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Full text of "Die Wunderüberlieferung der Synoptiker in ihrem Verhältnis zur Wortüberlieferung [microform]"



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OlTO HARRASSOWITZ 

BUCHHANDLUNG 

:LEIPZIG: 



c ; BEITRÄGE ZUR WISSENSG^ : 

■ ■ ; VOM ALTEN UND NEUEN TESTAMENT 

'■-'-■^ " Beg-ründet v o ir Ru do 1 f„ K i 1 1 e 1 

H e r.:a u s g e g e b,e n :\v^ n A Ib r e cht Alt u n d G er h a r d K i t t e 1 

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OTTCTPßREIiS 



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IN IHREM A^ERHÄI^TN 
ZUR WORTÜBÄRLIEFERÜN G 




W. KOHLHAMÄR. VERLAG • STUTTGART-BERLIN 



Beiträge 
zur Wissenschaft vom Alten Testament 

Herausgegeben von Rudolf Kittel . 

2^weite Folge 

I.Heft: Die Lade Jahves Und das Allerheiligste des Salömoriischen 
^' . .. Tempels^ ■.■-■./ '^:..-^ ■.''[■ .' ^-'' ':'■■':' ' '.^ :.' ; ■^^ 

Von H. Gressmann, 8». 72 S. 192Ö. RM. I.5Ö ; 

2. Heft: Jahyist und Elohist in den Königsbüchern. 

Von Immanuel Benzinger. 8°. 76S. 1921. RMi I.50 

3. Heft: Psalmenstudien. >; v; 

Von Max Löhr. 8«. 53 S. 1922. RM. I.— - 

4. Heft: Das Erkennen Gottes bei den Schriftpropheten. - 

Von J. Hänel., 8". 268 S. 1923. RM. 5,7er ^ - 

5. Heft: Beiträge zur Eritstehungsgeschichte der Septuaginta. 

Von Johannes Herrmann und Friedrich Bäumgärtel. 
8 ». IV und 98 S. 1923. RM. 2.70 ■ 

6. Heft: Die Altäre des salomonischen Tempels. 

Von Dr. Joh. de Groot. 8». VIII und 88 S. 1924. RM, 3.20 

7. Heft: Die hellenistische Mysterlenreligiori und das Alte Testament. 

Von Rudolf Kittel. 80. IV und 100 S. 1924. RM. 3.20 

8. Heft: Texte und Untersuchungen zur vörmasoretischen Gram- 

matik des Hebräischen. I.Masoreten des Westens. 

Von Paul Kahle. Mit Beiträgen von Dr. Israel Rabin Und 30 Lichtdruck- 
tafeln. 8°. XII, 89, 66 und 27 S. 1927. RM. I4.4O 

9. Heft: Texte und Untersuchungen zur vörmasoretischen Gram- 

matik des Hebräischen. II. Die Transkriptionen von der 
Septuaginta bis zu Hieronymus. 

Von Franz Wutz. I. Lieferung. 8°. IV und 176 8.1925, RM. 6.30 ■ 
2. Lieferung. 8°. S. .177— 569. 1932. RM. 30.— 

10. Heft: Beiträge zur syrischen und jüdischen Geschichte. 

Kritische Untersuchungen zur Seleukidenliste und zu den beiden ersten 
Makkabäerbüchern. Von Walther Kolbe. 8°. IV u. 174S. 1926. RM. 5.40 

11. Heft: Das kultische Problem der Psalmen. 

Versuch einer Deutung des religiösen Erlebens in der Psalmendichtung 
Israels. Von Gottfried Quell. 8". IV und 160 S. I926. RM. 5.40 



W. KOHLHAMMER /VERLAG IN STUTTGART 



DIE WUNDERÜBERLIEFERUNG 

DER SYNOPTIKER 

IN IHREM VERHÄLTNIS 

ZUR WORTÜBERLIEFERUNG 



VON 



LIC. OTTO PERELS 




W. KOHLHAMMER • VERLAG • STUTTGART-BERLIN 

1934 



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DIE WUNDERÜBERLIEFERUNG 

DER SYNOPTIKER 

IN IHREM VERHÄLTNIS 

ZUR WORTÜBERLIEFERUNG 



VON 



LIC. OTTO PERELS 

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W. KOHLHAMMER • VERLAG • STUTTGART-BERLIN 

1934 




sS'^ 



BEITRÄGE ZUR WISSENSCHAFT 



J-^ VOM 

^ .% ALTEN UND NEUEN TESTAMENT , 

Begründet 

von 

RUDOLF KITTEL t 



Herausgegeben 

von 

ALBRECHT ALT und GERHARD KITTEL 



VIERTE FOLGE HEFT 12 

(Der ganzen Sammlung Heft 64) 

Die erste Folge der „Beiträge" (Heft l — 25) 

ist bei J, C. Hinrichs in Leipzig 

erschienen 




Druck von W. Kohlhamraer in Stuttgart / Printed in Germany 






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1.05'J67 






Meinen Eltern 



Inhalt. 

Seife 

Einleitung- . . . • 1 

1. Kapitel. 

Das Ineinander von Worf und Wunder. 

I. Das Wort in den Wundergeschichten 3 

1. Das Material 3 

2. Die Beurteilung 14 

II. Das Wunder in der Wortüberlieferung 18 

1. Jesu Worte über seine Wunder 18 

2. Die äußere Verankerung der Wunderüberlieferung innerhalb 

der Wortüberlieferung 21 

2. Kapitel. 

Das Nebeneinander von Wort und Wunder. 

I. Die synoptische Gesamtauffassung von der Wort- und Wunder- 
überlieferung 24 

II. Die Einzelgestaltung der Wundergeschichten im Vei*hältnis zu 

den Ausspruchgeschichten 30 

1. Der Aufbau der Wundergeschichten 30 

2. Das Verhältnis zu den Ausspruchgeschichten 58 

3. Kapitel. 

Zur vorsynopUsdhen Gesdiichie der Überlieferung. 

I. Die Möglichkeiten 74 

II. Außersynoptische Wunder 77 

III. Der wahrscheinliche Entwicklungsgang der Wunderüberlieferung 89 

IV. Die Entwicklung der einzelnen Geschichten ...... 93 

V. Antwort auf Einwände vom Standpunkt der Zweiquellentheorie 101 

VI. Überblick über das Material einzelner Teile der synoptischen 

Überlieferung- 104 

Schlußbemerkung 107 



Literatur. 



Abrahams, L, Studies in pharisaism and the gospels. Cambridge 1917. 

Albertz, Martin, Die synoptischen Streitgespräche. Berlin 1921. 

Bauer, Walter, Das Leben Jesu im Zeitalter der neutestam entlichen Apo- 
kryphen. Tübingen 1909. 

Bauernfeind, Otto, Die Worte der Dämonen im Markusevangelium. 
Stuttgart 1927. 

Behm, Johannes, Die Handauflegung im Urchristentum. Leipzig 1911. 

Blau, Ludwig, Das altjüdische Zauberwesen. Straßburg 1898. 

Bornhäuser, Karl, Das Wirken des Christus durch Taten und Worte. 
2. Aufl. Gütersloh 1924. 

Bnltmann, Rudolf, Die Geschichte der synoptischen Tradition, 2. Aufl. 
Göttingen 1931. 

Buiämann, Wilhelm, Synoptische Studien, Bd. 1—3. Halle 1925/31. 

Deißmann, Adolf, Licht vom Osten, 4. Aufl. Tübingen 1923. 

Dibelius, Martin, Die Formgeschichte des Evangeliums. Tübingen 1919. 

— Zur Formgeschichte der Evangelien (Theol. Rundsch. N. F. Bd. I). Tü- 
bingen 1929. 

Fascher, Erich, Die formgeschichtliche Methode (Beiheft 2 zur ZNW). 
Gießen 1924. 

Fiebig, Paul, Jüdische Wundergeschichten des neutestamentlichen Zeit- 
alters. Tübingen 1911. 

— Rabbinische Formgeschichte und Geschichtlichkeit Jesu. Leipzig 1931. 
Grundmann, Walter, Der Begriif der Kraft in der neutestamentlichen 

Gedankenwelt. Stuttgart 1932. 

Harnack, Adolf, Sprüche und Reden Jesu, Leipzig 1907. 

Hempel, Johannes, Untersuchungen zur Überlieferung von Apollonius 
von Tyana (Beitr. z. Rel-Wiss. Heft 4). Halle 1921. 

Hen necke, Edgar, Neutestamentliche Apokryphen. Tübingen 1924. 

Herzog, R., Die Wunderheilungen von Epidaurus. Leipzig 1931. 

Hoskyns, Edwin C, Jesus der Messias (in „Mysterium Christi". Ber- 
lin 1930). 

Joel, D., Der Aberglaube und die Stellung des Judentums zu demselben 
(Jahresber. d. Fränkelschen Stiftung). Breslau 1881. 

Jordan, Hermann, Was verstand das älteste Christentum unter Wunder? 
(Neue kirchl. Zs. Bd. 23). 1912. 

Kittel, Gerhard, Die Probleme des palästinischen Spätjudentums und 
das Urchristentum. Stuttgart 1926. 

— Der historische Jesus (in „Mysterium Christi". Berlin 1930). 
Kloster mann, Erich, Das Matthäus evangelium (Handb. zum N.T. hrsg. 

V. Hans Lietzmann, Bd. IV), 2. Aufl. Tübingen 1927. 

— Das Markusevangelium (Handb. zum N.T. hrsg. v. Hans Lietzmann, 
Bd. III), 2. Aufl. Tübingen 1926. 



«_^ — 

Köhler, Ludwig, Das formgeschiclitliche Problem des Neuen Testaments. 

Tübingen 1927. 
Meyer, Eduard, Ursprung und Anfänge des Christentums. Bd. 1 — 3. 

Stuttgart 1921. 
Reitzenstein, R., Hellenistische Wundererzählungen. Leipzig 1906. 
Schlatter, Adolf, Das Wunder in der Synagoge (Beitr. z. Ford. ehr. 

Theol. Jg. 16, H. 5). Gütersloh 1912. 

— Der Evangelist Matthäus. Stuttgart 1929. 

— Der Evangelist Johannes. Stuttgart 1930. 

— Die Geschichte des Christus. Stuttgart 1921. 

Schmidt, Karl Ludwig, Der Rahmen der Geschichte Jesu. Berlin 1919. 
Schniewind, Julius, Zur Synoptikerexegese (TheOl. Riindsch. N. F. 

Bd. 2). Tübingen 1930. 
Traue, Georg, Die Wunder Jesu als Wort Gottes. Gütersloh 1931. 
Wein reich, Otto, Antike Heilungswunder (Rel.-gesch. Vers. u. Vorai-b. 

Vni, 1). Gießen 1909. 
Weiß, Johannes, Das älteste Evangelium. Göttingen 1903. 

— (in : Die Schriften des N. T. Bd. I, 3. Aufl. 1917.) 

Wrede, William, Das Messiasgeheimnis in den Evangelien. Göttingen 1901. 



Zeichenerklärung. 



Erste auftretende Person A, ß, ^, je nachdem, ob direkte Rede, 
indirekte Rede oder Handlung. 
Zweite auftretende Person B, ß, ^^ 
Dritte „ „ C, y, X 

Vierte „ „ D, d, ^. 

E: Einleitungen, die mit der Sache noch nichts zu tun haben. 
25: Einleitungen, die die Geschichte vorbereiten. 
G: Erzählende Sätze innerhalb der Geschichte. 
H: Eintritt des Wunders. 
Kr.: Krankheitsschilderung. 

K: Konstatierung der Heilung an einer Handlung. 
W: Wirkung auf die Zuhörer. 
2B: Wirkung auf den Hilfesuchenden. 
V: Verbreitungsverbot. 
U: Verbreitung der Kunde von Jesus. 



Einleitung. 



Die vorliegende Untersudiung stellt sidb. die Aufgabe, das Ver- 
hältnis der Gestaltungen zu untersudien, die die beiden Seiten der 
Tätigkeit Jesu, sein Wortwirken und sein wunderkräftiges Han- 
deln, bei den ersten drei Evangelisten erhalten haben ^). Die Frage 
ist die: Ist es historisdi richtig, wie es Bultmann tut, auf der einen 
Seite die fireien Logien und Aussprudigeschiditen (Apophthegmata) 
als Redestoff, auf der anderen Seite die Wundergeschichten mit dem 
übrigen Erzählungsstoff zusammenzufassen, oder muß nidit viel- 
mehr das gesamte Gesdiichtenmaterial als Einheit den ungerahmt 
überlieferten Logien gegenübergestellt werden? Sdmiewind ^) 
deutet eine Einteilung dieser Art an, indem er dem ganzen 
Material der Markusüberlieferung als Haggada die Haladbia 
der „Q-Quelle" zur Seite stellt. Auch Dibelius^) und Fasdier"*) 
haben sich, in dieser Riditung geäußert. Die Antwort wird 
stark davon beeinflußt werden, ob man mit Biütmann die Ent- 
stehung der Wundergesdii(h.ten überwiegend der hellenistisdien 
Sphäre zuweist und sie damit von vornherein von dem größten Teil 
der Wortüberlieferung isoliert oder ob die Form der überwiegenden 
Zahl der Wundergeschicihten nicht auf eine ursprünglich unhelle- 
nistische Gestalt der meisten zu dieser Überlieferungsgruppe gehö- 
renden Stücke schließen läßt. Im letzten Fall müßte das historische 
Redit zur Isolierung der Wundergeschiditen bei der formgeschicht- 
lichen Einteilung des Gesamtmaterials erst erwiesen werden. — 
Das Ergebnis der Arbeit muß natürlich von Bedeutung sein für das 
Urteil über den historisdien Wert der verschiedenen Teile der 
synoptischen Überlieferung. — Es muß zunädist die Aufgabe sein, 



1) Auf die Widitigkeit dieses Problems weist Deifimann S. 330 hin. 

2) S. 135 f. 

5) Z u r Formgesdiidite S. 201 f. Dibelius bringt aber die Wunder- 
geschiditeh aufs neu© in Isolierung, indem er nur die Ausspruchmaterial 
enthaltenden mit den Wortgeschichteu zu den „Paradigmen" rechnet, 
während der größte Teil als „Novellen" für sich bleibt. Sielie unten 
S. 57 f. 

4) Fasdier S. 139. 

Peiels. 1 



die Verwobenheit des Wort- und Wundermaterials zu klären, 
damit dann die Untersudiung des Verkältnisses der beiden Uber- 
lieferungsgruppen in der Gesamtauffassung und Einzelgestaltung 
durch die Evangelisten erfolgen kann und sdiließlidhi auch ein 
Urteil über die gesdiichtlidie Entwicklung der einzelnen Teile der 
Gesamttradition möglidi ist. 



1. Kapitel. 

Das Ineinander von Wort und Wunder. 

I. Das Wort in den Wundergeschichten. 

Wie steht es mit der Yermiscliuiig des Wort- und Wunderberidites 
in der syiioptisdien Überlieferung? Es steht fest, daß gemäß der 
Zusammensetzung der synoptischen Evangelien aus Einzelstücken 
die Vermischung von A.ussprudi- und Wunderbericht nicht stark 
ist. Doch ist zur Klärung zuerst die Betraditung und Beurteilung 
all dessen, was in rein formalem Sinn Wort Jesu in den Wunder- 
geschidhiten ist, notwendig. Es ist nicht erforderlich, die einzelnen 
Geschichten durchzugehen, um bei jeder die Bedeutung der darin 
enthaltenen Worte festzustellen, die sie innerhalb ihres Aufbaues 
haben. Das wird vielmehr im zweiten Kapitel geschehen. Hier kann 
das Material gleich unter Loslösung von den Einzelgeschiciiten in 
systematisdier Ordnung zusammengestellt w^erden. 

Den Hauptteil der Worte in den Wundergesdiichten bilden die 
Maditworte Jesu, also Aussprüche, die den Vollzug des Wunders 
unmittelbar bewirken. Zuerst seien die Worte aus den Gesdiiciiten 
genannt, die in allen vorhandenen Uberlieferungsformen ein Hei- 
lungswort in direkter Rede darstellen: In der Geschichte von dem 
Besessenen in der Synagoge von Kapernaum (Mk. 1, 25; Lk. 4, 35): 
(pi|au)6riTi Ktti ^He\9e eH (Lk. dTr') aiixoO ; bei der Aussätzigenheilung 
(Mt. 8, 3; Mk. 1, 41; Lk. 5, 13): 0e\uj, Kaeapi(T0TiTi ; bei der Hei- 
lung des Gichtbrüchigen (Mt. 9, 6; Mk. 2, 11; Lk. 5, 24): 



eYepGeig dpöv crou 
iriv K\ivr|v Kai uirate 
eig TÖv okov crou. 



aoi \tfuj, eyeipe Kai apag 
TÖ kXiviöiov aou tto- 
peuou ei5 töv oikov gov. 



croi \efuj, ^Veipe apov 

TÖV KpdßaTTÖv crou Kai 

uTTttTe €15 Tov oiKov crou. 
Bei der Heilung der verdorrten Hand ist die heilende Wirkung mit 
dem Befehl (Mt. 12, 13; Mk. 3, 5; Lk. 6, 10) verbunden: 

^KTeivöv crou xrjv x^xpa. \ eKieivov xriv x^iP*^« I ^Kieivov iriv x^ipd crou. 
Die Auf erweckung des Jünglings zu Nain geschieht durch das Wort 
(Lk. 7, 14) : veaviaKe, croi \eTUJ etepGriTi. Der Taubstumme wird durch 
das Wort (Mk. 7, 34) ecpcpaOd geheilt, der verkrümmten Frau sagt 
Jesus (Lk. 13, 13) Yuvai, djroXeXucrai dTiö ins aaOeveiac; crou. Die 
Verfluchung des Feigenbaumes (Mt. 21, 19; Mk. 11, 14) 



Tai eiq töv doiva. 



juriK^Ti ei? TÖV daiva ^k (Jou \xr\- 
beis KapTTOV 901x01. 



enthält nur Lei Matthäus die sofortige Wunderwirkung. Doch ist 
die später eintretende Erfüllung des Fluchs, die Markus bericiitet, 
gleichfalls auf das Wort Jesu zurückzuführen. Nur indirekt ist bei 
zwei Synoptikern das Austreibungswort an die Dämonen des gera- 
senischen^) Besessenen gerichtet; Markus und Lulcas sagen (5, 15 
bzw. 8, 32) Kai eireTpeiiiev auToig, während Matthäus (8, 32) das 
direkte viirdf eie bringt. Markus und Lukas haben vorher — ein 
einzigartiger Fall — bereits ein erfolglos gebliebenes Heilungswort, 
Markus 5, 8: ^HeXQe tö irveOiiia tö ciKdeapTov iv. tou dvBpiOiTOU. Lu- 
kas 8, 29 in indirekter Rede : irapri'fTeXXev fap tu) irveufiaTi Tip axa- 
GdpTiu dHeXGeiv dirö toO dvGpüuTTOu. Nur Markus hat in direkter Rede 
das sturmstillende Wort (4, 39) oiiiuTra, 7r€q)i|LiüU(7o. Matthäus und Lu- 
kas sagen indirekt : lTr6Tijar|ö"ev . . . Denselben Fall haben wir bei der 
Heilung des epileptischen Knaben. Mk. 9, 25 : tö dXaXov Kai kuj- 
q)öv TTveöjua, ifuj emTdffcruj ö"oi, iBekQe ^H aiiTou Kai juriKeTi eiaeX- 
Qriq eig auTÖv. Matthäus und Lukas bringen auch hier ^rreTiiari- 
ö"ev . . . Gemeinsam mit Lukas führt Markus ein direktes 
Wunderwort in der Gesciidtite von der Tociiter des Jairus an 
(Mk. 5, 41; Lk. 8, 54): TaXiGd Koufx . . . 
TÖ Kopdcriov, ö"oi Xetuu, ^yeipe. 
In dieser Erzählung bringt Matthäus audb indirekt keinen Hinweis 
auf ein %viinderwirkeiides Wort. 

In den bisher aufgeführten Fällen, in denen das wunderbare 
Handeln Jesu durch sein Wort wirksam wurde, besciiränkte sidi 
dies Wort darauf, das Wunder selbst zu befehlen. Ein Grund wird 
in den Machttaten Jesu niciit angegeben. Die Menschen und Ver- 
hältnisse treten an ihn heran, und er wirkt unter ihnen als der 
Herr, ohne den Grund seines Tuns offenbar zu mach^en. Anders ist 
es bei einer Anzahl H>iilungsgesciiich.ten, wo Jesus in Zusammen- 
hang mit dem Genesung schaffenden Wort den Glauben des Bitten- 
den als Ursache seiner Hilfe angibt. In der Greschichte von der blut- 
f nissigen Frau wird uns das Wort berichtet (Mt. 9, 22; Mk. 5, 34; 
Lk. 8, 48): 



n iraig, 
eteipou. 



1) Der Einfachheit halber ist in der ganzen Arbeit der Ortsname 
„Gerasa" der Markusüberheferung gebraucht. 



(Tou (TeciuKev ae. 



Gutaiep, IT) TTicTTis (jou üeauj- 
Kkv ae • uTTttTe ei? elprjvriv Kai 

iCrGl IJTlliS CtTTÖ Tfis lidcTTlTOS 
CTOU. 



eÖTCtTep, f] TTltTTlS 

(TOU a^ffuuKev (Te* 
TTOpeOou ei? efpri- 
vr|V. 

Bei Markus und Lukas ist infolge der eigenartigen Gestaltung 
dieser Gesdiidite die Heilung bereits vor diesem Wort erfolgt, es 
ist nur Bestätigung. Dodi ist die Parallele zu dem Heilungswort 
des Matthäus deutlich. In der Gesdbddite von der Kanaanitin heißt 
das Heilungswort (Mt. 15, 28; Mk. 7, 29): 



iL Yuvai, iieTaXn (Tou f\ tticttk; • 
Yevr|9riTUJ ö"oi uj^ OeXei?. 



5id TOUTOV TÖv XÖYOV uTraYe, ^He- 
XriXuGev ek if]Z GuYCXipo^ (Tou tö 
öaifxöviov. 

Markus und Lukas bringen ein solches Wort in der Heilungs- 
geschichte des Blinden, der bei Markus Bartünäus heißt (10, 52 bzw. 
18, 42): 

vTxaje, Y] TTiOTi? (TOU crecruJKev cre | x] morv; ctou crecrujKev cre. 

Matthäus erzählt in der parallelen Geschichte von der Heilung 
zweier Blinder die Tat in anderer Weise. In der ähnlichen Ge- 
schichte aber, die er in Kapitel 9 bringt, heißt es V. 29: KaioiTriv ttiö"- 
Tiv u|iiujv Yevri9r|Tuj u|üiiv. Nur Matthäus führt das Heilungswort in der 
Geschichte vom Hauptmann von Kapernaum an (8, 13): urraYe, ibg 
^TricTTeucra? Y^wiGriTU) aoi. 

Eine Anzahl Wundergeschichten finden sich in der Überlieferung, 
in denen niciit eigentlich durch das Wort die Mach.ttat vollzogen 
wird, aber bei denen in dem Wort ein Auftrag erteilt wird, durdi 
dessen Ausführung sich das wunderbare Geschehen einstellt. Auch 
hier also liegt das Wunder im Grunde im Wort, dem Sendungswort, 
verankert. Den zehn Aussätzigen sagt Jesus (Lk. 17, 14): rropeuGev- 
Te<5 eTTibeigaTe eautou? toi«; lepeucriv. Das Wort birgt dieVerheißung der 
Heilung in sich, die dann auf dem Wege erfolgt. Ein ähnliches Ge- 
sdiehen wird uns in drei Petrusgeschichten beridbtet. Das Wort an 
ihn (Lk. 5, 4) : eTtavdYaYe eis tö ßdGog, Kai xaXdcTaTe Td öiktuo i)|iaiv 
d<; dYpav, führt zu dem wunderbaren Fischzug ; Mt. 14, 29 berich- 
tet, wie Petrus mit dem e\6e aufgefordert wird, Jesus auf dem See 
entgegenzugehen. Es folgt das Wunder, daß ihn das Wasser trägt. 
In der Geschichte von der wunderbaren Beschaffung der Tempel- 
steuermünze wird der erwartete Vorgang beschrieben, nicht aber 



der Eintritt {Mi. 17, 27) : '{va bk ixi\ (TKavöaXicriJuiaev aÖTOii?, Ttopeu- 
dexq 615 GdXaorcTav ßdXe dTKicripov Kai töv dvaßdvia irpuJTOv ixöuv 
dpov, Ktti dvoiHag tq aiona auToö e{jpir|(jeis axaTfipa* eKeivov Xaßuuv 
böq aÖToig dvTi e|Liou Kai crou. Sendungsworte stellen auch die 
ausführlidien Besdireibungen bei der Besdiaffung der Eselin vor 
dem Einzug in Jerusalem und bei der Zurüstung des AJ>endmahls 
dar (Mt. 21, 2 f.; Mk. 11, 2 f.; Lk. 19, 30 f. — Mi 26, 18; Mk. 14, 
15 ff.; Lk. 22, 10 ff.). Hier wird das wunderbare Gesdiehen selbst 
beriditet. Die letzten drei Sendungsworte sind hier nur anhangs- 
weise zu erwähnen, weil wir nidit selbständige Wundergesdiidbten 
vor uns haben, sondern nur wunderbare Züge in anderem Zusam- 
menhang. 

Alle bisher angeführten Worte gehören zum wesentlichen Bestand 
der betreffenden Wunder. Wollte man in der Gesamtüberlieferung 
XÖTia und ^pya sdieiden, so sind sie — soweit sie selbständigen 
Wundergesdii(hten angehören — als Vorgänge unmittelbar wir- 
kende zum zweiten zu stellen. Gleichfalls dazu müssen eine Anzahl 
Worte gerechnet werden, die ihrem inhaltlichen Charakter nach 
auch zu dem eigentlichen Bestand der Wundergeschichten gehören. 
Das sind diejenigen, die auf den Unglauben oder Glauben derer, 
die Jesu Hilfe begehren, Bezug nehmen. Die Stellen, wo ein solches 
Wort fest mit dem Machtwort verbunden ist, sind schon oben*) auf- 
gezählt. Daran schließen sich einige, wo diese feste Verbindung 
nidit besteht. In der Sturmstillungsgeschichte berichtet uns Mt. 8, 26 
vor dem Befehl an Wind und Wellen, Mk. 4, 40 und Lk. 8, 25 nach- 
her, Jesus habe zu seinen Jüngern gesagt: 



Ti öeiXoi ecrxe, oXitötti- 



1T0Öri7TlÖ"Tl5U|LlUJV; 



Ti beiXoi ecTie öutuus; 

TTU»? OUK IX^T€ TTICTTIV; 

In der Blindenheilung (Mt. 9, 28) fragt Jesus vor der Heilung: 
TTiffTeuexe oti öuva|aai toöto 7roif]crai; Markus und Lukas haben beim 
Eintreffen der Todesnachricht der Tochter des Jairus (5, 36 bzw. 
8, 50) das Trostwort Jesu: 

firi cpoßoö, jiiövov TTicTTeue. ixy] qpoßoö* |n6vov TTicrreucrov, Kai 

cruu0ri(TeTai. 

Von dem auf dem Meer wandelnden Herrn berichten Mt. 14, 27 
und Mk. 6,50 das Wort an die Jünger: GapcreTie, ifib ei)Lii • |iir| qpoßeicxGe. 



2) Siehe S. 4 f. 



Die beiden Worte Jesu bei den Meerwundern sind insofern beson- 
derer Art, als die Ausführung des Wunders nidit mit dem Glauben 
der Jünger in Zusammenhang gebradit wird, wie das bei den Hei- 
lungswundern bezüglich des Glaubens der Hilfesudienden der Fall 
ist. Dies© Beziehung haben wir aber bei dem Wort an den sin- 
kenden Petrus (Mt. 14, 51) :öXiT6Tnö"T€,eisTi^5i(TTa(Tas; Zur Glaubens- 
prüfung dienen wohl audi die uns in der Blindenheilung bei Jeridio 
berichteten Fragen (Mt. 20, 52; Mk. 10, 51; Lk. 18, 41): 

Ti GeXeie Troii^cruj i)|uiv ; (Mt.) | ti ctoi GeXeis Troirjauj ; (Mk. Lk.) 

EbenfaUs in diese Gruppe sind die Verbreitungsverbote einzu- 
reihen., Sie sind nur selten in direkter Rede angeführt. Das ist der 
Fall nach der Heilung, des Aussätzigen (Mt. 8, 4; Mk. 1, 44; Lk. 5, 14) : 



8pa |Lir|bevi eiirr;)?, 
dXXd vnafe aeavTov 
beiHov Tijj lepei Kai 
TTpocrevetKov tö b(b- 
pov b TrpocreTaHev 
Muüücrfjs, eis Mapiii- 
piov aÖTOi?. 



öpa iiiTibevi juribev 
eiTTi;]?, dXXd uTraYe bei- 
5ov cyeauTov tijj lepei 
Kai TrpocreveTKe ä 
irpocr^TaHev Miwücfis, 
e!s jLiapTupiov aÖToT?. 



TiapiiYTeiXev aÖTiD |iiti- 
bevi eiireiv, dXXd dneX- 
Gibv beiHov creauTÖv Tip 
lepei, Kai irpocrevetKe 
Trepi Toö KaOapicTiiioO crou 
KttGu)? TrpoffeTaSev Muu- 
ijofiz, eis napTupiov 
aÖToi?. 

Zu den Blinden sagt Jesus (Mt. 9,30) : öpdTe, nx\be\<; tiviuokItu) .In direkt 
wird uns von dem Verbreitungsverbot bei den Krankenheilungen 
am Abend (Mk. 1, 54; Lk. 4, 41; nicht bei Matthäus), bei einem 
anderen Sammelheilungsbericht (Mt. 12, 16; Mk. 5, 12; nicht bei 
Lukas), bei der Auf erweckung der Tochter des Jairus (Mk. 5, 45; 
Lk. 8, 56; nicht bei Matthäus), bei der Heilung des Taubstummen 
(Mk. 7, 56) berichtet. — In der Unterredung mit dem Dämon des 
besessenen Geraseners, die Markus und Lukas bringen, findet sich 
die Frage an den Dämon ti övo|Lid (Toi mit darauffolgender Antwort. 
Am Sciiluß dieser Erzählung ist an den Geheilten der Befehl geridi- 
tet, in sein Haus zu gehen. Er ist vielleicht auch als Verbreitungs- 
verbot zu fassen^) (Mk. 5, 19; Lk. 8, 59): 

üiraTe ei? töv oiköv crou irpös roxiq urroCTpecpe ei? töv oikov aou 
cTous, Kai dTrdtTciXov aiiToig öaa 6 
Kupios ö"oi ireTToiriKev Kai Y\\eY\(Sev ae. 



Kai biriYoO öcra cxoi ^noiricrev 
6 Geo?. 



3) So Wrede S. 139 ff.; Dibelius S.39, Anm. 1; dagegen z. B. Bult- 
mann S. 235; Bauernfeind S. 69 ff. 



TUJV l|LiaTiuuv; 



8 ^ 

Ähnlicben. Inhalts ist das Wort an den Blinden von Bethsaida 
(Mk. 8, 26) : |uf| et? Tr)v Kujjuriv eia^Xer;!?. Zu den mit dem Wunder selbst 
inhaltlidbi eng verknüpften Worten gekört sdiließlidi auch die Frage 
Jesu in der Geschichte von der Blutflüssigen (Mk. 5, 30; Lk. 8, 45 f.): 

Tig 6 dijjdiLievös [xov] — f^ijiaTÖ 
)iAou TIS' h^ Tcip eTVU)V buvaiuiv 
^He\r|^^9uiav dir' d)uoö, 

und die indirekte Frage an den Blinden von Bethsaida, ob er nadi 
der ersten Heilbehandlung etwas sehe (Mk. 8, 23). 

Als dritte Gruppe der Worte in den Wundererzählungen seien 
diejenigen genannt, die sich, nicht mehr dem gewöhnlichen Rahmen 
der Wundergeschichte einordnen, sondern einer eigenen Pointe mit 
selbständiger Bedeutung neben dem Wunder dienen. Einen Über- 
gang zu der vorigen Gruppe bilden dabei solche Worte, die inhalt- 
lidi mit dem Wunder selbst in Verbindung stehen, also z. B. die- 
jenigen, die sich, mit dem Glauben besciiäftigen, dies Thema aber 
ausführlicher behandeln, als es in den gewöhnlichen Wundeiv 
geschichten üblich, ist. Eine solche starke Betonung der Glaubens- 
forderung, die zu einer selbständigen Pointe dieser Erzählung wird, 
haben wir bei der Heilung des epileptischen Knaben. Alle drei 
Evangelisten haben das im Zusammenhang wohl an die Jünger 
gerichtete Wort (Mt. 17, 17; Mk. 9, 19; Lk. 9, 41): 



(b f eved diricyTos Kai bie- 
cTTpajajLievri, ^'uu? ttötc 
)ae9' iijiiujv e'(To|Liai; äiu<; 
TToxe dveHofitti v))aujv; 



il) Yeved dmcTTos Kai bie- 
ö"Tpa|a|iievri, ^luq nÖTe 
^ö"o)Liai irpös v^iäz Kai 
dveHo)Liai ujliujv; 



Jj YGved äuKJToq, fe'uu? 
TTÖie TTpög ujLid? Icro- 
jLiai; äujq Tröie dve- 
Ho)Liai u)LiiJuv; 

Markus allein bringt das Wort an den Vater auf dessen Bitte: „Hilf 
mir, wenn du kannst!" (9, 23): t6 el buvi^, irdvia buvard xip tti- 

OTeÜOVTl. 

Schliefilidi haben er und Matthäus je eine Belehrung der Jünger 
auf ihre Frage nach der Ursache des Mißerfolges, von denen aller- 
dings nur die des letzteren auf den Glauben Bezug nimmt (Mt. 17, 
20): bid rriv öXiTomOTiav ujliujv dfxriv t^P ^^tuu ujaiv, edv ix^lTe 
TTicTTiv ibg KOKKOV (JivdTTeujq, epeiTE TLp öpei TOUTUJ • jLieidßa ^v9ev dKei, 
Kai iieiaßricTeTai Kai oubev dbovairicrei ujuiv. (Mk. 9, 29): toöto t6 
fivoz kv oubevl buvatai ^HeX9eiv ei jiiri ^v rrpocreuxiji. Das Thema 
der zweiten Pointe in der Geschidite vom Hauptmann zu Kaper- 



naum enthält außer dem Glaubensbeispiel noch das Besondere, 
daß der Glaubende ein Heide ist. In dieser Gesdbidite tritt die 
Wundertat selbst hinter ihm zurück. Es findet seinen Ausdruck 
in der von Matthäus und Lukas fast wörtlich übereinstimmend 
berichteten Botschaft des Hauptmanns, worin er seinen eigenen 
Beruf zum Gleidinis für Jesu Wirken hinstellt und hat seinen 
Höhepunkt in dem Wort Jesu (Mt. 8, 10; Lk. 7, 9): 



XeYW iJjLiiv, ouöe dv tuj 'lapanX 
TOö"auTnv TTiCTiv ei5pov, 



djLUiv XeYU) xjyiiv, irap' oubevi 
TOö"auTr|V TTiffTiv ^v TLJj 'IcTpariX 
eöpov, 

und weiter Mt. 8, 11 f.: Aey^j öe h\iiv öti ttoXXoI dTrö dvaioXuüv Kai 
bucTiiiüuv fjHouö'iv Kai dvaKXi9riö"ovTai ineid 'Aßpad|n Kai 'IcradK Kai 
'laKibß dv xf) ßa(TiXei(jt tuiv oupavujv. oi be uiol xfi^ ßamXeias ^HeXeii- 
aoviai ei^ tö aKOTO? tö dHiuTepov ^kci 'iciai 6 KXauGfiös Kai 6 

ßpUYI^ÖS TUJV ÖÖÖVTIUV. 

Genau dieselbe Lage haben wir bei der Gesdiichte von der Kanaani- 
tin. Dort tritt aber das zweite Motiv nicht so stark in den Vorder- 
grund. Nur Matthäus bringt das Wort an die Jünger (15, 24) : oiik 
dtrecTTdXriv ei hy\ elq m Trpoßaia xd drroXujXöxa oikou MapariX. Ge- 
meinsam mit Markus ist dann das Wort an die Frau (Mt. 15, 26 ; 
Mk. 7,27): 



ouK lHe(rxiv Xaßeiv xöv 
dpxov xüjv xeKVUJV Kai 
ßaXeiv xoT? Kuvapioi^. 



dcpe? TTpujxov xopTaffOnvai xdxeKva* ov 
tdp dcxiv KttXöv XaßeTv xöv dpxov xujv 
xcKViüv Kai xotg KuvapioKS ßaXeiv. 

Darauf folgt dann als eigentlicher Höhepunkt des zweiten Themas 
die sdilagfertige Ajitwort der Frau. — Ein gegenüber der Wunder- 
erzählung ganz selbständiges Thema haben die Sabbatheilungen. 
Dabei sind drei verschiedene Logien überliefert, mit denen Jesus 
das Redit und die Pflich^t zur Sabbatheilung begründet. Zwei brin- 
gen- den Vergleidi mit dem Vieh. Das eine findet sich in der Mat- 
thäusüberlieferung von der Heilung der verdorrten Hand (12, 11 f.) 
und bei Lukas in der Geschichte vom Wassersüdlitigen (14, 5). In der 
Matthäusgesdiichte geht der Angriff von den Gegnern aus, beim 
Wassersüchtigen fragt Jesus die Pharisäer, die böswillig sein Tun 
abwarten: ^Hecrxiv xljj craßßdxuj GeparreOcrai ^ ou; Auf ihr Schweigen 
spricht er das Wort, das bei Matthäus Antwort auf ihren Vor- 
wurf ist: 



10 



TIS ^ö"!"«! eH iijuüjv övGpujTroc; bq ^Hei Tivog i»)aijuv ufö? ?| ßoO^ 

TüpößaTov fe'v, Kai käv k^iniax] toöto toi? elq (pp^ap rrecreiTai, Kai ouk 

(Tdßßamv eis ßöGuvov, ouxi Kparrjcrei eiiGlous ävaanaaex auTÖv 

aÖTÖ Kai eYepei; ttöctiu oöv biaqpdpei ev rmdpa toO craßßdxou; 

avGptUTTOS TTpOßdTOU. 

Das andere vom Vieh genommene Beispiel ist bei der Heilung der 
verkrümmten Frau (Lk. 15, 15 f.) Leriditet. Dort verteidigt sidh. 
Jesus gegen den Angriff eines Synagogenvorstehers mit den 
Worten: (jucKpiiai, SKa0Tog i))liu)V tu) (JaßßdTqj oi> Xuei töv ßoOv 
auToO ?| TÖV övov dTüö TY\<; (pdTvriS Kai diraYaTUJV iroTiZei; TauTriv 
be GuTttTepa 'Aßpad)ii oö(Tav, f\v ibr](yev 6 caTavag ibou öeKa Kai öktuu 
Itk], otjk ^bei XuGfivai dirö toO becrinou toutou t^ il|Li^p(jt toO ffaßßdxou; 
Das dritte Logion haben alle drei Synoptiker bei der Heilung der 
verdorrten Hand, Matthäus dort im Ansdiluß an das oben genannte. 
Das angeführte erste Wort bei der Heilung des Wassersüchtigen ist 
auch das Parallele dazu ansusehen. Markus und Lukas lassen hier 
Jesus zuerst das Wort nehmen, nachdem er das hinterlistige Ab- 
warten des Feindes bemerkt hat. Nach einem Wort an den Kranken 
richtet er sich an die Umstehenden (Mt. 12, 12; Mk. 3, 4; Lk. 6, 9): 

^HecTTiv Toi? crdßßacTiv dTa- eirepujTUj vyiäq ei ^HecTTiv tlij 
Göv TTOificTai f| KaKOTTOiflcrai, c^aßßdTiu dvaGoTTOificyai r| 
xjjuxriv cyuj(7ai?| diroKTeivai; KaKOTroirjcrai, ipuxriv crüücrai 

f\ diToXecrai. 

Die Giditbrüchigen-Heilung hat die Sündenvergebung und die Frage 
nach Jesu Recht dazu als zweites Thema. Es findet seinen Aus- 
druck in dem Wort an den Kranken (Mt. 9, 2; Mk. 2, 5; Lk. 5, 20): 



OucTTe äHecTTiv 
ToTs (ydßßamv 
KaXu)? iToieiv. 



Gdpcrei.TeKVov, dqpiev- 
Tal cro.u ai d)LiapTiai 



dvGpuüTre, dq)ei)uvTai croi 
a! djuapTiai crou. 



TeKVov, aqpievTai crou 
ai d)LiapTiai. 

Auf den Vorwurf der Lästerung folgt die Antwort an die Phari 
säer (Mt. 9, 4 ff.; Mk. 2, 8 ff.; Lk. 5, 22 ff.): 



ivan evGu|Liei(TGe tto- 
vripd ev TaTs Kapbiai? 
ijjaüjv; Ti Tdp ecTTiv 
eiiKOTriJUTepov, eiireiv • 
dqpievTai (Tou ai djuap- 
Tiai, f) eirreiv • eyeipe 
Kai TrepnrdTei; iva be 



Ti TaÖTa bia\oYi2ecJ"Ge 
ev Tai? Kapbiais ijjliujv; 
Ti ecTTiv eiiKOTTiJuTepov, 
eiTreiv tu» rrapaXuTiKuJ ■ 
dcpievTai crou ai djuap- 
Tiai, f| eiTreiv • ^teipe ^ai 

dpOV TÖV KpdßttTTÖV OOV 



Ti biaXoYiZeaGe ev 
Tai? Kapbiais i»M"Jv; 

Tl eö"TlV eilKOTTUJTe- 

pov, eiireiv dcpduJVTai 
(TOI ai djuapTiai (Tou, 
il eiTreiv • ^yeipe Kai 
irepmaTei ; iva hk 



11 



eibfiTe ÖTi ^Houdav ^x^i 
6 mos ToO dvGpdüTTou 
4m Tfjs YHS öcpievai 
dfxapTias, TÖre Xetei tiI) 
TrapaXuTiKiij • ^x^pöei? 
apov crou iriv KXivnv Kai 
ÖTraTe ei? töv oiköv (Tou. 



