was hier einmal mit elementarer Madit zum Durdi* 
brudi kommt, hätte ohne die Einführung der Kastration <und ihrer 
gemilderten Form: der Besdineidung) immer geherrsdit und die so- 
ziale Organisation des Stammes gefährdet, ja verniditet. Wenn der 
junge Mann bei einigen Stämmen Gesdileditsverkehr haben muß, 
damit die Wunde des Penis heile, so bedeutet dies aus der Spradie 
des Unbewußten in die des Bewußtseins übersetzt, nadi Rüdtgängig- 

» Ploss = Rcnz, Bd. II, p. 181, 718 etc. 

» La religion des Kikuju. Anthropos, Bd. II, p. 317, 1910. 

' The mystic rose, p. 309 f., London 1902. 



i^^ili^iiH^iM^ijievryT^ 



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•■ I'rhen Sinnes- Er hat diese 
madiung aller Entstellungen des "«P^T^^hne auf irgendwelAe 
Wunde erhalten, weil er stürmisdi "" J ? begehrte. Nun wird 
SAranken zu aAten, die GesAleditsbefned^ung ^eS^^^^^^^^^^ ^„j 
ihm diese Befriedigung zuteil, aber mit ge" ^^^^ ^^^ -^ dieses 

nidit mehr am ursprünglidien LibidoobjeKt. Sexualsdiranken 

Aufheben der durdi die Stammesmoral g^se ^^ ^^.^^ 
der Sdiatten des Inzestverbotes ^^^^^' "^^^^\^^ seiner Einweihung 
die Kikuju glauben, der den ersten ^^^'^"^ sterben, 

ausübende Jüngling oder seine Partnenn musen ,„ß^ 

Unsere EinsiAt in die ^^""^"/fXAt zu alten Weibern 
es auA verstehen, daß die Jünglinge ihre ^^ ^^ Ersatzpersonen 
nehmen. Diese alten Frauen sind für s^eu ^^ ^^^ ^.^^^ 

jenes verbotenen Liebesobjektes ^f^ ^^^^^^oS in jenet Fd^^ 
Realisierung der unbewußten In^esttendenz cloj^^^ i^^^^ ^. jfU 
gebrodien, die ihre Vernietung 5" RfXeidung ist eine »Wieder^ 
alter Frauen als Liebesobjekte naA der B«^^^^^^^^^ ^^^ }T' r"Z 
kehr des Verdrängten aus dem Verdrängen „^^.^^^^,5 

Eug daß diese ersten Liebhabe-^^^^^^^^^ düsteren 

sterben, weist darauf hm, daP me , ...jj^ung stände „ 

Auspizien einer inzestuösen E^f^hSeier im Leben des Pri- 
Wir haben gesehen, daß ^\^^.^^l, zur Frau bedeutet 
■iv.n .,n. Vprändrruns seines Verhältnisses j^^.^^^ , ^^ 



Auspizien einer inzestuösen ^^=:*^'rr^-tätsfeier im Leben ae^ i - 
Wir haben gesehen, daß ^\^^.^^l, zur Frau bedeutet 
mitiven eine Veränderung seines VerhaUm^f ^„j ^^^ ^ joA 

er hat nun A^. ReAt des Geschleditsvefkews^ ^.^ ^^^ ^^^^g, hat 



wir naoen geseueu, ^^" \T„^uaUmsse:s zur ri^u ^.w— - 
mitiven eine Veränderung seines VerhaUm^f ^„j ^^^ ^ dodi 

er hat nun das Redit des pf ^'^^/JÄen mit der Mutter hat 
der halb kindliAe freie Verkehr ^^ ^ J^^^ehf ist erkauft durA 
n,,« »:^ Vi^A^ n;o Rrlaubnis zum ^^^yf^f['^ <•„ M„tter. 



aer halb kindii*e rre.e yc..ehr ^«J^J^^ehTist erkauft durA 
nun ein Ende, Die Erlaubnis zum ^^^yf\_,_^. a;. Mutter. 
den VerziAt auf das geliebtes 
Wir verstehen es nun a 



nun ein Ende, Die ÜrlauDnis zum ^f'^.^f. j^^. die Mutter. 
den VerziAt auf das geliebteste Sexualoh^ekt^ ^^ „e 

Wir verstehen es "un auA daß be' ^ f„^ j^. So ver. 
Art BeiAte vor oder naA ^f Bf ^f'^"" falls ein BufsAe ene 
sammeln siA die Männer der Amajcosa^ ^^^^ ^^, solUe 

bestimmte Zeit naA der BesAneidung no* A"f ^,X 

und besAließen, daß er öffendiA vor ^ J.^ ^^ ^f^'^^'^fZ^ 
MensAen seine Sünden zu bekennen habg ^^ ^.^^ , ^o ajge 
könne. Will er siA niAt dazu b^^^'^b und siA seiner Sunden 
und so heftig gesAlagen, bis er naAgf^ ^le de 

anklagt, ob nun dieselben von ihm wirkl.m |^^ ^.^ Barsche, der 
niAt. Die Amaxosa nehmen allgem|»; ^^^^^^^^ 
mit seiner Blutsverwandten S^^^^'lSniAt heilen kenne J^^^^^^ 
bei der BesAneidung zur festgesetzten f^^^^^^^ deine BlutsAande 
Wird zu dem BesAnittenen gesagt, d. • _^_^^^ ^^^.^ ^^ 

^~T1a^ Red.t .eist A Le ^ZS ;^:J'^^'^-J^X 

S. 236> die BesAneidung auf e.n »'"Ar Penisverstümmelung «nc^ j^^ 

das .permis d'-cr« /urA das Bbtop - ^;;^,^,, A"f^te"iaSÄt «nd e-t 

DoA wir meinen, daß das Verbot, ^^"'^^ r^^n der Familie aurg 

festen verbunden ist, zuerst im engen i^^ .„„ .ma Xosa und ama 

später über diese Grenzen i^in^"^?"'Xr BlsAneidun? unter den amaA ^^ ^,ide^^ 

^ = Albert Schweiger: DerR.Ws der B^ *„<i ^_ ßO, A«^Är Bd. H, p. 760- 

Fingo In der Kaffraria. Anthropos 1914. Hett l ^^^^^ ^er Volker 

Basutos, vgl. Ploss-Renz: Das Kind m öitte 



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Dr, Theodor Reik 



aeutUAdurAden von uns angenommenen Zusammenhang hergestellt ^ 
ihfP R.^^ Absonderungszeit der gesdileditsreifen Jugend aber erhält 
Kufin n ""^4,"°* f"''* ^'"^ Umstand, daß in ihr den jungen 
Rf^^l ,4 f "*^ ^"?^^ ^^'^' '" ^^"^ sie die Überlieferungen und 
I v7n. f ^^"^"'^^ ^^""^'i ^^^"^"- Beä de" Betschuanen fand 
rlnlpf !. '' d",.^^^^" ¥^""' d^^ die Jünglinge in dieser Zeit im 
lanzen^in der Politik und Verwaltung ihres Landes unterriditet^ 

in rf.n f- -" fj^^^^ ^^'■'^^" d'^ Besdinittenen im letzten Monat 
in den religiösen Mysterien des Stammes unterwiesen. In den meisten 

tpfk? n ^i f""?^" '^^!;d^" ^'^ '" d«" totemistisdien Kult einge- 
T T^t i: ° ^ ß "^^^ wiAtigste Resultat des im Busdi genossenen 
Sr^^" n^uß eine veränderte Einstellung zu den Männern des 

^WaJI fS^^^.^^" werden- Den jungen Karesauinsulanern 
wd gesagt sie dürfen fortan ni<fit mehr mit den Männern sdhimpfen- 
wenn sie der Vater zuredit weist, dürfen sie nidit widerspredien ^. 
^P..at ." ^5l*"'«enen des Binbingastammes wird einige Male 
VprSi Jl /" c^ ^-"^ ^^""^' "'^^ ansehen, weldie zu ihnen im 
mÄnern^ewn^^^^^^^^ ^^^^^"' ^'^ "^^^^" ^^ J^^^" ^^"'^ 
Abstin^'r wl" 5^^f°^Sf ..können, daß auf die Einhaltung sexueller 
ahn Ac AnT.ni .S^^"^Ifrlheit in den Pubertätsfesten foW- Eine 
denen mt? I '^^ ^"* ^'^' konstatieren: die jungen Leute, 

efnroräT.n h" ' ^rl'' ™^ ^'"^'^en Gebote ihres Stammes 
he"fsi/„ol '''t '"^ ^°""1 "" ^^^^^" h^I^en, erhalten Gelegen^ 
Knaben iXn T""^^ »a^szutoben.^ In Australien bewerfen die 
Kamerun ^.Ir-'^T'"^'" ?'' ^^"^utz. Bei den Janude in 
dJe Se S '"/-' ?." weihenden Jünglinge alles, was ihnen in 
unternehmen n^^^ '''iPf ^"'" ^^^»^^^^ «'e Geflügel. Die Knaben 
die Dörfer ih/ 7^^^ P"»^^™S ihrer Lehrer näAtliAe Überfälle auf 
faLn Äl '•' ^^"dsleute und plündern sie. Die Aba Queta 
^mJ£''TV^'-J'l '^'''^'^'^ Kraale her, rauben Vieh und 
7soZtjr7.tA ''% 'i"'" entgegensetzen. Die Jünglinge haben 
3's^^n_dieser Zeit das ReAt zu Diebstahl und anderer Gewalttat''. 

der einen^VoSanf ;,?,? 5'*"''"'"''^'.* ,^^' psydiisdien Verscfiiebungsmcdianismus, 
ukubula (dieBeUte der Ami v!! fpezielleren Situation löst, bezeichnend, daß das 
gestehen des bSnUen W.t '™^''T^ ^'* '" früherer Zeit nur auf das Ein- 
Art von UnkeufS tin S SlieT"^.''' ^^'^'^^^^^^ ^^'' ^^' Geständnis jeder 
v«^ird <naA A. ScWeigcr) ' """^ '°^^' ^"^ »unreine* Traume ausgedehnt 

!S^*.^'7!--R^n^^Bd. II,p, 759f. 
der Karesalsdaner ^'^'^"«° Artikel W. Schmidts über die geheime Weihe 

den I904,^p'"367' ^""^ ^'^''"' "^^^ Northern Tribes of Central-Australia, Lone 

benius,'ÄrunÄtS^^^^^ P, 107 ff. Vgl. aud> Frc 

* Totschlag soll in früherer £ t S 5- ^ ^"*^ P^'^""" , , 
kommen sein, ^^'^ °^' diesen Exzessen nicht selten vorgc» 



Die Pubertätsriten der WiUen 



r- ( to imfl Verbote aus dieser 
Wir haben besonders jene ^1° Verkehr der jungen Leute 
Zeit hervorgehoben, weldie siA aur aen Ctammes beziehen: 

mit ihren Vätern und mit allen Jänner., dires Maj^me ^^^^^ ^.^^ 
die Knaben sollen mit Männern nidit schimpre ,„^^^ ^.^^ 
widersprechen, keinen Streit mit ihm ^^''^"'J^J^e Impulse zu diesen 
ansehen etc. Wir müssen annehmen, aa ^.^ vermuten, daß 

verbotenen Handlungen in den l'^'j^'^^^l^" .f.: ±pfcn Aussdireitungen 
diese Verbote ursprünglich vie handgmtUchercn ^^^^^ ^^^j^^^_ 
der jungen Leute galten, gegen die s.Ad.eManjier^ ^^^ ^.^ ^^^^^ 
Die Belehrungen erweisen s.d. fj^'^ll^^ .^gen ihre Väter , 



"tiiommen m jenem uu^cuun— -— Plündern und .s^uuilisw 

Schließungszeit ein Ventil: das Rauben, .. j}^ Jen eigenen 

anderer ist eine Ersatzhandlung für die ursprungucn 
Vätern geltenden Aktionen. , hauptsächlichsten Lehren 

Abschließend dürfen wir sagen, dal5 die ^^^^^^^^^^^ Verkehr zu 
der beschnittenen Jugend zwei sind: keinen ^^^^^ ^^ entsagen, 

pflegen und den feindÜdien Regungen S^g^" j^r totemistischen 

Damit aber sind wir bei den Hauptgrundsatz ^^^ Yotemschonung 
Systembildung angelangt, bei der Ef g^AufriAten dieser Sciran. 
der Primitiven«. Wie notwendig aber das >^ ^enn man das Wie- 
ken gerade zur Pubertätszeit ist, ^'^^''f^^^^^^^n in diesem Alter 
deraufleben inzestuöser und aggressive 

beobachtet hat. ,.. u^ Aufnahme in die Männer- 

Wir haben erkannt, daß es f^^^^f Bedingung gibt: die *Er. 
gemeins6aft des Stammes eine ^^^'^^^Zm^ Azv aus dem Inzest- 
ledigung., will sagen, psydiisAe "^^^^fSirö^^^^^^' ^^1*^ ^^' 
komplex stammenden antisozialen ^^^^^^^^^^^^^^ 
ziale Bedeutung das Aufrichten der l^^estsd^r ^ ^^iturforderung der 
besitzt, hat Freud ausgesprodien^ es isj ^^^ Interessen durch 

Gesellsdiaft, weldie siA gegen «^'e A" f ^^ "^^^^^^^ 
die Familie wehren muß, die sie für ^>f,^'{5'teln dahin wirkt, bei 
Einheiten braudit, und darum mit ^"^^^^'^^einer Kindheit maß- 
jedem einzelnen, speziell beim Jüngling, oen j^^gf^«. 

gebenden Zusammenhang mit seiner t^amiiie ^^^sinnigen und 

^ Wir glauben nun, a^*/'^ J^en efnen Sinn gefunden zu 
absonderlichen Pubertätsriten der Wilden 

^~F^ud, Totem und Tabu. Cp^„altheone. 3. Auflage, t^ipz'? "" 

^ Freud, Drei Abhandlungen zur Sexualtneo 
Wien 1915, p. 86.. 



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Dr. Theodor Reik 



F.^^-' T j ,^»^. Inzestsdiranke aufriditen, den Jüngling aus dem 
1 am henverband oslösen und ihn in die Männerbünde einführen, 
damit aber auA die unbewußten Regungen der Feindsdiaft und des 
f^Mn^'^^rx^ '", f" Jünglingen gegen ihre Väter wirkten, in 
rreundsdiaWidie verkehren. Diese soziale Bedeutung der Pubertäts- 
weine hat ^churtz fast in den nämlidien Worten ausgesprodien, 
kinnSnet '^"^ Aufriditung der Inzestsdiranke in der Pubertät 

VIIL •' ' 

Nun kehren wh-, mit neuen Kenntnissen ausgerüstet, zu un- 
serer Autgabe, das sonderbare Benehmen der Novizen zu erklären, 
f"^Ü7'4, 'r^ Beziehung besteht zwisdien dem Unterridite der 
gesAleditsreifen und waffenfähigen Jugend in der Einsdiließungszeit 
und der Aninesie bei ihrer Rüdkehr? Eine sehr innige, wie es 
sdieint. Die Verbote, weldie den Novizen im Walde für ihr ferneres 
i-eDen emgepragt worden sind, betreffen ebendieselben Wünsdic ihres 
. ni^T" A "'-' T^^*^ """ ^er Vergessenheit anheimgefallen 
Wrl^ciTl. >"'"^''-TT^'^ ^f Rüd^kehr ist gieiAsam die Probe der 
.oll^n l '"""' UnterriAtes. Mit anderen Worten: die Jünglinge 

fhr Hp^ct^' R^" r ^^''^' ausgedrüAt: .verdrängen« - was bisher 
räumen L/^T ff "r^l^'^x ^^" Vater aus dem Wege zu 
veXn. T T ^''"' ^'l ^'^ ^"«^'- einzunehmen. Ein Einwand 
frühlr.n T K^ °'' zu werden: die Jünglinge haben alles aus ihrem 
h^^ncl vergessen, nidit nur ihre verwandtsdiaftlidien Bezie- 

Sn '^T Ti V ^"* ^''^" "nd trinken lehren und ihnen 
rfTJl' ,^7* 7''*^ ^"^ "^^" ^J"^ Hütte betritt. Dodi diese Sdiwie- 
ofi, 'l ' ^^T ^''^'^ Psydioanalytisdien Theorien und Be- 
^..nnlp^" heranziehen: das Unbewußte sudit bei eintretender Ver- 
aBf^^''^ ^°5"^.2 ''"^ Ersatzbefriedigungen,, es weiß nod, vom 
ersehnten OK^W "»*^T'^" ^^"^ ^"^ S^^eime Beziehungen zu den 
sASn.n^^1'''"4y"^ Betätigungen zu finden, Die Väter der Be^ 
Toh ZZ ft? ''* "' '^'^"^ ^""f^^^" Drange des redeten Weges 
k^n.en rT.f ""^ T" "^^^' Urwünsdie aus dem Seelenleben der 
daTr pW S ^"x^f^^^""^"' mußte audi die ganze frühere Existenz, 

VerisLnh.> ' f 'i1^'' 'S' ^^"^ ^'^ ^° i"'ig verknüpft sind, der 
Vergessenheit verfallen. Die seelisAen Melanismen der Versdiie^ 

deren haäelTt'^T .^ät ^^.""^••^"»^^- P- 99, .Bei den Knabenwihen im beson- 
Krieger, sondern Sie"* um ™^t\ Aufnahme in die Schar der Jünglinge und 
junge MannTst fortan „id^tVr ^'^ ^^" ^««^^^'S^" Verhältnissen, Der 

der Hütte der Weiber und .m1 K ■"^^"".'•" ""^"tänig, er wohnt niAt mehr m 
,einen neuen Menschen hat J^ . häusHAen GesAäften hilft er nidit mit, 

dem Rekruten in einer LH ^'1^^^°^^'^' wie der Wallensteinsdie Wachtmeister 
einer KnabenNveihe ^ehaftVIi r/.?^ ?"™^' ^'^ "^^ ^'"'S™ Änderungen auch bei 
Gruppe an, die sich meist rn" t-T'"'' '' ^'^'^'' '^'"' ""^ J^'^'"" hinaus einer 
durch ihre Ans<h~eä und Sit .'n™''* ^™ ^^'^^=»""1*^0 sondert und zu diesen 
Satze steht.« Vd noch n ms 5 c '? ^'""'^ '^«^'- °^^'- ^^niser deutlichen Gegen- 
S- nocn p. lus des Schurtzsdien Werkes. 



bu 



Die Pubertätsriten der Wilden 

bung Würden sonst den von der Zensur zurüd.gewiesenen Impulsen 
immer nodi einen Notausgang erlauben ^^^ g^f^j^ ^^r 

Wir werden gewiß nidit behaupten ^^'^^^j^^ ^.^ Knaben nun 
Absidit der älteren Generation entspridit, u ^^^^ existiert eine 

wirklidi alles Frühere vergessen hatten. ^^^ ^.^^ unmöglidi, 

soldie Absidit, wenn audi un^'^^r^, "" „ jlueuerer Entbehrungen, 
daß unter dem kombinierten Eindrudce ""^n^ ^.^^ Verdrängung 
Qualen und der mystisdien Geisterbegegnung ^„^^^^ ^^^^ ^^ 

jener Tendenzen bei den Jungen dur*setzi . ^^^^^^^^^^ gleidien, 
ihrem Benehmen bei der Rüdkehr den "^f\ ^bsAnitte verloren 
deren Gedäditnis ganze Jahre, ja .fgar l. ^^^ ^.^ Verdrängung 
gingen: die Analyse weist audi ^^' J"^"Shkn -und Erlebnissen 
ursprünglidi relativ wenigen, typischen y Ugefühlen ersdiienen, 
galt, die den Kranken als unvereinbar "^'^ ^f " t^gf^nten Punkten im 
und daß sidi die Amnesie von diesen ^^^ , 2eitabsdmitte er. 
Wege der Versdiiebung erst allmäbhdi aut grone 
weiterte. , ^ ^„j, die spezielleren Riten 

Nun werden wir hofFen dürfen, aum ^^^jj^ j^.^ Männer, 
der RüAkehr psydiologisdi ^u verstehen. Uie .^^ ^^.^ y ^er, 

weldie den zurüdgekehrten Novizen sagen ^ ^^^^^ ^^^ j 

dies deine Mutter«, wollen ausdf üd^en : d es is ^^^^^^ ^ y 
Mutter, zu denen du in veränderten ßf ^^JSng^ i" Virginia 
gessenheit bringende Intoxikation der Indianer s^ g5.^^^j^^^^^^ 
erinnert an den Lethetrank der Alten ebenso wie 
anderer primitiver Stämme ^ „cReridit) mit gcsdilossenen 

^ Wenn die Jünglinge <naA Schellong^^f j^^f^.^dern Se Augen 
Augen einherziehen und erst auf^'ederholtes ^a ^^^j, 

öffnen, so werden wir in dem L^^'^ luaTabstinenz und ^freihe.t m 
lungen sehen, deren Charakter der Sexualabs ^„^p^^^ ^n, dem 
den Weihen ähnelt. Ist dodi das Aug^ )| ^^j .Werbung zu^ 
eine Kp..r^...„.nM^ Rolle bei der Ob)ekthnüung ^.^genen 



Wir 



Man erkennt sogleich, was \^'-.S"^^'' o, ""tos vergleicht. Wie J^"-- j^^^i^en 
d^ Beichte der Beschnittenen bei ;^^" ^,f "J ° den ^\e in 4^^ B|'*f „„ ffla^t ein 
»Daheim., 1879, Heit 24, p. ^^X^^fzüsT^^^^^ geahndet, Sodan"«^,, j.^ 
zutage tretenden Vergehen durd» J^^^^te Ztuftt.gu 8 »"'^^f^Tder Lügner 

großer Topf voil Zaubermedidn /.e Run-ie wov ^^^^^^ ^^t,,,„d der 
^ahrheit 'gesagt hat, dem soll ^'C Med -J ^^ 
furchtbare SAmerzen empfindet und sdilienii™ 



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204 



Dr, Theodor Reik 



Wieder auf die Identifikationstendenz. Zu unserem Erstaunen be^ 
merken wir aber, daß eigentlidi eine Wiederholung desselben Vor- 
ganges stattfindet, denn die Tötung und Wiederauferstefiung in den 
Kiten bedeuten dasselbe wie die künstlidie Amnesie, Blindheit und 
veränderte »Einstellung« - das Wort hier dynamisdi gebraust - 
zur Welt und zum eigenen Idi: nämlidi Verdrängung und Bestra- 
ung der infantilen Urwünsdie und Identifikation mit dem Vater, 
beziehungsweise Totem. 

Eigentlidi dürften wir als Psydioanalytiker darüber nicht er- 
staunt sein, denn unsere Erfahrungen belehren uns darüber, daß 
das Unbewußte soldie Wiederholungen in veränderter Darstellung 
hebt/ wir haben in der Traumdeutung^ erkannt, wie oft dieselben 
Wunsdie — ui>ter Umständen in Träumen derselben Nadit — 
immer wieder in anderer Verkleidung die Traumfassade aufbauen, 
Uas unbewußte Seelenleben handelt aber, indem es dieselben 
Wunsdie immer wieder auf die Traumszene bringt, wie die alten 
Sprachen: sAir hasdiirim, das Lied der Lieder, das Hohelied heißt 
w-^ '. "^ newäisdien. Beide drüdten durdi die Wiederholung die 
Widitigkeit und Bedeutsamkeit eines Vorganges aus. 
_ Der VergleiA dieser Ritenabfolge mit dem Traumleben aber 
ist mdi nur durdi den traumhaften mysteriösen Charakter der 
L"r.l3 r^ n'°i'^^'J' audi durdi ihre dramatisdie plastisdie Form 
nZtZ^^ ■ T ^"''" Charakter ist es bedingt, daß logisdie 

Sfii r T 1"" ^'^Tv". ^"<* ^'" "!*t anders denn plastisdf dar- 
Ce iTifrh""™- T'^'J^f^ ^^Sen, die Amnesfe der Jung- 
Sef Verdr^^^^^^ "'' ^'^ P'^^^'^*^ ^-^^^»-S des Vorganges 

Nur mit einem Worte noA «ip? rl^f-c.p t,- • j a Aic 

T, ff f X • D f . i ^^* Qaraur hingewiesen, dal> die 

rarallele Amnesie, Besdine dune- imrl RdnMk^v U. • r -l 
m„tof^o A.,^A. aL a "'j '"^""S una ßlindheit, weldie wir früher ver- 
muteten durA die Ausdrud^sformen des unbewußten Seelenlebens 
verifiziert wird. Das Unbewußte Irann ct..r^^ 1 i 1 

f..„j c.-j j • ^^'^"^-^ Kann etwas — audi peinlidi emp- 
lundene Stude des eigenen Idi - nicht radikaler erledigen als durdi 
Vergessen. <»Nidit gedaAt soll seiner werden.«) Die Blendung <auf 
weldie das Oesdilossensein der Augen hindeutet) als unbewußtes 
tVastrationsaquivalent ist nidit nur durdi die Ödipusmythen, sondern 
audi aus vielen Analysen von Träumen bekannt 2. 

hast sdieint es, als handelten die primitiven Väter, indem sie 
Ihre »«'ledergeborenen« Söhne in den Alltagsdingen unterweisen, 
mit raffinierter Heudielei: sind sie es dodi selbst, weldie die Jung- 
hnge zwangen, alle jene Dinge zu vergessen 

f5t,„^ ^*" ^J'^ D ""h^^^^f gebliebener Teil der Pubertätsriten emp- 
uE w" ff"k ;; ^^ d" "T^T' bisherigen Betraditungen ein neues 
Lidit. Wir haben den Eindrud^ erhalten, als würde die Aufnahme 

^ S^v'^ri ?'" '^"""l^e"t™S- 4. Aufl. Wien und Leipzig. 1914. p. 248. 
Eder Dr R R eJHer '^ n"^^l''n"S ^'" ^^'»^^ge von Dr. O. Rank, Dr. M. 
fvmbolik n .inwniL ""^ D^- S. Ferenczi über Augenträume und Augen- 
symbol.k m »Internationaler Ze.tsdirift für ärztlidie Psydioanalyse«. März 1913. 



