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Full text of "Internationale Zeitschrift für ärztliche Psychoanalyse Band V 1919 Heft 4"

a 



INTERNATIONAL 

PSYCHOANALYTIC 

UNIVERSITY 

DIE PSVCHOANALVTISCHE HOCHSCHULE IN BERLIN 



Professor Dr. James Jackson Putnam f. 

In dieser Zeitschrift. ') erschien bereits eine kurze Anaeig« von 
Professor Putnams Tod mit einer knappen Würdigung seines Cha- 
raJbters und Hinweis auf deji Verliist, don die Psychoanalyse erleidet. 
Wir empfinden es als unsere PfJiclit-, uunnielir auch eine Darstellun^a^ 
Bcineä Lebens und seines Wirkens folgen zu hissen, insbesondere inso- 
weit dieses unsore AVissenschaft betrifft. 

Professor Putnam wurde in Boston am 3. Oktober J846 ge- 
boren, hatte also das 72, Jahr gerade übei-seliritten, als er aju l. No- 
vember 1918 starb. Seine Vorfahren entsiammten den angesehensten 
l^ajuilicn Neu-Englands. Sein Vater war ein sehr bekapnter Arzt 
in Boston tind sein Großvater war viele Jaliro Richter am obersten 
Gerichtshof des- Staates Massachusetts gewesen, Sein Großvater müt- 
terlicher Seite, der eine Cabot geheiratet hatte, war Dr. .James 
Jackson, einer der hervorragendsten Persönlichkeiten seiner Zeit 
in der amerikanischen medizinischen Wissenschaft. Professor Put- 
nam veröffentlichte im Jalire 1905 eine Gedenkschrift über ihn. 

Professor Pnluam ei-wai'b seinen akademischen Grad an der 
Harvard-Universität im Jahre 1S66, im frühen Alter von 20 Jahi'en. 
Er setzte seine medizinischen Studien bald dai-auf im Ausland fort 
und studierte in Leipzig, Wien und London, und zwar unter It o k i- 
tansky, Meynert und Hughiings Jackson. Sein Entschluß, 
die Neurologie als Spezialfach zu wählen, war somit bald festgestellt 
und nach seiner Rückkehr nach Amerika wiu-de er im Jahre 1892 
als Dozent für Nervenkiankheitcn an die Harvai'J Medical School be- 
inifcn. Im Jalire 1893 wuixle er, als der erste, Professor für Krank- 
heiten des Nen'cnsystems an dieser Uaivei'sit^lt und behielt diese 
Stelle bis 1912, wo er sich als Professor Emei'itus zuiückzog. Eine 
andere Anstalt, mit welcher er in be.sondei's enger Beziehung stand, 
war das Massaclmsetts General Hospital, an welchem er eine neurolo- 
gisclie Klinik begründete, dei-en Vorstand er von 1874—1909 war. 
In früheren Jahren xmterhielt er in seinem eigenen Haus ein neuro- 

J) Laufender Jahrgang, Heft 1. 
Zalfiohr. f. Irril. Pijchoanfclyie. V/t. 16 



234 Professor Dr. James Jackson Patnam t- 

pathologisches LaboratoriuJii, das zum Vorläufer des gegenwärtigeB 
Depai-tment bif Neiiropathology an der Harvard Medical Sdiool 
wui-de. Beim Unterricht der Ajifangsgriiiide zeigte er sich nicht 
von seiner besten Seite. Der Gegenstand war für die Studiinten hloß 1 

fakultativ uaid galt als praktisch nicht besonders wichtig; zudem j 

besaß Professor Putnam die Pähigkeit, seliwicrige Uegenstände ' 

auf ■elementapc "Weise darzustellen, vicHeicht nicht in liohiun Maße, 
da gerade der Reichtum seines Wissens und die skiiipulöse Gewissen- 
haftigkeit, mit der er es in seiner Gänze mitzuteilen suchte, einem 
vollen Erfolg entgegenstanden- Doch machten eben diese Eigen- 
schaften seinen Unterricht für fortgesclirittenerc Hörer um so wert- 
voller. 

Profesßor Putnam war der letzte tlbei'lebende von jenem Häuf- 
lein Männer, die im Jahre 1874 die American Neurological Association | 
gegründet hatten ; er war auch einer der Begründer der Boston Society . 
of Psychiatry and Neurology. Er nahm während seiner mcdizinisciicj^ '^ 
Laufbahn aktiven Anteil an den Arbeiten und Diakussionen dieser 
Gesellschaften ebensowohl als auch an denen mehrerer anderer medi- 
ziuischen Vereine, z. B. der Association of American Physicians, 
der American Psychopathological Association, der American Psycho- ^ 
analytical Association und wurde zum Präsideuten der meisten 
gewählt. Er wai- luizweifelhaft einer der Pioniere der ameri- 
kanischen Neurolog-ie und der Mangel an Sympatliie und Beistand, 
unter dem dieser Zweig der medizinischen "Wissenschaft ursprüng- 
lich litt, diente nur dazu, jene Festigkeit und Ausdauer anzuspornen, 
die ohnehin seine hervorragendsten Chaxakterzügc waren. Er leisteto 
Großes auf dem Gebiete selbständiger Poi-schung in kliniachei- und 
pathologischer l^eurologie und veröffentlichte mehr als iiundert Auf- 
sätze dai-übcr- Die meiste Anerkennung verdienen wohl .seine Bei- 
träge zum Studium dm- Neuritis, insbesondere infolge Blei- und Ar- 
senikvergiftung, und anderer Affektionen des peripheren Noi-ven- 
systems; er arbeitete mehr über die Kervenstränge und Leitungs- 
hahnen als über das Gehirn- Er schj-ieh vielerlei, aber immer mit 
der genauesten Sorgfalt. Seine Meisterschaft des Englischen ist so 
großi, daß seine Werke schon allein der Sprache wegen, in der er 
seine Gedanken voi-tnig, lesenswert wären- 

in fi'üheren Jahi^en standen die Probleme der organischen Neuro- 
logie im Mittelimnkte seiner Fachüiteressen, docli in den letzten 
15 Jahren seines Lebens widmete er sich hauptsächlich der klinischen 
Psychologie. Wie die nachfolgende Bibliographie zeigt, gehören neun 
Zehntel seiner Schriften über dieses Gebiet jener zweiten Periode an. 
Den Tlliergang scheint er auf dem Wege über die traumatischen 
Neurosen gefunden zu haben. Ebensowohl wegen dei' überragenden 



Professor Dr. James Jackson Potcani f. 1)05 

Stellung, die er in dor Neurologie einnahm, als wegen seiner außer- 
oi-dentliclien Aiifriohtigkoit und iinpjLrt-_nischen 'Walirlieitsliebe, wurde 
er in ausy-edelmtem Maße als Sachverstaudiger in Eechlsfällen dieser 
Ai-t "beigezo{,'^n imd seine Dimmermüde Sympathie, die besonders den 
tmgenügond verstandenen Leiden a.ndorer galt, brachte ilui bald dazu, 
an den iramna tischen Neui-osen ein starkes Interesse zu nehmen. 

Der ei-slc wirkliche Beilrag zur klinischen Psychologie erschien 
im Jalire 1904 und da dieser hier in verschiedener Riclitung Interesse 
verdient, ma.g eine kurze Inhaltsangabe gestattet sein. Der Verfasser 
bespricht mit charakteristischer Bescheidenheit die letzten Leistungen 
anf dem Gebiete der Psychotherapie „durch die Spezial forscher auf 
diesem Gebiete". Der einleitende Satz ist auf eine Sympathie mit 
den neurotischen Leidenszuständen gestimmt, die zu jener Zeit noch 
weit seltener war, als sie selbst jetzt ist. Er lautet: „Es gibt nur 
wenige Kraiüdieitszustände, die dera Glücke der Gesamtheit mehr 
entgegeu-stehon. als jene, welche eine schmerzvolle und beeinträch- 
tigte Betätigung des Seelenlebens mit sich bringen, auch wenn sie 
nicht das Vorhandensein einer vollen geistigen Störung (d. h. AVahn- 
sinn) anzeigen." Er sagt dann weiter: ,.Es geschieht oft, daß die* 
Frage des "Wohlbefindens oder Loiden.s der Patienten mit schweren 
Formen der Neurastlienie (d- h. Neurose) in hohem Maße von Um- 
ständen abhängt, die man gewöhnlich eher unter die sozialen als 
medizinisch wichtigen eim-eihen würde, obgleich tatsächlich der Arzt 
von großem Nutzen bei der Entscheidung darüber sein kann, welche 

"Wirkung diese Einflüsse auszuüben haben werden Die Zeit kommt 

ganz gewiß, in der die Nervosität nnd selbst ernste Geistesstürmigen 
in ganz demselben Licht betrachtet werden wie andere Krankheits- 
eracheiiiungen und mit dem Heranwachsen eines solchen Gefühles 
wird eine erhebliche Milderung dessen, was die Einzelnen zu leiden 
haben, eintreten." Die Wichtigkeit, die hier der sozialen Seite der 
Neurosen beigelegt wii'd, war bezeielinend für seine dauernde Einstel- 
lung und s{.and im Gegensatz zu der damals voi'^waltenden, weniger 
weitsichtigen medizinischen Ansehauiing, die in ihnen bloß eine „funk- 
tionelle" Störung des Gehirns .lali. Mit diesen Worten war sein künf- 
tiger Wii-knngskreis vorgezeiclinet, der in der Erweiterung des be- 
rühmten sozialen Hilfsdienstes (social serviee) des Massachusetts Ge- 
neral Hospital bestand, so daß auch die soziale Fürsorge für Neurosen 
darin aufgenommen wurde; dieses Werk ist heute in Amerika unter 
dem Namen „geistige Hygiene" eine nationale Bewegung geworden. 
Die beste Darstellung der Bewegung füi- sozialen Hilfsdienst enthält 
ein späterer Aufsatz, der den Titel „Die Behajidlung der Psychasthenie 
vom Standpunkte des nationalen Bewußtseins" führt (Nr. 10 
der Bibliographie). Nach dieser Einleitung bespricht ei- die letzten 

16* 



23(i rioCossor Dr. James Jackson Putnaiii ■'(. 

Weihe von Janct, Princc und Sidis über das Unf ft-tHiwußte 
und bemerkt: „BicM Untei-siichungcii haben uns freiehrt, duß wir 
irren, waim wü- uns als frei ha.ndehid aii-sehen und unser Seelenleben 
uns ahs ein hamionischer Mechanismus erscheint; niemand ist so frei 
und kein Leben ist eine so vollkommene Einlwiit, als es der eigene 
Wunscli gelten lassen möchte-" Das emeut ansteigende JnLercssR am 
Hypnotismus veranlaßt üui zu der feinen Bemerltung: „Meines Er- 
achtens ist die Erkenntnis deutlicher geworden, daß es uriniiiglieh ist, 
mit der ,vSuggestion' auf eine befriedigende Weise umzugehen, ehe 
wir niehl erheblich mehr über da^ Wesen der Krankheiten wissen, 
fcei deren ]3ehand.huig die .Suggestion' ma.nc,hmal einen Teil der Heil- 
wirk^lng leistet." 

So ausgestattet mit Einsicht in die soziale Natur der neurotischen 
Störungen, mit einiger Kenntnis der untverhewußten Vorgänge und 
dem i-estiosen Wmiselie, mehr davon zu erfahmn, mit einer iingcwöhn- 
liehen Sympathie für die Leiden der Neurotiker und einer außer- 
ordentlichen Fähigkeit, auf die Idoeugänge anderer Forscher einzu- 
gehen, ging er an die Werke Freuds heran. Er seheint sie in 
dem daj'auffolgenden Jahre mit Aufmerksamkeit gelesen zn haben 
und obgleich es di-ei Jahi-e währte, bis er die neuen Theorien gänzlich 
annahm, veröffentlichte er 2U Beginn des Jahi^es 190U cini^n Aufsatz, 
der in mehr als einer Hinsicht besonderes Interesse hervorruft. Zu- 
nächst läßt sich hehaupl«!!, daß abgesehen von einigen l^cspi-eclmngen 
der , .Studien über Hysterie", unter denen jene durch Mitchell C larko 
in „liraln" 1898 ein dauerndes Gedächtnis verdient, dieser Aufsatz der 
erste über Psychoanalyse im Englischen ist und zugleich die erste, dem 
Gegenstand gerecht werdende Darstellung in dieser Sprache. Er gibt 
eine ausgezeiclmete, wemigleich kurz gehaltene Zusammenfassung der 
„Studien", „Ti-aumdeütimg" und der ..Paychopathologic des Alltags- 
lebens" und bemerkt dazu mit der ilim eigenen VoTnehinheit : „Alle ^ "^ 
diese Veröffentlichungen sind in einem flüssigen Stil gesohriehcn, mit 
einem Eeichtnm an Erläuterungen, der von ausgedehnter Lektüre 
und allgemeiner Bildung und von leln^ndiger Einbildungskraft zeugt; 
sie haben Uim einen aufmerksamen Leserkreis gesichert, dem ebenso- 
wohl Psychologen von Beruf als Neuix)lugen seines eigenen wissen- 
schaftlichen Ranges angehöi'en." Er berichtet von drei Fällen, in 
denen er die psychoanalytische Methode anzuwenden vei-suchte; wie 
zu ervvai-teu steht, blieb die Analyse in den elementaren Anfängen 
stecken, sie ist jedoch keineswegs oluie Tntieresse. Er faßt dann seine 
Einstellung zu dem Gegenstand zusammen. Seine Kritik unterscheidet 
sich sehr stark von der gewöhnlichen und wurzelt hauptsächlich 
in seinen philosophisch begründeten Zweifeln, ob da-sjenige, was an 
all^i Erinnerungen und GofubL^einstellungen wieder auflebt, wirklich 



I 



r 



FrofeEsor Dr. James Jackson Futnaui f. 337 

das Ui-spriiugliche ist oder eine spätere Nach wirk luijf davon. Hiii- 
sichtlicli dar psychotherapeutischen Ajiiveiiduiig drückt mt Zweifel 
aus, oh die Methode außi'r in den schwei-sten Pällcn nötig sei, und 
Icmüht sich, sie mit aaideren Methoden seelischer Erneuerung zu ko- 
ordinieren, die ilim vertraut-er sind. Seine „side— tracking"-ßehand- 
lungsmelliodc ist offenbar ein Versuch, die Sublimierung xu erhöhen, 
die neurotischen Symptouie diut'li soziah' Betätigungen zu ei-setzen. 
Kui'zuin, er hatte dajnals füi- die Psychoanah'se ein starkes Interesse 
gefaßt, Aval- alwr noch nicht von Uiivr Richtigkeit überzeugt. 

Im Dezember 1908 lud mich Ür. Morton Prince ein, sein Gast 
iu Boston zu sein- wo ich zuerst mit Professor Putnam zusammen- 
traf. Dort imgekommen fand ich, daß- mau von mü' eine Auseinander- 
eetzung über die Psyelioanaij'se vor einer Versammlung hervor- 
ragender Psychologen und Neurologen erwartete; ich erkannte so- 
gleich, daß l'rofeseor Putnam die übrigen sowohl durch seine be- 
i-eitwill ige Aiifnahmsl'ähigkeit ais auch durch den eiiiaten Wissens- 
drang, der ilui Frage nach Frage stellen lieü, überragte. Dies zu- 
sammen mit seiner, mich fast in \'erl6gienh,eit setzenden bescheidenen 
Haltung mir gegenüber, der mehr als 30 Jalire jünger war als er, 
waren die Eindrücke, die am st^irksten auf mich wirkten, und die 
J^i-eimdsiihaft, die wir damals schlössen, war anhaltend und fest bis 
zu seinem Tode. Im folgenden Mai arbeiteten wir zusaniiuen an einem 
Symposion über Psychotherapie mit, das von der American IMiera- 
pcutic Society in New Haven gehalttm wurde, und von diesem Zeit- 
punkte jm durfte ich Um endgültig als psj'^ehoanaly tischen Kollegen 
betrachten- Im August desselben Jahjies fand der Besuch Prol'esfior 
Freuds, der von Jung und Ferenczi begleitet war, in Amerika 
statt. Pi-ofessor Putnam traf mit uns zusammen - — Bril! war 
aucJi dabei — und gewann, wie wii" alle, gi-oßc Bereicherung sowohl 
durch die \'orlräg-e wie dui'ch den Vorteil des persönlichen Umganges 
mit Pix)l'css<>r Freud. Dieser wai' sein tiast in seineni Sommer- 
lager im Adirondackgebirge und ich zweifle nicht, daß die Eindrücke 
dieses Aufenl haltes beiden höchst erfreuliche Erinnerungen hinter- 
ließeu- 

Diese Ereignisse bildeten deji Wendepimkt in Professor P u t- 
nams 'Einslellung zur Psychoanalyse- Er blieb von da an ein über- 
zeugter imd enthusiastischer Anliäiiger und dei' Hauptteil seiner Be- 
tätigimg in den restlichen zehn Jaiiren seines Lebens wai- der Aus- 
breitung der neuen Wissenschaft gewidmet. Noch im selben Jahre 
schrieb er einen längeren Aufsati; : „Persönliche Eindrucke von Sig- 
mund IVcud und seinem W^rke," der in Amerika in weiten Kreisen 
Aufsehen hervorrief, mid seither verfocht er nimmermüde die Grund- 
sätze der Psychoanalyse vor Kongressen, inedizinischcn und psycho- 



238 Professor Dr. Jamea Jdckson Futnam f. 

logischen G>«sellschafk;n, in Einzcivor trägen und Kui'Hcn, überdies 
in iimfangi'eLcheiL Schriften. Im Jahre 1911. kam er nach Europa, 
besuchte Jung in Ztirieli — Profiissor Freud war ebeiil'alls dort — 
imd hielt einen Vortrag auf dem III. Iiitfirnationalen Kongreß für 
Psychoanalyse in Weimar, wo die europäischen Kollegeiii Gelegenheit 
fanden, mit seinicr Persüidichkeit besser heliaiitit zu werden. 

Obgleich einige seiner psycho iinalytisclieii Sclirifieii nach der 
Seite der Technik hin bedeutendes lutei-csse wecken (so insbesondere 
Nr. 24, 25, 30, 42), so sind doch die meisten dajsteUoiuliir Art. 
Er zeichnete sich besonders l>ci der Vorfüluiang der Gmndlagen der 
Psychoanalyse ans sowie bei der Erörterung der niaunigfachen da- 
gegen vorgebrachten Eüiwendimgen, und ich kenne niemanden, der es 
ihm auf diesem Gebiete gleichgetan hat. Die angenehme Leichtigkeit 
und Flüssigkeit seines Stiles, die Vereinigung überzeugter Sicherheit 
mit ioleranteni Eingehen setltst auf das, was die unangenchm-steii 
Opponenten vorzubringen hatten, all dies w;cckte eine der Beeinflus- 
sung besonders günstige Sthnmuug; hoffentlich werden seine Ar- 
beiten eine dauerndere Stätte finden als in den verschiedenen Zeit- 
schriften, in denen sie jetzt zei'sti'eut sind. 

Seine Einstellung ziu- psychoa.naly tischen Theorie hatte bcsoa- 
dere Züge, die liervorg'ehoben \TOrden mmwen, da sonst die Darstellung 
seiner Beziehung zur Psychoanalyse einseitig ausfallen würde- Auf 
der einen Seite hatte er sich durch persönliche Erfahrung sowohl von 
der Wahrheit der einzielnen, dui-eh dio Anwendung dieser Methode 
erreichten Schlußfolgerungen als auch \-on deren allgemeinen so- 
zialen Bedeutung voll überzeugt. Anderseite hielt er jedoch zu der 
Ansicht, es sei höchst wünschenswert, wenn nicht gar unbedingt 
wesentlicli, die Basis der psychoanalytischen Gnindsätze zu erweitern, 
indem ilimßingiewiswß philosophische Anschauungen zu Gninde gclegii wür- 
den, insljesonders solche, die die Beziehung zwischen dem Individuum 
und der Gemeinschaft als Ganzes und dem Univei-sum im allgemeinen 
behandeln. Ei- betrachtete dies nicht als KritUc der Psychoanalyse, 
sondern als Vorschlag zu ihrer Bereichei-ung; es war tatsächlich 
eher eine Auseinandersetzung mit der Wis.senschaft als solcher als 
mit der Psychoanalyse, die dazu allei-diugs in erster Linie beitrug. 
Nur im Hinblick auf diesen Gegenstand, der offenbar für ihn von 
persönlich hoher Bedeiitung war, zeigte er sicli hartnäckig und lieü 
sich nie da^'on überzeugen, daß es möglich sei, die Eßsultate der 
psychoajialy tischen Eorschung-en lein empiriscli zu betrachten, ohne 
dabei das Bedürfnis zu empfinden, sich einem bestiuimten philosophi- 
schen System zu überliefern. Jalirelang unterhielt er mit mir einen 
ständigen Briefiirechsel über diesen Gegenstand mid ich fürchte, daß 
es für iim eine tiefgehende Enttäuachun«; bedeutete, dafi seine An- 



Professor Dr. James Jackson Patnam f. §39 

scliauuiigen auf seine psychoanalytischen Kollegen so wenig Eindiuck 
machten. Für mich war das Bemerkenswerteste in der ganzen An- 
gelcgt'nlieit, daß die Zähigkeit, mit welcher er an seinen Anschau- 
ungen festhielt, seine Überzeugung von der Bichfigkeit der Einzel- 
punkte der Psychoanalyse nicht im mindesten heeinflußto; trotz 
seines Dranges, AVissenschaft und Philosophie zu vermischen, fiel es 
ilim nicht schwer, sie praktisch auseinanderzuhalten. Ich kenne kein 
anderes Beispiel, wo die philosophischen Anschauungen nicht in den 
Dienst irgend eines unbewußten Widerstandes getreten wäi'cii, um 
sich als skeptische Gegnerschaft gegen ii-gend einen Teil der Psycho- 
aiialyse zu äußern. 

Charakteristisch war sein Verhalten den verschiedenen Versuchen 
gegenüber, die ilesuitate der Psychoanalyse umzudeuten. Jungs 
Verleugnung dei-selben waj- ilim einfach unverständlicli. Kr war 
im stände, Sympathie mit dem zu empfinden, was er Jungs Be- 
dürfnis nacli einer bieitei^en GrundJage der Psychoanalyse nannte, 
da er selbst ein iihnliehcs Streben hatte, aber er schrieb ohne jede 
Zweideutigkeit: „Ich kajm in keiner "Weise mit Jungs Zuriick- 
weisimg der Tlieorien der Eegression, infantilen Sexualität und Fixie- 
rung sympathi-sieren." (Nr. 41, 1917.) Mit Adlers Anschauungen, 
die in Amerika eine größere Gefolgschaft gefunden haben — wo 
zu ihren Anhängern kein Geringerer als Stanley Hall gehört — , 
setzte er sich scliwerer auseinander, vielleicht weil er manche Züge 
von Adlers Hauptcharaktertypus besaßu Er lieh seinen Arbeiten 
ein günstiges Olu- und erörterte sie ausführlich vor der Kew-York 
Psycho- Analytical Society im Jahre 191f) (Nr. 39). Er zollte Adler 
hohe Anerkennung wegen seiner früheren Ideen bezüglich Organ- 
minderwertigkeit usw., betonte aber, daß sie in keiner Weise mit 
der psychoanulyiischen Theorie unvereinbar seien, und bedauerte 
Adlers später« Zurückweisung derselben. 

Wenn ich meine persönlichen Eindrücke von Professor Putnam 
zu einem Bilde zu sammeln suche, so scheinen mii" die folgenden Züge 
seinen Charakter zu bestimmen: Vor allem seine ungewöhnliche 
ethische Höhe, die sich in Walu-heitsliebo, Elirenhaftigkeit, vor- 
nehmer und loyaler Denkweise ausdrückte. Absolute Korrektheit 
in Benehmen und Haltung waren ihm so natürlich uud selbstverständ- 
lich, daß er mehr Erstaunen als Mißbilligung fühlte, wenn er von 
dem Gegenteil hörte. Er hatte keine Spur jener „pui-itanischcn" 
Intoleranz, die 90 oft die Bogleiterin stienger Moralbegriffe ist. Seine 
ganz ungewölmliche Duldsamkeit erstreckte sich auf die Anschau- 
ungen (cbaoao wie auf das Verhalten. Audi alteram partem war seine 
Grundmaxime lind als Maßstab seiner einzigartigen geistigen Zugäng- 
lichkeit und Aufnaiimsfähigkeit sowie seines unbedingten Freisinns 



i 



240 Professor Dr, James Jackson Putnam +. 

mag es dipiien. rlaßt er ein eiitliusia-stischer Aiiliäuger so ninstürzcnder 
Ideell wxirde, wie sie die Psycho aiialys« ewiliält, obgleich er deren 
nähere Bekanntschaft erst machi.c, als er sciiüii über 60 Jahre alt 
wai'. GaiLz ebenso aiatürlich war ihm die aag-eboreiie Besclicidenhcit 
im Deiiken wie im Auftreten; diese war so staa'k, daft sie zuzeiten 
an eiac nahezu krankhafte Selbstherabsetzunf^ zu grenzen schien. 
Er betrachtete sicli stets ais Anfänger, als Lernenden, in ei'ster Ijinie 
als Studierenden, und diese Haltung ivnrde durch seinen restlosen 
WJssensdi-ang sehr vej'stärkl. - - 

Professor Putnam war femer durch große Liebenswürdigkeit 
ausgezeichnet, die ebenfalls durchaus iimerticli war und das gerade 
Gegent/e-il von rein äußerlicliLU- llöflichkeit. Seine llücksielituaJimc und 
Güte gegBn andere kaimte keine Grenzen und wenn es zu helfen galt, 
konnte man sich auf ihn stets verlassen, wie ich aus eigener Erfalirung 
weiß. (Ich möchte nur als Beispiel erwähnen, daß er nach Toronto 
kam, \mi mich bei einem Symposium über Psychotherapie, das von 
der Canadian Medical Associtttion veranstaltet \vurde, zu unterstützen 
und den Plan einiger bekannten Neurologen, die )iiieh in Mißaciitung 
bringen wollten, zu vereiteln.) Ein wertvoller Chara-kterzug muß 
noch erwähnt weitlen, niinilich die Ausdauer und Entschlossenheit, 
die ihm in einigen Perioden seines Lebens ziu- Seile standen, nicht 
zum mindesten während seines Ka7ni»fey, um für die Psychoanalyse 
in Amcnka Gehör zu finden. Zälies Festhalten an den durch strang- 
gesehultes Denken und unmittelbare Erfahi-ung gewonnenen Über- 
zeugungen, vereint mit wohlwollender Duldsamkeit für die Anschtiu- 
ungen anderer und der Bereitwilligkeit, seinen ^ünu .stets offen zu 
halten — dies ist oiniL' seltene Verbindung von CliaraJttcrzügen im 
wirklichen Leben, wemiglcieh die meisten Mensehen glauben, sie voll- 
ständig zu besitzen; Professor P u i n a m besaßi sie im vollsten Grade. 

Von dem Platze, den er in seinem Uiiigangskixiis einiialun, im 
ärztlichen Beruf Amerikas, in der Entwicklung der N'eui'ologie und 
durch weithin ausgebreitete soziale Leistungen, will icli hier nicht 
sprechen. Für uns steht es fest, daß. wir einen treuen und lioch- 
begabten Freund und Mitarbeiter verloren haben, dessen Name stets 
einen Ehrenplatz der Dankbarkeit in der Gcseliichte der Psycho- 
analyse imie haben wird- 

Bibliographie der psychologischen Schriften Professor Pntnams. 

1, ,,!Neui-ast]ieiiia." In Buck's .,Refei-ence liaiidbouk of Llic Medical Scien- 
ces", 1887, Vol. V, P. 1(30. 

2, ,,Eemarks an the Psycbical Treatmeut of NcurastLenia." Boston 
Medical and Surgical .Tonrnal, 1895, Vol. OXXXIF, P. C05. 



Professor Dr. James Jackson Putnam f. 24=1 

3. „Oll the Etiology and Pathogeuesis of the Post-Traiiiuatic Paychoses 
and Neuroses." Journal ofNervoua and Mental Disease, 1898, 
VoJ. XXV, P. 769. 

4. ..Keurastlioiiia." In Loomis and Tliompson's ..Ainiiricaii System üf Pi-ac- 
tical Medicine", 1898. Vol. IV, P. 549. 

5. ,,The Traumatic Neuroses." In Warren and Gould's „luternational Text- 
Book of Suigery", 1900. Vol. II, P. Ö79. 

(1, ,,A Considemtion nf Jlental Therapeutics as Empluyed by special 
Studeuts of the Subject." Boston Medical and Surgioal Jon r- 
nal, 1904, Vol. CLI, P. 179. 

7. (Witli (!. A. Waterman.) „Certain Aspects of the Differential Uia- 
gnoaifl beiween Epitepsy and Hysteria." Boston Medical and Sur- 
gical Juurnai, 19ÜiJ, Vol. CLIII, P. 76. 

8. „KeceQt Experiences in the Study and Treatiuent of Hysteria at the 
Massachusetts General Hospital; with Romarks on Freud's Method 
of Treatinent by ,Psycho-Analysis'.'' Journal of Abn ormal Psych- 
ology, February, 1906. Vol. I, P. 26. 

9. ,,The Bearing of Pliilosophy on Paychiatry, with Special lleferenoe 
to the Treatment of Psychastheaia." British Medical Joiimal, 
October 20, 1906. P. 1021. 

jO. ,,Tlie Treatment of Psychasthenia from the Standpoiiit of the Social 
Consciousness." American Jou rnal of the Medical Sciences, 
Januar,' 1908, Vol. CXXXV, F. 77. 

11. „The Fhilosophy of Psychotherapy." P sy ch ot h era p y, 1908, Vol. I, 
No. 1; Vol. III. No. 3. 4. 

12. „The Psychologv of Health/' Psychotherapy, 1908— J909, Vol. ,1, 
No. 2, 3, 4; Vol. II, No. 1. 

13. „The Service to Nervous Invalids of the Phyaician and the Minister." 
Harvard Theological Review, April 1909, Vol. I. 

14. „The Nervous Breakdown." Psychotherapy, 1909, Vol. III, No. 2, 
and in Tlie Boaton Home and School News Letter s, 
Januarj- 1913, Vol. IV, No. 2. 

15. „Personal Impressions of Sigmund Freud and hi,'^ Work, with Special 
Refercucc to his rcceut Lectui-ea at Clark University." Journal 
of Abnormal Psychology, December 1909 and Febrnary 1910, 
Vol. IV, Pp. 293. 372. 

Hi. „The Relation of Character Foroiatioii U> Psychotherapy." Part of 
a Symposium on Psychotherapy held by the American Therapcutic 
Society, May 6, 1909. Published in a volumc eutitled „Fsychothcra- 
peutics" by various authors (Badger, Boston 1910). 

17. Introduction to BriH's Translation of Freud's „Drei AbhandlungeQ 
zur Sexual theorie". (Nervous and Mental Disease Monograph Series, 
New York 1910.) 

18. „Oll the Etiology and Treatment of the Psychoueuroses." Boston 
Medical and Surgical Journal, July 21, 1910, Vol. CLXTTI, 
P. 75. Read before the Canadian Medical Association, June 1910. 
A Translation appeared in the Z en t r al b la 1 1 für Psycho- 
analyse, 1911, Jnhrg. I. Heft 4, S. 137, ander the title „Über 
Ätiologie und Behandlung der Psychoneurosen". 

19. ,, Personal Expericnce with Freud's Psychoanalytic Method." Jour- 
nal of Nervous and Mental Disease, November 1910, 
Vol. XXXVII, P. 657, Read before the American Neurological Aaso- 



242 Profussor Dr. James Ja,ckBon l'utiiaai -|-. 

ciatiou May 3, 1910. A Translation appearefl in Lho K c ii t r a 1- 
blatt für Psychoanalyse, 1911. Jubrg, I, IJeft 12, S. 533, 
linder tlie title „Persünliche Erfahrungen mit Frciid's psychoanaly- 
tischer Methode". 

20. „A Plea for the Study of Philosophie Methods in Preparatiou for 
Psych oanalytic Work." Journal of Abnormal Psycholojjy, 
October 1911, Vol. VI, P. 249. Read before the American Psyoho- 

pathological Association, May 10, 1911. 

21. ,,Cber die Bedeutung pliilosophiacher Anschauungen und Ausbildung 
für weitere Entwicklung der psychoaiialylischcn Bewegung." Vortrag, 
gehaltcu am III, Koagreß der Internationnleii Psychoanalytischen Ver- 
einigung zu Weimar, September 23, 1911, Imago, 1912, .Jahrt,^ J, 
Heft 2, S. 101. 

22. ,,0n Freud's Psychoanaly tic Method and its Evolution," Boston 
Medieal and Surgical Journal, Jauuary 1912, Vol. CLXVI, 

■Pp. 115, 122. Harvey Lectures dt^livcred at Pliiladelpliia in 1913. 
(Ref. in dieser Zeitschrift, Jalirg. 1, S. 179.) 

23. „Aus der Analyse zweier Trepjjentriiume." Z c; n 1 1' a 1 !i I a 1. I f ü r 
Psychoanalyse, März 1912, Jahrg. H, Heft ä, ü. 2(;4. 

24. ,,Ehi charakteristischer Kindertraum.'' 7-en Lral bla 1 1. für Psycho- 
analyse, April 1912, Jahi^, II, Heft (>, S. 328. 

25. „A Clinical Study of a Case of Phobia." J einmal of Abnormal 
Psychology, Öctuber 1912, Vol. VII, No. ■!, P. 277. Kontribution 
to a Symposium held by the American PsychopaLliolugical Association. 
May 29, 1912, 

2G. „Comments on Sex Issiies, from the l-'rcndian Htandpoint." New 
York Medieal Journal, Jmie 15, 1912. P. 1219, and Juno 23, 
P. 1306. Reprinted in hrochuro form as No. ^ A of the Bo.9ton Modi- 
cal I^brar)-, New York 1912 (Pp. 26). (Ref. in diesor Zcitsclirift, 
Jabi^. I, Ö. 179.) 

27. „Antwort auf die Erwiderung dos Hcn'n Dr. Fei-enczi (PLiloeophic 
und Psychoanalyse)." Imago, 1912, Jalirg, I, Heft 6, S. E27. 

28. „Physics and Metaphysics." Boston Medieal and Surgical 
Journal, Jamiary 16, 1913, Vol. CJ.XVllI, No. ri, P. lOÖ, 

29. „Psychoanalyse und Philosophie" (Erwiderung auf das Uefurat von 
Dr, Theodor Roik). Zentralblatt für Paynhoanalvso, März 
19ia, Jahrg, HI, Heft 6, S. 265. 

30. „Bemerkungen über einen Krankheitsfall mit Griselda-Pliantasien." 
Internationale Zeitschrift für är7,tl. Psychoanalyse, 
Mäi-K 1913, Jahrg. I, Heft 3, S. 205. 

31. „Presidential Address" delivered before tlie American Psychoiiatho- 
logical Association, May 1913, Journal of Abnormal Psycho- 
logy, August 1913. Vol. VUl, P. IGS. 

32. „On Some of the Broader lasues of the Psychoanaly tic Movomcnt." 
American Journal of the Medieal Sciences, March 1914, 
VoL CXLVII, No. 3, P. 3S9. 

83. „Üream Interpretation and the Theory of Paychoanalysia" (Answer 
to Dr. Meyer Solomon). Journal of Abnormal Psych ology, 
April 1914, Vol. IX, P. 3Ci. 

34, „The Present Status of Psychoanaly Bis." Boston Medieal anU 
Surgical Journal. June 11. 1914, Vol. CLXX, No. 24. P. 897. 



Professor Dr. James Jackson Patnam -{-. 243 

Read at a Joint Meeting of the Modical Section of the BoatOB 
Medical Library wiih the Suffolk District Mcdical Society, April 1, 1914. 

35. „Sen'ices to be Expected from the Psychoaaialj tic Movement in tlj6 
Prevention of Insaiiity." .lournal of the Aiüerican Mcdical 
Association, November 1914, Vol. LXIII, V. 1891. 

36. „Iluroan Motives." (Fp. 179. Little, Brown and Co., Boston 1915.) 

37. ..Tlie Kfcessity of Mclnphysics." Journal of Abnormal Psy- 
ch olugy, June 1915, Vol. X, No. 2, V. 88. 

38. „Mental rrc|«Lvedness." (Massachusetts Society for Mental Hvgiene, 
Kü. 11, Boston 1916.) 

39. „The Work of Alfred Adler, conaidered With Special Eeference to 
that oi' Freud." Payohoanalytio Review, April 191G, Vol. III, 
No. 2. Ecad before the New York Psychoanalytio Society, Novenib. 1515. 