Kai öiraTe; Kva öe eiöfjTe, 
ÖTi ilovaiav äxei 6 uiös 
TOU dvGpujTTou ^ttI ir\q 
Yns dqpievai djuapTia?, 
X^Yei T(ö TrapaXuTiKo» * 
crol XeYuu, ^yeipe dpov 
TÖV KpdßaTTov crou Kai 
uTTaYe ei? töv oikov crou. 



döfiTe ÖTi 6 uiö? Toö 
dvGpujTTOu ^Houcriav 
^Xei em th? yAS a(pie- 
vai d|iiapTia?, eiirev 
TU/ irapaXeXujLi^vtjj . 
crol X^Yuj, ^Yeipe Kai 
dpa^TÖ kXiviöiöv crou 
TTopeuou ei? töv oi- 
köv (TOU. 



In der Gesdiidhite von den zehn Aussätzigen folgt auf die eigent- 
lidbe Wundergesdiidite die Besdirteibung der Dankbarkeit des Sama- 
riters. Sie findet Jesu Lob in den Worten (Lk. 17, 17 f.) : o^y} ol 
b^Ka ^KaOapicrGncrav ; oi dvvea ttou; oux eup^6r|(rav iiTrocTTpdvpavTeq 
&oOvai öoSav tu» Oeijj ei |Lir| 6 dXXoYevn? oöto?; Jesus entläßt den 
Samariter mit dem Wort (Lk. 17, 19): dva^Td? iropeüeu- f] rriOTi? 
(Tou crecruuKev cre, das hier nicht die Heilung in sich schließt, da 
sie ja schon erfolgt war. Schließlich ist noch das den Beruf des 
Petrus symbolisierende Wort nach dem Fischzug zu nennen 
(Lk. 5, 10): jüiii qpoßou* dirö tou vuv dvGpüJTrou? '^ax] ZuuYPUJV. 

Als vierte Gruppe sind soldb.e Worte zu nennen, die bei meist 
belanglosem Inhalt zur A.usgestaltung und Belebung der Geschidi- 
ten dienen. Hierher ist das Wort an den Hauptmann von Kapernauni 
(Mt. 8, 7) zu rechnen; ^Y^J 4X9iuv GepaTreucruu auTov. Zu dem Mann 
mit der verdorrten Hand spricht Jesus (Mk. 5, 3; Lk. 6, 8): eYeipe 
(Lk.: Kai cTTfiGi) eiq tö inecrov. Ähnlich sind die Worte in der 
Geschichte vom epileptischen Knaben (Mk. 9, 16): ti cruvZriTeiTe 
Tipbq auTous; 
(Mt. 17, 17; Mk. 9, 19; Lk. 9, 41): 



qpepeTe [loi aÖTÖv iLöe. 



TrpocrdYaYe ilibe 



cpepeTe auTov Trpo? |iie. 

Töv uiöv crou. 

ferner das Wort (Mk. 9, 21): ttoctos xpovo? Igtiv ibq touto Y^YOvev 
aÖTiij, in der Bartimäus-Geschichte (Mk. 10, 49) : qpuuvr|craTe auTÖv. 
Etwas anderer Art. ist das Wort an die Mutter des Jünglings 
zu Nain (Lk. 7, 13) : jun KXaie, und das ähnliche an die Trauernden 
im Hause des Jairus (Mt. 9, 24; Mk. 5, 59; Lk. 8, 52): 

Ti GopußeioGe Kai KXaieTe; tö 
iraibiov oök direGavev dXXd 
KaGeubei. 



avaxujpeiTe* ou y^P 
direGavev tö Kopd- 
oiov dXXd KaGeubei. 



fxri KXaieTe, o^k 
dneGavev dXXd 
KaGeObei. 



12 

Sehr reich, an soldien ausgestaltenden Worten, die meist nur bei 
einem Evangelisten zu finden sind, sind die Speisungsgesdiidhiten. 
Gemeinsam ist das Wort (Mi 14, 16; Mk. 6, 37; Lk. 9, 13): ööte aö- 
Toig lijueis cpaT^iv (Lk.: cpayeiv i))iieTc;). Matthäus bringt dann das 
Wort (14, 18) : cpepexe [loi Jjbe aCiToiii;. Markus hat einen Dialog 
über die Anzahl der Brote, beginnend mit der Trage (6, 38): 
TToffoug dpiou? ex^xe; uTrafexe l'öexe. Lukas bringt den Befehl, daß 
das Volk sich lagern solle, im Gegensatz zu Matthäus und Mar- 
kus in direkter Rede (9, 14) : KaxaKXivaxe amoxx; KXiOia? avd irev- 
xrJKOVxa. In der Gesdiidite von der Speisung der Viertausend ist die 
Situationsschilderung, die Mt. 14, 14; Mk. 6, 34 in der ersten 
Speisung gegeben ist, Jesus in den Mund gelegt (Mt. 15, 32; 
Mk. 8, 2, fast wörtlich übereinstimmend) : OTrXafXViroiaai eTti xöv 
öxXov, oxi ^bx] f||Liepai xpeT? 7Tpoa|Li^vouaiv jioi Kai ouk ^x^vaiv xi 
cpdYUJö"iv. Ktti diToXöö'ai aöxoi)? vrioxeig oü GeXui, |Lir|Troxe ^KXuGujffiv 
^v x^ 65uj. Mt. 15, 34; Mk. 8, 5 folgt die Frage aus Mk. 6, 38: 
TTÖoous dpxoug ex^Te; 

Da die Beurteilung, die sich an diese Zusammenstellung anzu- 
schließen hat, sich z. T. nidit nur auf die Worte Jesu in den 
Wundergeschichten, sondern auf das gesamte Gesprächsmaterial 
beziehen muß, sollen nach demselben Gesichtspunkt, wie die Jesus- 
aussprüdie aufgezählt wurden, die Worte der anderen Menschen 
in den Wundeirgeschiditen folgen: Zuerst die Bitten der Hilfe- 
suchenden an Jesus, die den Maditworten des vorigen Abschnittes 
entsprechen. Wir haben sie in der Aussätzigenheilung, Mt. 8, 2; 
Mk. 1, 40, Lk. 5, 12, in der Seestunngeschichte Mt. 8, 25; Mk. 4, 38; 
Lk. 8, 24, der Bitte Petri, auf dem Meer wand^^ln zu dürfen, Mt. 14, 
28 und, bei seinem Versinken, gerettet zu weirden, Mt. 14, 30; 
sc3iließlich dem Ruf der Blinden in der von Matthäus berichteten 
Heilmig, 9, 27. Etwas größeren Ramn nehmen die Bitten der Hilfe- 
suchenden in vier Geschichten ein: es sind die Worte des Jairus, 
Mt. 9, 18; Mk. 5, 25; lk. 8, 42 (indirekt) und die auf je zwei Bitten 
verteilten des Hauptmanns von Kapemaum, Mt. 8, 6 und 8 f.; Lk. 7, 
3 f f . und 6 ff., des Vaters des epileptischen Knaben, Mt. 17, 15 f.; 
Mk. 9, 17 f.; Lk. 9, 38 ff. und Mk. 9, 22 (fehlt bei Matthäus und 
Lukas) und des bzw. der Blinden von Jeridio, Mt. 20, 50 f.; Mk. 10, 
47 f.; Lk. 18, 38 f. Indirekt ist von Bittworten erzählt bei der Hei- 
lung der Schwiegermutter Petri, Mk. 1, 30; Lk. 4, 38; nidit bei Mat- 



^ 

thäus; bei der TauLstummenlieilung, Mk. 7, 32 und der Blinden- 
heilung bei Bethsaida, Mk. 8, 22. 

An Worten, die nidhit Bitten sind, aber, mit dem. Wunder selbst 
in festem Zusammenhang stehen, sind vor allem die Aussprüche 
der Dämonen zu nennen. An vier Stellen haben wir soldie über- 
liefert: die erschreckte Abwehr Jesu als des Messias in der A,us- 
treibungsgeschichte in Kaperaiaum, Mk. 1, 24; Lk. 4, 34 und bei 
Gerasa, Mt. 8, 29; Mk. 5, 7; Lk. 8, 28, die Namensangabe in der 
zweiten Dämonenerzählung, Mk. 5, 9; Lk. 8, 30 und endlich die 
Bitte der Dämonen, in die Schweine fahren zu dürfen, Mt. 8, 31; 
Mk. 5, 12; Lk. 8, 32 (indirekt). Weiter ist die Antwort des Blinden 
von Bethsaida auf Jesu Frage, ob er etwas sähe, hier zu nennen, 
Mk. 8, 24. A,uße(ndem gehört zu dieser Gruppe das Wort der Jünger, 
das ihr Erstaunen nach dem Meervvrandeln ausdrückt, Mt. 14, 33 und 
die Worte des geheilten Samariters, Lk. 17, 15 f. (indirekt) und des 
Volkes nadi vielen Wundertaten: Mk. 1, 27; Lk. 4, 36 — Mt. 9, 8 
(indirekt), Mk. 2, 12; Lk. 5, 26; Mt. 9, 33 — Mt. 12, 23 — Lk. 7, 16 — 
Mt. 8, 27; Mk. 4, 41; Lk. 8, 25 — Mk. 7, 37 — Lk. 18, 43 (indirekt). 
In diesen Zusammenhang gehört auch die nur indiirekt, Mk. 5, 18; 
Lk. 8, 38, geäußerte Bitte des Geheilten von Gerasa, bei Jesus 
bleiben zu dürfen. 

Als einem zweiten Thema dienend sind in folgenden Geschiditen 
Worte anzusehen: In der Fischzug-Erzählung das zögernde Wort 
Petri (Lk. 5, 5) und seine ehrfurchtsvolle Rede nach, dem Fang, 
Lk. 5, 8, in deiB Gesdiich,te von der Kanaanitin ihre schlagfertige 
Antwort auf Jesu Gleichnissprudi, Mt. 15, 27; Mk. 7, 28 und in der 
Geschichte vom epileptischen Knaben die Frage der Jünger am 
Schluß, Mt. 17, 19; Mk. 9, 28. Weiter sind die Angriffe der Gegner 
hier zu nennen: ihr Vorwu/rf wegen der Sünden vei^gebung, wenn 
er auch nicht offen ausgesprodien wurde, Mt. 9, 3; Mk. 2, 7; Lk. 5, 
21 und der Zweifel an dem Recht der Sabbatheilung, der nur Mt. 12, 
10 und Lk. 13, 14 offen geäußert wird. Indirekt wird die Auffor- 
derung der Bewohner von Gerasa berichtet, Jesus solle ihr Gebiet 
verlassen, Mt. 8, 34; Mk. 5, 17; Lk. 8, 37. 

Der Ausgestaltung der Erzählung dienen folgende Worte: in der 
Blutflüssigen-Gesdiidhite die bei Mk. 5, 31 und Lk. 8, 45 überlie- 
ferte Zurückweisung der Frage Jesu, wer ihn berührt habe, durdi 
die Jünger bzw. Petrus. Die Worte der Jünger in der ersten Spei- 
sungsgeschicJite, Mt. 14, 15; Mk. 6, 35 f.; Lk. 9, 12 -- Mt. 14, 17; Mk. 6, 



14 

57; Lk. 9, 15 — Mk. 6, 58, in der zweiten Speisimgsgesdiidit©, Mt. 15, 
55; Mk. 8, 4 — Mt. 15, 54; Mk. 8, 5. Das Wort der Jünger in der 
Matthäusfassung der GesdiidbLte von der Kanaanitin, Mt. 15, 25 und 
sdiließlidi das berukigende Wort der Menge zu Bartimäus, Mk. 10, 
49 sind gleichfalls zu nennen. 

Grundsätzlidi ist es beneditigt zu urteilen, daß in erzählenden 
Gesdiidbten mit viel direkter Rede sich eine Tendenz der ausgestal- 
tenden volkstümlichen Erzählungsweise bemerkbar mache und sie 
deshalb bei sonst gleichen Umständen jünger sind als die einfacher 
erzählten^). Auf die synoptischen Wundergeschichten läßt sich 
dieser Satz aber nur mit großen Einschränkungen anwenden. Ein 
großer Teil des in ihnen enthaltenen Wortmaterials ist ihnen 
wesensmäßig zugehörig. Da die Lage so ist, daß der allergrößte 
Teil der Wundergeschichten Jesu Tat als mit dem Wort vollzogen 
beschreibt, wäre es selbstverständlich falsch, die hierhergehörigen, 
oben ^) als erste Gruppe aufgezählten Worte als Kennzeichen junger 
Gestaltung anzusehen. Daß vielmehr ein großer Teil der Wunder- 
geschichten — in bezug auf das Machtwort sogar der größte — eine 
den Ausspiuchgeschichten parallele Gestalt aufweist, in der das 
Avunderwirkende Wort dem entscheidenden Logion der Ausspruch- 
erzählungen entspricht, weist das zweite Kapitel nadi (S. 24 ff.). 
Auch die Bitten der Hilfesudienden °), die den Fragen an Jesus in 
den Ausspnichgeschichten entsprechen, sind zum Kern der Wunder- 
gesdiiditen zu rechnen. Doch werden dabei, namentlich bei langen 
Krankheitsschilderungen, hin und wieder auch jüngere gestaltende 
Kräfte anzunehmen sein. Ebenfalls gehören zum eigentlichen Be- 
stand der Wundergeschidbten — dort wo sie vorhanden sind — die 
den Glauben betreffenden Worte, die Verbreitungsverbote und die 
übrigen, oben als zweite Gruppe aufgezählten Worte ''^). Ihre Fas- 
sung ist stets kurz und rein sachlich, so daß formale Bedenken 
gegen sie nicht bestehen. Auch die hierher gehörenden nicht von 
Jesus gesprochenen Worte ^) sind stets inhaltlich mit der betreffen- 
den Wundergeschichte fest verknüpft. Allein in dem zweiten und 



4) Vgl. Bultmann S. 340 ff. 

5) Siehe S. 3 ff. 

6) Siehe S. 12 f. 

7) Siehe S. 6 ff. 

8) Siehe S. 13. 



15 

dritten Dämonenwort, in der Austreibungsgesdiidite bei Gerasa 
wird man Zeichen jüngerer Gestaltung erblicken dilrfen. 

Die Worte der dritten Gruppe ®) sind nidit zur Wunder-, sondern 
zur Aussprudiüberlieferung zu rechnen. Es ist uns hier Wunder- 
und Ausspruchgut in äußerer Veimisdiung überliefert. Das spricht 
keineswegs gegen das Alter, da wir nicht ganz reine Uberlieferungs- 
typen postulieren dürfen. Der historischen Wirklichkeit werden 
unsere Evangelien, so wie sie sind, bestimmt näher stehen, als wenn 
sie Wunder und Ausspruch, in voller — auch äußerer — Getrennt- 
heit brächten ^^). Da diese Worte zum Ausspruchgut gehören und 
ihre eigenen Themata haben, einen eigenen Kern, den sie darbieten, 
und nur durch die äußere Situation mit der betreffenden Wunder- 
geschiichte verknüpft sind, ist es auch hier falsch, den oben ^^) auf- 
gestellten Grundsatz anzuwenden, der nur für die Erzählungs-, 
nicht für die Redeüberlieferung gilt. Eine ursprünglich getrennte 
Überlieferung von Wunder und Ausspruch ist nur an drei Stellen 
anzunehmen, wo sie durdi die synoptische Tradition nahegelegt 
wird: Bei dem Sabbatheilungsspruch, Mt. 12, 11, den Lk. 14, 5 mit 
einer anderen Heilung verknüpft, dem Wort von der Aussdiiließung 
Israels vom Gottesreidi, Mt. 8, 11 f., das Lk. 15, 28 — 30 außerhalb 
der Wunderiiberlieferung bringt und der Belehrung der Jünger 
am Ende der Geschichte vom epileptischten Knaben bei Mt. 17, 20, 
die bei Lk. 17, 6 ebenfalls innerhalb der Ausspruciitradition er- 
scheint^'). Eine innerliche Vermisdhiung von Wunder und Aus- 
sprucii, etwa Symbolisierung des Wunders durch das Wort oder 
Verwendung zur Beglaubigung des Ausspruciis, die Zeidien einer 
späteren Entwicklung: wäre, haben wir in der synoptischen Tradi- 
tion im allgemeinen nicht ^). Trotz äußeren Ineinanders stehen in 
den hier in Frage kommenden Geschichten Wort- und Wunderüber- 
lieferungen inhaltlich selbständig nebeneinander. 

A,nders als mit den Worten der drei ersten Gruppen steht es mit 
denen der vierten^"*). Sie enthalten im allgemeinen nichts sachlich 



9) Siehe S. 8 ff. und S. 13. 10) Siehe unten S. 91. 

11) Siehe S. 14 

12!) Es sollen hier nur die Worte genannt werden, die vom Ge- 
sichtspunkt dieses Kapitels als nicht ursprünglich zur Wim- 
derüberlieferung gehörig zu redmen sind. 

13) Siehe unten S. 16 f. 

14) Siehe S. 11 f. und 13 f. 



j[6 

Wichtiges und können darnm leidit als jüngere Ausgestaltung 
gelten. Das Kriterium, ob sie als soldie anzusehen sind oder nidit, 
liegt darin, ob etwas Individuelles in ihnen gesagt ist oder ob sie 
nichtssagend und allgemein sind. Unter, diesem Gesichtspunkt 
mödite man nur zwei Worte nicht als jung ansehen: Das Wort der 
Jünger in der Geschichte von der Kanaanitin, Mt. 15, 23: „Entlasse 
sie, denn sie schreit hinter uns her", entspricht dem besonderen 
Charakter dieser Geschichte. Und audb. das Wort an die Trauern- 
den vor der Erweckung des Mädchens (Mt. 9, 24; Mk. 5, 39; IJc. 8, 
52) ist ein Zug mit staiken Besonderheiten. Die übrigen Worte der 
vierten Gruppe tragen diese Merkmale nicht. Welche Worte sind 
dies? Der Ruf an den Mann mit der verdorrten Hand (Mk. 5, 3; 
Lk. 6, 8), der Einwand der Jünger bzw. des Petrus in der Markus- 
und Lukasfassung der Blutflüssigen-Geschidbite (5, 31 bzw. 8, 45), 
das iiiri K\aie an die Mutter des Jünglings zu Nain (Lk. 7, 13), sämt- 
liche direkte Rede in den Speisungsgeschichten (Mt. 14, 15 f.; Mk. 6, 
55— 37a; Lk. 9, 12— 13a. — Mt. 14, 17 f. — Mk. 6, 57b— 38. — Llc.9, 
13b. — Lk. 9, 14. — Mt. 15, 32; Mk. 8, 2 f. ~ Mt. 15, 35 f.; Mk. 8, 4 f.), 
drei Worte Jesu in der Geschichte vom epileptischen Knaben (erste 
Frage; Befehl, den Knaben zu bringen, Frage nach dem Alter der 
Krankheit), von denen zwei nur bei Markus stehen (Mk. 9, 16. — 
Mt. 17, 17; Mk. 9, 19; Lk. 9, 41. — Mk. 9, 21) und zwei Worte in 
der Bartimäus-Gesduchte, die gleidifalls Markus allein hat. (Den 
Befehl, den Blinden zu rufen und das Trostwort des Volkes an ihn, 
Mk. 10, 49.) In diesen sieben Geschichten ist also, zum mindesten 
in bezug auf die eben angeführten Worte, an verhältnismäßig 
junge Gestaltung zu denken. Für die Richtigkeit der Beobachtung 
spricht, daß es ein kleiner Kreis von Geschichten ist, der von ihr 
betroffen wird: von den angeführten sieben Wundern geben 
nur fünf in allen überlieferten Fassungen den Anstoß, während in 
der Blutflüssigen-Geschichte Matthäus, in der Bartimaus-Geschichte 
Matthäus und Lukas ohne die Ausgestaltung sind. Die sich hieraus 
ergebende positive Feststellung für den größten Teil der Überlie- 
ferung sei noch einmal hervorgehoben. 

Ein Einwand von der inhaltlichen Seite erhebt sich gegen einige 
Wundergeschiditen, bei denen die inhaltliche Scheidung zwischen 
Wort und Wunder nicht streng' eingehalten ist, wo das Wunder der 
Darstellung einer Lehre dient und das Wort das Wunder in dieser 
Weise verwendet. Derartige Zweckhaftigkeit des Wunders setzt 



^ 17 

bereits eine stärkere Reflexion voraus und macht die Ursprünglidi- 
keit unwahrscheinlich.. Im Untersdiied von der vorigen Gruppe wird 
man bei diesen Wundem nidit nur die formale Gestaltung als 
sekundär anzusehen haben, sondern — sofern sich nicht ein anderer 
früherer Sinn nachweisen läßt — die ganze Erzählung. Das Meer- 
wandeln Petri (Mt. 14, 28 — 31) ist wahrscheinlich in dieser Weise 
zu verstehen. Durdi die ganze Darstellung und besonders das öXiYO- 
TTiö'Te, ei^ Ti eblcTTacra? wird man auf den Gedanken gebradit, daß 
das Wunder eine Demonstration der Kraft des Glaubens sein soll. 
Solange Petrus glaubt, tragen ihn die Wellen; sobald er zweifelt, 
versinkt er. Es fragt sidb, ob ebenso auch die vorher stehende Ge- 
schichte von Jesu Meerwandeln Darstellung seiner Glaubenskraft 
sein soll. Dodi ist das wohl nicht anzunehmen. Die Geschichte 
ist zu lehrhaftem Zweck sekundär erweitert. Im jetzigen Zu- 
sammenhang ist auch das Wunder der Verfluciiung des Feigen- 
baums eine derartige zur Aufzeigung der Kraft des Glaubens 
bestimmte Erzählung, wie die daran anschließenden Logien 
beweisen (Mt. 21, 18—22; Mk. 11, 12—14; 20—24). Wahrsdiein- 
lich lag aber ursprünglich entsprechend dem Gleichnis Lk. 13, 
6 — 9 eine AUegorisierung für das Verhalten und Sdiicksal Israels 
vor. Auch das wäre Unterordnung des Wunders unter eine Aus- 
spruciipointe. Der dritte Fall, der hier zu nennen ist, betrifft die 
wunderbare Beschaffung der Tempelsteuer (Mt. 17, 24 — 27). Jesus 
hat gesagt: Die Söhne sind frei vom Census, aber um den Anstoß 
zu vermeiden, soll er gegeben werden. So widerspräche die Hand- 
lung dem Grundsatz. Dieser Widerspruch wird dadurch aufgeho- 
ben, daß das Wunder geschieht. Dieses wird zur Darstellung des 
Wortes: „Die Söhne sind frei". Endlich ist nocii Petri Fischzug (Lk. 
5, 1 — 11) zu nennen, der mit dem Wort an Petrus: „Von nun an 
wirst du Mensdien fangen" schließt. Freilich ist hier fraglich, ob nur 
der Beruf des Fischers, wie bei Mt. 4, 19; Mk. 1, 17 mit der Aufgabe 
des Jüngers verglichen werden soll, oder ob auch der reiche Fang 
Bild für den Erfolg der Arbeit ist. Wahrscheinlich liegt hier eine 
AUegorisierung des Wunders nicht vor. 

Die eben aufgezählten Wunder stehen den johanneischen näher 
als die übrigen synoptischen. Sie sind der Anfang der Entwick- 
lung, die zur johanneischen Wunderdarstellung führt. Doch sind 
zwei Untersdiiede nodi deutlich: 

Pereis. o 



18 

1. bei Johannes sind es nicht Lehren, die in dem Wunder zur 
Darstellung kommen, sondern die Gaben und Kräfte des Christus 
werden im einzelnen an ihnen deutlich. Dazu wäre allein das Tem- 
pelsteuerwunder eine Parallele; 

2. bei Johannes ist nicht das Wunder in den Dienst des Wortes 
getreten, sondern das begleitende Wort erläutert den eigentlichen 
Sinn des Wunders, das dabei seine ganze Wichtigkeit behält. 

Abgesehen von den hier angeführten drei Wundergesdiichten ^^) 
steht in der gesamten synoptischen Überlieferung das Wunder 
innerlich selbständig neben dem Ausspruch Jesu^"), und auch die 
äußere Vermischung der Wunder- und Ausspruchüberlieferung ist, 
gemessen am Gesamtmaterial, nicht sehr stark. 

II. Das Wunder in der Wortüberlieferung. 

Es folgt die Untersuchung über die Art und Weise, wie sich Jesu 
Wundertätigkeit in denjenigen Teilen der Überlieferung, die sich 
eigentlich mit seinen Worten besdiäftigen, d. h. entweder sie als 
reines Spruchgut überliefern oder sie in Ausspruchgeschichten ent- 
halten, widerspiegelt. Dabei ist zweierlei zu scheiden. Es muß sich 
einerseits darucm handeln festzustellen, welciie Stellung die Wunder 
Jesu in seinen Reden und Aussprüchen einnehmen, wie er sidi selbst 
darüber äußert. Neben dieser stark auf den Inhalt gehenden Unter- 
suchung ist andererseits die Feststellung der rein äußeren Veranke- 
rung der Wunderüberlieferung innerhalb der Wortüberlieferung 
notwendig. Hierbei kommen als Material außer den Äußerungen 
Jesu über seine Taten alle übrigen Worte in Frage, die seine 
Wundertätigkeit voraussetzen, weiter alle Stellen, wo diese außer- 
halb seiner eigenen Worte in den Ausspruchgeschiditen erwähnt 
wird. 

Auffällig gering ist die Zahl der Stellen, wo in den Worten Jesu 
von seinen Wundern die Rede ist. Es sind alles Situationen, wo die 



15) Über die Berichte von der wunderbaren Beschaffung der Eselin 
und des Abendmahlsraumes, bei denen zwar das Wunder auch unselb- 
ständig, aber nidit in Vermisdiung mit Atissprudigut steht, siehe unten 
S. 22. 

16) Wenn die Evangelisten vielleicht auch bei diesem oder jenem 
anderen Wunder an symbolische Ausdeutung gedacht haben mögen, so 
haben sie diese Gedanken jedenfalls keinen Einfluß auf die Texte 
gewinnen lassen. 



^ ^ 19 

Wirksamkeit der Wunder, den Glauben an Jesus zu schaffen, in 
Frage gestellt ist. Zuerst die Antwort auf die Anfrage des Täufers. 
Jesus beantwortet die Frage, ob er der Kommende sei, mit einem 
Sprudi, der die Endverheißungen des Jesaja und sogar nodi größere 
Gaben als gegenwärtig hinstellt (Mt. 11, 4 f.; Lk. 7, 22 f.). Daß 
dabei die leiblidie Hilfe nidit bildlidb, sondern wörtlidi zu verstehen 
ist, ist im jetzigen Zusammenhang sicher, und auch ein ursprünglich 
anderer Sinn in Jesu Mund läßt sich nicht wahrscheinlich madb.en '^''). 
Jesus weist auf seine Wundertätigkeit und sein Predigen als das 
hin, woraus man sein Wesen erkennen kann. Ähnlich wendet er in 
der Synagogenpredigt in Nazareth (Lk. 4, 18 — 21) ein Jesajawort 
unbefangen auf seine Worte und Taten an. 

Eine andere Erwähnung des Wunders findet sich in dem Weheruf 
über die galiläischen Städte (Mt. 11, 20—24; Lk. 10, 13—15). Auf 
Grund der Machttaten konnte Umkehr von ihnen erwartet werden. 
Daß sie diese Wirkung nicht hatten, verursacht Schuld. Ebenso zeigt 
ein Wort Jesu im Anschluß an das Gespräch über den Sauerteig 
(Mt. 16, 9 f.; Mk. 8, 17—21), daß er auf Grund der Wunder, hier 
der Speisungen, Glauben erwartet. Der Nachridit von den Nadi- 
stellungen des Herodes begegnet er mit dem Spruch, der besagt, 
daß sein Lebensgang und Lebenswerk bestimmt sei, ohne daß der 
Fürst einen Einfluß darauf üben könne (Lk. 13, 31 — ^^33). Er spricht 
dabei von seinem Dämonenaustreiben und Heilen. 

In der Antwort auf die Anklage des Teufelsbündnisses haben wir 
die ausführlichste Äußerung Jesu über sein Wundertun — speziell 
sein Dämonenaustreiben. Er weist zuerst den Vorwurf zurück: der 
Satan wird sich nicht selbst vernichten. Dies Wort haben wir bei 
allen Evangelisten (Mt. 12, 25 f.; Mk. 3, 23—26; Lk. 11, 17—18). 
Dann bringen Matthäus (12, 27) und Lukas (11, 19) die Frage, in 
wessen Namen denn die Pharisäer ihre Dämonenheilungen vollbräch- 
ten. Darauf folgt bei Matthäus (12, 28) und Lukas (11, 20) das Wort 

17) Dagegen Klostermann, Matthäus S. 95, nadi Wellhausen. Dessen 
ganzer Beweis ist darauf ausgebaut, daß das „Sehen und Hören" im 
Augenblick der Antwort Jesu vor sich gehen soll, wo er all diese Hilfs- 
taten sicher nicht ausgeführt hat. Lukas ist tatsächlich dieser Meinung. 
Nadi der — älteren — Matthäusfassung aber ist diese enge Auslegung 
nicht berechtigt. Jesus weist die Johannes jünger auf seine ihnen durch 
Sehen und Hören bekannte Wunder- und Verkündigungswirksamkeit 
hin. 



20 

Jesu, in dem er deutlidi den Hintergrund seiner Wunder nennt: 
ei bä kv 7rveö|LiaTi (Lk. baKTuXm) GeoO (Mt. if\h) iKßdXXiJü rd öai- 
)Li6via, dpa ^qpGacrev ecp' v\xa<; f] ßaoriXeia toö GeoO. Es folgt der 
Satz, daß die Voraussetzungen für die Wunder in deri Bindung des 
Starken durdi ihren Vollführer bestehe (Mt. 12, 29; Mk. 3, 27; 
Lk. 11, 21 f.). Das nimmt Jesus also für sich in Anspruch. Seine 
Wunder sind Wirkung des Gottesgeistes in ihm. Wer diesen Geist 
schmäht, hat eine unvergebbare Sünde begangen (Mt. 12, 32; 
Mk. 3, 29; Lk. 12, 10). Lukas bringt dies Wort an anderer Stelle. 
Auch, die Anknüpfung mit öid toOto X^tiu i)|liTv (Mt. 12, 31) und 
d^1^v XefUJ iJ|LiTv (Mk. 3, 28) sprichit gegen die Ursprünglidikeit an 
dieser Stelle. Der Inhalt verbürgt aber, daß das Wort in einen ähn- 
liciien Sinnzusammenhang gehört. Zu erwähnen ist nodi das im 
Anschluß an den Wunderbericht der Jünger gesprochene Wort vom 
Sturz des Satans (Lk. 10, 18), das inhaltlich mit dem von der Bin- 
dung des Starken zusammengehört. 

All diese Worte Jesu haben ein Gemeinsames: sie rechnen mit 
seiner Wunderwirksamkeit und ordnen sie in die Gesamtheit seiner 
Tätigkeit ein. Die Wunder zeigen, daß er der Kommende ist, der 
den Starken gebunden hat, daß mit ihm die Gottesherrschaft 
kommt. Sie sollen die Menschen zum Glauben führen. Ihr Miß- 
erfolg, der Anstoß an ihnen, ist Anlaß zum Weheruf, verursacht 
die unvergebbare Sünde. Bedeutsain ist die geringe Zahl der Worte 
Jesu, die seine Wunder erwähnen. Jesus spricht nur da von seinen 
Wundern, wo der Anlaß dazu durch die Worte oder das Verhalten 
anderer an ihn herangetragen wird^^). Diese Tatsachen zeigen, daß 
keine Reflexion über die Bedeutung des Wunders vorliegt. Jesus 
tut die Wunder nicht zu seiner Beglaubigung, er lehnt das gefor- 
derte armeiov ab^®). Er verweigert den Einwohnern von Nazareth 
die gewünsciite Machttat (Lk. 4, 23 ff.). Er ist wesensmäßig als der 
Christus der Heiland und Helfer und an seinen Taten als solcher 
zu erkennen. Darum entscheidet sich, an ihnen der Mensch; sie 
werden zum Glaubensanlaß oder zum A,nstoß. Und diese Entschei- 
dung ist Gegenstand der Verkündigung Jesu in den angeführten 
Worten. Es fehlen in der Ausspruchüberlieferung Stellen, an denen 



18) Hier macht freilich Lk. 4, 18—21 eine Ausnahme. Den Anlaß 
bietet da der Inhalt der Jesajastelle. 

19) Siehe unten S. 24 f. 



21 

die Wunder irgendeine Ausdeutung erfahren oder als Beweis hin- 
gestellt werden. Eine innerliche Vermischung von Aussprudi- und 
Wunderüberlieferung hat also auch, in der ersteren nicht statt. 

So sehr die innere und äußere Selbständigkeit der beiden Über- 
lieferungsgruppen ein gutes Zeidben für die synoptische Tradition 
ist, so wenig Vertrauen würde es für sie erwecken, wenn die 
Wunder Überlieferung innerhalb der übrigen Teile der Evangelien 
gar keine Erwähnung fände. Hierfür sind die genannten Jesus- 
worte von großer Wichtigkeit. Sie verankern die Wundertradition 
in der Worttradition. Solch eine Verankerung erfolgt aber niciit 
nur durch die bereits angeführten Worte, sondern durch alle Stellen 
innerhalb der Worttradition, die Jesu Wunder voraussetzen. 

Das ist bei einer Anzahl Jesusworten der Fall, die sicii nicht auf 
seine eigenen Wunder beziehen, sondern auf die seiner Nachfolger. 
In den Aussendungsreden ist der Auftrag zur Heilungstätigkeit an 
die Jünger in direkter Rede Mt. 10, 7 f. und Lk. 10, 9 enthalten; 
indirekt wird Mt. 10, 1, Mk. 3, 15 und 6, 7, Lk. 9, 1 f. davon bericii- 
tet. In der Form der Verheißung spricht Jesus Lk. 10, 19 f. und im 
zugesetzten Markussciiluß 16, 17 f. von den Wundern der Jünger. 
Der Spruch von dem kleinen Glauben, der große Taten vollbringt 
(Mt. 21, 21; Mk. 11, 22 f.; Lk. 17, 5 f.) und die Selbstverständlichkeit, 
mit der Mt. 7, 22 von den Madbttaten seiner Naciifolger spridit, sind 
gleichfalls nur verständlicii, wenn sie mit Jesu eigener Wunder- 
tätigkeit rechnen. 

In zwei Ausspruciigeschichten finden sich außerfialb der Worte 
Jesu Sätze, die auf seine Wunder Bezug nehmen oder sie voraus- 
setzen. Das ist der Fall in der Gesdhichte von der Verwerfung in 
Nazareth, wo die Folgen der Wunder Jesu (Mt. 13, 54; Mk. 6, 2) 
erwähnt sind und sogar ein kurzer Wunderbericht vorliegt (Mt. 13, 
58; Mk. 6, 5), und in der Geschichte vom fremden Exorzisten (Mk. 
9, 38 — 41; Lk. 9, 49 f.). Sch^werlidi würde jemand im Namen Jesu 
Dämonen ausgetrieben haben, wenn es der Meister selbst nicht 
tat^). 

Anhangsweise sei noch das Material zusammengestellt, das außer- 
halb der eigentlichen Wunder- und Ausspruchtradition von Jesu 

20) Vielleicht gehört auch die Geschichte von der Frage nach der Voll- 
macht Jesu hierher (Mt. 21, 23—27; Mk. 11, 27—53; Lk. 20, 1—8). Dodi 
liegt wohl die spezielle Beziehung auf die Tempelreinigung vor. 



22 

Wundem spricht. Der Bericht über das Urteil des Herodes über 
Jesus sagt, daß er ihn um der Machttaten willen für den auferstan- 
denen Täufer hält (Mt. 14, 2; Mk. 6, 14; Lk. 9, 7 u. 9). Gleichfalls 
ist es Herodes, von dem Lk. 25, 8 sagt, daß er ein Wunder Jesu er- 
wartet, und schliefilidi ist in der Geschichte von den Emmausjüngern 
(Lk. 24, 19) von den Wundern die Rede. Außerhalb der eigentlichen 
Wunder- und Ausspruchtradition stehen femer drei Stellen, wo 
Erzählungen von Jesus wunderbare Züge tragen, ohne daß eine 
eigentliche Wundergeschichte vorliegt. Es ist das die Beschaffung 
der Eselin (Mt. 21, 2—6; Mk. 11, 2—6; Lk. 19, 30—34), die Vorberei- 
tung des Abendmahls (Mt. 26, 17—19; Mk. 14, 12—16; Lk. 22, 7—13) 
und die Heilung des Ohres des Hohenpriesterknechts (Lk. 22, 51). 
Schließlich gehören sämtliche summarisdien Wunderberichte hierher: 
Mt. 8, 16 f.; Mk. 1, 32—34; Lk. 4, 40 f. — Mt. 4, 23—25; Mk. 1, 39. — 
Mt. 9, 35. — Lk. 7, 21 2^). — Mt. 12, 15; Mk. 3, 10 f.; Lk. 6, 18 f. — 
Mt. 14, 14; Lk. 9, 11. — Ml 14, 35 f.; Mk. 6, 55 f. — Mt. 15, 29—31. — 
Mt. 19, 1 f. — Mt. 21, 14. 



Als Zusammenfassung dieses Kapitels diene eine statistische 
Übersicht über die gegenseitige Vermischung der Wunder- und 
Worttradition. (Siehe nächste Seite.) 

Die Zahlen zeigen, wie geringfügig das Ineinander von Wunder- 
und Wortüberlieferung ist. Nur 18 Einzelstücke in den Evangelien 
außerhalb der Wundererzählung selbst (wobei die synoptischen 
Parallelberichte allerdings nicht mitgezählt sind) erwähnen die 
Wunder Jesu oder setzen sie voraus. Darin zeigt sidi, wie wenig 
das Wunder eine Aufbauschung erfahren hat, die es zur Beglau- 
bigung verwandte; es genügt aber andererseits, um seine natür- 
licherweise anzunehmende Verankerung in den übrigen Teilen 
der Evangelien zu bestätigen. Bezüglich der Wortüberlieferung ist 
es ein sehr günstiges Merkmal, daß sie eine darüberhinausgehende 
Beschäftigung mit den Machttaten nidit enthält ^^). Daß die ge- 



21) Dieser summarisdie Heilungsbericht ist in die Aussprudigeschiehte 
A^on der Anfrage des Täufers eingesdioben. 

22) Aus der seltenen Erwähnung der Wunder innerhalb der Worttradi- 
tion den Schluß zu ziehen, daß man die Evangelien von den Wundern, 
die erst später hinzugekommen seien, „reinigen" könne und müsse, ver- 
bietet sidi aus zwei Gründen. Erstens ist die Verankerung zu stark und 



23 



Das Wort im Wunder. 



Zahl der selbständigen Wundergeschichten 
überhaupt 

Davon gemischte Wunder- und Ausspruch- 
geschichten 

Zahl der Logien in den Wundergeschichten 



Das Wunder im Wort. 



1. Erwähnung der Wunder Jesu in seinen 
Worten 

2. Sonstige Worte Jesu, die sein Wunder- 
tun voraussetzen 

3. Worte Jesu überhaupt, die sein Wunder- 
tun voraussetzen (1. -{- 2.) 

4. Sonstige Erwähnung oder Voraussetzung 
der Wunder Jesu in den Ausspruch- 



Mt. 


Mk. 


Lk. 


17 


18 


18 


5 


4 


8 


3 


1 


— 



geschichten 



5. Erwähnung oder Voraussetzung der Wun- 
der Jesu in Erzählungen außerhalb der 
Wunder- und Ausspruchtradition . . . 

6. 3. + 4. -f 5 

7. In wieviel Eiuzelstücken überhaupt sind 
die Wunder erwähnt oder vorausgesetzt? 



Mt. 


Mk. 


Lk. 


5 


2 


6 


4 


3 


4 


9 


5 


10 


1 


2 


1 


1 


1 


3 


11 


8 


14 


10 


8 


14 



zus. 
53 

17 

4 

zus. 
13 
11 

24 



5 
33 

IS^^^) 



Summarische Wunderberichte 

Wunderbare Züge außerhalb geschlossener 
Wundergeschichten 



324) 



19 

8 



mischten Wunder- und Aussprudigeschidhiten innerhalb der Wunder- 
überlieferung einen etwas breiteren Raum einnehmen, ist nicht auf- 
fällig und widerspricht nidbt der historischen Wahrsdieinlichkeit^^). 

umfaßt Stücke, die zu unserem besten Material gehören. Zweitens 
zwingt die parallele Gesamtauffassung der Worte und Wunder Jesu so- 
wie die im weiteren Verlauf der Untersuchung nachgewiesene starke 
formale Parallelität der Wunder- und Ausspruchgesdiiditen zu dem 
Schluß auf gleichzeitige Entstehung und Formung dieser Teile der Über- 
lieferung. 

23) Bei dieser Zahl sind die synoptisdien Parallelberidite nicht mit- 
gezählt. Daher ergibt sie sich im Gegensatz zu den darüber stehenden 
nicht aus Addierung der Zahlen der drei Evangelisten. 

