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Full text of "Internationale Zeitschrift für Psychoanalyse XXIII 1937 Heft 4"

XXIII. Band 



1937 



Heft 4 



Internationale Zeitschrift 
lür Psvenoanar 



syenoanalyse 



Offizielles Organ der Internationalen Psychoanalytischen Vereinigung 

Her&usseseben von 



biqm- Freud 



Felix Boehm 

Berlin 

Lewis B. Hill 

Baltimore 

Kiyoyasu Marui 

Sendai 



G. Böse 

Kalkutta 

S. Hollos 

Budapest 

F. P. Muller 

Leiden 



ngm 

Unter Mitwirkung von 

M. Eitingon J. E. G. van Emden Thomas M. French 



Jerusalem 

Ernest Jones 

London 

M. W. Peck 

- Soston 



Harald Schjelderup 

Oslo 



Alfliild Tamm 

Stockholm 



Haag 

J. W. Kannabich 

Moskau 
Edouard Pichon 

Paris 

Edoardo 'Weiss 

Rom 



Chicago 

Bertram D. Lewin 

New York 

Philipp Sarasin 

Basel 

Y. K. Yabe 

Tokio 



redigiert von 
Edward Bibring Heinz Hartmann 



Wien 



Wien 



Sigm. Freud Konstruktionen in der A nalyse 

Helene Deutsch Über das induzierte Irresein (Folie ä deux) 

N Jeanne Lampl s de Groot . Masochismus und Narzißmus 
Therese Benedek .... Abwehrmechanismen und Ichstruktur 
J. H. van der Hoop . . . Die Objektivität des Analytikers 

Philip R. Lehrman . . . Über einige unbewußte Komponenten beim 

Mord 

Paul Schilder Zur Psychoanalyse der Benzhedrinwirkung 

Gustaw Bychowski . . . Psychoanalyse im hypoglykämischen Zustand 

Rene Spitz Familienneurose und neurotische Familie 

Rodolphe Loewenstein . Bemerkungen zur Theorie des therapeutischen 

Vorgangs der Psychoanalyse 
Hanns Sachs Zur Theorie der psychoanalytischen Technik 

Referate 



1) Die in der „Internationalen Zeitschrift für Psychoanalyse" veröffentlichten Bei* 
träge werden mit Mark 25. — per sechzehnseitigen Druckbogen honoriert. 

2) Die Autoren von Öriginalbeiträgen sowie von Mitteilungen im Umfange über zwei 
Druckseiten erhalten nach Wahl 15 Separata oder zwei Freiexemplare des betreffenden 
Heftes. 

3) Die Kosten der Übersetzung von Beiträgen, die die Autoren nicht in deutscher 
Sprache zur Verfügung stellen, werden vom Verlag getragen; die Autoren solcher Beiträge 
erhalten kein Honorar. 

4) Die Manuskripte sollen gut leserlich sein, möglichst in Schreibmaschinenschrift 
(einseitig und nicht eng geschrieben). Es ist erwünscht, daß die Autoren eine Kopie ihres 
Manuskriptes behalten. Zeichnungen und Tabellen sollen auf das unbedingt notwendige 
Maß beschränkt sein. Die Zeichnungen sollen tadellos ausgeführt sein, damit die Vorlage 
selbst reproduziert werden kann. 

5) Mehrkosten, die durch Autorkorrekturen, das heißt durch Textänderungen, Ein* 
Schaltungen, Streichungen, Umstellungen während der Druckkorrektur verursacht werden, 
werden vom Autorenhonorar in Abzug gebracht. 

6) Separata werden nur auf ausdrücklichen Wunsch und auf Kosten des Autors ange* 
fertigt . Die Kosten (einschließlich Porto der Zusendung der Separata) betragen für Beiträge 

bis 8 Seiten für 25 Exemplare Mark 15.— , für 50 Exemplare Mark 20.— 
von 9 „ 16 „ „ 25 „ „ 20.-, „ 50 „ „ 25.— 

., 17 „ 24 „ „ 25 „ „ 30.-, „ 50 „ „ 40.— 

« 25 „ 32 „ „ 25 „ „ 35.-, „ 50 „ „ 45.- ' 

Mehr als 50 Separata werden nur nach besonderer Vereinbarung mit dem Verlag an* 
gefertigt. 



Wir machen hiemit unsere Autoren auf folgendes aufmerksam: 
Nach den gesetzlichen Bestimmungen kann bis zum Ablauf von zwei dem Erschei* 
nungsjahr einer Arbeit folgenden Kalenderjahren über Verlagsrechte (Wiederabdruck und 
Übersetzungen) nur mit Genehmigung des Verlages verfügt werden. Auf Grund eines ge* 
nerellen Übereinkommens, das wir mit dem „International Journal of Psycho=Analysis"ges 
troffen haben, steht es jedoch jedem Autor frei, ohne ausdrückliche Genehmigung des 
Verlages der letztgenannten Zeitschrift das Recht der Übersetzung und des Wiederab* 
drucks einzuräumen. 

Die Genehmigung einer Wiederveröffentlichung oder Übersetzung in einem anderen 
Organ muß, um Berücksichtigung finden zu können, zugleich mit Übersendung des Manu* 
skriptes verlangt werden. 

Die Redaktion. 



Redaktionelle Mitteilungen und Sendungen bitten wir zu richten an 

Dr. Edward Bibring und Dr. Heinz Hartmann 

p. A. Internationaler Psychoanalytischer Verlag, Wien, IX., Berggasse 7. 
Bestellungen und geschäftliche Zuschriften aller Art an 

Internationaler Psychoanalytischer Verlag, Wien IX, Berggasse 7. 




INTERNATIONAL 

PSYCHOANALYTIC 

UNIVERSITY 



DIE PSYCHOANALYTISCHE HOCHSCHULE IN BERLIN 



I 









Internationale Zeitscfirift 
für Psychoanalyse 

Heraussegeken von Jlgm. FrcuJ 



XXIII. Band 1937 



Heft 4 



Konstruktionen in der Analyse 

Von 

Sigm. Freud 

I. 

Ein sehr verdienter Forscher, dem ich es immer hoch angerechnet, daß er 
der Psychoanalyse Gerechtigkeit erwiesen zu einer Zeit, da die meisten an* 
deren sich Über diese Verpflichtung hinaussetzten, hat doch einmal eine 
ebenso kränkende wie ungerechte Äußerung über unsere analytische Technik 
getan. Er sagte, wenn wir einem Patienten unsere Deutungen vortragen, ver* 
fahren wir gegen ihn nach dem berüchtigten Prinzip: Heads I win, Tails you 
hose. Das heißt, wenn er uns zustimmt, dann ist es eben recht; wenn er aber 
widerspricht, dann ist es nur ein Zeichen seines Widerstandes, gibt uns also 
auch recht. Auf diese Weise behalten wir immer recht gegen die hilflose 
arme Person, die wir analysieren, gleichgiltig wie sie sich gegen unsere Zu* 
mutungen verhalten mag. Da es nun richtig ist, daß ein Nein unseres Pa* 
tienten uns im allgemeinen nicht bestimmt, unsere Deutung als unrichtig 
aufzugeben, ist eine solche Entlarvung unserer Technik den Gegnern der 
Analyse sehr willkommen gewesen. Es verlohnt sich darum, eingehend dar* 
zustellen, wie wir das „Ja" und das „Nein" des Patienten während der 
analytischen Behandlung, den Ausdruck seiner Zustimmung und seines 
Widerspruchs, einzuschätzen pflegen. Freilich wird bei dieser Rechtfertigung 
kein ausübender Analytiker etwas erfahren, was er nicht schon weiß. 

Es ist bekanntlich die Absicht der analytischen Arbeit, den Patienten 
dahin zu bringen, daß er die Verdrängungen — im weitesten Sinne ver* 
standen — seiner Frühentwicklung wieder aufhebe, um sie durch Reak* 
tionen zu ersetzen, wie sie einem Zustand von psychischer Gereiftheit enfe 
sprechen würden. Zu diesem Zwecke soll er bestimmte Erlebnisse und die 
durch sie hervorgerufenen Affektregungen wieder erinnern, die derzeit bei 



ihm vergessen sind. Wir wissen, daß seine gegenwärtigen Symptome und 
Hemmungen die Folgen solcher Verdrängungen, also der Ersatz für jenes 
Vergessene sind. Was für Materialien stellt er uns zur Verfügung, durch 
deren Ausnützung wir ihn auf den Weg führen können, die verlorenen Er* 
innerungen wieder zu gewinnen? Mancherlei, Bruchstücke dieser Erinne* 
rungen in seinen Träumen, an sich von unvergleichlichem Wert, aber in der 
Regel schwer entstellt durch alle die Faktoren, die an der Traumbildung An» 
teil haben; Einfälle, die er produziert, wenn er sich der „freien Assoziation" 
überläßt, aus denen wir Anspielungen auf die verdrängten Erlebnisse und 
Abkömmlinge der unterdrückten Affektregungen sowie der Reaktionen 
gegen sie herauszufinden vermögen; endlich Andeutung von Wiederholungen 
der dem Verdrängten zugehörigen Affekte in wichtigeren oder geringfügigen 
Handlungen des Patienten innerhalb wie außerhalb der analytischen Situa* 
tion. Wir haben die Erfahrung gemacht, daß das Verhältnis der Übertragung, 
das sich zum Analytiker herstellt, besonders geeignet ist, um die Wieder* 
kehr solcher Affektbeziehungen zu begünstigen. Aus diesem Rohstoff — 
sozusagen — sollen wir das Gewünschte herstellen. 

Das Gewünschte ist ein zuverlässiges und in allen wesentlichen Stücken 
vollständiges Büd der vergessenen Lebensjahre des Patienten. Hier werden 
wir aber daran gemahnt, daß die analytische Arbeit aus zwei ganz verschie* 
denen Stücken besteht, daß sie sich auf zwei gesonderten Schauplätzen von* 
zieht, an zwei Personen vor sich geht, von denen jedem eine andere Auf* 
gäbe zugewiesen ist. Man fragt sich einen Augenblick lang, warum man auf 
diese grundlegende Tatsache nicht längst aufmerksam gemacht wurde, aber 
man sagt sich sofort, daß einem hier nichts vorenthalten wurde, daß es sich 
um ein allgemein bekanntes, sozusagen selbstverständliches Faktum handelt, 
das nur hier in einer besonderen Absicht herausgehoben und für sich ge*' 
würdigt wird. Wir wissen alle, der Analysierte soll dazu gebracht werden, 
etwas von ihm Erlebtes und Verdrängtes zu erinnern, und die dynamischen 
Bedingungen dieses Vorgangs sind so interessant, daß das andere Stück der 
Arbeit, die Leistung des Analytikers, dagegen in den Hintergrund rückt. Der 
Analytiker hat von dem, worauf es ankommt, nichts erlebt und nichts ver* 
drängt; seine Aufgabe kann es nicht sein, etwas zu erinnern. Was ist also 
seine Aufgabe? Er hat das Vergessene aus den Anzeichen, die es hinter* 
lassen, zu erraten oder, richtiger ausgedrückt, zu konstruieren. Wie, 
wann und mit welchen Erläuterungen er seine Konstruktionen dem Analy* 
sierten mitteilt, das stellt die Verbindung her zwischen beiden Stücken der 
analytischen Arbeit, zwischen seinem Anteil und dem des Analysierten. 
Seine Arbeit der Konstruktion oder, wenn man es so Heber hört, der Re* 



Konstruktionen in der Analyse 461 

konstruktion, zeigt eine weitgehende Übereinstimmung mit der des Archäo* 
logen, der eine zerstörte und verschüttete Wohnstätte oder ein Bauwerk der 
Vergangenheit ausgräbt. Sie ist eigentlich damit identisch, nur daß der Ana* 
lytiker unter besseren Bedingungen arbeitet, über mehr Hilfsmaterial ver* 
fügt, weil er sich um etwas noch Lebendes bemüht, nicht um ein zerstörtes! 
Objekt, und vielleicht auch noch aus einem anderen Grunde. Aber wie der 
Archäologe aus stehengebliebenen Mauerresten die Wandungen des Ge* 
bäudes aufbaut, aus Vertiefungen im Boden die Anzahl und Stellung von 
Säulen bestimmt, aus den im Schutt gefundenen Resten die einstigen Wand* 
Verzierungen und Wandgemälde wiederherstellt, genau so geht der Ana* 
lytiker vor, wenn er seine Schlüsse aus Erinnerungsbrocken, Assoziationen 
und aktiven Äußerungen des Analysierten zieht. Beiden bleibt das Recht 
zur Rekonstruktion durch Ergänzung und Zusammenfügung der erhaltenen 
Reste unbestritten. Auch manche Schwierigkeiten und Fehlerquellen sind für 
beide Fälle die nämlichen. Eine der heikelsten Aufgaben der Archäologie 
ist bekanntlich die Bestimmung des relativen Alters eines Fundes, und wenn 
ein Objekt in einer bestimmten Schicht zum Vorschein kommt, bleibt es oft 
zu entscheiden, ob es dieser Schicht angehört oder durch eine spätere Stö* 
rung in die Tiefe geraten ist. Es ist leicht zu erraten, was bei den analytischen 
Konstruktionen diesem Zweifel entspricht. 

Wir haben gesagt, der Analytiker arbeite unter günstigeren Verhältnissen 
als der Archäolog, weil er auch über Material verfügt, zu dem die Aust* 
grabungen kein Gegenstück bringen können, z. B. die Wiederholungen von 
aus der Frühzeit stammenden Reaktionen und alles, was durch die Über* 
tragung an solchen Wiederholungen aufgezeigt wird. Außerdem kommt aber 
in Betracht, daß der Ausgräber es mit zerstörten Objekten zu. tun hat, von 
denen große und wichtige Stücke ganz gewiß verloren gegangen sind, durch 
mechanische Gewalt, Feuer und Plünderung. Keiner Bemühung kann es ge* 
lingen, sie aufzufinden, um sie mit den erhaltenen Resten zusammenzusetzen. 
Man ist einzig und allein auf die Rekonstruktion angewiesen, die sich darum 
oft genug nicht über eine gewisse Wahrscheinlichkeit erheben kann. Anders 
ist es mit dem psychischen Objekt, dessen Vorgeschichte der Analytiker er* 
heben will. Hier trifft regelmäßig zu, was sich beim archäologischen Objekt 
nur in glücklichen Ausnahmsfällen ereignet hat wie in Pompeji und mit 
dem Grab des Tut ankh amen. Alles Wesentliche ist erhalten, selbst was 
vollkommen vergessen scheint, ist noch irgendwie und irgendwo vorhanden, 
nur verschüttet, der Verfügung des Individuums unzugänglich gemacht. Man 
darf ja bekanntlich bezweifeln, ob irgend eine psychische Bildung wirklich 
voller Zerstörung anheimfällt. Es ist nur eine Frage der analytischen Technik, 



ob es gelingen wird , das Verborgene vollständig zum Vorschein zu bringen 
Dieser außerordendichen Bevorzugung der analytischen Arbeit tehen n« 

I- M tT S3 - hen entgegen ' nämlich ** das ^ chiscI - Objekt unve" 
gl.chhch komplizierter ist als das materielle des Ausgräbers und daß ZZ 

S r^f r^ r b - itet ist "* *»- - - finden sollen £ 
dessen intime Struktur noch so viel Geheimnisvolles birgt. Und nun komm, 
unser Vergleich der beiden Arbeiten auch zu seinem Enct, denn der Haupt 
unterschied der beiden liegt darin, daß für die Archäologie die ReWtrX 
üon das Ziel und das Ende der Bemühung ist, für die Analyse aber i ££ 
Konstruktion nur eine Vorarbeit. 



II. 

Vorarbeit allerdings nicht in dem Sinne, daß sie zuerst als Ganzes er, 
U« -erden müßte bevor man das Nächste beginnt, etwa wie bei IZ 
Hausbau wo alle Mauern aufgerichtet und alle Fenster eingesetzt Z 
Russen ehe man sich mit der inneren Dekoration der Gemächer beschäftigen 

LTh/f;. , 'f " ^ ** " " ^ anaI ^ Schen Beh ^Iung andTrs 
vöL dl and en ™\S** nebeneinander he «en, die eine immer 

sSon fein t SIC r Cl f^ nd - Der Analytik« bringt ein Stück Kon- 
struktion fertig teilt es dem Analysierten mit, damit es auf ihn wirke- dann 

^Ta^ t :j7 W f^ StÜCk 3US dem ™ ^-nden MateA veT 
Endl W / ^ "^ ^ SOkher Abwechslung weiter bis zum 

von kZZ" m . d t n DarStdIun ^ n ^r analytischen Technik so wenig 
von Konstruktionen" hört, so hat dies seinen Grund darin, daß man an! 

Kon t 17 VOn '' DeUtUngen " und **" Wirkung spricht. Aber ich mein" 
SÄ, - dle W€lteUS .^™ Bezeichnung. Deutung bezTht 
sxd, auf das, was man mit einem einzelnen Element des Materials, einem 
Einfall, einer Fehlleistung u. dgl. vornimmt. Eine Konstruktion ist s abeT 
wenn man dem Analysierten ein Stück seiner vergessenen Vorgeschichte etwa 
m folgender Art vorführt: Bis 2U Ihrem nten Jahr haben Sk sicll 

z^ Kind "f t ? kten Be t Cr d6r ^^ ***** d - ^ et 
rSe wl v T -T 6 "^ Enttäuschu ^ Die Mutter hat Sie 

^wSmet £ 7 77 ^ Tt SPäter IhneQ nicht mehr schließlich 
gewidmet Ihre Empfindungen für die Mutter wurden ambivalent, der Vater 
gewann eine neue Bedeutung für Sie und so weiter 

arblrrKon^lf * "^ Aufmerksamkeit ausschließlich dieser Vor. 

Ste w let 7 n T geWendCt Und ^ ethebt Skh ZU aIk - st die 
*rage, welche Garantien haben wir während der Arbeit an den Konstruk* 

üonen. daß wir nicht irre gehen und den Erfolg der Behandlung durch t 



1 



Konstruktionen in der Analyse 



463 



Vertretung einer unrichtigen Konstruktion aufs Spiel setzen? Es mag uns 
scheinen, daß diese Frage eine allgemeine Beantwortung überhaupt nicht zu* 
läßt, aber noch vor dieser Erörterung wollen wir einer trostreichen Auskunft 
lauschen, die uns die analytische Erfahrung gibt. Die lehrt uns nämlich,, es 
bringt keinen Schaden, wenn wir uns einmal geirrt und dem Patienten eine 
unrichtige Konstruktion als die wahrscheinliche historische Wahrheit vor* 
getragen haben. Es bedeutet natürlich einen Zeitverlust, und wer dem Pa* 
tienten immer nur irrige Kombinationen zu erzählen weiß, wird ihm keinen 
guten Eindruck machen und es in seiner Behandlung nicht weit bringen, aber 
ein einzelner solcher Irrtum ist harmlos. Was in solchem Falle geschieht, 
ist vielmehr, daß der Patient wie unberührt bleibt, weder mit Ja noch mit 
Nein darauf reagiert. Das kann möglicherweise nur ein Aufschub seiner 
Reaktion sein; bleibt es aber so, dann dürfen wir den Schluß ziehen, daß wir 
uns geirrt haben, und werden dies ohne Einbuße an unserer Autorität bei 
passender Gelegenheit dem Patienten eingestehen. Diese Gelegenheit ist ge*> 
geben, wenn neues Material zum Vorschein gekommen ist, das eine bessere 
Konstruktion und somit die Korrektur des Irrtums gestattet. Die falsche 
Konstruktion fällt in solcher Art heraus, als ob sie nie gemacht worden wäre, 
ja in manchen Fällen gewinnt man den Eindruck, als hätte man, mit Pok* 
nius zu reden, den Wahrheitskarpfen grade mit Hilfe des Lügenköders ge* 
fangen. Die Gefahr, den Patienten durch Suggestion irre zu führen, indem 
man ihm Dinge „einredet", an die man selbst glaubt, die er aber nicht an* 
nehmen sollte, ist sicherlich maßlos übertrieben worden. Der Analytiker 
müßte sich sehr inkorrekt benommen haben, wenn ihm ein solches Mißge* 
schick zustoßen könnte; vor allem hätte er sich vorzuwerfen, daß er den 
Patienten nicht zu Wort kommen Heß. Ich kann ohne Ruhmredigkeit be* 
haupten, daß ein solcher Mißbrauch der „Suggestion" in meiner Tätigkeit 
sich niemals ereignet hat. 

Aus dem Vorstehenden geht bereits hervor, daß wir keineswegs geneigt 
sind, die Anzeichen zu vernachlässigen, die sich aus der Reaktion des Pa* 
tienten auf die Mitteilung einer unserer Konstruktionen ableiten. Wir wollen 
diesen Punkt eingehend behandeln. Es ist richtig, daß wir ein , } Nein<" des 
Analysierten nicht als vollwertig hinnehmen, aber ebensowenig lassen wir 
sem „Ja" gelten; es ist ganz ungerechtfertigt, uns zu beschuldigen, daß wir 
seme Äußerung in allen Fällen in eine Bestätigung umdeuten. In Wirklich* 
keit geht es nicht so einfach zu, machen wir uns die Entscheidung nicht so 
leicht. 

. Das direkte »J a " des Analysierten ist vieldeutig. Es kann in der Tat ajn- 
zeigen, daß er die vernommene Konstruktion als richtig anerkennt, es kann 



aber auch bedeutungslos sein oder selbst, was wir „heuchlerisch" heißen 
können, indem es seinem Widerstand bequem ist, die nicht aufgedeckte 
Wahrheit durch eine solche Zustimmung weiterhin zu verbergen. Einen 
Wert hat dies Ja nur, wenn es von indirekten Bestätigungen gefolgt wird 
wenn der Patient in unmittelbarem Anschluß an sein Ja neue Erinnerungen 
produziert, welche die Konstruktion ergänzen und erweitern. Nur in diesem 
Falle anerkennen wir das „Ja" als die volle Erledigung des betreffenden 
Punktes. 

Das Nein des Analysierten ist ebenso vieldeutig und eigentlich noch 
weniger verwendbar als sein Ja. In seltenen FäUen erweist es sich als Aus* 
druck berechtigter Ablehnung; ungleich häufiger ist es Äußerung eines 
Widerstandes, der durch den Inhalt der mitgeteilten Konstruktion hervor* 
gerufen wird, aber ebensowohl von einem anderen Faktor der komplexen 
analytischen Situation herrühren kann. Das Nein des Patienten beweist also 
nichts für die Richtigkeit der Konstruktion, es verträgt sich aber sehr gut 
mit dieser Möglichkeit. Da jede solche Konstruktion unvollständig ist, nur 
ein Stückchen des vergessenen Geschehens erfaßt, steht es uns frei anzu* 
nehmen, daß der Analysierte nicht eigentlich das ihm Mitgeteilte leugnet, 
sondern seinen Widerspruch von dem noch nicht aufgedeckten Anteil her 
aufrecht hält. Er wird in der Regel seine Zustimmung erst dann äußern, wenn 
er die ganze Wahrheit erfahren hat, und die ist oft recht weitläufig. Die einzig 
sichere Deutung seines „Nein" ist also die auf Unzuständigkeit; die Kon* 
struktion hat ihm gewiß nicht alles gesagt. 

Es ergibt sich also, daß man aus den direkten Äußerungen des Patienten 
nach der Mitteilung einer Konstruktion wenig Anhaltspunkte gewinnen kann, 
ob man richtig oder unrichtig geraten hat. Umso interessanter ist es, daß es 
indirekte Arten der Bestätigung gibt, die durchaus zuverlässig sind. Eine der* 
selben ist eine Redensart, die man in wenig abgeänderten Worten von den 
verschiedensten Personen wie über Verabredung zu hören bekommt. Sie 
lautet: Das (daran) habe ich (oder: hätte ich) nie gedacht. Man 
kann diese Äußerung unbedenklich übersetzen: Ja, Sie haben das Unbe* 
wußte in diesem Falle richtig getroffen. Leider hört man die dem Analy* 
tiker so erwünschte Formel häufiger nach Einzeldeutungen als nach der Mit* 
Teilung umfangreicher Konstruktionen. Eine ebenso wertvolle Bestätigung, 
diesmal positiv ausgedrückt, ist es, wenn der Analysierte mit einer Assozia*' 
tion antwortet, die etwas dem Inhalt der Konstruktion Ähnliches oder Ana* 
loges enthält. Anstatt eines Beispieles hiefür aus einer Analyse, das leicht 
aufzufinden, aber weitläufig darzustellen wäre, möchte ich hier ein kleines 
außeranalytisches Erlebnis erzählen, das einen solchen Sachverhalt mit bei* 






Konstruktionen in der Analyse 465 

nahe komisch wirkender Eindringlichkeit darstellt. Es handelte sich um einen 
Kollegen, der mich — es ist lange her — zum Konsiliarius in seiner ärzt? 
liehen Tätigkeit gewählt hatte. Eines Tages aber brachte er mir seine junge 
Frau, die ihm Ungelegenheiten bereitete. Sie verweigerte ihm unter allerlei 
Vorwänden den sexuellen Verkehr, und er erwartete offenbar von mir, daß 
ich sie über die Folgen ihres unzweckmäßigen Benehmens aufklären sollte. 
Ich ging darauf ein und setzte ihr auseinander, daß ihre Weigerung bei ihrem 
Mann wahrscheinlich bedauerliche Gesundheitsstörungen oder Versuchungen 
hervorrufen würde, die zum Verfall ihrer Ehe führen könnten. Dabei unten» 
brach er mich plötzlich, um mir zu sagen: Der Engländer, bei dem Sie einen 
Hirntumor diagnostiziert haben, ist auch schon gestorben. Die Rede schien 
zuerst unverständlich, das auch im Satze rätselhaft, es war von keinem 
anderen Gestorbenen gesprochen worden. Eine kurze Weile später verstand 
ich. Der Mann wollte mich offenbar bekräftigen, er wollte sagen: Ja, Sie 
haben ganz gewiß recht, Ihre Diagnose bei dem Patienten hat sich auch 
bestätigt. Es war ein volles Gegenstück zu den indirekten Bestätigungen 
durch Assoziationen, die wir in den Analysen erhalten. Daß an der Äuße* 
rung des Kollegen auch andere, von ihm beiseite geschobene Gedanken einen 
Anteil gehabt haben, will ich nicht bestreiten. 

Die indirekte Bestätigung durch Assoziationen, die zum Inhalt der Kon* 
struktion passen, die ein solches „auch" mit sich bringen, gibt unserem 
Urteil wertvolle Anhaltspunkte, um zu erraten, ob sich diese Konstruktion 
in der Fortsetzung der Analyse bewahrheiten wird. Besonders eindrucksvoll 
ist auch der FaU, wenn sich die Bestätigung mit Hilfe einer Fehlleistung jn 
den direkten Widerspruch einschleicht. Ein schönes Beispiel dieser Art habe 
ich früher einmal an anderer Stelle veröffentlicht. In den Träumen des Pa* 
tienten tauchte wiederholt der in Wien wohlbekannte Name Jauner auf, 
ohne in seinen Assoziationen genügende Aufklärung zu finden. Ich ver* 
suchte dann die Deutung, er meine wohl Gauner, wenn er Jauner sage, 
und der Patient antwortete prompt: Das scheint mir doch zu je wagt. Oder 
der Patient will die Zumutung, daß ihm eine bestimmte Zahlung zu hoch 
erscheine, mit den Worten zurückweisen: Zehn Dollars spielen bei mir keine 
Rolle, setzt aber anstatt Dollars die niedrigere Geldsorte ein und sagt: Zehn 
Schilling. 

Wenn die Analyse unter dem Druck starker Momente steht, die eine nega* 
üve therapeutische Reaktion erzwingen, wie Schuldbewußtsein, maso* 
chistisches Leidensbedürfnis, Sträuben gegen die Hilfeleistung des Analy* 
t*ers, macht das Verhalten des Patienten nach der Mitteilung der Konstruier 
üon uns oft die gesuchte Entscheidung sehr leicht. Ist die Konstruktion 

Inl. Zritschr. f. Psychoanalyse, XXIII/4 30 



falsch so ändert sich nichts beim Patienten; wenn sie aber richtig ist oder 
exne Annäherungen die Wahrheit bringt, so reagiert er auf sie mit ein! 
bZdZ VerScMimmeru ^ seiner Symptome und seines Allgemein, 

Zusammenfassend werden wir feststellen, wir verdienen nicht den Vor, 
wurf, daß wir die Stellungsnahme des Analysierten zu unseren Konstruk, 
üonen geringschätzig 2U r Seite drängen. Wir achten auf sie und entnehmen 
ihr oft wertvolle Anhaltspunkte. Aber diese Reaktionen des Patienten sind 
rumeist vieldeutig und gestatten keine endgültige Entscheidung. Nur die 
Fortsetzung der Analyse kann die Entscheidung über Richtigkeit oder Un, 
brauchbarkeit unserer Konstruktion bringen. Wir geben die einzelne Kon, 
struküon für nichts anderes aus als für eine Vermutung, die auf Prüfung, 
Bestätigung oder Verwerfung wartet. Wir beanspruchen keine Autorität für 
s*e fordern vom Patienten keine unmittelbare Zustimmung, diskutieren nicht 
del v mT" ^, 2Unächst Verspricht. Kurz, wir benehmen uns nach 
dem Vorbnd einer bekannten Nestroyschen Figur, des Hausknechts, der 
für alle Fragen und Einwendungen die einzige Antwort bereit hat: Im 
Laute der Begebenheiten wird alles klar werden. 



III. 



Welfn sth der /° rtSet2Ung ^ ^^ V ° r Sich ^ eht ' auf weI ^n 
Tr S1 t" n T, y T UtUn f m diC Über2eu ^^ des Patienten verwandelt, 

AnalvX 1 1? ^ ^T der MÜhC; " iSt 3US tägHcher Erfah ™* iedem 
Analytiker bekannt und bietet dem Verständnis keine Schwierigkeit. Nur 

ein Punkt daran verlangt nach Untersuchung und Aufklärung. Der Weg 

der von der Konstruktion des Analytikers ausgeht, sollte in der Erinnerung 

des Analysierten enden; er führt nicht immer so weit. Oft genug gelingt es 

nicht, den Patienten zur Erinnerung des Verdrängten zu bringen Anstatt 

dessen erreicht man bei ihm durch korrekte Ausführung der Analyse eine 

sichere Überzeugung von der Wahrheit der Konstruktion, die therapeutisch 

dasselbe leistet wie eine wiedergewonnene Erinnerung. Unter welchL Um! 

standen dies geschieht und wie es möglich wird, daß ein scheinbar unvoll, 

ForXng ^ Wle W " kUng ^ ^ bkibt dn St ° ff fÜr ££* 

Ich werde diese kleine Mitteilung mit einigen Bemerkungen beschließen 

fallen, daß die Mitteilung einer offenbar zutreffenden Konstruktion ein über, 
raschendes und zunächst unverständliches Phänomen bei den Analysierten 



Konstruktionen in der Analyse 457 



zum Vorschein brachte. Sie bekamen lebhafte Erinnerungen, von ihnen selbst 
als „überdeutlich" bezeichnet, aber sie erinnerten nicht etwa die Begebenheit, 
die der Inhalt der Konstruktion war, sondern Details, die diesem Inhalt nahe* 
standen, z. B. die Gesichter der darin genannten Personen überscharf, oder 
die Räume, in denen sich Ähnliches hätte zutragen können, oder, ein Stück 
weiter weg, die Einrichtungsgegenstände dieser Räumlichkeiten, von denen 
die Konstruktion natürlich nichts hatte wissen können. Dies geschah eben* 
sowohl in Träumen unmittelbar nach der Mitteilung als auch im Wachen in 
phantasieartigen Zuständen. An diese Erinnerungen selbst schloß weiter. 
nichts an; es lag dann nahe, sie als Ergebnis eines Kompromisses auf zu«* 
fassen. Der „Auftrieb" des Verdrängten, durch die Mitteilung der Konstruier 
tion rege geworden, hatte jene bedeutsamen Erinnerungsspuren zum Bewußt* 
sein tragen wollen; einem Widerstand war es gelungen, zwar nicht die Be* 
wegung aufzuhalten, aber wohl sie auf benachbarte, nebensächliche Objekte 
zu verschieben. 

Diese Erinnerungen hätte man Halluzinationen nennen können, wenn zu 
ihrer Deutlichkeit der Glaube an ihre Aktualität hinzugekommen wäre. Aber 
die Analogie gewann an Bedeutung, als ich auf das gelegentliche Vorkommen 
wirklicher Halluzinationen bei anderen, gewiß nicht psychotischen, Fällen 
aufmerksam wurde. Der Gedankengang ging dann weiter: Vielleicht ist es 
ein allgemeiner Charakter der Halluzination, bisher nicht genug gewürdigt, 
daß in ihr etwas in der Frühzeit Erlebtes und dann Vergessenes wiederkehrt,' 
etwas was das Kind gesehen oder gehört zur Zeit, da es noch kaum sprach*" 
fähig war, und was sich nun dem Bewußtsein aufdrängt, wahrscheinlich ent* 
stellt und verschoben in Wirkung der Kräfte, die sich einer solchen Wieder* 
kehr widersetzen. Und bei der nahen Beziehung der Halluzination zu be* 
stimmten Formen von Psychose darf unser Gedankengang noch weiter 
greifen. Vielleicht sind die Wahnbildungen, in denen wir diese Halluzi* 
nationen so regelmäßig eingefügt finden, selbst nicht so unabhängig vom 
Auftrieb des Unbewußten und von der Wiederkehr des Verdrängten, wie 
wir gemeinhin annehmen. Wir betonen im Mechanismus einer Wahn* 
badung in der Regel nur zwei Momente, die Abwendung von der Realwelt 
und deren Motive einerseits und den Einfluß der WunscherfüUung auf den 
Inhalt des Wahns anderseits. Aber kann der dynamische Vorgang nicht 
eher der sein, daß die Abwendung von der Realität vom Auftrieb des Ver* 
drängten ausgenützt wird, um seinen Inhalt dem Bewußtsein aufzudrängen, 
wobei die bei diesem Vorgang erregten Widerstände und die Tendenz zur 
Wunscherfüllung sich in die Verantwortlichkeit für die Entstellung und Ver* 
Schiebung des .Wiedererinnerten teilen? Das ist doch auch der uns bekannte 

30* 



1 



468 Sigm. Freud 



Mechanismus des Traumes, den schon uralte Ahnung dem Wahnsinn gleich* 
gesetzt hat. 

Ich glaube nicht, daß diese Auffassung des Wahns vollkommen neu ist, 
aber sie betont doch einen Gesichtspunkt, der für gewöhnlich nicht in den 
Vordergrund gerückt wird. Wesentlich an ihr ist die Behauptung, daß der 
Wahnsinn nicht nur Methode hat, wie schon der Dichter erkannte, sondern 
daß auch ein Stück historischer Wahrheit in ihm enthalten ist, und 
es liegt uns nahe, anzunehmen, daß der zwanghafte Glaube, den der Wahn 
findet, gerade aus solch infantiler Quelle seine Stärke bezieht. Mir stehen 
heute, um diese Theorie zu erweisen, nur Reminiszenzen zu Gebote, nicht 
frische Eindrücke. Es würde wahrscheinlich die Mühe lohnen, wenn man 
versuchte, entsprechende Krankheitsfälle nach den hier entwickelten Voraus* 
Setzungen zu studieren und auch ihre Behandlung danach einzurichten. Man 
würde die vergebliche Bemühung aufgeben, den Kranken von dem Irrsinn 
seines Wahns, von seinem Widerspruch zur Realität, zu überzeugen und viel* 
mehr in der Anerkennung des Wahrheitskerns einen gemeinsamen Boden 
finden, auf dem sich die therapeutische Arbeit entwickeln kann. Diese Ar* 
beit bestünde darin, das Stück historischer Wahrheit von seinen Entstel* 
lungen und Anlehnungen an die reale Gegenwart zu befreien und es zurecht* 
zurücken an die Stelle der Vergangenheit, der es zugehört. Die Verrückung 
aus der vergessenen Vorzeit in die Gegenwart oder in die Erwartung der Zu* 
kunft ist ja ein regelmäßiges Vorkommnis auch beim Neurotiker. Oft genug, 
wenn ihn ein Angstzustand erwarten läßt, daß sich etwas Schreckliches er* 
eignen wird, steht er bloß unter dem Einfluß einer verdrängten Erinnerung, 
die zum Bewußtsein kommen möchte und nicht bewußt werden kann, daß 
etwas damals Schreckhaftes sich wirklich ereignet hat. Ich meine, man wird 
aus solchen Bemühungen an Psychotikern sehr viel Wertvolles erfahren, 
auch wenn ihnen der therapeutische Erfolg versagt bleibt. 

Ich weiß, daß es nicht verdienstlich ist, ein so wichtiges Thema so bei* 
läufig zu behandeln, wie es hier geschieht. Ich bin dabei der Verlockung 
einer Analogie gefolgt. Die Wahnbildungen der Kranken erscheinen mir 
als Äquivalente der Konstruktionen, die wir in den analytischen Behand* 
lungen aufbauen, Versuche zur Erklärung und Wiederherstellung, die unter 
den Bedingungen der Psychose allerdings nur dazu führen können, das Stück 
Realität, das man in der Gegenwart verleugnet, durch ein anderes Stück zu 
ersetzen, das man in früher Vorzeit gleichfalls verleugnet hatte. Die intimen 
Beziehungen zwischen dem Stoff der gegenwärtigen Verleugnung und dem 
der damaligen Verdrängung aufzudecken, wird die Aufgabe der EinzeL» 
Untersuchung. Wie unsere Konstruktion nur dadurch wirkt, daß sie ein 



Konstruktionen in der Analyse 



469 



Stück verlorengegangener Lebensgeschichte wiederbringt, so dankt auch der 
Wahn seine überzeugende Kraft dem Anteil historischer Wahrheit, den er 
an die Stelle der abgewiesenen Realität einsetzt. In solcher Art würde auch 
der Wahn sich dem Satze unterwerfen, den ich früher einmal nur für die 
Hysterie ausgesprochen habe, der Kranke leide an seinen Reminiszenzen. 
Diese kurze Formel wollte auch damals nicht die Komplikation der Krank* 
heitsverursachung bestreiten und die Wirkung so vieler anderer Momente 
ausschließen. 

Erfaßt man die Menschheit als ein Ganzes und setzt sie an die Stelle des 
einzelnen menschlichen Individuums, so findet man, daß auch sie Wahn«« 
bildungen entwickelt hat, die der logischen Kritik unzugänglich sind 
und der Wirklichkeit widersprechen. Wenn sie trotzdem eine außerordenfc« 
liehe Gewalt über die Menschen äußern können, so führt die Untersuchung 
zum gleichen Schluß wie beim einzelnen Individuum. Sie danken ihre Macht 
dem Gehalt an historischer Wahrheit, die sie aus der Verdrängung 
vergessener Urzeiten heraufgeholt haben. 



Über das induzierte Irresein (Folie ä deux)' 

Von 

Helene Deutsch 

Boston 

Im strengen Sinne dieser Benennung versteht man unter dem „induzierten 
Irresein die Übertragung der wahnhaften Ideen eines Geisteskranken auf 
eine bis dahin psychisch gesunde Person, die das Wahnsystem des Kranken 
aufnimmt und es zum eigenen Bewußtseinsinhalt verarbeitet. 

Was außer dispositionellen Momenten, engem Zusammenleben und allen 
anderen Faktoren dieser Art, unter welchen bekannterweise das „induzierte 
Irresein" als paranoisches Krankheitsbild entsteht, die Psychogenes* der In* 
duktion ausmacht, bleibt uns derzeit noch vollkommen unklar. Die tieferen 
psychischen Mechanismen, aus denen die vollkommene psychische Abhängig* 
keit und Identifizierung mit dem Primärerkrankten (bis zur Übernahme seiner 
Wahnideen) resultiert, müßten noch in jedem Falle einer Analyse unter* 
zogen werden. 

Neben den Krankheitsprozessen, die dem klinischen Begriff des „indu* 
zierten Irreseins" entsprechen, kennen wir eine große Anzahl verschiedener 
Formen der psychischen Affektion, von der Ansteckung mit Gemütsstim* 
mungen und Affekten schon unter normalen Verhältnissen über pathologi* 
sehe Stimmungsanomalien, oberflächliche, korrigierbare Aneignung krank* 
harter Ideen bis zu schwersten psychotischen Krankheitsbildern. 

Außer der individuellen Übernahme psychischer Inhalte der einen Person 
durch eine andere kennen wir diesen Prozeß auch als Massenerscheinung 
wo ganze Gruppen psychisch Gesunder durch geisteskranke Weltverbesserer' 
Paranoiker usw. hingerissen werden. Auch große historische Vorgänge und 
religiöse Bewegungen, soziale Revolutionen etc. haben neben ihren Rea* 
Iitatsgrunden auch psychische Determinanten, die dem pathologischen Pro* 
zeß des induzierten Irreseins sehr nahe kommen. 

Ich habe meine heutige Aufgabe rein auf die klinische Beobachtung ein* 
geschrankt und aus einer größeren Zahl von Fällen einige ausgewählt, an 
denen ich insbesondere Unterschiede zwischen hysterischen und psycho* 
tischen Formen des „induzierten Irreseins" zu beleuchten versuche. 

I. Im Jahre 1918 habe ich aus der Wiener psychiatrischen Klinik mehrere 
*a e von induziertem Irresein publiziert und entnehme dieser Publikation einen 

T tt. Cme Gru PP e von drei Familienmitgliedern betraf- 

Im Jahre 1918 wurde der psychiatrischen Klinik in Wien eine Familie be, 

Svü aU l MUt , ter ' ^^f " nd S ° hn ein g eIiefo t, die alle unter aemsdben 
Symptomenkomplex erkrankt waren. Das Parere berichtet: Der Gatte, bezw 
Vater der Kmder rückte im Jahre 1915 ein. Seit dem Jahre 1916 fehlt jede Nach* 




Über das induzierte Irresein (Folie ä deux) 471 

cht von ihm. Nach einer nicht vollkommen verifizierten Meldung soll er ge* 

n sein. Die Ungewißheit, die Angst um den Gatten, an dem sie sehr hängt, 

fcn bei der Frau einen Zustand heftiger Erregung und starker Depression 

cr% or, der sich auch ihrer beiden Kinder, zu denen sie in einem besonders zärfc= 

ichcn Verhältnis steht, bemächtigte. 

Seit einigen Monaten behauptet die Patientin hartnäckig, der Gatte lebe und 
werde bald nach Hause kommen. Er sei beim schwedischen Konsulat angestellt, 
sie bekomme von demselben häufig schriftliche Mitteilungen. Eine aristokratische 
reiche Familie M. nehme sich ihrer an, richte ihr eine Villa ein, werde ihr ein 
Auto kaufen. Sie habe durch diese Familie Beziehungen zu allen Ministern, 
sei reichlich mit Nahrungsmitteln versorgt, werde in eine hochelegante, ihr von 
der Familie M. im eigenen Hause eingerichtete Wohnung einziehen usw. Ihr 
Mann werde nach seiner Rückkehr an allen diesen Reichtümern teilnehmen; ein 
Sohn der reichen Familie werde ihre Tochter heiraten; ihrem eigenen Sohn stehe 
eine glänzende Zukunft bevor. 

Die beiden Kinder der Patientin bestätigen vollkommen diese Angaben der 
Mutter. Die Angehörigen der Frau erkannten die obigen Angaben als Wahn* 
ideen und veranlaßten die Internierung der drei Personen. 

Hier konnte man eine außerordentlich lebhafte Pseudologia phantastica 
zu dritt feststellen; ein Gebäude des induzierten Irreseins, in dem jeder seine 
eigenen Wünsche unterbringen konnte. Sobald ein Mitglied der Familie be* 
reit war, die Korrektur vorzunehmen, induzierte ihn das andere mit seinen 
Ideen und so ging es im Kreise herum. Ich konnte während der Behandlung 
aller drei die Beobachtung machen, daß, wenn es mir gelungen war, bei 
einem der Patienten die Ideen zu korrigieren, er sehr rasch geneigt war, sich 
von neuem induzieren zu lassen, aber dann nur in bestimmten Richtungen. 
Der Sohn korrigierte z. B. die Idee der reichen Ehe der Schwester, nicht aber 
die Phantasie, daß er die „große" Position des Vaters erreichen sollte usw. 
Ähnlich war es auch mit den anderen Teilnehmern des Phantasiegebildes 
bestellt. 

II. Ein 17jähriges Mädchen kommt in die psychoanalytische Behandlung mit 
der vermutlichen Diagnose einer beginnenden Schizophrenie. Der Vater erzählt, 
daß das junge Mädchen seit jeher eigenartig, in sich gekehrt und ungesellig war! 
ihe Mutter des Kindes starb, als die Kleine zehn Jahre alt war. Er habe sich 1 
dann selbst ganz der Erziehung des einzigen Kindes gewidmet und sich eigene 
ücn wenig von der Kleinen getrennt. Im letzten Jahr hatte er eine junge Dame 
kennen gelernt und seiner Tochter die Absicht verraten, diese Dame zu heiraten. 
Uie lochter hatte diesen Vorschlag mit großer Bereitwilligkeit aufgenommen 
und entwickelte sogar eine sehr zärtliche Anhänglichkeit an die zukünftige Stief* 
mutter. Erst als der Vater geheiratet hatte, fing das junge Mädchen an, sich 
immer mehr zurückzuziehen und ihr Wesen zu verändern. Sie saß stundenlang 
starr auf einem Fleck, lachte manchmal unmotiviert, verlor den Kontakt mit den 
Vater hattC bisweiIen hefti e e Zornausbrüche, besonders gegen den 

verT le u! tCn Sommer habe die Familie di e Ferien in einem kleinen Tiroler Ort 

eroraem, wo die Familie seit Jahren ein kleines Sommerhaus hatte. Seit dem 

*oae seiner Frau hatte der Vater diesen Ort jetzt zum ersten Mal wieder auf* 




:■ 



gesucht. In dem kleinen Dorf lebte seit vielen Tahren ein M a ,, A u i 

mITT Rudolf Z\ seia - Kronprinz Ä J ^d?jteÄSrH 

folger, der einzige Sohn des Kaisers Franz To<= P f T ,™A , a "r rei . cniscJle Ihron. 

1 C d,ß der K ">nprinz Rudolf gar nicht eestorben sei und nn \ 4e 
SSÄSSÄ ^ ^ ""*"*»*£ * da^ Wähnet ££ 

si2Vm n clä ä t Che l flng ST^ aUS ihrer Stu ^heit zu erwachen, gesellte 
der fecmnri* *SS B « ai " nd behau ftete, sie sei vollkommen überzeug er* 
oer Kronprinz Rudolf, und sie werde von nun an ihr Leben dazu verwJwi 
Am zur Rea l isierung i dten Ansprüche zu verheIfe L n eb s e J t Z r U f ^ r ^ d ^ 

riÄTchXr^ 1 ^" 11 ? * C ÄrZtC "t^ eine ^ernierung in "er 4t 
anstatt an Ich habe die Patientin in einer sechsmonatigen Analyse dazu PehrV £ 
die Wahnidee ganz aufzugeben, habe aber trotzdem denBndr^™^ 
daß die Patientin an Schizophrenie leidet. Der Vater war mS Sser ^0 ' 

SetndW S SÄabe be d haUPtet ?• *' *?*»«» "* **S und uZ£ TS 
aufgTrreÄ ü aLr^e f^f^ ^ ehört ' daß *■ Wahnidee nicht menr 
angetreten ist, daiS aber die Patientin in einem stuporösen Zustand verblieb. 

W^Z^t-^i^ 1 T die P s y cho Wsche Grundlage ihrer induzierten 
Wahnidee. Sie führte in der Analyse direkt zu dem Familienroman, den dS 
Patientin in ihrer Kindheit gebildet hatte: In dem Tiroler Dorf, in dem 2 
die Ferien als Kind zu verbringen pflegte, befand sich ein altes Schloß C 
sitz einer ans okraüschen Famüie. Die Patientin hat nun in typischer WdTe 

eines ToTb V ? ^^ <&Ser Fan,ffie USW " Die ana ^sche Dertunl 
eine solchen Familienromans ist uns bekannt und ich brauche hier nick 

Suschungl 6 vT '?!- E - Wa \ die Reakti ° n 3uf die infantile Liebes ^ 
£rfr™ ^ S1B "** Cinigen Jahren in denselbe * Ort kam, 

harte das Gefühl, vom Vater verlassen zu sein, durch seine Verheiratung 
eine viel realere und grausamere Form angenommen. Die Patientin 3 

ch anfangs durch die Liebe zur Stiefmutter zu entschädigen, abef als 1e 
auch hier die Enttäuschung erlitt, zog sie sich vollkommen in die Introvel 

on zurück und befand sich bereits in einem ganz artistischen Zustand, a 

Phan asi!T? T* aUfSUChte - Dk Identität deS ° rtes batte »«» die a e 
Phantasie des Famihenromans aufgefrischt. Die Phantasie aber war reich an 

Objektbeziehungen, wenn auch in dieser introvertierten Form, fodern s P 1 
ta StlsTeb " Z T nd ^ aUCh diCSe PW --elt im WeW^anl 

de^iSoL S^W'T r, n gCg f §en - ? n ^^ beStimmten Moment wer! 
den infolge der Wiederholung der realen Situation die alten Spuren der 

SS W ^ ^pu^ abet bereitS ^ dner Psychotischen Wei 
verarbeitet Was früher Phantasie war und verlorengegangen ist, wird jetzt 

" d I A tf ^ !°™ der Wahnidee wieder a «Uaut. De Motor'd! 
Induktion lag hier nicht in der suggestiven Beeinflussung durch den Geistes, 
kranken und nicht in der Identifizierung mit ihm. Die Identifizierung bezoe 
sich rem auf die Wahngebilde und lag in der Tatsache, daß der 3 S 



Über das induzierte Irresein (Folie ä deux) 



473 



Wahns so nahe ihrem ursprünglichen Phantasiegebilde lag. Die analytische 
Deutung des übernommenen Wahnes lautete: Wenn es wahr ist, daß man ein 
stoßenes Yiind hochgestellter Eltern sein kann und einen gerechten An* 
snruch auf den Thron hat, so ist es auch wahr, daß ich ein ungerecht ver<* 
stoßenes Kind bin und das Recht auf das alte Schloß meiner unterge* 
gangenen Gefühle habe. 

Dieser Fall zeigt uns einen bestimmten Mechanismus der Induktion der 
Wahnidee, der ganz außerhalb des induzierenden Objektes steht und eine 
schon vorher bestehende seelische Situation zur Voraussetzung hat. 

Der III. Fall bezieht sich auf eine Situation zwischen Mutter und Tochter. Es 
handelt sich dabei nicht um eine psychoanalytische Behandlung. Das Material 
ist einer Krankengeschichte entnommen, die durch zwölf Jahre von einer sehr 
gewissenhaften Fürsorgerin (social worker) geführt wurde. Diese Fürsorgerin 
ist eine ganz besonders kluge, intuitive, warmherzige Person, nicht beeinflußt von 
der Kenntnis der Psychoanalyse und der psychologischen Terminologie. Dieser 
Umstand macht die Krankengeschichte ganz besonders objektiv und wertvoll. 

Die Fürsorgerin übernimmt die Fürsorge für das Kind in seinem zehnten 
Lebensjahr, nach dem Tode des Vaters, der durch einen Unfall getötet wurde., 
Die Mutter hat sichtlich eine Paranoia, dissimuliert aber in einer so raffinierten 
Weise, daß ihre Internierung nie zustandekommt. Da sie in vorzüglicher Weise 
für das Wohl des Kindes sorgt, ergibt sich in den zwölf Jahren niemals eine 
Notwendigkeit der Trennung von Mutter und Tochter. 

Die Wahnidee der Mutter lautet: Feinde wollen sie von ihrer Tochter trennen, 
sie müsse das Kind vor den Gefahren retten und in die alte Heimat ihrer eigenen 
Kindheit, zu ihrer eigenen Mutter nach Holland zurückkehren. Ihr ganzes Leben 
ist auf diese gemeinsame Rückkehr mit der Tochter aufgebaut. Feinde hindern 
sie an der Realisierung — diese Aktion der Feinde wird in typisch paranoischer 
Weise ausgearbeitet. Als Motiv ihrer Reisebehinderung gibt sie Geldmangel an. 
Hat sie aber das notwendige Geld zusammengebracht, so erklärt sie, sie könne 
nicht weg, bevor sie nicht das Grab ihres Mannes aufgebaut und für dasselbe 
auch für die Zukunft vorgesorgt habe. Sie hat auch sichtlich eine Wahnidee, die 
ihr nicht erlaubt, Amerika — d. h. den Gatten — zu verlassen. 

Sie lebt in ewiger Sorge, daß ihr andere Menschen, Männer und Frauen, das 
Kind wegnehmen und die Tochter nicht mit ihr nach Holland gehen lassen 
werden. De facto heißt dies: die Liebesbindung zwischen ihr und der Tochter 
zerstören werden. Interessant ist hier die doppelte Richtung ihrer Homosexua» 
Iität. Die Feinde sind Frauen, vor allen die social workers — die Realgefahr für 
die Tochter liegt aber bei den Männern. Ihre Hauptangst konzentriert sich nun 
um einen verheirateten, kinderreichen Mann, mit dem ihre Tochter eine Liebes* 
geschichte hat. Aber auch hier ist es die Mutter dieses Mannes, die sich der 
Liebesgeschichte bedient, um ihr die Tochter wegzunehmen. 

Die Tochter hat tatsächlich diese Liebesbeziehung angeknüpft, bricht aber bald 

— der Mutter und der Moral zuliebe — die Beziehung ab. 

Man sieht die Tochter zeitweise — besonders nach einem Streit mit der Mutter 

— halb im Dämmerzustand, introvertiert, in den Straßen der Stadt herumirren, 
nach jenem verheirateten Tabumann suchend. Sie kehrt dann immer in tiefer 
Reue zur Mutter zurück, um die Reisewahnidee aufzunehmen und alles zu ver« 



^wS^L^SSS^ aber auch um sie im Sinne der mü «- 

vie^Twlf U ll0h ? ^ f Ch mlt 1 einem Jüngeren Manne, verschiebt aber durch 

JS^Z£SrS^££^ traut ' die wahnhaften **« 

«.wJ^^u 01 Eindruck, daß die Tochter unter dem Drucke eines 
schweren Schuldgefühls gegenüber der Mutter zuerst nur Konzessionen macS 
zugunsten des mutterlichen Wahnes, allmählich aber, als würde sie - besonder! 
nach jeder Verstärkung der Befreiungstendenz von der Mutter - den mütter 
hchen Wahn als real annehmen. mattet» 

Die Krankengeschichte zeigt, daß die Mutter, als das Kind zwei Tahre alt war 
gelebt hat Sichtlich hatte sie schon damals die Tendenz gehabt, das Kind vom 

IrJ? £f eime % T €S Sdh ? ZU besit2en ~ wahachdriL al WtedSoC 
ihrer früheren Bindung an die eigene Mutter. Man kann beobachten, wie 5? 
zum Mann zurückkehrt und wie sie nach seinem Tode den Ambivalenzkamnf 

^fv ft f T arbeite< l ihr€r L h0m0SeXUelIen Bindun ^ an die Tochter den iXh 
eines Verfolgungswahnes gibt und dann in einer Spaltung ohne Ende das Kind 

s ss Srassr eirateten GeIiebten trennen wm - diese t ^ 

Mutter m Holland sehr glücklich verbracht habe. Sie erinnere sich Sit ob sie 

a!s a Lt: n dIfvat Ch i e '' H°f **t ** * f ls * Sechsjäh ^ nach ^rL lam 
als erste den Vater im Hafen erkannte, „als wäre er immer mit mir gewesen" 

Sie hatte oft gesehen, wie die Mutter den Vater mit ihren Ideen quälte- 
manchmal nahm er den Hut um wegzugehen, und Patientin zitterte Sß^r de 

fEKÄsr xft er b ? b p ber u ei ** - genau wie ich jetzt "- Dieser Id - ti ' 

druck m Bezlehun g 2Ur Butter gab sie auch sonst Aus. 

vefwund m« Tr M^^t ^ daß Sie > Wenn sie ihren VerI <*ten 
verlasse und mit der Mutter wegziehe, dann immer dasitzen und phantasieren 
werde, wie schon es wäre, zu ihm zu gehen, ein Kind von ihm zu habenTdgl m 
li ^Da Luß T daS t GefÜh 7 I > daß *r die Phantasie lieber sei £ Se Re^ 
habe." ^ ^ Vorwürfe mache »> ^ß ich die Mutter verlassen 

Hier liegt eine gewisse Ähnlichkeit des psychologischen Prozesses mit 
dem vorigen Fall vor, nämlich: das Wahngebilde der Mutter und das Phan, 
Weben der Tochter laufen in eine Richtung. In diesem Falle aber gelingt 
es der Mutter durch zwölf Jahre nicht, die Tochter mit der Wahnidee zu 
induzieren. Die Objektbeziehungen der Tochter zur Umwelt sind nicht, wie 
beim vorigen Fall, zerstört. Die günstige Unterbringung ihrer positiv homo. 
sexuellen Strebungen bei der Fürsorgerin einerseits, ein ständiger Realisie. 
rungsversuch in der heterosexuellen Richtung andererseits retten sie sichtlich 
vor der psychotischen Induktion. Was sie aber doch an die Mutter bindet 
und ihr die Befreiung aus dem Umkreis des mütterlichen Wahnes nicht ge, 
stattet, ist die Tatsache, daß der Wahn der Mutter und ihr eigenes verdrängtes 



Über das induzierte Irresein (Folie ä deux) 



475 



Phantasieleben dieselbe Richtung haben. Die Übereinstimmung der mütter* 

T hen Wahnidee mit der Ödipussituation des Mädchens hat in diesem Falle 

krankhafte Bündnis hervorgerufen mit der Gefahr, daß aus einer neuro* 

sehen Abhängigkeit des Mädchens doch mit der Zeit ein psychotischer 

Zustand, ein induziertes Irresein entsteht. 

IV. Es handelt sich um zwei Schwestern, die nach einem doppelten Selbst* 
mordversuch durch Gas die psychiatrische Aufmerksamkeit auf sich gezogen 
haben. Die ältere starb bald nachher, die jüngere konnte einer genauen anaty* 
tischen Exploration unterworfen werden. 

Beide Schwestern lebten nach dem Tode der Eltern zusammen. Die um 15 Jahre 
ältere hatte die Mutterstelle bei der jüngeren übernommen, beide hingen mit 
zärtlicher Liebe aneinander. Die Ältere war immer sonderbar, ungesellig, miß* 
trauisch, einsam. Die jüngere mußte aus finanziellen Gründen eine Stelle als 
Hausdame bei einem Witwer in einer anderen Stadt annehmen und heiratete 
ihn dann. Sie war in der Ehe „zufrieden", hatte zwei Kinder, aber wirkliche 
Gefühlswärme ihrem Mann oder den Kindern gegenüber hatte sie nicht emp* 
funden. 

Mit der Schwester stand sie in einem auffallend losen Verkehr, besuchte sie 
jahrelang nicht, schrieb auch selten. Erst als die Nachricht von einer schweren 
Erkrankung der Schwester kam, entschloß sie sich, diese zu besuchen. 

Sie behauptet, daß sie bereits auf der Stiege des schwesterlichen Wohnhauses 
Zurufe gehört hat: „Aber da kommt die Zweite." „Jetzt werden sie wieder zu* 
sammen schlafen." „Sie wird ihr schon helfen" usw. Sie dachte sich: „die arme 
Schwester, wie muß sie hier leiden". Als ihr dann die Schwester ihr altes para* 
noisches Verfolgungssystem mitteilte, hatte die Jüngere nicht einen Moment an 
seiner Wahrheit gezweifelt. Sie verbrachten einige qualvolle Wochen zusammen 
und beschlossen dann, zusammen zu sterben. 

Es ist möglich, daß die Angabe der Geretteten, sie habe schon vorher, 
bevor sie die Schwester gesehen habe, die Verfolgungen wahrgenommen, eine 
Erinnerungstäuschung war und daß der Projektionsvorgang erst auf das indu* 
zierende Signal von Seiten der Älteren zustande kam. Dies scheint mir aber 
ziemlich gleichgültig zu sein. 

Sie kam in das Haus der Schwester voll von bangen Gefühlen einer angst* 
liehen Spannung. Die alte homosexuelle, sehr ambivalente Bindung an die 
Schwester drückte sich in diesen Gefühlen aus. Möglich, daß der Haß, dessen 
sie sich im Stiegenhaus zu entledigen versuchte, hier schon projiziert wurde, 
ebenso wie die Angst vor der Homosexualität, die sich im Inhalt der „Stirn* 
men" verriet. Es ist aber wahrscheinlich, daß sie erst nachträglich den para*, 
noischen Vorgang, den sie im Dienste ihrer eigenen Abwehr gut brauchen 
konnte, von der Schwester übernommen hat. 

Der Epilog: gemeinsamer Selbstmord, hat ja unsere Vermutung über die 
Genese des „induzierten Wahnsinnes" bestätigt. Da sich der gegen einander 
gerichtete Haß durch die Projektion auf die Verfolger nicht absättigen 
konnte, verübten sie an einander den Mord unter der Maske des doppelten 
Selbstmordes. 



476 Helene Deutsch 



Solche paranoische, gleichgeschlechtliche Geschwisterpaare sind in der 
Gruppe des induzierten Irreseins sehr häufige Erscheinungen. Man zieht 
als Ätiologie heran: einmal die Konstitution und dann das von der übrigen 
Welt abgetrennte, gemeinsame, enge Zusammenleben von zwei Individuen, 
in dem der Aktivere den Passiveren mit seinen Ideen infiziert. 

Ich glaube umgekehrt, daß das enge, von anderen abgetrennte Zusammen» 
leben schon der Ausdruck jener unbewußten Bindungen zu sein pflegt, 
die später beide Teile zu gleichsinnigen Wahnideen bringen. 

Daß der im Wahne Aktivere eventuell den induzierenden Auftakt gibt, 
ist wahrscheinlich. 

^ Wir haben in den mitgeteilten Fällen verschiedene Formen von indu* 
ziertem Irresein beschrieben. Im ersten Fall eine gemeinsame Pseudologia 
phantastica im Sinne gemeinsamer bewußter und unbewußter Wunschziele 
bei drei Mitgliedern einer Familie. Die Grundlage zur gemeinsamen 
Erkrankung war die libidinöse Beziehung der drei Personen zueinander und 
die gemeinsame Reaktion auf den Verlust eines bestimmten Objektes, zu 
dem alle drei in einer Affektbeziehung gestanden sind. 

Im zweiten Fall handelt es sich um einen schizophrenen Identifizierungs* 
Vorgang, abgelöst von jeder Objektbeziehung zum induzierenden Objekte. 
Man konnte aber hinter der Wahnidee die Ruinen der alten libidinösen Bin»« 
düngen aufdecken. 

Im dritten Fall haben wir einen parallelen Vorgang zwischen den Wahn* 
ideen des Geisteskranken und dem Phantasieleben des Neurotischen fesfc* 
gestellt und in dieser Identität die Brücke zur Induktion gefunden. 

Im vierten Fall endlich haben wir ein richtiges paranoisches induziertes 
Irresein gesehen, in dem die psychotische Verwandlung der Realität von zwei 
Individuen nicht aus der Beeinflussung der einen Schwester durch die andere 
stammte, sondern aus der Tatsache, daß beide schon früher gemeinsam ver* 
drängte und untergegangene seelische Inhalte hatten, die in der einen früher; 
und in der anderen später zum Durchbruch kamen. 

