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Full text of "Internationale Zeitschrift für Psychoanalyse XXII 1936 Heft 1"

XXH. Band 1936 Heftl 

Internationale Zeitschrift 
iür Psychoanalyse 



Offizielles Organ der Internationalen Psychoanalytischen Vereinigung 

Herausgegeben von 

bigm- Freud 

Unter Mitwirkung von 
Felix Boehm G. Bosc A. A. Brill Luciie Dooley M. Eitingon 

Berlin Kalkutta New york Washington Jerusalem 

J. E. G. van Emden S. Hoflos Ernest Jones J. W. Kannabidi Kiyoyasu Marui 

Haag Budapest London Moskau Sendal 

Karl Menninger S. J. R. de Mondiy M. W. Pedt Edouard Pidion Philipp Sarasin 

Topeka Rotterdam Boston Paris Basel 

Harald Sdijelderup Alfhifd Tamm Y.. K. Yabe 

Oslo Stockholm Tokio 

redigiert von 
Edward Bibring Heinz Hartmann Sandor Rado 

Wien Wien New York 



H Nunberg Homosexualität, Magie und Aggression 

S. M. Payne Zur Auffassung der Weibiidifceit 

Richard Sterba . . . . Das psychische Trauma und die Handhabung der Über« 

tragung. <Die letzten Arbeiten von S. Ferenczi zur 
psychoanalytischen Technik) 

Alice Bälint Handhabung der Übertragung auf Grund der Ferenczi» 

sehen Versuche 

ThereseBenedek. .. Die überwertige Idee und ihre Beziehung zur Sucht* 

krankheit 

Endre Almäsy Zur Psychoanalyse amentia^ähnlkher Fälle 

Referate 




i) Die in der „Internationalen Zeitschrift für Psychoanalyse" veröffentlichten Beiträge 
werden mit Mark 2$. — per sechzehnseitigen Druckbogen honoriert. 

2) Die Autoren von Originalbeiträgen sowie von Mitteilungen im Umfange über zwei 
Druckseiten erhalten nach Wahl zwei Freiexemplare des betreffenden Heftes. 

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zur Verfügung stellen, werden vom Verlag getragen; die Autoren solcher Beiträge erhalten 
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5) Mehrkosten, die durch Autorkorrekturen, das heißt durch Textänderungen, Einschal- 
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vom Autorenhonorar in Abzug gebracht. 

6) Separata Werden nur auf ausdrücklichen Wunsch und auf Kosten des Autors ange- 
fertigt. Die Kosten (einschließlich Porto der Zusendung der Separata) betragen für Beiträge 

bis 8 Seiten für 25 Exemplare Mark ij.— , für jo Exemplare Mark 20.— 

von 9 „ 16 „ „ 2j „ „ 20.—, „ 50 „ „ 2J.— 

» 17 » 2 4 » » 2 J » „ 30. — , „ jo ,, „ 40. — 

» 2 S » 3 2 » » 2 5 » » 35- — > » 5° » » 4S- — 

Mehr als 50 Separata werden nur nach besonderer Vereinbarung mit dem Verlag an- 
gefertigt. 



Wir machen hiemit unsere Autoren auf folgendes aufmerksam: 

Nach den gesetzlichen Bestimmungen kann bis zum Ablauf von zwei dem Erscheinungs- 
jahr einer Arbeit folgenden Kalenderjahren über Verlagsrechte (Wiederabdruck und Über- 
setzungen) nur mit Genehmigung des Verlages verfügt werden. Auf Grund eines generellen 
Übereinkommens, das wir mit dem „International Journal of Psychoanalysis" getroffen haben, 
steht es jedoch jedem Autor frei, ohne ausdrückliche Genehmigung des Verlages der letzt- 
genannten Zeitschrift das Recht der Übersetzung und des Wiederabdrucks einzuräumen. 

Die Genehmigung einer Wiederveröffentlichung oder Übersetzung in einem anderen 
Organ muß, um Berücksichtigung finden zu können, zugleich mit Übersendung des Manu- 
skriptes verlangt werden. 

Die Redaktion 



Redaktionelle Mitteilungen und Sendungen aus allen Ländern mit Ausnahme der U. S. A. 
bitten wir zu richten an Dr. Edward Bibring und Dr. Heinz Hartmann, p. A. Internationaler 
Psychoanalytischer Verlag, Wien, L, Börsegasse 11. 

Redaktionelle Mitteilungen und Sendungen aus den U. S. A. an Dr. Sandor Rado, 324 West, 
86th Street, New York City. 

Bestellungen und geschäftliche Zuschriften aller Art an 

Internationaler Psychoanalytischer Verlag, Wien I, Börsegasse 11. 




INTERNATIONALE 
ZEITSCHRIFT FÜR 
PSYCHOANALYSE 

XXII. BAND 
1936 




INTERNATIONAL 

PSYCHOANALYTIC 

UNIVERSITY 



DIE PSYCHOANALYTISCHE HOCHSCHULE IN BERLIN 



Internationale Zweitschrift 
iür Psychoanalyse 



Offizielles Organ der 
Internationalen Psychoanalytischen Vereinigung 



Herausgegeben von 

jigm. Freud 

Unter Mitwirkung von 

Felix Boehm G. Böse A. Ä. Brill Lucile Dooley M. Eitingon 

Berlin Kalkutta New York Washington Jerusalem 

J. E.G. van Emden S. Hollos Ernest Jones J.W.Kannabich Kiyoyasu Marui 

Haag Budapest London Moskau Sendal 

Karl Menninger S. J. R. de Mondiy M.W.Pecfc Edouard Pidjon 

Topeka Rotterdam Boston Paris 

Philipp Sarasin Harald Schjelderup Älfhild Tamm Y.K.Yabe 

Basel Oslo Stockholm Tokio 

redigiert von 
Edward Bibring Heinz Hartmann Sandor Rado 

Wien Wien New York 



XXII. Band 
1936 



Internationaler Psychoanalytischer Verlag 
Wien 



ALLE RECHTE VORBEHALTEN 



MANZSGHE BUCHDRUCKEREI, WIEN IX. 



Internationale Zeitschrift 
iür Psychoanalyse 

Herausge3et>en von bigm. freUu 



XXII. Band 1936 Heft 1 

Homosexualität, Magie und Aggression 1 

Von 

H. Nuntcrg 

New York 

M. D. u. H.! Ich beabsichtige nicht, das ganze Problem der Homosexualität 
hier aufzurollen. Wie Sie wissen, ist dieses Problem sehr kompliziert; Freud 
selbst sagt, daß die Psychoanalyse nicht dazu berufen ist, es zu lösen, da die 
Homosexualität im Grunde organischer Natur sei. Damit wollte er aber nicht 
sagen, daß die Psychoanalyse nichts zur Aufklärung der Psychologie der Homo- 
sexuellen beizutragen habe. Im Gegenteil, das Wesentliche, was wir über die 
Dynamik des Triebablaufes bei den Homosexuellen wissen, stammt von der 
Psychoanalyse. 

So haben wir von Freud gelernt, daß die Faktoren, die zur männlichen 
Homosexualität führen, sehr zahlreich sind. Ich will nur die bestbekannten 
anführen, wie Mutterbindung, Identifizierung mit der Mutter, Neigung zu 
narzißtischer Objektwahl — dazu gehört auch die Hochschätzung des männ- 
lichen Genitales — , ferner Angst vor dem Vater, also Kastrationsangst. Zu- 
letzt und vielleicht zutiefst wird die Homosexualität durch passiv-anale Ein- 
stellung zum Liebesobjekt begünstigt. 

Aus der Vielzahl der verursachenden Faktoren allein folgt schon theoretisch 
die Erwartung, daß es mehrere Typen von Homosexuellen geben muß, und 
die Erfahrung bestätigt auch diese Erwartung. Ein Typus flüchtet aus Inzest- 
scheu vom Weib zum Manne, ein anderer Typus identifiziert sich mit der 
Mutter und sucht im Knaben seinesgleichen (er liebt den Knaben, wie ihn die 
Mutter einst geliebt hatte). Dieser Typus zerfällt nach Ferenczi in zwei 
Untertypen: a) die Männlichkeit wird beibehalten (Objekt-Homoerotik); b) die 
Männlichkeit wird aufgegeben (Subjekt-Homoerotik). Freud hat noch einen 
anderen Typus beschrieben, der durch Einschränkung der Aggression gegen 
die Brüder oder den Vater entsteht. 

i) Vortrag, gehalten in der New- Yorker Psychoanalytischen Vereinigung am 26. März 1935. 



H. Nunberg 



Natürlich sind mit dieser Aufzählung nicht alle Typen erfaßt, um so mehr 
als alle bisher bekannten Typen nur äußerst selten in reiner Form auftreten. 
Die ersten beiden Typen fliehen vor der Liebe zum Weibe, der dritte vor 
der Aggression gegen den Mann. Ich glaube, daß es noch einen vierten gibt, 
wo die Aggression nicht abgewehrt ist, sondern einen integrierenden Bestand- 
teil der homosexuellen Liebe ausmacht. Von diesem Typus soll im folgenden 
die Rede sein. 

Rein Homosexuelle kommen nur selten in Behandlung. Viel öfter sehen 
wir die manifest Bisexuellen, die meist nicht wegen ihrer Homosexualität 
zur Analyse kommen, sondern aus irgend einem anderen Grund. Während 
der Behandlung stellt sich aber bald heraus, daß ihr Hauptkonflikt durch 
den Kampf mit ihrer Homosexualität bedingt ist. Freud sagt, daß das Liebes- 
objekt des Homosexuellen ein Kompromiß sei, eine Verdichtung von Mann 
und Weib, und eine Projektion der eigenen Bisexualität darstelle. 

Ich glaube, daß auch das Ziel des Homosexuellen ein Kompromiß darstellt, 
und zwar ein Kompromiß zwischen aggressiven und libidinösen Regungen. 
Ich möchte meine diesbezüglichen Erfahrungen, die ich an mehreren Fällen 
sammeln konnte, mitteilen. Ich kann natürlich in einem Vortrag nicht über 
alle diese Fälle berichten, ich greife hier nur einen Ausschnitt aus der Analyse 
eines Falles als Beispiel heraus und bespreche ihn ausführlich. Wie bereits 
erwähnt, sind die reinen Typen sehr selten. Auch in diesem Fall finden wir 
die Merkmale verschiedener Typen gemengt. Ich konzentriere mich aber in 
meiner Darstellung nur auf die verkappte Aggression und lasse die anderen 
Momente, soweit es geht, zurücktreten. 

Es handelt sich um einen jungen Mann von etwa 30 Jahren. Auch dieser 
Patient kam nicht wegen seiner Homosexualität in Behandlung, sondern wegen 
eines anderen Leidens. Bald aber wurde seine Homosexualität zum Haupt- 
gegenstand der Analyse. In typischer Weise traten seine homosexuellen Nei- 
gungen zum erstenmal in der Pubertät auf, als er in ein Knabenpensionat ge- 
schickt wurde. Zunächst begnügte er sich mit Masturbation unter Zuhilfe- 
nahme homosexueller Phantasien, später aber wurde er gegenüber Knaben 
seines Alters aktiv. Unter schweren inneren Kämpfen setzte er seine homo- 
sexuellen Beziehungen fort, bis er, ungefähr 22 Jahre alt, zum erstenmal eine 
heterosexuelle Beziehung einging. Charakteristischerweise wählte er ein Mäd- 
chen, das, ebenso wie eine seiner Schwestern, ein wenig hinkte. Dieser ähnelte 
sie außerdem in ihrer gesamten Erscheinung so sehr, daß seine Freunde ihn 
darauf aufmerksam machten. Sein bewußtes Motiv, eine heterosexuelle Bezie- 
hung einzugehen, war der Wunsch, sich gegen seine Homosexualität zu 
schützen; er konnte aber die Beziehung mit diesem Mädchen nicht lange er- 
tragen, da ihre Leidenschaftlichkeit ihn beängstigte. Einerseits fürchtete er, 
sie werde ihn körperlich zugrunde richten, anderseits, er könne sie nicht be- 
friedigen, die Kraft seiner Arme z. B. reiche nicht aus, um sie zu umschlingen, 



Homosexualität, Magie und Aggression 



sein Genitale sei zu minderwertig usw. Schließlich fürchtete er sich davor, daß 
ihr Vater ihn durchprügeln würde, wenn er von dem Verhältnis erführe. So 
wendete er sich plötzlich einem anderen Mädchen zu, das viel älter war als er 
und ihm den Eindruck machte, nicht leidenschaftlich, dafür aber mütterlich 
zu sein. Von ihr erwartete er nicht nur, sondern verlangte geradezu Schutz 
und Hilfe in jeder Lebenslage. "Wie stark seine Mutterbindung war, wird jeder 
Analytiker ohne weiteres daraus schließen können. 

Trotz den heterosexuellen Beziehungen ließ ihn seine Homosexualität nicht 
in Ruhe. Bald knüpfte er Beziehungen mit Männern an, bald masturbierte er 
mit homosexuellen Phantasien, oder er suchte die Gesellschaft von Männern 
auf und trachtete, in unauffälliger Weise mit ihnen in körperliche Berührung 
zu kommen. Zuletzt verließ er das "Weib und lebte nur mit Männern, sehnte 
sich aber dabei wieder nach dem Weibe. 

Welche Art von Männern war es nun, die ihn anzog? Die klassische Form 
der Homosexualität würde erwarten lassen, daß er sich zu Knaben hingezogen 
fühlte. Dies war aber nicht der Fall. Nur in der Pubertät liebte er Knaben, 
und selbst da mußten sie eine Bedingung erfüllen, um ihm zu gefallen: Sie 
mußten schön und kräftig sein. Nach der Pubertät bevorzugte er ältere 
Männer, aber auch nur solche, die schön und kräftig waren. Er konnte nicht 
oft genug betonen, daß ihn am geliebten Mann der kräftige Brustkorb und die 
starken Arme unvergleichlich mehr erregten als die unteren Körperteile. Er 
beneidete diese Männer heftig, wollte so sein wie sie und war der Über- 
zeugung, daß Frauen nur an solchen Männern Gefallen finden, und daß nur 
solche Männer alle Frauen, die sie begehren, besitzen können. Er selbst sei 
schwach, häßlich, minderwertig, keine Frau könne ihn lieben. 

Wir sehen schon hier, daß der Kastrationskomplex _eine^ wichtige Kom- 
ponente seines Minderwertigkeitsgefühles bildete, an dem er bewußt außer- 
ordentlich litt. Zur Entwicklung seines Minderwertigkeitsgefühles hat unter 
anderem auch das Verhalten seiner Mutter wesentlich beigetragen. Er fühlte 
sich von ihr nicht genügend geliebt und war dadurch in seinem Selbstgefühl 
schwer beeinträchtigt. Fortwährend verletzte sie seinen Narzißmus. Sie hatte 
immer etwas an ihm auszusetzen, sie fand ihn unmännlich, beschimpfte ihn 
deswegen und verlangte, daß er sich ändere. Ihr Mißfallen hatte sie ihm von 
jeher ziemlich unverhohlen gezeigt, aber nach der Trennung von ihrem Mann, 
die in des Patienten siebentem Lebensjahr erfolgte, legte sie sich überhaupt 
keine Hemmungen mehr auf. Es macht den Eindruck, als hätte sie ihren Haß 
gegen den Mann auf den Sohn verschoben. Sie schimpfte über beide. Sie 
warf dem Sohne vor, daß er ebenso häßlich, klein, schwach und unmännlich 
sei wie sein Vater. Sie forderte von ihm, daß er schnell wachse und stark 
werde. Selbstverständlich litt er unter dem Verhalten seiner Mutter schwer. 
Sie war sein Ideal, er wollte ihre Liebe haben, fühlte sich aber ständig von 
ihr abgewiesen. Unablässig quälte ihn der Gedanke, daß sie niemals stolz 



H. Nunberg 

auf ihn sein werde, daß sie nur große Männer lieben könne und kleine ver- 
achte. 

Die zweite "Wurzel seines Minderwertigkeitsgefühles, seines verletzten Nar- 
zißmus, besteht also in einem Defizit an Mutterliebe. Berichte darüber, wie 
sehr sein Leben von frühester Kindheit an von dem Bemühen erfüllt war, ein 
großer und kräftiger Mann zu werden, ziehen sich wie ein roter Faden durch 
seine Lebensgeschichte. Er machte zahllose körperliche Übungen und ver- 
wendete die größte Sorgfalt auf seine Ernährung. Täglich stellte er sich an 
die "Wand, dehnte seinen Körper, machte Striche an der Wand, maß die Ent- 
fernungen der Striche ab und kontrollierte auf diese Weise sein "Wachstum; 
das setzte er jahrelang — etwa bis zu seinem zwanzigsten Lebensjahre — fort. 
Als er im Pensionat war, stand er sogar nachts auf, sobald die Kameraden ein- 
geschlafen waren, und machte im Finstern komplizierte Turnübungen mit 
Schwergewichten. Oft lief er stundenlang durch die Felder, um sich ab- 
zuhärten und zu kräftigen. Er ließ seine Haare nicht scheren, um die Kraft 
nicht zu verlieren. Um die Lungen zu kräftigen, blähte er den Brustkorb 
stundenlang auf. Dies und ähnliche ans Absurde grenzende Veranstaltungen 
muten fast wie die magischen Maßnahmen der schizophrenen Hypo- 
chonder an. 

Trotz all seiner Bemühungen, groß und kräftig zu werden, fühlte er sich 
weiter minderwertig, schwach und klein, unfähig zu einer männlichen Tat. 
Die erste Person, von der er Kastrationsdrohungen zu hören bekam, war 
natürlich die aggressive Und schwer neurotische Mutter. Seine Erinnerung 
verlegt die früheste Drohung mit dem Verlust des Gliedes in das vierte Jahr. 
Träume deuten auf ein früheres Datum hin. Noch heute hat er das Gefühl, 
ein kleines Genitale zu besitzen, obwohl er es häufig mißt und sich über- 
zeugt, daß es nicht kleiner ist als das anderer Männer. Seine Mutter hat ihn 
lange gezwungen, sitzend zu urinieren, er beneidete daher den Vater heftig, 
der stehend urinieren durfte. Soweit er sich zurückerinnern kann, war er 
immer bestrebt, das Genitale anderer zu sehen, um es mit dem seinen ver- 
gleichen zu können. Schon zu Ende der Latenzzeit nützte er jede Gelegen- 
heit aus, um in eine öffentliche Bedürfnisanstalt zu gehen und die Männer 
beim Urinieren zu beobachten, und war verzweifelt, als er konstatieren 
mußte, daß sein Genitale kleiner sei als das der erwachsenen Männer. 

In der Pubertät lenkte sich sein Interesse vom Genitale weg auf den Brust- 
korb des Mannes. Dieser "Wechsel war durch folgende Umstände verursacht: 
Die Mutter fand ihn schlecht aussehend und ließ ihn ärztlich untersuchen. 
Der Arzt erklärte, daß er zwar gesund, aber flachbrüstig sei und ein schwaches 
Herz habe. Er sagte ihm auch auf den Kopf zu, daß er onaniere, und riet 
ihm, die Onanie aufzugeben. Daraufhin wandte der Patient sein Interesse 
seinem Brustkorb und Herzen zu. Er machte die erwähnten Brustkorb- und 
Atemübungen, von denen die Rede war, und hatte dabei das Gefühl, daß nicht 



Homosexualität, Magie und Aggression 



nur seine Lunge, sondern auch sein Herz wachse. Von nun an bewertete er 
Männer nicht, wie bis dahin, nach ihrem Genitale, sondern nach dem mehr 
oder minder kräftigen Bau des Brustkorbes, der Arme und, wie er sich vor- 
stellte, auch ihres Herzens. Das Herz vertrat, wie er sich selbst ausdrückte, die 
Stelle des Genitales, es war in seiner Vorstellung ein Genitale. Von nun an 
kristallisierte sich sein infantiler "Wunsch, groß und kräftig zu sein, in dem 
Begehren, große, kräftige Männer zu haben, sexuell zu besitzen. 

Es scheint fast wie kontagiöse Magie, wenn er meint, durch ein- 
fache Berührung eines kräftigen Mannes, durch eine Umarmung, einen Kuß, 
dessen Kraft in sich aufzunehmen, selbst so kräftig zu werden wie der 
Mann, den er begehrte. Die Stelle in der Bibel, wo berichtet wird, wie die 
Kranken und Unreinen durch die Berührung des Gewandes Jesu geheilt, 
d. h. kräftig werden, machte auf ihn gewaltigen Eindruck. Oft durchlebte er 
diese Szene in seiner Phantasie und spielte dabei selbst die Rolle eines der 
Unreinen, die geheilt werden, nämlich von der Sünde und den Folgen der 
Onanie. In diesem Zusammenhange onanierte er häufig mit der Phantasie, 
einen jungen Priester, dessen Predigten er beizuwohnen pflegte, am Genitale 
zu berühren.. Dieser Mann erschien ihm während des Predigens besonders 
rein, und deshalb glaubte er, durch Berührung mit ihm selbst rein zu werden. 
Immer wünschte er etwas von dem geliebten Manne geschenkt zu bekom- 
men, etwas aus seinem Besitze zu haben. Er war überzeugt, durch 
Kontakt mit einem maskulinen Manne selbst männlich zu 
werden. 

Sein Begehren, den Mann oder einen Teil von ihm in Besitz zu nehmen 
oder von ihm etwas geschenkt zu bekommen, geht weit in seine Kindheit 
zurück. Zunächst ist es durch die Beziehung seiner Eltern zueinander bedingt. 
Als sie sich voneinander getrennt hatten, kümmerte sich der Vater nach An- 
gabe des Patienten nur wenig um die Familie und ließ sie Not leiden. Die 
Mutter redete dem Sohn unermüdlich ein, er sei deshalb so schwächlich, weil 
der Vater sich nicht um ihn kümmere und die Familie nicht mit dem Not- 
wendigsten versorge. Immer wieder schickte sie ihn zum Vater, um Geld 
zu verlangen. So gewöhnte sich der Knabe daran, immer etwas vom Vater 
zu fordern, wurde aber von diesem meist abgewiesen. Ein kleines Beispiel: 
Er war etwa neun oder zehn Jahre alt, als er einmal seinen Vater, der sich 
weigerte, ihm einen neuen Hut zu kaufen, bis ins Kino verfolgte. Dort wurde 
er so zudringlich, daß der Vater auf der Flucht vor ihm das Kino durch eine 
Hintertür wieder verließ. Ähnliche Szenen spielten sich häufig ab. 

Die Verfolgung des Vaters bedeutete aber nicht nur Aggression, sondern 
auch Liebe. Die Zeit vor der Trennung der Eltern erschien ihm in mancher 
Hinsicht als paradiesisch. Er erinnert sich mit Wonne an die Zeiten, da er 
auf dem Schoß des Vaters saß und von ihm geküßt wurde. Dieser Eindruck 
war so stark, daß sich die Szene noch während der Analyse in nur wenig 



entstellter Form in Träumen wiederholte. Ein Ausspruch aus seiner Kinder- 
zeit, den getan zu haben er sich zwar nicht selbst erinnert, der ihm aber 
vom Vater oft wiederholt wurde, soll gelautet haben: „Ich möchte mit einer 
Schnur an dich gebunden sein, so daß wir immer zusammen sein könnten." 
Die Ereignisse vor seinem siebenten Lebensjahr lassen sich ziemlich gut zeit- 
lich einordnen, da die Eltern fast jedes Jahr den Wohnort wechselten. So 
erinnert er sich, daß er zu dieser Zeit, die ihm, wie gesagt, paradiesisch schien, 
den Vater sehr bewunderte und so sein wollte wie er. Er wollte stehend in 
das Klosett urinieren wie der Vater, streckte sich auf den Zehen, um das zu 
können, und war verzweifelt, daß es ihm nicht gelang, es ihm nachzumachen. 
Etwa fünfjährig, machte er einmal mit dem Vater einen längeren Spaziergang 
durch die Felder. Der Vater urinierte unterwegs; der Knabe war von der 
Größe des Gliedes und der Menge des Urins so fasziniert, daß er mit dem 
Vater wetteifernd gleich selbst urinierte. Als er nach Hause kam, prahlte er 
der Mutter vor, daß er eine solche Menge Urins abgeschlagen hätte, wie es 
ihm bisher noch nie gelungen wäre. Die normale Rivalität mit dem Vater 
um die Mutter ist also um diese Zeit unverkennbar. Er wollte einen ebenso 
großen Penis haben wie der Vater oder vielleicht den Penis des Vaters selbst. 
Man kann sich nun leicht vorstellen, wie schwer der Knabe dann die Tren- 
nung vom Vater empfunden hat. Er entbehrte ihn, das einzige männliche 
Wesen in der Familie, die neben der Mutter noch aus zwei jüngeren 
Schwestern und einer Tante bestand, sehr, kurz und kraß ausgedrückt, er 
sehnte sich nach dem großen Penis des Vaters. In dieser Sehnsucht unter- 
stützte ihn seine Mutter unwillkürlich, sie schürte aber seinen Haß gegen den 
Vater so sehr, daß die Liebe die Form der Aggression annahm, die selbstver- 
ständlich auch schon früher neben der Liebe bestanden haben mußte. Der 
Sinn ihrer Nörgeleien war: Dein Vater hat dich verlassen, er ernährt dich 
nicht mehr, du bist deshalb klein und schwach. Wenn du ein starker, großer 
Mann werden willst, geh zum Vater, hole dir Geld von ihm, d. h. Nahrung 
— und, wie der Patient es auffaßte, Männlichkeit. Diese Aufforderung der 
Mutter erfüllte der Sohn gern und wörtlich. Er verfolgte den Vater und 
verlangte ständig etwas von ihm, Geschenke irgend welcher Art, d. h. Liebes- 
beweise. Dasselbe wiederholte sich übrigens später in seiner Beziehung zu 
geliebten Männern. Er verlangte von ihnen etwa ein Kleidungsstück zum 
Geschenk oder er ließ sich besonders gern ins Restaurant zum Essen einladen. 
Auf das Essen legte er besonderes Gewicht; er hatte sehr viele orale 
Träume und Phantasien und entwickelte sogar ein charakteristisches Sym- 
ptom, das zuweilen noch während der Analyse auftauchte. Dies Symptom 
bestand darin, daß er einen salzigen Geschmack im Munde fühlte. Die 
Analyse seiner diesbezüglichen Träume führte zunächst zum Erinnern eines 
Schimpfwortes, das unter den Knaben im Pensionat gebräuchlich war: „Du 
hast Salz im Munde." Dieses Schimpfwort war eine Anspielung auf Homo- 



r 



Homosexualität, Magie und Aggression 



Sexualität und bedeutet: Du nimmst einen salzigen Penis in den Mund. 
Wenn er dieses Schimpfwort hörte, fühlte er sich natürlich tief getroffen. Er 
glaubte, daß man um seine homosexuellen Neigungen wisse und auf sie an- 
spiele; verschluckte er doch auch seinen Samen und machte sogar einige Male 
den Versuch, an seinem eigenen Penis zu saugen. Auf die Analyse dieses 
Symptoms möchte ich hier nicht näher eingehen, sondern nur darauf hin- 
weisen, daß der wichtigste Teil seines Liebesaktes mit einer Frau im Saugen 
an ihrer Brust bestand, und daß er in seinen homosexuellen masturbatorischen 
Phantasien am Gliede des Mannes saugte. Kam es jedoch zu einem Sexual- 
akt mit einem Manne, so konnte er sich zu Beginn der Beziehung nicht dazu 
entschließen, dessen Penis in den Mund zu nehmen. Hingegen zwang er den 
Mann, an seinem Gliede zu saugen. "Während des Aktes kam sich der 
Patient ungeheuer überlegen vor, hatte das Gefühl, den Partner zu demüti- 
gen und beschimpfte ihn in Worten wie: „Du niederträchtige Bestie, du 
Hurensohn" usw. Daneben phantasierte er, der Liebhaber sei sein Sklave, 
und murmelte den Satz vor sich hin: „Nun habe ich dich." Es ist inter- 
essant und vielleicht auch von tieferer Bedeutung, daß sogar in der Passivität 
eine sadistische Befriedigung genossen werden kann. Nachdem sich ihm dieser 
Genuß erschöpft hatte, ging er zur Aktivität über und saugte selbst am 
Gliede des Mannes. Das Saugen wurde aber bald zum Beißen, und zwar so 
sehr, daß er seinen Partner oft verletzte. 

Es ist evident, daß der Patient bestrebt war, sich den Mann, zuerst durch 
Berührung, dann durch den Mund, einzuverleiben. Dieser Wunsch zeigte 
sich zuerst in Träumen, dann in Phantasien, die er zuletzt in die Worte 
kleidete: „Ich möchte den Mann mit allen Poren meines Körpers einsaugen." 
Viele Männer versuchten, sich ihm zu nähern, er ging aber auf ihre Wer- 
bungen nicht ein, wenn sie nicht kräftig und maskulin waren und ein großes 
Glied besaßen. Nach dem Verkehr mit solchen Partnern fühlte er sich selbst 
kräftig, männlich, träumte und phantasierte von Frauen, und wenn es zum 
Sexualverkehr mit diesen kam, war er potenter und befriedigter als zuvor. 
Es ist so, als ob er durch den Sexualverkehr mit Männern 
selbst männlich geworden wäre. 

Natürlich war die Rückkehr zum Weibe nicht von Dauer. Nach der Be- 
friedigung an ihr erwachte in ihm die Sehnsucht nach dem Manne wieder, 
ähnlich wie das Freud in dem Aufsatz über die Eifersucht schildert. Die 
Sehnsucht kleidete sich aber nicht mehr in kannibalistische Phantasien, son- 
dern in analsadistische, die jedoch nur sehr langsam und zögernd greifbare 
Gestalt annahmen. Zuerst trat ein Traum auf, daß ein Mann ihm in den Mund 
defäziere, ein Traum, der sich bei ihm schon vor Beginn der Analyse mehr- 
mals wiederholt hatte. Diese Perversion erschien ihm als die größte Demüti- 
gung und Erniedrigung, die ein Mensch je erleiden könnte; er schüttelte sich 
vor Ekel, als er darüber sprach. 



Abgesehen vom Bekenntnis zum Schuldgefühl, mit dem er auch sonst im- 
mer auf die homosexuellen Wünsche reagierte und sie abzuwehren trachtete, 
war der Sinn dieser Träume zunächst nicht ganz klar, bis er gestand, daß 
eine seiner häufigen masturbatorischen Phantasien darin bestand, daß er 
Männern in den Mund defäziere. Die Kehrseite seines Masochismus im 
Traume kam also als Sadismus in der Phantasie zum Vorschein. In welcher 
Weise ergänzten sich aber diese analsadistischen, beziehungsweise masochisti- 
schen Strebungen? 

Im Anschluß an diese Phantasien produzierte der Patient andere: daß 
er sich in die Gunst eines bekannten Herrschers einschleiche, von dem 
es heißt, daß er homosexuell sei, daß er ihn im Liebesakte ermorde und die 
Menschheit von einem Tyrannen befreie. Gleich darauf erinnerte er sich an 
eine Phantasie, die sich ihm seit mehreren Jahren von Zeit zu Zeit immer 
wieder aufdrängte: Er sei ein Knabe und lebe in gemeinsamem Haushalt mit 
einem alten, reichen Manne, der Knaben liebe. Dieser Mann mißbrauche ihn 
sexuell und behandle ihn sehr schlecht. Er nähre und kleide ihn elend und 
zwinge ihn, die schmutzigste Arbeit zu verrichten, wie etwa, das Klosett zu 
reinigen. Wie er zwanzig Jahre alt werde, falle ihm das ganze Vermögen des 
Greises zu. Dadurch werde er selbst nicht nur Besitzer eines großen Ver- 
mögens, sondern auch Herr über den alten Mann, der nunmehr sein Diener 
werde, und den er zur Vergeltung aufs gröbste kränke und demütige. Außer- 
dem gelange er in den Besitz eines Zauberstabes. Er träumte auch von einer 
Blumenvase, die ein kleines Schmuckkästchen enthalte, das er behüte. 

Ich glaube nicht, daß ich Analytikern erklären muß, was diese ganze Phan- 
tasie bedeutet: Der Patient schleicht sich in die Gunst seines Vaters ein, um 
ihn seines Vermögens zu berauben und in den Besitz der schwangeren Mutter 
(Symbol der Blumenvase) zu gelangen. Der erste Teil dieser Phantasie bietet 
nichts Neues, denn wir wissen schon, daß der Patient von früher Kindheit an 
ständig von der Idee beherrscht war, dem Vater Geld wegzunehmen und sich 
seinen gesamten Besitz anzueignen. Als kleines Kind beging er einige Dieb- 
stähle. Es gelang mir nicht, genau festzustellen, wann er zum ersten Male mit 
dem Bewußtsein zu stehlen gestohlen hat; sicher aber war dies schon um sein 
viertes Lebensjahr der Fall. Damals war er bei einer Tante zu Besuch; er nahm 
aus ihrer Geldtasche etwas Geld, kaufte sich Süßigkeiten und versteckte den 
Rest. Um diese Zeit wurde die jüngere seiner Schwestern geboren. Daß Geld 
für ihn symbolisch den Penis bedeutet, haben wir gerade gesehen; daß Geld 
auch die Bedeutung von Kot und Kind hat, ist für den Analytiker nichts 
Neues. Es dürfte also kein Zufall sein, daß er sich gerade um die Zeit der 
Geburt der Schwester symbolisch einen Penis, Kot oder ein Kind aneignete. 
Von seinen oralen Symptomen und Phantasien haben wir schon gehört. Für 
einen Teil des gestohlenen Geldes tauschte er Süßigkeiten ein. Es ist also 
anzunehmen, daß er über die symbolische Gleichung „Mutterbrust— Penis — 



Homosexualität, Magie und Aggression 13 

Kind — Kot" die Phantasie in die Tat umsetzte, der Mutter Kinder, be- 
ziehungsweise Kot im Leibe abzubeißen. Diese Phantasie stimmt vollkommen 
mit Vorstellungen überein, die ich bei anderen Patienten von demselben 
Typus als Erinnerungen auftreten gesehen habe. Der_ passiv-koprophage 
Traum, daß man ihm in den Mund defäziere, entspricht also anscheinend 
einer sadistischen Phantasie des Inhaltes, daß er dem Vater den Penis, der 
Mutter den Kot abbeiße. Diese Phantasie wurde gänzlich verdrängt und 
spiegelte sich offensichtlich in der Angst, genital und anal verletzt zu werden. 
Die Angst bildete gewissermaßen einen Schutz gegen seine sadistischen 
Regungen. Phantasierte er doch von jeher, daß er in den After seines Liebes- 
objektes gewaltsam eindringe und ihn auseinanderreiße, und daß er beim 
Weibe die Brust, beim Manne das Glied abreiße, beziehungsweise abbeiße. Er 
versuchte auch tatsächlich hie und da den coitus per anum, schreckte aber im 
letzten Augenblick aus Angst vor der Verletzung des Gliedes zurück. Ob- 
wohl er in der Analgegend außerordentlich erregbar war, dachte er lange 
Zeit nicht daran, sich passiv hinzugeben, da er vor der Verletzung des Afters 
noch mehr Angst hatte als vor der Verletzung des Genitales. Auf die Dauer 
gelang es ihm jedoch nicht, seine Triebe zu beherrschen, schließlich gab er 
ihrem Drängen nach. 

Es ereignete sich einmal, daß sich zur gleichen Zeit zwei Männer um ihn 
bewarben, der eine war groß, kräftig, maskulin, der andere klein, zart und 
feminin. Der Patient entschied sich für den erstem. Je häufiger er mit ihm 
verkehrte, desto intensiver wurde sein "Wunsch, mit ihm per anum zu ver- 
kehren. Das aber wagte er nicht, da ihm dieser Mann zu kräftig war und 
einen zu großen Penis hatte. Er ging daher zu dem kleinen, femininen 
Manne und versuchte es zuerst mit ihm. Als dieser nach dem Verkehr er- 
schöpft neben ihm lag, kam er ihm auf einmal sehr bekannt und vertraut 
vor, er sah ihn mit blonden Haaren (in Wirklichkeit war er dunkelhaarig), 
wußte aber nicht, wer ihm da vorschwebte. Plötzlich fiel ihm ein, es könnte 
seine jüngste Schwester sein, die blond ist. Er hatte zwei Schwestern, eine 
um anderthalb, die andere um drei Jahre jünger als er. Auf die jüngere 
Schwester war er sehr eifersüchtig; sie war bubenhaft, der Vater hatte sie 
ihm stets vorgezogen und pflegte zu sagen, daß sie eigentlich ein Knabe und 
der Patient ein Mädchen hätte sein sollen. Derartige, oft wiederholte, ab- 
fällige Bemerkungen des Vaters verletzten ihn tief. Um diese Kränkung gut- 
zumachen und den Vater vom Gegenteil zu überzeugen, wetteiferte er mit 
dieser Schwester in Bubenstreichen, zog aber immer den kürzeren, obwohl 
sie jünger und nur ein Mädchen war. Einmal spielte sich eine merkwürdige 
Szene ab. Kinder zogen diese Schwester damit auf, daß sie nicht die Courage 
haben werde, einen Hund unter dem Schwänze zu küssen. Kurz entschlossen 
tat sie es aber doch. Unser Patient war entsetzt, aber auch voller Bewunde- 
rung. Wie gerne hätte er das auch getan, um zu zeigen, daß er mutig sei, 



r 



14 H. Nunberg 



wie es sich für einen Mann gebühre. Ekel hielt ihn aber davor zurück. Wir 
verstehen vielleicht seine passiven und aktiven koprophagen Träume und 
Phantasien jetzt noch besser als zuvor. Wenn wir ferner erfahren, daß er 
diese Schwester nicht nur beneidete und so sein wollte, wie sie war, sondern 
sie auch liebte und in Phantasiespielen mit ihr dieser Liebe Ausdruck ver- 
lieh, so verstehen wir erst recht, daß er es eher wagen konnte, mit einem 
femininen Manne aggressiv zu sein und anal zu verkehren als mit einem 
maskulinen Manne. Der feminine Mann vertrat ja die Schwester, ein Mäd- 
chen, ein Wesen, das trotz seiner Männlichkeit doch keinen Penis besaß, also 
weniger gefährlich war als der Mann. 

Nach dem Verkehr mit dem femininen Manne wollte er von ihm nichts 
mehr wissen und kehrte zu dem maskulinen Freunde zurück. Es schien, als 
ob das Wagnis mit jenem ihm Mut gemacht hätte, diesem gegenüber erst 
recht aggressiv zu werden; jetzt vollzog er den Sexual verkehr mit ihm in 
so gewalttätiger Weise, wie er es zuvor nie gewagt, aber immer phantasiert 
hatte. Nicht genug daran, drückte er, nach dem mit brutaler Gewalt von 
rückwärts vollzogenen Verkehr, den Freund voller Wut auf den Rücken und 
wollte mit ihm von vorne verkehren. Da ihm aber dessen Penis im Wege 
stand, phantasierte er, er reiße ihn ab, bohre ein Loch in seinen Bauch usw. 
Nachher erschien ihm dieser, bisher um seiner Männlichkeit willen so sehr 
bewunderte Mann schlaff, kraftlos, weibisch. Er konnte sich diese Verände- 
rung nicht erklären, betrachtete daher den Geliebten von allen Seiten und 
beruhigte sich erst, als er sich sagen konnte, er müsse sich getäuscht haben. 
Von da an sah er in diesem Freunde einmal den bewunderungswürdigen 
maskulinen Mann, das andere Mal einen femininen Partner. Er gemahnte 
ihn nicht an den femininen Freund und die jüngere Schwester, sondern an 
seine mütterliche Freundin, mit der er vorübergehend die Beziehungen ab- 
gebrochen hatte. Nur befriedigte ihn zu jener Zeit der Freund seelisch un- 
vergleichlich mehr als jemals die Freundin. Der Freund sei viel inniger ge- 
wesen als sie und liebte so intensiv und aufopferungsfreudig, wie er es bei 
einer Frau noch niemals erlebt habe. Er versicherte, daß er sich nach einer 
solchen Liebe sein ganzes Leben hindurch gesehnt habe, und nun habe sich 
diese Sehnsucht erfüllt. Er zog in das Haus des Freundes und fühlte sich 
in seiner Gegenwart sicher und geborgen. Zu dieser Zeit traten Träume auf, 
die klar zeigten, daß der Freund die Mutter vertrat. 

Das Liebesobjekt stellte also eine Verdichtung, ein Kompromiß zwischen 
Mann und Weib dar, gewissermaßen eine Spiegelung der eigenen Bisexualität, 
wie Freud sagt. 

Es fragt sich nur, ob die Aggression gegen das homosexuelle Objekt auch 
der Mutter galt. Diese Frage kann ohne weiteres in positivem Sinne beant- 
wortet werden. Erstens enthielten seine masturbatorischen Phantasien nicht 
nur Aggressionen gegen Männer, sondern auch gegen Frauen, zweitens hatte 



" 



Homosexualität, Magie und Aggression 15 

er auch im Sexualverkehr mit Frauen sadistische Impulse, nur fühlte er sich 
im Verkehr mit dem jungen Mädchen zu schwach, um diesen Impulsen nach- 
zugeben, und traute sich bei dem älteren Mädchen nicht, sich so auszuleben, 
wie er wollte. 

Wie von einem Homosexuellen nicht anders zu erwarten ist, war die 
Liebesfähigkeit unseres Patienten hochgradig narzißtisch gefärbt. Er war von 
der Idee, daß sich ihm das unstillbare Bedürfnis, geliebt zu werden, 
endlich erfüllt habe, einfach berauscht. Er habe das Geliebtwerden immer 
vermißt, und nun erfülle ihn die Verwirklichung seiner Lebenssehnsucht mit 
Stolz und Freude. Er versicherte, er habe sich noch niemals so wohl gefühlt 
wie jetzt, nachdem er Beweise von aufopferungsfreudiger Liebe von so vielen 
Seiten erlebt habe. Er sei in seiner eigenen Achtung gestiegen, fühle sich 
selbstbewußt und männlich — er sei ein „Jemand" geworden, während er 
früher ein „Niemand" gewesen sei. 

"Wie verträgt sich hier der Narzißmus mit der Aggression? Ich möchte an 
dieser Stelle nicht theoretischen Erwägungen nachgehen, sondern das Material 
für sich selbst sprechen lassen: Erstens stand, wie wir gesehen haben, die 
Aggression gegen den Vater im Dienste des positiven Ödipuskomplexes. Der 
Patient wollte sich den Vater einverleiben, um sein Ich so zu stärken, daß es 
von der Mutter Besitz ergreifen könnte. Er hat es aber nicht zu einer erfolg- 
reichen Identifizierung mit dem Vater gebracht, denn jeder Ansatz dazu 
endete mit der primitiven Vorstufe der Identifizierung, mit kannibalisti- 
schen Impulsen und mit Zerstörungswut. Daß daraus eine Störung der Ent- 
wicklung des Über-Ichs resultierte, ist nicht verwunderlich, ich möchte aber 
darauf nicht näher eingehen. Zweitens zeigt die ganze Lebensgeschichte des 
Patienten in unzweideutiger Weise, daß sein Narzißmus immerfort, haupt- 
sächlich seitens der Mutter, tief gekränkt wurde. Dafür rächte er sich 
an ihr. Wie sehr er sie haßte und ablehnte, mag vielleicht ein einfaches Bei- 
spiel aus dem Alltagsleben des Patienten am besten illustrieren: Er konnte 
sich nicht überwinden, ihr den Arm zu reichen, um ihr bei einem gefähr- 
lichen Straßenübergang zu helfen. Und trotzdem war er an sie sehr stark 
libidinös fixiert. Eine seiner Schlaf gewohnheiten wird ein Bild davon geben: 
Er konnte nur einschlafen, wenn er auf der linken Seite lag und den rechten 
Arm nach vorne ausgestreckt hielt, als ob er jemanden umarmen wollte. 
Diese Gewohnheit ließ sich leicht aufklären, denn bis zu seinem elften Lebens- 
jahr schlief er mit der Mutter in einem Bette und hielt sich immer mit der 
rechten Hand an ihr fest. Unser Patient liebte also seine Mutter ebenso inten- 
siv, wie er sie haßte. Nur war ihm der Haß bewußt, die Liebe unbewußt. 
Wann dieser Haß zuerst aufgetreten ist, ist natürlich schwer zu sagen. Sicher 
empfand ihn schon der dreijährige Knabe, als die jüngere seiner Schwestern 
zur Welt kam. Er hatte zwei für ihn typische, sich von Zeit zu Zeit wieder- 
holende Träume, in denen er in derartige Wut gegen die Mutter geriet, daß er 



i6 



H. Nunberg 



sich kaum fassen konnte. In einem der beiden Träume berührte die Mutter irgend 
einen ihm gehörendenGegenstand, z. B. ein Kleidungsstück, im zweiten kam sieins Bade- 
zimmer, als er gerade nackt war oder seine Notdurft verrichtete. Beide Träume waren 
gewissermaßen eine Wiederholung der Wirklichkeit, denn der Patient bekam 
tatsächlich Wutanfälle, wenn die Mutter in seinem Kleider-, Wäsche- oder 
Bücherschrank Ordnung machen wollte, oder aber, wenn sie sein Zimmer 
betrat, während er sich gerade an- oder auszog. In einer tieferen Schicht 
deuteten diese Träume auf die Wut hin, die der Patient hatte, wenn die 
Mutter ihn bei der Onanie erwischte und mit Kastration drohte, oder aber 
wenn sie ihm Einlaufe zu machen versuchte. Da aber der Patient, wie wir 
aus anderen Träumen und Phantasien gesehen haben, die Tendenz hat, die 
Verdrängung durch Verkehrung ins Gegenteil zu bewerkstelligen, so dürften 
auch diese Träume so zu deuten sein, daß er die Mutter in sexueller Absicht 
berühren oder ihr bei der Verrichtung ihrer Notdurft zuschauen wollte, von 
ihr aber daran gehindert wurde, dies als narzißtische Kränkung empfand und 
darauf mit Wut reagierte. Diese Deutung fand in einer ganzen Reihe von 
Erinnerungen ihre Bestätigung. So nahm der Drang, sich an der Mutter zu 
rächen, manchmal beinahe verbrecherische Formen an: Als Knabe, wie als 
Erwachsener, zündete er ganz unbewußt mehrmals das Haus an, und nur mit 
Mühe gelang es, die Brände zu lokalisieren. Das Schlimmste jedoch, was er 
seiner Meinung nach der Mutter antun konnte, war, daß er sich an den Vater 
wendete, wenn sie ihm etwas versagte. Als sie z. B. einmal seinem Verlangen, 
ihm auf dem Klavier vorzuspielen, nicht augenblicklich willfahrte, ersuchte er 
den Vater darum, obwohl er genau wußte, daß er sie damit schwer 
verletzte. Andere Male wieder rächte er sich an den Schwestern, wenn er von 
der Mutter gekränkt war. Als er mit etwa zwölf Jahren auf die Mutter zu- 
stürzte, sie auf den Mund küßte und versuchte, ihr dabei die Zunge in den 
Mund zu stecken, sie ihm dies aber in strengem Ton verwies, da wurde er 
erst fassungslos und dann wütend. — Als die Mutter ihn in der Pubertät ins 
Pensionat schickte, protestierte er heftig dagegen und bekam Wutanfälle; die 
Zuwendung zu Knaben, die, wie erwähnt, damals begann, ist zweifellos zum 
Teil als Protest gegen sie aufzufassen. Später im Leben benahm er sich sehr 
ähnlich, als ihm schien, daß die Geliebte ihn nicht genügend liebe, und er 
überdies, anscheinend unberechtigterweise, auf einen anderen Mann eifer- 
süchtig wurde: Er erging sich in wüsten Rachephantasien gegen sie und 
landete schließlich bei Männern. 

Es ist also klar, daß der Patient mit seiner Homosexualität sich am Weibe 
rächen und über es triumphieren wollte. 

Der homosexuelle Akt stellt aber anderseits auch einen Triumph über den 
Mann — den Vater — dar. Nicht nur, daß er ihn überwältigt, sich seine 
Kraft aneignet, macht er auch ein Weib aus ihm und fühlt sich dann männ- 
lich genug, um sich der Mutter zu bemächtigen. Beides dient ihm 





zur Kompensation seines verletzten Narzißmus, zur Stärkung 
seines schwachen Ichs. Führte doch die Erfüllung seiner homosexuellen 
Wünsche zur Steigerung seines Selbstbewußtseins, zur Bestätigung seiner in- 
fantilen Allmachtsgefühle und verlieh ihm die erhebende Empfindung, daß 
von seiner Persönlichkeit ein gewisser Zauber ausstrahle. Das Mittel, dessen 
er sich bediente, um die Störung seines narzißtischen Gleichgewichts auszu- 
balancieren, war hauptsächlich Magie. 

Wir wissen, daß die Überschätzung des Ichs für die Paranoia charakteristisch 
ist. Wir wissen aber auch, welche Bedeutung die Homosexualität in der 
Paranoia hat. Es dürfte also kein Zufall sein, daß mir zum erstenmal beim 
Paranoiker deutlich geworden ist, daß das Ziel der Homosexualität nicht nur 
Befriedigung der Libido, sondern auch Befriedigung der Aggression ist. Das 
führte mich dazu, die nicht psychotischen Homosexuellen, die ich bisher be- 
handelt hatte, rückgreifend daraufhin miteinander zu vergleichen. Dieser 
Vergleich ergab die Einsicht, daß die Aggression nicht nur bei der Objekt- 
wahl des Paranoikers, sondern auch sonst in der Homosexualität eine wichtige 
Rolle spielt, zumindest aber als Charakteristikum eines bestimmten Typus 
anzusehen ist. 

Selbstverständlich tritt auch dieser Typus nicht ganz rein auf — wie ich 
schon eingangs erwähnt habe, gibt es ja kaum reine Typen. Selbst der 
aggressive Typus zeigt auch gewisse, wenngleich nicht immer stark ausge- 
prägte, masochistische Züge. Von einem sadistischen Typus können wir dann 
sprechen, wenn der Sadismus überwiegt, von einem masochistischen, wenn 
der Masochismus überwiegt und dem Homosexuellen sein Gepräge verleiht. 
Im heutigen Vortrage hatte ich mir aber zur Aufgabe gemacht, den aggres- 
siven Typus zu besprechen. 

Das Herausschälen dieses Typus scheint mir noch aus folgendem Grunde 
wichtig: All die Fälle, die zu beobachten ich Gelegenheit hatte, zeigten ge- 
wisse paranoide Züge, wie leichten Beziehungs- und Verfolgungswahn; auch 
der hier ausführlich besprochene Patient hatte einen leichten Vergiftungs- 
wahn. Keiner dieser Fälle zeigte jedoch noch weitere paranoische Symptome 
und keiner entwickelte sich, soweit mir bekannt ist, später zu einer Psychose. 
Es scheint aber jedenfalls, daß dieser Typus der Homosexualität der Paranoia 
irgendwie nahesteht und vielleicht eine Zwischenstufe zwischen Neurose und 
Psychose bildet. 

Von mancher Seite wird die Ansicht vertreten, daß ein Vergleich zwischen 
Homosexualität und Paranoia einer eingehenden Kritik nicht standhält, und 
zwar deshalb nicht, weil der Paranoiker projiziere, der Homosexuelle hin- 
gegen nicht. Es ist zwar ganz richtig, daß der Projektionsmechanismus für 
die Paranoia charakteristisch ist, ebenso richtig aber ist, daß dieser Mechanis- 
mus auch in der Homosexualität eine sehr wichtige Rolle spielt, etwa bei dem 
Typus, bei welchem das Objekt nach dem Vorbilde der Mutterliebe gewählt 

Int Zeitschr. f. Psychoanalyse, XXII/i 2 



18 H. Nunberg: Homosexualität, Magie und Aggression 

wird. Eine andere Frage ist, ob die Projektion auch in dem von mir ge- 
schilderten Fall zu finden ist. Die Antwort gibt der Patient selbst. Er pro- 
jiziert nämlich sein Ideal eines schönen, kräftigen und großen Mannes vor 
sich hin. Dieses Ideal liebt er und sucht danach in der Außenwelt. (Daß es 
ihm gelingt, von Zeit zu Zeit sein Ideal in der Realität zu finden, schützt 
ihn vielleicht vor der Paranoia.) Was ihn hingegen von der Paranoia unter- 
scheidet, ist, daß der Sadismus in der Paranoia ein negatives Vorzeichen be- 
kommt und sich zum größten Teil in sein Gegenteil, den Masochismus, ver- 
wandelt, während die Aggression bei unserem Patienten in den der Analyse 
zugänglichen Schichten, eigentlich in den Schichten, die der Außenwelt am 
meisten zugekehrt sind, fast unverändert blieb. Mit anderen Worten, während 
in der Paranoia Libido und Aggression sich gegen das Ich wenden, scheint in 
unserem Falle die Aggression diesen Wendungs- und Umwandlungsprozeß nur 
in ganz kleinen Quantitäten mitzumachen. Damit soll aber — um Mißver- 
ständnissen vorzubeugen — nicht gesagt werden, daß dies der einzige Unter- 
schied zwischen Paranoia und Homosexualität sei. 

Warum aber aus derselben Grundeinstellung einmal eine Paranoia wird, 
das andere Mal nicht, wird natürlich bis auf weiteres unbeantwortet bleiben. 

Wir stoßen hier unvermerkt auf Probleme, auf die näher einzugehen ver- 
lockend wäre; aber ihre Erörterung würde weit über den Rahmen des 
heutigen Vortrages hinausgehen. 

Literatur 

Freud: i. Drei Abhandlungen zur Sexualtheorie, z. Über die Psychogenese eines Falles 
von weiblicher Homosexualität. 3. Über einige neurotische Mechanismen bei Eifersucht, 
Paranoia und Homosexualität. Alle drei in Ges. Sehr., Bd. V. 4. Psychoanalytische Bemer- 
kungen über einen autobiographisch beschriebenen Fall von Paranoia. Ges. Sehr., Bd. VIII. 

Ferenczi: Zur Nosologie der männlichen Homosexualität (Homoerotik). In: Bausteine 
zur Psychoanalyse, Bd. II, Int. Psa. Verl., Wien, 1927. 



Zur Auffassung der Weiblichkeit 1 

Von 

S. M. Payne 

London 

Einleitung 

Die psychoanalytische Methode hat in den letzten Jahren die Untersuchun- 
gen über die Psychologie der Frau weitgehend gefördert und uns damit einer 
Reihe von Problemen gegenübergestellt, die mit der Verschiedenheit der Ge- 
schlechter eng verknüpft sind. 

"Wir sind gegenwärtig noch nicht in der Lage, alle diese Probleme zu lösen, 
aber wir können unsere Beobachtungen festhalten, abweichende Ansichten 
zusammenfassend erörtern und damit die Aufmerksamkeit auf diejenigen 
Punkte lenken, die noch ungeklärt sind und weiterer Untersuchung harren. 

Natürlich gibt es viele verschiedene Ausgangspunkte für eine Psychologie 
des Weibes. "Wenn wir den "Weg der psychischen Entwicklung des Indivi- 
duums in die Vergangenheit zurückzuverfolgen versuchen, sind wir bald 
gezwungen, auf andere Untersuchungsgebiete, besonders auf das der Biologie, 
überzugreifen. Wahrscheinlich ist die unmittelbare Anwendung biologischer 
Begriffe auf die Psychologie in mancher Hinsicht von ausgesprochenem Nach- 
teil, da uns die Art des Zusammenhanges von seelischen und physischen 
Prozessen völlig undurchsichtig bleibt. Das Vorhandensein einer Verbindung 
zwischen den beiden zeigt sich Tag für Tag dem beobachtenden Auge des 
Psychotherapeuten, aber bis heute ist es noch keinem Psychologen, Physiker 
oder Biologen gelungen, auf die Struktur oder die Natur derselben viel Licht 
zu werfen. 

Der biologische Begriff der Bisexualität geht von der Tatsache aus, daß 
rudimentäre männliche Sexualorgane im weiblichen Körper vorhanden sind, 
ebenso wie rudimentäre weibliche Sexualorgane im männlichen. Die Psycho- 
logie hat die Auffassung von der Bisexualität übernommen und neigt leider 
dazu, ihre Bedeutung dadurch einzuschränken, daß sie Aktivität mit Männ- 
lichkeit und Passivität mit Weiblichkeit gleichsetzt. Die Biologie ist weniger 
willkürlich und entgeht daher der Gefahr, die Dinge weiter zu komplizieren. 
Die entsprechenden Betätigungsformen der beiden Geschlechter wurden 
teils bei verschiedenen Gattungen, teils bei verschiedenen Situationen 
innerhalb derselben Gattung beschrieben. Es ist wohlbekannt, daß bei 
gewissen Gattungen das Weibchen aktiver ist als das Männchen, dessen 
Aktivität sich in der Hauptsache auf den Sexualakt beschränkt. Freud 
hat betont, wie wenig befriedigend es sei, Männlichkeit mit Aktivität 

i) Nach einem am 28. November 1934 in der Medical Section der British Psychological 
Society gehaltenen Vortrag; aus dem Englischen übersetzt von Frau Hedwig Abraham. 



2o S. M. Payne 

und Weiblichkeit mit Passivität zu identifizieren; er sagt (i): „Es er- 
scheint mir unzweckmäßig, und es bringt keine neue Erkenntnis." Er 
deutet an, daß es möglich sei, die "Weiblichkeit psychologisch zu charakteri- 
sieren, indem man aussagt, sie enthake eine Vorliebe für passive Trieb- 
ziele, — und äußert an anderer Stelle: „Es ist leicht zu beobachten, daß 
auf jedem Gebiet des seelischen Erlebens, nicht nur auf dem der Sexuali- 
tät, ein passiv empfangener Eindruck beim Kind die Tendenz zu einer aktiven 
Reaktion hervorruft. Die Sexualziele des Mädchens bei der Mutter sind 
aktiver wie passiver Natur, und sie werden durch die Libidophasen bestimmt, 
die das Kind durchläuft. Aus dem Verhalten des Kindes mag man einen 
Schluß auf die relative Stärke der Männlichkeit und Weiblichkeit ziehen, die 
das Kind in seiner Sexualität an den Tag legen wird." (2) 

Die Tatsache der Bisexualität muß als eines der Fundamente angesehen 
werden, auf welche Freud seine Theorien aufgebaut hat. Es ist sehr zweifel- 
haft, ob der Frau mehr Bisexualität zuzusprechen ist als dem Mann. Eine 
Untersuchung der Natur derjenigen Triebe, die den kulturellen Strebungen 
zugrunde liegen, zeigt, daß die spezifisch weiblichen Triebe hier ebenso 
wichtig sind wie die männlichen. Es ist klar, daß in früheren Zeiten der Mann 
mehr Gelegenheit zum Sublimieren weiblicher Regungen hatte als die Frau 
zürn Sublimieren männlicher Tendenzen. Dank dem Umstand, daß unsere 
gegenwärtige Zivilisation männliche Eigenschaften höher bewertet als weib- 
liche (3), ist es verständlich, daß der Einfluß der Umgebung die erfolgreiche 
Verdrängung weiblicher Tendenzen beim Mann begünstigt, und bei der Frau 
vorzüglich die Ansätze zu männlichen Strebungen zur Entfaltung bringt. 

