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Full text of "Internationale Zeitschrift für ärztliche Psychoanalyse I. Band 1913 Heft 1"

INTERNATIONALE ZEITSCHRIFT 



PiJa 




ÄRZTLICHE PSVCBOANALVSE 



OFFIZIELLES ORCSASr 



DSIt 



INTERNATIONALEN PSYCHOAKALYTISCHEN VEREINIGUNG 

HEaiüSGEIilESEN VON 

FROR DR. SIGM. FREUD 

EKDIÖIEHT TON 

DB. S. FERENCZI uhd DR. OTTO RANK 

BDDAPEST WTBK 

ONTEB STÄHDIGEK Mn'WIBKÖKG VOH: 
Da. KARL Abraham, Behuw. — Db. Ludwig Binswanger, Kngtizi-iHaEw. — 
Du. Poui, BjERRE, SrocaEnoLw. — Du. A. A.Bsiti,, Kaw-lTonx. — Dß. TaiQAHr 
BURROW, Balumohe. — Dk.M,ede8, Lomjjoh. — DilJ.'Vak KHue», Hjüw. — 
Dr. M.EitiKgon.Berlo). — Da-PAUL Pedbrn,Wiek.— iJB^BDDAteiVHlTBCflUMOt 
WlKF. — Db. L.JBKELS, WiKM. — BbOF. ERNE3T>^J0NB«, 'CoaflH?«. — £oa, C: o! 
JUNG, ZtJBicD. — Db. Frjeör. S. Khauss, Wieb. — ÜSk, jUlpftoMse HMbsic, 
ZöWCB. — Dn. 1. MARCIMOW3KI, SlELBKCK. — Pr!Wj I^KIOSAÜ^^BAiiCBANT, 
PölTIEBS. — Du. OSKAR PPtSTEH, ZÜRICH. — FfiOf .^ JASWJI J. POTN««,. BOB««.' 
— ÜB. R. RBITI.ER. WlüK. — Db. FHANZ BIKLIN, ZdhiCH. — Db. liANHS SAÖHS, 
WiHS. — Db. J, Saogbr, Wien. — Db. L. Seif, MShcbhs. — Dr. A. .StäSCEb, 

HOQTEB-nBIDB. — Db, A. STEGMAN«, DrsSDEH. — Da. M. WüCFP, OBBäSA. 



I. JAERGANG, 1913 
HEFT 1. aAJ!fUAB 





1913 

HUGO HELLER iS; QE. 
LEIPZIG UND WIEN I. BÄÜEBNMARKT 3 



s-- 



D 



ie naus Zeitechrift, die Piof, Frevid an Stelle dea „Zentralhlatt für 

Psycho aüaiyae" nnmn&lir liecausgiht und zn welcher nahezu alle 
Mitarbeiter des Zentralbiattea übergegangen sind, wird dieselhcn Äbsiahten 
verfolgen wie dag Zentralblatt, solaaage dieses von. Prot Fread heraua- 
gogeben -wurd«. Sie wird sich bemühen, deja Anfänger darcti didattiache 
Aufsätze eine Einfühlung in dae Wesen and ifi«. Übung der Psychoanalyse 
IQ geben; sie wird den "Vorgeschrittenen; GeleEenlbflii^ ziun-AtiBiaosch ihrer 
Bilahmngen bieten und sie dnrcL Kritiken imd-IÖBfearato, fortlMifBnd von 
äer Entwicilung der jungen Wißsenscbaft antejrrlc&beD. 

Die neue Zeitschrift vrixd ehenso wie das „ZeätraHtlatt'', dessen 
Wsk Bie fostfi«tzt, OtigiäalarheicteB zum ÄÄKsck Wöigeiii, von 
denen eine ErweitMung oiiserer psyehoanalytiechen ErkeoptiÜBse zu 
erwarten ißt, tind Mitteilungen, durch welche die bekannten Lehren 
erläutert und bestätigt werden boIIgd, 

Die VeerÖffentliehung umfangreicher dokumentarischer Arbeiten uud 
die Diskussion der noch atrittigan schwierigen Probleme der Psychoanalyse 
bleibt nach wie vor dem „Jahrbuch fltr psyeboanalytiaehe -and peycho- 
pathologische Forsdi^mgen, redigiert von C. G. Jnng", überlasaen, während 
die Anwendnüg der Paychoanalyae auf" die G^iateswisaenacbaften der von 
Dr. Rank und Dr. Säeha redigierten „Imago" vorbehalten is-t. 

Ea ereeheinen jährlieh sechs Hefte der neuen Zeitsekrift, jeden 
aweitan Monat abwecbaelnd mit ^Ima-go", im Gcsämtunifeug von ca. 
36 — 40 Druckbogen atun Jahrespreis von M 18,— = K 31,60. 

Auch wird ein gem&inaames Äbonnßnient aal' die beiden paycho- 
junalytiscLen Zeitschriften zum ermäüigten Gesam^ahrespreis von M 30.— 
= K 36.— eröffnet. 

Redaktion und Verlag. 



Für die Redaktion bestimmte Zuschriften und Sendungen im: 

Dr. S. Fereitczi, Budapest, VII. Elisabethring 54. 



Alle Mannskripte sind voUkommen druckferfäg einzusenden. 

Sämtliche Beiträgti werden mit dem einheitliche^ Satz von E 50. — 
pro Druckbogen honoriert. 

Von dsn„Originalarbeii0n" uad „Mitteilungen" erhalten die Mitarbeiter 
je 50 Separatabzüge gratig geliefert. 



Copyright by Hugo Heller & Cie., Wien, I. Eanemmarkfc 3. 




INTERNATIONAL 

PSYCHOANALYTIC 

UNIVERSITY 

DIE PSYCHOANALYTISCHE HOCHSCHULE IN BERLIN 



Oiiginalarbeiten. 

I. 
Weitere Ratschläge zur Technik der Psychoanalyse.') 

Von Signi. Fr«nd. 

I. Znr Eioleitimg der Behandlung. 

Wer das edle Schachspiel aus Büchern erlernen 1^111, der wird 

b^d erfahren, daß nur die Eröffnungen und die Endspiele eineerschöpfendB 
systematische Darsteliang gestatten, ■während die unübersehbare Mannig- 
faltigkeit der nach der Eröffifiiing beginnenden Spiele sich einer solchen 
Tersagt. Eifriges Studinm von Partien, in denen Meister miteinander 
gekämpft haben, kann allein die Lücke in der ünterweiaung auafiillen. 
Ahnlichen Einschränkungen tinterliegen wohl die Regeln, die man für die 
Ausübung der |)sychöanalytischen Behandlung geben kann. 

Ich werde im folgenden versuchen, einige dieser Regeln für die 
EinleitQDg der Kur zum (xebrauche des praktischen Analytikers zusammen 
m 3t^Ie:n. Es sind Bestimmmtgen daroniet, Öie kieiulich erscheinen 
mögen und es wohl auch sind. Zu ihrer Entschnldigung diene, daj3 es 
eben Spielregeln sind, die ihre Bedeutung aus dem Zusammenhange des 
Spielplanes schöpfen raässon. Ich tae aber gut daran, diese Regeln ala 
„Ratschläge" auaziigeben und keine unbedingte Verbindlichkeit für sie zu 
beanspruchen. Die außerordentliche Verschiedenheit der in Betracht 
kommenden psychischen Konstellationen, die Plastizität aller seelischen 
Vorgänge und der EeichtuiQ an detemünierenden Faktoren widersetzen 
sich auch einer Mechanisierung der Technik und gestatten ea, daß ein. 
aonat berechtigtes Vorgehen, gelegentlich wirku-ngslos bleibt und ein für 
gewöhnlich fehlerhaftes einmal zum Ziele führt. Diese Verhältnisse 
hindern indes nicht, ein darchsehnittlich zweicfcmäßiges Verhalten des 
Arztes festzuateüen. 



*) FoTtsetnmg einer Beilie von Abbandlnngen, welche im , Zentralblatt fflr 
Psychoanalyse", 11, in Hoft 3, 4 ani 9 Teröffentlichl; worden sind. (Dia Handhabniig der 
Traumdantong in der Psychoanalyse. — Zur Dynamik der Übertragung, — Hat- 
scliläge filr äen Arzt bei der psycho anal jtJBchen Bahandliing, 

Zeitechr. t. intl. IijiihDaiiHlrBB. 1 



2 Sign). Freud, 

Die wichtigsten Indikationen füi die Auswahl der Kranken habe 
icli beiejts vor Jahren, an. aad««r Stelle asgegeben. Ich wiederhole sie 
darum hier nicht; sie haben unterdes die Zustimmung anderer Paycho- 

Mtalytiker gefunden,^) Ich- füge ahet hinzu, daß ich aiich seither ge- 
wöhnt habe. Kranke, von denen ich -wenig weiß, vorerst nur piovisoriseh, 
iäx die Daaer von 1 — 2 Wochen, anzuneihmen. Bricht man ianerhalb 
dieser Zelt ab, ao erapart man dem Kranlen den peinlichen Eindruck eines 
verimgl&eliten Heilimgsveranehea. Man hat eben niu eine Sondierung vot- 
genommeB, um den Fall kennen zu lernen und um zu entscheiden, ob 
er für die Psychoanalyse geeignet ist. Eine andere Art der Erprobung 
als einen solchen Versueh hat man nicht zur Verfügung; noch ao lange 
fortgesetzt« Unteithaltungen und Acsfragungen in der Sprethatonde würden 
keinen Ersatz bieten. Dieser Vorversuci aber iat bereits der Bfeginn der 
Psychoanalyse und soll den Regeln derselben folgen. Man kann ibn etwa 
dadurch gesondert halten, daß man hauptsächlich den Patienten reden 
läßt und ihm von Au£klärungen nicht mehr mitteilt, als wag zur Fort- 
föbpong seiner Erzählung dutchaus unerläßlich ist. 

Die Einleitung dei Behandiung mit einer solchen für einige Wochen 
angesetzten Piolaezeit hat übrigens auch eine diagnostiscbe Motivierung. 
Oft genug, wenn man eineNeurose mit hysterischen oder Zwangaayraptomen 
vor sieh hat, von nicht exzessiver Ausprägung und von kürzerem Be- 
stand, also gerade solehe Formen, die man als günstig für die Behandlung 
ansehen wollte, muiü man dem Zweifel Itaum geben, ob der Fall nicht 
einem Voiatadium einer sogen. Dementia praecox (Schizophrenie nach 
Bleuler, Paraphrenie nach meinem Vorschlag) entspricht und nach 
kürzerer oder längerer Zeit ein ausgesprochenes Bild dieser Affefction 
zeigen wird. Ich bestreite es, daß es immer so leicht mögüeh iat, die 
Unterscheidung zu treifen. Ich weiß, daß es Psychiater gibt, die in der 
Differenti:aldiagnose seltener achwanken, aber ioh habe mich überzeugt, 
daß sie ebenso hänfig irren. Der Iirrfcom iet nun £ür den Psychoanalytiker 
veEhängnisvoller als für den sogen, klinisehen Psychiater. Denn der 
letatere onternimiut in dem einen FaJl so wenig wie in dem anderen etwas 
Ersprießliches ; er läuft nur die Gefahr' eines theoretiachen Irrtums und 
aei»e Diagnose hat nur akademisches Interesse. Der Psychoanalytiker hat 
aber im ungünstigen Falle einen praktischen Mißgriff hegangen, er hat einen 
vergeblichen Aufwand vetschuidet und sein Heüverfahien diskreditiert. 
Er kann sein Heilnn^versprechen nicht halten, wenn der Eianke nicht 
an Hysterie oder Zwan^neurose, sondern an Paraphrenie leidet, und 
hat darum besonders starke Motive, den diagnostischen Irrtum zu ver- 
meiden. In etuer Probebehandlung von einigen Wochen wird re oft ver- 
dächtig« WahiQfthjaiingen machen, die ihn bestimmen können, den Yer- 



^) Ober ParchotJiBPapie 1905. 



Weiieie Ratachiage zm tacbnik der FsychoanalTBe, 

snct nicht weiter fortizasetzen. Ich kann leidqr nicht behaupten, äaß 
ein soleber Versuch regelmäßig eine sicher« Entscheidimg ermöglicht; 
es ist nur eine gute Toraicht mehr.') 

Lange Vorbespreohnngen Tor Beginn der analytischen Behandlung, 
eine andersartige Therapie vorher, sowie frühere Bekanntschaft zwischen 
dem Arzte und dem zu Analysierenden haben, eine bestiminte ungünstige 
Folge, auf die man "vorhereitet sein muß. Sie machen nämlich, daß 
der Patient dem Arzte in einer fertigen ÜbertragnngBeinsteilung gegenüher- 
trittj die der Arzt erat langsam aufdecken muß, anstatt daß et die 
Gelegenheit hat, das Wachsen und Werden der ÜbertiafrUTig von Anfang 
an zu beobaeliten. Der Patient hat so eine Zeitlang eiaen Vorsprung, den 
man ihm in der Kur nur ungern gönnt. 

Gegen alle die, -welche die Knr mit eineni Anfschub beginnen wollen 
sei man mißtcanisch. Die Etfahrong zeigt, daß sie nach Ahlauf der ver- 
einbarten Frist nicht eintreffen, auch wenn die MotiTLernng dieses Auf- 
schubes, alao die Bationalisierang des Vorsatzes, dem Uneingeweihten 
tadellos erscheint. 

Besondere Schwierigkeiten ergehen sich, wenn zwischen dem Arzte 
und dem in die Analyse eintretenden Patienten oder deren Familien freund- 
Bchaftliche oder geaellachaftüche Beziehungen bestanden haben. Der 
Psychoanalytiker, von dem verlangt wird, daß er die Ehefrau oder das 
Kind eines Freundes in Behandlang nehme, darf sich darauf vorbeTeiien, 
daß ihn das Unternehmen, wie immei' es ausgehe, die Freandaehaffc kosten 
wird. Er maß doch das Opfer bringen, wenn er nicht einen veitrauens- 
würdigpn Vertreter stellen kann. 

Laien wie Arztej welche die Psychoanalyse immer noch gern mit 
einer Suggestivbehandlung verwechseha, pflegen hohen Wert auf die Er- 
wartung zu legen, welche der Patient der neuen Behandlung entgegen- 
bringt. Sie meinen oft, mit dem einen Blanken werde man nicht viel 
Mühe haben, denn er hahe ein großes Zutrauen zur Psychoanalyse und 
sei von ihrer Wahrheit imd ihrer Leistungsfähigkeit voll überzeugt. Bei 
einem anderen werde es wohl schwerer gehen, denn er verhalte sieb 
skeptisch und wolle nichts glauben, ehe er nicht den Erfolg an seiner 
eigenen Person gesehen habe. In Wirldichkeit hat aber diese Einstellung 
des Kranken eine recht geringe Bedeutung; sein vorläofiges Zutrauen 



') Über öas Thema dieaw diftgaostUcJien Cnsicberli.eit, ober die Chancen der 
AnaiyHe bei lekh,tsn Formen von Baraphienie nnd über üa BegcllnduBg der Ähn- 
liotakeit Taeidar Aßeirtiöiieii wÄTe aehi viel za aagen, was ich in, diBSam Znsanunen- 
hange nicht ausfahren kann. Gern wtirde ich nach Jungs Vorgang Hysterie and 
Zwaiigsnenroae als „Übertragaoganeuiosea" iea ptaaphreniachen Affektioaen 
als „Intro verflionanfturoaen" gegenükBrstieQen, wenn bei dieaem Gebranch der 
Eegrifi der „loiroversion* (der Libido) nicht aeinem einzig berecbtigien Sinn ent- 
beradat würde. 

1* 



4 Sigm. I^söd. 

oder Mißtrauen kommt gegen die inneren Widerstände, welche die Neurose 
verankern, kaum in Beteacht, Die Vertrauensseligkeit des Patienten macht 
ja dea ersten Verkehr mit ihm recht angenehm- mau dankt ihm für sie, 
bereitet ihn aber darauf vor, daiä seine günatige Voreingenommenheit im 
der ersten in der Behandlmtg auftaucheaden Schwierigkeit zerscheläen 
wird. Pem Skeptiker sagt man, daß die Analyse kein Vertrauen braucht, 
dalj er so kritisch and mißtrauisch sein dürfe, als ihm beüebt, daß man 
Beine JLinstellung gar nicht auf die Eechnnng seines Urteils setzen wolle, 
denn er sei ja nicht in. der Lage, sich ein Terläßliches Urteil über diese Punkte 
au bUden ; sein Mißtrauen sei eben ein Symptom wie seint? anderen Sym- 
ptome, und ea werde sich nicht störend erweisen, wenn er nur gewissen- 
haft befolgeu wolle, was die Regel der Behandlung von ihm fordere. 

Wer mit dem Wesen der Neurose vertraut ist, wird nicht erstaunt 
sein zfl. hören,, daß auch derjenige, der sehr wohl heiähigt ist, die Psycho- 
analyse an anderen auszuüben, sich benehmen kann wie ein anderer 
Sterblieher ond die intensirsten Widerstände zu produzieren im stände ist, 
sobald er seihat zum Objekt der Psychoanalyse gemacht wird. Man he- 
kommt dann wieder einmal den Eindruck der psychischen Tiefendimension 
und findet nichts tlberxascliendes daran, daß die Neurose in psyctuschen 
Sclüehten wurzelt, bis zu denen die analytische Bildung nicht hinab- 
gedrungen ist. 

Wichtige Punkte zu Beginn der aualytiacLen Kur sind die Bestim- 
mungen über Zeit und Geld. 

In betreff der Zeit befolge ich ausschließlich das Prinzip des 
Vermietena einer bestimmten Stunde. JedeE Patient erhält eine gewisse 
Stunde meines Teifügbaren Arbeitstages zugewiesen; sie ist die seine 
und et bleibt für sie haftbar, auch wenn er sie nicht benutzt. Diese 
Bestimmung, die für den Musik- oder Sprachlehrer in unserer guten Greaell- 
schaft als selbstverständlich gilt, erscheint beim Arzte vielleicht hart 
oder selbst standeaunwärdig. Man wird geneigt sein, auf die vielen Zu- 
fälligkeitea hinzuweisen, die den Patienten hindern mögen, zu jedesmal 
derselben Stunde beim Aizte zu erscheinen, und wird verlangen, daß den 
zahlreichen interkurrenten Erkrankungen Rechnung getragen werde, die 
im Verlaufe einer längeren analytischen Behandlung vorfallen können. 
Allein meine Antwort ist, es geht nicht anders. Bei milderer Piasia häufen 
sich die „gelegentbchea'^ Absagen so sehr, daß der Arzt seine materielle 
Existenz gefährdet findet. Bei strenger Einhaltong dieser Bestimmung 
stellt sich dagegen heraus, daß hinderliche Zufälligkeiten überhaupt nicht 
vorkommen und interkurrente Erkrankungen nur aehl selten. Man kommt 
kaum je in die Lage, eine Muße zu genießen, deren man sich als Er- 
werbender zu schämen hätte; man kann die Arbeit ungestört fortsetzen 
und entgeht der peinlichen, verwirrenden Erfahrung, daß gerade dann 
immer eine unverschuldete Pause in der Arbeit eintreten muß, wenn sie 



IrVeiteie Hatechläge zni leflmik äez Psychoanalyse. 5 

besonders wichtig und inbaHsreicli zu wercleu versprach, Von der Ee- 
deatung der Paycliogenie im tagKchen Leben der Menschen, von der Häiifig- 
keit der „Schtdkraafcheiten" and der Nichtigkeit des ZufaUs gewinnt 
man er9.t eine ordentliche Überzeiigung, -wenn man einige .Jahre hindurch 
Psychoanalyse betrieben hat unter strenger Befolgung des Prinzips der 
Stundenmiete. Bei unaweifelhaften organiaehea Äffektioiien, die durch 
das psychische Inti?rGSse doct nicht ausgeseldossen -werden kiinnen, unter- 
hreche ich die Behandlung, halte mich für berechtigt, die frei ge-ft'ordene 
Stunde {Inders zu verijeben, und nehm» deft Patienten wieder auf, sobald 
er hprgeatellt ist und ich eine ander« Stunde frei bekommen habe. 

Ich arbeite ntit meinen Patienten täglich mit Ausnahme der Sonn- 
tage und der gioßen Fpsttagfi, also für gewöhnlich sechsmal in der 
Woche, Für leichte Fälle oder FortaetzuDgen von "weit gediehenen Behand- 
lungen reichen auch drei Stunden wöchentlich aus. Sonst bringen Ein- 
schränkungen an Zeit weder dem Arate noch dem Patienten Vorteil ; für 
den Anfang sind sie gana zu verwerfen. Schon durch kurze Unterbrechungen 
•wird die Arbeit immer ein wenig verschiittet ; wie pfiegten acLeczhaft 
von oiner „Montagsfcruate" ansprechen, wsnn wir nath der Sonntagsruhe 
von neuem begannen; hei seltener Arbeit besteht die Gefahr, daß man 
mit dem realen. Erleben des Patrenten nicht Schritt halten kann, daß 
die Kur den Kontakt mit der Gegenwart Tetliert und auf Seitenwege 
gedrängt wird. Gelegenilich trifft man auch auf Kranke, denen man mehr 
Zeit als das mittlere Maß von einer Stunde widmen mulä, weil sie den 
gröil&ren Teä einer Stunde verbrauchen, um aufzutauen, tiberhaupt mit- 
teilsam zu werden. 

Eine dem Ärzte unhebg£anft Frage, die der Kraoike zu allem Anfang 
an ihn richtet, lautet : Wie lange Zeit wird die Behandlung dauern ? Weiche 
Zeit brauchen Sie, um mich von meinem Leiden zu befreien? Wenn 
man eine Frobebehandlung von einigen Wochen vorgeschlagen hat, ent- 
zieht man sich der direkten Beantwortung dieser Frage, indem man ver- 
spricht, . nach Ablauf der Probezeit eine zuverlässigere Aussage abgeben 
aa können. Man antwortet gleichsam wie der Äaop der Fabel dem 
Wanderer, der nach der Länge des "Weges fragt, mit der Aufforderung: 
Geh, und erläntert den ßeacheid durch die Begründung, man müsse zuerst 
den Schritt des Wanderers kennen lerneuj ehe man die Dauer seiner 
Wanderung berechnen könne. Mit dieser Auskunft hilft man sich tiber 
die ersten Schwierigkeiten hinweg, aber der Vergleich ist nicht gnt, denn 
der Neurotih&i kann leicht aem. Tempo verändern und 2;U Zeiten nur sehr 
langsame Fortschritte machen. Die Frage nach der vöränsäehtlichen 
Dauer der Behandlung ist in Wahrheit kaum zu beantworten. 

Die Einsichtalosigkeit der Kranken und die Unanfrichtigkeit der Arzte 
vereinigen sich zu dem Effekt, an die Analyse die maßlosesten Anspruch« 
zu stellen und ihr dstbei die knappste Zeit einzmätimen. Ich teile z. B. 



ans dem Briefe einer Dame in Riißland, der vor wenigen Tag€n an mich 
gekommen ist, folgende Dates. Eiit. Sie igt 33 Jahte alt, seit 33 Jakren 
leidend, seit 10 Jahren keiner anhaltenden Arbeit melir fähig. ^Behanälimg 
in mehieren KerTBnheilansialten" hat ea nicht vermocht, ihr ein „aktives 
Leben- zu ermöglichen. Sie hofft durch die PaychoanalyBe, aber die sie 
gelesffli hat, ganz geheilt za werden. Aber ihre Behandlung hat ihrer 
Familie schon so viel gekostet, daß sie keinen längeren Aufenthalt in 
"Wien nehmen kann als 6 Wochen oder 2 Monate, Dazu kommt die 
Erschweiiing, daß sie sich von Anfang a-n nur schiifüich „deutlich 
machen" will, denn Antasten ihrei Komplexe würde bei ihr eine Explosion 
hervorrufen oder sie ^zeitlich verBtummen lassen". — Niemand würde 
sonst erwarten, daß man einen schweren Tisch mit zwei lagern heben 
werde wie einen leichten Schemel, oder daß man ein großes Haus in 
derselben Zeit bauen könne wie ein Eolzhüttclien, doch sowie es sich 
um die Neurosen handelt, die in den Zusammenhang des menschlichen 
Denkens derzeit noch nicht eingereiht scheinen, vergessen selbst intelligente 
Personen an die notwendige Proportionalität zwischen Zeit, Arbeit iind 
Erfolg. Übrigens eine begreifliche Folge der tiefen Ünwisaenheit über die 
Ätiologie der Neurosen. Dank dieser Igmoranz ist üicen die Neurose eine 
Art jjMädchen aus der Fremde". Man wußte nicht, woher sie tarn, und 
darum erwartet man, daß sie eines Tages entschwunden aeiu wird. 

Die Arzte onterstiitzen diese Vertrauensseligkeit ; auch wissende 
unter ihnen schätzen häufig die Schwere der neurotischen Erkrankungen 
nicht ordentlich ein. Ein befreundetet Kollege, dem ich eä hoch anrechne, 
daß er sich nach mehreren Dezennien wissenschaftlicher Arbeit auf 
anderen Toranaaetaungen zur "Würdigung der Psychoanalyse bekehrt hat, 
schrieb mir einmal; Was ims nottut, ist eine kurze, bequeme, ambula- 
torische Behandlung der Zwangsneurosen. Ich konnte damit nicht dienen, 
schämte mich und suchte mich mit der Bemerkung zu entschuldigen, 
daß wahrscheinlich auch die Inteioiateii mit einer Therapie der Tuber- 
kulose oder des Karzinoms, welche diese Vorzüge veiointe, sehr zufrieden 
sein würden. 

Um es direkter zu sagen, es handelt sieh bei der Psychoanalyse 
immer um lange Zeiträume, halbe oder ganze Jahre, um längere, als der 
Erwartung des Kranken entspricht. Man bat daher die Verpflichtung, 
dem Kranken diesen Sachverhalt zu eröfinen, ehe er sich endgültig für 
die Behandlung entachheflt. Ich halte es überhaupt für würdiger, aber 
auch für zweckmäßiger, wenn man ihn, ohne gerade auf seine Ab- 
echreckong hinzuarbeiten, doch von vornherein auf die Schwierigkeiten 
und Opfer der analytischen Therapie auänerksam macht^ und ihm so 
jede Berechtigung nimmt, später einmal au behaupten, man habe ihn in 
die Behandlung, deren Umfang und Bedeutung er nicht gekannt habe, 
gelockt. Wer sich durch aolche Mitteiltmgen abhalten läßt, der hätte 



Weitere Saischläge zur Technik def Fefchaemaifse. ^ 

sich später doch als unbrauchbar erwiesen. Es ist gut, eine derartige 
Auslese Toc dem Beginn der BebaudluDg vorzaaebmen. Mit dem Portschritt 
der Aufklärung unter den Kranken wächst doch die Zahl desjenigen, 
"wekhe diese erste Probe bestehen. 

Ich lehne es ab, die Patienten auf eine gewisse Dauer des Aus- 
haneae in der Behandlung zu verpflichten, gestatt« jedem die Eui abzu- 
breeben, wann ea ihm beliebt, verhehle ibin aber nichtj daß ein Abbruch 
nach kurzer Arbeit keinen Erfolg zurücklassen wird und ihn leicht 
wie eine unvollendete Operation in einen unbeMedigenden Zustand ver- 
setzen kann. In den ersten Jahren meiner psychoanalytischen Tätigkeit 
fand ich die größte Schwlerigkeitj die Kranken zum. Verbleiben za 
bewegen; diese Schwierigkeit hat sieh längst verschoben, ich muß jetzt 
ängstlich bemüht sein, sie auch zum Aufhören zu nötigen. 

Die Abkürzung der analTtiaeheu Kur bleibt ein bececbttgterWunach, 
deasen Erfüllung, wie wir hören werden, auf verschiedeaen Wegen ange- 
fih'öbt wird. Es steht ihr leider ein. sehr bedeutsames ülfoment entgegen, 
die Langsamkeit, mit der aich tiefgreifende seelische Veränderungen voll- 
ziehen, in letatei Linie wohl die „Zeitlosigkeit" unserer unbewußten 
Vorgänge. Wenn die Kranken vor die Schwierigkeit des großen Zeit- 
aufwandes für die Analyse gestellt werden, so wissein sie nicht selten ein 
gewisses Auskunftaioittel vorzuschlagen. Sie teilen ihre Beschwerden in 
solche ein, die sie ale unerträglich, und andere, die sie als nebene&chlich 
beschreiben, und sagen ; Wenn Sie mieb nur von dem Einen (z. B. dem 
Kopfgchmerz, der bestdmmten Angst) befreißB, mit dem anderen will ich 
schon selbst im Leben fertig werden. Sie überschätzen aber dabei die 
elektive Macht der Analyse, Gewiß vermag der analytische Arzt viel, 
aber er kann nicht genau besticamen, was er zu stände bringen wird. Er 
leitet einen Prozeß ein, den iet Auflösung der bestehenden VerdrängungeUi 
BE kann ihn überwachen, fördern, Hindernisse ana dem Wege räumen, 
gewiß auch viel an ihm verderben, 3m ganzen aber geht der einmal ein- 
geleitete Prozeß seinen eigenen Weg und l'ißi sich weder seine Sichtung 
noch die Reihenfolge der Punkte, die et angreift, vorschreiben. Mit der 
Macht des Analytikers über die Krankheitserscheinungen steht es also 
ungefähr so wie mit der männlichen Potena, Der kräftigste Mann kann 
zwar ein ganzes Kind zengen, aber nicht im weiblichen Organismus einen 
Kopf allein, einen Arm oder ein Bein entstehen lasaenj er kann nicht 
einmal über das Geschlecht des Kindes bestimmen. Er leitet eben auch 
nur einen höchst verwickelten and durch alte Geschehnisse determinierten 
Piozeßi ein, der mit der Lösung des Kindes von der Mutter endet. Auch 
die Neurose eines Menschen besitzt die Charaktere eines OrganiamUfi, 
ihre Teilerscheinungen sind nicht unabhängig voneinander, sie bedingen 
«namder, pflegen sich gegenseitig zu stützen; man leidet immer nur an 
einer Keurose, nicht an mehreren, die zuföllig in einem Individuum zu- 



g Signu Frend. 

sammengetroffcn sind. D&r Kranke, den man nach seinem WuBsch von 
dem einen mietträgiich«ii Syxaptom befreit hat, k&irnte leicht öie Erfahtong 
ntachen, daß nun ein bisher mildes Symptom sieb zur Ünerträg-licIücGit 
steigert, Wec -überhaupt den Erfolg von seinen suggestiven (d. h, Üher- 
tragongs-) Bediiigßngen möglichst ablösen will, der tut gut daran, auch 
auf die Spuren elektivec Beeinflussimg des Heileifolges, die dem Arzte 
etwa zustehen, zu verzichten. Dem Psychoaoatytifcer müssen diejenigen 
Patienten die liehaten sein, welche die volle Gesundheit, soweit sie zu 
bähen ist, von ihm foidem, und ihai so viel Zeit zur Verfügung stellen, 
als der Prozeß der Herstellung verbpaweht. Natürlich sind so günstige 
Bedingangen nur in wenig Fällen zu erwarten. 

Der nächste Punkt, Uhei den zu Beginn einet Kur entschieden werden 
soll, ist das Geld, das Honorar des Arztes, Der Analytiker atettt nicht 
in Abrede, daß Geld in erster Linie als Mittel zur Selbsterhaltang und 
Machtgewinnung zu betrachten ist, aber er beha=aptet, daß mächtige 
sex:uelle Faktoren an der Schätzang des Geldes mitbeteiligt sind. Et 
kauD sich dann darauf berufen, daß Geldangelegenheiten von den Eoltur- 
menschen in ganz ähnlicher Weise behandelt werden wie sexuelle Dinge, 
mit derselben Zwiespältigkßit, Pciidsrie und Heuchelei. Er ist also tor 
vornherein entschlosaen, daiaei nicht mitzuton, sondern Geldbeziehongen mit 
der nämlichen selbstvei-ständlichen Aufrichtigkeit vor dem Patienten zu 
behandeln, zu der er ihn. in Sachen, des Sexaaiiebena erziehen will. Er 
beweist ihm, daß er selbst eine falsche Scham abgelegt hat, indem er 
unaufgefordert mitteilt, wie er seine Zeit einschätzt. Menschliche Klugheit 
gebietet dann, nicht große Summen zusammenkommen zu. lassen, sondern 
nach fcützeien regelmäßigftQ Zeiträumen (etwa monatlich) Zahlnng za 
nehmen. (Man erhöht, wie bekannt, die Schätzung der Behandlung heim 
Patienten nicht, wenn man sie seht wohlfeil gibt.) Das ist, wie man 
weiß, nicht die gewöhnhche Praxis des Nervenarztes oder des Internisten 
in unserer europäischen Gesellschaft. Aber der Psychoanalytiker darf 
sich in die Lage des Chirargen versetzen, der aufrichtig und feostspielig 
ist, weil er über Behandlungen verfügt, welche helfen können. Ich meine, 
es ist doch wüidigeT und ethi3ch. nnbedeablicher, sich zu seinen wirklichen 
Ansprüchen und Bedürfaiasen zu bekennen, als, wie e» jetzt noch unter 
Ärzten gebiäuchlich iat, den uneigennützigen Menschenfreund zu agieren, 
dessen Situation einem doch versagt ist, und sich dafür im Stillen über 
die Rticksichtalosigkoit und die Ausbeütungasuoht det Patienten zu 
grämen oder laut darüber zu schimpfen. Der Analytiker wird für seinen 
Anspruch auf Bezahlung noch geltend machen, daß er hei schwerer 
Arbeit nie so viel erwerben kann wie andere medizinische Spezialisten. 

Ans denselben Gründen wird et es auch ablehnen dürfen, ohne 
Honorar zu behandeln, und auch zu Gunsten der Kollegen oder ihier 
Angehörigen keine Ausnahme machen. Die letzte Forderung scheint 



Weitere Eatschlttge zur Tecbnifc der Psychoanalyse. -9 

gegen die ärztliche Koüegialit&t zu verstoßen; man halte sich aber vor, 
daß eine Gratisbehandlang für den Psychoanalytiker weit mehr bedeutet 
als für jeden anderen, nämltcb die Entziehang eines ansehnlichen Bmch- 
teils seiner für den Erweth verfügbaren Arbeitszeit (eines Achtels, 
SiehenteU u, dgl.J auf die Dauer ron vielen Monaten. Eine gleichzeitige 
zweite Gratisbehandlung raubt ihm bereits ein "Viertel oder Dritte! seiner 
Erwerbsfähigkeit, was der VVirktuig eines schweren traumatischen Unfalls 
gleichzuactzen wäre. 

Es fragt sieh dann, ob der Vorteil för den Kranken das Opfer des 
Arztes einigermaßen aufwiegt. Ich darf mir wohl ein Urteil daröhet zu- 
trauen, denn, ich habe durch etwa zehn Jabre täglich eine Stunde, zeit- 
weise auch aweij Gratiabebandlungen gewidmet, weil ich zum Zwecke 
der Orientierung in der Neoroae möglichst widerstandsfrei arbeiten 
wollte. Ich feiud dabei die Vorteile nicht, die ich sucht«. Manche det 
Wideratände des Neurotikers werden durch die Gratisbehandlung enorm 
gesteigert, so beim jungen Weib die Versuchung, die in der Übertragungs- 
beziehuug enthalten ist, beim jungen Mann das aus dem Vaterkomplex 
Btamiaend« Stiäuben gegen die Veipflichtung von Dankharieitj das zu 
den widrigsten Erschwerungen der äratlichea Hilfeleistung gehört. Der 
Wegfall det Eegalierang, die doch durch die Bezahlung an den Arzt 
gegeben ist, macht sieh sehr peinlich fühlbar ; das ganae Verhältnis rückt 
aas der realen Welt heraus; ein gutes Motiv, die Beendigung der Kur 
anzustreben, wird dem Patienten entzogen. 

Man kann der asketischen Verdammung des Geldes ganz ferne ßtehen 
und darf es doch bedauern, daß die analytische Therapie ans äußeren 
wie aus inneren Gründen den Armen fast unzugängJieh ist. Es ist wenig 
dagegen zu tun. Vielleicht hat die viel verbreitete Behauptung recht, 
daß der weniger leicht der Neurose verfällt, wer durch die Kot des 
Lebens zu barter Arbeit gezwungen ist. Aber ganz unbestreitbar steht 
die andere Erfahrimg da, daß der Arme, der einmal eine Neurose au stände 
gebracht hat, sicb dieselbe nur sehr schwer entreißen läßt, Sie leistet 
ihm zu gute Dienste im Kampfe um die Selbstbehauptung, der sekundäre 
Krankheitsgewinn, den sie ihm bringt, ist allzu bedeutend. Das Erbarmen, 
daJä die Menschen seiner materiellen Not versagt haben, beansprucht 
er jetzt unter dem Titel seiner Keurose und kann sich von der Forderung, 
seine Armut durch Arbeit zu bekämpfen, selbst freisprechen. Wer die 
NeuToae eines Armen mit den Mittehi der Paychotherapi-e angreift, macht 
also in der Bagel die Er&ihrung, daß in diesem Falle eigentlich eine 
Aktualtherapie ganz anderer Art von ihm gefordert wird, eine Therapie, 
wie sie nach der bei Tina heimischen Sage Kaiser Josef II, zu übea pflegte. 
Natürlich findet man doch gelegentlich wextvQlle und ohne ihre Schuld 
hilflose Menschen, bei denen die unentgeltliche Behandlung nicht auf 
die aogefähcten Bindernisse stößt und üchöne Erfolge erzielt 



IQ Stgmtuid Tioxtd. 

Für den Mittelstand ist der ftir die Psychoanalyse beuötigte Geld- 
aafvranä nur scheinbar ein übeimäßiger. Ganz abgeaeteu davon, daß 
Eresoodheit und LeistoQgefähigkeit äinerseitä, ein mäßiger Geidaufwand 
anderseita überhaupt inkommensarabel sind; wenn man die nie anf- 
hörenden Ausgaben für Sanatorien nnd ärztliche Behandlung zusammen- 
rechnet und ihnen die Steigerang der Leistungs- imd Erwerbsfähigkflit 
nach glücklich heendetar analytischer Kar gegenüberstellt, darf man sagen, 
daß die Kranken einen guten Handel gemacht haben. Es ist nichtg Koat- 
spieligerea im Leben als die Krankheit and — die Donunheit. 

Ehe iuh diese Bemeckungeti zur Einleitung dei analytischen Behandlung 
beschließe, noch ein Wort Über ein ge-wiases Zeremoniell der Situation^ 
in welcher die Kur ausgeführt wird. Ich halte an dem Bäte fest, den 
Kianken auf einem Kohebett lagern za lassen, währand man hinter ihm, 
von ihm angesehen, Platz n imm t. Diese Veranstaltung hat eineit historischen 
Sinn, sie ist der Best der hypnotischen Behandlang, aus welcher aich 
die Psychoanalyse entwickelt hat. Sie verdient aber aus mehrfachen 
Gründen festgehalten zu werden. Zunächst wegen eines persönlichen 
Motivs, das abec andeie mit mir t^en mögen. Ich vertrage es nicht, 
acht Stunden täglich (oder länger) von anderen aoigestarit zu werden. Da 
ich mich während des Zuhörens seibat dem Ablauf meiner unbewu&ten 
Gedanken überlasse, will ich nicht, daß meine Mienen dem Patienten 
Stoff au DentungQn geben oder ihn in seinen Mitrteitungen beeinflussen. 
Der Patient faßt die ihm aufgezwungene Situation gewöhnlich als Ent- 
behrung auf trnd sträubt sich gegen sie, besonders wenn der Sehautrieb 
(das Voyeuiinm) in seiner Neurose eine bedeutende Rolle spielt. Ich 
beharre aber auf dieser Maßregel, welche die Absicht und den Erfolg hat, 
die unmerküche Vermengang der Übertragung mit den Einfällen des 
Patienten zu verhöten, die Übertragung zu isolieren und sie zur Zeit als 
Widerstand scharf nmschiiebeu beivortreten zu la^en. Ich weiß, daß 
Tiele Analytiker es anders machen, aber ich weiß nicht, ob die Sucht 
es anders zu machen oder ob ein Yoiteil, den sie dabei gefunden haben, 
mehr Anteil an ihter Abweichung hat. 

Wenn nun die Bedingungen der Kur in solcher Weise geregelt ßind, 
erhebt sich die Frage, an welchem Funkte und mit welchem Material 
soll man die Behandlung beginnen? (Wiid foit£»etat.) 



^^w^»^— ^^^ ^^ffBB 



11 

Die Beziehung zwischen Angstneurose und Angsthysterie/) 

Von Prof. Eraeet Jonea {London). 

Bekanntlich haben die Aflsichten Freuds and seiner Sclmle in 
den letzten paar Jahren eine fortlaufende Entwieklung erfahren, hia- 
fiichtlich des Angstpiobleins ebenso wie auf aiiöeren Gebieten. Der 2wec)c 
dieser Mitteilung ist, sow-oit ein einzelner Anhänger dieser Sciule allein 
daau beraehtigt ist, die gegenwärtige Stellung 2« jen-em Gfegeastande auf- 
zuzeigen und zu versuchen, die Beziehnngen zwischen Ängstneuroae und 
Angathyateiie genauer zu bestimmen. 

Unser Fortachritt in der Kenntnis der Pathologie der An^etzostände 
la-ßt sich in drei Stufen darstellen, die kurz folgendermaßen beschrieben 
werden tonnen. 1895 trennte Freud von der Neiu'asthenie ein klini- 
sches Bild, das ec „Angstneraose*' benannte und das charakteristische, 
heute wohlbekannte, Symptome physischer und psychischer Natnr auf- 
weist. Als Ursachen fand er nicbt psychische, aoodern physische Fak- 
toren, bestehend in unvollständiger Befriedigimg des physiscljeii Bedürf- 
nissee unter Umständen, unter denen dieses erregt wurde ; solche typisch 
verursachende Situationen sind wiederholter Coitus intermptus and ge- 
wisse Formen sexnellet AbBÜneaü. Es handelt sich also um eine Kom- 
bination von oaverhältoismäßiger physischer Erregung und ungenügender 
ableitender Entladung, 

1908 prägte Freud den Begriff „Angsthjäterie", um damit gewisse 
Phobien 2U bezeichnen, deren psychologische Struktur der der gewöfmlichen 
hysterischen Symptome Siinelte. Die Ursachen sind hier wie bei Hysterie 
im allgemeinen gewisse Abweichungen in der Entwicklung des infantilen 
Sexualtriebes mit der nachfolgenden Begleiterscheinung verdrängter intra- 
psychischer Konflikte. 

Der dritte Schritt, den Freud und die meisten Psychoanalytiker 
unabhängig machten, am entBchiedengteu Stefcel in der 2. Auflage 
sGiJiBr „Angstzuatände" (1912), war die Entdeckung, daß dieselben psy- 
chischen Faktoren, die die Hauptrolle in der Äugsthyfiterie spielen, »nch 
ia augenscheinlich reinen Fällen von Angstneurose wirksam sind, 



') Vortrag, gahaitaa agf dem InteruB't Koi^eS für mediE. Fsych. ZüXiab, 
9. Sept 1912. 



12 



Prof. Emest Jones. 



Die Wirkung der neuen Erkenntnis war eine doppelte : einerseits 
führte sie zu der Notwendigkeit, einige Dinge zu revidieren, wie die Be- 
ziehung zwischen Aktual- und Psychoneurose, während sie anderseits 
eine AnzaU von klinischen Problemen, die früher etwas Befremdenäetj 
hatten, uii mittelbar verständlich matMe. Z. B. klärte sie einige der 
Prohleme betreffend die Beziehungen der Angstneurose zur Hysterie, ein 
Gegenstand, dem Freud in seiner ersten Mitteilung schon eine besondere 
Aufmerksamkeit geschenkt hatte, und sie erklärte auch den kliniscken 
Befund, daß Fälle von hysterischer Phobie gewöhnlich auch anga tue uro tische 
Symptome zeigen. Vergegenwärtigen wir uns das Wesen der infantilen 
Konflikte, die solchen Phobien zu Grunde liegen, so können wir ver- 
etehen, wie eie oft zu einem anderen Symptom, führen, nämlich einer 
absoluten oder relativen Unfähigkeit der Person, sich sexuell zu befrie- 
digen, selbst dann, wenn die günstige Gelegenheit sieh frei darbietet, 
also einer absoluten oder relativen psychischen Impotenz. Diese Un- 
fähigkeit kann dann eine Angstneurose zu stände bringen, genau ebenso, 
.wie der Mangel an physischer Befriedigung, — obzwar das psycho- 
neurotische Symptom selbst eine Art verkappter Befriedigung und eine 
gewisse Entspannung ermöglicht. 

Über die sexuelle Herkunft der pathologischen Angst ist kein 
Wort zu verlieren. Ich habe anderswo dargetan,') daß» abgesehen von 
der tatsächUcben Erfahrung, logische Überlegung, weon man sie nur 
folgerichtig und ohne Vorurteile durchführt, zu keinem anderen Schlüsse 
kommen kann, und es gibt wohl keinen Teil der Freu dachen Lehre, 
der eine konstantere Bestätigung in der täglichen Praxis findet. Das 
Hauptprobiejn ist, festzustellen, welche relative Bedeutung dem psychischen 
reap. physischen Mangel an Befriedigung in der Verursachung der Ängst- 
zustände beizumessen ist, und zwar besonders in der reinen Ängstneurose. 
Man könnte die Sache leicht so fassen, daß man sagt, der Sexualtrieb müsse 
schon seiner biologischen Natur nach eine psychische und eine physische 
Seite habeUj aber die Frage ist, welche von beiden die wichtigere ist, 
eine Frage, die augenscheinlich eine bedeutungsvolle Tragweite hinsicht- 
lich der Therapie hat. 

Daß die physischen Faktoren, auf die Freud aufmerksam machte, 
in der Tat beteiligt sind, daraufhin weisen zwei Erwägungen, eininal, 
daß deren Beseitigung gefolgt ist von einer Besserung der Symptome, 
dann aber, daß inan ihr Vorkommen in solchen Fällen außerordentlich 
häufig, wenn nicht konstant findet. Sogar ein Gegner wie Janet^) konnte 
die letztere Tatsache nicht übersehen; er schreibt: „Wenn man Aus- 



') „Th6 Pa.thül-Ogif öf Jloirbid Amiety". Wiedembirnck in „Päpera on Psyehö- 
ABalysis",. London 3912. Ygl, auch die gegenwärti^-en Ausfühmngeu von Dr. Seif, 
') Janet Les Obäeseions öt la, Paychsstheme, 190S. t. I, p. 632, 



Di-a Beziehung zwischen Angstneurose und Angsthya-terie. 



13 



künfte, EinbHcfce in das Sexualleben der Kranken haben kann, so sieht 
man, daß es fast immer gestört ist, und daß es in der Tat in dem 
Sinne gestört ist, wie es Freud meint." Viele Autoren haben, vielleicht 
unter dem Einflnsse des Nachdruckes, den Freud in seiner ersten Mit- 
teilung auf die körperlichen Faktoren legte, angenommen, daß das Pro- 
blem ein rein physisches sei, und sprechen, wie z.B. Lüwenfeld, 
von einer Spannung, die sich auf libidogene Stoffe zurückführe. Obscho.n 
neuere Forschung über das gegenseitige Verhältnis der inneren Drüsen, 
besonders Cus hing's Werk über die Hypophyse, das Bestehen solcher 
chemischer Stoffe wahrscheinlich machte, eo sollte man doch nicht ver- 
gessen, daß es keinen absoluten Beweis dafür gibt, so daß es klüger 
schiene, eich allen Dogmatiaierens in dieser Richtung zu enthalten, so 
lange maB dem Gegenstande nichts anderes zu Grunde legen kann, als 
reine Vermutungen, Jedenfalls i.st es gewiß, daß die fraglichen physi- 
schen Ursachen wenigstens zwei wichtige psychische G-esichtspunkte er- 
geben, die man nicht übersehen kann: 

1. Sie verhindern die genügende Befriedigung verschiedener psy- 
chiächer Tendenzen von wahrscheinlich beträchtlicher Bedeutung, i^ie 
kaum auf andere Weise befriedigt vcerden können. Bei vielen Menschen, 
vielleicht besonders Männern, bleibt, nachdem die Sublimierung alles 
geleistet hat, was sie leisten kann, ein gewisser Überrest von Verlangen, 
ein Drang vqn psychischer Entladung und ein Wunsch, sieh individuell 
neuerdings jenes Gefühl des Wertes und der Tüchtigkeit zu versichern, 
das nichts iu irgendwie gleichem Maße stillen kann, als befriedigende 
Beziehungen. Wenn das Fehlen solcher Beziehungen die Entladung ver- 
hindert, dann resultiert eine Stauung vo» einer wesentlich psyehischen 
Art (ganz abgesehen von einer hegleitenden körperlichen Stauung), 

2. Wenn man die verschiedenen Faktoren prüft, auf die Freud 
aufmerksam machte (plötzliche Einführung von Mädchen in grobe sexuelle 
Erfahrungen usw.), so sieht man, daß sie Situationen betreffen, in denen 
ein intrapsychischer Konflikt notwendigerweise entstehen mußte; z, B, 
kein Mensch führt nur aus seinem eigenen freien Antriebe ein abstinentes 
Leben, sondern nur, weil ein gewisser Teil seiner Persönlichkeit in dem 
Konflikt mit dem anderen Teile, dem Triebteile, Sieger wird. Die Wich- 
tigkeit solcher Konflikte sollte man nicht unterschätzen, denn sie wirken 
gerade so wie die laufenden Konflikte in Fällen von Angsthysterie, d. h. 
durch die Verstärkung älterer Konfliktej die aus der Kindheit herrühren. 
Ich bin vielleicht geneigt, dieses Moment des intrapsyehischen Konflikts 
um so mehr in den Vordergrund zu schieben, als ich aus biologischen 
Gründen die pathologische Angst nicht direkt von verdrängter Sexualität 
herleite, sondern von dera angeborenen Purchtinstinkt, der zu übertrie- 
bener Tätigkeit angeregt wird, (als Abwehrmechanismus) als Antwort auf 
die Gefahr durch die verdrängten sexuellen Wünsche. Diese meine Auf- 



Die Bezieltimg zwischen AngstnearoBe nnd Ängathyateria 13 

künfte, Einblicke in das Sexualleben der Ki'anken haben kann, so sieht 
man, daß es fast immeT gestört ist, und daß es in der Tat in dem 
ßiinje gestört ist, wie es Freud meint." Vi^le Autoren haben, vielleicht 
■unt«r dem Einflüsse des Nachdruckes, den Freud in seiner «irsteai Mit- 
teilung auf die körperlichen Faktoren legte, angenommen, daß das Pro- 
blem ein rein physisches sei, and sprechen, wie z.B. Löwenfeld, 
viin einer Spannung, die sich auf Hibidogene Stoffe zurückführe. Obschon 
näuete Forschung über das gegeöSeitige Verhältnis der inneren Drüsen, 
besonders Cusbing'a Werk über die Hypophyse, das Bestehen solcher 
fhemischer Stoife wahrscheinlich machte, so sollte mau doch nicht ver- 
gessen, daß es keinen absoluten Beweis dafüi gibt, so daß es klüger 
schiene, sich allen Dogmatiaiereas in dieser Eichtong zu enthalten, so 
lange' man dem Gegenstände nichts anderes zu Grunde legen kann, als 
leine Vermutungen. Jedenfalls ist es gewiß, daß die fraglichen physi- 
schen Ursachen wenigstens zwei wichtige psychische G-esichtspunkte er- 
geben, die man nicht übersehen kann : 

1. Sie verhindern die genügende Befriedigang vsiscMedener psy- 
chiäcfaar Tendenzen von wahrscheinlich beträchtlicher Bedeutung, die 
kaum auf andere Weise befriedigt werden können. Bei vialen Menschen, 
■vielUicht besonders Männern, bleibt, nachdem die Sublimierimg alles 
geleistet bat, was sie leisten kann, ein gewisser Überrest von Veriangeiij 
ein Drang von psychischer Entladung und ein "Wunsch, sich individnell 
neuerdings jenes Gefühl des Wertes und der Tüchtigkeit zu veraichein, 
das nichts in irgendwie gleichem Maße stillen kann, als befriedigende 
Beziehungen. Wenn das Fehlen solcher Beziehungen die Entiadung ver- 
hindert, dann resultiert eine Stauung von einer wesentlich psychischen 
Art (ganz abgesehen von einet begleitenden körperlichen Stauung). 

2. Wenn man die verschiedenen Faktoren prüft, auf die Freud 
aufmerksam machte (plötzliche Einführung von Mädchen in grobe sexuelle 
Erfahrungen usw.), ao sieht man, daß sie Situationen betreffen, in denen 
ein intrapsycliiscber Konflikt notwendigerweise entstehen mußte ; z. B. 
kein Menseh führt inxr aus seinem eigeuea freaen Antriebe ein abstinentes 
Leben, sondern nur, weil ein gewisser Teil seiner Persönlichkeit in dem 
Konflikt mit dem anderen Teile, dem Triebteile, Sieger wird. Die Wich- 
tigkeit solcher Konflikte sollte man nicht unterschätzen, denn sie wirken 
gerade so wie die laufenden Konflikte in Fällen von Angsthysterie, d. h. 
durch die Verstärfeüfig älterer Konflihtej die aus der Kindheit herrühren. 
Ich bin vielleicht geneigt, dieses Moment des intrapsychischen Konflikts 
um 80 mehr in den Totdergrund zu schieben, als ich ans biologischen 
Gründen die pathologische Angst nicht direkt von verdrängter Sexualität 
herleite, sondern von dem angeborenen Furchtinstinkt, der zu übertrie- 
bener Tätigkeit angeregt wird, (als Abwehrmeehanismus) als Antwort auf 
<lie Gefahr durch die veidiängten eesuftUeB Wünsche. Diese meine Auf- 



^. Prof, EmBBt Jonas. 

faasimg knüpft aich an die Ansicht Freuds, äei die Angstvetwand- 
Iimg der Libido darauf zurßckffLhri, daß das I-eh eine innere Crefahr (die 
gefährliche Libido) so behandelt, wie es äußere GefaJuen za behandeln 
gewohnt wari es fürchtet eich davor und wehrt sie ab. Es kann also 
meiner Meinung nach eine Parallele gezogen werden zwischen der patho- 
logischen Angst und der pathologiaehea Liebe der Zwangsneurotiker, die 
eine übertriebene Antwort auf verdrängten Haß ist. (Freud Ja,hrb., Bd. I.) 

Außer diesen Erwägimgen müssen noch die beiden folgende.« in 
Betracht gezogen werden: Es gibt Fälle von Angstneniose, in denen die 
Abstellung der physischen Faktoren (Coit, intertupt. uaw.) nur zu einer 
teilweisen Besserung führt, aber nicht zur Heilung, miä außerdem gibt 
es Fälle, freihch als Ausnahmen, in denen solche Fafetoren vollständig 
fehlen, d. h. in denen der Sesualverkehr normalerweise frei ausgeführt 
wird. Wie allgemein bekannt ist, enthüllt die Analyse solcher Fälle 
immec das Vorhandensein infantiler psychischer Momente, ähnlich jenen, 
die iäi die Angathysterie charakteristisch sind. Aus allen diesen Gpünden 
muß man den psychischen Faktoren die wesentliche Bedeutung in der 
Verursachung aller Angstrustäade zuerkeonen. 

