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Full text of "Mar Samuel, Rector der jüdischen Akademie zu Nehardea in Babylonien [microform] ; Lebensbild eines talmudischen Weisen der ersten Hälfte des dritten Jahrhunderts"





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LEIPZIG. 

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1873. 



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idemie zu üfeliardea in Babylonien. 



les talDiMisclieii Weisen 



des dritten Jahrhunderts 



Quellen dargestellt 



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von 



Hoffmann. 



LEIPZIG. 

LR L E I N E R. 
1873. 



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Verlag von Oskar Leiner in Leipzig. 

Geschichte der Juden 



von 



den ältesten Zeiten bis anf die Gegenwart. 

Ms ktt OHueUftt neu liearbdtet 

, von 

Dr. H. Graetz, 

Professor an der Universität Breslau. 

-Pr ospectus. 

I. Band. Geschichte der Israeliten von den ersten Anfängen (um 
1600? der vorchristlichen Zeit) bis zum Tode des Königs Salomo 
und Beginn der Reichsspaltung (um 975). 

n. Band. Geschichte der Juden von der Reichsspaltung nach Salomo' s 
Tode bis zu den Makkabäerkämpfen. 

m. Band. Geschichte der Juden von dem Tode Juda Makkabi's bis 
zum Untergange des jüdischen Staates. Zweite verbesserte und 
stark vermehrte Auflage. 

^ IV. Band. Geschichte der Juden vom Untergange des jüdischen 
Staates bis zum Abschluss des Talmud. Zvreite stark vermehrte 
und verbesserte Auflage. 

V. Band. Geschichte der Juden vom Abschluss des Talmud (500) bis 
zum Aufblühen der jüdisch - spanischen Cultur (1027). Zweite 
verbesserte Auflage. 

VI. Band. Geschichte der Juden vom Aufblühen der jüdisch- spani- 
schen Cultur (1027) bis Maimunr's Tod (1205). Zweite verbesserte 
Auflage. 

VII. Band. Geschichte der Juden von Maimuni's Tod (1205) bis zur 
Verbannung der Juden aus Spanien und Portugal. 1. Hälfte. Zweite 
verbesserte Auflage. 

Vm. Band. Geschichte der Juden von Maimuni's Tod (1205) bis zur 
Verbannung der Juden aus Spanien und Portugal. 2. Hälfte. Zweite 
verbesserte Auflage. '':.■■; . • 

IX. Band. Geschichte der Juden von der VerbariiilAig der Juden aus 
Spanien und Portugal bis auv ersten dauernden Ansiedelung der 
Marranen in Holland (1618J. Zweite verbesserte Auflage. 

X. Ban«l. Geschichte der Juden von der dauernden Ansiedelung der 
Marranen in Holland (1018) bis zum Beginne der Mendelssohn'schen 
Zeit (1750j. 

XI. Band. Geschichte der Juden vom Beginne der Mendelssohn'schen 
Zeit (1750) bis in die neueste Zeit (1848). 

Preis i)ro Bjind 22/3 Thlr. 

Jeder Hand wird mich e In.-jcl Ji gegeben. 





MAR SAMUEL 



ßector der jüdischen Akademie zu Nehardea in Babylonien. 



LelieiisMia eines taliuüsclieii Weisen 

der ersten Hälfte des dritten Jahrhunderts 

nach den Quellen dargestellt 



von 






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Dr. D. Hoffmann. 



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LEIPZIG. 

OSKÄR LEINER. 
1873. 




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Gift of 
Meadville Theological Schoö 



Gegenwärtige Abhandlung wurde von mir bereits vor drei 
Jahren (März 1870) vor einem Kreise von Freunden vorgetragen, 
und bald darauf, mit Weglassung der vier letzten Noten, im 
Literaturblatt der „jüdischen Presse" (Jahrgang 1870 No. 1, 2, 4; 
Jahrgang 1871, No. 1 — 8, 10) veröffentlicht. Vielfacher 
Hindernisse wegen konnte ich erst jetzt dem von mehreren 
Seiten mir geäusserten Wunsche nachkommen, die Abhandlung 
vollständig und in besonderem Abdrucke erscheinen zu lassen, 
wobei ich nur einige unwesentliche Aenderungen vorge- 
nommen habe. 

Hoffmann. 



