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Full text of "Internationale Zeitschrift für Psychoanalyse XII. Band 1926 Heft 4"

Internationale Zeitschrift 
für Psychoanalyse 

Herausgegeben von Sigm. Freud 



Xll. Band 



1926 



Heft 4 



REFERATE 

Aus den Grenzgebieten 



Lagerborg, Rolf: Die platonisc 
1926. 

Dieses iiteraus gründliche, größte Be- 
lesenheit verratende Buch des finnischen 
Gelehrten berücksichtigt auch das Unbe- 
wußte und psychoanalytische Gesichts- 
punkte. Immethin bleibt es mangels ana- 
lytischen Materials bei Lese fruchten, Be- 
hauptungen ohne kasuistische Beweise : 
Aus Selbstschutz, um sich zu behaupten, 
um das Beste ihrer Gaben zu fördern, 
werde bei geistig Veranlagten von vorn- 
herein das Geschlechtliche als das Be- 
einträchtigende zurückgedrängt. „Es 
dürfte sich zwar auch umgekehrt ver- 
halten: eben weil diese Naturen vom 



he Liebe. Verl. Felix Meiner, Leipzig, 

Geschlechtlichen wenig Genugtuung ver- 
spüren, fliehen sie in ein Geistiges. Aber 
dieses höhere Streben ist ihnen ihre erste 
und stärkere Veranlagung, sonst würde 
nicht der Konflikt sich zu dessen Gunsten 
entscheiden." 

Lehrreicher als das Kapitel zur Physio- 
logie und Wertung der platonischen 
Liebe scheinen uns jene zu sein, die Piatos 
Liebesleben und die platonische Liebe 
in seinen philosophischen Lehren, die 
Auffassungen seines Zeitalters ausführlich 
behandeln, 

Hitschmann (Wien) 



Aus der psydKiatrisdi-neurologisdien Literatur 



Morselli, £.: La Psicanalisi. Fratelli 

In zwei umfangreichen Bänden ver- 
sucht der Autor eine kritische Wieder- 
gabe der psychoanalytischen Grund- 
begriffe, wobei er einleitend erwähnt, 
daß er sich hauptsächlich, wenn auch 
nicht ausschließlich, an die Aufstellungen 
von Freud hält. Der erste Band ist dem 
theoretischen, der zweite dem praktischen 
Teile gewidmet; in Wirklichkeit ist aber 
diese Einteilung nicht streng durchgeführt. 

Ein sich so stattlich präsentierendes 
Buch, das von einem Kliniker von der 



Bocca, Torino 1926. 

Autorität Morseliis verfaßt ist, verdient 
gewiß Interesse. Schon zu Beginn erklärt 
der Autor, daß die Psychoanalyse Achtung 
verdiene und das Recht habe, wrohl- 
wollend und unparteiisch beurteilt zu 
werden; er spricht auch von der großen 
Bedeutung und Verbreitung dieser neuen 
Wissenschaft, wobei er allerdings das 
Wort „Wissenschaft" stets unter An- 
führungszeichen setzt. 

Auch wir wollen in der Kritik dieses 
Buches unparteiisch sein ; wissen wir doch 




37 



INTERNATIONAL 

PSYCHOANALYTIC 

UNIVERSITY 



DIE PSYCHOANALYTISCHE HOCHSCHULE IN BERLIN 



562 



Referate 



sehr wohl, daß nicht alles Gold ist, was 
unter dem Titel „Psychoanalyse" pu- 
tliziert wurde, auch daß die Psychoanalyse 
niclit als eine Religion mit Dogmen 
angesehen werden darf, — was ihr von 
vielen Seiten vorgeworfen wird, — son- 
dern daß sie, wie eben jede echte Wissen- 
schaft, ein in steter Wandlung begriffener 
Bau ist, der zwar ergäniungs- und 
korrekturbedürftig, aber auch sehr ent- 
wickhtngs fähig ist, und daß seine von 
Freud gelegte Basis bisher jeder neuen 
Erfahrung standgehalten hat. 

Bei fortschreitender Lektüre dieses 
Buches macht leider das anfängliche 
Interesse immer mehr einer tiefen Ent- 
täuschung Platz. Schon in der Einleitung 
stößt man auf einige absonderliche 
Bemerkungen. Es wird eine Ähnlichkeit 
zwischen der spiritistischen und der 
psychoanalytischen Bewegung geftmden, 
weil diese ebenfalls eine Tagesfrage 
geworden sei und — wie jene — wichtige 
Probleme aus der Biologie, Psychologie, 
Medizin, Geschichte, Ethnographie, Mytho- 
logie, Soiiologie usw. behandelt, „Uns" 
fitalienem nämlich), meint der Autor, 
„mißfällt hauptsächlich die psychoanaly- 
tische Technik, der enorme Aufwand 
von Zeit und geistiger Arbeit, den die 
begeisterten Psychoanalytiker in einem 
Seelen zustande ertragen, der an Fanatis- 
mus erinnert; jene Umivandlung des 
Arztes und des Psychologen in einen 
eigensinnigen, zudringlichen und palen- 
den Forscher und jenes Wühlen in 
heiklen Themen, über welche die 
Zivilisation, was man auch immer dazu 
sagen möge, mit Recht einen Schleier aus- 
gebreitet hat." Der Verfasser gibt zu, 
diese „Geduld- und Luxusarbeit" {wie er 
sich ausdrückt) selbst niemals geleistet 
zu haben; „es mögen sich aber die 
Freudianer überzeugen", fährt er fort, 

„daß alle ihre Aufstellungen auch 

von demjenigen einer Kritik unterzogen 
werden können, der keinen einzigen 
psychoanalytischen Eingriff gemacht hat". 
Ob diese Behauptung Morsellis mit 
einer halbwegs wissenschaftlichen Denk- 
weise verträglich ist, lasse ich dahin- 
gestellt sein. Wir erfahren dann noch 
von ihm, daß die psychoanalytische 



Technik sich sehr vereinfachen und 

abkürzen ließe und daß die psycho- 
analysi er baren „Neurosen" auch mit 
anderen Methoden „heilen" (auch im 
Text beide Worte unter Anführungs- 
zeichen). Es werden auch die Spaltungen, 
die „allen Keligionen und Sekten gemein 
sind", erwähnt. 

Schon nach den ersten Seiten beginnt 
man allmählich die ungenügende Orien- 
tierung des Autors einzusehen. Bei seinen 
knappen historischen Hinweisen zeigt er 
sich in der psychoanalytischen Bewegung 
recht mangelhaft imterrichtet. Es fehlen 
nicht Bemerkungen über die angebliche 
Eifersucht des Meisters (Freud) auf 
seine „Entdeckungen" (auch im Texte 
unter Anführungszeichen) und Mors eil i 
verrät, dies dem „reizenden Büchlein von 
W i 1 1 e 1 s" entnommen zu haben. Gegen- 
über seinen Schülern hatte Meister 
Freud oft die Einstellung eines Pro- 
pheten oder gar eines Gott-Vaters. Jede 
Priorität wird Freud abgestritten, eine 
Unzahl Autoren wird durcheinander und 
verständnislos zitiert ; so wären in der 
Lehre J a n e t s bereits die Hauptbestand- 
teile des Freudismus enthalten. Es wird 
aber immerhin zugegeben, daß die 
Psychoanalyse viel tiefer und weiter 
gegangen ist; wenn auch Freud in so 
mancher Hinsicht stark übertrieben hätte, 
so seien seine Verdienste doch sehr groß. 
Umsonst sucht man dann in diesem 
ambivalenten Buche Belege für diese 
Äußerung. 

Was Morselli Freud am meisten 
übel nimmt, sind seine angeblichen 
Angriffe auf die Psychiatrie, die er in 
Wahrheit nie unternommen hat. Der 
Autor benimmt sich nämlich in seiner 
Kritik so, als ob Freud die Psychiatrie 
mit allen ihren Errungenschaften ganz 
entwerten und abschaffen und sie durch 
die Psychoanalyse ersetzen wollte. Er 
wirft Freud vor, daJ3 er sich der eigent- 
lichen klinischen Psychiatrie immer mehr 
entfremde, sich nur mit einem ganz 
kleinen Bruchteile des gesamten psy- 
chiatrischen Material es abgebe (mit 
den Neurosen), Er wirft femer der 
Psychoanalyse vor, die Bedeutung der 
Heredität, der individuellen Faktoren, 



Referate 



563 



der Konstilutinn, der Temperamente, der 
Rassen- und Kulturmomente usw. für die 
Entstehung- der Neurosen und Psychosen 
in Abrede zu stellen. Wer in der Psycho- 
analyse bewandert ist, weiß, wie falsch 
das ist. Die Psychoanalyse kann nur von 
ihrer Seite aus (und es ist gewiß nicht 
die unwichtigste) die psychiatrischen 
Probleme, die eine vielseitige Erläutenmg 
erheischen, beleuchten. 

Der Autor wundert sich über die Ein- 
fachheit der psychoanalytischen Funde, 
zu welchen man in der umständlichsten 
Weise gelange; er vergleicht den Psyclio- 
analytiker einem Wanderer, der die 
dunkelsten und steilsten Pfade geht, 
anstatt geradeaus der Hauptstraße ent- 
lang zu schreiten, die rascher zum Ziele 
führt. 

Auch die psychoanalytische Terminologie 
gefällt ihm nicht. Das psychoanalytische 
Wörterbuch sei unverständlich und un- 
klar; Freud und seine Schuler definieren, 
seiner MeiTiung nach, den größten Teil 
ihrer „Dynamik" (auch im Text luiter 
Anfülirungszeichen) mit Ausdrücken, die 
der Mechanik entlehnt sind, also mit 
Metaphern; man sei nie sicher, ob man 
ein Wort richtig übersetzt hätte oder 
nicht Er ■zitiert dann als Beispiel in 
deutscher Sprache folgende Worte : „Un- 
bewußt", „Unterbewußt", „Lustprinzip ", 
„Reali tätsprinzip " , „ Affekten tladung", 

„Verdrängung", „Übertragung", „Ver- 
schiebung", „Entstellung", „Unter- 
drückung", „Traumdeutung", „Eros", 
„Libido", „Introjektion", „Introversion", 
„Complexus". Die psychoanalytische 
Redeweise ähnle jenen Geheinisprachen, 
in welchen die Eingeweihten über die 
Mysterien unterrichtet werden. Der 
Autor behauptet aber, die Grundgedanken 
der Psychoanalyse, auch in iliren ver- 
borgensten Einzelheiten,, auch hinter 
ihrem teutonischen Gewände erfaßt zu 
haben. (Die Psychoanalyse wird an einer 
Stelle „edijicio gotico-semiiico Freudiano^ 
genannt.) 

Wenn man hie und da auf eine An- 
erkennung mancher psychoanalytischer 
Aufstellung stößt, so bezieht sie sich 
auf nunmehr ganz banale Erkenntnisse 
allgemeiner Natur; so z. B. wenn der 



Autor ganz richtig bemerkt, daß es falsch 
war, die psychischen Vorgänge auf das 
Bewußte zu beschränken. 

Teils entrüstet, teils verwundert folgen 
wir nun dem Autor bei seiner 
Besprechung der speziellen psycho- 
analytischen Themen. Was M orselli 
als das Unbewußte von Freud be- 
schreibt, entspricht nicht im weitesten 
diesem Begriffe. Wir wollen davon ab- 
sehen, daß der Verfasser das vollkommen 
Unbewußte in das Gebiet des Außer- 
psychischen verlegt imd darum bei 
psychischen Erscheinungen lieber von 
einem „Unterbewußten" sprechen mochte. 
Der Autor stellt sich aber vor, daß 
sich das Vorbewußte von Freud nur 
durch etwas mehr Bewußtheit vom Uhw 
unterscheide, und weiß nicht, daß nach 
Freud das Vorbewußte deskriptiv eben- 
falls unbewußt ist, daß das System Ubw 
sich in mannigfaltiger Weise vom Fbw 
unterscheidet. Es werden im allgemeinen 
die psychischen Systeme und ihre 
spezifische Dynamik ganz ignoriert. 

Daraus entstammen nun eine Unzahl 
banaler Einwände, beispielsweise daß man 
nirgends eine strenge Scheidewand 
zwischen Unbewußtem und Bewußtem 
setzen könne, als ob die Psychoanalyse 
dies behauptete. M orselli nimnat aber 
diese von ihm seihst verworfene strenge 
Abgrenzung der verschiedenen Grade 
von Bewußtheit selbst wieder auf, indem 
er außer dem Unbewußten und dem 
Vorbewußten noch ein Unterbewußtes 
unterscheidet. 

Wir können uns dann nicht mehr 
ivundern, daß dem Autor die schematischen 
Skizzen über den psychischen Apparat, 
die Freud zu entwerfen versucht hat, 
ganz unsinnig vorkommen. Er findet sie 
äußerst pueril, umständlich und im ver- 
ständlich. Die Schemen des bekannten 
„Psychischen Barometers" von G a r u s 
und des „Psychischen Vieleckes" von 
G r a s s e t wären doch viel einfacher und 
verständlicher. 

Bekanntlich gibt es im Italienischen 
kein Neutrum und deshalb läßt sich das 
Wort „Es" nicht genau übersetzen. Le vi- 
Bianchini hat es in seinen noch 
nicht veröffentlichten Obersetzimgen mit 



564 



Referate 



„i7 Lui" (Das Er) übersetzt. Man konnte 

es auch mit „P ÜJjjö" (welches Wort sich 
vielleicht mehr auf Dinge als auf Men- 
schen bezieht) wiedergeben. Morselli 
hat aber den Sinn des Freud sehen „Es" 
gar nicht verstanden und übersetzt es in 
höchst irriger Weise mit „il Se" (das 
Sich). Wenn er nun von einem narziß- 
tischen Kinde spricht, das „sich" (se) im 
Spiegel beschaut, so glaubt der Autor, 
daß dieses Wort dem „Es" von Freud 
entspräche. 

Es wäre unnütz, auf alle die falschen 
Darstellungen psychoanalytischer Begriffe, 
auf alle die alten und neuen Argumente, 
welche der Autor in den 800 Seiten 
(Großoktav) seines Werkes vorbringt, 
näher einzugehen. Ich glaube, daß der 
in der Psychoanalyse kundige Leser sich 
schon eine beiläufige Vorstellung von 
diesem „Werk" gemacht haben wird. 
Damit er sich aber eine ganz klare Vor- 
stellung davon bilden kann, werde ich 
noch einiges aus seinem Inhalt heraus- 
greifen. 

Morselli gibt, gegen Freud polemi- 
sierend, keinen ubw Verdrängimgsvor- 
gang zu; es wird kein Unterschied 
zwischen einer bewußten Unterdrückung 
und dem von der Psychoanalyse beschrie- 
benen Verdrängungsvorgang gemacht. 
Auch unser Ichideal (Über- Ich) wäre uns 
immer klar und bewußt. Femer wirft er 
der Psychoanalyse vor, an eine Affektivität 
zu glauben, die weder lust- noch unlust- 
betont sei; wir wissen aber nicht, wann 
die Psychoanalyse eine solche Affektivität 
angenommen hätte. Der Affekt sei nach 
dem Autor bei Freud ein unklarer 
Begriff, iind es wäre unverständlich, wie 
sich eine Affektbesetzung von einem 
psychischen Inhalte auf einen anderen 
verschieben könnte. 

In polemischem Tone verteidigt der 
Autor die Vorstellimg, daß das ganze 
psychische Geschehen sich auf einen 
Reflexapparat zurückführen lasse. Auf 
den psychologischen Teil der Freud sehen 
„Traumdeutung", wo ein solcher Apparat 
graphisch veranschaulicht ist, wird aber 
nicht hingewiesen. 

Der Freuds che Trieb dual ismus wird 
ebenfalls ganz mißverstanden. Freud 



könne doch nicht in Abrede stellen, daß es 
eine große Menge von Triebäiißerungen 
gäbe, aber diese alle hätten doch ihre ent- 
wicklungsgescliichtlichen Antezedenzien, 
sie entsprächen Verzweigungen, End- 
schicksalen,Abkömmlingen von einfacheren 
„Urtrieben". Morselli wendet aber 
gegen den Triebdualismus ein, es gäbe 
mann ig faltige Triebe : den Hungertrieb, den 
Fortpflanzungstrieb, den Nachahmungs- 
trieb (er lächelt über den psychoanalytischen 
Identifiiienmgsvorgang), den Spieltrieb, 
den Kampf trieb, den Selbsterhaltungstrieb, 
die mütterlichen Triebe, den Wanderungs- 
trieb u. dgl. mehr. Unrichtiger weise 
wird auch behauptet, daß Freud drei 
Triebgattungen unterscheide: erstens 
jene Triebe, die sich dem Sexualobjekte 
zuwenden, zweitens die, welche sich im 
Ich lokalisieren, drittens die Triebe, die uns 
zurück zur Materie hinziehen (Todestriebe). 

Daß Freuds Libidolehre mit Pia tos 
Eroslehre verglichen werde, beruhe, nach 
Autors Ansieht, auf einem groben Miß- 
verständnis der letzteren. Ferner schließt 
der Verfasser bei den höchsten Leistungen 
der Menschen die Beteiligung der Libido 
aus ; es wäre auch irrig, bei künstlerischen 
Leistimgen eine Sublimierung der Libido 
anzunehmen, weil die größten Künstler 
auch ein vmsublimiertes Sexualleben führen 
könnten. In äußerst energischer Art weist 
der Autor die Annahme einer Erogeneität 
der verschiedenen Körperteile zurück. 
Dementsprechend fehlt dem Autor auch 
jedes Verständnis für die infantile 
Sexualität. 