11 




1 C A ' 

in die MännergemeinsAaft durcii zwei Prozesse^ er_ji^^^^ 
durdi die Kastration <deren Äquivalent ^^^ Beziehung dieser 

durdi Qualen und Martern anderer Art. nme^ Sühiuing der in- 
beiden Vorgänge wurde von uns schon i ^^^.^^ g^^jj^^ 

zestuösen und feindseligen Impulse S^^f^^l] Leuten, weldie 

sidi durA folgende Tatsadien: z^isAen den jung ^^^^^^ ^.^ ^^^^^^ 

gemeinsam an einer Pubertätsweihe ^^''"^J}'^?;^ „„d den älteren, 
Kameradsdiaftsverhältnis,- zwisdien diesen rv p t,ertätsriten eine 
bereits eingeweihten Männern, findet anlallücti aer r 
Zeremonie der Blutsbrüdersdiaft statt. 



IX. 



^rdpn die gleidizeitig 
Bei den meisten Australnegerstämmcn wcra ^^^ die Narrin- 
Besdinittenen als besonders eng verbunden oei^^ ^^^^^ ^^.^^j^^^ 
yeri benennen dieses Verhältnis "i'* f "^!" ^^ preunde,- man wartet 
Bei den Hereros gelten diese jungen 4«^ Anzahl Knaben heran- 
mit dem Besdineidungsfest, bis eine gf^f ^^^%;.,j„t Bei den Negern 
gewaAsen ist, die nun eine Art Altersklasse bidet^^^^^ 
bilden die gleidizeitig BesAnittenen eine ^^^^'^ y^^^^ bis ein 
des Häuptüngssohnes. Die Kaffern '^^f^Z^^nide^Jüng'- 
Häuptlingssohn herangewadisen ist, mit ^^^ , j ji. Der Freund- 
linge, welAe nun dem jungen Prinzen "J^f^f^^^^^ „mfaßt, hat für 
sdiaftsbund, der die zur selben Zeit Besdinittcnen 
das ganze fernere Leben Bestand. cAlipßpn dieser Bündnisse 

, VielleiAt nodi wichtiger als .^.^^f ^'^''^änner des Stammes 
sind die Zeremonien, durdi welAe die al^^f^; J^^ verbündet werden 
<also die Vätergeneration) mit den lunp"«-«" jer Kuntamarazere- 
sollen. So beriditen Spencer u"^ Vi' .r des Stammes sammeln 
monie in Zentralaustralien ^ Alle Banner de| ^^ ^.^ j„g,„d 
sidi bei dieser Gelegenheit im Bf e des ßam ,^^^ ^ ^^^ ^i 
lagert. Jeder Mann nimmt ein sAar^J^f^'i^i^rtcn Jünglinge foU 
selbst, bis reidvIiA Blut fließt, die eben ^"T^ Zeremonie, welAe 
gen nun dem Beispiele der älteren Manner. U'es ^^^^j^jerte Jug^^d 
^ie längst eingeweihten Männer und de eDe ^^^ tesAnittene 
des Stammes vereinigt, wird fortgesetzt müe ^^^^ ^^ ^ ^em 

Jüngling den Kopf seines Vaters mit ^^ J'^der zu ihm im Ver- 
fünen Zweig das Haupt eines alten Ma"g^ J^j^^^r Zeremonien 
hältnis des Großvaters steht, berührt. Als Grün ^^ ,,. 

^ird angeführt, sie diene dazu, die He^ U"g J^| J^^^s zu starken, 
gützen und de^ Bund unter den Manne nde^Ma^^ ^^^ ^ 
ßei den Mara und Anula^StämTien f »/"|^änner tröpfeln, auf 
zision etwas Blut von der Wunde auf ^'^ ' .^^^ besonders innige 
^eldie der zu Operierende gelegt wird - " ^^^^^^ 

^~~^ Altersklassen und Ma 



bünde 



• Diese Anjaben entnebme i* Schürt , 

P- ^26. ^ , a„,tralia. P- 359 ff. 

^ The Northern Tribes of Central-Austral.a p 



■I 



I 



f, 



206 



Dr, Theodor Reik 



H 



Frcundsdiaft hervorzurufen. Beim Urubunnastamm werden die 
Vorhaut und das Besdineidungsmesscr dem älteren Bruder des Ope* 
rierten ausgefolgt und dieser berührt den Magen jedes Nuthi 
<Manries der zu dem Besdinittenen im Verhältnis des älteren Bru« 
ders steht) mit der Vorhaut^. Bei den Karesauinsulanern ver^ 
sammeln sidi Jünglinge und Männer zu folgender, von W. SAmidt 
besdinebenen Zeremonie '-'; Die Männer graben eine muldenförmige 
^.temhohlung und tragen Süßwasser hinein, dann durdibohren sie 
sidi den Penis und lassen das Blut in jene Mulde fließen, indem sie 
es mit Wasser vermisdien. Das auf dem Rande laufende und dort 
koagulierende Blut wird audi hineingesdiabt, so daß dicke Stü(ke 
dann herumsdvwimmen. Eulezt kostet einer der Männer davon und 
von diesem kostbaren Naß müssen alle Knaben trinken. 

Wir erkennen in allen diesen Riten Formen von Bluts Verbrüde- 
rung. Die Blutsbünde dieser Art sind uralt und über die ganze 
^rde verbreitet 3, dodi was sollen sie in diesem Zusammenhange 
bedeuten? Warum entziehen sidi auA die älteren, bereits beschnitte* 
nen Manner Blut aus dem Penis? 

Erinnern wir uns daran, daß diese älteren Männer von unbe^ 
wuin^er VergeltungsRirdit beherrsdit, die Kastration, beziehungsweise 
Besdmeidung und EinsAneidung einführten, und zwar als Sühne 
ur die unbewußten Inzestimpulse der Jungen. Wenn sie nun also 
selbst eine Art Kastration durdi die Binsdineidung an sidi ausführen, 
so fuhren sie einen Gemeinsamkeitsakt aus, der sich nur auf die 
namhdien psydiisdien Vorgänge stützen kann; es liegt in ihm ein 
iJekenntnis derselben Wünsdie, die sie einst selbst beseelt haben 
und die sie nun zu soldien grausamen Vorsiditsmaßregeln gegen 
die jungen gezwungen haben. Es liegt darin aber audi eine Sühnung 
dieser Kindheitsimpulse und eine seelisdie Annäherung an die jungen 
Leute. Wir verstehen nun auch, wie dieser Blutbund zustande kam: 
wie so oft im Leben sind Riditer und Angeklagte, Henker und Ver-' 
bredier von denselben geheimen Tendenzen getrieben. Ist die Kastrat- 
tion eine gegen die gesdileciitsreife Jugend geriditete, feindselige 
Maßregel, so stellt dieses BJutzeremoniell den Ausdrudi einer homo- 
sexuellen Strömung dar, einen Gemeinsamkeitsakt, in dem sich aucfi 
der zärtlicbe Anteil der väterlidien Gefühlsambivalenz deutlich ge- 
nug zeigt. 

Ein Detail dieser Riten ist so reizvoll, daß ich es nidit gerne 
unterdrücken möchte. Der kleine Bonifaz, ein Karesauinsulaner, 
welcher die Pubertätsfeierlichkeiten seines Stammes aktiv und passiv 
miterlebte und dem Ethnologen W. Schmidt ausführlidien Bericht 
darüber gab, erzählt, daß die Männer den Knaben nadi jener Zere- 
monie des Peniseinsdineidens und Bluttrinkens sagten, wenn sie 

1 Op. cit. p. 332. 

2 Man vgl den früher zitierten Artikel von W. Schmidt im Anthropos. 

3 Vgl. Robertson Smith: Lectures on the religion of the Semites. Second 
edition. London 1907. 



ii; •'( 

r.i : ! 



Die Pubertätsriten derJWiWen_ 



• A^n Ta? durdi PeniseinsAneidungen 
wollten, könnten sie siA nun J^den iag ^ ^j^cr wenn einer 

Blut entziehen. Es wird niAt zur P";*'f;'^^en des Unterbleibens, 
der Knaben krank wird, Slf^^t^^f"'" dieses wohlwollenden Rates 
Die Knaben werden durA Befolgung dies ^.^^^ . , 

oft so schwaA, daß sie nid^t ^'}^f'^.Zil^-^^^-^^^,^^^^ 
der es täglidi tat, kam es v°f' ,^^" ^'.nnern die ihn suditen, mcht 
weiter konnte und aud^ von d^" ^^"fS ^ie er .glei* einem 

gefunden wurde. Eine P^?" j^^V,^" ;! X W^i"^ ß°"'^^^ ^"tf •" 
Sdiweine« - so realistisA druA 'f^^'^ jh^en SAultern heim, 
auf dem Boden weiter kroA,- sie ^^"g "1"/^,^^ und der zärtlidte 
Die Männer, in denen nun ^^f "^^^^. "^^^ sje^te, sagten ihm nun 
Anteil der ambivalenten GefühlskompleX^;^^ 
er solle es nidit mehr tun Der W;J,"^.^„^ Porten : ^Die Manner 
seinen BeriAt mit den ehrlidi ^"trus f en ^^^^ nieder, man 

sind dumm, erst «^gen ,^'^' Ä 'S siA die es Diktums wahrliA 
solle es niAt tun.. Der kle ne Wi de hat sj* ^^^ p^^^sAlands Unr 
niAt zu sAämen,- namhafte belehrte, aie .^^ ^.^^ aufgeben, 

versitäten PsyAologie lehren, können es g j^^^^ßten Denkver- 

vom unbewußten Seelenleben die LogiK^^^^^^ Vorgänge zu suAen, 

mögens zu erwarten und dort rem iolc - 

wo latente Affekte die Hauptrolle sp.e^n.^^^^.^^ ^5^ d „, 
Wir haben gesehen, daß stA |^ j^^f/^f „d dafür in den 

Vater-Totem identifiziert ""^ 5^^" ^Sen g&unden. Von seit^^ 

mit der VergeltungsfurAt verknüpften J^ej"^^^^^^^ eine Reihe von 

dieser Vätergeneration nun f ^«^" f '^ ^f'^ie in dieser Ausprägung 
feindseligen und homosexuellen Ak en ^ entspriAt. Es 

der väterliAen Ambiva enz gX" E^nsAaften miteinander mmg 
bleibt zu betonen, daß diese beiden Egen| f^^^itbaren Maje- 




runsen aer uiis»^i^-" „,prden können Wie b'J ^- "' i TTn 

Zeit als Motive aufgezeigt werden Koi Zwangsneurose \ Un- 

rosensymptomen, besonders ^^™ < ">rg,,denz in den Zeremonien, 
zweideutiger noA tritt Ae homosexuelle 1 endend ^^^^^^^^^ 

der Aufnahme in die Männergemeins Aalt hervor. Dam 
stamm sitzen die Frauen ein wenig hinter de" Mj""^'^^^ ^j^ ^,^1 
und der Jüngling geht bei den Männern ^««^^(.""V die zu ihm 
den Frauen nieder. Dann kommen ^^^' f^}^^''']?'' ^ dA i^s 
im Verhältnis des Großvaters stehen, und fuhren ihn mit siA ms 

Lager der Männer ^ < t^ j J-» 

Wir erkennen in allen diesen Riten Ae starke 1 /"dcnz, die 

jungen Leute von ihren Müttern abzulösen und enger an die Manner- 

^esäsääR SU ksseln, das durch das unbewußte hzeststreben des 

1 Die zärtlidie Motivierung, weldie neben der unbewußt feindseligen in diesen 
Riten wirksam ist, wird von den WiTden ^f ^^ f'7«j;g^f'°t,^"'j'"//";„r^,„f! 
Zwed der Qualen angeben, die Knaben sollen dadurch stark, tapfer und aus- 
dauernd wer^d^en.^^ .„j oillen: The Nortbern Tribes of Central-Australia. p. 332. 






ff '" 



208 



Dr. Theodor Reik 



Junghngs gelodcrte Band zwisdien Vater und Sohn inniger zu 
Knüpfen. Wir haben die zahlreichen Riten dargestellt, in weldien der 
jungling vom üeiste oder vom Totem versAIungen und wieder- 
geboren wird. Was soll nun diese absurde Vorgabe, der Novize 
werde von einem — doA gewiß männliAen — Totem wiedergeboren, 
bedeuten? Wir könnten diesen Zug als sinnlos außer adit lassen, 
oodi die FsyAoanalyse lehrt uns, audi soldien anscheinend völlig 
widersinnigen Gedanken Aufmerksamkeit zu sdienken und Bedeutung 
2U2usd\reiben, 

Überwinden wir alle logisdien Bedenken für einen Augenblidi 
und stellen wir uns auf den Boden der primitiven Ansdiauungswelt. 
Wenn der jungling also nidit von seiner Mutter, sondern vom 
lotem oder von seinem Vater geboren würde, weldie Folgen hätte 
diese so unnatürlidie Geburt? Wir erinnern uns, daß die Wieder- 
^u^ xt" Pubertätsriten mit der Ablösung der Novizen von 

Ihrer Mutter also mit der Inzestverhinderung in Zusammenhang 
1 .^'ese Wiedergeburt hat also einen negativen Charakter. Sollte 
T . I die sonderbare Praktik des Geboren werden s durdi den 
lotem durch diese unsere Erkenntnis erklären lassen? 
n.Ur,.J ^^""^/ der Primitiven benehmen sidi so, als wäre die 
<jeburt des Knaben durdi seine Mutter die Ursadie der erotisAen 

AnTl!rff^-''^^''^fl' ^■''^" ™^ 'f^^^"^ Sohne. In dieser naiven 
Ansidit stedit ja wirklidi ein nötiger Kern,- hätte ein anderes Wesen 
den Jungen geboren so würde seine erste heftige Neigung nidit 
dieser Frau gelten Wenn man den gesdileditsreifen Jüngling aus 
der inzestuösen Libidofixierung lösen will, so muß man folgeriditig 
die Urundursadie des Inzestbegehrens beseitigen: der Junge muß 
wiedergeboren werden. Dieser radikale Versudi der RüAgängig* 
maciiung einer Tatsadie erwädist aus der Furdit der Männer, die 
unbewußten Inzestgelüste ihrer Frauen und Söhne könnten realisiert 
werden. Daß der Geist oder der Totem die Jungen wiedergebiert, 
weist auf den Wunsdi der Männer hin, die Neigung ihrer Söhne 
von der Mutter auf sidi selbst zu übertragen,- die homosexuelle 
Strömung macht sich wie audi sonst in diesen Riten geltend, Diese 
Zeremonie hat also ebenso wie die Auferstehungsriten einen nega- 
tiven Charakter; sie soll der Loslösung des Jünglings vom Weibe 
dienen, die durch die unbewußte Inzesttendenz gekennzeichnete Be* 
Ziehung zur Mutter lockern,- sie annuliert die Geburt des Knaben 
durcii das Weib und glaubt dadurch die inzestuöse Libido beseitigt 
zu haben. 

Zm %mi mitm knsV^t i&cr den Sinn Aieser litten gc\angt man 
freilidi, wenn man, wie C. G. JungS an ihre Erforsdiung mit unserem 
modernen, dem reahstisdien und plastisdien Denken der Primitiven frem^ 
den Ansdiauungen an sie herantritt und in ihren Zeremonien eine hodi-' 

» »Wandlungen und Symbole der Libido« im »Jabrbudi für psydioanalytisdic 
und psydiopathologiscfie Forschungen«. Bd. IV, 2. Hälfte. Wien und Leipzig 1912. 



I 



Die Pubertätsriten der Wilden 



209 



. .< . c k^lilr vf-rmutet Wir haben bemerkt, daß 
eine der wesentlidisten, unbewußten Motiv eruig^^^^^ 

die von VergekungsfurAt ^'^^^-f^^^^^'SS^^^ 
ist. Jung nun behauptet neuerdtng n ertog ^^^^^j j, j^^ 
seiner früheren Überzeugung daß .die unK^ ^^^j 

zestuösen Begehrens nidit auf die i^^J^f'g T ^u werden, in den 
auf den eigenartigen Gedanken, J'^^"^ ^ hineinzugelangen, um 
Elternsdiutz zurüAzukehren m die Mu«er hmem^^g^ Selbstver. 
wieder von der Mutter geboren zu wer<^n ^^^ _^ ^^^ Mysterien 
jüngungsgedanken nun begegnet jung .j^j^j^en Völker, wobei er 
der Antike, sondern audi in denen ae p Lqu^^« niedergelegte 

siA ausdrüdM auf Frazers in >>The golden b^ug ^^5 ^.^^ 

ForsAungen beruft. AngeWiA at^uA^^ Ä Ai;fgeben oder 
Verständnis überwunden, dal) es sia handelt, während m 

Ausleben der gewöhnliAen gexualwui^sAe hande ^__^^.^^^.^ 

WirkliAkeit das Problem f^Jl^^-^o'pfTrung und Wiedergeburt 
ist, also mythologisdi ausgediuckt »eiu<c ^v 

des Infantilhelden«. . i^^ a-.^ TJnrlditigkeit der 

Es kann hier nidit versuAt werden d ^ ^fj^.^ |^, ^,^^ 

Jungsdien Ansiditen, soweit sie siA auf ^^^^1^^^%^ erweisend 
rosen, der Träume, ^ler Charakterbildung etcbez^ehen^z ^^^ 

DoA muß mit allem Nadidrud. ^f^^.^jS'eTfüT eine so^ 
niAts in der großen Tatsadienreihe der ^^If^^ f ^iL. Jung 
theologisierende Auffassung von ^^'^ ^^^J, "^ pörsAers Vermu- 
beruft sidi mit Unredit auf Frazer denn deseshor^^.^^^^^ 
tung über den Sinn der Weihen geht dahm ^^^^ 

Wiedergeburt im physisdien <n.At moralisdien) :>.nn 

ke-it., der Opferung -/„^afsÄ ^^^ 

klang zu bringen sein, dal) das Gnae uci v t^^„. ii.°l :„* X^^^ nrim 1- 
Orgien, Diebstahl und Gewalttat bringt. Ta saAlid. ^^^ der prun 
tiven Gedankenwelt niAts ferner gelegen als ;>"^. f^^^^og f^ 
Bedeutung der Riten. Übrigens '^t es für Jung redit sAwierig zu 
erklären, iieso das VersAlungen-; "«^^ Wiedergeborenwerden durch 
den Geist oder Totem, also durdi ein männliAes Wesen, bedeuten 
solle, daß der Novize wieder in den Leib der Mutter gelange und 
von ihr wiedergeboren werde. Einen soldien Vorgang wie die 
Wiedergeburt durdi die Mutter würden auf einer primitiven^ btute 
stehende Völker sidier viel realisier dargestellt haben, wie na- 
mentlidi die Ädoptionsbräudie zeigend Das Motiv der Wiedergeburt 

2 Man vergiddie die Kritik der Jungsdien Lehre durdi Freud, Abraham 

und Ferenczi. ■< c t 

' Ein Totgesagter im alten Griedicnland galt, wenn er vider brwarten 
zurüdkehrte, solange für unrein, bis er eine Wiedergeburt durdigemadit hatte, 
d. h. er mußte durdi den Sdjoß eines Weibes gehen, sidi wasdjen, in Windeln 






Imajo WH 



H 



210 



Dr. Theodor Reik 



heißen tli! f' ""^' ""^ ^^" HeMenmythos bezogen, soviel 

einmal seL U J ^'"^'' ^'" ^^^^' ^^nn seine Gebärerin bereits 

Mmter neu%,^"" ^^'' ^- ^' ^'" «eld ist, wer siA durA seine 

der Fall XR^i^'^^^^T^^rS"' ^oA gerade das GegenteiHst 

die Geburrd.^äT"^^'^""^^^"^"'"^ '^^i"* ^her zu sein, daß 

^Ae M brf a"" ^"'■* ^^^ '^eif> ^""""iert wird. Man ver^ 

Za^Teus d/n '<i f^'^'r ^T"^ S^^'"^ gesAnitten wurde, Dionysos^ 

sSel' einnäjf.'"''^ ^?'^"''^'^ ^ebar und den Zeus in seinen 

in Shal/';"!'' ü'^ uT wiedergebar, die Gesdiidite Macduffs 

Wir hat n^?;"? »Macbeth«, die BräuAe der Wiedertäufer etc. 

baren W?,?..? t P."''5''fätsriten gesehen, daß man trotz aller sdiein^ 

und ihren L"n?'9-^'' ^"i^^^" ^^'- bilden ernst nehmen muß 

kelen kann S/V^'^ ^"J* P^ydioanalytisAe ErforsAung er. 

soH die iün.i; T ^'^^^»-^eburt ist eine Ablösung vom Weibe und 

Ih ernstei^efM^'"'^ ^j^^' f" ^'^ männliAe GesellsAaft ziehen. 

iest zu v^rhlndfrn ''' ^'' ""^^^"^^ gewordene Tendenz, den In^ 

in seh^rtpäS ISr p' ^'^""'^^. ^^^ '^^''^""^ ""^ Sublimierung 
doA er ffit m^^ ??K^ '1 f^ ^'^^" ^"^ Mysterien gefunden, 
Vorgänge we es tl^T'^\'^''^r see(isd.en^ determinierenden 
gehe^nde^psyAoIol^T r/nf "" a'' ^^'''' voraussetzt, jede tiefer- 
er weder dar{^esenfriii!i!'^^""^ ^''"^ ^'•^^•^^" I^^^nen, daß 
darstellt, wfr haben .R " . ^' '1^'."'^'* Wirksame der Riten 
der Wilden v^^iZ , ?' ^!f^^^"' ^aß er fn den Pubertätsriten 
EntwIdlun;ssTnf. ' "^''f Zeremonien siAerliA auf einer frühen 

w"r den VÄ '1 überhaupt keine Rolle spielt. Nun wollen 
7o7iZTlT t D^^"' ^'^ Bedeutung der Pubertätsriten für das 
soziale Üben der Prtmitiven zu skizzieren. 

X. 