Die Wichtigkeit und zugleich Einfachheit der Theorie von der Bisexualität 
hat aber vor allem dazu beigetragen, die Auffassung der Frau als eines 
kastrierten Männchens in den Brennpunkt der Aufmerksamkeit zu stellen, und 
hat die psychologische Formulierung und Darstellung der primär weib- 
lichen Züge in den Hintergrund gedrängt. Ein allgemeiner Überblick über die 
psychoanalytische Literatur enthüllt eine wachsende Tendenz, „männliche" 
und „weibliche" psychologische Auffassungen zu unterscheiden. Karen 
Horney hat mit ihrem im Jahre 1924 erschienenen Artikel „Zur Genese des 
weiblichen Kasträtionskomplexes" (4) als erste diesen Weg beschritten. Früh- 
zeitige Beobachtungen von Helene Deutsch (j) über die Sexualfunktionen 
der Frau in allen ihren Ausstrahlungen waren eine Pionierarbeit und haben 
zu vielen späteren Untersuchungen den Grund gelegt. Neue Ausblicke er- 
öffnete Melanie Klein (6), als sie erkannte, welche Rolle die Phantasien 
spielen, die das Innere des Körpers zum Inhalt haben. Die Bedeutung der 
Mutter-Töchter-Beziehung, wie sie von Jeanne Lampl-de Groot(7) be- 
schrieben wurde, hat Freud akzeptiert, nachdem kurz zuvor die Wichtig- 
keit der Untersuchungen von Melanie Klein für das Verständnis der weib- 
lichen Psychologie besonders von der englischen Psychoanalytischen Gesell- 




Zur Auffassung der Weiblichkeit 



ai 



schaft gewürdigt worden war. Einen hervorragenden Beitrag lieferte Ernest 
Jones (8) mit seiner Unterscheidung zwischen männlicher und weiblicher 
Kastrationsangst und mit dem Hinweis auf die Beziehung beider zu dem, 
was er Aphanisis nennt. Etwas später regte Marjorie Brierley (9) an, die 
psychologische Definition der Weiblichkeit mit Hilfe des Begriffs der Integra- 
tion zu geben. In dem Referat über Freuds Vorlesung über die Weiblichkeit, 
die in der „Neuen Folge der Vorlesungen zur Einführung in die Psychoanalyse" 
enthalten ist, setzte sich Joan Riviere(io) energisch dafür ein, die Rolle der 
positiv weiblichen Triebe in der Psychologie des kleinen Mädchens anzuer- 
kennen. Sie betonte besonders die Beziehung zwischen oralen und vaginalen 
libidinösen Faktoren und die Charakterzüge, die aus dieser Quelle stammen. 
Ein Faktor, der m. E. bei der Behandlung des Problems der Weiblichkeit 
nicht genügend beachtet wird, ist die Zeugungsfunktion in allen ihren 
Auswirkungen. Die weibliche Funktion erschöpft sich nur zum Teil im 
Sexualakt. Die psychologische Bedeutung von Empfängnis, Schwangerschaft, 
Entbindung und Stillzeit ist gar nicht zu überschätzen. Ferner ist auch die 
spätere Beziehung der Mutter zum Kind im allgemeinen von viel größerer 
psychologischer Wichtigkeit als die des Vaters. 

Die enge Verbindung von Weiblichkeit und Zeugungsfunktion führt dazu, 
die psychischen Manifestationen der letzteren zu verdecken und die physio- 
logischen hervorzuheben. Es war kaum möglich, in das Wesen der weiblichen 
Psyche tiefere Einsicht zu gewinnen, ehe es der Psychoanalyse gelang, auf die 
seelischen Erscheinungen der frühesten Lebensjahre Licht zu werfen. Im 
Mittelpunkt der Entwicklung des männlichen Ichs steht die Identifizierung des 
Ichs mit dem Penis. Man darf erwarten, daß die Entwicklung des weiblichen 
Ichs eine analoge Grundlage hat. Die inneren weiblichen Genitalien, Uterus 
und Vagina, nehmen psychisch einen einzigartigen Platz ein. Während der 
ganzen Kindheit liegt die Funktion dieser Organe sozusagen im Schlaf. Die 
Frage der frühzeitigen Libidobesetzung der Vagina ändert an dieser Tatsache 
nichts. Das männliche Organ hat in der Kindheit eine Funktion, die es in 
eine gänzlich verschiedene Beziehung zur Ich-Differenzierung bringt. Die 
Öffnung der Vagina ist nicht, wie Rektum und Urethra, durch einen 
Sphinkter unter bewußte Kontrolle gestellt. Die Einimpfung der Sphinkter- 
moral ist einer der Hauptwege, auf denen ein äußerer Einfluß nach innen 
verlegt, und die Wahrnehmung gewisser körperlicher Funktionen dem sich 
heranbildenden Ich als dem Exekutivorgan des psychischen Apparats einge- 

I prägt wird. Vagina und Uterus spielen offensichtlich keine dazu direkt parallele 
Rolle in der Entwicklung des Ichs und des Uber-Ichs. Diese Rolle kommt 
anscheinend dem Mund und den anderen infantilen erogenen Zonen zu. 
Die narzißtische Bewertung des ganzen weiblichen Körpers wird oft mit 
der narzißtischen Überschätzung des Penis von seiteri des Mannes ver- 
glichen. Ich möchte annehmen, daß diese Bewertung eine Verlegung bedeutet, 



22 S. M. Payne 



die mit der früheren Libidobesetzung des Körperinnern zusammenhängt. Sie 
findet sich besonders bei Frauen, die von unbewußten sadistischen Koitus- 
und Geburtsphantasien beherrscht werden. Das Funktionieren eines inneren 
Organs hängt von der Koordination seiner Spannungen ab. Dies bezieht sich 
gleicherweise auf psychische und körperliche Organe. Der primitive unbe- 
wußte Mechanismus, der diese Spannungszustände regelt und damit die Funk- 
tion aufrechterhält, ist der Rhythmus. 

Ella Sharpe (n) hat in ihrer Arbeit über die Psychologie des Künstlers 
dieses Thema behandelt. Sie wies auf die Bedeutung von Rhythmus und 
Form in allen Kunstgattungen hin und kam zu der Annahme einer psychi- 
schen Korrelation zwischen Körperrhythmus und Körperfunktionen. Die 
Rolle des schöpferischen Dranges beim Künstler und der wohlbekannte 
feminine Einschlag bei Künstlern beiderlei Geschlechts läßt die Annahme zu, 
daß Untersuchungen auf diesem Gebiet sich für die Erforschung der psychi- 
schen Femininität fruchtbar erweisen dürften. 

Tatsächlich gehört eine unbewußte Koordination, die wir Rhyth- 
mus nennen können, notwendigerweise zu allen physiologischen Tätigkeits- 
formen. Ich möchte besonders auf die Fertigkeit bei allen Arten von Sport 
hinweisen. Diese beruht vor allem auf der nach einem zeitlichen Rhythmus 
(Takt) geregelten Koordinationsfähigkeit und nicht auf der bloßen Beschaffen- 
heit der Muskeln. Vielleicht ist der „Takt" das rhythmische Vorbild, das 
der unbewußt gelenkten Koordination der Muskeltätigkeit zugrunde liegt. 
Eine Folge dieser rhythmischen Koordination ist die Periodizität, die mit den 
weiblichen Funktionen so wesensmäßig verknüpft ist. Eine volkstümliche, 
wenn auch etwas schiefe Definition der Frau stammt aus einem gewissen 
Londoner Krankenhaus: „Die Frau ist ein Tier, das einmal täglich uriniert, 
einmal wöchentlich defäziert, einmal monatlich menstruiert und einmal 
jährlich gebiert." 2 

Die Psychoanalyse hat gezeigt, auf welche "Weise die Verdrängung und die 
Verzögerung der Genitalfunktionen die seelische Entwicklung des Menschen 
beeinflussen und damit eine Neuorganisation der die Triebregungen koordi- 
nierenden und kontrollierenden Mechanismen bewirken. Es wäre nicht ver- 
wunderlich, wenn primitive Mechanismen ihre Repräsentanzen in Charakter- 
zügen hätten, die ihre Herkunft im wesentlichen der Zivilisation und der 
Kultur verdanken. Wenn dem so ist, wäre es wohl möglich, das „psychische 
Modell" einer Körperfunktion aufzuzeigen. 

Es ist ein unvermeidliches Resultat der Verdrängung des Ödipuskomplexes, 
daß das „Modell" für die endgültige Gestaltung der Genitalfunktion aufs 
stärkste von denjenigen Auffassungen beeinflußt wird, die in Verbindung mit 
den prägenitalen Trieben und infantilen erogenen Zonen gebildet wurden. 

2) Das Hauptmotiv dieser Definition ist offenbar das Gefühl der Versagung beim Manne. 



Zur Auffassung der Weiblichkeit a 3 

Infolgedessen wird der Koitus psychisch in den verschiedensten Arten voll- 
zogen, und der Geburtsakt wird, bevor er real durchgemacht wird, in der 
Verrichtung der Ausscheidungsfunktionen „erlebt". Vom biologischen Stand- 
punkt aus gesehen, ist die Tatsache, daß es in der Reaktion der Frau auf die 
Zeugungsfunktionen so viele Varianten gibt, eigentlich erstaunlich. 

Wenn man von jenen Frauen absieht, bei denen körperliche Defekte 
mechanische Schwierigkeiten beim Gebären verursachen, oder die durch ernst- 
liche physische Verletzungen überhaupt unfähig dazu geworden sind, so ist 
es ersichtlich, daß die durch Schwangerschaft und Geburt auferlegten Leiden 
bei verschiedenen Individuen und sogar bei verschiedenen Schwangerschaften 
ein und derselben Frau ganz außerordentlich variieren. Diese Variationen sind, 
wie die Psychoanalyse zeigt, aufs engste mit psychischen Schwierigkeiten ver- 
knüpft. 



Die im folgenden dargestellten seelischen Eigenschaften sind m. E. für die 
erwachsene Frau erforderlich, wenn sie den seelischen und sonstigen An- 
sprüchen, die mit der vollen Ausübung ihrer Geschlechtsfunktionen verbun- 
den sind, gewachsen sein soll. Ich möchte diese Züge erst einmal aufzählen 
und sie dann gesondert und ausführlich zu den weiblichen Funktionen in Be- 
ziehung setzen. . . 

An erster Stelle nenne ich die Aufnahmebereitschaft an Stelle der Passivität. 
Diese Bereitschaft wird im Sexualakt in hohem Maße ausgeübt. Die rezeptive 
Funktion der Vagina wird mit derjenigen des Mundes identifiziert und verrät 
sich durch die saugenden Bewegungen, die völlig denen des Säuglingsmundes 
gleichen. 

Die zweite von der erwachsenen Frau erforderte Eigenschaft ist die Fähig- 
keit, die wiederholten periodischen Schwankungen in ihrem sekundären Nar- 
zißmus zu ertragen und sich ihnen anzupassen. Diese Schwankungen ent- 
sprechen Verarmungen und Bereicherungen der Ich-Libido und hängen von 
den Betätigungen ihrer Sexualfunktion bei Menstruation, Empfängnis, Schwan- 
gerschaft, Geburt und Stillzeit ab. 

Die dritte, nicht ausschließlich weibliche Eigenschaft ist die Fähigkeit, die 
— entsprechend der Bisexualität — von den angeborenen Eigenschaften des 
entgegengesetzten Geschlechtes herrührenden Triebe zu sublimieren, ohne daß 
jedoch die eigene Geschlechtlichkeit dadurch gehemmt oder vernichtet wird. 

Als viertes Merkmal der Weiblichkeit erwähne ich, daß die Bereitwilligkeit 
im Empfangen und Behalten mit dem Wunsch des „Hergebens" in Einklang 
gebracht sein muß. Dieser Wechsel in der seelischen Haltung ist für das Vor- 
bild der Sexualfunktionen wesentlich. 



84 S. M. Payne 

I. 

Die Betrachtung der weiblichen Aufnahmebereitschaft umfaßt die meisten 
Probleme, die beim Studium der weiblichen Psychologie auftauchen. In ihr 
sind inbegriffen sowohl die Frage des Alters, in dem sich die echte Weiblich- 
keit manifestiert, als auch die Richtung, welche die Libido bei der Entwick- 
lung der weiblichen Sexualfunktion einschlägt. Nach Freuds Ansicht haben 
Mädchen und Knaben während der allerersten Lebensjahre beide eine männ- 
liche Psyche. Das erste Liebesobjekt des kleinen Mädchens ist die Mutter, und 
die Liebeswünsche, die sich auf diese beziehen, sind charakteristisch für die 
orale, anale und phallische Phase. In der letzteren wird die Klitoris als Penis 
bewertet bis zu dem Augenblick, da die anatomischen Geschlechtsunterschiede 
entdeckt werden. Durch diese Entdeckung wird die Beziehung zur Mutter 
als Liebesobjekt zerstört. Letztere wird für das Fehlen des Penis verantwort- 
lich gemacht, und der Groll darüber erweckt die Erinnerung an frühere, durch 
sie erlittene Versagungen und Enttäuschungen. Als Folge davon wendet sich 
das kleine vierjährige Mädchen meist zum Vater und überträgt auf ihn ihre 
Wünsche. Mit anderen Worten, der Kastrationskomplex geht in den Ödipus- 
komplex über und der Wunsch nach dem Kinde tritt an die Stelle des 
Wunsches nach dem Penis. 

Diese Ansicht vertritt Freud in seiner Vorlesung über die Weiblichkeit, 
die in der Neuen Folge der Einführungsvorlesungen veröffentlicht wurde. Sie 
ist von Joan Ri viere in dem bereits zitierten Referat kritisiert worden, eine 
Kritik, die durch die Beobachtungen vieler Analytiker unterstützt wird. Zu 
diesen gehören Karen Horney (von den auswärtigen), Jones, Melanie Klein 
und überhaupt die meisten englischen Analytiker. Wenn wir uns den Beob- 
achtungen zuwenden, die Freuds Folgerungen zugrunde liegen, erkennen wir 
deutlich, daß es reichlich Beweise für die Wichtigkeit des Penisneides gibt. In 
der Analyse einer jeden Frau kann der Penisneid in der phallischen Phase fest- 
gestellt werden. Bei einigen Frauen spielt er eine überwältigende Rolle, und 
fast scheint es, als sei bei diesen der angestrengte Versuch, zu beweisen, daß 
der Penis in irgendeiner Form dennoch vorhanden sei, das Leitmotiv des 
Lebens. 

Indessen liegt solchen Fällen immer eine Situation zugrunde, die mit der 
Zurückweisung der Weiblichkeit und mit der Beziehung zwischen Mutter 
und Kind zusammenhängt. Diese Situation muß vollständig analysiert wer- 
den, ehe die Wichtigkeit des Männlichkeitskomplexes als solchen bewertet 
werden kann. Ich beabsichtige in dieser Arbeit nicht, bei den manifesten 
Zeichen und Symptomen des weiblichen Kastrationskomplexes zu verweilen, 
wie sie allgemein bekannt sind. Das Ziel meiner Untersuchung ist vielmehr, 
die primäre Weiblichkeitdes kleinen Mädchens sowie deren Beziehung 
zur Entwicklung des Männlichkeitskomplexes und zur Weiblichkeit der er- 
wachsenen Frau zu erhellen. 



Zur Auffassung der Weiblichkeit 25 

Von fundamentaler Bedeutung in diesem Zusammenhang ist das Licht, das 
durch die Arbeiten von Melanie Klein und von den Kinderanalytikern auf 
die Beziehungen des ganz kleinen Kindes zur Mutter geworfen wird. Frau 
Klein vertritt die Anschauung, daß es die tiefste Angst des Mädchens ist, ihr 
Leib könne inwendig beraubt oder zerstört werden. 3 In jeder tiefgehenden 
Analyse werden Phantasien aufgedeckt, welche die kindliche Theorie 
enthüllen, der Leib der Mutter enthalte geheimnisvolle, gefährliche und wert- 
volle Dinge, darunter auch alles das, was der Vater hineingetan hat, nämlich 
seinen Penis oder dessen Äquivalent. 

Es scheint daher bewiesen zu sein, daß das Innere des Leibes in den frü- 
hesten Phantasien, ehe noch die Fähigkeit zur Vergleichung äußerer Unter- 
schiede erreicht wird, zur Quelle der Angst wird. Das kleine Mädchen durch- 
läuft, während es noch mit der Angst kämpft, die sich auf den Inhalt des 
mütterlichen und des eigenen Leibes bezieht, die oralen und frühanalen Phasen 
der Libidoentwicklung. 

Die primäre Beziehung zur Mutter ist bei beiden Geschlechtern eine oral- 
rezeptive. Beim Vergleich der Libidoentwicklung der beiden Geschlechter 
wird gewöhnlich ein besonderes Gewicht auf die Tatsache gelegt, daß das 
kleine Mädchen vor Erlangung der Geschlechtsreife das Geschlecht seines 
Liebesobjektes wechseln und seine Sexualempfindungen von der Klitoris auf 
die Vagina verlegen muß. Beim Knaben hingegen ist es nicht erforderlich, daß 
er das Geschlecht seines Liebesobjektes wechsle. Bei diesem Vergleich wird 
aber der Umstand, daß der Knabe den Charakter seiner Beziehung zum pri- 
mären Objekt vom oral-rezeptiven Saugen zum aktiven Eindringen und Ent- 
laden ändern muß, selten erwähnt (12). Anderseits kann das kleine Mädchen 
die oral-rezeptiven Saugetendenzen direkt vom Mund in die Vagina verlegen. 

Orale Unbefriedigtheit führt dazu, die Liebe des kleinen Mädchens von der 
Mutter zum Vater hinzulenken. Ihre ersten Forderungen an denselben kleideix 
sich in die Form oraler Begierde nach dem väterlichen Penis. Frau Klein — 
und unabhängig von ihr Ernest Jones — sind der Ansicht, daß diese frühen 
oralen Wünsche allo-erotischer Natur und für diejenige Objektphase charak- 
teristisch sind, in der ein Teil das Ganze zu vertreten pflegt. Mit anderen 
Worten, der Penis bedeutet den Vater. Nach Freuds Meinung stellt dies den 
Wunsch des Mädchens dar, männlich zu sein, nicht aber den Wunsch, sich 
einen Teil des Liebesobjektes einzuverleiben. 

Hanns Sachs (13) legt besonderen Nachdruck auf die Beharrlichkeit und 
Stärke der oralen Wünsche des kleinen Mädchens, die sich auf den Vater 
richten. Er sieht in diesen Wünschen das Resultat einer Regression auf die 
orale Phase, die, nachdem das Objekt des Ödipuskomplexes aufgegeben worden, 
im Bemühen erfolgt ist, es psychisch doch zurückzuhalten. Er sagt: „Die Ver- 

3) Dies entspricht der Angst vor dem Verlust der Sexualität, die Ernest Jones als diet 
Angst vor Aphanisis beschreibt. 




mutung liegt nahe, daß die intensive Tendenz, sich den Vater auf oralem 
Wege einzuverleiben, eine Folge der in dieser Zeit zum erstenmal dunkel auf- 
tretenden vaginalen Sensationen ist, die, weil sie sich an der noch unent- 
deckten Vagina nicht durchsetzen können, auf den Mund verschoben werden." 
Melanie Klein vertritt den Standpunkt, daß genitale Triebe in Verbindung 
mit der Aufstachelung oraler Wünsche entstehen können, und meine eigenen 
Erfahrungen bestätigen diese Ansicht. Der Nachweis, daß genitale Wünsche, 
sofern sie auf die Vagina gerichtet sind, in einer so frühen Phase auftreten, 
würde sicherlich viel dazu beitragen, das Problem vom Vorhandensein 
femininer Impulse in der frühen Kindheit zu lösen. 

Alle Analytiker werden mir darin beipflichten, daß direkte Beweise für die 
Libidobesetzung der Vagina in der Säuglings- und frühen Kinderzeit von 
außen her nicht leicht beizubringen sind. Psychologische Beweise gibt es im 
Überfluß. Der Umstand, daß sich die frühen Phantasien mit dem Innern des 
mütterlichen Leibes beschäftigen, ist an sich von großer Bedeutung. Es ist 
kaum anders möglich, als ihn mit der Annahme einer unbewußten Kenntnis 
eines inneren Genitales aufs engste zu verknüpfen. — Einige weibliche Ana- 
lytiker, unter ihnen Josine Müller (14), Melanie Klein (15) und Karen 
Horney(i6) haben eine Betätigung der Vagina in ganz früher Kindheit 
beobachtet. Ich selbst wurde kürzlich auf ein Phänomen bei einem neu- 
geborenen Kinde aufmerksam gemacht, nämlich auf die Ausscheidung einer 
ganz kleinen Menge Blut aus der Vagina in der zweiten Lebenswoche. In 
dem gleichen Fall wurde auch eine Vergrößerung der Brustwarzen und ein 
Sekret, das sie enthielten, beobachtet. Die Hebamme, die den Säugling be- 
treute und eine zuverlässige Person mit sehr großer Erfahrung war, sagte mir, 
daß diese kleine Blutausscheidung bei Kindern weiblichen Geschlechtes im 
ersten Monat regelmäßig auftrete und von der Hebamme stets erwartet werde. 
Ich muß gestehen, daß mir das neu war; ich habe eine Angabe dieser Art weder 
je in den Lehrbüchern gefunden, noch von Ärzten, deren Spezialfach Geburts- 
hilfe ist, erwähnen gehört. Die Tatsache ist indessen bemerkenswert als phy- 
siologischer Beweis dafür, daß die inneren Genitalorgane bereits in frühester 
Kindheit Blutandrang und Aktivität aufweisen. 

Viele Kinderärzte ebenso wie Kinderanalytiker haben bei kleinen Mädchen 
manifeste vaginale Masturbation beobachtet und beschrieben; aber sie scheint 
doch mehr eine Ausnahme als eine Regel zu sein, wenn man nicht der Ansicht 
zuneigt, daß gewisse andere Erregungsmethoden, die von jenen sehr häufig 
angewendet werden, diese Bedeutung haben. So etwa schaukelnde Körper- 
bewegungen und Zusammenpressen der Schenkel, wodurch nicht nur die 
Klitoris, sondern auch der ganze Genitalapparat, einschließlich der Scheiden- 
öffnung, in Erregung versetzt wird. Die Wahrscheinlichkeit spricht dafür, 
daß die Erregbarkeit der Vagina, falls sie vorhanden ist, im allgemeinen in 
diesem Alter rasch vorübergeht und gegenüber der erogenen Bedeutung 






Zur Auffassung der Weiblichkeit 27 

anderer Körperöffnungen, wie des Mundes, des Anus und der Urethra, die 
fortwährend direkte Reize empfangen, bald in den Hintergrund tritt. 

Eine andere Seite des Problems, die m. E. die Ansicht, daß die Vagina schon 
in früher Kindheit libidobesetzt ist, stützt, ist gegeben durch die enge Be- 
ziehung zwischen Mund und Vagina bei der erwachsenen, sexuell voll ent- 
wickelten Frau. 

Die frühere Anschauung über die "Wege der Libido im Verlaufe der Entwick- 
lung der weiblichen Sexualität nimmt an, daß die wichtigste Verlegung der 
Libido die in der Pubertätszeit von der Klitoris auf die Vagina erfolgende sei. 
Dies trifft in sehr vielen Fällen zu, ja vielleicht in den meisten von denen, die 
zur Psychoanalyse kommen, wobei übrigens die Verschiebung der Erogenität 
von der Klitoris auf die Vagina selten eine vollständige ist. Ich habe aber 
gleichwohl den Eindruck, daß die Beziehung zwischen Mund und Vaginal- 
erotik häufig übersehen wird, und daß diese Verschiebung, wo sie vorhanden 
ist, möglicherweise eine Entwicklung darstellt, in der die femininen Tenden- 
zen ziemlich unangefochten bleiben durften von den Konflikten, die mit der 
Klitorismasturbation verbunden sind. 

Auf die Verknüpfung von Mund und Vagina ist von vielen Analytikern 
hingewiesen worden. Ernest Jönes(i7) berichtet, daß Freud in einem 
privaten Schreiben bemerkt habe, er sei überzeugt, daß die früheste Vor- 
stellung eines weiblichen Kindes vom Koitus die Fellatio sei. 

Viele Analytiker haben die Behauptung zu stützen versucht, daß zwischen 
Mund- und Vaginalerotik eine enge Verbindung besteht und daß die Vagina 
in früher Kindheit zeitweilig libidobesetzt gewesen sei. Ich selbst bin schon 
seit langem dieser Ansicht und fand Beweise dafür in der Analyse relativ nor- 
maler sowie anormaler Frauen. 

Die Analyse einer gesunden, in ihren geschlechtlichen Funktionen voll- 
entwickelten Frau ergab folgende Geschichte: 

Sie war neun Monate an der Brust gestillt worden und zeigte kein auffallendes Trauma 
bei der Entwöhnung. Die Pflegerin, die sie seit ihrer Geburt betreute, erzählte ihr später, 
sie habe in ganz frühem Alter beim Empfang eines Kusses ihren Rücken steif gemacht und 
den Bauch in einer Weise vorgestreckt, daß eine sexuelle Erregung der Genitalgegend augen- 
scheinlich war. Während ihrer ganzen Kinderzeit sträubte sie sich gegen einen Kuß auf den 
Mund. Mit sechs Jahren entdeckte sie die Klitoris, übte aber niemals klitoridale Masturbation 
aus. Während ihrer ersten Liebesaffäre fühlte sie vaginale Sensationen, wenn sie auf den Mund 
geküßt wurde, und hatte einen Traum, in dem ihr Liebhaber, dessen ganzer Körper den 
Penis darstellte, aus dem Wasser zu ihren Lippen aufstieg. Ihr erster vaginaler Orgasmus 
wurde durch die Erregung eines Kusses auf den Mund ausgelöst. In diesem Fall bestand 
keinerlei Neigung zu Perversionen. Die Unterdrückung der Klitoris-Masturbation war m. E. 
aus dem Grunde erfolgreich, weil der Boden für eine positive, genital-rezeptive Einstellung 
schon vorbereitet war, und zwar durch die Beziehung zwischen Mund und Vagina, die durch 
keinen übermäßigen oralen Sadismus verdrängt werden mußte. Es war ein günstiger Um- 
stand, daß sie durch ihre Umgebung frühzeitig auf Interessen gelenkt wurde, die ihre un- 
gewöhnlich starke Aufnahmefähigkeit und ihre männlichen Neigungen gleichermaßen zu 
befriedigen vermochten. Sie war freudig bereit, sich Kenntnisse jeder Art anzueignen, und 



28 S. M. Payne 

verlangte mit fünf Jahren darnach, zur Schule zu gehen. Von grundlegender "Wichtigkeit war 
die Introjektion einer guten Mutterimago, auf der sie ihre Weiblichkeit aufbauen konnte. 
Damit verband sich eine frühzeitige positive Genitalbeziehung zum Vater. 

Ein entgegengesetztes Bild bot eine andere Patientin, eine Frau mit großen Fähigkeiten, 
die leider nicht fruchtbar gemacht werden konnten. Auch hier beherrschten Oralerotik und 
eine starke Aufnahmebereitschaft die Entwicklung; diese war aber infolge des übermäßigen 
Oralsadismus zum Scheitern verurteilt. Die Analyse enthüllte einen Hintergrund voll von 
intensiver oraler Eifersucht vom paranoiden Typus, mit der sich eine lebhafte Besitzgier 
und eine heftige Neugierde, die sich auf das Innere des mütterlichen Leibes bezog, verbanden. 
Gleichzeitig richtete sich ihr Zerstörungstrieb auf die ungeborenen Kinder der Mutter und den 
Penis des Vaters. Offenbar war eine positive orale Beziehung zu beiden Eltern vorhanden, die 
von einer negativen, durch Eifersucht angefachten Phase abgelöst wurde. Ein wichtiger Punkt 
war die Feststellung einer frühen vaginalen Erregbarkeit und stark manifesten Sexualität. 
Ihre spätere Entwicklung ging nicht in die Richtung eines manifesten, reaktiven Männlich- 
keitskomplexes, sondern eines ungewöhnlichen Bemühens, abnorme psychische Kräfte aus- 
zubilden und eine besondere Begabung für Intuition, Gedankenlesen, Clairvoyance und 
Eignung zum spiritistischen Medium für sich in Anspruch zu nehmen. Eine solche Fähigkeit 
muß, sofern sie echt ist, in einer überdurchschnittlichen Fähigkeit, psychische Eindrücke auf- 
zunehmen, in einer übernormalen psychischen Rezeptivität also, ihre Wurzel haben. Beiläufig 
möchte ich noch bemerken, daß diese Patientin gelegentlich schweren Anfällen von De- 
pression unterworfen war. 

Übermäßiger Oralsadismus — ganz gleich, wie er entstanden ist — ver- 
hindert das Kind, die Angstsituationen der frühen Entwicklungsphasen zu 
beherrschen. Daher haben die ersten Eindrücke von der Mutter oder, genauer 
gesagt, von der Mutterbrust, einen beängstigenden Charakter; das Kind hat 
seine eigenen Aggressionsgelüste auf sie projiziert. Diese angsterregenden 
psychischen Eindrücke bilden die Grundlage der ersten Eltern-Imago im 
kindlichen Gemüt. Man erkennt deutlich, daß diese Imago wahrscheinlich 
eher ein Resultat der intensiven kindlichen Angst darstellt als ein Bild des 
Charakters der wirklichen Mutter. 

In ganz seltenen Fällen kann die Imago durch ein Schreckgespenst versinn- 
bildlicht werden, welches das Ich des Kindes zu verschlingen und zu ver- 
nichten droht. Ein häufiges Symbol dieser Imago ist das Krokodil oder ein 
anderes gefräßiges Tier. Diese archaische Figur ist ein Sinnbild der Mutter mit 
dem väterlichen Penis in ihrem Bauche. Das kindliche Ich vermag zu einer 
solchen Imago keine Beziehung herzustellen, es kann sich nur von ihr abwenden 
und etwas suchen, was es vor ihr beschützt. Zuerst wendet es sich an den wirk- 
lichen Vater und verlangt nach dessen Penis, nicht nur aus dem direkten 
Drang des instinktiven Triebes, sondern auch aus dem Wunsch, sich vor der 
schreckeinflößenden Mutter zu schützen. Der Erfolg dieses Verlangens wird 
teils von seiner Intensität, teils von der entsprechenden Haltung des wirk- 
lichen Vaters abhängig sein. 

Ich möchte daran erinnern, daß die Eltern-Imagines, die zuerst introjiziert 
werden, Teilobjekte sind, nämlich die Brust und der Penis, und daß dauerhafte 



Zur Auffassung der Weiblichkeit 



29 




Identifizierungen night eher gebildet werden können, als eine gute Beziehung 
zu den Persönlichkeiten der wirklichen Eltern hergestellt ist. 

In den beiden dargestellten Fällen wies ich kurz auf die Bedeutung der 
ersten oralen und vaginalen Libidobesetzung hin in ihrer Beziehung zur Auf- 
nahmebereitschaft. Ich betrachte keinen der beiden Fälle als typisch für die 
psychische Entwicklung der Frau im allgemeinen. Sie wurden gewählt, um 
die unverdrängten oralen Äußerungen der Libido zu zeigen. Die phallische 
Phase ist wie gewöhnlich durch Klitoriserotik und Masturbation charakteri- 
siert. 

In seinem Artikel über die phallische Phase neigt Ernest Jones (18) der 
Ansicht zu, daß sie bei beiden Geschlechtern als Perversion betrachtet werden 
könne, die — wie alle Perversionen — der Funktion diene, irgend eine Mög- 
lichkeit der libidinösen Befriedigung bis zum Zeitpunkt des Wiedereinsetzens 
der heterosexuellen Entwicklung zu bewahren. Es spricht vieles für diese 
Auffassung; ich meine, man muß zugeben, daß der Männlichkeitskomplex 
der Frau nicht ausschließlich reaktiv ist, sondern häufig von einer frühen 
männlichen Identifizierung beherrscht wird, die sich in der phallischen Phase 
erheblich verstärkt. In diesen Fällen handelt es sich um Nichtvorhandensein 
der frühen weiblichen Identifizierungen oder um störende Einwirkungen auf 
dieselben. 

IL 

Die zweite Fähigkeit, die von der erwachsenen Frau im Zusammenhang 
mit ihrer Sexualfunktion gefordert wird, ist jene, periodisch große Ver- 
änderungen in ihrer Ich-Ökonomie durchzumachen. Mit anderen Worten: 
ihr sekundärer Narzißmus ist wiederholten Schwankungen unterworfen, die 
eine Folge eintretender Verarmungen oder Bereicherungen ihrer Libido sind. 

Es ist schon viel über das Inferioritätsgefühl gesagt worden, das in der 
Kindheit durch die Entdeckung des anatomischen Unterschiedes erweckt 
wird. Der Beginn der Menstruation in der Pubertät erweckt aufs neue 
die frühen Angstgefühle, die das Körperinnere betreffen, sowie die spätere 
Angst über das Fehlen des Penis. Alle diese Befürchtungen, die sich in den 
Pubertätsphantasien ausdrücken, zeigen Angst vor Verlust, Verstümmelung 
und dergleichen. 

Im Gegensatz zu der Pubertätsangst stehen die Befriedigung oder der Stolz 
darüber, die Reife erlangt zu haben und damit die Fähigkeit, gleich der Mutter 
Kinder gebären zu können. Wenn das Mädchen die früheren Phasen glück- 
lich überwunden hat, ist es wahrscheinlich, daß ihr Ich sich auf Grund einer 
Identifizierung mit einer guten Mutter-Imago aufbaut und krankhafte Angst- 
gefühle nicht vordringlich werden. Gleichzeitig stellt die normale Men- 
struation psychisch den Verlust eines Kindes dar, und daher ist es nicht über- 
raschend, daß eine Reaktion auf diesen Verlust in gewissem Grade häufig 
vorkommt. 



3 o S. M. Payne 



Gemäß der engen Beziehung zwischen Mund und Vagina wird der Ko- 
pulationsakt dem Saugeakt gleichgesetzt. Der Inhalt der Brust wird^ dem 
Körper genau so einverleibt wie der Inhalt des Penis. Das Ich wird m beiden 
Fällen psychisch bereichert, und wenn sich die Situation vollständig har- 
monisch gestaltet, kann auf ihrem Höhepunkt die volle Vereinigung zwischen 
Subjekt und Objekt stattfinden. 

Der Empfängnisakt entspricht der Introjektion eines Objektes, und im psy- 
chischen Sinne wird der Embryo und später das sich entwickelnde Kind als 
eingeführtes Objekt betrachtet, das mit dem Über-Ich identisch sein kann. Die 
frühere Beziehung zwischen dem Ich und dem einverleibten Objekt, mit dem 
die Kind-Imago identifiziert wird, bestimmt vorzugsweise die Art der psychi- 
schen Bindung zwischen dem Ich der Mutter und der Imago des Kindes. Es 
gibt hier verschiedene Arten von Bindungen, ich kann aber nur einige davon 

'"wenTdas Kind mit der geliebten Person identifiziert wird, die möglicher- 
weise einer guten Vater-Imago entspricht, so wird die Libido von der Außen- 
welt abgezogen und das Ich durch die Introjektion bereichert. In physischer 
Hinsicht wird die Frau sich im Verlauf der Schwangerschaft normaler Ge- 
sundheit erfreuen, ohne zu erbrechen oder andere krankhafte Symptome zu 
zeigen; sie wird auch nicht den Anschein erwecken, als sei sie physisch ver- 

"ßd Frauen, die die genitale Stufe nicht voll erreicht haben, werden die 
vorgenitalen Phantasien und Situationen im Unbewußten zu neuem Leben er- 
weckt, wenn eine Empfängnis stattgefunden hat. Der Embryo wird daher 
dem Analprodukt gleichgesetzt. In der Phantasie folgt auf die Befruchtung 
durch den Mund die Geburt durch den Darm. Der Einfluß auf den Schwanger- 
schaftsverlauf variiert je nach dem Grad der auftretenden psychischen Re- 
gression. Es gibt gewisse zwangsneurotische Frauen, denen es wahrend der 
Schwangerschaft besser geht als zu irgend einer anderen Zeit - ihre neuroti- 
schen Symptome pflegen dann zu verschwinden. Diese Erscheinung geht 
auf den Umstand zurück, daß die Einverleibung des Objektes einem dringen- 
den Bedürfnis bei ihnen entspricht. Diese Frauen legen großen Wert auf ihr 
persönliches Eigentum und ihr Geld. Ihr Penisneid und ihr Infenoritatsgefuhl 
zeigen sich in ihrer Eifersucht auf andere Frauen die solche Vorzuge auf- 
wehen, die sie selbst nicht besitzen, und ihre größte Angst ist ohne Geld 
Besitz oder Nahrung zu sein. Geld ist für das Unbewußte dasselbe wie Milch 
oder wie jeder andere Inhalt des mütterlichen Leibes Schwangerschaft be- 
deutet nicht nur den Besitz des gefürchteten und geliebten Objektes sondern 
auch die Herrschaft über dasselbe und damit die Gewißheit, es behalten zu 
dürfen. Die ganze Situation zeigt übermäßige Ambivalenz gegenüber dem 
Objekt und den angestrengten Versuch, die Lage zu beherrschen, inden i der 
Haß auf die Außenwelt projiziert und alle Liebe auf das Ich gerichtet wird. 



Zur Auffassung der Weiblichkeit 31 



Das geliebte Objekt als inneren teuren Besitz zu hegen, gibt ein Gefühl der 
Sicherheit. Die übermäßige Begierde nach Besitz stammt bei der Frau von 
diesen Tendenzen her, die zu der späteren analen Entwicklungsstufe gehören. 
Der Wunsch des Behaltenwollens ist vorherrschend. Das ungeborene Kind 
gibt mehr Befriedigung als das Kind nach der Geburt, weil das außen befind- 
liche Objekt eine Gefahr bedeutet. Ebensowohl kann man behaupten, daß 
das Kind nur als ein Teil der Mutter Liebesobjekt sein darf. Der beschränkte 
sekundäre Narzißmus der Mutter kann die Entziehung von Libido nicht er- 
tragen, welche die äußere Existenz des Kindes von ihr fordert. Es gibt eine 
ganze Anzahl Charakterzüge, die von dem "Wunsche herstammen, zu be- 
sitzen, um zu behalten. Einige davon sind von großem sozialem Wert. Der 
überbetonte "Wunsch, zu besitzen, zeigt deutlich, daß der letzte Schritt in der 
Entwicklung der weiblichen Funktion nicht vollständig geglückt ist. 

Die psychische Gleichstellung des Embryo mit dem Analprodukt gibt nicht 
immer das Gefühl der psychischen Sicherheit und Bereicherung. "Wenn die 
Empfängnis die infantilen Angstsituationen der oralen und analen Phasen der 
Libidoentwicklung reaktiviert, so ist es wohl möglich, den Embryo mit einem 
gefährlichen Objekt zu identifizieren und ihn dem gefährlichen inneren Ver- 
folger gleichzusetzen, der uns aus Fällen von Paranoia vertraut ist. Somatische 
Symptome drängen sich an die Oberfläche, sie stellen den Versuch dar, das 
gefährliche verinnerlichte Objekt auszustoßen, zu beherrschen oder zu zer- 
stören. Ein solches gefährliches introjiziertes Objekt wirkt im Psychischen 
wie ein Fremdkörper, da es gehaßt und nicht geliebt wird. Es gibt keinen 
Zusammenhang zwischen Ich und Objekt, und die Störung der Ich-Integrität, 
welche die Regression mit sich bringt, geht mit Triebentmischung einher. Die 
Situation wird als stark angstauslösend empfunden — diese akute Angst be- 
trifft einen inneren Konflikt, in welchem das Ich mit dem Tode bedroht 
wird. Oft wird ein Versuch gemacht, die Aggression nach außen zu pro- 
jizieren. 

Eine Patientin, die an paranoider Eifersucht litt, hatte in ihrer Kindheit 
reale Leiden und Entbehrungen ausgestanden, weil ihre Mutter ungewöhnlich 
oft schwanger war. Die Patientin unterbrach selbst ihre eigene erste Schwan- 
gerschaft, und ebenso die einer Freundin. Sobald eine neue Schwängerung in 
Frage kam, zeigten sich akute Symptome: Schmerzen, Uberdehnung und 
Diarrhöe. Diese Symptome waren vorübergehende und stellten einen Angriff 
auf das Kind im Uterus und auf den Penis dar, mit dem das Kind identifiziert 
wurde. Die Diarrhöen versinnbildlichten ihren "Wunsch nach dem Abortus. 

Ist die Tendenz, zu abortieren, psychisch determiniert, so ist sie mit stürmi- 
schen Konflikten verbunden, in deren Mittelpunkt die Identifizierung des 
Embryo mit den Analprodukten steht. 

Wenn wir die enge Parallele zwischen oralen und vaginalen Funktionen 
weiterverfolgen, müssen wir erwarten, daß die orale Einverleibung allmählich 



von dem Wunsch nach Ausstoßung abgelöst wird. Auf der oralen Stufe ist in 
der Regel Ambivalenz vorhanden, und der Wunsch, abzustoßen, pflegt dem 
Wunsch des Behaltenwollens schnell zu folgen. Eine physiologische Parallele 
ist die Defäkation nach dem Essen. Das Erbrechen während der Schwanger- 
schaft weist auf die Wiederbelebung der Ambivalenz der oralen und analen 
Stufe hin. 

Nach Helene Deutsch (10) steht der Geburtsakt in direktem Zusammen- 
hang mit der Ambivalenz, die sich mit dem Heranreifen des Kindes im Uterus 
verstärkt; dieses nimmt allmählich die Bedeutung eines äußeren Objektes an 
und zieht in wachsendem Maße die Ich-Libido auf sich. Es ist zweifellos richtig, 
daß das Kind im Mutterleib psychisch von der Mutter als ein äußeres Objekt 
betrachtet werden kann, besonders in den späteren Monaten der Schwangerschaft. 
Interessant ist die Feststellung, daß während der Schwangerschaft und Geburt 
die Aufmerksamkeit der Frau vorwiegend auf ihr Körperinneres gerichtet ist. 
Ihre Einstellung gleicht derjenigen, die wir in jener infantilen Phase beob- 
achten, wo die Phantasien gleichfalls mit dem vermutlichen Inhalt des eigenen 
oder des mütterlichen Leibes beschäftigt sind. Auf dieser Stufe wird wahr- 
scheinlich der Inhalt des Körpers psychisch als außerhalb desselben befindlich 
erlebt. Das ist dem Umstand zuzuschreiben, daß die Mechanismen der Pro- 
jektion und Introjektion vorherrschen und die Beziehung zwischen äußerer 
und innerer Realität unklar ist. 

Bei Frauen, die im Besitz einer vollständig entwickelten Genitalfunktion 
sind, möchte ich den Geburtsakt keineswegs als Folge einer Ambivalenz an- 
sehen. Die Annahme einer solchen Auffassung würde bedeuten, daß der 
Geburtsakt von der Frau psychisch mit Notwendigkeit als Aggression auf- 
gefaßt werden muß. In welchem Grade die Geburt für die Frau eine Aggres- 
sion darstellt, hängt davon ab, wie weit sie Sexualität und Aggression identifi- 
ziert oder, mit anderen Worten, um wieviel ihre prägenitalen Triebe stärker 
sind als die genitalen. Wenn die genitale und saugende Funktion voll ent- 
wickelt und die Frau zur Objektliebe fähig ist, wird der Geburtsakt — ob- 
wohl er eine dramatische Erfahrung voll starker körperlicher und seelischer 
Veränderungen bedeutet — nicht notwendig als Angriff empfunden. 

In psychischer Hinsicht hängt viel davon ab, ob die Trennung von Mutter 
und Kind für die erstere unbewußt eine Verstümmlung und einen Verlust be- 
deutet oder aber einen unbewußt determinierten produktiven Akt. Hanns 
Sachs (20) betont besonders die Fähigkeit der gesunden Mutter, ihrem 
ödipusobjekt zu entsagen, nicht weil sie mit Kastration bedroht ist, sondern 
aus einem ihr innewohnenden Entsagungsdrang. (Er beschreibt die Bildung 
eines weiblichen Uber-Ichs auf der Grundlage eines Entsagungstriebes, der die 
psychische Introjektion des Objektes zur Folge hat.) 

Ich möchte annehmen, daß der Entsagungstrieb durch den positiven Wunsch 
ersetzt werden kann, in der Situation des Geburtsaktes zu schenken und zu 



Zur Auffassung der Weiblichkeit 



33 



erschaffen, und daß dies in völligem Einklang mit dem Vorbild der Zeugungs- 
funktion steht. Der psychische Ersatz für den Verlust an Libido ist das in die 
Welt geborene Kind, in der es ein äußeres Liebesobjekt darstellt. Einen 
ebensolchen Ersatz bilden die Beruhigung und Bemeisterung der Angst, welche 
das Erlebnis der Geburt selbst mit sich bringt. 

Offensichtlich ist das primitive Modell der reproduktiven Funktion bei 
der durchschnittlich gebildeten Frau weitgehend verändert, und zwar durch 
die Verdrängung, welche die Sphinktermoral und die Bildung des Über-Ichs 
zur Folge hat. Die Störung der Funktion stellt zumindest einen Teil des Preises 
dar, den man der Kultur zu zahlen hat. Daher findet sich die Durchschnitts- 
frau widerstreitenden Impulsen gegenübergestellt, die von der durch die ganze 
Schwangerschaft sich hinziehenden seelischen Beziehung zwischen Mutter und 
Embryo herrühren. Nach überstandenen Geburtswehen fühlt sich die Frau 
wahrscheinlich hilfloser und psychisch abhängiger von ihrem Manne als zu 
irgend einer anderen Zeit. Die verschiedensten Umstände bringen das zuwege. 
Es gibt dabei vor allem zwei wichtige Determinanten: zuerst die Tatsache, 
daß die Frau als ein lebendiger Organismus eine Reihe von erschöpfenden 
körperlichen und seelischen Vorgängen erlebt hat, die von ihr die Mobili- 
sierung und Bewältigung starker physischer und psychischer Spannungen er- 
forderten; zweitens das Gefühl von Hilflosigkeit, das die verhältnismäßig 
starke Isolierung des bewußten Ichs und die Unmöglichkeit, den Vorgang 
aktiv zu beherrschen oder zu beeinflussen, hervorzurufen pflegt. Der Grad, 
bis zu dem diese Hilflosigkeit empfunden werden kann, variiert je nach dem 
psychischen Niederschlag des ganzen Erlebnisses. 

Jene Fälle, bei denen im Unbewußten eine Identifizierung des Kindes mit 
dem Analprodukt vorherrscht, können den Geburtsakt wie eine Vergewalti- 
gung oder eine Beraubung oder als eine Aggression von innen her erleben. 
Was immer auch die unbewußte Determinierung der widerstreitenden Im- 
pulse sein möge, sie finden ihren Ausdruck in den in der Muskelaktion sicht- 
bar werdenden entgegengesetzten Kräften, nämlich in dem Versuch des Uterus, 
auszutreiben, wobei er auf den Widerstand des unteren Beckens und der 
Beckenbodenmuskulatur stößt, deren Kontraktion und Rigidität eben den 
Kraftaufwand des Behaltenwollens repräsentieren. 

Die Untersuchung der psychischen. Grundlage dieses Konfliktes bringt zu- 
tage, daß die Angst vor der Entbindung dann besonders groß ist, wenn das 
Kind mit einem aggressiven, inneren Objekt identifiziert wird. Dadurch 
können viele unbewußte Phantasien geweckt werden, von denen ich nur 
einige erwähnen will. 

Zuerst nenne ich die Phantasie, dieses Objekt als gefährlichen, unfreiwilligen 
Gefangenen zurückzuhalten. Möglicherweise wird befürchtet, daß es eine 
innere Verbrennung oder Explosion verursachen oder das Innere des Leibes in 
Stücke reißen werde. Die Befürchtungen stammen von unbewußten infantilen 

Int. Zeitschr. f. Psychoanalyse, XXII/i 3 



34 S. M. Payne 

urethralen und analen Geburtstheorien, die den Embryo mit den Exkretions- 
produkten gleichsetzen. "Wir können beobachten, wie sie im Leben des Kin- 
des ausgespielt werden, wenn es um die willkürliche Beherrschung der Ex- 
kretionsvorgänge kämpft. Sodann finden wir Angstvorstellungen, die der 
Realität näherkommen und sich mit der vergleichsweisen Größe des Kindes 
und der Geburtswege befassen. Diese sind mit der Angst vor dem großen 
Penis verknüpft. Unsere Einsicht in den psychologischen Konflikt, der wahr- 
scheinlich mit dem Geburtsakt verbunden ist, zeigt, daß er auf einen Kampf 
zwischen dem "Wunsch, etwas psychisch "Wertvolles zu bewahren und 
damit einer Verarmung der Ich-Libido vorzubeugen, und der Furcht, ein ge- 
fährliches Objekt zurückzuhalten, hinausläuft. - 

Eine Versöhnung zwischen den widerstreitenden Empfindungen wird vor 
allem dann erreicht, wenn das ungeborene Kind nicht als angreifendes Ob- 
jekt gefürchtet wird, und zweitens, wenn für die Frau die Aufrechterhaltung 
ihres sekundären Narzißmus von dem Besitz eines Penisersatzes unabhängig 
ist; drittens, wenn die beiden ersten Befürchtungen nicht vorhanden sind und 
zwischen dem "Wunsch, zu behalten, und jenem, herzugeben, eine Koordina- 
tion besteht. In diesem Falle wird das Gefühl des Verlustes infolge der Her- 
gabe durch den Stolz auf das Produkt, das psychisch noch in der Außenwelt als 
ein Teil des Selbst angesehen werden kann, ausgeglichen. 

Nach erfolgter Geburt ist die erfolgreiche Säugetätigkeit der letzte Akt der 
weiblichen Fortpflanzungsfunktion. Die Beziehung der stillenden Mutter zum 
Säugling wird aufs tiefste beeinflußt von ihrer unbewußten Einstellung zur 
eigenen Mutter. "Wenn der Sadismus der prägenitalen Stufe niemals be- 
friedigend bewältigt worden ist, wird vor dem Stillen Angst empfunden. Ich 
habe zwei Typen von Phantasien beobachtet, die mit der Angst der säugen- 
den Mutter in Verbindung standen. 

Ich nenne zuerst jene, die der Brust die Bedeutung des mütterlichen Kör- 
pers verleihen. In diesen Fällen wird die Brust als alle jene Objekte enthaltend 
gedacht, deren Vorhandensein man im Leibe der Mutter argwöhnt. Haupt- 
sächlich den väterlichen Penis, Kinder und Kot. Der Penis wird in der Brüst- 
phantäsie häufig als eine große Schlange dargestellt, die sich in der Brust ver- 
birgt; Kinder sind kleine Schlangen, und der Kot wird durch braune Fär- 
bung, Streifen und Fäden bezeichnet. 

Vielleicht erinnert sich der Leser des Chaplinfilms „Lichter der Großstadt". 
Darin sieht man Charlie in einem Nachtklub Spaghetti und unendlich lange 
Bänder essen, — später rettet er ein blindes Mädchen, und in einer anderen 
Szene läßt er es geschehen, daß sie die Wollfäden seiner Weste zu einem 
Knäuel aufwickelt, Die wollene Schnur kommt von der Brustseite; in sym- 
bolischer "Weise erstattet er somit dem Mutterersatz die Brust und deren 
Inhalt zurück, die er im Nachtklub sozusagen bildlich verzehrt hat. 

Bei zwei Patientinnen mit paranoiden Zügen fand ich bewußte Angst vor 






i 






Zur Auffassung der Weiblichkeit 35 



der bräunlich gefärbten Brust. Der Umstand, daß gewöhnlich eine kreisrunde 
braune Pigmentierung die funktionierende Brustwarze umgibt, ist natürlich 
für dieses Angstgefühl ein wichtiger Anreiz. ; 

Wenn daher die Brust dem Mutterleib gleichgesetzt wird, 4 so befürchtet die 
Mutter einen Angriff des Kindes, auf das sie ihren eigenen unterdrückten 
Oralsadismus projiziert. Falls sie sich mit dem Kinde identifiziert und die 
Brust als gleichbedeutend mit dem gefährlichen einverleibten Objekt be- 
trachtet, ist sie besorgt, das Kind könne durch ihre Milch vergiftet oder 
geschädigt werden. 

Eine zweite Gruppe von Fällen identifiziert die Brust mit dem Penis des 
Vaters, und das Inferioritätsgefühl wird besänftigt, wenn das Säugen in be- 
friedigender Weise durchgeführt werden kann. Ich bin durch meine Beob- 
achtungen zu der Ansicht gekommen, daß die Mutter eine positivere und 
dauerhaftere Beziehung zu den Kindern hat, die sie gestillt hat, als zu den- 
jenigen, die sie nicht selbst nähren konnte. Dieses Thema ist so weitläufig, 
daß es nicht möglich ist, in dem begrenzten Umfange dieser Arbeit mehr zu 
tun, als eine summarische Aufzählung der Sicherungen zu geben, die eine 
Mutter durch das erfolgreiche Stillen ihres Kindes gewinnen kann. ; 

i. Insofern das Kind einen Ersatz für das Uber-Ich darstellt, versöhnt sie 
sich mit diesem. 

2. Sie bekommt eine gute unbewußte Einstellung zu dem Stellvertreter der 
introjizierten elterlichen Imago. 

3. Sie beweist, daß ihre infantilen aktiven und passiven Oralphantasien 
keinen destruktiven Charakter haben. 

4. Die unbewußte Identifizierung von Brust und Penis befriedigt ihren 
Penisneid und trägt somit dazu bei, ihr Inferioritätsgefühl zu verringern. 

5. Sie erreicht glücklich das Endstadium der weiblichen Zeugungsfunktion, 
indem sie „hergibt". 

6. Die psychischen Verluste an Libido, die durch den Geburtsakt erlitten 
werden, werden durch Identifizierung von Kind und Mutter im Stillungsakt 
wieder ausgeglichen. 

Ich möchte an dieser Stelle wieder hervorheben, daß es meine Absicht 
gewesen ist aufzuzeigen, daß die Frau bei der Erfüllung ihrer Zeugungs- 
funktion ihr Ich den wiederholten Verarmungen und Bereicherungen der 
narzißtischen Libido anzupassen hat. 

III. 
Dieser Abschnitt handelt von der Notwendigkeit, diejenigen männlichen 
Triebe zu sublimieren, welche vom Vorhandensein einer primären männ- 
lic hen Identifizierung abhängen. Ich deutete bereits an, daß der im 

4) Ich möchte im Zusammenhang mit diesen Phantasien daran erinnern, daß manche in- 
fantile Geburtstheorie das Kind aus der Brust kommen läßt. 

3* 



36 S. M. Payne 

späteren Leben auftretende Männlichkeitskomplex wahrscheinlich auf die 
Flucht vor der Weiblichkeit zurückzuführen ist. Indessen beabsichtige ich 
nicht, das Vorhandensein einer frühen männlichen Identifizierung, die nicht 
reaktiver Natur ist, in Abrede zu stellen. 

Offenbar kann die frühe Introjektion einer Vater-Imago, der spätere Iden- 
tifizierungen folgen, zum Teil durch konstitutionelle, zum Teil aber durch 
milieubedingte, mit den Eltern zusammenhängende Faktoren determiniert 
werden. Es ist die Aufgabe des Analytikers, die Bedeutung der verschiedenen 
Determinanten miteinander zu vergleichen. Wenn die Vater-Identifizierung 
vorherrschend ist, wird die oralrezeptive Beziehung zur Mutter sehr bald 
von einer aktiv-aggressiven, ambivalenten Einstellung abgelöst, in der das 
kleine Mädchen ein Rivale des Vaters ist. Die Klitorismasturbation wird dann 
häufig verlängert oder niemals ganz aufgegeben, und die schließliche „Reali- 
sierung" der Kastration fällt nicht mit einer Belebung und Verstärkung der 
weiblichen Rezeptivität zusammen, sondern mit einer Verstärkung des Penis- 
neides und der Rachephantasien. 

Zweifellos mag die Gelegenheit, männliche Triebe in einer günstigen Um- 
gebung zu sublimieren, das kleine Mädchen befähigen, sowohl reaktive wie 
direkte maskuline Tendenzen zu vermeiden. Die Sublimierung kann durch 
die Gewalt der aggressiven, durch Versagung gesteigerten Impulse gehemmt 
werden. 

IV. 

Die vierte Charakteristik der "Weiblichkeit, wie ich sie in meiner Auf- 
zählung beschrieb, enthält Züge, die bereits behandelt worden sind, und stellt 
einen Versuch dar, die wesentlichste weibliche Eigenschaft zu formulieren. 

Ich beschrieb sie als „einen Wunsch, zu empfangen und zu behalten, eng 
verbunden mit dem Verlangen, herzugeben". Der Wechsel der Einstellung 
ist ein wesentlicher Bestandteil der Sexualfunktion. Aus der Beziehung dieser 
Koordination zu den im Zusammenhang mit dem Sexualakt und der Zeu- 
gungsfunktion dargestellten psychischen Mechanismen können wir ersehen, 
daß jede Situation die Koordination in einem gewissen Ausmaß erfördert. 
Offensichtlich gibt es starke Schwankungen in der relativen Wichtigkeit der 
beiden Einstellungen, doch können wir den Grad derselben erkennen, wenn 
wir die enge Beziehung zwischen Psyche und Physis verstehen. 

Ich werde zuerst den weiblichen Orgasmus behandeln. Eine Untersuchung 
der physischen Seite zeigt uns, daß der vaginale Orgasmus, welcher von 
Muskelkontraktionen des Uterus begleitet zu sein pflegt, von jenem Orgas- 
mus zu unterscheiden ist, der mit der Klitoriserotik zusammenhängt. Beide 
können und, wie mir scheint, sollen miteinander verschmelzen, aber meist 
sind sie gut voneinander zu unterscheiden. Der vaginale Orgasmus hat einen 
saugenden Charakter, und in einzelnen Fällen kommt es vor, daß sich der 
Uterus tatsächlich leicht in das Becken zurückzieht. Der klitorale Orgasmus 



Zur Auffassung der Weiblichkeit 37 

hat etwas vom Charakter einer Entladung an sich und gleicht mehr dem 
männlichen Orgasmus. 

Wenn man die Ursachen der Hemmung des Orgasmus analytisch Unter- 
sucht, findet man mindestens vier Typen von Phantasien, die mit der Angst 
der Frau vor Aggression, sei es ihrer eigenen oder der des Mannes, zusammen- 
hängen. Die Phantasien des ersten Typus beinhalten Tendenzen zum Beißen, 
Behaltenwollen und Stehlen auf Grundlage der Identifizierung der Vagina 
mit einem beißenden Mund. Die Hemmung des Vaginalorgasmus ist mit 
diesen Phantasien aufs engste verknüpft. 

Der zweite Typus hat einen aktiven aggressiven Charakter. Diese Phan- 
tasien, für die die orgastische Entladung einen Angriff mit Exkrementen bedeutet, 
was häufig in Form von Angst vor dem Ertrinken oder Bombardiertwerden 
dargestellt wird, haben — Infolge der frühzeitigen engen Beziehung zwischen 
Darm und Vagina — die Hemmung beider Arten von Orgasmus zur Folge. 
Ich habe den Eindruck, daß zuweilen die Aggression der Vagina, die mit dem 
(beispielsweise durch einen Vulkan dargestellten) Darm identifiziert wird, 
stärker hervortritt, zuweilen aber die Identifizierung der Klitoris mit einem 
verinnerlichten aggressiven Objekt, das mit Exkrementen angreift. Beide Be- 
fürchtungen sind in der Angst vor dem Verlust der Selbstkontrolle mit- 
enthalten. 

Der dritte Hemmungstypus ist mit sadistischen Geburtsphantasien ver- 
knüpft, in denen der Leib zerstört wird. Das Kind wird mit einem sadistischen 
inneren Objekt identifiziert, das wiederum durch die Klitoris repräsentiert 
wird. In diesem Fall ist es der Klitorisorgasmus, der verdrängt wird. 

Viertens gibt es aggressive Phantasien aller Art, die auf den Sexualpartner 
projiziert werden. Der Penis wird als aggressives Organ betrachtet, vor wel- 
chem der Leib beschützt werden muß. Die letzte Gruppe kommt dem Be- 
wußtsein am nächsten und verbindet sich mit einem Angstgefühl, das sich auf 
die relative Größe des Penis und der Vaginalöffnung bezieht. Relative oder 
absolute Frigidität ist das manifeste Symptom dieses Konfliktes. 

Ich habe die Wirksamkeit der offenbar entgegengesetzt gerichteten Kräfte 
im Geburtsakt aufgezeigt. In psychischer Hinsicht muß der unbewußte 
Wunsch „herzugeben" an die Stelle des Wunsches „zurückzuhalten" treten. 
Es ist leicht zu verstehen, daß, wenn durch Wiederbelebung einer im Unbe- 
wußten fixierten infantilen Gefahrsituationen Angst entsteht, diese die Emp- 
fängnisfunktion in eine Tendenz, zurückzuhalten, umwandeln kann. Wenn 
die Notwendigkeit eintritt, „auszustoßen", wird der psychische Konflikt neu 
belebt und manifestiert sich physisch in Rigidität und Widerstand der Weich- 
teile oder schwächlichen Kontraktionen der Gebärmutter. 

Von einem allgemeineren Standpunkt aus sollte man richtiger sagen, daß 
die psychische Fixierung die Elastizität hemmt, die für eine rasche Anpassung 
an neue und gegensätzliche Ansprüche erforderlich ist. 