Können k-örperliche Faktoren allein jemals pathologische Angst her- 
vorbringen ? Wahrscheinlich nicht, und zwar aus folgenden Gründen ; 
In Fällen, wo die psychischen Faktoren weniger heTvorstechen, d, h. in 
Fällen, wo die psychoaexuelle Entwicklung der Norm nahekommt und 
wo laufende Konflikte nicht sehr wichtig sind, zeigt die Erfahrung, daß 
solche Personen ein betrSchtiiches Maß aesuellei- Spannung ohne Schaden 
aushalten können, weit mehr als jene mit einer mehr neuiotisohen Yer- 
anlagung. Weiterhin sieht man, daß, wenn man sexuelle Enthaltsamkeit 
Tieren aufdrängt, d. h. wenn die Entsagung auf Rechnung rein äußerer, 
aber nicht inneje-t Faktoiftn (moialiacha KoBtükte usw.) geht, nißht ein 
Angatzustand, sondern ein Zustand allgemeiner Reizbarkeit lesnltiert. 
Letzteres Beispiel ist freilich nur eine Analogie und nicht ein genauer 
Vergleich. Aber die Frage kann nicht am Menschen geprüft werden, 
denn wie oben erwähnt, sind ia den meisten Fällen, wo physische Fak- 
toren wirksam sind, psychischG es immer aach; in Fällen, wo phj^siacher 
Zwang von außen auferlegt wird, z^ B. im Gefängnisse and in Irreu- 
anstaiten, können diese Falle kaum mit der Durchschnittsnorm verglichen 
weiden. Die Schwierigkeit, somatische Faktoren in einer reinen Form 
zu ieoheren, nötigt deshalb daran za. erinnern, daß wenn wir den Aas- 
diüfik pphyaische Faktoren"' gebiaucliBn, wir nns auf eine, gegebene 
Situation beziehen, in welcher auch psychische Faktoren notwendigei-- 
weiee eine wichtige Rolle spielen. 

Einige wenige Worte mögen über die allgemeinere Frage der Be- 
ziehung der Aktual- zu den Paycboneuroaen gesagt werden. Die von 
Fr e n d aufgestellten Unterächeidungen zwischen ihnen sind hanptsäch- 



Dia Bexiehong zwischen ÄngHtnettrose and Angathystena. 15 

lieh 3: erstens die individaeUBii Symptome der ersten unterscheiden 
sich von den dar letzten durch die Unmöglichkeit weiterer psychologiscier 
Analyse, zweitens die Uisachen der ersten aiijd physisch, die der 
letzten psychisch, drittens die Ursachen jener sind aktuell, während sie 
tei diesen mehr in der Vergangenheit (Kindheit) liegen. Dieses Schema 
war damals, als es aufgestellt wurde, richtig und war ein wichtiger 
Fortschritt gegenüber den froheren verschwommenen neurologischen 
Ansichten ; ohne dieses wäre es nnmöglieh geweseUj weitere Fortschritte 
2U machen. Heutzutage hehält es auch Boeh seine Richtigkeit, aber es 
ist unvollständig in dem Sinne, daß es nur einen Teil der Wahrheit 
enthält und darom einer Revision und Erweiterung bedarf. Die Ge- 
schichte der letzten zwanzig Jahre hat gezeigt, daß die gewaltigsten 
Anstrengungen, die in der Eichtnng der Revision und Ausdehnung 
früherei unvollständiger Ansichten gemacht wurden, gerade von Freud 
selbst herstammen, und dies hi«r ist keine Ausnahme von der Eegel. 
In einer jüngsten sehr lichtvollen l^Ütteilang^), die in Beziehung auf den 
gegenwärtigen Gegenstand geschrieben sein dürfte, betont er : „Die 
Psychoanalyse hat uns gemahnt, den unfruchtbaren Gegensatz von 
äußere» und inneren Momenten, von Schickaal und Konstitution, auf- 
zugeben und bat uns gelehrt, die Vexursaehung der neurotischen Er- 
krankung legelmäfiig in einer bestimmten psychischen Situa- 
tion*) zu finden, welche auf verachiecieneii Wegen hergestellt werden 
kann," Der Unterschied zwischen Angstneiuosc und Angsthysteiie kann 
nicht besser beachiieben werden, als in den Begriffen der verschiedenen 
Eikrankangstypen, die Freud in jensra Aufsatze aufzählt. Jener Zu- 
stand (Angstneuroae) entspricht der aus der Yersaguag resultierenden Er- 
krankung (Typus A), Die Versagung besteht in dem Verlust einer psy- 
chischen Befriedigung, als einer Folge unbefriedigenden. psychosexueUen 
Lebens und die begleitendes Konflikte führen in der Weise, wie es 
Freud erwähnt, zu einer Introversion der Libido und einer Wieder- 
belebung älterer infantiler Konflikte. Bei der hysterischen Phobie ander- 
seits, wo laufende Konflikte und ebenso Versagung wohl auch eine be- 
trächtliche EoUe spielen, sind die ßeaiförderoag oder die Entwicklnnge- 
henunnng (Typen B und C) die wichtigsten Faktoren. Aber wie Freud 
betont, hat die Unterscheidung zwischen den verschiedenen Typen etwas 
Künstliches und Schematisehes an sich, insoferne, als in den meiaien 
Fällen die verschiedenen oben erwähnten Faktoren beteiligt aind. Die 
Unterscheidung iat darum ganz und gar nur eine quantitative, nicht eine 
qualitative, indem in einigen Fällen der eine Typ oder Faktor die her- 
vorragende Rolle spielt, im anderen der andere. Es ist durchaus ver- 



*) „Ob«r nBTJPotiache ErkrankoDgatjpen." Zontralbl. f. Psa. Jahrg. II., S. 297. 
') Im OzigisaL aicM aateietriDliaii. 



16 Prof. BmeBt Jones. 

ständlicb, daß es bei Kranken, bei denen die erwähaten Faktoren 2 anä 
3 besonders stark zatreffen, einer geTicgeren Wirksamkeit des ersi- 
genannten Faktors bedarf, oder vieÜeictit überhaupt gar teiner, um die 
Krankheit heivoizQnifen. Diese BrwäguDg erklärt völlstäncüg die klinisch 
gefundene Mannigfaltigkeit der verscbiedenen verotBacbenden lüomente 
bei Angatznständen, der tieferen und oberfläcblicheten, älteren und ak- 
toellen Faktoren. Wenn die ersten mebr hervoitieten, ma^ der Kranke 
ao lange aymptomfrei sein, als es kein Hindernis auf dem Wega zur 
psyehoBexaellen Befriedigang gibt (laufende Konflikte usir.). Aber er 
kann der Witknng physischer „pathogenep Faktoren" und dem daraus 
lesultierenden Pins «iner psychosexuellen Spannung weit wenigec Wider- 
stand entgegensetaen als ein anderer Hengcb und -wird also auch eher 
an einem Angstaustand erkranken. 

Wir wollen jetzt die oben gegebenen drei Ünterscbeidungen zwiscben 
eine.r Aktual- und einer Paycboneni-ose genauer bBtrachten, Die Sym- 
ptome der Angathystefie (Phobie usw-) sind nicht nur weitersf psycho- 
logischer Analyse tahig, sondern anders iiberbsnpt nicht au fassen ; sie 
symbolisieren Teröchiedene p3ychis.che Wünsche, die zur Vexdtäagung 
gelangt sind. Die Symptome der Angstneuroae scheinen einen etwas 
koaiplizierieren Üisprting zu haben: einetseita stellen sie die normalen 
(physiologiachenj Begleiterscheinungen dej; Furcht dat, die durch den 
oban besprochenen psychischen Mechanismiis entstand, i h. aJs eine 
Abwehrieaktion auf verdiängte aexmelle Wänaehe und die, wie ea die Pho- 
bien tun, ebensosehr den Wunsch wie die ihm entgegenstehende Zensur 
aymbolisiert ; anderseits dürften sie, und tun es auch ge-wöhnlicb, einen 
eigenen iDdividuellen psychologischen Mecbaniamus haben, ^nz ähnlich 
dem der Phobien. Ein Beispiel: Btuatanggt zeigt beides, Furcht (freie, 
ftottiecende pathologische Ängat) und auch gewisse boBtimmte Befürch- 
tungeDj die aymbolisiert sind, durch dift Lokalisiecang das Symptoms : 
ich fand diese immer, besonders wenn sie sehr susgesprochen ist, wie 
bei den Angstäqaivalenten, überdetersiimerfc durch psychische Faktoren, 
Die zTreite fragliche Uatarstibeidung, das Körperliche im Gegeneatz zxaa 
Psychischen, habeü wir oben besprochen und haben gesebenj daß der letzte 
Faktor eine wichtige. Rolle in jedem Falle s-pielt, sei es bei Angstneuroae oder 
Angsthysterie, während unsere Kenntnis des ersten Faktors bis jetzt noch 
zu unbestimmt ist, um uns präzise Äufetellungen au etiauben, Im all- 
gemeinen kann man sagen, daß die „physischen" Faktoren (in dem oben 
definiecten Sinne) in der Eegel bei Angstn&arose viel ausgesprochener 
sind als bei Angsthysterie, aber dies unterliegt einer großen Mannigfal- 
tigkeit, Ähnliche Bemerkungen passen auf die dritte ünteracheidung, 
den Gtegensatz zwischen aktuellen und vergangenen Faktoren, ein 
Gegenstand, dfeU Fieud klar und vollständig in der oben erwihnten 
Mitteilung besprochen hat. Wir sehen also, daß ea keinen prinaipiellen 



Dia Bezietmng zwisohan Änptneaiose tmii Angsthyaterie. 17 

Unterschied gibt zwischen den AHiial- und Psychoneurosen, da beide 
bloß Tjpen der Wege darstellen, auf denen dasselbe Endergebnis, „eine 
bestimmte psychische Situation" erreicht werden kann. Man iönnte des- 
halb die Angätneaiose als eines, einzelnen Typ oder ein Syndrom der 
Angstbysterie anselaen, die wabrsclieiiilicli 3er weitere Begriff ^t. 

Schließlieh sollen einige therapeutische Nutzanwendungen der voraus- 
gehenden Betraichtungen hervorgehoben werden und dies soll in der Form 
eiuer kurzen Featstelltmg gescheheB, die keiner DisVosaion beäarf, da sie 
direkt aaa dem Gesägten folgt. Es beirifFt nur die Ängaineurose. Die 
payehoanalytisehe Behandlmig: solcher Fälle soll unter zwei Umständen 
unternommen werden ; erstens wenn die Beseitigung dei „pbysiscbea" 
Faktoren (z. B. Coit. int^rr.) zu einer genügenden Beaserung der Sym- 
ptome nicht £ühi*t, und zweitens, wenn diese Paktoren derart sind, daß 
sie nicht leicht beseitigt werden können (z. B. Äbstinena von Witwen 
aber 40 Jahren, von Mädchen usw.). 

Die Scblilaae, zu denen wir gelangten, mögen folgeüdermajßen za- 
samtneogefaßt werden : Die wesentliche Uiaacte aller Arten von Angat- 
zuetänden besteht in einem Mangel an psychischer Befriedigung der 
Libido; die Angst stammt aus dem angeborenen Fupchtinstinkt und die 
Übertreibung ihrer Äußerungen iat die abwehrende Antwort auf Ter- 
dtüngte aBSTieÜe Wünsche. In allen Fäilen spielen die psychischen Fak- 
toren eine wichtige Rolle, in manchen eogar die einzige. Die physischen 
Faktoren wirken oft mit, aber sie allein genügen nie, einen Angstzustand 
hervorzurufen; übrigens enthalten diese Faktocea immer eine wichtige 
psychische Seite. Die physischen Faktoren treten allerdings viel mehr 
hervor in der Än^tneurose nis in der Augathystecie (Phobien usw.). 
Die Angatneurose darf als ein einzelnes Symptom der Angsthysterie be- 
trachtet werden, die der weitere Begriff ist 



I 



ZeitiDlii. I. iinB. PB.vekaiiiuljae. 



m. 
Zur Psychopathologie der Angst.') 

Von h. Seif, München. 

Die pathologische Äsget spieJt als Symptom im Gebiete der Neurostu 
aii3 Psychosen eine so hervorragende ixnA nbiquitstrs Rolle, mehr wohl 
aJa irgend ein a.näereB nnä ist therapeatiech, wie Oppenheim pessi- 
mistiBch klagt, ein Gegenstaad ärztlicher ßafr- und Hilflosigkeit-, die er 
mit der iolgsnäen elarakteristiacheii Stelle aus dem Biiefe eines Patienten 
belegt: alch kariere nun schon an dier sechs Ja.hra herasi, ohne daß 
mein Zustand sich äiuch nur vorübergehend gebessert hätte, ich bin bei 
den Autopitätea aller Länder ge-mesen. Ist denn, wirklich die M^di^sin so 
arm, daß man einen körperlich imd geistig gesunden Mensehen von 
solch einem Leiden nicht befreien kann?" Rechnen wir zu dieser Ver- 
legenheit der Therapie die verschiedenen Anstrengungen und Versuche, 
dem Problem der path. Angst eine tlieoretiache Formulieiung, eia Ver- 
ständnis ihrer ■Erscheinungen, der körperlichen wie der seelischen, ihrer 
Veruraachnng usiv. abzugewinnen, und, beiiicksicttigea die Unklarheit 
und Uneinigkeit der meisteö EigebnisBe, so erscheint dies alles wichtig 
genug, die Absieht zu rechtfertigeii, das Problem der Psychopathologie der 
Angst zum Gegenstände unserer Untersuchung ond Diskussion zu machen. 
Im Laufe derselben ■wollen wir den verschiedenen Ansichten nachgehen und 
sehen, ob nicht eine einheitliche Theorie zu gewinnen ist, ein tieferes Ver- 
ständnis, so daß jener therapeutische Fesaimismuä und Nihilismus etwa nur 
der Ausfluß eines mangelhaften Verständniasea des Angstprohlema wäi'e. 

Es scheint mir ixunötig zu sein, hier einen genauen historischen 
Rückblick über das Problem oder eine detaillierteste Beaehreibang aller 
psychischen und physischen Erseheinongen der pathologischen Angst 
vorzutragen, da sieh das ja alles in den Schriften von Hecker^}, 
Preud^), Janet*), Löwenfeld^), Mosso, Stekel«), Förster') 

>) Voiirag, gehalten anf dem Kongreß für internat. med. Faych. in Ztkrieh, am 
9. Sept. 1912. — ^} Hettker, Ü"ber larvierte imii abortive Ängstauatände bei Neoir- 
aaüienio, Zentralbl. f, Neiir. u. Psych., 1S93. — ■) Freud, Sohrilten zur HeatOBen- 
lebre, I, S. 60 (1895). — *) Jsnet, PsyGlia.sthe7iie et obaeaBions, 1903. - ^) Lö wen- 
fald, Die paycüaciea Zwangserscleiunngeo. Bergmann, "WieB&siien, 3904. — 
'j Stetel, Angst zBstftnde. IL Anfi. 1912. Drban und Schwarzenberg, Berlin- 
Wien, — ') Förster, Di« klin. Stellung der Angatpsychoae, 1910. 



Zar Fsychopathoiogie i)or Angst. 19 

uud Jones 1) ausführlich findet. Ich laöcbte nur anf die Äu-toren ein- 
gehen, (leren Ansichten heute im allgemeinen maßgebend sind \ 

Was ist Angst? Nach Oppenheim^) einmal Furcht vor etwas^ 
das eintreten kann, vor dem Tode, vor Erkrankung eines Angetiörigeii, 
vor Ansteckung hei Epidemien, dann aber ein stsrkea Uulustgefühlt das 
wir im Augenblicke einer Gefahr empfinden; nach Hoche') ist Angst 
ein gespannter ünlustaffekt der Erwartung (und so weit, wie er beifügt, 
der Futeht ähnlieh) plus körperliche Empfindungen; nach Löwenfelfl 
bedeutet Furcht einen geringeren Grad, Angat einen höheren Grad des 
durch Angstgefühle charakterisierten emotionellen ZuBtandcs, alao des 
peinlichen Erwartangsaffefctes. 

Das Krankhafte der Angst flieht Oppfeitheim erstens in Öer 
übermäßig starken, über daa normale hinausgehenden psychoplijtiJechen 
ßeaktioit, zweitens in einer Verschiebung der Kaneälität, d. h, in einem 
Auftreten der Angst untei' Bedingungen, unter denen der Gesunde sicL 
nicht ängstigt. Das „Zweitens" iat «ine tautolagische "Wiedeihoiuag des 
unter „erstens" Gesagten, anter dem Oppenheim einen wichtigen 
klinischen Zug dar Angst beschreibt, närolich dia abnoime Intensitäi; der 
Erscheinungen der krankhaften Angst, ihr Mißverhältnis zam Anlassp, 
d. h, es wird für die physischen Erscheimmgen im BeTrußtsein des 
Individuums die entsprechende Ursache gesucht und nicht gefunden ; aber 
es wird nicht daran gedacht, sie könnte doch da sein, nnr eben nicht 
im Bewußtsein. 

Oppenheim*) bezeichnet zwax die Grenze z wischen physio- 
logischflm und pathologischem Vorgang als fließend, doeh möchte ich hier 
nur nBbenbes daiäuf aufmerksam loaehen, daß gemeinhin s^r viel mehr 
als normale Angst angesehen nird, z. B. Angst vor Gewitter, Tieren, 
Dunkelheit, vor dem Tode, vor Erkrankung, als ein genaues Studium 
der Fälle erlauben wärde, das sie wohl größtenteils als path. Angst 
entiacvea öärite. 

Doch lassen wir dies beiseite und wenden onw der Beachreibujig 
der psychischen und physischen Erscheinungen der krankhaften Angst 
zu : sie gewissermaßen in einer reinsten Form, fast isoiiert, beobachten 
zu können, fftgt ein glficklichei- Zufall, ein experimentum naturae, ich 
meine die Angatanfälle im Rahmen der von Hecker ä) und Frend*) 
beschriehenen Angßtneurose. 

An den psychischen Erscheinungen fallt zunächut daa enorme 
Hervortreten des emotionalen Faktors auf; eine Mischung aus ISnbehagen, 



') Jones, Ibfl Pathologie of morbid aasiety. Journal oi abnotta. Psych., 1911, 
pag. 81. — *) OppeahBim, Pathol n. l'berap. der nerröa. Angst!; Bständc. Bentsche 
Ztedaft. i. Smeabsalkonde, VdU. — «> Hoche, Ebeftäa. — *) Opptnhaim, 1. o. 
~ ') Heotor, I. c. — ') Freud, 1. o 



so I.. Seif. 

Unlust, Unruhe, Befangenheit, Spannung, Bangigkeit und Unsicherheit, 
ein sicli st&tgenidea und immei; mehi herrschendes Gefühlj ald ob sich 
etwas Purchtbarea und ScbrecHiches, Entsefaliches ereigJien müßte, als 
ob eine dimkle, nnheimliclie Gefahr drohe, als ob man den Teistand^ 
das Bewußtsein, die Selbstbeherrschang verliere, verrückt oder von einem 
plötzlichea Tode überfallen wüi-do usw- Das Charakteristische ist 
das Gefühl der Erwartung eines unbekannten Dunklen, 
Vagen, Drohenden. Der VorsteUungsTerlauf kt entweder besehleiHiigt 
oder verlangsamt, es gibt da alle Übergänge von der rasendsten Gedanken- 
jagd bis zur Verworrenheit und CJafähigkeit, überhaupt ooch zu denken. 
Die Aufmetkaamkeit ist mehr minder hochgradig herabgesetzt. Ein, wie- 
Freud ßich ausdtücfct, „freifiottietendes Stück Angst" hängt sich mehr oder 
weniger flüchtig allen mÖgUchen Vorstellungsinh alten an und hiei haben 
wir, wenn diese Terlötung sieh fixiert, den Ausgajigspunkt eoner Phobie, 
einer Angsthysteiie, also die Angst gewiBsermaßen lokalisiert, kon- 
kretisiert wie z. B. bei Platzangst^ Höhenangst usw. Erfolgt diese Vep~ 
lötung aber mit den jeweiligen sehr peinlichen und achmerühaften 
körperüchen Begleiterscheinungen, also Organempfindunge», so spricht 
man von hypochondrischer Angst, z. B, vor Herzlähmnng, Gehirnerwei- 
chuag, Lungenleiden, Darmkreba usw. 

Dieser selbe WechBel und Übergang nun von Er- 
regung und Hemmung in den psychischen Symptomen, 
letztere besonder« in den höchsten Angsigraden, findet 
sich auch in den physischen Erscheinungen der krank- 
haften Angat Im Mittelpunkt die Erscheinimgen am Kreislauf noA 
an der Atmung: Tachy- und Bradykardie, beschleunigte und verlangsamte 
Atmung, letztere mit tiefem Seufzen, Beklemmniigs- und Eratickungs- 
geffthl, oft als Asthma; aeitena der Vasomotoren: Wechsel von Erröten 
und Erblassen, Gänsehaut, Froatschauer ; seitens der Selcretion and un- 
willküthchen Muskulatur: Aufhören des Speichel- imd Magenaaft8us&es, 
Globusgeföhl, Sohweißauabrüche, Polj- und PoUakiutie und Strangurie, 
Diarrhoe, Pollutionen (diese von Löwenfeld zuerst beBchiieben), Heiß- 
hunger oder meist Appetitlosigkeit, Übelkeit, Brechreiz, Polydipsie; seitens 
der Motilität: große Unruhe, Zittern, Zuckungen, planloses Umherlaufen, 
sich Anklammern and scbliei^lich oft Hemmung bis zur völligen Er- 
schöpfung. Die sensiblen Nerven steuern alle möglichen Parästhesien 
oft recht schmerzhaften Grades bei. Doch genug der Aufzählnng, die 
eich in den genannten Werken genauer und ausführlicher antreffen läßt. 
Diese Erscheinungen sind natürlich uiicht alle in allen Fätlev, 
sondern immer individuell in bestimmter Auswahl und Intensität da, 
immerhin aber derart, daiß sie Kranke und Ärzte bei der Unmöglichkeit 
einer psychischen therapeutiachen Beeinflussung auf allerlei Gehirn- und 



^^tm 



Zur PajGhopatbologie äer Angst. 21 

Organtheorien l)Cftchten; denn die psytiUscbe Theorie sdiien alienthalben 
unzureichend für äas Verständnis der sämtlichen Erschein ungen. 
Dubois*) z.B. ■beschuldigte als Ursache dis Fiirehtsamlteit und Feigheit 
der Menschen, ihren Aberglauben, ihre geistige Schwächt, vor allem 
ihren Mangel an Logik. Dies bedarf wohl keinai.- Widerlegung. Auch 
betonen hier ja geiade die A.utoren. bei ibien Kranken Seren oft höbe 
Intelligenz, Willensstärke und große Unerschrockenheit fcfi wirkJicKen 
Gefahren. Oppenheim^), der bei dem Tersache, die ürsachp und 
Tieziehnngen äer piijaischea und psychischen Erseliehmngai'eihen zö 
formulieren, erschütternde Ereignisse, eine Summe von Aufregungen, 
einen fortwirkenden Kummer odei Furcht vor Wiederholung eines 
einmal zulällig erlebten Sctwindels unter den psychischen Ursachen 
aiiführtj will dennoch der Angst beim großen Teile dieser Kranken eine 
körperliche bezw. eine nicht nur im Psychischen wurzelnde 6ruijdla.ge 
geben, die Angst bei ihnen also auf eine unge'wöhnliche fieaktion des 
Taaomoiorischeu bezw. kardioT^kulären, visceralen und sekretori$ehen 
Netveiisystems anf Vorstellungen und Sinneseindiücke zurückführen. 
Ganz ähnlich Hatsohek^). Beide Aufstellungen mSssen ala gänzlich 
unbewieaene und nicht au beweisende Annahmen abgelehnt werden, 
Iromerhin ist Hatseheks biologischer Standpunkt sehr beachtenswert, 
daß Dämlich der Angstaffekt, sich anfbaue auf den uralten, seit einem 
ungehenren Zeitranraft sich ^ererbeaden Flucht- und Abwehrins+inkten 
(äbnüch Stanley Hall). Diese Betrachtungaweise enthält einen richti- 
gen Kecn, aämlieh insoweit sie den Instinkt bctrifi^., die Fähigkeit, eieh 
zu. ängstigen und ihren Meehamsmus. Damit ist ftber auch der ganze 
Weit dieser Erklärung erschöpft. Denn wann und warnm untei: be- 
stimmten Bedingungen Angst auftritt, warum in vetschiedener Stärke, 
mit individuell bestimmten Verbaltungsweisen and oft bestimmter 
physischer Lokalisation iisw.j darüber erf&hien wir gar nichta. 

Fast alle übrigen Theoriebildungaversuche gehen ungefähr den 
Oppenheimschen Weg. Arndt*}, Krafft-Ebing 5) und Ball^ 
aprflchen von einer nervösen "Übeieriegbaikeit der inneren Organe, 
Hoche'') von einer reflektorischen und toidschen Entatehling durch 
Kohlensäure, IMejnert*) von einem dyapnöiischen Ernährungszustand 
des Goitex, welcher durch Gefißverengerung infolge von Keiznng der 



3g L. Seif. 

damit wiedflriegt, daß FlnsionavOEgänge zum Gebiin den Angs^zustand 
steigern. AU& diese Annahmen beräcksichiigeiii immer nur die körper- 
liche Seite, nicht febet die psychische. ÄKntiek JaKiDS-La,nge ^). 
die in allen Affekten, also auch in der An^t. nui Komplexe von 
Organerapflndungen ond Gefühlen sehen, ebenso Stör r in g^)^ der die 
kraßkbaite Angst in eine Verachmelzuiig der Organeiapfindungen mit 
dea Organgefühlen (aekundärea Gefühlen) auflöst, im Gegensatz ziiia 
lÜormalaffelEt, wo es sieh um eine Yerscbmelzung Ton Organempfindungeii, 
Organgefiihlen und priraärea emotionellen Elementen handelt. Löwenfeld 
hält dem mit Eecht die inkompletten AngstanfäUe, d. h. dag Aoftteten 
somatischer Angatsymptome ohne begleitende Angstgefühlö (Aagat- 
äquivalente) entgegen, sowie die Tatsache, daß selbst bedeutende 
Störungen der Respirations-und Herztätigkeit ohne Angst bestehen können, 

Soweit die heute herrschenden Erklärnngaversüche. Wie eraJchtlich, 
leisten sie weiter nichts, als ein X dorch ein Y verständlich machen zu 
wollen. 

Resümieren wir das bisherige, .so bleiben für den Gang unserer 
werteren Untersuchung folgeade wertvolle Daten übrig: 

1. Die physischen Begleiterscbeiaangen der path. Angst sind 
Übertreibnngen des normalen Angstaffektes, dör sieh auf alten esetbten 
Instinkten aufbaut und die Aufgabe hat, Peinliches, Unangenehmes, 
Schmerz usw. abzuwehren, 

2- Das Mißverhältnis zwischen den Erscheinungen und dem oft 
harmlosen äußeren Anlaß läßt diesen nut ale agent provocateur Be- 
deutung haben, aber nicht als zureichende volle Verursachong, woför 
auch die Ünbeeinflußbarkeit durch Psychotherapie spricht 

3. Diese üreache aber in der pathologischen Steigerung der HecTen- 
Zentren oder in der Erkrankung innerer Organe zu suchen, ist nicht 
angängig, da ersteres eine ganz willkürUche, unbewiesene Annahme ist, 
letzteres höchstens die Wahl der Lokaliaation, der physischen Begleit- 
erscheinimgen determiniert. 

Jones*) macht auf die wichtige Tatsache aufmerksam, daß die 
Autoren, da sie pathologischG Reize auf normale Zentren für die 
Entstehung der krankhaften Angst nicht fanden, normale Reize auf 
üb ererregbare Zentren annähmen, wähx&nd sie die andere Möglichkeit 
übersahen, nämlich, statt an path. fieize an abnorm starke notmalt- 
zu denken. 

Hier nun setzt Freuds bedeutungsvolle Entdeckung ein, die 
zeigte, daiJ jene abnorm starken Reize nicht pathologisch sind, sondern 
vorzugsweise psychophysiologische sexuelle Triebregungen und nur darum 



^) Jamea-Lange, cit, nach Löwenfeld, 1. o., pag. 31i. — '^ Störringj 
cii. nach Löwenfeld, 1. u,, pag, 315. — ^) Jones, l c^ pag. 96. 



2nr Psycbopathologje der Angat. ^' 

päthogea, weil sie den dem Individuum adäquaten Weg der Entladung 
nicht fanrtes, kurz gesagt also : eine Aufstauung der pgychosexuellen 
Energie infolge maageihafter Abfuhr, ein Ergebnis, das sich; Fieud 
erat ans empirisclieF klinischer Arbeit eiasteUte. Wir -wollen nun diesen 
Gedankengang weiter verfolgen und gleicbseitig im Äuge behalteu, ob wir 
vieüeicbt so eine Theorie der krankhaften Angst finden können, die gleicher- 
maßen den physischen wie den psychischen Erscheinungen gerecht wird. 

Tassen wir die gesamten Forsehungaergebnisse Feeuds zur 
Psychopathologie der Angst zusammen, wobei wir nns in der Dar- 
ri:ellimgswei96 weniges wörtlich an die verschiedenen Originalarbeiten 
halten, als an unser spezielles Bedürfnis und den Zweck dieser Arbeit, 
so w&rde seine Theorie ungefähr folgeBdermaöen lauten: 

„Wenn unter gewissen Bedingungen die paycho- 
physiologische Sexualerregung weder körperlich noch 
seelisch eine Ableitung findet, »andern sich anätaut, an- 
häuft, HO entsteht psychisch das Bild der pathologJgehen 
Angst, physisch deren dazugehörige Begleiterscheinungen." 

Diese Bedingungen sind phyaischeiseits : Coit. Interrupt., frastrane 
Erregungen bei Lie^iesleuten oder Witwenschaft, absichtlich sexuelle 
Abstinenz, der Zustand der Frauen im Elimakteriiam und Männern im 
Senium während der letzten großen Steigerung der gsxueJlen Bedöxftig- 
keit ; psychischeiäeits : YeidriLngung infantiler Sexualkomponenten, 
z. B. Bindung an den einen Elternteü, homoaesuelle Tendenzen usw., 
ins Unhewußte und also Absperrung derselben vom Bewußtaejji.^) 

Das Studium der Bedeutung und Wertigkeit dieser phy^i^chen und 
psychischen Faktoren jeweils für das Zastandekoniinen der krankhaften 
Angst ergibt, daiJ die körperlichen Momente sehr häufig beteiligt sind 
(Beweis dafür : durch deren Beseitigung günatige Beeinäussang der Angst), 
die psychischen, in Form des psychischen Konfliktes, anscheinend aber 
immer und also auch für sich allein den ganzen Apparat der krank- 
haften Angst in Aktion setzen können. UnenthehiHch ahec ala Gtand- 
lage, wenn auch von Fall zu Fall mehr oder weniger wirksam, aeheinen 
mir nach eigener Beobachtung die verdrängten infantilen Sexoalkorapo- 
nenten. Während nänüieh ursprünglich die typische Angat des Angai- 
neurotikers nur aus aktuellen körpetlieien Ursachen zu enteptingen 
schien, ergibt sich der weiteren Beohaehtung, ganz ähnlich wie bei der 
Angat äer An^thyateriker, das der Angst zu Grmtde liegende infantile 
Serualmoment, also da wie dort der Konflikt zwischen dem unbewußten 
GebundenaeJn an die Kindheit und ihre Neigungen und den Anfocderaor 
gen der Gegenwart, des wirklichen Lebens! Und gerade dieses infantile 



') Stekel, !. o. Siehe dort zur BeatStigungil&fiHlergoaagtendie amfajigi- eiche 
Easinatik. 



24 i" Seif. 

Sexuahnoment liiärfte es erklären, warum an'ter den gleichen Ümetändeti 
tingenägender sexueller Befriedigung die emem eher an Angst erkranken 
als andere, oder warum anderseits Menschen, trotz äußerlich oder 
teehniscli scheinbar normaler Befriedlgimg dennoeh krankhafte Angst 
proäiiziecen. Im Istzteien Falle nämlich dringt die verdrängte infantile 
Triebpegong, z. B. die verdrängte homosexuelle Komponente, auf Be- 
friedigong, und bringt sich, da. ihr dei Sesualverkehr, der fcei einem 
anderen ladiviinum zoi normalen Befriedigung führt, diese Befriedigung 
versagt, als Angst zur Geltung. Im ersteren Falle ist eine gewisse 
Ablösung von den Kinäheitsbindungen erfolgt, gei'ade so weit, ura 
z. B. die wesentheherj Aufgaben des Lebens zu erfüllen und e^ine normale 
Triebbefriedigung Zustandekommen zu lassen, aber eben gerade nur so- 
weit ; fiiine kürzer oder länger dauernde sexuelle Unbefriedlgung, z. B. 
Abstinenz oder Coat. interrupt. führt dann leicht zu einer unerträglichen 
Mehtbelaatang, zu Anstauung der unbefriedigten Libido, zur Angst- 
reaktion. Hier geht es also im Leben so laoige, als das Sexualleben 
keiner -stärkeren Belastungsprobe ausgesetzt wird. Im anderen Falle 
aber kommt die infantile Achüleafeise peinlich zu Tage, der Kranke 
veraagt mehr minder im Berufe, in det Ehe, produziett Angstzüstände 
und wird hilflos wie ein Kind. 

Der Akzent liegt also darauf, daß normale körperliche sexuelle 
Beize und Wünsche dadurch pathogen werden, daß sie nicht be&iedigt, 
sondern verdrängt werden und also anstauen, ohne ein Tentil sn finden^ 
durch das sie sich entladen könnten. Ein Kotventil dafür bietet der 
An^tanfall. !N'ach der Freud sehen Auffassung kommt nämlcch die 
krankhafte Angst von der verdrängten Sexualeireguiig, gewisseima^n 
als ihr Surrogat, eine Auffassung, die mit der Erinnerung gestützt 
wird, daß auch beim normalen Coitus die Ertegnng sich nebstbei als 
Atembeschleunigung, Herzklopfen, Schweißausbruch, Kongestion usw- aus- 
gibt, alao mit ähnlichen Erscheinungen wie hei der krankhaften Angst. 

Jones hält dies für kUnisch richtig, meint aber, es sei psycho- 
logischgenauer, die krankhafte Angst als eine Beaktion gegen ver- 
drängte Sexualeiregung zu definieren. Mir scheinen erst beide 
Auffassungen zusammengenommen die ganze einheitliche Auffassung der 
pathologischen Angst zu gehen. 

Der Mechanismus derAngst ist, wo und unter welchen 
Bedingungen auch immer Angst auftritt, ob normale oder 
pathologiische Angst, von vornherein mit dem Menschen schon 
gegeben^ er ist überrall derselbe, ein Flucht-, Schutz-, Ab- 
wehrmechanismus^ offenbar das Ergebnis jahrtausendelanger biologi- 
scher Arbeit im Dienste der Erhaltung, Entwicklung und Anpassung des Indi- 
vidumns an die Außenwelt. Trotz dieses gemeinsamen Abwehrmechanismus 
unterscheidet sich die path. An^t von der normalen in drei Punkten : 



Zut Pafchopatholo^e der Angst. 2b 

1, Im normaleii Anggtaffekt ist im aUgemeinen die PersÖnliiJikeit 
in sich geschlossen, ein Ganzes, eins mit sich selbst, der Gefahr, dem 
Feinde gegenübei und wthrt eich im Dienste der ganzen Persönlichkeit 
triclitiger würde man vielleicht dieaen konkretisierten Angat- 
affekt Furcht nenaeii) ; in der pathologiacben Angst aber ist das 
Indi-viduuLTtt in sich selbst gespalten, mit eicli seibat aneina. Diekrank- 
hafte Angst ist nämlich ein Affekt von gegensätzlicher, 
bipolarer Straktur, in dem Eotgegengesetztes sich zusammenfaßt, 
Wwngch and Abwehr des Wunsches: Man versagt sich etwas, das man 
sehr gerne möchte (Amhivalena oder Ämhitendeuz, wie dieses Ver- 
halten Bleuler nennt). An^t iafc Angst vor sich seibat. Stekel. Man 
ringt mit den imgebärdigen, angestauten, sich selbst dunätlen und 
unheiittlichen Ttiebtemienzen, toq denen man unversehens übeifaUen 
wird, in des ei,geaea Brust, man wehrt etwas ab, was man wünscht, man 
wird von einem "Wunsche überfallen, der für die oberate Instanz der 
Persönlichkeit verpönt lind daiiuü verdrängt ist, der nicht erfüllt, ja 
nicht einmal bewußt werden daif , deBsen. Bewaßtwetden, dessen Möglich- 
keit der Erfüllung eben daium jenes Gefühl der dunklen Gefahr kund- 
gibt, das ein CharakteristtkoiQ der krankhaften Angat ist. Diese enthält 
also ein Ja und ein Nein, Liebessehnsucht und die Schutzmaßregel 
dagegen, ist ein Surrogat für das "Verdrängte und seine Abwehr. Am 
deutlichfitea ist dies ä, B. in den Formulierungen der Phobien, wenn 
2. B, eine verheiratete Kranke mit PlatKangst und zahlteichen verdrängten 
Ehebrüchsphantaaien auf der Straße nicht weiter gehen will, weil die 
Straße ao schlüpfrig sei und sie fallen könnte, oder beira Yeisuche, 
weiter zu gehen, pEötzliGh die heftigste Ängat produziert, sie könnte 
au weit gehen und vielleicht nicht mehr nach Hause kommen oder nach 
Hanse finden. 

3. Im. Gegensatz aura normaleri AngstafFekt oder, wie ich vorhin 
sagte, Fürchtaffekt, hat es die pathologische Angst immermitder 
Sexualität zu tun. Dies ist heute auch schon von Porachern, die nicht 
aus der Freudsehen Sehule kommen, in weitem Umfange zugegeben 
und bestätigt, so von Herz*), Erb^), Curachmann '), Eomberg*), 
A. Eoffmann ^) und vielen anderen. Der hoch zasammengesetzte 
Sexualtrieb spielt hier, wie vorher schon angedeutet wurde, zwar nicht 
die einzig«, aber die ausachlaggebendo Eolle, wobei nicht nur aktuelle 
Momente hedentimgsvoll weiden könaea, durch Nichtbefriedigung und 
Anhäufung det sexuellen Erreg-ungen, sondern vor allem unbewußte 

1) Hera, ßie aexaallo paychogene Hers»eacose (PirBoocfljcliB), lS09. ~ '■) Erb, 
Mfinob. med, Woch., 1809, Nr. S3, — ') Cnrsßlima.nD, über Angina pect, vasomot. 
D. Ztsoiifl. f. Netveaheilk., Bd.. 3S, pag. 216. — *) Rombetg, Die tetre von 
den Hecznaiu-osen. Ebenda. — ^) A. Haffmann, Die Lelire von den Heraaenrosen. 
Ebenda. 



36 L. Seif: 

Kindbeitbindnngen, die das Individuum später entweder gegen besondere 
Belastungen seineä Sexualtriebes, z. B. Abstinenz oder Coit. interrapt. 
empfiiidlieli machen und schwächen, oder trotz scheinbar normaler Aus- 
fühiung doch es nicht zur Befriedigung kommen laaseii. 

Nun liei3e sich der Eimvand ethebenj die hier vorgetragene Auf- 
fassung werde nichi gerecht jeiieif patb. Angai, die z. B. bei Vetgiftungen 
durch CO^, Alkohol, Opium uaw. zu stände komme, Datauf ist zu 
erwidern, daß, wie bereits betont, der Mechanismas dei' Ängat 
durchaus kein ßestiellex Mechanismus ist, sondern auch von 
anderen Momenten in Aktion gesetzt wird und werden kann, z, B. auch 
von den genannten Giftea. 

Die path. Angst aber, von dei' hier gesprochen wird, meint immer 
neurotische Angst und vi'as Alkohol, Opiiun, Morphium, Cocain, CO^ 
uaw. betrifft, so muß hier nachdrucfclieh daran erinnert werden, daß 
nach allen psychoanalytischen Erfahrungen ein gut Teil gerade dieser 
Narkotika im Dienste der Sexualverdcängung stehen, ja geradezu Ver- 
drängungBinittel genannt werden können, und daß die auf jene 0-ifte 
ziLTückgeföhrten Angetaustände also »och einer eingebenden Untersuchung 
bedürfen, aber das, was der GifWirkong und, was der verdrängten 
Sexualität zuzurechnen ist. 

3, Path. Angöt zeigt eine unverhältniamäßig größere In- 
tensität ihrer physischen ErscheiuuQgen, gegenüber dem normalen 
Furchtaffekt, wo der Affekt dem Anlasse adaeo[uat ist. Die path. Angst 
iat eine Abwehr, eine Schutzmaßregel gegen verdrängte sexuelle 
Wunaehe. Ond je größer diu Gefahr des Durchbruchea dieser 
Wünsche ins Bewußtsein, desto größer die Abwehr- 
maJinahmen, desto größer und intensiver die AngsterBcheinungen, als 
Iteaktlonaleistung auf den verdrängten Trieb, den erat die Exploration 
des Kranken bewußt machen kann. So verstehen wir nun die scheinbar 
imbegründete unmotivierte übertrieben angatvolle Unruhe der Kranken, 
äie würden verrückt werden, den Verstand, das Bewußtsein verlieien, 
nicht mehr wissen, was sie fun ; d. L. doch alles nichts anderes, ab die 
Selbstbeherrschung verlieren und dem Einbruch der verdrängten ge- 
waltigen Wünsche ins Bewußtsein erliegen. Daher auch die Angst des 
Kranken vor dem Tode, hinter der sieh die Sehnsucht aach Liebe ver- 
steckt. Wer nicht Heben kann, kann nicht leben, muß sterben. So 
sind in der path. Ängat Leben tmd Tod, Werden und Vergehen aufs 
innigöte verknüpft, und Leben und Liebe erseheinen hier geradezu als 
identisch, Jones^) erinnert an den schönen Mythus, daß die Götter 
des Schreckens und der Fmrcht, Phobos und Deimoe, als Kinder der 
Aphrodite galten. 



') Jones, 1. c, p!^. 106. 



Zur Psycitopatbologie der Angst, 27 

Eine weitvolle Bestätigang (3er hier vorgetragenen Ansieht bringt 
Abraham '^). Er sagt: „eines der frühegten Ergebnisse der Freud- 
achen Neurosen föi'üChuHg lautete: Die neurotische Angst stammt aas der 
Sesaalverdtängimg. Durch dieae ihre Herkunft ist die neurotische Angst 
von der Furcht geschieden. Ganz entsprechend trennen wir den Affekt 
dei- Trauer oder der Nieder gesehlageiih«H voo der unbewußt mfitivierten 
Depresäion. Zwischen Angat und Oepression besteht ein analoges Ver- 
hältnis wie zwisclien Furcht nnd Trauer. Wir füichten ein kommendes 
Unheil, wit trauern über ein eingetretenes. Der Neurotifcer wird von 
Angst befallen, wenn sein Trieb einer Befriedigung zusti'ebtj die zn 
erreichen seine Verdrängung ihn» verbietet. Die Depression setzt ejn^ 
wenn er erfolglos, unbefriedigt, sein Sexualziel aufgibt. Er fahlt sich 
liebesuufäliig und ungeliebt, daxum verzweifelt er am Leben nnd an der 
Zukunft. Dieser Affiett halt an, so lange säne Ursachen nicht in Wegfall 
gelcommen sind, aei ee durch tatsächliche Änderung der Sitaation, sei 
es duitb psyehiscbe Aferaibeitung der unlustbetonten Vorstellungen. 
Jeder neui'otiscbe Depiessionazuatand enthält die Tendenz zui Lebens- 
verneinnng, ganz wie der ihm wesensverwandte Ängatzuatand." 

Gans ähnlich Otto Groß*); Nach ihia donäniert das Moment der 
Angst, wenn die Entbindung freier Möglichkeiten überwiegt ; überwiegt 
dagegen die Hemmung, so dominiert der Charakter der einfachen De- 
preaaion. 

"Wir kommen zu einem letzten wichtigen und spezifiaeben 
Charakterzug der krankhaften Angst, den auch Jones uBd Stekel 
hervorheben, es ist dies ein paaaiver, femininer Zug, der achon normaler- 
weise vorbanden, hier nur sehr gesteigert erscheintj nämlich, die maao- 
chiBtischeKomponentedes Sexualtriebes. Klatcrnoeh wird dieser 
Zug, wenn man die krankhafte Angst z. B. mit dem krankhaften Zwang 
veigleioht Der Zwang erhält sein eigentliches tiesicht durch einen aktiven, 
aggresiven, männlichen Zug, die hier gesteigerte sadistische Komponente 
der Sexualität. Daher denn auch Frauen und Kinder mehr mit Angst- 
hysterie, Männer mehr mit Zwangsneurose reagieien. Ein charakteriati- 
acher Beleg dafür sind die typischen Angstträume der Frauen von Ein- 
breßhern und Männerü, die sie mit Messern, Gewehren, Lanzen und 
ähnlichen Waffen verfolgen und angreifen. Ebenso eharakteriatisch dafür 
ist die Tendenz vieler Kinder vtnd manehei Eiwachsener, die Angst 
geradezu aufzusuchen, um, sich dadurch eine sexuelle Befriedigung, 
eine Pollution oder irgend eine angenehme lokale sexuelle Sensation zu 
verschaffen. 



^) K. Abraham, Ansätze zur p.-a. Erforsdning des maa. depr. Irreaeing. 
Zentralbl. t Psychoanalyse, II. Jah^ang, Hrft 6, psg. 30?. — ■) Otto Groß, Das 
Ffeudache IdeogeniUtsmoment. F. C. 'W. Togel. Leipzig, ISO/, pag. 14. 



38 L. Seif. 

Resamieren wir das Ergebnia unser« üntersurrLung: 
Die patb. Aogst komiat von einer durch migeniigeade Befriedigung 
und aagenügenfte Entladung vernrsaehten ABätaiiuug veidräagter abnorm 
starker normaler sesiieller Erregung. Sie ist ambivalent, aie ist ebenso 
eine Scbutzmaflregel gegen die v«tdi-äugte iSesualiibido vde eine ßorro- 
gatsbefriedigung. Die Fähiglteit zur Angst iind ibr Mediaitisiailä ent- 
siammt den uralten angeborcöGn Fm'chtinstinkten und hat mit Sexualität 
nichts zu tun. Die abnorm stajke Intenaität der path. ÄngBters<:heiniingen 
enispringt der Abwehrreaktion, die umso stärker, je größer die Gefahr 
des Durebbruches des Trerdrängten, vom Bewußtsein abgespaltenen 
Triebes ins Bewußtsein ist. Didier auch der Charakter des Drohenden, 
Unheimlichen der path. Angst. KöiperÜche sexuelle Momente sind sehr 
häufig, psychosexuelle immer als Ursachen beteiligt, infantile Sexual- 
m-omente scheinen nie zu fehlen. Eine c-harakterisiische Seite der path, 
Angst ist ihr ZusaBimenhang mit der femininen, maaochistischen Kom- 
ponente des Sexualtriebes, die normaler Weise schon vorhanden, hier 
gesteigert erscheint. 

Das hier Vorgetragene hatte die Absicht, den für unsere wissen- 
schaftlichen und Heilhemühungen ao wichtigen Gegenstand der path, 
Angst Ihrer Beachtung, Aufinerksamkeit und üfacbprufung zu empfehlen 
und es steht nach allen bisherigen Erfahrungen zu erwarten, daß Dank 
Freud, der an;? den Weg zeigte, die Ratlosigkeit und Hilflosigkeit der 
Kranken und Arzt© nicht ao schlimm ist, a,ls eh sich dem ungenügen- 
den "VerständnissB jener Erseheinongen früher darstellte. Der neuen ver- 
tieften Erkenntnis entspringen auch neue Hilfemöglichkeiten. 



BBiträge zur Analyse des Sadismus und Masochismus. 

Ton Dr. Paul Feder». 

I. Uie Quellen des männlicheu Sadismus. 

In der psydioanalytisclieQ Literatur wird das Wort Sadismus 
nach zwei Riclitüageii. mit unberechtigter Erweiterung seines Inhaltes 
angewendet. Auf der einen Seite nennt man mit Unrecht alle gFausamun, 
feindseiigen und aggressiven Handlungen und Rsgaagen j,sadiatisciL" 
und gibt ihnen dadurch einen unbewoSten sexuellen GefUblsinhalt. ob- 
gleich die betreffenden Begungen nnr aseitueller Grausamkeit, gewöhnlichem 
HäsB6 und «HinFäeliGin Kampfe entspringen. — Auf der andern Seite wird 
das Wort Sadismos gleichbedeutend init des Aktiven Komponente dea 
Sesualtriebes gebraucht, indem man statt aktiver KornjE^onente j,3adifitigche" 
setzt. ~~"' ~ 

Meine Arbeit wird nicht alle im Saclismus vereinigten psychischen 
Vorgänge besprechen und prätendiert nicht die Frage seiner Genese zu 
erschöpfen , sie wird nus die Beziehung amsehen S a di s mu e und 
aktiver Sexualkomponente darzustellen versuchen, und zunächst 
nur für das mä.nnliche Geschlecht. — Diese Beschränkung hat den 
Nachteil, daß sie niehi die gesamte sexuelle EÜgenart eines Indi-ndu»m3, 
in welchein sadistische, masoctustische und sonstige Strebimgen neben 
einander und miteinander vereinigt auftreten, als Ganües der Analyse 
zufahrt, sondern willkürlich nur eine Hictbing isoUext und sie isolieit 
betrachtet. Diese Beschränkung zwingt mich auch, einige Seiten der 
Frage so lange uneröftert zu lassen, bia ich die masochistische Eegung 
besprochen haben werde. Dennoch sehe ich keinen andern Weg, um 
diese kompliaiertea Triebforiaationen faßlich darzustellen. 

Daß zwischen dem Sadismus und der aktiven Komponente des 
männliohfin Sexualtriebes enge Beziehungen bestehen, ist keinem Fotschec 
entgangen. Alle erörtern aueführlieh, daß in der normalen männlichen 
Sexualrolle bei der reifen Sexualbetäfigung sadismusähnliehe Regungen 
zur Geltung kommen. Sie beaiehen aich auf die Überwintlung des weib- 
lichen Widerstandes, auf den Kampf mit Nebenbuhlern, auf die Vergewal- 
tigung, die bei der Defloration selten ganz fehlt. Aber diese Komponenten 



30 f^n' Federn. 

gebüren in der Norm zur V&tbeieittmg des Sexiiala,ktea und sind mit 
sexuelUr Vorltsst erfüllt, die zur normalen Endbefiriedigiing liinleifet. Es 
gilit nua Individuen, hei ymlchen dieae vorhereitanden erstea aggressiven 
Akte besonders lustbetojit 5iad, so daß daneben der einfache Sexual- 
verkebi an Bedeu-tiing und Lustxrert verliert nnd wenig oder gar nitht 
angestrebt -wird. Es sind das die Labitoellen Jnngfernjäger, Tergewal- 
tiger und Verfithrec. Ton solchen Indiridaen, äeren Perversitafc darin 
besteht, daß sie bei einer vorlastbetojiten Aktion ätehen geblieben sind 
oder sie übermäßig betonen, unierscheidet sieb der Sadist dadurch, daß 
b«i ihm der aexaelle Lustbezug vom Hexueilüß Betätigungsgebiete auf das 
Gebiet def Aggresaion überhaupt verschoben wurde. Er fndei die 
findlast nicht darin, daß er Gewalt^ oder Scbmerzzufügatig behufs 
sexueller Besitzergreifung ausführt, sondern behufe Besitzergreifung 
oder SohiHierzerregung überhaupt. Die Bcaitaergteifang liegt dabei in der 
Übetwindung der feemden EigenbestiDiniang in lezug aaf den Willen oder 
in beaug auf komplizierte Gefühle, wie Stham und Seltstgefühl. 

Die Absieht dieser Arbeit ist darzulegen, daß die „aktive Kom- 
ponente des Sexualtriebes" nicht mit dem „Sadismus" identisch ist. 
BOpdexn sich etat auf dem "Wege eigenaxtiger psychischer Mechamsmen. 
in den Sadiaraos nmgewaiidelt haben miiSte, I>iese Umwandlnng geschah 
zu fiiöG? Zeit, in welcher daa sexuelle "Verlangen noch nicht auf die Voll- 
fühtung des Sesualaktes bewußt gerichtet Tvar, sondern unklar, unreif 
und autoerotisch als aktiver sexueller Drang empfiinden Tvnrde, mit noch 
nicht entwiefcelfem Endziel der Sexnatbetätignng am gewünschten Objekte, 
denn der spezifische Sadismus ist in aüen Fällen in die präpubeie, oft 
in die infantile Zeit dea Individnums zutückzuvetfolgen. 

So oft wir uns von einem Individuum -seine sadiatifiehen Gelüi?te, 
Phantasien oder Handlungen erzählen lassen, finden ivir aieht eine vage 
Tendenz nacli ii'gend einer sadiatisehen Handlung, sondern einen oder 
mehrere, meist kiimpliziei'te und in den Details unischriebeno Vorgänge. 
Wenn wir dieselben psychoanalytisch unteffsuchen, so lassen sie sich aas 
vielen infantilen Ereignissen und Phantasien geschöpft orkennen, so daß 
aici die Details als aus mehreren Elementon durch Verdichtung 
entstanden herauaatellen. Feraei finden wir auch in den Details Resultate 
der Verschiebung- "Wenn wir die regelmäßig auftretende Verbindung 
des SadiauTUs mit seinem. GegeiitN'il, dem flJasochisniits in Betracht aiehen, 
in den er mit Leichtigkeit umschlägt, so sehen wir auch das ambi- 
valente (Bleuler) Verhalten beider Perversionen und können im 
Aufbau von Details die Daratellung durch den Gegensatz nachweisen. 

Wir sehea also, daß der Sadismus ata Resultat von jenen Mechanisiaen 
entsteht, die uns als die Mechanismen des Unbewußten durch die 
Entdeckungen Freuds bekannt geworden sind. Wir kommen ku dem 
Schlüsse, daß der Sadismus tteine einfache Sexuaikomgonente sein kann, 



BeiiTSga znc Jinaljae des Ssdisums und MKsat.hisiaij4 I, 31 

.sondern daii rlie unreife, naännliche, aktire Sexualität in der 
Ent"wickiuügazeit, dem Kinde seltst unbewußt, von dem 
primären psychisciien System, darch die unbewußten 
Mechanismen aum Sadismus g«sta.ltet wurde. 