40. „Oll thf ütili/.ation of Psychoanaly tic Priuciples in the Study of 
tho Nenroses." Journal of Abnormal Paychology Aiicuat 
lÖlG, Vol. XI. No. 3. P. 172. 

41. „The Work of Sigmund Freud." Journal of Abnormal Psv- 
ohology. August 1917, Vol. XII, No. ^, P. 145. Read before the 
American Psycho]wthüIogical Association, May 24, 1917. 

42. „Sketch for a Study of New England Character." Journal of 
Abnormal l's y cli ol ogy. June 1917, Vol. XII. No. 2, P. 73. 

43. Introduction to H. AV. Frink's „Morbid Fears and Compulsions", 1918. 

44. ,.The Inl«rpretation of Certain Symbolisms." Psycho analytic 
Review, April 1918, Vol. V, No. 2. 

45. „Two Cases of Psycholepsy of Emotional Origin, in which Psycho- 
analysen proved of Service in inducing Social R-e-Adjnstment.'' Ame- 
rican Modici ne, Februarj' 1918, NewSeries, Vol. XIII, No. 2, P. 105, 

46. Title uiikßown. To appcar shortly in the Psych oanalytic Review, 

Von den erwähnten Arbeiten gelangten Nr. 6, 7, 8, 10, 16, Iß, 18, 
19, 20, ^1, 22 und 2€ zum Wiedci-abdruck in den ersten fünf Bänden 
der ..Reports of the Harvard Department of Neurology". 
Zweifellos wurden noch auderc in späteren Bänden abgedruckt, die mir 
aber augenblicklich nicht zugänglich sind. 

E r u e s t Jones. 



i 



Originalarbeiten. 
Die Theorie der Symbolik. 

Von Dr. Erneyt .Touos (London)'). 
(Deutsch von Dr. Hunua Sachs, XUrich.) 

I. Eiiile i tiing. 

Meine Aufmerksamkeit wurde lusprünglich auf dieses 'L'liema, 
nänilich darauf, daß es wüuseheiiswort wäi-e, ein besseres Veratäiidiiis 
der theoretisclien Voraussetzungen der SymboliJr zw gewinnen, da- 
durcli MngelenJtt, daß die Deutung der Symbole bei der psyclioana- 
lytischeii .Arbeit den größten Widerstand wachruft, und wetterln)!. 
weil sie im allgemüiiiün der ilittelpimkt der atarksteii Uegnerschaft 
gegen die Psychoanalyse ist. Diese 'fatsache ist morkwiirdigH.ir, als 
es den Anschein hat, denn die Bedeutung der fraglichen Symbole ist 
derjenige Teil der Psyehoaiia ly.se, der am meisten vom einzelnen 
Psychoanalytiker unabhängig' ist; sie ist eine Tatsache, die sozusagen 

Ctd-i ^ außerlialb der Psychoanalyse stehi., da sie. eine Krkeunl.iiis ist, .die 

für "vicio andere Wissenszweige, ■/.. B. Anthropologie, Folklorej Plylo- 
logie usw., gemeinsames Gut dai-stellt. Eine Erläuterung dieser Tat- 

ß^A/\ 6e.v>^M-»~f Sache soll weiter unten versucht werden. 

Sobald man sicli mit dem Tlioma tiefer l)efaßt, beginn! nein Jnter- 
esso und seine Bedeutung sehuell ku warchsen, immer mehr und mehr 
Probleme seliließen sich an und am Ende, besoudei-s wenn, das Wort 
„Symbolik" in seinem weitesten Sinne genommen wii-d, umfaßt es 
fast die gesamte kulturelle Entwickhmg. Denn was ist die Symbolik 
andercb als- eine unendliche Reihe von durch die Entwicklung ge- 
botenen Substitutionen, eine unanfliin-lielie Einsetzung einer Idee, eines 
Interesses, einer Fähigkeit oder Strobung durch eine andere? Der 
Fortschritt des menschlichen Geistes besteht, genetiscli gesehen, nicht, 

^) In erweiterter Furm veröflüntlicht in des Verfassers „Fapers iii Payoho- 
analj-sis", 2. ed., London 1918. 






Die Theorie der Symbolik. 245 

wie man gowölmlich annimmt, bloß aus einer Reihe von Zuwächsen, 
dio von außen anprefügt wurden, sondern aus den folgenden l^eiden 
Vorgängen: Auf der einen Suite dif Ausflehnung oder Übertragung 
des Interesses untl Verständnisses von früheren, einfacheren und 
jirimitivercn ^'ol-stel]ungen etc. zu schwierigeren und höher ausammen- 
gesclzten, welche in einem gewissen Sinne ihre Vorgänger fortsetzen 
und synibolisiei-eai ; auf der ;ind-^re.n Seite die fortwährende Entlarvung 
der früheren Symbole, die Erkenntnis, daß diese, obgleich sie für 
wörtlich wahr gehalten wurden, bloß vereinzelte Anschauungen oder 
Darstellungen der "Wahrheit sind, und zwar solche, deren un,ser Geist 
zu jener Zeit, sei es aus affektiven oder intellektuellen Gründen, 
fähig war- Es ist nur notwendig, über die Entwicklung der Religion 
und AVisscnsehaft nachzudenken, um die Genauigkeit dieser Beschrei- 
bung einzusehen. Es ist deshalb offenbar notwendig, daß wir uns 
bemülien, mehr von der Natur und der Arbeitsweise der Symbolih 
zu erkennen. 

Unsere Anstrengung trifft gleich zu Begüm auf eine 
Schwierigkeit. Der Ausdruck „Symbolik'^ ist zur Bezeichnung sehr 
verschiedener Dinge benützt worden, von denen einige miteinander 
gar nicht in \'erbindung stehen, während alle auseinandergehalten 
werden müssen. A\'er sich für die verschiedenen Benützmigsweisen 
da% Wortes iiiten-ssiert, sei auf das historische "Werk Schlesingers^) 
hing-ewiesen, der mehrere hundert verschiedene Bedeutungen und B&- 
finitioncn gesammelt hat. Die Etymologie darf uns hier nicht führen, 
denn dio frühest* Bedeutung des griechischen (jü|a.ßo).ov scheint nicht 
die heutige eines Zeichens zu sein, sondern „Zusammenbringen oder 
Untei-einandcnveben" ; daran läßt sich vielleicht die Tatsache an-. 
knüpfen, daß dio meisten Symbole mehrdeutig sind- Die ^Vm'ZQl 
des "Wortes, Sanskrit gal, mdogermanisch bal, hatte vorzüglich auf 
das Zusammen flicßoJi des Wassers Bezug. 

Das AVort „Symbolik" wii-d gcwöhnlicli in einem weiten Sinne 
gebraucht, ungefälir gleichbedeutend mit Zeichen, und in einem eng- 
umschriebenen Sinne wie in der Psychoanalyse, der später geschildert 
werden soll. Um eine Vorstellung davon zu geben, welch verschiedene 
Phänomene in der erstgenannten Kategorie inbegriffen sind, weisen 
wir auf dio folgenden Beispiele hin. Als Symbole werden in erster 
Linie verschiedene Objekte bezeichn^et, wie „Embleme, Amulette, Ab- 
zeichen, Erkennungsmarken, Talismane, Trophäen, Zaubermittel und 
Gebetriemen'. Dann wird das "Wort zur Kennzeichnung verschiedener 
Bedefiguren und Denkmethoden [«nützt, wie z. B. als Gleichnis, 
Metaphoi'. Apologc, Metonymie, Synekdoche, Allegorie, Parabel, 

i) Schleaiuger, Geschiebte dea Symbols, 1912. 



246 Dr. EnieBt Jones. 

welche alle selbstverständlich von den Philologen auseiiiiuiclor gehaltnn 
werden. Mythologische, künstlerische, maginche, i-eligiöac imd my- 
stische Gedanken gebiete werden eben-wwchl als jene der primitiven 
Metaphysik und WisscJischaft oft symboHscii genannt. Es gibt eine 
Symbolik des Kiibisuins, der katholischen Kirche, der Frciiuaui-erci, 
eine Farbensymbolik und sogar uinc symbolische Logik. Da« "Wort 
wird ferner benutzt zur Bezoichnmig vurscliiodeiier Abzeichen, Kenn- 
werte und Sitten. Die Verlwugung z. B. soll, so sagt man, dio alte 
Sitte des Fußfalles symbolisieren und sowohl \'ei'ehrung wie die 
Abwesenheit feindlicher Gcsmnimg ausdrücken. Vor 50 Jahren hätte 
man gesagt, daß das Tragen eines roten Hemdes oder einer Bluse die 
Tatsache symbolisiere, daß der Träger mit Garibaldi nympathisiere. 
Dia venetianische Zeremonie, bei welcher der Doge sich der Adria 
mit einem Ring vermählte., symbolisierte die Seemacht Venedig«. Ttn 
fränkischen Recht übergab der Verkäufer eines Grundstückes dem 
Käufer einen einzelnen Stein davon, als Symbol de.'^ 7\.bseblusses, und 
im alten baj'ri.schan Rocht wurde ein Zweig in ähnliclicr Weise heim 
Verkauf eines Waldes benützt. Als Ludwig XI, seinen. Bruder aus 
dem Besitze der Normandie verdrängte, zerbrach er feierlich den 
Herzogsring vor einer Versammlung, die ausdrücklich für diesen 
Zweck in Eouen im Jalii-e 1469 abgehalten wuide; dieser Akt sym- 
t)olisiei-te die vollständige Vernichtung der Herrschat'tsrechte seines 
Bruders- Ähnliche Beispiele Tür die Benützung des AVoi'tcs kömiten 
beliebig gehäuft werden. 

"Welche gemeinsame Attribute lassen sieh nun in diesür unter- 
schiedsloseai Menge von Bedeiitungcn finden, um die verschiedenen 
Gedanken und Handlungen miteinander zu verbinden, welche mit 
den "Worten ., Symbol" oder ,, symbolisch" bezeichnet werden? Ich 
glaube, ich werde allgemeine Zustimmiuig finden, daß, die im fol- 
genden gegebenen, wenn nicht die absolut wesentlichen, doch min- 
destens selir charakteristisch sind, und von ihnen ausgehend, können 
wir zu einer genaueren Umschreibung des Problems gelangen. 

1. Ein Symbol ist ein Vei-treter oder Substitut irgend einer 
anderen Idee, von der es im Zusammenhang eine sekundäre Bedeutung 
orwh'bt, welche ihm von selbst nicht innewohnt. Es ist wichtig an- 
zumerken, daß sieh der Bedeutungsübergang der iireprüngtichon Idee 
zu der sekundären, dem Symbol, vollzieht, so daß typischerweise eine 
wesentlichere Vorstellimg durch eine weniger wesentliche symbolisiert 
wird. So können alle mi^giichen wichtigen Dinge dargestellt werden 
durch einen Fetzen Stoff, den man Fahne nennt. 

2. Es stellt das ursprünglicho Element dadurch dar, daß es mit 
ihm etwas gemeinsam hat (so würde es eine unzulässige Aiisdclnumg 
sein, einen Gedächtnisknoten im Taschentuch das Symlxjl der xu er- 



Die Theorie dor Symbolik. 247 

iimenideii Sache zu nennen, obgleich einige Autoren dies tun) i). Die 
Verbindung kann oine lunerc oder außero sein, doch mag oi't eine für 
deai Verstund oixirflächliehc bedeutungsvoll l'ür das li'ühlen sein, be- 
sonders im Unbewußten. 

3. Für das Symbol ist es charakteristisch, daß es konkret 
uuf diu Siiino wirkt, währi'nd die dargcstcUto Idee relativ-) ab- 
Btr;ikt und zusammon^esetzt sein kann. Das Symbul strebt also da- 
nach, kürzer und enger zusammengefaßt zu erscheinen, als die von 
ihm dargestellte Idee. Die Erklärung der Verbeugung, wie sie oben 
gegeben wurde, i.=!t dafür ein Beispiel. 

4. Symbolische Denkweisen sind die primitiveren, spv/ohl in 
ont<igcnetLscher wie phylogenetischer Hinsieht, und stellen eine Rück- 
kehr zu einfacheren und früheren Stadien der geistigen Entwicklung 
dar. Man findet sio daher häufiger in Zuständen, welche eine solche 
Kückkelu' begünstigen, z. IJ. Müdigkeit, Schläfrigkeit, Itörperliche 
Krankheit, Neuro.se. Walmsinn, und vor allem in Träumen, wo das 
bewußte Geistesleben nahezu auf ein Minimum reduziert ist- 

Eine einfache Beobachtung ist in diesem Zusammenhange, daß 
ein Ermüdetor gewöhnlich die Betrachtung einer illustrierten Zei- 
tung, in welchex die Ideen für die sinnliehe Wahrnehmung dargestellt 
gind, dem Lesen vorzielit. 

5. In den meisten Benutz ungs weisen des Wortes ist ein Symbol 
ein offenbarer Ausdruck für eine Idee, die mehr oder weniger var- 
borgen oder geheim oder im Hinlergrund gehalten ist. Der t3'pischesto 
Fall von allen ist es, wenn die Person, die das Symbol verwejidet, sich 
nicht einmal bewußt ist, was es tatsächlich dai-stellt. 

6. Symbole ea-innem an den Witz dadurch, daß sie spontan, auto- 
matisch und, im weiteren Siime des Wortes, unbewußt 3) entstehen. Je 
genauci' der Sinn gefaßt wii'd, in welchem der Ausdruck Symbolik zu 
be.nützon ist, desto richtiger ist diese Feststellung. 

In Übereinstimmung mit den beiden letzterwähnten Eigenschaften 
ist die Einstellung des bewußten Seelenlebens gegen die Deutung des 
Symbols sowohl hinsichtlich dos Verständnisses als des Gefühles. 
NämlieJi je weiter und je stärker verwässert der Sinn ist, in 
welchem das Wort „Symbol" benützt wird, desto leichter wird seine 
Eedeutimg erkannt und desto bereitwilliger seine Auslegung akzep- 
tiert. Bei einem Symbol im genauen Sinne hat das Individuum im 
Gegenteil keine Kenntnu; seiner Bedeutimg und \'erwii-ft die Aus- 
legung oft sogar mit Abscheu. 

l) Z. B. Fcrrero, Leg lois psycho! ogiques do symbolisme, 1895, pp. B5 
et seq. 

S) lu der eigentlichea Symbolik ist die Idee eher allgemein als abstrakt. 
") Siehe Texrero, op. cit., p. 24. 



248 ^^- Eruest Jones, 

Durch die Aufzählimg' diesijr sechs Eigenscli alten hülwii wir das 
Feld Ginigermaßen eingeengt und umgrenzt, iihei- sie yiijii immer noch 
anwendbar für eine erhebliche Anzahl verschiedener seelischer Vor- 
gänge — tatsächlich auf die meisten. Formen indirekter, figürlicher 
Darstellung. Hiar wird der Satz aufgestellt, daß die 
eigentliche Symbolik im genauen Sinne von den an- 
deren. Formen de !■ iudi rc k fce n Darstellung un terschie- 
den werden muß, und zwar nicht bloß der Klarheil wegen, weil 
sie von den übrigen verschieden ist, sondern weil die deutliche Auf- 
fassung, weiche so von der Natur dieser Verschicdenli fiten gewonnen 
werden kami, sich für das Verständnis der primitivsten Stadien der 
geistigen Entwickhmg und ihrer Beziehung zum bewußten Denken 
als wertvoll erweist. Bevor wir dies tun und nach einer Definition 
der unterscheidenden Merkmale der Symbolik suchen, wird es von 
Nutzen sein, eine i-ein linguistische Frage in Kürze zu nutersuchen — 
nämlich den metaphorischen Gebrauch der Worte ') ; denn es ist sicher, 
daß die Metapher einer jener Vorgänge — und sogar der gewöhn- 
lichste — ist, die von der Symbolik unterschieden wci-den müssen- 

Das Gleichnis ist die einfachste Spreehfigur; es steht in logi- 
scher Beziehung sogar vor der Metapher und gewiß vor dem Eigen- 
schaftswort. In einigen, primitiven Sprachen, z.B. im Tasmanischen, 
gibt es keine Eigenschaftswörter und an ihrer Stelle werden Glcieh- 
nissö gehrauclit; der Grund hiefür ist ohne Zweifel, daß us leichter 
ist, einen kunkreten Gegenstand zu beobachten, welcher zum Vergleich 
gebraucht worden kann, als die Vorstellung einer Eigenschaft zu 
abstrahieren. Die Metapher unterscheidet sich vom Glciciinis durcJi 
die Unterdrückung des einen der beiden miteinander verglichenen 
Begriffe- Z.B. sagen wir: „Er wehrte die Schlage dos Unglücks 
ab," anstatt : „Er mühto sich gegen sein Unglück, als würde w 
Schläge abwehren." Eine Metapher setzt deshalb ein Gleiclinis vor- 
aus, welches die primitivere lledefigur ist; es sind bei ihm die Worte 
„wie" oder „als oh" unterdrückt, doch stillschweigend gemeint. 

Beim Gleichnis wird auf eine Ähnlichkeit zwischen Dingen hin- 
gewiesen, die in anderer Hiasicht sehr verscliieden sind, z- B- : „Lügen 
kommen wie die Krähen immer wieder heim zum Horst"; eine bloße 
Parallele bildet kein Gleichnis. Unser Motiv bei der Benützung eines 
Gleichnissea ist es, der Kede Schmuck, Kraft oder Lelx'ndigkeit zu 
gehen, doch muß angenommen wei'dcn, daß das ursprüngliche Motiv 
war, wie in Tasmanien, das Vorhandensein einer Eigenschaft dm"cli 
den einfachen Vorgang einer Vergleichung anzuzeigen. Der Traum 
benützt dieses Mittel oft, es ist sogar sein, gewöhnlicher "Weg, 

') C£. E. E. May e, Artikel über „Enlargcmont o( Vocabulary" hi 
O'Neill's „Guide to the Engliali Language", 1915. 



Die Theorie der Symbolik. 249 

eine Kig«nschaf t auszuilrücken ; oft kann eine sehr komplizierte Schil- 
derung einer Person damit g\3gcben woideii, daß sie mit irgend 
jemand juiderem identifiziert, d- h- verg-lichen wird. Dieser Traum- 
mechaiüsnius dei- Identifikation hat auch Berüliru auspunkte mit der 
Metapher; so kann eine Person, deren Benehmen oder Erscheinen 
irgendwie au einen Löwen oder Stier erinnert, im Traume in der 
Masko des Tieres auftreten, gerade so wie wir beim Sprechen Aus- 
drücke bojiiitzen, wie : .,Er war ein Lüwc in der Schlacht." 

In der Entwicklung oder, wie es Philologen nennen, dem Verfall 
der Metapher gibt es drei Stadien, welche selbstverständlich sich 
nicht scharf voneinander abheben. In dem eret^n wird ein "Wort, daa 
meistens im würtlichen Sinne gebraneht wiixl, gelegentlich in einem 
bildlichen benutzt, wo seine metaphorische Beschaffenhoit sogleich 
auffällt; ein Beispiel wäre: „die Wut des Sturmes". Im zweiten 
Stadium sind sowolil der wörtliche wie der bildliche Sinn gebräuchlich, 
so daß wir bei seiner Benützung in dem zweiten Sinne seiner meta- 
phorischen Beschaffenlieit nur obeiiliin oder dui'cli Nachdenken ge- 
wahr wci-deu — vorbewTiüt, wie die Psychoanalytiker sagen würden; 
so sprechen wir von „der Tiefe des Meeres" wöi-tlich und „der Tiefe 
der Veiz weif Jung-' bildlich. Im dritten Stadium ist der bildliclie Sinn 
zum gebräuchlichen, wörtlichen geworden, und wir sind, sei es durch 
Unwissenheit, sei es durch Ve-i-geÜlichkcit, mit «einem ursprünglichen, 
würtlichen Sinn nicht mehr vertraut; so läßt uns das AVort „Melan- 
cholie" nicht an schwarze Gallo denken, noch ei"innert ans der Aus- 
druck .jScharfsimi" an eine schneidende Klinge. Damit ist der Ver- 
fall der Metapher vollständig geworden und das gleichnisweise 
„Symbol" hat eino selbständige, objektive Realität gewonnen, an 
Stelle der subjektiven in den. früheren Stadien. 

Die Natur dor Metapiter soll später im Zusammenhang mit der 
Abgrenzung von der wirklichen Symbolik eröi-tert werden. Doch 
lehrt uns die eben aufgezeigte Entwicklung der Metapher bereits 
nebst anderem, daß das Gleichnis der ui'sprüiigliehe Prozeß ist, bei 
welchem eine hinreichende Ähnlichkeit zwischen zwei Vorstellungen 
gefunden wii-*!, um sie wenigstens in gewisser Hinsicht als gleich- 
wertig zu behandeln. Wir bemerken ferner den schrittweisen Bedeu- 
tungswandel von der einen Benützungsweise eines Wortes zu einer 
andei-en, bis er in der Unabhängigkeit der ursprünglichen Me- 
tapher endet, welche eine selbständige Realität erworben hat- Diesei- 
Vorgang vollzieht sich unzweifelhaft parallel mit der schrittweisen 
Ausdehmmg und Entwicklung der Voi-stellungen seilet, zu deren 
Bezeiclinimg die AVorte dienen. Um zu zeigen, wie die Benützung 
einea Woi-tos sich von dem einfachen Ursinn aus verzweigen kann, 
ganz ebemso, wie sich andei-e Vorgänge im Seelenleben (Interesse, Vor- 

Zeltaohr, f. antl. FiyahOkiulT». V/t. 17 



250 ^r- Ernest Jones. 

Stellungen usw.) verzweigen \ind von einer ursprünglichen aus-- 
breiten, soll als Beispiel die verscliiedene Benutz ungs weise <les Wortes 
..Haupt'- herangezogen wei-den. Die folgenden sind nur einige wenige 
seinei- zahlreichen Anwendungen: das Haupt eines Staates, ein Haupt- 
mann, die Hauptsache, das Nagelhaupt, das Haupt bei Tische (d- i. der- 
JMiige, der obenan sitzt), ein Salathaupt usw. Es würde einen Band 
füllen, wollte man die Verzweigungen Lrgeud einer ur.sprüng liehen 
Wortwurzel darlegen. 

XJber die Motive für die Bildung von Metaphern wird bald Aus- 
führlicheres, mitzuteilen sein, doch einige Bemerkungen können hier 
Platz finden. Ein hervorstechendes Motiv scheint die Absicht zu 
sein, die Aufnahmswilligkeit des Hörers dadurch zu erhöhen, daß 
man in seinem Geiste ein anderes, faßlicheres oder verständlichei-cs 
Bild wachruft, gewolmlich eines, welches ihm in Hinsicht auf die 
fragliche Eigenschaft besser vertraut ist (obgleich keineswegs not- 
wendigerweise in anderer Hinsicht); oder wenn wir die Rückseite 
desselben Gedankens darstellen wollen, dient eine Metapher, um di(s 
relative Dürftigkeit der Beschreibung durch Eigensehaftsworte zu 
ergän zen. 

Hiebei fällt das Hauptgewicht auf das Moment der Erleich tenmg ; 
eine Metapher macht die Vorstellung und besondei-s den begleitenden 
Affekt glaubwürdiger, plastisch und bequem faßlich. Sie über- 
windet eine (verhältnismäßige) Schwierigkeit der Auffassung oder 
auch der Darstellung; diese Schwierigkeit kann sowohl intelleJituelleii 
als aucli affektiven Ursprungs sein. 

« 

n. Die eigentliche Symbolik. 

Das Thema der Metapher wollen wir für den Augenblick in 
diesem Stadium verlassen und auf die eigentliche Symbolik eingehen. 
Was hier nach meinem Vorschlag eigentliche Symbolik genannt wird, 
ist eine der Abarten jener Gruppe von indirekten Darstellungen, 
welcher oben sechs Eigenschaften beigelegt wurden. Sic besitzt daher 
die Eigenschaften zusammen mit mehreren anderen, die sie von dem 
Reste der Gruppe unlerscheiden. Ehe diese hervorgehoben und im 
Detail eriirlert werden, möchte ich den Leser durch die Bemerkung 
vorbereiten, daß es ein wichtiges Merkmal der eigentlichen Symbolik 
bildet, daß die Deutung des Symbols gewöhnlich eine lleaktion von 
UbeiTaschung, Unglauben und Ablehnung bei jenen auslöst, die da- 
mit nicht vertraut sind. Ein Beispiel, das dies gut erläutert, ist die 
Deutung des bekannten „Punciünello" der Mariouettenbühuc als phal- 
lisches Symbol, wozu als Erläuterung einige Bemerkungen hinzuge- 
fügt sein mögen. ' ■ . . . •■ 



r 



Die Theorie der Syisbolilc. 



251 



Die Aiaffassmigdesmäiuiliclien Gliedes als, .kleiner Mann" ist außer- 
ordentlich weit verbreitet ; es wird sehr Iiäuf ig dui'ch einen Vorgang, der 
den Mytliologcn als Auseinanderlegung i) bekannt ist, vom Menschen 
abgelcsf und als selbständige Figur personifiziert. Eine große Anzahl 
derZwerge, Gnomen und Kobolde, die in Folklore und Le^nde so häu% 
vorkommen, gehören hieher^); ihre charakteristischen Eigenschaften 
sind, daß sie Tinförmlielie, häßliche Zerrbilder des Menschen darstellen, 
boso und sogar boshaft — doch manchmal dazu bereit, gefällig zu 
sein und unter gewissen Bedingungen Dienste zu leisten, ferner fähig, 
wunderbare Handlungen zu vollbringen und ihr Ziel trotz ihrer 
scheinbaren Benachteiligung zu erreichen. Sand's Beschreibung des 
Punchinello ist in dieser Hinsicht typisch 3): II a le coeur aussi sec 
que son bäton, c'est un egoist« dans toute l'acceptiou du mot Sousune 
apparentc belle Immeur, c'est un etre feroce; il fait le mal pour le 
plaisii- de le faire. Se souciant de la vie d'un homme oomme de celle 
d'une puce, il ainie et cherchc des querelles ... II ne craint Jii Dien, 
ni diable, lui qui a vu passer, sous son nez crochu et verruqueux, 
tant de societes ot de religions (bei Besprechung seiner Leiden- 
schaft für "Weiber); malgre ses bossea et sa figure pcu iaite pour 
seduire, il est si caustique, si persuasif, si entreprenant et si insolent 
qu'il a des sueces- Nodier*) redet din passend an wie folgt: „0, 
l^olichinelle, simulaere anime de l'homme natural abandonne ä sea 
instincls." ^ Seine körperlichen Merkmale stimmen gut zu dieser 
Deutung: die lange, krumme Nase, das lange Kinn, der spitze Buckel 
auf seinem Kücken, der vorstehende Bauch und die spitze Mütze. 

Punchinello scheint in England zuerst gleichzeitig mit der Ee- 
fltam-ation ^) eingezogen zu sein, aber seine Geschichte und die ähn- 
licher Figuren erstreckt sich über die ganze Welt^). In England 
wurde ei' bald dem englischen Clown und Jack Pudding angenähert, 
von dem er einige Züge annahm, geradeso wie er in Deutschland mit 
dem Hanswurst vermischt wurde. In den Ländern des Ostens trifft 

') Siehe Enieat Jones im AmBricaui Journal of Psyohologv, Bd. XXI, Seite 
105 f. 

*) Siehe z.B. Freuds, Analyse des Kumpels tiUchcn, diese Zeitsolirift, 
Jahrg. I, S. 148, 

5) Maurice Sand, Maaqnea et Bouffons, J860, vol. I., p. 121 
•) Nodier zitiert von Sand, op. cit., p. 147. 

") Ea ist interessant, daß in der ersten erhaltenen Erwähnung in England 
(Eeclmunglegung der Aufseher über St. Martin, 16CG) der Name des Puppen- 
epielere als Punchinello angeführt wird, ein Beispiel der Identifikation von 
Mann und Puppe. 

6) Manche Punkt« eind seit Payne Collier's (Anonyme) „Hiaf.ory of 
PMnch «md Judy" 1828 aufgeklärt worden; dies ist das vollaLändigatB Werk über 
das Thema. Siehe auch Dieterich, Pulcinella, 1897. 

17* 



2q2 ■ ^'- Erneat Jou«ii. 

mau ihn als Karagheus. Das Prototyp allci- moderucu rolichmoUes 
ist der neopolitanische polecenella. der sich nicht wc-iier zurückver- 
folgcii l;"lßt ak in diu Henaissance. Es ist jodocli sehr wahrrichciiilich, 
daß er dei- dii-ekte Abkömmling des Maccus der römischm Äiellanen 
ist. welche üu sechsten Jahrhundert eing-eführt wurden, denn die 
Statue des Maccus im Clappoui-Museurn in Rom (gefunden im -liihre 
1737. aber aus römischer Zeit stammend) zeigt die engste Aliulichkeil 
mit dex modernen Figur. 

Die Eig'enscliaft der Komik, die zu solchen I'igui-en gehört, ist 
in mehr als einer Kichtung von erheblichem Interesse. Die Vorstel- 
hmg des männlichen Gliedes als komisches Männchen, als „lustiger 
kleiner Maim". i.st eine sein- verbreitete und ist für Frauen viel natür- 
licher als für 2*Iänjier- Die Quelle und die Bedeutung dieser Tat- 
sache bilden für sich alleiu ein Problem, das hier nicht behandelt 
wei-döi kami, da es uns zu weit in die Untersuchung der Komik 
führen würde i). Die Vorstellung selbst ist eine Unf^rtcilung der 
phallischen Symbolik, hinsichtlich welcher der Leser auf folgende 
Puidtte hingewiesen sei: Es gibt zwei große Klai^sen solcher 
Symbole, die patriarchaliscbon Symbole des Adlers, Stiers iiaw., 
welche de* Vaters llacht und Recht darstellen, und die matriarchali- 
schen Symbole, welche den revolutionären Sohn darstellen- Die letz- 
teren teilen sich wieder in zwei Untergruppen, solclie, die, wie der 
Teufel, der Halm, die Schlange, tabuiert und verpönt, und solche, die, 
wie der Bock, der Affe und der Esel ^) (das demPriapus g-cheiligte Tier, 
mit welchem die Figur des Punchincllo fortwährend in Zusammen- 
haBg gebracht wird), als lächerlich und komisch verachtet werden. 
Ich kann hinzufügen, daß oine leichte Spur der ursprünglichen 
revolutionäi-en Bedeutung des matriarchalischen phallischen Symbols 
Inder Haltung derlei komischer Figuren — das auffälligst« Beispiel 
bildet der Hofnai-r des Mittelalters — übrig geblieben ist, insofern 
sie als Kritiker- auftreten, welche die konventionellen Regeln der Ge- 
sellschaft verspotten. Bin Hinweis auf diesen Punkt findet sich in 
einem der Vorworte von Bernard ShaW'*): „Jeder Despot muß 
einen ungehorsamen Untertanen haben, um sich geistig gesund zu er- 
halten Die Demokratie hat das Zepter des Despoten dem sou- 
veränen Volke übergeben; aber auch dieses muß seinen Beichtvater 
haben m\d dei" heißt Kritik. Die Kritik Ist nicht bloß im medizini- 
schen Sinne gesund : Sie hat positive Anziehungskraft auf die Menge 
durcli il:ro Grausamkeit, ihr gladiatorenhaftes Auftreten und durch 

1) Siehe Prcud, Der Witn und seine BoEieliung zum Unljewußten, 1905, 
Kap. 7. 

=) Siehe Storfer, Marias jungfräuliche Mutterßobal't, 1914, 
3) G. B. Shaw, Plaja Üiiijlcasant, 1898, p. VIII. 



r 



Die Theorie der Symbolik. ^53 

die Bofricdio-img, die der Neid dmcli ihr« Aiigriffß auf i\i<=: Großen 
und der Knthusiasmiis durch ihr Lob erhält. Sie darf Ding-e sag^n, 

die viele sugeii nuichten. ohnti es zu wa^^ti Ihre Bitdci-stürmorei, 

ihr Anfrulir und ihre BlaspheiiiiLMi kitzeln, wenn sie gesehidii einge- 
gekleidet sind, diejcnige-n, die von ihnen entrüstet sind; so vei-ciuigt 
die Kritik die Vorrcchte des Hofnarren mit jenen des Beicht vater.s. 
Garrick hatfe. wenn er den Dr. Johnson Punch genannt hätte, 
liefsinnig und witzig gesprochen, wälirend Dr. Johnson, als er 
ihm dieses Beiwort a-n den Kopf warf, bloß, das billigste Schimpf woi-t, 
das sieh einem Schauspieler anhängen li'ißi. vom Boden juflas." 

AVir raüpsen uns zunächst der Betrachtung zuwenden, in welcher 
Hinsicht diosee Beispiel sich von jenen, die fi-üUcr angeführt wur- 
den, luiterschcidet, und es wird sich als zweckmäßig ei^iveisen, vor- 
erst die von anderen Autoren gegebenen Definitionen zu prüfen. 

Die exakteste ist die von Rank und Sachs i) gegebene, die ich 
vollständig zitiere: .,Elii letztes, wegen seiner tesonderen Eignung 
zur Verhüllung des Unbewußten und zu seiner Anpassung (Kompro- 
mißbildujig) an neue Bew^Ißtseinstldmlte überall mit Vorliebe ver- 
wendete Ausdrucksmittel des Verdräng^,en ist das Symbol. "Wir 
verstehen dnrunter eine besondere Art der indirekten Harstollung 
die diu'cii gewisse Eigentümlichkeiten von den ihr nahestehenden des 
üleicJmJHses, der Metapher, der Allegorie, der Anspielung und anderen 
Fonnen der bildliehen Darstellung von Gedankenmalerial (nach Art 
des Kcbus) ausgezeichnet ist. Das Symbol stellt gewissermaßen eine 
ideale Vereinigung all dieser Ausdrucksmitlei dar: Erf ist ein stell- 
veiHretciider anschaulicher Ersatzausdruek für etwas Verborgenes, 
mit dem es sinnfällige Merkmale gemeinsam hat oder dui-ch innere 
Zusamnieiihäu^ assoziativ verbunden Ist. Sein Wesen liegt in der 
Zwei- oder Mehrdeutigkeit, wie es ja selbst auch durch eine Art 
Verdichtung, ein Zusammenwerfen (au]j,3'iA).£!v) einzelner charakte- 
ristischer Elemenlc. entstanden ist. Seine Tendenz vom Begrifflieben 
uach dem Anschaulichen stellt es in die Nähe des primitiven Denkens, 
imd als solches geJiört die Sj'mbolisierung wesentlich dem Unbewußten 
an, entbehrt aber als Kompromilileistung keineswegs der bewußten 
Determinanten, die in verschieden starkem Anteil die Symbolbildung 
und das Symbol Verständnis bedingen.-' 

Sie stellen dann die charakteristisehen Merkmale wirklicher Sym- 
bole im einzelnen fest^): .,Die Stell Vertretung für llnbewiiiUes, die 
kon-stanle Bedeutung, die Unabhängigkeit von individuellen Bedin- 



^) Ritiik uüd Sachs, Die Bedeutung der Psycliuaiialyae für die GeiBtes- 
wiesenschaftcD, 1913, S. 11. 

8) Nach den von Professor Freui! in aeinen akademischen Vorlssungen 
vorgetragenen Gesichtspunkten. 



254 ^- ^faest Jones. 

gungeu, die entwicklungsgeschichtliche Grundlage, die sjiraehlicken 
Beziehungen, die phylogenetischen Parallelen (in Mythus, Kult, Be- 
ligion etc.)." 

Diese Eigenschaften sollen nun der Eeilu; nach geprüft und er- 
läutert werden- 

1. Stellvertretung für Unbewußtes. Dies ist viel- 
leicht das Unterscheidungszeichen, durch das sich die Symbolik im 
eigentlichen Sinne am deutlichsten von den audeivn Vorgüng-en ab- 
hebt, denen der Name oft verliehen wird. Damit ist nicht so selir ge- 
meint, daß das symbolisch Aufgefaßte dem Imtividuum unbekannt ist, 
denn sehr oft ist es ihm bekannt, als vielmelir, daß dnr dal)ei arbeitende 
Affekt sich im Zustand der Verdi'ängiuig befindet und deshalb un- 
bewußt ist. Pyrncr, daß der Vorgang der Synibolisicrung unbewußt 
durehgefülirt wird und das Individuum von iloi' IJedeutuug des von 
ihm bewußten Symbols nichts weiß; in Wirklichkeit ist es auch oft 
ohne Kenntnis davon, daß es überhaupt ein Symbol Iwnützt hat, da 
es das Symbol für real hält- 

Die tatsächliche "N'ergleichung zwischen der symbolisierten Idee 
und dem Symbol ist dem Bewußtsein niemals gegenwartig gewesen 
oder ^-ar dort nui' zeitweise vorhanden und wiu'do dann \'crgessen. 
In vielen Fällen tritt das Gemeinsame deutlich hervor, wobald die 
Aufmerksamkeit auf den Vergleich gelenkt wurde. In anderen Fällen 
braucht es viel Nachdenken, um die Äiinlichkeit zu entdecken, in 
anderen Fällen ist sie überhaupt noch nicht aufgedeckt -- das will 
sagen, alle in Betracht kommenden Vergleichspunkte zwischen den 
beiden Ideen scheinen nicht auszureichen, um die Symbolisierung zu 
rechtfertigen, auch wenn die Tatsache auflcu- Zweifel steht, daß sie 
stattgefunden liat. 

