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Full text of "Mythologische enzyklopädie [microform] ; die griechischen, romischen, agyptischen, nordischen, german. u.s.w. gotter, heroen und nymphen, sagen aller zeiten und lander"

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MYTHOLOGISCHE 
ENZYKLOPÄDIE 



DIE 

GRIECHISCHEN, 
RÖMISCHEN,. 

ÄGYPTISCHEN, 
NORDISCHEN, 

GERMAN. USW. 




GÖTTER, HEROEN 

UND NYMPHEN. 

SAGEN ALLER 

ZEITEN UND 

LÄNDER 



Setis 



VON 

HEINRICH MICHETSCHLAGER 

OBERSTLEUTNANT 
EHEM. LEHRER DER MILITÄR-REALSCHULE IN ST. POLTEN UND DER 

KADETTENSCHULE IN WIEN 



WIEN 1927 

IM SELBSTVERLAG 



IN KOMMISSION BEIM JJJNG-ÖSTERREICH'VERLAG 

DRUCK: PAUL KALTSCHMID. BEIDE IN WIEN, 18. BEZIRK, 

GyMNASIUMSTRASSE 40 



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ENZYKLOPÄDIE 



DIE GRIECHISCHEN, RÖMISCHEN, 
ÄGYPTISCHEN, NORDISCHEN, 
GERMANISCHEN usw. GÖTTER, 
HEROEN UND NYMPHEN. 

SAGEN ALLER ZEITEN U. LÄNDER. 



' VON 

HEINRICH MICHETSCHLÄGER 

obeI^stleutnant 
ehem. lehrer der militär-realschule in st, polten und der 

kadettenschule in wien 



WIEN 1927 

IM SELBSTVETILAG 



IN KOMMISSION BEI JUNG-ÖSTERREICH=VERLAG 

DRUCK: PAUL KALTSCHMID. BEIDE IN WIEN, 18, BEZIRK, 

GyMNASIUMSTRASSE 40 







COPYRIGHT By 
HEINRICH MICHETSCHLÄGER, VIENNA 
DAS RECHT DER ÜBERSETZUNG UND 
DES NACHDRUCKES BLEIBT DEM AUTOR 

VORBEHALTEN. 



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VORWORT. ZUR ERSTEN 
AUFLAGE 

Nach einem vieljährigen, einschlägigeij Studium wird mii: 
der vorliegenden, fadh'mäimisdi und mühevoll geleiteten Enzy- 
klopädie der griechiLsöhien, römischen, ägyptischen, nordöisiühien, 
germanischen und amderem Mythologieai und den ver- 
sdhfie-dejien Sagen, in alphabetischer Ordniung, in gedrängter 
Form aber in erschöpfender Weise, der studierenden 
Jugend, den sonst bildumgsbeatrebten Meaischen — gegen- 
wärtig insbesondere auch den vielen KreuzworträtselMeb- 
habern — ein bisher entbehrter Nachschila^ebehelf geboten. 
Dieser an Poesie so reiahe Sicbatz dient auch zur Auffrischung 
dies Gedächtnisses aller Gebildeten, ja selbst als Lektüre. 

Bemerkt wird, daß infolge der Entlehnung der griechischen 
Götter seitens der Römer in diesem Budie griechische 
Nanien mitunter in latinisierter Schreibweise wiedergegeben 
eTsdheinen, was sich oft nicht vermeiden ließ. 

Der Verfasser nimmt Mitteilungen über etwa übersehene 
Druck- und , andere Fehler oder Auslassungen dankbarst 
entgegen. 

Wien 1927. De r Ve r fasse r. 



■ ■ A 

Äakides, (Äakidien) Bezeichnung für den Sohm (Peleus) 
und die Nachkommen des Äakos: Achilles, Pyrrhos, Telamon, 
Aias, Phiokos etc. 

Äakos (gr. Aiaikos), Sohn dies Zeus mit Ägina (einer Toch- 
ter des Flußgfottes Asopos.) Dieser und Hera bedrohten 
Agina. Zu ihrem Schutze versetzte sie Zeus auf die Insel 
Önone, wo sie Ä. gebar, der dann hier über das aus Ameisen 
entstandene Geschlecht der Myrmidonen herrschte Is. d.) 
Gatte der Eudeifs. Vater des Telamon und Peleus. Nach 
seinem Tode wxtrde er mit Minos und Rhädamanthiis 
Richter der Schatten und Hüter des Hades. 

Aba, (gr) eine Nymphe, von Poseidon, Mutter des Ergiskos. 

Abaddon, (hebr) die tiefste Stelle der Unterwelt. Auch der 
höllische Verwüster oder König der Heuschrecken. (Rabbi- 
nische Sage.) 

Abarbaree, (gr) QuellennyTriphe, Mutter des Äsepos und 
Pedasos. 

Abantiades, (gr) Beiname des Akrisios. 

Abantias, (gr) Beiname der Danae. 

Äbäs, (gr) 11} König von Argos, Sohn dies Lynkeus und der 
Hypermnestra. Seine Gemahlin ist die "Aglaia. — "(2) Ein 
Begleiter des Äneas. — (3) Sohn des Tranmdeuters Eufy- 
damas. Von Diomedes erlegt:. — (4) Em Kentaur, Sohn des 
Ixion und der Nephele. 

Abatos, (ä) „Die Unzugängliche", eine bei Philä befind- 
liche kleine Insel mit nur für Priester betretbaren Grabdenk- 
mälern der Osiris und der Isis. 

Abderos, (gr) Sohn des Hermes. ,' 

Abeilio, (gr) ein gallischer Gott. ' 

Abeona, (rö) Schutzgöttin, s. Adeona. ' 

Abinius, (gr) ein gallischer Gott. 

Absyrtos, (gr) Sohn des Äetes von Kokhis und der 
Nymphe Asterodeia, Tochter des Okeanos und der Tethis. 
Wurde von seiner Schwester Medea (Medeia) und deren 



Gatten Jason, als sie aus Kolchis flöhten, getöteit, zer- • 
stüickeli und so ins Meer geworfen, um den sie verfolgenden 
Vater (Äetes) mit dem Sammeln und Bestatten der einzelnen 
Leichenstücke aufzuhalten. 

' Abydos, (,gr) die durch die Sage von „Hero und Leander'* 
bekannte Stadt (Qrillparzer). 

AcCa Larentia, (rö) „Larenmutter". Ers«cheint bald als 
Geliebte des Herkules, b^ld als Gaittin des Tarutius, dann 
Frau des Hirten Faustulus und Mutter von 1 2 Söhnen und 
Pflegemutter des Romulus. Dieser gründete nac^h dem Tode 
des 12. Sohnes das Kollegium „Fratres arvales", Flurbrüder; 
Abzeichen: Ährenkranz mit einer weißen Binde. A. erscheint 
auch mit Dea Dia (s.d.) identisch oder doch nahe verwandt 

Achäer, (gr) hellenisches Volk, das auch in Ph#iiotis wohnte, 
wo Peleus und AchiiUeus herrschten. Ein Teil des Volkes 
nahm an den Kämpfen um Dardanien (Troas) teil, wo sie sich 
an Sagen und Liedern von den Taten ihrer Helden: Achilleus 
und Agamemnon anfeuerten. Daraus entstand die Ilias, 

Achäos, (gr) (Achaiios), Sohn des Xuthos und der Kreusa 
oder Ion. 

Achameth, (gr) s. Äonen. 

Achales, (gr) Sohn des Herakles und der Omphale. — 

Achates, (gr) der treue Gefährte des Äneas. 

Achelaos, (gr) s. Sirenen. 

Acheletides, (gr) Name einiger Nymphen. 

Acheloiden, (gr) die Sirenen als Töchter Achelaos. 

Acheloos, (gr) der ältest« der 3000 Flußgötter, Sohn des 
Okeanos und der Tethis. Er verliebt sich in die Dei aneira. 
Tochter des Öneus und kämpfte mit seinem Nebenbuhler 
Herakles, wobei er sidi in verschiedene Tiere (Mensch mit 
_Hom oder Stier, miit Menschengesicht und feuchtem Bart etc.) 
verwandelte. 

Achemenides, (gr) Sohn des Adamastos, Gefährte des 
Odysseus. 

Acheron, Fluß der Unterwelt: "ifln der Ilias kommt aber nur 
der Styx vor.) A. wurde auch personifeiert. . Er ist der Sohn 
der Gäa (oder Demeter)'. Weil er den Titanen im Kampfe 
gegen Zeus zu trinken gaib, wurde er in die Unterwelt ge- 
scTileudert. 

Acherusia, (gr) Seen und Sümpfe in Verbindung mit der 
Unterwelt. 

Achilleus, "(gr) (lat. Achilles) Sohn des Peleus und der 
Nere'ide Thetis. Urenkel des Zeus, der gefeiertste Held des 
griicchischen Heroentums. Seine Mutter tauchte ihn, um ihn 
unstefblich zu machen, in den Styx, hielt ihn bei einer Ferse, 

— 6 — 



die dann die einzige verwundbare Stelte blieb. Er wlirdie. 
unter dien Töchtern, des Lybomiedes — als Mädchlen verkleidiet 
— mit diem Pseudonym Myrrlia versteckt gehalten. Mit 
einer derselben, Deidameia, zeugte eir den Neoptoleimos. 
Docli der schlaiie Odysseus spähte ihn aus und er mußte nach 
Troja in den Kampf ziehen, w^eil laut Verkündigtmg des 
Sehers Kalchas ohne ihn der Sieg nicht zu erringen gewesen 
wäre. Er wurde von Phönix in der Redegewandtheit und 
im Kriegshandwerk, von dem Kentaiuiren Cheiron, in der 
Heilkunde tmterwiiesen. 

Im Zuge nach Troja (in 50 Schiffen) zerstörte er mit seinen 
Mynnidonen viele Städte. Als aber Apollon in die Stadt 
Troja eine Pest sandte und dort ununterbrochen Totenfeuer 
brannten und der Seher Kalchas mitteilte, daß der Rauh 
der Priestertochter Chryseis durch Agamemnon die Ursache 
des göttlichen Zornes sei, da entbrannte wegen Herausgabe 
der Entführten zwischen A. und Agamemnon ein Streu 
Letzterer verlangte als Ersatz die von Achilleus erbeutete' 
Briseis. Achilleus entsagte über Anraten der Athfene seiner 
Geliehten, mied aber den Kampf und nahm an diesem erst 
wieder teil, als ihn sein Freund Patroklos überredete, dem 
er die Führung seiner Heere übertrug. Dieser fiel im Kampfe 
durch Hektors Hand. Um seine Leiche wurde gekämp/ft. 
Waffenlos, doch von Athene beschirmt, rief A. so drohend in 
das Lager der Troer, daß diese sich zurückzogen. Auf diese 
Weise ward die Leiche geborgen. 

Mit neuen Waffen Hephaastos. mit einem kunstreich ge- 
schmiedeten Schild ausgerüstet, vereinigte er sich mit den 
Achäern. — Aus Gram über den Tod seines Lieblings Pa- 
troklos tötete er mit seinem Speer, den kein anderer zu 
schwingen' vermochte, alle, die ihm in den Weg kamen (zum 
Beispiel: Memnon; Kj4uos erwürgte er mit dem Helmriemen). 
Er erbeutete die Hippodamaia, s. Briseis (Iphigeniie m Aulis, 
Operritext). Die Troer ergriffen die Flucht und stürzten 
scharenweise in den Xanithos (Skam ander). 

Darüber ergrimmte dieser Flußgott, ward aber von 
Hephaistos über Heräs Geheiß zurückgedräjigt. So ge- 
lang es A., mit Hektor zusammenzutreffen, den er dreimal um 
die Mauern Trojas jagte und als er ihn endlich- tötete, 
schleifte er seine Leiche noch um die Stadt. Den Leichnam 
gah er dann Hektors greisem Vater. Nun wurde auch Patroklos 
bestattet. Von Apollon, in Gestalt des Paris, wurde A., 
als er um Priamos Tochter, Polyxena warb, im Tempel zu 
Thymbra überwunden. Nach seinem Tode ward er wie sein 
Ahn Äakos unter anderen aiuch Richter der Schatten, oder 



er "^^ wohnte, mit Medieä oder Iphigenie oder Helena vermähH:, 
auf dem Eiland^i der Seligen, an der Mündung des Is1:ros 
(Donau), den Schiffern freundlich gesinnt, (s. Penthesilfeia, 
Polydörös.) 

Achlys, (gr) Personifikation der Trauer. 

Acionna, (gall) Göttin. 

Acis, (gr) s. Akis, 

Acoetes, (sr) ein Steuermann, der dem Dionysos diente. 

Acvin, (wed) (Aswin), paarweise auftretende Gottheiten 
des Himmels. Arische Dioskuren, genannt Dasra und Nasatja, 
Licht, Morgenhimmei, goldener Sohnehwagen (himmlische 
Ärzte), Helfer bedrängter Schiffer. 

Adad, (syr)_ Sonnengott. 

Adamas, (gr) Sohn des Asios. Ward von Meriones getötet 
S. Adamas, Pfeil bei Anitilochos. 

Adanos, (gr) Sohn des Uranös und der Gäa. Gründer 
von Adana. 
- Addus, keltische Gotihieit. 

Adeona,' (rö) Gottheit, leitete die ersten Laufversuche der 
Kinder (ebenso Abeona). 

: Adephageia, (gr) Gottheit; „Gefräßi^rkeit", die in Sizilien 
verehrt wird. 

Adganaae deae, Tkelt.) Göttinnen. \ ^ 

Adiante, '(gr) Tochter des Danaos. 

Aditja, (ind) die sieben Söhne der Aditi (Unendlichkeit): 
Arjaman (Busenfreund), Bhaga (Anteil), Dakscha (Tüchtig- 
keit), Amca (Anteil),' Wäruna und Mitra (s. d.). Der siebente 
Name isit nicht zu ermitteln. Sie sind identisch mit den 
iranischen Amschäspands. 

Admete, (gr) (1) Tochter des Okeanos und der Thetis. — 
(2) Tochter des Eurystheus. S. Hippolyte. 

Admetos, (gr) Söhn des Pheres, König von Phera in 
Thessalien und der Periklymene. Teilnehmer an der kaly- 
donischen Jagd und am Argonautenzug. Dienstherr des 
Apollo; dieser bestimmte die Moiren, das zu Ende gehende 
Leben A. zu verlängern, sobald einer seiner Bekannten für 
ihn stürbe, wozu sich seine Gattin Alkestis entschloß. 

Adoleiida, "(rö) Gottheit des Verbrennens. ' 

Adbnis, (gr) ein schöner Söhn des Kinyras und dessen 
eigener Tochter Myrrfia.N Als letzterer sich der von Aphrodite 
verhängten unnätürlidien Verbindung mit seiner Tochter be- 
wußt ward, verfolgte er diese mit gezücktem Schwert;- 
sie aber wurde in einen Myrrhenbaüm verwandelt, aus dessen 
Rinde A. entsprang. Um die Gunst des schönen Knaben 
buhlte Aphrodite. — A. vergnügte sich an der Jagd ini 

— 8 — 



Walde iund Gebirge, Artemis sendet ihm einen Eber (s. Ares), 
an dem er sich' tötlich' verwundet. Zeus gestattete jedoch, 
daß er im Jahr 6 Monate im. Sc^hattenreich bei der ihn 
h'iebenden Persephone, die übrige Zeit. bei Aphrodite auf der 
Oberwelt verbringe. Gärten des Adonis, Gefäße, in denen 
Pflanzen durch Hitze künstlich zum raschen Wachsen und 
Verblühen (Vergänglichkeilt) gebracht werden. S. Priapos. 

Adranos, Ist) am Aetna verehrte Gottheit (etwa wie. Zeus 
und Häphaistos). S. Paliken. 

Adraste, Tgr) eime der Dienerinnen der Helena. 

Adirasteia, Tgr) Tochfter des Zeus. Beiaiame der Nemesiis. 

Adrastos, (gr) Sohn des Talaos und der Lysimache, einer 
Tochter des Abas, König von Argos. Seine Gemahlin war 
Amphiathea (Tochter des Pronax). Kinder: Dei'pyle, Äsfialeia, 
Ägiialeus, Kyänippos, Argeia; Hippodameia (Gemahlin des 
Peiriithoos). Von Amphiaraos vertrieben, flieht er zu seinem 
mütterlichen Großvater Polybos (Abas). dessen Tochter (wahr- 
scheinlich A's, Tante, Lysianassa) er heiratete. Nach Argos 
zurückgekehrt, soll er dem Orakel zufolge seine Töchter 
Deipyle und Argeia einem Eber und einem Löwen vermählen. 
Er gibt erstere dem Tydeus, letztere dem Po^yneikes, beide 
aus ihrer Heimat vertrieben, die siidh der Felle der erwähnten 
Tiere bedienten. '(S. Tydeus, s. Laodamos und Eleos.) Um 
Polyneikes in sein Reddh (Theben) wieder einzusetzen, veran- 
laßte A. den „Zug der sieben Fürsten gegen Theben". 
Dort fielen alle bis auf A. selbst, den sein göttlii±es Roß 
Areion rettete. Nach zehn Jahren unternahmen die Söhne 
der Gebliebenen, die Enigonen, einen zweiten Angriff auf 
Theben und zerstörten es. A.'s Sohn Ägialeus fiel, worüber 
der Vater aus Gram starb. l;Oper „Adrast" von Schubert und 
„Adrästo" von Tarchi.) 

Adsalluta, '(barbarisch)' Gottheit. (Laibach.) 
~' Adyte, "(gr) eine Danaide. 

Aedon, Tgr) Tochter des Pandareos und Eph'esos, Gemahliin 
des Zefhos, König von Theben. iVlutter des Itylos. Sie be- 
neidet ihre kinderreiche Schwagerin , Niobe. wollte deren 
ältesten Sohn ermorden, brachte aber irrtümlich^ ihren eiigenen 
Sohn Itylos um. Sie verzw;eifelte. Zeus verwandelte sie in 
eine Nachtigall "(Aedon)". Eine zweite Sag^: Ihr Gatte 
Polytechnos, ein Künstler in Lydien, schätzte die Liebe mit 
seiner Gattin höher als jene Zeus und Hera. D^rob ihn 
Zeus bei einem Kunstwettstreit verlieren ließ. Polytechnos 
rächt sich, indem er Äedons Schwester Chelidon (Gi^helidonifs) 
= ..die Schwalbe" schändet- Aedon setzt ihren eigenen Sohn 

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I-tys ihirem Gatten als Speise vor. Hierauf verwandelt Zeus 
beide Ehegatten in Vögel. 

Aegiamunniaegus, (span) Gottheit. 

Aella, (gr) die schnellste Amazone. (Von Herakles getötet) 

Aello, igr) „die Windschnelle", eine Harpyie, Tochter des 
Thaumas umd der Eldctra. 

Aellopos, (gr) (1) Beiname der Iris. — (2) Eine Harpyie. 

Aeria, (sr) Gemahlin des Belos, Mutter des Aigyptos 
(Äigyptos = Potamitis). 

Aerope, (gr) (1) Tochter des Katreus, Enkelin des Minos, Ge- 
mahlin des Atreus, die von ihrem Schwager Thyestes verführt 
wird. Sdiwester der Klymene, Apemosyne und Althemenes. 
X2) Tochtier des Kepheus, von Ares, Mutter des Aeropos. Bei 
der Geburt starb sie, doch Ares bewerkstelligte das Wunder, 
daß der Knabe noch an der Brust der Leiche weiter trank. 

Aeropos, (gr) (1) Sohn des Ares und der Aerope. (2) Ein 
Nachkomme des Temeus. 

Actes, (gr) Sohn des Helios und der Okeanide Perseis 
(Perse). König von Kolchis. Mit der Okeanide Idya (oder 
Eurylyte oder Hekate) zeugte er die Medea und mit der 
Nymphe Asterodeia den Absyrtos. Weiters war Chaliope 
seine Todhter.* Er wurde von seinem Bruder Perses seiner 
Herrschaft beraubt, später aiber durch Medea wieder ein- 
gesetzt. Seine Schwestern sind: Kirike und Pasiphae. 

Afer, "(gr) Sohn des lyb. Herkules. Nach ihm ward Afrika 
benannt. 

Agakles, (gr) ein Myrmidone. 

Agamede, (gr) (1) Tochter des Augeias. Eine Heilkräuter- 
zauberin (wie Medea), Gemahlin des Mulios, Geliebte des 
Poseidon, dern sie Belos, Aktor und Diktys gebar. — 
(2) Tochter der Makaria oder Pyrrha. 

Agamedes, (gr) Sohn des Stymphelos oder des Königs 
Erginos aus dem Geschlechte der Minyer und einer jungen 
Frau, oder des Apollon und der Epikaste, oder des Zeus und 
der Jokaste, Bruder des Gartys, Urenkel des Arkas; seine 
Gattin ist Epikaste, die ihm den Kerkyon gebar. Sie brachte 
aber den Trophonios bereits in die Ehe mit. Letzterer, 
Kerkyon und A. sind die berühmten Baumeister. Sie bauten' 
unter änderen dem König Hyrieus eine Schatzkammer, wobei- 
sie einen Stein derart einfügten, daß sie in dieselbe ohne 
Benützung der Türe eindringen konnten. Der König legte 
aber, um die Diebe zu fangen, Schlingen, worin sich A. verfing. 
Uni nicht als Mitschuldiger erkannt zu werden, schnitt 
ihm Trophonios den Kopf ab, wurde hierauf aber von der 
Erde versrfilungen. Andererseits sollten sie am Tage der 

— 10 — 



Fertigstellung des Baues eines Tempels des Apollon zu 
Delphi, wofür ihnen eine üiohie Belohnung versprochen war, 
gestorben sein. 

Agamemnon, (gr) Sohn des Artreus (König von Mykenä), 
Enlkel dies Pelops, Urenkel des Tantalos. Seine Gemahlin' 
war Klytämnestra (Toditer des Königs Tyndareos von Lake- 
dämon), seme Kinder: Iphianassa (Iphigenia), Elektra 
'(Laodike), Chrysoth'emis und Orestes. Auf Geheiß des 
Vaters mußte er mit seinem Bruder Menelaos den Thyestes 
aufsuchen, der aber, nachdem Ägistbos den Atreus getötet, 
sich mit diesem in Besitz von Mykenä setzte. Bald wurde A- 
Herr des väterlichen Reiches und durch Eroberung Likyons 
einer der mächtigstten griechischen Fürsten. 

-Als Menielaos' Gemaihlin Helena von Paris entführt worden 
war, eiferte er die Fürsten des Landes zum Rachekrieg gen 
Tr'öja an, er selbst ward Oberbefehlshaber. 

Die in Aulis gesammelte Flotte von 1200 Segeln konnte 
wegen der Windstille nicht abgehen, bis die auf A. erzürnte 
Artemis durch das Opfer der Iphigenia (s. d.) versöhnt 
werden sollte. 

Obwohl Achilleius der Tapferste von allen war, behielt A. 
die Würde des ; Oberbefehlshabers bei und Troja wurde 
erobert. A. erfiält die schöne Königstochter Kassandra zur 
Beute. Dem Achilleus entreißt er die Hippodameia (s. Brise). 

Nach gefahrvollen Irrfahrten wird er entvi'^eder von einem 
Verwandten TÄgisthos), der mittlerweile Klytämnestra ver- 
führt hatte, erschlagen, oder von der Kassandra eifer- 
süchtigen und auch über diie Aufopferung Iphigenias erzürnten 
Gattin Klytämnestra im Bad mit Kassandra zugleich ge- 
tötet. S. Laodike (2). Ägisthos und Text zur Oper Iphigenie 
in Atiliis. — A. ist auich der Beinamte des Zeus. 

Agamestor, von einer Nymphe, Vater der Kleitos. 

Aganippe, Itgr) (1) Nymphe. Tochter des Flußgottes 
Permessos, (2) Gemahlin dies Akrisios, Mutter der Danae, 
sonsl: Eurydike genannt. (3) Tochtser des Ägyptos. 

Aganos, '(g:r) Sohn des Paris und der Helena. 

Agäon, (gr) Sohn des Uranos und der Gäa (Hekatonchleire), 
ein Riese mit 50 Köpfen. Bei den Göttern hieß er Briareus 
Tder Wuchtige). 

Hera, Poseidon und Athene wollten einst den Zeus fesseln; 
da rief Thetis den Ä. mit Erfolg zu Hilfe. 

Ä. soll mit seinen Brüdern Gyges und Kottos, weil sie dem 
Uranos von Anfang an feindlich gesinnt waren, gleich nach 
der Geburt in die Tiefe der Erde verborgen worden sein. 
Als aber die Titanen ihren Kampf gegen Zeus begannen, rief 

— 11 — 



sie dieser auf Gaas Ra-t zu Hilfe. Sie schleuderten jedesmal 
300 Felsens tu cke zugfleich auf die Titanen, die dann in den 
Tartaros geworfen werden konnten, wo sie Ä. und seine. 
Brüder (die „Hunderthändigen") bewachten. 
' Agapenor, (gr) Sohn des Ankäos. Einer der Freier der ' 
Helena. 

Agaptolemos, Tgr) Sohn des Ägyptos. 

Agasthenes, (gr) Sohn des Äugeias, Vater d. Polyxenos. 

Agathippe, (gr) Geliebte des Apollon, Mutter d. Ghios. 

Agathodämon, (gr; römisch: Bonus eventus) Genius der 
Fruchtbarkeit und lies Segens überhauöt. Ihm wurde eiii 
Becher ungemischten Weins geweiht. Abbaldung: Eine Schale 
in der Rechten, Mohn und Aehren in der Linken. 

Agathön, (gr) Sohn des Priamos. 

Agathyrsos, (gr) Sohn des Herakles und einer Jungfrau 
mit Schlangenleib. Stammvater der Agathyrsen. 

Agave, (gr) (1) eine Nereide, Tochter des Nereus und der 
Doris. (2) Tochter des Danaos. (3) Tochter des THyestes. 
(4) Eine Amazone. (5) Tochter des Kadmos und der Harmonia^ 
Gemahlin des Echion und von diesem Mutter des Pentheus. 

Agdistis, (gr) ein aus dem im Schlafe des Zeus zur Erde 
geflossenen Samen entstandenes Zwitterding." (Auch Bei- 
name der Kybele). 

Agelaos, (gr) (1) Sohm d. Herakles und d. Omphale. (2) Sohn 
des Öneus und Althaia, Bruder des Meleagros. C3) Sohn des 
Herakliden Temenos. 14) Sohn des Stymphalps ; Vater des 
Phalanth'os. (5) Sohn des Damastor, ein Freier der Pehelbpe. 

Agelos, (gr) Sohn des Poseidon und einer Nymphe. 

Agenor, '(gr) (1) Abkömmling der lo, Stammvater der 
Phönikier; seine Tochter Libya zeugte mit Poseidon oder 
Belos den '(2) König von Phönikieii, Vater des Kadmos, der 
Europa etc. Er sandte, als letztere durch Zeus entführt 
wurde, seine Söhne nach ihr aus, doch kam' keiner zurück, 
indem sie sich an verschiedenen Orten niiederließen. 
X3) Sohn des Phegeus, König von Psophis in Arkadien 
"(Vater der Arsinoe), Bruder des Pronoos und der Arsinoe, die 
von ihrem Gatten Alkmäon verlassen wurde. Als letzterer 
das berühmte Halsband der Harmonia seiner zweiten Gattin 
KaHrrhoe bringen wollte, wurde er auf Geheiß des Phegeüs 
von A. uhd dessen Bruder, diese selbst aber wieder von den 
Söhnen dies Alkmäon und KaHrrhoe, zu Delphi, _ wo sie das 
Halsband weihen wollifcen, getötet (S. Harmonia.) 14) Sohn des 
Troers Autenor und der Theano. Anführer beim Sturm auf die' 
griechischen Verschanzungen. Er eilte mit anderen Trojanern 
. dem von Aias niedergeworfenen Helötor zu Hilfe, kämpfte 

— 12 — 



• selbst mit Adhdlleus, den er, ohineihn zu verwunden, aufs 

Schienbein trifft, und ward von dessen Sohn Neoptolemos 

-getötet. (5) (Argiver) Sahn -des Triopas, Vater des Argos. 

(6) A. und Bellerophon sind Söhne des Poseidon und der 

' Eurynorae, der Tochter des Nysos. 

Agenoria, (gr) Göttin der Tatkraft. 

Ägeus, (gr) König von Athen, Sohn des Pandion und der 
Pylia, Tochter des Königs Pylias von Megara, Enkel des 
Kekrops; er eroberte mit Hilfe seiner Brüder Pallas, Ndsos 
und Lykos das väterliche Reich. Seine erste Frau hieß Meta, 
Töchter des . Hoples, die zweite Chalkiope, Tochter des 
Rhexenor. (S. Medeia.) Einen wegen seiner Kinderlosigikeiit 
erhaltenen Orakelspruch verstand er nicht und begaib sidh 
deshalb zum weisen Pittheus (dem Sohne Pelops). Dieser 
erfaßte den Sinn des Orakels, machte Ägeus trunken und 
legte ihn seiner Tochter Äthra bei. Dies geschah in derselben 
Nacht, da Poseidon bereits der Äthra genaht war, die dann 
den Theseus gebar. Dieser wurde, ohne seine Herkunft zu 
kennen, bei Pittheus erzogen, um die Söhne seines Bruders 
Pallas (es sind 50, z. B..Bu'tes, Klytos etc.), welche nach der 
Erbschaft strebten, mit der Hoffnung hinzuhalten, daß ihnen 
dieselbe durch Erbschaft zufallen werde. 

Die Pallantiden stürziten indessen Ä. vom Throne und 
eigneten sich ihn an, bis Theseus nach Athen zurückkam, 
sie vemiichitete und Ä. wieder edoisetzte. Der blieb dann bis zu 
seinem unglücklichen Ende. Als nämlich Theseus, um Athen 
von einer fributpf licht an Kreta (sieben Jünglinge und sieben 
jurigfraueji abzuliefern) dorthin zog, versprach er dem Vater, 
im Falle ides Sieges, ein weißes Segel aufzuziehen. Im Sieges- 
taumel vergaß er das schwarze Segel gegen ein weißes zu 
vertauschen, weshalb der ihn erwartende Vater aus Ver- 
zweiflung ins Meer sprang. .(Ägeisches Meer.) 

Agialeus, (gr) Sohn des Adrastos und der Demonassa, der 
einzige Epigone, der vor Theben getötet wurde. (Siehe 
Laodamas und Alkmäon.)^ 

Ägide, ;(gr) Schild des Zeus mit 100 goldenen Quasten, un- 
heimlich funkelnd, in der Mitte das Gorgonenhaupt\(Oorgo- 
neion). Wenn Zeus mit dem Schilde schüttelte, erbrauste zmn 
Schrecken der Menschen der Sturmwind, oder die Ägide 
bildete den Schutz der Völker. (Unter der Ägide jemandes 
sitehen!) Zeus verwendete den Schild im Kampfe gegen die 
Titanen. Er bestand aus einem mit züngelnden Schlangen 
besetzten Ziegenfell, und zwar die Haut jener Ziege (griech. 
Aijc), welche den jungen Gott (Zeus) auf Kreta gesäugt haitte. 

— 13 — 



Zeus leihit mitunter die Ägide auch anderen Göttern, z. B. : 
Apollon, Ares und Athene (seiner Liieblingstochter). 

Agina, isr) Insel, nach der gleichnamigen Tochiter des 
F'lußgottes Asopos, welche hier dem Zeus den Äakos gebar. 
Dieser herrschte hier über das Geischlecht der Myrmidonen. • 
(S. Äakos.) 

Ägir, inord) s. Ögir. 

Ägis, s. Ägide. 

Ägisthos, .(gr) Sohn des Thyestes und dessen eigener 
Tochter Pelopia (Gattin des Atre'us). Er ist in das Fluchi- 
geschick des Tantalidenhauses verflochten. Von Pelopia 
gleich nach der Geburt auisgesetzt, von Hirten gefunden, von 
einer Ziege gesäugt, wurde er dann von Atreus (dem Bruder 
des Thyes'tes) in Mykenä als Sohn angenommen. Der Stief- 
va,ter bestimmte ihn, seinen Vater zu töten. Doch Ä. wandte 
sich gegen ihn selbst und setzte sich mit dem Vater in den 
Besitz der Herrschaft Mykenä. Von hier w:urden sie von 
Atreus' Sohm, Agamemnon, verdirängt. Während dieser vor 
Troja kämpfte, verführte Ä. dessen Gattin Kly.tämnestra, er- 
schlug den zurückgekehrten König und herrschte an ihrer 
Seite sieben Jahre über Mykenä, bis Orestes (Agamemnons 
Sohn) den Tod seines Vaters durch Ermordung des Ä. 
rächte. (S. Elektra.) 

Aglaos, (gr) (1) Sohn des Tyestes. (2) Sohn der Hermione, 

Agiaure, (gr) Tochter des Akäon. 
Aglauros, (Agraiulos)- (gr) (1) Tochiter des Akäos, Gemahlin 
des Kekrops, Mutter d. Erysichthön, Herse, Anglauros (2) und 
der Pandrosos. (2) Tochter des Kekrops und der Aglauros 
(1), Geliebte des Ares, Mutter der Alkippe. Um das durch 
' Kriegsnot heimgesuchte Vaterland zu retten, opferte sie ihr 
Leben. In der Akropolis zu Athen erhielt sie ein Heiligtum 
(Argraulion), in welchem fortan die jungen Männer bei ihrer 
Mündigkeitserklärung den Fahneneid leisteten. — Sie soll 
mit ihrer Schwester Herse, weil sie ein von der Athene an- 
vertrautes Kästchen mit dem jungen Erichthonios gegen den 
Willen der Gö.tter öffneten, von Wahin&inin ergriffen ins Meer 
gestürzt oder von Hermes in einen Stein verwandelt worden 
sein. 

Ägle, (gr) (1) die schönste Na jade, „die Glänzende", 
Gemahlin des Helios, Mutter der Chariten (Grazien). (2) Eine 
der Hesperiden. (3) Tochter des Helios und der Klymene, 
Sie wurde mit ihren Schwestern, den sogenannteji Heliaden, 
t)eim Tode ihres Bruders Phaethon in eine Pappel" verwandelt. 

Agni, (ind., lat., ignis.) Personifikation des Feuers, in der 
wedischen Zeit eine der höchsten Gottheiten. Nach den 

— 14 — 



Liedern des Weda kam A. zuerst als Blitz zut Erde, wo er 
vqrschwand, doch MatariQvan (analog Prometheus) brachte 
das Feuer ziu den Mensciien. Seither kann es aus zwei mit- 
einander geriebenen Hölzern immer wieder erzeugt werden. 
Er. ist Bote, Opferfährmann, Bekämpfer der Finsternis, Be- 
schützer der Ansiedlungen, Zerstörer der feindlichen Burgen. 

Agrionia, (gr) ein zur Nachtzeit abgehaltenes Fest des 
Dionyisos-Agrinios. Man siuioh'te den vermeintlich zu den Musen 
entflohenen Gott, dann folgte ein Mahl, das mit Rätseln 
(Scharaden), gewürzt war (Agrionien). Sodann mußten die 
Jungfrauen fliehen, der Priester hatte ihnen mit dem Schwert 
zu folgen imd jene zu töten, die er erreichte. Betrifft die 
drei Töchjter des Mynias Leukippe, Arsippe (Arsinoe) und 
ADkitliioe (Alkathoe), diie Dyonisos verachteten und deshalb in 
Raserei versetzt und schließlich in Fledermäuse verwandelt 
wurden. 

Agrios, (gr) (1) Beiname des Apollon, Dionysos, Kentaur, 
Gigant. (2) Sohn des Odysseus und der Kirke. (3) Sohn des 
Porthaon und der Euryle; Bruder des Öneus. 

Agyieus, (gr) Beiname des Apollon. 

Ägyptische Mythologie. Wie bei allen Völkern entwickelte 
sich aus dem Bestaunen und Verehren der Naturerscheinungen 
frühzeitig ein Polytheismius :. 

Man unterscheidet drei versdiiedene Kulte: Verehrung des 
Sonnengottes Ra (mit dem Artikel: Pra), Osirds und Isis. — 
Erste Götterdynastie: Pitah oder Phtaih (Hephestos). Ra, 
(dessen Soihn, die Sonne = Hielios), Scho oder Sos (Agoitho- 
dämon) und sieine Gemahlin Tefoiut. Seb (Kronos). Nut 
Rhea). Osirls (Dionysos), Isis, Seth (Typhon, Nephtys), 
Sohn des Osiris: Höros (Apollon). 

Anderseits wurden in Theben folgende Götter hervor- 
gehoben: Ammon und Mut (Mutter), Month oder Meuthu vmd 
Thenenet. Tum und Anit. Sdiü und Tephnut, Seb und Nut, 
beide Gottheiten des Himmelsraumes und erzeugen: den Osiris 
und die Isis, sowie den bösen Typihon = den Seth' und; die 
Nephthys, den Horos und den Hathor. Osiris vermählt sich 
mit Isis, herrscht segensreich über Ägypten, wird aber von 
seinem Bruder Typhon umgebracht. Der Sohn des Osiris, 
herangewachsen, rächt seinen Vater, indem er Typhon er- 
schlägt. Osiris war aber nichf dem Tode verfallen, denn 
er stieg in die Unterwelt ab, um dort fortan die Herrschaft 
zu führen. 

Die zweite Dynastie, welche 12 Götter umfassen soll, be- 
ginnt mit: Thot, Schreiber des Himmels (Hermes), Mat 
(Themis), Chensu oder Chons (Mond). Anubis, dann Sebak 

— 15 — 



L.Krokodilköpfiger"), Chnum („Widderköpfigier") und Chiem 
öder Min (Pan), der Ithyphalische. 

Der älteste und verbreiteiste Kult war der des Sonnengottes 
Ra^ (Sonnenscheibe am Kopf, Farbe rot, Sperber sein Tier.) 
Pit a h bildete mit seiner Genossin S e c he t und mit I m - 
hoitep (Imuthes) idie Triade der Stadt Memphis- (I. Dynastie.) 
Chensu (Chons), Gott des Mondes, Ammon und Mut bilden 
die Triade von Theben. Horos XHor), Kindergestalt mit dem 
Finger am Mund. Osiris, immergrüne Tamariske, Reiher 
(Phönix) sein Tier. Horos, Sperber; Anübis, Schakal; 
Thoth, Ibis. .. 

Ägyptos, (gr) Sohn des Belos und der Anchiinoe (Amhirrhoe; 
oder Aeria, Zwillingsbruder des Danaos. Eroberer des Landes 
der Melampoden, d. h. Schwarzfüßler (Ägypten). Seine 50 
Söhne (s. LynkenJis) verheirateten sich mit den Dapaiden 
gegen deren Willen und wurden dafür in der Brautnatcht von 
ihnen geitötet. 

Ahi, (Writra) s. Indra. 

Ahriman, s. Amschaspands. 

Aias, .(gr) (lat. Ajax) zwei Helden im Troianischeoi Krieg!, 
a) Der Kleine: Sohn des öleus, König der Lokrer. Klein von 
Gesitalt, leicht gerüstet, kühn. Ein schneller Läufer, ein 
geübiter SpeersChleuderer, stets neben dem telamonischen A. 
in den Vorderreihen. Auf dem Heimwege ließ ihn die er- 
zürnite Pallas jan den Klippen Euböas scheiitern, weil er nach ^ 
der Ersitürmtmg Trojas die Seherin Kassandra vom Altar 
der Athene, den sie schuitzflehend umfaßt hielt, hinwegriiß und 
S'chändeite. Die Lokrer mußten zur Sühne dieses- Frevels 
zum Tempeldienst der Athene Jimgfrauen schicken. Die 
opuhtischien Lokrer verehrten A. als ihren Stammheros und 
ließen in ihren Schlachtreihen stets eine Stelle für seinen 
Schaitten offen. Oper Ajax, Text von Sophokles, Musik. von 
Bellermann. 

b) Der Große, Sohn des Telamon, König von Salamis. 
Seine Satttn hieß Tekmessa, der Sohn Eurysakes. 
Er besiteht imit Hektar einen Zweikampf. Als aber die Waffen 
des gefallenen Achi.Ueus nichit ihm, sondern Odysseus- zu- 
gesprochen werden, [gibt er sich den Tod. Aus seinem Grab 
entsproß ähnlich wie aus jenem des Hyakinthos eine rote 
Blume, auf (den Blättern mit dem Klageruf Ai., Ai bezeichnet. 
Der „rasende" Aias, weil er vor seinem Tode in Wahnsinn 
alle ihm in den Weg gekommenen Tiere mordete, sie , für 
Feinde haltend. — S. Periböa, Hektor, Agenor, Glaukos. 

Aigialeus, (gr) Sohn des Adrastos, fiel im 2. Angriff auf 
Theben, worüber iseiri Vaiter aus Gram starb. 

— 16 — 



Aisa, Sdiicksal, Rache. S. Dike., 

Aijukal, (mong) 'eimer der viiier obersten Götzen, eine Ge- 
stalt mit 3 Köpfen und 10 Händen, eine Hand auf das Heirz 
gelegt; sitzt mii: unterschlagenen Beinen auf dem Thron. 
(Analog dem mdiiachen Wischmi.) ^ ^ 

■ Ajax, .(gr) s. Aias. 

Akademos, (gr) (auch Hekademos oder Echedemos), ein 
attisdier Heros, der den Tyndariden bei ihrem Einfall in 
Attüca verriet, daß ihre von Theseus geraubte Schwester 
Helena in Apiidnä gefangen gehalten werde. Es wurden ihm 
dafür hohe Ehren zu ieiil. Biei weiteren Einfällen wurde er 
und die nach ihm benannte Stätte „Akademie" verschont. 

Akakallis, (gr) eine Nymphe. 

Akakos, (gr) Sohn des Lykaon, Erzieher des Hermes. 

Akaiantis, (gr) *,(!) eine der neim Töchter des Pieros (sie 
wurde in einen Stieglitz verwandelt.) — (2) Beiname der 
Artemis. 

Akalj, (ind) Verehrer des Akal. d. h. höchsten Wesens. 

Akamas, (gr) '(l ) „der Unvermeidliche", Sohn des Antenor 
und der Theano. f^ühirer der Dardaner im trojanischem Krieg. 
— (2) ;ein Kyklop, Diener des Hephästos. — (3) Sohn des 
Theseus und der Phädra, Bruder des Demophon. 

Akanthis,(gr) Antonoos (verwandelt in eine Rohirdommel)iund 
Hippoidameia (verwandelt in eine Haubenlerchie) hatten vieir 
Söhne: Anthos, Erodiios, Sehöne/us, Akanthos und eine Tochter 
Ajkanthis (Akanithyllis). Anthos wuirde einst von Pferden über- 
-falkn, die ihn zerfleisdhten. DiLe ganze Familie traiuerte, 
bis Zeus luiid Apollo sich ihrer erbarmte und alle in gleich^ 
namige VögiQl verwandelte. 

Akastos, Sohn (des Pelias (König von Golkos) und Anaxibiai. 

Akeles, (gr) Sohn des Herakles. 

Akemano, s. Amsiohaspands. 

Akesis, (gr) (epddauiriischer Heilgott. 

Akeso, (gr) weiblicher Dämon des Heilens, Tochter des 
A&klepios imd der Epione. 

Akeste, (gr) Amme der Töchter des Adrastos. 

Akidusa, (gr) iGemahlin des Skamandros. 

Ak|s, (gr) Flußgott (Fluß entspringt am Ätna), Sohn des' 
Faunus und der Nymphe Symäthis. Er liebte die Galatea und 
fand Gegenliebe, aber der Kyklop Polyphem überraschte beide 
und, erzürnt, sich von Galatea verschmäht zu sehen, warf 
et ein Felsstück, das den A. zerschmetterte. Galatea, glück- 
lich entronnen, verwandelte das aus dem Felsen strömende 
Rhit im den kalten Fluß A. (heute Fiiume freddo in Sizilien)^ 
„Acis und Galathea", Oper. 

— 17 — 2 



Akko, wie 'Mormo oder Alphi-to, einer der Popanze, womit 
Frauen imarti'ge Kiaider schreckten. ^ 

Akontes, (gr) Sohn des Lykaon. 
. Akonteus, Genosse des Perseus, der durch das Gorgoneii- 
haupt versteinert wurde. 

Akontios, (gr) s. Kydippe. . 

■ Akragas, (gr) Sohn des Zeus und der Okeanide Asterope. 
i Akra ja, <gr) Tochter, dies Flußgottes AsterLon, Töchter:' 
Etiboia, Prosymna )und Akraia. S. Aphrodite. 

Akratopotes, ein Heros des Trinkens zu Munycha verehrt' 
(München). 

Akreneos» ein Phäake. 

Akrotes, (gr) Dämon im Gefolge des Dionysos. 

Akrisios, (gr) Sohn des Abas und der Agiaia, König von 
Argos aus dem Stamme der Dainaüden, der seinen Zwillings- 
bru'der Prötos aus dem Reich vertrieb, später aber, als sich 
Jobates oder 'Amphiianax in Lykien des Vertriebenen annahm, 
überließ er ihm die Herrsdhaft über-Tiryns. Seine Tochlier 
wair Dana«. Ihr zukünftiger Sohn sollte, ihm laut Orakel 
einst das ^Leben rauben. S. Perseus und. Aganippe. 
• Akrokomös, ein -Freier der Hippodameia. 

Akren, Bundesgenosse des Äneas, von Mezentius getötet. 

Aktaia, (1) eine Nereidie. — ^2) eine Danaide^ Braut des 
Periphas. 

Akteon, (gr) Sohn des Aritäos und der Auftonoe, eine/r 
Tochter des Kadmos; Sdiüler des Ken'tauren CMrön, von 
dem er^ die Jagdkunst erlernte. Gelegentlich einer Jagd sah 
er diie Göttin Artemis mit Nymphen am parthenischien Quell 
baden und weil er siie belauschte, bespritzte sie ahn mi,t 
Wasser. Dadurch (in leamen Hirsch verwandelt, wurde er von 
seinen Hunden zerissen, die ihn dann im ganzen Lande suchten 
und nicht finden konnten. Erst in der Höhle des Chdiron, 
wo ihnen «sein Bild gezeagt wurde, beruhigten sie sich 
(Marmorgruppe). — Er bietet Schutz gegen die verderb- 
lichen Wirkungen der ausdörrenden Sonne, er ist das Sonnbild 
der unter der drückenden Sonnenhiiftze hinwelkenden Natur. 

Aktäos, Vater der Aglauros. 

Aktis, Sohn Ides Helios und der Rhode. 

Aktor, Sohn Myrmidons imd der Peisidike, Vater des 
Eurytion und der Philomele. S. Moliöniden. 

Alänos, unehelidhier Halbbruder des Diomedes. 

Alala,Göttin des Schlachtrufes, Tochter des Polemos. 

Alalkomenia, Tochter jdes Ogygos. 
- Alastor, (1) Sohn des Nejeus und der Chloris. — (2) Vaster 
des Tros; Rachedämon, Plagegeist* ~ 

— 18 — 



Alator, Bcinanie des Mars- 

Alaunius, Beiname des Merkur (Meroudus). 

Alberich, s. Oberon. 

Albion = Alebion. 

Alekto, eine ider Eiiinnyen. 

Alektor, (1) Sohn des Anaxagoras, Vater des Iphis- — 
(2) Sohin -des Epeios. — (3) Vater der Ipliloche (oder 
Echemela). — 1(4) Vater des Argonauten Leitos. 

Alemon, Vater des Myslcelos. 

Aleos, Sohn des Apheidos, Gemahl der Neaira, Vater des 
Lykurgos, Amphidamas, Kepheais, d. Alkidike und Auge. Teii- 
nehmer am Argonautenzug. 

Alesios, Sohn des Silius, Freier der Hippodameia. 

Aletes, Sofiin des Hippoftes. 

Aletjieia, Personifikation der Wahriheit, Tochter des Zeus. 
, Alexandra, (1) K^sandra. — (2) Amazone. 

Alexandres, = Paris. 

Alexiares, (gr) Sohn des Herakles und dor Hebe. 

Alexida, (gr) Tochter des Amphiaraos, von der die argivi- 
schen Dämonen . .abstammen. (Abwehr der Epilepsie). 

Alexinomos, (gr) Va(ter des Mejaneus und Alkidamas, 
die beide Neoptolemos erlegte. 

Alfadur, (nord), Allvater; s. Odin. 

Alfen, (nord) s. Walküren. 

Alfheim, (nord) s. Asgard. 

Algea, (gr) Tochter der Eris. Personifikation der aus 
dem Sftreite hervorgegangenen Schmerzen. 

Ali, (ä) s. Wali. 

Alkäos, (gr) (1) früherer Name des Herakles, — (2) Sohn 
des Herakles. — (3) Sohn des Perseus und der Andromeda, 
Gemahl der Hipponome (Tochter d. Menökeus aus Theben), 
Vater des Amphitryon und der Anaxo. • 

Alkathoos, (gr) Sohn des Pelops und der Hippodameja. 
Bruder des Atreus und des Thyestes, Vater der Periböa 
und Automedusa. 

Alke, (gr) (1) Tochter des Olympos und der Kybele. ;^ 
(2) Eine Amazone. 

Alkeides, (gr) Beiname des Herakles. 

Alkestis, (gr) Alkeste, Aloeste, Tochter des Königs Pelias, 
von Jolkos und der Anaxibie. Sie isit diirch ihre aufopfernde 
Gattenliebe berühmt. Der Vater gelobt sie nur demjenigen 
zum Weib zu geben, der einen Wagen mit Löwen und Ebern 
bespannen werde. Dies vollbringt Adriietos, König von. 
Pherä in Thessalien, mit Hille ApoUons, der gerade wegen" 

— 19 — 2* 



Blutschuld aus dem Olymp verbannt, bei ihm die Rosse 
weidete. 

Da der Gaite asber bei der Hochzeit vergaß, der Artemis 
ein Opfer darzubringen, fand er das Brautgemach mit 
Schlangenknäueln erfüllt- 

ApoUon besänftigte Artemis und erlangte von den. Moiren 
das Versprechen, Admetos müsse, wenn sich ein anderer 
für ihn opfere, nicht sterben. Als sich dann eine tödlidhe 
Krankheit einstellte, opferte sich seine Qattin Alkeste. Er 
genas, war aber verzweifelt. Diese Klage hörte Herakles, 
der in die Unterwelt hinabstieg und Atkeste dem Hades ent- 
riß und sie ihrem Gatten zurückbrachte. 

Ihrem Vater gegenüber bewies sie ihre Frömmigkeit, in- 
dem sie nicht in die Zerstückelung desselben williigte. 
(Peleus.) 

Alkibie, (gr) eine Amazone. 

Alkidameia, (gr) von Hermes Muttear des Bunös. 

Alkidike, (gr) Tochter d. Aleos, Gemahlin des Salmoneus, 
Mutter der Tyro, s. Enipeus. 

Alkimache, (gr) (1) Tochter des Äsakos, von Öleus, Mutter 
des Medon, einem Stiefbruder des Lokier Aias. — (2) Eine 
Mänade aus Lemnos. 

Alkimede, (gr) Tochter des Phylakos und der Klymeme. 

Alkimedes, (gr) ein Genosse des Lokier Aias vor Troja. 

Alkimedon, (gr) (1) Vater der Phialo, mit welcher Herakles 
den Ächmagoras zeugite. 

Alkimedusa, (gr) Tochter des Jobates, Gattin des Bellero- 

phon. ■ ^ ■..; ^. ■..!._::_ ! 

Alkimenes, (gr) Sohn des Glaukos. 

Alkimos, (gr) (1) Sohn des Hipokoon. — (2) Ein Myrmi- 
done. — (3) Sohn des Neleus, etc. 

Alkinoe, (gr) (1) Tochter des Sthenelos und der Nikippe, 
Schwester des Eurystheus. — • (2) Eine . Nymphe u. a. 

Alkinoos, König der Phäaken, „die Göttergünstlinge", 
ein den Göttern verwandtes Geschlecht. Sohn des Nausithoos, 
Gemahl der Arete, Vater des Laodämos und der Nausikaa. 
Der gestrandete Odysseus und die Argonauten faindan hier 
gastfreundliche Aufnahme. (Korfu.) 

Alkiope, (gr) Geliebte des Apollon. , 

Alkippe, (gr) (1) Tochter des Ares und der Aglauros (der 
Tochter des Kekrops), welcher Halirrhothios, der Sohn des 
Poseidon, Gewalt antut, wofür ihn Ares erschlug. — 
[(2) Eine Amazone. 

Alkithoe, (gr) Tochter des Minyas, Schwester der., Leu- 
kippe. 

~ 20 — 



Alkmäon, (gr) (1) Heros, Sohn des Amphiaraos und der 
Euriphyle, Bruder des Amphilochios zu Argos (seine Gattin 
heißt Arsinoe). Seine Mutter hialjte, von Polyneikes, dem 
thiebanisChen Prätendenten, durch das Halsband der Har- 
monia (s. dO faestochien, ihren Gatten verraten, der, um 
nicht an dem Feldzug gegen Theben teilzunehmen, sich 
versteckt hatte, weil er vermöge seiner Divinationsgabe 
wußte, daß er dort den Tod gefunden hätte. Sterbend trägt 
er dem Sohne auf, ihn an der Mutter zu rächen. 

Als darauf die Söhne der vor Theben gefallenen Helden 
eine zweite Heerfahrt gegen die Stadt rüsteten, ließ sichi 
Eriphyle durch das kostbare . Gewand der Harmonia neuer- 
lich bestechen und veranlaßte ihre beiden Söhne zur Teil- 
nahme an dem Zuge. Alkmäon zum Oberhaupt der "Epigonen 
gewählt,, tötete den Laodamas im Zweikampf und eroberte 
Theben. Nach dem Feldzug erfüllte er den Auftrag des 
Vaters, indem er seine Mutter ermordete, wurde aber dafür 
von den Erinnyen verfolgt, bis er zu Psophis in Arkadien 
von Pegeus entsündigt wurde, der ihrn seine Tochter Arsimoe 
zum Weibe gab, welchie nun die verhängnisvollen Kleinode 
erhielt. 

Das Land wurde yon , Unfruchtbarkeit heimgesucht und 
Apollon verkündete, Alkmäon werde nicht eher zur Ruhe 
kommen, als bis er in . ein Land komme, welches hm der 
Ermordung seiner Mutter von der Sonne noch nicht be- 
schienen worden sei; an des Acheloos Mündung werde 
er es finden. 

- Alkmäon wanderte dorthin, findet ein neu angeschwemmtes 
Land, beiratet hier die Torfiter des Flußgottes, Kallirfhoe, 
und kehrte dann, uira dieser das Halsband und den Peplos 
(schleierartiges Gewand) (s. d;) zu verschaffen, nach Psophis 
zurück. Unter dem Vorwande, diese Kleinode dem Gotte 
zu JDelphi darzubieten, wurden sie ihm ausgefolgt; er 
wurde aber von den Söhnen des Phegeus, die den wahren 
Sachverhalt bemerkten, ermordet. Siehe auch Erisj. Oper 
„Alkmäon" von Cambini. — (2) Urenkel Nestors, Stamm- 
vater' der Alkmäoniden. 

Alkmene, (gr) „die Stärke", Tochter des Königs Elektryon 
von Mykenä. Ihr Gemahl ist Amphitryon und von diesem 
Mutter des Iphikles. Sie ward von Zeus, der sich ihr in 
Gestalt. des Amphitryon näherte, Mutter des Herakles. 

Die Zwillingsbrüder Iphikles und Herakles waren unter 
sich ungleich, die Niederkunft erschwerte die eifersüchtige 
Hera, welche die Untreue ihres Gemahls (Zeus) entdeckt 

— 21 — 



hatte, indem sie sieben Tage der Gebärenden die Hilfe der 
GebÜTtsgöttin Eileithyia zu entziehen wußte. 

Nach dem Tode ihres Gatten Amphitryon vermählte sie 
sich mit Rhadämanthys, einem Sohne des Zeus. Als Stamm- 
mutter der Herakliden wurde sie in Athen verehrt. 

A.Ikon, (gr) Sohn des Ares. 

Alkyone, (gr) d. h. Halkyone. 

Alkyone, (gr) (Alcyone oder Halkyone), Tochter des 
Atlas und dar .Mapessa, eine der Pleiaden, Geliebte des 
Poseidon, dem sie den Hyrieus (Urieus), den Eponymos, 
Hyperes und Athas sowie die. Athusa gebar. Siehe Äolos 
und Halkyone. 

Almatheia, eine Ziege,. Siehe Zeus. 

Almos', (gr) Sohn des Sisyphos. 

Aloiden, d. s. Riesen. . Die Brüder Olos und Epialtes, 
Söhine des Aloeius (oder Poseidon und der Iphiimedeia). 
Siehe Apollon lund^ Ares. 

Alopios, (gr) Sohn des Herakles. 

Alp, (deutsche Mythologie) Berggeister, Zwerge, Nacht- 
elfen (Teufel), s. Mahr. Er wickelt das Haar der Menschen, 
analog dem struppigen Haar der „Frau Holle". — Alpzopf, 
Druseuzopf, Wichtelzopf. Alpdrücken. 

Alphenor, (gr) Sohn der Niobe und des Amphion. 

Alraun, (deutsch) dämonischer, weissägender Gott, ein 
halbteuflisches Wesen in Menschengestalt (Galgenmännlein). 
Alraunwurzel, die meist unter einem Galgen wächst, wird 
des Nachts aiusgegraben ; nimmt eine unbestimmte Memschien- 
gestalt an lund wirict Wunder. 

Althäa, (gr) Tochter des Thestios und der Eurythemis, 
Mutter des Meleagros, Schwester der Leda, Gemahlin des 
Öneus. 

Amata, Gemahlin des Königs Latinus und Mutter der 
Lavinia. 

Amaterasu, ein Zauberspiegel, s. d. 

Amatheia, eine Nereide, Nähre rin des Zeus. 

Amatris, eine Amazone. 

Amazonen, "(gr) an der Ostseite des Schwarzen Meeres, 
von Männern abgesondertes, streitbares Frauenvolk. Selbst 
in Männerkleidung. Nur zum Zwecke der Fortpflanzung 
halten sie einmal im Jahr mit Männern der Umgebung 
einen Verkehr. Die neugeborenen Knaben schickte man 
den Männern oder sie töteten sie. Mädchen jedoch erzog 
man zu Kriegerinnen und brannte ihnen, damit sie den 
Bogen besser spannen konnten, die rechte Brust ab. Daher 
der Name Amazonen, das heißt die Brustlosen. Sie sind 

_ 22 — • 



alte gute Reiterinnen, die viele Städte zerstörten, aber» 
andere wieder aufbauten, zum Beispiel Smyrna, Ephesos etd. 

Priamos brachten sie in seiner Bedrängnis Hilfe, doch' 
wurde ihre Königin Penthesileia getötet. (Achilleus.) 

Einige Amazonennamen: Aella (die schnellste^, Alexan- 
dra, Amastrios, Anaiia, Anaxileia, Antiope und viele andere. 

Herakles und Theseus hatten sie in ihrem Land ange- 
griffen und ihre Königin Antiope (oder Hippolyte) weg- 
geführt; dafür rächten sich die Amazonen durch einen 
Einfall in Attika. Sie sind Feindinnen der Greise,. 

Sie sind von Haus aus die Priesterinnen der asiatischen, 
Naturgöttin Ma, wie sie auch als männerschetie, keusche, 
wehrhafte Priesterinnen (Hierodulen) der ephischen Göttin 
auftreten. ' ' ' ! 

Ein Frauenvolk, gleich den Sdhildmägden, welche die 
Sage des Mittelalters in Maegdaland, nördlich von Sar- 
matien suchte. 

Manche Bringen das Wort Amazonen mit dem tschler- 
kessischen maza = Mond im Verbindung. 

Dargestellt werden sie meist in griechischer Tracht mit 
kurzem Rock. Beide Brüste sind zu sehen, eine Sdiulter 
durch das hier herabgefallene Kleid vollkommen frei. Helm, 
halbmondförmigen oder zweifach auegezackten Schild, Doppel- 
axt. Zu Pferd oder zu Fuß. 

Die böhmischen Amazonen sind die tapferen Frauen, 
die tder Sage nach 73Q) nach der Ermordung ihrer Männer 
den sogenannten böhmischen Mägdekriieg sieben Jahre führten 
und erst durch List niedergedrückt werden konnten. 

Nach eineir alten Tradition soll es auch am Amazonenstrom 
In Südamerika Amazonen gegeben haben, nach denen der 
Strom benannt wurde. 

Ambrosia, (gr) Götterspeise, welche jedem, der davon 
genoß, Jugend und Unsterblichkeit verlieh. Sie wurde audi 
manchen Götterlieblingen unter den Menschen, so zum Bei- 
spiel dem ,Tantalos, Achilleus etc. gereicht. , 

Ambrosius, eine Dolione, von Peleus getötet 

Ambrosius = Aurelianus, (brit), s. Artus. 

Amca, (ind) „Anteil", s. Aditja. 

Amelungen, (deutsch) s. Dietrich. 

Amenthes, (ä) Unterwelt, wo Osiris mit 42 Beisitzern 
die Verstorbenen richtet. 

Ameratat, s. Amschaspian-ds. 

Amfortas, Gralsritter, s. Parziifal. " 

Amhirrhoe, s. Anchioe (Aegyptos). 

Ammcoetes, s. Neunauge. 

— 23 — 



Ammon, Xä.) (der Verborgene, giewöhnlich Ammon-Ra. 
Ra == Sonne.) Diese Gotthieit ist bei den Griechen Zeus, 
hei den Römern Jupiter. Wird dargresteljt: bald als Widder 
mit nach un-ten g-ebpgenen Hörnern, den Sinnbildern . der 
Kraft, bald als Mensch mift Widderkopf, oder als voll- 
kommener iVlensch mit zwei hohen Federn auf dem Kopfe, 
auf dem Thron sitzend, bärtiig-, in der rechten Hand das 
Götterzepter, in der linken das giehenkelte Kreuz, den Kopf 
mit königlichem Schmuck. 

Seine Gemahlin Mut und sein Sohn Chons bilden die 
Göttertriade von Theben. 

Eine ithyph allische Form des Gottes, die Namen Chem 
führen (später Min), personifiziert die zeugende Kraft. 
Ammonsoase in der Wüste, zwölf Tagreisen von Memphis, 
mit einem Orakeltempel. 

Die, Eleer verehrten außer Zeus-Ammon auch eine Hera^ 
Amtnonia. , « 

Ammon ist den nomadischen Aethiopiern das, was den 
Ünterägyptern der Apis, liier Stier, dort Widder, isit: das 
Symbol der Zeugungi^raft, auch der Jaihresgott der Sonne, 
Amman-Ra, siehe Ra. 

Ammonia, siehe Ammon. 

Amphidikos, (gr) Sohn des Astakos, eiu tapferer Thebaner, 
im Kampfe der Sieben gegeai Theben. 

Amphiktyon. (g) Autochthon. Sohn des Deukalion und der 
Pyrilia. 

Amphilochos, (gr) Söhn des Amphiaraos und der Eriphyle, 
(Seher) Bruder des Alkmäon, dem er beim Muttermörd bei- 
stand. Teilnehmer am Zug der Epigonen gegen Thebein. 

Amphimachos, (gr) Sohn des Elektryon und der Anaxo, 
Tochter des Alkäos, Bruder der Alkmene. 

Amphimaros, (gr) Sohn des Poseidom. Er zeugte mit der 
Urania den Linos. 

Amphimedon, (Ithakesier) Sohn des Melaneus. Als Freier 
der Penelo'pe wird er von Telemachos erschlagend 

Amphinome) ^1) 'eine Nereide. — (2) Mutter des Jason. 
Gemahlin des Äson. — (3) Tochter des Pilias, von Jason mit 
Andrämon vermählt.' "(4) Mutter des Böotiers Harpalton, 
welchen Äneas Vor Troja erlegte. Gemahlin des Arizelos. 

Amphinomos, ein Freier der Penelope. 

Amphion, (gr) 'Heros, Sohin des Zeus und der Antiope, 
Zwillingsbruder des Zetbos. Teilmehmer am Argon autenzug. 

Ausgesetzt, wurden 'die Brüder von einem Hirten gefunden 
und erzogen. A. erhielt von Hermes oder Apollon oder den 

— 24 — 



Musen die Gabe des Gesanges und Saitenspiieles, Zeithos 
ward Jäger und HiLrt. 

Inzwischein ward beider Mutter von ihrem Oheim Lykos 
und dessen Gemahlin Dirke grausam behandelt. Erwachsen, 
rächten die 'beiden Brüder ihre Muitter, töteten den Lykos 
und banden dessen- Gemahlin Diirke an einen wilden Stier/ 
der sie 'zu Tode schleifte. - Darauf bauiten sie Theben und 
ummauerten die Stadt, wobei Felsenblöcke von Amphions 
Spiiel bezaubert. Von selbst sich zusammenfügten. 

A. vermählte sich mit Niobe, gab sich aber, über das 
ScMcksal seiner Van Apollon und Artemis getöteten Kinder 
untröstlich, den Tod. Die Brüder erhielten ein gemeinsames 
Grab und wurden als die weiß-rossigen Dioskuren verehrt und 
glänzten als „die Zwillinge", A. die Lyra haltend, am 
Himmel, 

Amphios, (1) 'Sohn des Selagos. — (2) Sohn des Sehers 
Mecops. 

Amphissos, Sohn des Apöllon und der Dryope, einer 
TodhteT des Dryops. 

Amphisthenes, Sohn des Amphikles. 

Amphistratos, mit Krekas, Wagenlenker der Dioskuren. 

Amphithea, GemahMn -des Autolykos, dem sie die Antildeia 
(Mutter des Odysiseus) gebar. 

Amphitrite, (gr) Königin des Meeres, Seegöttin, Tochter 
des Nereus .'(Nereide) oder des Okeanos, Gemahlin des 
Poseidon. Als dieser um sie warb, floh sie vor ihm zu Atlas; 
aber ein Delphiin erspähte sie und trug sie auf , seinem 
Rücken dem Gott zu, wofür er unter diie Sterne versetzt 
wurde. Nach leiner anderen Sa.ge wurde sie, als sie mit ihren 
Schwestern auf Naxos tanzte, von Poseidon entführt. Sie 
bewegt die großen Wogen und treibt sie gegen die Felsen; 
die Geschöpfe des Meeres stehen unter ihrer Hut. S. Proleus. 

Amphitryon, (gr) König von Tiryns, Sohn des 
Alkäos, Enkel des Perseus. Da sein Oheim Elek- 
tryon, Herrscher von Mykenä, von den Teleboern oder 
Taphiem seiner Herden beraubt, gegen dieselben auszog, 
übergab er das Reich und seine Tochter Alkmene der Obhut 
des A., wurde aber von diesem noch vor seinem Abgang 
erschlagen. A. von Elektryons Bruder Sthenelos verjagt, 
floh mit. 'Alkmene nach Theben zu dem Bruder seiner Mustter, 
r Kreon, der ihn von der Blutschuld reinigte. Um aber 
Alkmenes Hand zu erlangen, sollte er die Taphier züchtigen. 
Er zog !mit Kreon gegen sie zu Felde, erreichte aber seinen 
Zweck nicht 'eher, als bis Komätho, des Pterelaos Tochter, 
aus Liebe zu A. ihrem Vater das goldene Haar abschnitt, an 

— 25 — 



dem die Erhaltung seines Lebens hing. Das Reich des- 
selben schenkte A. dem Kephialos, einem seiner Mi'tsireii;er ; 
Komätho aber tötet er für ihren Verrat. Zeus war ihm, rnidem 
er seine Gestalt angenommen, bei Alkmene zuvorgekommen; 
diesem gebar sie Herakles, dem A. aber den Iphikles, A. 
fiel üi ieinem Kampfe gegen die Minyer, welche er mit dem 
juangein Herakles, um Theben von einem Tribut zu befreien, 
bekriegte. 

Amphora, (gr = Arnphoreus). In dar Ilias ein Töngefäß 
für Wein, Oel oder Asche. 

Amphykos, (g«-) Vater des Sehers Mopsos. 

Amschaspands, (iraniaah), „die Unsterblichen", in der 
von Zoroaster 'gestifteten iranischen Natiojnalrel.igion. Es 
gibt 7 A, mit Ormad als höchsten Gott. Sie thronen aiuf 
eimem goldenien Diwan mit goldenen Decken und solchen 
Spitzen: Vohuimano „Gute Gesinnung", Ashavahista „Heilig- 
keit oder Wahrhaftigkeit", Kshatravainwya „Unumschränkte 
Herrschaft", zugleich Genius der Metalle, Spentaarmaiti 
„Heilige Ordnung", zugleich Göttin der Erde, Haurvatat 
„Gesundheit", zugleich Gott des Wassers, Ameretat „Un- 
sterblichkeit", Beschützer der Pflanzen und des langen 
Lebens, Von den bösen Genien ist: Ahriman „das böse 
Prinzip", das Haupt. Der Gegner des Vohumano ist Akem- 
mano, „Böse Gesinnuing", der Gegnier des Ashavahista ist 
Druj, „Lüge". 

Amyklas, (sr) Sohn des KÖniigs Lakedämon und der Sparta, 
einer Tochter des Eurotas, Bruider der Eurydike. Mit der 
Diomedie zeugte er Kynorthos und Hyakinthos und andere. 

Amykos, (gr) „der Zerfleischer", Sohn des Poseidon und 
der Nymphe Melde. 

Amymone, (gr) Tochter des Danaos. Ward von Poseidon 
beim Wasser'holen an dem Felsquell überrascht und von 
ihm Mütter des Nauplios. 

Anadyomene, (gr) „Die Auftauchende". Beiname der 
Aphrodite. 

Anaia, (gr) (Anäa) eine Amazone. 

Anaide, (gr) Personifikation der Schamlosigkeit. 

Anaitis, (pers) Göttin des Näturlebens und der Fruchtbar- 
keit (entspricht ider gr. Artemis). Sie war von weiblichen 
Hierodulen umgeben und durch Prostitution geehrt. 

Anakes, („Schirmherren"), s. DioskU'ren. S. a. Anax. 

Anatole, . eine der Hören. 

Anax, (gr) Sohn des Uranos und der Gäa. 

Anaxibia, (gr) (1) Tochter des Neilos, Gemahlin des Belos. 
Mutter des Phineus und Danaos. — (2) Tochter des Kratieus, 

— 26 — 



Gema'hliin des Nestor, Mu'tter des Perseus, Antilochos u. a. — 
(3). Tochter des Bias, Qemah'liin des Peliais, Mutter des Akostes, 
der Peiiaidike, Pelopeia usw. 

Anaxileia, eiai'e Arnazome auf einer Hydra in Eng'land. 

Anaxirpe, (gr) Tochter des Kronos, Gemahlin des Epeios, 
Mutter der Hyrmima. 

Anchiroe, (gr) Tochter des Erasinos, Schwester der Melite 
und Moira usw. 

Anchises, (^r) Sx>hin des Kapys und der Themis, wodurch 
er seiinem Stamm auf Zeus zurückführt. Herrscher in 
Dardamos am Ida, durch Aphrodite Vater des Äneas. Die 
Göttiin hatte ihm verbotein, das gepflogene Liebesverhältnis 
bekannt zu geben, er aber rühmte sich dessen und wurde 
von Zeus mit dem Blitzsträhl bestraft. 

Ancile, (It) ein Schild, der zu Numas Zeiten vom Himmel 
herabgefallen war, an dessen Besitz sich die Weltherrschaft 
knüpfte. 

Andrämon, (gr) Schwiegersohn des Öneus, Vater des Thoas, 
Qatte der Gorge, der Tochter des Tineus und der Kalydone. 

Andreus, (gr) Sohn des Peneios, Gatte' der Enippe (Tochtesr 
des Athamas), Vater des Eteoikles. 

Androgeos, (gr) Sohn des Minos und der Pasiphae. Er 
kam beim Kampfe gegen den . Marathonischen Stier um, 

Androkles, Sohn (des Äolos und der Kyane. 

Androktasiai, Töchte-r der Eris. Göttinnen des Männer- 
mordeins. 

Andromache, (gr) Gemahlin des Hektor, Tochter des Königs 
Eetion .und der Kassiepeia. Im trojanischen Krieg verlor sie 
ihren Gatten. Ihr Abschied von ihm, als er in den Kampf eilt, 
ihre Klage beim Erblicken seimes Leichniams, gehören zu den 
schönsten Stellen der Ilias. Bei der Eroberung Trojas war 
Ä. Zeugin, wie ihr Sohn Astyanax von der Mauer herab- 
gestürzt wurde; siie selbst fiel dem Sohn des Achilleus 
Neoptolemos (Pyrrhos) nu, dem sie nach Epiros folgte und 
drei Söhne, Molossos, Pielos und Pergamos gebar. Als 
Neoptolemos Hermione, des Menelaos und der Helenh 
Tochter, heiratete, überlies er A. dem Bruder Hektors, 
Helenos, König von Epiros. Von diesem gebar sie den 
Kestrinos. Nach (de'm Tode dieses dritten Gemahls ging sie 
mit ihrem und des Pyrrhos Sohn Pergamon 'nach Asien, 
wo sie starb und später ein Heiligtum erhielt. 

Andromachos, (gr) Sohn des Ägyptos und der Danai'de 
Hero. 

Andromeda, (gr) Tochter des äthiopischen Königs Kepheus 
und der Kassiopeda. Ihre Mutter hatte sich gegen dae Nereiden 

— 27 — 



gerühmt, schöner zu sein, als sie alle. Darüber zürnten diese 
und Poseidon, der eine ÜberschAVemmung uind ein Seeungehieuer 
sandte. Da Zeus- Ammon Befreiung versprach, wenn A. dem 
Ungeheuer vorgeworfen würde, so ließ Kepheus die Tochter 
an einen Felsen fesseln. Hier fand Perseus die Unglückliche 
und rettete sie durch Erlegung des Ungeheuers. Dem 
Versprechen des Vaters gemäß bekam er daifür A. zur 
Frau; da aber diese schon früher dem Phineus versprochen 
worden war, so entstand daraus beiT der 'Hochzeit der ge- 
waltige Kampf zwischen Perseius und Phineus. A. folgte. 
dem Perseus, der mit ihr mehirere Kinder, Persies, Alkäos. 
Sthenelos, Heledos, Mestor, Elektryon usw., zeugte. Durch 
Athene ward 'sie zum Andenken an die. Tatten des Perseus 
unter die Siterne versetzt. 

Andwaranaut, nach \der Edda ein verTiängnis voller Qold- 
ring, an dem ein Fluch Wafteit, den sein früherer Besitzer, 
der Zwerg Andwari über ihn ausgesprochen. Er gehörte 
zur Busse Otrs und zum Schatz Fafnirs, sowie zum Nilbe- 
lungenhort; an ihn knüpft si'Ch die Unerachöpfliehkeait des- 
Schatzes. Sdgurd gibt ihn der Brunhild als Morgengabe. 
(Odins Ring Draupnir und des Waldgeistes Mimring schiatz- 
mehrender Armring.) 

Andwari, ein 'Zwerg. (S. Andwaranant.) 

Aneas, (gr) Sohn des Anchises und der Aphrodite (siehe 
Venius), der seinem Ve.rwandten Priamos seine Dardaneir 
zuführte, ob seiner Frömmigkeit, Weishieit und Tapferkeit 
hochgetebrt. Er ward von Diomiedes durch schwerem Feld- 
stein an der Hüfte verwundet; vergeblich schirmte ihn Aphro- 
dite,' auch sie wird verwundet; aber ApoUon trägt ihn in 
seinen Terhpel auf Pergamon und pfleget ihn. Dem Kaanpif mit , 
Achiilleus entreißt ihn Poseidon, denn der fromme Held uiid 
sein GescTilecht soll nach' dem Untergang des den Göttern 
verhaßten Priamos und dessen Hauses über Troja herrschen. 
A. gibt, als er Troja verloren sieht, die Hausgötter seinem 
Vater Anchises und verläßt mit seinem Söhnchen Askaniuis 
die brennende «Stadt. Sein Weib Kreusa verliert er. 

Später gründet er Änos und Änea. Dann kommt er nach 
Delos und Kreta. In Epirus begegnet er dem Priamiden 
Helenos, der ihn vor der Scylla und Charybdis warnt. 

Von Äolos auf Befehl der feindlichen' Jüno durch Sturm 
nach Karthago verschlagen, wird er von Dido freunidldich 
aufgenommen und gewinnt deren Liebe. Auf Geheiß Jupiiters. 
entflieht er, worauf sie sich den Tod gibt; s. Anna Parenna. 
Opern: „Dido", eine von Steffani, Text von Mauro. — Er 
kommt nach Sizilien zu Akeistes, der gleichfalls aus Troja 



stammt, und feiert dort den Manen seines Vaitefs zu Ehren 
Spiele. Er läßt die Frauen und 'Greise in dem von ihm er- 
bauten Akesta zurück Uind wendet sich nach Italiem. (S. Acha- 
teis, Rhea Silvia, Romolus und Remus.) 

Bei Cumä führt ihn die Sibylle in die Unterwelt. Nach- 
dem er in Cajeta sieine Amme beerdiigi, landet er im Gebiet 
von Laurentum. Der Köms La^nus bietet ihm seiiee Tochter 
Lavinia zuir öjemaih.]äin iraiiti der er die Ilia [s. d.3 zeugte); 
aber deren Mutter reizt auf Anstiften der Juno den 
Tuirnus, dein sie zu ihnen Eidam bestimmt hatte, zum Kampf 
wider die Fremdlinge. A. findet Zuflucht bei Evänder und, 
aüsgerüsitet mit den bestem Waffen, die ihm Vulkan auf 
Bditten der Vdnus .gesdhmiiedet, erlegt er unter den Mauern 
von Laviniium den Nebenbuihter und den Etrusker Mezentius. 
Nadh der Schlacht wurde er nich^t mehr gesehen. Er wurde 
in einem Hain und Tempel am Flusse Numicius, an jener 
Schlaoht&telle, als Stammgott: „Jupiter Indiges" verehrt. 

Sein Sodiin von der Kreusa, Askanius (au:h Julus genannt 
und daher der Stämmvaiter des römischen Geschlechtes der 
Jiulier) gründe;te Albalonga. Die Herrscha^ft über dasselbe 
ging aber nach seinem Tode aaif seinen jüngeren Bruder 
Ä. Silvius, den Sohn der Lavinia, über, von dem die nach- 
folgenden Könige von Albalonga ahstammen. (S. auch 
Eriahthonios, Rutule und Abas.) 

Aneas Silvius, s. den vorigen. 

Angantyr, s. Edda. 

Angelos, (gr) Tochter des Zeus und der Hera. Zur Jung- 
frau herangewachsen, sitahl siie eini&t der Mutter ihre Salbe 
und schenkte sie der Euiropa, versteckte sich dann in einer 
"Wochenstube, dann uinter einem Leichenzug und steht seither 
mit der Unterwelt in Bezieihung. 

Angeröna (Diva)* (rö), Göttin des Stillschweigens. 

Angurboda, (nord) eine Riesenfrau. Loke zeugte mii ihr 
drei den Äsen feindliche Qesichöpfe: Fenrir (Wolf), Jor- 
mundgandr und Hei. (S. Jormungandr.) 

Anhur, iä) s. Onuris. 

Anippe, (gr) Amazone auf einer Hydra in England. 

Anitj (ä) Göttin, Begleiterin des Gottes Tum. 

Ankäos, (gr) (1) König der Leleger auf Samos, Sohn des 
Zeus oder Poseidon und' der Nymphe Astypala- Ein Seher 
weissagte ihm einst, er werde von den Reben, dite er eben 
pflanzte, keinen Wein trinken. Als er später, des Sehers 
spottend, den Vollen Becher in der Hand hielt, tat dieser 
den sodann sprichwörtlich gewordenen Ausspruch: „Viel ist 
zwisichen dem Bedier und dem Rande der Lippen", denn 

— 29 ~ 



es trifft plötzlich die Nachricht ein, daß ein Eber das 
Land verwüste. A. setzt den B&cher ab, eilt hinaus und 
.wird von diesem Tiier getötet. — (2) Ein Heros von Tegea, 
Sohn d.es Lykurgos und der Eurynome, Teilnehmer der 
Ärgonautenfahrt (Steuermann) und an der Jagd des kaly- 
doniiSiEhien: Ebers^ durck welchien er getötet wurde. 

Alma Perenna, (öder Peranna), Tachter des, Königs Belus 
von Tyrus, it. Göttin des Friähiittgs; und; des jungen lahres. 
auch des Mondes, Symbol des Alten und des Jungen, Die; 
römische Sage bringt sie auch mit Mars in V/erbindtüngü: 
An ihrem Ehrenfeste brachte siie so viele Lebensjahre, als 
man Becher leerte. Schwester der Diido, die naoh der 
Einnahme von Karthago 2ni Änäas nach Italien eilte, hier 
aber aluis Eifersucht wegen der neuen Gattin Lavinia stich, 
in den latinischen Fluß. Numickis stürzte, worauf , sie als 
Nymphe verehrt wurde. S. Pales. %, 

Annar, (nord) Gemahl der Nott, mit der er die Jördh 
(Erde) zeiuigte. Mit Delling (Delingr) zeugte sie den Tag. 

Antäos, (gr) Sohn d^s Poseidon und der Gäa, Ein Riesfe 
in Lybien, weldhar die Fremdliinge riötiigte, mit ihm zu ringen, 
ihm unterlag jeder, weiL er von der Erde, seiner Mutter, 
stets frische Kräfte empfing. Herakles verstand ihn zu 
überwinden, indem er ihn von der Erde abhob und solange 
hielt, bis er ihn erdrosselte. 

Anteia, (gr) Tochter des Jobates, Gattin des Prötos. Als es 
ihir nicht gelingt, den an ihrem Hofe weilenden Bellerophön zu 
verlocken, verlieuiridet sie ihn bei ihrem Gatteih, der ihn nicht 
selbst töten will, ihn aber zu^ seinem Schwiegervater nach 
Lybien mit totbringendiem Zeichen schlickt. 

Antenor, (gr) Söhn des Äsyetes und der Kleomestra, Ge- 
mahl der Athene-Priesterin Thean'o, Vater einer stattlichen 
Anzahl Söhne. Ein Weiser unter den greisen Trojanern. 
Gastfreundlich nimmt er die Friiedensgesandten Menelaos, und 
Odysseus auf. Mit^ ihm' fähirt Priamos aus, zwischen beiden 
VöLkeirn den Waffenstiillstand zustande zu bringen und zu ver- 
einbaren, daß durch einen Zweikampf zwischen Paris und 
Menelaos dem Krieg ein Ende gemacht werd^e. 