Die Lobsprüche, die er gelegentlich 
F r e ZI d spendet, haben regelmäßig das- 
selbe Schicksal. Wir finden anfangs eine 
hohe Anerkennung für den „Meister" 
(so wird mit Vorliebe Freud genannt); 
dann wird mit Nachdruck Freud das 
Prioritätsrecht abgestritten und ihm vor- 
geworfen, seine Vorläufer nicht zu 
berücksichtigen; zum Schlüsse werden 
dann die Verdienste Freuds stark 
entwertet — die anderen vor ihm hätten 
es einfacher und besser gemacht und 
dabei das Ekelhafte, Übertriebene, 
Unbrauchbare und Unsinnige vermieden. 

Recht einfaltig und banal sind eine 
ganze Menge von Bemerkvmgen, die 



Referate 



565 



überall eingestreut sind. So betont er, 
daß das Kind nicht nur sexuell seit 
sondern auch beispielsweise Süßigkeiten 
liebe; die Frauen, die Sport betreiben 
irnd sich dadurch vermäniilichen, wider- 
sprächen der psychoanalytischen Lehre. 
Die Bezeichnung „Ödipuskomplex'' sei 
sehr unglücklich gewählt, weil in diesem 
Mythus die Tötung des Vaters und der 
Inzest mit der Mutter infolge zufälliger 
Ereignisse, infolge des blinden Schick- 
sales eingetreten wäre. Eine Stelle zum 
Ödipuskomplex sei wörtlich zitiert: „Es 
wäre wunderlich, wenn die Zensur, 
nachdem sie ein so starkes Tabu des 
Inzestes geschaffen hat, imstande sein 
sollte, mit solcher Gewalt die Befrie- 
digung bei den allermeisten Menschen 
hintanzuhalten, nur weil er von den 
Griechen herrührt". M o r s e 11 i glaubt 
nun, seine eigene, der Freud sehen 
widersprechende Meinung kundzugeben, 
wenn er sagt, daß die In i es tsch ranken 
in der Menschengeschiehte schon vor 
dem Zeitalter des Ödipiis bestanden 
hätten; in polemisch-ironischem. Tone 
spricht er dann von den ,jEdipi in 
antedpazicne^' und meint damit die Inzest- 
fälle von noch früheren Zeiten. Er 
scheint tatsächlich zu glauben, daß die 
Psychoanalyse lehrt, daß wir den kon- 
kreten Fall vom Ödipus geerbt hätten. 

In seiner Polemik benimmt sich M r- 
selH oft so wie jener Mann, der den 
entliehenen Kessel in schadhaftem Zu- 
stande zurückgab und sich verteidigte; 
Erstens hätte er den Kessel unversehrt 
zurückgebracht, zweitens wäre der Kessel 
schon durchlöchert gewesen, als er ihn 
entliehen hätte, drittens hätte er nie einen 
Kessel vom Nachbar entliehen. So be- 
hauptet der Autor erstens, daß man auf 
die psychoanalytischen Funde auch ohne 
so langwierige Technik kommen könne, 
zweitens, daß, was die Psychoanalytiker 
gefunden zu haben meinen, gar nicht zu- 
treffe. So hat MorseUi bei seinen Pa- 
tienten noch niemals einen Kastrations - 
komplex angetroffen, aber er hat noch 
nie einen psychoanalytischen Eingriff ge- 
macht; er fügt dann hinzu (wörtlich): 
„Aber gibt es wirklich, wenigstens unter 
uns Lateinern, einen Vater, der seine 



Kinder mit jener Operation bedrohen 
würde, der zufolge Origenes durch eigene 
Hand und Abalard durch fremde Hand 
b erühui t wur den?" 

Überraschenderw^eise spricht sich der 
Autor über die Freud sehe Traum- 
deutung überaus lobend aus. „Dieser Teil 
der Lehre, abgesehen von den Über- 
treibungen, in welche sie verfallen ist, 
ist tatsächlich monumental." Der Autor 
vermißt nur eine Aufklärung über das 
Wie, über den Meehanismus, nach wel- 
chem die Traum Vorgänge zustande kommen 
(er denkt dabei an einen somatischen 
Untergrimd). Aber auch die Einwände 
gegen die psychoanalytische Traumlehre 
sind äußerst flach und beruhen größten- 
teils auf grober Unkenntnis. 

Eine Aufzählung der psychoanalyti- 
schen Symbole soll die Psychoanalyse ins 
Lächerliche ziehen. 

Über sexuelle Träume weiblicher In- 
dividuen sagt er wörtlich: „Es ist mög- 
lich, daß in Österreich, in Deutschland, 
in der Schweiz und auch in England mid 
Nordamerika, wo immer sieh der teuto- 
nische Stamm nn.it seinem angelsächsischen 
Zweige (mit dem Zusätze von einer er- 
hebliclien Anzahl von Israeliten) hinge- 
tragen hat, i^im schwachen Geschlechte 
im Pubertäts- und Nacbpubertätsalter 
eine solche Aufwallung von nächtlicher 
, Libido' bestehen kann, mit allen ihren 
perversen, narzißtischen, homosexuellen 
und inzestuösen Aiißerungen, welche uns 
die Freudianer von jenseits der Alpen 
mit so lebhaften Farben und mit einer 
solchen terminologischen Einfachheit 
schildern, die teils Staunen, teils Ekel 
erregt • . ." Bei italienischen Frauen 
könne dies nicht vorkommen. Die Ita- 
liener seien trotz ihres „heißen" Tempe- 
ramentes keuscher, schamhafter und in 
Sexualangelegenheiten moralischer. (Es 
sei nebenbei bemerkt, daß in Wahrheit 
der Italiener im allgemeinen großes Ver- 
ständnis für das Ubw hat, er besitzt eine 
ausgezeichnete Intuition. Er erfaßt sofort 
gefühlsmäßig seine Komplexe, ohne sich 
dabei von theoretischen Bedenken hemmen 
zu lassen, vielleicht im Gegensatze zum 
oft vorsichtigen Juden, der sich gerne in 
theoretische Diskussionen einläßt. Der 



1 



566 



Referate 



Italiener, ich spreche immer vom Analy- 
sanden, erfaßt aher die Psychoanalyse 
viel mehr von der kiinsüerischen Seite 
her. Der italienische Patient ist gewöhn- 
lich ein danlt bares Objekt für die ps}'cbo- 
analytische Behandlung, welche relativ 
kurze Zeit beansprucht.) 

Nach dem Gesagten können wir uns 
über den zweiten Band kurz fassen. 

Der Autor wendet sich gegen die 
Annahme einer reinen Psychogen ei tat von 
nervösen und psychischen Störungen, und 
scheint zu glauben, daß die Psychoanaly- 
tiker die Forschimgsergebnisse auf dem 
Gebiete der anatomischen Pathologie, der 
Endokrinologie usw. ignorieren oder 
in Abrede stellen. Der Psychoanalyse wird 
w-eiter vorgeworfen, das Rationelle und 
das Intellektuelle zu vernachlässigen. In 
Wirklichkeit trifft dieser Vorwurf die 
Psychoanalyse nicht, welche namentlich 
bei ihren Behandlungen mit dem ratio- 
nellen Ich sehr stark rechnen muß. 
Morselli führt dann aus : die Psycho- 
analytiker erfaßten die scheinbare Phäno- 
menologie, nicht aher den Kern der 
Krankheit; das Psychologisieren einer 
Neurose wäre nicht dasselbe wie die Er- 
klärung derselhen. 

Äußerst naiv und gar zu simplii istisch 
sind ferner weitere Vorstellungen des 
Autors. Er glaubt, daß die psychoanaly- 
tischen Erklärungsbedürfnisse erschöpft 
wären mit dem Aufdecken der Komplexe, 
und daß die Psychoanalyse nichts zum 
nosologischen Verständnisse, beispiels- 
weise des VVahnes, beiträgt, auch wenn 
sie eine Wahnbildimg mit diesem oder 
jenem Erlebnisse der Vergangenheit in 
Zusammenhang bringt. Er behauptet 
ferner, daß für die Psychoanalytiker es 
vollkommen gleichgültig sei, daß der 
psychologische Mechanismus, nach wel- 
chem ein hysterisches Symptom entsteht, 
grundverschieden ist von dem, der zu 
einer Wahnbildung führt. Für Morselli 
wären die Ausdrücke Introjektions- imd 
Projektionsvorgänge bloß inhaltslose 
Worte, die Begriffe, die ilmen zugnmde 
liegen, sind ihm vollkonamen fremd. 

An der Technik der psychoanalytischen 
Behandlung bemängelt der Autor, daß 
sich das ganze Instrumentarium des Psycho- 



analytikers auf eine „chaise hngue", ein 
ungemein verführerisches Möbelstück, 
reduziert. Andere Ein wunde des 
Autors beruhen wiederum auf seiner Un- 
kenntnis der psychoanalytischen Voraus- 
setzungen, so z, B. wenn er erklärt, daß 
man sich auf die Aussagen der Patienten 
(sie werden „Beichten" genannt) nicht 
verlassen könne. Um alle Momente des 
psychoanalytischen Examens erfassen zu 
können, müßte m.an einen geschickten 
Stenographen, einen Photographen, einen 
Kinematographen usw. heranziehen. 

Einige Einwände des Autors sind von 
der Art, wie beispielsweise folgende 
(wortlich): „Welche Freude kann denn 
ein Junger Mann empfinden, wenn man 
ihm beispielsweise aufdeckt, daß er der 
Mutter oder Schwester gegenüber Inzest- 
wünsche verspürt hat." Dieses Wieder- 
erwecken würde in ihm Reue und Gram 
erwecken und es sei deshalb höchst schäd- 
lich. Die Psychoanalyse dürfe die Über- 
legenheit ihrer Technik nicht riUimen, 
denn meistens bringe man aus dem Pa- 
tienten alles durch ganz einfaches Aus- 
fragen heraus. 

Das einzige wissenschaftliche Vorgehen 
in der Psychoanalyse sei das Assoziations- 
experiment nach Jung. Aber es handle 
sich dabei um nichts Neues, fügt er hin- 
zu, und zitiert Ebbinghaus, Krae- 
pelin, Münsterberg, Binet usw. 
Nun ergeht er sich in Weitläufigkeiten 
über die Reizworte, die Wahl derselben, 
über die unverzeihlichen Lücken hei 
diesem Verfahren, Diesem sicher nicht 
sehr wichtigen Kapitel widmet er viele 
Seiten. 

Auch der Begriff der Regression sei 
uralt, und mit ihm könne unmöglich die 
Psychogenese der Neurosen erklärt, höch- 
stens die äußere Fassade des klinischen 
Bildes beschrieben werden. Wie könne 
man sich denn die Talsache erklären, 
daß die typischen Wahnbildungen des 
Paralytikers gerade dann auftreten, wenn 
die kortikalen Zellen von den Spirochäten 
oder deren Toxinen angegriffen werden? 
In vielen Seiten ergeht sich nun der 
Autor in ganz unverständlichen Kritiken 
der Freud sehen Neurosenlehre : Er 
spricht von einem Konflikte zwischen 



Referate 



567 



einem „nte" und einem j^sei", er behauptet, 
daß die Psychoanalyse niemals von Un- 
lust, von Schmerz nsw. spreche, sogar die 
Neurose sei nach ihr eine Art Befrie- 
digung. 

Was die psychischen Traumen in der 
Psychogenese einer Neurose anlangt, 
meint der Autor, daß beispielsweise eine 
durchgemachte Geschlechtskrankheit ein 
starkes pathogenes Trauma sein könne, 
nicht aber Erlebnisse, wie die Wahr- 
nehmung einer Vulva, die Belauscliung 
eines Beischlafs oder die Wahrnehmung 
von Blutflecken im elterlichen Bette, Er 
fügt noch hinzu, daß dieses letztere Mo- 
ment ein schlechtes Licht auf die Rein- 
lichkeit der Deutschen werfe. 

M o r s e 11 i meint, wie bereits gesagt, 
daß jede psychoanalytische Fragestellung 
mit dem Aufdecken des Sinnes eines 
Symptomes vollkommen erledigt sei, und 
fügt dann noch hinzu, daß eine Unzahl 
Symptome keinen Sinn haben können, wie 
%. B. die DermQgraphien, trophische und 
vasomotorische Störungen, Arrhythmien 
usw. Er verwechselt auch den Wieder- 
holungsiwang mit der B.egiession, 

Was „Übertragung" heißt, ist M o r- 
s e 1 1 i vollkommen unbekannt. Nach ihm 
hat das Wort „Übertragung" zwei Be- 
deutungen; Erstens setzt er „Übertragung" 
für „Verschiebung" und zweitens berück- 
sichtigt er die affektive Beziehung des 
Patienten zum Arzt. Aus seinen irrigen 
Auffassungen deduziert er dann, daß das 
Wort „Übertragungsneurosen" sehr un- 
glücklich gewählt und ein unwissen- 
schaftlicher Ausdruck sei, etwa so, als ob 
man die Syphilis „Infektion durch Queck- 
silber oder Arsenobenzol" oder die Ma- 
laria „Infektion durch Chinin" nennen 
würde. Beim Wiedergeben der Freud- 
schen Einteilung der Neurosen ist der 
Autor, wie ge wohnlich, äußerst verwirrt, 
SO zählt er die Angstneurosen zu den 
Phobien, Die Phobien wiederum zählt er zu 
den Zwangsneurosen, welche nach ihm 
eigentlich Zwangspsychosen heißen sollten. 
Er führt femer die Preudschen soma- 
tischen Angsl äquivalente als Symptome 
der Angsthysterie an. Es ist uns allen 
bekannt, was für Widerstand Freud 
schon vor mehr als dreißig Jahren bei 



den damaligen Vertretern &st Psychiatrie 
begegnet hat, als er erklärte, daß die 
Hysterie auch bei Männern vorkommt. 
Nun entdeckt M o r s e 1 1 i, daß i m 
Gegensatz zur Preudschen Li- 
teratur die Hysterie auch 
beim m an n li c h e n G e s c h 1 e ch t 
vorkomme. 

Wir können nicht jene Unmenge von 
Einwänden berücksichtigen, die eine ge- 
wisse Böswilligkeit bekunden und aus 
einem gänzlichen Mißverständnisse der 
Technik entspringen; wir wollen bloß 
zum Schlüsse die ärgsten Bemerkungen 
hervorheben: An keiner Stelle wird das 
Agieren des Patienten erwähnt und die 
Übertragung, wie gesagt, wird äußerst 
falsch aufgefaßt Wenn eine Patientin 
keinen Mann oder Geliebten findet, so 
würde sich der Arzt dazu hergeben : dies 
hätte Morselli „nicht ganz klar, aber 
deshalb nicht minder aufrichtig in Aus- 
sicht gestellt" gesehen. Dann meint Mor- 
selli, daß Freud die negativen Wider- 
stände des Patienten beseitigt, um sich 
den Kranken nicht entgehen zu lassen, 
und bemerkt dazu, daß dieses Vorgehen 
von einer professionellen Geschicklichkeit 
zeugt, aber unziemlich sei. Um zu be- 
weisen, daß der therapeutische Effekt des 
Psychoanalytikers nur auf gewöhnlicher 
Suggestion beruhe, bemerkt er (wörtlich) : 
„Wenn der psychoanalytische Arzt gleich- 
zeitig mit den Unterredungen, dem Aus- 
fragen, der etwas charlatanliaften Aus- 
beutung der Träume usw. nicht auch 
Pillen oder Pulver verschreiben und nicht 
subkutane Injektionen oder elektrische 
Anwendungen ausführen würde, würde 
er den Patienten nach der dritten oder 
vierten Sitzung verlieren." Die aller- 
unsinnigsten und verleumderischesten Be- 
merkungen finden wir aber bei der Be- 
sprechung der Übertragung: der Autor 
behauptet, daß die Übertragmigsgefühle 
des Patienten vom Arzte erwidert wer- 
den, um die Patienten dazu zu ermutigen, 
und bemerkt dann, daß, wenn es sich um 
eine homosexuelle Übertragung handelt, 
dies ganz einfach eine Schweinerei wäre. 
In dieser Beziehung fügt er hinzu (wört- 
hch): „Ich kann mir keine ernste Vor- 
stellung von Freud, der nunmehr 



I 



568 



Referate 



70 Jahre alt ist, bilden, der sich auf 
seine Person die affektiven Besetzungen 
von einigen seiner kosmopolilischen 
Klienten übertragen läßt, und auch — 
ich wage es nicht zu glauben — von 
Patienten männlichen Geschlechtes." Hier 
gibt Morselli zu, „unehrerbietig« zu 
erscheinen. Er erwähnt ferner Schüler 
von Preud, die dadurch, daß sie ihr 
eigenes Unbewußtes so tief analysierten, 
ein so starkes Schamgefühl verspürt 
hätten, daß sie Selbstmord begingen, 
Silberer, Tausk und Schrotte r. 
Er erwähnt nicht, daß er diese drei 
Namen dem Buche von W i 1 1 e 1 s ent- 
nommen hat. 