2. Die konstante Bedeutung. Die iiiei- mitgeteilte Fest- 
stellung bedarf einer Abänderung. Ein bestimmtes Symbol kann zwei 
oder gelegentlicli auch mehr Bedeutungxjn haben, z. B. kann im Traum 
ein Zimmer entweder ein Weib symbolisieren oder den Mutterleib. In 
diesem Falle wird die Deutung vom Zusammenliang mit Asso- 
ziationen und anderem erreichbaren Material abliän^'<:n. Eine Be- 
vorzugung einer dieser Bedeutungen kann manchmal mit der sozialen 
Klasse, dem geistigen Gesichtski-eis oder der Rasse in Beziehung ge- 
setzt werden, zu welcher die das Symbol benützende l'erson gebürt, 
oder sie kann auch ausschließlieh von individuellen Voraussetzungen 
abhängen. Aber die mögliche Variation der Bedeutung ist außer- 
ordentlich eingeschränkt und der hervorstechende Zug ist die Bestän- 
digkeit auf den verschiedenen Gebieten der Symbolik, wie Träume, 
Mythen etc., xuid bei verschiedenen Menschen. Es muß, ferner festge- 
halten worden, daß bei der Deutung gewöhnlich nicht der eine oder 



Die Theorie der SjmboUk. 255 

der andere Siim in Frag« kommt, sondern beid«. Bei unbewußter Ver- 
dichtung, wie sie sich z. B. in Träumen zeigt, gibt es verschieden© 
Schichten und in jeder von diesen ist eine der Bedeutungen die rich- 
tige. "Wer diese Puotte vollständig wertet, wird finden, daß bei der 
Deutung der Symbole die "Willkür keinen großen Spielraum findet. 

3. Die Unabhängigkeit von individuellen Bedin- 
gungen. Ich finde dieses Merkmal in den gewählten Worten nicht 
ganz unzweideutig ausgedrückt. Statt „unabhängig" sollte es besser 
heißen „nicht allein abhängig von individuellen Bedingungen". T)as 
Individuum hat keine xmbegrenzte Freiheit der Wahl Ijei der 
Schaffung eines bestimmten Symbols, sondern im Gegenteil nur eine 
sehr iierabgesetzte, da die wichtigsten determinierenden Faktoren 
solche sind, daß sie umfangreichen Menschenklasscn oder noch öfter 
dem ganzen Menschengeschlecht gemeinsam sind- Die Rolle, die indi- 
viduelle Fakt^iren dabei spielen, ist viel bescheidener. Während dem 
Individuum die Auswalil, welche Vorstellung durch ein bestimmtes 
Symbol ersetzt werden soll, aus dem eben angegebenen Grunde nicht 
freisteht, kann es wählen, welches Symbol von den vielen in Betracht 
kommenden zur Dai-stellung einer bestimmten Vorstellung benutzt 
wenlen soll ; ja noch mehr, es kann manchmal aus ganz persönlichen 
Gründen eine bestimmte Vorstellung durch ein Symbol ausdrücken, 
das noch nie als soIche3 benutzt wurde i). Unmöglich ist es hingegen, 
einem regelmäßig' gebrauchten Symbol einen neuen, von dem bisherigen 
verschiedenen Sinn unterzulegen; man kann nur seine Symbole wählen 
oder neue anfertigen, und selbst in diesem zweiten Falle müssen sie 
denselben Simi Iiaben, den sie bei anderen Menschen hätten, wenn diese 
davon Gebrauch machen würden. 

Diefeo sonderbare Unabhängigkeit der symbolischen Bedeutung 
erhebt in anderer Form di« alte Frage von der Vererblichkeit von 
Vorstellungen. Einige Autoren, z.B. Jung, sind der Ansicht, daß 
die antliropologische Symbolik als solche vererbt wird, und erklären 
auf diese Weise ili^re Stereotypie. Aus Gründen, die ich anderen Ortes 
entwickelt habe-), halte ich die entgegengesetzte Ansieht für richtig, 
daß die Symbolik immei- wieder neu aus dem individuellen Matei-dal 
geschaffen werden muß und daß die Stereotypie durch die Gleich- 
förmigkeit verursacht wird, welche das menschliehe Seelenleben im 
Hinblick auf jene Strebungen beherrscht, aus denen die Symbolik ent- 
springt, d. h- aus der Gleichförmigkeit der grundlegenden und ewigen 
menschlichen Interessen. Wenn sich dies© Ansicht bewahrheitet, 
so .muß eine weitere Untersuchung unseres Themas wichtige Schluß- 
folgerungen auf die Natur dieser Leidenschaften gestatten. 

1) Siehe Freud, Die Traumdeutung, J. Aufl., Seite 261. 
5) Iroago, Jahrg. 1. 1912, Seite 486 f. 



.^6 Dl-, Emesl Jonefl. 

4- Die e n t w i c k 1 u 11 ff s jj,' c s c ]i i c h i 1 i c li e Cr r u u d 1 u g e. 
Dies«? Seite der Symbolik wii'd späterliiii aiisfülirtidi bühaiidell. 

5. Sprachliche Beziehung-en. AVir haben f^s«]ien, daß 
das Unbewußte in der Symbolik den Vergleich zweier Voi"«f«]lungeu 
durchführt und sich zu nutze macht, dor iiiLsercm Iwwiißtcn i^celen- 
Icben entgehen würde- Nim zeigt das Studium der ICtymoIogie und 
besondei-s der Semantik die intei-eäsante Tatsache, daft auch dori., wo 
das das Symbol bezeichnende AVort mit der symbolisiei'ten Vorstellung 
keino begriffliche Gemeinsamkeit hat, seine Geschichte docli immer 
ftuf eineai gewissen Zusammenhang liinweist. Dieser Zusammenhang 
k'aim selir verschieden sein. Er kann in irgend einer Deiil£S])hüri.s 
z.B. im AVitz, auftauchen, während er der gewüluilicheu Benützung 
des AVortes fremd ist. So zeigt die scherzhaflii VerweJidung der 
Phrase, „sie ritt, das Roß des hl. Benedikt", bei Boccaccio den Zu- 
sammenhang zwischen den A'^orstelhinge.n vom Reiten und GeBchlechts- 
verkelir, die in vielen anderen Gedankenkreisen nichts Gemeinsames 
haben. Ebenso kann diese Verwandtschaft sich in einer äH^i-en und 
außer Gebrauch gekommoiien Benützungsweisc desselben A\''ortes zei- 
gen, odei' in der AViu'zel, von der das AVort stammt, oder mittels 
anderea" stammverwandter A\'^ürte. 

Dies mag durch das oben geschilderte Beispiel der Symbolik 
erläutert werden. Der Name Pun^chinelto ist eine englische Kontami- 
nation (siehe unten) und stammt vom neapolitanischen po](])eceneUa 
modern italienisch: pulcinella), welches ein Dinünuliv von poUeceua, 
dem jungen Truthahn, ist- (Das modern italienisclie pulcino bedeutet 
llulm, pulcinello ist sein Diminutiv.). Der Tinithalin selbst ist ein 
anerkanntes phänisches Symbol, ebenso wie der Hauslialiii, sow:>hl 
durch begriffliche wie sprachliche Zusammenhänge. Die latei]iische 
A^ urzel ist pullua, was da« Jungo von jedem Tiere bedeutet; der 
Phallus wird aus offenliegenden Gründen oft mit einem männlichen 
Kind, einem kleinen ICnaben oder kleinen Mann identifiziert. Als 
Grund, warum der Name in diesem Zusammenhang benutzt wurde, 
wird die Älinlicbkeit zwischen der Nase des Schauspielers und Jem 
krummen A'^ogelschnabel angegeben, und hier läßt sich wieder darauf 
hindeuten, daß die Nase sowohl wie der Schnabel phallische Sym- 
bole sind. 

Der Name ,,polecenella" oder die bei uns gebräuchliche Variante 
polichinello (abgeleitet über das französische poliohineile) wui-de 
kontaminiert mit dem englischen AVoi-t „punch", dessen Haupthedeu- 
tung die eines AVerkzeugcs ist, das zum Eindringen in eiji Material 
dient, sei es mit oder ohne die Aheicht, ein Muster einzupressen, z. B. 
]\fetaU zu durchbohren oder eine Färbung einzustampfen; es bedeu- 
tete früher einen Dolch (ein anderes gewöhnliches Symbol). Das 



Die Theorie der äjmbulik. ^57 

"Wort ist eine Abkürzung für „pmioheon", womit man eiu Messör oder 
einen Dolch bezeiclmete, luid wird jct^it von Zimnicrleuten gebraucht, 
Tun .,ein kurzes, aufgerichtetes Stück Holz, das dazu dient, ein oder 
mehi-d'e längere Bretter aufrecht zuhatten oder eine Last zu tragen" 
zu bezeichnen; es kommt vom spätlateinisclicn puretiare, atechen 
oder stoßißn. Pepya nennt in seinem Tagebuch (30. April 1669) 
puncli „ein Wort, da.s allgemein für altes, was dick und kurz ist, 
benutzt wird", imd l>ezieht sicli dabei auf ein Gewehr (nebenbei wieder 
ein anderes phallisches Symbol), „das wegen seiner Kürze und Dicke 
puncliinello genannt wii-d". Sut'folk-punches sind starkgebaute Zieh- 
pfei"de mit. kuizen J"üß«L'n. Um e-s zusanimcnzura-s-^en: die vier Vor- 
stellungen, welche im Zusammenhang mit dem Namen ,,punchLnello" 
überall wiedei-kchren, sind : a) ein Kosename für männlichen Nach- 
wuchs, der mit ,, kleiner Mann" gleichbedeutend ist; b) ein vor- 
stehendej- Körperteil; c) die Vorstellung des Durchbohrens und Ein- 
dringens und d^ jene von Kürze und Dicke — welche alle vier sich 
ausgezeichnet dazu eignen, das männliche (jlied zu schildern, und 
sonst nicht« anderes ; es gibt tatsächlich keinen anderen Gegenstand, 
auf welchen sich die sonderbare Verbindung von Dickscin und Stachen 
anwenden hißi. Schließlioh kann ich hinzufügen, daß zwei sehr ge- 
läufige Ausdrücke im Lichte der eben gegebenen Deutung verständ- 
licher werden. „So stolz (oder vergnügt) sein wie ein Panch" : über- 
mäßiger Slolz ist im Unbewubtea innigst verbunden mit exhibitioni- 
stischer Selbstbe-wmiderung- ..Er hat eine Ma«se punch in sich" : in 
diesem modernen Amerikanisnius wird das Woi't. „piiuch" als Synonym 
für die gebräuchlichen Ausdrücke und Symbole des männlichen Glie- 
des und seines Produktes gebraucht. 

Im Zusammenhang mit der phallischen Bedeutung des von Pun- 
chinello gtwchwungeneu Stabes ist nu bemiu-kcn, daß das AVort selbst 
verwandt ist mit dem mittelhochdeutschen „stabcn", steif werden, 
und wahrscheinlich von einer urgennanischen Wurzel „sta" abstammt, 
welch« „aufstehen" bedeutet. Eine mehr verbreitete Kenntnis ist die, 
daß dah AVort. ,,yard", das für ein Längeaimaß gebraucht wird, vor 
drei Jalii-liuiiderten zwei andere geläufige Bedeutungen Iiatte, iiäm- 
lich a) ein Stab und h) der Phallus; im letzteren Sinne wird ,es 
von englischen Seeleuten noch heute gebraucht. Bei „PunchüicUo" 
ist er dasselbe wie der Maj'renstab. Dieser zeigt auch außer der 
langen Nase und dem Stab noch andere phalllsche Attribute, zu 
denen auch sein Hund Toby gehört. Die Tatsache, daß einem der- 
artigen Symbole wieder ähnliche Symbole angefügt werden, eine Tat- 
sache, die durch die phallischen Ornamente, die von römischen Prauen 
als Amulette getragen wurden •), in auffälliger Weise illustriert wird, 

») Siehe Vorberg, „Musüum eroticum Neapolitanum", Sekt. „Bronaen". 



2^ Dr. KrnaHl Joiim. 

ist. ein deutlicher Beweis für die oben ausgespixicliciie Anschauung der 
Identifikation des Mannes mit dem Phallus, des Ganzen mit dem Teile. 

Auch bei Synxbolen, bei denen os schwer hält, eine 
Assoziation mit den die symbolisierten VorstelJongen bezeichnenden 
Ausdrücken, ausfindig zu machen, wird eine solclie Assoziation oft 
deutlich bei ihren Synonymen oder frenidsprachig-cn Ubersetzung'en. 
"Ein gutoa lioiepiel dafür ist das Wort „Raum" — ein geschlossener 
Itaum ist regelmäßig unbewußtes Symbol für diis Weib — wo jnan auf 
sehr entfernte ariselie Quellen zurückgehen muß, z. B. Alt-Irisch, 
um eine Spur weiblichen Vorstellungsgehaltcs zu finden; liingegen 
ist das Synonym „Zimmer" in seiner Zusammensetzung „Frauen- 
zimmer" ein gewöhnliclies Umgangswort füi- J>au. 

(!. Phylogenetische Parallelen. Einer der wunder- 
barsten Züge der eigentlichen Symbolik ist die merkwürdige Ubiquität 
desselben Symbols, das nicht nur in verschiedenen Gebieten des Seelen- 
lebens, in Träumen, im Witz, im Wahnsinn, in der Poesie usw., in 
einer bestimmten Mcnschcnk lasse und auf einem bestimmten kultu- 
rellen Niveau, zu finden ist, sondern bei den verschiedensten Völkern 
und in verschiedenen Epochen der Entwicklunga geschickte. Ein 
Sj'mbol, das wir z. B. heute in einer Zote finden, ist auch in einem 
mythischen Kult de« antiken Grieclieidand nachweisbar, und ein 
anderes, dem wir nur bei der Traumdeutung begegnen, wurde vor 
mehi-eren tausend Jahren in den heilig'cn Büchern des Ostens benützt. 
Die folgenden Beispiele können diese Übereinstijnmung erläuicrn. 
Zähne sind im Traume oft Symlrale für Geburt, ein Zusammenhang, 
der &ieh niemals im Bewußtsein herstellt ; im Lied der Lieder lesen 
wir: „Deine Zähne sind eine Herde Scliafe, die frisch gewaschen sind,. 
Von denen jedes Zwillinge wirft, und es ist kein unfruchtbares unier 
ihnen." Die Sehlauge, die bewußt nicnmls mit dem Pliallus assoziiert 
ist, ist dies regelmäßig in IVäumen, u. zw. als eines der beständigsten 
und im veränderlichsten Symbole: In primitiven Keligionen werden 
die beiden Vorstellungen ganz offensichtlich als vcx-tauaehbar belian- 
dclt, so daß es oft schwer ist, die phallische von der opliitisclien Vcr- 
elii'ung zu luiterscheiden ; viele Spuren davon finden sich im Alten 
Testament- Vater und Mutter werden in Träumen beständig als 
König und Konigin symbolisiert. Da.s Wort „König" stajnmt in 
letzter Liiijo von der Sanskritwurzel „gan", welche „zeugen" be- 
deutet : „ganaka" hieß im Sanskrit der Vater und kommt in 
den Veden als Name eines wohlbekannten Königs vor. Das Wort 
„Königin" kommt vom Sanskrit ,.gani", was einfach Mutter bedeutet. 
Der Zar vuu Rußland wird odor wurde wenigstens bis vor kurzem 
Väterchen genannt ; denselben Titel führte der hunnische Attila (Di- 
miautiv von atta, Vater). Der Titel „Landesvater" wujde in Deutsch- 



Di« Theorie der Symbolik. 25g 

land allgemein gebrauclit, ebenso wie di(J Amerikaiiei- Washington 
noch jetzt den, .,Vater seines Landes" nennen. Das Haupt der katho- 
lischen Kii'che wü'd „heiliger \''a,ter" genannt oder mit seinem latei- 
nischen Namen ,.papa". 

AVenn wir die sechs oben erwähnten Eigenschaften zu den sechs 
früher erwähnten hinzufügen, halxin wir eine Auffassung der Sym- 
bolili l'onnuliert. die sich von den anderen Arien der Symbolik unter- 
scheidet. Das Nähere über die Unterscheidung und Verbindung zwi- 
schen diesen soll später auseinandergesetzt werden ; diesen Absatz 
wollen wir mit einer kurzen Betrachtung des tatsächlichen Inhalts 
der Symbolik schließen. 

Die Zahl der Symbole, die wir finden können, ist außerordentlich 
imd ziililt gewiß nach Tausenden^). 



■) Es gibt kein voUständiges zusammenfaHsendes Wert über Jon Inhalt 
der Symbolik. Die verläßlichst* Z u aam mens t eil ung, die leider im Verhältnis 
za dem, was wir brauchen, nicht weit genug geführt ist, ist die in Frßuda 
,, Traumdeutung" (4. Aufl., Seite 2G2— 274) gegebene, welche er in seinen „Vor- 
lesungen zur Einführung in die Paychoaualyaf:" (2. Teil, IDlß, Seite 161—180) 
erweitert hat. Die zabLreichen in Otto Ranka "Werken verstreuten Beispiele 
sind ebenfalls verläßlich. InStekels „Sprache des Traumes" und „Ängst- 
Kiisläude'- findet, .sich ein au i gebreitetes Material, welclies für jene, die ku 
seiner Sichtung fällig sind, hrauchbitr ist. Auf anthropologischem Gebiete sind 
siu rnvähnen die ^vohlllekannten "Werke von Bachofon, ,, Versuch über dia 
Gräbersymbolik der Alten", 1859; Burton, „Terminal Essay of the ArabJan 
Nights", 1890; C o x, „Mytbologj- of the Aryan N^tions", 18T0; Dieterich, 
„Mutt€r Erde", 2. Aufl. 1913; Dulaure, „Des divinit^s g6u6ratriües", 1805 
(sehr erweitert in einer deutschen Ausgabe von Erauli und Iteiskel, „Die 
Zeugung in Glauben, Sitt«n und Gebräuchen der Völker'", 190!)); Faber, ,,Origin 
of Pagan Idolatry", 181S; Faber, „Secret Museum of Naples'', English Trans- 
L-ition, 1872 ; F e r g u s s o u, ,,Trce aaid Serpent Worship", 1873 ; F o r ] o n g, ,,The 
Rivers of Life'-, 1883: II i gg i n s, „Anacalypsis", 1833 — 1836; I n man, „Aucient 
faiihs embodiedinAncientNamos", 18ö8, and „Ancientl'agau andModemChristian 
Symboliam" (das ijützlic liste liuch über das Thema) 1869, Second Edition 187d; 
Hargravo J e uni ugs, ,,Tlie Rosicmcians", 1887 ; King, „The Guostics and 
their Bcmains", 186-t; Payne K night, ,,A Discourse on the Worship of Pria- 
pus", 1786, New Edition 1871 and „The Symbolica! Langiiage of Ancient Art 
and Mythology", 1813, New Edition 1876; Moor, „llindii Pantheon", 1810; 
Staciland Wake, ,.Thc lufluence ol' the Pliallic Ide» iu (he l^clifpons of Anti- 
quity'-, Journ. of Anthropology, 1S70, Nos I and II, and „Serpent Worship", 
1868; Wake and Westrnpp, „Ancient Sj-rabol Worahip", Second Edition 1875; 
Westropp, „Pririiitive ßjmbolism", 1865; zusammen mit den woniger bekannten 
Werken von Campbell, „I'halUc Worship", 1887; Freimark. „Okkultismus 
und SexualiüU"; Hermann, ,.Xenologie des Saeming", 1905; Kittel, „Über 
den Ursprung de.s LingakulLus in Indien", 1876; Laurent et Nagour, 
„L'occultisme et l'amour"; Maebly, „Die Schlange im Mythus und Kultus 
der klassischen Völker", 18G7; de Mortillet, „Lo Signa de la Croix avant 
1© Chrislianisme", 1866; Seilen, „Phallic Worsliip in India", Mcjiioirs of the 
Anthnopological Society, vol. i, and „Anuotations on Ihe Sacred Writings üf the 



260 Dr. Erneut Juiioi. 

In verblüffendem Gegensatz day.n aielii dw scU-saim; Tütsaelie, 
daß die Anzahl der auf solche Weise synilwlisierton Vorstclhmgeii 
außerordentlich liesehiäiikt ist, ao daß man liiusichtlich der Deutung 
begreifliclier weise oft den Voi-wurf der Eint'ürinigkeit hören muß. Die 
Tatsaelie dieser bemerkenswerten Disiiroiiortion zwischen der Anzahl 
der Svmlxilo und der symliolisierten VnrsiclIinigTii gibt Anlaß zU 
vielen inteivssanten Problemstellungen, auf WL'lclie vielleLclit durch 
die untßji folgende Eröi"tcrung über die (.lenese der Symbole einiges 
Licht geworfen wird. 

xAUe Symbole dienen -mv DarsUdlung' des eigenen Ich und der 
nächsten Blutsverwandten oder der PJiänomcne von Gcburl, Liebe 
und Tod. ^lit anderen Worten, sie afellon die, dcnkbiir primitivsten 
Ideen und Interessen dar- Ihre tatsächliche Anzahl iat jedoch gi-ülier, 
als ma.n nach der Kürze dieser Zusamiiieul'assung annehmen möchte 
— sie beti-agen vielleicht gegen 100 — , imd ein paar ergänzende Be- 
merkungen sind notwendig. Tina Ich umfaßt den ganzen Körper oder 
jedeiii einzelnen Körpei-teil, aber niciU das Seelenleben; hier können 
etwa 20 vei-sehiedene Voratelhmgen synibolisicrt werden. Die Ver- 
wandten umfassen bloß Vater, Mutter, Üruder, Sdiwes1:er, Sohn und 
Tochter; verschiedene Köi-jjerteile dieser Personen können e^benfalla 
symbolisiert werden- Die Geburt kann sieh beziehen auf die Vorstel- 
lungen des Gebarens, des Zeug'eiLs oder des Sei bstgeborcn Werdens. Die 
Vorstellung des Todes ist im Unliewußtuii verliiiliiiismäßig einfach, 
nämlich die eliiej- dauernden Abwesenlieit ; sie bezieht sich immer auf 
den Tod von anderen, denn die Vorstellung des eigenen Todes ist walir- 
scheinlieh für das Unhe^^iaßte unfaßbar imd wii-d stets in irgend eine 
andere verwandelt. Die Liebe, oder geiiauei- gesprochen, die Sexualität 
umschließt eine sehr erhebliche Anzahl verschied cnei' Vorgänge ein- 
schließlich einiger, wie der eski'e torisch i*n Akte, deren sexuelle Be- 
deutung nicht allgemein anerkannt ist; es würde uns z\i weit l'ühi'eu, 
alle diese, aufzuzählen und zu beachi-eibcn, aber man darf sagen, 
daß die auf diesem AVege en-eichbai'e Gesaintauffassuiig sich jnit 
Freuds Soxualtheorie g-enau deckt ^). Das Feld der Sexualaymlmlik 
ist verblüffend reich imd viclfäHig und die große Mehrzahl aller 
Symbole gehoi-t hieher-). Es gibt wahrscheinlich mehr Symbole für 
das männliche Glied allein, als alle andei-en Symbole miteinander aus- 
machen. Dies ist em völlig unei-wai-teter Fund, mehr noch als die 
geringe Anzahl von symlwlisierten Vorslellmigen überhaupt, und es 

Hindus", Kew Edition 1902; Stoi-fGi-, up. eil. Khic. Anmhl neuoror Bücher, z.B. 
die von Baylcy, Blount, C hu rc h waril, Ilaiiiiu,y sind vüii viel geringerem 
Werte, als iliro Aiisprüclie veimul.ea liusäeu. 

1) Siehe Freud, Drei Abliandluojjeu r.vv Sexual Uioorie, lilO.I. 

-) Siehe Scli lesingei-, oj>. dt., Seile ■^37 ». f, 



Die Theorie dor Symbolik. 261 

ist SO schwer, ihn mit uiLiöi-eiu Gefühle für Proportion, zu versöhnen, 
daß juai\ sich Mühe gobea muß. dem einfachen Ausweg der Ableug- 
nuiig der Tatsachen iiuszuweichen ; dieser Ausweg wiirdo uns durch 
den Uinstajid sehr erkichtj?rt. dali dank imsei-er Erziehung die Tat- 
sachen nicht sehr zugänglich sind- Die Ausführungen von Eank 
und Sachs sind in diesoni Zusammenhang von Interesse^): „Das 
Prävalieren der sexuellen Symboll^edenUmgen erklärt sicli nicht nur 
aus der individuellen Tatsaclie, daü kein Trieb in dem Maße der kultu- 
i-ellen Unterdrückung untei'worl'en und der direkten Befriedigung 
entzogen ist, wie dei" aus den. vei-sehiedensten „pei-versen" Kompo- 
nenten zusm mengesetzte Sexualtrieb, dessen psychischer Vorstelluugs- 
kreis, da-s Ei-otische, daher im weiten Umfang der indii-ektcu Darstel- 
lung fähig und bedürftig ist. Eine weit größiei'e Bedeutung t'iir die 
Gienese der Symbolik hat die phylogenetische Tatsache, daß den Ge- 
schlechtsorganen und -funkt ionen in primitiven Kulturen eine füi' 
unsere Begriffe ganz uiigeheiu-e "\\''ichtigkeit Ixügelcgt wai', von dei- 
wir uns durch die Tatsachen der ethnographischen Forschung und 
die in Kult und Mytlms e-idialtcnen Reste eine annähernde Vorstellung 
machen können." 

III. Die (renesc der Symbolik. 

Nachdem wir nun eine Formulierung der Natur, des Inhalte und 
der Merkmale der Symbolik vorgenommen haben, können wir zu den 
ßchwicrigereu Fragen Uirer Genese übergeiien. Unser Ausgangspunkt 
ist die Beobachtung, daß bei der Symbolik eine Vergleichung zweier 
Ideen, und zwar von solcher Art, wie sie dem bewußten Seelenleben 
fremd ist, im Unbewußten hergestellt wird und daß dann eine der 
beiden Vorstell im gen, die wir bequemt ichkeitslialber die sekundäre 
nennen wollen, unwissentlich dazu gebraucht werdeji kann, die pri- 
märe zu ersetzen und darzustellen. Zwei Fragen schließen sich dieser 
Feststellung unmittelbar an; AVaram werden zwei Vorstellungen 
identifizie]-t, die das bewußte Seelenleben nicht ähnlich findet? Und 
warum symbolisiert die eine Vorstellung stets die andere, oline daß 
je eine Umkehrung dieses Verhältnisses stattfindet? 

Die erste Frage aufnehmend, beginnen wir mit der Bemerkung, 
daß die Vergleichung diu-ch das primitive Seelenleben hergestiillt 
wird, nicht durch das gereifte und bewußte. Diese Folgerung wird 
durch alles, was wia' von der Symbolik wissen, bestätigt: der Typus 
der seelischen Vorgänge, das hohe Alter — sowohl beim Individuum 
wie bei der Hasse — , das die Entstehung aktueller Symbolik in die 
Vorzeit zuinickweist usw. Aucii die ivenigen Symbole, die durch er- 



>) Rank und Sachs, op. cit.,, Seite 12, 



S63 l^r- Erneat Jones. 

wachsene KultuiTnenschen gescliafren weiileii, ■/.■ B- der „Zeppelin", 
sind die Schöpfimgen des primitiven, infanülen Seelenlebens, das im 
Unbewrußten durch das ganze Loben weiter bestehen bleibt. 

Geradeiso wie das Gleichnis die Grundlage jeder Met)i.pher ist, 
■ so ist die ui"sprüngliehö Identifizierung die Grundlage jeder Symbolik, 
obgleich die beiden Vorgange auseinander gehalten werden müssen. 
Freud formuliert dies folgendermaßen"-): „Was heute symbolisch 
verbunden ist, war wabrscheinlicli in Urzeiten durch begriffliche und 
sprachliche Identität vei-eint. Die Symbolbeziebung sclieint ein Rest 
und Merkzeichen einstiger Identität." 

Die Tendenz des primitiven Seelenlebens — wie sie sich bei Kin- 
dern und Wilden, im Witz, Traum und AValinsinn und anderen Pro- 
dukten unbewußter Funktionen beobachten läßt — ■, verschiedene 
Gegenstände zu identifizieren und verschiedene Vorstellungen 
zu vermischen, Äiinlichkeiton und nicht Unterschiede zu finden, ist 
ein allgemeiner und sehr charaktex'istLscher Zug, wenngleich nur 
die mit dem fraglichen Material Vertrauten das kolossale Ausmaß 
würdigen, können, in welchem er auftritt. Es macht den EinJruek, 
als wäre er eine der grundlegendsten und ui^sprünglichstcn Eigen- 
schaften des Seelenlebens. Für seine Erklärung gibt es zwei Hypo- 
thesen, welche diesem Abschnitt, ja dieser ganzen Arbeit 2u Grande 
liegen imd deshalb hier kurz wiedergegeben werden müssen. 
Die eine, ziemlich allgemein angenommene, fühi-t das in liede stellende 
Problem, sowie die meisten übrigen der Symbolik, a-uf den Aufbau 
des noch unentwickelten Seelenlebens zurück, weshalb sie die sta- 
tische Hypothese genannt werden kann; alc lenkt unsere Aufmerksam- 
keit vor allem auf die intellektuelle Unfähigkeit zu unterscheiden. 
Die zweite, psychoanalytische Hyi>othese gibt zwar die Bedeutung 
dieses Faktors zu, hält aber ihn' allein ziu' ^Auf kläining aller Phänomene 
nicht für ausreichend, imd postuliert daneVn andere, dynamische 
Faktoren- 

Meiner Ansicht nach wirken drei Faktoren, nicht einer, bei 
dieser allgemeinen, primitiven Tendenz zur Identifikation zusammen. 
Der erste, gewöhnlich als einziger anerkannt, alxjr, wie ich meine, der 
am wenigsten richtige, ist der der intellektuellen Unfähigkeit. Der 
zweite, auf den ich sogleich hinweisen will, hängt mit dem „Ijust- 
Unlust-Pi-inzip" zusammen, der dritte, aiif welchen Rank und Sachs 
aufmerksam machen, mit dem „Realitätsprinzip". 

Der erste Faktor, hiiLsichtlieh dessen ich nachweisen zu 
können hoffe, daß er nicht der einzige ist, wird durch Pelletier 
gut geschildert 2) : „II est ä rcmarquer, que le symbole Jone un tres 

1) Jreud, Die Traumdeutung, loc. cit. 

8) Fell-etier, L'association des idöes daus la manic aiguü, 1903, p. 129, 



Die llieorie der Sjmbolik. 263 

gTand rölo daiis los divagations des alienes ; cela est du ä ce, que le 
Symbole est une forme tres inferieure de la pensee. On pourrait delinir 
lo Symbole commc la pcrception fausse d'un rapporl d'identite ou 
d'analogie tres grande entre deux objets, qui nc prcsentent an realitc 
qu'une analogic vagTie." "Wir werden sehen, daß die Disprapori-ionj 
liiu&ichtüch der Starke der Analogie mehr von der Verscliiedenlieit 
in den Gesichtspunkten des Patienten und des Arztes hervorgebracht 
\vird, als von ik-j- intellektuellen Minderwertigkeit des erstgenannten. 
Jung') schreibt von einem ähnlichen Gesichtspunkt aus: „Die 
apperzeptive Schwäche drückt sich in einer verminderten Deutliclikeit 
der Vorstellung aus. Sind die Vorstellungen undeutlich, so sind auch 
ilire Unterschiede undeutlich." Ferner: „Ich will nur hervorheben, 
daß die Vieldeutigkeit der einzelnen Traumbilder 
(Uberdeterminienmg F r e u d s 2) mit ein Zeichen ist für die 

tjndeutlichkeit und Unbestimmtheit des Traumdenbens Wegen 

der inj Traume herrschenden mangelhaften Unt er schied s- 
omp Kindlichkeit können die beiden Komplcxiahalte wenig- 
stens in symbolLscher Form ineinander fließen." Beide Autoren 
standen wahi-schcinlich unter dem Einfluß der verbreiteten, 
aber unrichtigen Meinung, daß Traum und Wahnsinn minder- 
wertigp Geistes produlde seien- Doch schreibt auch Silberer, der 
sich der Erago von einer ganz anderen Seltne her nähert 3): „Ich ent- 
ferne miell durchaus nicht von der Mehrzahl der Autoren, wenn ich 
die hauptsächliehste und allgemeinste Iledingung der Symbolbildung, 
die faowohl daii noi-maien als den krankhaften Phänomenen in der In- 
dividual- wie in der Vülkerpsychologie gerecht wird, in einer Unzu- 
länglichkeit des Auffassungsvermögens seinem GJegeustand gegen- 
über, oder, wie man auch sagen könnte, in einer apperzep'tiven In- 
suffizienz erblicke." Wir können das Vorhandensein dieses Faktors 
in einem gewissen Maße zugeben, doch kann, glaube ich, gezeigt 
werden, diiß' das, wa.s als apperzeptive Unfähigkeit gilt, sehr oft 
nui" eine Einstellung der Punktion infolge anderei" Gründe als Un- 
fähigkeit ist. Es ist richtig, daß das primitive SeelcnlcbciL sehr oft 
keine Unterscheidungen macht, aber dies geschieht nicht deshalb, 
weil es dazu nicht im stände ist, denn, wo es notwendig ist, wird 
es in bemerkenswerter Aitsdelmung geleistet. 

Der zweite Faktor, der einen Mangel an Unterscheidung verur- 
sacht, ist der Umstand, daß das primitive Seelenleben, wenn ihm 
eine neue Erfalirung geboten wird, auf die Älinliclikeiten zurück- 

') Jung, Über die Psychologie der Dementia praecox, 1907, S. 72. 
*) Diese ist dasselbe wie die erört-erte Verdichbung oder mebrfache IdeE- 
tifizieruag. 

3) Silber er, JalirbuoU der Psychoanalyse, Band lil, S, tiSO. 



264 Ol- Eniest Jones. 

greift, mögen, sie noch so sehwach sein, die zwischen vorhergehenden 
Erfalirungen und der gegenwärtigen vovlianden sind ; dies geschieht 
aus zwei Gründen, die beide mit dem Lust-Uoluat-Piijizip in Ver- 
bindimg stehen. Einerseits beachtet das Seelenleben — insbesondere das 
primitive, das ganz auf diesem Prinzip aufgebaut ist — gerade das am 
stärksten, was daü ötärltsie jjersönliche Interesse bietet, am meisten 
Lust oder Unlust liorvornifl- Unlerscheidungen zwischen zwei Vor- 
stellungeji, die damit nichts zu tiui liaben, übei-sieht es, und bemerkt 
bloß diejenigen, die sein Intei'esso wecken. Wir verfallen dabei deshalb 
90 leicht in Irrtum, weil es uns in jedem Falle Anstrengungen kostet, 
die Anuahnio zu vermeiden, daß die lutercssenki'else des primitiven 
Seelenleböns notwendigv-rweise dieselben sein mußil«n wie unsere 
eigenen, bewußten, während in "Wirklichkeit zwischen beiden eine oft 
verblüffende Verschiedenheit waltet. Die unerwarteten Assoziationen, 
die ein Kind beim Zusaminenii'effen mit etwas Neuem bildet, sind 
für mm oft sehr erheiternd, z. B. di<' Bemerkung, daß Sodawasser 
wie eingeschlafene h'üße schmeckt. Darwins oft zitiertes Beispiel 
von dem Kinde, das beim ersten Anblick einer Ente ihr den onomato- 
pöetischeai Namen „Quack" gibt und danj» später dieses Wort auf 
Fliegen, Wein und sogar- auf ein Soustück (auf dem Adlersflügel 
abgebildet sind) iuiwendet, wii-d von Meumann*) richtig damit 
erklärt, daß das Kind nur das bemerkt, was es interessiert, ■ — 
nämlich die Flugbewegung und die Bezieliung zur Flüssigkeit, und des- 
halb das Wort benützt, um diese beiden Phänomene zu bezeichnen, in 
welcher Form immer sie ihm begegnen ; es wai- nicht die Ente als solche, 
die als „Quack" bezeichnet wurde, sondei-n bloß einzelne los.gelöste Eigen- 
schaften, die dann beständig mit diesem Namen genannt wurden. Der 
andere Grund ist viel allgemeinei' und von weitreichender Bedeutung. 
Vor eine neue Erfahrung gestellt, findet es daa Seelenleben gewiß 
leichter, die Ähnlieh keHsmomente zwischen ihr und vorhergehen- 
den, veitrauten Erfalirimgcn aufzu£a.gscn. Mail hört z. B. oft Be- 
merkungen, wie die: „Die Ide<Jn in diesem Buche sind zu fi-emdoj-tig, 
um sie gleich beim erstem Lesen in mich aufzunehmen; ich muß es 
noch einmal durchgehen, che ie!i ein Urteil äußern kann." In solchen 
Fällen, in denea man nur die Älmlichkeitsmomente. bemerkt, gelingt 
offenbar eine Krafterspaniis, deren Anstrebung zu den Grundzügen 
der Menschennatur gehört. Ferrero^) bezieht sich darauf mit den 
gut gewählten Ausdrücken: „la loi de l'inertie mental" und „la loi du 
moindre effort". Selbstverständlich wird diese Tendenz durch das 
Lust-Unlust-Prinzip beherrscht, was oft genug von Ethikern ver- 
dunkelt wird. Die Assoziation zwisclien Bequemlichkeit oder 

*) ÜTcumann, Die Sprache dca Kindes, 1903. 
-) Ferrero, op. cit., pp. 6, 18, 23. 