In den Pubertätsriten stehen, wie wir gesehen haben, zwei 
^^"ei-ationen feindsehg und zärtlidi zugleidi, also in ambivalenter 
Gefühlseinstellung einander gegenüber. Die Riten selbst bilden den 
bedeutsamsten Absdhiuß einer Lebensperiode der Primitiven: sie 
bezeidinen den Übergang aus einer Altersklasse in die andere. Wir 
haben einen gewissen Gegensatz zwisdien diesen beiden Altersklassen, 
aber audi einen soldien der älteren, also der Vätergeneration, zu 
den Frauen des Stammes bemerkt, 



widtdn und säugen lassen, Die Adoption im alten Rom wurde durdi NaAahmung 
des Geburtsaktes abgesdilossen. Ohne diese Zeremonie war die Adoption un» 
göltig: auA der griediisdi=rÖmisdie Mythus erzählt, daß Hera, als sie den Herku» 
Jes adoptierte, den Helden an ihren Busen drüdite und ihn durdi ihre Gewänder 
zur Erde fallen ließ. Bei den Ts c he rk essen reidit die Adoptivmutter dem zu 
Adoptierenden die Brust. Bei den Dajakcn in Sara>xrak in Borneo setzt sidi die 
Adoptivmutter in Gegenwart vieler Gäste auf einen hohen Sitz und läßt sidi den 
zu Adoptierenden von hinten her durcfi die Beine kriedien. Diese Angaben entlehne 
idi PIoss»Renz, Bd. II, p, 675 ff. Ein Vergleich dieser Riten mit denen der »Wie- 
dergeburt« in Pubertätsriten läßt die Diflferenzen beider hervortreten. 



r 



Die Pubertätsriten der WÜden 



211 



. n U\of Has der KulturforsAer und 
Wir betreten nun ein UeDiet, "^ u ^902 erschienenen 
Ethnologe HeinriA Schuftzm seinem wer tjolen^^^ ^^^^^^ 

BuAe. .Altersklassen und Mannerbunde^<< Jiner^^ g^^^ Gliederung 
suchung unterzogen hat; /^^ f^J • Gesellsdiaft^ 
der sozialen Organisation der P"'"''^^f" Massen bei diesem Autor 
Der erste Abschnitt über die Altersk^sen ^_^ ^^^ 

»Den einfachsten "^tur hchen Ve^ande . ^^^^^^ 



lautet 



lautet:^ »Uen einracnsit; u ua.v....— Altersklassen als versuui 

Blutsverwandtsdiaft ergeben, stehen Q e ^^jj^ ^^f natürlichen 

einer bewußt durchgeführten, wenn au* a^' ^.^ ^^^^.^ ^^^übcr, 
Grundlagen beruhenden ^inteib"S 3f3^,ftUAen Verhältnissen 
ob die Gruppierung nach ^u^sv^^^^^^^ urspüngÜAere und altere 
oder naA den Stufen des Lebens^ters h^^^^ .^^^^ ^^^j 

ist, wäre ohne rediten Smn^ In ^^J^^^j Ki"^^^" ^^'S'". ^"1^ 
kehrenden Gegensatz zwisdien c,ii^;n ^^ ^ntwidieln sidi nidit 

Arten der Sonderung bereits vor- ""^^, , jgt nun den Ein- 

.ndern , nebeneinander^ Seh u ^^^^^ 



nacheinander, sot Oberin iiiu«l ^^^ - j 

riditungen der Altersklassen und ^^"'?^'Qbgrreste dieser Institution 
Völkern naAgegangen und hat aum a Zusammenhange mit 

nen bei den Kulturvölkern f *g^^f ''"/ eine Untersuchung der 
seinem Thema mußte sidi ^er Autor 11 ^^ ^.^ ^ 

Knabenweihen, der klubartigen Vereimgungen und ae .^^^^ 

Welt der Primitiven verbreiteten ^^^^''^^''{^^^^ als .die 

größerer DeutliAkeit zeigten s.A ihm ^'^^an^erv 
eigentUAen Träger fast aller höheren E"^^7J^""S^„;,„ Inhalt des 

'""^ Schutf "— a°rr„"prfmäre„ Orund zur Gründung der 
Männfi^eSde aTdaß ein bestimmter Gegensatz zw,s<f,en den auf 

rgTTei hier vo^e, ™„.c„ t' t'l^Xl"^«!»»' "i"""!*"''™- 

Werkes niAt beeinträditigen- 

2 Altersklassen und Männerbunde, p. öi- anderen 

» Seite V der Einleitung des Schurtzsdien Budies, /^"? ;'"^^^q gg. 
Werke desselben Autors 'UrgeschiAte der Kuhur* <Le.pz>g und Wien^^^^^^^^ 
möAte iA nun einen Satz zitieren, ^^il er eme mrksarne Stutze zu der von rre^^^^^ 
aufgestellten Theorie des Bruderclans in der Urhorde bildet - ""} ^ J'^;^^^^^^^^^ 
Wthk imn formulierte Erkenntnis auf anderen Wegen ""^ ""^'''^f ^'^ von der 

ßezieWngen cJer Gesd)Ied.tef zueinander zwar die unerlaßlidien VorMingun^en 
des sozialen Lebens, aber sdiwerliA die Ursadien seiner weiteren Ausbildung Sind, 
sondern daß, wie in den GesellsAaften der Tiere und auA bei yblkern höherer 
Kultur die gegenseitige Sympathie der Miinner vor allem der Männer glerien 
Alters, den en|eren sozialen Eusammenhalt größerer Gruppen ""«/''^ ' ,?i™ 
Thurnwald erklärte den Sitz der Männerbünde, die Männer^ oder Kbbhaus^^^^^ 
für die »ersten greifbaren Formen der Staatsbildung«. <ZeitsAnft für vergle.Acndc 
ReAtswissensAaft. XXV. Bd, 2./3. Heft. 1911. p. 424, 

14* 



I 



212 



Dr. Theodor Reik 



TnAAn ^^"^Patf^i^ beruhenden Beziehungen zwisAen Männern 
^l^ u T ^^'°"? "^^^ Mannes zu seiner Frau und seinen Kindern 
Destehe der tiefgehende kulturelle FolgeersAeinungen zeitige, 
ocnurtz zeigt ferner, wie sidi die Männerverbände aus den Alters- 
Klassen entwidelten und in den Pubertätsriten ihren natürlidien 
^Ajerpunkt haben. Wenn wir die Ergebnisse der SchurtzsAen 
oruaie, die nach sozioIogisAen und ethnologisdicn Methoden gear* 
ZT '^k "^-^ u ^'''^. ^'^ Psydioanalyse gewonnenen Resultaten 
unserer Darstellung vergfeiAen und verbinden, so ergibt sidi folgende 
>^Di€itung: Uie so wiAtige und über die ganze Erde verbreitete 
Institution der Altersklassen ist bedingt durdi die ambivalente Ge- 
tuhlseinstellung der älteren Generation zur jüngeren, also der Väter 
zu Ihren bohnen und umgekehrt. Das Sippenwesen, die Altersklassen 
und die Mannerbünde entwideln siA niAt, wie Schurtz glaubt, 
nebeneinander, sondern nadieinander, als Produkt einer nodi zu ver- 
?w ü 4- ^"t^*^""S: der primitiven Gesellschaft. Der ursprünglidie 
^weck dieser Einriditungen kann bestimmt werden, indem man sie 
KU^T'^'T %'r"""^' ^'^ ^"'■^ ^en Ödipuskomplex gesdiaffene 
wrbänrfl" Vätern und Söhnen zu überbrücken Die Männer^ 
IIZTa;. A "^'"t '^'^!^''" Sinn, den Inzest zu verhindern, sidi 

def SökII ^"' i^ Inzestbegehren fließenden feindseligen Regungen 
Söhnen hJ" f n"''"." ""? "'"^^ Versöhnung zwischen Vätern und 
stützen dfr r"'"' ^" f * ^"f unbewußte homosexuelle Tendenzen 
dienen .rZ Q \ ""^^ ^^' Bestätigung der hier vertretenen Ansidit 
Alter/kir S*:^"^^^ an einer Stelle seines Budies^ sagt, daß die 
^Altersklassen »ein primitiver, aber in seiner Art hödist merkwürdiger 
fin /" ^"^»J, Sf wissen Grade erfolgreiAer VersuA ist, die Gc 
fah en des Gesdileditslebens für den gesellsdiaftlidien Zusammen- 
LTri P- ■'." "^<^g''*st geringes Maß zu besdiränken, indem man 
rZT ^'"^^'n^" seinen Anteil an Genuß und Pflicfiten in den ein- 
zelnen Altersstufen der Reihe naA zuweist«. Man wird fehlgehen, 
Zr. "^^4 "l^^ ^^^i^yrtz diese Gefahren im exzessiven Sexualgenuß 
ci>: ""^/her an die aus dem Inzestverlangen entstehenden Gegen- 
Satze zwisAen Vätern und Söhnen denken. Schurtz weist darauf 
hin daß sdion in den Details der Pubertätsriten Keime zu den über 
fast alle pnmmven Völker verbreiteten Geheimbünde gefunden wer- 

h^r.änf""'""fY" .^^'" '^ ^'■''^" Abscfinitte einige dieser Momente 
beeits angeführt: keine Frau darf bei Todesstrafe Zeugin dieser 

sonst kinlc 1?m' ''"^ ^^'{ <ias Balumholz erbhUen, sie würde 
n dL gLL; .^h^t;^ ''f a'"i- ^i?"^" ""^ "i^t Initiierte werden 
öder Un?eheuPr ^tfl^' ^^^ ^'" .^°^^^^" ^on einem bösen Geist 

F^e^T^LTe^dTefteL^^^^^^^^^ T fe^"^"' ''' '''r 

ihren Söhnen und Brüdern aus! "^'°'"^^"'"J Begegnung mit 

ein Puter Teil dpr R.>^« i l".^'*^^ *en, so dürfen wir sagen, daß 
ein^Sute^leil der Riten der Einsdtücbterung der Frauen und nodi 

' p. 85f, 



Die Pubertätsriten der WiWen 



I- 



niAt initiierter! Jugend gilt, einer EinschüAterung, die dem AufriAten 

der Inzestschranke gleidikommt. , < , „„„ TyA Apv Riten 

Einen anderen vielleiAt ebenso bedeutsamen Te^ der Kt en 
haben wir bereits früher in dem von ""bewußten, hotnosexueUen 
Gefühlen diktierten Hinüberziehen der jungen Le"te z^m ^^S^^/J^ 
GesAle^t gefunden Diese beid- Mo-^g n^^^^^^^^^^ 
mütterlidien Zärtlidikeit für den bohn aus ^f"""';" ,. o -. ^cs 
VergeltungsfurAt und Herüberziehen des Sohne^^a^^^.^ ^^ 

Vaters ergänzen einander. Gerade dem Fsy*o y^^_^^^^ ^^^^ 
nidit entgehen können, wieviel lypisdies m "'", p« . L^^jiten, 
stellation enthalten ist: Wir können in jeder "^l^^/^^l^/.S 
^.^ diese zwei -Gewußten Tend^nzen^^^^^^^^ 
Ehemann sudit emen leil der z:,aruiamci . tt ggabzu» 

Sohn in unbewußter Erket^ntnis ihres -//^^"XST^^^^^^ -^e- 
schwädien und sudit glei Azeitig ^^".l^^'^^r-Ud, von der Mutter 
x^ußt an sich zu ziehen, indem er ^^^.^.^l^Äannesfüf seine 
ablöst. Es ist so, als wäre neben der }^'^J^^Jg^^Z\^^d feind. 
Frau in jeder guten Ehe nid.t -u^ P^^. ^^r m^A^e^ u ^^^ ^.^ 
selige Regungen gegenüber derselben Trau, sonuci 
gutes Stüd homosexueller Neigung zum äohn . Knaben- 

Wenn Schurtz' Meiriung d^7/?t^.J^„de erklären lassen, 
weihe Altersklassen, Männerbünde und P^beimbunde erK a^^^^^ 
riAtig ist, hätten wir in den Pubertätsnten ^e^Xn Gesell^ 
uns/die uns einen Blick in die Urformen '^^^ .^'""^^^^^^^^ starken 
sAaft erlauben würden. Wir müßten ^'"'^.^fJlfZisAli'hen 
Gefühle vermuten: audi in ^f Urho^toetensaS^^^^^ 
GeseüsAaftsform, muß aJso ein ^^X^Xe^^i^^^^^Uer im Laufe 
und Söhnen geherrsdit haben — derseiue ^,5 j j„ ^^j. 

der Entwid^lung seinen Ausdrudi m ^^"X' ''l'.^fe V^^^S^nge in 
Knabenweihe fand. Gibt es nun einen Jeg^ ^eLnstruieren? " 
der Urhorde mit einiger WahrsdiemhAkeit zu reKons 

XI. ,, .' 

Die typisAe von uns .ekennzeiAnete psy^^^^^^^ 
die in den Pubertätsriten zutage trat, .^^^""^' . , ^crke »Totem 
in der Urhorde, wie sie Freud '"^^"^^^j^fund gewalttätige Vater 
und Tabu« dargesteüt hat^. Der eifersudhtige un g ^^^^ ^^^^^ 

der Urhorde, weldver ^i%beranwad.sendenJ^ohn^^^^^^^^ ^ ^^^^ 
selbst zum Opfer seiner Sohne, die veremi ^^^j^ „^d ver* 
die Kraft des einzelnen gegangen wäre; sie ,^^ übermädittgcf 
zehrten den gehaßten und bewunderten Mann, a y^^^^^^^\ der 

Riv ale im Leben und in der Liebe war. üodi ^^^^^^^ ^^_^^ 

' In einem Aufsatze ^Narzissmus und VatersAaft«^ <^^^^^^^^^^^ 
Schrift für ärztliche PsyAoanaiyse, 1915> ^^^f.rjflen eigenen Vater bezog und 
dieser homosexuellen Strömung ^i-^^ -'•^P^""^''* ^ 
erst später auf den eigenen Sohn übertragen ^ntdc. 

' p. 131. 



214 



Dr. Theodor Reik 



^ ■ ^'' II 



rn.pl^'" ^^^"f ' ^°" ^'"^'' Realisierung der Inzcstwünsdie ab«* 

t,!T"- f . ^1 ^'"^'' "^"e" Aufriditunp des Inzestverbotes und 

2ur Gründung des Bruderclans. Freud nimmt an \ daß die Brüder 

t.^L 5 7:^^ r yf^anisation retteten, »weldie sie stark gemadit 

konnf " r^ ^'^'^r Jiomosexuellen Gefühlen und Betätigungen ruhen 
Konnte, we Ap <; rt^ ;« .!->. er™.-. j.„ \r . ., . . .. * '^ ■ *r.\U 




t•-^,,,^f rr . , "^'''^=>'=^uenen vjetufilen und Betätigungen ru 

habei mödltn/ '" ^""'^ "^^^ Vertreibung bei ihnen eingestellt 

crän, ^^'' ^J?"f^" "™ ^'^^^ letzte Bemerkung folgendermaßen er- 
Sn^f xf dürfen: Die homosexuellen Tendenzen, weldie das trei- 
Sn U^r ^"' 97"^""S und Erhaltung der primitiven Organi- 
pfnl K Sl^"'.;'''^^^^" ^^'^^^ ^"^* den vollzogenen Vatermord 
eine erheb idie Verstärkung. Jeder der Brüder ersdiien nämlidi dem 
w^P If k j'"' ^'^ Y^^^'' ^'e er es ja zu sein wünsdite und 
w e CS besonders sein AnspruA auf den Besitz der Mutter zeigte. 
<^P Jl YT^^'i'^^ ZärtliAkeit gegen den crsdilagenen Vater, wie 
bPwnß.c" ^' X^' '" ^^' P^'"'^ der Reuegefühle und des Sdiuld- 
bewulksems emstellte, wurde später vom ursprünglidien Objekt auf 
könSn Tt'"""'^^^ als Ersatzpersonen des tofen Vaters - wir 
können audijmagmes sagen - übertragen. 

homo..v;i(r^'"?uT^'^f" <*^"^"e dürfen wir ferner die Verstärkung 
kZfnn. J '<^^''''^? ^''■'^'^^"^ Wir sind gewohnt, uns die Ver- 
vorzÄn n'i"^^''''^' "^'^ dem Sexualobjekt als eine sehr innige 
Erkrank in ^'^ ^\^ Beobaditungen am Kinde und an nervös 

ObtÄf ^"'^^"^'^^ das UrsprünghAe die Unabhängigkeit der 
ßnslrlt "^""^ ^i'*>^^ des Oiktes, aus der siA erst durdi 
5vAor.lT-^^'^'''ä''^?^ Typen entwiAeln. Es darf nad. den 
Äp "'^^^'*'", Po'-sdiungen Freuds, Sadgers u. a. ausge^ 
und hn. '",', ^""Uf^"' ^^"^* unbewußt zwischen heterosexueller 

Beeinfl.^c ^""""^'i'' Objektwahl sd>wankt. Unter den akzidentiellen 

"werTRot^.^'^^''^'"^''' ^^'^^^ ''^ ^^^^^^""^ ^"^ ''''' ^" 

A.iftdZf"" 7''' ."^'^^f PsyAcanalytisdien Forsdiungsresultatc zur 
heraSp^ der ,m Bruderclan herrsdienden libidinösen Vorgänge 
in der tpr' '"' '/t^ ""1 ^P^gende SaAIage dar: Eine Versagung 
hren Grr;°''^"'f" L»^5dorealisation lag wirkliA vor: sie hatte 
aus relXtna' "" "?, ^^^.Mejirzahl der Brüder und ihrer dar- 

e^rlaStiÄekrdt'Mutr'fL^'^ ^f^ '^ ^^-'"^X^ 
einem neuen Objekt zufließen S' ^'"'^^Serufene Erregung mußte 
transponiert und c^ """r^"' ^'e wurde auf das männlidie Objekt 
liAen^<homosexuelIpnT"r 'f"', Tl ^'"^'- ^^^iten Seite her, die zart- 
Ein Zieles Momf ^'' ^^'"^^^ gegeneinander verstärkt, 
die Brüder bXrrstnl "a" ^^'^.'^ '* hervorheben, das in der 
psyAisAen NaAw rtnl" •^"^'^'^^^^"^ der Gefühle und in den 
''^^"^^ungen jener entsetzlidien Tat wurzelt. Freud 



Inversion, vgT preud^'Sd Affff "^jf ^'' P^y^i^Aen Vorgänge in der Ge 

Abhandlungen zur Sexualthearie, 3. Auflage, 



ienesc der 

p. Uff. 



Die Pubertätsriten der Wilden 



215 



deutet es bereits an, indetn er sagt, daß der Mißerfolg ^es Mordes 
der moralisdien Reaktion weit günstiger war als ^^^^J^^^^^^^^ 

Die AufriAtung der Inzestsdiranke innerhalb ^^s Bmderc ans 
ist niAt nur ein Verbot, das aus der NebenbuhlersAaft d^j B "der 

hervorgegangen ist, sie gehört ^^'^ ^'^ /'\'\t' Z^ltsBrl 
leistungen auf den Vatermord, Die Brüder t^^"e" .^"^^J^^^j^;! 
starken homosexueller Tendenzen sdion ^'"^P^f jj^^X/"^^^^^ 
von ihrem Libidoobjekt, der Frau, vollzogen. Auf der anderen i^e.te 

aber - und dies sAeint mir widitig zu sem - "'"ß^^" '*J^^^ 
der Basis der Ambivalenz der Gefühlsregungen nun M^^P^'^^ 
gegen jene Frau geltend maAen, um deren Rillen die unsehge und 
vergebLe Tat vollzogen wurde. Die abnorm '"tens.v gewordene 
Libido der Brüder, die der Mutter zugewendet ^.^'^.J^^r^^l^. 
Verbredien, dem Vatermorde, gleiAsam zur Explos on Setamen^ 
sie hatte das Maximum psyAisAer Wirksamkeit erreich^^ nun 

bradi siA, durA die Reue und das SAuldbe wüßt ein maAt.g 
stärkt, der feindselige Anteil ambivalenter Einstellung Bahn. 

Wir haben gesehen, wie in den P^^ertatsriten der ^nmiüven 
eine unbewußt feindselige Einstellung gegen die Frauen emen 

liAen Ausdruck findet. r- t • r,^^ A^r Äus^« 

Es sAeint, als würden alle jene ^rsAemungen der Aus 

sAließung der Frauen, der Geheimbünde etc^ ^'"?,^^°^™^^ 
unbewußten Reaktionen der Feindseligkeit den F^f"f «Xero- 
verraten - zugleiA eine Warnung der Männer, welAe das 
sexuelle Bedürfnis entzweit*. , ,0. ^^-.^ Vorgang 

Freud sagt an einer Stelle ^7" ^fß^^^^Aa "un^^^^^^^ 
Wie die Beseitigung des Urvaters Air^^^^^^^^^ ^„,,,,. 

bare Spuren in der GesAiAte der ^^^"^'^'^'''...,•^,.„11 Institutionen 
Als solAe Spuren erkennen wir nun jene T^'^g^^^J^^^^^ und 
der primitiven Stämme, die Männerverbande, Geheim^^^^^^^ 

Altersklassen, sowie den ganzen Komp [X de^ ^fene Fortsetzung 
Von dieser Erkenntnis ausgehend glauben wir, e ^^^^ 

der FreudsAen Hypothese über die Vorgange m 

versuAen zu dürfen. , RrrMcrclan aufgestellten 

^ NaAdem alle Hindernisse ^es vom Bruderclan^^^ ^^^.^^ 

Inzestverbotes überwunden waren, d. n. , einstigen Ur- 

gründeten, gewissermaßen eine Wiederherstellung de^^^^J,„ ^,. 
horde stattgefunden hatte, gab es wieder /^/f'-^Wgeben, fanden 
rungensAaften des Bruderclans wurden aber^nicnt au s s ^^.^^ 

vielmehr eine Verstärkung darin, daß d'^^^^""^^,^'* fhrer heran, 
sam gegen eine Wiederholung ihrer Tat von ^^^ , ^^^,, aber 
waAsenden Söhne siAerten. Diese gemeinsame Angelegen 

^= kfMosko.ski glaubt, daß der ^-P-^-^,^^^^^^^^^ 
wissen Emanzipationsbestrebungen der Manner von aer y ^^^^^.^^ AnsiAten 
suchen« sei. (Die Völiterstäm'me am Mafflberamo etc P^ ^^^ voraussctiit. 
f'at Schurtz vertreten, der eine misogyne Theor.e seinem 



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216 



Dr, Theodor Reik 



mußte den Zusammenschluß der Männer festigen. Die primitiven 
Vater waren gezwungen, dieselben Hindernisse wiedcraufzuriditen, die 
sie selbst einst niedergerissen hatten — ein in der Menschheits- 
gesdiidite immer wiederkehrender Vorgang. 

Als den Ausdrud dieser Hindernisse und zugleich als päda- 
gogisdi-plastisdic Darstellung der beiden fundamentalen Tabu des 
lotemismus haben wir die Pubertätsriten zu bctrarfiten. Wir haben 
gezeigt, daß audi in ihnen die homosexuellen Tendenzen eine bisher 
zu wenig beaditete Rolle spielen. Ihre Wirksamkeit zeigt si<b aber 
fortdauernd in den Männerbünden und Geheimverbänden, weldie 
die Aufgabe hatten, für die Aufrediterhaltung der sozialen Organi«' 
sation zu sorgen, sowie die Gesetze des Stammes der folgenden 
Generation zu überliefern, Jenes seelisdie Moment, weldies wir in 
der Abwendung der Brüder vom weiblidien Libidoobjekt in der 
Urhorde erkannten, tritt nodi in der Einsdiüdiferung und im Aus- 
sdilul) der Frauen hervor. 

XII. 

Bevor wir diese Untersudiung, die uns von der Analyse der 
Pubertätszeremonien bei den Wilden zu einer Hypothese der An- 
fänge der mensdilidien GesellsAaft führte, abschließen, wollen wir 
es niAr versäumen, auf den welthistorisdien Aspekt hinzuweisen, 
weldien uns die psydioanalytisdie Erforschung der Pubertätsriten 
eröffnet : auf die religiöse Entwicklung. Freud hat gezeigt, wcldie 
Umwälzungen im Seelenleben der Menscfiheit die Ablösung der 
Vaterrehgionen durch die Sohnesreligionen bedingten, In diesen spä- 
teren Religionsbildungen aber bleibt neben dem Anteil des Sohnes- 
trotzes auch der des drückenden Sdiuldbewußtseins deutlidi er- 
kennbar. 