Als Hektar iund Aias einander gegenüberstehen, schlägt er 
vor, durch Rückgabe der Helena Frieden zu riiadien. 

Späteur soll ter die aus Paphlagonien vertriebenen Heneter 
iVcneteir) nach Italien an die Mündung des Po geführt haben, 
um dort das heutige Padua zu gründen. '(Patavium). 

Anteros, (gir) Sohn des Ares und der Aphrodite, der 
rächende Gott (verschmähter Liebe^ später ein mit Eros 

-T^ 30 -r ' 



ringendier Dämon. Endlich auch Gott der erwiderten 
oder Gegenliebe. 

Anthas, (gir) Sohn des Poseidon und der Alkyone, der 
Todiiter des Atlas, Vater des Aetios. 

Antiades, i&r) Sohn des Herakles ,uind der Agläa. 

Antianeira, (gr) Tochter des Menetos-,- von, Hermes MuftCT^ 
des Bryitos und EcWon. 

Antlgonet (gr) (1)' Tochter des Ödipus und seiner Mutter 
Jöikaiste. (Nach späteren Forsdhungen ist nicht Jokaste, 
sondern Euryganeia, die Tochter des Phlegyerkönigs Hyper- 
phas (Periphas), die Mutter der von ödipus gezeugten Kinder: 
Antigone, Ismene, Eteokles und Polytneikes.) Sie begleitete 
ihren Vater, als er seine Blutschande erkannte, auf seinen 
Fahrten und ikehrte, nachdem er bei Theseus (in Attika) 
Zuflucht fand und starb, nach Theben zurück. Sie gewann 
die Liebe Hämons, des Sohnes des Königs Kreon. 

Als ihre Brüder Eiteokles und Polyneitoes im Zweäikämpf 
gegeneinanider gefallen waren, Kreon die Beerdigung des 
leitzteren bei Todesstrafe verboten hatte, bedeckte sie trotz- 
djem diesen Leichnam mit Erde, worauf sie Kreon in 
eineir Felsengruft lebiemdig begraben ließ. Seiin Sohn gab 
sich an ihrer Leiche den Tod. 

Nach einer anderen Auslegung verbrannte sie mit Argedia, 
der Gattin des Polynieikes, dessen Leichnam auf eiinem 
Scheiterhaufen; von den Wäfehtern ergriffen, ward sie von 
Kreon seinem Sohne Hämon iibergeben, der sie bei einem 
Hinten verbarg und mit ihr eine'n Sohn zeugte. Um nun 
Kreons Zorn zu entgehen, tötete Hämon Antigone und sich 
selbs.t. Sophokles: Tragöidiie „Antigone", übersetzt von 
Donner, Musik von Mendelssohn. , 

(2) Tochter des Eurytion, Gattin des nach Phthia ge- 
flüchteten Peleus, dem sie die Polydora gebar. Als bald 
darauf Peleus mit seinem Schwiege rvaiter zuir kaly donischen 
Jagd gezogen war und diesen durch einen uinglüoklidien Lanzen- 
wurf (tötete, floh er nach Golkos zu Akastos, der ihn von 
dem Morde reinigte. Hier verliebte sich des Akastos Ge- 
mahlin, Astydameia, in ihn; da er ihr aber micht willens 
war, so meldete sie, um sich zu rächen, seiner 
GemaihHn nach Phthia, daß Peleus des Akastos Tochter 
heiraten wolle, worauf sich Antigone erhängte. 

(3) Tochter des Laomedon, Schwester des Priamos. Ihre 
Haare wurden, weil sie sich der Hera gegenüber ihrer langen 
Haare wegen brüste te, in Schlangen, sie selbst später in dnen 
Sitordi verwandelt. 

Antikleia, (gr) Tochter des Autolyikos, Gemahlin des 

— 31 — 



Laertes uand von diesem (oder von Sisiphos) Mutter des 
Odysseus. Sie tötete sich selbst, als ilir Nanplios die falsche 
Nachricht von dem Tode ihres Sohnes brachte. 

Antilochos, (gr) schöner Sohn des Nestor, Freier der 
Helena, Freund des Achilleus. Er erlegte dein ersten Troer. 
Ward von Poseidon vor des Adamas Pfeil beschirmt. Meldete 
dem Achilleus den Tod des Patroklos. 

Als Paris ,. den Nestor bedrängte, rettete Antilochos den 
Vater mit Auf opferuhg des eiigenien Lebens, denn er fiel 
dabei von der Hand Memnons. Sein Freund Achilleus 
rächte ihn. 

Antimachos, (gr) (1) Sohn des Herakles und der Nikipptß 
(eine der 50 Töchter des Thespios. — (2) Sohn des Thrasya- 
nos, Vater des Deiphontes. 

Antiope, (gr) (1) Tochter des Fluißgottes Äsopos in 
BöotiiCn, wurde von Zeus, der ihr in Satyrgestalt nahte, 
Mutter der Zwillängsb rüder Amphion und Zethos oder 
nur des Amphion, den Zethos gebar sie (gleichzeitig) von 
ihrem Gatten Epopieus. Wegien der von diesen Kindern an 
ihrer Stiefmutter Dirke verübten Rache von Dionysos rasend ge- 
macht, durchirrte sie Griechenland, bis saie Phokos heilte, 
dessen Gattin sie wurde. — (2), Eine Amazone, Tochter des 
Ares, Schwester der Hippolyte. Von Theseus entführt, gebar 
sie ihm den Hippolythos und kämpfte später an. des Gatten 
Seite gegen die in Attika eiinifallenden Amazonen, wobei sie 
Ihren Tod fand. 

Antiphates, (gr) König der mensohenfressenden Lästry- 
gonen, der die Schiffe des Odysseus vernichte tei. 

Antiphonos, (gr) Sohn .des Priamos. Von Neoptolemos 
getötet. 

Anubis, (ä) Osiris soll ihn in dem Wahn, die Gattin 
(Isis) zu umarmen, mit der Nephthys erzeugt haben. Erst als 
Schakal oder Hund, dann als Menach mit dem Schakals- 
kopf dargestellt. Hauptort seiner Verehrung war Kynopohis 
(Hundestadt). Anubis ist der Wächter der Totenstädte, 
der Gott der Einbalsamierungen und der (jeleiter der Seelen 
in die Unterwelt, wo er mit Horus zusammen ihre Taten 
abwägt. (Die Griechen identiifiziieren ihn mit Hermes als 
Hermanubis.) 

: Anukis, (gr) Begleiterin des Chnum und wie dieser, be- 
sondern an den Katerakten verehrt, dn deren Göttertriade sie 
eine ähnliche Rolle wie Nephthys hat 

Aöde, (gr) eine der drei ältesten Musen, Schwester der 
Melete und Mneme, Göttin des Gesanges. 

— 32 — 



■' Aphrodite, (gr) (lat Venus), Tochter dies Zeus und der 
Dione, diie Göttm der Liebe und Schönheit, dann alles 
Wachsens und Entstehens. Wesens verwandte Göttinnen siaid 
die semitischen Aschera oder Astarte (Aschtaroth). Auf 
Cyperji wird sie bewaffnet dargestellt. Bei dein Griechen 
heißt sie auch Kypris, bei dien Römern Cypria. Unter 
ainideren Städten und Inseln würde sie auch' auf Kythera 
verehrt (daher der Beiname Kythereia). Sonst hieß sie 
Areia und; wurde zur Geliebten oder Gattin des Ares, zu 
dem sie auch schon in Beziehungen stand, als er Gott des 
Gewitters und somit auch der Befruchtung der Erde war. 
Söhne: Deimos (Furcht) und Phobos (Schrecken); Tochter: 
Harmonia, „die wieder hergestellte. Eintraidit". (S. He- 
phästos.) 

Man unterscheidet, der Erstreckung der Vegetation auf drei 
Reiche entsprechend: A. = Urania (Venus caelestis) die himm- 
lische; A, = Pontia oder Thalassia (Venus marina), die 
Göttin des Meeres und A. = Pandemos, die bei jeglichem Volk, 
also auf Erden Walitende (s. Vulgivaga). 

Polos oder Modius, ein runder, hoher, scheffelaritiger 
Aufsaitz, das Abbild des Hiimmelsgewölbes und die Schild- 
kröite diiienen als Symbol. Als Pontia stand sie ursprünglich 
nur der FTuahtbaiikeit der Tierwelt des Meeres vor, ward 
aber dann Meeresgöittin überhaupt. (Meeresstille und glück- 
liche Ueberfahrt (Euploia), sowie der Häfen. Ihre Mutter 
wurde Thalassa = das Meer, genannt;- Als Göttin der 
Erde hat sie den aus einem Baum geborenen Adonis, das 
Sinnbild der erblühenden und ersterbenden Natur, zum Ge- 
liebten. 'Sie verbirgt ihn (den Samen) in einem Kasten und 
gibt ihn der in der Unterwelt, dem Schoß der Erde, 
thronenden Persephone. Diese will ihn für immer behalten; 
erst auf den Schiedsspruch des Zeus gibt sie ihn für 
zwei Drittel des Jahres der Aphrodite zurück. 

Besonders ist sie Göttin der Blumen, Bäume und Früchte, 
unter denen, ihr Myrte, Rose, Anemone, Zypresse, Lfnde 
und Apfel, wie unter den Tieren der Bock, der Hase, die 
Taube, der Sperling, die Schwalbe, der Jynx, der Schwan, 
heilig sind. 

Aber auch der menschlichen Zeugung steht sie vor, ja sie 
wurde auch die Göttin der Hetären und Lustknaben, ähnlich 
wie im Mittelalter die büßende Magdalena die Schutz- 
heilige der Dirnen war. (Siehe auch Hathor.) 

per Dienst der Apihrodite - Pandemos, s. Hetären, wurde 
in Athen auf Theseus zurückgeführt. Als Göttin der Liebe 
hat sie in ihrem Gefolge die Peitho (Suada), die Chariten, 

-— 33 — 3 



den Himeros, Pothos, Hymenäos, vor allen aber den Eros, 
welchiein der.Myithus zu ihrem Sohn macht. 

S. inoeh Priapos, Nephthys, Paris, Man und Pygmalion. 
Einige Beinämefn: Venus vulgii,vaga, Pontia, Kallipygos, 
Kiiiidia marma usw. 

Apis, (ä) heiliger Stier, aingeblich von «eiiinex jungtfräuh 
li'dietn,. durch eioien Liidiits'trahl befruchteten Kuh geboren. 

Er war s'dhwarz, haitte auf der Stiam ein weißes Drededc, 
auf . ' dem Rü-cbeoi das Abbild eine's Adlers, atm Schweif 
zweierlei Haare, unter der Zunge einen käferai^Migen Knoten 
und an der rechten Seiite einen weißen Fle^ck ähnlich dem 
zunehmenden Monde. 

Sobald eün Apis starb, suc!hlte man nach einem arideren, 
ähnlichen. Der kam dann nach Nikopolis, von da nach 
Memphis, wo ihm beim HeiiHigtum des Phta eine Wohnung 
mit zwei kositbaren Geimächern erbaut wurde. Das Tier 
genoß sorgsame Pflege, ruhte aiuf Tepprehen, hatte einen 
Hof zu seiner Bewegung, einen Harem von ausgesuditen 
Kühein und eine Qualle, aus der allein ihm Wasser gereiiCiht 
werdein durfte. 

Jedermann kannte sich bei ihm das Orakel holen, was 
aus dem Weichsial seiner Gemächer, "dann von der Annahme 
oder Versdimähung der ihm durch den Frager gereichten 
Futter zu deuten war. Starb das Tier, dann wurde es( ein- 
balsamiert. ■ 

Den Persern war die Verehrung des Apis ein Greuel'.. 
Die Römer uiid Griechen konnten sich eher miit diieser 
Anschauung .befreunden. Uebrigens wurde in Apis eigent- 
lidh Osiris verehrt (s. d.). 

Apollino, kleiner Apollo, eine antike Marmorstatue. 

Apollon, (gr) (lat. Apollo, Apoll), Söhn des Zeus und 
der Leto, Son'nen-(Lic:hit-)gott. Leto gebar ihn nebst seiner 
Zwiillingss.dh wester Antemis auf der Insel Delos am Fuße 
des Berges Kyntho. Gleich nach seiner Geburlt tötete er 
den scheußilichen Drachen Rython, den Hülter des delphischen 
OrakiCls. Dies bedeutet den Sieg im Kampfe des Frühlings- 
gottes mit dem das Land mit Dünsten erfiillenden Winter. 
. Seinem Bruder Hermes hat er seine Herde gegen die von 
diesem erfundene Leier abgetreten (s. Linos). 

AJis Hirtengoitt ist er Liebhaber der Nymphen, wie: Daphmie, 
Kyrene, Mutter des Aristäos /(Hirtengott), Koronis (die ihm 
den Asfclepios gebar). — Mit der Kalliope zeugite er den 
Jalemos (Bruder des Hymen, den er von der Urania erhielt) ; 
mit der Kreusa, der Gemahlin des Xuthos, den Jon. Er 

— 34 — 



bewarb sich einst um die Tocihifcer d€s Flußgottes Euenos, 
Mapessa, die Idas (s. d.) entführte. 

Sein Geliebter war Hyakinthios. 

Er ist Beschüitzer des zarten und Erleger des rei߀indiep 
Tieres (Wolf), er begüinstigit die männliche Jugend, die 
Hochzeit, er isit im Kampfe hilfreich, beschützt die Häfen 
und Vorgebirge und stiftet die nachbarliche Vereanigung:. 
Er ist der Führer der Musen (Musagetes). 

Symbole : Kitfaara, Lorbeer, Leier und Bogen. Dreifuß.^ 
Nackt- jugendlich. Einige Beinamen: Phöbos und Lykios, 
der „Lichte" und „Leuchitende", Agrios, Soter, Omphailos, 
Päan (der Heilende), Pythdos und Kynthios. S. a. Urania, 
Phovas, Marsyais, Mopsos, Laokoon, Sapitheo und Achiilleus. 

Apsaras, (wed) eine Klasse von weiblichen Geiisteirn, dde 
in der Luft schweben und mit den Qandharwen vermähit 
sind. Sie können . ihire Gestal't verwandeln, lieben das Würfcl- 
spi€il, veirleiihien Glück, können aber auch , Geistesstörung 
bringen, daher werden , säe im Atharwa-Weda mi't Zauber- 
sprüchen beschwichtiget.' Sie erinnern an die griechischen 
Nymphen. 

In deir späteren Religionsanschauung beglüciken sie, ähnliich 
den islamitischen Houiris, die Bewohner von Indras Himmel. 

Besonders bekannt unter den Apsaras ist Urwagi, deren 
Liebesverhältnis zu König Purürawas den Inhalt eines 
Dramas vcnn Kalidasa bildet. 

Äpytos, (gr) (1) Sohn des Hippothoos. — (2) Söhn des 
messenischen Königs Kresphontes und Merope, der Tochter 
des Kypselos. , 

Aquitas, (rö) Personifikation der Billigkeit. 

Aquorna, (rö) lateinische Gö^ttin der Kauffahrerf 

Arachne,„Spinne'S die wegen ihrer Kunst in der Weberei 
) gepriesene Tochter des Idmon, eines Purpurfärbers zu 
Hypäpa in Lydien. Als die Nymphen ihre Arbeit bewun- 
derten, wagte sie Pallas, .ihre Lehrerin, zum Wettkampf 
herauszufordern. Die Göttin erschien als altes Mütterchen 
und zerriß, weil sie an dem Gewebe der Arachne, das ein 
Liebesabente.uer der Giö'ttin darstellte, nichts aiussetzen konnte, 
in ungerechtem Zorn die ArbeÜt der Jungfrau, worüber siioh 
Arachne aus Gram erhängen wollte. Pallas erhielt ihr 
Leben, veirwandelte sie aber in eine Spinne. 

Aracura, (rö) Erdgöttin und Gemahlin der Dis Pater. 

Archelaos, {gr), (Valksherrscher), Sohn des, Herakliden 
Temenos, floh vor seinen Brüdern zum Makedonierkönig 
Kiss'eus und stand diesem in eiinem gefährlidhen Kriege bei. 
Als er jedoch die ihm versprochene Hand der Königstochter 

— 35 — 3* 



nebst dar Thronfolge verlangte, suchte sich Kisseus seinicr 
zu entledigen. Archelaos -stürzte den König in eine ihm 
selbst bereitete Grube mit glühender Kohle, floh und 
gründete auf Apollons Geheiß, von einer Ziege g-eleitet, die 
ijtadt Ägää. Ahnherr des maikedonischen Königshaxises. 

Archemoros, (gr) eigentlich Opheltes (s. dj, Sohn des 
LyJcurgos und der Eurydike. 

Archenor, (gr) Sohn des Amphion und der Niobe (s. d.). 

Archeptolemos, (gr) Sohn des Ipitos, Wagenleniker des 
HeJctor. 

Archia, (gf) Tochter des Okeanos, Gemahlin des Inachos. 

Arciaco, (brit) britische Gottheit. 

Ardalos, (gr) Sohn des Hephästos. 

Arda-Viraf, ein frommer Parsenpriester, dessen Seele, 
während er schlief, durch Himmel und Hölle geführt worden 
sein soll. lEine iin der Pehlewi-Sprache abgefaßte ^Sage 
des 6. Jahrhunderts.) 

Ardeas, (gr) Sohn des Odysseus und der Kirke. 

Areia, (gr) Töchter des Kleoch'os, von ApoUon JVlutter 
des Melitos. Beiname der Aphrodite und Athene. 

Areion, (gr) das berühmte Schlaichtenroß des Adrastos 
i== Ariön, s- d.). 

Areopag, ein Hügel bei Athen, in der Nähe der Akropolis. 
Hier waren die Altäre der Erinnyen und des berühmten 
gleichnamigen Gerichtshofes, dessen Ursprung auf die my- 
thische Zeit zurückgeführt wurde. 

Ares, (gr) (lat Mars) Sohn des Zeus und der Hera. Go(tt 
des Krieges, ursprünglich des Sturmes und Gewi^tters. Bei 
Athene, der Gö^ttin des Lichtes .(Äthers), der Weisheit und 
der Kunstübuing, verhaßt, ist er ein iFreund und Liebhaber 
-der Aphrodite. Im goldenen Waffenschmuck fähr't er auf dem 
Kriegswagen, den ihm seine Söhne Deimos und Phobos 
(Furcht und Schrecken) sichirren, in die Schlacht, voran seine 
Schwester und Freundin Eris (Streit). Auch Enyo, die 
mordende Kriegsgöttin, gehört zum Gefolge. Er kann' im 
Kampfe so laut schreien, wie 9000 bis 10.000 Männer zu- 
sammen. 

Die Aloiden und die Bergriesen Otos und Ephialtes 
hielten ihn einst lange gefesselt. Er wurde durch Hermes, 
dem Windgott, befreit. Zweimal kämpfte er mit He;rakles, 
den Fall seines Sohnes Kynkos zu rächen, das einemal trennte 
sie Zeus mit dem Bli'tz, beim zweitenmal wurde er von 
Herakles verwundet, weil diesen Athene unterstützte. 

Aus Eifersucht verwandelte er sich in den Eber, der den 
Liebling der Aphrodite, Adonis, tötete. 

— 36 — 



Allein unter d&n Gö'ttern nkhit zur Hochzeit des Peirithoos 
eingeladen, erregte er dem ^ Kampf zwisclien Lapitben und 
Kentauren. 

Et tö'tete den Sohn Poseidpins, Halirrhothios, weil er 
-seiner (Ares) TochteT, Alkippe, Gewalt antat. 

Sein Lieblingssitz war Thrakien, das Land der S'türme. 

In Kokhis hing das Gol'deflie Vlies im Hain des Ares 
an einer Eiche; von Äetes behütet .... 

In Theben soll seine Verbindung mit der bewaffneten 
Aphrodite en'tstandem sein. Als ihre Tochter galt Harmonia 
oder auch Eros und Anteros (Däimo,n) sowie Priapos. 

Er ist wei'ters der Vater des Phlegyas (mit Chryse), Antrope 
und Hippolyte (m?t Otrera). 

Darstellung: Krautige Formen, kurz gelocktes Haar, bart- 
fos, sitzend, in Gedanken versunken — zu seinen Füßen 
Eros. 

S. a. Penthesileia, Keren, Erts und Enyo. 

Arete, „Jugend", Gemahlin des Phäakenkönigs Alkinoos, 
welche dem Odysseus wohlgesinnt war. 

Arethusa, eine der Nereiden, Nymphe der berühmten 
Quelle A. auf Orgygia. Später galt sie auch als Muse 
des Hirtengedichites. =. - 

Aretos, (gr) Sohn des Priamos ; von Automedon erlegt. 

Argäos, (gr) ein Sohn Apoll'ons. • 

Aröeia, '(5?r) (1) Tochter des Okeanos und der Tethys. — 
(2) Tochter des Adrastos, Gattin des Polyneikes, Schwester 
der Deipyle, Mutter des Thersandros. 

Arges, (gr) Kyklop, Sohn des Uranos und der Gäa. 

Argestes, (gr) Tochter der Eos und des Asträos. (S. Eos.) 

Argo, (gr) das fünfzig ruderige Schiff der „ArgoJiaiuten". 

Argonauten. (Argoschiffer) sind die Teilnehmer des Zuges 
heidnischer Helden nach Kolchis, um von dort das Goldene 
Vlies zu liolfen. (1350 v. Chr., also 80 Jahre vor dem 
Trojanischen Krieg.) Jason, des Äson's Sohn, erhielt von 
seinem Oheim Pelias, dem Herrscher von JolTcos in Thessalien. 
auf Heras Veranlassung den Auftraer, das Goldene Vlies des 
Widders, auf welchem Phrixos und Helle entflohen waren, 
aus dent Aresliaiin in KolcMs zu ,holien, wo es. von Phirixos 
an einer Eiiche anfgeh'ängt, von einem Drachen bewacht wird. 
Zu dieser Fahrt ließ Jason von Argos, dem Sohn desi 
Phrixos die fünfzigruderiisne Argo bauien. Athene haitte an 
demselben ein Stück dodonaisehes Eic^henholz angebracht, 
welches die Gabe h'a/tte, Orakel zu verkünden. 

Die bekanntesten Teilnehmer waren: Admetos; Amphiiaraos; 
Amphion; Ankäos, Steuermann; Argos, der Erbaiuer des 

— 37 — 



Schiffes; Aste rion (s. Antigone); Herakles, iim Voirdierteil 
sitzend; Jason, Befehlhaber; Idas; Idmon; Kaiais, b^aui- 
aichtigrt die Ruderer; Kastor; Kepheus; Laertes; Lynkeus, 
Lotee; Meleagros; Mopsos; Iviestor; Olieus; Qrplieus; Peleus, 
im Hinterteil sitzend (der Vater des Achilleus) ; Philamman ; 
Polydeukes (Pollux); Polyphemos; Telamon, im Hintertsiil 
siiitzendi, Vater des Aias; Theseus; Tiphys, Steuermano; 
Tydeus ; Zetes (wie Kalaiis). 

Von Jollcos aus ging die Fahrt. Orpheus belebte den Mui; 
miit HarfenspiieJ urad Qiesaing. Nach eiiniiiger Zöiit wurde das 
Schaff nach der Insel Lemnos verschlagen, wo die Frauen 
ihre Männer weg'en Untreue ermordett hatten und aJs 
Amazonen lebten ; sie giewahrten dem A. gastliche Aufnahme 
und die Heldein mußten aus der Umarmung der Frauen auf 
Mahnung 'des im Schiff verbliebenen Herakles geholit werden. 
Jaison riß sich ads ersiter von Hypsipyle los. Dann kaimen 
sie nach Kyzikos, wo die sechsarmigen Qiigariten und die 
friedliebenden Dolionen nebeneinander wohnten. Letztere 
nahmen diie Fremden ffreunidlich auuf, die anderen abier ver- 
räumiten den Hafen miit Felsblöcken. Herakles, der wieder 
im Schiff verbliiebien war. tötete mit seinen PfeÜen einige 
Giganten, und in der Nacht gelang es ihnen los zu Itommen, 
doch ein Sturm trieb sie wieder zurück, ohne daß sie skh 
gegenseiitig erkannten. 'Der König von Kyzikos höeilt dfie 
A. für Räuber, Icämpfite mit ihnen, wobei er von Jasons Speer 
durchbohrt wurde und die Dolionen hierauf flohen. Am 
Morgen wurde der Irrtum offenbar. Nach mühevoller Fahrt 
kamen sie nach Kios. wo sie von den Mysiern freundlich' 
empfangen wurden. Als Herakles im Wald ein neues Ruder 
holte, wurde isein Liebling Hylas beim Wasserholen von 
den Nymphen hinabgezogen. Poliphemos hörte noch den 
Hiilferuf, und während er mit Herakles nach ihm suchtte, 
segelten die A. ab. die erst später die Abwesenheiit der 
beiden gewahrten. Telamon 'drängte zur Rückkehr, aber der 
Meergott Glaukos bestimmte die Weiiterfahrt, Am anderen 
Morgen landeten sie im Bebrykenland, dessen König Amykos 
sie zum Faustkampf herausfordert. Pollux tötet ihn, die 
Bebryken wurden in die Fiuiht geschlasfen und die A. machrfen 
unter ihrer» Herden reiche Beute. Dann kamen sie nach 
Salmydiessos, wo Phiineus. weil er 'die von Apollom Ihm ver- 
lieheine Wahrsa,gergabe mißbrauchte, mit Blindheit geschl^oren, 
von den Harpyien, die ihm die Speisen ungenießbar machten, 
gieauält wurdie. Den abgemagerten Greis retteten Zetes und 
Kaiais, denen Zeus unermüdliche Fittiche verlieh. Sie hatten die 
Ungeheuer erreicht, als Iris erschien und den großen Götter- 

— 38 — 



eid schwur, daß diie Rauibvö^el Agenors Solüri aiicM mehr 
beuttiruihiiigren sollitein. Phiineus zeiig^ie den. A. den Weg durch 
diiie am' Eiingainge ins Schwarze Meer stehenden Symplegaden 
Uind Kyaneiiischein Felsen, welche alles Durchpassierende 
leicht zerqueitsdien. . ■ 

' Im' bestein Segelii begniffen, hörten sie das Kradhen der 
Symplegadein, das Schliff kam mi't Athenes Hilfe mit eioem 
kleiinen Schaden laim Hinterteil davon. Seither stehen die 
Felsen still. Dann fainde^ sie beim König der Maryandimern, 
Lylcos, frieundliahe Aufnahme. Hier wurde Idmon von einem 
Eber getöitei, uinld Tiphys starb ari einer Krankheit. Dann 
kamein sie an die Müinidung des Kallichoros, wo Sie "'den 
Geist des Sthenelos, der mit Herakles in den Amazonenkri'eg 
gezogein und 'hier gefallein war, und brachten ihm ein Trank- 
opfer. An /dem breiften Ausfluß des Thermodon, wo die 
Ainazoinen wohnten, kamen sie infolge eines günsftigeln 
Windes glückliich vorbei und auf Umwegen zur Insel Dia 
(Aresinsel), wo die stymphalischen Raubvögel hausten, vor 
deren Federjt, die siie- wie Pfeile abschössen, sich die A. 
durch Helme und Schiillde schützten. Jasooi nahm die hier 
angetroTfenein vier Kinder des Phrixos, die von aihretn 
müitterlichem Großvater Äetes nach Orchomenos zur Abholiung 
hier zurückgelassemer Schatze gesandt — aber an diese 
unwirtliche Küisite versdilagen würden — mit. 
, Später vernahmen sie das Stöhinen des an emiem Felsen des 
Kaurisankar geschmiedeten Prometheus und den Flügelschlag 
des Adlers, der- in dessen Leber wühlte. 

Nun gelangten sie ans Ziel, an den Fluß Phasis. Sie be- 
gaben sich samt den Enkeln des Äetes zu diesem, um 
' das Goldene Vlies zu biegehren, der es unter der Bedingung 
freigab, wenn Jaison die feuerschnaubenden, erzfüßigen'Siie.re, 
die ihm Hephästos geschenkt, anschirre, mit ihnen den Ares- 
flur pfliüge tund dort die von Phrixos mitgebrachten Drachen- 
zähme säe. Me'dea, Äetes Todhter, .eine Zauberin, von Liebe 
zu- Jason 'entbrannt, brächte ihim' eine diese Arbeiten möglich^ 
machende Salbe. 

Aus den fangebaiuten Zähnen entstanden Giganten, die aber 
Medea untereinander in Streit zu bringen verstand. 

Äetes wollte das Vlies nicht hergeben und' beabsichtigte 
die Fremden nachts zu erschlagen, was aber Medea unter 
der Zusicherung der Ehe des Jason diesem verriet. 

■Medea verstand imit einer Zauberformel den das Vlies' be- 
wachenden Drachen jeinzaiBchläfern und Jason fuhr nun mit 
seiner Doppelbeute davon. Die Kolch'ier verfolgten die 
A-, wobei aber ihr Anführer Absyrtos, Bruder der Medea, voii 

— 39 — 



Jason ermordet, von Medea zerstückelt und' so ins Meer 
geworfein wird, lum Äetes (bei Tomi) mit dem Sammeln und 
Bestattein der einzeleen Stücke von der Verfolgung abzuhalten. 
Die A. 'kamein zur Insel Elektris, dann zum Lande der Hylleer 
in Illyrien, Korkyra, Melitie und bei der Kalypsos-Insel vorbei. 
Wegen Ermordung des Absyrtos wurden sie auf Zeus Geheiß 
wieder nach Elektris zurückgeworfen. Dort verkündigte ihnen 
das redeihde Brett der Argo, daß die Heimkehr nacht vor 
der Entsühniung des Jason (und Medcä) dur.di Kirke zustande- 
käme. Sie schifften daher nun den Eridanos hinauf, in den 
Rhodanos, fuhren mit; Hilfe 'der Dioskuren bei den Kelten und 
Ligurem vorbei zur Insel Äthaliia (Elba) und nach Aiäa, dem 
Wohnsitz der Kirke. deir Schwester des Äetes, die sie ent- 
sühnte. Orpheus Gesang brachte sie glücklich bei den 
Sirenen vorhei; Thetis und die Nereiden durch Skylla und 
Charybdis (Meerenge von Messina), dann zum Volke der 
Phäaken. Hier, bei König Alkinoos, ehelichte über Betreiben 
dessen Gaittin Arete, nun Jason Medea. 

Auf der Weiterfah'rt,' gerade als sie den Pekponnes er- 
bliickten, verschlug siiie eiin S'turm in die Syrte. Libyschie 
Nymphen und Poseidon retteten sie und sie trugen ihre 
Argo 12 Tage und Nä|dhte bis an den Triitonischen See, wo 
Mopsos den Tod fand. Triton zeigte ihnen den Weg in das 
mittelländische Meer. Bei Kreta 'würde der Riese Talos 
die Argo, ohne Medeas Zauber, versenkt haben. Endlich 
gelangten sie lin die Heiiimaft. Äson liebte noch und ward 
von Medea verjüngt. Jasons Mu'tter hatte dem Pelias ge- 
flucht und sich getötet; auch ihren Sohn Promatdh'os hatte 
Pelias ermordet. 

Nun Icam Jason und überreichte das Goldene VLies. Nach- 
dem er die Argos dem Poseidon geweiht, forderte er Medea 
zur Ra,che lan Pelias auf. Diese beredete dessen Tödh'te/r, 
ihren Vater zu zers'tü,ckeln und zu kochen, um ihm zu ver- 
verjüngen, wie Medea einen Widder jung geko-cht haltte. 
Akastos aber, Pelias Sohn, bies1:attete ihn und vertrieb Jason 
und Medea laois Jolkos. Jason und Medea lebten 10 Jahre 
glücklich in Korinth, bis König Kreon seine Tochter dem 
Jason- verlobte lund dieser Medea verstieß, lieber die Rajche 
derseilben ^küe Medea. 

Arges, "(gr) d) Sohn des Agenor, oder Arestor und Mykene. 
oder des Inachos, oder des Argos und der Ismene, oder der 
Kallirrhoe oder' der Erde. IPanoptes) „der Allessehende". 
wegen seiner vielen Augen, von denen ein Teil immer wachte, 
von (Ungeheuerer Stärke, maidite sich durch mehrere Helden- 
taten 'berühmt, namentlich durch Erlegung eines Stieres, 

— 40 — 



eines raube rischien Satyrs, und der Dchidna (Drachenerlegung, 
Tilgung VQn Sümpfen, Urbarmachen deö-Bodens). Dann wuifde 
er von iHera zum Wächter der in eine Kuh verwajndelten Jo 
bestellt uind fand als solicher seinen Tod durch Hermes, der 
ihn, um \"die Jo zu entführen, mit Steinwürfen betäubte und 
sodamn enthauptete. Hera setzte die Augen des A. in ihres 
Pfaues Schweif.. A. ist ein Abbild des giestirnten Himmels. — 
(2) Sohn des Zeus und der Niobe. — (3) SöhJn des Phrixos 
und der Chalkiope (oder Jophossa, Tochter des Äetes). 
Er lleiste'te dem Liebiespaar Jason und Medea Vorsichub. — 
(4) Sohn des Polibos und der Argia (oder Danaos). Erbauer 
der Argo und Teilnehmer an dem Argonautenzuge. — (5) Sohn 
des Jason. 'Nach ihm benannte Herakles das Schiff und nimmt 
ihm zuliebe am Argonautenzug teil. — (6) Sohn des Nepto- 
lemos und der Leonassa, Bruder des Pergamos, Pandaros, der 
Danae und andere. S. Heimdall. 

Ariadne, (gr) Tochter des König Minos von Kreta und der 
Heliade Pasiphae, lentb rannte in Liebe zu dem als Tribut 
für den Minotaurus ilandenden Theseus und gab ihm ein 
Fadenknäuel, das ler am Eingang des Labyrinths festknüpfen' 
und während des Hinsidhreitens dui-ch die Irrgänge in der 
Hand ablaufend lassen sollte bis dahin, wo der Mlndtauirus 
Wache hielt, 'zugleich auch ein gefeiltes Schwert, das Unge- 
heuer zu töten, was ihm auch mit seinen Gefährten von 
Minos gelang. Daraufhin entfloh er mit A., auf deren Rat 
er den Boden der fcretisichen Schliffe zerhieb, um das Naich- 
setzen unmögliich zu machen. Aber auf der Insel Dia (Naxos) 
verliieß sie Theseus. Der auf der Rückkehr von Indiien 
befindliche Dionysos findet auf Naxos die verlassene Jungfrau 
A. schlummernd in einer Grotte, wird von ihrer Schönhecit 
gefesselt und vermählt siich' mit der Erwachenden. Als 
Brautgeschenk erhält sie von der Aphrodite und den Hören 
oder von /Dionysos selbst, eine Krone, ein Werk des He- 
phästos. Nach ihrem Tode wird sie in Argos begraben. 
Siehe Phädra. 

Arimaspen, bei den alten Griechen ein fabelhiaftes Volk 
im äußersten Nordosten der Erde, einäugig, mit den an- 
greinzenden Greifen wegen des von ihnen gehüteten Goldes 
in stetem Streit. 

Arion, (gr) "ein Roß = Areion, s. d., von Poseidon m 
Gestalt eines Hengstes mit der in eine Stute verwandelten 
Demeter (Erinys) gezeugt; Ahn aller s.chnellen Rosse. Siehe 
Adrastoß. — (2) Arion, gdechischer Sänger und Zither- 
spieler aus Methymna auf Lesbos, lebte um 600 v. Chr. 
Er soll von Periander, dem Herrscher von Korinth, nadi 

— 41 — 



Sizilien und Italien gesandt worden siein, wo er in Wett- 
gieisängen Siege errang und Schätze sammelte. Die Schiffer, 
die ihn heimbringen sollten, biesohlossien, ihn seines Reidi- 
tumeis wegen zu ermorden. Er bat sich aus, noch einmal 
singen zu dürfen. Dies wurde ihm gewährt. Er trat auf 
das Verdeck und sang ein Lied und stürzte sich dattui ,ms 
Meer. Einer der Delphine, die sich, seinen Tönen zu lauschen, 
um das Schiff gesammelt hatten, trug ihn auf dem Rüdcen 
wohlbe'halten nach dem Tänrisohen Vorgebirge, von wo 
aus er dann nach Korinth gelangte. Die Schiffer, die bald 
darauf ebenfalls ankiaimen,^ meldeten dem König,, daß A. 
zurückgeblieben sei. Da trat abeir A. vor und ihr Leugnen 
half nichts mehr. Sie wurden gefcreiuzigt. Zum Andenkein am 
diese Begebenheit wurde bei dem genannten Kap ein Deinicmal 
errichtet, das einen Delphin darstellte. Arions Leier und der 
Delpjhin wurde an den Himmel versetzt. 

Arisbe, Tochter des Merops, erste Gemahlin des Priiamos 
der sich dann mit Hekabe vermählte und A-, die ihm m'ittler- 
weiile den Äsakos gebar, dem Hyrtakos abtrat. 
■ Arfstäos, (gr) '(den Besten, d.h. Zeus iiriä ApoHon gleich). 
Sohn des Uranos und der Qäa (auch des Apollon mit der 
Kyrene, einer Toichter des Lapithenkönigs .Hypeus). Von 
den Hören oder auch den Nymphen (Bienen^, die ihn mit 
Nektar und Ambrosia nähjrten und von Cheiron erzogen, 
begab er sich, nach' Theben, wo er von den Musen in der 
Heil- und Wahrsagekunst unter riidhtet ward und sich mi't 
eiiner To>chter (Autonoe) des Kadmos vermählte. Nach dem 
unglücklichen Ende seines Sohnes Aktäon wandte er sich 
nach der Insel Keos, wo er eiiner großen Dürre aibihalf, indem 
er den Feuchtigkeitsspender Zeus Altäre errichtete (der 
Spender des ländlichen Regens). Später begab er sich nach 
TTirakien zu Dionysos, von dem er in den Mysterienkult ein- 
geweäiht wurde — Pfleger der Bienen- und Schafzucht, und 
des Ölbaumes, »sowie Bes-öhützer der Jäger und Hirten. (Er 
wird auch "mit Zeus, - Apollon und Dionysos identiifiziert.) 

Aristodeme, Tochter des Priamos. 

Aristodemos, (1) Sohn des Herakles und der Megara. — 
(2) Sohn des Heirakliden Ariistoma,dhos, Urenkel des Herakles. 
Gemahl der Argeia^ Als die Herakliden den Pelepcaines 
eirobem wollten, ward er bei Naupaktos vom Blitz (oder 
von Apollon oder von den Söhnen des Pylades und der 
Elektra)' getötet. Seiine Söhne Eurysthenes und Prokies 
wurden als die Stammväter der^ beidien spartanischen Königs- 
familien betrachtet. — (3) König aus dem Geschlecht der 
Äpytiden, opferte wäihrend des ersten messinischen Krieges 

— 42. — . 



emem Oirafcelspruch zuifolge seine Tochter, um den Sieg über 
di'C Spartaner gpewinnen zu können und ward trotz dieser 
Bluts-chuld zum König gewählt. Später tötete er sich selbst 
am Grabe seiner Tochter. 

Aristomachos, Sohn des Talaos, Vater des Aristodemos. 

Arjaman, (ind) „Boisenfreuod". Aditja, s. d. r 

■ Arkadien, Hirten- und Schafe rland im Peloporines. Die 
griechischen Bewohner dortselbst waren äolischen Stammes, 
verehrten Pan, den Hirtengott. Dessen Lieblingsaulenthalt 
war der Mänalosberg. Außer Pan (dem Erfinder der Hirten- 
flöte) soll auch Hermes, der Erfinder der siebensaitilgen 
Laute, auf diem Kyllene in A. geboren sein. 

Arkas, Sohn des Zeus und der Kallistp, der Stamm- 
heiros der alten Arkadier, traf auf der Jagd seine in eime 
Bärin verwandelte Miutter und verfolgte sie bis in den 
Tempel des Zeus. Lykäos. 

Ark€5, Tochter des Thaumas, Schwester der Iris, half den 
Titanen und sitzt zur Strafe im Tantaros. 

ArmMa, eine der hervorragendsten Fraiuengestalten in 
Tassos Befreitem Jerusalem, die Tochter des Königs Ar- 
biilan von Damaskus, welche durch ihre Schönheit und Zauber- 
künste Verwirrung un'ter.den Chriistenhelden anrichtet und 
namentliich den tapferen Rinaldo in ihren Zaiubergarten 
zsu Antiochia lockt und hier in Untätigkeit und Wollust ver- 
sinken läßt, bis die Boten Gottfrieds von Bouillon ihn 
finden und befreien. Daher A. übierhaupt die Bezeiichnung 
für ein verführerisichies Weib. Die Episode der Tasso'schen 
Dichtung, welche an die der Kirke bei Homer erinnert, ist 
von Gluck und Rossini als Oper behandelt worden. 

Armilus, eine mythologische Person im Mittelalter, an- 
geblich der Name eines Anti- oder Pseudomessias, heißt 
Volksverderber oder er ist eine Nachbildung von Romulus. 
Die Armilussage ist jüdischen Ursprungs. 

Arnäos, Name des Bettlers im Hause des Odysseus, heißt 
auch Iros. 

Arne, Tochter des Äolos, s. d. 

Ärope, (gr) Gemahlin des Atreus, die von ihrem Schwager 
Thyestes verführt wurde. 

Arsmöe, (1) Im Altertum Name meTirerer Städte auf Cypern, 
Ägypten et.c. Die bedeutendste war die am Möris-See, gegen- 
über das berühmte Labyrinth; ein Palast mit über 300 Ge- 
mächern, wovon noch viele vorhanden sind. —'(2) Tochter 
des Phegeus, Schwester des Agenor, Gattin des Alkmäori. 

Artemis, (gr) Tochter des Zeus und "der Leto 
(Latona) die Göttin der Jagd (s. Adonis) ursprünglich Göttin 

— 43 — 



des Mondes, aber auch Göttin der Quellen und Flüsse, 
Friuchtbarkei't, der Geburt, Kiindespfleg^e und Hochzeit. — 
Zwillingsscliwester des Apollon, und zwar vor ihm auf Delos 
geborein. Als Kind auf dem Knien des Vaters spielend, 
erbat si'ch A. ewige JtingfernstcTiaift. 60 neunjährige Okeanos- 
töchter zu Gespiieliiinnen beim Tanz und 20 kretisdieNym- 
pten als Dienerinnen, ruhhivollen Namen, Pfeil und Bogen 
und alle Berge, uim auf denselben zu jagen, dagegen nur 
eine einzige Stadt; denn auf den Bergen wolle' sie wohnen, 
in den Städten nur den Frauen in Geburtswehen helfen, 
woziu sie von den Schiicksalsgöttinnen bestimmt' sei, da 
ihre Mutter sie schmerzlos , geboren habe. Sie kämpfte 
an Seite Apoll oris gegen den Drachen Python und gesren 
die Giganten. Gö'ttin der Jagd und des Waldes, des plötz- 
li.chien Todes, namieintlich von jungen Mädchen und Frauen, 
ziugkich aber auch schützend und heilbringend. Sie ist 
zum Gegenteil ihres Brudeirs, Lichtgöttin der Nachit. Sie 
verschmilzt desha.lb in der Folge mit Selene. Hekate, Bemdis 
u.nd Britomantis. Wie Apollton Phöbos, so heißt sie Phöbe 
„die Reine". Ihre Tagdgefäh'rtin war die Kalfoto. Ihr Ge- 
biet ist die freie Natur; dort treibt sie mit den Nymphen 
'(von allen die schönste und größte) als Jägerin (haupt- 
sächlich in Arkadien) ihr Wesen, bald tanzt, spielt oder 
badet sie mit den Genossinnen. Sie schützt a;uch allies 
Wild, den Wald und dais Feld, das Vieh. Ihr Liebling 
ist die Hirschkuh' (Fest der ElaphebolienT. Sie wurde zur 
Schutzgöttin der Seeleute, Fluß- und Quell-, auch Mondgöttin. 
Pflegerin der Jugend, Feindin alles zuchtlosen Wesens und 
bestraft jeden Fehltritt (s. Kaillisto), wie jedes Antasten 
de'r Ehre Is. Orion, Aktäon), oder der ihrer Mutter (Tiityos. 
Niobe) und Vernachlässigung des Dienstes (s. Öneus). Helferin 
ddr Entbindung: "Eileithya, siehe auch Euphesiia und Diana. 
Beinamen: Soteiira, Phöbe, Kynthiia und Daduchos. Symbol: 
Pfeil und Bogen, trägt die Fackel, Lorbeer, Hirschkuh, Haare 
hinauifgekämmt, zu einem Knoten gebunden; s. .Diana. 

Artemision, Heiliiigtum der Artemis. (Das bemerkens- 
werteste: Nordküste von Euiböa.) 

Artibia, Tochter des Amphidamas, Gemahlin, des Sthene- 
laos, Mi^tteir des Eurytheus. 

Artus, '(Airthur)' myth. König von England, König der 
Siluren, bald dei- Dumonier genannt, bildet er den Mittelpunkt 
eines walisisch-bretonischen Sagenkreises. Sein Vater war 
Uteir, sein Oheim Ambrosiius Aurelianus. 

Als er einst gegen Rom zog, verriet ihn in der Heimat 
sein Neffe Mordred (Medraüd), der sich empört und die 

— 44 — , 



Gemahlin des A., die sagenberühmte Qinevra (Quanhumara, 
Ginover, die To'chter des Herzogs von Gornvallis aus dem 
Hause Cadars), verführt, oder sie der Untreue gegen ihren 
Mann beschuldigt. A. wa)rd zur schleunigen Umkehr ge- 
zwungen und fiel im Kampfe mit diesem. 

In der Sage er&cheänt der Zauberer Merlin und A. als 
Sohn von Uteir, Pendragon (Drachienhaupt), im Ehebruch 
mit Inguerne erzeugt, und von Merlin, der jenem zur Um- 
airmung der tugendhaften Inguerne dadurch verhelfen, daß er 
ihn d'U'rch Zauber die Gestal't ihres abwesenden Gatten an- 
nehmen ließ. D'Uirch das Wunder mit dem Amboß, aus dem 
niemand außeir A. das wie festgewachsene Schwert ziehen 
konnte, wurde er nach U-ters Tod auf den Thron erhoben- 
Mit der walischen Sage ist später auch jene des heiiLigen 
Gral vereinigt. 

Zu dem Sagenkreiis des A. gehören auch die Geschichte 
des Zauberers Klingsor, die des Priesters Johannes, die 
Lohengirins . und die Schwanensage. 

Ein deutsches Gedicht aus dem bretonischen Sagenkreis 
ist dar Tristraut u. a. Auch Wolfram von Eschienbadi 
entlehnte seinen „Parsifal" aois der A.-Sage. Siehe Lais 
und Text zu den Opern „Parsival" und „Tristan und Isolde". 

Arval, im alten Rom Fliuirgötter, wie Deadie, Ceres, Tellus 
und Semonen. 

Arveris, (ä) s. Harus. 

Asakos, Sohn des Priamos und der Arisbe. 

Aschera, semitische Aphrodite, Hauptgöttin der Phöniker, 
Personifikation der sprossenden, fruchtib ringenden Natur, 
Seitenstück und Gemahlin des Baal (daher auch Baaltis oder 
BalLeth), deren Bild am Himmel der Mond war. In schatti»- 
g&R Hainen, auf grünen Hügeln wurde ihr geopfert; be- 
fruchtende QuielLen und Bäche waren ihr heilig. Desgleichen 
immergrüne Bäiune, wie die Fichte und Zypresse, der 
Granatapfel und fruchtbare Tiere, namentli'ch Fische. 

Ihir Dienst blühte vorzüglich in Gebal Mabug, (HierapoÜs), 
wo sie Derketo hieß etc. Als Opfer wurden ihr Tauben und 
Ziegenböcke dargebracht, am liebsten hatte sie aber das 
Opfer der Jungfernschaft, daher sich an den Festtagen 
der Göttin die Töchter der Phöniker öffentlich preisgaben. 
Ihr Gegenstück ist die Astarte, s. d. und Mylo,tta. 

Äschreis, e,ine.der 50 Töchter des Thiespios, von Herakles 
Mutter des Leukones. 

Asen, (nord) das mächtige Göttergeschlecht. Stamm-(A11-) 
Vater Odin (Alifadur), erste Gemahlin Jötunin Jördh, ein 
Sohn, der D.onnergott Thor, der stärkste und gewaltigste 

— 45 — 



tinter den Äsen. Mit der zweiten Gemahliin, der Asin Frjigg, 
zeugte er Bälde r, den besten der Äsen, Bragi, den Qött des 
Gesanges und deir Beredsam'keLt, Tyr des Krieges, Höder, 
den blinden, stariken Oott, das Symbol der vom Verstaind 
nicht gezügelten Oewali. Miit ande>ren Frauen zeugte er: 
den weisen Heimdall, den rachjefertigen Wali, den schweig- 
samen Widajr, den liebreiichen Hermoder. Äsen waren noch: 
Uller, Thors Stiefsohn, der flinke Schütz, und Foseti, gerecht 
und mild als Richter Vie sein Vater Balder. Ihnen 
stehen zwölf weibkche Gottheiifcen zur Seite, darunter Idun 
und Saga, Die Äsen sind zum Gegensatz der 
Riesen, wohltätige Mächte. Wegen dieses Gejgfensatzes 
entstand ein Streit. Nachdem die Brüder OdLn, Will und We 
den Riesen Ymdr erschlugen, bildeten sie aus dem Körper 
desselben die Welt uad in deren Mitte Asgard, den hiinm- 
lischen Wohnsitz der Äsen, vor den Einfällen der Riesen 
sicher durch daie Himmelsbrüoke, die mit ihrer Lohe (dem 
Roten .im Regenbogen) alles, was nicht Ase oder Muspels 
Sohn ist, verbrennt. Die Äsen sind dem Einfluß der Zeit 
unterworfen. Die Sage erzählt von ihrer Jugend, wie von 
ih,rem Untergang. Die Kindheit der Äsen, in sorgloser Ruhe, 
in fortdauerndem Frieden, und unter frohem Würfel- 
spiel verlebt, war das goldene Zeitalteir für die Götter. Das 
Ende wurde dadurch herbeigeführt, daß aus Jötunheim drei 
Thursen- oder Jötnar-Riesenniädchen erschienen und ihnen 
die wunderbaren goldenen Taifeln und damit den goldenen 
Himmelßschatz weginahmen. Mit Hilfe der Zwerge schufen 
sich die Asan zwar wieder neues Gold aus dem Schoß der 
Erde, aber daran knüpftein sich, Verhängnis und Streit („da 
wurde Mord in der Welt zuerst"). Der Kampf mit dem 
Göttergeschleicht der Warnen reihte sich daran. Durch einen 
Vertrag wurde er beigelegt, nach wekhen von den Wanen 
der mächtige Wind- und Wogenherr Njörd mit seinen 
Kindern Freir und Freia als Geiseln zu den Äsen kamen, 
während jenen dafür Hönir zuteil ward. Schiedsrichter 
zwischen Äsen und Wanen: Quasir. 

Mit den Riesen dauerten aber die Kämpfe der Äsen fort 
und der erbittertste Feind janer ist Thor, der deshalb fort- 
während gegen Osten zieht, wo die Riesen hausen,, die er 
bekämpft und tötet. Durch Zauberkräfte haben die Kiesen 
;edne gewisse Macht über die Äsen, sie trachteten auch nach 
Iduns verjüngenden Aepfeln, durch deren Genuß die Äsen sich 
Jung erhielten. Au'± Freia, idie schönste in Asgard, suchen .die 
Riesen zu gewinnen, sowie üiberhaupt schöne Frauen zu ent- 
führen/ um selbst Väter schöner Kinder zu werden. 

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Der aligemieme. Weltbra,nid abier wird enidlich nicht nur 
allie Schöpfungen der Äsen, sondern diese sielbst vernichten 
(Götterdämmeru'ng). Bei bevorsitehendem Krieg opferte man 
dem Odin, bei Pest und Hungersnot dem Thor als dem 
Reiniger der Luft und Wettergott,' und bei Hochzeiten 
derii Frear. Fneia wurde in Liiebesangelegenheiten angerufen. 

Neben Odins Minne (Gedächtnis) wurde Thors und Freiirs 
Minne getrunken, Odins Becher um Sieg und Marcht, Freirs 
Hörn imi guites Jähr twiid Frieden. 

Asepos, (gr) Sohn der Quiellnymphe Abarbaree. 

Asgard, Göttersitz der Äsen. Zwölf Himmelsburgen ä,us 
Gold und Edelsiteinen, die Gitter der Paläste von goldenen 
Speeren. Wände und Böden goldgetäfelt. An den Decken 
die strahlenden Schilde der Helden, statt der Sonne und ': 
des Mondes. 

Thruidheim, , die Wohnung Thors, wird hiezu nicht ge- 
ireidhnet (Welt der Stärflce.), denn diese ist der Erde zu 
naihe. Sie bilde<t die Grenze zwischen Asgard und iVUdgard. 

Von da aus steihen die Himmielsibuirgen in folgender 
Reihie. Ydalir, Täler des Eibenholzes, welches die Bogen 
liefert, wo Uli, Sifs Sohn, Thors Stiefsohn, wohnt. Alfheim, 
Elfenwelt, wo F/reir, Njords Sdhn, wohnt. Walaskialf, Walas 
Luftfeste, mit Silber gedeckt, Wohnung Walas, woselbsit 
auicäi Odins Hochsitz Hlidskialf erbaiut war,' der die ganze 
Welt übersdhaute. 

Soeokwabeck, Bach der Tiefe, von kalten Wassern um- 
rausdht, wo (>din und Saga aus goldenen Gefäßen trinkein. 
Gladsheim, Freudenwelt, auf dem Idafeld, einem Erholuiigs- 
otrt der Äsen, in dessen reizender Ebene isie ihre Gastmahle 
und Kampfspiele mit den Einheriern, den erschlagenen Hel- 
den, feiern, die zui Odin kommen und in Walhalla, einem zu 
Gladsheim gehörenden Palast, selige Tage verleben. Thyrm- 
heim, Donne/rwelt Breidablick, die Weitglänzende, die herr- 
lichste der Himmielsburgen, Balders Aulenthalt. Himinbiörg 
(Himmelsberg) an dier Brücke Bifröst, die Wohnung des 
weisen Wächters Heimdall, der wegen seiner Schlaflosig- 
keit lUind seiner wunderbar geschärften Sinne ganz dazu ge- 
eignet ist. 

Folkvang (Volkanger), wo Freia wohnt, mit dem Saal 
Seissrymni, wo sie die Hälfte der gefallenen Helden auf- 
nimmt. 

Glitndr (Glänzer), die Wohnung Foirsetis, des Vorsitzenden 
Richters. 

Ashavahista, siehe Amschaspands. 

Asia, (gr) (Klymene) Tochter des Okeanos und der Thetys; 

— •47 — 



von Japeitos Mutter des Atlas, Prometheus und Epimetheus. 

A«in, Asinnen, siehe Gerda und Freyja. 

Asios, (^r) Sohn des Hyrtakos (Dymas), Bruder der 
Hekabe. Vater des Adamas. 

Ask, (nard) (AskrT Esiche), siehe Embla. 

Askalaphos, isr) Sohn des Ares und der Aslyoche. 

Askalos, (gir) Sdhn des Hymäneos und Bruder des Tantalos. 

Askanios, siehe Ascaniuis, Sohn des Äneas und der Kreüsa 
(oder der Lavinia). Auch Jiulus genannt, siehe trojanischen 
Krieg-. 

Asklepien, Fesite zu Ehren des Asklepios. 

Asklepios, (lat Äskulap), Gott der Heilkunde. Sohn des 
Apollon und der Koronis, der Tochter des Lapithen Phlegyas, 
zu Lakeria oder Trikka in Thessalien geboren. Vater der 
Hy^ieia. Apollon brachte das neugeborene Kind 
zum Kentauren Cheiron, welcher es aufzog und be- 
sonders in der Heilkunde unterrichtete. Asklepios soll von 
Athene das auis den Adern der Gorgo igeflossene Blut 
erhalten und teils zum Verderben, teils zum Wiederer- 
wecken der Menschen, zum Beispiel des Hippolytos, Kapa- 
neus, Tyndareius, Hymenäos, Glaukos etc. angewendet haben. 
Eine Schlange soll Asklepios ein wiederbelebendes Kraut 
gezeigft haben. 

Da Zeus fürchtete, die Menschen würden durch 
Asklepios dem Tode entzogen werden, erschlug er ihn 
mit dem Blitz- Seine Tochter ist Hy:gieia. Beiname jisit 
Soter und Omphalos. 

Askr, (nord) „EsChe'', siehe Embla und Ask. 

Äskulap, siehe Asklepios, Salus, Imhotep, Hippolytos 
und Panacee. — 

Aslang, Tochter Sigurds oind der Brunhild, die Stammutter 
der norwegischen Könige. Ihr Haar glänzte wie Gold und war 
so lang, daß es sie umhüllte. Sie wuchs als eine Art 
Aschenbrödel heran, bis Ragnar-Lodbrock sie heimführte. 
Von ihrem . Sohn, Sigurd Schlangenauge, entstammte, als 
Tochter Ragnhild, die Mutter Harald Schönhaars, des ersten 
Allein'herrschers von ganz Norwegen. Ihr Sohn Ivar gründete 
London. — Er ließ sich vom König Ella soviel Land ab- 
treten, als eine Ochsenhaut reicht, zerschnitt dann leine 
solche in kleine Riemen und umspannte damit einen zur 
Anlage einer Burg nötigen Raum. (S. Dido, die Gründerin 
Karthagos.) 

Asopos, Fluß im Peloponnes. Der Flußgott Asopos ist 
bekannt durch seinen Kampf mit Zeus, als dieser ihm 
seine Tochter Ägina entführt hatte. Auf Anraten des 

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Sisyplhos wollte Asopos dien Olymp stürmen, allein Zeus 
wetteirte ilin in siein Bett zurück, wo tman seithier Kohle 
findet. Vater der Antiope. 

Ason, (gir) Vater des Jason. Siehe Pelias. 

Aspalis, (ig'Y) Tochter des Argäos. Sie erhängte sich, weil 
Tartaros, der Tyrann, ihr Ungebühr liches zumutete und ihr 
Bruder Astyjgites in ihren Kleidern sich zu ihm führen ließ, 
um ihn ziu erstechen. 

Aspledon, (gir) Sohn des Poseidon und der Nymphe Mideiä. 

Assarakos, (g'r) Bruder des Ilios, s. d. 

Astarte, phönikische Kriegsgöttin, das weibliche GegenbEd 
der Baalitis oder Asdhera. Jungfräulich, der Zeugung feind- 
lidh. Sie ireitet auf einem Stier oder :auf einem Löwen, mtit 
einem Speer bewaffnet. Ihre größte Ehrung bestand in der 
Selb'stentmannung ider Priester. Siehe Dido. 

Asteria, (gr> Todhiter des Titanen Krios (Koios) und der 
Titanide Phöbe, Schwester der Löte, Mutter der Hekate. — 
Sie hat sich, um der Liebe des Zeus zu. entgehen, in einiQ 
Wachtel verwandelt ond ins Meier gestürzt 

Asterides, (gir) Sohn des Ägyptos, der von der Danaide 
Chirysathemis getötet wurde- 

Asterodeia, (gt) eine Nymphe, siehe Absyrtos und Äetes. 

Asterope, fer) (1) Todhter des Flußgottes Kebren. — 
(2) eine Okeanide- — (3) eine Pleiade. — (4) (Sterope), 
Todhter des Kepheus, die von Herakles eine Locke der Gar,gio 
eirhielt. 

Asteropeia, (gr) Tochter des Pelias; sie schlachtete mit 
ihren Schwestern den Vater. 

Ästinome, siehe Chryseis. 

Asträa, (g,r). Belohnerin des Guten, siehe Dike. — = 

Asträos, (gir) (1) Sohn des Titanen Krios ,und der Eiuirybia, 
Bruder 'des Pallas und Perses. Er zewgte knit der Eos den 
Argesites, Zephyros, Boneas, Notos, den Heosphoros und die 
Gestiime (Morgenstern u. a.). — (2) ein Gigant, Sohn des 
Tairtaros uind der Gäa. — (3) Sohn des Po- 
seidon, der seiner Schwester Alkippe, ohne sie zu 
kennen, Gewalt antut und sich dann in einen Fluß stürzte, 
der nach ihm benannt ward. — (4) siehe Hesperos. 

Astris, (gr) Tochter des Helios. 

Astyanax, (gr) Beiname des Skamandrios, des Sohnes des 
Hektor und der Andromaiche. Mitbeifründer Roms. Siehe 
Neioptolemos. 

Astydameia, (ffr) (1) Tochter des Dolopper Königs Amyn- 
tor, von Herakles Mutter des Tlepolemos. — (2) Gemahlin 

— 49. ^ ' 4 



d^esrAkaS-fcos.i — ^ (3) Todhter des Strophios. — (4) Tochter des 
Pelops, Oemamin des Alkäos, Mtttter des Amphitryon. 

Astymedusa, Toctater. dies Sthenelos. Mit Ödipuis als zweiten 
Gattein vermählt, verleumdiet sie ihre Stiefsöhne, daß sie 
ihr jnadistellten, weshalb er sie verfluibhte. » 

Ästynome, Tochter des Talaos, Sdiwester des Adrastos. 

Ästynomos, Sdhn des Priamos, von Achilletis geitötet. 

Astyoche, Töchter des Phylas. 'Herakles zeugte mit ihr 
den Tlepolemos. 

Astyochos, (1) Sohn des Äolos. — (2) Begleiter des Theseus 
im Amazonenkampfe. 

Atalante, (Artemis in Gestalt einer Nymphe, siehe Peleus 
und Meleagros). Ihr Liebhabeir wair Hippomenes. 

Ate,* (gr) „Unheil". Tochter des Zeus und der Bris. Die 
personifizierte Lust am Sidhaden. Die Litä (Abbittien) wandeln 
hinter ihr her und trachten alles wieder igiutzumaöhen, was 
sie geschadet. 

Athamas, Sohn des thessalisdien Herrschers Äolos und der 
Enarete, Bruder des Sisiphos, Herrsidher von Ordiomenos. 
Zuerst mit Nephek, der Wolkengöttin, vermählt, die ihm 
Pfixos und Helle gebar, wird e\r von derselben verlassen, 
da er mit der sterblichen Ino, der Toch;ter des Kadmos, 
eine Verbindung' eingeht, die ihm dem iVleJikertes gebar. 
Die dritte Gemahlin war Themiisto. 

Nephiele ieritführt ihre Kinder, ' als sie geopfert werden 
sollten, auf einem göldvließigen Widder durdii die Lüfte. 
Auf der . Fahrt stürzt Helle ins Meer, , das den Namen 
Hellespont Erhielt. 

Später soll Athamas selbst vom Volke dem Zeus-Laphystios 
geopfeirt werden. Da erscheint Phrixos Sohn, Kyttissoros, 
und rettet ihn durch die Kunde, daß Phrixos in Koldhis 
nodh lebe, lädt aber dadurch den Zorn des Gottes aiuf seine 
Nadhkommen, denn fortan ward der Erstgeborene des Ge- 
sidhledhtes geopfert. Darauf traf Athamais und seine Familie, 
"der Groll der Hera, weil Ino den Dionysos, den Sohn ihrer 
Schwester Semele, erzogen. In Wahnsinn versetzt, tötete or 
den einen seiner beiden Söhne, Learchos, welchen er für 
einen Hirs'dh hielt, imd Ino stürzte sich imit dem anderen, 
Melükertes, ins Meer. Dieiser wird zum Schiffergott Paläraon, 
sie zur Göttin Leukpthea. 

Ätharwan, siehe Weda. 

■Athene, Pallas AHhene, die ewig -jungfräiuliche Tochter des 
Zeus (Parthenps, Jungfrau) ohne Mutter, sie entsp'rang aus 
deni Haiipt des Göttervaters, oder sie isifj aus einer Wolke 
hervorgegangen, oder nach ihrem Beinamen Tritogenia, das 

— 50 — 



heißt, die aus der rauschenden Fluit Entsprossene. Ihrer ur- 
sprüngrlidhien Bedeutung nach ist sie die joingf raulichie Tochter 
dies Himmelsigottes, des lidhten Äthers, Sie gebie,tet über 
Blitz und Donner. Sie spendet aiU'dh Licht und Wärme, 
daiher der Beiname Alea und Skiras. Sie gibt den. be- 
fru'dhtendeh Tau, sie schützt und fördert den Ackerbau. 
Ihre Pfleglinge sind Erechtheus und Erichitihoaiios. \ 

Die Haupttätiigkeit deir Alfhiene liegt in den Werken des 
Firiediens, Siie fördert das Gedeihien dar Kinder, sie ist die 
Verleiherin der Gesundhieit und Sühirmerin des Staatswesens 
(Athiene Polias, Poliuchos). Weitere Beinamen: Itonia, 
Panachiais, diann Ergane (Künste). 

. Sie ist vorne-hmlich. die Göttin der Weaslnedit, und so ssteiht 
sie idiem gesamten geistigen Leben vor. Aui:?hi Rosselenkerin. 
Sie hat zum Beispiel de;m Bellerophon den Peigasius zu zügeln 
gelehrt. — Siebe auidh Eris und Erginos, Erechtheus, 
Soteira etc. — (Entspricht der römischen Minerva.) 

"Äthra, (gr) Todhter des Königs Pitheus. . Als dritte (je- 
maMin des Ägeus (oder von Poseidon) Mutter des Theseus. 

Atlantiade, Name des Hermes und des Hermapliiroditus, 
als Nadhkommen des Atlas. 

Atlantiden, Name der Pleiaden als Töchter der Atlas. 

Ätiopen, sielie Emathion. 

Atlantis, ein. fabelhafter Inselkontinent, der dein jetzigen 
Atlantischen Ozeaii eingenommen haben soll. 

Die platorüsdhe Atlantis wird, mit Midgard in Zusammen- 
hariig gebracht und jenes mächtige Reich' wird im Norden 
in Asien gesuchjt. 

; Atlas, (gr) Sohn des Titanen Ja.petos und der Okeanide 
Kl'ymene. Bruder des Menötiös,, Prometheus und Epimetheüs. 
Er hat mit der Äth/ra zwölf Töchter, dann den Hyas. und 
Hesperos, umd mit der Peione die Maja gezeugt. Auch die 
Pleiade Merope üind die Nymphe Kalypso sind seine Töchifcer. 
Siehe Hyaden. 

T>er Unheilsinnende, der die Tiefen des Meeres kemuit, und 
die großen Säulen, die Himmel und Erde auseinanderhalten, 
unter Aufsicht hat. Zur Strafe für seine Beiteiligung am 
Titanenkampf muß er, von Zeus gezwungen, stehend, den 
breiten Himmel auf dem Haupte tragen, unterstützt von den 
unerrnüdlichen Händen. 

Aetna, eine Nymphe, siehe Paliken. 

Ätos, (gr) ein Knabe, in den sich Hera verliebt hatte lünd 
der in einen Adler verwandelt wurde. 

Atreus, (gr) Sohn des Pelops, König von Elis, und der 
Hippodameia, älterer Bruder des Thyestes. Mit diesem 

— 51 - 4* 



brachte Atr€;us auf AnstMten der Hippodameia seinein Stief- 
birudier Chrysippos lum, flüchtete " vor dem Zorn des Vaters 
nacih Mykenä zurni König Sthenelos und erhielt, als dessen Sohn 
Eurysteus \gegen idie Herakliden gefallen war, die Heirrschaft 
über Mykenä. — Die Brüder pflanzten den Fluch, der auf 
ihrem Stamm ruhte (siehe Tantalps und Pelops) fort. Thyesites 
verführte seines Bruders Gemahlin Aerope luind wurde ver- 
bannt. Um sich zu irächen, sandte er des Atreius Sohn, 
Pleisthenes, den «r geraubt und als sein Kind erzogein, 
zur Ermordung des A. aus, allein Pleisthenes ward 
von dem ihn nicht kennenden Väter getötet). Aufgeklärt über 
den Finevel des Bruders und die eigene Tat, versöhnt sich 
Atreuß zum Schein mit Thyestes, und ' dessen Söhnen 
tötet diese ;uind sietzit ihr Fleisch dem Vater als Speise 
vor, wovon diesier ahnungslos genießt, bis er an den ihm 
gezeigten Extremitäten seine Söhne erkennt. Das ganzie Ge- 
schleicht der Pelopiden verfluchend, entweicht er darauf zum 
König Thesp'rotos in Epiruis. Atreus aber heiratet, ohne 
deiren Herkunft zu wissen, die Pelopia, des Thyestes .Tochter, 
welche, schon von üiirem Vater schwanger, bald darauf den 
Ägistos g^ebar. Dieser, von Atreus erzpgen, SiOllte auf dessen 
Befiehl später den Thyestes töten. Allein von seiner wahren 
Abkunft unterrichtet, wandte er das Schwert, womit kurz vor- 
her Pelopia ihre Blutsidhande gesühnt hatte, gegen Atreus 
und gelangte so mit Thyestes zur Herrscfhaft Mykenä. 
Atreus' Söhne Agamemnon und Menelaos (Atriden genannt) 
flohen nadh Sparta. 

Atriden sind Agamemnon und Menelaos, Söhne des Atreus. 

Atropos, eine der Parzen oder Mören (die Unäbwendbare,- 
die den Lebensfaden abschneidet). Siehe Parzen. 

Atys, (1) Geliebter der Kybele. — (2) Sohn des Manes, 
König der Mäonen, Vater des Lydps und Thyrrhenos, "Stamm- 
vater ider lydischen Könige (Atyaden). — (3) Sohn des Lydier- 
königs Krösos, dem ein Traumgesicht verkündete, daß sein 
, Sohn an einer Eisenspitze umkommen werde: Tatsächlich 
virurde er als Jüngling bei einer Jagd von seinem Begleiteir 
Adrostos durch einen fehlgehenden Wurfspieß getötet. 
Adirostos, vom König begnadigt, tötti sich selbst am Grabe 
des Atys. ^ 

Audhumbla, (noird) siehe nordisiche Mythologie und Bure. 

Auge, (gr) (Glanz) Tochter des Aleos und der Neära. eines 
Königpaares zu Tegea in Arkadien. Sie war Priesterin der 
Athene. Von Herakles Mutter .geworden, verbarg sie ihr 
Kind im Tempel. Als die Göttin deshalb Unfruchtbarkeit 
über das Land verhängte, wurde das gefundene Kind aus- 

— 52 — 



gesetzt. (Siehe Telephos). Nauplios sollte die Auge ins 
Meeir werfen, doch führte e,r sie, gerührt von ihrer Schönheit, 
zu König Teuthras, der sie als Tochter 'annahm. Ihr mittler- 
weile heirangewaichsemer Sohn Telephos half gelegentlidt 
eines Krieges dem König Teuthras. Dieser verspricht ihm 
diafür seine Pflegetochter und das Reich. Als sich aber 
, herausstellt, daß Auge seine eigene Mutter ist, bringt sie 
Telephos in die Heimat zurück. 

Nach eineir andenen Sage soll der Kasten, in welchem 
Aleos, Auge und Telephos ausgesetzt hatte, an die Küsrfie 
von Mysien getrieben worden sein, wo Teuthras sie zuir 
Frau nahm. ^ 

Augeias (gr) (Augias) König der Epeer in Elis, Sohn des 
Phorbas und der Hyrmine, oder des Helios oder auch des 
Poseidon mit einer Nymphe. Er hat am Argonautenzsug 
ehrenhaft teilgenommen. Er scharte viel Reichtümer um 
sich, unte.r anderen 3000 Pferde, Rinder, deren Mist sich 
aufhäufte. Eine der zwölf Arbeiten, die Eurystheus dem: 
Herakles auferlegte, war: den Stall in einem Tag zu reinigen, 
was ihm gelang. 

Da ihm aber Augeias dien Lohn nicht biezahlte, überzog 
er ihn mit Krieg, wobei Augeias und seine Söhne Eurytoä 
und" Agasthenes getötet wurden. Das Reich erhielt der allein 
übriggebliebene Sohn Phyleus. 

Augiasstall, große Unordnung, siehe .Augeias. — 

Augurn, bei den Römeirn Priester, die aus allerhand ver- 
meintlidien Anzeichen, wie - Flug der Vögel, Doinner, 
Blitz etc. die Zukunft weissagten. 

Aulis, Flecken der Tanagräer im alten Böotien, wo die 
giriechische Flotte sich zur Fahrt gegen Troja lunter Aga- 
memnon . versammelte. In dem dortigen Tempel der Artemis 
sollte Iphigenia geopfert werden. 

Aura, (gr) Toi^hter des Titanen Lelantos und der Periböai. 
Geliebte des Dionysos. Bei ihrem Tode, wurde sie in edine 
Quelle verwandelt. 

Aurora, (It) Göttin deir Morgenröte, siehe Eos. 

Aurora - muisis - amica, das heißt. Die Morgenröte, ist den 
Musen hold. 

Autochthon, siehe Gäa, Ogyges (Ogygos) und Kekrops. 

Autolykos, (gr) Sohn des Hermes, mütterlicherseits Groß- 
vater ides Odysseus, wohnte am Parnass. Erzdieb lund Be- 
trüger. Dem Sisiphos stahl er Schafe, dem Euböa Rinder, 
dem König Amyntor den berühmten Helm, den später vor 
Troja Meiones besaß. Seine Tochter ist Antikleia, die Gemahlin 
des Laeirtes und Mutter des Odysseus. 

— 53 — 



Automate, (gr) (1) eine Danaidie, die ihren Gatten, den 
. (Ägyp.tiden) Buisiris, tötete. — 

Automatia, (®r) Beinamie der Työlie. 

Autonoe, Todhter des Kadmos und der Harmonia., 

Aventiure, (Brau Aventiure), ein weiblidhes Wesen von 
wunderbarer Sdhönheit und Madit, das sidh mittelsit eines 
Ringes unsi'dhtbar machen konnte. Freuodiri. der minne- 
ilreuidigen und streitbaren Jugend. Die Muse des imittel- 
alterlidhien Dichters. 

Axioche, (gr) siehie Ghrysoppos. 

Auxo, (gir) (1) Tochter dies Zeus (Und der Themlis, eine der 
Hören. — (2) Eine dei- Chariten. 

B 

Baal, (Bei, „Herr") Hauptgottheit der sem. Völker, Fürst 
(Leuidhte) der (Götter, Herr lutid Ordner des Alls. Personifika- 
tion ider wohltuenden Kraft der Sonne. Die Midianiter und 
Amalekiter .verehrten ihn auf dem Horeb lund Sinai, die 
Moabiter auf dem Berig Peor, die Phöniker auf dem Karmel 
uind die Kaaniter auf dem Hermon. Die Mylitta ist ein 
weibliches Seitenstück: bei den Phönikern hieß sdie Baaltas 
odör Aschera. Die lebensfeindliche Naturkraft, der Gott 
deir Sonne in ihrer verderblichen GeWalt heißt Moloch, 
dargestellt: Königstracht, die Tiara mit Stierhörnern ge- 
schmückt. Später flössen Baal und Moloch in eine Person 
zusammen: Melkart. 

Baaltis, oder Baaleth, (Aschera), ein weibliches Gegenbild 
wair Astarte, siehe A. Mylitta. 

Baba, (slaw) die Alte, ursprünglich eine Gewittei'hexe, 
des ' Teufels Großmutter. Wird ähnliich der Fraui Holle 
als ein kleines, häßliches, altes. Weib mit ungeheiuerer Nasie, 
langen Zähnen uind zerzaustem Haar, in einem eisernen 
Mörser durch die Luft fliegend, dargestellt. 

Babylon, Sohn des Belus. Gründer von Babylon. 

Bacchanalien, Baodhusfieste in Rom, oft von wildester Aus- 
gelassenheit. — Ausschweifende Lustbarkeiten. 

Bacchanten, Bacdhus- oder Dionysos-Priester, Teilnehmer 
an den Bacchanalien. (Baedhantininen, s. Mänaden.) 

Bacchus, Dionysos. ^ 

Bakis, (gr) Name mehrere Seher. (Prophet.) Am bekann- 
testen .war der erste und ältesfte aus Eleon, der Orakel 
erteilte, die durdh die Ereignisse der Perserkriiege über- 
Tasdhende Bestätigung fanden. 

Balder, (noird) Baldr, Baidur.'- Sohn Odins und *der Frigg, 
(siehe Wali). Der Gott der Reiriheit und deir Unschuld. Der 

— 54 — 



genedhteste RiiChter. — Die weisseste Blume -heißt „Balders 
Braue", sein Palast Breidablik . (Weitglanz). Seine Qattiai 
war die sdhörie Nanna, die Toditer Nens, mit der erFörseti, 
den Gott der Geröditigkeit, zeugrfie. Er war lunverwundbaf, 
weshalb man nach ihm scherzweise schoß imd Steine warf 
etc. NiDr der tückische Loke teilte den Scherz nicht. Als 
Frau verkleidet, entlockte er der Frigg das peheimnis, daß 
die Mistel (Mistiltein) dem Balder schaden könne. Loke 
überredete dann den blinden Höder, dar mit 'der Mistel naich 
Balder warf und ihn tötete.. Auf Balders Schiff Hringhorn 
würde B. mit Nanna und seinem Roß verbi:<'iin.nt. - Odin und 
Frigg sowie die Walküren, Berg- lund Eisenriesen waren zu- 
gegen. Inzwischen hatten die Götter den schinellen Hermoder 
zur Hei hinabgesandt, um B. zurüokzübitten, worauf diesie ein- 
willigte, vorausgesetzt, daß ihto alle lebenden- und leblosen i 
Wesen beweinen würden. Alle weinten, schon wollten sie B. 
holen, als sidh herausstellte, daß ein Riesenweib namens Thökk 
(Vergeltuing ... es war Loke) nicfht . mitweinte. Und so blieb 
B. bei Hei. 

Balder wird bei Wettsöhießen gefeiert. Nanna stellit. das 
Blütenleben dar. Der eine der sogenannten Merseburger 
Zaubersprüdhe berichtet einen myth. Zug, wie Phol (das 
heißt B.) uind Wodan zu Walde ritten, dem Fohlen Phols 
der Fuß ausgerenkt ward, und der zauberloindige Wodan 
ihn dann einreoskte. (Besprechungsformel), siehe auch Forsetij- 
dann Hermoder wegen Hierauisgabe der Leiche Balders bei Hei. 

Bali, s. WisChnii. 

Basilisk. Basiliscus (Regulus — kl. König) eine bei den 
Alten fabelhafte Schlange, deren Zischen Tod bringt, ihr 
GifthaU'ch versengt Kräuter <\md Sträudier und sprengt jselbst 
Steine. Kann durch den Blick töten. Wächter von Schätzen. 
Kann durch den eigenen Anblick (mittelst eines Spiegels) 
getötet werden. 

Bateia, siehe Erichthonios. ■'. 

Batylus, (gr) der Stein, welchen Kronos statt des neur 
geborenen Zeus verschlungen und wieder ausgespien hatte. 
Bätylien heißen auch heilige Steine. (Meteorsteine). 

Baugi, (nord) eine Riese, Bruder des Suttung, welcher 
den' aus Kwasirs (C^uasir) Blut bereiteten, Dichtkunsffc ver- 
leihenden, Met besaß. Odin, der diesen zu erwerben wünschte, 
suchte den Baugi als Wanderer Bölwerkr auf und brächte es 
dahin, daß ihm derselbe „zu drei Zügen" verhalf. Diese 
drei leerten aber die drei Gefäße, worauf Odin, in Adler- 
gestalt djavonflog und in Asgard den Met in die voni den 
Äsen bereitgchaltenen Gefäße spie. 

— 55 — 



Baukis, fer) Sie war die GemaMin des Philemon. In ihrer 
dürftigen Hütte hatten Zeus und Hermes, als sie einst 
als Mensdhen auf Erdien wandelten, gastliche Aufnahme ge- 
fuindien. Das Paair wurde später in eine Liinde und Eiche 
verwanden Allgemeine Bezeichnung des alten, regsamen 
Mütterleins. 

Beel, babyl. Gottheit. 

Beelsames, Sonnengott bei den Phöniziern. 

Bei, Baal. 

Belle, ein Jäger, siehe Ortnit. — 

Bellerophon, Belleirophontes, Beiname des Hipponoos, der 
diuirch Glau3iOs Enkel des Sisiphos, oder Sohn des Posei- 
don war. 

-Er tötete auis Versehien den Korinther Belleros (oder 
seinißn Bruder), mußte deshalb flüchten und kam zum König 
Prötos, diessen Gemahlin, Antheia (Stheneböa), zu ihm 
in sträfHdher Liiebe entbrannte, und klagte ihn, da er 
ihr nicht ^lefügig war, ■ bei ihrem Gemahl eines Angriffs 
auif ihre Tugend an, worauf er ihn (auf gefährliche Abenteuer 
auissandte. Bellarophon tötete zuerst mit Hilfe des von 
ihm gezähmten Pegasos, (siehe Athene) die feuerspeiende 
Chimäre, besiegte dann die Amazonen. Der Lykier Jobates 
erkannte in Bellerophon einien Helden göttlicher Abstammung 
umd machte ihn zum Mitregenten und Eidam. An der Anteia 
a-äidhte sich Bellerophon insoferne, daß er ihr liebeheuchelnd 
überredete, den Pegasos zu besteigen und stürztfe sie dann 
ins Wasser. Später ritt er übermütig mit Hilfe dies Pegasos 
zum Olymp, weshalb ihn Zeus vom Roß warf. Er wurdie 
lahm undi blind und irrte, den Göttern verhaßt, die Men- 
schen meidend, bis zu seinem Tode umher. Siehe Sarpedon. 
Oper: „Bellerophon" von Sacrati und „Bellerophon und 
Jobates" von Keiser. 

. Bellona, Kriegsgöttin der Römer (gr. Enyo entsprechend) 
Schwester oder Gattin des Mars. — Die (asiatische ßellona 
hieß „Ma". S. d. und Eris. 

Belos, (gr) Sohn des Poseidon und der Libya, Bruder des 
Agenor, Vater der Ägyptos und Danaos; von Anchinoe. 
Vater des Phineus, Kepheus, Phönix. Siehe Dido, Anna 
Parenna und Pygmalion. War ursprünglich Nationalgott der 
Semiten. 

Belus, Bei, Baal, wird mit Belos identifiziert. — 

Beiidis, Thrakische Mondgöttin. Sie hatte die Madhiti über 
Himmel und Erde, mit der griechischen Artemis, Hekate 
und Persephone identifiziert. Der Name wird als „leiuch- 

— 56 — 



tende" Frau gedeutet, gleic^hbedeutend mit Vanadis, einem 
Beihamen der nordisidhen Freia. 