Ein Stück theoretischer Fassung der klinischen Beobachtungen bleibt noch 
unsere Aufgabe. Ich will hier natürlich nicht auf das Problem der Projektion 
und auf die ökonomische Bedeutung der Wahnideen als Restitutionsvorgang 
im Sinne Freuds weiter eingehen. Ich möchte nur im Zusammenhang mit 
dem Problem des induzierten Irreseins auf einen tieferen psychischen Vor* 
gang hindeuten, der bei der psychotischen Form der Induktion sicherlich 
in Funktion tritt. Die Tendenz, einen inneren psychischen Vorgang als Wahr* 
nehmung zu betrachten, wirkt sich ständig in uns aus. Ein typisches Bei* 
spiel hiefür ist der Traum. Es erfordert einen komplizierten Entwicklungs* 
prozeß, um den inneren Inhalt von der Wahrnehmung der Außenwelt unter* 
scheiden zu lernen, und es scheint, daß die ständige Kontrolle der Umwelf; 
bei dieser Differenzierung eine wichtige Rolle spielt. Ein psychotisches Indi* 



Über das induzierte Irresein (Folie ä deux) 



477 



viduum hat nicht nur die Differenzierung zwischen Innenwelt und Realwelt 
aufgegeben, sondern es hat auch auf die Kontrolle der Objekte, die bei 
dieser Differenzierung eine wichtige Rolle spielt, verzichtet. Wahrnehmung 
ist, was auch die anderen als Wahrnehmung empfinden. Ist aber die Brücke 
zwischen dem Individuum und den übrigen Objekten zerstört, hat sich das 
psychotische Ich in seiner Abschätzung der Grenzen zwischen Innen* und 
Außenwelt narzißtisch abgelöst, dann nimmt es seinen Wahn als Realität 
und bekennt sich zu demselben. 

Es kann aber vorkommen, daß doch ein Stück Realitätsanpassung den 
Ausbruch des Wahnes verhindert. In diesem Falle löst sich das Ich nur 
allmählich von den Besetzungen ab, grenzt sich autistisch von der Umwelt 
ab, ohne den psychotischen Restitutionsvorgang als Wahngebilde zustande 
zu bringen. Es genügt aber dann eine bejahende Geste von der Umwelt, eine 
Bestätigung, eine Ermutigung, um den Wahn lautwerden zu lassen. Was 
uns dann als Suggestion oder Induktion evident wird, ist nur eine Mobil* 
machung des schon vorhandenen inneren Inhaltes, eine Ermutigung für den 
vorhandenen Projektionsvorgang. 

Freud betrachtet die Wahnideen des Geisteskranken als Wiederaufbau 
der verlorengegangenen Objektwelt. Ich glaube, daß die Induktion im indu* 
zierten Irresein in dieser Hinsicht eine wichtige Rolle spielt. Der gemeinsame 
Wahn scheint ein wichtiges Stück der Objektrettung zu sein, eben auf dem 
Weg der Identifizierung mit einem Objekt, bezw. mit seinem Wahn. Die 
letzte, paranoische Patientin hatte dies besonders klar gezeigt. 

Zwischen der hysterischen Suggestion und der schizophrenen Induktion 
liegt jene Welt an Verschiedenheit, die den Unterschied zwischen hyste* 
rischer Objektbeziehung und schizophrenem Objektverlust darstellt. 

Beiden gemeinsam jedoch ist: 1. daß weder in der Suggestion noch in de» 
Induktion etwas vom Subjekt angenommen wird, was dem Ich fremd ist, 
und 2. daß ebenso der Suggerierte wie der Induzierte sich auf dem Wege der 
Identifizierung dem Objekte näher zu bringen, bezw. das verlorene Objekt 
wiederzufinden versuchen. 

Von da führt der Weg zum Problem der „Verliebtheit", auf das ich heute 
nicht eingehen kann. 

Zum Schluß möchte ich noch zum Ausgangspunkt meiner Erörterungen 
zurückkehren. Wir haben darauf hingewiesen, daß solche Vorgänge, wie 
wir sie hier im Individuellen gesehen haben, auch ganze Menschengruppen, 
ganze Nationen und Generationen betreffen können. Wir müssen aber, wie 
im Individuellen, so auch hier, Unterschiede zwischen hysterischen, libidinös 
determinierten Massenbeeinflussungen und gemeinsamen schizophrenen 
Wahnideen machen. Ebenso zwischen gemeinsamen Entfesselungen von 
Aggressionen unter dem Vorwand von Idealbildungen und paranoischen 



478 



Helene Deutscher das induzierte Irresein (Folie ä deux) 



ftojektionenusw Allerdings ist dk Unterscheidung nicht immer leicht u 
oft genügest bei diesen Folien en masse die Verneinung oderlSaW T 

E^r MaßSt3b ** * "~ * Wahn^olfet 



Masochismus und Narzißmus 1 



Von 

Jeanne Lampl*de Groot 

Wien 

Das masochistische Verhalten der Menschen hat unser Verständnis seit 
jeher auf eine harte Probe gestellt. Die Vorstellung, daß es ein lustvolles 
Leiden gibt, erscheint uns schwer akzeptabel; die analytische Beobachtung 
zeigt aber unzweideutig, daß es eine Lust am Leiden geben kann, daß im 
masochistischen Erleben eine Lustkomponente enthalten sein muß. In den 
masochistischen Praktiken Perverser und in den masochistischen Phantasien 
vieler Neurotiker wird das Lustmoment den Individuen bewußt. Dort, wo 
ein unbewußtes Schuldgefühl (ein Strafbedürfnis) vorherrscht, lehrt uns 
das Verhalten der ganzen Persönlichkeit, daß die Strafe (der Schmerz oder 
die Beschädigung der Person) verlangt wird und zweifellos Befriedigung 
bringt. 

Wir können das Problem des Masochismus anscheinend in zwei verschieb 
dene Fragestellungen aufteilen. Die erste könnte man folgendermaßen for* 
mulieren: 

Welche Anlässe bringen ein Individuum dazu, die mit Unlust, Leiden, 
Schmerz verknüpfte masochistische Befriedigung aufzusuchen? 

Die zweite tiefergreifende Frage wäre: 

Wie ist es zu erklären, daß Unlust, Leiden, Schmerz mit Lust verbunden 
sein können, wie ist das mit dem Wesen des Triebes vereinbar? 

Mit diesem letzten Problem, das für unser Verständnis wohl nie sein 
Rätselhaftes verlieren wird, setzt sich Freud in seiner Arbeit „Das ökono* 
mische Problem des Masochismus" 2 auseinander. Dort wird als Grundlage 
jedes masochistischen Erlebnisses der primäre erogene Masochismus ange* 
nommen, der „biologisch und konstitutionell zu begründen", „eine Bedingte 
heit der Sexualerregung", „ein infantiler psychologischer Mechanismus, der 
späterhin versiegt," sei und „dessen Erklärung nicht ohne weit rückgreifende 
Erwägung gelingt." Freud meint in derselben Arbeit, daß „dieser primäre 
Masochismus ein Zeuge und Überrest jener Bildungsphase sei, in der die 
für das Leben so wichtige Legierung von Todestrieb und Eros geschah." 
Er sei also der durch Libido gebundene, im Innern wirksam gebliebene 
Anteil des Destruktionstriebs, durch jene Bindung mit Libido eben auch 
Vertreter des Lustprinzips geworden. Diese Annahmen über die Entstehung 
des primären Masochismus entwickeln sich folgerichtig aus der analytischen 



i) Vorgetragen auf dem XIV. 
Marienbad am 7. August 1936. 
2) Ges. Sehr., Bd. V, S. 374. 



Internationalen Psychoanalytischen Kongreß in 




s« s satter s tir* N - *< 

„stumm und lautlos" Beim K"t«4 ;„ 4 1 7 , . eud es ausdrückt 

merken, e S reagiert auf Schfflerz md /ij^* ^n,'*' 

. eigenen ruht. Man muß Z Z^Z aT- *"' -^ *!* dem Pli ° k '« 

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chismus ist durch sein«* n^U^u t> sekundäre Maso* 

bänglich. S tiebX'Äe V ^T 0112 ? UnMKr B ~'«*<»^ 

Aggressionen g e g en dietutnw^S^^ E^f^ 

wieder gegen die eis-enp P*™,™, •• i , werclen ' Tonnen sekundär 

eine masochistische PhaLX V ? etwas , mh f r 2U kommen, möchte ich 
eingehender ÄS^^jÖSJS^ ?"^ ^^ * 
„zur Weiblichkeit eine mtimere bS wT/' Ju« "" <* ** 3UsdrÜckt » 
nung, daß wir eine pCSTm^^T ■ ' * " T fn der0rd ' 

herstammt. Ich meine die SC Im an ^ emem L weiblic hen Wesen 
Mädchen, das unter dem Einf S 1 W l S ° u Ung€mein häu % beim kleinen 
scWechtsünterscMels it 1 R ^.Wahrnehmung des anatomischen G* 
findet und auf dtich SäÄSST^TI "^ Masturbatio » ™ 
2 ißmu S "3 bereits hmwie" ^W trrr ^ » Hemmun S u ^ Nar. 

er ist mir aber als Strafe für die Snanie i^ ^^ *"? *"* beSeSSen ' 

-~ 1 --— —— -^i^^f^^^ Wir wissen, 

3) Int. Ztschr. f. P sa ., Bd. XXII, 1936, S. 198. " ! 



Masochismus und Narzißmus 



481 



c Phantasie kann bis in die Pubertät und weit darüber hinaus festgehalten 
j en> ja in der Analyse erwachsener Frauen trotzt sie oft hartnäckig jeder 
inflüssung. Man ist immer wieder überrascht, mit welcher Zähigkeit sie 
halten werden kann. Die Entwertung äußerer Verbote, Strafen und 
jfctmgen, die gelungene Herabsetzung einer grausamen Härte des Übe» 
ändern nichts an dieser Phantasie. Auf die masochistische Strafvon* 
ig wird nicht verzichtet. Angesichts der Eindringlichkeit dieser Beobach* 
tunpen entschließt man sich endlich zur Erkenntnis, daß offenbar die maso* 
-che Phantasie, die quäl* und schmerzvolle Vorstellung der Bestrafung 
r ein Vergehen, leichter ertragen wird als das Eingeständnis des körpen. 
chen Defekts, der eigenen, immer dagewesenen Unzulänglichkeit.* Die Vor* 
tellung „man hat mir meinen Penis genommen" restauriert für die Ver* 
ngenheit die Intaktheit der Person, was eine Genugtuung zu bringen 
scheint. Sie vermag aber nicht die gegenwärtige Enttäuschung über den wahr,* 
genommenen Defekt, die eine schwere narzißtische Kränkung bedeutet, voll 
wettzumachen. Dazu ist offenbar eine Verringerung der Unlust durch eine 
neu hinzukommende Lust notwendig. Es ist der durch die Vorstellung von 
Strafe und Leiden verursachte masochistische Lustgewinn, der diese Unlust 
j mildern vermag. Der Anlaß zur Entstehung der von uns behandelten 
masochistischen Phantasie des kleinen Mädchens war also der Versuch, den 
Schmerz einer narzißtischen Kränkung (des Penismangels) zu lindern; mit 
anderen Worten: das kleine Mädchen sucht Lust in der Strafvorstellung, um 
sich die größere Unlust der Kränkung zu ersparen. Der Triebvorgang dabei 
ist folgender: Die narzißtische Kränkung ruft Zorn und Wut hervor und 
diese Aggressionen, die in der Außenwelt nicht genügend untergebracht wer- 
den können, werden jetzt im Innern zum masochistischen Lustgewinn vew 
wendet. 

Dieses Resultat ist ein verblüffend einfaches. Die Psychoanalyse hat auch 

it jeher eine engere Beziehung zwischen Narzißmus und Masochismus an* 

genommen. Es ist ihr auch eine innigere Verknüpfung von Narzißmus und 

Masochismus auf der einen Seite mit der Weiblichkeit auf der anderen Seite 

nie entgangen. 

Das Studium der Genese dieser masochistischen Phantasie vermittelt dem 
Beobachter noch etwas ungemein Wichtiges; er bekommt einen großen Ein- 
druck yon der hohen Bedeutung narzißtischer Kränkungen für die seelische 
Entwicklung. Gerade die Zähigkeit, mit der die so fremd anmutende maso* 
cnistische Strafphantasie auch noch in der Analyse festgehalten werden kann, 
e >gt uns, wie heftig die Auswirkung einer narzißtischen Kränkung sein 
*T " n i wie dringlich es zu sein scheint, sie zu verleugnen und zu ver* 
dec ken. Daß diese K ränkung beim kleinen Mädchen an seinem Penisneid 

W» 1 " LtzShTrp 5 ^ASrf f ' Arbdt " Die **&**<* und Projektion im über, 
ta. Z ü p t PSa> ' Bd ' XVm ' 1932 ' S - 43 f - "* dem «kfcken AoW« beschäftigt. 

• f. P.ycho.nalyse, XXIII/4 6 




entstanden ist, scheint uns in vieler Hinsicht bedeutungsvoll und der näheren 
Betrachtung wert. 

Ich möchte nun gleich auf einen Einwand zu sprechen kommen, der hier 
laut zu werden verdient. Es taucht die Frage auf: Ist das Entstehen jener 
masochistischen Phantasie des kleinen Mädchens nicht einfach der Ausdruck 
eines Schuldgefühls wegen verpönter aggressiver und libidinöser Wünsche, 
die in der Masturbation eine Abfuhr finden? Zweifellos gibt es viele Straf* 
Phantasien, die der Befriedigung des Schuldgefühls dienen. Sie wurden von 
Freud vor längerer Zeit in „Ein Kind wird geschlagen" 5 beschrieben und 
gehen beim kleinen Mädchen auf die Formel zurück „ich werde vom Vater 
geschlagen". Das Geschlagenwerden ist in dieser Phantasie die Strafe für 
den verpönten libidinösen Wunsch aus dem Ödipuskomplex, aber zu 
gleicher Zeit der regressive Ersatz für ihn. Aus der Praxis erfahren wir, 
daß die Wirkung dieser masochistischen Phantasie, die etwa im späteren 
Leben das Liebesleben der Frau hemmend beeinflussen kann, in der Regel 
fortfällt, wenn es in der Analyse gelingt, die Ödipuswünsche aus der Ven» 
drängung zu befreien, die Verbote des Über^Ichs zu annullieren, die aus dem 
Ödipuskomplex stammende Neurose rückgängig zu machen. 

Die von uns zuerst betrachtete Phantasie jedoch ist ganz anderer Herkunft, 
mag sie auch öfters die Grundlage für die Phantasie „vom Vater geschlagen 
zu werden" abgeben. 

Die erste Phantasie „man hat mir den Penis zur Strafe für die Onanie ge# 
nommen" stammt nicht aus der Ödipusphase des kleinen Mädchens, son« 
dem aus der präödipalen Zeit, aus einer Phase, in der das Übersieh noch' 
nicht entwickelt ist, in der als Vorstufe der späteren Gewissensinstanz Real# 
angst (vor Strafe, bezw. Liebesverlust) zur Triebeinschränkung führt und 
innere Schuldgefühle noch kaum eine Rolle spielen. In dieser phallischen 
Phase der präödipalen Entwicklungsstufe setzt sich das kleine Mädchen mit 
ihrem Penisneid auseinander, narzißtische Bedürfnisse stehen im Vordere 
grund, das Objekt, das in dieser Zeit eine Rolle spielt, ist die Mutter und es 
ist auch die Mutter, die für die Penislosigkeit verantwortlich gemacht wird. 
„Man hat mir den Penis genommen" heißt eigentlich: „die Mutter hat 
ihn mir genommen." Der Ausgang dieser Phase ist aber im Gegensatz zur 
ödipussituation, wo die zärtliche Bindung an den Vater aufrecht erhalten 
bleibt, mit einer völligen Verfeindung mit der Mutter und einer Abwendung 
von ihr als Objekt verbunden. Die Vorstellung: die Mutter hat mir den 
Penis genommen (resp. vorenthalten), ersetzt nicht eine Liebesbeziehung zu 
ihr (etwa wie die Phantasie: ich werde vom Vater geschlagen, ein Ersatz 
für den ödipuswunsch, vom Vater geliebt zu werden, ist), sondern sie wird 
zum letzten, schwerstwiegenden Anlaß, sich vollauf mit der Mutter zu ve» 
feinden und sie als Objekt fallen zu lassen. Sie leitet die Überführung der 

5) Ges. Sehr., Bd. V, S. 344. 



Masochisinus und Narzißmus 



483 



Liebeswünsche auf den Vater ein und bereitet so die Bildung des Ödipus* 
komplexes vor. Diese Überleitung geschieht, wie wir gesehen haben, öfters 
über die masochistische Vorstellung: „zur Strafe für die Onanie bin ich 
kastriert worden." Zu dieser Zeit dient diese Vorstellung noch nicht der 
Befriedigung eines Schuldgefühls, sondern sie dient der Verringerung und 
Verdeckung der Unlust, die die Wahrnehmung des körperlichen Defektes 
hervorgerufen hat. Sie werden nun fragen, wie sich in der Praxis die ver* 
schiedene Genese beider Arten von Phantasien ausdrückt. Ich meine- bei 
den therapeutischen Bemühungen drückt sich dieser Unterschied so aus daß 
die aus dem Ödipuskomplex stammenden Strafphantasien gewöhnlich' ver* 
hältnismaßig leicht zu beeinflussen sind, während die zur Vermeidung von 
narzißtischer Kränkung gebildete masochistische Kastrationsphantasie hart, 
nackig festgehalten wird und der analytischen Beeinflussung trotzt Ich 
mochte hier darauf aufmerksam machen, daß ich in meiner Arbeit „Hern, 
mung und Narzißmus"* in bezug auf die therapeutische Beeinflussung von 
neurotischen Hemmungen zu einem ähnlichen Resultat gekommen bin Ich 
meinte dort: entsteht eine neurotische Hemmung aus Angst des Ichs vor 
den Anforderungen des über.Ichs oder infolge eines Konfliktes des Ichs 
mit dem Es (etwa bei Sexualisierung einer Ich*Tätigkeit), dann sind die 
therapeutischen Chancen viel günstigere, als wenn eine Hemmung entsteht 
um eine narzißtische Kränkung zu verleugnen oder eine Mahnung an sie zu' 
umgehen. & 

Ich komme nun auf unseren Ausgangspunkt zurück und fasse zusammen: 

M? I J m u? u kß C : kmcht den ersten? ) 2Ur Ausbildung maso. 

Sf W en ^ ? S - b r et ^ F1UGht V ° r dner Kränkun * des Narzißmus. 
Die Unlust dieser Krankung ist größer als die durch masochistischen Lust* 
gewinn gemi derte Unlust von Strafen, Leiden und Schmerz. Deshalb wird 
fruTn "'IT l-^ ^ eneh 1 men oftoals *° hartnäckig festgehalten. Diese 
aurch ft ^ ? tSt f m T S L deS Masochismus kann überbaut werden 
wol \ ?f m£mS dES Ichs * Wenn dk Ü b^Ich,Instanz ausgebildet 
worden ist und Gewissensängste ihre Wirkung auszuüben beginnen. Für die 

veraZn £ ? ^ ^ ^^ fÜr daS Entstehen des Masochismus 

verantwortlich zu machen sind. 

Ich habe diese Auffassung vor Ihnen am Beispiel jener häufig auftretenden 
^asocbstischen Straf.Phantasie des kleinen Mädchins entwickelt: „IcT habe 

Z d JT + S , e , SSen ' J" ZUr Strafe fÜr die ° nanie verloren -" D«n Vorgang 

m hL T dle f r PWasie kann man auch als »Ausnützung der 

"Jmneng ewen dete„^gre S sion e n zum masochistischen Lustgewinn, um 

Wut und 7 ^ dUICh E f chütterun S *» Narzißmus und unbefriedigt 
Volnffüi dTV^ ^«f b f schreiben - M* sch «nt nun, daß dieser 
__^ngfu^ueR^ lc klung des kleinen Mädchens überhaupt eine große 
6 ) Int. Ztschr. f. P sa ., Bd. XXII, 1936. ~ ~ 



31» 



484 



Jeanne Lampl=de Groot 



SdSwi^ M ^r an ', d3ß er in gerin ^ em Ausmaß wohl nie fehlt 
und im Falle der Normalentwicklung des kleinen Mädchens der BewafeZ 
de Penxsneids dient und den für die normale Weiblichkeit notwendig 
Beitrag an Masochismus liefert. Dort, wo eine übermäßig sterS naS 
üsche Empfzncuichkeit, vielleicht gepaart mit einer besond er sst^n mit 

setn ^T^V'l^" 8 "»** dÜrfe diese Schut trrSw 
gegen den Schmerz der Kränkung nicht ausreichen. Es wird sich hier enT 
weder ein pathologisch verstärkter Masochismus entwickeh, der zu S 

verbüdungen fuhren kann, oder es können als Reaktionsbildungen verstärkter 
Sadismus, eine Störung in der weiblichen Entwicklung im Sinne des Mänrl 
lichkeitskomplexes kurzum alle die Fehlentwicklungen, die vom unbt 
wältigten Penisneid ausgehen und schon öfters beschrieben worden sTndent 

mZhUau en j Un l nUa "? *, einer anderen Fra ^ auseinandersetzen. Findet 

Ans In Fl! *Z ^ f ^ ^^ fÜt daS EntStehen -sochistischt 
Verhaltens den Fluchtversuch vor einer narzißtischen Kränkung? 

ein komnW V ^ ^ ********* *s Masochismus beim Manne 
e £S? w-T ^ 1St u IS bd ^ Fr3U - Der M -°chismus steht™! 
M^rT l 5 Wlders P ruch ' er fi^et in der Normalentwicklung de 

Mannes keinen P atz, zur „Männlichkeit" gehört vielmehr der Sadifmus 
Trotzdem sind beim Manne masochistische Phantasien, PerveTs onen wZ, 

SdSnr W ir (l D l Sinne "? r aUSChen M-odfcmu.) durchaus W 
hl enimlIl P £ T * fe ?f men Masochi ^s, als feminines V«, 
halten im Leben zu bezeichnen und bringen sie in Zusammenhang mit seinen 
femininen, ^homosexuellen Tendenzen. Die Entstehung S S 

SSSSST"^ (od 7 Praktiken) aus dem einfach - Äu3 

kehrten Ödipuskomplex (der passiv.homosexuellen Liebe zum Vater) ist uns 

aggreW Re" ** ??"* ™ ** * verpönte 1^^ 
chTs AW CgU ^ n W1 L dlC ? ät6ren S^ephantasien des kleinen MäcS 
X P^taSn i Ma A kann man 8*« ™ Vorstadium dieser ödi, 

SAH Juheren narzißtischen Form, ähnlich wie wir es 
beim kleinen Madchen fanden, aufdecken. Ich sah das einmal sehr deutlich 

ats^reTrztßt l^K "T' " *? & T - d " ^ *Ää 
SLint nar2 u lßt ^ sc ^ Krankung verarbeitet wurde und eine Flucht in eine 
femmme masochistische Kastrationsphantasie zur Folge hatte 

rflwV^ "t ht überrascht > * Lesern Fall den Angriffspunkt für die nar. 

sä Sri-r der , Vorsteiiung des --ä «. 2U ti„ 

ÄSÄ andersartige Erlebnisse, z. B. Vergleich des Penis, 

SrateSS g 1 < ä eS / aterS ° der miß Wene Konkurrenz 

usw. zuTne^chw Z 7 "* ^^ bdm Urinieren > Masturbieren 

einer schwerwiegenden narzißtischen Kränkung. Es ist genügend be- 



Masochismus und Narrißmus 



485 



kannt und bedarf keines weiteren Belegs, daß solche kränkenden Erlebnisse 
zura femmin.masochistischen Verhalten des Knaben führen können. Die 
Angs t um die Intaktheit, bezw. um das richtige Funktionieren des Genitales, 
kurz gesagt, die Kastrationsangst beim Knaben ist derjenige Vorgang der 
i„ seinen Auswirkungen denen des Penisneids beim kleinen Mädchen enO 
spricht. Es ist möglich daß solche Entwicklungen des Masochismus beim 
Manne seltener sind als beim Weibe. Bei einer dritten, bisher nur gestreiften 
Form des masochistischen Verhaltens, dem moralischen Masochismus sind 
sie mit Leichtigkeit bei beiden Geschlechtern zu beobachten 

Der moralische Masochismus verurteilt die Person zu einem Benehmen 
im Leben, das ihr Schaden zufügen, sie um einen Erfolg bringen, Leiden und 
Schmerz aufsuchen lassen muß. In der analytischen Praxis wirkt sich der 
moralische Masochismus so aus, daß der Patient auf jede Lösung eines neu. 
rotischen Symptoms mit Verschlimmerung seines Leidens anstatt mit Besse. 
rung reagiert, kurzum, daß er dk von Freud so genannte „negative thera. 
peutische Reaktion aufweisen muß. Wir nehmen an, daß ein solcher Pa. 
tient unter der Herrschaft eines Strafbedürfnisses (eines „unbewußten Schuld- 
gefühls ) steht, und erkennen in diesem Vorgang einen Prozeß, der sich 
zwischen Ich und übersieh abspielt. Die Erfahrung lehrt, daß dieses Straf, 
bedurfnis einer der stärksten Feinde der therapeutischen Bemühung werden 
und die Kur trotz glänzender Fortschritte im Verständnis der ubw lS 
sachen der Symptome um ihren Erfolg bringen kann. Ich habe nun dk Er, 
VeSif nf ' t ß ? anbe i analytischerVertiefu ^ ind -- S masochfstisle 

nehmt ln n T ufl* t* ^ M ™™ verschiedener Patienten wahr, 
nehmen kann. Es gibt Falle, bei denen es, sei es auch nach langer und müh, 
aamer Arbeit, gelingt, ein gutes Stück dieses Strafbedürfnisses abzubauen 
und die Gesundheit ganz oder teilweise wieder herzustellen. AndereS 
stoßt man auf Patienten, die allen, auch den angestrengt^ZTZt 

e eben. Ich meine, die Erklärung für diesen Unterschied im Benehmen ver. 

Ärrs7h3d SC rhi w cWst r ht im folgenden 2U ÄSTsS 

Ich wt ( , Sch t dgefuhl) «fP^t « n « Spannung zwischen Ich und über. 
Ich wie oben bereits erwähnt; das über.Ich (Gewissen) bestraft das Ich 

Ehern TdTK dab / "'^ K» di£ Verbietende " Und ^^n 
mtern für das Kmd gespielt haben. Es kann aber mitunter weit fordernder 

^TdZ7 ame l Ti'^lf Erziehungspersonen je gewesen sind wS 
Xi ^^ ^ A ^ ssione «> ei- das Kind der Außen. 

ST b m > 'S 611 \ ann > T Ch fnnen geWendet werden ' * bilden, 
W? Tt aUsfuhrte > den sekundären Masochismus. Ein Teil dieser^ 

^nnnl Wltd *« ™ ™er^ *" ** S ™ S ™> dieses benimmt skh 
von nun an grausam, quälend, sadistisch zum Ich. Das Ich muß sich dem- 
gegenüber masochistisch einstellen und sich diese Strafen und Quälereien Z 



486 



Jeanne Lampl=de Groot 



fallen lassen. Beide Vorgänge, sadistisches Verhalten des Uberelchs und 
masochistisches des Ichs, ergänzen einander, sie führen zum selben Ende 
resultat: Straf bedürfnis, Selbstschädigung, in der Kur zur negativen thera* 
peutischen Reaktion. 7 Trotzdem scheint es kaum gleichgültig zu sein, wie 
die Verteilung der nach innen gewendeten Aggression vorgenommen wurde. 
Ich meine, der Unterschied läßt sich gerade an der Intensität und der Zähig* 
keit dieses Widerstandes in der analytischen Behandlung studieren. Dort, wo 
sich die Hauptanteile der Aggression zum Übersieh geschlagen haben, sind 
die Chancen für eine therapeutische Beeinflussung die günstigeren. Wenn 
es dem. Analytiker gelingt, sich an die Stelle des Überelchs zu setzen, dessen 
Härte und Grausamkeit herabzumindern, sich jenes Anteils des Ichs, der gegen 
die grausame Unterdrückung rebellieren möchte (wie es sich früher gegen die 
Eltern aufgelehnt hat), zu bemächtigen, dann gelingt manchmal eine mehr 
oder weniger weitgehende Änderung der Persönlichkeit und eine Beeine 
flussung des Leidens. Dort, wo der Masochismus des Ichs vorherrschend 
ist, d. h. wo mehr von den nach innen gewendeten Aggressionen vom Ich 
verarbeitet und zum masochistischen Lustgewinn verwendet wurde, scheint 
jede therapeutische Bemühung von vornherein fast aussichtslos zu sein. Ana* 
lyrische Milderungen von ÜberelcheForderungen, Abbau von Sexualvere 
boten usw. können nicht bewerkstelligen, daß das Ich auf seinen masoe 
chistischen Lustgewinn verzichtet. Es wäre daher wichtig, unterscheiden zu 
können, unter welchen Umständen sich mehr Aggression zum Übersieh 
schlägt, um dessen Sadismus zu erhöhen, wann mehr Aggression den Masoe 
chismus des Ichs verstärken hilft. Eine naheliegende Erklärung: der Sadismus 
des Überelchs wäre der Ausdruck der real erlebten Grausamkeit strenger 
Eltern, der Masochismus des Ichs würde den eigenen Aggressionen des 
Kindes gegen die Außenwelt entsprechen, mag in manchen Fällen den Sache 
verhalt tatsächlich decken. Für andere Fälle jedoch trifft sie nicht zu. Ich 
hatte Gelegenheit, den Fall eines jungen Mannes, der sich im Beruf dauernd 
um seinen Erfolg bringen mußte, eingehend zu studieren. Die Unerbittlich« 
keit, mit der das Übersieh Verzicht auf jeden Erfolg verlangte, entsprach 
keineswegs einer besonders grausamen Erziehung, die Eltern waren im 
Gegenteil recht milde und verständnisvoll mit dem kleinen Knaben umgee 
gangen. Das Überelch hatte sich zweifellos eine Menge von Eigenaggrese 
sionen des Knaben angeeignet und forderte vom Ich Unterwerfung unter 
seine Strafaktionen. Die Beziehung entsprach einer Strafphantasie aus der 
Kindheit, in der die Züchtigung deutlich als regressiver Ersatz für libidinöse 
Ödipuswünsche eintrat, ein Vorgang, der von Freu d in „Das ökonomische 
Problem des Masochismus" 8 beschrieben wird. Das Ich zeigte neben Untere 
werfung auch starke Auflehnung gegen das gestrenge Überelch und bemühte 

7) Nunberg hat auf diese Zusammenhänge wiederholt aufmerksam gemacht. 

8) Ges. Sehr., Bd. V. 



Masochismus und Narzißmus 



487 



sich in der Kur als Verbündeter des Analytikers, dieses selbstschädigende 
Verhalten aufzugeben. Die Durcharbeitung der Ödipuswünsche (im 
doppelten Ödipuskomplex) hatte eine weitgehende Änderung in diesem Ver* 
halten zur Folge und brachte dem Patienten ein beträchtliches Stück des er* 
sehnten Erfolges im Leben. 

Dagegen machte ich in zwei anderen, äußerlich ähnlich aussehenden Fällen 
(einem weiblichen und einem männlichen) die Erfahrung, daß Abbau der 
Schuldgefühle aus dem Ödipuskomplex zwar zum Akzeptieren einer mil* 
deren allgemeinen Moral, aber kaum zur Änderung des masochistischen 
Verhaltens des Ichs führte. Bei meiner weiblichen Patientin stieß ich in tiefer 
Analyse auf die oben erwähnte Straf phantasie: „der Penis ist mir zur Strafe 
für die Onanie abgeschnitten worden", die der Flucht vor der narzißtischen 
Kränkung wegen ihres körperlichen Defektes gedient hatte. Die maso* 
chistische Einstellung des Ichs zum Übersieh hatte folgende geheime Be* 
deurung: unbestimmte Mächte (das Schicksal) strafen, schädigen mich, nicht 
ich bin minderwertig, unfähig. Es ist überflüssig zu erwähnen, daß die Pa* 
tientin, ohne es bewußt zu wissen, ungemein ehrgeizig war und die nar* 
zißtische Kränkung über das Fehlschlagen einiger ihrer ehrgeizigen Lebens* 
plane auf diese Weise zu verdecken versuchte, ebenso wie sie als kleines 
Mädchen vor dem unbewältigbaren Penisneid in eine Strafphantasie ge* 
flüchtet war. 

Bei meinem männlichen Patienten lag ein ähnlicher Vorgang vor. Er litt 
an einem starken Gefühl der Minderwertigkeit, das er als kleiner Knabe an 
der Konkurrenzeinstellung zu einem älteren Bruder erworben hatte. Der 
Bruder konnte Erektionen zustande bringen zu einer Zeit, wo unser Patient 
dazu noch nicht fähig war. Diese narzißtische Kränkung hatte er nie ver* 
wunden, jedes spätere Fehlschlagen seiner ehrgeizigen Wünsche bereitete ihm 
einen ähnlichen Schmerz, dem er nur zu entfliehen vermochte, indem er sich 
vom Schicksal züchtigen Heß. Aus dieser Strafe bezog er einen maso* 
chistischen Lustgewinn. 

Ich meine nun zusammenfassend: in manchen Fällen von moralischem 
Masochismus findet man hinter dem Strafwunsch, der aus dem ödipus* 
komplex, also aus den ehemaligen verpönten Objektbeziehungen stammt, 
eine Zuwendung zum Masochismus, die auf der Basis einer ohnmächtige 
Wut auslösenden narzißtischen Kränkung entstanden ist und die dazu dient, 
die daraus bezogene unerträgliche Unlust herabzumindern. Ein Verzicht auf 
dieses masochistische Verhalten hätte nicht nur die Konfrontierung mit dieser 
schmerzhaften narzißtischen Kränkung, sondern auch das Ertragenlernen 
dieses Schmerzes und der Machtlosigkeit ihm gegenüber zur Voraussetzung. 
Die analytische Erfahrung lehrt, wie außerordentlich schwer sich diese For* 
derung an den Patienten durchsetzen läßt. In den allermeisten Fällen behält 
der Patient Heber das qualvolle masochistische Verhalten bei, ehe er sich dem 



7 



488 



Jeanne Lampl-de Groot 



vollen Schmerz der narzißtischen Kränkung und seiner eigenen Ohnmacht 
wieder aussetzt. Sein Luststreben muß sich auf der schmalen Basis des maso* 
chistischen Lustgewinns einengen lassen. 

Es scheint also, daß sich eine Beziehung zwischen Masochismus und Nar* 
zißmus nicht nur für eine einzelne Phantasie des kleinen Mädchens herstellen 
läßt, sondern daß auch in anderen, bei beiden Geschlechtern auftretenden 
Formen des Masochismus Störungen des Narzißmus von ätiologischer Be* 
deutung sein können. 

Unsere Einsicht in diese Zusammenhänge wurde aber gewonnen am Stu* 
drum einer masochistischen Phantasie des kleinen Mädchens, die eine Ver* 
arbeitung ihres Penisneids darstellt. Überraschenderweise stößt man bei der 
Untersuchung der verschiedensten seelischen Entwicklungsprozesse immer 
wieder mit eindrucksvoller Deutlichkeit auf die immanente Bedeutung des 
Kastrationskomplexes. Der selbstkritische Einwand, ob es nicht eine ver* 
blendete Einseitigkeit sei, für alles gewichtigere Geschehen im weiblichen 
Seelenleben dem Penisneid eine zentrale Bedeutung zuzuschreiben, wird 
durch die sorgfältige analytische Beobachtung immer wieder entkräftet. Wenn 
man auch den anderen narzißtischen Kränkungen, denen das kleine Kind aus* 
gesetzt ist, wie etwa der Eifersucht, dem nicht allein oder nicht genug Ge* 
liebtwerden und anderen, eine große Wichtigkeit zuschreiben muß, wenn 
man auch die komplizierte Objeiktbeziehung in den frühen präödipalen Enfe 
wicklungsphasen mit ihrer starken Ambivalenz für viele seelische Vorgänge 
verantwortlich machen muß, — es stellt sich immer wieder der Penisneid mit 
seinen Folgen als der entscheidende Punkt in der Entwicklung heraus. Vom 
Penisneid aus entwickelt sich der Weg zur normalen Weiblichkeit, von seiner 
gelungenen oder mißlungenen Verarbeitung hängt es ab, ob sich das kleine 
Mädchen zur gesunden Frau entwickelt oder ob es mit neurotischen Sn> 
rungen, mit einem unbewältigten Männlichkeitskomplex oder, wie wir eben 
gesehen haben, mit einem gestörten, masochistischen Lebensverhalten be* 
haftet wird. 

Die immanente Schwierigkeit, die narzißtische Kränkung des Penismangels 
zu bewältigen, scheint sich nicht nur in den Analysen unserer Patienten zu 
zeigen; anscheinend hat sie auch einen Ausdruck in der analytischen Literatur 
gefunden. Zahlreich sind die Versuche, die Bedeutung des Penisneids im 
Seelenleben der Frau herabzusetzen, ihr einen sekundären Platz einzuräumen, 
ihr auszuweichen, indem andere, frühere oder spätere Erlebnisse in den 
Vordergrund gerückt werden. Für die Frauen mag es ein Trost sein, daß 
auch Männer sich an diesen Umdeutungsversuchen beteiligen. Die Wide» 
stände, die die Männer gegen das Akzeptieren der Bedeutung des Penis* 
neides zeigen, finden ihre Erklärung in der bereits oben erwähnten Tatsache, 
daß es im Seelenleben des Mannes einen Vorgang gibt, der der Bedeutung 
des Penisneids für die Frau gleichkommt. Es ist das seine Besorgnis um die 



^ 



Masochismus und Narzißmus 



489 



Intaktheit seines Genitales, die leicht verletzbare narzißtische Bewertung 
seiner Männlichkeit, mit anderen Worten, seine Kastrationsangst und ihre 
Folgen. Die Kastrationsangst des Mannes ermöglicht ihm anscheinend die 
Einfühlung in den Penisneid der Frau, es scheint bei beiden Geschlechtern 
der Kastrationskomplex zu sein, der zu einer Umdeutung der Auswirkungen 
des Penisneids verführt. Selbstverständlich kann diese Überlegung keine Enfe« 
Scheidung über die Richtigkeit oder Unrichtigkeit jener Theorien bringen. 
In seiner Arbeit „Über die weibliche Sexualität" 9 hat Freud in einer Fuß* 
note bereits darauf hingewiesen, daß in solchen Fällen „die agonale Ver* 
wendung der Analyse offenbar nicht zur Entscheidung führt." 

Die Frage, wieso die bedeutungsvollsten seelischen Prozesse, im Normalen 
wie im Pathologischen, sich immer wieder um die Beschäftigung mit den 
Geschlechtsorganen kristallisieren, scheint mir von F r e u d in den Anfängen 
bereits beantwortet worden zu sein. In den Funktionen des Genitalapparates 
wirken sich die entgegengesetzten Interessen von Individuum und Art aus. 
Die der Arterhaltung dienende Fortpflanzung verlangt vom Individuum Lei* 
stungen, die seinem individuellen Streben nach Lust und Spannungsverrin* 
gerung zuwiderlaufen. Am schwersten fügt sich, wie Freud es ausdrückt, 
die an sich aktive Libido in den Dienst der weiblichen Funktion; das mag 
wohl die Ursache dafür sein, daß die Entwicklung der Frau zur Weiblich* 
keit die kompliziertere und schwierigere ist. 



9) Ges. Sehr., Bd. XII, S. 126. 



Abwehrmechanismen und Ichstruktur 1 

Von 

Therese Benedek 

Chicago 

Die Arbeiten, die sich in den letzten Jahren mit den Problemen der analy« 
tischen Technik beschäftigten, müssen zuerst ihre eigene Stellung klarlegen 
und den verschiedenen methodischen Neuerungen gegenüber positiv oder 
negativ Stellung nehmen. Ich möchte es aber hier nicht tun, in der Üben* 
zeugung, daß nicht prinzipiell Neues geboten wird, wenn ich hier auf die 
Rolle und auf die Behandlung des Über*Ichs während der Analyse kon* 
sequent hinweise. 

Freud hat in seinen technischen Schriften oft und in verschiedener Weise 
ausgedrückt, daß der Analytiker als Anwalt des Ubw den verdrängenden 
Kräften gegenüber zu fungieren hat. Wir wissen, daß späterhin oft als eine* 
der wirksamsten Faktoren der analytischen Therapie der Umstand betrachtet 
wurde, daß der Analytiker an die Stelle des Über*Ichs tritt und an Stelle des 
strengen Über*Ichs ein verstehendes und mildes Übersieh darstellt. Pro* 
blemlos gesichert schien uns diese Position des helfenden Arztes in der ana* 
lyrischen Therapie, besonders solange der Analytiker sich nur wenig mit den 
Ichreaktionen des Analysanden beschäftigt hatte und den auftauchenden Es** 
Inhalten gleichmäßig wohlwollend gegenüberstand. Es war immer eine 
wesentliche Aufgabe der Analyse, das Ich fähig zu machen, die aus dem Ubw 
auftauchenden Inhalte und Impulse zu ertragen und sie integrieren zu helfen.* 
Dies ist keine theoretische Forderung und nicht etwas, was wir als eine 
Synthese nach der Analyse zurückstellen können. Ganz im Gegenteil! Es ist 
die tägliche Arbeit der Analyse, das Ich Schritt für Schritt aus seinen Ah* 
hängigkeiten herauszulösen und damit aus der Übermacht des Verdrängenden 
zu befreien. 

Einen Teil dieser verdrängenden Kräfte sehen wir als zum Ich gehörig an. 
Sie sind als Abwehrmechanismen im Ich integriert und ihre Funktion ist, 
die Es* und Umweltforderungen im Ich auszugleichen. Ein anderer Teil der 
verdrängenden Kräfte, die Freud als eine zusammenhängende Instanz: das 
Übersieh beschrieben hat, ist zwar auch die Folge der integrierenden 
Funktion des Ichs, aber sie ist im Ich nicht so reibungslos eingebaut und 
tritt oft als der kontrollierende Gegenspieler des Ichs auf. Wir könnten viel* 
leicht sagen, das Übersieh unterscheide sich von den anderen im Ich inte* 

i) Nach einem Vortrag, gehalten am 21. Oktober 1936 in der Chicago Psychoanalytic 
Society. 

2) F. Alexander: Das Problem der psychoanalytischen Technik. Int. Ztschr. f. 
Psa., Bd. XXIII, 1937. — H. Nunberg: Die synthetische Funktion des Ichs. Int. Ztschr. 
f. Psa., Bd. XVI, 1930. 




Abwehrmechanismen und Ichstruktur 



491 



girierten Abwehrfaktoren dadurch, daß es quantitativ größere Besetzung 
(Gegenbesetzung) hat und dadurch quasi Staat im Staate ist. Durch diese 
stärkere Besetzung zwingt das Über*Ich das Ich zu übertriebenen, patho* 
logischen Abwehraktionen. Wir wissen, welche diagnostische Bedeutung die 
Strukturbeziehung zwischen Übersieh und Ich hat. Es wurde immer ,als 
eine Aufgabe der Analyse angesehen, das Ich von der Übermacht des Über* 
Ichs zu befreien und es dadurch fähig zu machen, seine Aufgabe — zwischen 
den Triebforderungen des Es und den Forderungen der Umwelt und des 
Uber*Ichs zu vermitteln — zu erfüllen. Während der analytischen Behand* 
hing ist die Leistungsfähigkeit des Ichs vor besondere Aufgaben gestellt. 
Alle bisher verdrängten, durch die Analyse aber neu belebten, zum Bewußt* 
sein kommenden Triebe und Vorstellungen sollen durch das Ich auf die 
oben erwähnte Weise eine Verarbeitung finden. Sie sollen im Ich integriert 
werden. ' 

Was verstehen wir unter diesem Vorgang? Er ist mehr als intellektuelle 
Einsicht, wenn diese auch eine sicher notwendige Vorarbeit darstellt. Die 
Integrierung bedeutet soviel, daß das Ich nun befreit vom Drucke des Ver* 
drängten und befreit von der Abwehr des Verdrängenden die Erkenntnis 
„einverleibt", sich mit dem aus dem Ubw auftauchenden Material identi* 
fiziert und daß sich dadurch das Ich den anderen Instanzen gegenüber 
gleichsam vergrößert. Diesen Effekt der Ichvergrößerung erwarten wir von 
der richtigen Wirkung einer Deutung. Wir erleben dabei oft, daß das Ich 
durch diesen Vorgang in eine fast submanische Stimmung versetzt wird. 
Die Folge dieser Befreiung ist dann ein weiteres Zuströmen von Material, 
das das Erkannte bestätigt und neue Wege zum tieferen Material öffnet. Aber 
wie relativ selten kommt das vor! Wie oft erleben wir trotz aller Vorsicht 
der nicht zu voreiligen Deutung, daß der Analysand anders reagiert. Wie oft 
geschieht es, daß die Deutung scheinbar angenommen wird und trotzdem 
kein neuer Zustrom vom Material erfolgt, sondern eine Verstärkung des 
Widerstandes; entweder als Sperrung von Material oder in Form von Reak* 
tionen, die wir mehr oder weniger als negativen therapeutischen Effekt an* 
sehen. Um diesen zu vermeiden, wünschten wir in der Behandlung der Ab* 
webrmechanismen möglichst sicher zu werden. 

Von den vielfältigen Abwehrmechanismen möchte ich hier nur einige von 
denen behandeln, die sich durch die Strukturbeziehung zwischen Übersieh 
und Ich ergeben. Diese Reaktion beherrscht nämlich die Analyse des er* 
wachsenen Neurotikers, bezw. des neurotischen Charakters und ihre Beob* 
achtung bietet uns: 1. eine diagnostische Hilfe, weil sie ermöglicht, die 
Struktur des Falles zu erkennen; 2. eine technische Hilfe, weil sie uns er* 
mogheht, die vom Über*Ich herrührenden Widerstandsreaktionen zu be* 
handeln. Diese Reaktionen sind nämlich für das Individuum charakteristisch 
und wiederholen sich während der Analyse in charakteristischer Weise. Die 



492 



Therese Benedek 



konsequente Durcharbeitung dieser Strukturreaktionen wird uns einen von 
den vielen notwendigen Anhaltspunkten bieten, die uns helfen können, die 
Analyse von ihren Zufälligkeiten zu befreien. Die präzisere Erfassung der 
Reaktionen der Gesamtpersönlichkeit in jeder Phase der Analyse ermög* 
licht uns, die Analyse der Widerstände zielbewußter zu handhaben. 

Wir können in jeder Analyse beobachten, daß das Ich sich mit dem be* 
wußten Teil des Über^Ichs — mit dem IdeaWch — auseinandersetzt und 
sich von ihm die Erlaubnis für die Analyse einholt. Dies erscheint uns so 
selbstverständlich, daß dieser der Analyse meist vorangegangene Teil des 
Kampfes mit dem Übersieh in der Literatur nur wenig Beachtung findet. 
Das folgende Beispiel zeigt aber, daß wir auch daraus Wesentliches über 
die Strukturbeziehung zwischen Übersieh und Ich erfahren können. 

Fall 1. Ein Patient sucht die Analyse auf, weil seine ausgedehnte zwangsneuro* 
tische Symptomatik so weit überhandgenommen hatte, daß seine Tage mit 
zwangsneurotischen Abwehrsymptomen fast vollständig ausgefüllt waren iir 
konnte weder diese sein Leben mit Ruin bedrohenden Symptome noch die 
Angst ertragen, die bei der Unterdrückung der Symptome entstand, und kam 
zur Behandlung. Als wir am Ende der ersten Konsultation die zweite und damit 
die Behandlung verabreden wollten, sagte er, die analytische Behandlung sei in 
dem System der Zwangsneurose nicht erlaubt, weil er doch seine von Gott ge= 
wollten Strafen zu tragen hätte. Als ich ihm darüber hinwegzuhelfen beab* 
sichtigte, unterbrach er mich: in der Analyse sei es wohl erlaubt, Witze zu er* 
zählen. „Ein Jude traf einmal einen anderen, der ihn fragte, wie es ihm ginge. 
Der erste antwortete: .Ausgezeichnet'. Worauf der andere verwundert fragte: 
Wieso? Ich habe doch gehört, deine Geschäfte gingen so schlecht.' Darauf er* 
widerte der erste: ,Das ist wahr! Aber ich habe mir einen Sorgentrager ge* 
nommen, der sich mit meinen Gläubigern auseinandersetzt, meine Schulden be* 
zahlt die Sorge für meine kranke Frau trägt usw.' Da fragt der Freund: ,Und 
was zahlst du ihm dafür?' .Zwanzigtausend Mark', antwortete er. , Von wo 
nimmst du dieses Geld?' ,Das ist doch seine Sorge!' antwortete unser Jude 
ruhig." Also von nun an ist es die Sorge des Analytikers, die Verantwortung 
dem zwangsneurotischen Gott*Über*Ich gegenüber zu tragen. 

Wir sehen, daß das Ich dieses Patienten dem Zusammenbruch so nahe 
ist, daß seine einzige Rettung ist, die Verantwortung wegzuschieben. Das 
zwangsneurotische Ich erlebt eine Regression. Das Abschieben der Verante 
wortung auf den Analytiker hilft ihm, die Angst latent zu erhalten. Wir 
verstehen, daß durch diese Projektion des Über^Ichs auf den Analytiker die 
zwangsneurotische Ichstruktur gleichsam aufhört und der Patient die Ana* 
lyse in der passiv=*oralen Phase mit einer sehr großen Abhängigkeit vom 
Analytiker beginnt. Wir haben es nach dieser Projektion mit einer fast in* 
fantilen Struktur zu tun, die in der Analyse nur Schutz vor Angst sucht und 
der Analyse nicht mehr das eigene Übersieh kritisch entgegenzusetzen ver* 
mag. So haben wir für eine lange Strecke dieser Analyse nicht mit denjenigen 
Über*Ich*Reaktionen zu kämpfen, die ich in dieser Arbeit darstellen möchte, 



L 



^ 



Abwehrmechanismen und Ichstruktur 



493 



wie wir sie in der Analyse verschiedener Typen von besser integrierten neu* 
rotischen Persönlichkeiten als Aufgabe zu bewältigen haben. 

Fall 2. In diesem Falle handelt es sich um einen Patienten, der mit der Über* 
zeugung von der Richtigkeit analytischer Erkenntnisse in die Behandlung kommt 
und von ihr eine Änderung seines introvertierten Charakters erhofft. Er war ein 
körperlich und geistig besonders gut entwickeltes, triebstarkes, knabenhaft 
aggressives Kind, der mittlere von drei Brüdern, der Lieblingssohn des Vaters. 
Er entwickelte das introvertierte, auf äußere Aggression und Wettbewerb ver<= 
zichtende Wesen nach dem Tode seines Vaters, der starb, als der Junge zehn Jahre 
alt war, und nach einem Schock von Angst und Schuldgefühl, den er erlebte, 
als er einen Stein nach einem Spielkameraden warf und dieser ohnmächtig(?) 
hinfiel. Die Aggression galt an erster Stelle dem um drei Jahre älteren Bruder 
und sie war besonders gefährlich, weil der Patient bald größer und stärker 
wurde als der Bruder; so mußte die Aggression besonders stark bekämpft wer* 
den. Diese verdrängte Aggression beherrschte an erster Stelle den Charakter. 
In der Analyse produziert er Widerstände, die zu einer immer größer werdenden 
Spannung führen. Es nützt nichts, diese Widerstände nach ihrem momentanen 
Übertragungsinhalt als Trotzreaktion oder als Überlegenseinwollen zu deuten. 
Der wirkliche Sinn der Widerstände konnte erst aufgedeckt werden, als es mir 
auffiel, daß er eigentlich das auftauchende unbewußte Material in einem ganz 
anderen Sinne behandelte und akzeptierte, als er es bewußt gewollt und beab* 
sichtigt hatte. Er wollte doch triebbejahend sein — und trotzdem, was auch 
immer an Material auftauchte, belegte er mit einem negativen Werturteil und 
spekulierte, wie er an sich arbeiten solle und müsse, um diese oder jene Instinkte 
zu bekämpfen, um sein ihm vorschwebendes Ideal zu erreichen. Dabei behandelte 
er alle Inhalte der Analyse, wie das ein Gegner der Psychoanalyse tun würde, 
der befürchtet, daß Moral und Menschlichkeit in Gefahr geraten, wenn Triebe 
bewußt zugelassen werden. Er hatte Angst vor seinen Trieben gehabt. Diese 
Angst kam aber nicht zum Bewußtsein und auch die Aggression kam nicht in 
irgendwelchen Triebimpulsen zur Abreaktion. Was zum Bewußtsein kam, war 
ein intellektueller, aber sehr strenger Versuch, seine „Fehler" zu sehen. Er 
arbeitete, wie er es selbst deutete, gegen seinen Narzißmus, damit die Bäume 
nicht in den Himmel wachsen. Was geschah in dieser Analyse? Der Patient 
hatte das auftauchende Material, oft bevor es ihm gedeutet wurde, im Vbw mit 
den Forderungen des Über*Ichs konfrontiert, mit einem negativen Werturteil 
belegt, den Vorstellungsinhalt als seinen Fehler akzeptiert und den Triebimpuls 
wieder verdrängt. Damit wurde die für den Patienten charakteristische Erledi* 
gungsart der Triebvorgänge wiederholt. Das Übersieh wurde befriedigt und 
die Triebspannung steigerte sich. 

Wir wissen, daß die wesentlichste Leistung der Integrationsfähigkeit des 
Ichs die Verarbeitung des Ödipuskomplexes bei dessen Untergang ist. Das 
Ergebnis dieses Vorganges ist die Entstehung des Über*Ichs. Die Triebbe* 
wältigung in dieser Situation ergibt das Modell für die spätere Bewältigung 
der Triebansprüche. Für diese bleibt das libidinöse Gleichgewicht zwischen 
Übersieh und Ich ausschlaggebend. In glücklichen Fällen ist die Libido* 
besetzung zwischen Ich und Übersieh so ausgeglichen, daß das Übersieh 
im Ich einverleibt funktioniert. Aber es geschieht oft, daß infolge des Veifc 



494 Theuese Benedek 



drängungs* und Identifizierungsvorganges, der den Ausgangspunkt zur Übei 

Ich*Bildung bietet, das Ich an Libido verarmt. Die durch den Triebverzich 

desexualisierte Libido ist nun als sekundärer Narzißmus — unser Stolz um 

unsere Befriedigung bei allen moralischen und sonstigen Leistungen — di 

Rekompensation für den Triebverzicht. Aber dieser Narzißmus des Übei 

Ichs erzwingt, daß jeder Einfall und jeder auftauchende Triebimpuls unfc 

die Kontrolle des Über^Ichs gerät und eine Erledigung erfährt, die nun durc 

die libidinöse Beziehung zwischen Ich und Übersieh charakteristisch detei 

miniert ist. Solange diese Strukturbeziehung zwischen Übersieh und Ic 

nicht geändert wird, geschieht, was wir in unserem Falle so klar beobachte 

konnten. Das aus dem Ubw auftauchende Material wird mit dem Über^Ic 

konfrontiert, das mächtige, narzißtisch stärkere Übersieh erzwingt die Ve 

drängung, der gegen die Umwelt gerichtete Trieb* oder Libidoanteil wit 

wieder verdrängt, während der Vorstellungsinhalt bewußt zugelassen isl 

Wir wissen, daß bei diesem Vorgang die Strenge des Über^Ichs wächst. D« 

durch wächst die Spannung zwischen Übersieh und Ich, die sich zu einei 

negativen therapeutischen Effekt steigern kann. Hier müssen wir in den G 

samtlibidohaushalt der Persönlichkeit eingreifen, indem wir zuerst d 

Wiederholung der Über*Ich*Reaktion bewußt machen und damit die starl 

narzißtische Bedeutung des Über^Ichs in die Analyse einbeziehen. Die Au 

deckung und Durcharbeitung dieser Über*Ich*Reaktion macht dann den W< 

frei für einen Zustrom von unbewußtem Material, das nun im Ich integrie 

werden kann, da das Übersieh von seiner narzißtischen Strenge eingebül 

hat. Nach einer Weile erschöpft sich der Materialzustrom. Eine neue an 

lytische Situation — neue Übertragungsphase — kann wieder einen äh 

liehen narzißtischen Über*Ich*Widerstand hervorrufen, den wir nun schnell 

erkennen und dementsprechend besser für die Analyse auswerten könnet 

In diesem Falle waren die steigende Spannung und Intellektualisierui 

das alleinige Zeichen für die Introversion des analytischen Materials. Ab 

sehr oft können wir beobachten, daß die psychische Bearbeitung der Üb« 

Ich*Reaktion als für das Individuum charakteristisches Symptom oder H; 

tung die Analyse begleitet und notwendigerweise zuerst zur Analyse g 

3) Diese Spaltung wird als für das Assoziationsmaterial der Zwangsneurotiker typisch 1 

achtet. 

4) Ich möchte an dieser Stelle auf eine relativ oberflächliche Widerstandsaußeru 
dieses introvertierten Typs aufmerksam machen. Wie ich oben schon erwähnt habe, hat 
diese Menschen Angst vor der stärker werdenden Über*Ieh*Reaktion. Bei gut aus| 
bildetem Ich streben sie meistens danach, ihre Analyse selbst in der Hand zu halten, 1 
sich vor plötzlichen narzißtischen Kränkungen zu schützen. In diesen Fällen begegi 
wir einer großen Bereitschaft zum Durcharbeiten des schon bekannten Materials. U 
wir werden in diesen Fällen oft den von Reich gestellten Anspruch der „Schicht« 
analyse" befriedigen können. Aber ich glaube, diese Schichtung ist das Resultat < 
Intellektualisierung der Analyse, die ich als einen Widerstand im obigen Sinne erklai 
möchte. 



Abwehrmechanismen und Ichstruktur 495 

langen muß, wenn wir den Strukturkonflikt angreifen wollen. 

Ich möchte an dieser Stelle einige Beispiele von Abwehrhaltungen an* 
führen, die entstehen, wenn durch die Introversion des vorbewußten Mate* 
rials eine neue Verstärkung des Über*Ichs zustande kommt. Daß diese Selbst« 
bestrafung, Depression und Angst verursachen kann, versteht sich am Rande. 
Aber wir können verschiedene Schattierungen in der sekundären Bearbei* 
tung der Über*Ich*Reaktion unterscheiden, schon bevor diese schwerwiegen* 
den negativen therapeutischen Effekte auftreten. 

Fall 3. Dieser Fall ist einer von den Fällen, die auf die Analyse mit Intro* 
version reagieren, und gehört dem oft beschriebenen Typ der Zwangsneuro* 
tiker an, die in der Analyse scheinbar schnell in die Tiefe kommen, weil sie) 
alle unbewußten Inhalte deuten und akzeptieren und auf das unbewußte 
Material nicht einmal mit einer fühlbaren Steigerung der Über*Ich*Spannung 
reagieren. Diese Patienten retten sich in die Passivität, nicht nur vor dem 
Analytiker, sondern auch vor dem aus dem Ubw auftauchenden Material, 
dessen Affektgehalt verdrängt wird und dessen Vorstellungsinhalt sie passiv 
über sich ergehen lassen. Die einzige Leistung, die sie dagegen aufbringein, 
besteht in der Intensivierung der Isolierung als Ausdruck der innerpsychi* 
sehen Abwehr. 

Reich beschrieb diese Fälle und zeigte auch zugleich, daß sie sofort 
anders, d. h. emotional reagieren, wenn man das Ich angreift. Es genügt, den 
Widerstand nur anzudeuten, um eine heftige Über*Ich*Reaktion in Form 
einer Depression hervorzurufen. 

Dies erfolgte auch in unserem Falle, schon bei der vorsichtigen Andeutung 
seiner Unfähigkeit, Gefühle direkt zu äußern. Der Patient empfand dies schon 
als Kritik, er war davon überrascht und erschrocken, introvertierte die Kritik 
und reagierte mit Depression. Wenn ihm dann diese depressive Reaktionsweise 
bewußt wurde, nahm er sich wiederum dies übel, da diese unbewußte Reaktion 
seines Über*Ichs seinem bewußten Wunsche, in der Analyse mitzuarbeiten, 
nicht entsprach. Aber die Angst vor weiterer Vertiefung der Depression war 
so groß, daß er darauf mit Widerstand reagierte; seine Einfälle wurden zer* 
streut, oberflächlich; er verlor sich in Details. Er deutete diese Assoziationsweise, 
als er darauf aufmerksam gemacht wurde, selbst als Angst vor Schmerzen. Er 
fühlte nach dieser Erkenntnis immer intensiver, daß seine Angst vor Schmerzen 
ihn hinderte, im Leben, sowie in der Analyse, zum wirklichen Erleben seiner 
Emotionen zu kommen. Die Angst vor Schmerzen kam in einer bis zur Schmerz* 
haftigkeit gesteigerten Hypersensibilität zum Ausdruck. Die Interpretation seiner 
Widerstände kränkte seinen Narzißmus, er fühlte sich angegriffen, aber er konnte 
nicht mit offener Aggression antworten; er verdrängte die Aggression immer 
wieder. Dieser Prozeß steigerte die innerpsychische Spannung und löste da* 
durch die Hypersensibilität aus. Diese blieb nicht nur als eine allgemeine Re* 
aktionslage der Ausdruck des freiwerdenden Masochismus. Die Hypersensibilität 
ergriff die Organe. Der Patient bekam schmerzhafte und hypochondrische 
Organsensationen. Die bewußt werdenden Organgefühle leiteten die Analyse 
seines tiefverdrängten Masochismus ein. Bei der Durcharbeitung dieses die Or* 



! 



gane besetzenden Masochismus kam es zu den ersten direkt geäußerten Aggres* 
sionen in der Analyse, zu der ersten heftigen Äußerung von negativer Über* 
tragung. 

Noch schwieriger ist die Behandlung der Über*Ich*Reaktionen im Falle 4, 
wo der durch die Überspannung aktivierte Masochismus mit dem verdrängten 
Triebinhalt wieder integriert ist und wir ihn als eine feste Symptomeinheit 
im Ich vorfinden. Das für diesen Fall charakteristische Abwehrsymptom 
war ein übertrieben starkes Schamgefühl. 

Die Patientin, ein 26jähriges Mädchen, sucht die Analyse auf, weil sie seit 
Jahren an einer unstillbaren, quälenden, fast ständigen sexuellen Erregung leidet. 
Sie versucht diese mit Onanie zu stillen. Zu Männern hat sie keine Beziehung. 
Die Patientin kommt in das Zimmer mit schamhaft niedergeschlagenen Augen, 
setzt sich auf die Kante der Couch und erhebt die Augen nicht wahrend der 
ersten drei orientierenden Konsultationen, die notwendig waren, um festzustellen, 
daß diese Haltung, die im ersten Augenblick wie Katatonie wirkte nur eine neu* 
rotisch übertriebene Schamreaktion und kein Anzeichen einer Psychose war. Die 
Patientin überwand mit großer Anstrengung das Schamgefühl so weit, daß sie 
ihre Lebensgeschichte erzählen konnte, von der uns hier nur das Folgende inter* 
essiert. Sie war die zweite von vier Geschwistern. Soweit sie sich erinnern konnte, 
war sie scheu und zurückgezogen. Trotzdem war sie in der Schule beliebt, hatte 
'Freundinnen gehabt und war ausreichend begabt. Das Symptom entwickelte sich 
plötzlich vor sieben Jahren. Bis dahin wußte sie nichts von einem drangenden 
genitalen Bedürfnis. Ein junger Mann verliebte sich damals in sie und fing ein 
Liebesspiel an, wobei er ihre Genitalien berührte. Sie empfand dabei nichts als 
die starke Abwehr gegen jede Empfindung; einen Tag später, als sie allein war 
und für ihr bevorstehendes Examen studierte, empfand sie ein quälendes Be* 
dürfnis, legte sich auf den Boden und onanierte. Es war schwer, darüber Klar* 
heit zu gewinnen, wie diese Onanie — auch späterhin — vor sich ging. Es stellte 
sich heraus, daß sie über die Anatomie der weiblichen Genitalien bewußt un* 
orientiert war und vor ihrem eigenen Körper eine solche Scheu empfand, daß 
sie sich nicht zu berühren wagte. Es war eine Phantasie*Onanie. Durch Zu* 
sammendrücken der Genitalien löste sie einen kurzen Orgasmus aus. Der wesent* 
liehe Inhalt der Onaniephantasie war, daß sie von Männern mit Gewalt zum 
Exhibieren gezwungen wurde. 