Fi-eudbat dargestellt («nd jede Analyse oder analytisch geschulte 
Kinderbeobachtuiig beistätigt seine Daistellong), daiä die Sexnalorgane 
schubweise und in Beifeperioden allmählich das Primat über andere 
üexuelle Luatquellen (sexuell im weiteren Sinne der Freudachen Anf- 
faaaung zu verstehen) gewitiuen. Jede dieser LüstgTidUeii gehört einem 
organisehfen Triehe an ujid wird individuell verschieden auf das bewußt« 
und unbewußte psychische Leben einwirken ; bei jeder solchen Über- 
windung einer primären Lustqueile werden Regungen aus dem Bewußt- 
sein verdrängt und dadurch die uabewußten psychischen Derivate ver- 
atäjtt. Bei einem äieser Entwicklongsfortschritte kommt die spezifische 
motorische Impulsität (Drang) des männUchen Zeugungsgliedea zur 
Wirkung. Nach beendeter Entwicklung geht von ihm das Verlangen 
nach dem Koitus oder ßeinem autoerotisehen Äquivalente aus, aber bevor 
alle die komplizierten taktilen, motorischen und sekretorischen Vorgänge 
im Sexnalverlangen begehrt werden, beherrscht den unreifen Knaben oft 
durch lange Zeifccämae hindurch eine noch objektlose aktive 
Spannmig, die vom Penis ausgeht. So empfinden manche £iiidei die 
vorbereitende Penisfitnktiou bereits in abnorm jungen Jahren in ungeheaeE- 
iichem Maße.^) Aus diesen infantilen unreifen aktiven Penisgefühlen 
entstehen — wie ich in dieser Arbeit begründen will — durch luibewußte 
Umwandlung die sadiatiachen Strebungen, Wenn dieae Erkenntnis sich 
bewährt, so hat eie aicht bloß theoieiäscbes Interesse; wir werden durch 
sie veranlaßt, den Variationen') in der Struktur und Entwicklung der 
OrgangefShle unsere Aufmerksamkeit zuzuwenden und die Beeinflussung 
der Psyche durch sie genau 2u beobachten. 

*) loh tnaS a«B Gründen dei Faßlichkeit maJicho !är den SadotDasocäusaiHB 
wichtige namentlioli infantile Beziehangen zwiBBtian SesnBÜftt OEclFsjchB anfepfiteiB 
Arfiksl Taractisben., will &bat, um Einwänden an begegnen, IterTOjaheTieii, dafl gleiili- 
ueitig mit diessm bifiliar nie etfabieBen Erlebnis deraiüg^i aktiver OrgaugefüiiU, das 
Kiaä von diesem Organgefüh! zar seihen. Zeit im h-öchaten Grade abl&ngig wird, 
ja in manchen Fällen sieh davon geqo&lt and verfolgt fühlt. In dieser Äthtlngigäteit 
liegt, wie ich zeigen werde, eine der QueUnn des Masöo h iamas und voc allaoi iei 
ps^fobologiscba Cmad, westialbSadismna luid MASOOliisinua Q^genaätze sind, 
die mit ein -ander eng oft unlöaliar- verbunden in ET3th«iming -traten, 

^ Efl acheiui für dJe psychoaextieUe Entwicklung von WwiitiglMit au aeia, oli die 
matorisohe, taktile, aekret^riaclie nnd eskretoTiaehe Komponente der Sexuaifonfctiön sich 
rasch hinter ein äjider in der Eeifezeit entwickeln odec läagera Zeit nar eine oder die 
andere vorherraoht, ebenso üb die taküte Kcmponente Aei O'beaiiB.ut odei die kompli- 
zierten Empfindnngen in der SahleimliaTit feüher anftreten, Was Sadger mit dem, wie 
ioh glauts, nioitgläeklloiienTermiDiia „üretral- und Hamerotik" beaeichnet, ist wesent- 
lioi ein derartiges PiiT&liieien eiaei KoropaneatB dvncK Iftogeie Zeit dei EatwioMnng. 



* 



l± 



30 Fan} Federn, 

Ein Beispiel für eine derartige dauernde anbewu^te Beeiiiflnsaung 
der Psyche durch ein Organ hatFreudin seiner Abliandlasg; j,Charaki:er 
und Analerotik" gegeben. Irt analoger Weise wiikea die asdei'cn Organe 
und Organsysteme. Diese BfleinStissuag wird qualitativ und qaantitaii? 
modiliaiert durch eine eventaelle Mindexwertigkeit, die sich ip abnorraer 
finhvickJuDg und ÜberG-rapfindlitbkeit des Organs äußern kann, wie es 
Alfred Adler u. z. am ausfährlichsten und gelungensten am Harn- 
apparate daratellte. 

Freud hat in der erwähnten Attieit die Erscheinungen und Cbarakter- 
veränderungen geseliildert, wie aie als Endregiiltat der Bmnäussung der 
Psyche durch den Enddarm sieh darstelleo, Sachen wir Fälle von Beein- 
ftussnng der Psyclie doreb soiziatiaeh& Vorgänge, dift dar Beobachtung bu- 
gängUch sind, so finden wir aie in dem von Silberer beobachteten 
und besebriehenen „aomatisehen, fanktionalen und materialen Phänomenen." 
Silberet konnte bei Beobachtung der hypnagogen Zustände die Ver- 
arbeitung von somaitischen und Yon Stimniungazuatänden in Traonibilder 
oder Serien toh solchen in der Art wahrnehmen, daQ die betreffenden 
HaUozinationen nnvermittelt auftauchen. Sie veixietea aber iire Herkunft 
nicht nur dutch ihren eindeoftigen und selbstrerslÄDdliehen Sinn, sond^ern 
sowohl dadurch, daß der eb»n vergessene erregende Vorgang sofort wieder 
einfieJ, als anch dorch eine innere 'Wahrnehmung dea ZTxaammenhanges 
zwischen symbolischer Eeaktion und früherem EewaßtaeinsinhaU, In 
gleicher Weise erkennt man mit einer hei Körperreizträumen überzeugen- 
den inneren Wahinehmung den Zusammenhang zwischen somatischem 
und Traurageachehen. 

Ich verfuge nun über eine ßeihe von Beobachtungen an Weck- 
trämnen, bei welchen ich die Verajbeitnng von abnormen Beissnngen der 
Genitalien in sadistische Erlebnisse berichtet bekam. 

Den ersten derartigen Traum hat mir ein an Tripper eikranirter Patient 
mitgeteilt, bei welcher Krankheit ackmerahafte und intensive nächtliche 
Erektionen aufzutreten pflegen. Et träumte: „Die Heiteretei steht bei 
einem Sandhaufen mit Schaufeln besahäftigt, und hat den Bock bis zu 
den Knien aufgeschürzt, so daß die starkei! Wade» sichtbar sind. Ich 
stehe daneben and drücke sie in die Waden, worauf sie mich mit Bieaen- 
kraft packt, trotz meiner Gegenwehr, um mich in den benachbarten 
Wald an tragen und mich dort entweder zu schlagen oder zu würgen. 
In diesem Momente ecwache ieh mit schmerzhaftei Pollution." 

Der Tcäumer hat aneh im Wachen aadomaeOchistische Gefühle 
gehabt, aber während einer zweijährigen ßeobachtnngazeit hat er nur 
währ end der Ttipperzeit derartige Träume produziert, Baß 
der Traum in seiner zweiten HäEfte ins Masochisiiache sich wendet, eat- 
spricht dem engen Zusammenhange imd der gemeinsamen Wurzel beider 
Erscheinungen. Der Traum hat die sexuelle, tihrigena typische Ent- 



BeitrS|Q ztu inn-lyBe des SftdisisuB itDd UasochismOH. I. 30 

wicklang des Träumere» die UmkelicuBg seines Sadismus in Masochiamus 
wiedergegeben. Im wachen Zustande hatte er viele Jahre fcüter ähnUche 
Phantasien gehabt. Die Intensitäiesieigerung des somatischea aexuelleo 
TratUBreizes setzte sich aber direkt um in Stedgeraag des ssdistiach- 
maaoehistbcheu Geschehens. Iin Einzelnen stellte aich das Gefühl der 
Spttiliung im Seauftlorgan in der angespannten Muskelkraft der Fraa 
dar, das GrefüM des susammenziebenden Krampfes, der in der Gegend 
dar hinteren tiretca auftrat, in der Würgszene. IUe EmpfindaDgen dea 
Penis werden als toq der ganzen PeraönUcbkeit erleht im Traumö wahr- 
genojBimen. 

Wir sehen, daß in diesem Falle die eadomasochistiache Szene eine 
Reaktion auf den Körpsrpeiü war, und könnten das so erkläTen, daß die 
aHch im Wachen potentiell roxhandene Perversität bei der infolge der 
Erkrankung gesteigerten Erregtheit und der aufgei^wungenen Askese im 
Pollutionstrauni unter dem starken Sexuaireiz zum Dupcibmch kam, 
ohne daß ein spezlBschet Zusammenhang zwischen dem gesteigerten und 
achmerzhaften Beize and der Art der Perversität damai bestehen müßte. 
Der Patient hatte aber beim Aufwachen dta deutliehe Empfindung dea 
somatischen Phänomens*' in Beaag auf somatigchGa und Traumgeeeheten 
und hatte sonst bei durch Askese gesteigerter Erregung normale, heftig 
erotische Träume gehabt, Ei»wa.iid£rei erhellt der apezilische Zusammen- 
hang aas analogen Träumen normalem Individuen, welche seit der 
Pubertät übsihaupt keine sadoBjasochistisehen Phantasien odei Impulse 
gehabt baten. Speziell aiDex der träumenden Personen war jede aadoma- 
sochiatische Richtung im Wachen und sonstigen Trümuleben völlig fremd. 
Einer meiner Patienten trämnte, daß er mit einem aeiner Bureaukallegen, 
den er haßte, in Streit geriet, mit ihm zu raufen anfing, zuletzt ihn 
mit dem Aufwand aller seiner Kräfte packte tuid am Halse würgte. Da- 
bei erwachte er mit öchmerzhafter Erektion. 

Eia aadeier sexuell normal empfindender und nicht neuroüacher 
Kranker, der an Ürettitis poateiioi infolge von Tripper IM, teilte mir folgen- 
den PoUutionstraum mit: „. . . Ich ■wüßte, daß ich tiicht imataade war, 
an dem Zweikampf ieilzunehmen. Aber plötzlich sp'öjte ich, daü ich 
trotzdem kämpfen könnte, und befand mich unwUiküiIich kampfbereit .Ich 
unterhielt mich mit einer Dame (sehr häßhchea Geeicht, abei- sehr üppige 
BiUate), welche neben mir war. Als ich die so eöhöa scheinende Biuai 
fühlen wollte und die Blase aufknöpfte, welches Entsetzen! statt dei 
schönen Brust, die ich zu treffen hoffite, sah ich nichts ala giofie Wunden, 
eine zerfieischte Brust, aus der Blut in Strömen nach allen iSeiten floß." 
. . . Der Soiiaerz hatte sich nicht unverändert in den 
Traum dutchge setzt, zum mindesten nicht so stark, daß der 
Träumer da'von hericiitet hätte, daß er tob der Schmerzbaftigkeit der 
Wunden geträura.t hätte. Aber et war so heftig, daß er sich in Ver- 



34 P^'JI FedenL 

■ffundangeB ausdiücken mußte ontJ tJas Erwaclieji ^-eranJaflie. Die Ver- 
-nandlung des sextielleii VerlangeDfc ifl Kämpfb ereitschaft 
entapticht eindeutig dei aadiatisehen Empfindungaweise. 

Füi den typischen Traani, mit sadistiscier Woilnst und Anspannung 
aller Kräfte wie aas einem unwiderBtehlichen Zwang heraus jemaßden 
ZM packen und zu würgen, hahe ich. noch Tier analoge Beispisle erfahren. 
Dieser getränmte 'Wllrgimpals ist als direkte Autosymbolik (Silberei) 
ao&ufBSsen für das zusammenkrampfende Gef&hl in dem gereizten oder 
entzündeten Organ, Analog findet sich, der Würgünpuls bei einer Gruppe 
TOn Sadisten in ihrer Sexualbetätigang. 

Die mitgöfceilten Träanje aeigen alle speziHscben sadistiscli-masochi- 
atdschen Inhalt mii einen intensiven Genitalreiz und Genitaleclunerz 
als somatisciien Tramnreiz. Die Träume haben aber keine 'Wolluat am 
Sdunerze, keine „Algolagnie" im engeren Sinne zum Inhalt, obgleich 
der Schmerz deutlich als Tranmquelle Trirkte und den sadomasochistischen 
liüiait angeregt hat. Wir könaen also diese Traumszenen alis durch einen 
schmeizhaften Beiz entstanden ansehen, sie enthalten aber keine 
Wollust am Schmerze. Mir ist kein Traum bekannt, in -welchem 
WoUnat am Schmelze getcanmi wird, me sie im "Wachen voTkoranat. 
Schon dieser Umstand weist darauf hin, daß die eigentliche Älgolagnie 
(Schrenck-If ot^ing) nicht mit dem Sadcunasochiamus identisch iat, 
obgleich aie vielfach mit ihm ätiologisch verknüpft erscheint und auch 
sehr oft mit ihm zusammen vorkommt. Ich werde deshalb die passive 
und aktive Älgolagnie im engeren Sinne in dieser Abhandlung nur so 
weit berühren, als es bei der Xlarstellung des Sadismus im engeren 
Sinne notwendig ist. 

Aus den mitgeteilten Träumen können wir mit Sicherheit entneh- 
men^ daß eine nngewöhnlich intensive Genitalieizung beim Manno sado- 
masochistische Szenen träumen macht, wobei der genitale Schmerz ala 
Steigerang des Genitalreizea wü'kt. Da wir die unbewußten Vorgänge 
des Tranmlehens ala den primitiven kiadhehen psychischen Yorgängen 
entstatomend nnd ihnen analog ansehen, so ist der Schloß berechtigt, 
daß dia Resultate von Verschiebungs- und Verdißhtungavorgängen im 
Traume analog sind denen, wie aie früher in der Kindheit aus demselben 
Materiale hervorgegangen -wären, und vrir können von gleichen Resul- 
taten mit großer WahrscheinLiehkeit atrf gleiche Quellen achließen. Sowie 
die träumende Psyche die gleichseitige Sensation von gesteigertem 
aexuetlen Verlangen, von Krampf und Schmerz in der Genitalsphäre, zu 
sadistischen Träumen verarbeitet, ebenso wird die Kinderpsyche seiner- 
zeit diese Begangen und Phantasien gebildet haben. 

Diese Annahme wird durch die Kindheitsgeschichte vieler Sadisten 
gestützt. Es ist nämlich auffallend, wie oft man bei deraitigen Individuen 
auf dem Wege der Psychoanalyse oder der gewöhnlichen Ajiamnes© von 



Beiträge zat Analfse des Sadiaains nnd MasDchismaa. 1. 



schmerzhaften. Aftettionen in der Genitalgegead erfährt, welche die Erek- 
tionen in der Einderzeit durch lange Zeit schmerzbafi gesteigert haben. 
So hat ein hochmöraliacher Patient mit iatensireii sadistischen Im- 
palsen und Phantasien seit den Kaabenjahren Stechen in der Prostata 
gefohlt, dag bei jeder sexuellen Erregung sich zu steigern pflegte. 7iel 
später, im fönfunddreißigateji Lebensjahre, hat sich, ohne Infektioa &in 
ProstataabazeB önhvickeli. Ein anderer Patient, der trotz siarheTn. mora- 
liaeben Wiäeistaiiäe nicht aur sadistische Regangen hatte, aondem grausaDi 
aadististhe und algolagne Hanaiungen ausübte, hat durch seine ganze 
Kindheit hin zum dreizehnten Leben^abr nur unter hochgradigen Sehmer- 
zen den Stuhlgang eraielt und dabei legelna-äßig Erektionen hefcommen, 
Seins ersten Onanieversuöhe gingen mit digitaler Beizung durch Ein- 
fehrung des Fingers in den After vor sich, wobei aber die "Wollustsmp- 
findung nicht von der Darmschleimhaiit, sondern -von der tok innen 
erfolgten Reizung des Genitals ausging. Er steigerte die Ercegang oft 
daäuich, daß er den erigierten Penis heraibdrüclcte, was sesüelle and 
schjaerahafte Sensationen auslöste. Auffallend oft findet man bei sädi- 
stisi&hen and algo)agnen Patienten in der Kindheit überetandcne schnierz- 
hafte BaltLoitiden und Phimosen oder Faiaphimosen, Solche Akzidentien 
veranlassen, tisah. raeisei Erfahraiig nicht immer, sondetn nur dann 
Sadismus oder Sadomasochissnas, wenn zur Zeit ihres Bestandes die 
Sexualität rege war oder von ihnen erregt Trarde, 

Dieser Zusammenhang wäre längst bekannt, wean die B-e ohachtun e 
der kindlichen Sexualität und der ypTgäi 



36 Paul FedwT». 

Uchkeit als in den unbewußten Heaktionen fortdauernd annebmen. So 
erfcJäpi; sich bei starken Reizen die Formation der exzessiven, gro- 
tesken iiia scheinbar sinnlose gesteigerten Züge, sobald ea sieb, um aus- 
geprägten Sadismus handelt. Von diesen enorinen Bildungen treten we- 
niger intensive Wiedettioliingen auf, wenn der sexuette Drang mehr nor- 
male Be&ieäignn.g oder Betätigung findet. Und ea gibt auch alle mög- 
Uehen Ausbildungsatufen zwiacken den exzeasiTen Formen and den sadi- 
stiaohen Phänomenen, wie sie sieh regplmäßig auch bei normalen Individuen 
in den Kinder- und Reifejahren finden. 

Denn in ebiam gewissen Ausmaße sind in der Kindheit die Bedin- 
gungen, die bei den mitgeteilten aadistischen Träumen durch die lokale 
Erkiankong und den Tiaumzustand gegeben sind, immer vorhanden und 
in pathologischen PäUen in sehr ge3{eigea?teni Grade: ein Sehr empfäng- 
liches, noch nicht durch die geübten, und voll entwickelten höheren In- 
stanzen gehemmtes Unbewußtes nnd andererseits am unreifen Organe 
besonders intenaive, schon wegen ihrer Neuheit eDorm empfundene sexuelle 
Vorgänge, Wie stark die sexuellen Erregungen in den Kinder- und Pnbei- 
fa^jahien bei seht vielen Individuea auftreten, wie sie den Kaaben kon- 
tinuierlich beunruhigen, ohne daß es zu sexuellen Entspannungen kommt, 
das erfährt man aas Analysen und Anamnesen. Manche Individuen be- 
haupten, in späteren Jahren nie mehr gleich intenaive Spannungszustande 
erlebt zu haben. Und ea ist bemetkenswert, daß sich in der sadistischen 
Literatur solchfi subjektive Mitteilungen über die ersten Sexuatregungen 
regelmäßig finden. Unter ähnlichen Eindrlieken geringeren Grades hat 
auch jeder normale Knabe gestanden. Wir können deshalb erwarten, 
daS ein gewisser Grad von Sadismus ubiijuJtär auftritt. 

Und tatgächlich gibt es keinen normalen Knaben^), der nicht in 
der Kindheit oder bei später Entwicklung in der Pubertät, asKuell be- 
tonte Phantasien von sadiatischejin Charakter, zu zwingen, fortzutragen 
und zu zerschmettern, in versperrte Eäume einzudringen nnd Besitz zu 
ergreifen gehabt hätte. Auch die Identififflerungen mit Banbern und 
Helden sind uißht ohne sexuellen, aktiv libidinösen Beitrag. Die unreife 
männliche Sexualität ist ebenso raheloa aktiv, wie die weibliche ruhelos 
passiv ist. In den Pubertätajahren ist diese nicht zu beruhigende Aktivi- 
tät und Aggressivität das wichtigste Element der sogenanntes Flegeljahre, 
in welchen sich die unmittelbare Verstärkung aller anderen aktiven Stre- 
bnngen durch die gesteigerte und anerfüllte Libido zeigt. Aber aufler 
dieser direkten energetischen Steigerung werden auch alle anderen aktiven 
Äuadrucksmöglichkeiten auf dem Umwege des Unbewußten als Dar- 



') Praud aohieibt in aaiiMii AbhaTidlung „Über JnfBJitilB Sexaaltheoriea" 
^SiimiBlaag kleinar Schriftön zvr Kearosenlehre. H. FoJge); „Mit dieger Erregung 
säaä Antriebe verbanden, die das Kind sici nicht au dentan weiß, duiiile Irapiüfle 
zu gewaltsameia Tmi, zam Eindringen, Zeiaclil^gQD, irgendwo ein Loch an&ai&en." 



«M 



BeitrBge zur Analyse des Sadisman und MaBochiBmns, L 37 

stellungamittel der Sexualität benutzt, mit Sexaalität erfüllt, und kommen 
als Ausffihrangsart des Sexualtriebes zum Bewußtaein. 

Daß diese Verknäpfang unbewußt vor skii png, zeigt eich oft 
dtircli daa blltzatüge Auftiefcen dei i'ertigeu Phantasie ohne äußeren Anlal^, 
woran aich manche Patienten erinnern und was auch in den pervtsrsen 
Bomanen und Biographien so dargesteUi vniä. Plötzlich erkennt sieh 
der Betreffende za geiner tJbenaechung von seiner Perversität ergriffen'), 
er sieht vor ihi wie vor einem plötzlichen „Einfalle". 

Die Beteüigung des unbewußten verrät sich auch durch die charak- 
teristische Symbolverwondniig. Diese Symbolik ist für den Sadis- 
^ maa eine regelmäßig wiederkehrende. Die sadistischen Symbole sind 
übrigens, wie ich ail&h hier ■— ohne es anazuführen — erwähne, nicht 
durchwegs die gleichen wie die des Masochismua, Im SadDmasocbismus, 
wie er sich gewöhnlich zeigt, sind Symbole, die piimär dem Sadismna 
und aolche, die primär dem Masochiamus angehören, miteißander ver- 
einigt. Im allgemeinen überwiegt beim Sadismus mehr die Symbol- 
bildong dorch mateiiaie, beim MasocMsmas mehr durch funktionale 
Phänomene, Doch koDimen bei beiden Richtungen alle drei Phäaöraenfc 
zur Geltang. So ist es ein funktionales und somatischea Phänomen (im 
Sinne Silbarers), daß überhanpt ä&s aktive Organgefühl sich in den 
Drang, etwag za tan, verwandelt. Sein ianktiDnales Phänomen iai, daß 
die Methode des Sadisten «m so öherraachender, gewaltaainer nnd a.us- 
schweifender gebildet wird, je fremdartiger und intensiver das Organ- 
gefühl anfgetreten ist. Ein sehr merkwürdiges, funktionales Phänomen 
ist auch, daß die „Spannung" in dex eexuellen Vorluat in die „span- 
nende" Steigerung in den sadistisehen Phantasien veiwacdelt mrd.^) 
Fonktionales, materiales und somaüschea Phänomen ist es, wenn der 
Schmeiz am Greaitale durch Blut und Verwundung dargestellt wird. 
Das durch die Symbolik "veTarbeiletß Material ist durch die innere 
und äußere Entwicklungsgeschichte des Kindes detetminieit. Es wird 
dem ganzen weiten Gebiete der äußeren kindlichen Erfahrang and des 
KeBÜschen Erlebens entnommen. Die Eindrücke des Milieus, der Er- 
aiehimgaatt, der Schale nnd der Lektüre stehen zur Verfügung, In vielen 

*) Hs glM auch Fälle, ia welchen 3ich daa erste Auftretan der Perversität an 
einaa S-ofieren Eindruck oder an eice "VsTfüliiUBg ojunittfini&r anaclüiefit. 0ewöhnlic)l 
sind diese firz&ijloDgen nur Ration aiisiBmin gen, m» sich aa entsoholdigen, oder die 
ianec« EntstebTUig wn^de sjilter naoli außen projmert. Kiemißd komrat aber durch 
äcfiere Einäüsae sur dauarndeii PerverHitftt, otne ii& die oben bescbiieb^nea nn- 
bewnQten MBchanismen beteiligt "fFSfen, Ala befütderudes 'ocd matetstützesdes Mo- 
meni sind aW die feu&ejen Einfi^Bao von einer gewissen ptaktiachen Wichtigkeit. 

') Dieaea ftraÄtiDnale Phä-pomen ist beim M&socliJsmaa ia enötniKC ard tspiscb.Br 
Aastildimg zu finden, wie ich ia «item in der Wiener psyefio an aly tischen "VereiaigTing: 
eetoltenen "Vrirtrage vor i'wei JabirBB beräis aaagefülirt hah^, ohae noch die Atleit 
Silberet'a, die erat epätei ersaluoQBit ist, benüticen EU können.. 



5g Paul Federn. 

Fällen weiden manche Torstellungsgriippen in ihrer Intensi'fet midAffekt- 
betonung durch dispositionelle Bereitschaft verstärkt sein. Einige dieser 
Symbole will ich analysieren. 

Sehr atiEfalleDd ist in der Sytabolifc die Bedeatimg- des j,Inairu- 
mentes". Da zeigt sich im Sadismus das materiaJa Phänomen. Chaiak- 
ieristisch knabenhaft ist die Vorliebe eines Kindes für Stock, Peitsche, 
später Gewehr und AVafle, ebenso die Fieude, Werkzeuge za beniitzen. 
Es wiederholt gicli im Kinde -das Erobern der Herrschaft aber Natur und 
Feinde, das Ton der Verstärkung derHand durch Inätrament und Watfe be- 
gleitet war. Wollte man den Sadismus, wie es Alfred Adler ver- 
sucht, als übertriebene Äußerung eines übertriebenen Willens zui Macht, 
ale Aasdruck des gemegioßen Resaentirnents des Minderwertigen ansehen, 
d^ln wäre die sadistische Verwendung des Lastruments nichts als der 
Ausdraek einer verstärkten Aggression, von weleher die Sexuaütäi be- 
nützt wird und entspiänge dem Verlangen des Knaben, seinem Feinde 
und Unteidrüoker, dem Erwachsenen, Stärkeren, dem Vater oder dem 
alteien Bruder gewachsen zu aein, sich ihm überlegen za fühlen, Sie dient 
gewiß anch diesen Tendenzen ; aber das charakteiistiache dea Sadismus 
ist das Hineinziehen aller dieser Mittel in den Dienst der Sexualität. 
Durch die ganze Kindheit, vom ersten Lebensjahre an, besteht der Macht- 
willen des Kleineren gegen den Erwachsenen und Stärkeren. Ei erfüllt 
bewußt die Kinderjahre und wechselt je nach äiißeien Bedingiingen, 
Und da tritt oft gerade in den Zeiten des Friedens mit der Um- 
gebung, ohne exogenen Anstoß, im Gefolge eines Schubes der körper- 
lichen Sexaaientwißtlung der Sadismus auf mit Vencendong alles dessen, 
■was als Waffe und Inatrument zur Verfügung gestanden hat und er holt 
es oft aus lang vergaogenen Jahren hervOr.'-) 

Für den Psychoanalytiker ist es einleuchtend, daß das Instrument 
hier als Symbol des menschlichen Gliedes, genau so wie im Traume, 
im Witze und im Mythos reiwendet wird. Es dient also einerseits 
als Ausdruck der sexuell gesteigerten Aktivität, anderaeits als Symbol 
des Organes, von welchem die sadistische psychosesaelle Formation über- 
haupt angeregt wnrde. Das neue Empfinden, mit dem Penis etwas zu 
tun, irgendwo einzudringen, bat sich autosymboliseh in den sexuell be- 
tonten Drang verwandelt, mit einer Waffe, einer verstärkten Hand, Taten 
ausKUübeni. Als Beispiel diene ein Patient, bei welchem erst die Analyse 
den intensiven Sadismus bloßgelegt hat. Er hatte nach der Pubertät 
wiederholt die später ganz verdrängte, aber dataals und noch Jahre 



') peahalb halt» ich die A^leiache Erklämgg ia di«a.em Punkte für irrig. 
Adler konnte deshalb au ihr komniBn, weil dar aktive sexuelle Entwielclimgascliub 
gleichzeitig mit dem ATiftreton dea SadiamuB auch die Kampfbeieitschaft iicd die 
Selbst indigfceitsgelüate des Knabea steigert und dadurch viele oktaella lüonfilctB- 
raögliolikeiten für ihn aohafft. 



Beitrags zEti Aiuili;^s des SadiHnns ^Ld MssoobisiaiiB. 1. 39 

uachhei impulsiv auöreteuds Phantasie, an seinen Penis eiii Heines 
Bajonett -anzubriitgen und so z« toitieren. In ctiescm Falle ist die zu 
jftn« Zeit "bereits erworbene Keantnia Tom ■weiblichen Genitale für die 
sadistische Phantasift lait benutzt -wordeii. Ein Aosläofer dieser Phan- 
tasie war apätec die Verweodang von sogeaannten ReizpräserraÜTa. — 
Ein anderer Patient, ein heim Weibe impotenter Sadist, künnte die Um- 
wandlung des Penis in eia Instiument in seiner Phantasie selbst be- 
obachten. Plötzlich verwandelte eich sein Gelüste, intex cmra zn ejap- 
knlieren, in das viel stärkere, sadistische Verlangen, mit eineos Stock zu 
pfahlea. 

WaiFe und Stock sind die verstärkte Haud. Und tatsächlich ist die 
Hand das schwächste und deshalb auch im Sadismuß des Normalen am 
weitesten verbreitete Penissymliol, was sich auch in Ge^teu mi4 Ünaicten 
genugsam ansdrückt. Bei der Hand tritt natürlich die symbolische Be- 
deutung oft hinter ihrei direkten Yerweadang als eines aexa.Gllen Hilfsorgans, 
respektive als des nächstliegenden Angriffsmitteig zurück, aber in den Phan- 
tasien, wicd die Hiad oft aach als symbolischer Ersatz des Pems verwendet. 
Daß die sadomasochistische Perversität aus der Eiaderzeit steiiiamt und 
ihr Symbolmaterial der kindlichen Welt Gntnimmt, zeigt sich gerade deuthch 
auf dem gewöhnlichen Gebiete des Sadomasochiamus, der die Hand mid 
ihre Terstärkung durch Straf- und Schlaginstrumente in allen Vai-iationeD 
verwendet. Für das Kind war das ScUageu als Strafe gewiß dai tisiate 
and intensivste Eindiact, den es außer der Sexualität als körperliches 
Erleben bewußt empfangen hat. Das Schlagen und Raujen göhört zum 
Alltag der Kiuderjahre, und es ist von frühester Kindheit an ein gern ge- 
Buehtes Tergnügen {Sadgec's Muskelerotik), welches auch in ver- 
schiedenem Grade sexuelle (das Wort im weiteren Freud sehen Siaae ge- 
nommen) Lustempfindungem geweckt hat, auf welche ein geateigeries Sexual- 
verlangen wieder Äurückgreift. Anderseits wicd sich jedes StEfiben, ainem 
anderen etwas anaatun, infantil am ehesten im ßchiagen äußern.^) So 
dient das Schlagen glfeichaeiüg dem aexueHen Lnatverlangen und der 
Peindschaftsäufierimg. Wenn sich die neu erwachte oder verstärkte Trieb- 
tichtung, einem Anderen mit dem Penis etwas anzutim, in ein defartigee 
Schlagenwollen verwandelt, so wird die damit betätigte Feindschaft 
gleichfalls Ausdrucksmittel der Sexualität und sexuell betont, Aus dem 
gleichen Grunde kann ja ein in früheo. Jahren beobachteter Koitus qui 
als Raufen interpretiert werden. Freud sagt darüber: „Aber diese Auf- 

*) Eine psychologiache Betrachtung des Sadigmoa muB auch als tie&te Uraadw 
iöj dea ZuBajameahang zwiaclieQ aktiver SeaQjiiitoiapoQente ond dei sa-difitiSBliBTi 
Muakelattioii liervorh-eben, daS die Maskelemp&ndtiDgeii über}iaapt: dia ür^aeUe 
aUer aktiven ÖeffililB sind, dea Wollens (Stricker) and dea Tons, tmd «s ist be- 
greiflJDh, dftS dw neu aufigetretene aktive Dr&Bg, das elaöiantaM AnadmoksiBittel der 
Aktiritat benötzt. 




4^ VwH Fadern. 

fs83iiQg maclit selbst den EMndiuck der Wiedetfeebr jenea dunkeln Im- 
pulses zm grausamen Betäti^ng, der sich beim ersten Nachdenkea über 
das Bätsei, woher die Einder kommeTi, an die Peniserregung knüpfte." 

ÄußeTdem erwachi; mit dem sexuellen Triebe gleichzeitig ein im- 
klarer oder aacli ein deatlichei Drang, das Objekt seines Begebiens nackt 
zn habeB, wodurch det Exhibitioniamus der fräheaten Kindheit in seinem 
Widerspiel wieder zur Greltiing komrot. Ein charakteriatiscber Impuls 
mancher Sadisten gebt auf die Gewtillsamkeit der Entblößung ihrer Ob- 
jekte aus. Bei aadomasochistischen Anamnesen findet sich häufig die 
Verwendung von köipeiHcbeni Strafen mit Entblößung des Kindes und 
auch bei einer wenig sadietischen Erziehung ist die Vetbindung von Luat 
mit Nacktheit und Schlagen dem Kind ans der 2ieit der acaten Lieb- 
kosungen bekannt. So Terbindet sich ein sadistischer Drang zur Ent- 
blößnng mit dea» Drang zu schlagen oder za peitschen, wozu auch die 
Beobachtung der Behandlung der HauBtieie eine analytisch oft gefundene 
Quelle hefert. 

In eineir anderen Form und aotüi ebarakteristischer als Symbol, 
dient das j,Instrument" zu sadistiachea Zwecken, wenn die Phantasien 
dajin bestehen, in die LeibeshöhlGn, die in infantiler Art nicht von ein- 
nander unterschieden werden, einzudringen. Das ist die unbewußte sym- 
bolische Darstellung des noch nicht wissenden Sexualbegehiens, mit dem 
Peius in ein nur Tage vermutetes Sexualobjekt einzudringen. Dieser 
männliche Sexnalwille zeigt sieh auch schon in den eisten Lebensjahren 
daran, daß Kinder mit Vorliebe das Innere von Gegenständen nntersuchea, 
in Puppen und dergleichen hineinstechen, Inabesondere sind es Knaben, die 
leiden scbaftiieh das Offnen von Hohlräumen und Schl^issern betreiben. Tritt 
zu dieser Tendenz, die vorher unter den allgemeinen Spielen mehr oder 
weniger her Torgetreten i-st, die speaifeche sexuelle Organerregiing daza, 
dann wird eie noch dareh die sexueUe Neugierde ^as Geheimnis des 
Körperinnern kennen zu lernen, was ja ohne Verletzung nicht mögüeh 
acheint, verstärkt, und es können alle die bekannten grobsadistischen 
Phantasien anftreten, die als exogenes Material Bilder aua dem Fleischer- 
laden und der Küche ebenso wie Märchen und Indianergesohichteu ver- 
werten. Sehr häufig ist das Schlachten und das Ausnehmen der Eiü- 
ge-weide von Hühnern ein solchea Material. Auch hier wird in manchen 
Fällen oft Gesehenes plötzlich mit sexaeller Last betont. Das Material 
wird auf den Menschen iibertragon. Das Wühlen in Eingeweiden ist oft 
die Akme des Lustmordes. Psychoanalytisch findet es sich als stark ver- 
drängte Phantasie bei sehweran Angst- und Zwangsneurotikern. 

Überhaupt finden wir in den Sesualverbiechen der Sadisten im 
engsten Sinne alle kindlichen SeKuaitbeorien vertreten. Da? Meseer- 
stechen ist ein Ersatz des sexuellen Aktes und seine Fisienuig wird 
durch die Unkenntnis dea Kindes von den tatsächlichen Bedingungen 



Beiträge zwe Analyse des Sadiamitfi und UEesachismiis, I. 4I 

dos SexuaJa'ktes und durcli Widecstäiide gegen den uatüiliclieii VerkeLr 
örmöglieht. Es ist ein abDOjm verstärkter Best, jener infantilen Periode, in 
welche! auch notmale Individuen von gewaltsamem Eindringen phanta- 
sieren. Es ist ein Sexiialverbtecheii, das typisch nur bei Männern vor- 
kommt. Dasselbe gilt "vom Zopfabsfchnädfcn. Dieses geht auf den kind- 
lichen Kastrationskotaples zwiick. Abgesehen von der Drohung mit 
Kastration, die geeignet ist, aesuelle Ged&nkea in die grausame nnd 
schpGckhafte Kichtang der aktiven Kastration zu lejiken, kommt auch 
die typische kindliche Vorstellung in Betracht, daß den Mädchen das 
Glied abgeschnitten worden sei, oder daß man ein Mädchen werde, weno 
einem der Penis abgeackoitten -wird. Das 2opfabschneiden ist eine 
triebhafte, zwangsartig auftretende ayiaboÜsche Handlung, die die Kastra- 
tion darstellt. Auch die sa-distiäcbeu Giftmorde, die allerdings nicht 
bloß bei Männern vorkommen, können durch Zurückgreifen auf infantile 
Sexua-ltheorlen ihre Ertlärung finden. 

Höchst kompliziert sind die Z^nsammenhäiige desäadismns mit den 
Vorgängen an den Exkretionsorganen. Am einfachsten z\l verstehen und 
analog dem bis jetzt Mitgeteilten ist die \'epwendiicg dieser Torgänge 
als Material, durch das aich die sesueile Aktivität äußert. Typiath sind 
solche FäUe, in denen die iii{ant^« Ln&t, andere zu beandeln, reaktiviert 
wird. Diese Besttdlungslusi wurde in den ersten Jjebensjahren sowohl, 
wie es Sadger hervorhebt, geliebten, Personen gegenüber in. poaiüv 
erotischem Sinne geübt, als aach in fGindlichem Sinne rerwendet, am 
die Umgebung zu besohmntaen und sie zu unangenehmen Diensten zu 
nötigen. Ich kenne einen Fall, der deutliche sadistische Züge hat, 
bei welchem die Phantasie, andere Personen zu ekelhaften Eeinigunge- 
diensten für die eigenen Bedürfnisse veranlaßt zu haben, bis in die 
Pubertät hinauf aesuell betont waj. Hier spielen die von Adler her- 
vorgehobenen Herabaefczungsiendenzen eine große Eolle. Wir finden 
derartiges im koprolagnen dauernden Sadoma^ochismus regelmäßig 
wieder. 

Als kompliaiertes Beispiel für die Verwendung der Urolagnie sei 
der folgende glsichf'ills typische fall von paychischem Sadismus mit- 
geteilt» bei welchem körperliche Aggression überhaupt keiae Rolle spielte. 
Mit elf Jahren hatte der Patient die stark aadjatisch betonte Piiaata,sie, 
ein Mädchen in seiner Gewalt zu haben und sie dann durch Hunger, 
Einsperren und Androhung von noch größerer Beschämung sra, zwingen, 
vor ihm zu urinieren. Hier wurde durch d&n aktiven Sexualtrieb 
eine verlassene und mit Beschämung rerbunden« sexuelle LuatqueUe 
wieder erweckt, nämlich das Voyeortnm und die Urolagnie. Diese 
spielen im zweiten und dritten Lebensjahre die größte Rolle. Die 
sadistische Verstärkung aetzt bei dazu Disponierten die 
von der Kultur unterdrückten Gelöste wieder durch. 




42 ^^^ Pedotn. 

Diese Untfirdräckuag erfolgte durch die Entwicklung des Schamg&föliles, 
iaß bei dieiseii) Knaben, entsprechend der Intensität des ursprünglichen 
ütolagnen und Voyeurtriebes, in der Zeit vom sechsten bia zehtitea Lebens- 
jahre üuffaiiend groß war und in Sctüchternheit und Yersciämtheit sicli 
äu&eite. Bei der ReattiTäeruTig dss Gel'nates darch die in der loeginnen- 
den Pubertät mächtig auftretende aktive Sexualkomponente, symbolisierte 
sich der innere Vorgang der Überwindang der Scham in der phantasierten 
Tergewaltigung der Scham und des Widerstandes am Sexualobjekte. Die 
eeeliächen Vorgänge im Knaben wurden in das Mädchen projiziert und 
die eigentliche Wollust war bei der Phantasie darin gelegen, daß der Knabe 
sich die Seelenvoigänge im Mädchen recht lebhaft vorstellte und daß er ihre 
Beschämung genoß. Es ist die Aktivität, das Zwingende des Triebes, durch 
den Zwang symbolisier!;, der dem Mädchen angetan wird. Es handelt 
sich um ein funktionales Phänomen. Ich werde auf den Fall bei der 
B^prechnng eines andern Mechanismus des SadomaBOchismus in einem 
späteren Artikel noch zncitokkommen, Analoge Phantasien und Praktiken 
kommen bei Pubeitäts- and dauernden Sadisten oft vor. 

Soweit meine analytische Erfahrung reicht — negative Behauptun- 
gea aind wegen der UnTollständigkeit der Analysen immer gewagt — 
^bt es inteHsi-ve Sadisten, bei denen die Uro- und Koproiagnie nicht 
zur Eeafctiviernng kamen, bei denen die dazu gehörigen erogenen Zonen 
für den Sadismus keine Eolle spielen. Die integrierende Rolle spielt 
eben die aktive Peniskomponente. Wie groß abei die Kolle dieaer erogenen 
Zonen, sowohl als Quelle für Darstellungi9materia.l als auch als NebenqneUe 
der Triehenergie, bei vielen und gerade bei den literarisch hervorragenden 
Sadisten ist, ergibt sieh ans der sadistischen und aatanischen Liieratur. 
Ich habe nach den Mitteilungen von Anaierotikern den Eindruck, daß 
die aktive Komponente der Koprolagnie, oder deutlicher gesprochen, die 
zur Defakatioa gehörigen Muskel Sensationen, eine ältere Wurzel der 
sadistischen Phantasien sind, so daß die erogenen Zonen nicht nur das 
Material zur Darstellung sadistiücher Hegungen geben, sondern zugleich 
auch Triebsubstrat für diese mit exaessiver Koprolagnie verbundenen 
[HyehosesuelleQ Richtungen sind. In solchen Fällen tritt schon in früher 
Jugend ein ausgesprochener Sadismus auf, oft Phantasien im Anschluß 
an die Dsfäkation, die sich der Organfunktion als Auadrucksiai-ttel be- 
dienen. Sie können spä.ter wieder völlig verdrängt werden. 

Wenn aber später der Sadismus vom aktiven Penisgefiihl ans 
entsteht, a-q findet er immer unter den aktiven Strebungen, die er be- 
nützt and verstärkt, den Trotz vor, dernach Freud seine libidinöse 
Queue in der Analerotifc hat. Andere Quellen haben durch Adler 
ihre DarsteUang gefunden. Dieser Trotz wird von der neuen Quelle 
intensiv aktiviert and es bildet der Trotz ein dem Sadismus und der 
Analeiotik gemeinsames (["ebiet. Bie anale Libido war schon in der 



Beitr&gB zuc AAalync des Sadiaauiä Tniä Mascrehismiis. I. 43 

allerersten Kindheit eine Haiiptarsa<;liB von Widei'setalichkeit und eigen- 
sinniger, trotziger Emstellimg gegen die Ümgeljang des Kindes. Sie 
bleibt Haüptquellc der späteten antiknltarellen und schmutzigen Ten- 
denzen, me sie bis zxa hochgradigen Steigerung im satanischan Saäisnia!^ 
zu Tage treten. Diese Tendenzen verraten ihre infantile Herkunft an 
ihrem kindischen URd komißchenBetäiigungsgebiete, dem ^Unanständigen 
iß jedem ÄggrBgatazu&tanäe''' (FieTid, Tranindeotaitg). So erklärt sich 
die groteske scheinbare Sinnlogigkeit, daß mit dem gröiäten Aufwand 
von Antioioral und Eigenrecht Schmutzgelüste aus dei "WinÖelzeit^ 
allerdings verbundea mit; grausamsten Sadismen, in Szene gesetzt oder 
als geschehen erzählt werden. Bei solchen Individuen legen alle bei 
nicht lihidinosea A.nlässen. aTiftreteniäen TrotaeinsteUungen die anale und 
sadistische Libido neu an, und die Individuen reagieren ia der oben 
dargestellten Ausdiucksform, in koprolagnen Sadismen oder bei stärkerem 
Infantilismus der erogenen Zone in analen Symptomen. 

Die abnorm starke Organlast des Enddarms igt eine konstitutionelle 
Komponente, die entweder einer Organminderwertigkeit im Sinne Adlers 
oder einer abnorm großen Triebatärfce ^} entspricht. Die Kultoj fängt 
aber tatiHäohlich am eigenen Leibe mit der Beherrschung der Ausschei- 
dungen an und gehreitet nach Mögllchtoit zur Ehminierung dieser 
Interessen und LnatqueUen vor. Eine Verstärkung der analen Kompo- 
nente kann sich als voritbergehende Entwicklanga- und Zivüiaierangs- 
sch-wierigkeit äußern oder sie ist Teilerscheinung von mehrfacher 
konstitutionellec Verstärfcting aller animalischei- Triebe and damit 
BedingttTig einer konatitotionellen Unfähigkeit zm sozialen Einordnung. 
Daß bei solchen mit starken tierhaften Organtrieben begabten Individuen 
aßch das primitive unbewußte psychische Syeteni, das ja in. der Evolution 
dem hemißten psychischen Apparat vorangegangen ist, mehr als bei 
andern Individuen zur Geltung kommt und daß deshalb die unbevFußten 
Keafctionen mf den Tiieb Tmd daasen -anbewußte Einftußnahoie mehr 
überwiegen als beim Normalen, kann uns nicht überraschen. Da im 
gleichen ladividuum auch eine abnorme Scxualanlage ^) oder eine 
Variation in ihrer Entwicklung mit der abaormen konstitutioneUen 
etogenen Enddarmzone zusammen vorkommen kann und diese Variation 
dex aesuellen Anlage die von uns oben angefühlte spsiifello konstitutio- 
nelle Veranlagung für den Sadismua ist, so wird durch unaera Aug- 



') idlers Hypotheaö, üaB die Triebveratätiung tegelcuäflig ab FoJge einer 
äberkompeQsiertea Minderwertigkeit aufiafassen sei, Bcheint mir eiae unbereclitigte 
Veratigemeinemiig. 

*) idSer bal äas bsufige, ja tegelmäSige Torkomiaeß voTt Miaderwertigkeit 
mehrerer Organ an lagern in seiner Stndie über OrganmiadlerwertiglceH ausführlich dar- 
gestellt nnd hervorgebobeiij daß bei atärketer MmdefWertigkBit eines Organiystema 
gkictiasitig MifldaiwertigkBilszBichen in Her sesnellen Anlags fü «cwarten sind. 



44 Pftol Feiern, 

ß^niAgen sehr begreiflicb, i]aß die Trias: Antimoralität, Sa- 
dismus and Koprolägnie 1)ei äea krasseu Fällen sich yereinigen. 
Es ißt difte ein apfiaieller Fall von sexueller Konstitution im Sinne 
Freuds. 

Daa Phänomen der Antimoralilät führt die Erörterung zu dem 
Ausdrucksmittel dss Sadismus, welches der offiziell herracheaden Etbifc 
am meiaten wideifipricbt, zur Grausamkeit. Diese begleitet schließlicli 
alle ofeen erwähnten mamiellen. und instruinentellen Akte. Sie ist aber 
in eiaeicö groSen Teile der Fälle nur die notwendige Begleiterin dieser 
Akte, ohne im Empfinden der tätigen oder phantasierenden Person — 
und darauf allein, kommt es in dieser den Sadismus analysierenden 
Arbeit an — i^a die Wollust erregende Moment zu seio. Die Badistiäche 
Lust kann aus beiden Quellen oder aas einer der beiden Quellen 
fließen: aus der Aktion, d.i. der symbolischen Sexnaltätigkeit oder aus 
der Grausamkeit, d. i. der Vorßtellnng der Schmerzen, die das Objekt 
erleidet. Viele Sadisten weiden sich überhaupt nicht an den Schmerzen 
der Opfer, sondern brauchen sie nur als Ausdruck, oft als Maß ihrer 
Gewalttätigkeit. Selbst vom Marquis da iSade werden die Martern mit 
einer skrupulösen Genauigkeit geschildert, die Äußerungen, des Schmerzes 
lelatiY vernacMässigt oder mit philosophischen Phrasen abgetan. Das 
Hauptgewicht legt der unerreichte Befcenner seiner perversen Phantasien 
auf solche Knnatatückei im Quälen, bei welchen die Martern süclische 
sind. Dort entwickelt er sein Eaffinement der Erfindung, während die 
direkten Gfrausambeiten in der eintönigen, quantitsttiv^n ÜbertieibuBg 
aller I'erversitäten bestehen. IJnd ebenso sind ausgesprochene Sadisten 
oft ohne jedes Interesse an dem Stibni.er26j andere können ihn nur bis 
au einem gewiaaen Giade aushalten und laüsaen sich hüten, dieae Grenze 
zu überschreiten, wenn sie sui Befriedigung kommen wollen. Andern- 
falla tritt Ekel oder Mitleid auf. Der Mangel an Lnst an fremden 
Schmerzen bei Sadisten ist ein anderer Grund, weshalb ich in Überein- 
stimmung mit Kraft-Ebing und anderen Autoren die Algolagnie in 
ihrer passiven und aktiven Richtung nicht als mit Sadismus und Maso- 
chismus weaensgleich halten kamt. 

Es sind feststehende Taiaa^en, daß Schmerz sexuelle Ea^tegung 
erzengt nnd daß fessessive SchmerzstGigerung in Lust umschlägt. Über 
diese rätselhaften physiologischen Erscheinungen,, insbeson- 
dere darüber, woher der tiefe konsensuelle Zusammenhang zwischen 
Schmerz und Wollust kommt, ist viel, namentlich Mystisches geachrieben 
worden und dieser tiefe Zusaromenhang ist gerne zur Apologie des 
Sadomasochiamus benutzt worden. Ich habe oben im Anschluß an die 
sadistischen Körperreizträume gezeigt, wie der Schmerz auf unbewußtem 
"Wege den Sadismus steigert. Dabei projiziert die sadistische 



Beiträge sai Analyse des SadlsmtiH nnii MABOchismus. I, 4& 

l^!iantasi& den Schmerz nach anßen, wenn sie derartigft 
passiv algolagne Eindrücke verarbeitet. 

Ea wate ater eine nicht den komplizierten tataächliclien Vorkomm- 
niseen entsprechende Tereinfachung, in diesem Zu$aiQllieilhaitge die 
einzige ürsaeh* ä&t sadietischen Grausamkeit zu exblicken. Wir 
müssen vielmehr in der Grausamkeit eine ererbte, bei allen Kindern 
— wenn auch in eehi Terschiedenem Maße — vorhandene Eigenschaft 
erkennen, die laage ohne aexuelk Beimischuag als Lnatqaelle besteht. 
In beziig auf ihte entwicklmigsgeschichtiiehen, hiBtoriacheo und psy- 
chologischen Qaellen verweise ich auf die Literatur, dia diese Fragen 
itt erfolgreicher und erschöpfender Art behandelt hat. Die Grausamkeit 
gehört za den von unserer Knltuc bekämpften Trieben, Sobald sie 
trotzdem beim Erwachsenen auftritt, müssen die Triebschranten relativ 
von ihrer Herrschaft verloren haben und ea ist begiMflicfa, daß das 
Durchbrechen dei Schranken durch einen bis dahin beherrschten Trieb 
allen Trieben überhaupt, datunter auch dem sexuellen in schranken- 
loseren Formen dön DurahhEUch gestattet. 

Zur Zeit des Auftretens der aktiven Paniskomponente mobilisiert 
der sexuelle Drang alle vorgebildeten aktiven Möglichkeiten, weil er 
Auadraotsmittel für seine Aktivität benötigt und unter diesen iat die 
Grausamkeit zur sexueUen Verwertung noch aus weiteren Gründen 
mehrfach qualifiziert. Die Grausamkeit iat wie die Sexualität in üuet 
Ausühuag an ein empfindendes Objekt gebunden, durch dessen spezifische 
Heaktio» erst die volle BeMedigung erreicht werden soll. Dabei ist hei 
beiden Trieben das Objekt der perversen Tätigkeit nur Befriedigungs- 
mittel, beide Triehe sind also hochgradig egoistisch. Beide Triebe wirken 
(abgesehen von der Betätigung an Leichea, die ihre spezielle Ätiologie 
hatj am lebenden und paeli Tunlichkeit entblößten Partner, Dem zur 
Zeit der aexueilen Reife gesteigerten Bedürfnis des Kindes nach Selb- 
ständigkeit und Heirechaft, nach Durehhrechen der Kinderschtanken ist 
die Grausamkeit gleichfalls ein geeignetes Äiisdiucksmittel. Endlieh war 
die Grausamkeit ein bisher unbefriedigtes und verbotenes Streben, das 
daher wie die infantile Sexnalität, ins Unbewußte und in die Phantasie 
geflächtet ist. Die gleichfalls verbotene und ungestillte Sexualität steigert 
bei jeder Verstärkung die bereits vorhandene Phantaaietätigkeit und wo 
daher bereits grausame Phantasien vorhanden waren, macht sie diese 
aexoell. 

Aus allem, was in der Kinderstube verboten war, wird beim 
ejczeasiven Sadisten später das DmstürzlBrische und Antimoraliechej dessen 
andere Yoratufen wir oben auseinandergesetzt haben. Die abstruse Über- 
treibung dieser Tendenzen, wie wir sie in der sadistischen und satani- 
schen Literatur finden, zeigt ihren triebhaften und dtirch unbewußte 
Mechanismen verstärkten Entwicklangsweg. 



46 



Panl Federn. 



Ctarakteristisct iat die heninumgalose Wahl der exzessivstan Mittel 
aam Durchsetzen der Tendenzea, gleichwie auch äia infantile Phantasie 
ohne Eücksicht auf Möglichkeit und Eilaubtheit ihre yerbotenen Wünsche 
grausamen nnä egoistischen Inhalts be&iedigt. Deshalb findet auch dei 
SadisiQQB bei einer großen Anzahl Ton Empörten unwiUkürhch Veiv 
standnis. Er ist tatsächlich die libidinöäe Energiequelle für Revotntion 
und Umirertung. Je mehr er JmlturelLen Zwecken dienstbar gemacht 
werden konnte, je mehr das Individuum mit erhaltener lihidinöaer Tiäeb- 
stärke seine Tendenzen aublimieren konnte, desto metr sieht der um- 
stürzleriache Sadist in den unbeagsamen Revolationär über. Wir müssen 
als IndiTidaen mit aadiatischer Triebrichtong Mirabeau und Sade 
nebeneinander stellen, wie Ealenbuxg es mit Hecht tut, awei Menschen, 
von denen wir den einen als Helden verehren, den andern als Unmenschen 
verabacheaen. Dieser Unterschied iinHereB nienarhlichen WertartBÜes 
daif die Objektivität unserer psyehologtschen Betrachtang nicht beirren. 
Der Unterschied zwischen solchen Individuen liegt abgeseheB von vielen 
geistigen QuaKtäten darin, oli die tierhaften Quellen zivilisiert werden 
konnten oder nicht, ob die unbrauchbaren, schmutzigen, hanptsäehiieh 
wohl analen Eomponenten der Anlage nach übermäßig stark waren oder 
durch exogene Ursachen nicht eingedämmt wurden. Unter den exogenen 
Ursachen fällt der Erziehung, dem Verhältnis zu den Erwachsenen, eine 
maßgebende Rolle zu, wie es Adler in seiner Arbeit „Über Trotz und 
Gehorsam" ausgeführt hat. 