Berchta, al-thoclideutsch : Peraihta, die Glänzende, die himm- 
lische, sonnen- und regenspendende Wolkenfrau, des Sturnir 
gO'ttes Wodain Gemahlin (also eine Erscheinuing'sform der 
Freia). Selbst Spinnerin, wie Frau Holda (ein anderer Name 
füir Freia) adhützt sie die entsprechende weibliche Hand- 
arbeit und als Herrin über Wolken und Wind, fördert sie- 
das Gedeihen der Früchte. Ahnmutter berühmter Geschlech- 
ter, so auiüh in der Karolingersage, wo ihr als Wahrzeicihen 
ein eigentümlich großer Fuß (Schwanenfuß der Freia). bei- 
gelegt wird. 

Wie Frau Holda, hütet sie die Seelen aller ungeborenen 
(un,getauift vetrstorbenen) Kinder (Heimidhien, Wichtlein ge- 
nannt). Sie ersidheint als grauköpfige Alte, die artigen Kiln- 
dern Geschenke bringt, bösen den Leib a.ujfschneidet, um 
ihn mit Häckerling zu füllen. S. Truden (Druden). 

Besä, (ä) zweirgfhafter, verkrüppelter Gott, miit einem 
Panitherfell bekleidet. Hohe Federkrone. — Gott der Kun&t, 
des Gesanges und Tanzes, dann der Freude und Entbindung*. 

Bhaga, (ind) „Anteil", siehe Adit ja. 

Bhrigu, weidisdhe Halbgötter, die das von Matärigiwan 
iClmpfangene Feuer den Miensdhen bringeji. 

Bia, (gr) Todhter des Pallas und der Styx, Biegleitedn 
des Zeus, Schwester des Zelos und der Nike. Sie nennt 
sich „die Gewalt". 

Bias, (gr) „der Bezwinger^' Sohn des Amythaon, Bruder 
des Metlampos. 

Bifröt, eine Brücke, s. Heimdall. 

Bikki, der Begleiter des Randwers, siehe Jormunrekr. 

Bil, (nord) ein Mädchen, welches Mani (der Mond) nebst 
ihrem Bruder Hiuki, als beide nach Wasser zu dem Brunnen 
Byirgir gegangen waren, und den schweTen Eimer auf ihren 
S\cihultern trugen, aus Mitleid vom Erdball zu sich in 
den Himmel erhoben wurden, wo man sie von der Erde^ 
aus sehen kann. 

Man deutet diese Sage aiuf die Flecke im Mond, welche 
der deutsche Volksglaube für einen Holzdieb hält, der am 
Sonntag Holz gestohlen und zur Strafe dafür in den Mond 
veirwünsdhS wurde. (Der Mann im Mond). 

Bilit, siehe Mylitta. 

ßilwiz, (deutsidh) siehe deutsche Mythologie. 

Biterolf, siehe Etzel. 

Biton, Bruder des Kleobis, s. d. 

Bjes, „finstere Madit", siehe slawische Mythologie. 

— 57 — 



1 

Blocksberg, im Volksmund Name des Brockens, als der 
Viersammlungsstätte der Hexen in der WalpurgisnaidhÜ. 

Blödel, s. Daukwart. • 

Blondel, (Minstrel, das ist Sänger). Als König Ridiard 
Löweniherz (1193) von Herzog Leopold V auf der Feste 
Dürnstein, wo Hadmar 11. herrschte, gefangen war, er- 
sdhien eines Nachts der ihn in der weiten Welt suchende 
Minstrel Blondel vor dem Kerkerfenster und saing das Lieb- 
Mngslied des Königs. Bald darauf vernahm er &iuß deni 
Kerker, wie sein König mit der Absingung der zweaitea 
Strophe dieses Liedes sich zu erkennen gab, worauf dieser 
dann gegen ein hohes Lösegeld befreit wurde. 

Boedromios, (gr) ein Beiname ApoUons, der daher rührte, 
daß er den Athenern in ihrem Kampf unter Erechtheius 
gegen die Eleusinier den Sieg verschafft haben 6oll, ' mdeml 
er ihnen riet, den Angriff mit lautenj Schlachtgesdi'rei zu 
beginnen. 

Bölthorn, ein Riese, siehe nordische Mythologie. 

Bona Dea, (1) (rö) Tochter und Gattin des Fawnus, daher 
auch Fauna, Hulda oder' Faitua (Göttin- des Weissagens) 
genannt. An ihren Festen durften ausschließlich nur Fraitiein 
teilnehmen, selbst Bilder männlicher Personen oder Tiere 
wurden verhängt. Sie wird mit einer Sdhlange, dem Symbol 
der sprießenden Erd- und Heilkraft und der Weissagekunst 
dargestellt. — (2) (lat) Gute Göttin. Eine geheimnisvolle, 
auch als Maja (Großziehende) und Ops (Schöpferin) ver- 
ehrte italische Götter dar Fruchitbarkeit. 

Bonus Eventus, siehe Agathodämon. 

Bölwerkr, ein Wanderer, s. Baugi. 

Böotien, eine Landschaft in Griechenland, deren alter 
Name Aonia hieß. — Aonische Schwestern, wie iman die 
Musen nannte. — 

Bör oder Born, s. nordische Mythologie. 

Boreaden r das sind Brüder der Kleopatra: Zetes Und 
Kaiais, siehe Harpyien. 

Boreas, (gr) Nordwind, siehe Typhon (bei den Römern 
Aquilo oder Septentrio). Sohn des Asträos und der Eos 
(Sternenhimmel und Morgenröte), Bruder des Hesperos und 
Ze'phyros. Er entführte des athenischen König rErechtheus 
Tochter, Oreithia (da hatte er statt der Beine ^chlangen- 
schwänze), und zeugte mit ihr den Kaiais und Zetes (die 
Bpgenannten Boreaden), welche den Phineus von den 
Harpyien befreiten, sowie die Kleopatra, die spätere Gemahlin 
des Phineus, und Chione. S. auch Erichthonios und Eros. 

Bragi (tiord) Sohn des Odin und derFrigg. Gott der Bered- 

— 58 — 



sämieit tmd der Diditkunst Als Urheber der Skaldenkunst, 
die nach ihm Bragr genannt wird, warein ihm Zaiuberriinen in 
die Zutige eingegraben. Seine Gattin: Idun, die die zauber- 
haften Aepfiel der Jugendverleihiing verwahrt. — In B. 
dürfte Odin durch einen geschichtlichen Sängfeir des 8. Jahr- 
hunderts (Bra/gi der Alte, Boddis Sohn) in verjüngter Form 
in den Mythus aufgenommen sein. Bragis Becher, ein Trink- 
horn, das zum Andenken- gefallener Helden geleert wird. 

Brahma, (ind) (Triebkraft) Beter, aber auch Schöpfer der 
Welt. Abstrakte Begriffe der Welt. Der Charakter des 
obersten Gottes im indisichen Pantheon, der mit Wischnu, 
dem Erhalter und Siwa, dem Zerstörer, (siehe Trimurti) 
an der Spitze steht. Seine Gattin ist Saraswati. — Brahma- 
' nass, siehe Weda, Brahmanaspati, siehe Brüiaspati. 

Breidablick, siehe Asgard. 

Breysing, das ' Halsband der Freya, siehe Heimdall. 

Briareos, , „der Hundertarmige", siehe Hera und Zeus. 

Brihaspati, (ind) ,,Herr des Gebetes", Beschützer der 
Frommen. Seine Gattin ist di^e Tara. 

Briseis, (gr) Tochter des Briseus, König der Leleger, die 
Lieblingssklavin des Adiilleus (sie heißt eigentlidh Hippo- 
dameia (3). — '■ Als Gemahlin des Mynes wurde sie von 
Achilleus erbeutet, von Agarfiemnon entrissen, weshalb ersterer 
an^ Kampf nicht teilnehmen wollte. 

Britomartis, (gr) Tochter des Zeus, ehemals Nymphe, 

dann Göttin, mit der Artemis identifiziiert, deren Begleiterin 

sie ist. Von der Liebe des Minos verfolgt, sprang sie ins 

Meer, wurde aber durch Fischernetze gerettet (Diktyna). 

, Ihr Beiname ist Aphäa, siehe Dädalos. 

Brizo, (gr) Als Orakelgeberin hieß sie Brizomantie, Traum- 
deuterei. Sie wurde in Delos verehrt, wo man ihr Eßwaren 
in einen Kahn legte,' damit "sie Schiffern beistehe. 

Brotnios, (gr) Beiname des Dionysos, von dem schallenden 
Lärm, (bromos)" der Baochoszüge. , 

Broiitäcs, (gr) „Donnerer", Beiname des Zeus. 

Brontes, (gr) einer der Kyklopen. 

Broteas, (gr) (1) Sohn des Hephästos und der Athene. 
Er war so häßlich, daß er sich den Tod gab. — (2) Sohn 
des Tantalos, Bruder des Pelops und der Niobe. 

Brunhilde, Brünhilt (die mit dem Panzer Kämpfende) in 
der deutschen Heldensage Königin von Isenland, "Gemahlin 
Günthers, des Köni^ der Burg^unden. Feindselig gesinnt 
gegen Krimhild und deren Gemahl Günthers (ihren ehe- 
mali,gen Verlobten), dessen -Ermordung sie durch Hagen 
veranlaßt. Sie ist die ursprüngliche Walküre Brynhildr, die 

— 59 — 



we^n eines Vergeliens von Odin der Gottheit eintkleideP} 
und in Zaubersdilaf in einem Feiierbers^ versenkt wurde, 
aus dem sie dann Sigiurd (Siegfried) erweckte. Siehe 
Nibelungenlied. 

Bure, (nord) Großvater des Odin. Aus den (der Gl'utwelt 
(Muspel'hieiim) zutreibenden Eisschollen (durch die NifUieamtS 
Brunnen Hwergelmir entstürzenden und zumachst erstarrenden 
zwölf Ströme in Bewegung gesetzt) ertauften der Riese Ymir, 
der Ahn der Hrimthursen, der Hauptfeinde der Äsen, und die 
Kuli Audhumbla, aus deren Euter vier Mikhströme rannen, 
wovon sieb jener ernährte. Die Kuh beleckte die salzigen 
Eisstücke, worauf Menschenhaare hervorkamen, darin eines 
Mannes Haupt und schließlich der ganze Mann und dies war 
Bure. • : ' ^" r ~; ['^1 

Sein Sohn heißt Born, durch den er Großvater des Odin, 
Will und des We ward. 

Busiris, siehe Epaphos. 

Butes, siehe Erochtheus. 

Buto, (1) (ä) die gefeiertste Orakelgöttin Ägyptens. Sie 
entspricht der Leto, Latona. Als Pflegemutter des Horus und 
der Bubastis, der Kinder des Osiris und der Isis, rettete sie 
den Horus vor dem verderbendrohenden Typhon auf die 
schwimmende Insel Chemnis, wo sie als Göttin verehrt 
wurde. Ihr Symbol war die Zieselmaus. Ursprüngliidi hieß 
sie Uti für Unterägypten wie. Necheb 'für Oberägypten. — 
(2) (gr) Sohn des Boreas. Er stellt seinem Stiefbruder 
Lykurgos nach, sein Verrat wird erkannt. Er flüchtet nach 
Naxos, nimmt es ein und lebt von der Plünderung der Vorbei- 
fahrenden. 

C. 

Caca, (gr) Schwester des Cacus, dessen Diebstahl sie ver- 
riet, weshalb sie göttlich verehrt wurde (dürfte mit der Vesta 
identisch gewesen sein). 

Caculus, italischer Heros, erzeugt von einem Funken, der 
vom Herd (Vulkan) der Schwester der Divi Fratres Depidii 
in den Schoß fiel, ward ausgesetzt und von Jungfrauen ge- 
funden, wuchs wie Romulus unter Hirten und Räubern auf 
und gründete die Stadt Präneste. Bei Versammlungen be- 
wies er seine göttliche Abkunft, indem er durch ein Feuer 
die ganze Versammlung umleuichtete. 

Cacus, (rö) ein Räuber, der von Herkules getötet ward. 
C. stahl eines der Rinder des Geryon und schob ihn .. 
in ein Felsenlo-ch, das er mit einem Felsblock verstelltevi 

— 60 — 



Seine Sdiwester Caca aber verriet den Diebstahl und 
Cacus wuTde ersdilagen. Siehe Heraikles. 

Canens, (rö) „die Singende", Tochter des Palaiin und der 
Venilia, eine schöne Nymphe mit wundervoller Stimme, Gattin 
des Launenterkönigs Picus. Kirke erblickte einst Picus bei 
deir ysLgd und entbrannte nach ihim, lockte ihn in Gestal|ti 
■eines Ebers tiefer in den Wald und weil er seiner Gattäin 
treu verblieb, verwandelte sie ihn in einen Specht. Sechs Tage 
lang su±(te ihn Canens, bis sie niedersank und, ein letztes 
Lied singend, sich in Lutt auflöste. 

Caprotina, Beiname der Juno. 

Cardea, (r) Göttin, siehe Carna. 

Cärmenta, Nymphe, siehe Evander. 

Carna, (rö) (Cardea), Beschützerin der Kinder und der 
Türen. Janus gibt ihr den Weißdorn als mächtigen Zaiuber. 

Centauren, siehe Kentauren. 

Cerberus, siehe Kerberus-, 

Ceres, „die Schaffende", siehe Arval. Altitalische Göttin 
des Ackerbaues, die mit der griechischen Demeter ver- 
st^himolz. (Cerealien, Gaben der Ceres.) Siehe auch Tellus. 

Chalkiope, Toditer des Äneas, Phrixos Gattin. Siehe auch 
Eurypylos. ' / 

Chamos, hebräii&ch Chemoach, Nationalgottheit der Moabiiber, 
im wesientlichen 'identisch mit Moloch. Nach jüdischer Sage 
wurde Chamos unter dem Symbol eines schwarzen Steines 
verehrt und selbst Salomo errichtete ihm eine Opferstätte, 
die erst Josias zerstören ließ. 

Chaos, (gr) „Kluft", eine gestaltlose Masse, Mutter der 
Nyx, Personifikation des Sdhlafes. Weder hell noch dunkel, 
nicht trocken, auch nicht feucht, nicht kalt, noch warmw 
Diese Masse bildet dann ein Ei, woraus ein Mannweib — 
Grund aller Dinge — ersteht, woraus geschaffen wurden: 
Feuer „Herkleitos" und Wasser „Thaies", Luft „Anaximenes" 
und die Erde. t 

Charis, (gr) „Anmut", Gattin des Hephästo. Siehe Chariten. 

Chariten, ^(gr) (lateinisch Grazien), Göttinnen der Anmut; 
zum Beispiel Charis, Aglaia, Euphrosine, Thaliia (deren Vater, 
ebenso wie bei' Aglaia, Zeus ist und Mutter: die Okeanos- 
tö.chter Eurynome). Weiters sind Auxo (Wachstumfördetin), 
Hegemone (Führerin), Kleta (Schall) und. Phaenna (Schimmer). 
Sie sind Dienerinnen der Aphrodite. 

Die durch die Anmut verklärte Freude, die geistigen Ge- 
nüsse der Muisik, der Tanz, die Kunst der Poesie und Be- 
redsamkeit. Sie sind auch Sinnbilder der Wohltat, des dank- 
baren Hinnehmens und der Vergeltung. Siehe Eurynome. 

— 61 — 



Charon, (gr) Soihn des Erebos und der Nyx, der greise 
Fälirmann der Unter well, der die Schatten der Toten über 
die Flüsse der Unterwelt setzte, wofür er einen den Taten 
bei der Beerdigung in den Mund gelegten Obolos erhielt. 
Weil er den Herakles, also einen Uebe riebenden, dennocli 
übersetzte, mußte er ein Jahr in Banden liegen. Er wa^d 
zum Repräsentanten der Unterwelt. V , 

Charybdis, (gr) ein wasserschlürfendes, den Schiffern Un- 
heil bringendes Ungeheuer, das alles hinabsdhlang, was sicih 
seinem Rachen näherte (Felsen). S. Skylla. 

Cheiron, (gr) Chiron, Sohn des Kronos und der Okeanide 
\ Philyra, der gerechteste der Kentauren, heilkiundig, Erzieher 
und Lehrer des Achilleus, Theseus, Diomedes, des Atäon, 
Jason und Aristäos. Siehe Apollon. Er bewohnte eine Höhle 
des Pelion. Seine Herkunft stellt ihn in einen Gegensatz 
zu den wilden Rosskentauren, die Ixion mit einer WolWe 
eirzieugt haben soll. Einstens heilte er dem Herakles eine 
vergiftete Pfeilwunde, mit dem Safte des nach ihm benanniteni 
Tausendgüldenkrautes (Centaurium). Seine Gemahlin ist 
Chariklo, seine Tochter Endeis, Mutter des Peleus. 

Chelidon, (gr) „Schwalbe", Tochter des Pändareos,Schwester 
des Aedon. Von Polytechnos, ihrem Schwager, geschändet, 
wird sie von Artemis in eine Schwalbe, verwandelt. 

Chelone, (gr) „Schildkröte", eine Jungfrau, die, weil sie 
bei der Vermählung des Zeus und der Hera nicht erschien, 
von Heirmes in eine Schildkröte verwandelt wurde lund ver- 
uirteilt ward, stets ihr Haus auif dem Rücken zu itragen. 

Chem, (ä) Ckemnis, Chembis, später auch Min. Gott erster 
Ordnung, und zwar der Zeugung unter dem Sinnbild des 
^Bo ckes. Zwei hohe Federn auf dem Kopfe, in der Rechten 
eine Geißel. 

Ghensu, siehe Chonsr 

Chias, eine der sieben Töchter der. Niobe und des Amphion. 

Chimäre, (gr) ein fabelhaftes Wesen, halb Löwe, hinten 
Schlange, in der Mitte Ziege. (Feuerspeiend. Tochter des 
Typhon und der Echidna. Siehie Bellerophon und Pegasos. 
Ghymäre ist auch ein feuerspeiender Berg in Lykien.) 

Chione, siehe Eumolpos und Priamos (Tochter "des Boreäs 
und der Oreithia). 

Chios, (gr) Tochter des Apollon und der Agathippie. 

Chiron, siehe Cheinon. . ' 

Chloris, sielie Zephyros. 

Chnum, (ä) Chnuphis, Gott, genannt der Widderliömier, 
eine Form des Ammon. Herr der Ueberschiwemmungen 
oder Wasserspender, war ursprünglich Sonnengott, die be- 

— 62 — 



seelehde Schöpferkraft. Besonders an den Katarakten von 
Syene wurde er verehrt. Die Begleiterinnen waren die 
Kataraktengöttinnen Anukis und Satis. 

Chnuphis, (ä) Gottheit, siehe Chnum. 

Chon, (ä) dem griechischen Herakles entsprechend. Gott 
der Nilmündung. 

Chons, (ä) Sohn des Ammon und der Mut. Als ju|gend^ 
licher Gott wie Harpokrates durch die Seitenlocke aus- 
gezeichnet. Er ist wie Thot auch lunärer Gott und trägt 
als solcher den Monddiskos auf dem Haupte. > 

Chronos, die personifizierte Zeit. (Mit Flügeln versehen.) 
Urgrund aller Dinge. 

Chrysaor, (der mit dem goldenen Schwert), ein Ungeheuer 
dej- griechischen Mythologie, entsprang mit Pegasos aus dem 
Blute der Medusa von Poseidon. Er zeugte mit der Okeanide 
Kalirrhoe den dreiköpfigen Riesen Geryones und die Echidna. 
(Mächte des Qßwitters.) 

Chryse, s. Chrysieis, von Ares Mutter des Phlegias, Gattin 
des Dardanos. ' ^ ^ 

Chryseis, (eigentlidh Astynome) Tochter des ApoUon- 
priesters Chryses, wohnte am Fuße des Ida, wurde von 
den Griechen bei der Zerstörung von Thebes erbeutet und 
Agamemnon als Sklavin zugeteilt. Siehe Odyseus. 

Chrysippos, (gr) (1) Sohn des Pelops und der Nymphe 
Axioche, Halbbruder des Atreus und Thyestes. Laios, von 
Zethos und Amphion aius der Heimat vertrieben (Theben), 
wurde -von Pelops gastlich a-ufgenommen, wo er den 
Chrysippos liebgewann, unterrichtete ihn im >X^agenlenkein 
und entführte ihn in seinem Wagen nach Theben, wo sich 
Chrysippos aus Scham tötete. Pelops sprach über Laios den 
Fluch aus, wodurch alles Unglück über die Labdakiden 
kam. — (2) Sohn des Ägyptos, vermählt mit der Danaide 
Chry Sippe. , ■ 

Chrysomallos, (gr) der „Widder mit dem Goldfelle'", deir 
den Phrixos nach Kolchis trug. Er war ein Sohn des. 
Poseidon und kam von Hermes an die Nephele und von 
dieser an Phrixos. Sein Fell, das goldene Vließ, wurde von 
Äetes im Hain des Ares aufbewahrt und von dem Argonauten 
Jason entführt. 

Chrysor, ein phönizischer Gott der Schmiedekunst und der 
Erfindungen, wurde mit Hephästos identifiziert, hieß auch 
Zeus-MeiHchios. 

Chrysothemis, Bruder des Orestes, der Elektra und 
Iphigenia. 

Chton, siehe Chtonios. 

— 63 — 



Chthonios, (der Unterirdische) Beiname mehrerer ööttef, 
insoferne sie mit der Unterwelt oder Erdtiele (ChÜion) in 
Berührung standen, so des Pluton, des Dionysos (Erdfrucht- 
barkeit), des Hermes als Geleiters der Seelen in die Unter- 
welt. Auch' Demeter und Persephone führen diesen Namen, 

Circe, siehe Kirke. 

Ciris, (Keiris) Ti-tel eines la-t. Gedichtes, welches den 
Verrat 'der megarischen Königstochter Skylla an ihrem Vater 
Nisus und ihre Verwandlung in den Vogel Ciris, eine Art 
Möwe, behandelt. " . 

Cisa, eine alemanische Göttin, die nach mittelalterlicher 
, Tradition in Augsburg (Cisaris) verelirt wurde. Ernte. 

dementia, „Tugend", siehe römische Mythologie. 

Clio, Muse, siehe Kleio. 

Clölia, (rö) eine Jungfrau, welche mit anderen Mädchen 
dem König Porsena als Geisel übergeben, an der Spitze von 
jenen den Tiber durchschwamm und glücklich fu den Ihrigem 
gelangte. Von den Römern dem König wieder zurüdk- 
' 'geschickt, wurde sie von ihm freigegeben und erhielt über- 
dies die Erlaubnis, sich eini/ge andere Geisel miitzunehmen- 
Sie nahm die der Mißhandlung am meisten ausgesetzten 
Minderjährigen mit sich. 

Concordia, „Tugend", siehe .römische Mythologie. 

Cupido, lateinische Bezeichnung des Eros, gewöhnlidh Amor 
genannt, doch auch mitunter von diesem unterschieden, wie 
dies bei den Griechen bei Eros, Anteros, Heimeros der 
Fall war. 

Cynthia, Beiname der Diana. 

D. 

Dädala, (Schnitzbilder). Zeus hatte sich mit Hera über- \ 
worfen und ließ verlauten, er werde sich neu vermählen, 
ließ aber nur ein geschnitztes Bild mit . Braiitschmuck; 
kommen. Hera stürzte sich eifersüchtig auf die vermeint- 
liche Braut und versöhnte sich dann. 

Dädalos, Sohn des Metion und Urenkel des Königs Ere- 
chtheuß, Zeitgenosse des Theseus und Minos, der berühmteste 
Künstler der myth. Zeit. Er tötete aus Künstlerneid 
Sieinen Neffen Talos und floh' damin nach Kreta. Hier 
verfertigte er die Kuh der Pasiphae, erbaute einen Tempel 
der Göttin Britomartis sowie für den Minotaur das Labyrinth-, 
wird aber von Minos wegen der für die P.asiphae verfertigten 
Kuih mit seinem Sohn Ikaros in das Labyrinths gesperrt. Sie 
entflohen von da mittelst künsitlicher Flügel von Wadhs 
und Leinwand. Ikaros stürzte zwar in das (nach ihm benaamite) 

— 64 — 



Meier, Dadalos aber entkam nachi Sizilien zu König Kokalosi: 
Der ihn hieher verfolgende Minös wurde vom König oder 
dessen Töchtern in einem warmen Bade erstickt 

Er baute unter anderen noali: Wasserwerke und andere 
Bauten in Sizilien, die 'Dädaleen, den ApoUotempel lued 
viele andere. Siehe auch Perdix. 

Daduchos, Cgr) Fackelträger, Beiname der Mondgöttin 
Artemis, die die verlorene Tochter mit der Facfael suchehdß 
Ceres etc. 

Daeira» (gr) ein göttliches Wesen der eleusinisichen Ge- 
heimlehre, Tochter des Oiceanos (wird mit . der Persephone 
identifiziert). 

Dag, Cnor4)j j[.Dagr, „Tag") Sohn Dellings und der Nott 
(Nacht), ward von Altadr beauftragt, mit Pferd und Wagen 
jeden Tag die Erde zu 'Umfahren, wobei das Pferd Skinfaxi 
(Glanzmähne) Luft und Erde erleuchtete. — ^ 

Dagon, philist. Gott, Sohn der Schöpfung, der Macht und 
des Schicksals, auch der Saat imd des Ackerbaiues. Seine 
Menschengestalt endig1:e in einem Fischrumpf. S. DerketOj. 

Dakscha, Tüchtijgkeit, siehe Aditja. 

Damajanti, siehe Nala. 

Damasta, siehe Prokrustes. 

Damastor, (gr) Sohn des Näuplios, Vater der Peristenes, 
Groüvater des Diktys und Polydektes. 

Damia = Bona Dea. 

Dämon, (gr) Erst Gottheit, dann ein Mittelding zwischen 
Gott und Mensch. Teils gut (Schutzgeisit), teils böser Natur 
(z. B. Akotes, Alixda etc.). S. a. Wischnu, Writra und Glaukos«. 

Damophon, der schnellste aller Giganten. 

Danae, in der griechischen Mj^thologie Tochter des Akri- 
&ios, wurde von ihrem Vater, dem ein Orakel verkündete, 
daß der Sohn der Danae ihn töten werde, in ejaien Turm 
eingeschlossen, hier aber von Zeus in Gestalt eines goldeneai 
Regens besucht und von ihm Mutter des Perseus. Später 
Gemahlin des König Polydektes, dann des Pilumnus, dem 
sie den Daoinus (Vater des Turnus) gebar. Personifikation des 
von Dürre heimgesuchten Erdbodens, auf welchen der be-r 
fruchtende Regen des Himmelsgottes sich ergießt. 

Danaer, Name der Bewohner von Argos. — Ein Danaier- 
geischenik ist ein verdächtiges. (Trojanisches Pfierd.) 

Danaiden, s. Danaos und Aktaia, Adyte, Amoiane etc. 

Danaos, (gr) König von Argos, Sohn des Belos und der 
Anchinoe, Zwillingsbruder des Ägyptos. Urenkel des Epaphos 
und durch Jo, Enkel des Inachos, Seine mit 50 Frauen ge- 
zeugtem 50 Töchter, die „Danaiden", sandte er im wasser- 

— 65 — . 5 



armen Argos Quellen zu suchen/wobei Amymone von PoseldiOtti 
umarmi wurdie, der ihr zuliebe einen unerschöpflichien Quell 
hervorsprudeln ließ. Die Töchter führten die ThesmophorieE 
(s.- d.) ein. ; ' i i 

Aegyptos liatte seine 50 Söhne (Personifikationen der 
Ströme und Flüsse) zur Verfolgung der Danaiden (Personifi- 
kationen der Bäche und Quellen) abgeschickt, die sichi 
dann vermählten ; in der Brautnacht aber erdolchte auf 
Geheiß des Danaos eine jede ihren Bräutigam, nuir Hyperm- 
nestra verschonte den ihr liebgewordenen Lynkeus. Doch» 
dieser hat sieh später an seinen Brüdern gerächt, indem; 
er seine Schwätgerin und den Schwiegervater tötete. Siehe 
•Adjrte. - ■■ ■ ' i i .•■•. ^ _[ 

In der Unterwelt müssen die meuchelmöderischen Danaiden 
in 'ein durchlöchertes Faß ewig Wasser schütten. Siehe 
Afcrisios. — 

Dankmar, s. Thaaikmar. ' 

Dankwart, im Nibelungenlied der Bruder Hagens von 
Tironege. Gegen ihn beginnt Blödel, Etzels Bruder in der 
Herberge den Kampf. Er fällt dann durch die Hand Hel- 
feridhis. . — 

Daphne, Nymphe, Tochter des Flusses Ladon und der Gäa 
oder des thessalischien Peneios und der Erde (Gäa), Geliebte 
des Apollon. Dieser fand in Leukippos (des Sohnes des Köaiigs 
Önomaos von Elis), der es verstand als Jungfrau verkleidet 
ihr zu folgen, einen Nebenbuhler, den er durch Nymphen 
töten ließ. D. wurde von Zeus in einen Lorbeerbaum ver- 
wandelt. 

Daphnis, (gr) Sohn des Hermes und einer sizilischen 
Nymphe, war Schüler des Pan in der Musik, Geliebter der 
Najade Echenais oder Nomia oder Nais oder Lyke. Er 
hat der Nais die Treue gebrochen und wurde dafür in 
einen Stein verwandelt. 

Dardanos, in der griecrhischen Mythologie Sohn des Zeus 
und der Elektra, einer der Töchter des Atlas. Der myth, 
Stammvater der Dardaner (Troer) und durch Äneais auch 
der Römer. Mit seiner ersten Gattin . Chryse, die bei ihrer 
Vermählung von Pallas das Palladion und die Heiligtümer 
der großen Götter als Mitgift erhalten hatte, zeugte er , 
in Arkadien den Deimas und Idäos. S. a. lasion und 
Erichthonios. 

Dares, ein Priester des Hephästos. 

Dasra und Nasatja, siehe Acvin. 

Daunus, Vater des Turniuss. Sohn der Danae s. d. 

— 66 — 



Dea Dia, bei den Römern eine Erd- und Ackergöttin 
(5tadtflur), siehe Arval. 
Dea Syria, siehe Derketo. 

Deianeira, (1) Tochter d. Nereus, Sohn d. Doris. — 
(2) Tßchiter des Öneus und der Althäa, Schwester, des 
Meleaigrois. (S. Acheloos und Heraikliden.) Auch Tochter des 
Dionyisos. — (3) Toditer des Dexamenos. 

Deidameia, Lykomedes gebar dem Ac^hilles den Neopto- 
lemos. 

Deikoon, (gr) Sohn "des Herakles und der Megara, von 
Herakles im Wahnsinn erschlagen, als letzterer zum )eTsten'- 
mal 'den Auftrag erhielt, dem Eurystheus Dienste zu leisten. 
Deilyke, Amazone. . 

Deimos, (gr) (Phobos) die Söhne des Ares (und seine Be- ' 
gleiter). Siehe Aphrodite. 
Deina, Personifikation der Furcht und des Schreckens- 
Deioii, (gr) Sohn des Äolos und der Enarete, Bruder des 
Kretheus, Sysiphos, Athamas, Magnes und Perieres etc. 
Sieine Gattin war Diomede, mit der er Asteropeia, Änetos, 
Aktor, Phylakos und Kephalos zeugte. 
Deiope, Tochter des Triptolemos, Mutter des Emolpos. 
Deiopites, ein Sohn des Priamos. 

Deiphobe, (gr) Tochter des Glaukos. Sie führte den Äneas 
in die Unterwelt und soll jene Sibylle sein, welche dem 
Tarquiinus die sibyllischen Bücher verkaufte. Siehe Sibylla. 
ApoUon sichenkte ihr ein Alter von 700 Jahren. 

Deiphobos, (gr) So'hn des Priamos und der Hekabe. Einer 
der tapfersten Helden Trojas. Er und Paris sollen den 
Achilleus getötet haben. Da er stets gegen die Auslieferung 
der Helena gestimmt hatte, so richitete sich der Haß der 
Griechen nebst dem Paris und Hektor am meisten auch 
auf ihn. Von Helena, mit der er sich nach Paris' Tode 
vermählte, wurde er verraten und von Menelaos schmählich 
verstümmelt. 

Deipliontes, (gr) Sohn des Herakliden Antimachos, Gemahl 
der Hyrnetho, Tochter des Temenos. D. setzte einst seinen 
Schwägern wegen gewaltsamer Entführung der Schwester 
siedner Gattin nach, wobei die Hyrnetho im Handgemenge 
von ihrem Bruder Phalkes getötet wurde. 

Deipyle, (gr) Tochter des Adastos und der Amphithea, 
Schwester der Argeia, Gattin des Sydeus. 

Deipylos, (1) Freund des Sthenelos vor Troja. — (2) Sohn 
des Jason und der Hypsipyle. — (3) Sohn des thraikischen 
Königs Polymestor und der Ilione, der ältesten Tochter des 
Priamos. Die Eltern der Ilione hatten dieser ihren Sohn 

— 67 — 5* 



Poly,doros bald nach seioer Geburt zur Erziehung übergeben 
und Ilione hatte ihn heimlich mit ihrem Sohne Deipylos ver- 
tauß'C'hi;, so daß sie ihren Sohn (Dei'p.ylos) für den Bruder 
Polydoros ausgab und umgekehrt, damit, wenn dgr leine 
sterben sollte, dier andere immer den Vorzug hätte, dem 
Königshause anzugehören. Als nun nach der Zerstöruing vom 
Troja Agamemnon dem Polymestor seine Toc'hter Elektra 
zur Ehe und viel Gold versprach, wenn er dem Polydoros 
tötete, ermordete Polymesitor seinen eigenen Sohn Deipylos, 
im Glauben, den Polydor zu töten. Dem Polydoros er- 
öffnete Ilione den wahren Sachverhalt und auf seinen Rat 
blendete und tötete sie den Polymestor. 

Delia, Beiname der Artemis.. 

Delila, siehe Simson. 

Delling, Delingr (nord) der dritte Gemahl der Nott 
(Naehi): Morgendämmerung.' Der glänzende Sohn dieses 
Paares war Dkg (Tag). 

Delphios, Delphicua, Beiname des Apollon. 

Deimamia, siehe Pyrrhos. 

Deimas und Phobos, Söhne des Ares und der Aphrodite,. 

Demeter, (gr) Göttin des Ackerbaues, der Baumfruidit und 
Viehzucht und der bürgerlichen Ordnung, Tochter des Kronos 
und Schwester des Zeus. Dem Zeus gebar sie die Persephone 
(Proserpina), dem Poseidon, der die in eine Stute verwandelte 
Göttin als Hengst überwand, eine Tochter und das Roß 
Arion. Persephone wurde ihr durch Hades geraubt., Sie 
suchte ihre Tochter neun Tage lang, deren Hilfeirufe aber 
nur Hekate und Helios vernahmen. Als ihr am zehnten Tage 
letzterer den Raub entdeckte, mied sie den Olymp und ging 
zu Keleos nach Eleusis. Dort setzte sie sich in Gestalt einer 
alten Frau zu einem Brunnen (Parthenion oder Kallichoron.). 
Sie nannte sich Dos, „die Suchende", ward von Metaeeira 
aufgenommen, die ihr ihren jüngsten Sohn, Demophan, zur 
Wartung anvertraute. Göttin der Pflege und Erziehung der 
Helden, Begründerin der Volkskraft und der Gemeinde. 
Demeter legte den Knaben des Nachts ins Feuer, um ihm 
ewige Jugend zu verleihen, ward aber von Metaneira be- 
lauscht und durch das Geschrei derselben gestört. Die 
Göttin gab sich zu erkennen und gebot den Bau eimeg 
Tempels bei dem Brunnen, wo sie rastete. Zeus läßt die 
geraubte Tochter aus der Unterwelt über die Sommerzeit 
heraufkommen, worauf Demeter jährlich versöhnt in den 
Olymp zurückkehrt und der Erde Gedeihen schenkt. Vor 
ihrem Abgang in den Olymp hat sie ihrem Liebling Tniipto- 

— 68 — 



lemos die Verbreitung des Ackerbaues übertragen. Ihrem 
Liebling Jasion (Jassios) gebar sie in Kreta den Plutos. 

Mit der Bona Dea der Römer ist sie durch die Vorstehung 
des weiblichen Wesens, der Ehe, Gesittung etc. verwandt. 
Siehe Ceres und Ops. 

Ihr werden die Thesmophorien gefeiert. Zu den ihr ge- 
weihten Festen gehören auch die athenischen Proerosien uind- 
die Chloen, dann Haloen, die Thalisien und Eulisieji. 

Die Römer identifizieren die Demeter mit der Ceres, ed'ner 
ursprünglich altitalischen Göttin. ^ 

Demetrios, siehe Pyrrhos. 

Demodokos, der gottbegeisterte, blinde Sänger derPhäaken 
auf Sdieria, dem die Muse die Augen nahm und süße Ge- 
sänge gab. Dem König Alkinoos spielt er zum Mahl, in 
Odysseus Gegenwart singt er die Sagen vom Streite zwischen 
diesem und Adiilleus, u. a. 

Demophon, (gr) (1) jüngster Sohn der Demeter, s. d. — 
(2) Heros, Sohn des Theseus und der Phädra, Hetr von 
Athen, kämpfte mit vor Troja und befreite feeine Großmutter 
Äthra aus der Sklaverei, Seine Braut Phyllis erhängte sich 
und ward in einen Baum verwandelt. Er tötete Diomedes. 
Sein Bruder und Gehilfe war. Akamas. Siehe Laodike. 

Deneleus. Mutter der Dia. Siehe Ixion und Siria Dea. 

Derketo, (Atargatis= syrische Göttin) Beiname: Aphrodite- 
Urania, Göttin der alten Kanaaniter, wie die AsdheTa und 
die Mylitta der Babyloner. Göttin der GebUTt- und Fruidhtbar- 
keit, verehrt zu Askalon .und zu Astaroth-Karnain in einem 
Tempel, den . Judas Makkabäus zerstören ließ. Ihr Waren 
der Ziegenbock, die Taube «und der Fisch geweiht. Ein Wieib, 
deren Schenkel in Fischschwänze ausliefen. 

Ein Seitenstück zu ihr war der Fisdigott Dagon. 

D. war 'die Mutter der Semiramis, die sie mit einem syri^- 
sehen Jüngling zeugte, 

Desponia, siehe Odysseus. 

Deukalion, (1) nach der griechischen Mythologie Sohn 
des Prometheus und der Klym'ene, Enkel des Japetos, 
Herrscher in Phthia, Gemahl der Pyrrha, des Epimethieus 
und der Pandora Tochter. Er hat sich iaus der von Zeus 
zur Vertilgung der Menschen gesandten Wasserflut mit seiner 
Gemahlin, in einer Ardhe neun Tage lang herumfah'rerad, 
gerettet und dann durch Rückwärtswerfen von Steinen das 
Menschengeschlecht wieder hergestellt haben. Er zeugte 
mit Pyrrha den Hellen, Amphyktion und die Protogeneia. — 
(2); Sohn des Minos, Vater des Idomeneus, s. d. 

— 69 — 



Deutsche Mythologie. Die ältesten hieidnisdien Deutschen 
verehrten Sonne, Mond und Feuer, bildeten sich in ihner 
verschiedenartig'en Vorstellung hieziu Personifikationen, Götter 
und Halbgöttar, Wesen, die analog dem griechisdhen und 
römischen Kultus in heiligen Hainen geehrt und ^nien ge- 
opfert wurde, wozu sie auch Priester verwendeten. An Gott- 
heiten sind zu nennen: deutsch Wodan (Gwodan)"= nord-. 
germanisch: Odin (entspricht einigermaßen dem Hermes, 
Merkur); der deutsche Donar = (nordgermanisch) Thor 
entspricht dem Herakles, Herkules; der Ziiu . = (nord- 
germanisch) Tyr entspricht dem Ares (Mars); Freia oder 
Fria, auch Frau Holle und Berdita = (nordgermainisch) Frigg, 
entspricht Aphrodite, Venus etc.; Hertha oder Nerthus ent- 
spricht der Gäa. Der in einer niedersächsischen Abrenuntia- 
tion vorkommende Gotc Saxnot war ein Kriegsgatt; ein 
friesischer Gott auf Helgoland war Fosite; Nebengottheiten 
unbestimmten Charakters sind Cisa oder Nehalemia, dann 
die Elfen, weißen Frauen, Kobolde, Nixen, dann Bilwiz, 
Schrat, Alp und Mahrt, s. d. (Dienstag, Martis dies, mardi, 
Zieataic; Mittwoch, Mercurii dies, mercredi, Wednesday; 
Donnerstag, Tag des Donar; Freitag, Freiatag, französisch 
vendredi, Venus, Veneris dies.) 

Wodan-Sage : Vandalen sind in Streit mit den WiniLlem. Diie 
ersteren wenden sich an Wodan, der demjenigen von ihnen 
den Sieg- zuführt, welchen er bei Sonnenaufgang zuierst er- 
blicken werde. Die Winiler, die srdhi dann an Freita wendeten, 
erhielten die Weisung, sich in der Sichlacht igegen Osten 
zu stellen und ihire Haare wie einen Bart zu ordnen. Wodain 
fielen idiese Leute dann auf und er fragte, wer diese Lang- 
bärte seien, worauf von ihm Freia verlangte, \denen dein Sieig . 
zu geben, wem e;r den Namen gegeben, weshialb dann die 
sieg-reichen Winiker Langobarden genannt wurden. 

Deva, siehe slawische Mythiologie. 

Dexamenos, (1) König von Olenos. Von dem Kentauiren 
Eurytion bedrängt, der von ihm seine Tochter zur Ehe ver- 
langt, ruft er den eben von Angelas 3commenden Herakles 
zu Hilfe. — (2) Ein Kentaur. 

Dia, Tochter des Deleneos, Gattin des Ixion, von Zeus 
Mutteir des Peirithoos. 

Diana, (it) "(1) (Jana) die weibliche Ergänzung zu Januis 
(Djanus). war die Göttin des Mondes, der dreien Natur, 
Berge, Wälder, Quellen, Bädhe, Jagd und- der Geburt; in 
letzterer Eigensdhaft führte sie, so wie Juno, den Namen 
Luicina (der griedhischen Artemis verwandt, mit der sie, 

— 70^ 



ebenso wie mit Hekate, identifizieirt wird). — (2) "(Ailtemiis), 
siehe Hippolytos. i 

Did, Tochter der Lada, s. d. 

DIdo, (Elissa) „die Schweifende", eigentlich Beäname der 
phönikischen Mondgöttin, der wandernden Astarta, Burg- 
göttin von KairÜiago. Von ihr wurden der Name und die 
Züge des Mythus übertragen auf Elissa, der Tochter des 
Königs Mutton, die ihren Oheim Sicharbaal (Akerbas oder 
Sidiäus) heiratete. Ihr Bruder Pygmalion ließ ihn ermorden. 
Dido flüchtete mit dessen Schätzen und kam nach Afrika-, . 
wo sie von dem numidisidhen König Hjarbas lein kleines Stück 
Land kaufte und dort die Burg Bozhra <Byrsa = Rindshaiut) 
baute. Aus der Bezeiclhnung mag die Sage ientstanden sein, 
daß sie nur soviel Land kaufte, als Imit einer Rindshaiut be- 
deckt werden könne, dann aber listig die Haut in feine 
Riemen schnitt und einen großen Rairni umgrenzte. Sie 
gab sich den Tod auf dem Sicheiterhaiufen. Siehe Äneas, Anna 
Parenna, Hiarbas. 

Digsptter, Jupiter als der „Vater des lichten Tages". 

Diether,(deutsich) ältester Sohn des Königs Amelung.Emrichs 
und Dietmars Bruder. Seine Söhne sind die Harlungen. Sein 
Neffe, Diether der jun^e, Sohn des Königs Dietmar (jüngerer^ 
Bruder Dietrichs von Bern) ward von Hildebrand terzogen.' 
Er wurde mit seinem Bruder Dietrich von seinem Onkel 
Emridh vertrieben und Pflegling von Etzels Gemahlin Helchie. 
Mit deren Söhnen Erp und Ortwin zog pr zur Eroberung des 
Amelungenreiches aus. Beim Abschied gelobte er, sie wieder 
gesund nach Hause zu bringen oder sie nicht zu überleben. 
Erp und sein Geselle Helfrich fielen im Kampfe gegen 
Wittich und Runga und während Diether hierauf knit Runga 
kämpfte,' war auch Ortwin durch Wittich gefallen. Da warf 
sich Diether auf Wittich und zwang ihn, Um sein Leben zu 
retten, Diether zu lerschlagen. Nach anderer Fassung der 
Heldensage läßt Dietrich seinen Bruder Diether und Etzels 
Söhne, um sie nicht dem Kampfe auszusetzen, unter Ilsans 
Pflege in Bern zurück, gibt Etzels Söhne in Diethers Hut 
und verbietet ihnen, aais der Stadt zu reiten. Trotzdem 
aber reiten sie aus derselben, verirren sich in die Gegend 
von Raben (Ravenna) und fallen dort von Wittichs Hand. 
Nach dem Gedichte „Dietrichs Flucht" erlebte Diether, bei 
Etzel zurückbleibend, die Wiedereroberung Ravennas und 
Mailands durch seinen Bruder Dietrich. 

Dietrich, (Dietrichs Flucht) deutsche Heldensage, dem ost- 
gotischen Sagenkreis angehörig.— König Emrich, der Beines 

— 71 — 



Bruders Diefher Söhne ermordet Wai, siuchl: auidh seines 
Bruders Dietmar Sohn Dietrich (Dietrich von Bern) ^u 
fangen, der ihn jedoch besiesrt. Er heiratet Herrat, die 
Schwester von Etzels Frau, Helche. Durch Wittichs Verratfe 
geht das einst erworbene Raben (Ravenna) verloTCn, Wes- 
halb er nochmals gegen Emriich zieht. Es Icommt zur 
Rabenschlacht. Dietrich bleibt Sieger. 

(Dietrich und seine Gesellen, aiuch Dietrichs Drachen- 
kämpfe)'* Mit Hildebrand ausziehend, befreit er die Köniigin 
Virginal von Tirol, welche von dem Heiden Orkise bedrängt 
wird, und kämpft dann siegreich gegen die Riesen und 
Dradhen im Gebirge. 

(Dietrich von Bern), der Hauptheld der deutschen Helden- 
sage, stammte aus dem Geschlechte der Amelungen. Er ist 
von einem Geist gezeugt, daher schießt Feuer \aius seinem 
. Mund. Schon als Jüngling "^ kämpft er mit dem Riesen 
Sigenot und mit dem Recken Ecke, später auch mit Siegfried. 
'D.ma^alsVermenschlichunff des Gottes Thorangesehen werden. 

Dike, (gr) „Gerechtigkeit", eine der Hören, die Tochter des 
Zeus und der Themis. Sie zeigt ihrem Vater jede Un- 
gereclhtigkeit an. Sie selbst, mit Tränen in den Augen und 
in Nebel gehüllt, veirfolgt die Missetäter. Wird auch Rache- 
gö.ttin genannt. Sie stößt das von der Aisa (Schicksal) ge- 
sdhärfte Schwert dem Frevler in die Brust, sie dringt mit der 
Poine (Vergeltung) in des Missetäters Wohnung. Ihre Tochter 
hieß Heisy.chia (Ruhe und Sicherheit). Sie wird auch mit 
Asträa identifiziert und als Belohnerin des Guten verehrt. 

Diktyma, (gr) "Beiname Britomartis (auch Aphäa). 

Diktys, ein Fischer, s. Perseus. Polydsktes und Agamede. 
(jefährte des Idomeneus dm Trojanischen Krieg, 

Diomede, Todhter des Lapithes, Mutter des Hyakinthos. 

Diomedes, (gr) (1) Sohn dies Ares und der Kyrene," erzogen 
von Cheiron, berüdhtigt durch seine Pferde Podargos, Xanthos, 
Lampon und Dinos, die mit Mensidhenfleisch gefüttert wurden. 
Herakles raubte sie auf Befehl des Eurysthenes und 
warf ihnen den D. selbst als Futter vor. S. Sthenelos. — 
(2) Sohn des Tydeus und deir Deipyle, ein gefeierter Held vor 
Troja, wohin er mit 80 Schiffen gekommen war. Er ver- 
wundete Aph'^dite und selbst Ares, dem Hektor ward er oft 
gefährlich. Mit Odysseus tötet er den Spion Dolon, übierfälM 
den König Rhesos und entführt dessen Rosse. Er hat das 
Palladion in Troja geraubt. Sein Gehilfe Odysseus wollte 
ihn meuchlings ermorden, er aber fesselt ihn. Bei seiner 
Landung in Attika verlor er das Palladion und sein Weib 
Aigialea, die unterdessen zur Ehebrecherin geworden war. 

— 72 — 



D. (heiratete später die Tochter des Königs Daunus, Euippe. 
S. öneus. — S. Palladium. S. Demophon (der den Diomedes 
tötet). S. Abas. 

Dione, (gf) Tochter dies Okeanos und der Tethys oder des- 
selben und der Gäa. Göttin des lichten Himmels. Durch Zeus 
Mutter der Aphrodite, die daher Dionaja heißt. Später wird sie 
eine Nymphe. Sie entspricht der röm. Juno. S. Dodona. 

Dionysos, (gr) (Bakcbos, Bacchus oder Liber), Sohn des 
Zeus (in Gestalt eines Dradhen) und der Persephone. Er 
zeuigte mit der Aphirodite d. Priapos und Hymen. Er ist die 
Triebkraft der Natur, des Feuchten, des Saftes, insbesondare 
des Weines (s. Hermes): Lenäos = Kelterer, Lyäos == Sorgen- 
brecher. Er fördert Liebe und Gesang. Beisitzer der Demeter 
und Persephone. Als Träger der „orphischen Hoffnungen" 
heißt er Zagräus. Weitere Beinamen: Soter, Päan, Lysio, 
Bromios, Agrios, Hyses oder Hyeus (Regen) und Chtbonios 
etc. Die Bacchen, Mänaden, Thyiaden tanzten ihm zu Ehren. 
S. Midas. 

Dioskuren, („Söhne des Zeus") namentlidi Kastor 
und Polydeukes (Pollux). Zwillingssölhne der Leda und 
Brüder der Helena und Klytämnestra. Sie hießen auch 
Tyndariden als . die Sölhine des Tyndareos, des Gemahls der 
Leda. Kastor hatte den T., Pollux den Zeus zum Valter, 
weshalb letzterer unsterblich ist. Sie ziehen gegen Theseus, 
um ihre Schwester Helena zu befreien, sie nehmen am 
Argonautenzug teil und an der Jagd auf den kalydonisdhein 
Eber. Sie entfiÜhren die Phöbe und die Hilaeira, dite 
Töchter des Leukdppos. Polydeukes tötet Lynkeus, aber Kastor 
fiel durch Idas. Da bat sein Bruder, Zeus möge sie an der 
Unsterblidhkeit teilen lassen, so daß beide einen Tag in der 
Unter-, den anderen in der Oberwelt verweilen sollten. 
Polydeukes ist Faustkämpfer, der andere Rossebändiger, beide 
ets'dheinen als Reiter. Sie werden mit dem St. Elmsfeuer in 
Verbindung gebracht. S. Elmsfeuer, Amphion und Anax, 
dann arisdhe Dioskuren: Dasra und Nasatja. Ihre Bei- 
namen sind: Anakes und Kabiren. 

Diren, (gr) s. Furien oder Erinnyen. 

Dirke, (gr) die böse Gemahlin des Lykos, mißhandelte 
Antiope, die Mutter des Amphion und Zethos und wurde 
deshalb von diesen zu Tode geschleift. S. Menökeus. 

Dis, (röm) Dis Pater, Hersdher der Unterwelt, entspricht 
dem Pluton. 

Diskordia, s. Eris. 

Diusfidius, (röm) Gott des Sdhwures und der öffentlichen 
Sidherheil. Mit Semo Sancus identisch. 

— 73 — 



Djaur, (ind) Dyaus, Dy\u, Gott des Himmels und Qemaihl 
deir Erde. 

Dodona, (gr) Heiligtum des Zeus im Epims '(Albanien), 
Sitz des Gottes, daneben aiucb Dione als seine Gemahlin. — 
Dodonaißches, orakelhaftes Erz. 

Dolionen, (gr) s. Argonauten. 

Dolon, (gr ) Sohn des Eumedes, ein Späher im Griechenlager. 

Donar, (deutsicih) Donner-, Gewitter- und Fruchtbarkeits- 
gott, dem nord. Thor identisch, rotbärtig. Sein Zeichen ist 
der Donnerhammer (Donarstag, Donnerstag). 

Donauweibchen, (Die Nixenlkönigin, auch. Saalnixe). 

Melusinensage: Die Beherrscherin der Nixen der Donau, 
Hulda, hat während eines Gewitters in einer Höhle als 
Köhlermädchen die Liebe des Ritters Albrecht von Waldsee 
gewonnen; eine kleine Todhter Ulli ist die Frucht. Nach 
einigen Jahren verlobt sich der Ritter mit Bertha von Burgau 
und madht sich auf, seine Braut heimzuholen. Schloß Burgau 
liegt nahe der Donau, und Albrecht betritt, als er sich' der 
Burg naht, das Reich der Nixe. 

Der Zauberspuk beginnt: 

Hulda, die seit 400 Jah.ren der Schutzgeist der Burgauer 
ist, begünstigt den Ehebund, fordert aber von Albrech't, daß 
er drei Tage im Jahr ihr .angehöre, und von Bertha, daß sie 
Lilli als Pflegekind aufnimmt. Uebrigens hat weder Bertha 
nodh ihr Vater, Graf Herdwig, eine Ahnung von Albrechts 
Verhältnis zur Donaunixe. Nur die beiden Vertreter des 
bösen Prinzips, Junker Bodo von Triesnitz, der von Bertha 
vers'dhmäht worden, und das nidht mehr jugendliche Fräu- 
lein Hedwig von Lindenhorst, das Albrecht vergebens ihr 
Netz gestellt, spüren des letzteren Beziehungein zur Donau- 
nixe und Lilli auf und säen Mißtrauen in das Herz Berthas, 
welche der ihr als Ahnfrau erschienenen Hulda gelobt hat, 
nie nach Albrechts Geheimnis zu forschen. Nebenpersonen 
sind Albrechts Zechmeister Kaspar Larifari, der Sänger 
Minilewart, Berthas Erzieherin Salome, welche zudringlich 
Kaspars Liebe verlangt und später wirklich sein Weib wird. 
Albrecht wird von wachsender Sehnsucht naicih Hulda verzehrt. 
Andererseits unterliegt Bertha, aufgesitadhelt durch Bodo und 
Hedwig, der Versuchung, bricht ihren Schwur und entlockt 
Alb recht sein Geheimnis. Albrecht verflucht nun sein Ver- 
hältnis zu Hulda, diese erscheint und Bertha sinkt entseelt zu 
Boden. Doch belebt sie, damit das Ende nicht tragisch sei, 
Hulda wieder, Albrecht ist der Liebe Huldas verlustig ge- 
worden, und Bertha findet er langweilig. In allerlei Ver- 

— 74 — 



Wandlungen madht nun Hulda die Vermittlerin, wobei Bertha 
durch Bodo geraubt, aber dann von Albredit befreii wird, 
der jetzt erst sich des Wertes seines Scha/tzes bewußt wird. 

Doris, (gr) Gattin des Neureus, s. Galatea und Thetis. — 

Doros, (gr) Sohn des Hellen und der Nymphe Orseis, 
Bnidier des Äolos. . 

Dos, (gr) Pseudonym der Demeter s. d. 

Draupnir, (nord) ein wunderbarer Ring, s. Gerda und Odin. 

Druden, (Truden), weiblidhes Wesen elbischen Geschlechtes, 
die im' Glauben der späteren Zeit zu Unholden und hexen- 
artigen Nadhtgeistern hierabsinken, weil sie Alp und Nacht- 
mahr verursachten, s. Thor. (Druden-Walpurgisnacht 1. Mai). 
Eigientümli'dh ist der dem Gänsefuß (Schwanenfuß) ähnliche 
Fuß (Drudenfuß), welcher an höhere Wesen des Heidentums 
(Berdhta) erinnert. 

Dryobs, (gr) s. Pan. 

Dschabog, (slaw) s. slaw. Mythologie. 

Dschemschid, (ind) Zauberspiegel. 

Dwywasch, (ind) s. Hu. 

Dymas, (grr) Vater der Hekabe. 

. Echenais, (gr) eine Najade, Geliebte des Daphuis. 

Echidna, (gr) To-dhter der Okeanide Styx, oberhalb Weib, 
unterhalb Schlange. Mutter des 'Kerberos, Orthos, der 1er- 
näisdhen Hydra, dann von Orthor Mutter der Phix (Sphinx). 
Von ihr sollen auch u. zwar., von Typhon, Gorgon, der 
kolchische und der hesperidische Drache, Skylla und der 
Adler des Prometheus stammen. S. Typhon und Chimäre, 
Argos und Chrysaoar, den dreiköpfigen Riesen. 

Echion, (g'r) Vater des Pentheus; s. d. 

Echo, (g^r)" böotische Nymphe (Personifikation des Wider- 
halls der Berge). Pan hat sie geliebt, vergebens versuchte, 
er sie immer wieder zu erhaschen, worauf sie dann von 
dien Hirten zerrissen ward. Sie hat den schönen Narkissos ge- 
liebt; von ihm aber ver&ohmäht, hat sie sidi' in die Stimme 
verwandelt;, s. .Palladius. 

lEckart, (deutsch) der treue, getreue Eckhard, stammt) aus 
dem Geschlecht der Harlungen. Er war Vogt der beiden 
jungen Harlungen, welche sein Neffe Emrich in Abwesenheit 
des E. henken ließ. E. zog darauf mit Dietrich v. Bern gegen 
Emrich und erschlug ihn. E. ist ein „Warner" für jedermann 
insbesondere für Kinder. S. Venusberg. 

Ecke, (nord) ein Held, s. Ögir. 

— 75-^ 



Edda, (Urgroßmutter). Die ältere E. sind Lieder über ger- 
manische Götter, nordische Mythologie und aus Island (Grön- 
land) stammende Heldensagen in episch erzähleinder Form. 
Es sind folgende: Völuispa „Offenbarung der Seherin" gibt 
eine Uebersicht der heidnischen Weltanschauuing, Vaf- 
tihirüdhnismäl, erzählt die Reise Odins unter Gangrads Gestalt 
zu dem Riesen Vafthrudni und den Wettstreit beider in der 
Religionsweisheit. "Grimniismal, erzählt, wie Odin als Grim- 
nir bei dem König Geiroddr den 'Zustand der Welt und sein 
eigenes Wesen offenbart. För Skirnis, wie Skirner, Freys 
Diener, für seinen Gebieter um die RiesentO'Chter Gerdr 
freit. Harbardsljodh „Harbards Lied", wie Thor aiuf seiner 
Reise mit Harbard, dem Fährmann, Streit anfängt. Hymislk- 
Viidha, erzählt die Sage vom Riesen Hymir, welchem Thor 
und Tyr den Kessel abgenommen, in dem von Ögir das 
Bieir für die Götter gebraut wurde. Ögisdrekka „Der Trank 
bei ögir" oder Lokasenna „Lokes Streit", wie Loke bei einem 
Gastmahl bei Ögir die Äsen lästerte. Thrymskvidha oder 
Harmarsheimt „Die Wiedererlangung des Hammer", wie 
ThjOT und Loke dem Riesen Thrymr den Hammer Thors 
wieder nehmen. Viegtamskvidha, „Wanderers Lied", wie 
Odin als Vegtamr in der Unterwelt die Zauberin nötigt-, ihm 
Baldrs Tod zu weissagen. Alvismal „des Allwissenden Lied" 
handelt von Synonymen der himmlischeo, irdischen Und unter- 
iirdis'dhen Wesen. Rigsthula,. erzählt die Entstehung 'der drei 
sozialen Stände durch Heimdali, der unter dem Namen Rigr 
die Welt durchwandert. Hyndluljodh, mit dem in der Tradi- 
tion 'der Völuspä-hin-skämma zusammengewachsen ist, be- 
riditet, wie die Zauberin Hyndla, um den Erbschaftsstreit 
zwis'dhien Angantyr und Ottar zu schlichten, die Abstammung 
der Helden von den Göttern beweist. 

Deir Haupteil der E. umfassen die sagenhistori&chen 
Lieder, von denen jedodh nur vier ihren Stoff der heimisch- 
nordischen Sage entnehmen: drei Lieder von Helgi und der 
Grottasöngr (die Frieden mahlenden Riesenmägde prophe- 
zeien dem Frodi nahen Untergang). Die Völundarkvidha zeigt 
die nordische Gestaltung der gemeingermanischen Säge vom 
S'dhmied Wieland. Sämtliche übrigen Lieder behandeln die 
deutsche Siegfried- (nordische Sigurdhr) und Nibelungensage. 
Man unterscheidet 2 Sigurdlieder. Im ersten läßt sich Sigurd 
von seinem Oheim Gripir- sein Schicksal vorhersagen. Im 
zweiten wird dem Sigurd vom Zwerg Regln der Ursprung des 
Horts erzählt und angestachelt, den Horthüter Fafnir zu 
töten, dodi rächt Sigurd erst den Tod seines Vaters. 

— 76 — 



Daraiuf bemdiiten diie Fäfnismäl erst von der Tötung Faf- 
nirs und Re^ins und Siguirds Besitznahme von dem Schatz, 
Verlobung mit Brynhilid, bis das eigentliche (dritte) Sigurd- 
lied uns erzählt, wie Sigurd an Giuikis (deutsch Gibich) Hof 
kommt, sich mit Gudrun vermählt und Gunnar und Brynhild 
zjusammenbrinigt, wie dann Brynihild sich durch Ermorduinig 
Siguirds rächt, aber ihm freiwillig iin den Tod folgt. 

Drei GudbrunarkvidhUT schildern den gewaltigen Schmerz 
und die Klage Qudruns um Sigurd, wie sie dazu gebracht 
wird, sich mit Atli zu vermählen, und wie sie, der Untreiiie 
besdiiUldigt, sich durch den Kesselfang von dem Verdacht 
reinigt. Zwei andere Lieder: Ermanarich hat peirae Frau 
Swaidiilde (Gudruns Tochter) töten lassen. Gudrun mahnt ihre 
Söhne zur Rache und zählt dabei alles erfalirene Leid aul. 
Die Brüder erschlagen auf dem Weg zu Ermanarich ihren 
Stiefbruder und vollführen die Radhe, aber auch sie selbst 
fallen in rühmlichen Kampf und schließlich : Oddrun, Atlis 
Schwester, war Gunnars Geliebte, doch vor Brynhild muß sie 
zurücktreten. Auch nach deren Tod widersetzt sich Aitli 
der Verbindung, die Liebende muß Gunnar im Schlangenturm 
sterben lassen. 

Edhinii, s. Odin. — 

Eetion, (gr) (1) König der Kiliker, Vater der Andromache. 

— (2) Sohn der Elektra, Enkel des Atlas. 

Egeria, igr) eine Quellnymphe der alten Latiner; sie war 
die Gemahlin und Beraterin des König Numa, nach dessen 
Tode sie lange weinte und deshalb in eine Quelle verwandelt 
wurde. S. Kamene. 

Cgiskos, (gr) Sohn des Poseidon und der Nymphe Aba. 

Eidomäne, s. Melampos. 

Eidothea, (gr) (1) Tochter " des Meergottes Proteus; sie 
lehrte den Menelaos, wie er ihren Vater fangen und zum Weis- 
sagen zw;ingen könnte- — (2) Die 'böse Gemahlin des Phineus^ 

— (3) (auch Idäa) Tochter des blinden Sehers Phineus, 
Schwester des Kadmos. 

Eileithia, Geburtsgöttin, s. Herakles. 

Einheriern, im Kampf gefallene Helden, s. nordische My- 
thologie. 

Eirene, s- Irene. 

Elektra, (gr) „die Strahlende". (1) Tochter des Okeanos, 
Gattin des Thaumas, dem sie die Iris und die Harpyien 
gebar. — (2) Toch/ter des Atlas, eine der Plejaden, von 
Zeius Mutter des Dardanos, des Staaiümvaters des /brojam- 
sehen Könighauses. — (3) Eine der 50 Töchter des Dardanos. 

— (4) Tochter des Agamiemnon lund der Klytämraesftra, 

— 77 — 



Schwester der Ip.higenia und des Orestes (und der Chryso- 
Ihiemäs). Sie wniirdie durdi ihre Mutter und deren BuiMen 
Ägiisthios auis dem Hause verstoßen, rettete laber den jungen 
Orestes, indem sie ihn zum König Strophios sandte, der 
den Knaben zu sich nahm und Siiit. seinem Sohn Pyladesi er- 
ziehen ließ. Sie ermordete mit Orestes ihre Mutter und deren 
Buhlen. S. Palladium und Aristodemos. 

Elektryon, (gr) (1) Sohn des Perseus pnd der Andromeda, 
Gemahl der Anaxo, Vater der Alkmene und Elektryone. — 
(2) Sohn dies Itonos, Vater der Leitos. 

Elektryone, Tochter des Elektryon. 

Eleleis, eine Bacchantin. 

Elenchos, Gotfetheit der Überführung. 

Eleon, (gr) (1) ein Seher, s. Bakis. Er hatte in Athen einen 
Altar, zu dem lUnter anderen aiuch Adrostos und die Hera- 
kliden Zuiflwcht nahmen. — (2) Personifikation des Mitleids. 

Elephantis, eine Gattin des Danaos. 

Elenthera, eine Nymphe. 

Eleusinische Mysterien, s. Triptolemos. 

Elfen, (nord) (Eiben, altnordisch: Alfar, angelsächsisch: 
Alf, englisch und schwedisch: Elf,, mittelhochdeutsch Alb).. 
Geister der Luft und des Windes. Die Edda teilt die E. in 
„Hviitätfar (weiße) und in Svartälfar (schwarze) Elfen ein. 
Leitztere sind mißgestaltete, meist (unterirdische Zwerge. Ihre 
Könige sind: Luarin (Läuriin), Alberioh (Nibelungeinliied), aus 
dem sich dann der Oberon entwidcelte (Königin Titaniiia). 

Elissa, s. Dido. 

Elli, (nord), die Amme des Riesen ütgardloiki (Skrymir), 
mit welcher Thor rang, ohne sie zu beugen, sie aber stellte 
ihm ein Bein, so daß er in die Kiniie samk. Peromifiikationen des 
Gneisenalters, dessen Macht jedermann imterliegt. 

EUops, Sohn des Jon. 

Elmsfeuer, wie die Alten diese Erscheiniung nannten, wenn 
vornehmliich auf _ Schiffen, zwei Flämmchen (genannit Dios- 
kiuren, wde Kastor und Pollux) sichtbar wurden, Diesie Er- 
sdheiniung war glückbringemd, eine einzeln sichtbare Flamme 
(die Sdiwesiter der Dioskuren, Helena), unheilbringend. — 
„Helena-Sankt Elmo." — S. Kebiren. 

Eiois, (gr) Göttin der Hoffnung. 

Elpenor, der bekannte Gefährte des Odysseus, welcher von 
der Kirke in ein Schwein verwandelt wurde. Wieder Mensch 
geworden, schlief er sich am Dache des Palastes der Kirke 
seinen Rausch aus, fiel vom Dache und brach, sich das Genick. 

Elysia, (Enelysa), die durchs Blitzeinschläge heilig gewor- 
denen" Orte des alten Griechenlands. 

— 78 — 



Emathion, isr). Solin des Tithonos und der Eos, Bnuder des 
Memnon, d£n er der Herrsdhaft über Äthiopien beraubte. Er 
wurde von Herakles getötet. 

Embla, (nord), das erste Weib der -Erde, Gattin des Ask 
(AisJcr). 

Empusa, (gr) leäin näditlidhies, menschen&chre.ckendes, von 
Heikate gesandtes Gespenst, das unter allerlei Gesrtialten, mit 
einem Fuß, odier auf einem e'hernen und einem Eselfuß, eibd. 
erschien. Andere sind: Lamien und Mormolyken (Mormo), 
die schönen Jünglingen das Blut aaissaugen und ihr Fleisch 
verzehren. 

Emrich, (Ermanerich). S. Jormunrekr und Eckharit. 

Enarete, (gr) Gattin des Äolos, Mutter des Athamas und 
Sisip'hos. 

Encilados, einer der Giganten. 

Endeis, (gr) Gattin des Äakos, Mutter des Peleus und 
Telaraon. 

Endymion, (gr) Sohn des Zeus oder des Aethlios und der 
Kalyke. „Der schöne Schläfer." — Geliebter der Selene 
(Luna). Sie gebar ihm 50 Töchter und Zeus gewährte ihm 
bei Unsterblichkeit ewigen Schlaf und Jugend. (Mondunter- 
gang, 50 Monde des olympischen Festzyklus). 

Enelysa, s. Elysia. 

Energumen, (gr) ein von einem Dämon besessener, rasender 
Schwärmer. 

Eneubulos, (gr) eine der 4 doppelarmigen Wesen, welche 
aus dem Meere (als Vorzeidhen der Sintflut) emporstiegen. 

Enipeus, (gr) Flußgott, zu welchem Tyro, die Tochter 
des Almoneus und der, Alkidike, in Liebe entbrannte. Po- 
sieidon nahte ihr in Gestalt des E. und zeugte mit ihr 
die Zwillinge Pelias und Neleus. 

Enkelädos, S. Giganten und Silenos. 

Enosichthon, (gr) „Erdersdhütterung", Beiname des Po- 
seidon. . . . , i ;! 

Enosigaios, Beiname des Poseidon. 

Enyalios, s. Enyo. 

Enyeus, Sohn des Zeus und der Jo. 

EnyG, (gr) die mordlustige, städteverwüstende Kriegs- 
göttin, Begleiterin des Ares, der nach ihr, BnyaHos genainnt 
wird. Mit der römischen Bellona identisch. Auch eine der 
Gräen. S. Keren. — 

Eos, (gr) Tochter des Hyperion und der Theia, daher 
Schwester des Helios ,und der Selene, Gemahlin der 
Titanen Asträos, dem sie die Winde (Argestes, Zephyros, 
Boreas und Notos) und den Heosphoros (Morgenstern) gebar. 

— 79 — 



Göttin der Morgenröte. Des Morgiens erhebt sidti die schöne 
Göttin aus ihrem Lager (aus dem Okeanos) lund seihirrt, mit 
safranfarbigiem Mantel umhüllt, ihre Rosse Lampos (Glanz) 
und Phaethon (Schimmer) an den goldenen Wagen, um, dem 
Sonnengott vorauseilend, den Tag zu verkünden. Sie emt- 
fü'hrt schöne Jünglinge, um ihrer Liebe sich zu erfreuen, 
so den Orion, Kephalos, Thitonos, dem sie den Emathion 
und Memnos gebar. Ihre Tiränem fließen als Tau zur Erde, 

Sie wird aiuch mit Hemera, Göttin des Tagies, identiifiüziiarjt). 
Dieselben Anschauungen übertrugen die Römer auf Aurora,. 
Siehe Hemera. 

Eostre, s. Ostara. 

Epagoge, bei den Gr. der magische Bannspruch, womit 
man die unterirdisdhen Götter oder böse Geister heraiuf- 
■ beschwor. 

Epaphos, (gr) Sohn des Zeus und der Jo, ward auf Heras 
Betrieb von den Kureten geraubt, wofür sie Zeus durch 
Blitze tötete. Aber von seiner Mutter wiedergefunden, nach 
Ägj''pten zurückgebracht, vermählt er sich mit Memphis, 
der Toditer des Neilos. Nach ihr ist die -Stadt beuannit 
Töchter: Libya (durch Poseidon Stammutter der Herrscher 
von Argos) und Lysianassa (durch denselben Mutter des 
.Busiris )1. 

Epeios, (gr) Sohn des Panopeus, Erbauer des trojanischen 
Pferdes. 

Epeus, (gr) s. Epeios. 

Ephesia, (gr) Beiname der Artemis. 

Ephialtes, igr) einer der Giganten, dessen Werbungen Hera 
zurückwies und dem Ayolbe das linke und Herakles das 
rechte Auge ausschoß. 

■ Epigonen, (gr) s. Adrastos; der zweite Angriff auf Theben, 
dann Laodamos und The^rsandros. 

Epimetheus, (gr) einer der 4 Söhne des Japetos, Gatte 
der Pandora, Vater der Pyrrha (s. Hermes). 

Epione» (gr)" Gemahlin der Asklepios s. d. 

Epithymia» (gr) Personifikation der Begierde. 

Epona, (rö) Göttin der Pferde, Fuhrleute, Stallknechte,. 
Eseltreiber.. — 

. Epopeus, (gr) Sohn des Poseidon und der Kanake, raubte 
die Antiope, tötete im Kampfe ihren Vater Nyteus, ward 
aber selbst von dessen Bruder Lykas getötet, spä;tie'r durch 
^eine Söhne Amphion und Zethos gerächt. 

Erato, eine der neun Musen „die Liebliche", besonders 
der erotischen Poesie. 

Erde, Gäa, s. auch Erechthieus. 

— 80 — 



Erebos, (gr) Sobn des Chaos, Bruder der Nadit, Nix 
zeugte mit dieser den Tag, den Äther, das Schicksal, das 
Alter und. viele andere Kinder. E. ist auch Unterwelt und 
Sdiattenreich, ferner ein tätiger Vulkan. 

Erechtheus, (auch Eridithonios) (1) ein attischer Heros mit 
Schlangeufüßen, ein Sohn der Erde und Pflegling Athenes. 
Oder ein Sohn des Hephästos und der Erde oder der 
Atthis. Personifikation von Attika. Mit der Najade Pasithea 
erzeugte er den Pandion. Da ihn die Sdilangenfüße am 
Gehen hinderten, soll er den vierrädrigen Wagen erfunden 
haben. 

Indem Athene ihre Jungfräulichkieit gegen Hepifiästos 
verteidigte, geschah es, daß er die Erde befruchtete und 
dadurch dem E. das Leben gab. Athene nahm sich des 
Kindes an und legte es ohne Wissen der Götter in eine 
Kiste, die sie den Töchtern des Kekrops: Agraulos, Pan- 
drosos und Herse, mit dem Auftrag übergab diese nicht zu 
öffnen, was die aber nicht befolgten; sie fanden das Kind 
in eine Schlange ausgehend, worauf sie wahnsinnig ins 
Meer sprangen, s. auch Gäa;- s. auch Erichthonios. — 
(2) Sohn des vorigen, ursprünglich vielleicht mit ihm eins,. — 
Bruder des Butes, herrschte über Attika, vom Orakel erhiel(t 
er die Weisung, eine seiner vier Töchter zu opfern. Er 
wählte die jüngste, die drei übrigen starben freiwillig mit 
ihr. E. tötete Eumolpos, worauf ihn Zeus mit dem Blitze 
strafte; s. Erechthiden. Eine seiner Töchter war die Kreusa, 
1. Gemahlin der Xuthos, Mutter des Achaios und Jon. 
— (3) Beiname des Zeus und des Poseidon. 

Erechthiden, Nachkommen des Erechtheus. — 

Ergane, Beiname der Athene als Beschützerin des Ge- 
webes und der weiblichen Handarbeiten. 

Erginos, (gr) Sohn des Klymenos und Buzyge, König voH' 
Orchomenes in Böotien. Sein Vater wurde bei einem Feste 
von einem Thebaner mit einem Steinwurf getötet. Da zog 
E. mit einem Heer gegen Theben aus, siegte und zwang 
ihnen einen Tribut auf. Auf die den Tribut einfordernden 
Boten des E. stieß Herakles, sc!hnitt ihnen die Nase und 
Ohren ab, band ihnen die Hände auf den Rücken und 
sdiidkte sie so dem E. Nun zieht er wieder gegen die 
Thebaner, doch Herakles schlägt und tötete ihn mit von 
Athene gegebenen Waffen. — Seine Söhne Agamedes und 
Trophonius sind die mythischen Baumeister, s. d. 

Erichthonios, (gr) (1) identisch mit Erechtheus, (1). — 
(2) Sohn des Dardanos (und der Bateia), König von Troas, 
durch seinen Sohn Tros", Ahn des Hektor und des Äneas. Er 

— 81 — Ö 



hatte 3000 Stuiten, die von Boreas je 12 Füllen warfen. 
Ihire Tritte knickten die Grashalme,' ihre Hufe netzten die 
Woge nicht. . 

Eridanos, ein Fluß, in welchen Phaethon hinabstürzte, 
von den Blitzen des Zeus getroffen. Die Heliaden, das sind 
seine Schwestern,, beweinten den Unglücklichen, ja selbst 
als sie in Pappeln verwandelt waren, weinten sie weiter 
und ih,re Tränen verwandelten sich in Bernstein. 

Erigone, Toditer des Ikarios, Geliebte des Dionysos, s. d. 

Erinna (gr) Dichterin, Zeitgenossin der Sappho in Myteleoie 
und starb als Jungfrau, 19 Jahre alt. S. Sisiphos. — 

Erinnyen, (gr) Eumeniden, lat: Furien, die Rachegöttinnein, 
„die Zürnenden". Gewittergöttinnen. Die Alekto (die Ra- 
stende), Tisiphione, Rächerin des Mordes und die Megäre, 
„die Verargende". — Sie entstanden aus den Blutstropfen, 
welche aus den von Kronos seinem Vater abgeschnittenen 
Geschlechtsteilen zur Erde (s. Gäa) fielen. S. Pandereos 
und Pylades. 

Auch vampyrartige, unterirdisch wohnende Töchter der 
Nacht, oder Töchter des Sktotos (Dunkelheit) und der Gäa 
(Erde). Verfolgerinnen der Verletzung der von der Natur 
geheiligten Bande des Blutes, namentlich des Verwandten- 
mordes. Sie sind Unholdinnien. Schillers Kraniche des Ibylcus. 
Sie hatten Krallen an den Händen, blutige Augen. Sinn- 
verwirrend, Wahnsinn einhaudiiend. Sie singen dem Ver- 
folgten den Erinnyengesaag. Sie lassen erst von ihm ab, 
wenn eir gebüßt hat und bilden den Hofstaat des Pluton- 
Ihnen ist die Obhut nach allen Sittlichen und Guten über- 
tragen. Semnai — die Ehrwürdigen. 

Erinnye, Beiname der Demeter, welche sich, als sie von 
Poseidon überfallen wurde, in eine solche verwandelt und 
das Roß Arion zur Welt bringt. Die Furien der Römer 
(Dirae deae) sind übertragene E. 

Erioke, Beiname des lokrisidhen Aias. 

Eriphyle, (gr) Tochter des Talaos und der Lysimache, 
Schwester des Adrastos, Gemahlin des Amphiaij-aos, dem 
sie durdh das Halsband der Harmonia zu dem unglücklichen 
Zuge gegen Theben beredete. — Mutter des AUcmäon. Sie 
ist die Schwester des Adrastos. 

Eris, (j^t) lt. Drscordia. (1) Göttin der Zwietracht, des 
Kampfes und Streits, Schwester und Begleiterin des Ares 
(oder der Bellona). Sie verbleibt noch im Kampforte blut- 
gierig, selbst wenn alle anderen Götter den Schauplatz 
bereits verlassen haben. Sie ist eine Tochter der Nacht 
und Mutter der Hungersnot, der Schmerzen, der Verbrechen, 



der Truigreden. Bei der Hodhzeit des Peleus und der Th'eiis, 
warf sie ^. als einzige Niditgeladene, einen Apfel mit der 
Au&dirift „der Sichönsten" in den Saal, wodurch sie den 
Streit zwischen der Hera, Athene und Aphrodite veran- 
laßte. Dem Richters pruich des Paris folgte bekanntlich der 
Rauh der Helena und dadurch der Ausbruch des Trojanischen 
Krieiges- — S. Keren. — (2) Personifikation des Wetteifers. 

Erka, s. Heldhe und Etzel. 

Ermanerich, s. Edda. 

Eros, dat. Amor, Cupido), Gott der Liebe. Er ist mit der 
Erde und dem Tartaros aus dem Chaos hervorgegangen, 
daher ein uralter Gott. Einigende und bezwingende Macht 
bei Göttern und Menschen. Er soll von Uranos und der 
Gäa. abstammen oder aus dem Urei, welches die Nacht 
gebar oder Sohn des Kronos und der Nadht. — Phanes. — 
Auch Aphrodite wird seine Mutter genannt, als Vaiter Ares, 
oder Hermes, Die Binde vor seinem Auge bezeichnet, daß 
die Liebe blind ist. E. wollte als Kind nicht eher wachsen, 
als bis ihm Aphrodite aus Ares Umarmung den Anteros 
(Gegenliebe) gebar. Seine Gesellschafter sind: Pothos, Sehn- 
sucht, Himeros, Verlangen, Peitho, Ueberredung, die Cha- 
riten und Musen, Hymen und Tydhe (oder Fortuna). 

Die Brüder, Eroten: Amores, Cupiines, Amoretten, sind 
ebenfalls Söhne der Aphrodite oder der Nymphen. Der 
rö. Amor ist nur eine Uebertragung, s. Psyche. 

Erp, Sohn des Helche, Bruder d. Ortwin. 

Error, Personifikation der Verblendung. — 

Ertemis, s. Ma. — 

Ery^kine, (lt. Erycina) Beiname der Aphrodite; sie wird 
als Urania verehrt. — 

Erysichthon, (1) Sohn des König Triopas, ward mit einem 
nie zu stillenden Hunger bestraft. Schließlich verzehrte er 
sißh aber selbst. Seine Toehter: Mestra. — (2) Söhn des 
König Kekrops und der Agraulos. — 

Erytheia, (gr) s. Hesperiden, Ein Eiland im Westen, wo 
König Geryons Rinder weideten. 

Esus, (Hesus, Asus) ein kell Gott. 

Eteokles, Sohn des ödipus und der Jokaste, Bruder des 
Polyneikes und der Antigone. Sein Sohn war der wilde 
Laodamas s. d. Er wollte die Herrschaft über Theben 
niidht mit dem Bruder teilen, hatte daher einen Krieg mit 
7 Fürsten zu bestehen, Adrastos, Tydeus, Polyneikes, Kapa- 
neus, Hippomedont, (Adrastos Schwestersohn) Parthenopeos 
und Ämphiaraos. 

— .83 — 6* 



Ethis, etrusk, Name einer Göttin, die .auf einem Spiegel 
der Eri'S-Voluptas geg^enübersteht. (Zu Herakles am S>cheide- 
wege.) 