24) Hier ist auch der Vers von der Beschaffung des Staters mitgezählt. 

25) Siehe oben S. 15. 



2. Kapitel. 

Das Nebeneinander von Wort und Wunder. 

I. Die synoptische Gesamtauffassung von der Wort- und 

Wunderüberlieferung. 

War es Aufgabe des iersten Kapitels, die gegenseitige Vermischung 
von Wort- und Aussprucbüberlieferung in den synoptisdien Evan- 
gelien zu untersudhen, wobei sidi eine völlige innere und in weitem 
Umfang auch, eine äußere Selbständigkeit der beiden Überliefe- 
rungsgruppen ergab, so sollen sie in diesem Kapitel nebeneinander- 
gestellt und miteinander verglidien werden. Und zwar soll zuerst 
festgestellt werden, in welcher Weise die Gesamtheit des Lehrens 
und Wunderwirkens Jesu bei den Synoptikern nebeneinander 
erscheint. 

Inhalt und Grenze der Besonderheit, die in der Auffassung der 
Evangelien die Wunder gegenüber den Worten haben, wird am 
leichtesten am Sprachlichen klar. Das Wort der Evangelien für die 
Wunder Jesu ist öuvd|uiei<; „Machttaten'. Darin ist das enthalten, 
was sie vom Wort scheidet. Während bei den Worten das Einzig- 
artige der Gabe Jesu nur im Inhalt liegt, zeigt es sich hier audh in 
der Äußerungsform. Doch ist eine Reflexion über den Zweck der 
Wunder in „öuvd)aeis" nicht enthalten und liegt bei den ersten drei 
Evangelisten auch nicht vor. Es ist von Wichtigkeit, darauf zu 
adb-ten, daß das Wort arijaeiov innerhalb der synoptischen Über- 
lieferung nie von den getanen Wundern Jesu gebraucht wird^). 
„Wunder" bezeichnet es bei den Synoptikern nur in den abgelehn- 
ten Forderungen der Pharisäer (Mt. 12, 38 f.; Lk. 11, 29 f. — Mt. 16, 
1 u. 3; Mk. 8, 11 f. — Lk. 11, 16), der ähnlichen von Herodes handeln- 
den Stelle (Lk. 23, 8), vielleicht an zwei apokalyptischen Stellen 
(Lk. 21, 11 u. 25) und im zugesetzten Markusschluß (16, 17). In der 
Apostelgeschidite erst treten neben öuvct/uiei? Tepaia und criqiLieTa als 
Bezeidinungen für Jesu Wunder. In (TriMCiov steckt der Sinn des 



1) Es ist darum ungenau, in bezug auf die synoptisdien Wunder von 
„Zeidien" zu sprechen (so Schlatter, Gesdiidite des Christus S. 225 f., Born- 
häuser S. 40). 



25 

Sidikundtuns Gottes oder des Sidierweisens des Täters durdi das 
Wunder sdion von der LXX her drin (z. B. 4. Mose 14, 22; 2, Mose 4, 
8; 9; 17; 30). Beispiele aus der rabbinisdien Literatur bringt Sdilat- 
ter (Matthäus S.416; 497; Johannes S.78; 82; 197; 227). Im Johan- 
nesevangelium bekommt dann öTjM^iov außerdem noch die Bedeutung 
des Hinweises auf eine in dem Wunder erkennbare, hinter ihm lie- 
gende besondere Kraft oder Gabe Jesu. Dibelius (S. 13.) will öuva^eig 
in Apg. 2, 22 auf Taten undWorte Jesu beziehen. Wir haben in 
den Synoptikern und der Apostelgeschichte aber keinen Fall, wo 
diese Beziehung nötig wäre*^), oft dagegen ist die Bedeutung 
„Wunder" ganz sicher. Auch in der tannaitisdien Literatur ist der 
Gebrauch von Tll'l^i^ = buvd|uei5 als „Machttat", „Wunder" beson- 
ders auch wie Apg. 2, 22 an Seite von Q'^Bi = crnMCia vorhanden (s. 
z. B. Sciilatter, Matthäus S. 260, Johannes S. 82). Der Gebrauch von 
ntlU^ hei den Rabbinen kommt wohl dem neutestamentlichen 
öuvd)iiei(; am nädisten. In der LXX ist das Wort vom Machtwirken 
Gottes in Natur und Geschichte gebraucht. Diese Anwendung, die 
auci. in der rabbinischen Literatur vorkommt, ist der neutestament- 
lichen verwandt, aber niciit gleich. Ähnlicher schon sind die von 
Sdilatter an den letztgenannten Stellen angeführten Midrasdisätze, 
wo ni1i;i5 — jedoch an der Seite von Di — von Mose gebraucht 
ist. Eine, gewisse Selbständigkeit behält der synoptische Spxach- 
gebraudi von buvd)Liei?^), weil für die Evangelisten Gottes Wirken 
in Jesu Taten einzigartig sichtbar wurde. Den Zeitgenossen schrei- 
ben die Tannaiten keine nil^l, Machttaten, zu. 

Die mit dem Wort buvdjuei? bezeidmete Sonderstellung der Wun- 
der verdeutlicäit den Unterschied in der Auffassung der Evange- 
listen von Jesu Wort- und Wunder wirken, der sich außer dem Ge- 
brauch dieses Ausdrucks auch in manciten Einzelheiten zeigt ^). 



2) Lk. 1, 17 bezieht sich 6üva|ni? vielleicht auf die Gesamtwirksamkeit 
des Elia. Vgl. Grundmann, S. 56. 

3) Der Einfluß der in der griechischen Literatur vorkommenden Bedeu- 
tung von 5uvd|uei? gleich Heilkräfte, Heilmittel liegt an einigen Stellen 
vor, darf aber nicht übersdiätzt werden. "Wahrscheinlich ist beim Über- 
gang der evangelischen Stoffe in die griechische Welt das jüdische buvciineiq 
= fll'lDil vielfach so verstanden und dann auch so angewendet worden. 
Derartige Stellen sindLk. 6, 19. — Mk. 5, 30; Lk. 8, 46. — Mt. 14, 2; Mk. 6, 
14. Vgl. Grundmann S. 61 ff. 

4) Siehe unten S. 70 ff. und 72 f. 



26 

Sie scbließt aber nidh,t eine weitgehende Parallelität in der Auf- 
fassung dieser beiden Seiten der Tätigkeit Jesu aus. Diese fällt 
zuerst an den Stellen auf, wo zusammenfassend von seinem Wirken 
die Rede ist. Stets tritt das Predigen oder das Heilen hervor, teil- 
weise wird sogar beides nebeneinander genannt. Das ist der Fall 
bei der Besdhireibung der Reisepredigt in Galiläa (Mt. 4, 23 — 24; 
Mk. 1, 39), in einem Matthäusberidit vor der Aussendungsrede (9, 
35) und in der lukanischen Einleitung des ersten Speisungswunders 
(9, 11). Bei der Schilderung des Auftretens in Nazareth (Mt. 13, 
53 — 58; Mk. 6, 1 — 6) wird ausdrücklidi hervorgehoben, daß Jesus 
dort nur wenig Wunder tun kann; im allgemeinen wird also seine 
Predigt von einer Fülle von Wundern begleitet gedacht. Audi nach 
der Tempelreinigung hören wir außer den Worten von Heilungen 
(Mt. 21, 13—16). An den übrigen Stellen ist nur von Wort oder 
Wunder die Rede. Die Parallelität entsteht dort durdi die gleich- 
artige Verwendung. Von der Predigt allein redet das Stück, das 
von Jesu erstmaligem Auftreten spridit (Mt. 4, 17; Mk, 1, 14 f.; 
Lk. 4, 15), die Markuseinleitung zur Jüngeraussendung (6, 6) und 
zur ersten Speisungsgeschidite (6, 34), die Lukasfassung der Reise- 
predigt in Galiläa (4, 44), ein Markuswort über Predigt in Judäa 
und im Ostjordanland (10, 1) und die Worte Jesu zu seinen 
Häsdiern: „Täglicii lehrte icb im Tempel" (Mt. 26, 55; Mk. 14, 49). 
Von Heilungen allein wird berichtet in einer Anzahl Summarien 
(Mt. 8, 16 f.; Mk. 1, 32—34; Lk. 4, 40—41 — Mt. 12, 15; Mk. 3, 10; 
Lk. 6, 18. — Mt. 14, 35 f.; Mk. 6, 55 f. — Mt. 15, 29 ff. — Mt. 19, 1), 
in der Matthäuseinleitung zum ersten Speisungs wunder (14, 14) und 
in Jesu Wort an Herodes, als er erfährt, daß der ihn töten wolle 
(Lk. 13, 32). 

Ähnlich ist die Lage bei den Berich-ten über die Folgen von Jesu 
Tätigkeit. Wort und Wunder sind nur bei der Schilderung des 
Eindrucks von Jesu Heilen und Verkündigen in der Synagoge von 
Kapemaum (Mk. 1, 27; Lk. 4, 36) und des Wirkens bei der Reise 
durch Galiläa (Mt. 4, 24 f.) genannt. Im übrigen aber werden die 
Folgen von Jesu Predigt- und Wundertätigkeit in stark paralleler 
Weise geschildert. Von der Verbreitung der Kunde oder dem 
Wachsen seiner Anhängerschaft als Folge seiner Worte ^) hören wir 



5) Die Fälle der Ausbreitung der Kunde von Jesus durdh einen bestimm- 
ten Menschen sind hier nicht angeführt. 



27 

Lk. 4, 14, als Folge seiner Wunder nadi der Aussätzigen-Heilung 
(Lk. 5, 15), der Auferweckung des Jünglings zu Nain (Lk. 7, 17), der 
Heilung der verdorrien Hand (Mk. 3, 8) und der Auferweckung der 
Todbter des dpxiffuvdTUJYo? (Mt. 9, 26). An anderen Stellen wird 
der Eindruck seiner Wirksamkeit genauer angegeben, und zwar 
meist ein positiver: Entsetzen, Furdit, Erschrecken, Dankbarkeit, 
Freude °). Ersdirecken über Jesu Lehre ist bei Matthäus Folge der 
Bergpredigt und wird von Markus und Lukas nadi dem Auftreten 
in der Synagoge zu Kapernaum berichtet (7, 28 f.; bzw. 1, 22; bzw. 
4, 32), außerdem von Markus nadb. der Predigt bei der Tempel- 
reinigung (11, 18). Das Volk ersdirak nach Mt. 22, 33 audb. nadi der 
Antwort auf die Sadduzäerfrage. Lukas beriditet, daß ihn danadi 
niemand mehr zu fragen wagte (20, 40), während Matthäus das als 
Folge der Frage nadb. der Davidsohnschaf t des Messias besdireibt (22, 
46). Erstaunen stellte sich bei den Fragestellern nadi allen Evange- 
listen auf Jesu Antwort auf die Zinsgrosdienfrage hin ein (Mt. 22, 
22; Mk. 12, 17; Lk. 20, 26). Besdiämung der Gegner und Freude des 
Volks ist die Folge von Jesu Freiheit dem Sabbatgesetz gegenüber 
(Lk. 13, 17). Markus beriditet am Schluß der jerusalemisdien Streit- 
gesprädie (12, 37), daß das Volk ihn gerne hört, und Lukas sagt 
sdion von seiner ersten Predigttätigkeit, daß er ihretwegen von 
allen gepriesen wurde, und nadb. der Predigt im Tempel, daß das 
Volk an ihm hing (4, 15; 19, 48). Als Folge der Wunder berichtet 
uns Markus nadi dem Meerwandeln das Entsetzen der Jünger (6, 
51), Ersdbrecken war die Wirkung der Taubstummenheilung (Mk. 
7,37) und der Heilung des epileptischen Knaben (Lk. 9, 43). Furdit 
befiel die Einwohner von Gerasa nach der Heilung des Besessenen 
(Lk. 8, 37). Furdit und Staunen (nadi Matthäus nur Staunen) ergriff 
die Augenzeugen von Jesu Sturmstillung (Mt. 8, 27; Mk. 4, 41; Lk. 
8, 25). Furdit und Dankbarkeit gegen Gott waren die Gefühle 
derer, die die Auferweckung des Jünglings zu Nain miterlebten 
(Lk, 7, 16). Gott lobten audi, die die Heilung des Giditbrüchigen 
mitansahen (Mt. 9, 8; Mk. 2, 12; Lk. 5, 26) und die Begleiter Jesu 
bei den Heilungen auf dem Berg (Mt. 15, 31). Die Wirkung der 
einen Dämonenaustreibung (Mt. 9, 33; Lk. 11,14) Avar Erstaunen der 
Leute, nadi der anderen (Mt. 12, 23) fragten sie: „Ist dieser nidit 



6) All diese Gefühle sind als positive Stellimg zu Jesu Tat oder Wort 
anzusehen. 



28 

der Davidsohn?" Feindsdbaft war die Folge der Heilung der ver- 
dorrten Hand am Sabbat (Mt. 12, U; Mk. 3, 6; Lk. 6, 11). Der An- 
schlag der Pharisäer (und Herodianer), der hier berichtet wird, hat 
nicht die Heilung, sondern die Übertretung des Sabbatgebots, also 
eine Lehrentscheidung zum Anlaß. Ebenso war aber Jesu Dämonen- 
austreiben der Grund, ihm feindlich gegenüberzutreten und Bünd- 
nis mit Beelzebub vorzuwerfen (Mt. 12, 24; Mk. 5, 22; Lk. 11, 15; 
Mt. 9, 34). 

Bei dieser Aufzählung der Folgen des Wirkens Jesu muß darauf 
hingewiesen werden, daß die Berichte von der Wirkung bei den 
Wundern im Verhältnis zu dem sonstigen Umfang der Überliefe- 
rung zahlreicher sind als bei den Worten. 

Wie man Jesu Wirken in gleidier Weise als Wort und Wundertat 
ansah, zeigen besonders nodi zwei Stellen: Lk. 6, 17 f. berichtet, daß 
die Leute zu ihm kamen, um ihn zu hören und sich heilen zu lassen. 
Und besonders widitig ist das Wort der Emmausjünger, die Jesus 
als einen „Propheten mächtig in Wort und Tat vor Gott und allem 
Volke" bezeichnen (Lk. 24, 19). 

Der Parallelismus von Wort und Wunder, den wir in den Evan- 
gelien finden, zeigt sicii auch dort, wo von Jesu Auftrag an die 
Jünger die Rede ist. Wie die Wirksamkeit des Meisters, so soll auch 
die ihre sein. Dieses Nebeneinander findet sich bei der Berufung der 
Jünger (Mk. 3, 14 f.), in der Einleitung der Aussendungsrede (Lk. 9, 
1 f.), in den weiteren Worten (Mt. 10, 7 f. und Lk. 10, 9) und in dem 
Bericht über die Tätigkeit der Jünger (Mk. 6, 12 f.; Lk. 9, 6). 

Die starke Entsprediung in der Behandlung des Wortes und des 
Wunders, die die ganzen synoptischen Evangelien durchzieht, hat 
ihren Grund in der parallelen Beurteilung dieser beiden Seiten der 
Tätigkeit Jesu'^). Darauf sei noch ein kurzer Blick geworfen^). 
Jesus wirkt unter den Menschen durch zwei Gaben, die er gibt: sein 
Wort und sein Wundertun. Wie das Wort die Nähe des Gottesreichs 
verkündigt, so ist es im Wunder wirkungskräftig geworden®). Wie 



7) Vgl. Schlatter, Geschichte des Christus, S. 226 f. — Wrede, S. 79: 
Das Volk betrachtet nach Markus „die Lehre und die Madit über die un- 
reinen Geister als Ausfluß einer und derselben Gewalt". 

8) Über die Versdiiedenheit in der Beurteilung von Wort und Wunder 
siehe oben S. 24 ff. 

9) Auf diese Tatsadie weist sehr entschieden Georg Traue hin: „Das 
Wunder Jesu als Wort Gottes" S. 6; 53 u. passim. 



29 

er mit VoUmadit *®) ausgestattet sich Herr nennt über den Sabbat, 
das für Menschen gegebene Gesetz beseitigt, wo er es für nötig Hält 
(Ehesdieidung) ^^), wie er das sündenvergebende Wort zum Ent- 
setzen der geistlidien Führer ausspxidit, so wird seine Kraft auch 
nicht durch, die Mächte der Natur beschränkt, sondern er befiehlt 
ihnen als der Herr und kämpft gegen die den Menschen bedrän- 
genden feindlichen Krankheiten und Geisten ^^). Wie sein Wort 
Heilsbotschaft ist, so erscheint in seinen Madhttaten, „daß Gott sein 
Volk heimgesucht hat" ^^), daß sein Wirken auf der Erde geschieht; 
aber gerade das soll den Menschen zur Umkehr bringen. Jesus 
predigt die Buße und erwartet sie als Folge seiner, Wunder ^^). Und 
je nach der Einstellung der Menschen zu Jesu Wort und Wunder 
führt beides die KplcTiq herbei, die sie scheidet. Im Schlußgleichnis 
der Bergpredigt (Mt. 7, 24—27; Lk. 6, 47—49) und in dem Wort 
vom Zweck der Gleichnisrede (Mt. 13, 10—13; Mk. 4, 10—12; Lk. 8, 
9 f.) stellt Jesus sie als Folge seiner Predigt hin. In der Antwort auf 
die Täuferfrage zeigt er als Folge von Wort und Wunder beiden 
warnend die Möglichkeit des Ärgernisses an ihm (Mt. 11, 6; Lk. 7, 
23). Selig preist er andrerseits die Menschen, die sein Wirken 
hören und sehen dürfen (Mt. 13, 16 f.; Lk. 10, 25 f.). Das Wehe wird 
über die gesprochen, die aus seinen Madittaten nicht für ihr Leben 
die Folgerungen ziehen ^^). Der Anstoß, den sein Wirken in Wort 
und Wunder hervorruft, ist letzten Endes die Ursache der Feind- 
schaft der Volksführer und damit des Ausgangs Jesu^°) ^'^). 

10) Der Ausdruck ^Souaia ersciieint als derjenige, der Jesu Gesamtwirk- 
samkeit in ihrer Ursache zusammenfaßt. Er wird verwendet für seine 
Lehre (Mt. 7, 29; Mk. 1, 22; Lk. 4, 32), die in der Tempeheinigung Tat 
gewordene Lehre (Mt. 21, 23—27; Mk. 11, 27—33; Lk. 20, 1—8), die Sün- 
denvergebung (Mt. 9, 6; Mk. 2, 10; Lk. 5, 24; Mt. 9, 8) und die Vertreibung 
der Geister (Lk. 4, 36). Er bezeichnet das Besondere, das Jesus gegenüber 
den großen Lehrern seiner Zeit hat (Mt. 7, 29). Vgl. Grundmann S. 57 ff. 

11) Mt. 19, 7 ff.; Mk. 10, 5 ff. — Über die Auswirkung der Hovaia 
Jesu in seiner Ethik s. Gerhard Kittel, S. 93 ff. 

12) Vgl. Wrede S. 79. 

13) Lk. 7, 16. 

14) Mt. 11, 20—24; Lk. 10, 13—15. 

15) Mt. 11, 20—24; Lk. 10, 13—15. 

16) Vgl Edwin C. Hoskyns, S. 92. 

17) Hier sollte nur von der inhaltlichen Parallelität der Gesamtauf- 
fassung von Wort und Wunder die Rede sein. Die des Einzelstücks wird 
S. 64 ff. behandelt werden. 



50 

IL Die Einzelgfestaltung der Wundergeschichten im Verhältnis 
zu den Ausspruchgeschiditen. 

Es ist zu fragen, ob die Parallelität, die in der Auffassung von 
Wort und Wunder dann vorliegt, wenn die Evangelisten Jesu 
Tätigkeit zusammenfassen oder rückblickend betrachten, audi in 
Form und Inhalt des Einzelstücks der beiden Uberlieferungs- 
gruppen zu finden ist. 

Der Aufbau der synoptisdien Wundergesdiiditen muß zuerst für 
sidb untersucht werden, um dann mit dem der Aussprudigesdiichten 
verglidien zu werden. Bei dem größten Teil der Wundergesdiiditen 
läßt sidi eine gewisse Einbeitlidikeit im Aufbau feststellen. Es sind 
das diejenigen, die eine ausgeführte Wundertat Jesu wirklidi erzäh- 
len. Die anderen, bei denen der Vollzug des Wunders nur am Erfolg 
konstatiert wird oder sogar nur vorausgesetzt wird, zeigen weniger 
Gemeinsames. Es. fohlt ihnen der Höhepunkt, zu dem bei den 
meisten Wundern der ersten Gruppe die ganze Handlung hinläuft 
und von dem an sie dann wieder abklingt. Bei den Wundern, die die 
Ausführung der Tat selbst beriditen, sind die reinen Wunder- 
gesdiiditen von denjenigen zu sondern, die nebenher eine Aus- 
sprudipointe haben. Diese kann bis zur Verdrängung der Wunder- 
pointe in den Vordergrund treten. Zuerst sollen die reinen Wunder- 
gesdiiditen behandelt werden. 

Bei den S. 31 ff. aufgestellten Sdiemata sind die Gesprädie und 
die Gesprädien parallelen Handlungen Jesu und seiner Partner 
besonders herausgehoben, und mit den Budistaben A, B, C, D be- 
zeichnet. Das erleiditert den späteren Vergleidi mit den Aus- 
sprudierzählungen. Außerdem wird sidi ergeben, daß diese Auf- 
teilung in „Gesprädisgänge" (die aber audi in Handlung und 
Gegenhandlung bestehen können,) dem Charakter der Wunder- 
gesdiiditen gemäß ist. Ihre Verwandtsdiaft in der Gestaltung mit 
der Aussprudiüberlieferung legt sidi nadi der im vorigen Absdinitt 
festgestellten parallelen Gesamtauffassung der beiden Überliefe- 
rungsgruppen in den Evangelien als Annahme nahe und muß sidi 
an der Anwendbarkeit dieser Analyse erweisen. Bei der Aufteilung 
der Gesdiiditen in „Handlungsgänge" steht der formale Gesidits- 
punkt vor dem inhaltlidien. Es soll nur die Folge der Reden und 
Gegenreden, Handlungen und Gegenhandlungen festgestellt wer- 



31 



den; auf ihre inhaltlidie Zusammengehörigkeit ist erst in zweiter 
Linie eingegangen. Es ergibt sidi, daß jede formale Versdiiedenheit 
auf eine inhaltliche schließen läßt, so daß die Einteilung der 
Wundergeschichten nacjh ihrem Aufbau zugleich eine nach ihrem 
inhaltlichen Charakter bedeutet. Dodi sind hier die formalen Ge- 
ßiditspunkte in die erste Linie gestellt, weil sie die größere Objek- 
tivität ermöglichen. Auf die inhaltlichen Charakteristika wird oft 
hingewiesen. 

Mit den lateinischen Buchstaben A, B, C, D werden die in den 
Quellen in direkter Rede angeführten Worte bezeichnet. Für in- 
direkte Rede sind die griech.is(iien Buchstaben a, ß, y> ö angewen- 
det. Die hebräischen Zeichen ^, 3, -H, T sind für die den Gesprächen 
entspreciienden Handlungen und Gegenhandlungen gesetzt. A, a, 
^^ bezieht sidi stets auf den oder die Hilfesuchenden, B, ß, ^ auf 
Jesus, während mit den dritten und vierten Buchstaben andere noch 
hinzukommende Personen bezeichnet werden. Für bestimmte oft 
wiederkehrende Teile der Wundergeschichten sind Bezeidinungen 
gewählt, die inhaltlich bestimmt sind, weil dieser Inhalt für die 
Form der Geschichten belangreich ist. Greifen beide Arten inein- 
ander über, so sind zwei Bezeichnungen angegeben. Mit E sind Ein- 
leitungen gemeint, die mit der Saciie noch nichts zu tun haben, mit 
SS solche, die die Gesdiichte vorbereiten. G bedeutet erzählende 
Sätze innerhalb der Geschichte, H den Eintritt des Wunders. Kr. 
bezeichnet Krankheitsschilderung, K Konstatierung der Heilung an 
einer Handlung, W Wirkung auf die Zuhörer, 98 Wirkung auf den 
Hilfesucihenden, V Verbreitungsverbot, Ü Verbreitung der Kunde 
von Jesus. In den kurzen Inhaltsangaben der Sätze soll nidit Voll- 
ständigkeit der Wiedergabe angestrebt werden. 



^ 



A 
B 
H 



W 
U 



Der Besessene in der Synagoge zu Kapernaum 
(Mk. 1, 23— 28; Lk. 4, 33—37). 



Ein Besessener ist da 



„Wir kennen dich . 
(pilLiiOeriTi . . , 
Anfall und Heilung 



Alle staunen und sprechen . . 
Verbreitung der Kunde 



35 



A 
B 
H 



W 
U 



Ein Besessener ist da 



„Ich kenne dich . . 
(pi|iiIj6riTi . . . 
Anfall und Heilung 



Alle staunen und sprechen . 
Verbreitung der Kunde 



52 

Die Erzählung beginnt mit dem Angriff des Dämonisdien bzw. des 
Geistes, der sidi Jesus vom Leibe halten wilP^). Der Höhepunkt 
ist das {pi|au)6TiTi. Schon mit der Sdiilderung des Anfalls und des 
Ausfahrens des Geistes ist er überschritten. Die eigentlidie Hand- 
lung hat also nur einen Gang: Angriff — Gegenangriff und Sieg 
Jesu. Die Wirkung ist sowohl für die Anwesenden wie für die 
Umgebung besdirieben. 

Heilung eines Taubstummen (Mk. 7, 31 — 37). 
Er kommt nach der Dekapolis 



2 B 
H 



Man bittet ihn, dem Kranken die Hand aufzulegen 

Er sondert ihn ab, legt die Finger in seine Ohren, speit, berührt 

seine Zunge, sieht zum Himmel, seufzt und spricht iqxpadd 
Eintritt der Heilung 
Verbreitungsverbot 



ü 
W 



Übertretung dieses Verbots 
Erschrecken der Zuhörer und Freude 



Der Stil dieser Gesdbidite ist sehr breit und ausführlich. Sie hat eine 
lange Einleitung und zwei Schlußsätze. Der Hauptteil ist mit der 
langen Heilungsbeschreibung ebenfalls stark ausgemalt. Trotzdem 
fehlt auch hier nicht das Zulaufen auf die Pointe, die das IcpqpaGd 
bildet. Die Gesciiichte besteht aus zwei Gängen: Bitte — Heilungs- 
wort, Eintritt der Heilung — Verbreitungsverbot. Der Eintritt der 
Heilung vertritt im Aufbau eine Gegenhandlung des Kranken: es 
geschieht etwas an ihm. Deutlich ist es, daß nur der erste Gang 
stark hervortritt, während der zweite — mit fallender Handlung 
— kaum als solcher zu rechnen ist. Er geht stark in der umgebenden 
Erzählung unter, während der erste infolge des Hervortretens des 
ecpqpaGd seine deutliche Erkennbarkeit behält. 

Die Aussätzigenheilung 

(Mt. 8, 2—4; Mk. 1, 40—45; Lk. 5, 12—15). 

Schema s. nächste Seite. 

Der Aufbau dieser Erzählung ist dem der vorigen ähnlich, aber 
viel prägnanter. Ausführlich ist nur der Schluß bei Markus und 
Lukas, der bei Matthäus fehlt. Der Hauptteil zerfällt in zwei 
Gänge: Bitte — Heilungswort, Heilung — Venbreitungsverbot. Der 

18) S. Johannes Weiß S. 142 f.; Bauernfeind S. 12. 



33 



9 


Ein Aussätziger 
bittet 


iB 


Ein Aussätziger 
bittet 


^ 


Ein Aussätziger 
bittet 


A 

:i B 

H 
BiV 


„Wenn du willst. ." 
Berührung 
Heilungswort 
Heilung 

Verbreitungsver- 
bot, Sendung zum 
Priester 


A 

n B 

H 

^iBi 

V 


„Wenn du willst.." 
Berührung 
Heilungswort 
Heilung 

Anfahren,Verbrei- 
tungsverbot, Sen- 
dung zumPriester 


A 

n B 

H 
BiV 


„Wenn du willst.." 
Berührung 
Heilungswort 
Heilung 

•Verbreitungs ver- 
bot, Sendung zum 
Priester 






u 
w 


Verbreitung der 

Kunde 

Zulauf 


W 


Zulauf 



zweite Gang tritt nidit so zurück wie im vorigen Wunder, da das 
Verbreitungsverbot in direkter Rede angefiibrt ist und die Sen- 
dung zum Priester hinzukommt. Trotzdem ist das GeXuj, KaOapicrGriTi 
deutlich der Höhepunkt. Das Eintreten der Heilung vertritt auch 
hier im Aufbau der Gesdiidite die Stelle einer Gegenhandlung des 
Kranken. Bei Markus ist vor dem Verbreitungsverbot nodh. von 
einem „Anfahren" die Rede^'^), doch ändert das bei ihm den Auf- 
bau nicht. 

Der Seesturm (Mt. 8, 23—27; Mk. 4, 36—41; Lk. 8, 22—25). 
Schema s. nächste Seite. 

Die Einleitung des Stücks ist die als Exposition erforderliche Sdiil- 
derung- der Lage; der Schluß erzählt wie bei vielen Wundergeschidb.- 
ten die Wirkung der Machttat. Der Mittelteil hat insofern etwas 
Besonderes gegenüber den bisher behandelten Wundern, als zweier- 
lei Beziehungen darin auftreten. Bei der Heilung ist der Kranke 
der Bittende und der, an den das Machtwort gerichtet wird, zu- 
gleich. Beim Naturwunder ist das nicht der Fall. Bei Markus und 
Lukas stellt sich das so dar: es gehört zusammen die Bedrohung 
des Meeres und das Eintreten der Stille, die Bitte der Jünger und 
der Tadel ihres Unglaubens. Die Verknüpfung von beiden geschieht 
dadurch, daß die Bedrohung des Sturms gleichzeitig Erfüllung der 
Bitte ist. Der Inhalt ist also bei Markus und Lukas nadi dem chia- 
stischen Sdiema angeordnet (a b b' a). Bei Matthäus geht der Tadel 
der Sturmstillung voraus, bei ihm haben wir also das Schema 

19) Siehe unten S. 95. 

Pereis. H 



u 



E 


Jesus u. die Jung er 


E 


Die Jünger neh- 
men ihn ins Boot. 


E 


Er und die Jünger 


gehen ins Schiff 


Andere Schüfe 


steigen ins Boot 








sind da 






^ 


Er schläft im 


^ 


Er schläft im 


% 


Er schläft im 


Sturm 


Sturm 


Sturm 


A 


„Hilf, Herr . . ." 


A 


„Meister, küm- 
mert. .." 
Er bedroht das 


A 


„Meister, wir ver- 
gehen" 
Er bedroht Wind 






ßB 


Meer und spricht: 
Verstumme ! 


ß 


und Meer 


n 


Vorwurf des Un-, 










B 


glaubens 

Er erhebt sich und 










Gßi 


bedroht Wind u. 
Meer 










H 


Es wird ganz still 


H 


Es wird ganz still 
Tadel des Un- 


H 


Es wird ganz still 
Tadel des Un- 






ß. 


glaubens 


ßi' 


glaubens 


W 


Staunen 

der Menschen 


W 


Furcht u. Staunen 


W 


Furcht u. Staunen 



a a' b b'. Bei Matthäus und Lukas bildet die Bedrohung des Windes 
imd Meeres zusammen mit dem Satz, daß das Wunder eintrat, den 
Höhepunkt, dodi liegt der Nachdruck wohl stärker auf dem Satz, 
der von der Bedrohung spridit. Bei Markus ist die Hervorhebung 
des MaditViTortes durdi die direkte Rede nodi deutlidier. Der Auf- 
bau dieser Geschidite ist dem der bisher behandelten Heilungs- 
gesdiiditen ähnlidi: Bitte, Madbtwort (Höhepunkt), Eintritt des 
Wunders, Wirkung. 

Heilung eines Besessenen bzw. zweier Besessener (Mt. 8, 28 — 34; 
Mk. 5, 1—20 ; Lk. 8, 26—39). Schema s. nächste Seite. 

In der Markus- und Lukasüberlieferung dieser Geschidite tritt die 
ausmalende Gestaltung sehr stark in den Vordergrund. Die Einlei- 
tung und Krankheitssdiilderung ist bei Markus ungewöhnlidi aus- 
führlich, die Besdireibung der Wirkung des Wunders füllt sieben 
V^erse. Dagegen ist im Mittelstück (Vers 7 — 13) eine gewisse Prä- 
gnanz erhalten geblieben. Es sind drei Gänge des Gesprädis erkenn- 
bar: (1. Wort Jesu) — Abwehr der Dämonen, Frage nadi dem 
Namen — Antwort, Bitte um Schonung — Austreibung. Dodi wird 



35 



Heilung eines bzw. zweier Besessener 
(Mt. 8, 28—34; Mk. 5, 1—20; Lk. 8, 26-39). 







E 


Sie sind im 
Gerasenerland 


E 


Sie sind im 
Gerasenerland 


^ 


Bei Gadara be- 
gegnen ihm zwei 
Schwerdämonische 


Kr. 
Kr.i 


Es begegnet ein 
Dämonischer 

Er wohnte in den 
Gräbern 

Er war nicht zu 
fesseln . . , 


Kr. 


Es begegnet ein 
Dämonischer 

Er wohnte in den 
Gräbern 






^. 


Er läuft schreiend 
zu Jesus 


^1 


Er läuft schreiend 
zu Jesus 


A 


Abwehr der 
Dämonen 


A 


Abwehr des 
Dämons 


A 


Abwehr des 
Dämons 






(B) 


Denn er hatte ge- 
sagt: Fahre aus! 


(B) 
Kr.i 


Denn er hatte ge- 
sagt, er solle aus- 
fahren 

Er war nicht zu 
fesseln . . . 






Bx 


„Wie heißt du?" 


Bi 


„Wie heißt du?" 






Ai 


„Legion" 


Ar 


„Legion« 






«2 


Schicke uns nicht 
außer Landes 


«2 


Schicke uns nicht 
in den Abgrund 


G 


Es war eine 
Schweineherde da 


G 


Die Schweine- 
herde 


G 


Die Schweine- 
herde 


A 


Schicke uns in die 
Schweine 


Aa 


Schicke uns in die 
Schweine 


«2 


Schicke uns in die 
Schweine 


B 


l!)TrclY6T6 


ß^ 


Er läßt sie 


ß^- 


Er läßt sie 


H 


Ausfahren der 
Dämonen 


H 


Ausfahren der 
Dämonen 


H 


Ausfahren der 
Dämonen 


W 


Flucht der Hirten 


W 


Flucht der Hirten 


W 


Flucht der Hirten 






K 


Die Leute sehen 
den Gesund- 
gewordenen 


K 


Die Leute sehen 
den Gesund- 
gewordenen 


Wo 


Sie bitten ihn, auß. 
Landes zu gehen 


W, 

(«3) 


Sie bitten ihn, ihr 
Land zu verlassen 

Der Geheilte will 
bei Jesus bleiben 


W2 

(«3) 


Sie bitten ihn, ihr 
Land zu verlassen 

Der Geheilte will 
bei Jesus bleiben 






V20) 


Er schickt ihn 
nach Haus 


V20) 


Er schickt ihn 
nach Haus 






u 


Er verkündigt 
seine Heilung in 
der Dekapolis 


u 


Er verkündigt 
seine Heilung in 
der ganzen Stadt 



20) Zu der Auslegung' dieses Satzes vgl. oben S. 7. 



36 . 

man dem Charakter dieser Gesdüdite nidit geredit, wenn man 
dieses henauskonstruierbare „Streitgespräch" als für ihren A,ufbau 
entscheidend widitig: ansieht. Dreierlei stört dieses Sdiema, das 
man — den bisher besprochenen Wundern parallel — aufstellen 
möchte: 1. der eingeschobene Satz Vers 8; 2. die zweimalige An- 
führung der Dämonenbitte, mit der dazwischen gegebenen Erwäh- 
nung der Sciiweineherde; 3. als Wesentliciies die Tatsache, daß das 
Austreibungswort Jesu niciit den Höhepunkt der Geschichte bildet, 
sondern dieser in der Schilderung des Ausfahren» liegt. Durcii diese 
drei Tatsadien und durch die Ausführlichkeit von Einleitung und 
Sdilußteil ist in dieser Geschiciite der Naciidruck weniger auf den 
Einzelpersonen, Jesus und dem Kranken, und ihnen Handlungen 
und Reden, als auf der Darstellung einer merkwürdigen Begeben- 
heit, die sidi durch Jesu Maciit zutrug. Bei Lukas tritt dieser Cha- 
rakter der Geschichte dadurch nodi stänker hervor, daß er den einen 
Teil der Krankheitssc^iilderung in das Gespräch hineinverlegt und 
daher dessen Aufbau noch weniger eine Rolle spielt. Anders ist die 
Matthäusdarstellung. Sie hat nur eine ganz kurze Einleitung, und 
ihr Schluß, der über die Folgen der Tat Jesu berichtet, geht an 
Umfang nicht über das hinaus, was wir von anderen Wunder- 
geschichten gewohnt sind. Im Gesprächsgang fehlt bei Matthäus die 
Frage an den Dämon und dessen Antwort. Bei ihm stellt sidi das 
Mittelstück als ein einziger Gang dar: Abwehrwort des Dämons 
und Bitte um Sdionung — Austreibung. Eine Angabe über ein 
erstes erfolgloses Austreibungswort Jesu wie bei Markus und Lukas 
fehlt. Dadurch, daß er das A.ustreibunjgswort in direkter Rede gibt, 
tritt es bei ihm viel stärker hervor als bei Markus und Lukas. In- 
folge der dann kommenden eigenartigen Wirkung stellt es freilidi 
nicht den Höhepunkt dar. Dadurch^ und durdi die Erwähnung der 
Schweineherde zwischen Abwehr der Dämonen und Bitte um Sciio- 
nung ist auch bei ihm die Prägnanz gestört. Doch steht sein Bericht 
den bisher behandelten Wundergeschich.ten und ihrer Darstellungs- 
weise sehr viel näher als diejenigen des Markus und Lukas. 

Die Gesdhichten von der Auferweckung der Tociiter des Syn- 
agogenvorstehers und von der Heilung der blutflüssigen Frau sind 
durch die Ineinanderstellung eng miteinander verbunden. Trotzdem 
greifen sie nicht ineinander über, so daß ihre getrennte Behandlung 
möglich und der Einfadb-heit halber empfehlenswert ist. 



37 



Die Heilung der blutflüssigen Frau 
(Mt. 9, 20—22; Mk. 5, 25—34; Lk. 8, 43—48). 







Kr 


Krankheit u. ver- 
gebl.Bemühen der 
Ärzte 


Kr 


Krankheit u. ver- 
gebLBemühen der 
Ärzte 


« 


Eine blutflüssige 
Frau berührt sein 
Gewand 


^f 


Berührung des Ge- 
wandes 


t< 


Berührung des Ge- 
wandes 


G 


Die Absicht d. Frau 


G 


Die Absicht d. Frau 










H 


Heilung 


H 


Heilung 






Gx 


Jesus fühlt die aus- 
geströmte Kraft 










B 


Frage, wer ihn an- 
gerührt habe 


B 
G 


Frage, wer ihn an- 
gerührt habe 

Alle leugnen 






C 


Die Jünger weisen 
auf d. Gedränge hin 


C 


Petrus: das Volk 
drängt dich 


Gx 


Er sieht sich um 
u. bemerkt die Frau 


Ga 

■ 


Ersieht sich nm,u. 
die Frau bekommt 
Angst 

Sie gesteht ihm 
alles 


Bi 
Gx 


Es hat mich jemand 
angerührt 

Die Frau bekommt 
Angst 

Sie gesteht ihm 
alles 


B 


Heilungswort 


Bi 


Verzeihung Jesu 


B2 


Verzeihung Jesu 


H 


Heilung 











Markus und Lukas haben eine ausführlidie Krankheitssdbilderung 
als Einleitung. Wie in der vorig'en Geschidite ist die ausmalende 
Gestaltung so reich, daß die präzise Aufeinanderfolge von Zug und 
Gegenzug nidit deutlidi hervortritt. Der Aufbau der Gesdiidbte 
läßt zwei Teile unterscheiden. Der erste hat einen Gang: Berührung 
— Heilung. Der zweite hat zwei Gänge: Frage Jesu — Antwort 
der Jünger bzw. Petri, Geständnis der Frau — gnädiges Wort Jesu. 
Bei Lukas steht zwischen beiden ein Wort Jesu, das eine unter- 
streidiende Wiederholung seiner Frage daistellt. Doch ist dieser 
Aufbau nidit das Wesentliche an der Gestaltung dieser Geschichte. 
Vielmehr liegt auf der wirkungsvollen Darstellung des wunder- 
baren Geschehens der Hauptnadidruck. Die Erzähler haben für die 



38 

Kranke im Vergleidi zu den anderen Heilungen großes Interesse. 
Trotz dieser den präzisen Beridit stark verwisdbenden Darstel- 
lungsart lieben sidi deutlidi zwei Höhepunkte heraus: 1, die Hei- 
lung der Kranken, auf die die Sdhilderung ihrer Not und ihres 
Glaubens hinleitet und 2. das Wort Jesu am Sdiluß, das die Span- 
nung löst, die durch seine Frage und das Schweigen der Frau ent- 
standen ist. Die Geschichte verliert durch diese doppelte Pointe an 
Einheitlichkeit. Es bleibt auch zweifelhaft, was bei Markus der 
Sinn cles Schlußwortes Jesu sein soll, das die Verheißung der Hei- 
lung enthält, nadidem sie schon eingetreten ist. — Wieder ist die 
Matthäusfassung der Geschidite im Aufbau den zuerst behandelten 
Wundern näher — hier sogar sehr nahe — verwandt. Nadi einer 
kurzen Einleitung folgt ein eingliedriger Handlungsgang: Berüh- 
rung — Heilungswort Jesu. Dann erfolgt die Heilung. Zwisdien 
Berührung und Heilungswort ist die auch bei Markus berichtete 
Erwartung der Frau, durch die Berührung gesund zu werden, 
erzählt, die aber enttäuscht wird. Dieser Zwisdiensatz hindert nicht, 
daß wir in der Matthäusfassung deutlich den Eindruck einer 
Wundergeschichte von der einfachen Art der zuerst behandelten 
haben. Sie hat wie diese ihren Höhepunkt im Heilungswort. 