Dia grausame Dispoaition iat familiär verschieden. Gewöhnlieh 
traut sie sich anter unsern Kultnrverhältmssen nur in ihren Derivaten 
als G-eldgier, Härte, verschiedenen Liebhabereien und in der Berufswahl 
hervor. Wenn sich nun in einer solchen mehr grausam veranlagten 
Faroüie die Sesaalität bei einem Individuum abnorm frühaeitig und stark 
e;ntwickeltj dann muÄ Sadisiaos in abnormer Grüße auftreten. (Der 
eventuelle Uöiscblag in Masochismus ist hier nicht Gegenstand der Er- 
örterung.) Die Disposition zur grausamen Form des Sadismus iat daher 
mehrfach ; es kommen einerseits die Bedingungen in Betratht, welche 
die Grausamkeit steigern, anderseits solche, welche frühzeitige und starke 
sexuelle Spannung bedingen. In beiden Richtungen spielen die endo- 
genen Wnxaeln eine große Rolle, aber die Erfahrung lehrt auch die 
exogenen Uisachen nicht zu unterschätzen. Ohne analytische Beobachtimg 
sind die exogenen und die endogenen Faktoren nicht zu trennen ^), weil 

') In der Anamnese eines ganialfln KonatiniiteQ.Ts sind mir als erste stark 
s«3:aelle sadistische Fiian-tä-äien des viet'- bis fÜiifjäiiiigeii Knaben YoTHtelltingelL be- 
richtet worden, von aich bewegenden abgehau^tea Fappengliedem, die im Wasser 
Papietaclmit:e1n Dsd^jagen. Das spätere leidenachoitUoh betriebeae Arbeitsgebiet des 
Miwkiiea vonrat sieb, sdion m di&Mn PhaotssieB, von denen aar üe 4aBly?« hegiiDs- 
bringen iöante, wie weit aie ans EcIebnissBij oder aaa der aageboisnan Anlage 
sta.m)nan. — In eineiu ändecn Falle land ich ananuieatisch. staika zO'erAstiaoli aaAi- 



Beitittge aur Analyw des Sadiamiis und MäsochMtnna, I. 47 

meistens der höhergradige Sadist "bereite aus einer grausam «liaponieEtea 
Familie stammt nnd a.adh in diesem Milieu aufgewaehsen ist. Da nun. 
alle Menschen in der Kindfcieit sadistiseke EegangEoi gehabt haben, so 
kann man — mit möglicli geringster WilUcür — den Üntetacbied 
z-wischeD Saiüsten und TSichtsadisten in folgender Weise fa&sen: Bei 
allen MenscheD äußert sich der Sesoaltrieb in dei unrfeifen Zeit 
auch in aadietiscbeT "Weise. Als Eiwacisener kann auch der 
Koimale bei grausamen Eindrücken von einer gewissen Intensität sexuelle 
MitempfinJangen haben. Der Sadist hat diese regelmäßig and bei 
ihm r-oft auch eine pcimär sesuelle Eriegimg grausamen Bewußiaeins- 
inhalt hervoi. Beim normalen Erwachsenen ist der Ablauf der Er- 
regung Ton der Sexualität zur Grausamkeit TÖllig gehemmt. 

Ich homme aun zu den letzten und vom Ursprung, von der 
sexaellen A-ktivität am meisten entfernten sadistischen Ausdruckaiaittein, 
Ich meine die sexuelle Tyrannei, Diese Erscheimingea sind das 
iSpiegelbüd dea eigentlichen Masochiamus and durch Baxnell betonte Macbt- 
geiüste ckaraktfixisiert. Zu ihnen gelangt äaa Individuum teilweise dorch 
Betätigimg der direkten sexuellen Granaamkeit aiif psychiaeheni Gebiete, 
teilweise auf einem Wege, der erat nach der Besprechung des Masochismöa 
klar werden kann. Als AuBdi-uckam&teiial äienen alle Erfahrungen, die 
aicih auf den Genuß von. Macht und auf Überwindung des "W'iderstandes 
eines Gegners beziehen. Auch kut Bildung der sesuellen Herrschgelüste 
ist der primitive aktive motorische Drang noch 2nm Teil Energie qneÜe, 
aber die symbolischen Darstelliingea der primitiven Organbegierden sind 
nicht mehr zu erkennen. Es werden mehr alle aktiven Bestrebangen 
und Wünsche zum Teil symbolisch dargcatellt, die eist die ErfahTung 
ans dem Kampfe mit dem Sexiialobjekte, den Nebenbuhlern nad mit 
den äußeren Widerabinden eniatehen ließ. Der sexuelle Diang macht 
zu diesem sexaellen Kampfe bereit. Hier sind vielfach, die äußeren 
Widerstände gegen sexuelles Begehren identisch mit Jenen, welche sich 
Esexaellen Staiebimgen entgegenstellen. Deshalb werden alle Demütigongen 
und Eibittsrungea, die affelctvoUes Reasenfiment hinterlass;en haben, 
soweit sie zur Phantasienbildnng führen, zum Teil identisches JVIaterial 
heistellsn. Beide Arten, von Phantasien verbinden sich und die Analyse verrät 
ihre Herkunft aus der Sexualität und attch ans der Selbstbehauptimg. In 
den Phantasien haben sieh beide Strebungen wirklich verschränkt. 
Adler hat Recht, wenn ei A&s\ „Sadiaiaus als Verschränk ung des 
Sexualtriebes und des von ihm sogenannten Aggressiong- 
triebes" auifaSt. Ich glaube, durch meine Ausführungen die psychischen 

atiache Tendenz, die im 13, Lebensjalire aufgetreten war. Ana dar Familie aind mir auf- 
ÜEtllende FttUe von Tierachatz beka-nnt. Dia Analjae zeigte, diß die Petversitet des 
Knaben anf aahlreiche exogBue EiDdröicke aarüoigiiig, die aber bei nicht diaponierten 
Individuell vermatlich. niclit dea glekhec Einäoü geWti hätten. 



4S Ffto^ Federn. 

unbewußten Vorgänge, welche zn dieser TerachTänTttmg führen, daxgelegt zu 
haben, Adler bat aber Unrecht, wean er die Bedeutung des wii.'klicheP 
Sadismus für die Neurose ganz leugnet and alle sadistischen FhantEi- 
sien als „pseadosadistiBche'' ^), also als pseadosexuelle bezeichnet. £i 
geht immer vom. Daratellungsmaterial aus, and dann muß man freilich 
infolge äer angewendeten Methode zunächst Elemente des Kajapfes um 
die Selbatbahauptung gegen das Milieu ßnden umd kann den sexuellen 
Sinn als bloß zum Zwecke der Verschleierung der aggressiven oder 
Sicherungstendenz dazu getreten annehmen. 

Es kann nämlich das aktuelle Auftreten der einmal in ihrer Aus' 
drucksfoim festgelegten Phantasien oder Strebuugen sowohl YOn einem 
sexuellen AnlaJJ oder einer endogenen Trieb Vermehrung, als auch von 
jeder affektbetonten Vorstellung ausgehen, welche assoziativ mit dem zur 
Phantasie oder Strebung rerwendeten Material verbunden, iat, und so 
aach häuSg einen nicht libidinöaen. Konflikt zum Anlaß haben. Bei "rielen 
Gelegenheiten können deshalb bewußte oder unbewußte Phantasien einer 
nicht sexuellen Tendenz dienen and bei nicht seKuellen Gelegenheiten im 
Interesse der Selbstbehauptung aktiviect werden, Freud hat diese 
Vorgänge unter dem Gesichtspunkte der „Sekundärfunktion der Neurose", 
welcher man eine Sekuodätfimktion der Perversität gegenüberatellenkann, 
schon vor langer Zeit gekannt. Wenn man aber die fcomplizietten sadi- 
stischen Gebilde auf ihre ersten Kerne zurüctverfolgt, und die einfacbeu 
früher dargestellten Formen äea Sadismus bedenkt, so wird man auf die 
ursprOngKch aesnelle Wurzel stoßen, und insbesondere finden, daß die 
Energiequelle des Sadismus eine libidinöse ist. Das zeigt 
sieh auch daran, daß die Intensität seines Auftretens sofort nach 
sesueller Enfepannung nachläßt und bei Individuen mit deutlicher sexueller 
Periodizität dieser entsprechend zu und abnimmt. Auch die oben ange- 
führten sadistischen Körperreiztcäume sind ein Beweis für die Uichtigkeit 
dieser Betrachtungsweise. 

Ich habe nur einen Teil der sadistichen Erscheinungen besprochen, 
und diese nur so weit, als aie der psychoanaljtiBchen Betrachtungsweise 
zugänglich sind. Ich habe veraacht, eine psychoanalytische Antwort auf die 
Frage zu geben, wie beim Manne die aktiven Erscheinnngßformen des Sadis- 
mu3 za Stande kommen. Dabei ergab sich, daß die erwachende aktive männ- 
liche Organkomponente durch unbewußte Mechanismen, zum großen Teile 



*) Diflse Frage ist ma emp-kisci bd beantworten, durch riolitigö Beobachtnng 
und DantuQg, wobai man sieb vor BBtionaliaiettisgsteadeDzeiL naak jader Biahtojig 
SQ baten hat, ThaoretiGoIi jst es Tnöglich, doS in analoger Weise voa asexueUen 
Sttebangan aus funiitioEde und materiale Phänomene arfolgen oder Phantasien ant- 
fitehen, irelche dia Blemante der Bexuellen Brftihnmg mit zur STmbolbildiiDg he- 
nUzAU. Adler hat das Problem der nshawoäten Darstellong und Varaibeitang 
aiiolii weiter in Setracht gebogen. 



Be^tifiga zur Xnalyae äes Sadismus and Ma^odiiaiBEu. I. 49 

Amah syml»oliscie JDaratellimg, in den Eactismus, ryspektive daß die von 

ihr auagehenden Sirehnngeü in die aadisüscteu Betätigiiögawünsche ver- 
wandelt werden. Dabei werden alle scton früher im Kinde entwickelten 
aktiven Stiebuagen unä Triebe reaktiviert und es wird von ihnen oft ein 
Energiezuwachs für die aadiatische Energie gewonnen. 

Der durch die Beantwortung der Frage erzielte Fortachritt scheint 
mir datin zn liegea, daß -wir in jßdfet aadistiaclien Hegaag, im Gegensatz 
zur grausamen oder einfach libidiitösen, nicht einen elementaren Vorgangs 
sOßdera ein bereits durch aubewußte Arbeit entatandenea Produkt er- 
kennen. Ferner Iiat der Sadiamna, ohne dadurch, erklärt zu sein, doch an J 
Versftändliehkeit dadurch gewonnen, daß er, respektive seine Ausdracks- 
fotmeH als „funktionales, somatiaches und materialea Phänomen" za an- 
deren psychischen Vorgängen eingeordnet wurde. 






LI J 



V. 
„Die Matrone von Ephesus." 

Ein Beaiuogaveraach der Fabel tob der treuloeeii Witwe 
von Dp. Otto Raüik. 

Zu den beliebtesten der bei zahlreichen Völkern und zu verscMedeneu 
Zeiten immer wiederkeirenden Erzählungen gehört unstreitig die eines 
gewissen grausigen Humors nichi entbehrende Geschichte von der Witwe, 
die, ohne Speise und Traut za sich zu nehmen, am Sarge des geliebten 
Gatten trauert, schließlich aber dem Lehen wiedergegehen und sogar 
dazu, gebracht wird, den Leichnam ihres Gfattea an Stelle des vom Galgen 
gestohlenen Verbrechers aufeuhängen, um dem neuen Geliebten das Ter- 
falleue Leben zu retten. Wird auch die Beliebtheit und ungeheuere "Ver- 
breitung diesei Anekdote, die Eduard Grißsehach auf ihi-er 
Wanderang durch die Weltliteratur genau verfolgt hat*), durch ihre auf- 
diiuglich unterstrichene Tendenz, die Unbeatändigkeit der Weibeitreue zu 
deraottstrieren, scheinbar ausreichend erklärt, so muß doch in den Augen 
des einigermaßen kritischen Beurteilers der tiefwirkende und anhaltende 
Erfolg in a-affaU^^em Wideispiuch zu dem platten Inhalt und der seichten, 
allzu büligen Tendenz der Geschichte stehen. Tritt man dem SachTcrbalt 
von der psychologischen Seite näher, so wird man etwa sagen können, 
es hafte dem Stoff irgend ein mächtiger Affekt an, der durch den offen- 
kundigen Inhalt nicht anareichend motiviert seheint. Dieser Eindruck 
wird zur Gewißheit, wenn man aus ähnlichen Untersuchungen wiederholt 
erfahren hat, daß sich das Verständnis für die Gestaltung, Fortpflanzting 
und Wirkung eines mehi-fach überliefetten und oit bearbeiteten Stoffes 
nur aus der psychoanalytischen Beriicksiehtigung der ihm zu. Grunde 
ü^geaden unhewußtea Triebkräfte ergibt, die der majöfeate Inhalt nicht 
mehr erkennen lä.0t, da ihre Abkömmlinge so gut es geht von dem 
logischen Bewußtsein rationalisiert wurden, i') 



') Die Wanderajig der Novelle von der trealoseu Witwe dmch die WeltliterMur. 
BeiÜn 1386. (Edilio aeftiiitiva.) 

*) Vgl. als Paradigioa maine Abhaadloag ; Der Sinn der Griaelda-Fabal (im 
L Heft der „Imaio". M&rz 1912). 



„DSb Matrone roa EphoBOB." St 

Olme »a£ die literarischen Quallen und die veKchiedenen Versionen 
der Ei-zalilang im eiazelnen einzugehen, sei knrz ein häafig wieder- 
kehtendeE SthfeTnä. -voll ausgefülirt. In der Kegel — der Bericht des 
Fetronius macht davon eine AuaaaWe — erfährt eiDe Frau, daß eine 
Witw^e üirem verstorbenen Gemafal untreu geworden sei nnd iha&elit bald 
vergessen habe, Sie hält sich einer solchen Handlungs-Wieiöe für unfähigi 
wird aber von dem für tot ausgegebenen eigenen Gatten der Untreue 
Qberführt und tötet sich duith Erbängen. Pa&t dieser tra^scbe AtseJiluß 
clurehaag nicht zu der Instspielmäßigen Einkleidun]! des gich tot Btellenden 
Gatten, so befriedigt anderseits in dem einfachen, ernsthaften und pay- 
chologisch durchaus ursprünglicheren Beriebt des Petronins wieder der 
frivole Sehluß nicht. Bei Petronius fehlt das eratp Beispiel der 
treulosen Witwe and die Erzshluog beginnt gleich mit der Mairone von 
Ephesus, die beßchüeßt, an d-er wirklichen Leiche des geliebten Mannes 
den Tod durch Verhungern zu suchen. Sie wird \oxi dem Soldaten, der 
die in der Mähe gekiexizigten Räuber bewachtj zum Essen genötigt und 
bald tröstet sie sich auch mit seiner Liebe. Auch hierin weicht die Er- 
zählung desPetronius von den meisten übrigen Einkleidnngen bedeutsam 
ab, daß es deuj Soldaten gelingt, die Witwe gleich völHg zu erobern, 
■während dfci Diebstahl des Gelcreuzjgtea, der dann durch den Leichasm Ate 
Gatten ersetzt wird, erst nach der drittein Liehe^^nat^t der Witwe stattfindet. 
Für gewöhnlich bemerict der Wächter bald nachdem er der Witwe Spaiee 
und Trank aufgenötigt hat, den ßaub des Gehenkten tmd bittet sie um 
anen Bat, den sie auch za geben verspricht unter der Bedingung, daß 
er sie dann heitata. Nachdem sie ihn aber durch Opferung ihres eigenen 
Mannea vom sicher au erwartenden Henkertode gerettet hat. verweigert er 
die Heirat und läßt sie beschämt steheoi. Er naoti^ierfc dieß in fast allea Er- 
zählungen — wieder mit Ausnahme des Petronius — damit, daß die 
trauernde Witwe nicht nur den Leichnam ihrea Gatten durch Erhangen ge- 
schändet, sondern sich auch nicht gescheut h&be, an ihrß die Verst&iome- 
luagen vorzunehmen, die ihn dem Eäuber ähnlich machen sollen. Hier 
stoßen wit nun aber auf eine krasse Ünwahrscheinlichkeit in der Erzählung 
and weitlen so aufmeikaani, daß wir darin viellBieht einen jener Rationa- 
hsiernngsversuche erkenae» dürfen, hinter dem der ursprüngliche Sinn 
des Motivs verborgen liegen mag. 

Der von seinen Verwandten geraubte Leichnam des Räubers weist 
nämlich in den allermeisten Berichten irgend eine, oft sogai* mehrere 
Veratummelungfen aufj die nnn dem Leichnam des Ersatzmannes auoh 
beigebracht werden müssen, damit seine Identitä-t mit dem Gestohlenen 
hergestellt trerde. Setzt diese fadenscheinige Motivifiruag eine Kontrolle 
des Geheakten voraus, die sich mehr auf die kürperiichea Verletzungen 
als auf das Aussehen der Pereon stutzt, so wird die Sache noch ver- 
dächtiger dadurch, daß der Wächteij anstatt des Frau ftir Hat und Hilfe 



52 



Dr. Otto Bank. 



dankbar zh sein, sie aDch noch mit Berufung auf sein zartes Gewissen 
zwingt, den. Gatten eigenhändig aufzuhängen und die Yerstümineliingen an 
aeinein Leithnam salbst vorzimeknien. Ist unser Verdacht in bczug auf 
die Stichhaltigkeit dieser Motivierung shftr einmal soweit geweckt, so 
wird er durch die Art dieser Veratümmelungen in eine ganz bestimmte 
Eiehtung gedrängt. Meist handelt es sich um einen Zahn, (im Italie- 
nische», Griesebach S. Ql), den die Witwe dem Leichnam des gehenkten 
(xatten ausschlägt (aach um zwei Zähne), oäei die beiden Ohien 
(im Deutschen, 1. c. S. 104), die ihm abgeschnitten werden. Wie in 
manchen Berichten der Gatte aich nur tot stellt, so wird in der in 
Voltaires „Zadig" (1747) eingefiochienen Erzählung c!ie VersHiianjeliing 
am totgeglaabtan Gatten nur versucht. Azora, Zadigs Gattin, versucht 
ihrem toten Mann mit einem Baaiermesaer die Nase abzuschneiden, 
um ihren neuen Geliebten damit zu heilen; Zadig aber richtet sich im 
Sarge auf und hält mit der einen Hand seine Nase fest^). Haben uns 
Freuds Traumanalysen und Auflöaungen neutotiseher Symptome diese 
Handlungen als symboHsehen Eisatz der Kastration oder Kaatrations- 
diobung (Zadig) verstehen gelehrt, ao werden wir uns nicht über die 
verschiedeaeü Emkleidangen dieser Verstömmelnng wundern, die einmal 
das Abschneiden des Phallus duieh Verlust eines Zahnes oder der Nase 
umschreibt, imd die Entfernung der Hodun durch den Verlust eines anderen 
paarigen Organs (2 Ohren, g Zähne, die heiden Beine und Ohren in einer 
deutschen Fassung 1. c. S. 117}^. Daß diiese Deutung aber nicht bloß 
aus TBPwandten Phantasiehildungen erschloßsen werden kann, sondern 
auch am TOrliegenden Material selbst noch zu bestätigen ist, lehrt eine 
ujitet dem Titel „Dyocl&tians Leben von Hans von Bühel" aus einer 
Baseler Handschrift von Adaibert Keller herausgegebene deukche Bearbei- 
tung des Stoffes, über die Griesebach (S. 107) sagt: „Man könnte 
finden, daß der Deutsche hier die Verstümraelung etwas au sehr ins Große 
und Kraße gehäuft und übertrieben habe. Waa die sämtlichen franzö- 
siaohen Versionen einzeln haben, die Verwundung mit dem Degen im 
Pabliau, das Ausbrechen der Zähne in den Sept Sages, das Abhauen der 
Obren bei Brantöme und das Abschneiden der Nase bei Voltaire : das 
läßt Hans voa Bühel seine Frau alles znaaanmen voUführen, nur an Stelle 

*J Vgl. dazu die Bede-atimg des Motivs der Verzaabenmg der StudenioA in 
AtwTbaoJta-EeUer "bai Ooe-the (Rank: Das Inaeat-aotiv ia Bichtnng und Sage. 
Deuticke 1912, S. 397. Zam ganzen Thema vgl. ebenda Eap. IX, i). 

^) In eiaer varwaadten indischflE GeBoiiiohte (GriesBÜach, S. 67) handelt es sioli 
mn „-einen Menschen mit abgeschnittanen Fßßen, Händen, Ifaae und Obren," Die 
ajmboUfioie Gleidmug, in der &lle paarigen Organ© einaniJer erastzen, iat Stekel 
(Die Spraohe des Traamea, WieabadBii 1911) aufgestellt. 

In einer ianaösisciien (örieaebacL, S. 77) mjd einer dBatachen (I, c, S, IQg) 
Teraion stirbt der Mann als seine Frau sich iu den Finger schueidst 30 dafi 
Blut fliest. 



„Die Matrpne von Epfeesos." 53 

der Kaae die .Zwene' setzeutT, zu deren VerstüniiHelung er noeb eine 
weitere SclieaßHchkeit hiazofägt." (Die Frau wiift nämlicli die abge- 
schnittenen „Zwcne", die Hoden, einem Haade vor.) 

Nim kann man diese tiefere Bedeutung der am Leic-tnam des Gatten 
vorgenommenBn Yerstümmelungen als allgemeiti durchgängig nur aner- 
kennen, wenn ihre Aufdeckung zum Verständnis dec Erzähluog btiträgt 
nnd uns etwas ^ön Urem ursprüngliche» Sinn erkennen lehrt. Wäre doch 
die Kastration des toten Gatten, eine noch ungeheuetliehere nnd der MenBch- 
Hchkeit noch ferner gerückte Roheit als die bloße Preisgabe seines 
nnniitzen Kadavers, wenn wir nicht gerade darin eiaen in gewissem. 
Sinne rilhreTiden Zag der weiblichen Treue erkennen dürften, der in 
direktem Gegensätze zum manifesten Inhalt und zur aufdringlichen 
Tendenz der Erzählung steht. Entschließen wir uns also, gegen die 
frivole und offenbar sekundär aufgebaasehte Tendenz, die in den ver- 
aehiedenen Veraionen mit so starker affektiver Betonung ausgestattete 
Trauer der Witwe völlig ernst nad wahE zu nehmen, so liegt es nahe^ 
ihre bis über den Tod hinaus währende Liebe') zum Gatten in letzter 
Linie auJ die von ihm gewährte geschlechtliche Befriedigung zurück- 
zuführen, welche die Witwe schmerzlich entbehrt. Sie tr&uert, grob 
gesprochen, dem Verlust des für sie unersetzlichen f hatlus nach and 
wünacM ihn ala liehevolles Andenken zu besitzen, utaprüngiith wohl mit 
der geheimen Phantasie, sich damit auch weiterhin geschlechtüeheH Genuß 
und BeMedignng zu verschaffen. Daß eine solche Phantasie dem, wenn 
auch uneingestandenen meESGUichen Empfinden diircbaus nahe liegt, lehrt 
nicht nur der japanische Brauch, wonach die Witwe den Penis ihres ver- 
storbenen Gatten einbalsamiert aufbewahrt*), sondern auch einzelne aus 
nneerem Kulturkreis ÜTierlieferte Fälle, die, mögen sie nun der Wirklich- 
keit oder einer Pbantaaie entsprechen, jedenfalls die Möglichkeit dieses 

') Eine aolcbe Liebe des Mannea zu einer töten Pram wird v-on Aobillens 
ddE FoniheaileB gegenllLei beliebtet nnd Foriander beacbl&ft die tote Meli^ä nacii 
Qerodot. Im Roman des Epliesiera Xenophon "wird ici Ejngang dea 5. Bttches erzählt, 
wie ÄegialeüB dem KabrokoTnes seine einb als anLierte Gattin zeigt, die ihm trotz 
iH^r oad Ted nocb imiaer jngendlieh erscheine; er ease nnd aciilafe noit der Leieho 
und denke dabei an dia einstigen Festnächte (Oriesebach, S. 113). Aach Karls des 
ärofiefl Geliebte Faatrada bleibt nach dem lode darah einfta Ziwibeiriag tm-o-eiwea- 
lieh nnd gewJnnt jedeämaS neaes Leben, Bobnid der sinnlicb ertegte üeliebte ihr nolit. 
Diese Oescbicbt? soll schon im IG. Jahrhundert anf den Londoner Bühneii aufgefähit 
■wcpräea aein (vgL Koeppal, Qaelleoatadien zq den Dratnen Chapmaa'e, MaaBinger'a, 
Pocd's, 1897, S, 222, wq auoh andere äbnlicte Darstellungen {8. 12) erwähnt werdefi.). 
Einige ÜbeTlieferongen, die dieaea Mloti.? dei üben das Öiab binaita träbTenden Lielje 
in chacakteristisDlter Einkleidung darsteUen, babe ich in meiner Stadie „Über das 
Motiv- der Haolcthejt ia Sage und Dichtnng" behandelt, {tmago II. Jahr^- 1913). — 
TTgl. auch A. Graf: laebe nach dem Tode (Nnova Antologia, 16. IS^ovember 1905). 

") Siehe F. S. Era oas: Das Q-esßblechtleben in Ölaabe, Sitte und dewohnheit- 
lecbt ä-'i Japaner, 2, Aiofl., Leijiig ISlij S, 26& (Abbildnugen), 



54 Dr. Otto Bank. 

Gedankengaages demoQstrieren. „S ch orig (Speniuifcolügk S. äöl) 
bericttet im Beginn des 18. Jahrhunderts voo einer belgischen Dame 
seiner BekanufcsciLaft,, die, als ihr leidenschaftlich geliebter Manji starb, 
dessen Penis beimli^ih abschnitt und itm in einer silbernen Lade bawaicte. 
Ein Boch weiter zurücltliegendea Bekpiel von einer Dame Abs französischen 
Hofes, welche die Genitalien ihces toten Mannes einbalsamierte luid par- 
fümierte and sie in einem goldenen Kästchen aufbewahrte, wird von 
V. Bra-ötome^) erwähnt" (zit. nachElliis: Die Jcrankhaften Geseblechts- 
empftndungen anf dissoziativer Grundlage. Deutach von J e nta ch, 
"Würzburg 1907). Wie brauchen aber durchaus nicht nach so exklusiven 
Berichten zu fahnden, um die psyehologisehe Beiftchügong unserer Auf- 
fassung zu erhärten. In der ägyptischen Sage von Isis und Oairis äußert 
sieh die Trana* der Wit-we um den ermordeten Gemahl und Bruder in 
einer Form, die sich unschwer auf die Phantasie von der Konservierung 
des Penia reduzieren läßt. Osiria ist von seinem Bruder aus Eifersucht 
ermordet und aerattickelt worden; Isis setzt die StvLeke wiedei zusammen 
und belebt sie, nur den fehlenden Phallua muß sie durch einen aus 
Holz ersetzen*). Diesei wiveränderliehe HoJzphallns, der wohl ein 
Ersatz des nrfiprünglich wirklich einbalsamierten Gliedes jat, hat non 
glejchtalle innerhalh des Kreises der Novelle von der treulosen Witvre 
sein Gegenstück, „In einer aehr merkwürdigen Umbildung tritt siftuna 
entgegen in Hans Wilhelm Kircbofa „Wenduamuth", von welchem 
die erste Äuagahe 1563 zu. B'iaokfürt a. M. erschien, — Eine Witwe 

') la dem Lirts secoad de8 daraes ga!te.Tites (disiioiaa IV) hatBrastSma aaoli 
die Oeschiclite der Witwe von Ephäfins atzHjilt, die ihiäm Masne bier «in Ohr abhiiut 
(GWflfwWL, g. 84). 

') Wie der O&tris-PhaliuB von «inem Fiscli yerscblacgen triid, ao die Hoden iu 
der ErzB,hlang Hana von Bfihela dmch einen Huud, — iaati tei dsi Analyse dbb 
individuell en weiblichen Phantaaialebeng Tsin ich wiaderholi anf dieaen Gedaak&n ge- 
sioSea, als dessen allectiefate Worzsl sieb, das graosame Gelü&te eigab, dem treuLoaen 
oder ungeliebten Manne ätai Peiua absnbeiäsn. 

Eä aei hier verwiesen auf den noB^lxtiiaeai ia. diesen Znetucnv^ah^ag ge- 
hörigaj) imd oft behandelten Stoff, der seit Konrad v. Wörsbncga Baatbeitoag 
ala „Heismaere" bekannt ist und zum Inhalt hat die Raoha eines betiogaaea 
Glatten, d^r seiner Frau dsa Hers ihres. Liebsten ala Speise zabareitet schickt (vgl. daa 
Verschlingen durch den Httnd nrnJ Pisoh). Daß dieae Eache nrapitinglich. ale Kastia* 
tion dea Hebenbnilers gedasht sein mochte, ist nicht nur ans inneren Grüniea waJjr- 
acheinltch, sondern ließe sich ans der Gea-shichte des Motivs eif^eisen. In d&r bei 
Boccaccio eizüMten nnd in das deutsche Volksbaeh übergegangenen Geschichte von 
der ach&nen Gismonda schickt der eifersüchtige Tater seiner jungverwitweten 
Tochter (»gl. Inaestmotiv S. 3S3 Aniaig.) das Herz ihres Liebsten m einet 
goldenen Sohale, die anff^üig an daa van Braniöino erwähnte goldene Kastchen 
arinaert, in welcUena jene andere Witwe dea oiBbalaamierten Phallus ihres verstorbenen 
Gatten bewahrte (vgl. oben). Und in einem altfranzösiaehen Laia, wo der achnldiga tCittffi 
12 Dftmtü anf einmal lieht (Potansphontaisie), muß er sum Gericht für diese „noch 
anderes als d&s Hera liefern" (Voretasch: Studium d. altfra. Kt. S. 403). 



„Die MatroüB von Ephaaua." 55 

koBttte sich von ihrem geliebten Gatten Johannes nicM trenne», ließ 
sich also einen au3 Ho3z machea nafl babieit ihn alle Nacht im 
Bfette, bis die kluge Magd ihren lebendigen Bruäer, der ein hübscher 
Burachc war, einmal statt des Holzbildea zu ihr legte. Die Frau wac es 
auch zti&ieden, und als sie ara. Morgen das Ftühatnct nicht kochen lassen 
konnte, weil die Magd sagte, ea sei k€in Holz mehr da, befahl sie, den 
bölzemen Johannes in den Ofen zu weifen" (Griesebach, S. lli ff.). 
Ein 14 atrophiges Lieä vom hölzernen Johannes in den Faetnachtapielen 
des Jakob Ayrer stimmt mit Kirtshofs Eizählung überein. Wie qbß 
Einbalsamierung dea geliebten Phailus bei Wolfram von Eschen- 
bacha Sigane, die die Leiche ihres TscluonEitTilaQder einbalsamiert in 
den Zweigen einer, Linde neben sich aufbewahrt, auf den ganzen Körper 
dea Geliebten übertragen ist, so ist auch der hölzerne Oairiaphallns im 
Lanfe der Verdunkelung des ursprünglichen, allmählich anstößig ge'wordenen 
Motivs zum hölzernen Johannes geworden, mit dem die Witwe jede 
Nacht schläft.'-) Welch Bondeibaren un-d dochimioer noch durchsichtigen 
Wsjidlungea das Motiv bei dem weiteren Fortschreiten des Verdrängungg- 
pi'ozessea unterworfen w»t, zeigt eine dramatiBche Bcaibeitniag der auf 
Kirchhof fußenden Darstellung Greilerts, welcher in seinen „Fabein 
und Eiaählungen" (1 . Ausgabe Leipzig 1746} die Geschichte von der 
„Witwe" erzählt, die den geschnitzten Gatten opfert, nra für den neuen 
Freier eine Eanne Schmerlen sieden zu lassen; in dem zu Anfang der 
40er Jahre daraus entstandenen Drama „Die Witwe von Epheaua*' ist 
dem Holzbild ein Wachsbild substituiert, aus welchem die Kerzen 
f&r das Hochzeitamahl gegossen werden. Daß die Kerze in Ermangelung 
eines wirklichen, einbalsamierten oder hölzernen PhaUas vom weiblichen 
GeschUchte mit Toxliebe zur aexneUen Befriedigung verwendet wird, ist 
allgemein bekannt, und so ist anf den sonderbafaten Umwegen der 
„hölzerne Johannes" wisdet ia das atsptüngUeh phailische Eraatainsttument 
verwandelt worden. 

Wir könnten nun den der verbreiteten Fabel von der tceulosea 
Witwe zu Grunde liegenden iiefeten, nur zu bald verloren gegangenen Sinn 
dahin rekonstririeren, daß ea sich ursprunghch um die Phantasie einer 
besonders treuen Witwe gehandelt habe, die nach dem Tode ihres 
Mannes jeden anderen gesehlechtlichen Umgang trotz ihrer Begierde 
meidet*), um sich mit dem abgeschnittenen und einbaiBamiecten Genitale 

') Sta&el erwahrat (Sprache d. Tranmea, S. 182) die in aemam Heimatlande 
(Bukowina) gebränchliclifl Eefricluning dea Penis ala „Joiaftnnea" und ultiert eiava. 
daraof beaügltciien ToUcsapTuo]!. 

') Sie eathält sich anoh der Speise, am äie Siimealaat aicM zo. reinen. liotAi 
TOBiat der in. Chamiflaoa 21 atropJugem „hieä von der Weibertiene" (Gedichte, 
2. AuQage, Leipaig 1834, S. 2QS^21i} ntclit weniger als 13mai wiederketTende Befirain: 
„£a plc^ BÜ aeKi det fti-Dget" dai&iif ton, äs3 ^ese Begierde, wie ao bänfig, alfl 
symbolisoher Ersatz der geachieühtÜchen Begierde (der Libido) anfznfaHaen seia mag. 



56 ^' Otto BAnfa:. 

ihres Mannes zufciedan zu geben. Dieses Motiv Tvaide bald als aostößig 
ans dem Bewußtsein verdrängt nnd von späteren Erzählern, weic-h«) es 
nicH mehr kannten, wurde die «nvetatandene Fabel üa det ihi otaptüng- 
lich ganz ferne liegenden. Tendenz gegen die Fraaeutreue augespitzt. 
Doch Terraten auch die scheinbar &rst zur Dmchsetztrag dieser Tendenz 
eingeführten Motire der Veistünmieluiig und des Aiifbängens ans Liebe 
zu dem Wächter durch ihre tiefere Beziehung zu dem aufgedeckten 
Thema, daß sie von der Eationaüsieruügatendenz nur in ihrem Sinne 
ausgestaltet wurden. Denn wie wir in der so fadenacheiaig motivierten 
Verötammelnng des öatten den unverstandenen ]N"aehklang der Kaatration 
erkannt haben, so gehört auch das gleich sehwaeh motivierte A af- 
hängen') des Leicbnains enge zam virsprimglichen Sinn der Fabel. Ea 
ist eine physiologisch bekannte Taisache, daß sich bei Gehenkten eine 
träÄige Erektion einzustellen pflegt, und es ist wohl im Sinne der der 
Fabel za Grunde hegenden Phantasie die Annahme nicht zu gewagt, daß 
die Witwe, die den Penis ihres Mannes nicht bloß ab Keliqnie aufbewahrt 
sondern zur B«&iedigung bentitzt, ehe sie ihn einbalsamiert, zur Erektion 
zu bringen, gleichsam jjhölzern" zu machen sucht. Daß dies auth 
dem ursprünglichen Sinne unserer Novelle nach durch Auilängen erfolgt 
aeän mag, kann eine von Balzac's „Contes drolatiques" lehren 3), -welche 
von. einem alten Jüngferlein erzähltj „das durch alle 40 Jahre keinen 
Schlüssel zu ihrem Schloß gefunden hatte". Der König uad sein« Gehebte 
beobachteten einst das zurückgezogen lebende Fräulein und machen sich 
den Scherz» ihr einen Gehenkten ins Bett zu legeQ^), den sie gleich nach 
erfolgter Exekution vom Galgen abnehmen ließen. „Sie versucht ihn 
wieder zu erwecken", was ihr schließlich auch geUngt;; sie holt rasch 
einen Arzt, der ihm zur Ader läöt. „Der junge Mann bewegte sich und 
ward lebendig, dann verfiel er nach dem Lauf der Natur in eine aUge- 
meine Mattigkeit, Eutkraftong und EKchlaiTHng der Glieder. Das alte 
Mädchen aber verfolgte die großen und namhaften Verändetarigen, die 
sieh am Körper des achlecht Gehenkten vollzogen, zapfte den MediKus 
am Arme], und mit einem Auge blinzelnd, wieg sie auf pine besondere 
Stelle am Körper des jungen Mannes. „Wird es künftighin sso aussehen?" 
— „VerniiitÜch oft genug", antwortete der wahrheitsliebende Chirorgus. 
„Oh, als Gehenkter gefiel er mir heaaer als hängend!" Tat diese von 
elBBin ähnhch grimmigen Humor wie die Fabel von der „treulogen" 



■■) Bffl Petroniaa, desaen Todeajatr 66 n. Chr. Mit, wird der ^amaügen 
Sitte entapTechead getrenzigt, und in der franzöaischen Bearbeitmig der „sieben 
weisen Meister" findet sich zwar, wia in den meiatea Tetaiaaea, dia HBBgea, afcei: 
da errianort wiader iaa Dnrckatechen der Seite (GrieHobach, S. 79) anfflUäg an den 
HeilaJid. 

') ÜiÄisetst von Philipp Frey. "Wiener "Veriag 1&05. 

^ Almlich sclilsft aach das Wdb mit ihrem ^bölzeimen Joltaanca" im Bett. 



„Pie Matrone von Ephesns." §7 

Witwe erfüllte GescliiehtR lediglicli auf die physioiogiäche Tatsache der 
Erektion bei Gehenkten gegründet, so zeigt eine andere, gleii^hfaüs in 
den Kteis dieser Pliaiitasiea gehörige, mehrfach überliefertß Erzählung 
daa Motiv des Aufhängens (KreuzigensJ und der Kastration deg erigierten 
Gliedea im Zusammenhang mit der auf einer -wirkLichett Untreue 
eitappten Fiau, wenn aaeh in anekdotischer Einkleidung. R. Köhler 
hat diese Erzählung {Kleinere Schriften II, 170) mitgeteilt. Ein Bild- 
hauec oder MaUr ühetfaecht säne Fiau mit einem LiebhalDer, der sich 
beim Erscheinen des Mannes so stellt, ala sei er eines der Kruzifixe 
d-es Jleiateis, alahald aber aus der RoUe fällt und erschreckt flieht, 
al9 der Meister Anstalt macht^ ihn za kastrieren, oder wie daa Fabliau 
und Nicolas von Troyes erzählen, ihn wirklich kastriert hat. „In 
den ersten Zeilen des Heidelberger Biuchstückas tut der Maler, als be- 
merke er hei Betrachtang des Krazitixea mit ünwillan, daß ein« ge- 
wisse PftcHe desaelben durch die Schuld der Knechte au groß ausge- 
fallen sei." 

In dieser Anekdote, welche dieselben Elemente wie die UoveHe von 
der Witwe von Ephesus, nur in anderer Verwendung enthält, erkennen 
wii die ejgenüicbe Geecbiohte Ton der treulosen Frau, die hier Ibren 
Liebhaber — wenn auch nicht ernsthaft — ans Kieuz bringt und ihn 
des Gliedes beraubt, wie sie ea dort mit ihrem verstorbenen Gatten tat, 
dem sie damit die Treue bis über den Tod hinaus hält. Diese Iden- 
tifiÄierang des Liebhabers, mit dem sie die Treue bricht, und des 
betrogenen Gatten,*) verbindet aber nicht bloß die beiden äußetüeh so 
ähnHchen Geschichten auch innerlich miteinander, sondern fuhrt nna au 
einem noch tieferen Verständnis «nserer Fabel seibat. Auch in der Ge- 
schichte von dei „treulosen" ^YitWB wird nicht nur der tote Gatte aui- 
gehängtj sondern auch der Liebhaber, dem zuliebe das geschieht, wird 
dadurch selbst vor der Strafe des Gehenktweidena bewahrt. Au3 der 
analytischen Betrachtung einer Reihe komplizierter psychologischer 
Phänomene sind wir aber gewohnt, ei^e solche besonders in der Mythen- 
bjldung häufige Identifizierung zweier Gestalten auf ihre ursprüngliche psy- 
chologische Identität zu reduzieren und den Tatbestajiä ao zu formulieren, 
daß die veiachiedenartige psychologische Einstellung «iner bealimmteii 
Person gegeniibö zu ihrer Spaltung in a-wei öder mehrere gesonderte 
Gestalten föhrfc, von denen jede der jeweiligen Einstellung entspritht, deren 
ursprüngliche Zusaiamengehörigkeit sich aber noch an gewissen äußerlichen 
Anzeichen verrät. Wenn also in der Erzählung der verliebte Wächter 
wegen seinei- Fahrlässigkeit an Stelle des Gehenkten selbst aufgeknüpft 



') Äneh 3ei geatoiWe Leichnam, der gleichfalJa am Galgen btkngt, iat 
mit dem Manne, dei dann seine Stelle einnimmt, zu identifizieren; ja, &t hat auch 
tten« Anrerwaadte, die ihn selt^at im Tode nicht im Stiche lassen nnd für seinen 



tm^m 



5g Dr. Otto TLaiik. 

werden soll, dafür ab&i' der tote Mann eintritt, ao ditrfen wir aimehBien 
daß der junge Soldat, der die Witwe so rascli zu trösten vermag, eigent- 
lich nichts anderes dacateilt, als eine Teibesserte Neuauflage des gexual- 
un^Jiig gewordenen Mannea, gleiclisam den zu aeue^m Leben auf- 
erstandenen Gatten. Wie die Einbalaamierimg und die hölzerne Nach- 
bildung vom Phallus später auf den ganzen Körper übertragen wurde, 
ao scheint auch das der Fabel zu Grunde liegende Phänomen, 
der Erektion und ErscUaiTung das Gliedes auf den ganzen Körper Ubei- 
faagen, der bald „tot", wie der erschlaffis Penig, bald „auferstanden", 
wie der erigierte, gedacht wirdi). Es handelt sich also eigentlich, 
wenn, man yon der symboliäclien Einkleidung absieht, darum, dem 
„toten" Mann wieder zar Erektion zu veibeUen^), was im Hinblick auf 
die Identifizierung des Mantieä und des Liebhabers in vielen Überlieferungen 
so dargeetellt wird, daß der neoe Mann zur Heilung irgend eines 
tTbela der abgeschnittenen Glieder des früheren bedari Welcher Art 
dieses Übel aber ist, zeigt deutlich eine bei G-riesebach (S. 117) ange- 
führte Erzählung, wonacK eine Frau habe „aus dem Korper ihres ver- 
storbenen Mannes für den neuen Buhlen einen Biemen geschnitten und 
gerben lassen. Es wai' d-em Buhlen nämlich mit ihr ergangen wie dem 
Simpiizjaaismus in Paris (im 4. Buoiie der Ausgabe von 1761) und er 
verlangte eich mit dem ,Men3chenriemeu' zu gürten, als Mittel, ,seine 
Kräfte wieder zu erholen'!" Hier wird die Identifizierung des Gatten 
mit dem neuen Buhlen bia zu dem entacheidenden Punkt geführt, wo 
der als Ersat» des Mannes eingeführte Liebhaber insoferne mit dem 
erledigten Gatten zusataraenfallt und überfiüsaig wird, ala er wie diaser 
die Prau nicht mehr zu befriedigen vermag. Ganz offenkundig verraten 
uns aber jene Fassungen der Fabel die symbolische Bedeutung des »Tot- 
s^us" and die volle Identität des Liebhabers mit dem Gatten, wo dieser 



'j Aack di-e G&lzacsclie G&achich.te hedieEit sich des ähnlicIiBn Woitspieluä 
vom „hängenden". In den Tränmen hat „tot sein" nnd „aof erstehen " nioTit seltan 
Ümbuhe Bodeufcmg. (^gL Rank; Diia Verlieren als Symptomhatidiang. Zugleich ein 
Beitrag zum. YsistMdais der BeEtehUDgea des Traimilebeas zu den FehUcistangeii des 
Alliagsiabena. ^entiatbl. f. Fa:fctio&iial. I. S. 457 Aam&tkg.) 

») In der TiaamdaataDg (2. AnS. S. 212 n. ff.) hat Freud ein für die vor- 
liegenäe Dutoraaeliimg äberana lehrreiches Beispiel nütgateUL Zn dem TraTtco einer 
Ptaa, deassn Inhalt sicli mit einem Mittel zni Behabnag der Impoten« ihrES Maanes 
begohytigt, ergibt sich als Material fcei der Deutang, „daß sie mehrere Taga yor 
dem Traume plötzlich mitten in ihreit BaschEUtigangea durch den gegen ihren Mann 
geriohtetea Imperativ erachxecki: wazie: Häng* dich aiif. Ea etgat) sichr d^ 
Eiö eißige Standen vorher irgendwo gelesen hatte, beim Erhangen stelle sich eine 
bräftige EielLtlon ein. Es tmr der Wojjacli nach dieser Erektion, der in dieser 
sohrecfcenerregenden Verkleidaiig aus der Veidrtmgiing wiederkehrte. fHäng' 
dich auf'' besagte so viel als „Terscha-fP dir eine Erektion um jeden Prais." 
CFroud I. C.J 



ww 



,Die JUätioue von Epiiaans." BÖ 

nicht wirk lieh geatorben ist^), sonderQ sich bloß tot stellt^), um dann seine 
Frau des versucbten Treubraehs 2u überfüiten, wie in der thinesischen 
Erzählung (Griesebach B. 18), oder in nuch deutlicherer Anspielung 
auf das Thema der Potenz wie in der Taltnud-Erzähluiig (1, c. S, S7), 
die Stelk des läetihabers im ktzte» Moment selbst bei äer Fran cin- 
zonehmen und sie so des Treubruchs — mit ihrGm eigenen Mann — za 
überfilhren. Hier wäre der Kreis geschlossen und unsere Auffassung dutch 
das Material selbst vollauf bestätigt, auch wenn die chinesisch« Erzäh- 
lung nicht jnit d&otlichen Worten ftusspräcfae, daß der neue Liebhaber 
mit dem totgeglaubten Manne idflntiach sei, „der sich selbst in zwei 
teilte, indena er das Gesetz von der Teilung in Schatten und "Wesen an- 
wandte" (Griesebach S. 18). 

Wollen wir schheßhch noch eine synthetische Refeonstrafction der 
dicsex Fabel zu Grunde liegenden Phantasiehildiung versuchen, so müysen 
wir doch anerkennen, daß das Motiv von der Treulosigkeit der Witwe 
trota seiner erat apätei- verstärkten tendenziösen AaffaseuQg und Aus- 
gestaltung nicht zu dieser aufdringlichen Betonung hätte gelangen 
können, wenn es nicht doch irgendwie im iirsprünglichen Sinn der Ge- 
schichte bereits begründet gewesen wäre. Dasselbe gut von dem feindseligen 
Verhalten der \Vitw& gegen ihren Mann, desaea ursprünglicher Sinn der ge- 
wesen zu aein seheint, daß die Frau nicht so sehr dem Manne als seinem 
Penis treu ist und diesem nur so lange, als er sie zu befriedigen im 
staade ist. So gilt die unzweifelhaft auch rachsüchtige Bedeutung der 
Kastration (vgl, das Abbeißen und VetBchliagen) nur dem. nnbrauchtar 
gewordenen Gliedej dem die Witwe leicht untreu wird. Neben dieser 
treulosGQ Eaehephantasie geht aber — mit der auffälligen Ambivalenz, 
die gerade den psychoaesiuellen Regungen anhaftet, — die zärtliche Phau- 
tasie der liebesbedürftigen Witwe einher, die sogar dem Phallus des 

■) Man TgL die "Wiederbetebang des OsiriB mit dem HolzphaUua, sowie die Be- 
lebung des Gehenkten ia der Hovelle Balzac's. 

Das glaicho SfotiT findet aic-ii im dentachen MStchen: Die Hochzeit der Frau 
PüchBin (QiiesebaGli, S. 128), wo der alte Fachs aich scieiritot atellt, nm die Treat) 
aeiuBT fraa zu ecprübeii, die alle Freiec abweist (treue Witwe) bis einer kommt, dar 
so wie ihr äöheirec ßatte {l4«at(U^) neun S«hwäii.^6 b&t, -TitMuit gleicb&tiUB &ni 
die scbmerzüch veriniate PotenE des angablioli Veratörbenea hingewiesen scboLot, der 
bei der HocbBeit alle ktub Hause Ijdattsjagt. In einßi Bweitea Version, wo der FuoIih 
wirküoh tot iat und die Witwe ein junges Fttohslein heiratet, ist die Identität 
vom Qaiten amd Iiiebhaber bereits Terwisuht, 

^ Hierher gebort aach Bans Sachsens Fastnachtspiel „Der tote Mann", wo 
ein Ebemaan sieb tot sleUt, am die 'Treoe aeinea Weibea zu erprobea. — Toa anderen, 
bei Grieaehach nicht erwähnten, BeaiheituEgen der Fabel sind mir bekannt gewordea: 
die diansaiiache Behandlaog von Klinge.ma:no „Die Witwe von Epiiesna" (Drama.*. 
Werke, Bd. I, Wien 1818) sowie aus jttngster Zeit ein Gedicht von Carl Maria nnd 
Emil Perdm^Hiid MaÜowsky „Hie Witwe von Epheaaa' (Der Zeitgeist, Beibl. a. Berl. 
T^eblatt Tom 5. Sept. 1910). 



(50 Dr. Otto Bank. 

verstorbenen GaWen oocb die Treue häit, wenn sie aoch mit einer der 
seelischen Oberfläche zugekehrten GrefübbsehieMB diespa aufoerotische 
Surrogat ablehnt und sich den Werbimgen eines leiatimgsfähigtin Liebhabers 
— in. dem sie wieier ntir einen Ersatz des Mannes sieht — geneigt zeigt, Aq 
diesen beiden gefühisgegensätzüohen und dem ße^vuÖtaein in gleicher 
"Weise anstößigen Phantasien der Kastratiönsbegriindnog setzt aber die 
Yerdrängung ein und TCräun^elt bald den urapiüngliehen Sinn der Ge- 
schichte, ma die rationalen Motiviprungsvensuche in den Voiäergrund zu 
schieben. Der Mechanismus, raitieis dessen das geschieht, iat der gleiche, 
wie ihn Freud in der jjTraumdeutang" als Verschiebung dea Alfekte» 
vom Wesentlichen auf Unwesentliches dargelegt hat. Aiif diese Weise 
wird der psychische Hauptakzent aeknndär auf ein nebensächliches Detail 
verschoben, das im unverstandeuen manifesten Inhalt unverhältnismäßig 
betont erscheint, uns aber gerade dadurch zur RUckg&ngigmachang der 
Verschiebung und zum Tetständnis det ursprünglichen Motivgestaltang 
zu füliren yermag. 



Mitteilungen. 

ii 
I 

Gesteigertes Triebleben und Zwangsneurose bej einem Kinde, 

Von Di. Eduard HitBchmann. 

Fiöüd hat in der letzten Zeit auf die Analogien im Denken und Fahlen 
düt Zwangsneurotiker und der Wilden hingeifieseii. Gleidit der Wilde in gc 
wissen GeboteE, Verboten imd manchen ZeremonieUan, sbet a-ucli pßychftlagiscli, 

so besonders iwab. Ambivalenz der GefüWsreguiigen dflm Zwangsneurotiker, so i, 

ist es vielleictit nicht ganz ein FaiadoxQii, äxß der Zwangs&eUFotiker einmal ■, % 

auch ein „Wilder" gewesen sei, und äiese Vorau-ssetznng wird wohl am ehesten 
in seiner Kindlieit zu finden sein. So muß ein Fall wertvo!) sein, der sich 
durch die objektiven Daten direkter Kinderbeobachtnng anszeichnet und das 
T'rieblebea ausführlich schildert. 

Es handelt sich um einen an Znangssyiuptomea leidenden Esaben, der 
mit 13 Jahren für Jiorze Zeit wegen Eückachritt im Stodiengang in psychische 
Behandloug kam. Die ErschGiminßeo bestanden : in Be?iihranga\erbotßö, '«obei 
über ^schmutzig oder aanher" erwogen wurde, BerUhnrngsgeboten („was er 
einaal berülire, müsse et achtmal berühren ; was er mit der Linken berühre, 
müsse er mit der Eechten berühren") : in Zwaags?erem«mell beim ZölettgeiieB ; 
Zwangshemmongen nni Zwangskopftewegongen etc. — Der Knabe ist von 
einem grausam-bosliaftea, tyrannischen Wesen, ioBbeBoadero gegen 
seinen jüngeren Bruder, trotzig — er tonnte aiis Trou tagelang haugein und 
aat' jedes Vergnü^n veri;ichten, — und neigt zu Wiitanf allen, jn denen 
er im Gesicht verändert aussieht und jedes Exsesses fähig nijrd. — Er zeigt 
sehr früh schon Zweifel und UiiaBtBcb.lossenheit, grübelt, übet 
Gott, Leben und Tod. Auch verrät er Todeswüßsche auf seine Streit- 
gBgaer and früh schoo Verstimmmsg «ad Todasangst neben den Selbst- 
mordgedanken,, namentlich, aach im Aosclilafl an Wato&fäUe. In seinen häaügen 
Tagträumen, denen er sich stnndeiilang hingibt, ist er Kaiser, Heerführer and 
he-käinpft -fremda Vüikor.^) Der Knabe zeigte frllh erotische Zuneigung zur 
Mntter, tastete gera nach ihren Brüsten, oaaßiertß intensiv, 
»ach Angabe der Mutter seit dem dritten Lebeasjabr trotz heftiger 
Ctohungen. Vom 5. bis mm 11. Lebensjahr war er intensiver Xägel- 

•) Ein Tagtraara lauiet: „Meio Vater ist raBsischer Kaiser, ich bin fraoaösisßlier 
KaosBv and a-nch Kronprinz von. RuBland. Ich beacohe die Eltern. Die Geschichte 
soll darauf Jimaosg^h^n, daß ich Ksäaec äer gtsuzBji Welt werde. Dann hra.Qc)lie ich 
niamaad an gehoruben, biü ein ond alles. " Daa eiwläache Gewanstaclc dieaer Ebtgeia- 
pltautasie lautet: „Die Kaiserin Elisabeth geht in FoB ia der KämtncrstraÜa. Ich sähe, 
daS sie etwas fallen ÜBt. läh gebe ea ilir, sie dankt freoadlloh and bestellt mich 
irgendwohin in ein Hans und ich bin beliebt bei ihr." 



gg Dr. EdD&rd Hitselmiann, 

beifler, außerdem zeigte er Sasenbohren, Händereibon u, dgl. Die Liebe zur 
Mutter verrät eich als deTitlicli sexueUa mit 13 Jähren, wo er asläölicfa seiner 
Könfinnation den "Wnnsch äuBoit, einmal bei der Matter liegen zu dürfen. 
Über den Tater äußert er einmal, er möchte ihn im selben Grade lieben, 
tönue aber nicbt. — Zlige vm Heftigkeit, Neignog zu TStljclikeiten, sind 
Eigensehafceji, die sich acch bei den Vorfahr eo dßsPatientea nachweiafin 
ließen. Die Eltern des Knaben iassen sieh gleichfalls, durch seinen Trota g&rmt, 
Einreißen, ihn erba-rnnangslCE ZQ prügeln. Der Knabe zeigt dana deutlich den 
Kampf ziriscbeu Liebe Q&d Haß. 