Etzel, (Attila), der berühimte König der Hunnen im Nibe- 
lungenlied. Seine Gemahlin HeLche, auch- Herche oder Erka, 
gebar iüm 2 Söhne, welche in der Ravennaisöhlacht fielen. 
Seine zweite Gemaihlin ist die Kriemhild. (Siiegfrieds WitAve), 
Sie veranlaßt dien arglosen E. ihre beiden Brüder, die 
Mörder ihres Gatten, auf seinen Hof einzuladen. Anderersei^ 
soll eij die Mörder Siegirieds (Sigurd) in böser Absiisht eiiinge- 
laden" haben, um ihren Schatz, den Nibeluageaisichiatz zu 
erlangen und läßt sie niederma'chen. Wird aber von seiner 
Gattin, der Sdiwester des Erschlagenen (Gudrun) getöitiet. E. 
gibt dem Biterolf und dessen Sohn sein Heer, um die van den 
Burgundern Günther, Gernot und Hagein erlittenen Unbillen 
zu rädhien. S. Gernot. 

Euadne, (gr) Gattin des Kapaneus. S. Sthenelos. 

Euamon, s. Euirypylos. 

Euander, s. Evander. 

Euböas, s. Ajax. 
, Euenos, (gr) ein Flußgott, Vater des A^apessa, s. Idas. 

Eukles, Beiname des Hades. 

Eumäos, der göttliche Sauhirt des Odysseus. Sohn des 
Königs K-tesios von Syria. Kam durch Raub in die Hände 
des Laertes. S. Odysseus Heimkehr. 

Eumeniden, s. Erinnyen. 

Eumolpos, (gr) „Der schön Singende", Sohn des Poseidon 
und der C^iione, eine Tochter des Boreas. Er war nicht nur 
Sängier, sondern auidi Priester und Krieger. In einem Kampfe 
den Eulesinie'rn Hilfe leistend, wird er, sowie sieine Söhne 
Pihiö'rbas und Immierados von Ereichtheus erschlagen. 

Euneos, (gr) Sohn der Hypsipyle (von Jason). Bruder des 
Thoas. 

Eunestes, (gr) Sohn des Neoptolemos, Tochter der Ndobe, 
der Toidhter des Amphion. 

Eunomia, (g"r) Personifikation der „Gesetzlichkeit". Eine 
der Hören. Tochter deir Themis, Schwester der Dike und 
Eirene. 

Eunomos,' (gr) ein Knabe, den Herakles, als, er naohi der 
Vermählung mit Deianeira bei Oneus weilte, wiider Willen 
tötete. I 

Euphemos, (gr) Soihn des Poseidon 'und der Europa, Tochteir 
des Tityos. Gemahl der Schwester des Herakles, Laonome. 
Hatte von seinem Vater die 'Gabe auf dem Mieere zu ' 
wandeln. Er nahm alm Argonautenzug teil. 

— 84 — 



Euphrosyne, leine dier Grazien. 

Europa, (grr) (1) TodMer des Phönix und der Perinnede, 
oder des König Agenor und der Telephassa. Geliebte des 
Zeus, er 'hat sich ihr als Stier ^lenaht und entfühirte. sie 
auf seinem Rüicken naclh Kreta. Dort verwandelt er sich 
zuin sidhönen Jüngling. Er führt sie in seine Höhle, wo er 
selbst einst aus Rhieas Schoß heTvorgegangen war. E, gebair 
ihm den Minos, den Rhadam-athis und den Sarpedon. (Bei- 
name ist Hellotis). — (2) Tochter des Tityos. Von Poseidon 
Mutter des Euiphiemos. — (3) Tochter des Okeanos und 
der Tethis. Jene Okeanide, nach welchler ein Teil der 
Erde benannt wurde. Sie ist die Gemahlin des Phoroneus, 
Mutter der Niobe, mit welcher Zeus den Ar^os und Pelas- 
gos zeugte. (4) Tochter des Neilos, Gemahlin des Danaos. 

Euryale, eine der Gorgonen. , 

Euryalos, (sr) (1) Sohn des Mekisthieus, nahm am Troja- 
nisdhen Krieg teil und wurde 'bei den Leiohenspielen des 
Patroklos vo,n Epeios im Ringkampf überwunden. — (2) 
Sohn des Opheltes, der mit seinem Freunde Nisus in einer 
kühnen Unternehmung inach heldenmütigem Kampfe mit den 
Rutulern den Tod fand. 

Eurybia, (gr) Tochter des Pontes und der Gäa. 

Eurydamos, s. Abas. 

Eurydike, Ist) Gattin des Orphieus, s. Aganippe. 

Eurykleia, (1) treue Sklavin im Haiuse des Laertes, 
Amme des Odysseus, Erzieherin des Telemach, s. Penelope 
und Telemaohois. — (2) Erste Gemahlin des Laio?, Mutter 
des Ödipus. — (3) To'chter des Athamas, Gattin des Melas. 

Eurylochos, Gefährte des Odysseus, entging auf der Insel 
deir Kirke allein unter allen dpr Verwandlung in ein Schwein, 
weil e:r den Palast der Göttin nidht betrat und zum Schiff 
zurüickkehrte. Er vierleitete seine Genossen die Stiere des 
Helios zu sidhlachten, was den Unterg'ang aller Schiffe zur 
Folge hatte. — Er bie^gleitete Odysseus in die Unterwelt und 
besorgte das Totenopfer. 

Eurymede, Gattin des Glaukos (3). 

Eurymedon, Vater des Prometheus. 

Eürynome, „die Weithinwallende" (gr) Tochter des Okeanos. 
Von Zeus, Mutter der Chariten, Gemahlin des Titanen 
Oph,ion, mit welchem sie vor 'Kronos über den Himmel 
herrschte. — Als Kronos den Ophion besiegt hatte, wurde 
auch sie von der Rhea überwunden und im dein Tartaros 
geisdhleudert. Sie nahm mit Thetis den kleinen Hephästos, 
als Hera ihn vom Olymp .geworfen, im Schoß des Meeres auf. 

Eurypaessa, s. Helios. 

— 85 — 



Eurypylos, fer) (1) Solm dies Poseidon (und der Astypaläa), 
König 'dier Meroner auf Kos; von Herakles, der dähiin ver- 
sdhlagen wair, getötei. Mit seiner To.difter ChaUciope zeugte 
Herakles den Thessalos. — (2) Sohn des Telephos und der 
Astyodhe, der Schwester Priamos, König in Mysien. Er 
wurde von Neoptolemos getötet. — (3) Sohin des Eumäon, 
König von Oirmenion in Thiessalien, einer der Freier der 
Helena. Er zog mit 40 Sichiffen nach Troja, wq er, einer 
d/er Hauptüielden, selbst den Kampf mit Hekiior nicM scheute. 
Während er dem von ihm , erschlagenen Apisaon die Rüstung 
abzog, sidhoß ihn Paris einen Pfieil in die reichte Hüfte und 
zwang ihn damit zum Rückzug. 

Eurysthenes, (gr) Siohn , des Aristodemos, Bruder des 
Prokles. S. Herakliden. 

Eurystheus, (gr) Soihn des Sthenelos und der Nikippe, einer 
Toohter des Pelops, Enkel des Perseus, Königs von Mykeme. 
Er wurde, obsdhon üeig und schwächlich, durch Heras Arg- 
list, Herr des künstlich, später geborenen Herakles, dem 
er die bekannifcen zwölf Arbeiten auferlegte, s. d. Er wird 
in einer Sdhlachjt von Hyllos erschlagen. S. Hyppoljde und 
Admete. — 

Euryte, s. Agrios. 

Eurytion, ein Riese, s. Geryon und Herakles, dann Pei- 
ritihoos und Peleus. 

Eurytos, (gr) (1) Sohn des Melaneus, Königs von Öchalia, 
einer der berühmtesten Bogenschützen, Vater ides Iphiitös 
und der adhöhen Jole, die er demjenigen zum Lohine bot, 
der ihn und seine Söhne lim Bogenschieß'en übertneffein 
würde. — Herakles siegte und als ihm dann E, dennoch 
(die Toidhter verweigerte, eroberte er Öchalia, bemächtigdie 
sidh der Jole und tötete den Vater. Den Bo,gen des Iphitos 
erhielt Odysseus, der damit die Freier umbrachte (s. d. 
und Melioniden). — (2) Sohn ides Augeias, Bruder des 
Agesthenes. — (3) E. und Kteatos, s. Molioniden. 

Euterpe, (gr) die Ergötzende, eine der neun Musien, Ver- 
treterin der Tonkunst und lyrisidhen Poesie, an der Flöte 
kenntlidh. 

Euthymos, Faustkämpiler aus Lokri in Unte;ritalien, trug 
in den Olympischen Spielen dreimal den Si&g davom, befreiite 
die Stadt Temessa von dem bösen Geist Polites (einem 
Gefährten des Odysseus). 

Evander, (lat) grieidhisch.- Euandros „Gutmann", Sohn des 
arkadischen Königs Echemos und der Timandra oder des 
Hermes und einer Nymphe. S. Äneas. 

— 86 — 



Fafnir, s. Ö^ir und Edda. ' 

Fama, (rö) s. Ossa. 

Faunus, (rö) Faun, altitalisdhie Gotthei* „der Holde", Sohin 
des PicU'S (Mars) oder des Merikuir, Enkel des Satuimus. Von 
de;r Nymphe Marka, Vater des Latinus und der Nymphe 
Symälihiis und Vater des Alkds. Gott der Berge, Triften und 
Fluren, Besidhützer der Herden. Beiname: Inuus „Bespringer", 
Inkuibus „Beilieger", Fruidhtbarmacher des Viehs, Fatuus oder 
FatueluB, als weissagender Gott. (Das weiblidhe Gegenbild 
des Faunus ist die Fauna, die To'dhter und Gattin des F., 
eine fördernde und siegnende Göttin der Fluren, genannt 
Fatua, Mala o^der Bona Dea). 'Beiname Luperkus. Sidhe 
Nymplhen. 

Faustulus, (rö) ein Hirte, der die am Tiber ausgesetzten 
Zwillingsbrüder, Romulus und Remus, auffand und dürdi 
seine Frau, Aoca Lanentia aufziehen ließ. 

Fatime, s. Oberon. 

Fatum (rö) der von Göttern, namentlich von Jupiter auB- 
giesprodhene Götterwille. Die Mehrzahl, Fata, sind die 
Sdiidksale deir Menschen, oder die Schicksals^ö.ttinnen (Parzen) 

Febris, Göttin zur Abwendung von Krankheiten (Fieber). 

Feen, (röm. und kelt.) geisterhafte, höhere Wesen, die 
sich aus Fatä, Fatum (s. id.) gebildet haben. Bei den Deutsidhen 
kommen sie untea* den Namen Feien oder Feinen mit den 
so^nanniten „Weißen F/rauen" und den Nornen vor. 

Felicitas, (Qlüidk), s. röm. Mythologie. 

Fenrir, s. Werwolf, Hei, Odin und Loke. 
. Ferentina, Quellgöttin der Latiner. 

Feretrius, Beiname dies JupiteT. 

Fides, „Tugend^S s. röm. Mythologie. 

Fidius, iröm. Gottheit, s. Dius Fidius. 

Fisica, s. Venus. 

Flora, (rö) Göttin der Blumen und Blüten. Sie soll mit 
der Nymphe Chloris identisidh sein, welche, von dem sie 
veirfolgendien Zephyros eingeholt, zu seiner Gemahlin gemaidht 
wurde. 

Flußgötter, sind die Söhne des Okeanos. 

Fo, (Foe) Name der Buddha (s. d.) bei den Christen und 
im Osten Indiens. 

Föns, Sohn des Janns und der Juturna. 

För Skirnis, „Fahrt", s. Edda. 

Forseti, althochdeutach Forasizo, d. h. Vorsitzer; Fj-iesisch: 
Fosik, Sohn des Balder und der Nanna, der Gott der Ge- 
rechtigkeit. S. Äsen. 

— 87 — 



Fortuna, (/rö) (audh Fors-F.) Göttin dies Qlüoks und des 
Sidhicksals, entispirechend der igr. Tyidhe. Ihr Liebling war 
Servius TuUius, diesen begleitet sie von der Geburt ani. 
Sie verihilft dem Knaben zum 'Bart und zur Männlidhikeit, 
der Jungfrau zum Eintritt in den Stand deir Hartisfrau. — 

Fosite, deuts'dh — fries. Gott, s. deutsiche Myiiihologie. 

Fossegrim, s. Nixen. 

Freia, s- Freyja. 

Frekl, Wolf. s. Odin. ' 

Freyja, (Frouwa d. h. Frau), in der nord. Mythologie 
Uirsprünglidh eine Wanengö.ttin, dann die vomeihniste der 
Asinen, eine froüie und erfreuende, liebe, gnädige Himmels- 
i^öttin, TodhteT des Njord • und der Skade. Ihir Gemahl 
Odhir zog fernhin fort, sie weinte goldrote Tränen (Bern- 
stein), suchte ihn bei den verschiedenen Völkern, wobei sie 
verschiedene Namen: Mardöll, Hörn, Gefoi, Vanadys, annahm. 
Sie ihatte zwei Töchter: Hnos und Gersoni. S. Heimdall und 
Berdhta. > . i ■ ■ \ '] I^Wj 

Freyr, (nord) IFro, Fri'xo „Herr"), Sohn des Njord und 
der Riesentochter Skade, Bruder der Freyja, ursprünglich 
ein Wanengott, dann der beste, stets Freude britngende 
Sonnengott der Äsen, wie 'seine Schwester, schön von 
Antlitz. Er wurde hauptsädilicfh wegen der Fruchtbarkeiit 
und des Friiedens weigen angerufen. Er hilft allen, insbe- 
sondiere den Kindern aus Nöten. 

Seine Liebe zu Ge^rda bildet den schönsten Teil der 
nordischen Mythologie. — Sein Reittier bei Gewäitfeer iist 
de(r goldgelbe Eber Gullinbursti (goldborstig). ZUi seinieir 
Umgfebung gehörten die Liosalfar (Lichtelfen), s. Wanen 
und Asgard. 

Frigg, (nordj Odins Gemahlin, Tochter der Riesin Fiorgyn. 
Sie ist die Mutter des Asengesdhlechtes. Sie wird vielfach' 
mit der Freya vermengt und sdhließlidh mit ihr identifiv- 
ziert. Nach ihr benannt ist der Freitaisr und zwar schon in 
der vorchristlichen Zeit. Sie ist die Göttin des mensdhliiichien 
Geschiiickes, das sie ^spinnt und webt; wohnt in ^ihirem Palaste 
Fensal (d. i. Meersaal) in Asgard. Die Asin Fulba ist ihre 
Vertraute und xh're Botin, Gna. Hlyn hatte an ihirer Stelle 
Unglü'Cklidhe aus Gefahren zu retten. 

In Deuitsdhland unter dem Namen Frea in der Lamgobaa-denr 
sage bekannt. (Au-dh Fria und speziell in Sachsen als Frü 
Freöke. Frau Holle und Berdhta sind ihre anderen Namen 
in verschiedenen Ländern.. S. zwölf Nächte. 

Frodi, s. Edda. 

Frute, s. Gudrun. ' 

— 88 — 



Pulgurator, (Filminator) Blttzer-Jupiter. 
Furien, Ra-dhiegöfttinnen, siehe Brinnyem. 
Furina, Fuirrina, röm. Göttin „die Öitnkle". 



Gäa, (igir) (Ge), die Qöittin der Erde oder die Erde selbsi. 
Sie ist Mutter einer zahllosen Nachkommenschaift. Besonders 
stammen von ihr finstere und fUTchtbare Wesen und Riesen. 
Sie entstand -aus dem Chaos und erzeugte an sich selbst den 
Uranos, dann die Gebirge und den Pontes. Aus ihrer Ver- 
mählung mit Uranos gingen die Titanen z. B, Hyperion;, 
Kyklopen und Hekatoncheiren hervor. Sie. gebar die Erin- 
nyen, die Giganten und die melischien Nymphen. Mit Pontos 
zeuigte sie <kn Nereus, Thaumas und Phorkys, die Keto 
und Eu/rybia. Ferner die Auitoidhthonen : KeJcrops, Erechtheus, 
dann den Antäos, den Diradhen Python, den Typhon etc., 
s. Tartaros. — Die entsprechende Gottheit bei den Römern 
ist Tellus. — 

Gad, eine Glü'dcsgottheit der. Ghaldäer. 

Gaieocho, Beiname des Poseidon. 

Galatea, (gr) Tochter des Nereus und der Doris, eine Meer- 
nymphe, Personifikation des stillen Meeres. Sie hatte ein 
Liebesverhältnis zu dem ungieschladiten Kyklopen Polyphem, 
der sie verfolgt, den sie aber aus Liebe zu Akis verschmäht, 
weshalb dieser vom Kyklopen mit einem Felsstück zer- 
sdhmette'rt, aber in eine Quelle verwandelt wird, und nun 
gewinnt Polyphem die Nymphe. ■ 

Galinthias, (gr) Galinthis, Tochter des Prötos, Fareundin der 
Altomäne. Als Ilithyia, die Geburtsgöttin, und die Parzen auif 
den Wunsidi deir Hera durch VerschräiJcung der Hände die 
Entbindung deir Alikmäne von Herakles hindertetn, eilte Q. 
mit deir erdiichteten Nadi rieht hinzu. Allem äne habe einen 
Knaben geboren. Vor Sichrecken darüber lösten die Göttinnen 
die versichränkten Arme und Alkmäne wurde sofort entbunden;. 
Zur Strafe wurde G. in ein Wiesel verwandelt. 

Galli, die veirsidhnittenen Priester der in Kleinasien verehrten 
Mutter der Götter, die mit der Rhea vermengt wurde. 

Gambrinus, der flandrische König, der das Bier erfand. 

Gandharwa, (ind) eine Klasise niederer Götter (Sonne), Be- 
sidhützer des himmli&dien Soma, Verkünder göttlicher Ge- 
heimnisse. 

Gangrad, s- Edda: Odin. 

Ganymedes, i^r) Sohn des trojaniachien Königs Tros, 
B)ru(der des Ilos und der Nymphe Kallirhoe, war der schönste 
der sterblichen JüngHnge, weshalb ihn Zeus durch seinen 

— 89 — 



Aidlier zum Olymp emporzieliieii Heß, wo er, ewiig jung" 
bleibend, das* Amt eines Mundsdieaiks versieht (statt der 
Hebe, s. d.). 

Garm, is. Tyr und Hei. 

Ge = Gäa, s. d. 

Gebern, is. PaTsen. 

Gefu, s. Freyja. 

Geiroddr, ein König, s. Edda. 

Gerda, (noird) Qerdrli-, die schönste Tochter des Ries.en 
Gymir (s- Ö»gir). Als einst Luft und Meer von ihrer, Schön- 
heit erstrahlten, erblicikte sie Freysr und erkrankte vor Liebes- 
sehnsucht. Er sichickte steinen Diener Skirnir mit seinem Roß, 
dias 'über die Flamme, welche Qymirs Wohnung lunloderte, 
hinwegsetzte, und seinem Schwerte, das sich von selbst gegen 
die Riesen schwang, an die Asin und bot ihr elf goldene Äpfel 
und den wunderbaren Ring Draupnir, wenn sie ihn zum Ge- 
mahl nehme. Aber nur durch mächtige Zauberformeln über- 
wunden, beugte sich G. dem Willen des Gottes. 

Gerdr, ss. Ge,rda und Edda. 

Germania, idie das allumfassende Vaterland versinnlidhiende 
deutsche Mutter (in Verbindung mit der Schlachitjungfrau = 
Walküre). 

Gernot, (im Nibelungenlied) Kriemhilds Bruder. Er hält 
sidh von dem Moirdanschlag gegen Siegfried, seinem Schwaiger, 
fern und fällt mit den übrigen burgundischen Helden in 
Etziels Land, und zwar im Zweikampf mit, dem Markgrafen 
Rüdiger. - . 

Geronten, „Die Alten", Name der Ältesten und Edelsten 
des Volkes, die schon bei Homer den Rat des Agamemnon 
bildeten. i , ' ; 

Gersoni, s- Freya. 

Geryon, (gr) Geryones, Qeryoneus, fabelhafter König der 
Insel Erytiheia, Sohn dies (lihrysaor und deir Kalirrhoe. Er war 
aus drei Körpern zusammengesetzt, die in der Gegend des 
Bauches zusammiengewachsen waren. Er besaß große Herden 
roter Rinder, welche sein Hirt Eurytion mit dem zweiköpfigen 
Hund Orthyros weidete. Der Raub dieser Rinder bildet eine 
der zwölf Arbeirfien des Herakles, s. d. 

Gigant, (gr) ein riesenhaftes, wildes, den Göttern verhaßtes 
Geschlecht. Sterblich, sonst den Göttern nahestehende Wesen, 
von 'übermenschlicher Größe. Sie wohnten mit den Phäaken 
auf 'Trinakria. Sie lehnten sidh ^egen die Götter auf und 
wurden isdhließlidh von Zeus vernichtet. Der Schauplatz des 
Kampfes war Phlegra, brennende Gefilde, von vulkanisdhieuti 
Ausbrüchen heimgesucht. Sie waren ungeheure Riesen, mit 

— 90 — 



langiem Bart und Haiupthaar, statt der Beine hatten sie ge- 
schuppte Draohensdiwänzie. Sie türmten, um den Olymp 2?u 
stürmen, Berg auf Berg übereinander, erhoben den Pelian 
auf dieu Ossa. Allein Zeus spaltet den Olymp, Pelian und 
Osaa mit seinen Blitzen und begräbt sie alle unter diesesn 
Trümmern. Herakles war biebei behilflidh. Zwei G. zetoh- 
neten »idh in dem Vernichtungskampfe aus: Porphyrion und 
Alkyoneus. Letzterer war unsteirblich, solange er sich in 
seinem Vaterlandie auifhielt, und die Pfeile des Herakles 
sdhadeten lihm niidht, bis ihn Herakles schließliich aus Pallene 
heraustrieb. Porphyrion wollte der Hera Gewalt antun, 
wurde ,aber durdh die Blitz'e des Zeus und die Geschosse des 
Herakles ierlegt. S. Agrios. Auf den Enkelades warf AÜhene 
dSeJnsel Sizilien und auf Polybotes, Poseidon, die InselKos. 
Im ganzen haben 104 G. mitgekämpft, 24 waren nominell 
aUigeführt. 

Ginevra, ^CGenevira) Gemahlin des sagenhaften Königs Artus. 

G jallarhorn, dias Hom des Heimdali. 

Gjöll, Is. Hei. 

Gladsheim, is. Walhialla und Asgard. 

Giauka, ;(gr) Toidhter des Kreon. Sie heißt auoh Kreusa. 

Glaukos, (gr) (1) Meergott, Erbaueir und Steuermann der 
Argo. Nach der Schlacht der Argonauten gelangte er in 
wunderbarer Weise zur Würde eines Gottes (der dem Jason 
weissagte). Er aß von den Kräutern und war hievon in eine 
soldie Begeisterung versetzt, d!aß er ins Meer sprang und dort 
von Okeanos und Tethys in eine Meergotthieit umgewandelt 
wurde. — (2) Sohn des Königs Minos und der Pasiphae, der 
als Knabe starb, aber vom Seher Polydos mittels eines Krautes 
zum Leben erwiedkt wurde und weissagen lernte. — (3) Sohn 
des Königs Sisiphos und der Merope, Gemahl der Eurymede, 
Vater des Bellerophon. -Er galt als Dämon. — (4) Urenkel 
des vorigen, Enkel des BeUerophon, Sohn des Hippoloahos, 
deir im Trojanisichien Kriege dem Priamos half. Er ist audh 
der 'Besidhützer des von Aias verwundeten Hektor und Rächer' 
des von den Hiellenen getöteten Sarpedon. Er selbst wird 
von Aias getötet. 

Glis, der Siebenschläfer. 

Gna--'(nordi) Eilbotin der Frigg; ihr Roß hieß Hofhwarfnir 
(Hufwerfer), Man sagt: „Wie Gna im Fluge" (aus Klop- 
stoüks Oden). 

Gnomen, Erd- und Berggeister, die die unterirdisichen 
Sdhätze bewachen. Sie können verschiedene Gestalten am- 
nehmen. Die weiblichen (Gnomiden) sind'sdiön, die männ- 

— 91 — 



lidien Ihäßliidh'. Sie necken gerne die Menschen, tu» iftsnen aber 
stets nur Gutes. 

Godan, s. Wodan. 

Gold- Vlies, s- Airgonaiitenzujr.- 

Golem, (heibr) Klumpen, Figrur aus Ton, nach einem Mensidhen 
gebildet, worüber auchi eine Prager Sage besteht. 

Gordios, Vater des Midas, Gatte der Kybele; s. d. 
> Gorgo, s. Gorgonen. 

Gorgoneion, das von Perseus der Gorgone Medusa abge- 
schlagene Haupt, welches Athene ails versteinerndes Schreck- 
bild in die Mitte ihres Ägiiß (s. d.) versetzte. 

Gorgonen, '(gr) Phorkiden (s. Phorkys), Stheino odefStheno, 
Euiryale «nd Medusa, Töchter des Meergreises Phorkys und 
deir Keto, furchtbare, geflügelte Jungfrauen mit veirsteinertem 
Blick, statt der Haare Schlangen tragend und miit Schlangen 
gegürtet (eherne Klauen und Eberzähne). Mit Medusa ver- 
bindet feich Poseidon und zeugt mit ihr den Chrysaor und den 
•Pegasos. S. Peirseuis. 

Gorgophone, s. Perseus. ^ 

Gradivus, Beiname des Mars. 

Götterdämmerung, (nord) (Ragnarök) Weltuntergang vor 
einem drei Jahre ohne Unterbreichung währenden „Fimbul- 
winteir", Sonne und Mond werden von Wölfen gefressen, die 
Steirne fallen vom Himmel, die Erde erbebt, die Bäume 
werden »entwurzelt, die Berge stürzen ein und das Meer- 
übeirschwemmt .die ganze Erde. Der Fenriswolf zerreißt 
seine Bande und aus Augen und Nasein funkeinsprühend, be- 
rührt ier mit dem Oberkiefer den Himmel, mit dem unteren 
Teil die Erde. Naglfar, das aus den Nägeln der Toten ver- 
fertigte Schiff, steuert Hrim (Anführer der Reifriesen). Die 
Midgardschlange (Jormungandr) speit Gift, wodurch sie Luft 
unid Meer entzündet, wovon der Himmel birst. Vom Süden 
kommen die Söhne' Muspels, die Götter der Flammenwelt 
mit Sutr an der Spitze, und reiten über die Brücke Bifrösfe 
die zusammenbricht. Auf der Ebene Wigrid treten die Götter- 
feinde (mit Loke und Hei) an. Es folgen sechs Einzelkämpfe 
dier Äsen und Einherien unter Führung Odins. Dieser wird 
vom Fenriswolf versichlungen. Thor tötet die Midgard- 
schlange und wird von ihr vergiftet. Suirtr töitet Freyr. 
Loke und Heimdali töten sich gegenseitig, ebenso Tyr und 
der Rieseuhund Garm. Odins Sohn, Widor, reißt dem 
Fenriswolf den Rachen entzwei. Endlich schleudert Surtr 
Feuer über die Erde und die ganze Welt verbrennt. 

Götze, jeder als Gott verehrte körperliche Geigenstand (be- 
sondörs als Abbild der Gottheit). 

— 92 — 



Gräen, s. Perseus, Phörkys und Keto. 

Gral, im Glauiben des Mittelaliers jene Scliüssel, aus der 
Jesus Chiristus beim letzten Abendmahl mit seinen Jüngern aß 
und in welcher nadiher Josef von Arimathia das Blut des 
Geäcreuzigten auf fang. Sie . war aus einem einzigen Smaragd- 
geschliffen und mit wunderbaren Kräften ausgestattet. Am 
Charfreätag kamen Engel vom Himmel und hoben den hl. Gral, 
bis sie eine von Gott selbst geweihte Hostie hinieinlegten,. 
Auf französiisichem Boden wurde die Sage mit der Parsival- 
Sage verblmden. S. Titurel, s. a. Artus. 

Gralsritter, Ritter des hl. Grals. S. Titurel. ^ ; 

Grazien, s. Chariten. 

Greif, (gr) ein fabelhaftes Tier mit einem Löwenleib und 
Flüjgeln und dem Kopf eines Adlers. 

Griechische Mythologie. Die polytheistische Weltanschauung 
der Griechen war zu allen Zeiten verschieden. Die ursprüng- 
liche Naturbedeutung ließe sich in den meisten Anschauimgen 
nachweisen. Mit der zunehmenden Bildung erschuf sich 
der Grieche geistig höhere \C^esen, wobei die früheren Gott- 
heiten mieist nur modifiziert wurden, wozu diie Dichter viel 
nachhalfen (Homer und Hesiod). Man war sich dessen be- 
wußt, daß die vorhandenen Gptter nicht vom Uranfang exi- 
stierten, sondern daß vor ihnen andere Beherrs:cher der Weilt 
die Gewalt in den Händen haben mußten.. Nach Hesiod 
war am Anfang das Chaos, ein leerer, unermeßlicher. Raum, 
und darauf Gäa (Erde), Tartairos (Abigrund unter der Erde) 
und Eros (Liebe): 

Gäa gebar ans sich selbst den ihr gleichen Uranos 
(Himmel). Beide erzeujgten die Titanen (sechs männlich 
und isachs weiblich), die Kyklopen und die Hekatoncheiren 
(hundertarmigen Riesen). Uranös haßte seine Kinder und ver- 
barg sie, damit sie nicht an das Tageslicht kommen konn^ni- 
Gäa grollte darüber und beredete den Titanen Kronos, dein 
Vater zu verstümmeln oind ihn der Herrschaft zu berauben. 
Kronos erzeugte nun mit seiner Schwester Rhea die Hestia, 
Demeter, Hera, den Hades, Poseidon und den Zeus, doc'h ver- 
achlanig er sie gleich nach der Geburt, damit ihn keines "vom 
Throne stoße. Als Zeus geboren war, reichte Rhea dfem 
Vater statt Zeus einen Stein in Windeln, den er versdilang;. 
Zeus aber ward in Kreta erzoigen und stürzte später seinen 
Vater und zwang ihn auch, die verschlungenen Kinder von" sich 
zu geben. 

Vereint mit diesen kämpfte Zeus gegen die Titanen und 
überwand (Sie (mit Hilfe der Kyklopen und Hekatoncheiren, 
die ihm den Donner und den verderblichen Blitz gaben), 

— 93 — 



fesselte sie und warf sie in den Tartaros. Seither herrschte 
Zeus oind die Seinen über die Welt, die sich der gesitteteren 
Ordnung" fügen mußte. Und zwar: Zeus (Himmel), Poseidon 
(Meer), Hades (Unterwelt), Hera (zugleich Zeus' Gemahlin), 
Hestia, Demeter mit ihrer Tochter Persephone und die 
Kinder des Zeus: Athene (Städte, Staaten, Weisheit), Apollon 
(Heils und Ordnung), Artemis (nächtlidier Himmel), Hephästos 
(Feuer), Ares (Krieg), Aphrodite (Liehe), Hermes (Bote). 
Sie wohnen um Zeus geschart im Olymp. Dienende 
Göttinnen siitid datnin: Hebe (Jugend), Ganymedes, der pihrygir 
sehe Knabe, welchen Zeus aus Liebe der Erde entzog und 
unsterblioh machte. Beide reichen . den Olympiern die Götter- 
speise, Nektar und Ambrosia dair. 

Iris (Regenbogen, bringt die Botschaften der Götter zur 
Erde), die Hören (Witterung, Jahreszeiten), Helios (allsehender 
Sonnengott), Eos (Morgenröte). Die Parzen (Siohidks.ale) : 
Klotho, Lachesis, Atropos. — Tyche (Glüdk), Nemesis (Rauhe), 
. Ate, Dike (Gerechtigkeit) und) Themis. Die Musen, die 
Charitan, Hyaden, Plejaden, Selene, Äolos (Winde), Harpyien 
(Winde), Typ'hon (Sturmwind). Amphitrite (Meer, Gemahlin 
Poseidons), Okeanos (Meer, Weltstrom), Nereus (Meergreis), 
Vater der Nereiden (Meernympheri), Leukothea-Ino (Nereiden- 
genossin), Proteus (weissagender Meergreis), Phorkys, 
Glaukos (Sdiiffeir und Fischer) und Triton. 

Die Gottheiten der Erde und der Unterwelt sind: Gäa 
(Erde), Nymphen, Kybele (Götfcermutter), Dionysos oder 
Baochos (Wein), die Satyrn (Begleiter der Dionysos) Silenos, 
Pan, der Sohn des Hermes, (ein ark. Gott der Herden und 
des Waldes), Priapos, Sohn des Dionysos und der Aprodite 
(Feldfruidht lUnd Herden), Kentauren (mit den Satyrn ver- 
wandt, Demeter (Mutter der Erde) die Kabiren (semi;fisdh, 
Feuer), Thanatos und Hypnos (Tod und Schlaf), die Keren 
(Tod), die Erynnien oder Eumeniden und Hekate (Herrsidherin 
unter den Schatten). 

Die Mensdhen erhielten von den Göttern Zeichien und 
Orakel. Die Götter ^ lebten oft in versdhiedenen Gestalten 
unter, den Menschen und verbanden sichi auch mit sterbliidhen 
Frauen und die Göttinnen schenkten ihre Liebe sterblichen 
Männern. 

Grid, s. Widair. 

Gripir, s. Edda. 

Grymir, s. Gerda. 

Gudrun, mittelhoichdeutsch Kutrun, deutsches Epos, ein 
versöhnender Gegensatz zum Nibelungenlied. Den Inhalt 
der Sagen bilden drei Generationen; Hagen, dem König von 

— 94 — 



Irland Uind dessen J.uigendgeschich,te, von der Werbung des 
Hegelingenkönigs Hettel um tdie Tochter Hilde und G., der 
Tochter von- Nettel uind Hilde. S. Jormunrekr. 

Die Abgesandrtien des König Hettel, seine Mannen Horaait, 
F'rute lund Wate kommen an den Hof des Königs von 
Irland, lim seine ängstlich gehütete Tochter . Hilde jrür ihren 
Verwandten Hettel zu .gewinnen. An einem stillen Abend 
erihebt Horant seinen wunderbar süßen Gesang und ge- 
winnt daduirdi die Jungfrau, ihm heimlich zu Hettel zu folgen, 
dessen Gemahlin sie wird. Ihre Kinder sind Ortwin und G. 
Um letztere wirbt Hartmuit, der Sohn eines Normannenf- 
königs. Abieir eine von früher bestehende Feindschaft stört 
die Werbung. Mittlerweile erringt sich Herwig, der Köndig 
von Seeland die Liebe G's. Während einer kurzen Abwesen- 
heit des letzteren mit dem Vaiiler der Braut, holt Hartwig" 
G. imit Hilfe seines Vaters aus der Burg. Sie werden ver- 
folgt, es kommt zu einer blutigen Schlacfht. Hieittel, Herwig und 
deren Leute, darunter Wate, erreichen die Räuber auf dem 
Wulpenasnd, einer Nordseeinsel. G. zieht der Vermählung mit' 
HaTtmut 'den Tod vor. G. stürzt ins Wasser, doch Hartmut 
rettet sie und bringt sie zu seiner Muitter, Gerlinde, die siie 
anfangs freundlich behandelt, dann aber, als sie sich dem 
Starrsinn G. gegenüber ohnmächtig sieht, läßt sie sie Dienst- 
mägdearbeiten verrichten. Naich mehreren Jahren, gerade 
als G. am Meie/rufer Wäsche reinigt, erscheint ihr ein sie 
tröstender Engel. Zu Hause angelangt, wird sie von 
Gerlinde gescholten. Aber schon nahen Ortwin und Herwig 
und kundsidhafteh G. aus, die sie befreien. Darüber ist. 
Gerlinde gescholten. Aber schon nahen Ortwin, und Herwig 
zu töten, als Hartmiut dazwisidhen tritt. Er wird gefangen, 
Gerlinde Mgeköptt. Es folgt Heimkehr und dreifache Ver- 
mählung: Heirwig u. G. Normannenkönig Hartmut und Hild- 
burg (eine Gefähirtin G's.) und Ortwin (Gs. Bruder) mit einer 
normannischen Königstochter. 

Gundikar, (Guntbea*) König des Burgundenreiches, dessen 
Sdhicksal iin zweiten Teil des Nibelungenliiedes den hdsto- ' 
risidhen Kern bildet. 

Gungener, !ein wunderbarer Ring Odins. 

Gunlöd, Figur aus der gleidhen Oper. S. d. 

Gunnar, s. Edda. 

Günther, !s. Gundikar, Gem^l der Brunhilde, Kriemhilds 
Bruder, Mitschuldiger an Siegfrieds Mord, fällt durch 
Kriemhilds Rache mit all den Seinen an Etzels Hof. In der 
nordu Sage entspricht ihm Gunnar. 

Gurnemanz, Parsifal (s. Oper). 

— 95 — 



Gwodan» fe. Wodan. 

Gyes, Xfrüihier fälschliich Gvges), einer der Hekatoncheken. 

S. d. ' • 

H- 

Habardsljodh, (Harbarids Lied) s. Edda. 
Hades, (Aides, Aidoneus, „der Unsichtbare") s. v. w. 
Pluton, s. d., auch dessen Reich, die Unterwelt ; s.a. Herakles, 
Thieseus, Irpheus, Perseus und. Akaste. 

Hagen, (v. Trionege) Gestalt aus dem Nibelitngenliede. 
Verweilte in seiner Jugend mit Günther, seinem Vetfeer, 
als Geisel an Etzels Hof, entflöhs mit ihm von dort, kämpfitje 
mit 'dem. aus dem Htunenland heimkehrenden Walther von 
Aquitanien und verlor dabei ein Auge. Nachdem der Birudi 
zwiisdhen Brunhilde und Kriemhild gescliehen, madit sich 
H. izum VoUstDecker der Rache Brunhildes uiid tötet Siegfried 
meuchlings auf dier Jagd. Später, gefangen vor Kriemhild ge- 
führt, wird er, sich standhaft weigernd, den Nibelungen- 
hort zu veraten, mit dem Sichwert Siegfrieds erschlagen. In 
der nord. Sage führt er den Namen Hö,gni. s. Kutrun und 
Dankwart. 

Haggada, s. Cherub. 

Halbgötter, vergötterte, unter die Götter erhobene 
Miensclien, dann die Heroen, d. h. welche einen Gott zujni 
Vater, eine Sterbliche zur Mutter haben oder umgekehrit. 
. Halkyone, (gr) (Alcyone) Tochter des Äolos und der Ägiale, 
Gemahlin des Königs Keyx von Tradiis. Dieser ertrank. Als 
die Wellen seinen Leidhnam an das heimatliche Ufer tredben, 
und die dort harrende Gattin ihn erkennt, stürzt sie sidii aiua 
Schmerz ihm nach in die Fluten, wo beide von Thetis in 
Eisvö.gel '(Halkyonen) verwandelt werden, fortleben und sich 
,fortliebeu. Ihr Vater läßt während der Brutzeiffc (Dezember) 
die Winde ruhen. (D. s. halkyonische, glückliche Tage.) 

Hamadryaden s. Nymphen. 

Hämon, Sohn des König Kreon von Athen, -Verlobter der 
Xntigone. 

Hanrvatal, S. AmsdhaspandiS. 

Hape, (ä) Name das Nilgottes, der als bärtiger Mann mit 
hängenden Brüsten dargestellt wird. 

Har, s. Horos. 

Harald, is. Aslang. 

Harlungen, s. Eckart. 

Harmachis, s. Ra. 

Harmonia, (gr) Tochter des Ares und der' Aphrodite, Qe- 
mahliu <des Kadmos. Bei ihrer Vermählung waren sämtliche 

— 96 — 



Götter zugegen und besdienkten sie. Kadmos gab ihr ein van 
Hephästosverferti^es Halsband, an dem aber Verderben hing. 
Dies war der verhängnisvolle Schmuck, welchen später 
Polyneikes 'der Eriphyle gab, damit diese ihren Gemahl 
Amphiaraos zur Teilnahme am Kriege gegen Theben bewegen 
sollte. Nach Eriphyles Tod kam dais Halsband an ihres 
Sohnes Alkmäon Gattin Arisinoe, dami an Phegeus und 
Kallirhoe (s. Agehor 2) und veranlaßte überall Zwietracht und 
Mord, bis es endliiih nach Ermordung der Söhne des Phegeus, 
von Alkmäon Söhnen als Weih^esdienk im Tempel der 
Athene zu Delphi niedergelegt wurde. H. wurde in ^ine 
Schlange verwandelt. S. Semele. 

Harpokrates, ist der in den sr. und röm. Kultus über- 
nommene ä. Horos. 

Harpyien, Göttinnen des Sturmes, Töchter des Thaumas,, 
des Sohnes des Pöntos und der Elektra, der Tochter des 
Okeanos, Schwestern der Iris. Sie heißen auch Aello und 
Okypete, Aellopus, Thyella, Nikothoe etc. Sie sind geflügelt, 
schneller als der Wind. In der Argonautensage erscheinen sie 
namentlich in der Geschichte des blinden Sehers Phineus 
(s. d.). Dem Menschen zur Plage, bis sie von den Söhnen 
des Boreas, Zetes und Kaiais, erleg"t werden. In der liias 
erscheint nur eine H., Podor^e, welche in Stutengestalt — 
von Zephyros — Mutter der Rosse des Achilleus wurde. 
Sie werden au^h als Zwitterding von Jungfrau und Raub- 
vOigel, z. B, am Wappen von Nürnberg, dargesliell't. 
s. Pandareos. 

Harun al Raschid, s. Oberon. 

Hathor, (ä) Göttin mit dem Sonnendiskus und einem Hömer- 
paar. Personifikation des himmlischen Raumes, so wie Neith, 
Mut und Nut, ist daher auch Mutter der Sonne, wird aber 
auch Schicksalsgöttin. (Die sieben Hathoren sind die Feen 
der Aegypter.) Entspricht der gr. Aprodite. — s. Theneneit 

Hausgötter, s. Laren und Penaten. 

Hebe, (gr) Tochter des Zeus und der Hera, die Mund- 
schenkin im Olymp. Da sie einst bei eimer Darreichung fiel, 
verlor sie ihr Amt an Ganymedes. Gattin des Herakles, 
Mutter Alexiares und Aniketos. Göttin der Jugend. Bei 
den Römern hieß sie Juventas. 

Heidrun, s. Walhalla. 

Heimchen, s. Berchta. 

Heimdall, (nord) einer der Äsen, erbte von seinem Vater 
Odin Weisheit und Stärke, von seiner Mutter Schönheit und 
Größe. Er ist der Wächter im Himmel, dessen Palast auf der 
Brücke Bifröt erbaust ist; er sieht bei Tag und Nacht gleich 

— 97 — 7 



■,r.-y'. 



weit (s. Argos). Er hört auichi 'das öras wachsen und die 
Wolle der Lämmer. Wenn Feinde kommeai, stößt. er in sein 
Hörn, Gjallarhorn, mit dem er auch beim Weltuntergainig 
Götter und Eiriherier zum Kampf rufen wird. . Er nötigte 
Loke, das der Freyja gestohlene Halsband (Bi«ysing) wieder 
herauszugeben. Einst wandelte er unter dem Namen Rigr 
auit der Erde und setzte hier drei Stände ein: Edle, Freie 
und Sklaven. Er ist somit der Beg'ründer der Ordnu/ng. 
Seiner goldenen Zähine wegen führt er den Beinamen Gullin- 
tanni; sein Roß heißt Gulltopp. S, Iringsweg. 

Hekabe, (gr) lat. Hekuba, zweite Gemahlin des Priamos, 
Tochter des Damas aus Phrygien, oder des Kisseus oder des 
Flußgottes Sangarios, Mutter des Heiktor, Paris, der Kassandra, 
Kreusa, Polyxena u. v. a. Nach dem Falle von Troja folgte 
sie Odysseus als Sklavin, bis sie den Leichnam ihres jüngsten 
Sohnes. Polydoros, den ihr Eidam Polymiestor ermordet hatte, 
erblickte und aus Rache darüber dessen Söhne erschlug, ihm 
selbst aber die Augen ausriß. Hierauf wurda sie in eine 
Hündin verwandelt, worauf sie sich ins Meer stürzte. S. Laodiike. 

Hekate, (gr) „die Fernhinwirkende", Tochter d. Asteria, 
ursprünglich eine Mondgöttin, von den Göttern verehrit und 
den Menschen segeospendend. Sie wird daher mit Selene, 
Artemis, Demeter, Persephone, Rhea etc. identifiziert. Sie 
schickt mitunter Spukgestalrfcen aus der Unterwelt, z. B. Empusa 
oder die Lamien, und sie selbst sichwärmt mit den Seelen der 
Verstorbenen an Kreuzwegen (Trivia). Sie ist dreigestalti^ 
und wird auch so abgebildet. S. Diana und Medeia. 

Hekatoncheiren, (gr) — (lat. Gentimanen) das sind Söhne 
des Uranos und der Gäa, drei Riesen mit 100 Händenj und 
50 Köpfen. Sie hjeißen Ägäon (Briareus), Kattos und Gyes, 
(Gyges). Sie waren seit ihrer frühesten Jugend wegen 
ihrer den Göttern feindlichen Gesinnung in der Erdestiefe ge- 
fangen gehalten. Beim himmelstürmenden Kampf der 
Titanen wurden sie über Anraten der Gäa freigegeben und 
nadh beendetem KamiDfe als Wächter der in den Tartairos 
gesdhleu'derten Titanen bestellt. S. Ägäon. 

Hektor, (gr) der älteste Sohn des König Priamos und der 
Hekabe, Gemahl der Andromache, Vater desAstyanax (Ska- 
mandrios). Das Ideal eines Kriegshelden, Gatten und Vater-s. 
Ergreifend war der Abschied von. Andromache. Von den 
Göttern sind ihm besonders ApoUon und Ares gewogen. Zju 
seinen Haupttaten in der Schlacht giehören die Verteidigung 
des verwundeten Sarpeton, sein Zweikampf mit Ajax, die 
Erstürmung des Walles lund Sprengung des Thors. Er stedkt 
die 'Schiffe der Gr. in Brand und erschlug den Patroiklos. 

-98- 



Bald darauf wird er von AdüUeius getötet. Letzterer wirft 
den Leidinam vor der Totenbahre des Patroklos in den Staub 
und bestimmt i'hn den Hunden zum Fraß, allein Aphrodite 
sciÜLÜtzt Sieine Verwesung mit ambrosischem Oel. Auf Zeus' 
Veranlassung wird der Leichnam dann seinem Vateir, der 
sich bittend in das Zelt des Siegers gewagt hatte, übergeben. 
S. Eurypylos, Eridhthonos, Odysseus und Glaukos (4). 

Helj (nordisch und deutsch), Todhter des Loki und der 
Riesin Angurbo4a, halb schwarz, halb menschenfarbig (üiir 
Bruder galt als der heulende Stuirmeswolf Fenrir). Bei 
Gewittern sagt man: Es ist, als ob die Hölle (Hei) losge- 
lassen wäre! — Sie wurde, als sie Loki aus Jötunhieim 
nadh Asgard brachte, nach Niflheim in die Tiefe der Erde 
hinabgestürzt, thront dont in HeÜieim, als ewige Feinddin 
der Äsen. Göttin der Unterwelt und des Todes. — Eine 
goldene Brücike führt über den Fluß Gjöll zu ihr und der 
Hund Garm bewadht die Toten. — Sie heißt auch Hellia. 
S. Hermodier. 

Helche, (germ) audh Hepdhe, altnordisch Erka, war durch 
Rüdiger von Bechlarn ihrem Vater Osantrix entführt und 
dem Etzel gebracht worden, dessen Gemahlin sie wurde. 
Ihre Söhne sind: Erp und Ortwin, beide sind in der Rabenir 
Schlacht gefallen. Nach ihrem Tode wurde Kriemhilde 
Etzels Gattin. • "^ 

Heleios, s. Perseus. 

Helena, (g.r).(l) Tochter des Zeus und der Leda, der Ge- 
mahlin »des Tyndareos. Schwester der Dioskuren, Gemahlin 
des Menelaos, das schönste Weib der damaligen Zeit. Ihre 
Tochter ist Hermione. — Sie ließ sich von dem trojandBchen 
Prinzen Paris betören und samt den Schätzen ihires Gemahls 
nach Troja entführen, wais die Veranlassung zum Trojanisohein 
Krieg gab. Nadh Paris Tode erhielt dessen Bruder Deiphobos 
ihre Hand. Bei der Einnahme der Stadt ist sie, reumütiig 
geworden, den Griechen behilflich und liefert ihren gegen- 
wärtigen Gatten dem Menelaos aus, mit dem sie dann noch 
lange Zeit glücklich lebte. Ihre Freundin PoilyxosoLl sie, eineir 
anderen Sage naCh, wegen des Unheils, das sie ainstif^te, 
auf einen Baium hängen lassen habein. Andererseits soll 
sie noch durch Achdllaus Mutter des geflügelilen Euphorion 
geworden sein. Sie wurde auch als Mondgöttin verehirt. Einer 
ihrer Freder war auch Antiloches. — S. Achilleus und Eury- 
pylos. — (2) Gemahlin des Pandion, die Zeus den Miusäos 
gebar. — 

Helenes, (gr) Sohn des Priamos und der Hekabe. Steher, 
der aber auch am Kampfe teilnahm. Als einzig überlebender 

— 99 — 7* 



Sohn Priamos war er beim Unferirang Trojas anwesend',. 
Et weissagte, daß Troja nur mit Hilfe des Neoptolemos 
und PhiilOiktetes gewonnen werden könne. Nach dem Tode 
des Neoptolemos vermählte er sich mit Andromadie (deren 
dritter Gatte er wurde). 

Helferich, s. Dankmart. 

Helgi, s. Edda. 

Heliaden, (gr) Töchter des Helios und der 01<feanide, 
Klymene und zwar: Phaothusa und Lampetia, Schwestern 
des Phaethon, dem sie ohne Geheiß des Helios den Sonnen- 
wagen 'spannten. Sie wurden zur Strafe oder aus Mitleid, 
da sie den Tod d&ß Bruders luntröstlich beweinten, in 
Pappeln verwandelt. Aus ihren Tränem entstand der Bern- 
stein und selbst als Bäume »noc'h schwitzen sie goldene 
Tränen aus. S. Eridanos. . 

Helikaon, s. Laodike. 

Helike, Tochter des Selinos. S. Jon. - ' 

Helikon, (jetzt Zagoire), Gebirge in Böotien, ehemaliger 
Aufenthaltsort der Musen. Am Gipfel stand ein Altar des 
Zeus. , \ i 

Helikoniden, Bezeichnung der Musen. 

Heliogabalos, (syr), auch Elagabalus. Sonnengott. 

Heliolatrie, Sonnenanbetung. 

Helios, (gr), röm. Sol, Gott der Sonne, Sohn des Titanen 
Hyperion und der Theia oder Euryphaessa, Bruder der 
Selene und der Eos. Er wird mit seinem Vater identiffeiiert. 
Die Gemahlinnen und Geliebten Hs. sind: die Okeaniide 
Klymene (Gemahlin des' Merops), welche ihm den Phaeton 
und die Heliaden gebar, Iphone, mir der er den Augeias, 
und die Okeanide Perseis, mit der er den Äetes, die Pa&phaie 
und die Kirke zeugte. — 'AUsehend, galt er als Späher. 
Er war es, der dem Hephästos die Liebe des Ares und der 
Aphrodite entdeckte. Dafür verfolgte Ares dessen ganze 
Nachkommenschaft. Der Demeter verriet er 'den Räuber 
ihrer geliebten Tochter Persephone (s. Demeter). Er wurde 
bei Eidschwüren angerufen. Seine Beinamen sind: Soter, 
Päan (der Heilende) und Phaethon „der Leuchtende." 

Helle, (gr) Todhter des Athamas und der Nephele, sollte 
auf Anstiften ihrer Stifmutter Ino nebst ihrem Bruder Phrixos 
geopfert werden. Sie w^urde aber von Nenhele auf einen 
.goldenen Widder entführt, aber nur der Bruqer erreichte das 
Ziel der Flucht, sie fiel in das (nach ihr oienainnte) Meer 
Hellespont. 

Hellen, (gr) Sohn des Deukalion und der Pyrrha, Er zeugte 
mit \de-r Nymphe Orseis den Äolos, Doros, Xuthos und den 

— 100 — 



Amphiiktyon, dessen Bruder er auch ist. Sein Land heißi 
Phthia. Er ist der Stammvater der Hellenen, der Äolier, 
Dorier und Jonier. 

Hellenen, Name dieir alten Griechen (s. Hellen). 

Hellotis, 'Name der (Mondgöttin) Europa auf Kreta. 

Hemera, (^.r) To'zhter des Erebos und der Nyx. Sie steigt 
jeden. Ta^ aus der Unterwelt heraus (der Tag). •: — Sie 
wird tnit der Eos identifi23iert. 

Hemithea, (gr) Tochter Poseidons aus erster Ehe. S. 
Kyfcnos. 

Hephästos, (gr) Sohn des Zeus und der -Hera, Gott des 
FetLBrs' !und der Künste insbesondere der Schmiiedelcunst 
Seine Gehilfen sind die Kyklopen. Wegen sieiner Lahmheit 
warf ihn seine Mutter vom Olymp herunter. Er fiel ins 
Meeir, wo ihn Thetis und Eurynome aufnahmen. In einer 
Grotte verfertigte er manch ücunstvolle Arbeit. Nur im Rausch, 
in den ihn Dionysos versetzte, ließ er sich bewegein, in den 
Olymp zuirü'dkzukehren. Seine irdisichen Werkstätten- sind: 
Lipaira, Wiera, Imbros und Ätna' (lauter vulkanis-dhe Gegenden). 
Seine Gattin ist die Chiaris oder die Aphrodite, leitztere 
bricht ihm mit Ares die eheliche Treue... Er war lahm und 
hinÜcte auf einem Fuß. Seine berühmten Arbeiten sind: das 
Bild der Pandora, die Pfeile des Eros, der Wagen des Helios, 
das Halsband der Harmonia, die silberenen und goldenen 
Hunde des Älkinoos, der Brustharnisch der Diomede u. a. — • 
Bei den Römern hieß er Vukanuis. S. Palikem und Ptah. 

Hera, (gr) die älteste To'chter des Kronos und der Rhea, 
Schwester und Gemahlin des Zeus und nach diesiem die mäch- 
tigste Gottheit (Luft-, Mondgöttin). In ehelicher Eintracht 
mit Zeus, erscheint sie lieblich, die Erde befruditend, die 
Ehe stiftend und behütend, im ehelichen Zerwürfnis aber 
finster und verderblich. 

Ihr glühender Haß g^egen Ilion, angefacht durch des 
Paris zurücksetzenden Urteils, madht sie zur leidenschaftlichen 
Bundesgenossin der Achär. Ihr Benehmen nimmt sogar den 
Charakter der Falschheit an. Argwöhnisich beobachtet sie 
Zeus' Schritte und selbst nicht 'mutig genug, sucht sie 
andere zum Widerstand anzureizen. Einmal machte sie mit 
Poseidon und der Athiene, den Vorschlag, den Zeus zu fesseln, 
aus weldier Gefahr ihn Tethis durch Herbeirufen des hundert- 
armigen Briäreos rettete. 

Hauptsächlich aber erregen Zeus Liebschaften ihre Eifer- 
sucht So wird Kallisto, weil sie dem Zeus zu willen gewesen, 
in eine Bärin verwandelt. Gegen Jo, die auf ihr Anstiften 
als Kuh von einer Bremse verfolgt wird, g^egen Leto, 

' —101 — 



Alkmene, Galanthiis, Danae, Europa, Semele tund lynx (s. d.) 
verfährt sie rücksichtslos. Als Ehegöttiti heißt sie Teleia. 
Ihre Kinder sind: Ares, Hebe, die Eileithiiniiien und He- 
phästos. Sie soll aber -auch dem Titanen Eurymedon einen 
Sohn, den Prometheus, geboren haben uind soll einst in den 
schönen Knaben Äetos verliebt gewesen sein, der deshalb 
in leinen Adler verwandelt -wurde. Andererseits weist sie 
Werbungen des Ixion, Porphyrion, Ephialtes etc. zurüdk. 
Bei ,den Römern heißt sie Juno. — S. Ammonia, Eurytheus, 
Eurynome, Eris, Galinthias und Paliken. 

Herakles, (gr) bei den Römern Hercules. Nationalheros 
dcT 'Griechen, Sohn des Zeus und der Alkmene, aus dem 
Geschlecht Id.'es Perseus. Sein Halbbruder ist Iphykles. 
welchen "die Mutter von Amphitryon empfing, nachdem sich 
ZecKS lebien aus ihren Armen entfernt hatte. Er wurde in 
der nächsten Nacht geboren. Niemals war die immer wache 
Leidienschaft der Hera heftiger entfacht worden als 'diesmal 
und 'die' Ra die. welche sie für die Treulosigkeit des Gemahls 
auissann, entsprach ihrer Erbitterung. Als der Tag der 
Niederkunft Alkmienes gekommen war, gelobte Zeus im 
Uebermaß der ihm bevorstehenden Vaterfreuden, ^daß der- 
jenige Abkömmling des Perseus, der heute das Licht der 
Welt erbli±en werde, über alle anderen Perseiden unum- 
schränkter Herr sein solle. Hera ließ sich das Wort durch 
einen Eid bekräftigen und mit Hilfe der GeburtsgölifiiYi 
Eileithyia wurde die Niederkunft um 7 Tage verschoben, 
wähnend sie die der Gemahlin des Sthenelos beschleuihigte. 
wodurch^ deren Sohn Eurystheus an jenem Ta^e geboren 
wurde -und die Oberherrschaft erhielt. ' 

H. wächst ungemein stark heran, der selbst die Un- 
sterblidhen nicht sdhont, die Hera und den Ares verwundet 
und den Gefahiren seitens der ersteren trotzit. Nach anderer 
Sage \braclhte Hermies den Säugling in den-^ Olymp und legte 
ihn der Hera zur Brust. Beim Erwachen warf sie ihn aber 
von 'sidh unid von der dadurch verspritzten Miloh entstand 
die MiLchistraße am Himmel. (Bevor Hera Herakles verfolgte, 
wurde er Aleide, Alkeides genannt). 

Herakles am Sdheidiewege : Zwei Frauen verschiedener Ge- 
stalten treten an den sinnenden Jüngling heran, die eine 
die Lust (das Lasteir), die andere die Tugend. H. wählt 
den Weg der letzteren. — 

Thespios Igibt dem H., der einen Löwen gegen dessen 
He.rden bekämpfte durch 50 Nächte hindurch jede Nacht 
eine andere seiner 50 Tödhter, die ihm jede einen Sohn 

- 102 — 



sdhienikt. Die Acca Larenti ist seine Geliebte, sein Liebling^ 
ist Hylas. Mit dar Deianeira .zeugte er den Hyllos und die 
Makari.a. H. nimmt am Ärgonautenzug teil. Sein treuer 
Gefährte und Wagienlenker war Jolaos (s. d.). 

Bei der Eroberung von Öc^halia erhielt er nach der Er- 
mordung- des Eurytos die sichöne Jole als Kriegsgefangene. 
Sie heiratet nach Hs. Tode, dessen unschuldige Ursache sie 
war, dessen Sohn Hyllos. 

EJr begegnete einst die Abgesandten des orcihomänischeai 
Königs Erginos, die den Tribut der Thebaner einzutreiben 
hatten. H. schnitt ihnen die Nase und Gha-en aB und sidhickte 
sie gefesselt nadhi Hause. In dem nun folgenden Kampfie 
zwingt 1er die Ondhomenier zu doppeltem Tribut, wofür ihm 
Kneon seine Töiöhter Megara schenkt, mit der er 3 Söhne 
zeugte, Aristodemos, Deikoon und' Altäos. 

Nun Tief iihn Eurystheus in seine Dienste und trug mit 
Zeus Einverständnis ihm die bekannten, schier unausführl- 
baren 12 Arbeiten auf. Darüber gerät Herakles in Raserei, 
(s. Iphitos), wobei er seine mit Megara gezeugten Kinder 
tötet. S. Omphale und Pymäen. Die 12 Arbeiten: 

1. Er erwürgt den nemeisohen, unverwundeten Löwen. 

2. Er vernichtet die lernäiisiche Schlange (Hydra), ein 
Ungeheuer mit neun Köpfen; diese haben die Eigen&chaft, 
daß wenn sie abgeihackt werden, an dieser Stelle sogleich 
zwei neue Köpfe nachwachsen. H. brannte jedoch mit Hilfe 
seines Gefährten Jolaos iQine jede abgehackte Stelle mit einem 
glühenden Baumstamm aib. Den neunten, unsterblichen Kopf 
verscharrte er unter einem schweren Felsblodc. Beide Un- 
geheuer waren von Typhon gezeugt, letzteres mit der Echidna, 
Mit der Galle der Hydra hestridh er seine nun absolut tödlich 
wirkenden Pfeilspitzen. 

3. Den erymanthischen Eber trieb H. in tiefen Schnee, 
nahm ihn dort lebendig gefangen und brachte ihn, auf 
dem Rüdken tragend, vor den feigen Eurysteneus, der über 
diese Leistung derart erschrak, daß er sich in ein Faß 
verfcroiah. 

4. Die keryniti&che Hindin mit goldenem Geweih und 
ehernen Füßen, verfolgte er ein Jahr lang, bis er sie 
mit einem Pleil in den Fuß traf. 

5. Die Stymphaliden, ein Schwärm räuberischer imd men- 
söhlenfressender Vögel, die ihre Federn wie Pfeile ab- 
sohießen Ikonnten, verscheuchte er mit einer ehernen Klapper, 
worauf ler sie mit seinen Pfeilen tötete. 

6. Er holte den Gürtel der Amazonenkönigin Hippolyte, 
freilich' mit Hindernissen, denn Hera, in eine Amazone 

— 103 — 



verwandelt, verbreitete unter diesen das Gerüdhit, ihre 
Königin 'solle geraubt werden, was Kämpfe zur Folge 'hatte. 
H. iriß Hippolyte .bei den Haaren vom Pferde, tötete sie 
und gewinnt auf diese Weise den Gürtel. S. Theseus. 

7. Den Stall des Augieias, in welchem 3000 Rinder längere 
Zeit gestanden waren, reinigte er mit Hilfe des Flusses 
Alpheios, den er dahin leitete, in einem Tage. 

8. Des kretischen Stiers bemächtigte er sich, laßt sidi 
von diesem durch das Meer tragen und bringt ihn lebend nach 
Mykenä. 

9. Die Stuten dies Diomedes, die mit dem Fleisch von 
Wanderern gefüttert wurden, bändigte er und warf ihnen 
ihren Herrn als Futter vor. 

'lO. Die Rinder des Geryon, die H. holen mußte, die aber 
auf der Insel Eurytheia im Ozean von dem Riesen Eurytion 
und dem zweiköpfigen Hund Orthros bewacht wUTdem. 
.11. 'Drei der goldenen Äpfel der Hesperiden nach Mykenä 
zu (bringen, war seine vorletzte Aufgabe, deshalb besonders 
fediwer, weil er gar nicht wußte, wo die Gärten der 
Hesperiden zU' suchen waren. In verschiedene Abenffceuier 
vei-wickelt, wandert er lange in der Welt uimher, bis . er 
auch nach deim Kaukasus kornmit, wo er den Adler, der 
die Leber des gefesselten Prometheus fraß (s. d.) erlegte 
Ufltwl den Bestraften befreite. Durch eine List, s. Niereus, 
kommt er durch Atlas in den Besitz der Äpfel. 

12. Schließlich hatte er noch den Kerberos aus der 
Unterwelt heraufzuholen. Dieses wütenden Tieres bemächtigite 
er isich geschickt, führt es dem Eurystheus vor und bringt 
es dann wieder dem Beherrscher der Unterwelt zurück. 
S. Theseus, Neleus, Orpheus, Molionen, Latinus, Kepheus 
und; Kerkopen, Kyknos. , 

Herakliden, 'sind die zahlreichen Sprößlinge, die Herakles 
auf »einen Wanderungen im der Welt hinterlassen hat. Der 
älteste der vier Söhne, Hyllos, (von der Deianeira) ist der 
Stammvater der H. dessen Sohn hieß Kleodäos. Unter Lei- 
tung des einäugigen Oxylos eroberten sie den Pelopownies. 
S. Jole. 

Heräon, Hera-Tempel, zwischen Argos und Mykenä. 

Herche, (Helche), s. Etzel. 

Hercules, s. Herakles und Afer. 

Here, d. i. Hera. 

Herse, (gr) „Tau", Schwester der Aglauros, s. d., dann 
Selene, Erechtheus und Padrosos. 

Hermaon. ein Geschenk des Hermes (ein unverhoffter 
guitesr Fund). — i 

— 104 — 



Hernien, Bilder des Hermes. 

Hermes, (gir) Sohn des Zeus und der Mala, der Tochfter 
des Atlas. Et ist der Gott der Erfindungsgabe, der Anmuit, 
Gewandtheit, der List (Diebstahl) und der Versdhlagenheiit, 
Windgott, dann Gott der Herden und der Weiden. — 
Vier Stunden nach der Geburt sprang er aus der Wiegie 
und spielte auf der Lyra, hiebei die Liebe des Zeus zu 
Maia besingend. Er staJhl aus der" Herde seines Brudefs, 
Apollon, 50 Rinder, die ihm dieser aber dann gegen Ueber- 
lassung der Lyra sohenkt. Später überläßt ihm Apollon 
den Heroldstab, gegen Abtretung der Hirtenflöte (Syrinx). 
Apollon lehrte seinen jüngeren Bruder die Kunst der Weisr 
sagung^ und Zeus madhite ihn dann zum Götterherold. Uaiter 
dem Schutze der UnsichtbarmaDhung des Helmies Plutons 
kämpft H. 'gegen die Titanen, er befreit den Ares aus den 
Fesseln der Aloiden, tötet den die Jo bewachenden Argos, 
führt 'die Persephone aus der Unterwelt zu Demeter, enit- 
fühirt den Ganymedes, rädert auf Zeus Geheiß den Ixion 
und läßt Prometheus an den. Felsen im Kaukasus schmieden. 
Er ist der Ueberbringer der mit den verfänglichen Gaben 
ausgestatteten Pandora dem Epimetheus. Den Priamos führt 
er in das Zelt des Adhilleus und hilft dem Odysseus in 
der Bedrängnis der Räiike Kirkes. Er ist der Führer des 
kleinen Dionysos zu den Nymphen des Berges Nysa, wo 
dieser erzop^en wurde. Den Herakles begleitete er in die 
Unterwelt. Den Perseus rüstet er mit seinen Waffen gegen 
die Medusa aus. 

Einige seiner Kinder: Abderos, Daphnis, Hermaphroditos 
Pan (mit einer Tochter des Dryops und Priapos). Seine Sohle 
und sein Hut sind geflügelt. Beinamen: Chtonios, Psycho- 
pompos, Kyllenier, Hermeneus (Dölmet&cih) etc. S. Satyrn, 
Phrixos und Mythdlos. 

Hermione, die schöne Toehtar des Menelaos und der 
Helena, geboren vor deren Entführung durch Paris. Sie 
wurde gegen ihren Willen mit Neoptolemos (Sohn des 
Adiilleus) vermählt. Orestfes erschlug ihren Gatten und zeugte 
mit ihr den Tisamenos. 
' Hermionen, s. Mannus. 

Hermoder, (nord) Hermodhr „der Heermutiofe", der Bote 
der Götter, Sohn des Odin und der Frigg. Er reitet auf 
seines Vaters Roß, Sleipnir, schneller als der Wind. Seine 
bekannteste Sendung war die an Hei wegen Herausgabe der 
Leiche Balders , s. d. Er bringt Odin den Ring Draupnir als 
Geschenk Balders. S. Äsen . 

— 105 — 



Hero und ' Leander, berüihimtes Lkbespaar. Da Hero ^Is 
Piriesterin der Apihrodite (zu Sestos) und wegen des Willen" 
der Eltern nidht heiraten durfte, sdiwamm Leander, geleitet 
vom Leucihtuirm, allnächtlicli über den Helles,pont zur Ge- 
liebten, bis er eines Naobts ertrank, da das Leuchtfeuer 
verlöschte. Als sie seinen Leichnaim erblickts, stürzte sie 
sich ins Meer. » 

Heros, (gr) „Held^S das Ideal männlicher Kraft und Ritter- 
lichikeit (Halbgott). 

Hersilia, Gemahlin des Romulus (Quirinus). Sie vi^urde 
be'im Raub der Sabinerinnen erbeutet, später mit Unsrtierb- 
liohikieit beschenkt und als Hera Quirina verehirt. Oder 
Gemahlin des Hostus Hostilius, eines Bundesgenossein des 
Romuluis. ' 

Hertha, oder Nerthus, s. deutsche Mythologie. 

Hesione, (gr) Tochter des troischen Königs Laomedon und 
der Leuikippe. Sie sollte durdhi ihren Tod Apollon und Po- 
seidon versöhnen, welche Troja, wegen einer Wortbrü.chig- 
keit ihres Vaters mit einem furchtbaren Meeresungeheuer 
hieimsuchten, weshalb sie als Beiute dieses Tieres auf einen 
Felsen geschmiedet " wurde. 

Herakles, der von seinem Zuge gegen die Amazonen gerade- 
in diese Gegend kam, versprach das Mädchen zu befreien, 
wenn Laomedon ihm seine herrlichein Rosse gebon wollte, die 
er einst für den geraubten Ganymedos von Zeus erhaltein 
hatte. Laomedon ging auf diese Bedingung ein. H. vvmirde 
befreit, aber Herakles bekam die Rosse nicht. Da tötete ihn 
der Heros und gab H. seinem Genossen Telamon zur Ge- 
mahlin, dem sie den Teukros gebar. 

Hesperiden, (gr) Töchter oder Enikelinnen des Atlas und der 
Hesperis: Ägie, Arethusa, Erytheia und Hesperia (Hestia). Sie 
bewachten unier Beistand des wachsameii Drachen Ladoin 
die goldenen Aepfel eines Baumes, welchen Ciäa aus ihrem 
Schoß hervorsprießen ließ, um der Hera, als Braiut des Zeus, 
ein Geschenk darzubringen. Die Aepfel zu holen, war die 
elfte Arbeit des Herakles. S. Nereus und Thoasa. — 

Hesperos, ein Sohn des Kephalos und der Eos oder des 
Asträos oder des Atlas. Vater der Hesperiden. 

Hestia, (gr) Tochter des Kronos und der Rhea, Göttin 
des Herdes und des Herdfeuers, eine der zwölf oberen 
Gottheiten, Schwester des Zeus. Als Apollon und Poseidon 
um sie warbien, schwur sie ewig Jungfrau zu bleiben, Sie 
entspricht der römischen Vesta. S. auch Hesperiden. 

Hesychia, „Ruhie und Sicherheit", s. Dike. 

— 106 — 



Hetären, (gr) Freundinnen, Sklaven oder auch freie 
Mädchen, die zur Erhaltung der sittlichen Ehe den iuingeai 
Männern galten (z. B. Thargelia). Es wurden öffentliche ' 
Bordelle errichtet, a,us deren Ertrag der Aphrodite = Pan- V 
diemos ein Tempel erbaut wurde. S. Aspasia. 

Hettel, s. Gudrun. 

Hexe, riohtig'er Hägsahe. Ursprünglich Hainpriesteniinnen, 
den Wallcüren verwandt. Waldgöttinnen. Die Bezeichnunig 
'Wakiderske erklärt, warum sie durch, die Lüfte ritten, . 
Wetter machten, an des Teufels Gelagien teilnahmen, und • 
sich vorzugsweise in Katzen verwandelten, die der Frey ja 
heilig waren. — Alte Frauen der Wahrsagerei (Heilmittel) 
heißen H. — S. Blocksberg. 

Hiarbas, (g-r) König von Lybien, während dessen Herr- ^ 
sdhaft Dido ins Land kam. Sie versohmähte ihn. 

Hierodulen, Tempeldienerinnen oder Priester, auch Priester- ; 
innen. — Das Heiligtum der Venus = Erycina, hatte bei- 
spielsweise weibliche H. — S. Anaitis». 

Hilaeira, „Die Heiterglänzende", s. Leukippen. ,. \ 

Hilde, s. Öigir. 

Hildegrin, s. Gudrun. 

Himeros, (gr) Personifikation der Sehnsucht und des Ver-^ 
lan©ens. Begleiter des Eros und der Aphrodite. 

Hiob, (Job) ein zum Zwecke der Veranschaulichung, fin- : 
g^ierte Persöii, angeblich Herdenbesitzer im Lande Uz, also 
ein saigenhafter Held des nach ihm benannten Lehrgedichtes 
des Alten Testaments. 

Hippodameia, (^gr) (1) Tochter des Önomaos Gattin des 
Pelops, Muftter von 6 Söhnen, z. B. Phönix (mit Amyntor). ' 
— (2) Tochter des Lapithen Anax, Gemahlin des Peirithos, . 
s. d. — (3) Tochter des Brises, Königs der Lele^r, Gemahlin 
des Mines. 

Hippodamos, (ffr) Sohn des Obalos und der Nymphe 
Bateia, vertrieb seine Brüder Tyndareos und Ikarios, Avurde 
aber selbst samt seinen 20 Söhnen weg^en der Ermo-rduing;' 
des Knaben Öanos, eines Verwandten .des Herakles, von .• 
diesen erschlagen, worauf Tyndareos von der väterlidhed 
Herrschaft Besitz er&riff. 

Hippokrene,(gr) Quell der Musen, entstanden durch einen 
HufscMag des Pegasus. 

Hippolochos, (igr) Vater der Glaukos (4). 

Hippolyte, (ig'r) Amazonenkönigin, Tochter des Ares und 
der Otrera. Sie ist weigen eines von des Eurystheius Tochter, 
Admete, igewünschten Gürtels in dem Herakles-Mythus 
verflochten, wird von Herakles erschlagen. 

- 107 — 



Hippolytos, (gr) „Rosselöser', Sohn des Theseus 
und der Amazone Antiope oder Hippolyte. Er ist duirch 
sein tragisclies Ende berühmt. Theseus zweite Gemahlin, 
Phädra, entbrannte in leidenschaiftlidher Liebe zu dem Jüng- 
ling. Da dieser ihre Anträge zuirückwies, verleiumdete sie 
ihn bei . Theseus, als ob er ihrer Tugend nachstelle. Dieseir 
verfluchte den Sohn und flehte Poseidon um Radhe an, 
worauf H. durch seine seheugewordenen Pferde an einem 
Felsen zerschmettert wurde. Phädra aber entleibt sich. — 
Naich, der römischen Sage wird H. durch Äskulap' wieder 
zum Leben erweckt (und von Diana in einen Hain in Latiium 
gebracht. S. Asklepios. ' . 

Hipponoos, (gr) Vater des Kapaneus, s. Bellerophon. 

Hippothon, (gr) Sohn des Poseidon und der Apola, Tochter 
des Kerkyion. Er wurde als neugeborenes Kind von seiner 
Mutter ausgesetzt, aber von einer Sitiute gesäugt, bis ihn 
Hirten fanden und aufzogen. Die Mutter aber verwandelte 
Poseidon, als sie von ihrem Vater eingekerkert wurde, in 
eine igleiohnamige Quelle bei Eleusis. Als Theseus, den 
Kerkyon im Ringkampf überwunden und getötet hatte, über- 
truig er die Herrschaft desselben dem H., 

Hiuki, s. Bil. 

Hjarbas, s. Dido. 

Hier, s. Ögjir. 

HIesey, s. Ögiir. 

Hlidskialf, s. Asgaird. 
..Höder, Hödhr, (nord) Sohn des Odin und der Frigg, 
ein Ase von außerordentliche^- Stärke, aber blind. Getäuscht 
durch den bösen Loke, erschoß er seinen Bruder Baldr mit 
der Staude Mistiltein. Er ist die Finsternis (Winter). 

Högni, s. Hagen. 

Holda, (Hulda, Holle) nach dem zum Teil noch jetzt 
fortlebenden Volksglauben in Franken, Hessen und Thüringen 
ein geisterhaftes Wesen, ursprüngHch eine altdeutsche Göifctin 
(Sonne und Wolkenfrau). Sie weilt gerne am See oder in 
Brunnen und strähnt dort ihr goldenes Haar. Sie kann 
auch häßlich sein, einer Hexe gleich, weshalb man mit ihr 
die Kinder schreckt. Wenn es schneit, sehüttelt Frau Holde 
ihr Bett, daß die „Federn" fliegen. — S. F'reya und Berchta. 

Holle, s. Holda und Baba. 

Homers, (Homer) Dichter der die beiden großen Epen 
der Griechen Ilias und Odyssee geschrieben hat. 
. Hönir, s. Äsen und nord. Mythologie (= Wili). 

Horaut, s. Gudrun. 

— 108 — 



Hören, (g^r) (lat. Horae), TöcTiter des Zeus und der Themis, 
die Göttinnen' der Jalhreszeiten und der Ordnung. Sie sind 
Dienerinnen des Zeus, öffnen und schließen den Olymp/ 
führen die Wolken heraiuf und zersitreuen sie. Sie füttern die 
Pferde der Hera und spannen sie ein. Euinomia (Gesetzmäßig- 
keit), Dike (Recht) und Eirene (Friede). Die Attiker kannten 
nur zwei: Thallo (Frühling) und Karpo (Herbst); s. Anatole. 

Horos, (ä. Hör oder Har), Gott des Uchtes. Sonnengott. 
Es .gibt einen älteren H. (Arveris) der ein Bruder des Osiris 
sein soll. (Bei denGriedhen identisch mit Apollon.) H. iist nO'Crh 
ein Kind, als Osiris von Typ'hon getötet wird, und wiird,^ 
wälirend Isis jenen sucht, von der Leto in Buto erzogen.' 
Als Verniohter seiner Gegner wird er auch ' Hortma genannt. 
In Bezug auf die Jahireszeiten heißt er Harmachis (am 
Horizont) oder auA Hortebt (Flügelausspanner). In seiner 
Juigend 'heißt er Hopechrot (gr. Harpokrates). 

Hostus, Hostilius, s. Hersilia. 

Hreidmar, ein Zauberer, s. Otr. 

Hrymthursen, s. nord. My. und Buze. 

Hu, (brit) (Spr. Hü) mit dem Beinamen Hugadran (der 
Kräftige), Hauptgottheit (Ackerbau, Gesittung und Poesie) 
der alten Briten. Er soll die große Flut beendigt haben, 
welidhie durch das Uebiertreten des Llionsees bewirkt wurde, 
und aus wielidier nur zwei Mensehen: Dwyvan und Dwywach, 
übrigblieben, die sich mit verschiedenen Tiergattungen auf 
ein Schiff (Kyd)' gerettet hatten. 

Hugadran, s. Hu. 

Hugdietrich, Held einer deutschen Dichtung des 13. Jahr- 
derts. Gleichsam eine Einleituing zu Wolfsdietrach, s. d. 

Hugin, Rabe „Gedanke", s. Odin. 

Huldgöttinnen, s. Grazien oder Chariten. 

Hüon, s. Oberon. 

Hwergelmir, s. nordische Mythologie (Brunnen). 

Hyaden, (gr) (die Regnenden), befruchtende und durch die 
Feuchte nährende Nymphen, bekannt als die Ammein und 
Retterinnen des neugeborenen Dionysos. Atlas soll mit der 
Aethira zwölf Töchter und einen Sohn Hyas erzeugt haben, 
deir auf der Jagd von ' S^dhlangen getötet wurde. Die 
Sidhwestern wurden, weil sie ihren Bruder aufs heftigste be- 
klagt hatten, als Sterne aiuf den Himmel versetzt. 

Hyakinthos, (gr) Sohn des spartanischen Königs Amyklas 
und der Diomede, ein Jüngling von außerordentlicher Schönr 
heit und Geliebter des Apollon. Auch Zephyr bewarb sidh 
um seine Liebe, jedo'dh vergebens. Aus Rache tötete er ihn. 

— 109 — 



ApoUon ließ aus deim Blute auf seinem Grabe eine« Blume 
glei'dhen Namens sprießen. S. Linos und s. a. Narkissos. 

Hyas, s. Hyadien und Atlas. 

Hydra, (gr Hyder) das vielköpfige Ungeheuer im Sumpfe 
Leima, welches Herakles tötete. S. d. und Typ^hon. 

Hyetios, „Regenspendeir'^ Beiname des Zeus, resp. Jupiter 
Pluvius. 

Hygieia, (gr) (Hygieä), Todiiter des Asklepios, Göttin der 
Gesundheit. Auch, ein Beiname der Athene. S. Salus. " 

Hylas, (gr) Sohn des Dryoperkönigs Theiodamas, Liebling 
des Herakles, der ihn auf den Argonautenzug mit sich nahm. 
In der Nähe von Troja schöpfte er Wasser,- da zogen ihn die 
Nymphien ob seiner Schönheit ins Wasser und Herakles 
suchte ihn vergebens. S. Linos und Oper „Die Trojaner", 2". T. 

Hyllos, (gr) Sohn des Herakles und der Deianeira, heiratete 
die JoLe. Vor der Feindschaft des Eurystheus flüchtete er mit 
seinen Geschwistern, bis sie in Attika bei The&eus Aufnahme 
fanden. Als aber Eurystheus auch dahin folgte, opferte sich 
, Makaria, Herakles' Tochter, freiwillig für ihre Geschwister, 
die nun den Feind in die Flucht schlugen und H. den Ery- 
stheus tötete. H. war später als König der Dorier Anführer 
des Zuges der Herakliden nach dem Peloponnes, fiel aber 
; im Zweikampf mit, dem König Echemos von Tegea. S. Pyrrhos. 

Hymen, (gr) (Hymenäos), Hochzeitsgott, Sohn des Dionysos 
und der Aphrodite oder des Apollon mit der Muse Urania 
oder Kaliope (s. Linos, Jalemos und Asklepios). Oder ein 
athenischer Jüngling, der einst einer geliebten Jungfrau, deren 
Eltern sie ihm verweigerten, in Mädchenkleidung näöh Eleusis 
zum Demeterfest folgte, aiber samt den dort versammelten ' 
Jungfrauen von Räubern entführt ward, welche er, während 
sie betrunken an der Küste schliefen, tötete, wodurch die 
Mädchen gerettet wurden. Er starb am Tage seiner Hochzeit. 

Hymir, ein Riese, s. Edda. 

Hymiskvidha, s. Edda. 

Hyndia, Zauberin, s. Edda. 

Hyperion, (gr) ein Titane, Sohn des Uranos und der Gäa, 
zeugte mit seiner Schwester - Theia den Helios, die Selene ♦ 
und Eos. H. ist der Beiname des Helios. 