Die Auferweckung der Tochter des Synagogenvorstehers 
(Mt9, 18f.; 23—26; Mk.5,2i— 24; 55—43; Lk.8,40— 42; 49—56). 

Schema s. nächste Seite. 

Die Überlieferung dieses Wunders schließt sich an die der beiden 
vorhergehenden an. Markus und Lukas haben eine Einleitung 
und einen sehr ausführlichen Schluß. Der eigentliche Hauptteil zer- 
fällt bei ihnen in drei Teile: 1. Vor der Geschichte von der blutflüs- 
sigen Frau. Dieser Teil besteht aus einem Gang: Bitte des Vaters ~ 
Jesu Einwilligung. 2. Die Spannung erhöhende Todesnachricht. 
Dieser Abschnitt birgt auch, einen Redegang in sich: die Botschaft 
der Hausgenossen — das Trostwort an den Vater. 3. Im Hause des 
Synagogen Vorstehers. Hier liegen zwei Handlungsgänge vor: das 
W ort an die Trauernden — ihr Lachen, das Erweckungswort — das 
Aufstehen des Mädchens. A,udh. in dieser Geschichte tritt für den 
unbefangenen Leser nur die Einteilung in drei Teile, nicht aber das 
Vorhandensein der einzelnen Gänge in den Vordergrund. Man 
empfindet das Ganze vielmehr als eine mit vielen Einzelheiten ohne 
scharfe Zusammenfassung, aber in großer Anschaulichkeit dargebo- 



39 



2J 


Ein Synagogen- 
vorsteher bittet ihn 


E 


Viel Volk war da 

Ein Synagogen- 
vorsteher (Jairus) 
bittet ihn 


E 
35 


Viel Volk war da 

Ein Synagogen- 
vorsteher bittet 
ihn 


A 

n 

G 

Bi 
D 

H 


Tod der Tochter u. 
Bitte um Handauf- 
legung 

Jesus geht mit 

Er sieht die Trau- 
ernden 

Geht hinaus! Das 
Mädchen schläft 

Sie verlachen ihn 

Er ergreift ihre 
Hand 

Sie steht auf 


A 

G 
C 

Bi 

Gl 

G» 

Bs 

D 

Gs 

nBa 
H 


Todkrankheit der 
Tochter und Bitte 
um Handauflegung 

Jesus geht mit 

Viel Volk drängte 

Nachricht vom 
Tode der Tochter 

Mahnung zum 
Glauben 

Er läßt nur wenige 
mitgehen 

Er sieht die Trau- 
ernden 

Das Mädchen 
schläft nur 

Sie verlachen ihn 

Er nimmt nur die 
Eltern mit 

Handergreifung 
und Heilungswort 

Sie steht auf 


G 

C 

Bi 

Gl 

G^ 

Ba 
D 

aBs 
H 


Tod der Tochter 

Jesus geht mit 

Viel Volk drängte 

Nachricht vom 
Tode der Tochter 

Mahnung zum 
Glauben 

Er läßt nur wenige 
mitgehen 

Er sieht die Trau- 
ernden 

Das Mädchen 
schläft nur 

Sie verlachen ihn 

Handergreifung 
und Heilungswort 

Sie steht auf 


U 


Ausgehen d.Kunde 


K 
W 

Vß, 
Kß, 


Sie geht umher 

Staunen 

Verbreitungs- 
verbot 

Er läßt ihr zu essen 
geben 


Kß, 
W 

V/Sß 


Er befiehlt, ihr zu 
essen zu geben 

Staunen 

Verbreitungs- 
verbot 



tene Erzählung. An ausmalenden Unterbrechungen haben wir 
(Mk. V. 24, Lukas V. 42) die Angabe, daß das Volk ihn drängte, die 
wohl die Gesdiichte von der Blutflüssigen vorbereiten soll, ferner 
(Mk. V. 37, Lukas V. 51) die Auswahl der vier Jimger und der 
Eltern, die allein ins Haus dürfen, und (Markus V. 40) die Mittei- 
lung, daß nur die Eltern und Begleiter in das Gemadi hinein- 



40 

gelassen werden. Die gesamte Darstellung läuft auf das Auf- 
erweckun^swort zu, das den Höhepunkt bildet. Dodi ist die Be- 
sdireibung des Aufstehen» so stark hervorgehoben, daß die Ge- 
schidtite erst danach — mit dem Bericht von der Wirkung und dem 
Verbreitungsverbot — abklingt. — Diese Erzählung ist bei Mat- 
thäus in drei Gänge zu zerlegen: Bitte des Vaters — Jesu Einwil- 
ligung, Wort an die Trauernden — Lachen, Auf erweckung — Erfolg 
derselben. In diesem Fall kann man freilich auch bei Matthäus nicht 
von einer großen Ähnlichkeit mit den zuerst behandelten Wundern 
sprechen. Dazu ist die Erzählung zu blaß. Das Auferweckungswort 
ist nicht gegeben, so daß das Wunder selbst als Höhepunkt gar 
niciit so hervortritt wie dort. Doci. bewirkt das Fehlen der Einzel- 
heiten, die Markus und Lukas bringen, immerhin eine gewisse 
Annäherung an die dortige präzise Erzählungsweise. 



E 



Der Jüngling zu Nain (Lk. 7, 11—17). 

Er, seine Jünger und viel Volk kommen nach Nain 
Der Trauerzug 



B 

Ba 
HK 

^3 , 



HY\ Kkale 

Er berührt die Bahre, die Träger stehen 

Auferweckungswort 

Der Jüngling setzt sich auf und beginnt zu reden 

Er gibt ihn seiner Mütter wieder 



W 
U 



Alle ergreift Furcht, und sie preisen Gott 
Verbreitung der Kunde 



Dieses Wunder schließt sich in der Gestaltung an die drei zuletzt 
behandelten in ihrer Markus- und Lukasfassung an. Einleitung 
und Schluß sind ausführlidi und sehr ansdhaulich^. Sie sind zu- 
sammen länger als der Hauptteil. In diesem handelt eigentlich nur 
Jesus, und zwar in drei Taten: er tröstet die Mutter, läßt den Zug 
halten, indem er die Bahre anfaßt, und spriciit das Auferweckungs- 
wort. Die einzige Gegenäußerung ist, daß der Jüngling sich auf- 
setzt und spriciit. Der Höhepunkt ist Jesu Erweckungswort. Gegen- 
über dem Markus- und Lukasberidit der drei vorigen Wunder hat 
dieser insofern seine Eigenart, als dort andere Personen außer Jesus 
eine viel größere Rolle spielten, während sie hier ganz zurücktreten. 



41 



Die Blindenlieilung bei Jeridio 
(Mi. 20, 29—34; Mk. 10, 46—52; Lk. 18, 35—43). 



^ 


Zwei Blinde am 
Weg bei Jericho 


35 


Bartimäus am Weg 
bei Jericho 


35 
a 

y 


Ein Blinder am 
Weg bei Jericho 

Er fragt, woher das 
Volk komme 

Sie sagen ihm, daß 
Jesus vorbeikommt 


A 


Ruf um Erbarmen 


A 


Ruf um Erbarmen 


Ai 


Ruf um Erbarmen 


y 


Das Volk will sie 
zur Ruhe bringen 


y 


Das Volk will ihn 
zur Ruhe bringen 


yi 


Das Volk will ihn 
zur Ruhe bringen 


Ai 


2. Ruf um Erbarm. 


Ai 


2. Ruf um Erbarm. 


As 


2. Ruf um Erbarm. 


^B 


Ruf Jesu u. Frage 
nach ihrem Begehr 


B 


„Ruft ihn herbei!" 

Mitteilung: Erruft 
dich 


ß 


Befehl, ihn herbei- 
zubringen 






«2 


Er läuft zu Jesus 


(«) 


Er kommt herbei 






Bx 


Was willst du 


Bi 


Was willst du 


Aa 


Bitte um Heilung 


A« 


Bitte um Heilung 


As 


Bitte um Heilung 


Si 


Heilende Berührg. 


Ba 


Heilungswort 


Ba 


Heilungswort 


H 


Eintritt d. Heilung 


H 


Eintritt d. Heilung 


H 


Eintritt d. Heilung 


3B 


Sie folgen ihm 


3B 


Er folgt ihm 


3B 
W 


Er folgt ihm 

Das Volk preist 
Gott 



Auda. in dieser Gesdiichte wieder gehören Markus und Lukas enger 
zusammen als Matthäus mit ihnen. Sie unterscheiden sich vom 
ersten Evangelisten außer durch das Vorhandensein nur eines Kran- 
ken dadurdhi, daß das „Volk" eine größere Rolle in ihren Berichten 
spielt. Einleitung und Schluß sind bei allen drei Evangelisten 
kurz. Bei Lukas findet sich eine Angabe über die Wirkung auf das 
Volk. Im Hauptteil ist die Bitte des Blinden in allen drei Berich.ten 
sehr hervorgehoben. Bei Markus liegen vier Gänge vor. Erster Ruf 
— Zurechtweisung durch das Volk, zweiter Ruf — Ruf Jesu, Her- 
beilaufen des Blinden — Frage Jesu, Bitte um Heilung — Heilungs- 
wort. Lukas hat denselben A,ufbau, aber zu Anfang noch einen 



^ ; 

Gang mehr: Frage des Blinden — Antwort der Leute. Andererseits 
ist bei ihm das Herbeikommen des Blinden nur sdiwadi durdi 
einen Nebensatz ausgedrückt. Markus hat zwisdbien zweitem und 
drittem Gang ein Wort der Volksmenge, worin sie dem Blinden 
Jesu Ruf mitteilt. Der Aufbau bei Matthäus besteht aus drei 
Gängen: Erster Ruf — Zurechtweisung durdi das Volk, zweiter 
Ruf — Ruf Jesu und Frage nach dem, Begehren, Bitte um Heilung 
— heilende Berührung. Bei allen drei Evangelisten ist das Bekennt- 
nis, das der Ruf des bzw. der Kranken enthält, und die Aufdring- 
lichkeit ihrer Bitte so hervorgehoben, daß die Heilung als Höhe- 
punkt nicht stark hervortritt. Bei Matthäus steht sie besonders 
wenig im Vordergrund, weil sie durdb. Berührung ohne bericiitetes 
Wort geschieht. So bildet diese Gesciiichte schon einen Übergang zu 
denjenigen, die außer dem Wunder nodi eine andere Pointe haben. 





Blindenheilung (Mt. 9, 27 51). 


^ 


Zwei Blinde folgen ihm 


A 


Ruf um Erbarmen 


B 


Frage nach dem Glauben 


Ai 


Bejahung 


^iBi 


Berührung und Heilungswort 


H 


Heilung 


B3V 


Verbreitungsverb et 


U 


Verbreitung 



Diese Heilungsges(3iic3ite, die eine enge Parallele zu der vorigen 
bildet, entspricht im Aufbau ganz den zuerst behandelten Wun- 
dern. Sie hat kurze Einleitung und kurzen Schluß und spielt sidi 
in drei Gängen ab: Bitte des Kranken — Frage nach dem Glauben, 
Antwort — Heilungswort, Heilung — Verbreitungsverbot. Die 
ersten beiden Gänge sind cliiastisch. angeordnet. Der Eintritt dev 
Heilung entspridit einer Gegenhandluug (s. S. 52). Der Höhepunkt 
ist das Heilungswort Jesu. Zu ihm steigt die Handlung an, und von 
ihm fällt sie ab. Der dialogische Aufbau kommt prägnant zum Aus- 
druck, da A,usmalungen von Einzelheiten fehlen. 



43 



Der Blinde von Bethsaida (Mk. 8, 22—26). 
In Bethsaida 



G 

H 
BsV 



Sie bringen ihm einen Blinden zur Heilung 

Er führt ihn hinaus 

Manipulation und Frage 

Antwort: Teilheilung 

Zweite Manipulation 

Heilung 

Sendung ins Haus. Verbot, ins Dorf zu gehen 



Diese Blindenheilung baut sidi in drei Gängen auf: Bitte ^^) — 
erste Heilhandlung, und Frage, Antwort — zweite Heilhandlung, 
Heilung — Verbreitungsverbot. Wir haben bei den ersten Gängen 
wieder chiastische Anordnung. Der Aufbau ist durch die Stufen- 
heilung deutlidi, dodti tritt die Heilung nidb.t als Höhepunkt hervor, 
da dem Erzähler das ganze wunderbare Handeln Jesu wichtig ist, 
das sidi in dieser Tat zeigt. So steht das Wunder der Markusfas- 
sung der Heilung der Blutflüssigen u. ä. näher als den zuerst be- 
handelten Wundem. 

Die Heilung des epileptischen Knaben (Mt. 17, 14 — 21 ; Mk. 9, 
14 — 29; Lk. 9, 37 — 43 a). Schema siehe nächste Seite. 

Bei dieser Gesdiidite steht Markus mit seiner Darstellung allein. 
Die Einleitung ist ausführlidi. Damach lassen sidi bei ihm drei 
Teile untersdieiden, deren erster bis Vers 20 reidht und aus zwei 
Gängen besteht: Frage Jesu — Antwort des Vaters, Wort Jesu — 
Herbeibringen und Anfall des Knaben. Das Wort des Vaters enthält 
zweierlei: die Krankheitssdiilderung und den Beridit über die Hei- 
lungsversudbe der Jünger. Jesu Wort vom Unglauben bezieht sidi 
auf das zweite, sein Befehl, den Knaben zu bringen, gehört als Be- 
willigung zu der Krankheitssdhilderung und der darin liegenden 
Bitte. Der zweite Teil beginnt mit dem Anfall des Knaben, dann 
umfaßt er vier Gänge: Frage Jesu — Krankheitssdiildeiung, Mah- 
nung Jesu — Bitte des Vaters. Darauf erfolgt die Heilung in zwei 
Gängen: Ausfahrbefehl — Anfall des Kranken, Aufridhtung — Ge- 
nesung. Der dritte Teil umfaßt einen Gang: Frage der Jünger — 
Antwort darauf. Die Markusfassung* dieser Geschichte ist von den 

21) Sie ist durch das Herbeibringen ausgedrückt. 



44 







« 


Er findet die Jünger 
disputierend — das 
Volk grüßt ihn 


E 


Viel Volk begegnet 
ihm 






B 


Frage Jesu 






AKr 


Bitte u. Krankheits- 
schilderung 


AKr 


Bitte u. Krankheits- 
schilderung 


AKr 


Bitte u. Krankh eits- 
schilderung 


B 


Gegen den Unglau- 
ben. Befehl, den 
Knaben zu bringen 


Bi 

5 


Gegen den Unglau- 
ben. Befehl, den 
Knaben zu bringen 

Sie bringen ihn 


B 


Gegen den Unglau- 
ben. Befehl, den 
Knaben zubringen 






G 


Anfall des Knaben 


G 


Anfall des Knaben 






Ba 


Frage nach der 
Krankheit 










Ai 
Kri 


Breite Krankheits- 
sehilderung u. Bitte 










B3 


Mahnung z. Glaub. 










A2 


Bitte um Glauben 






ßi 


Austreibung 


B4 

H 

2, 


Austreibung 
Anfall u. Ohnmacht 
Aufrichtung 


ßi 


Austreibung 


H 


Heilung 


H, 


Heilung 


H 

^2, 


Heilung 

Er gibt ihn seinem 
Vater 


D 


Frage der Jünger 


D 


Frage der Jünger 






B2 


Mahnung z. Glaub. 


Be 


Mahnung z. Gebet 


w 


Erschrecken der 
Zuhörer 



kurz erzählten Wuiidergesdiiditen sehr weit entfernt. Die Freude 
an der' Sdiilderung des Avnnderbaren Wirkens Jesu zeigt sidb in 
den beiden langen Krankheitsberiditen und der Stufenheilung. Ein 
lehrhaftes Motiv liegt in der Glaubensforderung, die in dem Sprudi 
über das ungläubige Geschledit und dem Gespräch mit dem Vater 
zum Ausdruck kommt. S<iiließlidbL wird audb nodi der AJjstand Jesu 



^ 45 

von seinen Jüngern durdi die Rede des Vaters und den Schluß her- 
vorgehoben. Durch die ausführliche Gestaltung dieser drei Gedan- 
ken wird der Aufbau dieser Geschichte bei Markus bestimmt. Er ist 
zwar dialogisch, doch fehlt ihm Prägnanz und Einheitlichkeit. Auch 
bei Matthäus und Lukas spielen Nebenmotive eine Rolle, obwohl 
diese beiden Evangelisten einen viel einfacheren Aufbau haben. Bei 
Matthäus kann man die Gesdddite in drei Gänge zerlegen: Rede 
des Vaters — Rede Jesu, Bedrohung des Dämons — Heilung, Frage 
der Jünger — Antwort Jesu. Bei Lukas ist, da der Schluß fehlt, in 
zwei Gänge einzuteilen: Rede des Vaters — Rede Jesu, Heilungs- 
wort — Heilung. Bei Markus bildet die Heilung selbst, die durdi die 
beiden Stufen stark hervorgehoben ist, trotz der Ausgestaltung 
deutlidi einen Höhepunkt. Daneben sind das Wort Jesu über das 
ungläubige Geschlecht und die Glaubensmahnung an den Vater als 
Pointen anzusehen. Bei Matthäus und Lukas ist die Heilung nur 
kurz erwähnt, so daß die Vorgesciiichte nocJi stärker ins Licht rückt. 
Es liegt hier von Matthäus und Lukas zu Markus ein ähnlidies Ver- 
hältnis vor, wie Matthäus bei der Auferweckung der Tochter des 
Synagogenvorstehers zu Markus und Lukas hatte, wo gleichfalls 
die Darstellung viel kürzer ist, aber das direkte Heilungswort fehlt. 
Auch in dieser Geschidite haben wir bereits ein gewisses Eindrin- 
gen der Ausspruchüberlieferung; sie gehört darum zum Übergang 
zu den gemischten Wunder- und Ausspruchgeschichten. 

Diese sollen im folgenden behandelt werden. Dabei sind, um eine 
Trennung von zur Wunder- und zur Ausspruchüberlieferung gehö- 
renden Teilen zu kennzeidinen, für die zweiten in den Sdbemata 
deutsche große Buchstaben für die direkte, deutsche kleine Buch- 
staben für die indirekte Rede verwendet worden. 

Die Kanaanitin (Mt. 15, 21—28; Mk. 7, 24—30). 
Schema siehe nächste Seite. 
Die Geschichte ist bei Markus in zwei Redegängen aufgebaut, 
deren Inhalt chiastisch angeordnet ist: Bitte — Gleidinis von Kindern 
und Hunden, Antwort der Frau — Nachgeben Jesu. Dann folgt die 
Heilungsverheißung. Bei Matthäus gehen noch zwei Gänge voraus: 
erste Bitte der Frau — abweisendes Schweigen Jesu, Aufforderung 
der Jünger — Wort von der Sendung an Israel. Der Aufbau ist bei 
beiden Evangelisten sehr straff durchgeführt und nidit verwisdit. 



46 



E 


Er kam in das Gebiet 
von Tyrus und Sidon 


E 


Er kam in das Gebiet 
von Tyrus und Sidon 


'^ 


Eine Frau kommt zu ihm 
weg. ihrer krank. Tochter 


^ 


Eine Frau kommt zu ihm 
weg. ihrer krank. Tochter 


A 


Bitte der Frau 






ß 


Jesus schweigt 






C 


Die Jünger bitten 






5Bi 


„Ich bin nur gesandt..." 






Ai 


Bitte um Hilfe 


A 


Bitte der Frau 


^2 


„Erst die Kinder" 


58 


„Erst die TCinder" 


51 s 


Antwort der Frau 


5li 


Antwort der Frau 


B„ 


Hilfe Jesu 


B, 


Hilfe Jesu 


H 


Heilung 


H 


Heilung 



Der Höhepunkt liegt bei dem helfenden Wort Jesu. In dem Gleich- 
niswort Jesu und der Antwort der Frau, die zwisdien Bitte und 
Erfüllung der Bitte stehen, haben wir Ausspruchüberlieferung. Sie 
ordnet sidi ganz der Wundergesdbichte ein, indem das Wort Jesu, 
das die Bitte der Frau erfüllt, zugleich A.ntwort auf ihr gläubiges 
und kluges Wort ist. Bei Matthäus ist nodi ein Wort, das Aus- 
sprudiüberlieferung darstellt, in dem Redegang mit den Jüngern 
zu finden. Gegenüber den am Anfang iDehandelten kurzen Wunder- 
geschichten fehlt hier irgendein Wort nadi der Heilung. Es ist das 
durch die Tatsache der Fernheilung bedingt, bei der Jesus selbst ja 
nicht anwesend ist. 



Der Hauptmann von Kapemaum (Mt, 8, 5 — 15; Lk. 7, 2 — 10). 



A 
B 

Aj 

H 



Ein Hauptmann bittet ihn 

„Mein Knecht ist gicht- 
brüchig" 

Erstaunte Frage Jesu 

Vertrauensvolles Wort 
des Hauptmanns 

Glaubenslob der Heiden. 
Warnung Israels. — Hei- 
lungswort 

Eintritt der Heilung 



35 
ce A 

C 
Bx 

H 



Der Knecht eines Haupt- 
manns war krank 

Bitte der jüdisch. Ältesten 
mit Empfehlung 

Jesus geht mit ihnen 

Wort der Freunde: Ver- 
trauen auf Jesu Macht 

Glaubenslob für den 
Heiden 



Eintritt der Heilung 



47 



Der Aufbau der Matthäusgesdiidite ist dem der vorigen sehr ähn- 
lich. Das Wort J esu (Matthäus Vers 7) ist wohl als Frage aufzufas- 
sen. Dann haben, wir audi hier zwei Gänge, deren Inhalt chiastisdi 
aufgebaut ist: Bitte — Abweisung, Überwindung der Abweisung 
durdi ein glaubensvolles Wort — Lob des Glaubens und Erfüllung 
der Bitte. Matthäus verbindet mit dem Glaubenslob ein Wort über 
die Annahme der Heiden und die Verwerfung Israels, das Lk. 13, 
28 — 50 bringt. Der Aufbau des Matthäusberichtes ist bis auf dies 
Wort fest und geschlossen. Der Höhepunkt liegt bei dem Glaubens- 
lob. Das Heilungswort klappt durch die Rede vom Heil der Heiden 
etwas nach. Die Lukaserzählung ist viel bewegter und uneinheit- 
licher als die Matthäusfassung. Sie hat ebenfalls zwei Gänge: Bitte 
der Ältesten — Jesu Einwilligung, Bestellung der Freunde — Lob 
des Glaubens. Auch hier liegt auf dem Glauben der Hauptnach- 
druck. Ein Heilungswort bringt Lukas nicht, sondern nur den Ein- 
tritt der Heilung. Mit diesem schließt die Geschidite in beiden Fas- 
sungen wie bei der Kanaanitin. Von eigentlicher Ausspruciitradition 
ist in der Lukasfassung auf Jesu Seite nichts zu finden. Bei beiden 
Evangelisten ist ein bestimmter Zug der Wundergeschichte, die 
Gläubigkeit des Bittenden, sehr in den Vordergrund gestellt. 

Die Heilung des Gichtbrüdiigen 
(Mt. 9, 1—8; Mk. 2, 1—12; Lk. 5, 17—26). 



E 


Er kam nach 
Kapemaum 


E 


Er war im Hause 
sehr umdrängt und 
predigte 


E 


Er war umdrängt, 
lehrte und heilte 


35« 
33 

m 

H 


Sie bring, ihm ein. 
Grichtbrüchigen 

Sündenvergebung 

Vorwurf der 
Schriftgelehrten : 
Dieser lästert 

„Was ist leichter, . . . 
Stehe auf und 
wandle!" 

Heilung 


35« 

«:Bx 

H 
K 


Sie lass. ein. Gicht- 
brüchig, durch das 
Dach 

Sündenvergebung 

Vorwurf der 
Schriftgelehrten : 
Dieser lästert 

„Was ist leichter . . " 
Heilungswort 

Heilung 

Er nimmt sein Bett 


2J« 

(®) 
^iBx 

H 
K 


Sie lass. ein. Gicht- 
brüchig, durch das 
Dach 

Sündenvergebung 

Vorwurf der 
Schriftgelehrten : 
Dieser lästert 

„Was ist leichter,.." 
Heilungswort 

Heilung 

Er nimmt sein Bett 


W 


Furcht und Lob 
Gottes 


W 


Erschrecken und 
Dank an Gott 


3B 
W 


Er preist Gott 

Erschrecken und 
Dank an Gott 



48 

Nadi einer bei Matthäus kurzen, bei Markus und Lukas ausführ- 
lidien Einleitung besteht die Gesdiichte aus zwei pängen, wobei 
man das Herbeibringen des Kranken als die Bitte um Heilung ent- 
haltend anzusehen hat: Bitte — Sündenvergebung, Vorwurf — Ab- 
wehr durch Heilung. In diesem Fall ist in doppelter Hinsidit von 
A,ussprudiüberlieferung zu reden. Erstens gehört das Wort der 
Sündenvergebung an den Giditbrüdiigen dazu und zweitens das 
Wort über das Recht der Sündenvergebung. Die Verknüpfung von 
Wunder- und Ausspruchüberlieferung ist hier besonders eng, indem 
das Wort Jesu gleichzeitig die Abwehr des Vorwurfs, also die Ent- 
scheidung des Ausspruchthemas, und die Heilung enthält und zwar 
gerade durch die Heilung die Abwehr des Vorwurfs bekräftigt. Der 
Aufbau der Geschidite ist wie bei der vorigen geschlossen und ein- 
fach. Der Höhepunkt liegt bei dem Heilungswort, das gleichzeitig 
die Abwehr des Schxiftgelehrtenvorwurfs darstellt. Die Geschichte 
hat den Sdiluß, den wir von früheren Wundergeschichten her 
kennen. ^ - ' ! ' I i ! ' ! ! "■ ' ■^^• 



,i:i 



Heilung der verdorrten Hand am Sabbat 
(Mt. 12, 9—14; Mk. 5, 1—6; Lk. 6, 6—11). 



E 


Er kommt in eine 
Synagoge 






E 


Er kommt in eine 
Synagoge 


^« 


Dort ist ein 
Kranker 


95« 


In der Synagoge 
ist ein Kranker 


35« 


Dort ist ein 
Kranker 


(£ 


Sie fragen ihn, ob 
man am Sabbat 
heilen dürfe 


35i(c) 


Sie warten, ob er 
am Sabbat heilen 
wird 


^i(C) 


Sie warten, ob er 
am Sabbat heilen 
wird 










G 


Er erkennt ihre 
Gedanken 






B 


Ruf an d. Kranken 


B 


Ruf an d. Kranken 


« 


Wort vom Schaf im 
Brunnen , . . Also 
darf man am Sab- 
bat Gutes tun 


«1 

Ci 


Soll man am Sab- 
bat Gutes oder Bö- 
ses tun ? 

Sie schweigen 


95i 


Soll man am Sab- 
bat Gutes oder Bö- 
ses tun ? 






h. 


Er wird zornig 


ba 


Er wird zornig 


B, 


Heilungswort 


Bs 


Heilungswort 


B3 


Heilungswort 


H 


Heilung 


H 


Heilung 


H 


Heilung 


W 


Anschlag gegen 
Jesus 


W 


Anschlag gegen 
Jesus 


W 


Anschlag gegen 
Jesus 



49 

Die Mattkäusforin ist am einfachsten. Nach, der Einleitung tritt 
zweierlei an Jesus heran: Der kranke Mann, dessen bloßes Dasein 
die Initiative zur Heilung enthält, und die fragenden Leute. Jesus 
fertigt sie nadieinander ab: erst die Fragenden mit dem Wort vom 
Schaf im Brunnen, dann den Kranken, den er heilt. Der Aufbau ist 
also wieder diiastisch. Bei Markus und Lukas ist sowohl die Bitte 
des Kranken wie die Frage der Schriftgelehrten nur indirekt an- 
gedeutet. Dann erst beginnt die eigentlidie Handlung. Und zwar 
geht die Initiative von Jesus aus. Wir haben auch hier das chiastisdie 
Schema. Jesus ruft den Kranken — er fragt nach dem Recht der 
Sabbatheilung, sie schweigen — er sieht sie zornig an und heilt. 
Das Schweigen ist bei Lukas nicht ausdrüeklicii erwähnt. Wie in 
den drei vorigen Geschiditen bildet das letzte Wort Jesu gleich- 
zeitig die Antwort in der vorhergehenden Unterredung und die 
Hilfe für den Hilfesuchenden. Es ist darum deutlidi der Höhepunkt 
der Erzählung, die einen straffen Aufbau hat. Auffällig ist in 
dieser Geschichte bei allen drei Evangelisten das starke Zurück- 
treten des Kranken und der Gegner gegenüber Jesus, der fast allein 
handelt. Der dialogische Aufbau ist dadurch nicht sehr scharf aus- 
geprägt, aber dodi, besonders bei Markus und Lukas, kurz und 
prägnant. Der A.bsdiluß bezieht sich mehr auf den Streit als auf 
das Wunder. 

Heilung der verkrümmten Frau am Sabbat (Lk. 13, 10 — 17). 
Er lehrt in der Synagoge am Sabbat 



3J« 
H 



Dort ist eine verkrümmte Frau 

Heihmgswort und Handauflegung 

Heilung 

Sie lobt Gott 

Vorwurf des Synagogenvorstehers 

Spruch von der Tränkung des Viehs am Sabbat 



W 



Beschämung der Gegner 
Freude des Volks 



Der Aufbau dieser Gesciiichte zeigt die Behandlung der beiden 
Themata nadieinander. Nacii der Einleitung wird von der kranken 



Pereis, 



50 

Frau beriditet, deren Dasein die Initiative zur Heilung gibt. Dieser 
Satz bildet mit der Heilung Jesu zusammen einen Gang, Einen 
zweiten bildet das Wort des Synagogenvorstehers mit der Antwort 
Jesu. Die Gesdiidite hat zwei Höhepunkte: Die Heilung und die 
Antwort Jesu auf den Vorwurf. Auf den ersten folgt der Lobpreis 
der Frau, auf den zweiten die Beschämung der Gegner und die 
Freude des Volks. Der Aufbau ist dialogisch, geschlossen und einfach. 

Heilung des Wassersüchtigen am Sabbat (Lk. 14, 1 — 6). 
Er ist am Sabbat bei einem Führer der Pharisäer eingeladen 



c 

Ci 



Ein Wassersüchtiger ist da 

Jesus fragt: Ist Sabbatheilung erlaubt? 

Schweigen 

Heilungsvollzug 

Frage nach dem Sohn oder Rind im Brunnen 

Ausbleiben der Antwort 



Diese Erzählung steht der ersten Sabbatheilung nahe. Nach der Ein- 
leitung besteht sie aus zwei Gängen, deren Inhalt chiastisdi auf- 
gebaut ist: Initiative durch das Dasein des Kranken — Frag© Jesu, 
Schweigen — Heilung. Dann setzt aber die Erzählung noch einmal 
ein mit einem neuen Gang, der das Wort vom Tier im Brunnen in 
Frageform bringt und dann das Verstummen der Gegner beriditet. 
Die ganze Geschichte ist sehr kurz erzählt; die Höhepunkte liegen 
bei der Heilung, die wieder gleidizeitig Antwort in der Sabbatfrage 
und Hilfe für den Kranken darstellt, und in dem Spruch vom Tier 
im Brunnen. Durch diese Uneinheitlichkeit verliert die Geschichte 
trotz der Kürze ihre Prägnanz. 

Zu der Gruppe derjenigen Geschichten, die den Vollzug eines 
Wunders durch Jesus berichten, gehören außer den Sammelberich- 
ten, die nicht einzeln aufgezählt werden sollen, noch einige Einzel- 
heilungen, die infolge ihrer Kürze den Übergang bilden von den 
gewöhnlichen Wunderberichten zu den Sammelheilungsberichten. — 
Bei allen drei Evangelisten ist die Heilung der Schwiegermutter 
Petri beriditet (Mt. 8, 14 f.; Mk. 1, 29—31; Lk. 4, 38 f.). 



51 



35« 


Er kommt in das 
Haus des Simon u. 
sieht dessen kranke 
Schwiegermutter 


E 


Er kommt in das 
Haus Simons 

Seine Schwieger- 
mutter ist krank 


E 


Er kommt in das 
Haus Simons 

Seine Schwie^er- 
miitter hatte Fieber 


H 


Heilung mit Be- 
rührung 

Eintritt d. Heilung 


a 

n 

H 


Sie sagen es ihm 

Heilung mit Be- 
rührung 

Eintritt d. Heilung 


ß 
H 


Sie bitten ihn 

Heilung mit Be- 
rührung 

Eintritt d. Heilung 


K 


Sie dient ihm 


K 


Sie dient ihnen 


K 


Sie dient ihnen 



Die Gesdiidite entspricht im Aufbau den behandelten Wunder- 
gesdbiditen der einfachen Art. Nur ist jeder Zug ganz kurz bei ihr 
abgetan. Sie hat einen Gang: Bitte (bei Matthäus Initiative durch 
das Dasein der Kranken) — Heilung. Gewisse Ähnlichkeit besteht 
zwischen dieser Erzählungsart und der Matthäusfassung der Er- 
weckungsgeschichte von der Tochter des Synagogenvorstehers. 

Heilung eines stummen bzw. eines blinden 

und stummen Dämoniscben 
(Mt. 9, 32—34; Lk. 11, 14 f.; Mt. 12, 22—24). 



55« 


Sie bringen ihm 
einen Dämonischen 






55« 


Sie bringen ihm 
einen Dämonischen 


^H 


Austreibung und 
Heilung- 


ß 
H 


Austreibung 

Der Stumme spricht 


ßn 


Austreibung und 
Heilung- 


W 


Staunen der Menge 


W 


Staunen der Menge 


w 


Staunen der Menge 


Wx 


Anklage der 
Pharisäer 


Wi 


Anklage der 
Pharisäer 


Wx 


Anklage der 
Pharisäer 



Dies Wunder ist in allen drei Fassungen nach dem üblichen Schema, 
nur sozusagen im Abriß, erzählt. Da es zur Einleitung der Ge- 
sdiidite von der Beelzebubanklage dient ^^), ist jedesmal die Wir- 
kung verhältnismäßig ausführlidi dargestellt. 

22) Daß man mit Bultmann S. 226 nadi G, syr. sin. Mt. 9, 34 als später 
eingedrungen anzusehen hat, ist unwahrsdieinlich, da ein Ausfallen des 
an dieser Stelle zusammenhanglosen Verses dodi viel leichter zu erklären 
ist als ein Hinzukommen. 



52 

Hierher gehört als Letztes auch noch die Heilung des Ohrs des 
Hohenpriesterknechts, die Lukas 22, 51 berichtet. Dort wird nur 
in einem Satz die Heilung durch Berührung erzählt. 

Bei allen bisher behandelten Wundern wurde die Ausführung 
der Machttat durch Jesus — mit sofort eintretendem Erfolg — be- 
richtet. Der Satz oder die beiden Sätze, in denen dies beides stand, 
bildeten, von Ausnahmen abgesehen, Pointe und Höhepunkt der 
Geschichte. Bei den im folgenden zu behandelnden Erzählungen, 
bei denen diese feste Mitte nidit besteht, ist darum der A.ufbau 
stärker aufgelockert. Es ist auch ihre Verwandtschaft untereinander 
viel weniger eng als bei den schon bearbeiteten Wundern. 

Einen Übergang von der vorigen zu der neuen Gruppe von Wun- 
dern bildet die Heilungsgeschichte der zehn Aussätzigen (Lk. 17, 
11 — 19). Nach Einleitung (Vers 11) und vorbereitendem Satz (V. 12) 
zerfällt die Erzählung in zwei Szenen. Zuerst die Heilungsszene. 
Sie besteht aus einem Gang: Bitte und Antwort Jesu. Die Antwort 
schließt im Gegensatz zu den früheren Wundern kein Heilungswort 
in sidi, aber da die Vorstellung bei den Priestern nur nach einge- 
tretener Gesundung Sinn hat, doch die Verheißung der Heilung. 
Ihr Eintritt wird dann berichtet. Er geschieht auf dem Wege zu 
den Priestern. Dann folgt die zweite Szene, die völlig Ausspruchs- 
erzählung ist, nur im Schluß an die Wundergesciiichten erinnert. 
Sie besteht ebenfalls aus einem Gang: Dank des Samariters — 
Tadel der Juden gegenüber dem Samariter, Zuspruch für ihn. 
Durdi die Trennung von Wunderwort imd Eintritt des Wunders 
wird dieses noch stärker aus dem Vordergrund gerückt als bei 
den bisher behandelten Geschichten, die außer der Machttat noch 
ein wichtiges Motiv hatten; der geschlossene Aufbau der Wunder- 
geschichte fehlt hier. Als Höhepunkt erscheint das Wort Jesu, das 
den Samariter im Gegensatz zu den Juden lobt. Alles Vorher- 
gehende wirkt als Einleitung dazu. Das letzte Wort Jesu an den 
Geheilten steht hier wie bei dem blutflüssigen Weib (Mk. 5, 34; 
Lk. 8, 48) als nachträgliche Bestätigung der Heilung da. Es sollte im 
Sinne des Evangelisten wohl zur Vertiefung ihres Verständnisses 
bei dem Geheilten dienen. Doch wirkt es im Aufbau als Anhängsel. 

Die Speisung der 5000 (Mt. 14, 13—21; Mk. 6, 30—44; Lk. 9, 
10 — 17). Bei dieser Geschichte kann man schwer von einem „Auf- 
bau" sprechen. Sie entbehrt jeder Stilisierung. Sie stellt die ein- 



53 

fadie Erzäklung eines Vorgangs dar. Nadb. einer langen Einleitung 
läuft die Gescbidite in Gesprächen, die von den einzelnen Evange- 
listen sehr selbständig geformt werden, auf das Wunder zu. Dies 
wird nur als Tatsadie konstatiert, durdi 2 Belege: die Sättigung 
und das Aufheben der Brocken. Der Vollzug des Wunders durdi 
Jesus wird nicht beriditet. Man kann annehmen, daß entweder das 
Dankgebet oder der Auftrag der Verteilung an die Jünger die Ver- 
heißung des kommenden Wunders in sich birgt. Den Höhepunkt 
der Gesdiichte möchte man am ersten in dem Dankgebet sehen. 
Dodi kann man, da das Wunder doch erst nadilier gesdiieht, auch 
an die Konstatierung als Höhepunkt denken. 

Die Speisung der 4000 (Mt. 15, 32—39; Mk. 8, 1—10). Diese Ge- 
schichte ist nach dem Schema der vorigen erzählt, nur viel 
gedrängter. Dadurch steht sie den zuerst behandelten Wundern 
etwas näher. Über Vollzug und Eintritt des Wunders, sowie über 
den Höhepunkt der Geschichte ist bei dieser Erzählung dasselbe zu 
sagen wie bei der vorigen. 

Der Fischzug des Petrus (Lk. 5, 1 — 11). Diese Gesciiichte zerfällt 
wieder in zwei Teile: der wunderbare Fang und das darauf fol- 
gende Gespräch zwisdien Jesus und Petrus. Nach einer langen 
Einleitung bringt der erste Teil den Befehl Jesu, der also hier die 
Initiative ergreift, und das gehorsame Wort Petri. Dann wird der 
Eintritt des Wunders ausführlich erzählt. Im zweiten Teil finden 
wir erst den Schrecken des Petrus und seiner Genossen und sein 
Wort an Jesus, dann Jesu Wort vom Menschenfangen erzählt. Die 
Verheißung des eintretenden Wunders liegt in dem Befehlsw^ort an 
Petrus. Den Höhepunkt der Geschichte bildet das Wort vom 
Menschenfangen und der letzte Satz, der die Nachfolge der Fisdier 
berichtet. A,udi in dieser Geschichte ist der gewöhnliche Wunder- 
aufbau niciit vorzufinden, und das Wunder ist wie bei der Aus- 
sätzigenheilung, Lk. 17, Einleitung einer Aussprudierzählung. 

Die Verfluchung des Feigenbaums (Mt. 21, 18—22; Mk. 11, 
12 — 14; 20 — 25). Hier liegt der Fall insofern anders, als in einem 
Wort Jesu die kommende Machttat ausgesprodien ist. In der Mar- 
kusfassung gehört das Wunder trotzdem in diese Gruppe, weil die 
Erzählung seines Eintretens von dem Wort getrennt ist. Der erste 
Teil ist bei Markus keine Wundergeschichte. 