Wir wissen wohl, daß eine solche Onaniephantasie nichts Primäres ist, son* 
dem das Produkt einer komplizierten Libidoentwicklung, die wir in diesem Zu* 
sammenhang nicht aufzurollen brauchen. Nur darauf will ich hinweisen, daß die 
starke Exhibitionstendenz der wesentliche Triebimpuls war, gegen den die Scham 
als Abwehrreaktion zuerst entstand. 

Diese masochistische Phantasie war das erste, das auf die analytische Situa* 
tion übertragen wurde. Sie fühlte sich gezwungen, sich hinzulegen, von sich zu 
sprechen, sich zu zeigen, sich geistig zu entblößen. Damit wurde die analytische 
Situation im Sinne der masochistischen Phantasien sexualisiert. Diese Über* 
tragung verstärkte die Triebabwehr, in diesem Falle das Schamgefühl. Dieses 
Schamgefühl wirkte als Widerstand, nicht nur in dem Sinne, daß es der Pa* 
tientin jede Äußerung ersparte. Es wirkte als eine aktive Über*Ich*Funktion, die 
erzwang, daß die bisher relativ befriedigenden masochistischen Onaniephanta* 
sien verdrängt wurden. Nicht etwa, als ob die Patientin darüber nicht mehr 



Abwehrmechanismen und Ichstruktur 497 



hätte sprechen wollen. Sie konnte darüber leichter sprechen als zuvor, aber sie 
konnte nicht weiter mit der Phantasie onanieren. In ihrer großen Not erschien 
die Phantasie nicht und wenn sie, in Erinnerung daran, daß diese Phantasien 
ihr zum Orgasmus verhalfen, die Phantasie hervorbringen wollte, war die Phan* 
tasie leer, ohne jede Emotion und Wirkung. Aber das Bedürfnis nach Onanie 
war nicht kleiner, sondern größer geworden, weil die Onanieversuche unbe* 
friedigender wurden. 

Wir sehen, daß diese Übertragung des Masochismus auf die analytische 
Situation einen Circulus vitiosus auslöst: 1. Infolge der Verdrängung wird 
die Onanie unbefriedigender; 2. dadurch steigert sich die Tendenz zur 
Onanie; 3. dies löst die Steigerung des Abwehrmechanismus aus und das 
Schamgefühl wird immer intensiver. Dieser Affekt: „Ich schäme mich" ist 
der Ausdruck der Spannung zwischen Übersieh und Ich, aber er gewährt 
dem Ich die masochistische Befriedigung, die durch Verdrängung der Onanie* 
phantasien verloren gegangen ist. So könnten wir sagen, das Schamgefühl 
habe die Struktur eines Symptoms: einerseits erfüllt es die Über*Ich*Forde* 
rung, andererseits befriedigt es den masochistischen Triebanspruch. 6 

Es ist selbstverständlich, daß die Analyse an erster Stelle dieses Schamgefühl 
in Angriff nehmen muß, um den Konflikt zu lösen, der darin konzentriert ist. 
Aber das ist leichter gesagt als getan. Das Schamgefühl hat in diesem Falle zwei 
starke Quellen. Die eine ist der Narzißmus des Über*Ichs. Das Symptom be* 
deutet: „Sieh, wie gut und wie anständig ich bin und wie ich unter meinen mora* 
lischen Ansprüchen leide. Ich bin moralischer als irgend jemand." Wenn der 
Analytiker diesen Narzißmus des Über*Ichs bewußt zu machen versucht, rea* 
giert die Patientin mit verdrängter Trotzreaktion und mit verdrängter Aggres* 
sion. Der Masochismus ist so stark, daß die Patientin die Aggression wieder ver* 
drängt, und dadurch den Masochismus wieder vergrößert. Von Zeit zu Zeit 
schien sie zu denen zu gehören, die der Therapie infolge ihres Masochismus 
unzugänglich sind. Das Schamgefühl als die ausschlaggebende Äußerung des 
innerpsychischen Konfliktes füllt die Persönlichkeit aus. Das Ich verarmt an 
Libido zugunsten des Schamgefühles, das immer größere Teile der Persönlich* 
keit unter seine Fuchtel zwingt. Die Patientin versteckte ihren Kopf, ihre 
Stimme wurde kraftlos, sie erstickte vor Scham. Das Ich wurde immer kraft* 
loser, passiver, bis sie auf den Höhepunkten der Affektspannung nicht Scham* 
gefühl, sondern Angst empfand. Sie hatte Angst vor ihrer Scham, was dasselbe 
ist, als wenn wir sagten, sie hatte Angst vor ihrem Über*Ich; aber sie erlebte 
bewußt, daß sie Angst vor ihrem Schamgefühl hatte, das so stark war, daß sie 
sich dadurch vernichtet fühlte. 

Aber hinter diesem Masochismus entwickelten sich mehr und mehr Forde* 
rungen an den Analytiker. Diese Wünsche konnten nicht befriedigt werden. 
Die Zurückweisung der Wünsche aktivierte die negative Übertragung. Sie wehrte 
sich zuerst dagegen, aber die Intensität ihrer Aggression wuchs so, daß sie die 
Aggression hinter ihrem Masochismus anerkennen mußte. So wurde der maso* 
chistische Circulus vitiosus gebrochen. Sie wurde von Triebimpulsen aller Art 
überwältigt. Die Analyse hatte eine traumatische Phase, in welcher es gelungen 
is t, den sexuellen und narzißtischen Inhalt des Masochismus zu analysieren. 

5) Anna Freud behandelt in „Das Ich und die Abwehrmechanismen" dieses Pro* 
blem der Übertragung des Abwehrmechanismus ausführlich. 

Int. Zeitschr. f. Psychoanalyse, XXIII/4 32 




498 Therese Benedek 



In diesem Falle ist besonders eindrucksvoll, daß die Übertragung die Über* 
IcL=Spannung aktiviert, dynamisch wirksamer macht. Die Übertragung ist 
eine aktuelle emotionale und Triebspannung, die mit dem Übersieh kon* 
frontiert denselben Abwehrmechanismus in Bewegung setzt, mit welchem 
die ursprünglichen Triebansprüche bewältigt worden sind. So ist die Analyse 
der Abwehrmechanismen selbstverständlich nichts anderes als die Analyse 
des dynamischen Kräftespieles zwischen Übertragung und Widerstand, wie 
es Freud ursprünglich formuliert hat. 

Wir haben uns bisher nur mit solchen Beispielen beschäftigt, in welchen 
die Funktion des Über^Ichs während der Analyse im Vordergrund stand, und 
zwar so, daß sie sich verstärkte. In allen diesen Fällen war die für die indivis 
duelle Ichstruktur charakteristische Triebbewältigung eine autoplastische Re* 
aktion. Der Triebimpuls besetzt nicht das Objekt, sondern er wird wieder 
introvertiert, wodurch eine neue Integrierung in der Persönlichkeit entsteht. 
Diese verstärkt das Übersieh und löst den negativen therapeutischen Effekt 
aus, wenn es uns nicht gelingt, mit den uns zur Verfügung stehenden Me# 
thoden diesen Reaktionen entgegenzuarbeiten. 

Aber es gibt auch andere Arten der Erledigung für die in der Analyse ent* 
standenen Über^Ich^Reaktionen. 

Wir alle kennen die „narzißtisch*sensitiven" Patienten, deren Gesamte 
haltung in der Analyse sich am besten mit den Worten ausdrücken läßt: 
„Ich bin ge demütigt." Es nützt dagegen die vorsichtigste, objektivste, 
vorurteilfreieste Haltung des Analytikers nichts. Nach dem vorher Gesagten 
ist es leicht zu verstehen, daß diese Patienten auch jede Phase der analytischen 
Situation mit dem Ichideal konfrontieren, das „Selbst" mit der Übersieh* 
Forderung identifizieren und den dieser Forderung nicht entsprechenden 
Inhalt der Analyse als eine Verkleinerung des „Selbst" empfinden. In 
manchen Fällen wird diese Verkleinerung des Ichs als berechtigt akzeptiert 
und damit die Über^Ich^Forderung gleichsam anerkannt. In anderen Fällen 
oder in anderen Phasen der Analyse wird sie mehr als unberechtigt bee* 
kämpft und abgewehrt. In allen diesen Fällen ist aber die Reaktion des „Sich* 
messens" mit der Über^Ich^Forderung ganz deutlich. Ich stelle diese Fälle 
trotzdem getrennt von den vorher geschilderten Fällen dar, weil sich dieses 
„Sich*gedemütigt*Fühlen" nicht nur phänomenologisch anders äußert als die 
Reaktionen der bisher geschilderten Fälle, sondern weil es einer anderen 
Ichstruktur und dementsprechend einem anderen Mechanismus der Abwehr 
entspricht. 

Ein Teil dieser Patienten, deren Ich stark mit infantilem Narzißmus und 
Masochismus besetzt ist, sexualisieren die Demütigung und akzeptieren sie 
für eine lange Zeit, ohne sie abzuwehren (unser Fall 1). Diese Patienten 
ordnen sich scheinbar der Analyse unter. Aber ihre Abhängigkeit wächst 
und ihre infantilen Übertragungsforderungen steigern sich. Eine Zeitlang 



Abwehrmechanismen und Ichstruktur 



499 



werden diese noch durch ein zielbewußtes Verständnis für die analytische 
Situation ausgeglichen. Aber durch die unbewußt wachsenden, mfantiMibi* 
dinösen Forderungen steigert sich die Triebspannung zu solcher Intensität, 
daß sie nicht weiter verdrängt werden kann. Die Versagung der Über* 
tragungswünsche wird dann als eine Demütigung erlebt. Diese erzwingt einen 
negativen therapeutischen Effekt, um auf diese Weise eine Befriedigung der 
Übertragungswünsche zu erreichen. Diese Fälle gehören meistens zu den 
narzißtisch*infantilen, oral*abhängigen Charakteren. Der Sinn des negativen 
therapeutischen Effektes läßt sich in diesen Fällen oft mit dem Witzwort 
ausdrücken: „Es geschieht meinem Vater schon recht, wenn meine Hände 
erfrieren, warum kauft er mir keine Handschuhe." 

Viel besser können wir die Abwehrmechanismen, die gegen dieses„Sich* 
gedemütigt*Fühlen" entstehen, in den Fällen beobachten, deren Ich stark 
genug ist, um sich gegen das Übersieh zu wehren. 

Ich möchte dies gern an einem Fall (Fall 5) demonstrieren. Dies ist eine Pa* 
tientin, die in der Analyse die Gewohnheit hatte, jeden Einfall, jede Situation 
sofort zu deuten, und zwar im negativen Sinne, als etwas Schlechtes, eben als 
die Kehrseite ihrer Persönlichkeit. Diese prompten Deutungen entsprechen, wenn 
sie auch Selbstvorwürfe darstellen, nicht der Introversion des auftauchenden 
unbewußten Materials, wie das in den vorher behandelten Fällen der Fall war. 
Ganz im Gegenteil: die Über*IcL=Spannung wurde in diesem Falle nicht größer. 
Diese Deutungen verbalisieren die Forderungen des Über*Ichs, als ob die Pa* 
tientin mit jeder Deutung sagen wollte: „Ich demütige mich, ich tue es selbst, du 
brauchst es ja nicht zu tun." Diese Patientin kam, wie viele ähnliche Fälle, mit 
ihren Deutungen dem Analytiker zuvor, wodurch sie sich selbst und dem Ana* 
lytiker zeigen wollte: „Ich kann diese Demütigung ertragen, wenn ich sie mir 
selbst antue; aber ich könnte sie nicht ertragen, wenn du sie mir antun würdest." 

Diese Haltung ergibt zuerst eine gute Zusammenarbeit und ist für die Ana« 
h/se produktiv. Aber nach einer Weile merken wir, daß die Analyse abflacht. 
Nicht als ob die Patientin kein Material brächte. Sie ist ängstlich bemüht, die 
Analyse selbst in der Hand zu halten, weil sie Angst hat, gedemütigt zu werden. 
Die Patientin produziert — meistens in hypnagogen Zuständen — Bilder, mit 
der Absicht, für die Analyse Material zu produzieren. Aus dem Zusammenhang 
greife ich nur ein paar Beispiele heraus: Bild 1. Ein Mann führt einen Wagen, 
er hat einen Soldatenhelm auf dem Kopf. Bild 2. Ein kleines Kind, ungefähr 
zwei Jahre alt, in einen Matrosenanzug gekleidet, sitzt neben seiner Mutter. Das 
Kind füttert sich selbständig, die Mutter umarmt das Kind. Bilder vom folgenden 
Tage: 1. Ein Flugzeug fliegt durch ein Gerüst. 2. Eine Ausgrabung in einem 
Bergwerk, sie ist mit Schmutz gefüllt. 

Das Traummaterial ist in dieser Zeit sehr ähnlich. Und wenn wir auch 
von diesen Bildern und von Träumen auf die unbewußten Inhalte schließen 
können, haben wir doch den Eindruck, die Patientin produziere dieses Mate* 
nal wie auf eine Leinwand projiziert und sie selbst schaue zu. Die Flucht 
vor der Tiefe verursacht diese Produktion an der Oberfläche. Der Unter* 
schied zwischen diesem Fall und den vorher geschilderten Fällen zeigt sich 

32* 



500 Therese Benedek 






eben darin am wesentlichsten, daß in den mit Introversion reagierenden Fällen 
die innere Spannung während der Analyse wächst und dies das Material 
zum Stocken bringt; in diesem Fall und in ähnlichen Fällen erleben wir ein 
Verflachen der inneren Spannung; der "Widerstand äußert sich in einen» 
spannungslosen, scheinbaren Zustrom von Material. Die Patientin trägt das 
Material immer weiter von dem ursprünglich wirksamen dynamischen Kon* 
flikt weg. Die Deutung des so geäußerten Materials hätte keinen Erfolg, weil 
es von dem wirklich wesentlichen innerpsychischen Konflikt zu weit enfc. 
fernt ist und deswegen seine Deutung keine dynamische Wirkung hervor* 
rufen könnte. 

Dann ist es aber an der Zeit, den Widerstand bewußt zu machen und (die 
Angst vor dem Gedemütigtwerden in ihrer ganzen Bedeutung zu analysieren. 
Wir erreichen dadurch zuerst allerdings nur die Intensivierung des Wider* 
Standes, der eine lebendige, spürbare Konfliktspannung erzeugt. Wir scheuen 
dies aber nicht, da diese Spannung die Patientin an der Produktion von 
oberflächlichem, inhaltsleerem Material hindert und sie zu einer Verinner* 
lichung der Über*Tch*Spannung führt. Es ist hier nicht möglich, diesen Vor* 
gang konkret und im einzelnen zu schildern. Ich will nur kurz sagen, daß 
die Analyse dieses Abwehrmechanismus zuerst die Angst vor dem Analytiker 
bewußt machte und der Patientin zeigte, wie sie sich vor dieser Angst nar* 
zißtisch schützt. Die Durcharbeitung dieses narzißtischen Schutzmechanismus 
zog die Erinnerung des genetischen Materials nach sich, das diese Form der 
Ich*Reaktion verursacht hatte. In unserem hier angeführten Beispiel führte 
die Analyse des Abwehrmechanismus zu dem Material der Mutterfixierun'g 
in der analen Phase. Die Angst vor der Mutter und das Mißtrauen gegen sie 
war an die Sauberkeitsgewöhnung fixiert. In der Zeit entwickelte das Kind 
diese narzißtische Schale, die sie vor Demütigung und vor peinlichen Er* 
fahrungen schützen sollte. Diese Fixierungsstelle hatte es ergeben, daß das 
für den Libidohaushalt typische dynamische Verhalten der Persönlichkeit 
sich im Schwanken zwischen Geben* und Behaltenwollen äußerte. 

Was ist der Unterschied zwischen der Ichstruktur, die diese Form des 
Widerstandes erzeugt, und denen, die wir in den vorangegangenen Fällen 
dargestellt haben? Es ist gewiß berechtigt zu fragen, ob diese Patientin, die 
sich vor Demütigung fürchtet, sich wesentlich von der Patientin unter* 
scheidet, die ihre Flucht ins Schamgefühl genommen hat? Man wird viel* 
leicht den Eindruck bekommen, daß hier künstlich Trennungen gemacht 
werden, um Typen zu isolieren, während wir in der Wirklichkeit doch diese 
und viele andere Abwehrmechanismen in jedem Falle nebeneinander oder 
nacheinander beobachten können. Dies ist unbedingt wahr. In keinem von 
diesen Fällen sind wir berechtigt anzunehmen, daß wir nur einer Abwehr* 
reaktion begegnen. Trotzdem erscheint es mir berechtigt, diese wesentlichen 
Unterschiede in den Abwehrmechanismen einmal betont herauszuarbeiten. 



J 



Abwehrmechanismen und Ichstrukfur 



501 



In unserem Fall 2 war das Ich infolge der Strenge des Über*Ichs verarmt. 

Dadurch erfolgte die immer wiederholte Introversion in der Analyse. Im 

Falle 3 ist die aggressive Wirkung des Über*Ichs noch ausgesprochener ; 

sie aktiviert spürbaren Masochismus. Im Fall 4 ist dieser durch das Über.« 

Ich aktivierte Masochismus in einem Symptom, dem Schamgefühl, integriert. 

Das Schamgefühl demütigt zwar das Ich, aber diese Demütigung spielt sich 

innerhalb der Struktur der Persönlichkeit ab. Diese Patientin fühlt sich nicht 

vom Analytiker beschämt, sondern sie schämt sich vor sich, d. h. vor dem 

Übersieh; der Konflikt bleibt innerpsychisch. Im Gegensatz zu diesen Fällen 

können diejenigen, die mit einem Gefühl der Demütigung reagieren, min* 

destens einen Teil des innerpsychischen Konfliktes nach außen verlegen. 

Der Analytiker spielt die Rolle des Über*Ichs und die Angst vor dem Über* 

Ich wird als Angst vor dem Analytiker erlebt. Das analytische Material un* 

sercr Fälle berechtigt zur Annahme, daß in diesem Typ das Gleichgewicht 

zwischen dem Narzißmus des Über*Ichs und des Ichs so ist, daß das Über* 

Ich die Introversion nicht erzwingen kann, weil die narzißtische Besetzung 

des Ichs stark genug ist, um sich gegen das Übersieh zu verteidigen. Das 

narzißtische Ich verteidigt sich durch Projektion. 

Die durch die Projektion der Über*Ich*Konflikte entstehenden Abwehr* 
mechanismen sind besonders schwierig zu behandeln bei gewissen Charak* 
teren, deren Reaktion auf die Analyse auf diese kürzeste Form zu bringen 
ist: Die Patienten fühlen sich immer gekränkt und beleih 
digt. Dieses Gekränktsein unterscheidet sich vom Gedemütigtsein. Der 
Unterschied läßt sich am kürzesten so erklären: In der Reaktion des Gede* 
mütigtseins wird die Über*Ich*Forderung vom Ich anerkannt, während in 
der Reaktion des Beleidigtseins die Über*Ich*Forderung vom Ich abgelehnt 
und verleugnet wird. Das Ich fühlt sich immer im Recht oder es gibt vor, 
sich im Rechte zu fühlen, und schützt sich gegen eine andere Einsicht durch 
das Gekränkt« und Beleidigtsein. 

Ich wähle zur Illustration dieser Abwehrreaktion eine hysterisch*depressive 
Patientin (Fall 6). In ihrer Analyse konnten wir von Anfang an eine gereizte 
narzißtische Spannung beobachten. Mit einer ängstlich witternden, gespannten 
Aufmerksamkeit begleitete sie die Analyse, immer erwartend, daß etwas ge* 
schehen wird, was sie als ein Unrecht auffassen und bekämpfen könnte. Diese 
horchende Aufmerksamkeit war ebenso nach innen wie nach außen gerichtet. 
War der Reiz von innen, vom Ubw gekommen, so wurde er verdrängt und ver* 
leugnet. Wenn er aber von außen kam, von Seiten des Analytikers, dann ergriff 
sie ihn mit einer unsagbaren Schnelligkeit und wehrte die ihr zugefügte Unbill 
ironisch oder mit offener Aggression ab. Immer war sie diejenige, der Unrecht 
zugefügt wurde. Und immer war sie mehr als andere Menschen. Wenn die 
Spannung zwischen Übertragungswunsch und Narzißmus zu intensiv war, dann 
konnte die Aggression nicht solange zurückgedrängt werden, bis ein Anlaß zur 
Aggression von außen kam, dann erfolgte die Aggression mit dem Mechanismus: 
Angriff ist die beste Verteidigung. Damit konnte man auch ihre Aggression er* 



klären, nicht nur in der Analyse, sondern auch im realen Leben. Sie projizierte 
immer auf die Umgebung, was sie von ihr erwartete, und sie provozierte so 
lange, bis das erfolgte, was sie befürchtet hatte. In ewiger Unzufriedenheit war 
sie hin* und hergeworfen zwischen den Extremen ihrer Persönlichkeit. Einer* 
seits war sie narzißtisch überzeugt von sich: „Alle Menschen müssen mich 
lieben." Andererseits befürchtete sie: „Niemand liebt mich, ich werde von allen 
Menschen verlassen." Diese Angst beherrschte ihr Leben und ebenso auch ihre 
neurotische Symptomatik, in welcher Eifersucht eines der hervorstechendsten 
Symptome war. 

In einem solchen Falle, in welchem die Abwehr der Angst in fortwähren» 
den Projektionen vor sich geht, ist es unsere mühsame Aufgabe, diese Pro* 
jektionen zuerst dem Patienten als Projektionen klarzumachen, bis es uns ge* 
lingt, diese beleidigte, gekränkte, die ganze Welt der Ungerechtigkeit an* 
klagende Haltung zu ihrer Entstehung zurückzuverfolgen, in die erste Kind* 
heit, zu der mißlungenen Bewältigung der ersten Enttäuschung an der Mutter. 
Der Wendepunkt in dieser Analyse kam in der zweiten Hälfte der Behand* 
lung. Anscheinend mußte die Patientin zuerst viel Aggression abreagieren und 
in ihrem Vertrauen zu mir trotzdem gestärkt werden. Erst dann konnte sie den 
Sinn des folgenden Umstandes akzeptieren. Trotz aller Schilderungen ihrer 
Familie und ihres Milieus war es mir nicht möglich, von der Persönlichkeit ihrer 
Mutter ein klares Bild zu bekommen. Sie verwischte alles, und was sie an einem 
Tage behauptet hatte, nahm sie am folgenden wieder zurück. Ganz genau so, 
wie sie von sich selbst sehr verschiedene, einander widersprechende Auskünfte 
gegeben hatte. So groß war ihre Angst, den Haß gegen die Mutter zu äußern, 
und so stark war die Identifizierung mit der Mutter. Nachdem sie den Haß und 
die Identifizierung mit der Mutter, die sich in dieser Haltung äußerte, akzep» 
tieren konnte, war es erst möglich, ihre Mutterbindung zu analysieren. 

Das Material der ersten, auf der oralen Phase fixierten Enttäuschung an 
der Mutter, die sich bei der Geburt der nächsten Geschwister wiederholt 
und sich in der phallischen Phase des Mädchens noch mehr intensiviert, ist 
viel zu gut und ausführlich bekannt, als daß es einen Sinn hätte;, in diesem 
Zusammenhange das individuelle Material dieser Patientin anzuführen, das 
uns diesbezüglich nichts Neues bieten kann. 

In diesem Zusammenhang ist es genug, zu betonen, daß es dieser Patientin 
nie gelungen ist, ihre aggressiven Tendenzen gegen ihre Mutter, ihre Schwester 
und auch gegen den Vater zu verdrängen; nie ist es ihr gelungen, die Ambi* 
valenz gegen die das Übersieh konstituierenden Objekte zu überwinden. 
Infolge dieser aggressiven Tendenzen erwartete sie ständig die Strafe: daß 
sie gehaßt wird, wie sie haßt, und daß sie verlassen wird, wie sie allein sein 
wollte, um alle Liebe zu bekommen. Aber ihre infantile Abhängigkeit von 
der Mutter, ihre infantile Schutzbedürftigkeit waren so groß, daß die Vor«* 
Stellung des Verlassenswerdens Todesangst aktivierte. Sie erlebte diese Angst 
vor Verlust der beschützenden Mutter als Erwachsene in ihren Eifersuchts* 
attacken als eine die Kehle zuschnürende, atemraubende Angst. Die Angst vor 
dem Verlust der Mutter bedroht das Ich auf das tiefste und so war sie die 




Abwehrmechanismen und Ichstruktur 503 

strengste Ober*Ich*Strafe. Die so strukturierte Persönlichkeit kann die Angst 
innerpsychisch nicht bewältigen, aber sie hat die Möglichkeit, die Strafe, die 
sie vom Übersieh befürchtet, auf die Objektwelt zu projizieren. 

Ich habe schon betont, daß die nicht überwundene Ambivalenz gegen die 
das Übersieh konstituierenden Objekte die wesentiiehe Ursache für diese 
Strukturbildung ist. Dieser freien Ambivalenz zufolge wurde das Übersieh 
nie eine unbewußt funktionierende Instanz in der Persönlichkeit. Die Kommu* 
nikation zwischen der Objektwelt und den Rudimenten des Über*Ichs ist 
labiler als gewöhnlich. Die Besetzungen der Instanzen, sowohl die libi* 
dinösen, als auch die aggressiven, erscheinen mobiler. Wir bekommen den 
Eindruck von einem zwischen den Instanzen des psychischen Apparates frei 
flottierenden Aggressionstrieb, der einmal das Übersieh besetzt und die Angst 
des Ichs verursacht, ein anderes Mal im Ich konzentriert ist und die Außen* 
weit zu zerstören versucht. Infolge dieser Labilität der Ichstruktur ist es mög* 
lieh, daß die Steigerung der Konfliktspannung die Integrierung der Person* 
lichkeit rückgängig macht. Nun erwartet sie die Aggression von außen. Dies 
schützt sie vor dem Schuldgefühl und vor der Angst, die sie als Reaktion auf 
die eigenen Aggressionstendenzen empfunden hat. Nun ist es erlaubt, die 
eigenen Aggressionswünsche als Selbstverteidigung zu befriedigen. 

Es ist unmöglich, die verschiedenen Schattierungen dieser projizierenden 
Abwehrmechanismen darzustellen. Sie sind zu vielseitig, angefangen bei dem 
starken Narzißmus derjenigen Patienten, die auch in der Analyse unbe* 
rührbar sein wollen, durch alle möglichen Schattierungen bis zur Projektion 
in der echten Paranoia. Es ist sehr leicht einzusehen, wie viele Möglichkeiten 
der negativen Übertragung und wieviele Ursachen des negativen therapeu* 
tischen Effektes sich bei dieser Struktur ergeben können. Ein großer Teil der 
von Horney 6 geschilderten Fälle gehört zu diesen projizierenden Abwehr* 
typen. 

Wie mühsam und schwierig auch die analytische Behandlung von Fällen 
dieser Art sein mag, haben wir doch immer den Eindruck von einem sehr 
lebendigen, dynamisch wirksamen, innerpsychischen Konflikt. Die Schwierig* 
keit ergibt sich eben dadurch, daß die Labilität der Ichstruktur bewirkt, daß 
wir einmal den Über*Ich*Anteil und ein anderes Mal den narzißtischen Ich* 
Anteil in sehr schnell wechselnder Folge vor uns in Aktion haben. 

Es gibt aber auch Fälle, wo wir dk Abwehr des innerpsychischen Kon* 
fliktes in Form von verschiedenen Projektionen beobachten können, ohne 
den Eindruck einer so dynamisch wirksamen Angst und einer so schnell 
wechselnden Umlagerung in der innerpsychischen Struktur zu bekommen. 

Ich denke jetzt an die Fälle, in welchen wir auch den Eindruck von einerni 
narzißtisch stark besetzten Ich haben, das aber von Angst nicht bedroht 

6) Karen Horney: The Problem of the Negative Therapeutic Reaction. Psa. Quarterly, 
vol. V, 1936, pp. 29-44. 



504 



Therese Benedek 









wird und dem Schuldgefühl gegenüber keine auffallenden emotionalen Reo 
aktionen zu produzieren braucht, weil Schuldgefühle dem Bewußtsein nicht 
nahe kommen. Das Ich fühlt sich ungestört im Recht. Der innerpsychische 
Konflikt ist so gut verdrängt, daß von einer Konfliktspannung zwischen 
Übersieh und Ich kaum etwas zu merken ist. In der Strukturbeziehung zwi* 
sehen Übersieh und Ich führt das Ich; es ist die Instanz, die die stärkere 
narzißtische Besetzung besitzt. Wir können sagen, die Abwehr gegen die 
Strenge des Über^Ichs sei hier am besten gelungen. Die extremstenVertreter 
dieser Struktur werden wir unter den „triebhaften Charakteren" und Krimi« 
nellen finden, die auch keine Krankheitseinsicht haben. Aber ich möchte hier 
hauptsächlich auf die Fälle hinweisen, bei welchen die narzißtische Ichpanze* 
rung einer starken Triebabwehr entspricht, wie wir es sehr oft in Fällen mit ein* 
deutigen hysterischen Konversionssymptomen, wie auch bei Frigidität, bei 
paranoiden Persönlichkeiten oder bei lang dauernden hypomanischen Phasen 
finden. Während wir in der Analyse der vorangegangenen Fälle den Reako 
tionen auf die Über^Ich=»Forderung in jeder Phase der Analyse irgendwie zu 
begegnen hatten, müssen wir in diesen Fällen zuerst die Spuren der Übersieh* 
Spannung aufdecken, intensivieren und müssen so zuerst erzwingen, daß das 
Ich die Konfrontierung mit dem Übersieh zuläßt. 

Als Beispiel denke ich an eine Patientin (Fall 7), eine sozial relativ gut ange* 
paßte Persönlichkeit, aber mit sehr wesentlichen Schwierigkeiten in ihren Be» 
Ziehungen zu Männern und mit einer ausgesprochenen Frigidät. Ihre charaktero* 
logische Haltung war eine zur Schau getragene Überlegenheit, sie konnte im 
Leben diese Überlegenheit weitgehend agieren, und dies war auch ihre Haltung 
in der Analyse. Bald ergab es sich in der Analyse, daß alle ihre Leistungen, so* 
wohl diejenigen, die auf Sublimierung beruht hatten, als auch ihre neurotische 
Aktivität auf die Konkurrenz mit ihrer Mutter zurückzuführen waren. „Ich 
kann es besser als meine gehaßte Mutter, vor der ich keine Angst zu haben 
brauche." Die Patientin war die dritte von vier Schwestern. Der Vater ein be* 
merkenswerter Wissenschaftler, aber zu Hause passiv; die Mutter zu Hause 
mehr aggressiv, aber eine geistig unbedeutende, zwangsneurotische Persönlich« 
keit. Ihre ständige Klage gegen die Mutter war, daß sie nicht gut kochen konnte, 
daß die Suppe immer versalzen war. Die Konkurrenz zwischen den Schwestern 
war sehr intensiv. Die Patientin war überzeugt, daß sie die am meisten masku» 
line von den Geschwistern sei, und sie behauptete auch, daß sie unter ihnen 
das meiste erreichen konnte. Sie mußte bald einsehen, daß ihre systematische 
Art, womit sie die Dinge überschauen wollte, ebenso eine Reaktion auf Angst 
war wie ihre zur Schau getragene Überlegenheit, womit sie allen Menschen nur 
ihre angstfreie Selbstsicherheit demonstrieren wollte. Dieses Verhalten mußte 
sich in der Übertragung besonders stark äußern, und ihr Agieren war tatsäch» 
lieh das eines Kindes im Pubertätsalter, das sich dem Lehrer gegenüber provo* 
zierend benimmt, als ob es sagen wollte: du kannst mir keine Angst machen; 
mich kannst du nicht fangen; ich bin klug und geschickt genug, um dem auszu» 
weichen. 



Diese aktiv narzißtische Abwehr führt die Methode der freien Assozia* 




Abwehrmechanismen und Ichstruktur 505 

tionen ad absurdum. Wir können leicht beobachten, daß das oberflächliche 
Gerede, das Erzählen von tausend verschiedenen Einzelheiten des Tagest 
lebens, das Sichverlieren in Details ebenso nur der Flucht dienen wie das 
leere beziehungslose Wiedererzählen von scheinbar wichtigem Erinnerungs* 
material oder Phantasien, deren dynamischer Inhalt längst verbraucht ist. 
Dieses Material ist zuerst nur in einem Sinne zu verstehen, als ständige Flucht 
vor der Angst, die hinter dem Narzißmus lauert und das Ich bedrohen kann. 
Wie dynamisch unwirksam dieses Material auch zu sein scheint, es dient 
einem trotzigen Kampfe gegen die Analyse und gegen den Analytiker. Es 
ist die extravertierte Wiederholung des ursprünglichen trotzigen Kampfes 
gegen die Eltern. 

Dieser Typ erscheint uns als der strukturelle und charakterologische 
Gegensatz zu denjenigen Typen, die wir in der ersten Hälfte dieser Dar*» 
Stellung als die autoplastischen geschildert haben. Dieser letzgeschilderte Typ 
verändert seine Umgebung durch die Extraversion des innerspychischen 
Konfliktes. In diesen Fällen können wir von alloplastischen Abwehrmecha* 
nismen sprechen. Es ist unsere Aufgabe, diesen alloplastischen Widerstand 
dem Patienten unmöglich zu machen. 

Reich 7 beschäftigt sich hauptsächlich mit diesem Typ des narzißtischen 
Abwehrmechanismus, wenn er das Zerbrechen der narzißtischen Panzerung 
der Persönlichkeit als technische Maßnahme empfiehlt. Reichs allgemeine 
These ist, daß die triebabwehrende narzißtische Energie in den charaktero* 
logischen Haltungen des Individuums eingefroren sei, und verlangt, daß 
das Bewußtmachen und Analysieren dieser Symptome der Ausgangspunkt 
analytischer Aktivität sein sollen. Der aus seiner Ruheposition aufgescheuchte 
Narzißmus würde dann den Abwehrkampf des Individuums aktivieren, um 
die Analyse dynamisch zu gestalten. Reich würde also eine Sprachgewohn* 
heit, eine Kopfhaltung usw. konsequent in den Mittelpunkt der Analyse 
rücken. Wir beobachten bei den verschiedensten Patienten mit den verschie* 
densten Ich*Strukturen, was Reich richtig betont hatte, daß die Analysanden 
auf den Angriff gegen das Ich sehr heftig reagieren. Was bedeutet dies aber? 
Es bedeutet eben, daß wir durch den Hinweis auf das Widerstandssymptom 
den für die Struktur des Falles sonst auch typischen wirksamen Widerstands* 
mechanismus auslösen. Der eine Patient wird den Hinweis auf das Wider* 
Standssymptom ebenso einverleiben und damit die Introversion verstärken, 
wie er es auch auf eine andere Deutung tun würde, nur noch etwas mehr. 
Der andere Patient wird sich schämen oder sich gedemütigt oder beleidigt 
fühlen oder mit Aggression reagieren und wegen dieser Aggression Schuld« 
gefühle bekommen oder eventuell auch nicht. Die Intensivierung des Ab* 
wehrmechanismus erwartet Reich auch von den Deutungen, um stärkere Ab* 
fuhr der Aggression zu erreichen. Aber die durch diese Deutungen erreichte 

7) Wilhelm Reich: Charakteranalyse. Wien, 1933. 



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506 



Therese Benedek 






Angst oder Aggression hat vorerst noch nichts zu tun mit der Abfuhr von 
ursprünglich verdrängtem infantilem Haß und Aggression, mit der Ursprung* 
lieh abgewehrten Angst. Es ist nur die durch die Übertragung verstärkte 
Wiederholung des Abwehrmechanismus, der in der Ich*Struktur bedingt ist. 
Diese Reaktionen lassen vorerst die an der Entstehung des Charaktere 
Symptoms beteiligte Besetzungsenergie unberührt. Zu diesen Symptomen 
haben wir auch keinen direkteren Zugang als zu den anderen. Die Analyse 
muß zuerst die Vorarbeit leisten, die notwendig ist, um den Triebinhalt, der 
im Symptom integriert ist, zur Abreaktion zu bringen. Haben wir die Analyse 
so weit getrieben, dann erleben wir sehr oft, daß das Charaktersymptom ver* 
schwindet oder an Intensität einbüßt. Wenn wir auch nicht erwarten können, 
daß der Hinweis auf dieses Symptom das reibungslose Aufrollen des Mate* 
rials, in Schichten geordnet, nach sich ziehen würde, möchten wir damit nicht 
sagen, daß wir diese Haltungen in der Analyse nicht berücksichtigen wollen. 
Ihre Berücksichtigung ist keinesfalls neu. Sie gehörten immer schon zum Rüst* 
zeug der Analyse, 8 und sie wurden immer in die Analyse einbezogen, wenn 
sie den aktuellen Widerstand in hervorstechender Weise ausgedrückt haben. 
Aber wir können sie in der Analyse noch mehr dienstbar machen, da wir 
in der Handhabung dieser Ich*Symptome eine Methode besitzen, womit wir 
die Widerstandsanalyse bis zu einem gewissen Grade dosieren können. Da 
die Erwähnung dieser Symptome, wie ich oben ausgeführt habe, den typi* 
sehen Widerstandsmechanismus aktiviert, werden wir sie nicht forcieren in 
Situationen, wo wir die Spannungen nicht steigern wollen, und wir werden 
sie betonen, wenn wir den Patienten zu einer strengeren Einsicht zwingen 
wollen. 

Reich will mit seiner Charakterdeutung den stärksten Widerstand an* 
greifen, aber wie alle seine Kritiker betont haben, hat ein voreiliger Hin» 
weis auf das Symptom keine dynamische Wirkung. Letzthin hat Anna 
Freud 9 dargestellt, daß es der dynamischen Aufgabe der Analyse nicht 
entspreche, den in dem Symptom „eingefrorenen" Narzißmus zum Aus* 
gangspunkt der Analyse zu wählen. Wenn auch das Charaktersymptom die 
psychische Verarbeitung des stärksten Widerstandes darstellt, ist damit doch 
nicht gesagt, daß seine Deutung in der Analyse dynamisch wirksam sei- 
Nicht den ökonomisch stärksten Widerstand sollen wir angreifen, sonder» 
denjenigen, der eine dynamisch wirksame Deutung zuläßt. Damit bekommt 
die Deutung einen ökonomischen Sinn in der momentanen analytische» 
Situation. 

AnnaFreud führt auch aus, daß die beste Lösung für den Konflikt sich. 
in den Fällen findet, in welchen die Triebabwehr die Folge der Angst vor 



8) Karl Abraham: Über eine besondere Form des neurotischen Widerstandes gegep 
die psychoanalytische Methodik. Int. Ztschr. f. Psa., Bd. V, 1919. 

9) AnnaFreud: Das Ich und die Abwehrmechanismen. Int. Psa. Verlag. Wien, 1936. 





Abwehrmechanismen und Ichstruktur 507 

dem Übersieh ist. In diesen Fällen ist der Konflikt wirklich innerpsychisch. 
Meine hier dargestellte Kasuistik illustriert und unterstützt diese These. 

Ich habe zu demonstrieren versucht, daß 1. der dynamisch wirksame Nar* 
zißmus (die narzißtische Besetzung) für den charakteristischen Widerstand 
des Individuums verantwortlich ist; der dynamisch wirksame Narzißmus ist 
in einem Typ der Fälle im Übersieh konzentriert und bewirkt einen Wider* 
Standsmechanismus im Sinne der Introversion. In diesen Fällen können wir 
den Widerstand autoplastisch nennen. In dem anderen Typ der Fälle ist der 
Narzißmus des Ichs stärker als der des Über*Ichs. Dieser stärkere Nar* 
zißmus des Ichs verursacht Abwehrmechanismen im Sinne der Projektionen. 10 
Je strenger die narzißtische Besetzung des Ichs ist, desto unzulänglicher ist 
die Projektion. In diesem Sinne können wir von einem autoplastischen Ab* 
wehrmechanismus sprechen. 

Aber es gibt auch Fälle, die in diese Einteilung nicht hineinzupassen 
scheinen. Dies sind oft Fälle, die oberflächliches Assoziationsmaterial pro* 
duzieren, das zur Struktur des Falles nicht zu passen scheint. In diesen Fällen 
ist die Angst vor dem Übersieh so intensiv, daß die oberflächliche 
Abwehr eine Fluchtreaktion ist, eine Projektion, trotz der Depression, die 
dahinter versteckt ist. (Unser Fall 3 ist dafür ein Beispiel.) 

2. In der Entstehung des Abwehrmechanismus ist die Aggression, welche 
zwischen Ich und Übersieh hin* und herschwebt, auch mit einbezogen ; 
manchmal ist sie gegen das Ich, manchmal gegen die Außenwelt gerichtet, 

3. Durch die Beobachtung der narzißtischen Besetzung innerhalb der psy* 
chischen Struktur — wie sie sich wiederholt in dem typischen Abwehrmecha* 
nismus äußert — gewinnen wir eine Methode für die Behandlung der Wider* 
stände. 

Die Darstellung der hier erörterten Fälle mit dem besonderen Hinweis auf 
die Lagerung des Narzißmus innerhalb der psychischen Instanzen hat nicht 
zur Aufgabe, alle Schattierungen der so verursachten Abwehrmechanismen 
darzustellen. Dies wäre ein unmögliches Unterfangen. Diese Betrachtung 
wird aber vielleicht eine weitere Erörterung des „negativen therapeutischen 
Effektes" ermöglichen. 

H ö r n e y hat einige Fälle von negativem therapeutischem Effekt dargestellt 
und die Technik, die es uns ermöglichen soll, ähnliche Situationen zu über* 
winden. 11 Auf diesem Gebiet herrscht in der analytischen Literatur noch 
eine große Unklarheit. Reich würde vielleicht manche von den negativen 
Äußerungen der Patienten als eine aktiv verwertbare Affektreaktion be* 



io) D. Feigenbaum: On Protection. Psa. Quarterly, vol. V, 1936. Feigenbaum laßt 
in dieser Arbeit alle Ichreaktionen als Projektionen auf und teilt die Projektionen in zwei 
Gruppen ein. 

ii) Karen Horney: The Problem of the Negative Therapeutic Reaction. Psa. 
Quarterly, vol. V, 1936. 



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! 






508 Therese Benedek 



grüßen, die Horney vielleicht schon als negativen therapeutischen Effekt 
bezeichnen würde, weil steigende Aggression und Angst den Widerstand 
begleiten. Unsere allgemeine dynamische Betrachtung der hier angeführten 
Fälle ermöglicht es vielleicht, manche Gesichtspunkte zu fixieren, die uns 
helfen können, den Begriff des „negativen therapeutischen Effektes" klarer 
zu fassen. Sicher werden wir vom negativen therapeutischen Effekt sprechen 
müssen bei den introvertierenden Fällen, wenn die Über«Ich*Spannung 
(Angst und Depression) ein solches Maß erreicht, daß wir sie nicht mehr 
in analysierbare psychische Reaktionen umwandeln können. Ich halte es für 
keinen negativen therapeutischen Effekt, wenn Patient 3 infolge der steigen* 
den inneren Spannung hypochondrisch reagiert und Organsymptome be« 
kommt. Damit erreichten wir in der Analyse das erste Mal, daß eine mono« 
tone Reaktionslosigkeit durch ein analysierbares Abwehrsymptom abgelöst 
wurde. 12 Aber ich hielt die Steigerung der Reaktion des Patienten 4 für einen 
negativen therapeutischen Effekt, weil sie durch die Verdrängung der Über« 
tragung besonders verstärkt wurde und eben dadurch der Analyse lange 
Zeit nicht zugänglich war. Ich habe schon betont, wir werden die Steigerung 
der innerpsychischen Spannung in den Fällen begrüßen, wo die Projektionen 
die Analyse verflachen. Aber wir werden es zu vermeiden trachten, die Steige« 
rung bis zu einem Grade zu treiben, in welchem wir der Angst oder der 
Aggression mit den Methoden der Analyse nicht mehr Herr werden könnten. 
In diesem Falle würden wir vom negativen therapeutischen Effekt sprechen, 
Gewiß ist auch dies kein endgültiges Remedium, das uns zwischen Scylla 
und Charybdis der Analyse ohne Gefahren hindurchführt. Immer werden 
wir überrascht von der Vielseitigkeit und Unerschöpflichkeit seelischer Re» 
aktionen. Immer wieder werden wir lernen, daß sich der Analysand — genau 
wie ein Kind, das sich den Erziehungsspielregeln der Erwachsenen anpaßt — 
den Spielregeln der Widerstandsanalyse auch anpassen wird. Jede Deutung, 
jede Haltung des Analytikers löst die Erwartung ihrer Wiederholung im 
Patienten aus, und dadurch wird die nächste Abwehrreaktion schon durch 
die Reaktion auf diese Erwartung kompliziert. So haben wir die Aufgabe, 
dasselbe zu leisten: unsere Technik den sich immer komplizierenden An* 
Sprüchen der analytischen Aufgabe anzupassen. 



12) Ferenczi wertet die „passageren Symptome" in ähnlicher Weise. 



Die Objektivität des Analytikers 

Von 

J. H. van der Hoop 

Amsterdam 

Psychotherapie und Objektivität hatten ursprünglich sehr wenig Beziehung 
zueinander. Im Vergleich zu anderen ärztlichen Methoden ist die Psycho* 
theiapie das letzte Gebiet, das sich von der primitiven Heilkunst losgelost 
hat Die psychischen Einflüsse, die in der primitiven Medizin eine so große 
Rolle spielen, wurden dort als übermenschliche angesehen. Der Priester, der 
ein Orakel aussprach oder die Hand auf den kranken Körperteil auflegte ver* 
mittelte damit eine göttliche Einwirkung. Die Auffassung, daß man durch 
Magie oder durch göttliche Einwirkung, die von einer heiligen Person oder 
von einem heiligen Ort ausgeht, heilen kann, hat auch in unseren Tagen 
ihre Anziehung nicht ganz verloren. Für den Psychotherapeuten ist aber 
dieser Gesichtspunkt nicht wichtig, weil die äußere Erscheinung der meisten 
unter uns nicht heilig oder magisch genug ist, um auf unsere Patienten m 
dieser Art Eindruck zu machen. Wir könnten sagen, daß wir aus der Not 
eine Tugend machen, wenn wir solche einfache, unwissenschaftliche Me* 
thoden ablehnen. Auch hat das Publikum sich insoweit geändert, daß viele 
Menschen bezweifeln, ob die göttliche Wirkung in unserer Zeit ebenso 
mächtig ist, wie es uns aus früheren Zeiten überliefert wurde. Und der 
magische Einfluß innerhalb der Medizin ist insoweit verdächtig geworden, 
als jeder seit dem letzten Jahrhundert weiß, daß er „nur auf Suggestion 
beruht; in der populären Auffassung bedeutet aber das Wort Suggestion 
eine geschickte Art, die Leute zu betrügen, indem man ihnen imponiert. 
Kein Wunder, daß das magische Auftreten der suggestiven Therapie tur 
viele jeden Reiz verloren hat. Der übermenschliche Einfluß wurde als allzu, 
menschlich entlarvt und viele vernünftige Ärzte zogen es vor auf die ein* 
fachen Methoden der Sympathie und des gesunden Menschenverstandes 
zurückzugehen. Wieder andere gehen den neurotischen Patienten einfach 
aus dem Weg. 

Von dieser Auffassung aus betrachtet, bedeutet die Psychoanalyse einen 
großen Sprung Freud hat die Psychotherapie wissenschaftlicher gestaltet 
als je einer vor ihm. Mit allem Respekt vor den guten Seiten der Suggestion» 
therapie können wir sagen, daß sie in Gefahr war, eine besonders dumme 
Methode zu werden. Der Arzt weiß öfters nicht, was er suggerieren ?oll. 
Negative Suggestionen, wie: nicht krank sein, keine Kopfschmerzen haben 
usw sind wenig wirksam. Coue hat deutlich erklärt, daß sie verkehrt wirken, 
weil nur die positive Vorstellung auf die Einbildungskraft wirkt. Aber eine 
einfache Suggestion der Gesundheit wird nur selten ein kompliziertes neuro, 



510 



J. H. van der Hoop 









tisches Symptom auflösen. Freud ging von diesem Dilemma aus und er 
entschied sich für eine verbesserte psychologische Untersuchung. Wir wissen 
alle, wie die Psychoanalyse sich auf diesen Teil der Arbeit konzentriert hat. 
Der suggestive Psychotherapeut drängt von Anfang an den Patienten seinen 
Rat auf. Dem gegenüber verzichtet Freud auf alle Ratschläge. Ich brauche, 
die Methode der Psychoanalyse hier nicht zu beschreiben. Ich möchte nur 
daran erinnern, daß die Objektivierung an sich hier eine innere Änderung 
herbeiführt. Ich muß daher etwas näher auf die Frage eingehen, wie die 
objektive Einsicht wirkt. 

Die wichtigste Ursache unserer Subjektivität liegt in unseren Gefühls* 
einstellungen. Diese können aber weitgehend ausgeschaltet werden, indem 
man sie bewußt objektiviert. In der Analyse wird dieser Prozeß systematisch 
erzielt durch das Bewußtwerden der Übertragung. Wenn der Patient sich 
klar macht, daß er beim Handeln und Urteilen durch eine fixierte Einstellung 
übermäßig beeinflußt wird, so wird dadurch möglich, diese Fixierung zu 
lösen. Er wird „objektiver". Seine Neurose hängt mit Fixierungen zusammen, 
die aus frühester Jugend stammen und sich in Komplexen erstarrter psycho 
scher Mechanismen ausdrücken. Die Analyse der Übertragung ist das mäch* 
tigste Instrument, um die Starrheit dieser Ausdrucksformen anzugreifen. 
Freu d hat wiederholt erklärt, daß dieser Teil der Behandlung die schwerste 
Aufgabe der psychoanalytischen Kur darstellt. Es ist durchaus menschlich, 
auf den emotionellen Ausdruck eines anderen mit eigenen Emotionen zu 
reagieren. Meistens entsteht diese Reaktion unbewußt und ist schon ziem* 
lieh fortgeschritten, wenn sie uns zum Bewußtsein kommt. Die automatische 
Wechselwirkung erklärt das „Pech" des neurotischen Menschen, der immer 
wieder denselben Schwierigkeiten in seiner Anpassung begegnet. Daß der 
Analytiker auf eine andere Art reagiert, ergibt dann eine erste Möglichkeit 
der Änderung. Zwar hat auch er die Neigung, emotionell zu reagieren, doch 
ist er sich dessen von Anfang an bewußt, und so wandelt sich in seinem, Geist 
die Reaktion zu einem Erkenntnisprozeß um. Der Analytiker induziert im 
Patienten einen ähnlichen Prozeß, indem er dessen Benehmen deutet. In 
einigen Fällen erweist sich diese Deutung als einfach und evident, manchmal 
aber drückt sich die emotionelle Einstellung auf sehr komplizierte Weise aus. 
Durch die so erzielte andere Verarbeitung psychischer Konflikte wird all* 
mählich eine wichtige Änderung der Persönlichkeit herbeigeführt. 

Ich darf annehmen, daß in der Auffassung dieser Wirkungen der psycho* 
analytischen Behandlung allgemeine Übereinstimmung besteht. Wir wollen 
jetzt unsere Aufmerksamkeit auf den Psychoanalytiker richten mit der Frage, 
wie er diese wunderbare Geklärtheit errungen hat, die ihn befähigt, nicht in 
der gewöhnlichen allzumenschlichen Weise zu reagieren. Es ist nicht ganz 
leicht, diese Frage zu beantworten. Wir werden auf eine bestimmte Form 
der Ausbildung und namentlich auf die Lehranalyse verwiesen. Auch gilt 



Die Objektivität des Analytikers 



511 



hier eine gewisse Fähigkeit, andere und uns selbst objektiv zu betrachten. 
Wir verstehen, daß die eigene Analyse dem Analytiker ermöglicht, die emo* 
tionellen Einflüsse in seinem eigenen Charakter zu erkennen. Die Gefahr 
der Subjektivität entsteht mehr durch emotionelle Reaktionen, die wir selbst 
nicht einsehen, als durch bewußte Reaktionen dieser Art. Die eigene Analyse 
bringt die Wirkung verborgener komplexhafter Einstellungen zum Bewußt» 
sein. Soweit ist alles einleuchtend. Die Einstellung des idealen Analytikers 
ist deutlich genug begründet. Wie steht es aber mit dem wirklichen Analy* 
tiker? Eine befreundete Kollegin, die damals von Freud analysiert wurde, 
erzählte mir, daß Freud einmal gesagt habe, wie merkwürdig es sei, daß 
die Gegner der Analyse ihre Angriffe nicht mehr auf den schwächsten Punkt 
gerichtet hätten, nämlich auf den Analytiker. Unser Großmeister weiß am 
allerbesten, wie schwer es für den Arzt ist, den Ansprüchen der analytischen 
Behandlung gerecht zu werden. Welcher Analytiker kann sagen, daß er dem 
eigenen Gefühlsleben genügend objektiv gegenübersteht, so daß er imstande 
ist, alle Äußerungen seiner Patienten in vollkommen objektiver Weise zu ver* 
stehen? Ist es möglich, einen Maßstab anzugeben für die Beurteilung der Be* 
fähigung eines Kandidaten für diesen Beruf? Es ist mir aufgefallen, daß auf 
der Vierländertagung in Wien, 1935, wo über die Ausbildung gesprochen 
wurde, keine bestimmten Maßstäbe genannt worden sind, und ich habe sie 
auch sonst nirgends erwähnt gefunden. Das Urteil wird meistens der 
Menschenkenntnis des Lehranalytikers und der Kontrollanalytiker überlassen. 
Die Beurteilung der Objektivität steht damit auf ziemlich subjektivem Boden. 
Das Bild des idealen Analytikers wird auf diejenigen, die das Urteil aus* 
sprechen, projiziert, um die Autorität der Beurteilung zu betonen. Das mag 
für dieses komplizierte Problem momentan die bestmögliche Lösung sein, 
aber sie kann unmöglich für ideal gehalten werden. Wenn man viele Analy* 
tiker kennt, so zeigen sich subjektive Unterschiede, und es wird auch zu* 
gegeben, daß diese Unterschiede die Arbeit bis zu einem bestimmten Grad 
beeinflussen. Es ist aber nicht leicht anzugeben, wie weit diese Einflüsse 
wirken und wo sie die Objektivität stören können. Daß man von der Ob* 
jektivität der eigenen Einstellung überzeugt ist, wird von den andern kaum 
als Beweis anerkannt werden. Ich habe den Eindruck bekommen, daß die 
meisten Analytiker etwas empfindlich reagieren, wenn man diesen Punkt 
berührt. Das unbehagliche Gefühl bei dieser Frage wird dann meistens 
neutralisiert, indem man die Objektivität des Analytikers im allgemeinen 
voraussetzt. Diese Einstellung stimmt aber wieder nicht mit der kritischen 
Beurteilung überein, die die Analytiker meistens für einander haben. Eine 
solche kritische Haltung scheint begreiflich, wenn man in Betracht zieht, 
wie schwer es ist, die Arbeit eines anderen auf diesem Gebiet zu beurteilen, 
wir können das Wissen oder die feine Intuition eines Kollegen bewundern 
oder die Sachlichkeit seines Urteils loben, wir wissen aber auch, daß ein 



^ 









g^ " J- H - van der Hoop 



verborgener schwacher Punkt eine sonst ausgezeichnete Behandlung in einem 
bestimmten Fall verderben kann. Deshalb ist ein bestimmtes Mißtrauen gegen 
uns selbst und andere immer am Platz. 

Es ist nicht zu bezweifeln, daß die Psychoanalyse den ernsthaftesten Ver, 
such darstellt, subjektive Einflüsse in der Psychotherapie auszuschah^n. 
Nirgends sonst wird von dem Kandidaten eine so lange Übung in Selbst* 
kenntnis verlangt und die Gefahren der unbewußten Subjektivität werden 
hier am allerdeutlichsten erkannt. Gegen dieses Bestreben ist ™mes Er 
achtens nichts einzuwenden. Die einzige Frage wäre ob man die Form des, 
selben noch verbessern kann. Wenn wir die Entwicklung des objektiven 
Urteils im Menschen betrachten, so sehen wir, daß es immer unter dem Ein- 
fluß irgendeines Zweifels Fortschritte gemacht hat. Die Wissenschaft enfc 
deckt immer wieder, daß ihre Grundlagen subjektiver sind als man vorh« 
dachte. Ich brauche nur daran zu erinnern, wie heutzutage die Mathematik 
durch eine solche Entdeckung gefördert worden ist. Für einen Wissen, 
schaftler ist es immer gefährlich, wenn er von der Objektivität semer 
Meinungen zu sehr überzeugt ist. Das ist sicherlich m einer neuen Wissen 
schaft wie der Psychologie noch mehr der Fall. Ich bin gewiß nicht der 
Meinung, daß der Analytiker im allgemeinen zu eingebildet sei, als daß er 
seine eigene Einstellung untersuchen wollte. Ich weiß, daß der gute Anaj 
lytiker jeden Augenblick bereit ist, den Einfluß seiner eigenen Subjektivität 
auf die Beziehung zum Patienten zu prüfen. Eher könnte man sagen, daß er 
auf diese kritische Errungenschaft so stolz ist, daß er wenig Neigung hat, 
sich noch weiter nach anderen Formen möglicher Subjektivität umzuschauen. 
Die analytische Prüfung der Subjektivität hat sich auch immer mehr er» 
weitert. In den letzten zwanzig Jahren hat sich vieles m der Theone de 
Psychoanalyse geändert. Vorher war das Interesse auf den unbewußten Teil 
der Persönlichkeit zentriert; heute wird die psychische Struktur weitaus 
komplizierter beschrieben. Aus dem Begriff des Unbewußten hat sich der 
Begriff des Es entwickelt, das Ich ist ebenfalls ein wichtiges Untersuchung* 
gebiet geworden und auch dem Übersieh wird ein großer Einfluß zuerkannt. 
Die psychoanalytische Theorie steht jetzt vielen Problemen gegenüber, d» 
sie früher noch nicht kannte. Fragen nach Bedeutung und Ursprung der 
Ideale, Fragen nach verschiedenen Formen bewußter Verarbeitiing^ haben 
jetzt eine große Bedeutung erlangt. Wie gewöhnlich hat Freud selbst d^ 
ursprünglichsten Gesichtspunkte entwickelt. Das Ich ist dabei viel mehr m 
den Vordergrund gerückt. Ich brauche nur daran zu erinnern wie Anna 
Freud neulich in so klarer Weise die Bedeutung der neurotischen Abwehr» 
formen geschüdert hat.* Wir wissen, daß die starren Abwehrformen 
manchen Neurosen viel auffälliger auftreten als die Fixierungen im Es. Auen 



1) A n n a F r e u d: Das Ich und die Ahwehrmechanismen. Int. Psa. Verlag, Wien, 193« 



L 



Die Objektivität des Analytikers 513 



= 

wenn man die Forderung Reichs ablehnt, daß die Analyse zu allererst diese 
Panzerungen angreifen sollte, 2 so bleibt die Anerkennung des Einflusses 
dieser Ich*Faktoren ein wichtiger Punkt der Behandlung. Wir können daher 
sicher sein, daß ein richtig ausgebildeter Analytiker auch manches über seine 
verborgenen Ich^Reaktionen erfahren hat, ehe er die schwierige Aufgabe auf 
sich nimmt, den Fehlern der anderen mit unbefangenem Geiste nachzuspüren. 
Er wird dabei gelernt haben, seine Charaktereigenschaften als oral, anal, ge* 
nital, auch als autoerotisch, narzißtisch, zwangsneurotisch, hysterisch usw. 
zu distanzieren und teilweise zu überwinden. Glücklicherweise haben alle 
diese Bezeichnungen die Eigenschaft des „Mehr oder Weniger", so daß wir 
uns damit trösten können, sie für uns selbst und unsere Kollegen! als nicht 
allzu verurteilend zu betrachten. Auch finden wir eine Kompensation für 
die Beleidigung unserer narzißtischen Gefühle in dem erhabenen Stolz einer 
größeren Objektivität. 

Wenn sich einer so große Mühe gegeben hat, um eine objektive EinsteL» 
lung zu erlangen, so kann er sich leicht verletzt fühlen, wenn seine Objekt 
tivität noch weiter bezweifelt wird. Innerlich empfindet man einen Widern 
stand gegenüber der Annahme, daß die feste Stellung, die man mit so viel 
Mühe erobert hat, dennoch angegriffen werden könnte. Man wird vielleicht 
einen solchen Zweifel als zwangsneurotisch bezeichnen wollen, aber als Psy<* 
cholog muß man die Anlässe zum Zweifeln untersuchen. 

Wenn wir das Benehmen, die Gedanken und Gefühle eines anderen Men* 
sehen widerspiegeln, indem wir sie ihm in ihrem Zusammenhang zeigen, so 
benützen wir notwendigerweise unsere eigene subjektive Persönlichkeit als 
Instrument. Wie sehr wir auch bestrebt sein mögen, unsere Gedanken, unsere 
Gefühle, unser Verhalten redlichen Maßstäben zu unterwerfen und objek* 
tive Ansichten zur Geltung zu bringen, so bleiben wir dabei doch' an erster 
Stelle menschliche Wesen. Mit einiger Phantasie können wir uns vorstellen, 
die Seele unseres Hundes zu begreifen, aber die meisten werden Bedenken 
tragen, sich in ihren Kanarienvogel einzufühlen. Aber wie verhält es sich 
mit dem Verstehen eines Negers oder eines Indianers? Leider muß ich hier 
den empfindlichen Punkt der Rassenunterschiede berühren, aber ich kann 
nichts dafür, daß er da ist. Wir mögen überzeugt sein, daß ein Inder oder 
ein Chinese Anteil hat an einer Kultur, die älter ist als die unsrige und die 
der unseren in bestimmten Punkten überlegen sein mag. Der Unterschied 
bleibt nichtsdestoweniger bestehen. Inwieweit wirken diese Einflüsse auf die 
Möglichkeit, einen anderen Menschen zu analysieren? Meine Erfahrung in 
diesem Punkt ist zu unzulänglich, um mich darüber auszusprechen. Im all* 
gemeinen habe ich den Eindruck, daß die Verschiedenheit der Rasse, der 
Kultur oder der Persönlichkeit in manchen Fällen wenig bedeutet, in anderen 
fallen aber große Schw ierigkeiten macht. Müssen wir diese Schwierigkeiten 

a ) W. Reich: Charakteranalyse. Wien, 1933. 

Int. Zeitschr. f. Psychoanalyse XXIII/4 33 



514 



J. H. van der Hoop 



als unser Schicksal hinnehmen, oder gibt es einen Weg zu einer Art Oh* 
jektivität, die diese Unterschiede überbrücken kann? Bei der Besprechung 
dieser Frage werde ich die Rassenunterschiede außer Betracht lassen, weil 
es mir am schwierigsten scheint, auf diesem Gebiet bestimmte Daten zu 
sammeln. Wir wollen uns an erster Stelle mit den persönlichen Unterschieden 
beschäftigen. 