Die Psychoanalyse hätte nach dem 
Autor niemals so große Sublimierungen 
erzeugt, wie sie spontan bei großen 
Männern auftreten. Daß die Suhlimierung 
sich von selbst bildet und daß die Psycho- 
analyse diesen Naturprozeß nur durch 
Aufhebung von Verdrängungen erleichtem 
kann, ist ihm ganz unbekannt. Aber wir 
wollen uns nicht länger mit solchen Ans- 
führungenbefassen. Wir hätten auch nicht 
eine so lange Rezension über das vor- 
liegende „Werk" gemacht, wenn Mor- 
selli nicht als eine große Autorität 
gelten würde, von welcher sich die Stu- 
dierenden gerne aufklären lassen. 

E. W e i ß (Trieste) 



1 



Jolowicz, Dr. Ernst: Die Pcrs önlic h keitsanaly s e. Eine vorbe- 
reitende Methode für jede Psydiotherapie der Neurosen. Thienie, Leipzig 1926. 



Exploration des Patienten über 
früheste Jugend erlehnisse, dann über 
Schulerlebnisse, ethische, soziale Ein- 
stellung und (zuletzt) über sexuelle Ent- 
wicklung und Sexualleben (um die 
wesentlichen Punkte hervorzuheben) er- 
gibt als Resultat eine weitschichtige 
Kenntnis der Persönlichkeit, die, dem 
Patienten in geeigneter Weise vermittelt, 
in manchen Fällen bereits zu einer Hei- 
lung führt. — Eine bekannte Tatsache. 
Wir pflegen gelegenüich ähnlich vorzu- 
gehen in monosymptomatischen Fällen, 
in denen wir dem Patienten eine Analyse 
ersparen zu können glauben. 

Neu ist der Name „Persönlichkeits- 
analyse" für^dieses Verfahren. Neu ferner 
die Empfehlung, es in jedem Falle zu- 
erst anzuwenden, denn durch die Per- 
sönlichkeitsanalyse „ist eine Basis ge- 
schaffen für die Entscheidung, ob eine 
Preud sehe Analyse, Adler sehe Indi- 
vidualbehandlung, eine D u b o i s sehe 
Persuasion, eine Frank sehe Psycho - 



katharsis, C o u d s Autosuggestion, 
Psychagogik, Hypnose, larvierte Sugge- 
stion usw. dem Wesen des Kranken und 
der Krankheit angemessen ist" (S. go). 
Pur eine Psychoanalyse müsse der Patient 
„eine eigene Art der Selbstbesinnung und 
Vertiefung" mitbringen. 

Diese scheint der Autor selbst leider 
nicht zu besitzen. Er hat seine Schrift 
mit Warnungen und polemischen Äuße- 
rungen gegen die Psychoanalyse durch- 
setzt, die zugleich beweisen, wie ober- 
flächlich er sich mit ihr befaßt hat und 
— wie sehr sie ihn trotzdem beschäftigt. 
Das „psychoanalytische Assoziations- 
geseti« (?) scheint ihm falsch, die „ante- 
zipierte Schematik" der Analytiker ge- 
fälirlich, der „Dogmatismus der Symbol- 
deutung" verwerflich usf. Am meisten 
Sorge macht ihm die Entstehung der 
Übertragung, von deren Analysierbarkeit 
er noch nicht gehört zu haben scheint. 
Bally (ßerUn) 



Laumonier, Prof.r Le Freudisme. Paris, Alcan 1925 

Der Autor gibt tms eine gute theore- 
tische Darstellung, der eine Reihe banaler 
Kritiken folgt. Verf. hat die PsA. auszu- 
üben versucht, ohne vorher analysiert 
worden zu sein, hat daher die 



infantile Sexualität, das Unbewußte und 
die meisten affektiven Mechanismen 
nicht verstanden. 

de Saussurc (Geneve) 



'ii 



Referate 



56g 



D u p r e, Prof. Emest : Pathologie 
vite. Paris, Payot 1925. 

Icli habe anläßlich des Todes von 
Prof. D u p r 6 an derselben SteUe darauf 
hingewiesen, daß die Lehre des früheren 
Professors an der St, Anne (die Bedeu- 
tung, welche er dem. Tri ebl eben und der 
Affektivität im allgemeinen zuschreibt, 
seine Studien über die vergleichende 
Psychologie des Kindes und des Geistes- 
kranken) für die Psychoanalytiker von 
großem Interesse sein könnte. Das Buch, 
auf welches ich heute hinweise, ist eine 
Sammlung von Artikeln D u p r e s. Man 
weiß, daß dieser Autor ein überzeugter 
Anhänger der Konstitutionslehre war. 
Seine Arbeit wird durch ein Vorwort von 
Paul Bourget und durch eine von 



de rimagination et de r^mo ti- 

Dr. A c h a I m e besorgte Bibliographie 
eingeleitet. Das Inhaltsverzeichnis ist 
folgendes; Infantile Mythomanie. — 
Puerilismus. — Wahnhafte Tagträume 
{Desire dHmagination). — Chronische 
halluzinatorische Psychose. — Psycho- 
diagnostik der progressiven Paralyse. — 
Die Zeugenaussage. — Die emotive Kon- 
stitution. — Motorische Debilität {debiliti 
motrice). — Emotions-Psychoneurose. — 
Der Wahn des Königs Charles VI. — 
Die Melancholie des Malers Hugo van 
der Goes. — Tri ebp er Versionen. — The- 
sauri erende Bettler {mendiants thesauri- 
sateurs). — Konstitutionslehre. 

de Saussure (Geneve) 



Boas: Psychische Abwehr (La 

Verfasser hat vor allem nach physio- 
logischen Erscheinungen gesucht (be- 
sonders nach Veränderungen der Puls- 
frequenz), durch welche sich die psychi- 
sche Abwehr äußert. 

Die Hauptidee des Verfassers ist fol- 
gende: Jede Perseption erzeugt eine Re- 
aktion, die bis zur Handlung gehen oder 
aber bei einem Stadiuni der Vorbereitung 
der Handlung stehen bleiben kann. Die 
Reaktion wird subjektiv als eine Tendenz 
(Antrieb) wahrgenommen. Boas nennt 
„Abwehr" diejenige Organisation, durch 
welche wir die Wirksamkeit einer Ten- 
denz zu hemmen versuchen. Im Gegen- 



defense psychique). Alcan 1924- 

satz zu der „Abwehr", die durch die 
Nervenzentren geht, verlangt die „peri- 
phere Abwehr" nur einen ganz geringen 
Kraftaufwand. Sie ist ein Vorzugsmecha- 
nismus für die Anpassung des Individnums. 
So gibt es eine „adäquate" und eine „in- 
adäquate psychische Abwehr". Unter 
diesen Begriffen studiert der Verfasser 
hauptsächlich Phänomene, die in der PsA, 
als Konapensation und Rationalisierung 
bekannt sind. 

Viele Seiten sind originell und ver- 
dienen gelesen zu werden, das Ganze des 
Werkes aber bleibt ver'worren. 

de Saussure (Geneve) 



Pophai, R.: Der Krankheitsbegriff in der Körpermedizin und 
Psychiatrie. Berlin, S, Karger, 1925. 



Ein einleitender Teil untersucht histo- 
risch und kritisch die Versuche, zu 
einer logisch einwandfreien Bestimmung 
des Krankheitsbegriffes überhaupt zu 
kommen, und meint, diesen nur als 
biologischen W e rtbegriff fassen lu 
können. Der Hauptteil untersucht die 
entsprechende Frage für den schwierigen 
Spezialfall der Psychiatrie. Es ist inter- 
essant, wie in der Geschichte der Psych- 
iatrie deutlich ein periodisches Schwanken 
zwischen einer Vorherrschaft von „Soma- 



tikern" und einer von „Psychikem" festzu- 
stellen ist. Der Autor sympathisiert zweifel- 
los mehr mit den ersteren. Die Psycho- 
analyse wird nur einmal erwähnt; sie sei 
für die somatische Auffassung der Psych- 
iatrie kein Hindernis: „Nicht, daß von 
Seiten phantastischer Psychoanalytiker der 
Psychiatrie heute noch eine Gefahr drohte ; 
dafür sind deren Einseitigkeiten und 
Übertreibungen denn doch zu gewagt" 
(S. 66). 

Fenichel (Berlin) 






570 



Referate 



Suttle, Jan D.: An unwarrante 
t h e o r y. (British Journal of Medical 

Die Arbeit wendet sich sehr tempe- 
ramentvoll gegen den Tersiich, das 
H a e c k e 1 sehe biogenetische Grund- 
gesetz auch auf die psychische Entwick- 
lung anzuwenden, und polemisiert be- 
sonders gegen die Stellen bei Freud, 
die zXLT Erklärung individuellpsychologi- 
scher Fakta die Phylogenie heranziehen. 
Sie versucht nachzuweisen, dafl das 
„Grundgesetz" der Psychologie nicht einen 
einzigen der heuristischen Vorteile bieten 
kann, die es der Biologie verschafft hat. 
Aus einer Reihe von Stellen in Freuds 
Werken, hesonders in den „Vorlesungen" 
und im „Jenseits des Lustprinzips", glaubt 
der Autor den Schluß ziehen zu können, 



d accretlon to the Freudian 
Psychology V/2.) 

daß Freud die behauptete Gültigkeit 
des Grundgesetzes im Psychischen nicht 
selbständig entdeckt, sondern diese An- 
nahme von anderen übernommen habe; 
auch hätten ihn nicht legitime psycho- 
logische Gedankengänge, sondern bio- 
logische Motive und der Glaube, all© 
Möglichkeiten ontogenetischer Determi- 
nierung ausgeschlossen zu haben, zu seiner 
Annahme bewogen. Die phylogenetischen 
Lebensfaktoren seien nicht psychisch, 
sondern stünden an der Grenze des zyto- 
logischen Forschungsgebietes. — Das ein- 
schlägige Tatsachenmaterial (Symbolik, 
Ur Phantasien usw.) wird nicht eingehend 
gewürdigt. Fenichel (Berlm) 



Kronfeld, Dr. Arthur: Psychotherapie. Charaktcrlehre. Psydioanalyse. 
Hypnose. Psydiagogik. 2. Auflage. Berlin, J. Springer, 1925. 

Die neue Auflage des bekannten 
Buches enthält mannigfache Zusätze und 
Ergänzungen ; „auf vielfache Wünsche hin" 



wurde auch die Literatiir berücksichtigt, 
wenigstens so weit, als sie einführend 
oder grundlegend ist. Der Autor glaubt, 
da die .,psychotherap cutis che B.ichtimg" 
schon übermäßigen Umfang angenommen 
habe, zu Vorsicht und Besonnenheit 
mahnen zu müssen. „Keine innere Klinik 



mehr, an der nicht hypnotisiert wird, 
keine Frauenklinik ohne psychische Kom- 
plexanalyse : und dieser Umschwung inner- 
halb weniger Jahre !" Zur Psychotherapie 
erziehen, bedeutet ihm daher zugleich 
die Aufgabe, vor Überspannungen ZU 
warnen. Die ambivalente Stellung des 
Verf. zur Psychoanalyse ist trotz ihres 
„Weltnachhalls" dieselbe geblieben. 

Hitschmann (Wien) 



B j e r r e, Dr. Pool; Wie deineSeelegeheilt wird! Der Weg zur Lösung 
seeÜsdier Konflikte, aus dem Sdiwedisdien von A. Brüikner. Carl Marhold, 
Halle a. S., 1925. 



An Hand eines konstruierten (?) 
Krankheitsfalles wird die Psychoanalyse 
erörtert. In therapeutischer Hinsicht wird 
jedoch „die Einseitigkeit, deren sie sich 
schuldig gemacht hat", durch die „psycho- 
synthetische Heilkunst" zu überwinden 
geraten. Diese versucht den Schwerpunkt 



der Arbeit des Arztes von der wissen- 
schaftlich-analytischen auf ihre künst- 
lerisch-synthetische Seite zu verschieben. 
Diese muß bei der Behandlung baldmög- 
lichst beginnen und es „muß dieses Auf- 
bauen im Zeichen der Suggestion ge- 
schehen". Hitschmann (Wien) 



Wohlgemuth, A.: The „synthesis" of an anxiety neurosis. 
(British Journal of Medical Psychology V/2.) 

Die Psychoanalyse soll mit Hilfe des „Gefühlsübertragung" ergaben, daß, wenn 
„exakten Experiments" widerlegt werden. eine gefühlsbetonte Wahrnehmung gleich- 
Psychologische Untersuchungen über zeitig mit einer gcfühls indifferenten 



( 



Referate 



571 



zweiten Wahrnehmung gemacht worden 
ist, bei Reaktivierung der zweiten Wahr- 
nehmung auch der Gefühlston der ersten 
sich wieder meldet. Der Autor fürchtet 
den Vollmond, weil er im Krieg in Lon- 
don bei Vollmond Luftschiffangriffe hatte 
hefiirchten müssen. Diese Regel genüge 
zum Verständnis der Neurosen. Ein Fall 
von Rivers (Klaustrophobie seit einer 
infantilen Realangst in einem ge- 
schlossenen Räume) werde durch die 
Regel aufgeklärt, ohne daß man auf so 
„lächerliehe Erfindungen" zurückgreifen 



müsse, wie „Verdrängung" und „Unbe- 
wußtes", dieses „ajjium ignorantiae psycho- 
analytischer Spekulation". Die Verdrän- 
gung wird u. a. auch dadurch widerlegt, 
daß der Autor einmal eine Person nicht 
wiedererkannte, der er nur zur Dankbar- 
keit verpflichtet war (er meint, das Ver- 
gessen könne also nicht tendoniiÖs ge- 
wesen sein). Am Ende hält der Autor 
den Psychoanalytikern B r e u e r als Muster 
vor, der das Gebiet exakter Forschung 
nicht wie Freud verlassen habe. 

Fenichel (Berlin) 



Aus der psydioanalytisdien Literatur 

Bern feld, Dr. Siegfried: Psychologie des S ä u g 1 i n g s. Verlag Julius Springer, 
Wien 1925. 



In Anlage und Ordnung des Gegen- 
standes zwar eine Kompilation („eine 
selbständige zusammenfassende Darstel- 
lung des Säuglingsalters"), bietet das 
Werk doch weit mehr als trockene Zu- 
sammenstellung von Tatsachen : Nebst 
eingehenden phanomenologisclien Unter- 
suchungen der seelischen Äußerungen des 
Säuglings auf Grund der Freud sehen 
Triebpsychologie dringt die Erörterung 
der Phänomene gelegentlich zu letzten 
Dingen der Psychologie vor. Weder da- 
durch noch durch die freizügigen, oft 
weit ausgreifenden Abhandlungen theo- 
retischer Fragen leidet die Systematik 
des Buches. Nie gerät die Untersuchung 
ins Spekulative, so oft sie es auch streift, 
und man ist dem Autor dankbar dafür, 
daß er Problematisches klar imd von allen 
Seiten beleuchtet vor den Leser hinstellt, 
ohne unbedingt Entscheidungen fällen zu 
wollen. Dieser Mut, schwierigste Probleme 
anzugehen, und diese mit ihm vereinte 
Vorsicht, sie zu behandeln, verdienen es, 
besonders hervorgehoben zu werden. 

Eine Fülle von Literatur ist gründlich 
und kritisch durchgearbeitet worden, so 
daß man einen klaren Überblick über den 
gegenwärtigen Stand des Wissens um 
den Säugling gewinnt. Außer dem Tat- 



sachenmaterial hatte die voranalytische 
Psychologie nicht viel zu bieten; um so 
größere Bedeutung kommt dieser „Psycho- 
logie des Säuglings" zu, die, bewußt in 
der Hauptsache auf die Psychologie 
Freuds gestellt, als erstes Unternehmen 
solcher Art mit alten Vorurteilen aTich 
auf diesem Gebiete auträumt und es 
gründlich läutert sowie für weitere Arbeit 
vorbereitet. 

Aiif zirka iG Druckbogen wird die 
Entwicklungsperiode „vom Trauma der 
Geburt bis zum Trauma der Entwöhnung" 
behandelt. Die Natur des behandelten 
Gegenstandes macht leider eine detail- 
lierte Besprechung unmöglich, so daß wir 
uns auf einzelne bemerkenswerte Aus- 
führungen beschränken müssen. 

Die Untersuchung setzt mit der Analyse 
der Erziehung und des Erziehers ein; die 
Motive der Kleinkinderpflege (der Autor 
unterscheidet eine phötophobe und eine 
phötophile Pflege) werden als Resultat einer 
Reaktion auf feindselige Impulse der Er- 
wachsenen gegen das Neugeborene auf- 
gefaßt. Der Autor bringt reichlich Belege 
für die Richtigkeit dieser Auffassung aus 
der Ethnologie. 

Für den Analytiker interessant sind 
einzelne Fragestellungen, wie etwa die, 






572 



Referate 



warum wir wachen. Es wird plausibel 
gemacht, daß das Aiifwachen des Klein- 
kindes ein Trieb akt sei aur Beseitigung 
der „Gefahr" des Hungerreizes. Im übrigen 
ist das Kleinkind gekennieichnet durch 
die Tendenz zur Fortsetzung der Mutter- 
leibs Situation (Schlaf). Alles was im Zeichen 
des „Zugs zum Mutterleib" steht, femer 
die „Abwehr-" und die „Preßtriebs- 
handlungen", faßt der Autor als J?-Triebe 
(Regressionstriebe) zusammen und stellt 
sie den Sexualtrieben gegenüber, die eine 
progressive Tendenz haben und als die 
eigentlichen Motoren der Entwicklung im 
Laufe der Zeit die it-Triebe in den 
Hintergriuid drängen, ohne sie je völlig 
zu paralysieren. Die gesamte Entwicklung 
des Kindes ist gekennzeichnet durch die 
Überwindung des Traumas der Geburt 
durch die Sexuallust. 