Inhalt 



Seite 
Einleitung I — V] 

Das Judenthum in Babylonien bis zu den Zeiten Rab's und 
Samuel's. 

I. Samuel's Leben bis zu seiner Rückkehr aus Palä- 
stina, 165 — 187 d. ü. Z 7— 1£ 

Sagen über Samuel's Geburt. — Abuh di-Schrauel, — Jugend- 
unterricht. — Mischnah-Redaction des Eabbi Juda ha-Nasi. 

— Wanderung nach Palästina. — Samuel's Lehrer. — Samuel's 
medicinische Kenntnisse. 

II. Samuel's Thätigkeit in Nehardea bis zu seiner Er- 
nennung zum Richter und Schuloberhaupt, 187 bis 

217 d. ü. Z 16—26 

Astronomische Studien Samuel's. — Seine Meinung von der 
Astrologie. — Baraitha di-Schmuel und Seder ha-Tekuphoth. 

— Samuel's Kalenderkunde. — Baraitha de Sod ha-Ibbur. — 
Tekupha des Mar Samuel. — Samuel's Freundschaft mit Rab. 

— Die Baraitha „Tana de-Be-Schmuel." 

III. Samuel's Wirksamkeit als Richter und Schulrector 

bis Rab's Tod, 217—247 d. ü. Z 27—36 

Mar Ubka, der Resch - Galutha. — Samuel und Karna, die 
Richter der Diaspora. — Die Hochschule zu Nehardea unter 
dem Rectorate Samuel's. — Erklärung derMischna. — Hawajoth 
de-Rab-u-Schemuel. — Bestimmung der Halacha. — Horaah, 
Schema'ata und Targum. — Rechtslehre — Agada. — Andere 
wissenschaftliche Disciplinen. — Babyloniens Bevorzugung 
vor andern Ländern. 



Seite 

IV. Portsetzung. Samuel und die Sassaniden-Dynastie. 37—48 
Sturz der Arsaciden. — Ardeschir Babegan, der Sassanide. — 
Chabarim-Neuperser. — Schrecken der Juden. — Fanatismus 
der Neuperser. Eab's Verhalten. — Samuel's Anordnungen. — 
Seine Ansicht über die Heiden und die Magier. — Seine An- 
erkennung der Landesgesetze. — Aufhebung des Verbotes 
des heidnischen Oels. — Samuel's und Eab's gemeinsame 
Thätigkeit für die Bildung des Volkes. — Aufrechthaltung 
des Gesetzes. — Liturgie. — Samuel's Einfluss am persischen 
Hofe. — König Sabur I., Freund Samuel's. — Samuel's Aus- 
sprüche über Könige und Königthum. — Sein Ehrenname 
„König Schabur". 

V. Von Rab's Tod bis Samuel's Tod, 247— 257 d. ü. Z. 

Samuel's Charakter 49—61 

Samuel's Trauer um Eab. — Samuel von Allen als höchste 
Autorität anerkannt. — Samuel's Unglück im Familienleben. 

— Samuel's Sorge für das Gemeinwohl. — Sein Wohlwollen 
gegen Heiden und Sklaven. — Seine Bescheidenheit und Sanft- 
muth, gepaart mit Selbstbewusstsein und Entschlossenheit. — 
Seine strengen Anforderungen an Eichter und Lehrer. — Sein 
Eifer im Dienste Gottes. — Seine Ansicht über die messianische 
Zeit. — Verwerfung jedes Aberglaubens. — Gegen eine 
ascetische Lebensweise. — „Alles für Gott." — Samuel's Tod. 

— Seine ausgezeichneten Schüler. 

A n li a n g, 

Note A. Eechtfertigung der Chronologie dieser Abhandlung . . 62 

„ B. Siphre de-Be Eab und Schear Siphre de-Be Eab ... 68 
„ C. Samuel's Lehrer. — Eabchona, der Eesch-Galutha 

war nicht Lehrer Samuel's ■ 70 

„ D. Mar Ukba war Eesch-Galutha 74 

„ E Hawajoth de Eab u-Schemuel 77 

,, F. Eichtigkeit der talmudischen Angabe von Samuel's Aus- 
spruch über NB'UON 7g 



-~>c><~ 



Motto : 

Die Lehrer werden leuchten wie des [Himmels 
Glanz; und die, so viele zur Gerechtigkeit 
weisen, wie die Sterne immer und ewiglich. 
Daniel cap. XII. V. 3. 