Hypermnestra, Gattin des Lynkeus, eine Danaide. S. Danaos. 

Hypnos, Bruder des Thanatos, s. d. und Somnus. 

Hypsipyle, (gr) Tochter des Thoas, König auf Lemnos, 
Sie wurde Wärterin des Opheltes, des jungen Sohnes des 
Königs Lykurgos von Nemea. Als das Kind wegen ihrer 
Unachtsamkeit von einer Schlange gebissen wurde und starb, • 
wurde sie eingekerkert, aber durdi ihre von Dionysos herbei- 

— 110 — 



geführten Söhne Thoas und Euneos, die sie dem Jason 
während seiner Abwesenheit auf Lemnos gpeboren hatte, 
wieder befreit. S. Thoas, s. Opheltes. 

Hyreus, Vater des Orion, s. d. 

Hyria, Mutter des Orion, s. d. 

Hyrieus, s. Trophonios. 

Hypseus, Vater der Themisto, s. d. 

I- 

. lalemos, (gr) Sohn des ApoUon und der Muse Kalliope, 
Bruder des Hymen. 

Ibis, der heilige Nilvogel, BeJcämp-fer der Schlangen, des 
Dradhen, Lehrmeister der Menschen in vielen Dingeai. S, Thotii. 
■ Ida, (1) Gebirge in der Landschaft Troas. Hier entschied 
Paris den Streit . zwischen Aphrodite, Hera und Athene. Von 
hier wurde Ganymed zum Zeus entführt. — (2) Gebirge im 
Innern der Insel Kreta. Hier ward Zeus von den Nymphen 
aufgezogen. — (3) Ida (Ide), Tochter des Melisseiis, Schwester 
der Adrasteia. 

Idäa, (gr) (Ida) (1) Name einer Nymphe, s. Zeus und 
Teukros. — (2) Gattin, des Phöneus, s. d. Heißt auch 
Eidotheia. Ida wird die Mutter des Minos genannt. 

Idäische Daktylen, (gr) dämonartige Gestalten: darunter 
Kelmis (Schmelzer), Damnameneus (Hammer) und Akmon 
(Amboß). Ihnen wird die Auffindung und Bearbeitung des 
Eisens und Kupfers im Idagebirge in Phrygien zugeschrieben. 
Im Dienste der „großen Mutter" Rhea-Kybela gehören sie 
in die Reihen der Kureten und Korybanten, Kabiren und 
Teichinen. Angeleitet durch die Schmiedekuinst, hält man sie 
für die Erfinder des musikalischen Klanges und Taktes. 

Idäos, Sohn des Darianos. 

Idas, (gr) Heros, Söhn des Königs Aphareus und Bruder 
des scharfsichtigen Lynkeus, der bis ins Innerste der Erde zu 
schauen vermag. Er entführte die Mapessa, die Tochter des 
Fiußgottes Euenos, um die Apollon warb. Sie selbst und ihre 
Tochter Alkyone, Mellagers Gattin, starben früh. Die beiden 
Brüder nehmen am Argonautenzug teil. Bei der Teilung 
einer gemeinsam erbeuteten Herde (oder auch wegen Ent- 
führung der ihnen verlobten Leuikippiden : Hilaeira und Phöbe, 
durch die Dioiskuren) kam es zum Streit. Die Dioskuren 
lauerten ihnen in einer hohlen Eiche auf. Doch Lynkeus' 
scharfer Blick durchdringt das Versteck und J. durchbohnt 
Kaistor in dem Baum, wofür jenen des Zeus Blitzstrahl 
trifft, Lynkeus dagegen von Polydeukes (PoUux) getötet wird. 

Idisen, (deutsch) (nord: Disin) göttliche Jungfrauen, Nornen 

— 111^ 



und Walküren, die dadurch den Kampf entscheiden, daß sie 
die Führer der Feinde mit ihren selbstgedrehten Stricken, 
zu fesseln vermögen. 

Idmon, (gr) Vater der Arachne, s. d. ^ - 

Idol, s. Götzenbild. n 

Idomeneus, (gr) Sohn des Deukalion, König von, Kieta, 
Enkel des Minos, ein Freier der Helena. Er fiihrte in Be- 
gleitung Merinos, des Sohnes seines Halbbruders, die Kreter 
in 80 Schiffen gegen Troja. Einem unglücklichen Gelübde zu^ 
folge, opferte er nach der Rückkehr seinen Sohn, Orchilos, 
worauf in Kreta eine Pest ausbrach und er vertrieben wurde. 
Er wanderte nach Asien aus. 

Idun, (nord) (fälschlich Iduna), eine Äsin, Gattin Bragis. 
,Aufbewahrerin der Aepfel, von welchen die Götter genossen, 
um sich zu verjüngen. Loki, vom Riesen Thiassi fest- 
gezaubert, versprach diesem für seine Freilassung, ihm I. mit 
ihren Aepfeln auszuliefern, lockte die Äsin in den Wald und 
Thiassi in Gestalt eines Adlers, bemächtigte sich ihrer und 
entführte sie nach seinem Palast in Jötunheim. Später wird 
sie in eine Nuß verwahdelt. 

Idyi, s. Medea. 

Ikarios, Cgr) (1) Heros der -Athener, der von Dionysos, 
welchen er freundlich aufgenommen, im Weinbau unter- 
richtet wurde. Er wurde in der Meinung, daß er Berauschte 
vergiftete, erschlagen. Seine Tochter Erigone, begleitet von 
ihrem treuen Hunde Mära, fand das Grab und erhängte sich 
auf einem Baum dortselbst. — (2) Vater der Penelope, der 
Gemahlin des Odysseus. , 

Ikaros, Cgr) Sohn des Dädalos, flog so hoch, daß seine von 
Dädalos eingesetzten wächsernen Flügel schmolzen und er 
in das nach ihm benannte Meer fiel. (Mythischer Flieger.) 

Ilia, (gr) Tochter des Äneas und der Lavinia (nach älterer 
Sage von Mars Mutter des Romulus und Remus). Gleichr 
gestellt mit Rea (Rhea) Silvia. 

Ilias, eine der beiden Epen des Homeros. 

IIos, (gr) Sohn des Tros, Urenkel des Dardanos, Bruder 
des Assarakos und Ganymedes, Vater des Laomedon» und 
Großvater des Priamos. Er gründete Ilion, nach seinem Vater 
genannt:. Troja. Als er Zeus um ein Zeichen bat, fand er 
am andern Morgen das Palladium vor seinem Zelt. 

Imhotep, (Imuthes) ä. Gott, Sohn des Ptah, der Äsfculap 
der Aegypter. 

Inachos, der älteste König von Argos, eigentlich der Gott 
des gleichnamigen Flusses, Sohn des Okeainos und der Tethys, 
Vater des Phoroneus und Ägialeus. 

— 112 — 



Inauguration, bei den Römern die Befragung oder Beob- 
acHtung der Vögel. S. Augum. 

Incubus, s. Silvanus. 

Indische Gottheiten: Weda, Agni, Indra, Rudra, Marut, 
Pardschanja, Acvin, Uschas, Surja, Wischnu, Aditja, Soma, 
Brihaspati, Siwa, Sawitri eic. 

Indra, (ind) siegender Kriegsgott der wedischen Zeit gegen 
den feindlichen Dämon Writra (auch Ahi), einer Personifif 
kation des heißen, trockenen Sommers. 

Er ist Schöpfer und Erhalter der Welt und der Hort der 
Frommen. Zum Kampf stärkt er sich durch den Genuß des 
Soma ; s. d., dann Waruna und Meru. 

Inferi, (röin) Bewohner der Unterwelt. 

Ingävonen, die, s. Mannus. 

Inkubus, (röm) (Beilieger) lat. Name des Faunus oder 
Silvanus, weil man glaubte, daß er die Frauen nachts im 
Bett beschleiche und durch sdirackliche Träume beängstige. 
Eine Art Kobold oder Dämon und mit Nachtmahr oder 
Alpdrücken (s. Alp) identifiziert. Auch ein mit eiiiner Hexe 
buhlender Geist. 

Ino, Tochter des Kadmos und der Harmonia. Gattin des 
Athamas, Mutter des Melilcertes (s. d.), Stiefmutter des 
Phrixos und der Helle — s. d. 

Intercidona, s. Pilumnus, s. " Leukothea. 

inuns, (Bespringer), Beinahme des Faunus. 

lo, (gr) (spridh lo), die schöne Tochter des Jasos und der 
Peitho, Priesterin der Hera zu Argos. Sie wurde wegen 
ihres Liebesverhältnisses zu Zeus von der eifersüchtigen 
Hera in eine Kuh verwandelt, lund dem alles sehendcin 
Argos zur Obhiut übergeben. Um die Kuh zu entführen, tötete 
Hermes im Auftrage des Zeus den Argos durch einen 
Steinwurf. (Beiname: Argostöter.) Hera aber sandte der lo 
aus Räche dafür ein Bremse, d. h., machte sie wahnsinnig. 
Sie irrte in der Welt herum, bis sie in Ägypten Ruhe fand, 
Menschgestalt annehmen konnte und dem Zeus den Epaphos 
gebar. Die Alten sahen in lo (Wandlerin) den Mond. — Sie 
soll von Zeus in einer Wolke (oder als eine Wolke) umarmt 
worden sein. 

lökaste, (gr) (Epikaste) Tochter des Menökeus, Schwester 
des Kreon, Gemahlin des König Laios von Theben, dem sie 
den Ödipos gebar. S. Eteokles. 

lolaos, (gr) Sohn des Iphikles, Neffe des Herakles, dessen 
treuer Gefährte und Wägenlenker er war. Er wohnte der 
Kalydonischen Jagd und dem Argonautenzug bei, half dem 
Herakles bei mehreren seinen Arbeiten, wofür ihm dieser 

- 113 - 8 



seine erste Gemahlin Megara überließ. Er verteidigte die 
Kinder des verstorbenen Herakles gegen Erystheus und fiel. 

lole, (gr) Toditer des Eurytos und der Öchalia, Gattin des 
Hyllos, ward von Herakles, dem sie früher verweigert 
worden war, nach der Eroberung von Öchalia und Ermorduing 
des Eurytos als Kriegsgefangene hinweggeführt uoid beim 
Tode des Herakles, dessen unsdiuldige Ursache sie wair, 
mit seinem Sohn vermählt. 

Ion, (gr) mythischer Ahnherr der Jonier, Sohn des 
Apollon und der Kreusa, der Tochter des_ Erechtheuis. Ge- 
mahlin des Xuthos. Ward von ihrer Mutter in einer Höhle 
ausgesetzt, durch Apollon nach Delphi gebraicht und hier 
von der Pythia erzogen. Nachdem er herängewachsein, be- 
fragten Xuthos und Kreusa das Orakel um die Ursache 
ihrer / Kinderlosigkeit und erhielten den Bescheid, das erste 
Kind, welches ihnen beim Austritte aus dem Tempel be- 
gegnen werde, solle ihr Sohn sein. So wird J. von Xuthos 
adöpftiert, allein Kreuisa', in demselben die Frucht einer 
früheren Liebe ihres Gemahls ' vermutend, will ihn vergiften. 
Entdeckt, flüchtet sie an den Altar des Gottes, von wo sie 
Jon hinwegreißen und töten will, worauf die Pythia ihnen 
die Sachlage enthüllt Und Mutter und Sohn sich aussöhnen. 

Dem Xuthos gebar Kreusa noch den Achaios. 

Nach einer anderen Sage heiratet J. die Helike, die 
Tochter des Selinus, König der Ägialer, wird nach dessen 
Tod" dortselbst König, dessen Bewohner nun den Namen 
Jonier erhalten. - 

. Dann von den Athenern g^eg'eai Eleusis zu Hilfe gerufen, 
besiegt er den Eumolpos und wird König von Athen, teilte 
die Athener in vier Klassen: Adelige, Krieger, Handwerker 
und Hirten. 

lörd, (Erde) s. Thor. 

lotin, (Jarusaxa) s. Thor. 

Iphianasse, s. Melampos. 

Iphigenie, (gr) (Iphigeneia, Iphianassa) Tochter des Aga- 
memnon und der Klytämnestra. 

Die Griechen' wurden von ihrer Fahrt nach Trbja im Hafen 
von Aulis durch eine wegen des Agamemnon erzürnten 
Artemis i^esandten Windstille abgehalten worden. Der Seher 
Kalchas erklärte, daß die erzürnte Göttin nur durch die 
Aufopferung der I. versöhnt werden könne. Nach langem 
Sträuben ließ sich Agamemnon durch Menelaos endHdi bcr 
stimmen, die Jungfrau unter dem Vorgeben, sie solle mit 
Achilleus vermählt werden, ins Lager kommen zu lassen. 
Als sie jedoch zum Opfer dargebracht werden sollte, ward sie 

— IM — 



von Artemis in einer Wolke nachi Taurien eintrückt, wo 
sie der Göttin als Priesterin dienen mußte. An ilirer Stelle 
ward eine Hirsdikuh geopfert, welche Artemis giesandl. 
I. entdeckte als Priesterin. daß auch ihr Bruder geopfert 
werden sollte und entfloh mit ihm und dem von ihm 
mitgebrachten Bilde der. Göttin, nachdem er den König 
Thoas ermordet hatte. — 's. Achilleus, s. a. Dadalus, Elektra, 
■Chrysothemis. 

Iphikles, (gr) Sohn des Amphitryon und der Alkmene, 
Bruder des Heraikles, war Teilnehmer a;n der Kalydonischen 
Jagd und an miehreren Unternehmuingein des Herakles. Als 
er dem letzteren im. Kampf gegen Augeias beistand, ward er 
verwundet und nach Pheneos gebracht, wo er starb. — 
s. Jolaos. ; ! ! 

Iphikles, (gr) Sohn des Phylakos von Phylake in Thessalien, 
Vater des Podarkes und Protesilaos, war Teilnehmer am 
Argonautenz'Ug. Über die Heilung seiner Krankheit siehe 
Melampus. ' 

Iphitos, (gr) Sohn des Eurytos von Thessalien, Freund des 
Herakles, wurde von diesem in einem Anfall von Wahnsiim 
von der Zinne seiner Burg in Tiryns gestürzt. — s. a. Neleiis. 

Iphtime, s. Satyrn. 

Ira, Personifikation des Zornes. 

Irene, (gr) (Eirene) die Friedensgöttin, eine der vielen 
Personifikationen sittlicher Begriffe und Zustände, die 
Schützerin der gesetzlichen Ruhe, wird dargestellt in 
matronaler Gestalt, als Pflegerin des Plutos, den sie auf dem 
Arm hält. — s. Hören. 

Iringsweg, (deutsch) die Milchstraße, nach dem thüring. 
myth. Helden, Iring, benannt (idemtifiziert mit Heiimdall). 

Iris, (gr) Personifikation des Regenbogens, die den FriedeJi 
wiederherstellt. Botin des Himmels zur Erde, Tochter des 
Thaumas und der Okeanide Elektra. Sie steht detti Qötter- 
boten Hermes sehr nahe, dessen Stab sie auch führt. 

Iros, ein Bettler im Hause Odysseus, auch Arnäos genannt. 

Isis, (ä) mit Osiris, die Repräsentanten des Nil-Laindes. 
Erfinder der Weizenbehandlung und jeiner der Gerste. 

Die Erde als Nil-Land gedacht, ist der Leib der L 
Mit Osiris ehelich verbunden ist letzterer das vom Nil be- 
fruchtete Land._ Typhon, als Symbol des Feuerioilts, triitt 
zwischen beide, Osiris wird von ihm getötet; L' betraue^rt 
und sucht ihn. Das Nil-Land dürstet nach dem Segen des 
Wassers. — In ihrem Sohne Horos ersteht dem Vater ein 
Rächer. Osiris ist auch Sonnengott, I. Mondigött;in. Sie 
ist auch wie Demeter Göttin der Unterwelt (und Geburts- 

— 115— • 8* 



hielferin, wie alle Mondg-öttinen), dann Oesetzfireberiii', 
Stifterin der Ehe, Erhalteirin der Staa-ten; sie bewirkt Blind- 
heit, Schwellen des Körpers und andere Krankheiten, sie 
ist die ä. Nemesis. Ihre Beinamen sind: Pelagia und Pharia. 
S. Abatos, dann Seb, Selk. 

Ismene, (gr) Tochter des Ödypus, Schwester der Antigene. 

(solde, s. Tristan und Isolde. 

Itys, (gr) (Itylos) Sohn des Aedon. S. Philomela und Äetes. 
, Ivar, der Gründer Londons, s. Aslang. 

Ixion, Sohn des Phlegyas, König der Lapithen, oder 
Phlegyer, Vater des Peirithoos, warb um Dia, die Tochter 
des Deleneus und versprach diesem große Brautgeschenke, 
hielt aber nicht Wort. Als ihm jener darauf , seine Rosse 
als Pfand wegnahm, lud ihm I. arglistig zu sich ins Haus 
und stürzte ihn hier in eine mit Feuer gefüllte Grube, 
worin er umkam. Darob in Wahnsinn verfallen, wurde I. 
endlich von Zeus entsühnt, -und sogar an die Tafel der Götter 
gezogen. Hier aber entbrannte er in Leidenschaft für Hera 
und diese entging ihm nur dadurch, daß sie ihm ein ihr 
ähnliches Wolkenbild (Nephele) umarmen ließ, woraus die 
■ Kentauren entstanden. Da er sich aber der vermeintlichen 
Gunsit der Göttin rühmte, ließ ihn Zeus zur Strafe in der 
Unterwelt an .Händee und Füßen mit ehernen Banden auf ein 
ewig rollendes feuriges Rad befestigen. 

lynx, (gr) Tochter des Pan und , der Echo oder Peitho, 
verführte den Zeus zu dem Liebeshandel mit der Jo und " 
ward deshalb vorj der Hera in einen Vogel, den sogenannten 
Wendehals verwandelt, welchem man die Kraft zuschrieb, 
Liebe einzuflößen. Der mythische Urheber der magisdi-apihro- 
dischen Verwendung des Vogels ist Jason, welchen Aphrodite 
lehrte, den Vogel unter Zaubersprüchen herumzudrehen, um 
.dadurch Medeas Liebe zu gewinnen. Symbol der Liebes- 
verlockung. , 

Izdubar, der babylonische Herakles = Simson, der Held 
des altbabylonischen Zwölftafelepos, Nimrodepos. 

. J. 

Jana, s. lanus (Diana). 

Janus, (it) Licht- und Sonnengott, das männliche Qegen- 
bild der lana (Diana), Gott allen Ursprungs und Anfangs 
aller Dinge, auch der Güter und der Menschen. (Janus = 
Doppelkopf). Die Juturna gebar ihm den Quellgott Fontus. 
S. Carna. 

Japetos, (gr) Sohn des Uranos und der Gäa, einer der 
Titanen, vermählte sich mit Klymene oder Asia, der Tochter 

— 116 — 



seines Braders Okeanos, " und ward von ihr Vater des Atlas, 
Promeljheuis, Epimetheus und Menötios. Er sitzt mit Krönos 
im Tartaros gefangen. Als Vater des Promethieus steht er 
an der Spitze der hiellenischien Stammtaifel, Seine Nach- 
kommen heißen Japetiden. 

Jasion, (gr) (Jasos), Liebling der Demeter, mit der. er in 
Kreta den Plutos erzeugte, weswegen ihn Zeus mit dem Bliitz 
tötete. Bruder des Danaos. 

Jason, (gr) Sohn des Äson und der Amphinome, hatte den 
Kentauren Cheiron zum Lehrer. Er gab die Veranlassung 
zum Argonautenzug und .war Teilnehmer an demselben. 
(S. Pelias und Medeia und Jynx.) Er soll sidh durch die 
Rachie der Medea, da er sie verließ, uni Glauike (Kreusa) 
zu freien, u^nd diese von Medea durch; ein vergiftetes Kleid 
getötet wurde (s. Medea), selbst getötet haben, 

Jobades, s. Sdhwie^ervater des Prötos. s. Bellerpphon und 
Akrisios. 

Jonakur, = Jormunrekr, s. d. 

Jören, Riesen, sielie Utgard, Jötunheim. 

Jormungandr, (nord) (Jörmungand) die von Loke und der 
Riesin Angerbode gezieu^e Schlange (auch Midgardsiohlainge) 
wurde von den Äsen in das' Weltmeer geschleudert und 
wuchs darin zu so ungeheurer Größe, daß sie, sich selbst 
in den Schwanz beißend, mit ihrem Leib die ganze Erde 
umspannt. Sie erzeugt Ebbe und Flut, je nachdem sie 
trinkt oder das Wasser wieder von sich speit. Beim" Welt- 
untergang steigt sie aus dem Abgrund ' des Meeres hervor 
und kämpft gegen die Götter; Thor erschlägt sie zwar 
mit seinem Hammer, ertrinkt aber in den Giftströmen, 
mit denen er von ihr überschüttet wird. 

Jormunrekr, (nord) (Jörmunrek) der myth; König Ermana- 
rich oder Emricih, schickte seinen Sohn Randwer zu Jonakur 
und 'Gudrun, um für ihn, den Vater, um Gudruns und Siguirds 
Tödhter Swanhild zu freien. Randwers Begleiter ajber, der 
boshafte Bikki, beredet ihn, das Mädchen für sich selbst statt 
für seinen Vater zu erbitten. Randwer ging hierauf ein. Bikldi 
aber hinterbrachte es dem J. und dieser liieß nun seinen Sohn 
aufhängen und Swanhild durch setine Pferde zertreten. Um 
ihre Toditer Swanhild zu rächen, sandte Gudrun ihre Söhne 
Södi und Hamdir zu J., die ihm Hände und Füße abschlugen. 
Sie wurden .dafür von den Leuten J.s gesteinigt. 

Jötnar, Riese, s. Äsen. 

Jöten, (nord. Myth.) (Jötun, Thursen) Riesen und Zauberer, 
die, über die Kräfte der Natur gebietend, in ihrem Reich 

— 117 — 



Jötunlieilm, das sich «rings um den Rand der Erde erstrecki, 
in Höhlen wohnten und in ewiger Feindschaft' mii den 
Arsen lebten. Die Thursen sind trotzige Stuirm und Wetter- 
riesen ; daher auch ihre Beziehung zii Eis und Reif und diie 
Gegnerschaft des Donnerers Thor, der sie stets bdcämpft, 
um den Himmel vor ihrem titanischen Andrang zu schützem. 
Ihre Töchter sind die himmlischen Wasserfrauen, deren 
wunderbare Schönheit nicht selten die lichten Götter, die 
Äsen, verlockt, sich mit ihnen zu vermählen.' s. Thor. 

Jovi, Jupiter (s. rö. My). 

Jovial, s. Jupiter, Jovi. 

Jugatinus, (Heirat'sgott) — S. röm. Myth. 

Julus, (gr)- auch Askanios, Sohn des Äneas , und Kreusa. 

Juno, (Jovino, weibliche Form zu dem in Jupiter ent- 
haltenen Jovis) (ital.), die Gemahlin Jupiters, darstellend diie 
weibliche Macht des Himmels und himmlischen Lidits — 
ins:besondere Mondgöttin. Mit der griechischen Hera später 
identifiziert, betrachtete man sie als Tochter des dem Kronos 
gleichgestellten Saturnus. Mutter des Mars. — s. LarO' (s. 
Lucina, so wie die Diana.) 

Jupiter, (it) (Juppiter) der höchste Himmelsgott, wie der 
griedhische Zeus, mit dem er nicht bloß das Grundwesen, 
sondern auch den Namen gemeinsam hat, dccnn J, ist 
zusammengezogen aus lovis (älte;re Form von diovis) pater. 
Als der italisdhe Gott mit dem griechischen iden'^iliziiiert 
wurde, machte man ihn zum Sohn des Saturnus und der 
Ops, welche man den großen Gottheiten Uranos und Rhea 
gleichstellte. Als Luoetius ist er der Li chitb ringe r, als 
Fulgurator und Fulminator Blitzer, als Tonans Donnerer. 
Als Pluvius bringt er den fruchtbaren Regen, als Viktor den 
Sieg, — S. Juturna, Tages, Psyche, Lara. 

Justitia, (röm) Göttin der Gereahtigikeit (verwandt mit 
Ä_quitas = Billigkeit), abgebildet als Jungfrau mit einer Sitiirn- 
binde oder einem Diadem, bisweilen mit Schwert und Wage 
oder mit. einer Schale in der einen Hand und einem Szepter in 
der .anderen . S Dike und Themis. 

Juturna. Quellnymphe der Latiner, Schwester des Turnus, 
welche von Jupiter geliebt und der Herrschaft über die 
Gewässer beschenkt ward. Dem Janus gebar sie den 
Quellgott Fontus. — S. Vulcanus und Lara. 

K. 

Kabeiro, s. Kabiren. 

Kabiren, (semit) Gottheiten tder Zweizahl). Beschüftzer 
der Schiffer, wurden auch mit den Dioskuren identifijziiert. 

— 118-- 



Später nalim. St. Elmo ihre Stelle ein (Elmsfeuer). In 
Lemnos ersdiienen sie in der Dreizahl, als Söhne des 
Hephästos und der Kabeiro. Götter der Schmiede und des 
Weines. 

Kadmeira, die uralte Akropolis der Stadt Theben, der 
Sage nach von Kadmos, in Wahrheit wohl von Phoenikem 
gegründet. 

Kadmos, (gr) Sohn des phön. Königs Agenor und der Tele- 
phassa, Bruder der von Zeus in Gestalt oines Stiers entführten 
Europa. Gründete die Stadt Theben (zuerst Burg Kadmeira). 
Et schickte seine Genossen um Wasser aus . Als diese aber 
von einem die Quelle bewachenden Drachen des. Ares getötet 
wurden, erschlug er denselben und säte auf Athenes Rat 
die Zähne desselben. Alsbald wuchsen aus der Saat ge- 
harnischte Männer (Sparten), 'die sich untereinander be- 
kämpften und bis aui fünf töteten. Leitztere halfen nuin dem 
K. \bei der Gründung der Stadt Theben. Zur Sühne aber für 
den Drachenmord mußte K. dem Ares acht Jahre dienen. 
Dann erhielt er dessen Tochtier Harmonia als Gattin, die 
ihm vier Töchter: Semele, Ino, Autonoe und Agave und 
Polydoros gebar. K. und Hamtonia wurden von Zeus in 
Schlangen verwandelt. — S. Menölceus und Aristäo. 

Kalchas, (Seher) s. Mopsos. 

Kaiais, (g^r) Zetes, die Boreaden, das heißt die Söhne des 
Bo'reas. Beide waren geflügelt. Teilnehmer am Argoriauten- 
zug, wobei sie den Gemahl ihrer Schwester den Phineusvon den 
Harpyien befreiten. 

Kaiki, s. Wisdhnu. 

Kallias, s. Ariadne auf Naxos. 

Kallichoros, s. Argonautensage. 

Kalliope, (gr) die „Schönstimmige", eine der neun Musen. 
— Dichtkunst, Wissenschaft. — Mutiger des Orpheus. Ih-re 
Attribute sind eine Tafel oder eine Rolle und ein Stilus 
(Schreibgriffel). — s. Hymen. 

Kallipygos, (gr) „mit dem schönen Hintern", Beiname der 
Aphrodite. Zwei Mädchen stritten, welche von ihnen den 
schöneren Hinterteil besitze. Ein sichöner Jüngling ward 
zum Schiedsrichter aufgefordert, entschied für die ältere 
und , vermählte sich mit ihr, sein Bruder mit der anderen^ 
Beide Mädchen, dadurch reich geworden, errichteten darau-f 
der Aphrodite leine Statue, welche sie nach hinten; blickend 
darstellt. 

Kallirhoe, (gr) (1) die „Schönfließende" Okenide (eine 
berühmte Quelle beim alten Athen). Gemahlin des Chrysaor, 
Mutter des Geryones uiid der Echidna. S. a. Ganymedes. 

— 119 — 



(S. Harmonia hinsichtlich des verde rbenbringiendein Hals- 
bandes.) — (2) Gattin des Alkmäon. 

Kallisto, Jagdgefähirtin der Artemis, Tochter des Arkad. 
König Lyakon, oder des Nykteus, wurde von Zeus Mutter 
des Arkas und Pan und darauf von der zürneinden Hera 
in eine Bärin verwandelt, welche Artemis erlegte. Zeuls 
versetzte sie unter die Gestirne, ihren Sohn gab er der 
Mala und dem Hermes zur Erziehung. 

Kallydonische Jagd, (Kalydonn, Stadt in Ätolien). Öneus, 
König von Kalidon hatte vergessen, der Artemis zu opfern, 
weshalb sie den großen kalydonischen Eber zur Verwüstung 
des Landes sandte. Meleagros, der Sohn öneus, berief zur 
Erlegung der Bestie die Heroen zusammen: Jason, Nestor, 
Theseus, die Jungfrau Atalante u. a. lieber den Kopf und 
die Haut des erlegten Ebers entbrannte unter den Teil- 
nehmern ein Streit, der den Meleagros das Leben kostete. 
Peleus war auch dabei und erschlug aus Versehen seinen 
Schwager Eurytion. Weitere Teilnehmer: Mopsos s. d. u, 
Laertes und Iveaos. S. a. Admetos, s. a. Nestor. 

Kalypso, (g'r) eine Nymphe, die Tochter des Atlas, Sie 
nahm den schiffbrüchigen jOdysseus auf ihrer Insel Ogygia 
freundlich auf und behielt inn sieben Jahre als Gatten bei sich. 
Sie ^ebar ihm den Nausithoos und den Nausinoos. 

Kama, (ind) (Manmatha) Gott der Liebe. Er reitet auf einem 
Papagei und verwundet mit einem Pfeil diejenigen, welche 
Liebe empfinden. Er gehört zur Familie des Gottes Wischnu. 
Siwa ist der strenge Asket, den ^r einst in seimein Bußübungen 
störte, und ihn durch einen Zornesblick zU' Asche verbrannte. 
Seine Begleiterin ist die schöne Rati;, die er sich aus dem 
Hause des Riesen Sambara erobert hat. 

Kamätho, Tochter d. Pterelaos s. d. 

Kamenen, (altital) Göttinnen (Camenae, Kamönen). sinkende 
und weissagende Quellnymphen, unter denen die berühmte 
Egeria war. Die römischen Dichter übertrugfen den Namen 
häufig auf die Musien, weil auch diese ursprünglich Quell- 
nymphen waren. 

Kanake, s. Äolos und Epopena. 
._ Käneus, (gr) ein Lapithe, Sohn des Elatos und der Hippeia, 
ursprünglich eine hübsche Jungfrau, wurde von Poseidon in 
einen unverwundbaren Mann verwandelt. Er war Teilnehmer 
am Argonautenzug und an der kalydonischen Jagd. Bei 
der Hodizeit des Peirithos wurde er von den Kentauren 
mit Felsstücken und Steinen überschüttet, bis er, unver- 
wundet, in den Grund der Erde fuhr. 

Käos, soll heißen Krios, s. Phöbe. 

— 120 — 



Kapaneus, einer der Helden im Zuge der Sieben gegen 
Theben, Sohn des Hipponoos, Vater des Sthenelos, Gatte 
der Euadne, Er lehnte si'Ch gegen Zeus auf und wurde 
auf der Sturmleiter vom Blitz getroffen. Seine Gemahlin 
Euadne oder Janeira ließ sich mit seinem Leichnam ver- 
brennen. — S. Eteokles und Asklepios. 

Karchesion, der dem Bacohos beigelegte und bei seinem 
Kult ^ gebräuchliche Becher. 

Kariös, Sohn des Zeus und der Torchebia. 

Karpo, einer der Hören. 

Karpos, 's. Zephyros. 

Kassandra, (gr) (Alexandra), die schönste Toditer des 
Priamois und Hekabe, fiel naich der Zerstörung Trojas dem 
Agamemnon als Beute zu und v^^urde nach dessen Heim- ' 
kehr von Klytämnestra ermordet. Apollon hatte ihr gegen 
das Versprechen, seine Liebe zu erwidern, die Gabe der 
Weissagung verliehen. Da sie aber nicht Wort hielt, fanden 
ihre Weissagungen keinen Glauben. Sie wurde, weil sie 
bei der Ankunft der Helena Ilions Untergang verkündet, 
verachtet. — S. Paris. 

Kassiopeia, (gr) (1) ein Sternbild, benannt nach der 
Tochter des Hermessohnes Arabos, Gemahlin des Kepheus, 
König von Äthiopien, Mutter der Andromache. — (2) Zum 
Mythenkreis des Agenoriden Phönix gehörig. Mutter des 
Epaphos. — (3) Mutter des Phineus ev.. Europa. 

Kastor und Pollux, s. Dioskuren, Tyndareos und Idas, 
Leda, Helena. 

Katreus, (gr) König von Kreta, Söhn des Minos und der 
Pasiphae. 

Nach einem Orakel sollte er durch die Hand eines seiner 
Kinder umkommen. Er übergab seine Tö chter Aerope und 
Klymene dem Nauplios, sie in die Fremde zu verkaufen, 
während sein Sohn Althämenes mit seiner Schwester Ape- 
mosyhe nach Rhodos auswanderte. Hier tötet er die von . 
Hermes verführte Schwester durch einen Fußtritt. Als sein 
hochbetagter Vater auf Rhodos landet, um ihm die Herradhaft • 
von Kreta zu übergeben, erschlägt er diesen, weil er ihn 
für einen Seeräuber hält. Klymene wird die Gattin des 
Nauplios und Mutter des Palamedes und Öax. Aerope hei- 
ratet Atreus und gebiert ihm den Agamemnon und Menelaos, 
wird aber wegen ihrer Buhlschaft mit Thyestes von Atreus 
ins Meer gestürzt. — 

Kehren, ein Flußgott, Vater der Önone, Gattin des Paris. 

Kedalion, s. Orion. 

Kekrops, (gr) erster König in Attika, war ein Autochtthone, 

— 121 — 



von Gestalt halb Mensch, halb Dradhe (Schlange). Seaihe 
Gemahlin war des Aktäos Tochter Agraulos (auch ein Bei- 
name der Athene, mit Bezug auf den Segen des Feldbaues), 
welche ihm den Erysidithon, die Agraulos, Hersie und 
Pandrosos gebar. Als Schiedsrichter in dem Streit zwischen 
Poseidon und Athene um den Besitz von Attika bestimmte er 
die Nützlichkeit eines Geschenkes als ausschlaggebend. Po- 
seidon schuf das Pferd ; Athene pflanzte den so wichtigen 
Oelbaum, worauf sie das Land erhielt. S. Gäa, Erechlheus. 

Keleos, (gr) Celeus. König zu Eleusis, in dessen Haus 
Demeter auf der Suche nach Persephone einkehrte, siehe 
Triptolemos.. 

Kentauren, ein roher, halb tierischer, in Wäldern woh- 
nender Volksstamm Thessaliens. Voll Begierde nach ^Wein 
und Frauen. Sie wurden von den Lapithen befehdet und 
verdrängt. S. Peirithoon und Cheiron. Sie stammen "von 
Ixion ab, der den Kentauros, den Stammvater der K., mit 
einem der Hera ähnlichen Wolkengebilde (Nephele) zeugte. 
Aus ihirem Umgang mit Stuten entstiandein die Hippoken- • 
tauren. ' — K. sind Menschen bis zum Nabel, von da ab 
Pferd. Der gerechteste unter ihnen war Cheiron, einer hieß 
Abas. S. Thes'öus, Peirifhoon, Nestor und Pholos. 

Kentauros, s. Kentauren und Agrion. 

Kephalos, (1) Sohn des Hermes und der Herse oder des 
Deion und der Diomede, war der Gemahl der Prokris, des 
. attischen Königs Erechtheus Toiditer, ward von Eos mit der 
Gabe, sich beliebig verwandeln zu können, beschenkt und 
benutzte dieselbe, um die Treue seiner Gattin zu prüfen, die 
die Probe nicht bestand und floh, verstoßen, nach Kreta zu 
Artemis und erhielt von dieser oder von Minos einen Hund 
■■ (Lailaps) und einen Jagdspeer, welchen beiden kein Wild 
entging. Wieder mit ihrem Gemahl versöhnt, schenkte sie ihm 
jene Wundergaben. Später ein Liebesverhältnis desselben mit 
. der Eos vermutend, schlich sie ihm auf die Jagd naich und 
wurde durch seinen auf ein Wild gerichteten Speer getötet. — 
(2) „Kephalos und Prokris", Oper von Ovid, Musik .von 
Bronner (Hamburg). Die schöne Aurora oder Eos (Morgen- 
röte) will der Prokris ihren Gatten abspenstig machen und 
erreicht dies, indem sie letzteren veranlaßt, verkleidest um die, 
Liebe seiner Gattin zu werben. Sie bricht die Treue, aber auch 
Kephalos erweist sich untreu, als Prokris ihm unerkannt naht. 
Beide verzeihen einander und leben dann in Eintracht rtiit- 
einander. 

Kepheus, (gr) König von Tegea, Sohn des Aleos und Bruder 
der Auge, Gemahl der Kassiopeia, Teilnehmer am Argonaiuten- 

— 122 — 



I 



zuig. Er fiel als Bundiesgienosse des Herakles samt seinen 
20 Söhnen im Kampfe gegen Hippoikoon. K. hieß audhi dier 
Vater der Andnomeda. 

Kephisos, s. Na:nkissos. 

Kerberos, dat. Cerbierus) in der Mythologie der Alfeti 
djET vielköpfige, schlangenhaarige Hund, der die Unterwelt 
bewachte, jedeirmann hinein-, aber niemand hierausließ. Er 
war eine Fru>dit der Liebe Typhons zu Eohidna. Vor seinem 
Bellen erzittert die Unterwelt. Orpheus besänftigte ihn 
jedoch durch die Maidht seiner Leier. Herakles bezwang ihn 
durch seine Kraft, schleppte ihn gefesselt auf die Oberwelt 
und wieder zurüdc. 

Keren, (gr) die Göttinnen des Verhängnisses, die mit Ares, 
Enyo, Kydoimos und Eris das Schlachtfeld durcheilen, die 
Gefallenen mit ihiren Krallen ergreifen und in dein. Hades 
liefern. Sie sind die Töchter der Nacht und die Schwestern 
des Todes. Sie bringen abzehrende Sorgen und Leidein, 
Furcht, Vernichtung und Seuchen. " 

Kerkopen, (gr) diebische Kobolde, Erzschelme. Sie ver- 
adiieten die Warnung ihrer Mutter Theia, sich vor dem 
„Mann mit dem schwarzen Hintern" zu hüten, wurdem daher 
von Herakles, der als solcher kam, überwältigt, aber wieder 
laufengelassen. 

Kerkyon, (gr) Sohn des Poseidon, ein Unhold, der bei 
Eleusis hauste und alle Vorübergehenden zwang, mit ihm 
zu :ringen. Theseus bezwang und tötete ihn.. 

Keryx, (gr) Herold, daher Kerkykeion. S. Hermes (Herold- 
stab). 

Keto, (gr) Tochter des Pontos und der Oäa, Schwester des 
Pho,rkys. • S. d. und Oäa. Mit Phorkys Mutter der Gräen, 
Gorgonen und des hesperidischen Drachens. 

Kharata, (ind) König, Erfinder des Dramas, 

Kinyras, (g;r) der Begründer der Stadt Paphos, zeugte mit 
seiner Tochter Myrrha den Adonis und tötete sidh, als er 
sic'h seines Finevels bewußt wurde. 

Kirke,. (mt) lat. Ciroe. Die mächtigste Zauberin (s. Medea 
und Lurlei), Toditer des Helios und der Okeanide . Perse. 
Bekannt ist ihr Zusammentreffen mit Odysseus. S. d. und 
Agrios. Ihr Gemaihl war Telemadh. S. Erylochos, Elpenor, 
Telegonos, Picus und Latinus. 

Kisseus, Vater der Hekabe. S. Archelaos. 

Kithara, ein von ApoUon erfundenes Saiteoiinstrument. 

Kithäron, s. Ödipos. 

-^Kizschi, s. Manitu. 

Klarios, Beiname des Apollon. 

— 123 — 



Klarien, frühere Bezeichnung der Musen. 

Kleio, (gr) (lat Clio) eine der neun Musen, Verkünderin 
der ruhmwürdigen Taten der Vergangenheit, also Muse . der 
Qieschidhte, dargestellt als lorbeergekrönte Gö.ttin, mit einer 
Rolle und dem Griffel. 

Kleobis und Biton, Söhne der Herapriesterin Kydippe. 
Als sie einst zum Heiligtum der Göttin fahren m^ßte, die 
Zugtiere aber nicht rechtzeitig zugegen waren, spannilan 
die Söhne sich in den Wagen und erreichten eine große Ge- 
sichwindigkeit. Darüber gerührt, bat sie die Göttin, ihnen 
das beste, was dem Mensichen zuiteil werden könne, zui ge- 
währen. Da überfiel die beiden Sö:hne im Tempel der Sidilaf, 
aus dem sie nimmer erwachten. 
• Kleobule, Mutter des Phönix 3. 

Kleopatra, (gr) Toiditer des Boreas, erste Gemahilin des 
Phineus. 

Kleto, s. Chariten. 

Klingsor, Zauberer, s. König Artus. 

Klotho, eine der Parzen. Spinnerin des Lebensfadens. 
S. griechische Mythoilogie, Pelops, Prometheus und Parzen, 

Klymene, (gr) (1) auch Asia, Tochter des Okeanos und 
der Thietis, Gemähilin des Japetos, Mutter des Atlas, Prome- 
theus, Hellen, Deukalion u. a. — (2) Mutter des Palamedes. — 
(3) Gattin des Merops, Mutter des Phaelihon 2. 

Klytämnesträ, (g:r) Tochter des Tyndareos, Gemahlin des 
Agamemnon, den sie im Bund mit ih,rerri Buhlen Ägisthos 
ermordete (aui:h ihre Todhter Alessandra ermordete sie), wo- 
für sie von Ihrem Sohne Orestes getötet wird. S. Pylades, 
Laodike (Elektra). 

Klytie, Okeanide; die in Heliotrop verwandelt wurde. 

Kneph, s. Chnum. 

Kobold, Benennung . der Hausgeister, die d^n Menschen 
gerne Streiche spielen, sie necken und schrecken. Es gibt: 
Poltergeist, Klopfer, Hämmerlein, Popekhen, Mummanz, 
Heinzelmännchen usw., zum Beispiel Inkubus. 
. Kokalos, (gr) König; von Kameikos. Er nahm den flüchti- 
gen Dädalos auf und schützte ihn vor dem'verfolgenden Minos, 
indem ihn K. und dessen Töchter im heißen Bade tötetein; 
aber auch Dädalos kam dann durch, sie um. 
- Kokytos, (lat. Cocytus, jetzt Vubos) ein Fluß, der sich in 
den Acheron ergießt. Denselben Namen hat ein Fluß der 
Unterwelt, über dessen schlammige Gewässer Charon seinen 
Kahn trieb, um die Seelen der Verstorbenen in den Tartaros 
überzusetzen. 

— 124 — 



Komätho, (gfr) Toichter dies Pterelaos, König der Tekboer, 
zog" ihrem Vater aus Liebe zu Amp^hitryon das goldene Haar 
aus, an dessen Besitz die ihm von Po&eidon verliehene. Un- 
sterblichkeit geknüpft war, wurde aber für den Verrat von 
Amphitryön • getötet. (S. Nisos.) * 

Komos, dat. Comus) niederer, bei den Alten selten ge- 
nanntetr Gott der Gelage. Ein weinseliger Satyr im Sichwarm 
ausgelassener Gesellen des Dionysos. Gott des Sdiwärmens 
und der Fests'cherze. 

KöGS, s. Titanen, Vater der Leto (Phöbe). 

Kora, s. Libera (Persephione). 

Koronis, (gr My) Nymphe, Tochter des Phlegias, von 
Apollon Mutter des Asklepios (s. d.), Geliebte des Apollon. 

Korythos, s. Telephos. 

Kotys, '(Kotytto) eine thrakische Göttin, deren Dienst sich 
über Griechenland und Italien verbreitete und wegen der' 
damit verbundenen nächtlichen Orgien in üblem Ruffc stand. 
Sprichwörtlich nannte man daher ^otyttisiche Feste alle 
üppigen und unzüchtigen Feierlichkeiten. 

Kratais, s. Skylla. 

Kratos, (Kraft) s. Styx. 

Kreios, einer der Titanen. 

Krenäen, s. Nymphen. 
, Kreon, (1) (gr My) Sohn des Menökeus, Urenkel des Pen- 
theus, Bruder der JoJcaste, der Gemahlin des Laios, König 
von Tlieben, und Vater des Hämon und jüngeren Menökeus. 
Nach des Vaters Tode führte er die Herrschaft von Theben,, 
trat sie dann dem glüoklidien Besieger der Sphinx, Ödipius, 
ab und -übernahm sie als Vormund des jungen Laodamas erst 
wieder, als der unglückliche Krieg der Sieben gegen Thieben 
dem Eteokles das Leben gekostet hatte. Sein Verbot, den 
Leichnam des Polyneikes zu bestatten, hatte die gänzliche Ver- 
waisung seines Hauses zur Folge. — (2) König von Korinth, 
Vater der Glauke oder Kreusa, der zweiten Gemahlin- des 
Jason (s. Medea). — (3) König von Theben und Vater der 
Megara (s.«Lykos 3), die er dem Herakles zur Gattin gab. 
S. Amphitryön und Herakles. 

Kresphontes, König von Messinien, s. Merope. 

Kretheus, s. Pelias und Äolos. 

Kreusa, (1) Tochter des Erechtheuis, Gemahlin des Xuthos, 
Mutter des Achaios und Jon. — (2) Tochter des Priamos 
und der Hekabe, Gemahlin des Äneas und Mutter des 
Ascanius. Sie soll sich bei der Flucht aus Troja verlogen • 
haben und erschien dem Äneas dann als Schatten .und ver- 
kündete ihm sein zukünftiges Sidiicksal. S. Asicanius. — 

— 125 — 



(3) (Glaiiike), To.chter dies Königs Kreon von Korinth, Verlobte 
des Jason, wurde von der eifersüchtigen Medea durch; ein 
vergiftetes Gewand getöteit. ' 

Kriemhild (deutsch) „Kämpferin mit dem Helm". Unver- 
söhnliche "T^ächerin ihres erschlagenen Gemahls gegen Hagen 
und Günther. Sie ward Gattin des Etzel. Sie selbsit? wird 
von dem Dienstmann des Dietrich von Bern ermordet; s. Ni- 
belungenliedi. 

Krios, (g-r) Vater des Asträos; s. Styx, Pallas, Phöbe und 
. Asteria. 

Krischna „der Schwarze", Name des indischen Go'ttes 
Wi&chnu wahrend seiner achten Inkamatioin, s. Kama. 

Kroks (Krokus), s. Wanda und Libussa. 

Kroniden (Kronionen) die Söhne des Kronos und der Rhea: 
Zeus, Poseidon lund Pluton. 

Kronos, (unrichtig Chronos) (gr) Sohn des Uranos vtihd 
der Gäa, der jüngste der Titanen, entmannte umd eaüt- 
thronte seinen Vater, übiernahm die Herrs^dhaft und vermählte 
sich mit seiner Schwester Rhea. Da ihm aber von Gäa 
prophezeit worden war, er werde ebenfalls von einem seiner 
Kinder entthront werden, so verschlang er diesie (und zwar 
die Hestia, Demeter, und Hera, den Pluton und Poseidon) 
sogleich nach ihrer Geburt. Nur Zeus, den jüngsten Sohn, 
rettete Rhea, indem sie dem K. stajtt desselben einen mit 
Windeln umwickelten Stein (BatyLus) zum Verschlingen gab. 

Als Zeus herangewachsen war, nötigte er unter Beihilfe 
deir Okeanide Metis vermittelst eines Trankes den Vaiter, 
die verschlungenen Kinder wieder von sich zsu gebien und 
begann dann im Verein mit seinen Brüdern den Kampf 
gegen K. und die übirigen Titanen (Titanomachie), worin 
letztere unterlagen und in den Tartaros gesitürzt wurden^ 
K. soll mä Rhadaminthis auf der Insel der SeEgen geherrscht 
haben. Die Römer identifizieren ihn miit ihrem Saaterago# 
Saturnus, 

Krus, s. Wischnu. 

I^shatravainwya, s. Amschaspands. • 

Kteatos und Eurytos, s. Molioniden. 

Kudrun, s. Gudrun. 

Kundry, s. Prasifal (Operntext). 

Kunphis, griechische Sic^hreibweise für Ghnura. 

Kureten, (gr) die neun priesterlichen Diener der kretischen 
Rhea, die Schutzwadhe des Zeius, solange er die Naidhstel- 
.lungen seines Vaters, Kronos, ziu fürrhten' hatte. Sie über- 
täubten das Geschrei des neugeborenen Kindes (Cjottes) 
damit es von dem grausamen Vater nicht gehört werde. 

— 126 — 



Weil sie aber auf Betrieb der Hera den Epaphos, das Kind 
de;r Jo von Zeus, entführten, strafte sie Zöus miö dem Blitz. 

Kutrun, s. Gudnun. 

Kwasjr, s. Quasir und Baugi. 

Kyaulische Felsen, s. Argonautenzuig-, 

Kybele, (Kybebe). Die ;,große Mutter" der Phrygier, 
bei den . Gr. mit der Rhea gleichgestellt. 

-Symbol des Mondes und deir Fruchtbarkeit. Ihr Gemahl 
ist Grodios, ihr Sohn Midas, s. d. Ihr Geliebter Atys. 

Kychreus, s. Telamon. 

Kydippe, (gr) Tozhter eines vornehmen Atheners. Bei 
einer Festfeier im Artemistempel zu Delos, warf Aikontios, 
ein Jüngling von der Insel Keos, der sich beim Fest in sie 
verliebl; hatte, einen Apfel vor sie hin mit der AulfsChnLfti: 
Ich schwöre bei der Artemis, mich dem Akonios zu ver- 
mählen. K. .hob den Quitteapfel auf, las die Aufschrift 
laut und warf ihn dann fort, ohne weiters die Werbung des 
Jünglings zu beachten. Ihr ' Vater wollte sie einigemale ver- 
mählen; jedesmal wurde sie aber zur Zeit der Hochzeit krank. 
Das delphisdie Orakel besagte den Zorn der Artemis, weil 
K. den , ausgesprochenen Eid nicht eingehalten habe, worauf 
sie der Vater dem Akontios gab. — (2) Herapriesterin. 
Mutter des Kleobis und Biton. 

Kyklopen, Xgr) Söhne des Uranos und der Gäa: Arges, 
Steropes und Prontes auch Polyphemos. Unge'heure rohe 
Geschöpfe, mit nur einem Auge, welche dem Zeus, die 
Blitze s^c'hmiedeten. Ihr Führer ist Polyphemos (s. Odysseus). 
Sie sind Gehilfen des Hephästos; welche im Inneirn des Aetna 
Blitze und den Göttern Waffen schmiedeten. Kyklopische 
Maue-rn sind in der Baukunst bekannt. S. Phäaken. 

Kyknos, (gr) „Schwan", Sohn des Poseidon und der 
Kalyke, von Fischern K. genannt, weil, sie, als' er am 
Meeiresufer ausgiesetzt war, einen Schwan auif ihn herab- 
fliegen sahen. Seinetwegen kämpft Hierakles zweimal mit 
Ares. . 

Als König im Gebiet von Troja ließ er, betört durch 
die Verleumdung'en sieirier Gattin, seine beiden Kinder der 
ersten Ehe, Tenes oder Tennes und Hemithea, in einem 
Kasten ins Meer werfen. Sie landeten auf Teinedos, wo 
Tenes König ward. Später fand K. seinen Sohn wieder 
und zog mit ihm den Trojem gegen die Griechen zu' Hilfe, 
ward aber, trotz seiner Unverwundbarkeit, getö'tet. Achilleus 
erwürgte ihn mit dem Helmriemen, worauf er alsbald in einen 
Schwan verwandelt wurde. 

Kynthia, Beiname der Artemis und Athene. 

— 127 — 



Kynthios, Beiname des ApoUon dat. Cynthiiis) sowki 
Kynthia der Artemis. 

Kyparissos, (gr) ein Liebling des Apollon, der aus Ver- 
sehen einen zahmen Hirsch tötete und als Traiuier darüber 
auf seine Bitte in die als Trasuerbaum geltende Zypresse 
verwandelt werde. Nach einer anderen Sage soll dies ge- 
schehen siein, als K., um seine Keuscihheit zu bewaliTen, vor 
Apollon ödeir Zephyr an den Fluß Orontes in Syrien geflohen 
wair. '.;! 

Kyrene, eine Nymphe, Geliebte des Apollom, Mutter des 
Aristäos. 

Kypris, Beiname diear Aphrodite. 

Kypselos, s. Merope. 

Kythereira, Beiname der Aphrodite. 



Labdakiden, Nacbkommen des Labdakos. 

Labdakos, (gr) Sohn des Polydoros, Enkel des Kadmos, 
Vater des Laios. 

Labyrinth, (ä, gr) ein verwickelter Bau mit verschiedenen 
Kreuiz- und Quergängen und vielen Kammern und nur weni- 
gen Ausgängen. Das ä. L. lag in der Nähe vom Arsanoe; 
es hatte 12 Höfe und 3000 Räume; ein Palast am Eingang 
des Sees Lopero-hunt, woraus die Griechen Labyrinthes 
machten. Dann gibt es noch das kretische, das lemnische 
und. ein italienisches L. S. Dädalos und Minotaiuros, ferner 
Ariadne und Theseus. 

Lachesis, eine Parze, „Erlösung", die die Länge des 
Lebensfadens bestimmt. ,S. griech. Myth. 

Lacrimae, Personifikation der Tränen Litäs. 

Lada, (russ) Göttin der Schönheit und der Liebe. Lei 
(Liebe), Did (Gegenliebe) und Polet (Ehie), waren ihre 
Kinder. 

Laden, (gr) (1) hesperischer D.radhie, der liundertköpfige, 
nie schlafende Sohn des Typhon (oder Phorkys) und der 
Echidna (oder Keto), der die Aepfel der Hesperiden zu be- 
wachen hatte, aber von Herakles getötet wird. — (2) Arka- 
discher Flußgott, Sohn des Okeanos und der Tethis, Vater 
der Daphne. 

Laertes, (gr) Gemahl der Antikleia und durch diese 
Vateir des, Odysseus, war Teilnehmer an der Kalydonischen 
Jagd und am Argonajutenzug. S. Eurykleia. 

Laios, (gr) Sohn des thiebanisahen Königs Labdalkos, floh, 
als sein Vormund Lykos von Amphion und Zetho ver- 
trieben und getötet wurde, bestieg aber nach dem Tode 

- 128 — 



der Usurpatoren den Thron seiner Väter und heiratete 
seine Mutter Jokate, die ihm den Ödipius gebar. S. Ghri- 
sippos. 

Lais, die Lieder und Weisen der bretoniscben Harfner. 
Sie schlössen sich eng an die große HeldengieschiichtQ 
von König Artus. 

Lakschmi, (Sri). In der brahm. Götterlehre die Gemahlin 
des Gottes Wischnu; Göttin der Liebe, der FrUiChjtbarJceit 
und des Reichtums. Ihr Symbol ist die Lotosblume. 

L'amien, Spiukgestalten der Hekate. 

Langobarden, s. Vandalen. 

Laodamos, (gr) der wilde Sohn des Königs' Eteokles .von 
Theben, stand nach seines Vaters Tod unter Kreons Vor- 
mundschaft. Während seiner Regierung geschah der Zug 
der Epigonen gegen Theben. Er tötete Agialeus, den Sohn 
des Adrastos, wurde aber durch Alkmäon selbst erlegt. 

Laodameia, (gr) (1) Tochter des Bellerophon, von Zeus 
Mutter des Sarpedon. — (2) Tochter des Akastos, berühm^l 
wegen ihrer zärtlichen Liebe zu ihrem Gatten Protesilaos, 
dem sie freiwillig in den Tod folgte. — (3) Tochter des 
Alkmäon, Gemahlin des Peleus. 

Laodike, (gr) (1) eine Tochter .des Priamos und der Hekabe, 
Gattin des Helikaon, verliebte sich in den Akamas (oder 
Demophon), der als Gesandter nach Troja gekommen war, 
und gebar ihm den Munitos, der von Äthra, Akamas Groß- 
mutter, auferzogen und nach der Eroberung Trojas dem- 
selben übergeben wurde. L. ward während der Zerstönung 
von der Erde verschlungen oder sie starb aus Verzweiflung 
über den Verlust ihres Sohnes, der durch eine Schlange um- 
gekommen war. — (2) Auch der Name einer Tochter des 
Agamemnon und der Klytemnästra, an deren Stelle die Tra- 
giker die Elektra setzten. — (3) Nymphe, s. Phoroneuis. 

Laokoon, ein Trojaner, Priester des Apollon. Er warnte 
die Trojaner vor dem hölzernen Pferd. Aber der Gefangene 
Sinon wußte den Verdacht von dem Pferde abzulenkem. Von 
Apollon gesandt, kamen zwei Schlangen, die L. und seine zwei 
Söhne erwürgten. Nun vviurde das Pferd in die Stadt herein- 
gezogen, wodurch die Trojaner ihren Untergang selbst be- 
schleunigten. 

Laomedon, Sohn des Ilos, Gemahl der Leukippe, Vater des 
Priamos und der Hesione, s. d., s. a. Telamon. 

Lapithen, igr) ein wildes Bergvolk am Peneios, stammte 
von Lapithes, einem Sohn des Apollon und der Stilpe, ab. 
Mit den Kentauren lag es im Kampfe, der einmal für diese 

— 129— 9 



verderblich endete, indem Theseus die L. lunterstütete, S. Nestor 
und Phoviis. 

Lara, (Larunda) altit Erd- und Todessöttin, Mujtter der 
Laren, Göttin des Schweigens. Auch Quellnymphe, die der 
Juno die Vertraulichkeiten des Jupiter mit der Juiturna ver- 
riet, deshalb von ihm der Sprache beraubt und von Me.r'kuir 
zu den Manen in die Unterwelt g'ebracht wurde. Letzterer 
S^ewann sie lieb und zeugte mit ihr die Laren (s. Laverna). 

Laren, (Lares) bei den Römern gute Schutzgeister, zunächst 
der Seelen guter Verstorbener. — Larenmutter, s. Acca L. und 
Mania; s. Lara. 

juarunda, Göttin, s. Lara. 

Larve, (rö) verstorbene Seelen, Gespenster, im. Gegensätze 
zu den Laren (s. d.). 

Lästrygonen, .ein menschenfressendes Riesenvolk, von 
Odysseus besucht; s. Antiphates. 

Lästryonen, s. Mormo/ 
. Latinus, (rö) König von Latium, Sohn des Faunus und der 
Nymphe Marica,- Gemahl der Amata. Oder Sohn des Odysseus 
und der Kirke oder des Telemadi und der Kirke, oder des 
Herakles und einer arkadischen Jungfrau. Durich Vermählung 
seiner Tochter Lavinia mit Äneas ward dieser sein Naidifolger. 

Latono, s. Leto und Titys. 

Lesbierinnen, eine Gruppe von Heroinnen, die votn les- 
bischen Städten stammen. Eine heißt Briseis (S. Agamemnon 
uind Achilleus), dann Chryseis etc. 

Laverna, im alten Rat in Rom die Schutzgöttin der Diebe, 
eine Nebenform der Lara imd maiter larum. Göttin der 
Uiitervwlt 

Lavinia, (rö) Tochter des Latinus, König von Latium. 
Sie war dem Turnuss versprochen, wurde aber von ihrem 
Vater mit Äneas vermählt, welchem sie den Äneas^Silvius 
und die Ämilia, die von Mars Mutter des Romulus ward, 
gebar. 

Leander, (Leandros) s. Hero. 

Lear, (brit) myt, König von Britannien. 

Leda, (gr) To^chter des Thestios, Königs von Ätolien, 
Gemahlin des Spartanerkönigs Tyndareos, ffenoß die G:unst 
des Zeus, der sich ihr in Gestalt eines Schwanes, näherte, 
worauf L. zw^i Eier gebar, aus deren einem Helena ;und dem 
anderen Kastor und PoUux hervorgingen. (Letztere sollen die 
Söhne des Tyndareos und Helena die Tochter des Zeus 
sein.). 

Leimoniaden, s. Nymphen. 

— 130 — 



Lemuren, (rö) die abgieschiedenen Seelen der Versitoirbenen. 
S. Manes, Haup'tsächi'iic'h böse Geister, die man sieht als um- 
herirrende, nächtliiche, tückische Gespenster dachte. S. Lairen, 
Larven. 

Lernäische Hydra, s. Hydra. 

Let, Sohn der Lada. 

Lethe, (gr) der Strom der Vergessenheit in der Unterwelt, 
aus dem die Seelen der Verstorbenen tranken, lum jede 
Erinnerung an die . Mühsale des Erdenlefaees aus ihrem 
Herzen zu tilgen. ' 

Leto, (gr), bei den Römern Latona. — (1) Tochter' des 
Titanen Köos und der Titane Phöbe, die durikelgew.aaidi^, 
ilmmer milde und freundliche Gemahlin des Zeus (vor der 
Hera) und von ihm Mutter des ApoUon und der Artemis. 
Nach einer anderen Sage w^ar sie die Geliebte des Zeus 
zur Zeit Heras lund wurde von dieser verfolgt, bis sie auf 
der öden Insel Delos Zuflucht fand. Da sich Niobe, als 
kinderreiche Mutter ihr .gegenüber überhob, ließ sie deren 
Kinder durch ApoUon (und Artemis töten. S. Tityos. — 
(2) (ä) s. Horos. 

Leukippiden, (gr) die beiden Tö'chter des Leukippos, 
Bruder des Aphareus. Sie heißen: Hilaeira „die Heiiter- 
glänzende" und Phöbe „die Leuchtende." Diese Beinamen 
kennzeidhnen sie als Genien des Lichts. Sie wurden mit 
den Dioßk'uren vermählt, die sich ihrer durah Raub be- 
mächtigt hatten. S. Idas. 

Leukippos, (gr) Sohn des PerLeres und der Gorgophone, 
einer ToiChter des Perseus, Bruder des Aphareus, Tynda- 
reus und Ikarios, Seine Gemahlin Philodyte, gebar ihm diie 
Hilaeira und Phöbe, s. Leukippiden. 

Leukothea, (gr) „Weiße Göttin", die unter die Meer- 
götter aufgenommene Tochter des Orchamos und der Emry- 
nome, Ino, die in Weihrauch verwandelt wurden, (s. Athamas). 
Sie und ihr Bruder Mielikertes (als Gott unter dem Namen 
Palämon verehrt) galten als wohltätige Dämonen der sitür'- 
mi&chen See. Odysseus wird durch einen von L. ihm zuge- 
worfenen S'chleier gerettet. S. Matufca .und Melükertes. 

Levana, (rö) Personifikation der Sitte, nadh welcher der 
Vater sein vor ihm auf die Erde gelegtes Kind anerkannte. 
Sie hiebt die neugeborenen Kinder auf. 

Libation, (lat) „das Trankopfer" der alten Römer, be- 
atamd im Ausgießen einiger Tropfen von Wein ;und dgl. um 
daimit der Gottheit ihren Anteil zu widmen. Die Gr. hatten 
dieselbe Sitte. 

—.131— 9* 



Liber, aliitalischer Gott, aller Erzeugung, besondiers des 
■ NaituTsegens, und 'hauptsächlich des Weines, daher auch 
miit dem gr. Dionysos indentifiziert. Oott der Freiiiheiüt und 
des Lebensgenusses. Seine Gattin hieß Libera. — 

Libera, (gr) Gattin des Liber, mit der gr, Kora odeir 
Perseplhoine verehent. 

Liberalitas, alit: (Freigebigkeit) allegorisidhe Gottheiti. 

Libethriden, s. Musen. , 

Libitina, altitalis±e Göttin der Lust (Lubentia) im 
Zusammenhang mit Fassung des Gedankens ae den Tod 
und an schwellendes Leben, auch Todes- und Leiiahiengöttin, 
mit Venus 'Und der Proserpina identifiziiiert. 

Libussa, (tsahech. Libuse), nach der böhmischen Sage, 
etwa um 700, die Gründerin Praigs, die jüngste Toic'hter 
Kro'ks, des Herrn von Wysidhehrad. Nadh des Vat;ers Tod 
wurde L., die sich durch Sehönheit, Klugheit und männ- 
lidhen Charakter auszeichnete, zur Regentin gewählt. Als 
das Volk, der Frauenherrschaift müde, verlangte, daß sie 
einen Gatten wähle, trug sie Premysl, dem Herrin zu Stadiitz, 
ihre Hand an. Die Abgesandten trafen ihn, wie er eben, 
den Pflug in der Hand, das Feld bestellte, an. Er wurde 
L. Gemahl und Köni^. S. Wyschehrad. 

Lj|bya, (gr) von Belos Mutter des Agenor, s. Poseidon. . 

Lichas, Diener des Herakles. 

Liliput, Name eines erdichteten LändAens, dessen Be- 
wohner (Liliputaner) Daumengröße hatten. 

Limnaden, s. Nymphen. 

Linos, (gr) ein sdhöner, frühzeitig 'dem Leben entnisseneir 
Hirtenjüngling, wie Hyakiintos, Narkissos und Hylas, die 
in ihrer Blüte dem Tod verfallene Natur repräsentierte. Er 
wurde von ApoUon, als er, der Erfinder des Liedes, sidh 
in einen Wettkampf im Saitenspiel einzulassen wagte, geitötet. 
S. Urania lund Orpheus, 

Litä, (gr) Bitten, personifiziert als Töchter des Zeus. 
S. Lacrimae. 

Ljeschie, im Volksglauben der' Russen bösartige Wald- 
geister, weldhe sich beliebig groß und klein madhen konnten, 
ganz behaart sind und eine schreckliiche Stimme haben, 
Leute, werden durch sie im Walde jrregeführit. 
Lodbrock, s. Aslang, 
Lohen grin, s. König Artus. 

Loke, (nord), Loki, die Personifiikation des Feuers im 
vierderblidhen Sinne. Sohn des »Riesen Farbauti (und der 
Laufey oder Nal. Eine Art Teiulel, stammte zwar nidht 
vom Asengesohlecht, doch mit Odin in Blutbrüderschaft 

- 132 — 



und unter den Äsen auifgenoimmen. Gott der List (Hermes) 
des Betruges 'und böser Dentongsart. "Mit seinen boshaften 
Streichen bringt er selbst oft die Äsen in Verlegenheit 
(s, Heimdall). Er zeugte mit der Riesenfrau Angu/rboda, 
, „Anigstbotin" aus Jötunhieim drei den Äsen feiindli'Che 
Kinder: den Wolf Fenrir, der Odin im letzten Weltkampf 
(Götterdämmerunig) ver&dhlingen soll, Jo'rmungandr (die iVlid- 
gardsidhilange), das Symbol des einst alles verschlingenden 
Weltmeeres und die Todesgöttin Hei. Siehe Edda, dann We. 
Sif, Otr, Idiun und Hoder, 

Lorelei, s. Lurlei. 

Lotophagen, (gr) Lotosesser. Sie nahmen den Odysseus, 
als er auf seinen Irrfahirten zu ihnen kam, gastfreuinidliidh 
anf. Die Süssigkeit der Frudht waren für ihn und seine 
Gefährten von solcher Wirkung, daß sie darüber ihr Vater- 
land vergassen. 

Lucina, (rö), Li-chtgöttin, (die das Lebenslicht för- 
dernde Geburtegöttin Juno). AuA . Diana führte, als Ge- 
burtsgöttin, den Namen L. 

Lucus, ein einer geweihten Gottheit geweihiter Haiin. 

Luna, (rö) Selene, die Mondgöttin der Italer, Geliebte 
des Pan. S. Naictiluca, „Leuichiteirin der Naciht." 

Lunus, s. Thoth'. 

Lupercus, Beiname des Faunus.'s. Palladius. 

Lurlei, (Lorelei, von Lei-Schieferfels), ein zwischen, St. 
Goar und Oberwesel aus dem Rhein aufsteigender Felsen. 
Die Sage von der Zaubierin oder >lixe L, welche daselbst 
ihr Wesen trieb, ist von Heine in seinem biekannten Giediiicht 
behandelt worden. S. E'dkhart. 

Lyäos, Beiname deis Dionysos. S. Lysios. 

Lyceum, (Lykeum), s. Lykos. 

Lykaon, (gr) König der Arkadier, Sohn des Pelasgös, ~\ 
Vater eines zahlreichen Geschlechtes von Söhnen, Alkasos, 
Akontes usw., (sämtliche Personifikationen arkadischer 
Städte), die an Frevelmut alle ^Menschen übertrafen unid 
dieshalb von Zeus bis auf Nyktimos vertilgt wurden. S. 
Kallista. 

Lykäos, Beiname des Zeus. 

Lykasios, Beiname des Apollon. 

Lykios, Beiname des Apollon (Lykeios). 

Lykomedes, (gr) König von Skyros, der Mörder des 
Thieseus. Unter seinen Töohtern wuchs Achilleos unter dem 
Namen Myrrha als Mäddhen verkleidet auf und zeugte mit 
öiner derselben, Deiameia, den Neoptolemos. 

Lykomiden, s. Lykos. 

— 133 — 



Lykos, (gr) (1) athjenisdier Heros, des Königs Pandion 
2, dier von seinem Bruder Ägeus aus Athen vertrieben, in 
das Land Milyas kam, das nadi ihm dann Lykien bemanmit 
wurde. Er ist der Stammvater des Priesterges'dhilechtes der 
Lykomiden. Na-dh ihm wurde auch das Lykeion, Lyceum, ^ 
(jetzt eine Lehiranstalt), in AjÜhien benannt. — (2) Sohtn des\ 
Poseidon und der Pleijade Kelämo, Gemahl der Dirke; 
eir wurde von Amphion und Zethos igetötet. S. Laios. -^ 
(3) Sohn des Poseidon, Tyrann von Theben, wurde von 
Herakles ersdhlagen, weil er in seiner Abwesenheit seinen 
Schwiegervater Kreon getötet und seiner Gattin Megara, wie 
seinen Kindern nadhigestellt hatte. — 

Lynkeus, (gr) '(1) Sohn des Ägyptos, Gemahl der Hypenn- 
nestra, deren Sohn Argos. S. Danaos. — Teilnehmer am 
Ai-gonautenzug. — (2) Bruder des Idas, s. d. 

Lyra, altgriedhisdies Saiteninstrument ähnlich der Kiithara. . 

Lysianassa, s. Epaphos. 

Lysios, (Soirgenbrecher), Beiname des Dionysos, gleich- . 
bedeutend mit Laäos. 

M 

Ma, (Mene) die Mond- und Kriegsgöttin der alten Be^ 
wohner von Kappadokien und Pontus. Als Artemis be- 
zeichnet, ergibt sidh nicht nur ihre Beziehung zum Mond, 
sondeirn audh ihre kriegerisidhie Bedeutung. — Die Römer 
bezeichneten die Göttin als asiatisdiie Bicllona. — 

Mägdeland, s. Amazonen. 

Magelone, (Maguelonne), Tochter eines Königs von Neapel, 
die Heldin eines alten, fast in a;lle euiropäisichen Literaturen 
übergegangenen Ritte rrom ans. Sie wurde von ihrem Ge- 
liebten, Peter von Provence, entfährt. Während sie in einem 
Wald ents'chlummert liegt, raubt ein Rabe den roiten Zindel 
mit den drei von Peter ihr gesichenkten Ringen uind fliegt 
übers Meer davon, Peter ihm nacheilend, wirft sich in den 
Kahn, wird aber durch einen Sturm verschlagen und fällt 
Seeräubern in die Hände. M. sucht nach ihrem Erwalch'en 
lange -den Geliebten, und erbaut endlich auf einer Insel 
an der Küste der Provence ein Kirchlein und ein Hospital, die 
bald berühmt werden. Peter, aus. der Sklaverei endliich 
zuirüickgekehrt, landet krank aiuf jener Insel, findet Pflege 
im Hospital, erkennt hier die Geliebte wieder, und wird 
nun mit ihr vereint. 

Magin, fnord) „Stärke", s. Thor. 

Magna mater, (röm) s. Rhea. 

Magnes, s. Äolos. 

— 134 — 



Mahabharata, s. Pandu. 

Mähr^ (Nadhtmalhir), nächtlicher Unhold', der die Menschen 
plagt, gleichbedeutend mit Alp oder Vampir. 

Mala, (®r) eine Pleiade, die älteste Tochter des Atlas und 
der Pleione, eine Tochter des Okeanos, Geliebte des Zeius, 
von dem sie in einer Höhle des Berges Kylleine den Hermes 
gebar. S. Kallista. 

Maja, (rö) (auich Majesta) ein anderer Name fü;r Fauna, 
Bona Dea, oder Ops, Gemahlin des Vulkan, eine das 
Wadhetuim verleihende Naturgöttin, die mit der gr. Maiä, 
der Mutter des Hermes identifiziert wird. (1. Maii-Fes^tj.) 

Maja, (ind) (Schein), das weibliche Prinzip der ' schaff enden 
Gottheit, 'die WeltmuitteT, insofern die Welt in ihren äußeren 
Brs'dheinungen, als eitel Täuschung und Schein aufgefaßt 
wird, während nur die Gottheit wahre Existenz hat. 

Majesta, s. Mala. 

Makaria, Herakles Toichter; sie opferte sich, um die Feind- 
sichaft des Eurystheuis zu beseitigen. 

Mamers, s. Mars. 

Man, s. Mannus, 

Mänaden, d. s. Baodhiantinnen, die dem Gott Rasenden und 
Begleiterinnen des Dionysos. S. Ariadne auf Naxos. S. a. 
Dyonisos. 

Manes, die abgeschiedenen Geister der Verstorbenen. 
S. Lemuren. 

Mani, s. Bil. 

Mania, (altital) zu einem Kindterpopanz gewordene Gott- 
heit der Erde und der Unterwelt, die Hüterin der Manen. 
Großmutter der Laren. 

Manisko, s. Mannus. 

Mannus, (germ) der Sohn des erdgeborenen Gottes Tuisko, 
von 'dessen drei Söhnen drei Hauptstämme, die Ingävonen, 
Iskävonen und Hiermionen, abgeleitet wurden. Seine weiteren 
Nachkommen heißen Man oder Manisko „Mensdh,", die ganze 
Erde als Wohnsitz der Menschen (Manhieimr). 

Manitu, ein „großer Geist" bei den nordara. Indianern, 
Kizsdhi-M. deir gute und Matsch^M. der böse Geist. Es gibt 
noch ver&dhiedene Gottheiten (Manitus) der Sonne, Gewässer, 
Winde etc. ^ 

Manto, (gr) Tochter des theban. Sehers Teiresias und 
selbst Seherin, nach der Einnahme von Theben durdh 
■die Epigonen dem delphiadhlen Apollon als Teil der Beute 
geweiht. Sie vermählte sich mit dem Kreter Rhäkios. dem' 
sie den Seher Mopsos gebar. 

Mantra, (ind) wedi&che Gebete und Zaubersprüche. 

— 135 - 



Manu 8. Wisdhnü. 

Mao = Mah, irani&dier Mondgott (mit der Mondsichel). 

Mapsssa, Todhter des FluSigottes Euenos (s. d. und Idas). 

Mardöllt s. Fryja. 

Marä, der Hund der Erigrone, s. Ikarios. 

Marduk, (babyl) (hebr. Merodaidi) Gottheit des Weltalls 
(Frühsonne, Weisheit). 

Marica,.s. Faurnus. 

Marmax, Fmer der Hippodameia, den Önomäos zuerst 
tötete. 

Mars, (röm) "(auih Mamers, Mavors), Sohn der Juno, die 
ihn infolge einer Berührung einer wunderbaren Frühlings»- 
blume gebar. Neben Jupiter der. ' Hauptgott der alten Italer. 
Gott des männlichen Naturtriebes, der Sonne mnd des Krieges. 
(Der gr. Ares.) Durch Rea Silvia Vater des Romulus und 
Remuis. (S. Ilia.) Ihm war der erste Frühlingsmonat geweiht 
(März). Gott der Flurweihe, Familie, Teld- lund Viehstand. 
Beschützer vor Krankheiten, Unwetter und anderen Schäden. 
Er heißt auch Gradivus (der Sdhreitende). Als Schutzgott 
de,r Ehe wurde er zum Gemahl der Nerio gemacht, als 
.solcher führt er den Beinamen Qüirinus. Seine Genossen im 
Kampfe Pavor und Pallor (Frucht und Erbleichen) und 
Ultor (Rächer). 

Marsyas, (gr) ein phrygischer Silen, Sohn (nach anderer 
Sage Lehrer) des Olympos, Repräsentant des phryg. 
Flötenspiels im Gegensatz zum Apollinischen Kitharaspiel 
deir Griechen. In einem Musik wettkam pf mit Apollon ent- 
schieden die Musen für letzteren, weshalb er auf einen 
Baum aufgehängt und ihm die Haut labgezogen wurde. 

Marthonischer Stier, s. Theseus. 

Mal, (ä) Tochter des Sonnengottes Ra oder des Phtha 
(Hephästos). Göttliche Begleiterin des Thot (Hermes, 
Trismegistos) und führt in der Unterwelt die Verstor bemeni 
vor Osiris. Symbolisiert durch ihre Straußfeder auf dem 
Haupte, wie diurch ihren Namen als Göttin der Wahrheit und 
Gerechtigkeit. Wie die Themis blind, so wird die M. auidh 
mit verbundenen Augen dargestellt. — S. Bhrigu. 

Matal* icvan, s. Agni und Bhrigu. 

Mater Larum, s. Laveirna. 

Matralien, s. Matuta. 

Matres, (Matronae, Matrae) ..All&chenkende", Göttinnen. 

Matsch, s. Manitu. 

Matuta, (rö) (mater matuta) altiitalisch ; segensreiche 
gute Göttin des Frühlichts, auch der Geburt. Wurde mit der 
gr. Leulcothea identifiziert, wie ihr italischer Genosse 

— 136 — 



Portunus mit dem Palämon oder Melikertes. Matralien = 
„Fest der Mutter" (Muttertag). 

iVlavors, s. Mars. 

Medea, (Medeia) Tochter des König: Äetes von Kolchis und 
und der Oknaide Idyi oder Hekaite. Eine in der Argonauten- 
saige bekannte Zauberin. Sie verbalf dem Jason, in den sie 
S'icTi verliebt hatte, zum goldenen Vlies, entfloh miit ihm im Be- 
gleitung ihres Bruders Absyrtos, den sie aber unterwegs, 
als ihir Vater die Argonauten verfolgte, tötete und,' in Stücke 
zerschnitten, ins Meer warf, um ihren Vater mit dem Auf- 
lesen der einzelnen Stü'dke und Bestatten derselben- aufzu- 
halten und um selbst nach Jolfcos zu entkommen, nadidam sie 
sich vo'rerst mit Jason auf der Insel der Phieaiken vermählt 
hatte. Da Peliais seinem Neffen Jason das väterliche Reich 
nicht abtreten wxDllte, v^rde er von M. mit Hilfe seiner 
Töchiter, denen sie vorspiegelte, ihn in ihrem Zauberkessel 
zu verjüngen, beiseite geschafft. . Dann von Pelias Sohu, 
Akastos veirtrieben, kam M. mit Jason nach Korinth, er 
verstieß sie aber nach zehnjähriger Ehe und vermählte sich 
mit der Glauke oder Kreusa, der Tochter des Königs Kreon, 
doch ward diese, von der eifersüchtigen M. mit einem 
vergifteten Brautgewand und Diadem beschenkt, am 
HO'chzeitstage von Flammen verzehrt. Auf Kreons Palast 
ließ M. Feuer regnen, ermordete ihre beiden Kinder 
Mermeros und Pheres, die sie dem Jason geboren hatte, und 
entfloh auf einem von Helios gespendeten Drachenwagen nach 
Athen, wo sie den König Ägeus heiratete und ihm den Medos 
gebar. Mit letzterem entfloh sie in ihre Heimat, wo sie 
ihren Bruder Perseus ermordete, der den Vater vom Throne 
gestürzt hatte, um diesen wieder auf den Thron zu setzen. 
Sie ward unsterblich. S.^ Taklos.. — S. Achill aus und Argo- 
nautensage. 

'Medon, natürlicher Sohn des Öleus, den ihm Rhene gebar, 
von Äneas getötet, -^ 

Medos, Sohn der Medea, s. d. 

Medrand, s. Artus. 

Medusa, eine der Gorg"onen, s .d. 

Meergötter, sämtlich dem Poseidon (Neptun) untergeordnet: 
Okeanos und seine Gattin Tethis, Nereius, dessen Ga^om 
Dods und ihre 50 Töchter (Nereiden), Triton, Poseidons 
Sohn, und die Tritonen; einzelne Meerdämonen, wie Proteus, 
Glaukos, Leukothea und Melikertes, die Sirenen, endlich die 
Flußgötter, die männlichen Nachkommen des Okeanos. — 
S. Perseus, Chrysaor und Pegasos. 

— 137 — 



Meerweibchen, niy. Geschöpf von der Gestalt eraes Weibes, 
mit meergrünen Haaren und nachi amten in einen Pisch 
endigend. (Besonders in den Sagqn des südlidhen Europas.) 

Megara, Gattin des Herakles, dann des Jolaos, Todliter des 
König Kreon (3). 

Megära, eine der Erinnyen. Auch soviel wie furienhaftes 
Weib. 

Megingiard, ein "Machtigürtel, s. Thor. 

Meiones, s. Autolykos. 
. Mekistheus, Sohn des Talaos und der Lysimache, der 
Tochter des Abas, Bruder des Adrastos. 

Melampoden, s. Ägyptos. 