Auch das Lachen wird den Sexual- 
trieben zugeordnet; es sei eine organisierte 
motorische Abfuhr einer Angst, und zwar 
der Geburtsangst. Dieser wird vom Autor 
mit Recht eine große Bedeutung für das 
Verständnis der Reaktionen des Klein- 
kindes beigemessen, allerdings unter- 
scheidet sich seine Auffassung der Tat- 
sachen von der Ranks in wesentlichen 
Punkten. So schreibt der Autor; „Freud 
nennt gelegentlich diese Wurzel der 
Angst Trennung von der Mutter durch 
die Geburt. Rank verwendet diese Be- 
zeichnung sehr häufig und prinzipiell. 
Der Ausdruck ist schön und plastisch, 
ich möchte ihn nicht gerne vermeiden; 
aber es muß klar sein, daß unter ihm 
nicht gemeint ist, das Neugeborene er- 
lebte die Trennung von der Mutter, das 
Kind des späteren Alters wiederhole dieses 
Erlebnis im Angstzustand. Sondern es 
handelt sich um die energetischen (libidi- 
nosen) Umbesetzungen, die bei der Ge- 
burt und bald nach ihr sich vollziehen 
und die tatsächlich objektiv die Trennung 
von ihr bedeuten. Subjektiv beinhalten 
sie die Trennung von der Fötalsituation. 
Da wir aber über das Erleben des Neu- 
geborenen nichts wissen, so ist der Aus- 
druck Trennung von der Mutter in dop- 
pelter Hinsicht metaphorisch. Der mögliche 
(und von Rank wohl vollzogene) Miß- 
brauch solch metaphorischer "Wendungen 



rechtfertigt die etwas umständliche präzise 
Analyse einer konkreten Anwendung." 
An Hand der Angst beim Gehenlemen 
macht der Autor begreiflich, daö Angst 
den Sinn einer Reaktion auf die Erwartung 
von Ungewohntem habe und sich aus 
einer (wohl allzu plötzlichen) Änderung 
der Energieverteiliing ergibt. Bei der 
Geburt ist nun der Anlaß zu einer solchen 
plötzlichen Änderung der Energiever- 
teilung gegeben. Sie ist nicht mehr als 
der regelmäßige erste Anlaß zu einer 
solchen. Hier wird erlebt, was phylo- 
genetisch in Form besonderer physio- 
logischer Reaktionen präformiert ist. 
„Wir verstehen die Dyspnoe bei der Ge- 
burt; wir verstehen aber nicht, warum 
die erwachsene Versuchsperson am Sphyg- 
mographen diese Dyspnoe erlebt, wenn 
sie vom Versuchsleiter in Angst versetzt 
wurde. Dieses physiologische Syndrom (ist) 
aber auch von einem bestimmten Affekt 
begleitet : der Angst, Der AfEekt und sein 
zugehöriger körperlicher Ausdruck ge- 
hören SO untrennlich zusammen, daß man 
davon sprechen könnte, jener Komplex 
physiologischer Tatsachen sei der Affekt 
seihst. (Eine Auflassung, die sich mit der 
Freuds, die Affekte seien etwas körper- 
liches oder spezifisch körperlich bedingt, 
deckt. D. Ref.) Bei dieser Auffassung 
wäre die Geburt ein Angstzustand. Aber 
ich glaube, daß diese Pormulierung nicht 
ganz glücklich ist. Sie zwingt uns nur, 
zu beachten, ob die Geburt und deren 
erste ,Reproduktionen' im Bewußtsein 
repräsentiert sind, nicht aber wie . . . 
Daß dies bald eintritt, ist gewiß. Jeder 
Angstzustand ist in diesem Sinne psychisch 
und physisch eine Wiederholung der Ge- 
burt." Wir würden an Stelle dieser letzten 
Formulierung konsequenterweise lieber 
sagen, daß jeder Angstzustand von den 
gleichen körperlichen Erscheinungen be- 
gleitet ist wie die Geburt. Mit dem Satze 
„die Geburt werde wiederholt" geben 
wir ja nur der Tatsache Ausdruck, daß 
anläßlich dieses Geschehens sich die 
Äußerungen der Angst zum erstenmal 
zeigen. Ob das Neugeborene dabei tat- 
sächlich Angst erlebt, können wir ja nicht 
wissen ; es ist bei der geringen Ausbildung 
des Systems Bw und beim Mangel eines 



Referate 



573 



Ichs auch ziemlich unwahrscheinlich. Uer 
Autor gebraucht den Ausdruck rein meta- 
phorisch, während Rank annimmt, es 
handle sich bei den späteren Angstanfällen 
um reale Erinnerungen, Bei dieser Ge- 
legenheit sei darauf hingewiesen, wie 
wenig selbstverständlich es ist, daß die 
Geburt später durch „Sturz in die Tiefe" 
dargestellt wird. Handelt es sich doch bei 
der Geburt weder unri einen Sturz noch 
um eine Bewegung in die Tiefe, Ob dem 
nicht eher anale Geburtsvorstellungen 
aus viel späterer Zeit zugrunde liegen? 

Odier, Charles Dr.: Le complex 

Petite Fusterie, 1925. 

Diese bemerkenswerte Darstellung 
macht einen der umstrittensten Begriffe 
der PsA. dem breiten Publikum verständ- 
lich. Verf. bekämpft eine Menge von 
Laienvorurteilen gegen die Freud sehe 
Methode. Seine sehr klare und iiber- 
aeugende Darstellung ist an Beispielen 
aus der Klinik und der Literatur illu- 
striert. Durch eine B,eihe von Beobach- 



Die Ausführungen des Autors über den 
Bemächt) gungstrieb und über die Psycho- 
logie des „Greiflings", über die „affek- 
tiven Stellungnahmen" und die Bedeutung 
der Entwöhnung widersetzen sich wegen 
ihrer Reichhaltigkeit der Besprechung. 
Sie sollten gründlich studiert werden. 

Im Ganzen : Das Buch bedeutet eine 
noch nicht aJsschätzbare Bereicherung 
unseres Wissens um den Menschen. Keine 
psychoanalytische Arbeit wird daran vor- 
übergehen dürfen. 

Reich (Wien) 

e d'Oedipe. Geneve, Edition de la 

tun gen zeigt der Verf., daß der Ödipus- 
komplex sich in den Psychoneurosen auf 
sehr verschiedene Weisen äußern kann 
(gehemmte Liebesfähigbeit, Hafl und 
Mordirapulse, Eifersucht, Minderwertig- 
keitsgefühle usw.). Diese Arbeit verdient 
von allen Psychoanalytikern gelesen zu 
werden. 

de Saussure (Geneve) 






PSYCHOANALYTISCHE BEWEGUNG 



In memoriam Dr. Po 



»Ion I 



In New York starb am 15. März d. J., kaum 45 Jahre alt, Dr. Alhert 
Polon, einer der angesehensten Analytiker Amerikas, der heuer neuerwählte 
Sekretär der „New York Psychoanalytic Society", an den Folgen eines mehr- 
jährigen Blutgefäßleidens. Dank seiner gediegenen Ausbildung, seines Forschungs- 
triehes und seiner analytischen Begabung, die in Vorträgen und Diskussionen 
der New Yorker psychoanalytischen und sonstigen ärztlichen Vereinigungen 
immer vorteilhafter zum Ausdruck kamen, erwarb er sich verdiente An- 
erkennung immer weiterer ärztlicher Kreise. Gerade in den letzten Jahren 
entwickelte sich seine analytische Laufbahn zusehends. Der Tod traf ihn, als 
e^r daran ging, durch Praxis und Studium gewonnene Erfahrungen und Ideen 
literarisch zu verwerten. Wenige Wochen vor seinem Tode übernahm er die 
Fi5hrung eines psychoanalytischen Seminars, an dem sicli ein engerer Kreis 
NeviT ^ Yorker Analytiker beteiUgte und das ein Zentrum wissenschaftlicher 
Betätigung zu werden versprach. Die Psychoanalyse in Amerika erleidet durch 
den Tod Polons, der tiefes Interesse für Hebung des Ansehens der psycho- 
analytischen Wissenschaft im Lande und auch die Fähigkeit hiezu besaß, 
einen sehr schweren Verlust. Unsere Wissenschaft hätte gewiß nocli wertvolle 
Beiträge vom Verstorbenen erwarten dürfen. 

Für die „New York Psychoanalytic Society": 
M. A. Meyer 



r 



In memoriam Dr. med. Ad. F. Mey( 



Es zeigt sich nicht oft einer größeren Umwelt, daß sich in einem 
Menschen eine bedeutsame innere Wandlung vollzogen hat. Dieser ziemlich 
seltene Fall ereignete sich im Leben Dr. Ad. F. Meyers (16. Oktober 1868 
bis 29. März 1926). Die nähere Berührung mit der Psychoanalyse, besonders 
durch die Lehranalyse, ist für ihn solch ein Wendepunkt gewesen. Seine 



Psydioanalytisdie Bewegung 575 



Laufbahn fing er 1895 als praktischer Arzt zuerst in kleinen Orten an. Als 
er sich 1907 in einer Provinzstadt niederließ, ging er besonders seinem 
wachsenden Interesse für die Psychiatrie nach und lernte bald die Psycho- 
analyse kennen. Unbeirrt durch die Auffassungen der Züricher Schule, fand er 
den Weg zur ursprünglichen Psychoanalyse Freuds, und als ihm die Erfahrung 
an der eigenen Seele genügende Sicherheit verschafft hatte, trat er vor die 
Öffentlichkeit mit zwei Arbeiten, welche sofort den ruhigen, nüchternen 
Kritiker und vorsichtigen Prüfer verrieten. Es waren: „Behandeling van 
zennwzieken door psychoanalyse" (1915) und „Die Kritik der Jungschen Psycho- 
logie der unbewußten Prozesse" (diese Zeitschr. 1916/17); diese Arbeiten 
bildeten den Anfang einer großen Reihe meistens holländisch erschienener Publi- 
kationen, welche durch dieselben, man möchte fast sagen, holländischen, 
Eigenschaften gekennzeichnet waren. Keiner wird sich darüber wundem, daß 
Meyer zu den wenigen gehörte, welche noch im reiferen Alter die erst 
damals durch eine Gesetzesänderung gebotene Gelegenheit, den Doktortitel zu 
erwerben, ergriff und sich 1919 mit einer pissertation : „Experimenten 
omtrent suggestibiliteit bij zennw. en zielszieken" habilitierte. 

Es bedarf keiner besonderen Erwähnung, wie hoch ein Mitarbeiter wde 
Meyer in der Ideinen holländischen Gruppe der I. P. V. geschätzt werden 
mußte. Durch Jahre hindurch hatte er das Amt des Schriftführers inne und 
oft wußte er das wissenschaftliche Interesse durch belangreiche Vorträge zu 
wecken. Eine schwere Erkrankung zwang ihn schließlich, seine Arbeit auf- 
zugeben. Er hat sie nicht wieder aufnehmen können. Zwar zeigte sich 
hie und da eine bedeutende Besserung seines Zustandes; die Hoffnung auf 
eine völlige Genesung wurde jedoch immer wieder enttäuscht. Eine letzte 
Komplikation seines Leidens entriß Hin den Seinigen und der Gruppe seiner 
Mitarbeiter. Keiner wird das Bild des bescheidenen, im stillen arbeitenden 
Arztes des treuen Freundes, des besonnenen „Bekehrten vergessen. 

Pur die „Nederlandsche Vereeniging voor Psychoanalyse": 
J. H. W. van Ophuijsen 



In menioriam A. van der Chijs 

Am 16. April 1926 verschied im einundfünfzigsten Lebensjahr A. van 
der Chijs, der als einer der ersten Psychiater in Holland die Psycho- 
analyse von ganzem Herzen in sein Denken aufnahm, sie propagierte und 
ausübte. Auf seine Initiative kam in seinem Hause die „Nederlandsche Ver- 
eeniging voor Psychoanalyse zustande. 

Wir verlieren in ihm einen Menschen von hervorragendem Charakter, 
dessen Leben ein fortwährendes Mitfühlen mit anderen war, einen uneigen- 
nützigen Freund, einen Mann, zwar mit schwachem Körper, aber mit eiserner 
Ausdauer, wenn es galt zu arbeiten und zu helfen. 

Er war nacheinander Assistenzarzt von Ziehen in Utrecht, Irrenarzt an 
der Anstalt Oud-Roosenburg beim Haag, Sanatoriumsarzt in Apeldoorn und 
Nervenarzt in Amsterdam. In den letzten Jahren war er fast ausschließlich 



l 



57Ö l'sydioanalytisdie Bewegung 



psychoanalytisch tätig. Er war Kassier der „ Nederlandsche Vereeniging voor 
Psychoanalyse" und Redakteur der „Psychiatrische en Neurologische Bladen". 
Wissen, Intelligenz, Liebe und Kunstsinn waren bei ihm z.u einem harmo- 
Bischen Ganzen verwachsen. 

Für die „Nederlandsche Vereeniging voor Psychoanalyse": 

A. J. Westerman Holstijn 



I Dr. James Glover I 



Wir sind in der traurigen Lage, Mitteilung über das Hinscheiden von 
Dr. JamesGlover machen zu müssen : er starb am 2 5. August 1 9 3 6 in Barcelona 
an Diabetes. Der Verlust eines solch wertvollen Mitarbeiters, einer so vortrefflichen 
Persönlichkeit wird nicht nur in England, sondern in der psychoanalytischen 
Welt überhaupt schmerzlich empfunden. Eine ausführliche Würdigung wird 
in einer der nächsten Nummern dieser Zeitschrift erscheinen. 

r- Pur die „British Psychoanalytical Society": 

V Ernest Jones 

t + 

Deutsdiland 

Dr. A. Watermann und Dr. N. Costa haben in Hamburg aus 

psychoanalytischen Interessenten einen zwanglosen Kreis gebildet, der etwa 
dreißig Ärzte und einige Vertreter der Geisteswissenschaften umfaßt. Auf 
Einladung dieses Kreises hat die „Deutsche Psychoanalytische Gesellschaft" in 
Hamburg eine Vortragsreihe veranstaltet. Am 51. Januar 1926 sprach Dr. Franz 
^ Alexander Über den Ödipuskomplex, am 21. März 1926 Dr. Hanns 

Sachs über die Traumdeutung, am 16. Mai 1926 Dr. Sdndor Radö über 
die psa. Trieblehre und schließlich am 27. Juni Dr. Hanns Liebermann 
über den Nutzen des psa. Denkens für die medizinische Therapie. Die Vor- 
träge wurden mit großem Interesse und Beifall aufgenommen. Der Zyklus 
wird im Winter 1926/27 fortgesetzt. 

♦ 
Dr. Siegfried Bernfeld hat im abgelaufenen Jahre in Berlin über 
psa. Themen folgende Vorträge gehalten: 

In der „Deutschen Hochschule für Politik" vonMai bisAugust 1926 
einen wöchentlich zweistündigen Kurs über „Psychologische Probleme der 
Jugendfürsorge". — In der Buchhandlung Ostertag am 14. Januar 1926 
über „Psychoanalyse und Öffentlichkeit". — Im „Bund entschiedner 
Schulreformer" am 19. März 1926 über „Das notwendige Schicksal der 
Versuchsschule". — In der „Jungsozialistischen Vereinigung" am 
Z2. März 1926 über „Jugend und Erziehung", 27. und 28. April über 
„Erziehung und Psychoanalyse". — Im „Jüdischen Studenten verein" 
im Februar 1926 fünf Vorträge über „Psychoanalyse und Sozialismus". — 
Im „Verein sozialistischer Ärzte" am 14,. Juni 1926 über „Psycho- 
analyse und Sozialismus". 

i 



t'sydioanalyiische Deivegung 577 

Ferner hielt Dr. Bernfeld in Sonneberg in Thüringen am 2 2 . September 1926 
xwei öffentliche Vorträge über „Psychoanalyse und Erziehung und über 
„Traum, Phantasie und Kunst" und in Wickersdorf in Thüringen im 
Lehrerkollegium der „Freien Schulgemeinde" am 50. August 1926 
einen Vortrag Über „Psychoanalyse und Erziehung**. 



Frau Dr. F, Lowtzky hielt auf Einladung des „Russischen Zirkels 
für Kunst und Literatur"" in Berlin im März 1926 über die „Psychoanalyse 
Freuds" einen Vortrag in russischer Sprache, der bei den Hörern starken 
Anklang gefunden hat. 



Indien 

Während des Berichtsjahres gewann die psychoanalytische Bewegung wieder 
an Popularität. Der Indian Science Congress, der seine Sitzungen in Benares 
zu Beginn des Januars 1925 abhielt, stellte zum erstenmal eine psychologische 
Sektion au£ In dieser psychologischen Sektion wurden von Major Owen 
Berkeley-Hill und dem Präsidenten psychoanalytische Vorträge gehalten. 