Der Patient, eict hübscher, demütig-liebetie'würdLger Enibe mit mdaa- 
choliscbi'm Bück, zeigt bei der ärztliclien TJiitersactmjg znrUekgebliebene Ent- 
wicklung der Geachlechtsorgane und Fettleibigkeit, Symptome, die auf Schild- 
drüsenbehandlDBg weichen, wonach aach Pollationan konatatiert; Verden, Er 
onaniert jetit angeblich nur im Schlafe. 

Die für iliren Erstgeboreaea sehr interessierte Mutter schrieb während 
seiner eisten Eiadlieit (bis nngefäiir zum 5. LGbeDsjialir) ihre BeobachtaBgen 
an ihre eigene Matter und wir wollen diese doknm entarischen Anf- 
zeiehnnogen, nnr im Unwesentlichen gekürzt, für sieh selbst sprechen 
lassen. 

„(10 Monate.) Fredi ist ein außergewölinHcinvildes, «nfgeregtes KIklI, 
äftliei gatmatig, folgsam anS sehr las%, boi ■wenn er böa wird, lapptlt er mit dea FüBen, 
Ttiät aidi an den Haaren, einmal xeiQt fit sich 9ogar ein Büscii?! aus. Eine kinderlose 
Nachbarin liebt ihn abgü-töash, kommt auch in meiner Abwesenheit zu ihm imd irer- 
aBrtelt ilm sehr. Sia läBt aiali von ilim ins GeBiolvt aGblagen, ei tut ea iraoh andern, 
versteht aber geaan, daß er Papa nad Mama nicht sahlagen da-rf. 

{11 Monate.) Er bekommt eine Taube, purch aeine Lebhaftigkeit qnalt er sie 
iiiranlich, Ti'öim es zu arg wird ■Qnd man ihm sie nimmt, weint er sehr, verhalt sich 
aber niJiig, wanii das riei aelbst wegfliegti 

(1 Jahr.) Begiüiides Trotaaa. Das Kind schreit einmal b^onders ]iefttg tcotTi 
aller Verbote nad Znredens. Eadlicli antfeme icli miolij wonafili das Kind schweigt; 
kaum aber fcehre iah wieder, ao schreit der Knabe jnat noch heftiger. Dacanf lasse 
ict mich iiiff eißen, ihn so ztt aohlagen, so daß dia Amme eilt^rt, meia Hfina ve-dBuSseö 
KU wollen! Die Q&Bahi<ibtö blieb a,beT nicht vereinzelt. So nabm ei sinranl den 
Finger i» den Mnjid nnd so oft ich ihn auch entfetate, tat er es immer wieder; als 
ich ihn felapBte, tat ei es erat recht, so daß ich einaahj ich richte uiit iiiin xiichte 
ana and mich entfernte, Im Spiegel benieikte ich, ä&& er den Finger onn sofort aas 
dem Mond nahm. Haoh einer W-eüe rief er mich; als ich mich omwandte, ateofcte or 
sofort dßn Fittgei in den Man^ nad lMliLt&. Ora diese Zeät folgte er abaolat nicht; 
so bearbeitete er z. B. anch seinen Kopi mit den Fäusten, daj es drohntej wo aber 
wieder alles Verbieten und Strafen ohne Erfolg war. Vor dem Papa hatte er mehr 
Respekt. 

(15 Monate.) Es macht ihm ein Vergnügen, anf Leute za spucken (vätmatlich 
WTirde er an^ch daia nbgerichtet). Ich scblage ihn selten, denn ich sehe, im Outen 
richtet man mehr bei ihm. Bis anf seine Dnfolgsamkeit and Beinen Eigensinn i&t er 
sehr brav imd frenndlieh gegen jeden, tnSchie den ganzen Tag hernmtoUen. 

(1% Jahre.J Er kratzte einmal mit «in^m Spielieng dcv» Ledtrasaael imd hCFite 
trotz Verbot nicht auf, an daS et im sein Zimsaar mcüBte. Seither tut er es selten, 
als es aiier iivieder einmal geschieht, beachte ich es nicht, weil ich denke, ei hört 
dajm eher atif. Das paflte ihm. abet nicht, et t;am ZU mii und ae^e: „Mama. Fredi 
kratzt SesEel." [Er wollte also ein Verbot !] 



ZwangsneunjBe bei emem Kinde. 63 

(25 Moaate.) Zwei Uona.te naoli Paiilia, aeinea jOngereu Brttderciiens, Geburt, 
zeige ich ilim «neu Storch im Bilderbu.eli OTid aage, der hatPa-ali geWaoht Da aagte 
er; „Stflrcii Pauls wieder nehmen. Fredi iriD Pacli nicht," Meine Mama war in Besoeh 
bei ims, er lieljte eie sebr, naunte sie aber iilir nelcol-o Ontanta" (ekelhafte OioÜraarna) 
nod es ntitate viieier kein Varbot, Als eie veiteiat war, TDÜefa er auch dabei, trotzdem 
iltn> sehr bang wai'. Als ioii aiosiHl eitten Brief schrieib, sagte er; ^(iad,ais. 3cbietb«ik 
Ftbiü iflt scMimines Kind, Tredi imtner eko!o Onjama sagt." Daraas geM heryor, daß 
er geftau versiandj daß ea acSLiimig ist xmd m doeb tat. 

Von 2— SYs Jattan moflte tüh einige Cbdecfrauen wechseln, er war dftrtLbBi 
Ecbr QsstbcUicb, konnte sie alle nicht hiiden, war anfreimdlich.; bei einer ging sein 
HaB 30 weit, daß er üith. nictt yzti iht herühren lie£; er scürie und 
weJntCj sie hätte ihn schaiTitzig gemaoht nud pntate sich. iiniiMT. Auch das 
Esafln nahm er flicht von ihr, weil sie daranf blies, naohhto- befirenndeie er sich 
doch mit ihr, d. b. ar dnldetB sie. 

{SV* ^ahre.) Wenn, ich iin schlage, ist er an£et aick, sc bittet wm'^eTZMhniig; 
nicht die Schläge lu;§Jikeii ihn, ma mein BöBsein, 

^ä'/s Jatie) ist bi entzücltenä in saiaen Einfallen, hinteiflend lieb, nur von einer 
Schlioajcheitj die mich. oft zur Verz-weiGimg treibt. Ei folgt abaolnt nicht, 14ßt noch 
immer flbetaÜ Stuhl unter sich. And er aeHaliaB et sich nicht auf den 
Xopf setzen, wenn oian anoh achon sah, dsÄ ar zoca StchJ preaae/) 

(§ Jahre 8 Monate) maclii er aioK endiiah niolit mefei achumtaig und aagl: „Ich 
kann P.anli nicht laiden, weil er sich immer schmatwg uiachl" ; wird überreinlich. 

(2"/^ Jahre.) Emag Abonds (pjälte er, es war ihm kein EsaeH recht, achlieülich 
legte er aich hungrig am Bett, Er sobTSB bbA -weinte morgens, ftß nicht, bekam 
schJiaßJich vom Tapa Schläge ; nm 10 Dhx ajB er ans Trotz kein Ei :_ er Jiatie oflenbat 
Hunger, trotzte aber nnd schrie, bia et endlich am 11 Uhi sein Essen vErlangte. Das 
Kindenaädehen sagte: „SütiaQ, j%tzt bist du 30 Heb, weshalb warst du so sohlimm?" 
„Weil der Piipa mich geachlagan iist und dann die Mama and das to.t ,iq w«h." 

(2% Jahre-) Er hat Pauli ^ns lieb, ist aber eiferaöchtig iiut' ihn. Eiramal 
sage ich.: Ftedi, Fapa. Kauft dii ainen Helfen. Er sagt: „Ich will keinen, ich will nur 
Pauli wegnehraen, was -er hat" and leißt ihm eitt Stabetl ana dei Hand. &c sagt 
du mit dem Ausdruck einea EanbtiereB. -— Einmal veriangt er von mir, ich soll 
Pwili ui«bt lieh haben. Wenli jemand Paaüg Gescheitheit loht, sagt er kein Wort, 
geht auf ihn an und sohlllgt ihn. Er iat aehr intelUgant, »bet sehi latmenhaft, Yor 
dem KranfeaeiüL fürchtet et sich, 

f^ Jahie.) Eanlj ist loank, Fredi iat sehr liab mit ihm, sagt, er borgt ihm jetat 
alle SpielsBöhen, et wird aie ihm erat wieder wegnebaaen, bia M gesnud ist. 

Kaoh seinem Gebnrtaiag schenkte er Pauli einige alte iSpielsachen, Punh wollte 
a-bet äJB neuen, Fredi wurde iiriiten^.kratüte ihn in die Augen und zauiste ihn am Haai'. 
Kuiae Zfit daxanf waren sie einmal eisen Moiaent allein, wir hörten im Kebenzimmer 
einen. Schrei; Fredi hatte PaaJi an Boden geworfen, saß aiif ihm undbearheitete ihit 
mit den Fäuateo-; Panlinaoh seiner Krankheit noch Böbwach, war ohnmächtig. 
Fredi bekam Schl&ge und fceiftö MeWapeiaB-, es wurden ihm aber hei allen diesen Ge- 
legenheiten anch Vorstellungen gemaobt, an seine Liebe eririnert n, s. w. Er ist aehi 
launenhaft; einmal will er Panli erschlagen, dann liebt er ihn niqder aehr und borgt 
ihm alias.') Wenn er ntit Bindern spielt, ist er sehr wüd, regt siöh a^f; eismaJ iaim 
er dran die ganze Nacht nicht sehMen, schreckt immer ans dem Schlaf. Die Kinder 




^l Läßt sich der Znaa-mmenhang von Änalerptik und Trotz hier anJaeigeii, so 
venttt der Knabe später auch starken Qeiz. Tieliaoh liell er sich TOn der Mutter 
s^n-en Crehorsaci mit Geld abkaufen. 

*) Amhiiralan«. 



^ Dr. Eduard Hitschiuaim. 

haben ein junge^i Kindermädchen, Fiedi iat besonders zärtlich mit ihr, nutcM ilir 
LiebeserkiHimigen; aie war 3 Jahre Ijoi uns und ich etlanete miüh, daä ich oft eifer- 
sttcblig wat, decm tun diese Zeit hatte er sie viel lieljer als mich. 

Bekomiut Bt mu' Sttafe für ein Vargahen karna MeMspotae, so bittet er om 
VerzeikiiDg. "Weaa ez Ztu^ei nascht oder eonet etwas aimteUt, berichtet er es m»' 
sofort Tin(i bittet Tim Tarzaihnug; ich verzeihe ahm auch immer, weil ich fÖrchtCj dafl 
Beine große 'Wa.hrheitaliBbe sonst leiden köimta. 

(S'/t Jahie) mag er keuie Märcbeo., nur währe Geschichten. Einiijal verlungt 
er Zucker, den ich ihm nicht geben wollte, da sagte er: „Bitte Manva, gib mir üin, 
damit ich nicht achreie". — Dem Kindermädchen, das ihm, als er einmal schKiain 
WM, B4bS aagte, gab er eine äcballende Ohrfeige. 

{?'/4, Jahre) v&t er sehr energisch. Er wollte z. B. nie Müch, iiat Kakao. 
EinmBl Säh er das K!ui.der(aKdi:hen Mücb trinken nad fragte sie, Atreshalb sie iaa tue; 
sie sagte, weil man von Milch groB und stark wird. Da sagta er; „Von heate an 
trinke ich nur noch Miloh" nnd trank taigachlicb nie nnebr tsbxBs andres, ttotadetn 
es ihn. die erats Zeit ror Ekel schüttelte.') 

Den eratettWutanfall hatte er mit beiftahe 4 Jahren. Wir waren reit ihm im 
Zirkm, wo er vor Erregong kaxas. zu atmen ^vägte. Ak wir nAch Hanse kamen, gab 
er als EiflteB Panli ein paar Ohrfeigen, weil er mit seinen BaDsteiaen apialto. Als er 
dafCLx SchlCkge bekam, brtlllte erwie besessen, wollte nichts eseen, sich ni» keioen Preis za 
Bett bringen lassen; ei wurde vor Autregang beinahe ohnmächtige ea half alles Zu- 
reden nichts, schlieBüch echlng ihn mein Msjin, auch ohne Erfolg. N'acJh einer halben. 
Stonda BrQUeas wich es plötzÜch von ihm, er begann auf einmal zu i&diela und sehr 
lieb zn Beia. Zur Strafe für sein Benehmen durfte er awei Tage nicht zu Tisch 
kommen, auch sprach ich ihn niuht anderä als „kleines Kind" an. Er war w6.hreiid 
dieser zwei Tage ecbrecHich, verlaiigte aber g^ nichts, erduldete die Strafe. A.n> 
dritten Tag kam er und fragte mich, ob die Strafe nnn ku Ende iat, als ich dies bejahte, 
da bat er: „Hamn, hüte sage: Mein lieber groÜer Bnb!"') Als ich es sagte, k'OBte 
er mich BtQrmi seh und bat: „Sag dem PaoU: hebea kleines £eb<l.'' Von dem äloment 
an war er wie umgetäuaett, Sehr lieb UBd heiag. 

(Mit i Jahren) ist er entzückend in. aeisea EioMIen ; mit Pauli iat er zuweilen 
sehr lieb, ächlägt in ikbei auch sehr viel. Einmal wnrda Pauli Fredis erster Anzug 
probiert; er küJte and herzte iha nM war glijckilich, dafi Panli ein Bub geworden 
ist; ar versprach ibm naa aUes za boi^en, am n&ehstes Tag naJim er ihm aber alles 
wieder weg, weil er wieder ein Mäderl (im Msdchenkleid) war. 

(4 Jahre.) Ich sandte meinen Eltern Photographien der Kinder. Fredi weinte 
BBbTj dßfl ich die Bilder weggeschickt habe, ohne daß er daran geachrieben. hotte. Er 
sagte immer: „Nicht wahr, du hast die BiWer noch nicht fortgeschickt?" Ich sagte, 
ich habe sie weggeschickt. „Sag neinl' Wie kann iob nein sagen, wenn ich aie weg- 
gesehickthabe!? „Sag. do hast aie nicht weggeschickt, auch wenn da sie weggeschickt 
hast." *) Also gut, ich habe sie nicht weggeäcbinkt. „Nicht wahr, du hast nur Schera 
gema-oht, du haist mich nur foppen wolionj dn schielet sie erst fort und dann 
schreibe icli dran." Dabei wußte er genau, daS er sich selbst foppt. 



') Der typiscka Kinderwunsch, schon erwachsen zu 8ain> 

^ £b zeigt sich hier wie schon an einer früheren SteUe, daQ es dem Knaben, 
der eine Tatsache realisiert oder aus der Welt geschafft wissen wi£l,geaflgt, wenn dies 
nnr mit Worton geschieht. Die Oherschätznng eines auagespröchenen Gedankens (an 
Stelle einer Audenuig in der Bcalität) erinnert andie von Trend atsZwaf)gsi>eurotikex 
hervorgehobene Ersetzung des Handelns durch das Denken sowie den Orlauben an 
die „Ülmacht der Gedanken ". 



Zwangsaenrose bei einem Eind«. 65 

FiBdi hat für Soldaten große VorlialjBj aaoh vor dem lieben flott Tiel Bespefct, 
weil er glaubt, daS dei MabE Gcflt einen Jittr alles Btraft. Dnrcb seine vielen Prägen 
b-TUgi er laicii oft zur Verzweiflniig. 

(4'/j Jabie) kommt Pre^i einnial sehr aofgea'egt Tom ßpazisrgaflg, er hatte 
*iel SolWUten mit MoeÜ: gesehen. Er erzählt : „Der Frfia (sein Fremid) halt keine 
geaeheu, et irar sohlnnm mit mä, da taba iih gesagt: Dafto wirst da keine Soldaten, 
sehen, dann hat er auch teine geaeheu.'" Ich sagte : „Er war doch Müh im Vk& 
"int dcti iTÜe kommt es, daE du Soldaten gesehea hast tiad ei nicht?" — ' „Das vsiB 
ich nicht, der llsba Sott hat «a aiiei so wollen, weil eP schlimm war." 

Ich fühTe später noch einige btutüdi« S^i sa, sDS irelchen heTfOrgelit, wie 
atatk sein (Jlanben an die Btrafe und VergBliaagöottea war. Auch giSbelto 
ei seilast in dieaer Binsicht bereits damaJa, wie ans folgendem hervoigeht.') 

Es regoetß eiamaJ; ei fiagt»'. „'Wefibalb regaet es heute?" Ich sagte: „Weil 
do schlinun warst, läßt der hebe Gott regneri, damit da nicht spazieren gehen 
kaaast," Einen Momaat war er ganz nachdenklich, diwin aagte er ; „Ea regnet, wsil 
Walken am Hnnmel sind." 

Eiaaa Tages eatlaase ici sein ^oß ibm sehr geliebtes Kindenaädciea. loh war 
innerlich auf seine Liebe za üii eiferflaohtig, dena ei liebte sie Kiel mehr, wie lojch, 
Da sie nicht gerß fortging', steckte sia sich noch &m Abend tot ihrem Weggehea hiater 
ituv, a: mogä loich bittiec, A&B ich sie 'behalte; in der Kocht fand ich ihn dann im 
Schlsfe in Tcänea gebadet, Ith behielt ai& ttotBdem nicht, da sie PanK aioit genü- 
gend beanfsißhtigte. Ich habe es apä-ter oft hedaaert, es wac sein eTstoi wakEchM 
Schmera, er naim diö Sache sehr schwer Bad war dann an schlimia, wie nie zuTor. 
loh achiieb damals ostiBea KiaTu, Predi ist schwer zn lenken, aber fthsoint nicht so 
söhlimm, wenn wan ihn richtig behandelt; wenn man ihm naohgilW, sorie) man uach- 
gebon kann, ist er das vem-Bnftigflte Kind; aof 4m Dneriaabte verzichfat ec dam» 
gern, nm gegen TJafreimdlJohfceit lehnt or sich anf. 

Ich beMitwottete Fredi iomier aÜe Fragen. Weil mein Fapa nns intmei ange- 
schrien hatte, Bo oft wir den Mond inifiijaoli.tea, ao fiel ich ans einen) ßxtremen in 
das andere; mir vmtäe es dann aaob an TJel, beaondera da ioh nm diese Zeit aalbat 
aehi leidend wsor und mich mit ihm siobi befassen sollte. Dabei Icam ich aeinet- 
weg&a näe znr Bähe. Soiae FEB.geQ ^aien erat imiaei sehr inteU^ent, spätei stellte 
eff dtesellien aber oft „nur ttm an fragen" [Zwangafeagan]. 

Vor der Somioerreiae wjtd er etwas menachlicherj iiih sage ihm: „Gut, daB da 
biOTei biat, ich Wäre aonat allBin abgeraiat", da aagte ei: , Jetzt bin ichj» aber brav; 
wenn ich daran recgess«, «lißaeie mich mit." 

Es wer ein stB.ndigei £ampf in ihm, den er mit sich selbst führte 
nnd ^an ich onzähhgental fiiblte; er könnt« sieb daroala, wenn man ihn ermnerte, 
gftiiE gat aas Kebo 7.11 mit beberrachen, a-ber dieser Kampfrieb ihn offenbar auf. 

Die ATwlandar^eß übten aaf sein Wfflen, so wie ich es Leote beuxteÜB, einen 
großen EinflaS atia. Erwa.Ehaetie beschäftigten sieh Tiel bU aebi mit ihm, teils weil 
er iatsäcJiliGl] intelligente; ala andere Kinder raä fiehr htlbacih war, teüa zog auch 
daa Eüotische an; bö war er stete 3er Wi'ttelp'ankt, eowohl auf dieser als auf apäteten 
Btnaen. — 

Als Fredi i^/, Jafara Alt war, atarb mein Fspa, die Briefe hüien. aTil Ton 
4Vi— S Jsbxen kann ich umj: atcs meiner Erinnerang benehten und trage «itLoli 
einiges aas diar gleichen Quelle, na^ 

Da Fredi l^g Jahre alt ist, beBncbe ich raeina Eltern, mein Papa war gegen aeiae 
Enkel sehr gat, liebte Fredi sehr. Fradx war ilaniala „die reine Opposition", wenn^ 



') bei Knabe blieb bis zn'm 10. Lebenaitihre icauaa, wnide dann i^Oieiat. 



66 Dt. Ednaid HHselunann. 

er cuclii rerstaod, was man mit ibaiepis.Fb, sagte er a,BK Prinzip ^nein". Micli amilaierte 
das sehe, meia Fapa sagte aber: „Mir gefallt das lucht, weshalb sagt der Bub iramer 
neiii, wafaM hat er njoht die gleiche Votliaba fdr das Wort ja?' 

Et -rmii« Bi«Ba&.h T«wö!iat, beBoHdeiB, da 6i häaSg an Darmli&tMTli, flät 
5 Jahren dann auch an BJaaenkatawki litt. Wenn ar gaachlagea -woirde, geschah ea 
wohl äohi oft«, a]a es eben ia Eaeiaen Aufaeichntingeii atelit, was sich auf Jahre Terteilt, 
denn meine Bnefe sind tne ein Tagebuch. Möine Matna behauptet, Fcedi hätte trotz 
seines hinreiBeaden Wesens, immat eineB düsteien Blii^k gehübt. 

Mit 3'/j Jabrec kam ieh wieder in meine» Eltäm, Paoh war 1^/, Jahiä, das 
gerade Gegenteil von Freds, Tmgewöhnlicli gut, Üeb oiLd iuaög, aJle yerhfetscheltea 
PaoB mehr, besonders die Hansgeacsaen, welche bei einem Ehide die gröflte fioUe apielen. 
Pieai Bcidog Pauli oft gaa-z ohne Öicmd, wahracheiiilich ans Eifersuchtj was at 
nie zugab; ei zweifelte auch nie, daS ich ihn ebenso lieb wie Fanli habe, es muß em 
„innerlicher Toiga.ng gewesen' sod, äbec iea er sich aelbst keine Itechenachaft 
geben konnte. Es gab aber viele Leate, darunter voi aBem unsere Frennde in X, die Fred' 
lieber hatten, welche eben von seiner Eigenart angezogen wurden und die Pauli wenig 
beachteten. Fax dieae Flreonde in X hat er noch jetzt eine achwärmerische Liebe. 

Bei meioen Eltern &£ er aäi laä bei Tisch; Fred! mtLBte immer einen TeDer 
gleichen Masters und imiuBF die kleineren Löffel haben, son^t sB er nieht. Damtib 
also auch achoa die Pedanterie, die epätei einäo so kranfchaftan Grad erreichte. 
Mein. Faps vrarate mich damals eft, ei sa^e: „Die Xellerchen and LOffelcheo vrerden 
anoli äbei den Kopf wachsen, ea handelt sich später um gröBerc Sachen." 

Ich mthm es fthei nicht schwer, ich wollte ihm nicht irnmer alles ^verbieten, dft 
SB ohnehin ao vieles gab, was maai ihm nicht nachgeben tonnte, mein Traum war 
immer, er adl eine schöne Jugendzeit habeiii; mein Papa hatte ab^ recht, ea wncbs 
mit ihm. 

Fredl neigte audi inm Keid, ^ds ünmfrieÄasitieit. Ich glaubte, ich 
könnte diese S^enaobaften am besten dadnich bekämpfen, wenn ich jede Uraache 
daza rermaida und er mit der Zeit einaehen lemt, wie gat er eB hatte. Er bekam 
immer aäles reichlicher nnd besaer wie Pauli, Seine UEZufriadanheit habe ich damit 
nicht beseitigt, aber iriBÜöicht da* &effth] in ihm groß gezogen, daß er mehr als Panü 
ist. Faiili, dez eich erat alles gefallen lieö, begann mit 6 Jahren nngefähi; Fredi zu 
hassen nnd lehnte sieh dagegea auf. 

(4'/j Jabre.) Mama zog nach Fapas Tod für einige Jahre an üds. Sie hatte ihre 
Zimmer neben denjenigen der Sindor. Jeden Morgen kamen beide Kinder zu ihr ina 
Bett, raolten sich ura den besaeren Platz ond preflten sich sm, sie. Meine Mama erimiert 
mich jetzt daran, daß Fradi aioäi oft aaf sie Isgte und sie preßte, aedaS es ihr 
damals schon aofSel iind sie es mir anch sagte. Einmal — das mvä zwischen 4Y9~3V> 
Jahren gewesen hbtii — verlangte er, sie naefct 7.u sehan,') verauehto Sögar einnuil, 
ihr das Hemd raach in die Höhe r.n ziehen. Anch tax meinen Oberkörper zeigte er 
grofles Intereaae, achw&rmte von meinen Brüsten und der „weiflen Haut". Ich 
vermied jede Gelegenheit, mich toe ihm zn entblöSen, er aber zeigte groBe Neigang mich 
£D atapähen. Den Dnterachied dar Brüate hielt er anscheinend fhr den Eanpt- 
geschlechtsnaterHchied von Mann und Fra.!!. Da seine G-eachwister nur Brüder Bind, 
mag er hierin länger ■onklar geblieben sein. 

Eises Tageä iriß er einer ihm glejchaltngen Coaaine das Oberkleid fort, 
TLm ihre Brttate zu sehen. 

Ich trage hiei näch, da& Fredi Tom 3. Lebenajohre an sehr hartnäckig Eoit 
seinem äliede spielte, bb ihm der Axit drohte, Koan n'erde ibm das Glied weg- 



*) Diese hAhe und intensiTe Betätigung der Schau- nnd Betastongslnat (aktive 
Sexo»ht&t) i3t typisch föi die Zwangflnenroae, 



3wBiig6neTiro9B bei einem Kinde. 57 

schneiden inüfls<5ii. tiotz wiederhoiter DrohungeD, anch durch die ^tem und aoht- 
licliBr ingst, gab Fredi dieses Spiel am flsnitale nur anm Teil auf. 

(Q'/a Jahre.) "Vrir vertracMen ieii Sommer in Tf., er moB dort sehr aoiönnö 
gewesen sein, denn eines Tagea packte ich eiae Handtaache und erklärte, er mBsse 
Ina Pensionat, Beide Kinder gebicdeten sich wie wahnBionig vor Angst, D^mäla tat 
FiBdi etwaa Seltaames, was sich mir öanetad eingeprägt hat. Er blieb hundert- 
mal im Tag plßtialich fceFzengerade stehen, schlag die Hände auf die 
SdiaiLkel imd murtnalta for sich iiin: „Liebar ßott, verzeilie mir aox noch ein 
einaigesmali' Er tat es auch, wenn er nichtg angeatellt hatte, aondera wenn ibn wohl 
irgend etwas innerfich beaeüäftigte. Alle lachtaa isailb««. Dami tauchte et die 
Ha.nde nnuHterhrochen, wenn er im Zimmer war, in einaKannemitWaaBer. 
Was er aich dabei daelte, weiS i&h aicfet.^} Ich lüirte aä anf die groß« Hitae znxack, 
welche diesen Sommer liexrsclitei maine ffreoadin,. die öfter dabei war, lachte «ehr and 
sagte im Scherz ; „Der Bab ist wirtüdi nicht normal" ; ea moß aUo doch sondecbw 
gc^eaea sein. 

(5*/» Jahre.) Mach der Sommerroisö gaben wir ihn in eine» lündergarten, er 
flihWa aici dort aeir angltloklinh. Er war auch dort sehr trotaig; als er eimnal zair 
Strafa vor die Bank geateüt wurde, blieb er um kernen Preis dort atehea, tobte Kwei 
Standen lang, Via man ibin die StiaEe echlieSlich nacblieS. 

Mit B^fs Jahren kam er in die Schule; da er -wiiöte, es ißftBae sein, weigerte er 
Mcb nicM, war abar jmnier aelir a,Qfgeregt. Der eiate Lehrer wai aain Abgott. Fiedi 
war sein besonderer Liebling. Er wai inunei ier erste unter ca» 50 Schülern, In den 
Pansen spiett« ei lüe out Beines. Mitechölem, ei atand immer abgasoriäert hn Hofe. 
Ä!a er von Adam nod Eva Iwate, &agte er mich eines Tagea, weahaib Ada.m 
dfim hebea Gatt TLUgelioisain war. Ich sagte: „Do. Eolgat mir d-oeh a,aoh nicht, wenn 
ich dir etmvaa Terbiete." Er Sana eine Weilena,ch| dann fragtear: „Hatesdenn dantala 
aach sebon einen Teufel gegeben?" Ich veratand aeiaen Gedankengang und fragte 
ihn: „Glaubst dn, der Tenfe] ist acbuld daran, wenn du schlimm bist?" „Ja, das 
glanbe ich", vrax seine ganz etoBte Antwort '. 

AoB dieaer Antwort ersah ich neuerdings den Kampf, wia er brav aaifl wollte 
und nicht konnte. Er gab seit dieser Zeit anoh nie mehr das Varaprechaa, bjB,i im 
sein; er tonnte sich nicht mehr ao beherrachen, er sagte immer nnr„wBiin ich 
kann".') Setzte er sich etwag in den Kopf, half alloa Reden nichts. Er nalmi 
täglich nnj 7 Uhr abends sein Nachtmahl ein nnd bJIeb dann ohne Fiühatflck bis 
'/jlS Uhr imittags des nächsten Tages, wo er ans der Sehnle kam. Dabei w»r er bei 
bEstem Ajjpetit, an aciralfroien Tagen gar nicht zu sattigen, gelegentlich ein maB- 
loBer Freaaer". — 

Es ist gewiß nioht oine Interesse, das Bild eiDBs Kindes im so ausführ- 
licher Scbüdcrting durch die Mutter Torzufuhren. Es haadelt sieb nia ein 
Kifld voB auffallend, gesteigertem Triebleban, das geradeza eino „archaistisßlie 
KonstitTition als atavistischen Best" ^) mitgebractt za käbw seheint, Der 



') Der Z^UAmmenhang zwischen Schul dgef ah J, erbetener VerMÜiang Gottea fBi 
wiederholte Vergehen und einem anscheiaenden WaiOfthawang aaigt den tlifiprtng 
des lötzteran and deutet a^ selbst vorgeworfene Onanie. 

') Sowohl die Eechtfertigang dn.tch den Ttofel wie di& Empfindnjig, ee sä 
otwa.s in ihm at&rker als aein aütUchea Wollen, eröffnen eioea Einblick in die gaheiniB 
Tr^fc dieser Kindeiseele, die den Dämon in sich »aJiminimt, 

■) Vgl. Fiead ffÜber einige Übereinatdmmnngen im Seelenleben der Wilden 
and der Nenroöter«, „Imago", 1912, S. n. 4. H. 



gg Di. Eduard HitBobiDann. 

heranwachsende Knabe zeigt in. den Triebanlageu, in der infantilen Sesualität, 
psjch-ologisctt und symptoraatologiach die größte Äbnlichkeit mit erwachsenen 
Zwangsneuiotilcerii ; *} der Fall weist darauf hin, wie fcüh di« ÄTJanganearos« 
öinsetzen kaaa und ist auch charalttero logisch interessant. Es muß auch der dia- 
gnostische Vorbehalt gein&.cht werden, daß es sich hier um ein abnormes Kiad 
handelt, (Jas BpStflr vielleicht dem emsteren Schicksal einer Demsntia praecox 
verfallen könnte. 



') Vgl. Fteud, nEBmerfcnngen flbei' ainen Fall voü ZwangBneiurase''. Jahrb. f. 
paychoiiTiftl. o. pBycbopath. Focach., I. Bd., 190!l. 



\ 



n. 

Aus dem infantilen Seelenleben. 

^. 
Bin Kindererleboia. 

Mitgeteilt von Dr. E. Oberholzor (Breifeaan-SchafHiaasen), 

Einer jungen Fatiflutia, die iQ meinier Behasdlimg stand, Terdanke ich 
die folgende Kindheits-erinnerong. 

Sia wurde in einem fremdeii vaA kjodeilosen Hanse erzogen. Sin wenig 
älterei Bab sna der Kachbarscbaft, mit äem sie Freud und Leid teilte, var 
ihre einzig« GfeseDschaft. Die heut« eehr energisclie Patieatio folgte ihm biind 
imd überlieQ ihm bei den gemeinsames Spielen die Führung. Er beschützte 
sie und imponierte ihr. Dor Kleine war für sie — nach ihres eigenen Worten 
— ein Orakel und eine Antorität. 

Eines Tages — sie mockte damals an die fünf Jahrs alt sein — erzählte 
ihr der Bab, wie man im Stall den Stier zai Kuh gelaase» habe, er sei neu- 
gierig nnd möchte das auch versuchen. Er ^exaßlaßte sie eaf 4ei» I^trith 
sich hinzulegen, nia deb Veraach auszuführen, der räch rielen Proben mifl- 
glücÄte. Die Kleine wat ertläiiatht, da sie bisher im Glauben lebte, daß er 
allea kömie. Sie beschloasen, der Sache nachzagehen, und wenn mö^ch zn 
etfalireQ, wie ea Täter und Mntte» anstellen. 

Wenig später erschien der Meine Bub voU Freude und berichtete, jetzt 
wisse er alles. Der Vater lege sich auf die Mutter und Ülaßo sie, sie wollen 
es auch ao machen. Alß auch dieser und ein nächster Versuch miSläng, war 
daE kleine Mädchen nicht nur enttingeht, sondern gekräntt und beleidigt. 

Sie kam auch fortan mit dem Buben zufiajnmen nad spielte mit ihm wie 
früher, aber batte zu ihm nicKt mehr das alte Vertrauea. Er war für sie 
nicht mehr derjenige, der alles weiÖ und kann und war bald oicbt mehr der 
einzige. Sie suchte und fand neue Bekanntschafteii und bfthandelte jetzt den 
alteD Freund von abea herab, Tn einein halben Jabre hatte eise vollständige 
Dmkehr in ihrem Verhältnis Plata gegriffen. 

Etwa setbs Jahrs später kaia der Eiib, der ihr S'achbar gebiiebea "war und 
sie von Zeit zo Zeit sah, mit dem Torschlag, den alten Versuch 2a wieder- 
holen noch einmal. Er wissa nun alles nnd was die anderen känsen, könne 
ei auch. Er hatte den Torgang und die Bedeutung der Erektion kennen 



70 ^'us dem infantilen Seelenleben. 

gelernt und erklHrta dem Mädchen, worauf es ankomme. Trotz der ataL'ken 
sexuellen Neugierde wies sie ihn ab, nicht ohne Spott und Sehadenfreiide. 
ia& sie ihia dsn "Wünsch sici zu rehaliiütieren, -vereitelte. 

Es scibaiat mir temerfeenswert, dafl wir hier im Leben zweier Kinder 
derselbeo "Wirknng der Impotenz begegnen, die wir beim Erwaehseiien kon- 
statieren kö-nnen: Sckam aal Zerkair&cfaTtEg mit dem Dai;hlia\%en Beflitrfnis 
seine Mannbarkeit m beweisen beim männlichofl , Kattäuschong und Entrüstung, 
später Spott und Terächtlichkeit beim weiblichen Teil und allmähliche Ent- 
fremdüBg, *) tjber diese Gefühle hat sich die Ablösung des kleiceiv Mädclbens 
Ton dem Buben vollzogen. 

Wahrscheinlich war die Erinaenu^ nie völlig verloren gewesen, aber 
döch sehr stark verdaskelt worden, Dui'ch ein immer wiederkehrendes Element 
war sie an den meisten ihrer Tränme vertreten, Einen von ihnen, in dem sie 
auf einem Estrich von einem Manne verfolgt wurde and fluchtete, hatte aie in 
den Pnbertätfijahron häafig nnd aach später von Zeit 2a Zeit geträmut. Wir 
entnehmen daraus den starken Wonsch, voa dem jene Koitusveraache bei ihr 
getragen waten. 

S, 

Aus einem Schfllerheft. 

Mitgeteilt von Dr> Eutil Lore&e (Wien). 

Tq einer den Schloß des iS. B. der Odyssee nmfassenden schriftlichen 
Arbeit waren als letzte Verse die folgenden zu übersetzen ; 

ctäTap licet wä9[^; sät iSijcün; k^ f^ioy ^vto, 
xOLTou "s (tVT^ffavto xai Ünvou BöipoTi I^ovto. 

Das heißt richtig auf Detitseh : KachdciQ sie hierauf das Verlangen nach 
Trank und Speise gestillt hatten, dachten sie an die itfachtrohe und empßngen 
äas Geschenk des Schlafes. Ein Schliler sehrieb folgendes : . . . dachten sie 
an die Mutier (von ihm durchstricIieD) GemaÜin. uad ampfi'ßgea das Gescbeiik 
des Schiales. Es ist das "Wort «oTto;, bei dem er stolperte. Dasselbe ist nicht 
unbekannt gewesen und bedeutet „da? Liegen, Schlafen, die Nachtruhe". Mit 
dem lateinisohen "Wort, das leb nicht hieherznsetKen brauche, hat es mir den 
G-Ieichklang gemein. Die Übersetzung „GemaJüJB" läßt sieb erklären diirch 
die Erümerung aa das stammverwandte ä-noLtif, das tatsächlich „Gemahlin" 
bedeutet ; das an erster Stelle stehende durchstrichene „Mutter" ist aber 
damit jn keiner "Weise erklärt. Da „Mutter", wie jeder nach ein paar Wochen 
Griochisch-Stadinrns weifi^ i^^^^p heißt, besteht mit dem fraglichen koTto; gar 
kein laotlicher Zasammenliang. Aoch die vorangehenden Verse, in denen 
erzählt wird, me sieh Odyssensj Telemachos und EamaioB tibet den mißlungeneo 
Anschlag der Freier auf den von der Erkundigungsreiso heimkehrenden 
Telemachos unterhalten, legen die Assoziation an die Mutter, die in diesem 
Falle tenelope wäre, nicht in dem Maße nahe, daß am ihretwegen vergessen 
werden köanta, daß Mutier im Griechischen nur darch [f^|t>)p ausgedrückt 
werden kann. Der fratgliche Vera war, wie erwälmt, der letzte einer vielleicht 
etwas zu. lang geratenen Schnlaibait, da ein größerer Prozentsatz der SchlÖer 
für die tTbereetzung der letzten Zeilen keine Zeit mehr fand, In eolchea 
PaUen geschehen gegen Binde der Arbeit immer mehr Fehler, da sich 



') Vergl. die Schüderong des Seelenzastandea dea Impotenten hei Reiif, 
Seinen« GebiMheo, Halle 1901, 



Aas dem in&ntiten Seelenleben. 7]^ 

iüfolge der wacIiSGadGn Aufregung die Yorstellüngea dissoaiierei] und flapassende 
Xiitfälle sich einstelletk, die, wenn unkoatroUiert niedergeschrieben, eben die 
Fehler ergeben. KocL otwas komnit hinza. Bie Aofregnng bei Prüftingea 
Temrsaclit sehr oft libidinöse Erregnngeu (vergl. Freud, Drei Abb., p. 55), 
Idi erinnere jaich. aus meiner eigenen Sehalaeit sebr gnt dafän, wie icb gegen 
das Ende mathematiacher schriftlicher Prüfongen gater der Vorstellang des 
UichtfeTtigirerdena sexneile ßeguiigea von halbirrfantilem Typus verspürte. 
Noch jetzt erlebe ich im Tratnae Äbnliches, nur in umgekeiarter Richtoing. 
Eenübiea wir diese angeftihrteTi Tatsachen, um eine Determination für den 
Fehler des Sciilileis zq fißdan. Als jisjcho-physisciei Untergrund seines 
seelischen Znstandes liegt uns eine vorwiegend aaterotiscbe, vennntlich mit 
Harndrang gepaarte libidinöse Erregang vor. Das uiibekaamta "SVort xitiQ! 
fahrt ihn aof d^ lataioische coitns (uniewnßte Wortbrücke), di« dadurch frel- 
gewordene heteretötiachö Libido sucht aicb, ganz wie in der realen aeeJischen 
Entwicklang als erstes Objekt die Mutter, Dieses niedei^esctiriebene Wort 
Mutter ist bei dem Mangel Jeder aprachlichen Hilfe ab tmwiderstahlicheis 
Darchbrechen des Uabewußten anznaehen. Doch eetüt sofort die Verdräagong 
ein,, das Wort wird darchgestrichen und vefüiiitlich auf Grand der Wort- 
Torwandtschaft Ton koito? ood äxottt; , Gemahlin" daaeb&ngeschrioben, was 
wiedemm gewiß nicht auffällig, genau der realen EntwtcMnag entspricht. Der 
Schaler hat, wie maji sieht, mit eeinent „Fahler" in einer gemalen Einfachheit, 
wie gie nur dem ünhewaflten zu eigen iat, ein ganzes Bild der vita sexualisj 
Ton der Auterotik Qher die inzestnöee zur normalen Objektvahl geseichuet. 



Traum einra scchsjätirigen Kindes. 
Mitgeteilt von Dr. Joäef K. FriedJTuigoWien. 

Das BBchsjährige Mädchen Gertrud H. ist das einzige fiind einer Misch- 
ehe (Vater Jude, Mutter Katholikin). Körperlich ist sie gnt gediehen, zeigt 
aber mehrfache neuropathiacte 2uge. Sie ist schwer ersiebbar, ängstlich, der 
Schlaf ist durch lange Zeit gestört gewesen; sie leidet an Kaufaalheit und 
habitneller Obstipation, der die ängstliche Mntter gegen meinen Bat immer 
wieder mit dem Irrigator begegaete. Diese Matter, etwa 40 Jahre alt, laut 
sich vom Kinde tyrannisieren "and verwöhnt es über die Maßen. Der Vater, 
öBi ftäher an der Verwöhnung mitschuldig war, leidet seit einigen Monaten 
sehr unter der Lauaenhaftigkoit des Ejndes und läßt; es dann hart as. Mit 
Mühe hatte ich darchgesetat, daB das Mädchen nicht mehr das Schlafzimmer 
der Eltern teilte; kürzlich wurde ihm aber, als die Eltern abends fortgingen, 
alB Entschädigung z.ugefitanden, nachts wieder einmal zwischen den Eltern 
schlafen za dürfen. 

Vor ejmgeu Tageu erkrankte Gertrud an einer katarrhalischen Otitis 
media d. Schon am zweiten Tage gebt es hesser, abends ist dae Kind &eber- 
freir das Ohr schmerzt nicht mehr, dagegen jamtnert die Eleine, der Magen 
tnfl ihr web, „als ob ihr einer auf dem Bauche läge". (Schon vor einer 
Woche ktagte sie öfters über Leibschmarzen, ohne irgend einen Befund.) 
Am Morgen finde ich sie sehr munter, Abdomen objjektiv normal, kein 
Schmera, Ich frage sie unaoffällig, ob sie geträumt habe. »Ja, achon oft, 
aber garstige Sachen. Das kann man nicht erzählen,' Nach einigem Wider- 
sireben sagt sie, das Garstige sei gewesen, daß die Mutter verschwandeo ist, 
"Sna ist der Baiia gehFochen, und sie erzählt ihren heutigen Traum; „IKe 



72 A.^ i'>^ infäittilej) Seelenletieii. 

Matter ist verschwnnden und ^-ieU Totenbahren sind dagestaaden. Und da 
ist einer gekommen und hat mich schlagen wollen." Der Vater ist blond, 
neoilic]! ;roS, trägt eioen ktirzen Vollbart, die Haare knrz, stachelig aofge- 
V>fiiBtet. Ich ir»ge, -wie 4er aiissah, öer fäe scMagen wollte : ^'War er klein?" 

— „Nein, groß." — ,Hat er lange scliwarze Haare gebäht?" — rUein, er 
war bload tmd bat ttuze Haare gehabt." — „Satte er eisen gro&en Bart?" 

- „Sein." ^ 

leb berichte das, wie einen objekttTen klinisclen Befnnd; der Kommentar 
ergibt sieb für den Knnäigeo von selbBt, Hier wurde nichts „bineinexaieiiiiert", 
und doch wnrde schlicht der nödipuBtranm" des Mädchens berichtet. 



m. 



Beiträge zur Traumdeutung. 



1. 
Ein Traam als Beweismittel. 

Ton Sigm. Freud. 

Eiae Dame, die an Zweifelsudit und Zwangszeremoaiftll leidet, stellt an 
ihre Pfl egeiltmen die ÄnforderuDg, von ibnen keinen Moment aus d-en Angen 
gelassen za werden, weil sie sonst zu grübeln beginnen würde, was sie iu dem 
tube wachten ZeitrauEQ Unerlaubtes getan haben mag. ^Vie sie nnn eines 
Abends auf dem Diwan anErtdit, glaabt siq za bemerken, daS die diensthabende 
PfEegerin eingeschlafen ist. Sie fragt : Haben sie mich gesehen ? ; die Pflegerin 
fährt auf and antwortet: Ja, gewiß. Die Eranke hat nun Grund za einem 
Denen Zweifel und wiBderholt naeh einer Weüe dieselbe Frage. Die Pfiegerin 
beteuert es yao. Deaem; in diesem Angesblicke bringt eine andere Dieneiiii 
das Abendessen. 

Dies ereignet sich eines Freitag abends. Am Bäclisten Morgen erzählt 
die Pflegerin einen Traum, der die Z^weilel der Patientin zerstreut. 

Traum. Man hat ihr ein Kind gegeben, die Mutter ist 
abgereist, und sie bat das Kind verloren, Sie fragt unter- 
wegs die Leute auf der StraJie, ob sie das Kind gesehen 
h Ebben. Dana kommt sie an ein großes "Wasser, gebt über 
äinen schmalen Steg. (Dazu später ein Nachtrag: Auf diesem Steg 
ist plötzlich die Parson einer ander en Pflegerin wie eine 
Pata Morgan» vor ihr auf getiiucht.) Dann ist sie in einer ihr 
bekannten Gegend und trifft dort eine Frau, die sie arls 
Mädchen gekannt bat, die damals Yerbäuferin in einem 
Eßwarengesckäft war, später aber geheiratet hat, Sie fragt 
die vor ihrer Tür Btehende Fr an; Haben Sie das Kind gesehen? 
Die Frau interessiert sich ahernicbt für dioaeFrage, sondern 
erzählt ihr, daß sie jetzt von ihr€m Manne geschieden ist, 
wobei sie hinzufügt, daß es auch in der Ehe nicht immer 
glUctllch geht. Dann wacht sie beruhigt anf und denkt sich, 
das Kind wird sich schon bei einer Nftchbarln finden. 

Analyse. Von diesem Tranm nahm die Patientin aa, daß er sich auf 
das von der Pflegerin abgeleugnete Einschlafen beziehe. "Was ihr die Pflegerin, 



f4 • fieitjfäge KDT Traomdeatanj. 

olme ausgefragt zu weiiJeq, im Anschluß an den Traam erzählte, setzte sie 
jD den Stand, eine praktisch zoreicIieDde, wenn anch an maoeBen SteUfln 
unTollGtäiidige Deutimg des Traataee Toczanehicea, Ich selbst babe cor Aea 
Bericht der Dame gehört, nicht die Pßegepin gesprochen; ich werde, nachdem 
die Patientin ihre Deutung vorgetragen hat, hinzufügen, was eich aus unserer 
allgemeinen Einsichtnabme in die Gesetze der Traninhildung ergänzen läßt, 

„Die Pflegerin sagt, hei deio Kind im Traume denke 5ie aü eina Pflege, 
von irelcher sie sich anßerordentüch befriedigt gelliblt haha. Es handelte 
sich Tim ein an blenotrhoischer AngenentzUndnng erkranicies SÜnd, das sieht 
sehen konnte. Aber die Matter dieses Kindes reiste nicht ab, sie nahm an 
der PSegs teil. Eaigegeii "weiÄ ich, daß mein Mann, der viel auf diese Pflegeria 
hält, niich ihr beim Ahschied zar Behütang übergeben hat, and daß sie ihm 
damals versprach, auf mieb acht zu geben — wie auf ein Kind!" 

"Wir erraten anderseits aus der Analyse der Patientin, daß sie sich mit 
ihrer Forderung,, nicht äUs den Aagen gelassen sa werdan, selbst in die 
Kindheit ^oiUckr ersetzt hat. 

„&i& hat das Kisd Terioren, föhrt die Patientin fort, heiSt, sie hat mich 
nicht gesehen, hat mich aus den Augen verloren. Das ist ihr Gestäadnis, daß 
sie wirklich eine Weile geschlafen und mir dann nicht die Wahrheit gesagt hat." 
Das Stückchei) des Traames, in dem die Fflegerin bei den Leuten auf 
der Straße nach dem Kinde fragt, blieb der Dante duakel, dagegen weiS sie 
über die -weiteren Elennente des manifasten Traumes gute Auskanft zu geben. 
„Bei dem großen Wasser denkt sie an den Rhein, aber sie setzt hjnza, 
es war doch weit größer als der Jlbeio. Sie erinnert sich dann, daß ich ihr 
am Abend vorher die Seschichte van Jonas und dem Walfisch vorgelesen uad 
erzählt habe, daß ich selbst einmal im Arsielkaiial einen Walüsch gesehen. 
Ich meine, das große Wasser ist das Meer, also eine Anspielung auf die 
Geschichte von Jonas." 

„Ich glanbe audi, daß der schmale Steg ans der nämlichen, in Mundart 
geschriebenen lästigen Geschichte herrührt. In ihr -wird erzählt, daJ) der 
EeÜgionsl ehrer den Schulkindern das wanderbare Abenteuer des Jonas vorträgt, 
yrata.ni ein f^oabe den Einwand maciit, das könntj doch nicht sein, denn dar 
Herr Lehrer habe ein anderes Mal gesagt, der Walfisch habe einea so engen 
Sehlond, daß er nar ganz kleine Tiere schlucken könne. Der Lehrer hilft 
sich mit der Erklärung, Jonas sei eben ein Jude gewesen, und der drücke 
sieh überall durch. Meine Pflegerin ist sehr religiös, aber za religiösen 
Zreifelo geneigt, uad ich habe mir darum Vorwürfe gemacht, daß ich durch 
meine Torlesung vielleicht ihre Zweifel angeregt habe." 

^Anf diesem schmalen Steg sab sie nun die Erscheinnng einer anderen 
ihr bekannten Pflegerin. Sie hat mir deren Geschichte erzählt, diese ist in 
den ^ßh^in gegangen, weül man sie ans der Pßege, in der sie sich etwas hatte 
zn Schulden kommea lassen, weggeschickt hatte.^) Sie fürchtet also aiLch 



'} Ich habe mir an dieser Stella eine Vecdichtnng des Materiala an SoEialdan 
koaunea lasaac, die ich bei evnex Revision äet SiedeiBcbiifl tot der reteriBEenJeij 
Dßsae kftrrigjerBa konnte. Die als Ersoheinnng auf dem Steg auftretende Pflegerin 
hatte sich in der FSega oichta xa Scbiilden komnen laaaon. Sie norde weggeEchickt] 
weil die Matter des Kindes, die zur Abreise genötigt war^ erMBrte, sie woEe in ihrei 
Abwese-nheit eine Bltete — also doch verläSlichece — Wattepecsoa bei dera K.in4e 
haben. H&xaa. reitite aicb eine zweite Erzählung von einer anderen Ffiegerin, die 
wirklich wegen einer Nachläasigkeit enüaeeen worden -war, eich dantm aber nicht 
ertcftnkt hatte. Daa ftlr die Dantang des Traamelenicnta nötige Material ist hier wie 



I 



Signu Fread: EinTranm alB Beweismittel. J5 

wegen jenes fiiuschlafenä weggescbickt zu werden. Übrigens liit sie am Tage 

nach dem VorfaU und der TraBmerzäilimg teftig geweint und mir, auf meine 
Frage nseh ihren Gründen, recht barsch geantwortet: Das wissen Sie so gut 
wie ich, und jetzt werden Sie kein Vertranea mehit ■m. mir haben." 

Da die Erscheinnng der ertränkten Pflegerin ein Kachtrag, und awar 
von besonderer DeatÜchkcit irar, hätten wir der Dame raten müssen, die 
Traumdeatimg &a diesem Punkte ai beginnen. Bieae erste HäHie des Traumes 
war nach dem Bericht der Träamerin aych von heftigster Angst erfüllt, im 
zweiten Teil bereitet sich die Berohigang vor, mit welcher sie erwacht. 

,Im nächsten Stück des Tiaosoes, setzt die aaalyBierendo Dame fort, 
äade ich wieder einen sicheren Beweis fUr meine Auffassung, ia& es sich darin 
«m den Vorfall am Freitag Abend handelt, denn mit der Frau, die früher 
Verkäuferin in eiEetfl EßwaTengescbäft ■war, kann nur das Mädchen geroeint 
sein, welches damals das Jfachtmaht brachte. Ich beale^IlB^ daß die Pflegerin 
den ganzen Tag Über Übligkeiten geklagt hatte. Die Frage, die sie an die 
Fcaii richtet", ßabec Sie das Kind gesehen?, ist ja oöea'bar abgeleitet von 
meiner Frage; Haben Sie mich gesehen?, wie meine Forme! lautet, die ich 
eben ziiiii zweitesmal stellte, als das Mädchen mit den Scbügseln eintrat." 

Auch im Ixanme wird in zwei Steilen nach dem Xind gefragt. — Daß 
die Fraa keine Antwort gibt, sich nicht interessiert, möehtea wir als eine 
Herabseizung der andereo Dienerin ku Gunsten der Träumerin deuten, die 
aiüi im Traum tlber die andere erhebt, gerade weil sie gegen Vorwürfe wegen 
ihrer Fnschfcsamkeit aozakSinpfea hat. 

„Die im Traume eräebeinende Fran ist nicht wirklich von ihrem Manne 
geschiedeo. Die ganze Stelle staojDit ane der Lebensgeschichto des anderen 
Mädchens, welches durch das Machtwort ihrer Eltern von einem Manne fern 
gebaltea — geschieden — wird, der sie heiraten wIIIl Der Satz, daß es in 
der Ehe auch nicht immer gut abgeht, ist wahrscheinlich ein Trost, der in 
Gesprächen der beiden zur Verwendung kam. Dieser Trost wird ihr zum 
Vorbild für einen anderen, mit dem der Tranm schließt; Das Kind wird sich 
schon ^nden." 