54 



35« 
B 

H 



Jesus hungert. An dem Baum 
findet er keine Feigen 

Verfluchung 



Eintreffen des Fluchs 



^« 

G 
B 



Jesus hungert. An dem Baum 
findet er keine Feigen 

Es war nicht Zeit für Feigen 

Verfluchung 



Als Höhepunkt des ersten Teils ist die Verfludiung anzusehen. 
Er hat bis auf das fehlende Wunder ganz den Aufbau der zuerst 
behandelten Wundergesdiiditen. Bei Matthäus ist auch dies gleich 
berichtet, so daß bei ihm die Geschichte zu den Wundern mit sofort 
eintretendem Erfolg gehört. Der Aufbau ist: Initiative durcih Jesu 
Hungern und den verdorrten Feigenbaum — Verfluchung. Der zweite 
Teil besteht bei Matthäus aus der Frage der Jünger und der Ant- 
wort Jesu. Bei ihm hat die Geschidite zwei Höhepunkte: die Ver- 
fluchung und der Erfolg, und Jesu Wort vom Glauben. Bei Markus 
wird das Wort vom Glauben am nächsten Tage an die Feststellung 
des eingetretenen Wunders angeknüpft. Das Wunder ist nur kurze 
Einleitung. Bei ihm kann man also auch den zweiten Teil keine 
Wundergeschichte nennen. 

Der Stater im Fischmaul (Mt. 17, 24 — 27). Diese Gesdiichte gehört 
an die Seite des ersten Teils der vorigen bei Markus. Sie enthält 
ebenfalls die Beschreibung eines kommenden Wunders durch Jesus 
ohne den Eintritt desselben. Doch bildet dies Wort Jesu nur den 
Schluß des Gesprächs über die Tempelsteuer. Von einer Wunder- 
geschichte ist darum nicht zu sprechen. 

Die Beschaffung der Eselin (Mt. 21, 1—6; Mk. 11, 1—6; Lk. 19, 
29 — 34) gehört ebenfalls zu dieser Gruppe von Geschichten. Sie ent- 
hält die Beschreibung eines kommenden wunderbaren Geschehens 
durch Jesus und — im Gegensatz zu der vorigen — auch das Ein- 
treffen der Worte Jesu, das Markus und Lukas ausführlich bringen, 
Matthäus nur kurz berichtet. 

Die Vorbereitung des Passahmahls (Mt. 26, 17 — 19; Mk. 14, 
12 — 16; Lk. 22, 7 — 13) ist dieser Geschichte ganz an die Seite zu 
stellen. 

Das Meerwandeln (Mt. 14, 22—35; Mk. 6, 45—52). Dieses Wunder 
ist mit keinem der vorhergehenden zusammenzufassen. Nadi der 
Einleitung wird sofort der wunderbare Vorgang berichtet, dessen 
Gegenstand Jesus selbst ist. Dadurch hat diese Gesdiichte ganz 
ihren besonderen Charakter, den sie eigentlich nur mit den Auf- 



55 



ersteliungsgesdhidh.teii und der Verklärung teilt. Die Wirkung des 
Wunders ist die Furdit der Jünger. Es folgt ein ermutigendes Wort 
Jesu. Bei Markus scMießt dann die Gesdiidite mit der nodimaligen 
Erwähnung des Entsetzens der Jünger. Matthäus bringt danach 
eine Erzählung von Petrus, die im Aufbau zur ersten Wunder- 
gruppe zu rechnen ist: 



A 
B 
H 
G 

Ai 



Bitte des Petrus 

Gewährung 

Petrus geht auf den Wassern 

Er fürchtet sich und sinkt 

Hilferuf 

Rettung und Tadel des Unglaubens 



Es sind eigentlich zwei Wunder, die geschehen. Auf seine Bitte 
kann Petrus auf den Wellen gehen. Sein Versinken ist die Einlei- 
tung zu dem zweiten Wunder: auf seinen Hilferuf rettet ihn Jesus. 
Von den Wundern der ersten Gruppe unterscheidet sich dies trotz 
der Verwandtschaft im Aufbau sehr bedeutend durch zwei Dinge: 
1. Im Aufbau. Es fehlt der Höhepunkt; die ganze Geschichte spielt 
in der Sphäre des Wunders; es ist nicht eine besondere Madittat 
hervorgehoben. 2. Inhaltlich. Das Ganze ist eine durch Wunder- 
handlungen gegebene Belehrung, die Mahnung zum Glauben. Es 
ist keine wirkende Tat geschehen. — Zum Schluß spricht Matthäus 
im Gegensatz zu Markus nidit vom Entsetzen, sondern von Anbe- 
tung und Bekenntnis der Jünger. 

Beim Rückblick ergibt sich folgende Einteilung der Wunder- 
geschichten nadi ihrem Aufbau: 

I. Die Wunder, deren Vollzug und sofortiges Eintreten beridi- 
tet ist. 

1. In dieser Gruppe gibt es einige Geschichten mit gedrängtem, 
prägnantem Aufbau, die Wundervollzug und Wundereintritt als 
Höhepunkt haben (Der Besessene in der Synagoge von Kaper- 
naum, der Aussätzige, der Seesturm [Markus und Lukas], die Blut- 
flüssige [Matthäus], die Blinden [Mt. 9], der Feigenbaum [Mat- 
thäus]). 

2. Einige Wunder haben den gleichen Aufbau, aber seine Aus- 
prägung und der Höhepunkt ist durch die kurze Erzählungsweise 
abgeschwädbt; insbesondere ist Heilungswort bzw. -tat Jesu nur 



56 

angedeutet (Seesturm [Matthäus], Jairi Töchterlein [Matthäus], die 
Schwiegermutter Petri, die Dämonischen [Mt. 9; Lk. 11; Mt. 12], 
das Ohr des Hohenpriesterknedats). 

3. Bei einzelnen Erzählungen ist durdi Ausmalung von Einzel- 
zügen die Klarheit des Aufbaues beeinträchtigt, doch tritt er nodi 
stets deutlich hervor. Hierher ist die Taubstummenheilung (Mk. 7), 
die Geschichte vom gerasenischen Besessenen (Matthäus) und die 
Heilung des Bartimäus nadti Markus und Lukas zu rechnen. Bei der 
Matthäusfassung dieser Geschichte und der Matthäus- und Lukas- 
fassung der Heilungsgeschithte vom epileptischen Knaben ist der 
Aufbau nodb stärker durch den abrißhaften Bericht des Heilungs- 
vollzuges beeinträchtigt. Das Abschwächungsmotiv der Gruppe 2 
kommt da nodi hinzu. 

4. Bei einzelnen Wundern hat durch die Freude an der Darstel- 
lung des wunderbaren Wirkens Jesu oder das Interesse an einem 
lehrhaften Einzelzug der durch Rede und Gegenrede, Handlung 
und Gegenhandlung und Zulaufen auf einen Höhepunkt bestimmte 
straffe A,ufbau keinen Platz. Doch schimmert er auch hier teilweise 
durch. Zu dieser Gruppe sind zu rechnen: Der gerasenisdbie Beses- 
sene (Markus und Lukas), die Blutflüssige (Markus und Lukas), der 
Blinde von Bethsaida, der epileptisdie Knabe (Markus), der Jüng- 
ling von Nain. 

Die Wunder, die audd Ausspruchüberlieferung enthalten, gehören 
großenteils der Gruppe 1 an, nämlich die Kanaanitin, der Haupt- 
mann von Kapernaum (Matthäus) — dodi ist der Höhepunkt hier 
der Ausspruch, der das Glaubenslob enthält, nicht das Wunder- 
wort — , der Gichtbrüchige, die Sabbatheilungen. Die Heilung der 
verkrümmten Frau nimmt aber eine Sonderstellung ein, weil in ihr 
Wunder- und Aussprudigesdbichte jede ihren besonderen Höhe- 
punkt haben. Die Lukasüberlieferung der Geschichte vom Haupt- 
mann zu Kapernaum ist zu Gruppe 4 zu rechnen. 

H, Die Wunder, deren Vollzug nicht berichtet ist. Der Aufbau 
dieser Gesciiichten ist sdion dadurch ganz anders, daß ihnen der 
feste Mittel- und Höhepunkt fehlt: das Machtwort oder die Macht- 
tat und der sofort folgende Eintritt des Wunders. 

1. Es heben sich die Wunder heraus, bei denen die Initiative von 
anderer Seite an Jesus herangebracht wird: Die Verfluchung des 
Feigenbaums, die Heilimg der 10 Aussätzigen, das Meerwandeln 



57 

Petri stehen im Anfang den Wundergesdbiditen der Abteilung I 
nahe. Nur laufen sie dann anders weiter. Die Unkonzentriertheit 
des Wunders selbst madbt sie ganz andersartig als die früheren. 

2. Bei einigen Wundern ergreift Jesus selbst die Initiative. Es han- 
delt sich um Petri Fischzug, den Stater im Fischmaul, die Beschaffung 
der Eselin und die Vorbereitung des Abendmahls. Bei ihnen besteht 
das Wunder in einem wunderbaren Vorherwissen J^su, das er aus- 
spricht. So liegt hier noch weniger eine Machttat vor, die den Höhe- 
punkt einer Geschidite bilden könnte. Von einem „Aufbau" ist in 
diesen Geschichten eigentlich gaip niciit zu reden. Sie haben auch 
keine Selbständigkeit, sondern sind Einleitung oder Abschluß von 
anderen Erzählungen. Auch in den Speisungsgeschichten tut Jesus 
von sich aus das Wunder. Sie enthalten nidit einmal die Ankün- 
digung der kommenden Brotvermehrung und sind stark volkstüm- 
lich ausgestaltete Erzählungen ohne konzentrierten Aufbau. Am 
meisten zeigt das die erste Geschichte, während die zweite abriß- 
hafter und blasser erscheint. 

Eine eigene Stellung nimmt das Meer wandeln Jesu ein. Von 
einem Aufbau im Sinne der Wunder der ersten Gruppe ist hier 
keine Spur vorhanden. Es ist die Beschreibung eines wunderbaren 
Vorgangs und seiner Folgen. 

Die hier gegebene Einteilung der Wundergesciiichten will nicht 
eine scharf abgrenzbare Eigenart einer jeden Gruppe behaupten. 
Nur die Einteilung von I und II ist deutlidi und objektiv feststell- 
bar. Bei den einzelnen Unterabteilungen kommen stets Übergänge 
vor, so daß die Zuteilung oft vom subjektiven Urteil abhängt. Sie 
ist nur gegeben, um zu zeigen, daß die Formen der Wunder- 
geschichten sich als eine Kette vom ganz einfachen, prägnanten, 
dialogischen Aufbau zur durch Ausmalung des Wunders oder 
starke Hervorhebung von Nebenmotiven wesentlich bestimmten Er- 
zählung darstellen. Wie verhält sidi die hier gegebene Einteilung 
zu den in den bisherigen formgeschichtlichen Untersudiungen vor- 
geschlagenen? Dibelius' Einteilung in „Paradigmen" und „Novel- 
len" ist für die Wundergeschichten nicht sehr ausgiebig. Seine 
reinen „Paradigmen" enthalten zwei Wunder, die gleichzeitig Aus- 
sprudberzählungen sind und daher ihren prägnanten Stil haben. 
Unter den „Paradigmen minderreinen Stils" findet sich noch eine 
derartige Erzählung, sowie eine Dämonischenheilung. Die meisten 
Wundergeschichten rechnet er zu den Novellen, einige sieht er als 



58 __««» 

Übergang vom Paradigma zur Novelle an. Er sagt, die formalen 
Kriterien seien bestimmt, subjektive Willkür auszuscheiden^^), 
bringt sie aber selbst wieder durdi sein Ausgehen vom „Sitz im 
Leben" hinein. Fasdhier hat bereits die Unhaltbarkeit der Tren- 
nung zwischen „Paradigma" und „Novelle" unter diesem Gesichts- 
punkte gezeigt und dargetan, daß die Charakteristika der „Para- 
digmen" auch bei „Novellen" und umgekehrt zu finden sind***). Bei 
den von Dibelius zu den Paradigmen gerechneten, also nach seiner 
Meinung in verhältnismäßig ursprünglicher Form vorliegenden 
Wundergeschichten '^^) ist zu fragen, ob die darin enthaltene Aus- 
spruchüberlieferung geeignet war, eine alte Gestalt der Wunder- 
geschidite zu bewahren, oder ob nicht vielmehr infolge des neben 
das Wunder tretenden Ausspruchsmotivs ihr Charakter geändert, 
ihre Gestaltung vereinfacht wurde. Innerhalb der Novellengruppe 
ist nach dem Gesichtspunkt des Aufbaus eine weitergehende Dif- 
ferenzierung möglich. Die Taubstummenheilung und der Seesturm 
(„Novellen") stehen dem Aufbau nach der Dämonischenheilung 
oder der Gichtbrüdiigenheilung („Paradigmen") viel näher als etwa 
den Speisungen oder dem Meerwandeln. Infolge der sich hierin 
zeigenden geringen Berücksichtigung der formalen Kriterien konnte 
Dibelius' Einteilung dieser Untersuchung nicht zugrunde gelegt 
werden. 

Bultmann teilt die Wunder inhaltlich, nicht formal ein. Von der 
Hauptmasse löst er die „apophthegmatischen" Wunder, die auch 
formal ihren besonderen Charakter tragen, femer den Fischzug 
Petri, den er zu den Legenden rechnet. Für unseren Zweck ist auch 
seine Einteilung nicht verwendbar, weil das Formale zu sehr hinter 
dem Inhaltlichen zurücksteht. 

Wie steht es mit der Verwandtschaft der Wundergeschichten mit 
der aynoptischen Ausspruchsüberlieferung? Bultmann hat bereits 
darauf hingewiesen*^''), daß ein Gemeinsames in der alleinigen 
Widitigkeit der Pointe innerhalb der Wunder- und Ausspruch- 
geschichten liegt. Fascher hat ihm darin zugestimmt ^^). Albertz 
berührt die Frage dort, wo er von der in den Wundem enthaltenen 

23) 8.99. 

24) 8.73—76. 

25) Siehe Dibelius S. 26. 

26) 8.235. 

27) 8. 125 f. 



59 

Gesprädbsüberlieferung^^) und von dem Verhältnis vom Streit- 
gesprädi zur Tatüberlieferung spridit"^). An der ersten Stelle be- 
traditet er die Frage völlig vom Standpunkt der Gespräche und 
sieht sie gewissermaßen als Fremdkörper innerhalb der Wunder- 
überlieferung an, während sich uns in den vorausgehenden Unter- 
suchungen für einen großen Teil der Wunder ein grundsätzlidi dia- 
logischer Charakter ergeben hat. Auch an der zweiten Stelle, wo 
Albertz die dadurch bestehende Verwandtschaft von Wunder und 
Streitgespräch hätte erwähnen können, sieht er doch den AJbstand 
viel stärker als das Gemeinsame. Allein, daß wir in den Dämonen- 
geschiditen Parallelen zum Streitgespräch haben, stellt er fest. 

Doch muß man dieser Verwandtschaft ausgedehntere Bedeutung 
zuerkennen. Es ist so, daß Teile der Wortüberlieferung Teilen der 
Wunderüberlieferung sehr fernstehen, daß aber je ein Teil, und 
zwar ein beträditlicher Teil der Gesdiichten miteinander starke 
Parallelen aufweisen. Das Gemeinsame möcihte man in drei Dingen 
vorliegen sehen: 1. In dem dialogischen Charakter, den die Ge- 
sprädh-e selbstverständlidh. haben, der aber aucii einem sehr großen 
Teil der Wunder als für ihre Gestaltung wesentliches Moment 
eignet. Es ist dabei zu beachten, daß es erst eine zweite Frage ist, 
ob ein Anliegen oder eine Erwiderung durch direkte Rede, indirekte 
Rede oder Handlung ausgedrückt ist. Der „dialogische" ^^) Charak- 
ter leidet nicht darunter, wenn keine direkte Rede vorliegt, nur die 
Prägnanz der Erzählung. Daß Albertz allein auf die direkte Rede 
sah, war ein Grund dafür, daß ihm die Verwandtschaft von 
Wunder- und Ausspruchüberlieferung in diesem Punkt schwerer 
auffallen konnte ^^). Daß die Verwandtschaft bei direkter Rede 
auch in der Tatgeschichte bei sonst gleichen Umständen stärker ist, 
ist selbstverständlich. 2. Die prägnante Form der Erzählung. Sie 
ist bei weniger Wundergeschichten anzutreffen als die unter 

28) S. 119 ff. 

29) S. 151f. 

30) In dieser ganzen Arbeit ist unter Erweiterung des gewöhnlidien 
Sprachgebrauchs „dialogisdi" für die Bezeidinung des Personenwechsels 
in Gesprädi und Handlung einer Erzählung gebraucht, da der Dialog 
das beste Bild für die prägnante Art der mit Wechselgesprädi gemischten 
„Wechselhandlung" bietet. 

31) Einen Ansatz hat Albertz in dieser Riditung, indem er S. 130 in dem 
Verhör Jesu durch den hohen Rat ein Gesprächsglied durdi Jesu Schwei- 
gen ersetzt sieht. 



60 

Punkt 1 bezeichnete Eigenart. Wo sie aber vorliegt, wird dadurdi 
die Verwandtsdiaft stark erhöht. 3. Das Vorhandensein einer 
Pointe, um die die ganze Geschidite sidi bewegt. — Es gibt bei 
beiden Überlieferungsgruppen Abweisungen von einem oder meh- 
reren dieser Punkte, die dann auch mandimal in der jeweilig ande- 
ren Gruppe ihre Parallelen haben. 

Es sollen im folgenden nun bestimmten Wundererzählungsformen 
die entspredienden Aussprucherzählungsformen an die Seite gestellt 
werden. Eine ausführlidie Untersuchung der Ausspruchgeschichten 
ist nidhit erforderlich, da ihr Aufbau einfach ist und außerdem in 
dem Albertzsdien Budi bereits sehr Widitiges erarbeitet ist. 

Wundergesdiiditen mit nur einem Rede- oder Handlungsgang 
gibt es nur wenige. Die Geschichte vom Dämonisdhien in der Syn- 
agoge (Mk. 1, 23—28; Lk. 4, 33—37) hat den Aufbau: Einleitung, 
Redegang, Folgen. Denselben, nur von Zwischenerzählung durch- 
setzten Verlauf nimmt die Matthäuserzählung von den geraseni- 
schen Besessenen (Mt. 8, 28 — 34). Ebenso, aber ohne Beridit von 
Folgen der Tat, ist die Matthäusfassung von der Heilung der blut- 
flüssigen Frau (9, 20 — 22) und die Markusfassung der Feigenbaum- 
verfluchung (11, 12. — 14) gestaltet. Bei den drei zuerst genannten 
Wundern ist der Eintritt der Heilung umnittelbar nadh dem Rede- 
bzw. Handlungsgang berichtet. — Die Zahl der Ausspruchgesdiich- 
ten mit einem Gesprädisgang ist sehr groß. In einer Erzählung 
dieser Gruppe, der Matthäus- und Lukasfassung der Sadduzäer- 
frage (Mt. 22, 23—33; Lk. 20, 27—40), ist von den Folgen des Jesus- 
aussprudis die Rede. Hier haben wir also eine nahe Parallele zu den 
beiden erstgenannten Wundergeschiditen. Bei den meisten Aus- 
spruchgeschiditen mit einem Redegang finden wir nidits über die 
Folgen berichtet. In dieser Beziehung stehen sie den beiden zuletzt 
aufgezählten Wundern näher als den beiden ersten. Mit allen 4 
genannten Wundergesdaidhten verbindet sie der gleidie Aufbau: 
Einleitung — Initiative, die an Jesus herantritt — Wort- bzw. 
Machttat Jesu (Höhepunkt). Hierher gehören folgende Aussprudi- 
geschidhten: Die Unterredung beim ZöUnergastmahl (Mt. 9, 10 — 13; 
Mk. 2, 15—17; Lk. 5, 29—52), die Täuferanfrage (Mt. 11, 2—6; Lk. 7, 
18—25), Maria und Martha (Lk. 10, 58—42), die Matthäusfassung 
der Frage nach dem größten Gebot (22, 34 — 40), die Salbung in 
Bethanien (Mt. 26, 6—13; Mk. 14, 3—9). Von den Gesdiiditen mit 
demselben Aufbau entfernen sich eine Anzahl durdh besondere 



61 

Eigensdiaften von der Parallelität mit denen der anderen Gattung 
(die Wunder- von den Aussprudi-, die Aussprudi- von den Wunder- 
erzählungen). Es sind dies von selten der Wundergesdiicbten: Die 
Heilung der Sdiwiegermutter Petri (Mt. 8, 14 f.; Mk. 1, 29—31; Lk. 
4, 38 f.) und die Dämonisdienheilungen (Mt. 9, 32—34; Mt. 12, 22—24; 
Lk. 11, 14 f.), weil sie zu abrißhaft erzählt sind. An Aussprudi- 
gesdiichten gehören hierher: 1. eine große Zahl solcher Gesdiidhten, 
die nur eine ganz kurze Einleitung haben, z, B. die Seligpreisung 
der Mutter Jesu (Lk. 11, 27 f.). Diese Gruppe steht den oben auf- 
gezählten A,ussprudierzählungen noch sehr nahe; 2. die Geschiditen, 
in denen sidi an die Initiative eines oder mehrerer Menschen eine 
längere Rede Jesu oder eine Spruchreihe schließt, z. B. die Abwehr 
des Vorwurfes des Teufelsbündnisses (Mt. 12, 24--57; Mk. 3, 22—30; 
Lk. 11, 15 — 26); 3. Geschichten, in denen Jesus die Initiative er- 
greift, z. B. die Beruf ungsges'ciiichten (Mt. 4, 18—22; Mk. 1, 16—20). 

Einen gewissen Übergang von den eingängigen zu den zwei- 
gängigen Wundergesdiichten bilden diejenigen, bei denen der Höhe- 
punkt am Ende des ersten Ganges liegt und der zweite das Ver- 
breitungsverbot enthält. Von diesen stehen den Ausspruchgeschich- 
ten infolge ihrer stark dialogischen Gestaltung und des prägnanten 
Höhepunkts die Aussätzigenheilung (Mt. 8, 1 — 4; Mk. 1, 40 — 45, 
Lk. 5, 12—16) und die Taubstummenheilung (Mk. 7, 31—37) nahe. 
Bei letzterer ist freilich die Heilung ausführlicher beschrieben. 

Zwei gängige Wundergeschichten, deren Aufbau aus Einleitung, 
zwei Rede- oder Handlungsgängen, in denen jedesmal Jesus der 
Handelnde der zweiten Phase ist, und Sciduß besteht und deren 
Höhepunkt am Ende des zweiten Ganges ist, sind die Matthäus- 
fassung der Seesturmgeschichte (8, 23 — 27) ^^), die Heilung des 
Gichthrüchigen (Mt. 9, 1—8; Mk. 2, 1—12; Lk. 5, 17—26), die Mat- 
thäusfassung der Heilung der verdorrten Hand (12, 9 — 14) ^^). Den 
gleichen Aufbau haben von Ausspruchgeschiditen die Markus- und 
Lukasfassung der Geschichte vom reichen Jüngling (Mk. 10, 17 — 22; 
Lk. 18, 18 — 23) und die Geschichte von der Kaisersteuer (Mt. 22, 
15—22; Mk. 12, 13—17; Lk. 20, 20—26). Es ist aber zu beachten, daß 
in den Wundergeschichten dieser Gruppe jedesmal die „Gegen- 
spieler" Jesu wechseln, während sie in den Aussprudigeschichten 



32) Doch ist hier der Aufbau ciiiastisch: Jesus beginnt den zweiten 
Gang. 



62 

gleidi bleiben. Ohne die Schltißbemerkung haben denselben Auf- 
bau die Gesdiiditen vom Hauptmann von Kapernaum (Mt. 8, 
5 — 15; Lk. 7, 1 — 10) und von der kanaanäischen Frau in der Mar- 
kusfassung (Mk. 7, 24 — 30). Den Höhepunkt nicht am Ende hat bei 
zweigängigem Aufbau der Markus- und Lukasbericht vom See- 
sturm (4, 35 — 41 bzw. 8, 22 — 25), der dadurch in Parallele zu der 
Markusfassung der Frage nadi dem größten Gebot (12, 28 — 34) 
rückt. Jesus beginnt die Handlung in allen Sabbatheilungs- 
gesdiichten bis auf die sdion aufgezählte Heilung der verdorrten 
Hand bei Matthäus (Mk. 3, 1—6; Lk. 6, 6—11; — 13, 10—17; — 
14, 1 — 6), sowie der Zachäusgeschichte (Lk. 19, 1 — 10) *^) und der 
Markusfassung der Geschichte vom Rangstreit (Mk. 9, 33 — ^37). Hier 
sind die eingängigen Ausspruchgeschichten, in denen Jesus die 
Handlung beginnt, noch einmal zu nennen, die bei den ein gän- 
gigen Wundergesdbichten keine Parallele hatten. 

Von zweigängigen Erzählungen stehen weiter entfernt: die 
Wundergeschichten von der Heilung der Blutflüssigen nadi Markus 
und Lukas (5, 25 — 34 bzw. 8, 43 — 48), von der Heilung des gera- 
senischen Besessenen nach Markus und Lukas (5, 1 — 20 bzw. 8, 
26 — 39) ^), die Heilung des epileptischen Knaben nadi Lukas (9, 
37 — 43a) und die Heilung der zehn Aussätzigen (Lk. 17, 11 — 19); 
die Ausspruchgeschiciite von Jesu Predigt in Nazareth (Lk. 4, 
16 — 30) — sämtlich, weil ihnen das prägnante, dialogisch zuge- 
spitzte Element gänzlich fehlt. 

Bei den drei- und mehrgängigen Erzählungen werden natur- 
gemäß die direkten Parallelen seltener auftreten, weil die Varia- 
tionsmöglichkeiten bereits sehr groß sind. Zu der Blindenheilung, 
Mt. 9, 27 — ^31, die einen sehr prägnanten dialogischen Charakter 
trägt, ist das Petrusbekenntnis nach Markus und Lukas (8, 27 — 30 
bzw. 9, 18 — 21) zu stellen, das im Aufbau sehr ähnlich ist: Beide 
haben drei Gänge; ihr Höhepunkt liegt in der zweiten Phase des 
zweiten Ganges und sie fallen mit dem dritten Gang ab, der das 
Verbreitungsverbot enthält. Sie unterscheiden sidi dadurch, daß in 

55) Dodi schließt die Anwesenheit der Kranken und Gegner bei den 
Sabbätheilungen und des Zachäus in dieser Geschidite gewissermaßen die 
Anregung in sidi, auf die hin Jesus dann spridit oder handelt. 

54) Hier ist das ansdiließende Gesprädi mit dem Geheilten nicht mit zu 
den zwei Gängen gerechnet, weil es nach einer Zwischenerzählung völlig 
neu einsetzt. 



63 

der Aussprudigesdiiciite Jesus die Handlung beginnt, während er 
in der Wundergeschidite gebeten wird. Außerdem ist die Leidens- 
verkündigung mit dem neuen Petrusgesprädi — bei Lulcas beson- 
ders eng — an die Gesdiichte angeschlossen. Die Matthäusfassung 
(16, 13 — 20), die an sich den gleichen Aufbau hat, bringt einen 
doppelten Höhepunkt durcii das Verheifiungswort an Petrus. Den 
gleichen Aufbau wie die Blindenheilung bei Mt. 9, aber den Höhe- 
punkt am Ende des dritten Ganges, hat die Matthäusfassung der 
Geschichte vom reichen Jüngling (19, 16 — 22), die ihr auch insofern 
nahesteht, als hier der „Gegenspieler" die Handlung beginnt. Die 
Eigenschaft, daß mehrere Pointen da sind, haben bei sonst 
prägnantem Aufbau die viergängige Wundergeschichte von der 
Kanaanitin nach, Matthäus (15, 21 — 28), die dreigängige Heilungs- 
geschichte des Wassersüch-tigen (Lk. 14, 1 — 6) und parallel dazu das 
dreigängige Gespräch über den Ansprucii der Söhne Zebedäi 
(Mt. 20, 20—28; Mk. 10, 35—45), die dreigängige Versudiungs- 
geschichte (Mt. 4, 3 — 11; Lk. 4, 3 — 15) und die dreigängige Gesdiiciite 
vom Gespräch der Emmausjünger mit dem Auferstandenen, in dem 
aber Jesus die Handlung beginnt (Lk. 24, 13 — 29). Den gleichen 
Aufbau bei Wedisel der „Gegenspieler" Jesu hat die Geschichte 
von der Ehescheidungsfrage (Mt. 19, 1—12; Mk. 10, 1—12). Die 
Prägnanz des Aufbaues ist geringer oder fehlt bei sonst gleidien 
Eigenschaften in der bei Matthäus dreigängigen, bei Markus und 
Lukas viergängigen Geschicihte von der Erweckung der Todb.ter des 
Synagogenvorstehers tMt. 9, 18 f.; 23—26; Mk. 5, 21—24; 55—43; 
Lk. 8, 41 f.; 49 — 56), der dreigängigen Blindenheilung bei Bethsaida 
(Mk. 8, 22 — 26), der bei Matthäus dreigängigen, bei Markus und 
Lukas viergängigen Blindenheilung bei Jericho (Mt. 20, 29 — 34; 
Mk. 10, 46—52; Lk. 18, 55—45) und schließlich der bei Matthäus (17, 
14 — 21) dreigängigen, bei Markus (9, 14 — 29) siebengängigen Ge- 
sciiichte von der Heilung des epileptischen Knaben, von A,usspruch- 
gesdbichten in der fünfgängigen von der Sünderin in Simons Haus 
(Lk. 7, 56 — 50). In ihrem wesentlichen Aufbau keine Verwandt- 
schaft mit den Ausspruchgeschichten haben, weil der Vollzug des 
Wunders keinen dialogischen Charakter trägt, die Speisungs- 
geschichten (Mt. 14, 15—21; 15, 52—59; Mk. 6, 51—44; 8, 1—10; 
Lk. 9, 11—17), Jesu Meerwandeln (Mt. 14, 22—27; 51; Mk. 6, 45—50), 
Petri Fisc^izug (Lk. 5, 1—11), die Tempelsteuer (Mt. 17, 27), die Be- 
schaffung der Eselin (Mt. 21, 1—6; Mk. 11, 1—6; Lk. 19, 29—54), 



64 

die Vorbereitung des Passahmahls (Mt. 26, 17—19; Mk. 14, 12—16; 
Lk. 22, 7 — 13). Durdi das FeUen eines „Gegenspielers" entfernt 
sidi die Erweckung des Jünglings von Nain (Lk. 7, 11 — 17) von den 
Aussprucherzählungen. 

Die Verwandtschaft im Aufbau, die zwischen dem größten Teil 
der Wundergesdiiditen und den Aussprudigesdbiidbtten bestellt, be- 
sonders ihr gemeinsamer dialogisier Charakter, hat zur Folge, daß 
ein neben das Wunder tretendes Aussprudhthema keine wesentlidie 
Veränderung des Aufbaus mit sich bringt. So empfindet man bei 
den Sabbatheilungen, der Gichtbrüchigengesdiichte, der Geschidite 
von der Kanaanitin keinen wesentlichen Unterschied von der Form 
etwa der Aussätzigenheilung, zumal beide Themata in den meisten 
Fällen durch ein Wort Jesu — das Heilungswort — die endgültige 
Beantwortung finden. Im Gegensatz dazu stehen Wundergeschich- 
ten wie die Speisungen und Petri Fischzug, die mit Dialogen durch- 
setzt sind, bei denen aber das dialogische Element nicht die Grund- 
lage des Aufbaus bildet. Bei ihnen stehen die Dialoge nicht in, son- 
dern neben dem eigentlichen Wunder. 

Neben die rein formalen Parallelen zwischen Ausspruch- und 
Wundererzählung treten die inhaltlichen. Einen Übergang dazu 
bildet die Bedeutung des Worts in beiden Geschichtengruppen. 
Nachdem bisher die Unterscheidung zwischen Wort und Handlung 
im Aufbau der Erzählungen zurückgestellt wurde und allein die 
Äußerungen Jesu und seines oder seiner Gegenspieler Berücksich- 
tigung fanden, ist nun darauf Wert zu legen, daß das starke Her- 
vortreten des Wortes in den Aussprucherzählungen und einem 
großen Teil der Wundergeschiciiten eine neue widitige Parallel- 
erscheinung ist. Es muß festgehalten werden, daß selbstverständ- 
lich diese Tatsache auch die Grundlage der rein formalen Parallele 
im Aufbau ist, die wir bisher behandelten. Durdi das Wortelement 
der Wundergeschichten entstand im hohen Maße ihr dialogischer 
Charakter, ihre Prägnanz, ihr Zulaufen auf einen Höhepunkt. Trat 
an Stelle des Wortes eine Handlung oder wurde es auch nur zu 
indirekter Rede abgeschwächt, so bedeutete das bereits eine gewisse 
Verringerung der Parallelität, wenn auch keine Aufhebung. Ande- 
rerseits ist zu beachten, daß die durch die hervorragend wichtige 
Stellung des Maciitworts in den Wundergeschichten geschaffene 
Parallele mit dem Pointenwort der Aussprucherzählungen fast das 



65 

gesamte Material umfaßt und auch, oft da Platz hat, wo im übrigen 
kein prägnant-dialogisdbier Aufbau der Wundergeschdciiten festzu- 
stellen ist. Es ist bereits von der zentralen Bedeutung des Worts in 
ihnen die Rede gewesen^®). Das wunderwirkende Machtwort Jesu 
bildet in den meisten Fällen ihren Höhepunkt wie sein lehrendes 
oder verkündendes in den Aussprucherzählungen. Deutlich kommt 
die zentrale Stellung des Worts in der Wunder- wie der Aus- 
sprudiüberlieferung bei der synoptischen Vergleiehung zum Aus- 
druck. Sehr oft sind in beiden Uberlieferungsgruppen die bedeut- 
samen Worte in den drei Quellen stärker parallel als der um- 
gebende Text'^^). Es seien genannt ^''^) : in der Dämonischenheilung 
in der Synagoge das Heilungswort (Mk. 1, 25; Lk. 4, 55), in der Aus- 
sätzigenheilung das Heilungswort (Mt. 8, 5; Mk. 1, 41; Lk. 5, 13) 
und das Verbreitungsverbot (Mt. 8, 4; Mk. 1, 44; Lk. 5, 14), das 
Heilungswort an den Gichtbrüchigen (Mt. 9, 6b; Mk. 2, 11; Lk. 5, 
24 b), das Heilungswort an den Mann mit der verdorrten Hand 
(Mt. 12, 15; Mk. 5, 5; Lk. 6, 10), in der Geschichte von der Heilung 
des epileptischen Knaben der Tadel des Unglaubens (Mt. 17, 17; 
Mk. 9, 19; Lk. 9, 41), das Wort an den bzw. die Blinden (Mt. 20, 52; 
Mk. 10, 51; Lk. 18, 41), das Wort über den Glauben des Haupt- 
manns von Kapernaum (Mt. 8, 10; Lk. 7, 9), das Wort beim Meer- 
wandeln an die furchtsamen Jünger (Mt. 14, 27; Mk. 6, 50); in den 
Aussprucherzählungen: das Wort, mit dem der Zöllner berufen 
wird (Mt. 9, 9b; Mk. 2, 14b; Lk. 5, 27), die Verteidigung des Zöll- 
nerverkehrs (Mt. 9, 12; 15 b; Mk. 2, 17; Lk. 5, 51 f.), die Antwort auf 
die Fastenfrage (Mt. 9, 15; Mk. 2, 19 a; 20; Lk. 5, 54 f.), die Antwort 
an den Täufer (Mt. 11, 5 f.; Lk, 7, 22 f.), der Spruch von den wahren 
Verwandten (Mt. 12, 49b— 50; Mk. 5, 54b— 55), das Wort nach der 
Verwerfung in Nazareth (Mt. 13, 57; Mk. 6, 4), die Antwort an die 
Söhne Zebedäi (Mt. 20, 25; Mk. 10, 59 f.), das Wort, das die Zins- 
groschenfrage beantwortet (Mt. 22, 21 b; Mk. 12, 17; Lk. 20, 25). Der 
Einwand, diese stärkere Übereinstimmung der Rede gegenüber dem 
umgebenden Text beweise nich.ts, weil sie in der ganzen synop- 

55) Siehe oben S. 14. 

36) Vgl. die mit synoptischen Parallelen zusammengestellten Worte aus 
den Wundergesdiiditen oben 8. 3 ff. 

37) Es sind hier soldie Worte aus den Wundergeschiditen berücksichtigt, 
die entweder das Wunder befehlen oder als auf den Glauben bezüglidi 
0. ä. mit dem Wunder in wesentlichem Zusammenhang stehen. 

Pereis. 5 



66 



■MHMMMüriHltiM^MMMÜiltaMIMiMMHItai 



tisdhen Überlieferung zu finden sei, ist nidit berechtigt. Denn er 
bestätigt gerade, daß das Wort in den Wundergesdiiditen, wo wir 
diese Übereinstimmung finden, dieselbe zentrale Stellung hat wie 
in der übrigen Überlieferung, daß es nidit ein accidens, sondern 
etwas Wesentliches für die Wundergesdiiditen darstellt ^^). 

Die Bedeutung des Worts zeigt sidb. weiter darin, daß die 
meisten synoptisdien Wundertaten durdi ein Wort vollzogen 
gedadit werden. Eine ausführlidie Zusammenstellung dieser Worte 
findet sidx im ersten Kapitel, Hier sei niu' nodi der Übersidit halber 
ein kurzer Überblick gegeben: Ein Wunderwort ist in direkter Rede 
überliefert in der Heilungsgesdiidite des Besessenen in der Syn- 
agoge, des Aussätzigen^^), des Giditbrüdiigen, des Mannes mit der 
verdorrten Hand^), der blutflüssigen Frau, in der Gesdiidite von 
der Kanaanitin, bei der Heilung der zwei Blinden (Mt. 9) ^"), bei 
der Auf erweckung des Jünglings zu Nain, in der Heilungsgesdiidite 
des Taubstummen^^), der verkrümmten Frau^^). Nur in einem Teil 
der Beridite sind wunderwirkende Worte in direkter Rede über- 
liefert in der Gesdiidite vom Hauptmann zu Kapernaum (Mat- 
thäus), in der Heilungsgesdiidite der gerasenisdien Besessenen 
(Mlatthäus), in der Markus sdion vorher ein erfolgloses Heilungs- 
wort bringt, bei der Auf erweckung der Toditer des Jairus^^), der 
Heilung des epileptisdien Knaben, in der Sturmstillungsgesdiidite, 
bei der Heilung des Blinden von Jeridio. Indirekt ist in einem Teil 
der Beridite ein wunderwirkendes Wort angeführt bei der Heilung 
der Sdiwiegermutter Petri*'^), des gerasenisdien Besessenen, bei 
der Sturmstillung ^^), bei der Heilung des epileptisdien Knaben ^^). 



58) Diese Tatsadie, die der folgende Absdmitt nodi bekräftigt, gibt audi 
die Berechtigung für das oben (S. 14 f.) gefällte Urteil, daß ein großer 
Teil des in den Wundergesdiiditen enthaltenen Wortmaterials nidit als 
Ausgestaltung oder Fremdkörper angesehen werden darf und darum nidit 
zu Sdilüssen auf späte Entstehung der betr. Stücke berechtigt. 

39) Daneben ist von Berührung die Rede. 

40) Das ^KTCivov rrjv x^ipä oou ist das Heilungswort; denn im Ausstrecken 
tritt die Heilung ein. 

41) Daneben ist von einer Heilhandlung die Rede; doch ist das Wort 
deutlich Höhepunkt und eigentlidier Bewirker der Heilung. 

42) Es ist — gegen Dibelius S. 49 — viel wahrsdieinlidier, daß ^ttitihöv 
als Bedrohung mit dem Wort, nicht als Besdireibung einer Geste anzu- 
sehen ist; denn a): wir haben sonst in den synoptisdien Evangelien nie 
Besdireibungen oder Erwähnungen von Gesten; b): niemals läßt sich in 



6? 



li*aäitaMt*iMliä 



Bis auf die Gesdbidite von der Heilung der Sdiwiegermiitter Petri 
ist in allen diesen Fällen in mindestens einem; Evangelium ein 
direktes Heilungswort üLerliefert. 

Nur von einer Berührung ist die Rede in ein bzw. zwei Fassun- 
gen der Heilungsges<i.idite der Sdiwiegermutter Petri, der Auf- 
erweckungsgesdiidite der Toditer des Synagogenvorstehers, der 
Blindenheilung bei Jeridhio, ferner bei der Heilung des Blinden von 
Bethsaida, des Wassersüditigen, des Hohenpriesterknedits. Außer, 
bei dieser letzten Heilung, die eigentlidi keine eigene Gesdiidite 
darstellt, haben wir nur beim Blinden von Bethsaida und beim 
Wassersüchtigen keine Fassung der Wundergesdiidbite, die ein 
Madxtwort Jesu entweder enthält oder von ihm berichtet. Die Be- 
deutung des Wortes tritt also in der überwiegenden Mehrzahl der 
Fälle mit Deutlidikeit hervor. Nidit hier aufgezählt werden können 
die Worte, die der Gruppe H der Wundererzählungen *^) ange- 
hören, die nicht unmittelbar den Eintritt des Wunders bewirken; 
denn sie stehen nicht so als Machtworte im Mittelpunkt der Ge- 
sdiiditen. 