„(jTott wiisste, dass Israel die tyrannischen Gesetze Rom's iin- 
erträglicli sein werden, daher hat er sie vorsorglich nach Babylonien 
ins Exil wandern lassen." (R. Chija in Pesachim p. 87b). 

Es war ein grosses Glück für das Judenthum, dass es in Baby- 
lonien ^) ein sicheres Asyl vor den grausamen Bedrückungen und 
Verfolgungen der römischen Gewalt gefunden und dass es in diesem 
seinem Zufluchtsorte lange vorher, ehe noch die furchtbare Katastrophe 
über das jüdische Volk in seinem Stammlande Palästina herein- 
gebrochen war, sich ansässig gemacht und eingebürgert hatte. An- 
fangs ein Land der Verbannung, wurde Babylonien bald eine zweite 
Heimath für die Juden, wo sie unter einer milden Herrschaft sich 
eines blühenden Wohlstandes und einer friedlichen Sicherheit erfreu- 
ten, weshalb auch nur eine verhältnissmässig geringe Anzahl der- 
selben von der Erlaubniss Cyrus', in das Vaterland zurückzukehren, 
Gebrauch machte. Die Juden Babyloniens hatten, wie eine alte, 
Seder Olam Zutta genannte Chronik berichtet, schon vor der Re- 
gierung Cyrus' ein eigenes politisches Oberhaupt aus dem Davidischen 
Königshause unter dem Titel Resch Galutha (Exilarch); der erste 
dieser Fürsten war der in der Bibel (1 Chron. H, 17) erwähnte 
Schealtiel, der Enkel des Königs Jechonja, in dessen Hause sich 
diese Herrschaft bis ins eilfte Jahrhundert forterhielt 2). 

1) Hierunter versteht man in der jüdischen nachbiblischen Literatur 
zumeist einen Landstrich zwischen dem Euphrat und Tigris, der das alte 
Babel, einen Theil des ehemaligen Chaldäa und einen Theil Mesopotamiens 
umfasst, Ueber die genauen Grenzen desselben, cf. Kidnsehin 72a, bes. 
Rapoport in Kerem Chemed V, p. 216 ff und Ersch und Grubers Encycl, 
See. H, 27, S. 178 ff. 

2) cf. Bikkurim (hebräisches Jahrbuch), p. Jahrg. 1865 37. 

1 



— 2 — 

Unter diesen Fürsten fühlten sich die Juden gewissermassen 
selbstständig, da sie gegen den Landesherrn keine weiteren Ver- 
pflichtungen hatten, als gewisse Steuern zu entrichten, und ihr Zu- 
stand war zu jeder Zeit um Vieles erfreulicher als derjenige der 
palästinensischen Juden. 

Selbst nachdem die Heldenfamilie der Makkabäer die vollständige 
Unabhängigkeit ihres Volkes erkämpft hatte, hören wir von keiner 
massenhaften Auswanderung der Juden aus Babylonien nach dem 
heiligen Lande. Die Friedenszeit unter Simon, in welcher „jeder 
unter seinem Weinstocke und unter seinem Feigenbaum sass" und 
die glücklichen Tage unter Hyrkan L waren nur von kurzer Dauer 
und die Juden des Exils mochten die stürmischen und erschütternden 
Ereignisse , die der kurzen Glanzperiode unmittelbar folgten , im 
Voraus geahnt und daher den sichern Hafen nicht verlassen haben. 
So lebten die Juden in Babylonien viele Jahrhunderte in Glück und 
Frieden ungebeugt und ungebrochen, und alle die Kriege und Un 
ruhen, alle die Drangsale und Verheerungen, welche Palästina während 
des Bestandes des zweiten Tempels und nach dessen Zerstörung in 
ein Jammerthal verwandelten, gingen an ihnen spurlos vorüber oder 
errogten nur ihr mitleidiges Gefühl für ihre unglücklichen Brüder im 
Westen. 