Die Theorie der SjmboliL. 265 

Ruhe und Vergnügen, sowie die zwischen Schwierigkeit oder 
Arbeit ■und Schmerz ist ursprünglieli und wird von den zur 
Bezeichmm^^ dieser Begriffe iK^iiützteii AVorten gut erläutert. Das 
Wort „painful'", im modernen Englisch; peiuvoll, schmerzlich, wurde 
im Mittel-Englisch im Sinne von „arbeitsam" gebi'aucht. Das fran- 
zösische ..travail", Arbeit, ißt dem italienischen ,,travaglio" verwandt, 
dae Leiden l>üde^^t«t; das italienische Wort für Arbeit, lavoro, kommt 
vom lateinischen labor, Sclimerz. Das griechische „Tiwofj-ai", das 
hebräische ,,assab", bedeuten sowohl Arbeit als Leiden. Im Englischen 
wird die Entbindung sehr passend ,,labom''S Arbeit-, genannt. 

Dej' dritt« Faktor, der die Uulei-schcidung hindert, liebt sich 
nicht scharf von dejn vorigewi a-b, obgleich er sich mehr auf das „Rea- 
litätsprinzip" bezieht. Es ist klar, daß das Erkennen von Ähnlich- 
keiten die Assimilation neuer Erfahrungen erleichtert. Unser instink- 
tives Bestreben in solcher Lage geht dahin, da* Neue an das Alte an- 
zuknüpfen, gemeinsamen Boden aufzusuchen- Wenn wir die neue Er- 
fahrung in irgend einer Weise mit dem, was uns schon vertraut ist, in 
Beziehung setzen können, dann wissen wir, wo wir es „unierbringen" 
können, und veretehen es; es bekommt einen Sinn. Etwas darlegen und 
iKigrcifen heißt nichts anderes, als das Unbekannte auf das Bekannte 
bezieJien. So unterstützt der Vorgang der Vermischung und Identifi- 
zierung unser Ergreifen der Realität und ermöglicht es uns, ihr besser 
gerüstet entgegenzutreten. Es ist richtig, daß eia solcher Vorgang 
große Möglichkeiten für Fehlei- und Mängel eröffnet, da es ein 
alltägliches Vorkommnis ist. daß wir das Neue zu eng in ilen For- 
jneln dos Alten fassen, aber es in welchem Grade immer zu fassen, 
ist der einzig« Weg, es zu bewältigen. Rank und S a c h s ^) geben 
eine Erläuterung über die Beziehung der Symbolik zu dieser ursprüng- 
lichen Identifikation im Dienste der Anpassung in folgender Weise : 
„Psychologisch betrachtet bleibt die S^ymbolbildung ein Regressiv- 
phänomen, ein Herabsinken auf eine bestimmte Stufe bildlichen Den 
kfflis, die sich beim vollwertigen Kulturmenschen in deutlichster Aus- 
prägimg in jenen Ausnalimszuständcn findet, in denen die bewußte 
Itealanpassung entweder teilweise einge.schränkt ist, wie in der re- 
ligiösen und künetlerischen Ekstase, oder gänzlich aufgehoben er- 
seheint, wie im l^auni und den Geistesstönmgen. Dieser psycho- 
logischen Auffassung entspricht die kulturhistorisch nacMveisbarc 
ursprüngliche Funktion dej' der Sy mbo 1 i s i er ung zu Grunde 
liegenden Identifizierung^) als eines Mittels zui- Real- 
anpassung, das überflüssig wird und zur bloßen Bedeutung eines 

1) Rank und Sachs, op. cit., S. 17, 

^ Die Auboron imterscheidea ia diesem Zus&iiiiiieiih.aa^ mit bemerkens- 
wortar Schärfe zwischen Identifikation und SyrQl>olik. 

ZDlIwhr. f. arttl. PijchouikljB«. T/4. . IS 



266 Dr. Erueet Jones. 

Symbolfc herabsmkt. sobah! dieee AnpaüSiiagslcistuug geglückt ist. 
So erselieiiit die Symbolik als der luibewiißle Niederschlag überflüHsig 
imd Tinbrauchbai' gewordener primitiver AnpaBsungsmittel an die 
Kealität, gleichsain als eine Rumpelkammer der Kiiltur, in die der 
erwachsöQü Menscli in Ziiständen lierabge'^etzter oder mangelnder 
Anpassungsfähigkeit gea-n flüclitet, um seine alten, längst verges- 
seneai Kinderspielzeuge licr\'orznholen. Was spätere Grcnerationen 
nur noch als Symbol kennen und auffassen, das hatte auf frülicren 
Stufen gedstigen Leidens vollen, italen Sinn und "Wert. Im Laufe 
der Entwicklung vei'blaßt die urspiüiigliche Bedeutung immer mehr 
oder waJidelt sicli sogar, wobei allcrding.s Sprache, Folklore, "Witz u- a. 
oft Reste des ursprünglichen Zusaminenlianges in mehr oder weniger 
deutlicher Bewußtheit bewahrt haben." 

Die beiden letztei-wähnt-en li"aktoren, nämlich die Wichtigkeit 
dm Lust-Unlust-Prinzips luid dei- Bealitätsanpassung, mit Hinblick 
auf den primitiven Mangel an Untersclieidungs fähigkeil, werfen 
einiges Licht auf eines der rätselhaftesten Phänomene der Symbolik — 
das außerordentliche Voi"waiteii der sexuellen Symbole. Ein schwe- 
discher Philologe^) hat in einem benierkenswei-ten Aufsatz, eine 
Theorie ausgearbeitet, die auf anderer Basis zu wiederholten Malen 
von Biologen üi Vorschlag gebracht worden ist, und dahin lautet, daß 
sexuelle Impulse eine wichtige Rolle hei dei" Enfcstehiuig und Ent- 
wickhing der menschlichen Sprache gespielt haben. Nach dieser, auf 
ein© au.'sgezei ebnete Begiündung gestützten Theorie waren die ersten 
Sprachlaute die Lockrufe vor der Paarun,g (daher die sexuelle Bedeu- 
tung dei' Stimme bis zum lieutigen Tag), während die Entwicklung 
diesei* Wurzeln als Begleitung der Arbeit zu stände kaan. Diese i\'iu'de 
gemeinsam und, wie es heute noch häufig genug geschieht, mit Be- 
gleitung rhythmisch wiedei-lioller Sijrachlautc betrieben. Indem dies 
geechah, "wurde der Arljcit sexuelles Interesse zugefüliit, als würde 
sich, sozusagen, der Urmensch mit der unangenehmen, aber notwen- 
digen Aufgabe dadurch zu versölmen suchen, daß er sie als Äquivalent 
oder Ersatz sexueller Funktionen behandelte. Die wähi-end dieser 
gemeinsamen Arbeit Ijenützten Worte gewannen so einen doppelten 
Smn, indem sie sowohl den Sexualakt wie die glcichwei-tig gewordene 
Arbeit bezeichneten. Mit der Zeit wurde die ersterc Bedeutung ab- 
gelöst und das Wort, das nun bloß für die Arbeit angewandt wMrde, 
„desexualisiert". Dasselbe geschah dann bei nndei-en Leistungen, und 
so bildete sich nach und nach ein Vonat von Sprachwui'zeln, deren ur- 
sprünglieher sexueller Sinn verloren gegangen wai'. Sperber zeigt 
dann an einem ausgebreiteten Material, daß Woi-te mit sexueller 

'j Sperber, Über ileii Einfluß sexuellcir Momente a^iC JCntstebung und 
Entwicklving der Spraclie. Imagb 1912, Jahrg. I, 8. 405. 



Die Theorie der Symbolik. ogn 

Grundbedeutung line liüclist übeiTagehende Fälligkeit zur Entwick- 
lung \md Ausdehnuug über nicht sexueUe Gi?biete zeigen. Zum Teil 
ist die sorgsame K«inigmig, der unsere etymologisf-hen Wörterbücher 
unterliegen, daraji Schuld, daß es nicht allgemein bekannt ist, daß 
eine aiißerordentUcli hohe Anzalil der heut« benützten Worte in 
historiachcr Zeit aus diesei' Quelle abgeleitet wurden und ihre gegen- 
wärtige Beticutung durch eine heute vergessene sexuelle Assoziation 
gewonnen liaben. Im Lichte dieser von Sp<^rber aufgestellten 
Theorio beginnen wii- zu vei-stehen, warum es eine so auffällig gi-oße 
Anzahl von «ymboJen für sexuelle Objekte und Punklionen gibt 
und warum z- B. Waffen xind ^^''erkze.uge immer Symbole für das 
männliche Glied *;md, wälu-end das Material, au dem gearbeitet wird 
stete weiblich ist. Die symbolische Assoziation ist das Überbleibsel 
der alten Wortidentität: Dinge, die einst denselben Namen wie das 
männliche Glied hatten, tonnen jetzt in Träumen usw. als Symbol 
dafür auftreten. Freud^) vergleicht die Symbolik treffend mit 
eia«r alten Sprache, die fast ausgestorben ist, von der sieh aber noch 
hier uBd dort vei'streut einzelne Best« finden. 

Der hiei- entwickelten Anschauung zufolge wiid also die der 
Symbolik zu Cnind.- liegende Identifikation im wesentlichen durch ' 
die beiden oben erörterten Fakturen bestimmt, welche sieh zusammen- 
fassen lassen als die Tendenzen, einerseits Lust zu gewinnen und Schmerz 
ZU vemoiden imd anderseits mit der Realität auf die leichteste und 
mindest anstrengende Weise fertig zu werden. In dieser Einstellung 
muß der Urmensch der Welt gegenüber geü-eten sein, da seine Sehn- 
sucht nach \'ergnügeai und liulie mit den Anfordei-ungeu der Notwen- 
digkeit in Konflikt geriet. Es gelang ihm, ■ ein Kompromiß zu 
schließen, indem er die ihm auferlegten Arbeitsleistungen sexuali- 
sierte. Ein pa,'ir Beispiele sollen dem ungeheuren Thema der Assozia- 
tionen zwischen Pflügen im besonderen oder Ackerbau im allge- 
meinen und sexuellei- Betätigung entnommen werden. Fast alle da- 
bei benützten AVerkzeuge sind phallische Symboiej wie sich aus 
Mythologie trnd Folklore leicht erweisen läßt, wälirend die Auffas- 
sung der Erde als Frau und besonders als Mutter allgemein und grund- 
legend ist -}. Der Odipus des Sophokles spricht wiederholt von „dem 
Mutterfeld, von dem ich sproßte". Shakespeare hißt Boult, in 
dem Augenblick, wo er die sich sträubende Marina entjungfern will, 
sagen: „War' sie auch ein dorniger' Stück Grund als sie ist, sie 
soll gepflügt werden." 3) Die Ausdrücke für Pflügen wurden im 

J) Freud, Vorlesungen zur Einführung in die PsychoaJialyse. Zweiteo- Teil: 
Der Traum. 1916, S. 181. 

2) Siehe Dieterich, Mutter Erde, 2, Aufl. 1913. 
') Pericles, Akt IV. Szene VI. 

18» 



268 



Dr. Krueat Jone». 



Lateinifedien, Griecluachen und iii don orieiila-lischeii Sprachen ffemei- 
niglich aucli benützt, niii di^n Scxunlakt') zu bezeichnen, und wir be- 
nutzen noch immei- ^-otche "Worte, wie ,, Samen", ,.l''ruchtbarkeit", 
„SprößliBg", sowohl iüv die \'egi^ia-1ioii v/ia für Mensclien. Dio Asfio- 
ziation wiixl vollliouuneii deutlich in der wohlt)ekHnnloii l'Vuchlbar- 
teitsmagie, euKU' Sitte, die sich bis in: die. Zeiten hohei-cr ZiviÜsatioQ 
hinein erhielt ; sie bestaml darin, daß ein nackt^w l*!i;ir den Bcisdilaf 
auf dem i'eldo ausübte, um diej^es durch ihr HüLspüd :iiifzuiiiuiitiMTi. 
Die gi-iechischen WorU: für Garten, l''hir und I'Vkl, gebräuchliche 
Symbole für das Weib, bezeichneten aucli di-ii woiblicluMi Ge- 
schlechtsteil- 

Wenn jedeü einzelne Kind, wie hier bchauptul, wurde, siuii diese 
Symbolik neu ci-schafft, d.h. wenn es (gi-ößitou teils unbewußt) diese 
Vergleiclmngen aiiateUt, dio dem bewußten Seelenleben d« Erwach- 
senen fremd sind, dann ist es klar, daß wir unsere Auffassung des 
kindlichen Seelenlebens von Grund aus revidieren müssen, insbeson- 
dero in Hinblick auf dessen. Sexualität. Dies ist bei-cits v»n Freud 
aus anderer Veranlassimg- geschehen, nachdem er empirisch durch 
Psychoanalysen entdeckt hatte, daß das uubewulite Seelenleben des 
Kindee in seinem Wesen viel mehr Sexuelles enthält, als jemals an- 
genommen wurde*). Tatsächlich ist der ganze Vorgang, dem er den 
Namen „Sublimierung" gegeben hat, eineonlogonctische AVicdcrholung 

des olxai beschrieljenen Prozesses, durch welchen sexuelhi Energien 
nach und nach in nicht sexuelle Kanäle geleitet werden. Die Betäti- 
gung — beim Urmensclien die Arbeit, beim Kinde das Spiel — 
wird gradweiso unabhäng:ig \ou dieser- Quelle des Intei-esses, die 
einem anderen Gebiete angehört, alier die alten Assuziatiünon bleiben 
im Unbewußten erhallen, und von dort Jier können sie sich bei gün- 
stiger Gelegenheit in der Form der Symbolik äußern. 

Dem aufmerksamen Ijeser wird es nicht entgangen sein, daß bei 
dieser Erörterung da.s ganze Grcwicht auf die mangelhafte. Unter- 
scheidungsfähigkeit des primitiven Seelenlebens gelegt wurde, wäh- 
rend übex' jene Fälle, in welchen es eine uugewühnliche Hcliärfe der 
Unterscheidung zeigt, nichts gesagt wurdet). Dies ist jedoch wieder 
ein auffallendes Merkmal, welches Kindern und Wilden gemeinsam 
ist, wemi auch nicht dem uniMiwnßton Seelenleben. Im Hinblick auf 
die Wilden ist es merkwürdigerweise als Ai'guniont lx;niitzt worden, 

1) Kleinpaul, Das Leben der Sprache, Bd. III, 1893, S. iSf!. 

^) I'reud, Drei Abli.iiidlungon, op. cifc. 

^ Diese Überlegung beweist allein schon endgiilLii*, daß dio vorliurracliojide 
IlypoMiesc über den Jlangel der UntierHchciduiiEBfäbigkeit teira ri'imitiven — 
nämlich, daß sie diu Folge intellektueller Unfähigkeit sei — nicht aiisreiolit, 
das ganze Problem zu erklären. 



Di« Theori« der t:,Tiobolik. 269 

lim die verbreiteten Theorien dei" mangfl haften intellektuellen Fähijr 
keiteji der Primitiven zu unterstützen, doch beweist meines Erachtens 
eino grimdliche Überlegung gei-fule das Gegenteil. HerlH-rt ttpc »cer 
hat in seineu „Grundsätzen der Soziologie" eine Reihe von Beispielen 
geftanunelt, wo sich viele verschiodeno AVorte für die einzelnen Sonder- 
iikte, aber kein geracin.sames für die Tätigkeit selbs^t findet, so z. B. 
30 Worte für das AVast.hon dej- verschiedenen Körperteile und keines 
für Waschen überhaupt. \'on den Arabern hi'ißt es, siii hätten ÖOO 
'W'orte. um den Löwen von den versehiedensleu Seiten her zu schil- 
dern, aber kein A\'ort für Löwe; 5744 für Kainele, keines für Kamel. 
Dies ist gewiß <'iii schwerwiegende.'^ Argument gegen die angeboi-eno 
MindeJ^vei-tigkeit des Untei-scheiiluiigsvei'mügeny, wie sie nacli An- 
eicht der Anhänger jener Hypotliese exiatiert- Sie wechseln darauf- 
hin einfach da-i Feld luwl. da sie nun einmal dai-auf aus sind, dem 
Primitiven seine geistige MinderweHigkeit nachzuweisen, so zitieren 
sie jetzt diese Tatsaclten, um zu zeigen, daß er unfähig sei zu absti-a- 
hiei-e»; dies ist jedeiifalls nicht dasselbe, wie die ünfälugkeit, Unter- 
gcheidimgeu zu machen. So sehreibt Stouti): „Es scheint gewiß 
sonderbar, daß ein niedrigerer Grad intellektueller Entwicklung sich 
dui'ch eine erhöhte Feinheit und Genauigkeit des unterscheidenden 
Denkens auszeiclmen sollte- Die Walirheil ist, daß diese in den 
primitiven Sprachen so häufigen Untei-scheidungen eher durch die 
Unfähigkeit; die Identität in der Verseil iedenlieit klai' zu erfassen, 
verursacht worden, als durch eine erhöhte. Fälligkeit, in der .Identität 
die Verschiedenheit zu bemerken.'" Dieses Argument wurde jedoch 
von Hocart-) sehr ti-effend widerlegt, der darauf hinwies, daß der 
Schlüssel der ganzen Frage die Tatsache der verschiedenen Intensität 
des Intereflses sei. Beim Vergleich der Fiji-Sprache mit der engli- 
schen z. B- zeigte er, daß die Piji-In.sulaner die Sache im gix>beii 
abtun, wo die Europäe- ins Detail gehen, daU aber das Umgekehrte 
gleichfalls richtig ist. Wo unsca- Interesse sehr groß ist, fehlen uns 
die generischen Ausdi-ückc- weil die Unterschiede so wichtig sind, 
daß sie die Ähnlichkeit verdecken; in solchen Fällen wird der Fiji- 
Insulaner mit seinem minderen Interesse einen allgemeinen und oft 
ganz vagen .Vusdi-uek zur Bezeiehming der Gesamtheit benutzen. 
So ist z. B. der Unterschied zwischen Stier, Kuh, Ochs, Kalb, Büffel 
so erheblich, daß wir kein einzelnes Wort haben, um die Spezies 
als Ganzes zu bözeiclinen. außer das kollektive „Rind". Tatsächlich 
kami man beobachten, daß dieses Gesetz sogar im selben Land für 
voi'fichiedene GeseBschaftsklassen gilt. Der Duithsclmittsmeusch 
benützt den generischen Ausdruck ,,Roß''. aber ein Pferdch.lndler; d. h- 

>) Sto»it. AiiaJyüc l*5yebol-jgy, 1002, vol, II, p. 231. . 

*) Ilocart, Briti§h Journal of Psyckology, vol. V, p. 267. 



270 ^^- Enieät Jone«. 

jemand, dei* an dem GMjguustaJxd großl^u Anteil nimmt, hat keinen 
solchen generischen Ausdruck ; für ihn bodeutüt „liotV' fiiie bestimmte 
Art. de6 Tieres, um! etwas von Höiig«t oder Stute Verscliiedenes. 
Ebenso sprechen wir auch \-on „Schiffen" als eiiiei' Klasse von Gegen- 
ständen, welche vei'schii_>dene Vai'iatiouen enthält, aber für den eng- 
liaehen Seem;um ist „ship" ausschließUeli ein Fahrzeug mit einem Bug- 
spiit und wenigstenß zwi'i Matten mit rechteckigem TakcIwerU ; die 
Unterschiede zwischen den Fahrzeugen sind ilim wichtiger als die 
ÄhnlielikeLten. 

Es ist wohtbftkaJüit, daß die abstraktön Ausdrücke ursprüng- 
lich von den konkreten her entstandcu sind; wii" i^^Iuin sie liier in 
charakteristischer Welse aus der Goneralisation eines Einzelfalles 
hervorgehen; Die ileilienfolgc der Entwicklung scheint also zu sein: 
konkret, allgemein, abstrakt. Dies© Schlußfolgei-ung läßt sich auch 
durch Betrachtung der Entwickluugsreilie der einzelnen Spracli- 
bestandteilc unterstützen- So hatten, wie W undt^) zeigt, die Adjek- 
tive, die sich verhältnismäßig spiLt entwickelt haben, urdprünglicli 
die gleiche Form mit den Substantiven und waren ganz am Anfang 
einfach spezialbezeichuende Hauptworie- Z- B. ,, braunes Blatt" und 
„grünes Blatt" waren verschiedene "Worte, die mit den Worten für 
andere Gegenstände, die braun oder grün sind, nichts gemeinsam 
hatten. Eines dieser , .grünen" Worte, eines, in dem das Element des 
„grünen" sehr hervoi-stechend war [wuhrschoinlich bei Blättern), 
wurde auf andere Gegenstände ausgedeluit, wenn mau besondere Auf- 
merksamkeit auf di'! Tatsache, daß sie grün seien, lenken wollte — 
z.B. ein Gi-ün-Blatt-Tuch — und verlor auf diese Weise mit der Zeit 
die substantivische Mitbedeutimg von ..Blatt". Es ist z. B. bekaimt, 
daß die Grönländei- Ix'sondei-e Kamen für jeden Finger haben, und 
w€am sie eine Bezeicliiiung für Finger überhaupt brauchen, so benützen 
sie für diesen Zweck den Namen des wichtigsten (den Daumen). Sie 
erreichen so da-s Allgemeine vom Besonderen her, doa ureto Stadium 
zur Erfassung des Abstrakten. 

Man sieht, unsere Gewohnheit, da* Wort „Schilf" zur Bezeich- 
nung aller Wasserfahrzeuge zu benutzen, bildet oiiUMi Typus der 
Rückkehr zu dw primitiven, infantilen Gewohnheit, aus Mangel an 
Interesse nicht zu unterscheiden, und gewissenuaßen ist es bei jeder 
Generalisierung so. Der einzige wcsentlielie TJntei-schied zwischen 
dem, was wir eine wertvolle Generalisicrung nennen, d- h. einer wissen- 
schaftlichen und der einfachen Zusaniiiiengrup])iening. die iür das 
primitive Seelenleben charakteristisch ist, liegt in dem praktischen 
Wert der Generalisierung. Für das Kind sind seine Identifizierungen 
zweifellos ebenso nützlich wie für den Manu der Wissenschaft eine 



1) Wundt, Völkerpsychologie, Ed. I. 2, Teil, 1901. S. 28V», 



Die Theorie der Sjmbolik. 271 

große Gencralisicnmg. aber während sie in subjektiver Hinsicht gleich- 
wertig sind. SLiid sie ed keineswegs in objektiver BeziehTuig. Die zweite 
Art iriigl den Tafsachon der äußeren Realität besser liechnung-, be- 
wegt sieh überhaupt auf einem mehr realen und weniger subjektiven 
Niveau; kurz, wir treffen den ganzen Abstand zwischen dem ein- 
facheoi Lust-Unlust- und dem llealitäts-Prinzip an. Von diesem Ge- 
sichtspunkte eröffnet sich die hier nicht weiter verfolgbare Möglich- 
keit einer Theorie der wissensrhaft liehen Entdeckung und Erfin- 
dung usw., denn psychologi-sch bestehen diese in der Überwindung 
der "Widerstände, welche normalerweise die Regression zu der in- 
fantilen, unbewußten l^ndenz, „im Verschiedenen die Identität" zu 
entdecken, verhindern: das Ganze muß natüidich auf dem Niveau 
der Realität geleistet werden, obgleich der Antrieb dui-ch die Verbin- 
dung mit den unbewußten Vorstellungen gegeben wird, welclie durch 
die „realen", der Außenwelt angehörigen symbolisiert werden. 

Wii' müssen uns nun dea- zweiten von den zu Beginn dieses Ab- 
schnittes erhobenen Fragen zuwenden, nämlich, warum \'on zwei im 
Unbewußten in -Usoziation stehenden Ideen immer nur die eine zur 
Symbolisierung der andei-en dient, wähi-end nie das Umgekehrte der 
Fall ist. So wird z. B. ein Kirchtm-ra im Traume und in der An 
thropologic oft - - obwohl natürlich keineswegs regelmäßig — ilen 
Phallus s3anbolisieren, aber ein Phallus ist im Traume niemals das 
Symbol eines Kirchturms. Diese Tatsache allein zei'stört die Hypo- 
these, daß die Symbolik ausschließlich auf eine Minderwertigkeit 
der Auffassungsgabe gegründet ist, d. h. auf die ünfähiglieit, Ver- 
schiedenheiten zu bemerken, denn in diesem Falle wäre kein Grund 
vorhanden, warum die Symbolisierung nicht wechselseitig stattfinden 
sollte. Der Punkt wird \xin Ferenezi sehr Iclai- gefaßt i): „Man 
war früher geaieigt, zu glauben, daß die Dinge verwechselt wurden, 
weil sie älinlich waren ; heute wissen wir, daß ein Ding mit einem 
andei-en nur deslialb verwechselt wird, weil daftU' bestimmte Motive 
vorhanden sind; die Alinlichkeit schafft diesen Motiven nui- die Ge- 
legenheit, in Wirkung zu treten." Nehmen wir aläo an, daß zwei 
Vorstelliuigen auf die oben beschriebene Art imd Weise in enge Asso- 
ziation geraten sind, was sind die Motive, die dazu fühi-en, daß die 
eino von dei* anderen ersetzt wird, während das Gegenteil nie ein- 
tritt? Die Antwort läßt sich natürlich nur dui-ch die Untersuchung 
des materiellen Inhalts der in Frage kommenden Ideen finden. Die 
beiden am meisten hervoi-steciienden Züge, die in dieser Hinsicht 
auffallen, sind : Ersten«, daß die symbolisierten Vorstellungen die 
denkbai" ^^rsprünglichsten sind und solche, die mit dem stärksten 



') Fi^reaczi, Contributiona bo Paycho-Analj-ais, 1916, p, 237. 



272 * l*'- KriiBst Jones. 

TirsprüiigliiL-hen Intei-esse besetzt sind- Zweitens, daß ihnen alle 
iiiacht\-ollen Affekt- mid Triebvor^ängc a,iigeglicdei-l aiiid, die sich 
in einem Zustand psychischer Verdrängung befinden und dadurch 
vom Eintritt ins Bewußtsein und der Müglichkeit freier Äuflfiiung 
abgeschnitten wei-den. Sie sind tatsäthlicli di(i am vollständigsten 
verdrängten. Gedankengänge, die wir kennm. 

Eh ist iLumöglidi, die«e beiden Betrachtungen nicht miteinander 
zu verbinden. Ks ist eine wohlgegriindete Eeobauhtung der klini- 
schen Psychologie, daß die ^''e^drängung einei' stai'k affektiven Stre- 
bung oft zu einer KomprouiißbikUiug führt ■ — wofür vielleicht neuro- 
tische Symptome das bestbekannte Beispiel kitkI — , in welcher sich 
die venLrängten und v<'rdrängeiiden Strebungen mischen und als 
Kesultat eine Ei-satzbiklung ergeben. Von hier aus ist nur mehr 
eim kleiner Scliritt notwendig, um anzunehmen, daß die Symbole 
von dei- gleichen Natur sind, dejm wir wissen, daß sie sicli wieiandere 
Kompromiß bil düngen aus bewußten und unbewußlen Elementen zu- 
sammensetzen. Die Si'inbolik spielt gewili eine lwdeu(.eud<.! Itolie bei 
vielen neurotischen Symptomen ; ein Kastrat jonskomplex z. B. mündet 
oft in. Angst vor Erhlindiuig, da das Auge eines der gebräucliliclisten 
phallischen Symbole ist '). Daß das Symbol das llesultat eines intra- 
psychischen. Konflikts zAvischeai den vci-drlingenden Strebungcn und 
den verdrängten bildet, ist die von allen T^ychoanalytikcru akzep- 
tiettö Anschauung. Sie ist beispielsweise in Ferenczis^) Defini- 
tion unausgesprochen enthalten; er nemit Syjubole „solche Voi-stel- 
lungeu, die im Bewußtsein mit einem logi.sch nicht aufklärbaren und 
luibcgriiadcten Affekt ausgestattet sind, und bei denen sich analytisch 
feststellen läßt, daß sie diese affektive Ubu'rbetonmig einer unbe- 
wußten Identifikation mit einer andoi-en Vorstellung veixlanken, 
zu welchea- der Affektüberschuß iu Wirklichkeit gehört. Nicht alle 
Gleichnisse sind also Symbole, sondern nur jene, wo das eine Glied 
der Gleichung ins Unbewußte vci-drängt wurde." Ihm zufolge ist 
die ursprünglichste Art der Symlxilik wahrscheinlich die Gleich- 
setzung eiines Köi-perteiles mit einem andci'on, wobei der eine später 
an die Stelle des andeiien tritt ^); es kommt so eine Überbetflnuiig 
der oberen Kurperhälfte im allgemeinen zustande, indem das Inter- 
esse von der unteren verdrängt wird (l'^reuds „Verschiebung von unten 
nach oben"). 

AUe psychoanalytische Erfahrung' geht dahin, zu zeigen, daß 
die ursprünglichen Vorstellungen unBi^rer Existenz, die einzigen, die 
symbolisch dargestellt werden können -- nämlich jene, die den Kör- 

J) Siehe Feroncui, übtr die Symbolik des Augwa, op. eil., p, 228—232. 
') Ibid, op. cit., p. '>3i. 
S) Ibid, op, cit., p. 232. 



Die Theori« cler Sjmbulik. 378 

per selbst' umfassen, die Beziehiuigen ziir Familie, Geburt, Liebe und . 
Tod — , im Unbewußtan das g-anze Leben hindurch ilii-e alte Bedeu- 
tung beibehalten und daß von ihnen ein großer Teil der melir sekun- 
dären Interessen des bewußten Seelenlebens abstammt. Da die Energie 
von ilinen ausströmt, aber nie zu ihnen hinströmt, und da sie den am 
Btftrkelen verdrängten Anteil unsei-es Seelenlebens bilden, ist es l>e- 
greiflicli. daß sich die Symbolik nur nach einer Richtung liin bilden 
kann. Nur was verdi-ängt ist, wird syinbolLseh durgestellt; um' was 
verdrängt ist, bödarf der symbolischen Darstellung. Diese Schlufl- 
folgeiimg ist der Prüfstein der psyclioanaly tischen Theorie der 
Symbolik- 



/' 



Über Halluzinationen und Psychoanalyse. 

Von A. van der Ohijs, Nervenarzt iu Amaterdam'). 

Schon 1893 zeigte Freud in seinem Aufsatz „Ül)er rlen psy- 
chischen MechanisraiLS hysterischci- Pliänomene" (im Nciirol. Zentra.1- 
blatt), daß ein halluzinatorisches Delir :ius oliliiiii Affekt entsteht, 
welchen das Be^vulMsciii nicht crtragx?u kann, daß also das Delir 
eine Kompensation für unbefriedigte Wünsche ist. Weiter zeigte 
er, wie die Symptome einer paa-anoidcn Form ^'on. Dementia praecox 
ganz det«rminiert wai"en nach dem Schema der Umfonmuigsmecha- 
niemen bei Hysterie. So fand auch Bleuler, daß Beziehungswalin- 
vorstellungen auf affektiven liomploxen beruhen, und Jung sagt, 
daß die Halluzinationen bei Hysteriie, und meistens aucli bei De- 
mentia praecox, genau vnn die Träuinoj symbolisch umgcarbeiteito 
Komplcxbruchstücke enthalten. In seiner Analyse eines Falles von 
paranoider Dementia zieht Jung eine Parallele zwischen den Hallu- 
zinationen und Träumen, wobei Patientin tagsüber in Halluzinationen, 
nachts iu Träumen ilire Wünsche zur Erfüllung zu bringen ver- 
sucht. Maeder kam in seinen „Psychologischen Untersuchungen 
aji Dementia pi-aeoox" zur selben Schlußfolgcriiiig, daß nämlicli die 
Psychose dem normalen Denken gegenüber im Grunde nicht nach 
neuen Mechanismen arbeitet; sie schöpft vielmehr aus der früheren 
Erfahrung und sucht nur nach vorhandenen IComplexcn. Die Stau- 
kraft vom normalen Handeln arbeitet weiter in der Psychose; 
wahrscheinlich aber ist die Mitwirkujig - - die Synergie — gestört. 
Seitdem sind wir wohl alle überzeugt, daß jede psychoti-scho Er- 
scheinung mit der Psycho der Kranken in logischem kausalen Zu- 
sammenhaag steht, daß sie nur eine pathologische Umfoiniiuig vom 
normalen Denken darstellt. 

Der Zufall wollte, daß icli 1911 einen Patienten zur Behandlung 
bekam, welcher u. a. an Halluzijiationen litt. Für die Diagnose 
habe ich noch keine Wahl treffen können zwischen Hysterie und 

1) Nach einem V^ortrage, gehalten im NiederlondiaoheQ Verein für Fiyolio- 
analyae. 



Ober HalluzinatioDea und Psychoaiialyse. 27b 

m 

irgend einei- Fonu von Paraphrenie (z- B. Paraijhreniu phantaatica). 
Jedenfalls aber meine ich. daß es sich uui eine Psycliose handelte. 
Zunäclist wendete ich noch keine Psychoanalyse an und versuchte, 
seine Klagen mittels Suggestion zu beschwichtigen. Nach einer Be- 
handlung von wenigen Monaten verechwanden, laut seiner Aussage, 
die Beschwerden. 

Anderthalb Ja!u- später, 1912, schrieb er mir, daß er sich 
ganz wohl fühle, \ijid bat mich, dem Dr. AVriglit. dorn Assistenten 
von Dr. Bramwell in London, eventuell Aufschluß zu geben über 
unsere Kur. Dieser Kollege hätte es nämlich nicht fassen können, 
wie man das in Amsterdam zu stände g:ebracht habe. Patient war 
als Mitglied der „Society for psyehical research" nach London ge- 
gangen, wo er beim Sekretär Feilding wohnte. Man nahm ihn 
scheinbar sehr ernst. Diesen Herrn nun machte er bekannt mit seiner 
Fähigkeit, niich Belieben Traumbild(!r hervorzurufen, welche ihn 
in einen möglichst ruliigen, erhabenen Gemütszustand bringen. Sie 
sind ohne Ausnahme prachtvoll von Farbe und Zeichnung. Aber 
auch ungefragte Bilder traten spontan auf. in denen jedoch nichts 
Menschliches war. Hiedmcli ist es wohl deutlich (Patient erzählte 
in London, daß er schnell und cntschei(h'nd genesen war), daß seine 
Auffassung über Genesung eine einigermaßen abweiclieude von der 
unsrjgen war. 