Der Ansatz zur inhaltlichen Parallele"^) zwischen Wunder- und 
Ausspruchüberlieferung liegt hier: Mensdien kommen zu Jesus und 
wollen etwas von ihm. Sie gehen ihn um etwas an, und er ver- 
schließt sich ihnen nicht. Er spendet hier den Kranken Heilung, den 
Bedrängten Hilfe, gibt dort den Fragenden Antwort ^^). Auf beiden 
Seiten ist eine parallele Differenzierung möglich: Der Feind und 
der ehrlich Suchende und Hoffende treten an ihn heran. Der Dämon, 
der die Kranken besitzt und, angstvoll um seine Bleibe besorgt, 
Jesus als den Messias bekennt, entspricht dem versucherischen 
Frager, der Jesus von seiner gottbestimmten Bahn abbringen will 
(Versuchungsgeschiichte) oder ihm eine Falle stellt, um ihn leiblich 



den Evangelien und im ganzen Neuen Testament dirixi^öv als Besdirei- 
bung einer Geste, an vielen Stellen dagegen als die eines Drohwortes sidaer 
festlegen (Mt. 12, 16; Mk. 3, 12; Lk. 4 41; — Mi 16, 22; Mk. 8, 32b; — 
Lk. 17, 3; — Mt. 19, 13; Mk. 10, 15; Lk. 18, 15; — Mt. 20, 31; Mk. 10, 48; 
Lk. 18, 39; — Lk. 19, 39). 

43) Siehe oben S. 56 f. 

44) Hier ist nur von der inhaltlichen Parallelität der Einzelstücke der 
Wort- und Wunderüberlieferung die Rede, die der Gesamtauffassung 
wurde oben S. 26 ff. behandelt. 

45) Vgl. Bornhäuser S. 69: „Jesu heilendes Wort ist Antwort." 



68 

ZU verderben (Zinsgroschenfrage). Neben dem Kranken, der Heilung 
sudit, steht der Sünder, der Vergebung braudit, und der Mensdi, 
der zur Erfüllung des göttlidien Gebots, zur Beantwortung einer 
ihm wichtigen Firage den Meister um Rat und Hilfe angeht. Daß 
sidh in der Darstellung aller Taten und Worte Jesu, die sein Wesen 
zum Ausdruck bringen, dieselbe Konzentration auf seine Person 
findet, ist oft festgestellt worden ^^). Es sind die Einzelheiten zu 
untersudien, w:ie die Parallelität des Wirkens mit Wort und Tat, 
das Jesus vollmächtig unter den Mensciien ausübt, in den Gesdiich- 
ten zutage tritt. Das Sendungsbewußtsein läßt ihn mit Heilung 
und Lehre nicht stets warten, bis die Menschen zu ihm kommen, son- 
dern die Evangelisten berichten, daß er auch von selbst heilte, wo 
er Not sah (der Mann mit der verdorrten Hand, die verkrümmte 
Frau), selbst das Lehrgespräch begann (Davidsohnfrage) oder den 
Mißbrauch angriff (Tempelreinigung), wo em es für nötig hielt. 

Es gibt unter den Ausspruciierzählungen verscäiiedene Gruppen, 
die je nadi der Eigenart ihres Inhalts den Wundergeschiditen näher 
oder ferner stehen. Es wurde sdion auf die besondere Verwandt- 
schaft zwischen deo? Vernichtung der Dämonen und der Besiegung 
der versucherischen Frager im Streitgespräcii hingewiesen. Weiter 
stehen unter den Ausspruchgeschichten diejenigen den meisten 
Wundem näher, bei denen es nichit um die Entsciieidung einer Lehr- 
frage o. ä. geht, sondern wo Jesus in das persönlicJie Leben eines 
Menschen eingreift, wo darum die ganze Geschichte eine persönlidie 
neben der sachlichen Spitze hat. So treten neben die Heilungs- 
geschiditen und die Seesturmstillung, in denen Jesus Menschen in 
Leibes- und Lebensnot hilft, die Erzählungen von der Anfrage des 
Täufers, vom reidien Jüngling, von Zachäus, bei denen persönliches 
Leben von Jesus berührt wird. Ebenso nahe, ja noch näher, ist die 
Parallele zwischen den Heilungsgeschichten, wo Jesus die Handlung 
beginnt, und den Berufungsgeschichten, wo er von sich aus das 
Befehlswort spricht und sofort der Gehorsam da ist. Besonders eng 
ist die Beziehung der Heilungsgeschidite der verkrümmten Frau zu 
den Berufungsgeschichten, weil dort nicht, wie in den beiden ande- 
ren Sabbatgeschichten, das Thema des Sabbatheilens in der eigent- 
lichen Wundergeschichte selbst behandelt ist, sondern erst daran 
ansdUießend. Wir haben hier wie dort den Gedankengang: Jesus 

46) Vgl. besonders audi Albertz S. 128. 



69 

sieht den Mensdien, er spridit sein Maditwort und sofort tritt der 
Erfolg ein. Ein neues Leben beginnt für ihn. 

Die engste Parallele zur Heilung haben wir in der Sündenver- 
gebung. Unser Material in dieser Beziehung ist sehr arm. Wir fin- 
den nur zwei Fälle, in denen Jesus Sünden vergibt, beriditet: in 
der Giditbrüdiigenerzählung und in der Geschidite von der 
Büßerin in Simons Haus. Aber schon diese beiden Fälle zeigen die 
enge Verwandtscbaft, die unsere Evangelien zwischen Heilung und 
Sündenvergebung sehen. Im ersten Falle steht das Sündenver- 
gebungswort völlig an Stelle des Heilungsworts, als Gewährung der 
Bitte eines Heilungsuchenden. Die Frau, die die Vergebung empfan- 
gen hat, entläßt Jesus mit Worten, die uns aus Wundergeschiditen 
bekannt sind: f] mcni<; crou (TeoujKev oe, rropeuou dq eipr|vriv. Beson- 
ders die Begründung der Vergebung auf den Glauben hat ihre 
Parallele in zahlreichen Wundergeschichten. Die Geschidite vom 
Gidhitbrüchigen ist geradezu eine Darstellung der Entsprediung von 
Heilung und Sündenvergebung. Das Recht zur Sündenvergebung 
wird auf die Tatsache der Madit zur Heilung begründet. Der 
Glaube an den Zusammenhang von Krankheit und Sünde ist in der 
dam.aligen jüdischen Literatur an zahlreichen Stellen zu beobachten. 
Und zwar sind es zwei Gedankengänge, die hier wichtig sind und 
ihrerseits in enger Beziehung stehen. 1. KJrankheit und Sünde sind 
beide Wirkung dämonischer Mädite ^'^). 2. Krankheits- und Todes- 
schicksal sind Folgen der Sünde. Sündenvergebung ist Voraus- 
setzung der Heilung*^). Besonders die zweite Anschauung, die ja 
auch im Alten Testament bekannt ist, spiegelt sidi mit Deutlichkeit 
in der Geschichte vom Gichtbrüchigen; und der ganze Glaube an 
die Beziehung von Krankheit und Sünde, Heilung und Vergebung 
steht hinter der engen Verwandtschaft von Heilungs- und Ver- 
gebungsberidit in den Evangelien. 

Überblicken wir das gesamte Material der Ausspruch- und Wun- 
derüberlieferung in den Evangelien, so läßt sich an folgender Reihe 
darstellen, welche Teile der beiden Überlieferungsgruppen sich be- 
sonders fernstehen und welche parallele Merkmale aufweisen. Es 
sind in dieser Aufstellung formale und inhaltli(h.e Gesichtspunkte 
berücksichtigt. 

47) Belege bei Strack-Billerbeck, Bd. 4, S. 521 ff. 

48) Siehe audi Dibelius S. 54. Belege bei Strack-Billerbeck, Bd. 1, S. 495; 
ferner Abrahams S. 108 f. 



70 



1. 


2. 


3. 


4. 


In Spruchsammlungen 

zusammengestellte 

oder in Q-eschichten 

untergebrachte Logien 


Ausspruchgeschichten 
ohne deutlich sicht- 
bare Beziehung auf das 
Leben dessen, der mit 
Jesus spricht 


Ausspruch- 
geschichten mit 
persönlichem 
Einschlag 


Sünden- 

ver- 

gebungs- 

Dericht 


Z.B.: Bergpredigt. 

Vom Dienen 

(Mk. 10, 41-45) 


Sadduzäerfrage 


Der „reiche 
Jüngling" 

Die Jünger- 
berufungen 


Der 

Gicht- 
brüchige 



5. 


6. 


7. 


8. 


Hilfswunder mit 
prägn.- dialogischem 

Charakter u. deut- 
lichem Höhepunkt 


Hilfswunder mit aus- 
führlicher Darstellung- 
einzelner besond. Mo- 
mente oder mit schrift- 
stellerisch. Verkürzung 


Hilfswunder, bei denen 
d.Wundereintritt nicht 
sofort erfolgt, d. keinen 
unmittelbar wirkenden 
Wunderakt enthalten 


Macht- 
wunder 


Der Aussätzige 

Die Blinden 

(Mt. 9) 


Der gerasenische 
Besessene 

Die 

Schwiegermutter Petri 


Die Speisungen 
Die 10 Aussätzigen 


Das 

Meer- 
wandeln 
Die Be- 
schaffg. 
d. Eselin 



Bei dieser Aufstellung konnte nur der Gesamtdiarakter der die 
einzelnen Gruppen dairstellenden Wundergesdiiditen undWortiiber- 
lieferung berücksiditigt werden. Die zahlreichen Parallelen im 
einzelnen, die besonders zwisdien den Geschiditen der Gruppen 2, 
3, 5 bestellen, sind bereits angeführt worden. 

Es müssen nun auch die Unterschiede zwisdien den Aussprudi- 
und Wundergesdiiditen, bei denen sidi eine Verwandtsdiaft zeigte, 
festgestellt werden. Es soll ausgegangen werden von den sich 
formal besonders nahestehenden Erzählungen der Gruppen 2, 3 
und 5, also den Ausspruchgesdiiditen und einfadien Wunder- 
gesdiiditen. Als Exposition haben die Aussprudigesdiiditen meist 
nur einen ganz kurzen Satz: eine Übergangsbemerkung und eine 
Einführung der Redenden; mandimal ist eine Aussage über die Ge- 
.sinnung gemadit, einigemal der Anlaß des Gesprädis angegeben, 
wo das zum Verständnis notwendig ist. In den Wundergesdiiditen 
mit prägnantem Aufbau ist die Einleitung auch durdisdinittlidi 
nidit ausführlidier. Ganz kurz ist sie bei dem Aussätzigen, der 
Blindenbeilung (Mt. 9); etwas ausfübrlicher ist die Situationssdiil- 
derung vor der Sturmstillung. Stets enthält sie ein Moment: die 



n 

Nennung der Not, deren Behebung das Wunder bringt, so die An- 
gabe über die Krankbeit, über die Seenot der Jünger. Dieser stän- 
dig notwendig wiederkehrende Zug kennzeichnet die Wunder- 
geschichten gegenüber den Ausspruchgeschichten. Ebenso fest gehört 
zu ihnen die Angabe über den Eintritt des Wunders. Diese bildet 
zusammen mit dem Wunderwort den Höhepunkt. Dodi steht fast 
immer das Wort noch stärker im Vordergrund. In dem notwendigen 
Hinzutreten des Eintritts des Wunders liegt ein Unterschied gegen- 
über den A.usspruchgesdiichten. Außer diesen konstitutiven Merk- 
malen der Wundergeschichten ist ein Zug, der den dialogischen Cha- 
rakter schwächt, nodh. die Handlung Jesu, die zuweilen neben das 
Heilungswort tritt oder auch allein berichtet wird. Dieser Fall, daß 
das Entscheidende nicht durch ein in direkter Rede gegebenes Wort 
in der Darstellung erscheint, ist, wo er statthat, ein wesentlicher 
Unterschied von der Wortüberlieferung. Auch den dialogischen 
Handlungsgang unterbrechende erzählende Bemerkungen finden 
sich in einzelnen Fällen. Weiter ist zu beachten, daß bei mehreren 
Wundern der Höhepunkt nidbt am Ende steht, weil nodb. das Ver- 
breitungsverbot folgt, was in den Aussprudigeschichten nur bei 
dem Petrusbekenntnis der Fall ist"^"). Ferner ist die Schlußbemer- 
kung über die Wirkung des Wunders auf . die Anwesenden viel 
häufiger als entsprechende Sätze am Ende von Ausspruchgeschich- 
ten. Schließlich ist noch darauf hinzuweisen, daß die Zahl der 
Handlungsgänge in den Wundergeschichten durchsdbinittlidi größer 
ist als in den letzteren. All diese formalen Untersdiiede sind durch 
den eigenartigen Inhalt der Wundererzählungen bedingt. Schilde- 
rung der Not und des Eintritts der Heilung gehören zu ihrem 
Wesen. Handlungen Jesu sind bei den Aussprudberzählungen nicht 
angebracht. Worte sind für die Höhepunkte der Wundergeschichten 
nidit unbedingt notwendig. Aussagen über den Eindruck auf Be- 
troffene und Zusdiauer liegen beim Wunder viel näher als bei den 
anderen Geschichten "°). Die größere Kompliziertheit, die die Wun- 
dergeschichten durch die Außergewöhnlichkeit des berichteten Vor- 
gangs haben, wirkt sich in der längeren Darstellung aus. — Bei den 
von den Aussprudigeschichten weiter entfernten Stücken der 



49) Die Verklärung ist nidit als Aussprudigeschichte anzusehen. 

50) Vgl. Albertz S. 86. 



72 

Gruppe 6 finden wir genau die gleidien Momente, die wir im An- 
satz hei den einfadien Geschiditen als Untersdiied von der Aus- 
sprudiiiberlieferung feststellten. Wir haben von Fall zu Fall aus- 
führliche Krankteitsschilderungen, ausgebaute Besdbrei- 
bungen von Heilhandlungen, komplizierte Darstellung des 
Eintritts der Heilung, 1 ä n g e a:i e Berichte über die Folgen des 
Wunders und zahlreichere Handlungsgänge. Dazu kommen 
audi andere den dialogischien Gang unterbrediende erzählende 
Zwischenbemerkungen ^^). 

Diese Unterschiede führen zu der wesentlichen inneren VersdbJie- 
denheit, die in der synoptischen Überlieferung zwisciien Wunder 
und Ausspruch, besteht. Er wurde sciion gesagt, daß es die öuva|Liis 
Jesu ist, deren Wirkung die Evangelisten in dieser besonderen Art 
von GeschiciLten beridbiten wollen. '^ Eine Mach.ttat liegt da vor, wo 
Jesu Wirken die Mensdien gesteckten Grenzen auch, in seiner Aus- 
drucksform überschreitet, wo die göttlidie Kraft sich, bei ihm zeigt. 
Damit tritt ein bedeutungsvoller Unterschied in der Verwendungs- 
möglichkeit ans Liciit. Das Wort stebt immer zur Verfügimg; der 
versucherische, spöttischie Gegner wird ebenso mit ihm bekämpft, 
wie dem suchenden Menschen damit geholfen wird. Eine derartige 
Verwendung des Wunders als stets zur Verfügung stehenden, all- 
täglich, werdenden Mirakels finden wir in den Kindheitsgescbiditen 
des Thomas und in Heiligehlegenden. In den Evangelien finden wir 
sie kaum^^). Gewisse Ansätze könnte man freilich, in der Tempel- 
steuergeschich.te, bei der Beschaffung der Eselin und der Vorberei- 
tung des Passahmahls sehen. Dodx bekommt diese Verwendungsart 
des Wunders eben gerade durch ihre Häufung ihren besonderen 
Charakter und die liegt in den Evangelien nicht vor. Daß sie die 
Wunder Jesu nidit mit der Selbstverständlichkeit der Legende, der 
Selbstverständlichkeit, die das Wort als menschliche Ausdrucksform 
ohne weiteres hat, erzählen, das bewirkt den inhaltlidien und for- 
malen Unterschied zwisdien Wort- und Wunderüberlieferung bei 
den Synoptikern. Daß die dadurch bewirkte Verschiedenheit nidit 



51) Die Wunder der Gruppen 7 imd 8, die keine wesenhaften Parallelen 
mit den Aussprudigeschichten aufwiesen, brauchen hier nicht noch einmal 
besprochen zu werden. 

52) Tgl. Jordan S. 597 ff. 



73 

größer ist, daß sidi trotz ihr die starken Parallelen finden, liegt in 
dem besonderen Inhalt der Worte Jesu begründet, die audi etwas 
Erstaunenerregendes in sich tragen ^^). Der Unterschied darf auf 
keinen Fall übersehen werden. Doch ist die Parallelität zwischen 
beiden Gruppen in einem Teil der Überlieferung so groß, daß zu 
fragen ist, ob wir in dieser Erscheinung ein Merkmal der alten Tra- 
dition von Jesus zu erblicken haben oder nicht. 



53) Siehe oben S. 28 f. 



3. Kapitel. 

Zur vorsynoptischen Geschichte der Überlieferung. 

I. Die Möglichkditen. 

Die Entwicklungsgänge, die die Überliefeirung bis zu ihrer Fixie- 
rung in den Synoptikern genommen haben ktmn, sollen im folgen- 
den dargestellt werden. Die Mannigfaltigkeit der Gestalten, in 
denen die Wundergesdiichten uns erhalten sind, läßt erhoffen, daß 
in ihren oben vorgenommenen Gruppierungen auch verschiedene 
Stufen der Entwicklung erkennbar sind. Andererseits darf nicht 
übersehen werden, daß Verschiedenheiten auch in der Ungleichheit 
des Materials oder des Formungsmilieus ihren Grund haben kön- 
nen, ohne daß deshalb auf Entwicklungsstufen geschlossen werden 
dürfte. Außer Betracht gelassen werden sollen zunächst die Sab- 
batheilungen und die Gesdiichten vom Hauptmann von Kaper- 
naum und der Kanaanitin, weil dort die Beeinflussung der Form 
durch das enthaltene A,usspruchmaterial wahrscheinlich ist und 
erst auf Grund der an den anderen Wundergeschiditen erarbeiteten 
Ergebnisse geschlossen werden darf, ob dieser Einfluß zu einer 
Vereinfachung der komplizierten oder einer Bewahrung der ein- 
fachen Form geführt hat. 

Eine Möglichkeit ist die, daß am Anfang eine Erzählungsform 
steht wie etwa die Markusfassung der Auferweckung der Tochter 
des Jairus und der Heilung der Blutflüssigen. Dieser reiche und 
bewegte Bericht könnte auf Augenzeugensdbaft oder auch auf den 
mündlichen Erzähler zurückgehen und daher seine Lebendigkeit 
haben ^). Andererseits zeigen er und die ihm ähnlichen Wunder- 
geschidbten Züge, die wir aus der Topik der hellenistischen Erzäh- 
lungen kennen. Daß hier der Hellenismus Einfluß gehabt hat, ist 
wahrscheinlich. Dieser könnte sidli aber auch so geltend gemacht 
haben, daß die aus der sonstigen Form der Wundergeschichte be- 
kannten Züge sich auch bei den neutestamentlichen Wundern beson- 
ders fest hielten; und, da sie ja bei den Hellenisten wie in der Ur- 
gemeinde dazu dienen sollten, die Geschichte besonders eindrucks- 



1) Vgl. Albertz S.84 



75 

voll darzustellen, mag hier die Erzählungsgesdbicklidikeit mit dem 
Einfluß der Umwelt zusammengewirkt haben. Zeigen sidb in den 
Wundern Züge von starker Individualität, die nur in der Ab- 
zweckung ihre Parallele im Hellenismus haben, so werden wir zu 
ihnen größeres Vertrauen haben, als wenn ganz nahe Sadhiparallelen 
auftreten. 

Nehmen wir Wunder dieser bewegten Erzählungsart als alte 
Stufe der Entwicklung an, so müßte die Entwicklung danach zwei 
Wege gegangen sein. 1. Den der weiteren Ausgestaltung, der neue 
wunderbare Züge und Besonderheiten hineinbradite, etwa wie in 
der Markusfassung des Berichts vom gerasenischen Besessenen, oder 
sie mit lehrhaftem Stoff durchsetzte wie beim epileptischen Kna- 
ben; 2. den der Vereinfachiung, der die Wundergeschichten den Aus- 
sprudhgeschichten anglich, sie enthellenisierte^). Hierher würden 
Geschiditen gehören wie die Matthäusfassung der Blutflüssigen- 
heilung und die Aussätzigenheilung. Diese Vereinfadiung wäre 
dann als Folge der gleichen Tendenz zur Verselbstverständliciiung 
des Wunders anzusehen, die wir oben aus dem Inhalt einiger Ge- 
schichten schlössen. Es läge dann hinter dieser Abwandlung die 
religiöse Meinung, daß das Wundertun für den Gottessohn ebenso 
selbstverständlidh. sei wie das Lehren, daß deshalb eine Foiranung 
am Platze sei, die Jesu Krafttaten ohne Sciiilderung von Bescmder- 
heiten als alltägliche Begebnisse seines Lebens darstellte. Eine ganz 
besondere Stellung nehmen auf jeden Fall die undialogischen Erzäh- 
lungen ein. Sie lassen sicJi nicht durch formale Entwicklung aus den 
beiden ersten angenommenen Stufen erklären, — Für die von der 
Ausspruchüberlieferung beeinflußten Wundergeschichten wäre bei 
Richtigkeit des eben dargestellten Entwicklungsganges, da ja eine 
bunte, bewegte Darstellungsart am Anfang stände, anzunehmen, 
daß das enthaltene Ausspruchgut zur Vereinfadiung, zur Anglei- 
chung an die Aussprudiüberlieferung geführt hat. 

Die andere Möglichkeit ist die, daß — in vieler Beziehung paral- 
lel zu der von Albertz angenommenen ersten Gestaltung der Aus- 
sprucherzählungen '') — die erste Fassung der Wundergesciiichten 
eine starke Verkürzung und Schematisierung bedeutete. Am An- 

2) Das träfe naiuentlidi auf di© Matthäusgestaltung einiger Gesciiich- 
ten zu. Siehe Bultmann S. 378 unten. 

5) S. 81 ff. 



76 

fang stünden Wundergesdbiiditen wie die Matthäusfassung der Hei- 
lung der Blutflüssigen, die Aussätzigenkeilung usw., die ihre deut- 
lidbie und nahe Parallele mit den Aussprudhgesdiiditen haben. Das 
stärkere Gewicht der erzählten Begleitumstände bei den Wundern 
würde bewirkt haben, daß kleine lebendige Züge hier teilweise 
stärker gewahrt blieben als in den A,ussprudh.gesdiiditen. 

Die zweite Stufe der Entwicklung würde sich in der Absdbwä- 
diung des dialogischen Elements und in stärkerer Ausgestaltung 
von Einzelzügen zeigen. Der Grund dieser Änderung würde in 
lehrhafter Tendenz und Streben nach volkstümlich-ansciiaulicher 
Gestaltung zu sehen sein. Bei dieser Ausgestaltung hätte dann, die 
Topik der hellenistischen Wundererzählung ihren Einfluß aus- 
geübt. Die breitere Ausführung von Einzelzügen ist besonders in 
Markusgesdiichten zu finden und besteht darin, daß — wie schon 
gesagt "*) — all die in den bisherigen Wundern ganz kurz behandel- 
ten Dinge wie Krankheitsschilderung, Heilungstat, Züge belehren- 
den Charakters o. ä. jetzt größere Ausführlidikeit und Bedeutung 
gewinnen. Bei Matthäus findet sich mehrfach Abschwächung des 
dialogischen Elements durch Abwandlung' in indirekte Rede. Abseits 
ständen und niciit als aus den anderen Wundergruppen entstanden 
erklärbar wären auch hier die ganz undialogischen Wundergeschich- 
ten''). Bei den Wunder- und Aussprudipointe enthaltenden Ge- 
schichten wären hier anzunehmen, daß ihr Aussprudigehalt die alte 
Gestalt bewahrt und vielleiciit noch ein wenig vereinfacht hätte; 
denn sie stehen ja der in diesem Fall ersten Stufe der Wunder- 
entwicklung sehr nahe. 

Wir müssen uns hier noch einmal daran erinnern, daß man mit 
solchen A,ufstellungen den mannigfaltigen Möglichkeiten der histo- 
rischen Entwicklung im. einzelnen nidit gerecht werden kann. 
In der Grundtendenz sind aber eben diese beiden Entwicklungs- 
gänge als denkbar anzunehmen. Entspräche der erste dem ge- 
schichtlichen Vorgang, so würde das bedeuten, daß die formale 
Parallelität zwischen Ausspruch- und Wundergeschichte im wesent- 
lichen etwas Sekundäres ist, daß also die Entsprechung der inhalt- 
lichen Wertung, auf die oben^) bereits als in der Absicht der Evan- 

4) Siehe oben S. 71 f. 

5) D. h., bei denen das dialogische Element für den Bericht des Wun- 
dervollzugs nicht konstitutiv ist. 

6) Siehe S. 26 ff. und S. 61 ff. 



^ r? 

gellsten vorhanden hingewiesen wurde, zunädist allein steht. Sie 
würde dann als Ursadie, die zu der Angleidiung geführt haben 
könnte, anzuführen sein. Ist der zweite Entwicklungsgang histo- 
risch, so würden wir in den festgestellten Parallelen zwischen den 
beiden Überlieferungsgruppen einen ursprünglidien Zug haben, der 
allmählich entstellt worden ist. Wir hätten am Anfang inhaltlidbe 
und formale Parallele von Wort- und Wundergeschichte, die durch 
innere und äußere Einflüsse gestört worden wäre. 

II. Außersjmoptische Wunder. 

Es ist für die Untersuchung der WundergeschichLten und ihres Ver- 
hältnisses zu den Ausspruchgeschiditen von großer Wichtigkeit, 
welche Einflüsse von der Umwelt der Urgemeinde her sich bei der 
Formung der Überlieferung geltend gemach.t haben können. 

Zuerst das alttestamentliche Material. Die den neutestamentlichen 
verwandtesten Wundergesdiichten finden sich in den Elia- und 
Elisa-Erzählungen. Wir haben dort Heilungen, Totenerweckungen, 
Speisungswunder. (1. Könige 17, 10 — 16; 17 — 24 2. Kön. 4, 1 — 7; 
8—17; 18—37; 42—44; 5, 1—14.) Alle diese Wunder stehen in deut- 
lidiem Abstand von dem größten Teil der synoptischen. Denn ihnen 
allen fehlt das sofort wirksame Machtwort. Darum ist audi die auf 
einen Höhepunkt zulaufende Gestaltung nicht vorhanden. Zwei 
der Wunder sind Gebetserhörungen: die beiden Totenerweckungen 
(1. Kön. 17, 17—24; 2. Kön. 4, 18—37), wahrsdieinlich Dubletten. 
Die anderen Wunder sind bis auf eines sämtlich „Sendungswun- 
der", d. h. es wird ein Auftrag erteilt, dessen Ausführung das wun- 
derbare Geschehen zur Folge hat. Hier liegen gewisse Parallelen 
mit den als letzte Gruppen genannten synoptischen Wundern'^). 
Es kommt nodi hinzu, daß die Themata ähnlidi sind. Es handelt 
sich bei den alttestamentlidien Geschichiten um zwei Speisevermeh- 
rungswunder und eine Aussätzigenheilung, bei den Synoptikern 
u. a. um Petri Fischzug und die Heilung der 10 A.ussätzigen. Auch 
die Speisungswunder können hierher gerechnet werden, da Jesus 
den Jüngern die Nahrung zur Austeilung gibt und dann das Wun- 
der eintritt, wenn audi kein ausdrücklidies Sendungswort beriditet 
ist. Hier ist die Parallele sogar sehr nahe: Hundert Mann werden 
von 20 Gerstenbroten satt imd es bleibt noch übrig. Auch hier wird 

7) Siehe S. 70. 



78 

von dem, der das Brot verteilen soll, erst ein Einwand gemadbt. 
Bei der Aussätzigenheilung ist gleidifalls eine Beeinflussung durch- 
aus möglidi. Der Aufbau ist bei all diesen Gesdiiditen, wozu im 
2. Königsbudi z. B. nodi eine Heilung (4, 8 — 17) und bei den Synop- 
tikern die Besdiaffung der Tempelsteuer, der Eselin und des 
Abendmahlsraumes und Petri Meerwandeln gehört, im Grunde der 
gleiche. ' 

Ein Wunder, das unmittelbar mit dem Wort gewirkt wird, findet 
sidi 2. Kön. 1, 9 — 18: die zweimalige Vernidhitung der Krieger, die 
Elia zum König holen sollen. Hier liegen aber zwei andere Punkte 
vor, die das Wunder sehr weit von den evangelisdien entfernen. 
Inhaltlidi ist es ein gegen Menschen gerichtetes Strafwunder, wie 
es in den Evangelien nicht zu finden ist. Außerdem wird das Wun- 
der fast wie etwas für den Täter Alltägliches geschildert. Zu einer 
derartigen Auffassung sind bei den Synoptikern nur leise Ansätze 
vorhanden. Formal ist die damit in engem Zusammenhapg stehende 
Tatsache zu beachten, daß das Wunder keine eigene Geschichte ist, 
sondern ein Zug an einer anderen. — Ähnlidie an Zauberei gren- 
zende Gesdiichten finden sidi auch in den folgenden Kapiteln. 
Die Geschichte von Jona im Sturm (Jona 1, 4 — 16) erinnert in man- 
chen Zügen an die Sturmstillung. Sie steht aber von ihr inhalt- 
lich — da ein Wundertäter nicht da ist — und formal — da der 
A,ufbau viel reiciier gestaltet ist als bei dem Wunder Jesu — in 
großem Abstand. 

Den Unterschied des in der nachdiristlichen jüdischen Literatur 
enthaltenen supranaturalen Materials vom synoptischen Wunder- 
bericht hat Sdilatter festgestellt^). Er hebt hervor, daß Josephus 
und die tannaitisch.e Literatur keine zeitgenössischen Wundertäter 
kennen °). Erst vom 3. und noch stärker vom 4. Jahrhundert ab 
beginnen die Wunderberichte und werden dann audi den L,ehrern 
des 1. Jahrhunderts angehängt. Daß erst in dieser Zeit unter hel- 
lenistiscäi-orientalisdiem Einfluß die Hauptmasse der wunderbaren 
Berichte in die jüdische Literatur eindringt, ist auch die überwie- 
gende Meinung der jüdischen Forschung^'*), Inhaltlich von großer 

8) Das Wunder in der Synagoge. 

9) Dagegen Fiebig bes. S. 72. 

10) Vgl. Joel besonders S, 67 ff.; Blau S. 23, S. 58. Abrahams beson- 
ders S. 110 f. Nidit klar wird, aber eher zur gegenteiligen Ansicht neigt 
Klausners Stellung dazu, S. 362. 



_79 

Wichtigkeit sind die Untersdiiede, die Sdilatter zwisdien dein über- 
natürlidien Beridit von den zeitgenössischen Frommen in der jüdi- 
sdien Literatur — sie treffen aber audi auf den größten Teil des 
späteren Materials zu — und den Wundem Jesu in den Evangelien 
feststellt. Von der mit dem Maditwort vollzogenen Wundertat sind 
zu sdbeiden 1. das übernatürlidie Erlebnis. Hier stößt dem From- 
men oder Lehrer ein Wunder zu, ohne daß er als Täter angesehen 
wird; 2, die wunderbare Gebetserhörung; 5. der Zauber. Diese in- 
haltlichen Uhterschiede sind natürlich aucii für die formale Gestal- 
tung von stärkster Bedeutung. Hinzu kommt noch ein Weiteres, 
das Schlatter nicht erwähnt: Mit dem gesamten Charakter der 
talmudischen Überlieferung hängt es zusammen, daß die Wunder 
ihren Sinn niciit in sidi selbst tragen. Audi dort, wo die Gesdiidi- 
ten mit verhältnismäßig großer Selbständigkeit erzählt sind, er- 
scheinen sie der Lehre dienstbar gemadit. Teils sind es Beglau- 
bigungswunder wie die Rötung des Wassers durdi J. Jose b. Qisma, 
b. Sanh. 98a/b, oder die Wunder des Eliezer, b. Baba M^Qi'a 59b. 
(Fiebig S. 31 ff.). Teils erläutern sie ein Wort: So bestätigt die 
Geschidite von der Erweckung des Sohnes Gamaliels die Mischna 
vom Wert des fließenden Gebets, b. Berakhoth 54b (Fiebig Si.l9ff.); 
die Geschidite von der Erweckung des Sohnes Johanan b. Zakkais 
hat ihre Pointe in dem Wort von der größeren Gebetskraft des 
Frommen gegeniiber dem Lehrer. Gibt es trotz dieser starken in- 
haltlichen Differenzen formale Parallelen zwisciien den synop- 
tisdien und den jüdischen Wundergesdiichten? Aus der tannaiti- 
sdien Überlieferung sei das Regenwunder des IJoni, Mischna 
Ta'anith III, 8 (Fiebig S. 14) genannt. Die charakteristisdien 
Unterschiede sind vorhanden: die ganze Geschidite dient zur Be- 
stätigung der Regel, daß man keinen Lärm bläst, um den Regen 
zum Aufhören zu bringen. Sie ist im übrigen ein Gebetswunder. 
Trotzdem kann man von ihr von einem dialogischen Aufbau spre- 
chen. Je einen Gang am Anfang und Schluß bildet die Botschaft 
der Leute und die jedesmalige Antwort Honis. Dazwischen liegen 
vier Gebetsgänge. Hier ist also das Wunder selbst in Gänge auf- 
gelöst, und wir haben in dieser Beziehung eine Parallele zu der 
Heilung des Blinden von Bethsaida. Doch ist die Stilisierung des 
jüdischen Wunders viel stärker durchgeführt. Im Gegensatz zu 
den meisten synoptischen Wundern fehlt der feste Höhepunkt. 



80 

Besonders interessant ist der Scbluß. Die Rabbinen schwanken 
iiadi dem Wunder zwisdien Bannung und Lobpreis des Täters; 
ebenso folgt nadi Jesu Wundern, die ja in der rabbinisdien Lite- 
ratur als Zauberei gelten, neben der Freude die Feindschaft. Dodi 
ist der Untersdiied deutlidi: Die falsdie Verwendung des Gebets 
als einer Zwangsmaßnabme gegen Gott war verzeihlidi, aber nicht 
das Gebieten über Geister und Krankheiten aus eigener Maciitvoll- 
kommenheit. 

Äbnlicben Aufbau wie das tannaitische Regenwunder haben die 
beiden Wiederholungen in den Gemaroth zur Stelle ^^) und die 
Geschichte vom Regenwunder des Naqdimon b. Gorion ^"). Bei den 
übrigen Gebetserhörungswundern, wo eine derartige Stufen- 
stilisierung nicht vorliegt, kann von dialogischem Aufbau nicht ge- 
sprochen werden. Nach der Bitte folgt der Bericht über das Gebet 
und dann die Konstatierung des Erfolgs. Dazu kommt meist die 
Unterordnung unter eine Lehrpointe, die bewirkt, daß der Höhe- 
punkt nicht beim Wunder selbst liegt. Die Geschichten haben 
meist geringere Einheitlichkeit als der größte Teil derer in den drei 
ersten Evangelien. Eine gewisse formale Ähnlichkeit besteht manch- 
mal zwischen diesen Gebetserhörungswundern, auch zwisdien Be- 
richten von unerbeten eintretenden wunderbaren Geschehnissen 
und den undialogischen synoptisdien Wundem (Petri Fischzug, 
Speisungswunder u. ä.), mit denen z. B. die wunderbare Brotver- 
mehrung im Hause 5aninas b. Dosa zu vergleichen ist, b. Ta'anith 
24b/25a (Fiebig S. 22 ff.). Verwandten Aufbau mit den synop- 
tischen Dämonenaustreibungen hat die Geschichte von der Dämonin 
Agrat^). Der Unterschied vom Neuen Testament liegt wieder in 
der Unterordnung der Geschichte unter eine Lehre: die Regel, man 
solle in den Mittwochs- und Sabbatnächten nicht allein ausgehen; 
außerdem in dem zauberhaften Charakter: die Dämonin ist nicht 
an einen Menschen gebunden, sondern erscheint persönlich. Die 
Form der Dämonenaustreibungen ist aber der synoptischen sehr 
ähnlidi. Das Aufbauschema des ersten Teils der Talmudgeschichte 
ist folgendes: 



11) p. Taanith 66d Z. 49 ff. ~ h. Ta'anith 23a. 

12) b. Ta'anith 19b/20a (Fiebig S. 16 ff.). 

J3) b. Pesachim 112b/113a (die erste Hälfte audi bei Fiebig S. 25 f.). 



^ 81 

Die Gefahr durch die Dämonin 



A 
B 
Ai 



Anrede an Hanina b. Dosa 

Ausfahrbefehl 

Bitte um die Mittwoch- und Sabbatnächte 

Gewährung 



Es entspridit genau der Markus- und Lukasform der Gerasener- 
gesdiichte. Ansdbließend ist nodi eine Austreibung derselben Dämo- 
nin durdi Abaje beriditet. Sie hat nur einen Gang: Anrufung 
des Rabbi mit fast den gleichen Worten wie oben — Austreibung. 
Der Aufbau dieser Gescbidbte ist wie bei der Dämonenheilung in 
der Synagoge von Kapernaum. Die Form der Dämonenaustrei- 
bungen scheint also sdion in früher Zeit fest gewesen zu sein^*). 
In der zweiten Erzählung sind die Sabbat- und Mittwodmächte nidit 
erwähnt. Sie widerspridit dadurdi eigentlidi der Pointe der ersten, 
und der Schlußsatz versucht, den Widerspruch, auszugleichen. Die 
beiden Gesdhichten sind wahrsdieinlich Varianten. Vielleicht über- 
trug man die ursprünglich von Abaje erzählte auf den großen 
Wundertäter der alten Zeit. Die Abaje-Geschichte wirkt älter. 
Außer der Übertragung von einer Person auf die andere ist dann 
noch der zweite Gang mit der Beschränkung des Wunders hinzu- 
gekommen, der die Erklärung für die Dämonenfurciit in den Mitt- 
wodi- und Sabbati^ächten lieferte. 

In dem späteren talmudischen Material haben wir auch sonst 
Wundertaten, die den Rabbinen aus eigener Machtvollkommenheit 
zugeschrieben werden. Sie stammen aus einer Zeit, wo man ihnen 
hemmungslos alles zutraute. So wird von äim'on ben Johai hinter- 
einanderweg ein Heide getötet, ein Toter erweckt und noch ein 
Lästerer getötet, j. äebi'ith 38 d Z. 34 ff. Hier liegt die Verselbst- 
verständlichung des Wunders vor, die es zu einer bloßen Merkwür- 
digkeit macht, zum unterhaltenden Zug an einer Geschichte. In den 
Evangelien fanden sich nur leise Ansätze in dieser Richtung ^^). 
Dieser inhaltliche Unterschied bewirkt auch den formalen. Die 
Wunder sind Teile von anderen Geschiditen oder aber in ein völlig 
zauberhaftes Gewand gekleidet. Zuweilen entstehen bei der abriß- 
haften Erzählungsart Ähnlidikeiten mit den Summarien oder den 

14) Vgl. S. 85, Anm. 24. 

15) Siehe oben S. 72. 

Pereis. 6 



82 ^^ 

ganz kurzen abrifihaften Wunderberiditen der Synoptiker. Aber 
das will nidits besagen, da die Verkürzung naturgemäß die Unter - 
sdiiede verwisdit. 

Eine Beeinflussung der Wunderform, die aus volkstümlidi breit 
erzählten prägnant-dialogisdie Gesdhiditen gemadit hätte, kann 
also von Seiten der jüdisdien wunderbaren Geschichten unmöglidi 
stattgefunden haben ^*'). 

Die hellenistischen Wunderbericiite haben mit den synoptischen 
eine Fülle von Einzelzügen gemein. Eine geordnete Auswahl gibt 
Bultmann S. 256 ff. ^'^). Die einzelnen hier aufgezählten Charalc- 
teristika lassen sich in drei Gruppen teilen: 1. Züge, die so wesent- 
lidi zur Wundergesdiidite gehören, daß ihr Vorkommen in verschie- 
denen Kreisen, Zeiten und Gegenden fast selbstverständlich ist ^^). 
Hierher ist das Vorhandensein von Wunderworten und Heilungs- 
berührungen zu rechnen; denn durcäi Handlung oder Wort , muß 
das Wunder vollzogen werden^®). 2. Züge, die nicht unbedingt 



16) Dagegen besteht formale Verwandtschaft zwisdien prägnanten 
jüdischen Anekdoten und den dialogisdien synoptischen Wundergeschich- 
ten. Die Evangelien bringen Ausspruch wie Wunder Jesu in einer 
Form, die der der wunderlosen jüdischen Anekdoten nahesteht. Paral- 
lele formale Eigensdiaften der jüdisciien und evangelischen Geschichten 
stellt Fiebig zusammen (Rabbinische Formgeschidite, S, 35). Doch sind 
die evangelischen Geschichten im allgemeinen einfadier und anschau- 
licher erzählt als die jüdischen: siehe audi S. 108 Anm. 1. 

17) Wenn auch Bultmann nur ganz allgemein traditionelle Züge der 
Wundererzählung zusammenstellen will, so zeigt das angeführte Material 
doch, daß es eben das Bild der Wundererzählung der hellenistischen 
Welt ist, das uns gezeidmet wird. Die wenigen Parallelen aus der 
jüchsdien Literatur, die er anführt, werden gleichfalls schon von der 
hellenistisch-orientalischen Sphäre beeinflußt sein. — Allein die Entfer- 
nung der Zusdiauer beim Wunder sdieint aus der biblischen Welt zu 
stammen. 

18) Vgl. Irierzu und zum Folgenden Dibelius, Zur Formgesdiichte 
S. 201, der in bezug auf einige Wunder von den in ihnen enthaltenen 
„fast selbstverständlichen Zügen der Topik" spricht. 