Wenn wir das Problem zuerst vom praktischen Gesichtspunkt aus be* 
trachten, so wissen wir, daß manche Menschen weniger durch Vorurteile 
gestört sind als andere. Es gibt Menschen mit breitem Verständnis, die inv 
stände sind, den Geist eines anderen Menschen zu verstehen, wenn dieser 
von dem ihrigen auch ziemlich verschieden ist. Wir können sagen, daß dieses 
Verständnis sie objektiver macht. Wir müssen dabei aber die Frage auf* 
werfen, ob diese Art Objektivität dieselbe ist wie die des Analytikers. In* 
wieweit unterscheidet sich das Ich der Menschen mit weitem Geiste von dem 
der Menschen mit engem Geiste, welche letztere nur solche andere ver* 
stehen, die ihnen ähnlich sind? Besteht dieser Unterschied nur in der Tat* 
sache, daß die Menschen mit weitem Geist keine starre Abwehrhaltung zeigen 
gegenüber ihrem Es, oder gibt es noch andere Faktoren? Es ist wohl ohne; 
Zweifel, daß starre Einstellungen im Ich das Verständnis für andere stören, 
denn wir haben gegen trieb* und affektbedingtes Verhalten anderer dieselben 
Vorurteile wie gegen Neigungen in uns selbst, die wir automatisch ablehnen. 
Wenn ein Schwindler einem anständigen Herrn dient, so wird er die 
schwachen Seiten des Charakters seines Meisters oft besser verstehen als der 
Herr die des Dieners. Ich will damit gewiß nicht unterstellen, daß die Frei* 
heit des Analytikers dieselbe sei wie die eines unmoralischen Menschen. 
Wenn wir diese populäre Auffassung der Analyse ablehnen, so hat doch 
diese geistige Freiheit bei beiden etwas Gemeinsames. Beide sind imstande, 
zwischen Gut und Böse bewußt zu wählen, während der brave Bürger sein 
Verhalten meistens automatisch durch fixierte unbewußte Mechanismen im 
Ich und Über*Ich bestimmen läßt. 

Freiheit von Vorurteil kann unter Umständen einen wichtigen Faktor für 
das Verstehen anderer Menschen bilden, aber dies scheint mir nicht das 
einzige wichtige Moment zu sein. Wenn wir Menschen mit einem weiten 
Geist und Menschen mit beschränktem Geist unterscheiden, so werden wir 
dabei auf die Tatsache aufmerksam, daß das Geistesgebiet einen ungleichen 
Umfang haben kann. Goethe soll gesagt haben, daß er sich kein Ver* 
brechen denken könnte, von dem es ihm unmöglich sei sich vorzustellen', 
er habe es selbst begangen. Das zeigt nicht nur, daß Goethe in einer ziemlich 
gemütlichen Beziehung zu seinem Es stand; es deutet zu gleicher Zeit auif 
den Umfang seiner Phantasie. Der Mangel an Phantasie ist eine der wich* 
tigsten Ursachen für Verständnislosigkeit. Was verstehen wir aber unter 
Phantasie? Wie kann man sie messen? Kann man genaue psychologische 



Die Objektivität des Analytikers 



515 



Merkmale angeben für Menschen mit und ohne Phantasie? 

Wir müssen beim Versuch, diese Fragen zu beantworten, einen anderen 
Gedankengang heranziehen und davon ausgehen, daß man Gruppen von 
Personen bilden kann, die einander charakterlich mehr oder weniger ahn» 
lieh sind. Auf diese Weise wird es möglich, bestimmte psychische Typen 
zu unterscheiden. In unserer Zeit hat man von verschiedenen Seiten her ver* 
sucht, diesen Gruppen eine wissenschaftliche Grundlage zu geben. Die wich* 
tigste dieser Unterscheidungen scheint mir die Jung sehe zu sein. Seine 
„psychologischen Typen" beruhen unter anderem auf verschiedenen psychi» 
sehen Funktionen, wie Denken, Fühlen, Intuition und Empfindung. Ver* 
schiedenheiten in der bewußten Motivierung werden erklärt durch das Vor* 
herrschen einer bestimmten Funktion in einem bestimmten Menschen. Jeder 
normale Mensch besitzt die Fähigkeit, diese verschiedenen Formen der be* 
wußten Orientierung zu gebrauchen, aber fast immer wird eine Funktion 
viel mehr geübt als die anderen. Hieraus entsteht eine gewisse Einseitigkeit 
des Standpunktes und eine gewisse Beschränktheit im Verständnis der an» 
deren Menschen. Ein Mensch mit einer entwickelten Fühlfunktion wird die 
Ausdrücke der Gefühle bei anderen viel besser verstehen als einer, der selbst 
einen kleinen Bereich des Gefühlsausdrucks hat. Wir fühlen uns einem Men» 
sehen verwandt, der eine ähnliche Art Motivierung benützt wie wir, sogar 
dann, wenn die Ergebnisse seiner Motivierung anders sind als die unseren. 
Dem entspricht auf der anderen Seite, daß ein Mensch, der mit uns einig ist 
und mit uns aus Motivierungen zusammenarbeitet, die von der unsrigen 
verschieden sind, uns ziemlich fremd bleibt. Die Verschiedenheit der Be* 
wußtseinstypen (wie ich sie nenne 3 ) schafft demnach einesteils ein Band, das 
verwandte Geister bindet; bildet aber andernfalls eine Ursache des Fremd« 
bleibens. Man muß zu dieser Tatsache Stellung nehmen, wenn man die Mög* 
lichkeit einer objektiven Beurteilung in der Psychologie erwägt. Wenn es 
wahr ist, daß wir alle durch eine mehr oder weniger typische Weise, die 
Dinge zu betrachten, eingeschränkt oder behindert sind, so will das sagen,, 
daß unsere Objektivität hier wiederum in Frage gestellt wird. Es könnte sich 
aber bei näherer Betrachtung zeigen, daß der Vorwurf einer subjektiven 
bewußten Einstellung nicht für alle Typen in gleichem Maße gilt. Wir wissen 
zum Beispiel, daß das Denken auf Objektivität gerichtet ist, während das 
Fühlen an erster Stelle das Recht einer subjektiven Einstellung behauptet. 
In der wissenschaftlichen Betrachtung hat das Gefühl keinen Platz. Wir 
halten uns an die Objektivität des Denkens. Weshalb sollte man denn hier 
das Typenproblem heranziehen, wenn die Aufgabe der Wissenschaft sich 
darin zeigt, daß der Einfluß anderer Funktionen ausgeschaltet wird? Die 
Wissenschaft sollte von Menschen vom Denktypus beherrscht werden und 

3) Ich habe meine Auffassung dieser Typen in einem Buch über „Bewußtseinstypen" 
Inans Huber, Bern, 1937) ausgearbeitet. 

33* 



516 



J, H. van der Hoop 



die anderen hätten die Kontrolle ihrer Kritik anzunehmen. 

Gilt diese Auffassung in derselben Weise für die Psychologie wie für die 
Naturwissenschaften? Wenn ein Mensch vom Denktypus die Gefühle eines 
anderen Menschen beurteilt, so kann es ihm passieren, daß sein Urteil ab* 
gelehnt wird mit der Begründung, daß er gar nichts von Gefühlen versteht. 
Was kann der Psycholog in einem solchen Fall tun? Soll er sich auf den 
Thron der Objektivität setzen und mit Verachtung auf die Dummheit der 
anderen hinunterschauen? Wäre es nicht weiser, daß er die Tatsache würdigt, 
daß seine eigene innere Erfahrung ein wichtiges Instrument für das Ver* 
stehen der anderen ist und daß diese innere Erfahrung auf bestimmte Ge* 
fühle eingeschränkt sein kann? Hier stehen wir vor einem der wichtigsten 
Probleme der Psychologie, weil die Art und Weise, wie die Tatsachen er* 
faßt werden, hier komplizierter ist als bei den Naturwissenschaften. Wo wir 
Tatsachen mit unseren Augen und Ohren kontrollieren, dürfen wir erwarten, 
daß die Ergebnisse der Sinneserfahrung für alle Menschen so ziemlich die* 
selben sind. Die Kontrolle der Subjektivität kann sich in diesem Fall einfach 
gestalten. Wenn wir aber das Benehmen anderer Menschen erklären, so spielt 
unsere eigene subjektive Erfahrung eine Rolle. Ich bezweifle nicht, daß die 
Psychologie das Recht hat, Tatsachen zu prüfen, um sie in einem rationalen 
System zu ordnen; aber die Wahrnehmung der Tatsachen wird in der 
Psychologie mehr von unserer eigenen Einstellung beeinflußt als in der 
Naturwissenschaft. Manche Leute leugnen die Existenz der Intuition, weil 
diese in ihrem eigenen Leben wenig Bedeutung hat. Ein schottischer 
Psycholog erklärte mir einmal, daß er mit „feeling" einen starken Ausdruck 
des Gefühls bezeichne; aber, fügte er hinzu, dieses muß natürlich als patho* 
logisch angesehen werden. Er sah mich erstaunt an, als ich ihm antwortete: 
Das kommt daher, daß Sie ein Schotte sind. 

Kann der Einfluß dieser Einseitigkeit in unserem psychologischen Urteil 
ausgeschaltet werden? Nach meiner Meinung kann diese Art Einseitigkeit 
auf zweierlei Weisen kompensiert werden; erstens durch die Entwicklung 
der Intuition und zweitens durch eine weitere Entwicklung der mensch* 
liehen Persönlichkeit. Die Intuition befähigt, Zusammenhänge in origineller 
Weise zu erfassen, und beim Verstehen des Seelenlebens anderer Menschen 
ist diese Fähigkeit die allerwichtigste. Intuition ist das Vermögen, die Dinge 
in einer ursprünglichen Art zu betrachten. Deshalb kann der „Intuitive" 
Personen, die in ihrer seelischen Struktur ziemlich stark von ihm abweichen, 
doch eher verstehen als ein Mensch von einem anderen Typus. Ich will hiemit 
gewiß nicht behaupten, daß der Intuitive sicher sei vor der Gefahr subjektiver 
Fehler, aber er hat doch einen gewissen Vorsprung, wenn es gilt, die Tat* 
Sachen der Psychologie zu ergreifen. 4 Ein Mensch ohne Intuition wird nicht 

4) Die Kritik solcher Fehler geschieht durch das Denken. Diese Funktion ist daher 
Voraussetzung für den Psychologen. 



Die Objektivität des Analytikers 



517 



leicht ein guter Psycholog sein. Ich nannte Goethe einen Menschen mit 
großer Phantasie und Einbildungskraft und zweifellos war die Intuition eine 
wichtige Funktion seines Geistes. An ihm läßt sich auch der andere Einfluß, 
der die Einseitigkeit kompensiert, illustrieren. Viele Menschen verbleiben 
ihr ganzes Leben innerhalb der Begrenzung ihres einseitigen Bewußtseins. 
Bei manchen Menschen werden die Grenzen dadurch erweitert, daß sich 
eine zweite Funktion neben der ersten entwickelt. In anderen, selteneren 
Fällen kann die Einseitigkeit immer mehr überwunden werden, indem das 
bewußte Selbst sich andere Formen der bewußten Orientierung zu eigen 
macht. Das Resultat ist dann ein „allgemein menschlicher", ein „alkround"* 
Mensch, also ein Exemplar der Gattung, das in unserer Zeit der Speziali* 
sierung wenig populär sein mag. Wenn alle diese verschiedenen Funktionen 
ziemlich hoch entwickelt sind, kann eine sehr überlegene Form des Men* 
sehen resultieren. So macht es uns bei Goethe den Eindruck, daß die verj» 
schiedenen bewußten Funktionen zu einer Einheit von großem Werte und 
großer Harmonie zusammengewachsen sind. 

Kehren wir jetzt zu dem Problem' der Objektivität des Analytikers zurück 
und wenden wir die gefundenen Möglichkeiten der Kompensierung bewußter 
Einseitigkeit auf seinen Fall an. Ich möchte dabei vorerst meine Überzeugung 
aussprechen, daß die hier genannten Tatsachen von den meisten Analytikern 
praktisch berücksichtigt werden. Wenn man zum Beispiel einen Kandidaten 
beurteilt, so werden ähnliche Überlegungen, wie ich sie eben gegeben habe, 
das Urteil mit beeinflussen. Doch finden wir in der psychoanalytischen 
Theorie für diese Faktoren keine speziellen Bezeichnungen. Der Einfluß des 
Typus eines Analytikers, die Entwicklung seines Denkens, seines Fühlens, 
seiner Intuition, kann für die Beurteilung bestimmter Situationen überaus 
wichtig sein. Das Wissen um diesen Einfluß schafft eine gewisse Kontrolle 
der subjektiven Einseitigkeit. Diese Kontrolle betrifft Bedingungen im Ich, 
und zwar solche Einflüsse, die man nicht als mehr oder weniger pathologische 
Fixierungen betrachten kann. 

Diese verbesserte Kontrolle der Subjektivität genügt nicht. Ein anderes, 
viel weiter reichendes Problem scheint mir von der Psychoanalyse vernach* 
lässigt zu sein. Es hängt mit dem Begriff des Über^Ichs zusammen. Dieser 
Begriff ist ziemlich spät entstanden. In Freuds „Zur Einführung des Nan* 
zißmus" (1914> finden wir den Begriff des IchJdeals. Damit wird ange* 
deutet, daß bestimmte ideale Vorstellungen im Ich einen besonderen Platz 
an Autorität einnehmen, wodurch sie die übrigen Inhalte des Ichs beein* 
Aussen können. Wenn ein Gefühl oder eine Vorstellung mit den For* 
derungen eines Ideals in Widerspruch gerät, ist eine Verdrängung oft die 
Folge. Die Verdrängung scheint an erster Stelle vom Übersieh auszugehen. 




518 



J. H. van der Hoop 






Der Begriff des Uber*Ichs ist seither in der psychoanalytischen Theorie 
immer wichtiger geworden. Es hat sich gezeigt, daß die Ideale, die den In*» 
halt des Über^Ichs bilden, ihren Ursprung in der Erziehung finden. 6 Die 
Autorität der Eltern und der Erzieher wird in dem Kind während eines 
langen Introjektionsprozesses verinnerlicht. Diese Entwicklung zum Kultur« 
menschen bereitet dem Kinde viele Schwierigkeiten. Das Übersieh entsteht 
als Ergebnis aus den Gegensätzen zwischen der Natur des Kindes und den 
Forderungen des Erziehers. Das Kind will seinen eigenen Wünschen folgen, 
aber es möchte zu gleicher Zeit mit den Eltern auf gutem Fuß stehen. Es 
muß daher ihre Verbote und Verordnungen in sich aufnehmen. Wir wissen, 
daß die Ödipussituation diesen Gegensatz besonders verschärft, weil in 
dieser Phase verbotene Wünsche und das Verlangen nach einer ungetrübten 
Liebesbeziehung stärker als je einander gegenüberstehen. Das Kind hat zu 
lernen, daß es sich bestimmten Regeln zu unterwerfen hat, wenn es un# 
angenehmen Reaktionen der Umwelt entgehen will. Auch die eigenen ent* 
gegengesetzten Gefühle verursachen sehr unangenehme Erfahrungen. Von 
Anfang an herrscht eine Tendenz zur Einheitlichkeit im Ich und man kann 
diese neben dem Verlangen nach Sicherheit als eine der größten Triebkräfte 
für die Entwicklung der bewußten Persönlichkeit betrachten. 

Die Existenz einer speziellen Autorität im Ich, die sich durch ein gutes 
oder ein schlechtes Gewissen ausdrückt, wird von wenigen bezweifelt 
werden. Es ist aber nicht ganz leicht, die zwei psychischen Gebiete begrifflich 
streng zu scheiden. Wir vergessen die Existenz der inneren Autorität, wenn 
wir nicht in Konflikt mit ihr geraten (es sei denn, daß wir so abnormal sind; 
darüber zu theoretisieren). Dem gegenüber stehen die schärfsten Formen 
des Gegensatzes in der manisch-depressiven Psychose. In der Melancholie 
lehnt das Übersieh das Ich im Ganzen ab, während in der Manie das Ich 
die Existenz des Über^Ichs leugnet. Durch das Studium dieser Störungen 
haben vor allem Freud und Abraham unser Verständnis für das Ver* 
hältnis vom Ich und Übersieh vergrößert. Auf diese interessanten Probleme 
kann ich hier nicht weiter eingehen. Diese Untersuchungen haben eine Tat* 
sache bestätigt, die uns schon von der Neurose her bekannt war, daß näm* 
lieh der Einfluß des Über^Ichs nicht nur vorteilhaft, sondern auch schädlich 
sein kann. Es kann daher oft genug die Aufgabe des Analytikers sein, die 
Autorität des Über^Ichs anzugreifen. Diese Aufgabe ist von den Analytikern 
auf verschiedene Weise beschrieben worden. Einige, Alexander 7 zum Bei« 
spiel, haben sich dafür ausgesprochen, das Übersieh als Ganzes abzubauen, 
wobei das Ich dann die ganze Führung übernimmt. Wieder andere, wie z. B. 



6) Wir übersehen nicht, daß auch das eigene Wesen die Formen des Überichs mit' 
bestimmt. 

7) Franz Alexander: Metapsychologische Darstellung des Heilungsvorganges. Int 
Ztschr. f. Psa., Bd. XI, 1925. 



. 



Die Objektivität des Analytikers 



519 



Strachey,* möchten das Übersieh umbüden und betrachten diesen Prozeß 
als den wichtigsten Teil der Behandlung. 

Es scheint mir von Bedeutung, daß wir an diesem Punkt die psychoana* 

lyrischen Begriffe deutlicher definieren. Die Ich*Psychologie ist eine der 

jüngsten Entwicklungen der psychoanalytischen Theorie und die Psychologie 

des Über^Ichs ist noch im embryonalen Zustand. Ich möchte versuchen, 

hier einige Seiten des Problems etwas deutlicher zu formulieren. Das Wort 

Übersieh deutet auf eine Einheit, die meistens nur in geringem Ausmaß be* 

steht. Der Begriff der Ich>Ideale scheint mir den tatsächlichen Zustand besser 

anzudeuten. Die Ideale des Kindes wurden in erster Instanz auf dem Wege 

der Identifizierung mit der Autorität der Eltern geformt, aber auch andere 

Identifizierungen haben dazu beigetragen. Diese idealen Formen bleiben mei* 

stens nicht unverändert in uns bestehen. Sie verschmelzen zu mehr oder weniger 

bestimmten Bildern, die aber wieder gesondert neben einander vorkommen. 

Das Bild des idealen Arztes in mir ist verschieden von dem des idealen Gatten 

oder von dem des idealen „sportsman". Wir alle tragen in uns eine größere 

oder kleinere Auswahl von solchen idealen Formen. Sie leben in unserem 

Geiste zusammen, ungefähr wie die Mitglieder eines englischen Klubs. Die 

Stellung einiger dieser Mitglieder ist über jeden Zweifel erhaben, während 

wir über andere weniger sicher sind. Einige Ideale mögen sich als Lebemann 

oder Schelm aufspielen, aber ein gesunder Mensch ist dessen sicher, daß sie 

sich im Stile des Klubs benehmen werden. Wir können diesen Stil im allge* 

meinen genauer angeben, indem wir ihn zum Beispiel mit dem Ideal des 

„Gentleman" verbinden. Mit diesem Bilde sind gewisse Möglichkeiten eines 

Vergleichs zwischen persönlichen Maßstäben und Beziehungen in einer 

Gruppe nicht erschöpft. In anderen Fällen kann man diese innere Beziehung 

mit einer Kaserne oder mit einem Gemeinderat vergleichen oder sogar mit 

einer Sonntagsschule oder mit einem Nachtklub. Bei einem zwangsneuro^ 

tischen Charakter kann die innere Ordnung die Form des Armenhauses 

oder des Gefängnisses annehmen, während bei einer Psychose die innere 

Gemeinschaft sich völlig aufgelöst hat. 

Neben diesem Problem der komplizierten Struktur des Über^Ichs steht 
ein zweites Problem: Inwieweit sind diese Wirkungen uns bewußt? In der 
Praxis finden wir auf der einen Seite viele Menschen, die sich sehr wohl 
der im eigenen Innern gestellten idealen Forderungen bewußt sind, während 
daneben andere keine blasse Ahnung von den Richtlinien ihres Benehmens 
haben. Diese können nach einem Prinzip handeln, das sie vielleicht in 
frühester Jugend von ihrem Großvater übernommen haben, ohne sich dessen 
auch nur einen Augenblick bewußt zu sein. Hier finden wir die mechanische 
Form des Überfchs, die nach der Darstellung Alexanders angegriffen 

8) James Strachey:Die Grundlagen der therapeutischen Wirkung der Psychoanalyse. 
Int. Ztschr. f. Psa., Bd. XXI, 1935. 



^ 



ll ll 



■ 






werden soll. Er vergleicht die Forderungen des Über.Ichs mit einem Ge* 
setzbuch aus vergangenen Zeiten, das den heutigen Umständen nicht mehr 
angepaßt ist. Nach seiner Meinung wird das Ich von der Anpassung an die 
Umwelt völlig in Anspruch genommen, und es entsteht erst durch die Ana, 
lyse in dem Patienten die Einsicht, daß er die bewußte Tätigkeit auch für 
andere Zwecke benützen kann. Bis dahin geschah die Beherrschung der 
Triebe, der Emotionen und Impulse in einer automatischen Weise nach 
introiizierten Regeln, die von den Eltern stammen. Die analytische Kur greift 
in diese Automatismen ein, indem dem Patienten die ^^*™rG*> 
danken und Erinnerungen gezeigt wird. Es wird f^\ d ^ ch 'Jf,Z 
innere Ordnung auch vom Ich geschaffen werden kann Indem der Patient 
die bequeme Form der automatisch wirkenden Ideale aufgibt, wird er end- 
gültig von der Beeinflussung durch seine Eltern unabhängig. Wenn man 
gelernt hat, seine moralischen Richtlinien bewußt zu gestalten, so hat das 
nach Alexander nichts mehr mit dem Übersieh zu tun. 

Die Art der Beschreibung der Wirkung einer psychoanalytischen Behanc 
lung. die Alexander damals gegeben hat, wird den meisten Analytiker 
heute zu einseitig und einfach scheinen. Sehr extrem auf d*e Umwelt einge* 
stellte Patienten mögen mit dieser Beschreibung übereinstimmen, die meisten 
Menschen werden eher ein komplizierteres Bild zeigen. Die meisten An* 
lvtiker erfahren deutlich genug, daß die Forderungen des Über.Ichs im Bc 
wußtsein des Patienten erscheinen. Diese Forderungen geben uns gewiß 
nicht weniger zu schaffen als die Probleme der Umwelt. Man kann auch 
nicht sagen, daß die Psychoanalyse den Konflikt zwischen Trieb und Ideal 
zum ersten Mal entdeckt habe. Alle religiösen Formen der Psychotherapie 
suchen diesen Gegensatz in irgendeiner Weise zu lösen. Die ^Psychoanalyse 
hat uns eine viel bessere Einsicht in die Struktur und in die Wirkungen der 
Triebe gegeben. Was macht sie aber mit dem anderen Faktor des Problems, 
mit den Idealen? Im Anfang stand man mehr auf der Seite der Triebe als 
auf der der idealen Forderungen und in den Formulierungen A exanders im, 
den wir einen Nachklang dieses Mißtrauens gegenüber den Idealen. Man geht 
von der Meinung aus, daß sie der psychischen Gesundheit schaden können. 
Heute werden wohl die meisten Analytiker nicht mehr die Meinung ver* 
teidigen, daß das Übersieh vernichtet werden sollte. Sie sehen ein, daß eine 
solche Aufgabe unausführbar wäre; auch erscheint sie uns nicht £s 
wünschenswert. Man muß Richtlinien haben und es ist unmöglich, sie be 
jeder Gelegenheit vernünftig zu begründen. Weshalb sollten wir uns n* 
unseren Bräuchen und Sitten, mit unseren Gewohnheiten und Prinzipien b» 
schäftigen, wenn wir mit ihnen glücklich sind? Beim Patienten wird abe 
dieser glückliche Zustand nur selten bestehen. Die Idealisten haben ihm zwar 
schon längst erzählt, daß er sich ihren Idealen fügen sollte, i um tf***«*» 
sein, aber er hat es versucht und die Täuschung dann entdeckt. In diesem 



Die Objektivität des Analytikers 



521 



Fall ist es ihm eine Befreiung, daß der Analytiker keine Ideale voraussetzt. 
Wie beeinflußt der Analytiker die Ideale? Zuerst war man der Meinung, 
daß er sie überhaupt nicht beeinflussen will. Es erschien als einzige Aufgabe 
zu sehen, wie die Ideale des Patienten beschaffen, wie sie entstanden sind und 
wie sie sein Leben beeinflussen, um ihm das alles, wenn es nötig wird, bewußt 
zu machen. Diese erste Antwort war aber zu schön, um wahr zu sein. Sie setzt 
nicht nur den idealen Analytiker voraus, der die Objektivität selbst ist, sie 
sieht auch den Patienten als einen Mustermenschen, der sich von der Vec* 
nunft führen läßt und der keine besonderen Suggestionen braucht, um seinen 
Irrtum aufzugeben, wenn ihm die Wahrheit vorgehalten wird. In Wirklich« 
keit begegnet man dieser angenehmen Situation äußerst selten. Die Ideale 
zeigen sich als widerspenstige Mächte, die meistens gegen die Einmischung 
der Vernunft gut gesichert sind. Eine psychologische Erklärung ändert sie 
wenig, am wenigsten bei einem neurotischen Patienten, der ihnen eine be* 
sondere Sicherung entlehnt. Heute wird auch wohl allgemein von den Analy* 
tikern zugegeben, daß die Suggestion ein notwendiger Faktor in der Be* 
handlung ist, um die Starrheit der Einstellung des Patienten zu überwinden. 
Suggestion bedeutet aber mehr als ein Überreden aus vernünftigen Gründen. 
Die ganze Einstellung des Patienten wird dabei beeinflußt. Dadurch kann 
eine Änderung im Denken entstehen, indem man zum Beispiel Vorurteile 
überwindet. Meistens zeigt sich aber die Folge mehr auf moralischem Gebiet. 
In der psychoanalytischen Theorie hat diese Tatsache insofern Anerkennung 
gefunden, als dort die Vorstellung entstand, daß der Analytiker im Geist© 
des Patienten die Stelle des Über^Ichs annimmt. Strachey beschreibt das 
in etwas subtilerer Weise als die Rolle eines „Hilfs*Über*Ichs". Der Patient 
regrediert während der Behandlung zu einer Form der infantilen Beziehung, 
die mit der übereinstimmt, aus welcher das Übersieh zuerst entstand. Durch 
diese Regression in der Beziehung zur Autorität wird es möglich, das Über* 
Ich wieder einmal in den Schmelztiegel zu geben, damit es eine neue Form 1 
erhalten kann. Diese Art der Beeinflussung durch eine Änderung der Ideale 
wird immer mehr als einer der wichtigsten Faktoren in der psychoanalytischen 
Behandlung betrachtet. 

An diesem Punkt entsteht von neuem ein Zweifel an der Objektivität des 
Analytikers. Der Analytiker, der über andere Psychotherapeuten und über 
Geistliche gelächelt hat, die die Leute mit Idealen heilen wollen, muß jetzt 
zugeben, daß er selber die Ideale seiner Patienten zu verbessern sucht. Natur* 
lieh, er macht es in einer subtileren Art, so daß der Patient es oft nicht spürt, 
aber er macht es nichtsdestoweniger. Manche Analytiker suchen den alten 
Standpunkt zu verteidigen, indem sie hervorheben, daß ihre Wirkung in 
diesem Punkt bloß negativ sei: sie lösen nur die alten Verbote und Gebotes 
auf, damit der Patient frei wird, seinen eigenen Weg zu finden. Ich gebe 
gern zu, daß die Ideale in beiden Fallen sehr verschieden verwendet werden. 



522 



J. H. van der Hoop 



Wenn man versucht, dem Patienten von vornherein eine neue ideale Ein* 
Stellung beizubringen, so wird man sich oft unwillkürlich an seinen Nar* 
zißmus wenden, indem man den Akzent auf höhere Werte legt. Wer aber 
den Patienten dazu bringen will, auf besseren Fuß mit seinem Es zu kommen 
und mit der menschlichen Natur im Ganzen, der will zu allererst ein neues 
inneres Gleichgewicht im Patienten erreichen. Von diesem Gesichtspunkt 
aus wird vorausgesetzt, daß die Ideale in Harmonie mit der menschlichen 
Natur sein müssen, wenn sie ihre Funktion richtig erfüllen sollen. Obwohl 
ich diesen Unterschied gewiß nicht unterschätzen möchte, scheint es mir 
dennoch unrichtig, wenn der Analytiker behauptet, daß er nur einen nega* 
tiven Einfluß ausübe. Wenn er seinem Patienten suggeriert, daß es andere 
Weisen gibt, sich selbst und die Dinge zu betrachten, als die, welche sein 
starrer Standpunkt ihm eingibt, so wird er auf den Patienten mittels der 
eigenen Ideale einwirken. Es mag sein, daß er diesen Einfluß nicht un* 
mittelbar ausübt, weil er es vermeiden will, einen Widerstand hervorzu* 
rufen. Die PersörJichkeit des Analytikers läßt sich aber nie ganz ausschalten 
und sie zeigt sich in seinem Schweigen sowohl wie in seinen Bemerkungen. 
Der Analytiker mag seine unbewußten Reaktionen gut beherrschen, er mag 
so objektiv wie nur möglich sein, seine bewußte Persönlichkeit, die sich nach 
bestimmten Idealen richtet, bleibt nichtsdestoweniger ein wichtiger Faktor 
in der Behandlung. 

Ist der Analytiker berechtigt, seine eigenen Ideale als objektiv zu be* 

trachten? Mit dieser Frage stehen wir mitten in der heutigen Ktisis der 

Werte. Es ist noch nicht lange her, daß die Religion ohne weiteres den An* 

spruch erhob, in bezug auf geistige und moralische Werte die objektivö 

Wahrheit zu besitzen. Heute werden nicht nur die kirchlichen Formen, son* 

dem die christlichen Lebensziele von verschiedenen Seiten angegriffen. Es 

scheint, daß das individuelle Ich sich von den Banden der Ideale befreit hat, 

indem es die Relativität aller Ideale hervorhob. Meistens sehen wir aber, daß 

das Ich sich über diese Freiheit nicht lange freut. Kaum hat es sich vom 

Zwang der Ideale befreit, so fühlt es diese Freiheit von anderen Mächten be* 

droht. Das Ich möchte das Es für die eigenen Ziele benützen, aber es ent* 

deckt bald, daß der Trieb sich oft eher zum Tyrannen als zum Sklaven ent* 

wickelt Manche Menschen versuchen eine neue Lösung dieses alten Pro* 

blems, indem sie die begeisterten Sklaven ihrer instinktiven Natur sein wollen. 

Sie suchen sich dann individuell ganz ihren Trieben zu widmen. Ähnliche 

Versuche entstehen auch kollektiv. Man denke zum Beispiel an Reichs 

einseitige Bewertung der Sexualbefriedigung oder an das kollektive Macht* 

streben, das oft mit der Blut*und*Bodentheorie verbunden erscheint. Unter 

dem Einfluß dieses Chaos von Bewertungen entsteht bei manchen Menschen 

eine Ahnung, daß Ideale, vielleicht sogar die religiösen Ideale, noch eine 

andere Funktion haben als die, die Freiheit des Ichs einzuschränken. Können 



Die Objektivität des Analytikers 



523 



sie nicht auch dem Ich helfen, seine eigene individuelle Form zu finden? 
Es scheint mir, daß diese Einsicht in die positive Bedeutung der Ideale auch 
in der Psychoanalyse wieder mehr zu Geltung kommt. Dabei entsteht dann 
die Frage, ob das heißt, daß die Psychoanalyse sich für eigene bestimmte 
Ideale der menschlichen Gesundheit und des menschlichen Glückes ein* 
setzen soll? 

Nach meiner Meinung muß man diese Frage sowohl mit ja als mit nein 
beantworten. Sie muß bejaht werden, insoweit als die Psychoanalyse eine 
bestimmte geistige Haltung vertritt, Schwierigkeiten gegenüberzutreten. 
Freud hat uns das Beispiel einer schonungslosen geistigen Ehrlichkeit ge* 
geben und uns zur Pflicht gemacht, den Selbstbetrug unausgesetzt zu ent* 
larven. Er ist allen billigen Formen des Narzißmus zum Feind geworden. 
Er fordert von uns den Mut, die Wirklichkeit zu sehen. Das sind Ideale, die 
in manchen Situationen gewiß sehr viel bedeuten, vor allem neurotischen 
Reaktionen gegenüber. Das soll aber nicht heißen, daß der Analytiker auch 
andere Ideale propagiert. In anderen moralischen Fragen nehmen die meisten 
Analytiker den Standpunkt Friedrichs des Großen ein, daß jeder 
auf seine eigene Art selig werden soll. In dieser Art der Betrachtung kann 
man wohl eine Verwandtschaft mit dem Protestantismus finden und es 
scheint mir auch verständlich, daß die Psychoanalyse ihre Anhänger am 
meisten in protestantischen Ländern gefunden hat. Das Übersieh hat dort 
wohl regelmäßig eine mehr persönliche Form und es wird dort ohne weiteres 
angenommen, daß die richtige Form durch eine bewußte Auseinandersetzung 
zwischen dem Übersieh und dem Es gefunden werden wird. Von diesem 
Gesichtspunkt aus erscheint es auch selbstverständlich, daß das Übersieh als 
eine persönliche Form des Erfassens der höchsten Ziele in seinen Formu* 
lierungen eine Verbesserung zuläßt. 9 

Die psychoanalytische Behandlung fordert vom Patienten das Äußerste an 
geistiger Ehrlichkeit. Er soll lernen, sowohl die eigenen unbewußten Nei* 
gungen als auch die Ideale nach dem wirklichen Wert zu beurteilen, den 
sie in der Entwicklung seines persönlichen Lebens haben. Das Ich stellt sich 
das Ziel, das eigene Leben zu lenken, indem es die Macht der Triebe und 
dk Ziele der Autorität in ihrer Bedeutung versteht. Die metaphysische Basis 
dieses Gesichtspunktes kann nur im Humanismus gefunden werden. Wenn 
man von einer anderen Basis ausgeht, indem man zum Beispiel das Übersieh 
als den absoluten Vertreter Gottes betrachtet, oder indem man die biologische 
Basis im Es als absolut auffaßt, so kommt dem analytischen Weg zur Heilung 
nur opportunistischer Wert zu. Die Analyse kann dann noch innerhalb be* 
sümmter Grenzen angenommen werden. Auch so kann man sich ja der starren 
Formen des Ichs und des Es bewußt werden, um eine freiere innere Beweglich* 

9) Indirekt hat die Psychoanalyse durch die Forderung der ehrlichen Untersuchung 
auer bestimmenden Faktoren einen großen Einfluß auf moralischem Gebiete ausgeübt. 



524 



J. H. van der Hoop 



kelt zu gewinnen, wenn man diese Freiheit dann nur in der richtigen Weise ge- 
braucht. Die richtige Weise soll nach dieser Auffassung aber von vornherein 
bestimmt sein. In solchem Fall mag man dann Gewißheit darüber fordern, 
daß der Analytiker die religiösen und politischen Überzeugungen des V* 
tienten teilt und dieselbe Sprache der Ideale spricht. 

Es sieht leider danach aus, daß wir hier zuletzt auf den Faktor des Glaubens 
stoßen, wo Vernunftgründe aufhören. Ich werde gewiß nicht leugnen, dalS 
unsere Einstellung dem Leben gegenüber, unsere ganze Lebensanschauung 
in der Frage nach der Objektivität des Über.Ichs eine große Bedeutung 
haben. Die absolute Objektivität scheint in diesem Fall noch weniger mog, 
lieh als bei der bewußten Beurteilung oder bei der unbewußten Konstellation 
Im praktischen Leben brauchen wir darum noch nicht zu verzweifeln. Auch 
hier besteht der Gegensatz zwischen Menschen mit weitem und mit engem 
Geiste. Natürlich müssen die ersten es sich gefallen lassen, daß sie von den 
letzteren als zügellos verurteilt werden. 

Praktisch findet man nach meiner Meinung zwei Formen der Objektivität 
in bezug auf Ideale, eine gute und eine schlechte Form, die beide ihieVew 
treter auch in der Psychoanalyse haben mögen. Die gute Form ist durch 
Ehrfurcht gekennzeichnet. Die Ehrfurcht schließt die Kritik nicht aus, aber 
sie stellt sich vor allem darauf ein, die Absichten eines anderen zu verstehen. 
Verschiedene Ideale bezeichnen, von dieser Geisteshaltung aus gesehen, ver. 
schiedene Arten, dem Leben Form zu geben. Diese Verschiedenheit ibe. 
deutet keine Relativität der Werte. Ideale können einander bekämpfen wie 
die wilden Tiere, aber sie schließen einander nicht aus, ebensowenig wie das 
eine Tier die Existenz des anderen ausschließt. Wir werden die Ideale einer 
uns fremden Religion nie richtig verstehen können, wenn wir von vorn., 
herein diese Lebensformen ablehnen, indem wir ihnen unsere eigenen Formen 
entgegenhalten. Objektivität bedeutet in diesem Fall vor allem Anerkennung 
der Tatsache, daß die subjektive Form des anderen ein gleiches Existenz, 
recht hat wie die unsrige. Es mag sein, daß wir einen anderen Menschen 
überzeugen können, daß etwas mit seinen Idealen nicht in Ordnung ist; wir 
können das aber nur erreichen, indem wir von dem Gesichtspunkt des andern 
und von seinen inneren Konflikten ausgehen. Wenn er keinen Konflikt hat 
und wenn es uns nicht gelingt, einen für ihn zu schaffen, so wird me eine 
wirkliche Änderung entstehen. Der gute Analytiker soll nicht nur die Kon, 
flikte seiner Patienten als seine eigenen annehmen, er muß auch die Ideale 
der Patienten übernehmen, um deren Bedeutung zu verstehen. Wenn er das 
tut, so treten augenblicklich die eigenen persönlichen Ideale in den Hinter, 
grund. Es benützt seine eigene Erfahrung und eventuell seine eigene Lebens. 
Weisheit, um dem Patienten zu helfen, die Probleme nach dessen eigenem 
Gesichtspunkt zu lösen. 



Die Objektivität des Analytikers 



525 



In Gegensatz zu dieser Form der Objektivität steht eine schlechte Form, 
die durch intellektuellen Hochmut gekennzeichnet ist. Die Möglichkeit des 
intellektuellen Vergleichs verschiedener idealer Formen verführt dann zu der 
Auffassung von der Relativität aller Ideale. Von diesem Gesichtspunkt aus 
scheint es dann möglich, über alle Ideale erhaben zu sein. Man kann sie schon 
benützen, so wie man einen Reiseführer in einem fremden Lande braucht, 
aber man fühlt sich ihnen nicht unterworfen. Man sollte sie nicht zu ernst] 
nehmen. Natürlich haben sie — für diese Auffassung — einen großen prak* 
tischen Wert, indem sie Wünsche und Sicherungen der Menschen darstellen, 
und man sollte die anderen nicht verletzen, weil sie uns sonst angreifen wür* 
den. Der weise Mann soll deshalb lernen, in seinen inneren und äußeren- 
Beziehungen mit ihnen auszukommen. Nach dieser Auffassung sollte der 
Analytiker den Patienten lehren, wie man ein solcher weiser Mensch wird. 
Der Analytiker wird in diesem Fall seine eigene opportunistische und intel* 
Iektualistische Einstellung auf den Patienten übertragen, ohne es zu wissen. 
Er ist selbst von der Objektivität seiner Einstellung überzeugt: er kann sich 
nicht irren. Der Konflikt im Patienten wird dadurch verkleinert, daß er auf 
relative Faktoren reduziert wird, mit denen man in geschickter Weise um» 
gehen kann. Wenn der Analytiker behauptet, daß seine eigenen Ideale 
keinen Einfluß auf die Behandlung haben, so hat er so weit Recht 1 , daß er 
diese nicht propagiert, weil er sie ebenfalls als relativ betrachtet. Aber seine 
ganze Grundeinstellung gegenüber den Idealen überhaupt drängt sich unaus* 
gesetzt dem Patienten auf. Ich möchte auch hier hinzufügen, daß ich keines^ 
wegs an dem Ernst und der Ehrlichkeit solcher relativistischer Menschen 
zweifle. Ich würde es bedauern, wenn sie sich durch die Bezeichnung des 
intellektuellen Hochmuts verletzt fühlten, aber diese Bezeichnung scheint 
mir die einzig richtige zu sein. 

Versuchen wir jetzt unsere Betrachtungen über die Objektivität des Ana* 
lytikers zusammenzufassen. Auf dem Gebiete der Psychologie bedeutet Oh* 
jektivität nicht ohne weiteres die Ausschaltung der Subjektivität. Sie be^ 
zeichnet im Gegenteil ein offenes Verständnis für alle möglichen Formen von 
Subjektivität, sowohl für die Verirrungen der Menschheit als für ihre 
höchsten Bestrebungen und auch für die verschiedenen Weisen, auf die das 
Ich diese Einflüsse zur Einheit und Harmonie zu gestalten sucht. Diese er«* 
weiterte Fähigkeit der bewußten Verarbeitung ist Resultat einer inneren Ente 
Wicklung. Uns helfen aber dabei die wissenschaftlichen Theorien, die die 
Erfahrungen anderer in kondensierter Form darstellen. Solche Theorien wer** 
den jetzt immer mehr geschaffen. Die Einflüsse des Es wurden zuerst von 
der Psychoanalyse erfaßt. Die subjektive Struktur des Ichs wird heute immer 
deutlicher. Ich bin der Meinung, daß hier die Typologie Jungs (wie ich 
sie auffasse) eine wertvolle Ergänzung bildet. Am allerwenigsten sind die 
Einflüsse bestimmter Ideale auf das Seelenleben studiert worden. Ansätze 



526 



J. H. van der Hoop: Die Objektivität des Analytikers 



dazu findet man in der Entwicklungspsychologie, in der Betrachtung der Be* 
deutung verschiedener Ideale für die verschiedenen Lebensphasen und auch 
in der Religionspsychologie, die die Beziehung zwischen Ideal und Lebens* 
form erforscht. 10 Es mag uns eine unendliche Aufgabe scheinen, auf diesem 
Gebiet ein objektives psychologisches Verständnis zu erzielen. Wenige wer* 
den die Freiheit von Vorurteilen und die Fähigkeit, sich mit Ehrfurcht in 
andere Lebensformen einzuleben, besitzen. Das heutige Chaos auf dem Ge* 
biete der Werte macht hier aber ein tiefes Verständnis zur Notwendigkeit 
und die Psychologie könnte hier zu einer Lösung mit beitragen. Wenn wir 
von der Möglichkeit der Mitarbeit an dieser erhabenen Aufgabe absehen, 
so bleibt uns die andere Aufgabe, daß wir in der Behandlung unserer Pa* 
tienten immer besser sowohl die Weisheit als auch die Verirrungen der ver> 
schiedenen Ideale verstehen lernen. 






10) Vom psychoanalytischen Gesichtspunkt aus wäre es zum Beispiel interessant zu 
untersuchen, inwiefern verschiedene Ideale verschiedenen Formen der psychischen U©» 
sundheit entsprechen. 



' 



Über einige unbewußte Komponenten 
beim Mord 1 

Von 

Philip R. Lehrman 

New York 

Unter dem Einfluß der modernen Psychiatrie gibt sich die Kriminologie 
mit dem Grundsatz der „verminderten Zurechnungsfähigkeit", wie er aus 
dem Fall Mc Naughton (1) entwickelt wurde, nicht mehr zufrieden. Sie 
hat durch die Psychoanalyse Kenntnis vom Unbewußten als dem funda- 
mentalen ursächlichen Faktor in allem menschlichen Verhalten bekommen 
und dadurch wurde das Ziel ihrer Vorkämpfer verändert, die eine einzige 
Erklärung für das außerordentlich komplizierte Problem des Verbrechers 
gesucht hatten. Sie hat auf die Praxis des Gerichtsverfahrens, in dem 
Lombrosos (2) Theorie vom Verbrecher als einer anthropologischen 
Rückschlagsbildung vorherrschend war, Einfluß genommen und in Tardes 
(3) Lehre, daß die Kriminalität vornehmlich dem Nachahmungstrieb zu ver* 
danken sei, den ersten Ansatz zu einer psychologischen Formulierung ge* 
sehen. Aber erst als Freud (4) aufzeigte, daß alle Handlungen, die man 
früher dem Zufall zugeschrieben hatte, ganz im Gegenteil streng determiniert 
sind, und mit seiner „Psychopathologie des Alltagslebens" das Bereich des 
„freien Willens" begrenzt hatte, verband die Kriminologie ihre Interessen 
mit denen der medizinischen Psychologie; sie scheint aus dieser Verbindung 
Gewinn zu ziehen. 2 

Man kann nicht behaupten, daß der Psychoanalyse ein großer Zuwachs 
an Erkenntnis aus ihrer Anwendung auf das Gebiet der Kriminologie er- 
wuchs. Tatsache ist, daß dem Psychoanalytiker wenig Gelegenheit geboten 
ist, sich mit Verbrechern zu befassen. Seinen engsten Kontakt mit asozialem 
oder antisozialem Material bilden die Phantasien von Menschen, die in ihrem 
äußeren Verhalten auffallend gehemmt sind. Selbst die Phantasien sind bei 
£wangsneurosen zu Phobien, Versuchungen und Zweifeln in belanglosen 
fragen entstellt und Hemmungen werden in der Form von Zwangszeremo- 
mellen als Abwehrdämme gegen antisoziale Handlungen errichtet. 

Die Anregung, daß die verbrecherische Handlung ein Symptom sei, kam 
interessanter Weise aus der Soziologie, als Garofalo (7), Ferri (8) und 
Bong er (9) die Au ffassung formulierten, der Verbrecher sei ein „Opfer 

Mai^Ä x sehaIten auf dem XIV - Internationalen Psychoanalytischen Kongreß in 
Acadtm '.wT' 1936) und ' m der Section of Neurology and Psychiatry, New York 
Ne,,l my °* ^ edlCme (13. Oktober 1936). Aus dem Englischen übersetzt von Lilly 
" eurath, Wien. 

Wmf e efcefl G1UeCk ^ und A " A - BriU C 6 ) haben frühzeitig Beiträge zu diesem 



1 



528 Z ' ■ 

Ar Verhältnisse". Diese Ansicht wird in Plädoyers um Milde S™ ver. 
Ittnd S auch die Gesellschaftswissenschaft günstig beeinflußt Falle 
Z wSÜ Ä tJul» und zufällig in psychoanalytische Beobachtung 
Wen haben tiefliegende Wurzeln auch beim alltäglichsten Verbrechen auf. 
iÄHbK Befund lautet, daß psychotisch motivierte Morde 
aStiv partiSrn Selbstmorden entsprechen, „da sie den verpönten ve* 
büßten Teü des eigenen Trieblebens in einem Anderen entdecken und toten . 
AUxalder und Staub (10) haben anläßlich ihrer nochmahgen Unter, 
fuchung delFalles Lefebvre, den Marie Bonaparte (11) bearbeitet hj 
dlsen Mechanismus, den sie auch schon in einem xhrer exgenen Falle b<* 

^o^LvÄ^^ 

Ausgang eines psychischen Ablaufs ist. Sie zeigt in .hier Struktur die Merk. 

SrouschL Wn*ildun g . Hier ritt auch £**£—*£ _l 
mischong auf, Ubidinöse ] B~£~g~-£ _^___£_. 1 
SÄÄ^tÄÄ* Z * As^kte der Trauer 



I 



:■ 



En gl zufällige Benbachtungen führten mich zun, Schluß, daß die sfc» 
uhMnc Mordhandlung ein Vorstadium zum Verschlingen des Opfers bildet 
DtTTentoz bleib, in der Realität unausgeführt, wird jedoch unbewußt 
voUzLen, wie es de, trauerähmiche Zustand des Täters beweist. Es besteh 
dIuSo,ale Versagung bei erhöhten oralen Ansprüchen, das Opfer scheint 
du MÜZ undifferenzierten Gegenrtand de, oralen M^ 
stellen Dieses besondere Element scheint den, psych oüschen Mord dK 
_Sh eines Selbstmordes zu verleihen, da in der frühesten Eta der Ich. 
Obiekt-Beziehung das Opfer auch der Repräsentant des Taters .st 

Die reisend. Krankeugeschlchtc handelt «££___,« iX^nÄ 

~^[^~r^Tvon Isra B r o a d w i n (12) bestätigter ^ ££%£ «_S 
bei einem vierzehnjährigen Mörder als „einen aggressiven Akt als Abwenr § g ^ 

mord" beschrieb. G. Zilbo-org (13 hat ihn in seinem Jen Jt ^ ««-« ^ 

nach seiner Rekonstruktion sich ak „ein plötzlicher lebhafter Au brucn v 
tendenzen wie auch als psychotisch phantasierter Selbstmord erwies, noen 



T 



Über einige unbewußte Komponenten b eim Mord 529 

sich selbst dem Sheriff und zeigte bei seiner Einvernahme keinerlei Widerstand 
Seine Tat erklärte er folgendermaßen: Keinerlei Widerstand. 

Der erwähnte ehemalige Freund begann vor zwei Tahren il,„ ,,. u l- 

Der Täter behauptete, daß ein MädcLn, mit dT i bS^J^"^ 
Iegenheit geriet (schwanger wurde) und daß dieser Freund daran schuld war 
und steh auf seine, des Täters Kosten aus der Affäre zog. Eines Abends als er 
mit dem Vater des Madchens Dame spielte, während sie mutmaßlich im oberen 
Stockwerk schlief, horte er ein Klopfen am Fenster. Als er den Vater f™T™ 
das wäre sagte ihm der es wäre nur der Lärm eines vom Winde zugeschlagen^ 
Fensterladens. Er zog aber den Schluß, daß es eben dieser Freund war, der dTm 
Madchen ein Zeichen gab, sie sollte mit ihm zur Scheune gehen, um dort m» 
ihm sexuell zu verkehren. Er glaubte, daß der Freund dieses Stelldichein absich" 
lieh auf eine Zeit verlegte wo er selbst dort sein würde und dann für die daraus 
entstellende Schwangerschaft verantwortlich gemacht werden könnte Er be- 
hauptete, zu wissen, daß sie schwanger war, denn er „studierte die Natur" und 
„konnte es aus dem Blick ihrer Augen erkennen. Sie änderten sich täglich und 
glitzerten als wäre etwas tot". Er kannte den Lebenswandel seines Freundes 
weil sie schon seit etwa fünf Jahren intim miteinander waren. Sein Freund hatte 

n- l Tl/ 6 !Tau "? d erzäW l e ihm Viele intime Angelegenheiten, wie kleine 
Diebstahle und Abenteuer mit Frauen. Nach und nach wurde der spätere Mörder 
immer feindseliger gegen seinen Freund, da sich in ihm der Gedanke festsetzte, 
er wurde wegen der Handlungen seines Freundes beschuldigt werden. 

^M^ 6 dCS verg f n S ene T n Sommers entstand eine neue Situation. Er wurde 
der Mutter eines anderen Jugendfreundes gegenüber sehr hilfsbereit und fuhr 
ie diensteifrig zur Stadt, wenn sie den Markt besuchen wollte. Bei diesen Ge, 
K ■ ,1 u Scbw f ter dieses Freundes, ein zwölf einhalb jähriges 

KSK T U l w ^ rend d^ Mutter beschäftigt war, unterhielt er sich mit 
füHe^rl "k aIltaglicbe Di ^- Er leugnete, irgendwelche sinnliche Ge, 
iuhle ihr gegenüber empfunden zu haben. In diesem Zusammenhang kam heraus 

matie") "Sf ^ f ***%?** 'T^' daß sie aber ihn liebten SS 
wLwt SVT i d f n M f dchenS , g3b iW Mißb *W dieser 
SvIÄt T r i U - d Anspielungen Ausdruck. Zu der Zeit faßte er 
anrwItlfrH' • f Ä f" schwan S er und sein früherer Freund dafür ver, 
reTnmaL H?,? Scbhjßfol f run ^ • war auf folgendem Vorfall aufgebaut: Als 
7inT ™ Hause des Kindes saß, „atmete plötzlich die Mutter schwer - im 
BabV 1 F^l ■ Z T Z^l V Säu § Iin g sst "be - komischer Geruch - so nach 
zur lelbS Xiw ".% Ma S e A an Und W ^ ßte ' daß Sie langer ist. Ungefähr 
bei S™ ? Clt + stand das Madc j ien tatsäc hlich in ärztlicher Behandlung; sie war 

«iSTJd** T7 eSen " nd , dieSer g3b an ' daß sie we ^ niedrigen Grund. 
vSf endokriner Funktionsstörungen im Zusammenhang mit Pubertäts* 

Eh berA^t^ 11 ^ 111 ^-^- Pat f ° Igerte ' daß der Zweck ihrer 
CteStiS Herbeiführung eines Abortus war und daß man ihn 

Sechen OT -? Z £ r Ver f ntw ortung ziehen werde. Am Tage vor dem Ver, 

SSSSf ? ^r^ ^ ^ ad< ? enS V ° rbei Und ihr Bruder verb °* Sm das 
etreten des Grundstucks. Pat. fürchtete, zu Tode geprügelt zu werden. 

IW' SeTn^lw 110 giQg I T inS JT Und sah » The Trail of Ae Lonesome 
•chrecküT^ Tifi- "j-" 1 dieser , Nacht unruhig, er dachte unausgesetzt an die 
* sich mit ?„ Iage '„ dl " lhm g ebührte n. Um seine Unruhe zu mildern, stopfte 
*ui ?m$M?T Y f;-¥ Stand 2eitlich mor S ens auf > nahm ein Gewehr mit auf 
'« z^TfJ Und fuhrte seine in der Nacht gefaßte Absicht, den früheren 

• ««sehr, f. Psychoanalyse, XXIII/4 



530 



Philip R. Lehrman 



Freund zu töten, aus. Nachdem er sein Opfer erschossen hatte, dachte er daran, 
eS anderen Mann zu suchen, der einen Konflikt mit seinen Eltern hatte; als 
aber sZ Wagen im Schlamm stecken geblieben war, warf er sein Gewehr m 
eten Bach in der Nähe. Die eben erwähnte Angelegenheit, die seine Eltern be* 
trifft, berichtete er nur ganz nebenbei. Er verweigerte weitere Angaben .dar. 
über und wurde unruhig, wenn man ihn zum Sprechen drängte Schließich 
murmelte er, „ich wollte M. P. töten, weil er Mutter etwas Schreckliches angetan 
hat Vater konnte weder essen noch schlafen - wir mußten ihn im Bett halten 
- er hätte ihn umgebracht - er war den ganzen Sommer lang rasend und das 
machte die ganze Familie krank. Er hatte seine Kühe sehr gern, aber manchesmal 
wejerte er sk sie zu versorgen, wegen M. P. Ich konnte so nicht wei er leben 
-für etwas, was ichnicht getanhabe, beschuldigt zu werden. 

Der Vater des Häftlings erzählte bereitwillig von den Schwierigkeiten die er 
fünf Jahre lang mit einem seiner Pächter hatte. Während dieses Sommers begann 
der Vater, die „schmutzigen Reden", die der Pächter gewöhnlich führte, un* 
angenehm zu empfinden; er fürchtete sich besonders davor, daß seine Frau die 
Soten" hören und daß sie verführt werden könnte. Eines Tates vertraute « 
diese Angst seinem Sohn an; der wurde, als er davon horte, „blaß grün, krank 
und gmg hinaus in die Einfahrt und erbrach sich". Unter dem Vorwand daß 
sS dfn Pachtzins nicht termingerecht erhalten hatten kundigten sie schließlich 
dem Pächter. Die krankhafte Eifersucht verursachte beim Vater einen Zustand, 
der\n bettlägerig machte und mit Verdauungsstörungen Kopfschmerz, Schlaf, 
fosigkeit und Mufkelkrämpfen in den Armen einhergi ^e, Mutter sagte :man 
nichts über die Ursachen seiner Erkrankung oder den Grund ^ , Kündigung 
aber Vater und Sohn waren gleicherweise durch diesen Vorfall se hr < erregt da 
der Vater immer wieder, um sich zu entlasten, seinem Sohn von seiner Angst 
erzählte, die Mutter könnte durch den Pächter verführt werden. 

Aus der psychosexuellen Vorgeschichte des Häftlings führen wir an daß er 
mit fünfzehn Jahren zu masturbieren begann und dabei Phantasien hatte an 
Sner Frauenbrust zu saugen; dies führte bald zu Konflikten, die ihn an Selbst, 
mord denken ließen. Danach hatte er nächtliche Pollutionen wenn er von 
Sner Frau die er niemals gekannt hatte," träumte. Er setzte die Masturbation 
nS der gleichen Phantasie trotz seines Konfliktes bis vor drei Jahren Jort; ^dann 
hörte er vollständig auf, litt aber seitdem unter viel häufigeren ™*^J™£ 
tionen. Mit einundzwanzig Jahren interessierte er sich für ein Madchen ^aus _der 
Nachbarschaft, machte sich aber nicht die Mühe um sie zu werben^ Er fühlte, 
daß sie ihn liebte (Erotomanie). Wiewohl er weder mit diesem noch mit einem 
anderen Mädchen je Sexualverkehr hatte, glaubte er, daß sie schwanger wurde, 
und befürchtete, daß man ihn dafür verantwortlich machen wurde. Er ging dann, 
ohne etwas zu sagen, von zu Hause fort, nahm einiges Geld seiner Mutter mit 
und veS es im Spiel. Sechs Monate lang arbeitete er auf Nachbarfarmen und 
kehrte schließlich nach Hause zurück. Mit achtundzwanzig Jahren gab es eine 
Steigerung der" AsSU plötzliches Aufgeben der Masturbation, aber die nacht. 
Uchfn Pollutionen im Zusammenhang mit oralerotischen Traumen von einer 
Frau, die er „nie gekannt", dauerten an Zur gleichen Zeit wurde er immer 
feindseliger gegen sein späteres Opfer und gegen seinen jüngeren Bruder. 

Die psychiatrische Krankengeschichte ist unschwer zu verstehen und über 
ihre forensisch^psychiatrische Bedeutung besteht kein Zweifel. Es handelt 
sich um eine recht typische Entwicklung eines Falles von paranoider Schizo* 



Über einige unbewußte Komponenten beim Mord 



531 



phrenie Mit fünfzehn Jahren litt er an Depressionen, hatte Onaniekonflikte 
und Selbstmordimpulse. Mit einundzwanzig Jahren bildete er sich ein ein 
Mädchen liebe ihn (Erotomanie), und hatte trotz Fehlens jeglicher körper* 
liehen Berührung die Vorstellung, daß sie schwanger und er dafür verant* 
wortlich gemacht würde. Zu dieser Zeit stahl er seiner Mutter Geld verließ 
das Heim und verlor das Geld im Spiel. Dann entwickelte er Geruchshallu* 
zinationen über Schwangerschaft, Verfolgungsideen und Angst vor Strafe für 
sexuelle Handlungen eines ehemaligen Freundes. Das Charakteristische an 
den sexuellen Rendezvous sah er in ihrer absichtlichen Vereinbarung für eine 
Zeit, zu der er selbst im Hause des Mädchens mit einem unschuldigen Zeit» 
vertreib beschäftigt war, etwa mit ihrem Vater Dame spielte. 