Die Sohnesgottheiten der Antike haben nun gewisse typisdie 
^uge ihres Wesens und ihres Sdiidisals gemein : sie sind wie 
lammuz, Adonis, Attis, Osiris Liebhaber der großen Muttergott- 
heiten des Westens,, sie sterben eines unnatürlidicn Todes und büßen 
so den verübten Inzest: der Geliebte der Aphrodite, Adonis, wird 
durdi einen wilden Eber getötet, Attis, der Liebhaber der Götter- 
mutter Kybele entmannt siA selbst, Osiris, der Liebling der Isis, 
wird von Typhon erschlagen und Dionysos-Zagreus von den Ti- 
tanen zerstüdielt. Mit dem gewaltsamen Tode dieser jugendlidien 
Götter ist indessen ihr Sdiidisal keineswegs abgeschlossen: sie wer- 
den von ihren Geliebten und Müttern <aIso Osiris von Isis etc.) 
beklagt und beweint ihre Wiederauferstehung wird mit lautem 
Jubel begrüßt und gefeiert ^ 

wr- j^'^^'c ß^y«'""nS ^urdi die Mutter und anderen Frauen und 
Wiederaulerstehung des toten Gottes ist in das Rituale der Welt- 

a .„„. ' 'i^J ^i"! fterbenden und wkderauferstehenden Götter vgl, J. G. Frazef : 

W W Al\?t"^- ^ii ^^'"'r- L°"^°" 1914. über diese Motive vgl ferner 
W. Wundt, Volkerpsydiologie. Leipzig 1909. Bd. II, p. 713 ff. 



Die Pubertätsriten der Wilden 



217 



religion des Christentums übergegangen. Freud hat uns gezeigt, 
daß die Selbstaufopferung Christi die Sühne für den VersuA eines 
Mordes war — und zwar, da die Erbsünde zweifellos ein Vergehen 
gegen Gottvater ist — auf einen Vatermord zurüdideutet. 

Der Opfertod dieses Sohnesgottes ist ein SühneversuA, der 
in seinem Kompromißdiarakter audi die Erreidiung des brennendsten 
Sohneswunsdies, nämlidi die eigene Inthronisierung an der :>em aes 
Vaters, einsAließt. , ,V7 f c f^(.,,r,^ 

Tod, Beweinung durA die Mutter und ^j^^^'f''''^^^^^' 
sowie die Himmelfahrt Christi, bieten "^^^ sl^^^ ^^ ""''!', f"tn 
Mythen des Attis, Adonis und Osiriskultes die besten Ana ogi^^^ 
fu der Versdilingung der Pubertätskandidaten durdi das Balumi^nge- 
heuer, dem Weinen ihrer Mütter, denen man den So^n entnssen, 
ihrer Wiederauferstehung und Aufnahme ^n ^"e Seite der Vae- 

Erinnern wir uns daran, daß Adonis durA den Eh; f to^^ 
™de, um die bedeutsame Parallele dieser Mythe zur Tötung dur* 
<ias Totemtier, den Vater, in den Pubertätsriten zu ^»^hem U°* 
noA andere Züge lassen sidi gleidierweise in den J^Xp^" .^^^ 
Sohnesreligionen Snd in den Pubertätszeremonien erkennen die äelbst 
entmannung des Attis, die Zerstüdelung des Dionysos ^^agieus 
durA die Titanen wie |ene des Osiris c'urA JyP^^^"' , ^^^ J^'! 
Wunden Christi ^ rüAen nun in die Nähe der PfJ'^^^^^^Ä 
Sen in den primitiven Knabenweihen. Die volle Abkehr vom We^^e^, 
^ie mv sie in den Pubertätsriten fanden ^f^At s.di im Chn^^^^ 
niAt nur in den Worten: .Weib, was habe idi "^^''^'^^Xn 
aus. Von hier gesehen, läßt siA die W^r^lso die PasSs^ 
und von der Wiederauferstehung des Heilands, also die r 
-Zählung, als ein Komplex von P^^^^-tätsr^en be.^^^^ 
,. t^in gemeinsamer Zug, der den äonnesgou. ^ , . • ^ So 

dient noA' Erwähnung: Sie sind E^'-er "^^ism fv^^^^^^^^^ 
heißt Dionysos eXm»SQsbg oder hmog und <-h 'f "™ ^^^^ ein, 
der Heiland. Die BereAtigung dieses Titels leuditet um so 

tk» vnn der Gemeinde 
, / Wie realistisch ursprüngliA d^^ Christusmythe von ^ ^^^^^[^„j 
!>"fgefaßt u^urdc, lehrt der BeriAt C, Wachsmuth (Das^ a't^.^^^^ ^^ ^^^ 
m neuen, p, 26 f .> über die Ostcrfeiertage m der S^^™^ .JVirklidi eben ge- 
mattet die Gemeinde feierlidi ihren Christus glei* als od 
f orben wäre. SAIießlici, wird das Wadisbild in der K.r*e wie ^.^^^^ ^^j^^ 

"nd dieselben untröstlid, klagenden Gesänge ^'•\^^''"" XnÄ'^'"'""^*' ^^'''^ 
flagen dauert unter dem strengen Fasten fort bis |°""Sotsd.aft »Christus ist 
12 Uhr tritt der BisAof auf und verkündet die Freudenbo«cna^ auferstanden* 
auferstanden!, u^orauf die Menge antwortet: .Ja, er g „.„Je^, GesArei, 

und sofort erbebt die ganze Stadt von dem Jubel der^^ '" ^^^itjen nadi Hugo 
Bpllern und Losbrennen von Feuerwerk jeder Art Luft ^J^^'-%7_-, 
Hepd.ng; Attis, seine Mythen und sein Kult. Gießen lyuJJ^ Entmannung 
V.1 r.' ^^'' «las Motiv der Zerstückelung als Absdn^a*™|, „ ^^^ Leipzig, 
yg. Otto Rank. Das Inzestmotiv in Dichtung und Sage, 
^^12, p. 309. . .. .„ <„te bei den Neu^ 

,^^., ' Die Behandlung der Wunden f^^rTTSlSn. 
^°f'I<ern ist durch Freuds Analysen wiederholt dargestellt wor 



i 



218 



Dr. Theodor Reik 



als es diese Gottheiten sind, welAe die uralte Sdiuld, die Erbsünde 
aut sidi genominen und dadurdi die von Sdiuldbewußtsein gedrüdte 
Mensdihcit befreiten. Dionysos vergoß sein Blut für das Heil der 
Weit ebenso wie Jesus Christus. 

So kann es also kommen, daß ihr Tod und ihre ^^iederauf* 
erstehung 2ur frohen Botsdiaft (Evangelium), zum Symbol der Er- 
lösung von alter Sdiuld für ihre Gläubigen geworden ist^ und audi 
die Riten der religiösen Einweihung der Anhänger des Mithra, Attis, 
Adonis und diejenigen Christi, durdi die sidi die Mysten mit ihrem 
yotte identifizierten, in denselben Formen des Todes und der Wie^ 
derauierstehung gehalten wurden wie die Pubertätsriten. Wir ver^ 
folgen dieses durdigängige Motiv der Identifizierung von den Zere- 
moniellen der Wilden bis zu den analogen Legenden der Sohnes- 
gottheiten und der religiösen Initiation des Christentums. 

Aber audi die feierlidie Identifizierung der Novizen durdi das 
sakramentale Mahl in Viti Levu findet ihre Parallele in der heiligen 
lotemmahlzeit, bei der religiösen Einweihung,- denn nun konnte das 
alte 1 otemmahl wieder erneuert werden, nur wurde das FleisA und 
blut des Vaters durdi das des Sohnes ersetzt. Bei der orgiastisdien 
heier des Dionysos=Sabazios stürzten sidi die rasenden Bacdianten 
aut den zum Opfer bestimmten Stier, der den Gott selbst darstellte, 
zerrissen ihn und vers Alangen das rohe Fleisdi. Die Formel der 
I^Jovizen m den Attismysterien hieß: »Idi habe aus dem Tympanon 

Vir A ' ^1 <!«•• Adomsfeier in Antiodiia, der Hauptstadt Syriens, wurde Tod und 
Wiederauferstehung des Adonis dramatisch vorgeführt: sein durch ein Bild ver^ 
tretener Leichnam wurde unter wilden Klagesängen der Weiber bestattet und am 
folgenden läge der wiederauferstandene Gott begrülk. »Der Herr lebt, Adonis 
ist wiederauferstanden«, rief man in den Straßen der Stadt. Der Priester salbte die 
truher Klagenden mit öl und spradi die Worte: 

»Getrost, ihr Frommen! da der Gott gerettet, 

So wird auch uns aus unsern Nöten Rettung werden.« 

n"*? t?-^j.f^" eleusischen Mysterien nahm der Initiierte die Gewißheit der eigenen 
Unsterblichkeit naA Hause ... An das Verbot, jemandem Mitteilungen über den 
eigentlichen Inhalt der Knabenweihe zu maAen, erinnert das in den antiken My* 
sterien auterlegte Sdiweigverbot der Novizen, die fides silentü. Wie in den Puber^ 
tatstesten smd es aud, hier die Frauen, weldie zur Trauer am meisten Grund 
zu haben sdieinen — handelt es sidi dodi hier wie dort um den Tod des mit 
inzestuöser Liebe bedaditen Sohnestypes. (»Un trait commun du cult de ces heros, 
c est que les temmes celebrent I'anniversaire de leur mort par des lamentations.« 
i)alomon ReinaA Cuhes, mythes et religions. Paris 1905 Bd II p 88.) 
■ iP ,L)!e Identifikation mit dem Gotte im Attiskulte etc. spiegelt sidi auA in den 
Ät£ft?p Selbstverstummelunger. der Priester und Novizen, weldie bei dem großen 
^fp? -L ." Y^'' als Zeichen der Trauer vollzogen wurden <man vergleiAe 
die Pemsverstummelungen der initiierten Knaben bei den Wilden). Die ausge- 
lassene Freude, das übersdireiten aller sonst respektierten Sdiranken bei der Feier 
der Auferstehung des Gottes <z. B. in den Hilarien in Rom) erinnert an die 
%'Zf^uTtl ^'' BesAneidungsfeste. Die von Freud gezeigtTPsychogenese des 
rninff if ""' darüber, daß der Exzeß notwendig mft dem Festdiaiakter ver^ 

fer. Ict. VT'T ^f^ ^f ^'^ ^""^"^^ unbewußt zuerst dem Ableben des 
SrT..wi 2l '^ ""^^ ^"'1' .^''' später auf die Wiederauferstehung seines 
Morders <des Sohnesgottes) versdioben. 



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Die Pubertätsriten der Wilden 



219 



te des 
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gegessen, idi habe aus dem Bedier getrunken, ich bin ein Uys 
Attis geworden.« Das in Brot und Keldi bestehende Mah 
Mithrasanhänger, in dem sie, wie die Christen in der Kommunion 
den Leib des Gottes verzehrten, sahen die diristhAen Patres als eine 
teuflisdie Nadiahmung der heiligen Eucharistie an. Wie die ^iacchen 
den Dionysos durch ihr Totemmahl ev&soi wurden so werden auch 
die Teilnehmer am diristlidien Abendmahl ursprünglidiim physis*e" 
Sinn des Gottes voll (sp XQiatq». Wir wissen, daß der uralte Ge- 
danke der Vereinigung durA Essen und Trinken nodi in der ivom^ 

munion fortlebt ^ , . ^.. <.<<„;, „,^1,4,^ 

, Wir wissen von Freud, daß neben der ^arthAke«^ we^Ae 

die Identifizierungstendenz verrät, auA in ^»^^.^»"/n.V diri st- 
Mahle der Sohnestrotz zum Ausdrud^e kommt jst ^°*^^ f '?^; 
iAe Kommunion selbst im Grunde eine "^Vx'*\^ k'Es das 
Vaters, also eine Wiederholung jenes urzeitl.dien Verbrediens, das 
im Töten und Verzehren des Vaters bestand , pkorakter 

Die Pubertätsriten mit ihrem exquisit d^^^^^^»^^^" JT, S „I 
dürfen uns aber auch an eine andere Situation e™"^f' J" '^s 
bar weit abliegt: es ist die Situation der älteren S^ '^/'^*!"/ ^^^^^ ^^^ 
Der Inhalt der griediischen Tragödie der ersten Zeit ^M, Klagen 
Rissen, die Leiden des göttlidien Bodes Dionysos und die Klag n 
der Böd<e, die sein Gefolge bildeten, Wir J.'^^^r Helden Ir 
worin die tragisdie Sdiuld des Dionysos wie die alier nei 
griedxisdien Tragödien besteht: in der ^1; '^^""?f /Sn d"e 
SÖttliAe Autorität, in der Hybris. Dieses '^^^'^''^'^^'^',^ ^nd 
Helden der großen Dramen mit fast jf'^™^'^'^^" ^^tt trbereits 
Leiden. Das Licksal des göttüAen Bocices Dionysos ha^uns i>e 
an die Vielgestaltigen Martern der P-bert|skandida^en er nn^^^^^ ^^^ 
das Verbrechen dieses Sohnesgottes fallt "^'^rJ: hatten" mit dem 
die Novizen in der Knaben weihe so hart zu öui)en '^^^ jj^ 

VersuA, den Vater aus dem Wege zu /aumen^ ^^^ pubertäts- 
^orm der dionysisAen Aufführungen dart aus ^^n^ ^ ^.^ Basken 
Zeremonien der Wilden abgeleitet werden: dienen 

" . , , ,■ Paulus Cöttiiigen 1903. 

Tx ' Vgl. W. Heitmüller: Taufe und AJ'^".^,'".^^J^„f der Gläubigen mit Jesus 

^^,'- Vorgang der Vergottung, also ^^^ j^'^f'^'^mSgion cr\<^^^^' '^'''!' 
Christus wurde als der eigentliAe Ertrag der A".«*''*'",,;- J^s^. spricht, meint sie 
'^ von der .adoptio' durch Gott, von der .P^^fcipatio dei u .^^ F ^„terlage und 
5^ar immer auA noA eine geistige Verbindung, ^^^'^^ 13^j„g: .„on ab initio dii 
Wirklichkeit an einer sakramentalen, physischen Ne"^* Pr^<Adolf Harnack: 
iw ^T""'' '<"i Pnmo quidem homines tunc d^e'™'" J' Leipzig, 1906. I. Bd. 
*Die Mission und Ausbreitung des Christentums.* 2- Aun. t'y^^^jd^t auf be- 
P;. 205.) AuA das Fasten vor der Kommun.on ennne t an d ,^ ^^^^^ 
«•mmte Speisen während der Einschließungsze.t der Besdinittene 

- Totem und Tabu. p. 143. ^ y^d Tabu. p. }^'^B\„ 

' Ich folge hier den Anregungen Freuds <Tfem un ^^hron 

des Z Wie/Nomus beriAtet, besteigt D.onyos--^^ ^^^ j.Dio^^^^^^^^^^ 

f^ Heus und ahmt dem Göttervater nach. ^^"^^ ^'^1 < Version seinen Vater 

f aSfeus aber weist darauf hin, daß er in der ursprungl.*en 

^eus getötet und seine Stelle eingenommen hatte. 



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220 



Dr. Theodor Reik 



in der Knabenweihe demselben Zwedie wie die Vermummungen 
der Akteure in den griediäsAen Dramen: der magisdien Identifizier 
rung mit dem Vater, beziehungsweise Urgott, dessen Beseitigung 
ursprüngHdi gewünsdit und vollzogen wurdet 

\yPu ^^''^^'■psy'^ologen belehren uns darüber, daß die Masken 
der Wilden magisdien Zwedien dienen: sie sollen die Stammesgenossen 
in dämonisdie Wesen oder Totemtiere verwandeln; sie sind primi" 
tive Mittel der Identifikation mit dem Vater 2. 

Dodi weldie Rolle fällt dem Chor der ursprünglidien Tragödie 
2u? Freud hat gezeigt, daß sie die Brüder jener großen Urtragödie 
darstellen, weldie, man könnte sagen, mit raffinierter Heudielei, den 
Helden beklagen, der ihre gemeinsame SAuld auf sidi genom^ 
men hat. 

Sie benehmen sidi dabei etwa wie die Stammesgenossen der 
so grausam behandelten Pubertätskandidaten der Australneger, weldic 
vorgeben, die Knaben gegen die Angriffe des Balumungeheuers 
sdiützen zu wollen. 

^^Z" flauen erkannt, daß der Inhalt der ältesten Tragödie 
die Auflehnung des Sohnes gegen die Vaterautorität und die 
sdimerzensreidie Sühne dieser Tat war. Diese Revolution aber hatte 
ihre wesentliche unbewußte Motivierung in dem inzestuösen Ver^ 
langen der Vertreter des Sohnestypes. Es wird uns also nidit wun- 
dernehmen, wenn im Mittelalter das Theater an diese durdi starke 
Cjetuhle der Mensdiheit ewig aktuelle Tradition anknüpfte: es ließ 
aut die Leidensgesdiidite des Dionysos (Atovvaov jtd'dTj) die dra- 
matisierte Passion des Heilands folgen. Das die Mensdiheit be- 
drudende Verbredien, das dieser wie jener Mythe zugrunde lag, 
sidierte diesen Passionsdramen beständigen Erfolg ». 

Das mäditige Motiv aber, das in den Dionysosfeiern und in 
der ersten griediisdien Tragödie nadi Ausdrudt rang, nämlidi die 
wesendidi durdi den Inzestimpuls bestimmte Auflehnung des Sohnes 
gegen seinen Vater und ihre tragisdie Sühnung, ist vom Odipus- 
drama des Sophokles an bis zum heutigen Tage der eigendidie Vor" 
wurf aller Dramatiker geblieben''. 

' Nous savons en effect que Dionysos etait appele fils de taurcau. (Reinach, 
Cultes, mythes et relijions. Bd. 11, p. 94.) 

u 'P'^ Masken stellen meist Geister Verstorbener oder audi Totemtiere 
dar.« <H, Schurtz, Urgesdiidite der Kultur. Leipzig und Wien, 1900.) Vgl. die 
manistisdie Theorie der Masken von L, Frobenius (Masken und Geheimbünde 
Afrikas, p. 214 ff.) Die religiöse oder magisdie Genese des Dramas behandelt 
hrazer (»The scapegoat«. London, 1913, p. 384 f.> mit Hinblid auf die Masken- 
tanze der Wilden. 

. //" "^If tieferen Sinne als Karl Kautsky dies tut (Der Ursprung des 
Christentums. Stuttgart, 1908) dürfen wir Christus als ^Rebellen* bezeidinen, hat 
er sich doch gegen Gottvater erhoben, 

I • ■ "^im^l °"° ^^"'^' ^^^ Inzestmotiv in Diditung und Sage. Wien und 
Leipzig, 1912. *" " 

Es mag mit dem oben aufgezeigten, primären und später unbewußt fest' 
gehaltenen Inhalt des Dramas zusammenhängen, daß Spieler und Gegenspieler für 




Die Pubertätsriten der WiWen 



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Diese Ableitung ermögHAt es uns vielleidit au<h, eines d 
wichtigsten ästhetisdien Probleme der Lösung näherzubringen ; das 
der seelisdien Wirkung der Tragödie. Wir kennen di^e vie umstrittene 
AnsiAt des Aristoteles, derzufolge die Tragödie d.e Nachahmung 
eines GesAehens ist, die Furd^t und Mitleid erregt und zugle.A 
eine Katharsis dieser Affekte bewirkt, . , i^j,^ 

Dürfen wir nidit versuchen, die Definition auf die griediisdie 

Tragödie der Frühzeit anzuwenden? ^.^rr",^„UA^ 

Der der Tragödie zugrunde "egende Stoff war urspunghA, 
wie wir wissen, ein einziger! das Leiden und Sterben des Dionyso^^ 
also der Sohnesgottheit, die den Vater beseitigen ^^^'^e und datur 
den Tod erlitt. Wir verstehen es nun audi, warum sidi der ^u 
sAauer dieser Tragödie Furdit und Mitleid ^7^*.^>Sen. J^ar es 
dodi dasselbe VerbreAen, das unbewußt sie selbst ^'^^^ " f ^^^^ 
Kinderzeit, auszuführen gewünsAt hatten; das daraus folgende un 
bewußte SAuldbewußtsein wirkte fort und heß s.e «tr^e S^h"^^ 
fürditen, Dodi audi die ursprünglidie Bedeutung der !^^^^^''f l 
schließt sidi uns: Dionysos hatte mit dem von ihm im lode - 
Sossenen Blute die sdiuldbedrüd^te Mensdiheit also a"*J;^ /-" 
sAauer erlöst, er hatte die ganze Schuld auf ^'^ J^^^^niA 
^ar der eigentliA SAuldbeladene, der Zuschauer hatte |;^^ ^'^^ 
mehr zu fürAten, Aber auA das Mitleid fand be. den Zuschaue " 
^eine .Abreaktion., hatten doch die ^usAauer mit dem kid "den 
Helden ^mitgelitten., d. h. siA mit ihm identifiziert minerße 
^trafung die Selbstbestrafung ihrer eigenen /gewußten fe.nd^^^^^^^^^^ 
^nd inzestuösen Tendenzen vollzogen und diese Wuns*eve __ 
Neben dieser Wirkung, welAe sowohl die mmgste Emfuhlung ^^ 
eigentlidi Identifizierung - des 2usAauers ^.'^ J^^\^T ■^^ {„ dem 
^gne seelische Distanz von ihm erklärt muß ^l^f^^Z\,rkuk 
Wesen des Objektivierungsorganes erblidit werden ■ ^^^^^ 

^'ner PsyAoanalyse sahen die ZusAauer, was ^^^''f^^^'^^ ^^a noA 
ten und fürditeten, vor sidi, erlebten wieder, was sie 

^^^Ä~u;;7ntbehrli<h sind, liegt doA ^^' "^/''luZs^llStden V^'!" B!st 
sprunglid, äußeren Kampfe, der Auflehnung des Sohnes geg 
spat wich dieser Kampf inneren Konflikten. , Wiederauferstchung des 

T.. In den Szenen der ausgelassenen Fr«"^^ "'' v.rm> Hegen die Keime zur 
^'onysos (ursprünglid, über die Ermordung des Vaers; ij ^^.^^^ ertne 
f'^t.ken Komödie <Le double Aaractere des fetes ^ac* J^^' l^^jernes.« S. Re^ 
1^ tragedie et la comcdie, n'a eAappe ni ^"^^^'"^l "' ; „ur daran erinnert, daß 
"ach, Cultes, mythes et religions. Bd. IL p. 90). b^ ^ "fja^wirkung jener ur« 
"°A in dieser späteren Form des freudigen E^^^f ^^^^'^^^ers deutlidi erkennbar 
Prungficheren Gefühlsreaktio» auf die Ermordung ^es v ^^^ Vatermord, 

'!*= ^enn Dionysos wieder aufersteht, ^° .'^^'^hX is zu ^en^g '"ä*^/^' j'" 
•^entllA ohne ernsthafte Sühne geblieben, <l'e AutonJ .t z^„^.^^ ^^^ f^j den 
an ,hr begangenen Frevel adäquat zu raAen, Wie vieie i^^^t sem! E<ne 

fe« werden der Verhöhnung und Überlistung der Autor^«^ S ^^^^„^ä^e ^er 
spez^llere UntersuAung des Ursprunges ^^ ^'""«^^^^^Tbeflso heranziehen xj-e 
J-'^ien, in denen sie siA mit dem Vater identifizieren ^''^^.^^,„ ^ 
J^ antiken Feste der Saturnalien, den Karneval etc. und P 
"'fr und dort würdigen. 



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222 



Dr. Theodor Reik 



jetzt trieb und bewegte und ließen ihr moralisAes Bewußtsein spre- 
chen, wo sonst nur unbewußte Impulse sie drängten '. Nur die For* 
men, rudit aber der wesentlidie verborgene Inhalt der Tragödie 
wechselte : deshalb ist ihre Wirkung heute die gleidie wie am 
ersten Tag. 

A/T P^ ^'*^« Tragödie die Sühnung des ersten Verbrediens, das Se 
Menschheit bestrafte, nämlidi des Vatermordes vorführte und die 
Spuren dieses Ursprunges trotz aller Entwidilung nie völlig verloren 
gingen, darf Sdiiller mit Redit von der Sdiaubühne als von einer 
moralisAen Anstalt spredien^. 

Indem wir dieses an Äusbliden so reidie Thema verlassen, 
müssen wir all das übersdiauend, was uns die psydiologisdie Ana- 
lyse der Pubertätsriten der Wilden an Erkenntnissen über die Ent- 
widilung der Mensdiheit gebradit hat, Freuds Aussprudi^ wieder- 
holen, dal im Ödipuskomplex die Anfänge von Religion, Sittlidi- 
keit, üresellsAaft und Kunst zusammentreffen. 