1 : 



38 S. M. Payne 

Beim. Säugen ergibt sich dieselbe Notwendigkeit, sich dem Kinde im Tempo 
und in der Quantität anzupassen. Wenn die Brust psychisch mit dem guten 
Objekt identifiziert wird, das ein Teil des Ichs ist, dann ist die Einstellung 
zum Kinde leicht und elastisch, und die Zurückhaltung sowie die Hergabe 
der Milch werden unbewußt geregelt. "Wird dagegen die Brust mit einer bösen 
Mutter-Imago psychisch identifiziert, so identifiziert sich das Ich der Frau 
mit, ihr nicht und nimmt daher nur geringen Anteil an der Ausübung der 
Funktion, die sie wahrscheinlich mit Furcht und Widerwillen betrachtet. 
Eine bestimmte und angemessene Milchversorgung kann bei der Frau offen-r 
bar nur durch eine optimale Koordination von Sekretion, Zurückhaltung 
und Hergabe gesichert werden. Daß affektive Faktoren die Milchproduktion 
beeinflussen, hat man lange vor dem Auftreten der Psychoanalyse erkannt. 
Aber mit ihrer Hilfe ist es uns möglich, die Natur und Geschichte der 
psychischen Geschehnisse, welche die emotionelle Empfänglichkeit bestimmen, 
zu enthüllen. 



Ich habe in dieser Abhandlung versucht, zu zeigen, daß die Weiblichkeit 
der erwachsenen Frau von ihr die Fähigkeit verlangt, zum Zwecke der Er- 
füllung ihrer vollständigen Sexualfunktion körperliche und seelische Verände- 
rungen zu erdulden und sich ihnen anzupassen. Die spätere Beziehung der 
Mutter zu ihrem Kinde erhebt in verschiedenen Situationen dieselben Forde- 
rungen. Wo diese elastische Anpassungsfähigkeit fehlt, richtet sich das Haupt- 
interesse auf das Kind als Besitz. Eine Unabhängigkeit seitens des Kindes kann 
nicht ertragen werden; sie verletzt den Narzißmus der Mutter aufs schwerste. 

Kurz nachdem ich die vorliegende Arbeit in der medizinischen Sektion der 
British Psychological Society vorgetragen hatte, las ich Alexanders Ab- 
handlung „Über den Einfluß psychischer Faktoren auf gastrointestinale Stö- 
rungen" (vgl. Int. Ztschr. f. Psa., Bd. XXI, 1935). Er sagt dort: „Ich bin 
überzeugt, daß die Analyse der Gefühlseinstellungen des Individuums zu seiner 
Umgebung in den Ausdrucksformen dieser drei Haupttendenzen 

1. Empfangen und Nehmen, 

2. Behalten, 

3. Geben 

sich nicht nur für das Verständnis der Magen-Darmstörungen nützlich er- 
weisen, sondern daß ihr auch eine allgemeinere Bedeutung zugesprochen wer- 
den wird." 

Das Ziel meiner Arbeit ist der Versuch, zu beweisen, daß diese drei Ten-* 
denzen für die Weiblichkeit von besonderer Bedeutung sind. 



Zur Auffassung der Weiblichkeit 



39 



Literatur. 

i. Sigm. Freud: Neue Folge der Vorlesungen zur Einführung in die Psychoanalyse. 
XXXIII. Vorl. „Die Weiblichkeit". Ges. Sehr., Bd. XII. 

2. Sigm. Freud: Int. Ztschr. f. Psa., XVII, 1931, oder: Ges. Sehr., Bd. XII. 

3. Franz Alexander : Review of Freud's New Introductory Lectures. PsA. Review, XXI, 

1934- . , 

4. Karen H o r n e y : Zur Genese des weiblichen Kastrationskomplexes. Int. Ztschr. f. Psa., 

IX, 19*3- 

j. Helene Deutsch: Psychoanalyse der weiblichen Sexualfunktionen. Int. Psa. Verl., Wien, 
192J. 

6. Melanie Klein: Die Psychoanalyse des Kindes. Int. Psa. Verl., Wien, 1932. 

7. Jeanne Lampl-deGroot: Zur Entwicklungsgeschichte des Ödipuskomplexes der Frau. 
Int. Ztschr. f. Psa., XIII, 1927. 

8. Ernest Jones: Die erste Entwicklung der weiblichen Sexualität. Int. Ztschr. f. Psa., XIV, 
1928. 

9. Marjorie Brierley: Some Problems of Integration in Women. Int. Journ. of PsA., 
XIII, 1932- • 

10. Joan Ri viere: Review of Sigm. Freud's Introductory Lectures. Int. Journ. of PsA.j 
XV, 1934- 

11. Ella Sharpe: Specific Unconscious Determinants of Pure Science an Pure Art. Int. 
Journ. of PsA., XVI, 1935. 

12. Franz Alexander: siehe 3. 

13. Hanns Sachs: Über einen Antrieb bei der Bildung des weiblichen Über-Ichs. Int. Ztschr. 
f. Psa., XIV, 1928. 

14. Josine Müller: Ein Beitrag zur Frage der Libidoentwicklung des Mädchens in der 
genitalen Phase. Int. Ztschr. f. -Psa., XVII, 193 1. 

ij. Melanie Klein: siehe 6. 

16. Karen Horney: 1. siehe 4; 2. Die Verleugnung der Vagina. Int. Ztschr. f. Psa., 
XIX, 1933. 

17. Ernest Jones: Die phallische Phase. Int. Ztschr. f. Psa., XIX, 1933. 

18. Ernest Jones: siehe 17. 

19. Helene Deutsch: siehe 5. 
jlq, Hanns Sachs: siehe 13. 



Das psychische Trauma und die Handhabung 
der Übertragung 1 

(Die letzten Arbeiten von S. Ferenczi zur psychoanalytischen 

Technik) 

Von 

Richard Sterha 

Wien 

Ferenczi, unter den Aposteln der Analyse der fruchtbarste, regste, viel- 
seitigste, hat in den letzten Jahren seines Lebens sich erneut auf die techni- 
schen Probleme der Analyse geworfen und hier mit seltener Frische und 
Jugendlichkeit Wege neu gebahnt, die im fortschreitenden Zuge der Analyse 
bereits waren verlassen worden, und auf denen er nun meinte, neues thera- 
peutisches Erleben zu gewinnen, oder, wie er selbst es im Vergleich ausdrückt, 
„auf neue Goldadern in den vorläufig verlassenen Stollen zu stoßen". 

Diese Bemühungen ergaben sich ihm in Konsequenz des Ausbaues seiner 
„aktiven Technik". In der aktiven Technik hatte es sich darum gehandelt, 
Spannungserhöhungen zu erzielen durch den Zwang, tief versteckte Regun- 
gen nicht nur zu bekennen, sondern sie vor dem Arzte zu agieren. Dieses 
Erlebnis in der Wiederholung vor dem Arzt sollte jene Regungen dem 
Bewußtsein zugänglicher machen und der Beherrschung durch dasselbe unter- 
werfen. 

Die Gefahr, die dieses Verfahren mit sich brachte, lag in den Widerständen 
des Ichs, das dadurch in Gegensatz zum Analytiker kam, und Ferenczi sah 
sich gezwungen, auf dem Homburger Kongreß ein Stück seiner Ratschläge 
zur „aktiven Technik" zurückzunehmen. Ferenczis therapeutisches Be- 
mühen, sein, wie sein Meister es im Nachruf genannt hat, „übermächtiges Be- 
dürfnis, zu heilen und zu helfen", ließ ihn auf die andere Seite der analytisch- 
therapeutischen Einstellung hinüberschnellen. 

Auf dem Innsbrucker Kongreß, in seinem Vortrag „Das Problem der Be- 
endigung der Analysen" (Int. Ztschr. f. Psa., Bd. XIV, 1928, S. 1), stellte 
Ferenczi die Forderung nach „unerschütterlichem Wohlwollen" auf, das der 
Analytiker dem Patienten entgegenbringen müsse, mag sich letzterer in seinem 
Benehmen und in seinen Äußerungen noch so ungebührlich gebärden. Dieses 

1) Referat, gehalten auf der von der Wiener Psychoanalytischen Vereinigung, der Magyar- 
orszagi Pszichoanalitikai Egyesület, der Societa Psicoanalitica Italiana und der Psychoanaly- 
tickä skupina v C. S.R. zu Pfingsten (8. bis 10. Juni) 193 j in Wien veranstalteten Vier- 
ländertagung. — Dieses Referat, das nichts Eigenes darstellen, sondern nur bereits im Druck 
Vorliegendes in Erinnerung bringen will, ist ein einleitendes vom Charakter einer Ouvertüre, 
die als Eingang in das eigentliche Geschehen dient, in der aber sowohl Vorbereitung der 
Stimmung wie thematische Andeutung des Künftigen, also in diesem Falle des Symposions, 
in aller Kürze die Aufgabe ist. 




Das psychische Trauma und die Handhabung der Übertragung 41 

Wohlwollen müsse dabei ein ehrliches und ungeheucheltes sein und von einer 
Standfestigkeit und Unbegrenztheit, daß daran alle Versuche des Patienten, die 
„Tragfähigkeit der Geduld des Analytikers auf die Probe zu stellen", zum 
Scheitern kommen. An diesem Wohlwollen geschehe die Korrektur der Kind- 
heit und der ihr entsprechenden, also auch der neurotischen Reaktionen; der 
Vergleich zwischen dem Verhalten des Analytikers und dem unvernünftigen, 
affektiven Verhalten der Erzieherpersonen der Kindheit bringe dem Patienten 
die Möglichkeit zu einer mehr-minder raschen Veränderung im günstigen Sinne. 

Und auch in der Analyse selbst verändere sich die Einstellung des Patienten 
nach dem wirkungslosen Verpuffen der provokatorischen Aggressionen. Ver- 
steckte Ansprüche auf Zärtlichkeit und Liebe treten in „naiver Offenheit" 
zutage. — Diese Naivität der Äußerung zärtlicher Bedürfnisse, das Kindliche 
der Äußerungsform derselben, war das Nächste, das Ferenczi auffiel und das 
er bei seinen Patienten zu erreichen trachtete. Dazu diente ihm ein tech- 
nisches Mittel, das an das Ich der Patienten sich wandte, nämlich die Auf- 
forderung zur Relaxation, d. h. zu vollständigerer Hingebung an die ganz 
spontan auftauchenden inneren Eindrücke, Tendenzen und Emotionen. 

Es liegt dem Relaxationsprinzip eine Tendenz nach erhöhter Emotionalität 
in der Analyse zugrunde, eine Tendenz, die wir schon an dieser Stelle als eine 
regressive auf die Katharsis hin bezeichnen können. 

Zur Erreichung dieser maximalen Emotionalität im analytischen Prozeß 
bedarf es aber nach Ferenczi mehr denn bloß des noch immer rein rezep- 
tiven Wohlwollens. Da in solchen dramatisch-emotionalen Momenten das 
Ich des Patienten auf eine tief infantile Stufe sinkt, werde die gelassen- 
erwachsene Haltung des Analytikers als störend empfunden, sie brächte die 
emotionalen Quellen zum Versiegen, d. h. also in neuerliche Verdrängung. 
Der Analytiker habe daher ebenso wie der Patient auf die infantile Stufe, der 
das emotionale Erleben des im Ich regredierten Patienten jeweils entspricht, 
abzusteigen; er muß den Rückfall ins Kindliche mitmachen, will er ihn nicht 
beim Patienten stören. Ferenczi nennt diesen technischen Kunstgriff 
„Spielanalyse". Die gestellten Fragen, die Auskünfte, die Anregung zur 
weiteren Produktion müssen, soll das infantile Spiel zwischen Analytiker und 
Patienten nicht brüsk und schädlich unterbrochen werden, ganz auf der Stufe 
des regredierten Patienten stehen. Es war ein erstaunlicher und neuer Eindruck, 
den die Schilderung Ferenczis in seinem Vortrag zum 75. Geburtstag Sig- 
mund Freuds in der Wiener Vereinigung machte, als er von einem im besten 
Mannesalter stehenden Patienten folgendes berichtete: 

„Auf einmal ■ — mitten im Gespräch — schlingt er seinen Arm um meinen 
Hals und flüstert mir ins Ohr: ,Du Großpapa, ich fürchte, ich werde ein 
kleines Kind bekommen.' Da", so hieß es weiter, „verfiel ich auf die, wie es 
mir scheint, glückliche Idee, ihm zunächst nichts von Übertragung und der- 
gleichen zu sagen, sondern in gleichem Flüsterton die Rückfrage an ihn zu 



42 Richard Sterba 



richten: Ja, warum glaubst du denn das?'" Man konnte beim Anhören dieses 
Berichtes nicht umhin, von der Wärme und Anteilnahme, die im Tonfall der 
Rückfrage lagen, stark berührt zu sein. Der Vortrag war überschrieben 
„Kinderanalysen mit Erwachsenen". Man hätte ihn nennen können „Kinder- 
analysen mit durch die Relaxation regredierten Erwachsenen". 

Es sind also zwei technische Neuerungen, die uns Ferenczi in seinen 
letzten Arbeiten vorschlägt, die Relaxation und die Spielanalyse, dazu kommt 
als Hilfsmittel die erhöhte Suggestion und Ermutigung zur Phantasiebildung. 

Aber Wohlwollen, Relaxation und Mitregression des Analytikers aufs In- 
fantile sind ihm nicht genug an technischen Hilfsmitteln zur Erreichung tiefer 
IchrRegressionen beim Patienten. Der Analytiker habe noch ein störendes 
Moment an sich selbst zu beseitigen. Er habe die „Sprachverwirrung zwischen 
Erwachsenen und Kindern" völlig aufzuheben. In ihren Trancezuständen, 
auf die ich im zweiten Teil meiner Ausführungen zu sprechen kommen werde, 
erreichen die Patienten eine erstaunliche Clairevoyance für die Wünsche, Ten- 
denzen, Launen, Sympathien und Antipathien des Analytikers, mögen diese 
dem Analytiker nun bewußt sein oder nicht. Die Kritik an diesen Gefühls- 
einstellungen und die aggressive Reaktion darauf werden vom Patienten aus 
Angst unterdrückt und durch Identifizierung mit dem Analytiker ersetzt. Da 
diese Vorgänge infolge der Gleichartigkeit im Verhalten des Analytikers und 
der Erzieherpersonen in der Kindheit in eine Wiederholung des pathogenen 
Prozesses auslaufen, müsse der Analytiker auch dieses letzte Hindernis für 
eine veränderte Reaktionsweise des Patienten beseitigen, die „Hypokrisie der 
Berufstätigkeit" fallen lassen und alle Regungen negativer Natur und alle 
passagere Gleichgültigkeit dem Patienten offen einbekennen, worauf übrigens 
keineswegs eine negative Reaktion erfolge, sondern eine „merkliche Erleich- 
terung"; „ja das ganze Niveau der Persönlichkeit schien sich daraufhin zu 
heben", heißt es in Ferenczis letzter Arbeit. 

Wenn wir uns vor Augen halten, was denn das neue technische Rüstzeug 
Ferenczis und seine Verhaltungsvorschriften für den Analytiker bedeuten, 
so müssen wir sagen, daß sie ein fast übermenschliches Eingehen, Angliedern, 
Einleben, Einfühlen, man könnte sagen, Einagieren in den Patienten dar- 
stellen. Ferenczi selbst nennt sein Verfahren eine „Verzärtelung", an anderer 
Stelle benennt er es „Prinzip der Gewährung". Nur ein Vergleich scheint uns 
dafür brauchbar, einer, den Ferenczi selbst wählt, der mit der zärtlichen 
Mutter, „die abends nicht schlafen geht, ehe sie alle schwebenden kleinen und 
großen Sorgen, Ängste, bösen Absichten, Gewissensskrupel mit dem Kinde 
durchgesprochen und in beruhigendem Sinne erledigt hat" (Int, Ztschr. f. Psa., 
XVII, S. 170). Aber Ferenczis Bemühen um den Patienten geht Weiter als das 
der zärtlichen Mutter häufig gehen kann, es sollte wenigstens so weit gehen, daß, 
wie er selbst damals in der Wiener Vereinigung halb im Ernst, halb im 







Das psychische Trauma und die Handhabung der Übertragung 43 

Scherz sagte, ein Analytiker eigentlich nur einen einzigen Patienten haben 
könne. 

Meine nächste Aufgabe ist es, darzustellen, was nach Ferenczi der Effekt 
der Anwendung dieses technischen Prinzips der mütterlichen Verzärtelung am 
Patienten ist. 

Über den ersten Effekt haben wir bereits berichtet. Er kommt aus der 
Aufforderung zur Relaxation und bedeutet eine Regression des Ichs des Pa- 
tienten aufs Infantile, jene Regression eben, die auch der Analytiker in der 
„Spielanalyse" mitmachen müsse, um die Reaktionen des Patienten nicht zu 
stören. Der Patient getraut sich im Bewußtsein behüteter Fürsorge, wohl- 
wollendster Anteilnahme, regressionsbereiter Einfühlung von Seiten des Ana- 
lytikers, in die Vergangenheit zu versinken und Erlebnisse aus dieser Ver- 
gangenheit zu reproduzieren. Die Äußerungen des Patienten werden zunächst 
naiver, kindischer; immer häufiger tauchen unter den Gedanken und 
bildmäßigen Vorstellungen kleine Ausdrucksbewegüngen, gelegentlich auch 
passagere Symptome auf. Schließlich treten, möglich gemacht durch die 
Atmosphäre des Vertrauens und durch das Gefühl vollkommener Freiheit in 
der Analyse, Zustände der Entrücktheit auf — „Trancezustände" nennt sie 
Ferenczi mit Vorliebe — , in denen der Patient agiert und der Analytiker 
mit ihm mitzuagieren hat, damit er diesen Prozeß nicht stört. Parästhesien, 
Krämpfe in bestimmten Körperpartien, heftige Ausdrucksbewegungen, kleine 
hysterische Anfälle, plötzliche Änderungen der Bewußtseinslage, Schwindel- 
gefühle, Bewußtseinstrübungen mit Amnesie, ja schließlich fast bedrohliche, 
schwer komatöse Zustände sind in dieser Trance beobachtbar. 

Ferenczi faßt diese Erscheinungen als körperliche Erinnerungssymbole 
auf, ja in den Trancezuständen komme es zur Wiederbelebung ganzer Stücke 
der Vergangenheit. Im Trancezustand bilde der Arzt die einzige Brücke 
zwischen Patient und Realität, es bleibt ihm möglich, Fragen zu stellen und 
Auskünfte auch von abgespaltenen Teilen der Persönlichkeit zu erhalten; er 
stehe also in direktem Kontakt mit dem Unbewußten und vermöge mit diesem 
eine infantile Konversation zu führen. 

Wenn wir die geschilderten Vorgänge am Patienten in ihrer Gesamtheit 
betrachten, so drängt sich uns allen der Vergleich mit der Katharsis auf; 
Ferenczi steht nicht an, die Trancereaktionen seiner Patienten als „Neo- 
katharsis" aufzufassen und zu bezeichnen. Es sind ja auch in den technischen 
Maßnahmen alle Voraussetzungen für die Einleitung eines hypnotisch- 
kathartischen Geschehens gegeben, so in der mutterhypnotischen Haltung des 
Wohlwollens, in der Verlockung zur Rückkehr ins Infantile, in der körper- 
lichen Annäherung auf zärtlicher Basis wie im Halten der Hand und sanften 
Streicheln des Kopfes u. dgl. m. — Ferenczi will zunächst zwischen Ka- 
tharsis und Neokatharsis einen „himmelweiten" Unterschied konstatieren. Er 



44 Richard Sterba 



meint, die Paläokatharsis führe nur zu passager wirksamen fragmentarischen 
Emotions- und Erinnerungsdurchbrüchen; in der Neokatharsis dagegen werden 
letzte Reste neurosogener Elemente zum Erleben, zur Erkenntnis ihrer realen 
Natur, zum Abreagieren gebracht. So bedeute dieser Rückschritt zur Ka- 
tharsis eigentlich einen wesentlichen Fortschritt der Therapie. In seiner 
letzten, bei Lebzeiten publizierten Arbeit, in der „Sprachverwirrung", muß 
Ferenczi allerdings diesen Unterschied teilweise wieder zurücknehmen, weil 
die erleichternde Wirkung des Abragierens im Trancezustand ausgeblieben ist, 
starke Angst auftrat, die den Erfolg fraglich oder zunichte machte. 

Ferenczi aber läßt nicht locker und kommt mit der letzten technischen 
Forderung, der nach dem Aufgeben der Hypokrisie der Berufstätigkeit, die zu 
sehr die infantile Situation kopiert und wiederholt. Worauf es ankomme, sei 
eben, den Kontrast zwischen infantiler Situation und Wiederholung in der 
Neokatharsis durch das Vertrauen, das die Haltung des Analytikers 
dem Patienten einflößt, klarzumachen und so eine Wiederholung der 
infantilen Verdrängung unmöglich werden zu lassen. Hier brechen die Ar- 
beiten Ferenczis ab. Der Tod schlug ihn, bevor er ausgiebiger und länger 
Beobachtetes von den Resultaten seiner letzten technischen Neuerung über- 
mitteln konnte. 

Und nun als letztes zu den theoretischen Ergebnissen des Verfahrens. Sie 
sind in ein Wort zu fassen: Trauma redivivum. 

Ferenczi sagt aus, daß das durch die Neokatharsis zutage geförderte oder 
bestätigte Erinnerungsmaterial das ursprünglich Traumatische in der 
ätiologischen Gleichung der Neurosen wieder zu erhöhter Bedeutung hebe, 
ja man gewinnt aus Ferenczis letzten Arbeiten den Eindruck, daß 
Ferenczi es zur übermächtigen, fast alleinigen Bedeutung heben möchte. 
So in dem Satz in der „Sprachverwirrung": „daß das Trauma, speziell das 
Sexualtrauma, als krank machendes Agens nicht hoch genug angeschlagen 
werden kann". Man erlebt es in seinen Arbeiten mit, wie sehr er von diesem 
Ergebnis selbst erschüttert und affektiv affiziert ist. Das Trauma beruhe nicht 
auf der traumatophilen Sensibilität des neurosendisponierten Kindes, das nach 
der Lehrmeinung der Analyse Reize von ansonst harmlos normaler Stärke 
traumatisch, also einbruchsmäßig erlebt, sondern es bestehe in realer, un- 
gebührlicher, unverständiger, launenhafter, taktloser, ja grausamer Behandlung 
durch die Erwachsenen. Die als Zärtlichkeit maskierte Inzestneigung der 
Erwachsenen dränge durch ihre auf das Kind traumatisch wirkenden Äuße- 
rungen geradezu die neurosogene Bedeutung des Ödipuskomplexes im Kinde 
zurück. 

Ferenczi weiß Neues über die unmittelbare Wirkung des Traumas auf 
das Kind zu sagen. Der erste Impuls sei einer der Ablehnung, des Hasses, 
Ekels, der kraftvollen Abwehr. Aber die ungeheure Angst vor dem über- 



Das psychische Trauma und die Handhabung der Übertragung 45 

mächtigen Angreifer zwinge das Kind, sich dem Willen desselben völlig passiv 
unterzuordnen. Dies geschehe vor allem durch eine vollständige Identifizierung 
mit ihm. Auf diese Weise gelange auch noch vor der Bildung des Über-Ichs 
das Schuldgefühl in die kindliche Seele, nämlich auf dem Wege der Introjek- 
tion des Schuldgefühls des Erwachsenen nach dem Sexualangriff. Die Wir- 
kung des Schockerlebnisses sei immer eine passagere Psychose, d.h. eine Ab- 
wendung von der Realität, einhergehend mit negativer Halluzination des Er- 
lebten und mit positiv halluzinatorischer, Lustvolles vorspiegelnder Kom- 
pensation. Die neurotischen Amnesien, vielleicht auch die gewöhnliche Kind- 
heitsamnesie seien auf die unter der Schockwirkung eintretende psychotische 
Abspaltung eines Teiles der Persönlichkeit zurückzuführen; dieser abgespaltene 
Teil lebe im Verborgenen weiter und es gelinge eben in der Neokatharsis, 
mit ihm in Verbindung zu treten, und zwar in Form der erwähnten infantilen 
Konversation in der Spielanalyse. 

Die Bedeutung des Traumas überstrahlt alles übrige bei Ferenczi so sehr, 
daß für ihn die triebbedingten Komponenten der Neurose völlig zurücktreten. 
Ja, Ferenczi nimmt dieser von ihm postulierten Überbedeutung des Trau- 
mas zuliebe eine weitere wissenschaftliche Regression vor, die ihn weit in 
die voranalytische 2eit zurückführt: er kommt zur Lehre von der Unschuld 
des Kindes. Trauma und Verführung werden für ihn weitgehend identisch. 
Das Kind habe, auch wenn sein Spiel mit dem Erwachsenen erotische Formen 
annimmt, durchaus die Tendenz, auf dem Zärtlichkeitsniveau zu bleiben. Erst 
der Erwachsene trage die Wünsche der reifen, sexuellen Person in das Kind 
hinein und bringe so die Sinnlichkeit ins Spiel. „Genuine Sinnlichkeit ist dem 
Kind fremd", lautete die Aussage eines Schülers Ferenczis in der Wiener 
Vereinigung. So weit führen die Konsequenzen der technischen Neuerungen 
Ferenczis. 

Das Ergebnis der technischen Neuerungen Ferenczis ist also für ihn und 
seine Schüler eine neue Neurosenlehre oder, genauer, die Wiederbelebung eines 
verlassenen Stückes Neurosenlehre, der Lehre vom Trauma, vor allem vom 
infantilen Sexualtrauma. Von einer höheren Warte aus, jenseits des Für und 
Wider dieser neuen Lehre, scheint mir ein Zusammenhang besonderer Beach- 
tung würdig, ein Zusammenhang, dessen Bedeutung Freud früh erkannt hat. 
Das Verhältnis zwischen Theorie und Technik war der Gegen- 
stand eines Preisausschreibens durch Freud auf dem Berliner Kongreß 1922. 
Es darf nun auf Grund dieser frühen Einsicht Freuds, daß eine solche Wech- 
selbeziehung existiert, nicht wundern, daß eine Wiederanwendung der kathar- 
tischen Methode zur Wiederbelebung der traumatischen Theorie der Neurosen 
führen muß. Ein genaueres Studium des Verfahrens, eine genauere Kenntnis 
der Erwerbung seiner Resultate, die uns Ferenczi nicht übermittelt hat, 
müßte viel über diese Wechselbeziehung auszusagen haben. 



Man darf wohl erwarten, daß weitere Arbeiten der Schüler Ferenczis, 
noch unter seinem unmittelbaren Einfluß entstanden oder posthum von seinem 
Geiste geleitet, uns Einzelheiten des Verfahrens und der Resultate übermitteln 
werden, die uns das Verstehen der letzten Bemühungen Ferenczis um die 
Tiefen der menschlichen Seele erleichtern und erweitern, und uns in der 
Kritik dieser jüngsten therapeutischen Neuerung der Analyse sicherer werden 
lassen» 






Handhabung der Übertragung auf Grund der 
Ferenczischen Versuche 1 

Von 

Alice Bdlint 

Budapest 

M. D. u. H.! Bevor ich auf mein eigentliches Thema eingehe, möchte ich 
erst klarstellen, daß eine Fe renezi -Schule — in dem Sinne, daß unter seiner 
Leitung in Budapest eine einheitliche Arbeitsweise entstanden wäre, die ein- 
heitliche Ergebnisse zeitigt — nicht existiert. Dies ist für jeden, der Ferenczi 
und seine Art gekannt hat, selbstverständlich. Er war durch und durch Indivi- 
dualist, und seine Lehrtätigkeit bestand in der Hauptsache darin, daß er seine, 
oft wechselnden, Ideen und Versuche uns — allerdings in der ihm eigenen sug- 
gestiven Weise — mitteilte und es im übrigen uns überließ, davon so viel zu 
übernehmen, wie wir konnten und wollten. Er bediente sich in sehr geringem 
Grade jener Beeinflussungsmöglichkeiten, die am ehesten geeignet sind, eine 
einheitliche Arbeitsweise herzustellen. Ich, meine die Seminare und Kontroll- 
analysen. Wahrscheinlich, weil die systematische Lehrtätigkeit mit der Ex- 
perimentierfreiheit, die sein Lebenselement war, schwer zusammenpaßte. 

Auf dem Wiesbadener Kongreß sagte er selbst im Kreise seiner Schüler, ihm 
wäre manchmal angst und bange, wenn er an die verschiedenen Richtungen, 
die er im Laufe seines Lebens eingeschlagen, denke und sich vorstelle, daß 
vielleicht jetzt, in der Welt verstreut, sich einige seiner Schüler finden, die 
noch immer treu an der einen oder anderen der von ihm bereits verlassenen 
Methoden festhalten. Wir mußten ihn damals beruhigen, daß wir doch keine 
Automaten seien. 

Es ist gewiß nicht einem jeden gegeben, seine eigenen Wege zu gehen, 
doch die Freiheit, die Ferenczi seinen Schülern ließ und der Mut, zu dem 
er sie immer wieder aufforderte, die Dinge der täglichen Praxis mit immer 
frischen, naiven Augen zu sehen, gehört sicher zu dem Besten, was wir, außer 
dem Inhaltlichen, von ihm bekommen haben. 

Der Ausgangspunkt der Ferenczischen Versuche war — wie er es selbst 
oft betonte — die Unzufriedenheit mit den therapeutischen Resultaten im 
allgemeinen. Manche Fälle versandeten oder mußten mit einem Teilerfolge 
aufgegeben werden, obwohl Analytiker und Patient vom seelischen Ur- 
sprung der Erkrankung überzeugt waren. Bei Patienten, die ihre als aus- 
sichtslos abgebrochene Analyse später, bei dem gleichen oder bei einem anderen 

orszL^" P W * u gehalten auf der von der Wiener Psychoanalytischen Vereinigung, der Magyar- 
ticka t • Danalltlkai E 8yesület, der Societa Psicoanalitica Italiana und der Psychoanaly- 
limderta ' na V C ' S ' R " Zu Pfin S«en (8. bis 10. Juni) i 9iS in Wien veranstalteten Vier- 




:! i 



Analytiker fortsetzten, stellte es sich manchmal heraus, daß die Fehlerquelle 
in der Einstellung des Analytikers zum Patienten, also in der unzweckmäßigen 
Handhabung der Übertragung lag. 

Das gesteigerte Hinhorchen auf alles, was der Patient sagt, war die ge- 
gebene Methode, aus den mannigfaltigen Schwierigkeiten, die insbesondere die 
Endphasen der Analyse boten, einen Ausweg zu suchen. Der Weg, den 
Ferenczi hiermit einschlug, ist die psychoanalytische Forschungsweise 
katexochen. Ihr verdanken wir doch jene großartigen und überraschenden 
Entdeckungen Freuds, die ihn 'Schritt für Schritt von dem aktuellen Kon- 
flikt zu den Erlebnissen der frühesten Kindheit, als den Wurzeln der Neurose, 

führten. 

Infolge des intensiveren Aufmerkens wurden gewisse, bisher weniger be- 
achtete Erscheinungen in den Vordergrund gerückt. Erstens jener Teil der 
Meinungen, Gefühle und Kritiken des Patienten, die der realen Person des 
Analytikers galten; zweitens die Rolle, welche die Eigenheiten und Schranken 
der Persönlichkeit des Analytikers in der Analyse spielen. 

Beide Momente gehören zusammen und bedingen einander. Es ist nämlich 
nicht unwesentlich, ob wir uns darauf beschränken, die Tatsache des Kriti- 
sierens als solche zu deuten, d. h. die Kritik am Analytiker auf die verdrängte 
oder totgeschwiegene Kritik an den Eltern zurückzuführen, oder ob wir die 
uns geltende Kritik auch bezüglich ihres aktuellen Realitätsgehaltes prüfen. 
Wir erfahren bald, daß Tatsache und Art der Kritik zwar von den Eltern auf 
den Analytiker übertragen, ihr Inhalt jedoch nicht selten dem aktuellen 
Erleben am Analytiker entnommen ist. 

Es handelt sich also um einen Fall von Agieren. Dieses Agieren scheint bis 
zu einem gewissen Grade mit der analytischen Situation unumgänglich ver- 
bunden zu sein, kann also nicht vermieden, sondern nur erkannt und gedeutet 
werden. Die ungeheure Wichtigkeit, die jede Kleinigkeit im Tun und Lassen 
des Analytikers für den Patienten erhält, die Empfindlichkeit, mit der er auf 
jede Nuance in Tonfall, Händedruck usw. reagiert, sind sicher keine durch 
die analytische Situation hervorgebrachten Neuerscheinungen, sondern Ab- 
kömmlinge der Kindheit, in der wir alle ähnlich empfindsam waren. Genau 
so, mit demselben kritischen Einfühlungsvermögen, wie der Patient den für 
ihn lebenswichtig gewordenen Analytiker, beobachtet das Kind die Personen, 
von denen es abhängt. Die Patienten werden allwissend in bezug auf die 
ihnen geltenden Gefühle, sie merken jeden, auch unbewußten Betrug. Und 
wenn wir, uns selbst nicht genügend kennend, uns und den Patienten be- 
trügen, haben wir seine Verdrängungen oder besser gesagt seine Widerstände 
in einer Weise verstärkt, daß sie von einem gewissen Punkt an das Weiter- 
führen der Analyse unmöglich machen. 

Rechnen wir aber mit dem regelmäßigen Wiederaufleben dieser kindlichen 
Feinfühligkeit, so stellt es sich zu unserer Überraschung heraus, daß, auch 



Handhabung der Übertragung auf Grund der Ferenczischen Versuche 49 

wenn wir vollkommen passiv zu sein glauben, wir es in den 
Augen des Patienten nicht sind. Und zwar — das möchte ich immer 
wieder betonen — nicht nur deshalb, weil er Eigenschaften und Motive seiner 
Imagines auf uns überträgt, sondern auch, weil wir, da wir doch Menschen mit 
einer bestimmten Art von Äußerem, Stimme, Bewegungen, Geruch und wech- 
selnder Geistesfrische sind, unmöglich vollkommen passiv sein kön- 
nen. Halten wir uns das nicht vor Augen, so ist das jeweilige Gefühl des 
Patienten, daß wir uns genau so benehmen wie einst die Eltern, keine Über- 
tragung mehr, sondern Realität. Diese Tatsache wiederholt sich in jeder wie 
immer geführten Analyse. Denn, daß der Analytiker auch ein Mensch ist, 
wird in jeder Analyse genau so wieder entdeckt, wie es einst in bezug auf die 
Eltern und Erzieher entdeckt werden mußte. 

Wenn wir den auf unsere Person gerichteten Teil der Einfälle nicht 
genügend beachten, dann wiederholt sich in der aktuellen Beziehung zum 
Analytiker dieselbe Einschränkung des Wissens, die dem Patienten in der 
Kindheit auferlegt wurde. Dieser muß uns z. B. glauben, daß wir, außer der 
wohlwollenden Einstellung, ihn zu heilen, ihm gegenüber keine Gefühle 
positiver oder negativer Art haben, obwohl er diese aus kleinsten Anzeichen 
erraten konnte. Genau so, wie die Kinder an bestimmte theoretische Eltern-, 
Lehrer- oder Geschwistergefühle glauben müssen, auch wenn die Realität 
damit noch so wenig in Einklang steht. Und genau so, wie Kinder oft schlimm 
werden, um die richtig geahnte, versteckte Aggression der Erwachsenen offen 
zutage treten zu lassen, so werden auch Patienten manchmal ungebärdig, bis 
sie vom Analytiker das Bekenntnis erhalten, daß irgend etwas in ihrem Ver- 
halten ihm wirklich unangenehm war. Ich denke hier an einen bestimmten 
Fall, in dem die erste Deutung, der Patient tue dies oder jenes, um vom 
Analytiker weggejagt zu werden, und die nächste, er wolle ihn ärgern, nichts 
fruchtete. Die Wahrheit war, daß der Patient den Analytiker wütend machen 
wollte, eben weil er fühlte (oder aber mit Recht befürchtete), daß dieser es 
bereits sei und sein zur Schau getragener Gleichmut daher nicht aufrichtig 
sein könne. Als dem Kranken zugegeben wurde, daß sein Tun das notwendige 
freundlich-aufmerksame Zuhören wirklich störe, hörte er damit auf. Als 
tiefere Ursache der Tendenz, den Analytiker aus der Ruhe zu bringen, ergab 
sich die Auflehnung gegen den Schein, daß alle Menschen um ihn geduldig 
und nur er allein reizbar und böse sei. Eine ähnliche Verwertung fand in 
vielen Fällen die Aufrichtigkeit, mit der wir alle nach dem Rate Freuds die 
finanzielle Seite der Kur behandeln. Trotz aller Vorwürfe und der kindlichen 
Sehnsucht nach unentgeltlicher Liebe stellte es sich immer wieder heraus, 
daß es für den Patienten eine Beruhigung ist, wenn er in uns keine Engel zu 
sehen braucht. 

Wie wir sehen, handelt es sich für den Patienten, wie für das Kind, um 
die Entlarvung der Hypoknsie des Analytikers, bzw. der Erwachsenen. Kinder 

Int. Zeitsohr. f. Psychoanalyse, XXII/i 4 



5Q Alice Bilint 






und Patienten zeigen dabei die fast paranoid anmutende Fähigkeit, aus klein- 
sten Details weitgehende Folgerungen zu ziehen. Die paranoide Überempfind- 
lichkeit tritt während der Analyse regelmäßig in Erscheinung, auch in der 
Analyse praktisch Gesunder, so daß man den Eindruck gewinnt, es handle 
sich hierbei um eine allgemeine menschliche Fähigkeit. 

Das Gegenstück hierzu — wodurch mir erst die ganze Erscheinung ver- 
ständlich wurde — bot die Beobachtung von Kindern im Säuglingsalter, die 
normalerweise eine ähnliche Empfindlichkeit zeigen. Um nur eine Erschei- 
nung zu erwähnen, die ich häufig bei verschiedenen Kindern beobachtet habe: 
das Kind schläft ganz ruhig, indessen die Mutter oder eine andere Warte- 
person sich im Zimmer aufhält. Durch Straßenlärm, Donner usw. wird es 
nicht gestört, wacht jedoch auf oder wird unruhig, wenn die betreffende 
Person leise das Zimmer verläßt. Man kann auch oft feststellen, daß ein 
Kind im Schlaf zu lächeln beginnt, wenn man es anschaut. Ich halte diese 
scheinbar belanglosen Tatsachen für außerordentlich wichtig, denn sie lassen 
eine Beziehung zur Umwelt vermuten, die bereits im Säuglingsalter über das 
rein Physiologische hinausgeht. Diese innige Verbindung zwischen dem Kind 
und der von ihm mit Libido besetzten Person scheint also sehr früh einzu- 
setzen. Auf ihrem Boden entwickelt sich wohl jene Feinfühligkeit, die das 
Kind befähigt, seine Umgebung zu durchschauen und sogar hinter freund- 
lichem Gebaren die entgegengesetzten Gefühle zu erraten. 

In denselben Zusammenhang gehört der, insbesondere von Anna Freud 
hervorgehobene Unterschied zwischen dem Kind und dem Erwachsenen im 
Anfang der Behandlung. Der Erwachsene erscheint, auch wenn er noch so 
skeptisch ist, fast vertrauensselig im Vergleich zum Kinde, das sein Geheim- 
nis in bewußtem Mißtrauen vor dem „Feind" hütet. Das Kind, dessen Über- 
Ich noch unentwickelt ist, steht uns mit einer viel ungeteilteren, daher über- 
legeneren Kritik gegenüber als der Erwachsene, bei dem das ursprüngliche 
kindliche Mißtrauen infolge der Identifizierung mit der allgemeinen Hypo- 
krisie bereits verdeckt ist. 

Das Problem der Handhabung der Übertragung kann also auch folgender- 
maßen formuliert werden: Wie können wir uns mit dem Kinde im Patienten 
am besten in Verbindung setzen? Denn mit seiner paranoid-empfindlichen 
Einstellung in der Analyse ist der Patient nichts anderes als das geängstigte 
und beleidigte, daher mißtrauisch aufpassende Kind in ihm. 

Wie bereits aus dem Bisherigen zu ersehen ist, drängt das Aufmerken auf 
die Entlarvungskünste des Patienten gleichsam von selbst zur gestei- 
gerten Selbstkontrolle der Aufrichtigkeit in unserem Benehmen. Die Auf- 
richtigkeit ist kein neuer Gesichtspunkt bei der Handhabung der Übertragung. 
Sie spielt bereits in Freuds Ratschlägen an den Arzt eine wichtige Rolle. 
Doch ebenso, wie die Rolle des Infantilen im Laufe der Entwicklung der 
Neurosenlehre eine immer größere Bedeutung gewann, scheint es, daß auch 



Handhabung der Übertragung auf Grund der Ferenczischen Versuche 



5« 



in der einfachen Forderung nach Aufrichtigkeit weitere Entwicklungsmöglich- 
keiten enthalten sind. Es wäre aber unrichtig, aus dem bisher Gesagten zu 
folgern, daß man sich dem Patienten als Mensch eröffnen soll, um ihm seine 
Geständnisse zu erleichtern. Das wäre, wie auch Freud in seinen' Rat- 
schlägen meint, falsch, und zwar nicht nur darum, weil der Patient unersätt- 
lich wird, sondern weil dies, wie wir sehen werden, gar nicht jene Aufrichtig- 
keit ist, die der Patient braucht, obwohl er sie oft wünscht. 

Die Aufrichtigkeit, die der Patient benötigt, besteht nicht in der Preisgabe 
unseres Privatlebens, sondern darin, daß wir ihm nichts vormachen. 
Wir akzeptieren die Tatsache, daß wir für den Patienten kein weißes Blatt 
sind und entwinden damit dem Widerstand eine wichtige Waffe. Wenn wir 
z. B. der Vermutung des Patienten, daß wir keine Automaten sind, daher 
auch die Intensität unserer Anteilnahme nicht immer die gleiche ist, recht 
geben, so kann ihm meistens viel klarer gezeigt werden, wann und warum 
er solche Schwankungen merkt und auch, daß das Kind in ihm sich 
eigentlich einen ewig gleichmäßigen Liebesautomaten wünscht. Wenn wir 
aber, anstatt es zuzugeben, einfach schweigen, kann es geschehen, daß der 
Patient wochen-, ja monatelang sich damit abquält, Material zu seiner Ver- 
mutung zu sammeln, auch wenn es uns gelingen sollte, für seine intellektuelle 
Einsicht diese Erscheinung auf die infantile Situation zurückzuführen. Mit 
anderen Worten: wir müssen neben dem indirekten Kontakt, auf dem Wege 
der Deutung, auch einen direkten mit dem Kinde im Patienten finden. Denn 
die Deutungsarbeit allein kann oft nicht verhindern, daß die Analyse, trotz 
jahrelanger Bemühung, statt zu einer Erledigung, nur zu einer 
Wiederholung der infantilen Situation führt. 

Was folgt nunmehr aus der Forderung der größeren Aufrichtigkeit für den 
Analytiker? Bevor ich auf diese Frage direkt antworte, möchte ich ein Bei- 
spiel aus einem anderen Gebiet — dem der Erziehungsberatung — heran- 
ziehen. Es geschieht nicht selten, daß Eltern gerade durch die Analyse den 
Eindruck erhalten, sie könnten sich vor dem Kinde ruhig gehen lassen, denn 
das Kind merke doch sowieso alles und schlimmstenfalls könne man ja die 
Dinge mit ihm besprechen. Alle Kollegen werden mit mir übereinstimmen, 
wenn ich meine, diese Eltern hätten die Analyse mißverstanden. Es ist richtig, 
daß man damit rechnen soll, das Kind merke alles, doch bedeutet das nicht,' 
daß wir uns nunmehr vor dem Kind ohne Bedenken gehen lassen können. 
Im Gegenteil, Dinge, von denen wir wissen oder glauben, daß sie das Kind 
zu sehr belasten, müssen wir weit sorgfältiger von ihm fernhalten, wenn wir 
nicht mehr der Selbsttäuschung unterliegen, das Kind merke sie ohnedies nicht. 
Ähnlich, wie wir auf Fehlleistungen besser achten, wenn wir ihre Bedeutung 
erkannt haben. 

Das gleiche gilt für die Handhabung der Übertragung. Die Einsicht, daß 
wir unmöglich das weiße Blatt sein können, das wir vielleicht sein sollten 



52 Alice Bilint 



(wir haben ein bestimmtes Äußeres, bestimmte Bewegungen, Stimme, Gesichts- 
ausdruck usw., alles Dinge, die mit der Zeit vom Patienten bemerkt, zur 
Sprache gebracht und oft auch richtig gedeutet werden), bedeutet nicht, daß 
wir nunmehr alle Vorsicht fahren lassen können. Im Gegenteil, gerade das 
"Wissen um die nicht abzuschätzende Bedeutung unserer inneren Einstellung 
zum Patienten und die Tatsache, daß er bei einer gewissen Tiefe der Analyse 
wohl imstande ist, diese aus kleinsten Anzeichen zu erraten, nötigt uns zu 
gesteigerter Selbstkontrolle. 

Es ist ebenso schädlich, wenn wir den Patienten — gleich den Eltern in 
der Kindheit — dazu zwingen, in bezug auf uns blind zu sein, wie wenn wir 
den Patienten mit unseren unkontrollierten Gefühlsregungen belasten. Im 
ersteren Falle, d. h. wenn wir allzu einseitig die auf uns bezüglichen Gedan- 
ken des Patienten (also auch, wenn sie in der aktuellen Situation real be- 
gründet sind) als Projektionen innerer Konflikte oder als von Kindheits- 
objekten auf uns übertragene Motive deuten, benehmen wir uns im Grunde 
genommen, bei aller Passivität, wie jene Erzieher, für die immer nur das 
Kind die Ursache irgend einer Störung sein kann, nie die Erwachsenen. Auf 
diese Weise kann also die Distanz, die einst zwischen Kind und Erwachsenen 
bestand, in der Analyse wieder entstehen. 

Im zweiten Fall, wenn wir den Patienten zu stark mit unseren eigenen 
Gefühlen belasten, bildet die Möglichkeit, alles zu besprechen, kein genügen- 
des Gegengewicht mehr. Wenn der Analytiker sein Interesse vom Patienten 
auf sich selbst überträgt, kann der Patient zu einer Beschäftigung mit der 
Person des Analytikers verführt werden, die bereits sein Bedürfnis übersteigt. 
Dann ist der Analytiker kein Helfer mehr, sondern eine Neuauflage der 
Eltern, die das Kind für ihre eigenen Zwecke ausgenützt haben. Was hier 
wieder auflebt, ist nicht nur die Distanz, sondern auch die Hörigkeit des 
Kindes gegenüber solchen Erziehern, die durch die Vorspiegelung einer am 
Ende doch nicht realen Intimität das Kind zur Überspannung seiner Kräfte 
nötigen. Wie dies Ferenczi von den Kindern körperlich oder seelisch 
kranker oder sonstwie unglücklicher Eltern beschrieb. 

Um wieder ein Beispiel zu nennen: Wenn ich, sagen wir, Kopfschmerzen 
habe, werde ich das nie dem Patienten mitteilen, außer er merkt es 
selbst, in welchem Falle ich die Richtigkeit seiner Beobachtung bestätige. 
Die Sache kann sich aber auch anders abspielen. Der Patient denkt nicht an 
Kopfweh, merkt bloß den mißmutigen Gesichtsausdruck, fühlt sich ungeliebt 
und verstoßen. Auch in diesem Falle sage ich ihm manchmal, ich hätte Kopf- 
weh, doch erst, nachdem wir alle seine Befürchtungen durchgesprochen und 
auf ihre subjektiven Wurzeln zurückgeführt haben. Das endliche Zugeben 
des Stückes aktueller Realität, die seinen Befürchtungen zugrunde lag, kann 
verhindern, daß er die Stunde mit dem Gefühl verläßt, der Analytiker hätte 



Handhabung der Übertragung auf Grund der Ferenczischen Versuche 



53 



doch böse ausgesehen und es nur nicht eingestanden, wodurch natürlich die 
ganze analytische Bemühung zunichte gemacht wäre. 

Die größere Wichtigkeit, die wir auf diese Weise der realen Persönlichkeit 
des Analytikers, seinem Befinden usw., im Fortgang der Analyse beimessen, 
hat also ebenfalls ihre Gefahren. Die Hauptgefahr ist, wie wir oben sahen, 
daß wir den Patienten überbelasten, statt ihm zu helfen. Der Gedanke liegt 
nahe, daß gerade die Möglichkeit dieser Gefahr manche unserer Kollegen 
davor zurückschrecken läßt, den Patienten zu nahe an sich heranzulassen. 
Damit kommen wir wieder zu dem von Ferenczi immer wieder betonten 
Thema der Analysiertheit und psychischen Stabilität des Analytikers. Der 
Patient darf ebensowenig wie das Kind dazu benützt werden, um fehlende 
Befriedigungsmöglichkeiten zu ersetzen. Das ist natürlich das A und O der 
Handhabung der Übertragung. 

Das aufmerksame Anhören der kindlich-paranoiden Kritik des Patienten 
brachte manche neue Einsicht in das Wesen der infantilen Objektbeziehungen. 
Da die große Bedeutung der Person des Analytikers nur eine Wiederholung 
jener Bedeutung ist, die einst der nächsten Umgebung des Kindes zukam, 
folgt aus dieser Beobachtung natürlicherweise die verhältnismäßig stärkere 
Erfassung des historischen Moments bei der Entstehung der Neurosen. Es 
handelt sich nur darum, daß wir den kindlichen Maßstab, den uns die 

^ Patienten in ihrer Überempfindlichkeit deutlich zeigten, auf die Beurteilung 
der Begebenheiten und der Eindrücke, denen sie in der Kindheit aus- 
gesetzt waren, anwenden. 
Ferenczi hat das Kind in seiner Not, in seiner Kleinheit und Abhängig- 
keit gegenüber den Großen und dem daraus stammenden unstillbaren Hunger 
nach Liebe, erkannt wie kaum einer. Aber auch die Art der Liebe des Kindes 
konnte an den erwähnten Übertragungserscheinungen besser studiert werden. 
_ Während der analytischen Arbeit können wir nämlich bald erkennen, daß 
die Hellsichtigkeit, besser gesagt: die auferstandene Kinderweisheit des Patien- 
ten ein einseitiges Vermögen darstellt. Nicht die gesamte Realität 
wird durchschaut, und dementsprechend auch nicht der Analytiker als 
Individualität, sondern nur in seiner Beziehung zum Patienten. Dies ist eben- 
falls ein genaues Abbild der kindlichen Denkart. Wie das Kind merkt auch 
der Patient alles, doch ist das Motiv dieses Interesses rein egoistisch. Wie die 
traurige, ärgerliche oder sorgenvolle Miene des Erwachsenen das Kind nur 
darum beunruhigt, weil es fürchtet, aus irgend einem Grunde nicht geliebt 
zu werden, interessiert unsere Miene den Patienten nur, weil er fürchtet, 
weniger Anteilnahme bei uns zu finden, wenn uns etwas zu stark beschäftigt. 
Sowohl für das Kind wie für den Patienten ist nur dieser Teil unserer 
Gefühle wichtig. Das sonstige „Warum" liegt bereits außerhalb seines Inter- 
esses. Eben deshalb wird jeder Analytiker, der — durch den gegenteiligen 
Schein beirrt — dem Patienten gegenüber zu mitteilsam geworden ist, er- 




54 Alice Balint 






fahren, daß der sonst so neugierige Patient es ablehnt, so viel von ihm zu 
wissen. Das erklärt auch, wie es kommt, daß es einerseits sowohl dem Kind 
wie dem Patienten so schwer fällt, die Erwachsenen, bzw. den Analytiker als 
Individualitäten zu erkennen, trotzdem sie andererseits die Realität so fein 
abzutasten vermögen. 

Diese seltsam einseitige Erkenntnis der Umwelt ist ein ebenso wichtiger 
Faktor bei der Entstehung der verzerrten Elternimagines wie die Projektion. 
Ein gutes Beispiel für diese Vermischung von klarer Erfassung der Realität 
und gleichzeitiger Verzerrung zeigt die oft beschriebene Reaktion des Kindes 
auf die Beobachtung der Urszene. Wenn das Kind Zeuge einer Liebesszene 
zwischen den Eltern wird, erscheinen ihm die Eltern böse; einerseits, weil es 
selbst böse und neidisch ist und diese Gefühle nach dem Talionprinzip auf 
die Eltern projiziert; andererseits steckt darin ein Stück realer Erkenntnis, da 
sich doch die Eltern in diesem Moment wirklich nicht um das Kind 
kümmern, also vom Standpunkte des Kindes wirklich böse sind. 
Dieses „Bösesein" hat im Augenblick für das Kind eine absolute Bedeutung, 
da es jenen Teil der Realität, den wir Zukunft nennen, noch nicht kennt. 
Eben deshalb ist es schwer festzustellen, inwieweit die Sehnsucht des Kindes, 
sich an Stelle des einen oder beider Elternteile zu setzen, aus dem Wunsche 
nach einer bestimmten körperlichen Lust oder aus Angst vor dem Ungeliebt- 
sein stammt. Es will vielleicht nur an dem Spiel teilnehmen, um der Qual 
des Ausgeschlossenseins zu entgehen, 2 so wie jeder Patient im Laufe der Kur 
auch einmal Analytiker, d. h. Kollege sein möchte. 

Wir lernen aus all dem, daß das Kind seine Umgebung wohl mit Libido 
stark besetzt, vom Standpunkt der Libidoverteilung also nicht narzißtisch 
genannt werden kann; das Interesse jedoch, das es seiner Umgebung ent- 
gegenbringt, ist egoistisch. Es ist eine Liebe, die als einzige Gegenleistung für 
das empfangene Gute nur das eigene Wohlbefinden kennt. Es ist jene, in 
erster Linie erwartende, fordernde Liebe, die Ferenczi „passive Objekt- 
liebe" und Hermann „Anklammerung" genannt hat. 

Ferenczi spricht in seiner Genitaltheorie vom Kinde als einem Ekto- 
parasiten, um die physiologische Abhängigkeit des Kindes von der Mutter 
zu charakterisieren. Hermann nimmt ebenfalls die Biologie zum Ausgangs- 
punkt, wenn er im Anklammerungsreflex das Vorbild der kindlichen Objekt- 
beziehungen sieht. Der Hermannsche Begriff der „Anklammerung" ist 
insofern eine wichtige Ergänzung der Ferenczischen „passiven Objekt- 
liebe", als darin auch die Aktivität des Kindes zum Ausdrucke kommt. 
Sowohl Ferenczi als auch Hermann nehmen — übrigens ganz im Sinne 
Freuds — an, daß, in Anlehnung an die biologische Abhängigkeit des 
Kindes, eine ganz frühe Libidobesetzung der nächsten Umgebung vorhanden 

2) Diese Vermutung rührt zwar an das Problem des Sinnlichkeitsgrades der kindlichen 
Sexualität, will es aber nicht entscheiden. 




Handhabung der Übertragung auf Grund der Ferenczischen Versuche 55 

sei. Diese frühe Objektbeziehung kennt nur Wünsche oder Forderungen, aber 
noch keine Gegenleistungen, d. h. sie ist egoistisch. (Man denke etwa an den 
Affen in Zuckmayers „Affenhochzeit".) 

"Wenn wir nun in diesem Sinne narzißtisch und egoistisch nicht 
zusammenfallen lassen, werden einige längst bekannte Erfahrungstatsachen 
verständlicher. Die libidinöse Besetzung der Umwelt macht z. B. die un- 
geheure Verwundbarkeit des Kleinkindes, wodurch es dem Erleiden von 
Traumen so leicht ausgesetzt ist, besser erklärbar. Die Tatsache der großen 
Empfindlichkeit des Kindes hat mich schon seit langem beschäftigt. Ich ver- 
suchte ihr in der Weise gerecht zu werden, daß ich den primären Narziß- 
mus 3 als eine Seelenverfassung beschrieb, in der sich das Kind in seiner Eigen- 
liebe durch den kleinsten Tadel, die geringste Lieblosigkeit schmerzlich be- 
droht fühlt. Dahingegen gäbe der durch die Zurückziehung der Objekt- 
besetzungen entstandene sekundäre Narzißmus jenen undurchdringlichen 
Panzer ab, welcher den Menschen gegen den Stachel des Ungeliebtseins 
schützt. Heute scheint es mir, daß der Ausdruck „passive Objektliebe" dem 
Beobachtungsmaterial besser gerecht wird. Denn in Übereinstimmung mit 
Ferenczi, der bei seinem Vordringen in immer tiefere Schichten zunächst 
ein mißtrauisch kritisches und endlich ein mit allen Fibern an seine Um- 
gebung geklammertes Wesen fand, zeigt auch die direkte Beobachtung am 
Kinde keine narzißtische Selbstgenügsamkeit, sondern ein intensives Verlan- 
gen nach Liebe, ohne die es ja gar nicht bestehen kann. 4 

Ich möchte nicht den Eindruck erweckt haben, als fühlte ich mich nunmehr 
bezüglich der technischen Bewältigung einer Analyse aller Sorgen ledig oder 
etwa, als böte die „Handhabung der Übertragung" nach der Entdeckung der 
Bedeutung der Aufrichtigkeit für mich keine Schwierigkeiten mehr. Doch 
hoffe ich gezeigt zu haben, daß der Charakter des Analytikers ein wesent- 
licher Faktor der analytischen Situation ist, den wir bei bestem Willen nicht 
ausschalten können, und daß die aus dieser Quelle stammenden Störungen 
der Übertragungssituation nur dadurch unschädlich gemacht werden können, 
daß wir ihnen eine gesteigerte Aufmerksamkeit zuwenden. 

Auf dem Luzerner Kongreß behandelte Frau Dr. Bibring dasselbe Thema. 
Auch sie fand, daß die Persönlichkeit des Analytikers einen nicht auszuschal- 
tenden Teil der analytischen Situation bildet. Ich machte sie damals darauf 
aufmerksam, wie nahe sich ihre Gedanken mit denen Ferenczis berühren. 
Ein wichtiger Unterschied besteht jedoch gerade in der praktischen Anwen- 
dung. Frau Dr. Bibring rät, in Fällen, wo der Charakter des Analytikers 
ei ne zu getreue Wiederho lung der pathogenen infantilen Situation herbei- 

3) Auf Grund der in „Zur Einführung des Narzißmus" gegebenen Freud sehen Begriffs- 
bestimmung. Ges. Sehr., Bd. VI. 

4) Ich verweise auf meine in ungarischer Sprache erschienene Arbeit über „Die Entwick- 
lung der Objektbeziehungen". (LelekelemzewTanulmiinyok: A szeretet feilödese es a valösäg- 
erzek.) 



56 Alice Bälint 



geführt und damit die Arbeit ins Stocken gebracht hat, als Abhilfe zu einem 
Wechsel des Analytikers. Ich hoffe gezeigt zu haben, daß die zu getreue 
Wiederholung der infantilen Situation nicht so sehr von den tatsächlichen 
Eigenschaften des Analytikers, sondern von seinem Benehmen abhängt. 
Ob der Analytiker Mann oder Weib, groß oder klein, mehr sanft oder rauh 
usw. ist, ist nicht so ausschlaggebend wie der Umstand, ob und inwieweit er 
fähig ist, im Gegensatz zu den Erziehern die Kritik des Patienten frei walten 
zu lassen. Das ist der eigentliche Sinn der von Ferenczi geforderten 
Elastizität des Analytikers. Diese Anerkennung der Kritik, insofern sie 
wirklich das Richtige trifft, bildet jenen realen Unterschied gegenüber der 
Kindheit, der trotz aller sonstigen Wiederholungen (die, als bereits zum 
Wesen der Neurose gehörend, nur durch die systematische analytische Arbeit 
aufgelöst werden können) das Weiterführen der Analyse bei demselben 
Analytiker ermöglicht. 

Ferenczis technische Arbeiten bilden, wie Sie wissen, kein abgeschlossenes 
Ganzes, sondern nur einen Teil einer Versuchsreihe, die durch Krankheit 
und Tod jäh abgebrochen wurde. Wohin seine Versuche ihn selbst geführt 
hätten, können wir nicht mehr erfahren. Was ich Ihnen heute vortrug, ist 
nur das, was als lebendiger Einfluß der Ferenczi sehen Arbeiten in mir 
weiterlebt. Über manche andere Seiten seiner Technik, wie z. B. das 
kathartische Abreagierenlassen des pathogenen Traumas, konnte ich nicht 
sprechen, da ich sie selbst nicht versucht habe. Auch über das psychische 
Trauma, besser gesagt: über die Theorie von der Traumatogenese der 
Neurosen, wollte ich nicht sprechen, da meine Erfahrung nicht ausreicht, um 
etwas Definitives über dieses Thema aussagen zu können. Das analytische 
Material, das mir zu Gebote steht, scheint aber — wie Sie das aus meinen 
Ausführungen wahrscheinlich ersehen haben — sehr dafür zu sprechen, daß 
die Kindheit an sich der Entstehung von Traumen außerordentlich günstig 
ist, ja daß sie, wahrscheinlich sogar normalerweise, eine Reihe von Traumen 
darstellt; daß ferner, wenn diese Traumen schlecht oder überhaupt nicht 
erledigt werden können, die Unaufrichtigkeit der Umgebung, vielleicht in 
erster Linie, dafür verantwortlich ist. Das letztere kann interessanterweise 
auch durch ethnologisches Material unterstützt werden. Ich denke an die 
zwei schönen Bücher von Margaret Mead über die Jugend Samoas und der 
Manus auf Neu-Guinea. 5 Doch hoffe ich bald in der Lage zu sein, auch das 
entsprechende klinische Material mitteilen zu können. 