Unser psychoanalytisches Wissen gestattet uns, einige Aufklärungen über 
die „unbekannte Frau" seiner Träume anzufügen. Sie repräsentiert jemanden, 
den der Träumer nur zu gut kennt, dessen Bild aber tief verdrängt ist, weil' 
es seine Mutter darstellt. Das Vorhandensein dieser unbewußten sinnlichen 
Bindung wird durch das eigenartige Verhalten des Patienten mit einund» 
zwanzig Jahren angezeigt. Sie nahm die Formen des Diebstahls, der Flucht 
und des Verlierens von Besitztümern der Mutter beim Spiel an. Der Mutter 
etwas stehlen, scheint ein symbolischer Ersatz für erotische und aggressive 
auf sie gerichtete Regungen zu sein; sie ist ein Objekt des Hasses und der 
Enttäuschung geworden, weil sie einen kleinen Nebenbuhler geboren hatte. 
Seine Feindseligkeit gegen den jüngsten Bruder zeigte sich darin, daß er 
wegen geringfügiger Streitigkeiten sich drei Jahrelang weigerte, mit 
ihm zu sprechen. Außer den oralen Elementen der Stummheit 'gegen 
Bruder und Opfer liegt anderes infantiles Material auch seiner Wahnvor* 
Stellung von der Schwangerschaft und den besonderen Umständen ihres Auf* 
tretens zugrunde. Jedes Mädchen, das zum Objekt dieses Wahnes wird, be* 
deutet die Mutter, die mit seinem Rivalen schwanger ist — und ist eine 
Quelle der Angst, gegen die er unbewußte Abwehrmechanismen der Ver* 
leugnung und Verschiebung aufbieten muß (nicht die Mutter ist schwanger, 
sondern ein junges Mädchen). Im Wege unbewußter Verarbeitung wird aus 
dem früheren Freund eine Mischfigur - eine Verdichtung aus dem Bruder* 
nvalen, dem einen Elternteil und ihm selbst. Nun tritt seine sexuelle 
Passivität, die sich von der Urszene herleitet, in Erscheinung: in seinem 
Wahn, daß sein Freund in seiner Hörweite koitiere. Früher war er der 
Empfangende bei den Erzählungen des Freundes von dessen sexuellen 
Abenteuern, in der letzten Zeit war er der Vertraute seines Vaters, als dieser 
die Verführung der Mutter befürchtete. Diese Episode akuter Eifersucht des 
Vaters war für ihn von außerordentlicher Bedeutung. Er fühlte sich unbe* 
wüßt angeklagt, wenn sein Vater ihm von der Begierde des Pächters nach 

Iaer Mutter erzählte. Es war, als würde mit dem Finger auf ihn gewiesen. In 
seinen Einfällen gebrauchte er beim Erzählen dieser Episode einen Satz, der 







das >«-*-.*-. — ^ SÄ£ £ »t 

Vater» gegen den Pächter aufdeckt; er sagte. •£J. W ° und scUoB: „Ich 
SS Ä SÄSÄ* was ich - J 

-SÄL Bericht hören wir eine J--^«Ääj 
den er dann in de, ^^Ä «^ Selbst 
sich demnach um einen Fall, wo durch rro ^ ^ ^ 

absieht ein Mord wurde. Der Haf thn " a ^ sonalisationserS cheinungen 
Gefühl der Erstarrung, d. h. er entwickelte Depersonans 
_ das Gefühl von Erstarrung stellt ^fj^d^echten Cornea 
Die organische Untersuchung ergab eine Anaesthesin der 

und des Pharynx. r.;*r««ifinTi die sich zuerst in 

Zwar hatte der Mann eine f^f^^Ze doch waren die 
Erotomanie und dann in Verfolgungsideen man f«£**Lt&m Cha* 
entscheidenden letzten Determinanten ^J^^ geringe Rolle, 
rakter und spielten als plötzlicher Anstoß zum JJ ^^J ^ of ^ 
In der Nacht vor dem Verbrechen ^^^^ d ie vor vielen 
Lonesome Pine". Dieser Film ist die Ge chichte ner *eh ^ ^ 

Generationen begann; jede neue Generation ist g^en den 

von Haß erfüllt, obwohl die «^B^g mi f fortwar. 
Der Haß verzehrt die Kra. £M« Je^eg» ^ ^ 

rendem Hader ausfüllen. Im letzten loia grausigen Szene, in 

Held des Films, ein Junger Mann -ch ~^di ««ffid« Clan, 

der ein Kind getötet wird mit dem ^ema p 

Frieden; er wird aber im nächsten ; Augenblick vor ^^ für seine 

Hngs niedergeschossen, dieser ^ n ,^^^^ 

verräterische Tat getötet. ««^^Tr^Stodidi Konflikt als Riva, 

in schauerlicher Weise dramatisiert und ^^^j, Rivalität um 

lität von Blutsverwandten aufgedeckt - in dieser uesenic 

die Liebe des Vaters. ■• „«„u* „,,„ eine genauere Erfor« 

Unsere Kenntnis des Unbewußten e™°ghcht un einige *a J 

schung der psychotischen Verfassung m ^^«Jh eine R* 
auch der klinische ^^^^^SZ^ kulminierte, 
konstruktion des P 8 ^ 1 ^^^^^ aus der Anamnese sicherg* 
versuchen. Wir beginnen mit den bekannten, aus ; der 
stellten klinischen Tatsachen. Wir haben gehört da ß im Sommer 
Morl der Vater des Patienten an akutem Eto-htswahn htt und dem 

seine Angst anvertraute daß da *^^^£^t«^ *■ 
und der beste Freund des Vaters war die Mutter ™™ { w 

Sohn reagierte darauf prompt mit Übe k ** ?^ ™^^ bez eichnei 
daß er die Aufregung des Vaters teilte. Die Schulpsychiatrie 



Lk 



Über einige unbewußte Komponenten beim Mord 



533 



einen derartigen Sachverhalt als folie ä deux und macht eventuell den Vef* 
such, eine psychologische Erklärung dieses Phänomens durch Suggestion zu 
geben. Das laßt uns aber noch vollständig im Dunkeln über das konkrete 
Symptom des Erbrechens, das der Sohn aufwies, das aber in der Symptom 
matologie des Vaters fehlte. Wir müssen uns um die Erklärung dieses ein* 
drucksvollen Symptoms anscheinend wo anders umschauen und finden sie 
in unserer Kenntnis der frühesten Periode der Kind*Mutter*Beziehung In 
dieser sehr frühen Beziehung ist der Säugling in oraler Abhängigkeit von der 
Mutter und jede Störung dieser Beziehung manifestiert sich als Eß^Störung 
als Verweigerung der Brust oder Erbrechen. Ein Traum, den der Patient im 
Gefängnis hatte, bezog sich auf ein ganzes gebratenes Rind, das er im Auf* 
trag seines Vaters zuzubereiten hatte; für diesen Zweck sollte ihre Lieblings* 
kuh verwendet werden. Wenn wir uns in diesem Zusammenhang an die 
Gefräßigkeit in der Nacht vor dem Mord erinnern, können wir die kanniba* 
lischen Elemente des Traums, die sich gegen die Mutter richten, feststellen. 
Wir wollen bei diesem Ergebnis aber nicht zu lange verweilen und es nur 
festhalten, um die Kausalreihe im Verhalten des Patienten zu erkennen. Wir 
folgern, daß er die Befürchtung des Vaters, die Mutter an einen Rivalen zu 
verlieren, teilte; das Symptom des Erbrechens war eine Manifestation dieses 
Verlustes und stellte den körperlichen Ausdruck einer beginnenden Depres* 
sion vor. Wir haben Beweise dafür, daß er früher einmal auf eine ähnliche 
Situation mit Depression und Selbstmordimpulsen reagierte, nämlich mit 
fünfzehn Jahren, ein paar Jahre nach der Geburt des jüngsten Bruders; später 
hatte er sich unter einem belanglosen Vorwand konsequent geweigert, mit 
ihm zu sprechen. Jetzt können wir auch sein Benehmen in diesem Sommer 
verstehen, daß er jene Freundschaft mit der Mutter einer Ersatzfamilie 
pflegte und diese Mutter so gefällig zum Markt in die Stadt fuhr. Der 
drohende Verlust seiner eigenen Mutter an einen Rivalen (der des Vaters 
ist gleichgesetzt seinem eigenen) veranlaßte ihn, seine Aufmerksamkeiten 
einer Ersatzmutter zuzuwenden, ihre kleine Tochter in seine Obhut zu 
nehmen und für sie zu sorgen, während ihre Mutter in der Stadt zu tun hatte. 
Es ist deutlich, daß er den Kummer und die Sorge, die ihm seine Familie 
pachte, zu mildern suchte, indem er sich einen neuen Familienkreis schuf. 
Jiese neue Situation aber war zum Mißlingen verurteilt, denn die sinnlichen 
Mrebungen mußten zum Vorschein kommen und er konnte sie, da seine 
Psychosexuelle Entwicklung gestört war, nicht entsprechend unterbringen. 
Ablese sinnlichen Elemente waren ganz gewiß vorhanden, aber er nahm sie 
als nicht zu ihm, sondern zu seiner projizierten Persönlichkeit gehörig wahr, 
a«m Hauptsexualverbrecher seiner Wahnidee. Personen, deren zärtliche und 
sinnliche Strebungen in so hohem Grade wie bei ihm gestört sind, müssen 
* einer Umkehrung ihrer Ödipussituation gelangen. Solche Männer weisen 
"ie passive Bindung an den Vater oder dessen Ersatzpersonen auf und ve» 



534 



Philip R. Lehrman 



•a „ ^Whzeitie die Mutter^Imago durch Eingehen übidinöser Be* 
S£U » uSLtaut oder ganz jungen Mädchen. Diese Objektwahl 
geht letzten Endes auf eine sehr frühe narzißtische Stufe zurück und ist nur 
dem Anschein nach eine reife Objektbeziehung. 

Die im Herbst eingetretene Geschlechtsreife des jungen Mädchens war 
für den Patienten ein verderbliches Ereignis. In seiner dauernd«» Freund, 
schaft für ihre Familie erblickte diese ein Interesse für das Madchen - er kam 
aber selbst der Wahrheit näher, als er betonte, daß er an ihr uninteressiert 
war. Erotomanie, der Wahn, geliebt zu werden, war - ausgehend von seinen 
ödipalen Konflikten - sein einziges Bedürfnis. Der Bruder des jungen 
Mädchens vereitelte die Verbindung des Patienten mit semer neu gefundenen 
Familie und damit noch einmal sein Bemühen um Beschwi ^gung jmer 
Angst, seine Versuche, mit der feindlichen Familie Frieden zu schließen, 
£L auf scharfe Zurückweisung und so wurden ^bstmordabsichten ta 
ihm wachgerufen. Der Kinobesuch zeigte ihm einen Ausweg. Er tötete sich 
selbst, indem er seinen früheren besten Freund ermordete, der nicht nur als 
RepSseniant seiner Schuld für ihn selbst steht, sondern auch der Neben, 
buhler in der Familie und die Ursache seiner Angst war (die parallele Fem * 
schaft gegen den jüngsten Bruder und gegen sein Opfer zeigt das). Es ist 
SfzK daß da^englische Gesetz die verbrecherische Tötung eines 
Menschen (criminal homicide) als Mord (murder) Totschlag (manslaughter) 
und Selbstmord (felo de se) beschreibt, denn Mord kann ebenso eine Selbst* 
mordabsicht enthalten, wie Selbstmord ein Mord ist. 

Wenn diese Untersuchung eine Schlußfolgerung erlaubt, so mag es die 
sein: die Kette der äußeren Geschehnisse, die anscheinend eine so unheJ, 
volle Rolle als Antrieb zum Mord spielten, war in Wirklichkeit eine Reihe 
vergeblicher Lösungsversuche des Häftlings für die Schwierigkeiten die er 
zeit seines Lebens hatte und die von unbewußten Faktoren bestimmt waren. 



4. 
5. 
6. 
7. 
8. 
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Bibliographie: 

Weihofen, Henry: Insanity As A Defense In Criminal Law. The Commonwealth 

Fund, New York, 1933. (Enthält den Fall McNaughton). 

Lombroso: L'üomo Delinquente („The Criminal") 1876. Zitiert b«: Wyndh.«. 

H • Criminology, 1929, und Healy, W.: The Individual Delinquent 1915. 
Ta^rdeGabriel Zitiert bei: Birnbaum, K.: Die psychopathischen Verbrecher. 
ml G*orTng,I> Charles: The Enghsh Convict. 1913; Parmele, M, Cnm, 

F°reTd, Sigm.: Zur Psychopathologie des Alltagslebens. Ges. Sehr., Bd. IV. 

Glueck, Bernard: Studies in Forensic Psychiatry. 

Brill A. A.: Psychological Mechanisms of Paranoia; Psychopathology of Cnme. 

Garofalo, Raffaele. Zitiert bei Birnbaum, Goring und Parmele. 

F e r r i, Enrico. Zitiert bei Birnbaum, Goring und Parmele. 

Bonger, William A. Zitiert bei Birnbaum, Goring und Parmele. 



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Alexander, F. und Staub, H.: Der Verbrecher und seine Richter Wien 1929 

Bonaparte, Marie. Der Fall Lefebvre. Int. F S a. Verlag, wLn 1929 

B r o a d w i n, Isra: ein unveröffentlichter Fall. 

Zilboorg, G: Some Sidelights on the Psychology of Murder. Report of Society 

Proceedings, Journal of Nervous and Mental Disease, AprÜ 1935, Seite 442. 



Zur Psychoanalyse der Benzhedrinwirkung 1 

Von 

Paul Schilder 

New York 

Benzhedrin ist ein sympathioo^mimetisches Präparat, das chemisch mit 
Ephedrin und Epinephrin verwandt ist. Prinzmetal und Bloomberg 
haben Benzhedrinsulphat für die Behandlung von Narkolepsie verwendet. 
Nicht nur die Schlafanfälle, sondern auch die kataplektischen Attacken wur, 
den günstig beeinflußt. Nach dem Berichte der Firma, welche das Präparat 
herstellt (French, Kline und Smith), der sich auf die Berichte von M y e r s o n 
Prinzmetal und Solomon vor der Boston Society for Neurology and 
Psychiatry, März 1936, stützt, hat Benzhedrin in kleinen Dosen einen gun* 
stigen Einfluß auf die Stimmung. Dieses Resultat ist nicht von einer Trübung 
des Bewußtseins und einer Charakterveränderung begleitet. Müdigkeit ver, 
schwindet. Nach Zeitungsberichten hat Myerson Benzhedrin mit gutem 
Erfolg in Depressionszuständen verwendet. v - a a 

Beobachtungen in unserem Spital bestätigen den überraschenden Einfluß 

auf narkoleptische Schlafzustände und auf die Kataplexie. Es schien 

wünschenswert, den Versuch zu machen, zu einer tieferen Einsicht in die 

psychologische Wirkungsweise des Benzhedrins zu gelangen und es bei 

Patienten anzuwenden, die in Analyse stehen. Arzneimittel mit psych* 

schein Effekt ändern bekanntlich die libidinöse Struktur in tiefgehender 

Weise. Pharmakopsychoanalyse versucht, die Veränderungen festzustellen, 

welche in der Libido, und Ich*Struktur unter dem Einfluß von Giften statt* 

finden. (Vgl. meine „Psychiatrie auf psychoanalytischer Grundlage und 

meine Arbeit über „die Psychotherapie der Psychosen.") Wichtiges Material 

findet sich in den Arbeiten von Lindemann und Malamud Derartige 

Studien haben nicht nur Interesse an der psychologischen Beschreibung, son* 

dem versuchen, über die Oberflächenphänomene hinaus in die dynamischen 

Verhältnisse psychoanalytisch einzudringen. Obgleich ich ein weitaus 

größeres Material zur Verfügung habe, berichte ich hier lediglich über zwei 

analysierte Fälle, bei denen Benzhedrin benützt wurde. 

Fall 1 ist ein 37 Jahre alter Soziologe, der ungefähr 16 Monate von einem 
anderen Analytiker analysiert worden war und der nunmehr bei mir im siebente« 
Monate der Analyse steht. Im Vordergrunde des Bildes stehen Angstzustande 
wenn er allein ist. Außerdem leidet er an Depressionszuständen, in welchen er 
sich gehemmt fühlt und unfähig ist zu arbeiten. Während einer solchen Periode 
nahm er zwei Tabletten ä 10 mgr um 10 Uhr morgens. Die an alytische Stunde 
ist am Spätnachmittag. Er hatte mit großer Energie gearbeitet. Er schrieb em en, 

i) Aus der Psychiatrischen Abteilung des Bellevuespitals, New York, und der Medizin 
nischen Fakultät der Universität New York. 



Zur Psychoanalyse der Benzhedrinwirkung 537 

langen Aufsatz und ist nun in gehobener Stimmung; Ideen kommen rasch. Er 
fühlte, daß diese Ideen besser waren als sonst. Er hatte den Einfall, eine Arbeit 
über die Geschichte der Zeremonien zu schreiben. Er ist tolerant und freundlich 
Er gab dem Liftjungen einen Dollar. Er sprach mit dem Stubenmädchen und 
fühlte sich zu ihr hingezogen. Sogar seine Schwester war in diese allgemeine 
Atmosphäre von Freundlichkeit einbezogen. Sexuelle Regungen beunruhigten 
ihn nicht. „Ich hatte diese Stimmungen früher auch gehabt, ich änderte meine 
ganze seelische Haltung." Wenn er arbeitet — so berichtet er auch den nächsten 
Tag — , hat er das Bewußtsein, mit Erfolg zu arbeiten. Während sonst seine 
Sexualität sich stark bemerklich macht, ist sie jetzt überhaupt nicht in Erschein 
nung getreten. Er hat das Gefühl großer Energie und Stärke. Er hatte Schwierig* 
keiten einzuschlafen, aber die Schlaflosigkeit war gar nicht unangenehm. Er 
fühlte sich „wie aufgezogen und gespannt". Am folgenden Tag ist er mehr ver* 
stimmt, apathisch, ohne Energie. Es ist ein richtiger Katzenjammer. Der Patient 
hatte ähnliche Zustände, aber milderen Grades, nach reichlichem Trinken und 
nach Sodiumamytal, das er gelegentlich als Schlafmittel benützt. Benzhedrin gibt 
ihm anscheinend in einer ähnlichen Weise wie Alkohol die Sicherheit, daß er 
geliebt wird und lieben kann. Es ist eine diffuse Objektbeziehung mit Aus* 
Schluß genitaler Strebungen. Analytisches Material zeigt, daß er die Liebe der 
Mutter und des Vaters wiedergewinnt, die er in der Kindheit vermißt hatte. Er 
war vorwiegend von einer tyrannischen älteren Schwester auferzogen worden, 
die, wie das analytische Material ergab, für ihn einen weiblichen Raufbold mit 
Penis darstellte. Die Eltern waren zwar gütig, zeigten aber ihre Zuneigung nicht, 
und er fühlt sich der Zärtlichkeiten beraubt, die er im Leben von einer ver* 
einigten Vater* und Mutterimago, die mit einem Penis ausgestattet ist, erwartet. 
Es ist bemerkenswert, daß er vor dem Benzhedrinversuch einmal in einen ähn*> 
liehen Zustand geriet, nach einem Traum, in dem ihm ein kosmischer Strahl die 
Versicherung gab, daß er geliebt werde und sicher sei. Im Alltagsleben ist er eine 
sehr liebenswürdige Persönlichkeit, er möchte gerne von allen geliebt werden. 
Er fürchtet direkte Sexualbefriedigung, die die Liebe der anderen zu ihm beein* 
trächtigen könnte. 

Benzhedrin gibt ihm Befriedigung auf einer Stufe, die nicht völlig genital 
ist, auf der eine diffuse Objektbeziehung besteht, die nicht nach dem Ge* 
schlecht differenziert ist. Wie auch sonst festgestellt, unterdrückte Benz«« 
hedrin auch in diesem Patienten den Appetit. Das Resultat der Benzhedrin»! 
Wirkung ist anscheinend nicht nur von dem Arzneimittel, sondern auch von 
der Persönlichkeit abhängig. Der Patient fühlte trotz des günstigen Erfolgs 
wenig Neigung, die Erfahrung zu wiederholen, da er die Nachwirkung 
fürchtete. Er nahm Benzhedrin nur noch einmal, diesmal 10 mgr, um eine 
Arbeitshemmung zu beseitigen. Der Erfolg war qualitativ identisch, aber 
quantitativ geringer. 

_ Fall 2 ist ein 32jähriger Mann, der über leichte Ermüdbarkeit klagt, die ihn ver* 
hindert zu arbeiten. Er klagt ferner über einen solchen Grad von Schüchtern* 
heit, daß er in seinen gesellschaftlichen Beziehungen gehindert ist. Er schwitzt 
viel. Die Symptome setzten in seinem 16. Lebensjahre gleichzeitig mit einer 
schweren Akne ein, die mehrere Jahre andauerte. Die Analyse hat zum Mittel*; 
Punkt Szenen, die in seinem vierten und fünften Lebensjahr stattfanden. Er fand 



538 



Paul Schilder 



Befriedigung, wenn er auf einem Kissen stampfte, das in der Familie, die deutsch 
sprach, auch „Kiss me" (Küsse mich) genannt wurde. Das Kissen, das er sehr 
liebte, stellte ihn selbst dar. Während des Stampfens stellte er selbst ein Mädchen 
dar, mit dem er gespielt hatte. Durch seine ganze Neurose geht ein tief masochi* 
stischer Zug, der in einer aggressiven Zärtlichkeit seiner Mutter den Ursprung 
nahm. Die Mutter wünschte, ihn klein und abhängig zu erhalten. Kurz nach 
dem Beginn der Analyse, während der ersten Blüte der Übertragung, machte er 
eine Periode großen Glücks durch. Er fühlte sich energisch und beinahe unver» 
wundbar. Diese Periode fiel mit der endgültigen Scheidung von seiner Frau zu* 
sammen. Diese schwelgte noch mehr als er im Leiden und hatte ihn so in Ab« 
hängigkeit erhalten. Auch seine Mutter „litt" ständig, war immer müde, benötigte 
Ruhe und war immer geneigt, krank zu sein. In einer Periode, in der er sich be« 
sonders elend und ermüdet fühlte, erhielt er am Morgen 20 mgr Benzhedrin. 
Nach 45 Minuten stellte sich die Wirkung ein; während des ganzen Tages spürte 
er keine Müdigkeit, aber er fühlte eine innere Spannung und Gebundenheit. Er 
fühlte sich viel stärker. Er brauchte sich nicht anzustrengen, um etwas zu tun. 
Er war weniger neurotisch, konnte sich mehr auf sich verlassen, war unab« 
hängiger, munterer und voll Leben. Er hatte andere Gefühle zu den Mitmenschen 
(gerade das Gegenteil jener vom Vortage). Er fühlte keine Benommenheit im 
Kopfe mehr. Er war körperlich angeregt und bewegte sich ohne Schwierigkeit. 
Aber er fühlte sich eher grimmig. Er fühlte sich in Gesellschaft besser als sonst. 
Er war optimistisch. „Ich fühle mich geladen wie eine Batterie, wie eine gespannte 
Saite, meine Gedanken rasen." Er konnte in der folgenden Nacht nicht schlafen, 
sein Geist war übertätig. Er dachte eine Liste aus, was er tun würde. Er war nicht 
schläfrig und las „Alice im Wunderland". Sogar in der darauffolgenden Nacht 
erwachte er bereits um halb 6 Uhr, obgleich er rasch eingeschlafen war. Er 
nahm neuerlich zwei Tabletten. Wichtiges Material bezüglich der egoistischen 
Zärtlichkeit der Mutter kam nunmehr zum Vorschein. Die Mutter spielte mit 
ihm, solange er klein war, wie mit einer Puppe. Sie puderte ihn immer wieder. 
Sie zog ihn immer wieder an, und sogar gegenwärtig will sie ihn nicht „auf* 
wachsen" sehen. Sie hält ihn nahe zu sich. „Ich habe dich so gehalten, als du ein 
Kind warst." Auch bei diesem Patienten sind Sexualverlangen und Appetit be* 
einträchtigt. Der Patient nahm Benzhedrin wiederholt mit ähnlichem Erfolg. 

Auch in diesem Falle bringt Benzhedrin die Mitmenschen näher, aber 
nicht auf genitaler Stufe. Es hilft in der Überwindung der gesellschaftlichen 
Isolierung, welche auf masochistischen Einstellungen beruht. In diesem Falle 
ist die Zunahme an Eigenliebe noch ausgesprochener als in dem anderen 
Fall. Auch in diesem Falle ist die Reaktion auf Benzhedrin Reaktionen ahn* 
lieh, die im Gefolge psychischer Entwicklungen auftreten. Es hilft hier in 
der Überwindung von Ermüdung, welche auf tiefem Masochismus beruht. 
Es setzt Objektbeziehungen nichtgenitalen Charakters an dessen Stelle und 
vermehrt das narzißtische Wohlgefallen am eigenen Körper und an der 
eigenen Energie. Der Patient kann nunmehr von sich selbst und von anderen 
geliebt werden. 

Wenn man so die pharmakologische Wirkung des Benzhedrins vom 
psychoanalytischen Gesichtspunkt aus versteht, wird man wahrscheinlich in 
der Lage sein, Benzhedrin in der Behandlung von Neurosen zu benützen. 



Zur Psychoanalyse der Benzhedrinwirkung 



539 



Es wird sicherlich nicht Neurosen heilen, aber es mag vom symptomato« 
logischen Gesichtspunkt aus von Nutzen sein und wird auch wichtiges 
Material im Verlaufe der Analyse zum Vorschein bringen können. 
Peoples und Guttmann beschreiben ähnliche psychische Wirkungen 
dieses Arzneimittels. 

Gibt man Benzhedrin ohne gebührende Berücksichtigung des psychischen 
Zustandes des Patienten, dann mögen Müdigkeit, Schläfrigkeit und Hern« 
mung verschwinden, aber der Patient kann eine quälende Rastlosigkeit er* 
leben, die noch unangenehmer ist als das ursprüngliche Symptom. Das wau 
der Fall bei einem Patienten mit narzißtischer Neurose, der Benzhedrin ge* 
nommen hatte, bevor er in Analyse kam. 



Li ter a tu r: 

Li&demann Erich: The Neurophysiological Effect of Intoxicating Drugs. American 

Journal of Psychiatry, Vol. 13, No. 5, March 1934, p. 1007—1037. 
Lindemann Erich und Mahmud William: ibidem, Vol. 13, No. 4, January 1934, 

p. 853—879. 
Peoples S. A. und Guttmann E.: Hypertension Produced with Benzhedrin. Lancet, 

May 16, 1936, p. 1107. 
Prinzmetal, Myerson und Bloomberg Wilfred: The Use of Benzhedrin for 

the Treatment of Narcolepsy. Journal of the American Medical Association, Vol. 105, 

p. 2051, December 21, 1935. 



Psychoanalyse im hypoglykämischen Zustand 

Versuche zur Therapie der Psychosen 1 

Von 

Gustaw Bychowski 

Warschau 

M. D. u. H.! Ich hoffe, Sie werden es mir nicht allzu streng verweisen, 
wenn ich Ihnen heute über einen Problemkreis berichte, der von den ge* 
wohnten Problemen der Psychoanalyse etwas abseits zu liegen scheint und 
überdies noch keineswegs ausgearbeitet ist. Es handelt sich um Beob* 
achtungen und Gedanken — die ersteren sicher richtig, die letzteren zu* 
mindest problematisch — , die sich mir im Laufe des verflossenen Halbjahres: 
aufgedrängt haben. Den Anlaß dazu bildeten die Versuche zur Insulin* 
therapie der Schizophrenen nach S a k e 1, die ich mit meinen Mitarbeitern an 
der Warschauer Klinik (Leitung Prof. Jan Mazurkiewicz) eingeleitet und 
durchgeführt habe. Es ist hier nicht der Ort, auf den Wert der Therapie im 
allgemeinen näher einzugehen. 

Diese Versuche, die wir übrigens unter Abänderung der Methodik als* 
bald auch auf endogene Depressionen ausdehnten, ergaben vielverheißende 
Einblicke in den Aufbau der schizophrenen Symptomatik sowie in die Dy* 
namik der Heilungsmechanismen, die im Laufe der Behandlung zahlreich auf 
den Schauplatz treten. Der Kampf dieser Tendenzen mit den pathologischen 
Bildungskräften konnte in seiner Wucht und Dramatik wohl noch niemals 
so klar gesehen werden. 

Diese Beobachtungen und Überlegungen führten mich zu Versuchen, die 
Hypoglykämie mit psychoanalytischen Maßnahmen zu verbinden und zu 
kombinieren. 

Die ersten, für uns grundlegenden Beobachtungen sind folgende: Wir 
sehen, daß im Zustand der Hypoglykämie die Fähigkeit der Kranken zur 
Übertragung zusehends zunimmt. Dies geht so weit, daß Kranke, die vorher 
ablehnend, negativistisch, ja sogar aggressiv waren, in vollen affektiven Kon* 
takt mit dem Arzt treten. In den Anfangsstadien der Behandlung ist dieser 
Kontakt von kurzer Dauer und man kann beobachten — was zunächst einen 
recht eigentümlichen Eindruck macht — , wie der Kranke sofort nach Genuß 
der Mahlzeit (Kohlehydrate) wieder in seine ablehnende Haltung verfällt. 

Wir können schon jetzt vermuten, daß ein wichtiger Faktor in der starken 
Dämpfung, Stillegung der Affektlage vorliegt. So wird z. B. die so häufige 
depressive und ängstliche Verstimmung wesentlich beruhigt. Dieser Faktor 
erleichtert wohl nicht nur die Rapportfähigkeit, sondern kann auch zur Be* 

i) Vortrag, gehalten auf dem XIV. Internationalen Psychoanalytischen Kongreß in 
Marienbad (2. bis 8. August 1936). 



Psychoanalyse im hypoglykämischen Zustand 



541 



seitigung der affektiven Grundlagen mancher Wahneinstellungen beitragen. 

Anschließend an solche Beobachtungen sehen wir die ersten Heilungs* 

mechanismen wirken, und zwar — wie ich sie bezeichnen möchte kleine 

kathartische Entladungen. Ganz spontan oder unterstützt durch unsere An* 
leitung, explodieren mit starker Dynamik erregte Berichte, die Bruchstücke 
der Lebensgeschichte, traumatische Ereignisse enthalten, im Großen und 
Ganzen ein Material, das bisher so gut wie unzugänglich gewesen. Es ist 
vorgekommen, daß wir auf diese Weise zur Kenntnis des Namens einer Fa* 
tientin gelangten, die, von der Polizei als eine Unbekannte eingeliefert, ihr 
Inkognito hartnäckig gewahrt hatte. 

Bei wiederholten hypoglykämischen Zuständen können wir jeweils auf 
das schon ermittelte Material zurückgreifen und zur weiteren Entladung 
drängen, falls der Heilungsprozeß nicht von selbst seinen Fortgang nimmt. 

Bei weiteren Beobachtungen sehen wir dann die spontan auftretenden 
korrigierenden Mechanismen nebst solchen, die wir in Gang bringen können. 
Wir wollen dieselben zunächst kurz schildern, und zwar können wir fol* 
gendes unterscheiden. 

Die einfache Einsicht: die akut paranoide Patientin, die ihre Abkunft 
verleugnete und als ihren Vater die beiden in Amerika hingerichteten Anar* 
chisten Sacco und Vanzetti hinstellte, zieht sich von dieser Behauptung 
zurück und gesteht, ihren Vater nie geliebt zu haben. Es gäbe doch Elternj, 
die ihre Kinder nicht so zu erziehen vermögen, daß sie in ihnen Liebe er* 
wecken. 

Dann die Distanzierung: der Kranke erinnert sich wohl, daß er nach 
Italien gehen wollte, den Duoe zu bekämpfen und das an Abessinien be* 
gangene Unrecht wieder gutzumachen, aber er hält das für Unsinn und will 
einfach nicht mehr davon sprechen. 

Die Projektion: die chronisch paranoide Patientin, die sich für eine 
deutsche Prinzessin ausgibt, überschüttet uns im Augenblick der Remission 
mit Vorwürfen, wieso wir es gewagt haben, über sie das Gerücht zu ver* 
breiten, daß sie sich für eine Prinzessin halte; das sei doch eine gemeime 
Lüge. 

Auf diesen Heilungsmechanismus bei der Schizophrenie habe ich bereits 
in einer früheren Arbeit hingewiesen. 2 

Wir können sagen, daß bei unseren frischen, akuten Fällen alle Wahnideen 
auf ähnlichen Wegen abgebaut werden; auch die Halluzinationen verschwin* 
den in der Hypoglykämie sehr bald. 

Dieselben und andere Mechanismen sehen wir am Werke bei chronisch 
Paranoiden. Das Eigentümliche des Heilungsprozesses in diesen Fällen 
können wir aber erst dann erfassen, wenn wir den Verlauf als Ganzes be* 
rücksichtigen, auch gewinnen wir so den richtigen Einblick in die besondere 

a) Über Projektion. Rocznik Psychjatryczny (in polnischer Sprache). 



psychoanalytische Problematik der schizophrenen Erkrankung und Heilung. 
Wir sehen also, um es zunächst in knapper Formulierung auszudrücken;, 
daß das Ich der Kranken und die pathologischen Gebilde in einem drama* 
tischen Kampfe begriffen sind. Es siegt bald diese, bald jene Partei, so daß 
der Kranke zeitweise „normal" (ganz oder partiell), zeitweise wieder „ver* 
rückt" erscheint. Der Endausgang dieses wahrlich sehr dramatischen und 
faszinierenden Kampfes interessiert uns einstweilen nicht; umso bedeutsamer 
sind für unsere weiteren Betrachtungen seine Etappen. 

Wir sehen also, um es an einem Beispiel zu demonstrieren, daß eine seit 
4 Jahren erkrankte paranoide Studentin aus kümmerlichen Verhältnissen 
und kleinbürgerlicher Abstammung die Realität in ihrem Wahn völlig umkehrt. 
Sie sei eine Prinzessin Witteisbach, verfüge über großes Vermögen, unter an* 
derm über einen Petroleumschacht. Ihre Eltern werden als Erpresser hinge* 
stellt, die sie verfolgen und interniert haben, um sich an ihrem Gelde zu mästen. 
Wir sehen zunächst, wie nach einer Anzahl von Insulinschocks (tiefes Koma 
mit pathologischen Reflexen, aus welchem die Kranke mittels Ernährung durch' 
Sonde geweckt wird) knapp nach dem Erwachen für eine halbe Stunde Luzidität 
auftritt. Die Kranke erkennt ihre Eltern an, ihre Lebenslage, kurz die Realität 
als solche, dies alles, um nach kurzer Zeit wieder der gewohnten pathologischen 
Schicht anzugehören. Es ist, als würde sich eine von Nebel umhüllte Gebirgs* 
landschaft für eine Weile vor dem erstaunten Zuschauer auf tun. 

Im weiteren Verlaufe der Behandlung — deren Details uns ja hier nicht weiter 
interessieren — kommt es zu immer längeren Intervallen, die zunächst in der 
Hypoglykämie, dann aber auch weit über das Erwachen hinaus andauern. Schon 
daraus, daß die Rückfälle immer wieder sozusagen automatisch erfolgen, können 
wir entnehmen, daß die pathologischen Gebilde nicht zerstört werden. Die 
Sicherheit über ihr eigentliches Schicksal gewinnen wir vollends, wenn wir 
während eines solchen Intervalls, das unter Umständen auch einige Tage dauern 
kann, unsere Kranke länger examinieren. Wir sehen dann, daß sie, die ja jetzt 
die Realität anerkennt, auf manche Anspielungen unserseits, die den Wahn be* 
rühren, mit Gereiztheit reagiert und das Thema meidet oder gar die Unter* 
redung abbricht. Sie benimmt sich also, als wären die pathologischen Inhalte 
frisch, noch nicht allzu tief verdrängt. 

Wir bemerken andere Anzeichen der angebahnten und nicht abgeschlossenen 
Verdrängung. Es kommt zu merkwürdigen Fehlleistungen. Die Kranke sagt: was 
hat das mit der Zurechnungsfähigkeit zu tun, ob man seine Eltern anerkennt? 
Dann verbessert sie sich: ob man jemanden als seine Eltern anerkennt . . . 

Die gleiche Bedeutung müssen wir folgender Beobachtung beimessen. Mitten 
in einer „normal" klingenden Unterredung kommt es auf einmal zu einem völlig 
pathologischen Einschub. Die Beziehung zu den Eltern wird sozusagen in einem 
Atemzug in ihrer ganzen Ambivalenz wirksam: die negative Tendenz lebt in 
den mit drohender Stimme erhobenen Anklagen gegen die sie verfolgenden Er* 
presser, sofort, unmittelbar daran anschließend wird die Frage nach den Eltern 
mit völlig normaler Gefühlslage beantwortet. Hat sie denn auch gegen die Eltern 
Anklage erhoben? — Aber wo, ihnen hat sie ja so viel zu verdanken. 

Hiezu kommt eine weitere merkwürdige Beobachtung. Wir sehen, daß unsere 
Kranke, die schon einige Tage in der objektiven Realität verlebte, in der Hypo* 
glykämie wieder in die Wahnwelt zurückkehrt. 



Psychoanalyse im hypoglykanischen Zustand 



543 



Sakel spricht in solchen Fällen von der aktivierten Psychose und erblickt 
darin ein wichtiges Kriterium für die noch nicht stabilisierte Heilung und die 
Indikation zur Fortsetzung der Behandlung. 

Wollen wir noch zum Schluß der klinischen Darstellung auf die Stellungnahme 
der Kranken zum eigenen Erleben eingehen, so bemerken wir auch hier eklatante 
— wenn auch nicht immer definitive — Wirkungen der Behandlung. An einem 
Tage erinnert sich die Kranke wohl an manche der Wahnideen, meint aber 
sie hätte solches Zeug wohl unter dem Einfluß der Injektionen nach dem Er* 
wachen hervorgebracht. 

Am interessantesten aber ist es, zu sehen, daß die Kranke auch zu psycho» 
logischer Einsicht, zu einer Art Selbstkritik und Verständnis gelangt, wie wir 
sie nur bei tief vorgedrungenen Analysen unserer Neurotiker zu erleben pflegen, 
bei Psychotikern im vorgerückten Stadium aber nie für möglich halten würden. 
Stellen wir zusammen, was uns die Kranke, die ja — wohlgemerkt — sich nur 
in einer kurzen Remission befindet, über ihren Charakter mitteilt, so gewinnen 
wir, von ihr selbst angegeben, die charakterologischen Grundlagen für die Genese 
ihrer Wahngebilde. 

Affektiv war sie immer eher gleichgültig, war immer berechnend, „business* 
manlike". Gefühle spielten in ihrem Leben keine Rolle. In der Schule war sie 
immer die erste, war kolossal eingebildet, dachte, sie sei allen überlegen. Hatte 
große Ambitionen, wollte berühmt sein und reich werden, was sie besaß, das 
wollte sie vermehren. 

Soweit die Tatsachen. Sie scheinen mir reiche theoretische Ausbeute zu 
versprechen, wenn wir daran gehen, sie mit unseren psychoanalytischen Be# 
griffen zu erfassen. 

Was geschieht bei den ersten Korrekturen? Damit die Verleugnung der 
Realität, die ja nach Freud 3 den für die Psychose charakteristischen Mecha* 
nismus bedeutet, außer Wirkung gesetzt wird, muß dieselbe Instanz ge# 
schwächt werden, die seinerzeit diese Verleugnung geschaffen hatte und sie 
weiterhin mit solcher Zähigkeit verteidigt. 

Wenn wir das spezifisch Schizophrene mit dem spezifisch Neurotischen 
vergleichen, müssen wir uns sagen, daß hier die Triebtendenzen verdrängt 
sind, dort aber vor allem die Realität der Verdrängung — wir sagen Ver^ 
leugnung — anheimfällt. Die Zähigkeit, mit der diese „Verdrängung" auf* 
recht erhalten wird, ist nicht weniger stark als die Gegenbesetzung des Ichs, 
die die eigentliche, neurotische Verdrängung ausübt. Wir dürfen annehmen, 
daß es auch beim Psychotiker das Ich ist, das die Verleugnung bewerkstelligt, 
freilich ein besonderes, im Dienste der Es*Tendenzen verändertes Ich. Dieses 
Ich richtet sich vorwiegend nach primitiven größensüchtigen Wunschbe* 
strebungen, die in der Realität keine unmittelbare Befriedigung finden 
können. Sodann richtet es sich nach den gleichfalls primitiven destruktiven 
Triebtendenzen, die es dazu bringen, in der Realität nichts als Hemmnis, 

3) Freud: Neurose und Psychose. Ges. Sehr., Bd. V. 



544 



Gustaw Bychowski 



Hindernis auf dem Wege zur Wunschbefriedigung zu erblicken und sie mit 
Haß zu besetzen. 4 

Dieses Ich könnte man also am ehesten als eine Parodie des primitiven 
Über^Ichs bezeichnen, das, mit dem Es aufs engste verbunden, in sich weder 
das Sozial«, noch das Logisch* oder Wirklichkeitsnormative aufgenommen 
hat und sich ausschließlich nach dem infantilen Größenwahn richtet. 

Wenn wir nach den weiteren Schicksalen dieses pathologisch verzerrten 
Ichs urteilen, die es während der Behandlung erfährt, so fällt uns vor allem 
der Parallelismus in der Besserung der Übertragung und der Korrektur der 
Wahngebilde auf. Wir getrauen uns zu folgern: Die Verleugnung der Rea* 
lität hängt mit der ganzen negativen Einstellung, mit der aktiven Ablehnung 
der Umgebung zusammen. Das pathologisch verzerrte infantile Ich erscheint 
also nicht nur mit narzißtischer Libido, sondern auch mit destruktiver, von 
den Todestrieben abgeleiteter Triebenergie stark besetzt. 

Was geschieht in der Hypoglykämie? Der hypoglykämische Zustand, der 
ganze Bereiche des zentralen Nervensystems außer Funktion setzt, schwächt 
das kranke Ich und macht es Einflüssen von außen zugänglich. Der Zug der 
Ablehnung, des Negativismus, mit einem Worte, des Widerstandes gegen 
die Realität — die nächste Umgebung mit inbegriffen — wird herabge* 
mindert, ja sogar aufgehoben. Auf diese Weise können die positiven Ober« 
tragungstendenzen zu Wort kommen, während die pathologischen Inhalte 
an Besetzung verlieren. 

Auch die Selbsteinsicht war dem Ich durch das pathologische Pseudo« 
Übersieh vermauert, das Bewußtsein als das innere Wahrnehmungsorgan 
mit Blindheit geschlagen oder vielmehr geblendet durch die Truggebilde — 
entstanden, sei es im Dienste des primitiven Größenwahnes oder aber als 
Reaktionsbildungen. Jetzt fällt die Mauer weg, sie wird zumindest durch« 
lässig und läßt die unverfälschten inneren Wahrnehmungen passieren. 

Wir sagten, daß uns die weitere Beobachtung die Auffassung nahelegt, daß 
nun die pathologischen Tendenzen verdrängt werden, topisch also die Rolle 
der vorhin verdrängten oder — korrekter ausgedrückt — verleugneten Rea* 
lität einnehmen. Wie sollen wir uns diese Umschichtung erklären? Ich meine, 
wir müssen uns sagen, daß an Stelle des durch wiederholte Hypoglyk> 
ämie geschwächten pathologischen Ichs ein normales Ich getreten ist, 
welches nun wieder seines Amtes waltet und die Verdrängung ausübt. Es 
ist offen gegenüber der äußeren wie der inneren Realität, es läßt das Nor^ 
mative eines normalen Über^Ichs zu Worte kommen und es entzieht an# 
scheinend die Besetzung den pathologischen Gebilden, die ja, um es noch 
einmal zu formulieren, die Infektion des kindlichen Ichs durch das Es dar* 
stellen. 

4) Vgl. G. Bychowski: Aktivität und Realität. Int. Ztschr. f. Psa., Bd. XIX, 1933. 



Psychoanalyse im hypoglykä m i sch en Zu,fa n ,J 



545 



Das Eigentümliche des Prozesses beruht aber w,V , • t , , 

darauf, daß diese Verhältnisse zunächst rJkriJ^J??™^ 
sind. Das neu aufgerichtete normale Ich schein glekhsam ** 

äußerst empfindlich, plastisch, verletzbar Es ist den S* "»gepanzert, 
in hohem Maße zugänglich, was wir ^M^-Z^ZlT "*" 
fuhrt werden soll - therapeutisch verwenden können 2s u«f K "!*" 
auf psychische Hygiene ganz besonders zu achten ^ ps^hTsche Nn ""^ 
der Umgebung von den Kranken sorgsam fcnSZ ^ *?** 

Die Umkehrbarkeit der psychischen Situation zeigt sich aber in »u 

Tsl Si l7t ^ "f • Wdtere H ^kämien wfed^m d Verhält 
n sse umkehren. „Was drinnen war, das ist draußen." Es ist für uns £ 

Wies: 5 S3S ^ SleiChSÜl ?' ** bd «*** verlaufender B^nS 
lung diese Umkehrung nur vorübergehend bleibt, das Wichtigste ist uns 
doch die Feststellung, daß dem in seine Rechte eingesetzten normalen Ich 
wiederum seine Besetzung entzogen werden kann, daß es diese Sz7n g t 
scheinend wiederum an die Es.Abkömmlinge des primitiven überfielt 

schWnetSn ^ m t aU o rhalb dßr HyP^ykämk bei nicht abge, 
schlossener Behandlung diese Besetzungen labil sind und nicht deichzent 

^ahTb^ ^^^f ^ WCrden - Daher & -hichtweise KlS 1? 
Wahngebi de, dieuns besonders klare Einblicke in ihre Struktur gewährt 
Es scheint, daß im Heilungsverlauf zwischen akuten und chronischen 

IZ LchaSr e v y n d terschiede bestehen - Die ganze DarsteUu ^ *ä 

lieh geschaffenen Verdrangungsvorgänge scheint eigentiieh nur für die chro, 

a tl f ^f g tTT Bd den 3kuten ^ ewinnt *"* ** Eindruck daß 
^pathologischen Inhalte wirklich zerstört werden, indem sie den Weg 

vomjest Geglaubten über bloß Erinnertes bis zum nicht mehr Erkannter! 

Dieser Unterschied muß offenbar auf der geringeren Verankerung der 
auch sonst wandelbaren Gebilde beruhen, die durch Gegenbe etn" n utd 
Vedeugnungsprozesse noch nicht festgehalten sind, ihre psych sch^RoSe 
noch .nicht ^sozusagen einstudiert und tausendfach ausprobiert haben 

.uie ,in der Hypoglykämie gemachten Beobachtungen zeigen mit über^ 

S£ ^J^T 8 ^' t ß f ch ^ £ine - Wdt -gerüSn plthoS 
S sond ° n0rm , alen Mechanismen ™d Einstellungen nicht nur xnög* 

einen ^TTv ***? lmmer 2Um AufIeben bereit sind. Es muß doch 
kranW^ 7 p T^' WeM1 ^ skht ' wie bei unserer M °dell. 
EinsteUuni t r Z™^™ des Verfolgungswahnes die normale dankbare 
Umstellung zu den Eltern auftaucht. 

fcteTLrt* aUS ^ dieSCn Üh ^ h Snngen therapeutische Hinweise ab. 

werfend "* ^ einen ver S Ieic ^nden Blick auf manche Vorgänge 

en, die uns aus der Psychoanalyse der Neurotiker vertraut sind. 

»«• Zatschr. f. Psychoanalyse, XXIII/4 



35 



I 






Während sonst in den Träumen das Verdrängte ^^^J^^ 
sehen wir in der Endperiode mancher Analysen, ^ *^*** 
Träumen geradezu gesünder erscheint als in seinem bewußte V halte* 
Sieht man sich dieses Phänomen näher an, so kommt man zu folgende, : Aufc 
fassung: Solange die analytische Arbeit vor allem das unbewußte Trieb, 
La3 durcharbeitete, war das eigentliche Unbewußte <» «*" 
Träumens. Bei genügenden Fortschritten der Analyse ist das Unb ewußte 
so weit geläutert, daß es nicht mehr die alten Verhaltnisse darbietet, der In. 
halber Träume hat sich der Norm genähert, die Traumentstellung ist we£ 
gehend behoben. Dieses Normale ist aber wie verdrängt; wieso ^kommt e nn 
Wachen weniger zum Vorschein? Die Antwort kann nur lauten. Es sind 
Ln wllrum die alten Ichwiderstände im Spiel, Widerstände, ausgehend 
von dem infantilen, primitiven Ich, das die analytische Arbeit hinter dem 
bewußten Ich aufgedeckt hat und das jetzt vorbewußt geworden ist. Warum 
S jetzt dieses vorbewußte primitve Ich (das eigentlich - wie wir es bei 
der Psychose beschrieben haben - schon ein vom Es infizje rtes infanüle 
Pseudo.Über.Ich darstellt) seine Stimme? Ich meine, wohl deshalb, weü 
es die bevorstehende Genesung, die Aussöhnung mit der Reak at als einen 
Verzicht empfindet, als eine Einschränkung der primiüvenAUmach.d^ 
infantilen Größenwahnes. Die Beobachtung, die E i delb er g- beim Studium 
der Perversion gemacht hat, kann ich voll bestätigen, möchte aber ihren An, 
Wendungsbereich ausdehnen. Diese Endeinstellung des infantilen Uber.Ichs, 
II der der Endwiderstand ausgeht, ließe sich also etwa so formieren 
Was, das soll schon die ganze mir versprochene, von mir ersehnte Aktivität 
seTn nicht mehr als das? Erlaubt man (der Vater, der Analytiker) mir sie, 
so heißt das, daß die anderen, die Großen, für sich doch etwas Besseres» 
Größeres reserviert haben." 

Die schon gewährte, erlaubte Aktivität erscheint so dem Kranken als eine 
ihm heimtückisch aufgezwungene. Die narzißtische Libido konzentriert : *n, 
infantilen über.Ich, erschwert so die Korrektur und es bedar langer analy, 
tischer Arbeit, um in einem solchen Falle diese Libido zu mobilisieren und sie 
der Übertragung dienstbar zu machen. 

Bei den Schizophrenen bietet die narzißtische Libido, konzentriert im 
pathologischen Pseudo.uber.Ich, jeglicher therapeutischen Beeintog 
Widerstand. Der hypoglykämische Schock schemt diese *«J™JJ 
lockern, die Libido wird wieder verwendbar, sie kann auf die IJmg^ 
übertragen werden, das primitive über.Ich aber, als Trager des Groß«* 
wahnes, kann aufgegeben (verdrängt) werden. 

Wie können wir diese bi ologisch bedingten Prozesse psychotherape utiscn 

5) L. Eideiberg: Zur Theorie und Klinik der Perversion. Int. Ztschr. f. P* 
Bd. XIX, 1933. 




Psychoanalyse im hypoglyfcämischen Zustand 



547 



nutzbar machen und fixieren? Das ergibt sich zum Teü von selbst *us 
unseren bisherigen Überlegungen. 

Wir versuchen vor allem die kathartischen Lösungen, sei es zu provozieren, 
sei es zu fordern und zu leiten. Mit dem gewonnenen Material können wir^ 
vorsichtig weiter arbeiten, die Absperrung des Kranken immer mehr über, 
winden und ihn an uns zu fixieren trachten. Wir versuchen in der Hvpoelv- 
kamie, und zwar in der Zeit vor dem Erlöschen des Bewußtseins undauch 
bald nach dessen Wiederauftreten, die Korrektur stufenweise anzubahnen 
Dabei sind die Ichwiderstände aufs sorgfältigste zu berücksichtigen indem 
man jeweils nur ein kleines Stück der pathologischen Realität beseitigt und 
dafür die normale einsetzt. 

Der Verzicht auf den infantilen Größenwahn erfordert Entschädigung 
Diese muß dem Kranken dadurch gezeigt und zugänglich gemacht werden" 
daß man ihm Wege der Befriedigung in der Realität aufzeigt, die sowohl 
seinen Trieben als auch vor allem seinem Narzißmus Rechnung tragen 

Dank der wachsenden Bindung an die Umgebung kann es vielleicht ge, 
hngen, die infantilen Ängste des Verfolgungswahnes zu neutralisieren, die 
Haßprojektionen rückgängig zu machen. 

Die ganze besonders umsichtige Behandlung seitens der gesamten Um, 
gebung hat der weitgehenden Vulnerabilität und Plastizität des neuen, heran, 
wachsenden, erst zu schaffenden und zu kristallisierenden Ichs Rechnung zu 
tragen. 

Wenn Sie mich zum Schluß fragen, wie weit wir mit allen diesen Betrach, 
tungen und Vorschlägen praktisch kommen können, so muß meine Antwort 
ziemlich unbestimmt lauten. Die Zahl und die Zeit der Beobachtungen ist 
noch nicht ausreichend, um ein definitives Urteil fällen zu können. Alles 
m allem glaube ich aber, daß uns in der Schockbehandlung eine Möglichkeit 
gegeben ist, auch solche Fälle der psychotherapeutischen Beeinflussung zu, 
ganglich zu machen, die bisher ziemlich unzugänglich waren. Die theoretische 
Ausbeute aber scheint mir nicht weniger wichtig und vielversprechend 



35* 



MITTEILUNGEN UND DISKUSSIONEN 






Familienneurose und neurotische Familie 

Bericht über den IX. Kongreß der Psychoanalytiker 
französischer Sprache 1936 in Nyon 

Von 

Rene Spitz 

Paris 

In der psychoanalytischen wie in jeder anderen wissenschaftlichen Forschungs» 
arbeit gibt es eine Reihe von Problemen, deren Lösungsmöglichkeit jeweils ein» 
tritt, wenn das vorhergehende erledigt oder zumindest beleuchtet wurde. Der 
Anschein einer fast geheimnisvollen Simultaneität der Problembewältigungsver* 
suche in voneinander weit entfernten Ländern ergibt sich dadurch — obschon 
es eigentlich selbstverständlich ist, da man, um ein Problem in Angriff zu 
nehmen, erst jene Verbindungen erarbeitet und erfaßt haben muß, die es erlauben, 
das Problem überhaupt als solches zu sehen. So war es notwendig, sich längere 
Zeit mit der Analyse des Kindes zu beschäftigen, um zu erfassen, daß diese in 
eine umfassendere Fragestellung einmündet, in die Frage der Gegebenheiten der 
Familie des zu analysierenden Kindes. Mengengemäß haben sich in den letzten 
Jahren analytische Daten dieser Natur soweit gehäuft, daß wir uns nicht weiter 
zu wundern brauchen, wenn zum beinahe gleichen Zeitpunkte, obschon räumlich 
getrennt, ein Kongreß der Analytiker französischer Sprache (Congres des 
Psychanalistes de Langue Francaise) am 10. April 1936 in Nyon am Genfer See 
die Frage der Familienneurose zur Bearbeitung auf die Tagesordnung setzte und 
wenige Wochen später Aichhornin Wien, im Rahmen einer größeren, der 
Technik der Erziehungsberatung gewidmeten Arbeit Grundsätzliches über den 
Libidohaushalt der Familie als Faktor bei der Behandlung schwer erziehbarer, 
verwahrloster und neurotischer Kinder mitteilte. 

Die Verschiedenheit der Ausgangspunkte, der Arbeitsmethoden und der Ziele 
macht wohl selbstverständlich, daß sehr wesentliche Unterschiede in der Art be* 
stehen, in welcher von diesen zwei Seiten an das Problem herangegangen wird, 
und wir wollen daher eine oder die andere Überlegung, ein oder das andere, 
Beispiel aus der Arbeit von Aichhorn zum Vergleich heranziehen. Wie bei 
französischen Kongressen üblich, halten zwei Referenten an zwei aufeinander» 
folgenden Tagen je einen ausführlichen Vortrag über das Thema. Die übrigen 
Mitglieder des Kongresses nehmen dann in längeren Diskussionsbemerkungen 
zu diesen Vorträgen Stellung. 

Der erste Referent war L a f o r g u e. Er betitelte seinen Vortrag „L a n e v r o* 
se familiale" und vertritt den Standpunkt, daß die Familienneurose eine 
Erscheinung sei, die jedem Analytiker längst bekannt, jedoch bisher nicht als 
solche umschrieben worden ist. Er sieht das Wesentliche der Familienneurose 



dann, daß ein neurotisches Mitglied der Familie sozusagen die Neurose der 
übrigen Familienmitglieder auslöst, verursacht, in Gang hält. Als Beweis dafür 
zitiert er jene Fälle in welchen es genügt, einen Elternteil zu analysieren, um 
damit die Neurose der Kinder, eventuell sogar die des anderen Elternteiles zum 
Verschwinden zu bringen. Diese Behauptung belegt er durch eine Reihe von Bei* 
spielen, in welchen er mehrere Mitglieder ein und derselben Familie analysiert 
hat. 

Was uns bei seinen Beispielen frappieren würde, ist die Konstanz, mit welcher 
in den betreffenden Ehen frigide, sadistische, aggressive Frauen Männern gegen* 
überstehen, die teils masochistisch, teils homosexuell sind. 

Interessant ist Laforgues Feststellung, daß es in solchen Fällen der 
Familienneurose nicht gleichgültig ist, welches Mitglied der Familie man zuerst 
in Analyse nimmt. So wäre einem masochistischen Mann z. B. gar nicht damit 
gedient, wenn seine Frau in der Analyse auf ihre Aggressionen, ihre Neigung, 
ihn zu demütigen, verzichtete; er wäre in diesem Falle gezwungen, .sich 
solche Demütigungen und Mißerfolge anderswo zu holen. Hier zeigt uns 
Laforgue eine bekannte und wesentliche Seite des Problems auf, nämlich die, daß 
dank der direkten Verständigung des Unbewußten die Ehegatten sich gegen* 
seitig in Ergänzung der eigenen Neurose wählen. In einem solchen Falle wie 
in dem obengenannten hat nach Laforgues Meinung die Analyse mit dem Manne 
zu beginnen; das Verhalten der Frau und der Kinder werde hierauf wesentlich 
normaler und unneurotischer werden. Kinder, die aus der Ehe masochistischer, 
homosexueller Männer mit frigiden, aggressiven Frauen entstammen, sind auch 
neurotisch, und zwar sind nach Laforgue in diesen Fällen die Knaben homo* 
sexuell, die Mädchen in Identifizierung mit der Mutter frigid und aggressiv mit 
starker Kastrationsneigung. Jedenfalls ergebe eine solche Familienneurose bei 
sämtlichen Familienmitgliedern eine sexuelle Regression. 

Laforgue stellt noch fest, daß bisher von der Familienneurose zu wenig 
gesprochen wurde, im wesentlichen nur von Freud in seinen Bemerkungen 
über die Bildung des Über*Ichs, und zwar speziell in der Darstellung der Über* 
Ich*Bildung nach dem großelterlichen Ideal, wie dies in der „Neuen Folge der 
Vorlesungen zur Einführung in die Psychoanalyse" geschieht. Die Neurose sei 
ein kollektives Phänomen, welches die unmittelbare Umgebung, nämlich die 
eigene Familie in seine Kreise zieht: Hier erfährt die Neurose durch Interferenz, 1 
wie auch durch Verstärkung der gegenseitigen Neurosen eine wesentliche Ver* 
änderung, hier wird die Neurose durch das Milieu entscheidend beeinflußt. 
Daher fordert Laforgue, daß die Neurosen bekämpft werden durch eine stärkere 
Verbreitung der Psychoanalyse, durch ein Heranziehen des Erziehungspersonales 
zur analytischen Ausbildung. 

Die darauf folgende Diskussion bemängelte vor allem das Fehlen einer Defini* 
tion der Familienneurose, die kein zirkumskriptes Krankheitsbild, kein konstantes 
Syndrom von Symptomen wäre, sondern eine unendliche Varietät von Bildern 
darstellt. Es sei zu vermuten, daß verschiedene Formen der Familienneurose 

i) Interferenz (der Physik entnommener Begriff), Schwächung, bezw. Verstärkung 
von Wellen, bedingt durch deren Aufeinandertreffen. Beispiel für Interferenz durch Zu* 
sammentreffen mehrerer Neurosen: Leubas erster Fall, S. 551. 



550 



Rene Spitz 



I 



ü 



sich entwickeln, je nachdem ob es sich um ein infolge Ansteckung durch eine 
oder mehrere Neurosen verseuchtes Milieu handelt oder etwa um ein Milieu, das 
geschaffen wurde durch die gegenseitige Beeinflussung von mehreren Neurosen, 
eventuell durch deren Interdependenz. 2 Weiterhin wurde auf die Verschieden* 
heit der möglichen Ausgänge in den verschiedenen Familiensituationen hinge* 
wiesen; die Geschwistersituation z. B. spielt eine entscheidende Rolle. Es muß 
zu Unterschieden in der Neurosenbildung kommen, wenn es sich um ein einziges 
Kind oder um mehrere Kinder, wenn es sich um gleichgeschlechtliche oder um 
verschiedengeschlechtliche Kinder handelt oder wenn das ältere Geschwister ein 
Bruder oder eine Schwester ist. 

Dem Einwand, daß die Definition der Familienneurose nicht gegeben wurde, 
begegnete Laforgue mit einem Hinweis auf den am nächsten Tage statt* 
findenden Vortrag L e u b a s. Im übrigen erklärte der Vortragende an diesem 
wie auch am nächsten Tage, daß es durchaus unwesentlich sei, im Augenblicke; 
eine festumrissene Definition eines Krankheitsbildes zu geben, man möge sich 
sogar hüten, sich in dieser Beziehung festzulegen; es genüge vorläufig, den Tat* 
bestand der Existenz der Familienneurose festgestellt zu haben. Nunmehr müßten 
wir unsere Aufmerksamkeit der Ausarbeitung dieses Problems widmen. 

Am nächsten Tage hielt L e u b a seinen von gallischem Witz sprühenden Vor* 
trag, den er „La famille nevrotique et les nevroses familiales" 
nannte. In geistvoller Weise leitete er ihn damit ein, daß ihm der Titel eigentlich 
falsch erscheine, es schiene ihm natürlicher, nach Art eines Zeremonienmeisters 
anzukündigen: „Meine Herren, die Familie." Man ersieht hieraus, daß Leuba 
den Gesichtspunkt vertritt, daß die Normal*Familie und dementsprechend auch 
das Normal*Individuum nicht existiert, daß die Kinder keinen gefährlicheren 
Feind als ihre Eltern haben. Er wählte daher als Motto seines Vortrages ein 
Zitat aus dem Stück „Poil de Carotte": „La famille est une reunion de gens qui 
se detestent et qui sont obliges de vivre ensemble." Er ergänzte diese Definition 
durch die Postulierung einer „Normal*Psychopathologie", die Psychopathologie 
derjenigen Menschen, die ihre psychischen Defekte in genügender Weise in die 
gesellschaftliche Struktur, ob nun scheinbar oder wirklich, einzubauen ver* 
mocht haben. Dementsprechend ist seine Neurosen*Definition eine empirische: 
die mißlungene Anpassung. Die Familienneurose definiert er, absichtlich unbe* 
stimmt bleibend, als Familiensituation, in welcher ein oder beide Elternteile die 
Neurose der Nachkommenschaft provozieren, richtiger: induzieren, analog der 
elektrischen Induktion. 

Wie auch bei Laforgue erwähnt, prädominiert in der großen Anzahl der 
von Leuba dargestellten Fälle (es sind etwa 13 Familien, die er beschreibt) die 
frigide, herrschsüchtige Frau. 

Ein zweiter für die Familienneurose besonders charakteristischer Faktor ist 
nach seiner Meinung die Zwangsneurose oder die zwangsneurotischen Züge 



2) Interdependenz (von K. Mannheim stammender geschichtsphilosophischer 
Begriff), Ermöglichung des Zustandekommens und Funktionierens mehrerer Handlungs* 
gefüge durch deren Ineinandergreifen. Beispiel dafür der auf S. 555 zitierte Fall von 
Aichhorn. 






Familienneurose und neurotisch e Familie 

eines Familienmitgliedes. Ich werde noch darauf zurückkommen, warum gerade 
diese beiden Momente eine so große Rolle spielen. gerade 

Leuba wählt seine Beispiele weniger aus den manifest neurotischen als 
aus den sogenannten gut bürgerlichen Familien, die vom Gesichtspunkte der 
sozialen Anpassung durchaus nicht besonders auffallen, jedoch vom ärztlichen 
Gesichtspunkt als durchaus pathologisch anzusprechen sind. 

Als Beispiel für die sozial angepaßte Bürgerlichkeit stehe jene alte, gutbürger- 
liehe provinzielle Familie, in welcher die Frauen, Mütter und Töchter frigid 
die Männer, Väter und Söhne, Staatsanwälte sind. Alle männlichen Mitglieder 
der Familie heirateten Frauen, von denen sie unter dem Pantoffel gehalten 
wurden und die zugleich das Familienvermögen durch geschickte Börsenspekula- 
tion mehrten. Diejenigen Söhne, die nicht guttun wollten — lies: das Vermögen 
gefährdende Frauen wählten — , wurden durch einen Familienrat mit Hilfe des 
Familienstaatsanwaltes in einer Anstalt untergebracht. 

Der letzte dieser Staatsanwälte starb an den Folgen einer spät erworbenen 
Syphilis, die er seiner Gattin mit Erfolg verheimlicht hatte. Es verblieben Mutter, 
Tochter und Sohn und seit zwanzig Jahren lebt diese Familie nun weiter, ver- 
änderungslos wie ein Haus von Toten, vorsichtig, aber bequem. Die herrsch- 
süchtige Mutter, die ihren verachteten Gatten versklavt hatte, kompensiert ihre 
heimliche Verachtung, indem sie dem einst Verachteten einen geradezu religiösen 
Kult widmet. Das erhöht den Glanz der Familie und ermöglicht der Mutter, dem 
Verstorbenen stets die Verantwortung mit den Worten zuzuschieben: „So hätte 
dein seliger Vater gehandelt, wir wollen es ebenso halten." Ihre Kinder hatte 
sie „kastriert", denn ihre Tochter ist an sie fixiert und ihr Sohn hat auf jegliche 
Sexualität verzichtet. Dafür ist er der große Mann der Familie, sammelt Doktor- 
grade, beschäftigt sich mit der Kompilation wissenschaftlicher Arbeiten, die 
ohne jeden eigenen Gedanken eine Anhäufung wertvoller wissenschaftlicher 
Daten darstellen. Ohne je eine sexuelle Beziehung gehabt zu haben, führt er das 
Leben eines alten Männchens, Sklave von tausend Zeremonien, die seine Familie 
sorgfältig einhält. Seine Diät wird durch den Familienrat beschlossen, seine 
Medikamente nimmt die ganze Familie, inklusive des Dienstmädchens, mit ihm. 

Die Schwester widmet sich einer charitativen Tätigkeit, der sie jedoch nur 
finanzielle Opfer bringt; denn sie steht ihrer Tätigkeit mit einer tiefen seelischen 
Verständnislosigkeit gegenüber. 

Alles in allem ist diese Familie, inklusive der alten Bedienerin, eine homosexuelle 
Vereinigung, in welcher die Frauen maskulin und maßlos männerverachtend 
sind und das einzige physisch männliche Mitglied auf seine Männlichkeit aus 
psychischen Gründen völlig verzichtet hat. Der Zusammenhalt dieser Familie 
ist bedingt durch die gegenseitige Anpassung der individuellen Egoismen, 
richtiger gesagt, Neurosen. Von außen gesehen ist diese Familie normal. Sie lebt 
zurückgezogen, wie so viele bürgerliche Familien, doch sind ihre Kontakte mit 
der Außenwelt normal, sie üben Wohltätigkeit aus und geben den Eindruck einer 
wohlgegründeten stabilen Gemeinschaft, die sich der allgemeinen Wertschätzung 
erfreut, — mit einem Wort: Stützen der Gesellschaft. Von innen freilich herrscht, 
obwohl nie ein lautes Wort fällt, eine peinliche Spannung; denn seit zwanzig 
Jahren rächt sich der Sohn für den Gehorsam, den er der Mutter zu verweigern 



552 



Rene Spitz 










nicht wagt, durch ein verachtungsvolles und beharrliches Schweigen. Vom ärzt* 
liehen Standpunkt freilich muß man diese Familie eine neurotische nennen. So* 
wohl der soziale Gesichtspunkt wie der ärztliche behalten in diesem Falle recht, 
ein Beweis dafür, wie schwer es ist, die neurotische Familie zu definieren. 