,Ich habe aber ans diesem Traume entDommen, da£ die F:Begerin an 
jenem Abend wirklieb elngeschlafea war und d».ram weggeschickt mi werden 
furchtet. Ich habe darum den Zweifel an meiner eigenen Wahmehmang 
aufgegeben. Übrigens bat sie nach der Erzählung des TVaumBs hinzugefügt, 
sie bedaure es sehr, da.fl sie kein Traumbuch mitgebracht habe. Als ich be- 
merkte, in solchen Büchern stehe doch nur der schlimmste Aberglaube, ent- 
gegnete sie, sie ael gar nicht »beiglänbiach, aber dss müsae sie sagen: alle 
tlnansehmlichkeiteö ihres Lebens seien ihr immer an I'reitagea passiert, 
Außerdem behandelt sie mich jetzt schlecht, zeigt sich empfindlich, reizbar 
und macht mir Szenen." 

Ich glaabe, -wir werden der Dame zugestehen müssen, daß sie den Träum 
ihrer Pflegerin richtig gedeutet und verwertet hat. "Wie so oft bei der Traum- 
dentung in der Psycho asalyse kommen für die Übersetzung des Traumes nicht 
^ein die Ergebaiase der Assoziation in Betracht, sondern aneh die Begleit- 
nmstände der rraunierzahlMig, das Benehmen de3 Träumers vor und nach der 

Bonai nicht selten, aaf zwei Quallen verteilt> .Mein Gedächtnis volizog die 
aar Dentnng führende Synthese. — Übrigena findet aich in der Geaclucütite der er- 
feäntten Pflegerin das Moment des Abreiaana der Matter, welches von. der Dame auf 
die Abreise ihres Mannes bezogen mrd. Wie maa sieht, eine ITberiBienmoianuig, 
welche lue Eteganr, der Dentang tieeiiitxächtigt. 



76 Beiträge zur TraumdeDtting. 

TraumanalyBe, sowie alles, was er mig«^hr gleichzeitig mit dem Tra-ume — 
in derselben Stunde der BeiaDdänng — äußert ufld Terrät Nelunen wir die 
Reizbarkeit der Fflegerin, ihre Beziehung auf den miglückbringenden Freitag 
TL a. Mnzn, so werden wir das Urteil bestätigen, der Tratua eBÜjHlte das 
Geätäadais, daß sie damals, als sie es abLaugQote, witfclicli eioganickt sei tXüA 
dsram fUrclite, von ihrem Pßegekind weggescliickt zu werden.') 

Aber der Tiauni, Trelcherfür die Dame eine praktischB Bedeutung hatte, 
fegt bei ttüs daa theoretische Interesse nach zwei Uichtniigea an. Der Traoiu 
Ifiaft zwar in eine Tröalong aus, aber im wesentlichen bringt er ein für die 
Beziehung aa ihrer Dame wichtiges Geständnis. Wie kommt der Traum, 
der doch der "WanscheilNillniig dieoen soll, dazu, ein Geständnis za ersetzen, 
welcbes der Träunierii) Dicht eiomal vorteilhaft wird? Sollen wir uns wirklich 
veranlaßt findea, aufier des Wonach- (and Angst-) Träamen aach Gfeständnis- 
tiä.umB zuzDgeben, sowie Wanrnngsträame, Reflexionsträüme, Änpassungs- 
träome u. dgl,? 

Ich 'bekenne nun, daß i«h noch nicht ganz verstehe, warum der Stand- 
punkt, den meine Traumdeatang gegen solche Tersnchangen einnimmt, bei so 
Tielen nnd daraßter namhaften Payehoaaslytikerc Bedenteo findet. Die Unter- 
ackeidung von Wtmsch-, Goständnis-, ■Wam.nn^- und Äapassungatränmea u. dgl. 
scheint mir nicht Yiel sinoreieher, als die aotgedrungen zugelassene DifEeren- 
zieiofig ätstUclier Spezialisten in Kranen-, Sindet- und Zahnärzten. Ich nehme 
mir hier die Freiheit, die Erörternogen der Traumdeutung über diesen Punkt 
hier ia äußerster Kürze zu wiederkolen.^) 

Als Scblabtörer und Traumbildaer können die< sogenannteo „Tageareste" 
fungieren, afTekthesetzte Denkvorgänge des Traumtages, we)lche der allgeiaeineD 
Scblaferni^drigong einigernsaüeii mderstaüden. haben. Bisse Tagesiesls deckt 
man auf, indem man den manifesten Traum auf die latenten Xraumgedankea 
zurüpkf fibrt ; sie sind Stücke dieser letzteren, gehören also den — bewußt 
oder vorbewnßt gebliebenen — Tätigkeiten des "Wachens an, die aiclx in die 
Zeit des. ScMafens fortsetzen mögen. Entsprechend der Mannigfaltigkeit der 
öenlcvorgäage im BöWußten and YorbeffuJJteG haben diese Tageareste die 
vielfachsten und verachiedenartigaten Bedeutungea, es können unerledigte Wünsche 
oder Bö furch tungen aeinj ebenso Vorsätze, Überlegungen, Warnungen, An- 
passuDgsTersuche an. bevorstehende Anfgaben navr. Icsofem muß ja die in 
liede stehende Charakteristik der Trätune »ach ihrem durch Deutung erkannten 
Inhalt gerechtfertigt eracbeinen. Aber diese Tagesreste sind noch Dicht der 
Traum, vielmehr fehlt ihsen das Wesectliche, was den Traum ausmacht. Sie 
sind für sich allein nicht im etajide, einen Traum zu bilden. Streng geooiamen 
sind sie nur psychisches Material für die Trauiaarheit, wie die zufSllig vor- 
handenen Sinnes- and Leibreiae oder eiageführte experimeotelie Bedingungen 
deren somatisches Material bilden. Ihnen die Hauptrolle bei der Traum- 
bildung zuschreiben, heißt nichts anderes als den voranalytischeD Irrtum an 
neuer Stelle wiederholen, Träume erklärten sich durch den Nachweis eines 
verdorbenen Magens oder einer gedracktea Etautstelle, So zählebig Bind 
wissenschaftliche Irrtümer und so gern bereit, sich, wenn abgewiesen, unter 
neuen Masken wieder einzaschleichen . 

Soweit wir den Badivarbait durclischaiit haben, müssen wir sagen, der 
wesentliche Faktor der Traumbildung ist ein unbewußter \Vansch, in der Regel 



*) Die Pflegorin geitaad übrigens einige Tage apstei eiaer dritten Peraoa ihr 
Einechlsfen, an jenem Afeaad au imd rechtfertigte ao die Deutung dar Dama, 
ä) 3. Auflag«, p. 367 u. fi. 



SigHi. Freud : Ein Tranra sie Beweismiitel. t7 

eia infantiler, jetzt verdrSogter, ireicher sicli iü jeneni somätisclieD oder 
psychischen Material (also aBeb in den Tagasresten) zum AnsJrack bringen 
kann nud ihnen dämm seine 3iraft leiht, so daß sie auch während der näcbt- 
lictatt Denkpause mm Bewoßtsein durclidriiigETi kosnen. Dieses unbe- 
wnBteu "Wunsches Erfüllirog ist jedesmal der Tranui, mag er sonst was immer 
enthalten, Warnung, C'berkgiing, GestäBdnis ueÄ was sonst aus dem reichen 
Inhalt des vorfaewußten WachleTjens unerledigt in die Nacht hineiatagt. 
Dieser unbewußte "WiiDSch ist ei. w'elcher der Traumarbeit ihren eigentümlichen 
Ciiarakter gibt als einer unbewuiäten Bearbeitong feines vorbewuJJten ÜVIaterials. 
Der Paychoanalj-tiker feann den Tranm nur charakterisieren als Ergebsis der 
Traamarbeit, die lat«ntan. TEan-rflgedankeß kann er oiebt dera 'ETaume zurecimen, 
sondom dem vorbewuSten Na<:bdeaken. wenngleich er diese Gedanken arat 
aiK der Dentiinf^ des Traumes erfahren hat. (Die seknndäte Bea-rbeiinag 
durch die hewiißte Instanz ist hiebei der Traumarbeit ungezählt; es wird an 
dJeser Auffassnng nichts geändert, wenn man sie absondert. Man ratiflte dann 
sagen: def Traum im psychoanalytischen Sinne uinfaßt die eigentliche Trattia- 
arbeit and die sekandäre Bearbeitung ihres Ergebnisses.) Der Schinfl ans 
diesen Erwägungen lautet, daß man den Wimsdierfüliniigsc^aiaktei des 
Traumes Dicht in einen Rang mit dessen Charakter als WajnuBg, Geständnis, 
LöSDOgsverench usw. versetae» darf, ohne den Geäcbispunkt der psychisiohen 
Tiefendimensioa, sbo den Staadpnnkt der Psychoanalyse, zn verleugnen. 

Hehren wir nno zuio Tranme der Pfiegerio zm-ück, um an ihm den 
Tiefencharaliter der Wunscberfüllang nachzu'weiBen. Wir sind darauf Torbe- 
reitet, daß seine Deutung durch die Dame keine vollständige ist. Ea erübrigen 
die Partien des Trauniich altes, denen, ae nicht gflre&ht werden koüiite. Sie 
leidet äbecdies an einer Zwangsneurose, welche nach meinen Eindrücken das 
Verständnis der Tranoisynibole arheblicji erschwert, ähnlich wie die Dementia 
praecox e& erleichtert. 

Unsere Kenntnis der Traiimi^mboÜik gestattet uns aber, nngedentete 
Stellen dieses Traumes zn verstehen und hinter den berüits gedeuteten einen 
tieferen Sinn za erraten. Es muß uns auffallen, daß einiges Material, weiches 
die Pflegerin verwendet, ans dem Komplex des Gebärans, Kindeihabens 
kommt. Das grolle Wasser (der Rhein, der Kanal, in dem der Waißscb 
gesehen wurde) ist wohl das "Wasser, ans dem die Einder kommen. Sie 
ttommt ja auch dahin „auf der Suche nach dem Kinde", Die Jonasmythe 
bittter der DetsrminJanmg dieses "Wassers, die Frage, wie Jonas (das Kind) 
durch die enge Spalte kommt, gehören demä«ilben Zusanucenhang an. Die 
Pflegerin, äie sich aus Kränkung in den ithein gestürzt hat, ins Wasser ge- 
gangen ist, hat ja auch in üirer VensweifluEg am Leben eine eesualsymboliscbe 
Tröstung ao der Todesart gefunden. Der enge Steg, auf dem ihr die Er- 
scheinung entgegentritt, ist sehr wahrscheinlich gleichfalls als ein G^nitaUynaboI 
za denten, wenngleich ich gestehen maQ, daS dessen gesianece Erkenntnis noch 
aassteht, 

Der WiLöfich: ich -will ein Kind haben, scheint also der Traumbildaer 
aus dem Dnbewoßtea zn sein, und kein anderer scheint besser geeignet, die 
PÖegerin üher die peinliche Situation der Realität zu trösten. „Man wird 
mich wegschicken, ich werde mein Pflegekind verüeren. Was Hegt daran 'f 
Ich werde mir dafilr ein eigenes, leibliohös verschaffen," "Vielleicht gehört 
die ungodeniete Stelle, daß sie alle Leute aof der Straße nach dem Sinde 
fragt, in diesen Zusannoenbang; sie w&re dann zn übersetzen: und miißte ich 
mich auf der Straße ausbieten, ich werde mii das Eind zu schafTen wissen. 
Ein bisher verdeckter Trotz der Tränmerra wird hier plötzlich laut, und zn 



Jg Beiträge zu l^amdeatong. 

dieseni pafit erst das Geständnis: „Also f^ut, icli liB.be die Auges ;!ugem&cKt 
und Döeine Verl&ßticlikeit als Pflegerin komproiaittiert, icl» werde jetzt die 
Stelle verlieren. Werde ich so daiaiß sein, ins Wass&i zn gehen "wie die X? 
Nein, ich bleibe überltaTipt niclit Pflegerio, ich wül heiraten, Weib sein, ein 
leibliches Kind haben, daran lasse ich mich nicht hindern." Diese Über- 
setzung rechtfertifft sJch durch die Exwggung, dafl „KiniJerhaben" wohl der 
infantile Atiadracli des Wansches aach dem Sexuatrerkehr igt, wie es auch 
vor dem Eewoßtaein zum eupbemiBtischen ADsdnick dieses anstöflig-en Wnnsches 
gewählt werden kann. 

Das für die TrSomerin uacbteüiga Geständnis, zu dein wobi im Wach- 
leben «ise gewisse Neignng vorhaudea war, ist also im TiauEae ermöglicht 
worden, indem em latenter Charakterzug der Pflegerin sich deseelben zur 
Hörstellung einer infantilen 'WnnsGherfülliing bediente. "Wir dürfea Termuten, 
daß i.eser Charakter in inaigein Zasammenhang — seitliehem wie inhaltüthem 
— mit dem Wnnsche nach Kind und Sesnalgenufl steht. 

Eine weitere Erkundigncg bei der Dame, der ich das erste Stück dieser 
Trauaidoutung danke, förderte folgende unerwartete Anfschlasse über 
die Iiebeosschicksale der Päegerin zu Tage. Sis wollte, ehe sie Pflegerin 
WMde, einen MaflO heiiates, der sich eifiig thh sie bemllbte, verächtete aber 
darauf infolge des Einspruchs einer Tante, zu welcher sie in einem merk- 
würdigen, ans Abbßngigkeit und Tr&tz gemischten Verhältnis steht. Diese 
Tante, die ihr das Üteiraten yersagte, ist selbst Oberin eines Krankenpfleger- 
Ordens ; die TräumeriD sah in ihr immer ihr Vorbild, sie ist dnrch Erb- 
rücksichten an äe gebanden, widersetz-te sich ihr aber, indem K6 nicht in 
den Orden eintrat, den ihr die Tante bestimmt hatte. Der Trote, der sifih 
im Traame verraten, gilt also der Tante, Wir haben diesem Charakterzüg 
analerotischö Herknnft zugesprochen und nehmen hinzo, daß es Geldinteressen 
sind, welche sie von der Tante abhängig reachen, denken aqch daraDj daß 
das Hind die anale Geburtsttaeorie bevorzugt. 

Das Moment dJesea Kindeitrotzes wird ims vielleicbt einen innigeren 
Zusaaunenhasg awiscben den ersten and der letzten Szene des Traumes annehmen 
lassen. Die ehemalige Verkäaferin von Eßwaren im Tranme ist zonächst die 
andere Dienerin der Dame, die im Moment der Jrage: Habea Sie mich ge- 
sehen? mit dem l^aehtmahl ins Zimmer trat. Aber es scheint, daß sie über- 
haupt die Stelle der feindlichen Kouknrrentin za übemebmeQ bestimmt ist^ 
Sie wird als Pflegeperßon herabgesetzt, indem sie sieb für das reriorene Sand 
gar nicht interesatert, sondern von ihre» eigenen Angelegenheiten Antwort 
gibt. Auf sie wird also die Gleichgültigkeit gegen das Pflegekind TcrschobeD, 
an der sich die Tränmerin gewendet bat. Ihr wird die unglückliche Ehe 
mid Scheidung luigedichtet, welcbe die Träumerin in ihren geheimsten Wünschen 
^bst fürchten müßte. Wir wissen aber, daß es die Tante ist, welche die 
TrÄnmeriD von ihrem Yerlobten geschieden hat. So mag die „Verkäuferin 
von Eßwaren" (was eiaer infantilen symbolischen Bedentung nicht zn ent- 
behren braucht) zur Repräsentantin der, übrigens nicht viel älteren, Tante- 
Oberin werden, welche hei unserer Träamerin die hejgebrachte Rolle der Mutter- 
Konkurrentin eingenommen hat. Eine gute Bestätigung dieser Deutung liegt in 
dem Umstand, daß der im Traume „bekannte" Ort, andeiu sie die in Eede stehende 
Person vor ihrer Tür findet, der Ort ist, wa eben diese Taata als Oberin lebt. 

Infolge der Distanz, welche den AualysiörendeD vora Objekt der Analyse 
trennt, mnfl es ratsam werden, nicht weiter in das Gewebe dieses Traumes 
einzudringen. !Man darf vielleicht sagen, aach soweit er der Destung 
zugänglich warde, zeigte er sieh reich an BeatStigougen wie au aeuen Problemen, 



L 



Dr. M. Qiccbiug: £in Kindheiletraam. ^0 

2. 
KindheitstrSnme mit spezieller Bedeutung. 

Im Spreclisaal des „ZentialblatteB im rajchoaüBlrse", 11. Jahrg., lieft 12, 
S, 680, ersQchte ich die Koliegen ,«m VeröffenHJehung solcher, in der Kiad- 
teit vorgefaJIeoer Träanie, deren 1)01101118 zom ScMnsse beTeebtigl, ÖEiß die 
Träamer in frühen Kinderjabren Zuschaoer sexaeHan Verkehres gewcsea sind." 
Ich danke nun Frau Dr. jlira G-inobarg in Breileaan-Scliaff hausen 
für dea erätea Beitrag, der den angeführteii Bedingungen zu aufsprechen 
scheint. Die feritiache WürdiguDg dieses Traumes möchte ich Tcrschiehen, bis 
sidi ein gröBeres Jl^terial in Vergleiclitaig ziehen läßt, Frsud. 

Mitteilung eines Kiuälieitätraiunes. 

Von Dr, Mira Gincbiirg. 

Traum: „Es dfistert and duokelt. Es waren zwei Kugebi. Die eine 
gehörte mir, die andere jematidem untjestiaiiiiten. Dann galt es, an ein 
bestiffiinteß Ziel zn rennen. Dia andere bewegte sich mit einer rasenden 
Geschwindigkeit und wachs immer mehr, je rneht sie sich entfernte, BDd ici 
verzweifelte, daB ich ans Zieä gelangen ionnte, da meine Engel sieh übt 
miaim bewegte. Aber plötzlich fiag sie an raseDd TOrwärta zu eilen. Im 
gleichen Augenblick wurde es hell nnd ich war am Ziel aageJangt," 

EiiifäJie: Die Kngela rolltea in einem runden Gang und ea gab ein 
iüicMeiliehes &Bpo}ter. Im TorffSirtaeilen füllten die Eugela 
das ganze Gewölbe ans. Ich glaubte schier zu ersticken und 
hatte dabei riesige Angst, Am ÄBfang waren beide Kugelü 
egal groß-, dann die andere, mir voraus, viel größer. (Wessen 
Kugel konnte es sein'?) ^Keiae bestiiaiate Eeiaoo, die Kugel 
lief voB selbst, sie war wie eine große Kanonenkugel" 
(Haben Sie damals eine Kanone gesehen?) „ISeJn, iah wa.r 
nicht dabei." „Der Gang, in dem die Kugeln liefen, war 
ein ovalninder, nein eiu kagelraiider." (Hier wird PaÜent 
verJegeo.) {Ich bitte ihn, diesen Gang zh zeichnen, er 
tut es nagem.) „Mao tÄnn sich vorstellen, so ein Kauia, 
wie eine KBaalröhre." (Er zeichnet.) Am Ende rollte meine 
Kngel nach und warde groß imd die andere zerfiel in nichts, aber das 
geseivab- viel scbuftllei," (Patient glantt, er könne den Traum selber deuten, 
ich überlasse ihm ea.) ,Ja, ich möchte mich nicht läcbarlicb machen, 
aber es beißt, daS ea lasgeam gehen mag, bis ich mit den anderen Schritt 
halten kann oder diese sogar übertrete. (Wie meineo Sie das?) „Vorwärts- 
kommän, daß ich über den anderen st^ihe." (Übet wem?) „Mein Täter." 
(Was wollten Sie?) ^.Selbst befehleu, nicht gehorchen." (Wem befehlen?) „Im 
öffentÜichen Leben. " (Darauf sagte ich Patient, daß es sich in aolchea Fällen 
eher am konkrete Personen bamdelt, worauf ex prompt) ; „Ich hatte damals 
keinen Scbata (kurze Panse) oder ist das weine Mutter?" 

^»ch vier Sitzungen erzählte er, dazu aafgefordert, den Tranm folgender- 
maßen: „Ich befand loich iu einem großen Gewölbe. Vor mir standen oder 
lagen — sagt man — zwei Kugeln. Eine daran geborte mir, die andere 
etnem Unbekannten. Dann galt es, nach einem bestimmten Ziel zg rennen 
und die Eageln setzten aich aotoit ic Bewegaug, "von selbst. Meine Kugel 
blieb sehr znriick, während sich die andere mit rasender Geschwindigkeit 
YorwSrts bewegte, anter starkem Gepoiter, dabei stets wachsend, so dsö Viald 







die Öfifcong des Ganges ausgefüllt wjur und eine große Dankettieit henscbte. 
Ich selber glaubte b« ersticken, Die andere Kugel näherte sich bereits dem 
Zitle, meine war fast am Anfang. Aber plöEilich ecboß sie davoa und hatte 
bald die Bidere erreicht, -wobei jene in nichts zergiag tmd plötzlich helles 
Licht heranflctete, oßd ich hatte gewoimeQ. Es ging lange, bis meine Kttgel 
anfing 7.n rollen, dann ging es besser, ich yta^t sofort erleichtert, Wenn die 
andere Kug-al rollte, glaubte ictii es liefe atwae aof der Brust, sobald die 
andeie yeTschiraiiil, war es ganz hell — SoBnEnschein — , vorher habe ich nie 
eine so groJäe Helle gesehen." 

Etwa drei Wochen später erzählte er in einem anderen Zusammenhang : 

„Ich erFacht» morgens nnd ■wußta sofort, daß der Yaier derjenige war, 
der polterte. (Patient hatte vom Donnergott geträumt.) Der Tater war ja so 
herrisch, nnd wenn man herrisch ist, poltert man ; eben, weil er so polterte, 
woJlte ich tiber ihn hisavs." 

Danaberichtote ei, -me er in der Kindteit oft sein G-enitals betrachtete, 
ob es ancii wachse, ao wie die Kugel im Traume oBd da£ er in der FuberUt 
groBe Angst hatts, sein Merobrom werde klein bleiben. Später hatte er sieb 
lang« die Frage vorgelegt, ob das inzwischen eingetretene 'Wacbstiinj des 
Genitale nicht von der getriebenen Onanie haritihrta nnd war zur Zeit der 
AnalysB noch nicht gänzlich frei von diesem Glauheo, 

Der Träumer ist eän lO^/gjähriger Hebsphrener. In den ersten Sitzungen 
brachte er keine Träume. H'ach alten Triumen. gefragt, erzählte er obigen 
Tramn. Er hatte deoselbezt 2111a er^tenwal zwischen dem 5. nnd 6. Lebes^Jahr 
und dann von Zeit zu Zeit Immer wieder getränmt, zum letztenmal ein Jahc 
vor Beginn der Eebändlujig. 

Von Psychoanalyse wnfita Pßtieot nichts. In den ersten vier Sitzungen 
'war die Rede vom Tode des Vaters gewesen, ohne naher darauf einzugehen, 
Toa der Onanie, eeines) Strebern nach Vollkomtnenbeit, einet- Liebschaft und 
ganz öbarfiäcWicJi von SGiaer Möttei'. 

Er hat sieb bis zuletzt nicbt entsiitnen können, jemals den elterlichen 
Koitus helanscht oder beobachtet za haben, erinnert sich dagegen genau, wie 
er mit etwa acht Jahren anfgerCgt wurde, wenn die Matter die Kinder abendß 
zu Bett schickte and mit einem Zinimerherrn, dem späteren Stiefvater des Vn- 
tieoten, allein blieb. Den Vater hatte er mit sieben Jahren verloren. 

3. 
Ein Traum Bismaivks. 

Von Dr. HauBS Sachs. 

In seinen „Gedanken und Erinnenrngen" teilt Pismarck (Bd. II der 
VolkfiäUBgabe, S. 322) einen Brief mit, den er am 18. Dezember 1S81 M 
Kaiser Wilhelm sobrieb. Dieser Brief enthält folgende Stelle : „Enrer 
Majestät Mitteiiaag ermotigt mich zni Erzähiang eines rraumes, iea ieb 
Frübjar 1863 in den schwersten Koafliktstagea hattjs, aoa denen ein menstii- 
liches Auge keiaeo gangbaren Ausweg sah. Mir träumte and ich erzäblte es 
sofort ara Morgen meiner Fran und aaderen Zangen, daß ich aaf eiceiB 
schmalen Alpenpfad ritt, rechts Abgnind, links Felsen; der Pfad wurde 
schmäler, so daß das Pferd sich weigerta und Umkehr und Absitzen wegen 
Mangel aa Platz unmöglich; da schlag icb mit meicer Gerte in der linken 
Hand gegen die glatte FelswaJid und rief Sott an; die Gerte wnrde unendlich 
lang, ^e Felswand stürzte wie eine liluliase und erüSnete einen breiten \V6g 




I 

I 

1 

1 



Dr. H. Sachs; "Ein Traom J9iscaarcks. gl 

mit dem Blictc anf HUgel und Waldland wie in BötmieD, prenSiscbe Truppen 
mit Faboen und ia mir oocK im Ttaama dec Gedaoke, -wie ich das achleamg 
Enrer Majestät melden köDDte. Diesar Traiini eriallte sich and ieb erwachte 
froh und gestärkt aus ihm." 

Die Handlang d«s Iraames zerä,llt io zwei Abschnitte : im ersten Teil 
gerät der Träumer in Bsdrängois, aus der er dann im zweiten auf wunder- 
bare Weiee erlöst wird. Die schwierige Lage, in der eich RoB und Heiter 

befinden, ist eine leicht kenntliche TraomdarstsUang dar kritisühfla Sttaation jl 

des Staatsmannes, die er am Aluend ^or dem Trä&me, über die l'rubleme 
seiner Politik nachdenkend, besoaders bitter empfunden iaben mochte. Mit 
der znr Barstellupg gelangten gleichnisw eisen Wendung schildert fiismarck 
selbst in der oben wiedergegebessn ßriel'stelle die Trostlodgkeit seiner damaligen 
Positinn; sie war ihm also darcbaus gelätißg und saheliegänd. Nebstdem haben 
wir wohl Buch ein schönes Beispiel von Siiberera „fonktionalem FhaDomen" 
vor nos. Die Vorgänge im. Geiste des Ttäomara, dec bei jeder von seinen 
Gedanken yersachten Lösang auf nnübersieigliche Hindernisse stößt, seinen 
Geist aber trotzdem nicht von der BesehäftignDg mit den Probletaen iü-sreiJlen 
feann nnd darf, sind sehr trefiend durch den Reiter wiedergegeben, der 
weder vorwärts noch rückwärts kann, Der Stolz, der ihm verbietet an ein 
Nachgeben oder Zurücktreten zu denken, kommt im Traume darth die 
"Worte „Umkehren oder absitzen .... nmnöglicb" zum Ausdruck, In seiner 
Eigenschaft ab etets angestrengt Tätiger, der sich für fremdes "WoM plagt, 
lag es flip Bismarok nahe, sich mit einenv Pferde za vergleichen und er hat 
di^s auch bei verschiedenen Gelegenheiteo getan, z. B. in seinem bekannten 
ABSspruch : „Ein wackeres Pferd stirbt In seinen Sieles." So ausgelegt 
bedeuten die Worte, daß „das Pferd sich weigerte^ nichts anderes, als daß 
dar Übermüdete das Bedürfnis empfinde, sich von den Sorgen der Gegenwart 
abzuwenden, oder ancteK ausgedrückt, daß er im Degrif[e stehe, sich von den 
Fesseln des Eeaütätprinzips durch Schlaf und Traum zq befreiüu. Der Wunsch- 
eifUllung, die daau im zweiten Teil so stark zu Wort kommt, vrird dann 
auch hier schon präludiert durch das Wort „Älpenpfad". Biaiaamk wußte 
damals wohl schon, daß er seinen nächstea UTlaab <n den Alpen — liänliih 
in Gastein — zubringen werde; der Tranm, der ihn dahin versetzte, beli^ite 
ihn also mit einem Schlage von allen lästigen Staiitsgescbäfteu. 

Im zwetten Teil werden die Wunsdie des Träamers anf doppelte 
■Welse — anverhäilt und greifbar, daai'ben noch symbolisch — als erfüllt 
dargestellt. Symbolisch durch das Verschwinden des hemruenden Felsens, an 
dessen iStelia ein breiter We^ — also der gesuchte Auswey; in bequemstar 
Form — erscheint; unverhQllt durch den Anblick der vorrückenden preuflisciien 
Trappen. Man braucht zur Erklärung dies^er prophetischen Vision durchaus 
nicht mystische Zu'^aminenhängG zu konstruieren ; die Freudsdie "Wansch- 
eriilllungstböorie genügt vollständig. Bismarck eisthnte schon damals als den 
besten Ausgang ans den inneren Konäikten Preußens einen siegreichen Krieg 
mit Österreich. Wenn er die preußischen Trappen is B<ihmeii, also in Fein- 
deslaad, mit ihren FBiiueo sieht, so stellt ihm der Traum dadurch diesen 
Wunsch nla erfiült dar, wie es Freud postuliert. Individuen bedeutsam ist 
es nur, daß der Träumer, mit dem wir uns hier beschäftigen, sich mit der 
Trsiomftifllllujig nicht begnügte, aontl&ra auch die reale zn ei^wingea wuiüte. 
Ein Zug, der jedem Kenner der psychoanalytischen Deatungstecbnik aalfaliea 
iQuil, ist die Reitgerte, die „Dnendlicli lang'' wird. Gerte, Stock, Lanze nnd 
Ähnliches sind unS als phallische Symbole geläufig; wenn aber diese Gerte 
noch die auffallendste Eigetischaft des PhaiUos, die Ausdehunngsfiihigkeit 

Zeltünbi. I. EisU. PeyaboitiiiilTeB. 6 



g2 Beilzäge zur Tia.nmdeQtaiig. 

besitzt, so kaan kaum ein Zweifel bestehen. Die t}l)ertrBibung des Phäüomens 
doTcti die Veilängemng ins „Unendliche" Bcheint auf die infantile Über- 
sch&tzuDg zo deateo. Das in die Hand nehiaea der Gerte ist eine deutliche 
Anspiehmg auf dift MasturbätjöD, Trobei natürlicb nicht an die aktuelleL 
Verhaitiiisae des Träumers, sondforc an weit ziirücfeiiegende KiKderlast zu 
denken ist. Sehr wertvoll ist hier die von Dr. Steltel gefundene Deutung, 
aacb der Jinks im Xrauoie das (Jareclit, das Verbotene, die Sünde bedeutet, 
wsa auf die gegen ein Verbot betrieböne Einderoiiame seir gat anwendbar wäre. 
Zwischen dieser tiefsten, infantilen Schicht nöd der obersten, die sich mit 
den Tagesplaaea des Staatsiaannes beschäftigt, läßt sich soch eine Mttelschicbt 
nacbweiseii, die niit beiden acderen in Beziahung steht. Der ganze Vorgang 
der wunderbaren Eefreiiing aus einer Not dnrch das Schlagen auf den Pela 
mit der Heraniielanng Gottes als Helfer ETinnert auifäliig an eine biblische 
Szene, nämlich, me Moses für die dürstenden Einder Israels aos dem Felßen 
Wassar schlägt. Die genauB Bekanntschaft mit dieser Steile dürfen wir bei 
dem ans einfiin bibelgiäübigen protestantisch^Q Hanse hervorgegangenen ßismarck 
ahne weiteres annebnieB. Mit dem AaföhrGr Moses, dem das Volk^ das et 
befreien will, mit AaflehnuDg, Eafl und Undank iohiit, konnte sich Eisinarcb 
in der Konflütazeit unschwer vergleichen. Dadurch wäre aleo die Anlehnung 
an die aktuellen. 'Wunsche gegebeo. Anderseits enthält die Blbetsteile manche 
EinzelhBücn, die für die MaatnrbatioDsphaiitäBie sehr gut verwertbar sind, 
Gregen das Gebot Gottes greift Moses zum Stock and schlägt an dea Felsen 
nnd für diese "Übertretung straft ihö der Herr, indem er ihm verkündet, daß 
er sterben mUsse, ohne das gelobte Land z« betreten. Das verboltne Er- 
greifen des — im Traume unzweideutig phalliseheffl — Stockes, das Erzeugen 
Ton Flßsaigkeit durch das Schlagen damit ufld die TodeBdrohazig — daioit 
haben wir alle Hauptraomente der infantilen Masturbation beisammen. Interessant 
ist die Bearbeitung, die jene beiden heterogenen Bilder, von dienen eines ans 
der Psyche des genlaleD Staatsmannes, das andere ans dea primitiven Kegnngen 
der Kinderseele stammt, durch Vermittiurg der Bibelstelle zasammengöacliweißt 
hat, wobei es ihr gelncgea ist, allo peiniicben Momente wegzu-wischen. Daß 
das Ergreifen des Stockes eine verbotene aufrührerische Handlung ist, wird 
nur mehr durch die linke Hand, mit der es geschiebt, symbolisch angedeutet. 
Im manifesten Tranminhalt wird aber dabei Gott angerufen, wie um recht 
ostentaÜT jeden Gedanken an ein Verbot oder eine Heimlichkeit ab^Q-Veisea. 
Ton den beiden Verheiflangen Gottes an Moses, daß er das verheißene Lnod 
sehen, nicht betreten werde, wird die eine sehr dautüch als erfüllt dargestellt 
(Blick auf Hügel und Waldland), die andere, höchst pEinliche, gar eicht 
erwähnt. Das Wasser ist -wahrscheinlich der sekundSrea Bearbeitung, welche 
ÜB YerBiabeitüchnDg dieser Szene mit der vorigen eriolgreieii anstrebte, znm 
Opfer gefaUen, statt dessen stlirzt der Fels selber. 

Den Schluß einer infantilen Masturbatiousphantasie, in der das Verbots- 
motiv vertreten ist, müSten wir so erwarten, daß das Etnd wünacht, die 
Autoritätspersonen seiner Umgebung möobteii nichts von dem Gescbetieneü 
erfahren. Im Traume ist dieser Wunsch durch das Q-egenteil, den Wunsch 
das Vorgefallene dem König aogleieh zu melden, ersetzt. Diese ümkehrung 
sehlieSt sich aber ausgezeichnet und ganz nnauffäilig der in der obersten 
Schicht der Traaragedanlcen nnd in einem Teile des manifesten Txauminhaltes 
enütaltenen Siegesphantasie an. Ein solcher Sieges- and Erober aogstratim 
ist oft der Deckmantel eines erotischen lEroberungawiniscbes; einzelne Züge 
das Traumes, wie z. B, daß dem Eindringenden ein Widerstand entgegargeBötzt 
Trird, nach Anwendung der sich verlängernden Gerbe aber «in li^eiter Weg 



Dr. H. Saclia: Bin Traum Biamarc^. 33 

ersctteißt, dürften dahin deuten, doch reichen sie nicht hin, um dapans eine 
hestiminte, den Tratun äiirchzieb.eBdfl Gedanken- und Wnuschrichtnnt; zu 
ergrüfldeo. Wir sehen iier ein Musterbeispiel einer iJurchaHS galangeaea 
Traumentsteliting. Bas Anstöfli^o wnrde awat fast vollkommen zur Dar- 
steUiwg gebracht, aber so geschickt überarbeitet, daß es nirgends über 
dES Gewebe hicsasrägt, d^ als schützende Decke darübergebreitet ist. 
Die Folge davon ist, daß jede EntbinduBg TOn Angst hintertrieben werden 
konnte. Es ist ein Idealfall von geiimgeDer ■WunacheifiinuEg obiie Zensor- 
verletzong, so daß wir begreifen können, daß 4er Träumer ans solchem 
Tranme froh nnci gestäifct enva^hte. 



6* 



Kritiken und Referate. 

Jabrbach für psychoanalytisrhe und psyrhopafhologjsche For- 
schungeß. IV. Band, I. Hälfte. F. Detiticke. Wien und Leipzig 

J. A'elken: Analrtisclie Beobachtungen über Phantasien 
eines Scbisopbrenen, 

Kslkan bTia°t die KrankeDgeschichte eioea &5jäbirgeii sahisophrensn Lebrera, 
Der Veciaiif der Krankheit ist klioisuh ala ein Paranoid dargestellt, das an Katatonie 
abMj!altt. Psyc'hQaiia.ljtiscIl veraacht det Aatii eine dei SjmptQmbiHTiijg paiallBl 
laufende Deutung der Wahnideen aad siJilieSlicli eins ZasammenfasBang des ganzen 
Falles unter dem Gesiclitapuiikt, dsiß dar Kranfchäit def pithogena InaeBikomplax in 
Grunde liege, deaaea kranihaftQ Verarbeitung sicli zasäc-bs'' im Pri'jelrtioiiflmeclraQiaiaQa, 
spfttei vorwiegend in derßildang ^allazio&torisctier Wahsideeti darstellt. 

Diesen Wechsel in der WaM des Sjmptomenmei-liaJiisiiHLSaBa fährt Heiken, 
wie auB , aeinea Schlußbemerkiingen zum ^kliniaclieii Teil" der Arbeit hereorgeht, 
einfacli auf quantitaiiTe Unterschiede in den Vepdrän^TuisiBSGhüben Burück, deraxt, 
dafi „aaf dam Wesre der Regiesaion vom normalen Zualand bei der Schizophrenie 
zuerBt daa Paranoide und dann das Katatonisctia folgt". Diese Auffaflanng det 
apezifiachen. Pathogetieee erscheint mir, tnit Häckaicht auf den gegenwärtigen StMld 
AM rioblBTQateUim'4 ia dw Fsychdattal-jae, nicht irareicliBiid für die Erldämng des 
Spelifischen SymptomeHweihBelB. Es iat nicht abzoselieD, warum der luzestkomplei:, 
düT m Jeder Neoroae den groljt.ea Teil des pathologischen Terrains besetzt hält, einrnttl 
in die Efsterie, eiä anderes Mal in die Zwangsneurose, dann wieder in. die faranois 
odor Eafatonie fiU&btea aollte, -wenn die Wahl dieser qualitativ so deatlich onter- 
aoheidbareji Kcankbeitabilder nicht durch andere als nur qu'intitaiive Unterschiede iu 
der Kraft der Verdräognag bestimmt wBqre, Da,3 von Freud peatellte Problem von 
der „HomosesTialHät ala Qaeüe dei Pamnoia", zn, dem bei der ätiologischen Dnter- 
sachan» Stellung zu nehmea nahe lag, erledigt lier Autoir in einer FuSnote iS«ite 560) 
mit der Bogründung, „daH die homoaeEU eilen Fhastusrnn im Vergleich tnit der ganzen 
Eotistralction des he tero sexuellen Inzestes sehr biafi seien " l>er l'ehier dieser 
Aigamcutation liegt offenbar darin, d&B Kalken in der Daatliehktit, »oit dw fein 
Phänoman im Symptomen bilde pieiagegeben wird, aaf die Größe dea Anteils dieses 
PbBnomena aa der Ktankhcitabildong schließt. Die Kritik darf sich jedoch aogar, im 
Gegensatz za dieser Begrüudong, darauf her ufen,, dai die üadeatlichkeit des Symptoms 
witer DoHtHndeB eher für eine stärkere Verdrltngung nnd demnach für einen atätkeren 
Terdröngun^suLapmch. «engt, sa dafi sich leicLt der SchtaS ergeben konnte, daB 
gecade die Kpmplexe, die eich ia naden-tlicheii Symptomen verraten, von besonderer 



Kritiken und fiefeiaU. gg 

patLogaaei Kiafi: sind. Weaa dei; Nelkensche Fall unter diesem G^ch^apoakt be- 
urteilt wird, kannte man folgern, dafl die außerordentliche Produktivität des PatieBtoQ 
im üweiten nad dritten, katatunisohea Anfall gegenüber dem paranoideD und dem 
ersten katatonia&hen Exaaklieitaschnb anf ein Nachlassen und niuht aof eine Ter- 
Btärkung der Verdiä-ngimg znrilckziifiiljreD wiLre. Dam gegenfiber nBie ein andecor 
Sata — dessen StellOEg in der Arbeit der Autor nicht so präzisiert, daß man eindeutig 
enineimen könnte, ober nareine Beoba-ohtang oder aber ein fax die Sjroptomenbildnng 
eataBÜeideadea Prinaip formaliert — an eine, wie mir acheint, gehörige Stelle in den 
VordergTönd zu rücken. Mit der Aafateilmng, daS der Übergang von der paranoiden 
jnr fcatatoniaclien S^lI^)tolnlJildöag zogleidi «iafrYorstfirknagder Introvereion., 
eine fortgohreitende Absiehutig der Libido van der Außenwelt daratelte, hat der Autor, 
wie ich glaube, das Weaentliche getroffen. Dicmit ist die basondwa Form des SchioksalB, 
dem die Libido in denKraniheitsbildem tintwliegt, chKaiterifliart, Für die Annahme, 
daß diese beaDndeie Scbicksalsfaim aflf q^uantitative Unterschiede in der Verdr^Tigiuig 
zorackzoführeii sei, ist jedoch damit kein Ginjid gawonaea and ebenso wenig scheint 
mir die E'raga, w^ekher Komplex ffkr die spezifische äymptombildnng bestimmend 
war, erledigt. 

Die Entwictlujig der inneren Krankengeaehichte galingt dem Autor durch eins 
lUihe von Deutungen der Symbole ncd der indiriduellen. DacsteUangen in dea Fhastasieii 
des Patieotea. &iesB Deatangaiubeit verrSt ohne Frage, daöHelken tibex eine reicTie 
ncd klnge paycboanalytiacha Erfahrang Terf Ügt, Gegen dieBeutnngsmethodB erheben 
eich jadoch nach einer gewissen Hichtnag manche Bedenken. Ea sieht wie ein Ver- 
kennen der psfchoanalytiachen Anfgabe a.na, wenn man die Syrnholbildong im Traume 
nnd in der Henjoaa durch mythologische nnd hiatoriachfl Vorbilder eher «riUren 
will, nla bis der Vorrat doa symholbildenden Matemla ana der Individualgeacbichto 
tmd aaa der Fradnktion der gesanäen and neaiottsohen Zeitgenoasen genttgend in 
Ans^ßTnch genotnineii wurde. Eine Wissenschaft, die archaische Analogien za den 
pay^hiscbeo Leistmigen des Traumes und dez IfGuiose sucht und die für 8rchai.8che 
Q^eistealeistongen Analogien im Tranxu« und in der Nennosä findet, hat una in der 
jtkngrteQ Zeit ihre Schönheit und Frachtbac^ett bcwieaec. In der PsyDhaffliB.t7ee dea 
eiDEelnen fcaim jedoch, nach meiner Meinung, die BeaBhäftigrtag mit dem Asclaiamaä 
neben der mit dem individnellen InfantilisrntiH nnr anter sijfierordentiichert Bedingangen 
fOr die Symptom deatnng verwartet weiden. Denn wenngleich %s wahr ist, d^B 
der Nenrotiker eine ältece Entwicldnngestnfe der Menschheit ToratelU, ho ist Sie 
Wahrheit, (laO er eine kindhche Entmcklnngastufe seines etgenen Lebens vorstellt, 
näher and wnchtigec nnd die analytiache Aafgabe wird zmiftchst Ixots der Tatsache, 
daß der individnello InfaatiJiamtia dem Völkerinfantiüaiaiia analog zu setzen sei, ihre 
Grenzen in der Erforscbnng der indiTiduellen lo^ntilismen finden müBaen. Es er- 
scheiat mir als ein Hyateron-Frotoron, wenn man die Leistungen der Neurose aas der 
Mythologie erldären will and ich kann mich der BefÜrcbtung nicht verachlieflen, da£ 
(Usse Anachanangsweiae die Qefahr in sich tr^, daß bei der KonzentratiDn der Aof- 
merksamkeit in der lUchtong der Menschheitsgeachichte aebr fiftheliegende Vöiftus- 
aetzimgen de; FhaatosiabUd'ang im täglichen Leben der Zeitgen osseoschaft fiberaeheu 
werdiin könnten. DnB diese Qefahr keine imagioierte ist, glache ich der Tatsache 
entnehmen za dürfen, daß Heifeen die Bedentnng des „schwarzen IplanQes" ftna 
Daythologischea and historiachen Änabgian konstroiBren mitate, daß ihm sogar .nichts 
fibrig blieb", als diea za tan, wBbrsnd doch jedes Kind für die Bedeutong des. 
„Bchwarzen Mannes" eine synonyme Geschichte Tom „Wan-Waa" erzählen könnte. 

Allerdings fährt der Aator einen groSen Teil der sjchaischen Analogien in den 
FnBnoten, au da.S man znnächBt zögern rnftSte mit der Behauptong, daä Nelken 
seine Deatungen zum ttberwiegenden Teil aas ArchaiBmen schöpft. Die Technik der 



g6 Eniiken und Referate. 

FnBuoienfttbroQg leg* vielmehr den Gedanfeeu nahe, äaä die Arctaiamen jo der vor- 
Liegeudea Aib^t, Tveuigstens so weit sie B'of ?EtQnoten ao^Gwiesec sio-ä, als l{eb«B- 
proänfet dei Forschtmg abfallen. Indosaeo glaube icJi a-oa dem sehr späjÜcEien 
iBdividseÜB^i Qaellonmaterial, vor allem aber ans dan SchlaSEjeicerkiiiigen (Sajts 561 
bis 562) mit Becht zu schlitäan, daß Nelken die GeaoHclita -äer Menschheit Sas 
Griindlage gemet DeutusgEailieit bei den BeofattcMnngen der Fbautastea eiEea 
Schiaophrenen genomiaäD hat. Ich roöc&to mir darum den Versßct erlauTaen, die 
ßedeutaijg der aicLaiEcliea Quellen för die Senrosen- und Iraiiinforschiing folgender- 
maBen zn charakterisieren: Der Ziegenbock und der Stier sind auch heute noch 
Symbole für sBsa«ile Potroi, imd zwar nicht darum, weil aie ea aoßli im elten 
Ägypten waien, sondern damin, weil diese Tiere ihren Chax&kter, den aie offenbar 
niolit geändert; haban, in jeder Gegenwart den WüiLsoIieß dei Menschen znm VeTgleäch 
aTibiaten. Auch hente noch tomoit das MoTiachentind unörientiert auf die Welt, and 
es ist genötigt, zunächst seine Körperfoirwen mit den Fonnan der ihn umgebenden 
GBgeiiFtB.nde in den gröbsten TJiriTiaaen an veigloicben, ao daß au^h hente noot, nie 
in aller Hiatoria, lange, walzenförmige Gögenat&ade einen Vergleioh mit dem Penis oder 
den Extremitäten erfahren mftsson, womit die Grandliige des SifmbolbiLdoiLg in die 
Individnalgeschichte gerockt ist. Die Tatsache, daS die mesBchÜche Art audL iQ 
fr&horea Zeiten nnter äTnalicheo inneren nnd äafloren Beding nagen existiert hat, 
erklärt nicht nur die Möglichkeit einer mensch I leiten 'Weltgeschichte, sondeni 
gibt ana zugleicli mit dieser das Recht, eine Individaalgegehieliie zu Terfolg-ett 
und zit verstehen, ohne daS -wir hei jedem Schritt erst darühec ntichäen^u 
dilQtea, ob der andere Mensch Etuch -wiikÜcb das gleiclia empfinde iviB wir. Bie 
Psychologie iat nur bedingangs-weiae eine phylogenetische Historie. Sie ist ea als 
Wissenschait nur insoferii, als aie uns eiEtarrtes FocachungsmstteTial Uefert nad das 
der Anschauang zngftrgUch macHt, waa in den minutiösen, undeatbaren. Äuflerungea 
der flnituieronden Kindeiparche nahemerkhaE faleib«a muß. Sofern ahei das Tat- 
ENhemnaterial der parchiEchen Phylagenie mit der Oatogenie ttbeieinstimoit, ist seine 
Bildung s'Bf seine Entatehungsbedingrmgen zu prüfen, ehe man sich znr Annahme 
eines atavistischen HfickscHagcs eiaer gegenwbtigen psychischen Leiatangaform in 
ein römiachea ßegräbnisKeremonieli entachlieöeö dait Im Falle aber, in dem der 
iistoriBche RilakgrifF diö ultima tatiö- daratelit, ist das historische Material, wie ich 
einer mOndücheB Bemerkung ii"reudfi entnehme, auch nocli auf aeine chronologisehe 
Schichtung, oder 'wie ich sagen laöchte, auf seinen aäbacea oder femerea HepiSsen- 
tatioBLSweit der primärcQ paychiscbea Elemente za prÜfeSL 

Von dieser Satrachtun^naise ausgehend, wage ich es, an dem Nelkenscben 
Fall eine psychoanalyt^che Seit« aufzudecken, di« dem histotLach interessierten Be- 
obachter entgehen niu£te. Im eratan tatatonis&hen An&U reprodoiiecte der Patimt 
nämlich die Fhaniasie, daB die ^äuse und Satten an seinen Oeschlaclitstsilou oogen. 
Die aymbolische Bedeutung dieser Tiers entnimmt Nelken einem Hinweis Jungs 
(Seite 517 Kontext nnd Fußnote 1), der in diesen Tiaren nftchttiche AngsiÜere aieht. 
Kein Zweifel, da§ diese Deutung richtig ist, aber aieatamtot ans einer späteren Ver- 
arbeitung dea Symlifflls und TeiHioUt den Weg zni tieferen Binaieht. Die Traum- nnd 
J^eorosanaoaljae hat mich unzweideutig gelehrt, und ich finde meine AuEfasstmg von 
andfiren Psychoaaalytikera beatätigt, daS Uäaae nnd Eatten Abort- i|.nd 
Elgakentiere sind und daß eie symbolisch den Deßkation-Bkomplex (Analkomplflx) 
lapräaentieren. Dieae Bedeutung dea Symbols wird im apezieUen Fall aoffaJlend onter- 
atfitzt dnrctt dis Tatsache, dafi Fatient im selbec Anfaül die Phantasie hatte, er müsse den 
Kria imd Kot zurückhalten, eine Pbautasie, die ia primitiTstex Weise den Durchbrach 
der Analarotik aufzeigt. Aber auch eine andere, typisch in Trünman und Neurosen 
vorkommende Phantasie ist in diesem Anfall Terfreten oad iypiack mit der Abort- 



Kritiken 'oai Beferste. g7 

Phantasie vergeseUBohaftet Eb iflt das dieKnatxatioasphantaaiB.') MäaseHTid Ratten 
nagen an den Geschlechteteüön des Patienten, es ersoiieint anch dec „gi;twarz& Mftan" 
aJs „TollatreckBr äes gericlitlicließ Urteües", Nelken nennt das die PJjootaaie vom 
„Libidotod", Für doc Analj-tikei feaim keiß Zw&ifel aber den Wer tuet erstbicd dieser 
Terminologie beatehen, weitn et bedenfct, daß der psthogene Affekt am einzelnun realen 
Ereigaia odet an der Phantasie fOß. eiaem ibüIbti ^tyrgsiig, nicht aber an einer all- 
gemeiiian Destruktion aiiea ha(tGQ nnaß. Nimoit man sam V"erat4nclDia des psrchischen 
^haltes das ersten katatoniachen AnfaJleg noch eine zwestu Erfahrung an Hilfe, daS 
näialich. die Esiteineoie in der iBfaatilen Phantasie Teile des Köcpara sind (ebenao 
wie der Penia), dann bekommt die kaatratioiispiiantasie eine neue und wichtige Be 
siehnng zDc Abortphantaaie, eine Beziehung, die in der Jcatatonisch^u FhäDtaaiQ des 
TOTliegenden EranltheitB&liBa voHJcoinmen zEra. Ausdrnct, wenn auch nicht XQr Dan- 
tniig gekommen ist (,al)e Stoffe aolleu mitgejiooiniea -werdea, aa aolite gar nichts 
nuten im Dnnkelii isarütikbleibän"). Von diesen Deatungen führt, ohne loanspFiieh- 
nidiine nenor theoretischer Gedankongänge, folgende üherloguDg /,ar Beachrei- 
bang einer neuen Seite d?i: KraaksTsgtacbi'ihte. Im pamtnoidoii Staflium miid im 
erfiten katatonischen Anfa-ll zerÄllt die Porsönliohkeit des Kranken in ihie primi- 
tiven SeEaalkomponenten : Keteroaexiiiditat fdei rtebel verdichtet sieb zu einer 
weiblichen Gestalt), Homasexoahtät (hatte auch Getüche von HSjinern veispört), 
Analepotik (h&lt Stahl nnd Cria auröck). per KsHtiaitioaskoöiplöx gibt Sele- 
genhoit zn einer letiiteD ZaaaminDnfaaantig der FetBÖnhahkeit im Stone einet 
lahtonaolidiernng, da, die Peraoa aich gegen einen gemaJtaatnan Verloat Ton Körper- 
teüön noch eJnioal zur Wehr aetct (^aUe Stoffe aoUen mitgenomniett werärai, es 
eollie eichte earäckbleiben"). Die Samentbeorie {der aiifoige der Patient den Samen 
behalten wollte), die Bpfl.ter durch die Phantasie Ton der Betention der Exkremente 
ersetzt wird, iat, wie Kelken, richtig beniaEkt, „recht au-toarotiacb.', luad -yeiaperrt 
dem Patienten den "Wag der OhertragunE. {In diesem Pankt hat Nelken den 
Prozeß erschöpfend ohftfaktBrisiert.) Mit anderen Worten : der Kranke atabUort, indem 
er die primitiven Trieb ttomponenten aymptojnatiach ohne Übartragnug anfaibeitet, 
den Naraisinaa, der auch die Baaia für die Gröfionidee ab^bi and vorläufig anr Sper- 
rung der Symptombildang führt. Im aweiten und dritten katatooiscrhen Anfall re- 
grediert dioaer Nai^DLUS in ein ganz infantiles St&dinin: der Patient spricht von sich 
m der dritten Petacm. O-leichzeitig setzt äet ZerisU de: dem Mj^eu angopafiten, süso der 
Ohertragangaleistnngeu. der Sexualtriebe ein. Der Inzest- tmd der Ödiposkoaiples 
ieoÜaren aich und beherrschen das Scmpiombild. Insofern der Patient in diesen An- 
feilen die verdrängte Libido mit der Pliantaaie aofatheitet, sind die Anfülle, wie 
Nelken öttets bemerkt und wo »oh ihm voliständig zustimme, aJs HeiluagaTeramche 
an ansehen. 

Die ia ihrer Art jedenfalls sehr iniereasaate, mit eij^aichtigam nnd prodakÜTem 
FleiS ausgeführte Arbeit ^M noch eine Fi^e von selbständigen Anregangeri, die um- 
ziisetzen jedoch die Aa%äbe eines kritischen Referats alboaehr überschreiten würde. 

Dr. Viktor Tausk. 

^) Über die Art dieser Targeseilschaftiuig gibt folgendes Beiapiel AnÜiärnng. 
A. erzählt: „Ich safi ala kleiner Kcabfii iminer gern nnd lange auf dem Ahart. Die 
Mntter wollte das nicht dnidea und so safi ich trotzdem, aber mit einem i.V3 OeniiQ 
vaä Angat gemischten Seelen zostand draoßen. Die Mattec hatte mir gedroht, daS 
mich die Ratten^ die ea in allen Aborten geben soll, in den Popo beifiea würden. 
Die Drohnng erachreckte mich, erfüllte mich aber dennoch mit Wollnat. Ich entainne 
mich aber, daS ich eigentlich nicht genau wofite, welchen Popo die Mutter gemeint 
hat] den Tordoren oder den hinteren, weil wir Kinder auch den Penis als Popo be- 
zeiatmetaa." 



gS KritikftD lutd Bef»atB. 