Meine Damen und Herren! Das Sprichwort sagt: Jede Kette ist so stark 
wie ihr schwächstes Glied. Dies gilt sicher nicht für wissenschaftliche Ge- 
dankengänge. Ihre Brauchbarkeit hängt, im Gegenteil, von dem Stück Wahr- 
heit ab, das in ihnen enthalten ist und weiterwirkt. Den ganzen Wahrheits- 



5) M. Mead: Coming of Age in Samoa, und: Growing up in New Guinea. 




Handhabung der Übertragung auf Grund der Ferenczischen Versuche 



57 



gehalt der Ferenczischen Ideen habe ich sicher nicht erschöpft. Ich hoffe 
nur, daß er in meinen Ausführungen nicht verlorenging. 

Anhang 

Um Mißverständnisse zu verhüten, ist es außerordentlich wichtig, sich vor 
Augen zu halten, daß die „Handhabung der Übertragung" nicht gleich- 
bedeutend ist mit der „Deutung der Übertragungserscheinungen". Die Hand- 
habung der Übertragung ist jenes Benehmen des Analytikers, mit 
dem er seinerseits die Deutungsarbeit fördert oder hemmt. Den ersten 
grundlegenden Rat zur Handhabung der Übertragung, d. h. zum zweck- 
mäßigen Benehmen des Analytikers, gab Freud in seinen Arbeiten zur 
Technik. 6 Er riet dem Analytiker ein möglichst passives Benehmen als die 
beste Bedingung, die emotionelle Aktivität des Patienten klar hervortreten 
zu lassen. Es ist die berühmte Bedingung der reinen Spiegelfläche, die „nichts 
zeigt, als was ihr gezeigt wird". Auch hierbei handelt es sich natürlich 
darum, die erreichbar günstigste Vorbedingung für die Deutungsarbeit zu 
schaffen. Was hier unter der Losung „Aufrichtigkeit" vorgetragen wurde, ist 
im Grunde genommen nur dort eine Korrektur der Freud sehen Passivität, 
wo diese Passivität ihr Ziel verfehlt und, statt einer Hilfe, nur eine Hem- 
mung der Deutungsarbeit wird. 

In diesem Zusammenhang müßte eigentlich auch der Begriff der Passivität 
des Analytikers klargestellt werden. Schweigen oder Nichtstun sind 
sicher nicht ausnahmslos als Passivität zu werten; unter Umständen kann 
das Schweigen die Bedeutung einer Herausforderung haben. Ich erinnere an 
Ferenczis Bemerkungen über das Schweigen des Arztes in der Analysen- 
stunde. 7 Damit soll aber nicht gesagt sein, daß diese Herausforderung — 
durch Schweigen — unbedingt schädlich sei; sie kann sogar im gegebenen 
Augenblick das beste Mittel zum Zweck sein. Doch müssen wir wissen, daß 
wir in diesem Fall alles andere denn passiv waren. Eben deshalb meine ich, daß 
die Ausdrücke aktiv — passiv, auf die Handhabung der Übertragung ange- 
wendet, nur mißverständlich sein können. Die „Handhabung der Über- 
tragung" ist ja neben der Deutungsarbeit die eigentliche Aktivität des 
Analytikers, und zwar, wie Freud sagt, der bedeutend schwierigere Teil 
derselben. Das Benehmen des Analytikers gegenüber dem Patienten kann 
wohl als passiv oder aktiv bezeichnet werden, ist aber in beiden Fällen ein 
Benehmen, also Aktion. Wenn wir anstatt über „Aktivität" und „Passivität" 
des Analytikers eher über sein mehr zurückhaltendes, versagendes oder ge- 
währendes usw. Benehmen sprechen, können wir manche Mißverständnisse 
vermeiden, und es wird klar, daß die Handhabung der Übertragung, 

6) Ges. Sehr., Bd. VI. 

7) Mißbrauch d. Assoziationsfreiheit. Bausteine, Bd. II, S. 41. 



58 Alice Baiin t: Handhabung der Übertragung auf Grund der Ferenczischen Versuche 

welchen Charakters sie auch sei, schon infolge ihrer Begriffsbestimmung 
einen Teil der Aktivität des Analytikers bedeutet. 

Literatur 

S. Freud : i. Zur Dynamik der Übertragung. 2. Ratschläge für den Arzt bei der psycho- 
analytischen Behandlung. 3. Weitere Ratschläge zur Technik der Psychoanalyse: I. Zur 
Einleitung der Behandlung; IL Erinnern, Wiederholen, Durcharbeiten; III. Bemerkungen 
über die Ubertragungsliebe. Alle drei in Ges. Sehr., Bd. VI. 

S. Ferenczi: Zur psychoanalytischen Technik: I. Mißbrauch der Assoziationsfreiheit; 
II. Fragen des Patienten — Erscheinungen während der Kur; IV. Die Bewältigung der Über- 
tragung. Zur Frage der Beeinflussung d. Patienten in d. Psychoanalyse. Weiterer Ausbau der 
„aktiven Technik" i. d. Psychoanalyse. Über forcierte Phantasien (Aktivität in der Assozia- 
tionstechnik). Kontraindikationen der aktiven psychoanalytischen Technik. Zur Kritik der 
Rankschen „Technik der Psychoanalyse". Bausteine zur Psychoanalyse, Bd. IL Int. Psa. Verl., 
Wien, 1927. 

S. Ferenczi: Zur Psychoanalyse von Sexualgewohnheiten, Int. Ztschr. f. Psa., Bd. XI, 
1925. Elastizität der psychoanalytischen Technik, Int. Ztschr. f. Psa., Bd. XIV, 1928. Relaxa- 
tionsprinzip u. Neokarthasis, Int. Ztschr. f. Psa., Bd. XVI, 1930. Kinderanalysen mit Er- 
wachsenen. Int. Ztschr. f. Psa., Bd. XVII, 193 1. Sprachverwirrung zwischen den Erwach- 
senen und dem Kinde, Int. Ztschr. f. Psa., Bd. XIX, 1933. 



Die überwertige Idee und ihre Beziehung 
zur Suchtkrankheit 1 

Von 

Therese Benedek 

Berlin 

Rado hat in seiner letzten Arbeit 2 den Prozeß der Süchtigkeit in einem 
Grundschema dargestellt und auf eine so breite Basis klinischer Erfahrung und 
analytischen Wissens gestellt, daß wir wohl annehmen können, der Ablauf 
der Süchtigkeit sei in seiner Gesetzmäßigkeit erfaßt. Seine Untersuchungen 
setzen an dem Punkt ein, wo die „Initialverstimmung" so groß geworden ist, 
daß sie mit psychischen Mitteln allein nicht mehr zu bewältigen ist und das 
Ich zu Rauschstoffen greift. 

Es bleiben also die Fragen zu untersuchen, ob die „Initialverstimmung" ein 
einheitliches Krankheitsbild darstellt, bzw. wenn nicht, welche Art von Krank- 
heitsprozessen und welche Libidostruktur die zwingende Veranlassung zu 
dieser „pharm akothymen Erledigung" der Konfliktspannung bieten. 

Das Problem der Libidostruktur ist ziemlich weitgehend geklärt. Seit den 
ersten entsprechenden Arbeiten von Abraham 3 -* und Rado 5 haben zahl- 
reiche Beobachtungen verschiedener Analytiker bestätigt, daß eine starke 
orale Fixierung und die ihr zugeordnete Neigung zu Depressionen die libidinöse 
Bedingung zur Süchtigkeit abgeben. — Trotzdem entstand eine Diskussion 
über Art und Wesen der Süchtigkeit, genauer über die Frage, durch welchen 
Krankheitsprozeß die zur Süchtigkeit führende orale Fixierung freigelegt wird. 
In diesem Punkt ist bisher eine einheitliche Auffassung nicht erreicht worden. 
Während Simmel 6 meint, daß die Sucht einem zwangsneurotischen Ab- 
wehrmechanismus entspreche, daß erst das Rauscherlebnis eine primäre Über- 
tragungsneurose in eine narzißtische Neurose verwandle, wirft Glover 7 das 
Problem auf, ob es nicht Fälle von Süchtigkeit gebe, die sich umgekehrt ent- 
wickeln. Nach ihm folgt auf eine tiefe Regression im Sinne der Paranoia 
während der zweiten Phase der Krankheit, der Wiederherstellung der Um- 
weltbeziehungen, quasi als Heilungsprozeß die Süchtigkeit. Glover will aber 
seine Theorie nicht auf alle Fälle der Süchtigkeit angewandt sehen. Auch mir 

i) Nach einem Vortrag, gehalten auf dem XIII. Internationalen psychoanalytischen Kon- 
greß in Luzern am 28. August 1934. 

2) Rado: Psychoanalyse der Pharmakothymie. Int. Ztschr. f. Psa., Bd. XX, 1934. 

3) Abraham: Die psychologischen Beziehungen zwischen Sexualität und Alkoholismus. 
In: Klinische Beiträge zur Psa. 1921. 

4) Abraham: Versuch einer Entwicklungsgeschichte der Libido, Int. Psa. Verl., Wien, 1924. 

5) Rado: Die psychischen Wirkungen der Rauschgifte. Int. Ztschr. f. Psa., Bd. XII. 

6) Simmel: Zwang und Sucht. Bericht über den V. Allgemeinen Ärztlichen Kongreß für 
Psychotherapie in Baden-Baden. 26. bis 29. April 1930. 

7) Glover: Zur Ätiologie der Sucht. Int. Ztschr. f. Psa., Bd. XIX, 1933. 






6o Therese Benedek 



scheint die zur Süchtigkeit führende Initialverstimmung keine einheitliche zu 
sein, d. h. nicht in allen Fällen die gleiche Genese zu haben. — Demnach ist die 
Analyse der Initialverstimmung die wesentliche Aufgabe der Analyse des 
Süchtigen. 

In diesem Zusammenhang scheint mir der folgende Fall sehr instruktiv zu 
sein, weil sich an ihm die zur Sucht führende Initialverstimmung ihrer Struktur 
nach als ein primäres Krankheitsbild eindrucksvoll aufzeigen läßt. Die Sucht 
erscheint hier klar als eine sekundäre Krankheit, als Abwehr der durch den 
primären Krankheitsprozeß geschaffenen Initialverstimmung. 

Eine 26jährige, unverheiratete, bis auf die Knochen abgemagerte Patientin sucht 
mich auf und beklagt sich, daß sie alkoholsüchtig sei. Bei genauerer Anamnese 
ergab sich, daß die Patientin unter einer sehr komplizierten Süchtigkeit litt, die 
sich in verschiedenen Perioden ihres Lebens verschieden äußerte. Als sie mich 
aufsuchte, trank sie jede Sorte schweren und leichten Alkohols, um sich zu be- 
rauschen, und da sie nicht immer leicht zu Alkohol kam, berauschte sie sich 
an Hoffmannstropfen (einem Äther- Alkoholgemisch), wodurch sie sich den Rausch 
billiger und schneller erkaufen konnte. Außer Alkohol und Äther nahm sie Un- 
mengen von Abführmitteln, Thyreoideapräparaten und verschiedenen Salzen, des- 
gleichen verschiedene homöopathische Präparate, sozusagen alles, außer Nar- 
kotika. Vor diesen hatte sie Angst. In den Perioden, da es ihr besser ging, konnte 
sie auf Alkohol verzichten; dann wurde die echte Sucht durch ein zwangs- 
neurotisches System abgelöst. Sie schloß sich irgendeiner Ernährungsrichtung an, 
wurde Rohköstlerin, Vegetarierin, und ernährte sich eine Zeitlang unter Auf- 
bietung aller ihrer moralischen Kräfte nach diesen Systemen, bis sie ihre Be- 
herrschung wieder verlor und die Süchtigkeit abermals durchbrach. 8 

Hinter dieser komplizierten Suchtkrankheit stand als Motor die der Patientin 
bewußte Idee: keinen weiblichen Körper haben zu wollen. Diese 
Idee tauchte mit einer übermächtigen Wirksamkeit plötzlich auf, als die Pat. 
15V2 Jahre alt war, und zerstörte ihr Leben. 

Die Pat. stammt aus einer wohlhabenden, kleinbürgerlichen Familie. Der Vater 
war ein athletisch gebauter Mann, robust in seinem Auftreten, in dessen Leben 
das Essen und Trinken eine große Rolle spielte, ohne daß er „süchtig" ge- 
wesen wäre. Er starb vor einigen Jahren an einer Nervenkrankheit, wahr- 
scheinlich metaluetischen Ursprungs. Die Mutter ist eine zartgebaute, sehr 
liebenswürdige, nachgiebige, aber lebenstüchtige Frau, anspruchslos und be- 
scheiden für die eigene Person, dabei aber den Anforderungen, die Mann und 
Tochter an sie stellten, entgegenkommend. 

Patientin war das einzige Kind aus dieser Ehe. Sie ist nach normaler Zeit 
durch Zangengeburt geboren. Nach den Angaben der Mutter war sie ein ruhiger 
Säugling und wurde 9 Monate gestillt. Die Mutter erinnert sich nicht, daß 
die Entwöhnung und die Umgewöhnung zur festen Nahrung irgendwelche 
Schwierigkeiten verursacht hätten. Die Pat. war als Kind eine gute Esserin. Da- 
mals aß sie, wie der Vater, viel Fleisch. Sie war bis zu ihrem 15. Lebensjahr 
ein gesundes, begabtes Kind, etwas ängstlich und scheu vor dem Vater, aber 
in der Schule munter und leistungsfähig. Sie war kräftig entwickelt und wurde 

8) Auf ähnliche Fälle weist Glover hin; schon dieser Wechsel von echter Sucht zu 
zwangsneurotischer Eßzeremonie weist auf die Rolle des Über-Ichs in der Suchtkrankheit hin. 




Die überwertige Idee und ihre Beziehung zur Suchtkrankheit 61 

deshalb öfters geneckt. Besonderen Eindruck machte auf sie, daß ein Lehrer sie 
vor der ganzen Klasse mit allzu großer und nicht mißzuverstehender Freundlich- 
keit neckte, sie anfaßte, betätschelte. Die Pat. gibt, übereinstimmend mit ihrer 
Mutter, dieses Ereignis als Grund dafür an, daß sie ihren Körper zu hassen 
anfing und unter allen Umständen mager werden wollte. 

Nun ist dieses Phänomen keinesfalls selten. In diesem Fall aber vollzog sich 
die „Abmagerungskur" mit solcher zerstörender Wut, mit solcher Unnachgiebig- 
keit, daß wir berechtigt sind, einen schwerwiegenden psychischen Prozeß dahinter 
zu vermuten. 

Die Pat. brachte es plötzlich fertig, in der Umgebung, in der sie bis dahin 
so gerne und so viel gegessen hatte, überhaupt nicht mehr zu essen. Sie verlor 
in einigen Monaten 60 Pfund. Von da an ist die Pat. trotzig, jähzornig, unge- 
duldig, maßlos anspruchsvoll. Ihre Charakteränderung ging so weit, daß sie die 
Nahrungsmittel zerstörte, verbrannte, ja sogar ins Klosett warf und in gelegent- 
lichen Wutanfällen ihre Kleider und Wäsche zerriß und im Ofen verbrannte. 
Ihr ganzes Dasein wurde ein ständiger Kampf gegen das Dickwerden, und 
dieser Kampf wurde um so schwerer, als ihre Lust zu essen über das nor- 
male Maß hinaus zur wirklichen Gier wuchs. Zuerst blieb sie noch arbeitsfähig, 
und von Zeit zu Zeit, wenn sie durch irgend etwas einen Auftrieb bekam, ent- 
schloß sie sich zur Nahrungsaufnahme. Aber wenn sie aß, merkte sie, daß ihre 
Figur sich veränderte, daß sie zunahm, daß ihre Brüste wuchsen. Dann war es 
mit jedem guten Willen aus; sie hätte sich am liebsten zerreißen mögen, sich 
die Brüste abreißen, kurz, sie wütete gegen sich im wahren Sinne des Wortes. 
Dieser Kampf dauerte schon, durch verschiedene Sanatoriumsaufenthalte unter- 
brochen, Jahre an, ehe sie zum Alkohol griff. 

Der Grundzustand war ein Kampf gegen die Polyphagie. Wenn je von einem 
Rausch des Essens zu sprechen war, dann in diesem Falle. Da die Pat. zur Be- 
wachung der Entziehung zu mir in Pension kam, hatte ich Gelegenheit, die ver- 
schiedenen Arten und Formen dieser Polyphagieanfälle zu beobachten. Wenn 
die Pat. Alkohol getrunken hatte, verlor sie jede Hemmung und aß unge- 
heure Mengen ohne Einhalt. Sie aß die unmöglichsten Dinge, die schärfsten Ge- 
würze, ohne daß ihr Magen revoltierte. Man gewann den Eindruck, sie be- 
taube sich mit Alkohol, um sich diesen Triebdurchbruch gestatten zu können 
Aber das war nur eine Rationalisierung der Alkoholsucht. Nach der Entwöhnungs- 
kur nämlich ergab sich, daß sie auch ohne alkoholisiert zu sein sehr große 
Quanten essen konnte. Statt des „alimentären Orgasmus" stellte sich immer 
Reue ein. Die Tatsache, daß sie gegessen hatte, machte sie tief unglücklich; 
sie hätte sich am liebsten zerrissen, das Gegessene wieder aus dem Körper 
entfernt. Bemerkenswerterweise aber tat sie nie etwas, um zu erbrechen. Der 
orale Weg blieb immer der Lust vorbehalten; .die Pat. nahm nur massen- 
weise Abführmittel. Wenn sie die Reue nicht ertragen konnte, berauschte sie sich. 

Die Alkoholsucht ist auf dieser Grundlage so weit gediehen, daß sie alle 
deichen schwerster Suchtkrankheit aufweist. Patientin kann nicht auf die Straße 
gehen, ohne bei jeder Gastwirtschaft stehen zu bleiben; sie verschafft sich Alkohol 
auf jede Weise, entweder auf Kredit oder sie borgt oder stiehlt von der Mutter. 
Von sekundärer Wichtigkeit sind die anderen Suchtmittel, die wir einteilen 
können: 1. in Mittel, die der Abmagerung dienen: Thyreoideapräparate, Abführ- 
T 4 l- 2 ' J* S ° khe ' dk daS Hun S ern erleichtern (z. B. Ersatznahrungsmittel), 
oder die den Appetit verringern; 3. in verschiedene, den einzelnen Diätschulen 



62 



Therese Benedek 



i 



entsprechende Nährmittel, die ihr ermöglichen sollen, ihrem Ich-Ideal gemäß 
zu leben. 9 

Aus der analytischen Anamnese möchte ich folgendes anführen. Pat. war ein 
sehr verwöhntes, einziges Kind. Sie erlebte eine sehr schwere Enttäuschung 
an dem Vater. In den ersten Lebensjahren konnte sich der Vater nicht genug 
tun in ihrer Verwöhnung; er warb um sie, er fütterte sie und spielte mit 
ihr, kaufte jeden Tag neue Spielsachen, besonders viele Puppen jeder Art, jeder 
Ausführung, mit den verschiedensten Kleidern. Plötzlich änderte der Vater sein 
Verhalten. Er wurde grob zu ihr, geizig, kaufte ihr nicht einmal das Not- 
wendigste. Er haßte sie und befahl ihr zu arbeiten. Er verlangte von ihr, daß 
sie in den Wirtshäusern Futter für die Hühner hole, daß sie mit Futtereimern 
über die Straße gehe. Er hatte, wie im Märchen, aus der Prinzessin eine 
Dienstmagd gemacht. Das klingt wie eine „Deckerinnerung", wie eine Phantasie 
der Patientin, aber das war nicht der Fall. Die Charakterveränderung des Vaters 
fing schon Jahre vor seiner metasyphilitischen Erkrankung an und wurde zu 
einer tiefen Erschütterung für die Patientin. 

Patientin wurde scheu und schüchtern dem Vater gegenüber und haßte ihn. 
Sie haßte seine Eßlust, seine grobe athletische Figur, und sie haßte später an 
sich selbst besonders die Ähnlichkeit mit dem Vater. Ihr bewußtes Ich-Ideal 
wurde ein Gegensatz zum Vater, und ihr ganzes Streben ging darauf, die Ähn- 
lichkeit mit dem Vater zu zerstören. Diesen Konflikt sucht sie in ihrem Be- 
streben nach einem neuen Lebensstil auszutragen, in dem Bemühen, ein nicht 
materialistisch triebgebundenes Leben zu führen. 

In der Pubertät erlebte die Pat. die schon erwähnte schwere Erschütterung, 
als der Lehrer, die Vaterimago, sich ihr sinnlich-zärtlich näherte. Sie reagierte 
darauf mit tiefster Regression. Sie lehnt die weibliche Rolle ab. Die Ab- 
lehnung beschränkt sich aber nicht allein auf die uns bei der Hysterie gut bekannte 
Verdrängung der vaginalen Sexualität. Die Regression geht weiter; sie erfaßt 
den ganzen Körper. Sie lehnt von nun an den ganzen weiblichen Kör- 
per mit allen ausgesprochen weiblichen Attributen ab, weil dies alles dem 
Manne zum Sexualobjekt diene. So lautet ihre Rationalisierung. Aber 
dieser gegen die Weiblichkeit gerichtete Vernichtungsdrang dient eigentlich der 
Abwehr der verdrängten Homosexualität. Es ist auffallend und für den Ab- 
lauf des Krankheitsprozesses charakteristisch, daß die Patientin, die auch in 
ihrem weiteren Schicksal von Männern oft enttäuscht wurde, dennoch immer 
wieder bei diesen Zuflucht sucht, während sie Frauen mit pathologischem Miß- 
trauen und Haß begegnet. Trotz aller realen Enttäuschungen bei Männern zeigt 
es sich sofort am Anfang der Behandlung, daß der Haß gegen die Frau tiefer, 
unnachgiebiger, ja psychotisch ist, im Vergleich zur Ambivalenz gegen die 
Männer. Dieser paranoide Haß gegen die Frau war der gleiche Haß, mit 
dem sie auch gegen den eigenen Körper wütete, und der auch in der Über- 
tragung in psychotischer Offenheit zutage kam. 

Der Haß gegen die Mutter äußerte sich in verschiedenen direkten und in- 
direkten Schädigungstendenzen, ja er ging bis zu groben Beschimpfungen oder 



9) Ähnliche Fälle veröffentlicht Wulff, unter denen einer, die Pat. B., nicht nur poly- 
phag war, sondern auch süchtig wurde. Unser Fall ist insofern aufschlußreicher, als es sich 
bei unserer Pat. nicht um eine durch akzessorische Krankheit (Gallensteinkolik) aktivierte 
Sucht handelt, sondern um eine Krankheit, deren ursächlicher Zusammenhang mit den 
Phasen der Eßlust und Eß verböte klar zutage tritt. Vgl. Wulff: Über einen interessanten 
oralen Symptomenkomplex und seine Beziehung zur Sucht. Int. Ztschr. f. Psa., Bd. XVIII, 193z- 



Die überwertige Idee und ihre Beziehung zur Suchtkrankheit 



63 



Tätlichkeiten. Am Anfang der Behandlung versuchte sie, zwei Mütter gegen- 
einander auszuspielen, beide Mütter zu schädigen. Dies kam ganz offen zutage, 
als die Übertragung mit voller Ambivalenz funktionierte. Damals träumte sie: 
„Ich habe ein ganz kleines Baby auf dem Arm. Ich hasse sonst Babies, aber 
dieses Kind habe ich an mich gedrückt. Das Kind gehörte Ihnen. Ich wollte 
das Kind liebkosen und war dabei ,unartig', d. h. ich küßte das Kind so, wie 
man ein Kind nicht küßt, gierig, erotisch, leckend, auffressend." Bei der Pat. 
war die Libido hauptsächlich an der Mundzone konzentriert, sonst war sie 
frigid. Bald ist ihr eindeutig klar, daß sie im Kinde die Brust umarmt, küßt 
und aufessen möchte. 

Nach diesem Traum war sie • trotz scheinbarer Einsicht, oder eben wegen 
dieser, sehr aufgeregt und agierte an demselben Nachmittag in folgender Weise. 
Sie verlangte sehr viel zu essen. Als ihr auf einem Tablett zusammengestellt 
wurde, was sie verlangte, merken wir, daß außerdem noch eine Flasche Butter- 
milch und eine Packung Käse fehlen, die sie mitgenommen hatte. Ich gehe zu 
ihr. Die Tabletts stehen leer auf dem Korridor. Es ist unmöglich, daß sie 
diese Mengen inzwischen hätte aufessen können. Sie hatte die Nahrungsmittel 
verlangt und weggenommen, nicht um sie zu essen, sondern um sie zu ver- 
stecken und zu vernichten, was sie höhnisch, über mich triumphierend, zugibt. 

Was hier in der Übertragung agiert wird, ist nicht allein oraler Trotz, 
nicht allein Verweigerung der Nahrung. Es ist im tiefsten Sinne gegen die 
Mutterbrust gerichtete orale Aggression, die hier mit der der oralen Stufe 
entsprechenden Ambivalenz ausgelebt wird. Zuerst brach der Einverleibungs- 
wunsch im Traum durch, der sich als Eßgier äußert. Die Befriedigung dieses 
Wunsches würde die Entwicklung der Weiblichkeit fördern, die Identifizierung 
mit der gehaßten Mutter manifestieren, weswegen er abgelehnt wird. Sie 
vernichtet die Mutter und die Mutterbrust in der symbolischen Handlung 
der Vernichtung von Nahrungsmitteln, aber ebenso vernichtet sie den eigenen 
weiblichen Körper, die eigene Brust, indem sie sich kasteit, sich das Essen versagt. 
Was wir hier in der Übertragung vor unseren Augen sich entwickeln sehen, 
ist derselbe Prozeß, dieselbe Abfuhr aggressiver Tendenzen, die seit ihrer Er- 
krankung in den Hungerperioden und in den Vernichtungsanfällen immer wieder- 
holt wurde. 

Die Patientin leidet maßlos unter diesem Konflikt: Das Essen, als Trieb- 
befriedigung an sich unumgänglich, ist bei ihr in den polyphagen Anfällen 
noch pathologisch gesteigert, während die durch den Triebdurchbruch aus- 
gelöste Reue die Tendenz zur Selbstvernichtung immer von neuem verstärkt. 

So entsteht folgender Kreis: Der Ausgang des ursprünglichen Triebkonfliktes 
verlangt: 1. die Vernichtung der eigenen Weiblichkeit — dies ge- 
schieht durch 2. Versagen der oralen Befriedigung. — Darauf folgt: 
3- Hunger. Der Hunger löst 4. Triebdurchbruch aus — darauf folgt 
S- Reue und neuerdings 6. Angst vor der eigenen Weiblichkeit, dar- 
auf folgt wiederum 7. ein Eßverbot, das zur Vernichtung des weib- 
lichen Körpers führen soll. 

In diesem in sich geschlossenen Kreis, der sozusagen den Querschnitt der 
Krankheit darstellt, wütet, wie wir sehen, der Krankheitsprozeß nach der 
Regression auf die orale Stufe. Zu der Entstehung dieser Regression habe ich 












64 Therese Benedek 

einige analytische Erklärungen mitgeteilt, ohne eine vollständige Analyse ge- 
boten zu haben. Fassen wir in aller Kürze zusammen: Eine sehr starke Ver- 
wöhnung durch den Vater, große Liebe zu ihm — zeigt die normale ödipus- 
phase an. Darauf folgte eine tiefe Enttäuschung durch den Vater, worauf sie 
mit Haß reagierte. Dieser Haß brachte die Ablehnung des Mannes als Sexual- 
objekt mit sich und verstärkte die narzißtische Besetzung des eigenen Körpers. 
Sie wurde genital frigid, suchte aber trotzdem die Beziehung zu Männern 
aufrechtzuerhalten, weil diese ihr als Abwehr gegen die verdrängte Homo- 
sexualität diente. Dieser Kampf gegen die ubw. Homosexualität treibt sie in 
einen paranoiden Abwehrkampf gegen die Mutter, zugleich immer tiefer in 
die orale Regression hinein, so daß die Zerstörung der Mutter und der eigenen 
Weiblichkeit auf der oralen Stufe der einstmaligen Identifizierung erfolgt. 

Bevor wir das Symptom, das sich in der Idee: „Ich will keinen weiblichen 
Körper haben" darstellt, näher untersuchen, möchte ich noch einen zweiten 
ähnlich strukturierten Fall anführen, der zwar nicht zur Sucht führte, aber 
im Aufbau des primären Krankheitsprozesses sehr viel Ähnlichkeit mit unserem 
ausführlich geschilderten ersten Fall hatte. 

Diese Patientin war ein zijähriges Mädchen, von Körperbau schlank und 
knabenhaft, dem Vater ähnlich. Sie ist die jüngere von zwei Geschwistern. Die 
ältere Schwester ist im Gegensatz zur Patientin von pyknischem Habitus. Die 
Pat. stand, soweit sie sich erinnern kann, immer in einer bewußten Opposition 
zur Mutter, die die erste Tochter als „ihre Tochter" besonders vorzog. Diese 
war leicht erziehbar, liebenswürdig, extravertiert, während unsere Pat. scheu 
und arbeitsgehemmt war, sich der Konkurrenz mit der begabten Schwester nicht 
gewachsen fühlte und immer mehr introvertiert wurde. Es half ihr auch nichts, 
daß sie als „die Tochter des Vaters" galt, vom Vater verwöhnt wurde, weil der 
Vater doch zur Mutter hielt und das trotzige, gehemmte Mädchen öfters strafen 
mußte. Das erbitterte Kind war mit n— 12 Jahren ausgesprochen depressiv, 
vielleicht sogar suizidgefährdet gewesen. Bis zu ihrem ^.Lebensjahr war in der 
Ernährung nichts Wesentliches zu merken. Nach der Pubertät fing sie an, zu- 
erst die Fleischnahrung zu meiden; später ging sie so weit, daß sie die gekochte 
Nahrung, nachher sogar jede nahrhafte Nahrung mied und sich nur noch mecha- 
nisch mit Äpfeln und Tomaten fütterte, die sie allerdings pfundweise aß, um 
kein Hungergefühl zu bekommen und dabei doch sicher zu sein, daß sie nicht 
dick würde. Bei gelegentlichen Triebdurchbrüchen aß sie Keks in großen Mengen, 
um sich nachher in Reue zu zerreißen und im Wutanfall gegen die Mutter und 
Schwester zu toben, die sie zum Essen, zum Dickwerden verführten. 

Mutter und Schwester gegenüber fiel ihr paranoid-mißtrauisches Verhalten 
auf. Während andere Paranoiker Angst haben, vergiftet zu werden, oder schlechte 
Nahrung zu bekommen, war unsere Pat. in ständiger Angst, daß die Mutter oder 
Schwester sie zum Essen verführen könnten. Für sie war jede Nahrung, durch 
welche sie ein Gramm hätte zunehmen können, soviel wie Gift; und sie vermied 
sie mit einer entsprechenden Reaktion. Sie selbst aber verfolgte die Mutter und 
die Schwester mit dem gleichen, was sie von ihnen befürchtete; sie kontrollierte 
ihre Nahrungsaufnahme und versuchte sie zu überreden, alles das zu tun, was 
sie für ihre eigene Person so streng vermied. Sie wählte Gymnastik als Beruf, 
trieb viel Sport, ging die weitesten Wege zu Fuß, um ständig in Bewegung zu 






Die überwertige Idee und ihre Beziehung zur Suchtkrankheit 



65 



sein und sicher abzunehmen. Ebenso bewachte sie aber die Mutter und die 
Schwester, daß diese ja immer fahren sollten. Sie zwang sie zu denselben Giften, 
die sie für sich so ängstlich vermied. Die Aggression, die sich in diesem Ver- 
halten äußerte, ist offensichtlich. Die Pat. war beherrscht von der Idee, nicht 
essen zu wollen, um keinen weiblichen Körper zu bekommen, um nicht zu 
werden wie die Mutter, die sie haßte und in ihrem eigenen Körper tötete. 
Ohne auf das nähere analytische Material einzugehen, fasse ich zusammen, 
daß auch in diesem Falle das Eßverbot der Idee entstammt, keinen weiblichen 
Körper haben zu wollen. Diese Idee ist die Folge eines Triebkonfliktes zwi- 
schen der oralen Angst vor der Mutter und dem oralen Haß gegen dieselbe. 
Durch die Identifizierung richtet er sich gegen den eigenen Körper und ruft 
eine paranoide Erkrankung hervor mit einer gegen die eigene Person gerichte- 
ten Aggression. 10 

Wir sehen in diesen beiden Fällen, daß der primäre Krankheitsprozeß — 
Verdrängung und darauffolgende Regression — zur Ablehnung des eigenen 
weiblichen Körpers führt. Diese Ablehnung wird durch den im System W-Bw 
manifesten Imperativ aufrechterhalten: „Du darfst nicht essen, um keinen 
weiblichen Körper zu haben." Es muß uns die Frage interessieren, woher 
diese Idee die ihr innewohnende Energie bekommt, wodurch sie mit einer 
solchen Unerbittlichkeit und Unkorrigierbarkeit die Persönlichkeit beherrscht 
und ruiniert. 

Wenn wir diese Idee als ein Symptom auffassen, fällt uns auf, daß es von 
Anfang an als ein wesentlicher Bestandteil des Ichs empfunden wurde. In 
Fällen von „Übertragungsneurosen besteht zwischen Ich und Symptom ein 
Kampf". Dieser Kampf „spielt sich auf verschiedenen Schauplätzen ab und 
bedient sich mannigfaltiger Mittel". „Und es ist oft der Fall, daß das Symptom 
mit der Zeit vom Ich einverleibt wird." 11 Das von uns behandelte Symptom 
zeigt aber, daß bei ihm keine solche „Zeit und nachdrängende Arbeit" not- 
wendig waren; das Symptom trat vom ersten Augenblick an als ein unverrück- 
barer Anteil des Ichs auf. Diese Eigenschaft haben nur die Symptome, die 
durch einen psychotischen Prozeß ausgelöst werden. Während Phantasien 
oder Zwangsideen, auch sonst jedes neurotische Symptom außerhalb des Ichs 
stehen, und das Ich ihnen quasi zuschaut oder mit ihnen kämpft, ist jede 
Wahnidee ein zentraler Bestandteil des Ichs. Wenn eine Vorstellung, eine 
Idee den Ton der Wirklichkeit bekommen hat, ist eine Ich- Veränderung vor 
sich gegangen, die jede weitere Realitätsprüfung entscheidend beeinflußt. 

Wie kommt eine solche Ich- Veränderung zustande? Die Psychosenforschun- 
gen Freuds führten ihn zu der Annahme, daß am Anfang jeder Psychose 

10) Ich weise hier auf Freuds Auffassung über die Entwicklung der weiblichen Paranoia 
hin; vgl. Freud: Über die weibliche Sexualität. Int. Ztschr. f . Psa., Bd. XVII, 1931. Freud 
meint, daß die Angst, von der Mutter gegessen zu werden, die Fixierungsstelle für die weib- 
liche Paranoia sei. In diesem Fall entwickelte sich eine Umkehrung ins Gegenteil, auf deren 
Struktur ich hier nicht näher eingehen kann. 

11) Freud: Hemmung, Symptom und Angst. Ges. Sehr., Bd. XL 
Int Zeitschr. f. Psychoanalyse, XXII/i 



66 Therese Benedek 



die „Welt untergeht", d. h. daß in einer tiefen Regression alle Objekt- 
beziehungen und auch alle normalen libidinösen Besetzungen des Körper- 
schemas zurückgenommen werden (Federn). 12 Die "Welt geht unter, das In-, 
dividuum ist im Augenblick des psychotischen Geschehens — für welche 
kurze Zeit auch immer — nur Es. Diese psychotische Regression geht, wie 
jede Regression nach der Annahme von Freud, mit Triebentmischung einher, 
und Aggression wird frei. 

Nach dem Moment der tiefsten Regression fängt der Prozeß der Restitution 
an. Dieser „Heilungsversuch" ist das, was wir als psychotisches Krankheits- 
bild vor uns sich entwickeln sehen. In diesem Restitutionsprozeß wird aber 
nicht nur die Bindung der Libido an Objekte neu versucht, wie es die bis- 
herigen Beobachtungen hauptsächlich hervorhoben, sondern die Restitution 
geschieht auch durch Neuverwendung der freigewordenen Aggression. Das 
Symptom stellt also eine neue Triebmischung dar und die Struktur des Krank- 
heitsbildes hängt nicht nur von dem Schicksal und Quantum der Libido ab, 
sondern auch von dem Schicksal des bei der Regression freigewordenen pri- 
mären Aggressionstriebes. Die Bindung desselben und seine Abwehr kann 
sehr verschieden sein und wird uns bei genauer Untersuchung sicher Gelegen- 
heit bieten, feinere Unterschiede in der Struktur der Psychosen festzustellen. 
Als Beispiel könnte man das gutbekannte Schicksal des Aggressionstriebes in 
der Melancholie anführen, wo die dem einverleibten Objekt geltende Aggres- 
sion im Uber-Ich gebunden und so weitgehend gegen das Ich gerichtet ist, daß 
das Ich dadurch wie gelähmt wird. Anders verhält es sich schon bei den so- 
genannten manisch-depressiven Mischformen, 13 wo die Aggression nicht so ein- 
heitlich gebunden ist, sondern im Ich teilweise freiflottierend bleibt und als 
bewußter Affekt, als Haß oder Zerstörungswut abreagiert werden muß. 14 

In unserem speziellen Fall findet die Aggression ihre Bindung durch die Ent- 
stehung eines Symptoms, was eine Veränderung im Ich hervorruft. Die bei 
der Regression freigewordene Aggression wird dem System W-Bw zugeführt 
und besetzt dort die Repräsentanz des Triebkonfliktes, d.h. die Idee: keinen 



tiefen. 



12) Federn: Narzißmus im Ich-Gefüge. Int. Ztschr. f. Psa., Bd. XIII, 1927. 

13) Es wäre einer genaueren Untersuchung wert, festzustellen, wieweit die echten Süchte 
zu diesen manisch-depressiven Mischformen gehören. 

14) Ähnliche Gesichtspunkte verfolgt Eideiberg in seinem Kongreßvortrag: _ Entwurf 
einer vergleichenden Neurosenlehre, indem er versucht, Neurosenquerschnitte zur 
diagnostischen Bestimmung zu verwenden. Das Wesentliche an dieser Einteilung ist der 
quantitative Anteil von Eros und Thanatos und die Intensität der Abwehr ebenso wie die 
Beteiligung der einzelnen seelischen Instanzen an der Bindung und Abwehr dieser Triebe. 
Die Darstellung der obigen Krankengeschichten verfolgt dasselbe Ziel. Der Eindruck, den 
man bei der genauen Durchforschung psychotischer und sogenannter Grenzfälle bekommt, 
ist, daß der bei der Regression freigewordene Aggressionstrieb das prägenitale Erlebnis in 
seiner Intensität verändert. Erst die Annahme eines primären Aggressionstriebes und pri- 
mären Masochismus bietet uns die Handhabe, unsere Kenntnisse auf diesem Gebiet zu ver- 



Frauenkörper haben zu wollen. Durch diese Besetzung wird die Idee ein 
wesentlicher Bestandteil des Ichs. Es widerstrebt mir zu sagen: des Über-Ichs. 
Das Kriterium des Über-Ichs ist nämlich nach „Ich und Es" seine Zugehörig- 
keit zum System Ubw. Diese Idee, die wir hier als einen umgrenzten, aber 
unverrückbaren Anteil des Ichs beschrieben haben, ist immer bewußt, gehört 
also topisch dem Ich an. Aber ihr wohnt eine dem Über-Ich gemäße 
Strenge inne. Das Ich ist der Idee ausgeliefert; wenn das Ich sich ihrer 
Macht entzieht, entsteht Angst und Reue. Die Gewissensspannung, die Strafe 
für das Ich, ist ebenso groß, wie wir es sonst bei Über-Ich-Konflikten kennen. 
Die dynamische und ökonomische Funktion dieser Idee ent- 
spricht also der Funktion des Über-Ichs — topisch gehört sie 
aber dem Ich an. 

Nun stellen wir die Frage, ob es möglich ist, dieses Symptom anderen 
Symptomen gegenüber diagnostisch genauer zu bestimmen. 

Ich möchte an dieser Stelle einen alten psychiatrischen Krankheitsbegriff in 
Erinnerung rufen, der in der Psychoanalyse keine Beachtung erfuhr: die über- 
wertige Idee. Der Begriff stammt von Wer nicke, 15 der ihn jedoch gegen 
Zwangs- und "Wahnvorstellung nicht genügend klar abgrenzen konnte. Da- 
durch kam es, daß der Begriff immer wieder abgelehnt und seine Geltung um- 
stritten wurde. "Während manche Autoren alle möglichen affektbesetzten Vor- 
stellungen, wie auch Zwangsideen und Zwangsvorstellungen, in den Begriff 
der überwertigen Idee zusammenfassen und das Kennzeichnende allein in dem 
anhaltenden Gefühlston suchen, versteht Bleuler 16 unter dem Begriff über- 
wertige Idee eine solche, die sich immer aufdrängt, die aber zum Unterschied 
von den autochthonen Ideen nicht als fremd, und zum Unterschied von 
Zwangsideen nicht als unrichtig empfunden wird. So versucht Bleuler die 
überwertige Idee einerseits der Zwangsidee und andererseits der "Wahnidee 
gegenüber phänomenologisch abzugrenzen. 

Nach den Überlegungen über die Struktur unserer Fälle wird es uns 
nicht schwer fallen, der Bleu ler sehen Definition zuzustimmen und sie vom 
Standpunkt der Psychoanalyse aus schärfer zu fassen. "Wir könnten uns durch 
die überichgemäße Funktion der überwertigen Idee verleiten lassen, unsere 
Aufmerksamkeit mehr auf gewisse Ähnlichkeiten derselben mit den Zwangs- 
ideen zu lenken. Metapsychologisch gesehen unterscheiden sich beide Gruppen 
von Ideen jedoch beträchtlich. Das zwangsneurotische Symptom, auch die 
Zwangsidee, entsteht aus einer Regression auf die analsadistische Phase, wobei 
die Objektbeziehungen auf dieser Stufe der Libidoorganisation bestehen bleiben. 
Die hier durch die Regression freigewordene Aggression verstärkt nur all- 
gemein das Über-Ich, ruft aber keine Veränderung im Ich hervor. Im Gegen- 

i$) W"er nicke: Über fixe Ideen. Dtsch. med. Wschr. 1892. 

16) Bleuler: Affektivität, Suggestibilität, Paranoia, 1926, und: Lehrbuch der Psy- 
chiatrie, Berlin, 1920. 



satz dazu entspricht die überwertige Idee einer tieferen Regression, die bis zur 
Aufhebung aller Objekt- und Ich-Besetzungen führte, sie entstammt also einer 
psychotischen Regression. Wir sehen also in der überwertigen Idee 
eine monosymptomatische Psychose. 

Wir wollen weiterhin untersuchen, ob sich die überwertige Idee gegenüber 
der Wahnidee noch schärfer abgrenzen läßt. 

Der Wahn wird „wie ein aufgesetzter Fleck dort gefunden, wo ursprüng- 
lich ein Einriß in der Beziehung des Ichs zur Außenwelt entstanden war" 
(Freud). 17 Auch bei der Psychose werden zwei Schritte deutlich, von denen 
der erste das Ich von der Realität losreißt, der zweite aber den Schaden 
wieder gutmachen will (Freud). 18 Diese zweite Phase ist es, die neue Objekt- 
beziehungen (neue Beziehungen zur Wirklichkeit) schafft. Im Falle der echten 
Wahnidee entsteht dies durch Projektion. Die durch die Regression freige- 
wordenen Affekte, und zwar sowohl die libidinösen als auch die aggressiven, 
werden, quasi neu gemischt, aufs neue an Objekte gebunden. Die nach der 
Projektion apperzipierte Umwelt erscheint verändert. Dies ist der Fall bei 
allen paranoiden Wahnideen. Hierin liegt nun auch der Unterschied gegen- 
über der überwertigen Idee. Bei dieser findet keine Projektion statt. Die durch 
den Prozeß freigewordenen Affekte, die libidinösen ebenso wie die aggressiven, 
werden innerhalb der Instanzen des seelischen Apparates verarbeitet, gebun- 
den. So entsteht auch für die Apperzeption keine Veränderung der Umwelt, 
sondern es entsteht nur eine Ich- Veränderung, die als neue Struktur inner- 
halb der Persönlichkeit wirksam wird. 

Kurz zusammengefaßt: Die überwertige Idee unterscheidet sich von der 
zwangsneurotischen dadurch, daß sie einer tieferen Regression entspricht, wo- 
durch eine Ich- Veränderung entsteht. Diese Ich- Veränderung entstammt — 
wie jeder Wahn — einer psychotischen Regression, unterscheidet sich aber 
etwa von der Paranoia dadurch, daß die in der Regression freigewordenen 
Affekte nicht wie bei dieser durch Projektion in die Umwelt gebunden wer- 
den, sondern innerhalb der Instanzen des seelischen Apparates. Dadurch wird 
nicht eine Umweltveränderung wahrnehmbar, sondern nur eine Ich- Ver- 
änderung. 19 

17) Freud: Neurose und Psychose. Ges. Sehr., Bd. V. 

18) Freud: Der Realitätsverlust bei Neurose und Psychose. Ges. Sehr., Bd. VI. 

19) Es ist gewiß nicht unwesentlich, daß die überwertige Idee mit dem Inhalt der Ver- 
nichtung des eigenen Körpers durch orale Versagung meistens bei Frauen vorkommt. Dies 
zeigt auch das von Wulff veröffentlichte Material (I.e.). Es läßt sich mit anderen Be- 
funden über den weiblichen Narzißmus (Harnik: „Schicksale des Narzißmus bei Mann und 
Weib." Int. Ztschr. f. Psa., Bd. IX, 192 5) in Verbindung bringen, daß diese Fälle so oft 
Frauen betreffen. Der weibliche Narzißmus befindet sich immer auf einem Rückzug von 
den Genitalien und besetzt so den ganzen Körper. So erscheint uns verständlich, daß er in 
der Vernichtung ebenso wie in der Bejahung so oft den ganzen Körper ergreift. Bei 
Männern zentriert sich der Narzißmus viel mehr um das Genitale, bzw. um den Penis; durch 
die positive Besetzung des Penis werden sich narzißtische Wahnideen meistens auf das Gent- 



Die überwertige Idee und ihre Beziehung zur Suchtkrankheit 



69 



In unserem Fall ist die Abgrenzung vom echten "Wahn besonders leicht und 
einleuchtend, da das Symptom ebenso wie die ihm vorangegangene Regres- 
sion allein den eigenen Körper ergriffen hat, der das Objekt der überwertigen 
Idee wurde. 

Fragen wir jetzt, ob wir durch die Einführung dieses Krankheitsbegriffes 
etwas für die allgemeine Neurosenlehre gewonnen haben. Es erscheint uns 
aus allgemeinen Gesichtspunkten auch wesentlich, in der überwertigen Idee 
ein prägnantes Beispiel für die „synthetische Funktion des Ichs" gefunden zu 
haben. Das Ich bindet mit seiner Libido die Aggression, und die so entstan- 
dene neue Struktur ist stabil. An dieser Stelle ist der Abwehrkampf gegen 
den primären Triebkonflikt abgeschlossen. Aber das Gesamtgleichgewicht des 
seelischen Apparates ist dadurch nicht größer geworden; im Gegenteil, es ist 
in einer Richtung ständig gestört. Die überwertige Idee löst infolge ihrer 
aggressiven Strenge neue Konfliktspannungen aus, deren Bewältigung den see- 
lischen Apparat vor neue Aufgaben stellt. Der Über-Ich-Charakter der über- 
wertigen Idee macht es uns verständlich, daß der Bewältigungsversuch zuerst 
eine Depression ist, und ebenso, daß die orale Triebspannung gesteigert wird. 
Die auf diese Weise zustande gekommene Konfliktspannung kann aber 
intrapsychisch nicht mehr bewältigt werden. Es ist uns so verständlich ge- 
worden, daß das Symptom, welches ursprünglich die orale Befriedigung ver- 
sagte, auf einer anderen Stufe die orale Befriedigung erzwingt, und dadurch 
die Sucht, als ein zweiphasiges Symptom, auslöst. 

Wir haben aber schon einleitend gesagt, daß diese Struktur der Initial- 
verstimmung keinesfalls allgemein ist. Wir halten diesen Fall von Sucht, 
wo hinter der Sucht eine monosymptomatische Psychose in der Form einer 
überwertigen Idee als Ursache steht, die ihrerseits die orale Triebspannung 
automatisch steigert und dadurch zur Sucht führt, nur für eine spezielle Form 
der Suchtkrankheit. 

Die Initialverstimmung in anderen Fällen von Süchtigkeit wird durch anders 
strukturierte Triebkonflikte aufrechterhalten, die aber alle das Gemeinsame 
haben: ihre depressiv gefärbte, drängende Spannung läßt sich auf intrapsychi- 
schem Wege allein nicht mehr bewältigen; sie wirkt nach außen wie ein Trieb 
und erzwingt die Entspannung durch den gesetzmäßigen Ablauf der Sucht. 

Wir wissen (vgl. Hemmung, Symptom und Angst), daß das Ich gegen den 

tale, bzw. auf ein Ersatzorgan hiefür, beziehen. Es ist nach dem Gesagten einleuchtend, daß 
der Mechanismus der überwertigen Idee sehr oft mit dem Inhalt eines hypochondri- 
schen Wahnes auftritt. D.h. die hypochondrischen Wahnideen ebenso wie manche de- 
pressive Wahnideen haben Ähnlichkeit mit der überwertigen Idee. Aber es gibt auch über- 
wertige Ideen, in deren Mittelpunkt nicht der Körper oder ein Teil von ihm steht. Denken 
wir z. B. an überwertige Ideen, die der Persönlichkeit Aufgaben stellen, etwa die Welt ver- 
bessern zu müssen. In diesen Fällen ist aber die Welt auch nicht, wie bei einer echten pro- 
jizierten paranoiden Idee, verändert, sondern es wird ihre Änderung im Sinne der Ich-Ver- 
änderung angestrebt. Wir müssen uns dabei vergegenwärtigen, daß in diesen Fällen weit 
mehr als in den von uns behandelten das Symptom von narzißtischer Libido getragen ist. 



70 Therese Benedek 



primären Triebkonflikt einen Kampf führt, der nur in ganz vereinzelten 
Fällen durch eine einmalige Symptombildung abgeschlossen ist. Die immer 
drängende, nach außen wie ein Trieb wirkende Suchtkrankheit gibt uns ein 
bezeichnendes Beispiel für diesen Kampf des Ichs gegen den Triebkonflikt, und 
es scheint, daß man, von diesem Gesichtspunkt aus, die Suchtkrankheit noch 
unter eine allgemeinere Gesetzmäßigkeit einordnen könnte. 

Im allgemeinen muß das Ich sich nach der Symptombildung entweder mit 
dem Symptom abfinden oder die durch das Symptom geschaffene neue Kon- 
fliktspannung meistern. Am einfachsten gelingt dies in Fällen von Kon- 
versionshysterie. In der Zwangsneurose ist dieser Kampf schon merkbarer 
und länger anhaltend. Es ist aber charakteristisch für die Neurose, daß dieser 
Kampf innerhalb der Instanzen des seelischen Apparates (Es-Ich-Über-Ich) 
geführt und die Außenwelt in den Prozeß nicht miteinbezogen wird. 

Ganz anders ist es bei Psychosen. Die Störung des Gleichgewichtes, der 
psychotische Prozeß, zerstört die Verbindung mit der Außenwelt. Der 
Heilungsversuch hat die Aufgabe, diese Verbindung wiederherzustellen. So- 
lange ein — wenn auch pathologisches — Gleichgewicht nicht erreicht wird, 
wird der Mechanismus der Projektion fortgesetzt, die Affektspannung wird 
von innen nach außen abgeführt. Die immer nachdrängende Affektspannung 
wirkt in diesem Sinne umweltverändernd, alloplastisch. 

Umgekehrt ist der Ablauf bei der Melancholie. Das gehaßte Objekt, also 
das Objekt, dem gegenüber die libidinöse Beziehung den psychotischen Riß 
erfahren hat, wird in das Ich hineingenommen und verursacht somit eine Ver- 
änderung des Ichs. Die Richtung der Wiederherstellung der Objektbeziehun- 
gen ist von außen nach innen — und in diesem Sinne ist die Melancholie 
autoplastisch. Wir wissen, daß die orale Veranlagung, Fixierung und Re- 
gression die Vorbedingungen dieses Mechanismus bilden. 

Ganz ähnlich ist der Mechanismus bei der Suchtkrankheit. Hier ist es auch 
nicht möglich, die Konfliktspannung intrapsychisch zu bewältigen, weshalb 
sich der seelische Apparat gemäß seiner Tendenz nach Ruhe und Entspan- 
nung mit der Umwelt in Verbindung setzen muß, und dies geschieht (im 
Gegensatz zu den paranoiden Prozessen) von außen nach innen. Ganz 
unabhängig davon, welcher Art die neurotischen oder psychotischen Prozesse 
sind, die die Initialverstimmung aufrechterhalten, wird in der Sucht wieder- 
holt der Versuch gemacht, die innere Spannung durch Einverleibung zu 
lösen. Ich erinnere an die Ähnlichkeit mit den Perversionen, an die sym- 
bolische Bedeutung der Suchtmittel, die als Partialobjekte oder Ersatzobjekte 
dienen, und durch neue Erosverwendung neue Synthese zu schaffen versuchen. 
Ein endgültiges Gleichgewicht ist aber nicht zu erreichen, da die bindenden 
Kräfte des Ichs schon in dem primären Konflikt erschöpft sind. Die Abfuhr 
der im primären Triebkonflikt oder der durch das primäre Symptom ent- 
standenen Affektspannung geschieht autoplastisch, indem versucht wird, 



Die überwertige Idee und ihre Beziehung zur Suchtkrankheit 



7i 



das Ich durch das von der Außenwelt in das Ich einverleibte Suchtmittel zu 
ändern. Der Weg der Einverleibung ist oral, und hier durch die Regression 
auf die orale Stufe noch besonders vorgezeichnet und verstärkt. So kann es 
uns nicht wundern, daß die Gesetzmäßigkeit des oralen Mechanismus 
zu den ersten und bestfundierten Errungenschaften dieses Forschungsgebietes 
gehört. 



Zur Psychoanalyse amentia^ähnlicher Fälle 1 

Von 

Bndre Almäsy 

Budapest 

I. 

Die Diagnose der Amentia ist in der Psychiatrie unsicher. Ich vermeide 
es daher, die Benennung Amentia im engeren Sinne zu gebrauchen und 
spreche in den drei im folgenden mitgeteilten psychoanalytischen Kranken- 
geschichten nur von amentia-ähnlichen Zuständen. 

Meynert faßt eine Reihe akuter Geisteskrankheiten unter dem Namen Amentia 
zusammen. Aus diesem Konglomerat von Krankheitsbildern ist die Amentia 
Kraepelins besonders zu beachten. In der älteren Auffassung Kraepelins 2 
ist die Amentia eine akute Geisteskrankheit, die eine faßbare, äußere 
Ursache hat: Erschöpfung, Blutverlust, schwere Krankheit oder Kindbett. Später 
bezeichnet er in erster Linie die Infektionskrankheiten als ätiologische Faktoren, 
während die Erschöpfung nicht mehr betont wird. Auch in der Auffassung Krae- 
pelins ist die Amentia ein Sammelbegriff, im wesentlichen für exogene Reaktions- 
formen; die Prognose ist günstig, da ja mit dem Schwinden der vorausgesetzten 
Ursache die Heilung eintritt. Aus diesem Grund ist die Diagnose auch von prak- 
tischer Bedeutung. Die charakteristischen Symptome sind: Desorientierung, traum- 
artige Verwirrtheit, Illusionen und Halluzinationen, an Deliriumzustände erinnerndes 
Fabulieren, Gedankenflucht, motorische Unruhe, wechselnd mit Ideen-Stocken, Hem- 
mungen, Stupor. Die Kranken haben Angstzustände, sind ratlos, in immer wech- 
selnder Stimmung, nicht selten arg verstimmt. Die körperlichen Symptome sind 
hauptsächlich Temperatur- und Gewichtsabnahme, Schlaflosigkeit, verlangsamter 
Puls. Vollkommene Heilung erfolgt frühestens in ein bis zwei Monaten und wird 
zumeist durch Gewichtszunahme eingeleitet. — Bleuler 3 versteht unter Amentia 
einen länger andauernden Zustand, der den Eindruck einer selbständigen Krankheit 
macht, die in ihren Symptomen von den Dämmerzuständen und Delirien schwer zu 
unterscheiden ist. In der Ätiologie nennt er Infektionskrankheiten, Kindbettfieber, 
chronische Nierenkrankheiten. Seiner Meinung nach handelt es sich um jene Er- 
krankungen, die von Verwirrtheitszuständen von in der Regel wochen- und monate- 
langer Dauer begleitet sind; positive Kennzeichen sind eigentlich nicht vorhanden, 
die Diagnose sei nur per exclusionem zu stellen. Nach seiner Ansicht war im früheren 
Amentia-Begriff oft die schizophrene Verwirrtheit miteingeschlossen, und wenn wir 

Anmerkung der Redaktion: Der Autor hat den Wunsch ausgesprochen, daß 
seine Arbeit hier in derselben Fassung veröffentlicht werde, in der sie seinerzeit (in ungari- 
scher Sprache) im Rahmen der Gedenkschrift für Ferenczi erschienen ist. Wir geben 
diesem Wunsche statt, glauben aber, hervorheben zu sollen, daß uns insbesondere die noso- 
logische Stellung der beschriebenen Krankheitsbilder (und damit auch manche theoretische 
Folgerung) wesentlich problematischer erscheint, als es der Verfasser selbst betont. 

i) Nach einem Vortrag, gehalten im Magyarorszagi Psichoanalitikai Egyesület am 14. März 
1931. 

2) Siehe in seinen Lehrbüchern. Kraepelins Auffassung und deren Wandel ist bei 
Brezowsky: Amentia u. schizophrene Reaktion, Neur.-Ps. W. 1926 kurz dargestellt. 

3) E. Bleuler: Lehrbuch d. Psychiatrie, II. A., 1920, S. 272 — 273. 



Zur Psychoanalyse amentia-ähnlicher Fälle 



73 



uns der Kraepelinschen Auffassung der Schizophrenie anschließen, müssen wir 
feststellen, daß die Amentia als selbständige Krankheitsform sehr selten ist. 

In L. Binswangers 4 Beschreibung kommt die Theorie der Erschöpfung wieder 
zur Geltung, er behandelt die Amentia als eine Untergruppe der Erschöpfungs- 
psychosen. Bei Moravcsik, 5 der in der Symptomatologie hauptsächlich Kraepelin 
folgt, spielen in der Ätiologie Vergiftung, gelegentlich auch Autointoxikation, 
Trauma, Operation, Gemütserschütterung eine Rolle. Brezowsky 6 verwischt in 
seiner kurzen, kritisch zugespitzten Arbeit die Selbständigkeit des Krankheitsbildes 
und lockert gleichzeitig dessen ätiologischen Boden; in der Praxis erscheine das mehr 
oder weniger reine Krankheitsbild des akuten Irreseins meistens in Verbindung mit 
infektiösen Krankheiten und scheinbar von diesen hervorgerufen. Wenn wir 
außer der Infektion keinen weiteren anamnestischen Anhaltspunkt haben, ist Amentia 
die vorläufige Diagnose. Die erfolgte Heilung bestärkt diese Diagnose. Brezowsky 
kommt auf Grund seiner Erfahrungen zur Auffassung, daß die als Amentia be- 
schriebenen Fälle eigentlich nichts anderes sind als manifeste Ausbrüche bisher latent 
verlaufener Schizophrenien, also schizophrene Reaktionen, und daß die Erschöpfung 
oder Infektion lediglich als gelegentliche, auslösende Faktoren zu betrachten sind. 