Ein zweites Beispiel Leubas zeigt die Übermittlung der Neurose von einer 
Generation an die andere. Bereits die Urgroßmutter sperrte sich im Zimmer ein 
und mußte unter Betten und Schränke schauen, ehe sie sich niederlegte. Ihre 
Tochter hat in der Wirtschaft spezielle Riten und Zeremonielle, nach denen die 
Möbel gestellt sein müssen, und Veränderungen provozieren stürmische Szenen. 
Deren Tochter ist die Patientin Leubas und hat eine gut entwickelte, paradigma* 
tische Zwangsneurose. Die Tochter der Patientin, die Urenkelin, hat das Ritual 
des Zubettgehens auszuführen, indem sie mit Hilfe eines Stockes alle Möbel 
durchsucht, alle Laden; das durchsuchte Zimmer wird verbarrikadiert und so 
geht es von Zimmer zu Zimmer, bis schließlich das Schlafzimmer übrigbleibt 
und man sich in dieses einsperrt. Alle diese Frauen haben überdies die Gewohn» 
heit, miteinander zu schlafen; die Patientin mit ihrer Tochter, die sich am Morgen 
im geheimen — der Vater durfte davon nichts wissen — in das Bett der Groß* 
mutter schlich. Diese dagegen schlief mit der eigenen Mutter und mit der Tochter 
der Patientin abwechselnd. Angesichts dieser Promiskuität der Schlafgewohn* 
heiten jener Frauen kamen die Männer nicht mehr auf ihre Rechnung und 
schliefen ihrerseits bei anderen Frauen. 

Das Vergiftende dieser Art von Frauen ist ihr Männerhaß. Die erwähnte 
Kranke hetzte seit frühester Jugend ihre Kinder gegen ihren Gatten, einen im 
Grunde ganz braven Mann. Die Kinder waren für die Frau ein PenissErsatz. 
Daher nährte sie den Ältesten bis in sein drittes Jahr, so daß er bis heute keine 
andere Nahrung als breiige verträgt. Sie ermutigt die Kinder, den Vater anzu» 
lügen, ihn zu betrügen, und macht sie zu ihren Komplizen. Die Kinder haben 
daher eine solche Verachtung für den Vater, daß sie gar nicht zu ihm sprechen, 
ihm kaum antworten, und ihr Lieblingsspiel ist, während der Reisen des Vaters 
sich auszumalen, was jeder von ihnen tun würde, wenn ein Telegramm käme, 
das des Vaters Tod durch Eisenbahnunfall mitteilt. Das Ergebnis war bei allen 
dreien eine dauernde Angst mit ununterbrochener Unruhe; der einzige Gesetzte 
der Familie war der Vater; doch ihm gegenüber wahrten die drei Komplizen das 
Geheimnis, obschon Bruder und Schwester einander gründlich haßten, weil ein 
jedes auf die Mutter eifersüchtig war. Schließlich suchte der Vater, des Kampfes 
gegen die Koalition müde, auswärts Trost und wurde dank der Intuition seiner 
Frau selbstverständlich sofort bei seiner Untreue ertappt. Mit lauten Klagen 
rief die Mutter die Welt und ihre Kinder als Zeugen ihres Unglückes und der 
Unwürdigkeit ihres Mannes an. 

Diese zwei Beispiele mögen genügen. Leuba ging noch auf die Frage der 
Erblichkeit der Neurosen ein, worüber nach seiner Meinung wenig auszusagen 
sei. Er sprach ferner von jenen Fällen, in denen ein Vater mit überstrengem 
Übersieh der Ausgangspunkt der Familienneurose ist. In diesen Fällen ist das 
Bild ein anderes: Zu dem Vater mit dem überstrengen Übersieh gehört meist 
eine unterdrückte depressive Frau und Homosexualität sowohl bei den Töchtern 
wie bei den Söhnen. 



Familienneurose und neurotische Familie 



553 

Zum Schlüsse stellt Leuba noch einige Erwägungen über die Frage an, ob 
die durch die verschiedenen Religionen gesetzten Unterschiede in der sozialen 
Haltung voneinander differenzierbare Neurosen ergäben Fr 1™«,™+ „ J 
Resultat daß bei einer Hierarchie der Sünde und JL^£^fiJZ 
sich nicht anhäufen kann und dadurch die Offenherzigkeit gefördert wird 
Wo dagegen die Hierarchie der Sünde und der Strafe fehlt, wird der Mensch 
durch das sich anhäufende, immer stärker werdende Schuldgefühl zur Vergört* 
Innung der Verdrängung gezwungen, was eine gewaltige Entwicklung des Maso* 
chismus und der Minderwertigkeit, sowie eine Unterdrückung der Aggressionen 
zur Folge hat. Das Endergebnis ist eine skrupelerfüllte, zwangsneurotische Denk 
form, eine sehr starke Gehemmtheit und die Unfähigkeit, sich aufrichtig nutz«* 

Bei jenen Glaubensbekenntnissen, die eine besonders strenge oder eine über* 
maßig milde väterliche Haltung fördern, sei die Potenzstörung häufig Auch 
hier verleihen zurückgedrängte Aggressionen dem Denken eine zwangsneuro- 
tische Form, wobei dieses Denken dadurch, daß die Aggressionen gegen die 
eigene Person gerichtet sind, einen masochistischen Anstrich bekommt. 

Wo solche Vaterfiguren ergänzt werden durch Mütter, die ihre Zärtlichkeit 
ihren Kindern gegenüber ungehemmt äußern, werden die Kinder in ihren Be* 
Ziehungen zur Außenwelt auch ungehemmter. Als Erwachsene leben sie nach 
außen und nehmen Anteil an der Mitwelt. 

Wo jedoch auch die Mutter ihre Zärtlichkeit zurückdrängt, was oft aus reli* 
giösen Gründen geschieht, bleiben die Kinder viel mehr an die Mutter fixiert 
häufig in negativer und aggressiver Weise. Sie bleiben ans Haus, an das mütter* 
liehe Symbol gebunden, müssen um Erlaubnis bitten, es mit Bedauern verlassen. 

Leuba selbst bezeichnet diese Verallgemeinerung als oberflächlich, meint 
jedoch, daß die Religionszugehörigkeit den Neurosen eine gewisse Färbung ver* 
leiht, die er freilich weniger den Glaubensbekenntnissen als den sozialen Hai* 
tungen zuschreibt, die durch die Religionen bestimmt werden. Wenn schon die 
Zwangsneurose oder die Angsthysterie sich auf der ganzen Welt gleich bleiben, 
so betreffe die Gleichheit nur die Mechanismen, nicht die Inhalte der Neurose.' 

Als Behandlung und Prophylaxe der Familienneurose empfiehlt er eine Reform 
der Menschheit, an welcher der Analytiker durch die Verbreitung der Analyse 
unter den Erziehern und den Ärzten mitarbeiten kann. 

Hiezu schlägt er vor, unsere Zeitschriften weniger technisch und dem Publikum 
verständlicher zu gestalten, sowie den Kontakt mit den ärztlichen Gesellschaften 
zu pflegen. 

Leubas Vortrag provozierte eine angeregte Diskussion. Es wurde hervor* 
gehoben, daß ein strenges Übersieh auch seine Vorzüge habe und daß es keines* 
wegs angehe, einem Kinde nur Gewährung zuteil werden zu lassen, — Ver* 
sagungen seien in der Erziehung notwendig. 

Auch Leubas Neurosendefinition empfand man als unzulänglich. Es wurde 
daran erinnert, daß die Neurose durch eine Störung der Sexualität charakterisiert 
sei, daß die Wiederherstellung der Gesundheit als Kriterium die Wiederher* 
Stellung der sexuellen Potenz habe. 

Zu lebhaften Meinungsverschiedenheiten gab die Frage Anlaß, ob die 



554 



Rene Spitz 



Differenzen in der Neurose in der Verschiedenheit der Religionen begründet 
sein können. Einesteils wurde betont, daß die Mechanismen auf der ganzen Welt 
die gleichen seien und daß höchstens die Inhalte der Neurose sich ändern 
könnten. Die durch die Familie verschuldeten Fixierungen seien nur ein Teil 
der Neurose. Einen sehr wesentlichen Teil der Anlässe zur Neurose fand man 
in nicht milieubedingten, extra*familiären Faktoren. 

Schließlich wurde daran erinnert, daß Freud in einer Diskussion über Er» 
Ziehung einen wertvollen Hinweis für das Studium der Familienneurose ge* 
geben hat. Er sagte, die ärgste Verwahrlosung trete bei jenen männlichen Jugend* 
liehen ein, in deren Antezedenzien einerseits ein überstrenger, gegen den Sohn 
feindseliger Vater und andererseits eine immer verzeihende, für den Sohn zu 
jedem Opfer bereite Mutter nachzuweisen sind. Diesen Jugendlichen kann im 
Prinzip nichts geschehen, denn sie haben unter allen Umständen die narzißtische 
Sicherung der mütterlichen Liebe und sie vollführen daher entstellte Ödipus* 
verbrechen. 

Ehe ich meine eigene Stellungnahme zu den Fragen, die der französische Kon* 
greß aufwirft, darstelle, möchte ich noch in einigen Worten Parallelen aus der 
Arbeit von Aichhorn heranziehen. 3 Seine Ausführungen kommen von einer 
ganz anderen Problematik her. Seine Arbeit behandelt die Erziehungsberatung 
und es wird sich notwendigerweise ergeben, daß andere Fragen als die uns im 
Augenblicke interessierenden im Vordergrund stehen. Nichtsdestoweniger spielt 
die Frage des Einflusses der Familie in diesem Buche selbstverständlich eine 
überragende Rolle. 

Wir finden manche Parallelen zu den Ausführungen der französischen 
Autoren, etwa dort, wo Aichhorn feststellt, daß der höchste Prozentsatz 
verwahrloster Kinder aus Familien kommt, in denen das Machtverhältnis der 
Eltern sich umgekehrt zum gewöhnlichen gestaltet, wo die Mutter Haupt der 
Familie ist und Gatten und Kinder beherrscht. Der Vater anerkennt diese über* 
geordnete Stellung; wenn er sich ausnahmsweise auflehnt, geschieht es in sinn* 
loser Wut und brutal. Hier steht der latent homosexuellen aktiven Frau der latent 
homosexuelle passive Mann gegenüber. Er befriedigt nicht die Libidoansprüche 
seiner Gattin, diese sucht für ihre Libido ein Objekt und findet es im Kinde. Das 
Kind wiederum kann die libidinöse Überlastung nicht ertragen und verwahrlost. 

Es ist kaum notwendig, auf die Ähnlichkeit dieses Bildes mit den vorhin ge* 
zeigten hinzuweisen. Ebenso könnte der Ausspruch Aichhorns, daß es kaum 
ein verwahrlostes Kind gibt, das aus einem geordneten Familienleben kommt, 
von den französischen Analytikern getan worden sein. Freilich zweifeln die 
skeptischen französischen Autoren an der Existenz eines von Neurosen unbe* 
lasteten Familienlebens. 

Auch die von Bernfeld zitierte Form der Familiensituation wird von 
Aichhorn erwähnt. Es ist das Kind, das in der Kinderstube erlebt: „Mir 
kann nichts geschehen", da es den von einem Elternteil ausgehenden Ver* 
sagungen durch Flucht zum anderen Elternteil entgeht. Die Eltern tragen ja 



3) A. Aichhorn: Zur Technik der Erziehungsberatung. Ztschr. f. psa. Päd., Bd. X, 
1936. 






Familienneurose und neurotische Familie 



555 



ihre Uneinigkeit vor dem Kinde aus und es merkt bald, welche Vorteile « 
gewinnt, wenn es sie gegeneinander ausspielt. 

Ist überdies in dieser Situation die Mutter die Stärkere so fehlt dem Knaben 
das geeignete männliche Identifizierungsobjekt. Der schwächliche Vater ist dazu 
ungeeignet. 

Doch wir sagten vorhin, daß diese schwächeren Väter häufig brutal werden 
können Aichhorn meint nun, daß der Jugendliche, der nach einem wirklich 
männlichen Identifizierungsobjekte sucht, seine Identifizierung mit den Brutali* 
tatsausbrüchen des Vaters vollbringt und aggressiv wird. 

Erinnern wir überdies an die Vorschläge Laforgues, den richtig ausge* 

wählten Elternteil zu analysieren, um die Neurose der Kinder und des anderen 

Elternteiles zum Verschwinden zu bringen. Auch dazu finden wir eine Parallele 

in den Erfolgen der Erziehungsberatung Aichhorns. Durch eine psycho* 

therapeutisch geschickte Es*Beeinflussung bewirkt er eine Veränderung im libi* 

dinösen Haushalt des einen oder des anderen Elternteiles. Mit dieser Es*Beein* 

flussung erreicht er eine Entlastung des libidinösen Haushaltes der Familie. 

Damit wird der Motor, der die Neurose des Kindes in Gang hält, stillgelegt. Ein 

schönes Beispiel Aichhorns ist der Fall jener frigiden Mutter, die neben einem 

schizoiden Vater lebte. Dieser konnte natürlich ihre libidinösen Ansprüche nicht 

befriedigen. Die Mutter lebte sie am Kinde aus, welches schwer erziehbar wurde. 

Eine andere Entlastung gewährte sich die Mutter nicht, dazu war ihr Schuld* 

gefühl, eben wegen ihrer libidinösen Wünsche dem Gatten gegenüber, zu stark. 

In seiner Beratung ermöglichte ihr Aichhorn durch entsprechende Stellung* 

nähme eine Sommerreise, die sie sich sehr gewünscht, aber aus Schuldgefühl nicht 

unternommen hatte. Diese Entlastung genügte, um den Vater so weit von den 

Ansprüchen der Frau zu befreien, daß er zu einer relativen Normalität zurück* 

kehren konnte. Die Mutter indes hatte in der Sommerreise eine gewisse Be* 

friedigung gefunden und in dieser weniger neurotischen Atmosphäre wurde 

plötzlich das schwer erziehbare Kind normal. 

Es kann nicht unsere Aufgabe sein, im Rahmen dieser Besprechung die Arbeit 
Aichhorns zu würdigen. Dies wird an anderem Orte von Berufeneren ge* 
schehen. Ich möchte nunmehr meine eigene Stellungnahme zu den Darstellungen 
und zur Problematik der französischen Analytiker folgen lassen. 

Manche Formulierung, die dem deutschsprachigen Analytiker irreführend er* 
scheinen mag, ist in einer abweichenden Verwendung der gewohnten Terminologie 
und zum Teil auch in der Verwendung von Begriffen, die bei jenen ungebräuchlich 
oder unbekannt sind, begründet. So etwa der Begriff Männlichkeitskomplex 
der Frau. Hier wurde vielerlei zusammengedrängt und je nach dem Orte, an 
welchem er verwendet wird, bedeutet er Herrschsucht, kastratives Benehmen, 
manifesten oder verdrängten Exhibitionismus, Sadismus einerseits, Leidens* 
wünsch, Masochismus, Minderwertigkeitsgefühl andererseits. Ebenso ist die Ver* 
Wendung des Begriffes „latente Homosexualität des Mannes" eine recht lose. 
Dieser Begriff hat wohl seinen Ursprung in einer für die französische analy* 
tische Literatur spezifischen Theorie: der Theorie der Nichtakzeptierung („in* 
acceptation"); es wird darunter die Nichtakzeptierung der männlichen Rolle, 
der männlichen Sexualität beim Manne verstanden und ebenso die Nichtakzeptie* 



556 



Rene Spitz 



rung der weiblichen Rolle, der weiblichen Sexualität, der Penislosigkeit beim 
Weibe. Im weiteren Sinne wird darunter die Nichtakzeptierung der Sexualität 
bei beiden Geschlechtern überhaupt, die Nichtakzeptierung der Gesundheit beim 
Kranken, der Krankheit beim Gesunden und ähnliches mehr verstanden. 

Es ist nicht wahrscheinlich, daß diese Theorie für unser analytisches Denken 
nützliche Dienste leisten kann. Letzten Endes ist jedes Phänomen die Nicht* 
akzeptierung eines anderen. Es kommt also auf eine im weitesten Sinne formale 
Begriff setzung heraus, auf die Feststellung der Tatsache nämlich: wenn A nicht 
gleich B ist, dann ist die Setzung von A eine Nichtakzeptierung von B. Anders 
ausgedrückt ist die Theorie von der Nichtakzeptierung der Satz vom Wider* 
spruch. Durch diese Denkweise entsteht in den beiden sehr interessanten Refe* 
raten manche Unklarheit. 

Auch die Behauptung der Diskussionsredner, daß die Mechanismen der 
Neurose sich auf der ganzen Welt gleichen, beruht auf einer terminologischen 
Unklarheit. Es handelt sich in diesem Falle nicht so sehr um die Mechanismen 
der Neurose als um den strukturellen Aufbau der einzelnen Neurosenformen. 
Zweifellos ist dieser auf der ganzen Erde der gleiche. 

Ein anderer Punkt, die nicht milieubedingten, extrafamiliären Ursachen der 
Neurose, auf die mit viel Nachdruck hingewiesen wurde, scheint mir praktisch 
vernachlässigbar, wenn man sich dem Freudschen Schema der Ergänzungs* 
reihe von Konstitution und Verursachung durch Erlebnisse anschließt. Die nicht 
von der Familie ausgelösten Erlebnisse des Kindes sind nicht nur in der ver* 
schwindenden Minorität, sondern sie werden vom Kind fast ausnahmslos im 
Zusammenhang mit den Reaktionen der Familie auf eben diese Erlebnisse wahr* 
genommen. 

Das Problem, das den Gegenstand dieses Kongresses bildete, ist ein so um* 
fassendes, daß eine Stellungnahme zu seinen einzelnen Teilen sehr viel Raum er* 
fordern würde. Ich muß mich daher auf einen kleinen Ausschnitt aus diesen 
Fragen beschränken. So etwa begrüße ich den von L e u b a eingeführten Begriff 
einer „normalen Psychopathologie". Diese unterscheidet sich keineswegs von den 
sonstigen, zivilisationsbedingten Defekten des Kulturmenschen. Zivilisation ist 
eben, wie Freud gesagt hat, ein Prozeß, für den man bezahlen muß; neben einer 
normalen Psychopathologie gibt es eine normale Pathologie. Wenige unter uns 
werden Menschen kennen, die nicht entweder Augengläser tragen — also einen 
Augendefekt haben; oder an kariösen Zähnen leiden; oder die nicht zumindest 
kahl wären. Im Malaiischen Archipel dagegen wird wiederum die Tinea 4 oder 
die Syphilis weniger als Krankheit angesehen denn als lästige Unbequemlichkeit. 
So ist die körperliche Normalität eine variable Größe, die nach Zivilisationen 
wechselt; ebenso verhält es sich auch mit der seelischen Normalität. 

Wenn aber die seelische Normalität eine variable Größe ist, die nach Zivili* 
sationen wechselt, so trifft das notgedrungen auch für die Neurose zu. Das ist 
weiter nicht verwunderlich, da wir ja schließlich wissen, daß am Ausgangs* 
punkte der Neurose die je und je verschiedene Form des Ödipuskomplexes liegt. 
Diese Form aber ist bedingt durch die individuelle Struktur der Familie, die 



4) Eine Hautkrankheit. 



Familienneurose und neurotische Familie 



557 



ihrerseits wiederum in weitgehendem Maße durch die am Standorte der be- 
treffenden Familie geltende Form der Zivilisation bedingt wird. Wir sagen damit 
nichts Neues; es ist eine andere Darstellung der dem Psychoanalytiker wohl* 
bekannten Tatsache, daß das jeweilige gesellschaftliche Ideal von Generation 
zu Generation auf dem Wege des Ödipuskomplexes übermittelt wird. Die Kon* 
formität mit dem gesellschaftlichen Ideal jedoch ist eines der Kriterien der Nor* 
malität; wenn das gesellschaftliche Ideal wechselt, so wird notgedrungen auch 
die Abweichung von diesem Ideal, also die Neurose, anders werden. Diese Aus* 
führungen unterstützen also die These Leubas, nach welcher die von den ver* 
schiedenen Glaubensbekenntnissen bedingten sozialen Haltungen auch von* 
einander verschiedene Neurosenformen bedingen müssen. Freilich läßt sich diese 
These in unseren europäischen Verhältnissen nur mühsam beweisen, denn die 
Unterschiede, die durch die verschiedenen Glaubensbekenntnisse in unseren 
sozialen Haltungen erzeugt werden, sind außerordentlich gering, wenn wir sie im 
Verhältnis zu den Invarianten betrachten, die als die gemeinsame Basis unserer 
europäischen Sozietät gelten. Wir können uns die Aufgabe leichter machen, 
wenn wir uns den voneinander so verschiedenen primitiven Kulturen zuwenden. 
Diese haben von den unsern durchaus verschiedene und zugleich auch unter* 
einander verschiedene gesellschaftliche Ideale und dementsprechend ist auch die 
Über*Ich*Bildung bei ihnen eine andere als bei uns. Wir wollen es vermeiden, 
den allzu leicht mißverständlichen Terminus des „Kollektiv*Über*Ichs" zu ver* 
wenden; was man mit diesem Begriffe bezeichnet, ist meist nur der allgemeinste 
Eindruck, den wir von den Gemeinsamkeiten einer Anzahl von Über*Ichen einer 
gegebenen Gesellschaft empfangen. Die Invarianten einer bestimmten Kultur 
ergeben ja die Konstanz des für das Über*Ich maßgebenden Kulturideales. 

Ich will zwei Beispiele solcher voneinander abweichender Kulturen geben: Die 
A r a p e s h 5 schalten die Aggression bei beiden Geschlechtern aus, die Haltung 
der Geschlechter zueinander ist eine liebevolle und in den sozialen Beziehungen 
treten die geschlechtlichen Differenzen nicht zutage. Nicht der Mann herrscht 
über das Weib, sondern der Ältere ist der Schützer und die Stütze des Jüngeren; 
das Ergebnis ist eine friedliche, den Krieg nicht kennende Gesellschaft, die keine 
unmittelbaren Familienkonflikte hat, sondern diese auf entfernte Volksstämme 
verschiebt. 

Dem gegenüber steht der Volksstamm der Mundugumor, deren gesell* 
schaftliches Ideal der kannibalische, aggressive Mensch ist, sowohl für den Mann 
als auch für die Frau; bei denen es die höchste Ehre bedeutet, den anderen zu töten 
oder zumindest zu betrügen. Keinerlei Sicherheit, keinerlei Vertrauen existiert, 
daher auch kein Dorfleben. Jeder lebt für sich, in Häusern, im Busch, mit ver* 
steckten Zugängen; trotzdem herrscht auch bei diesem Volke vom gesellschaft* 
liehen Gesichtspunkte eine Gleichheit der Geschlechter. 

Bei diesen beiden Völkern ist der Neurotiker völlig verschieden. Während bei 
den Arapesh der Aggressive, Gewalttätige sozial unangepaßt und neurotisch ist 
und daher als Feind der Gesellschaft behandelt wird, ist bei den Mundugumor 



5) Vgl. Margaret M ea d: Sex and Temperament in Three Primitive Societies. New York, 
1935. 



558 



Rene Spitz 






der sanfte, friedliche, mütterliche oder väterliche Mensch derjenige, der neuro* 
tisch wirkt und dementsprechend auch meist untergeht. 

Das Schlußergebnis ist ein sehr merkwürdiges. Einerseits sind die nicht aggres* 
siven Zivilisationen diejenigen, welche die in ihnen Lebenden im allgemeinen zu 
glücklichen, zufriedenen Menschen machen. Freilich geben sie den wirklichen 
Neurosen, den Unangepaßtheiten mehr Möglichkeit zur Entfaltung. Dem gegen* 
über sind die Menschen in den aggressiven Zivilisationen im allgemeinen un* 
glücklicher, doch die Neurotiker in ihnen seltener. 

Schließlich gibt es noch Zivilisationen, deren Aggressionen in einer sehr voll* 
ständigen zwangsneurotischen Weise sublimiert sind. Eine solche ist die Zivili* 
sation der „Zuni", 6 die alle Aggressionen sublimieren; auch für den Neurotiker 
vermochten sie eine soziale Rolle zu finden; sie machen aus ihm je nach seiner 
Neurose einen offiziellen Ekstatiker oder, seiner Perversion gemäß, einen offi* 
ziellen Transvestiten. 

Man sieht also, daß weit mehr als die Familie die Zivilisation die Neurose be* 
deutet. Die Familie selbst ist letzten Endes in ihrer Eigenart, in ihrer Struktur 
und besonders in ihrer Idealforderung eine Funktion der Zivilisation. 

Hier wird es klar, daß die Verschiedenheit der Neurosen nicht in einen 
direkten Zusammenhang mit den verschiedenen Glaubensbekenntnissen gebracht 
werden kann. Das Glaubensbekenntnis als solches, als spiritueller Faktor im 
Seelenleben des Einzelnen, ist nicht entscheidend für die Neurose. Dagegen ist 
ein gegebenes Glaubensbekenntnis nur mit bestimmten Zivilisationen vereinbar, 
es gibt Zivilisationen und Glaubensbekenntnisse, die sich gegenseitig aus* 
schließen. Innerhalb einer Zivilisation wird das Glaubensbekenntnis, welches 
von dieser Zivilisation als ihr gemäß angenommen wurde, eine Rückwirkung auf 
das Zivilisationsideal haben. Primär wird es jedoch das jeweilige Zivilisations* 
ideal sein, welches für die Form der dort herrschenden Neurosen maßgebend ist. 

Nun ist aber die Neurose ein Instrument, eine Methode zur Abwehr äußerer 
Schädlichkeiten oder zur Überwindung innerer Schwierigkeiten. Die Frage der 
inneren Schwierigkeiten führt zum Problem der Konstitution und kann von uns 
füglich vernachlässigt werden. Die äußeren Schwierigkeiten beziehen sich auf 
Schädlichkeiten, die von der Umwelt gesetzt werden. In der Abwehr gegen diese 
erfüllt die Neurose ihre Rolle in der Bewältigung der Familiensituation. Wir 
haben vorhin gezeigt, daß die Familiensituation das Ergebnis der Anpassung 
an die Forderungen der im gegebenen Augenblick am gegebenen Orte herr* 
sehenden gesellschaftlichen Moral ist und der gegebenen gesellschaftlichen Ideal* 
bildung entspricht. So wird also die Neurose und in noch höherem Maße die 
Familienneurose das Äquivalent sein, welches für die Einhaltung eines jge* 
gebenen gesellschaftlichen Ideals zu entrichten ist. Eine Detailuntersuchung 
dieser Frage führt ins sozialwissenschaftliche Gebiet und kann also Berufeneren 
überlassen werden. 

Schließlich noch ein Detail: genau so wie die herrschsüchtige, frigide Frau 
wahrscheinlich für bestimmte Nationen charakteristisch ist, dürfte, wie das ja 

6) Elsie Clews Parsons: The Zuni Lamana (American Anthropologist, 1916) nach 
Ruth Benedict: Patterns of Culture. 



Familienneurose und neurotische Familie 



559 



Leuba erklärt hat die Zwangsneurose für bestimmte Formen der Gesellschaft 
spezifisch sein. Es erhebt sich jedoch die Frage, warum denn gerade die ZwanS 

neurose StrltT ^ ^^ """"^ der so * en ™ten ***£ 

Ich meine, daß man sich das aus den Erscheinungsweisen der verschiedenen 
psychischen Erkrankungen leicht erklären kann. Während die Hysterie sich vor 
wiegend in somatischen Erscheinungen zeigt und innerhalb des Körperbereiches 
des Individuums die libidinösen Spannungen zur Abfuhr bringt- während in 
der Perversion vielfach zwischen den Partnern gegenseitig die Spannung zur 
Abfuhr gebracht wird und die Umwelt von der Teilnahme an dieser Abfuhr 
verschont bleibt, wird der Zwangsneurotiker, falls er nicht affektgesperrt ist 
seinen zur manifesten Abfuhr unfähigen Sadismus an der Umwelt zu betätigen 
gezwungen sein. Die ihm unmittelbar zur Verfügung stehende Umwelt ist eben 
die Familie und das ist der Grund, weswegen die Zwangsneurose so häufig in 
der Ätiologie der Familienneurose auftritt. 

Es läßt sich noch ein weiterer Gesichtspunkt zur Erklärung des Phänomens 
heranziehen, daß es gerade Zwangsneurotiker sind, die in der Ätiologie der 
familiengebundenen Neurosen eine solche Rolle spielen. Wenn wir als un* 
neurotisch und normal den Menschen bezeichnen, der über die augenblickliche 
Angepaßtheit an die jeweilige gesellschaftliche Lage hinaus ein hohes Maß an 
Elastizität besitzt, mit dessen Hilfe er sich neuen Anforderungen, neuen Be=» 
lastungen, überhaupt wechselnden Situationen anpassen kann, so wird der 
Zwangsneurotiker besonders schlecht abschneiden. Der Hysteriker mag wohl 
atypisch und launenhaft reagieren, doch er paßt sich Umweltsveränderungen 
in gewissen Beziehungen an. Nicht so der Zwangsneurotiker. Es liegt im Wesen 
seiner Krankheit, starr auf den Formen seiner Abwehr zu beharren, ängstlich 
seine Zeremonielle zu wahren und mit der ganzen Kraft seiner Ambivalenz und 
Aggression die Einhaltung dieser Formen und Zeremonielle von der Umwelt, 
mögen sich die Verhältnisse auch noch so sehr ändern, zu verlangen. 

Ich bin mir bewußt, mit diesen Bemerkungen nur untergeordnete und periphere 
Punkte des gesamten Fragenkomplexes gestreift zu haben. Denn die Fragen, die 
sich bei diesem Thema erheben, sind zahlreich. Grundlegend etwa, wie es mögrf 
hch ist, daß in einem neurotischen Familienmilieu unneurotische Kinder auf* 
wachsen; oder umgekehrt, wie man erklären kann, daß dem unneurotischen 
Familienmilieu Neurotiker entspringen. Die Frage der Beziehung von Kon* 
stitution und Umwelt habe ich bereits vorhin angedeutet. Man wüßte auch gerne, 
wie es mit den Interferenzen zweier oder mehrerer Neurosen bestellt ist, ob und 
inwieweit Neurosen andere Neurosen induzieren. Daß es eine Interdependenz 
neurotischer Mechanismen und neurotischer Strukturen gibt, wissen wir und 
es ist uns durch die Ausführungen dieses Kongresses noch klarer gemacht wor* 
den. Auch die anderen von mir aufgezählten Fragen sind angeschnitten worden. 
Es hat sich erwiesen, daß das Thema ein ungeheures und in einem Kongreß nicht 
einmal in seiner ersten Annäherung bewältigbares ist. Es wird zweifellos jähr* 
zehntelanger Arbeit bedürfen, um die notwendigen klinischen Unterlagen zu 
sammeln, aus denen dann die ersten Ordnungsprinzipien zur Bewältigung dieses 
Fragenkomplexes herausgearbeitet werden können. Es war ein mutiges und 



560 



Rodolpha Loewenstein 



dankenswertes Unterfangen der französischen analytischen Gruppe, durch die 
geistvollen Darlegungen ihrer Referenten diese wichtige Problematik auf die 
Tagesordnung gesetzt und damit die Aufmerksamkeit der Analytiker auf sie 
gelenkt zu haben. 



Bemerkungen zur Theorie des therapeutischen 
Vorgangs der Psychoanalyse 1 

Von 

Rodolphe Loewenstein 

Paris 

Die Überlegungen, die ich Ihnen im folgenden vorlege, entspringen teilweise 
der mangelnden Präzision der Problemstellung und der Unsicherheit, in die 
man gerät, sobald man über die Theorie der analytischen Therapie etwas aus* 
sagen will. 

Man kann das Problem von drei verschiedenen Seiten her untersuchen: 

1. Worin besteht die Heilung eines Neurotikers? 

2. Welche sind die psychischen Prozesse, die zu dieser Heilung führen? 

3. Über welche Mittel verfügen wir, um diese Prozesse in Gang zu bringen und 
zum guten Ende zu führen? 

1. Die erste dieser Fragen schließt weitere ein: Wie geht die Heilung vor sich? 
Wann ist ein Neurotiker geheilt? Woran erkennt man es? Wodurch und worin 
unterscheidet oder gleicht sich der Behandelte vor und nach seiner Analyse, 
worin gleicht er anderen, „normalen" Individuen oder ist von ihnen verschieden? 

Wir sehen, daß alle diese Fragen die Theorie der Neurosen einschließen. 

2. Die zweite Seite des Problems umfaßt alle psychischen Prozesse, die sich 
im Analysanden abspielen. Wir wissen wohl, daß die Analyse nicht in jedem 
einzelnen ihrer Teile unmittelbaren Heileffekt besitzt, sondern nur in gewissen 
Momenten, meist gegen das Ende zu, und in ihrer Gesamtwirkung. Wir wissen 
aber auch, daß die meisten dieser Elemente gewöhnlich unentbehrlich oder, in 
allen Fällen, unvermeidlich sind, wenn man zum angestrebten Endziel gelangen 
will. 

3. Angesichts der Komplexität des Heilungsprozesses muß man fragen: Welche 
Mittel setzen, welche halten ihn in Gang, treiben und dirigieren ihn zum ge* 
wünschten Endeffekt? Das wirft nun wieder das Problem der psychoanalytischen 
Technik auf. Wenn ich also die Vielfalt der Fragestellungen zum Gegenstand un* 
serer heutigen Diskussion hervorhebe, so tue ich das eben in der Absicht, die 
Komplexität unseres Problems aufzuzeigen. 

i) Aus dem Französischen übertragen von Lilly N e u r a t h, Wien. — Anmerkung 
der Redaktion: Wir bringen hier als Nachtrag zwei Diskussionsbemerkungen zum Sym* 
posion über die Theorie der therapeutischen Resultate, abgehalten auf dem XIV. Inter« 
nationalen Psychoanalytischen Kongreß in Marienbad, 4. August 1936 (siehe Heft 1 dieses 
Bandes, Seite 6). 



Bemerkungen zur Theorie des therapeugschenj^^ 

Gewiß, im Beginn der psychoanalytischen Forschung t«„„+ j- t. , 
verhältnismäßig einfach erscheinen. Die AaS^^Z^?^ 
«a Anfang bediente, hat sich aber als eine Entdeckung von ^« A v?* 
Fruchtbarkeit erwiesen. «ecicung von außerordentlicher 

Die seelischen Abläufe, die sich im Verlauf der Behandlung en^ t n 
waren die geHaue Umkehrung jener, die zu den neurotischen ? en * WlckeIten ' 
föhrt hatten. Die Katharsis war wirklich die UmSm des fvT^ V 
Einklemmung des Affekts; das Bewußtwerden der vergessenen ErLT^ ** 
die Umkehrung der pathogenen Amnesien. Und schließl^Sen TwE 
stände, dxe der Neurotiker der Behandlung entgegenbringt, eine ™hv~Z 
Verdrängung zur Voraussetzung. Und das Phänomen der übertragen! d h 
soweit sie sich als Widerstand äußert, gestattet die Erkenntnis, daß Se Kräfte' 
die die Verdrängung bewirkten, vor allem eine Funktion der Gefühlsbeziehungen 
des Individuums zu seiner Umgebung waren. "jungen 

Die Übereinstimmung ist auffallend: der therapeutische Prozeß ist die Um. 
kehmng des pathogenen Prozesses. Mithin würde es also genügen diesen 
ÄSÄS^^ ^ dU ^ Uf — *» «°£ au4heben, Se so 

RiS* l Ölt v heX diC Gültigkeit des Prinzi P*> das uns bis daher geführt hat, auf 

einen: e p r e ozeß 0n d nte iT 'tf^ ? ** *" ^-^-hen Technik m t 
einem Prozeß des Ungeschehenmachens vergleichen. Dadurch ergibt sich eine 
gewisse Verwandtschaft der psychoanalytischen Behandlungsmethode mit jenem 
Verfahren das Geisteskranke heilen wollte, indem man sie in genau die g S 
reale Situation versetzte, in der das pathogene Trauma entstanden war, und te 
S T% InS2 ™ ng die Vorgänge von damals wiedererleben ließ. Ich weiß 
mcht ob dieses Verfahren je angewendet worden ist, - es wurde jedenfalls von 
der dichterischen Phantasie vielfach imaginiert; ich will als ein B isp efnt le 
berühmte Dichterin Selma Lager löf anführen. Die Vorstellung voHiner 
Int* M f h ° de + hat aber nicht nur in ** Fantasie der Schriftsteifer gespukt 
See eine r ff n " f^ " StUdien Über Hysterie " zitiert F "« d eine analoge 

Freu U '♦ 7? f? ^T' Binets > der (an einer anderen als der von 

mentaux en 1 } f^ nQw ^ ^^ * M ™ ^ rir des *^ d « 

teoubles." exactement dans la Situation qui a provoque leurs 

Nun, die Psychoanalyse kann wirklich recht gut mit diesem Verfahren ver. 

Cn W ! '' r ^f ^ dn dnzigeS ErIebnis in der ReaIität zu inszenieren, 
bedienen wir uns eines langsamen psychischen Ablaufs, in dem die Szene oder 

die Szenen und Situationen, die pathogen gewirkt hatten, in fraktionierten Dosen 
d£d TX ^ erden > die a nsze ^ung durch Erinnern, durch verbalen Aus, 
t£££^£^ nlCht UmgeSet2t6n) H-dlungsimpulse in der 

Aber wenn auch die Analogie zwischen den beiden Methoden auffällig ist, so 
ist sie doch auch recht unvollständig. Wir wissen aus der Erfahrung, daß kein 
e nziges Verfahren imstande ist, psychische Geschehnisse wirklich ungeschehen 
zu machen. Im Seelischen ist ein Ungeschehenmachen nicht möglich. 

Int. Zeitschr. f. Psychoanalyse, XXIII/4 36 



562 



R. Loewenstein: Bemerkungen zur Theorie des therapeutischen Vorgangs 



I 



Freud vergleicht in den „Vorlesungen zur Einführung in die Psychoanalyse 
den Kampf der Psychoanalyse mit den Vorgängen in einem Krieg. Manchmal 
wird erbittert um einen Punkt gekämpft, der an sich bedeutungslos ist, wohl aber 
einen strategischen Wert hat. Genau so ist es in Analysen, wo die Widerstände 
nicht immer zu jenen Stellen hinführen, die ehemals von besonderer pathogener 
Bedeutung waren. Freud sagt damit zugleich, daß der Heilungsprozeß nicht 
die genaue Umkehrung des pathogenen Prozesses ist. 

Wie sollte es denn auch anders sein? Die Bedingungen bei der Entstehung der 
Neurose und jene zur Zeit der Behandlung sind einander in keiner Weise ahn» 
lieh. Die Triebansprüche des Erwachsenen sind nicht mehr die des Kindes. Der 
Erwachsene ist nicht mehr so leicht verwundbar wie in seiner Kindheit. Und 
schließlich ist auch das Ich nicht das gleiche geblieben, ein Umstand, dessen große 
Bedeutung wir immer mehr einsehen. 3 

Anderseits wissen wir, daß alle Versuche, durch einen einzigen Faktor die 
Neurosen zu heilen und zu erklären, gescheitert sind oder sich als irrig erwiesen 
haben (z. B. die Versuche Ranks). 

So bekommen wir also selbst für den ersten Teil der Fragestellung - wir 
wollen ihn die Theorie der Heilung nennen - verschiedene Antworten. Um so 
weniger wahrscheinlich dünkt es uns also, daß man eine einfache Theorie für 
alle Arten von Heilungsprozessen für Neurosen und verwandte Affektionen 
gewinnen könnte. t , ,, 

Daß alle Referate, die wir soeben gehört haben und die doch sicherlich die 
Erfahrungen gewissenhafter und scharfsichtiger Beobachter wiedergeben, so 
viele Divergenzen, selbst bezüglich der Ebene, in der sie sich bewegen, auf» 
weisen - beweist das nicht zur Genüge, daß die beobachteten Erscheinungen 
außerordentlich variabel sind? 

So hat also S t r a c h e y mit vollem Recht nachdrücklich betont, daß die Über» 
tragungsdeutungen in der psychoanalytischen Arbeit eine besondere Stellung 
einnehmen - ein Standpunkt, den Freud schon früher im „Rattenmann * dar» 
gelegt hat. Wir wissen aber, daß in recht vielen anderen Fällen der Exaktheit 
einer individualhistorischen Deutung, die die Rekonstruktion vergessener Ge» 
schehnisse bezweckt, eine ebenso große therapeutische Bedeutung und Tragweite 

zukommt. 

Jeder Analytiker hat auch schon jene verwirrenden Erfahrungen der negativen 
therapeutischen Reaktion gemacht, trotz vollkommen ausreichendem Verständnis 
auf seiner Seite. Und wie verhält es sich mit den - glücklicherweise zahlreicheren 
- Fällen mit gutem Heilerfolg, in denen es nicht möglich ist, mit Präzision und 
Gewißheit den Grund des therapeutischen Erfolgs anzugeben? Nunberg 
durfte mit voller Berechtigung feststellen, wie unzulänglich wir noch über viele 
Punkte der therapeutischen Wirkungen der Psychoanalyse unterrichtet sind. 

Die Referate, die wir heute gehört haben, besonders die von B i b r i n g, N u n» 
b e r g und F e n i c h e 1 sind sicherlich sehr nützliche und wertvolle Beitrage zur 

a) Ges. Schriften, Bd. VII. • , , , . „ „ ' 

3) Ganz besonders seit den letzten Arbeiten von Freud, N u nberg und Anna 

4) Bemerkungen über einen Fall von Zwangsneurose. Ges. Sehr., Bd. VIII. 



J*?f^^LL^2^ Technik 



Lösung des Problems. Ich möchte jedoch mit S a c h s sasren AM ■ 

Aufgabe auf lange Sicht unterziehen müssen, der AuLbe eil TJ™ C * Mr 

mit peinlicher Genauigkeit den Einzelheiten ge^dtKeXchSng 1 ' "** ^ 

Zur Theorie der psychoanalytischen Technik 

Von 

Hanns Sachs 

Boston 

Erörterungen über die Theorie und Fortbildung der B ,vrU i 

txschenTechnik sollen von den Problemen ausgehen auf di^uns di e Wanr' 
nehmungen und Erfahrungen in unserer Arbeit hinweisen und nicht von 
systematischen Grundlage. Sonst besteht die Gefahr, Sic eine Kluftb det 

SS ^ TlT 11 7t r HinSicht n ° ch —»endigen nad^K«S£ 
Itl f 7 \l echml L auf der einen S «te und einer aufs höchste verfeinerten 
aber unfruchtbaren Theorie auf der anderen. verxemerten, 

J^\ Art ^ V€rdrän g un e en ' Widerstände und Abwehrmechanismen zu^ 

L eS^T ^^ ^ T Skh ^ der AMlyse produzieren, kennen wTr nur 
m einzelnen Typen, z. B. bei der Zwangsneurose, und auch h er nur teüweSe 
Unsere Analysanden zeigen uns eine Fülle von Formen, die wir mit VerW ^ 
heitsausdrucken, wie Mischtypus, Charakterdeformation, latente Neu rose 
schizoid u. dgl bezeichnen. In Zukunft muß sich neben die Kenntnis der' 
Technik der Aufdeckung des Unbewußten das Verständnis für die Entstehung 
weise und Besonderheit dieser Formen stellen, und dies können wir nu duS 
Beobachtung und neue Erfahrung erwerben. Erst dann wird eine zusammen, 
hangende Lehre über die Bekämpfung der Widerstände möglich sein Te von 
wirklichem Wert für die psychoanalytische Technik ist 



36* 



REFERATE 



Aus der Literatur der Grenzgebiete 

BILZ, R.= Psychogene Angina. Epikritische Betrachtungen über eine Mandelentzündung 

■und ihre Psychopathologie. S. Hirzel, Leipzig, 1936. 

Groddeck war der erste, der in seiner Schrift „Psychische Bedingtheit und psycho- 
analytische Behandlung organischer Leiden" (1917) für eine akute Angma seehsdx An 
lasse anzunehmen wagte. Erst Victor v. Weizsäcker hat in tajZjjJftCJ 
die berechtigte Forderung nach Beweisen solcher Zusammenhange für Angmen an einer 
imVerlaufeinerPsychoanalyse aufgetretenen Angina zu «füllen versucht 
WfeOfar bemeit dort warnend, „wie unstatthaft die .analytische" Betrachtung mcht 

^f^on^iL^gestellte Fall ist erst mehrere Jahre nach bloßer oberflächlicher 
Beobachtung unter Heranziehung der in jener Ankoche getrau m*n Fr aume £ 
arbeitet. Als seine eigentliche Entdeckung sieht B. die Tatsache an daß in z ei tli eher 
Koinzidenz mit einer Verlobung oder Eheschließung und dem 
• damH verbundenen Generationsproblem die Mandelentzündung 
«"tritt, was er auch in anderen Krankengeschichten bestätigt finde Beweisbar reihch 
seien diese Dinge nicht, ihm erscheint wichtiger als alle Deutung die Problemstellung. 
Festhalten wnfer jedoch an der Behauptung, daß es Couvade*Krankheiten (diesen B* 
SSt einem sehr weiten Sinn genommen) gibt: Generationskrankheiten des Mannes 
und der Frau. Z. B. handelt es sich bei der „Couva de, Angina um die merk, 
w^rdje Tatsache, daß eine Frau gebiert, während zu gleicher Zeit ein Mann an einer 
Halsentzündung erkrankt. Außer dem Ehemann erkranken solche Menschen, die durch 
Sne Eheschließung erst verwandt werden wollen. Junggesellen geraten, wenn sie sich 
^doben mit ihren Tonsillen in das pathogene Kraftfeld einer Geburt. In ** ta, naher 
berichteten Fall wird die Männerkindbett*Angina schon vor der Verlobung erlebt, ana* 

CH Ztt Pachtung des hier berichteten Falles, deren Technik als .*«*■-*« Studium" 
seiner Angina bezeichnet wird, ist so absolut ungenügend, daß Ref. darüber sehr be- 
friedigt ist, daß sie sich nicht auf die Psychoanalyse beruft. 

Von der Persönlichkeit des Mannes, der anläßlich einer zwischen Verlobungsabsich 
und Eheflucht schwankenden Entscheidung eine Angina bekomm^ erfahren wir so gut w e 
nichts Nichts über seine Kindheit, seine Mutterbindung, seine Geschwister, sein Sexual 
kben seine sonstige Entschließungsfähigkeit; hingegen wird auf seine Beantwortung der 
Fragen „nach dem Helden seiner Schülerzeit" und „nach seinen dichterischen Versuchen 
aus der Pubertätszeit" besonderer Wert gelegt. A -\, r *«rhd 

Der Autor erweist sich zwar als überaus belesen, bringt Kapitel über die Couvadebraucbe 
der Wilden, Reifungsriten, Urszene, Ritual und Verinnerlichung, sowie archaische Welt 
aberTr bietet nur efn Konglomerat der Lesefrüchte kein geordnetes Mosaik. Er ■& -t An 
regung, aber keine Beweise, Phantasien, aber keine plausiblen Zo^Vj 
scheint ihm die exakte Ausbildung, wie wir sie für den Analytiker fordern, nicht zuteil 

g Tbt en nm 'aut der Mutterlauge des in gründlicher langdauernder Psychoanalyse ge< 
wonnenen Materials hätten verläßliche Wirklichkeiten herauskristallisieren können. 

E. Hitschmann (Wien; 



Referate 

BJ ^ RE ' P ?. UL , : . DaS I'f nn L« n * ls Heilungsweg der Seele. Systematische Diagnose und 
Therapie für die ärztliche Praxis. Rascher Verlag, Zürich und Leipzig 1936 
Der Inhalt dieses Buches Hegt vermutlich im Stilistischen und ist deshalb nur h 
schwer zusammenzufassen. Zum Beispiel hat der Verfasser den Begriff des Oh tT 
durch eigene Bezeichnungen ersetzt und spricht vom „Sonderlich" Anteil-Ich" d 
„AMch". „Je sicherer wir im Alleben verankert sind und je größere Weite unsere SeeL 
durch diese Verankerung gewonnen hat, desto leichter werden wir das, was uns besehet 
umschmelzen und assimilieren." Eine solche Umschmelzung und Assimilierung FreuS 
scher Psychoanalyse in den pathetischen Plauderton dieser „Psychotherapie" ist dem Ver* 
fasser weitgehend gelungen. Die Traumanalyse besteht aus einer Situationsanalyse Ele* 
mentaranalyse, Kontinuitätsanalyse und dem Herausarbeiten des suggestiven Anlasses Die 
Traumarbeit durchläuft verschiedene Etappen, von Nr. 1. „Gestaltung", 2. „Anknüpfune" 
3. „Erweckung" usw. bis Nr. 12. „Assimilierung". ' 

M. Grotjahn (Topeka, Kansas) 

BÖHM, HERMANN: Erbkunde. C. Heymanns Verlag, Berlin, 1936, 93 S. 

Es argwöhnt der nicht gleichgeschaltete Leser bei einem Buche, das „nicht um der 
Vererbungslehre willen, sondern zum Nutzen unseres deutschen Volkes" und zudem am 
Tage des Bekenntnisses, 29. im Lenzing 1936" erscheint, nicht Wissenschaft, sondern Dogma 
und — ist angenehm enttäuscht! Denn es liegt mit dieser Arbeit von Böhm ein vor* 
zügliches kleines Lehrbuch vor, das außerdem mittels Schlagwortverzeichnis das Auf* 
suchen interessierender Einzelheiten leicht gestattet. Abgesehen von des kürzlich ver* 
storbenen Erwin Baur „Einführung in die experimentelle Vererbungslehre" habe ich 
kein Erblichkeitslehrbuch mit mehr Vergnügen und Gewinn gelesen als dieses kleine Buch 
von Böhm. Er setzt nämlich gerade da ein, „wo die meisten dieser kurz gefaßten einführen* 
den Schriften — berechtigterweise — aufhören, nämlich" (vom Ref. hervorgehoben) bei 
der Entwirrung des vielfach verschlungenen Fadens, der sich von 
der Erbanlage zum Merkmal spinnt. Die Erscheinungen der Manifestation* 
Schwankungen, der Expressivität, der Pleiotropie, auch der multiplen AlleÜe usw., deren 
Schilderung im wissenschaftlichen Schrifttum verstreut und daher nicht für jedermann 
so leicht zugänglich ist", hat er zusammenfassend dargestellt. Wichtig für den Analytiker 
ist, daß an erster Stelle die Umweltprägungen ihre Würdigung finden, wobei 
besonders die Kenntnis der sogenannten Modifikation oder Par a varia ti on 
für den Charakterforscher, der nach den konstitutionellen Eigentümlichkeiten fahndet 
von grundlegender Bedeutung ist. Vergeblich hatte ich mich bisher bemüht, eine zusammen* 
fassende Orientierung über die Zwillingsforschung zu finden. Hier ist sie in Kürze und 
doch präzis. Den Unterschied zwischen Penetranz und Expressivität eines Erbmerkmals 
zu erfahren, ist dem Erblichkeitslaien ebenfalls wichtig. Die Verständlichkeit der keines* 
wegs leichten Materie wird durch das didaktische Geschick des Autors und durch reich* 
liehe Skizzenbeigabe sehr gehoben. Die Schwierigkeiten der menschlichen 
Erblichkeitsforschung erhellen u. a. daraus, daß ein nicht geschlechtsgebun* 
denes rezessives Erbmerkmal bei Annahme bloß 25jähriger Generationsdauer hundert 
Jahre bis zu semer Manifestation braucht (26 f.). Das nicht Mosaikartige, sondern Organi* 
sierte der Gene kommt sehr schön zur Darstellung. Wenn in der Psychoanalyse das Ur* 
medium des Individuums, die Mater, die Materia mehr und mehr zur Geltung kommt, so 
erquickt es, seit Goldschmidt zu erfahren, daß das mütterliche Zellplasma 
von Bedeutung für die im Kern lokalisierten Gene ist (34, 83). Die m e h r f a c h e D e t e r* 
mination eines Merkmals (38) wie die Auswirkung einer einzelnen Gene in mehreren 
Merkmalen (Pleiotropie) sind für die Psychologie wichtige biologische Anregungen. Das 
Bleiche ist für die Vererbung des Geschlechts und die geschlechtsgebundene Vererbung 



zu sagen (44 ff). Auf S. 59 findet sich der Satz: „Wenn aber schon bei den körperlichen 
Merkmalen, wie Hautfarbe, Haarfarbe, Schädelmaße, die wenigstens an sich leicht fest* 
stellbar bezw. meßbar sind, der Erforschung des Erbgangs gewaltige Schwierigkeiten ent« 
gegenstehn, dann kann es nicht wundernehmen, daß unser Wissen über die Vererbung 
geistiger und seelischer Merkmale . . .noch in den Kinde r- 
schuhen steck t." (Hervorheb. vom Ref.) Vom Standpunkte der analytischen Theorie 
eines Todestriebes dürften die Äußerungen über Letalfaktoren (28—41) Aufmerk« 
samkeit finden. Wer Sinn für die Gesetzmäßigkeit im Wunder hat, kommt bei aller Schlicht- 
heit des kleinen Buchs auf seine Rechnung. jj Christoffel (Basel) 

BROWN, J. F.: Psychology and the Social Order. An Introduction to the Dynamic Study 
of Social Fields. McGraw-Hill Book Co., New York und London, 1936. 
J. F. B r o w n versucht in diesem Buch, das aus der Niederschrift von Vorlesungen der 
letzten Jahre an der Universität Kansas entstanden ist, eine systematische Grundlage 
sozialer Psychologie zu geben. Er basiert diesen wirklich gelungenen Versuch auf einer 
Vereinigung von Gestalttheorie und Psychoanalyse mit Soziologie, die er in systematischer 
Weiss auf das Gebiet sozialer Psychologie anwendet. Damit ist eine wesentliche Lücke 
ausgefüllt, die ein Kenner der sozialen Hygiene niemals übersehen oder geleugnet hat und 
die auch von psychoanalytischer Seite bisher noch nicht überbrückt worden war. 

Soziale Psychologie ist die Wissenschaft vom Grund, Wesen und Sinn des individuellen 
Verhaltens in Hinsicht auf die Gemeinschaft. Die gegenwärtige Krisis von Weltwirtschaft 
und Kultur wiederlegt nur scheinbar die Auffassung vom automatischen Fortschritt der 
Menschheit. Versagen der technischen Wissenschaft ist sicherlich nicht der Grund dieser 
Krisis, sondern Mangel an Wissen und Anwendung sozialer Psychologie. Die Grund* 
tatsachen einer sozialen Psychologie müssen aus den Gebieten der Anthropologie, der Sozio« 
logie und einer biologisch fundierten Psychologie des Unbewußten und der Masse ent- 
nommen werden; das heißt, nur die Psychoanalyse kann diesen Voraussetzungen ent- 
sprechen. Die Vereinigung dieser Wissenschaften ist allein möglich in der Sprache und 
den Begriffen der Feldtheorie. Klassentheoretische, aristotelische Naturwissenschaft, be- 
gründet auf atomistische mechanistische Philosophie benutzt eine phänomenologische 
Sprache. Feldtheoretische Wissenschaft gründet sich auf eine Gestalttheorie der Biologie, 
versucht hypothetisch-deduktiv zu verfahren und drückt ihre Ergebnisse in der „physi- 
kalischen" Sprache aus. Dem methodologischen Teil folgt ein soziologischer Abschnitt, 
in dem der dynamische Wechsel der jeweiligen Feldstruktur besprochen wird. Religion, 
Rasse, Staat, Depression, Krieg werden feldpsychologisch definiert, wobei die folgerichtige 
und einwandfreie Verwendung psychoanalytischer Begriffe und Theorie hervorgehoben 
zu werden verdienen. Die Bedeutung der Familie im sozialen Feld führt zum dritten, 
eigentlich psychologischen Teil des Buches. Das 'Individuum ist nun nicht mehr ledig- 
lich ein Punkt im sozialen Feld, sondern ein Feld für sich, eine eigene persönliche Gestalt, 
allerdings in steter Abhängigkeit von ihrem sozialen Feld. Zusammenstoß und Vereinigung 
zwischen den erotischen und aggressiven Strebungen des Individuums mit den For- 
derungen der Gesellschaft werden, dem Gedankengang der Psychoanalyse folgend, auf- 
gezeigt. Aber auch die soziale Person ändert von sich aus ihr Feld, am besten dargestellt 
im Problem der Freiheit und des Führers. M G rotjahn (Topeka, Kansas) 

MARKUSZEWICZ, R.: Urogenitalismus. Die dritte prägenitale Organisationsstufe des 
infantilen Sexualtriebes. Psychiatr. en Neurolog. Bladen, Nr. 4, 1936. 
Der Autor versucht, einen neuen Partialtrieb, den er den urogenitalen nennt, einzu- 
führen. Er beruft sich auf die embryologische Tatsache, daß der männlichen Harnröhre 



beim Weibe der Scheidenvorhof und die InnenflSrW a ,, 

Oberfläche des Gliedes die Klitoris und die äußf offene £* S"PPen, der 

entsprechen. "oernacfte der kleinen Schamlippen 

Die Harnentleerung des Mädchens bedinge Reizung der kleinen Srt, 1- 
direkt der Klitoris. Die Erotik des Vorhofs entspreche der HaS Schamb , PP r Und ™ 
und werde mit dem selbständigen Harnlassen Jes MädchensTe afe D* B^ *fi~ 
und der chemische Reiz von Harnresiduen erzeugen dort jedesmal vS 1 Bef ^ uchtun g 
als beim Knaben. Sekundär komme es zur KhLisonanie aS T r JT *"*"?* 
Erregbarkeit der Scheide (Frigidität). Erschwerung der 

Der Urogenitalismus bedinge eine Differenzierung der Geschlechter ■ a 
Madchen die Vorhoferotik gegenüber der Klitoriserotik, beim KnTbt a t 'di t* *» 
erotik gegenüber der Urethralerotik prävaliere. Penishaut* 

Der Autor zieht aus diesen Ergebnissen weitgehende Konseauenz™ a~ 
ohne Nachprüfung seiner Aufstellungen nicht möglich ist S™' k tiscleli? 

als ng er 2 H- R^T 11 BefUnden d6r ******* erscheint um so wenig« treTtist 
ak er die Betastungslust im Vorhofe sowie die Lust des Harnzurückhaltenl unSalt 
Die sexuelle Erregung weibljcher Wes£n . st oft voq ^ anroTStS 

Khtorisonanie wird eine solche im Vorhof und um die HarnröhrenöSg getbt S 
zu rächt n ^ AUt ° rS ' 3Uf dieS£ n ° Ch nkht V ° U gddarten Ve ^ltnisse aufkam 

E. Hitschmann (Wien) 

^S^S: **-*-* , Teil: Pastoral^sychiatrie. Verlag 

PsvxhLS 0116 ^ 11 / 6 ? u^f iSt Cia Bewds fÜr daS ahmende ^sse für die 
m r^ C U f er -« en katholischen Prieste ™> ™d in dieser Auffassung könnte man « 
n7l 1%^ en ;,7 emi nkht Sdn InhaIt sehr enttäuschte. Zunächst ist eTdocT 

n eLf !r 1 P ! ych °P a thologle oder eine brauchbare Kenntnis dieser Materien 

llle^r SchematJ ! Chen ÜbMSkht 2U ^mitt.ln, wie dieses Buch sie bringt oder 
vielleich bringen muß. Besonders kommt dies bei der Besprechung der Psychoanalyse zum 

wLt tt^ n p bek u nUnf , den EÜKjrUCk> daß ^ 2war e ™ -nster VetÄLcS 
worden ist, die Psychoanalyse kennen und schätzen zu lernen; aber dieser Versucht 

SÄS?U^ Dfc Psychoanalytischen Auffassungen werden sehr matget 

ab SS doch n cht W1 . ederg£geb r , Der VerfaSSCr schätzt W °W etwas Gutes in ihnen, 
aber gibt doch nicht an, wie weit sich dies denn erstreckt. Und im Wesen werden doch 

Ä*£S "25 fZJT^ TT' 6 ?' namentlkh d0rt > W ° ^s niTht Spresis 
d n Sta^Ilr 1 ^ m " « ! kh ' daß 3Uch der Streng orthodoxe Katholizismus 
Sd Ä ff m d,eS ! m T Buch t f g6nÜber dem Pouchen Leben eingenommen 
wird, als übertrieben supernaturalistisch betrachten dürfte. 

H. vanderSterren (Nijmegen, Holland) 
PULAY, ERWIN: Der überempfindliche Mensch. Verlag Otto Lorenz, Wien, 1937. 

Vit!mine; SdSte r er ,, ArZt if ^f m VOQ den Neuentdeckungen der Medizin, Hormonen, 
Auswirkt aIkr§lsch c er Überempfindlichkeit, daß seine glänzende Darstellung ihrer 

Auswirkungen wie eine Symphonie erklingt. Nicht genug damit, seine Phantasie glaubt, 

nachweiJn ,,^ / iDe »f^ aller g isch e Überempfindlichkeit 

ken.IT ZU kc ? nen ' und wa g* ^esen Sprung vom Körperlichen ins Seelische ohne er» 
Kenntnistheoretische Bedenken. Wer sich in die geistreichen Perspektiven eines ohne 



568 



Referate 



jede kritische Skepsis aufgebauten Bildes der Kultur* und Menschenwelt verführen lassen 
will, wird doch kaum über genug Optimismus verfügen, um dem Subjektivismus des Autors 
längere Folge zu leisten. E. Hitschmann (Wien) 

SIHLE, MARTIN: Was ist Seele? Verlag für Medizin Weidmann &. Co., Wien, Leipzig, 

Bern, 1937, 46 S. 

„Jeder Mensch besteht eo ipso aus einer chemischen, einer zoologischen und einer 
geistigen Gestalt. Die chemische Gestalt ist repräsentiert der Hauptsache nach im Knochen* 
gerüst, im Skelett." „Im Menschen sind demnach das Mineralreich, das Tierreich und das 
Reich des Geistes zu einer Ganzheit verbunden." „Jedenfalls fühle ich es instinktiv und 
weiß es außerdem aus ärztlich*logischem Forschungsdenken heraus, daß ich und wir alle 
nicht vom Affen abstammen." „Durch Selbstsetzung und Entgegensetzung dichotomiert 
sich der Urgeist in multipolare und multidimensionale Spannungsvarietäten zu dem, was 
wir schon in der Potentialschicht in der Seinsschicht des Lebens vorfinden." 

Die Lektüre der Schrift kann nur jenen empfohlen werden, die die vorstehenden Satze 



als Weisheit betrachten. 



P. Schilder (New York) 1 



STRAUS, ERWIN: Vom Sinn der Sinne. Ein Beitrag zur Grundlegung der Psychologie. 
Berlin, Julius Springer, 1936, Bd. V, 314 Seiten. 