Im November deiäelben Jalires erhielt it'h einen Brief mit der 
Mitteilung \'on Experimenten auf liypnotischom Gebiet, wobei es 
ihm u- a. gelungen war, simultan Halluzinationen ix;i sicli und bei 
ßeiner Mutler hervorzuiufen. Seine Präge war, ob er sich in un- 
serer Klinik darin weiter üben könnte, mit der Beifügung, daß 
man keine miraknlosen Sachen von ihm crwarlen müsse. — Im De 
zembcr 1913 erhielt ich wieder eine Karte, mii meine Aufmerksam- 
keit auf die Arbeit von v. Schrenck- Xo t z ing zu lenken: 
„Materialisations- Phänomene". Das einzige, was er aus diesem Buche 
hervox-hebt, ist: „wieder trat die Materie aus der Vagina, nahm 
selbstbeweglich ihren AVeg auf den Körper des jungen Mädchens, 
wie eiTiG Schlange in wellcnfijrmigcr Bewegung lierauf kriechend, trat 
in den Mund und veiscliwand dort". — Er fügt liinzii (mit der 
Absicht, mich zu überzeugen, da ich versucht hatte, üin zu ge- 
sünderen Ansichten zu bringen und ihm geraten hatte, sich nicht 
weiter mit solelien Dingen zu beschäftigen): , .hieraus folgt, daß 
die ulten Mosmeristen, Magnetiseuixi und Spiritisten ganz bestimmt 
gut wahrgenommen haben". 

Im Oktober 1916 stellte er mii- die Frage, ob ich, wenngleich 
in guter Absicht, ihm nicht auch verkehrte Suggestionen gegeben 
habeii könnt-e. weil er eine Art Raserei im Kopfe fühlte und eine 



276 A- van der Chija. 

„satanische Persynlichkeit" ihn aufs allergemei liste iiusachalt, z. B- 

sagte: ,.ich worch^ dein A . . . . lorh .•mssau^eii, mit s". ■ Nach 
ineiner Antwort schreibt er, beiiihigt zu sein. 

Im Oktober 1917 erzählt er von einer langilaiiernden Behandlung 
im Sanatorium von Dr- Scher mors in Zoisl und in der Klinik 
von Prof- Dr. L. Bonman in A in stcTdum. Er fragt, ob ich 
ihn von der noch übrigg-cbliebeneu Schlaflosigkeit befreien kann. 
Es scheint auch diesmal, daß ei' anfänglich dissimuliert oder es für 
unbelangrcich Iiali, daß er noch immer halluziniert, sowohl in 
hypnagogischem Zustand, wie tagsüber wachend. Patient betriuihtet 
nämlich die sponlan h cmu f kommende ti ]-iiIdor als b'olgi^ von Suggc- 
fitioueu von auß<'n lier in Vei'bindung- mit sp Iritis ühüJicu Ergebnissen 
oder alä Äußimmg voii ma-goietischer Kraft. Er solbut behandelte 
übrigens wähi-end längerer Zeit Pa.tienten dnrcli Magnetismus. Erst 
in der Analyse gelang es mir, ilim zu zeigen, daß die Halluzina- 
liouen autochthone Krankheitsbüder seien, iilso auf^ st^ner eig-enen 
Psyche stammten, i. e. pathol«gischc Pi-odukie- Kn kostete viel Mühe, 
ihn davon zn überzeugen. 

"Weil der analytische Teil die am meisten überzeugende Kraft 
für ilm hatte, will ich daraus. I'jnzcbie« liervorheli^m. Wir werden, 
nicht erstaunt sein, daß aueh hier das eivjtischc Element sich als 
bedeutender Faktor zeigte- Als Patient im Jahre 1911 in Behandlung 
kam, sprach vv nicht von, oder besfier, klagte er gar nicht über 
Halluzinati.onon, wohl aber über die Tatsache, daß er das Erinnerungs- 
bild von einem Mädchen, wclelies ein Verhältnis mit ibni ahgelirochen 
hatte, nicht vortreiben konnte, naclidcm er mit einem ;uidcreii Mäd- 
chen in Beziehixag' getreten war. Er hatt* Mitleid mit dem ersten 
Mädchen, machte sich selbst Vorwurf»'-, wiewohl dies gar nicht am 
Platze war, da sie das Verhältnis abg'ebi-oehi^Ji hatt^^ in der Meinung, 
daß es ihm nur Sjjaß .sei. Wir sehen hier eiiiio Projektion des Mit- 
leids, das er eigentlich mit sich selbst halwn müßte ((?!■ liebte das 
Mädchen nämlich selu-), auf das Mädchen, eine Vcrseliicbung also 
des Affekts. Dies nähert sich gleichfalls dem Gedanken, daß es 
doch für sie zu bedauern war, daß sie ihn iiieht als Glitten bekam. 
Bald wild dtaitlieher werden, wieso wir es hier mit einer latenten 
Äußerung von Größenwahn tydev Narzißmus zu tun haben. AVäii- 
rend der ersten Analyse ei-zühlt Patient, daß Todesangst, es werde 
etwas Schreckliches geaehclien, ihn (luall^' und ilaß liederliche Würter 
ihn au^chalten und beschuldigten, daß er den Krieg vcnii-aaeht 
habe. Feiner sah er ein vulgäi-es Jiild von Männerbeinen mit Ge- 
Bchb^clitst eilen, Wöbei gesagt wurde, daß es stärker werden und er 
doch jiichte bekommen würde, eine Tantalusqnal. Hiebei sagt er, 
ohne daß ich nur einigennaßen darauf geyAcll habe, daß er „gar 



Ober Hallaziuationen und Farchoannlyse. 277 

nichts" i'ür Märnier fühle und daß er infolge der mißliuigenen Ver- 
lielitheit zu mastiirbiei-en beschlossen habe Aulk'rdem ekelt er sich vor 
Puellae, fühlt ausechließJich für ganz junge Mädcheu, die sehr 
liebenswürdig luid schön sind (nocli keine weiblichen Tormen zeigen), 
nicht für Weiber. Er ekelt sich selbst vor den weiblichen Genitalien, 
so daß schon das Sehen von diesem „ Haare ni-umniel" und das übrige 
ihm eine ..srhrautzige: widrig*?, schleimige Sache" scheint- Nach 
dieser Einftihrimg erzählt er, daß ihn. zu Bette liegend, ein ab- 
scheuliches Monstrum bedrohte. Dabei dcaikt er an eine Abbildung, 
die er im „Simplicissimus" gesehen hatte, Kaiser Wilhelm 
vorstellend, wie er einem Ungel iim die Kopie abhaut, liaa hallu- 
zinierte Scheusal zeichaetie sich durch viele Haai-e aus, was aa die 
von ihm verachtete Mons Veneris erinnert. Zu Kaiser Wilhelm: 
Patient heißt „Willem", während sein Eigemiame seine deutsche 
Herkunft vcnät ; er trägt seinen Sclmurrbait mehr oder weniger 
deutlich ä la ,,es ist erreicht", wie Wilhelm, bewunderte diesen 
immer, obwohl nicht alles an ihm, sucht es aber durch Hinweis 
auf sein (Wilhelms) Milieu zu ver-schönern. Einmal hörte er 
eine Stimme sagen: ,,der dritte AViUem". Das brachte uns dar- 
auf, daß nach dem zweiten Willem = Wilhelm IL, unser 
Patient seihst kommt als Willem der Dritte. Die Identifikation 
oder besser Kopie wird um so deutlichei", als Patient sagt, daß- er seit 
Jahren die Empfindung hatte von etwas ganz Großem, das in sein 
Leben kommen würde- Er fühlt Verw-andtschaft mit Wilhelm, 
der durch den Krieg in einen verzweifelten Zustand geraten ist, 
gleich wie er- Jetzt begreifen wir zum Teil, warum er halluzinierte. 
daß er den Krieg vei-ursacht hätte- Ei- wii-d, gleich ^sde Wilhelm, 
durch den Feind, durch seine Kranklieit angefallen- Das ist das 
Ungeheuer, in der Form de.« vei-schmähten Weibns, welchem er, 
wie Wilhelm seinem Ungeheuer, den Kopf abxiihauen wünscht. 
Diese Analyse ist ihm eine wahre Erleichterung. Er fängt an, 
zu. erkennen, daß diese Stimmen nicht irgendwoher kommen, son- 
dern seine eigenen Gedanken wiedergeben. Dennoch halten die Hallu- 
zinationen nicht ein. wenn sie auch deutlich abgenommen haben. 
Er hört noch Stimmen reden über die „Gegenpartie" und sich 
„schmutziger Verdammter" nennen, wobei er zur Illustration eine 
Erektion bekommt, als wollte er zeigen, woi-um es geht- Er bleibt 
also dabei, zu kämpfen gegen seine gemeinen Leidenschaften, den 
Konflikt auszutragen zwischen diesen Leidenschaften einerseits und 
der Abneigung gegen die perversen Begiei^den anderseits. Die Hallu- 
zinationen vermindera sich fortwährend. Er entdeckt sogar, daßi er 
im/ stände ist, sie durch kräftiges Widersetzen zu unterdrücken. 
Das half ihm einzusehen, daß es nur Begriffe aus seiner eigenen 



278 A. van dw Chys. 

Psyche betraf iind daß er diose desliail) ki^nig-ierfii künue. Fort- 
während aber tauchen noch sporadisch Hiiliiizijiii.tioiH'ii ;iut', obj^leich 
sie von mehr untergeoi'flneteiii Eelaiig werden. 

Mit einem gewissen l'atJios erzählt er von einer ausgebreiteten 
Vision, die er in der A^'aJeTiiisklinilt hat.t(>. Kr sali ein liorizontales 
Kreuz, auf welchem oben eine liellfj^raue öclieibu mit xwei schwarzeifc 
Augen und einem Dreieck als Nase war. Ea bewegt:« sich erst hin 
und her und blieb alsdann vor ihm stehen. Dabei wurde es von 
allen Seiten her lieli tun ihn heioim. D-aa Kreuz wurde von einer 
riesengroßen Hand festgehalten, indem eine große Kugel (Erdball) 
sich dort unten befand. Hernach d(iklamiert« eine kleine feine 
Stimme ein englisches Gedicht von Alpha und Omega. Von seinen 
Einfällen zu „Kreuz" erwähne ieh folgendes: „Kreuz ist Chri- 
stus, Offenbarung, das Leiden füi- audcix;, das Alpha und Omega, 
der Anfang und das Ende. Icli sah einmal eine Säule, gegen welche 
eine rosa Eaust schlug, so daß die Spitze zerbrach. Auch einmal 
ein Lampenglas mit zwei Schwämmen dort unten hängend. Ich sah 
mich selbst wohl im Himmel. Wenn dci- Glaube und die Moral 
gefallen sind, bedeutet das Unglück." Bei der „Scheibe" denkt Pa- 
tient an einen Totenkopf ohne Mund, welclicr also niclit sprecheai 
kann. Golgotha bedeutet: Haupt-Scheitclplatz. Eine Stimme sagt: 
„lege dich daneben". Totonkopf, Kreuz ist Chrietuö, gestorben 
am Kreuz. Bei „Eixlbaii" sagt er, daß da« Kreuz auf einem großen 
Balle lag, der sandfarbig war und mit Gras bewachsen. „So wird 
das echte Christuskreuz hin R-ef allen sein." „Das Kreuz ist der Ki'ieg, 
welcher auf tlie Erde geworfen ist. Ich sali alles in einem glän- 
zenden, hellen, prächtigen Licht." 

Sie werden mii- zugeben, daß in diesen Bildern ein fast un- 
erschöpflicher ßeichtuju an Gedanken liegt. Wir haben das Material 
auch gar nicht ei-schöpft. AVas wir daraus lernten, ist folgendes: 
Das Kreuz mit der Sclieibe als Haupt ist u. a. der Phallus 
mit dem Glänze; der große Ball dort unten ist die Erde oder wohl 
das Ski-otum mit den Testikeln, dasjenige, aus welchem die Frucht- 
barkeit herauskommt. Patient straft sich selbst dtireli die Kreusi- 
going als Siilme für seine sündigen Gedanken, welchen er enfi'lieht. 
Die horizontale Lage des Kreuzes und die Tatsache, daß das Haupt 
keinen Mund hat, also keine Sprache i-eden kann, mit anderen Worten 
kein Sperma hervorbring-en kann (Vci-schiebung nach ubon, .Dosexua- 
lisierung- usw.), weist auf Impotenz, tui welcher ab und zu Patient 
zu leiden angab. Die Hand am Kreuz und die hin und licr gehende 
Bewegung zeigt die Masturbation an, welche Patient nach dem Kon- 
flikte mit dem Mädchen pflegte. Seine Identifizierung mit Chri- 
stus (in seinem Äußeren sti-e.bt er am meisten dem „Christuskopf" 



Ober HBlIuzinaDODeii uad Psychoanalyse. 279 

naofa), mit dem Heiden, in einer aiidei-eu Phase mit Wilhelm, 
zeigt seinen Naiv-iftmiis an- wodxu-cli er füi" andere leidet, zu Grunde 
geht, durch Selbstmord oder Kastration (siehe den Einfall: das Ab- 
schlagen vom oberen Teil der Säule). i . 

Doch auch den Ödipuskomplex finden wir hier, denn wenn 
wii" das Kreuü als das Symbol von Christus betrachten, entmannt 
er hier den Vater. Er kelirt zur Krdc d. w. a. zur Muttei- zu- 
rück, worin der Inzest gedanke sicli weiter entwickelt und die 
Exkläiung für seine Abneigung g^g^n "Weiber und seine Neigung 
zu ganz jungen Mädchen liegt. Zur Mutter (Eide) kann er nur 
lairüekkehreii, sobald er kastriert oder allgemein impotent ist, 
wenn das Kreuz also hingefallen, seine Holle als eolche ausgespielt 
ist. Zur Verdeutlichung möge dienen, daß Patient mit seiner Mutter 
zTisammen wolmt und von simultanen Halluzinationen zwischen eeiner 
Mutter und sich selbst sprach : einem vollkommen glcicheJi und gleich- 
zeitigen Denken und WaJimehmen itlsü, einer geistigen Einheit. 

In dem jedesmaJigen Wiedersehen der männlichen Geschlechts- 
teile, unter verschiedener Maskierung (z. B. das Lampenglas mit 
den zwei Schwämmen dai-iinter), in der Einladung, sich neben das 
Kreuz hinzulegen, und in dem Bunde, der zwischen dem Patienten 
und Christus und Wilhelm lx?steht, dürfen wir doch wohl die 
Andeutung von Homosexualität sehen, um so mehr als er unge- 
fragt, zxa- Zeit als das Wort. Homosexualität uuch gar nicht ge- 
nannt wurde, spontan mehr oder weniger impulsiv vei-sicherte, daß 
er nicht das geringste fiir Mäimer fühle. Aber gleichwie Chri- 
stus zur Auferstehung gekommen ist, wii-d er, aus der Erde -^ 
der Mutter, aufs neue geboren, nachdem er Buße getan, sich wieder 
aufrichten. Die große Hand, welche das Kreuz umfaßt, kann dann 
die Hand des Allmächtigen sein, der das, was zur Erde geschlagen 
ist, zrum neuen Lelx'n weckt- Schließlich: wenn die Moral (die Lehre 
von Christus) gefallen ist, entbrennt der Streit, der Krieg. Darum 
auch höi-te Patient die Stimme, welche ihm ankündigte, daß er 
den Krieg verui-sacht liatt.e, denn außer seiner Identifizierung mit 
Willielm hatte er sicIi der Sünde übergeben. Hiernach traten 
doch noch HaJluainationen auf, obwohl sie viel deutlicher einen 
direkten Zusammenhang mit den jüngsten Eroignissen zeigten, was 
er selbst, allerdings nicht sofort., einsaii. Seine erotisclie Neigung 
hatte sich nämlich, in Abweichung von fi-üher, auf eine junge 
hübsche Frau gerichtet- Ihr Mami stand wälu-end der Kriegszeit 
an der Front. Zuerst hörte er sagen: ,, Verdammt, laßt ihren Kerl 
laufen, er ist doch an der Front, niu" zxi, dummer Lümmel". Danach 
kam eiiiic Erektion. Aber er stritt gegen seine gemeinen Begierden. 
Während dieses Streites hört« er eine Stimme sagen: „Schweine- 



280 A. van der ChiJB. 

bandu, faule Baude, u. dgl." Das bessere Ich siegte schließüch. 
Er beschloß, von weit^i'en Begegnungen mit ihr abzuseJien. Da 
schwieg die Stimme, wohl aber liörte er prächtige Fanfaren und 
Trompeten 'und den Lärm einer Beifall klatschenden Menge. 

Es ist klar, daß die Haliuzinationtin nichta anderes waren als 
das Lautweixlen seiner eigenen üedaiiken, wobei die Sohliißfanfare 
ihm als siegenden Helden entgegen] auchzt- Wiihivsud die Halluzi- 
nationen bis dahin ziemlich regelmäßig auftraten, waren sie seit 
der letzten Analyse einige Wochen ganz weggeblieben. Patient war, 
wenigstens behauptete er so, jetzt vollkommen überzeugt, daß. die 
Symptome nichts zu tun hatten mit irgend welchen Mächten außer- 
halb seines eigienen Iclus, sondeni nur dasjenige wiedergäben, waa 
sich in seinem eigenen Seelenleben abspielte. Zu meinom großen Be- 
dauern, wai' er von dieser Besserung so entzückt (detm auch die 
Schlaflosigkeit, wegen der er eigentlicli gekommen war, war ganz ver- 
schwunden; für wie liin^p;«, müssen wir abwarten), daß er von der 
\veitei-en Analyse absah- 

Es war denn aucli nicht meüie Absicht, hier einen therapeu- 
tischen Erfolg aul'zuzeigen. sondern ich wollte uur hinweisen auf 
die Möglichkeit, vielleicht durch weitere Analyse etwas zu erreichen, 
wäre es auch nur, daß wir für die Diagnostik, Ätiologie und Ent- 
wicklung der Psyeliosen verbessei'te Angaben bekämen. Bei den 
Psychosen folgt doch der psychologische Aufbau der Symptome 
demselben Weg wie l»i den Neui-osen und kann deshalb eventuell 
denselben Weg entlang zur Norm zurückkehren- Die Erfahrung 
wird lehren, müssen, ob die erreichten Kesultate einen bleibendeo 
Wert haben, was ich i. c- vorderhand bezweifle. Vor allem aber 
muß die mindeste Foi"derung, die wir an die Behandlung der Psy- 
chosen stellen müssen, doch diese sein, auf welche Oox so sehr mit 
Recht gedrungen hat, daß wir die Patienten individuell und nicht 
,^en masse" behandeln können. Solange es nicht zu beweisen ist (und 
meines Erachtens ist dazu wenig Aussicht vorhajiden), daß. wenig- 
stens viele I*sychosen auf anderen organischen Verändci-uugen im 
Grehim beruhen als solchen, welclie wir uns bei den DenkprozeascJi 
von gesimden Individu<m vorstellen können, solange wir- folglich 
aoinehmen, daßi keine pathologischen Veränderungen von 
Ganglienzellen: und Nervenfasern bestehen, müssen wü' versuchen, 
auf psychischem Wege die entgleisten, Gedanken wieder in ihre 
normalen Bahnen zurückzuführen. 



Indem ich jetzt erst die Tatsache fti-wähiie, daß dieser Patient 
Maler ist, erlaube ich mir hier eine kleine Abschweifung auf das 



über Hallazin&tioaen and Psych oanaijse. 

Gebiet der modernen. Itfalorel und insbesondere zu der Gruppe von 
Künstlern, welche sich, hier in Holland, imter dem Namen „das 
Signal" vereinigten und. von denen wir vor kurzem eine Aus- 
stellung sahen. Wie ich dazu komme, erklärt sich daher, 
daß z. B. der Maler Laurens van Knik^) sich inspiriert fühlt 
durch dasjeni^, was er „eine andere Welt" nennt. Es dünkt mich, 
daß wir seine Quelle als halluzinatorische Erscheinungen betrachten 
müssen. 

Als ich die Anschauungen, von van Knik las, mit dieser detail- 
lierten Bcschreibiui^ aeincr Visionen, woraus Kraft, Leidenschaft 
und Intcjisität spricht, so scharf gezeichnet, daß man selbst wähnt, 
die Kealität vor eich zu sehen, traten mir soffst die Bilder von 
unserem Patienten in die Krinnerung'. 

Van Knik sagt, daß ihm durch Selbsteinkehr, das heißt 
die durchdringende Konzentration der Bewuütseinsaufmerksamkeit 
auf diis innerliche SeelenereigTiis, soviel wie möglich mit Aus- 
schließung von Eindrücken der Außenwelt, bewußt geworden ist, 
daß er das Dasein einer neuen Welt, einer anderen Welt entdeckt 
hat. El- sieht da Wesen von eigxjnartiger Farbe und Form, welclie 
eine urintensive Seclenkraft besitzen. Diese Wesen trachten sieh 
in seine Persönlichkeit hineinzuarbeiten, einzudringen in sein Unter- 
bewußtsein, die Seeleninhalte desselben ins Bewoifllsein hinaufzu- 
drängen. Das Hinaufdrängen vermag er zu beeinflussen, iiber er 
erlaubt es meistens nicht- Es ist hier gerade wie mit unserem Pa- 
tienten, der im stände war, willkürlich bei sich selbst und zugleich 
bei scinei" Mutter, gleichförmige identische Bilder hervorzurufen. 
Die Auswirkung erstreckt sich bis zum Unbewußten, also sagt 
van Knik, stellt aber dann ein Gremälde vor seine innei-liche 
Anschauung, auf einmal, fortig bis in die kleinsten Teile von 
Farbe, Linie, Komposition xisw. Dann kommt aber die Schwierig- 
teit, 63 in der Außenwelt anschaulich zu machen, was durch ab- 
wechselndes Richten der Aufmerksamkeit nach innen imd außen 
^schiebt- Auf diese Weise entstand sein Gremälde; „Ik die Ben" 
(Ich der ist), vorstellend eines der auf ihn einwirkenden AVesen. 
Einmal drängte sich ,,Tk die Ben" ihm so nahe und so stark auf, 
daß es war, wie wenn er u. a. zu ilim sag^: „Sehet, jetzt l>üi 
ich dein Herr; jetzt halip ich dich ganz in meiner Macht. Und 
ich werde nicht von dir lassen." An einem Morgen sieht er plötz- 
lich das innerliche Gemälde, mit dem schüchternen Küssel von 
„Ik die Ben-' hinwegfallen: imd da schoß in seine Wahrnebmungs- 

•) Um nicht mißverstanden zu werden, erwähno ich hier nachdrüokljoh, 
^äQ Herr van Knik nicht e[n voa mir behandelter Patient ist, daß ich ihn 
nur als Mater kenjae. 

ZolteobT, [. trsü. riTOboKotlTt«. VJ4. 19 



282 -^- *""' ''^'" ^^'i^- 

ecke der braum-ote Kopf eiiits aaidereii W<«eiiB- Er erHclirak kaum. 
Bas Wesen hatte eiii Auge, dessen Malerie am. iiieisiiiu brüchiger 
Steinkohle ähnlich wai-. Der Blick war stahlarLi^^, wie mit einer 
zwingenden Drohung, und wollte sagen; „ich habe Ik die T3eii ver- 
trieben. Ich werde dein Herr sein- It'h zwinge dich dazu". Er 
ist rotbraun. Sein Maul ist dem eines Pferdes einigermaßen iilui- 
lieh, sein Leib scheint knochenhaft, hai-t, lederariig, seine zwei nach 
vom gekrümmten Füße haben eine Art Hufe. Seine Psyche ist 
ganz und gar übermenschlich und imaussprecliliclxe Intelligenz und 
"Wille. In einem andei-en Aufsatz spricht van K n i k von dem Ein- 
flüsse seines Unbewußten auf dasjenige eine« Freundes (^wie unser 
Patient und seine. Mutter), der bei iJini im Zimmer war, wodurch 
dieser Freund sieh der AVirkung von seinem Oemälde Ijcwußit ward, 
welches er zuvor nicht verstanden liatte. Van Knik war in die- 
sem Augenblicke mit Schreiben über „Ich der ist" beschäftigt und 
sah dessen Haupt in imd hinter sich, nicht im Raunio dieser, sondern 
der anderen "Welt, indem der Kopf ihn ermahnto: „Bitte, nicht zu 
viel Analyse". Zum Schlüsse behauptet van Knik, daß man 
vielleicht sagen we-rde, daß dies alles Halluzinationen seien, bewußte 
Vorstellungen vom unbewußten Seeleuleben. Er liabc niclits dagegen, 
nur dürfe man dann die „Außenwelt", so wie er .lie wahrnehme, auch 
seine Halluzination nennen. An. der Halluzination, die ,,Au!^enwelt" 
genannt wird, leiden wii- alle. Er sieht nicht eiji, warum er nicht 
der anderen Welt, in welcher die Wesen ihm selbst einen stär- 
keren Eindruck von ihrem objektiven Dasein geben, einen gleichen 
Wirklich keits wert zuerkennen sollt*^ wie dei" Außenwelt. In einer 
Eespi'echung seiner Arbeit sagt sein Kollege Bernard Uantcr u. a. : 
„wird aus diesem starken Mitfühkui ujid Durehielx'n von dieser 
anderen Wii-klichkeit, Schönheit oder AVeislicLt g-oboi^n, so nennt 
man die Schöpfer davon Künstler oder Philosoplien, wird Abscheu- 
iichkeit, Verbrechen oder Geistlosigkcii. daraus geboren, da spricht 
man von Walmsinn". 

Dies alles klingt mir nun wie die Sprache unseres Patienten, 
der auch getragen von unbekannten psychischen Kräft-en, den Ein- 
fluß von fremden Wesen außer sich fühlt, der auch Ungtiheuer 
sieht, welche Uim drohen, und gleichfalls diese Gegenstände in 
schai'fen Linien zu malen weiß, so intensiv, daß es AVirltliehkeit 
für ihn wnai-de. Es wüxl uns wohl dabei etwas eng uui.s Herz, abei' 
doch brauclit diese Strömung uns vorläufig Jioeh nicht xu beun- 
i-uhigen. In Analogie mit unseixjm Patienten glaube ich, daßi es 
möglich sein wird, die fremdartigen Wesen und die durch sie 
inspirierten Kunstschöpfungen auf dieselbe Weise zu analysiei-en 
wie die oben besprochenen Halluzinationen. 



über lIullDEipAtionen und Ps;choanal;tie. 



m 



Wir haben hier ÜeU^piele von Kry ptogiaplii«, so wie sio P f i s t e r 
analysiert liat. Eine einzig« Andeutung will ich noeh geben dureli 
die Mitteilung, daß van Knik während vieler Jalire höhere Ma- 
thematik studierte. Verschiedene seiner Bilder tragen davon die 
Kennzciehen in den iin^'v wohnlichen geometrischen Linien- 
iiguren, u. a- «jwohl der: kleine Kopf Nr- 58, wie sein: 
geistiges Reibst porträt Nr. GO. \'on diesem letzteren würde 



Nach Biidem von L«ar«iis van Knik. 





Flg. 1. Geistige« SelbstporbflL 



Fig. 2. Kleiuer Kopf. 



man viel sag«n können, denn erstens finden wir als Oberlippe 
des striiffen ^^^lJMies die weit ausgebreiteten Beine eines Zirkels 
und darüber eine fast tmverkemibai'e Abbildung des Phallus, in — 
wie die ^^eit e« augenblicklich erheischt — maximaler Erektion, 
mit den Testikeln, klein im Verliältnis. danint-er. Der Phallus 
scheint durch die dunkle Vagina zu dringen und dann sein Inifruch- 
tendes Si>cnna quellenartig in die Höhe zu spritzen. Es ist, als 
ob das Spcnna als Urkcaft das Gehirn bcfrnchtend überströmen 
müßte. Der Phallus, die Fackel bringt das Licht, die Auferstehung 
(Erektion), die neue Lehre, die modorne Kunst. Er ist .,das Si- 
gnal", wie es auch einer der Begründer dieses Vereines, der ber 
Kannte Le Fauconnier, symbolisierte in einem Bild, auf wel- 
eliem wir die Attribute des Eisenbahnsignals erkennen, außerdem 
den Kopf vom Signal Wächter, das Ganze von einer rötlichen Flam- 
menglut umgeben: das leuchtende und ebenfalls versengende Feuer 
des heutigen Prometheus. 

19* 



2<4 A- ^*" ^®'" CIiiJB. 

Weiter will ich hier nicht gülien. Miui begreift, es sind dies 
alles nur MöglichkeiteD ; für eine taugliche Analyse sind die Ein- 
fall«' döK Künstlers absolut notwendige. Ich wollte luu- punga Finger- 
züige geben. Aber es ist nicht allein die Mrilltun.st, die, vielfachen 
Bahnen entlang, nach neuen Wegen sucht. E« gibt überall Stauung 
von Libido, welche sich zu subiimien'n trachtet. Der Krieg wai' 
woli! die schrecklichste J'^orm von Oi'fenbarunj^; weniger mörderische 
Neigungen finden wir in der Dichtkunst, i)ci den Schriftstellern 
und lasi not least in der Musik. Was bedeutet dies alles F Soweit 
mir bekannt, besteht noch keine Studienarbeit über die Geschichte 
der Psychiatrie, um uns, dur'ch Verglcicliung, über die chronologische 
En^wickl^mg Aufschluß zu geben. Stehen wir vor einer normalen 
Evolution oder haben wir es mit pathologischen Exzessen zu tun,? 
Zum Teil wiixl es so sein, vielleicht wohl zum größten Teil, aber 
unzweifelhaft müssen wir schon jetzt vieles von den neuen Foi-men 
als Folge von normaler Entwiekluiig betr achtem. 

In derselben Weise finden wir aber auch eingreifende Verän- 
derungen, um nicht zu sagen Vei'sehiebungen, in dem, was wir die 
Moral nennen. Das ethische Moment verlegt sich, und meines Er- 
achtend gar nicht unabhängig von den Entdeckungen und Lehren 
Freuds, welche ]levolution in die alte Scluile brachten. Wci-den 
wir nicht heute viele Individuen, welche wir früher in der Rubrik 
ethischer oder moraler Debilität unterbrachten, mit der Masse zu- 
sammenfallen lassen müi;sen? 

Und ist denn nicht der Erfolg, im Verband mit Halluzinationen 
und Kunstinspirationcn, daß wir aueli die (ii-enze vom Gesunden 
gegenüber der Psychose und Ncuixj.se verlegen müssen in der llicli- 
tung des Pathologischen? Auch die Psychiatric wird, in lieviiclmng 
auf Diagnose und Symptomatologie, eine llevision durchmachen 
müssen und unerbittlich dieser ki'äftigen Strömung der Zeit Tribut 
zahlen, die gleichwie die Bolscliewistxyi mit rücksichtslosem Drang 
das zu lang« dagewesene Alte niederwerfen. 

Zeus muß entmannt werden. Wir kommen ins Zeichen des 
Futurismus und können uns nii'gendwo liinger der Neuerung wider- 
setzen. 



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t 



Die Umkehrung des Libidovorzeichens beim Verfolgungswahn. 

Von Aug. Stärcke (Anstalt Willem Amtsz Hoeve, den Dolder, llollaud). 

BckaimÜich kehi-t das Bild des Geliebten im Verfolgungswahn 
als „Verfolger" ziirück, in der Reg«! mehr oder weniger larviert, 
z. B. an Stelle des geliebten Vaters tritt der verfolgende Chef, Freud 
naimte diese Ersclieinung die Rückkehr der verdrängten Libido, 
lind zwaa- mit umgekehrtem "S'orzeichen, das heißt, was als Liebe 
vei'dräHgt waJ', kehrt als Haß zvxück. Dieser HaÜ wird projiziert 
und stellt den Iiilialt des Wahnes dar. 

Natürlicii ist in irgend einer Ambivalenzeinstellung die Gruad- 
bedin^3:mig- für das Ziistaaidekommen einer solchen TJmkehrung zu 
suchen. Ks bleibt tlabei noch die Frage nach den speziellen Bedin- 
gimgeiv übrig. 

Nach meinen Beobachtungen ist der Iniialt des Wahnes sehr 
oft die anale Verfolgung*). Auch in den Fällen, wo allerlei andere 
Quälereien, Bestralihmgeji usw. oder eiiitaclie Neckereien oder Be- 
nachteiligung von Seite bestimmter Personen angegeben werden, 
kaam inan, wemi man das VeiHi-aueii der Patienten gewonnen hat, 
unenTartcl, imd unter Zeichen, welche zum Preisgeben eines wich- 
tigen Geheinmisses gehören, zu hören l)ekommcn, wie außerdem das 
Eigentliche in einer so unerhörten Schufterei bestehe, über die man 
eigentlicli nicht sprechen könne, und die dann durch Gebärden und 
Andeutungen zu erraten gegeben wii-d. Ein paar Beispiele führe 

ich an: 

Eine äJtere Kranke (klinisch mauisch-deprcssivi; Miscbform mit syste- 
matisiertem hypochondrischen und niliilistisehen VerfolguDf^swabn) bringt 
u. a. die Klage vor, daß man sie zu einem ,,umgekehrten" Frauchen 
gemacht habe. Auf die Frage nach der Bedeutung dieser Äußerung 
antwortet sie, augenscheinlich zerstreut und ohne Zusammenhang, mit der 
Frage: „Man liat mich durch die kleine Pforte geführt, man geht doch 
durch die große Pforte. Mfui bleibt doch bei seinem eigenen Manne und 
l>ei der großen Pforte. Man geht doch nicht mit den Neckverdrahern 

^) Herr Kollege J. 11. W. van OpUuijseo teilte mir mit, daß er unab- 
liÄugig von mir auch a^if dcu Zusammeuliojig zwisohen Verfolgiuig und Anal- 
orotik bingcwicBen hol. 



286 Aus- St&rcke. 

durch die kleine Pforte." (Was ineiucii Sio mit der kloiuen Pforte?) 
,,Die Hiiitcrpfortc," Dabei gibt sie sicli einen Schlug a,iif den l'odox. 
,,Das tut doch kein cchtor Mann mit seinem Wcibo." „Man litüt Kich 
duch üicht umkehren." 

Ein männiiciicr Kranker, der eohon mehrere SchütK> von Manie und 
eine meliinchoiische l'hasc durchgemacht, zwischen durch al>er deutliche 
systematisierte Verfolgungsideen entwickelt hat, die •'ewülinlich disainiu- 
liert werden, ubtr gelegentlich im Affektzustand hervorbi'ocliuu, sammelt 
eifrig Korke. Eines Tages gibt er, nachdem er die Tür vcraohlossen und 
nachgesehen hat. ob keiner in der Nähe sei, flüsternd die Erklärung, die 
Korke sollen dazu dienen, um ihn ,, dagegen" zu Ireachützcn, es seien 
sonderbare Menschen, man wolle nicht, daÖ er sich mit l'Vaußn abgebe, 
alEü könne er sich im Notfalle die Öffnung mit den Korken verschließen, 
damit mau ihn nicht unversehens — eine nicht /.weifeHiaf te Ge- 
bärde ergänzt die Worte. 

Sehr zahlreich sind die Fälle, wo da.riiber geklagt wird, daß man 
sie zu ,, Homosexuellen" machen will oder „Sodomiterei" mit ihnen treibt. 
Damit meinen sie nicht die gleicbgeschlDclitliche Objektwahl, sondern die 
Päderastie. 

Dieser am gclieimsten gehaltene Kern des Walvnca betrifft meist 
eine anale libiilinüse oder Grewalttai- Naclt ik>r AuR.'fjiTaehe lülilen 
sich die Patienten oft erleichtert, docli bringen sio leider oft auch 
eine ■Übertragung des "Wahnes zu stände, wobei dann in der Folgo 
der Arzt als Verfolger auftritt oder aui^Ii mit einof lt]ebri;,^n An- 
hänglichkeit vei-chrt wiitl. 

Die Umstünde, luiter denen sich diese Ülxu'tragtingseracheiiiungen 
(klinisch =^ Ausbreitung des Waluisyatonis auf die rezente ITmgo- 
bung) abspielen, machen es höchst wahi-sclieüilicli, daß .-xnfiinglieli 
eine nnbewußt'C Iden ti f izie rung dea geliel)ten Oliji'ktes 
mit dem S ^y balu m vorhanden war und daß iu dieser Identi- 
fizierung der nähere Grund für die siwzielle Ambivalenz der para- 
noisclieu Konstitution gegeben ist. 

Das Skybalum ist der primäi"e (i-eellc) Verfolger, der anale 
Gewalttaten ausübt, welche zu gleicher J^cit oft Lusttaten sind. 
Ihm gilt eine der primitivsten AmbivaleoizeinstcIIungen, indoin 
Sehmerz und Liist oft sehr kurz nacheinander auftreten. Diese pri- 
märe Ambivalenz wird später, bei der lleinlichmachmig, von den 
Pflegepersonen verstärkt (aeknndäre Ambivalenz), Ludern die Strafe 
bei Beschmutzung otler Lob bei der onleaitliehcn Lntlceniug auto- 
matisch Haß resp. Liebe zur Folge haben. 

Diese abwechselnd jmsitive oder negative Libidoiiosition gilt 
nach den mnf^mischen Gi-undgcsetzeu , den Tniagines der ganzen 
Situation, das heißt sowolil dem betreffenden Teile des eigenen 
Leibe.<i bzw. dem Exkremente, als der aktiven Pflcgcperson. 