Jedoch scheint dieser materielle Wohlstand der babylonischen 
Juden keinen vortheilhaften Einfluss auf ihr geistiges Leben ausge- 
übt zu haben. Im „Lande der Finsterniss" ist während einer Zeit 
von mehreren Jahrhunderten kein einziger Lichtstrahl wahrzunehmen, 
giebt der Geist durch kein einziges literarisches Erzeugniss irgend 
ein Lebenszeichen von sich, und es hat diese grösste und reichste 
jüdische Colonie so recht einen scharfen Contrast gebildet mit einer 
andern, der egyptischen nämlich, wo die Juden in Kultur und Wissen- 
schaft mit den Griechen wetteiferten, ihre Gotteslehre, in die damalige 
Weltsprache übertragen, allen Völkern vorlegten und, mit den Waffen 
des Geistes sie gegen alle Feinde siegreich vertheidigend , ihre all- 
gemeine Ausbreitung zuerst anbahnten. 

Und doch waren gerade in Babylonien die Bltithe und der 
Adel der jüdischen Nation sesshaft^); es war dort der Keim zu 
einem reichen und grossartigen jüdischen Geistesleben verborgen, der 

^) Kidusehin, p. 69b. 



nur lange Zeit durch verschiedene missliche Umstände verhindert 
war, zur herrlichen Frucht heranzureifen. Es waren die reichen 
Quellen lebendigen Wassers, die das Feld der jüdischen Kultur 
hätten tränken und befruchten können, vom Sande verscharrt und 
Niemand war da, der sie aufgegraben und nutzbar gemacht hätte. 
Die Juden Babyloniens hatten selbst in ihrem höchsten Glücke die 
alte Heimath nicht vergessen, ihre Augen waren stets auf das heilige 
Land gerichtet und sie hielten sich fortwährend in Abhängigkeit von 
demselben. Sie richteten nicht, wie die egyptischen Juden , einen 
selbsständigen Cultus ein; sie wollten nicht, wie jene, in der Aus- 
übung der ReHgionsgebote und in der Erklärung des heiligen Schrift- 
thums einen eigenen gesonderten Weg einschlagen, sondern sie gingen 
in allen ihren Handlungen und Bestrebungen Hand in Hand mit 
ihrem Mutterlande, in dessen Hauptstadt das Sanhedrin (Synedrium) als 
die Seele des Judenthums seinen Sitz hatte. Bei solcher Abhängig- 
keit von Palästina konnte in Babylonien kein reges Geistesleben auf- 
kommen, konnten keine selbstständigen wissenschaftlichen Studien 
gefördert werden, und so sehr die Verhältnisse Babyloniens darnach 
angethan waren, dieses Land den Juden zur Heimath zu machen, so 
konnte die jüdische Lehre und die jüdische Cultur dennoch daselbst 
keine Heimath finden; man baute zwar Häuser, wie es der Prophet 
(Jeremia 29, 5) geboten, aber keine Lehrhäuser, es wurden Gärten 
gepflanzt, aber keine Pflanzstätten für die Wissenschaft errichtet^). 
Daher mussten diejenigen Babylonier, die nach Wissen und Geistes- 
bildung strebten, nach dem heiligen Lande wandern, wo sie gewöhn- 
lich, weil in der Heimath kein Feld der Thätigkeit für sie existirte, 
auch nach ihrer Ausbildung verblieben. So kamen die Söhne Batira's, 
der berühmte Hillel und viele Andere nach Palästina, und indem 
auf diese Weise die edelsten und besten Kräfte Babylonien entzogen 
wurden, blieb dort das Volk in tiefste Unwissenheit und finstere 
Barbarei versunken. Während in Palästina zur Zeit des zweiten 
Tempels durch Parteiwuth, Tyrannengrausamkeit und ausländische 
Gewalt der jüdische Staatskörper vollständig zerfleischt und nur der 
Geist des Judenthums trotz allem Wüthen dieser Zerstörungsmächte 
unversehrt geblieben war, glich das kernhafte, ungebrochene und un- 
behelligte jüdische Babylonien einem Körper ohne Seele. 

1) cf. Epistola Scherirae ed. Wallerstein, p. 14 und Rapoport Ein- 
leitung zu Q^:i.sn mnityn (Berlin, 1846), S. 10. 