Die cartesische Psychologie ist Ausgangspunkt und wesentlicher Bestandteil jeder mo* 
dernen Psychologie; ihre Darstellung und Kritik in der hier vorliegenden eingehenden 
Art ist somit gleichzeitig eine Auseinandersetzung und Kritik der fundamentalen Voraus* 
Setzungen der traditionellen Psychologie. Dem Gegenstand cartesischer Psychologie, näm* 
lieh der isolierten Betrachtung der Empfindung, wird eine gemeinsame Betrachtung von 
Empfinden und Sichbewegen entgegengesetzt, nach der das Empfinden aufgefaßt wird als 
Kommunikationsweise mit der Welt. Daraus folgt eine Auseinandersetzung mit dem üb* 
liehen Atomismus des Zeitbegriffes, der seine Fortsetzung in der Lehre der „objektiven" 
Psychologie und seine späte Erfüllung in Pawlows Ansichten von den bedingten 
Reflexen findet. Trotz der im psychologischen Sinne unbestreitbaren Exaktheit der 
Pawlowschen Versuche fußt die ganze Forschungsrichtung der objektiven Psychologie auf 
bestimmten hypothetischen Voraussetzungen, und ungeachtet des Widerspruches von 
Pawlow bleibt sie an bestimmte metaphysische Deutungen und Spekulationen über 
menschliches und tierisches Dasein gebunden. Die folgerichtige Durchführung der Pawlow* 
sehen Hypothesen führt zu einer immer mehr mechanistischen Auffassung und zu Kon* 
struktionen von den bedingten Orientierungsreflexen, Spurenreflexen und deren Gene* 
ralisierung und Differenzierung. Aus der Physik und Technik übernommene Bezeich* 
»ungen wie Reiz, Versuch und Reflex, die Verwechslung von Kausalität und Intentionalitat, 
die Ausmerzung des Phänomenalen werden als Fehlerquellen der Pawlowschen physio* 
logischen Psychologie aufgedeckt und ihnen eine phänomenologische Studie über Begriff 
und Analyse des „Signals" entgegengesetzt. Der physiologische Reiz ist psychologisch ge* 
sehen ein Signal, das mittlere Glied einer dreigliedrigen Situation. Es kündigt den Über* 
gang von der Indifferenz zur Bedeutsamkeit an. Der entscheidende Irrtum Pawlows ist die 
Meinung, es könne grundsätzlich das Verhalten zur Welt als Vorgang im Organismus 
erklärt werden, die Situation als Situs, das Werden als Folge in der objektiven Zeit. 
Historiologisch betrachtet ist das Empfinden eine Weise von (sympathetischer) Kommuni* 
kation. Die Selbstverständlichkeit dieser Kommunikation hat es bisher verhindert, daß sie 
ausdrücklich zum Thema in der Psychologie geworden ist. Im Empfinden erfassen wir 
nicht Eigenschaften der Dinge wie im Erkennen, sondern die Gegenständlichkeit gestaltet 
sich mannigfaltig wechselnd im Wechsel der Kommunikation von Ich und Welt. Das Emp* 



Referate 



569 



finden aber kann nicht getrennt gedacht werden vom Sichbewegen, denn nur ein Wesen, 
das gemäß der Struktur seines Seins sich bewegen kann, vermag auch ein empfindendes* 
Wesen zu sein.. Nur für ein solches Wesen hat die Welt Horizont und Begrenzungen; 
„Drinnen" und „Draußen" sind Phänomene eines Spielraums. Zur Einheit des Ichs gehört 
die Einheit seiner Welt. Das Ich, das im Wechsel seiner Erlebnisse eines bleibt ist ein 
werdendes Ich. Als Werdendes ist ihm jedes seiner Momente nur eine jeweilige Be* 
grenzung seiner Totalität. Solange die Psychologie dieses Totalitätsverhältnis nicht sieht 
solange wird sie eine physiologische Psychologie bleiben. Im Empfinden wird die Totalität 
aktualisiert und begrenzt; im Sichbewegen dringt das Individuum über seine jeweiligen 
Grenzen hinaus, um sich in neue Grenzen eingeschlossen zu finden. Das physiologische 
Problem des Bewegungsvollzuges und die Psychologie des Sichbewegens fallen nicht zu* 
sammen ihr Unterschied wird deutlich im Beispiel vom Verlockenden. (Denn nur ein 
Wesen, das sich bewegen kann, kann auch gelockt und geschreckt werden, empfindet Nähe 
und Ferne.) Als Werdende sind wir jeweils unfertig, der Ergänzung fähig und bedürftig. 
Das Werden hat aber nur eine mittelbare Beziehung zur objektiven Zeit. Versuche, sie in 
unmittelbare Beziehung zu bringen, verstricken sich unweigerlich in den Widersprüchen 
eines Epiphanomenalismus. Auch die Gestaltbildung ist Gestaltung im zeitlichen Werden, 
die pnmaren Gestalten sind stets auch sympathetische Gestalten. Wir leben und empfinden 
im Präsens, begreifen und erkennen aber im Perfekt. Darin liegt ein wesentlicher Unter* 
schied zwischen Empfinden und Erkennen (und Wahrnehmen). Infolgedessen haben das 
Empfinden und die beseelte Bewegung ihre ihnen eigentümlichen Zeit* und Raumformen, 
deren Verständnis gleichzeitig zu einem Verständnis für den Wesensgegensatz physika* 
hscher und psychologischer Begriffe führt. Der Gegenstand der physikalischen Erkenntnis 
ist der bewegte Körper, der Gegenstand der psychologischen der sich bewegende Körper 
Dem Reichtum an Gedanken und Erkenntnis, der Klarheit und Eindringlichkeit des 
Stils kann sich der Leser dieses Buches nicht entziehen. Der Verfasser erreicht sein Ziel 
und gibt einen wirklichen, wesentlichen Beitrag zur Grundlegung der Psychologie 

Die mißverständliche Auffassung des Verf. vom Wesen der Psychoanalyse fordert eine 
Auseinandersetzung, die aber weit über den hier gestellten Rahmen eines Referates hinaus* 



gehen würde. 



M. G r o t j a h n (Topeka, Kansas) 



WITTKOWER, E.: Einfluß der Gemütsbewegungen auf den Körper. Sensen*VerIag, Wien* 
Leipzig, 1936. 

Nach jahrelanger praktischer poliklinischer und experimentell*klinischer Arbeit faßt der 
Autor in diesem Buch seine Erfahrung und seine umfangreichen literarischen Kenntnisse 
zusammen. Er versucht nicht, eine Psychoanalyse der Organneurose zu schreiben, ebenso* 
wenig ist er bemüht, eine tiefenpsychologische oder verstehende Erklärung zu geben; seine 
Aufgabe ist deshalb auch weniger, eine A f f e k t b i o 1 o g i e zu schreiben, als vielmehr 
die Erfahrungen eines Internisten für Internisten festzuhalten und den Grundriß einer 
A f f e k t p h y s i o 1 o g i e zu geben. Die Anlage des Buches, das ungeheure in ihm nieder* 
gelegte Material, die Fülle von Einzelbeobachtungen, alltäglich zu beobachtenden Wechsel* 
Wirkungen zwischen Affekt und Organtätigkeit, die bis ins einzelne gehenden Literatur* 
angaben sind aber auch für den Analytiker eine außerordentlich wertvolle Hilfe und 
gerade die Beschränkung auf das Deskriptiv*Phänomenologische macht die Arbeit wertvoll. 

Von der Fülle des Materials sei beispielsweise erwähnt, daß die Herzgröße affektiv 
beeinflußbar ist, die Größenveränderungen lassen sich röntgenologisch nachweisen und 
können bis zu 1 cm betragen. Unter der Einwirkung der Affekte kommt es im Magensaft 
zu Veränderungen der Azidität, der Sekretmenge und der Entleerungszeit. Der Affekt 
(z. B. in der Hypnose) kann bis zur extremen Hyperazidität führen und depressorisch bis. 



zur histaminrefraktären Achylie! Der gallef ordernde Einfluß der meisten Gemütsbe* 
wegungen ist bekannt, nur der Zorn nimmt eine Sonderstellung ein und während dieses 
Affektes ist der freie Gallenfluß aufgehoben. Affekteinwirkungen führen im Blut zu einer 
Leukozytose, die auch während des sexuellen Orgasmus zu konstatieren ist. Der Blut* 
jodgehalt kann unter dem Einfluß von Gemütsbewegungen Werte erreichen, wie sie sonst 
nur bei Basedowscher Krankheit bekannt sind. M Grotjahn (Topeka, Kansas) 

Aus der psychiatrisch=neurologischen Literatur 

LICHTENSTEIN, HERMINE: Nervosität. Ein Lehrbüchlein und Wegweiser. Verlag 

M. Perles, Wien und Leipzig, 1937. 

Eine gebildete, feinfühlige Ärztin gibt „als Wegweiser für Nervöse" eine Darstellung 
der allgemeinen Nervosität und der Neurosen sowie ihrer organischen Grundlagen. In 
der Erklärung seelischer Zusammenhänge bleibt sie überall an der Oberfläche und be# 
gnügt sich, wissenschaftliche Lehren in wenigen Seiten einzufangen, was besonders bei 
der Darstellung der Psychoanalyse mißlingen mußte. Die Therapie der Autorin ist ge» 
duldiges, ethisch gefärbtes Zureden, oft nach individualpsychologischen Gedankengängen. 
Auch verteilte sie an die die Anstalt verlassenden Patienten kurze, öfters auch holprig 
gereimte Traktätchen, „die als Erinnerungsstütze für die während der Behandlung emp* 
fangenen Lehren gedacht" waren. Dies alles ist von süßlich4deinbürgerlichen Zügen nicht 
frei; der seinerzeit von einem beliebten Anstaltsleiter als suggestive Panazee verordnete 
Kamillentee ist zwar hier nicht erwähnt, aber etwas von seinem Duft durchzieht das Buch« 
lein, das elegisch der „Biedermeierzeit" gedenkt, wo noch Ruhe, Beschaulichkeit, Genüg' 
samkeit und Zufriedenheit die Menschen erfüllte, während jetzt „ein großer Teil der Men* 
sehen durch Unruhe, Hast, Begierde, Genußsucht erkranke". Im Schutze einer solchen 
generellen Ätiologie*Theorie fällt es allerdings leichter, auf die Erkenntnis der infantilen 
oder aktuellen unbewußten Konflikte zu verzichten. Was nicht hindert, daß die Autorin 
von einem der ersten Wiener Neurologen, der sich — so erfolgreich — immer mehr um 
das Gehirn bemüht hat als um die Seele, in einem Geleitwort des Buches heilig gesprochen 

wird - E. Hitschmann (Wien), 

MOLL, ALBERT: Ein Leben als Arzt der Seele. Verlag Reißner, Dresden, 1936. 

Diese amüsanten Erinnerungen des greisen Albert Moll stellen sein Licht keineswegs 
unter den Scheffel. Sein Verdienst, die in Nancy gelernte Hypnose in Deutschland als erster 
propagiert und damit einen Anstoß zu dem Interesse für Psychotherapie gegeben zu haben, 
muß neben manchen anderen anerkannt werden. Doch zeigt er ein Sichbegnügen mit der 
Oberfläche der seelischen Phänomene der Hypnose und Suggestion, wie man es kaum ec* 
warten würde; „im Affekt hegt ein Wesentliches bei der Suggestion", damit begnügt sich! 
Moll. Er blieb natürlich auch bei der Beurteilung der Psychoanalyse und der Leistung 
Freuds, ohne Nachprüfung und tiefere Kenntnisnahme, in verstockter Gegnerschaft 
befangen. 

Moll lobt hingegen seine „Assoziationstherapie" gegen Perversionen und Homo« 
Sexualität: „sie besteht in der richtigen Leitung des Vorstellungslebens, in der methodischen 
Ausbildung der normalen und in der methodischen Unterdrückung der abnormen Asse* 
ziationen." Eigentlich aber komme es bei Psychotherapie nicht auf die Methode, sondern 
auf den Arzt an. 

Moll rühmt sich denn auch, einen wesentlichen Teil seiner Lebensarbeit der Be* 
kämpfung der Psychoanalyse gewidmet zu haben, die ihm, dem nüchternen Praktiker, für 



Referate 



571 



den die menschliche Seele kein Rätsel enthält, offenbar ein Dorn im Auge war. Ein 
Gebiet, auf dem hingegen seine Skepsis am Platze zu sein scheint, sind Okkultismus 
und Spiritismus; Moll sieht sie als „ein zu untersuchendes Problem" an, hat sich aber 
hauptsächlich auf Entlarvungen beschränkt, die freilich noch kein voller Gegenbeweis 
sind. Molls Erinnerungen zeigen, daß ein Arzt der Seele nicht immeT — ein Forscher der 
Seele sein muß. _ TT 

tHitschmann (Wien) 

Psychiatrische cn neurologische Bladen, 1935, No. 4/5. N. V. Uitg. en Drukkers Mij. van 
F. van Rossen, Amsterdam. 

Diese „Hysterienummer" enthält Referate, die in der Versammlung der Nederl. Vereeni» 
ging voor Psychiatrie en Neurologie am 13. Dezember 1934 in Utrecht vorgetragen wurden. 
L. Bonman bringt in seinem englisch geschriebenen Artikel über „Hysteria" einen 
interessanten, sehr ausführlichen historischen Bericht über die verschiedenen Auffassungen 
'des Hysterieproblems. "It is my intention to give a historical elucidation of the problem of 
hysteria" sagt B. Er erwähnt zwei extreme einseitige Auffassungen: eine von einem be« 
kannten Autor (Jakob Wassermann), der in einem Roman meint: Jede Hysterie ent* 
hält ein metaphysisches Problem 1 und die zweite von Kinnier Wilson, der alle hyste* 
rischen Erscheinungen, inklusive „the temperament" physiologisch und nicht psychologisch 
erklären will. B. zeigt dann, daß die meisten Autoren sowohl organische wie funk* 
üonelle Ursachen für die Entstehung der Hysterie verantwortlich machen (Jaspers, 
Weizsäcker und viele andere). B. ist der Ansicht, daß man zwischen hysterischem 
Charakter, hysterischer Reaktion und hysterischen Symptomen zu unterscheiden habe. 
Allerdings meint er, daß jedermann „hysteriefähig" sei, obwohl natürlich hysterische 
Symptome vor allem bei Personen mit einem „hysterischen Charakter" auftreten werden. 
B. weist dann auf die Beiträge hin, dieCharcot, Janet, Breuer und Freud, 
Weizsäcker, Bleuler, Kraepelin, Babinski, Kretschmer, Bonhöffer, 
Binswanger und viele andere zu den hysterischen Problemen geliefert haben. 
Er erwähnt auch philosophische Gesichtspunkte (Heidegger) und anthropologische 
Überlegungen, die die phänomenologisch*psychologische Schule besonders in bezug auf 
die Erfolgsmöglichkeiten einer Psychotherapie verwenden soll. 

Von den psychoanalytischen Kenntnissen des hysterischen Problems bringt B. nicht 
viel, was über die älteren Beiträge von Breuer und Freud hinausgeht, außer dort, wo 
er die Libido als „energetisches Prinzip" anerkennt. 

In einer Zusammenfassung meint B., daß Lasegues Aussage: "the definition of 
hysteria has never been given and will never be given" in Kraft bleibt, obwohl einige 
Fortschritte in bezug auf das Hysterieproblem im allgemeinen zu buchen seien. "Although 
I am not inclined to a perfectly resigned Standpoint with regard to hysteria, yet for the 
most fundamental questions we have to pronounce an Ignorabimus." 

H. C. Rümke betont in seinem Artikel „Allgemeine psychologische und psycho* 
analytische Auffassungen über Hysterie", daß „er sich ursprünglich ausschließlich zur 
Aufgabe gestellt habe, die psychoanalytische Theorie zu skizzieren und kritisch zu be=« 
sprechen." Es habe sich ihm aber gezeigt, „daß die Psychoanalyse wohl mehr als irgend 
eine andere Theorie die Inhalte des hysterischen Erlebens verständlich mache, jedoch 
nicht ausreiche, das Wesentlichste der Hysterie zu erklären." 

Der Autor gibt nun eine Übersicht über die psychoanalytische Lehre, soweit sie seiner 
Meinung nach für das Verständnis der Hysterie von Bedeutung ist, wobei er sich auf die 



i) Jakob Wassermann: Joseph Kerkhovens dritte Existenz. 



572 



Referate 



„Studien über Hysterie" von Br euer und Freu d und Fe ni che ls Buch „Hysterien 
und Zwangsneurosen" beruft. 

R. betont einige Male, daß er im großen und ganzen die psychoanalytische Theorie 
bejahe. Für den Psychoanalytiker wird es aber klar, daß R. viele Funde Freuds nicht 
wirklich akzeptiert oder anders zu interpretieren versucht. Besonders deutlich zeigt das 
eine Stelle im Referat, wo R. diejenigen Untersucher kritisiert, die (wie Bumke und 
Ho che) „noch immer meinen, daß diese psychoanalytischen Betrachtungen keinerlei 
Wert haben, allenfalls .Literatur' sind, aber dann jedenfalls keine gute." R. sagt hier 
anschließend wörtlich: „An dieser Beurteilung ist die starke Konkretisierung in der Ter* 
minologie Freuds schuld. Wörter wie .Ödipuskomplex' und .Kastrationskomplex', beson* 
ders das letztere, sind so störend konkret. In dieser konkreten Form — dies wollen wir 
durchaus zugeben — werden sie selten beobachtet. Das Geschehen, das ihnen zugrunde 
liegt, ist so außerordentlich komplex, so wenig prägnant und entweder gar nicht oder un* 
scharf durchlebt. Man könnte sagen: Der Ödipuskomplex ist die idealtypische Struktur, 
die konkret vielleicht wohl nie zu finden ist, an welcher wir uns jedoch 
orientieren und die Erscheinungen ordnen und prüfen können." Jeder praktische Analy* 
tiker weiß, wie real die kindlichen Objektbeziehungen zu den Eltern, die F r e u d unter 
dem Namen „Ödipuskomplex" zusammenfaßte, sind, wie heftig und intensiv das kleine 
Kind seine Angst vor Beschädigung oder Verlust seines Genitales erlebt. Ja, die gewissen* 
hafte Beobachtung kleiner Kinder kann dem unvoreingenommenen Beobachter diese Phäno* 
mene täglich vor Augen führen. 

Die Kritik Rümkes an der psychoanalytischen Auffassung der Hysterie konzentriert 
sich schließlich um den Vorwurf, daß diese Lehre „nur einen Teil der Persönlichkeit 
sichtbar macht und das Ganze, oder vielleicht besser, den Kern der Persönlichkeit nicht 
oder kaum sieht." Freud sähe nur Inhalte und Dynamismen der hysterischen Symptome, 
er übergehe das Studium der „Form", des „hysterischen Charakters", des Merkmals der 
„Unechtheit" im Benehmen der Hysteriker, wie R. es verschiedentlich ausdrückt. Der 
Autor bespricht nun nacheinander einen Artikel van der Hoops „Über die Be* 
Ziehung zwischen Psychismus und Typus bei Hysterischen", die Lehre Klag es' „Vom 
Charakter der Hysterie" und die Lehre Zutts. 

R. meint, daß diese Lehren etwas dazu beitragen, die Lücken im Verständnis der Hysterie 
auszufüllen. Er erwähnt van der Hoops Meinung, daß das „überwiegende Fühlen" 
beim „extravertierten Fühltypus" zu hysterischen Reaktionen führt, vor allem das Theatra* 
tische des Hysterikers zu erklären vermag. Nach R. wird von K 1 a g e s zum ersten Male 
das „mangelhafte Vermögen zur unwillkürlichen Äußerung" des Hysterikers zentral ge* 
stellt, das „von einer Störung im instinktiven Leben" herrühre, welche gleichzeitig zur 
„Lebensohnmacht" führe. R. ist nun der Meinung, daß Zutt durch seine Beschreibung 
der „inneren Haltung" eine weitere Differenzierung der Ausdruckspsychologie bringt. 
Beim" Hysteriker sei „der Ausdrucksgehalt demonstrativ, übertrieben", „der Affekt wirke 
unmittelbar auf die innere Haltung." „Die Steuerung durch die Umgebung sei zu stark." 
Zutt will durch die Verschiedenheit zwischen Ausdrucksgehalt der inneren Haltung 
und den eigentlichen Affektlagen die „Unechtheit" des hysterischen Charakters erklären. 
Es folgt nun ein Versuch im Sinne Kronfelds, Binswangers und Jaspers', 
die Hysterie anthropologisch zu ergründen. R. weist auf die mangelhafte Kommunikation 
mit der Umwelt hin, gelangt jedoch zur Schlußfolgerung, daß er sich von diesen Ver* 
suchen nicht befriedigt fühlt. 

Zum Schluß bringt der Autor eigene Betrachtungen, die sich nicht weit von den 
vorher gebrachten phänomenologischen Beschreibungen entfernen. Er kommt zum Er* 
gebnis, daß er „aus psychologischen Gründen die Hysterie nicht als einen allgemeinen 
Reaktionstypus betrachte." Es gebe einen hysterischen Charakter, der zur Hysterie dispo* 



Referate 



573 



mere, und der Autor sieht in der Unechtheit einen der ^Wesentlichsten Faktoren dieses 
hysterischen Charakters. Als letztes folgt eine Zusammenfassung in welcher <W A T 
auf die drei Seiten des Problems hinweist, mit denen seine Untosudiun In £ ~£ 
kam Er nennt sie 1. die funktionell organische Grundlage der CÄpÄ 
und Phänomenologie, 3. die Anthropologie. ^sycnoiogie 

Es folgt nun ein drittes interessantes Referat von Dr. A. J. West.erman'H 1 
stijn über „Hysterische Reaktionen und Entwicklungspsychologie". Der Autor Icheint 
in seinen Auffassungen der Psychoanalyse am nächsten zu stehen. Er bringt die Kr ae De* 
ins che Definition über Hysterie, weil hier, wie er sagt, „der entwicklungspsycho* 
logische Standpunkt zum ersten Male deutlich vertreten wird". Er bringt clann die 
Kr etschm ersehe Auffassung der Hysterie als eines mangelhaften Ausgleichs zwi* 
sehen den zwei „Willen", dem sogenannten „Zweckwillen" und der „Hypobulik"- weiterhin 
MacDougalls und Rivers Theorien. Die Unterscheidung Rivers zwischen epikri* 
tischen und protopathischen Instinkten wird, ebenso wie der Zweckwille und die Hypobulik 
Kretschmers, vom Autor in Parallele zum „Ich" und „Es" Freuds gebracht. Nach 
Westerman*Holstijns Auffassung wird die beim Hysteriker vorhandene mangelhafte Be* 
wältigung der Konflikte zwischen Ich (Überfch) und Es nicht nur durch Milieu und 
Erlebnis verursacht, sondern es gebe ein angeborenes konstitutionelles Manko, das er ent* 
wicklungsgeschichtlich nachzuweisen versucht. Auch in dieser Auffassung weicht W*H 
nicht von der alten Freud sehen ab. Der Autor bringt nun interessante Beispiele von 
Massenhysterien aus dem Mittelalter, aus der Renaissance und aus der Antike. In den 
mittelalterlichen Hexenverbrennungen z. B. sieht er sowohl hysterisches Verhalten der 
„Hexen" als auch der sie folternden Inquisitoren. Er meint ein primitives Verhalten mit 
dem hysterischen mehr oder weniger gleichsetzen zu können und sagt wörtlich: „Die 
.hysterische Psyche' können wir also definieren mit: primitive Triebkonstellation (Es) 
primitive Ideale (Übersieh), primitiver Geist (Ich). Die Relativität und vorläufige Un« 
scharfe des Begriffes .primitiv' scheint hier mit der notorischen Unbegrenzbarkeit der 
Hysterie zusammenzufallen. Jedoch hat dieser Begriff .primitiv' große Vorteile gegen* 
über den unglücklichen Begriffen: übertrieben, zu lebhaft, verzerrt, verstärkt, zu trieb* 
artig, ungewöhnlich ausgedehnt usw., die bis jetzt kein Psychiater vermeiden konnte. Denn 
jetzt stehen wir vor der Aufgabe, aber auch vor der Möglichkeit, in jedem einzelnen 
Fall festzustellen, bei welchem Punkt der Entwicklung von Es, Ich und Über*Ich der 
Patient stecken gebheben ist." 

Diese „Primitivität" habe sich entwicklungsgeschichtlich wellenartig fortentwickelt, sie' 
sei nicht nur bei den primitiven Völkern, sondern auch bei den Kulturvölkern von den 
antiken bis zu denen der Gegenwart vorzufinden. 

In einigen Schlußbemerkungen über das Verhältnis der Therapie zur Entwicklungs* 
Psychologie meint W.*H, daß in früheren Zeiten eine Art kathartische Therapie bereits 
geübt wurde, die später durch die persuasiv*edukative, auf reiner Kenntnis beruhende 
ergänzt wurde. Er sieht in der psychoanalytischen Therapie, in der Fre u d „das dionysische 
mit dem apollinischen Element vereint", die „historisch wohl vollständigste Form der 
Hysterietherapie gegeben." 

Der letzte Artikel ist ein in holländischer Sprache verfaßter von Dr. H. W. S t e u v e r s 
„Hysterie en Reflexen", in welchem die Probleme von neurologischer Seite betrachtet 
werden. Der Autor polemisiert zuerst gegen die Begriffe „Hysterie" und „Psyche". Letzteren 
will er durch das Wort „Verhoudingsleven" (Verhaltungsleben), „Hysterie" solle man 
durch „funktionelle Störungen im Verhaltungsleben" ersetzen. Im zweiten Teil des Artikels 
wird eine historische Übersicht über die Entwicklung des Begriffes „Reflex" gegeben. 
Schließlich weist der Autor auf die hohe Bedeutung derPawlowschen Theorie des 
bedingten Reflexes hin. Er meint, daß das Studium des bedingten Reflexes für das Ver* 



574 Referate 

ständnis der sogenannten hysterischen Erscheinungen wichtiger sei als das der psychischen 
Reize die zu einem bestimmten Benehmen der Person geführt haben. Auch für die 
Therapie scheint diese Auffassung dem Autor wichtig zu sein. Er gibt einige Beispiele, 
wo die Entfernung von Angehörigen, Applikation von Brom und ähnliche Therapien 
hysterische Zustände geheilt haben sollen. 

Zum Schluß folgt noch ein Bericht von H. C. Rümke über den Zweiten Intel* 
nationalen Neurologenkongreß, der vom 29. Juli bis zum 2. August 1935 in London 
stattgefunden hat. j. Lampl.de Groot (Wien) 

TRÜB, HANS: Psychosynthese als seelisch.geistiger Heilungsprozeß. Max Niehans Verlag, 

Zürich.Leipzig, 1936, 48 S. 

Der verstorbene Lieber mann hat in seinem Salzburger Kongreßvortrag 1924 über 
monosymptomatische Neurosen (vergl. Int. Ztschr. f. Psa., Bd. X, S 213) den Ausdruck 
geprägt von der magischen Geste, mit welcher ein derart Erkrankter demjenigen auf den 
er seine Neurose jeweils richtet, gleichsam vormacht, wie er leiden oder zugrunde gehen 
soll. Was unser Autor nun will, ist gewissermaßen die Gegengeste, die dem von Liebermann 
empfohlenen abgekürzten Verfahren entspricht. 

So sehen wir auch auf dem Gebiete der Psychotherapie gewisse Anregungen ver. 
schwinden, um nach Jahren unter neuem Namen und in neuem Gewände Auferstehung 
zu feiern. A. K i e I h o 1 z (Königsfelden) 

WILDER, JOSEF: Unheilbare Neurose und „Unheilbarkeits^Neurose". „Der Nervenarzt", 

1936, Heft 4. 

Der Verf faßt eine Reihe verschiedener klinischer Bilder, wie Zwangsneurosen , Neur. 
asthenien, Tics, Hysterien, besonders aber hypochondrische Bilder, unter dem Namen 
.Unheilbarkeitsneurosen" zusammen, worunter er Fälle versteht, die von Arzt zu Arzt 
gehen oder geschoben werden, die aber immer wieder ungeheilt abgehen, den aufge. 
gebenen Arzt nachher kritisieren, ihm weitere Verschlechterung ihres Leidens m die Schuhe 
schieben, ihn als Betrüger bezeichnen. Das Ressentiment gegen die Arzte, nicht eine „nega. 
tive Übertragung" gegen einen Psychotherapeuten sei charakteristisch; eine eigenartige 
haßerfüllte Bindung an die Ärzte liege zugrunde. Die Psychogene dieser Einstellung 
nun beruhe in allen Fällen auf einer tatsächlich stattgehabten Behinderung oder Unter, 
bindung ihrer manchmal normalen, manchmal perversen Sexualität durch Eingreifen der 
Ärzte. Das Ressentiment, bezw. der ständige „Rachefeldzug" gegen die Arzte trete m diesen 
Fällen ganz oder teilweise an Stelle der unterbundenen Sexualbefriedigung, was seine 
tiefe affektive Verankerung erkläre. 

Eine komplette Analyse könne bei solchen Kranken gar nicht Zustandekommen, aber 
der Autor habe doch mit der Methode der psychoanalytisch gefärbten Konversation 
jahrelang und länger (wenn auch mit Pausen) behandelt. Der erfahrene Autor bezeichnet 
die kurze Arbeit nur als eine Anregung, diesen Fällen eine erhöhte Aufmerksamkeit zu. 

'Tefeent vermutet, daß in solchen Fällen der erste Arzt die technische Führung 
und Deutung der Übertragung verfehlt hat, zumal wenn die Behandlungsmethode nicht 
eine regelrechte Analyse gewesen ist. Doch gibt es auch Triebquantitäten und Komplex. 
Intensitäten, welche lange Zeit unüberwindbar scheinen und es — nicht nur in einer vor. 
zeitig abgebrochenen Analyse auch bleiben. Wie vorsichtig die Erteilung eines Sexual. 
Verbotes geschehen muß, lehrt die Technik der Analyse seit jeher. 

E. Hitschmann (Wien) 




Aus der psychoanalytischen Literatur 

ALEXANDER, FRANZ: Addenda to "The Medical Value of Psychoanalvsis" Ps a 

Quarterly, V/4. * 

Einige Kapitel, die der Neuauflage des genannten Buches hinzugefügt werden sollen 
erscheinen hier im Vorabdruck. Sie befassen sich mit den psycho*physischen Zusammen* 
hangen und der „Vektoranalyse". Sie bemühen sich vor allem darzustellen, daß in der 
Konversionshysterie an der willkürlichen Muskulatur oder an dem Sensorium ohne weiteres 
zugänglichen Organen spezielle unbewußte Phantasien zur Darstellung kommen; daß sich 
jedoch bei den eigentlichen Organneurosen im vegetativen Bereich nicht spezielle unbe* 
wußte Phantasien, sondern nur allgemeine psychische Haltungen (die den verschieden* 
artigsten Inhalten entsprechen können) widerspiegeln. Bei organischen Krankheiten pflegen 
sich dabei zwischen veranlassender allgemeiner psychischer Haltung und physischem End* 
effekt ganze Ketten von intermediären physiologischen Prozessen zwischenzuschalten, die 
erst den ganzen Ablauf verständlich machen. Die zugrundeliegenden allgemeinen Hai* 
hingen werden von der „Vektoranalyse" erfaßt und äußern sich in Einverleiben, Aus* 
scheiden und Zurückhalten, bezw. im Verhältnis dieser drei Grundtendenzen zueinander. 

O. Fenichel (Prag) 

BRICKNER, RICHARD M. und KUBIE, LAWRENCE S.: A Miniature Psychoiic Stotm 
Produced by a Superego Conflict over Simple Posthypnotic Suggestion. Psa. Quarterly, 

V/4. 

Eine 22jährige männliche Versuchsperson erhielt zwei posthypnotische Aufträge. Einer, 
der in einem voller Amnesie verfallenen Teil der Hypnose gegeben war, wurde glatt aus*" 
geführt. Der zweite, den die Versuchsperson, als sie posthypnotisch den Impuls verspürte, 
als aus der Hypnose stammend agnoszierte, erregte seinen Widerspruch. Er sollte von 
zwei Wassergläsern, von denen eines gerade, das andere verkehrt auf dem Tische steht, 
das aufrechte nehmen und gleichfalls umkehren. Er dachte, daß dieser Befehl seinem 
ganzen — sehr ordnungsliebenden — Charakter widerspreche und daß er deshalb nicht 
gehorchen wolle. Nach einer kurzen Latenzzeit fühlte er sich Übel und verlangte nach 
einem Glas Wasser. Auch danach ließ ihm der Konflikt zwischen Hypnoseauftrag und 
seinem Widerspruch dagegen (zwischen „Über*Ich*Schmarotzer" und genuinem Über*Ich) 
keine Ruhe. Er konnte nicht aufmerken, bekam Angst, wurde unruhig und schließlich 
deprimiert, bis er mit einem raschem Entschluß das Glas doch umkehrte und sich sofort 
befreit fühlte. 

Die Übelkeit, die zu dem Verlangen nach einem Glas Wasser führte, wird von den 
Autoren als eine Art artefizieller Konversionshysterie aufgefaßt, indem das Trinken des 
Wassers wohl einen Ersatz für den „verdrängten" Impuls, ein Wasserglas umzukehren, 
darstellte. • 

Was folgt, ist ein artefizieller „psychotischer Sturm in Miniatur" : „In seinem Kampf 
mit einem Befehl, dem er gleichzeitig gehorchen mußte und nicht gehorchen durfte, wurde 
er unfähig, irgend eine Entscheidung oder Wahl zu treffen, und verlor sich in einen Zu* 
stand von gespannter Erregung, wie er bestimmte Typen von zwangsneurotischer Depres* 
sion charakterisiert." Während der erste Auftrag erst mit der Ausführung vom Patienten 
als posthypnotischer erkannt wurde — wie ein hysterisches Symptom mit dem Bewußt* 
werden des zugrunde hegenden Konfliktes schwindet — , wurde der zweite Auftrag zu* 
nächst trotz Wissens um seine Herkunft nicht ausgeführt. Daran war eben der tiefe Kon* 
flikt schuld, der zwischen altem und neuem Über*Ich tobte. Die Autoren meinen, daß sich, 
wenn nicht die harmlose Natur des Auftrages den Sieg des „Uber*Ich*Schmarotzers" er* 



576 



Referate 



möglicht hätte, wahrscheinlich irgend ein „Wiederholungszwang" entwickelt hätte, weil 
unerledigte Uber*Ich*Impulse stets zu Ersatzhandlungen von „Wiederholungs"charakter 
drängen. Erzieher fungieren in dieser Hinsicht wie Hypnotiseure. Sträubt sich ein Kind, 
einem Gebot zu gehorchen, so entstehen oft Zwänge, deren immer neuerliche Wieder* 
holung dem Druck eines unerledigten posthypnotischen Auftrages entspricht. 

O. Fenichel (Prag) 

DANIELS, GEORGE E.: Analysis of a Case of Neurosis With Diabetes Mellitus. Psa. 

Quarterly, V/4. '" 

Die Arbeit ist eine interessante Studie über einen Patienten mit Diabetes mellitus (und 
zwar mit jener Spezialform, bei der Symptome von Seiten des autonomen Nervensystems 
im Vordergrund stehen), vaso*vegetativen Symptomen, Tics, Konversionssymptomen und 
vor allem Angst und Erotisierung dieser Angst. Bei der Psychoanalyse, die der Autor mit 
dem Patienten vornahm, zeigte sich ein deutliches Schwanken auch der diabetischen Er* 
scheinungen (sowohl der subjektiven als auch der objektiven, wie Zucker im Urin, Blute 
Zuckergehalt, Insulinschocks) im Zusammenhang mit den Vorgängen in der Analyse. Im 
Vordergrund standen ein mächtiger aus der Kindheitsgeschichte verständlicher Kastra* 
tionskomplex, der sich vor allem in einer unbewußten Angst vor der Erektion — ent* 
sprechend einer unbewußten Weiblichkeitsphantasie — manifestierte, was sich besonders 
deutlich in einem fast suchtartigen Verhalten des Patienten zu seinen Insulinspritzen zeigte, 
— sowie damit zusammenhängende unbewußte Aggressionskonflikte. Daniels hat den 
Eindruck, daß Angst und Hyperinsulinismus, Konversionssymptome (Angstbindungen) 
und Hyperglykämie einander entsprechen. Er geht so weit zu meinen, daß die Analyse, 
wäre nicht ein vorzeitiger Abbruch notwendig gewesen, möglicherweise auch zur Aus* 
heilung des Diabetes geführt hätte. 

Eine der Arbeit angeschlossene Diskussion, an der sich Lewin, Engle, Flies s, 
Kardiner und Jelliffe beteiligten, läßt erkennen, wie vieles an den Problemen 
des psycho*physischen Zusammenhanges noch prinzipiell ungelöst ist. Fliess trägt be* 
sonders zur Klärung der Begriffsbildung und damit der Problemstellung bei. Kardiner 
versucht seine bekannte Auffassung der Organneurosen, derzufolge die Symptome der 
Stauung entsprechen, die eine Folge einer Einstellung oder Abschwächung von Ichfunk* 
tionen ist, auf Daniels' Fall anzuwenden. Jelliffe macht auf die tiefe unbewußte 
Aggressionsneigung aufmerksam, die er jedesmal bei Diabetikern antraf. 

O. Fenichel (Prag) 



MENNINGER, KARL A.: Psychological Factors in Urological Disease. Psa. Quarterly, 

V/4. 

Die Arbeit stimmt mit der das gleiche Thema behandelnden von Christoffel 1 (die 
der Autor nicht heranzieht) darin überein, daß man die urologischen Krankheiten nicht 
einfach in „somatogene" und „psychogene" einteilen könne. Auch an rein organischen 
Störungen können psychische Kräfte auf verschiedenerlei Weise Anteil haben. So können 
gleichzeitig vorhandene Impotenz und Prostatitis sehr verschieden miteinander zusammen* 
hängen, da Affekte ja auch physiologische Prozesse verändern. Manchmal gibt es spontane 
Schmerzen oder Haemorrhagien ohne jeden äußeren Anlaß, manchmal werden unspezi* 
fische Infektionen in psychische Zusammenhänge eingereiht, manchmal endlich spezi* 
fische Infektionen durch das Verhalten des Ichs direkt herbeigeführt. Das Beispiel, das 

i) Christof fei: Harntriebäußerungen, insbesondere Enuresis; Urophilie und Uro* 
polemie. Int. Ztschr. f. Psa., Bd. XXI, 1935. 



Referate — - 
______ 577 



M. für die erste Möglichkeit zitiert, ist nicht überzeugend. Ein in i*v_i«rl„. 7 
hänge deutlich eingebauter Anfall von ^V^^B^lZrlZ^ f^SSZ 
Haematune bei emem Patienten von Fi nlay s o n, in dessen unbewußtem SexuS ebt 
eine passiv«homosexuell orientierte Urethralerotik die Hauptkomponente bildet den 
(l n i n8 vl P * ych ° gen h ält. «weckt trotz negativen Röntgenbefundes den Verdacht 
auf Nephrohthiasis. Die Beispiele dafür, daß unspezifische Infektionen durch eine nsvcW 
gene Herabsetzung des lokalen Widerstandes gefördert werden können, leuchten mehr^rT 
Eme prostatitische Infektion kam als Lösung unbewußter Konflikte einem Patienten w^" 
hch zur rechten Zeit. Sicher gibt es auch die dritte Möglichkeit, daß eine spezifische' 
Infektion unbewußt tendenziös - den Fehlhandlungen analog - herbeigeführt wkd 
Aber Ref. würde bei der Annahme, daß dieser Sachverhalt vorhege, vorsichtiger sein als' 
der Autor und nicht ohne weiteres eine „unbewußte autonome Kontrolle über die Pro« 
zesse der Immunität und Antisepsis" annehmen. Der Patient von Wilson freilich der 
ausdruckliche Ratschläge für Prophylaxe vernachlässigt, erweckt einwandfrei den Eindruck 
„als ob er an seiner Infektion zu hängen schien"; aber man kann auch „zufällige" Infek* 
taonen sekundär im Sinne unbewußter Konflikte „benutzen"; welche Möglichkeit aller« 
dings auch Menninger erwähnt. 

O. F e n i c h e 1 (Prag) 

Bulletin of the Menninger Clinic, I, No. 5, Mai 1937: Sigmund Freud, May ö, 1856. 

Die Zeitschrift der Menninger Clinic bringt zum 81. Geburtstag von Prof. Freud eine 
ihm gewidmete Festnummer heraus. Sie will zeigen, wie die Klinik sich bemüht Er« 
kenntmsse der Psychoanalyse in ihrer praktischen Psychotherapie - sowohl bei Patienten 

fhlTVT m « A r lySe durchmachen ' als *«* bei solchen, die anderen psycho«' 
therapeutischen Maßnahmen unterzogen werden - zu benützen. 

Der einzige Mitarbeiter der Zeitschriftnummer, der nicht selbst in Topeka wirkt 
Simmel, setzt m einem Einleitungsartikel auseinander, wie er sich die psychoanalytische; 

l\ - Khnik und Sanatorium stets gedacht hat und welche Vor« unS Nachteüe einer 
solchen Arbeit gegenüber der ambulanten- Analyse zukommen; er erzählt die Geschichte 

ZZ l eS T T Ut c S ^ St6llt fot ' daß dn BföUch in T °P eka ihn davon überzeugt hat 
n welch erfreulichem Sinn seine dort begonnenen Bestrebungen hier unter M e n n i n g e Is 
Leitung fortgesetzt werden. BS " 5 

Die Berichte der Kollegen aus der Klinik selbst machen uns im Detail mit der dortigen 
Arbe, tsw vertraut: Für jeden Patienten wird nach genauer Anamnese und Beobachtung 
auf Grund einer Beurteilung nach psychoanalytischen Prinzipien ein therapeutisches Pro! 
gramm festgesetzt das den Grad der ihm zugestandenen Freiheiten, Art und Quantum der 
Be ch aftigungs« oder Physiotherapie usw. bestimmt. Die Ausarbeitung dieses Programms 
mtlZ^KU h ^V Se f Ult f P /^° th -P-ten und erfolgt in Gemeinschaft 

Weise heP ? §en / m i Ch ? K ° nferenzen < und z™ geschieht dies in gleicher 

_£__£/ Tt f ft ; « eCmer ^f 1756 Unte °S en we rden, wie bei solchen, bei denen 
tf' dffl , F f 1St a *" J e , nen hält «*= daran fest, daß der das Programm bestimmende 
Arzt nicht mit dem Analytiker identisch sei. Es wird zwar nicht ausdrücklich vermieden, 
r! t •• Ana y f er mit „ dem betreffenden Psychotherapeuten spreche und, wenn nötig, 
Ratschlage erteile, im allgemeinen aber soll der Psychotherapeut bei seiner Programm« 
aufstellung unabhängig vom Psychoanalytiker vorgehen und sich von seinen eigenen Ein« 
drucken leiten lassen Man will damit erzielen, daß dieser Psychotherapeut und seine Maß« 
nahmen in der Analyse die Rolle spielen, die in der ambulanten Analyse die äußere 
Keaütat spielt. Die Autoren meinen, daß die Vorteile einer solchen Regelung die Nach« 
teile überwiegen, die dadurch entstehen, daß die Gestaltung der Übertragung sich auf 

Int. Zeilsdir. f. Psychoanalyse, XXIII/4 37 



578 Referate 

solche Weise kompliziert. Allerdings übersehen sie auch nicht, daß solche Komplikationen 
auch schwere Störungen in der Analyse abgeben können. 

William Menninger führt aus, wie die psychoanalytischen Gedankengänge, die 
bei der Aufstellung des therapeutischen Programms ausschlaggebend sind, nachgeprüft 
werden können an den Fällen, die gleichzeitig in Analyse sind und bei denen daher die; 
psychische Wirkungsweise der nichtanalytischen, therapeutischen Maßnahmen analytisch 
klargestellt werden kann. Zahlreiche Beispiele illustrieren dies, wovon ich einige nenne: 
Ein Patient arbeitet sehr eifrig in den Werkstätten der Klinik, aber die Produkte sind von 
minderwertiger Qualität; er ist voll von Schuldgefühlen wegen unbewußter Aggressionen 
gegen seine Familie, arbeitet viel, um diese Schuld zu sühnen, aber die Aggression setzt 
sich in der schlechten Qualität der Produkte dennoch wieder durch. Ein Patient versprach 
immer alles mögliche, leistete aber praktisch nichts; es war eine Art Rache, die eigentlich 
seinen Eltern galt. Wieder ein anderer zeigte in seiner Arbeitsweise fast unverändert anale 
Gewohnheiten seiner Kindheit. Äußere Auflehnung bei innerer Unselbständigkeit war 
bei einem anderen Patienten eine Übertragung seiner Einstellung zu seinem Vater. Im 
Verhalten der Patienten gegenüber physiotherapeutischen Maßnahmen spiegeln sich ihre 
sexuellen Verhaltungsweisen wider. 

K n i g h t diskutiert die Indikation der Anstaltsanalysen und ihre besonderen Schwierig« 
keiten, besonders die Einleitungsschwierigkeiten (etwa im Falle von Patienten, die von 
Angehörigen gegen ihren eigenen Willen in die Anstalt gebracht wurden) und Üben« 
tragungsbesonderheiten. 

R e i d e r bespricht das psychotherapeutische Programm bei analytischen Patienten. 

Tidd berichtet den Fall eines psychosenahen Schizoiden, in dessen Behandlung es 
gelang, eine bedeutungsvolle Zuwendung zur Realität zu erreichen, die dann auch die 
Anwendung einer mehr klassischen Methode der Analyse ermöglichte; dies gelang haupfe» 
sächlich durch analytische Behandlung seines Verhältnisses zum Vater, in dem eine heftige 
Aggression hinter einer oberflächlichen passiven Feminität verborgen war. 

Nicht nur Berichte über die Arbeit an der Menninger Clinic enthalten die interessanten 
Arbeiten von Grotjahn über die Beziehung von Kinderanalyse und Erziehung, die 
seither auch in deutscher Sprache erschien („Kinderanalyse und Erziehung im Rahmen 
der psychoanalytisch orientierten Schule", Zeitschrift f. psa. Päd., Bd. XI, 1937), und der 
Vorabdruck eines Kapitels aus einem Buche von Karl Menninger über Selbstzer« 
Störung, in dem die Möglichkeit diskutiert wird, daß organische Krankheiten unbewußt 
gewünscht und tendenziös herbeigeführt werden könnten. 

Ein Artikel von Knight „Ein Besuch bei Freud" wäre besser weggeblieben. 

O. Fenichel (Prag) 

TOFFELMIER, GERTRUDE, und LUOMALA, KATHERINE: Dreams and Dream« 
Interpretation of the Diegueno Indians of Southern California. Psa. Quarterly, V/2. 

Die große Bedeutung, die in indianischen Kulturkreisen dem Traumleben beigemessen 
wird, war schon verschiedentlich Gegenstand psychoanalytischer Untersuchungen. 1 Die 
Autorinnen bereichern dieses Material durch ausführliche Unterredungen mit einem 
„Traumdoktor" des kalifornischen Diegueno^Stammes. 

Aus seinen Berichten geht hervor, daß dort bestimmte Träume, nämlich Inzest* und 
Geisterträume, nicht etwa mit magischen Zeremonien, sondern mit einer Art Traum« 

i) Pfister: Instinktive Psychoanalyse unter den Navaho^Indianern. Imago, Bd. XVIII, 
1932. 

Roheim: Übersieh und Gruppen*Ideal in „Die Psychoanalyse primitiver Kulturen". 
Imago, Bd. XVIII, 1932. 



analyse durch den Traumdoktor, den man konsultiert beantworte j , 
und physische Heilmaßnahmen folgen. Der TraZl^T^T iTl^' *%*¥*** 
bestimmten Zeremonien, in denen der Gebrauch des Pharmakon T,u *?* Unter 
rolle spiel, eingeführt, die Träume, die er während dJeT zT h^tthet "T* 
seinen Namen seinen Schutzgeist, seine besonderen Fähigkeiten und S !L ? " b 
Der Traumdoktor teilte alle Träume ein in „sinnlose", ^^^^^2°^" 
brauchen und die bei Frauen und Kindern vorkommen, „normale Träume" d Tf"" 

mann gedeutet werden können, und „bedeutungsvolle TräumeTdie ihn "Uet LTn-^ 
zunächst die „Geisterträume", Träume von geistig Gestörten d™ c g ° a Smd 

und Echul, vermutlich Hysterikern, die der SL^^^ZS^^T' 
denen meist der Rat zur Heirat folgt, heilt. Sodann Inzestträunu di seht ~f uTl 
smd, weil man annimmt, daß jemand, der solches träumt, es auT in \S i S T t * 
konnte; auch da hilft Aussprache und Heiratsrat oder Mili uweZel befder A T 

hilft die angebliche Allwissenheit des Medizinmannes, ^SÄ £ i£2S^ 

IS tT **"{? ^ ^ D ° kt0r WiSSe ° hnedies - h - alles ws etählentrd 

haut e" *f ^ f6 T TräUme V ° n ZwilIin ^ ™ Le ^> «^e mit der Gl^t 

haube geboren wurden, Träume von Frauen, die nicht menstruieren, und natürhch 5t 
Traume der emgeweihten Traumdoktoren selbst. Der Gewährsmann g b auch ^ausführüth 

L^if^^^ ****"* -*-"W *-* die 

O. Fenichel (Prag) 

äSst* äS'- bst s 

genden Ich.Orgamsaüon eingenommen. Aber auch in der Katatonie km,™ ,~ lmeanaa f 

vom Ich St mehr t^V ?'*? ***** *» Uhmu « der Persönlichkeit. Die 
vom ich mcnt mehr kontrolherten Automatismen sind - im Gegensatz zu den vbw 

vtSnrich e R? rmaIen -^ *$****»** »d werlfir von den .th 
d^ bewußte f; " a \ V ° m T S ich , fremd ' etwa als " v °* *«ß« gemacht", empfunden, 
dutchTn sta rr * M T ' u ^ md HemmUng "— Adcfai konnte, ist ersetz 
wSe halten n ^gewicht d « Kräfte von Impuls und Hemmung, die sich die 

We zu der ' ^n R T £T ^ ^^^ "* ° b J ekte häIt die Aut °™ ~ * A »*" 
£l der von Bernfeld beschriebenen „Faszination der Säuglinge" - für Ich, 
Regressionen zu einer pränarzißtischen Stufe mit noch ungeformten Ich.Grenzen und 

37» 



580 Referate 

unentwickelter Objekterfassung und Bewältigung. Echolalie und Echopraxie entsprechen 
einer primären Identifizierung, Befehlsautomatie einem fixierten Kompromiß zwischen 
Trieb und Hemmung auf der Stufe einer solchen tiefen Ich*Regression, Negativismus; 
einer entsprechenden Ablehnung der Objektwelt. Die katatonen Affektstörungen ent* 
sprechen dem Umstand, daß die Zusammenhänge zwischen verschiedenen Affekterleb* 
nissen zerrissen sind und der einzelne Affekt erstarrt und automatisiert ist. Oft sind dabei 
die Identifizierungen, die am Aufbau des Ichs teilhatten, aufgespaltet und treten nach* 
einander in Erscheinung. Wie an Stelle des regulierenden Ichs eine archaischere innere 
Haltung, so treten an Stelle der willkürlichen Motorik archaische automatische „motorische 
Dispositionen". O. Fenichel (Prag); 



KORRESPONDENZBLATT 

DER 

INTERNATIONALEN PSYCHOANALYTISCHEN 

VEREINIGUNG 



Redigiert vom Zentralsekretär Edward Glover 



Jean Frois*Wittmann f 

Die Societe Psychanalytique de Paris und mit ihr die Internationale Psychoanalytische 
Vereinigung beklagen das Hinscheiden ihres Mitgliedes Jean Frois*Wittmann. 



I. Preisausschreiben 

des Psychoanalytischen Lehrinstitutes in London 

Die ordentlichen und außerordentlichen Mitglieder der Internationalen Psychoanaly* 
tischen Vereinigung werden daran erinnert, daß die Bewerber im Preisausschreiben für 
klinische Aufsätze ihre Arbeiten an den Ehrensekretär des Psychoanalytischen Instituts 
in London bis längtens 31. März 1938 einsenden müssen. 

Die Bedingungen für den Wettbewerb sind in der „Internationalen Zeitschrift für Psycho* 
analyse", Band XXII, Heft 1 enthalten. 

II. David Eder*Stiftung 

Der Absicht entsprechend, eine Bibliothek zum Gedächtnis an Dr. David E d e r in der 
Hebräischen Universität in Jerusalem zu errichten, ließ Dr. Jones einen Sammlungs* 
aufruf an die Mitglieder der Internationalen Psychoanalytischen Vereinigung ergehen. 
Gleichzeitig wurde ein Aufruf an zionistische und andere Kreise, in denen Dr. Eder eine 
hervorragende Rolle gespielt hatte, erlassen. Die Summe, die von der Internationalen 
Psychoanalytischen Vereinigung zusammengebracht wurde, betrug £ 165. Zusammen mit 
dem Betrag, den man auf Grund des allgemeinen Aufrufs erhalten hatte, ergab sich eine 
Gesamtsumme von etwas über £ 600, die der Universität zur Verfügung gestellt wurde. 

Professor Weil hat den Wunsch, seine dankbare Anerkennung für diesen Beitrag 
auszudrücken; es werden Schritte unternommen, diese Summe für die Ausgestaltung der 
Bibliothek zu verwenden. Ein Grundstock wurde bereits mit Dr. E d e r s eigener Bibliothek 
gelegt; dieser Umstand zusammen mit den Erwerbungen, die nachher gemacht wurden, 
wird es ermöglichen, daß die psychoanalytische Lehre in genügendem Maße in der Biblio* 
thek vertreten sein wird. 



582 Korrespondenzblatt 



III. Mitgliederverzeichnis der Internationalen 
Psychoanalytischen Vereinigung 

Unmittelbare Mitglieder: 

Barinbaum, Dr. Moses, Berlin N., Müllerstraße 182. 

Fromm, Erich, International Institute of Social Research, 429 West 117 th Street, New 

York, N. Y. 
Gatma, Dr. Angel, 14 rue George Sand, Paris XVI e. 
Hänel*Guttmann, Dr. Irene, Berlin*Westend, Stormstraße 9. 
H a p p e 1, Dr. Clara, 8120 E. Jefferson Avenue, Indian Village Manor, Detroit, Mich. 
Hofe, Dr. Marie Kalau vom, Berlin* Wilmersdorf , Jenaerstraße 7. 

Hoffmann, Dr. Jacob, c/o Prof. A. Marx, 100 Morningside Drive, New York, N. Y. 
Jacobssohn, Dr. Edith, Berlin W. 15, Emserstraße 39. 
Kempner, Dr. Salomea, Berlin* Wilmersdorf, Güntzelstraße 13. 
Kluge, Walter, Berlin*Halensee, Albrecht* Achillesstraße 2a. 
Koch, Dr. Adelheid, Caixa Postal 4164, Sao Paolo, Brazil. 
Kraft, Dr. Erich, Berlin N. 65, Reinickendorferstraße 1. 
Lewy, Dr. Ernst, Berlin* Neukölln, Bergstraße 132. 

Schneid er*Lantos, Dr. Barbara, 2 b Winchester Road, London N. W. 3. 
S i m o n s o n, Dr. Emil, Tel* Aviv, Ness Zionastreet 6, Palestine. 

The American Psychoanalytic Association 

A Federation of Psychoanalytic Societies 

Konstituierende Vereinigungen : 
The Boston Psychoanalytic Society. 
The Chicago Psychoanalytic Society. 
The New York Psychoanalytic Society. 
The Washington*BaItimore Psychoanalytic Society. 

Vorstand: 
Dr. A. Ä. B r i 1 1 (Ehrenpräsident). 
Dr. I. H. Co r i a t (Präsident). 
Dr. Adolph Stern (Vizepräsident). 
Dr. Lewis B. H i 1 1 (Sekretär). 
Dr. Thomas M. F r e n c h (Kassier). 

(Die Namen und Adressen der Mitglieder der konstituierenden Vereinigungen sind in den Listen der betreffenden 

Gruppen angeführt.) 

The Boston Psychoanalytic Society 

Ehrenmitglieder : 
Deutsch, Dr. Felix, 44 Larchwood Drive, Cambridge, Mass. 
Deutsch, Dr. Helene, 44 Larchwood Drive, Cambridge, Mass. 

Ordentliche Mitglieder: 
Barrett, Dr. William G., 82 Marlborough Street, Boston, Mass. 
C o r i a t, Dr. Isador H., 416 Marlborough Street, Boston, Mass. 
Dalrymple, Dr. Leolia, 82 Marlborough Street, Boston, Mass. 
d ' E 1 s e a u x, Dr. Frank C, Boston Psychopathie Hospital, Boston, Mass. 
Finesinger, Dr. Jacob, 602 Huron Avenue, Cambridge, Mass. 



1 



Korresp ondenzblatt 533 

Healey, Dr. William, 387 2 Beacon Street, Boston, Mass 

New b Haven, r bfnn. Erik ' ^^ ° f Fs y chi >^ Yak Institute of Human Rektums, 
Kauf man Dr. M. Ralph, 82 Mariborough Street, Boston, Mass. (Präsident) 
Murray, Dr. Henry A., 64 Plympton Street, Cambridge, Mass ^^'"V- 

p U, i ra J' ?/' J ° hn M - 82 MarIfaorou sh Street, Boston, Mass. (Sekretär Kassier) 
P e c k, Dr. Martin W., 37 Mariborough Street, Boston, Mass • ' 

Sachs, Dr. Hanns, 168 Mariborough Street, Boston, Mass. 

British Psycho*Analytical Society 

Ehrenmitglieder : 
Brill, Dr. A. A., 1 West 70th Street, New York. 
Eitingon, Dr. Max, Talbye, Jerusalem. 

Ordentliche Mitglieder: 
Brierley, Dr. Marjorte, 36 Nottingham Place, London, W 1 
Bryan, Dr. Douglas, 55a- Welbeck Street, London, W 1 
Burt, Prof. Cyril, 4 Eton Road, London, N. W.3. 
Carroll, Dr. Denis, 22 Queen Anne Street, London W 1 
Cohn Dr. Franz, 14 Adelaide Court, Abbey Road, London, N.W. 8 
Flügel, Prof. J. C, 11 Albert Road, London, N. W 1 
Forsyth, Dr. D., 67a Harley Street, London, W 1 
Franklin, Dr. Marjorie, 81 Wimpole Street, London, W 1 
Fuchs, Dr. S. H, 9 Manchester Square, London, W. 1. 

G anrDuff E M War ?' ? JSS^ *"* L ° nd ° n ' W " l O^issenschaftliAer Sekretär). 
U r a n t D u f f, Miss I. F., 150 Gloucester Place, London, N W 1 

Sal^E^H ? :he p Li T S ; Upper Park Road ' Br °^ton Park, Manchester. 
Haas, J_>r. E., 77 Hagley Road, Birmingham, 16. 

Herford, Dr. M. B., 19 Redlands Road, Reading. 

Isaacs, Mrs. Susan, 30 Primrose Hill Road, London N. W 3 

Jones, Dr. Ernest, 81 Harley Street, London, W. 1 (Präsident). 

Klein, Mrs. Melanie, 42 Clifton Hill, London, N W 8 

Low Miss Barbara, Block 2, Fiat O, Montagu Mansions, London, W. 1 

IT, i*7,' S 1 - $ aVid> 17 Queen ^ Street - Lon don, W. 1 (Kassier).' 

Mitchell, Dr. T. W., Hope Meadow, Hadlow, Kent. 

Payne, Dr. Sylvia, 143 Harley Street, London, W. 1 (Sekretär) 

Rickman, Dr. John, 11 Kent Terrace, London N W 1 

R i g g a 1 1, Dr. R M., c/o Lloyds Bank Ltd., 18 Wigmore Srreet, London, W. 1. ' 

Ki viere, Mrs. Joan, 3 Stanhope Terrace, London, W 2 

Sachs Dr Wulf, 95 Pasteur Chambers, Johannesburg, South Africa. 

Schmideberg, Dr. Melitta, 199 Gloucester Place, London, N.W 1 

ichmideberg, Walter, 199 Gloucester Place, London, N W 1 

*IV$ M-" Tr' C M " ^ CaSSd H ° SpitaI ' Wlands, Penshurst, Kent. 
J> e a r I, Miss N, 9 Kent Terrace, London, N. W. 1. 

Sharpe, Miss E., 9 Kent Terrace, London, N W 1 
Sheehan.Dare, Miss, 9 Manchester Square, London, W. 1. 
Staub, Hugo, 10 Hay Hill, London, W. 1. 
Stephen, Dr. Adrian, 50 Gordon Square, London, W. C. 1. 
Mephen, Dr. Karin, 50 Gordon Square, London, W. C. 1. 
Stoddart, Dr. W. H. B., 57a Wimpole Street, London, W. 1. 



5g4 Korrespondenzblatt 



Strachey, James, 41 Gordon Square, London, W. C. 1. 
Slrachey, Mrs. James, 41 Gordon Square, London, W.C1. 
Tansley, Prof. A. G., Grantchester, Cambridge. 
Thomson, Dr. H. Torrance, 18 Grosvenor Crescent, Edinburgh. 
Vaughan*Sawyer, Dr. E., 131 Harley Street, London, W. 1. 
Wilson, Dr. A. C, 5 Devonshire Place, London, W. 1. 
Winnicott, Dr. I. S., 44 Queen Anne Street, London, W. 1. 
Witt, Dr. G, 75 Boundary Road, London, N.W. 8. 
W r i g h t, Dr. Maurice, 86 Brook Street, London, W. 1. 
Yates, Dr. Sybille, 7 Lydford Road, London, N.W. 2. 

Außerordentliche Mitglieder: 
Baines, Miss Cecil M., 32 Belsize Square, London, N.W. 3. 
Barkas, Dr. Mary, c/o Lloyds Bank Ltd., 81 Edgware Road, London, W.l. 
Brend, Dr. W. H., 14 Bolingbroke Grove, London, S.W. 11. _ 

Chadwick, Miss Mary, Taviton House, 13 Taviton Street, London, W. C. 1. 
Culpin, Dr. M., 1 Queen Anne Street, London, W. 1. 
Eddison, Dr. W., Wonford House, Exeter. 
Fairbairn, Dr. W. R. D., 18 Lansdowne Crescent, Edinburgh. 
Friedender, Dr. Kate (vorm. Misch), 30 St. Anns Terrace, Acacia Road, London, 

N.W.8. T * __ , 

Gillespie, Dr. W. H., 20 Upper Wimpole Street, London, W.l. 
Hei mann, Dr. P., 37 Charlbert Court, Charlbert Street, London, N.W. 8. 
H e r b e r t, Dr. S., 2 St. Peter's Square, Manchester. . 

Hopkins, Dr. Pryns, University College, Gower^Street, London, W.U1. 
I n m a n, Dr. W., 22 Clarendon Road, Southsea, Hants. 
Lewis, Dr. J. Straf ford, Banstead Mental Hospital, Sutton, Surrey. 
Lewis', Miss M. G., 21 Torrington Square, London, W. C. 1. 
Maas, Dr. Hilde, 86 Greencroft Gardens, London, N. W. 6. 
Matte, Dr. L, Fiat 6, 59 Weymouth Street, London, W. 1. 
Middlemore, Dr. Merrell, 12 Kent Terrace, London, N. W. 1. 
M oney* Kyrie, Dr. R., Whitham, Calne, Wilts. 

Pailthorpe, Dr. G. W., c/o Westminster Bank, 154 Harley Street, London, W.l. 
P e n r o s e, Dr. L, S., 47 Lexden Road, Colchester. 
Rosen fei d, Mrs., 103 Elm Tree Road Mansions, London, N.W. 8. 
Taylor, Dr. J., 31 Nottingham Place, London, W. 1. 
Thomas, Dr. Rees, 34 Chartfield Avenue, London, S. W. 15. 
Thorner, Dr. H. A, 31 Nottingham Place, London, W.l. 
Winn, Dr. R. C, 143 Macquarrie Street, Sydney, New South Wales. 
W i n t o n, Dr. F. R., Gresham House, Cambridge. 