Wir sind, von anderen Thematen her, zu einer, wie idi meine, 
nidit belanglosen Bestätigung und Fortführung der Freudsdien 
iheorien über die Entstehung von Totem und Tabu^ gekommen 
und sind audi auf diesem Wege auf den Vatermord der Urhorde 
und seine buhnung als auf die widitigsten Ereignisse der primitiven 
tlntwiAlung gestoßen. Je nadi individueller Auffassung wird man 
!f. % "7.T i.""^^' ^^"^ %^" <i'eser bösen Tat bezeidinen, daß 
sie^n^erMensdiheitsgesdiiAte fortzeugend Reaktionen gebären muß. 

rheranJ 5i!,'^' "^fi? erinnert, daß Freud und Breuer ihre Methode der Psydio- 
tisS bez d?nLn /fe der PsyAoanalyse^durA Freud führte, als, die »kathar» 



H«r4,<.» k„ -I "^--t^-""« uer rsycnoanalyse durch ^ reu d tülirte, als aie »üü""— 
t.sAe. bezeiAneten, <Studien über Hysterie Wien und Leipzig, 1895.> 

indcres Problem der psydiologisdien Ästhetik darf vielleidit aut 
:run? ervs/artpri; rtit- T-.tc-^.A^^ Ar... A:^ "^r.c-^.^.,».,- <r/^ mpnie pe" 



^ Audi ein ande 



°„„i^_- .^^i'^'*^^'"""« erw^arten: die TatsaAe des die Zusdiauer so wenig be- 
; von Sein und Sdiein, des "Wissens um Wahrheit und 

flton 



unruhigenden Zwiespaltes von 
Unwahrheit des Dargestellten. 

w.-A.T, ^'^ 2usrfiauer der Dionysosfeier, aus der sidi die antike Tragödie ent- 
I^ k. ^'^"T", ^^'■'^'''^ an den Tod und die Wiederauferstehung des Gottes, 
auraiiebten audi die adäquaten Affekte ebenso wie völlig naive Bauern als Theatei^ 
Desucher den branz Moor prügeln wollten, <man vergleidie den regressiven Versudi 
aer Komantiker wie Zadiarias Werner etc., das Drama auf eine neue Mytho^' 
Eii" Sl"''"^.^">- D^^ Rissen darum, daß das Drama nicht wirkliAe Vorgänge 
cL '•"^'""^ spate Erkenntnis, weldie die kulturelle Entwicklung brachte. Es 
sAemt m,r, als wurde dieses Gefühl der Distanz gleidi dem entspredienden Gefühl 
im Angsttraume <*Es .st ja nur ein Traum«) einen Beruhigungsversudi darstellen, 
der s.A aus den Bewußtscinsinstanscn in den Vorgang der völligen Identifikation 
des Zusdiauers eindränge. Mit diesem Gefühl besAwiditigt der angsterfüllte und 
Sif S febiTLityr"^ '^"^'^^^"•^•' '^' ihn mit de? gleichen Itrafe bedroht 
* Totem und Tabu. p. 145 




ii r in 



Gottfried Keller 



Gottfried Keller. 

Psychoanalytische Behauptungen und Vermutungen über 
sein Wesen und sein Werk. 

Von Dr. EDUARD HITSCHMANN. 

.Wenn iA niAt überzeugt wäre, daß ^^ fndhdt 

sAon ein Vorspiel des ganzen Lebens ist ""^ b^^^" 

■ hre" Abschluss? schon ^- ^^-^'f'^'irslttr 

Zerwürfnisse im Kleinen abspiegele, 'iff'l^^^Xt 

wenige Erlebnisse vor ornmen-^e.^^^^^^^^^^^^^ 

j2--rsÄÄS«;Mi^ 

Dingen jener Zeit beschäftigen.« 

Keller, der der größte Epiker seit pf ^'^^ ^TnXsrnoA'nid!; 
^ hat eine ausführliAe, tiefere psydiolog.sdie A"^^fej°* ,"; .^ 
^ gefunden. Weniger bei sdnem Biographen BaAtold|lsm 
kleineren Darstellungen, wie denen von Otto Stoß! f^ll'^^l^f^ 
in Skizzen, Feuilletons u. dgl., fand iA das rätselhaft ^^^j^^^/^.;'^^^^^ 
^es DiAters, .den gehemmten, brüchigen, leidenden ^^^f'^^l 
dem gewahi.Pn Künstler« gewürdigt. Es ist yerIod<end,_ den^^set^ 



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hat in seinem Jugendroman, im »Grünen Heinntf.^,"^ Maiine,« sagt 
!,!* eröffnet. »Wer hätte sich an dem schw.gsamen Man^., ^^,^^^ 
Bäditold, .dieser mitteilsamen Offenheit, m.t ^^^ ^^ 

demütigen Selbstsciiau zu Werke geht, v^^^'^"^' ^^^^ hat man 
niemanden mehr in seiner Seele lesen '^f^^"'f pi^fiter bis in die 
Je feine Psydiologie bewundert, mit der j j oj.gedrungen 

dämonischen Abgründe der mensA hcien Natur j^J^^j^^^^j^^ ßbr- 
'«, und mit beispielloser, oft an J. j- Kousseau s ^^^.^ ^^^^„^^ 
'd^keit und Peinlidikeit sein Inneres ^^'S^^%^^^^iyii,d,e Unter- 
hAe Kindheit. - so wiAtig für eine P^Y^^^l^^^ ,ogar das 
sudiung! - ist nacfi Keüers Worten »so S-^^J'^^"^^ alferdings 
Anekdotisdie«, die reifere Jugend des ^ru"cn Heinrim^^^ p^^.^.^ 
.»^um g,^p,,^^ y^ii, ,i„ Spiel der ^7f^^£:,,^ Umwandlungen. 
f Alles »in anderen Gestaltungen und freiridartigen Um 
dargestellt, wie Kellers Mutter si* ausdruckte j.^sejn 

„ Besonders anziehend für den ff y*°^"l>^'''%ß,wei Fassungen 
selbstbiographisdien Roman aber der Umstand se.n, dali zwe 



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224 



Dr. Eduard Hitsdimann 




davon existieren. Denn eine zweite, sozusagen zensurierte Fassung 
eines Produktes des Unbewußten -am geläufigsten für die Träume — 
verrät an den geänderten Stellen die verhüllenden Tendenzen und 
gibt Fingerzeige, das Verdrängte aufzufinden. Zumal wenn, wie 
beim »Grünen Heinridi«, mit soldier Leidcnsdiaftlidikeit die erste 
Fassung verworfen wird, daß es klar ist, daß die ästhetisdi^Iiterarisdien 
Bedenken nur Nebenmotive zur Umarbeitung waren. »Die Hand,« 
spradi Keller einst fast feierlidi, »möge verdorren, welche je die 
alte Fassung wieder zum Abdruck bringt!« 

Die Bctraditung der einsdhncidendsten inhaltlidien Verände^* 
rung der zweiten Fassung gegenüber der ersten möge als Beweis 
unserer Auffassung dienen. Es ist die gründlidhe Veränderung des 
Romansdilusses, wo der Sohn nunmehr nirfit der Mutter nadistirbt, 
sondern in freundsdiaftlidiem Zusammengehören mit der wieder-' 
gekehrten Jugendgeliebten Judith weiterlebt. Nidit nur dies verrät die 
Überwindung des Sdiuldgefühles an die Mutter, sondern vor allem 
die Tatsadie, daß der neue Sdiluß direkt der Mutter, ihren Er- 
ziehungsfehlern, Sdiuld gibt an dem Mißlingen des Sohnes. Von der 
ersten Fassung konnte Kellers Freund SAuIz sAreiben: »Nodi 
nie ist em LrediAt der Liebe zwisdien Mutter und Sohn gediditet 
^^^. i: '°,^'"*^^* ""*J '"nig^ so wahr und sdiön.« Daß es der 
sa^tK^r^ fk^'^u''; ^"" ^°"^^" sozusagen ausgelöst hat, 
def M.! /r l ; "^h'^^' ?^^^t^ N°^ «nd di? Sorge weldie iS 
besAäS.n ^'' ''''n°^."S ^^ß ^'" g"t^^ Ziel in AussiAt stand, 
Sübed n d.rv' ^'^'"^^" ™^ "^^'" Gewissen, bis siA die 
ziXXn n^^7''^^"^^^t^' ^in^'^ traurigen kleinen Roman 

veraSt'nVM l^^^Ö"^ ^^^ «^'" Schriftstellern unbewußt mit 
Idaß derjenige 1^1''^^"*? ^'^' "^* Kellers Worten dahin, 
und seiner pfmil i"'*' ^'^'"^t, die Verhältnisse seiner Person 

.«rm bürgern" Ä'"'"'^^^"^^"^ ^" «^^J^-'^^"' -"* ""^^f^higt 
Di; Fan^lf im >G^ne"H'"'-r einzunehmen«. 

Umpr Prct^ni .^ He.nndi« besteht aber nur aus - der 
Z, 1 1' r ^'^^'•^'ndung des Mutterproblems durdi den Roman, 

uS tIk '". -l' ^T^''ite" Fassung, machte Keller frei von Hemmung 
voneFinfr "'P'"/?^'"" ^^' ^^^iten Fassung sind humor- 
IndPt d P^ k- f"""^ n* dem »Grünen Heinridi. und den Gediditen 
ihmln rÄ T u"°^' f'' P°^^^"- Die Novellenstoffe fließen 
StößlTdiP O :t ;' """'°'' ^°"^*"'err. Allem folgenden eignet nad. 
aS einem ^r"'^""^/'"^^^^^^^ festen Humors' der nur 

DeTDflr'\rl-?*°"'" Befreiungsprozeß erwadisen kann«. 
Untersul^m. .r Y'^^^^^"^^ ^"•- Mutter wird den Hauptteil unserer 
es sfdi ft i r Tx; '° ,5"tsdieidend und grundlegend erweist 

Änß J /'T.^'*'^"'* ?^"^^^ ""d ^eine Verke.' 
Re^nir Sl TU ^""^'•P';°f'lem. der Beziehung zur Sdiwester 
dem i'^bfn 1/""'^ °" ^f Bedeutung des Vaters werden wir 
tiL.n W ^TH^/estolztum Kellers ausführlidiere Bearbeitung 
widmen. Wir werden die Eigenart seines Wesens in den Werken 




lis in Kellers Werken? .„4,„nP dem SAautrieb 

Wir widmen somit unsere erste Untersudiung dem o 



^widergespiegelt finden, werden sehen daß d'%J^aW^.A'L^*f j 
determiniert ist, - daß es auA hier keine freie Wahl gibt und 
immer wiederkehrende Motive werden im ^^'ff'^^J^^ t „er Ve ' 
zureiAende Ableitung finde. Über sein Erkbn zu emeje^^ 
anlagung und seinem Triebleben vordringend, ^^^den w s 

können, was die Psydioanalyse bisher Allgemeines über die U.drter 

ausgesagt hat^ , , j „ ^m^tlev in das Thema 

^ Vom VorreAt der P^yAoanalyse den E nsj^^^^^^^^^ ^„1^^,^, 
dort beginnen zu lassen, wo ein Auffallendes verrate_ns^^ ^^ ^^^ 

madien wir insofern Gebraudi, als ^'f. ^°" ..^j"!"^ Es handelt 
zweiten Fassung verworfenen Ro'^^"'^^"^" ..^"'^Randc der ersten 
siA um die reizende nädididic Szene im ^""fy^inridis Aueen im 
Fassung, da Judith im Vollmondsdjem vo^ "^'X LiAte vor 
Flusse badet, dann in voller Nadttheit in dem neue 

ihm steht. . : ^^ Literaten so 

Wie kam es, daß der DiAter s'* ^on einem^^.^^^^ ^^^ 

feiAthin bestimmen ließ, diese poesievolle b^ene ggi^äßiger 

sind die Entblößungen geliebter Frauen vielleidit ein 8 
Vorkommnis in Kellers Werken? _. , __ j„„ «JA^iitriel 

Wir ^^ ■■■ ' 

des DiAters 

I. SAauen und SAeuen, _^^ 

, So oft Keller in seinen Werken reizvolle, liebenswerte^ je^^^ 

Hche Wesen sAildert, immer «'"^f-lls Verlockende darstellen^ 
nals, die, mehr oder weniger entbloDt, da^ ^j^ y^jj^^^ Knabe 

Der erste EindruA, den der ^^""f ^'?^' „ Darstellerin des 
• von einer dekolletierten SAauspielenn, der so) ,^ ^paust« eine 
GretAen, erhielt, - die er naAts, nadidem ^urAstreifend, 

Meerkatze gespielt, im dunklen Theater d^B«hne 
von ihrem Lager aufgesAreAt, - bheb '^f"^ ^ ^te den kleinen 
^ Sie hatte eine große sAöne ^esta , he^J .^^ ^^ ,ieh ,ns 
Störenfried an, küßte ihn dann mehrmals und leg 
ßett. Die Stelle im »Grünen HeinriA^« '^"^ hatte ein weißes NaAt- 
, , .^ .lA erkannte jetzt ihre Zü|^^\°H' ^'^ ^aren entblößt und 
kleid umgeschlagen, Hals und Schuttern w ^ ^ejne Augen 
sahen einen milden SAcin, wie näAdiAer ^f^"^ j! g^ust und mein 
hafteten fortwährend auf dem weißen K^"!^ , . ^^freut, wie einst, 
Herz war zum ersten Male wieder so and^Atig ^^^ ^,^ 

^enn iA in das glänzende Feld des Abendrots g 

TT T^A 

"7~^F-u4 .DerDiAter und das Phantasi^^^^^^^^^^ 
^nd Otto Rank, »Das Inzeste-Motiv m D.Atung 

^Psychologie des diditerisdien Schaffens, j,c„bedingung unvcrhüllt viel o 

' Im >Grünen Heinrich« ist dieser L'^J^^/^S Werken nur kur« 
^".ng gewidmet, in den späteren, vren.^er sub)ektiven 

Mahnung getan. - - 1* 

Imago IV/4 



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I* 



Dr, Eduard Hitsdimann 



lieben Gott darin geahnt hatte ... sie schloß midi an sidi und 
küßte midi mehrere Male auf den Mund . . , 

Sie ordnete am Fußende ihres Bettes eine Stelle zuredit, und 
als idi darauf lag, hüllte sie sidi tief in einen sammetnen Königs- 
mantel, legte sidi der Länge nadi auf das Bett und stützte ihre 
leiditen Füße gegen meine Brust, daß mein Herz ganz vergnüglidi 
unter denselben klopfte . . , dem Knaben begann im Kopf und 
Herz das frühe Leben zu rumoren.« 

Judith nimmt den Sedizehnjährigen nadits in ihre Wohnung, 
legt ihr Halstudi und Sonntagskleid ab, und kommt »im weißen 
Untergewande zurüd, mit bloßen Armen, und aus der sdinee- 
weißen Leinwand enthüllten sidi mit blendender Sdiönheit ihre 
Schultern«. »Sogleidi war idi verwirrt«, heißt es weiter. »Idi hatte 
sie sdion als Knabe ein- oder zweimal so gesehen, wenn sie beim 
Ankleiden nidit sehr auf midi aditete.« Er sieht aber »jetzt anders, 
als damals«. — 

»Einmal erzählte idi Judith das Abenteuer, das idi als kleiner 
Junge mit jener Sdiauspielerin gehabt, und vertraute ihr ganz offen, 
weldien Eindrudi mir der erste Anblidt einer bloßen Frauen- 
brust gemadit, so daß idi dieselbe nodi immer in dem weißen 
Mondlidit vor mir sehe und dabei der längst entschwundenen Frau 
fast sehnsüditig gedenke, während ihre Gesiditszüge und ihr Name 
sdion lange bis auf die letzte Spur in meinem Gedäditnis verwisdit.« 

Judith muß sidi dies gemerkt haben und wohl audi bei der 
gemeinsamen Ariost^Lektüre Heinridis Erregung über entblößte 
Frauen wahrgenommen haben. »Das Gedidit entblößte,« heißt es, 
»seine Frauen von Sdimudt und Kleidung und bradite ihre bloß'' 
gegebene SdiÖnheit in offene Bedrängnis oder in eine mutwillig 
verführerische Lage.« 

Judith benützt die Gelegenheit eines nädididien Spazierganges 
mit Heinridi und badet im Mondsdiein vor ihm, 

»Sic erreidite bald das Ufer und stieg immer höher aus dem 
Wasser und dieses rausdite jetzt glänzend von ihren Hüften und 
Knien zurüdi.« »Idi sah jedes Glied in dem hellen Lidite deutlidi, 
aber wie fabelhaft vergrößert und versdiönt. . . Auf den Schultern, 
auf den Brüsten und auf den Hüften sdiimmerte das Wasser, Jetzt 
erhob sie die Arme und bewegte sie gegen midi,- aber idi, von einem 
heißkalten Sdiauer und Respekt durdirieselt, ging mit jedem Sdiritt, 
den sie vorwärts tat, wie ein Krebs einen Sdiritt zurüdi. , . l<^ 
fühlte sonderbarerweise die Sdiuld dieses Abenteuers allein auf 
mir ruhen, obgleidi idi midi leidend dabei verhalten, während idi 
sdion empfand, wie unauslösdilidi der nädididie Spuk, die glänzende 
Gestalt für immer meinen Sinnen eingeprägt sei und wie ein weißes 
Feuer in meinem Gehirne und in meinem Blute umging.«^ 

' Diese Stelle wurde als anstößig auf Rat Emil Kuhs in der zweiten 
Fassung gestridien. Kellers Freunde Petersen und Storm bedaumen diese StreiAung. 



¥ 1 



Gottfried Keller 



227 



Die vom liebenden Mann beobadttete nate ^"^ ^^^J^^^ 
steigende oder darin badende Frauengestalt ^^f, J^^^^^^ 

bei Keller. Wir finden es sAon in ^^'\'^'^ffXr.Tm^er^ 
VersuAe aus dem 17. Lebenjahr <»Der Selbstmorder«). ^^J^^ 

bursAe sieht seine sdieinbar untreue Braut ^1,^- 'j^f '"J^tSn. 
Buhlen <tatsächlidven Bruder) im SAi f des ^jf " /T^T SAilf 
»Darauf sieht er Busen und Arme ^^^^'^^^^^^^^^ 
leud^ten.« Sie sAreit auf und >>uniängt ihn m.tweAem Armen 
utid hilft dem ErsAroAenen auf die Beine und drudct ihn 

nassen Busen«, ^ ^„r .„.:- noch zurüdt- 

Keiler war nur Landsd^after - worauf ^ J°^ q^^,,, 
kommen -^, aber seinen Malkollegen Lys laßt e ^'f ^*£^ 
und Aktbilder malen. So heißt es ^*?^^^"'"' "r'^a^ einen über* 
»Obgleidi im strengsten Stil gehalten. »^^'^ ^^. ^^^^j^l^, sdion 
wältigenden, verführerischen Ej"^™^' f"'p„ß"n einen klaren Badi 
von jeder Hülle entblößt, eben niit demt^ul) m eme ^^^ ^^^_^^ 
zum Bade tritt und vergessen hat, itire goiae ßesdiauer ent- 

^n tun. So trat sie, mit derselben gesAnmd<t,dem^B«* 
gegen, jeder Zoll ein majestätisches WeiD,d^ j^^^ 

gebüsA hervor, den ruhigen Blidc auf das kühle Wasser g 
Man vergleidic auA folgendes Cjedidit. 

Am Wald in dem grünen 

Unheimlidien See, 

Da wohnet ein Nachtweib, 

Das ist weiß wie Schnee. 

Jüngst, als iA im Mondschein 

Am Waldwasserstand 

Fuhr sie auf ohne Schleier, 

-. Ohne alles Gewand. 

■ - Hs schwammen ihre Glieder 

In der taghellen Na*t/ 
- Der Himm'el war tranken 

Von der höllisAen PraAt. 

Aber iA hab entblößet 
Meine lebendige Bfusty 
Da hat sie mit SAande , 
Versinken gemußt. 



Versinken gemußt! ^ r)-^tungen in bezug 

Um aus den vielen Frauengestalten ^er '^^eben, seien hier 
auf unser Thema, Ae SAaulust, nur ^f^/^-^^ergegeben. 
ehrere Stellen über Agnes im *<-^r- ";*, * „„, T^pinheit wie a"^ 



auf unser Thema, Ae SAaulust, nur ^f^/^-^^ergegeben. 
mehrere Stellen über Agnes im ^^^- ^.^ \t\^. f^dnheit wie aus 
^ »Hals und Schultern waren ^^^ifly^^^ vollkommenen 
Elfenbein gedreAselt und rund, wie die z^e^ kleine 
ßrüstchen.« ^ . r .^inand starr auf ihren jungen 

>Sie bemerkte niAt einmal, ^le Ferdinand 
ßusen hinsah.« 



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Unvollständig wiedergegeben. 



15* 



L 




Dr, Eduard Hitsdimann 



. ,./^'^ 'S'^'"^ ^'^^^ Brust war wie von einem Silbcrsdimied 
zierlidi getrieben.« 

»Heinrichs Auge wurde von Agnes allein beschäftigt. Sie saß 
mit bloßem Halse, von der Nacfit der aufgelösten Haare um- 
schattet,- um die langen Stränge zu kämmen und zu salben, mußte 
die Mutter weit von ihr zurüditreten ... Er hätte gewünscht, ein 
UU '". jf^'" ^"^^ 2" verharren und keinen anderen Anblici zu 
haben als diesen.« — Regine wird von ihrem Gatten, da er von 
seiner weiten Reise heimkommt, nidit unähnlich der »Venus von 
Mijo«, aufgefunden: »den hcrrlidien Oberkörper entblößt, um die 
Hüften eine damaszierte Seidendraperie gesdilungen , ■ . stand sie 
vor dem ToÜettespiegel und band ... das Haar auf« <»Sinn- 
gedidit«.) 