Wir brauchen hier die betreffende psychiatrische Literatur nicht ausführ- 
licher zu behandeln, sie bringt uns dem Verständnis der Amentia nicht näher. 
Der Psychiater kann die Amentia als einheitliche Krankheit nicht charakteri- 
sieren, sogar die Grenzen ihrer Symptomatologie bleiben für ihn verschwom- 
men. Ein Versuch, die Symptome psychologisch zu verstehen, wird nicht 
unternommen, es wird auch keine faßbare Verbindung zwischen dem psychi- 
schen Bilde und der supponierten Krankheitsursache hergestellt. Durch das 
Hervorheben bald dieser, bald jener Ursache werden einmal exogene Fak- 
toren für den Ausbruch dieser Psychose verantwortlich gemacht, ein andermal 
die Endogeneität betont und versucht, die Krankheit dem schizophrenen 
Formenkreis anzugliedern, was nur eine Verschiebung des Problems bedeutet, 
da an die Stelle der Amentia-Frage das Rätsel der Endogeneität der Schizo- 
phrenie rückt. 

IL 
Bei meinen Patienten berechtigen zwei Umstände zur diagnostischen An- 
nahme einer Amentia (oder eines „amentia-ähnlichen Zustandes") im Sinne 
der Psychiatrie. Erstens erschien die Krankheit in einer geschlossenen Form 
und zeigte die bekannten Symptome; ferner kam es verhältnismäßig schnell 
zu einer Restitution, welche von den Psychiatern als „Heilung ohne Defekt" 
anerkannt wird. Bei allen drei Fällen waren aber jene „exogenen" ätiologi- 
schen Faktoren, welche bei den Psychiatern eine so große Rolle spielen, gänz- 
lich auszuschließen; es konnte weder von Erschöpfung, noch von Infektion, 
Giftwirkung, Autointoxikation oder Operationen die Rede sein; organische 
Veränderungen fehlten gleichfalls. Der erste Fall konnte vielleicht auch den 

4) S. Binswangers Auffassung in Bleulers Lehrbuch. 

j) Moravcsik: Elmekör es gyögytan III. A. 1922, S. 239 — 244. 

6) Brezowsky: 1. c. 



Eindruck einer epileptischen Absence erwecken, den zweiten und dritten Fall 
würde Brezowsky wahrscheinlich als schizophrene Reaktion auffassen; im 
zweiten Falle könnte man hysterische Verwirrtheit annehmen. 

Wenn ich jetzt meine Fälle mit dem aus der regelrechten Psychoanalyse ge- 
wonnenen Material zu klären und zu erklären versuche, so mahnen die Er- 
gebnisse, bescheiden zu sein. Die aus äußeren Gründen relativ kurze Analyse 
konnte meistens nur den unmittelbaren Hintergrund aufdecken und nur hie 
und da in die Tiefe dringen. Doch genügten die gewonnenen Erfahrungen 
zu einem psychoanalytischen Verständnis der Symptome und stellen auch 
die Ätiologie in ein anderes Licht. 

Fall A 

Der erste Fall hatte die einfachsten Symptome und den kürzesten Verlauf. Man 
kann zu seiner Charakterisierung den eingelaufenen Bericht benützen: „Radfahrende 
Polizisten auf der Kettenbrücke wurden auf einen Mann aufmerksam, der an Pas- 
santen 500- und 1000-Kronen-Banknoten 7 verteilte. Gegen Leute, die das Geld nicht 
annehmen wollten, wurde er gewalttätig. Die Polizisten forderten ihn zur Legiti- 
mation auf, doch der Mann antwortete nicht, ja er bot sogar auch den Polizisten 
sein Geld an." Bei der nach einigen Stunden erfolgten Internierung des Kranken 
konnte ich von diesem pathologischen Zustande nichts mehr bemerken. Der Patient 
war gut orientiert, aber auffallend niedergeschlagen und gehemmt, sprach und 
dachte sehr schwerfällig. Er war selber erstaunt darüber, daß und wie er von seinem 
Wohnort nach Budapest gekommen war, und als wir uns nach seinem Gelde und 
Wertsachen erkundigten, konnte er sich nicht erklären, wo sein Bargeld von beinahe 
3 Millionen Kronen hingeraten sei. Ich machte mir über den Fall die folgende Vor- 
stellung: Den pathologischen Zustand dachte ich mir so ähnlich wie einen Traum, 
der sich aber von einem echteren besonders darin unterschied, daß hier gewisse Vor- 
sätze und Pläne ungehindert in Handlungen umgesetzt wurden. Da der Kranke seine 
Handlungen vergessen hatte, schien eine Verdrängung zu bestehen und diese Verdrän- 
gung mußte durch freie Assoziation gelockert werden, damit der geheime Sinn der 
im pathologischen Zustande ausgeführten Handlungen sich aufkläre. Doch konnte 
die auf diese Begebenheiten sich beziehende Erinnerungslücke vorläufig nur mit einem 
einzigen Bilde ausgefüllt werden. 

Dieses ganz verschwommen auftauchende Bild lag zeitlich zwischen zwei klaren 
Erinnerungsbildern, welche das Ende des normalen Bewußtseinszustandes — bzw. das 
Wiederkommen desselben — bezeichneten. Die eine Erinnerung ist, er habe Briefe 
aufgegeben, — die andere, er sei viel später, auf der Polizei, zu sich gekommen. 
Zwischen diese zwei Bilder drängt sich eine neu auftauchende dritte Erinnerung: auf 
der Straße sah er irgendwo einen jungen Mann, der Lotterielose oder Reklamezettel 
verteilte und der, die Papierstücke in der Hand, laut schrie. Nun war es auffallend, 
daß diese Szene, deren Auftauchen kein Zufall sein konnte, eine getreue Kopie jener 
Szene war, in der der Kranke selbst der Darsteller gewesen. Es schien, als sei etwas 
im Laufe der Erinnerung aus der Verdrängung zurückgekehrt, im Sinne einer Deck- 
erinnerung. Nach der Mitteilung dieser, aus der Vergessenheit auftauchenden Er- 
innerung wurde viel charakteristisches und wichtiges Material zu Tage gefördert, das 
mittelbar etwas Licht auf den Hintergrund des pathologischen Zustandes warf. Der 

7) Dies geschah in der Inflationszeit. 



Zur Psychoanalyse amentia-ähnlicher Fälle 



75 



bei seiner Internierung jojährige Mann hatte das erstemal mit 2 j Jahren geheiratet. 
Seine Frau quälte ihn vom ersten Jahre an mit ihrer Eifersucht und machte ihm den 
Verkehr mit Verwandten und Bekannten fast unmöglich. Er aber „zog am Joch", 
wie er es nannte, wollte um jeden Preis den Skandal vermeiden, und so wußte man 
im Kreise seiner Bekannten gar nichts von seinem unglücklichen Familienleben. 
Während des Krieges, als er auf dem serbischen Kriegsschauplatz war, sandte seine 
Frau ihm auch dorthin eifersüchtige Briefe nach, deren Inhalt geradezu lächerlich 
war; er schämte sich ihretwegen vor der Zensur. — Im Jahre 1916 kehrte er heim, 
reichte die Scheidungsklage gegen seine Frau ein und zog gleichzeitig von ihr weg. 
Der Bruch ging ihm, schon seiner kleinen Kinder wegen, sehr nahe, doch versuchte 
er darüber leicht hinwegzukommen. Der Scheidungsprozeß dauerte bis 19 19; erst 
während des Kommunismus wurden sie geschieden. Inzwischen, seit 1917, wohnte 
er mit einer Frau, die er von früher her kannte, zusammen, ohne sie zu heiraten. 
Nach dem Sturz der kommunistischen Regierung wurde seine Scheidung ungültig 
erklärt, und als er wiederholte Versuche anstellte, den Scheidungsprozeß wieder in 
Gang zu setzen, stieß er auf den Widerstand seiner Frau. 

So kam also die gesetzliche Scheidung nie zustande. Doch war die zweite Lebens- 
gemeinschaft, deren Illegitimität vor der Nachbarschaft geheim blieb, harmonisch 
und glücklich. Sie waren beide heitere Menschen, arbeiteten und lebten friedlich, 
die Nachbarn sagten von ihnen: „Das sind gar keine Erwachsenen, sondern Kinder!" 

Im Laufe dieses ruhigen und befriedigenden Lebens trafen aber den Patienten 
einige schwere, erschütternde Schläge. Zwei Jahre vor seiner Erkrankung brannte 
ein Teil seiner Wohnung nieder; gleichzeitig wurde seine Lebensgefährtin wegen eines 
schweren Herzleidens bettlägerig und starb ein halbes Jahr danach. Dieser Schlag 
traf ihn schwer; er erzählte, von dieser Zeit an habe ihn keiner mehr lachen ge- 
sehen. Einige Monate vor dem Ausbruch der akuten Geisteskrankheit begann sein 
Geschäftsgang abzuflauen, und außerdem zerstörte ein zweites Feuer wieder einen 
Teil seines Vermögens. Er hatte mit einer Gutsverwaltung einen Vertrag geschlossen, 
nach welchem er den rohen Hanf der Gutswirtschaft zu übernehmen und für je 
100 kg desselben 7 kg Seile zu liefern hatte. Dieser Verpflichtung konnte er aber, 
nachdem das Feuer sein Rohmaterial vernichtet hatte, nicht nachkommen. Der 
Gutsverwalter, der übrigens in der ganzen Gegend verhaßt war, blieb unbarmherzig, 
bestand auf den Bedingungen des Vertrages und forderte, falls er keine Seile bekäme, 
die Erstattung des Preises der vertraglich festgelegten Menge Seile. Patient versuchte 
diesen harten Forderungen nachzukommen. Unter Aufgebot seiner letzten Kräfte, 
arbeitete er, seine Erbitterung verbeißend und sich abquälend, ohne Gefährten weiter 
und versuchte, sein seelisches Gleichgewicht zu bewahren. Doch es ging schwer: 
schon lange spürte er, daß die schwierige Aufgabe seine Kräfte überstieg und daß 
dies kein gutes Ende nehmen werde. Er war voll Haß gegen den Gutsverwalter, weil 
er fühlte, daß ihm Unrecht geschehe. Er hatte ja Tag für Tag eine Arbeit zu leisten, 
deren Erfolg er nicht zu sehen bekam! Als diese Erlebnisse trotz den gewöhnlichen 
Widerständen in der Analyse ans Tageslicht kamen, tauchte aus der Verdrängung 
auch die Erinnerung jener Situation auf, die den Ausbruch der Geistesstörung ein- 
geleitet hatte. 

Der Patient konnte sich jetzt an den Morgen jenes Tages erinnern, an dessen 
Vormittag die flüchtige Verwirrtheit bei ihm auftrat. An diesem Morgen steckte er 
2,800.000 K in seine Tasche, das Geld, das er in vielen, in mühsamer Arbeit durch- 
lebten Wochen zusammengespart hatte. Es reichte eben, um seinen Verpflichtungen 
nachkommen zu können. Er hätte das Geld, das er anläßlich des Feuers geliehen 
hatte, der Bank zurückzahlen sollen, und wollte auch den Gutsverwalter aufsuchen, 



76 Endre Almdsy 



um den Preis der Seile in Bargeld zu begleichen. Auf dem Wege zur Bank empfand 
er deutlich einen inneren Widerstand. Er dachte daran, daß ihm nichts bliebe, nicht 
einmal genug fürs tägliche Brot, wenn er jetzt das Geld tatsächlich zurückerstatten 
würde. So änderte er seine Absicht. Er wollte zum Verwalter gehen und dachte, ihn 
im letzten Augenblick erweichen und dazu bewegen zu können, ihm die Schuld zu 
erlassen. Er wollte den Verwalter bitten, doch an seine bedrückende Lage zu denken 
und einzusehen, daß es ungerecht sei, von ihm Schadenersatz zu fordern, da er doch 
für den Verlust nichts könne. Aus diesem Grunde möge er ihm den Schadenersatz 
erlassen oder wenigstens mildern; sonst arbeite er ja für nichts und wieder nichts — 
das Geld, das er erwerbe, „könne er ja ebensogut zum Fenster hinauswerfen". Als 
wir in der Analyse so weit waren, fragte ich den Kranken, ob er sich nun erinnern 
könne, was er mit dem Gelde, anstatt es, wie geplant, abzuliefern, getan habe? Doch 
gab die Amnesie auch jetzt nur in geringem Maße nach: es dämmerte ihm, daß er 
eine Reise mit der Eisenbahn oder Stadtbahn nach Budapest machte. Dann erwähnte 
er wieder seine Erinnerung an den Mann, der Lose verkaufte oder Zettel verteilte, 
doch die weiteren Begebenheiten blieben von der Amnesie verhüllt. 

Das wenige mitgeteilte Material genügte, um den Sinn der im pathologischen Be- 
wußtseinszustande ausgeführten Handlung erraten zu lassen. Diese Handlung war 
eine Umarbeitung der ursprünglichen Absicht, aus dem Konflikt heraus, den er 
schon seit vielen Wochen in sich herumtrug, nämlich ob er das Geld pflichtgemäß ab- 
geben oder die Abgabe verweigern sollte. Wichtige Argumente sprachen für beides; 
für die Abgabe: der Vertrag, der harte, unbarmherzige Verwalter und sein eigenes 
Gewissen; doch drängten ihn Not und die Liebe zum Geld, es doch zu behalten. Es 
ist offenbar, daß durch das einfache Behalten des Geldes der Konflikt nicht gelöst 
werden konnte, mußte er doch dann mit den Gefühlen, die ihn zur Abgabe drängten, 
weiterkämpfen. Es gelang auch, dem Kranken bis zu einem gewissen Grad Einsicht 
in seinen Konflikt zu verschaffen. Doch gab die Untersuchung des Falles gerade auf 
die zwei wichtigsten Fragen keine Antwort. Die eine war: Welche Bedingungen 
ermöglichten diese regressive Art der Lösung des Konfliktes mittels einer passageren 
Verwirrtheit? Die zweite: Warum wurde im pathologischen Zustand gerade der Ge- 
danke des Verschenkens zur Handlung? Wenn wir den Inhalt dieser Handlung be- 
trachten, wird ihr Kompromißcharakter offenbar. Er liefert das Geld nicht an seinem 
Bestimmungsort ab, doch behält er es auch nicht für sich. Irgendwo demonstriert 
er den Gedanken, den er ursprünglich dem Verwalter mitteilen wollte: „Erlassen Sie 
mir meine Schuld, denn wenn ich das Geld abgebe, ist es, als ob ich es zum Fenster 
hinauswürfe", d. h. seine Arbeit wird wertlos. Nun tut er es wirklich, „wirft es 
zum Fenster hinaus", verteilt es. Zum Vorbild dieser Geldverteilung schien die 
aktuelle Beobachtung genommen worden zu sein, die als Art Deckerinnerung in der 
Analyse auftauchte: der Lose verkaufende oder Zettel verteilende junge Mann auf der 
Straße. Doch warum er eben diesen zum Vorbild nahm, d. h. was diese Identifi- 
zierung determinierte, darauf kann ich mangels infantilen Materials nicht antworten. 
Man kann vielleicht annehmen, daß diese Identifizierung einem Wunsche gerecht 
wurde, dessen Erfüllung eben diese Handlung irgendwie darstellte. Der gänzlich 
Beraubte benimmt sich während der passageren Amentia so wie ein reicher Mann, 
der sein Geld verteilen kann. Dieses Verhalten zeigt die Umkehrung der realen 
Situation in der Richtung einer primitiven Wunscherfüllung. Doch kann neben 
dieser Erklärung noch eine andere in Frage kommen. Versuchen wir uns die Situa- 
tion dieser Verwirrtheit vorzustellen: er verteilt ungefähr 3 Millionen Kronen in $00- 
und 1000-Kronen-Scheinen solange, bis er in seinem Tun gehindert wird. Bei dieser 
Handlung verwandelt er sich in die Figur einer zettelvertreibenden Person, und dies 



Zur Psychoanalyse ameritia-ähnlicher Fälle 77 

ermöglicht für eine "Weile die Durchführung seiner Absicht; bedenken wir, wie 
zerstreut man auf der Straße einen Reklamezettel übernimmt und wieder wegwirft. 
Doch bedeutet dieses Betragen wohl nichts anderes, als das unzähligemale "Wieder- 
holen einer Reihe von Handlungen — eben jener Geldabgabe, die er in der Bank 
und beim strengen Verwalter hätte vollbringen müssen. Dieses immerwährende 
"Wiederholen hat vielleicht dieselbe ökonomische Bedeutung wie die, auf welche 
Freud in „Jenseits des Lustprinzips" bei der Analyse eines Kinderspieles hindeutet. 
Das in sich unlustvolle Handeln, welches der Patient eigentlich vermeiden möchte, 
wird im psychotischen Zustande so umgearbeitet, daß er durch das "Wiederholen 
„Herr der Situation" wird, und verhilft ihm so gleichzeitig auch zur Erlangung einer 
Lust. 

Fall B 

Der 23jährige, kräftig entwickelte Mann, um den es sich hier handelt, wurde 
interniert, weil er auf der Straße wie ein Flüchtender herumlief. Als ich ihn sah, 
spiegelten sich in seinen Zügen Furcht und Grauen, und soviel ich aus seinen ge- 
stammelten, abgerissenen "Worten entnehmen konnte, kämpfte er gegen eine fürch- 
terliche Halluzination. Diese Halluzination schien zeitweise zu schwinden, um ihn 
dann wieder heftig zu überfallen; im Anfall schrie er dann mit geradezu tierischer 
Stimme: „Da, da kommt der schwarze Schatten mir nach!" 

Die schreckliche Halluzination und die sie begleitenden heftigen Affekte machten 
anfangs jede Annäherung ganz unmöglich. Erst nach zwei Tagen hatte sich seine 
Angst soweit gelegt, daß ich mit ihm Kontakt bekommen und seine lückenhaften 
Berichte durch genaue Mitteilungen vervollständigen konnte; von dieser Zeit an 
gelang es, eine systematische analytische Besprechung mit ihm zu führen. In der 
ersten Stunde tauchte die Halluzination noch zeitweise auf. Der gehemmte, schwer- 
fällige Mann sprang dann auf, lief im Zimmer herum, weil ihn, wie er sagte, der 
schwarze Schatten jage. „Die schwarze Gestalt — der Schatten hat kein Gesicht, 
kein Gesicht!". Sie ist eine schwarze Masse, bald kleiner, bald größer als er selber, 
lauert hinter ihm, neben ihm, vor ihm, zumeist fühlt er sich von ihr umzingelt, 
eingefangen, so daß er darin gänzlich verschwindet. Sie legt sich ihm auf die Brust 
und preßt ihm das Herz oder schnürt ihm die Kehle zusammen. Wenn der Kranke 
von seiner Halluzination spricht, widerspiegeln seine Züge sowohl Grauen als Blut- 
durst. „Ich würde ihn totschlagen, wenn ich's nur könnte!" schreit er, fast röchelnd. 
„Aber es geht nicht, ich kann's nicht! "Wenn ich ihn zu fassen, zu erdrücken ver- 
suche, dann verflüchtigt er sich zwischen meinen Fingern." Dann berichtete er, der 
Schatten verfolge ihn jetzt nicht zum ersten Male, doch habe er jahrelang Ruhe vor 
ihm gehabt. Jetzt überfalle er ihn wieder, meistens bei Nacht, verfolge ihn, und dann 
müsse er von Straße zu Straße fliehen, der Schatten ihm nach; er fühle, wie er ihm 
Herz und Kehle beenge. 

Zu diesem Hauptsymptom gesellten sich noch zwei Symptome, die einen Zu- 
sammenhang mit den Affekten des Kranken ahnen ließen. Das eine war ein fre- 
quenter, grober Tremor des rechten Beines, der während des Sprechens auftrat, und 
dessen Intensität der auch sonst auffallenden Angst des Kranken entsprach; der 
Tremor sprang bald auf das linke Bein über und hielt während der zwei ersten ana- 
lytischen Stunden an. Als die Stunden zu Ende gingen, verminderte sich das Zittern, 
gleichzeitig berichtete der Kranke, er fühle sich auch sonst ruhiger. — Das andere 
Symptom war ein zeitweise einsetzendes Stottern, das sich dann wieder besserte, 
außerdem war die Aussprache des „Sz"-Lautes eigentümlich verändert, er sprach 
den Laut gedehnt aus, sekundenlang, fast zischend oder pfeifend. 






Im Laufe der freien Assoziation . berichtete er schon in der ersten Stunde über 
Episoden seines Lebens, die beim Zustandekommen seiner Krankheit eine wichtige 
Rolle spielten. Er erzählte, daß er sich mit Einwilligung seiner Eltern 1917, als 
15 -Jähriger, freiwillig zum Kriegsdienst gemeldet hatte und nach sechswöchiger 
Ausbildung an die italienische Front geschickt worden war. Als ich ihn fragte, was 
ihn zu diesem Entschluß gebracht habe, starrte er mich an, wobei sein Gesicht den 
blutdürstigen Ausdruck annahm, den ich bei ihm schon kannte, und schrie leiden- 
schaftlich: „Blut wollte ich sehen!" Im Mai 1918 wurde er verwundet: Er wurde im 
Nahgefecht von einem Granatsplitter am linken Handgelenk getroffen — die Narben 
sind sichtbar — und bekam gleichzeitig Bajonettstiche an zwei Stellen seines Rumpfes. 
Er hat dies erst nachträglich von seinen Kameraden erfahren, er selbst kann sich an 
nichts erinnern, denn er stürzte infolge des Luftdrucks der Granate und der Auf- 
regung durch das Nahgefecht besinnungslos zusammen. Er kam erst acht Tage 
später im Krankenhaus in L. zur Besinnung, doch war er nicht mehr derselbe. Hier 
trat das Zittern in den Beinen zum ersten Male auf. Er wurde elektrisch behandelt; 
die Heilung kam erstaunlich rasch zustande, der Tremor verschwand nach so kurzer 
Zeit, daß die Ärzte sich wunderten. Als er aber zu seinem Kader nach Sz. einrückte, 
setzte die Halluzination ein, und zwar in Gestalt eines durchscheinenden Schattens, 
der hie und da auftauchte und ihm bald das Herz zusammendrückte, bald die Kehle 
zuschnürte. Bei der Erzählung dieser Episoden konnte ich vermuten, daß zwischen 
den Erlebnissen im Felde und der nach Wochen auftretenden Halluzination ein Zu- 
sammenhang bestehen müsse; ich bat ihn deshalb, seine Aufmerksamkeit auf den 
schwarzen Schatten zu lenken und alles ohne Ausnahme auszusprechen, was ihm dazu 
einfiele. Auf großen Umwegen wurde ihm nach und nach ein Erlebnis bewußt, 
dessen er sich bisher nicht erinnert hatte. Auch jetzt tauchten bloß verschwommene 
Bruchstücke auf. Es mußte sich so verhalten haben, daß er während des Nahgefechtes 
mit einem Alpenjäger zusammenstieß. Dieser Soldat verwundete ihn. Er fiel näm- 
lich nach der Explosion der Granate vornüber und stieß im Fallen — eigentlich 
unabsichtlich — sein Bajonett in den Italiener. Sie fielen übereinander, kämpften 
noch im Fallen weiter, — doch kann er sich dessen kaum noch erinnern. Dieser 
Bericht, den er stammelnd vortrug, während seine Gefühle bald durchzubrechen 
drohten, bald niedergekämpft wurden, wies den "Weg zum Verständnis der Hallu- 
zination. 

Es war deutlich, daß er einerseits gegen seine Angst und Furcht, anderseits gegen 
seine Aggressionen zu kämpfen hatte, gegen dieselbe Affektmischung, die ich an ihm 
schon bei der Reproduktion der Halluzination beobachten konnte. Nun waren 
einerseits die aus der Vergessenheit auftauchenden Erinnerungen zu lückenhaft, 
anderseits die das Wiedererinnern begleitenden Affekte sicherlich zu schwach, um die 
vollkommene Rekonstruktion des ursprünglichen Erlebnisses möglich zu machen. 
Damit also die Affekte entsprechend zu Worte kämen, gab ich dem Kranken ein 
Stück Eisen in die Hand und bat ihn, er möge mir, wenn er es könne, die Szene 
vorspielen. Seine Augen nahmen wieder den bekannten blutdürstigen und haßerfüllten 
Ausdruck an, eine ungeheure Aufregung bemächtigte sich seiner, und er dramati- 
sierte vor meinen Augen die einst erlebte Szene, indem er einen Stuhl zum Gegner 
machte. Dieses „Abreagieren" war ein furchterregender, nicht alltäglicher Anblick. 
Als er aus diesem deliriumartigen Zustande wieder zu sich kam, sank er ermattet 
mit tiefem Seufzer auf einen Stuhl und verbarg sein Antlitz in seine Hände. Doch 
der Haß verschwand nicht gänzlich, seine starren Augen blitzten noch manchmal auf, 
beim Wiederauftauchen einer peinlichen Vorstellung biß er sich in die Lippen, schwieg 
aber hartnäckig. Die Einfälle stockten eine Zeitlang. Meine Aufforderung, sich gehen 






zu lassen, damit die Gefühle frei strömen könnten, war vergeblich; der Kranke 
konnte bloß jammernd ächzen: „Ich kann nicht weinen, ich kann nicht weinen." 
Spater berichtete er noch etwas, das die traumatische Kraft dieses Erlebnisses einiger- 
maßen verständlich machen konnte. Bis zu diesem Augenblick hatte er auf den 
Feind nur geschossen, wußte also nie, ob und wen er getroffen hatte, — kurz, er 
sah es nicht, wenn er jemanden tötete. Nun erlebte er aber im Gefecht das erstemal 
das Gefühl, jemanden umgebracht zu haben. Der Kranke kam spontan mit der 
Losung heraus, daß die fürchterliche Halluzination der Schatten oder vielmehr der 
Geist des von ihm wahrscheinlich getöteten Alpenjägers sei. 

Die Besserung, die nach diesem „kathartischen Abreagieren" zustande kam, war 
erstaunlich. Von dieser Zeit an verschwand die Halluzination; in der darauffolgenden 
Nacht erschien der Schatten nicht mehr und kam, soweit ich der Geschichte des 
Kranken nach seiner Entlassung — noch 3 V 2 Jahre lang — folgen konnte, auch nie 
wieder. Trotz dem Verschwinden des Schattens blieben jedoch die Nächte des 
Kranken auch weiter unruhig und schlaflos. 

Ich unterbreche hier den weiteren Bericht über die Analyse, um einige Be- 
merkungen einzuschalten. Der Kranke erlitt kurz nacheinander zwei trauma- 
tische Erlebnisse. Das erste war die Granaterschütterung mit der bald folgen- 
den achttägigen Bewußtlosigkeit; als dauerndes Nachsymptom trat ein Tremor 
der Beine auf. Zur analytischen Deutung dieser Symptome fehlt das nötige 
Material; wir können bloß annehmen, daß die Bewußtlosigkeit und die darauf- 
folgende Amnesie die ausreichende Möglichkeit geschaffen haben, jenes Er- 
lebnis, welches für das Zustandekommen der akuten, halluzinatorischen 
Geistesstörung den Ausschlag gab, zu verdrängen. — Bevor noch die Be- 
wußtlosigkeit begann, geschah etwas mit dem Patienten, vielmehr tat der 
Patient etwas von Bedeutung: halb unwillkürlich erstach er mit seinem 
Bajonett einen Menschen. Nachdem er aus der Bewußtlosigkeit erwacht war, 
erschien ihm mehrere Wochen später der „Schatten" des — wirklich oder 
vermeintlich — getöteten Feindes als Halluzination. 

Sicherlich handelt es sich hier zunächst um eine Wunscherfüllung oder Be- 
friedigung, wobei dann das Schuldgefühl, das zur selben Zeit auftrat, und die 
Angst vor der Rache des Getöteten mitwirken. Bei der Betrachtung dieser 
pathologischen Erscheinung drängen sich einige Fragen auf. Welche Bedin- 
gungen ermöglichten es, daß die Gewissensangst und die Angst vor Rache, 
die der Wunscherfüllung folgten, mittels Projektion und in Form einer echten 
Halluzination zu Worte kamen, ohne daß der Zusammenhang zwischen hallu- 
zinatorischem Erlebnis und der ursprünglichen Wunscherfüllung bewußt ge- 
worden wäre? Ferner: Welche Motive verursachten es, daß dieses Erlebnis — 
das Töten eines Soldaten im Kriege — besonders traumatisch wirken konnte? 
Und endlich: Welche aktuellen Begebenheiten bewirkten, daß die Halluzina- 
tion nach mehrjährigen Ruheperioden jetzt wieder auftauchte? 

Ich will hier die mit der ersten Frage verknüpften, auf das Zustandekom- 
men der Halluzinationen sowie auf die Psychosenwahl sich beziehenden all- 
gemeinen theoretischen Probleme vermeiden und nur einige charakteristische 



80 Endre Altnlsy 



Züge dieser Halluzination hervorheben. Der eine ist das augenfällig ambi- 
valente Verhalten des Kranken seiner Halluzination gegenüber. Er fürchtete 
nicht nur den Schatten, sondern er haßte ihn auch und wollte ihn — ver- 
geblich — vernichten. Der Satz Freuds, daß der ursprüngliche Konflikt mit 
der Symptombildung kein Ende findet, sondern sich im Symptom wider- 
spiegelt, bestätigte sich auch hier. In der psychotischen Symptombildung 
kommt die ursprüngliche Wunschstrebung wieder zum Vorschein. Den an- 
deren charakteristischen Zug sehe ich in der Form der Halluzination. Der 
halluzinierte Schatten, eine schwarze Masse, die bald kleiner, bald größer war, 
bald vor dem Kranken, bald neben oder hinter ihm herging, manchmal ihn 
umhüllte, dann wieder sich unerreichbar verflüchtigte: sie ist doch offenbar 
der wirkliche, physische Schatten. Man könnte vielleicht den Inhalt dieser 
schweren Psychose ganz banal mit der volkstümlichen Redewendung kenn- 
zeichnen: „Er hat ein böses Gewissen", er fürchtet sich „vor seinem eigenen 
Schatten". Es wäre möglich, daß die Halluzination des Patienten der getötete 
Alpenjäger selber war. Doch hat der schwarze Schatten „kein Gesicht". "Wir 
kennen aus der Traumanalyse die sogenannte sekundäre Bearbeitung: den im 
latenten Trauminhalt vorkommenden ursprünglich wichtigen Personen wer- 
den die Gesichtszüge oft bis zur Unkenntlichkeit verwischt. Auch dieser 
Schatten ohne Gesicht erweckt den Verdacht, daß die Angst und Furcht 
nicht nur dem getöteten Feinde galten, daß das Objekt der Mordlust ur- 
sprünglich nicht der Feind war, sondern daß sich hinter seiner Gestalt eine 
andere, wichtigere Person verbarg. Von diesem Verdacht ausgehend, führte 
die Analyse zur Lösung der zweiten Frage: Welche Motive bewirkten, daß 
ein Kriegsmord so traumatisch wirken konnte? 

Doch kehren wir vorher zur Analyse des Kranken zurück. An Stelle der vorherr- 
schenden Halluzination traten weniger auffallende Symptome. Der Kranke lag unter 
seiner Decke versteckt, apathisch, müßig, sozusagen vollkommen negativistäsch; die 
Nächte verbrachte er unruhig und schlaflos. Nach dem Abreagieren des traumati- 
schen Erlebnisses kam eine Periode schwerer Widerstände, die sich besonders in der 
zweiten analytischen Stunde bemerkbar machte. Wenn er zu sprechen begann, 
erschien sofort das Zittern am rechten Bein; zum Unterschiede von der ersten Stunde 
sprang aber der Tremor jetzt nicht mehr aufs linke Bein über, nach einiger Zeit ver- 
minderte sich sogar auch das Zittern des rechten Beines. Der Kranke stotterte, 
wenn auch weniger als am Anfang, und biß sich im Sprechen auf die Lippen, gleich- 
zeitig erschien in seinen Augen das haßerfüllte Glühen. Später verstärkten sich 
wieder der Tremor und auch das Stottern so sehr, daß ein Gespräch unmöglich 
wurde. Da gebrauchte ich einen Kunstgriff. Ich forderte den Kranken auf, seine 
Aufmerksamkeit absiohtlich auf den Fußtremor zu lenken und zu versuchen, das 
Zittern mit aller Willenskraft zu unterdrücken, was ihm auch gelang. Daraufhin 
verschwand auch das Stottern und eine fließende Mitteilung war wieder möglich. 
Beide Symptome, die von der dritten Stunde an verschwanden, ohne besonders ge- 
klärt worden zu sein, halte ich für Konversionserscheinungen. Sicher ist, daß sie 
im Dienste des Widerstandes auftraten, und daß nach ihrer Lösung Tatsachen zum 
Vorschein kamen, deren Besprechung für den Kranken recht unangenehm war. 



Zur Psychoanalyse amentia-ähnlicher Fälle 



8! 



Der Kranke, ein früh aufgeklärtes, frühreifes Kind von illegitimer Abstammung, 
war sich der sozialen Bedeutung dieser Herkunft schon von Kindheit an vollständig 
bewußt. Hierauf bezog sich eine erste Erinnerung aus seinem sechsten Jahre. Als 
er in der ersten Volksschulklasse seine Personalien ansagen mußte, hatte er ein 
peinliches, schreckliches Gefühl, da er keinen Vater angeben konnte, den doch jedes 
Kind haben müsse. Dieses Gefühl scheint die Ursache seiner starken Ambivalenz 
der Mutter gegenüber gewesen zu sein. Er liebte seine Mutter schwärmerisch, doch 
konnte er ihr den Fehltritt niemals verzeihen; in ihm kämpften immer die beiden 
Gefühle, die Liebe und der heftige Haß, die Verachtung, die Scham über seine 
uneheliche Herkunft. Als er 9 — 11 Jahre alt war, spielten sich zwischen ihm und 
der Mutter oft heftige Szenen ab; in seinem auflodernden Zorn warf er der Mutter 
oft ihre Vergangenheit vor. Noch schwerer wurde es ihm, als er erfuhr, daß die 
Mutter selbst unehelicher Abstammung sei. Noch ein Umstand erschwerte die 
ohnedies böse Situation. Als der Patient 4 Jahre alt war, ging die Mutter eine regel- 
rechte Ehe ein, doch der Stiefvater adoptierte ihn nicht. Der Kranke war 1 1 oder 
12 Jahre alt, als die Mutter einen Knaben gebar. Damit wurde die Lage des illegitimen 
Kindes in der Familie noch schwerer. Er wurde wie ein Fremder behandelt und 
fühlte sich zu Hause unmöglich und überflüssig. Wenn es an Festtagen zur Aus- 
teilung von Geschenken kam, ging er leer aus. Er fühlte, es wäre am besten, das 
elterliche Haus zu verlassen; dies tat er auch mit 14 Jahren, nachdem er die vierte 
Bürgerschulklasse beendigt hatte. Doch bis dahin vergingen schlimme Jahre. Der 
Haß gegen den Stiefvater und den Halbbruder sammelte sich in ihm an. Vor allem 
haßte er den Stiefvater, weil dieser ihn nicht adoptiert hatte, weil er damit von der 
Familie nicht anerkannt wurde und so in eine schiefe Situation kam; dies reprodu- 
zierte der Kranke in der Analyse in ziemlich heftiger Weise. Die tiefere Quelle 
seines Hasses floß aber aus dem Umstand, daß der Stiefvater ihm die geliebte und 
gleichzeitig verachtete Mutter weggenommen hatte. Dies kam anfangs nur mittelbar, 
und unter schweren Affekten zum Vorschein. Er war vielleicht 13 Jahre alt, als die 
Ehe seiner Mutter in Brüche zu gehen schien. Da fühlte er, daß er seinem Stief- 
vater doch zugetan war, daß er ihn sogar liebte; er protestierte energisch gegen die Schei- 
dungsabsicht der Mutter. In einer heftigen Szene wandte er sich mit voller Aggres- 
sion gegen die Mutter, warf ihr wieder ihre Vergangenheit und auch ihr jetziges 
Leben vor und versuchte mit allen Kräften, das Ehepaar in der Lebensgemeinschaft 
zu erhalten. Solche Erinnerungen bewiesen, daß der ursprünglich stärkeren hetero- 
sexuellen Bindung an die Mutter später eine Abwendung von derselben — und 
damit von der Frau im allgemeinen — folgte, und daß er sich mit seinen zärtlichen 
Gefühlen dem Stiefvater und dem Manne überhaupt zuwandte. Seinen jüngeren 
Halbbruder haßte er viel offenkundiger und bewußter als den Stiefvater. Sie waren 
Rivalen, die mit ungleichen Chancen kämpften. Er fühlte, daß er viel mehr wert 
war als der Bruder, der ein Müßiggänger und loser Taugenichts war und nie ein 
Handwerk erlernen konnte, zu Hause aber trotz allem mit offenen Armen emp- 
fangen wurde. Er dachte oft, der Bruder stände ihm im Wege und es wäre am 
besten, wenn er ihn irgendwie loswerden könnte. Doch ließ er sich nie zu einer 
Gewalttat hinreißen; er war seiner Kraft und Überlegenheit zu sicher, und dies hielt 
ihn zurück. Auch dem Bruder gegenüber empfand er ab und zu wärmere Gefühle 
und teilte oft mit ihm das letzte Stückchen Brot, wenn der andere in Not war, — 
hatten sie doch die gleiche Mutter. Als er nach Absolvierung der vierten Klasse das 
Haus seiner Mutter zu verlassen dachte, hatte er wieder Grund, auf den Stiefvater 
böse zu sein, da dieser es nicht zulassen wollte, daß der Patient, seinen Neigungen 
folgend, Fleischer werde. Er konnte gegen dieses Verbot nichts ausrichten und ging, 

Int. Zeitschr. f. Psychoanalyse, XXII/t 6 



82 Endre Almasy 



wie es seine Eltern wünschten, zu einem Zuckerbäcker in die Lehre. Während der 
Lehrzeit reifte in ihm der Entschluß, Soldat zu werden. Neben dem offenen und 
bewußten Wunsch, „Menschen zu töten", hatte er aber, als er ins Feld zog, auch 
unklar die Absicht zu sterben. An der Front suchte er geradezu den Tod; er 
schmuggelte sich als Spion in die italienische Linie, mit der geheimen Hoffnung, dort 
vielleicht gefangen und erschossen zu werden. Bei derartigen Gedanken fühlte er 
eine • gewisse Schadenfreude; denn , wenn es so käme, wären die Eltern dann 
für seinen frühen Tod verantwortlich. Doch es kam anders. Er meldete 
sich zu den unmöglichsten Unternehmungen, kam aber stets mit heiler Haut 
davon. Dann geschah all das, was zur Entstehung der halluzinatorischen 
Geistesstörung führte. In diesem Stadium der Behandlung konnte man dem 
Kranken den Zusammenhang der schrecklichen Halluzination mit dem Material, 
das bis jetzt bewußt wurde, verständlich machen. Offeinbar war in ihm ein leiden- 
schaftlicher Haß gegen die beiden mächtigen Rivalen, den Vater, der ihm die Mutter 
genommen hatte und ihn nicht adoptieren wollte, und gegen den Stiefbruder, der 
die Rolle des Lieblings spielte. Der Kranke, der den eigenen Vater nie gekannt hatte, 
erlebte hier die typische ödipussituation mit fast infantiler Intensivität wieder. Die zu 
starke und nach Befriedigung strebende Haßregung, welche weder direkt, noch 
mittelbar durch die Berufswahl zu realisieren war, drängte ihn zum freiwilligen 
Frontdienst, wo er dann reichlich Gelegenheit hatte, diese Impulse zu realisieren. 
Der getötete oder getötet geglaubte Alpenjäger war eine Deckfigur für jene früheren 
Rivalen, die in der akuten Geistesstörung auftauchende, Angst erweckende Hallu- 
zination war die Reaktionsbildung auf die Verwirklichung der unbewußten, in- 
fantilen Wünsche. Nach Bewußtmachung dieser Zusammenhänge konnte man durch 
die Analyse eines Traumes der inzestuösen Objektwahl näherrücken. In einer Nacht 
hatte er drei aufeinander folgende, jedesmal mit Pollution einhergehende Träume, 
und jedesmal träumte er von einer unbekannten Frau. Die diesen Träumen 
zugeordneten Einfälle führten zur Mutter. Er machte die Bemerkung, er schäme 
sich, über die Mutter so indiskrete Mitteilungen gemacht zu haben, er habe den 
Verdacht, diese würden an die Öffentlichkeit und endlich auch der Mutter 
zu Ohren kommen. Das wäre aber etwas, das er sich nicht verzeihen könnte. Es 
wäre nicht recht, über jemanden hinter dessen Rücken Schlechtes zu sagen. Wie 
immer sie sei, sei sie ja doch seine Mutter, er liebe sie, wenn er ihr auch nie ver- 
zeihen könne, daß sie sich ihres unehelichen Sohnes schämt und ihn niemandem vor- 
stellen will. Er hatte sich nun vorgenommen, niemandem, nicht einmal seinem 
Analytiker, wieder etwas über die Mutter zu berichten; die Person der Mutter sollte 
ganz ausgeschaltet werden, die Mutter sollte un bekannt bleiben. So konnte 
die in den Träumen vorkommende unbekannte Frau mit der Mutter : identifiziert 
und auch der sich auf die Mutter beziehende erotische Wunsch bewußt gemacht 
werden. Nichtsdestoweniger mangelte es dieser kurzen' Analyse an infantilem Er- 
innerungsmaterial, das seine sexuellen Wünsche betraf. 

Die dritte Frage bezog sich auf die aktuellen Ursachen des periodischen Auf- 
flackern? der Halluzination. Während 7*4 Jahren brach sein Irrsinn viermal aus: 
zuerst im Jahre 1918, nach der Gränatbewußtlosigkeit, dann im Sommer 1919, 
ferner 1922 und schließlich 1925, zur Zeit unserer Beobachtung. Die beiden letzten Re- 
zidiven der Halluzinose erklären die auslösenden Momente sowie die ökonomische 
Bedeutung dieses pathologischen Symptoms. 

Im Jahre 1922 konnte er als Zuckerbäcker keine Anstellung bekommen, und so 
arbeitete er als Fleischer in der Küche eines Spitals. Dort kam es einmal zum 
heftigen Streit mit einem Kameraden. Er geriet in so große Erregung, daß er fühlte, 



2ur Psychoanalyse amentia-ähnlicher Fälle 83 

er könne für sich nicht einstehen; er warf das Messer weg und rannte auf die Straße, 
wo ihn die Halluzination befiel. Er lief nach Hause, legte sich ins Bett und blieb 
2 Tage liegen. Als sein Zustand sich wieder besserte, konnte er sich keine Rechen^ 
schaft darüber geben, was mit ihm geschehen war. 1925, drei Tage vor seiner Inter- 
nierung, hatte sein Chef, mit dem er sonst gut auskam, die Arbeit und die Fähig- 
keiten des Kranken bemängelt. Darüber kam es zum Streit, er wurde heftig, bekam: 
Angst vor den Folgen seiner Leidenschaftlichkeit und lief davon. Als er in den 
Straßen herumirrte, begann die Schreckensgestalt ihn wieder zu verfolgen; er wußte 
nicht mehr, was mit ihm geschehen war, wo er sich tagelang herumgetrieben hatte, 
nur der Internierung konnte er sich unklar erinnern. Er wußte, daß ich ihn damals 
aufgenommen hatte und daß ich einen weißen Ärztekittel trug. — Auch fiel ihm 
ein,, daß er nach der Mutter verlangte, gleichsam Hilfe suchend zu ihr floh. 

Wir sehen aus diesen beiden Fällen, daß, so oft ein Impuls der Vergangenheit der 
Erfüllung zustrebte, an dessen Stelle das einstige Reaktionsprodukt hervortrat. In 
beiden Situationen war es der Wunsch: den Kameraden oder den Chef umzubringen, 
der sich durchsetzen wollte, und der Patient, der sich von seinen Trieben bedroht 
fühlte, wehrte sich gegen den zu starken Impuls mit dem Reaktionsmechanismus 
der Vermeidung. Diese archaische Form der Abwehr mittels der Motilität, der 
Flucht, schien aber nicht zu genügen. Einem Signal ähnlich erschien auch die 
drohende Halluzination, von mächtigen Angstgefühlen begleitet, welche die Verwirk- 
lichung des Impulses verhindern konnten. Daß aber seine Triebregungen, trotz der 
Abwehr, stark genug waren, um ihr Ziel wenigstens teilweise zu erreichen, das 
können wir aus der zweiten Rezidive seiner Halluzinose ersehen. Die Analyse ver- 
mochte ihre aktuellen Gründe nicht zu erhellen; ich konnte bloß erfahren, daß der 
Schatten ihn 1919, während der rumänischen Besetzung, plötzlich wieder überfiel. 
Die Halluzination war diesmal besonders lebhaft, sie würgte ihm .die Kehle^ zerriß 
ihm das Herz und befiel ihn so heftig, daß er auf die Straße hinausstürzte, die 
diensttuende rumänische Wache anrempelte, dem Führer die Waffe entriß, und bis 
jene aus ihrer Überraschung zu sich kamen, hatte er schon die 6—7 Männer aus- 
einandergetrieben. So fanden also die Triebregungen ein zur Befriedigung ge- 
eignetes, reales Objekt, konnten also trotz den verdrängenden Kräften aus der Ver- 
drängung zurückkehren. " "-.' 

Das bisher erbrachte Material ist im Grunde nur die ausführliche Analyse 
eines einzigen Symptoms, jedoch wird fast der ganze Inhalt der Psychose 
durch dieses Symptom erschöpft. Zur Ergänzung des Bildes der bloß einige 
Wochen dauernden Analyse sei noch die Darstellung der Übertragungser- 
scheinungen und anschließend einiger Charakterzüge des Patienten angefügt. 
Daraus ergibt sich auch die Richtung, welche eine ausführlichere und tiefer- 
gehende analytische Behandlung genommen hätte. — Es war nicht über- 
raschend, daß sich in der Übertragung anfangs eher eine Abneigung, ja sogar 
Haß zeigte. Der Kranke machte spöttische Bemerkungen über die faulen 
Wärter, die Ausnahmsstellung einiger Patienten im Krankensaal, die un- 
freundliche Anstalt und die Umgangsweise des Pflegepersonals. Dabei schien, 
er gar nicht bemerken zu wollen, daß auch er eine Ausnahme bildete, da er 
durch die analytische Kur eine von den anderen verschiedene, besondere Be- 
handlung genoß. Nach und nach kam der vorherrschende Zug seines Cha- 
rakters zum Vorschein: sein Anspruch auf eine ganz außergewöhnliche Be- 

6* 



Endre Almasy 



) 



handlung. Doch mußte er, wie er sich mir gegenüber beklagte, erfahren, daß 
alles, was er im Kriege geleistet hatte, in den Augen der Menschen nicht viel 
bedeutete. Er sei als Invalider sogar im Nachteil, ja er habe noch obendrein 
boshafte Bemerkungen zu hören, z. B. daß er überflüssigerweise an die Front 
gegangen wäre, niemand hätte ihn dahin gerufen. 

Das „kathartische Abreagieren" der Halluzination und das Bewußtmachen des 
Verdrängten hatte einen raschen therapeutischen Erfolg gezeitigt, der aber bald ver- 
schwand. Er klagte über Verschlimmerung seines Zustandes, über Unruhe und 
Schlaflosigkeit. Es empörte ihn, daß er, der doch keinesfalls geistesgestört sei, noch 
immer interniert werde, seine Lage würde immer schlechter und schlechter. Er sei sehr ver- 
bittert und denke daran, wenn er aus der Anstalt herauskäme, alles, Was er hier erlebt 
habe, in die Zeitung zu setzen. Ich sah aber, daß er noch immer nicht fähig, war, 
seine Abneigung aufrichtig zum Ausdruck zu bringen, was auch das weitere Fort- 
schreiten der Analyse hinderte. Ich drängte ihn also zum aufrichtigen Bekenntnis 
seiner kritischen Einfälle und riet ihm, auch die begleitenden Affekte nicht zu unter- 
drücken. ,' Daraufhin brachte er — noch immer mit gedämpften Affekten, aber doch 
viel freier — eine ganze Flut von höhnischen Bemerkungen hervor. 

Auch mir gegenüber erlaubte er sich einige Vorwürfe, ich hätte manche meiner 
Versprechungen nicht gehalten. Er gab aber auch Zeichen der Dankbarkeit, An- 
erkennung und auch von etwas Liebe. Er konnte jetzt aufrichtiger von seiner Ver- 
gangenheit sprechen; seine nie zu befriedigende Sinnlichkeit wurde besonders deutlich, 
aber gleichzeitig auch die seelische Abwendung von der Frau. Er sprach von sich 
als von einem „abgelebten" Menschen, der zu früh und „zu viel" Geschlechtsverkehr 
gehabt hatte. Er war kaum mehr als n— 12 Jahre alt, als er zum ersten Male koha- 
bitierte, und im Elternhaus hatte er mit jedem Dienstmädchen ein Verhältnis. Er 
sprach von seinen sexuellen Erlebnissen mit auffallender Gefühlsarmut und hatte 
den Geschlechtsverkehr nur wie die Befriedigung irgend eines andern Bedürfnisses 
ausgeübt. Frauen gegenüber war er sehr freigebig — wie ein Kavalier — , das Geld 
sowie das Leben hatten für ihn anscheinend keinen "Wert. Er hielt sich für einen 
vom bösen Schicksal verfolgten Menschen, der nie Glück hat und nie froh sein kann. 
Die viel zu bald abgebrochene Analyse konnte weder die Libidoposition, noch die 
Charakterzüge verständlich machen und so auch nicht zur Auflösung derselben bei- 
tragen, Der Kränke, der im praktischen Sinne geheilt war, mußte die Anstalt ver- 
lassen und: damit die Analyse beenden. In einigen, nur unvollkommen analysierten 
Träumen erschienen plastisch — gewissermaßen als unbewußte Bejahung der ana- 
lytischen Befunde — die dem Ausbruch der Psychose zugrunde liegenden Konflikte. 
Der Patient berichtete nach vier Wochen Analyse, daß er wieder an Angst- 
träumert leide, aus denen er in Schweiß gebadet erwache, die er aber jetzt nicht 
wie sonst immer vergesse. Der erste Traum lautete: „Er wird in die Küche ein- 
geteilt, zur Zubereitung des Backwerkes. Die Küche ist sehr geräumig, besteht aus 
Abteilungen und jeder Abteilung steht eine Krankenschwester vor. Später ergänzt 
er dieses Bild mit der Bemerkung, daß diese Küche eine getreue Kopie einer Speise- 
hausküche in der Nähe des Westbahnhofes sei. Er soll eine Linzertorte backen, doch 
plötzlich reißt ihm die Krankenschwester die Torte aus der Hand und bemerkt dazu, 
daß sie so nicht gut sei und er davon nichts verstehe. Er bricht in Tränen aus 
und geht in die Kanzlei, um Klage zu erheben. Dort findet er einen Mann und eine 
Frau, denen er seine Klage vorträgt, worauf die Frau sagt: ,D er junge Mann hat recht, 
mit diesen Krankenschwestern ist wirklich nicht auszukommen!' " 

Das rezente Erlebnis dazu war eine kleine Szene des Vorabends. Bei der Abend- 



Zur Psychoanalyse amen tia -ähnlicher Fälle 



85 



visite machte ein Nachbar unseres Kranken dem diensthabenden Arzt den Vorschlag, 
•er. solle veranlassen, daß unser Kranker in der Küche angestellt werde. Der Arzt ver- 
sprach, dies am nächsten Tage zu tun. Der Traum erfüllt also eine Erwartung, deren 
reale Erfüllung erst für den kommenden Tag in Aussicht gestellt wurde. Am Tage 
vor dem Traume ging der Kranke auf die Anfrage der Ordensschwester, ob er die 
zweite Baßstimme im Chor übernehmen wolle, zum ersten Male in die Hauskapelle 
der Anstalt.! Doch nicht der Gesang lockte ihn in die Kapelle, sondern die Bemer- 
kung eines Kameraden, der sagte, es gebe dort „nette Weiber" zu sehen. Die ge- 
träumte Szene war offenbar eine kaum entstellte Darstellung jener anderen, die 
zum Ausbruch seines letzten Anfalles führte und den Kranken in die Anstalt brachte. 
Die betreffende Szene tauchte nun in der Assoziationsreihe auf, und zwar ausführ- 
licher als bisher. Damals bereitete er auf Befehl seines Chefs einen Butterteig nach 
dem Rezept, das er gelernt hatte und nach dem er so viel Butter zu dem Mehl nahm 
wie dieses wog. Sein Chef wollte aber zu 4*4 kg Butter 5*4 kg Mehl geben lassen; 
deswegen zur Rede gestellt, kam der Kranke in Wut und sagte gereizt: „Wenn es 
so nicht gut sei, möge der Chef selber den Teig machen!" und ließ ihn stehen, 
da er Angst vor den Folgen seiner Wut bekam. Da überfiel ihn die ; Halluzination. 
Zu der Szene im Traum, da ihm die Krankenschwester den Teig aus der Hand reißt, 
fiel ihm folgende Erinnerung ein. Als kleiner Lehrjunge wurde er von seinem Vor- 
gesetzten mit der Anfertigung einer Torte betraut. Ein älterer Lehrbusche, der das 
als kränkende Zurücksetzung empfand, riß, als unser Kranker die Torte zu 
schmücken begann, sie ihm aus der Hand, so daß es zu einer hitzigen Rauferei kam. 
Mit diesem spärlichen Assoziationsmaterial konnten wir den Traum nicht vollstän- 
dig deuten, trotzdem möchte ich einen charakteristischen Zug hervorheben. Es steht 
fest, daß der Traum die Erwartung des Vorabends, die Versprechung des Arztes 
erfüllt, er könne wieder als Zuckerbäcker in der Küche arbeiten. In der Streitszene 
wiederholt sich die zweimal wirklieh erlebte Situation, der Streit mit dem Chef und 
der mit dem älteren Lehrburschen, in Verbindung mit einer neuen Person. Derlei 
Wiederholungstendenzen zeigen sich auch in weiteren zwei Träumen. Der eine Traum: 
„Es ist, als ob sein Stiefvater und auch seine Mutter ihn bitten würden, er solle sie 
miteinander versöhnen. Er denkt, damit könne er alles, was er der Mutter gegenüber 
gesündigt, indem er hinter ihrem Rücken über ihr ehrloses Leben geschwätzt' hatte, wieder 
gutmachen." Ein dritter Traum schließlich, der offenbar ein Kriegserlebnis reprodu- 
ziert, rechtfertigt gleichsam die Deutung der Halluzination: „Ich stand Posten im 
Felde, in einer vorgeschobenen Stellung als Beobachter. Ich schlummerte,, mein 
Gewehr in der Hand. Plötzlich taucht in einer Entfernung von 30 — 40 Schritten 
ein Soldat auf, den ich „Halt, wer da ?" anschrie und nach dem Feldruf fragte. 
Als sich die Gestalt näherte, konnte ich aber kein Glied rühren. Die Gestalt 
wurde undeutlich und endlich floß sie zu einer schwarzen Masse zusammen". 
Dieser Traum, der die Verwandlung des Feindes in die Schattenhalluzination in statu 
nascendi brachte, war entscheidend, weil der Kranke durch ihn zu noch voll- 
ständigerer Einsicht gebracht wurde und jetzt fühlte, daß er von der Halluzination 
ein für allemal befreit war. 

Fall C 

Der dritte Patient ist ein Junge von 16 Jahren. Die Dauer des eigentlichen psycho- 
tischen Zustandes war auch bei ihm eine kurze: bloß 2 Tage. Zehn Tage, nach- 
dem er zu sich gekommen war, folgte noch eine vorübergehende Rezidive, nach der 
dann eine endgültige Restitution eintrat. Die amentia-ähnliche Geistestrübung 
wurde von einem kurzen Schlaf eingeleitet. Für den pathologischen Zustand waren 
Traumbilder und Phantasien, die der Patient aus ihnen weitergesponnen hatte, charak- 






86 Endre Aimäsy 



teristisch. Das Krankheitsbild war keineswegs einheitlich, sondern zeigte ein Kaleido- 
skop, von phantastischen, die Traumbilder weiterspinnenden, bald angenehmen, bald 
peinlichen visuellen Illusionen, visuellen und kinästhetischen Pseudohalluzinationen; 
vorübergehend traten Größenwahn und originäre Wahnvorstellungen auf. Das ganze 
wurde zeitweise von Erlebnissen durchbrochen, die offenbar tatsächliche Begeben- 
heiten widerspiegelten und Bruchstücke oder Reste normaler Erinnerung und nor- 
maler Sinnesfunktion waren. Der besseren Übersicht halber werde ich die verschie- 
denen Erlebnisse gesondert behandeln. Als ich den Kranken zuerst sah, war er 
zeitlich und örtlich desorientiert, unruhig, verwirrt, schwatzte lebhaft, hatte Illu- 
sionen, produzierte einen Größenwahn und konfabulierte viel. Seine Äußerungen 
seien hier möglichst treu, in all ihrer Naivität, ungeordnet, samt den Wiederholun- 
gen mitgeteilt. Er behauptete, 10 Jahre geschlafen zu haben und erst jetzt erwacht 
zu sein. Er stellt sich als „Herzog Eszterhazy" vor, der „in einem Palast geboren ist". 
Er erwarte jetzt das Flugzeug und werde gleich nach Hause fliegen, er müsse sich be- 
eilen: er wolle heiraten und noch dazu eine aus der Familie Habsburg. Wie schön 
habe er auf der Bank geträumt! Er tanzte mit Elfen, fuhr im Auto, bei Nacht flog 
er mit einem Flugzeug und war im Königsschloß. Doch hatte er auch böse Träume 
— die Mutter sei gestorben. Wenn er nur so was nie mehr träumen müßte! Wie die 
Elfen waren, das weiß er nicht mehr. Sie hatten halt Flügel und konnten wunder- 
bar tanzen! Sie sagten zu ihm, man sehe gleich, daß er im großen Vigado 7a tanzen 
lerne. Aber auch die Elfen tanzten fein! Bloß hatten sie keine schönen Kleider an, 
sie waren in Federkleidern, er wollte auch gar nicht mit ihnen tanzen, denn er 
fürchtete, sich zu beschmutzen. Er fuhr in einem Auto und flog mit dem Flugzeug, 
doch fürchtete er abzustürzen. Im Auto hatte er keine Angst, ist er doch schon so 
oft gefahren. Das Königsschloß war prächtig, wie viele Speisezimmer, Wartezimmer, 
Kanzleien, Vor-Kanzleien gab es dort! Mit dem König konnte er aber nicht sprechen. 
Er weiß nicht, warum er mit dem König sprechen wollte. Aber seine Mama ist doch 
nicht gestorben, gelt? Deshalb hat er geweint, — natürlich weint man, wenn einem 
die Mama stirbt und ein ganzes Jahr lang begraben wird. Er glaubte, er wäre der 
Graf Esterhäzy, und so wollte er sich dem König vorstellen. Er begrub seine Mutter 
ein volles Jahr lang, er sagte zwar dem Pfarrer, das sei etwas zu lang, dieser ant- 
wortete aber, er solle sich darum nicht kümmern, das ginge ihn nichts an. 
: Zwei Momente beweisen, daß er die Zeit nicht schätzen konnte. Er glaubte, 
iö Jahre geschlafen zu haben, und das Begräbnis seiner Mutter soll ein Jahr gedauert 
haben. Hiezu gesellten sich Irrtümer bezüglich der Datierung und Zeitbestimmung. 
In seiner Verwirrtheit meinte er, im Jahre 1917 zu sein, während diese Beobachtung 
sowie seine Analyse 1926 stattfanden. Er meinte, er habe sich vor 10 Jahren schlafen 
gelegt, es war damals also 1907. „Also wird jetzt zurückgezählt" — fügte er hinzu ^— 
„also bin ich 1907 oder 1927 eingeschlafen." 

Doch hatte er in seinem pathologischen Zustande auch Erlebnisse, die — wie ich 
schön erwähnte — von realen Wahrnehmungen und Erinnerungen zeugten und an- 
scheinend Reste seiner Normalität waren. Ich gebe hier einige seiner derartigen Be- 
richte wieder, die in das bisher mitgeteilte Material verwöben waren. Er schlief — 
er weiß nicht wo, dort wo die vielen Wagen und Straßenbahnen fahren — auf einer 
Bank. Dann erwachteer und wußte nicht, wie er nach Hause zu gehen hatte. Man 
führte ihn auf die Landstraße und jemand sagte, er soll zum Herrn Wachmann 
gehen. Er tat das und der Polizist führte ihn dann in ein großes Gebäude, 8 dort war 
.aber ein Sehmutz! Dann wurde er. in einem Auto hierher gebracht. Jetzt wird er 

'7») Der größte Ball- und Konzertsaal der Hauptstadt. 
8) Stadthauptmannschaft. ':•■..". 