Die Ambivalenz gegen diese iviixl auf den späteren Verlauf 
der Objekterotik einen wichtigen Kinl'luß üben, und ohne Zweifel 



r 



Die UmkchriiDg dea LibidOTOrzeichens beim Verfolgungswahn. 287 

werden sich weitere Ikdinguiigen für daä Zustandekommen Jes Wahnes 
aus ihr ergeben. Ihr Studium wird aber erschwert durch den Um- 
stand, daß die Einbezichun^r der „normalen" Wahncrscheinuii,gan 
oder System bildxmgen, dif^ psychologisch mit "VVa.hn ualic verwandt 
oder identisch sind (in AVissenschaft, lleligion usw.), dazu durehaue 
erforderlich ist. 

Aus der mnemischcn Nachwirkung der Pefiikalionsereignisse in 
frühester Jugend folgt eine Pnidisposition zur späteren Idcntifizic- 
nmg 1. vom eigenen Köi-pei-, 2. von der Pflegeperson, mit dem 
Skybalum. Je nachdem mehr Lob oder mehr Strafe dabei dem Kinde 
gespendet wurde- Avird die aus der Analcrotik dem Narzißmus zu- 
fließende Komponente positiver oder negativer Wal nr sein. Der 
negative Narzißmus findet seine pathologische Verwendung in dem 
Eleinheilswahne. welcher auch sehr oft eine analerotische Nuance 

trägt. 

Uic biologische Formel Freuds für den Größenwahn lautet: 
Regression der sublimiei-ten Homosexualität zum Narzißmus. Obige 
Eovägnngen konnten zu der Forderung führen, daß dieser Narzißmus 
aaialerotischer Herkunft sei. Sie werden verstärkt durch die Er- 
fahrung, daß der Verfolgungswahn ebenso oft mit Kleinheitswahn 
als mit Größenwalm vergesellschaftet vorkommt und sogar mit eigen- 
tümlichen Mischungen von Kleinheits- und Größenwahn. Das wäre 
erklärbar aiis der unumgänglichen Ambivalenz dee analerotischen 
Narzißmus. 

Die FreudscLe Formel wäre so zu ergänzen: Wenigstens ein 
Teil der sublimiertcn Homosexualität regrediert zur Analerotik; 
diese wird, soweit sie positiv ist, zur Rekonstruktion verwendet, 
in der Form des Größenwakaes, soweit sie negativ ist, in die Pro- 
jektion abgeführt, als Verfolgungswahn- 

Für den Aufbau des mißtrauischen, hochherzigen Charakters 
wäre die zweite Phase, für sich auftretend, verantwortlich. 

Ich sehe dabei von der gi-undsätzlichen Trennung zwischen melan- 
cholischem, schizophrenem luid pai-anoischem Verfolgungswahn ab. 
Oft genug kommen Zustände vor, die sich ebensogut in die eine 
als in die andere Ileihe einfügen lassen. Seit wir- durch Freud 
die ElementaTSj-ndrome analytisch studieren können, haben wir keinen 
Grund mehr zu dem Sport des Hinübergießens der Fälle von einem 
Diagnosen topf in den anderen. Vom System der Psychosen ist weiter 
nichts zu sagen als dieses: alle Fälle sind bunte Mischungen von 
allerlei S_>Tidromen in allerlei Verhältnissen: davon stellen die er- 
kannten klinischen l^'pen oder „Krankheiten" nur eine Reihe von 
typischen Kombinationen dar. 



Die verschiedenartige Psychogenität der Kriegsneurosen. 

Von Dr. Oskar Pfister in ZUricli. 

Unter Kriegsneurosen (War Shocks) voreteht man diejenigen 
trauinatisclien Nem-osen, die aus der schreckhaften l'jinwirkuiig von 
Kriegserletnissen hervorginge». Bei der Biskassion über die Ent- 
stehung dieser Krankheiten scheint in den Kreisen, die sich mit ihrer 
psychischen Detenninieimig^ befassen, die Ansicht vorzuherrschcn, daß 
es sich im wesentlichen stets um dieselbe iuibcwii0te Ab&icht handle, 
sich durch die Symptome deai Leiden und CJefahron weiteren Kriegs- 
dienstes zu entziehen. Wie sich dieser psychologische Prozeß abspielt, 
haben die Arbeiten, von Freud, Ferenczi, Abraham und 
Jones klargestellt (vgl. Internat. Psychoanalyt. Bibliotliek Nr. 1). 

Es scheint mir nun aber, daß dicee Untersuchungen nur den 
einien T^'pus von Kriegsnenixwen berücksichtigen, und Kwar denjenigen, 
der sich Umcn aus der Lazarettpraxis ergab- Daneben gibt es jedoch 
meines Erachtens auch andere Typen, bei dejien es sich nicht um eine 
narzißtische Libidostauung', sondera um eine regelrechte Uber- 
tragungsneurose handelt. Sie haben vollen Anspruch auf den 
Namen Kriegsneurosen und bieten klinisch denselben Anblick dar, 
und doch liegt Uire Ui-sache in einer Liebes versagung. Man findet 
sie häufig in den Grefangenen- und Intemicrtenlagern, welche die Ge- 
fahr der ßückkehr an die Pix)nt von vornherein außßchließcn. Und 
ihre Zahl ist ungeheuer groß. 

Daher möchte ich einen kleinen kasuistischeJi Beitrag ziii" Übcr- 
tragungsform der Kriegsneui'ose liefern. 

Bei einem Ferienbesuelv im Hause eines ärztlichen Freundes 
^vurde ich gebeten, die Payclioanalyse bei einem 22jahrigen lungen- 
kranken Intemiei-ten anzuwenden- J)er Mann litt stark unter Angst- 
stimmung tagsüber und besonders im Schlafe. Da weckte ci' seine 
Kameraden sehi- hiiuf ig d\u-fli ein jämmcrIichesAngstgeBchrci, das erst 
verstummte, wenn er selbst aufgeweckt wurde. Daneben quält ihn 
Schläfenkopfweh und ein durch den Lungenbefund nicht gercclit- 
fertigter, vom Arzt auf Nervosität zurückgeführter Druck auf der 
Brust. 



r 



Die Terschiedenartige l'sychogenit&t 4^'' Kriegsaearosen. 289 

Aus der Vorgeschichte ist folgendes zu erwähnen: Es handelt 
sich lun einen streng, aber liebevoll erzogenen Menschen, das zweite 
unter sechs Kindeni, körperlich kräftig und immer gesund, nie von 
Schwäche- oder Minder\vertigkeitagef ülilen heimgesucht. In der ISchule 
^ing es ihm gut, doch fehlt eine über das bescheidene Mittelmaß 
hinausgehende Ausbildung. Die Jugend verlief günstig, das Ver- 
hällnis zu den KUem war glücklich. Bis zum Kriege erfreute er 
sich des Behöibstcii Behagcii-s. 

Unser Angsthysteriker hatte sich ajii Kriege etwa zwei Jahre 
beteiligt, als er nach schwerste« Sc hi-eckerlebn lasen in Gefangenschaft 
geraten war. 72 Stunden lag er im Artillerie f euer. Sein Batterie- 
stollen wurde eiii geschossen und mußte durcli Schanzaa-bcit notdürftig 
in stand gesetzt werden. Endlich schlief er auf einer Tieppe des 
G-rabens ein. Durch eine explodierende Granate wurde er im Schlafe 
acht Stufen tief geschleudert und blieb vor Schrecken bewußtlos 
liegen. Kaclidem er sich erholt liatlc, war er wie gelähmt luid 
immer angsterfüllt. Doch raffle er sich auf und i^^ttete freiwillig 
verwundete Kameraden, die er aus dem Feuer holte. Auch klopfte 
er ohne Befehl Fülirujigsring« von Blindgängern ab, obwohl er wußte, 
(laß mehrere ."Heiner Gefährten bei dieser Arbeit get.otet worden waren. 
Man darf ilim somit keineswegs Feigheit vonverfen. Zuletzt war er 
allein imver\vundet iind machte seinem durch Kopfschuß, getroffenen 
Untei-offizier einon Vei-band. Von da an litt er selber unter Kopf- 
schmerzen an der nämlichen Stelle. 

Als sein Graben eingenommen war, fühlte er sich nach seinem 
Ausdruck ,.gaiiz bafi". Fr geriet in die tiefst« Kicdergeschlagenheit. 
Drei Nächte hindurch wuitie er nach seinem Gefaiigoucnlager gefahren 
und fiel in tiefes Grübeln. Die Kameraden wollten ihn aufheitern, 
was aber inißJaJig. Bald stcllt<^ steh Blutsi>eieu. ein, und nach etlichen. 
Wochen erfolgte die Inteniiening in der Schweiz. 

Hier ließ die Ängstlichkeit nur wenig nach. Als ein Kamerad 
eich die Hand verletzt« und blutete, geriet unser Kriegsiieurotiker 
in starke Aufregung und \'erließ schleimigst jenen Ort. Von den 
Vergnügungen der übrigen hielt er sich fem, da sie ihm zu ungestüm 
achienen. Für seine Fixiude an der Natur hatte niemand Verständnis. 
Da er deu Schlaf seiner Genossen durcli seinen Nachtschrecken schwer 
Btörte, kam er sich erat recht verachtet vor. 

Naclidem ich dies in Erfahrung gebracht liatte, ließ ich mir den 
Ti-auni der letzten Nacht erzählen. Er lautet: „Mir ist, jemand 
wolle mich packen- Ich liege starr und völlig wehr- 
los da, ohne mich bewegen zu können. Ich schreie laut 
und erwache, denn ein Kamerad hat mich in "Wirklich- 
keit geweckt." Dazu erfahre ich noch, daß manche 'IVäume ihn 



29ü Dr. Oskar Pfister. 

mitten in einen Kampf mit Moha,iniiicd;uierii oder 8cliwarzöii ver- 
setzen. Das übrige bleibt der cljen beTiclitelcn riiantrisie _e;<>nau gleich. 

Trotz aller Geduld ließen sieh keine l'^iiifälle erzielen, als ich 
die Traumstücke einzeln einstellte- Einzig? 7M do.n "Werten : „Jemand 
will mich packen" gesellt sich eine wichtig*^ Ijrinnenuig: Bei der 
Ei-obeiimg des Grabens wollte ein Schwarzer ihm mit dem Dolche 
den Hals absclmeiden, er schrie lauf- auf und wurde diircli einen 
feindlichen Unteroffizier vun \veiI3cr Haiilfaibe g<>retlct. 

Da das Einstellmigsverlahi-en nicht zum Ziele führte, ei'kundigte 
ich mich in freier Befragung nach frülieren Schroekorlcbiiissen. Der 
Erfolg war günstig. Kurz vor dem K!rie^ war unser Ana]3'sand 
überfallen und geprügelt woi-den, so daß er zu Iktden fiel. Es stellte 
sich dann jedoch sogleich herauH, daß eigentlich sein Begleiter ge- 
meint war. Auf meine Frage, ob er sich denn nicht gewehrt liabc, 
wurde mir der Bescheid: „Nein, ich wich immer iillen Jiaufcrßieji 
aus, mir im Spaß balgte ich mich als Jun;>:e h«rum.'' — „AVas dachten 
Sie sich, als Sie imsehuldig ge-scKlagcn wurden ';'■' — „Ach, ich war 
eo froh, daß ich imschuldig war! Ich hätte den Gledankcn niclit 
ertragen können, daß ich jemanden Iwlcidigt hatte I" 

Ergibt sich schon aus diesen Angaben die Tlnfähigkeit z\ir Selbst- 
verteidigung, ao wIitI dieser Eindruck bestärkt durch folgende Er- 
innerungen : 

„Als ich vier- bis fünfjährig woi', spielte ich gova. mit unserem 
Fleischerhimd und setzte, mich auf iiin. Einmal voi-stand er mich 
unrichtig- und biß mich in die "Wange. Der anwesende Vater bcfceite 
mich und ich wurde hierauf sehr gut gepflegt. Bald war ich wieder 
geheilt. Einmal, als sechsjährig, geriet ich mit dem Kopfe in einen 
Zaun und konnte mich nicht selbst frei machen. Eine lialbc Stunde 
blieb ich gefangen, bis die Eltern kamen und mich befreiten, ich 
muß jenesmal kolossal gesclirien haben. Im gleichen Jjilirc fiel ich 
eines Tagoa ins AVassei' und wäi-e sicher ertrunken, wenn mich nicht 
mein Vater hexausgeholt hätte- Endlich erinnci-e ich mich nocli an 
einen gixißen Schrecken aus meiner Lchrlingszcit: Ein Altersgenosse 
verlor durch eine Transmission seinen Arm; ich lief in großer Angst 
fort. Er wurde dann von seinen Eltern sehr gut gepflegt, erholte 
sich und bekam eine gute Anstellung als Sclireüjer" 

Die Deutung des pavor nocturnus fallt uns nun leicht: Kriegs- 
neurotisches Trauma ist offenbar der Iwüiahe letal endigende Angriff 
des Schwarzen. Der Angixjifer im Traume geht offenbar auf ihn 
zurück. 

Allein ebenso wichtig sind die infantilen lYaumate : Aus der 
Gefahr mit EleischerhuJid, Zaun "und AVasscr rettete der Vater, utuI 
dem Aiialysanden blieb nichts zu tun übrig, als passiv zu warten 



% 



Die TCrschiedeDartige Psychogenitit der Krieganeuroaen. gftj 

und zu sohn'ion- Ebenso verharrt der Träumer in starrer AVehrlosig- 
keit lind l>escliriinkt sich auf bloßes Schreien. Dabei aber g^ht er aus 
dem Trauuiland in die Wirklichkeit über, ähnlich dem Somnambulen, 
und bewirkt damit, daß die ei-sclinte liettiing' iliin zu teil wird, eo- 
fera ein Kiunerad ihn i-eg^lmäßig weckt- 

Der Sinn des Traumes, z\x dem der Angsißchrei iuhaltlich ge- 
hört, läßt sicli daher in die Forai bringen : „Mochte doch der ersehnte 
Vater inii' zu Hilfe kommen und niieli aus niemcm Angstzustaud 
erlösen, wie er es früher ja so oft tat!'' 

Die Angst entspi-ingt in erster Linie dem unbefriedigenden Zu- 
stand der Intemifi-ung. "Wohl fühlt sich der weichmütigc Soldat 
frei, wie er vereichert, aber er findet keinen Absatz für sein Liebos- 
bedürfnis. Er liat keinen verständnisvollen Kameraden, mit dem 
er iagsülwr verkehren kann, dafür erpreßt er im Schlaf einen Liebes- 
dienst. Er will kein Heimweh haben, denn wie man mir versicliert. 
gilt dies für unmännlich. Aber er gibt zu, er möchte überaus gern 
Vater und aiutl«r wiederselien und ihre Pflege genießen, wie nach 
den fi-ühcren Unglücksfällen, oder wie der verstümmelte Altersgenosse 
sie empfing. In der "Wirklichkeit hat er keine Aussicht, daß dieser 
AVunscli liLild in Erfüllung gehe, daher bewirkt ci- durch seinen pavor 
eine symbolische Venvirklichmig seines sehuliclien Gelüslens: Ei]i 
Kamerad ci-sei-zt den Vater. Es handelt sicJi um eine Übertragungs- 
kriegeneurose vom i'ebisten Wasser. 

Ich machte dem jungen Manne diesen Sachverhalt klar und hatte 
den Eindruck, ziemlich gut verstanden worden zti sein. Ich ließ ilm 
hierauf Stellung nelimcn zu seinen latenten Wünschen und infantilen 
oder i-ezenlen Erinnerungen. Er sah selbst ein, daß es nichts aus- 
trage, in bloßen Träumen und nächtliclieu Szenen sein Anliegen aus- 
zudriicken, sondern daß er auf umnögliche Wünsche vorläufig ver- 
zichten müsse, daß or aber zu den Kameraden eine andere Stellung 
einzunclunen habe, femer daß er seine Zeit bei-uflich sehr gut be- 
nutzen könne, indem er einen Mcisterkui-s besuche. Besonders starken 
Eindruck machte Uim die Erkenntnis, daß er nicht zeitlebens das 
passive Büblcin spielen und die infantile Einstellung auf Eltern und 
Irfben einnehmen könne. 

Wie kraftig die Analyse einschlug, beweist der Traumj den er 
des folgendeji Tages mitbi-at-hte. Er hatte ohne Angst ausgezeichnet 
geschlafen, aber im Schlafe geweint. Den Grund gibt der mitge- 
brachte Traum an : 

„Ich befinde mich in Zivil. Mein vierjähriger 
Bruder und ich stehen auf einem kleinen Wagen, der 
mit einem Male von der Anhöhe vor unserem Hause 
herunterrollt. Das Brüderchen fiel vom Wagen her- 



202 ^'- Oskar Pfiat«r, 

■unter. Da kam mein Vater herzu und sagte zu mir: 
,Na, Junge, daß du nicht Acht^ing gibst! Der KU-ino 
könnte ja Arm und Bein gebrochen haben!' Wirk- 
lich fehlte meinem Brüderchen etwas, denn er konnte 
schlecht aufstehen. Mein Vater half i hm auf. Dafing 
ich an zu weinen, daß es dem Brüderchen so schlecht 
gegangen war, und daß mein Vater mir Vorwürfe 
m achte.'* 

Ich setze meine lleizworte in eckige Klainmcra und die Eeaktionen 
dahinter. 

[Ich in Zivil] Das wäre be<leutend bosser. Tch habe niemand, mit 
dem ich meine Freude an der lien'lichen Natm- teilen kann. 

[Das Brüderchen] Ei:i lieber Junge, jetzt JWiuii Jalire alt, sehr 
tüchtig in der Schule. Ich war es ,auch (Zucken um den Mund). 
Ich möchte ihn gern sehen. 

[Das Wägelclien] Als ich 13 Jahre alt war, kaufte ich ein 
solches, das aber wenig taugte. Es zerbrach bald, doch ijassierte kein 
Unglück. 

[Das Wägelchen rollte] Nichts. 
[Der kleine Bruder fiel] Nichts. 
[Der Vater half] Nichts. 

Die Einfälle blieben infolge einer kleinen Sperrung, die ich in 
der Schnelligkeit nicht überwinden k(inn(*, aus. Doch ist die Deu- 
tung nicht schwer. Der Träumer solHe auf das Wägelchen acht 
geben, das ilui und den kleinen Bruder trägt; er tut es nicht und 
wird vom Vater gescholten. Wii- erkennen wifort wieder ilaa Pi-oblem 
der Passivität \ind des faulen Verla.sseiiK auf den Vater, jetzt aber 
von scharfem Tadel begleitet. Berücksichtigen wir alh' Traiimtoilc 
und die Einfälle, so erhalten wir folgende Deutung: 

„In Zivil": Ich wünsche mich ins bürgerliche J^^bea zurück. 
„Mein vierjähriger Bi-uder und ich" : Das Brüderchen gleicht 
dem Träumer, beide sind tüchtig in der Schule, der Größere liebt den 
Kleineren. Ee handelt sich um eine Disjektion. Der Träumer zerlegt 
sich in ein Küid. und einen Mann und diückt damit einen Zustand 
BUS, der an seinem Denken und Aufla^ton sehr auffällt. Er gibt 
sich als tapferen Mann und als unselbständiges, hilfloses Kind. 

„Wir stehen auf einem kleinen Wagen, der von der Anhöhe vor 
dem Eltemhause hei-unterrollt" : Dort spielte der Träumer als Kind 
mit einem gebrechlichen Vehikel ähnlicher Ai-t. Jetzt benimmt er 
sieh nach der Traumschildei-ung noch immer wie damals, er läßt sich 
treiben, wo er kräftig zugreifen sollte. 

„Das Brüderchen fällt vom Wagen hci-untor und kommt üu Scha- 
den, der Vater hebt es tadelnd auf": Die venliente Strafe für das 



Die Terschiodeiuutige Psychogenität der Kriegen earoaeD. 293 

Sichti-cibeiüaseen. Der Sinn wäre etwa: 'Weil du dein kindlich- 
kindisches AVesen mibchüt«t gehen läßt, gerätst du in die schwersten 
GefaJircn. und wenn diuin auch, wie du erwartest, der Vater dir zu 
Hilfe kommt und dich aufhebt, du erleidest bei diesem Vorhalten doch 
schweren Nachteil. 

„Ich fing an zu weinen, daß es dem Bruderchen so schlecht ge- 
gangen war und daß mir mein Vater Vorwürfe macht«" : Das Weinen 
geht auf die Krkenntmä selbstzugezogener Leiden und auf die Kin- 
Bicht, daß nun eine Ablösung vom infantilen Zustand erfolgxni müsse. 
Hinter dem Vater steckt der Analytiker, der ihm diese Notwendigkeit 
klar machte. 

In einem Satze zusammengefaßt, lautete die Traumseatenz un- 
gefähr so: Bei der Rückkehr ins bürgerliche Leben muß 
ich zu meinem tiefen Schmerz (Weinen) mein kind- 
liches Wesen, mein passives Vertrauen auf des Va- 
ters Hilfe aufgeben, da es mich schwer benachteili- 
gen kiinnte, auf die infantilen Z üge in mir scharf auf- 
passen und sie vorsichtig lenken. 

Die von. jedem gut dui-ehgeführtea Traum zu ei-wartende Wunsoh- 
erfüUung ist vom Analj-sanden nicht korrekt gefunden worden, dalier 
erfolgt eine Abweichung von der reinen Traumbahn : Das Weinen. 
Wie das Schreien im vorangehcndea Traum, wie die Flucht ins Er- 
wachen in manchen anderen Träumen verrät es, daß das Unbewußte 
mit den Rütteln der IVaumdichtung nicht ans Ziel kommen konnte. 
Der Ti'äumer ist seiner Lösimg noch nicht froh. Er sieht ein, was 
geschehen soll, aber er leidet unter dieser erkannten Pflicht. Die 
Trennung vom Infantilen fällt ihm noch sehr schwer. Die Aufgabe des 
Analytikers best.and darin, ihm die bedeutenden Mehrgewinne zu 
zeigen, die seiner bei treuer Ausfülu-ung der erkannten sittlichen 
Notwendigkeit warteten. 

Die Belehi-ung wurde dankbar angenoimnen- Die Angst war 
von jetzt an gewichen, der Jüngling fühlte sieh sehr bald recht he- 
liaglicli und zufrieden- auch fand er einen Kameraden, der ihn ver- 
stand \md seine P'reudc an der Natur leLlte. Nach einigen Wochen 
erfuhr ich auf Umwegen, daß der zuvor allzu zahme Mensch sogar 
etwas i-evohitionär ginvoi>ien sei und sich nicht nach Wunsch auf- 
führe. Es handelt sich um eine Reaktionserscheinung, die uns nicht 
überraschen kaam und sicherlich .sehr rasch vorübergeht. Die beiden 
Unterrodimgcn, die stattfanden! konnten eine tiefere Analyse natür- 
lich nicht daxbieten, allein sie erfüllten vollauf iliren Zweck, die 
Ivriegsncurose zu überwinden, nachdem viele vorajigohende Bemühun- 
gen fruchtlos geblieben waren- Auch waren sie für die künftige 



ff 



294 Dr. Oskar Pfistor. 

Charakterent Wicklung' des juii^n Mannes cutschiodeii von großer Be- 
deutung. 

leli glaube damit den Beweis gudicfort zu lia.lK'ii, daßi (!s neben 
der Iclitriebs- itueh eine Ubei"ti'agTiiigskricg6iieurose gibt. Die eine 
ergibt sieh ans "Widerstand gegen den lVoiit<iieii.yt, die imdei-e aus 
den Unauneltmlichkeiten der Oefangcnsehart und Ink'rnioniiig. Man 
wird aber nicht leugnen können, daß die beiden psycliologiacht^u For- 
men häufig gemischt sind : Der Widei'stajid gegen Front und Todes- 
gefahr ist dnrch die Übertragung auf andere Menschen, z.B. die Fa- 
milie, verstärkt, und die Unlust dos TJbertra^j^ungsneurotikcrs enthält 
Beiträge, die aus der schlechten Stellung (Ick (iofangmeii und Inter- 
nierten hervorg'ehen, also aus Stauung der leiitriehe. Es dürfte iiiimor- 
hin wichtig sein, die beiden Formen der Kriegsneurose auseinanderzu- 
halten. 



J 



Mitteilungen. 



I 



ii 



Beiträge zur Traumdeutung. 

Von Dr. Josef ICislor (Budapest). 
I. 

Das II e r m c s lu o t i V im Traume. 

Eu ist iiurt;h den Hinweis mehrerer Autoren (Freud, Abr.thara, 
RaiikJ geläufig geworden, daiJ sicli iu vielen Träumen mythologisclie Bc- 
zügo nachweisen lassen. Ich möchte nun im folgenden zwei Träume mit- 
teilen, die uns gleioli/.eitig etwas darüber andeuten, wie sich die Antike 
die Figui des Gottes Hermes vorstellte. 

Eeiapiel 1. Traum eines leicht nervösen Mannes, der zurzeit gegen 
starke Onaniegelüste ankämpft: ,,Ich steige eine hohe Treppe 
hinauf und habe h i e b e i ein Kind auf dem A rmo." Der 
Träumer erwacht imd findet sein Glied erigiert. 

Das Stiegensteigen gilt nach Freud (Kl. Schriften, III. Folge, 
Seite 290) ala Symbol des geschlechtlichen Verkehra. In dicseui Falle 
dürfte ea aber auch die immer stärker empfundene Erektion liedeuten. 
Daa Kleine ist das Genitale" (Freud: Traumdeutung, IV. Auflage, 
Seite 266). Der Träumer verspürt demnach wohl die Lust, sein erigiertes 
Glied in die Haud zu nehmen. Ein wenig befremdend wirkt das Symbol 
des Kindes auf seinem Arme, das die Vorstellung eher mit dem Weiblichen 
paart (Mutter und Kind). Es ist bedingt durch den geheimen AVunsch, 
jemals ein Kind zu zeugen, vielleicht druckt &s auch den femininen Cha- 
rakter des Träumers aus und kann überdies eine Wiederholung aus der 
Wirkliclikeit sein. Das Erwachen ist einerseits als Effekt dieses .,Weck- 
traums" anKUseheii, zugleich aber drückt es den Widerstand gegen die 
Onanie Versuchung aus. An diesem sonst überaus durchsichtigen Traume 
ist bloß das Öymbol des Kindes auf dem Arme des Träumers bemerkens- 
wert. Er kopiert hier unbewußt eine in der griechischen Plastik liekanntö 
Darstellung, die auf ein Original des berühmten Praxiteles Kurückgeht. 
Es ist dies der „Hermes von Olympia" i), «.i^'r auf dem linken Arme das 
Dionysosfcnäblein trägt. Mit der (fehlenden) Rechten hielt er ihm eine 
Traube hin. Sowohl der kleine Dionysos, wie auch die Traube galten den 
Griechen als die mythologische bzw. künstlerische Projektion eines Rauach- 
Kuslandos. Dem Kultgott Dionysos (Tod und Aufersteliung) kommt über- 
dies noch eine phallische Bedeutung zu, ganz wie dem Kinde auf dem 
Arme des Träumers «). Die Schönheit des praxitelischen Werkes besteht 

l) ImMuseumru Olympia. Abbildungen davon enlhält jede Kunstgeschichte. 

*) Wie anpassungsfähig dieses Motiv ist, beweist .«in Fortbestehen auch 

im cliristliclien Vors lellung^ reis (St. Chris tophorus, St. Antonius von l'adua). 



29Ö Mitteilungen. 

iE der vfillkommenen DurahbilJung (Subliuiioruug) divs ilim i.ii Linindß 
liegeadeii narzißtischen üffühles; tiin Zug, der dou meistcji aTitikon Skulp- 
turen eigentüailich iaL und ihren beaoncicrcii JtciK ;iuptu;ic;lil. Die große 
Ruhe, die sich ia diesen Werken selbst aiif der Höhe einer Aktion kundtut 
und s'm von den innerlich bewegten plaatisclien DaratcUungcn der Ite- 
naissanc« (inabesondero Miehei Angelos) acheidi'L, ist elxju diircli jene 
narzißtisch« Anscliauuiig der Formen bedingt. Für die EnLwickliuigs- 
geachichtc des Kunstgefühles iat diese Festütoilung nicht ohne Intercssae. 

Beispiel 2. Bruchstück aus einem lungeren Tmum eines schwer- 
kranken Neurotikers: „Ich weiß nicht, ob es zu üoginu dos 
Traumes oder zum Schlüsse war, daß ich in der Luft 
schwebte. Ich kam mir wie ein wo b ] g ii s t a 1 1 e t e r grie- 
chischer Jüngling (xaXf;; xal ä"[a06;) vor und war iu wal- 
lende, schöne Seidenge wunder ■— die auch au Kimonos 
erinnerten — gehüllt. Dieses Schweben h o h ieii viele 
Tage zu dauern, vielleicht mit U u te r hr e cli u ngen, denn 
ich wechselte wiederholt meine Gewandung. Biese nahm 
an der Bewegung gewissermaßen teil und ich erinnare 
mich dunkel, daß sie ganz ohne Nillitc w:ir, Beim Schwe- 
ben wechselte ich die Lage wie ein Vogel; oft scliien 
iclinach unten gewandt. Mit dem Fuße macJite ich eigen- 
artige Bewegungen, wie beim ,Wass6rtreton'..." 

Es handelt sich um den. Beginn oijics sogeiiajuiten ,,biograpl tischen 
Traumes" -^ der ICranke nannte ihn einen ,,SchickaalstiTi.uni" — , dem 
Phantasien über das Intrauteriitleben nu tirnnde liegen, Das ist für 
den Analytiker ohne weiteres klar, ebenso der Zusammenhang mit der 
Neurose, die sich im vorliegenden Falle in exzessiver Schlaflosigkeit und 
Morphinismus ausdrückte. Der einleitende Satz ist eine überaus geluu- 
gene Fassung des Gefühles von der „Ewigkeit", deasen TTrsprung oben 
auf die unbewußte Wahrnehmung des Intraute rinleliena zurückgeht. Die 
Gewandung „ganz ohne Nähte" sind die Eiliüllon bxw. dnr Mutterleib. 
Der Patient, der, mit religiösen Gedanken Ijoaehäitigt, sich aJs Opfer 
seiner Familienverhältnisse betrachtet, aasoKÜerte hiebot zuerst jene Szene 
aus dem Neuen Testament, in welclier dio römischen Ivcgioiiilre zu Füßen 
des Gekreuzigten sein Gewand aufteilen; ,,der Hock al>er war ungcniLhet, 
von oben an gewirket durch und durch" *. Da liegt übrigens wieder ein 
Gefühl von der Ewigkeit vor. Als «weiter Eiul'all kam dio Erinnerung an 
ein Kondome, das er als ISjäliriger Knalv^ nach dum Tode des Vaters 
aufgefunden und als Spielzeug vorwendet hatte. Dies führte zu einer 
überaus peinlichen Szene, nach welcher er sieh mit dem intimen Leben 
seiner Mutter zu beschäftigen begann. Die damals einsetzende Kritik 
und die damit verbundene Änderung In seinen Gefühlen, waren gleich- 
zeitig der Anfang seiner Schlaflosigkeit. Der intelligente Patient iat 
infolge mißlungener ärztlicher Eingriffe an beiden Füßen lahm, als Gegen- 
satz hiezu sieht er sieh im Traume wohlgestaltet. Der von ihm selbst gc- 

1) Dieser Satz findet sich auf fälliger weise nicht bei d«n drei oraton livangc- 
listeu (Synoptikern), die mehr goschiclitlicU darstellen, Honduru nur Iwi Johainio.- 
(Kap. 19), dem Visionuren und Intuitiven. — Auch der „Pm" dei; OrienLalon muli 
aus einem Stück a-iigefertigt sein und dt-r OebcLmautuI Jor Juden („Talis")' 
unter welchem man sich gleiobsam von der Welt ahsclilioüt, darf nicht. mit eiaom 
fremden Faden {jesäumt werden. Er wird auch über das Tol^üilicruil aiiijiizogen, 
was seine symboUscho Bedeutung als Mul.tei-Ieib untorstüt/.t. 



m 

1 1 

i 



l)T. Josef Eisler: B«itr&ge zur Traamdentung. gg^ 

brachte Ausdruck xsXö; xat i-^^Üi^ erinnert ihn im eine Hermesstatue, 
"die sich in der Wohnung seiner Eltern befand und der er in jüngei-cn 
.Taliren ähnlich gewesen sL-in soll. Da das im Traume aiiä[jüführte Schweben 
die Bewegungen des Embrj-os bzw. Fötus darstellt, führt das erwähnte 
„Wassertreten" (im Traume in der Luft) wieder zur Figur des IlermEa, 
Wir wissen aus der mythologischen Beschreibung, daü dieser wich unter 
den olympischen Ilauptgöttern durch die Gabe des FÜegenküniiens aus- 
zeichnete und sein Attribut waren Flügel an den Fersen. Zum ,, narziß- 
tischen" Hermes, den wir aus dem ersten Traume folgerten, paßt recht 
gut der im Mutterleib geborgene Ilimmalsbote, der wegen seiner „Heim- 
lichkeit" zugleich ein Gott der Diebe war. 

IL 

„Das Labyrinth." 

Der hier folgende Traum ist eine „Ge bu r t s rc 1 1 u ng apha n- 
tasie", dessen Aufbau äußerst klar, die verwendete Symbolik darin sehr 
durchsichtig und plastisch ist. Er präsentiert sich als eine Erinnerung 
aus der Pubertät: 

„Ich bin auf irgend eine Weise gefangengesetzt und 
in einen Turm gebracht worden, der mich an eine Röhre 
erinnert. Es ist halbdunkel in dem Räume, das Licht 
scheint, von oben einzufallen. Nach einer Weile ge- 
wahre ich, daß ich an einem Seil befestigt froi hänge 
und unter mir höre ich Wasser fließen. Das Seil, welches 
um meine Brust gewickelt ist, drückt nicht und erlaubt, 
daß ich Stoßbewegungen nach alle» Seiten ausführen 
kann- Endlich fühlte ich festen Boden unter meinen 
Füßen, gleicli zeitig wird der Turm, oder die Röhre, enger 
und enger und schließt sich um mich. Ich gehe und 
KWänge mich durch, wobei ich den Druck der Wände an 
beiden Schultern empfinde. Auf sonderbar gewundenen 
Gängen gelange ich nach langer Wanderung ins Frei e." 

Der Traum wurde durch die Lektüre einer romantischen Gefangeneu- 
und Fluchl^cschichte, deren Vorkommnisse der Träumer in der Phantasie 
nachzuerleben suchte, hen-orgenifen. Er dokumentiert aber zugleich das 
lebhafte „Sexual forschen" in der erinnerten Zeit. Erwähnenswert darin 
ist die symbolische Darstcllimg der Nabelschnur und die den Geburtsakt 
begleitende ..GefühlshalluKinalion" (der Kopfdruck ist auf die Schultern 
verlegt). Die sonderbar gewundenen Wege, auf welchen die Itettung ins 
Freie erfolgt, sind ein Hinweis auf die im Aul'bau des Traumes verwen- 
dete infantile Sexual theorie. Nach I^'reud ist liier zweifelsohne die 
Geburt per auum symbolisiert (die gewundenen unterirdischen Gänge be- 
deuten den Darm). 

Vielleicht läßt sich vonldieaem Traum aus eine Erklärung dafür liuden, 
welche Bedeutung dem aus der griechischen Mythologie bekannten Laby- 
rinth zukommt. Seine Geschichte ist ein konstituierendes Element der 
Theseussage, deren Held oiu mythischer König in Athen wur (er ist ein 
Nachfolger des Königs Ödipus, dem er eint' Ruhestätte in Kolonos ge- 
währte). Otto Rank hat in der grundlegenden Studie „Der Mythos 

Ztltoohi. r. kni). PiyclioualTi*. Tf«. SO 



k, 



I 



29g Mitteilungen. 

vou der Geburt dea Helden"») dargetüii, dttO die inythenhildpiiLle Phan- 
tasie jedes Volkes den Urspriing seiner Heroen gern in Iwaonderev Weise 
hervorhebt (seltsame Geburt) und ilm gleich beim Eintritt ins Leben 
feindlichen Mächten gegenüberstellt, die ui- aber be«i(>gt (der „Fjunilien- 
roman" Freuds), Wubl steht die Geschiclite vom J^ihyriiiili nicht am 
Beginne der Theseussage, doch ist sie dewa dominieren dster Teil und 
begründet das eigentliche Königtum des Helden, t>o daß man sie gut 
als das zentrale G-ebilde der Sugc auffassen kjinn. Sie ontbilt Jiun dou 
„Mythus von der Geburt" des Theseus. Das Labyrinth, aus welchem 
er sich mit Hilfe des „Fadem" der Ariadne nach der Vernichtung des . 
Ungeheuers Minotaurus (Vatersynibol) rettet, entspricht dem f^ehr-imnia- 
vollen Räume, aus welchem jedes Leben kommt. Für diese ArnKduue 
spricht auch, daß Theseus nach der „Rettung" Ariadnc (di(! Mutter) treulos 
veilasseii hat. Möglich hat dabfd din infantile ScxualplianLasie den (oder 
die) Urheber der Sage bewegt, die im zitierten Traume zum Ausdruck 
gebracht ist*). 

in. 