19) Wo in den synoptisdien Evangelien von Heilung durch Berührung 
die Rede ist, braindit deshalb nodi lange nidit überall die hellenistische 
Vorstellung von ihrer magischen Wirkung vorzuliegen. (Diese ist dar- 
gestellt bei Weinreidi S. 1 — 75.) Wahrsdieinlidier ist, daß sie erst auf 
hellenistischem Boden so verstanden wurde, und daß infolgedessen in 
Stücken, die in der hellenistischen Sphäre gestaltet wurden, diese Auf- 
fassung anzunehmen ist. In vielen Gesdiichten, z. B. wo Matthäus das 



g 

zum Wunder gehören, deren Vorkommen aber so wenig auffällig 
ist, daß aus ihnen nicht irgendweldie Zusammenhänge gefolgert 
werden dürfen. Es sind das: Zweifel und veräditliche Äußerungen 
gegenüber dem Heilenden, Herantreten des Heilenden an den Kran- 
ken, das Bedrohen der Dämonen, die Plötzlidikeit des Wunder- 
eintritts, Femheilungen, Entlassung des Geheilten, Demonstration 
der Realität der Heilung, Beglaubigung durdi anwesendes Publi- 
kum. All dies ist bei den Wundern stilgemäß. Es legt sidi durdi die 
Schilderung der Taten so nahe, daß es andi in völlig getrennten 
Welten erscheinen kann. Eine Gemeinsamkeit des Milieus kann 
daraus nidit erschlossen werden. Es sind die Züge, die auch bei 
wirklich gesdiehenen Heilungen für eine kurze, eindrucksvolle Be- 
schreibung sich aus dem Gesamttatbestand als geeignetste darbie- 
ten. 3. Soldbe Züge, deren Besonderheit darauf sdiließen lassen 
könnte, daß sie in dem gemeinsamen Gesamtmilieu, aus dem all 
die Wundergeschichten der damaligen Zeit stammen, vorhanden 
waren. Bultmann führt folgendes hierher zu Rechnende an: 
(Aufstellung siehe nächste Seite.) 

Bei dieser Aufstellung wird deutlich, was man bei Bultmann, der 
nur die Markusstellen angibt, nidit erkennen kann: daß die Berüh- 
rungen mit dem Markusevangelium die allerzahlreichsten sind, 
während sich bei Lukas schon weniger und bei Matthäus bedeutend 
weniger finden; Markus: 20, Lukas: 15, Matthäus: 8. Die Riditig- 
keit der Auswahl der Züge erfährt dadurch eine Bestätigung, daß 
verhältnismäßig wenige Geschichten in der Tabelle immer wieder- 
kehren. Es sind vier nur von Markus und Lukas erzählte Wunder: 
Der Jüngling zu Nain, die verkrümmte Frau, der Täubstumme und 
der Blinde von Bethsaida. Fünf weitere Gesdiiditen sind in mehre- 
ren Evangelien enthalten: Die beiden Dämonenaustreibungen, die 
Blutflüssige, Jairi Töchterlein und der epileptische Knabe. Von 
diesen hat die Matthäusform der Erweckungsgeschidiite keine hel- 
lenistischen Berührungspunkte. Außerdem hat die Blutflüssigen- 



bei Markus vorhandene direkte HeilungsWort durch Beridit von einer 
Berührung ersetzt, wird darin nur eine Auswirkung des schriftstelleri- 
schen Gesamtdiarakters dieser Uberlieferungsform zu sehen sein, die 
die Heilung abrißhaft kurz berichtete. (Vgl. imten S. 91 f.) Eine Ana- 
logie zu den religionsgesdiichtlichen Parallelen ist insofern festzustellen, 
als sich überall der Gebrauch der Hand als Zeiciien der Verbindung 
zweier Menschen von Natur nahelegte. (Vgl. Behm S. 102 — 116.) 



84 



Markus 


Lukas 


5,26 


8,43 


9,21 


— 




13,11 


5,42 


8.42 


5,3—5 


8,27 ; 29 


9,18 


9,39 


9,22 


— 



• u Fk "^j ^K- IL •< Matthäus 

über Dauer der IVrankheif 

Die Blutflüssige ...... 9,20 

Der epileptische Knabe ... — 

Die verkrümmte Frau .... 

AHersangabe , 

Jairi Töchterlein — 

Der sdiredflidie Charakter der 
Krankheit 

Der Gerasener (8, 28; kurz) 

Der epileptische Knabe . . . 17,15 

;i )) )) • • • 

Vergebliche Versuche der Ärzte 

Die Blutflüssige — 5,26 8,43 

(Gegenfiberstellung von Meister 
und Sdiüler 

Der epileptische Knabe . . . 17,14—21 9,14—29 9,37— 43 a) 

Der begegnende Leidienzug 

Der Jüngling zu Nain ... 7,11 f. 

Manipulationen 

Taubstummer 7,33 

Der Blinde von Bethsaida . . 8,23 

Heilung durch Berührung des 
Gewandes 

Die Blutflüssige — 5,27 ff. 8,44 

Jairi Töchterlein — 5,41 — 

Der Taubstumme 

Der Dämon wittert den Herrn 

Der Dämonische in der Syn. . 



Der Gerasener 8,29 

Der epileptische Knabe . . . 

Er bittet um Gnade 

Der Gerasener 8,29 

H 5) • 8,31 

Stufenheilung 

Der Blinde von Bethsaida . . 

Zerstörungen durdi den Dämon 

Gerasener ......... 8,32 



7,34 




1,24 


4,34 


5,7 


8,28 


9,20 


9,42 


6,7 


8,28 


5,12 


8,32 


8,24 f. 




5,13 


8,33 



85 

heilung bei ihm nur in der Angabe von der Dauer der Krankheit 
einen audi im Hellenismus wiederkehrenden Zug, der aber nicht 
ausgefallen genug ist, um aus ihm auf hellenistisdie Beeinflussung 
schließen zu dürfen. Aus dem gleidien Grunde scheidet die Heilung 
der verkrümmten Frau aus. Audh das Wort des Dämons in der 
Synagoge von Kapernaum genügt nidit, um auf Verwandtsdbaf t zu 
schließen. Es ist nichts allzu Besonderes und außerdem auch in der 
jüdisdhen Literatur belegt ^^). Die hellenistische Welt wird also auf 
die Gestaltung folgender 5 Wunder in allen vorhandenen Fassun- 
gen Einfluß geübt haben: Der Jüngling zu Nain, der Taubstumme, 
der Blinde von Bethsaida, der (die) Gerasener und der epileptisdhe 

Knabe; davon sind die drei ersten nur in einem Evangelium be- 
richtet ^i) ^2), 

Bei diesem stark negativen Ergebnis sciieint auch die Zusammen- 
stellung Bultmanns, der Wundergeschichten mit ähnlichen Motiven 
aufzählt (S. 247 — 253), nicht zu Schlüssen auf Verwandtschaft mit 
dem Hellenismus zu berechtigen. In bezug auf die Dämonen scheint 
die ganze damalige Welt eine ähnliche Vorstellung gehabt zu 
haben ^^); aucii im Talmud standen Parallelen^). Werden über- 

20) Siehe oben S. 80 f. und imten Anm. 24. 

21) Diese Gesdiichten rechnet Dibelius sämtlich zu den Novellen. Doch 
sind eben nur sie es, die „stärkere Ähnlichkeit mit der großen Wunder- 
literatur haben" (S. 45), nicht auch die übrigen „Novellen". 

22) Auf diese fünf Wunder allein läßt sich auch die These Reitzensteins 
(S. 82) von der Parallelität der Evangelien mit der hellenistischen Lite- 
ratur basieren. Mit Ausnahme der Markus-Lukasfassung' der Geschidite 
Von der Blütflüssigen und Jairus ist die übrige synoptische tJberliefe- 
rung davon frei. 

23) Daraus wird sich audi die Anwendung der Begriffe „Binden" und 
„Lösen" in bezug auf Krankheit und Heilung erklären, die wir im Wun- 
der Jesu (Mk. 7, 35; Lk. 13, 16) wie in Fluditexten der hellenistisdien 
Welt finden. Es handelt sich um dämonisdie Bindung. (Vgl. Deißmann, 
S. 258 ff.) 

24) Die Welt, in der die Vorstellung von den Dämonen und damit die 
Form der Dämonenaustreibung diese verhältnismäßig einheitliche Gestalt 
hatte, ist freilidi die hellenistische. In dieser Beziehung scheint das 
palästinische Judentum besonders früh in ihren Kreis hineingezogen zu 
sein. (Vgl. Luk. 11, 19; Mk. 9, 58.) Daher ist es falsch, zu meinen, diese 
Gesdiiditen könnten erst in der hellenistischen Gemeinde entstanden sein 
und gar von da weitere Rückschlüsse auf die Entstehung der übrigen 
Wundergesdiiditen zu ziehen. — Auf Grund der vorhandenen Vor- 
stellungen ist es durdiaus möglidi, daß sich etwa die Dämonenaustreibung 



86 

haupt Krankenheilungen beriditet, so ist audb das Vorkommen 
ähnlicher Krankheiten im Neuen Testament und im Hellenismus 
nicht auffällig. Bei den Totenerweckungen bildet allein die Be- 
gegnung des Trauerzuges eine Parallele, die schon oben erwähnt 
wurde. Bei den Naturwundern wieder liegen die jüdischen Paral- 
lelen viel näher. Allein aus der Tatsache, daß es auf hellenistischem 
Boden Menschen gab, denen Wundervollmacht zugeschrieben 
wurde ^^), auf jüdisciiem aber nicht, ein Vorurteil für Entstehung 
der Wunder auf hellenistischem Boden zu erschließen '^^), erscheint 
bei den geringen sicheren Beziehungen im einzelnen nicht berech- 
tigt. Es wird aber davon abhängen, ob man annimmt, daß der An- 
fang der Wunderüberlieferung auf Jesus selbst zurückgeht. Tut 
man das nicht, so liegt allerdings der Hellenismus für die Ent- 
stehung näher als das Judentum. Doch, werden dann die histo- 
rischen Schwierigkeiten sehr groß. Sobald anzunehmen ist, daß 
Jesus sich selbst und seine Jünger ihm wundermächtiges Handeln 
zugeschrieben haben, entsteht bei dem unhellenistischen Charakter 
der meisten Wunder die Prärogative für Entstehung in der 
jüdischen Sphäre. 

Ein Blick sei nodi auf den Aufbau hellenistischer Wunder- 
geschichten geworfen. Auch dort, wo uns von wirklidbien Wunder- 
tätern berichtet wird und dadurch eine Sacitpaarallele zum synop- 
tischen Material entsteht, ist meist die Entfernung redb.t groß: in- 
haltlich deshalb, weil meist irgendwelche zauberhaften Züge her- 
vortreten ^^), formal dadurcii, daß viele Erzählungen stärker den 
Charakter des neutralen historischen Bericiits tragen. So ist es z. B. 
bei der Josephuserzählung von der Dämonenaustreibung des Elea- 
zar^^), den Geschichten von Vespasian^®), bei Lucian^^), Plinius^^), 



in der Synagoge so abgespielt hat, wie sie beriditet wird. — Wichtig 
ist, daß Jesus niemals Zauberformeln oder -handlungen verwendet 
(vgl. Grundmann S. 65 ff.). 

25) Ed. Meyer sagt I. S. 103, auch in der hellenistisdien Welt sei die 
Anschauung vorhanden, daß „der wahre Weise zugleidi Herr über die 
Naturkräfte und die Geisterwelt ist". 

26) Bultmann S. 255. 27) Vgl. Grundmann S. 65 ff. 

28) Antiqu. VIII, 2, 5, 

29) Tacitus, hist. IV, 81. Suetou, Vespasian c. VII, Cassius Dio, historia 
Romana LXVI, 8. 

30) Philops. 11; 16; 31. 

31) Hist. nat. VII, 124. 



87 

Apulejus^^). Das Interesse liegt kier im Gegensatz zu den meisten 
synoptisdien Wundern stärker am Gesdbehen als am Täter. Es 
fehlt die Einheitlidikeit der Handlung, die Konzentrierung auf die 
Tat selbst, die wir bei ihnen größtenteils haben. Sie wird meistens 
nur ganz kurz ohne die prägnante Hervorhebung, die wir aus den 
Evangelien kennen, erzählt. Dagegen überwiegt die Darstellung 
der Nebenumstände. Ähnlichen Charakter, wenn auch teilweise 
ausführlichere Krankheits- und Heilungssdiilderungen haben die 
von Herzog („Die Wunderheilungen von Epidaurus") heraus- 
gegebenen Inschriften. Die ApoUoniuswunder stehen den neutesta- 
mentlidien näher. Die Dämonenaustreibungen'*"), besonders die 
zweite, in der der Dämon beim Ausfahren eine Statue umwirft, 
ähneln der Gerasenergesdbidite, bei der schon oben hellenistischer 
Einfluß festgestellt wurde ^^). Von den prägnanten synoptisdien 
Wundern ist aber auch hier infolge der langen Rede und der vielen 
Zwisdhienerzählungen der Abstand sehr groß. Die abrißhaft erzähl- 
ten Wunder in Philostr. III, 39 haben formal keine Ähnlichkeit mit 
den evangelisdhen. Mit der Geschichte vom Jüngling zu Nain, die 
gleichfalls nicht den übliciien Aufbau der synoptischen Wunder hat, 
berührt sich die Geschichte von der Erweckung der Braut vor dem 
Tag der Hochzeit (IV, 45). Der Vergleidi des A.ufbaus ergibt also 
nidits, was über die oben"^) gemachten Feststellungen hinausgeht. 
— Eine Beeinflussung der Wunder durch den Hellenismus kann nur 
in Riditung auf Auflösung der prägnant-dialogischen Form ge- 
gangen sein. 

Widhtig ist es noch, auf die Entwicklung der Wunder im Christen- 
tum außerhalb der synoptischen Überlieferung zu aditen. Dabei 
ist dreierlei festzustellen. 1. Sdhon in der Apostelgesdiichte maciit 
sich die Tendenz geltend, die Parallelität zwischen Wort und Wun- 
der insofern aufzuheben, als in den Predigten von Jesus nur seine 



32) Florida 19. 

33) Philostratus, vita Apollonii III, 36 und IV, 20. 

34) Hempel S. 41 weist auf den auch hier noch vorliegenden Untersciiied 
hin, daß die Zerstörung vit. Apoll. IV, 20 wie bei Josephus VIII, 2, 5 
und acta Petri cum Simone XI (Hennecke S. 238) als Demonstration ge- 
sdiieht, in der Gerasenergesdiichte aber auf Bitten des Dämons. 

35) Siehe S. 83 ff. 



88 

Wunder genannt werden (Apg. 2, 22; 10, 38 f.) ^^). Die von den 
Aposteln beriditeten Wunder haben gleidbfalls ihre besondere Stel- 
lung, die keine Entsprechung mit ihrer Predigt erkennen läßt, wie 
es mit den Taten Jesu bei den Synoptikern der Fall war. Die 
Parallelität in der Auffassung von Wort und Wunder ist also in der 
Apostelgeschichte nicht mehr fest. Das spricht dafür, daß diese Er- 
s(i.einung in ältere Zeit gehört und auch der parallele Aufbau etwas 
Ursprüngliches ist. Denn es ist wahrscheinlich, daß die parallele 
Auffassung mit dem parallelen Aufbau die besondere Auffassung 
mit dem besonderen Aufbau Hand in Hand ging. — 2. Im Johan- 
nesevangelium ist die innere Trennung zwischen Wort und Wunder 
nicht mehr aufrechterhalten. Das Wunder ist dort tatgewordenes 
Wort, das Wort zum Teil Auslegung des Wunders. Schon oben^''^) 
wurde darauf hingewiesen, daß die synoptischen Wunder, die An- 
sätze in dieser Richtung zeigen, zu Bedenken hinsiciitlich ihres Alters 
Anlaß geben. Es ist zu beachten, daß all die hier in Frage kömmen- 
den auch im Aufbau eine besondere Stellung einnehmen. Bei Johan- 
nes ist der prägnante Aufbau geschwunden *^), was aber nidbt auf- 
fällig ist, da seine Ausspruchüberlieferung ihn auch nidbit zeigt. — 
3. In den neutestamentlichen Apokryphen ist für die eigentliche 
Wirkungszeit Jesu fast keine Erfindung neuer Wunder oder Aus- 
gestaltung der alten ■zu finden ^^). Nur Kindheits- und Auf- 
erstehungsgeschichten sind mit Wundern bereichert. Das Kindheits- 
evangelium des Thomas enthält sie in großer Zahl. Diese Geschich- 
ten bedeuten ein Fortschreiten auf dem schon bei den Synoptikern 
hin und wieder betretenen Weg zur Verselbstverständlichung des 



36) Außerhalb der Verkündigung finden wir zweimal Wort und Tat 
nebeneinander erwähnt: 1, 1 und 4, 20. Doch ist gerade die Verwen- 
dung der Wunder in der Verkündigung bezeichnend. 

57) Siehe S. 34 ff. 

38) Im Bericht des Wundervollzugs selbst ähneln einige johanneische 
Wunder den dialogischen synoptischen: Die Heilung des Sohnes des 
königlidien Beamten (4, 50), des Kranken am Teiche Bethsada (5, 8) 
und die Erweckung des Lazarus (11, 43). Dodi fehlt auch hier den Wun- 
dern die einheitliche Gestaltung der synoptischen. Das Wein wund er in 
Kana und die Heilung des Blindgeborenen ähneln im Vollzug der Tat 
denjenigen synoptischen, die ein „Sendungswort" haben (s. oben S. 5 f.), 
d. h. bei denen ein Auftrag erteilt wird, durch dessen Ausführung das 
Wunder eintritt (2, 7 f.; 9, 7 f.). 

39) Nadi Bauer S. 362—367. 



89 

Wunders ^°). Dem entspricht formal die abrißhafte Schilderung, die 
das Wunder gar niciit als etwas Besonderes erscheinen lassen will. 
Eine enge inhaltlidie und formale Parallele zu den Thomasgeschicii- 
ten haben wir in den späten Rabbinenwundern"*^). Teilweise liegt 
auch in der Gestaltung eine Nachbildung der synoptischen Wun- 
der vor. 

III. Der wahrscheinliche Entwicklungsgang der Wunder- 
überlieferung. 

Von den oben ^) aufgezeigten beiden Möglichkeiten der Entwick- 
lung, die die Wundergeschichten genommen haben können, spricht 
nach dem Ergebnis der vorigen Abschnitte und bei Überlegung der 
innerchristlichen Einflüsse, die in der ersten Zeit wirksam waren, 
eine starke Wahrsdieinlichkeit für die zweite. Die kurze, präg- 
nante, dialogische Gestaltung der Wunder wird am Anfang stehen. 
Von den lebendigen Zügen der ausführlicher gestalteten Wunder- 
erzählungen kommt ein gut Teil auf den Einfluß der hellenistischen 
Welt und kann nicht als ursprünglich angesehen werden^). Da- 
zu kommt die inhaltliche Parallelität in der Auffassung von Wort 
und Wunder, die schon in Jesu Worten belegt und sicher alt ist, 
zumal sie später durch die besondere Hervorhebung des Wunders 
gestört wird. Audb. weist die bisher durchgeführte kritische Arbeit 
am Einzelstück in diese Richtung. Die Entwicklung der Überliefe- 
rung ist dann so zu denken: Am Anfang steht die Wundertat 
Jesu^"*). Mit der Weitererzählung muß eine Verkürzung des Tat- 
bestandes eingetreten sein^^). Dabei bildet sich eine bestimmte 
Form heraus, in der die Geschichten überliefert werden. Der 
Grundstock ist die Bitte oder auch nur die wartende Anwesenheit 
eines Hilfesuchenden und das Maditwort Jesu, das die sofortige 



40) S. oben S. 72. 

41) S. oben S. 81. 

42) S. S. 74 ff. 

45) Vgl. Dibeliiis, Zur I ormgesdiidite S. 188 f. 

44) Für die Wahrscheinlichkeit, daß Jesu Wundern historisdie Ge- 
schehnisse zugrunde liegen vgl. Klostermann, Markus S. 19, der sie mit 
der Verankerung in der Wortüberlieferung und mit dem Glauben Jesu 
und der Gemeinde begründet, 

45) Vgl. die parallele Erscheinung in der Aussprudiüberlieferung. 
Albertz S. 81 ff. 



90 

Wirkung mit sidi bringt. Im Einzelfall treten mannigf adie Varia- 
tionen ein: Die Bitte gewinnt eine besondere Form, es ist noch vom 
Glauben des Hilfesudienden die Rede, es sdiließt sidbi nadi der Tat 
ein Wort, etwa das Verbreitungsverbot, an. Daß die Geschichten 
nidit all© nach einem Sdiema erzählt sind, liegt daran, daß der histo- 
riscbe Tatbestand, der der synoptisdaen Erzählung zugrunde liegt, 
der Gestaltung Widerstand entgegensetzt und sidi zur Geltung 
bringt. Die überlieferte Gesdbidite ist aus historisdiem Geschehen 
und stilisierender Überlieferung gemeinsam entstanden. Daran ist 
gegen Dibelius^«) mit Köhler*''), Fascher*») und Albertz*«) fest- 
zuhalten. Das Interesse der Jünger für die Tatsachen des Lebens 
Jesu darf nicht unterschätzt werden^"). Gerade die knappe präg- 
nante Form der ältesten Wundergeschichten im Gegensatz zur son- 
stigen Wundertradition beweist das. Bei dieser ersten verkürzen- 
den Formung war die sachliche und wirkungsvolle Darstellung der 
wirklichen Worte und Taten Jesu noch das einzige bestimmende 
Prinzip ^^). Andere Motive setzten erst bei den späteren Entwick- 
lungsstufen ein. Außerdem ist daran zu erinnern, mit welcher pein- 
lichen Genauigkeit die Rabbinen die Überlieferung von ihren Leh- 
rern weitergaben. Sollte hier strengste Sorgfalt und in der Tradi- 
tion der Worte und parallel dazu der Machttaten Jesu gTÖßte Will- 
kür geherrscht haben, solange sie im Kreis der palästinischen Ge- 
meinde geschah? Der Widerstand der historischen Tatsachen wird 
bei den Wundern infolge der Eigenart des in ihnen enthaltenen Ge- 
schehens stärker gewesen sein als bei den Gesprächen, die sich eher 
in feste Formen bringen ließen. Das werden wir also zuweilen als 
Ursache dafür ansehen dürfen, wenn die Schilderung eines Einzel- 
zuges die Prägnanz des Aufbaus unterbricht. Je eigenartiger und 
der landläufigen Topik ferner der Zug ist, desto eher werden wir 
dazu berechtigt sein. Zuweilen wird aber auch bei den Wunder- 



46) Zur Formgeschichte S. 197 f. 

47) S.27. 

48) S. 165; 169; 226 f. 

49) S. 80ff. 

50) Kittel, Der historische Jesus, S. 49, betont besonders auf Grund 
von Lk. 1, 4 und Apg. 1, 21 f. „die Lebendigkeit und Dringlichkeit der 
urchristlidien Frage nadi dem historischen Jesus". 

51) Damit ist noch nidit gesagt, daß die Durchsetzung dieses Prinzips 
im einzelnen immer gelungen ist. Aber als Absicht ist es da. 



91 

gesdiiditen dieser Gruppe der eine oder der andere Satz hinzuge- 
kommen sein, der der Ausmalung oder Verstärkung der Wirkung 
galt. Der Vergleidh. mit den entsprechenden Aussprudierzählungen 
kann da mandunal einen Anhalt zur Kritik geben. Selhstverständ- 
lidi darf aber kein SAematismus Platz greifen. Das historisdie Ge- 
sdiehen wird der Grund dafür sein, daß wir nicht immer Wunder- 
und Ausspruditradition säuberlidh. getrennt finden ^'^). Die ge- 
misditen Wunder- und Aussprudigesdiichiten fügen sidi größten- 
teils der alten Stufe der Überlieferung ein. Die enthaltene Aus- 
spruditradition bewirkt, daß sie meist nodi weniger gegen die 
prägnante Form verstoßen, als die hierher zu zählenden Wunder- 
gesdiiditen ^^). In der ältesten und besten Überlieferung überwiegt 
Jesu Wunderwirken mit dem Wort so stark ^*), daß wir es wohl 
als historisdi anzusehen und den Beriditen von Berührungsheilun- 
gen vorzuziehen haben. Es ist möglidi und sogar wahrsdieinlidi, 
daß Jesus außerdem audi zuweilen die Kranken berührt hat, und 
daß der Beridit von Berührung neben dem Maditwort die Quelle 
der Überlieferung von Heilung durdi Berührung gewesen ist°^). — 
Bis hierher entspridit die Entwicklung der Wundergesdiiditen ge- 
nau der der Aussprudiüberlieferung. Im weiteren hat sie infolge 
des eigenartigen Stoffes ihren besonderen Gang genommen. Und 
zwar geht die Umgestaltung nadi zwei Seiten. Einerseits tritt eine 
Verblassung der prägnanten, lebendigen Erzählungsform ein. Die 
Gestalt dieser Wundergesdiiditen erinnert an den Stil des Talmud. 
Es wird undeutlidi, abrißhaft, mit weniger Wärme erzählt. In 
vielen Fällen wird die direkte Rede durdi Erzählung ersetzt. Das 
konnte bei der Wunderüberlieferung leidit geschehen, da mit der 



52) So audi Fasdier S. 161 f. 

53) Bultmann S. 223 stellt fest, daß diese Gesdiiditen „nicht im Stil 
der Wundergesdiiditen erzählt sind, da das Wunder ganz der apophtheg- 
matisdien Pointe dienstbar gemadit ist". Letzteres ist nicht richtig. 
Das Wunder behält durdiaus seine Bedeutung neben der Aussprudi- 
pointe. Die formale Annäherung an die Aussprudierzählungen will nidit 
viel bedeuten, da ja überhaupt die alte Form der Wundergesdiichte der 
der Aussprudigeschidite sehr nahesteht. Die charakteristischen Eigen- 
arten der Wundergesdiiditen gegenüber den Aussprudigesdiiditen : An- 
gabe der Krankheit, Konstatierung- des Eintritts des Wunders (vgl. oben 
S. 70ff.) haben die Gesdiiditen mit „apophthegmatischer Pointe" auch. 

54) Siehe oben S. 66 f. 

55) Siehe oben S. 82 Anm. 19. 



92 

Vergrößerung des zeitlidtien Aibstands von dem historisdien Ge- 
schehen das Interesse sich melir und mehr allein auf das wunder- 
bare Tun selbst konzentrieren mußte. Es ist hier der Scbritt von 
der mündlichen zur schriftlidi fixierten Erzählung in der Gestal- 
tung wirksam geworden, und zwar in Anlehnung an die jüdische 
Darstellungsweise. Diese Art finden wir bei einigen ganz kurz er- 
zählten Wundern und bei der Matthäusfassung einiger Gesdiidi- 
ten. — Andererseits tritt, manchmal durch Ansätze, die bereits in 
der alten Form vorliegen, angeregt, eine starke Ausmalung der Ge- 
schichte ein. Sie ist besonders in der Markusform zu finden und 
ist auf den Einfluß der hellenistischen Welt zurückzuführen °''). 
Außer der für die mündliche Erzählung sehr geeigneten bunten 
Gestaltung tritt dabei zuweilen eine gewisse Neigung zum Bericht 
von merkwürdigen Besonderheiten hervor. Die prägnant-dialogi- 
sche Form wird dabei mehr oder weniger aufgelöst. Inhaltlich 
wird bei diesen Wundern eine Tendenz in dreierlei Richtung sicht- 
bar: einmal die lebendige, anschauliche Gestaltung, zweitens die 
besondere Hervorhebung des wunderbaren Vorgangs und drittens 
zuweilen der Versuch, die Mittel des Wundervollzuges anzugeben, 
was eine gewisse rationale Neigung zeigt ^''^). Im Einzelfall können 
auch lebendig wirkende Züge auf alte Überlieferung zurückgehen. 
Das muß je nach den besonderen Umständen entschieden w^erden. 
Die Geschichten, die oben ^^) in den letzten Gruppen zusammenge- 
faßt wurden, lassen sich nidit als eine Entwicklungsstufe im Zu- 
sammenhang mit den übrigen Wundem begreifen. Um die Ent- 
stehung ihrer Gestaltung zu untersuchen, müssen sie einzeln durch- 
gegangen werden. Das ist Sache des nächsten Abschnittes ^^). 



56) Daß Markus gerade in der Wunder Überlieferung so viele helle- 
nistische Züge hat, wird daran liegen, daß hier die Versuchung zur Auf- 
nahme soldier Elemente infolge der hellenistischen Wunderwelt am 
größten war. Über hellenistisdie Elemente außerhalb der Wunder bei 
Markus siehe Schlatter, Matthäus an zahlreichen Stellen. 

57) Vgl. Johannes Weiß, S. 50, und in „Die Schriften des Neuen Testa- 
ments", Bd. I, S. 54 

58) Siehe oben S. 56 f. und 70. 

59) Johannes Weiß in „Die Sdiriften des Neuen Testaments", Bd. I, 
S. 53 f., gibt ganz kurz einen Überblick über die Entwicklung der synop- 
tischen Wunder, der mit dem hier gegebenen teilweise übereinstimmt, 
aber stärker vom inhaltlichen als vom formalen Gesichtspunkt ausgeht. 



93 

IV. Die Entwicklung der einzelnen Geschichten. 

Bei der Behandlung der einzelnen Geschiditen sollen im wesent- 
lidien nur auf Grund der Ergebnisse dieser Untersudbiung Folgerun- 
gen gezogen werden. — Das Folgende ist zum. Teil Zusammenstel- 
lung von bereits Gesagtem. — Die Dämonischenheilung (Mk. 1, 
23 — 28; Lk. 4, 53 — 37) ist in beiden Fassungen in der prägnant-dia- 
logischen Form überliefert. Bedenken bestehen gegen den Schluß- 
satz von der Verbreitung der Kunde, da so etwas niemals am Schluß 
der Ausspruchgeschichten berichtet ist. Dieser Grund unterstützt 
die scion von andrer Seite geltend gemachten Einwände gegen die 
Zugehörigkeit des Verses zur Gesdiiciite selbst ^). Er wird darum 
niciit zur Geschtidite selbst gehören. — Die Heilung der Schwieger- 
mutter Petri ist nicht in der alten Form überliefert (Mt. 8, 14 f.; 
Mk. 1, 29—31; Lk. 4, 38 f.). Sie läßt zwar den Aufbau nocii deut- 
lich erkennen, zeigt aber die abrißhafte Art der Erzählung, die, 
wie oben^^) festgestellt wurde, die Entwicklung aus jüdischem 
Boden mit sich, brachte. Darum ist auch das Heilungswort bei 
Matthäus und Markus durcii die Erzählung von Berührung, bei 
Lukas von Bedrohung ersetzt. — Die Aussätzigenheilung (Mt. 8, 
1 — 4; Mk. 1, 40 — 45; Lk. 5, 12 — 16) ist in allen drei Evangelien in 
der alten Form überliefert. Bei Markus ist der prägnante Aufbau 
durch den bei Matthäus und Lukas fehlenden Vers 43 unterbrochen. 
Er ist audi inhaltlich sch.wer zu verstehen, da der Geheilte hinaus- 
geworfen wird, aber in Vers 44 Jesus noch zu ihm spricht. Viel- 
leidhit haben wir es mit einem hierher geratenen Satz aus einer 
Dämonenaustreibung zu tun. An dieser Stelle wird er jeden- 
falls nidit ursprünglich sein. Dieser Vers wirkt im Aufbau der 
Geschidite als Anhängsel. Markus 1, 45, Lukas 5, 15 f., die bei 
Matthäus keine Parallele haben, werden gleichfalls nicht ursprüng- 
lichi sein"'^). — Die Geschidite vom Hauptmann von Kapernaum 
(Mt. 8, 5 — 13; Lk. 7, 1 — 10) ist eine gemischte Wunder- und Aus- 
spruciigeschiciLte, die bei Matthäus in der prägnant-dialogisdien 
Form überliefert ist. Allein die Verse 11 f. stören den Aufbau und 



60) Die meisten Neueren halten den Vers wegen seiner landläufigen 
Stilisierung (Ähnlichkeit mit den Summarien) für Arbeit des Redaktors. 

61) Siehe S. 92. 

62) Auch Bultmann will wohl diese Verse aussdieiden. Es liegen bei ihm 
an dieser Stelle ansdieinend Druckfehler vor (S. 227). 



94 

sind als eingesdiobenes Logion zu betraditen, das Lukas an anderer 
Stelle bringt. Nadi ihrer Aussdieidung wirkt audi das Heilungswort 
nidit als Anhängsel '^^). Die Lukasfassung ist eine zur Erhöhung 
der Wirkung ausgestaltete Form, die sich unter die oben gezeigten 
beiden häufigsten Entwicklungsgänge nidit einordnen läßt, sondern 
ihre besondere Eigenart hat. Durch die Ausführung des ersten 
Teils tritt die Heilung selbst stark in den Hintergrund. — Die Gicht- 
brüdügenheilung (Mt. 9, 1—8; Mk. 2, 1—12; Lk. 5, 17—26), gleich- 
falls eine gemischte Ausspruch- und Wundergeschichte, ist bei allen 
drei Evangelisten in der alten Form überliefert. Die Beschreibung, 
wie der Gichtbrüciiige durch das Dach gelassen wurde, wird, ob- 
wohl sie Matthäus nicht hat, wegen ihres ganz individuellen Cha- 
rakters nicht für Ausgestaltung, sondern für alte Überlieferung zu 
halten sein. Auch der Fehler im Satzbau vor dem Heilungswort 
(Mt, 9, 6; Mk. 2, 10; Lk. 5, 24) kann durciiaus schon aus alter Zeit 
stammen. Ja, der Satz ist sogar in der jetzigen Form in der münd- 
lichen Erzählung viel leiditer zu verstehen, als im geschriebenen 
Zustand ^). — Von den Sabbatheilungen ist in der von allen Evan- 
gelisten berichteten von der verdorrten Hand (Mt. 12, 9 — 14; Mk. 3, 
1 — 6; Lk. 6, 6 — 11) die alte Form nicht rein erhalten. Bei Matthäus 
ist in Anbetracht seiner Neigung, Logien in Geschiditen unterzu- 
bringen, das Wort vom Schaf im Brunnen (V. 11 f.), das Lukas an 
anderer Stelle bringt, hier nicht als ursprünglich anzusehen. Die 
Gestalt der weiteren Verse ist bei Matthäus durdi den Einschub 
beeinflußt. Im übrigen wirkt die Matthäusfassung mit der im An- 



63) Die Annahme, die Erzählung habe ursprünglich mit Mt. 8, 10, Lk. 
7, 9 geschlossen, würde sie aus einer Wundergesdiidite in eine reine 
Ausspruchgeschichte wandeln. Sie hat aber keine Wahrscheinlichkeit, 
da man kaum je in der ältesten Gemeinde eine Erzählung überliefert 
haben dürfte, in der Jesus um Heilung angefleht wird und der Glaube 
des Bittenden noch besonders lobend hervorgehoben ist, aber dann von 
der Hilfe Jesu nicht die Rede ist. 

64) Beim historischen Vorgang selbst wird freilich der mit i'va bä eibfjTe 
beginnende Satz nicüit gesprochen worden sein, sondern das Heilungs- 
wort wird allein die Antwort vollendet haben. Der Satz wird in der Tra- 
dition als Erklärung dazu gekommen sein (so auch Dibelius S. 34 f.), 
und zwar ist die Erklärung in Anbetracht des Inhalts des Vorwurfs 
sachgemäß. Zu Bultmanns These, der nadi Wellhausen, Mk. V. 5b— 10, 
ausscheiden will, etwas zu sagen, ist von dieser Untersuchung aus nidit 
notwendig. Siehe aber oben S. 69. 



95 

fang gestellten Frage älter als die des Markus und Lukas, mit dem 
wegen seiner Belanglosigkeit verdäditigen ^T^ipe (Lk. Kai crtfiGi) elq 
TÖ iLi^orov. Außerdem ist es ungewölinlidi, daß Jesus derartig völlig 
allein in einer Gesdiidite spridbt und handelt. Die Wahrsdieinlidb- 
keit spridit also dafür, daß der ursprünglidie Anfang bei Matthäus 
in Vers 9 — 10 erhalten ist, und daß dann die Gesdbidite wie Mar- 
kus Vers 4 ff. weiterging. Damit haben wir sie auf ihre alte Form 
zurückgeführt. — Die Sabbatheilung der verkrümmten Frau (Lk. 
13, 10 — 17) hat den prägnant-dialogischen Aufbau. Sie gibt von 
unserer Untersuchung aus zu keinen Bedenken Anlaß. — Dagegen 
ist die Gestalt der Geschidtite von der Heilung des Wassersüchtigen 
sidier nicht alt (Lk.l4,i — 6). Vers 1 — 4 ist der ersten Sabbatgeschichte 
genau nadigestaltet. Vers 5 f. ist deutlicher Anhang, um das Wort 
vom Sohn oder Rind im Brunnen unterzubringen. Die Geschichte, 
die mit Vers 4 eigentlich, schon zu Ende war, wird noch einmal auf- 
genommen. Und in Vers 6 wird, nachdem schon in Vers 4 das Ver- 
stummen der Pharisäer berichtet war, gesagt, daß sie nidits darauf 
antworten konnten. — Bei der Gesdiichte vom Jüngling zu Nain 
(Lk. 7, 11 — 17) spridit außer den schon in der bisherigen Forsch^ung 
geltend gemachten Gründen auch der Aufbau für junge Gestaltung. 
Die Erzählung ist so bewegt und unprägnant, daß sie nicht als alt 
angesehen werden kann. Auch, daß Jesus ganz allein handelt, 
madhit das unwahrscheinlich. Es wurde schon festgestellt ^^), daß 
auf diese Geschichte hellenistische Einflüsse eingewirkt haben. Das 
direkte Auferweckungswort und die echt synoptische Schilderung 
der Folgen machen aber das Zugrundeliegen einer älteren Fassung 
wahrscheinlidhi. — Die Dämonisdtienheilungen, die zur Einleitung 
der pharisäischen Anlclage dienen (Mt. 9, 32—34; Mt. 12, 22—24; 
Lk. 11, 14 f.), gehören zu der Gruppe der schriftstellerisch verkürz- 
ten und abgeblaßten Wunder. — Die Seesturmgeschichte (Mt. 8, 
23—27; Mk. 4, 36—41; Lk. 8, 22—25) ist uns in der alten prägnant- 
dialogischen Form überliefert. Und zwar ist wahrsdieinlich die 
Markus-Lukasfassung, die das tadelnde Wort an die Jünger im 
Gegensatz zu Matthäus nach der Sturmstillung hat, die ältere, 
da hier der dialogische Charakter stärker hervortritt. Ein Anfang 
der schriftstellerischen Absdiwädbiung ist es, daß bei Matthäus und 
Lukas das bei Markus in direkter Rede angeführte Machtwort fehlt. 



65) Siehe oben S. 83 ff. 



96 

Die Markusgestaltung ist also als die älteste anzusehen. — Die Ge- 
sdh.idite vom (von den) gerasenischen Besessenen (Mt.8, 28 — 34; Mk. 
5, 1 — 20; Lk. 8, 26 — 39) ist in allen drei Evangelien zu der helleni- 
stisch beeinflußten Stufe zu redmen""). Trotzdem sind überall noch 
Reste der prägnant-dialogisdien Gestaltung erkennbar. Die Mat- 
thäusfassung madit außerhalb der Sdiweinegeschichte, etwa in den 
Versen 28 f. und 34 b einen durchaus alten Eindruck. Vielleicht 
haben die Verse 50 — 34 a eine andere ursprüngliche Austreibungs- 
erzählung verdrängt. Bei der bedeutenden Kürze des Matthäus 
gegenüber Markus und Lukas ist es möglich, daß bei diesen beiden 
die Geschiciite nach Eindringen des Stücks von der Schweineherde 
eine weitere A.usgestaltung erfuhr. Jedenfalls liegt kein Grund vor, 
weshalb er die Geschichte gekürzt haben sollte '''). — Die Geschichte 
von der Blutflüssigen (Mt. 9, 20—22; Mk. 5, 25—34; Lk. 8, 43—48) 
ist bei Matthäus in der alten prägnanten Form erzählt. Allein der 
Vers 21, der die Überlegung der Frau enthält, könnte nicht ur- 
sprünglich sein. Strack-Billerbeck bringt Bd. I, S, 520 ein Bei- 
spiel aus b. Ta'anith 23 b, wo das Fassen der Säume des Gewandes 
als Zeichen der Bitte vorkommt. Das dürfte auch hier der ur- 
sprüngliche Sinn sein, zumal sich die Gestalt der Erzählung, wo 
dieser Inhalt vorlag, durch Auslassung des Verses 21 in der Mat- 
thäusform nodi gewinnen läßt und auch formal dem entspricht, was 
wir sonst vom Aufbau der ältesten Wundergeschichten her kennen. 
Die im Hellenismus verbreiteten Gedanken von Heilung durch Be- 
rührung^^) werden dann dazu geführt haben, auch hier eine Aus- 
deutung in diesem Sinn vorzunehmen. Und zwar wurde er zuerst 
nur in die Gedanken der Frau hineinverlegt: Matthäus, Vers 21. 
Das fap des Satzes, sein Nachklappen — dem Sinn nach gehört er 
vor Vers 20 b — spredien auch dafür, daß er eingeschoben ist. Bei 
Markus und Lukas ist dann der Prozeß zu Ende geführt, indem die 
Heilung selbst als durch Berührung des Gewandes bewirkt be- 



66) Siehe oben S. 83 ff. 

67) Daß Matthäus eine Sdieu vor Merkwürdigkeiten gehabt hat, läßt 
sich angesichts dieser Geschichte nidit behaupten. — Daß Matthäus Stel- 
len meidet, wo Jesus Fragen stellt (Klostermann, Matthäus S. 20), trifft 
nicht zu, da er 9, 28 allein eine Frage bringt. Die Beispiele S, 20 sind 
vielfadi nicht beweiskräftig. — Die Zweizahl der Besessenen wird aber 
sekundär sein. 