Sch. Grebelskaj'a; Psychologische Analyse eines Paranoiden. 

Die Aaiorin bringt eiae Krankeugescliiclite, deren Analjae aia um zweä Hanpt- 
momente grnppieTt: da^a ätiologiBclie, das sie {wie Fiend) im Daiclibmc]i ij^r Homo- 
aesualitlLt weht, und de« mecbenistiauhe, in dem sie die PiojÄ.tioaaMb6it sowie die 
inbntile HegreaHiOo in jene Periode hervorhebt, in der daa Kind ans dem Woitlaat 
der Diagbez«icluiaiigen deQ Sinn und Zweck der ÄnSenwelt zu erraten bestrebt ist. 
FllT difl AuaKsa beider ilomenia erweiat sich der Fall sehr fraciitbar und es iat 2a 
bB3ta,tigeii, daS die Antoria sowohl das Material dea Falles als aach die Analyse von 
Tomherein ao gerichtet hat, daS rosn die Anawaiil der Mittailaj^ea ala den. Aaadrack 
beherrscht«! i>koQDmiSGheE Toraicht halten dajf. Die Arbeit iat Toizttglich disponiert 
und der Uas^el an Kühoheit kömmt ihrer TeratADdlicbkeit imd Qlaabwürdigkeit eehr 
za statten. Im ^mtelnen mÖEhts icb herforhebeD, daß es der Dentang gelangen 
ist sachEUweiBen, da3 der Fatierit aoina ambiralente BinBtellaog zjxm Vatei' daccb 
Verteilnng dar gegenaatslichen Trieb re gongen anf TerschieiienB Peraonen simn. Aiis- 
dmck bringt. Sehr einl&achtend ist die Deutung der Loftachi^bantasie »is eines 
WnuBcbea, ein groSea imd poientsa Oeaitale so besitzen, resp. ein Majin zu sein und 
dafl dieser Wunsch angleich die pathogane psychiächB Konstellation, insofern verrfit, 
als der E'atLent jiassir homoBesaell iat Qjtd als diese FasaivitSt dnich Hitieohilfen den 
Zusammen brach aeiner Petaoolichkeit herbeigeführt hat. An dieae Deatnng schliefit 
sich ergänzend die einstweilen noch seltene Ba^bachtuiig an (die za vermerken Bef, 
Etelegeoheit hatte'), dafi der männliche Exhibitionismus ztaa Teil auch def Pr&fang 
dient, ob der Exhibitioaist ein stüänglichea Qenitsde blitze, Die Beruf sag avS 
aiohaische Torbilder der pathologischen Symbole beBcbrtLnkt sinh auf die Konatatie- 
nin^ der parallelen Existenz der hiatorischen Äqaivaletjte und venneidet in an- 
treffender "VTeiae die psychobiologiaehe Problemstellung, die in der Analyse zam Zweck 
der Anidecknng von psychischen Inhalten und i^echaniamee des EinaelfaJlea oft tu 
MißverHtttiLdniaaan and Einaichtaheßummgen fährt, Dr. Viktor Talisk. 

Ott» Eank: Die Symbolschichtung ein Wecktiaum und ihre 
Wiederkehr im mythischen Denken. 

Bank, dem nir schon mehtere wertvolle Aiheiten zni Tranmden.tangs-'WiBaen- 
Bchaft Tördatikeü, beachäftigt sich diesmal mit den sogenannten "Wecktränmen, 
die zum Emachen des SchMers fübrend, eben dadoicb direkte Einblicke in den 
Vorgan.g der Tranmhildiuig nud Traumfouktion sowie ihres gegenseitigen Terhält- 
&vaB«3 gsatatten, Sicht a^ zeigen sie diöWnnscheöäliangsteadenz und de« Bequem- 
UchkeitaQhaTBfcf&r ganz offen, sondern sehr hünfig auch eine vöUig darchsichtJge Sym- 
bolik; deim ea fährt ein Reiz antn EnvacheO, dcsaea Betriedigung in aymboli- 
acher Einkleidnng im Tranme bereits vergeblich versucht worden war. Ea gilt dies 
iasbeaundere für die Eskcetioiisträame (Blase, Darmaiiflgang) und für PoEntionaträarae. 
Die empici&ch gefandesan Syoxbelbbdti'atungea) sind daom auch taii nicht zum Erwachen 
ftUuende Träume aoweadbur. 

Speziell die „Haxateiztränme" mit ihrer einfuchen and atereotypen, 
lingat erkannten Symbolik bebaudelt Bank ÄoaEöhrÜch, macht dieae Symbolik paycho- 
logisch verständlich and würdigt aie in üuer vollen Bedeutung füt das Seelenleben 
des einzoinen und der Völker, Ala baäandeiea SigahRis sei die auf Gnind der 
gleichen Symbol Terwendung ziemliBh weitgehende Ähnlichkeit dar veaikaW and der 
sogenannten gOebnrtaträume'' hervorgehoben, die doch nieder bia au einem gewiasen 
Grade scharf differaßzJarbar sind. Dasaelbe Symbol kann gleicliaain in üwei vecschie- 
denea Schichten eines mid deaHelhen Traumes bejäeit Bedeutungen aatspreeiiBn (in- 

') Die Öna,niB. Vieraehn Benträgo zn ^iner Biskoasion der'WieiiBr psychoanalyti- 
achen Veieinignng. Verlag Bergmann. Wiesbadwi 1912. S. 64. 



Entiken lud Bef&TH.te. g^ 

fantil— Väsikal, »Kci— eeKaell). Vwgl. s. B-, Waaaei-Um-Spermft-ÖBbmtawaBset; 
Kegen-OriiUGi&ii'-BefrachtQngBSj'inbol; %isBB^ (^^J^fJ^.? iiusataigen)-aTjfsteheii a us ilem 
Bett-, ^eae füechtlicli verkelitan eic. — Das Unbewußte kennt nämJicb nnr eine Art 
von last (Libido) nnd setat die infantil erfahien» ExktetionHluät gleich der spftter 
ec^tirenan aexuelUn Last. 

Bacük bringt dann aus Mythen, Märchen, Sagen, aas Überliefernngeu der Natur- 
Völker, wie anch ans Glaube, Brauch, Sprache und "Wita reichHichea BeneiBmatenftl 
für die genannte Symbolik und kann bekannte mythologische Motive wie die „magiachö 
Elo-cht", die AAisaetaiiTig sowie die FlutsJigfeü und VeiacblmguiigSBageii aus denselben 
GesichtBpankten angezwaDgen deuten. 

Die Arbeit ist, auf exattei Beobachtung and reichem mythologisch ea Wiasen 
ftißcnd, eine amstcrliiLfte uin] muB um so wertTollw ersoheiuea, aja sse die Wtasen- 
achaft lom Tiaama in -«iciiügeii Punkten vertieft und für die Symbolik so eklatante 
Beweiae bringt. Dr. E. Hitschmann. 

Herbert Silberer: Spermatozoenträuioe. 

Cei Ä.ütor öteigt öieamal Ton den Höhen des „faEktionalen PhSjiomeas'' !n 
die Niodernngan materialer Symbolik nnd bestätigt Stekeia Entdeckung, daß gewiaä« 
Bildelemente in TrSumen als Sp8rma.toBOeB nnd Vaterleibsphantaaien aa deuten sind, 
„In einer Art voa StTora glittön zahlreiche kleine Männer und Weiber dahinjac&liBßlich 
»Bh dec "Erft-n-raex auc'h aich aell>st nnter diesen dahintreibenden "Menschen " : so ei^ 
sUilte ätekela Patient. Aach mimche VorsteÜTuigen piinniüvar Zeitalter (der Same 
Tora kleinatea Mejisehleia bevölkert) bestätigen die Deutung. 

Silberers Acslysandiii aah kleine Ungliche Kyine auf halhgeschmolzeneoi, schinie- 
lig-Mebiigem Schuee stehen; die Mftnner in den KfiJinen sind sehr dünn und zart. 
Ein aweiteamaJ waren in Elfenbein in fremdartiger Plastik kleine dSnae Figuren sichtbar. 

TräTimt sich der TTänsier selbst anter (jie S-amenköiperchen, so kann es sich 
um den Wunach im vftterliohan Samen, im Taterleib z-arück äh aein, handeln: das 
entspriiche also üaem Todeswunsch. iJiesen letzteren Zins ammeii hang wUl der Autor 
durch PrUfong ahJilicher Spermatozoen-Träume noch heatätigl: sehen. 

Di. £. Hitscinnann. 
Sabioa Spielrein; Die Bestiuktioa al9 üisach& dea Wecdeaa. 

Die Autorin will hevseiaen, da£ ia der nonnalan Sexualität heim Manne und 
Weibe regelmäßig eiiia destruktive Komponente enthtelten sei, daS „«atspPechend den 
biolog^ohen Tatsachen, der Fortpflanzungstrieb auch psychologisch ans zwei antagoBi- 
BÜBchen Komponenten besteht und deshalb eheuEo gut ein Werde- alaeittZarstönnigs- 
trieb sei". Im Gegensatz zum SelbsterhaHnngatriob, einem einfachen Triebe, der aar 
aus einem Positiv besteht, „hesteht der Arterhaltnngstrieb, welcher das alla auflösen 
rauS, damit das neue zu atnade kommt, aas einer positiven und negativen Kompo- 
neatej dei ArterhaHnngstrieb ist eeinemWesoa Bach ambivalent; deshalb ruft disEt^ 
rogiing der positiven Komponente zugleich die Erregung der negativen Komponente 
hervor uni umgekehrt. Der Selbaterhaltungatrieb ist ein statischer Trieb, insofern 
er das bereits bestehende IntüviduucQ gegen fremde Emfiösse zu schützen hat, der 
Arterhaltungstrieh iat ein djnaniiflchei Trieb, der die YerÖEdening, die Auf-eratehuog: 
des Individonma in neuer Form anstrebt. Keine Vertnderung kann ohne Veroich- 
tnng des alten Zastandea vor eich gehen." (S, J:äO.) — ^er iat einsQwenden, dafi der 
SeibstsrhaltuTigatriob in viel dirakterer Form ab dar Ärteihfiltacgatrieb zeratorende 
Kompotjejitfin kafc, offensive Regungen neben den defensiven enthalt. Auch iat jeder 
Trieb seinem Weaen nach dynamiach, nnd sucht etwas Befftehandea zn Tsrandero; iät 
Wideratiind gegen diese Veränderung, ohne welchen der Trieb rueht entstände, kann 
mit Kecht als Beharrungsvermögen aufgef&flt werden. Abgeaeheu von dieser unEweek- 



gO Kdtikea und ReferAte, 



M 



njäfiigeo L'ntersc hei dang «wischen dynamiafhem und statisciera. Trieb, h&t 5piBlTe\a ' 

einen -weaentlicben üegeasatz zwischen SoIiJat- vaA Arterhaltnnga trieb richtig Br&ßt; 
in faezug auf das laüvidmim ist <ier SelbsterliÄltiLDgstriBb immer positiv, det Art- i 

erhaltungatrieb Etur insofern, als das ln4i«idsitun aas dei Sexualität VennetraDg 
seiner Lust und Energie gemnat, and negatir, insofern das LiidiTidiinin durch die 
SKsaalvoigange Vernänderung oder Zerstörnng seiner piiraEacliea und psychischen 
L^toDg^&hig'kei^r unil Euphorie erleidet. Di« Yeifasssriii iat übeizeugt, daB diesen 
boidOB ^iikimgea a.Ti{ das InöiTidimii! zwei anüäTalftute Komponenten dpi | 

Sesaälitäi entsprachen, sa daS sie steh berechtigt glaubt, von aexud!em Todesioatinkt^ 
Ton Deatrottioivatciob im Gegeaeati mm Weidetiieb ati spiechen. Diesöo Trie'ben ent- 
sprechen äa der PsjFciia Werle- und Destruktionswttnaclio nnd DeatniktionsTorstelluiigen 
iTO Gregeosatz zu Werde voTatelluagan. Es ist nicht immer Hmj ob diese psychischen Br- 
acheinmngen als Sabiimiernng-aprodokt der beiden SeiuaJkomponeßtenaufgefaStwerden 
soUenoder nur ala ihsen aciaiog, indem mehr dem Titel als der Einleitung entspTBcKend, 
dar Gegenaata J-wiachen Destruktion iind Aafban. im weiteatan Sinne, ao weit er psy- 
cliisch 201' Geltang Icoiamt, mit in die DisknaBion gezogen wird- 

So Tinifaßt die Arbeit ganz disparate Porschnngagebiete oad es tann nm daa 
Wichtigste hervorgehobea werden, wobei ich daa Kapital über Leben und toä in 
dar Mythologie alamclit in den Bahmen dieaea Blattes gehörig unbesprochen lasse 1 

and diesbezi] glich auf d&s Original rerweise. ' 

Die Vetiasaerin geht fün dem Problem aus: „T^aram diaaei Biächtigste Trieb, 
der FortpaaQZimgatrieb, neben dea a priori zu erwartenden Gefühleü negative, wie 
Angat, Sfcftl in aiöh feeherbetgl, welah letztere aigcnüich äbanvnnden werden mSasen, 
damit man aar posiliren Betätigung gslangen kann." Sia erwähnt kurz die hisherigen 
Aa£fa3saogeavonFread,B!eiil&l, JttBgjGiofr n-od StekeljEclilieBteichameheatBii 
Jung an und kommt an dem Scblosse: ^Wie die dem Werden eiitaprechenden [ 

WoEnegefüh!« im FortpSanzangstriebe selbst gege^a eind, so amd a-uch die Abwebr- 
geffiite, wie Angst nnd Ekel nicht die Folgen einer faJscbeH TerkDhpfang init defl 
räomlicb koexistier enden Eskreten, ui&ht daa Negativ, -welohea einen Tatiicht Mif Üt 
EBxaeüe Tätigkeit bedeutet, sopdern es sind Gafühle, welche der destraktiven KtjiB- .L 

poneate dea SesmÜBBtinkts eotaprechen" (S. iß?). Als biologische G tan diage dieser 
Somponente (llbri sie daa rasche Sterben bald nach der erfolgten FoxtpSanznng an, wie 
es bei den niaderen Organismen dia Regel ist, so dajl die Schöyfnng fflr diese Wesen 
zugleich Untergang ist. „Stellt sich dieser Untergang in dfln Dienst der nenen 
Sehöpfttng, dann wird er, der, föi sich allein g&iioiim>en, daa dem Loben &ofireck- 
licliatft iai, -vom Individunm ersehnt," Bei den höher oj^anisierten Tieren wird selbat- 
veiBtändiicb nicht das ganze Icdividuaia vernicJltet, aber die SexualeeUeo, die in 
kanzeatriertec Föns, den gäiiaexi Eiaeuger enthalten, die wiclitigaten Extrakte des 
IcdividuauB werden reniichtet. Der Geschlechtsakt selbst iat ein vorübergehendes 
Aafgehen dea einen Individnams in dem SuEdwraB, eine Aüflöanug des männliohe'n 
Teiles, während daa weibiiiche Indicidniim in Unruhe gerät 'önd in seineio OrgantsmiiB 
einer brßsfean De- und Eeatraktion nuterljegt. Diese VorgSrnge wftidBO 70111 indiyi- ' 

danm wenigateaa in entsprechenden Gefühlen geahnt. < 

In dem zwedten Kapitel, das dieindividiialpgychDlpg^achea BeU&chtnngon e&th&lt, 
wird gleiciilalls an Stelle der einheitlichen Libido das Weehselapiel zwiachen 
DeatruMion und Aufbau gesetzt. DaB jedem neu erreichten psychisohen Zustand 
eine Art von Auflösung daa biaherigan ffleiohgewiehtaH TOransgehtj hat seinerzeit ^^ 

Otto Oro3 im AnaehluB an Freud und Anton in höchst geietreicher Weise dar- 
gestdöt. — An Beine AuHfüirangen erinaem die dar Verfasserin rieifach, doch hat 
Qrofi die Vargänge beschneben, ohne eigene Tranaformations- nnd Pestrnktiona- und 
AasnülatioQairielie zu konatraiexen. Der Antorin war es aber wichtig, die Analogie I 

swischen den paychiHchetl Toicgangen. nnd den sexuellen darzoatellen, nm ao Beweise 



Kritiken imd. Referate, 91 

und Beäapiela für die Wirkacg der von ihr angenomineDen ambivalenteo Triebfcom- 
poneatca sa gewinnen. Du diese Fiobleme derzeit noch keiner Lösnnf zugänglich 
Bind, so wird man ohne Poleuük gegen ihre Hypothesen flir die auafühtliciiQ mi 
liöctsi iDteresaanfe Arbeit d&akbar sein, in welcher sie den Zusammen hfiog der Todas- 

mit den "Werde vorgtellungen, des Fortpflanzingstriebee mit deta TodaswtinBche, der 
Ichbebauptnng zoit dem Verlangen, in der AUg&ißeiiilieit aicii an verlieren, vo.r allem 
d«a intägoEisaniia ^^■s^Bdien IndiTidnaVIcli lUiäÄrt-Ici ia dem Indivldunm darstellt 

Ans dotti Verlangen cles Individmiias, das Indiflidnal-Iclt aum Art-Ich zu er- 
Tveitem (TransformattiniBtrioh) erklärt Spielrein die Befriedigong an fipraehlirher Mil- 
teijang, an künatlörischem Produzieren, an Wiedererkenn'an des Setanntenj saajm- 
boliacbar Darstellung. 

Ifi der Dementia, praeeoi fc«nn man den Destmktionatrie'b, dem dM Individual- 
loh eia Behsrraaga vermögen entgegensetzt, mit Erfolg wirJcend fiehon, woran die ver- 
Tingeite Icbaktnitäl; schuld ist. Tiet I>estratt5onBtrieb apaltat ianner inelir Teile des 
Ictia ab, diese werden vom IndiridnaMeh wie Objekte acfgefaßt, dadurch veriisran 
sie immer mehr die AffektbeseiEnog nnd Sohmerzbetonang, denn der Scltnera ist an 
die "Verknüpfang mit dem Individosl-Ich gebunden. Xrota dea Wideiataadea daa In- 
dividual-Ichs geht die Abspaltung der Koroplexe vor Bich, wobei di& Voreteüungen 
ilire Diäerenzieiraag Teiliecea nad sich immer mehr an die Vors-telio.n.gQn a,ssiimlieren, 
welolie ganz» Völker gebildet haben, also an typiacLe nialts AttforBteflongen. 
Spieliel-n fefll aiiec niott yn^ Freud eine Entaiehunj von Libido und Kampf zwi- 
schen Iiibidoentziehnng tmd EatidobBsetEung als den ki:aakha.ften- Toigaog bei der 
Denmotia praecoi auf, aondem „den üsmpf zwiachen den zwei antagonischen Sttö- 
mongeo der Art- und Icbpayche." Sowie im IndiTiduura die dem Ärt-IoU a=ngetiongen 
archaisGhen Vorstellnngen enthalten aind, ho auch Begangen, die dem Art-Ioh angehöcen, 
und welche Yon den GetüMsreafctionen doa Individnonisganzaiiabhängig sind. Mm: äo 
kannfliflhz.B.Spialrein den Wn nach mich Seibatschidigung, die Prende aiaSoLinewe 
verständlich machen. 

Bei der aprachlichen Miiteilnng wird daa individnelie Beachehnds atifgedöst and 
verwandelt eich in aligexoein Te-ratS,nd liehe Äitsyrabole, welche die Worte sind; dadarot 
wird es ■nnperaSnlich gestaltet und. der Art zngängliuh. gemaolit. — ,Wh etnpanden 
eine Etleichterang beim AoBsprechen, wenn wir auf Kosten dor Ichvorstelltmg eine 
Ärtyoratellajig bilden and auch der Künstlet hat Frende an seinen Snbiimationa- 
prodtikten, wenn er alatt dea IndividTielleD das Typische Bchafft. Jede Vorateüang 
sucht gleichsam ein nicht identisches, aber ähnliches Material, dann sie anzeigst tmd. 
transformiert werden kann, Dieses JduJi&he Material ist daa auf giaicliem. VoisteUiiBga- 
inhalte berahendB VerstB^ndoia, lait welcliem. die andere Person unsere VorateHitng 
empfängt. Dieses "Veratändnia ratt ID. B*a SympathiegeEüiiiB lieiyoi, "iraa nichts 
anderes bedeutet, als daS man noeh mehr von sich gehen inöivhie, bis die Zniteignng, 
zumal wenn man es mit Individuen verschiedenen Qeacblechta aa tan hat, sich ao 
weit steigert, da£ man sich im gajazen, das ganze leb hingeben mächte. Diese für 
das Ich gefährlichste Phase des Po'rtpflanzT3ngs(TraoBforniiatdona-)triebea geht aber mit 
Weaoegeftthlea einher, weil die Aaflöaang im ähnlichen Geliebten {in det Liebe) atatt- 
findet" (S. 477-) Ich ^hahe dieee ZniäcWührtutg der Sympathie agf nicht sexuelio 
WiMzel ihrer Otigicalität halber eo aaäf&hclieh litiert «od oxiek dashalb, wä! aia eilsrameB 
llkBt, dEtS die Actorin auch dort, wo die aexnelle Anziehung deutlich nirkHam ist, 
neben oder statt diesor den iaaetea Trieb nach Deatrottioa als eigentliche Drsacho auffaßt. 

Aach der SadomaBOchisiBTEB nnd die Arabivaleoz von BaQ nnd Liebe wird an£ 
die defltrokäve K.on3ponefl-te aErao^gefüIirt. Den Gmudgedankan, daB die Deatrnktion 
Brat zäun Werden fahrt, zeigt Spielrein als Inhalt von vielen typiaehen. Phantasien 
von Xodeaarten, die den SezQalaJit symbolisieren, aoch al» Ursache der typischen 
krndlichen Theorißj dafi alte Leatej dia BtMtea, vried« klftioe Kindw worden, sb«ui> 



93 Kritiken nnd lU&rate. 

in dorn Glanlien an Widergebuit und an die RtLcfckehir allea SeicDden. Hier bringt 
nie aiaea iateieaaanta-n An&ljBtTeRUcli TonHietaacheB ScböpferByadbolik. Bei Hicbt- 
aktdvieniQg der Bctiäp£eriseh.ea Komponente, bei Askese, äufieit sJcli die destraktive 
Komponente häafig in einer subltmietten Form, die noch, immer die ursprilagliclien 
Deatroktiöiialöat erkennan laßt. 

Wena der anbe&iedigtß Sesaa^tritt mm ItiaeBl-wniiBch zTEräckfahrt, so niiamt 
dieser oft die Form äO'S Tödeawnnscfieg an, aber nioht deskaJlj, weil ciie Sünde damit 
geatthnt werden sDÜ, sflod^irit weil die Ärchaiaciie Voiatellting die Mutter mit der Erde 
ideatifiiiert nnd ao der Tod die eiäehote Vereinigaog mit der Stntter, das Vergeliea 
in ihr, die ftäctkekt kolt All daTsteUt, „Daijei antapiicht bei dei -weniger äifferen zierten 
inzestuösen Liebe äei st&riiBi ausgeprägte Pestrnktions wünsch dem stärkeren Weide- 
wonsoh." la der Norm mocJit si-oh dar DestirnktionawanaBli nicht bemerkba-r, weil 
der WetdeECnnach ihm das Qleichg Bericht hält- Bei KindeTn und fcei eraotiireii Slenscben 
gebort nicht viel dazi», nm den DastcuktionaiorateUnngea das Über^ewislit an geben. 
In der Heuroae überwiegt im all gemeinen die Destruktion akotnponente und äuBertaich 
in allen Symptomen des Wii^erstandea ^egen das Leben and das natürliche Scibickaal, 

Die referierte Arbeit beniitit oft die analytische Methode ru Deatongen, gie 
orieatiert aber diaaa nüch nictt ipa;choaiiaiirÜBiili gefeinianea oder natWeisbaieiii 
ZtisammechäDgen. Sie geht von Abnimgen snd defOhlen ^aa. So Eucht sia pay&bo- 
biologische ParalUIts&iän auizu stellen and begibt aich damit auf ein Gebiet, welchea der 
psycho- analyttachea Kritik nicht BOgÜDglioii ist An vielen StflUen aeieinea die 
ZiisammeEli6nge sehr wahracheirdich. So hat Spieliain als wichtigen Zucam- 
meohang anfgedeckt, daS £ar den sexuellen Todesgodicnken und Tßdeawnnsch ah 
Tora psychiaehen entfemta Quelle die Empfindung der biologischen Torgänge in 
Betracht kommt, weiche dia Sesii4lvorga.ago begiaiten, aowait aie nictt eis Stfirkung 
tmd Teijöngting, sondara ata Herabsetzung der VitaliÄt empfnad^n. wecden. ko-nh 
die wesen.iüche' Ähnliohkuit i;wiachen den Tcr^prOnglicbeii. sexueUen und den. sobli- 
mierten Wftnschen ist richtig srkunnt. Ob ea ein FortachTitt ist, von Arfc-Ich (abge- 
sehen von der Cdntradictio die im. Worte liegt) als paychigcher Instana au apte«fa.eu, 
die snt dem ladividoM-Ich im Sampf liegt, acheint mir fraghch. 

Gegen den Veraneb, die psychiacho Bepraaeatana von DesfeciAktionavorga-ngea 
featzoatallen, wäre nichts einzawendeii, dc^to mehr gegen die völlig anbegröndate 
Annahme, daß den Vorgftngea der Deatruktjon n.nd der Triinaformation ein ejgeKer 
Trieb') ?H Grande liegt, da£ es nicht Begleit- und Folge etacbeinmigen von aas 
aesneOen GrElnden heTh&igsfährieu Vo^^ängen sind, soiidern deB :eie vom Indtvidnnni 
angesfielit werden. Ebe^o gibt Spialreic kaine Begründung dafür, daS ai« 
DeatruktioflSTorgiLoge, die wir bisher als Erscieinnagan dea Konfiikta zwischen Selbat- 
erhaltunga- nnd SexnaJtrieb oder ala zui SuibBteThaltang gehörig gekannt habea, ah 
Komponente dos SexualtriebB dieaem allein aoflchreibt. Das giät namentlich von ihrer 
Äa&asnng dea Angstproblems. Auch s«ti;t Spielieiu oline DiaicossioD voraus, daS 
auch beim Mannedia Ai^erhältung vom Tadividanm im 8axiie.lleö Trieb angestrebt werde. 

Die Gefahr bei der von Spielrein angewandten Metljode ist, daS man 
komplizierte, spät entatandflne psychische Porraationen anf die entfernteste mögliche 
Ursache znrlokföhrt, und t^e nttheiran DeterndniermigBri nicht erkennt. Di eae Methode 
ist am moisten gegenäätslich zu allen rationalisierenden EctlärttOgea und Btinnert 
dadmoh in ihren weitansholenden, vielaagenden Gedankengängen — wahrscbeinlioK 
Oibne WiBsen des Autors ~ an die Weike der gtoSeo MjratikeE, Von dem AosmaB 
ihr^r objektiveD Bichtigkeit ganz abgesehen, scheint mir die Arbeit — Dank dem 
feinen Spärainn fOr Qefahlsz-aaaiDmenli&Dgei der die Verfasserin anazaichTtet — aach 



^) SpieireinsDeatraktionElciab isimit dem „Selb.'!t[uDgebti.'ig5trieb" Klage»' 
identiadi. 



Kriüken und Bafeiate. gg 

sinea Beiltag ■cax A.cal;eA dec itti fe Meaacblieit &ü Tjeäentsamen mystischen 
Denkongaweiaa zu tiefem. Dr, Paul Federn, 

Erneet Jones, M. D. Ass. Professor of Psychiairy, University of To- 
ronto: Papere on Payoho-Altalyais (London, Bailliere, TiDdall 
itCox. I913J. Cash-Price in the United Kingdom 10/6 Bet. = lo Mark). 
Eine fdnaliohe Enzyklopädie der PsycLoanalytik sclienkte uns Prüf. Jones in 
diea?r wertvollen Sammlnng seiner pss-choIogischBn and peychotlieraiiBOtisoten Ar- 
beiten. Alle wiEihtigen Frag'en der neaen Wissenachaft werden darin «iuzela, in Form 
ÜBiner MonogTSiphieE darchgesprochen, dio aoiiät zerBWemten Arbeiten der Soiiil« 
Etends gesaiuinält, nüteinander in EioklaDg- gcbrachtj durch treffend« Beispieie ond 
lichtToHa Aasein aaderaetaimgen d^ Aatora erltutett. 

Uie erste der hier gegelianea Arbeitea liescbUftigt sich mit der „Bationsli- 
astion im AUtagBleTjen", emeia Begriff, der— 7on Jones geprägt — sich so not- 
wendig erwies, daß wir uns dessen jeden Moment bedienen mÜBseii. Ea ist der ^lackücb 
gawählte Ansdmck für ^eae .aekundäreaBearbeitaiigaweiaen", mt deaen das Icli cn- 
liebsamoü EicsiohtBii darch Anaiiiichta und ruittela lartaloBer Etklärangan zu ent- 
gelien sacht. Im AufGatae über die Feycltolog'ie Freiida TinterziElrt sich Jouea 
der hiBiklea nnd schwierigeii Aufgabe, die in den verachiedenea Werken Freods aer- 
slieaten payciologisehsa Erkenntiiisae za einer Einheit za geatalten. Wir wissen, wie 
sehr sich Prot Freud vor der öbareilten SyaterobLdTing htLtet und mlisaen ibio darin 
recht geben. Za viel üciheil ist Bchos von dieser Art voreingfiaomaiBDer Wisaenachaft, 
die neuarügen Erfahrangen gogenüber mit Blindheit geachlB.gen Ut, gasüEtet ■worden. 
Jonefl begeht dieaan Pehler nicht. Er begnligt sich nwt der ürappiernng dor Tat- 
sachen and mit so vial Theorie, ala sieh ana dieser lirnpplercuig zwanglos ergibt. Die 
Eapitel Über Peyciopatliologie des AIItagfilebeiiB tibe-r die Trattrodeutang, 
aher dia RoUb der Sagg*a.tior. iß der Pa^ciiotherapJe, sind gelangene Dar- 
etellangen dieser Themata. Besonders Kapitel behandeln die modeme Aaffasatmg 
der FaychouenroaBn, das Verhfiltnia zwischen or;;aniachsa tind fnnk- 
tionetles Krankhölten, die Psychoanalyse als Therapie, die anflJytiacha 
Methode, di& TerwertoBg der Wort-Assoziationen in der Behajidliing von 
SenTöS&n and ia einem tGEnperainentToIlBa AnfastüB aetzt sieb Jones, mit den 
Gegnern Frends anaeinandei. Hehat dieaem didakliaohen Teüe^ der die LelctSre des 
fiachcB jödeia Anfänger ermSglicht, fi-aden wir in diesem Ba,nde eine ga.ii£€ KeÜie 
eigener ünteraacbongon Jones', von denen ich die soziologisch wertvollen Arbeiten 
fiber STKiehang nnd Sablintieiiiisigsprozesse besonders heivorhehei} xriäuhte. 
Nicht minder lehrreich sind aber die Originalabhandlangen ühar die FathoEogia 
der itrankhaftea Angst, -äbBr die Hachwiiküng dei iTanme aof dae'WMh- 
lehen, Hber das Veihiltnia der Träume in neurotiachen Symptomen 
some die kasnistiachen Mitteilangen. 

loh maSte mich leider dsrait begnügen, die Titel der Aafeätze abKUdiocken 
und hoSe, daß den Leser die BeichhB.lt^g&eit des Inhaltes zar Lektüre dieaes 'Werkes 
anregen wird. Er wird eich Überzeugen, daß aioh in diesen Arheiten. eine staanenawarte 
Belesenheit mit kritischer Sichtung der Materie ond tmlBOgbaro Originalität mit grofler 
Bescheid Buheit vergeBeUanhaftet. FetenCZi. 

Dr. A. Maeder (Zürich): Sui le monvement psychanalytique, 
Un point de vne nouveau ea jisychologEe, "L'Ainx&e Psycbologique. 
(Tome SVm, pag. 389—414.) 
In dieser kleinen Arheit gibt Maeder eine vorifiglieh klare Einföhrong in alle 

Probleme der Paychoanalytik, mit besonderer Berftckaichtigong der für die allgemeine 
Psychologie TfiTwertbaren aaalytiaohen Erkenntninae. Er ist aichtlich hemait, die Brflcke 



94 Kritiken and Eefeiat«, 

swischen de« Analyse und der TCffireudMEjeii Pafctologie (besonders d« fca.MÖdEc'heQ) 
zu achlagen. Er zeigt nma Änalytitetn, wie viel wir n. B. S anets Lehre von der 
Diaaoziitiöii des Icti za verdanken haben (was übrigena Frend Belfast iroioei snerfcanat 
hst), aaderaeite veranclit er bei den Fiaiuioasii *&i äi& ÄBnen oEd tiberraach enden 
(JeBioliliBpiinfcta der Psycloanalj-tik Interesse zu erwectea. Die noohmab hervoran.' 
isbendo KJarlieit and der niolit gemöhnliclie T&kt, mit dem et die DarsteBon^ selbst 
der kEälcelstöR rroWema «n dSe Tragfehigkeit analyaenfremdet lutelligeiizen anpaßt, 
läBt aas hoffen, äs.ä die BemtihaJigeii Maedera von Erfolg gekrönt sein nad eine 
Aanäiarmig der awei ünr künatlicli Tonednaadat g^trennAen pasctQ^ogiscliea Scfe'sSeii 
znr Folge kftben weiden. 

Maedei Ijeacbränkt sich übiigens uicht: »af die Rekapitolation der Fieadscbon 
L«[>raa: er gibt ancli Eigenes, jmä zwar eine neae Aaaicht Hber die F'anktioa 
des Tiaamea. Er betrachtet d«n Tranm als eina Ait iPoxtsefarong dea Spiele- 
riflcben aber die infantile Periode hiaaoB, tind boneaut disae Aliffaaaaag als „theoria 
ludiqne des rSBea". Die kritiache Bespreöhnng dieser Theorie vrollen wir ans bis aam 
Eraoheinen einer in Aussieht gestellt«» größeren Arbeit über die TiamofnnfctioiL 
aufsparen. FereBCzi. 

Dr. S. Ferenezi: TiePsycho-Analysia ofSTiggestioD and Hyp- 

nosis. Tiansactäons o£ tke Psyeho-Meclical Society, Loaäon. 

Eine knizgefaßie, gemeinTerBtftndLGilia Darstellmig der pajchosBalrtisclien Tfae^rie 
der Hypnoae und Suggeafion. Aatoief. ' 

E. Bleck: Prostata uncl Psyche. (ÄrdhiT 1. Detmat^ u. Syphiliß, 
113. Bd., 1912.) 

Der Varfeaaet führt ein aearastliBnischea Erankheitabüd, analog der von Freud 
hetvoigehobeDon „eigentlichen Keurasthenie", an£ Proatatitis nnd -Cotlicnlitis senünalia 
Boiact, anatomiaclie Veiandernjigea, wie eis dnrcb. Onanio, Coitns interxmptaa niid fia- 
atrane ErregODgen entatalien können. Dieaelba Nentaalhanie kann aaoh dnrch gonor- 
rhoische ProiStatiiia hervoigecafen werden. Treten Pollutionen oder ImpoteBE hinza, 
so können Erregimgazastando, bis za Selbalyeratümiaelubg and Snioid greifend, Tot- 
k-omman. Veriueaet spricht aogsr TO'n Pr.ggtata-Psycboaa. Ober den M&cbaciamDB 
dei B^ntatehuBg der nsarotiacltiea niid pajcMsäieiL Erscheiiiangen finden aioh keine 
anafttTiüHchen Angaben, doch sind sie wohl als zum Teil teSektorisch, zum Teil pay- 
ebogen zu stBode gekommen, aazuaehen. — Die Behändlang ist eice lokale nnd 
pliyBiltaJJach6. Dr. E, Hitechmann. 

0. Jnliuebarger : Die Bedeutung Schopenhauers für die 

Psychiatrie. (ÄUgem. Zeifaclir. f. Psych, u. psy-ck-gerichtl. Me- 
lüzin, Bd. 69, 1912.) ^ 

Eaak, sowie ^n^aabo^ger habea 'bertnts im „Zentr&lblstf nntar belegenden 
Zita.tKa darauf hingewiesan, daB Sakopenhaaer aehon die Terdräagong and Krsato- 
bildnag für die Eatatehang des WahnäaBS kers-nzog, die Fliici.t des IndividainiB in 
die Krankheit verstand and die fttndaoiaiitale Bedentnag der Sexnalität nKinenÜieh 
auch für die Enistehnng aeaÜBoher Störangen erkannte. 

In weiterer, giöndüehai AiisfäiHaog eeigt Julioaborger, fön genauer Kenner 
Sdopeahaaera, noch andere BaziehnDgen Schopenhaaeiacker Ideen »or Psychiatrie. 
Tor allem aind es die deteiminigtiBcie WeltanBchaunog, Anschaanngeii Über 
sexQeQe A.ginvalaiite, über nnbewnuSte Seeleatutigkeiten, abex noch manches oDdere, 
was Sohopenhaner za Freud and Blenler in Beziahaug bringt. Auch zu ßumchen 
Lehren Wenückes, ao dei von den QhetwertigBii Ideeii, fiad^a sisb bei Schopen- 
haaor VorWtM. Dr. E. Hitscbman ji. 



Aus Vereinen und V^eraammluugen.. 

Bericht über die III. Jahressitzung des Internationalen Vereines 

für medizinische Psychologie und Psychotherapie am 8. und 

9. September 1912 in Zürich. 

Voa Dr, L. Seif (Mciachen). 

MöcMbyi dio etwas iantea, affifetreicbaa und nicht immer sachlichen Debatten 
der beiden ersten Kongresae dec GaMUacliaft dio Besaclier diesea dritten, beaondeES die 
Psyehoasttirtikar. aaoh nicht gerade geliir anversichtlißh, Maderii ah« abwjtrUad uacl 
resecriert öfcimfiien, so wmöd ea sciüeßlich doch gerade zwei üomente, dio dieaat 
Tagang im QegeaaatzB sa ihre» Vorgäügerinnen ein frenndücberes Gepräge gaben: 
»initiftl die Wahl dea K.oitgre0ott^, Zlini^, dam ein ao reicher Anteil an *ier Ent- 
wicklung nnd Propagiarang der genjalen Forsoherarbeit Fcaude unikoToint, sowie dar 
Ümataud, daß von Zürich drei iatereasante Themea zum Vortraga angemeld.Bt waiet, 
and iwaitÄUB ' dia Wahl Bleulera, dea kaudigen and erfolgreichen Vorkäfapfeis 
auaerer 'WJssBnMiittft, zum ersten 'Vaiwtseiideii, Ond unter diesen baidea üanndJichen 
Anaplzien segalts denn emcb dsii £ongreö bo gvt dahiuj als, ea Im. des ao T^^tacbieden- 
arüg susamta^iigeaQtzten Intsreaseiirielltiiiigen des TeilneLmar ebeii bbih kountQ. 

Elauleia "Voitrag Eiber .Bas 'tTnbawaSta" eröffnete die Sitzung. Er flihrte 
etwa folgeodea aas; Es gibt bestlHvdig TuAe'WQBte Vorgäiige in uns (Empfind iiiigea 
resp. Wahraehmnngeo, Überlegungen, Gefühle, Sttehaagen rani Handlungen), die sici 
in. «Hon. BeziehaDgen TerbaEtaa wie die bewoBten Funktionen, auBet daß idaea daa 
„BewnStweideB"" isiMt. "Wir müssen sie ebengogat zur Fayche zählen wie die 
bewußten. Wir nennen sta tmbeiffQ&te FmjictioBen oder in ihrer Gesamtheit daa On- 
bewTiÖte. Dia ExiBtenz nnbewaßter psychjaeber Votgäaga iü dieaem Sinne können 
■wir aiclit direkt wabraeJuaeHi sondern nur erschiieien. Das üabew-nßte ist nidit 
eine Eiobeit, die man der bewoßten Paycle gegenaborstolien könnte, soodem 
öd zerfSüt in eine oaiiawTiSte Meaiga ■»an Funktionen, die voiieinaader unab- 
hängig aittd, obachon es auch im ünbemißtea Fankäoliskfliaplexö gibt, die äuTfth 
logiacbeo. oder affektiven Zuaamiaenbang in eins EiDheit znsnäiinengefaßt werden und 
ttiaen wichtigea Trieb odar Affekt lait sainsni iatellektnelleö lahait cepräaentiBren. 
DiesB Komplexe blaihen deB!ifl,!b im ÜTibemiiBtea oder werden Mielir oder weniger nn- 
benruSt, d. h. jTerdrängt", weil sie im WidotaptJich mit aadwen Strebimgeit das 
HitnefleB Ictfcompleiea ataianj so Teiliereu aber darum ihren Einfloß aof dija Payciio 
aidit, dar ach Tioter Miderem namestlicL in oeuroüachen nni paycltotiafllien Sym- 
ptomea KnÜert. Unter de» Komplessn, die in nnaerer Kultur mit Totliebe verdrBngi 
wBcden, hefindan aicb braondera sexaeUe. Daß niir SeKaellea nijbewnßt weräe und 
daß artdera Komplese aar doicb aMOziativen AnachlnÖ »n das SexneÜa irardiäagt 
werden köBiiBO, iat nicht bewiaflen und die Annahme führt an Schwierigkeiten. Da- 
gegen koKint ma-a ftberaü «lit dor VOTBteHnßg durch, daß von uosetea Eindea- 
fonttionen an bestimmter, inhaltlich and quantvtatiir welehaelBder Teä bewnSt aei 
and dafi diejenigen Fimttioji&n bewußt werden, die siüh assoiiati» mit ihm verbinde». 



96 Ans Vereiaea niid Y«raa.iiiiii]angei). 

ZiuDiakiusionfiprachsimächat Pro! Sctmmanii, 4er gegeadJeAiisffHiruiigeii 
Blenlera, besonders gsgec dia „anbewaßten" Orteila ■Vciwainsug aialagte, ohne abei 
8«iiie Oegeogrüsde ir^etidwie lecLt deutlicb zu roach&n; «r pries vor allem die 
Experiment&lpsfchologia. Auch Klagcs leämfe die jnnbewaßteii" EmpfimiDagen, 
WairnehmaDgen ond Urteile ab, Heferent oiachta geltend, daß, ttqs Bleuler da? 
ünbewnOte nejmt^ nnd auch ein graäer Teil der von ihm gebracbteo Beispiele gröSten- 
teila S'ch aaf daa besiehen, waa die biahetige Psychologie „unterbevraBt" oder die Frajx- 
toaeo «aooa conscient' nentiea, nnd nas Fread als das „VorbevraSte" bezeichnet, abai 
niait gäns tait dam „URbennBieD" Freuds libeTeinstimmt, dessen weBecdiche Eigen.- 
achaCt Bieder übergangen habe, nfimlich die der BewuBtseinimtaiugkeit; worauf 
Blaulei erwiderte, er kenne diese Auistallnng Freuds nrohl, fände Bie aber nnver- 
atändücli artd kösne sie mit Beinen Eifahinngen nicht vereiabaren, 

Kflfih ibm spr-ach Dr-Ha-ns Maiar-Ziiii&h „Ober den MechanisrnnadBr 
W«iliiijd'!en*', Wabnideea Bind katathyme Syndrome, unter denen er die Wirkattgen 
uffekibetönter Voratellang^koÄiplexe auf die krankhaSten pajc-iiachan Erscbeirrerigen 
versteht; dar Inhalt eiuea eolohen Komplexes ist meiatens ein Wansoh, eine Befürch- 
tUDg oder eine ambivalente StTsbang, Diese kathathymen Syndrome entstehen, dann, 
wenn ein IdeenkoropIsK ao gefllhls betont i^t, äaä durch den ASekt die Lo^ik an 
Punkten, die in aasoria-tivem Zusammeahan» mit dam Komplex« stehen, aberwnnden 
wird (Tergl. hiezn die „ öbenrettige" Idee Weinickes. Ref.), einerseits also bei schwächerer 
Intelhgenz (Typos s,: Angeborene Intelligen zschwäch«, ge'wi^e Arten ^an facai^oin 
Schiaophreoie) und anderseits bei besondeter Stärke der Affekte (Typ os b: Hysterie, 
andere Arten der Paranoia). 

Während beim Normalen der Atfekt die Logik aoc yocübeigeheiid tlberwindet 
nnd sobald er Si>iiie Frische eiot^ebilSt hat, der Kehler korrigiert niid,' zsigt die Faia- 
ooia Kraepelina, die kB.tathyiiie Paychoae pur excellence. die größte TenftzitKt. Zwischen 
äiaaen beiden Polen bewegen sich je nach dem MaSe der Di^oEition zur Oleieh- 
genichtaverschiebang zninchen Atfektivitlt nnd Logik zn Qnnstan der eiEteren E^e 
Grude nnd Dauer der flbrifien katathymen Verlauf b typen. Wo Asb psychogene Ele- 
ment sieb in deü- KÄtathymie der paychiachen. Sfacbfinnngea nnii speziell der Waha- 
ideen BuSert, ist ein in liividual •psychologisch es Eingehen auf den eiazeloeii Fsll 
angezeigt und beatehen Möglichkeiten, das betreffende Symptontenbild tberapeutiscli 
zu beeinflussen. 

Sehr iatereBaavite mwl Tidchtige ÖBaichiBpankte biBichte A\ions Madei- 
ZÄräoh mit seinem Yottrag: „"Ober das Teleologische im Onbewuflten". 
Die lT&a.m.ä Zeigen, aogenacheinlich im Dienste einer höheren bio-logiacLen Zweck' 
m&fiigkeit, nämlich äei EntT/icklung und der Erhaitung des IndiTiduuma, zwei ver- 
achiedene Funktionen: einerseits eine kathartiscbe Wirkung sur Botlastong er- 
höhter paychiiober Spannung, aur fcompenaatoriachen Befriedigung aggressji'er und 
eTOtiaoh*t Wünsche und TBndenzen; anderseits aber sieht er in den Trünmon vor 
aJlem Lös'ungBTer^u.che dei bestehenden seelischen Konfiikte, zumal der morali- 
Bchen PcoblemB des Individaiiflia. Die Losungen werden spüter häufig von der oberen 
Inattnz dea BewuStaeina angBooromea ond entsprechen ia der Tat aucii oft dam 
wirklichen Interesse dea TrÄOraera: „sie sind Torahungen zu Taten der Be- 
freiung," Äfanlichenveiae aeigt auch die Phantasie zwei entsprechende Punktionen 
„dar Kompensation und der geataltenden Kraft". Traum und Phantasie sind zu 
vergleichen dem Spiels, ja geradesu eine Art Fortaetaang dea iafantiten Spi&lee, daa 
ebenso eine kathartiBche Wirtang wie eine Vorübung apäterei emsteiei Tätigkeit in 
rieh begreift, im Dienste eines hohen Zieles, der Wirklichkeitafanktion, de^^ Sroheiung 
eines gröSereu Stückes Realität, der Anpassung des Individuums an da-s Mlien. ZaU- 
relehe unbewuSt verlaufende Tätigkeiten aod Torgänga aeigen dieeelben Beziehungen 
EU einem ausgedehnten teleologischen System, a. B. die AUtomatismes antisnieidea, ge- 



Ana Veremen nnd TecBammlongBii. 97 

wisse neuTotiscIia Sfiaptome, die fift.ch eineT Wirkang auf das Milien tendieren, ge- 
wisse positive LeiatiiEsan der Antobypafjae iind im BOinna.nibtilBii ZuBtand. Hieliet 
— 1.,^^ ,,.~i, .;. — i — T^ii rlm- TfTlnttlflTicfhgTi lind prfinileriai'heii Tltißteit. die auBec- 



Ana VereJaan and YäCsuamlaiigan, 97 

Trisse neurotische Symptome, die nach eineT Witkung axxi dos Milieu tendiereD:, ge- 
wisse positive Leiatangen der Aßtohypnose und im soiniianilalBn Zustand. Hieücr 

— v> :^-^ - n, r,\^ ^:« ■^" ■*■"*■ T^t ^or VHnfltlj^Tii^r'li-iTi iinrl i^rfiTulpFiürhen Tä-tipteit. die auB&r- 



Ans Yeirenian and YeEBunialiuig«n. 97 

wisse Deorotiscbe Sfraptome, dia n&ch einer Wirkung auf das Milien tSDdieieo, ge- 
wisse positive Leiatangeo der Antohypnoae und im 8oiniia.nibiilen Zuetand. Hieier 

— \.-A-.t ..T.^1. ^jn n.T,*n.-r Tnll iTaT Vftn<tIpriRr',hpTi iind prfindpriBrhen Tltifikeit. die auSec- 



Atis Vereinan and T«tgamiDlaageu. ^ 

wisse neuTotiscIia Symptome, dia na-ch einei' WiikuDg auf das lllilieu tecdieTen, ge- 
wisse positive Leiat^angen der Antohypaoae und im Boiaiia.[abuien ZuBtand. Hielief 
— \.-A--i — V .;. — j.„, ■r„;i Aar "tTiTicf-lDi^Br>hBTi iirtrl PTfindpiiacheTi Tätifikeit. die auSei- 



Atis Vereiaen und VersamiDlaiigefi. §7. 

wisEe neuiotischo Symptome, dia nach einer VTixkuag axxt das Milieu tendieren., ge- 
wisse positive Leiatangen der Antohypnoae und im BomnainlalBn Ztffitaad. Hieier 

-VÄnaJ-Ierim^ieli-'unrl prfincipriarheti Tätipteit. die auBeC- 




an einem aasgaäehntea telBologisebBn B71 ' 




Ans Vereinen and Vetsai 

wüse D6VTotiscbB Symptome, die naoli einer Wii 
wisse positive Leistungen der A.tttohypiioae and 



$8 Aas VEieJufefl nnd VaiaajiuiLtiageo. 

sonieTii zeige nur, wie Toa einem gewissen Geäichtapimkta aoa der Jf tanke die beieita 
gegeben« Angat im Diönsto von SicherangEtendeiweii zu benStaea lerne. 

In deiselben Kc^itang wie die Jetzfeo ¥eröffanilic hangen Alfred AdJers-Wien 
B. h. „Über den nerröaen Charakter", bewegt sich aach a«io Kongrsötheroa-. „Da-a 
organiscie Substyat deiPayoio-Nenrosen" and die Fal]&, die seinen Vortrag 
illttEtnetien : Inder -Bjiidi.eitsgBScliich,ta jedes Newotikera finden sieh Erinnecanga- oder 
Geftthlssparan einer geringen SeUiateiaschäizaiigj verbniiden mit Hünwaisen avi ein Übet- 
aua hoch aogesetitas Ziel; lefcterea bleibt Bichtjmg gebend für alle körperliclien imd 
geistigen AnHtreagimgefl Abb Patienten,, es speist aeine Fhantaaia and wirkt wie ein 
Zwang anf düe Eichtnng aeiaes Lebeas, Die geringe SelbateiusohSlteiwig des Kindes, 
seine kiodiicbe Ünsicherliäit jal^ die AaWoit amS objektive (noiinale kindliche 
Schwäche and üoaicherheit und deren pa,thologischfl Staigerangea diitcli Minder, 
wartigfeeit dea Kflimplaamag und daiaTia rasnltierende angeborene Minderwerti^eit der 
Organe, nervöses Maiea, änfiera Schädigongea dotch LasB, AibobolisrciYifl u. s. w.) und 
Bnb-jektJTe Tatsachen {Poaitioa dea Kindes im Eahinan der FamiHe, seine T^'ertnng 
von. Schwierigkeiten n. a. w.) and erfordert, j-e geringer die SelbateinschäitzTiiig des 
E&tdes ist, deato mehr ein Ziel und RiohtnagsHnien, nrn der Sehnsncht nach Sicherheit 
nKLd vo3ikoo"iienen LeJatnngen nad dem Sötatse des im DraTige äei Welt bedrohten 
PeMÖJilichkeitsideBla ku genügen. Da.s GelÄhrdetste dieser etarren Sjateme dea neu- 
täüscben Individcoma iat das iec Qottäixnlichkeit, das am meiEten auf den Schein 
nad aa auf die aonderbarsten nearotischen nnd psvchotiachen Dmwege angewieaea 
ist. Pas Ziel jener kampenEiereivden SichMungstendonzen, das teils in nnmitteihaier 
Hachahmang, teils im Gegensaiz za deT Cmgebnng gewähit wird, ist immej: Herr der 
Verhältnisaö za werden. Eme Diakuasion. an A.dSexfl Vortrag fand nicht statt. 

Doch mögft hier eine Bemarknng gestattet sein : Die paychiscicn Kompenaationa- 
lendeaieiv, die ancb in der OTgasiischefn Satnr allenünlben ihre Parallele haben, imd 
denen Adler aine besondere sorgföiltige Anünerksamkeit und Besrbeitnng angcdeihen. 
Ulfit, eiEtMiftii üan %v dem bedenklicLen ßogma der emaigen nud ausschliefllichen 
Erklärung der psjcbiaoh Bonoalon nnd paychopathologiachen Vorgfiage, daa die Gefahr 
flller ThaoTiebildiuigeB linft, die alles erklären wollen: schließlich eben doch nur 
von einam gewiaaea QeaichiBpnnfcto aaa wahr zn. sain, aber aichi weiter. Unrichtig 
adieiöt immBrüa aeiae Qnmdanfiaaaang za aein. Er sagt nätolich, weil das Kind 
sich minderwortig, dOrftig and luisiuher fohlt, schätzt es sich selbat gering ein. nod 
tAQt sein sichemdea Sjctivea Ideal dagegen anf, das in aeinen extremsten Oraden bis zum 
Ideal der ■flottähnlichieit gebt- iBtaScllUcIi verhält ea äeb gerade nmgeiehrt: weil 
das Kind \oa vornherein, also primär gana ongehenre uneraittlicha Forderungen am 
die Wiridichteit stellt "ond sich dieae dort nicht befriedigen kann, reagiert es mit 
tiDMcherheits- aad Minderwextigteitagefühlen imd beXriedigt sich seiBe Iberinäßigen 
Forderongen, »af die es niebt veiajchteii will, ans der Eealität fidehtoßd, in Träamen, 
PbactaHen, neoro+iaclieii oder payebotiBcheBi EracLainongen, dichterischen Produkten 
n. a. -w. Da« Mindexwertigkeit^gefüM jst demnach keine primäre, sondern eine sekandSLta 
Eraclieinting und das daratif aufgebante feompenaatnriache Ziel nnc eine dnrcb die 
EnttäuBölinng in der Wirklichkeit Teratfirkt wieder anfgenoimnene FoxdieraDg eäow 
nraprüngliohen ttbermSfligen libidinöaen Anspräche. 

Von weiteten Yotirägen brachte Dr, Ludwig Klages-Mtlnclieii; pDiia 
Ansdractsgesetz und seine psychodiagaostisohe Verwottnng mit 
Demönatrationen." Der Tortrag ist aa einem korzen Referat ninht geeignet. 
Ea w&re gewiß aehr interessant, wenn Graphologie und Psychoanalyse in einer Hand 
anHammenarbaiteii könnten, mn die Reanltate an yergleichen, die der Qiaphologie sn kois- 
troDieraa and riell eicht auch JhreZaverlissigkeitTind?crwertbarkBit nocJi zn bereichern 
and za vertiefen, wozu besonders die Sobriftverglaichiing deaaelbea Indif idanins aas den 
veraohiadenen Stadien der Analyse und ebenso verschiedener analytiach genan bekannter 



Am Veiänem mid ^ElsaioiiilTingen. 