Das zeitliche Geschehen wird im Traume durch ein 

räumliches dargestellt. 

Der Traum wird häufig mit dem priDiitiveii Denken, wie wir ein 

solches bei Kindern, Naturvölkern und übcriianpl, in der geistigen Ent- 
wicklung erkennen, in eine Reihe gestellt. Uics gilt aber nur in bezug 
auf seine Darstellung durch das liildlichc. Andere Eigonachaften des 
Traumes, die Verdichtung, die Entstellung und dcrgloioheii sind unbedingt 
Leistungen eines höhci-cu Intcllekt^ä und dorn primitiven Denken ganz und 
gar üiclit zuzurechnen. Neben ilv.m Bildliclien besitzt a.ber der Traum 
eine Eigentümlichkeit, die vielleicht bislang noch nicht klar genug heraus- 
gestellt worden ist und sicherlich als ,, primitiv" angcaprochun werden 
muß. Wie ich ca in der Überschrift angedeutet habe, vcnuag der Traum 
das zeitliche Geschehen nur räumlich daraus telloii. Es liängt dies zwar 
mit dem Bildlichen innig zusammen (ma,n denke etwa au die mittelalter- 
lichen oder Frührenaissancebilder, z.B. an die l>arstellung der FassionH- 
geschichte, deren verschiedene Ktapjieu auf einer Tafel abgebildet sind), 
aber es hat doch auch eine andere Digriität. 

Die Kantschen Grundanschanungen vou Baum und Zeit, ala solche ^ 

dem menschlichen Denken a priori eigen, scheinen durcliauH nicht gleich- 
wertig zu sein. Ich habe dies zuerst im kindliclion Denken gefunden. : 
Ein 30 Monate alter Knabe von hoher Intelligenz, dem Bßlbst echon K 
Abstrakta geläufig sind, erlernt die Folge der Woclientugo. Das Thema 
bescliäftigt ilm sehr und er stellt deshalb hänfigu Fragen, wie etwa: 

„Ist heute Samstag auf der Gasse?" Wo ist Freitag?" Er 

nimmt also die Tage, den zeitlichen Begriff, dinglich, daa iHt nlumlich. 
Ähnlich der Traum I Ich möchte kein neues Beispiel anführen, denn bei 
der Analyse jedes beliebigen Traumes wird man die Spuren dieser Sub- 
stitutiou auffinden können. Ich besiielie mich nur auf den oben /.itiorten 
ersten Hermestraum. Fa.ssoii wir ilm als ,,Wecktrauin" auf, so ist die 

1) Schriften zur angewandten Seelcnkundo, V. llfift, 1009. 

2) Ea gibt vcTschiodf'UR Kiiidi,Tg<:rluIJ spick-, diu dii-s Motiv dos Labyrinths 
verwerten. Es handelt aieli uieial. um die koiupliaÜurU! KinlmnguuB von Kugüln 
in eine Mitte. 



I 

li 



Dr. M. KurdoB: Zar Traumdeutung;. ^99 

Sensation der immer stüjker empfundenen Erektion in ihm, also ein sicli 
zeitlich abspielender Vorgang, im Bilde der Treppe räumlich dargestellt. 
Die einführenden Worte: „Ich steige..." aiud siciierliuh nicht -so priaiär 
wie darf Bild der Treppe, sondern der Beginn der IJearbeitung durch den 
öprachliclien Ausdruck 1). Ich glaube, daß auch in solchen Fällen, wo 
wir es mit Tnuimbrockcn oder unzusaiiiinenhängenden Traumteilen ku tun 
lialjcn und nicht ein Moment der iiberstarken Zensur mitwirkt, die nicht 
ganz gelungene Ereetziing des zcitlichon Traunigedankeus durch den räum- 
liclien an der fragmentajisclien Struktur des Traumes Schuld trägt. 



Zur Traumdeutung. 

Von Dr. M. Knrdos. 
1. Zwei InzcsttraiUme. 

Ein wegen psychischer Impotenz in psychoaiialytisciier Behandlung 
stehender Patient bringt als ersten Traum in die Beliandlung, daß er vom 
Koitus mit seiner älteren Schwester geträumt habe und infolge einer 
rollutioii erwacht sei; Angst hat er dabei nicht empfunden. In der näch- 
sten Behandiungsstunde berichtet er den folgenden Traum: .,Ich stehe 
mit meiner Schwester auf dem Balkon unseres Hauses 
(hier wird ein Detail, ala in diesen Zusammenhang nicht gehörig, bei der 
Wiedergabe ausgelassen). Im Zimmer ist meine Mutter. Her 
Balkon fängt an. auf und nieder zu schwingen, [ch sage 
meiner Schwester, sie solle zurückkommen, weil ich Angst 
habe. Dabei denke ich. habe ich wirklich immer bei 
solchem Anlaß Angst, oder nur diesmal?, beruhige mich 
aber damit, daß ich immer Angst habe. Darauf erwache 
ich mit Angst und Erektion." 

Dieser Traum scheint in mehrfacher Beziehung lehrreich. Vor allem 
biingi er eine schöne Bestätigung der Deutungsregel, daß, wenn eine 
Person im Traume bei einer Handlung oder Situation als unbeteiligter 
Zuscliauer daneben steht, dies soviel heißt, als: das alles beziehe sich in 
Wirkliclikeit auf jene Person. So erklärt sich, warum bei dem ersten 
unverhiillten Angsttraifm mit der Sehwester keine Angst auftritt, sondern 
bei dem zweiten, der, wenn auch schwach — das gemeinsame Auf- und 
Niederschwingen bedeutet natürlich den Koitus — verhüllt ist. Im trsten 
Traum isl eben ilas eigentliche Objekt der Angstwünsche des Träumers 
weggebliebeil uikI durch die Schwester vertreten worden, die ihr Anrecht 
auf diese Vertretung nicht dadurch erworben hat, daß sie — wie 
sonst häufig ■ — der erste Muttcrersatz gewesen ist, sondern lcdiQ;Meh 
dadurch, daß sie denselben Vornamen wie die Mutter trägt (sowie durch 
andere infantile Determinanten, die nicht in diesen Zusammenhang ge- 
hören). Die Angst tritt deshalb erst auf, als der Phantasie des Tränmers 
der Gegenstand seiner verdrängten Wünsche in eigener Person gezeist wird. 

Pemer läßt sich an diesem Traume das Walten der Zensur, das sonst 
mit der DurchsetKimg des Verdrängten zu einer Kompromißlcistuüg ye:- 
schmolaen ist, sozusagen in dreizeitiger Zerlegung studieren. Der erste 

'1 Dies k.inn ührigcns noch im Traume selbst g^eechehen. 

20* • 



3QQ Mittoiliingen. 

ist die mit- wonig verhüllt^' Darstellung Avs InBeatwuiisrlies, .also die 
Überrumpelung der Zensur; die dal«! hör vor go rufe ne i^'eac-lilccbLlichc Er- 
regung (Erektion) wird von. der wacligcrufeiien Vcrdrilnifung3iiisl.:iiiz nach- 
träglich in Angst verwandelt und aul" diesüm. für den AnfjsUraum typi- 
schen Wege diis Abbrechen dea Tniumes und diis Jirwaeliun gefDrdert. 
Dagegen setzt sich der Traum im Intercase des Schhifwunsehes /.iir Wehr 
und vermag -- wenn aucli mir für kurze Zeit - - eiiiü Verlängenmg des 
Schlafes au erwirken. Die ArgunninlÄLion, deren er sich bedient, ist /.ieni- 
lich durchsichtig, man braucht nur „Äugst" mit „sexueller Erregung" 
oder für dicHen Fall noch korrekter mit „ISrcktioii" 7.n liborseLzen. Die 
Erwägungen des Traumes laulun dann; „Habe ich immer ErckLiun oder 
nur in diesem Falle (nämlich l)ei dem iiixestuöa begehrten Hegcustand, 
während ich sonst impotent bin)?" Und schließt mit di;r 1>d ruhige ndeii, 
einer Wunschcrfiillung eritHprechendeu, mit der Realität allerdings noch 
im Widerspruch stehenden Versicherung, daß seine TolonK normiil, nicht 
durch die ^Vngstfixierung eingeschrüjikt sei. 

Der Traum scheint mir überdies ein typischer Kurivaum während 
einer Periode — auch sonst hinreichend deutlich gezeigter — positiver 
Übertragung y,u sein. Der Analysand spricht ziemlich uTivcrhüllt aus, 
daß er die Ansicht den Arztes über die tlrüiide seiner Krankheit richtig 
finde und deshalb das Vertrauen habe, geheilt au worden. 

2. Zur (> t i e g e n s y m b o 1 i k im Traume. 

Traum' (Fragment): Wir steigen vom Dacl; auf eisernen 
Leiteratufcn herunter; ich will lieber iuucii steigen, 
folge aber meiner ]Jeglei teriii. 

Der Triiumer hat ein Verhältnia xu einem jungfräuliehe-n Mädchen 
und befriedigt sich, indem er, in den Kleidern, seine (jouitalien liegen die 
ihrigen preßt, bis die Ejakulation erfolgt. Er wünscht, die Ueliebte völlig 
au besitzen, hat sich aber bisher ihi-er Ablehnung des Sexiialvorkehres 
gefügl, weil er die möglichen Folgen aolieuL, 



Zur sexuellen Deutung des Prüfungstnuimea. 

Montag erwarte ich meine Geliebte. Ich bcfiiide mich am Honatag 
in ziemlich tmber Stimmung, fühle mich vollkommen arbeitsunfähig und 
mehr wie gewöhnlicii melancholisch. Träume thirnufhin, daß icii ver- 
gessen habe, die letzte Klasse des Gymiia.-jiuma zu absolvieren (tat- 
sächlich hatte ich in der sechsten Klasse ,,vcrgosseu", au einem Priifiiiigs- 
tag in die Schule zu gehen, mußte daraufhin eine Woche später auß'jrlialb 
der Klasse die Früfung allein bestehen, was auch glänzend gelungen ist), 
muß daher wieder das Gymnasium besuchen, um die Matui-a liosLeheu ?u 
können. Auf der Stiege (KoitusMvmbol) tn^ffe ich den Professur, der 
fragt mich, wie ich heiße. Ich antworte: „Dr. N, N., ick habe mimlicli 
vergessen, die Maturitiltwprüfung zu besteh&u." „Ach so," sagte er. abui' 
in ehrerbietig verändertem Tone, „da besuchen Sie ja aber die Hchule ganz 
umsonst, die Matura findet in diesem Jahre nicht im OymimHium, sondern 
in dem Erauenetablisaement (ungai-iscli: nötelep) stalt." Düs 
heißt: umsonst alle Versuche, die Libido vollkommen in der Arbeit ku 



1 



rr 



Stad. m«d. Jgsef Oroämann: Ein Beitrag bot Traumdeatung. 3Q]^ 

Bublimierea, nicht indem ich ewig- wieder in die Schule der Wissenschaft 
gehe, sondern im Frauenetablirfseinent (etwa Uordell) werde ich meine 
Neurose los. 

Dr. 11. E. 

Ein Beitrag zur Traumdeutung'. 
Von stod. med. Joeef GroÜrnann. 

Die folgenden Zeilen stellen den Versucii dar, drei von lii 1 d e- 
b r a n d t iu die Traumliteratur ei uge führte, von 1' r e u d in seiner „Traum- 
deuluiig" im Abschnitt über objektive Sinneserregung als Traumquellc 
gleiclisani ala Musterbeispiele abgedruckte Träume, einer kriti- 
schen Untersuchung in beziig auf die Ursache ihres Entstehens zu nnter- 
zieben. 

Die Deutung, die hier entwickelt werden soll, wird — es sei ge- 
stattet, gleich in mediares z\i führen — nicht von einer objektiven, son- 
dern einer subjektiven Tranmursache ausgehen. 

F rc u d schreibt: 

„Mau hure z.B. drei der Weckerträume liildebrandt s; man wird 
sich di« Frage vorzulegen haben, warum derselbe Reiz so verschiedene 
und warum er gerade diese Traumorfolge hervorrief: 

„Also ich gehe an einem Frühlingsraorgcn spazieren und schlendere 
diir(.-h die giüuendcn Felder weiter bis zu einem l>enachbarten Dorie, dort 
sehe ich die Bewohner iu FeierkleidGru, das Gesangbuch unter dem 
Arme, xalilreich der Kirche zuwandern. Riclitigl Es ist ja Koniitag 
lind der Frühgottesdienst wird bald beginnen. Ich beschließe, an diesem 
tci];iunehinen, zuvor aber, weil ich ctwaa echauffiert biß, auf dem die 
Kirche umgebenden Friedhof mich abzukühlen. Wahrend ich liier ver- 
schiedene Grabschriften lese, höre ich den Glöckner den 7"urm hiiian- 
steigen und sehe nun iu der Höhe des letzteren die kleine Dorfglocke, 
die da3 Zeichen zum Beginu der Andacht geben wird. Noch eine ganze 
Weile hängt (»ie bewegungslos da, dann fängt sie an zu schwingen — 
und plütilich ertönen ihre Schläge hell und durchdringend — so hell 
und durchdringend, daÜ sie meinem Schlaf ein Ende machen. Die Glooken- 
töne aber konitucQ von dem Wecker." "^ 

..Zweite Kombination: Es ist heller Wintertag, diu Straßen sind 
hoch mit Schnee bedeckt. Ich habe meine Teilnahme au einer Schlitbcn- 
partie zugesagt, muß aber lange warten, bis die Meldung erfolgt, der 
Schlitten stehe vor der Tür. Jetzt erfolgen dio Vorl>ei'eitungen zum 
Einsteigen -- der Pelz wird angelegt, der Eußsack hervorgeholt — 
uud cndlicli sitze ich auf meinem Platze. Aber noch verzögert aich die 
Abfalirt, bis die Zügel den harrenden llossen das fühlbare Zeichen geben. 
Nun ziehen diese an; die kräftig geschüttelten Schellen beginnen ihre 
wohlbckanulo Janitecharenmusik mit einer Mächtigkeit, die jiugenblick- 
lich das Spinngewebe des Tmnmes zerreißt. Wieder ist's nichts anderes, 
als der schrille Ton der W^rckerglocke." 

.,,Noch da.s dritte Beispiel: Ich sehe ein Küchenmädchen mit einigeJi 
Dutzend aufgetürmter Tulkr den Korridor entlang zum Speisezimmer 
schreiten. Die Porzellansäule in ihrem Arm scheint mir in Gefahr, das 
tUoichge wicht zu verlieren. .Nimm dich iu acht,' bemerke ich, ,die 
ganze Ladung wird zur Erde fallen.' Natürlich bleibt der obligate Wider- 



302 Mitteilungen. 

Spruch niclit aus: Man sei dergleichen achon gewöhnt usw., während 
dessen ich noch immer mit Blicken der Besorgnis die Wandelnde hegleite. 
Richtig, an der Türschwelle erfolgt ein Strauclieln — tla^ Kcrbrcohlicho 
Gesellin- fällt und rOHSclt und prasacU in hundert Solicrlx^n ;uii dem Fnß- 
bodeu umher. Aber ■ — das endlos sich forLset/,eude Gclöne ial. doch, 
wie ich bemerke, kein eigentliches I^i^seln, aonderu ein richtiges Klin- 
geln; — und mit diesem Klingeln liat, wie jninmchr der Erwachende vi- 
kennt, nur der Wecker seine Schuldigkeit getan." 

Bern Weiteren sei eine Erlahrunff dos tilglichen Lebena vorausi^e- 
schickt. 

Jeder, den Beruf, Schule u.dgl. zwingen, längere Zeit hindurch täglich 
um dieselbe Ticit aufzustehen, wie so manciier, der - -- iini einem be- 
stimmten Vorsatz Rechnung /,u tragen ~- auch nur liio und da ku einer 
gewissen Stunde zu erwachen wünscht, kann die interessante Ueobachtunp 
machen, daß im ersten Pallo Zwang und Gi;w(ihnheit. im zweiten l''alle 
lebendiges Interesse an der pünktlichen Ausrühning oinf.s l.>estimmlen 
Vorhabena, einen ungemein exakt arbeitenden Mechanismus ins Leben 
rufen, der das Er\'rachen zur gewünschten Stunde mit erstanulicher Siclicr- 
heit und Genauigkeit Lorbciiuhrt. 

Ea scheint mir nun zweifellos, daß bei den angeführten Träumen — 
deren Eigeaarl, wohl ebensowenig einer Jietouuug bedarf wie ihn; Ver- 
wandtschaft - — die Ursache der Entatehung mu suchen int in dem 
durch einen lautlos arbeitenden Signalappai-at erfolgten Aviso eines un- 
mittelbar zu erwartenden Läutesigiials des Weckers und daß der Traum 
den Zweck hat, das 7,u erwiu-tende Gorä.usoh in ihn zu projizieren (und 
vielleicht dadurch das Aufstehen zu crleicJitern, Ja im i\ugeiiblick die 
Identität beider Geräusche nicht zum Ben'ußtsoin komml; und icli wogen 
eines Traiimgerä.usches und niclit des nnerwünschtou. weil sclilafstürcndcu 
Weckergeräusches wegen zu erwachen glaube?). 

Dabei wird einer gewissen, scheiul>ar unverraeidliohen, alier jotlen- 
falls ganz minimalen Ungenanigkeit des ,,Avisoapi)arat('g" in höchst be- 
merkenswerter Weise datlurHi Recliiiung getragen, djifJ .-ächon bei Beginn 
des Traumes, i.lnrch Ijowuüto Konstruktion acinos Inhalts, die Möglichkeit 
des sofortigen Einaetaeus des Traumgo raus dies geschaffen, aber — auf 
manchmal recht phiinpe Weise - hinausgcscholxiii wii-d, da das erwartete 
Weokerzoichen noch nicht wahrnehmbar ist. 

Ich glaube nun, daß die Bitte, die zitierten Träume unter Festhaltiiug 
des neugewonnenen Gesichtspunktes noch mal.'' durchxuleson, mioh der 
Mühe enthebt, jetzt an Hand der Träume selbst zur Tostigung meiner 
Ansicht ins Detail zu gehen. 

So verweise ich nur ganz kurz iiochmuls diLrauf, daß hei allen drei 
Träumen die Möglichkeit des jederzeitigen Einsetzens eines tjeräusohes 
vom ersten Augenblick an gegeben ist und daß die Verzögerung des Ein- 
setzens selbst auf die denklxir durchsichtigst;*!, primitivste .\rt und bei 
manchmal ganz fadenscheiniger Motivierung erfolgt, was vcrslJlndlioh 
ist, wenn man I>cdenkt, daß in aller Eile Ilaud hing konstruiert werden muß: 
ich muß mich abkühlen, gehe also auf den Ji'riedhof, lese Grabinschrif- 
ten usw, (Traum 1), warte endlos auf den Schlitten (dessßu Nahen iUirigens 
das Klingeln zur Eolge haben könnte I), treffe langwierige Vorbereitungen 
(zweiter Traum), und .schließlich Traum drei, wo die wahrhaft prophe- 



I 



Dr. S. FerencBi: Die Nacktheit als Schreckmittel. 808 

tischen Wort*: Nimm dich in acht, die ganze Ladung wird zur Erde 
fallen, jetzt geradezu liumoris tisch klingt. 

Zusamoien fassend sei also festgestellt, daß es sich nicht um objektive, - 
Bondeni um subjektive Sinneserrvguug handelt, wodurch auf die Ent- 
stehung dieser Gruppe von Träumen ein ganz anderes Licht geworfen 
wird, 

Die nur angedi^'Utete Vermutung über die eigentliche Ursache der 
Entstehung dieser Träume (Übertr^ting oiaes zu erwartenden, imwili- 
komjnenen Geräusches in einen Traum) gestattet vielleicht eine wert- 
volle Ausbeutung. 

Schließlich erscheint die in diesen Fällen zwar leider unkontrollier- 
bare, aber scheiubar unterschätzte Länge der Träume in einem neuen 
Lichte, mindestens durch die gewonnene Erkenntnis, daß die Dauer der 
Txäumo unter besoiTderen Umständen subjektiv regulierbar ist. 



Die Nacktheit als Schreckmittel. 

Von Dr. S. Ferenczi (ButJapest). 

Das zufällige Zusammeutreffeu zweier Beobachtungen, eiues Traumes 
und einer Kindheitserinuening (jede bei einem anderen Patienten) bringt 
mich zur Annahme, d;iß die Nacktheit in der Kinderstube nnd im 
Unbewußten als A b s cli rock u ngs mi 1 1 el Verwendung linden kann, 

1. Einer Patientin, deren „grandc Hysterie" nacli dem uuerwartetoa 
Verluste ihres abgöttisch geliebten älteren Knaben wieder auflebte und 
die sieh in ihrem Lebensüberdruß unauKgosetKt mit Solbstmordplänen bc- 
sehäfl igte, träumte eines Tages u. a-, daß sie vor ihrem jüngeren Knaben 
steht und zaudert, ob sie sieh vor dem kleinen Jungen nackt ausziehen 
und sich waschen soll. ..Tue ich das," — :dachte sie sich - ,,so bleibt 
im Kindf unauslöschlich eine Erinnerung haften, die ihm schaden, ja 
ihn zu Grunde richten kann." Nach einigem Zögern tut sie es aber 
doch: sie zieht sich vor dem Kinde aus und wäscht ihren nackten Körper 
mit einem Schwamm. 

Der mit Anführungszeichen hervorgehobene Gedanke stammt aus 
dem Wachleben und bezieht sich auf dig Solbstmordabsicht; sie weiß, 
nuni Teile auf Grund psychologischer Lektüre, daß ihr Selbstmord auf 
das Seelenleben des als mutterlose Waise zurückbleil)eudcii Kindes eine 
verheerende Wirknng ausüben könnte. Anderseits hat sie — besonders 
seit dem Todo des Altesten — oft ganz bewußt feindselige Anwandlungen 
gegen das am Leben befindliche Kind; sie hatte sogar eine Phantasie, 
in der das traurige Los des Älteren auf den Jüngeiren übertragen wurde. 

Dieses aktuell besiehende Schvs-anken zwischen Selbstmordabsicht und 
Pflichtgefühl, zwischen Liebe und Haß gegen das vom Schicksal begün- 
stigte Kind wird aber im Traume merkwürdigerweise zum Schwanken 
zwischen der Exhibition imd ihrem Gegensatze. Das dazu gehörige Ma- 
terial holte die Patientin aus dem eigenen Erleben. Ihren älteren Knaben 
liebte sie so sehr, daß sie es niemals gestattete, daß er von jemand 
anderem, ;ils von ihr gebadet und gewaschen werde. Natürlich wurde 
diese J^iebc vom Knaben auch erwidert, ja, seine Anhänglichkeit nahm 
zeitweise ausgesprochen erotische Formen an, so daß die Mutter einmal 



i 



304 Mitteilungen. 

hierüber einen Ar/X zu Jtate zu zielieii sicli bemüßigt sa.\\. Sie wußte 
auch damals scbou manches von der rsyclioaualyse, getraute sich aber 
nicht, den Fall vor einen Paychoanalytiker zu bringen. Sie Initte Angst 
vor den Fragest eil ungcu, die sich so hätten ei^eben können. (Wir können 
hinzufügen, daß sie sich unbewußt vielleicht eher vor dem Verzicht 
t'ürchtete, den der Analytiker ihrer Zärtlichkeit gegen den "Sohn auferlegt 
hätte.) 

Wie kommt aber 'die Patientin dazu, die Situation derart umzukeliron: 
sicli vor dem zweiten Kinde mit dem Schwammn zu wuscher, anstatt daJJ 
sie den Erstgeborenen wäsoJit, wie oh in Wirklichkeit geschah? Wir 
können uns den Voi^ng dieser Unikehrung folgendermaßen voraLellen: 
Sie war im Begriffe, ihre Liebe auf dius lebende Kind '/.\i übertragen, und 
wollte nun dieses, wie bisher den äUcreu, wasclien. (Das W;i.sctiGn des 
Jüngeren war nicht so ausschließlich das Vorrecht -der Mutter.) Das 
hängt mit der Idee zusammen: Weiterleben I Doch sie bringt es noch 
nicht zu stände. Den Jüngeren so zärtlich v.a hch:iuü<:ln wie friilior den 
geliebten Toten, kommt ihr wie eine Entweihung vor. Die einmal ge- 
faßte Absicht wird aber im Traume doch durchgeführt, nur nimmt sie 
a7i Stelle des Jüngeren — sich selber »um Objekte dur JSoiviinderung 
und Zärtlichkeit und gönnt dem Kleineren nur die Tlnilo des Zuschauers 

— noch dazu in ausgesprochen böswilliger Absiclit, J'.s unterliegt keinem 
Zweifel, daü hier die Mutter ihre eigene Person rnit der des geliebten 
Verstorbenen identifiziert. Sagte sie doch unziililigo Male au Lebzeiten 
des Kleinen- „Der ist ganz wie ich", oder: „Ich und er sind eins." 

Diese überstarko Mutterliebe gab ihr aber C! ologenheit, ihren recht 
ausgesprochen infantilen Nar/.ißmns — anf das Kind übertragen — wieder 
eu besetzen. Zu diesem übertragenen Narzißmus jxittcte sie sicJi, weil ihr 
bei der sexuellen Objektwahl die erwartete Befriedigung versagt blieb. 
Kun wurde ihm auch das Kiud gemuht und der Narzißmus mußte sich 
in der ursprünglicheren Art manifestieren. Daß er sich gerade in Form 
der Exhihition äußerte, findet — wie ich vermute - in analogen infan- 
tilen Erlebnissen Erklärung. 

Unaufgeklärt blieb hier die Holle der Ex h i bi t i u n al s .Straf- 
nnd Schreckmittel, 

2, Ein anderer Patient hrachfe mir noch am selben Tage otwas sehr 
Ähnliches. Er erzählte folgende K i ud h o i t s er i nne r u n g, die auf 
ihn sehr starken Eindi-uck gemacht hatte: Die Matter crzälilto ihm als 
kleinem Kinde, ihr Bruder sei ein „Mtittersölmchen" gewesen; fortwährend 
sei -er seiner Mutter nachgelaufen, wollt© olmo. sie nicht schlafen goiien usw. 
Das halje sie ihm nur dadurch abgewöhnt, daß sie sich eininiU vor dem 
Kinde nackt ausge/.ogen habe, um es von ihrer P&rson abzn- 
schrecken. Die Maßnahme ~ so lautete die Moral der Erzählung 

— hatte den gewünschten Erfolg. Das Schreckmittel scheint sogar in 
der zweiten Generation, nämlich auf meinen Patienten, gewirkt zu liaben. 
Noch heute kann er nur in Ausdrücken tiefatcr Entrüstung über die 
Behandlung sprechen, die seinem Onkel zu teil geworden, und ich vor- 
mute, daß ,?eine Mutter ihm diese Geschichte gleichfalls in orniehcriöcher 
Absicht erzählt hatte. 

Nach diesen beiden Booliachtungen muß man sich denn doch die 
Frage stellen, "ob die Nacktheit wirklich ein geeignetes Mittel ijoin Ab- 
schrecken überhaupt, oder zum Erschrecken eines Kiudos sein kann. 
Und diese Frage kann bejahend ^antwortet werden. 



r 



m 



I 



Dr. S. F«reiiczi: Die Nacktheit als Schreckmittel. swjft. 

Wii- wissen von Freud, daß verdrängte Libido sicli in Angst um- 
wandelt. Was wir von Angstzuständen der Kinder bisher erfahren haben, 
ist in dieser Hinsicht sehr eindeutig: immer handelt es sich um über- 
große Libidosteigerungen, gegen die sich das Ich zur Wehr setzt; die 
vom Ich verdrängte Libido verwandelt sich in Angst und die Angst 
sucht sich dann seknndäx geeignete Objekte (meist Tiere), an die sie 
sicli heften kann. Die Empfindlichkeit des Ich gegen Libidosteigerungen 
erklärt sich aus den von Freud festgestellten zeitlichen Verhältnissen 
zwischen der Ich -Entwicklung und der Entwicklung der Libido. Das 
noch ungeschickte Ich des Kindes erschrickt vor unerwarteten Libido- 
quaiititäten und vor übidinösen Müglichkeiten, mit doien es noch nichts, 
oder Jiiclits mehr anzufangen weiß. 

Es ist möglich, daü das Volks be wußtsein eiae Ahnung von diesen 
^'erhältnisaen hat, so daß es sich hier nicht um den absonderlichen 
Einfall einzelner handelt*), Nachforschungen dürften ein häufigeres Vor- 
kommen von Eraiehuugs- und Abschreckungsmaßnahmen feststellen, bei 
denen es sich darum liandelt, das loh durch inadäquate Libido- 
arten resp. -quantitäten einzuschüchtern. 



J) Auch im Volksglauben spielt die Nacktheit (respektive Entblößung, beson- 
ders einzelner Kürperteile: der Genitalien und des Hinteren) als Abschreckuugs- 
und Zaubermittel 'eine große Rolle, 



sog Mitti^ilungeii. 

Die Bedeutung der Psyclioiuialyse für die ölfentliclieu 

Irrenanstalten. 

In ihrer DoktordissortaLiuii über „l,)ii; Dau*!!' der AnstiUtfibeliandUing 
dßr Schizophrenen" kommt Fruulcin L, Rähiui in recht iutcressa.nl.or 
Weise auf die Psychoanalyse zu spivchen. Sic niibcrsucht <lio auf falle iido 
Tatsache, daß au der Zürcher kantonalen Irrenanstalt läurghülali 
im Jahre 1909 die Zahl der EnÜassnngeii plöUHch um 'ä4."iu und in den 
folgenden Jaliren sogar um rund IOO^/ü ziiiia.hni. Ihr Ergebnis lautat: 

„Man hat jaJirelang nach den unmittelbaren Ursaclien dieses xwoiton 
Anstieges (der Entlassungen) gesuclit und nichts anderes gefunden, als 
das psychoanalj' tische Studium der Kranken, das, in den ersinn Jahren 
vorher begonnen, damals auf seiner Höhe war. Das Eingehen in die 
Psyche des Kranken hat ein besseres Verständnis ihrer Abnormitäten 
und ihrer Bedürfnisse ermöglicht; man steht ihnen nichL mehr so fremd, 
in den meisten Fällen gar nicht mehr fremd gegenüber wie früher, 
man kann den richtigen Zeitpunkt für Versetzungen in der Anstalt und 
nach außen viel leichter finden, man. ist üterhaupt viel weniger mifs 
Tasten angewiesen, oder man weiß, inwiefern man tasten kn.nn oder 
soll — kura, man tappt weniger im Hunkeln als friilioz". Und dalxii 
ist her\'orzubeben, daß seit mehreren Jahren schon aus Zeitmangel die 
Psychoanalyse in gründlicher Weise nur noch gana ausnfihmfl weise an- 
gewendet werden kami. Es ist das im allgemeinen gewonnene Verständuia 
der Psychopatliologie, das den Fortschritt gebracht ha(, nicht die ge- 
nauere Untersuchung des einzelnen Patienten, die im üegentci! bei dem 
rapiden Anwachsen der Aufnahmen immer küiKer werden muß. Aber 
sie konnte kürzer werden, weil man besser wulite, worauf es ajikam, und 
aus Kleinigkeiten sichere Schlüsse y.u Kiehen geleo-nt Ijat." (S. 11,) 

Die Zusammenfassung der ganzen Arbeit lautet: ,,Mötrliehst friilio 
Entlassung der Schizophrenen ist ein großer Gewinn. Unter den /.ahl- 
reichen Mitteln, die anzuwenden sind, um zu diesem Ziele zu kommen, 
ist eines der wichtigstea die genaue Konutnis der Psyohe des Kranken, 
wie sie die Psychoanalyse vermittelt. Sie erleichtert nicht nur die frühe 
Entlassung frischer Fälle, sondern führt auch v.ur Enthwsuüg langjäh- 
riger Insassen, wodurch die Zahl der zum Wechseln verfügbaren Betten 
und damit die Aufnahmsfähigkeit einer Anstalt wesentlich orhüht wer- 
den kann." i 

Durch dieses Zeugnis Tvird die Behauptung widerlegt, daß die Psycho- 
analyse für Irrenanstalten und Anstaltsärzto ohne Bedeutung sei, da 
die Zeit mangle, sich im Gi-oßlwtrieb auf Analysen einzulassen. Frei- 
lich aber ist zu erwarten, du.O auch der AnHla.ltsiurxt, um den giin/,en 
Gewinn der Analyse einzuernten, ©ine- gründliclie analytische Schulung 
erworben habe. 

P f i s t e r. 



J 



i 



W 



Varia. 

Dfliihniä und Chloe, 

der apätgriechiaclie Hirt«iiromaii des Longos, enthält eine hübsche Stelle 
über den tagosrestltc-hen Inhalt erotischer Tränme. Die beiden, in Liebes- 
eachfii gilnziich uiierfah reuen Findelkinder klärt der alt« Ziegeiihirt 
Philetaä über die Macht des kleinen Gottes Eros auf und belehrt sie, 
daU'gegen ihn kein Mittel lülft, „als Kuß und Umarmung und Ziisammen- 
licgcu mit uackleu Leibern". Dem Kate gemäß ,, küßten sie am jiächsten 
Tage eiiiiiiidcr. was sie nie vorher getan hatten. un<l iimfaJJten sich 
mit ver.selilinigenen Armen; das dritte Mittel aber, das Auskleiden und 
Niederlegen, aügert*? noch; denn es war zu dreist, nicht bluß für Jiing- 
fraueii, sdiideru auoh für junge Ziegenhirten. Und die Nacht kam wie- 
der, mid Schlaflosigkeit mit ihr, und Sinnen über das Geschehene und 
Unmut über das Unterlassene. ,Wir haben geküÜt: und es hat jiiehts 
g^-holfen; wir haben uinaiint; und auch ohüo Nutzen. Zusammenliegen 
ist also das einzige Mittel der Liebe; auch dieses muß versucht wer- 
den. Sicher ist in ihm eine größere Kraft als in dem Kuß.' Bei 
solchen Gedanken erblickten sie denn auch, wie zu er- 
warten, Träume der Liebe, Küs.se und Umarmungen, und 
waa sie am Tage nicht getan haben, das voll brach ton 
sie im Traum, und lagen entkleidet zusb. mme n". 

0. Ji. 

Dostojewski über den Tramn. 

Im ..Jüiigliug" (Ausgabe l'iper und Co.. Müncheu 1918, Band II, 
Seite IS.')) schreibt Dostojewski: „Dieser Traum beweist, da.ß alles 
dies in meinem wollüstigen Herzen schon lä-ngst gekeimt hatte und in 
ihm lag, in meinem Wunsche lag, aber in wachem Zustajide hatte 
mein Her/ sich dessen noch gc a c h am t und mein Geiat natte noch 
nicht gewagt, sicli etwas Ähnliches bewußt vorzustellen. Doch im 
Sclilaf \md Traum verriet und zeigte meine Seele, was in meinem Herzen 
war, zeigte es in deutlichen Bildern, der Wahrheit getreu und in pro- 
phetischer Form." ^ E. B. 

Munruü .Tokai über den Traum. 

„Und erst die Träume! Der Traum ist der Zaubcrspiegel, in welchem 
der Mensch sich so sieht, wie er wäre, wenn seine Triebe und Wünsche 
allein maßgebend wären. Der Kalüe hat im Ti-aum Haare. Die Angebetete, 



308 Varia. 

die er im wachen Zustand nicht zu erreichen vermag, awiügt. der Mensch, 
ihm im Traume zu ersclieineu, und so zu orscheineii, wie es ilim bo>- 
liebf." (Aus ,, Schwarze Diamanten".) 1^- H. 

Strindberg 

sagt über den Siiiu der Symptome eines Gciateak ranken: 

,,Dei' Geisteskranke zieht seit drei Jahren die Kleider aus 
und hätlt die Arme in die Höhe, wie ein aJitiker Adorant oder ein 
Säulenheiliger. Dann rate ich, wer es isti Es ist der, welcher Witwen 
und Waisen ihr Eigentum geraubt und sie diircli liiitnig, aber mit 
gesetzlichen Mitteln entkleidet liat. Siehst du, ea gibt andere Ge- 
setze als auf dem Gericht." 