68) Vgl. besonders Weinreidi S. 64 



97 

sdiriebeu wird. In diesen beiden Evangelien hat das hellenistische 
Element zur Auflösung des alten Aufbaues geführt. Die Matthäus- 
form als aus Markus entstanden zu erklären, liegt gar kein Grund 
vor. Denn daß Matthäus an sidi die Heilung durdh. Berührung nicht 
scheute, zeigt Vers 21, sowie 14, 56*"'). Auch der unwitiitige aus- 
gestaltende Dialog Jesu mit den Jüngern, bzw. Petrus bei Markus 
und Lukas und das Heilungswort am Sdilufi der Markusgesdiiciite, 
das keinen rechten Sinn mehr gibt, sprechen für jüngere Fassung '"'). 
— Die Erweekung der Toditer des Synagogen Vorstehers (Mt. 9, 18 f.; 
23—26; Mk. 5, 21—24; 55—45; Lk. 8, 40—42; 49—56) ist in keinem 
der Evangelien in dei^ alten Form berichtet. Markus und Lukas zei- 
gen eine ausgeführte Gestaltung, die mit hellenistischen Elementen 
durchsetzt isf^^). In dieser Beziehung erscheint Matthäus älter; bei 
ihm ist aber die schriftstellerische Abschwächung eingetreten, der 
das Heilungswort und vielleicht das als individueller Zug wohl alte 
Stück von der Todesbotschaft zum Opfer gefallen ist. Ist letzteres 
wirklicii ursprünglidi, so haben wir auch für die alte Form eine 
Gestaltung anzunehmen, die von dem üblichen Schema einigermaßen 
abwich und ungefähr der Markusform nach Abzug der hellenisti- 
schen Einflüsse entsprach. Das direkte Heilungswort ist bei Markus 
und Lukas erhalten geblieben. — Die Geschichte von der Kanaani- 
tin (Mt. 15, 21—28; Mk. 7, 24^30) ist in beiden Fassungen in der 
prägnant-dialogischen Form überliefert. Es ist also für unsere Un- 
tersuchung nicht von Belang, ob die Verse 25 f. bei Matthäus ur- 
sprünglich zur Geschichte gehören oder nicht. — Die Taubstummen- 
heilung (Mk. 7, 31 — 37) läßt die alte Form noch gut erkennen. Sie 
ist aber durdi hellenistische Elemente, die Manipulation, die ^fjai«; 
ßapßapiKrj erweitert '^^). — Kaum sind Spuren der alten Gestaltung 
in der G«schidite vom Blinden bei Bethsaida (Mk. 8, 22 — 26) zu 
verspüren. Der hellenistische Einfluß zeigt sich in der Heilhand- 

69) Gegen Klostermann, Matthäus S. 83, ist zu sagen, daß Matthäus, 
wenn er die Fragen Jesu und die unehrerbietigen Äußerungen der 
Jünger hätte weglassen wollen, er dies aucii tun konnte, ohne die Heilung 
durch Berührung auszustoßen. Siehe im übrigen S. 103 Anm. 96. 

70) Die in der Forschung meist anzutreffende Bevorzugung des Markus- 
textes dieser Gesdiidite ist von dem Dogma diktiert, daß Markus auch 
in der Einzelgestaltung der Geschichten meist die ursprünglidiste Form 
habe. Vgl. dagegen unten S. 102 ff. 

71) Siehe oben S. 85 ff. 

72) Siehe oben S. 82 ff. 

Pereis. 7 



98 

liiiig und der Tatsadie der Stufenheilung ^^). Letztere als Parallele 
zum Regenwunder des Honi"'^^) anzusehen und sie für Stilisierung 
zu halten, ist wohl nicht berechtigt, weil der inhaltlidhe Abstand zu 
groß isf^^). — Die Geschichte von der Heilung des epileptischen 
Knaben {Mi. 17, 14—21; Mk. 9, 14—29; Lk. 9, 37— 45 a) ist in der 
jetzigen Gestaltung siciier bei allen drei Synoptikern nidhit alt. In 
der Gegenüberstellung von Jesus und den Jüngern das Motiv des 
Zauberlehrlings wirksam zu sehen '^), ist freilidi wohl nicht beredi- 
tigt. Bei Matthäus dürften hellenistische Einflüsse in der ausführ- 
lidien Krankheitsschilderung zu erkennen sein; schriftstellerische 
Arbeit schwächte das Heilungswort zur Erzählung ab. Vers 19 f. sind 
als niciit ursprünglich anzusehen, da sie zur Unterbringung eines 
Logions dienen, das bei Lukas an anderer Stelle erscheint. Nadi Ab- 
zug dieser Merkmale jüngerer Gestaltung ist die alte Form aus 
Matthäus nodi gut zu erschließen. Bei Lukas steht es ähnlich. Doch 
ist sein Beridit, daß der Knabe in Gegenwart Jesu einen Anfall 
bekommt, der gegen den prägnanten Aufbau verstoßen würde, wohl 
nicht alt. Die Sciilußbelehrung der Jünger fehlt bei ihm. Die Mar- 
kusfassung zeigt die am stärksten abgewandelte Form. Am Anfang 
ist ein ziemlidi belangloser ausgestaltender Dialog hinzugekom- 
men. Zu der ersten Krankheitssch.ilderung ist dasselbe zu sagen, 
wie zu der entsprechenden Matthäusstelle, zu dem Anfall in Gegen- 
^v^art Jesu dasselbe wie zu Lukas. Mit Bultmann"^^) ist in Vers 21 ff. 
ein Einschub, vielleicht ein© zweite Heilungsgesciiichte zu sehen. 
Besonders der zweite Krankheitsbericht spridht dafür. Der Einschub 
wird freilidi nur bis V. 24 reichen, wo die synoptisciien Parallel- 
beiichte wieder einsetzen ''^). Daß in der doppelten Heilung V. 25 f, 
und V. 27 ursprünglich die beiden Heilungsberichte der zusammen- 
gearbeiteten Wunder stecken, ist wahrsdieinlich/^^). — Der Blin- 

75) Siehe oben S. 79 f. 

74) Klostermann, Matthäus S. 21, sieht eigenartigerweise in dem Fehlen 
dieser beiden vom Hellenismus beeinflußten Wunder bei Matthäus ein 
Zeidien des sekundären Charakters der Matthäusüberlieferung. — Vgl. 
Sdilatter, Matthäus S. 493. 

75) Bultmann S. 225 f.; 236. 76) 8. 225 f. 

77) Warum Bultmann meint, der Versuch, mittels der synoptischen 
Vergleidiung die Sadie zu klären, führe nicht zum Ziel, ist nicht ver- 
ständlich. 

78) Die beiden wahrsdieinlich zusammengearbeiteten Wunder müssen 
übrigens Varianten gewesen sein, da der Krankheitsbericht Mk. 9, 18 dem 



99 

denheiluiig bei Jeridio {Mi. 20, 29—34; Mk. 10, 46—52; Lk. 18, 35 
bis 43) ist die bei Matthäus (9, 27—51) berichtete an die Seite zu 
stellen. Dabei zeigt sich, daß wir in der letzteren eine Wunder- 
gesdiidite der alten prägnanten Form vor uns haben. Kein Zug — 
vielleidit abgesehen von der Zweizahl der Kranken — kann als 
nidit ursprünglich angesehen werden. Von den drei anderen Be- 
richten ist die Lukasform wohl die älteste. Bedenken könnte liödi- 
stens das einleitende Gesprädi zwischen dem Volk und dem Blin- 
den und die zweimalige Wiederholung des Rufs erwecken. Bei 
Markus ist außerdem sicher das belanglose Zwisdiengespräch, V. 49, 
als sekundär anzusehen. 

Es folgen die Wunder, bei denen ein unmittelbar folgendes Ein- 
treten nidit berichtet ist. Sie müssen namentlich von den Gesichts- 
punkten des ersten Kapitels aus beurteilt werden. Die Speisungs- 
wunder (Mt. 14, 15—21; Mk. 6, 35—44; Lk. 9, 12—17; Mt. 15, 32—39; 
Mk. 8, 1 — 10) haben zweifellos ihre Gestaltung nacht dem Vorbild 
der Brotvermehrung durch Elisa bekommen '^^). Außerdem ist, be- 
sonders bei dem ersten, eine Ausgestaltung durch. Gespräche un- 
wesentlidien Inhalts erfolgt^"). Das zweite Wunder erweist sich 
durch die Dialogisierung der Einleitung des ersten als sekundär ^^). 
Doch ist für beide vorliegende Formen wohl späte Entstehung, und 
zwar wegen der A.T.- und Talmudparallelen ^), auf jüdischem Bo- 
den anzunehmen, — Gegen das Alter des Heilungswunders an den 
10 Aussätzigen (Lk. 17, 11 — 19), das eine gemisdite Wunder- und 
Aussprudierzählung ist, kann von unserer Untersuciiung aus nichts 
gesagt werden. Nur ruft die Tatsache, daß sonst deri späte Charak- 
ter der Wunder, bei denen nidit der sofortige Eintritt beriditet ist, 
sich immer wahrscheinlich machen läßt, auch gegen diese Geschichte 
einen Verdacht wach. — Die Erzählung von Petri Fisciizug (Lk. 5, 
1 — 11) ist eine gemisciite Wunder- und AusspruchgeschiciLte. Auch 
wenn nidit anzunehmen ist, daß in dem Wort vom Mensch.enf angen 
das Wunder symbolisiert wird, wenn vielmehr nur der Beruf des 



des Lukas 9, 59 parallel ist, während der zweite iVIk. 9, 22 dem, des 
Mt. 17, 15 sehr ähnelt. 

79) Siehe oben S. 77 f. 

80) Siehe oben S. 15 f. 

81) Siehe oben S. 12. 

82) Siehe oben S. 80. 



100 

Fisdiers darin verbildlidit wird^^), so liegt trotzdem eine starke 
Unterordnung des Wunders unter das Tkema der Berufung Petri 
vor. Sein Gehorsam und seine Demut maclien ihn für die Jünger- 
schaft reif. Das Wunder dient dazu, ihn zu prüfen und zur Aner- 
kennung Jesu zu bringen. Diese inhaltliche Unselbständigkeit des 
Wunders, die sonst auch, in den gemisditen Gesdiiditen nicht vor- 
liegt, madbit seine junge Entstehung redtit wahrscheinlidb. — Wegen 
der inhaltlidien Unterordnung des Wunders unter das Wort ist 
auch, dem Satz von der Besciiaffung der Tempelsteuer (Mt. 17, 27)^'^), 
der Gesdbiichte von Petri Meerwandeln (Mt. 14, 28 — 31) ^^), von der 
Yerfludiung des Feigenbaums (Mt. 21, 18—22; Mk. 11, 12—14; 
20 — 25) ^°) kein hohes Alter zuzugestehen. Ob sie auf jüdischem 
oder griediisdiem Boden entstanden sind, läßt sich, kaum sagen, weil 
die jüdisciien Wunder, mit denen sie Berührungen haben, aucii 
schon unter orientalisch-hellenistisciiem Einfluß entstanden sein 
können. — Die Erzählungen von der ^vnnderbaren Beschaffung der 
Eselin (Mt. 21, 2 f.; 6; Mk. 11, 2—6; Lk. 19, 30—34) und des Abend- 
mahlsraumes (Mt. 26, 18 f.; Mk. 14, 13—16; Lk. 22, 10—15) werden 
gleidif alls nicht als alt anzusehen sein, da sie bereits eine legendäre 
VerselbstverständliciLung des Wunders bedeuten^'). — Auf das 
Konto der Evangelisten kommen selbstverständlicii alle sum- 
marischen Heilungsbericiite, die aber deshalb trotzdem auf guter 
Kunde beruhen können. — Nadi Form und Inhalt völlig abseits 
steht die Gesdiichte vom Meerwandeln Jesu (Mt. 14, 22—27; 52 f.; 
Mk. 6, 45 — 52). über ihre Entstehung ist von dieser Untersudiung 
aus nichts festzustellen. 

Zum Sciiluß sei noch^ zweierlei bemerkt: 1. Außer den Gesciiichten, 
die eine Verselbstverständlichung des Wunders zeigen und denen, 
bei denen Unterordnung des Wunders unter eine Ausspruciipointe 
vorlag, sind bei sämtlich.en Berichten nur Feststellungen betreffs des 
Alters der uns vorliegenden Fassungen gemacht worden. Während 
bei den ersteren das Zurückgehen auf einen historischen Vorgang 
nicht wahrscheinlich ist, ist bei den letzteren nichts darüber aus- 
gesagt. Es kann theoretisdh ein Wundeir in ganz alter Form über- 

83) Siehe oben S. 17. 

84) Siehe oben S. 17. 

85) Siehe oben S. 17. 

86) Siehe oben S. 17. 

87) Siehe oben S. 72. 



101 

liefert und dodb. erfunden sein und ein in junger Gestalt vorliegen- 
des auf historisdie Ereignisse zuriickgeken. Dodb. ist die Wahr- 
sdieinlidtikeit dafür selbstverständlidi bei den in alter Form erhal- 
tenen Wundern größer. 2. Für die Bedeutung der formalen Paralleli- 
tät der Wort- und Wunderüberlieferung ist es widitig, daß sämt- 
liche Wundergesdiichten, in denen der sofortige Eintritt des wun- 
derbaren Gesdh.ehens nidtit berichtet wird, denen also das wesent- 
liche ZentDum des Parallelismus von A,usspruch- und Wunderge- 
schidtite fehlt (mit Ausnahme der Heilung der 10 Aussätzigen), aus 
wichtigen Gründen (Unterordnung unter die Ausspruchüberliefe- 
rung, Verselbstverständlichung, alttestamentliches Vorbild) zum 
mindesten in ihrer jetzigen Gestalt nicht für alt gehalten werden 
konnten. Dadurch erfährt die Feststellung, daß dieser Parallelis- 
mus ein Kennzeidben der alten Zeit ist, starke Bestätigung. 

V. Antwort auf Einwände vom Standpunkt der Zweiquellen- 

tbeorie. 

Es wurde bisher bewußt vermieden, auf die Fragen einzugehen, 
die sich vom Standpunkt der synoptischen Forschung im engeren 
Sinne zu diesen Ergebnissen erheben. Was würde die Richtigkeit 
der erarbeiteten Feststellungen für die synoptische Vergleichung be- 
sagen? Es ergab sich, daß bei Matthäus einerseits, bei Markus und 
Lukas andererseits eine veisdhiiedene Entwicklung einiger Wunder- 
geschidbten vorlag. Bei Markus haben sie unter Einfluß der helle- 
nistisdien Welt eine Ausgestaltung erfahren, die ihrem volkstüm- 
lichen, zur Predig! auf heidnischem Missionsgebiet geeigneten Cha- 
rakter steigert. Bei Matthäus ist der hellenistisciie Einfluß ganz 
bedeutend geringer. Dafür sind seine Wundergesdbiditen schrift- 
stellei'isch stärker verarbeitet, weisen weiteren Abstand A^on der 
mündlichen Überlieferung auf. Auch dogmatische Einflüsse machen 
sidi hin und wieder geltend. Lukas steht im ganzen dem Markus 
näher. Seine Gestaltung der Erzählungen zeigt im einzelnen mancii- 
mal eine über Markus hinausgehende Entwicklung^^). Einige auf- 
fällige Berührungen mit Matthäus machen es wahrscheinlidi, daß 
ihm audi die bei Matthäus vorliegende Form der Überlieferung 
teilweise zugänglich war^®), was sich auf Grund des „erreiöriTrep 

88) Z. B. Lk. 9, 38 fügt bei der Bitte des Vaters des epileptisdien Knaben 
hinzu: öti )LiovoYevri<; |lio( ^<jtiv. 

89) Hiermit ist nidit unser Matthäusevangelium gemeint. 



102 - 

TToXXoi eTTexeipricrav" (1, 1) leicht annehmen läßt. Die älteste er- 
scMießbare Gestalt der Stücke liegt in vielen Fällen bei keinem 
Evangelisten vor, sondern hat bei allen eine — in versdbiedener 
Riditung gehende — Abwandlung erfahren. 

Muß dies Ergebnis unserer Untersucbun^ sich durdi sicherere auf 
dem Gebiet der im engeren Sinn synoptisdien Forschung eine Kor- 
rektur gefallen lassen? Im ganzen herrscht immer noch die An- 
schauung, daß wir bei Markus nicht nur den ältesten Aufriß des 
Evangeliums, sondern aucli im einzelnen, von Ausnahmen abgesehen,' 
die beste Gestaltung der Überlieferung vorliegen haben, die durch 
die beiden anderen Evangelisten abgewandelt wurde ^). Diese 
Theorie, die den allergrößten Teil des evangelisdien Stoffes aus 
zwei Quellen, Markus und Q, ableitet, hat den Vorzug der Ein- 
fachheit für sich. Die Einfachheit einer Hypothese kann aber nur 
im Fall der gleichen sachlichen Wahrscheinlidikeit mehrerer vor- 
handener den A.usschlag für sie geben. Nun sind aber — nicht nur 
von den Ergebnissen dieser Untersuchung aus — große Bedenken 
gegen die Annahme der Priorität der Markusüberlieferung im ein- 
zelnen geltend zu machen. Sie haben nadi den älteren Verfechtern 
der Urmarkushypothese in neuerer Zeit in zwei starken Angriffen 
gegen ihre Position Ausdruck gefunden. Schlatter bekämpft sie in 
seinem Matthäuskommentar mit ähnlichen Gründen, wie sie von 
dieser Arbeit aus geltend gemacht werden müssen: die Annahme, 
daß Markus einen jüdischen Text hellenisient habe, ist der, daß 
Matthäus einen hellenistischen judaisiert habe, vorzuziehen. Die 
Folgerungen, die er daraus zieht, sind vielleicht zu Aveitgehend®^). 
Der erste Band des Bußmannschen Werkes erneut die Urmarkus- 
theorie, indem er in Lukas die älteste, in Matthäus die zweite und 
in Markus die jüngste uns erhaltene Entwicklungsstufe des Mar- 
kusstoffes erblickt. Seine Anbeit ist vor allem im Negativen von 
Bedeutung: der Aufzeigung des an vielen Stellen sekundären Cha- 
rakters der Markusüberlieferung. Die Herstellung einer Entwick- 
lungsgeschichte der Tradition, in der die drei uns erhaltenen Über- 
lief erungsformen als drei Stufen dieser Entwicklung erscheinen, 



90) Gegen die starre Zweiquellentheoric wendet sich Schniewind, beson- 
ders S. 149 f. 

91) Wenn er nämlich audi den Gesamtaufriß des Matthäus gegenüber 
Markus als ursprünglich ansehen Mall (S. XI). Vgl. Sdiniewind S. 135. 



103 

kann aber wohl nidit als gelungen angesehen werden ^^). Vielmehr 
zeigte unsere Untersuchung an den Wundergeschichten, daß wir -^ 
wenigstens bei Matthäus und Markus — nicht mehrere Stufen der 
Entwicklung vor uns haben, sondern eine Veränderung der ur- 
spinünglichen Gestaltung in versdbiiedenen Richtungen. Da der 
Gesamtaufriß der Evangelien nidhit als dem historischen Verlauf 
entsprechend angesehen werden und auch nictt sdtion in der münd- 
lichen Tradition entstanden sein kann, muß ein Evangelium mit 
dem Aufriß des Markus unseren drei Evangelien zugrunde gelegen 
liaben^^). Auci. im einzelnen wird er vielfach gegenüber Matthäus 
primär sein®*). So finden audi die bei Klostermann ®^) angeführten 
Gründe für den sekundären Charakter des Matthäus gegenüber 
Markus großenteils ihre Erklärung. Teilweise wird man sie freilich 
nicht als berechtigt ansehen können ®°). Eine Entstehung der 
Matthäusfassung durch Abänderung unserer Markusfassung ist 
jedenfalls damit nicht bewiesen und sicher nicht historisch. Die 
Lukasgestaltung zeigt überwiegend Merkmale der Markus-, teil- 
^veise auch der Matthäusfassung®'). Ein näheres Eingehen auf die 
Fragen des synoptischen Verhältnisses ist nicht Aufgabe dieser 
A,rbeit. Es scheint aber bei der starken Unsicherheit, die die For- 
sch.ung auf diesem Gebiete außerhalb der einfadken Grundthese 
von der Ursprünglichkeit des Markusaufrisses beherrscht, nicht 
richtig zu sein, sich bei der Untersudbung der Einzelstücke von 
Theorien auf diesem Gebiet zu sehr abhängig zu machen. An 



92) Eine Widerlegung im einzelnen zu geben, ist nicht Aufgabe dieser 
Arbeit. Die Stellung, die Bußmanu dem Matthäus anweist, wird den an 
den Wundern gemachten Feststellungen nicht gerecht. Zu Bußmanns 
Konstruktion siehe audi Sdmiewind S. 137 f. 

93) Siehe Sdimidt S. 217. 

94) Siehe z. B. die Einzeluntersudiung der Wjundergeschichten oben 
S. 93 ff. 

95) Matthäus S. 20 f. 

96) Siehe z. B. oben S. 96 Anm. 67; S. 97 Anm. 69; S. 98 Anm. 74. Audi 
Gemütsäußerungen Jesu wegzulassen, kann nicht als Eigenart des Mat- 
thäus bezeichnet werden, da er 20, 54 über Markus und Lukas hinaus 
vom „Erbarmen" Jesu spricht. 

97) Siehe oben S. 101. Eine genaue Untersuchung über die Entstehung 
des Lukas, etwa über die Gründe des Fehlens von Markus 6, 45—8, 26 
bei ihm, ist hier nidit am Platze. 



104 

manchen Stellen der Foirsdiung mödite man meinen, daß sie durdb. 
zu weifgehende feste Voraussetzungen in der synoptisdien Frage 
gelitten hat. 

VI. Überblick über das Material einzelner Teile der 
sjmoptischen Überlieferung. 

Ein kurzer Überblick soll nodb über einzelne Teile der synop- 
tisdien Überlieferung gegeben werden, um festzustellen, ob sidi 
von da aus besondere Gesiditspunkte oder Folgerungen für unsere 
Untersudiung ergeben. 

Das den drei Synoptikeicai gemeinsame Material enthält den 
größten Teil der gesamten Wunderüberlieferung. Da von den hier- 
bei wegfallenden Gesdiiditen viele zu den in jüngerer Gestalt über- 
lieferten gehören (Taubstummer, Blinder von Bethsaida, Speisung 
der 4000, Meerwandeln Petri, Jüngling zu Nain, Heilung des 
Wassersüditigen, Heilung den 10 Aussätzigen, der Stater im Fisdi- 
maul, Petri Fisdbzug, die Verfluchung des Felgenbaums), tritt in 
dieser Traditionsgruppe die alte Form der Wundergesdiiditen, die 
sie den Aussprudhgesdiichten parallel macht, verhältnismäßig nodi 
stärker in den Vordergrund. Außerdem erfährt das erarbeitete 
Ergebnis dadurdbi eine neue Bestätigung, daß ein großer Teil der 
als in später Gestalt vorliegend bezeidineten Erzählungen sich auch 
durdi die Niditzugehörigkeit zu einem oder zwei unserer Evange- 
lien verdächtig macht. Selten sind die Erwähnungen von Jesu Wun- 
dern in seinen Worten. Das den drei Synoptikern gemeinsame 
Material enthält davon nur die Erwiderung Jesu auf die Teufels- 
anklage. Außerdem ist in der Aussendungsrede den Jüngern das 
Heilen aufgetragen und der Sprudi von dem Glauben, dem alles 
möglidi ist, sicher audi zu der allen drei Evangelisten gemeinsamen 
Überlieferung zu redinen. — Für sie gilt audi darum nodi stärker 
die Bemerkung, die über die formale Parallelität in der Tradition 
von Wort und Wunder gemacht wurde, da der größte Teil der 
ungerahmten Logien nicht dazu gehört. Im übrigen gelten die 
gleidien Feststellungen wie für die Gesamttradition. 

Bezüglich der sogenannten Bedequelle sind die Beobachtungen 
von Bußmann ^^) über die Einheitlidikeit von Q so einleuchtend, 
daß sie hier Berücksichtigung finden müssen. Er sdieidet, wesent- 

98) Bd. II, S. 110-156. 



105 

lidi wegen der Versdiiedenlieit in der Überlieferung der Stücke 
durdi Matthäus und Lukas eine Quelle T, deren Inhalt Matthäus 
und Lukas in fast wörtlidier Übereinstimmung bieten und eine 
Quelle R, bei der sehr weitgehende, wahrscheinlidh. auf Über- 
setzungsvarianten beruhende Abweichungen zu beobachten sind®^). 
In einem weiteren Kapitel ^^°) versucht Bußmann nachzuweisen, 
daß T keine selbständige Quelle, sondern eine durch Überarbeitung 
in die „Gesehichtsquelle" eingefügte Erweiterung ist. Doch sind die 
Ergehnisse dieses Abschnitts zu wenig sicher, als daß sie zu der 
Folgerung zwängen, daß T-Material nicht für sich, sondern gleidi 
in Verbindung mit der allen drei Synoptikern gemeinsamen Tradi- 
tion zu behandeln. T enthält ein ausführliciies Wunder, die Ge- 
sdiichte vom Hauptmann zu Kapernamn^°^), außerdem die Dämo- 
nenaustreibung, die die Teufelsanklage einleitet ^°^). Verhältnis- 
mäßig zahlreich sind die Worte Jesu in T, in denen er von seinen 
Wundern spricht: Das Wehe über die galiläischen Städte, die Selig- 
preisung der Augenzeugen, die Abwehr der Teufelsanklage ^*^) und 
die Antwort an den Täufer. Bei der Geringfügigkeit des Materials 
an Wunder- und A,usspruchgeschichten sind an dieser Uberliefe- 
rungsgruppe keine Feststellungen zu machen. — Das Material, das 
bei Matthäus und Lukas in verschiedener Übersetzung erhalten ist, 
stellt reine Spruchüberlieferung ohne oder mit sehr kleinem 
Rahmen dar. Weder Ausspruch- noch Wundergeschichten sind darin 
zu finden. Daß es audb. kein Wort übar die Wunder enthält, ist bei 
seinem ganz aus aktiver Wirksamkeit genommenen Inhalt, der 
keinen Rückblick, keine Reflexion über das Getane bringt, nicht 
auffällig. Da es bei diesem Überlieferungsstoff unsicjher oder sogar 
unwahrsdieinlich ist, daß er vor Lukas und Matthäus bereits zu 
einer Sammlung vereinigt war — hierin ist Bußmann abzuleh- 



99) Im einzelnen mag vieles an Bußmanns Darstellung anfechtbar 
sein, die Grundtatsache der Notwendigkeit, Q wegen der Versciiieden- 
heit der Überlieferung durch Lukas und Matthäus aufzuteilen, ist kaum 
anzuzweifeln. 
. 100) S. 157—203. 

101) Daß es unberechtigt ist, das Wunder aus dieser Geschichte aus- 
zuscheiden, wie es auch Bußmann tut, ist oben S. 94 Anm. 65 gesagt 
worden. 

102) Doch will Bußmann dies Stück überhaupt nicht zu Q rechnen. 



1Ö6 

men^*'^) — , kann man ihn nidit wie andere Traditionsgxuppen als 
Einheit charakterisieren. Er enthält eine Menge von Einzelstücken, 
die sich nidit mit dem Wunder befassen. Das Stück Ton der Ableh- 
nung der Zeichenf orderung ist mit Harnack**'^) gegen Bußmann 
aus dem hierher gehörigen Material auszusdieiden, da die sprach- 
liche Überlieferung — Lk. 11, 29 b; 31 f. sind fast wörtlicii gleidh. 
Mt. 12, 39 b; 42 f. — es nach T verweist. Das Dazwischenliegende 
wird von einem der beiden Evangelisten überarbeitet sein. Das bei 
Matthäus und Markus gemeinsam vorhandene Material, sowie die 
Sonderüberlieferung der drei Evangelisten geben zu besonderen 
Bemerkungen keinen Anlaß; nur daß hervorzuheben ist, daß die 
in ihnen enthaltenen Wundererzählungen größtenteils Merkmale 
später Gestaltung tragen (mit alleiniger Ausnahme der. Geschickten 
von der verkrümmten Frau und der Kanaanitin). 

Sehen wir auf die uns vorliegenden drei Evangelien, so können 
die für die Gesamtüberlieferung gemachten Feststellungen bezüg- 
lidi der getrennten und gemeinsamen Überlieferung von Wort und 
Wunder und der parallelen und abweichenden Gestaltung der 
Wunder- und AusspruchgesdiiciLten ziemlich gleichmäßig auch auf 
jedes einzelne von ihnen übertragen werden. Auf die charakteri- 
stischen Abweidiungen in den einzelnen Evangelien ist schon ein- 
gegangen worden. Nur auf das eine ist noch hinzuweisen, daß in- 
folge der großen Zahl der in längere Reden zusammengefaßten 
Jesusworte bei Matthäus und Lukas sidi bei Markus der geringste 
Teil der Wortüberlieferung der Parallelisierung mit den dialogisdi 
gestalteten Wundergeschichten entzieht, während bei den beiden 
anderen bei einem großen Teil der Worte eine formale Parallele 
zu dem Wunder nicht besteht. Die parallele Auffassung zeigt sich 
aber trotzdem in zahlreichen Sätzen über die Wunder und in der 
Parallelität ihres Aufbaus mit dem der mit Markus gemeinsamen 
Ausspruch^geschichten. 

Über die Verteilung des Überlieferungsstoffes auf die einzelnen 
Traditionsgruppen sei noch ein Überblick gegeben. Die Zahlen der 
folgenden Tabelle beziehen sidi auf Zeilen im Nestletext. Dabei 

103) Hierin ist Joadiim Jeremias (Theol. Literaturblatt 52. Jg. 1931, 
S. 66 — 68) recht zu geben. Jedoch ist die Ablehnung der Ausscheidung 
von T unberechtigt, da wir hier clurcJi die fast wörtliche synoptische 
Übereinstimmung einen festen Anhaltspunkt für die Beurteilung haben. 

104) S.20f. 



107 



sind bei jedem Stück angefangene Zeilen mitgezählt, so daß die 
Gesamtlänge der Evangelien etwas größea? ersdieint als sie in Wirk- 
lidikeit ist. 



1. Reines Spruchgut .... 

2. Ausspruchgeschichten . . . 

3. Wundergeschichten .... 

1. + 2. +3 

Prozentsatz d. Wundergeschich- 
ten von den Hauptgruppen der 
Überlieferung 1., 2.,3. . . . 

■i. Verbindende und zusammen- 
fassende Sätze 

5. Geschichtserzählung **) . . 

4. + 5 



Gesamtsumme 



Mt. 


Mk. 


Lk. 


zus. 


1046 
519 


233 
479 


■ 1463* 


' 


239 


368 


350 


957 


1804 


1080 


1813 


4697 


13 'Vo 


34% 


19% 


20% 


149 


100 


141 


390 


587' 


386 


680 


1653 


736 


486 


821 


2043 


2540 


1566 


2634 


6740 


9% 


230/0 


130/0 


14% 



Prozentsatz d. Wundergeschich- 
ten von den ganz. Evangelien 

Dabei tritt hervor, wieviel stärker die Beteiligung der Wunder 
am Gesamtstoff bei Markus gegenüber Matthäus, aber audi gegen- 
über Lukas ist. Und zwar kommt dieser gewaltige Unterschied 
nicht nur auf Rechnung des Redestoffes, den Lukas und Matthäus 
über Markus hinaus haben, sondern Markus, das kürzeste Evange- 
lium, hat audi absolut den größten WuLuderstoff. Das liegt nament- 
lich daran, daß bei ihm einige Wundergeschichten sehr lang ausge- 
führt sind. In dem stärkeren Interesse des Markus für das Wunder 
kann man ein Merkmal seiner gegenüber den anderen Evangelisten, 
besonders Matthäus, mehii' hellenistisciien Art sehen. 



Bezüglich der Gesamtüberlieferung versuchte unsere Unter- 
suchung nachzuweisen, daß in der alten Tradition eine starke f or- 

*) Bei Lukas ist eine sichere Trennung von reinem Spruchgut und 
Ausspruchgeschichten nicht möglich. 

**) Hier sind Vorgeschichte, Geschichte vom Ausgang Jesu und erzäh- 
lende Stücke aus den Mittelteilen der Evangelien zusammengefaßt, alles, 
was sich in den Gruppen 1 — 4 nicht unterbringen ließ. 



108 

male Parallelität der Wunder- und Aussprudigesdiiditen anzuneh- 
men ist, die HUP in den durdi den Inhalt bestimmten Charakteri- 
stika der Wunder unterbrochen war. Daneben .standen die nidit in 
Gesdiiditen gefaßten Logien. Die formale Trennung war in dieser 
Zeit nicht: Wort (isoliert und in Geschichten) einerseits — Wunder 
andererseits, sondern: isolierte Worte einerseits — Geschiditen (mit 
Ausspruch- odea? Wunderinhalt) andererseits. Diese Einteilung wird 
als historisch giltig erwiesen durch die uns erhaltene Überliefe- 
rung, die gleichfalls eine logienenthaltende, halachische (R) und 
eine Geschichten enthaltende haggadische Traditionsgruppe (G) 
erschließen läßt^). Die Entwicklung geht dann so, daß sich bei den 
freien Logien die Tendenz zeigt, sie in den Geschichten unterzu- 
bringen oder ihnen eigene Rahmen zu schaffen, während die 
Wundergeschichten durch Abwandlungen verschiedener Art von der 
prägnant-dialogischen Form entfernt werden. Auch Neubildung 
von Wundererzählungen, die diese Form dann nicht bekommen, ist 
hin und wieder anzunehmen. Diese Umwandlung der Tradition — 
die Rahmung der freien Logien einerseits und die Entfernung der 
Wundergeschichten von den Ausspruciigeschichten andererseits — 
bewirkt es, daß man bei den uns vorliegenden Evangelien zweifeln 
kann, ob die Trennung Wortüberlieferung — Wunderüberlieferung 
oder die Unterscheidung Logion — Geschichte vom formalen Stand- 
punkt sachlicher ist. Bei Matthäus und Markus hat das zweite wohl 
immer noch stärkere Berechtigung, während bei Lukas durch die 
starke Verwischung der Grenze zwischen reinem Spruchgut und 
Ausspruchgeschichten die Einteilung Wort — Wunder näher liegt. — 
Entsprechend dieser formalen Entwicklung deutet sich die Entwick- 
lung in der Auffassung an. In der alten Zeit und auch in unseren 
Evangelien haben wir trotz des vollen Bewußtseins von dem Unter- 
schied zwischen Wort und Wunder und Wahrung ihrer Eigenart 
dodi die Verkündigung beider als der Gaben des Christus, die seine 
Vollmacht offenbar machen. In den späteren neutestamentlichen 
Schriften tritt audi hier Verw^ischung und Trennung ein ^). 



1) Sehr deutlich tritt die enge Parallele mit der rabbinischen Überlie- 
ferung hervor. Auch dort haben wir die Scheidung: Reden — Gesdiidi- 
ten; nur daß die Geschichten keine Wunder, wenigstens nicht nach Art 
der neutestanaentlidien, enthalten. 
2) S. oben S. 89 ff. 



108 

male Parallelität clor Wunder- imd Ausspriicligesdiiiditeii anzuneh- 
men ist, die nur in den durdi den Intalt bestimmten Charakteri- 
stika der Wunder unterbrochen Avar. Daneben standen die nicht in 
Gesdiichten gefaßten Logien. Die formale Trennung war in dieser 
Zeit nidit: Wort (isoliert und in Gesdiichten) einerseits — Wunder 
andererseits, sondern: isolierte Worte einerseits — Geschiditen (mit 
Aussprudi- oder Wunderinhalt) andererseits. Diese Einteilung wird 
als historisch giltig erwiesen durdi die uns erhaltene Überliefe- 
lung, die gleichfalls eine logienenthaltende. halachische (R) und 
eine Geschichten enthaltende haggadisdie Traditionsgruppe (G) 
ersdilielJen läHt '). Die Entwicklung geht dann so, daß sich bei den 
freien Logien die Tendenz zeigt, sie in den Geschichten unterzu- 
bringen oder ihnen eigene Ralimen zu schaffen, während die 
Wundergeschichten durch Abwandlungen verschiedener Art von der 
prägnant-dialogischen Form entfernt \verden. Auch Neubildung 
von Wundcrerzählungen. die diese Form dann nicht bekommen, ist 
liin und wieder anzunehmen. Diese Umwandlung der Tradition — 
die Rahmung der freien Logien einerseits und die Entfernung der 
Wundergeschichten von den Aussprudigesdiichten andererseits — 
bewirkt es, daH, man bei den uns vorliegenden Evangelien zweifeln 
kann, ob die Trennung Wortiiberlieferung — Wuncleriiberlieferung 
ofUr die Unterscheidung Logion — Geschidite vom formalen Stand- 
pnnkl sachiidier ist. Bei iVlatthäus und Markus hat das zweite wohl 
immer noch stärkere Berechtiguug. während bei Lukas durdi die 
starke Verwischung der Grenze zwisdien reinem Spi-udigut und 
Ausspruchgeschichten die Linteilung Wort — Wunder näher liegi. — 
l'jntsprediend dieser formalen llntwicklung deutet sich die Ent^vick- 
lung in der Auffassung an. In der alten Zeit und audi in unseren 
livangelien haben wir trotz des vollen Bewußtseins von dem Unter- 
schied zwischen Wort und Wunder und Wahrung ihrer LJigenart 
doch die Verkündigung beider als der Gaben des Christus, die seine 
Vollmacht offenbar machen. In den späteren neutestamentlidien 
.Sdiriften tritt auch hier Verwischung und Trennung ein "). 

1) Sehi' deutlich tiitl die enge Parcdlelc mit der i'abbinischeji Überlie- 
ieiung hervor. Audi dort liaben wir die Sdieidung: Reden — Gesdiidi- 
teii: mir daß die Geschichten keine Wunder, \v'enig'.sten.s nidit nadi Art 
der neutestameutlidieiu enthalten. 
2) S. ol)en S. 89 ff. 



Beifräge zur Wissenschaft 
vom Alten und Neuen Testament 

: Dritte Folge 

I.Heft: Die Prpbleme des palästinischen Spätjüdentums und das 
Urchristentum. 

., V ypii Gierhard kittel. ,8". IV.u.200S. 1926., RM. 7.50 

2. Heft: Gott und Mensch; im Alten Testament. 

;i Von Johannes Hempel. 8". "\/IIIu. 224 S. 1926. RM. 8.60 

3.Heft: Der Heilige Geist in den Lukasschriften. 

Von Heinrich vonBaer. 8°. VIII u. 220 S. 1926. _ RM. 8.60 

4V Heft: Studien ZU Ezechiel und, dem Buch der Richter. 

Von Siegfried. Sprank und Kurt Wiese.. 8°. VII u. 74 S. und II u. 61 S 
1926, RM. 6.30 .: 

5. Heft: Untersuchungen zum Bundesbüch. \. - 

-Von Alfred Jepsen. '8 ». VIIL u. io8 S, 1927. RM. 4.30 ^ 

6. Heft : Die Überlieferung von der Thronnachfo^^^^ 

Von Leonhard RosC 8^ IV u; 142 S, 1927. RM6.30 ' 

7. Heft: "Textstudien zum Buche Hiob. \. 

Von Georg Richter. 8». IV u 92 S. 1927. RM. 4.30 _ 

8. Heft : Die Worte der Dänionen im Markusevangelium. 

Von Otto Bauernfeind. 8". VIII u. 104 S. 1927. RM. 4.— 

9. Heft: Die Einheit des Tritojesaiä! (Jesaia 56—66).- 

VönKarlEiliger.8^ IVu. 126 S. 1929. RM.J.40\ 

lö. Heft: Die israelitischen Personennamen im Rahmen der gemein- 
semitischen Namengebung. 

Von Martin Noth; 8". XIXU.-260S. 1929. RM. 10.80 

11. Heft: Das Gottesvolk im Deuteronomium. 

Von Gerhard von Rad. 8°. IV U.1 00 S. 1920. RM. 4.80 

12. Heft: Der Gott der Väter. 

Ein Beitrag zur Vorgeschichte der israelitischen Religion. 
"" Von Älbjecht Alt.,8^ IVü.,84S. 1929. RM.3.20 

13. Heft : Texte und Untet-süchungen zur vormasoretischen Gramma- 

tik des Hebräischenl III. Septüaginta-Prpbleme. 

. Von Alexander Sperber. 8°. VIII u.IOI S.,1929. RM. 6.75 

14. Heft :' Texte und Untersuchungen zur vormasoretischen Gramma- 

- tik des Hebräischen. IV. Masoreten des Westens. IL Das 
palästinische Pentateuchtärgum. Die palästinische Punk- 
tation. D^r Bibeltext des Ben Naftali. 

Von Paul Kahle. Mit einem Beitrag von Dr. R. Edelmanii und 16 Licht- 
drucktafeln. 8°. XII, 68, 95 S. 1930. RM. 18.-. 

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16. Heft: Beiträge zur Erklärung des salomonischen Spruchbuches. 

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'herausgegeben von Albreclit Alt uiid Gerhard Kittel L 

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Von Gerhard yöii Rad. 1934V " - r'~-;:C - ~ 

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III. Das Schattentheater in China ^ 

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B^ie- inatider^xberliefer» 
timg der Synoptiker in 
ihrem Terlialtnis zixr wort- 

M&erlieferung 

1059672 



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MUK 22-33 






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.P43 



Ferels, Otto 

Die mimdQrüb«r-lief'eruQg 
der s^optiker in ihrem ver- 
feältnis zur wortuherliefer- 

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