<?4, S<^aJten wir hier einige erörternde Worte über Sdhauen, 
ichautrieb, sexuellen Sdiautrieb, die Perversion des Voyierens ein, 
so mag CS gleidigülttg sein, ob wir Keller ein gesteigertes Sehen 
mit gleich gesteigertem sexuellen Schauen zubilligen, oder die Be- 
tonung des Sehens bei diesem Dlditermaler auf »libidinöse Zu- 
schüsse« zurückführen wollen \ Daß es insbesondere die Brüste sind, die 
dem Voyeur als Objekt gelten, ist die Regel. Das Beschauen tritt 
auA als Begleiter der Betastungslust auf, und scheint zum Teil 
aur einer Versditebung gleidi der hysterisAen von unten <dem 
Sexualorgan) nadi oben zu beruhen. In diesem Sinne einer Ver- 
drängung, respektive Sexualablehnung entsprechend, geht dasVoyieren 
gern mit verringerter sexueller Aktivität einher. Ads Perversion gibt 
das Voyieren gleichfalls zur Unterdrückung Anlaß, daher auch zur 
Subimierung, zur Angst, Versdiiebung auf niAt sexuelle Ziele und 
Kcaktionsbildung*, 

Daß der sexuelle Sdiautrieb einer Bekämpfung unterlag, 
ergibt sich u a. aus dem Sdiuldgefühl, das Heinridi nadi jener nackten 
q1 </^j^ ^ ,^^ empfand: A^ fühlte sonderbarerweise die 
pchuld dieses Abenteuers allein auf mir ruhen, obgleiA idi mich 
eidend dabei verhalten, während ich sdion empfand, wie unaus- 
losdiliA der näditlidie Spuk, die glänzende Gestalt, für immer 
meinen ^imnen eingeprägt sei, und wie ein weißes Feuer in meinem 
uchirne und in meinem Blute umging.« 

^^"•S^'" "i^S es bedeuten, daß audi Heinridis Erinnern ge- 
legenthdi als em visuelles imponiert: »Desto deudidier sah er nun, 

traeen '^f™.??' '^^'^^^ hinge>x^iesen, daß Keller seit Münzen Augengläser zu 
rnen-s£n .S Kr /"'■^^'*«skeit kann efn Narfi-innen...enden, ein Nad.- 
d^BiÄeit Holi n^^^^ ""^ ^'^"""^ Phantasien unterstützen. Man denke an 
as gÖÄ Ne^^fn'- T;f verspürten zahlreiche Diditer <und kein Geringerer 

Uoethe) Ne^gun^ zur Malere, manAe er>.iesen ihre Befähigung. 
Bildes »Im SnieM.r W r ^^'"^^.'^""g ^»'2«»* der Konfiskation des Böddinsdien 
rhrkeh"eteLdrZ.p' -.•!?'" verfluAtes Bild, diese Weiber, die dem Publikum 
zm^sfdAimLfr '■^' c*' 'l ^"^^'^ ^*on eine verdorbene Phantasie dazu, 

bSL« 1915) " '" ''^'"' ^^" ~ d'^ f^^t" iA.c (Fleiner .Mit Arnold 



Gottfried Keller 



229 



als er sidi in den Wagen zurücklehnend die Augen sAIoß, die 
mütterlidie Wohnstube mit allen ihren Gegenständen, er sah seine 
Mutter einsam umhergehen etc.« j. -r j 4, 

Aber wie bilderreidi sind dodi seine Träume, die ihn »durA 
die glühendsten Farben, durdi den rei Asten Gestaltenwedisel . , .« 
beglüden. Ottokar FisAer, der den Träumen Kellers eine btudie 
widmete, redinet ihn daher zum type visuel. — Audi die csenn- 
sudit wird durch das Sdiauen Aarakterisiert, von homerischer 
Größe sdieint das Bild der auf dem Dadie ihres Hauses die Betten 
sonnenden Mutter, »zumal wenn sie, einen Augenblick »nn^haltend 
die Hand über die Augen hält und da hodi oben in der i^onne 
stehend in die weite Ferne sieht«, aus der sie den geliebten i>ohn 
erwartet. , . , r..u ■ u ■ 

Bin Sonnenstrahl, der auf der Flöte blinkt, ^"t m Hein- 
Hdis Auge und ist wie ein göttlidier Bote, der ihm aus Hunger 

und Tagesnot hilft. ^ , , c^q-ua,^. Ärbpit 

Die Angst, durdi Überanstrengung bei '"^f^^^^^^'^^^'f ,' '^ 
zu erblinden, läßt den Helden des »Sinngedidites« - aut e^ne 
Reise gehen, die der Liebeseroberung S^wf^ 'st: >>in aer o - 
sorgnis um seine Augen stellte er sidi alle die «"»«"^"Jf-Xe 
welche man mittels derselben sehen könne, und ""^^[.'"^^^r'.,,^ 
siA darunter die mensdihdve Gestalt . . ., wie sie schon und hebU* 
anzusehen ist und wohllautende Worte hören lalH,« ^Urlidien 

^^ Seine »Augenkur« besteht naA dem R^^^P^ ^^ "" S^^^^ 
Volksarzneibuci.es in folgendem: »Kranke Augen sind zu starken mid 
gesunden durdi fleißiges Ansdiauen sdiöner Weibsbilder .. . 
^ädiliA sdimerzt den Helden das Sehen bald f\^^Xlnkheii 
Mäddien zu sehen bekommt. Dem Leser muß %;^T"'geutung 
sonderbar, hysterisdi ersAeinen,- man wird an mu .^^^ 

<ier hysterisAen Sehstörung erinnert: wonadi das ebenen g 
weil das erotische BesAauen verdrängt wurde , ^ ^^„ .j^e 

„ Übrigens spielt im »SinngediAt. Erroten ""J^f jTj^shängesAild 
Sroße Rolle, unl es wird das GesiAt dort als .das Aushang 
des körperliAen wie geistigen M|nsAen<< ^^^^"^^^^^ ,„d Kunst 
Den Gegensatz zwisAen äehen m w meinen, 

"nd Sehen in der Liebe und im Leben ^'^'^'"^ .^^Jt^ „d erklärt: 
der die Malerei aufgebend, Deputierter werden w.iiu 
t'* werde nie mehr malen, weil man die Augen ^a^uD^^^ 
Wie eng das SAauen und das Lieben zusammenhangt, wird n 
vom erfahrenen Erotiker Lys belehrt: Vermittler und der 

P ^ *Das Auge ist der Urheber ^^^.\'/„^'^'i, vornehmen, 
Erhalter oder Vernichter der Liebe, '^^^^""'''dls gehör At 
^••eu zu sein, aber das Auge nimmt siA "'*^ ^J^V „,her hat nur 
"nd fügt SiA der Kette der ewigen Naturgesetze. Lmhe 
^'s Normalmann . . . gesproAen, wenn er sagte, er könne 
ansehen, ohne ihrer zu begehren!« 

An anderer Stelle heißt es von Hcinridi. 



[ii; 



I! 



230 



Dr. Eduard Hhsdimann 



»PIotzIiA stieg ihm der schmeidielhafte Gedanke auf, daß er der 
ödionen am Ende wohl gefallen müsse, ... und er warf unverweilt 
sein inneres Auge auf sie mit großem Wohlwollen.« 

Im übertragenen Sinn wirdaudi »der Seher« im Künstler betont; 

»üer künsderisdie Mensdi soll sidi eher leidend und zusehend 
verhalten und die Dinge an sidi vorüberziehen lassen, als ihnen 
nadijagen, denn wer in einem fesdidien Zuge mitzieht, kann den- 
selben nidit so besdireiben, wie der, welAer am Wege steht- Dieser 
ist daruni niAt überHüssig oder müßig und der Seher ist erst das 
ganze Leben des Gesehenen, und wenn er ein rediter Seher ist, so 
kommt der Augenblid, wo er sidi dem Zuge ansAIießl mit seinem 
goldenen Spiegel . . . Audi nidit ohne äußere Tat und Mühe ist 
das beben des ruhig Leidenden, gleidiwie der Zuseher eines Fest- 
zuges genug Mühe hat, einen guten Platz zu erringen und zu be- 
haupten. Dies ist die Erhaltung der Freiheit und Unbesdioltenheit 
unserer Augen.« 

Ferner : 

»Dies ist das Geheimnis! O wer allezeit auf rechte Weise zu 
senen verstände, unbefangen mitten in der Teilnahme, ruhig in edler 
H%^^^*^"' f 'bstbewußt, dodi ansprudislos, kunstlos und dodi zwedi- 
^^'^'i -7'" """ dodi gehen und nodi irgend etwas Lebendiges lernen, 
wodurA lA unter den Mensdien etwas wirke und nütze !« <So sagte si* 
neinnA,als er eine durA Ungesdiid mißglüdite Feuerwehrübung mit- 
ansah — »voll Nadidenken über dies wunderbare Gesidit«,) 

Hier ist sehen für erkennen genommen. - 

in einem Gedidit »Abendlied« heißt es: »Augen, meine lieben 
ul^n^u D^, i r^" ^*°" s° ^^"Se holden SAein, Lasset freund- 

lich bild um Bild herein: Einmal werdet ihr verdunkelt sein!« Und 

^^^ fl; aT^}' ° ^"Sen, was die Wimper hält, Von dem 
goldnen Überfluß der Welt!« -- 

t,r;c4.^^V^^''P'^^ ''"^ "^'^ Überlegenheit physiologisdier und physi- 
^„ f.U ;-f'''"?'''c"^^'"^^^^P^^y«'k und Mystik wird im »Gr. H.« 
ausfuhrhdist über Sehapparat und Licht abgehandelt. - 

JJie erste weiblidie Gestalt, die Heinridi wohlgefällt, benennt 
er nadi emem visuellen Eindrud. 

a.fiol A "^"f/Jf ^'^ ^'■'F^ ^^eiblidle Gestalt, weldie mir wohl- 
gefiel und em Maddien aus der NaAbarsdiaft war, die weiße Wolke, 
von dem ersten Eindrude, den sie in einem weißen Kleide auf 
mi<ii gemadit hatte.« ~ 

aus«.Sr ti'^^'^u'^f Angeführte, den Beweis für einen sehr 
erotÄ Kn ^'^^"^"^J' t' ^^"^'- ^'br^At, der von frühauf seine 
wTe Kellefs fS^^h"'' "^f T^^Jeugnet, so seien nodi einige Punkte, 
von F..SL iJ' ^"' '^^^'^^^"enden Naturgenuß, am Besdireiben 
^eduIdSn f "^ ^°''T'''' "^^^ ^" ^^"^r fü5 ihn Aarakteristisdien, 
oder Inn.. /^'^'"f "^'^ Sdiilderung von SdimuAgegenständen 
dner Ä f T'^'"? ^ädielAen," die siA z. B. in der Lade 

emer alten Jungfer finden, hervorgehoben 



Gottfried Keüer 



Sehen wir naA, was Keller über seine Enmidclung zum Maler 
im Aufsatz »Autobiograplnsdies« sagt, so finden wir die redit ober 

'"^t^^Ze,, sd.on mit dem fünfzehnten Jahr, wende. 
id) miA der Kunst zu, so viel ich beurteilen kann, weil es dem 
halben Kinde als das Buntere und Lustigere ersdiien . . .« 

Weiter heißt es: , , r j jl f*-^ oy« Orfp zu- 

»Der Zufall, daß nur angeblidie Landsdiaf^r am Urtc zu 

gängüA für miA waren, entsAied für die LandsAaftsn^^^^^^^^ 

Aber für die spätere Eeit muß es auffallen, ^?^.^''l^^^^^^ 
und dort LandsAafter blieb, denn >>es g-l>. ^" ^^e" B 

Akademie überhaupt keine Lehrkraft für Landschaftsmalerei ... ^ 

blieb im Grunde Autodidakt«, wie Köster f«sf^^^"S., . .^.„^. 
Weiter heißt es in Kösters trefflidier LebenssAilderun^. 

*BedenkliA war es sAon, daß^p»^^ '" ^^". «""rt'oTz dem 
einhalb Jahren gar nie nach ^^g^^^atur zeicl^^^^^^^^^^^^^ 

Keller Kartons zu großen stilisierten ^^^.'^'^^^f „^f^Ttfen ohne 
Er hatte sAon frühi Landsdiaftsski^zzen m Worte" entw^^^^^^^ 

sie auszuführen, und dieses Verfahren ^^^^^^^V. ?.in Erklügelt, 
bei: seine Bilder steinen diAterisA konzipiert zu sein M 
wie sie sind, treten sie "n^ ^leiA^am als gema te Epi^^^^^^^^^ ^.^^ 
gegen. Die Kraft der malerisdien Darstellung aber 
mals aus.« , < • j„„ ^nAeren Malern in 

Nun war es freilidi damals auA bei ^^" ^"^^Jj^ ,Kom- 
Mündien mit dem ZeiAnen naA ^^^^^^'^Jer malten damals zu 
ponieren« die Methode geworden. Die Ma < | . Maler,« ^ 
Hause: .es war die Zeit der Kaf°"^,"f £ f„ den diAterisAcn 

Es muß aber auffallen, daß Keller, der >^^^^^^^ ^^ ^^^^, 
Produkten seiner Phantasie, besonders im e^ ^Is Maler immer nur 
Prau, verführerisA darzustellen nidit ermuaei, h^uptsäAliA 

Landschafter blieb, wenig naA der ^if'' %^^ fernblieb. Eines 
ausgedaAte Landschaften entwart dem /^i^i ^,^^^ ^^^ ^^^ Land- 
Tages wird siA der grüne HeinriA klar, Q ^^^^ ^^.^^^ ^ie er, 
sAaftsmalerei wertlos, daß Jahre f f<^'S'°?/f Vie zufällig fällt sein 
auf Eriksons Spotirede, enttäusAt f^^/'^^A- .^kpuß des borghesi- 
Auge darnaA auf eine naAte Gestalt, den GipsaDgu 
sehen Fechters in seinem Zimmer. fröstenden Freund die 

^HeinriA entdeAte wie einen guten rry^^^ sonderbarerweise 
Gipsfigur des borghesisAen FeAters . . -.^ ,. ]s[aAahmung der 
noA nie einen ernstliAen VersuA ^ur ™"" » ^^^^^ ^urüA- 

mensAliAen Gestalt gemaAt und . . • sm eigu 5 y „genheit 
gehalten. Er zeiAnete ... die Phantasie flog in ^^^ ^^^^^_ 

; ^^H. E. V. Berlepsch f f f Jef "täLtE'MeSrs uad des 

tinger »Gottfried Kellers Leben* und das Kap.tci 
SAülers« im »Grünen Heinrich«. 





^9 



232 



Dr. Eduard Hitsdimann 



\T 1 ""^ Heinrich erinnerte sich plötzlidi, wie frühere und früheste 
Versuche in Figuren, in der Heimat aus Sdierz oder Laune unter- 
nommen, ihn nicht ein Jota mehr Mühe gekostet, als andere Dinge . . .« 
Der grüne Heinridi, respektive Keller, stand eines Tages 
vor der Tatsadie, »sonderbarerweise« nie Akt gemalt zu haben, 
»sidi eigensinnig davon zurüdigehalten zu haben«. Dieses rätselhafte 
Zurückweichen eines Malers vor der nackten Gestalt, 
notabene eines, der als Kind do(h daran Interesse hatte, hat offen- 
bar als unbewußten Grund eine Hemmung durch frühe Vcr^ 
drängung des sexuellen Schauens, zumal dessen Objekt 
ursprünglidi die eigene Mutter war. 

Es Hegt nahe, anzunehmen — so wenig Untersudiungen audi 
darüber vorliegen — , daß neben anderen Trieben <etwa audi einem 
ödtmieren des Kindes) der Schautrieb am ZeiAen- und Mahrieb 
Anteil haben muß. Ein libidinöser Zusdiuß, eine erotisdie Triebkraft 
gehört namentlidi zu einer sdvwere Hindernisse überwindenden Neigung 
— wie bei Keller — dazu. 

Keller selbst hat in der Gestalt des Malkollegen Lys einen 
lebens- und liebcslustigen Aktmaler gesdiildert, von dem das Bild 
jener erwähnten, nadt aus dem Bade steigenden Königin stammt, 
t,s muß as Beweis für unsere Ansidit des Sidi-Verbietens des 
Aktmalens bei Keller gelten, daß dieser Maler Lys sowohl in seiner 
treulosen, egoistisdi erotisdien Artung, wie in seinem Atheismus dem 
grünen Heinridi als teuflisdi, als der Ausbund der SAIeditigkeit 
und Gottlosigkeit gilt, so daß es zum Streit und in der ersten 
Fassung zum blutigen Duell kommt. Lys beweist sozusagen, daß 
Aktmalen nur badie eines gottlosen Lüstlings ist. Er ist ein Don 
Juanj^lypus und heiratet am Ende eine Mutter-Imago. Lys' Gestalt 
ist als Doublette Heinridis, als eine Abspaltung aufzufassen. 

Der i^diautrieb hatte also Keller mit zum Malen getrieben, der 
mnere Kampf hatte aber die Aktdarstellung, die Modellbenützung 
verhindert. Man kann audi nod> weiter gehen und gestürzt auf die 
J^-fahrungen unser psydioanalytisdien Traumdeutung - das Land- 
schaftern, namentlidi heimatlidier Gegenden, wie es Keller betrieb und 
womit er begann S als unbewußte dauernde Phantasiebesdiäftigung mit 
dem symbolisdien Ersatz des Mutterleibes auffassen 2, Es liegt der 

1 .Id, erfand «ig€ne Landsdiaften, worin idi alle poetischen Motive reiAÜdi 
WX" rw;.r ^-A^.""" ^T" ff «°1*^ über, in denen ein einzelnes vor- 
teÄ iAh^hl!""' t '™!"".^^" gl|i*'='i Wanderer in Beziehung brachte, mit 
welAem ^ halb bewußt mein eigenes Wesen ausdrüdctc.* <.Gr H* I,> 

zusammengekauft hrfin?; ^-''t 1" !^""«tli^"««r, der sämtlidie Studien Kellers 
her^s ?denn 1^-^ u^ ^^^^^^ "'"'? '*^"^" Landes und verlorener Heimat« 
u^d Boden vom wÄ("''.;t daß das niAt Reisestudien waren, sondern ein Grund 
Vd Ta7ebuTl5/f Ä 7 '^^"" träumte auch Landschaften, 

waAte daubt A .lll ?• ■ '^'%'* '" '^" ^^^' «"'""^ ^"^ dieser Natur auf^ 
Seen nur derrh^ii;'"''" '"?• ^"' '" "?''' ^'^^^^^^^ 2" können, daß ich sie am 
Mutter und GeSfrel^rr r^^'^T " ^^"^''^ ^^ust . . an der Natur, die ihm 
Mutter und Geliebte ist, hat etwas Unverwüstiidies*, sagt BäAtoid einmal. 



Einv^and nahe, daß dies nid^t für jeden der zahke.A n SAwe^e 
LandsAafter gdten kann, vor allem n.dit f^^../^^' .f'^ Hemmung 
malen. Bei Kdler aber ist das Eintreten der ^f 2^;jJ^^7^3"^^"J 
eben nadizuweisen, sein Malen ist endl.di Sf"^. /esAei^er^. ^^ ^ 
eine Art Neurose Sein LandsAaft.rn artete .ne" Phantasie ^^ 
an der Staffelei aus - wenigstens ist es .m .Orunen nein 
dargestellt. Z. B. heißt es: . • „„ „pkrrfidie und sym^' 

.HeinriA versenkte siA nun g^^.X'^l'^'^Se S^ in reifer 
bolisdie Art. Er ergriff diejenige ^^^'^^P J^f^^ ^ \,reuztnden 
und bedeutungsvoller Erfindung, in «^^""J Ä 
Linien und Öedanken bewegt. Immer ffl'^^^J^J^,, seine 
wurden seine Bäume, imr^^r"f ^rPrSionshemmung. 
Steingruppierungen.« Und endl.di ^l"^^^^'^^ A^beil' über ^Ent- 
Idi erinnere hier auA an die wertvolle ^^^^^^'^^HaiiDtresultat kutet; 
stehung der künstlerisAen Inspiration«, eieren f Manifestation 

.Die künstlerisAe und poetisdie Insp.rat.on^.st^aiy^ ^^^^^ ^^^ 
eines verdrängten Komplexes anzusehen un ^^^ £„j,tehung des 
«besetzen aufgebaut, m welche rrcuQ uic ^^^^^^^^^^^^^ und ver- 
neurotisdien Symptoms, des Iraumes, ^^' j. j^ß ejn sinn- 

wandter ErsAeinungen beteiligten P^^^^f f^,n';j^ologisAe Bedeu^ 
volles Ganzes gesAaffen wird, t'^'"»" y .Ä 
tung allerdings dem Künstler niAt vo hg ^»^^ J';;^i^^tter-)leib war 

Die ursprünglidie Lust am naditen grauen u ^andsdiaftern 
verdrängt worden, so daß das Aktmalen ""f^^l^^'^'^ü^n von nad^ten 
sAeiterten, nur im DlAten drang die Lust am BesAauen 
Frauen usw. ungehemmt durA, 

; Apr Zeisrelust <Exhibitions- 
Die SAaulust kommt stets '"'t ,^f Vrrdrän?ung der letzteren 
Iust> gepaart vor. Als ErsAeinungen der v 5 ^^ ^ 

kennen wir: die Unfähigkeit s<ch ^n ^ o H^ ^^ verhüllend 
das Bedürfnis, sich mit Prächtigen jvie ^^^^^^^^^ 1,1 ßt 
Der Nadtheitstraum, in dem der ^ ^/"""^ V- j^^n suAt, wurde gle.A- 
und besAämt, vergebens naA hüllenden n.iei j geigclust gc- 

falls von Freud als AusdruA verdrängter inran 
^^"tet. '^„iöplnqt ab, die man hinter 

Sehen wir von der subÜmieften il^eige m. ^^ Uebeswegc 

der Freude am Erzählen eigenen ^^'''X,,ii4, hieher zu reAnen --, 
sehen kann - der »Grüne HeinriA« fi^rf^j, einer unterdrüAten 
so finden wir bei Keller überwiegend^uge, j^gg^haut werden«, 

Heigelust einer Angst vor dem =^DurA und dura. 
entspreAen. 

^ Image, 1913. Heft 5, phantasiclandscfcaften fehlt leider dem 

"- Zur DetailuntersuAung an Kellers ^ ^,^ ^ 

Autor die Gelegenheit. , . ^ „,„-,AT)\ditune*A"^^i°' ^ 

ä Vgl. Rank, .DieNadctheitin Sage und Dichtung 



234 



Dr. Eduard Hitsdimann 



il l!l!i::i 



So zeigt er uns auA große Schüdifernheif und Zurückhaltung in 
ni erfolglos gebliebenen Liebeswerben, Ferner Gesellschafts- 
/• sowie eine wtpriprhnit- n-oö..R„..^„ a( : ^u„..^^- 



seinem erfolglos gebliebenen Liebeswerben, Ferner Gesell sdiafts- 

ltr!!:;A°^'''\^'T '^^^^^I^^^lf geäußerte Abneigung gegen literar» 
bistonsch-psyAolopisdies Betr^A.t^t.yr..A,...i rik„„.,.! lu.^-.^. C^A.t 



hSiJ '"^/T'' '^'^^^I^^^lf geäußerte Abneigung gegen literar» 
hstonsA.psyAoiog.sdies BetradUetwerde.i \ Überaus zahlreidi findet 

IrZ. l^'^'^^'i L^ zumeist in selbstironisdier Form das Bekenntnis 
vom sdimerzhdien Bew,iRt<:<.!n tAn,^^.(;^„„ at:„j ..<._=.. _.„„..., 



.r-.r^ I ,. L " zumeist m selbstironisdier Form das Bekenntnis 
S. o"^ f *l" ß^^^^sein körperlidier Minderwertigkeit: zwcrg- 
n.nJ 4 7 "^^^S^oß^^Sdiädels, später der Fettsudit, des wackligen 
uanges und bewaffneten Auges. — Jene infantile Vorstufe des aktiven 
ÄAautnebes nadi anderen Objekten, dip Sd.^,.!„=r ..r. P,v.n.n Köroer 



S^ "r- 1'~ ""=^'*""^ten/\uges. — Jene inhntile Vorstufe des aktiven 
ÄAautnebes nadi anderen Objekten, die Sdiaulust am eigenen Körper 

.rrJm i^f/^"."'"' ~ '^°""^" ^^"- ^n Keller natürlidi nidit nadi» 



v..il ^.^'■^'^.'^"s, ~ können wir an Keller natürlidi nidit nadi» 
TvZZu ^\7l^^^^l• sehen werden, seine Verdrängung ^ Audi den 
ulT A Narzismus teilt er dem Maler Lys zu, dem sdiönen 

S.I^r; i u^''J ''t '^^^^^ ^""^ Modell nimmt, so als König 
oaionio und Harn et. Er gemahnt darin an Kellers Freund Böd<Iin, 
von dem sem Sohn berichtet: ^Modelle betraten nie sein Atelier. 
uen nad^ten Korper studierte er im Spiegel an sidi selbst.« 

in n.r.^'L^ ' ^" S'-oßköpfigen Zwerg, konnte dergleidien nidit 
in tietracnt kommen. — o & 

Urb(.?fJ"^''^'''^i'"^?' ^^"" '^"^ Situationen, in denen Empfind- 
lichkeit gegen die Blicke anderer sehr deutlidi dargestellt wird. 
älterPn nl ''^'"^^^'^^^"e" getausditen Blid^en wird Heinridi von einer 
Shen ^ir""'' .''"r t^^^^'^^^' merkwürdigen Gesidite« an- 
hatte w.nd?* ""•.'" A^'" R°fg^wordenea eine Weile angesehen 
auf e'i Jn. K^ ''' '^' ^"^'" ^^^^^'- ^°" ih'i^^ -^^^ ^^nn sie nur 
.ener fpi . n^ °'^"' ^'"^'^ Stuhl geruht hätten, ohne irgend einen 
n solir P^f ^^ü^^r ^^^'^^ ^^^iS'^" ""d rüdisiditsvollen Leuten 
heir Kp • W /?"'" "" ^^^°te stehen«. Diese Augengrob- 
he t bewirkte daß er von nun an nidit mehr aufsah . . - 
i^einereme Stelle aus der Novelle Ursula: 



odpr f. t r'?P5«^^" bestridien mit den müßigen Auglein blinzelnd 
mJ.1 den unbefangenen Soldaten von allen Seiten. Sie 

SX r-'^"'^t'^J"' sogenannte Durchschauer und frönten der 
sdilediten Gewohnheit soldien Anblinzeins , . .« 

Tnh=,I^S"1 %l 7^^ dem Maler Lys zugesdiriebenes Bild sinnreidien 
>sefnL\ K t/^" .^""^ ^" Spötter.,' der Maler nannte es audi 
vor w.fi Kof^mission, seinen Aussdiuß der Sadiverständigen, 
Se Ilrr V f^^^'' ^zuweilen mit zerknirsditem Herzen steOe«. 
nnahZlrh n"" 't^- ^'" ß^^di^"-^' an .und sie sdiienen mit 

sÄwäLe'i Lf^' Durchdrmgung jede Selbsttäusdiung, Halbheit, 
^dmarmerei, ,ede verborgene Sdiwädie, jede unbewußte Heudielei 