Melampos, (gr) „Schwarzfuß" Sohn des Amyihaon aind der 
Eidomene, Bruider des Bias. Seher «und Arzt. Er verstand die 
Stimmen der Tiere, die ihm weissagten. Zum Beispiel : Als 
sein Bruder Bias die Pero, Tochter des Neleus, nur dann 
zur Gattin beikommen sollte, wenn er die Rinder des Phylakos 
als Birautgabe bringe, versuchte M. für ihn die Rinder zu 
rauben, wurde aber ergriffen, und ins Gefängnis geworfen. 
Hier erfu/r er durch; die Würmer im Holze des DacTies, 
daß das Haus bald einstürzen werde und verlangte deshalb 
schnell in ein anderes Gemach gebraicht zu werden, wo- 
rauf jenes zusammenstürzte. So von seiner Sehergabe über- 
zeuigi:, verspricht ihm Phylakos, die Rinder zu geben, wenn 
er seinen Sohn, Iphiklos von einer Krankheit, an der er 
von Ju'gend an litt, heile. Durch einen Geier erfährt M., 
daß Iphoikles Leiden von einem Schreck über ein blutiges 
Messer herrührte, mit dem sein Vater einst Bödke verschniititen, 
und dann den Sohn bedroht hatte, worauf er es in einen 
Baum gestoßen, wo es inzwischen verwachsen sei. Nehme 
Iphiklos den abgeschabten Rost desselben ein, so werde er 
Heilung finden. M. findet das Messer auf. heilt den Kraniken 
und [gewinnt so dem Bruder die Braut. Später zieht er nach 
Argos, wo er die vom Wahnsinn befallenen Töchter des 
Königs Prötos heilt und dafür eine derselben, die Iphianass:?' 
zur Gemahlin, sowie ein Drittel des KönigreifChes zum 
Lohn erhält. M. war der Stammvater eines ganzen Ge- 
schlechtes von Sehern. Melampotiden. 

Melanippe, (Arne), Tocliter des Äolos. 

Melanippos, s. Tydeuis. 

Meleagros, (gr) Meleager, Sohn des Königs Öneus von 
Kalydon und der Althäa. Er nahm am ArgonautenzUig teiL 
machte sich als Jäger berühmt, insbesondere durch die 
Erlegung des Kalydonischen Ebers. — Nach einem Orakel- 
spruche sollte M. so lange leben, bis ein bei seiner Geburt 

— 138 — 



auf idiam Herd liegendes Scheit Holz, vom Feuer nicht 
verzehrt v^rerden würde. Althäa löschte das schon bren- 
nende Holz aus und verbarg es; als aber M., um seiner 
Geliebten Atalante den Preis, jener kalydonisAein Jagd zuzu- 
wenden, Althäas drei Brüder .getötet hatte, warf sie das 
Holz wieder in die Flamme, worauf er starb. S. Idas, 

Melete, s. Musen. 

Melia, Okeanide, Mutter des Phoroneus. 

Melikertes, (gr), Sohn des Athamas und der Ino, welche 
s'vch, von dem rasenden Athamas verfolgt, mit dem Sohsne 
ins Meer stürzte. Ino wurde als- Leukthea und M. als 
Palämon in hilfreiche Gottheiten verwandelt. S. Pontunus 
und Matuta. — 

Melische, Nymphen, s. Uranos. 

Melkar, s. Baal. ■ 

Melpomene, (gr) „die Singende", eine der neun Musi&n, 
Vertreterin der Tragödie. 

Melusine, naich alter ursprünglich ikeltischer Sage eine 
Nixe, To'Chter des Königs von Albanien und einer Meer- 
nymphe, vermählt mit Graf Raimund' von Lusignan, von 
wunderschöner Gestalt, aber an einem Tage der Wochie 
gezwungen, sich einzuscbließen und halbe Fisichgest'alt anzu- 
nehimen. Trotz ihrer Warnung überrascht sie an einem 
solichen Tage ihr Gatte im Bade, worauf sie für immer ver- 
schiwindet. So oft d^m Hause Lusignan ein Unglück wider- 
fahren ist, erschien sie jedesmal im Turme des Schlosses, 
bis derselbe im Jahre 1574 zerstört wurde. 

Memnon, (gr) Sohn des Tithonos, der Eos und Königs der 
Aethiopier. Er eilte seinem Oheim, dem König Priamos 
von Troja zu Hilfe, erlegte den AntilocTios, wird aber 
von Achilleuis getötet. Als beide kämpften, wog Zeus ihire 
Seelen und die des M, war gesunken. Er erhielt wön Zeus auf 
das Flehen seiner Mutter, die den Leichnam klagend in die 
ferne Heimat trug, die Unsterblichkeit. Der Tau des frühen 
Morgens ist die Träne der Eos, womit sie jeden Morgen 
den Verlust ihres geliebten Sohnes beweint. S. Emathion 
und Neoptolemos. 

Men, der phrygische Mondgott. 

Mene, Kriegsgöttin, s. Ma. — 

Mendes, (ä) Gottheit (Bock). Schuh (Luft), Leb (Erde). 
Osiris (Bock der Böcke), (König der Könige). 

Menelaos, (gr) König von Sparta, Sohn des Atreus, floh 
nach der Ermordung seines Vaters mit seinem jüngeren! 
Bruder Agamemnon aus Mykenae nach Sparta, wo er sich 
mit der Tochter Tyndareos, Helena vermählte und dadurdh 

— 139 — 



Erbe des Staates .wurde. Als Paris die Helena entführt 
hatte, (s. Proteus), iDegab sich M. mit Odysseus nach Troja, 
um die Zurü'ckgabe der Geraubten zu bewirken, und for- 
derte dann die befreundeten Fürsten zum Zuge gegen Troja 
auf. Er selbst stellte 60 Schiffe bei und war unter dem 
Schutze der Hera und Athene einer der tapfersten Kämpfer. 
Er besiegte Paris im Zweikampfe, schirmte den Leichnam 
des Patroklos und trug ihn aus der Schlacht. Auch befand 
er sieh mit in dem hölzernen Pferd. 

Nach Trojas Fall segelte er sogleich mit Helena ab, 
wurde aber beim Vorgebirge Malea durch einen Sturm 
nach Ägypten verschlagen und kehrte erst naich 8 Jahrein 
mit seiner Gattin in die Heimat zurüok, wo eben seiine 
von ihrem Sohn Orestes erschlagene Schwägerin Klytäm- 
nestra mit ihrem Buhlen Ägisthos bestattet wurden. Siehe 
Tele'mach, Iphigenie und Eidothes. 

Menes, (ä) Mena, der älteste ägyptische König, der auf 
die Dynastie der Halbgötter folgte. (4000 v. Chr.) Er- 
bauer von Memphis. 

Menippe, (gr) To.c^hter des Orion, starb mit ihrer Schwester 
Metioche freiwillig, als bei einer Pest, von der Boötißn 
heimgesucht v^rde, vom Orakel das Opfer zweier Jungfrauen 
forderte, 

Menökeus, (gr) (1) Sohn des Königs Kreon von Theben, 
Vater des Kreon (2) und Jokaste. Als bei der Belagerung 
der Stadt durch die „Sieben gegen Theben", der Seher 
Teiresias den Thebanern den Sieg weissagte, wenn de/i- 
Zorn des Ares über die Erlegung des Drachien durch 
Kadmos, (ein Nachkomme der aiuis den Drachehzähmen emt- 
sprossenen Spai-ten) durch freiwilligen Tod versöhme, er- 
stach sich M,, einer der letzten des Spartanergeschlechtes 
und stürzte hinunter in die Kluft, wo einst der Drache 
als Hüter der Quelle Dirke gehaust hatte. — (21 Sohn 
des M. (1). . 

Menötios, (gr) Vater des Patroklos, Bruder des Atlas 
und des Prometheus. 

Mens, (rö) Personifikation des Verstandes und der Be- 
sonnenheit. ■ . 

Mentor, (gr) Sohn des Alkimos aus Ithaka, Freund des 
Odysseus, der diesen bei seiner Abreise nadi Troja mit 
der Sorge für sein Hauswesen und der Erziehung seines 
Sohnes Telemach betraute, (M. daher soviel wie Erzieher), ^ 

Merlin, s. Artus. 

Mephitis, (indisch), Mefitis, Beschützerin gegen pest- 
hauichende Ausdünstungen. 

— 140 — 



Mercurius, (rö) Merkur, Sohn des Jupiter und der Maja, 
dier itali&Ae Handelsgott und Bote. (Hermes). Siehe Lara. 

Merope, {gr) (1) Tochter des Kyp'seios, Gemahlin des 
Kresphiontes, Königs von Miessdnien, wurde durch ihren 
Schwager Polyphontes, der sich der Herrschaft bemächtigte, 
ihrer Kinder beraubt, mit Ausnahme des jüngsten Äpytos. 
Hierangewachsen, ermordete dieser den Polyphontes. — 
(2) Tochter des Atlas, eine Pkijade, Gemahlin des Sisyphos, 
Mutter des Gla-ukos (3). — (3) Tochter des önopdon, 
s. Orion. 

Merops, (gr) (1) Vater des Amphios und der AdrastosL 
— (2) Sohn des Triopas. Seine Gattin war die Nymphie 
Ethiemea, die ihm den Pandareos gebar. Er wurde in 
einem Adler verwandelt. (3) Äthiopienkönig, in der Nähe 
dies Sonnenaufganges wohnend, Gemahl der Klymene. 

Meru, (brahm. und buddh.) der Mittelpunkt unserer Welt 
aus Gold, Silber und Kristall bestehend. Dort thronit Indra 
mit 33 Wedagöttern. 

Mestor, s. Perseus. 

Metaneira, s. Triptolemos und Demeter. 

Metloche, Schwester der Menippe.. 

Metion, Vater des Dädalos. 

Metis, (gr) eine Okeanide, Personifikation der Klugheit; 
sie reichte dem Kronos jenen Trank, wodurch er seine 
verschlungenen Kinder wieder ausspie. Erste Gemahlin des ■ 
Zeuis. Da ihm aber geweissaigt wurde, sie werde ihm' zuerst 
ein Mädchen, dann aber einen Sohn gebären, dem die 
Herrsichaft bestimmt sei, versichlang er sie und gebar hier- 
auf aus seinem Haoipte Athene. S. Pluton. 

Midas, (gr) Phrygischer König, Sohn des Gordios und 
der Kybele. — Dionysos gewährte ihm, daß alles, was 
er berühre, sich in Gold verwandle; als auch Speise und - 
Trank für ihn zu Metall wurden, bat er um Befreiimg von- 
dieser Gnade. Hierauf badete er im Paktolos, der seitdem 
Gold [führte. Als Pan einst die Hirtenpfeife bließ und 
Apollon die Kithara rührte, gab M. jenem den Vorzug; ^ 
worauf ihm Apollon zur Strafe Eselohren wachsen ließ 
(Midasohren), die M. unter einer hohen Mütze verbarg. 
Sein Haars'clmeider vertraute einst dieses Geheimnis einer 
Grube an, in .der sodann Schilfrohr wuchs, welches das 
Geheimnis allen zuflüsterte. 

Midgard, Mannheim, s. nord. Mythologie und Atlantis. 

Midgardschlange, s. Jormungandr. 

Mimir, (iiord) „Gedächtnis" in den Edden ein weiser 
Jote (Riese), dem der Mirmisbrunnen, die in Jötunheim ent- 

— 141 — 



springende „Quelle der Weisheit" gehörte, aus derber 
jeden Morgen trank, wodurch er in den Besitz der höeh- 
sten Erkenntnis gelangte. Odiin begelirte einsit von, dem 
Quell zu trinken, do'^h jener gestattete es nur unter der 
Bedingung, daß er ihm das eine Auge zum Pfand über- 
lasse. M. schöpfte mit diesem (in Gestalt eines Horns) 
den Trank der Weisheit. Das eine Auge ist die Sonne, das 
verpfändete ist der Mond. M. begleitete den Hönir zu den 
Wanen, die ihn erschlugen und sein Haupt den Äsen zu- 
rü'cksendeten. Aber mit diesem Haupte berät er sich noch, 
mit Odin. Er ist au:h ein kunstfertiger Schmied (Hephäsitos), 
der Siegfried und Wieland in dieser Kunst unterriicTitetei. 

Min, (ä) entspricht dem griechischen Pän. 

Minerva, (it) Menerva, d. i. die griechische Athene, Qöttim 
des Verstandes, des Nachdenkens und der Erfindung, die 
Schutzpatronin aller. Fertigkeiten und Künste, der Schul- 
lehrer imd Schulkinder, der Ärzte, Musikanten und vieler 
Gewerbetreibender. S. Victrinx und Nerio. 

Minos, (gr) zwei sagenhafte Könige von Kreta. — (1) 
Sohn des Zeus und der Europa, Vater der Ariaidne, Bruider 
des Rhadamanthys und Sarpedon. Wegen seiner Gerechtig- 
keit wurde er mit Äakos und Rhadamanthys Richter der 
Unterwelt. — (2) Enkel des vorigen, Sohn des Lykastos und 
der Ida, Gemahl des Pasiphae und Vater des Androgeos, 
Dieukalion, Glaukos der Phäd'ra et)C. E.^ herrschte neun 
Jahre über Kreta. E. gab die berühmte Minoische Ge- 
setzgebung, in der ihn Zeus alle neun . Jahre in einer 
Höhle unterrichtete. Als sein Sohn Androgeos gegen den 
marothonischen Stier geschickt und von diesem getötet 
worden war, mußte Athen durch neun Jahre hindurch je 
7 Jünglinge und 7 Jungfrauen tributmäßig abliefern. S. 
Minotauros und Dädalos. Seinen Tod verursachten die 
Töchter des Königs Kokalos oder dieser selbst. S. Theseus, 
Taiklos und Britomartis. 

Minotauros, (igr) Stier-Minos, das Ungeheuer mit mensch- 
lichem Körper und Stierkopf, das aus der unnatürlichen 
Liebe der Pasiphae, Gemahlin des Minos, zu dem von 
Poseidon dem letzterem gesandten schneeweißen Stier ein/t- 
sprungen war. Minos sperrte ihn in das von Dädalos er- 
baute iknosische Labyrinth, wo ihm Verbrecher und auch 
die von Athen als Tribut zugesandten Jünglinge und ,Jun:g- 
frauen vorgeworfen wurden, bis endlich Theseus mit Hilfe 
der Ariadne das Ungeheuer tötete und Athen vom Tributi 
befreite. 

Minyas, (gr) Vater der Klymene, Großvater des Iphyklos. 

— 142 - 



Miölnir, der Donnerhamraer Thors, s-. d. 

Misteltein, s. Höder (Loki). 

Mithra, (iraniscli) Sonnengott. S. Ormuzd, 

Minyaden, Töchter des Mynias: Leukippe, Arsippe u. a. 

Mitra, (wedisch) Lichitgolt, einer der Aditja, wurde ge- 
wöhnliich mit dem Himmelsgott Waruna angerufen. Dieser 
herrschite am nächtliichen Himmel, jener in der Tageszeit. 
Gott der Wahrheit, der Treue, des Rechts, und der Pflichltjen 
gegen die Götter. Genetisch hängt M. mit dem pers. Mithra 
zuisammen. 

Mneme, (gr) eine Muse s. d., dann Äolos und Aphodi:^, 

Mnemosyne (gr) Tochter des Uranos und der Qäa, eine 
Titanide, Göttin des Gedächtnisses. Von Zeus, bei dem 
sie neun Nächte weilte, Mutter der neun Musen (Mnemoiden). 
S. a. Moneta. — 

Mnychia, Göttin in Athen (Trinkgöttin ?) 

Modi, (nord) „der Mut", Sohn des Thor und der Jotin 
Jarnsaxa. 

Modius-Fabitius. Auf dem Gebiete von Reate kommt 
einst eine Jungfrau aus vorneh.mem Geschlecht zu deaii 
Heiligtum des Quirinus zum gottesdienstliichen Tanze, Wäh- 
rend desselben wird sie von' göttlidher Begeisterung er- 
griffen, sie eilt in das Innere des Tempels und wird von 
dem Gotte schwanger. Das Kind ist der gottähnliche Modius- 
Fabitius. Die Anklänge an die Sage vom Rhea Silvia und 
der Gründung Roms sind kennbar. S. Polos. 

Möhren, (gr) s. Mören und Parzen. — 

Moira, (pers) „Schicksal" (Moiren), s. Mören und Admetos. 

Moilionen, Moilioniden, (gr) das sind Kteatos und Enrytos, 
die aneinander^e wachs enen Söhime des Poseidon und der 
Molione (oder Aktor, eines Bruders des Augeias, daher auch 
Aktorionen). Sie kämpften schon als Knaben gegeai Nestor 
und die Pylier. Später schlugen sie das Augeias bedrohende 
Heer des Herakles, wurden aber von diesem getötet. Ihre 
Söhne Thalpios und Antimaichos sind die Anführer der 
Epeier vor Troja. 

Moloch,- (König) Gottheit der Kaaniter, die sengende Glut 
der Sonne, reinigende Kraft des Feuers, finstere Gottheit des 
Krieges. Sie wird ähnlichi dem Minotauros dargestellt 

Molossos, (gr) Sohn der Andromache, von ihrem zweiten 
Gatten, Neoptolemos. 

Momos, (gr) (lat. Momus), Sohu der .Nacht, Gott des 
Spottes und des Tadels. Ein entkräfteter Greis. 

Moneta, dat.) „Mahnerin", Beiname der Juno. Sie ist 
die griechische Mnemosyne, Mutter der Musen. 

— 143 — 



Monnon,. (gr) s. Antilochos. 

Month, (ä) (Menth) Krk^sgott von solarer Bedieutung. Er 
wird sperberköpfig dargestellt. 

Mopsos, (gr) zwei Seher; der eine nahm, an der Kalyd. 
Jagd, am Kampf gegen die Kentauren und am Argonautenzug 
teil, der andere, Sohn des Apollon (oder Rhakios und der 
Manto), besiegte den KaLchas im Wettstreit. — . S. Manto. 

Mordred, .(Medraud) s. Artus. 

Mören, (gr) (lat. Parcae, Parzen) Töchter des Zeos und 
der Themis. Sdiidcsalsgöttinen : Klotho „Spinnerin", die den 
Leibensfaden spinnt, Lachesis „Erlösung", die seine Länge 
bestimmt, Atropos, „Unnahbare", welche ihn abschneidet. 
" Mormo, (gr) „gespenstige Frau", Königin der Lästryonen.. 
Mit deren Erscheinung bedrohte man die schlimmen Kinder. 
Weil alle ihre Kinder starben, will sie alle anderen töten, 

Mormolyken, s. Empusa. 

Morpheus, (gr) Sohn und Diener des Schlafes ujid Bild- 
ner der Traumgestalten. Seine Brüder sind Phobetor und 
Phantasos, die sich in allerlei Dinge verwandeln konnteini. 

Mulciber, (auch Muldfer) Beiname des Vulcanus. 

Munin, (nord) „Gedächtnis", Rabe des Odin. 

Munitos, (gr) Sohn der Laodike, s. d. 

Musaget, (gr) Musagetes = Musenführer. Beiname des 
Apollon und Herakles, als Freund und Gönner der Künste. 

Musäos, (gr) Sänger, Seher und Priester. Sohn der Selene 
und des Orpheus oder Linos oder Eumolpos. 

Musen, (gr) (Musae) Töchter des Uranos und der Gäa, 
oder des Zeus und der Mnemosyne. Ursprünglich Quiellen- 
nymphen, dann Göttinnen des Rhythmus und Gesanges. Vot- 
steherinnen der verschiedenen Dichtungsarten, Künste und 
Wissenachaften. Sie heißen auch: Pieriden, Olypiaden, 
Pimpleiden, Libethriden, Klanen, Aonische Schwestern und 
Mnemoiden. — Vorerst zählte man drei: Melete (Nachdenken), 
Mneme (Gedächtnis) und Aoide auch Aeode (Gesang). 

Gewöhnlich werden neun Musen genannt: Kleio (Geschichte, 
Taten), Euterpe (die „Ergötzende", Tonkunst, lyrische Poesie), 
Thaleia, Thalia (Lustpiel, Theater überhaupt), Melpomene 
(die „Siegende", Tragödie), Terpsichore, Erato (erotische 
Liebe), Polyhymnia, Urania (Sternkunde) Kalliope (Dicht- 
kunst und Wissenschaft und Arthusa (Hirtengedichit). (Als 
10. Muse wird Sappho bezeichnet.) — S. JVlusaget. — 
Ihr Lieblingsaufenthalt war der Helikon, sie badeten im 
Quell Hippokrene. Im Olymp sind sie mit den Chariten 
und Himero vereint. Sie sind ewig jungfräulich und doch 
nennen sich viele Sänger der Mythenzeit ihre Söhne. 

— 144 — 



Muspelheim, (nordO.s. nord. Myth. uiid Surtur. 

.Mut, (ä) Gemahlin dies Ammon. Sie bildet mit diesem und 
ihrem Sohne Ctions die Qöttertriade von Theben. Sie trägit 
die Psidhonikrone. — S. Ammon und Hathor. 

Mutton, (ffr) s. Dido. 

Mylitta, (Bilit = Herrin) bei den Babyloniern die Göttüi 
deT FruiAtbarkieit, Zeugung, Geburt. Sie ist mit der Baaltis 
oder A&chera identisch und bildet das Gegenstück der 
Istar, Göttin des Krieges und Verderben. — S. Baal. ^ 

Myrmidon, (gr) Sohn des Zeus (entstammt von Ameisen). 

Myrniidonen, (gr) aidhätischies Volk, das sich mit Achilleus 
vor Troja auiszeidhneie. Sie stammen von Myrmidon, einem 
Sohne des Zeuis, oder von Ameisen ab (myrmex), die Zeus 
nach einer Pest in Menschen verwandelt hat. — S. Äakos, 
Ägina, Agakles. 

Myrrha, (gr) Tcchter des Kinyras und ist von ihm Mutter 
des Adonis, s, d. ♦ 

Myrtilos, (gr) Sohn des Hermes, Wagenlenker des Önomaos* 
brachte, von Pelops bestochen, seinen Herrn um dem Rejin- 
sieg. Bei der Bewerbung um die Hippodameia ward er 
von Pelops ins Meer gestürzt. Hermes versetzte ihn als 
Fuihrmann unter diie Sterne. 

N 

Nabu = Nebu, babylonische Gottheit. 

Nacht = Nachtgöttin, Nyx, s. d., dann Eredos und Nok. 

Najaden, s. Nymphen, dann Agle (Aigle). 

Nai, (nord) Gott y der List und des Betruges. — S. Loke. 

Naia, (ind) Nalas, König der Niadhadher. Verlor im 
Würfelspiel sein Reich und irrte mit seiner Gattin Damajanla 
umher, verließ sie, um sein Schicksal nicht teilen zu 
müssen, bis sie sich bei ihrem Vater wiederfanden und er 
sodann sein Reich wieder gewann. 

Nana, (gr) „Mutter", Tochter des Flußgottes Sangarios, 
Mütter des Atyps. 

Nanna, (nord) Gattin des Balder, Tochter des Neps. 

Nänia, s. römische Mythologie. 

Narfi, (nord) s. Nott. 

Narkissos, (gr) der sichöne Sohn des Flußgottes Kephisos, 
verliebte sich in sein Bild, das er in einer Quelle erbliekte, 
und verschmachtete vor Sehnsucht. (Oder wegen Nicht- 
erwiderung seiner Liebe zur Nymphe Echo), Von Nemesis 
mit stets unbefriedigter Selbstliebe bestraft. Aus seinem 
Blute entsproß die Blume Narzisse. 

Narut, s. Linos. 

— 145 — 10 



\ Nasatjä, (ind) s. Agvin. 

Nauplios, (gr) Sohn des Poseidon und der Araymone^ 
Vater des Palamedes (s. d.). Er hat der Antiklei'^ (s. d.) die 
falsche Nachricht vom Tode ihres Sohnes geibradit. 

Nausikaa, igt) Tochter des Phäakenkönigs AUdnoos (imd 
der Arete. Sie fand den rastenden Odysseus am Ufer, labte 
ihn und führt ihn in das Haus des Vaters. Sie liebte ihn. 
Später heiratete sie den Telemachos. 

Nausithos, (gr) Sohn des Poseidon — S. ^Phäaken. 

Nebor, (babyl) Nabu, Gott des Planeten Merkur. Er 
waltet über die Heere des Himmels und der Erde. 

Necheb, (ä) Schutzgöttin Oberägyptens. S. Btuto. 

Neck, (Nix, auch Nöck) Wassergeist, der die sichönsten 
Lieder sang. S. Nixen. 

Nehalennia, (belgisch oder . friesisch) Göttin der Frucht- 
barkeit und der Schiffahrt. S. deutsche Mythologie. 

Neilos,' (ä) Stromgott, s. Epaphos. 

Neith, (ä) Urmutter der Sonne und der Götter (Athene), 
Ihr zu Ehren wurden Lampenfeste gefeiert. S. Hathor. 

Nektar, (gr) der mit der göttlichen Speise, Ambrosia, 
unsteirblLdi machende Trank der Götter. 

Neleus, (gr) Sohn des Poseidon und der Tyro, Zwillihgs- 
bruder des Pelias, wurde nebst diesem von der Mutter 
aus Furdit vor der Eifersucht ihres Gemahls, des Königs 
Kiretheus von Jolkos, ausgesetzt, aber von einem Hirten aiif- 
gezogien. Nach ihres Vaters Todie entzweiten sich die Brüder 
übeir die Herrschaft. N. wurde vertrieben und zog nach dem 
Peleponnes. Als einst Herakles zu ihm kam, um sich von 
diem Morde des Iphitos reinigen zu lassen, verweigerte 
dies N. der mit des Iphitos Vater befreundet war. Dafür 
erschlug Herakles später seine Söhne mit Ausnahme des 
Nestor. 

Nemetone, (kelt) eine Gottheit. •> * 

Nemesis, (gr) „Rechtsgefühl", Göttin des Gleichmaßes, 
wekhe darüber wacht, daß das Gleichgewicht der sittlichen 
Ordnung der Welt nicht gestört werde, sondern Glück und 
Unglück dem Menschen nach Gebühr zuteil werde. Dadurch 
erscheint sie als Rächerin der Frevel und Verbrechen, und 
ist deshalb auch Ate und den Eumeniden oder Eriininyen 
verwandt. Rachegöttin. S. a. Narkissos. 

Neoptolemos, (gr) Pyrrhos, Sohn des Achilleus und der 
Deidameia. Er wurde bei seinem Großvater erzogen und 
nachdem der Wahrsager und Seher Helenos erklärt hatte, 
daß Troja ohne N. und Philoktet nicht erobert werden könne, 
von Odysseus herbeigeholt und mit Waffen seines Vaters verr 

— 146 — 



sehen. Et tötete den Priamos, stürzte den Astyanatx vom 
Tuirm und opferte Polyxena auf dem Grabe seines Vatersu 
Br tötete aucji den A^enor (3). — Andromache fiel ihm 
als Gefangene zu. Er vermählte sich init Hermione, der 
Töchter des Menelaos, wurde aber in Delphi auf Befehl 
der Pythia (oder auif Antrieb des • Orestes) erschlagen. 
S. Pyrrhos. 

Nep, Vater der Nanna. 

Nepenthes, (gr) ein kummertilgendes Getränk. 

Nephele, (gr) „die Wolkenkönigin", .ein der Hera ähn- 
liches. Wolkengebilde, mit der Ixion den Kentauros zeugte. 
Duirdi Athamas, dessen Gattin sie , war, Mutter des Phrixos 
und de,r Hielle. Ihir folgt dem Athamas als Gattin die Inc. 

Nephtys, (ä) Göttin, Schwester des Osiris und der Isis; 
sie. zeugte mit jenem den Anubis.. Gattin des Seth, obzwar sie 
mit Isis zusammen, den Tod des Osiris beklagend, dargestellt 
wird. Die Griechen haben sie Aphrodite und Nike genannt, 
weil sie die Gattin des Kirieggottes ist. 

Neptunus, (ital) Poseidon, Gemahl der Salacia, der 
Göttin deir Salzflut. Gott der See und der ritte rlichföti 
Uebungien. Consus hat die gleiche Eigenschaft. 

Nereus, (gr) ältester Sohn des Pontos und der Gäta, ein 
weiser. Recht liebender Meergreis, Gemahl der Doris, der 
Tochteir des Okeanos, die ihm 50 Töchter (Nereiden) gebair. 
Sein Wolhnsitz ist vorzugsweise- das Ägäische Meer. — 
Herakles, dem die Nymphen den Aufenihalt N. verrieten, 
ergriff denselben und, weil er sich in verschiedene Gestalten 
zuj veirwandeln suchte, fesselte ier ihn. Dann zwang er ihn, den 
Ort der Äpfel der Hesperiden zu veraten. Seine Tödhter, 
wohltätige Nymphen des Meeres, wohnten bei ihm in der 
Meerestiefe und sind den Sdhiffern behilflich. Unter ihnen 
ist aiußer der Amphitrite, Gemahlin des Poseidon, auch Thetis, 
die( schöne Mutter des Adhilleus. — S. Galatea. 

Nereiden, s. Nereus und Nymphen. (Zum Beispiel Amphi- 
trite, Agarie, Amphione, Dexamene, Dymamene, Galateia, 
Qlauike,. Klymene, Melite, Papope, Thetis etc.) 

Nergal, (babyl) Kiriegsgott, Herr des Planeten Mars. Eine 
verderbenbringende Macht. — Hersdher der Unterwelt. 

Neri, (Narfi) s. Nott. - 

Nerio, (sabin.), Gemahlin des Mars, Schutzgöttin der Ehe. 
Von den Römern mit Minerva oder Venus idenitifizäierty 

Nerthus, (^erm) Hertha, Mutter der Erde, des Friedens 
und der Fruchtbarkeit (Frey und Freyja). — S. Njörd. 

Nessos, (gir) (1) Stromgott. — (2) Kentaur, Söhn des Ixion 
und der Nephele. 

■ — 147— 10* 



Nestor, im) Soliin dies Nekus. Als einziger seiner Ge- 
schwister entging er der Ermordung durcli Herakles. Er war 
Füirst von Pylos, ria'hm am Kampfe der Lapithen gegen die 
Kentauren teil, an dier kalydonisdien Jagd uind am Argo- 
nauitenzuig. Et führt 90 Sdiiffe nach . Troja, kämpft als 
Held und ,gibt gute .Ratschläge. Nacli Trojas Fall kehrt er 
glücklich heim, wo. ihn Telemach besuchte, um von ihm 
Kunde übeir dem Aufenthalt seines Vaters zu erhalten. — 
Nach ihm nennt man einen bejahrten., erfahreinen Mann, 
das älteste Mitglied einer Körpersdiaft. Sein Sohn ist 
Antilochos. S. Odysseus. 

Nibelungen, (deujfcsch) Nifluingen, ein Zwergengeschleicht 
dies Nordens, naöh dem König Nibelung (Sohn des Nebels, 
d. h. Unterwelt) beiiannt. Er war im Besitze des Nibelungeur 
horts, nachdem 'er die Könige Schilbung und Nebelunig getötet 
und den Zwerg Alberich überwunden hatte. Seitdem führten 
Siegfrieds Mannen den Namen N." tund als nach dessen 
Ermordung der Hort in den Besitz der Burgunden gelangt 
war, gieht derselbe auf diese über. — S. Nibelungenlied und 
Sigurdi. 

NIBELUNGENLIED. 
Siegfried, Königssohn aus den Niederlanden, kommt mit 
Gefolge nadh Woirms an den Hof des Burgunderkönigs 
Günther in der Absicht um' dessen Tochter Kriemhild zu 
freien. Hagen, Günthers Dienstmann, erzählt bei seinem Ein- 
tritt die früheren Taten Siegfrieds, nämlich, daß er die 
Nibelungen überwunden und deren Schate (Nibelungenhort) 
samt der unsichtbar machenden Tarnlkappe erbeutet, daß er 
ferner jenen Lindwurm getötet habe, mittelst dessein Blut die 
Haut Sie^firieds unverwundbar v/urde. 

Nacihdem Siegfried dem König Günther im Sachsenkrieg 
mijfc Erfolg beigestanden und ihm die heldenhafte Königin 
Birunhilde erkämpft hatte — erhielt er Krimhilden zur 
Gemahlin. . / 

In der Hodhzeitsna'Cht wehrt sich Brunhilde Gunthier gegen- 
über und konnte erst in der folgenden Nacht mit Hilfp der 
Tarnkappe gefügig gemadit werden. Sieg'friied nimmt ihr 
Gürtel und Ring ab und übergibt beides seiner Gemahlin 
Kriemhild. Bei einem Streit zwischen den beiden Frauen 
zeigt Kriemhild die Beweismittel, daß Brunhilde in jener 
Nacht mit Hilfe Siegfrieds überwunden wurde. Darüber tief 
beleidigt, sinnt Brunhilde nach Räche und beredet Hagen, 
Siegfried zu ermorden. 

Hagen besorgt eine fingierte Kriegserklärung der Sachs;en 
und Siegfried ist wieder bereit zu 'helfen. Kriemhild fist 

— 148 — 



aber um ihren Gemahl besorgt und bittet Hagen ihm im 
Kampfe beizustehen und bezeichnet jene Stelle, wo Sieg- 
fried (beim Lindwurmblutbade durch ein gefallenes Linden- 
blatt an dar Schulter) verwundbar geblieben, durch: ein am 
Gewände aufgenähtes Kreuz.. Hagen besorgt falsche Boten, 
die aus Sachsen friedliche Naidbrichten bringen. Dairüber 
erfreut, wird im Odenwald (Wasgenwald) eine große Jagd 
veranstaltet, wobei Siegfried beim Trinken aus eiineir Quelle 
von Hagen mieudhuelings ermordet wird. 

Kriemhild erkennt den Mörder. Sie lebt 13 Jahre in 'tiefer 
Tirauer. Ibre Brüdex ließen den Nibelungenhort nach Worms 
kommen, doch Hageln versenkt den Schatz heimlich in dem 



Es erschieint Marfgraf Rüdiger von Bechelarn, um für 
König Etzel (Attila), dessen Gattin Helche gestorbem, Kriem- 
hiildens Hand zu bitten. Diese sagt zu, und hofft sich an 
Hagen rächen zu können. 

Jetzt kommen über ilire Aufforderung ihre Brüder und 
Hagen als Gäste auf Etzels Hof. Hagen wegen des ver- 
steckten Nibelungenhorts zur Verantwortung gezogen, 
verhöhnt Kriemhilde. Es kommt deshalb 'zum Kampf, bei 
welchen Gunthieir und Hagien gefangen werdenu Kriemhild 
läßt ersteren köpfen, letzteren, der das Geheimnis des 
Nibelungienhoirtes bewahrt, tötet sie selbst mit Siegfrieds 
Schwert, (Balmung), und wird dafür von Hildebrand, Dietrichs 
Dienstmann, erschlagen. 

Bei dem Kampfe fielen: Ge,niot, Giselher, Rüdig^er und die" 
Mannen Dietrichs von Bern, die bei Etzel weilten. 

Niflheim, s. nord. Mythologie. 

Niflungen s. Nibelungen. 

Nike, (gr) Göttin des Sieges. Tochter des Giganten Pallas 
und der Stj'^x. Sie verweilte seit dem Titanenkampf im 
Olymp. Die Römier haben an ihrer Stelle die Siegesgöttin 
Victoria (Vica Pota = obsiegender Erfolg.) 

Nikothoe, s. Harpyien. 

Ninos, Gründer des assyrisichen Reiches und Erbauer der 
Stadt Ninive. Gemahl der Semiramis, von ihr Vater des 
Nynias; . <' ] i 

Niobe, (gr) die To'irhter des Tantalos und Schwester des 
Pelops.. die Gemahlin des thebanischen Königs Amphion, 
dem sie viele Söhne und Töchter (Niobiden) gebar. Sie ver- 
rtlfeß sich der Leto (Latona) gleichzustellen, die nur zwei 
Kinder (Apollon und Artemis V igeboren hatte. Zur Strafe 
streckten die letzteren alle ihre Kinder an einem Tage 
nieder. Darauf tötete sich ihr Gemahl selbst und sie madhte 

— 149 — 



der unigeiheure •Sdimerz erstarren, sie wurde in Stein ver- 
wandelt, aber auch dieser Stein hörte nicht a;Uif Tränen zu 
verigießen. — S. a. Aedon. 

Nischadher» s. Nala. 

Nisos, (gr) d) Sohn des König Pandion von Athem. Als 
Minos von Kreta auf seinem Ziige geigen Athen aiHih Megara 
belagerte, sichinitt des N^s. Tochter Skylla (2), die sich in 
Minos verliebt hatte, ihren Vater das goldene (purpurne) 
Haar, an dem nadh einem Orakelspruch das Leben und das 
Sdiiicksal des Reiches hing, ab, worauf er ^ starb und die 
Stadt iiL die Gewalt des Minos fiel. Die Veräterin ward von 
den Göttern in den Vögel Keiris (Ciris) verwandelt. (Analog 
Pterelaos, Komätho.) — (2) Begleiter des Äneas, Freund 
des Euryalös. (s. d.), dem er auidi. in den Tod folgte. 

Nix, auch Nais, Neck (Nök) = Wassermann. 

Nixen, (germ) männlidhe und weibliche Wassergeister der 
Bä'ühe und Flüsse, Teiche und Seen. Ursprünglich Geister 
der ihimmli'Sidien Gewässer (s. Elfen). Der Nix (N&ck, 
Wassermann), alt, langbärtig, oder als loidkiger Knabe ist 
grausam und blutdürstig, dar die Einsamkeit liebt. Nöck 
ist ein Sänger. Die weiblichen N. erscheinen in der Sonne 
sitzend ihre langen Haare kämmend. Alle lieben das Spiel, 
den Gesang und Tanz. Der S'dhwedische Strömka;rl (in 
Norwegen Fossegrim genannt) lehrt sogar Menschen sein 
Spiel, durch das er lockt und bezaubert. Die männlichen und 
die weiblidhen N. holen sich gerne ein Liebchen in ihre 
Behausung, das es in die Fluten hinabziehen. 

Njord, (nord) (Njördhr) Wandische Gottheit, aber den 
Äsen als Geisel gegeben, bewohnte Noatun (Schiffstadt), 
das elfte der Gotterhäuser. War der Beherrscher der Winde, 
des Regens und des Feuers. Seine Gemahliin Skadi verließ 
Noatun, seine zweite Nerthus, gebar im Frey und Freyja. 

Noctiluca, „Leuchterin der Nacht.''' 

Nok, s. Nott. ' 

Nök, s. Neck. 

Nomia, Geliebte des Daphnis, s. d. 

Nordische Mythologie, das ist der Inbegriff der Sagen im 
Zusammenhange der religiösen Anschauungen der alten 
• Germanen, Finnen und Slaven, wie sie in der Edda enthalten 
sind. Am Anfang war das Giinnungagap (Chaos) mit 
dem Niflheim (Nordende) im Nebel und Kälte und Muspel- 
heim, dem anderen Ende, dem Feuer und Licht. Alis 
Hwergelmir, dem Brunnen des Niflheims, flössen 12 ver- 
eiste Ströme, die von südlicher Luftwärme zum Teil 
schmolzen. Aus solchen Tropfen des Naturlebens entstand 

— 150 — 



ein Menschengebilde, der urweltliche Riese Ymir, von dem 
das Gesdileicht der Hrimt^iUTsen .oder Reifriesen abstammte. 
Audi Audhiumbla, die Kuh, von deren Milch Ymir sich nährte, 
war aus diem Eis gieboren. Sie beleckte Salz, da kamen 
Mensdhenhaare, dann ein Haupt und schließlich ein ganzer 
Mann: Buri. Dessen Sohn Born gewann von der Tochter 
dies Riesen Bölthorn drei Söhne: Odin, Will (Hönjr) und 
We (Locki), sie sind die' Äsen (Götter), welche Himmel 
und' Erde beherrschen. Sie ersichlugen dein Rlesein Ymir usnd 
sdiufen aus ihm die Wielt. Aus seinem Fleisch entstanden 
die in den Tiefen der Erde tätigen Zwerge, aus \dem' 
Blute dias Meer, aus den Knodhen die Berge, aus iden 
Zähnen die Steine, aus dem Schädel der Himmel, aus dem 
Gehirn die Wolken. Von Muspelheim herübergeflogene 
Funken wurden zur Sonne, Mond etc. Am Meeresstrand 
Jötunheim wohnten die Riesen. Um sich vor ihnen zu 
schützen wurde aus den Augenbrauen des Yrhir die Burg Mid- 
gard erbaut. Odin und dessen Brüder schufen aus der Esdie 
und der Erle die ersten Mensdien, den Askr und die Embla. 
Das Gesdhick bestimmten die 'Nomen, s. d. Am Himmel 
wurden die Lenker von Sonne und Mond, welche auf 
Wagen fahren, von riesenh^aften Wölfen verfolgt. Ebenso 
sind Nacht (Nott) und Tag (Dag) göttliche Wesen Die 
Äsen bewohnten im Himmel den Asgard mit 12 verschiedenen 
Götterburgen : das Idafeld, wo sie ihre Gastmahle und 
Kampfspiele mit den Einheriiern (den im Kampfe , ge- 
fallenen Helden) abhielten, der Palast Walhalla, das Heilig- 
tum Wingolf, und die Geriehtsstätte über Götter und 
Menschen (befand sich unter den Zweigen der die ganze 
Welt überragenden Esche Ygdrasill.) Der nicht im Kampfe 
starb (Strohtod), fiel der Hei zu, deren Gebiet Jöstjun- 
heim, von einem Strom umflossen war. Die Erde war mit 
Asgard mittels der Brüdke Bilfröst (Regenbogen) ver- 
bunden. Es gibt 12 obere Götter und Göttinnen. Außer 
Odin, dem Großvater der Äsen, sind es seine Söhne: 
Thor (Donner), Balder (Frühling, Sommer, Licht und 
Schönheit) die, beiden Wanengötter, Njörd. der Beherrscher 
des Meeres und sein Sohn Freyr (Licht), Tyr (Krieg) 
und Braga (Dichtkunst), Heimdall, Wächter der Himmels- 
brücke, der schweigende starke Widar, der Bogensichütze 
Wali, Uller, Thors Stiefsohn und Forseti (Frieden). Die 
Götter sind: Frigg (Odins Gemahlin), Freyja (Liebe), Idun, 
Bragas Gemahlin (Unsterblichkeit), Nanna (Balders Gattin). 
Zu den niedern Göttinnen gehören die Walküren, die 
strahlend schönen Schlaichtjungfraiuen (Schwanenjungfrauen); 

— 151 — 



die drei Nornen als Schicksalsgöttinnen umd die Fylgricn, die 
Sdiuizgeister der Menschen. Loki, der schöne aber launen- 
hafte und boshafte Gott des Feuers zeugte mit einem 
Riesenweib drei Ungeheuer: Hei (Tod), den Wolf Fenrir und 
die Midgardst^hlange. Auch der Meeresgott Ögir (Ägir) und 
seine Gattin, Ran, geihört nicht zum Asenkreis. S. Äsen 
Götterdämmerung. 

Nornen, (nord) Nornir, die Göttinnen der Zeit und des 
Schicksals. Drei Jungfrauen: Erdh (Vergangenheit), Verdandi 
(Gegenwart) und Skuld (Zukunft). S. Widar. 

Notes, s. Typihon. 

Nott, (nord) die Nac^ht, Tochter des Riesen Neri (oder 
Narfi). Dem Annar (Onar) gebar sie die Jördh (Erde) und 
dem Delling (Delingr), den Dag (Tag). 

Nox, (lat) Nacht, s. Nyx. 

Numitor, König von Alba, der von seinem Bruder Amulius 
vom Throne gestürzt aber von seinen Enkeln Romulus und 
Remus wieder eingesetzt wird. S. Rea Silva. 

Nut, (ä) Göttin, (Rhea), Gemahlin des Seb (Kronos), die 
Personifikation des Himmelsgewölbes. — Dem Hathor gleich- 
gestellt. S. Typhon. 

Nykteus, Vater der Kallista. 

Nyktimps, Sohn des Pelasgos. iBruder des Lykaon s. d. 

Nymphagetes, Beiname des Poseidon. 

Nymphen, (gr) weibliche Gottheiten niedern Ranges, welche 
als Personifikation der Naturkräfte teils als Begleiterinnen 
der Gottheiten (Dionysos, Artemis, Aphrodiite etc.) teils 
als selbständig wirkend gedacht wurden. Wohltätige Geisiter 
der Berge, Grotten, Bäume, Wiesien etc., führen Tänze auf 
und jagen das Wild. Sie sind aber sterblich wie Menschen, 
mir daß ihre Lebensdauer ungleich länger währt. Es gibt 
Na jaden, Krenäeu, Limnaden (Wassern vmphen) Dryaden, 
Hamadryaden (Baum«iympihen),Oreaden (Bergn.) Leimomaden 
(Wiesenn.) Napäen (Taln.) Nereiden und Okeanidein (Meern) 
etc. — Wegen der befruchtenden Kraft des Wassers galten 
sie auch als Erzieherinnen des Zeus. Baicchos, des Apollon 
und Verleiherinnen der Dicht- und Wahrsagekunst. Sie sind 
oft in Gesellsc^haft von Faunen, s. melische Nymphen. — 
Einige Nymphennamen: Abas Abarbaree, Jda und Adrasteia 
(s. Zeus), Agriope, Asterodeia, Gala, Ethemea, Aetua,, Pauope, 
Arethusa, Laodike (Phoroneus) Lara TQuellnymphe) Marica, 
Kalypso, Kameuen (Luellen), Egeria, Midlia, Juturna, Quelil- 
nymphe, Orseis, Britomartis (Beiname Anhaa), Cansins, 
Tmolos, Paktolos, Daphne, Koronis, Kyrene, Symäthis etc. 

— 152 — 



-Nyx, (lt. Nox) (gr) die Personifikation der Nachi, (Göttin), 
die die Götter und Menschen durcli. den Schlaf bezwingt. 
Tochter des Chaos, die Schwester und Gattin des Erebös, 
dem sie den Äther 'lind die Hemera (Tag) gebair, während 
sie aus sich selbst die Schicksalsgottheiten (Keren und 
Mören), den Tod (Thanatos), den Schlaf, die Träume, den 
Tadel und die Klage, die Mühseligkeit, den Hunger, die 
Furcht, die Nemesis, das Alter, die Eris, (Zwietracht), diie 
Unbesonneriheit (Ate) und den Eid, als freumdlidie Göttin, 
den Schlaf und das Heer der Träume und mit Erebos den 
Cliaron erzeugte. Sie wohnt bei Tae: in ihrem Palast im 
Tartaros, den finstere Wolken umliiüUen. S. Lurlei. — 

O 

Öargros, s. Pölymnia. 

Oberen, dem deutschen Alberich ientsprechend, König der 
Elfen s. d. Gemahl der Titania, stammt aus dem Sagenkreis 
Karl d. Gr. (Epos O. vom Wieland, Sommernachtstrauim' 
von Shakespeare.) 

Oberon hat sich mit seiner Gattin Titania über die 
Frage, ob der Mann oder das Weib treuer sei, entzweit, 
und beide wollen sieb erst dann versöhnem, wenn ein Men- 
sdhen-Liebespaar durch Not lund Gefahr unerschütterlidhe 
Treue bewiesen liat. Durch Oberon-s dienstbaren Geist Puck 
erfahren wir, daß am Hofe Karls des Großen, Ritter 
Hüon von Bordeaux des Königs Sohin getötet hat und zu 
furchtbarer Buße verurteilt worden ist. Er soll nach Bagdad 
ziehen, dort an der 'Hoftafel denjenigen töten, der links 
neben dem Kalifen sitzt und dessen Tocbter den Brautkuiß: 
geben. Wenn er dies vollbracht, will der Kaiser ihn wieder 
in Gnaden aufnehmen. Oberon beschließt, dem Ritter bei 
dem Werke zu helfen, daß er die Kalifentochteir gewinnen 
und beide durch ihre Treue den Zwist der Elfengatten 
schlichten mögen. Er läßt den Ritter und seinen 
Knappen Scherasmin herbeizaubern, die bereits nach Badgad 
unterwegs sind fund zeigt Hüon im Traume Rezia, die 
Kalifentochter, die seiner in Sehnsucht harrt. Dann schenkt 
er ihm das Zauberhorn, mit dem er jederzeit Hilfe, ja den 
Elfenkönig mit seinen Geistern selbst herbeirufen kann und 
Scherasmin erhält einen Becher, der immerwährend Trunk 
spendet. Auf Hüons Bitte versetzt er ihn sogleich vor 
Bagdads Tore. — 

Rezia hofft, der ihr im Traum erschienene Ritter werde 
bald kommen^ nur ihm will sie angehören, da meldet Fatime 
seine Ankunft. ; ! 

— 153 — 



Links neben Harun sitzt Babekan, der Bräutigam der Rezia; 
die Hochzeit soll beginnen und die Braut wird ihrem zukünf- 
tigen Gatten zugeführt. Da sitürzt Hüon herein, umfängt 
die ihm zufliegende Rezia, küßt sie als die Seäne und 
streckt den auf ihn eindringenden Babekam mieden Vorm 
sichern Tode bewahrt ihn der Ruf des , Hornes, der alle 
Feinde jählings lähmt, indes Hüon mit Rezia davoneilt. 
Scherasmin folg-t ihnen mit Fatime. — 

Um die Treuie der Liebenden auf die Probe zu stellen, 
läßt Oberon sie hier Sdiiifbruch leiden und Rezia durch 
Seeräuber entführen, während er Hüon auf sieben Tage 
in Schlummer versenkt, um ihn nathher in die Gärtein des 
Emirs von Tunis zu versetzen. 

Fatime und Scherasrain sind hierher verschlagen worden. 
Puck führt den schlafenden Hüon herbei, den Scherasmim 
findet. Fatime meldet, der Emir habe eine schöne Sklavin 
gekauft, in der sie Rezia erkannt habe. Sie erkennein Oberons 
Walten und Hüon nimmt auf seiner Getreuem Rat die 
Rolle eines Gärtners an. / — 

Vergebens wirbt der Emir um Rezias Liebe, Des Emirs 
Gattin bietet Hüon Herz, Hand und Throoi, wenn er den . 
ihr jetzt verhaßten Gatten töten will. Das Liebesipaar be- 
wahrt die Treue, Hüon, den desr Emir bei seiner. Fraui über- 
rascht hat, wird zum Tode veruirteilt. — Rezia soll mit ihm 
sterben, da ertönt das Zauberhorn, und die Leute des 
'Emirs fangen an wie närrisch zu tanzen, Scherasmin ists, 
der ins Hörn geblasen und nac!hdem der Emir selbst wie 
betäubt den Seinen gefolgt ist, die sich tanzend entfernt 
haben, ruft der Knappe Oberon selbst herbei, der mit 
Titania erscheint und dem Paar für seine Treue dankt. — 
. Obolos, altgriechische Münze und zugleich das Geldstück, 
welches man den Verstorbenen in den Mumd zu steckein 
pflegte als Fahrgeld für den Fährmann Charon in der 
Unterwelt. 

Odin, (nord. Edhinn, althochdeutsch Wiuotan) ein alleii 
Germanen gemeinsamer Gott der Himmel und der Erde, 
(Ordner und Lenker). Allvater '(Alfadur) und Vater der 
Zeit. Enkel des Bure '(Buri). Als „Sonne" führt er den 
Beinamen „der Feueräugige" und weil er die im der Schlacht 
gefallenen Helden bei sich in Walhalla aufnimmt heißt er 
„Vater der Erschlagenen". Er ist Gott des Krieges, des 
Sieges, der Erfinder der Runen, daher der Wissemschäfteni uind 
Weissagung, überhaupt der weiseste der A&en, seitdem er 
aus Mimirs Brunnen getnunken,s. d. Von ihm und seiinler 
Gemahlin, Frigg, stammt das Asengeschlecht. Heimdall ist 

— 154 — 



sein Sohn, auch Hermoder, datnn Bragi s. d. daom Tyr und 
Höder. Seine Raben Hugin (Gedaeke) und Munin (Gedächtnis) . 
fliegen jeden Tag über die Erde lund bri'ngen; ihm über alles 
Vorgefallene Naohricht, Zwei Wölfe, Geiri lund Freke, ver- - 
zehren in Walhalla alle diem O. .vorgesei:zten Speisen, wäh-, 
rend er selbst nur Wiein genießt. Er besitzt das besite aller ,V 
Rosse, den achtfüßigen Sleipner, einen wunderbaren Ring, > 
Gungener und einen Armring, Draupner. O. geht zugleich - 
mit 'der Welt unter, indem er mit dem. Wolfe Fenrir kämpft ; 
und von diesem verschlungen wird, s. Göttei-dämmerung. — ^- 
In der christlidhien Zeit lebt er in der Sage stellenweise als ' : 
Teufel fort. Später erklärte man die Göttersagen menschlidh. -; 
So wird O. als kluger Mann dargestellt, der es durch Zauber- ; 
künste, dahin gebradht habe, daß man ihn als einen Gott ; 
verehrte, s. a. Waftthruidnir und Otr. . ^^^ 

Oddrum, Seine Söhne sind Tyr, Höder, s. Edda. ■■:t 

Öedipus, König von Theben, Sohn des König Laios und 
der Jokaste (Epikaste). Infolge leines Orkalespruchs, wonach , 
er seinen Vater töten und seine Mutter heiraten würde, ward :: 
er als Kind auf dem Berge Kithäron ausgesetzt, aber von : 
einem Hirten des korinthischen Königs Polypös aufgezogem. ' 
Zum schönen Jüngling he ränge wachsen, wanderte er nach i. 
Theben, ersdhlug auf dem Wege seinen mit ihm in Streit 
geratenen Vater ohne ihn zu kennen, löste in Theben das 
^chredkliiche Rätsel der Sphinx und erhielt zum Dank die ; 
Hand der Königin, seiner Mutter, mit der er den Eteokles und 
Polyneiikes, die Antigone und 'Ismene zeugte. Als später eiihe. 
Pest Theben heimsuehte, befahl das Orakel den Mörder ^^ 
des Laios aus Theben 'zu entfernen. Bei den NachforsChuingein ; 
kam' es an dien Tag, daß O. selbst seines Vaters Mörder und • 
der Gatte seiner Mutter sei, worauf er in der Verzweif-J 
lung. nachdem sich Sokaste erhängt hatte, sein AUlJenlidht ^ 
zerstörte. 

Odysseus, (gf) (bei den Römern Ulixes). König von Ithaka, 
Sohn des Laertes und der Antikleia, der Tochter des Auto- 
lykos, Gemahl der Penelope und Vater des Telemaehos.. 
Es wurde ihm geweissagt, er werde erst nach 20 Jahren 
in die Heimat zurückkehren, deshalb wollte er, als er zum 
^ Zuge gegen Troja aufgefordert wurde, sich diesem durch 
Vortäusphung von Wahnsinn entziehen. 'Palamedes entdedcte 
jedoch die Verstellung und, dann weigerte sidh O. nidit 
mehr länger, führte die 12 Schiffe, welche von den rlnselri ' 
des Jonischen Meeres geg^en Troja zogen, und zeichnete sich 
während der Belagerung der Stadt durch Mut, List und 
Rednergabe aus. Er versöhnte Agamemnon mit Achilleus 

— 155 — 



■und ging als Kundsohaifter ins Lager de/r Trojaner. Er fü,hir,t 
die Ohryseis zu ihrem Vater zurück und meldet sich zum 
Zweikampf mit Hektor. Er ©rsohlägi: den Späher Dolo und 
hilft die schönen Rosse des Rhesos entführen. Auch er wair 

; im hölzernen Pferd. O. segelte dann mit Nestoir aib, ward 
durch einen Sturm zu den Kikonen, den Bundes)genossen dar 
Trojaner, getrieben, deren Stadt Ismaros er ■ plünderte, dainin 
kam er zu den Lotophagen und hierauf an die Küste voji 
Sizilien zu den Kyklopen, wo er dem Polyphem überlistete. 

, Von Äolos, dem König der Winde, dessen Inseln er be- 
suchte, erhielt er einen Schlauch, in welchem die ungünstigen 
Winde gefesselt waren; seine Gefährten öffneten neugierig 
dien Schlauch, weshalb sie der freigewoirdene Wind auf ihre 

.Fahrt wieder weit zurücktrieb. So kam er zu den mensidhen- 

i fressenden Lästrygonen, die viele seiner Gefährten au.f- 
frassen, dann zur Insel Äa, wo die Zauberin Kirkie seine 

'Gefährten in Sdhweine verwandelte. Durc^h ein von Hermes 
empfangenes Kraut den. Zauber lösend, blieb er ein Jahr 
bei der Zauberin, während weldher Zeit er sich auch' ^ von 

; Teiresia in der Unterwelt sein Schicksal verkünden Heß. 

-Glücklich segelte er dann bei den Sirenen vorüber, verlor 
aber bei der Fahrt durdh die Skylla und die Charybdis, 

, sowie durch einen späteren Sturm sein Schiff samt allen noich 
übrigen^ Begleitern. Er allein rettete sich auf die Insel 

; " Ögygia,' wo ihn die Nymphe Kalypso sieben Jahr lang bei 
sich behielt. Als er endlich weitersegelte, Mtt er, von eiimem 
furchtbaren Sturm übeirfallen, im Angesichjt: der Insel der 
Phaeaken abermals Schiffbnuich, gelangte jedoch mit Hilfe 
der Leukothea an Land, ßei den Phaeaken gastfreundlich 
aufgenommen, s. Nausikaa, kämpfte er bei den Spielen 
derselb%ri und erhielt, nachdem er sich ihnen endeckt, ein 
Schiff ausgerüstet, das ihn endlich glücklich nach Ithaka 
brachte. Hier findet er seine treue Gattan von zahllosen 
Freiern, die in seinem Palast schwelgten, bestürmt und 
das Leben seines Sohnes durch diese bedroht. Er entdeckt 
sich demselben bei dem Sauhirten Eumäos und bespriicht mit 
ihm die Errnordung der Freier. In Bettlergestalt beitiritt 
er, nur von einem treuen Hund erkannt, sein Haus, unter- 
redet dann mit Penelope, ihr die baldige Ankunft ihres 

' Gemahls verheißend, und beginnt am andern Morgen, sein 

' Bettler^ewand abwerfend, den Kampf, in welchem er, von 
seinem Sohn und zwei treuen Dienern unterstützt, sämtliche 
Freier tötet. Er soll, nachdem er jahrelang friedlich auf 
Ithaka heri-schte, von seinem (von der Kirke geborenen) 

• — 156 - 



Solin Telegonos erstodien worden sein. — S. Palladiiün, 
S, Mentor, Latinus, s. Agrios. 

ögir, (nord) (Ägir; Sohn des Riesen Forniotr. Der Gott 
der ihimmlisc'hie'n und irdischen Oewäsaer, speziell des Ozeans 
und Wolkenwas&ergott. — Er ihieißt auch Hier und sein 
Wohnort Hlesey (jetzt im Katfcekat). Seine Gattin ist Ran, 
Seine neun- Töchter sind, ebenso wie die Mutter, den 
Schiffern igefährlich. 

Ögisdrekka, s. Edda. 

'Ogyges, (gr) (Ogygos) ein böotisßher Autoichthon (oder 
Soihn des Böotos oder Poseidon) , Urkönig von Böotien und 
Attika. 

Oileus, (gr) König. der Lokrer, Vater des Ajax, Teilnehmer 
am Argon aiitenzug. ' S. Agrianome. 

öineus, „der Weinmann". S. Agrios. 

Okeanos, (gr) einer der Titanen, war durch seine Schwester, 
Thiethis, der Stammvater der 3000 Okeaniden, unter denen 
nadh -den Ophykern alle Gottheiten dsr unterirdis.chen 
Wasseradern begriffen sind. An dem Kampf seiner Brüder 
gegen ihren Vater Uranos, nahm O., der ältere Sohn nicht 
teiFund teilte daher iauch nicht deren furchtbares Schicksal. 

O. ist der große, die ganze Erde umfassende Strom, der 
in sidh zurückkehrt, zugleich der Ursprung aller Götter. -^ 
S. Ladon, Klymene, Glaukos, Daeira und Urania. 

Okeaniden, s. Okeanos und Nymphen.' O. sind z. B.: Idyii 
Metis, Kalirrhoe, Perse, Asterodeia etc. S. Musen und' 
Inachos. ; , i ' ( 

Olympos, (Olymp) ein Gebirge im Norden Griechenlands, 
zirka 2900 m hoch, das ials Sitz der Götter galt. S. Maryas. 

Omphale, (gr) Toduter des Jardanos, Witwe des Tmolos 
und Königin von Lydien, bei welcher Herakles drei Jahre 
Dienste leistete. 

Omphalos, (gr) (Nabel) ein nach der Sage vom Himniiel 
gefallener (Meteor) Stein in Delphi. Er war Beiname des 
Apollon und seinem Sohn Asklepios. 

Onar, s. Annar. 

Öneus, (gr) (Oineus) König von Pleuron und Kalydon, der 
als erster die Berge mit Weih bepflanzt haben soll, Gemahl 
der Althäa, Vater des Meleagros und des Tydeus. Einst 
hatte er vergessen, der Artemis zu opfern, und so sandte 
diese einen Eber in sein Land, auf welchen die sogenannte 
kalydonisdhe Jagd veranstaltet wurde. Die Söhne seines 
Bruders Agrios raubten ihm den Thron und Freiheit. Sein 
Enkel Diomedes, des Tydeus Sohn, erschlug dafür den 
Agrios und dessen Söhne, übergab den Thron Ö. Schwieger- 

— 157 - 



solin Andrämon und nahm jenen mit nach Arsos. S. a^ 
Adhieloos. 

Önomaos, {gr) König von Pisa in "Elis, Vater der Hippo- 
: dameias, suchte die Vermählung dersellDen zu verhindern, 
■ indem er jedem Freier die Bedingung stellte, mit ihm eine 
Wettfahrt zu unternehmen. Wenn er ihn dann mit seinen 
windsdhnellen Rossen einholte, durchbohrte er ihn von 
hinten mit dem Speer. Dreizehn Freier hatte er so bereits 
besiegt, als Pelops (s. d.) ankam und zum Sieger, über Ö. 
wurde, worauf sidh letzterer selbst den Tod gab. s. Myrtilos. 

Önone, Gattin des Paris, s. Kehren. 

Onuris, (ä) (Anhuir) eine Form des. Schu und daher eine 
* kosmogoniscüiie Kraft. 

Opheltes, (gr) Sohn des König Lykurgos von Nemea, wurde 
bei dem Zug „Sieben gregen Theben" infolge der Unaditsam- 
keit seiner Wärterin, Hypsipyle (s. d.), die den Knaben, als 
sie di&n dürstenden Helden eine Quelle zeigte, in das Gras 
legte, von einer Schlange getötet. (Beiname Archemoros.) 

Ophir, ein nicht gefundenes, im alten Testament genanntes 
Goldland. 

Ops, (rö) Göttin der Fruchtbarkeit und Feldbaues, öe- 
majhlin und wedblichies Gegenbild des Saturnus. Identisch 
mit dien italischen Gottiieiiten Boinna Dea, Fauna, Fatua, 
Mala, bald mit den griedhiscben Gottheiten Rhea und 
Demeter oder mit der phyrgisChen Kybele. Ihr Beiname 
ist Consivia „Besäerin". S. ijupiter, Maja. 

Orakel, im Altertum eines der Mittel, wodurch die Götter- 
welt -mit den Menschen an unmittelbare Wechselbeziehung 
trat, (Traum, Zeidhen- und SpruiChorakel) wobei die' Götter 
verschiedene Auskünfte erteilten. 

Orcus, (rö), Reidhi des Pluito, die Unterwelt, auCh Goiit 
der Unterwelt. S, Ardhomenos. 

Oreaden, s. Nymphen. 

Dreithia, Tochter des König Erechtheuis, die von Boreas 
entführt, und Mutter des Kaiais und Zettes wurde (Boreaden, 
Kleopatra aind Clione), 

Orestes, (gr) (1) der Sohn des Agamemnon und deir 
Klytemnästra, Bruder der Ghrysothemis, Elektra (Laodike) 
und Iphigeneia .(Iphianassa); sollte, als Agamemnon gegen 
Troja gezogen war und dessen Gematilin von Ägisthos ver- 
führt ward, das Schicksal seines Vaters teilen, ward aber von 
Elektra (s. d.) zum Kö. Strophios gebiracht, wo er bis zum 
20. Jalhr blieb, und mit dessen Sohn Pylades innige Freuind- 
sdhafrf: sichloß. Beide kamen naich Mykenä und O. rächte 
die Ermordung seines Vaters, an der Mutter und ihrem 

— 158 — 



Buhlen, indem er beiden den Tod gab. Von den Eumeniidein • 
deshalb verfblgifc, irrte er lange umher und wurde von ihreir 
Radhi^ endlich dadurch befreit, daß Athene ein QericM über 
ihn hielit und^hn durdi Abstimmung erlöste oder daß er das 
Bild der Artemis von den Tauriern nadh Griedhenlandi 
brachte. Dort war seine Schwester Iphigeneia Priesterim 
und sollte den O. als Fremden (der Sitte gemäß) opfern. 
Sie erkannte . aber ihren Bruder, entwendete das Bild init 
List und beide flohen nach Griechenland. Dort inalhm er 
die väterliche Herrschaft von Mykenae in Besitz und erhielt 
außerdem die Herrschaft von Argos und Lakonien. Er ver- 
mählte sich mit Hermione, der Tochter des Menelaos. Er 
starb in Arkadien an einem Schlangenbiß. S. Telephos. 

Orion, (gr) Sohn des König Hyre'us und d. Hyria aus 
Böotien, oder Sohn des Poseidon oder ein Erdgeborener, Riesie 
und Jäger. Eos war von heftiger Neigung zu ihm ergriffen, 
worüber die Götter solange zürnten, bis Artemis den 
allzukühnen Sterblichen mit ihren Pfeilen erlegte. Oder: 
O. wandert nach Chios wo er der Merope, der Tochter 
des Önopion, Gewalt antut. Dafür blendet der Vater den" 
Schlafenden und wirft ihn ans Meeresufer. Geführt vom 
Kedalion, zieht er geg'&n Sonnenaufgang, sein Augenlicht: 
wieder anzuzünden. Später wird er durch einen Skorpion- 
stichi getötet und Zeus versetzt ihn unter die Sterne. Oder: 
O. begegnet in Böotien die Pleione mit ihren Töchtern 
(Plejaden) und faßt Neigung zu ihnen, sie fliehen f ünif ' 
jaThre vor ihnl, bis sie Zeus unter die Sterne versetzt, wo 
ilmen die Furcht geblieben ist. Seine Töchter, Menippe und 
Metiochie waren sehr schön und verstanden die Webkunst. 
Sie opferten sich bei einer Pest, indem s'ie siiich mit dem 
Websdhiffchen die Kehle dundhstachen und dafür in 
Kometen verwandelt wurden. 

Orkise, ein Heide, S. Dietrich. 

Ormard, s. Amsdhaspandis. 

Orpheus, (gr) Sohn des Apollon, und der Muse Kalliope, 
Sähgerheros der mythologischen Vorzeit. Er wurde nebst 
Thamyris und Herakles von Linos im Gesang unterrichtet. 
Die Macht des Gesanges zur siebensaitigen Leier war so 
gewaltig, daß er selbst 'Bäume und Felsen bewegte und die 
wildesten Tiere zähmte. Als er seine Gattin Eurydike durch 
einen Schlangenbiß verloren (hatte, erfüllte er mit seinen 
Klagen Berge und Täler, stieg endlich in den Hades hinab, 
um die Geliebte zurückzuTiolen und rührte durch seinen 
Gesang das Herz der- Persep^hone so sehr, daß sie der 
Eurydike gestattete, dem Gemahl zur Obierwelt zu folgen, 

— 159 — 



allerdings unter der Bedingung, daß er nicht eher, nach 
ihr umblicke, als bis sie dieselbe erreicht hätten. Aber der 
Ungeduldige hielt diese Bedingung nicht und so mußte 
die Unglückliche für immer im Hades (Orkus) verbleiben. 
O. hat die' Argonauten begleitet. Er wurde von den rasenden 
Bacchantinnen zerissen. 

Orseis, eine Nymphe, wn Hellen Mutter des Äolos, Drosos.- 
Xiuthios und Amphiktyon. 

Orthros, s. Typhon, 

Ortnit, Held einer deutschen Sage. Er ist der König 
von Lamparten (Lombardei) und 'erfährt durch seinen Oheim, 
den Reusenkönig Elias von der schönen Toichter des Heiden- 
königs von Montabaur, der jedoch jedem Bev^erber das 
Haupt abschlägt. O. beschließt die Jungfrau zu erwerben. 
Mit Hilfe seines Vaters, des Zwergs Alberich, gelingt es 
ihm, die Königstochter zu entführen, die in der Taufe den 
Namen Sydrat empfängt. Der heidnische König sendet aus 
Rache den . Jäger Belle mit zwei jungen Drachen in 
Ortnits Land, wo dieselben heranwuchsen uind große Ver- 
wüstungen anrichten. O. selbst zieht gegen sie aus und 
verliert im Kampf mit ihnen das Leben. 

Ortwin, Sohn der Helche. S. Gudrun. 

Osantrix s. Helche (Vater). 

Osar, Hap, s. Serapis. 
^- Osiris, (ä) Gott der Unterwelt, ältester Sohn des Seb 
(Kronos) und der Nut '(Rhea) Bruder und Gemahl der 
Isis, die ihm den 'jüngeren Horos gebar. Er war auch 
eine Form des Sonnengottes Ra. Gott der Erfindung des 
Pflugs, der Gesetze und des religiösen Kultus. Er ist 
auch Kriegsgott und Verbreiter der Rede ' und der Musik. 
Sein Feind Typhon versdiwor sich mit anderen gegen ihn 
und sperrte ihn mit List in eine Lade und warf sie in den Nil. 
Isis, die Trauerkleider angelegt" hatte, suchte die Kisite. Als siie 
sie fand, nahm sie ihr Typhon und zersdinitt den Leichnam 
in 14 Teile, die er zerstreute. Als Horos he ränge wa-chsen 
war, tötete er Typhon. O.-Apis, s. Serapis und Neph-this. £2 

Ossa, (gr) Personifikation des schweifenden Gerüchts. Botin 
des Zeus. . Eine Tochter der Hoffnung. Sie entspricht der 
römischen Fama. — - 

Ossipaga, Göttin, welche die Knochen der Kinder festzu- 
machen hatte. S. rÖ. Mythologie. 

Ostara, (Eostre) Göttin der Angelsachsen und alten 
Deutschen, Göttin des aufsteigenden Lichits, der Morgenröte 
sowie des Frühlings. (Ostamänoth-Ostermonat). 

-7 160 — 



Otr, (nord) Sohn des zanberkundiffen Hreidmar, Bruder 
Regins und Fafnirs. Loki töteie ihn auf einer Wanderung 
mit Odin und Hönir an einem Wasserfall, wo er als Otter 
mit einem Lachs im Maul saß, durch einen Steinwurfl 
Die Götter mußten zur Strafe den Balg mit Gold füllen und 
den Ring Andwaranaut hinzufügen. 

Otrera, Mutter der Hippolyte. S. Penthiesileia. 

Ottar, s. Edda. 

Oxylos, König der Ätolier, einäugig, begegnete, auf eiinem 
Maultier reitend, den Herakliden bei ihrem Zug nach dem 
Peloponnes lund wurde dem Orakel gemäß, welches dein 
Heräklidien riet, einem „Dreiäugigen" als Führer zu folgen, 
von diesen als Anführer gewählt. O. führte sie über die 
Meerenge von Rhion und besetzte nach der Eroberung des 
Peloponnes mit den Ätoliern Elis. — 



Päan, „der Heilende", Beiname der Götter: Apollon, 
Helios, Dionysos, Thanatos (Tod) und auch ein vielstimmiiger 
Lob- und Siegesgesang etc. i — 

Pacht, (Sechet) (ä) Göttin, wird mit der katzenköpf igen , 
Bast identifiziert. — 

Palamedes, (gr) So'hn des Nauplios und der Klymene, 
ein Held, ausgezeichnet durch Einsicht und Weisheit. Er 
nötigte den Odysseus, dessen verstellten Wah-nsiimi er er- 
kannte, zur Teilnahme am Kriege gegen Troja. Er ist 
der Erfinder der Buchstaben, der Leuchttürme, der Maße, 
der Waage, des Brett- und Würfelspiels, der Wurfscheibe. 
Wegen eines durch Odysseus und Diomedes verfaßten, aber 
angeblich von Priamos herrührenden Briefes, in welchem 
dieser für den Verrat dankt, wurde P. gesteinigt. — 

Palämon, (gr) der in feine Meergottheit verwandelte Meli- 
kertes, schützender Hafengott. (Rö. Portunus.) S. Matuta 
und Lenkothea. — 

Pales, altitalische Gottheiit der Weiden und mit der Vesta 
oder der Anna Parenna zusammengestellt. 

Paliketi, zwei Dämonen von Schwefelquellen, (beim AetUd). 
Heilgötter und Beschützer des Ackerbaues und der Sehiff- 
falirt. Söhne des Adranos oder des Hephästos, und der 
Nymphe Äetna, oder des Zeus und der Thalia, welch 
letztere sich atis Furcht vor Heras Verfolgung in die 
Erde verbarg, worauf aus derselben zwei hieiße Schwefel- 
quellen hervorsprudelten. — 

Palladium, (gr) Palladion) ein altes Schnitzbild der Städte- 
schützerin Pallas Athene, ein Weihgescheink der Elektra. Da 

— 161— 11 



Tro ja nicht erorbert werden konnte, solange es im Besitze 
des P. war, raubten es Odysseus und Diomedes und übei;?- 
gaben es dem Demophon zur Aufbewahrung, der es nach 
Athen brachte, aber Argos und Ilios rühmten sich, das 
Palladium zu besitzen. P. ist jede heilig gehaltene Sache, 
die etwas schützt u>nd auf deren Erhaltung viel Wiert gelegt 



Pallas, Sohn des Krios, ein Gigant; s. Pandon, Styx aiaid 
Nike, ferner Pallas-Athene. 

Pallor, (rö) Furcht, s. rö. Mythologie und Mars. 

Pan, (gr) ein Weide- und Waldgott, Sohn des Zeus und der 
Nymphe Kallisto oder des Hermes und einer Tochter des 
Dryops, dessen Herden er weidete. Er kam gehörnt, bärtig, 
krummnasig, geschwänzt und bockfüssig zur Welt, so daß 
seine Mutter erschrocken floh. — Er liebt die Musik, ist der 
Erfinder der (Pan-)Flöte, Aus der Schnecke machte er sich 
eine Trompete, mit deren Schall er die Titanen während ihres 
Kampfes mit den Göttern in Sdhrecken versetzite. Einige 
seiner Geliebten: Echo oder Peitho, mit der er die lynx 
zeugte, Pitys (Fichte), bei den Römern auch Luna (Mond). 
Er liebt die Waldeinsamkeit und verursacht durch sein 
oft unerwartetes Erscheinen Schauer und (Panisioher-)Schrecke!n. 

Er unterrichte ApoUon in der Kenntnis der Weissagung und 
Daphnis.in der Musik. — S. Silenos und Midas. 

. Panacee, (gr) Panakeia „Allhieilende", Tochter des Äskulap, 
Personifika,tion eines Ujiiversalmittels. 

Pandareos, (gr), Sohn des Merops. Er nahm an den 
Diebiereien des Tantalos teil. Selbst stahl er den goldenen 
Hund, der. den Tempel des Zeus auf Kreta bewachte,, Er ent- 
floh nacb Sizilien und wird hier in einein Steiiin verwaindelt. 
Seine drei Töchter (eine heißt Aedon) wurden von dqn 
Harpien geraubt und den Erinnyem als Sklavininien überlassen, 

Pandava, s, Pandu. 

Pandemos, Beiname de'r Aphrodite, im unkeuschen Sinne: 
„die sich jedem Hingebende" (Venus vulgivaga), 

Pandia, s. Selene. 

Pandion, (1) myth. König von Athen, Sohn des Eredhtheuis, 
Vater der Prokne und Philomela. — (2) Sohn des Kekrops, 
Vater des Lykos, Pallas, Nisos und Ägeas. 

Pandora, (gr) „Allbegabte", Beiname des Weibes, welc'hes 
von Zeus den Menschen zum Unheil geschickt würde, als 
ihnen Prometheus das Feuer vom Himmel gebracht hatte. 
Hephästos hatte sie aus Erde und Wasser gebildet, Aphrodite 
und die Musen verliehen ihr Liebreiz, Hermes die- Liige, 
einschmeichelnde Rede und die List, Zeus aber eine Büchse, 

— 162 — 



in wekter alle Übel, aber auch die Hoff nwngf versdiliossien 
waren. .Epjmethieus, der Bruder des Prometheus, nahm sie zur 
Fraui. Aus der geöffneten Büclise flogen jene Übel heraius, . 
die sidh dann unter den Menschen verbreiteten, in,ur die 
Hoffriung blieb am Boden haften. (Pandora, Schauspiel vom 
Wedekind.). 

Pandrosos, (gr) Tochter des Kekrops und der Agraulos, 
Sc'hwester des Erysichthon, der Herse und der Aglauros. 
Taugöttin. 

Pandu, (ind) Stammvater des Geschlechtes der Pa'ndäva, 
deren Geschiichte den Kern des ind. Epos Mahäbhärata bildet. ' 
S. Wiscbnu. , 

.. Panhellenios, (gr) Beiname des Zeus. 

Panope, (gr) eine Meernympbe. 

Panopeus, (gr) s. Epeios. 

Pantheon, ursprünglich ein der Verehrung aller Götter 
geM^eiftter Tempel, dann aber auch Bezeichnung von Gebäuiden, 
diie dem Andenken berühmter. Männer bestimmt sind. 

Paphos, s. Pygmalion. 

Popposilenos, s. Silenos. 

Paracu = Rama, s. Wisichnu, 

Pardschanja, s; indisiche Mj'-thologie. 

Parthenischer Quell, s, Aktäon. 

Parthenos, CD Tochter des Staphylos. — (2) Tochter des 
Apollon und Chrysothemis. 

Paris, (Alexandros) der zw^eite Sohn des Priamaos und der 
Hekabe, bekannt als Urhieber des trojanisclien Krieges. Er 
wurde, ausgesetzt, von einer Bärin gesäuigt, von Hirten 
gefunden. Auf dem Berge Ida vermählte er sich mit Önone, 
der Tochter des Flitßgottes Kehren, einer Seherin, mit der 
er in der Einsamkeit' glückliche Tage verlebte. — Einst er- 
schienen Hera, Aphrodite und Athene um sein Urteil zu ver- 
niehmien, weliche von Ihnen die schönste sei. Auf der Hoch- 
zeit des Peleus hatte nämlich Eris einen goldenen Apfel mit 
der Aufschrift „der Schönsten" unter die Gäste geworfen, 
weshalb die drei Göttinnen streitig wurden, und Zeus, den 
sie um Entscheidung baten, schiiokte sie zu P. — Hera ver- 
sprach dem' schönen Hirten Reichtum und Herrschaft, 
Athene Ruhm und Weisheit, Aphrodite, das schönste Weib. 
P. ents^dhiied sich für die Liebesgöttin. 

Mit Hilfe der Aphrodite entführte er Helena, das schönste 
Weib, die Gemahlin des Menelaos und brachte sie mit 
vielen Schätzen nach Troja. Dieser Raub veranläßte den 
trojaniiSiCfhen Krieg. Er soll durch einen Bogenschiuß Achdlleus, 
getötet haben, ward selbst von Philoktetes mit einem Pfeil 

--163— 11* 



, j»!r''___ 



des Herakles verwundet. Menelaos hat ihn im Zweilcampfe 
besiegt! Dann wandte er sich zu seiner ersten Oemahlin 
Önone, um sich von ihr heilen zu lassen, sie aber schlug es 
• dem Treulosen ab und so starb er. Önone erhängte sich. 
S. Proteus, Apollon und Deiphone. ' 

Parnassos, (gr) ein gleich dem Olympos, Helikon, vielge- 
nanntes Oebirge, das als Sitz des pythischen Orakels als 
Mittelpunkt der £rde „Nabel" betrachtet wurde. 

Parsen, auch „Gebern" Feueranbeter (Anhänger der von 
Zoroaster gestifteten iranischen Naitionalreligion. 

Parsival, s. Parzifal. 

Parwati, s., Kama. 
■ Parzen, italische Sehicksalsgöttinnen ; s. Mörem, damn 
Klotho, Atrops, Lachesis^und röm. Mythologie. 

Parzifal, berühmter Helci einer mittelalterlichen Sage, die in 
ihrer ältesten Gestalt wahrscheinlich aus Wales o.der der 
Bretagne stammt und mit der Sage des Heiligen Grals in Ver- 
bindung gebracht wird. Die bedeutendste Dichtung dieser 
Art ist von Wolfram von Eschenbach, worin das Leben und 
die Taten des P. am schönsten und tiefsten dargestellt sind. 
R. Wagner benützte die Sage zu seinem Tondrama. S. Titurel. 

Pasiphae, (gr) (1) Tochter des Helios und der Perseis: 

Schwester der Kirke und des Äetes, Gattin des Minos und 

Mutter des Minotauros. — (2) Tochter des Atlas. Orakel- 

- göttin. Sie galt auch identisch mit Kaissandra oder Daphne. 

Patroklos, (gr) Sohn des Menötios und der Sthenele, 
Ga'tte der Andromache, der Busenfreund des Achilleus, mit 
dem er zu Phtya bei Peleus erzo"gen ward. ' Er be- 
begleitete denselben nach Troja und hielt sich, wie dieser, 
lange vom Kampfe fern. Dann aber eilte er mit den Waffen 
des Achilleus zur Schlacht, trieb die Trojaner zurück, löschte 
den Brand der Schiffe, ersdilug unter anderen den Sarpedon 
und Sthenelos, kämpfte mit Hektor um des ersteren Leich- 
nam und stürmte dreimal gegen Trojas Mauern an. Beim 
vierten Angriff betäubte ihn Apollon durch einen Schlag, 
und P. fiel von Hektors Hand, der siüh seine Rüstung als 
Beute nahm. ' Sein Leichnam ward von den Griechen gerettet. 
Auch in der Unterwelt sind die beiden Freunde unzertrennlich. 

Pavor, (Schrecken) s. röm. Mythologie und Mars. 

Pax, dat.) Friedensgöttin, s. Irene. 

Pedasos, Sohn der Quelinymphe Abarbaree, Bruder des 
Ae.se pos. 

Pegasös, (gr) (Quellroß), das göttliche Flügelroß des 
Bellerophon, das mit Ghrysaor an den Quellen des Okeanos 
aus dem Blute der von Perseus enthaupteten Medusa ent- 

— 164 — 



sprang". Bellerophon fing den P., als er gerade an der 
Quelle Peirene trank, und besiegte mit ihm die Chiiimäre 
und die Amazonen. Als er sich auch in den Olympos empor- 
schwingen wollte, ward er von P. abgeworfen und dieser 
allein setzte seinen Flug. fort. Das Roß dier Eos, der Musen 
und des Zeuis (dem es Donner uind Bliitz trägt). Als 
Dichterroß, auf das die Dichter sich mit Begeisterung 
emporschwingen, er&dheint P. erst in der neueren Zeit. 

Peione, s. Mala (Hermes). 