Und diese durch die Psych oanaly.'ie wissenschaftlich gorochtfertigto 
Auffassung auf alle Krankheiten ausdehnend, gibt er in nuce eine Dar- 
stellung der pay choanaly tisch-th er apeu tischen Wirkung bei den N e n- 
rotikern: 

,,Ieh glaube, alle Krankheiten sind Folgen der Sünde. ]Jie körijcrlicho» 
Kjankheiten werdeJi ja aucli in Analogie mit den geistigen geheilt. 
Zuerst wird maji zu den demütigen JtekcuntniasOJi vom Arzt 
genötigt (Beichte). Darauf wird man vun ihm zur B u ü e viTUilcill ; 
bittere Kräuter, Fasten, strenge Beobachtung, Entsagungen; und oft wird 
einem auferlegt, Gewohnheiten, Laster abzulegen, Gemütabcwegungea 
zu vermeiden, an hellere Dinge zu denken. Wenn m;i.ii (hum geheilt 
ist, geht mau zum Priester (Arzt), um zu dauköJi und zu opfern. Und 
dann wird einem geraten: Hüte dich jetzt vor dem Rückfall, das heißt 
übersetzt: Geii und sündige hinfort nicht mehr! Ist daw iiictit dasselbe? 
Aber wie behandelt ihr die Gemütskranken liier, die Scelcnkranken, die 
Seelsorge haben solltenf Ja, ihr gebt iliueii kaltes Wasser und Mor- 
phium!" C.Die gotischen, Zimmer", 1%4.) 0. K. 

E. T. Ä. Hoffuiaiiii iihor die liüwulJtseiiisfunktion. 

In dem au meisterhaften Sciiihlcrungcn jjathologischor Geistes- 
zustände reichen Roman .,Die Klixiere des Teufels" (II. Teil, Ucsscs 
Ausgabe, S. 210) tni.stet S c h ö u f e 1 d den vorübertjehoud howußtsoina- 
gestörteu Helden mit folgenden Worten: „Was haben Sie denn nun 
davon I ich meine von der besondei-en Geiatesfunfction, die mau Be- 
wußtsein nennt, und die nichts anderes ist, als die verfluchte TJiätigkeit 
eines verdammten Toreinnehmers ~ Aooiseofficianton — U}jcrkontroU- 
assistenten, der sein heilloses Komptoir im Oberstübchen aufgeschlagen 
hat, und zu aller Ware, die hiiuius iviU, sagt: hui , . . Iici ... diö 
Ausfuhr ist verboten ... im Lande, im Lande bleibt's. •* S. F. 

Triati-aiu Shandy von Lam-euco Sterne 

enthält an einer Stelle eine Voraiiuung mjuicher Ergebnisae der Psycho- 
analyae, die in Übersetzung lautet: 

,, . . . und CS wundert mich keineswegs, daß Gregorius von Nazi- 
auzum, als er an Julian die schnellen und unstiLten Gebärden wahrnahm, 
voraus sagt«, daß er eines Tages abtrümiig werdon. würde; -- oder 
daß St. Ambrosius seinen Amanuensem, wegen einer unanständigen Be- 



r 

P 



Varia. 



309 



wcgimg mit dem Kopfe, der ilitu vvii; ein Droächflegel hin und hör 
ging, wegjagte. - - Oder daß Deiuocritus gleicli merkte, daß Protagoras 
ein Gelehrter wäre, weil er ihn ein Bündel ReisJiolz binden nnd die 
dünnsten Reiser in die Mitt« legen sah. — Es gibt lauäoud uuL>cincrkte 
Öffnungen, fuhr mciii Valer fort, durch welche ein scharfes Auge anf 
Kintnal die Seele entdecken kann ; und ich behaupte, fügte er hinzu, 
daß ein vernünftiger Miuin nicht seinen Hut niederlegen karui, wenn 
er iß ein Zimmer konunl. — oder aufnehmen, wenn er hinaus geht, 
oder es entwischt ihm etwas, das ihn verrätli." (VI. Teil, V. Kapitel.) 

St. 

Eine literarii)che Verwertung des Vatermordes 

findet sich in der kleinen Erzülilung ,,B i 3 i n .-i dritte Glied" in 
„Was Vrouw Grobelaar erzählt" von Perceval Gibbon. Der A''ater 
ist Trinker, hat Frau und Töchtern Verderben gebracht und lebt mir 
noch mit dem nüchternen Sohn. Eines Tages geraten sie in Streit, 
„kämpften in dem Zimmer wie Tiere. .Schwein' sagte der Sohn ku 
seinem Vater: , Schwein und Biest I Packe dich aus diesem Haus hinaus 
ins Feld. Du bist nicht mein Vater. . . . Wenn du sterben willst, so 
stirb auf der Straße. Ich habe dir seit Jahren den Tod gewünscht !' 
Mit seinen beiden mächtigen Fäuslen hat er den Alten niedergehaut, 
greift in dessen weißes Haar und zerrt ihn über die Stufe in den 
Hof und schleift ihn zum Tor. Da schlägt der alte Mann .seine Augen 
auf imd spricht mühsam: ..Laß mich hier, mein Sohn! So weit habe 
ich einst meinen Vater geschleppt I" E. H. 

Btlmologische Parallele zu eiaer infantilen Soxnaltbeorie. 

In dem Werke ..Die geistige Kultur der Naturvölker" (Verlag B. 
G. Tcubner). das in gedrängtester Zusammenfa,ssung die Eorschungs- 
resultate der Ethnologie darzustellen sucht, führt K. Tb. Preuß (S. 103) 
aus: ,,Erxahhmgen. wie die richtige Art des Eeisohlafes eingeführt wurde, 
und wie es früher damit bestellt war, sind gar nicht selten. Ebenso 
erzählt ein Eskimomythiis, daß früher die Kinder im Mutterleibc durch 
den Beischlaf genährt «•\irden und iirspiTinglich überhaupt nicht darin 
waren, sondern im Grase gefunden wurden, bis eines von ihnen an den 
Stiefeln einer Frau in die Höhe und in ihren Leib kletterte. Übernatür- 
liche Geburt durch Genießen einei" Frucht n. dgl. liegt der Phantasie 
an sich daher gar nicht fern und hat daher nichts mit einer tat- 
sächlichen vollständigen Unkenntnis der Beziehung zwischen Beischlai 
und Konzeption zu tun." Es Hegt also liier eine ,,Muttcrloibsphantasie" 
vor, in welcher der Penis die Funktion der Mamma, der Mutterbrnst, 
ausübt. Auf eine derartige typische infantile Sexualtheorie hat Freud 
schon in seiner ,,Dora"- Aanal yse hingewiesen und dai-auf aufmerksam 
gemacht, daJä der Ursprung dieser Phantasie wahrscheinlich die Beob- 
achtung des Kuheuters sei. aLso einer Mamma, die nach Gestalt und 
Lage leicht für den, vom Knaben bei jedem Lel>ewescu als vorhanden 
vorausgesetzten Penis gelialten werden könne. Wie ersichtlich, nimmt 
Preuß den auch von Freud in „Totem und Tabn" eingenommenen 
.Standpunkt ein, daß derartige Phantasien nicht als .Beweis der Un- 
kenntnis der tatsächlichen Beziehungen zwischen Beischlaf und Vater- 
sohait gelten können. g. 



310 Varia. 

Ein Anaspraeh Ludwig XV. über di« Analerolik. 

Der Ablje Duboi;! beklagte siüJi beim Küiii^ über diu ononnoii Aus- 
gaben der Herzogin von Maine, welche ilaniül« wegen Verschwiirung in 
der Eastille eingesperrt war, für ICIyötiere. Der Fürst antwortete: ,,Herr 
Abbö, sie liat nur mehr dieses Vergnügen, man muß es ilir la.saen." 
(Zitiert nach „L'esprit du X.VII1 ' Siecle" von Georges l'ierredou. IWis 
1913.) 

„Der französiBclie Witz." 

Epigrammsammlung. Ausgewählt von E. W. (i unter (bei Albert Langen, 
Verlag, München) enthält folgenden JJeitrag zur Analerotik: 

,,Die Komtesse de Mauii? glaubte immer, irgend ein achlimiiies Lei- 
den zu haben, und hatte daher ständig ein Klistier im Leibe. Eine 
ihrer Verwandten hinterließ ilir einiges Vormögen, und daruntci" auch, 
als dessen beträchtlichsten Teil, eine gute Anzahl Goldtaler, dio 
diese Frau, icli weiU nicht in wclclier Laune, in einer Spritze 
verwahrt hatte 1). Mme. de llambouillot sagte: „Da kommt also 
der Komtesse de Maure etwas Gutes zu in der angenehmsten Forta, 
die sie sich wünbcben kann." (Tallemaut des lliiaux.) 1!. li. 

Gold nnd Kot. 

ÄQS Ludwig TieckB „Fortunaf. 

(Die Knechte sprechen über die gciieiranisvolle Quelle des Keich- 
tums ihre,^ Herrn.) 

Adam: , . . so üind nun von (iel'a innigen Mäiineni sclion viele 
Geheimnisse entdeckt, und so kann jene wundcHiolio, iK'inahc abge- 
schmackte, von vielen Kunstverständigen für unanständig erklärte Figur, 
die manche Leute wohl ihren Kindern «u Woihna.chten zu schenken 
pflegen, doch auch als alte Sage und Tradition ihren guten Grund in 
der Wirklichkeit halxni imd Euer Herr ist vielleicht selbst ein solches 
Männchen. 

Daniel: Teufel, Adam, Ihr seid ein ticfainuiger Denker, Ilir bringt 
mich da auf einen nagelneuen Gedanken. So müßte man nur einen 
rechten Gelehrten über ihn schicken, um seine Beobachtungen über solch 
Katurwmider anzustellen. 

Adam; Der Lamadienst hat gewiß dieselbe Veranlassung gehabt, 
der erste Dalei Lama war ein so Iregabter Mann, seine Naelifolger liaben 
es ihm freilich nicht nachmachen können und darum verlallt dio Jto- 
bgion auch von Jahr zn Jahr. Der eigontüohe wahre Lamadieiist ist 
in der ganzen kultivierten Welt verbreitet. 

(Die zweite Rede Adams spielt auf den Aberglauljen an. duIJ das 
Exkrement des Datei Lama von .seines Anhängern als göttlich verehrt 
nnd alH lieilige Speise genossen wurde. Im letzten Ratz dieser Rede 
wird die Gleichstellung von Gold und Kot, die der ganzen ötellc zu 
Grunde liegt, direkt ausgesprochen.) H. S. 

') Gesperrtes vom Ref. hervorgehoben. 



Zur psychoanalytischen Bewegung. 

Dr. llcriuatiti P r o t s: e, der den I^aern unserer Zeitschriften als 
Vorfaseer des im laufendea Imago-Jabrgang (Heft II) erschienenen Auf- 
eatziea „Der Banm als totemistiselies Symbol in der Dichtung" bekannt 
ist, verstarb im lieurigen Sommer als Assistenzarzt der Khrenwallachen 
Kuranstalt in Ahrweiler. 

Eine Poliklinik für die seelische Behandlung ner- 
vöser Leiden in Berlin wird von der Zweigvereinigung Berlin 
der „Internationalen Psychoanalytischen Vereinigung" gegründet. In 
einem längeren Artikel ..Psychoanalyse der Massen" („Vos- 
sische Zeitung" vom 24. August 1919) begründet Dr. Krnst .Sinimel 
eingehend die Notwendigkeit einer solchen Institution im Interesse der 
Volksgesnndheit. 

..Psychoanalyse und Universität" heißt ein Artikel von 
Dr. Hans Ljcberniann, Berlin („Der Kritiker", 1919, Nr. 15, 14. Juni), 
in welchem die Notwendigkeit begründet wird, die Psychoanalyse als 
llnten-iehtsfaeh an der Universität, und zwar sowolil in die mediziuiaohe 
wie in die philosophische Fakultät, einzuführen. 

Dr. Müller-Braunschweig (Berlin) liäJt im Rahmen der Ver- 
anstaltungen des ..Instituts für Sexualwissenschaft" in Berlin einen von 
etwa 70 Akademikern besuchten Kurs „E i n f ü Ji r u n g in Freuds 
Psychoanalys c". 

Die ,,B iblioteca Psichiatria Internazionale", heraus- 
gegeben \oii Prof. M. Levi-Biauchini, bringt soeben als Nr, 2 
Freuds ,.n Sogno" („Über den Traum", 2. Aufl. AViesbaden 1911)' 
im Verlage ,,11 Manicomio", Nocera superiore (Salerno). Auch die wei- 
teren angekündigten Nummern (Nr. I von Freud ,, Sulla l'sicoanalisi") 
bringen psyclioaualy tische Arbeiten. 

Dr. HonorioF. DelgadoinLiuia hat im I. Jahrgang (1918/19) 
der in Peru erscheinenden ,,lieviata de Psiquiatria y Disclplinas conexas" 
einige ausführliche Arbeiten psychoanalytischen Inhaltes veröffentlicht: 
„La Psiquiatria Psicoiogica" (I, 3, Enaro 1919), „El Paicoanalisis en 
aus aplicaciones ex traps iquiatricafi" (Ootubre 1918), ,,La nueva faz de 
la psicologia normal y clinica" (Julio 1918); ferner in anderen Zeit- 
schriften: ,,E1 Psicoanaiisia" (Anales de la Facultad de Medicina, März — 
Dezember 1918), „La ontc^enia dcl instinto sexual y la subconsciencia 
aeguji el psicoanalisis" (Revista de Criminologia, Psiquiatria y Medicina- 
Legal, Buenos Aires, Mar.-^Abr. 1918), „La rehabilitacion de la inter- 
pretacion de los sucBos" (Revista de Criminologia etc., Juli — Aug. 1918). 
Der Autor hat sich, nach seiner eigenen Mitteilung, die Aufgabe ge- 






n 



312 



Zur payciioansLytiBulien Bewegung. 



stellt, die Psyclioanalyse in den r.üiiderii der apaiiisclioii Sprache zu 
verbreiten und würtligen ku lehren. Nebst ArLikeln in den Zeitachrifteii 
seines Vaterlandes sowie des gleichspracliigeii Auslandes veröffciitlicbtL' 
er auch eine größere Abhandluuf^ ülier Psyclioanalyso in Buchform, die 
sich in 2. Auflage in Druck befindet. Seit mehr als einem JaJire liat 
er die ,,R«vista de Psiquiatria" begründet, deren Hauptzweck die Ver- 
breitung der psychoanalytischen Gedanken ist. Alle seine Arbeiten, die 
auf einer gründlichen Kenutiiis der gesamten einschlägigen Literatur 
basieren, zeugen von einem guten Verständnis und besonderem Enthu- 
siasmus für die Sache und sind geeignet, weitere Kreise in dos Autors 
Vaterland für die Fragen der Psychoanalysü ku iiiteressiei-on. 

Von H. W. Prink (New York) erschien (bei Ileinemann, LondoiO 
1918 ein kürzlich bei der licdaktioa eingegaugoues Buch „M o r b i d 
Fears and G o mp ul s i ons", Their psycho!, und payclmaualyt, Treat- 
ment. Mit eiiier Vorrede von James J. Putnain. 






Bibliograpliie. 



Die im Jjilnijajiy II, I9I1, Heft 4, S, 418, durch die Kiiegsereignisse 
unterbrorhene Bibliographie wird hiemit wieder aiifgenomme]!. Die Ile- 
daktion war bemülit. die Kontimiifcät der den Fs_ychoajia.lytiker inter- 
essierenden Publikationen herzustellen und bringt nachstellend eine nacli 
Matfiieu freurduetü ZuaammeustüUuiig der acit 1914 erschienenen Ar- 
beiten. Ausgenommen sind die rein psyclioanaiytisclien Ver- 
örfentlioliungen, deren eingoJiende Würdigung dem in Aiissicht genom- 
menen ..Jahresbericht über die FortscliriLti» der P.'^yuhoanalyse" vorbe- 
halten l>kMbt. Dieser, an Stelle des ...Tahrbuqli der Psychoanalyse" er- 
scheinende ..Jalireabericht" wird an den letztveröffentlichteu (im VI. Band 
dos Jahrbuches. 1314) anschließen und dirsmal den Zr^itraum von 191-1 
bis 1910 umfassen. 

Psychologie. 

Abfttiuowski Eduard: Die Quellen des Unterbewußten und .seine Äußerungen 
(Psychologie der Wahrnehmung und der „namenlosen" Zustande [polnisch], 
Warschau, Druknrnia Polsk« 1914). 

Anton G.: Aus der ärztlichen Seelenkonde, Macht des Geistos über den Körper 
(3 Vortr. f. Ärzte, Lehrer, Erzieher, Berlin 1918, Julius Springer). 

Heck Rudolf: Studien und Beobachtungen Ober den psychologischen Einflall der 
GefahrfArchivfftrdiö gesamte Psychologie, 11. August 1914, 83. Bd., l,u.2.Heft). 

Ucrzo Josef: Ober die Bedeutung der Psychologie für die Psychiatrie (Psychiatriaeh- 
neurologische Wochenschrift, Nr. 15 o, lli. 19U). 

liibliographie der deutschen und ausländischen Literatur des Jahres 1914 (Zeit- 
schrift für Psychologie, Aogast 1914, Heft b und ti*. 

Bikeles G.; Bemerkung über den innigsten Konnex zwischen paychisclien Vorgängen 
und somatischen Eracheinungen bei Affekten (Zbl. f. Physiol, 32, 1918). 

Itieuler !■:.: Psychische Kansalit&t und Willenaakt (Zeitschr. f. Paychol., Mai 1914). 
— I)io Notwendigkeit eines medizinisch-psychologischen Unterrichtes (Leipzig 1914). 

B rannshausen N.: Einftlhraiig in die exper. Psychologie (Aus Natur und Geist es- 
ivelt 48i, Leipzig I9iö [Verteidigung' Freuds]). 

Bruce H. A.: Psycbolopy and parenthood iNew York 1915). 

Crilu G. W.: The origin and natnre of the emotions (London 1915). 

Deutsch 3.: über individnelle lK>uiniungen der Aufmerksamkeit im Schulalter (Bei- 
träge zur Kinderforschung und Heilerziehnng, Langensalza, Heft 37). 

Ewald 0.; Zur Psycliologie des Cynikers (Logos .'), 1915, H. 3), 

Forel August: Ober unser menschliches Erkenntnisvermögen (Beitrag z. wissenscbafü. 
determinist. Psycho!., Leipzig 191.^, J. A. Barth M. —.80). 

Zflticht f Irill FijcbmuIjM. \li. 21 



314 



Bibliographie. 



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Fachs Dr. W. : Genie and Norm (Psychiatr.-mjurol. Wochenschrift, 8. Aag. 1!)I4). 
Ftith Prof. H.: Ober den Einfluß unluatbetonter Affekte auf die Entstehnng ateriner 
Blutungen (Zeitschr. f, Sox.-Wias., 1915). 

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Korrespondenzbljitt 

der Internationale« Psychoanalytischen \'ereiuiKimg. 

Nr. 4. 1919, Oktober. 

Kotlnktion : 

Ur. BADdor ForeiicKi, Ur Antun v. t'ruuiiiJ, 

ZonImlpiAalilanl. /.enIrMtvkroKli, 



Offizielle Mitteilun^ii. 

An diu Vo rs i t zend cn der Z weig- v c r« i iii g u n g'o». 

,,Als ich iin SepkmlKT l!)iö die \\';ilil /.iim Zwil fiiipi-aHidcjili.iii 
der In-ternationalcn PsyclwaiKilytisclmii \'oioiiiifj,'uiig lumahiii. I11.I ich 
es in der Voraussetzung, daü aicli bald iioruiülu Vi-rhilltiiiario her- 
stellen und Jiiir cniiÖ^Uchcu werden, den Vuritciir mit di>ii ciüZL>iiieii 
OrLsgrupi>eii aufzunehmen. 

Es ist ajidera gxjkoiiiiucn. Muiii Wohnort, liiidaiicst, bLiub 
monatelang von jeder ICoiiimuiiikal iou ab^'e.spciTt und ist Mirlt jiitjit 
noch füi- Briofi! und sonsti^vo «tiiidung«!!! aiißoi'in-denUich Hcliwor er- 
Jtichbai-. Unter Kolduen \'ürIialtniK,si.'ii konnlo ich von dem Vv.i- 
gramm, da.s ich nU Präi^idoni vcrwiric liehen wnlHo. nichl. mir' 
nichts verwirk ILchyn, sondern iitclil wiiimat den nornialcu (ieKL-liitfl*- 
gang des Präsidium.s, trotz cifrigiT Uill'e. uiisorcs /<'nliii!sr,lircf,irfi 
Dr. von Freund, auiVechlerliiilti-n. 

Vor kurzem sah ich mich deuu aucli bemüßigt, die W'ifUcr Jiwoig- 
Vereinigung mit der Vertretung des Zi^iitrHlpriisidiuinH zu l«d.r(uxen 
(siehe Kon-.-Blatt Nr. ;h. diese Zcit^cliril'1,, S, 2SU). 

Da ahei- .aueh Wien von den Verivi'hra.qtiiruiigi'n. die mich zui' 
Verlegung des rräsidiuniHttzcs veranlaßt liaheti, nicht gimü fri-i 
blieb, mußte ich mich zu einer rodikaleixin Liisimg ont.-chlioßeti. 
wollte ich nicht, daü wichligt; Vi^i-einsintew^ssflu iul'olg(^ dicwer Ver- 
hältnisse geschädigt weRleii. 



I 



KorraBpaniienzblatt der Internationalen Psyclioanalytischen Vorein igimj;. 329 

Ich ilb<!Hrug darum l>ei ctuem vorübe rgcliendeii Aufentiialt in 
Wieii d*'iii dasidbst aiiwosendeu Voi-stand ihn' eiigliacheii Ortsgruppe, 
Dr. Eriu;sl .Jones iu London Wl (111 H;uley Strei't), interimi- 
sliscli die Zentralleiluii^ der IiiU^rniHtiorüileu Psyclinaualytischen Vtir- 
piiiigung mit dem Ersuchen, aus den ^[itglkdürn seiner Gruppe einen 
Si'kretär zu wählen. Junes nalim die Bolrauung an und bestimml© 
dt>n Dozenten für Psyeliologio John f ' ii r I Flügel in London NAV 
(.11 Alberl Houd) zum Zentralsekrclüi-. 

Bis zum nächßttfn Kongreß ul»ernininit also l)r. Jones nlle 
stjitutenguniiiß dem Zentralpriisidenten zusioJicnden Hechie und 
rniehlen, u. a. die Bedaktion des Korn?spondenzblattes und dio 
Sjunmlung der Mitgliedsbeiträge für dio Internationale Psycho- 
analylische Veneinigung. Die auf die deutschsprachigen nft'izißUen 
Vereinsorgime (..Internationale Zeitsclirift für Psychoanalyse" und 
..Fmago") bezüglicheji Verlags- respektive Abonnemontsangelegen- 
heilcn verbleiben auch weiterhin beim „Internationalen Psychoana- 
lytischeji Verlag", Ges. m. b. H. in Wien, I., Grünang«rga,sse 3—5. 
Ich ersuche die Herren Vorsitzenden der Zweigvereini "■ungeu, 
mit -dem stellvertretenden Zentralpräsidenten, Dr. Ernest Jones, 
ehebaldigst in Verbindung zu ti-et«n und ihm all die Unter- 
stützungen imgedeihen zu lassen, die sie mir infolge der Ungunst 
der Verhaltnisse nicht gewähren koimten. 

Im übrigpji behalte ich mir die Leitung des nächsten Kon- 
gresses, der die definitive AVahl des neuen Zeutralpräsidenten treffen 
wii-d, vor. 

Wien, am 3. Oktober 1919. 

Dr. S. Ferenezi ni. p.-' 

\' erlogung des Präsidiums von Budapeat nach London. 

,Jndem ich bis zum nächsten Kongreß die interimistische Lei- 
f iiiig der „rnternaiionaleii Psychoanalytischen Vereinigung" über- 
nehme, füllt mir auch die Aufgabe zu, die laufenden geßcbäftliclien 
Angfleg<.'nliei1en der Zentrale abziiwickelu unil bis zum nächsten 
Kongreß weiterzuführen. 

Teil halte mich dabei im allgemeinen an das im „KoiTGspondenz- 
blatt" Nr. 2 (vom April 1919, m Heft 2 dieser Zeitschrift) verüffent- 
lichf.e luvvisoriscbo Statut der nunmehr zurückgetretenen Budapester 
Zentral leitung. welches auf dorn seit dem II. (Nürabei'ger) Kongreß 
09IUi nux-erändert gebliebenen Statut der ,J. Ps.-A. V." basiert. 

Nun kunntf sich Punkt \' dieses provisorischen Statutenentwur- 
fes, der über die „Beitrag-« der Mitglieder" handelt, be- 
greif lidier weise nur auf die zur Zeit der Abfassung in Punktion 

Kclwuhr. f. timll. Pt^KhauwlfH, Tr4. äS 



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330 Korreepondenzblatt der Internationalen Psyclioanaly tischen Voreinignng, 

gewes<'neii alti^ii OrUs{j;rup|j<'n B'crlin, IJ u d a p c s t. Wien iHizielimi 
imci fnthioll di'iiuiacli aiidi nur die Mii^'licdslK'ifril^"-^ in M;irk iiiid 
Krone II wjiiirmig sixjzialisieit. 

Früher als zu erwarten wax, luibcn ahcr die ijizwisclujii liiii/ii- 
^■okommenen konliiioniaJeii Zweigvereinigungen ilin? V'i't'l.iiiiiliin,e; niÜ 
der Zentralleitung hergvsiellt luid ihr« Boiiriige ganz iruU)maliscli 
in Kronen abgcführi, mit Aiisnixlnin' der wieder rekoiisti'niejrloii 
alten überseeischen Zweigvereüiigimgen in I-Inglaiid und Amerika, 
die his vor kui'zem keinerlei Verliiiidimg mit di^ra Kontinent hatten. 

Indem die. neue Zonlralleiinng in J.ondon, in Anheirnr'hl do.r 
komplizierten Verhältnisse für diesmal auf Nacli^caiilung tlcr durch 
die Kroiienzahlung entstandenen valutüvisclieii Differenzen verzichlel, 
bringt sie allen Zweigvereinigungen in Erinnerung bzw. zur Könnt - 
nie, daß, insolangc der Kongreß niclit eine .statiilongenmße Änderung 
vorgenommen hat, Punkt V der Statuten von 1910 vollinhaltlich 
in Kraft bleibt, welcher folgendermaßen laul-et: 

„Jedes Mitglied entriohl^t an die Zentralleitung einen }il.]w- 

lichen Mitgliedsbeitrag von 10 l<'rankcn (10 Kronen, S Marlt, 

2 Düllara)", 
wolwi die in Klammem stehenden üetrilgo nur die dajimli^> Wäli- 
rungsi-elation gegenüber dem diuiiiils Iwi de,r Zürieher Zentralleil.uug 
zu entrichtenden Frankenbeifrag anzeigen soUleii. der aucli liis unl' 
weiteres in Geltung bleibt. 

Dagegen muß mit liücksiclit darauf, daß die „fnlernationalc 
Zeil-schrift für ärztliche Psychoanaly.se" imd ..IJHiigfi" seit Fest- 
setzung dieses internationalen .Tahresbeilragcs zu offiziellen Vereins- 
orgimen geworden .sind, die jedes Mitglied auf liruiid seinem Orla- 
gruppenbeitrages auifflnatiseh erhält, in deii Bezug.<hetliiiguris'c-ii der 
Zeitschriften an die Mitglieder eim? Änderung eintreten, l)ezüglieh 
tlej-en praktischer Durclifülirung auf die Verlagsanküudiguiig der 
inneren Umschlagsseite verwiesen wii'd. 

Diese /indenuig erfolgt unter dem Zwange einer Vernrdiuing 
des Sfaaisanites für Finanzen in Wien, wonach der Verkimf von 
deutsclui.qten-eiehischen Frzeugnissen ins Ausland nur in der Wäli- 
rung des Eczugs-staates gestattet ist, 

Um nun trotz dieser valularisehen Maßnahme den ausläiidiseJu^ii 
Mitgliefleni. keine Melirbela.stung gegenüber (h'ni \'<iikri('gs hei trag 
aufbüi-den zu niüs.sen, liat sieli die Zeniralleitung Im l-^inv<MiieiviniMi 
mit der ^'erlagsleitung entsehlos-WJi, den Einlieits-Abonjujmejilspreis 
für das kontijientale Ausland auf den dem Friedens-Abounements- 
preis der Zeiischrift entspj-eclienden Betrag von 2ü Friniken fest- 
zusetzen. 



Korrespoodeiizblatt der IiiltirDationalen Feyclioii naiv tischen Vereinigung. 331 

Diesen angesichts der gegenwärtigen ^'el■hältllisse lun mehr alß 
dio Hälfte ermäßigten Abonnement spreis muß der durchaus nicht 
auf Gewinn berechnete Zeüschrifteiivei'lag auch bei genauester Kal- 
kulation als unterste Givnze festhalten, wenn er trotz der immer 
nocli fortachreitenden Entwertung der österreichischen Krone, mit 
der er zu produziei-en gezwungen ist, weiter existieren will. 

AVir erwarten also, daß unsere ausländischen Zweigvereinigungen 
diese durch zwingende Wirtschaftsgesetze gefoi"dertc Anpassung an 
die neuen \'erhäl1nisse uni so weniger als Belastung empfinden wer- 
den, als sie ihnen einerseits gegenüber den früheren Preisen keine 
Mohrausgabe auferlegt, anderseits ilmen Gelegenheit bietet, oline 
persöiiliche Opfer ihre Pfliclit zur Filrderung der Veröinszwecke 
zu erfüllen, wenn sie im Intei-esse der Sache freiwillig auf die 
übrigens auch gesetzlich nicht ein\vandfreie Ausnützung ihrer gün- 
stigen AVähnmgskonjunktür verzichten. 

Lektion, Oktober 30, 1919. 

■\V t. 111 Hariey Street. Emest Jones m. p." 



Berichte der Zweigvereinigungen. 

1. Berlin. 

Mitgliederliste, güJtig vom 1. Oktober iai9. 

I. Ordentliche Mitglieder in Borlin: 

Dv. i\;irl Abraham, Grunewald, Bismiij'ckallec 14. 

Pi-. Felix B o i; h m, W 50, Rankeatraße 20. 

Dr. M. E i t i u g o n. Wihiiersdorf, Güntzelstraße 3. 

Dr. Ihid, H. Foerster, Grunewald, Orberatraße IS. 

Dr. Karen II o r n e y, Zehlendorf, Sophie Oharlottestraße 1-5.. 

San, -Rat Dr. H, Koerber, W 15, Meineckes traße 7. 

Dr. Hnns Lieber mann. Grunewald, Humboldts traße 6 a. ' 

Dl". K. S i m on s o n, Halcnsee, Georg- Williehnstraße 2. ' ■ 

Dr. E. Simmel, W 15, Emserstraße 21. 

II, A \i ße ro r den 1 1 ic h c Mitglieder: 
Dr. Helene S t ö c k e r, Xikolassce, Münchowstraße 1, 

III. Auswärtige Mitglieder: 

Dr. B. Gers t ein, Hamburg, Kolonaden 96. 
Dr. Margarete Stegmann, Dresden, Sidonienstraße IS. 
Dr. A. Vullrath, Landes heil anstatt Göhrden b. Brandenburg a. d. H. 
Dr. G. Wanke, Fricdricliroda in Thüringen, Gartenstraße 14. 
Vorsitzender: Dr. K. Abraham, 
Schrififührer: Dr. H. Liebermann. 
Alle für die Zweigvereinigung bestimmten Zuschriften, Mitteilungen 
und Sendungen sind zu Händen des Sobriftführers erbeten. 

09* 



3o2 -Korrespondenzblatt der Internationalen l'ayclioanaly tischen Vereinigung. 

2. I'iigni'ii. 

Neu aufgenommen : 

Dr. S. F e 1dm an 11, Budapest IJ,, Korabacli uLca 3. 
Alcln.nie Klein, dzt. Ruzornberok, Tscliechoslowakei, pr. Adr. Direk- 
tor 3. Klein, Sparkassa. 

Adolf Josef Stör für, dut. Wien, VI., Windinühlgasso Üt l. 

Adressenänderung folgender Budapcster Britglieder: 

Dr. Bela v. Felazegliy, Soktinnsnat, Mini.stBrprSsicIiiim. 

Dr. J. Härnik, Fercncz körut 19. 

Dr. J. HolKis, Irrenanstalt, Lipntinezö. 

Dr. M. Jellinek, Mmiatcrialsekretär, Nyul utca 3. 

Dr. S. Pfeiffer. lUkoczi-ut IS. 

Prau Dr. E. Rovi^'sz, Fcroiicu-korut 1^. 

Dr. S. R a d i'i, I,ipnt-kfiriit 10. Pension Gern. 

Ö. Wien. 

Neu aufgenommen : 

Dr. Paul S oll j 1 d fi r, Ass.-ArzI, Klinik Wagntir-Jauregp , IX., La- 
aareltgasse 1 1. 

A d r e a s e 11 ä n d e r u n g « Ji : 

Dr. Sabina Spielrcin, Lausanne— Montria.ud, Pension „Lca Tre- 
mi^rfts", 

Dr. Eduardo Weiß, Trieste, S. friovauni inf, Guardiella 691. 



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l. 



Aufruf 

für die Kinder der v&ni Hunger heimgesuchten Länder. 

Unsere interuationale Zeitachrift für ärztliche Psychoanalyse 
ist wohl die einzige, die während des ganzen Weltkrieges und 
trotz mannigfacher persönlicher Schwierigkeiten ihrer Mit- 
arbeiter den internationalen Charakter konsequent aufrecht er- 
halten und nach Möglichkeit -die Beziehungen zwischen den 
internationalen psychoanalytischen Vereinigungen der verschie- 
denen Länder (Amerika, Deutschland, England, Holland, Öster- 
reich, Schweiz, Ungarn) gepflegt hat. 

Umsomehr fühlen wir uns berufen, unsere Leser zu Gunsten 
eines internationalen Werkes aufzufordern, dessen Zweck zwar kein 
wissenschaftlicher, wohl aber ein allgemein menschlicher ist. 

Das Hungerelend hat in mehreren Ländern, besonders in 
WIeiit einen entsetzlichen, die gesamte Kultur bedrohenden 
Grad erreicht, über dessen erschütternde Einzelheiten wir uns 
hier nicht näher auszusprechen haben. Da auch die psycho- 
analytische Forschung auf dem gemeinsamen Grunde allgemeiner 
Menschlichkeit ruht uud ohne sie nicht bestehen kann, fordern 
die unterzeichneten Torsitzenden und Zentralorgane der Interna- 
tionalen psychoanalytischen Vereinigung Sie in herzlicher und 
dringender Weise auf, alle Kräfte einzusetzen, um der Hungersnot 
80 rasch als möglich abzuhelfen. Wir bitten Sie, durch intensive 
Propaganda in den weitesten Kreisen die Hilfsaktionen Ihrer 
Limder nach Möglichkeit zu unterstützen, und zwar mit Lebens- 
mitteln, Kleidern (auch Wäsche und Schuhe) und Geldspenden. 

Die Unterzeichneten sind gerne bereit, freundliche Gaben 
jeder Art entgegenzunehmen und dem großherzigen Zwecke sofort 



^34 Aufruf fDr die Kinder der vom Han<jer liGim<j;esucliteii Nllnder. 

zuzuführen. Bei der ungeheueren Not kann jede Verzögerung 
Ton wenig Tagen den Verlust von Menschenleben zur Folge haben. 

Der Präsident der I. Pea. V.: 
ti- Dr. Ernest Jones, London W 1, 111 Harley Street. 

Der Zentralsekretär : 
John Carl Flüge], London, NW, 11 Albert Road. 

Die Vorsitzenden der anderen Internationalen Zweigvereinigungen : 
Dr. A. A. Erill, New York, 1 West seventieth Str. 
Dr. Karl Abraham, Berlin-Grunewald, Bismarckallee 14. 
Dr. Jan van Emden, Haag, Jan van Nassaustraat 84. 
Dr. Emil Oberholze r, Zürich, RämistraDe 39. 
Dr. S. Ferenczi, Budapest, Nagydiofa ut 3. 
Prof. Dr. Sigm. Freud, Wien, IX., Berggaase 19. ^ 



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Der Leiter des Internationalen Psychoanalytischen Verlages, 

Ges. m. b. H.: 
Dr. Otto Rank, Wien, XVIIL, QymnasiumstraDe 32. 

Das Mitglied der Schweizerischen Hilfsaktion : 
Pfarrer Dr. Oskar Pfister, Zürich, Pfarramt Predigern. 



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