Zur Psychoanalyse amentia-ähnlicher Fälle 



87 



doch freigelassen? Jetzt könnte er schon nach Hause finden. Dann wieder einen 
Augenblick zur Wirklichkeit erwachend, fragte er spontan: „Herr Doktor, meinen 
Augen fehlt ja nichts, warum wollte dieser andere Doktor gestern meine Augen aus- 
brennen? Er nahm ein brennendes Zündholz — aber ich habe es nicht geduldet, 
habe meinen Kopf weggerissen." Ein anderes Mal: „Herr Doktor, ist es noch lang bis 
zum Sonnabend?" 

Diese Äußerungen waren leicht mit den Tatsachen in Beziehung zu bringen. Er 
wurde tatsächlich auf einer Bank schlafend gefunden, der Wachmann hatte ihn nach 
dem Erwachen, seine Verwirrtheit bemerkend, auf das Polizeibureau geführt, von 
dort wurde er mit dem Auto der Rettungsgesellschaft in die Anstalt gebracht. Die 
Furcht, man würde ihm die „Augen ausbrennen", entstand wahrscheinlich anläßlich 
der Pupillenuntersuchung durch den die Aufnahme durchführenden Arzt. Der Sinn 
seiner Frage: „Ist es noch lange bis Sonnabend?" ergab sich später aus der Analyse. 

Nach zweitägiger Verwirrtheit klärte sich das Bewußtsein des Kranken; er er- 
innerte sich aller pathologischer Symptome und nannte seinen Zustand eine „mo- 
mentane Geistesstörung". Hier setzte die Analyse ein. Ein Teil dessen, was er wäh- 
rend seines delirierenden Erzählens reproduzierte, macht auf den ersten Blick den 
Eindruck von unverhüllten oder wenig verzerrten Wunscherfüllungen und ist mit 
Tagträumen und infantilen Wunschträumen verwandt. Die Überzeugung von deren 
Realität ergab sich aus einem eigentümlichen und noch der Aufklärung harrenden 
Seelenprozeß, nämlich aus dem uns aus Traum und Psychose bekannten Infantilwerden 
der kritischen Instanz. Zu dieser Kategorie gehören seine flüchtigen Wahnideen, der 
Herzog Esterhazy zu sein, in einem Paläst geboren zu sein, dann die Absicht, ein 
Familienmitglied der Habsburger zu heiraten. Auch das Fliegen, die Teilnahme an 
einer Abendgesellschaft im Königsschloß, der Traum oder die Konfabulation vom 
Tanz mit den Elfen gehören in diese Gruppe. Die Analyse brachte die aktuellen 
Erlebnisse zum Vorschein, welche diese seelischen Gebilde determinierten. Zu der 
Phantasie von der Abendgesellschaft im Köngsschlosse brachte er folgendes: einige 
Tage vor seiner Erkrankung sah er in dem Schaufenster eines großen Kürschners 
das Bild eines Palastes. Die Passanten rieten, was für Palast das wohl sein möge? Ob 
er einem König oder Herzog gehöre? Jemand fragte ihn dann, ob er gerne ein Königs- 
schloß sehen möchte, worauf er ironisch antwortete: na, das wäre eben sein größter 
Wunsch; es wäre ihm schon lieber zu wissen, wann er Gehaltserhöhung bekomme. 
Zum Tanz mit den Elfen in Federkleidern erzählte er, daß er in letzter Zeit eine 
Tanzschule besuchte; er tanze leidenschaftlich gerne, wie toll. Letzthin traf er in 
der Tanzschule zwei eigentümlich gekleidete Mädchen, er sagte auch zu seinem 
Freunde: „Schau, die sehen aus, als hätten sie Federkleider!" Sie waren mit Federn 
behängt, woran auch andere Anstand genommen hatten. Den Namen Esterhazy habe 
er kaum je gehört. Auf einer Bier-Reklame stand: Esterhazy-Bier. Doch spielten 
sie im Heim, wo er Jugendpräsident war, ein Spiel, bei dem man mit verschiedenen 
Anfangsbuchstaben möglichst große Persönlichkeiten aufschreiben mußte. Er war 
der einzige, der mit E schrieb — nämlich „Herzog Esterhazy". Darauf lärmten die 
Jungen den ganzen Abend im Chor: „Wer kommt hier? Unser Präsident. Ha — ha- 
ha, er ist ja der Herzog Esterhazy!" 



Was wären die aktuellen Erlebnisse, die unmittelbar zum Ausbruch der Psychose 
führten? Der Kranke berichtet über ein Erlebnis, dessen Wichtigkeit augenfällig 
war. Am Vorabend ging er aus dem Jugendverein, dessen Präsident er war, spät, 
nach zehn Uhr, nach Hause. Die Mutter schalt ihn deswegen und er nahm sich das 
sehr zu Herzen. Die Mutter drohte ihn zu schlagen, wenn er noch einmal spät nach 






I 



Hause käme, ihn aus dem Hause zu weisen und den Besuch des Vereines ganz und 
gar zu verbieten. Der Kranke glaubte selbst an einen engen Zusammenhang zwischen 
dieser Szene und dem Traum des folgenden Tages sowie auch der akuten Verwirrt- 
heit. Seine Mutter ist kränklich und leidet an asthmaartigen Anfällen, die ihr Herz- 
leiden begleiten. Ein Arzt hatte schon vor 10 Jahren die Familie aufmerksam ge- 
macht, daß so ein Anfall sie einmal das Leben kosten könne. Darum nahm sich der 
Patient immer in acht, der Mutter keine überflüssigen Aufregungen zu verursachen. 
Auch diesmal hatte er sich beim Zuspätkommen Vorwürfe gemacht: so ein Vorfall 
könne ja den Tod der Mutter herbeiführen! Die Beziehung zur Mutter ist sehr gut, 
wie zu einem Freunde. Tränenden Auges erzählt er, wie er die Mutter liebe, wie viel 
Dank er ihr schulde, weil sie ihn erzogen, so viel für ihn gekämpft, gearbeitet und 
sich abgemüht habe, und daß er ihr das nie im Leben werde vergelten können. Doch 
sei die Mutter sehr streng zu ihm, verlange, daß er punkt acht Uhr zu Hause sei, 
und schimpfe, wenn er ausbleibe. Doch ist er auch mit festen Banden an den 
Verein, an das „Heim" geknüpft. Zweieinhalb Jahre ist er dort Mitglied. Jetzt ist 
er Präsident der Jugendgruppe und alle müssen es anerkennen, daß er zum Auf- 
blühen des Heimes den Löwenanteil beigetragen hat. So kann er das Gebot seiner 
strengen Mutter nicht befolgen, da die Amtsstunden stets am Abend abgehalten 
werden und er als Präsident, wie es sich gehört, bis zum Schluß der Sitzung dort 
bleiben muß. Einerseits hege er Wünsche, auch weiterhin Jugendpräsident in dem 
Verein, mit dem er so verwachsen ist, zu bleiben, und auch weiter in die Tanzstunde 
zu gehen. Auf der anderen Seite steht die Mutter, an der er mit so viel Liebe hängt, 
die ihn aber kennt, und von ihm schwere Entsagungen verlangt; dazu gesellt sich noch 
die Angst, er würde durch eine Unfolgsamkeit das Leben der Mutter gefährden. 
Diese Deutung wurde von ihm ohne Schwierigkeiten angenommen. Er antwortete, 
daß die Sache schon so wäre, er fühle das selber. Nachdem die Mutter ihn bei 
seiner letzten Verspätung wieder gescholten hatte, faßte er am nächsten Vormittag 
einen Plan. Er kam zu dem Entschluß, noch den nächsten Sonnabend abzuwarten, 
bei der Einweihung des neuen Sitzungssaales noch die Präsidentenrede zu halten, 
die er so sorgfältig vorbereitet hatte, dann aber vom Präsidium abzudanken, — 
falls er statt seiner einen anderen tauglichen Nachfolger fände. Er dachte sich, wenn 
er zwischen dem „Heim" und der Mutter wählen müsse, so wähle er die letztere. 
Doch konnte er zu dieser Feier nicht mehr gehen, da er inzwischen wegen der 
Geistesstörung interniert wurde. 

Demnach konnte man den Inhalt des Traumes und der Psychose, die sich aus 
ihm entwickelte, einheitlich überblicken. Offenbar erfuhren die realen und bewußten, 
aktuellen Wünsche, weiter in die Tanzstunde zu gehen und im Verein auch weiter- 
hin Obmann zu bleiben, eine regressive Bearbeitung und erschienen nun als unsinnige, 
phantastische, infantile Wunscherfüllungen. Auf die Tanzstunde wiesen bloß die 
Federkleider der Elfen hin und in der Psychose wurde aus dem Obmann der Jugend- 
gruppe der Herzog Esterhazy, da er im Heim, während der Spötteleien der Ka- 
meraden, mit diesen Gedanken gespielt hatte. Der weiteren Realisierung seiner 
Wünsche stehen aber die Verbote der Mutter im Wege. Im Traum und in der 
Psychose erfüllen sich seine Wünsche; doch ist diese unbegrenzte Wunscherfüllung 
an eine Bedingung geknüpft, an den Tod seiner Mutter. So kann man die hetero- 
genen Elemente seines Traumes sowie der Verwirrtheit miteinander in enge 
Verbindung bringen. Die Vorwürfe und Drohungen der Mutter hatten ihn zu dem 
Entschluß gedrängt, auf die Erfüllung seiner Wünsche zu verzichten. Doch da 
dieser Verzicht für ihn viel zu schwer war, versuchte die Psychose eine andere 
Lösung des Konfliktes: „stirbt meine Mutter, so steht meinen Wünschen niemand 



Zur Psychoanalyse amentia-ähnlicher Fälle 



8g 



im Wege". Dies ist der unbewußte und unstatthafte Wunsch, der als Reaktion auf 
die heftige Szene mit der Mutter auftauchte und an dessen Stelle dann der Traum 
und die Amentia traten. 

* 

Bei der Beschreibung seines pathologischen Zustandes erwähnte ich die Irrtümer 
in bezug auf Zeitangabe und Zeitberechnung: er glaubte 10 Jahre geschlafen zu 
haben und sagte, das laufende Jahre sei 1917. An diese Angaben knüpfte er noch 
eine unrichtige Berechnung: vor 10 Jahren ging er schlafen — es war also damals 
1907 oder, „wenn wir in der Zeit zurückzählen, 1927". Das Material zu dieser 
Frage ist recht dürftig, doch zeigt es immerhin, daß diese Irrtümer keine zufälligen 
waren. Er erinnerte sich nach der Wiederherstellung, daß er in der Verwirrtheit 
1917 gesagt hatte, und assoziierte hiezu folgendes: Bei seiner Aufnahme am Polizei- 
amt sagte einer der Herren, daß heute der Siebzehnte ist. Das Datum der Aufnahme war: 
17. September 1926. Dies brachte ihn auf 1917. Außerdem war 1917 ein für ihn 
wichtiges Datum, nämlich das Sterbejahr seines Vaters. Zur Zahl gehört ferner 
noch ein wichtiges Erlebnis. Mitte September lief seine Lehrzeit ab und er wollte 
dies mit einem Picknick feiern, doch kränkelte seine Mutter wieder, und so mußte 
er auf die Unterhaltung verzichten, Er tröstete sich mit der Hoffnung, seinen 
17. Geburtstag im nächsten Jahr — 1927 — dann doch mit seinen Freunden 
feiern zu können. 

Ein anderes Problem bedeutete die Rezidive seiner Psychose. Zehn Tage nach 
Ablauf der Amentia, nachdem es gelungen war, dem Patienten den Zusammenhang 
zwischen den rezenten Erlebnissen und seinem Konflikte einerseits, und dem mit 
einem Traume beginnenden verwirrten Zustande anderseits bewußt zu machen, 
erschien wieder eine Störung, die einen halben Tag andauerte. Dieser Zustand läßt 
sich schwer beschreiben, er hatte mit dem ersten Anfall wenig Gemeinsames. Der 
Kranke machte den Eindruck eines Delirierenden, der mit lebhaften Gebärden lange 
Monologe hielt, immer etwas wiederholend, dessen Inhalt jedoch nicht recht zu 
erfassen war. Er schien einem heftigen Haß gegen seinen älteren Bruder Ausdruck 
zu geben. Dieser Zustand verschwand nach 12 Stunden spurlos, ohne in dem Pa- 
tienten irgend welche Erinnerungen zu hinterlassen oder durch die weitere, sehr 
kurze Analyse aufgeklärt worden zu sein. 



Jedenfalls ließ die weitere Analyse ahnen, daß hinter den rezenten Konflikten 
ältere Konflikte verborgen waren. Als er vor einigen Jahren noch vor der Berufs- 
wahl stand, wollte er um jeden Preis Schauspieler werden. Sachverständige lobten 
ihn und machten ihm Hoffnungen. Doch dieser Plan erweckte bei der Mutter 
heftigsten Widerstand, und ihr zu Liebe entsagte er und wählte die realere Lauf- 
bahn eines Kaufmannes. Diese Entsagung konnte er sehr schwer ertragen; jetzt traf 
ihn also das Verbot der Mutter wieder gerade in dem Moment, als er seine Ab- 
sichten, die er bis zu dieser Zeit nicht durchsetzen konnte, in einer veränderten 
Form doch noch zu realisieren versuchte. Die Analyse des Kranken deckte eine 
stark entwickelte und sehr aktive Schau- und Zeigelust auf; eine tiefergehende 
Analyse hätte sicher gezeigt, daß diese Partialtriebe in der Kinderzeit besonders 
stark verdrängt wurden. Die kurze Analyse konnte aber nur auf einen kleinen Teil 
der infantilen Periode Licht werfen, vor allem auf ein wichtiges Erlebnis. Als er 
die erste Volksschulklasse besuchte, kränkelte sein Vater bereits seit einem ganzen 
Jahre und lag im SpitaL Der Kleine kam eines Tages heim und erfuhr, daß sein 
Vater gestorben sei. Diese Nachricht konnte er anfangs gar nicht glauben und 



dachte: „Wie kann man so was Dummes sagen?" Sogar als er die Leiche seines 
Vaters sah, konnte er die Tragweite dieses Vorfalles noch immer nicht erfassen. 
Am Tage der Beerdigung begann er sogar zu singen, und erst ab die Mutter wegen 
seiner Heiterkeit in Tränen ausbrach, wurde auch er betrübt und trauerte, weil eben 
die Mutter traurig war. Dieses dürftige Material läßt bloß die Vermutung zu, daß 
sein Betragen der typischen ödipuseinstellung entsprach. Es gelang auch einiger- 
maßen, den Kranken zur Einsicht zu bringen, daß er wohl den Tod des ein Jahr 
lang kränkelnden Vaters ersehnt hatte und, als dieser nun eintraf, außer der Trauer 
auch rückhaltslöse Freude, ein Gefühl der Befreiung empfand. Er hatte gute Gründe, 
sich befreit zu fühlen. Der Vater war nie besonders zärtlich zu ihm gewesen. Er 
erinnerte sich, daß er im 4. Lebensjahr in einem unbewachten Augenblick aus dem 
Hause schlüpfte, auf einen benachbarten Platz zu den dort spielenden Kindern lief 
und sich freudig mit ihnen vergnügte. Er wurde lange Zeit gesucht, bis ihn der 
Vater endlich fand, nach Hause brachte und ihn tüchtig verprügelte. Doch brachte 
der Tod des Vaters keine Befreiung für ihn. Jetzt setzte die Mutter seinen Ver- 
gnügungen Schranken: sie hielt ihn von vielem zurück und beeinflußte auch seine 
Berufswahl. Den Geboten seiner Mutter stellte er aus Rücksicht auf ihr Herz- 
leiden meistens keinen bewußten Widerstand entgegen. Es schwebte ihm immer 
die Möglichkeit vor, mit seinem Ungehorsam den Tod seiner Mutter herbeizuführen. 
„Ich darf es nicht tun, denn die Mutter könnte daran sterben", — diese beunruhi- 
gende Angst, die sein Handeln hemmte, war aber der umgestaltete Wunsch, der ur- 
sprünglich gelautet haben mag: „Stürbe doch meine Mutter, dann könnte ich alle 
meine Wünsche durchsetzen!". Dies ist der Urwunsch, der abgewiesen, zur Ver- 
drängung verdammt und unbewußt wurde. Im Traum und in der Psychose realisiert 
er den Todeswunsch, doch ist die Zensur mächtig genug, um die Wunschnatur des 
phantasierten Ereignisses unkenntlich zu machen; der Tod und die Beerdigung 
werden betrauert und beweint. Die Fehler der Zeiteinschätzung, sowie die irrtüm- 
liche Zeitbestimmung während der Verwirrtheit finden nun ihre Aufklärung. Er 
begrub seine Mutter ein ganzes Jahr läng, er schlief 10 Jahre lang, und die Jahres- 
angabe lautete 1917. Diese Irrtümer waren offenbar durch vier Tatsachen deter- 
miniert: durch das Sterbejahr des Vaters, durch die ein ganzes Jahr dauernde Krank- 
heit desselben, durch die seit damals verstrichenen zehn Jahre und durch die wegen 
der Erkrankung der Mutter erfolgte Verschiebung der geplanten Feier um 1 Jahr. 
Die in der Psychose zum Ausdruck kommende, erwartungsvolle Wunscherfüllung, 
die den aktuellen Konflikt durch den Tod der Mutter zu lösen versucht, vermischt 
sich so mit den Elementen der Vergangenheit; der Patient wiederholt gewisser- 
maßen seine Erlebnisse, die er anläßlich des Todes des Vaters hatte. Die aktuelle 
Wunscherfüllung verdichtet sich mit dem einst wirklich Erlebten. 9 

9) Ho 116s analysierte die Irrtümer in der Angabe des Lebensalters bei Paralytikern und 
Schizophrenen und kam zu der Deutung, daß das Akquirieren der Lues oder die Manifesta- 
tion der Praecox jenes wichtige Erlebnis war, welches für die Kranken gleichsam „die Zeit 
zum Stillstand brachte", d. h. in der Bestimmung ihres Alters waren sie an diesen ver- 
gangenen Zeitpunkt fixiert. Ich kann seine Befunde durch eigene Beobachtungen ergänzen. 
Eine Patientin, schon ganz inkohärent, schizophasierend, dement, antwortete auf die Frage 
nach ihrem Alter: „vielleicht 21". Sie war in der Tat im Jahre 1919, zur Zeit ihres Krank- 
heitsausbruches, 21 Jahre alt gewesen. Daß die Bestimmung keine zufällige war, wird durch 
ihre Aussage bewiesen, die sie vor Jahren, als sie noch zusammenhängend reden konnte, 
machte: „Sie habe seit dem 8. Oktober 1919 keinen Namen mehr, damals verließ sie 
ohne jeden Grund ihren Arbeitsplatz und ist seit dieser Zeit krank." Damit verriet sie 
nicht nur, daß sie sich ihres Krankheitsbeginnes vollkommen erinnere, sondern auch, daß 
sie mit diesem Zeitpunkte ihr Leben gleichsam abgeschlossen habe: die Person, die ihren 



Zur Psychoanalyse amentia-ähnlicher Fälle 9I 

Die so rätselhaft auftauchende und so rasch wieder verschwindende Rezidive 
konnte auch einigermaßen erhellt werden. Es gab jemanden in der Familie, auf den 
der Kranke sozusagen seinen ganzen Haß konzentrierte, und dies war sein älterer 
Bruder. Diesen Haß begründete der Kranke nur oberflächlich; es war anzunehmen, 
daß er bloß eine Wiederholung des einstigen Vaterhasses war. Nebstbei war der 
Bruder ein sehr geeignetes Objekt, um als Zielscheibe einer Rebellion gegen die so 
zärtlich geliebte Mutter zu dienen. Es kann kein Zufall sein, daß der Ausbruch der 
Rezidive sich unmittelbar an den ersten Besuch eben dieses gehaßten Bruders an- 
schloß. Ich habe bereits hervorgehoben, daß während der Verwirrtheit des Kran- 
ken auch die gegen den Bruder sich richtenden Haßregungen hervortraten. 

III. 

Die psychoanalytische Literatur der Amentia ist recht dürftig. Die dies- 
bezüglichen Arbeiten enthalten fast gar kein klinisches Material. 10 Dies war 
der Grund, weshalb ich die Fälle so ausführlich beschrieb. Wenn ich jetzt das 
klinische Material theoretisch zu sichten versuche, so will ich bloß die bisher 
gewonnene psychoanalytische Auffassung von Neurose und Psychose daran 
erproben. Die folgenden Ausführungen erheben keineswegs den Anspruch, 
etwas Neues mitzuteilen. 

Die Analyse der Neurosen und Psychosen führt zu den Trieben. Die Rolle 
und die Wege der libidinösen Triebe kann man in der Analyse meiner Fälle 
mehr oder weniger leicht verfolgen. 

Die kurze Analyse des Geld verteilenden Amenten brachte sehr wenig in- 
fantiles Material, wir können daher nur über das rezente Schicksal der Libido 
einiges aussagen. Der Patient blieb an sein verlorenes Objekt fixiert, war zu 
keiner neuen Objektbindung fähig, die Möglichkeit einer genitalen Befriedi- 
gung war gerade wegen seiner Fixierung an das verlorene Objekt ausge- 
schlossen. Der größte Teil der Libido war narzißtisch untergebracht, dies 
drückte sich in der Melancholie aus, die ihn durchs Leben begleitete. Durch 
die Versagung seiner genitalen Strebungen treten die sublimierten analen Be- 
friedigungen (Geldverdienen, Freude an Geldbesitz) in den Vordergrund. 

Das Material des zweiten Falles, der halluzinatorischen Psychose, ist in be- 
zug auf das infantile und spätere Schicksal der Libido viel reichhaltiger. In 
der frühesten Kindheit gibt es hier keinen sichtbaren Rivalen und die Bindung 

Namen führt, ist. von nun an nicht mehr sie selbst und ihre frühere Person bleibt auch 
weiterhin 2 1 Jahre alt. — Bei dem besprochenen Amentia-Fall war der Irrtum in der Jahres- 
zahl 1917 zuerst durch den auf dem Polizeibureau gehörten Ausspruch „heute ist der Siebzehnte" 
bedingt. Wir sahen dann, daß die tiefere Determinante das Sterbejahr seines Vaters war, 1917. 
Während seiner Verwirrtheit sah ich bei ihm dieselbe flüchtige, später korrigierte Fixierung 
an einen wichtigen Zeitpunkt der Vergangenheit, wie bei der Schizophrenen, bei der aber 
diese Fixierung chronisch und unkorrigiert blieb. 

10) Freud: „Neurose und Psychose" (Int. Ztschr. f. Psa., Bd. X, 1924, bzw. Ges. Sehr., 
Bd. V) gibt keine Kasuistik. 

Schilder teilt in seinem „Entwurf einer Psychiatrie auf psychoanal. Grundlage", Int. 
Psa. Verl., Wien, 192J, im Kapitel: „Amentia, Apathie, Agnosie" nur ein Bruchstück eines 
Falles von Amentia mit. 



92 Endre Almäsy 



an die Mutter ist anscheinend ungestört. Der Ödipuskonflikt kommt ver- 
hältnismäßig spät, erst mit dem Erscheinen des Stiefvaters, zustande und setzt 
sich dann in der Rivalität mit dem Stiefbruder fort. Beiden gegenüber ist er 
äußerst ambivalent. Später tritt dann einerseits eine, wenn auch nur gefühls- 
mäßige, homosexuelle Bindung immer mehr hervor, anderseits stellt sich nach 
früheren, realen, heterosexuellen Beziehungen eine Gefühlsentfremdung der 
Mutter und allen Frauen gegenüber ein, sowie eine Tendenz, das Liebesleben 
zu erniedrigen. 11 In seiner Libidoorganisation tritt der mächtig entwickelte 
Sadismus besonders hervor. Einer sozialen Befriedung seiner sadistischen 
Triebe steht aber das Verbot des Stiefvaters im Wege: er darf nicht Fleischer 
werden. Dieses Verbot respektiert er wegen seiner starken libidinösen Bin- 
dung an den Stiefvater. 

Im dritten Fall von Amentia steht die besonders ausgeprägte, die ganze 
Kindheit und die Pubertät charakterisierende infantile Fixierung an die Mutter 
im Vordergrund. (Der Kranke hat übrigens auch in seinem Charakter ge- 
wisse infantile Züge bewahrt.) Auffallend ist in seiner Libidoorganisation ein 
verhältnismäßig stark entwickelter Schau- und Exhibitionstrieb. "Welchem 
ätiologischen Faktor fällt in der Entfaltung der Neurosen, sowie der funktio- 
nellen Psychosen die ausschlaggebende Bedeutung zu? 12 Es handelt sich letzten 
Endes immer um eine aus der Umwelt stammende Versagung, die den Trieb- 
befriedigungen des Es mächtig den "Weg verstellt. Die mitgeteilten analysierten 
Fälle gestatten eine klare Einsicht in die Situationen, die dem Ausbruch der 
Psychose vorangingen, und so können wir dieselben induktiv untersuchen. 
Die Verschiedenheiten der Fälle machen es ratsam, den zweiten Fall von den 
beiden anderen gesondert zu besprechen. 

Im zweiten Falle ist es der sadistische Partialtrieb, der wahrscheinlich zu 
stark entwickelt und einer Sublimierung kaum fähig war und im realen Leben 
nicht die nötige Abfuhr fand. Von dieser Seite drohte dem Kranken Gefahr. 
Die Gelegenheit, die diesen Trieb zur Befriedigung drängt, ist scheinbar un- 
bedeutend: irgendein Zusammenstoß mit dem Chef oder einer anderen Per- 
son. Doch bringt dieser Zusammenstoß nicht nur den aktuellen Haß in Be- 
wegung, sondern mobilisiert auch lang Vergangenes, weckt die Erinnerung an 
ähnliche Situationen. Das letzte Glied dieser ins Unbewußte reichenden Er- 
innerungskette ist der Ödipuskonflikt, der "Wunsch, den Vater zu töten. Aus 
dieser Quelle bezieht der aktuelle Haß seine hohe Besetzung. "Wenn dann der 
belanglos erscheinende, aktuelle Zusammenstoß zustande kommt, reagiert der 
Kranke darauf in einer keineswegs adäquaten "Weise; der intensive Haß und 

n) Dessen Hauptmotiv (die frühen Erfahrungen über die Prostitution der Mutter) ist in 
der Analyse leicht zu verfolgen. 

12) Ich stütze mich hier auf die grundlegende Auffassung Freuds, die er in zwei Ar- 
beiten gedrängt zusammengefaßt hat: „Neurose und Psychose" und „Der Realitätsverlust bei 
Neurose und Psychose", beide in der Int. Ztschr. f. Psa., Bd.X, 1924, bzw. Ges. Sehr., Bd. V 
und Bd. VI. 



Zur Psychoanalyse amentia-ähnlicher Fälle 



93 



die Wut treiben ihn zur Tat, ja zum Mord. Auf diese Triebgefahr tritt so- 
fort die am meisten entsprechende Art der Abwehr in Aktion: die Flucht vor 
dem Objekt seiner Mordlust mit Hilfe der Motilität. Doch setzt sich dieser 
sich oft wiederholende Mordimpuls einmal in seinem Leben durch, er wird 
zur Tat und nachträglich zur Ursache einer pathologischen Reaktion, der 
Halluzination. Diese pathologische Reaktion erscheint bei jedem erneut auf- 
tauchenden Mordimpuls, wenn die Abwehr weder mittels der Motilität noch 
anders gelingt. "Was repräsentiert diese Halluzination? Sie verkörpert die 
einst wirklich ermordete Person, weiter die Urrivalen, den Bruder und den 
Vater, und in der aktuellen Situation die beleidigende Person, gegen die sich 
der Mordimpuls richtet. 13 Der Mordimpuls findet hier an Stelle seines Ob- 
jektes, vor dem er geflüchtet ist, einen neuen Gegenstand, gewissermaßen in 
der Form eines Phantoms. 14 Doch mit dem Erscheinen der Halluzination 
wird das ursprüngliche Verhältnis umgekehrt. „Ich habe jemanden getötet, 
oder wollte ihn töten, habe also Grund, seine Rache zu fürchten" — dies ist 
die Genese der Halluzination. Doch umgebaut zur Projektion lautet es: „Je- 
mand bedroht mich, also ich muß ihn töten, um nicht selber vernichtet zu 
werden." 15 

Im ersten und im dritten Fall ist das äußere Bild der Situation ein anderes. 
Bei beiden handelte es sich um reale Forderungen, die, wie hervorzuheben ist, 
von Personen gestellt wurden, die für die Kranken von großer Bedeutung 
sind (von den strengen Vorgesetzten, bzw. von der Mutter), und deren Er- 
füllung unverschieblich an einen gegebenen Termin gebunden war. Jede 
dieser Forderungen beinhaltet eine schwere Versagung, der Kranke muß auf 
seine "Wünsche verzichten; die Quellen dieser Wünsche sind bestimmte Partial- 
triebe, im ersten Falle die sadistisch-analen, im anderen die Schau- und Ex- 
hibitionstriebe. Der Kranke ist auch geneigt, die aus der Umwelt stammende 
Versagung auf sich zu nehmen, da er an die versagende Person stark fixiert 
ist. Eine Zeitlang siegt auch das Bemühen, sich an die äußere Forderung an- 
zupassen, bis es dann unerwartet und eben im entscheidenden Augenblick, 
knapp vor dem Termin, zum Zusammenbruch kommt. 16 



Welches Kräfteverhältnis können wir in diesen Fällen zwischen Trieb- 
wunsch und Versagung beobachten? Bei der Halluzinose sehen wir auf den 
ersten Blick die Übermacht des Triebwunsches gegenüber der Versagung. Eine 

13) Außerdem verkörpert sie gleichzeitig das verbietende und strafende Über-Ich. 

14) Dieses Phantom ist während der Psychose eine mit der Wirklichkeit gleich- 
wertige „psychische Realität". 

ij) Damit verbildlicht und vergrößert er auch die aktuelle Situation: er hat ja in der 
Realität eine Beleidigung, eine Verletzung erfahren. 

16) Zu dieser äußeren Forderung gesellt sich eine innere, die vom Ober-Ich ausgeht. Im 
dritten Fall hat das Über-Ich die versagende Rolle zur Gänze übernommen und den Zeit- 
punkt der Entsagung eigentlich selber gesetzt. 



94 • Endre Almäsy 



äußere Versagung gibt es hier eigentlich nicht, sie wird fast ausschließlich 
vom Über-Ich des Kranken auferlegt. 17 Beim ersten und dritten Fall dagegen 
kommt die versagende Rolle des Über-Ichs neben den realen Personen der 
Umwelt bloß in zweiter Linie in Betracht. Es herrscht auch kein unüber- 
brückbarer Widerspruch zwischen den Kräften der Triebwünsche und denen 
der Versagung, wenigstens so lange nicht, als der Zeitpunkt der endgültigen 
Versagung nicht wirklich eingetreten ist. Bis dahin werden ja die "Wünsche 
größtenteils befriedigt: der Amente, der sein Geld verteilt, kann Geld sammeln 
und sich eine Zeitlang in der Illusion wiegen, daß er das Geld nicht her- 
geben muß; der andere kann seine Exhibitions wünsche gleichfalls in sübli- 
mierter Form ausleben. Nur wenn der Termin näherrückt, verändert sich 
das Kräfteverhältnis zwischen Versagung und Triebanspruch zugunsten des 
letzteren. Der Termin stellt die Person vor eine ähnliche Aufgabe, wie es die 
im vorigen Fall besprochene und leichter übersehbare Aufgabe war: einen 
Trieb, der durch endgültig entscheidende Versägung eine erhöhte Besetzung 
erhalten hatte, zu meistern. 

Nach Freuds Auffassung vom "Wesen der Psychose entsteht dieselbe aus 
dem Konflikt des Ichs und der Realität, und zwar so, daß das Ich dem Es den 
"Weg freigibt, indem es sich zurückzieht, Von der Umwelt loslöst. Diese Tren- 
nung von der Umwelt ist der erste Schritt des psychotischen Zustandes und 
vollzieht sich in der "Weise, daß die äußere Realität, die ursprünglich durch 
aktuell fortgesetzte sowie durch frühere "Wahrnehmungen — durch den Er- 
innerungsschatz, also durch eine „im Ich sich befindende Innenwelt" — das 
Ich beeinflussen konnte, — daß diese äußere Realität nicht mehr zur Wahr- 
nehmung wird oder daß die "Wahrnehmung wirkungslos bleibt. 

Diese Loslösung von der Realität bedeutet aber keineswegs, daß jede Ver- 
bindung mit der Außenwelt aufgegeben wird. Der zweite Schritt der Psy- 
chose versucht statt dieser Umwelt, vor der das Ich geflüchtet ist, die neue 
Außenwelt zu schaffen. Doch wird diese neue Welt nun von den inzwischen 
übermächtig gewordenen Es-Trieben geformt. Mit anderen "Worten: eine 
„realitätsgerechte" Außenwelt wird in eine „wunschgerechte" umgewandelt. 1 * 
Freud gibt auf die Frage, wie dem Ich die Loslösung von der Umwelt er- 
möglicht wird, keine Antwort. Es scheint mit der Eigenart des Ichs zusam- 
menzuhängen. Das Ich des Erwachsenen ist meistens ein starres System, starr 
in dem Sinne, daß es seine Abhängigkeit von der Außenwelt nicht leicht auf- 
gibt. Bei den besprochenen Fällen jedoch konnten wir eine ganz ungewohnte 

17) Hier scheint nicht so sehr die absolute Übermacht der Triebwünsche ausschlaggebend 
zu sein, wie vielmehr die plötzliche Mobilisierung derselben, wodurch die Abwehrkräfte un- 
vorbereitet überrumpelt werden. 

1 8) Dieser Prozeß verläuft aber wahrscheinlich nie ganz einseitig. Einerseits bleiben 
Reste der früheren Außenwelt bestehen, anderseits kann man Versuche zu einer Rekord 
struktion der früheren „realitätsgerechten" Außenwelt beobachten. 



Zur Psychoanalyse amentia-ähnlicher Fälle g<- 



Plastizität und Elastizität des Ichs beobachten. 19 Um diese Eigenart des Ichs 
verstehen zu können, müßten wir über seine Entwicklungsgeschichte besser 
orientiert sein. Ferenczi hat in seiner grundlegenden Arbeit 20 lange be- 
vor der psychoanalytische Begriff des Ichs ausgebaut war — eine empirische 
Skala der Entwicklungsstufen des Wirklichkeitssinnes der Sexual- und Ich- 
Triebe aufgestellt. Vom Standpunkt meiner Arbeit aus gesehen, können wir 
an dem sonst so standhaft erscheinenden Ich die Möglichkeit von Fixierungs- 
und Regressionsvorgängen annehmen. Die Regression und die durch diese 
erfolgte Loslösung von der Umwelt werden bei unseren Fällen ganz offen- 
bar, 21 doch bleibt das Wie und Weshalb des Vorganges freilich ungeklärt. 

Die auftauchenden Probleme teilen sich also in allgemeine und in spezielle. 
Zum Kreis der allgemeinen gehört die Frage der „Realitätsprüfung", dieser 
eigenartigen Funktion des Ichs, und die genauere Untersuchung der Fixierung 
und der Regression des Ichs. Die Antwort auf die spezielle Frage würde ein 
tieferes Verständnis der Amentia ermöglichen. Sie lautet nämlich: welche 
Bedingungen ermöglichen dem Ich diese Elastizität, diese akute, fast totale 
Regression? 22 

Wenn wir, zum Schluß, vom ökonomischen Standpunkt aus unseren Blick 
über das große Gebiet der Neurosen und funktionellen Psychosen schweifen 
lassen, so können wir behaupten, daß die akut auftretende und so schnell ab- 
laufende Amentia wohl die denkbar beste ökonomische Lösung ist. Die schon 
früher erwähnte Plastizität bzw. Elastizität des Ichs ermöglicht die akute Los- 
lösung von der Umwelt; dies aber erlaubt eine so weitgehende und so rück- 
sichtslose Mobilisierung sowie Befriedigung der Es-Triebe, kurz ein Ab- 
reagieren, wie wir es nennen möchten, welches bei erhalten gebliebener 
Rücksicht auf die Umwelt unmöglich wäre. Dieses Abreagieren führt zur 
raschen Niveausenkung der Besetzungsenergien des Es und so zu einem Zu- 
stand, bei dem das System „Ich-Bw." die Verbindung mit der Außenwelt 
wieder aufnehmen kann, da es jetzt nicht mehr durch maßlos große Es- 
Energien bestürmt wird. 



19) Wir müssen dieses Ich plastisch und elastisch nennen, da es nicht nur zu dem 
plötzlichen Ausbruch der Psychose, sondern auch zum Wiederherstellen des Status quo be- 
fähigt war. 

20) S. Ferenczi: Entwicklungsstufen des Wirklichkeitssinnes, Int. Ztschr. f. Psa., Bd. I, 
1913, S. 124 — 138, oder: Bausteine zur Psa., I. Bd., Int. Psa. Verl., Wien 1927. 

21) Der erste Fall ist ein klassisches Beispiel für die Regression auf die Stufe der „All- 
macht der magischen Gebärden". Der zweite zeigt die Periode der magischen Halluzination, 
während der dritte auf der Entwicklungsstufe der „Allmacht der Gedanken und Worte" zu 
stehen scheint. 

22) Die meisten Psychosen entwickeln sich bekanntermaßen chronisch, mit einer all- 
mählichen und meistens nur partiellen Ablösung von der Umwelt; Bedingungen, die eine 
akute und totale Regression des Ich ermöglichen, und so auch die akute Lösung, sind sehr 
selten vorhanden. Bei unserem : dritten Fall wird die Möglichkeit zu dieser Regression durch 
einen die Psychose einleitenden Schlafzustand geschaffen. ' ■..-.-. 






96 



Endre Almäsy: Zur Psychoanalyse amentia-ähnlicher Fälle 



Dieser nicht immer gelingende Heilungsversuch der Natur gibt uns Ge- 
legenheit zu einem heute noch recht phantastisch anmutenden Gedanken über 
die psychoanalytische Therapie der Zukunft. Vielleicht werden wir einmal 
durch vertieftes Wissen um die Ichstruktur zur Möglichkeit gelangen, das 
Ich elastischer umzubauen und dann jede chronische Neurose und funktionelle 
Psychose quasi durch eine künstliche Amentia zu heilen. 23 






23) Die Anregung zu diesen Gedanken habe ich durch Ferenczis neuere therapeutische 
Versuche erhalten. Jene „Relaxation", die in der Psychoanalyse der Neurosen nur mit so 
großer Anstrengung zu erreichen ist, kann man in den „Selbstheilungsversuchen" der Psy- 
chosen manchmal beobachten. , 



REFERATE 



Aus der Literatur der Grenzgebiete 

WEIZSÄCKER, VIKTOR VON: Studien zur Pathogenese. Georg Thieme- Verlag, Leipzig 193$. 

Die in der vorliegenden Schrift niedergelegten Anschauungen über die Pathogenese setzen 
die in verwandter Richtung liegenden Forschungsergebnisse der Analyse von Organneurosen 
fort. Die Darstellung der Krankengeschichten zeigt, daß hier der Wert auf eine vom 
Autor sogenannte biographische Pathologie gelegt wird. Es werden die Phänomene nicht 
statistisch geordnet, sondern es wird der Psychogenese organischer Krankheiten nachgespürt. 
Doch lehnt sich der Verfasser gegen einen betonten Psychologismus auf und erklärt, daß 
die Ereignisfolgen der Krankheit ebenso nach moralischen als nach geistigen Kräften be- 
stimmt sind und nicht nur nach seelischen. 

Im ersten Abschnitt der Abhandlung bringt der Autor 13 aphoristisch dargestellte Kran- 
kengeschichten von Patienten mit Angina tonsillaris, bei denen als Ursache der Entstehung 
ein psychisches Trauma oder ein erotischer Konflikt nachgewiesen wird. Die Angina tritt 
an Stelle der Konfliktlösung und heilt ab, wenn die Lösung des aktuellen Konflikts durch 
die Erkrankung gelungen ist. In den ersten 8 Fällen ziehen die Erkrankten einen so be- 
friedigenden Gewinn aus der Krankheit, daß sie, nach Angabe des Autors, nachher froh 
und glücklich sind. Dem auslösenden Faktor der Erkrankung gibt der Autor den Namen 
„gekränkter oder getäuschter Eros". Die Krankheit wird „in den Rahmen eines Dramas 
eingefügt und gehört dazu". 

In einem Falle führte die Angina zu einer Allergie, die in Form einer Urticaria als 
orgastisches Äquivalent sich deuten läßt. Die Formulierung, daß das organische Symptom, 
hier die Angina, eine lokale Verschiebung der Sexualempfindung von der genitalen auf eine 
andere Zone darstellt, wobei diese Verschiebung den Wert einer Neurose erlangt, ist 
analytisch an vielen Orten und in ähnlicher Weise ausgedrückt worden. 

In 2 Fällen wird das Thema illustriert, daß das organische Symptom nicht nur aus einer 
realen, aktuellen, traumatischen Situation hervorzugehen braucht, sondern daß „das Drama" 
sich endopsychisch abspielen kann. Damit meint der Autor das Fehlen eines manifesten, 
realen Konfliktes. 

Die hier angeführten Fälle von Angina entstehen, wie der Autor verstanden sein will, 
nicht psychogen, aus versagter oder mißhandelter Geschlechtshandlung und haben nicht ein- 
fach Ersatzbedeutung für den genitalen Vorgang, weil sie nicht der Versagung entspringen, 
sondern einer erotischen Kränkung. Die genitale Erregung und die stürmischen Vorgänge 
an den Tonsillen treten in nahe Beziehung. Daß die psycho-physische Erkrankung gerade 
nach dem oralen Pol strebt, sucht der Autor entwicklungsgeschichtlich zu erklären. — In 
einem Fall von Enuresis soll die Angina zu einer dauernden Heilung vom Bettnässen geführt 
haben, indem eine Entwertung der genitalen bzw. Miktionsvorgänge eintritt. Die organische 
Erkrankung an den Tonsillen hat die libidinöse Aufmerksamkeit auf ein neuentdecktes und 
erkrankungsfähiges Organ gelenkt. Ebenso sollen paranoische Erscheinungen mit der Er- 
krankung verschwunden und der Kranke wieder arbeitsfähig geworden sein. 

Im zweiten Abschnitt wirft der Autor die Frage auf, wie es zur Vieldeutigkeit des 
Symptoms kommt, wie die mehrfache Funktionsänderung eines Symptoms zu verstehen ist. 
Diese Klärung sucht der Autor durch „die Einführung des Subjekts in die Pathologie" zu 
erreichen. Daraus folgt die selbstverständliche Hypothese der sogenannten Psychogenese 
organischer Krankheiten. Der wissenschaftliche Beweis dieser Hypothese stößt auf die 
Int. Zeitschr. f. Psychoanalyse, XXII/i 7 



Schwierigkeit, die seelische Bedeutung von inneren Organen zu ermitteln, denn eine 
psycho-physische Regel für Herz, Lunge, Leber, Niere gibt es noch nicht. 

Am Beispiel des Diabetes insipidus, aus dem der Autor die Empfindung Durst als 
führendes Symptom herausgreift, sucht er zu exemplifizieren, wie die nähere Erforschung dieser 
unbekannten Größe auf psychischem Wege die Betriebsstörung im ganzen verstehen läßt. 
Auch hier schließt der Autor an ein analytisch bereits vielfach dargelegtes und als „Wasser- 
hunger" bezeichnetes Phänomen an. — Im ersten Falle läßt sich vermuten, daß das Wesen 
des Kranken, seine Heftigkeit, sein Mißtrauen, seine Angst und Fluchtgelüste aus dem 
Krankenhaus mit den Verhältnissen der Wasserbewegung zwischen Blutgeweben und der 
Niere parallel gehen und daß seine Angstzustände einer Art Wasservergiftung entsprechen. 
— Im zweiten Falle, einem Hypophysentumor, zeigt sich, daß der Durst und seine Be- 
friedigung etwas wie eine verbotene Lust geworden ist. Er ist an Stelle der sexuellen Be- 
friedigung getreten. Der Autor findet, daß Geschlechts- und Muttertrieb etwas mit Durst- 
und Trinktrieb zu tun haben, so wie eben zwischen Hypophyse und Ovar ein Zusammen- 
hang besteht. — In einem dritten Falle alterniert Durstbefriedigung mit Aggression; wenn 
der Patient das Trinken aufgibt, wird er aggressiv-paranoid. — In einem vierten Fall stellt 
sich Durst zum erstenmal bei einer sexuellen Versagung ein. Das Trinken tritt an Stelle 
der Sexualbefriedigung. Allen Fällen gemeinsam ist die Betonung der oralen Sphäre 
durch die Durstkrankheit. Alle Kranken versicherten; daß ihnen das häufige und reichliche 
Urinieren keinerlei Lust bringt. Der Autor meint, daß für seine Fälle von Durstkrankheit 
das erotische Element nicht bestimmend war. Er beschränkt vielmehr die Einheit der an- 
geführten Fälle darauf, daß in ihnen der Durst nicht eine einfache Empfindungsqualität, 
sondern eine widerspruchsvolle Leidenschaft geworden ist. In ihnen ist moralischer Wider- 
streit ebenso im Spiele wie affektive, triebhafte Gegensätze. 

Auch im dritten Abschnitt findet sich manches analytisch Bekannte. Der Autor schildert 
eine Angstneurose, an der er zeigt, daß das Symptom topographisch-anatomisch verschieblich 
ist. An Stelle der Herzanfälle können Migräne und an deren Stelle Durchfälle auftreten. Die 
Symptome sind eines durch das andere ersetzbar. Als weitere Feststellung wird angeführt, 
daß die Symptome aus einem Mangel an Zuwendung zum Menschen hervorgegangen sind. Als 
Wurzel der Entstehung des Symptoms akzeptiert der Autor die als Trauma, Verdrängung und 
Konversion bekannten Tatsachen. In der Therapie liegt der Erfolg darin, daß die Kranken nicht 
mehr ihr Herzleiden, sondern ihre Angst behandelt sehen. Durch Mobilisierung des ver- 
drängten Affektes, durch eine Traumkatharsis, verschwinden, nach Ansicht des Autors, die 
Symptome. Die vermutliche neurogene Beschleunigung der Reizbildung am Herzen bei 
einer psychogenen Tachykardie und die Angst stehen in einem Wechselverhältnis. „Die 
Tachykardie kommt von der Angst und die Angst von der Tachykardie. Es kommt nicht 
darauf an, daß Angst pathogen wirken kann, sondern hat man die Angst nicht richtig, so 
bekommt man eine hysterische Phobie und mit ihr ein organisches Symptom." 

In einem vierten Abschnitt beschreibt der Autor den Vorgang einer hysterischen Läh- 
mung, die er mit seiner „biographischen Methode" untersucht. 

In einem fünften Kapitel wird die psychische Behandlung eines Patienten, der nebst ver- 
schiedenen konversionshysterischen Symptomen an einer organischen Abduzensparese mit 
Diplopie leidet, näher ausgeführt. 

Am Schlüsse faßt der Autor die Ergebnisse der hier angeführten Krankengeschichten 
dahin zusammen, daß diese Krankheiten entweder an den Wendepunkten biographischer Krisen 
stehen oder in die schleichende Krise eines ganzen Lebens eingeflochten sind. Diese Einflech- 
tung ist keine äußerlich zufällige und grob mechanische, sondern zeigt, daß Krankheit und 
Symptom den Wert von seelischen Strebungen, moralischen Positionen und geistigen 
Kräften annahmen und daß dadurch in der Biographie so etwas wie ein gemeinsamer Boden 



Referate 



99 



für den körperlichen, seelischen und geistigen Anteil der menschlichen Person entsteht. Die 
biographische Methode, durch die der Inhalt der Krankheit gefunden wird, ist keine Er- 
klärung, sondern eine Art der beobachtenden Wahrnehmung. F. Deutsch (Wien) 



Aus der psychiatrisch-neurologischen Literatur 

CURTIUS, F.: Die organischen und funktionellen Erbkrankheiten des Nervensystems. 

Ferdinand Enke, Stuttgart. 193$. 19J S. 

Der Verfasser stellt sich in diesem Buch eine aktuelle und wichtige Aufgabe, denn er 
beabsichtigt eine lehrbuchmäßige Darstellung der neurologischen Erbkrankheiten und gleich- 
zeitig eine Einordnung der Erfahrungen auf dem Gebiete der Neurologie in die Erbwissen- 
schaft. Die Anlage des Buches setzt eine feste Konzeption, einen vielleicht einseitigen, sicher- 
lich aber einheitlichen Gesichtspunkt voraus. Die Einteilung der einzelnen neurologischen 
Erkrankungen im speziellen Teil des Buches geschieht im wesentlichen nach pathologisch- 
anatomischen Gesichtspunkten. Eine Einteilung, wie sie der Gegenstand eigentlich erfordert, 
nämlich nach den Erbgesetzen, ist nicht durchführbar. In einem gesonderten Kapitel werden 
die „funktionellen Erbkrankheiten des Nervensystems", darunter Epilepsie, Migräne, Psycho- 
pathie und Neurosen abgehandelt. Auch bei der Migräne werden die Erbfaktoren für aus- 
schlaggebend gehalten, der Erbgang ist bei dem häufigen Vorkommen der Migräne bei 
Eltern und Kindern wahrscheinlich die einfache Dominanz. Vererbt wird die „allergische 
Grundkonstitution" und „die allergische neuropathische Konstruktion"; die Migräne stellt 
somit einen „Schnittpunkt mehrerer Teilbereitschaften" dar. Zu ähnlichen Schlüssen kommt 
der Verfasser bei der Beurteilung von Neurosen und Psychopathie. Auch dem Analytiker 
ist die Tatsache nicht unbekannt, daß psychopathische Eltern psychopathische Kinder be- 
kommen, und es ist schließlich nicht zu leugnen, daß auch die Psychopathen die Kinder 
ihrer Eltern sind. Aber die entscheidende Bedeutung der exogenen Ursachen in der Genese 
der Neurosen ist in keiner Weise durch die Tatsache ihrer Häufung in bestimmten Sippen 
vermindert. Gerade bei der Fülle des gebotenen Materials, besonders auch der neurologischen 
Kasuistik, ist immer wieder von neuem erstaunlich, in wie hohem Maße die Kenntnisse der 
Erbwissenschaft noch Stückwerk sind, und daß fast bei keiner Erkrankung der Erbmodus 
gesichert ist. Die lehrbuchmäßige Darstellung verführt oft zu allzu großer Einfachheit 
und Kürze, z. B. in den Kapiteln über Epilepsie. Im allgemeinen muß aber hervorgehoben 
werden, daß die Lücken im Wissen aufgewiesen werden, und daß die Formulierungen von 
größter Vorsichtigkeit sind. Das Buch gibt eine übersichtliche, mit Hilfe der reichlichen 
Literaturangaben auch eine tiefer einführende Darstellung der Tatbestände und Ansichten 
auf dem Gebiete der organischen Erbkrankheiten des Nervensystems. Es ist ein Rechen- 
schaftsbericht und gleichzeitig eine Aufforderung zu weiterer Arbeit, die eigentlich bisher 
nur ihren Gegenstand kennt und deren Ergebnisse vorläufig erst undeutlich und in Um- 
rissen sichtbar sind. M. Grotjahn (Berlin) 

GROVES, E. R.: The Development of Social Psychiatry. The Psa. Review, XXII, 1; 193$. 

G. versucht in diesem Aufsatz eine allgemeine Übersicht über diejenigen Gebiete zu geben, 
wo psychiatrische und psychotherapeutische Gesichtspunkte die soziologische oder um- 
gekehrt soziologische Gesichtspunkte die Psychiatrie und Psychotherapie befruchten können. 
Die im wesentlichen referierende und programmatische Darstellung vermittelt dem Leser 
einen Einblick in die Entwicklung, welche diese Fragen in den letzten 20 Jahren in Amerika 
genommen haben. Am Schluß fordert der Autor von den Soziologen, daß sie auf solche 
Erkenntnisse hinarbeiten sollen, welche eine „rekonstruktive" Beseitigung der sozialen Übel, 
unter denen wir leiden, ermöglichen und von den Psychotherapeuten, daß sie darauf aus- 
gehen, durch „rekonstruktive" Verbesserung der sozialen Situation ihrer Patienten die thera- 

9* 



W Referate 

peutische Beeinflussung im Sinne der Erziehung zur Anpassung an die Gesellschaft zu unter- 
stützen (Mental hygiene.) 

Mit der vom Autor gegebenen Charakterisierung der Forschungsaufgaben, die sich der 
Psychoanalyse auf dem Feld der Soziologie darbieten, kann man einverstanden sein. Aber es 
erheben sich Bedenken gegen seine unpräzise Darstellung vom Wesen der psychoanalytischen 
Therapie. D le hier bestehende Unklarheit und Unscharfe dürfte mit der Auffassung des 
Autors zusammenhängen, daß es weniger auf die den Therapeuten leitende Schulmeinung 
ankomme als darauf, daß der Psychotherapeut sich leiten lasse von der Einsicht, daß die 
Neurose einen Mißerfolg in der sozialen Anpassung darstelle und daß an diesem Punkt 
d t e Korrektur zu erfolgen habe. W. Marseille (Wien) 

KRAPF, E.: Die Seelenstörungen der Blutdruckkranken. Franz Deuticke- Verlag, Leipzig- 
Wien 1936. ' 

Die Blutdruckkrankheiten, und zwar die Hypertonie, werden als Ausgangspunkt benutzt, 
um an ihnen beispielhafte Methoden und Ansichten einer „Psychiatrie auf pathophysiologischer 
Grundlage" zu entwickeln. Im wesentlichen wird eine Symptomatik der Seelenstörungen bei 
Hypertonikern gegeben. Es finden sich Absenzen, ängstlich-triebhafte und ekstatische 
Dämmerzustände, hyperkinetische und akinetische Psychosen, Halluzinosen und delirante 
Zustände, paranoide und depressive Verstimmungen sowie Wesensveränderungen. Eine 
differentialdiagnostische Abgrenzung gegen seniles und klimakterisches Irresein und gegen 
arteriosklerotische Psychosen gelingt nur sehr unvollkommen, obwohl in „reinen" Fällen 
ein prinzipieller Unterschied zwischen Arteriosklerose und Hypertonie angenommen wird. 
Es wird eine „extrazerebrale" Disposition zur Hypertonie vermutet, eine mögliche Psycho- 
genese nur kurz erwähnt: „Auch die sogenannte affektive Blutdrucklabilität ist Ausdruck 
einer bestimmten Konstitution." Der „vasale Faktor" wird zu analysieren versucht, ohne 
daß wirklich neuartige Erkenntnisse gefördert würden. Es bleibe dahingestellt, ob die Auf- 
fassung von den Besonderheiten einer „funktionell-zirkulatorischen Syndromengruppe" mehr 
bedeutet als einen terminologischen Versuch im Rahmen „strukturanalytischer Methoden". 

M. Grotjahn (Berlin) 

NEUTRA, WILHELM: Rationalpsychagogik. Kritisch-autosuggestive Behandlung der Neur- 
asthenie und Angstneurose. Verlag Weidmann & Co., Wien-Leipzig-Bern. 
Der Autor, der im Jahre 1920 ein Buch: Seelenmechanik und Hysterie (Psychodystaxie) 
veröffentlicht hat (s. die Besprechung im Jahrgang 1920 dieser Zeitschrift), stellt nun 
neuerlich seine Methode der Neurosenbehandlung dar, die sich vollständig von analytischer 
Methodik abgewendet hat. Das Buch soll nicht mehr sein, als ein praktischer Leitfaden 
seiner suggestiven Methode, zu welcher ihm „neben der intuitiven Erfassung der Gesamt- 
persönlichkeit die objektive Beobachtung der psychischen Konstellation und der Einstellung 
zu verschiedenen äußeren Situationen" genügt. 

Der sichtlich erfahrene und gut beobachtende Autor umgibt seine Suggestionstherapie, die 
sicherlich so viel erreicht wie andere Suggestionen, mit einem so wortbildungsreichen philo- 
sophierenden Gewand, daß die Lektüre dem Naiven ein tief-wissenschaftliches System vor- 
täuscht. So nennt er die Affekte „Subjektfunktionen der Ich-Situations-Relationen", er- 
läutert die hysterische Abulie als „eine starke Aktivität unter der Maske scheinbarer Ak- 
tivitätsschwäche in der gleichsam negativen Richtung auf Passivität". Seine Lehre von der 
Psychenergetik und Affektdynamik zeitigt z. B. folgende Sätze: „Der psychomechanische 
Wille ist der Ausdruck der Kräftekonstellation aller Tendenzintegrale"; oder „Die hysterisch 
abnorme Reaktion ist die alogische Entspannungskonsequenz der durch innere oder äußere 
Widerstände hervorgerufenen und durch die Starrheit der Hemmung logisch unlösbaren 
Maximal- oder Qualspanhung". 



r 



Referate I0I 

Obwohl Neutra „Freuds unsterbliches Verdienst", der psychologischen Forschung die 
analytische Richtung gewiesen zu haben, anerkennt, wirft er ihr oberflächlich Pansexualismus 
u. dgl. vor, ohne sich um ein Verständnis der Trieblehre, der Verdrängung usw. irgendwie 
zu bemühen. So steht er z. B. der Genese der Zwangsneurose, die analytisch so weit ge- 
klärt wurde, ganz verständnislos gegenüber; kann er denn hier dauernd helfen!? Originell 
wirkt der therapeutische Versuch, die Stimmung des Kranken zu beeinflussen; immerhin 
muß erst „der Widerstand gegen das Akzeptieren der optimistisch-autosuggestiven Hilfs- 
mittel aus dem Wege geräumt werden". Häufiges Beziehen auf Philosophen aller Zeiten, 
sowie Tableaus komplizierter Schemata beschweren das Werk, so daß es seinen Zweck 
„hauptsächlich Medizinern, praktisch tätigen Ärzten und Pädagogen" zu dienen, schwerlich 
erreichen wird. E. Hitschmann (Wien) 

SCHULTZ, I. H.: Übungsheft für das Autogene Training (konzentrative Selbstentspannung). 
Georg Thieme-Verlag, Leipzig 1935. 28 S. 

Solange das utopische Reich, von dem Freud in den „Wegen der psychoanalytischen 
Therapie" spricht, und in dem die Analysen in größerem Umfange durchführbar sein 
werden, noch weit entfernt ist, solange besteht keine Veranlassung, die Mittel der „kleinen" 
Psychotherapie, und damit auch das autogene Training, abzulehnen. Auf 28 Seiten stellt 
I. H. Schultz eine Anleitung zur konzentrativen Selbstentspannung zusammen. Seine Ent- 
spannungsregeln sehen aus wie Gebete an das Unbewußte: 

„Ich bin ganz ruhig! 

Arme und Beine sind ganz schwer! 

Arme und Beine sind ganz warm! 

Herz schlägt ganz ruhig! 

Atmung ganz ruhig, es atmet mich! 

Sonnengeflecht ruhig strömend warm! 

Stirn angenehm kühl!" 

M. Grotjahn (Berlin) 

Aus der psychoanalytischen Literatur 

ALLEN, C.: Introjection in Schizophrenia. The Psa. Review, XXII/2, 193$. 

An Hand des Materials von fünf teils analysierten, teils explorierten Fällen bemüht sich 
A. zu zeigen, welche bedeutende Rolle der Mechanismus der Introjektion nicht nur bei der 
Melancholie, sondern auch bei der Schizophrenie spielt. Er vertritt die Ansicht, daß der 
primäre Introjektionsvorgang hier oft durch einen sekundären Projektionsmechanismus 
überdeckt werde und aus diesem Grund schwer zu beobachten sei. Zum Schluß sind einige 
allgemeine Erwägungen der Frage gewidmet, wie es kommt, daß die Introjektion bei der 
Schizophrenie nicht so schwer und folgenreich auftritt wie bei der Melancholie. 