Am 26. August 1925 hatten die Mitglieder der Vereinigung in Kalkutta 
eine Zusammenkunft mit Mahatma Gandhi und diskutierten Major Owen 
Berkeley-Hills Vorschlag zur Einigkeit von Moslem und Hindu, (Vgl. das 
gleichzeitig in „Imago", Heft Xn/4, erschienene Referat über Berkeley-Hills 
Aufsatz im „Intern, Journ. of PsA.".) Mahatma Gandhi zeigte lebhaftes Inter- 
esse für die Psychoanalyse. 

Am 50. Juli 1925 hielt der Präsident der Psychoanalytischen Gesellschaft, 
Prof. Böse, eine Ansprache an das Parlament über die Unterstützung der 
Kriminologie durch die Psychoanalyse. 

Am 5. und 12, September 1925 hielt der Präsident Prof. Böse zwei Vor- 
trage über die Geschichte der Psychoanalyse und über seelische Mechanismen 
am Bengal Technical Institute, der Einladung der Alumni Association folgend. 

Am 22. September 1925 lud der Rotary Club den Präsidenten ein, für die 
Mitglieder einen Vortrag über „Psychoanalyse und Beruf" zu halten. Der 
Vortrag fand sowohl hei den Mitgliedern wie auch beim großen Publikum 
reges Interesse. Einige führende Tageszeitungen brachten Leitartikel über den 
Vortrag. 

In bengalischen Zeitschriften wurden vom Präsidenten und anderen Mit- 
gliedern Artikel über psychoanalytische Themen geschrieben. 

In manchen der kurzen Erzählungen, die in bengalischen Zeitschriften 
erscheinen, sind Hinweise auf die Psychoanalyse zu finden. Sogar Kinderzeit- 
schriften bringen entsprechend geschriebene psychoanalytische Artikel. Viele 
Arzte und Lehrer haben Interesse für die Psychoanalyse gezeigt und die Vor- 
träge des Präsidenten besucht, die an der Universität für alle Studenten statt- 
fanden. Es liegt ein Entwurf vor, einen eigenen Ausbildungskurs in theore- 
tischer und praktischer Psychoanalyse für absolvierte Medizinstudenten zu 
eröffnen. Man hofft, daß sich die Universität daran beteiligen wird. 



38 



578 Psydioanalytisdie Bewegung 



Rumänien 

Unter der Leitung von Dr. Nikolaus E I e k e s, Assistent an der psychiatrisch- 
neurologischen Universitätsklinik, hat sich in Klausenburg ein aus mehreren 
Ärzten und einigen Laien bestehender psychoanalytischer Zirkel gebildet. Die 
Mitglieder der kleinen Arbeitsgemeinschaft traten im vergangenen Jahre 
allwöchentlich zu einer Sitzung zusammen und bemühteji sich, durch das 
eifrige seminaristische Studium von Freuds „Vorlesungen zur Einführung in 
die Psychoanalyse" eine erste Orientierung in dieser Disziplin zu gewinnen. 
Dr. Elekes selbst hatte früher eine Zeitlang die Ausbildungskurse des „Berliner 
Psychoanalytischen Institutes" besucht und blieb seither mit dem Vorsitzenden 
der „Ungarischen PsA. Vereinigung" in ständiger Fühlung; das bisher erzielte 
gute Resultat läßt nach seinem Eindruck eine ersprießliche Weiterführung 
der aufgenommeneu Arbeit erhoffen. 

Rußland 

Ende November 1926 hielt Dr. M. Wulff an der Kinderklinik der 
IL Moskauer Universität seine Antrittsvorlesung als Privatdozent über die 
infantile Sexualität. In der Diskussion trat Prof. Kissel, einer der ältesten 
Pädiater, für die kindliche Sexualität, insbesondere für die Säuglingsonanie 
und Oralerotik, ein. 



Ung 



farn 



Dr. S. Ferenczi, Mitglied der Redaktion der „Int. Zeitschrift f. 
Psychoanalyse" und Vorsitzender der „Ungarischen Psychoanalytischen Ver- 
einigung", hat sich auf Einladung der Leitung des „New School for Social 
Research zur Haltung einer Vortragsserie über Psychoanalyse nach New York 
begeben. Sein Aufenthalt durfte sich bis zum nächsten Frühjahr erstrecken. 
Mitteilungen an ihn werden an die Adresse: Hotel St. Andrew, Broadway 
and 72"^ Street erbeten. 

* 

Der erste allgemeine ärztlidie Kongreß für Psydiotherapie, 

der im April 1926 in Baden-Baden tagte, hinterließ den sehr bestimmten Ein- 
druck, daß die Psychoanalyse anfängt, jetzt auch bei Neurologen und Psychiatern 
Anerkennung und Verständnis zu finden. Die Anerkennung der grund- 
legenden Leistung Freuds fand nicht nur einen direkten Ausdruck in vielen 
Vorträgen und Gesprächen sowie einem an Freud gesandten Telegramm,' 
sondern auch einen indirekten in der Tatsache, daß manche grundsätzliche 
Erkenntnisse der Psychoanalyse offenbar bereits so sehr Allgemeingut geworden 
sind, daß man sich ihres Ursprungs kaum mehr bewußt ist. So zeigen Vor- 
träge aus dem Gebiet der Gynäkologie, Dermatologie und inneren Medizin, 
daß man in der sogenannten „kleinen Psychotherapie" nicht nur die Einsicht 
in den sekundären Krankheitsgewinn praktisch verwendet, sondern auch mit 

1) Außer an Freud wurde nur noch an Forel ein Telegramm geschickt. 




Psydioanalytisdie Bewegung 579 

Erfolg den Zusammenhang zwischen neurotischen Krankheitserscheinungen und 
mehr oder weniger bewußten pathogenen Konflikten aufdeckt. 

Über die Tiefe dieses Verständnisses darf man sich allerdings keinen 
Illusionen hingeben. Nicht nur die Lehre von den prägenitalen Organisationen 
und der Libidotheorie, sondern auch nahezu das ganze Gebiet der Über- 
tragung und des Widerstandes begegnete auch bei grundsätzlich wohlwollender 
Einstellung einem völligen Unverständnis.^ Man spürte an manchen Stellen deut- 
lich, — und begreift es als Analytiker nur zu gut, — wie die in Über- 
tragung und Widerstand wirksamen Kräfte als etwas Unheimliches empfunden 
werden, und man sich daher scheut, sich mit ihnen gedanklich auseinander- 
zusetzen. 

Die Kritik gegen die Psychoanalyse hielt sich fast durchwegs in sehr 
sachlicher Form; sie brachte aber kaum Neues, sondern wendete sich in alt- 
bekannter Weise gegen die einseitige Betonung der Sexualität, gegen das 
Fehlen der Synthese, gegen den Dogmatismus, gegen die Vernachlässigung der 
Gesamtpersönlichkeit zugunsten von Einzelheiten des Trieblebens sowie gegen 
die Vernachlässigung der körperlichen Untersuchung und gegen die Laienbehandlung. 

Überhaupt herrschte in der Forderung der Verwurzelung der Psycho- 
therapie im ärztlichen Können eine durchgehende Einigkeit. Diese 
Forderung wurde begründet mit dem Hinweis darauf, daß der Mensch eine 
psychophysische Eirdieit darstelle, und daß man daher in der Lage sein 
müßte zu beurteilen, ob das wichtigste genetische Moment im Körperlichen 
oder im Seelischen läge, resp. auch darin, ob es im speziellen Fall zweck- 
niäßiger sei, von dieser oder jener Seite einzuivirken. In diesem Zusammen- 
hang wurde die Bedeutung der Verbindung der Psychotherapie mit der 
Pharmakologie (Schilder) und der Konstitutionsforschung betont. Eine rein 
psychologisch-philosophisch-psychiatrische Vorbildung wurde daher abgelehnt 
und die Notwendigkeit einer guten klinisch- ärztlichen Vorbildung hervor- 
gehoben. 

Auch die Einigungsbestrebungen für die Psychotherapie, wie sie 
von J. H. Schultz vertreten wurden, fanden eine ihrer Hauptbegrün düngen 
in dieser Forderung der ärztlichen Vorbildung, Eine w^eitere Motivierung 
ergab sich in der Forderung einer vielseitigen psychotherapeutischen Aus- 
bildung und deren Vermittlung, um von da aus sowohl zu einer Klärung der 
Indikationsstellungen als auch zu einer Klärung der methodologischen Grund- 
lagen der Psychotherapie und der Terminologie zu gelangen. 

Wenn auch diese Einigungsbestrebungen zu keinem konkreten Resultate 
führten, so gewann man doch den Eindruck, daß ein guter bewußter WiUe 
zur Verständigung vorhanden war; daß aber eine solche Basis gegenseitiger 
Ächtung geschaffen war, will schon viel heißen bei solcher Verschiedenheit, 
ja sogar Gegensätzlichkeit der vertretenen Anschauungen, wie sie in mechanistisch- 
experimentalpsychologischer {oder besser: physiologischer), naturwissenschaftlich- 
psychologischer oder philosophisch-weltanschaulicher Denkweise zum Ausdruck 
kommen, Karen Horney (Berlin) 



i) Hier bildete J. H. Schultz ^Berlin) fast die einzige Ausnahme, indem er betonte, 
daß wir P r e u d für die Analyse der Übertragung unerhört dankbar sein müßten. 

3ß' 



5So 



Psythoanalytisdie Bewegung 



Psydioanalytisdier Film 



Nach gelegentlichen belanglosen Versuchen, den Film zur Darstellung 
der Lehre vom Unbewußten zu verwenden, konnte der erste psychoanalytische 
Film, der Ufa-Flhn der Neumann-Produktion „Geheimnisse einer Seele", am 
24. März d. J. in Berlin erstmalig gezeigt werden und fand viel Beifall 
sowohl seitens der Presse wie beim großen Publikum. Der Filmfachmann 
Hans Neumann (Berlin) — der von sich aus den Vorsatz gefaßt hatte, 
etwas vom Wesen der Psychoanalyse filmisch zu erfassen — bearbeitete 
gemeinsam mit Colin Roß das Manuskript und gewann als psychoanalytische 
Mitarbeiter und Berater unseren, leider ehe er noch die Vollendung seiner 
Arbeit sehen konnte, verstorbenen Dr. Karl Abraham sowie Dr. Hanns 
Sachs. Hierdurch gelang es, das Werk, das ein echter Film voller Lebendig- 
keit und Spannung ist, mit dem Geist unserer Lehre soweit wie möglich zu 
erfüllen, ohne ihren Reichtum ausschöpfen zu wollen und mit bewußter 
Beschränkung auf den dargestellten Einzelfall. Die Geschichte der neurotischen 
Erkrankung eines Mannes und ihrer analytischen Heilung bildet den Inhalt 
des Stückes, dessen Einzelheiten hier nicht genauer berichtet werden können. 
Ein unter der Kinderlosigkeit seiner Ehe geheim leidender Mann von 
intellektuellem Beruf erkrankt an der Unfähigkeit, ein Messer zu berühren 
und an dem Zwangsimpuls, seine Frau zu ermorden, nachdem er einen 
grauenvollen, langen Angsttraum hatte. Der Traum entstand nebst anderen 
Tagesereignissen hauptsächlich unter dem Eindruck, den die bevorstehende 
Ankunft eines lange Zeit abwesenden, seit der frühen Kindheit unbewußt 
gefürchteten Rivalen in ihm ausgelöst hat. Die Handlung läßt ihn dann in 
filmisch wirksamer und zugleich sinnvoller Weise den Arzt kennen lernen 
der ihm seine Enttäuschung an der Frau und seine unbewußte Eifersucht 
aufdeckt, den hinter der Messerpliobie verborgenen, gegen die Frau gerichteten 
Tötungswunsch wirklich bewußt macht und den ganzen neurotischen Konflikt 
auf ein entscheidendes Kindheitserlebnis zurückführt. So wird der Patient 
— in der Zeit von sechs Monaten — geheilt und werden in ihm die 
Vorbedingungen für ein neues Lebensglück geschaffen. 

Der FUm ist von der Kritik fast allgemein als ernste künstlerische Leistung 
anerkannt worden. Darin liegt also seine Bedeutung erstlich, daß er sich in 
würdiger Weise an die Seite der nunmehr schon stattlichen Anzahl von 
erzahlenden und dramatischen Produkten stellt, die mehr oder weniger stark 
von der Psychoanalyse beeinflußt worden sind, und erreicht vielleicht noch 
mehr als jene, zufolge inniger Beziehungen zwischen dem Vorwurf und dem 
(neuen) Mittel der künstlerischen Gestaltung. Daher ist sein Erfolg zum größten 
Teil das Verdienst des namhaften Regisseurs G. W. Pa b s t und insbesondere 
des genialen Schauspielers Werner Krauß. Der grandiosen Leistung des 
letzteren ist es zuzuschreiben, daß (mit dem Worte eines Kritikers) „nicht 
nur ein Chemiker mit seinem Zwangsirapuls, sondern der Mensch mit seinem 
Schicksal" in dem Lichtbild agiert. Damit ist aber eine Forderung erfüllt, 
die wir auch bei der Bewertung einer psychoanalytischen Krankengeschichte 
als ideales Höchstmaß anwenden dürfen. 

Dieser Versuch nun, den Film als Mittel für die Darstellung der psycho- 
analytischen Erkenntnisse zu benützen, beruht auf der bereits angedeuteten 



Psydioanalytisdie liewegirag 5^1 



Voraussetzung, daß seine noch unabsehbaren Möglichkeiten an optischer 
Darstellbarkeit zur Schilderung der wichtigsten Inhalte der analytischen 
Bemühungen: des Traumes, der Fehlleistungen, des neurotischen Handelns, 
wie geschaffen erscheinen. Den Gipfelpunkt der Handlung bildet in natür- 
licher Weise der Traum und an ihm und an seiner Deutung werden das 
Hauptsächliche an der analytischen Arbeitsweise und deren Resultate verständlich 
gemacht. Da die AVirkung der entscheidenden Lösungen als eine Art 
„Abreagieren" zur Darstellung gelangt, gewinnt man den Eindruck wie von 
einer kathartischen Kur, wie sie etwa von Freud in den zwei ersten der 
amerikanischen Vorlesungen geschildert wird, allerdings mit dem bedeutsamen 
Zusatz, daß der Zusammenhang mit dem Kindheitstrauma in vollem Maße 
zur Geltung kommt. Somit ist' das, was der Film an Belehrung bietet, eine 
Quintessenz der psychoanalytischen Therapie. Der Umstand, daß der filmischen 
Bearbeitung bestimmte Grenzen gezogen sind, trug viel dazu bei, daß nicht 
noch mehr vermittelt werden konnte. Die grundlegenden sexuellen Probleme, 
wie die psychische Impotenz des Mannes, die Herkunft der Konflikte aus 
dem Ödipuskomplex, konnten eben nur angedeutet werden ■ die Sexual Symbolik 
hat zwar den ihr gebührenden Raum in der plastischen Darstellung gefunden 
(Traum), wurde aber mit einer Ausnahme {„Geburtsw asser") nicht zur Deutung 
gebracht. Doch mag der Film vielfach Anregung zur weiteren Orientierung 
in der Literatur geben, um so mehr, als ein von Sachs verfaßtes, erklärendes 
Textbuch das Wichtigste über Fehlhandlungen, Traum und Neurose an Hand 

der Begebenheiten in fesselnder Form erörtert. , ,., . ^ 

° J. Harn ik (Berlin) 



KORRESPONDENZBLATT 

DER 

INTERNATIONALEN PSYCHOANALYTISCHEN 

VEREINIGUNG 



Redigiert von Dr- M. Eitingon, Zentralsekretär 



Mitteilung des Vorstandes 

Am 6. Mai d. J. feierte Herr Prof. Freud in erfreulichster Frische 
und sehr gutem Gesundheitszustande seinen siebzigsten Geburtstag. Die außer- 
ordentlich zahlreich und von den verschiedensten Seiten eingelaufenen 
Begrüßungen und Ehrungen zeugten sehr beredt von der Größe des Wider- 
halls, den sein Werk nun gefunden hat. In früher Vormittagsstunde dieses 
Tages überbrachten wir im Verein mit den Kollegen Federn, Ferenczi, 
Jones, Sachs und St orfer unserem geliebten und verehrten Meister die 
Glückwünsche der Internationalen Psychoanalytischen Vereinigung und über- 
gaben ihm den von ihr zu diesem Tage gesammelten Jubiläumsfonds, der die 
Summe von über 30,000 GM. erreicht hatte.' 

Herr Prof. Freud antwortete uns in erschütternden und unvergeßlichen 
Worten, als er uns aiiftrug, seinen Dank und seine Grüße allen unseren 
Kollegen zu übermitteln. 

Ei tingo n 



1) Der Jubilar führte diese Summe einer Reihe von Zwecken unserer Bewegung zu, wie in 
einem Rundschreiben an die Gruppen bcreiu mitgeteilt worden ist. 