Chicago Psychoanalytic Society 

Ehrenmitglieder: 
Stern, Alfred K, 333 North Michigan Avenue, Chicago, 111. 

Ordentliche Mitglieder: 
Alexander, Dr. Franz, 43 East Ohio Street, Chicago, 111. 
Bacon, Dr. Catherine, 43 East Ohio Street, Chicago, 111. 
Bartemeier, Dr. Leo, 8-259 General Motors Building, Detroit, Mich. 
Benedek, Dr. Therese, 43 East Ohio Street, Chicago, 111. 
Berliner, Dr. Bernhard, 28 Parker Avenue, San Francisco, Galif. 



Korrespondenzblatt 



Blitzsten, Dr. N. Lionel, 20 East Cedar Street, Chicago, III. 

Deutsch, Dr. Hans, 55 East Washington Boulevard, Chicago, III. 

Eis ler, Dr. Edwin R., 43 East Ohio Street, Chicago, 111. 

Finlayson, Dr. Alan D., 10515 Carnegie Avenue, Cleveland, Ohio. 

F r e n c h, Dr. Thomas M., 43 East Ohio Street, Chicago, 111. (Präsident). 

Gerard, Dr. Margaret, 5729 Harper Avenue, Chicago, III. 

G r o t j a h n, Dr. Martin, The Menninger Clinic, Topeka, Kansas. 

H a m i 1 1, Dr. Ralph, 8 South Michigan Avenue, Chicago, 111. 

Kamm, Dr. Bernard A., The Menninger Clinic, Topeka, Kansas. 

K n i g h t, Dr. Robert, The Menninger Clinic, Topeka, Kansas. 

Levine, Dr. Maurice, 700 Provident Bank Building, Cincinnati, Ohio. 

Lippman, Dr. Hyman S., 279 Rice Street, St. Paul, Minn. 

McLean, Dr. Helen Vincent, 43 East Ohio Street, Chicago, 111. 

Menninger, Dr. Karl A., The Menninger Clinic, Topeka, Kansas. 

Mohr, Dr. George J., 43 East Ohio Street, Chicago, 111. (Sekretär, Kassier). 

Simmel, Dr. Ernst, 906 South Hudson Avenue, Los Angeles, Calif. 

S 1 i g h t, Prof. David, University of Chicago, Chicago, III. 

Tower, Dr. Elizabeth, 43 East Ohio Street, Chicago, 111. 

Außerordentliche Mitglieder: 
Brunswick, Dr. David, 1401 S. Hope Street, Los Angeles, Calif. 
Kasan in, Dr. Jacob, Michael Reese Hospital, 29th and Ellis Avenue, Chicago, III. 
Levey, Dr. Harry, 43 East Ohio Street, Chicago, 111. 
S a u 1, Dr. Leon J., 43 East Ohio Street, Chicago, 111. 
Steinfeld, Dr. Julius, Peoria Sanitarium, Peoria, 111. 
Wilson, Dr. George W., 30 North Michigan Avenue, Chicago, 111. 

Nicht praktizierende Mitglieder: 
Chamberlain, Dr. Herbert, Department of Social Weifare, 336 State Office Building, 

Sacramento, Calif. 
Lasswell, Prof. Harold, University of Chicago, Faculty Exchange, Chicago, III. 
McMurray, Robert, 310 South Michigan Avenue, Chicago, III. 




Dansk*Norsk Psykoanalytisk Forening 

Ordentliche Mitglieder: 
B r a a t ö y, Dr. Trygve, Psykiatrisk avdeling, Ullevaal, bei Oslo. 
Christensen, Frau Dr. Hjördis, Wergelandsveien 5, Oslo. 
Gero, Dr. Georg, Godthaabsvaenget 8 ', Kopenhagen, F. 
H o e 1, Dr. Nie, Kronprinsensgate 19, Oslo. 
K r a m e r, Frau Feiga, Pulkwed, Briez iela 7/33, Riga, Latvia. 
Landmark, Dr. Johannes, Bardu, Norwegen. 
L i e b e c k ^Kürschner, Dr. Lotte, St. Olavs gate 31, Z. 315, Oslo. 
R a k n e s, Dr. Ola, Observatorie Terrasse 10, Oslo (Sekretär). 

Schjelderup, Prof. Dr. Harald K, Psykologisk Institutt, Universitetet, Oslo (Präsident). 
Schjelderup, Dr. Kristian, Chr. Michelsens Institutt, Bergen, Norwegen. 

Deutsche Psychoanalytische Gesellschaft 

Ordentliche Mitglieder: 
Baumeyer, Dr. Franz, Dresden, Bismarckstraße 14. 
Boehm, Dr. Felix, Berlin N.W. 87, Händelallee 26 (Vorsitzender). 



mmmi 



586 Korrespondenzblatt 



Ekman, Thore, Berlin W 15, Eislebenerstraße 12. 
G o e b e 1, Frau Gertrud, Berlin N. W. 87, Königin* Augusta* Allee 96. 
G r a b e r, Dr. Gustav Hans, Stuttgart 13, Stälinweg 29. 

Kern per, Dr. Werner, Berlin*Charlottenburg 9, Sensburgerallee 6 (Kassenwart). 
March, Dr. Hans, Berlin W. 30, Bayreutherstraße 12. 
Mette, Dr. Alexander, Berün*Steglitz, Schloßstraße 54. 

Müller*Braunschweig, Frau Ada, Berlin*Schmargendorf, Sulzaerstraße 3. 
Müller*Braunschweig, Dr. Carl, Berlin*Schmargendorf , Sulzaerstraße 3 (Sekretär). 
Roellenbleck, Dr. Ewald, Berlin* Wilmersdorf, Helmstedterstraße 15. 
Schottländer, Dr. Felix, Stuttgart*Degerloch, Löwenstraße 123. 
Schultz*Hencke, Dr. Harald, Berlin* Wilmersdorf, Caubstraße 4. 
Weigert*Vowinckel, Dr. Edith, Kizil Irmak Sokak, Nihat, Pasa Apartmani, 
Ankara*Yenischir, Türkei. 

Außerordentliche Mitglieder: 

Arnold, Dr. Ursula, Berlin*Charlottenburg, Fridericiastraße 15. 

Buder*Schenk, Dr. Hildegard, Berlin*CharIottenburg 2, Carmerstraße 18. 

Cellarius, Dr. Julie, Berlin*Charlottenburg, Grolmannstraße 33. 

D r ä g e r, Käthe, Berlin*Tempelhof, Oberlandgarten 14. 

Gundert, Dr. Hermann, Stuttgart*N, Obere Birkenwaldstraße 170. 

Muthmann, Dr. Arthur, Freiburg i. Br., Ludwigstraße 36. 

Ranft, Hermann, Sigmar*Schönau (Chemnitz), Hoferstraße 90. 

Scheuner t, Dr. Gerhard, Erfurt, Schlösserstraße 8. 

S e i f f , Frau Margarete, BerhWTempelhof, Höppnerstraße 46. 

Sydow, Dr. Eckardt von, Berlin*Charlottenburg, Berlinerstraße 58. 

Weigel, Dr. H., Leipzig C 1., Marienstraße 16. 

Werner, Marie*Luise, Berlin*Tempelhof, Friedrich Franzstraße 11. 

Wimmersperg, Dr. Franziska von, Berlin*Halensee, Küstrinerstraße 26. 



Indian Psycho* Analytical Society 

Ordentliche Mitglieder: 

A m r i t h, M. V., 1 Case Major Road, Egmore, Madras. 

B a n e r j i, M. N., P. 13 Scheme, Belgachia P. O. (Sekretär) 

B a r r e t o, Capt. A. G., Raia, Salsetta, Goa. 

Bhattacharyya, Prof. H. D., Dacca University, Dacca. 

Bora, G, 5 Exchange Place, Calcutta. 

Böse, Dr. G, 14 Farsibagan Lane, Calcutta (Präsident). 

D a 1 y, Lt. Col. C. D., derzeit Wien XVIII, Cottagegasse 21, Pension Scheidl. 

G h a b a, U. S., Pindigheb, Attak, Punjab. 

G h o s h, Dr. B. C, 105c Park Street, Calcutta. 

Ghosh, R. N., 90 Bechu Chatterji Street, Calcutta. 

Halder, Prof. Rangin Ch., B. N. College, Patna. 

Hill, Lieut.*Colonel O. Berkeley, Station View, Ranchi. 

La ha, S. C, 121/Ia Cornwallis Street, Calcutta. 

Maiti, H. P., 1 Karbala Tank Lane, Calcutta. 

Mitra, Dr. S. C, 6/2 Kirti Mitter Lane, Calcutta. 

Pal, G., 61 Hindustan Park, Ballygunge, Calcutta. 

Pars Ram, Foreman Christian College, Lahore. 

S r i m a 1 i, K. L., Vidya Bhawan, Udaipur. 



Korrespondenzblatt 



587 



Außerordentliche Mitglieder: 
Agarwalla Durgadas, Marwari Chhattranibas, pl/l/l Chittaranjan Avenue 
B a n e r j i, Subodhchandra, P. 13 Belgachia P. O., Calcutta 

B 1S i, A. G, Department of Psychology, 92 Upper Circular Road, Calcutta 

Böse, S. K., 5 Preonath Banerji Street, Calcutta. 

Chakravarti, Chittaranjan, 20 Bahir Mirzapur Road, Calcutta 

Chatterji, A. C. Commercial Office, Kharagpur, B. N. Ry 

Chatter ji, Dr. B. B., 82 South Road, Entally, Calcutta. 

Chatterji, Chanchalkumar, P. 7 Mysore Road, Kalighat. 

Datta Anathnath, 64/2 Ahiretola Street, Calcutta. 

DeSujankrishna, 65/1/1 Manicktola Street, Calcutta. 

De, S. C,, Mymensing. 

Franklin, Prof. E. W., Spence Training College, Jubbalpur 

Ganguli, D. L., 21/Ia, Fern Road, Calcutta. 

Ganguli, M. L., 8b Dover Lane, Calcutta. 

G h a n d y, J. J., Supdt. Tata Iron and Steel, Jamsedpur. 

Ghosh, B. B., 49 Cornwallis Street, Calcutta. 

Ja Iota, S. S., D.A.V. College, Lahore. 

Mathews, Bernard, Bengal Club, Calcutta. 

Mukdum, M. M., Muslim University, Alighar. 

Moitra, Jyotirindranath, P. 376 Russa Road, Calcutta. 

Mukherji, N. P., Fern Road, Ballygunge, Calcutta. 

Pal, Sachindrabhushan, P. 638 Rashbehari Avenue, Kalighat. 

R. o y c h o u d h u r y, R. K., Ramgopalpur, Mymensing. 

Samanta, M. R, 8/c Ramanath Mazumdar Street, Calcutta. 

Sangupta, Capt. P. K., Indian Military Hospital, Calcutta. 

Sarkar, Sarasi Lal, 177 Upper Circular Road, Calcutta. 

Sinha, Amarnath, Department of Psychology, 92 Upper Circular Road, Calcutta. 

bin na, Bimalendu, 38 South End Park, Calcutta. 

Sinha, S. C, 15/1/1 Ramkanta Böse Street, Calcutta. 

Sinha. T. C, 38 South End Park, Calcutta. 



Chewra Psychoanalytith b'Erez*Israel 

Ehrenmitglied: 
Freud, Anna, Wien IX, Berggasse 19. 

Ordentliche Mitglieder: 
Blum, Dr. Kilian, JerusaIem*Rechawia, Abarbanelstraße. 
Eitingon, Dr. Max, JerusaIem*Talbye (Präsident). 
Pappenheim, Prof. Dr. Martin, Tel. Aviv, Bd. Rothschild 119 
Schalxt, Dr. Ilja, Haifa, Hadar, Jerusalemstraße 16 (Sekretär, Kassier). 
bmeliansky, Dr. Anna, Tel* Aviv, Engelstraße 3. 
Wulff, Dr., Tel* Aviv, Bd. Rothschild 38. 

Außerordentliche Mitglieder: 
B a r a g, Dr. G., TekAviv, Heßstraße 23. 

Brandt, Dr. G, c/o Palestine Psycho* Analyäcal Society, Jerusalem. Abessynianstraße 138. 
V r e y f u s s, Dr. D., Jerusalem, Ben Jehudastraße, House Saida. 
Hirsch, Dr. E., Jerusalem, Keren Hakayemethstraße 8. 



588 Korrespondenzblatt 



Obernik^Reiner, Frau M., Tel* Aviv, Shchunat Poalim I., Ferdinand Lassallestraße 6. 
Feller^Roubiczek, Frau Lili, Jerusalem=Rechawia, Alfassistraße. 

Societä Psicoanalitica Italiana 

Ordentliche Mitglieder: 
LevioBianchini, Prof. Dr. Marco, Nocera Inferiore, Salerno Campania. 
Merloni, Raffaele, Via Ufente 12, Roma. 
Masatti, Prof. Dr. Cesare L., Direttore dell'Istituto di Psicologia sperimentale della 

R. Universitä di Padova, Via Loredan 6a, Padova. 
Perrotti, Dr. Nicola, Corso Trieste 146, Roma. 
Rüben, Margarete, Via Piolti di Bianchi 28, Milano. 
S e r v a d i o, Dr. Emilio, Via Tagliamento 76, Roma (Sekretär). 
Tommasi di Palma, Alessandra, Principessa di Lampedusa, Via Brenta 2 (presso; 

Marchese Della Torretta), Roma. 
Weiss, Dr. Edoardo, Via N. Paganini 1, Roma (Präsident). 

Magyarorszägi Pszichoanalitikai Egyesület 

Ordentliche Mitglieder: 
Almasy, Dr. Endre, Budapest I, Meszäros*ucca 12. 
B ä 1 i n t, Dr. Mihäly, Budapest I, Meszaros*ucca 12. 
Bälint, Alice, Budapest I, Meszärosnxcca 12. 
D u b o v i t z, Dr. Margit, Budapest I, Naphegy^ucca 49. 
Dukes, Dr. Geza, Budapest V, Zoltän^ucca 6. 
Eis ler, Dr. Mihäly Jozsef, Budapest V, Bäthory*ucca 10. 
H a j d u * G i m e s, Dr. Lilly, Budapest V, Honved*ucca 8. 
Hann^Kende, Dr. Fanny, Budapest V, Zrinyi^ucca 14. 
Hermann, Dr. Imre, Budapest II, Fillemicca 25 (Sekretär). 
Hollös, Dr. Istvän, Budapest V, Klotild*ucca 4 (Vorsitzender). 
K o v ä c s, Vilma, Budapest I, Orvos*ucca 10. 
L ä z ä r " G e r ö, Dr. Klara, Budapest VII, Vilma*kirälynö*ut 50. 
L e v y n e, Dr. Kata, Budapest V, Szalay*ucca 3. 
L e v y, Dr. Lajos, Budapest V, Szalaymcca 3. 
Pfeifer, Dr. Zsigmond, Budapest I, AttüVucca 69 (Kassier). 
R e v e s z, Dr. Läszlö, Budapest VIII, Vasmcca 15/a. 
R 6 h e i m, Dr. Geza, Budapest VI, Herminamt 35. 
Rotter*Kertesz, Dr. Lillian, Budapest VIII, Sändomicca 46. 
S z a b 6, Dr. Sändor, Zürich, VoIta^Str. 24. 
S z i I ä g y i, Dr. Geza, Budapest VII, Damjanich*ucca 27. 
S z ü t s, Dr. Gyula, Budapest VI, Liszt Ferenoter 4. 

Außerordentliche Mitglieder : 
G y ö m r ö i, Edith, Budapest II, Trombitäs=ut 20. 
Kircz^Takäcs, Dr. Maria, Budapest II, Margit^kt 95. 

M a j o r, Margit, Budapest V, Szt. Istvän^ter 10. ( 

Pätzay*Liebermann, Lucy, Budapest V, HoId*ucca 15. 

Nederlandsche Vereeniging voor Psychoanalyse 

Ehrenmitglied: 
Jelgersma, Prof. Dr. G., 65 Loolaan, Apeldoorn. 



-J 



Ordentliche Mitglieder: 
Blök, Dr. A. M., 2 Wassenaarscheweg, den Haag. 
Bouman, Prof. Dr. K. H., 24 Jan Luyckenstraat, Amsterdam, 2 
Coultre, Dr. R. Le, 74 Stadionkade, Amsterdam, Z. 
Emden, Dr. J. E. G. van, 49 Sweelinckplein, den Haag. 
E n d 1 2, Dr. A., Ramaerkliniek, Loosduinen (Sekretär). 
F 1 o h i 1, Dr. M., Ramaerkliniek, Loosduinen. 
Heide, Dr. C. van der, 91 Apollolaan, Amsterdam, Z. 
H o o p, Doz. Dr. J. H. van der, 41 Jan van Eyckstraat, Amsterdam, Z. 
Jelgersma, Dr. H. C, 1 Endergeesterlaan, Oegstgeest. 
Katan, Dr. M., 22 R. J. Schimmelpennincklaan, den Haag. 
Linde, Dr. B. D. J. van de, 4 Boomberglaan, Hilversum. 
M o n c h y, Dr. S. J. R. de, 235 Schiedamsche Singel, Rotterdam. 
Muller, Doz. Dr. F. P., 102 Rijnsburgerweg, Leiden (Präsident). 
R ü m k e, Prof. Dr. H. C, 4 Mariahoek, Utrecht. 
S c h e 1 v e n, Dr. Th. van, 35 Jan van Nassaustraat, den Haag. 
S t ä r c k e, Dr. A, Willem Arntszhoeve, Den Dolder. 
Tas, Dr. J., 14 Paulus Potterstraat, Amsterdam, Z. 
Tibout, Frl. P. H. C, 717 Prinsengracht, Amsterdam, C. 
Versteeg^Solleveld, Frau C. M., 3 Javastraat, den Haag. 
V e r s t e e g, Dr. P. H, 3 Javastraat, den Haag (Kassier). 
Waals, Dr. H. G. van der, 94 Euterpestraat, Amsterdam, Z. 
W e y 1, Dr. S., 98 's Gravendijkwal, Rotterdam. 

Außerordentliche Mitglieder: 
Baas, Dr. B. C, 8 Juliana van Srolberglaan, den Haag. 
B u s s c h e r, Dr. Jacques de, 14 rue Guinard, Gent. 
Landauer, Dr. Karl, 10 Breughelstraat, Amsterdam, Z. 
Levy^Suhl, Dr. M., 18 Brahmsstraat, Amsterdam, Z. 
Nuysink, Dr. P. A. I. J., 41 Nassau Dillenburgstraat, den Haag. 
Reik, Dr. Th., 49 Joan van Hoornstraat, den Haag. 

Stipriaan Luiscius, Dr. A. M. van, 34 Prinsevinkenpark, den Haag. 
Water man, Dr. A., 70 van der Aastraat, den Haag. 



Vereeniging van Psychoanalytici in Nederland 

(Adressen siehe Nederlandsche Vereeniging voor Psychoanalyse) 

Ordentliche Mitglieder: 
Blök, Dr. A. M. (Sekretär). 
Le Coultre, Dr. R. 
v a n E m d e n, Dr. J. E. G. (Präsident). 
Katan, Dr. M. 
Landauer, Dr. K. 

Perls, Dr. F., 8 Seventh Street, Houghton Estate, Johannesburg. 
Reik, Dr. Th. . 
S t ä r c k e, Dr. A. 
Versteeg, Dr. P. H. 
Versteeg^Solleveld, Frau C. M. 
Waals, Dr. H. G. v. d. 
Waterman, Dr. A. 



590 Korrespondenzblatt 






Außerordentliche Mitglieder: 
Levy*Suhl, Dr. M. 
Stipriaan Luiscius, Dr. A. M. van. 

The New York Psychoanalytic Society 

Ehrenmitglied: 
Meyer, Dr. Adolf, Johns Hopkins Hospital, Baltimore, Maryland. 

Ordentliche Mitglieder: 
Arnes, Dr. Thaddeus H., 55 Park Avenue, New York, N. Y. 
Amsdcn, Dr. George S„ 610 Park Avenue, New York, N. Y. 
A t k i n, Dr. Samuel, 324 West 86th Street, New York, N. Y. 
Biddle, Dr. Sydney G., 255 South 17th Street, Philadelphia, Pa. 
Binger, Dr. Carl, 40 East 72nd Street, New York, N. Y. 
Blanton, Dr. Smiley, 115 East 61st Street, New York, N.'Y. 
Blumgart, Dr. Leonard, 152 West 57th Street, New York, N. Y. 
Bon nett, Dr. Sara A, 1035 Park Avenue, New York, N. Y. 
Brill, Dr. A. A., 88 Central Park West, New York, N. Y. (Ehrenpräsident). 
Broadwin, Dr. I. T., 116 West 59th Street, New York, N. Y. 
B u n k e r, Dr. Henry A, 1021 Park Avenue, New York, N. Y. 
Daniels, Dr. George E., 129 East 69th Street, New York, N. Y. (Sekretär). 
D u n b a r, Dr. H. Flanders, 730 Park Avenue, New York, N. Y. 
Eidson, Dr. Joseph P., 70 East 77th Street, New York, N. Y. 
Eisendorf er, Dr. Arnold, 68 East 86th Street, New York, N. Y. 
English, Dr. O. Spurgeon, 255 South 17th Street, Philadelphia. 
Farnell, Dr. Frederic J., 577 Angell Street, Providence, R. I. 
F 1 i e s s, Dr. Robert, 57 West 57th Street, New York, N. Y. 
F r a n k, Dr. Richard L., 155 East 73rd Street, New York, N. Y. 
Gins bürg, Dr. May E., 57 West 57th Street, New York, N. Y. 
G 1 u e c k, Dr. Bernard, 130 East 39th Street, New York, N. Y. 
G o 1 d m a n, Dr. George S., 49 East 96th Street, New York, N. Y. 
G o s s e 1 i n, Dr. Raymond, 30 West 54th Street, New York, N. Y. 
G r e e n a c r e, Dr. Phyllis, 345 East 68th Street, New York, N. Y. 
Haigh, Dr. Susanna S., 108 East 38th Street, New York, N. Y. 
H i n s i e, Dr. Leland E., 722 West 168th Street, New York, N. Y. 
H o r n e y, Dr. Karen, 160 Central Park South, New York, N. Y. 
H u t c h i n g s, Dr. Richard H., Utica State Hospital, Utica, N. Y. 
Jellif fe, Dr. Smith Ely, 64 West 56th Street, New York, N. Y. 
Kardin er, Dr. A, 983 Park Avenue, New York, N. Y. 
Keim an, Dr. Sarah R, 333 West End Avenue, New York, N. Y. 
Kenworthy, Dr. Marion E., 1035 Fifth Avenue, New York, N. Y. 
Klein, Dr. Sidney, 146 West 79th Street, New York, N. Y. 
Kubie, Dr. Lawrence S., 34 East 75th Street, New York, N. Y. 
Lehr man, Dr. Philip R, 25 Central Park West, New York, N. Y. 
L e v i n, Dr. Hyman, 99 St. James Place, Buffalo, N. Y. 
L e v y, Dr. David M., 136 East 57th Street, New York, N. Y. 
Lew in, Dr. Bertram D., 25 Fifth Avenue, New York, N. Y. (Präsident). 
L i s s, Dr. Edward, 130 East 39th Street, New York, N. Y. 
Lorand, Dr. Sandor, 115 East 86th Street, New York, N. Y. 
Loveland, Dr. Ruth, 336 Central Park West, New York, N. Y. 



Mae der, Dr. LeRoy M. A., 206 South 13th Street, Philadelphia, Pa. 
Malcove, Dr. Lillian, 245 East 72nd Street, New York, N. Y. ' 
Mayer, Dr. Max D., 1150 Fifth Avenue, New York, N. Y. 
M c C o r d, Dr. Clinton P., 20 Willett Street, Albany, N. Y 
Meyer, Dr. Monroe A, 57 West 57th Street, New York, N. Y (Kassier) 
M i 1 1 e t, Dr. John A. P., 770 Park Avenue, New York, N. Y. 
M i 1 1 e 1 m a n n, Dr. Bela, 565 Park Avenue, New York, N. Y 
O b e r n d o r f, Dr. C. P., 112 West 59th Street, New York, N. Y. 
Orgel, Dr. Samuel Z., 667 Madison Avenue, New York, N. Y. 
Parker, Dr. Z. Rita, 115 East 61st Street, New York, N. Y. 
Powers, Dr. Lillian D., 128 West 59th Street, New York.N Y 
Rado, Dr. Sandor, 324 West 86th Street, New York, N. Y. 
Rib b le, Dr. Margaret, 21 East 57th Street, New York, N Y 
Robb ins, Dr. Bernard S., 125 East 72nd Street, New York, N Y 
Rothenberger. Simon, 175 Eastern Parkway, Brooklyn, N. Y 
Rothschild, Dr. Leonard, 745 Fifth Avenue, New York, N Y 
Sands, Dr. Irving J., 202 New York Avenue, Brooklyn, N Y 
Shoenfeld, Dr. Dudley D., 116 West 59th Street, New York, N. Y 
Slutsky, Dr. Albert, 116 West 59th Street, New York, N Y 
Snnth, Dr. Joseph, 780 St. Mark's Avenue, Brooklyn N Y 
S olle y, Dr. John B., 139 East 66th Street, New York N Y 
Stern, Dr. Adolph, 57 West 57rh Street, New York' N Y 
Thompson, Dr. Clara, 151 East 83rd Street, New York, N Y 
V a n O p h u i j s e n, Dr. J. H. W., 141 East 88th Street, New York, N. Y. 
Wall, Dr. James H., Bloomingdale Hospital, White Plains, N Y 
Weinstock, Dr. Harry L, 745 Fifth Avenue, New York N Y 
Witteis, Dr. Fritz, 91 Central Park West, New York N Y 
Wolfe, Dr. Theodore P., 730 Park Avenue, New York, N. Y 
Zilboorg, Dr. Gregory, 14 East 75th Street, New York, N. Y. 

Außerordentliches Mitglied: 
Powers, Mrs. Margaret J., 853 Seventh Avenue, New York, N. Y. 

Societe Psychanalytique de Paris 

Ordentliche Mitglieder: 
Allendy, Dr. Rene, 67 nie de l'Assomption, Paris XVIe. 



6 rue Adolphe Yvon, Paris XVIe. 



Bonaparte, Marie, Princesse Georges de Grece, 

Borel, Dr. Adrien, 11 Quai aux Fleurs, Paris IVe.' 

C e n a c, Dr. Michel, 3 rue Coetlogon, Paris VIe. 

C o d e t, Dr. Henry, 10 rue de l'Odeon, Paris VIe. 

C o d e t, Mme. Odette, 10 rue de l'Odeon, Paris VIe. 

Flournoy, Dr. Henri, 5 rue de Monnetier, Geneve (Suisse). 

Hesnard, Prof. Angelo, PorfeHesnard, Le Mourillon, Toulon fVar) 

L a i o r g u e, Dr. Rene, 1 rue Mignet, Paris XVIe. 

Lagache, Dr., 2 rue Georges de Porto*Riche, Paris XlVe. 

Leuba, Dr. John, 6 rue Pierre Ducreux, Paris XVIe (Sekretär) 

Loe wen stein, Dr. Rodolphe, 127 Avenue de Versailles, Paris XVIe 

Lowtzky, Mme., 13 Square Henri Pate, Paris XVIe. 

Morgenstern, Dr. Sophie, 4 rue de la Cure, Paris XVIe. 

N a c h t, Dr. Sacha, 47 rue des Vignes, Paris XVIe. 



Korrespondenzblatt 592 



O d i e r, Dr. Charles, 27 rue Franklin, Paris XVIe. 

O d i e r # R o n j a t, Mme. Charlotte, 27 rue Franklin, Paris XVIe. 

Parcheminey, Dr. Georges, 92 Avenue Niel, Paris XVIIe. 

P i c h o n, Dr. Edouard, 48 Avenue de la Bourdonnais, Paris Vlle (Präsident). 

Reverchon«=Jouve, Dr. Blanche, 8 rue de Tournon, Paris VIe. 

Saussure, Dr. Raymond de, 12 rue Chanoinesse, Paris IVe. 

Schiff, Dr. Paul, 14 rue Cesar Franck, Paris XVe. 

S c h 1 u m b e r g e r, Marc, 24 Avenue de Lamballe, Paris XVIe. 

Spitz, Dr. Rene, 18 bis, rue Henri Heine, Paris XVIe. 

Außerordentliche Mitglieder: 
Allende, Dr. Novaro, 1944 Calle Moneda, Santiago de Chili. 
Beltram, Prof. Dr., Universite, 1601 Echeveria, Buenos* Aires. 
B e r m a n, Mlle. Anne, 2 rue du general Balfourier, Paris XVIe. 
Breuer, Dr. Elsa, 5 rue Brown^Sequart, Paris XVe. 
Chentrier, Theodore, 17 bis, rue de Bretagne, Asnieres (Seine). 
Cohn = Hoffmann, Mme. 

Doreau, Bernard, 11 rue Edmond Valentin, Paris Vlle. 
G e r m a i n, Paul, 10 rue Durantin, Paris XVIIIe. 
Guex, Mlle., 9 Florimont, Lausanne (Suisse). 
Helot, Dr., 8 Place Massena, Nice. 
H o e s 1 i, Dr. Henri, 90 rue du Bac, Paris Vlle. 
L a c a n, Dr. Jacques, 97 Boulevard Malesherbes, Paris VHIe. 
L a £ o r g u e, Mme. Paulette, 1 rue Mignet, Paris XVIe. 
Male, Dr. Pierre, 11 rue de Navarre, Paris Ve. 
M a r e 1 1 e, Philippe, 322 rue St. Jacques, Paris Ve. 

Martin^Sisteron, Dr. Maurice, 14 Boulevard Edouard Rey, Grenoble. 
P i e r r e, Dr. J. L., 10 bis, rue Paul Baudry, Paris XVIIe. 
Prince Pierre de Grece, 6 rue Adolphe Yvon, Paris XVIe. 
Repond, Dr. Andre, Malevoz sur Monthey, Valais (Suisse). 
Rieti, Dr. Ettore, Istituto Psichiatrico di Grugliasco, Turin (Italie). 
V i o 1 e t, Dr. Madeleine, 19 rue Monsieur, Paris Vlle. 

Russische Psychoanalytische Vereinigung 

Ordentliche Mitglieder: 
Awerbuch, Frau Dr. R. A„ Moskau, Sadowo*Kudrinskaja 21. 
B r u k, Dr. A. N., Moskau, M. Kakowinskij 5. 
Chaletzki, Dr. A., Odessa, Psychiatrische Anstalt. 
Goltz, Frau Dr. E. P., Moskau, Mansurowskij Per. 7. 
Friedmann, Dr. B. D., Moskau, Sadowo^Triumphalnaja 8, W. 7. 
Geschelina, Frau Dr. L. S., Moskau, Kammerherrskij 4. 
Kannabich, Prof. J. W., Moskau, B. Rjewskij Per. 8, W. 14 {Präsident). 
K o g a n, Dr. M., Odessa, Psychiatrische Anstalt. 

LiosnersKannabich, Frau Dr., Moskau, B. Rjewskij Per. 8, W. 14. 
Rohr, Frau Dr. Angela, Moskau, Marx^Engelsstr. 3. 
Rohr, Wilhelm, Moskau, Marx^Engelsstr. 3. 
S c h a f f i r, J. M., Moskau, Ostoschenka 5, W. 38. 
Schmidt, Prof. Otto, Moskau, Granowsky*Str. 3, W. 92. 
Schmidt, Wera, Moskau, Grano\vsky*Str. 3, W. 92 (Sekretär). 



Spiel rein, Frau Dr. Sabina, Rostow a. Don, Puschkinskaja 97. 
Simson, Frau Dr. T. P., Moskau, Psychiatrische Klinik, I. Universität. 

Außerordentliche Mitglieder: 
Goldowskaja, Frau Dr. T. L, Moskau, Arbat, 30, W. 59. 
Goldowsky, Dr. E. D., Kiew, Militärhospital. 

Lurje, Frau Dr. M. E., Moskau, Pokrowskoje*Streschnewo Sanatorium. 
Salkind, Dr. A, Kiew, Nikolsko*Botanitscheskaja 3/9. 
Wnukow, Dr. W. A., Moskau, Skatertnij Per. 22, W. 8. 

Schweizerische Gesellschaft für Psychoanalyse 

Ehrenmitglieder: 
Eitingon, Dr. Max, Talbye, Jerusalem. 
Jones, Dr. Ernest, 81 Harley Street, London, W. 1. 

Mitglieder : 
Bally, Dr. Gustav, Schmelzbergstraße 34, Zürich, VII. 
Behn*Eschenburg, Frau Gertrud, Doldertal 19, Zürich, VII. 
Bins wanger, Dr. Ludwig, Sanatorium Bellevue, Kreuzungen (Thurgau). 
Blum, Dr. Ernst, Marienstraße 9, Bern (Quästor.) 
Blum*Sapas, Dr. Elsa, Vana^Kriste, Saapa*talu, Estonia. 
Christof fei, Dr. Hans, Albanvorstadt 21, Basel. 
Flournoy, Dr. Henri, Rue de Monnetier 6, Genf. 
Fürst, Dr. Emma, Rebwiesstraße 54, Rehalp^Zürich. 
Grüninger, Dr. Ulrich, Brittnau (Aargau). 

K i e 1 h o 1 z, Dr. Arthur, Kant. Irrenanstalt, Königsfelden (Aargau). 
Meng, Dr. Heinrich, Angensteinerstraße 16, Basel. 
Pfenninger, Pfarrer Hans, Neftenbach, Kt. Zürich. 
Pf ist er, Pfarrer Dr. Oskar, Schienhutgasse 6, Zürich (Beisitzer), 
Piaget, Prof. Jean, Universität, Genf. 

Repond, Dr. Andre, Maison de Sante de Malevoz, Monthey, Valais. 
Sa ras in, Dr. Philipp, Gartenstraße 65, Basel (Präsident). 
Saussure, Dr. Raymond de, 2, Tertasse, Genf. 
Schneider, Prof. Dr. Ernst, Relenbergstraße 16, Stuttgart, N. 
S c h u 1 1 z, Dr. Ch., Hadlaubstraße 109, Zürich. 
S t e i n e r, Dr. Hans, Promenadengasse 18, Zürich. 
Wehrli, Dr. Gustav, Weinbergstraße 36, Zürich. 
Z u 1 1 i g e r, Hans, Ittigen bei Bern (Schriftführer). 

Außerordentliche Mitglieder: 
Boss, Dr. M., Theaterstraße 14, Zürich. 
Zulliger, Frau Martha, Ittigen bei Bern. 

Sendai Psycho*Analytical Society 

Ehrenmitglied: 
M i y a k e, Prof. Dr. Koichi, Psychiatric Clinic of Tokyo Imperial University, Tokyo. 

Ordentliche Mitglieder: 
A r a i, Dr. Shohei, 11 Myojincho, Hachioji, Tokyo. 
D o i, Dr. Masanori, 1 Momijimachi, Hachioji, Tokyo. 

Int. Zeitm&r. f. Psychoanalyse, XXIII/4 X 



594 Korrespondenzblatt 



H a y a s a k a, Dr. Choichiro, Psychiatric Clinic of Tohoku Imperial University, Sendai 

(Sekretär). 
K a k e d a, Dr. Katsumi, Physiological Laboratory of Tohoku Imperial University, Sendai. 
Kimura, Dr. Renkichi, Psychiatric Clinic of Tohoku Imperial University, Sendai. 
Komine, Dr. Mosaburo, Komine Hospital, Nishigahara, Takinokawa4cu, Tokyo. 
K o m i n e, Dr. Shigeyuki, Komine Hospital, Nishigahara, Takinokawa*ku, Tokyo (Kassier) 
K o s a w a, Dr. Heisaku, Kosawa Psycho* Analytical Hospital, 190 Higashitamagawamachi, 

Setagaya^ku, Tokyo. 
Marui, Prof. Dr. Kiyoyasu, Psychiatric Chnic of Tohoku Imperial University, Sendai 

(Präsident). 
Miura, Prof. Dr. Nobuyuki, Psychiatric Clinic of Iwade Medical College, Morioka. 
Suzuki, Dr. Yuhei, Komine Hospital, Nishigahara, Takinokawa*ku, Tokyo. 
Y a m a m u r a, Dr. Michio, Psychiatric Clinic of Tohoku Imperial University, Sendai. 

Svensk*Finska Psykoanalytiska Foereningen 

Ordentliche Mitglieder: 
Kulovesi, Dr. Yrjö, Tampere, Finnland. 
Sandström, Dr. Tora, Stockholm, Artilleregatan 48 (Kassier). 
T a m m, Dr. Alfhild, Stockholm, Narvavägen 21 (Vorsitzende und Sekretärin). 

Außerordentliche Mitglieder: 
Nielsen, Dr. Nils, Göteborg, Ärlegatan 2. 
Nycander, Dr. Gunnar, Stockholm, Humlegardsgatan 13. 
Palmstierna, Vera, Stockholm, Pilgatan 3. 
Törngren, Dr. Pehr Henrik, Stockholm, Ulricagatan 5. 

Tokyo Psycho^Analytical Society 

Ordentliche Mitglieder : 
A s a b a, Dr. Takeichi, Kumagaya Hospital, Yuminomachi, Okayama City. 
Nagasaki, Bunji, 346 Numabukuromachi, Nakano. 
Mawatari, Dr. Kazue, 496 Kita*Senzoku, Magomemachi, Tokyo. 
Sekiguchi, Dr. Saburo, Ikeda Hospital, 7 of 4*chome, Kobikicho, Kyobashiku, Tokyo. 
Shibakawa, Dr. Matataro, 627 Kanu>Meguro, Tokyo. 
Tsushima, Dr. Kanji, 825 Motoshiba, Oimachi, Tokyo (Sekretär). 
Y a b e, Yae^Kichi (B. A), 825 Motoshiba, Oimachi, Tokyo (Präsident). 

Außerordentliche Mitglieder: 
Saito, Mr. Nagatoshi, c/o. Yabe, 825 Motoshiba, Oimachi, Tokyo. 
T a g o, Dr. Tsutomu, Ryoundo Hospital, Ishigami^Sekimachi, Itabashiku, Tokyo. 
T o d a, Sueo (B. C), c/o. Yabe, 825 Motoshiba, Oimachi, Tokyo. 
Yabe, Nada*Mitsu (B. E. S.), 825 Motoshiba, Oimachi, Tokyo. 

WashingtonsBaltimore Psychoanalytic Society 

Ehrenmitglieder : 
B rill, Dr. A. A., 88 Central Park West, New York, N. Y. 
White, Dr. William A., St. Elizabeths Hospital, Washington, D. C. 



1 



Korrespondenzblatt 595 



Ordentliche Mitglieder : 
Chapman, Dr. Ross McLure, Sheppard and Enoch Pratt Hospital, Towson, Md. 
Chassell, Dr. Joseph O., Sheppard and Enoch Pratt Hospital, Towson, Md. 
Colomb, Dr. Anna Danneman Colomb, Connecticut State Hospital, Middletown, Conn. 
Crowley, Dr. Ralph M., Sheppard and Enoch Pratt Hospital, Towson, Md. 
D o o 1 e y, Dr. Lucile, 2440 16th Street, N. W., Washington, D. C. 
Fromm^R eichmann, Dr. Frieda, Chestnut Lodge Sanitarium, Rockville, Md. 
Graven, Dr. Philip S., 2007 Massachusetts Ave., N. W., Washington, D. C. 
H a d 1 e y, Dr. Ernest E., 1835 Eye Street, N. W-, Washington, D. C. ' 
Hill, Dr. Lewis B., 700 Cathedral Street, Baltimore, Md. (Präsident). 
J a r v i s, Dr. Marjorie, Chestnut Lodge Sanitarium, Rockville, Md. 
Lewis, Dr. Nolan D. C, New York State Psychiatric Institute, 722 West 168th Street, 

New York City. 
Meyer, Dr. Adolph, Phipps Clinic, Baltimore, Md. 
Reede, Dr. Edward Hiram, Medical Science Building, Washington, D. C. 
Silverberg, Dr. William V., 315 Central Park West, New York, N. Y. 
Smeltz, Dr. G. W., 121 University Place, Pittsburgh, Penn. 

Stoughton, Dr. Amanda L., 700 Cathedral Street, Baltimore, Md. (Sekretär, Kassier). 
S t r a g n e 1 1, Dr. Gregory, 86 Orange Street, Bloomfield, N. J. 
S u 1 1 i v a n, Dr. Harry Stack, 158 East 64th Street, New York City. 
Taneyhill, Dr. G. Lane, 1316 Eutaw Place, Baltimore, Md. 

Wiener Psychoanalytische Vereinigung 

Ordentliche Mitglieder : 
Aichhorn, August, Wien V, Schönbrunnerstraße 110. 
Angel^Katan, Dr. Anny, R. J. Schimmelpennincklaan 22, den Haag. 
B e r g 1 e r, Dr. med. Edmund, Wien I, Seilerstätte 7. 
Bernfeld, Dr. phil. Siegfried, 3301 Broderick Street, San Francisco. 
B i b r i n g, Dr. med. Edward, Wien VlI, Siebensterngasse 31 (Kassier). 
Bibring^Lehner, Dr. med. Grete, Wien VII, Siebensterngasse 31. 
Bornstein, Berta, Wien I, Universitätsstraße 4. 

Bornstein^Windholzova, Steff, Praha*Bubenec, OveneCka 23a. 
Burlingham, Dorothy, Wien IX, Berggasse 19. 
Buxbaum, Dr. phil. Edith, 110 East 87th Street, New York City, 
Bychovski, Dr. med. Gustav, Warschau, Wilcza 47. 
Deri, Frances, 123 North Plymouth Blvd., Los Angeles, California. 
Deutsch, Doz. Dr. med. Felix, 44 Larchwood Drive, Cambridge, Mass. 
Deutsch, Dr. med. Helene, 44 Larchwood Drive, Cambridge, Mass. 
Eideiberg, Dr. med. Ludwig, Wien IV, Gußhausstraße 15. 
Federn, Dr. med. Paul, Wien VI, Köstlergasse 7 (Obmannstellvertreter). 
Fenichel, Dr. med. Otto, Prag II, Jecna 18. 
Freud, Anna, Wien IX, Berggasse 19 (Obmannstellvertreter). 
Freud, Prof. Dr. med. Sigm., Wien IX, Berggasse 19 (Obmann). 
F r i e d j u n g, Doz. Dr. med. Josef, Wien I, Ebendorferstraße 6. 
Gut mann, Dr. med. Salomea, Wien IV, Frankenberggasse 13. 
Hartmann, Dr. med. Heinz, Wien I, Rathausstraße 15 (Schriftführer). 
H e i 1 p e r n, geb. Fuchs, Else, Wien XVII, Jörgerstraße 32. 
Hitschmann, Dr. «ned. Eduard, Wien IX, Währingerstraße 24 
(Leiter des Ambulatoriums). 

38* 



596 Korrespondenzblatt 



Hoff er, Dr. med. et phil. Wilhelm, Wien I, Dorotheergasse 7. 

HofferoSchaxel, Hedwig, Wien I, Dorotheergasse 7. 

Hoff mann, Dr. med. Ernst Paul, Wien VI, Mariahilf erstraße 23—25. 

Isakower, Dr. med. Otto, Wien VIII, Piaristengasse 38. (.Kassier). 

Je k eis, Dr. med. Ludwig, Wien I, Lobkowitzplatz 1. 

Jokl, Dr. med. Robert Hans, Wien I, Opernring 19. 

Kris, Dr. phil. Ernst, Wien IX, Schwarzspanierstraße 11. 

Lampl, Dr. med. Hans, Wien XIX, Pyrkergasse 29. 

Lampl^de Groot, Dr. med. Jeanne, Wien XIX, Pyrkergasse 29. 

Mack^Brunswick, Dr. med. Ruth, Wien XVIII, Hasenauerstraße 19. 

Nepallek, Dr. med. Richard, Wien VIII, Alserstraße 41. 

Newton, Caroline, Berwin P. O. Daylesford, Pa., U. S. A. 

N u n b e r g, Dr. med. Hermann, 875 Park Avenue, New York City. 

Rank, Beate, c/o. Judge Baker Guidance Center 38 1/2 Beacon Street, Boston, Mass. 

Reich, Dr. med. Annie, Praha^Bubenec, Ovenecha 23b. 

Sperling, Dr. med. Otto, Wien IV, Wiedner Gürtel 40. 

Steiner, Dr. med. Maxim., Wien I, Rotenturmstraße 19. 

Stengel, Dr. med. Erwin, Wien I, Bognergasse 7. ! 

Sterba, Dr. med. Richard, Wien VI, Mariahilferstraße 71 (Bibliothekar). 

Sterba, Dr. phil. Editha, Wien VI, Mariahilferstraße 71. 

Storfer, A. J., Wien VIII, Alserstraße 45. 

Sugar, Dr. med. Nikolaus, Strösmajerova ul. 8/1, Subotica, Jugoslavien. 

Wälder, Dr. phil. Robert, Wien II, Obere Donaustraße 35 (Schriftführer). 

Wälder, Dr. med. Jenny, Wien II, Obere Donaustraße 35. 

Weiß, Dr. med. Karl, Wien IV, Schwindgasse 12. 

Winter stein, Dr. phil. Alfred Frhr. v., Wien XIII, Wattmanngasse 38. 

Außerordentliche Mitglieder: 
B e 1 1 h e i m, Dr. med. Stefan, Zagreb, trg Kral ja Petra 3. 
Deming, Dr. med. Julia, Wien VIII, Langegasse 32. 
EisslerxSelke, Dr. Ruth, Wien VIII, Trautsohngasse 2b. 
Freud, Dr. jur. Martin, Rechtsanwalt, Wien IX, Berggasse 7. 
Grünspan, Dr. Berta, Wien IX, Wasagasse 2. 
H a w k i n s, Dr. Mary Oneil, Wien IX, Lazarettgasse 9. 
Herz, Dr. med. Margit, Wien VI, Gumpendorf erstraße 78. 
Jackson, Dr. Edith B., Yale Medical School, New Haven, Conn., U, S. A. 
Kris, Dr. med. Marianne, Wien IX, Schwarzspanierstraße 11. 
Kronengold, Dr. med. Eduard, Wien IV, Gußhausstraße 5. 
L e v y, Estelle, 513 South Mariposa Avenue, Los Angeles, U. S. A. 
Löwenfeld, Dr. Heinrich, Prag XII, Bf etislavova 8. 

Mahler*Schönberger, Dr. med. Margarete, Wien VIII, Pfeilgasse 30. 
Manchen, Dr. Anna, Wien IX, Schwarzspanierstraße 11. 
S c h u r, Dr. med. Max, Wien VIII, Mölkergasse 5. 
Stroß, Dr. med. Josefine, Wien I, Stroblgasse 2. 
Walk, Dr. med. Rosa, Wien VIII, Friedrich Schmidtplatz 4, II/6. 
Winnik, Dr. med. Heinrich, Bukarest I, Str. Spatarului 32. 



Inhaltsverzeichnis 

des XXIII. Bandes (1937) 

Franz Alexander: Das Problem der psychoanalytischen Technik . 'S 
Therese Benedek: Abwehrmechanismen und Ichstruktur . . ' 490 

Edmund Bergler: Zur Theorie der therapeutischen Resultate der 
Psychoanalyse t , 

Edward Bibrin g: Versuch einer allgemeinen Theorie der Heilung '. 18 
Gustaw Bychowski: Psychoanalyse im hypoglykanischen Zustand. 

Versuche zur Therapie der Psychosen " 549 

Helene Deutsch: Über das induzierte Irresein (Folie ä deux) . '. [ 470 
Paul Federn: Die leitungslose Funktion im Zentralnervensystem. Eine 

Frage der Psychologie an die Physiologie 250 

Otto Fe nie hei: Die Wirksamkeit der psychoanalytischen Therapie '. ] 37 

— Der Begriff „Trauma" in der heutigen psychoanalytischen Neurosen* 
leh re 339 

Thomas M. French: Klinische Untersuchung über das Lernen im Ver* 

lauf einer psychoanalytischen Behandlung 96 

Sigm. Freu d: Die endliche und die unendliche Analyse 209 

— Konstruktionen in der Analyse 459 

Edward Glover: Die Grundlagen der therapeutischen Resultate ... 42 
Eduard Hitschmann: Bemerkungen über Platzangst und andere 

neurotische Angstzustände . 393 

J. H. van der Hoop: Die Objektivität des Analytikers 509 

Edith Jacobssohn: Wege der weiblichen Über*Ich*Bildung . . .402 

Ernest Jones: Die Zukunft der Psychoanalyse 241 

Anny Katan = Angel: Die Rolle der „Verschiebung" bei der Straßen* 

an S s * 376 

Melanie Klein: Zur Psychogenese der manisch-depressiven Zustände 275 
Rene Laforgue: Der Heilungsfaktor der analytischen Behandlung . 50 
Jeanne LampUde Groot: Masochismus und Narzißmus. . . . 479 
Philip R. Lehr man: Über einige unbewußte Komponenten beim Mord 527 

Hermann Nun b erg: Beiträge zur Theorie der Therapie 60 

Paul Schi /der: Zur Psychoanalyse der Benzhedrinwirkung . . . .536 

M.N.Searl: Zur Problematik der technischen Prinzipien 133 

James Strachey: Zur Theorie der therapeutischen Resultate der 

Psychoanalyse 68 

Fritz Witt eis: Die libidinöse Struktur des kriminellen Psychopathen 360 

KLINISCHE BEITRÄGE 

Michael Bälint: Ein Beitrag zum Fetischismus 413 

A. Kielholz: Zur Begutachtung eines Falles von Päderosis .... 415 



598 Inhaltsverzeichnis 



Seite 

Robert P. Knight: Zur Dynamik und Therapie des chronischen 
Alkobolismus 429 

MITTEILUNGEN UND DISKUSSIONEN 

Rodolphe Loewenstein: Bemerkungen zur Theorie des therapeuüV 
sehen Vorgangs der Psychoanalyse 560 

Theodor Reik: Der Angstangriff. Bemerkungen zum IX. Kapitel von 
Anna Freuds Buch „Das Ich und die Abwehrmechanismen" . . . . 306 

Hanns Sachs: Zur Theorie der psychoanalytischen Technik .... 563 

Paul Schilder: Sich* Anklammern und Gleichgewicht. Bemerkungen 
zu der Arbeit von Imre Hermann: Sich* Anklammem — Au£*Suche* 
Gehen . 313 

Rene Spitz: Familienneurose und neurotische Familie. Bericht über den 
IX. Kongreß der Psychoanalytiker französischer Sprache 1936 in Nyon 548 

NACHRUF 

Lou AndreasssSalome f (Sigm. Freud) 5 

REFERATE 

Aus der Literatur der Grenzgebiete: 

B i 1 z : Psychogene Angina (Hitsdimann) 564 

B j e r r e : Das Träumen als Heilungsweg der Seele (Grotjahn) 565 

Böhm: Erbkunde (Christoffel) 565 

Bro wn: Psycholögy and the Social Order (Grotjahn) 566 

Markuszewicz: Urogenitalismus (Hitsdimann) 566 

Niedermeyer: Grundriß der PastorakMedizin (van der Sterren) 567 

P o p o v i c : Predavanja iz psihoanalize (Sugar) 318 

Pulay: Der überempfindliche Mensch (Hitsdimann) 567 

Sihle: Was ist Seele? (Sdiilder) 568 

Speyer: Bijdrage tot de kennis van de energetisch^psychologische grondslagen 

van den Zelfmoord (Katan) 443 

St raus: Vom Sinn der Sinne . . , (Grotjahn) 568 

Wittkower: Einfluß der Gemütsbewegungen auf den Körper . . . (Grotjahn) 569 

Aus der psychiatrisch=neurologischen Literatur: 

Bersot: Die Fürsorge für die Gemüts* und Geisteskranken in der 

Schweiz' (Grotjahn) 444 

Die Grundlagen des Wesens und des Betragens des Menschen. Symposion der 

American Psychiatric Association, Washington (Dorsey) 444 

Lichtenstein: Nervosität , (Hitsdimann) 570 

Moll: Ein Leben als Arzt der Seele < . . . (Hitsdimann) 570 

Müller: Prognose und Therapie der Geisteskrankheiten .... (Grotjahn) 156 

Pilcz: Nervöse und psychische Störungen (Grotjahn) 156 

Psychiatrische en neurologische Bladen (/. LampUde Groot) 571 




Inhaltsverzeichnis 599 



Setie 

Psychotherapeutische Praxis (£_ Sterba) 156 

Rothschild: Symbolik des Hirnbaues (Schilder) 157 

Schultz: Neurose, Lebensnot, ärztliche Pflicht (Grotjahn) 158 

Trüb: Psychosynthese als seelisch*geistiger Heilungsprozeß .... (Kielholz) 574 

Vondracek: Farmakologie duäe , (Karpe) 319 

Weygandt: Der jugendliche Schwachsinn (Grotjahn) 446 

Wietfeld: Kriegsneurose als psychisch*soziale Mangelkrankheit . . (Grotjahn) 320 
Wilder: Unheilbare Neurose und „Unheilbarkeits*Neurose" . . . (Hitschmann) 574 

Aus der psychoanalytischen Literatur: 

Alexander: Addenda to „The Medical Value of Psychoanalysis" . (Fenichel) 575 

Berg: The Unconscious Significance of Hair (Fenichel) 321 

Brickner und Kubie: A Miniature Psychotic Storni Produced by a Superego 

Conflict over Simple Posthypnotic Suggestion (Fenichel) 575 

Brierley: Specific Determinants in Feminine Development . . . (Fenichel) 446 

Christoffel: Exhibitionism and Exhibitionists (Fenichel) 159 

Co ehr an e: „A Little Widow is a Dangerous Thing" (Fenichel) 449 

Daniels: Analysis of a Case of Neurosis With Diabetes Mellitus . . . (Fenichel) 576 
Fairbairn: The Effect of the King's Death upon Patients under 

AnaI y si s (Fenichel) 160 

Feigenbaum: On Protection (Fenichel) 449 

Gross: The Psychic effects of Toxic and Toxoid Substances .... (Fenichel) 160 
Hendrick: Ego Development and Certain Character Problems . . (Fenichel) 450 
Horney: The Problem of the Negative Therapeutic Reaction . . . (Fenichel) 321 

Hoskins: An Endocrine Approach to Psychodynamics (Fenichel) 322 

Isaacs: „Bad Habits" , (Fenichel) 161 

Jeffreys: The Unconscious Significance of Numbers (Fenichel) 450 

Je kels: The Psychology of the Festival of Christmas (Fenichel) 323 

Kronengold und R. Sterba: Two Gases of Fetishism .... (Fenichel) 323 
Laforgue: A Contribution to the Study of Schizophrenia .... (Fenichel) 451 
Levin: The Activation of a Repressed Impulse under Apparently Paradoxical 

Circumstances . . . (Fenichel) 451 

L e v y : A Note on Pecking in Chickens (Fenichel) 162 

K. Menninger: Unconscious Values in Certain Consistent 

Mispronounciations (Fenichel) 162 

— Psychological Factors in Urological Disease (Fenichel) 576 

Bulletin of the Menninger Clinic: Sigmund Freud, May 6, 1856 . . . (Fenichel) 577 

Parcheminey: Le Probleme de l'Hysterie (Federn) 324 

Ribble: Ego Dangers and Epilepsy (Fenichel) 325 

R i n a k e r : A Psychoanalyrical Note on Jane Austen (Fenichel) 325 

Ri viere: A Contribution to the Analysis of the Negative Therapeutic 

Reaction (Fenichel) 451 

M. Schmideberg: „Bad Habits" in Childhood. Their Importance in Deve* 
Iopment , (Fenichel) 162 

— A Note on Suicide (Fenichel) 325 

Searl: Infantile Ideals (Fenichel) 326 

Stephen: „Hateful", „Awful", „Dreadful" (Fenichel) 328 

Toffelmier undLuomala: Dreams and Dreaminterpretation of the Diegueno 

Indians of Southern California (Fenichel) 578 



(00 Inhaltsverzeichnis 



Seit« 

Weigert*» Vo winckel: A Contribution to the Theory ö£ 

Schizophrenia (Fenidiel) 579 

Wilson: The Analysis of a Transitory Conversion Symptom Simulating 

Pertussis (Fenidiel) 163 

KORRESPONDENZBLATT DER 
INTERNATIONALEN PSYCHOANALYTISCHEN VEREINIGUNG 

Mitteilungen des Zentralvorstandes 

Bericht über den XIV. Internationalen Psychoanalytischen Kongreß ..... 164 

Mitteilungen der Internationalen Unterrichts-Kommission 

Mitteilung des Präsidiums 331 

Bericht über die Plenarversammlung auf dem XIV. Internationalen Psychoanaly* 

tischen Kongreß 193 

Berichte der Institute auf der Plenarversammlung der I. U. K. : 

Boston Psychoanalytic Institute . . . 331 

British Psychoanalytical Institute ..,..., 332 

Chicago Institute for Psychoanalysis 332 

Deutsche Psychoanalytische Gesellschaft 333 

Finnisch*Schwedische Psychoanalytische Vereinigung, Bericht der Lehrstelle Stockholm 333 

Magyarorszägi Pszichoanalitikai Egyesület 334 

Palestine Institute for Psychoanalysis, Jerusalem 334 

Institut de Psychanalyse de Paris 334 

Psychoanalytickä skupina v C. S. R , . . , ,335 

Bericht über die zweite Vierländertagung in Budapest 335 

Tätigkeitsberichte der psychoanalytischen Ambulatorien 1936 453 

Berlin 454 

Budapest 455 

Chicago 456 

London . 456 

Paris 457 

Wien : .458 

Berichte der Zweigvereinigungen 

The American Psychoanalytic Association , , 329 

British Psycho* Analytical Society 203 

Dansk^Norsk Psychoanalytisk Forening 204 

Indian Psycho* Analytical Society , 204 

Chewra Psychoanalytith b'Erez Israel 205 

Magyarorszägi Pszichoanalitikai Egyesület 205 

Societe Psychanalytique de Paris 205 

Schweizerische Gesellschaft für Psychoanalyse 206 

Svensk*Finska Psykoanalytiska Föreningen 207 

Jean Frois*Wittmann f 581 

Preisausschreiben des Psychoanalytischen Lehrinstitutes in London 581 

David Eder°Stiftung . 581 

Redaktionelle Mitteilung 329 

Mitgliederverzeichnis der Internationalen Psychoanalytischen Vereinigung . . . . . .582 













THE 




THE 






PSYCHOANALYTIC 
QUARTERLY 




INTERNATIONAL 
JOURNAL OF 






Sixth year of publication 




PSYGHO-ANALYSIS 






THE QUARTERLY 

is devoted to original contributions 

in the field of theoretical, clinical and 

applied psychoanalysis, and is 

published four times a year. 




Directed by 

SIGM. FREUD 






The Editorial Board of the QUAR- 
TERLY consists of Drs. Bertram 
D. Lewin, Gregory Zilboorg, Henry 
Alden Bunker, Jr., Raymond Gosselin, 
Lawrence S. Kubie, Monroe A.Meyer 
and Carl Binger. 




Edited by 
ERNEST JONES 


1 




CONTENTS FOR JULY 19}7: 
W. Bischler: Intelligence and the Higher 
Mental Functions. — M. Ralph K aufm an: 
Psychoanalysis in Late-Life Depressions. — Max 
Levy-Suhl: Resolution by Psychoanalysis of 
M otor Disturbances in an A dolescent. — Michael 
Balint: A Contribution to the Psychology of 
Menstruation. — Bernard S. Robbins: Escape 
Into Reality: A Clinical Note on Spontaneous 
Social Recovery. — Book Reviews. — Current 
Psychoanalytic Literature. 




This Journal is issued quarterly. 
Besides Original Papers, Abstracts 
and Reviews, it contains the 
Bulletin of the International 
Psycho - Analytical Association, 
of which it is the Official Organ. 


1 

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1 




Editorial Communications should be 

sent to the Managing Editor, Room 

I404, JJ West fj th Street, New York, 

N. Y. 




Editorial Communications should be 

sent to Dr. Ernest Jones, 81 Harley 

Street, London, W. 1 . 






Foreign subscription price is $ 6. So. 
A limited number of back copies are 




The Annual Subscription is 30s per 
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available; volumes in original binding 

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The Journal is obtainable by sub- 






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scription only, the parts not being 
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addressed to the publishers, Balliere, 
Tindall & Cox, 8 Henrietta Street, 






372-374 BROADWAY, ALBANY, 
NEW YORK 




Covent Garden, London, W. C. 2., 
who can also supply back volumes. 










i 



Internationale Zeitschrift für Psychoana lyse, Band XXIII, Heft 4 

(Ausgegeben im Dezember 1957) 

INHALTSVERZEICHNIS 

Seite 
Sigm. Freud: Konstruktionen in der Analyse ... 

Helene Deutsch: Über das induzierte Irresein (Folie ä deux) " JJJ 

Jeanne Lampl-de Groot: Masochismus und Narzißmus . " 47 p 

Therese Benedek: Abwehrmechanismen und Ichstruktur ', VI 

J. H. van der Hoop : Die Objektivität des Analytikers ... ' ' ' ' So 

l^PR-Lehrman: . Über einige unbewußte Komponenten beim Mord * ', .' \1 

Paul Schilder: Zur Psychoanalyse der Benzhedrinwirkung ... fl 
Gustaw Bjrchowski: Psychoanalyse im hypoglykämischen Zustand. Versuche zur 

Therapie der Psychosen ^ 

MITTEILUNGEN UND DISKUSSIONEN 

Rene Spitz: Familienneurose und neurotische Familie. Bericht über den 

IX. Kongreß der Psychoanalytiker französischer Sprache 
1936 in Nyon ..... „ 

Rudolphe Loewenstein: Bemerkungen zur Theorie des therapeutischen' Vorgangs 4 

der Psychoanalyse .... s 

Hanns Sachs: Zur Theorie der psychoanalytischen Technik' \ ' '. ' T* 

REFERATE ö 

Aus der Literatur der Grenzgebiete 

W i 1 1 k o w e r • Einfluß V». r . - /i™ er ) 568 ' ~ß * r a u s .■ Vom Smn der Sinne {Gratjahn) 568. - 
vitiKower. üintiuß der Gemütsbewegungen auf den Körper (Grotjahn) 569. 

Aus der psychiatrisch-neurologischen Literatur 

Allgem ine hol ; sch d ^^^S^A^^ 5 ^^^^^^^ 1 

W i 1 d ? e r : Unheilbare Ne^ un^Ä^et ^N^^SS^^ " 8 <*"-* ^ ~ 

/4«j der psychoanalytischen Literatur 

Alexander: Addenda to „The Medical Value of Psychoanalysis« (Feniche» 575 Rr,W 

(FmicAd) 57 . - M „nin»r ZI L1,T ° f . a IT Ga , se of Neuron» With Diabetes Mellitus 
of the Vnninger Clrn^I^'Ä Mar?, H**X*^ ^H^*"^'* 
; weigert V o win ekel : A Contnbution to the Theory of Schizophreniafftmcfens/g 

KORRESPONDENZBLATT DER INTERNATIONALEN PSYCHOANALYTISrHFN vp^T.ir,™, 

Vereinigung 582 * ~ Mitghederverze,chm S der Internationalen Psychoanalytischen 



Preis des Heftes Mark 7 . 5 o. Jahresabonnement Mark 28— 

Jährlich 4 Hefte im Gesamtumfang von etwa 600 Seiten 

Einbanddecken zu dem abgeschlossenen XXIII. Band (i 937 ), sow ie zu allen 

früheren Jahrgängen: in Leinen Mark 2.50, in Halbleder Mark 5.— 



Her.usgeberfpÄr^ 



Druck: Jakob Weiß, Wien II, Große Sperlgasse 40 
Printed in Austria