W. Marseille (Wien) 

DORSEY, J. M.: The Psychology of the Person Who Stutters. The Psa. Review, XXII, 1; 

'935- 

In der Überzeugung, daß sich das psychologische Verstehen des Stotterns auf ein grund- 
sätzliches Verständnis des Phänomens der Sprache stützen müsse, entwickelt D. zunächst 
seine Ansicht über die ursprüngliche Bedeutung des Sprechaktes. Dabei lehnt er sich an die 
Sprachtheorie des Physikers R. Paget an, welche dieser in seinem 1930 erschienenen Werk 
„Human Speech" dargestellt hat und die kürzlich in „Imago", Bd. XXI, 193 j, eine so her- 
vorragend günstige Besprechung gefunden hat. Danach hätte die physioplastische 
Ausdrucksfähigkeit der Stimme dem primitiven Menschen eine anthropomorphe phonetische. 



loa Referate 

Rekonstruktion der gesamten Welt seiner Erfahrung ermöglicht. Von da her sei auch heute 
noch im Sprechen eine schöpferische Funktion enthalten. Diese Funktion interpretiert der 
Autor im zweiten Teil seiner Arbeit nun als eine solche, die dem im Akt des Urinierens 
gegebenen Vorbild folge. Spekulative Gedankengänge führen schließlich auf dem Weg über 
diese psychologische Gleichung zu dem Ergebnis, daß die Stärke der urethralen Libido ein 
günstiges Prognostikum beim Vorliegen von Stottern sei. — Es ist zu bedauern, daß der 
Autor in diesem Aufsatz nichts von seinem klinischen Material mitteilt; denn nur auf Grund 
empirischer Daten könnte die Frage, wie weit die behauptete Vorbildlichkeit des Urinieraktes 
für den Sprechakt reicht, geprüft werden. Dem Referenten will scheinen, daß sich gerade 
die Sprachtheorie Pagets, auf die sich D. doch beruft, nicht in seine Konzeption fügen 
würde, da sie auf der Annahme einer universalen pantomimischen Nachahmungsfähigkeit 
der Sprachorgane aufgebaut ist. W. Marseille (Wien) 

HILL, L. B.: A Psychoanalytic Observation on Essential Hypertension. The Psa. Review, 
XXII, i; m$. 

Die auszugsweise mitgeteilte Krankengeschichte eines Mannes von 32 Jahren soll zeigen, 
wie das Zusammenwirken eines akzidentellen Faktors mit einem konstitutionellen das Symptom 
erhöhten Blutdrucks zustande bringen kann, ohne daß organische Gründe dafür vorliegen. 
Kurze Zeit, nachdem die analytisch-kathartische Behandlung das Wiederauftauchen der völlig 
vergessenen traumatischen Kindheitsszene (in welcher der Patient seine Racheimpulse gegen 
die Mutter, welche ihn — anscheinend nur dieses eine Mal — mit einer Ponypeitsche schlug, 
unterdrücken mußte) zuerst in einer dramatischen Reproduktion, dann auch in der Erinne- 
rung herbeigeführt hatte, verschwand das System für immer. W.Marseille (Wien) 

ROBBINS, B. S.: A Note on the Significance of Infantile Nutritional Disturbances in the 

Development of Alcoholism. The Psa. Review, XXII, 1, 1935. 

An Hand einer sehr interessanten und ziemlich ausführlich mitgeteilten Krankengeschichte 
zeigt R. die zwiefache Determinierung des Alkoholabusus in diesem Fall. Der Patient, der 
wegen eines Abszesses in der Brust der Mutter frühzeitig und gewaltsam entwöhnt wurde, 
befriedigte im Trinken nicht nur pathologisch fixierte orale Bedürfnisse, sondern er bedurfte 
auch der betäubenden Wirkung des Alkohols, um sein narzißtisches Gleichgewicht aufrecht- 
zuerhalten und sich vor Entfremdungsgefühlen zu schützen. W. Marseille (Wien) 

SHARPE, ELLA FREEMAN: Sitnilar and Divergent Unconscious Determinants Underlying 
the Sublimations of Pure Art and Pure Science. Int. Journal of Psa. XVI, 2. 
„Reine" Kunst und „reine" Wissenschaft nennt S h. eine solche Kunst oder Wissenschaft, 
welche keinerlei praktischen Zwecken dienen will, sondern nur aus dem innern Drang ihres 
Schöpfers entsteht. „Letzten Endes würde der ,reine' Künstler zugrunde gehen, wenn nicht 
Freunde und Beschützer für ihn sorgen würden." Sh. meint auch, was Ref. bezweifeln 
möchte, daß die großen Entdeckungen in der Naturwissenschaft niemals von Technikern 
gemacht wurden, sondern nur von „reinen" Wissenschaftlern, die sich für die praktische Ver- 
wendung ihrer Erkenntnisse nicht interessierten. — Was bringt die Künstler und Wissen- 
schaftler zu so nutzlosem Beginnen? — Die Antwort auf diese Frage wird in Beschränkung 
auf den psychologischen Gesichtspunkt gesucht durch die genetische Forschung danach, 
welche Mechanismen in frühen Stadien der Libidoentwicklung es sind, durch die zum ersten 
Male geschah, was später in Kunst und Wissenschaft „sublimiert" wiederkehrt. Die Autorin 
beabsichtigt dabei nicht, die Inhalte der Triebkonflikte, die in künstlerischer und wissen- 
schaftlicher Betätigung zur Entladung drängen — etwa Probleme des Ödipuskomplexes und 
des Schuldgefühls in der Kunst — zu untersuchen, sondern sie fragt mehr nach dem for- 
malen Element, wieso „nutzloses" Schaffen überhaupt von Konflikten befreien könne. 






Referate 103 

Dabei beschränkt sie sich auf die tiefste Grundlage der primitiven prägenitalen Denkwelten: 
Der rhythmisch-harmonische Lebenslauf des Säuglings, geregelt durch Nahrungsaufnahme 
und Ausscheidung, wird gestört durch die „frühen Ängste", die dem auf die ersten not- 
wendigen Versagungen folgenden oralen Sadismus entsprechen, nämlich dem Streben, den 
Mutterleib zu zerstören und seinen Inhalt zu fressen. Die Vergeltungsängste hiefür werden 
mit Hilfe von Introjektions- und Projektionsmechanismen abgewehrt. Hier setzen nun 
Tendenzen ein, die den einstigen harmonischen Zustand, wie er vor der Störung bestanden 
hatte, wieder herzustellen versuchen. Ein Wiederaufflackern solcher „Wiederherstellungs- 
tendenzen" — das sei Kunst und Wissenschaft. 

Die Künstler werden als „archaische" Menschen geschildert; daß sie perspektivisch sehen 
können, ohne es nötig zu haben, die Gesetze der Perspektive zu lernen, entspreche 
den noch ungestörten ursprünglichen Wahrnehmungen, denen die „Störung" durch Angst 
und Sadismus fehle. Diese ursprüngliche Harmonie werde mit der „Nutzlosigkeit" des Tuns 
wieder angestrebt. Es sei eine Harmonie, stammend aus der Zeit vor dem Sprechenlernen. 
Wie der Säugling ohne Milch, würde der „reine Künstler" ohne äußere Hilfe zugrunde gehen. 

Im Aufbau des Kunstwerks wiederhole sich die Wiederherstellung des sadistisch zerstörten 
Objekts. „Schöpferische Kunst stellt den Triumph über die Aggression dar. Dieser wird nicht 
durch Verdrängung oder Reaktionsbildung erreicht, sondern durch eine Art Regelung durch 
Rhythmus, was letzten Endes die Hervorbringung eines Auf und Ab von Spannungen be- 
deutet, die rhythmisch und angenehm sind." Der Künstler besiege Aggression und Angst 
mit Hilfe von Libido. Er identifiziere sich mit der „introjizierten schöpferischen Eltern- 
tmago". Seine Tätigkeit sei immer ein ordnendes Zusammenfügen, während Angst und Ag- 
gression offenbar mit dem Gefühl einhergehen, man habe ungeordnete Einzelstücke in 
seinem Innern, die nach Ordnung schreien. 

Es ist kein Zweifel, daß, wer aus innerem Drange heraus tätig ist, damit irgendein libido- 
ökonomisches Ziel verfolgt, also irgendwelche Konflikte lösen und Harmonie wiederher- 
stellen will. Aber die Beschränkung auf diesen Rahmen und auf seinen frühesten Ursprung 
vermag, wie uns scheint, das Wesentliche der künstlerischen und wissenschaftlichen Betäti- 
gung nicht wiederzugeben. Die Betonung der „Harmonie" des Kunstwerks oder der Natur- 
erkenntnis, die die „Störung" wieder aufheben soll, scheint uns außerdem mehr die klassi- 
sche Kunst als etwa jene romantische zu charakterisieren, die die „Störung" selbst darstellt 
und dadurch Befriedigung erreicht. 

Bei der „reinen" Wissenschaft sei es ähnlich wie bei der Kunst. Nur prävaliere, während 
dort die Introjektion im Vordergrund stehe, hier die Projektion. Aber auch der Wissen- 
schaftler wolle sich und seine „guten Imagines" vor den zerstörerischen Kräften der Aggres- 
sion schützen. Er erreiche dieses Ziel durch die bloße, keinem nützlichen Zwecke dienende 
Erkenntnis. Allerdings wird nicht recht klar, wieso. Wohl durch eine „Flucht zur Realität", 
von seinen schreckhaften Phantasien weg, und durch eine „Harmonisierung" der äußeren 
Welt, indem sie zu „Naturgesetzen" zusammengefügt wird; Frau Sh. meint offenbar, daß 
darüber hinaus die phobische Haltung des „Ich erkenne nur, ich tue nichts, also kann mir 
auch nichts geschehen" von Bedeutung ist, ferner auch die durch die naturwissenschaft- 
liche Erkenntnis gefundene Versicherung, die Welt sei gar nicht so gefährlich. Auch die 
Erkenntnis entspreche also einer „Wiederherstellung", nur stehe dabei oft weniger das orale 
als das anale Moment im Vordergrund. 

Die Unterscheidung von Kunst und Wissenschaft, jene stamme aus der inneren Erfahrung, 
diese befasse sich mit äußeren Erscheinungen, ist offenbar nicht richtig; andernfalls wäre 
Psychologie keine Wissenschaft. — Auch die Meinung, daß die Welt ursprünglich in losen 
Empfindungen gegeben sei, die erst später vom „wiederherstellenden" Ordnungswillen zu 
Gegenständen zusammengefaßt werden, steht nicht in Einklang mit neueren Erkenntnissen 
der Entwicklungspsychologie. O. Fenichel (Prag) 



KORRESPONDENZBLATT 

DER 

INTERNATIONALEN PSyCHOANALyTISCHEN 

VEREINIGUNG 



Redigiert vom Zentralsekretär Edward Gfover 



I. Preisausschreiben 
des Psychoanalytischen Lehrinstitutes in London 

Die ordentlichen und außerordentlichen Mitglieder der Internationalen psycho- 
analytischen Vereinigung werden darauf aufmerksam gemacht, daß vom Psycho- 
analytischen Lehrinstitut in London ein Preisausschreiben für die beste Arbeit 
über ein psychoanalytisches Thema veranstaltet wird. An diesem Wettbewerb 
können sich sämtliche Mitglieder ohne Unterschied des Arbeitsgebietes beteiligen. 
Genaue Einzelheiten über die Bedingungen wurden bereits im „International 
Journal of Psycho-Analysis", 1932, S. 492 f., veröffentlicht. Die Höhe des Preises 
darf 20 engl. Pfund nicht übersteigen. 

Die Arbeit soll einen klinischen Bericht über einen auf Grund der psycho- 
analytischen Methode untersuchten Fall zum Gegenstand haben und ein klares 
Bild von den Vorgängen und Veränderungen im psychischen Leben des Patienten 
und deren Beziehung zu den Umweltfaktoren bieten. Bei der Zuerkennung des 
Preises werden die Schärfe der Beobachtung und die Klarheit der Darstellung 
besonders in Betracht gezogen werden. Der Verfasser, der aus seinen Unter- 
suchungen theoretische Schlußfolgerungen zu ziehen wünscht, muß beachten, daß 
solche Schlüsse durch strenge Beweisführung zu erhärten sind. Es empfiehlt sich, 
den Umfang der Arbeit mit etwa 20.000 Worten zu begrenzen. 

Die Arbeiten können bis zum 31. März eines jeden Jahres eingereicht werden und 
müssen in englischer Sprache abgefaßt sein. Die Manuskripte sind — in Maschin- 
schrift auf Quartpapier mit ausreichendem Korrekturrand — an den Sekretär 
des Institutes zu senden. 

Zu diesem Wettbewerb ist jedes Mitglied ohne Unterschied des Geschlechtes 
zugelassen. Ausgenommen sind nur die gegenwärtigen oder früheren Mitglieder 
des Lehrausschusses des preisausschreibenden Institutes. 



Korrespondenzblatt 



105 



II. Mitteilungen der Internationalen 
Unterrichtskommission 

Chicago Institute for Psychoanalysis 

I. Forschung. 

Die Untersuchung psychischer Einflüsse auf das respiratorische System steht 
gegenwärtig im Mittelpunkt der Forschungsarbeit. Acht Asthmatiker werden von 
sechs Ärzten analysiert und jeder Fall wird regelmäßig von der ganzen Gruppe 
besprochen. Dr. S a u 1 hat mit der pneumographischen Methode bei allen 
Patienten und speziell den Asthmatikern die Beziehungen von psychischen Fak- 
toren zu den Atmungskurven untersucht. Die quantitativen Traumstudien von 
Dr. Alexander und Dr. Wilson sind durch die Mitwirkung der Gruppe 
gefördert worden. Weitere gastro-intestinale Fälle werden gleichzeitig analytisch 
und organisch studiert. Ein neues Projekt ist das Studium psychischer Faktoren 
bei gewissen Hautkrankheiten, welches von den Doktoren F r e n c h und Wilson 
unternommen wird. Außerdem wird die Untersuchung von Petit-mal-Fällen fort- 
gesetzt, ferner von Fällen mit hohem Blutdruck. Das Studium der Traum- 
mechanismen in bezug auf den Lernprozeß wird von Dr. F r e n c h weiter 
verfolgt. 

II. Berufsausbildung 

Während des ersten Quartals, 1. Oktober bis 31. Dezember 1935, wurden fol- 
gende Kurse abgehalten: 

1. Für Berufsgruppen: 

Dr. Franz Alexander: Einleitende Vorlesungen über Psychoanalyse. (Hörer- 
zahl 58; wöchentlich.) 

Dr. Karl Menninger: Psychoanalytische Auslegung psychiatrischer Fälle. 
(Hörerzahl 35; vierzehntägig.) 

2. Für Mitglieder der Chicagoer Psychoanalytischen Gesellschaf t und Kandidaten 
des Institutes : 

Dr. Franz Alexander: Krankengeschichten. (Hörerzahl 21; wöchentlich.) 
Dr. Thomas M. French: Besprechung psychoanalytischer Neuerscheinungen 
(Hörerzahl 23; vierzehntägig.) 

3. Spezialkurse von verschiedenen Spezialisten, für Ärzte gegeben, die mit der 
Forschungsarbeit über psychogene Störungen beschäftigt sind: 

Dr. Walter L. P a 1 rri e r (Universität Chicago) : Physiologie und klinische Patho- 
logie von peptischen Geschwüren, ulzerativer Kolitis und funktionellen Darm- 
störungen. (Drei Vorlesungen.) 

Dr. Ralph W. G e r a r d (Universität Chicago) : Neuer Fortschritt in der Physio- 
logie des Nervensystems (Aktionsströme, Thalamus und vegetatives System). 
(Drei Vorlesungen.) 

Dr. Ben. 2. Rappaport (Universität Illinois) : Allergie und Bronchialasthma. 
(Drei Vorlesungen.) 



*°6 Korrespondenzblatt 



Dr. Roy R. G r i n k e r (Universität Chicago) : Klinische Pathologie und Theorie 
der Epilepsien. (Drei Vorlesungen.) 

Dr. Broda O. Barnes: Physiologie der endokrinen Drüsen. (Zwei Vor- 
lesungen.) 

Dr. Eimer L. Sevringhaus: Klinische Pathologie endokriner Störungen. 
(Eine Vorlesung.) 

Leitinstitut der Deutschen Psychoanalytischen Gesellschaft, 

Berlin 
IV. Quartal 193$ 

Carl Müller-Braunschweig: Einführung in die Psychoanalyse I.Teil. 
Vorlesung, 7 Abende, Hörerzahl 9. 

Werner Kern per: Seminar über die drei Abhandlungen. 7 Abende, Hörerzahl 6. 

Werner Kemper: Spezielle Neurosenlehre I.Teil. Übertragungsneurosen. Vor- 
lesung, 7 Abende, Hörerzahl 8. 

Carl Müller-Braunschweig: Seminar über „Theoretische Schriften", 
i4tägig, Hörerzahl 10. 

Felix Boehm: Technisches Seminar. Hörerzahl 12. 

Felix Boehm: Besprechungen über die Aufgaben der poliklinischen Arbeit. 
Hörerzahl 14. 

Ada Müller-Braunschweig: Pädagogisches Seminar. Wöchentlich, Hörer- 
zahl 4. 

Finnisch-Schwedische Psychoanalytische Vereinigung 

Jahresbericht 193$ der Lehrstelle Stockholm 

Vorträge: 
2. Februar. Nielsen: Sexuelle Aufklärung. (Für Mediziner und Pädagogen.) 
18. Februar. Nielsen: Onanie. (Für Mediziner und Pädagogen.) 
22. Februar. Törngren: Medizin und Psychoanalyse. (Im Medizinerverein 
in Upsala.) 

25. Februar. Ekman: Strafen. (Für Mediziner und Pädagogen.) 

11. März. Törngren: Medizin und Psychoanalyse. (Für Mediziner und 
Pädagogen.) 

28. März. Jekels: Die psychoanalytische Therapie. — Tamm: Die infantile 
Sexualität. (In der Sektion für Neurologie und Psychiatrie.) 

15. April. Tamm: Intellektuelle Hemmungen. (Öffentlicher Vortrag.) 

12. Dezember. Tamm und Törngren: Die Rolle der aktuellen Konflikte 
in der Neurosenbildung. (In der Sektion für Neurologie und Psychiatrie der 
schwedischen Ärztegesellschaft.) — In der nachfolgenden regen Diskussion auch 
Mitteilungen von Nycander und Nielsen. 

Kontrollseminar: 
31. Januar. Törngren: Ein Fall von Zwangsneurose. 
21. Februar. Sandström: Ein Fall von Schizophrenie. 



Korrespondenzblatt 



107 



28. Februar. Sandström: Über Charakterneurosen von schizothymem Typus. 

14. März. Törngren: Multiple Perversität (ausgeprägte Infantilität). 

25. April. Nielsen: Ein Fall von Impotenz. 

7. Mai. Ekman: Ein Fall von latenter Homosexualität. 

4. Juni. Ekman: Ein Fall von Hysterie. 

11. Juni. Nycander: Ein Fall von Zwangsneurose. 

13. Juni. Nielsen: Ein Fall von Impotenz. (Fortsetzung.) 

12. September. Nycander: Ein Fall von Zwangsneurose. (Fortsetzung.) 

Referier ab ende: 

12. Februar. Ekman: Zur präödipalen Phase. j 

5. April. Ekman: Neueres zum Angstproblem. 

2. Mai. Nancy Bratt: Melanie Kleins „Psychoanalyse des Kindes". 
5. Dezember. Palmstierna: Die Zwangsneurose. 



Institute of Psycho- Analysis, London 

Jahresbericht 1934 — 1935 
A. Öffentliche Veranstaltungen 

Während der Berichtsperiode wurden vier allgemein zugängliche Kurse ver- 
anstaltet, von denen einer für den Ärztestand, die drei übrigen für die breite 
Öffentlichkeit bestimmt waren. 

Dr. Karin Stephen hielt in den Räumen des Institutes im Januar und Februar 
1935 über das Thema „Die Psychoanalyse und der neurotische Patient" einen 
sechsstündigen Kurs mit folgendem Programm .- 

22. Januar. Neurotischer Druck und Zusammenbruch. 

29. Januar. Konflikt und Verdrängung. 

5. Februar. Gefahrsituationen, Angst und Schuld. 

12. Februar. Die Rolle der psychosexuellen Entwicklungshemmung bei der 
neurotischen Erkrankung. 

19. Februar. Die Entwicklungsgeschichte der Sexualität. 

26. Februar. Phantasien von Verletzen und Verletztwerden, von Bestrafung und 
Wiedergutmachung, und deren Ausdruck im neurotischen Symptom. 

Die Teilnehmerzahl betrug 24 Hörer; die Diskussionen fanden rege Beteiligung. 

Im Oktober und November hielten in Caxton Hall sechs Mitglieder einen sechs- 
stündigen Kurs über „Die Psychologie der socialen Gewalt": 

26. Oktober. Dr. Glover: Krieg und Aggressionstrieb. 

2. November. Dr. A. Stephen: Können Kriege verhindert werden? 

9. November. Dr. E d e r : Soziale Revolution. 

16. November. Dr. Rickman: Kriminalität. 

23. November. Dr. C a r o 1 1: Verbrechen durch Gewaltanwendung. 

30. November. Dr. Jones: Ist der verbrecherlose, pazifistische Staat eine 
Illusion ? 

Die Teilnehmerzahl schwankte zwischen 36 und 130 Hörern. 



Ein weiterer sechsstündiger Kurs fand unter dem Titel: „Kann man planmäßig 
erziehen? im Februar und März 1935 in Caxton Hall statt: 
zi. Februar. Miss Sharpe: Erziehung mit oder ohne Plan? 

28. Februar. Mrs. Klein: Über die Entwöhnung. 

7. März. Miss Searl: Über die Neugier. Kann man Fragen beantworten? 
14. März. Dr. Middlemore: Die Verwendungsarten der Sinnlichkeit. 
21. März. Dr. Isaacs: Benehmen, Disziplin und elterliche Autorität. 

29. März. Dr. Isaacs: Die Kinderstube als Gemeinschaft. 

An die Vorlesungen schlössen sich lebhafte Diskussionen an; die durchschnitt- 
liche Teilnehmerzahl betrug 95 Hörer. 

Einen vierten Kurs von acht Vorlesungen über das Thema: „Praktische Er- 
ziehungsprobleme" hielt Dr. Melitta Schmideberg in den Räumen des In- 
stituts: 

2. Mai. Die normale Entwicklung des Kindes und ihre Störungen. 

9. Mai. Die psychische Pflege des Säuglings. 

16. Mai. Umweltfaktoren und die Psychologie der Eltern. 

23. Mai. Einige Leitsätze der Erziehung. 

30. Mai. Die Abschwächung der kindlichen Konflikte. 

6. Juni. Typische Schwierigkeiten (Eßstörungen, Eifersucht, Lügen usw.). 

13. Juni. Wie verhält man sich gegenüber der kindlichen Sexualität? 

20. Juni. Die individuelle und soziale Funktion der Erziehung. 

Dr. Gl ov er führte den Vorsitz; die Teilnehmerzahl betrug im Durchschnitt 
75 Hörer. Die einzelnen Vorträge brachten bei gleichbleibender Teilnahme rege 
Diskussionen. 

In Ergänzung dieser Vorlesungen führte Miss Low im Institut zwei Arbeits- 
gemeinschaften durch. Die erste wurde zwischen Februar und April abgehalten 
und befaßte sich mit der „Psychologie der Alltagsschwierigkeiten". Die zweite 
Arbeitsgemeinschaft fand im Mai und Juni statt; das Thema lautete: „Einige 
emotionale Faktoren und ihr Einfluß auf die Persönlichkeitsentwicklung." 

Das Public Lecture Sub-Committee wurde vom Ausschuß für das kommende 
Jahr wiedergewählt. Dr. Yates schied aus dem Komitee; an seine Stelle trat 
Dr. Susan Isaacs. 

B. Bericht des Unterrichtsausschusses 

Stand der Kandidaten: Am 30. Juni I934 standen 18 Kandidaten auf 
der Ausbildungsliste, und zwar: 

Zur Erwachsenenanalyse: 14 in Ausbildung, 3 vorgemerkt. 

Zur Kinderanalyse: 3, von denen einer auch an der Ausbildung zur Erwach- 
senenanalyse teilnimmt. 

Seither kamen 9 neue Kandidaten hinzu; 1 Kandidat trat aus. 

Dr. Middlemore wurde als praktizierender Analytiker für Erwachsene, 
Dr. Winnie ott und Mrs. Susan Isaacs werden als praktizierende Analytiker 
für Kinder anerkannt. 

Zu. Jahresende standen somit 24 Kandidaten auf der Ausbildungsliste, davon 
23 für Erwachsenenanalyse (21 in Ausbildung, 2 vorgemerkt) und 1 für Kinder- 
analyse. 



1 



Korrespondenzblatt 



109 



Kontrollanalysen: 3 Kandidaten wurden unter Kontrolle zu Analysen 
zugelassen. Zu Jahresende waren 7 Kandidaten unter Kontrolle mit der Analyse 
von 14 Fällen beschäftigt. 

Kontrollanalytiker: Dr. Melitta Schmideberg und Miss Sheehan- 
Dare kamen zur Liste der Kontrollanalytiker hinzu, die nun 12 Analytiker 
umfaßt, und zwar: Dr. Brierley, Dr. Glover, Dr. Jones, Mrs. Klein, 
Dr. Payne, Mrs. Riviere, Dr. Rickman, Dr. Schmideberg, Miss 
S e a r 1, Miss S h a r p e, Miss Sheehan-Dare, Mr. Strachey. 

Vorlesungen: Während der Berichtsperiode fanden 3 Lehrkurse statt: 
Oktober: Dr. S cot t: Psychiatrie. 6 Stunden. 
Januar: Mrs. Isaacs: Anthropologie. 6 Stunden. 
April: Dr. Brierley: Theorie. 6 Stunden. 
Praktische Seminare. Es fanden 2 ständige Seminare statt: 
Oktober: Dr. Payne. 6 Stunden. 
Januar: Miss Searl. 6 Stunden. 
Während des Sommers hielten Miss S h a r p e und Mr. Strachey Einzel-. 
Seminare ab. 

Theoretische Seminare wurden in monatlichen Sitzungen von Doktor 
Brierley abgehalten. 

Seminare für Kinderanalyse wurden in gewissen Abständen von 
Mrs. Klein durchgeführt. 



der Berichtsperiode an der Klinik durchgeführten 
(48 m., 50 w.) gegenüber 98 im Vorjahre und 89 
Hievon waren 91 Erwachsene (42 m., 49 w.) und 



C. Bericht der London Clinic ofPsycho-Analysis 

Die Gesamtzahl der in 
Untersuchungen betrug 98 
im vorvergangenen Jahre. 
7 Kinder (6 m., 1 w.). 

Erwachsene. Die 91 Erwachsenen verteilen sich folgendermaßen: 

Bei der Untersuchung beraten 42 (20 m., 22 w.) 

Zur Behandlung empfohlen 49 (21 m., 28 w.) 

Von diesen der Behandlung zugewiesen ... 8 ( 2 m., 6 w.) 

Auf der Warteliste vorgemerkt 41 (19 m., 22 w.) 

Diagnose: Für die 49 zur Behandlung empfohlenen Patienten ergaben sich 

folgende provisorische Diagnosen, die nach Beginn der Behandlung einer Revision 

unterzogen wurden: 

Angsthysterie 22 (7 m., 15 w 

Konversionshysterie 2 ( 

Stottern 1 (1 m. 



2 w 



Tic 



( 



Zwangsneurose 2 (1 m., 

Neurotischer Charakter 6 (2 m., 

Depression . 3 (3 m. 

Angstdepression , 1 ( 

Paranoia . .3 (2 m., 

Psychose • 1 ( ■ 



1 w 

1 w 

2 w 

I w. 
I w 

I w 



1 10 Korrespondenzblatt 












Schizophrenie i (i m. — ) 

Schizoider Charakter i ( — i w.) 

Homosexualität 3 (3 m. — ) 

Kriminelle Anlage 1 (1 m. — ) 

Therapeutische Analyse i(im. — ) 

Kinder. Die 7 Kinder verteilen sich folgendermaßen: 

Bei der Untersuchung beraten 2 (1 m., 1 w.) 

Zur Behandlung empfohlen 5 (5 m. — ) 

Von diesen der Behandlung zugewiesen 4 (4 m. ■ — ) 

Auf der Warteliste vorgemerkt 1 (1 m. — ) 

Diagnose: 

Angsthysterie 2 (2 m.) 

Bettnässen 1(1 m.) 

Reizbarkeit 1(1 m.) 

Lernhemmung 1(1 m.) 

Warteliste: Die Anzahl der vorgemerkten Personen betrug am Ende des 
Jahres 204 gegenüber 166 im Jahre 1934, und zwar: 

Erwachsene 184 (148 im Jahre 1934) 

Kinder 20 (18 im Jahre 1934) 

In Behandlung: Zu Ende des Jahres standen 60 Fälle in Behandlung. 

Dr. Edward Glover 

Sekretär 

Lehrinstitut der Pariser Psychoanalytischen Vereinigung 

IV. Quartal 1935 

Kurse: 

I. Jahrgang: 

4. November bis 16. Dezember. R. Spitz: Einführung in die Psychoanalyse 
(siebenstündig). 

8. November bis 13. Dezember. M. J. Leuba: Der Begriff der Sexualität 
(sechsstündig). 

12. November bis 17. Dezember. Marie Bonaparte: Trieblehre (sechst 
stündig) . 

IL Jahrgang: 

6. bis 20. November. M. G. Parcheminey: Über Hysterie (dreistündig). 

27. November bis 11. Dezember. M. M. Cenac: Über Zwangsneurose (drei- 
stündig). 

Vorlesungen: 

16. bis 30. November. Prinz Peter von Griechenland: Ethnologie und 
Psychoanalyse (dreistündig). 



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Korrespondenzblatt j j z 



Sendai Psycho-Analytical Society 

Bericht des Unterrichtsausschusses über das I. — IV. Quartal 1934 und 
I. — IL Quartal 193$ 

Vorlesungen: 

Seit mehr als zehn Jahren werden in der medizinischen und in der juristisch- 
literarischen Fakultät der Kaiserlichen Universität zu Sendai von Prof. K. Marui 
Vorlesungen über Psychoanalyse für Studenten im Rahmen allgemeiner Psychiatrie, 
bzw. Psychologie gehalten. Seit Mai 1935 hält Dr. H. Kosawa im öffentlichen 
Kindergarten des Nihonbashi-Stadtteils (Tokio) für Verwalter und Kindergärtnerin- 
nen Vorlesungen über Theorie und Praxis der Psychoanalyse. 

Vorträge: 

Im Jahre 1934: 

2. April. Auf der 33. Plenarversammlung der Japanischen Gesellschaft für Neuro- 
logie und Psychiatrie (in Tokio). Prof. K. Marui: Die psychoanalytische Auffassung 
der Paraphrenie (ein Referat des Vortrags wird im offiziellen Organ der Gesellschaft 
veröffentlicht). 

24. April. Im Rahmen des psychoanalytischen Unterrichtskurses des Instituts für 
Psychoanalyse in Tokio (Leiter: Herr Kenji Otsuki). Dr. Kosawa: Psychoanalyse 
und Veredelung. 

10. Mai. Vortragsabend der Japanischen Gesellschaft für psychische Hygiene (in 
Osaka). Dr. Ch. Hayasaka: Psychoanalyse und psychische Hygiene (der Vortrag 
wird im offiziellen Organ der Gesellschaft veröffentlicht). 

24. Mai. Sitzung einer Gesellschaft (in Tokio). Dr. Kosawa: Über Psychoanalyse. 

31. Mai. Wissenschaftliche Sitzung unserer Gruppe (in Sendai). Dr. Hayasaka 
referiert das Kapitel „Angst und Triebleben" aus Freuds „Neue Folge der Vor- 
lesungen", und Dr. M. Yamamura: Kempners „Beitrag zur Analerotik" (aus 
d. Int. Ztschr. f. Psa.). 

j. Juli. Wissenschaftliche Sitzung. Prof. Marui referiert das Kapitel „Organ- 
libido" (aus Fenichels „Hysterien und Zwangsneurosen"). 

19. September. Sitzung der Japanischen Gesellschaft für Kinderforschung (in 
Tokio). Dr. Kosawa: Die psychoanalytische Auffassung der psychischen Entwick- 
lung des Kindes (der Vortrag wird in einigen Zeitschriften veröffentlicht). 

7. Oktober. Unterrichtskurs der pädagogisch-psychologischen Gesellschaft (in 
Sendai). Dr. Hayasaka: Psychoanalyse der Kinder. 

27. Oktober. Auf der 19. Plenarversammlung der Tohoku-Gesellschaft für Medizin 
(in Sendai). Dr. Hayasaka: Abgrenzung der Zwangsneurose von der Angsthysterie; 
Dr. Yamamura: Wiederum über latente negative Übertragung (Referate der Vor- 
träge erscheinen im offiziellen Organ). 

30. Oktober. Radio (von Sendai). Dr. Hayasaka: Familiäre Erziehung und 
Psychoanalyse. 

Im Jahre 1935: 

30. April. Auf der 34. Plenarversammlung der Japanischen Gesellschaft für die 
Neurologie und Psychiatrie (in Niigata). Dr. Hayasaka: Über die Angstneurose 



Korrespondenzblatt 



im Sinne Freuds; Dr. Yamamura: Identifizierung mit dem Analytiker. Bei dieser 
Sitzung wurde von einigen Psychiatern über das Verständnis der Psychoanalyse in 
Japan diskutiert (Referate der Vorträge und Diskussionen erscheinen im offiziellen 
Organ). 

7. Mai. Sitzung der Gesellschaft für Kindergartenforschung im öffentlichen Kinder- 
garten des Nihonbashi-Stadtteils (Tokio). Dr. Kosawa: Einige Bemerkungen über 
Kinderpflege. 

5. Juni. Spezielle Vorlesung für Studenten der Nippon Medizinischen Fakultät zu 
Tokio, die Sendai besuchten. Prof. Marui: Über Psychoanalyse. 

Publikationen: 

Im Jahre 1934: 

Januar. Dr. R. Kimura: Wesen der psychoanalytischen Therapie. 

Januar. Dr. Kosawa: Einige Selbsterklärungen der psychoanalytischen Therapie. 

Januar. Dr. Hayasaka: Angstneurose, Angsthysterie und ihre Therapie. 

Februar. Prof. Marui: Über Anwendungen der Psychoanalyse. 

Juni — Juli. Dr. Kosawa: Über Psychoanalyse. 

Dezember. Herausgabe von Arbeiten aus unserem Institut: Prof. Marui, Über 
den Introjektionsvorgang bei Melancholie; Dr. Yamamura, Psychoanalytische 
Studien über Erythrophobie, IL Mitt.; Dr. Hayasaka: Psychoanalytische Studien 
über die neurotische Angst, IV. Mitt. 

Im Jahre 1935: 

Feburar. Dr. Kosawa: Ein passageres Symptom. 
März. Derselbe: Zwei Arten von Schuldbewußtsein. 

März. Dr. Yamamura: Über die präödipale Organisation. Ferner wurden zahl- 
reiche andere kleine Schriften von Dr. Kosawa veröffentlicht. 

Patienten: 

Im Laufe von eineinviertel Jahren wurden 6z Patienten analytisch behandelt. Die 
Verteilung nach der Diagnose der Fälle ist folgende: 

Akute Verwirrtheit 7 Impotenz 1 

Angstneurosen 2 Konversionssymptome 2 

Befangenheit 1 Kopfschmerz 1 

Charakterneurosen 3 Manisch-depressives Irresein 2 

Depression 5 Melancholie 1 

Dementia praecox incip 2 Paraphrenie 1 

Erythrophobie 4 Perversion 1 

Ejaculatio praecox 1 Schizoid 1 

Hebephrenie 1 Schizophrenie 1 

Homosexualität 1 Schlafstörung 1 

Hysterie 8 Stottern 1 

Hysteroepilepsie 2 Zwangsneurosen 10 

Ch. Hayasaka, 

Sekretär 



Korrespondenzblatt T T „ 

- ____ o 



\ 



Lehrinstitut der Ungarischen Psychoanalytischen Vereinigung, 

Budapest 

IV. Quartal 1934 

I. Kurse 

Dr. I. Hollös: Einführung in die Psychoanalyse. 6 Vorträge. Hörerzahl 40. 
Dr. Zs. Pfeifer: Abschnitte aus der Trieblehre. 4 Vorträge. Hörerzahl 30. 
Dr. G. Röheim: Der primitive Mensch. 6 Vorträge. Hörerzahl 40. 

II. Seminare 

Frau V. Koväcs: Technisches Seminar. 4 Abende. Teilnehmerzahl 17. 
Frau K. Levy: Psychoanalytisches Seminar für Pädagogen. 7 Abende. Teil- 
nehmerzahl 16. 

I. u. II. Quartal 1935 

I. Kurse 

Dr. I. Hollös: Einführung in die Psychoanalyse. 4 Vorträge. Hörerzahl 40. 
Dr. I. Hermann: Die Analyse der intellektuellen Funktionen. 3 Vorträge. 
Hörerzahl 30. 

Dr. E. Almas y: Psychiatrische Kasuistik. 3 Vorträge. Hörerzahl 15. 
Frau Dr. F. K. Hann: Die Entwicklung des Charakters. 3 Vorträge. Hörer- 
zahl 20. 

Frau E. Gyömröi: Die neurotische Angst. 1 Vortrag. Hörerzahl 30. 

II. Seminare 

Frau V. Koväcs: Technisches Seminar. 8 Abende. Hörerzahl 17. 
Frau K. Levy: Psychoanalytisches Seminar für Pädagogen. 8 Abende. Teilnehmer- 
zahl 16. 

IV. Quartal 1935 

I. Kurse 

Dr. E. Almasy: Psychiatrische Kasuistik. 3 Vorträge. Hörerzahl 15. 

Frau A. Balint: Über die Verdrängung. 3 Vorträge. Hörerzahl 15. 

Dr. G. Röheim: Die Psychologie der Menschheit. 4 Vorträge. Hörerzahl 15. 

IL Seminare 

Frau V. Koväcs: Technisches Seminar, j Abende. Teilnehmerzahl 18. 
Frau Dr. M. Dubovitz: Seminar für Kinderanalytiker. 4 Abende. Teilnehmer- 
zahl 10. 

Frau K. Levy: Psychoanalytisches Seminar für Pädagogen. 10 Abende. Teil- 
nehmerzahl 14. 

Dr. J. Hermann 

Int. Zeitschr. f. Psychoanalyse, XXII/i 8 






1 r 4 Korrespondenzblatt 



Lehrausschuß der Wiener Psychoanalytischen Vereinigung 

Arbeitsjahr 1934^35 (*■ Oktober 1934 bis Ende Juni 1935) 

1. Im Berichtsjahr 1934/35 standen durchschnittlich 36 Kandidaten in Aus- 
bildung, davon 15 männliche und 21 weibliche. Unter ihnen waren 21 Ärzte, 
15 Laien. Im Stande der Lehranalyse befanden sich 16 Kandidaten, 20 machten 
ihre praktische Ausbildung (Kontrolle) durch. 

2. Für die Kandidaten des theoretisch-therapeutischen Lehrganges wurden im 
Wintersemester 1934/35 ( L u - n - Quartal) obligate Kurse und Seminare abge- 
halten. 

Obligate Kurse: 

E. Bibring: Trieblehre (siebenstündig), 20 Hörer. 

P. Federn: Einführung in die Technik der Psychoanalyse (fünfstündig), 
20 Hörer. 

E. Hitschmann: Praxis der Traumdeutung (vierstündig), 15 Hörer. 

R. Sterba: Theorie der Traumdeutung (vierstündig), 15 Hörer. 

R. Wälder: Einführung in die allgemeine Neurosenlehre (achtstündig), 
25 Hörer. 

Obligate Seminare: 

E.Bibring, H. Hartmann: Theoretische Grundlagen der Psychoanalyse 
(i4tägig), 16 Hörer. 

O. Isakower: Lektüre Freudscher Schriften (i4tägig), 15 Hörer. 

Anna Freud: Seminar zur Technik der Kinderanalyse, für Fortgeschrittene 
(jeden Montag), 28 Hörer. 

B. Bornstein, J. Wälder: Seminar zur Technik der Kinderanalyse, für 
Anfänger (jeden Dienstag), 15 Hörer. 

Ed. Sterba: Seminar zur Technik der Kinderanalyse, für Anfänger (jeden 
Freitag), 7 Hörer. 

Nach Wahl zugängliche Vorlesungen: 

A. Aichhorn: Psychoanalyse der Verwahrlosten (fünfstündig). 

E. Bergler: Die orale Phase der Libidoentwicklung (dreistündig). 

Gr. Bibring-Lehner: Übertragungswiderstände und ihre Bewältigung (vier- 
stündig). 

P. Federn: Psychoanalyse des Ichs (vierstündig). 

E. Hitschmann: Die Geschlechtskälte der Frau (vierstündig). 

J. Lampl-deGroot: Zur Psychoanalyse des Weibes (vierstündig). 

M. Steiner: Störungen der männlichen Sexualfunktion (mit einer Einleitung 
über die Anatomie und Physiologie der männlichen Sexualorgane) (dreistündig). 

Nach Wahl zugängliche Arbeitsgemeinschaften (Seminare): 

E. Bergler, L. Eideiberg: Analyse der Charakterstörungen und Perver- 
sidnen (monatlich). 



Korrespondenzblatt U c 



R. Mack-Brunswick: Psychoanalyse der Psychosen (vierzehntägig). 
H. Deutsch: Kontrollanalysen in Gruppen (wöchentlich). 

E. Hitschmann: Kasuistisches Seminar des Ambulatoriums (wöchentlich). 
R. Sterba: Theorie der Therapie (i4tägig). 

Im Sommersemester 1935 (III. Quartal) wurden abgehalten: 

Obligate Kurse: 

E. Bibring: Spezielle Triebentwicklung (sechsstündig), 20 Hörer. 
H. Hartmann: Spezielle Neurosenlehre (sechsstündig), 18 Hörer. 

Obligate Seminare: 

O. Isakower: Lektüre Freudscher Schriften (wöchentlich), 15 Hörer. 

A. Freud: Seminar zur Technik der Kinderanalyse, für Fortgeschrittene (jeden 
Montag), 28 Hörer. 

B. Bornstein, J. Wälder: Seminar zur Technik der Kinderanalyse, für An- 
fänger (jeden Dienstag), 15 Hörer. 

Ed. Sterba: Seminar zur Technik der Kinderanalyse, für Anfänger (jeden 
Freitag), 7 Hörer. 

Arbeitsgemeinschaften, bzw. Seminare (nach Wahl): 

E. Bergler, L. Eideiberg: Referate psychoanalytischer Neuerscheinungen 
(monatlich). 

H. Deutsch: Kontrollanalysen in Gruppen (wöchentlich). 

E. Hitschmann: Kasuistisches Seminar des Ambulatoriums (wöchentlich). 

R. Sterba: Lektüre Freudscher Schriften (ausschließlich für Mitglieder des 
Vereines für medizinische Psychologie) (wöchentlich). 



3. Im Lehrgang für Pädagogen wurden im Wintersemester 1934/35 
abgehalten : 

Vorlesungen: 

A. Aichhorn: Einführung in die Erziehungsberatung (20stündig), Teilnehmer- 
zahl zirka 30. 

W.Hof f er: Heilpädagogik (Allgemeiner Teil) (vierstündig), Teilnehmerzahl 45. 

E. Kris: Die Einwände gegen die Psychoanalyse (vierstündig), Teilnehmer- 
zahl 50. 

E. Sterba: Kinderneurosen (vierstündig), Teilnehmerzahl 45. 

J. Wälder: Die frühkindliche Entwicklung (fünfstündig), Teilnehmerzahl 45. 

Seminare: 

A. Aichhorn: Seminar für Erziehungsberater (2ostündig), Teilnehmerzahl 25. 
G. Bibring, W. Hoffer, J. Lampl-de Groot, R. Sterba: Lektüre 
Freudscher Schriften (20stündig), in Gruppen ä 15. 

8* 



Arbeitsgemeinschaften: 
A. Angel, E. Buxbaum, D. Burlingham, E. Sterba: Besprechung 
praktischer Fragen (zostündig), in Gruppen ä 10. 

Im Sommersemester 1935 wurden abgehalten: 

Vorlesungen: 

A. Aichhorn: Einführung in die Erziehungsberatung (achtstündig), Teil- 
nehmerzahl 30. 
E. Bibring: Einführung in die Trieblehre (zweistündig), Teilnehmerzahl 45. 
E. Sterba: Erziehungsmittel in der Praxis (zweistündig), Teilnehmerzahl 45. 
E. Sterba: Theorie der Erziehungsmittel (zweistündig), Teilnehmerzahl 45. 

Seminare: 

A. Aichhorn: Seminar für Erziehungsberater (sechsstündig), Teilnehmer- 
zahl 25. 

G. Bibring, J. Lampl-de Groot: Lektüre Freudscher Schriften, in 
Gruppen ä 15. 

Arbeitsgemeinschaften: 

A. Angel, E. Buxbaum, D. T. Burlingham, E. Sterba: Besprechung 
praktischer Fragen (achtstündig), in Gruppen ä 10. 



III. Berichte der Zweigvereinigungen 
Chicago Psychoanalytic Society 

IV. Quartal 193 j 

21. September. Dr. Leo Bartemeier: Report of a Case of Affect Epilepsy. 

5. Oktober. Dr. George W. Wilson: Analysis of a Transitory Conversion 
Symptom Simulating Pertussis. 

27. Oktober. Dr. Leo Bartemeier: The Analysis of a Case of Epilepsy. 

9. November. Dr. Franz Alexander: Problems of Psychoanalytic Technique. 

23. November. Dr. Catherine Bacon: Envy of the Mother and theWish to Take, 
from Her. 

7. Dezember. Geschäftliche Sitzung. 

21. Dezember. Dr. Ralph C. Hamill: The Drawings of a Nine-Year old Epi- 
leptic Girl. 

Deutsche Psychoanalytische Gesellschaft 

IV. Quartal 193 $ 

18. September: Dr. C.Müller-Braunschweig: Über eine erste kongenitale 
objektbezogene Frühblüte der genitalen Komponente. 

12. Oktober. Zulliger- Bern (a. G.): Der Rohrschachtest im Dienste der Er- 
ziehungs- und Berufsberatung. 



' 



Korrespondenzblatt 117 



14. Oktober. Zulliger- Bern (a. G.) : Verschiedene Reaktionstypen des kind- 
lichen Schuldgefühls. 

19. Oktober. 1. K. Schottlaender- Stuttgart: Kasuistische Beiträge zum 
Problem der Fixierung und der Ambivalenz. 2. Generalversammlung: Es erstatte- 
ten Jahresberichte Boehm als Vorsitzender der Gesellschaft und als Leiter des 
Ambulatoriums über Geschichte und Arbeit der Gesellschaft und des Ambula- 
toriums ; Müller-Braunschweig als Leiter des Lehrwesens, Vorsitzender des 
Unterrichtsausschusses und als Kassenwart über die Unterrichts- und Ausbildungs- 
tätigkeit und über die Kassen. Die Berichte werden genehmigt. Von dem bisherigen 
Vorstand wurden wiedergewählt Boehm und Müller-Braunschweig. Für 
das bisherige, aber zur Zeit im Ausland befindliche und dadurch aus dem Vorstand 
ausscheidende dritte Vorstandsmitglied Frau Weigert-Vowinckel wurde Herr 
K e m p e r gewählt. In den Unterrichtsausschuß werden wiedergewählt Boehm, 
Kern per, Ada und Carl Müller-Braunschweig (Vorsitzender), zum Ku- 
rator des Stipendienfonds Kemper, zu Kassenrevisoren Boehm und Müller- 
Braunschweig. 

Zu ordentlichen Mitgliedern wurden gewählt Herold und Witt. 

Die weitere Verteilung der Funktionen der Vorstandsmitglieder wird am 30. Ok- 
tober vom Gesamtvorstand selbst — zur Entlastung Müller-Braunschweigs — 
wie folgt vorgenommen: Boehm: Vorsitzender und Schriftführer der Gesell- 
schaft und Leiter des Ambulatoriums; 

Müller-Braunschweig: Stellvertretender Vorsitzender, Leiter des Lehr- 
wesens; 

Kemper: Kassenwart. 

6. November. Dr. Boss- Schweiz (a. G.) : Die therapeutische Beeinflußbarkeit 
des schizophrenen Ichzerfalls. 

13. November. Dr. Schultz-Hencke: Struktur und Therapie eines schizo- 
phrenieähnlichen Falles. 

27. November. Frau Dr. Koch (a. G.): Widerstandsanalyse bei einer narziß- 
tischen Neurose. 

22. Dezember. Frau Dr. Karen Horney- New York: Zum Thema der nega- 
tiven therapeutischen Reaktion. 

Dr. Carl Müller-Braunschweig 



Finnisch-Schwedische Psychoanalytische Vereinigung 

IV. Quartal 1935 

23. September. Vereinssitzung. Fenichel (als Gast): Der Trieb, sich zu be- 
reichern. 

3. Oktober. Vereinssitzung. Nycander: Zwei Fälle. Jekels: Fälle. 

31. Oktober. Vereinssitzung. Vereinsangelegenheiten. 

12. November. Kontrollseminar. Nycander: Patient. 

5. Dezember. Referierabend. V. Palmstierna: Die Zwangsneurose. 

12. Dezember. Vorträge in der Sektion für Psychiatrie und Neurologie der 
schwedischen Ärztegesellschaft. Tamm und Törngren: Die Rolle des 



,l8 Korrespondenzblatt 



aktuellen Konflikts bei der Neurosenbildung. Nachher rege Diskussion mit Be- 
teiligung auch von Nycander und Nielsen. 

17 Dezember. Vereinssitzung. C. Oppenheim (als Gast): Ein schwieriges 
Kmd. a 

Alfred Tamm 

Magyarorszagi Pszidioanalitifcai Egyesület 

IV. Quartal 193$ 

4. Oktober. Dr. O. Fenichel (als Gast): Schautrieb und Identifizierung. 
18. Oktober: Frau K. LeSvy: Die Motive des Schweigens des analytischen 
Patienten. 

15. November. Dr. I. Hermann: 1. Ergänzungen zur Wirbeltheorie der 
Triebe. — 2. Fortschritt der Analyse in einem Fall. — 3. Zum Tema des 
leuchtenden Auges. 

29. November. Dr. Z. Pfeifer: Musikpsychologische Probleme. 
13. Dezember. Dr. Z. Pfeifer: Fortsetzung. 

Adressenänderung: Frau Edith Gyömröi-Glück, Budapest II, Trom- 
bitas u. 20. 

Dr. J. Hermann 

Sekretär 

Nederlandsdie Vereeniging voor Psychoanalyse 

III. und IV. Quartal 193 j 

30. November (Leiden). Dr. F. P. Müller: Analyse einer metamorphosie- 
renden Neurose. 

Neu zugetreten als ordentliches Mitglied: 
Frau Dr. C. M. Ver s t eeg- S olle veld, 3 Javastraat, Haag; 

als außerordentliches Mitglied: 
Dr. K. Landauer, 10 Breughelstraat, Amsterdam, Z; 
Dr. M. L e v y - S u h 1, 7 Prins Mauritsstraat, Amersfoort; 
Dr. Th. Reik, 30 Juliana van Stolberglaan, Haag; 
Dr. A. Watermann, 70 van der Aastraat, Haag. 

Adressenänderungen : 
Dr. C. van der Heide, 91 Apollolaan, Amsterdam, Z; 
Dr. P. A. I. J. N u y s i n k, 41 Nassau Dillenburgstraat, Haag. 

A. Endtz 

Sekretär 

Societe Psychoanalytic de Paris 

IV. Quartal 193 j 

15. Oktober. Vorsitz: Dr. E. Pichon. 

Frau Dr. Madeleine Vi ölet, 19 rue Monsieur, Paris VH, wird zum außer- 
ordentlichen Mitglied gewählt. 

M. Fabbe Paul Jury: „Descartes psychanalyste avant la lettre." Der Vortrag 
stellte unter anderem fest, daß Descartes die Tatsache formuliert hat, daß ein 



Korrespondenzblatt IS 9 



Symptom die Erinnerung an ein Kindheitserlebnis, welches mit einer starken 
Erregung verbunden war, ersetzen kann. 

Diskussion: MM. Pichon, Laforgue, Loewenstein, Schiff, Leuba, Mme. Morgen- 
stern und l'abbe Jury. 

19. November. Vorsitz: Mme. Marie Bonaparte. 

Über Vorschlag der Mme. Marie Bonaparte wird beschlossen, einen Fonds 
zu schaffen, um würdigen, aber vermögenslosen Kandidaten die Lehranalyse zu 
erleichtern. Die dem Kandidaten zur Verfügung gestellte Summe wird ein 
Darlehen mit Stipendiumcharakter sein und wird nach der Rückzahlung dem 
Fonds wieder einverleibt. Dieser Fonds wird aus einer Stiftung von Mme. Marie 
Bonaparte errichtet; dazu kommen die Beiträge der Mitglieder, die in ihrer 
Gesamtheit den großherzigen Vorschlag von Mme. Marie Bonaparte durch Ein- 
zahlung von je hundert Francs unterstützten. 

Dr. J. Leuba: „Etüde critique de l'intersexualite psychique, suivie de refle- 
xions subversives sur les instincts." Diskussion: Mme. Marie Bonaparte, MM. 
Odier, Loewenstein, Parcheminey, Cenac, Mme. Codet, MM. Borel, Frois-Witt- 
mann, Spitz, Mme. Morgenstern, MM. Laforgue und Leuba. 

19. Dezember. Vorsitz: Mme. Marie Bonaparte. 

Dr. Cenac wirft neuerlich die Frage der Organisation der Gratisanalysen 
auf. Diese Frage wird im Januar wieder aufgenommen werden; es sollen dann 
auch die Bedingungen für die Zuteilung der Fälle auf Basis der Beratungen 
des Psychoanalytischen Lehrinstitutes festgesetzt werden. Ein Mitglied wird die 
auf diese Kranken bezüglichen Beobachtungen zum Zwecke eines jährlichen Be- 
richtes zentralisieren. 

Dr. Ch. Odier: „Document catamnestique sur un cas d'impuissance." Dis- 
kussion: Mme. Marie Bonaparte, MM. Cenac, Schiff, Leuba, Odier. 

Dr. J. Leuba 

Sekretär 

Wiener Psyctoanalytiscne Vereinigung 
IV. Quartal 193 $ 

(Oktober — Dezember) 

2. Oktober. Dr. Otto Fenichel (Prag, als Gast): Die symbolische Gleichung 
Phallus = Mädchen. Diskussion: Federn, R. Wälder, Anna Freud, E. Kris, 
Schikola (als Gast), E. Bibring, B. Bornstein. 

16. Oktober. Generalversammlung: 1. Bericht des Vorstandes (Federn). — 
2. Kassenbericht (E. Bibring). Diskussion: Federn, H. Lampl. Bericht der Kassen- 
revisoren (Steiner, Winterstein). — 3. Bibliotheksbericht (R. Sterba). — 4. Am- 
bulatoriumsbericht (Hitschmann). Diskussion: H. Lampl, Isakower. Bericht der 
Psychosenambulanz (E. Bibring). — 5. Bericht des Lehrausschusses (Anna Freud). 
— 6. Bericht der Erziehungsberatungsstelle (Aichhorn). — 7. Verlagsbericht 
(M. Freud). — 8. Absolutorium. — 9. Neuwahlen: Der Vorstand wird in gleicher 
Zusammensetzung wie im Vorjahre wiedergewählt, ebenso der Lehrausschuß und 
der Leiter der Erziehungsberatungsstelle. Vorstand: Obmann: Prof. Dr. Sigmund 
Freud; Obmann-Stellvertreter: Dr. Paul Federn, Anna Freud; Schrift- 



fuhrer: Dr. Robert W ä 1 d e r, Dr. Hein, Hartmann; Kassier: Dr. Edward 
Bibring; Bibliothekar: Dr. Richard Sterba. Lehrausschuß: Vorsitzende: 
VA ^T-? C - UtS ' Leiter - Stellv ^treter: AnnaFreud; Schriftführer: Doktor 
Dr^TP / lng ^ Ä^^ AU§USt Aichh ° rn > Dr - Grete Bibring, 
" Fe tT' P" EdUard Hits ^ma„n. Leiter der Erziehungsberatungf- 
bSL - U i a ° hh ° rn - In der Ambulatoriumsleitung tritt eine Änderung 

ener F !X k *?«**& Kassier > Dr ' Ed ™» d Bergler, ersucht, vof 

semer Funktion entbunden 2u werden. An seiner Stelle wird Dr. Hans Lampl 
zum Kassier des Ambulatoriums gewählt. Herrn Dr. Bergler wird für seine 

angjahrige ersprießliche Tätigkeit der Dank ausgesprochen. Die übrigen Funk- 
tionare des Ambulatoriums werden wiedergewählt. (Leiter: Dr. Eduard H i t s c h- 

SJ2, K T** d t* rt ? ** ^ 0tt ° l8ak0W "') - IO - Festsetzung des 
Mitgliedsbeitrages für das Jahr x 93 6. Der Mitgliedsbeitrag wird vorläufig in 
gleicher Hohe wie im Vorjahre festgesetzt, doch wird der Vorstand ermächtigt, 
im Falle es erforderlich sein sollte, eine Erhöhung um S 2 c,_ (auf S ,»- 
im eigenen ^rkungskreise vorzunehmen. - W . Allfälliges: Dr. RobertWälder 
Tln u A er / m UgC dCS Vortr agsaustausches London-Wien von der 
British Psycho-Analytical Society zu einem Vortrag eingeladen wurde, der im 
November stattfinden soll und dessen Hauptgegenstand die wissenschaftlichen 
Divergenzen zwischen britischen und Wiener Analytikern zu bilden hätten: er 
skizziert daraufhin den Plan seines Vortrages. Diskussion: Anna Freud, J. Lampi- 
de Groot, Hartmann, Federn, B. Bornstein, E. Bibring, Eideiberg 

30. Oktober. Dr. Richard Sterba: Zur Theorie der Übertragung. Eine 
kritische Betrachtung. Diskussion: Eideiberg, Bergler, Federn, Anna Freuä, Hart- 
mann, G. Bibring, R. Wälder, E. Kris. 

13. November. Dr. Annie Reich (Prag): Klinischer Beitrag zum Verständnis 
der paranoiden Persönlichkeit. Diskussion: Hartmann, E. Bibring, Stengel, 
J. Lampl-de Groot, G. Bibring. S olcu S ci ' 

27. November. Dr. Jeanne Lampl-de Groot: Hemmung und Narzißmus. 
Di kussion: Hartmann, Anna Freud, Mack Brunswick, Sperling, Federn, E. Kris. 

Hinket n-,--^ 11 StCnSel: Übef P rimitive Identifizierungen bei 
Hirnkranken. Diskussion: Hartmann, Isakower, Federn, Anna Freud, Morgen- 

I Suß ^ ~ Df : R ,° bert Wälder = Bericht Über die ^ussion'en *» An- 
schluß an den Vortrag in der British Psycho-Analytical Society am 2I . November. 
Diskussion: Anna Freud, J. Wälder, Federn. 

Geschäftliches: In den Lehrausschuß wurden kooptiert: Dr. Heinz Hart- 

r n Rufh r M t"« ^t In ^ erWdterten Leh — huß wurden kooptiS: 
Dr. Ruth Mack Brunswick, Dr. Wilhelm Hoffer, Dr. Otto Isakower, Dr. Jeanne 
Lamol-de Crmnt r> r d;^.-j c»..l. ' J"" uc 



Lampl-de Groot, Dr. Richard Sterba. 



Dr. Robert Wälder 

Schriftführer 



IV. Mitgliederverzeichnis der Internationalen 
Psychoanalytischen Vereinigung 

The American Psychoanalytic Association 



A Federation of the American Psychoanalytic Societies 

Officers: 

Dr. A. A. Brill (Permanent President). 

Dr. William A. White (Vice-President). 

Dr. Ernest E. H a d 1 e y (Secretary-Treasurer). 



Executive Council: 



Dr. N. Lionel Blitzsten. 
Dr. Isador C o r i a t. 
Dr. Bernard G 1 u e c k. 
Dr. Ernest E. H a d 1 e y. 

Prof. Dr. Sigmund Freud. 
Dr. Ernest Jones. 



Honorary Members: 



Member Societies: 



The Boston Psychoanalytic Society. 

The Chicago Psychoanalytic Society. 

The New York Psychoanalytic Society. 

The Washington-Baltimore Psychoanalytic Society. 

The Boston Psychoanalytic Society 

Charter Members: 

B a r r e t, Dr. William, 37 Marlborough Street, Boston, Massachusetts. 
Coriat, Dr. Isador H., 416 Marlborough Street, Boston, Massachusetts. 
Dalrymple, Dr. Leola A., Butler Hospital, Providence, Rhode Island. 
Finesinger, Dr. Jakob, 50 Jamaicaway, Boston, Massachusetts. 
Healy, Dr. William, 38Y2 Beacon Street, Boston, Massachusetts. 
Hendrick, Dr. Ives, 250 Commonwealth Avenue, Boston, Massachusetts. 
Herrn an, Dr. William J., 24 Marlborough Street, Boston, Massachusetts. 
Homburger, Erik, 37 Marlborough Street, Boston, Massachusetts. 
K a u f m a n, Dr. Ralph, Riverbank Court Hotel, Cambridge, Massachusetts. 
Murray, Dr. Henry A. Jr., 64 Plympton Street, Cambridge, Massachusetts. 
M u r r a y, Dr. John A., 370 Commonwealth Avenue, Boston, Massachusetts 

(Secretary-Treasurer). 
Peck, Dr. Martin W., 37 Marlborough Street, Boston, Massachusetts (President). 
Putnam, Dr. Irmarita, 11 Powell Street, Brookline, Massachusetts. 
Sachs, Dr. Hanns, 168 Marlborough Street, Boston, Massachusetts. 