= i^'dnereäenVt'd.^T"'"'"^^^""^^^'" SAlusse dieser Arbeit. 
narzistisAe S?äffage. l „ dr^lr^^f „" ^^' '^'^ ^^^rüne HeindA« immer als Wanderer 
tasdie auf dem Riidcen< waTd^ltpT romanfsdi gesdinittenen Kleide, eine Reise- 
wandelte audi wohnn^TüAt 1. 'n-^'^""" ^^uf KirAhöfen oder im Walde, oder 
MitRüdcsiAtalfseeLth t&?r-''",^°" ^>^" ^"'i bumer Vögel.. - 
^seltsamer Narzissus« <Brahmi S. K" ^J'^^^^^^^ "'"^^ "''"^»^ ist die Bezeichnung 
Hat Keller sid. selbst in S GeÄ^'g^Snet""'""*"' ""''.. '""'^'^ ''"'''' 



\ !1 



Gottfried Keller 



235 



aus ihm herauszufischen, oder vielmehr schon en^d^^t^^ 

Der Beschauer, der nicht ganz ^^^"^r b™ J^ ;^ar auszurufen: 

Übel unter diesen Blidcen, daß man ^f ^, ^f "^ g,, „„d sidi gern 

Weh^ dem, der da steht vor der Bank der Spötter, 

in das Bild hinein geflüditet ^1%.^. verdrängter Eeigelust 

Als besonders prägnante ^^^*^* "^^^f2ufassen, Er ist ein 
ist der sogenannte Nacktheitstraum j^^uft geträumt« für 

typisier, allgemein mens Ali Aer Traum, ^1?^^ Ä ^ 
eine gewisse Artung des Träumers 'i'fff' ^(f,„bar durdi ihre 

Besonderen Eindrud^ haben aut rveu«: ^^ jsser Form 

Häufigkeit seine Nadctheitsträumc gemaai . ^^ Umhergetriebene 
werden sie von Keller als typisA wr in ^ HeinriA«: 

genannt. So erklärt der Maler Ro"^^^ '"1 j jTeimat und von Ihrer 

»Wenn Sie einst getrennt von ^^^^ p^^^^j^ umherschweifen 
Mutter und allem, was Ihnen lieb ist, in aei Kummer und 

und Sie haben viel gesehen und viel "tahren ^_^^ ^^ ^^^^^^^ ^^^ 
Sorge, sind wohl gar ^lend und verassen-^ ^^^^^^ 
NaAts unfehlbar träumen, daß bie sicn ^'^ ,. ^^^^^ ^^d liebe 
sehen sie leuAten in den sAönsten ^^'ff^ gjg plötzliA, daß Sie 
Gestalten treten Ihnen entgegen,- da eniaeu. „gt^enlose SAam 

zerfetzt, nadct und kotbededt emhergehen, ^^ verbergen und 

und Angst faßt Sie, Sie suAen siA zu be^ecK , ^^ j^^^g^en gibt, 
erwaAen in SAweiß gebadet. Dies^ '7, j" fenen Mannes, und so 
der Traum des kummervollen "'"^^'^7^"^ j^ . ^^, dem tiefsten 

hat Homer jene Lage <^f 0^irriJrausgenommen!<< 

und ewigen Wesen der MensAhe.t heraus? ^ ^^^ sdimerzreiAen 

Der masoAistisAe Anteil, das i;,^ ^J^.^.ieren uns hier n.At, 
Reise, sowie der Komplex ^^^-^ftTtuSl erfolglosen Verhüllungs- 
sondern nur die Situation der NaAAe "^^^^^ ^^^^^„^^ 
suAt - wie sie typisA da: N^^^^*^'/'f Mer defekte Bekleidung 

Statt der NaAtheit findet s'^^ ^ j^^'j^ .j^ern Traume des 
=^alte abgesAabte und anbrüA.ge Weide^ erneuerte Verh in de- 
grünen HeinriA, sowie eine spukhaft .mme ß 
rung beim Anlegen sAönster Kletdei "" ^.^^^^ ^en anderen 
SAeu vor den Verwandten von ^"^^'^^f hat endliA alle Muhe 
sAleiAen, um niAt gesehen zu '«'Xt %u bringen : da steht auA 
die alte Kleidung zum VersAwmden zu d g 
^*^" Z^emHA Ihä' ist sein ErsAeinen vor der später . geheb 

"°-tam er seinen n.sen,,^.sd^Ä^^ 
SinJ^H^ni^a^t^mauAg.^ 



Ol in der Hand, ^o biai. „^^^ ^^^ 

Nacktheitstraum, ein typischer solAer ^n j£^' HeinnAs 2usamnie 

Roman, ganz analog der Situation im Nackthei 
mit Dorothea, 



■;! .i 



f 




"i't S'dilanim und Kat k.A j 

Nal^"^^^^''*'^ Dabei Ldenkt fe^^^.rt^-" ^ie Augen nieder 
^aus^aa und der Odys.ee > ^^'"''* ^^« ^^I^rs Römer, der 

fi:^^ N^Äaut^^esIlr^^ '^' ^^"- ^^^-^^- den. 

St. .holde, feine und liebe üetal? ^°\^veiblichen BfiAen betont 
&..^T ''' '' •■"! TrLm tn l' ^''^'r^' ^" Römers Erzähl 
besdiamt dasteht. Diese Szenen .pE '3^^^ im Roman, vor denen er 
vor dem anderen GesA^S^t Ä" tlT^ 

'^t hervorzuheben, die Naheb^rn ' ^°* t" ^^^'^^^ Moment aber 
Rp.t.-^^\',^'^^J^I^idenfn 3"^^""^ Kastrationsthema >. - 
^eakt.onsbiIdun^ auf verdrängte 7 .^f Länder, wäre eine z,^eite 

S"(->"*^' d'-e häufij .' "u"'' 'L'l' künstlerisd^-Aarakte. 
edeTr!-* "fe'Sens in K^fder d' "^ ^'"^ ^'^" Verkleidungen 

ist, beweist für^dieVerutn," "fl^f'"- Kleider färbe benannt 
r War das aus dpc ^ ? Kleidens bei Keifer 
formen hergestellte'Vut K^ff^T ^f^^ Erlassenen Uni- 
al^ J' 'T ^2- /^^'> die Äfafr ^^^^^^'"^n HeinriA viele Jahre 

hervorhebende Audi der Vater .<^ ^' eigenartige und den Träger 

^'•mu^gehemmt ... ^^^ ^^'^^-an m der Jugend immer durch 

Wedp " '°X'' ^^"'^e^t er sä Vo^'"?' ^^^^'^^^''^Sen und Zyhnder 
frü^e p"", ^"^^ ^^^-n, d^.' S^/'^'' •"'" % ^^ Vaters grüne 
St ."■^,' ^^^ "li'- einmal eTJen ^™"5' ^"* ^^^^^"- ^^^^ 
Är'^' yeinen Übernam nlzulT'"^'". ""^ '* ^^nsAte 

^"liÜf^J^ überreden, grünes fl^ *' ^^'^^ ^"«^^ «^^ "^eine 
7^^ ^ "* ^" Wählen und statt eines 

^ fi SlSf ^Ä^läe^g^^fi* .usa™.e„f.n. .und er 
^l"^ne BohnenTC" S^ •^" ^""' f°Äs R^M °' '" '^'^ Han<f«, Im Traum 
sdijeAten Lumpen 1f die L'-'" '" 'f^" Hänc£f -eil ''^'^"'= /^r ergriff eine ver- 
"id brad, immer Jeder .mM"""""^ '»'"^''"-uSen /ff * /"'^ quä!te%id, ab, die 
,^ An die Kash^Sn ""^ ,^r^Pf'«erte bis a f -^ f" '''^ '"^''s^e Stange brad, 
Kopf fesdilagene S , '^™^°'''^ ^'■i„ner„ fj^^"! tV''^'- ^f^pfAen,. ' 

^ »Grüner hI"'^"' ^P^''^ ^ler ToteS"'.4 r ^^*'^""3' Vorkommende vom 

SrediAt«, p, 9] 95 !" t' '• ^'^^ !■ F P 47^ '^b ^'? »"^'""A »"''f «ich führt. 

' ^- *Landvo^t., p. 233 ^' ^^- ''^^^"^ Amrain«, p. 183. *Sinn=^ 



Gottfried Keller 



237 



r'radtes einen hübsdien kurzen Rode mit einigen Schnüren machen 
zu lassen, dazu ein schwarzes Samtbarett.« (Auch war es natürlich 
eine Ersparnis.) 

Auch sein Kostüm für das Maskenfest wählte Heinridi J^grün 
und jagermäßig«, da dadurdi eine größere Einfachheit niögfidi war 
rür seine geringen Mittel. Dodi war es nodi erträglidi getreu, »eine 
Sroße zimtfarbene Dcdie, ohne Besdiädigung in einen fattenreidien 
Mantel umgewandelt, verhüllte die Un Vollkommenheiten/ auf dem 



Rüdcen trug idi eine Armbrust und auf dem Kopfe einen grauen 
^ilz. Allein da der Mensch immer eine sdiwadie Seite haben muß, 
so sdinallte ich den langen Toledodegen um.« 

Hat Keller das auffallende Kleiden, die bunten Westen der 
oeldwyler mehrmals verspottet, so ist anderseits in »Kleider madien 
Leute« der Erfolg vornehmer Kleidung — wenigstens bei den 
Kleinstädtern von großartiger Wirkung. 

Sdiöne Kleider sind audi ein Objekt der Wunsditräume auf 
aer Heimreise im »Grünen Heinridi«. 

Die Armseligkeit seiner Kleidung trug Keller gclegendidi also 
sehr schwer, 



Wir sind am Sdiluß unserer UntersuAung von Kellers Sdiau* 
t^neb und Eeigefust. Wir konnten auf die Verdrängung und Realvtions- 
büdungen dieser Triebregungen hinweisen und finden in des Diditers 
Werken die Sublimierung. »Der malende Diditer« nennt Berlepsch 
ein Kapitel seines Büdileins und weist nadi, wie sehr das Malensdie 
!" den LandsAaftssAilderungen, Festzugsdarstellungen hervortritt. 
Der Farbenreiditum seiner Poesien wurde oft genug b^wuridert! 
Im^ Aufsatz »Am Mythenstein« zeigt Keller sidi als Sdiilderer 
malerisdier Landsdiaft und zieht förmlidi ™t <1^"'. ™" .fT' 
Untermalung und Lasuren erwägend, so zieht ihn jedes Ueta.l der 
ferbenreidien Gegend an. Der LandsAaftsentwurfe m Worten 
^urde sAon gedieht. Als Selbstbesdiauer ^^J%'^\^f'' "'*' 
nur im TagebuA und dem Satz ^Ein Mann "f^"^;?^.^^^"* ' nnZ 
f 'n Weib ohne Spiegel«, sondern vor allem im .Grünen Hemnd^« 
Und nadi langen Jahren Diditerruhmes .podite spat immer und immer 
Nieder der Alaler an« und den Freunden wurde as besondere Ajis- 
^eidinung ein rares Bilddien gesandt, wenn der Maler für die Weit 
juA längst begraben blieb. Keller fehlte - wie Berlepsch sidi aus- 
drüdit - ;»die nötige Kraft der Selbstbefreiung au dem Gebiete der 
biMenden Kunst. Dafür äußerte sie sidi um so stärker auf anderem«. 
»Den optischesten allerDichter« hatdngeistreidier^euille^ 
fonist^ Keller genannt und dessen mangelhafte Tarkraft in Gegensatz 
S^ebradit zu diesem Versunkensein ins Sdiauen. Im Sdiauen vergesse 
^r das Sdiafifen, vergesse er nadi den Dingen zu greikn. 

^ »Neue Freie Presse«, 30. Dezember 1915. 




Dr, Eduard Hitsdimann 



IL Leidende Liebe, 

Der Psydioanalyfiker, der sicfi mit Gottfried Kellers DiAtun- 
gen besdiäftigt, wird sehr angenehm berührt durdi die Tatsache, daß 
der Diditer die Behauptung- der Psydioanalyse, von der Regelmäßig«»- 
keit und Bedeutsamkeit infantilen Liebens, durdi zahlreidie Bei«- 
spiele unterstützt, Daß der »Grüne Heinfidi« namentlid^ für die 
Kindheit biographisdicn Wert hat, ist eine Voraussetzung, 

Von der Sdiulzeit heißt es dort: »Sogar die Frauenliebe spielte 
ihre ersten sdiwadien Morgen -wölkdien dazwisdien,« Es gibt sdion 
Mäddien, die er gerne sieht, von denen ihm ein Lädieln des Dankes 
widitig ist, die er »Geliebte« nennt. 

Außer mit den Sdiulmäddien hat der kleine Heinridi mit giciai' 
aftrigen Mäddien ansdieinend nidits zu tun gehabt. Die Sdiwester 
Regula ist ja im Roman nldit vorhanden. Vor dem Erlebnis mit 
der Sdiauspielerin im näditlichen Theater wäre nur das erwadisene 
Mäddien zu erwähnen, das er wegen seines weißen Kleides Wolke 
nannte und niAt Abschied nehmen ließ, ohne »seinen himmlischen 
Vater in sehnlidien Ausdrüd^en zu bitten, er mödite bewirken, daß 
sie ihn hinter seinen Vorhängen <er lag im Bettdien), nidit vergesse 
und ihn noch einmal tüd\tig küsse.« Dann folgen die Abenteuer des 
älteren Knaben und Jünglings mit Anna und Judith, »krankhafte 
Liebesgediiditen«, wie sie Keller selbst genannt hat. <Expose an 
an Vieweg.) Auch hier aber finden sich Vorspiele vor den eigent* 
liehen Liebesszenen, durch Jahre getrennt. Als Sechszehnjährige 
küssen Anna und Heinridi einander leidensdiaftlich und gewalt= 
sam: »Wir neigten den Becher unserer unsd\uldigen Lust zu sehr, 
sein Trunk überschüttete uns mit plötzlicher Kälte und das fast 
feindliche Fühlen des Körpers riß uns vollends aus dem Himmel,« 
Eine auffallende Folge, denn »die zwei jungen Leutchen hatten als 
Kinder sdion genau dasselbe getan ohne alle Bekümmernis«, 

Im Gegensatz zum »Grünen Heinrich« finden wir in den an* 

deren Werken Kellers mit großer Regelmäßigkeit kindlidie Vorspiele 

späterer ernstlicher Liebesneigungen. In den Novellen »Romeo und 

Julia«, »Dictegen«, »Hadlaub« und »Ursula« setzt sich die kindlidie 

Liebesbeziehung in das spätere Alter fort. Die Liebe der Hermine 

unci Karls im »Fähnlein der 7 Aufrcditen« hat ihr Vorspiel, die 

Liebe der Luzie im »Sinngedidit« ebenfalls, wenn audi nidit mit dem 

Knaben, der ihr Gatte wird, doA tröstet sie der Bräutigam mit fol- 

enden Worten über ihre »verfrühte, töriAte Leidenschaft«: »Was 

»e erlebt haben, ist wohl zu untersdieiden von der ungehörigen 

LiebesuA verderbter Kinder und widerfährt nur wenigen bevor-- 

zug en Wesen deren edle angeborene Großmut des Herzens der 

Zeit ungeduldig, unschuldig und unbewußt vorauseüt.« 

cht verZrC^rK- A 4- '^ ""*. ^'^ ^^"'^tnis ungehöriger Lieber 

At vederbter Kinder, die natürfidi nidit diditerisch verwertbar ist. 

Krankhaft immerhin erscheinen die «rotisdien Züge des »Meretlein«. 




dessen GesdiiAte einer KrankengesdiiAte einer frühen PsyAose niAt 

unähnÜdv ist. . U^Achen das erwadisene 

DasMeretlein war ein siebenjähriges MadAen, aas ^^^^^^ 

Männer sAon durA ihr Äußeres f''«''^'"f,,Süddidien ersten 
SAönheit war es. .Es war ein Kind aus emer ungludd.d. n ^^^^^^_ 
Ehe und modite sonst ein Stein des Anstoßes se."' 
einen Stiefvater, hatte das MädAen ^/i.^^^. ^ f^^fan, ins Haus 
<offenbar aus Trot2) Abneigung gegen ^^^^^^ " , ^^^^^gc harte 
eines grausamen Pfarrherrn. Hier trotzte es ^^'Jf/', j j,i^,natürlidiem 
Strafen gereizt. Das Kind zeigt Neigung zu i^^^^'ß^^,^,.„|,indern 
Übermut, entkleidet siA gern, tanzt n^A J°^ ^ jj^ Jen Ärzten 
und läuft eines Tages davon, spridit mdit meh ^ J^^^^^^^^^ ^rird 
als irr- und blödsinnig. Nadi einem J^^'^f''\^^^,^i aus dem Sarg 
es sdieinbar tot aufgefunden, eji^Jf"" "^^witren Ruhe gekommen, 
auferstehend, und ist dann endhdi ^ur e g frömmlerisdien 

Der DiAter sAeint das Kind für das Opter ^^^ ^.^.^ ^^^ 

Stiefmutter zu halten, ^-en I^aß ^.skr^^^^^^^^^^^ Porträt deutet 
Totensdiädel auf dem von den üitein g«: 

vielleidit den Todeswunsdi der Mutter an. .^, bleibt 

<Des grünen HeinriA Trotz VJ^ffj^^^^^ gegen 

im Roman unerklärt und ^äre bei _ Keller anaLg ^_^^ ^^^^^.^^^ 

den Stiefvater zurüd<zuführen, der im ^°"j^" ,f .„g „„^ angedeutet, 
Ist hier die aktive Sexualität ^^^JS, Tegel mä Big die 
so sind in den andern Kinderliebesgesch Aren J^^^ .„ännliA 

kleinen Mäddien die erotisdi aggressivei^ ^^^^ ^^^ j^y^y 
Hebenden, Hermine <7 Jahre alt), >"f^^^^ ,,,d Julia auf dem 
ab, »daß es kaum zu zählen war«, ''Lif auf den kleinen Knaben 
Dorfe« legt sidi das Mäddien <5 Jahre) aur ^^„^^ ^_^^ .^ ^,„, 

<7 Jahre), seine Zähne im Spiel ^^h^^"^ ""^ MädAen, ein seltsam 
Den löjährigen Strapinski liebt em ^^^'^^f^n Audi ihm ist das 
heftiges Kind und will nidit von 'hm lasse gemeinsame Außer-^ 
sdiöne Kind immer im Sinne g^^heben )a, e.ne^g^^.^^^ ^^. ^.„^jc 
lidikeit - daß sidi die Loden ^^^ ^^^^^, ., bringt später den 
ebenso im Zorne heben, wie be, )^"^^"\^^^^^ zu vereinen. =^D e 

Liebenden, der nodi zögert, zum Entsd^^^' ^ .j^^.^^ G^he.mm s 
allezeit etwas kokette Mutter Natui ^f ^ e ^^^ ^^^ ^., j^^^,^ , £„ e 
angewendet, um den sdiwierigcn 7^"^^^ J, , ^^^f Reminiszenzen aus 
feine Beobaditung dafür, daß die Liebeswahl 
der Jugend aufgebaut ist. ... »heftige« Küngolt, wcioi 

In .Dietegen« ist es die ^ieben,ahnge ^h^ S ^^. ^^^^^ ^^^ ^^ 

den elfjährigen sAönen Knaben ^^J 'fj'^,' Hals weh täte So. 
sdilafen haben muß. .Er klagte, <i^\'; V^^ „m seinen Hals und 
gleidi sdilang Küngolt ihre 2^^^^" ;^;'reTni;en und wirkliA glaubte 
sdimiegte mitleidig ihre Wangen an die K 

^ ~ Has Tisdigebet zeigt a"* J ;, ^urA ein 

' Trotzige Abneigung ,gegen .^fs ''j^^^,,.* wird unter andeiem 
HeinriA. Und L SAuft Wohlu'end .m »Salandei 
sdieinheiliges Tisdigebet diarakrerisiert. 






m 




a^r^ 



240 



Df. Eduard Hltsdimann 



!*.V,f 1 ^ ""t/ /°". ^^"^ Schmerze zu verspüren, so heilsam 
s*.en .hm dieser Verband.« ^Du mußt mein Mann werden, wenn 
wir groi) smd, du gehörst mein!«, sagt sie. Später tyrannisiert sie 
den Hausgenossen: ^ Alles gab sie ihm zu tragen, zu heben, zu 
ihrA "?Y/ """ verriditen, jeden Augenbhd mußte er um sie sein, 

Ihr das Wasser sdiöpfen das KörbAen halten und die SAuhe 

binden, und selbst ihr das Haar zu strählen . . ., wollte sie ihn 
A axx-j1 "^ "'^^^ anderes, als masodiistisAe Unterordnung, 
aie das Maddien verlangt, - respektive der Diditer phantasiert. 

»Kasdi und sehr heftig« ist audi die aditjährige Fides <in »Had- 
iaub«>, der zehnjährige Johannes muß ihr dienen, sie durdis Wasser 
tragen etc. Man muß aus diesen Beispielen sdiließen, daß Keller dem 
weiblichen Wesen mehr Liebesbedürfnis zuspridit. Vrendien ist 
es in »Komeo und Julia auf dem Dorfes die leidcnsdiaftlichsinnlidi 
»einmal alles GIüA empfinden will, eh alles vorbei ist*. Das Liebes- 
bedurfms der Witwe findet sidi wiederholt betont, so bei Judith, 
rrau Amrain, 1 herese im gleidinamigen dramatisdien Fragment etc. 
rrau geller mag, da si^ wieder heiratete, als Vorbild gedient haben, 
in .^.-n. ' S u ' ^'."^iderspru dl hervorgehoben werden, daßKeller 
»GrZn h''^ -1" ^.°:J'1T '^i"df'*<^" Liebesszenen dargestellt hat, im 
ma. .^5? HemnA. jedoA davon nidits erwähnt. Dem PsyAoanalytiker 

Relu ätin ; Y-i^-F''f ^"'"" "^'ä'-^"' ^^« "^'-^ der Streiäung 
dTzen!n ^/."d]'*^" Liebesspiele zwisAen Bruder und Schwester 

oder sZmhT ^^r ^"'""' ^-A- ^'<*f'^^'-' ^^^ wegen verdrängter 
dem Ve^^P tn versAw.egener Dinge eben audi die MitsAuIdige 

sid^ r3. V 1 '^ T'?""" "^"'^^^- Es hätte dann die An- 
Sidit Regulas Gottfried habe sie aus seinem Lebensroman weg- 
ff:^ff 5"' *3ls sdiäme er sfdi ihrer«, - eine tiefere Bereditigung. 
Viel/eidif genügt es, einstweilen festzuhaken, daß Gründe zur Ver- 
mutung bestehen, Regula sei das Vorbild jener heftigen, herrischen, 
liebesuditig küssenden Mäddien gewesen! Als Esthercfien im »Pankraz« 
ist sie übermütig und überlegen genug gesdiildert. 