Korrespondenzblatt 585 



il 



n 

Berichte der Zweigvereinigungen 

American Psydioanalytic Association 

I.— II. Quartal 1926 

Die XVI. Jahresversammlung der American Psychoanaiytic Association, die 
am 10. Juni 1926 in New York stattfand, war besonders dadurch bemerkens- 
wert, daß s^um erstenmal seit Bestehen der Vereinigung eine gemeinsame 
Versammlung mit der American Psychiatric Association abgehalten wurde, der 
größten und bedeutendsten Vereinigung auf diesem Gebiete in Amerika. Diese 
Versammlung gab der Psychoanaiytic Association Gelegenheit, zum erstenmal 
die Anschauungen der Psychoanalyse vor einer größeren Anzahl von Ärzten 
darzulegen. Das Programm war folgendes : Dr. Trigant B u r r o w (Baltimore) : 
Die Notwendigkeit analytischer Psychiatrie. — Dr. Adolph Stern (New 
York): Bericht über einen mit Psychoanalyse behandelten Fall von Angst- 
hysterie. (Diese beiden Vorträge wurden in der gemeinsamen Sitzung mit der 
American Psychiatric Association gehalten.) Dr. Trigant Burrow (Baltimore): 
Sprechen über Widerstände. ~ Dr. I. H. Cori at (Boston): Über einen 
Charaktertypus in der Psychoanalyse. — Dr, L. Pierce Clark (New York): 
Psychoanalytische Einleitung zu einer Studie über Leitungsstörungen bei 
Encephalitis lethargica. — Dr. H. C. Sullivan (Baltimore): Bemerkungen 
auT Theorie des Symbols. — Die gemeinsame und die eigene Sitzung waren 
von allen bisher von der Vereinigung in Amerika abgehaltenen Sitzungen am 
besten besucht. 

In der Geschäfts sitzung wurden zu Mitgliedern gewählt: Dr. P. H. Lehr- 
man, New York City; Dr. Lucüe D o o 1 e y, Washington, D. C. ; Dr. Marion 
Kenworthy, New York; Dr. Philip S. Graven, Washington, D. C. 

Für das kommende Jahr wurden gewählt; Als Präsident Dr. Adolph 
Stern, New York City; als Sekretär und Kassier Dr. C. P. Oberndorf, 
New York City; als Vorstandsmitglieder Dr, A. A. B ri 11, New York City; 
Dr. Ralph R e e d, Cincinnati, Ohio ; Dr. Fred J. F a r n e 11, Providence, R. I, 

Der Unterrichts au sschuß, bestehend aus Dr. S, E, JeUiffe, Dr, E. J. Kemipf 
und Dr. C. P, Obemdorf, legte einen Bericht vor, in dem die fiir die Aus- 
bildung zum psychoanalytischen Therapeuten notwendigen Richtlinien nieder- 
gelegt und die Einführung von Kursen für Interessenten der auQermedizinischen 
Anwendung der Analyse in Vorschlag gebracht waren. Um hieriiher eine eingehendere 
Diskussion zu ermi^lichen, wnrde beschlossen, diesem Zweck in der in 
New York im nächsten Dezember abzuhaltenden Versannnlung eine ganze 

Sitzung zu widmen. 

Dr. C. P. O b e r n d o r f 
Sekretfir 



British Psydio-Analytical Society 

U. Quartal 1^6 

21, April und 5, Mai 1926. Dr. Glover hielt ein Referat über das vor 
kurzem erschienene Buch von Freud „Hemmung, Symptom und Angst" und 



^. 



5^4 Korrespondenzblatt 



iegleitete sein Referat mit Beispielen und einigen kritischen Bemerkungen 
Daran schloß sich eine allgemeine Diskussion Über das Thema 

2 Juni. Miß N. Searl: „Über einen Fall von Stottern bei einem 
Rind Bericht über drei aufeinanderfolgende Behandlungsstunden, in denen die 
Ursache des Stottems bei einem fünfeinhalbjälirigen Knaben eindeutig fest- 
gestelh wurde, und über die Reproduktion einer traumatischen Erinnerung 
im Spiel. Kastrationsangst fand ihren Ausdruck durch Angst vor Spalten und 
leeren Räumen. In WirUichkeit war diese Angst nach dem Aufessen einer 
ganzen Schachtel Schokolade aufgetreten, wonach der Knabe vom Vater 
bestraft und ihm von der Kinderfrau mit Krankwerden gedroht wurde. 
Diese Drohung ging zwar nicht in ErfüUung, er wurde aber später an den 
Mandeln und Drüsen operiert; im Stottern nun hielt er mit den Worten 
zuruck,_ so wie er früher die Schokolade zurückgehalten hatte, um der 
Kastration zu entgehen. - Dr. Estelle Cole brachte einige Notizen über 
die Entstehung von Hämorrhoiden während der Analyse und ihre Bedeutung 
in den Traumen einer jungen unverheirateten Patientin. Die Symbolik der 
„Knoten zeigte, daß es sich dabei um Erfüllung ihres Männlichkeitswunsches 
sowohl auf der genitalen als auf der analerotischen Stufe, handelte; aus- 
gesprochen feindselige Reaktionen gegen Vater mid Bruder traten in 
Ermangelung des notwendigen Ersatzes auf. 

16 Juni. Dr. Emest Jones berichtete über einen Fall, bei dem der 
Mantel als phailisches Symhol figurierte. - Dr. Bryan wies auf eine von 
^iraldus Cambrensis im „Ttinary through Wales" zitierte Legende hin, In 
der die Kastrationssymholik durch Blendung und Zahnschmerzen deutiichen 
Ausdruck fand. 

^Adressenänderung: Dr. Estelle Maud Cole, igo Harlet Street, London W. 1. 

n ^x rJ^' ^' ^^^"* ^"^*^' "^^ Emperor's Gate, London S. W. 7. — 
Dr. M. D. Eder, 16 Nottingham Place, London W 1. — Mrs Susan 
Isaacs, 47 Hills Road, Cambridge. — Miß Chadwick, 48 Tavistock 
Square, London W. C. 1. 

Dr. Douglas Bryan 

Sekretär 



Deutsdie PsydioanalytisAe Gesellsdiaft 

CfrOhcr: „Berliner Fsydiuanaljtlsdic Vereinigung") 

n. Quartal 1926 

^J^\ ^^""^ " ^^^' ^"^^^^t^^^S der Diskussion über „Psychoanalyse und 
Öffentlichkeit . Redner: Drs. Alexander, SimmeZ, Radd, Eitingon, Sachs, Frau 
Horney, Bernfeld. 

In der GeschäftssitÄung wird Dr. med. Walter Cohn (Berlin W. 50, 
Stühbenstraße 5) zum außerordentlichen Mitglied gewählt. 

24. April 1936. Frau Dr. Horney: Bericht über den allgemeinen 
Psychotherapeutenkongreß in Baden-Baden. — Dr. Fenichel: Über die 
Identifi zierung. 

Außerordentliche Generalversammlung. Auf Antrag des 
Vorstandes wird die Umbenennung der Vereinigung in „Deutsche Psycho- 
analytische Gesellschaft" einstimmig beschlossen. 



Korrespondenzblatt 585 



6. Mai 1926. Öffentliche Feier anläßlich des 70. Geburtstages Professor 
Freuds. (Ausführlicher Bericht wird in der Ruirik „Psychoanalytische 
Bewe^ng" veröffentlicht). 

11. Mai 1926. Frau Dr. Lowtzky: Die Bedeutung der Libido- 
schicksale für die Entwicklung der religiösen Ideen (Das dritte Testament von 
Anna Schmidt). 

29. Mai 1926. Fortsetzung des Vortrages von BVau Dr. Lowtzky. 

In der Geschäftssitzung wird Dr. phil. Siegfried Bernfeld (Berlin 
W. 50, Tauentzienstraße 18/a), als ordentliches Mitglied aus der Wiener 
Gruppe übernommen. 

8. Juni 1926. Kleine Mitteilungen. Dr. Fenichel: Zur Isolierung. 
— Dr. Bernfeld: Zur Pathologie der Über-Ich-Bildung. — Dr. Hdrnik: 
Ziir Frage der „forcierten Phantasien". 

15. Juni 1926. Dr. Loofs (a. G.): Der böse BHck. 

In der Geschäftssitzung wird Frau Dr. phil. F. Lowtzky (Berlin- 
Wilmersdorf, Nassauischestraße 2) zum außerordentlichen Mitglied gewählt. 

26. Juni 1926. Dr. Simmel: Zur Psychogenese der Blinddarm- 
entzündung. 

In der Geschäfts Sitzung wird Dr. med. Friedrich A. Loofs (Berlin- 
Wilmersdorf, Aschaffenhurgerstraße 25) zum außerordentlichen Mitglied 
gewählt. 

29. Juni 1926. Fortsetzung der Diskussion über den Vortrag von 

Dr. S i m m e i. 

Die Gesellschaft veranstaltete in ihrem Institut (Berlin W. 55, 
Potsdamerstraße 29) im zweiten Quartal 1926 folgende Fach- und Aus- 
bildung skurse : 

1 . Dr. Hanns Sachs: Ausdrucksformen des Unbewußten in der Kultur 
der Gegenwart, dreistündig. (Hörer zahl: 45.) 

2 . Dr. Karl Müller-B raunschweig: Philosopliie der Psycho- 
analyse, vierstündig. (Hör er zahl; ig.) 

g . Dr. Franz Alexander: Einführung in die Theorie und Technik 
der Traumdeutung, fünfstündig. (Hörerzahl; 54,) 

4. Dr. Ernst Simmel: Die therapeutischen Möglichkeiten der Psycho- 
analyse (mit besonderer Berücksichtigung der Indikationsstellung), dreistündig. 
(Hürerzahl : 51.) 

5. Frau Dr. Karen Horney: Über Frigidität und andere Stömngen 
im Sexualleben der Frau (Insbesondere für Frauenärzte und Arztinnen), drei- 
stündig. (Hörerzahl: 25.) 

6. Dr. Sändor Radö: Freuds Theorie der Angst und der Symptom- 
bildung. (Nur für Fortgeschrittene) fünfstündig. (Hörerzahl: 25.) 

7. Dr. Felix Boehin: Seminaristische Übungen über ausgewählte Kapitel 
aus Freuds Schriften (Krankengeschichten), achtstündig. (Hörerzahl: 12.) 

8. Dr. Otto Fenichel: Seminar üher Karl Abrahams klinische 
Arbeiten zur Psychoanalyse, sechsstündig. (Hörerzahl i 11.) 

9. Dr. Siegfried Bernfeld: Psychoanalytische Besprechung praktisch- 
pädagogischer Fragen. (Für Fortgeschrittene, persönliche Anmeldung.) (Hörer- 
zahl: 20.) 



V 



586 Korrespondenzblatt 



10. Dr. Sdndor Rad 6: Technisches Colloquium. (Nur für ausübende 
Analytiker, insbesondere Ausbildungskandidaten, persönliche Anmeldung.) (Hörer- 
zahl : 1 4.) 

11. Dr. Eitingon, Dr. Simmel, Dr. Radd: Praktische Übungen 
zur Einführung in die psychoanalytische Therapie. (Nur für Ausbildungs- 
kandidaten.) (i2 Kandidaten.) 



Dr. Sändor Rad6 

Sckrct&r 



Indian Psydioanalytical Society 

1.— IL Quartal 1(»6 

Folgende Versammlungen wurden abgehalten: 

50. Januar 1926. Jahresversammlung. Der Jahresbericht für 1925 wurde 
angenommen und der Vorstand gewählt, der sich wie folgt zusammensetzt: 
Dr. G. Böse {PräsidentX Bt. N. N. Sen Gupta, Mr. G. Bora, Dr. M. N. 
B a n e r i e e (Sekretär). 

5. Februar 1926. Der Präsident hielt einen Vortrag über die „Genese 
der Homosexualität". Viele hervorragende Gäste wohnten der Versammlung 
bei und beteiligten sich an der Diskussion. 

28. März 1926. Wahl von Capt. A. G. Barre to L. M. & S. (Bomb.) 
M. S., L. PA (Nancy) I. M. S. zum Mitglied der Vereinigung. 

9. Mai 1926. Dr. Sarasilal Sarkar hielt m bengalischer Sprache 
einen Vortrag über „R a b i n d r a n a t h und das Spinnrad", 

Außer den obigen Zusammenkünften wurden die üblichen Samstag- Abend- 
Zusammenkünfte über verschiedene psychoanalytische Themen im Hause des 
Präsidenten abgehalten. Dr. Suhrit Chandra M i t r a, der auf dem Homburger 
Kongreß als Vertreter der Indian Society anwesend war, kehrte Ende April 
1926 zimick. 

Dr. M. N. Baneriee 

Sekretär 



Magyarorszägi Pszichoanalitikai Egyesület 

IL Quartal 1926 

10 AprÜ 1926. Dr, B. ^Totis (als Gast): Das Seelenleben der Frau 
und die Frauenkrankheiten. 

24. April 1926. Dr. M. J. Eisler: Eine Neurose mit wabnhaften 

Selbstanklagen, 

15. Mai 1926. Dr. St. Hollös: „Abschied vom gelben Haus". (Ein 
Kapitel aus dem Manuskript des gleichnamigen Buches des Autors). 

29. Mai 1926. Doz. Dr. F. Deutsch (Vitien): Psychoanalytische 
Gesichtspunkte bei angina pectoris. 

12. Juni 1926. E. M. Franklin (als Gast): Über den Zusammen- 
hang der Epilepsie und der bedingten Reflexe, mit psychoanalytischen 
Ausblicken. 

Am 5. Juni veranstaltete die Vereinigung im Sitzungssaal des alten 
Parlamentsgebäudes eine öffentliche Festsitzung zu Ehren von Prof. Freud, 



Korrespondenzblatt 587 



an 



der etwa 500 Gäste teilgenommen haben. Dr. Ferenczi hielt einen 
Vortrag über die äratlich-naturwissenschaftlichen Errungenschaften der Psycho- 
analyse, Dr. Rdheim würdigte die Bedeutung derselben für die Geistes- 
wissenschaften. Die Vorträge wurden vom Publikum mit großer B^eisterung 
aufgenommen. 

Geschäftliches: Dr. S. L 6 r d n t ist aus der Vereinigung ausgetreten. 

* 
Die Ung. PsA. Vereinigung wird im Laufe des nächsten Winters 
systematische Kurse zur Einführung in die Psychoanalyse mit folgendem 
Programm veranstalten. In den Monaten November-Dezember: Dr. I. Her- 
mann, Psychoanalytische Psychologie; Dr. M. BdHnt, Psychoanalytische 
Trieblehre; Dr. G. Rohe im, Ethnologie (je zwölfstündig). In den Monaten 
Januar-Februar folgen Kurse klinischen Inhalts, gehalten von Dr. M. J. Eis 1er, 
Dr. St. Hollös, Dr. S. Pfeifer, mit noch bekannt zu gebendem Programm. 

Dr. Imrc Herrn an 

Sekretär 



Nederlandsche Vereeniging voor Psydioanalyse 

IL Quartal 1926 

Die Sitz-ong am 10. April beginnt mit einer Trauerkundgebung für das 
dahingeschiedene Mitglied Dr. Adolph F. Meyer. Der Vorsitzende, 
Dr. van Emden, würdigt die großen Verdienste, die sich Dr. Meyer um 
die Psychoanalyse erworben hat, sowohl durch seine siebenjährige Schrift- 
führung der Vereinigung, wie durch seine wissenschaftlichen Beiträge und 

Kritiken. 

Dr. A. Stärcke: Über Tanzen, Schlagen, Küssen usw. (Der Anteil 
des Zerstörungsbedürfnisses an einigen Handlungen.) (Der Vortrag wurde in 
Heft 2/5, 1926, der „Imago" veröffentlicht.) 

Dr. J. H. W. van O p h u i j s e n bringt einige kasuistische Beiträge. Er 
versucht die psychoanalytische Deutung einiger von Prof. van R i j n b e r k in 
der ^Nederlandsck Tijdschrift voor Geneeskunde'' publizierten Träume, die dieser 
Autor auf die symbolische Verarbeitung der rhythmischen Bewegungen des 
Herzen zurückgeführt hat. 

Weiter bespricht Dr. van Ophuijsen den psychoanalytischen Film 
„Geheimnisse einer Seele . 

Die Sitzung am 8. Mai wurde anläßlich des 70. Geburtstages von 
Prof. Freud einberufen. Leider mußte Dr. van Emden einleitend eines 
neuerlichen großen Verlustes gedenken, der die Vereinigung durch das Dahin- 
scheiden von Dr. A. van der Chijs getroffen hat. Er würdigt die wissen- 
schaftlichen Verdienste und die hervorragenden persönlichen Eigenschaften des 
Verstorbenen, der einer der ersten ausübenden Psychoanalytiker Hollands war. 
In seinem Hause fand seinerzeit die erste Zusammenkunft der Gruppe statt ; 
er war seit ihrer Gründung ein immer tätiges Mitglied des Vorstandes. 

Prof. Dr. G. Jelgersma würdigt Freuds Verdienste. Er zieht eine 
Parallele zwischen dem Werk von Freud und Darwin. Darwin erschloß 



Tl 



I 



'■^ 



5aö korrespondenzbiatt 



uns das genetische Verständnis des Biologischen, Freud schuf die genetisclie 
Wissenschaft des Seelenlebens. Freud sei der größte lebende Psychologe. 

Dr J. H. van der Hoop berichtet über den Psychotherapeutischen 
Kongreß m Baden-Baden. 

Dr. S. J. R. de Monchy: Ein Fall von Psychasthenie. Vortragender 
berichtet über die Analyse eiaes Zwangskranken, der in drei Monaten voll- 
ständig geheilt wurde. 