Chicago Psychoanalytic Society 

Active Members: 

Alexander, Dr. Franz, 43 East Ohio Street, Chicago, 111. 
Bacon, Dr. Catherine, 43 East Ohio Street, Chicago, 111. 
Bli tasten, Dr. N. Lionel, 257 East Delaware Place, Chicago, 111. 
Deutsch, Dr. Hans, 5 5 East Washington Street, Chicago, 111. 
Eis ler, Dr. Edwin R., 11 50 North State Street, Chicago, 111. 
Finlayson, Dr. Alan D., 105 15 Carnegie Avenue, Cleveland, Ohio. 
French, Dr. Thomas M., 43 East Ohio Street, Chicago, 111. (Vice-President). 
Gerard, Dr. Margaret, 5729 Harper Avenue, Chicago, 111. 
Hamill, Dr. Ralph, 8 South Michigan Avenue, Chicago, 111. 
Lippman, Dr. Hyman S., 279 Rice Street, St. Paul, Minnesota. 
McLean, Dr. Helen Vincent, 43 East Ohio Street, Chicago, 111. (Secretary- 
Treasurer). 

Menninger, Dr. Karl A., The Menninger Clinic, Topeka, Kansas (President). 
Mohr, Dr. George J., 104 South Michigan Avenue, Chicago, 111. 

Associate Members: 

Brunswick, Dr. David, 1401 South Hope Street, Los Angeles, Calif. 
Tower, Dr. Lucia E., 30 North Michigan Avenue, Chicago, 111. 
Wilson, Dr. George W., 43 East Ohio Street, Chicago, 111. 

Non-tberapeutic Members: 

Chamberlain, Dr. Herbert E., Bobbs Roberts Memorial Hospital, 920 East 

59th Street, Chicago, 111. 
Lasswell, Professor Harold D., Faculty Exchange, Department of Political 

Science, University of Chicago, Chicago, Hl. 

The New York Psychoanalytic Society 

Active Members: 

Arnes, Dr. Thaddeus H., 55 Park Avenue, New York, New York. 
Amsden, Dr. George S., 115 East 67A Street, New York, New York. 
Atkin, Dr. Samuel, 324 West 86th Street, New York, New York. 
Biddle, Dr. Sidney G., 1928 Panama Street, Philadelphia, Pennsylvania. 
Binger, Dr. Carl, 40 East 72nd Street, New York, New York. 
Blanton, Dr. Smiley, 115 East 6ist Street, New York, New York. 
Blumgart, Dr. Leonard, 152 West 57m Street, New York, New York. 
Bonnett, Dr. Sara A., 1055 Par k Avenue, New York, New York. 
Brill, Dr. A. A., 88 Central Park West, New York, New York (President). 
Broadwin, Dr. Isra T, 116 West 591h Street, New York, New York. 
Bunker, Dr. Henry A., Jr»., 1021 Park Avenue, New York, New York. 
Daniels,Dr.GeorgeE., 129 East 69r.l1 Street, New York, New York (Secretary). 
Dunbar, Dr. H. Flanders, 730 Park Avenue, New York, New York. 
Eidson, Dr. Joseph P., 70 East rjth. Street, New York, New York. 



Korrespondenzblatt 123 



Farneil, Dr. F. J., $77 Angell Street, Providence, Rhode Island. 
Feigenbaum, Dr. Dorian, 60 Gramercy Park, New York, New York. 
Fliess, Dr. Robert, 57 West 57dl Street, New York, New York. 
F r i n k, Dr. H. W., Hillsdale, New York. 

Ginsburg, Dr. May E., 320 West 86th Street, New York, New York. 
Glueck, Dr. Bernard, 130 East 39dl Street, New York, New York. 
Gosselin, Dr. Raymond, 30 West 54dl Street, New York, New York. 
Haigh, Dr. Susanna S., 30 East 40dl Street, New York, New York. 
H e n d r i c k, Dr. Ives, 250 Commonwealth Avenue, Boston, Massachusetts. 
Hinsie, Dr. Leland E., 722 West i68th Street, New York, New York. 
Horney, Dr. Karen, 160 Central Park South, New York, New York. 
Hutchings, Dr. R. H., Utica State Hospital, Utica, New York. 
Jelliff e, Dr. Smith Ely, 64 West 56dl Street, New York, New York. 
Kardiner, Dr. Abraham, 646 Park Avenue, New York, New York. 
Kauf man, Dr. Ralph, Riverbank Court Hotel, Cambridge, Massachusetts. 
Keim an, Dr. Sarah, 176 West 87dl Street, New York, New York. 
Kenworthy, Dr. Marion E., 1035 Fifth Avenue, New York, New York. 
Klein, Dr. Sidney, 146 West 79dl Street, New York, New York. 
Kubie, Dr. Lawrence S., 34 East 75dl Street, New York, New York. 
L e h r m a n, Dr. Philip R., 25 Central Park West, New York, New York. 
Levin, Dr. Hyman, 1450 Delaware Avenue, Buffalo, New York. 
L e w i n, Dr. Bertram D., 25 Fifth Avenue, New York, New York (Vice-President). 
Levy, Dr. David M., 145 East 57dl Street, New York, New York. 
Liss, Dr. Edward, 130 East 39dl Street, New York, New York. 
Lorand, Dr. Sandor, 115 East 86th Street, New York, New York. 
Mack Brunswick, Dr. Ruth, Hasenauerstraße 19, Vienna XVIII, Austria. 
Malcove, Dr. Lillian, 245 East 72nd Street, New York, New York. 
Mayer, Dr. Max D., 1150 Fifth Avenue, New York, New York. 
M e y e r, Dr. Monroe A., 57 West 57dl Street, New York, New York (Treasurer). 
M c C o r d, Dr. Clinton P., 20 Willett Street, Albany, New York. 
Oberndorf, Dr. C. P., 112 West 59dl Street, New York, New York. 
Orgel, Dr. Samuel Z., 667 Madison Avenue, New York, New York. 
Parker, Dr. Z. Rita, 115 East 6 ist Street, New York, New York. 
Powers, Dr. Lillian D., 128 West 59dl Street, New York, New York. 
Rado, Dr. Sandor, 324 West 86th Street, New York, New York. 
Ribble, Dr. Margaret A., 253 West 72nd Street, New York, New York. 
Rothschild, Dr. Leonard J., 745 Fifth Avenue, New York, New York. 
Sands, Dr. Irving J., 202 New York Avenue, Brooklyn, New York. 
Schilder, Dr. Paul, 160 East 48 th Street, New York, New York. 
Shoenfeld, Dr. Dudley D., 116 West 59dl Street, New York, New York. 
Slight, Dr. David, 1374 Sherbrooke Street, Montreal, P. Q. Canada. 
Slutsky, Dr. Albert, 116 West 59dl Street, New York, New York. 
Smeltz, Dr. George, 121 University Place, Pittsburg, Pennsylvania. 
Smith, Dr. Joseph, 780 St. Marks Place, Brooklyn, New York. 
Solley, Dr. John B., 108 East 66th Street, New York, New York. 
Stern, Dr. Adolph, 57 West 57dl Street, New York, New York. 



Wall, Dr. James H, Post Office Box I?s , White PlainS) New Yofk 
Weins tock, Dr. Harry L, 745 Hf th Avenue , New Yor ' k) xJZrk 
WilxamsDr^ Frankwood E., 44 West ratfa Street, .New York, New York 

I W nV?' 9I CCntral Park WeSt ' NewYork ' New York 
Wolfe, Dr. Theodore P., 730 Park Avenue, New York, New York 

Z 1 1 b o o r g, Dr. Gregory, 14 East 75 th Street, New York, New York. 

Associate Member: 
Powers, Mrs. Margaret J., 853 Seventh Avenue, New York, New York. 

Washington-Baltimore Psychoanalytic Society > 

Honorary Members: 
Brill, Dr. A. A., 88 Central Park West, New York, New York. 
White, Dr. William A., St. Elizabeth Hospital, Washington, D. C. 

Active Members: 

C Mary?and n : ^ *°" ^ ?"* ^^ "* En0Ch Pra " H ° S P ka1 ' T ~> 
Chassell Dr. Joseph O., Sheppard and Enoch Pratt Hospital, Towson, Maryland. 
Colomb, Dr. Anna D. C, Rural Station 1, Sykesville, Maryland. 
Dooley, Dr. Lucik, 2440 i6th Street, N. W., Washington, D. C. (President). 

(vZpJlent) P ' 2 °° 7 MaSSachuSCttS Avenue > N - W "> Washington, D. C. 
Hadley, Ernest E., 1835 Eye Street, N. W. Washington, D. C 
Hill, Dr. Lewis B., 700 Cathedral Street, Baltimore, Maryland 
Johnson^ Dr. Loren B. T., I9 oo 2 4 th Street, N. W., Washington, D. C 
Kempf, Dr. E. J„ Wading River, Long Island, New York 
Lewis, Dr. Nolan D. C, St. Elizabeths Hospital, Washington, D. C. 
Meyer, Dr. Adolf, Phipps Clinic, Baltimore, Maryland 
Reede, Dr. Edward Hiram, Medical Science Building, Washington, D C 
Robbins, Dr. Bernard, 929 Brooks Lane, Baltimore, Maryland (Secretary) 
Silverberg, Dr. William V., 46 West 95 th Street, New York City 
Stragnell, Dr. Gregory, 86 Orange Street, Bloomfield, New Yersey. 
S Ulli van Dr. Harry Stack, 60 East 4 2nd Street, New York City. 
I aneyhill, Dr. G. Lane, ! 3 i6 Eutaw Place, Baltimore, Maryland 
Thompson, Dr. Clara M., 151 East 8 3 rd Street, New York City. 

British Psycfco-Anafytical Society 

Honorary Members: 
Brill, Dr. A. A., 88 Central Park West, New York City. 
Eitingon, Dr. Max, Talbye, Jerusalem. 



a) Members: 

Brierley, Dr. Marjorie, n Nottingham Place, London, W. i. 

B r y a n, Dr. Douglas, 35 Queen Anne Street, London, W. 1 (Treasurer). 

Burt, Cyril, 4 Eton Road, London, N. W. 3. 

Cohn, Dr. Franz, 45 Belsize Park, London, N. W. 3. 

Eder, Dr. M. D., 3 Devonshire Place, London, W. 1. 

Flügel, Prof. J. C. (Ph. D.), n Albert Road, Regent's Park, London, N. W. 1. 

Forsyth, Dr. D., 67a Harley Street, London, W. 1. 

Franklin, Dr. Marjorie E., 3 Bulstrode Street, London, W. 1. 

Glover, Dr. Edward, 18 Wimpole Street, London, W. 1 (Director of Scientific 

Research). 
Grant Duff, Miss I. A., 40 Upper Gloucester Place, London, N. W. 1. 
Herford, Dr. M. B., 19 Redlands Road, Reading. 

Isaacs, Mrs. Susan (D. Sc), 16 c Primrose Hill Road, London, N.W. 3. 
Jones, Dr. Ernest, 81 Harley Street, London, W. 1 (President). 
Klein, Mrs. Melanie, 42 Clifton Hill, St. John's Wood, London, N. W. 8. 
Low, Miss Barbara, 3 Bulstrode Street, London, W. 
Mitchell, Dr. T. W., Hadlow, Kent. 

Payne, Dr. Sylvia, 143 Harley Street, London, W. 1 (Secretary). 
Rickman, Dr. John, 11 Kent Terrace, London, N. W. 1. 
Riggall, Dr. R. M., 40 Upper George Street, London, W. 1. 
Ri viere, Mrs. Joan, 3 Stanhope Terrace, Lancaster Gate, London, W. 2. 
Schmideberg, Dr. Melitta, 75 Upper Gloucester Place, London, N. W. 1. 
Searl, Miss M. N., 9 Kent Terrace, Regent's Park, London, N. W. 1. 
Sharpe, Miss E., 9 Kent Terrace, Regent's Park, London, N. W. 1. 
Sheehan-Dare, Miss, 3 Bulstrode Street, London, W. 1. 
Stephen, Dr. Adrian, 50 Gordon Square, London, W. C. 1. 
Stephen, Dr. Karin, 50 Gordon Square, London, W. C. 1. 
Stoddart, Dr. W. H. B., Harcourt House, Cavendish Square, London, W. 1. 
Strachey, James, 41 Gordon Square, London, W. C. 1. 
Strachey, Mrs. James, 41 Gordon Square, London, W. C. 1. 
Tansley, Mr. A. G., Grantchester, Cambridge. 

Torrance Thomson, Dr. H, 13 Lansdowne Crescent, Edinburgh. 
Vaughan, Dr. E. Sawyer, 131 Harley Street, London, W. 1. 
Wilson, Dr. A. C, 5 Devonshire Place, London, W. 1. 
Wright, Dr. Maurice, 86 Brook Street, London, W. 1. 
Yates, Dr. Sybille, 28 Weymouth Street, London, W. 1. 

b) Associale Members: 

Baines, Miss Cecil M., 38 Glenloch Road, London, N. W. 3. 

Barkas, Dr. Mary, Tapu, Thames, New-Zealand. 

Brend, Dr. W. H, 14 Bolingbroke Grove, Wandsworth Common, London, S.W. 

Carroll, Dr. Denis, 22 Queen Anne Street, London, W. r. 

Chadwick, Miss Mary, 48 Tavistok Square, London, W. C. 1. 

Culpin, Dr. M., $5 Queen Anne Street, London, W. 1. 



Eddison, Dr. W., Wonford House, Exeter. 

Fairbairn, Dr. William R. D., 18 Lansdowne Crescent, Edinburgh, N. B. 

Fuchs, Dr. Heinz, 482 Finchley Road, London, N. W. 

Hart, Dr. Bernard, Harcourt House, Cavendish Square, London, W. 1. 

Heimann, Dr. Paula, 37 Charlbert Street, Charlbert Ct., London, N.W. 8. 

Herbert, Dr. S., 448 Barlow Moor Road, Chorlton-Cum-Hardy, Manchester. 

Inman, Dr. W., 22 Clarendon Road, Southsea, Hants. 

Kapp, Mr. R. O., 25 Randolph Crescent, London, W. 9. 

Lewis, Dr. J. Strafford, Banstead Mental Hospital, Sutton, Surrey. 

Lewis, Miss M. G., 16 Gordon Street, London, W. C. 1. 

Maas, Dr. H, 86 Greencroft Gardens, London, N. W. 6. 

Matthew, Dr. D., 59 Holland Park, London, W. 11. 

Misch, Dr. K., 52 Bloomsbury Street, Bedford Square, London, W.C. 1. 

Middlemore, Dr. Merrell, .12 Kent Terrace, Regent's Park, London, N W 1 

Money- Kyrie, Mr. R., Whitham, Calne, Wilts. 

Pailthorpe, Dr. G. W., c/o. Miss Cullis Bedford College, London, N. W. 1. 

Penrose, Dr. L. S., 35 Lexden Road, Colchester. 

Schmideberg, Mr. Walter, 75 Upper Gloucester Place, London, N. W. 1. 

S c o 1 1, Dr. W. Clifford M., Maudsley Hospital Denmark Hill, London. 

Thomas, Dr. Rees, 34 Chartfield Avenue, Putney Hill, London, S. W. 15. 

Win ton, Dr. F. R., 1 Drosier Road, Cambridge. 

Winnie ott, Dr. Thomas W., 44 Queen Anne Street, London, W. 1. 

Dansfc^Norsk Psykoanalytisk Forening 

Braat0y, Dr. Trygve, Vinderen b. Oslo, Psykiatrisk Klinik. 
Chris tensen, Fr. Dr., Oslo, Huitfeldgate 7. 
Fenichel, Dr. Otto, Prag II, Jecna 18 (Sekretär). 
Gero, Dr. Georg, Kopenhagen, Mathilde Fiebigersvej 15/IL 
Hoel, Dr. Nie, Oslo, Kronprinsgate 19. 

Kr am er, Frau Dr. F., Riga (Lettland), Peko Brieza iela 7/33. 
Landmark, Dr. Johan, Bardu, Nordland, Norw. 
Raknes, Dr. Ola, Oslo, Gimlevejen 17. 

Schj eider up, Prof. Dr. phil. Harald, Oslo, Kronprinsgate 19 (Vorsitzender). 
Schjelderup, Dr. theol. Kristian, Bergen, Chr. Michelsens Institut for Viden- 
skap og Andsfriter. 

Deutsche Psychoanalytische Gesellschaft 

/. In Deutschland wohnende Mitglieder: 

1. In Deutschland wohnende Mitglieder: 

a) Ordentliche Mitglieder: 

Benedek, Dr. med. Therese, Berlin W. 62, Courbierestraße 17, IL 

Boehm, Dr. med. Felix, Berlin N. W. 87, Lessingstraße 1 (Vorsitzender, Leiter 

des Ambulatoriums). 



Korrespondenzblatt 127 



G o e b e 1, Frau Gertrud, Berlin N. W. 87, Königin- Augusta- Allee 96. 

Grab er, Dr. phil. G. Hans, Stuttgart 13, Stälinweg 29. 

Haas, Dr. med. Erich, Köln^ Bismarckstraße 11. 

Jacobsohn, Dr. med. Edith, Berlin- Wilmersdorf , Zähringerstraße 3 a. 

Kemper, Dr. med. Werner, Berlin-Schmargendorf, Schlangenbaderstraße 95. 

Kempner, Dr. med. Salomea, Berlin- Wilmersdorf, Güntzelstraße 13. 

Kluge, Dr. jur. Walter, Berlin-Halensee, Albrecht- Achillesstraße 2 a. 

Kraft, Dr. med. Erich, Berlin N. 65, Reinickendorf erstraße 1. 

Liebeck-Kirschner, Dr. med. Lotte, Berlin W. 9, Tirpitzufer 14. 

Mette, Dr. med. Alexander, Berlin-Steglitz, Schloßstraße 54. 

Müller-Braunschweig, Ada, Berlin-Schmargendorf, Sulzaerstraße 3. 

Müller-Braunschweig, Dr. phil. Carl, Berlin-Schmargendorf, Sulzaerstr. 3 
(Stellvertretender Vorsitzender, Schriftführer, Kassenwart, Leiter der Lehr- 
anstalt.) 

Schottländer, Dr. phil. Felix, Stuttgart-Degerloch, Löwenstraße 123. 

Schultz-Hencke, Dr. med. Harald, Berlin - Wilmersdorf, Hohenzollern- 
damm 26. 

Simonson, Dr. med. Emil, Berlin-Halensee, Joachim-Friedrich-Straße 32. 

Stegmann, Dr. med. Margarete, Dresden A., Sidonienstraße 18. 

Weigert-Vowinckel, Dr. med. Edith, Ankara (Türkei), Belvü-Palas-Oteli 
(Vorstandsmitglied). 

b) Außerordentliche Mitglieder: 

Baumeyer, Dr. med. Franz, Dresden, Bismarckplatz 14. 
Hänel-Guttmann, Dr. med. Irene, Berlin- Westend, Nußbaumallee 40. 
Herold, Dr. med. Karl Maria, Berlin W. 62, Landgrafenstraße 2. 
Kalau vom Hofe, Dr. med. Marie, Berlin- Wilmersdorf, Jenaerstraße 7. 
Kamm, Dr. med. Bernd, Berlin-Steglitz, Björnsonstraße 26. 
March, Dr. med. Hans, Berlin W. 30, Bayreutherstraße 12. 
Roellenbleck, Dr. phil. Ewald, Berlin W. 15, Sächsische Straße 72. 
Witt, Dr. med. Gerhard, Berlin-Charlottenburg, Fredericiastraße 4a. 

2. Auswärtige Mitglieder: 

a) Ordentliche Mitglieder: 

Fromm, Dr. med. Erich, Intern. Instit. of Social Research, 429 West n 7dl Street, 

New York, New York. 
Gross, Dr. med. Alfred, Milano, Largo Richini 12. 

H o r n e y, Dr. med. Karen, 160 Central Park South, New York, New York. 
Hoffmann, Dr. phil. Jacob, c/o. Prof. A. Marx, 100 Morningside Drive, 

New York City. 
Lantos-Schneider, Dr. med. Barbara, 65 Greencroft Gardens, London, 

N. W. 6. 
Lowtzky, Dr. phil. F., Paris XVI, Sq. Henry-Pathe 13. 

Simmel, Dr. med. Ernst, 961 South Manhattan Place, Los Angeles, California. 
Spitz, Dr. med. A. R., Paris XVI, 18 bis rue Henri Heine. 
Staub, Dr. jur. Hugo, Rechtsanwalt, 10 Hay Hill Mayfair, London, W. 1. 



138 Korrespondenzblatt 



b) Außerordentliches Mitglied: 
Garma, Dr. med. Angel, Madrid, Cisne 10. 

Finnisch*Schwedische Psychoanalytische Vereinigung 

Ordentliche Mitglieder: 
Kulovesi, Dr. Yrjö, Tampere (Finnland). 
Sandström, Dr. Tora, Stockholm, Jungfrugatan 56. 
Tamm, Dr. Alfhild, Stockholm, Narvavägen 21 {Vorsitzende), 

Außerordentliche Mitglieder: 

Ekman, Tore, Lektor, Stockholm, Norrtullsgatan 27b. 
Nielsen, Dr. Nils, Stockholm, Nybrogatan 7. 
Törngren, Dr. Pehr Henrik, Stockholm, Ulrikagatan 5. 

Indfian Psycho* Anafytical Society 

Members: 
Amrith, Mr. M. V. (B. A.), 1 Lasa Major Road, Egmore, Madras. 
Banerji, Mr. M. N. (M. Sc. B. L.), 30 Tarak Chatterji Lane, Calcutta 
(Secretary). 

Barreto, Capt. A. G. (I. M. S.), Raia, Salsette, Goa, Portugese India. 

Bhattacharya, Prof. Haridas, Dacca University, Dacca. 

Bora, Mr. G. (B. A.), 2/3, Chittaranjan Avenue (South), Calcutta. 

Böse, Dr. G., 14 Parsibagan Lane, Calcutta (President). 

Daly, Lt. Col. C. D., Assistant Director of Supply and Transport, Head 

Quarters Presidency o. Assam District, Calcutta. 
Gheba, Prof. Uttam Singh, Calcutta. 
Ghose, Dr. B. C, 3 Creek Row, Calcutta. 
Hai der, Prof. Rangin Chandra, B. N. College, Patna. 
Hill, Lt. Col., Owen Berkeley (M. D.), European Mental Hospital, Kanke P. O. 

Ranchi, B. N. R. 

Maiti, Mr. H. P. (M. A.), 1 Kerbala Tank Lane, Calcutta (Member of the 
Council). 

Mitra, Dr. Suhrit Ch., 6/2 Kirti Mitra Lane, Calcutta (Librarian and Member 

of the Council). 
Pal, Mr. Copeswar (M. Sc), 61 Hindustan Park, Calcutta. 
Ram, Mr. Pars (M. A.), Forman Christian College, Lahore. 
Sarkar, Prof. Jiban Krishna, G. B. B. College, Muzaffarpur, Bihar. 
Shrimali, Mr., Calcutta. 

Associate Members: 
Böse, Mr. Sital Chandra (B. Sc), 32/B Kanklia Road, Ballygunge, Calcutta. 
Böse, Mr. Sudhir Kumar (M. A., M. Sc), 38/2 B Badurbagan Street, Calcutta. 
Chatterji, Mr. A. C, B. N. Rly., Waltair, Calcutta. 



Korrespondenzblatt i 2 q 



Chatterji, Dr. B. B., 82 South Road, Entally, Calcutta. , 

Choudhuri, Mr. Saroj Kumar, 3A Jäliatola Street, Calcutta. 

Ganguli, Mr. Dwijendra lal (M. Sc), P. 126 Lake Road, Calcutta. 

G a n g u 1 i, Mr. .Mohon lal (M. Sc, B. L.), 8/B Dover Lane, Calcutta. 

Ghosh, Dr. Bhupati Mohan, 15 Pipradas Street, Calcutta. 

Gubbay, Mr. E. A., Calcutta. 

Jalota, Shyam Swaroop, M. A., 315 Shepherd Road, Moghalpura, Lahore. 

Laha, Mr. Surrendrachandra, M. B., Calcutta. 

Mukhdum, Prof. M. N., Calcutta. 

Rah am an, Mr. Atiur, 41 — 42 Canning Street, Calcutta. 

S a m a n t a, Mr. Manindra Nath (M. Sc), 8 c Ramanath Mazumdar Street, 

Calcutta. 
S a r k a r, Dr. Sarasi lal, 177 Upper Circular Road, Calcutta. 
Sinha, Mr. Suhrit Chandra (M. Sc), 15/1/1 Ramkanta Böse Street, Calcutta. 
S i n h a, Mr. Tarun Chandra, P. O., Sushang, Dt. Maimensingh, Bengal. 

Chewra Psychoanalytith b'Erez*Isracl 

Ehrenmitglieder: 

E d e r, Dr. M. D., London. 
Freud, Anna, Wien. 

Ordentliche Mitglieder: 

Bluhm, Dr. med. Kilian, Jerusalem-Rechawia B., Abarbanel Str. 

Eitingon, Dr. med. Max, Talbye, Jerusalem (Präsident). 

Pappenheim, Prof. Dr. med. Martin, Tel- Aviv, Achad Haam Street 49. 

Peller-Roubiczek, Lili, Jerusalem, Alfassi Str., Rechawia. 

S c h a 1 i t, Dr. med. Ilja, Haifa, Hadar Hacarmel, Jerusalem Street 16 (Sekretär). 

Smeliansky, Dr. med. Anna, Tel- Aviv, Balfour Street 57. 

Wulff, Dr. med. M., Tel-Aviv, Boulevard Rothschild 38. 

Magyarorszägi Pszichoatialitikai Bgyesüfet 

a) Ordentliche Mitglieder: 

Almasy Endre, Dr. med., Budapest I, Meszaros-ucca 12. 

Bälint Alice, Budapest I, Meszaros-ucca 12. 

Baiin t Mihaly, Dr. med. et pL.il., Budapest I, Meszaros-ucca 12 (Stellvertretender 

Leiter der Poliklinik). 
Dubovitz Margit, Dr. med., Budapest VIII, Üllöi-ut 40. 
Dukes Geza, Dr. jur., Budapest V, Zoltän-ucca 6. 

Eisler Mihäly Jözsef, Dr. med., Budapest V, Nador-ucca 5 (Bibliothekar). 
Hann-Kende, Fanny, Dr. med., Budapest V, Zrinyi-ucca 14. 
Hajdu-Gimes Lilly, Dr. med., Budapest IV, Väci-ucca 84. -- 

Hermann Imre, Dr. med., Budapest II, Filler-ucca 25 (Sekretär, Vorsitzender 

der Lehrkommission). 

Int. Zeitschr. f. Psychoanalyse, XXII/i 9 









x 3° Korrespondenzblatt 



Hollös Istvän, Dr. med., Budapest V, Klotild-ucca 4 (Präsident, Leiter der 

Poliklinik). 
Koväcs Vilma, Budapest I, Orvos-ucca 10. 

Läzar-Gerö Klara, Dr. med., Budapest VI, Vilma kirälynö-ut jo. 
Levy Kata, Budapest V, Szalay-ucca 3. 
Levy Lajos, Dr. med., Budapest V, Szalay-ucca 3. 
Pfeifer Zsigmond, Dr. med., Budapest I, Attila-ucca 69 (Kassier). 
Revesz Laszlö, Dr. med., Budapest VIII, Vas-ucca ij a. 
Roheim Geza, Dr. phil., Budapest VI, Hermina-ut 35a. 
Rotter-Kerte\sz Lillian, Dr. med., Budapest VIII, Sandor-ucca 46. 
Szabö Sandor, Dr. med., Zürich, Voltastraße 24. 
Szilagyi Geza, Dr. jur., Budapest VIII, Damjanich-ucca 28a. 
Szüts Gyula, Dr. med., Budapest VI, Andrassy-ut 38. 

b) Außerordentliche Mitglieder: 

Gyömröi-Glück, Edith, Budapest II, Trombitas-ucca 20. 
Kircz-Takacs Maria, Dr. phil., Budapest I, Margit-körut 95. 



Necteriandsdie Vereeniging voor Psychoanalyse 

Ordentliche Mitglieder: 

Bouman, Prof. Dr. med. K. H., Amsterdam Z., Jan Luykenstraat 24 
(Bibliothekar). 

Emden, Dr. med. J. E. G. van, Haag, Sweelinckplein 49. 

Endtz, A., Haag (Loosduinen), „Ramaerkliniek" (Sekretär). 

F 1 o h i 1, M., Loosduinen, Haagweg 357. 

Hoop, Doz. Dr. med. J. H. van der, Amsterdam Z., Jan van Eyckstraat 41. 

Jelgersma, Prof. Dr. med. G., Oegstgeest, Nassaulaan 32 (Ehrenpräsident). 

Jelgersma, Dr. med. H. C, Oegstgeest, „Endegeest". 

Linde, B. D. J. van de, Hilversum, Boomberglaan 4. 

Monchy, Dr. med. S. J. R. de, Rotterdam, Schiedamsche Singel 235 (Präsident). 

Muller, Dr. med. F., Haarlem, Julianastraat 8. 

Mull er, Doz. Dr. med. F. P., Leiden, Rijnsburgerweg 102 (Kassier). 

Rümke, Prof. Dr. med. H. C, Utrecht, Mariahoek 5. 

Schelven, Prof. Dr. med. Th. van, Haag, Jan van Nassaustraat 35. 

Stärcke, A., Den Dolder, „Willem Arntszhoeve". 

Tas, J., Amsterdam Z., Paulus Potterstraat 14. 

Versteeg, P. H, Haag, Javastraat 3. 

Versteeg-Selleveld, Fraa C. M., Haag, Javastraat 3. 

Waals, Dr. med. H. G. van der, Amsterdam Z., Bernard Zweerskade 24. 

Westerman-Holstijn, Dr. med. A. J., Amsterdam Z., Albrecht Dürer- 

straat 10. 
Weyl, Dr. med. S., Rotterdam, 's Gravendijkwal 98. 




Korrespondenzblatt 131 



Außerordentliche Mitglieder: 

Busscher, Dr. Jaques de, 14 rue Guinard, Gent. 
Heide, Dr. med. C. van der, Amsterdam 2., Apollolaan 91. 
Landauer, Dr. med. Karl, Amsterdam 2., Breughelstraat 10. 
Levy-Suhl, Dr. med. M., Amersfoort, Mauritslaan 7. 
Nuysink, Dr. P. A. I. J., Haag, Nassau Dillenburgstraat 41. 
R e i k, Dr. phil. Theodor, Haag, Juliana van Stolberglaan 30. 
Tibout, Frl. P. H. C., Amsterdam C, Prinsengracht 717. 
Waterman, Dr. med. A., Haag, Van der Aastraat 70. 



Vereeniging van Psychoanafytici in Nederland 

Ordentliche Mitglieder: 

Blök, Dr. med. A. M., Haag, Wassenaarsche weg 39 (Sekretär). 

Emden, Dr. med. J. E. G. van, Haag, Sweelinckplein 49 (Präsident). 

K a t a n, M., Haag, Prinsevinkenpark 5. 

Landauer, Dr. med. Karl, Amsterdam 2., Breughelstraat 10. 

Ophuijsen, Dr. med. J. H. W., 687 Lexington Avenue, New York Cfty. 

Reik, Dr. phil. Theodor, Haag, Juliana van Stolberglaan 30. 

Stärcke, A., Den Dolder, „Willem Arntszhoeve". 

Versteeg, P. H, Haag, Javastraat 3. 

Versteeg-Selleveld, Fraa C. M., Haag, Javastraat 3 (Kassier). 

Waals, Dr. med. H. G. van der, Amsterdam 2., Bernard 2weerskade 24. 

Waterman, Dr. med. A., Haag, Van der Aastraat 70. 

Außerordentliche Mitglieder: 

Levy-Suhl, Dr. med. M., Amersfoort, Mauritslaan 7. 

Perls, Dr. med. F., c/o. Dr. Sachs, 79 Lisker Buildings, Johannesburg. 

Weyl, Dr. med. S., Rotterdam, 's Gravendijkwal 98. 

Societe Psydianalytique de Paris 

a) Ordentliche Mitglieder: 

Allendy, Dr. Rene, 67 rue de l'Assomption, Paris XVI. 

Bonaparte, Marie, Princesse Georges de Grece, 6 rue Adolphe Yvon, Paris XVI 

(Vize-Präsident). 
Borel, Dr. Adrien, 11 quai aux fleurs, Paris IV. 
C6nac, Dr. Michel, 3 rue Coetlogon, Paris VI. 
Codet, Dr. Henri, 10 rue de l'Odeon, Paris V. 
Flournoy, Dr. Henry, 6 rue de Monnetier, Geneve (Suisse). 
Frois-Wittmann, Jean, 8 rue des Marronniers, Paris XVI (Kassier). 
Hesnard, Prof. Angelo, 4 rue Peirex, Toulon. 
Laforgue, Dr. Rene, 1 rue Mignet, Paris XVI. 



'3 a Korrespondenzblatt 



Leuba, Dr. John, 6 rue Pierre Ducreux, Paris XVI (Sekretär). 
Löwenstein, Dr. Rodolphe, 127 Avenue de Versailles, Paris XVI. 
Morgenstern, Dr. Sophie, 4 rue de Cure, Paris XVI. 
Nacht, Dr. Sacha, 21 Boulevard Flandrin, Paris XVI. 
Odier, Dr. Charles, 79 Boulevard Montmorency, Paris XVI. 
Odier-Ronjat, Mme Ilse, 79 Boulevard Montmorency, Paris XVI. 
Parcheminey, Dr. Georges, 92 Avenue Niel, Paris XVII. 
Pichon, Dr. Edouard, 48 Avenue la Bourdonnais, Paris VII (Präsident). 
Pierre, Dr. J. L., 39 Avenue Charles Floquet, Paris VII. 
Pierre, Prince de Grece, 6 rue Adolphe Yvon, Paris XVI. 
Reverchon-Jouve, Dr. Blanche, 8 rue de Tournon, Paris VI. 
Saussure, Dr. Raymond de, 2 Tertasse, Geneve. 
Schiff, Dr. Paul, 14 rue Cesar Franck, Paris XV. 

b) Außerordentliche Mitglieder; 
Beltram, Prof. Dr., Echeveria 1601, Buenos Aires. 
B ermann, Dr. Anne, 8 rue Falguiere, Paris XV. 
Chantrier, Theodore, 17 bis rue de Bretagne, Asnieres (Seine). 
Codet, Mme Odette, 10 rue de l'Odeon, Paris VI. 
Doreau, Bernard, 31 rue de Bellechasse, Paris VII. 
Germain, Paul, 10 rue Durantin, Paris XVIII. 
Helot, Dr., 8 Place Massena, Nice, Alpes Maritimes. 
Hoesli, Dr. Henri, 90 rue de Bac, Paris VII. 
L a c a n, Dr., 149 rue de la Pompe, Paris XVI. 
Laforgue, Mme Rene, 1 rue Mignet, Paris XVI. 
Male, Dr. Pierre, n rue de Navarre, Paris V. 
Marette, Philippe, z rue du Colonel Bonnet, Paris XVI. 

Martin-Sisteron, Dr. Maurice, 14 Boulevard Edouard Rey, Grenoble (Isere). 
Novaro-Allende, Dr., Calle Moneda 1944, Santiago de Chili. 
Repond, Dr. Andre, Maison de Sante, Monthey (Valais, Suisse). 
Rieti, Dr. Ettore, Istituto Psichiatrico di Grugliasco, Torino. 
Schlumberger, Marc, 24 Avenue de Lamballe, Paris XVI. 

Russische Psychoanalytische Vereinigung 

a) Ordentliche Mitglieder: 

Awerbuch, Frau Dr. R. A., Moskau, Sadowo-Kudrinskaja 21. 
Bruk, Dr. A. N., Moskau, M. Kakowinskij 5. 
Chaletzki, Dr. A., Odessa, Psychiatrische Anstalt. 
Goltz, Frau Dr. E. P., Moskau, Mansurowskij Per 7. 
Friedmann, Dr. B. D., Moskau, Sadowo-Triumphalnaja 8, W. 7. 
Geschelina, Frau Dr. L. S., Moskau, Kammerherrskij 4. 
Kannabich, Prof. J. W., Moskau, B. Rjewskij Per. 8, W. 14 (Präsident). 
Kogan, Dr. M., Odessa, Psychiatrische Anstalt. 
Liosner-Kannabich, Frau Dr., Moskau, B. Rjewskij Per. 8, W. 14. 



Rohr, Frau Dr. Angela, Moskau, Marx-Engelsstr. 3. 

Rohr, Wilhelm, Moskau, Marx-Engelsstr. 3 . 

Schaf fir, J. M., Moskau, Ostoschenka 5, W. 38. 

Schmidt, Prof. Otto, Moskau, Granowsky-Str. 3, W. 92. 

Schmidt, Wera, Moskau, Granowsky-Str. 3, W. 92 (Sekretär). 

Spielrein, Frau Dr. Sabina, Rostow a. Don, Puschkinskaja 97. 

Sims on, Frau Dr. T. P., Moskau, Psychiatrische Klinik, 1. Universität. 

b) Außerordentliche Mitglieder: 

Goldowskaja, Frau Dr. T. I., Moskau, Arbat, 30, W. 59. 

Goldowsky, Dr. E. D., Kiew, Militärhospital. 

L u r j e, Frau Dr. M. E., Moskau, Pokrowskoje-Streschnewo Sanatorium. 

S a 1 k i n d, Dr. A., Kiew, Nikolsko-Botanitscheskaja 3/9. 

Wnukow, Dr. W. A., Moskau, Skatertnij Per. 22, W. 8. 

Sdiwcizcfisdie Gesellschaft für Psychoanalyse 

a) Ehrenmitglieder: 

Eitingon, Dr. med. Max, Jerusalem. 
Jones, Dr. Ernest, London. 

b) Ordentliche Mitglieder: 

Bally, Dr. med. Gustav, Gladbachstraße 59, Zürich VII. 
Behn-Eschenburg, Frau Gertrud, Küsnacht-Zürich. 

Binswanger, Dr. med. Ludwig, Sanatorium Bellevue, Kreuzungen (Thurgau). 
Blum, Dr. med. Ernst, Nervenarzt, Englische Anlage 8, Bern (Quästor). 
Blum-Sapas, Dr. med. Elsa, Nervenarzt, Englische Anlage 8, Bern. 
Christof fei, Dr. med. Hans, Nervenarzt, Albanvorstadt 21, Basel. 
Flournoy, Priv.-Doz. Dr. med. Henri, Rue de Monnetier 6, Genf. 
Fromm-Reichmann, Dr. med. Frieda, Chestnut Rodge Sanatorium, Rock- 

ville, Maryland, U. S. A. 
Fürst, Dr. med. Emma, Nervenarzt, Rebwiesstraße 54, Rehalp-Zürich. 
Grüninge r, Dr. phil. Ulrich, Bezirkslehrer, Brittnau (Aargau). 
Kielholz, Direktor, Dr. med. Arthur, Kant. Irrenanstalt Königsfelden (Aargau). 
Meng, Dr. med. Heinrich, Basel, Angensteinerstraße 16. 
Pfenninger, Hans, Pfarrer, Neftenbach, Zürich. 

Pf ist er, Dr. phil. Oskar, Pfarrer, Schienhutgasse 6, Zürich (Beisitzer). 
Piaget, Prof. Dr. phil. Jean, Universität, Genf. 
Repond, Direktor Dr. med. Andre, Maison de Sante de Malevoz, Monthey, 

Valais. 
Sarasin, Dr. med. Philipp, Nervenarzt, Gartenstraße 65, Basel (Präsident). 
Saussure, Priv.-Doz. Dr. med. Raymond de, 2 Tertasse, Genf. 
Schjelderup, Dr. phil. Harald K., o. ö. Professor an der Universität Oslo, 

Psykologiske Institut. 
Schjelderup, Prof. Dr, phil. Harald, Oslo, Kronprinsgate 19. ' ■- 6 r. 



Schneider, Prof. Dr. phil. Ernst, Relenbergstraße 16, Stuttgart N. 

Schultz, Dr. phil. Ch., Hadlaubstraße 109, Zürich. 

Steiner, Dr. med. Hans, Zeltweg 4, Zürich. 

Wehrli, Priv.-Doz. Dr. med. Gustav, Weinbergstraße 36, Zürich. 

Zulliger, Hans, Lehrer, Ittigen bei Bern (Schriftführer). 

c) Außerordentliche Mitglieder: 
Boss, Direktor Dr. med. M., Heil- und Pflegeanstalt, Schloß Knonau, Kt. Zürich. 
Zulliger, Frau Martha, Ittigen bei Bern. 

Sendai Psycho* Anafytical Society 

Honorary Member: 

Miyake, Prof. Dr. Koichi, Psychiatric Clinic of Tokyo Imperial University, 
Tokyo. 

Active Members: 
Arai, Dr. Shohei, 11 Myojincho, Hachioji, Tokyo. 
Doi, Dr. Masanori, 1 Momijimachi, Dairen. 
Hayasaka, Dr. Choichiro, Psychiatric Clinic of Tohoku Imperial University, 

Sendai (Secretary). 
K a k e d a, Dr. Katsumi, Physiological Laboratory of Tohoku Imperial University, 

Sendai. 
K i m u r a, Dr. Renkichi, Psychiatric Clinic of Tohoku Imperial University, Sendai. 
Komine, Dr. Mosaburo, Komine Hospital, Nishigahara Takinokawaku, Tokyo. 
Komine, Dr. Shigeyuki, Komine Hospital, Nishigahara, Takinokawaku, Tokyo 

(Treasurer). 
Kosawa, Dr. Heisaku, Kosawa Psycho- Analytical Hospital, 3587 Higashitama- 

gawamachi, Setagayaku, Tokyo. 
Marui, Prof. Dr. Kiyoyasu, Psychiatric Clinic of Tohoku Imperial University, 

Sendai (President). 
Miura, Prof. Dr. Nobuyuki, Psychiatric Clinic of Iwade Medical College, 

Morioka. 
Suzuki, Dr. Yuhei, Komine Hospital Nishigahara, Takinokawaku, Tokyo. 
Yamamura, Dr. Michio, Psychiatric Clinic of Tohoku Imperial University, 
Sendai. 

Tokyo Psycho* Analytical Society 

a) Members: 

A s a b a, Dr. Takeichi, Kumagaya Hospital, Yuminomachi, Okayama City. 
Mawatari, Dr. Kazue, 496 Kita-Senzoku, Magomemachi, Tokyo. 
Sekiguchi, Dr. Saburo, Ikeda Hospital, 7 of 4-chome, Kobikicho, Kyobashiku, 

Tokyo. 
Shibakawa, Dr. Matataro, 627 Kami-Meguro, Tokyo. 
Tsushima, Dr. Kanji, 825 Motoshiba, Oimachi, Tokyo (Secretary). 
Yabe, Yae-Kichi (B. A.), 825 Motoshiba, Oimachi, Tokyo (President). 



b) Associate Members: 

Saito, Mr. Nagatoshi, c/o. Yabe, 825 Motoshiba, Oimachi, Tokyo. 

Tago, Dr. Tsutomu, Ryoundo Hospital, Ishigami-Sekimachi, Itabashiku, Tokyo. 

Toda, Sueo (B. C), c/o. Yabe, 825 Motoshiba, Oimachi, Tokyo. 

Yabe, Nada-Mitsu (B. E. S.), 825, Motoshiba, Oimachi, Tokyo. 



Wiener Psychoanalytische Vereinigung 

a) Ordentliche Mitglieder: 

Aichhorn, August, Wien V, Schönbrunnerstraße 110. 

Andreas-Salome, Lou, Göttingen, Herzberger Landstraße 101 . 

Angel, Dr. med. Anny, Wien I, Herrengasse, Hochhaus, 1. Stiege, 6. Stock, T. 34. 

Bergler, Dr. med. Edmund, Wien I, Seilerstätte 7. 

Bernfeld, Dr. phil. Siegfried, Boulevard de Garavan, Villa Perugina, Menton. 

Bibring, Dr. med. Edward, Wien VII, Siebensterngasse 31 (Kassier). 

Bibring-Lehner, Dr. med. Grete, Wien VII, Siebensterngasse 31. 

Bornstein, Berta, Wien I, Universitätsstraße 4. 

Bornstein, Steff, Praha-Bubenec, Ovenecka 73. 

Burlingham, Dorothy, Wien IX, Berggasse 19. 

Buxbaum, Dr. phil. Edith, Wien VII, Zieglergasse 57. 

Bychovski, Dr. med. Gustav, Warschau, Wilcza 47. 

Deri, Frances, Ancelle Apartments, 401 South Gramercy Drive, Los Angeles, 

California. 
Deutsch, Doz. Dr. med. Felix, Wien I, Wollzeile 33. 
Deutsch, Dr. med. Helene, Wien I, Wollzeile 33 (Vorsitzende des Lehraus- 

schusses). 
Eideiberg, Dr. med. Ludwig, Wien XIX, Chimanigasse 11. 
Federn, Dr. med. Paul, Wien VI, Köstlergasse 7 (Obmannstellvertreter). 
Freud, Anna, Wien IX, Berggasse 19 (Obmannstellvertreter). 
Freud, Prof. Dr. med. Sigm., Wien IX, Berggasse 19 (Obmann). 
Fried jung, Doz. Dr. med. Josef, Wien I, Ebendorferstraße 6. 
Gutmann, Dr. med. Salomea, Wien IV, Frankenberggasse 13. 
Hartmann, Dr. med. Heinz, Wien I, Rathausstraße 15 (Schriftführer). 
Heilpern, geb. Fuchs, Else, Wien III, Rechte Bahngasse 12. 
Hitschmann, Dr. med. Eduard, Wien IX, Währingerstraße 24 (Leiter des 

Ambulatoriums). 
Hoff er, Dr. med. et phil. Wilhelm, Wien I, Dorotheergasse 7. 
Hoffer-Schaxel, Hedwig, Wien I, Dorotheergasse 7. 
Ho ff mann, Dr. med. Ernst Paul, Wien VI, Mariahilferstraße 23—25. 
Isakower, Dr. med. Otto, Wien VIII, Piaristengasse 38. 
Jekels, Dr. med. Ludwig, Stockholm, Nybrogatan 12. 
Jokl, Dr. med. Robert Hans, Wien III, Sechskrügelgasse 2. 
Kris, Dr. phil. Ernst, Wien IX, Schwarzspanierstraße 11. 
Lampl, Dr. med. Hans, Wien XVIII, Sternwartestraße 76. 



136 Korrespondenzblatt 



Lampl-de Groot, Dr. med. Jeanne, Wien XVIII, Sternwartestraße 76. 
Levi-Bianchini, Prof. Dr. med. M., Nocera Inferiore, Salerno Campania 

(Italien). 
Mack Brunswick, Dr. med. Ruth, Wien XVIII, Hasenauerstraße 19. 
Nepallek, Dr. med. Richard, Wien VIII, Alserstraße 41. 
Newton, Caroline, Berwin P. O. Daylesford, Pa., U. S. A. 
N u n b e r g, Dr. med. Hermann, 875 Park Avenue, New York City. 
Perotti, Dr. med. Nicola, Corso Trieste 62, Roma, 
Rank, Beate, 9 rue Louis Boilly, Paris XVI. 
Reich, Dr. med. Annie, Praha XII, Vinohrady, u. Vodarny 6. 
Servadio, Dr. med. Emilio, Via Tagliamento 76, Roma. 
Sperling, Dr. med. Otto, Wien IV, Wiedner Gürtel 40. 
Steiner, Dr. med. Maxim., Wien I, Rotenturmstraße 19. 
Stengel, Dr.. med. Erwin, Wien I, Bognergasse 7. 

S t e r b a, Dr. med. Richard, Wien VI, Mariahilf erstraße 71 (Bibliothekar). 
Sterba, Dr. phil. Editha, Wien VI, Mariahilf erstraße 71. 
Stör f er, A. J., Wien VIII, Alserstraße 45. 

Wälder, Dr. phil. Robert, Wien II, Obere Donaustraße 35 (Schriftführer). 
Wälder, Dr. med. Jenny, Wien II, Obere Donaustraße 35. 
Weiss, Dr. med. Edoardo, Roma, Via Vincenzo Bellini 10. 
Weiß, Dr. med. Karl, Wien IV, Schwindgasse 12. 

Winterstein, Dr. phil. Alfred Frhr. v., Wien XIII, Wattmanngasse 38. 
Witt eis, Dr. med. Fritz, 91 Central Park West, New York, City. 

h) Außerordentliche Mitglieder: 

Betlheim, Dr. med. Stefan, Zagreb, Marnlicev trg 17/II \ 

Freud, Dr. jur. Martin, Wien I, Franz- Josefs-Kai 65. 

Herz, Dr. med. Margit, Wien VIII, Piaristengasse 2. 

K r i s, Dr. med. Marianne, Wien IX, Schwarzspanierstraße 1 1 . 

Kroriengold, Dr. med. Eduard, Wien IV, Gußhausstraße 5. 

Levy, Estelle, 513 South Mariposa Avenue, Los Angeles, U. S. A. 

Schönberge r, Dr. med. Margarete, Wien VIII, Pfeilgasse 30. 

Schur, Dr. med. Max, Wien VIII, Mölkergasse 5. 

Sugar, Dr. med. Nikolaus, Subotica, Trumbiceva 20 (Jugoslawien). 

Walk, Dr. med. Rosa, Wien IV, Wohllebengasse 8. 

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THE 




THE 






PSYCHOANALYTIC 




INTERNATIONAL 






QUARTERLY 




JOURNAL OF 






Fifih year of publication 




PSYCHO-ANALYSIS 






THE QUARTERLY 




Directed by 






is devoted to original contributions in 








the field of theoretical, clinical and 




SIGM. FREUD 


1 




applied psychoanalysis, and is published 








four times a year. 




Edited by 






The Editorial Board of the QUAR- 








TERLY consists of the Editors: Drs. 




ERWEST JONES 






Dorian Feigenbaum, Bertram D. Lewin 










and Gregory Zilboorg. Associate Edi- 










tors: Drs. Henry Alden Bunker, Jr., 










Raymond Gosselin and Lawrence S. 










Kubie. 




This Journal is issued quarterly. 






CONTENTS FOR OCTOBER 193S: 




Besides Original Papers, Ab- 






Karl Abraham: Amenhotep IV (Ikhnaton): A 
Psychoanalytic Contribution to the Understanding of 




stracts and Reviews, it contains 






His Personality and the Monotheistic Cult of Aton. — 
Karl Abraham; The History of an Impostor in the 




the Bulletin of the Internatio- 






Light of Psychoanalytical Knowledge. — Franz Ale- 
xander: The Problem of Psychoanalytic Technique. — 




nal Psycho -Analytical Associa- 






David M. Levy: A Note on the Pecking of 
Chickens. — Karl A. Menninger: Unconscious 




tion, of which it is the Official 






Values in Certain Consistent Mispronunciations. — 










Sigm. Freud: Inhibitions, Symptoms and Anxiety. — 




Organ. 






Editors' Note. — Hanns Sachs: Karl Abrahams 










Contribution to Applied Psychoanalysis. — In me- 










moriam Joseph Jefferson Asch. — In memoriam 










Mortimer Williams Raynor. — Book Reviews. — 




Editorial Communications should be 






Current Psychoanalytic Literature. — Notes. 




sent to Dr. Ernest Jones, 81 Harley 






Editorial Communications should be sent 




Street, London, W. 1. 






to the Editor-in-Chief: Dr. Dorian Feigen- 










baum, 60 Gramercy Park, New York, N. Y. 




The Annual Subscription is 50s per 
volume of four parts. 






Foreign subscriplion price is $ 5.50, 










A limited number of back copies are 




The Journal is obtainable by sub- 






available; volumes in original binding 










$ 6.50. 




scription only, the parts not being 
sold separately. 






Business correspondence should be sent to : 




Business correspondence should be ad- 






THE PSYCHOANALYTIC 




dressed to the publishers, Balliere, 






QUARTERLY PRESS 




Tindall & Cox, 8 Henrietta Street, 






372-374 BROADWAY, ALBANY, 




Covent Garden, London, W. C. 2., 






NEW YORK 




who can also supply back volumes. 









I 



Internationale Zeitschrift für Psychoanalyse, Band XXII, Heft 1 






(Ausgegeben im Februar 1936) 



H. Jfunberg: 
S. M. Payne: 
Richard Sterba : 

Alice Bälint: 

Therese Benedek: 
Endre Almäsy : 



INHAL TSVERZEICHNIS 

Seite 

Homosexualität, Magie und Aggression 5 

Zur Auffassung der Weiblichkeit ig 

Das psychische Trauma und die Handhabung der Übertragung. 
(Die letzten Arbeiten von S . Ferenczi zur psychoanalytischen Technik) 40 
Handhabung der Übertragung auf Grund der Ferenczischen Ver- 
suche 47 

Die überwertige Idee und ihre Beziehung zur Suchtkrankheit 59 

Zur Psychoanalyse amentia-ähnlicher Fälle 72 



REFERATE 






Aus der Literatur der Grenzgebiete 

Weizsäcker: Studien zur Pathogenese (F. Deutsch) 97 

Aus der psychiatrisch-neurologischen Literatur 

Curtius: Die organischen und funktionellen Erbkrankheiten des Nervensystems (Grotjahn) 99. — 
Groves: The Development of Social Psychiatry (Marseille) 99. — Krapf: Die Seelenstörungen 
der Blutdruckkranken (Grotjahn) 100. — Neutra: Rationalpsychagogik (Hitschmann) 1 00. — Schultz: 
Übungsheft für das Autogene Training (Grotjahn) 101 



Aus der psychoanalytischen Literatur 

Allen: Introjection in Schizophrenia (Marseille) 101. — Dorsey: The Psychology of the Person 
Who Stutters (Marseille) 101. — Hill: A Psychoanalytic Observation on Essential Hypertension 
(Marseille) 102. — Robbins: A Note on the Significance of Infantile Nutritional Disturbances in 
the Development of Alcoholism (Marseille) 102. — Sharpe: Similar and Divergent Unconscious 
Determinants Underlying the Sublimations of Pure Art and Pure Science (Fenichel) 102 

KORRESPONDENZBLATT DER INTERNATIONALEN PSYCHOANALYTISCHEN VEREINIGUNG 

I) Preisausschreiben des Psychoanalytischen Lehrinstitutes in London 104. — II) Mitteilungen der 
Internationalen Unterrichtskommission 105. — III) Berichte der Zweigvereinigungen 116. — 
IV) Mitgliederverzeichnis der Internationalen Psychoanalytischen Vereinigung 121 



htiidny«^ 



Preis des Heftes Mark 7.50. Jahresabonnement Mark - .■ 

Jährlich 4 Hefte im Gesamtumfang von etwa 600 Seite 



1 



Einbanddecken zu dem abgeschlossenen XXI. Band (1935), sowie i. -uen 
früheren Jahrgängen: in Leinen Mark 2.50, in Halbleder Mark 5.— 



• «:•. 



Eigentümer und Verleger: Internationaler Psychoanalytischer Verlag, Ges. m. b. H., Wien I, Börsegasse n. — Herausgeber: Prof. Dr. Sigm. 

Freud, Wien. — Verantwortlich für die Redaktion: Dr. Edward Bibring, Wien VII, Siebensterng. 3i. — Druck: Manzsche Buch^juckerd, Wien IX. 



Printed in Austria 





Internationale Zeitschrift für Psychoanalyse, Band XXII, Heft 1 



(Ausgegeben im Februar 1936) 
INHAL TSVERZEICHNIS 

Seite 

Homosexualität, Magie und Aggression 5 

Zur Auffassung der Weiblichkeit ig 

Das psychische Trauma und die Handhabung der Übertragung. 
(Die letzten Arbeiten von S . Ferenczi zur psychoanalytischen Technik) 40 
Handhabung der Übertragung auf Grund der Ferenczischen Ver- 
suche 47 

Die überwertige Idee und ihre Beziehung zur Suchtkrankheit 59 

Zur Psychoanalyse amentia-ähnlicher Fälle 72 



H. Nunberg: 
S. M. Payne: 
Richard Sterba : 

Alice Bahnt: 

Therese Benedek : 
Endre Almäsy : 

REFERATE 



Aus der Literatur der Grenzgebiete 

Weizsäcker: Studien zur Pathogenese (F. Deutsch) 97 

Aus der psychiatrisch-neurologischen Literatur 

Curtius: Die organischen und funktionellen Erbkrankheiten des Nervensystems (Grotjahn) 99. — 
Groves: The Development of Social Psychiatry (Marseille) 99. — Krapf: Die Seelenstörungen 
der Blutdruckkranken (Grotjahn) 1 00. — Neutra: Rationalpsychagogik (Hitsclimann) 1 00. — Schultz: 
Übungsheft für das Autogene Training (Grotjahn) 101 

Aus der psychoanalytischen Literatur 

Allen: Introjection in Schizophrenia (Marseille) 101. — Dorsey: The Psychology of the Person 
Who Stutters (Marseille) 101. — Hill: A Psychoanalytic Observation on Essential Hypertension 
(Marseille) 102. — Robbins: A Note on the Significance of Infantile Nutritional Disturbances in 
the Development of Alcoholism (Marseille) 102. — Sharpe: Similar and Divergent Unconscious 
Determinants Underlying the Sublimations of Pure Art and Pure Science (Fenichel) 102 

KORRESPONDENZBLATT DER INTERNATIONALEN PSYCHOANALYTISCHEN VEREINIGUNG 

I) Preisausschreiben des Psychoanalytischen Lehrinstitutes in London 104. — II) Mitteilungen der 
Internationalen Unterrichtskommission 105. — III) Berichte der Zweigvereinigungen 116. — 
IV) Mitgliederverzeichnis der Internationalen Psychoanalytischen Vereinigung 121 



£mO. 



Preis des Heftes Mark 7.50. Jahresabonnement Mark , 

Jährlich 4 Hefte im Gesamfumfang von etwa 600 Seite 



tu| 



Einbanddecken zu dem abgeschlossenen XXI. Band (1935), sowie**, 
früheren Jahrgängen: in Leinen Mark 2.50, in Halbleder Mark 5.— 



* ^«r 



I-igentumer und Verleger: Internationaler Psychoanalytischer Verlag, Ges. m. b. H., Wien I, Börsegasse u. — Herausgeber: Prof. Dr. Sigm. 
:ud. Wien. — Verantwortlich für die Redaktion : Dr. Edward Bibring, Wien VII, Siebensterng. 3i. — Druck: Manzsche tWhAjjfpejji Wien IX. 

Printed in Austria 




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XXII. Band 



1936 



Heftl 



Internationale Abschritt 
für Psychoanalyse 

Offizielles Organ der Internationalen Psychoanalytischen Vereinigung 

Herausjegtben von 

bigm. Treud 

Unter Mitwirkung von 
G. Bosc A. A. Brill Lucile Dooley 

Kalkutta New Vork Washington 

S. Hollös Ernest Jones J. W. Kannafcidi 



Felix Boehm 

Berlin 

J. E. G. van Emden 

Haag 

Karl Menninger 

Topeka 



London 



Moskau 



Budapest 

S. J. R. de Mondiy M. W. Pecfc Edouard Pichon 

Rotterdam Boston Paris 



M. Eitingon 

Jerusalem 

Kiyoyasu Marui 

Scndal 

Philipp Sarasin 

Basel 



Harald Scojeldernp 
Oslo 



Edward Bibring 

Wien 



Alfhild Tamm 

Stockholm 

redigiert von 
Heinz Hartmann 

Wien 



Y. K. Yabc 

Tokio 



Sandor Rado 

New Vork 



H. Nunberg Homosexualität, Magie und Aggression 

S. M. Payne Zur Auffassung der Weiblichkeit 

Richard Sterba .... Das psychische Trauma und die Handhabung der Über* 

tragung. <Die letzten Arbeiten von S. Ferenczi zur 
psychoanalytischen Technik) 

Alice Bälint Handhabung der Übertragung auf Grund der Ferenczi» 

sehen Versuche 

Therese Benedek. . . Die überwertige Idee und ihre Beziehung zur Sucht« 

krankheit 

Endre Almäsy Zur Psychoanalyse amentia*ähnlicfaer Fälle 

Referate