Peirithoos (gr) Sohn des Zeus und der Dia, der Gemahlin 
des Ixion, König der Lapithen in Thessalien. Bei der Feier 
seiner Vermählung mit Hippodameia, einer Tochter des 
Lapithen Atrax, entspann sich der berühmte Kampf der 
Kentauren und Lapithen am Fuß des Pelion, in welchem die 
ersteren unterlagen. Von Wein berausclit, hatte Eurytion den 
Streit veranlaßt, indem er der Hippodameia Gewalt antun 
wollte. Oder es veranlaßte Ares den Kampf, weil er allein 
von den Göttern nicht zum Feste eingeladen wurde. 

Späteren Ursprungs ist die Sage von des P. und 
Tbeseuis' (s. d.) Freundschaft, Letztereir fo.cht bei des P< 
Vermählungsfest mit geg-en die Kentauren, wofür ihm der 
Freund bei der Entführung der Helena aus Sparta behilflidh 
war. Später begleitete ihn Theseus in die Unterwelt, um 
ihn bei der beabsichtigten Entführung der Persephone bei- 
zustehen. Als sidh' aber die Verwegenen hier ermüdet nieder- 
setzten, vermochten sie nicht wieder aufzustehen. Herakles, 
als er den Kerberos aus der Unterwelt heraufholte, wollte 
sie befreien. DoA gelang ihm dies nur bei P. und zwar auf 
Kosten dessen Hinterbacken. 

Pelagia, Beiname des Isis. 

Pelasgia, myth. Name für Peleponnes, Arkadien, Insel 
Dolos und Lesbos. 

Pelasgos, (gr) Vater des Lykaon, s. d. 

Peiren, (gr) (1) Sohn des Glaukos, Bruder des Bellerophon, 
der ihn unabsichtlich tötet. — (2). Vater der Jo. 

Peirene, (gr) Tochter des Acheloos, von Poseidon Mutter 
des Ledios. 

Peitho, (gr) (1) Tochter des Okeanos und der Tethys, 
Gemahlin des Argos. Göttin der bürgerlichen Ordnung. — 
(2) Gemahlin des Phoroneus und Mutter des Ägialeus und 
Apis (eine andere Gemahlin des Phoroneus war Kerdo 
„die Gewinnende". — (3) Eine Göttin, die im Verein mit den 
Chariten das von Hephästos verfertigte, von Athene sre- 
schmü<ikte erste Weib (Pandora) mit goldenen Halsketten 
ziert; sie ist die Macht der Überredung (Suada). Begleiterin 

— 165 — 



der Aphrodite, der Chariten und des Hermes. Auch Beii- 
name der Artiemis. Sie ist die Gattin des Jason, Mutter der 
Jo. — (4) In Verbindung mit Aphrodite (Beiname), Macht 
der Überredung in Liebessachen. 

Peleus, (gr) Sohn des Äakos, König von Ägina, und der 
Endeis, Teilnehmer am Argonatenzug und am Kampf der 
Lapithen und Kentauren. Bruder des Telamon. Die beiden 
Brüder verschworen sich zum Morde des Halbbruders Phokos 
und warfen ihn mit dem Diskos tot, weshalb sie von ihren 
Eltern verbannt wurden. T. ging zum König Eurytion nach 
Phthia in Thiessalien, von dem er entsühnt wurde, heiratefte 
seine Tochter Antigone und erhielt als Mitgift ein Drittel 
des Landes. Bei der kalydonischien Jagd tötete er aus Ver- 
sehen seinen Schwiegervater und floh dann zu Akastos nach' 
Jolkos, der ihn von ne:uiem von der Schuld reinigte. Bei den 
Leidhenspielen des Pelias wurde er von Atalante besiegt. Die 
Gemahlin des Akastos, Astydameia verliebte sich in ihn. Als 
er ihre Anträge abwies, verleumdete sie ihn bei seiner Gattin, 
als wolle er ihre Tochter Sterope heiraten, worauf Antigone 
sich eriiängte, und beim Akastos, als habe er ihr nachgestellt, 
worauf derselbe, allerdings vergeblich, auf einer Jagd seinen 
Todi hierbeizuführen suchte. 

Auf dem Pelion vermählte sich P. mit der Nereide Thetis. 
Beim Hochzeitsfest fanden sich die Götter ein, und be- 
schenkten P. Poseidon z. B. mit den unsterblichen Rossen 
Balios und Xanthos, Cheiron mit einer eschernen Lanze, Auf 
dieser Hochzeit "schleuderte Eris den bekannten goldenem 
Apfel mit der Aufschrift „Der Schönsten" unter die Gäsrtie. 
Thetis gebar ihm den Achilleus, ging dann aber wieder zu 
ihren Schwestern, den Nereiden. Um an Akastos und Adysta- 
meia Rache zu nehmen, zog P. mit Jason und den Dioskuren 
gegien Jolkos, zerstörte es und tötete die Königin. 

Peliaden, s. Pelias. 

Pelias, (gr) Sohn des Kretheus, König von Jolkos oder des 
Poseidon und der Tyro, '> Zwillingsbruder des Neleus und 
und Bruder des Äeaon. Nach dem Tode seines Vaters setzte er 
sich' in Jolkos in den Besitz der Herrschaft, indem er Äson 
vertrieb. Um sich später vor dessen Sohn Jason, der An- 
sprüche auf die Herrschaft machte, zu sichern, sandte , P. 
denselben nach Kolchis, um das goldene Vlies zu holen, 
(s. Argonauten). Nach dessen Rückkehr aber beredete Medeia 
des P. Töchter (Peliaden, eine hieß Alkestis), durch die Vor- 
spiegelung, sie wolle ihren Vater verjüngen, ' denselben zu 
zerstückeln und in einem Kessel zu kochen. Die Peliaden 

— 166 — 



ftohien hierauf aus Jolkos. — P. ist auch der Beiname des 
Achilleus, als des Sohnes Peleus. 

Pelopia, (gr) Tochter des Thyestes; (Pelopiden) s. Atreus. 

Pelops, (gr) Siohn des phryg. Königs Tantalos, Bruder der 
Niobe, ward von seinem Vater in Stücke geschnitten und 
geboeht, den Göttern als Speise vorgesetzt. Die Götter aber 
bemerkten den Betrug und ließen das Mahl unberührt. Nur 
Demeter I verzehrte die eine Schulter. Zeus befahl darauf deta 
Hermes, die Stücke wieder in den Kessiel zu legen, aus 
wekhiem dann Klotho den Knaben in erneuter Schönheit her- 
vorzog. Die fehlende Schulter ersietzte Demeter durch eine 
elfenbeinerne, daher alle Pelopiden als erbliches Abzeichen 
ein weißes Mal auf der Sdhulter hatten. Zum sichönen Jüngling 
herangewachsen, kam P. nach Pisa in Elis, als Freier der 
Hippodameia, der Tochter des König Önomaos, welcher 
bereits viele Freier seiner To'dhter im Wagenrennen besiegt 
und darauf erschlagen hatte. Mit Hilfe der geflügelten Rosse, 
welche ihm Poseidon geschenkt hatte und durch die Treu- 
losigkeit des Wagenlenkers Myrtilos errang P. den Sieg und 
durch' die Braut die Herrschaft über Pisa. — Als hierauif 
Myrtilos den bedungenen Lohn seines Verrates verlangte, 
wurde er von P. bei Gerästos ins Meer gestürzt. Seither 
ruht ein Fluch auf dem Hause der Pelopiden. 

Hippodameia gebar P. 5 Söhne: Atreus, Thyestes, Pitheus, 
Alkathoos, Pleisthenes (der sechste, Chrysoppos, stammt von 
der Nymphe Axioche)., 

Penaten, (rö) gute Hausgeister, Gottheiten, welöhe die 
Einheit und den Bestand der Familie schützten. Zu ihrem 
Ehren und 'jener der Vesta wurde ein immerwährendes 
Feuer unterhalten 

Penelope, (gr) (Penelopeia), Tochter des Ikarios und der 
Periböa aus Sparta, Gemahlin des Odysseus, dem sie den 
Telemachos gebar. Während dar 20 jährigen Abwesenheit 
ihres Gemahls ward sie von Freiern, z. B. Agenor, Agelaos etc. 
bestürmt, hiielt diese zuletzt dadurch hin, daß sie vor 
ihrer Entscheidung noch ihies Schwiegervater Laertes Leichen- 
gewand verfertigen zu müssen erklärte, nachts trennite sie, 
was sie tagsüber gewoben, auf. An demselben Tag, an 
welchem sie sich endlich für einen der Freier entsoheMen 
sollte, kehrte Odysseus zurück. 

Pentesileia, (gr) Tochter des Ares und derOtrera. Königin 
der Amazonen; kam mit ihrem Heer dem Priamos zu Hilfe 
und fiel durch die Hand des Achilleus, der, als er die 
Heldin sterben, sah, von Liebe zu ihr ergriffen ward. 

— 167 — 



Pentheus, (gr) Sohn des Echiou und der Agave, Tochter 
des Kadmos, welchem er in der Herrschaft von Theben 
nachfolgte. Dem Dionysos verhinderte er in Theben, daß ihm 
die Weiber bacchantische Feste feierten, ward aber von der 
eigenen Mutter, die ihn in baochantischer Wut für ein Tder. 
hielt, und deren ebenfalls rasenden Schwester zerrissen. 

Peplos, weibliches, weites Obergewand, das den Göttinnen 
geweiht wurde, 's. Alkmäon. 

Perahta, s. Ber±ta. 

Perdix, (gr) Schwester des Dädalos, Mutter des Talos, 
erweckte durch die Erfindung der Säge und des Zirkels die 
EifersU'iht des Dädalos und ward von diesem in einen 
Vogel gleichen Namens (Rebhuhn) verwandelt 

Pergamos, ,Sohn der Andromache, 

Peri, (persi&±) feenartige Wesen der Feuieranbeter, die 
sidi vom Reich des Dunkels jenem des Lichts zuwandten und 
nun als Genien im Äther wohneTi. 

Periböa, Gattin des Telamon. S, Aias und Penelope. — 

Periklymene, fgr) Gattin des Pheres, Mutter des Admetos 

Perimede, s. Europa. 

Periphetss, s. Theseus. 
. Perkunos, der oberste Gott bei den heidnischen Litauern, 
Letten und PreuPen. (Wetter). Der Donner war seine Spradie 
und den glücklichen Blitzgetroffenen nahm er zu sich. — 

Perse, eine Okeanide. 

Pcsephone, (gr) (rö) Proserpina), To::;hter des Zeus und 
der Demeter. Als sie einst auf der nysinischen Flur Blumen 
pflückte und sich unwillkürlich von ihren Gespielinnen etwas 
entfernte, wurde sie plötzHch von Pluton geraubt und zur 
Beherrscherin der Unterwelt erhoben. Demeter suchte die 
Toichter mit der an den Flammen des Aetna aaiigezündeten 
Fackel auf der ganzen Erde, bis ihr die Nymphe Arethuisa 
oder Helios das Schicksal derselben enthüllte. Zeus ver- 
sprach ihr darauf, ihr die Tochter zurückzugeben, wenn 
dieselbe im Rei± der 'Schatten noch nichts genossen hätte, 
und gewährte ihr, da P. mit Pluton bereits einen Granait- 
apfel geteilt hatte, daß sie wenigstens zwei Drittel des 
Jahres auf der Oberwelt zubringen durfte. — Hermes führte 
sie aus der Unterwelt herauf. S. Theseus, Peirothoos, Or- 
pheus, Libera und Kora. 

Perses, Sohn des Perseus, s. d. 

Perseus, (gr) Sohn des Zeus, der der Danae, der 
Tochter des Königs Akrisios, als (3oldregen ersihienem war. 
Berühmter Heros von Argos. Ward von Akrisios, dem das 
Orakel den Tod durch seines Enkels Hand geweissagt 

— 168 — 



hatte, samt seiner Mutter in einem Kasten ins Meer -ge- 
worfen, aber aji der Insel Seriphos vom FisAer Diktys ans 
Land gezogen. Polydekiies, Diktys Bruder und König der 
Insel faßte Neigung zu Danae. Da aber P., wekher inzwischen 
herangewachsen war, seinen Planem im Wieg stand, so ent- 
sendete er ih.n zu den Oorgonen, um das Haupt der 
Medusa zu: holen. Von Hermies und Athene geleitet, kam 
P. zu den Gräen, und zwang diese ihm den Weg zu dem 
Nymphen zu zeigen, die ihm Flügelschuihe, eine Tasdhe, 
und den unsichtbar machenden Helm des Hades gabein, 
wozu Hermes eine Sidiel und Athene einen Spiegel fügten. 
Mit dieser Rüstung flog P. na'dh. dem Okeanos, wo er die 
Gorgonen schlafend antraf. Da ihr Anblick versteinerte, sah er ' 
mittels des Spiegels abwärts gekehrt, nach ihnen, hieb so der 
Medusa das Haupt ab, daß er rasch in die Tasche der 
Nymphen verbarg, und enteilte. In Ätiopien befreite er 
Andromeda, die Tochter des König Kepheus, die einem 
Meerungeheuer preisgegeben war und nahm sie als Gemahlin., 
nach Serphos mit, hier befreite er seine Mutter von der 
Zudringlichkeit des Polydektes. Diesen versteinerte er durch 
das Medusenhaupt. Den Diktys setzte er als König ein, 
übergab den Kopf der Goirgo der Athene, welche ihn an 
ihrem Schild anbrachte. Dann begab er sich mit Damae und 
Andromeda nach Argos, wo ©r den Akrisios Uinfreiwillig 
mit der Diskosscheibe tötete, hierauf die Herrschafrb Argos 
gegen die über Tiryns vertauschte und Midea und Mykenae 
gründete. S. Phineus und Medeia. 

Andromeda gebar ihm den Perses, Alkäos, Sthenelos. He- 
leios, Mestor, Eleiktryon, und die Gorgophone. 

Perun, (slaw) Gott von Kiew. (In Litauen: Perkunos) s. 
slawische Mythologie. 

Peter, s. Magelone. 

Ph^aken, die geniußliebenden Bewohner der nördl. Ithaka 
gelegenen gottbegnadeten Insel Scheria, die mit Kerkyra 
(Korfu) identifiziert wird. Sie wurden in Hyperia von den 
KyklOTjen beeinträchtigt, weshalb sie Nausithoos, ein Spröß- 
ling . Poseidons, nach der genannten Insel führte. Odysseus 
fand bei ihnen gastliche Aufnahme. — S. Dämodokos. 

Phädra, (gr) Todhter des Minos und der Pasiphae, ward~ 
mit ihrer Schwester Ariadne von Theseus entführt und dann 
mit ihres Vaters Einwilligung seiine Gattin. Siie gebar ihm 
den Akamas und Demophon. In Liebe zu ihrem Stiefsohn 
Hippolytos entbrannt, aber abgewiesen, nahm sie sich das 
Leben. . . ,■• ^ f \~*] 

Phaenna, s. Chariten. 

— 160 — 



■ PJiaethon,. (1) „der Leuchtende", Beiname des Helios. -^. 
(2) Sohn des Helios und der Klymene, der Gattin des 
Merops, bat, um seine Abstaimmung von Helios darzutun, 
den Sonnengott, ihm a'Uif einien Tag den Sonnenwagea zui über- 
lassen. Aber P. vermodite die Rosse nicht zu zügeln, sie 
brachen aus dem Geleis'e, und der feurige Wagen steckte 
Himmel und Erde in Brand. Da tötete Zeus den P. mit 
einem Blitzstrahl und stürzte ihn in den Eddanos, wo 
ihn seine Schwestern, die Heliaden, beweintem. Der verbrannte 
Weg am Himmel ist als Mikhstraße noich sichtbar. — 
Die Schwestern wurden in Pappeln verwandelt. — 

Pharia, Beiname- des Isis. 

Phatases, s. Morpheus. 

Phegeus, s. Harmpnia, hinsichtlich des unglückb ringenden 
Halsbandes. — ■ 

Pheres, s. Medea, Admetos und Periklymene. 

PhilamiTjon, s. Argonaiutenzug. 

Philoktetes, s. Neoptolemos und Troj. Krieg." 

Philomiela, s. Pandion. 

Philomen, Gatte der Baukis. 

Philyr, von Krones Mutter des Gheiron. 

Phineus, (gr) (1) Sohn des Belos und der Anchiinoe. 
Ueberfiel den Perseus, seinen glücklichen Rivalen in der 
Werbung um Andrameda, an dessen Hochzeitstag, ward aber 
von jenem mittels des Medusenhauptes versteiinert. — (2) 
Sohn des phön. Königs Agenor, blinder Seher. Voin seiner 
zweiten Gemahlin, Idäa, verleitet, blendete er seine Söhne 
aius der ersten Ehe mit Kleopatra und wurde hiefür von den 
Harpyien gepeinigt, die ihm, so oft er sich zu Tiisich setzte, 
die Speisen raiubten und den Rest besudelten, so daß er stets 
Hunger litt. Erst als die Argonauten dort landeten, wurde er 
durch die Boreaden (Brüder der Kleopatra: Zetes und Kaiais) 
von dieser Plage befreit. Zum Dank hiefür wies er den ein- 
zuschlagenden Weg. 

Phlegyas, (gr) Sohn des Ares und der Chryse, Vater 
des Ixion und der Koronis. Ahnherr der Phlegier. Zündete, 
weil Koronis von Apollon Mutter des Asklepios ward, 
den Tempel dieses Gottes an, wurde aber dafür von dessen 
Pfeilen getötet und zur Strafe verdammt, stets einen auf ihn 
hierabstürzenden Felsen zu sehen. 

Phobetor, s. Morpheus. 

Phöbe, (gr) Tochter des Uranos und der Gäa (eine 
Titanide), von Krios (Köos) Mutter der Asteria und des 
Leto. War nach der Themis und voi" Apollon Vorsteherin 

— 1.70 — 



des delpihischen Orakels. — Auch ein Beiname der Artemis, 
als Mondgöttin. S. a. Leuikippiden. • 

.Phobos, (gr) „Schrecken", Sohn des Ares und der Aphro- 
dite. Bruder des Deimos. . 

Phöbos, (gr) „der Leucfhtende" Beiname des ApoUon. 

Phokos, Gemahl der Astiope. S. Telamon und Peleus. 

Phol, s. Bälden 

Pholos, ein auf dem Gebirge Pholoe hausender Kentaiur. 

Phönix, (gr) (1) Sohn des Agenor, Bruder der Europa. Er 
ward ausgeschickt seine von Zeus entführte Sich wester zu 
sudien und blieb, da er sie nicht finden koinnte, in Afrika, 
wo er einem Volke, Phönikern, den Namen gab. — (2) 
Sohn des Amyntor und der Kleobule oder Hippodameia. 
Floh, von seinem eifersüchtigen Vater vertrieben, zu Peleus 
und ward von diesem zum König der Doloper eingesetzt! Mit 
der Erziehung seines Sohnes Achilleus betraut, begleitete er 
denselben auch nach Troja. (ä) (3) Ein fabelhafter heiliger 
Vogel der Ägypter von adlerförmi,ger Gestalt, purpurnen 
und goldfarbigen Gefieder. Er verbrannte sich' alle 5 Jahre 
und ging aus ' seiner Asche verjüngt wieder hervor. 

Phorbas, (gr) Sohn des - Lapithes. Er befreite die Insel 
der Rhodier von Schlangen. Er hat Reisende zum Ringkampf 
aufgefordert und wurde durch Apollon erlegt, s. a. Eumolpos.' 

Phorkys, (gr) (Phorkos) ein greiser Meergott, Sohn des 
Pontos uind der Gäa, Bruder des Nereiis und Thaumos 
sowie der Keto, mit der er die Gräen und Gorgonen (Phor- 
kiden oder Phorkyaden) und den hesperidischen Dradhen 
Ladon zeugte. Er ist auch Vater der Nymphe Thoasai der 
Mutter 'des Kyiklopen Polyphem, der Hesperiden, Sirenein und 
der Skylla. (S. Typhon.) 

Phoroneus, (gr) Herrscher im Peloponnes, Sohn des InaChös 
utid der Okeanide Melia, GemaJhl der Nymphe Laodike und 
Gründer der Stadt Argos, Stifter gemeinschaftlicher Wohn- 
orte. Er soll zuerst das Feuer zu benützen gelehrt haben. 

Phrixos, (gr) Sohn des Athamas (König von Böotien) und 
der Nephele. Sollte auf Betreiben seiner Stiefmutter Ino dem 
Zeus geopfert werden, entfloh; aber mit seiner Sichwester 
Helle auf einem von Hermes gesandten Widder mit goldenem 
Fell. Zwischen Sigeion und Chersonesos stürzte Helle ins 
Meer (Hellespont) er aber gelangte nach Kolchis, opferte 
hier den Widder dem Zeus Phyxios und schenkte das 
goldene Vlies dem König Äetes, welcher dasselbe in dem 
Hain des Ares an einer Eiche verwahrte. P. aber gab seine 
Tochter Chalkiope zur Gattin. 

Phtha, (ä) s. Ptah. 

— 171 — 



Phylakos, s. Melampos, 

Phyllis, (gr) Tochter des thrak. Königs Sithon, gab sich 
aus Se'hnsuidit nach ihrem- Geliebten Demophon den Tod 
und ward in einen blattlosen Mandelbaum verwandelt, der 
dann, von Demophon umarmt, Blätter trieb. 

Picumnus (rö) s. Pilumnus. 

Picus, (.rö) ein Walddämon und ländist^her Schutzgeist 
namentlich des Düngens wegen verehrt. Sohin des Satunna. 
Seine Gattin war die Nymphe Canens. Kirke, deren Liebe eir 
-vers-chmähte, verwandelte ihn in einen Speaht. S. Piluanirius, , 

Pielos, Sohn der Andromache. 

Pieriden, s. Musen. 

Pikullos, Gottheit der alten Litauer und Preußes, mit Per- 
kunos, „der des Todes und des Sclireckens." Ein alter 
Mann mit langem Bart, das Gesicht mit einem Tuchi um- 
wunden. 

Pilumnus, (1) Gatte der Danae, die ihm den Daunus 
gebar, — (2) Ein Hausgott des alten ländl. Roms. Er- 
finder des Getreidestampfens, Bruder des Picumnus, dem 
man die Erfindung des Ackerdüngens zuschrieb. S. Picus. 
Beide Brüder sind Schutzgötter der Wöchnerinnen und Säug- 
linge. Nach einer anderen Sage gab es drei Gottheiten, 
welche Wöchnerin und Kind gegen die nächtlidhie Beschlei- 
chung des Silvanus schützten. Ihr Walten, das die Tätigkeit 
der Kultur gegenüber dem rohen Waldleben bezeichnet, 
versinnbildlichten drei -Männer, die nachts um das Haius 
gingen, und die Schwellen der Türen zuerst mit einem Beil, 
dann mit einer Mörserkeule schlugen und zuletzt mit einem 
Besen abfegten. Silvan scheute sich vor diesem Zeichen der 
Kultur, wie die Bergriesen vor dem Pflüger im Tale. 
Die Gottheiten hießen Intercidona und Derarra. 

Pimpleiden, s. Musen. 

Pitheus, Sohn der Hippodameia und des Pelops. 

Pitys, s. Pan. 

Plakia, s. Priamos. 

PIejaden, (Pleiades) (gr) die 7 schönen Töchter des Atlas 
und der Okeanide Plione, Schwestern des Hyaden: Mala 
Elektra, Taygete, Aekyone, Alkyone, Kelaino, Sterope,. 
Merope, Sie gaben sich aus Schmerz über den Tod ihrer 
Schwestern, der Hyaden (s. d.). Jungfrauen und Gefähirtinmein 
der Artemis, die von Orion verfolgt wurden, bis sie Zeius 
bis auf Merope, die sich einem Sterbliclien hingegeben, im 
Sterne verwandelte. 

Töchter der Amazonenkönigin, die als Jungfrauiem zuerst 
Reigentänze und Nachtfeier begingen. Sie hießen: Kokkymo, 

— 172 — 



Glauikia, Protis Partheiiia, Maia (s. d.) Lampoda und Kalypso. 
Sie sind Stammütter zahlreicher Heroengeschlechter. Siehe 
aber auidii Pleione, 

' Pleione, (gr) Toihter der OJceanos und der Tethys, Gattin 
des Atlas, dem sie die 7 schönen Töchter (Kleiaden, Pleiaden, 
das sind Sdiwestern der Hyaden) gebar: Maia., Elektra, 
Taygete Allkyone, Kelaino Steröpe und Merope. Sie weinten 
sich aus Schmerz über den Tod ihres Vaters Atlas, respektive 
ihrer Sdiwestern der Hyaden tod. Sechs wurden in glän- - 
zende Sterne verwandelt, der siebente' blieb dunkel, weil . 
sich die Betreffende (Merope) einem Sterblichen hingegeben 
hatte. S, Orion, Merope, Kelamo. 

Pleistenes, Solhn der Hippodameia und Pelops. S. Atreius. 

Pluton, (gr) (lat. Pluto) Gott der Unterwelt, Sohn des 
Kronos tind der Rhea, daher Kronide. Bruder des Zeuis, 
auch Hades oder Aides (Aidoneus = der Unsichtbare) genanmit. * 
Kronos, der ihn, wie die anderen Kinder, verschlang, gaib 
ihn wieder von sich, dank dem Brechmittel der Mietis. 
Seine Gemahlin ist die Persephone. Er ist der Fednd allen 
Lebens, vor seinem Palast liegt der Kerberus, Im Kampf des 
Zeus mit den Titanen üocht auch P. mit dem von den 
Zyklopen erhaltenen Helm des. Unsichtbarmachens mit. Audi 
gegen die Giganten stand er seinem Bruder bei. Zu seinem 
Hofstaat gehören außer den Parzen und Erinnyen die drei 
Richter Äakos, Minos und Rhadamanthys sowie der Fährmann 
Gharon. Bei den Römern hieß er Dis. S. Hermes mit dem 
tmsidhtiDar machenden Helm. 

Plutos, (gr) (lat. Plutus) Personifikation des Reichtums, 
Sohn des Jason und der Demeter. 

Pluvius, = Regen = Jupiter. 

Podarge, eine Harpyie. 

Peine, (Vergeltung) s. Dike. 

Polides, ein Seher, s. Glaukos. 

Poliorketes, s. Pyrrhos. 

Pollux, (gr) Sohn des Zeus (Jupiter) oder des Tyndareos, 
Bruder des Kastor, unsterbliche Naturen. S. Dioskuren. 

Polydekfes, Bruder des Diktys, Gemahl d. Danae. S. Perseus. 

Polydeukes, (lat. Pollux) Teilnehmer am Argonautenzug. 
S. Dioskuren. 

Polydoros, (gr) (1) jüngster Sohn des König Priamos und 
der Hekabe, Liebling des Priamos, ward im Kampfe vor 
Troja-^von Achilleus oder von Polymestor getötet, der den 
Leichnam ins Meer warf. Des P. Mutter fand densfelben, 
tötete «mit Hilfe anderer gefangener Troerinnen Polymesitors 

— 173 — 



beide Kinder und blendete ihn selbst. — (2) Sohn des Kadmos 
und der Harmonia. 

Polydos, ein Seher, s. Glaukos, 

Polyhymnia, Muse, s. Polymnia. 

Polymestor, Schwiegersohn der Hekabe, s. Polydoros. 

Polymnia, eine der neun Musem, die Veirt reite ri,n der ei'nsten 
gottesdienstlidhen Gesänge und Erfinderiai der Lyra. Vpn 
Öagros Mutter des Orpheus. 

, Polyneikes, (gr) (Polyneioes) Sohn des Ödipus und der 
Jokaste, Bruder des- Eteokles, s. d. und der Antigene. Vater 
dies Therandros, Gatte der Argeia. S, Krieg der Sieben gegen 
Theben und Halsband der Harmonia. 

Polyphemos, (gr) Prokrustes, der Sohn des Poseidon und 
der Nymphe Thoasa, riesenhafter Kyklop, • Führer der Ky-' 
klopen der auf der südwestlichen Spitze Trinakriens hauste 
und große Herden von Schafen und Ziegen hatte. Odysseus, 
an diesie Küste verschlagen, kam zu diesem Riesen, der seine 
Höhle mit einem riesigen Felsen verschloß. Odysseus emtkam 
von da nach Verlust mehrerer Gefährten, die P. verschlang, 
nur 'diuridh eine List. Er machte ihn mit Wein trunken, bohrte 
dem Schlafenden das Auge mit einem glühenden Pfahl aus, 
und entging so mit den Seinen am Bauch der Widder sic'h 
anklammernd, den Händen des Riesen. • Er soll zur Oalathea 
ein Liebesverhältnis unterhalten haben. S. Text zur Oper 
„Kinke". . . i i _ i _: L-i^y 

Pölyphontes, s. Merope, 
. Polypös, s. ödypus. 

Polytechnos, s. Äedon. 

Polyxena, (gr) To.dhter des Priamos und der Hekabe. 
Adhilleus liebte sie; er versprach dem Priamos den Abzug der 
Griedhen, wenn er ihm P. zur Gattin überließe. Aber 
Paris brachte dem Achilleus bald darauf die tötliiche Wunde 
bei, S. Neoptolemos. 

Pomona, (rö) die Nymphe der Gärten und Fnuichtbäume, 
Vertumnius, der sich ihr iii verschiedenen, zuletzt in seiner 
wahren Gestalt als schöner Jüngling näherte, fand Gegen- 
liebe.- ~ ■ V ['^ ^^^j 

Pontia, Beiname der Aphrodite (Venus Marina). 

Pontos, (das Meer). Als Gottheit, Sohn der Gäa ohne Vater. 
Durch seine Mutter ward er Vater des Nereus,. Thaumas, 
Phiorkys, der Keto und Eurybia. 

. Porphyrion (s. Giganten). Hera wies seine Werbungen 
zurüdc. I . i I i 

Porthaon, durch Eur3ie Vater der Agrios. 

— 174 — 



Portunus, (rö) fälschlich Portumnus genannt, Häfengoit, 
entsprechiend dem Palämon oder Melikertes. S. Maiuta. 

Poseidon, (gr) Sohn des Kronos und der Rhea. Gott des 
Wassers tind der befruchtenden Feuchtigkeit. In den Tiefein 
der Meere ihatte er seinen goldenen Palast, wo sich seine 
Rosse befanden, mit denen er in seinem Wagen über die 
Mieieresfluten fuhr. Bei den Römern hieß er Neptunus. Seine 
Beinamen sind unter anderen: Soter, Enosigaios, Enosichithon, 
Seisichthon (JErderschütterer). Er ist auidh Goitt aller Unter-; 
götter der See, der Schiffahrt, des Hafens, Fischfangs, 
Schliffbruchs, der StÜTme und der Wogen, Ferner heißt er 
Gaioohos (Erderhalter), Nymphagetes, weil er an den 
Flüssen und Quellen waltete und Hippios, als Lenker der 
Rosse. Die Namen einiger seiner Söhne sind: Ankäos, Egiskos, 
Antäos (ein Riese) Angenor, Belös usw, — Am trojanischen 
Krieg nahm er zugunsten der Hellenen teil; er saindte ein 
Meeresungeheoier, das Laomedons Tochter, Hesione, erbeutein 
sollte; es wurde aber von Herakles erlegt. Ihm sind -die 
Gorgonen .untergeordmet. Seine Gemahlin, die Nereide 
Amphitrite (s. Äthra), gebar ihm unter anderen den Triiton*; 
die Kalyke: Kerkyon lUnd Kyknos; die Molione: die Molioinen 
und die Pleiade Kelämo: den Lykos (s. d,). Er befreite einst 
die Danaide Amymömne, als sie beim Wasserholen von einem 
Satyr überrascht wurde, S. a. Pelias, Ogyges, Orion, Poly- 
phemos und Proteus. 

Pothos, (gr) Personifikation des Liebesverlangens. 

Potiphar, dem Ra (dt i. Sonnengott) ergeben, s. d. 

Potrimpps, eine Gottiheit der alten Litauer und Preußen, 
wuirde mit Pericunos zu Romove verehrt. Geber des Glücks 
* im Kriege und im Frieden, Beschützer des Adkerbanes 
und Saaten. 

Pra, s. Ra. 

PfemysI, (Przemysl) s. Libussa. 

Priamos, letzter König von Troja, das er 40 Jahre regierte. 
Sohn des Laomedon und der Strymo oder Plakia. Seine erste 
Gemahlin war Arisbe, die ihm den Äsakos, die zweite, 
Hekabe, die ihm den Hektor, Alexandros oder Paris, 
Helenos, Deuphonos und noch vier Söhne, dann die Kreiusa, 
LaodiJke, Polyxena und Kassandra gebar; im ganzen hatte er 
50 Söhne und ebensoviel Töchter. Hochbetagl:, erschien er 
im Trojanischen Krieg nur einmal auf dem Schlachtfelde, um. 
den Vertrag wegen des Zweikampfes zwischen' Menelaos 
und Paris abzuschließen. Als aber Hektor fiel, begab er 
sich, von dem Götterboten Heiimies begleitet), nachts in da^ 
Zelt des Achilleus, um sich bei diesem . die Ausfolgung der 

— 175 — 



Leidhe zur Bestattumg zu erbitten. — Et fiel durch! Pyrrhos, 
dem Sofene Achilleus, am Altar des Zeus. S. Telephos, 
Polydoros und Glaukos. 

Priapos, (gr) ein Feld- und Gartengott, Sahn des Dionysos 
(oder Adonis, oder Hermes) und der Aphrodite (oder Chione). 
Er ist auch der Gott deir Schafherden, der Ziegen, der 
Bienenzucht, des Weinbaues, des Fisichfangs und der siimlifchein 
Lust. 

Prokne, (gr) Tochter des Königs Pandion in Athen U-nd der 
Zeuxippe, Schwester der Philomela. 

Prokrustes, (gr) Beiname des Polypemon odeir Damastes, 
eines Räubers in der Umgebung von Eleusis, der seine 
Opfer auf ein Bett legte; wer zu lang war, dem hiackte er 
die überschüssigen Gliedmassen ab, anderenfalls reckte er 
die Glieder, bis sie mit dem Bett übereinstimmten. Er wurde 
von Theseus getötet. 

Prometheus, (gr) Sohn des Titanen Japetos und der 
Klymene (oder Themis) oder des Eurymedon und der Hera, 
Vater d. Deukalion, Er braute das von Zeus gestohlene Feuer 
auf die Erde. Als Zeus die Menschen vernichten will, um 
ein neues Geschlecht erstehen zu lassen, entreißt P. die 
Menschhieit dem Verderben, schenkt ihnen die Hoffnung 
und bringt ihnen das Feuer. Um die Menschen zu strafen, 
sichickte ihinen Zeus die Pandora und fesselte P. durch 
Hephästos an einen Felsen, sandte einen Adler, der ihm 
täglich die Leber (Sitz der bösen Begierde) zerfleischte ; 
nachts wuchs sie wieder nach. Hermes ersdhien einmal, 
um ihn zu retten. P. hätte Zeus eine Weissagung zu machen, 
weil er sich aber weigert, stürzt er samt diem Felsen in 
den Tartaros, wo er Jahrtaiusende verblieb, um sodann zu 
neuer Qual im Kaukasus zu schmachten, bis sich Chiron 
freiwillig meldet, durch seinen Tod P. zu befreien. 

P. soll endlich. Zeus das Geheimnis verraten haben, wie 
ihm (Zeus) durdh _ einen Sohn, den er mit Thetis zeugen 
werde, die Gefahr deir Enttroihnung drohe ; da bewilligte er 
endlich Herakles den P. zu befreien, worauf letzterer, den 
Kentauren Chiron unheilbar verwundete. P. ist unsterblicher 
Gott und Erfinder aller Künste (s. Äschylos, Trilogie). 

Pronoos, s. Agenor (2). 

Prontes, ein Kyklop s. d. 

Proserpina, s. Persephone und Libitina. 

Protesilaos, (gr) Sohn des Iphiklos, König von Phylake, 
in Thessalien, Gemahl der Laodameia, führte seine Leute 
gegen Troja und war der erste Grieche, der von Hektor 
getötet ward. Seine Gemahlin erwirkte von dein Göittern. seine 

— 176 — 



mehrstündige Rückkehr aus der Unterwelt und s'ms dann 
mit ihm in dien Tod. 

Proteus, (gr) ein diem Poseidon ergebener Meergreis, _ 
welcher auf der ä. Insel Pharos die Robben der Amphitrite ' 
weidete. Wenn er weissagen soll, muii man ihn überlisten 
und festhalten, da er durch Verwandlung in verschiedene 
Gestalten zu entkommen auiht. Er gab dem Paris ein 
Schattenbild statt der wahren Helena und stellte sie dem 
Menelaos nach seiner Rückkehr von Troja unangeta&teit 
wieder zu. 

Protogeneia, Tochter des Deukalion. 

Pschentkrone s. Tumä und Mut. 

Psyche (gr) die Personifikation der MenS'dhenseele als der , 
Geliebten dies Eros, dargestellt als Schmettierling oder als [ 
zartes Mäddien mit Schmetterlingsflügeln, das mit ihm alle 
Wonnen und Qualen der Liebe erduldet. 

Daran schließt sich folgendes Märchen. Ein König hatte 
drei Töchter, von denen P. die jüngste und schönste ist. Amor 
(Eros) faßte gegen den Willen seiner Mutter, Venus 
(Aphrodite) eine heftige Neigung zu ihr und läßt sie durch 
Zephyr an einen ab gesdiiedenen Ort entführen, wo er jede 
Nadht, von ihr ungesehen oind uner*kannt, bei ihr verweilt. 
Aber von Sdhwestern, welche zu Besiuich zu ihr kamen, 
verleitet, forschte sie gegen sein Verbot, eines nadhts nach 
seinem Antlitz und wird deshalb von ihm verlassen. Nach 
langen Umherirren fällt sie der Venus in die Hände und wird 
von dieser zu vier schweren Arbeiten verurteilt. 

Als sie die aus der Unterwelt geholte Büchse mit der 
Schönheitssalbe öffnet, fällt sie in Ohmacht. Aus dieser 
befreit sie Amor, auf dessen Bitten Jupiter sie unsterblidi 
und zur Frau des Amor macht. Die Tochter beider hieß 
Voluptas (Wonne). 

Psychopompos, Beiname des Hermes als Führer der , 
Seelen in der Unterwelt. 

Ptah, (Phtah) (ä) Gott der Bildner, der Weltbaumeistier, 
das Licht, das Urfeuer, die Urwärme. Er soll 9000 Jahre 
vor den anderen Göttern regiert haben. Entspricht; dem 
Griechen Hephästos. S. a. Mat. 

Als Menschenschöpfer heißt er auch Tatenen. Als Gott mi* 
Osiris vereinigt, heißt er Sokar-Osiiris. Seine Gemahlin heißt 
Sechet, der Sohn Imhotep. (Imuthes). 
' Pterelaos, (gr) König von Taphos, mit dem goldenen Haupt- 
haar, woran sein Leben hing. Seine Tochter Kamätho raubte 
ihm das Haar, um dem Amphitryon, den sie liebte, die 
Eroberung von Taphos zu ermöglichen. 

— 177 — 12 



Ptolomäos, s. Pyrrhos. 

Puck, ein diiienehder Geist, s. Oberen. 

-Pygmäen, ein Zwerggeschlecht an den Ufern des- Okeanos 
öder den Quellen des Nils, weldhes mit den Kranicihen im 
Kriege lebte. Sie griffen den schlafenden Herakles in großen 
Soharen an, wurden aber von ihm in" eioie Löwenhaut einge- 
wickelt. S. Zwerge. 

. Pygmalion, (gr) (1) König von Kypros, verliebte sich in das 
elfenbeinerne Bild einer Jungfrau, das er selbst verfertigt 
hatte, und flehte die Aphrodite an, dasselbe zu beleben. Seine 
Bitte ward lerhört. Die zum Leben Erwachte nimmit er zu 
seimer Gemahlin, die iihim den Paphos gebar. — (2) Sdhn des 
, Belos, Bruder der Dido. ' 

Pylades, (gr) Sohn des Strophiios und der Anaxibia, der 
Schwester Agamemnons, Freund des Orestes, der beii seinem 
Vater aufgezogen ward, half jenem den Vater an Ägisthos 
und Klytämnestra rächen. Als derselbe von den Erinnyen 
verfolgt ward, beschützte er ihn und begleiteite ihn nach 
der Taurisdhen Halbinsel, wo er selbst sein Leben für ihn 
hingeben vwllte (s. Orestes). Nach seiner Rückkehr ins 
Vaterland bekam er seines Busenfreundes Schwester zur 
Gattin. Die Freuindsch-aft zwischen Orestes und P, ward 
sprichwörtlich. — S. Operntext zu Iphigenie in Aulis. 

Pyleus, s. Augeias. 

Pyramos und Thisbe, ein babylonisches Liebespaar, dessen 
Verbindung wegen der Feindschaft der Eltern verhindert 
wurde. Zu einer Zusammenkunft unter einem Maulbeerbaum 
stellte sich Thisbe als erste ein, floh aber, da sie eine Löwin 
erblickte und verlor ein Gewandstück. Pryamus fand das- 
selbe, meinte sie sei erwürgt worden, und tötete sich unter 
dem Maulbeerbaum, seit welcher Zeit die Früchte rot sind: 
Thisbe gab sich gleichfalls den Tod. (Sommernaöhtstraum.) 

Pyrrha, Gattin des Deukalion. 

Pyrrhos, König v. Epiros, Sohn des Äakides, aus einem 
Geschlecht, das von P. oder Neoptolemos (s. d.), dem 
Sohn des Achilleus und Lanassa, der Enkelin des Hera- 
kliden Hyllos, abgeleitet wurde. Er begab sich zum Ge- 
malil seiner Schwester Deidamia, Demetrios ' Poliorketes, 
dann nach Alexandria, wo er sich' die Gunst des Ptolemäos 
erwarb und sich mit einer Stieftochter desselben vermählte. 

Nachdem er mehrere glückliche Kriege geführt hatte, 
gewann er auch bei Askulüm in Apulien einen Sieg, aber 
mit vielen Verlusten (Pyrrhussieg). 

Pythiä, Priesterin zu Delphi, welche Orakel erteilte. Sieihe 
Neoptolemos und Jon. 

— 178 — 



" Pythios, Beiname des Apollon. 

Python, (grr) ein fuM-chtbarer Drachie, Sohn der Oäa, der 
aus der feiUdhten . Erde nacb der Deiikälionischen "Flut ent- 
standien, , in den Klüften des Parnassos ihauste uind von 
Apollon erlegt wurde. 
Pyttheus Vater der Äthra (s. dj und Artemis. 

Qu. 

Quasir, (Kwaser) (nord) Schiedsrichter zwischen den 
streitenden Äsen und Wanen. Er vermodhte jede ihm vor- 
gelegte Frage weise zu beantworten. Als er einst zu den 
Zwergen Fialar und Galar gelangte, sclilactiteten ihn diese 
und biEireiteten aus seinem Blute Miet, der jedem, der davon 
trank, Wieislieit gab. Der Metvorrat kam später in die Hände 
des Riesen Sattung, der ihn durcli' seine Tochter Gunlöd 
sorgsam bewachen ließ, bis es Odin durch List gelang, 
sidh desselben zu bemächtigen. S. Gunlöd. 

Quellenkultus : Die verbreitetste Form der Verehrung des 
Wassers; meist geschah diese durch Bekränzung des 
Beckens und im Anrufen des Spenders des Quells (Nymphein 
und Musen), . wozu eigene Prieste rinnein gehalten wurden. 

Das deutsche Altertum besaß „Hulda", eine besondere 
Brunnengöttin. Die Wallfahrten sind auif den Kultus auf- 
gefundener Gesundheitsibruinnen zurückzuführem. 

Viele heilige Quiellen sind dem nord. Balder zugeschrieben 
worden (Pholesbrunnen, Phulsborne, Fals- uind Baldebruminien). 

Wie diie Musenquelle am Parnaß durch den Huf des Pegasos 
erschlossien worden war (Hippokrene) so sind auch in 
anderen Ländern, besonders in Deutschland, vers/chiedene 
solcher Roßquellen (die erste entstand durch einen Hufschlag 
von Odins Streitroß, später Karls d. Gr.) geheiligt worden. 

Quirinius, altitalischer Gott (sabinischer Name des Mars). 
Bei den Römern Beiname des vergötterten Romulus. Seine 
Gemahlin hieß < Hersilia, sein Priester Flamen Quiränalils. 

R. 

Ra, (ä) mit dem Artikel, Pra, uralter Sonnengott, dessein 
Herrschaft auf die des Ptah folgte. Vater d. Mat, Ammon- 
Ra, Harmachis und Tum. 

Rabenschlacht, altdeutsches Heldengedicht, betriffit den 
Sieg Siegfrieds von Bern über Emrich von Ravenna (Raben). 

Radegast, (Krieg) s. slawische Mythologie. 

Radha, s. Wischnu. 

Ragnar, s. Aslang. 

Ragnarök, s. Götterdämmerung. 

— 179— 12* 



Ragnhild, s. Aslang. 

Rama, Wischnu, während, seiner siebenten rnkamatiom. 
Seine Taten bild;en den Inhalt des Ramayana s. d. 
, Ramayana, (sanskr. „die Schicksale des Räma"). König 
Dasaratha ist ohne männlichen Nachkommen umd, naichdem 
er ein Opfer dargebracht hatte, werden '.ihm von vier 
Frauen vier Söhne geboren, darunter Räma, in welchem 
sich Gott Wischnu zur Erde herabläßt, um den Dämon 
Rawana, der auf Ceylon gegen die frommen Einsiiedler 
wütet, .ZU/ vernichten. Er heirateft} die schöne Tochter des 
König, von Mithila (Tirhut in BengaMen), Sita. 

Obschon Räma zum Thronerben eiingesetzt, erwinkt dodh 
die Mutter seines Halbbruders Bharata diesem die Thron- 
folge auf Grund eines unbedacht gemachten VerspTechens 
des Vaters. Räma Wird mit Sita verbannt und ziehit sich 
zu Einsiedlern in die Wälder zurück. 

Räma wandert im mittleren Indien. Die Schwester Raieanais 
entbrennt in Liebe zu Rama, doch dieser verschmäht sie. 
Aus Rache flößt sie ihrem Bruder Liebe zu Sita ein, die er 
dann durch die Luft entführt. Durch einen Göttervogel 
erfährt Räma den Namen des Räubers. 

Der Affenkönig läßt die Sita durch eine ^anze Armee von 
Affen suchen. Dem Anführer Hanuman gibt Rama seimem 
Ring als Erkennungszeichen mit und jener kundschaftet sie 
auf diese Weise aus. 

Der Anführer kommt ziurück, konnte aber Sita nicht 
zurückbringen, weil sie keines andern Mannes Leib be- 
rühren könne, als dein ihTes Manmes, denn sie hätte müssen 
durch die Lüft^e getragen werden. Da zieht nun Räma selbst 
mit einer Schar von Menschen und Affen aus, um seine 
Gemahlin zu holen. Er kämpft mit Rawana. Erstereir wird 
tödlich verwundet, doich wird eir durch Kräuter der 
Affen geheilt und bezwingt schließlich durch einen Gott, 
über die Verwundbarkeitsstelle Rawanas in Kenntnis ge- 
;setzt, diesen. Vom Verdacht der Untreue reinigt sich Sita, 
indem sie unversehrt über einen brennenden Holzstoß 
dahin&chreitet, Rama redet sich dann noichmals Zweifel an 
Sitäs Unschuld ein und verbannt sie. Doch wird sie von 
der Erde aufgenommen und Räma vom Gott Wischnu an 
seinen Ursprung erinnert und steigt in den Götterhimmel 
hinan. 

Ran, (nord) das personifizierte Meer, Gattin des Meer- 
goties Ögir. ((Ägir). 

Randwer, Sohn des Jormunrekr, s. d. 

Rathamanthis, s. Minos. 

— 180 — 



■I.--; --/v:.-' ■ " '■ - - ■ ■■ - • 

Raub der Sabinerinnen. 

Bei der Gründung jener Stadt, welcher Romulus (s. d.) 
den Namen Rom gab, stellte es si'dh heraus, daß es den- 
Bürgern an Frauen fehlte, wesbalb Romulus durcb Talassus 
und Genossen ein großes Fest veranstalten ließ, zu weldhem 
die Bewohner der benachbarten Orte, insbesondere jener 
von Cänina, Cnistumerium und die Sabiner von Cures samt 
Frauen und Töchtern erschienen. Im Verlauf der Unter- 
haWung und Festspiele raubten die Bürger des jungen Roms 
vornehmlich; die sdhönen Sabiuerinnen, versteckten sie und 
schufen mit ihnen neue Generationen. Der deshalb aus- 
gebrochene Krieg änderte nichts mehr, denn als sic3i die 
wackeren Sabiner sogar des Kapitols bemächtigten, ver- 
standen es die Geraubten, zwischen den Kämpfenden Ver- 
söhnung zu stiften, worauf sich die Feinde zu einem Volke 
zusammen&dhlossen und sich Quiriten nannten. 

Rea, Silvia, (Ilia). Mutter des Romulus und Remus, Todhter 
des albanischen Königs Numitor. Ward von ihrem Oheim 
Amuli'us, weldhier seinen Bruder vom ThTone verdrängt hatte, 
zur Vestalin geweiM, gebar aber von Mars die berühmten 
Zwillingsbrüder. Sie hat ^sich hierauf mit einem Flußgott 
vermählt — Gleich nach 'der Einwanderung Äneas in Italien 
folgt die Gründung Roms. Romulus und Remus sind nach 
einer anderen Auslegung die Söhne einer Tochter des Ein- 
gewanderten. Scheinbar sind lediglich aus chronologischen 
Gründen einige Albanerkönige in die Qeschiiichte eingescho- , 
beri worden, so daß Numitors Toditer als Mutter figuriert. 
Sie wurde siodann lange gefangen gebalten und konnte erst 
nach dem Tode Amulius, und zwar durch dessen Sohn, 
freigelassen werden. 

Regin, s. Edda. 

Reifriesen, s. nordische Mythologie. 

Remus, s. Romulus. 

Rhadamanthis (gr) Sohn des Zeus und der Europa, Bruder 
des Minos, geriet mit diesem in Streit und mußite aus 
Kreta enitfliehen, hielt sich auf den Inseln des Ägäischen 
Meeres auf und gab den Bewohnern Gesetze. In Böotien 
vermählte er sich mit Alkmene. Er ward nach seinem Tode 
"wegen seiner Gerechtigkeitsliebe ein Richter der Schatten. 

Rhakios, Vater des Mopsos. — 

Rhea, (Rhei) (gr) Tochter des Uranos und der Gäa; 
(Titanide), Gemahlin des Kronos, welchem sie den Zeus, 
Poseidon, Hades, die Hera, Demeter und Hestia gebar. 
Da Kronos bei der Geburt die Kinder zu verschlingen pflegte, 
so verbarg sie den neug-eborenen Zeus in einer Höhle auf 

- 181 - 



Kreta. Ihrem Gemahl reichte sie statt des neugeborenen 
Kindes einen in Windeln eingewickelten Stein, den ' derselbe 
verS'dhlang. R. ist auch die Mutter aller Götter und Menschen, 
sie brin^ft Glück und Frieden; sie wird auc'h mit der 
Erde identifiziert. S, Kybele und Vestalinnen. 

Rhesos, s. Odysseus. 

JRhipaci Montes (lat) in der Vorstellung der Griechen 
und Römer jenes Gebirgie im äußersten Norden der Erde, 
jenseits dessen das Paradies zu suchen war. 

Ribhu, s. Surja. — 

Riesen, s. Äsen Wanen, Winar, Wade, Kentauren, Waft- 
thrudr, Utgard, Jötungheim, Taklos. 

Riflheim, s. nordische Mythologie. — 

Rigr, s. Edda und Heimdall. 

Rinaldo, s. Armida. 

Rinda, s. Wali. 

Robin Hood, der Held einer Reihe altenglrscher Volks- 
balladen. War der Sage nach ein Earl o>f Huintingto;n, 
in Wirklichkeit aber ein angelsächaischer Freisasse, der nach" 
der Niederlage der sächsischen Volkssache in die Wälder' 
floft, wo er als Geächteter sein Unwesen trieb, gutherzig mild 
gegen das Volk, grausam und unerbittlich gegen die nor- 
mänischen Großen und Priester. 

Rojenitze, (Schicksal) s. slawische Mythologie 

Rome, (gr) Tochter des Telemachos oder Italos, Gattin 
des Äneas mit dem sie Ascanius, Euryleon, Romulus und 
u. a. zeugte (eine Version). 

Romulus und Remus, die Erbauer Romsf und Gründer des 
Staates. Mitbegründer sind unter a/nderen: Hektors Söhne: 
Astyanax und Sapernios. — König Numitor von Albalonge 
ward von seinem Bruder Amulius aus der Herrschaft ver- 
drängt und die Tochter Rhea, um ihre Verheiratung zu 
vereiteln, zur Vestalim geweiht. Gleichwohl gebar sie dem 
Mars Zwillingssöhne: R. und R. Amulius befahl seinem Diener 
die beiden im Tiberstrom auszusetzen. Sie blieben aber 
an einem Feigenbaum (Ficus Ruminalis) hängen und wurden 
dann von einer' Wölfin gesäugt. Endlich fand sie der Hirt 
Fustulus und brachte die Kinder seiner Frau, Acica Lareoi- 
tia, wo sie mit den eigenen Söhnen aufgezogem utnd R. uind 
R. genannt. Herangewachsen. Vnachten sie mit einer Schai 
Gleidigesinnter die Umgebung durch Raubzüge aller Art 
unsicher, bis Remus von Hirten ergriffen und vor Amulius 
geführt wurde, der ihn zur Aburteilung an Numitor ab- 
gab. Dies führte zu ihrer Erkennung. Die beiden Brüder 

-182 — 



töteten Amulius und setzten seinen Bruäer wieder in die 
ihm gebührende Würde als König ein. 

Sie selbst wanderten nach dem palatinischen 'Hügel aus, 
dem Ort, wo sie gerettet und erzogen wurden. Da aber, 
hier eine neue Stadt erbaut worden war, entstand die 
Frage, wer von den Brüdern sie benennen und beherrsichen 
sollte. Es wurde beschlossen, die Qötter darüber entsdhei- 
den zu lassen. Zu diesem Zweck begab sich Romulus auf 
den PalatinisiChen, Remus auf den Aventinischen HügeL 
Der letztere erblickte zuerst 6 Geier. Kaum aber war dies 
dem Roimulus gemeldet worden, als diesem 12 Geier er- 
schienen. Hierüber kam es zum Streit und endlich zum 
Handgemenge, in welchem Remus getötet wurde. Nach an- 
derer Sage soll ihn Romulus im Zorn erschlagen haben, 
weil er spottend über die niedrige Stadtmauer gesprungen 
war. So gab Romuluis der Stadt den Namen Rom, wo er 
37 Jahre regierte und verschwand dann in den Himmel 
und wurde unter dem Namen Quirinus verehrt. Seine Ge- 
mahlin war Hersilia. S. Rumina. 

Römische Mythologie. Der älteste Götterglaube, analog 
der Italer (Latiner Voteker, Folisker, Sabiner, Umbrer, 
Qsker, Kampaner, Lukajuer u. a.) war eine einfache Natur- 
religion. Im Fortschritt der Gesittung wurde sie ethischer. 
Die römischen Gelehrten hatten aber für Sagensammlungen' 
wenig Interessen und so kommt es, daß die römische. 
Mythologie zum Teil der griechischen entnommen, zum Teil 
ihr angepaßt wurde. 

Die Götter der alten Römer sind teils die Kräfte der Natur 
in den verschiedenen Beziehungem auf äußere Dinge, teils 
Abstraktionen der Güter und Uebel, deren Gewährung oder 
Abwehrung -man von der Gottheit erwartete. Es gab zum 
Beispiel eine Ossipäga, d. h, eine Göttin, welche die Knochen 
der Kinder festzumachen hatte ; einen Statilius und Statina, 
welche die Kinder stehen, einen Fabulius, der sie reden 
lehrte etc. Jugatinus (HeiratsgO'ttj, Libitina und Nänia (Tod), 
Rubigus und Rubigo (Saat), Clementia, Concordia, Fides 
(Tugend), Felicitas, Salus, Victoria (Glücksgüter), Pallor und 
Pavor (Furcht und Schrecken). Man hat also ursprünglich 
keine Götterbildung gekannt. So wurde Jupiter im Kieselstein, 
Mars im Speer verehrt, ebenso wie noch später dann Vesta als 
Symbol des Feuers. 

Es bildete^ sich schließlich ein Kreis von 12 Gottheiten: 
Juno, Vesta, Cei-es, Diana, Minerva, Venus, Mars, Mercurius, 
Jovis (Jupiter) Neptunus, Vulcanus, Apollo: 

— 183 — 



Die Patrizier «tanden ausschließlich in öffentlichen Priester- 
ämtern, bis si:h auch die Plebejer zu diesen Würden Zugang 
verschafften. Diese Religionsübung hat unter den Bürgern 
JRoms Zucht und Gehorsam erhalten, obwohl der Glaube und 
der religiöse Sinn immer mehr schwand. Je mehr aber der 
alte Glaube schwand, desto mehr suchte das religiöse Be- 
dürfnis außerhalb desselben Befriedigung zu finden. Daher 
kam es, daß fremde Götter und Kulte, zum Beispiel der der 
Isis, verbunden mit Astrologie und anderem Aberglauben 
allgemein Eingang fanden, bis endlich das Christentum neue 
religiöse Bahnen eröffnete. S. Tassio (Talassus). 

Rubigus, (Rubigo) Gott der Saat. S. röm. Myth. 

Rüdiger von Bechelarn, ein im Nibelun^fenlied vorkommen- 
der Held, der als Markgraf von Pöchlarn an der Donau saß. 
früher mythologischen Gharakters. ' 

Rudra, (wed) der Gott des verheerenden Sturms, der aber 
auch wohltätig wirkt, indem er die Luft von schädlichen 
Dünsten und Miasmen reinigt, weshalb er auch als der 
beste Arzt gepriesen wird. Seine .Söhne und Genossen sind 
die Narut. 

Rumina, röm. Schutzgöttin der säugenden Herden, auch 
der Kinder an der Mutterbrust. Nach ihr erhielt der Feigen- 
baum, Unter welchem Romulus und Remus von der Wölfin 
gresäugt worden sein sollen, den Namen ruminalis ficus. 

Russaiki, (slaw) Wald- und besonders Wassernymphen, 

- reizende Jungfrauen mit grünen Haaren, baden in Seen oder 

kämmen am grünen Gestade des Wassers ihre langen Haare. 

Die Pfingstwo:he war ihnen heilig, wo man ihnen unter Tanz 

und Gesängen Kränze ins Wasser warf. 

ftütiger, (poln) s. Wanda. 

S. 
' Sabazios, (auch Sabadios), Sohn des Zeus und der Perse- 
phone, wurde von den Titanen zerstückt. Gott des blühenden 
Lebens. Asiatische Gottheit, von den Griechen übernommen 
und mit Dionysos in Verbindung gebracht. 

Safech, s. Äsen und Asgard. 

Saga, s. Äsen und Asgard. 

Salacia, s. Neptunus. 

Salmoneus, s. Äolos. 

Salus, (.röm) (lat. Heil) Personifikation der Wohlfahrt und 
Genesung. Sie wird mit der Hygieia identifiziert und mit 
Äskulap zusammengestellt. 

Samas, (babyl) Sonnengott, Erleuchter des Himmels umd 
der Erde und Herr des Taiges. 

— 184— 



Sambara, ein Riese, s. Kama. 

Sammael, (lorient. Myth.) der Engel, welcher im Planeten 
Mars lebt U'nd einer der 7 Weltregentein ist Neidiscli 
auif die Ehre, die Gott Adam und Eva erwres, indem er 
sie von Engeln bedienien ließ, verbündete er sizh mit anderen 
Engeln zur Verführung der Mens dien, wurde aber mit seiner 
SchaT aus dem Himmel gestürzt. Bei den Juden später 
der oberste Teufel (Samiel), 

Sanctus Vitus, s. slaw. Myth. 

Sanganrios, (gr) Sohn des Okeanos und der Tethis, Vater 
der Nana (der Mutter des Akis) Vater der Hekabe (von einer 
Nymphe), 

Sankos, (Sancus) s. Sabinen 

Saperinos, Sohn des Hektor, s. Romulus und Remus. 

Sappho, wird als die 10. Muse bezeichnet; sie ist die 
berühmte lyrische Dichterin (628 — 568 v. Chr.)' die sich 
wegen ihrer (sagenhaften) Liebe zu dem schönen, aber un- 
treuen Jüngling Phaon durch den Sturz vom leukadisohen 
Felsen tötete. 

Saraswäti, s. Brahma. 

Särpedon, (gr) Sohn des Zeus und der Laodameia, Enkel 
des Pelerophon, Bundesgenosse des Priamos, Fürst der 
Lykier. Mit Glaukos als erster am Wall wird er von 
Patroklos getötet, entbrennt um seine Leiche ein Kampf, 
bis dieselbe von den Zwillingsbrüdern Schlaf und Tod 
auf Zeus Geheiß durch die Lüfte nach Lykien gebracht wird. 

Andererseits „soll er der Sohn des Zeus mit der Europa und 
der Bruder des Minos sein. Durch Zeus' Gnade lebt er drei 
Menschenalter. S. Hektor 

Satis, (ä) Begleiterin der Chnum. 

Sattung, ein Riese, s. Quasir und Gunlöd. 

Saturnus, (Säer, Gott der Aussaat), ein altitalischer Gott 
der Saat und Ernte, Gemahl der Ops, Vater des Picus. 
Mit Kronos identifiziert, der von Zeus ins Meer gestürzt, nach 
Larium kam, dort von Janus aufgenommen, sich als König 
unter dem nachmaligen Kapitol ansiedelte und den Einwohnern 
den Ackerbau und seine Segnungen brachte, dann aber wieder 
verschwand. Unter seiner Regierung dadite man sich das 
goldene Zeitalter. Juno ist seine Tochter. S. Jupiter. 

Satyrn, (Satyri) (gr Myth.) Waldgeister im Gefolge des 
Dionysos (auch Söhne des Hermes und der Iphthime oder 
des Silenos) mutwillige Gesellen von robuster, unge- 
schlachter Gestalt, mit struppigem Haar, stumpfer, aufge- 
worfener Nase, zugespitzten Ohren und einem Ziegen- 
• Schwänzchen oder kleinem Pferdeschweif. Sie lieben den 

-185- 



übermäßigen 'Weingenuß. Sie sind dem Menseiieiri feindliche 
Dämonen. Sie heißen aitcH Silene (Silen).. Die jüngeren S. 
heißen Saityrisken. S, Poseidon, Komos und Arges. 

Saxnot, altsächisischer Gott, s. Tyr und deutsche Mythologie. 

Scherasmin, s. Oberon. 

Schionatulander, s. Ti-turel, 

Schlaraffenland, ein fingiertes, lächerlich vollkommenes 
Land, in dem Milch und Honig fließt; Suppenströme, in 
denen der. Löffel mitschwimmt, gebratene Fische und Vögel 
etc., die mit Gabel und Messer versehen sind. Statt der 
Blätter sind die Bäume mit allerhand Leckerbissen behangen. 
(Ein auf der ganzen Erde verbreiteter Herren-Geselligkeits- 
verein, Freundsc:haft, Kunst und Humor fördernd, der auch 
alte Rittergebräuche piersifliert, hat sich seit meihr als 
60 Jahre.n den Namen „Sdilaraffia" [die Mitglieder sind 
„Schlaraffen"] beigelegt.) 

Schrat, (deutsch) Schrätel, Schränzel, Waldschrat, auch 
Wilder Mann, ein zotiger, eibischer Geist, s. deutsche 
M3^ologie. 

Schu, (ä) Gott der aufgehenden Sonne und des Windes. 
Er stützt mit erhobenen' Armen dem Himmel. S. Atlas. Seine 
Gattin ist die Tefnut. S. Sos. 

Schwanlungfrauen, s. Walküren. 

Scilla, s. Skylla. 

Seb (ä) Gott der Erde (dem gr. Kronos identisch). Er 
zeugte die Nut (Rhea), den Osiris und . die Isis sowie den 
Typhon und die Nephtys. 

Sebak, (ä) Gott des steigenden (die ganze Nillandsdiaft 
befruchtenden) Nils. Als S.-Ra, ist er auch Sonnengott, 
Er wird mit einem Krokodilkopf dargestellt. S. Horus. 

Sachet, (ä) Göttin, s. Bast und Ptah. 

Seher, Seherinnen, (Propheten). S. Manto, Melampos oder 
Phineus, Bakis etc. 

Seisichthon, Beiname des Poseidon. 

Selene, (gr) bei den Römern: Luna, Mondgöttin, Tochter 
des Hyperion und der Theia, Schwester des Helios und der 
Eos (auch Phöbe genannt). Später mit der MondgÖttin 
Artemis (Diana) oder auch mit Persephone- identifiziert. Sie 
gebar dem Endymion 50 Töchter, dem Zeus die Pandia und 
die Herse (Tau), dem Orpheus oder Linos oder Eumolpos den 
Musäos. ■ „ 

Selinus, (gr) König der Ägialier, s. Jon. 

Selk, (ä) Göttin, eine Form der Isis, deren Attribut der 
Skorpion ist 

-186- 



Seilen, das sind Priester des Zeusorakels, welche aus dem^ 
Rauschen der Eiche den Willen des Gottes deuten. 

.Semele, (gr) Tozhter des Kadmos und der Harmonia, 
Geliebte des Zeus. Die eifersüchtige Gattin des Zeus, Hera, 
überredet sie (in Gestalt der Amme Beroe) den Zeus zu bitten, 
daß er in derselben Gestalt wie zu ihr (zu Hera) kommen 
solle. Zeus, der ihr seinerzeit feierlich die Erfüllung einer 
Bitte zusagte, erschien unter Blitz und Donner, wodurch S; 
getötet vvurde. Sterbend gebar sie ihm ein Kind, den 
Dionysos, welchen Zeus i'n seine Hüfte einnähte und dort bis , 
zur Reife großzog. Durch diesen Sohn wurde sie später aus . 
der Unterwelt als ,,Tyoine" in den Olymp versetzt. 

Semiramis* (assyr) sagenhafte Königin, Tochter der Kriegs- 
uhd Wollu'stgöttin Derketo, mit der sie aber audh selbst 
identifiziert wird. Gemaihliin des . Ninos. Erbauerin, von 
Babylon (Hängende Gärten). Alle, die ihre Liebe genossen, 
ließ sie töten. Als ihr Sohn, Ninyas, sie ermorden wollte, 
entsdiwebte sie in Gestalt einer Taube. 

Semnen, (Semnai) „die Ehrwürdigen'', Beiname der 
Erirfnyen. 

Semonen, s. Arval. • 

Serapis, (ä) Beherscher der Unterwelt und der abge- 
schiedenen Seelen, hies auch Gzar-Hap, Osiris-Apis. 

Seth (ä) Set, s. Typfhon. 

Sibylle, eine Seherin. 

Sibyllen, begeisterte Verehrerinnen des Apolion und anderer 
Götter; weissagende Frauen und Jungfrauen. 

Side, (gr) Gemahlin des Belos, Mutter des Ägyptos und 
Danaos. 

Sieben gegen Theben: Eteokles, Ödipus' Sohn, wollte die: 
Herrschaft in Theben nicht mit seinem (Zwillings-) Bruder 
•Polyneikes teilen, weshalb dieser mit se'Chs Fürsten gegen 
Theben zog: Adrastos (Veranlasser des Zuges, um Polyneikes 
in Thebien wieder einzusetzen), der einzige, de,r nicht umkam, 
indem ihn sein Roß Areioin rettetö ; Amphiaros (wurde von 
der Erde verschlungen); Hippomedon (Adrastos' Schwester- 
sohn, gefallen); Kapaneus (vom Blitz erschlagem); Tydeus 
(gefallen); Parthenopäos (gefallen). Eteokles und Polyneikes 
erschlugen sich gegenseiiitig. S. Epigonen. 

Die sieben Wunder der Welt: (1) Das älteste und 
massengewaltigste waren die hängenden Gärten der Semira- 
mis (s. d.). Herodot, der auf seinen Reisen dieses Wunder des 
Zweistromlandes Mesopotamien selbst gesehen, berichtet, 
daß Ninive von einer 23 m hohen und 24 m dickein Mauer um- 
geben war, auf deren Krone sieben Wagen nebemeiniander 

— 187 — 



fahren konnten. Darnach kann ermessen werden; wie gewaltig 
die Bauten gewesen sein müssen, die auf ihrer Hohe jene 
wunderbaren Gärten trugen. — (2) Jahrtausiende später wird 
neben 70 kleineren die i'roße Pyramide von Gizeh errichtet, 
die unter anderen die merkwürdige" Eigenschaft besitzt, daß 
sich ihr Umfang zur doppelten Höhe wie 3.1415926:.! ver^ 
hält, woraus sich die erstaunliche Tatsache ergibt, daß dem 
Erbauer das Verhältnis zwischen Umfang und Durchmesser 
des Kreises (Ludolphsche Zahl des 15, Jahrhunderts) längst 
bekannt war. — (3) Im Jahre 279 v. Gh. wurde nach mehr 
als . zwanzigjähriger Bauzeit der 120 m hohe griechischie 
Leuchtturm, der zum Teile bis ins 16. Jahrhundert er- 
halten blieb, erbaut. — (4) Der Prachttempel der 
Artemis, die Kultusstätte der Qriaohen in Kleinasien, der 
erst von Konstantin dem Großen z-erstönt wurde. — 
(5) 350 Jähre v. Gh. errichtete die Königin Artemisa von 
Karieii ihrem Gatten Mausolos ein großes prachtvolles Grab- 
mal mit tempelartigem Bau, der erst im 13. Jahrhumdert bei 
einem Erdbeben zerstört wurde. — (6) Der in Bronze ge- 
gossenene Koloß von Rhodos, das ist eine 34 m hohe Statue 
des Helios (s. d,). 50. Jahre nach der Errichtung stürzte sie 
bei einem Erdbeben und wurde zufolge eines Orakelspruches 
wieder aufgerichtet. Im 7. Jahrhumdert kam sie in den Besitz 
asiatischer Juden, die sie auf 900 Kamelen forttransportiersben. 
— (7) Das größte „Wunder der Schönheit" war die Statue 
des Zeus in Olympia. Die Alten hielten jeden für einen 
Unglücklichen, der dieses Wunderwerk niemals geschaut. Der 
berühmte Bildhauer Phidias war 65 Jahre alt, als er den 
ehrenvollen Auftrag erhielt, im heiligen Hain von Olympia 
das Bild des Vaters der Götter und Menschen zu errichten. 
Er schiuf ihn, auf einem reich mit Bildwerken gesichmückien 
Thron sitzend, in der Linken das Zepter, in der Rechten die 
siegverleihende Nike haltend. Die nackten Körperteile waren 
ganz aus Elfenbein, das Gewand aus Gold, mit Blumen- 
igewinden bunt emailliert. Das von einem Adler gekrönte 
Zepter erglänzte bunt, auf den goldenen Locken ruhte ein 
grün emaillierter Ölzweigkranz. Bei der Schöpfung des 
Hauptes soll Phidias die Stelle des Homer vorgesdiwebt 
haben, in der Zeus der Göttin Thetis die Bitte um Ver- 
herrlichung ihres Sohnes Achilleus gewährte. Als das Werk 
fertig war, so berichten die Alten, da erhob der Meister 
betend die Hände und flehte um ein Zeichen von Zeus, 
daß ihm sein Werk gefalle. Und siehe! Ein BlitzstraJi! 
zujckte herab aus heiterem Himmel, durch das offene Dach 
des Tempels, ein flammendes Zeichen des göttlichen Wohl- 

— 188 — 



gefallens. Eine S'Cihiwarze Tafel im weißen Marmorboden des 
Tempels' bezeidhnel: die Stelle, die der Blitz des Zeus berührt 
hatte. Bernahe 850 Jahre stand der olympisdie Ze;us an der 
Stelle, an der er errichtet worden ist. Im Jahre 408 nach 
Christi vernichtete " eine Feuersbrunst den Tempel. Einzig" 
und allein erhalten sind die Pyramiden. 

Sif. (nord) Gattin des Thor, dem sie die Truhd (Kraft) 
gebar lUnd einen Stiefsohn, den Si±nellen Bogenschützen Uller, 
mit in die Ehe brachte. Als ihr Loke einst das schöne, 
goldglänzende Haar hinterlistigerweise abgesdhoren hatte, 
zwang ihn Thor, ihr von den kunstreichen Zwergen einen 
neuen Haar&dimuck von Gold maichen zu lassen. ' 

Siegfried» (deutsch) Sohn des Königs Siegmund der Nieder- 
lande (analog dem nord Sigurd). S. Nibelumgenlied, Edda, 

Sigeion; s. Achilleus. 

Sigenot, in einem mittelhochdeutschen Gedicht: Schilde- 
rung des Kampfes des jungen Dietrich mit dem Riesen 
S., in welchem ersterer unterliegt, aber der alte Hildebrand 
hierauf den Riesen tötet und den gefangenen D. befreit. ' 

Sigune, s, Titurel. 

Sigurd, (deutsch) von Brünhdld, Vater d. Aslang. 

Silen, (gr) pferdartige Dämonen und Satyrn; s. Silenosu 

Silenos, (aiuidi Silen, Seilenos) Sohn des Hermes oder des 
Pan und einer Nymphe. Als ältester der Satyrn wurde er 
mit Dionysos in Verbindung gebracht. Ein pferdeartiger 
Wald- und Quielldämon niit der Gabe der Weissagung. Er 
galt für den Erzieher des Gottes, den er zur Erfindung des 
Weinbaues und der Bienenzucht angehalten haben soll, und 
für dessen steten Begleiter. Er nahm mit demselben teil 
am Kampfe gegen, die (Giganten, tötete den Enkelados und 
erschreckte die Feinde durch das ihnen unbekannte Geschrei 
eines Esels so, daß sie flohen. Er ist mit der fernsten 
Vergangenheit und Zukunft bekannt und läßt, wenn er 
trunken und schläfrig mit Blumenketten gefesselt wird, sich 
zum Singen und Weissagen nötigen. Eine Spezies desselben 
ist der ganz behaarte Papposilenos. 

Sin, (babil.-assyr.) Mondgott. 

Sinis, s. Theseiis. 

Sinon, s. Laokdon. 

Sirenen, (gr) Töchter des Stromgottes Achelaos (Acheloideri), 
reizende nymphenartige Jungfrauen, die in der Nähe des 
Skyllafelsens am Strand weilten und durch ihren bezaubernden-, 
Gesang die Vorübersegelnden anlockten, um sie 201 tötend 
Odysseus ließ sich an den Mast binden, um den Gesang nicht 
zu versäumen, seinen Gefährten, aber ließ er die Ohren mit 

— 189— 



Wachs verstopfen und gelangrte so glückliich vorüber. Darauf 
stürzten, d.ie S., denen nur solange zU; leben besch.iede'n war, 
bis einer durch ihi^en Oesang nicht verlockt vorübergefahren 
sei, ins Meer und wurden in drei Felsklippen verwandelt;. 
Siehe Thoasa, 

S^syphos, (gr) Sohin des Äolos und der Enarete, Vater des 
Glaukos, Großvater des Bellerophon, Gründer , und König 
von Ephyra, Stifter der Isthmischen Spiele. Der verschlagenste 
aller Menschen. Er verriet die Pläne der Götter, überfiel und 
tötete Reisende und ward deshalb von Theseus getötet. 
Zur Strafe mußte er in der Unterwelt einen Felsblock eiinen 
steilen Berg hinanbringen, der immer wieder herabrollte. 
(Sisj'-phDs-Arbeiit.) 

Sita, s. Ramayana. 

Sithpn, s. Phyllis, 

Siwa, (ind) („großer Gott") auch Qiwa und Mahädewa. Be- 
9chützer der frommen Büßer. Seine Gattin ist Parwaiti (auch 
Durgä und Kali. Als Symbol seiner Macht führt er den 
.Dreizack. S. entspriiCiht dem wed. Rudra. S. Brahma und 
Wischnu. 

Skadi, s. Njord, 

Skamandros, (gr) (Xanithos) Flußgott, s. Teukros, Beiname 
des Astyanax. 

Skeiron, s. Skiron und Theseus. 

Skinfaxi, s. Dag. 

Skiras, Beiname der Athene. 

Skiold, (nord) Sohn Odins, Gemahl der Gefion (s. d.). 

Skolos, s. Errinyen. 

Skuld, s. Nomen (Zukunft). 

Skylla, (gr) Scylla, (1) gr. Personifikation _^eines gefährlichen 
Meerstrudels, eine TO'ühter des Kratais, ' ein schreckliches 
Ungeheuer mit bellender Stimme, 12 Vorderbeinen und drei 
Reihen scharfer Zähne in sechs langen Hälsen und hauste am 
tosenden Meer, der furchtbaren Charybdis gegenüber, in einer 
duinkleh Höhle. Unter anderen verschlang sie sechs der Ge^ 
fährten des Odysseus. S. Sirenen und Argonautenzug. — • 
(2) Tochter des Nisos (s. d.). 

Slawische Mythologie: Der höchste Gott des Himmels 
und der "Erde war Swarog „der Glänzende", der sich in 
Verbindung mit dem Donner, Perun nennt. Seine Söhne 
sind die Sonne, Daschbog, „Geber der Güter" (auch Kriegs- 
gott) uind das Feuer. Als Theomorphose der Luft ist 
Swentowit oder Swantowit, als Gott der Sturms Stribiog;, 
Als Kriegsgott wurde auich Radegast, der Hauptgötze der 
Wenden verehrt, dann Wesna und Deva als Frühliings- 

— 190 — 



göttinhen, diann die der Liebe und Sthöniheii, Lada, während 
Moräaia ^s als böse Wintergöttin treibet; später, gab es den 
Kampf dies Bjebog (LidM) mit' dem Tschcrnebog (Finsternis), 
Nebengottheiten sind: die Vilen (Wald), Rusalken (Quiellen 
und Bäche), die Rojeratze (Sohicksal), dann die finsteren 
Mäcihte : Jagbaba, BJes und Vjed. 
. Fesite: Winitersonnenwende „koleda", „ovsen" und 
„kratschitin" ; FrüTilingsanfang: ,,kapa,lo" und „jarilo". 

Die Seele ..dusicha" der alten Slawen war unsterblich und 
wanderte ins Paradies (nav, raj), eine schöne Wiese. Siehe 
WyscTiieihTad. 

Sleipner^ (nord) das aidhtfüßige Roß des Odin. 

Sokar = Osiiis. S, Ptah. 

Spl, (röm) Sonnengott, analog dem Helios, 

Soma, (ind,) In den Hymnen des Wenda, ein berausichen- 
der, rnit Milch und Mehl gemischter Saft einer Pflanze, 
der auf Götter und Menschen eine heilende . Wirkung ausübt. 
S. Gandharwa und Indra. 

Somnus, Gotit des Schlafes, S, Hypnos. 

Sos, s. Sdiiu. 

Soteira, (gr) „Retterin", Beiname der Göttinnen als Be- 
scTiürtzerinnen eines Landes, zum Beispiel: Artemis (Korinth), 
Athene (Athen) etc, 

Soter, (gr) (1) „Retter. Erhalter", Beiname aller Land und 
Stadt besdhützenden Götter, wie Zeus, Helios, ApoUon, 
Dionysos, Asklepios, Poseidon, Herakles eitc. — (2) Vater 
des Kresios, der Hamonia und Arete. 

Spentaarmaiti, s. Amsdhaspands, 

Sphinx, s. Ödipus. 

Stanilus, (rö) (Statina), Götter, die den Kindern das Stehen 
beibraichrfien. 

Stat-mater, s, VulJkanus. 

Steröpe, (gr) Torfuter der Astydameia. S, Peleus. 

Steropes, Kykloip, s. d. 

Sthene, s. Tele^onos, 

Sthenelos, (gr) (1) Sohn des Kapaneus und der Euadne, War 
Teilneluner am Epigonenzug und am Trojanischen Krieg, 
wo er als treuer Gefährte und Wagenlenker des Diomedes 
mitkämpfte, S. Patroklos.- — (2) Sohn des Perseus und der 
Andromeda, oder Sohn des Ägytos und der Tyria. Er ver- 
trieb dien König Amphitryön von Tiryns. — Vater der 
EuryisfÖiieiis. S. Herakles. 

Stilpe, s. Lapithen. 

Stribog, (StUrm)" s. slaw. Mythologie. 

— 191 — 



Strophios, (gr) Va^ter des Pylodes (Von Anaxibia). S. Elektra - 
und Orestes. 

Strymo, s. Priamos. 

Stymphalische Raubvögel, Ist) mit ehernen Flügeln und 
und Federn, die sie wie Pfeile abzusdhießen vermodhten, 
haus'ten am gleichnamigen See in Arkadien. Sie wurden von 
Herakles (s. d.) verscheucht. S. Argonauitensage. 

Styx, (gr) isit die älteste Tochter des Okeanos und der 
Tethis. Von allen Göttern eilte sie als erste mit ihren Kindern 
Zelos (Eifer), Nike (Sieg), Kraitos (Kraft) und Bia (Gewalt), 
die sie von Pallas, dem Sohne des Titanen Krios, geboren, 
dem Zeus gegen die Titanen zu Hilfe, Dafür behielt er ihre 
Kinder bei sidh im Olymp. Sie ist die Nymphe des mäc^htigen 
Flusses S., der als ein Arm des Okeanos unter die Erde fließt 
und die Unterwelt neunmal durahströmt. 

Ist ein Streit zwischen den Göttern nur durch einen Eid- 
S'dhwur zu schlichten, so holt Iris von ihrem heiligen Wasser 
in einer goldenen Kanne, und .wehe dem, der bei diesem 
Wasser falsdh aöhwört. 

Suada, s. Peitho (Suada Aphrodite). 

Surja, (wedf) die Personifikation der Sonne. Seinen goldenen 
Wagen haben die Ribhu (analog den Zwergen der deuts±en 
oder nordischen Mythologie) verfertigt. Er schützt das Recht 
bei den Mensdhen und behütet die Frommen. 

Surtur, (nord) ein Riese, der mit seinem glühenden Schwert 
in Muspeliheim als unversöhnlicher Feind der Äsen herrsidht. 
S. Götterdämmerung. 

Suttung, s. Bruder des Baugi. 

Swanhild, Todhter Sigurds, s. Jormunrekr. 

Swantewit, (slaw.) Tagesgott, zum Untersahied des Tscher- 
riobog. S. slawische Mythologie. 

Swarok, „Die Glänzende", s. slawische Mythologie. 

Sydrat, Taufname der Toihter des Heidenkönigs von 
Montabaur. S. Ornit. 