Dr. A. Eiidtz 

Sekretär 



Ne\\^ York Psydio-Analytic Society 

I.-II. Quartal 1926 

36 Januar ,926. Dr. L. Pierce Clark: Über die Phantasieniethode bei 
nai^ißtischen Neurosen. Der Vortrag behandelt eine Neuerung der psycho- 
analytischen Technik, die besonders für die Behandlung narzißtischer Neu- 
rosen bestimmt ist. Dr. Clark ergänzte seinen Vortrag durch die Wiedergabe 
der Urteile einiger Psychoanalytiker, die seinen Vortrag am letzten Kongreß 
diskutierten. (Wurde in Heft 3, 1926 der Int. Zschr. f. PsA, veröffentlicht) 
Dr. Adolf Stern: Klinische Notiz über einen Fall von Angsthysterie 
In den ersten sechs Wochen der Behandlung schien der Patient nur Material 
aus der Präödipussituation zu bringen. Dr. Stern erbat die Ansicht der andern 
Mitglieder über die Häufigkeit solcher Situationen. Mehrere äußerten sich 
dahingehend, daß solche Fälle keine Seltenheit darsteUten. 

In der Geschäftssitzung wurde eine Kundgebung zum Tode von Dr Karl 
Abraham in Berlin von Dr. S. E. .Telliffe beantragt und von der Veremigung 
einstimmig angenommen. — Für 1926 wurden gewählt: als Präsident 
Dr. A. A. Brill, als Vizepräsident Dr. Leonard Blumgard, als Kassenwart 
Dr. Albert P o 1 o n, als Vorstandsmitglieder Drs. c' P. Oberndorf 
S. E. Jelliffe, Adolf Stern. 

23. Februar. Dr. A. A. Brill: Ansprache des gewählten Präsidenten. Diese 
Ansprache behandelt einige Probleme, die sich für den Analytiker in seiner 
Praxis und in seiner Stellung gegenüber wissenschaftlichen Vereinigungen 
ergeben. Dr. Brill betonte, wie wünschenswert und wichtig es sei unter 
jenen Patienten, deren schließliches Bestreben es ist, ausübende Analytiker zu 
werden, eme sorgfältige Auswahl im Hinblick auf die Integrität ihres Charak- 
ters zu treffen. Er betonte femer, daß die Grundthemen der Vorträge, die 
vor Medizinern gehalten werden, diesem Publikum angemessen gewählt 
werden sollten. Er machte den Vorschlag, in solchen Vorträgen lieber 
Grundtatsachen der Psychoanalyse durch klinisches Material zu illustrieren 
als theoretische Erklärungen psychoanalytischer Neuerungen zu bringen. — 
Dr. Oswald Boltz: Über einige den Ausbruch der Schizophrenie beschleu- 
nigende Ursachen. Vortragender behandelt das Material einiger Fälle von 
Schizophrenie, bei denen entweder direkte oder indirekte homosexuelle 
Erfahrungen den Ausbruch der Schizophrenie beschleunigten. 

In^ der Geschäfts Sitzung wurde Dr. Wearne vom Central Islip State 
Hospital, Long I$Und, New York, zum associate memher gewählt. 



Korrtispondenzblatc 589 



30, März, Drs. D. D. Shoenfeld und W, V. Sil v erb er g: „Ein 
Vorschlag für die Annäherung an das Behavior-Problem bei Kindern." 
Die Autoren beschrieben eine Methode, bei welcher die BekaviorFveaktionen 

schwieriger Kinder auf einer Skala von ^eÄtn-ior-Mustern derartig in. Betracht li 

gezogen wurden, daß die Antworten der Kinder auf der einen Seite und die 
von Erwachsenen auf der anderen Seite einander gegenüberstanden. Die Reak- 
tion des Kindes auf seine Wünsche und Leistungen erwies sich als praktisch 
verwertbares Kennzeichen, um das Bekavior-Niveau in einem bestimniten Fall 
zu beurteilen. Das therapeutische Ziel besteht darin, das Kind an Bekavior- 
Muster, die seinem Alter entsprechen, anzupassen, in dem man ihm die 
Bedeutung seiner Antworten für seine Umgebung in den Ausdrücken der oben 
erwähnten Gegenüberstellung klar macht. Diese Methode ist überhaupt keine 
Psychoanalyse, aber sie nimmt Kenntnis von psa. Prinzipien (Übertragung, Ich- 
ideaibildung usw.) und von grundlegenden Faktoren in der Beziehung zwischen 
Psychoanalyse tmd Erziehung. 

In der Geschäftssitzung wurde der Tod von Dr. Albert P o 1 o n (1 5. März 1 926) 
offiziell mitgeteilt, Dr. Brill berichtete in einer kurzen Ansprache über seinen 
Lebenslauf. Es wurde ein besonderer Ausschuß mit den notwendigen Maß- 
nahmen anläßlich dieses Todesfalles betraut. Dr. Abraham Kardiner wurde 
mit den Funktionen des Kassenwartes betraut, da dieses Amt durch den Tod 
P o 1 o n s vakant wurde, 

27. April 1926, Drj L. Pierce Clark: Eine psychoanalytische Studie 
über das Wesen der Idioten. In diesem Vortrs^ wurde ein therapeutisches 
Verfahren geschildert, das hauptsächlich darin bestand, die Libido des Indi- 
viduums freizumachen, dann es in dem Sinn zu beeinflussen, sich den Schwierig- 
keiten der Umgebung besser anzupassen, Im theo reti seilen Teil des Vortrages 
wurde die Idiotie als eine Ichneurose geschildert. 

Dr. H a 1 1 o c k wurde wieder als Mitglied aufgenommen, — ■ Drs. E i d s o h, 
H e n s i e und L o r a n d wurden zu associate memhers gewählt. — Ent- 
schließungen betreffs des Todes von Dr. P o 1 n wurden verlesen und akzep- 
tiert, — Die Vereinigung unterzeichnete offiziell ein Gesuch um das Recht 
zur Errichtung der beabsichtigten New Yorker Psychoanalytischen Klinik. 

Mai 1926, Dr. J. B. Solley : Ein Fall von Epilepsie, Dr. Solley schilderte 
die partielle Analyse der Anfälle einer weiblichen Patientin. Die Patientin 
berichtete viele traumatische Erlebnisse, deren Wesen und Beschaffenheit den 
Verdacht erweckte, daß er es mit einer pathologischen Lügnerin zu tun habe. 
— Dr. A. Stern: klinische Mitteilung. Eine Symptomhandlung. Im Verlauf 
einer Analyse brach ein Patient zufällig seine Pfeife, Diese Symptomhandlung, 
durch einen Vorfall des Tages herbeigeführt, hatte einen entscheidenden Einfluß 
auf das gerade in der Analyse behandelte Material, nämlich Rache am Vater 
und Befreiung von ihm. In diesem Zusammenhang kamen keine Assoziationen 
über Selbstkastration zutage, obwohl der Patient Beweise für ihr Vorhanden- 
sein aus anderem Material erbrachte. — Dr. M. A, Meyer: klinische Mit- 
teilimg: Blick-Tic bei einem kleinen Knaben. Der Fall wurde wegen gewisser 
ungewöhnlich durchsichtiger Mechanismen in der Neurose berichtet, 

Nachtrag. In der Geschäftssitzung am 24. November 1925 wurde Dr. Ruth 
M a c k zum associate member gevi'ählt. 



Dr. Monroe A. Meyer 

Sekretär 



590 Korrcspondenzblatt 

Wiener Psydioanalytisdie Vereinigung 

n. Quartal 1926 

14. April. ^ Vortrag Dr. Hoffe r: Über die männliche Latenz. 
Disk. : D02. Deutsch, Federn, Frl. Freud, Fr. Klepetar (a. G.), Reich. 

28. April. — Kleine Mitteilungen und Referate; 1. Dr. Nunberg: 
Traum eines sechsjährigen Mädchens. — 2. Fr. Schaxel: Libido Schicksale 
eines kleinen Buben. — 5. Doz. Dr. Fried jung: Bericht über den Ersten 
allgemeinen ärztlichen Kongreß für Psychotherapie in Baden-Baden. Im 
Mittelpunkt des Interesses stand die Psychoanalyse, mit der man sich zum 
erstenmal ohne Gehäßigkeit auseinandersetzte. An Prof. Freud -wurde eine 
Begrüßungsdepesche abgesandt. — Besprechung einer Schrift: „Christlich 
denken! Ein Hilfsbüchlein zur geschlechtlichen Erziehung" von F. Edelbert 
Kurz, O. F. M., München, 1925. Von katholisch-autorisierter Seite 
wird das Aufklärungsproblem in moderner, von psychoanalytischer Anschauung 
sichtlich beeinflußter Weise besprochen. — 4. Dr. Hoffer; Zwei Mit- 
teilungen zur Sexualität des Kindes. Disk. : Federn, Friedjung, Isakower, Jokl, 
Schilder. — 5. Dr. Reik: Drei Notizen: Der latente Sinn der elliptischen 
Auslassimgstechnik. Disk.: Nunberg, Steiner. — 6. Dr. Nunberg: Projizierte 
und konkurrierende Eifersucht. — 7. Dr. Federn: Ein Unterschied in Tag- 
träumen von Gesunden und Neurotikem. Disk. : Nunberg, Reik. 

12. Mai. — Vortrag Doz. Dr. Deutsch: Psychoanalyse eines Falles 
von Asthma bronchiale, Disk.: H. Bibring, Eliasberg (a. G.), Federn, Nun- 
berg, Reich. 

26. Mai. — Vortrag Dr. Wälder: Der strukturelle Gesichtspunkt in 
der Psychoanalyse. Disk. : Federn, van Nees (a. G.), Nunberg, Fr. Klepetar {a. G,). 

9, Juni. — Vortrag Dr. Reik: Bemerkungen über das Schweigen. 
Disk.: Federn, FrL Freud, Friedjung, Hitschmann, Reich. 

23. Juni. — Kleine Mitteilungen und Referate: — Dr. Hitsch- 
mann: Träume frigider Frauen, Disk.: Fr. Deutsch, Doz, Deutsch, Federn, 
Jokl, Nunberg, H. Rank, Reich, Spitz. 

Geschäftliches: Zum außerordentlichen Mitglied wurde gewählt: 
Dr. Renatus Spitz, Wien, IX., Währingerstraße 3. 

Dr. R. H. Jokl 

Sdirlft fahret 



Georg Groddeck 
zum sechzigsten Geburtstage 

Georg Groddeck vollendete am 15. Oktober 1926 sein sechzigstes Lehens jähr. 

Es wäre ihm sicher nichts unerwünschter, als wenn aus diesem Anlaß die 
Kollegenschaft — zunftgemäß — ihn als „ Juhilar ' zu einem solchen Fest- 
tage heglückwünschte. Wir wissen: Groddeck haßt alles, was nach Zunft 
aussieht, auch -wenn sie sich nur zum Zwecke seiner Ehrung zusammen- 
schlösse. Wollten wir ihm gar dafür danken, daß durch sein Wirken der 
psychoanalytischen Bewegung Fortschritte in einer ganz bestimmten Richtung 
erwuchsen, so würde er sicher auch solchen Dank nur mit einigen Worten 
der Selbstironie aufnehmen. Denn ihn interessiert in erster Linie nicht die 
Psychoanalyse, weder als Bewegung noch als Schule, sondern der Mensch 
an sich, besonders der Mensch in der Not seiner Krankheit. 

Der Drang, diesem zu helfen, hat Groddeck Arzt werden und hat ihn 
auch den Weg zur Psychoanalyse finden lassen. Denn er war von jeher sich 
der Halbheit eines Medizinertums bewußt, das von dem Seelenleben des 
körperlich Leidenden nichts weiß. Durch Anwendung psychoanalytischer 
Einsichten und Erfahrungen auf das somatische Gebiet schuf er die Brücke 
vom Psychischen ins Physische, als Grundlage einer neuen Kranken- 
behandlung, eines neuen Arzttums überhaupt. Einer Welt von Vor- 
urteilen, namentlich unter den Fachgenossen, begegnete er dabei mit der 
ganzen Eigenart und Ursprünglichkeit seines Wesens. — Inzwischen hat er 
manch „Unheilbaren" geheilt. 

Groddeck ist, mitten in der praktischen Arbeit stehend, sicher auch 
heute nicht auf Rückblick eingestellt, sondern ganz auf einen Ausblick auf die 
noch EU bewältigenden Probleme. Sein 60. Geburtstag gibt darum für ihn 
ebensowenig wie für uns Anlaß zu einer geruhsamen Rückschau, etv^ra von 
der Warte einer bibliographischen Würdigung seiner Schriften, Wenn 
wir trotzdem dieses Tages hier gedenken, so geschieht es mehr aus dem 



W 



592 Georg Groddetlc zum scdizigstcii Cebiirtstas'c 



Bedürfnis der Selbstbesinnung auf das, was wir, die Psychoanalyse und 
vor allem was die kranken Menschen an diesem Manne liaben. 



Denken wir Mitglieder der Internationalen Psychoanalytischen Vereinigung 
an Gr od deck, so erinnern wir uns natürlich an den Tag, an dem er auf 
dem Haager Kongreß zum erstenmal persönlich in unserem Kreise auftrat. 
Er iestieg die Rednertribüne und erklärte: „Ich bin ein wilder Analytiker." 
Damit hatte er recht. Nur ist dabei das Wort „wild" in einem anderen 
Sinne zu verstehen, als wir es gewöhnlich gehrauchen, um jene „Psycho- 
analytiker" zu bezeichnen, die, ohne Ausbildung, aber auch ohne einen 
Hauch von dem Geiste der Psychoanalyse erfaßt zu haben, sich als 
Therapeuten an seelisch kranke Menschen heranwagen. ~ Groddeck mag 
sich als wild bezeichnen — als Mitglied unserer Bewegung, weil er seine 
Ausbildung niemand anderem als sich selbst verdankt. Er mag auch wild 
heißen als ein leidenschaftliches Temperament, das helfen will, auch wo 
andere resignieren oder ihre Ohnmacht hinter den Scheinmaßnahmen einer 
„exakten" Diagnostik verbergen. Dieses Temperament ist die Quelle jener 
„Wildheit", die ihn — einen Fanatiker der Ileilkunst — dank seiner einzig- 
artigen Begabung befähigt hat, Freuds Entdeckungen vom Unbewußt- 
Psychischen der Bekämpfung körperlicher Kranlcheiten dienstbar /.u machen. 
Groddecks Wildheit ist aber auch Mut, der nur die Verfolgung eines 
Zieles kennt, das ist die rückhaltlose Wahrheit, deren Verköri^erung für 
ihn Freud ist. — Wild, wissen wir, ist auch sein Haß, mit dem er 
eine veraltete ärztliche Therapie bekämpft, die vor F r e u d aus äry.tlichem 
Narzißmus den Arzt in den Mittelpunkt des Heilplanes stellte anstatt den 
Kranken. — Einer so gearteten Wildlieit glauben wir nicht gram sein zu 
dürfen, wenn sich zu ihr, wie bei G r o d d e c k, ein angeborenes, begnadetes 
Künstlertum gesellt. 

Während wir anderen als Psychoanalytiker emsig bemüht sind und bemüht sein 
müssen, alles, was durch F r e u d in der Psychoanalyse geschaffen wurde und 
immer neu geschaffen wird, zu 1 e r n e n und in unserer „Schule", d. h. in unseren 
Vereinigungen zu diskutieren, zu klären und wieder zu I e h r e n, — während wir 
für unser therapeutisches Handeln „Richtlinien" haben und geben müssen, 
— darf Groddeck darauf verzichten, weil das, was er selbst in großem 
Ausmaße an körperlichen Kranken leistet, bisher ohne Beispiel ist. — Für 
ihn gilt exquisit der Satz, den einmal der Pliilosoph Georg S i m m e I Über 
den Unterschied des Kunstlers vom Wissenschaftler geprägt hat: „Der 
Wissenschaftler sieht etwas, weil er es weiß — der Künstler weiß etwas, 
weil er es sieht." So wissen wir oder suchen zu wissen, was wir durch 



Georg Groddcdk zum sedizigsten Geburtstage 593 

Lernen erfahren können. Groddeck sieht und weiß ohne diesen 
Umweg. Immer wieder betont er selbst, wie fem er sich jeder „Fach- 
wissenschaft" fühle. Und sind zwar seine Bücher auch im herkömmlichen 
Sinne sicher nicht „wissenschaftlich", so hat Freud dennoch recht, wenn 
er im „Ich und Es" sagt, daß Groddeck , vergeblich beteuert — er 
habe mit der gestrengen, hohen Wissenschaft nichts zu tun". In Wirklichkeit 
ist er wichtiger für sie, als er es selbst wahrhaben will. 

Denn wir „Fachleute können das Wissen, das Gr o d dec k uns vermittelt, 
nicht mehr entbehren. „Das Buch vom Es", eine einzige Variation über das 
eine große Thema: wie der gesamte Körper, der kranke wie der gesunde, 
ein Instrunnient der Seele ist — dieses Buch, das den Niederschlag vieler 
Beobachtungen und aufopfernder Hingabe an kranke Menschen darstellt, ist 
in seinem Reichtum an therapeutischen Gesichtspunkten von uns noch sicher 
nicht genügend eingeschätzt. Groddeck hat in diesem und seinen anderen 
Büchern eine Fülle intuitiven Wissens niedergelegt. An uns, als einer „Schule , 
muß es sein, dieses Wissen systematisch zu erarbeiten und damit jene ärzt- 
liche Generation vorbereiten zu helfen, die Groddeck von einer neuen, 
mittels der Psychoanalyse geschaffenen Gesamtheilkunde erwartet. 