Es wurde bereits darauf hingewiesen, daß Kellers erste eroti- 
sdie Eindrüde, soweit wir sie aus dem »Grünen Heinridv«, weni- 
ger den anderen Werken ersAIießen können, vom Sdiauen des 
weiblidien nadtten Körpers, der Sdiultern, Brust und Hals insbesondere 
erfüllt sind. Die Frauen bieten die Nuditäten unbewußt dar, z. B. 
die Sdiauspielerin, da sie eben aus dem Bette sich erhoben hat, 
andere beim Frisiertwerden etc. oder gefegentlidi absiditlidi, wie 
Judith in der Badeszene. Ein aktives Vorgehen des Mannes aber, 
ein Entkleiden der Frau z. B., wird nie gesdiildert ^ 

Es erweist sidi nun als zweiter, durdigehender Zug der Sexualität 
von Kellers Gestalten daß die weiblichen Wesen, und wären es 
nod) die klemen Mäddien in den infantilen Liebesromanen, die ver- 

Bäditold '^>* '^'^ Mädchen im Traum vom 15. September 1847 sind aktiv. (Vgl 



liebten aggressiven, den ersten Kuß gebenden oder glühend ab- 
hebten, ^Sgressiyen kindliAen Liebesbeziehungen im 
küssenden sind, tis wurde dies rur u k «^"«^ u^u^„r,tUA^ «nlf4i(»^ c«; 
Detail eezeipt <im ^Grünen Heinridi« fehlen bekannthdi sogie), es 
erübr igt^aS^noA diese Eigenart an den Liebesgeberden der ErwaA. 
senen zu erweisen Sdion Otto Brahm ist es aufgefallen^ daß mAt 
TM^^ner sondern die -ibliAen Wesen die stürm^^^^^^^ 
Da die Helden, besonders der grüne Hemridj sAuAtern und zwei 
felnd sind, Mst die ihres Gefühls ganz s diere und d^m Ue 
liebten halbwegs entgegenkommende Frau< das ^eibhA^^^^^ 
<Brahm>. Damit in engem Zusammenhang steht die Wage ^^^^ 
Mann oder die Frau wählen solle«, d.e ^'^.fj^'^^^i^^^^^ 
übergroße Rolle spielt. Eben der au%eworfene Zwe.fdze^^ 
den DiAter in seiner resultatlosen Werbe- ""^^^^.^^f^^^^^^^^ 

Das dritte MädAen, dem Reinhart ''^/SmngeAA« begegnet 
will ihn zwar küssen, maAt ihn ^^er aufmerksam, er reise da^^^^ 
»mit dem SAimpf davon, geküßt worden f 'Z' ^1," J^l^ 
MädAen.« Reinhart weiAt nun zuruA "/f . d;ese Dame, Ac ihm 
sein auffallendes Verhalten vorhält, - bleibt ungekußt. A^s er 
später die GesAiAte mit angehört, ^'^ ^^'"^ ™L 'J^^^^^^ 
zwei Bewerbern gewählt hat, sieht er, daß er selbst niAts anderes 
fsIUlsTer Sohn der willkürhAsten Manneswahl einer übermütigen 
Jungfrau<< ^.^ „oA dadurA, daß die Liebesszenen 

vielfaA eine masoAistisAe (leidende) Situation dem Manne od^r 
KnabSi zuweisen, so daß ein passiv-masochJstischer Zug dm A 
das von Kellern seinen Werken phantasierte, wohl seinem erlebten 

^""^ÄtS'^HeTnrfA^siA von dem Wolke genannten Mäd- 
4, iiAf,V abküssen lassen will, während er im Bette liegt, ist noA 
*At autfanend Tb"er daß die SAauspielerin den Kleinen erst an- 
niAt f""^''^"^; ,;^< . .L- sie ihn abküßt und dann quer zu ihren 
^''r' in? BeÄrist eine masoAistisAe Phantasie. So liegt auf 
Fußen ms Bet legt ist em ^^p^^^„ steinerner Ritter, ^dem 

l^be^lÄVnn 'r frühe Leben im Kopf und Herz zu ru- 

"""'^ NoA klarer ist das Verhältnis mit Judith, welAer der Jüngling 
HeinriA eine Art Lustknabe ist: Sie »ruft ihn gebieterisA zu sidi 
und hält ihn fest«, »kriegt ihn beim Kopfe und preßt ihn auf ihren 
SAooß, wo sie ihn ziemlich derb zerarbeitet und walkt, daß ihm 
die Ohren sausen.« Es entsteht ein Kampf erregter Kräfte; HeinriA 
flüAtet reuig zu Anna, die sexuelle Erregung der Judith ahnend. — 
Der Name Judith enthält allein sAon Erinnerung an die Bluttat 
eines weiblidien Wesens! 

Eine AarakteristisAe Situation wird im III. Bande gesAiMert: 
»Judith drüdtte, da sie auf dem Rande des Bettes und iA auf einer 
altmodisAen Kiste zu ihren Füßen saß, meinen Kopf auf ihren 
SAooß und verband ihre Hände liebevoll unter meinem Kinn.« 






I 



Ima^o IV/4 



19 





mann 



ich l"es äfsH.'^.^"^^ "; *^'^ K'"" -- ^OSM eine Ohrfeige, 
iT .Diet^'e, * •'?' r^L ^"^>'-gnügen. als aus Zorn.. - 
SAuhe scinü /n "d '^"' ^"'^ ^""^'^^ Wiener und muß ihr die 
GelXn sS '" '^°"^^° ""d Julia« läßt sich Vreni von ihrem 
rand s tzt und .nr' r?f :i^ H ^"'^^ ^°'' ^^r, die auf dem Herd- 
den Fuß fes i . "^ u^'. '^"^' ^"^^^ ^'^^•- ^"* rot und hielt 
Aen ihn no^ ZT" """^?' ^^nger als nötig war, so daß Vren- 
noA dnmallr ' 1 ''T?^ ^"«•üd<zog, den $er..irrten Sali aber 
Nimmt m^"^ T^^'^'l ""^ ^^^''' ^^"" '-'ber fortsAidcte.^ 
Gottes >^kl.?,lf" R /^^,^/"^^"* ^°''' so findet man die Mutter 
und Ritter ai^'r Brunhi de« den Teufel umklammernd bändigen 

des Besehe n unri'''5' \'''^^".- ß'""^^^ »^""'^^ ^^^ -"f ^er Brust 
das Zöpfien. "' "" "*"" Sdmurrbart ab, ein anderesmal 

anders^behandffr Yl'^u -^''x ^°" ^^'" ^" bekehrenden Dirne nidit 
über 70 Ä/' ^r't ^°" ^'^'^h- - Ein Weib wird Abt 
Phantasien '■ '''* ^'^^^^ ^"^ ^^•'""ert an masodvistisAe 

Frauentyput"de^^Kin?' h ?^ MasoAisten Aarakeristisdi ist der 
vollste ist und von i "''^'!r'/ T?^'^^'^^ ^^"^ DiAter der reiz. 

ist »von'lhe"m u^d tTerw"L''"^'^'^""^/-^^^;i"^S f" ^■ 
und Kraft eesAilderf Ä Wudise«, von off männlidier Haltung 

Frau, ^.ar .um ein' Knf'lf- ^'T^^' M"«^'' >'^^"' ^^''''"S^ 
Muttergestalren w^P^D^'^r 5; ^'^ «^r Sohn«, sind die idealen 
JustinTStte "V^ T " ^'?.' ^"^'■^•"' d^« J^kundus und der 
die Sonne nid.; l"'')"' '^^^''^ ^°^^ ^^^''^i^e Gestalten, >AIs 
es im "verÄ'iai^^^""^^ ""' ?^ ^^c^' ^^^^^^ Gestalten«, heißt 
waAsen luZTT f ?*^"^-^- Besonders hoA war Frau Clor ge. 

im Tod; n^i 7r^'' Frau Amrain starb, »streAte sie selbst siA, 
sart. • rff^ I? 1 ^ ^"' ""^ "°* "'*^ ^^^d ein so langer Frauen^ 
sarg ,n die KnAe getragen.« NaA Ricarda Hud, waren die Mäd- 

Ate Ar ^q'' "^'.'J'"^'"-" ^^^'■°'!?,' ^*°"^' wiKenskräftige 
begabte MadAen«. (Sie erwiderten seine Gefühle niAt mit Gegen» 

Jieüe, sondern nur mit herzIiAer FreundsAaft.) »Kellers gesunder 

mannlidier Instinkt, damit auA seine diAterisAe Neigung ist auf 

die hohen, vornehm-starken Gestalten geriAtet gewesen«, meint Otto 

Jtoßl,- »volle, reife, sinnliA siAere, aber zugleiA weibliA würdige 

Maturkraft ist sein Traum vom Weibe.« 

Es lohnt SiA reAt der Größe der Frauengestalten in Kellers 
Werken naAzugehen, aber auA im übertragenen Sinn sind die 
brauen oft starker als die Männer, überlegen an Willensstärke, 
Arbeitskraft, Charakter. Frau Amrain erregt durA ihr manngleiAes 
Politisieren und Are lange Rede das Staunen ihres Sohnes. 

Man lasse nun die folgenden SAildcrungen von Mann- 
weibern an siA vorüberziehen, die eine ganz eigenartige AAteri- 
sdie Vision darstellen,, man hat den EindruA zwitterhafter Gestalten, 



1! 




T^ u- tj^r. männlidicr und wciblidier Züge, und fragt 
von einer Kombma lon manni^er un pj^ters mitspiele. 

siA, ob niAt f * f ^^'^^"^"/„f h r">G^ünen HeinriA« 'die be^ 
Wahrend f^.f .^^^fri'^h.em Haushalte war, den Grund 

wegende ^^^^^ll'^'^^^^'^'l^^^^ das Heft in den 

zum jetzigen Wohlstand gelegt hatte unü )^^^ j^ ^^j^^, 

Händen hielt, war ihr Mann einer von denjemgen ^^^^^ 

ErkleAUAes gelernt haben -fjf-^reine^r kräftigen Frau und 
angewiesen sind, ^^^J.//"^ ™"tm SAilde ihres Regimentes ein 
auf eine mußige Weise unter «^em 
weidilidies ruhmloses Dasein ^u f"'^^"/.. <_ ^in^tn alten Husaren, 

Frau Marianne -^f "^.^ ;f ^^^^ Wad^tmeister 

als einer Wirts Aaftsdame. Sie tludite w ein p gewaltiges 

und wenn ihr Mißfallen erregt wurde o S^^ ^^jn J ^^^^^ 
Gewitter, daß alles auseinanderfloh, sie Denerrsa 
mit unnadisiditlidier Sf-ejige, k^ndlidi und entsdilossen 

.So lässig Z-delwald war ^o "^j^^^; ^^ ^5, ^^ 
war seine Mutter, ohne daß es ^ J'fJ^"^^^^ geltend gemadit 
seits diese Eigens Aaft ebenfalls ^^^''^t''"^^^^^^ Jar eine 

und daher zur Zwedlosigkeit ""^f^^"f^^^„f/'^i,de Tauben und 
vollkommene Jägerin, sAoß mit l". ^^f ^p"^ ,1^ aus den Bädien 
Waldhühner nadi ^dusien aui^f^^^s^J'ov^^^^^^^ ^ 

und pflasterte eigenhändig das SA oßAen m^ ^al ^^ ^^^^^^^^^^^ 
wo es sdiadhaft geworden, k - • aus ^i^Sei. "m ^^ 

besserte sie das zerfallene Dadi des ^Aloßturmes aus so 
der^uten 2endelwald angst und bange ^^^en^lie^elT^^^^^^^^^ 

^eist das überkgene Der Mann aßt ^ * ^'*^^"^^j,j^HAkeiten wer- 

er wird erzogen, ^f^^df^ Web Mütter, 'die ihre sAon heran- 
den verbessert -- durdi das we ^^.^^^^ ^.^^ ^^^ 

"^'^S^R^ltttVlTsAwankenden Mannes,« sagt K5ster^^^^^ 
eine unbeirrt und siAer dahinsAreitende Frau, sei es die Mutter, 
die SAwestcr oder Gattin, ist ein Lieblingsmotiv des DiAters.« 

Erziehung durA Mutter und Haus, Liebe und Geliebte smd 
Grundprobleme von Kellers DiAtung <StößI>. 

Daß diese passive, siA unterordnende, leidensfreudige Ein- 
stellung Kellers ganzes Wesen erfüllte, läßt siA niAt nur dem 
andern GesAleAt gegenüber naAwcisen. Die lügnerisAe Phantasie 
des sAuIpfliAtigen kleinen HeinriA weiß, da er die Herkunft ob- 

I Äfinlidi Frau Buz im >NaiTen auf Manegg«, dodi erhält sie Prügel, 

16* 



: ; : f ! 



szöner Worte ' rprf.fr • ~ ~~ 

sleVn^J 1^^ ^--m "£5d[; fe" ^^-^V^e. .u gehen, ak 

zwil?/ ^" ^'"^" ßaum festbiSn "^''"^.^""^^^•'sch erfundenen Er- 
h7iT\f^'''^ Äußerungen zu r' W ^"^"" ^*'^^^"' ""^ «o 
öe. den Ohren, s^fägt ihn^Heinn-r ^"''"'f P^^^ '^^ ^i" ß^uer 

ungereA,,„ BesAuIdigln^^^^^^^^^ gegenüber der 

uJ^^ grünen HeinriA <ke leS .L^ ^'f'^"^^'""'-^ '" i^"^«" SAufaffäre. 
Umer/assung, die so foI^eS J"'^''^l°^^^" ^^^^^^n ließ, ~ eine 

Heinrich« ^arakteriskiV Äul^ru^/^ Q°"l' f^^^ '■" ^Grünen 
mnfi. *^' * ^'''^ Kot und D "^'"•. ^° H^' « einmal: 
mußte so heß eine aszet sAe r an!f " ■''/'' ^'^' f^'"^'" wandern 

eme ^^öpferfd^'e xTau^nf^dM "^'"f ^''•f'^- «o mächtig, .daß 

Empfindungen den SH^f^f ^ "P^^'^^^ten Leide Peoaarten 
Man ■ ' ■* "^'^ vollkommen 

;,^J'V"^«uÄ'festlndlT "r,^^"^ ^^G«-""-" HeinriA«: 
^"^ e.nen andern Aussprul k1 L J'^^^l^^" ^^« Leben febendig«, 
rWer feeine bittern eS*..'' ^^7 ^'^'^^^''^ ^^« Leide" lok 
Mahze, und ^,r keSe fe f ?1 ^"'" Leid kennt, bat keine 
den Leib, und u^er diesen md.r hfS^''^*'"^'"^ "'^^ ^^n Teufel in 
be.ten « Übel und Unglüdc sh^H kV^' '^""" "''^'« Kernhaftes ar- 
auszulasten hat <R, Hu4> ^ ^'"''" "^^^« Gegebenes, das man 

^ehn Seldv^yler Gesc^^Ven ^^d ' . -"'"^^dyssee, und von den 
Sieben^^ählungen - Läuterungi. ^''° ^''^"^ hervorhebt, 

anar.s;jl^. ?.^^^""'' ^"^^ obsz.ne Worte., Zeitsd,r, f. ärztfAe Psyche 

Hohen:. D;;ttr,Vl\Yx^-Jl"t-«- ^°" ^'"^-" -^ Ju.end- 

. ^.s^^or.anische Bedingen, eine gewisse sado-.asoch.-stlsche 

',2l^f;"EhSl?etes^fö^''^'jK";^ dessen Eigner dann lefdit veran- 

öj <iie Liebe zu dm VerWet. /. T^"?!"' .^°^'^ 

^i Atigt, was es von Tme seS' ^''\ ^^^ ^'"^ '^ dessen fälsAV.A k- 

losigkeit, welAe der EntrSm,l"!3 ^'.^'/T^^ ' " ' ^'^ «''«°'"te Fülil» 

- : ?eset2t wird, sowie dam 3 e rDär^'/f '*'[* ß^ziAtigten cntgegen- 

dnn die ^pate, dafür aber um so tiefere Reue, 



Gottfried Keller 



245 



Die extremste masodiistisdie Phantasie ist die des Todes, des 
Sterbens. Abgesehen von der Tatsache, daß in Kellers erster, sub- 
jektiver Periode, so viel von Tod und Friedhof in den Diditungen 
die Rede ist, springt das Ende des »Grünen Heinridi« hier ins 
Auge: In der ersten Fassung stirbt der Sohn der Mutter alsbald 
nach, den Keldi der Sdiuld und des Leidens leerend. Der umfang* 
reiciie Gedichtzyklus »Lebendig begraben«, der die Situation des Im- 
grabeliegens ausfühflidi schildert, ist, wenn audi auf eine Anregung 
von außen gesciiaffen, beweiskräftig genug. 

Öfter schon hat man behauptet, die letzten Äußerungen, die ein 
großer Mann auf dem Sterbebette madie, seien eine seltsame Zu^ 
sammenfassung seines Grundwesens. Adolf Frey erzählt nun in 
seinen Erinnerungen, Keller habe auf dem Sterbebette folgende 
Äußerung getan: »Oft wenn idi in der Nadit so daliege, komme 
ich mir vor wie ein bereits Begrabener, über dem ein hohes Ge= 
bäude emporragt und dann tönt es immer: icb schulde, icb dulde.« 
Eine durchaus masochisttsdie Vision! 

Haben wir früher ausführlidi klargelegt, daß durdi die ganze 
Persönlidikeit unseres Dicbters, wie insbesondere durdi seine Erotik 
ein Zug von Passivität, Leidenwollen hindurchgeht, so dürfen wir ander- 
seits jene Andeutungen von Heftigkeit und Grausamkeit nidit 
übersehen, die sieb vorfinden. Denn aucb die psychoanalytische Er^- 
fahrung steift die Behauptung auf, daß Passivität und Masodiismus 
nie primär, sondern nur im Gefolge des Sadismus und in Kombi- 
nation zutage treten. Aus Kellers Leben sind seine Anfälle von 
Wut, in denen er, durdi Alkohol gestärkt, irgend jemanden fest ver- 
prügeln mußte, bekannt,- namentlich aus Weltsdimerz und unglüdc^ 
lieber Liebe kam es zu solchen Reaktionen des stillen Träumers. 
So sagt R. Hudi; »In soldien Wutausbrüchen durchbrach zuweilen 
das unterirdische Feuer sein natürliches Phlegma.« Und O, Stößl: 
»Dann konnte er in einer dunklen Gasse in später Nadit seinem 
Unglück nachhängend, mit irgend einem beliebigen Kerl Streit an- 
fangen und ihn nadi Leibeskräften holzen, an einem unsdiuldigen 
Objekt seinen ganzen Zorn und sein lang unterdrüdites Gefühl 
weidlidh auslassend«. Als infantiles Vorbild mag das Verhältnis des 
grünen Heinrich zum Meierlein gelten, gegen welAeii er »eine be- 
ängstigende Abhängigkeit fühlte«. Meierlein hatte ihn als Gläubiger 
vollkommen in der Hand, und verfolgte ihn, als Heinridi ertappt 
war, in grausamster Weise. Ein tiefster Ingrimm erfüllt nun Hein- 
ridi, der sidi bei einer günstigen Gelegenheit in einem Ringkampfe 
austobt/ »eine volle halbe Stunde« dauert der Kampf! Heinrich sdilägt 
sogar dem Gegner die Faust ins Gesiebt und bleibt Sieger, Er fühlt 
sidi :!>an allen Gh'edern ersdiöpft, erniedrigt und seinen Leib ent- 
weihet, durdi dieses feindlidie Ringen mit einem ehemaligen Freunde.^ 
Ein früher Traum Kellers — der Diditer war kaum fünf Jahre 
alt — mag als Beweis gelten, daß auA seine Phantasie gegenüber 



* 




Vermählung feiern verstand {/ '^^f? ^°'"^^' "^^^ weräe ih?e 

darauf vo,/ihr. d h voTi'- P ^'™^^'""S^^ ""^ ^''äumte gle.U 

iHn lan^ Jahre, .ot t/'S^tf nt^^^^^^^^^^^^^ E'"^-^^' ^- 

verkehrt offenbar lr'dfe"ln?.H"^'-''" ?'"n^^^ interessant, denn er 
rnit Mehl <Puder> eL.estauS !!' -" t' ^"'" ^"^^eidete Säugling 
War, daß der Traun ^uAlr^ '"' H' ^'^'^t ^irdA Es ist ■ 
griffes Vermähfun/<Ver„tKf \ ^'"^"1^1'^*^ Darstellung des Be. 
wedislung zwisS VernT ff "^^ vorführte Daß aber die Ver^ 

l^storisA^zu begründlr^;^"hi K^ff^""^ ^'- ^■--*^' 

Dodi bei den alten RömPrn fft 5'"f. ^^^^^ ^^"'^'- "i^it gewußt, 
hergeleitet von pan^ faTelT def .^" ^^™^'^'-S ^Confar^eatio«, 
^ Kellers Humor isT ±f ^.^'"^'"samen Opferspeise. 
Seine KarikaturenTnd vLSfrl?^''''. \°" grausamem Charakter, 
^n dieser RiAtung wurln 1 Ro^v '^''^' ^^'"''^^ Übertreibungen 
^orfen, so besonders von V' ^^['^^ cY^" ^^" Kritikern ver- 
Baronin«. ,Wie zum Teufpf f^r'"" -^'"^ Situation in der »armen 
sdireibt Storm an Keller „nc-^'" '''. P*"^ empfindender Poet,« 
götzh-Aes ausmalen daß ein uf ""'• '^'t" ^^^eit als etwas Er- 
Ehemann nebst Bräden "ur F''»-'"""' ?''''^''"' '^''" ^'''^'''" 
sdreußlidier, possenhafter Ülr^ i'^ '^'^' Festfreude, in so 
Steifen finden sidiXv.riinf^^'S^^'^^"^^'^ vorführt!« SofAer 
Sadismus sIümS. lerdrZ? '"' ^"^ M^'"''^^" »^^«^ Heller seinen 
an siA arbeitet zeiVtltP^/'' T '' '".t^^"^ ^inne bis ins feinste 
^es >^Grünen He'nr?A< 1 p'^'T- ^'^'" '^^'" ^^«'"t^" ^^«^""^ 
so lange dauerrund v. S^'f "]'' ^^'^^'^''" " ">"*t mehr 
Maler nimm"^;imehr|e F^o ?"'" "'*' T^'' ^^^°^« ^'''d- ^er 

W.r konnten in diesem Kapitel Kellers Wissen von der in- 
fantden Sexuahtat naAweisen sowie die sdion in den Iu7end' 
t.Jr rf " t'^."^^^«'«^'«*; Aktivität der weiblidien Wesen Ferner 
^TvS; fro^ß uTd oÄgtTetählr l?Z ^ ,^" 
r^Aes^üd^ternes Wesen dLu C'erhä^^et ^at P^rX- 

^ M cfi^ M?^!Ä ^^- ^'^'- 1S^4. BäAtold, III. Bd. p. 138 
bar vor dieser Tr^umäh?ut TT 'l^-^*^>f?^ -* daraus' daß es unn^ittel- 
des die Mutter uXlsÄRnahr? ""^ u^"" -^"^ ^''^'■' *^^" P^^^*"^ ^''^''^ 

' Vgl. Ottokar FTscrer?nr^-'''^' "^ ''''"' Mißverständnis.« 
vgl. uttokar hisciier, »Die Träume des grünen Heinridi«. Prag 1908, 



Gottfried Keller 



247 



lidikeit etwas Unmännlidhes, Uneiicrgisdies, nicht zum Freien Ge- 
eignetes. Seine Grotheiten^ und namentliA die vom Alkohol 
ausgelösten tätliAen Ausbrüche bestätigen als Regel die Ausnahme. 
(Wir lassen hier unerörtert, ob eine feminine Einstellung mit- 
spielt.) 

Daß Kellers selbstbiographisdier Roman eine Leidenslaufbahn 
darstellt, ist begreifliA, und redit diarakteristisdi nennt der Diditer 
selbst den Helden darin einen »Nidithelden« V das Ende ist der Tod. 
Man vergleidie dazu Kellers Hochsdiätzung der Odyssee, die sidi 
audi in Übersetzung in seiner kleinen Bibliothek fand. Die Mehr- 
zahl der Novellen sind Leidensgeschichten, pädagogisdie Schindungen, 
Läuterungen *. 

Das passive, nicht zugreifende Wesen sdieint — in Beziehung 
zur Malerei — kein förderlidies Moment zu bedeuten. Keller war 
ein Träumer und als Diditer trug er die ausgedaditen Novellen 
selbst jahrelang in sidh herum, bis er an das Niedersdireiben ging, 
zögernd, unterbrediend. Als Maler entwarf er die Bilder in Worten, 
<es sind solÄe Landsdiaftsbilder in Worten im Tagebudi enthalten), 
die Ausführung ging nidit oder viel zögernder vor sidi. Hier zeigt 
sich uns ein Übergang vom Maler zum Diditer. Der Maler sdieiterte 
endlidi. Nodi ein zweites falsches Ziel hatte Keller sidi gesetzt: dramati- 
scher Diditer zu sein. Es sdilug gleichfalls fehl! — Keller hatte ein 
großes Haupt und einen kleinen Körper. Ricarda Huch findet 
»einen Riß in seinem Leben: ein Übermaß des Intellektes, dem ein 
gleidi starker, auf das tätige Leben gerichteter Wille nidit ent- 
sprach.« 

(Fortsetzung folgt,) 



Vgl. Briefe an Justine Rodenberg und an F. T, Visdier. <Bäditold p. 480, 469, > 
VfI. Brahm. d. 69. 






= Vgl. Brahm, p. 69,