99 



IfldiTidnen. Tiel fracttbaie Amegnng geben könnte. AuBar sfrhr bemerkenswerten 
Mitteilongec von "W", Trotter tmcl H. M. Davis-L-ondoti überSensibilitätaBtörangen, 
beschlossen snehTere Vocträge Ton Forel-Tvorne, Brnn-Züricli unii Georges Bohn- 
P&ii5 tlljex vergleichenae Psycliologie, sowie ein "Vortrag von Dr. M. Mxrgalies- 
Sesnäberpaychiäcie Crsach-eng-eisltger StÖrungeß umf über den BegrifdesFsyctiogen&n 
das Micie Programm der TageEordoung. 

Sncht man das Fazit des Kongresses za Klehen, so iäSt swh sagen, daß die 
neoeii Erkeantniaae, die sich an den Namen „Fsjchoanalysa" knüpfen, sich langäam, 
abai ächer iliTen Weg bähncii. Der Gewinn, der zn bathen ist, ivitd daigestelit durch 
dia gröBera Teiloihroe and ds3 größere Interesse, vor allem abar durch dieAnregang, 
die der einzelne fand, um sidi selbständig mit den neuen Problemen welter zu be- 
schäftigen, yfie wesig groüe Kongresse im alif^meinen and direkt die WisBenschaft 
fördern, weiß cian Behon lange. Aller Ge^^ißfl der Kon^iresae liegt in der persönlichen 
Atiaapracte. Und nogli jaeht fast a^ls für die andareji DiaaipVmer! gclieint dies für die 
Psj-choaaaiyse zu galfenj besonders wenn weit voneiaaBtlev abliegende Standpunkte 
nnd Intereaaen kreise sich gagenübersteben. Hier ergibt erat der Nebenkongreß der 
klemen Gruppen, in den kongreßfreien Stucclen, in ruhiger veriTanlicber Rede and 
Gegenrede das richtige Sliliea, die richtige Einateiluitg. So war es auch in Zflricb 
imd Toaa natim den EDÖrack mit fort : Die Pajcboanftlyse oiMSchiert, sie ist «of 
|;iiteiu Wege. 



7» 



* 



Sprechsaal. 



In. lötater Zeit warde melirfach die Frage aofgeisoifen, ob "Psychoanalyse 
oder Psychanalyse die kotrekte Form sei. Wollte man das Wort nacii den 
Prionpiea der altgrieubisclieii Komposition bilden, so müäte es allerdings 
Psychasalyse lauten, so gat wie fta z. B. '!/u-/yL-(iaf{>i, ^uy^nTtatTf^, tTticaXExipyiüv 
beißt. Aber es ist ieia Graod vorhaaden, eiaea in heutiger Zeit nengebüdelen 
Ausdruck, der znr Bezeichimng einer gaaz neoen Sache dient, nacii dem 
Muster der aitgrie'cidscheij Kooiposita aa bilden; ja ea ist, wenn man siel 
schon aaf den streng philologiBoliea Standpunkt Btelle-a witl, meiaei Anaictit 
nach gar nicht statthaft, mit Wortgebilden, die wir erschaffen, wenn auch die 
Bestandteile altem Material entnommen sind, Veränderungen vorzunehmen, 
die in onserem Sprachgefühl nicht "begründet sind, 

"Wenn man sich nitht damit begnügen will, der ZusammeDsetznng eine 
Gestalt zu gehen, in der die beiden Bestandteile YQrst&ndlicli und deutlicb 
hervortreten, sondera nach einer Regel sucht, unter die die Bildung fallen 
soll, so rnöß man sich unter den mo'derneo fcomponierteft FcemdwöcteEa aaf 
dem Gebiete der Wissenschaft, des Handels etc. nmselieQ. Und hier finden 
wir beide ErHeheinangen unserer j, Psychoanalyse" wieder. 1, o in dor 
Koinpo&itionsl'uge aach dort, wo es als Stammaualaut nicht berechtigt ist, eine 
EiracheiTwing, dia scboo im klassiscben Griecbiscik häufig ist (man Tergieicbe 
ipu/QT^via, tE^voEtüijc), 2. IJi& Beibebaltung des Hiatus. Auch davon änden 
Eii.:L übrigens Spurän im späteren Griechisch, denn wir haben eia '^ux.^si^rfi 
belegt, das zi eiaer Zeit entstanden ist, wo das oisprünglich im Anlant des 
zweiten Teiles stehende Digämma längst geschwunden war. Man hatte aus fcüherer 
Zeit einige Worte ererbt, in danea siSrjc Ba.ch ainera Vokal stand ; diese 
Bilduagen waren durchaus korrelEtj da sie zu einer Zeit Batstanden, üx der 
das feiatuBtügeadfl 'DigflaHaa aach stand. Nac-h ihrem Muster sthrieb man dann 
i^aynsiZrfi, zugleich ein Beispiel da.fiir, wie stark auf diesem Sebiete die 
Aualögie wirbt, Iias ist wichtig für nna, weil sieb ja auch „Psychoanalyso" 
an eine große Zahl von Zasammensetaangen mit Psycho anlehnt, die zu 
bekannt sind, nm genannt zu wecdea. Ich wiU nur noch zmn Schluß eiaige 
Beispiele gleicher Bildung aus der neuen und neuesten Zeit anführen : Austro- 
Amerikana, anglojndisch, indoenropaiscb ; nicht ao häufig sind die aus grie- 
chischen Bestandteilen zusamaiengesetzteß Worte, doch fiüdea sinh aact davon 
geallgeDd Beispiele, nm die Berechtigung Toa „Psychoanalyse" zu erweisen : 
Thermoelektriscli, pyroelektriach, Pseadoambrosin (Pilanzeaname), Pseado- 
apastel, Psandoevangelien, Antointoiikation, Arebiepiekopus, EUipsOid, 

Dr. phil. E. Sachs. 



"Varia. 



1. 
Zur psychoanalytischen Bewegung, 

Der pFäsident der „Internat. PgyclioanalFt. Vereinigung" Dt. C. G. Jung (Zuriet) 
hai im Herbat dieses Jahres eine Reibe »on. Vorträgen in Ifew-Tijrfe gehalten, die in 
der „Nöw-York Times" vom 29. September 1912 zum Teil wiedacg^eben nud 
Eympaihiseh basproolien aiad- Die Veröffentliclmng dieser Vorträge in angliseher aad 
deutscher Sprache ateltt bevor. 

Prof. Dr. Ofkar Ateesmer in Eoischacli (JäcLweia) gibt in den ^Benier 
SerainaibJatteni'* (VI. Jalugang', Heft 13 bis inkl. 17, Sept./Dez. 1912) sn Hand einer 
aoafiÜirlicten Darstellniig der psjctoanaljtiscten Iiciire und LMetainr eioe sehr ver- 
stftndaißrolJe and ia warmem Ion geiialte^ne Würdigung der PaychoanaJyae und ihrer 
aUgeroeicen Bedeatung, deren Lektüre avJa beata empfoblen werden kctiiii. 

Dr. Viktor Taa^li (Wjbb) halt gegenwärtig eine Serie von 20 Voiträgen anter 
dem tite\ ^Theoretiscie cnid praktische EiniüJoncg La die PaydioansSjae". Die Tor- 
ttE^ werden jeden Dienstag abends von 8—10 Übr im sliiatitat fax Theiapie nervöser 
Gehstömngen" dea Herrn Br. Karl Weiß, Wien, IV. SchwiflnJgassä 14, abgehalten. 
Die Zahl der Za.hörer, dia sich aus Ärzten und Studeoten j^nsammea^et^t, betrSgt 40. 
Zum Bchlafi eines jeden Vortrages findet eine Diskussion atatt. 

Über ..Sexualpädagogik und sesnelle Abstinenz" Bprach verengen en 
Sommer Dt. Eeinr. Eöiber (Berfin) im Kahmen der Vortragsnbendö dea „Bundes 
Hr Mn.tterBcJiiita'' (OrlsgmppB Berlin) mit eingeliendor 'WürdigaTig der psycho anajjt, 
Lehren. Dieser sowie der daran schließende Vortrag (Dr. Maiunaea) nnd die 0ifl- 
inasioi^iud gekürzt wiedergegeben in „Die neue Generation", hg. v- Dr. Helene 
S-tfiol^ & Jabrga.Dg, .Ttüiheft 1912. 

Prof. Alb«rt Enlenfcnrg gibt im Morgenblatt der Toasischen 2eitang vom 
31. Oktober 19'12 in einem „Zur Theorie nervös-seeKachar Störangen" Übers chriebenen 
Aritfcel auch eine korze Darstellung der Preudschen Neurosenlehre, die er mit 
iolgef>d.eii Wurtan achlicät; „Es dcängt mish daher, ausaaspreüheu, daö, wie immei 
auch das Drtail im Ginielnon sich geatalten möge, die Wiasenschaft uüter allen 
Umstanden dem Schöpfer und Gestalter dieser Leire für viele geistvolle und frncllt- 
bare Anregungen und vor allem für die stärkere Betonung des mit Unrecht an langä 
ansgeschlossenan oder geringaohätzig behandelten aeelischea Momenta in der 
Entatehnng und Entwicklung der Neurosen sn lebhaftem Danke verpflichtet sein wird."' 

Prof. Freuds Studie „Der Wahn and die Trännjo in W. Jeaaens 
Gtadiva" (1. Heft der Schriften z. angew. Seeleukunde, 2. Aofl. 1912, F. Deuticfce) 
ist küislicli in rnaEischer Überaetanng in der von Dr. M. W u Iff (Odessa) redigierten 
Smnmlting „Loben und Seele" erschienen. Im seihen Band ist ».nch die Novelle 
Jensens äbersotaii 

Eine «Hentliche l>iskBS8ioii über Ereuds Sexnaltheorie. Im Rahmen einra 
vom „Öäiarreichi3c.heQ Ennile f6r Mutter aßhatz" nnd der ^Ethischen G esellach aft" 
in ■Wien vflranataJtBten. Vortragaaylslua sprach der Wiener SchriftstellBr Will. 
Böiner an vier Abenden des Oktobera und Novemben 1912 vor einer zahlreichen 



102 Varia. 

Zahücerschaft im €aale des n^^isseuscliaEtlichen Elsbs" äbei „moäeiHB Sexnicl' 
theoriea'*. Drei Abende waren der möglichst obiektiven Däritellang der ADacIiaaiuig«c 
Schopeahanara, Niotzaches, Weiningera, Fieada, der Ellen Ker, 
Forela, Eicenfels, Föraters Über das Seinajpioblam gewidEOBt, der Vieris 
diente der Kritik nnd Dariegung des eigenen StandpunkteE, iß dessen Mittel- 
punkt ein asketisches Ideal steht. Am ausfülirlichsten bahandelte der Vörtrageade 
Freada Lehren, die er ala „uabe wiesen" und „uBbeweiabar" aWetmen an mässea 
glaabte. An die Vorträge scbloB sich eiae bieite Diskusaion, die zwei Abende ia 
Anaprach nabm tind. slcL bezeichnenderwEiisB fast mir dtb Freods Theorien, drehte. 
Ton Froads Schlitero grifEen Weiß, Federn und Friodjaag in die Debatte ein, 
die aicb im ganzen aof eJaejn xecbt respektablen Kireaa hielt. Unbefangene Zahärer 
gewannen den Eisdiack, daß dem Werke Fienda mancher wertvolle Interessent 
gewonnen wurde. Friedjang. 

(Eine gakürzte Wiedargabe der BörneiBcben Tort^ge und Eritik findet sich 
in den ^Mitteilftngen des Östeir. Bandes f. MatteTBcttatz", 8. fabigang, Kr. 2, 
November 1912.) 

FsychoanaEyttache JArKrchenforscIning. Im Eabmen der Sonntagsvorträga des 
„Wiener Volkabildungavereiaes'' spracli im November im Lesesaal des Wiener Kaof- 
männiacben Vereines Herr Friedrich Schüler aus Anlaß der Jabrhandertteier von 
Grimms Kinder- and Haosmärchen über Mflrobenmotiva, MärohBntjandeinng nnd 
Märchendeatang. Nach Beaprecbnng der nichtigsten Entstebnngstheorien des Märebena 
(Orimm, Beofey, Tylor, Andrew Lang) schilderte der Vortragende auKfübilich die 
„tnodemeundjetzl^iDaSgGbeDde Ansicht, daS zwar nicht die j^Urchen Gelbst,wolil »her 
die Härchen matiTä bei allen Völkern dieselben sind. Hieran sclilieflt sich die paycho- 
analytiflche Forachoag, deren haaptsftchlicher Vertreter Professor Fiead ist. Frend 
ftthri ungefähr aus: Zwischen MB-tcben nnd Tränman beaieheo wichtige Beziehongen, 
beide atnd Witn^cbeifaUnngen. In vielen Fällea bandelt es sich nicht nm einen 
gßgenwÄrtigen, sondern na» einen in fcöher« Zeit gehegten Wunacb, Dlaa gilt f-ftr 
den Tranm. Aber amah im Märchen eieht man geheime Whneche, die vielen oder 
allen Menschen gemeinaam sind, erfüllt. Der Traom, sagt Freud, ist ein Sttlek ilber- 
wnndenen kindlichen Seelenlebens. Einer seiner Schüler achliefit hieran den Satz: 
„Der Mythus iat ein Sttlek "übeFWUEdenen kindlißhen Seelenlehenfi das Volkes. Er 
enthält in veta-chtaierter Form die KiEdheitsnilasohe des Volkes." (Zitiert nach einem 
Bericht der „Arheiter-Zeitnng'.) 

unter dem Titel „Cbineaiache MäTChen" bespricht Otto StoeSI (Wien) 
im Fenüloton der „Frankf. Ztg." vom 23. Daz. 1312 die von Martin Buber berana- 
Äägebene Auswahl samra lang „Chinesische ÖeiBter- und Lieiheageschichten" (Verl. 
Bätten und Loening, Frankf. a. M.). Wir entnehmen den» Artikel einige markante 
Stellen, ans denen die Übeieiuatintniaag von StoeBla Anffaasung mit der psycho- 
analytiacheD MäicKenforscbang deutlich betrorgebt, 

Zimichst wiii für di« Entstehung dei Märchen tibeihattpt die Vetöcbmelanng 
äoBerer nnd innerer geheimniavolter Machte, die AufeinanderbeEiehong nnveratandener 
Natorrorgänge nnd Seelenregnngen geltejid gemacht. Dann heiBt es weiter: „Diese 
obJnesiscben Geister- and Liebesgeschichten sind nnn solche Weltbilder im kleinen 
und mit jener lieblichen Farhjgkeit, Klarheit nnd Anmut geaeiolmet, die den Völkern 
das Oatena eignet Ea handelt aich hier am erotiache M&johen nnd nm dje Dicbtnng 
einer eigentlich national ja materialistisch veranlagten Rasse, die a,Uea Unbe- 
greifliche, Jenseitige nicht coit Angst nnd Grauen, aondem rnit lächelnder Helhai- 
TeiBtändlicher Geksseaheit in die Existenz einbezieht. Der Entstehangakein 
jederQeschicbte iat eigentlich ein Wunsch und eine Waascherftlllnng 
nnd nicht tnaskiort oder in unkenntliche Vorgänge veisetztr wie bei metaphysiach 



Varia. 103 

gencht^iss ndäx );elig\ös und »Ulicb durch «seme Torort&ile beKTrangenen Völkern, 

sondera direkt and anvefhlUIi in dor Erfudiing ftuagedrilckt." 

„Die höchste Einheit von Wuna&h nnd 'VHrklictkeit, Katar uud Duaein. dei 
Mensfthaa symbolisiert flieh im nächatgegebeneii Bild iet Gesellung ron Manu 
und W«ib und »Ue diese Oeschicbtoa machen diesen Iia-sm wahr, gelten diesem 
zogUiall phsüaebes Visd metaph^siaclieix Begekren." 

„Eigentlich ist jedea Kunstwerk ein (TaiiBclig^ebildB umi die Setnsudtt 
alles Irdifichea hat voo je Gott und Teafe! an did Wand gemalt, mn äsu ÜberBubaS 
au Sinnen- -and Gefahlkraft der aber die Sicherang der eigenea Existenz hinaus 
dereo Verewigoßg begehrta, äoglaich zii erlösen und au heschwören. Was dM Leben 
nicht gewahrt, die 'r&Ua Einheit 70a Mansch "imd Kattu, die Befreinng und höchste 
Stfflgerong des Ichs jmn AU, das Küdatwerk dräokt sie, firailich in einer frag- 
wüidigsteo Ünmirklichkeit und io ejaec anderen Sphfire ida der Beabia,t macMioU aiiB. 
Es gib t, wift die Seligion, die ftTiB dem gl eich au Wunache geboren wird, 
eino ErfÖllung, die nicht von dieser Welt igt, bh tröstet durch Taa- 
aoliuttg uad eihftbt duroh Träume, aa erfalH mit Satein statt mit 
Bein, aber diese nnwirkÜche <jaelle ist denooeh kobl and: stillt den 
Durst, diese Danstnahriing sättigt, dieaas Tramngehildö haftiadigt, 
möhr als alles Wirkliche, Möglich« nnd Erteichbare, ja es Bthafft eine 
hühece, tröatlichere Welt dar Gedanken und. GsfitMer kstt es ieiatet aHea, waa kein 
Mesecli dnich sein Ttai erreichen kann, in seiaeni Spiel und gibt, was kein Tag 
erzeugen kann., in der Dämmemng des Traumes. De^ Bewußtsein det I[Tnraügliclikeit 
und Ünwiikljchkeit gerade erhöht den Zauber aller küngtleriachea HervorbTiugaag.' 



Aus Dichtarn. 

J. Earbe7 ä'Anreville hat in der NovaÜe „Dön Juans schönsies LiebeaabaJi- 
t^uer" (ans „Die TenfiscEen"} eine infantile SesualtlieoriB zum Oegeustand 
genamiuen. Gmf BatüK von BAviles (veigl. txvü&i, schändäD) erzählt von äem dreizeka- 
jähßgen Tichtetchen einer öeliebten, das auf die Mutter eifersächtig ihre Liebe fßr 
deißgelben Mai' - hinter Scheu und Trotz verbarg, einea Tagea ahet aich von demselben 
flir geschwänl?!^ hält und za veraweifeln droht. Der entsetaton Mutter erzählt nun 
das Eiad den Hergang: „Hluttor, es war an einem Abend. Er saS auf ieta groSen 
Fauteuü ata Kamiu, dar Ca,u6«uBa gegenüber. Er blieb lange dort sitaen, dann atand 
er auf mid ich,, ich iv&r ao unglücklich, mich nach ihm auf den Fanteaii zu setzen, 

den er veilaasen hatte. 0! Mama! es var, a!s wäre ich ins Feuer ge&Ueu. 

lot wollte aufeteheu, ich tconnte nicht , . mir wurde ganz sohwaeh ama Hsi^ ! . , und . . 
siahst du, Mama ! . . . Da . . ds. fohlte ich . . waa mir fehlte . . und daß ich da drinnen 
eia Kind habe!" Dr. E. H. 

R. P. Moritz Eoacht in dem zur Qoethezeit eischienenen, aatahiographi.3Q^en 
Boman „Aaton Keiser" iolgende, viel Verständnis für den Hatnreiatraum and die 
Psychogeneae der Phohie verratende Bemerkung: „Es Mit daber auch wirklich in 
der ^Kindheit oft Eohwer, das Waohea vom Traume zn unterschsiden und ich erinnere 
nück, da,& eiaec onaftieT g^öBten, jetzt lebenden Philosophen, mir in dieser Eflckeicht 
eine sehr merltwüriäige BaobBchtuag ans den Jabreu seiner Kiftdheit erzahlt hat. Er 
war wegen einet gewissen böflen Angewohnheit, die bei Kindern sehr gewöhnlich iat, 
mit dar Rate geaaohtigfc worden. Ea hatte ihm aber, wie ea auch gewöhnlich iat, 
immer sehr lebhaft geträumt, er habe aich an die Wand gestellt und .... Wenn er 
sich nufi maacbmal tei Tage an dem Ende wirkliabi an die Wand gesteüt hatte, ao 
fiel ihm die harte Zttchtiguug ein, die er so oft er3itten hatte ~ uiid er stand oft 



104 ^"'»■ 

lange an, ehe er es wagte, einem driugeadea Bedürfnä dec ÜRtur genüge au tim, 
weil et hefüichtete, es möclite wieder ejii Traum fiein, für den er wieder eine scharfe 
Zilcb.tigQttg arwaxtea mußte ■^- bis er sich Bist aUcDllialben omgeseh.?» laid daim 
aucb in Anaehung der Zeii zorückgeredmet hatte, rfie er sich völlig tthenwugen 
koflßte, daß er nicht ttänme, Dr. E. H. 

In Kaii Immermanna (179^—184,0) R^mm «Die Epigcpnen", dessen Held, Her- 
muin, ap einer Inaestphaatasie psychiscli leidet, wird das Wesen, der Geoiü-tastötttag 
in merkwrädiger 'VoialuiiiüE der jjsydoaiiftlrt'scheii Anffassang von einem Arzte er- 
faflt: „Hier wiade njir die seltenste nnd bBdaaertiaweirteetft Geisteskianklteit fiiclitbar, 
die ich je wahiganonümec habe. HermanQ war körperliah gesund. Die Blässe seines 
A-ntlHzea, die Mattigteit seine! ÄBgen. binflerte nicht, daß aEe Lebens fönfetfon an bei 
i hm den natürlichen, regslrecbteß Gang aahmen . . . , Auch war er keineswegs walrn- 
oder blödsümig . . . Dejinoch V3.r er im Kern des Seins gestört, ja getötet. Das Lehen, 
welchea in Frenda and Leid, ia Begehren und Verabsdaeaefi, iß Lieba und Hafl, in 
dea WechaelbezieUnngeQ au anseren Nebenmenscheji besteht, war in ihm datch. rfn« 
Schieok)iche 'Erinneinng ausgelöscht. Er weinte nnd tacMe üher niditf, ein gtehendos 
gleichgültiges Lficheln machte geina ZSge lar Mttafce. Er wolite nichta nnd wendete 
sich Ton nichts hinweg, er hatte keinen Prennd nnd keinen Feind, die besonderen, 
VeiLältniase anderer waren für ihn so wenig TorhandeD, ids Eeine eigenen, mit einem 
"Worte; D-as IndividTnum schien in ihm tÖUie untergegengea an peiii, Har ailgemeiae 
VoratellnngBa nahm diese Seele, wie oin leerea Gefliß noch auf, ohne dia FEdertraft 
SM. besitMB, MB iii ibr Eflgentom zn TejarheHfin and darana die Hahrong aa Ent- 
gehlässeiL ;su sangen. So lebta er, acbeinbor ein Mensch, ahei ohne Asteil, luid in der 
Tat den iüreisen, weluhe unser Da.Böin nmächließeii, entrüott, seine Tage hin. Die 
Zeit war fiii üu teine Zeit, dejiTi er eiQ|)£Bn.4 den Weclisel der Begehenheiten niaht, 
dar Ort i.ein Ort, denn taine S^inpathio fesselte ihn mehr an eine Statte. Ea wai 
der Zustand der Pfianze, er vegetierte. Daß in einer so Ternichteten Seele dennoch 
richtige Aoacbaaun gen, ja Ideen einkehren konntea, feesifitigte meine alte Überseagong 
von der Hatni der menBchlichen Seele überhaupt ....,." 

„ Per Arst hat eine große Äof^be in der Qegenwart zn l-öaen. Krank- 
heiten, besonders die Kerreaübet, woaa seit eiaer Kftihe von Jabten das Mensehen- 
gescblecbt rorzagsweiae disponiert iat, sind das modetoe Fatoia. Was in fräflcbereo, 
jLäcEei ttBgebondenen Ztoten äch mit einem DokhatoJße, mit anderen raschen Taten 
der Leidenschaft Luft machte, oder hinter die Manem des EJoBt«is fi&cLtetB, das nagt 
jotat inmitten scheinbar erträglicher Znatando langsam im sich, nntergräbt sich von 
innen »na, zehrt aiihain?ci,t aa seinen edelsten Lelienair&ften, bis dann jene Leiden 
fertig ond aasgebildet dastehen. Zwischen diese verlarvten Subictsale ist otm dar 
Arzt gestellt Ei maß, will er seinen Beruf mit Weisheit erftüien, ein Eingeweihter sein, 
Gott nnd die Welt im Bosan tiragen, er rnnfi gennrissexmaäen äa9 Amt »nea f liestera 
nnd Hierophanten üben. Mittel and Wege hat «r senizofinden, woia ihm dia materia 
medita ktäne Änleitong ^tit." B. 



P 



Bibliographie. 



Dieses fortlaufend gaplaiite VerzBichnis riBüerar tiieradit eiheht wedei Anapnicb 
anl VoDständl^eifc, noch vermag es dem Üb^rans weitgeapanntea psychoanalytiscEien 
Inteieaaeals'eis vollauf eü «ata^re^ELea, d& sa TDrm«geDd das medizinisolie O'ebiat 
berücksichtigt 

Äxteiten Ton enger psyohoanaIrtiSPlieBi Chatakter sind mii einem * Terseheu. 

Wir sind gern tereit, Jen Heeren ^fitoib^iteia aof WoiiBcli Arbeiten ans 
di-eaer Liste aom Eeferat zu besorgen, 

. AlizEkiao wski E.: Lea sentimeiita g^nänqnes «n tant gii'eUmeiits de I'eat^^ijqae ea 
da raysticiame, (Eavne psytlioJ. 4 (l), 191 L) 
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Ziegelrotli: JJeae Wege der Erkenatnifi tmd Eehandi'ang HerrenleiaBcier (Frank- 
furt a. M., M. Biöhiet, 1912). 



K oiTespondenzblatt 
der iiieraationalen Psychoaaaiyfeisclien Yereinigung. 

Bedigiett tod. Zentr&lpräsidanteii Dr. 0. 0. Jung and ^entralsakietär 
Dr, Frans Biklia (Zilrioli-K.aaaacM)- 

I. 

Mitteilung des Zentralvorstandes an die Ortsgruppen. 

[Das ZentraMatt betreffend.) 

Da Herr Dr. Stekel olinc Rücksicht auf die I. Psa. V, za nehmen 
das Zenttalbiatt für PsyehoöBalyse, welches offiüiell&s Vereinsorgan war, 
zu seinem persöülichen Organ erhoben hat, sah sich der ZentcalTotstEuid 
genötigt, die Torstände der Ortsgruppen statutengemäß zu einer Zusam- 
naenknuft einzala^en, welche am 24. Kovember 1912 iQ München 8"ta,tt- 
i»aä.. Es wurde dort beschlossen : 

Der Verein zieht sich von dem Blatte des Hetm Di. Stek^l zurück, 
indem er darauf verzichtet, sein Korrespondenzblatt in der gena,nnten 
Zeitschrift zu. verüffentlithen. Dem Priisidanten ■wird Auftrag erteilt, mit 
dem Verleger des Zenttalblattea Vethandlimgeii über die unTerzägliche 
ZiiiUckziehung dea KorteapondenzblatteB eo-wohl -«ie ?LUch übet jene des 
Abonnements des Zentralhlattes anzuknüpfen. Das Korrespondeiizblatt iai 
von nun an dem, von Hettu Piof, Freud iiaugegründeten and von den 
Herren Dr. J'erenczi und Dr. Eank redigierten Organ einzuverleiban. 

Die Verhandiungen mit Herrn BergraaTin, deia Verleger des Zentral- 
blattes, haben stattgefnocEen und etnaöglichen die nnverzügliche Aufhebung 
sämtUcher YBibJndhchkeitBn des Vereines dem Zentralblatt gegenüber. 
Die hieraus erwachsenen Kosten werden aus dem Vereinafonds beatritten. 
Das netiB Organ ßoll den Mitgliedecn der I Pa. V. zu den gleichen 
Bedingungen wie bisanhin das Zentralblatt überlassen werden. Die 
kontraktliche Begelung der Einverleibung des KoirespOndenzblattes soU 
nächstdena erfolgen, 

IL 

Verein sberichte. 
1 Ortagmppe Berlin. 

(Bericht über das SommersemBStei 1912.) 
Sitzungen: 
April: Diskussion über die imbe-wa&teD Grundlagen des AlkolioliBmas. 
jV[»i : Frl. Dr, Toigtländer : Psychoanalyse «ad Psychologie. 



112 KotreapoadBiizbtalt der latero. Psyohoaiialjrt. Veieuägang' 

Mai: Dr. Koerber: Beiträge zur Traamdeatatig (ÜbatttagöngstiäiiJHie). 

Dr. Abraham : Über sadistische Träume, speziell über Masseomord- 
ttäiiiae. 
Juni,- Frau Dr. Stegmana: Zor PsychoVogie der Karkose. 

Dr. Abraham : Kasuistisches. 
Jiüi ; Dr. EitiBgoa : Kasnistisches. 

Dr. Abraham: Psychoaaalyüselies über Ameohotep IV. 
Ottober: Dr, Koerber r Mitteilongea über eia«» Fall tob Schlaoitliaus- 
Sadismoä. 

Dr. Abraham: Über oecrotiäcUe Liebtscheo. 

EiDg^treten: 

SL^s;. vsr } ■■- ^-^ ^»" »" '-°- ««^«- 

Herr Di, E. Siioonson. 

Fraa Dr. M. Stegmaou, mit BegUmt des n^Tiea Yereinsjalires. 

(Adressen der neuen jüjtglieder im naclistehendeß Vetzeichnis.) 

MitgliederliBte: 

Herr Dr. K. Abraham, Berlin "W., BaD^estr, 24. 

„ Dr. P. Ejene, Stockholm, OesteriBalmsgatan 43. 

„ Dr. M. EitiBgön, Betlin-Wilmersdorf, Güataelstr, 2. 

„ Dr. R. Geratein, Hamburgs ColonnadBn 96. 
Frau Dr. K. Horney, Berlin-I,ftiijnvitz, "WaldmanDStr. 3. 
Herr Dr. 0. Julioabaigex, Berlin-Steglitz, Siemensstr. 13. 

„ San.-Eat Dr. H. Koerber, Berlia-Gr.-Lichterfelde, Boothstr. 19. 

p Dr. van de Linde, Huiaün hei Amsterdam. 

„ Dr. A. "W. van Bentergiein, Amsterdam, Yaa Breestraat 1. 

,., Dr. SimoB, Eerlia-Steglitz, Albiecbtstr. 124. 

„ Dr. E. Sirnoßsoii, Berlin-Chariotteabnrg, Kaiserdaami 88, 
Fran Dr. M, Stegmaiiti, Diesdeu, SidoDienstraSs 18. 

j, Dr. H. Stöukei, iNikolassee hei Berlin, Miinchofffitr. 1. 
Ftl. Dr. E. Voigöänder, Machexn fcfci Leipzig. 
Herr Dr. U. Vollratb, Berlia W., Luitpoldstr. 40. 

„ Dr. Wanke, Friedrichroda (Tfaüringen), Garteastr. 14/16. 

Im ueneo Yereinsjalir eingetreten: 

Dr. J. Marcinowski, "Hans Sielbeek am Üklei, Post Holsteinisclie Scbweiz, 

Ansgetreten; 
Lr. A. Stegcoauß, Dresden. 

3. Ortsgruppe Wien. 

A öfgeBOmBien : stuA med, Ernst MaicQSj'Wieii.T. OppoJzergasaa 6. 

Ausgetreten: Dr. WüheJm Stete), Wien, I. QomagagasEe 21, 
SanjtälBrat Dr. Gers t er, Brannfelfi, Kreis Wetzlar, 

1. Sitaang am 9, Oktob« 1912: Ordentliche Generalversammlinig. 

Reobenschiftsberieht der Fauktioiiäre. 
■Wiederwahl des Varstacdes. 



KorresponäenablaH der Intern. Pifchoanaljt. Vereinigang. ng 

Auf Aatrag Prt>f. Freuds lüdet sich, ein Eeferierkomitee, das die Auf- 
gabe bauen fioll, alle ErscheinaDgeu der päycboaiiAljtischeii Literator, 
vor allem das Jabrbucli, reg-elntfißig 2a beapr^cLen und diese Kri- 
tiken im oftizielIeD Vereinsorgan 7.a verüffentlicfiea. 

2. Sitzung am 16. Okiobw 1912; 

Cr. llaoä Sach^: Zur Metbodik der Trieblehve (die Arlieit 
£oU im Jalirbuch erscIieiDeo). 

3. Sitznng am 23. Oktober 1912 ; 

Referate, Kritiken und Mitteilung«!!. 

4. Sitzung am 30. Oktober 1912 ; 

Prof, rreDd: Eine kasuistlscbö Mitteilung mit poleoiiscbea Bemer- 
kungea, 

6. Sitzung atß 6. l^'oveiabei 1S12: 

Ur, 3, Sadgei: f^ber den Gado-ma^ociusüsdieii Komplex I. (Die 
Arbeit soll im Jatibuch erscLeinen.) 

6. Sitzung Bpa 13. SoTeinber 1912: 

Dr. J. S&dger: Über den sado-oaasochi&liiecheit Eamplex IL 

7. Sitzung am 20. >loTenjb«r 1912: 

Kasuistiscbe Mitteilungen und Referate. 

1. Prof. Freud: Zwei FraaeBschicksale. 

2. Dt. Hitschmaon-. Goütlje als Vatersymbol in TrÄumen. 
'i- Dr. ßsitler: Ein Beitrag zur Sex'OalayiQb&Iik des Auges, 

4. Boseoatein: Über Perioüziiät in Träümea. 

5. jDr. Federn: Verdrängung üiei eioem visaelien Hemsciieo. 

6. Dr. Tansk". Eine Tranmäeutang (Wortverdichtung). 

8. Sitanng atu 27. iNoremher 1912: 

Dr. VürtorTausk: Zwei Beiträge znrPsychoanalyse kßnat- 
lerischer Produktionshemmungen, 

Der Vortragende führte an d«r Hand zweier Analysen v<iö HeromaageD 

in der klinsfierisclen l'roduttion bei BernfstfiBstlem aus, daß der Eintritt 
der HemmBBg mit jenem Moment ZQäftminenföilt, in dem der Künstler eine 
derartige Verstärfcang einer Tliebart odw TliebkooipoBßnte erieidet, daß 
die Libido nicht mehr verschoben werden kann und dfti Trieb unnachächtig 
seine ursprüngliche spezifische Befriedignngsart fordert. Diese aoßergewöim- 
lich* XriebTetBttiTkiing tritt bei AidäSBen ein, die nagieicli bßFeisen, daß 
die betrefffinden Triebe infantU an gewisae Personen und Verhältnisse fixiert 
Bind. Diese AuJasae lassen den Sehiaß zq, daß ebea die OoiÄiiigUeit, die in- 
fantilG Fixierung: abzalöaen, wenn der üxierte Trieb eine abnorme Intsn- 
aitÄtaverstürkuag erftirt, das Wesen der Produktionabeaimnng ausmacht. Ans 
dem BpezifiscfieQ Chaiaktei der Triebart oder -komponente, deren Snblia)!*- 
rung aus den angefUhrteo Gründen und hei den bestimmteD Anlässen nnmiJgliirh 
wurde, schloß der Vortragende anf gewisso Bediagcngea der Icönstlcriscbfen 
Prodnlitnoa und anf die Rückfübrbarkeit der Inhalte des KnDstwerkes flol' iii- 
fantile Totbilder Öei Triebhetriedignügsobjebte. fAutörofeiet.l 




- Q.wi." uDirDiOCJt, UHU 

■soneu uad VeAUtnisse ^fixiert 

eben die Unfähigkeit, die jn- 

Trieb eine abnorme Inteu- 

ionateniniaag aosmachi. Ans 

-tompaaente, deren Sablimie- 

bestimmtcn AniääSeo nnEniSglich 



1 



rsonen uüd Verhältnisse liiiert 

ebea die Unfähigkeit, die in- 

Ttieb eise abnorme Inten- 

tiossbeauunag ausioaclit. Ans 

-kompimente, deren Snblimie- 

Ibe&tiinnitcn AnlässcD unmilglich 



, u^— AWAvJu Mi^nmAClli 



lUUf 



reoaen und VerbältaissB fixiert 

eben die VJo^igbeit, die ib- 

Trieb eine abnorme Inten- 

tioßabemmang ausmacht. Ans 

l-komponente, deren Öabliinie' 

Ihestimratcn Anlässen onmiSglith 




■aonen uad VeThättaisse fixiert 
eben die Cof^gkeit, die in- 

Trieb eioe abBorme Inten- 
:tiOnabeminnng ausmacht. Aos 
-kompoiiente, derea öablimie- 
beatiffiinten Anlässen nnmUglictt 



rsoaen und Verhältnisse fixiert 

eben die Ünffihigkeit, die in- 

Trieh eine abnorme Inten- 

tjoQsheiiituiing ausmacht. Av& 

I -Komponente, deren Sablimie- 

IbestimiatcD AnläfiscD Dnm<igli(-h 



^^^^^^__^_^^^___ >,.-.-aoM«c aui gewisse üt 

i'rcdnfetion nnd auf die Rückführbäi-keit dar Ii 
fflnttle TotbiVder der TriebbeMedigungsobjekte. 



£.OiTäSpoD<ieiLzbl!itt dei Intsrt». Sajelioanalyt. Vereinigung. H^ 

der Maske der Ironie nn3 des Spottes, tritt aber einma!, in Helgoland, wo 
er nach dem Tode des Vaters augcsiehts des Meftrea (Muttersymbol) wie nßn- 
geljorea ist, in der B^wiioderaag für die Größe und Schönheit des uralten 
Heiligtiiias seiaes VoUces klar jus Bewußtsein. Dadarct tindet m z-nat zeit- 
weilig eine Ucssere AnipaisTiiig an die Wirklichheit, die deßnitiTe Umvaadliiag 
aber findet nicht statt. So wird sein Lebea zu eineni stäiidig -wachsenden 
degStit ia beiden Passionen, bis iliiu die Mairatzengrofc eiue tiefe Introver- 
sioa bringt, in welcher ec io dfiQ „Gß&täniiDJsson" an den Aofaug seines 
Volkes zurück kelirt. Es ist der A''ersaL-Ji, sich schließlich doch noch von der 
Nenrose zu b«iVeien. dvurch die et ,nur ein Dichter" geworden ist. Er 
erkennt das hohe Ideal in sieb und überniadet den aegatiTen JK:o>uplex. Pamit 
wiederKoSt unii voUttidei er die Eatwicklaiig seines Volkes, die bereits in 
der hebrilisL^hen Urgeschichte des S-taramvaters .lakob-lsra^l typisiert vaj. — 
H's Beispiol zeigt deutlicli, daß die Jugend des Menschen sein Schicksal 
bedingt, iosofera durch den Binfiufl der Umgebung cliarakteristisoUe Kigea- 
Bchaften der Vorfalirea stark entwickelt werden and nnter besonderen Um- 
ständen das ganze geistige Erbe der Ahnen wieder in die Ersche^ßcmg tritt, 

(Äutoreferat). 
Sitzung vftm 22. November L912; 

Dr. 0. G. J n n g : Zur Psychologie des Negers. 

Die Negerjjsyoho-sen sind dieselben wie diejenigen der Weiß«o, In den 
leichteren Fällen ist die Diagnose schwierig, weil maa nicht sicUev ist, ob 
man \ic11eicbt mit Aberglauben zu tun bat. Die Untersuchang luaelit dadurch 
Schwierigkeiten, da£ der Neger nicht Terataht, was man von ihm -will, und. 
aiiUerdem unwissend ist fweiß sein Alter miibt — liennt keine Zeit], Er 
zeigt eine grofle UnfSthEgteit auf die G-igeDen Gedanken einzugehen, eine 
Erscheinang, welche dem "Widerstand bei nnseren Patientea analog ist. Von 
Haltuzinatiouen wicd wenig gespto&ben ; VfsbnideGn und Träume werden 
gesagt, jedoch auch wenig. — Der Xeger ist außerordentlich reügiüs — sein 
GottesbßgriS vs\i aeiij ChriatTisbegriB sind sehr konkret. Der Vortr. hat bei 
einer früheren Gelegenheit ausgeführt, wie einige Eigenschaften der Ameri- 
kanei (z. B. ihr seli-coutml) aus dem Zusammenlebea mit den {unbeherrschten) 
Negern zu erklären seien, in der gleichea Weise übt dieses ^usammeuEebes 
ftoch auf den Meger einen Einfluß tms. Der weiße Mensch ist dorn Neger 
ein WunschliiM, was sich in der Eeligion dadurch zeigt, daß Chmfeas itnaiev 
ein weißer liann ist. Er möchte selbst weiß sein oder weiße Einder habeu — 
io der Ümkehrung; er wird von Treißen Menachan vettolgt. In den Tranm- 
beispielea, welche der Vortr. bringt, tritt der Waosch resp. die Aufgabe, sieh 
dem weißen Menachan anzupassen, selir häufig a.B£. Auffallend ist, daß in den 
Trinmen eine grolle Anzahl Opfersymbole vorkainmeiij genau so, wie eie der 
Y-ortr. in seiner Avbeit'. "Wandiuagen nad Sjmbole der Libido erwähnt hat. 
Diese Tatsache weist wiederum darauf hin, daS diese Symbole nicht nur 
christlich sind, soadem ihres üis-piung in einer bäolo^schen Sotwendigkeit finden. 

Sitzung vom 6. Dezember 1913. 

Dr. A. Maeder: Der Heilungsvorgang der Kanrose. (Gracbeint in Druck.) 

Sitzoög vom 20. Dezember lSl2. 

Als neue Mitglieder wurden imfgenonunen ; 
Dr. H. Sclimid, Cery bei Lansaime, 
Dt. H, LiebermaBn, ZcUikoi) bei Zuiich. 
Frl. Dr. Brockmann, Burghökli, Zürich. 

8* 



2ig Korrespondenzblatt der Intern. Paychoanalyt. Vereinignug. 

Als Sekretär für die Orts^itppe wurde gewählt: 

Dr. pbil. 0. Mensendieck, KeitenstruSc 40, Ztirich V. 

Pfr. A. Keller sprHcb Über; Die Beurteilong von Jungs „Wand- 
Inni^eQ und Symbole der Libido" datch ä» HeligiDnswisseDscbaft. 

Für die ReÜgioaswissanachaft bat Jungs Arbeit eine doppelte EedGistaBf : 
eioe religio iiHg&schichtliche und eine raligionspsj'Chölogische. EeligionsgeschjchÜicli 
wird EJcbt 2n Jeiigtieo sein, da& das ChristeutUTo nach seiner Entstehung nnd 
seiner Geschichte in engera Zasammenhaßg mit den vorderasiatisches Keli- 
gioBea gebracht werden muß, als os in der VergsogeoheiG gescbsli, ■wenn auch 
nicht alle roligionsgescbiclitUche Parallelen immer getmgend fundüct seien o4er 
die beliauptete iJeTeiskraft haben dürften, um etvra direkte historische Ent- 
lelinuDgeii und Übergänge oder etwa, die Uagesthielitlichkeit Jesu w&hrsdieinlicli 
zü machen. An der religiönspsyehologischea Position Jungs kann die Tiieologie 
manches als eine Treitvoile BeTeicberang anerkennen. EinmaJ, in der Frage 
nach der Entstehung der Keligiün, die Ableitung ihrer Farmea, eoveit sie 
msfenschatilich fuAbar sind, ans emotionalen Gembtsregungen, die cgofugal 
verlaufen und die religiösen GeMide hervorbringen, -wobei es dem religjijseD 
Subjekt unbeiiomine» bloibt, sie als Folge einer voransgehenden egopetalen, 
göttlicben Wirlning üu betraebteiö. Die Theologie begrüßt auch freudig die 
Aüörkennung dcs biologisolien Wertes der Reiigioo, die nach Jung tief mit 
der psychologischeo Straktar znsararaenhäD^t. Eine DeraarkatiousJinie wird da 
sichtbar, wo es sicJi um die erkeDUtaistheoretische Eeschjänbang äes rein 
Psychologisdien bandelt, dem es an sieli nicht veriieften iit, weder zur Anf- 
stellung von Wert and CHHigfeeit, qoc1> überhaupt zur Anerkennung einer 
transsufijelttiveD Renlität voizudringeE. M'it etwas geworden ist, eotsqheidet 
Tveiler Über seiaen Wert, noch über seine Gültigkeit. Die Anerkennimg eines 
bloß biologischen Wertes dürfte nicht nur der Ee!igi.onaviisseßacU!ift, so&(tem 
tlberhaiipt jeder Philosophie als ^¥jssensc)laft der Werte ungenflgend sein, die 
im blofl Bi;oLogiscEiea noch oirht den höchstefl Wert erblickt. (Aiitoreferat.) 

HL 
Kleine Mitteilung. 

Ab der VIII. Veraammiueg der Schweia. Neurol, Gesellschaft 
in Laa-ero am 9. and 10, November 19i3 wni-den zwei Vorträge gehalteo, 
welche sieh um die Psychoanalyse drehten, nämlich von Dr. P, L. Ladame 
(Geneve); jSevrose et Sexualitö und ton Dr, E. von Kochler (Mont P^Ierin); 
Dementia praecos oder reactive Deprossiou? Die Vordre enthtilten för ans 
keine wissenschaftliche Bereicherang, 



Inhalt des I. Heftes. 

Orj^inalarbeiteu. scue 

LPrpf. S. Prand (VT^nJi ViiitMii^tauhlSge aar Tedinik äerTBjcbo- 

Binüssa.i.^^i'^iibang-.^^'ffibaiDiiang i 

ILPii^.S^^^Jovii)B.^asAah): DlB''Be!äBb-[Uig smiachen Äogstnettro-se 

vaä iJol^dij'Blwifl ...,•,.. .'.... 11 

in^pPr.L. fieif (Maa(4|PBj;üü)r'pBj^Ppaä»ologie der Angst, ,,.,,. 3Ö 
IV. Dr. Pitil P&doin. (Wi^j: Beitrage zpff Änalysu das SadiErnua oml 

Masoobkmiis.,l.:.Efe''Qael^il^'i::9le^cheii Sßdismits 28 

V. i>r. Otti aWHt^^öÖ): „ÖiajrfaljrbneTonEpliBSiia'', Ein Deatongaveisncli 
dsr^abal v»ii dar JäwnloHeä'WnnFe < 50 

Mtteüuiigen. 

LDr. EidBBfd Hita^Utnana (Wkn); Gesteigertea TrieWö^n und 

Zwaug^imme bts eJaeiä KiDde * 61 

ILAoB dem InA^l^^S^atbolfitiaD: 

l.I)l..I5. Qlialb"Si:?;(!r'Cäch;affiJaasen}; Ein EnideMrlebnia 69 

2.1)1. EmiltBte^K'(Wieji](:. J^ßiporo SoliiiletliBft 70 

3. Dr. i^aiilK. P^jaiij,ti^gi;"W»(i);l"«tiin einas aechgj&lirig&n Midchona 71 

1. Pro£,;^Fi!g*ä"d (WiffiÖi''.Ein-Trailift aia Bsweismittel ...■.,.. 73 

2. Ein«i>ei^plHjai8 nyt,speiiiBD»T"BedM.tTiiig. 

3. Di. H:4nnBS»tfii&<Wen): E3ft''Twrom Biamarcka 60 

Eritikea tmd Eefer&te. 

J&brlnicdi £ ^xobfiaaalyt. oud pB7ohoiinäiO'l> Forsah-imgeii, rv. Bd. 
101% L.d^: 

1. Dr. i lffpHt<(B: Analyt. BeobaohtnägBa üfcef Phantaaiett einea 
SoUiöpiiujl^ '(Dr. Victor Tanak) 8d 

2. &i^ÖJ(WvB"lBl«ia; Päjcliülogiaclte Ansljße eines Panuioiden (Dr. 
V^ifi.Hor TaaStk) . . . . , 88 

3. JW- OiB»>k^|He;ajrö'b<»lflclii()}i£aiigiai'W'ecktranjo and üjraWiedM- 
i& il^mjÜäwWpen£B9-,{p.r..E.Hit8oliioa.iin) 88 

i. S^l>9't«SilbqLTec: Spe^flai)|ia2()(mtiäiiiTie (Dr. E. HitBch-mano) 89 
b, DR'S;'&j|ie1»eiö: Dia iWiroktlün als üraacliu des WerdenB {Dr. 

P'smll^ae^n) ..■ • • 89 

Prof. E^üaBfc.S^&nefl^PflpBM oo'.Peyiilio-iDalysiB (Dr. S. Tsrenosi) . 93 

Dr. A. H««;ÄQp: Söc.'te looaji^iwnJ-firoJiHiiaäflfqni} ^r. S I'erenczi) 94 
Dr. S. E;areiloii: Th4 Pajota^AooIriJa of Suggestion and BypnosiB 

(Antatet) • 94 

H. Bieok: Tröatata und Psycho (Dr.E. HitaobimanQ) 94 

0. JaiiBBburgar; Die Bedeatong- SoLopenlia-nera fiii die Paychiatria 
(Br, E. Hitaoliinaua) 94 

Aus Veroinea iind V6raa,mmluiigen. 

Bericht aber die UX Jaliresaitanng dea Intematioanlaii Veraias fte 
mediziniasliö Psychologie und Päyoliotherapia am 8, nnd 9. SeptemUBr 
J01S in Zürith (Dr. L. Seif) 95 

Sprechsaal loo 

Varia. 

1. ZOT pByohoaoalytiMlion Bewegang . 101 

S.Aus Dichiern 103 

Bibliographie 105 

Korreapondenzblatt Äat Internationalen PByGboanalytiBcheii 

Yereinignag HO 



Verlag Hago Heller & Cie., Leipzig «.Wien 1. Baaemmarkt 3. 




Im swmtfln Jahrgang crsolieiat: 

IMAGO 

ZEITSCHRIFT FÜR ANWENDUNG DER PSYCHO- 
ANALYSE AUF DIE GEISTESWISSENSCHAFTEN 

Heiausgegaben von ProfeHSOi' S. Prend. 
SehnftleituD^: Dr. Otto Bank, Dr. Sanns Sachs. 

Jftlirüuli 6 Hefte, etwa Sli-dO Bogwn. 

Der tlbor Enrarten gUnatige Erfolg des abgelaiifenon erstou Jnhrgsti^a 
hat nuB vor allem des lutccesses Janer versichert, an dio Eich die KettncliriFl; 
«anächat wandte, nicUt minder aber die Huäunng Iiostätl^t, daß auch ireitore 
Kreüe an den Problemen nad Ergehnisaan tmeeriir jungen Wissenacliaft Anteil 
aflhmea werden ; audiich Iiat niiB dio rege Blitarbait der Vertrflbor Terschiedener 
FaoligBliiete das Bewnötsi'iu gegelien, duB imsor Udittirnöliin«)a annh itndtandö 
war, der Anrogaajj goifltiger PrudülttiunsKttii^küit au ditMtßii, 

Die reicIiB und violBuitigB' Arl)eit dos abgelaufenan Jahrgangs aeigt dia 
InhaUnilljorsiv^lit und wir dürfen IiHÖba, mit dor Fostlmltung nud Aoä^eätaltmig 
nusares Progmuuns auiili nasorün Erfolg üiuliera nnd Eteigöm an k.ötm.öD. 

Satreit us dnrciiRlKrl'itr ist, müIIou uUe jenu Kwoige der G-oisteätviBseQ- 
sobaften, fllF dio die Psyclboitnalysa Bedentnng gowoiinen liat, xa Wort kummen; 
anoli soll weiterhin nol>en Sondttrjii'oljletueu der Individualpaytstiologie liesondeni 
die Völker|i3yciioiogie einea broitea linnm eiimeliiaBn, ilia ja Jim dentlic!ist«u den 
Wert and dioPracbtharköit der nni Iflinzöinon gewonnenen Seöloufceniit-nis orwflist. 

AsIJMlik, Lileratmy/escliichf.f, f^tilolotficj PMu^agikf Mirakhstii-t>, KuUur» 
und R^igi'magfischkhti:., Etlttitgra^ilü« iini tülklcfi, nUe im erat«» Jedirgang 
bereits vertreteo T/area, äolleu soigfJÜti^ wei^gepfle^ werdesj andere Wlas&a- 
sß!iaften, besonders die If.yifiäw/ö'rMfeiöy, 'Aaa.ii.ArK^^SMDpMsxtia^.Mtiit^^'kysik^ 
soweit sie ein^r paychD&igÜicIio]» Sc^^BclittlQ^weifft} «qgfti^di ain^we^eD Lüiza- 
kommen, so daft^er. d^t. w vissauabußliahea' Focsi^iu^sJLQtBU aiBim^.j$e Pro- 
blem«, die ibi^yöi^^itc^ intwa8äareB,nnteE otmeiGetdftlrtwpQnkten ^haudelt Imden 
wird. Biß ElsbaitlicbJuit wird dotok die gemeuiBaiaeB^iebiiag ziv PjgyolioaQaly^e 
gewahrt 'TC«i'dpn,^n^ «Üe jiedes' PrableiB in neue ZüfiamioeoliÄage «ingsßjgt wu^. 

VoD Beibif'gea, <Qs d«r zv-eite JaÜtgaiig bringen soll, soea fioer genannt : 

Prof. S'r«nd: tl^bex eiioget^beranBUiiuiiaDgQii^iaa SeelenUhen dei- Wild«a 
und der Nenrotücer (PsTtie^ang der AitikeÜerie ans deoi 1. ^ahif^aug) ; Dr. 
Ferenüsi: Die obta^niiiiBalie Wiirzel de6-k(t{^f^i8tisciu»i Trieiwa^ Dr. E. 
Hitschmansi-Subop^k&iHiflc; &Xi^ai^eaz: Dar^nWeDmeliTt in der al^meinen 
MytIioIogie;^Dr. Eank: ^^^ii^^niiiv der N'floktiieit-'ia Säge uüd IHchtung; 
Dr. Saohs^'Öcbliitslera Motivs itJ^Ge^tenj Dr. A. Bperber: Dante n.a.m. 
tV>^->'^ SohlidBbh sei nocJt dU^f'l}iogemä&Qn, dofl der bisherige Erfolg es nns 
ermSgliaht, im awreitB-n ja^rgping ctie angek (Indigto Bogenzahl 
(etwa 30 DmeklMigeQ iisu Jabr) za leiMheD, ohne daß dsmit eine Erhühnug 
des Abonnementepi^aeB (M 16,. — ä K 18. — ganKJährig) voihonden wäre. 

Änch wirä eir^ gw™!^hi8«läw!,Äi>wurcuieBt anf .Jinago" und die „later- 
natlonale ZeitsehlW fSr ärxUlcbe t*Bychoana]ysQ'> zum ei-niaßigton 
SesamtjahreapEefEf von M 30.— = K ^38-— eröffnet. 

Üedaktion und Verlag. 







Wien, im Jaaoar 1913. 



C Vi. &4 Sufbachdruc^rDi Eul PTODhaflSia in TnDühcn.