Symäthis, eine Nymphe, durah Faunus Mutter des Akis. 

Symplegaden, s. Argonautenzuig. 

T 

Tages, (rö) Sohn eines Genius, Enkel des Jupiter, tauchte 
bei Tarqwinii in Etrurien aus einer Furche eines frisch ge- 
pflügten Ackers plötzlich empor. „Ein Knabe von Ansehen, 
ein Greis von Weisheit", lehrte er die Etrusker die Haruspizien; 
s. d. 

Talaos, (gr) ein eherner Riese auf Kreta, der als Wächter 
des Minos die Insel vor herannahenden Feinden durch Stein- 

— 192— 



wv'irjfie beschützte, einen Gelandeten so lange am seine glühende . 
Brust dm±te, bis er verbrannte. Seine vom Kopf bis zur , 
Ferse reidiende Blutader ist unten durch einen Nagel ge- ' 
schlössen. Medea lied durch Zaubergesang den Nagel heraus- 
springen, worauf T. verblutete. 

Talassio, Talassus, (rö) Ho^slizeitsgott (gr Hymenäos); ^ 

Talos, ein Künstler, der von seinem Onkel Dädalos aus 
Rivalneid ersdilagen wurde. 

Tannhäuser, s. Venusberg. 

Tantalos, (gr) König von Lydien oder Phrygien, Sohn des 
Zeus und der Pluto, Vater des Pelops und' der Niobe, Groß- 
vater des Atreus und Tyestes. Als Liebling des Zeus durfte 
er an den Göttermahlzeiten teilnehmen. Er isit der Stamm- 
vater der Tantaliden und Pelopiden. In seinem Uebermut . 
lud er einst die Götter zu einem Mahle ein und, um ihre 
Allwissenheit zu prüfen, setzte er ihnen das Fleisch seines 
eigenen Sohnes Pelops vor. Audi soll er Nektar und 
Ambrosia Vom Göttertisch gestohlen haben. Als Strafe da- 
für stürzten ihn die Götter in die Unterwelt, wo er den : 
qualvollsten Hunger und Durst zu, erleiden hat. Er steht 
bei einem Teich, während Bäume ihre fruichtbeladenen 
Aeste über ihn neigen. So oft er davon pflücken will oder 
aus dem Teich zu trinken versucht, weichen beide zurück., 
S. Pandareos, Atreus, Sisyphos und Phineus. 

Tarnkappe, s. Wodan. 

Tartaros, Sohn des Äther und der Gäa und durch diese 
Vater der Giganten. Ein tiefer Abgrund unter der Erde, 
so weit unter dem Hades, als der Himmel über der. Erde ist,.^_ 
durch eiherne Pforten geschlossen; oder die ganze Unterwelt ^ 
oder doch jener Teil, wo die Verdammten ihre Qualen' 
leiden, im Gegensatz zu den Elysischen Gefilden, dem Auf- 
enthalte der Seligen. S. Typhon, Kerberus. . ' . 

Tefnut (ä) Göttin und Gefährtin des S±u (dargestellt 
löwenköpfig mit dem Diskus auf dem Haupte). 

Teiresiat, s. Menökeus. \ 

Telamon, (gr) Sohn des Äakos und der Endeis, Bruder 
des Peieus. Er ermordete seinen Halbbruder Phokos und 
flüchtete deshalb nach Salamis zu Kychreus, der - ihn zum 
Schwiegersöhne erkor und ihm schlieijlich die Herrschaft 
daselbst hinterließ. Seine spätere Gattin, Periböa, gebar ihm 
den Aias. T. begleitete den Herakles nach Troja, wo er die 
Tochter des Laomedo, Hesione, zum Geschenk erhielt, die • 
ihm den Teukros gebar. Er nahm aiuich an der Kalydoniachen 
lagd und am Argonautenzug teil. 

Teleboch, s. Amphitryon. 

— 193— 13 



Telegonos, (gr) Sohn des Odyssous und der Kirkc. Er 
tuchte amf Qeiheiß seiner Mutter djen Vater und ward nadh 
Ithaka versdhlagen. Dort tötete er ihn, öhiie ihn zu kennen. 
Auf Geheiß der Athene ging er dann mit Telemadhos und. 
Penelope zur Kirke zurück und vermählte sich hier mit 
Penelope, die ihm den Italos gebar. S. Odysseus' Tod. 
w Telemachos, (gr) Sohn des Odysseus und der Penelope. 

Seine Gemahlin war die Kirke. Er erhielt von der Athene 
den Rat, bei Nestor in Pylos lund Menelaos in Sparta Et- 
kundigungen über den Vater einzuziehen. Am letzteren Orte 
erfuhr, er, daß d^r Vater noioh lebe. Nach Hause zurück- 
gekehrt, fand er bei dem Sauhirten Eumäos seinen von 
Athene in einen Bettler verwandeltejn Vater, der sich ihm 
.entdeckte. T. stand hierauf dem Vater bei der Tötung der 
Freier bei. S. Mentor und Latinus. 

Telephassa, Gattin des Agenor, Mutter des Kadmos; 
s. Europa. 

Telephos, (gr) Sohn des Herakles und der Auge, einer 
Priesterin der Athene. Von seiner Mutter ausgesetzt, wurde 
er von einer Hirsichkuh gesäugt und von dem König Korythos 
erzogen. Beim König Teutras von Mysien fand er später die 
Mutter und ward Schwiegersohn und Nachfolger des Königs. 
Beim Angriffe der Hellenen gegen Mysien verwundete ihn 
Achilleus. Seine Wunde könnte aber nur durdh den geheilt 
werden, der sie gesdhlagen. Er raubt Orestes, den 
kleinen Sohn des Agamemnon, und droht ihn zu töten, 
da heilt ihm Achilleuis die Wunde mit dem Rost der Lanze. 
. T. zeigt, den Griechen den Weg nach Troja, weigert sich 
aber als Oemaihl der Astyoche, der Schwester des Priamos, 
an dem Krieg selbst teilzunehmen. S. Eurypylos und 
Thersandros. 

Tellus, (it) Terra mater, Tellus mater, Erde, entsprichit ^ 
der gr Gäa. Man rief T. bei Erdbeben und bei feierlidhien 
Eiden an. Analog der gr Demeter, galt sie als Göttin der 
Ordnung, der Ehe und in Verbindung mit Ceres auch als 
Göttin der Erdfruühtbaiikeit. S. Arval. 
' Temenos, s. Arche laos. 

Tenes, (Tennes) Sohn des Kyknos, s. d. 

Tereus, (gr) König von Daulis, Gemalhl der Prokne und 
Schwager der Philomela, die er schändete, weshalb er in 
einen Wiedehopf (oder Habicht) verwandelt wurde. 

Tethis, (gr) To^cihter des Uranos und der Gäa, eine Titanide, 
Gemahlin "des Okeanos, Mutter der Okeaniden und der Strom- 
götter. (Wicht zu verwechseln mit Thetis.) S. Urania, Ab- 
syrtos, Äetes, Eurynome, Styx und Ladon. 

— 194 — 



■> , 



Teucer, s. Teiikros. 

Teukrös, (gr) Teuioer. (1) Sohn des Fliißgottes Skamandrob 
und der ^Nymphe Idäa. erster König von Troas. daher der 
T^iuikrer für Trojaner (Troer). — (2) Solin des Telamon und 
der Hesione, Halbbruder des Aias, war der beste Bogen- 
sichütze 'Unter den Griechen vor Troja. . Er erhielt später 
die Herrschaft von Cypern. 

Teutates, keltisiclier Gott, dem Menschenopfer gebracht 
wurden. Wurde mit Merkur oder Mars identifiziert. 

Thaleia, (Thalia, die Blühende) eine, der neun Musen, - 
später besonders als Muse des Lustspiels Beschützerin des 
Theaters. 

Thalia, s. Tihaleia. 

Thallö, Göttin, s. Hören. 

Thalpios, s. Molioniden. 

Thamyris, (Thamyras) Sohn des Philarhmon und der Nymphe 
Agrio.pe, selbst Sänger, vermaß eir sich, die Musen im Gesang 
zu übertreffen, und wurde von diesen des Augenliclits und 
des Gesanges beraubt. S., Orpheus. 

Thanatos, (gr) bei. den Römern Mors, Personifikation des 
Todes. Bruder des Hypnos, Sohn der Nacht. (Bemame, 
Päan.) S. Oper „Alceste". 

Thargelia, eine Hetäre, s. Aspasia. 

Thaumas, (gr) Sohn des Pontos und der Gäa, Gemahl der 
Okeanide Elektra, Vater de.r Harpyien und der Iris. 

Theia, eine Titanide, Schwester des Hyperion, dem sie den 
Helios, diie Philene und Eos gebar. S. a. Eros. 

Theiodamas, Vater des Hylas, s. d. 

Themis, (gr) eine der Titaniden, Tochter des Uranos und 
der Gäa. Zeus erhob sie zui seiner zweiten Gemahlin, weshalb 
sie das innegehabte Orakel zu Delphi dem Apollon übergab. 
Sie ist von Zeus die Mutter der Hören und Möreu (Parzen). 
Sie iist die Göttin der Ordnung. S. Prometheus u. Mat.' 

Themisto, (gr) Tochter des Lapithenkönigs Hypseus und 
dritte Gemahlin des Athamas, törfete aus Versehen ihre eigenen 
Kinder und als sie dies erkannte, sich selbst. 
- Thenenet, (äg) Göttin, Begleiterin des Gottes Month, eine 
Form dier Hathor. 

Thersandros, einer der Epigonen, Sohn des Polyneikes und 
der Argeia, zog mit gegen Theben und ward nach des Eteokles' 
und seines Vaters Tod König von Theben. Er kam im Kampf 
gegen Telephos lum. 

Thersites, (gr) der häßlichste Mann in dem vor Troja 
lagernden Heer der Griechen. Sohn des Agrios und Ver- 
wandter des Diomedes, ein boshafter Schreier, ward von 

\ —195— 13* 



Odysseius wegen Verlieumdung des Agamemnon öffemtlidi 
gezüditigt lUnd von Achilkus getöteft, weil er. dem Leichnam 
der Amazonen'königin Penthesileia die Augen ausgerissen 
hatte. 

Theseus, (gr) Sohn des Königs Ägeuis von Athen und der 
Äthra. Er ward von Cheiron erzogen. Er ersdiliug mit seines 
Vaters Schwert die Räuber: Periphetes, Sinis, Skiron,. Ker- 
kyon, Prokrustes u, a. Auf Anstiften seiner Stiefmutter sollte 
er vergiftet werden, do± sein Vater erkannte ih)n am Schwert 
und Medea mußte fliehen. T. erlegte dann den marthoniadhen 
Stier. Als einst die Gesandten des Minos nach Athen kamen, 
um den Tribut, sieben Jünglinge- und Jungfrauen, für den 
Minotaurus zu holen, ließ sich T. unter die Zahl der aus- 
erlesenen Opfer aufnehmen und es gelang ihm mit Hilfe der 
Ariadne, den Minotauros zu töten. Er zog dann mit Herakles 
gegen die Amazonen und erhielt als 'Siegespreis die Köniigin 
Antiope oder Hippolyte, die ihm den Hippolytus gebar. 
Er half dem Peirythoos die Kentauren zu vertreiben und 
stieg mit demselben in die Unterwelt, um die Persephone 
TAI entführen. Hier aber wurden beide gefesselt zurück- 
gehalten, bis sie Heralcles befreite. 

Mit der Phädra zeugte er den Demophon und Athamas. 

T. nahm auch am Argonautenzug und an der kalydonisdhen 
Jagd teil. Er fand den Tod durch Sturz von einem Felsen, 
S. Lykomedes, Lapithen. 

Thesmophorien, d. i. ein Fest zu Ehren der Denieter, 
der Göttin des Ackerbaues, der bürgerlichen Gesellsichaft 
und der rechtmäßigen Eheverbindung. Bei diesen myste- 
riösen Festen hatten Männer keinen Zutritt. 

Thespios, (gr) Vater von 50 Töchtern, die er alle dem 
Herakles überläßt und deren jede diesem in 90 Tagen 
einen Sohn gebar. 

Thespis, (gr) der Erfinder des Dramas, speziell der Tra- 
gödie. Die Ueberlieferung, daß er mit einer wandernden 
Bühne auf einem Karren herumgezogen sei, ist unriditig, 
wiewohl der Thespiskarren für wandelnde Bühnen sprich- 
wörtlich geworden ist. 

Thestios, König von Atollen. S. Tyndareos und Leda. 

Thetis, (gr) die schöne Tochter des Nereus und der Doris. 
(Nicht zu verwechseln mit der Tethis!) Sie wurde gegen ihren 
Willen Gemahlin des Peleus, bei deren Hochzeit sämtliche 
.Götter anwesend waren. Bei dieser Hochzeit hat: auch Eris 
den (Streit-)Apfe:l in den Saal geworfen, wais den Ausgangs- 
punkt zum Trojanisichen Krieg bildet. Sie ist die Mutter des 
Adhilleus. Als Peleus sie wegen des gefährlichen Mittels, 

PiL'' —196 — 



durch das sie ihren Sohn u.ns,terblicih machen wollte, tadelte, 
^tieg sie zu ihrem Vater in die Tiefen des Meeres zurüidc. 
Nur bisweilen begab sie sii::'h auf die Erde, um ihrem Sohn 
die zärtlidhiste Mutterliebe zu widmen, S. Hephäsitos. 

Theurgie, (gr) die vergeblidiie Kunst, sich durch gewisse 
Zeremonien und Handlungen mit den Göttern und Geistern 
in Verbindung zu setzen. 

Thiassa, ein Riese. S. Idufti. 

Thiesbe, s. Pyramos. 

Thironos, s. Emaithion. 

Thoas, (gr) (1) König der Skyithen, Sohn der HypsLpyle 
von Jason. Bruder des Euneos. — (2) König von Lemnos, 
wurde, als die Frauen von Lemnos alle Mämner töteten von 
seiner Tochter Hypsipyle gerettet, später aber entdeckt und 
von den Frauen ins Meer versenJct. S. Iphigenie. 

Thoasa, (gr) Tochter des Phorkys, eine Nymphe, Mutter 
des Kykiopen Polyphem, der Hesperiden, der Sirenen und 
der Skylla. 

Thok, ein Riesenweib. S. Balder. 

Thor, in der nord. Myth. Gott des Donners, dem deutschen 
Donar entsprechend, war der erste Sohn des Odin und der 
Jörd (Erde). Er hat den Donnerhammer Miölnir, den Maidht- 
gürtel Megingiard und die Eisenhandschuhe. Er war in Fehde 
mit dem Riesen gesichlecht der Joten und Thursen, auch mit 
der Jormungandr, der Riesenachlange. Er erlegte diese bei 
der Götterdämmerung, dadurch wurde er hiebei selbst 
durch einen Gifthauch getötet. 

Seine Gattin, die Erdgöttin Sif, brachite ihm aus früherer 
Ehe den schnellen Bogenschützen Uller zu und gebar ihm eine 
Tochter, Thrud (Kraft), während er von der Jotin Jarnsaxa 
zwei Söhne, Magin (Stärke) und Modi (Mut), besaß. Sein 
gewöhnlicher Wohnort war in Asgard, namens Trudwangr 
(Trudheim). Von ihm stammt der Donnerstag (Thorstag) 
S. Asgard, Edda, Thunar. 

Thoth, (ä) (Tehut) Gott (griech.: Hermes), ist ursprüng- 
lich Lunus, Mondgott, sonst der Gott der Schrift und Wissen- 
schait. Sein hieiiliges Tier ist der Ibis, er selbst wird mit dem 
Ibiskopif dargesitellt. S. Mat, Hermes, Trismegistos. 

Thrud, (Kraft) s. Thor. 

Thunar, Gott des Donners. S. Thor. 

Thursea, s. Äsen und Jöten. 

Thursen, Riesen. S. Joten, Thor und Äsen. 

Thyella, s. Harpyien. 

Thyestes, (gr) Vater des Ägisthos (von der eigenen Tochter 
Pelopia). Bruder des Atreus. S. Agamemnon. 

— 197 — 



Thyiaden, für viele weibliche Badiatitinneh. S. Dionysos. 

Thyna, s. Edda. 

Thyone, Beiname der Selene; daher Dionysos,- aiiich 
T'hyoneus genanmt. 

Thyrnheim, s. Asgard. 

Timandra, s. Evander. 

Tisamenos, Sohn des Orestes mit Hermione, der Witwe 
des ersidilaigenen Neopitolemos. 

Tisiphöne, eine der Erinnyen. 

Titanen, (gr) das dritte Göttergeschledhit, die Söhne und 
Töchter des Uranos und der Qäa: Okeanos, Köos, Kreios, 
Hyperion, Japetos und Kronos, sodann Theia, Rhea, Themis, 
Mnemosyne, Phöbe und Tethys. Als Uranos seine Söhee, die 
Heikatoncheiren (Centimanein) und Kyklopen, in den Tartaros 
greworfen, erhoben sich, von Gäa aufgereizt, die T. gegen 
den Vater, entmannten ihn und übergaben dem Kronos die 
Herrschaft, den dann Zeus im Verein mit seinen Ge- 
schwistern bekämpft. Erst . nach zehn Jahren siegte Zeus, 
indem er die Kykliopen und Hekatoncheiren aus dem Tartaros 
befreite, während ■ die T. selbst dahin geworfen wurden. 
Die Hekatoncheiren wurden ihre Wächter. 

Titania, Elfenkönigin, Gemahlin des .Oberon. 

Titaniden, s. Titanen. 
•Tithios, s. Euphemos. . 

Tithonos, (gr) Sohn des Laomedon, Vater des Meinnon, 
Bruder des Priamos und Gemalhl der Eos. Diese raubte ihn 
wegen seiner außerordentlichen Schönheit, und erbat sich von 
Zeus Unsterblichkeit für ihii. Da sie aber vergaß, zugleich 
um ewige Jugend für ihn zu bitten, so schrumpfte T. 
naich und nach zusammen, so daß er sich nicht mehr rühren 
konnte. Nur seine Stimme hörte man wispern, wie eine 
Cikade, in die er schließlich auich verwandelt wurde. 

Tiphys, Steuermann im Argonautenzug. 

Titurel, Held aus der Sage des Hl. Grals, Parzifals Urgroß- 
vater. In der deutschen Poesje wird unter&Chieden : der 
„ältere T.", Bruchstüdke einer Dichtung, von Wolfram von 
Eschenbach, welche die Geschichte von Sch.ionatulander und 
Sigune behandelt, und der „jüngere T.", die Fortsetzung von 
Wolframs Gedicht von Alb reicht von Scherfenberg. 

Tityos, (gr) ein erdgeborener Riese auf Euböa, Vater der 
Europa. 'Da er sich auf Veranlassung der Hera an der Leto 
verg"riffen hatte, ward er von Artemis und Apollon mit 
Pfeilen oder von Zeus mit dem Blitzstrahl erlegt. In der 
Unterwelt, wo er über neun Hufen Landes ausgestreckt liegt, 

— 198 — 



haqkcu zwei Geier seine immer wieder wachsende Leber, 
den Sitz der sinnlichen Begierde. 

Tlaloc, mexikanischer Regengott. ~ , 

Tlepolemos, (gr) Sohn des Herakles und der Astyodhe. 
Als Mörder seines Oheims Likymnios floh er ans Argos und 
ließ sich in Rhodus nieder, wo er die Städte Lindos, Idyllos 
und Kameiros baute. Er beteiligte sich am Trojanischen 
Kriege und wurde von Sarpedon getötet. 

Tmolos, s. Omphale und Arachne. 

Trimütri, s. Wischnu und Brahma. ^ 

Triptolemos, (gr) Sohn des Königs Keleos und der 
Metaneira, Liebling der Demeter, Verbreiter des Ackerbaues 
und der Kultur. Heros der Eleusinischen Mysterien und 
Begründer der Thesmophorien. 

Tristan und Isolde, die beiden Hauptpersonen einer ur- 
sprünglich keltisc^hen Sage, die dann in viele Sprachen über- 
ging. S. König Artus (und Oper „T. u. I."). 

Tritogenia, s. Athene. 

Triton, (gr) Sohn deis Poseidon und der Amphitrite, wohnte 
mit diesen auf dem Grunde des Meeres im goldenen Palast. 
Als seine eigentliche Hieimat galt der Tritonsee in Afrika 
besonders in der Argonautensage. (Oberkörper Mensch, sonst 
Delphin, Stierhörner und Spitzohren.) 

Tritonen, s. Medusa. 

Trivia, Beiname der Hekate. 

Trojanischer Krieg, der zwischen den Griechen und Klein- 
asiern bei Troja geführt wurde (1193 — 1184 v. Chr.). 

Paris, der zweite Sohn des Königs Priamos von Troja, war. 
einsit bei Menelaos, dem König von Sparta, zu Gaste. Hiebei 
verletzte er die Gastfreundschaft auf das gröbste, indem er 
die (ihm von Aphrodite bestimmte) Gattin des Königs ent- 
führte und nach Troja brachte. Eine diesbezüglich nadi Troja 
abgesandte Abordnung kam unverrichteter Dinge zurück und 
die Fürsten beschlossen einen Rachezug und die Vernichtung 
Trojas. In Aulis in Böotien versammelten sich die Heeresteile. 
Die nennenswertesten Führer waren: Menelaos und dessen 
Bruder Agamemnon, Odysseus, Diomedes, Achilleus, Patroklos, 
Nestor, beide Ajaxe, Philoktetes, Idomeneus etc. Oberbefehls- 
haber war Agamemnon. Eine in Aulis eingetretene Windstille, 
die zur Aufopferung der Iphigenie (s. d.) führte, verhinderte 
die baldige Abfahrt, weshalb die Trojaner Gelegenheit hatten, 
die Befestigung der Stadt zu vervollkommnen. Mit ihren 
Bundesgenossen, den Assyrem, Äthiopiern, den Makedoniern 
und Thrakern, wurde der Kampf mit der Stürmung der 
Festung begonnen, doch, jahrelang ohne nennenswerten Er- 

-199— 



folg. Als noch ira 10. Ja'hrc zwisdnan dem Oberbefehls- 
haber und Achilkus ein Zwist entstand, zog sich letzfterer 
.längere Zeit vom Kampfe zurück und die Verbündeten erlitten 
mehrere Niederlagen. Erst na± seiner Wiederkehr und nach 
dem Fall Hektors wendete si± das Kriegsglüdk, das noch 
h,auptsä±.Iich durch die Entwendung des Palladiums aus dem 
Tempel der Athene, dur±geführt durch Diomedes und 
Odysseus, gefördert wurde. . Odysseus verfiel dann auf die 
Idee, ein "sehr großes hölzernes Pferd bauen zu lassen, in 
dessen hohlem Innern si± die besten Kämpfer versteickten, 
während die Verbündeten auf ihren Schiffen zum Scheine ab- 
fuhren. Die Trojer strömten neugierig aus der Stadt. Ein 
übriggebliebener Grieche namens Sinon teilte .ihnen mit, 
die über den Riub erzürnte Athene hätte ihnen dies Pferd 
ge&±enkt. Die Bevölkerung jubelte. Nur Lakoon, ein Seher, 
warnte — allerdings vergeblich — vor dem Ungeheuer. Rasch 
ward ein. Teil der Festungsm aiuier niedergelegt, das Pferd 
in die Stadt geschoben und neben dem Tempel der Athene 
aufgestellt. Des Na±ts entstiegen die Griechen dem Pferd- 
innern, die abgesegelte Flotte kehrte zurück, ein allgemeines 
Gemetzel begann. Die Verwirrung wurde dur± den Brand 
Tro jas erhöht und die Stadt vollkommen ausgeplündert. Äneas 
mit einer kleinen Schar von Trojern gelang es zu entI<:ommen. 
Er siedelte si± in Italien an. 

Tronege, s. Hagen. 

Trophonios, (gr) Sohn des Apollon oder des Königs 
Erginos, Baumeister der Mynier, baute mit seinem Bruder 
Agamedes unter anderem ein S:hatzhaus des Hyrieus, Königs 
von Hyria in Böotien. Die beiden Brüder fügten einen Stein 
so ein, daß sie zum Schatz gelangen konnten. Der König 
legte Schlingen, in denen sich dann Agamedes verfing. Um 
nicht verraten zu werden, schnitt T. seinem Bruder den Kopf 
ab und floh in den Wald, wo er von der Erde ver&::'hlunge!n 
wurde. (S, Erginos.) Oder: Beide fanden als Lohn für ihre 
genialen Bauten durch Apollon einen frühen Tod. 

Tros, Vater des Hos, s. Ganymedes und Erichthenios. 

Tuisco, (Tuisto) eine germanische zweifache (zwitterhafte) 
Gottheit, die vermöge der zeugenden (männlichen) und der 
empfangenden (weiblichen) Kraft dais erste Wesen, Mannus, 
in sich selbst zeugte, also der erdgeborene öott. (Nach 
Tacitus.) 

Tum, (ä) Gott in mensichlioher Gestalt mit der Pschent- 
krone. Wie Ra, Sonnengott, erhellt er die untere Hemisphäre 
(also Sonne der Nacht). S, Anit. 

Turnus, Bruder der Juiturna. S. Rutule, Lavinia und Äneas. 

— 200 — 



Tutilina, (rö) Göttin dies Getrcidecinfahrens. 

Twardowski, in der polnischen Volkssage ein Edelmann 
im. 16. Jahrhundert, der, um sich übernatürlidhe Kenntnisse 
Und Genüsse zu verschaffen, sich dem Teufel versichrieb. 
(Am Berg Krzemionski.) Der Teufel holte ihn schließlich; da 
rettete er si^^h durch Anstitamung" eines geistlichen Liedes, muß 
aber bis zum jüngsten Tage zwiisi±en Erdie und Himmel in der 
Luft schweben.' (Die Faust-Sage in polnischer Version.) 

Tyche, (gr) ursprünglich Göttin des Glücks, Toichter des 
Okeanos oder des Zeus, Be9chirmeri:n und Erhalterin der 
Städte. Später verlieh sie auch Unglück, somit gleicht sie 
der Fortuna. 

Tydeus, (gr) Sohn des Öneus, flüchtete wegen eines be- 
gangenen Mordes nach Arges zu Adraistos, der ihn sühnte 
und ihm steine Tochter Deipyle zum Weib gab. Er beteiligte 
sich auiCh am Argonautenzug und zog mit Adrastos gegen 
Theben, wo ihn Melanippos tödlich verwundete. 

Tyndareos, (gr) So'hn des Öbalokos von Sparta und der 
Najade Babeia (oder Gorgophone). König von Sparta, floh, 
von seinem Halbbruder Hippokroon vertrieben, nach Atollen 
zu Thestios, dem er im Kriege gegen seine Nachbarn bei- 
stand. Er vermählte sich mit dessen Tochter Leda. Diese ~ 
gebar ihm die Klytemnästra und den Kastor, dem Zeus aber 
die Helena und den Polydeukes. Als Kastor und Polydeukes 
(die Tyndariden) unsterblich, geworden waren, rief T. seinen 
Schwiegersohn Menelaos nach Sparta, wo er ^ mittlerweile 
wieder die Herrschaft übernommen hatte, und übergab ihm 
diese, S. Asklepios. 

Tyndariden, (Tyndarides = Kastor, auch Polydeukes) sind 
daher «Nachkommen des Tyndareos. Sie haben aber auch 
die Bezeichnung T. als Söhne des Zeus. Die Begriffe T: 
und Dioskuren sind also gleicher Bedeutung. 

Typhon, (gr) (1) auch Typhoeus, Typhaori, Typhon, ein 
Ungeheuer, und z\var die Personifikation des wilden Sturmes, 
hauptsächlich des aus feuerspeienden Bergen hervorbrechenden 
Glutwindes. Typhaon und Typhoeus sind auch verachieden- 
artig. Letzterer ist der jüngste Sohn des Tartaros und der 
Gäay 'hat 100 Drachenköpfe. Zeus tötet ihn mit dem Blitz, 
weil er sich über die Götter erheben wollte. Seine Söhne 
sind, mit Ausnahme der wohltätigen: Boreas, Notos, 
Zepiliyros und die übrigen Winde. — Typhaon ist der Sohn 
des Typhoeus; er zeugte mit der Echidna den Hund Orthros, 
dann den Kerberos, die LemäisChe Hydra imd die Ghimära, — 
(2) (ä), Seth, au± Set oder Tebha, Sohn des Seb (Krorios) 
und der Nut (Rea). Er hat seinen Bruder Osiris ermordet, 

— 201 — 



dafür rädi/tie sich sodann dessen Sohn in darauffolgenden sieg- 
reichen Sdiladiiten. (Gestalt: ein faibelhaftes, eselartiges Tierj 

Tyr (tiord) Sohn Odins und der Frigg, der Gott des 
Krieges, Er bändigte den Fenrirwolf, büßte aber dabei eine 
Hand ein. Beim Weltuntergang hat er noch den Höllenjhiumd 
Garm zu veriülgen, sie töten sich aber gegenseitig. (Der 
Dienstag ist nach ihm benannt.) T. heißt bei den alten Sachsen 
Saxnoit (angelsächsisch: Saxneat, schwäbisch Zin). 

Tyro, s. Enipeus und Pelias. 

U 

Udrh, (Vergangenheit), s. Nornen. 

Ulixes, s. Odysseus. 

Uli, Uller, (nord) Sohn der Sonnejtigöttin Sif und Stiefsohn 
des Thor, der schnelle Bogenschütze, der mit seinem Bogen 
(dem Regenbogen) als Pfeile die Blitze entsendet. 

Ultor, s. Mars. 

Undinen, (Undenen, lat., die Welle) im System der Para- 
celsisten weibliche Elementargeister des Wassers, die sich mit 
Vorliebe unter den Mensichen einen Gatten suchen, weil si€ 
mit aus solcher Ehe geborenen Kindern ziUgleiich eine Seele 
erhalten sollen. 

Unholden, die, s. Druden. 

Urania, „die Himmlische", Beiname der Aphrodite, als 
Göttin der edlen Liebe, im Gegensatz zu Pandemos. Dann 
eine der neun Musen, jene der Wissenachait und Stemen- 
kouide. Von Apollon wurde sie Mutter des Hymenäos und des 
Linos. — Eine andere U. ist die Tochter des Okeanos und 
der Tetys. 

Uranos, (Himmel) (gr) der Sohn und Gemahl der Gäa, 
die von ihm die Titanen, die Kyklopen imd Hekatoncheiren 
gebar. Er schloß seine Kinder, z. B. Japetosi, Tethis, Themis, 
(die er zu seiner zweiten (jemahlin erhob), Phöbe, Mnemosyne, 
Hyperion etc., gleich nach der Geburt in den Tataros ein. 
Von Gäa gereizt, empörten sich aber seine Söhne gegen ihn 
und Kronos entmannte ihn. Aus dem zur Erde gefallenen Blut 
entsprossen die Erinnyen, die Giganten und die MelisiClien 
Nymphen. Das abgieschnittene Glied warf Kronos ins Meer. 
Aus dem sich darum ansetzenden Schaum ging Aphrodite 
(Aphrogeneia = Schaumgeborene) hervor. Kronos ward an 
U. statt Herrscher. 

Uschas (ind) Personifikation der Morgenröte (entsprechend, 
der griechischen Eos und der lateinischen Aurora. S. Eos 
und Musen. 

Ute (Uta), Mutter Kriemhilds. 

— 202 - 



Utgard (nord) das Reich der Riesca oder Jöten (daher auch 
jötunhieim), lag jenseits der von Menstchen bewohnten Erde, 
S. Midgard. 

Uti, früherer Name von Buto. Schutzgöttin von Unter- 
ägypteu. 

Utgardloki, s. Elli. 

Uter, Vater dies Königs Artus. 

Utopia, die fabelhafte Insel (Nirgendwo), das Schlaraffen- 
land der Deutschen. S. d. 

V. 

Vacuna, sabinische Göttin des Himmels. 

Vafthrudnir, ein Riese, s. Edda. 

Vali, s. Wali. 

Vallhöll, s. Walhall. 

Vanadys, s. Freya und Bludis. 

Veda, s. Weda. 

Venus, (rö) Göttin der Liebe, wird mit der griechischen 
Aphrodite identifiziert. Mutter des Äneas. Murci:a-, 
„Myrtenfreundin", Cloaicina, Libitina, Göttin der Lu'Sit> der 
Vergänglichkeit und des Todes, Obsequens, die Willfährige, 
Salada, Göttin der Buhlerinnen. — V. Fisica, Göttin der Sitadt 
Pompeji. V.Marina (Ppntia), Caelestis, s. Aphrodite. S. Victrix, 
Vulcanus, Vulgivaga, Nerio und Pandemos, sind Beinamen. 

Venusberg, (deutsche Sage) der Hömsberg bei Eisenach, -in 
dessen Innern „Frau Venuis" in üppiger Weise Hof hält und 
../ienschenv (z. B. Tahnhäuser) zu sich loic^kt, die hier ein Leben 
voll Lust uind Freude genießen. Der getreue Eckart hält am 
Eingang Wache und warnt die Nahenden vor dem Eintritt 
in den Berg. --. 

Verdandi, (Gege:n.wart) s. Nomen. 

Vertumnus, s. Pomona. 

Vesta, (rö) Tö-chter des Saturnus. S. Hestia. Göttin des 
Feuers, Herdfeuers, des Herdes. 

Vestalinnen sind Priesterinnen (Vesta), die insbesondere für 
die Einhaltung des ewigen Feuers zu sorgen hatten. 

Victoria, (Siegesglück) s. römische Mythologie und Nike. 

Victrix, ,,die Siegende", Beiname der Venus (auch Minerva), 

Vilen, Waldgeister, s. slawische Mythologie. 

Virginae, Königin von Tirol. S. Dietrich. 

Viriplaca, (rö) Göttin der Wiederherstellung gestörten ehe- 
lichen Glüdfs. 

Vjed, s. slawisiche Mythologie, 

Voluptas, s. Psyche. 

Völuspa, s. Edda. 

— 203 — 



~ Vulcanus, (rö) Qott dies Feuers und der Schmiede- und 

Sdimelzkunst: (entsprechend dem Hephästos), Gemahl der 
Frühlingsgöttin Maja und vorübergehender Gatte der Venus. 

Feuers Chutzgott wie Juturna und die sitat mater. Sein Bei- 
nam.e ist Mulciber, Erweitdher, Sichmelzer. 

Vulgivaga, lat. Beiname der Venus; s. Aphrodite und 
Pandemos. 

W. 

Wachilde, s. Wadie. 

Wade, (Wate) (altgerm). Ein Riese. Sohn dies Wilkinus und 
der Meerfrau Wadiilde, Vater von Wieland dem Schmiede, 
ein bejahrter Mann mit wallendem Bart. Er ist der Erfindeir 
des Boots und der S±iffahrt, W. hat von einem wilden Weib 
auch die Heilkunde erlernt. Zwerge, die bei einem Erdbeben 
Felsstüdce aiuf ihn warfen, töteten ihm. 

Wäfthrudnir,(nord) (nord). Ein allwissender Riese, zu dem, 
wie in einem Liede der Edda erzählt wird, einst Odin 
in der Gestalt eines Fahrenden kam, um seine Weisheit zu 
erproben. Da W. ihn nidht erkannte, ließ er sich mit ihm 
in einen Wettstreit im Rätselraten ein, im welchem von Odim 
und W. die ganze altnordische Kosmogonie in ihren Grumd- 
zügen vorgeführt wird. Beide erkennen sich ebenbürtig. Als 
aber Odin fragt, was er (Odin) seinem Sohn Balder auf dem 
Scheiterhaufen ins Ohr geflüstert hat, da erkennt W, den Gott 
und erklärt sich für besiegt. 

Wal, die Gesamtheit der von den WalJcüren für Walhalla 
erwählten, d. h. am Schlachtfelde gefallenen Helden, dann 
auch der Kampfplatz selbst (Walstatt). 

Walas, s. Asgard. 

Walaskialf, s. Asgard. 

Waldschratt, s. Schratt. 

Walhalla, (Valhöll) (nord) Halle der Ersichlagenen, der 
Aufenthaltsort für die in der Schlacht Gefallenen, eine 
glänzende Halle in Gladsheim (s. Asgard), umgeben von dem 
lieblichen Hain Glasur. — Die Einheriier (gefallenen Helden) 
betrieben täglich zum Zeitvertreib wilde Kämp'^e. Sie speiBten 
vom Speick des Ebers Sährimnir und labten sich an Bier und 
Met, die den Eutern der Ziege Heidrun entflossen. Die Wal- 
küren reichten ihnen unte,r Freyas Waltuing die Trinkhörner. 

Wali, (Ali) (nord) ein Ase, Sohn des Odin und der Rinda, 
ein kühner Krieger und ebienso ausgezeichneter Schütze, rächt 
den Tod seines Halbbruders Balder. Gehört zu den Göttern, 
welche den Weltuntergang überleben und unter denen ein 
Reich des Friedens entsteht. S. Werwolf. 

— 204 — 



Wal-Kiesen, s. Walküren. 

Walküren, (Wälikyr&n) (nord) Schlachtjungfraiuien, Sididld- 
und Wunsii^hinäddhen, teilweise auch Schicksals^öttinaien, 
reizende Jungfrauen, die goldgeschmücikt durch die Lüfte 
leiten, nach Odins Beföhlen die SiChlachte^n leiten und den 
,,Wal" kiesen, d. h. das Todeslos verteilen. Sie geleiten die 
gefallenen Helden nach Walhalla, wo sie ihmen den Becher 
kredenzen. Teils stammen sie — gleic!h den Nornem — von 
Alfen und anderen übermeinsii^hlichen W'cse'n, teils werden 
Fürstentöic^hter noch bei Lebzeiten unter die W. aufgeinommen. 
Sie können si:'h in Schwäne verwandeln. S. Sichwanjungfraiuen. 
,,Brun'hilde" ist eine W. (Brünhildr). S. Germania und Idisem. 

Walpurgis, „Bergerin der Qefallenen", eine Heilige. Da 
der Tag der Heiligspre±ung gerade awf das bei den Heiden 
gepflogene Fest der mit Tänzen verbundenen Frü'hlingsfeier 
Ziel, so erlangte mit Ueberhandne'hraen des Hexenglaub eins 
die Walpurgisna±t (Nacht zum L Mai) eine berüchtigte Be- 
deutung, indem man in derselbem die Hexen mit ihrem Meister, 
dem Teufel, auf dem Blo3ksberg zusammenkommen ließ. 

Walriderske, s. Hexe. 

Wanda, nach der Sage die Tochter des Krakauer Königs 
Kroks (Krokus). Als der Fürst Ryidger, dem sie ihrem Ge- 
lübde ständiger Keuschheit gemäß die Hand verweigert hatte, 
Polen mit Krieg überzog (ca. 700 n. Chr.), besiegte sie den- 
selben zwar, stürzte siih aber, lun Polen vor weiteren Kriegen 
zu schützen, in die Weiidhsel. 

Wanen, ein Göttergeschlecht, mit denen die Äsen gekämpft, 
sicTi dann verglichen und Geisel ausgetauscht hatten. Die- 
Wanengötter: Njord, Freyr und Freyja, kamen zu den Äsen, 
Hönir zu den W. (Schiedsrichter zwischen W. und Äsen: 
Quasir.) 

Waruna, (ind) einer der höchsten Götter der wedischen 
Zeit, in der indo-iranischein Periode, der weitestverehrte Goitt. 
Er ist als der „Umhüller" und als Personifikation des all- 
umfassenden Himmels der oberste der sieben Aditja. 

Waruni, Weingöttin, s. Wischnu. 

Wassermann, Wodjanik, s. Wodjanoj und Nix (Wodan). 

Wate, ein Riese, s. Wade und Gudrun. 

We, s. nordische Mythologie und Loke. 

Wechselbalg, stammt nach noTdeuropäischem Volksglauiben 
von unterirdischen Zwergen oder Nixen oder von Hexen 
und dem Teufel ab. Sie sind mißgestaltet, namentlich von 
großem Kopf und Kropf, mehr grunzend und sah reiend, un- 
ersättlich. 

— 205 — 



Weda, (ind) Wissenschaft; Literatur und älteste Quelle 
der Ritualvors'C'hriften und do^matisdhen Anschauungen. Zum 
Teil Liedersichatz, den die Inder in über 1000 Hymnein oder 
über 10.000 Versen aus den ältesten Zeiten — 1500 Jähre 
vor Christi Geburt — sammelten. — Mantra (Gottesdienst), 
Bra'hmana (Theologie), Sätra oder Rik, Säman, Jadschus, 
Atharwan. — S. Soma und Mitru. 

Weiße Frau, ein Gespenst, das nacii versohiedenen Volks- 
sagen in diversen Schlöissern, z. B. in Deutschland, in Neu- 
haus in Böhmen, Ansbaich, Bayreutsh etc. bei Naciit, mitunter 
aber auch zu. Mittag erschien, um den Tod eines Mitgliedes 
des Hauses anzuzeigen. Sie ist die Abnmutter des Ge- 
schlechtes und efsicheint immer im weißen, Kleide, das Unter- 
geslcht verbunden, mit einem wehenden Schleier und einem 
Sclilüsselbund. Trägt sie schwarze Handschuhe, so zeigt sie 
einen bevorste'hendein Tod im Hause an. S, Feen. 

Werwolf, (Wärwolf) ,,Mainnwolf", ein Mann, der, nach der 
Sage, Wolfsgestalt annimmt, . ; 

Wesna, s. slawischie Mythologie. 

Wichtlein, s. Berchta. 

Widar, (nord) „der Schweigsame", ein Ase, Sohn Odins 
und der Riesin Drid, nach Thor der mächtigste der Götter, 
Er tritt mit dem Schwert und großen Eisenschuhen auf. 
Nach Ausspruch der Nomen wird er beim Weltuntergang 
der Rächer seines Vaters, indem er den Fenrirwolf tötet. 
Er überlebt, wie Wali, den Weltuntergaiig. 

Wilder Mann, s. Schrat (Waldschratt). 

Will, sf nordische Mythologie und Hönir oder Hömir, 

Wilkinus, s. Wade. 

Wingolf, s, nordischie Mythologie. 

Wischnu, (ind) Vishnu, der zvi^eite Gott der „Trimutri", 
d, s. Brahma, W. und Siwa, Sonnengott, der die gainze Welt 
in drei Schritten durchmessen kann. Seine Gemahlin heißt 
Lakschimi, Er kann in seinen ,,Herabsteiguflgen (Irtkarnartion) 
zur Erde'/ verschiedene Formen annehmen: 

Als Fisch rettet W. den Manu und belehrt ihn über das 
höchste Wesen, die Entstehaing der Welt etc. Als Sehildkröte 
sichert er der Menschheit einige der in der Flut verloirenen 
Güter, Hiebei ;kommt die Kuh des Ueberflusses, die Wein- 
göttin Waruni und schließlidh das Lebenselixir an die Wasser-' 
Oberfläche, Als Eber gräbt er die ins Urmeer versiunkene 
Erde hera'uf. Als Mann-Löwe erschlägt er einen Dämon, 
Als Zwerg überlistet er den König Bali, den Beherrscher der 
Dämonen. Als ?Paracu-Rama rottet W. das ganze Geschlecht 

— 206 — 



der Kscha-trijas aus. Als Rama ist W. der Held des Epos 
Ramayana. ■ Als KriS'ChnahVerköfpeming: greift er in den giroßen 
Kampf der Kurus und Pandus ein. Krischna ist der Lid)ling- 
der Hirten lund Hirtenmädchen. Sein Liebesidyll mit der 
Hirtin Radha bildet den Inhalt eines lyrisdiien Dramas 
„Oi^atowinda". Die erst in der Zukunft stattfiindemde Kalkin 
Inkarnation soll , dien Untergäsog der völlig degenerierten 
Welt lundi den Anfang einer inieuen Mens.chheit herbeiführen. — 
S. Kama lund Aijiuikal. 

Wodan (deutsch) (Wuiotan, Gwodan), der Sturm- und Oe- 
vvittergott der alten Deutschien, dem nordischen Odin ent- 
sprechend, respektive dem Hermes (Merkur). Seine Gattin ist 
die Berchta. In Mecklenburg tritt er unter dem Namen 
Wodie als Sturm-, Wetter- und Erntegott auf. In süddeutschen 
Sagen erscheint er mit dem „bergenden" Schlapphut oder 
Mantel, ^ursprü^glich der hüllenden Wollce (Tarnkappe). 

Wode, 'S. Wodan (Wodjanoj, russisch), der Wassermann, 
als Gespenst im russischen Volksglauben. , 

Writra (thi), ein Dämon, s. Indra. 

Wuotan, s. Wodan lund Odin. 

Wyschehrads Gründung führt man einer böhmischen Sage 
zufolge, auf Krok zurück, der sich in Budetsich ansiedelte, 
aber durch Eingebung der Götter erfaliren hatte, daß 
Budetscli nicht lange bestehen werde. Die ausgesandten 
Boten faßten auf einer steinernen Insel der Moldau Fuß, 
wo sie im bläiulichen Halbdtmkel einen hohen Felsen empor- 
ragen sahen, der sich im leisen Fließen der Moldau ver- 
kärte. Sie bestiegen den Felsen und oben angelangt, riefen 
sie wie aus einem Munde : „Das ist der erwählte Ort der 
Fürstensiedlung." — Daraufhin ward eine mächtige Burg 
auf der Höhe erstanden, die sie Vyschehrad nannten und allen 
Tscliechen fürderhin zum Andenben und zur Feier gereichte. 
Hier erteilte Krok Gesetze. Auch Libusche waltete hier und 
Przemysl wurde hieher als Fürst bestellt. Im Vollbewußtsein 
ihrer Bestimmung als Inhaberin der Burg, verkündete sie 
hier die prophetischen Worte, vom künftigen Heil und der 
künftigen Größe Prags aus: „Ich sehe oh der Moldau eine 
große, golden^ Stadt erstehen, die bis zu den Sternen 
ragen wird." 

X 

• Xanthos, Skamander, s. Zephyros, Peleus u. Achilleus. 

Xüthos (gr), Sohn des Hellen, ging, von seinen Brüdern 

Äolos (s. d.) und Doras aus Thessalien vertrieben, nach 

— 207 — 



Athen und vermählte sich dort mit des Königs Erechiüheus 
Tochter Kreusa, die ihm den Achäos und Jon ffebar. 

Y _ " . - 

Ygdrasill Cnofdj. die riesenhafte Esche (.Weltesdie), .unter 
deren Bild man sich das ganze Weltgebäude vorstellte. 
Sie hatte drei Wurzeln, eine zu den Menschein, eine zu den 
Riesen (Hrimthufsen) und die dritte zu Niflheim (Unter- 
welt); s. nord. My. 

Ymir (nord), der ürriese, aus welchem die Wielt ge- 
schaffen wurde; s. nord. My. und Bure. 



Zagreus, der unterirdische Dionysos, den Zeus in Schlan- 
gen- und Drachengestalt mit der Persephone zeugte. Die 
eifersüchtige Hera ließ ihn durch die Titanen zerstückeln, 
aber das Herz blieb iunversehrt. Dieses brachte Athene 
dem Zeus, der es verzehrte und einen zweiten Z. zeugte. 

Zauberknoten, unter bestimmten Zeremonien geknüpfte 
Knoten, um jemand in . Liebe zu fesseln. 

Zauberspie^el (Weltspiegel), nach einem alten, aus dem 
Orient stammendien und weit verbreiteten Aberglauben ein 
Spiegel, in welchem man sieht, was in der ganzen Welt 
vorgeht (auch das Vergangene und Zukünftige). Solche 
Spiegel waren derjenige der japanischen Sömnengöttin Ama- 
terasu, der Zauberbecher des persischen Sonnenheros Dschem- 
schid und der Spiegel des Dionysos. 
• Zelos (Eifer), s. Styx. 

Zephyros, „Der Westwind", rö. : Favonius (Schutzgott der 
Blumen und Erdfrüchte), Sohn des Äolos oder des Asträos 
und der Eos. Er entführte seine Geliebte Chloris und gab 
ihr die Herrschaft über das Blumenreich. Sie gebar ihm den 
Karpos, den Zeus zum Vorsteher aller Früchte einsetzt. 
Von der Harpyie, Podarge, war er der Vater der schnellen 
Rosse des Achilleus (Xanthos und Balios) und von einer 
anderen des Arion. Er bewarb sich vergebens um die 
Liebe des Hyakinthos (des Geliebten Apollons) und tötete 
ihn deshalb. 

Zetes, s. Boreaden und Phineus, Teilnehmer am Argo- 
naiutenzug. ' 

Zethos, (gr), Sohn des Zeus und der Antiope (Gemahlin 
des Aeton), Zwillingsbruder des Amphion; b'eide töteten 
den Lykos. S. Epopeus und Dioskuren. 

Zeus (gr), der oberste Gott, „der Lichte" (weiße Rosse 
for seinem Wagen) (rö.: Jupiter), Söhn des Krpnos Uind 

— 208— 



der Rhea. Bruder der Hestia, Demeter, Hera, des Poseidon 
und des Plu-ton, Er ist der Vater aller Qöttier und der 
Heroen, dde iilirem Wesen na;ch dem hellen Himmel und seinier 
Erscheinungen angehören: Athene, Hephästos, Apollon, der 
Artemis, der Dios'kuiren, des Perseus, des Herakles u. a. 
Er ist der erste Gipfelpunkt der älteren Weltentwickluing, 
die mit abstrakten physischen Anfängen beginnt (Okeanos, 
öhlhon lund Chaos), und zu immer konkreteren Entwidclrnigen 
fortschreitet, bis zuletzt der Kronide Z. das Weltenszepter 
ergreift und mit siegreiaher Hand die ihm feindlichen- Mächte 
niederwirft. Er ist aiuöh Witterungs- und Regengott (Jupiter 
Pluviuis) der Aufheiternde, Lichtbringende (Serenator und 
Luoetius), Ernährer der Herden und der Bäume und Gott 
des Haussegens. Donner und Blitz unterstehen ihm als 
zürnendem Gott und weltbeherrschender Kraft. (Jupiiter- 
Elitius, Fulgurator, Tonans, Fulminater). Er ist das hödisite 
Prinzip der Ordnung und des Re±[t3. Er ist auf der losel 
Kreta geboren, Rhea wird aus Furcht vor den Nachstellungen 
des Kronos in der Nadhi: von ihreir Mutter Gäa nach Kreta 
geführt. Ihr neugeborenes Kind wird in einer Höhle ver- 
steickt. Die Nymphen Ida und Adrastäa nährten ihn mit der 
Mildh der Ziege 'Amaltheia, Bienen trugen ihm Honiig und 
Tauben Ambrosia zu. 

Durcth den Kampf mit den Titanen erzwingt er sich die 
Weltherrschaft. S. Hera und Tethis. Der Kampf mit den 
Titanen, dem Typhon oder Typhoeus, sowie' das Wider- 
streben des Prometheus fallen in die Periode der schon 
befestigten olympischen Z.-Herrsichaft. 

Seine erste Gemahlin soll die Metis, die personifüzilerte 
Weisheit gewesen sein. 

Dann folgen die Ehen: Themis, Eurynome, die immer 
milde Gemahlin Leto, Demetter, Mnemosyne und zuletzt 
erst dde Hera. In besonderer Verbindung erscheint Athene 
zu Zeus; sie ist die aus seinem Haupt Geborene, 
gleichsam die hypostasierte, von ihm ausgeschiedene Metis 
so wie Apollon, dtes Zeus liebster Sohn, der Mund ist. 
Ares, Hephästos, Artemis, Aphrodite und Hermes sind Kinder 
des Z. Ihnen sichließen sich in entfernter Stellung gleich- 
sam als dienende, die Hauptgottheiten begleitende Genien 
an, so Themis, die Hören, die Musen, Chariten und Mö.ren usw. 

Namen einiger Geliebten des Zeus: Jo (vermittelt von 
der lynx, To-ihter des Pan), Europa, Danae, Antiope, Ägina, 
Alkmene, Galanthis, Semele, lynx, Kallisto, Mala etc. 

Namen einiger seiner Söhne: Von der Persephone: Sa- 
baziOs, von der Laodaimeise: Sarpedon, von der Europa: 

— 209— ;■ 14 



^arpedon (zweite Möglichikeit)-, dann den Rhadamanthys, den 
Minos, Kadmos, von der Thalia die Paliken. von der Kallistp 
den Pan, Ai^kas, von der, Dia den Peirinthoos, von der 
Danae den Perseus, von der Themis die Parzen iMid die 
Dike, von der Memnosyne die Musen, durcli Ameisen den 
Myrmidon, von der Hera den Hephäsitos, Ares (Mars), von 
der Alkmene den Herakles, von der Mala den Hermes, von 
dier Elektra den Dardanos, von der Ägina den Äokos, von 
der Lato den ApoUon, von der Antiope die ZwillingTsbirüder 
Amphion und Zethos, dann von der Leda die Helena, mit 
deir Demeter die Persepihione, von der Hera die Hebe, mit 
der- Eris die Ate, mit der Leto die Artemis (Diana), mit 
der Euryneme die Britomartis, Aglaia, Thalia, Euphro- 
syne etc., etc. 

Einige Beinamen: Soter, Hyetios, Panhellenios, Bron- 
täos, Phyxios (Prixos), Lykäos. 

Zeuxippe (gr), s. Prokne. 

'Ziu (deutsch), identisch mit dem nordgerraanisdien Tyr, 
5. d. EntspricM auch dem Ares. 

Zwergvolk, s. Pygmäen und Wi&chnu. 

Zwölf Nachte, „Die Zwölften". Zur Zeit der Winter- 
sonnenwende hieliten Wodan und Frigg, als Qötter des 
Neuen Jahires jhren Umzug. Diese Zeit ist gespenster- 
ha'^ und heilig. 



21Ö- 



INDEX FÜR KREUZWORT= 
RÄTSELLÖSER. 



Abgeschiedene Seelen: Leniu- 
ren, Manes. 

Aidkerbaiu: Athene, Ceres, -De- 
meter, Dea = Dia. 

Adter: Ganymedes. 

Affen: Ramayana. 
' Afrika : Afer. 

Akademie : Akademos. 

Allbe,gabit: Pandiora. 

Allheilend: Panaoee. 

Allsehend: Argos. 

Allwissend: Wafffcriudnir. 

Alter: Erato. 

Ameisen: Myrraidionen. 

Amme: Akeste, Hyaden, Ab.ia, 
Ell.i. 

Aneinandergewachisen: Bury- 

_ tO'S. 

Anfang: Jamus, 

Angistbotin: Angurboda (Loke), 

Anmut: 'Hermes, Grazien (Cha- 
riten). 

"Ansiedliung: Agni. 

Anteil: . Bhaga, Anna. 

\pfej: Diskordia, Hera, Athe- 
ne, Aphrodiite, Paris, Helena, 
: I'dun, Eris. 

Armversichiränkiung : Galinthias. 

Arzt (himmlisidier) : Acvin. 

Äther: Athene, Peri, Ares 
(Mars). 

Äitna: Andoras, Andranos, Akis. 

Auftauchende: Anadyomene. 

Auge (Augen) : Arimaspen, Ky- 
iklopen, Oxylos, Argos. 

Auss-chweifende Lustbarkeit: 
Ba'ochanalrcn. 



Babylonischer Herakles: Izan- 

bar. 
Bach: Diana. 
Bad: Diana. 
Barbarisiche Go/ttheit: Ad- 

salluta. 
Bärin, s. Arkas. 
Bartanflog: Fortuna. 
Bäume : Aphiroidite. 
Baumeister: Ptah, Trophonios, 

Agadamedes. 
Behaart: Papposilenos. 
Berater: Mentor, Cheiron. 
Berauschender Saft: Soma. 
Beredsamkeit: . Bhragi u. Suada 

u. Peitho. 
Berge : Faunus, Lapithen. 
Bergriesen: Aloiden, Otos,, 

Ephialites. 
Besonnenheit, s. Verstand. 
Bettrug u. List: Nal u. Loke. 
Bienen : Aristäos, Mala, Silenos 
Bier: Gambrinus. 
Billigikeit: Äquiras (s. Justitia). 
Binde (vor den Augen): Eros. 
Bitten: Litä. 
Blind: Höder, Phineus. 
Blühendes Leben: Sabazios. 
Blutgierig: Diskordia; 
Bodk: Memdes. 
Boidk der Böcke: Osiris. 
Bogenschütze: Sifi, Teukros, 

Uller. 
Böse: Dirke, Typnon. 
Bote (Botin): Hermes, Her- 

nioder, Iris, Gna, Agni. 
Brand der Erde: Phäton. 
Bremse : Jo. 
Britannische Gottheit: Arciaco. 



iia- 



Brustlios: Amazonen. Eri'thindsü.ng : Besä, Hera, Ga-r 
Büchse: Pandora. lin^tliias. 

Buhlerinnen: Venus. EntetehfUingiAphrodiieC Venus), 
Borgen: Agni. Aschera (Astera). 

Biüisenfreuind: Arjaman. Epilepsie: Alxida. 

Erbleichen: Pavor (Pallor). 

Cypreisse: Asidhera.Kypairissos. Erde: Gäa, Erechtheus, Dea- 

Dia, Telius, Mania, Quieb, 
Delphin, s. Amphitrite. N'erthus, Ares, Jördh, Prithiof, 

Didüiciuinst: Bhragi, Erinna, s. Djans, Aphfrodite, Pande- 

Kalliope. mos. 

Dieb: Kerkopen, Laverna, Erdiers±iüitte;riUing : Ennosich- 

Pandareos. -thon. 

Dirnen: Aphroditte, Erdigieisiter: Gnomen, Zwerge. 

Etonner: Zeus, Athene, Donar, Erfindung: Minerva, Hermes^ 

Thor, Perikuinos. Ergöitzende: Euiterpe. 

Donnerhammer: Miölpir. Ersities Weib: Embla. 

Doppelnaturige Wesen: Eubu- Erzeujgumg: Liber. 

Jos. Erzieher: Cheiron, Memtoir. 

Drachien: Argos, Kefcrops, Py- Esidhie: Ygdrasül. 

ithon. Eselstreiber: Epona. 
Dreigestaltig : Hekate. . 

Dreikö pf ige r Riese, s.Chirysaor, Fabdhafitie Insel: Ulopia. 

Bchidina. Fackelträger: DadiiLchos. 

Dreikörper: Gairgyon. Fadenknäuel : Ariadne. 

DreiMenschenalter: Sarpedon. Fährmann: Agni, Charon. 

Dreizack: Zeus. Fausstkämpler: Euithymos. 

Dünger: Pious, Pilumnus. Feigenbaum: Rumina. 

Dunkel: Furina. Feld: Artemis, Ops. 

Felsen: Andiromeda, Phlegyas. 

lEber: Ares. (S. Alkesis.) Fernhinwirkende: Hekate. 

Ehe: Hera, Nerio, Polet (Lada), Ferse : Achiilleus. 

Viriplaca. Festsicherz: Komos. 

Eid: Dius iidius, Telius, Peuchite: Hyaden, Poseidou. 

Helios. Feuer: Chimäre, Hephästos, 
Eifer: -Zelos, s. Styx. Loke, Promeitheus, Vulkanüs, 

EifersMchit: Hera. . Njörd, Medea, Agni, Äolos. 

Eiland der Seligen, s. Achilleus. Finsiternis: Agni, Höder. 

Einbalsamierung: Anubis. Fischer: Britomartis. 

Einsicht: Palamedes. Flieger: Iikarios. 

Eintracht: Harmonia, s. Aphro- Flöte: Euiterpe, Marsyas. ■ 

dite u. Hera, Cpncordia. Flügel: Ikarios. 

Eis: Jöten. Flügelroß: Pegasos. 

Eisenspitze: Atys. Flur: FratiesOirvates, s. Arval,' 
Eisvogel : ^ Balkyone. Faunus. 

— 214— • ■ ' 



, FlußgöMcr . (z. B. Kebnen) : 
; / Acheloos;. Daniuviits, Per- 
messos, Asiterion, Asopos etc. 
lUiiid 5000 andere. 
; Flüsse: Artemis, Acheron, 
Achemsia, Styx, Pyriphlege- 
. V ffon, Kolkylos, Enipeus etc. 
.Freie Mädchen :- Hetären. 
Fneigebigikeit: Libiidna. 
Freude: Besä. 
Freunde : Oesites. 
, Freimdinnen: Hetären. 
/F^rieden: Athene, Eirene (Ire- 
ne), Hören, Nerthus. 
Fromm: Siirja. 
FroDcht: Deimos, Asche ra, 

Pomöna. 
Fmchtbarfceit: Agathadämon, 
Anaitis, Artemis, Bona Dea, 
Kybele, Lakschmi, Mylitta, 
Nehalem, Ops. 
." rühldng : Anna Parenna, HOipen 

(Thallo). 
Frühsonne: Eos, Aurora, Ma- 

tuta, Mardiuk. 
Fiuhrlexite : Epona. 
Fwnloen: Caculus. 
. Furchjt: Deimos, Deima, Aphro- 
dite, Pavor. 
r.Fiü'rien: Erinnyen. 

Galigenmännlein : Alraune. 

Gallische Gottheiten, zum Bei- 
spiel Acima. 

Gärten : Pomona. 

Gebete : Mantra. 

Geburt: Eileithyia, Artemis, 
Fortuna, Galinthias, Lu/dna. 

Gefräßigkeit : Adephageia. 

Gegenliebe: Anteros, Did 
(Lada). 

Gegenwant: Vcrdandis, siehe 
•Norncn. 

Geheimlehrc: Dacira, G*nd- 
Mrwa. 



Geiat; PoJates, s. Euthymos. 
Geisterbeschwörung : Epagoge 
Geistesstöru'ng: Äsparas. 
Geistiges Leben: Athene. 
Gelage : Komos. 
Genesung: Salus. 
Gerechtigkeit: Farsetti, For- 

setti (Bald), Justitia, MVlait, 

Dike. 
Gerste: Iris. 
Gesang: Amphion, Besä, Mus- 

agetes (Apollon), Orpheus. 
Geschichte: Kleio. 
öeschnitztes Bild: Dädalos. 
Gesetzlichkeit: Hören, Minos. 
Gespenst: Empusa, Mormo. 
Gesundheit: Hygieia, Äskulap. 
Gewalt: Bia, s. Styx. 
Gewand: Harmonia, s. Alk- 
. mäon.. 

Gewandtheit: Hermes. 
Gewässer: Manitur. 
Gewebe: Aradhne, Ergane. 
Gewerbetreibende: Minerva. 
Gewitter: Baba (Hexe), Ares, 

Zeus, Donar, Hei, Thor etc. 
Glanz: Auge, Berdhta, Agle 

(Aigle), Swarok. 
Gleichmaß: Nemesis. 
Glüdk: Fortuna, Gad, Potrim- 

pos, Tyche. 
Glühendes Schwert: Surtuir. 
Gold: Arimaspen. 
Gbldäpfel: Hesperiden, Laden, 

Peleus. 
Goldene Schüssel: Andwara- 

naut. 
Goldenes Vließ: Ares, Äetes, 

Jason, Medea. 
Goldene Zähne: Heimdali. 
Goldener Palast: Triton. 
Goldihaar: AmphLtryon, Ptc- 

relaois, Komätho, Holda, 

Sifi, Nisos,' Skylla. 



— 215 



GöttersMz: Olymp, Aagrard 
Götterspeise iimdi -Trank : 

Nektar iirnd' Ambrosia. 
Göttertriadie: s. Aegyptische 

Mythologie. 
Gralritter: Amfortas. 
Granatapfel*. Ascliera. 
Gras' wachsen hören: Heim- 

idall. 
Greis: Momos, Tages, Nestor. 
Grenzen: Silvamus, 
Große Mutter: Kybele, 
Großer Geist: Manituir. 
Großmoitter (des Teufels): 

Baba. 
Grube: Archelaos. 
Günstlinge du Götter: Phäaken. 
Gutmann: Evandier. 

Habicht: Tereus. 
Hafen: Palämon, Porphyrion. 
Halsband: Harmonia. 
Handarbeit: Bercbta. 
Handel: Mercu-rius, Hermes. 
Harfner: Lais. 
Harpyien: Aello. 
Häßlich: Thersites. 
Haubenlerche: Hippodameia. 
Hausgeister: Kobold. 
Heilend: Päan, Salus, Cheiron 

(Chiron), Akesto, Agamede, 

Medea, Asklepios, Äskulap, 

Bona Dea. 
Heirat: Ingantinus. 
Heiterglänzend: Hilaeira, siehe 

Leukippiden. 
Hekatoncheiren: z. B, Ägäon. 
Heliotrop, s. Klj^e, 
Hellenischer Stammvater: Ja- 

petos. 
Helm: Autolykos. ^ 

Helmriementod: s. Adhilleus. 
Hengst: Arion. 
Hcrbsit: Hören. 
Herd: Vesta, Hestia. 



Herden: Rumiiia, SilvanuS; 
Dap'hnis, Faiustiilus, Hermes. ^ 

Herold: Hermes. 

Hetären: Aphrodite. 

Hexe: Baba. 

Hexenort: Blocksberg. 

Himmel: Jupiter (Zeus), Aph- 
rodite, Urania, Dione, Djans,: 
Seb, Nut, Freyja, Amp'hion, 
Zethos, Eurynome (Vehus- 
cae festes), Hathor. 

Himmelsgewölbe: Atlas, Nut, •• 

Himmelsring: Andrawanaut. 

Hingebend: Pandemos. 

Hirschkuh: Artemis. 

Hirteu: Arethusa, Apollon, 
Aristäos, Arkaden. 

Hirtenflöte: Syrinx, 

Hochzeit: Apollon, .Artemis, 
Hera, Hymen. 

Hoffnung: Ossa, Elpis. 

Holde: Faünus. 

Hüfte : Semele. 

Hund: Mära, s. Ikarios, Ker- 
beros, Anubis. 

Hundert Augen: siehe Augen 

Hundertarmig: Gyges um 
Kottos, die Brüder des Ägäon> 
Pandareos. 

Huudertköpfig: Ägäqn. 

Hündin: Hekabe. 

Hunger: Erysichthon, Fames. 

Hungersnot: Diskordia. , 

Jagd: Meleagros, Adonis, 
Orion, Kallista, Artemis, Airi- 
stäos, Britomartis. 

Jahr: Janus, Ammon, Hören. 

Jugend : Apollon, Gany niedes , 
Hebe, s. Bragi. 

Jungfrau: Fortuna, Idisen. 

Kampf: Diskordia, Iiidra. 
Karthago: Dido. 
Katzenköplig': Baet. 



— 216- 



Kaufteu.te: Mercurius. (Her- Lidiit: Athene, Apollon, Acvin, 

mcs). Helios, Osttara, Horos, 

Kelitis'dic Gottheiten: Addus, Mithra, 

Adiganaal. deal etc. Liebe: Aphrodite, Aschera 
Keuschheit: Wanda, • (Astarte), Eros, (Amor), 
Kinder: Carna, Artemis, Le- Kama, Cupidö, Lada, Leit, 

vana, Adeona. Laksdhmi, Venus. 

Kimdiersdiireßk: Mormo. Liebespaar: Hero u. Leandier.- 

Kithära: Apollon. i^iebessage: Kyidippe. 

Klumpen: Golem. Lieblich: Erato. 

Knabe (von. Ansehen): Tages. List: Loke, Nal, Pandora. 

Knodhen (dier Kinder): Ossi- London: Ivar, s. Aslang. 

paga. Lorbeerbaum: Daphne. 

Komet: Orion. Lotosesser: Lotophagen. 

Kosmoigonischie Kraft: Hera- Löwe: s. Alkesis. 

kies, Onuris. Luftgeister : Asparas. 

Kraft: Kratos, s. Styx. Thirud, Lüge: LO'dce, Pando'ra. 

Herakles, Hu. Liist: Venus, Sdhuh, Hera. 

Kräuter: Glauikos. Lust am S::lhadeii: Ate. 

Krieg: Ares, Mars, Astarte, Lustknaben: Aphrodite. 

Bellona, Tyr, Ma, Mene, Lyra: Hermes, Euterpe. 

Enyo. 

Krokodilkopf: Sebak. Mägdekrieg: Amazonen. 

Krüppel: Besä. Magischer Bannspruch : Epa- 
Kuh: Jo. goge. 

Kunst: Minerva, Musen, He- Mandelbaum: Phyllis. 

phästos. Besä. Manenhüterin: Mania. 

Künstler: Dädalos. Männermorden: Androktasiai. 

Männlidhe Jugend: Juventas, 
Labyrinth: Ariadme, Theseus, Apollon. 

Minotaums. Männlicher Naturtrieb: Mars. 

Land: Kybele. Männliiihlkeit: Fortuna. 

Ländlicher Schutzgeist: Picus. Marmathonischer Stier: Andro- 
Larengroßmutter: Mania, geos. 

Aoca Larentia. Maulbeerbaum: s. Pyramos. 

Lärm: Bromios. Maultier: Oxylos. 

Läuler: Aiax. Medusa: s. Gorgooen. 

Laufver&uidhe : Adeona. Meer: Aphrodite, Pontia, (Ve- 
Laute: Hermes, Kyllene. nus-marina), Amphitrite, Eu- 

_ Leber: Prometheus. phemos. Glaukos, Phorkys, 

Lehrer: Cheiron, Mentor. s. Gorgonen, Ä(Ö)gir, Ran, 

Leidhe: Libitina. Galathea, Leukothea, Pontos,- 

L-c-rna-Sumpf: Hydra. Proteus, Palämon etc. 

Leui^itend: Helios, Phäton, Meeresstrudel: Skylla. 

Bendis. Menschenseele: Ei-os (Psyche). 

— 217^ 



Men&dhßnlresser: Läsifcrygonen, Opferformeln : Mantra. 

Polypihemos. Ordnung; Hören, Themis. 
Menstruation: Dea mena. Orgien: Kotys. ,: . 
Meteorstein: s. Batylus. Ostemiond (östem) : Ostara. 
Miidhstraße : Hera, s. Hera- 
kles. Phäiton, Iringsweg. Pappel: Eridanos, Heliaden. 
Minne: Avenftiure. Pegasos : Bellerophon. 
Mifttelpunikt der Welt aus Pest: Mephnitis. 

Gold: Meru. Pfau: Argos, 
Mond: Artemis, Luna, Euro- Allcinos. ' '" - 

pa, Ma (Mene), Bendis, Bil, Pfeil: s, Adamas, Antilodhos, 

Anna Parenna, Selene ejtc. Eurypylos ü. Paris. 

Mongolisdher Götze: Aijukal. Pferd: Diomedes, Epeios,^ 
Morgenröte: Eos, Aurora, Epona, Hören, Laokoon. 

Ostara. Phäaken: Akrenos, Amphialos 
Vlöwe: Ciris. u. Alkinos. 

.Vlundsdhenk : Ganymedes, Plage: Harpyien, MaÜir. 

Hebe. Planet: Merkur, s. Nebor. 

.Vliusen: Mutter der, Moneta, Poln. Faust: Twardowski. 

. Helikoniden. Popaaiz: Mormo, Mania. 

Musenführer: Musagetes, Prag: Libussa, Wysidhehrad. 

Apollon. 

Musik: Pan, Dapihnis, Silvanus. Qual: Tantalos. 

Musikanten: Minerva. Quelle: Artemis, Diana, Ege-« 
Mut: Athene (Minerva). ria, Galatea, Kalirrihoe, St 

Mutter: Mu, Galli, Germania. lenos, Juturna, 

Mutterfest: Matuita. Quittapfel: Kydippe. 
Mütterlein: Baukis. ^ 

Myrmidonen: Agekles, Ägina. Rabensdhladit: s. Etzel. 

Rache: Aise, Nemesis, Erin 
iVabel: Omphales, Pamassos. nyen, Furien, Hera. 

Nadhit: Nott, Nyx, Nox. Rädhender Gott verschmähte 
Nadhtigall : Aedon. . Liebe: Arci, 

Näherin des Zeus: Amaltheia. Rasend: Antiope, Heraklei 
Na jade, die schönste: Agle. Mänaden. 

Nationallheros: Heraikles. Räuber: Caicus, Prokrustes. 

Na+ur: Diana, Anaitis (pers.) Rausidh: Elpenor. 

Liber, Maja. Rebhuhn: Perdia. 

Nixe; Lorelei. Redht: Hören, (Dilke), NemC: 
Nilgott: Hape. sis, Sürja. 

Noaüh: Hu. Redegewandtheit: Suada, Phö-i 
Nymphen: Aba, Abarbaree nix, Peitho. 

Asteroide, Adheletides, etc. Regen: Hyaden, Hyetios,' 

Regenbogen: Iris. 

Ölbaum: Aristäos. Reiidhtum: Lakschmi, Pltttos. 

— 218 — 



Reif: Jöten. Schildkröte: Chelone, 

>Reiin: Apollon und Bälden Sdhimmier: Chariten. 

Reinigiun^: Augeiasarbeit. Söhlacht: Germania. 
Rei-terinnen : Amazonen. ^Scihlaclitruf : Alala. 

'Re#er(m): Sofer, respektive Schlaf: Chariten, Somnus, 
; Soteira. Morpiheus. 

.Riidhier der Schatten: Achil- Schläfer, der schöne: Endy- 

leus, Äakos, Minos, Rhada- mion. 

- manthds. Sdhlange : Basilisik, Erechtheus, 
Riesen: Almops, Aloiden, An- Jormungandr und Haatre der 

grurboda, Arion, Antäos, Antigone. 

Thökk, Bau^i, Jö. Scihlangenhaare : Antigone. 

■Rinder:, Augeias. S'dileier: Leukothea, Odysseus. 

Ring: Aventiure. Sdhmerzen: Algea, Dii^ordia. 

Rohrdommel: Akanthis. Sichniiedeikunst: Hephästos, 
Rose : Aphrodite. Chrysor. 

Roß: Aneion, Harpyien, Hip- Sidhnee: Holda. 

polytos. Schnell: Hermoder, Peleione, 
. Ridie: Irene. Aello. 

Ruhm: Kleio. Sdhnitzbild: Palladium, Däda- 
~ los. 

Saat: Saitumus, Kronos, Rubi- Sdhön: Hdaikynthos; schöner 

gös. . ^Jüngling: Adonis, Endy- 

Säge: Perdix. mion, Qanymedes; seh. Hin- . 

Säitenspiel: Amphion. tern:~^ Kallipygos; Schön- 

Sänger: Demodokos, Thamy- haar: Aslang; schönfließend: 

riß, Orplhfeus. Kalirrhoe; Schönheit: Aphro- 

Sauhirt: Eumaos, dite (Venus), A&chera 

Sdhädliiche Dünste: Rudra. (Astarte), Chariten (Gra- 

Sidhäfer: Aristäos, Ankadien. zien), Lada; Schönstimmige: , 

Schakal: Anubis. "" Kalliope. 

Sidhamlosigkeit: Anaidei. Sdhreidken : Phobos, s. Aphrp- 
' Sdhattenreiich : Erato. 'dite, Pilumnus. 

Sdhatz, Schätze: Trophonios, Schreiber: Thota. 

Gnomen. S'dhräft: Thor. 

Schein: Maja. SAule: Minerva. 

Sidhiickisal: Aise, Eris, Parzen, Schutz: Nechet. 

Hathor, Nomen, Erato et; Sdhutzgeiister : Laren. 

Sidhiedsiriichter : Quasir. Sahatzwache 'd.Zeus: Kureten. 

Sdhd'ffer: Delphinios (Apollon),. Schwalbe : Chelidoin (s. Aedon), 

Achdlleus, Palämon, s. Atha- Aphrodite. 

nas, Brizo, Kabiren, Neha- Schwan: Kyknos, Ledia. 

' lemnia. ' - Sühwanenfuß : Druden. 

Sdhild: Andle; des Zeus: Schwärmen: Komos. 

^ Ägide (Agis). . Schwarze, der, Krischna; 

-219— 



sahwa/rzer Hinteirn: s. Ker- Tod: Hei, Lara, Pdlimnus und 
kopien. Thanatos. 

Sc'hwarzfuß: Melampus, Mel- Tonkiunst: Euiterpe. 



Sdhwefel: Paliiken. 

Sdiweigen: Lara. 

Sdhwein: s. Elpenos, Eurylo- 

dhos. 
Sdhwelle: Carna. 

arapodteii. 
Sdhwur: Dius födius. 
Sorgfc: Cura. 
Staatswesen : Athene. 
Stadt: Amimon, Tycihe. 
Städte Verwüstung: Enyo. . 
Stadtflur: Dea Dia.. 



Totenwächter: Anubis. 

Tra(giisdh)e myth. Fraueugie&talt: 
Niobe. 

Trankopifer: Libation. 

Trauer: Adhlys, 

Traumdeuiter: Brizo. 

Traumgestalten :~ Morpheus. 

Triade: s. ägyptische Gott- 
heiten. 

Triebkraft: Brahma, Dionysos 

Triften: Faunus. 

Trinken : Akratopotes. 



Stärke: Alkmene, Magiin(Tlhor), Trugreden: Diskoirdia, Loke, 

Höder, Tüchtigkeit: Dakscha. 

Staude: Mistiltein, s. Höder. Tugend: Arete. 

Stein: Aglauros. Türen: Carna. 
Steuermainn : Acoetes. 

Stieglitz: Akalanthis. Ueberfluß: Euthienia. 

Stier: Argos, Apis, Ampbion, Ueberführung : Etenchos. 

Audrogeos, Zeus, Europa, Uuendlichfoeit: Aditja. 

Eurylochos, Kadmos. Ungeheuer: Hydra, Kekwps 
Storch: Antigene (3). Kentauren etc. 

;stre.it: Aventiure, Eris, Ares, Urüheil: Ate, Hei, Atlas ; — ab- 

Diskordda. wehrend: Alexikalos (Apol- 

Strom: Neilos, Lethe. l'on)- 

Sturm: Ares (Mairs), Rudira, Uithold: Kerkyon und Drudeii 



Harpyien. 



Unordnung : Augeiasstall . 



Stute :. Arion, Harpyiein, Hippo- Unsterblichkeit: Komätho. 



thoon. 
Syrische Gottheit: Adad. 

Tadel : Momos. 

Tag: Eois, Dag, Erato. 

Tanz: Besä. 



Unterwelt: Orikus, Osiris, Plu- \ 
ton, Angelos, " Sibylle (siehe 
Äneas), Anubis, Serapis, Era- 
to, Eurylochos, Hades, He- 
kate, Hei, Inferi, iVlanja, Mat 
Kerberos, Laverna, Dis. 



Taten d. Vergange niheit: Kleio. Unverwundbar: Achilleius, Kä- 



Tatkraft: Agenoria. 
Tau: Athene, Memnon. 
Taube : Apihrodiite. 
Täuschung: Maja. 
Theater: Thalia. 
Tiier: Apollon. 



neus. 

Unzucht: Kotys. 
Urbarmachung: Airgo. 
Urei: s. Eros (Nacht), 
o'rsprung : Janus. 
Ur wärme: Ptah. 



— 220 



Vafer des lichten Tages: 

• DiesEtter. 
Veigetaiion : Venus. 
Verborgen: Ammon. 
Verbrennen: Adolenda. 
Verbrechen, s. Dislkoirdia. 
Verderben: Loike. 
Vergangen'heit: Urdh (s, Noir- 

nen.). 
Vergeltung: Thökk. 
Vergessenheiit: Lethe. 
Vergiftetes Kleid: s. Jason. 
Verhängnis : Keren. 
Verstand: Mens,. Minerva. 
Vielgeprüft: Amphitryön. 
Vogel, fabelhafter: Phönix. 
Vulkan: Erato. 

Wachsen: Aphrodite (Venus), 
■Aschera (Astarte). 

Wachstum: Maja. 

Wachtel: Asteria. 

Wächter der Kuh: lo, Argo, 
Heimdali. 

Wagenlenker : Archeptolemos, 
Chrysippos, Myrtylos. 

Wahnsinn: Iphibos, Aglauros. 

Wahrheit: Mat, Mitra, Atheia. 

Wald: Hexe, Pan, Satyrn, 
Schratt, Silvanus, Faiun, Ar- 
temis. ^ 

Walddämon:' Picuis, Silenos. 

Waldgeister: Ljeschie. 

Waldnymphen: R.usalki. . 

Wasser: Poseidon. 

Wass^f rauen : Jöten. 

>X^a'sseriungf rau : Libelle. 

Wassergeister : Neik und Nixen. 

Wassernymphen : Rusalki. 

Weberei: Arachne. 

Weide ; P-ales, Pan. 

Wein: Dionysos, Ikarios, 
Öneus, Silenos. 

Weinstodk : Amp§los. 



Weiße Frau: s. Feen. 
Weiße Göttin: Leukothea. 
Weisheit: Ma, Marduk, Pala- 

medes. 
Weißrossige Diosikuren: s. Am- 

phion. 
Weissagung: Glaukos, Silenos, 

Helenos, s. Äneas', Apollon, 

Loxios, . Augurn, Athene, 

Bona Dea. 
Weithinwaltende : Eurynome. 
Weizen: Isis. 
Weltall: Marduk. 
Wendehals: lyn. 
Wiedehopf: Tereus. 
Widder: Amirnjciin, Cnum, Chnü- 

phis. Helle, Prixos, gold. Vlies, 

Chrysomallcs. 
Widerhall: Echo. 
Wiesel: Galinthias. 
Wild: Artemis. 
Wilder Mann: Schratt. 
Willfährigkeit: Aphrodite, Ve- 
nus. 
Wind: Äolos, Argestes, Bore- 
as, Hermes, Zephyros, Nolos, 

Njörd, Manitu. 
Windschnell : Aello. 
Winter: Höder. 
Wissenschaft: Kalliope, Thor. 
Wohlfahrt: Salus. 
Wohnorte: Phoroneus. 
Wolf: Fenrir. 
Wolken: Ath-ames, Berchta, 

Holda, Hören, Jo, Nephele, 
Wolle der Lämmer wachsen 

liören: Heamdiall. 
Wuchtig: Briareus, s. Ägäos. 
Würfelspiel: Nala, Asparas. 
Wurzel: Alraune. 

Zauberer: Hreidmar, Jöten, 

Klingsor. 
Zauberin: Kirke, Lorelei (Lur- 

lei), Medea. 



-221 



Zauiberspiiegel: Amaterasu. 
Zaubersprüche: Mantra. 
Zeit: Nornen, 
Zeugiuing: Mylitta. 
Ziegenschwänzchen : Satyrn. 
Zirkel: Perdix. 



Zwerg: Andwari, Besä, Pyg- 

mäon, Fialar und Galar. 
Zwietracht: Disko rdia. 
ZwitteTding: Agdistis. 
Zukunft: Skuld, s. Nornen.: 



Paul Kaltschmid, Wien XVIII. 




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