Er selbst hat sich sicher einen Platz unter den Großen in der Medizin 
erobert durch seine revolutionäre Tat. Er hat Freuds Psychoanalyse, zur 
Zeit, als sie auf ihrem Ursprungsboden, dem Psychischen, noch arg miß- 
achtet und verfehmt war, Heimatrecht in der P h y s i o therapie gegeben. 

Aber hier bin ich in Gefahr, Groddeck ein Ärgernis zu bereiten, wenn 
ich noch nach altem Brauch von Seelenheilkunde und organischer Medizin 
spreche. Denn seit 1916, seitdem Groddecks erstes Büchlein „Über die 
psychoanalytische Behandlung organischer Krankheiten erschienen ist, dürfen 
■yrir die Seele dem Körper nicht mehr gegenüberstellen. Denn für 
Groddeck ist eine psychische Erkrankung ebenso „organische Medizin, 
wie jedes Panaritium eine psychogene Affektion. 

Bei dieser persönlichen Einstellung zum Heilproblera und dieser Art von 
Lebenserfassung scheint es uns selbstverständlich, daß Groddeck mit der 
Psychoanalyse bekannt werden mußte. Finden wir doch schon in seinem 
Buch „Nasameku — Der gesunde und der kranke Mensch Sätze, die eine 
innere Verwandtschaft mit den Erkenntnissen und Formulierungen Freuds 
bezeugen. Vom Kranksein im allgemeinen sagt er: „Ich sehe keine Möglich- 
keit, das Wort krank ,wissenschaftlich' zu definieren ; so gestatte man 
mir, persönlich zu urteilen : Krank ist fiir^ mich,_ w er an seiner Leistungs- 
fähigkeit geschädigt ist und sich für krank hält." Und von der 
Kranken h eil ung sagt er: „Nicht wir sind die Heilkünstler, da es das 
Leben selbst ist. Das erkennen wir an, ruhig und selbstbewußt; denn wie 

59 



594 Geoi^ Groddedt zum scdizigsten Geburtstage 



wir Diener der Natur sind, sind wir auch ihre Meister." Dabei war 
Groddeck in seiner persönlichen Einstellung zum Kranken, von 
jeher die Bescheidenheit des wirklichen Könners eigen mit jener Blick- 
richtung, die wir von Freud gelernt haben. Ihr ist nichts, aber auch nichts 
wiwesentlich am Kranken; keine seiner Wesensformen oder Äußerungen 
erscheint ihr zu belanglos, um sie nicht im Zusammenhang mit dem Ganzen, 
d. h, der kranken Persönlichkeit, werten zu müssen. So schilt 
Groddeck im Nasameku-Buch über „den albernen Ernst des Fachmannes", 
der durch seine Spezialkenntnisse die Einheitlichkeit des Körpers zerreißt, 
und sagt in derselben Gesinnung: „Was ein richtiger Schuster ist, meint, daß die 
Zehen des Menschen überflüssige Anhängsel sind, die nur dadurch existenz- 
berechtigt werden, daß sie mit Hilfe der Stiefelsohle nach oben gebogen und für 
das Gehen unbrauchbar gemacht werden." — „Die Diagnose", meinte er zugleich, 
„soll den ganzen Menschen umfassen und seine Lebensverhält- 
nisse dazu." Die Diagnostik darf jedoch nicht zu artistischem Selbstzweck 
werden, aUein dem Narzißmus des Arztes dienend: „Ein Arat, der vor 
dem Kranken von der Diagnose spricht, beweist, daß er~liein^~gSter ÄTzF 
ist, sondern nur dafür gehalten werden will." Wie richtig Groddeck 
trotzdem die Bedeutung eines Spezi alwissens einschätzt, zeigt folgende Formu- 
lierung aus einer Arbeit in dieser Zeitschrift {1920); „Eine einseitige 
Betrachtungsweise", heißt es dort, „ist gut, wenn man von Zeit zu Zeit die 
Stelle wechselt, von der aus man beobachtet." 



Wer, wie der Schreiber dieser Zeilen, das Gluck hatte, während einiger 
Besuchstage auf der Marienhöhe, bei schönen Spaziergängen mit Doktor 
Groddeck im Badischen Schwarzwald, Näheres von der Persönlichkeit 
dieses Mannes zu erfahren, whd mit Bewunderung erkennen, wie sehr sein 
Leben selber ein Kunstwerk ist. Alle seine Äußerungen, schriftliche oder 
mündliche, seien eü Dichtungen oder medizinische Erkenntnisse, die ganze 
Art seines ärztlichen Wirkens, sind einheitliche Produkte einer intuitiv 
erfassenden, künstlerisch gestaltenden Persönlichkeit. 

Ich möchte recht vielen Analytikern solche Besuchstage bei Groddeck 
gönnen. Sie würden durch ihn für ihre eigene mühselige Arbeit am Kranken 
an Mut, Zuversicht und Verantwortungsiereitschaft bereichert werden und 
gegenüber den äußeren Schwierigkeiten ihrer Berufsausübung noch mehr 
an innerer Freiheit und Unabhängigkeit gewinnen. Denn „frei", 
sagt er einmal, „sind die, die an sich glauben, weil sie die Verant- 
wortung nicht scheuen" — und diese Formulierung trifft für 
niemanden besser zu, als für Groddeck selbst. Und gerade eine Bewegung 



Georg Groddedt zum sechzigsten Geburtstage 595 

wie die unsere, die psychoanalytische, die sich immer noch gegen eine Welt 
von Widerständen durchzusetzen hat, braucht solche Männer. 

Wenn -wir Psychoanalytiker ihm jetzt unseren Gruß entbieten, so muß es 
daher derselbe sein, mit dem er einst sein Buch „Nasameku seinem Lehrer 
Schwenniger gewidmet hat ; — „Dem Arzt und Menschen ! — Denn 
G roddeck verkörpert in sich selbst, was er von anderen fordert: Im Arzttum 
eine spezielle Anwendungsform des Menschseins. 

Ernst S i m m e 1 



39' 



■j 



MITTEILUNGEN DES „INTERNATIONALEN 
PSYCHOANALYTISCHEN VERLAGES" 

Unsere Verlagstätigkeit vom September I925 bis Oktober I926 

Der vorige Bericht über die Tätigkeit des Verlages (bis September 1925) erschien 
in Heft 5 des vorigen Jahrganges dieser Zeitschrift. 

Seit Erscheinen jenes Berichtes ist ein weiterer Band der GESAMMELTEN 
SCHRIFTEN von SIGM. FREUD erschienen: der III. Band*. Von dem elfbändigen 
Werk sind nunmehr zehn Bände schon erschienen; das Erscheinen des im Druck 
befindlichen XI, Bandes venögert sich wegen der Arbeiten am umfangreichen Gesamt- 
register und ist erst im Frühjahr 1927 lu gewärtigen. 

Im Berichtjahr konnte der Verlag zwei neue Schriften von SIGM. FREUD 
veröffentlichen. Im Februar 1926 erschien „HEMMUNG, SYMPTOM UND ANGST« 
{geh. M, j .— , Gunzhinsn 6. ;<>■}; im September „ZUR FRAGE DER. LAIENANALYSE, 
Unterredungen mit einem Unparteiischen" {gfK M. j.sto, Gartakinen 4'So). Von diesen 
beiden neuen Schriften gelangt die erste auch in den XL Band der „Gesammelten 
Schriften". {Die Schrift über die „Laienanalyse" ist erst nach Abschluß des Textteiles 
des XI. Bandes, d.h. nach Mai 1926 geschrieben worden.) 

Als Fortsetzung der Reihe von einzelnen — neben der Gesamtausgabe erscheinen- 
den — Sammelbänden der kleineren Schriften von SIGM. FREUD (die sachlich 
abgegrenzte Bände darstellen, an Stelle der chronologischen Folge der früheren 
„Sammlung kleiner Schriften zur Neurosenlehre") erschienen neuerdings: 

KLEINE BEITRÄGE ZUR TRAUMLEHRE^ {geh. M. ^.—, Ganzleinen 4.50) und 
STUDIEN ZUR PSYCHOANALYSE DER NEUROSEN aus den Jahren 1915—19253 
(geh. M. &.—, Ganüeinen M. 10.— \ 

1) Der III. Band enthält: ErgSniungen und Zu^aUkapitel tut Traumdeutung — Über den 
Traum — Beiträjje zur Traumlehre (Märchens toffe in Träumen. Ein Traum alä Beweismittel. Traum 
und Telepathie. Bemerkungen lur Theorie und Praris der Traumdeutung} — Beitrage lU den 
Wiener Diskussionen (Selbstmorddiskussion. Onaniedijktission) 

2) Inhalt: Märchenstoffe in Träumen — Ein Traum als Beweismittel — Traum und Tele- 
pathie - Bemerkungen zur Theorie und Praxis der Traumdeutung - Die Greniea der Deutbarkeit 
— Die sittliche Verantwortlichkeit für den Inhalt der Träume — Die okkulte Bedeutung des X räume» 

a) In half Die Disposition lur Zwangsneurose - Zwei Kinderlügen — Mitteilung eines der 
psychoanalytischen Theorie widersprechenden Falles von Paranoia - Über Triebumsetiungen ins- 
besondeie der Analerotik - ,Ein Kind wird geschlagen" - Gedankenassoziation eines vienahrigeu 
Rindes — Über die Psychogenesc eines Falles von weibUcher Homosexualität — Über einige neuro- 
tische Mechanismen bei Eifersucht, Paranoia und Homosexualität - Die infantile Genitaloreanisation 
~ Das ökonomische Problem des Masochismus — Neurose und Psychose — Der Untergang des 
Ödipuskomplexes - Der Realitätsverlust bei Neurose und Psychose - Die Widerstände gegen die 
Psychoanalyse — Die Verneinung — Einige psychische Folgen des anatomische» Gesehlechtsunterschied» 



'■'^ Vcrlagsberidit 



mp'^P^t^'J!.?''''"'"'^'''"'"''^^''^^™^^^ ^^^ EINFÜHRUNG IN 
BIE PSVCHOANALYSE vo. SIGM. PREOD i. eine dHtte Auflag. (8. bi. 
1/;. lausend I prs^^Tii^non <'.■« ^ r_j. »^ . , o v 



15. Tausend) erschienen (in Ganzleder M, 7 jo), 

In der „Internationalen Psychoanalytischen Bibliothek« 
erschienen iwei neue Bände; 

Bd XX. DAS UNBEWÜSSTE. Van ISRAEL LEVINE, M. A., D. Litt. Autorisierte 
Übersetzung am den, Englischen ron Anna Pr e u d (^.A Af Ä r , • 

DJ YTF cr-xrrT.^, - '^ ^ « u Q {geh. M. 6,~ Ganslemm 10,—). 

Bd. XXI. SEXUALITÄT UND SGHULDRFpüwt ü i. , . 
Dr OTTA i,*HTt. . , " »i^HULDGEPÜHL. Psychoanalytische Studieni von 

Dr. OTTO RANK {g.K M. s.ßo. Ganzleinen y.jo). 

* 

In der Reihe „1 m a g o - B ü c h e r« erschien 

Ed. IX. LASSALLE - DER FÜHRER. Vcn Dr. ERWIN KOHN (..h M ä - 
Gamleinen 6. — ). • 4- » 

♦ 

Cnnnu^n^" '''''^ ^'' ^^^*=^''^-^>*-''« ß"«f« - «-^ F"-din" von GEORG 
GRODDECK ,stu> zweiter Auflage (3.-5. Tausend) erschienen (Ganzleinen M. .^-). 

* 

Im Septenü,er 19.6 erschien der „ALMANACH 19.^" des Internationalen Psycho- 
jalyt^schen Verlages. (GW«W. ,.-, HalMeä.r ,.-, n.n.en.ne nr..,sauj. auf 
i'apier nach Jnpanart, in Ganzleder M. J/.-). 

* 

,c.lT '"'"'f^'^^^^^^'^^^^^^TSCHRIFT FÜR PSYCHOANALYSE erscheint 
^S^S der XILBand. Das Heft . war dem GedenUen Karl Abrahams gewidmet, 

Poteiii (j^O _ Idealbildune und XkbTswKU) " "™'° ^'^' ~ "''' p.ychische 

2) Inhalt: L.ou A ndreas-Salo m *• 7,,.«, *r »« > 
Zweig, Alfr.d Döblin: Z^JJelZ.iJTebuJ^'L''^'' ^ ''"•^- ^- »l""'«^'-. Stefan 

Pfi.ter:Die men^hUchfr. Eini«u^^b«^Tbun J„ ^^Vf ;, '^"''°''""^'''" ""«l Kurpfuscherei - 
da, Unl«v™J3teer.og«n werden? ^ReTk Gede „krld ^*f »« J»«^ P-y^^oanaly« - Eder: K«,.„ 
G^chichte eine. Hochstaple« i™ LichtrptcSj^t ,,.h "''r/'''"^ ^'•^'^•"" - Abraham: Die 
Hei]for„>eI - LeWne= P.ych.a„aly "L7Mora" i W^^^^ T ^^" '*''•"■• ^*^'^^ C,.a4, 

Erziehung ~ Biniwanger: Erfahren vL^W„ n ^^^ =^*^"- SUypho,, oder: Die Greven der 

Gamper... Sokrate, und dil nSerLmeftte?^ r'' V n^'^V'^"' Ferdinand L«,«lle. - Prof 
Wiedererweckung der primitiven Kunrt - J^ r . ^ Don Juan und Leporello - Sydow: Die 
Technik de, WitL - AU^rndp^Fi^T. ^ij Zur P,ychologie der Komödie - Reik: Zur 

Horney: Flucht L der WeiWi'hieU *%T™ ^''^f t^^^ '" ^"""^^'^ Genit.ltheorie - 

Grodd.ck: Nicht wahr, Twel D^euT ul^ "S «"^t''"'"'"'",'' «••^"'''-"> ""^ 'l-tberuf - 
analytische, Lesebuch °""«>n? 1^"^ der Schla, aufs Paradie.äpflela - Psycho- 



Verlagsberidit snn 

Heft 5 erschien am 6. Mai, zum 70. Geburtstage Sigm. Fr euds, in grSßerem Umfange. 
Von der „IMAGO, Zeitschrift für Anwendung der Psychoanalyse auf die Natur- 
und Geisteswissenschaften«, erscheint 1926 der XII. Band. Heft 2/5 erschien am 6. Mai, 
zum 70. Gehurtstage Sigm. Freuds, in größerem Umfange. (Sowohl von der Freud- 
nummer d,r „Zeitschrift^^ als von der „Inrago" sind einige Exemplare in grünes Leder 
gebunden worden; per Band M. j/. — }. 

Von folgenden Arbeiten der „Imago" erschienen seit Herbst 1326 auch selbständige 
Separatdrucke: 

DIE SCHWARZE SPINNE. Menschheitsentwicklung „ach Jeremias Gotthelfs 
gleichnamiger Novelle dargesteUt unter besonderer Berücksichtigung der RoUe der 
Frau. Von Dr. GUSTAV HANS GRABER {geh. M. j.-, Gmizleinen 4.60). 

GUSTAV THEODOR FECHNER. Von Dr. IMRE HERMANN {geh. M. j.—, 
Gansleinen 4.60). 

DER KOTILLON. Ein Beitrag zur Sexualsymbolik. Von Dr. ALPRED ROBITSEK 

{geh, M. l,yo, Ganzleinen i.— ). 

BIOLOGISCHE PARALLELEN ZU FREUDS TRIEBLEHRE. Zur Ökonomie 
und Dynamik des Triebkonflikts. Von R. BRUN (geh. M. i.jo, Ganzleinen ;._). 

EIN GESPENST AUS DER KINDHEIT KNUT HAMSUNS. Von EDUARD 
HITSCHMANN [geh. M. 3.—, Ganzlein^ j.so). 

Im Druck befinden sich : 

Bd. XI der Gesannmelten Schriften von Sigm. Freud. 

Bd. XXII der „L PsA, Bibl." : „Psychoanalyse d e r G e s amtp er s ön- 
1 i c h k e i t" von Dr. Franz Alexander. 

Ed, X der „Imago-BÜcher" : „Psychoanalyse und primitive Kunst" 
von Dr. Eckart von S y d o w. 

„Bausteine Tiur Psychoanalyse« von Dr. S. P erenczi (in zwei Bänden 
gesammelte Aufsätze aus den Jahren igoS — 1926). 



Druikfehlerberidtitigung 



Im vorigen Heft dieser Zeitschrift sind folgende z. T, sinnstörende Druck- 
fehler zu berichtigen: 

In der Arbeit von Otto Fenichel: „Die Identifizierung" : S. 518, letzte 
Zeile, anstatt: „femininen Frauen und maskulinen Männern . . . lies: femi- 
ninen Männern und maskulinen Frauen . . . 

In der Arbeit von Sdndor Radd: „Die psychischen Wirkungen der 
Rauschgifte" : 

S. 540, Zeile 4 von oben, anstatt: „Wirkung" lies: Wirkungen. 

S. 544, Zeile 5 von oben, anstatt: „nichtbe werteten lies: nichtbewor- 
t eten. 

S. 549, Zeile 6 von oben, anstatt: „Abraham" lies; Ferencaii, 

S- 55 5f Zeile 11 von oben, anstatt: „entlassen" lies: entlasten. 

Im Inhaltsverzeichnis : 

S. 557, vorletzte Zeile, anstatt: „Georg Simmel" lies: Ernst SimraeL 



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