_ 4 — 

Doch nach einer laugen finstern Nacht röthete sich der Osten und 
bald ward dort hellstrahlendes Licht sichtbar. Durch heftige Stürme, 
die über Palästina hereinbrachen, wurden einzelne Culturelemente nach den 
östlichen Nachbarländern verschlagen, die, in den empfänglichen und 
fruchtbaren Boden gesenkt, sich rasch vermehrten und nach allen 
Seiten hin ausbreiteten. Durch ein die geistige Arbeit vieler Ge» 
schlechter in sich fassendes Riesenwerk, das in Palästina zu Stande 
gebracht, bald auch im Auslande allgemeine Verbreitung fand, 
wurden Forschung und Studium daselbst angeregt. War einmal 
hierdurch dem jüdischen Geistesleben in Babylonien die Bahn ge- 
brochen, so wurde es durch einige ausgezeichnete Männer bald zu 
einer solchen Höhe emporgehoben, dass dadurch das Mutterland über- 
flügelt und der Mittelpunkt des jüdischen Geistestrebens nach den 
Euphrat- und Tigrisländern versetzt war. Als daher später durch 
die systematischen Bedrückungen und Verfolgungen der Römer Judäa 
immer mehr verarmte und verkümmerte und daselbst der letzte 
Schimmer von Geistesthätigkeit verschwand, hatte diese schon eine 
neue Zufluchtsstätte gefunden in den Ländern, die Roms Macht nie 
zu bezwingen vermocht, und da erhielt sich das Judenthum noch 
viele Jahrhunderte in blühender Frische, während sein übermächtiger 
Feind in Schwäche dahinsiechte und von innerer Fäulniss nach und 
nach zersetzt und aufgelöst wurde. Hier auf diesem neuen Schau- 
platze der jüdischen Geschichte nahm der Hauptgegenstaud der da- 
maligen jüdischen Geistesthätigkeit, die jüdische Gesetzeslehre, eine 
den vielfachen Innern und äussern Bedürfnissen der unter andern 
Völkern lebenden Juden entsprechende Erweiterung an; hier wurde 
die Saat ausgestreut für die- jüdische Wissenschaft, die wir später 
in Europa, besonders in Spanien, in herrlichster Blüthe antreffen; 
und hier entstanden die Geisteswerke, welche auf die spätere jüdische 
Geschichte den grössten Einfluss ausgeübt haben und auch für die 
Geschichte überhaupt nicht ohne Bedeutung gewesen sind. Baby- 
lonien ist das Land, in welchem das Judenthum einen 
neuen Entwickelungsgang durchgemacht und sich für 
sein späteres Auftreten in Europa gehörig vorbereitet 
hatte. 

Bald nach der Zerstörung des zweiten Tempels linden wir einen 
hervorragenden Gesetzeslehrer , Namens R. Jehuda b. Batira ^j, in 
1) cf. Pesachim 3b und Sanhedrin 32b. 



— — 

Nisibis*); ebenso hatte in Nehardea, der Hauptstadt des jüdischen 
Babylonien -), ein Traditionslehrer seinen Sitz. Der berühmte pa- 
lästinensische Gesetzeslehrer R. Akiba, der vor dem Bar-Kochba-Kriege 
Babylonien bereiste, hatte in dieser Stadt einen Schüler des R. Gamliel 
ha-Saken, Namens Nehemia aus Beth-Deli, gefunden und mit ihm 
über wichtige Gesetzeslehren sich unterredet^). Noch mehr aber 
ward nach dem letzten Kriege unter den hadrianischen Verfolgungen 
palästinensische Gelehrsamkeit in Babylonien verbreitet. Viele Ge- 
lehrte flüchteten sich dahin, um der über ihrem Haupte schwebenden 
Gefahr zu entgehen. Der ausgezeichnetste unter diesen, Chanania, 
der Brudersohn des R. Josua, der „keinen seinesgleichen in Palästina 
zurückliess", hatte in Pumbadita*) eine weitberühmte Schule und 
ging schon mit dem Plane um, Babylonien von Palästina ganz un- 
abhängig zu machen. Obwohl er, als man ihm vorstellte, 
welch' ein heilloses Schisma dadurch im Judenthum entstehen würde, 
von seinem Vorhaben abstand, setzte er dennoch seine Lehrthätigkeit 
fort^) und bald war die Gesetzeskunde in Babylonien so einheimisch, 
dass die in diesem Lande herangebildeten Gelehrten auch in Palästina 
als hervorragende Grössen betrachtet wurden. R Nathan, der Sohn 
des Exilarchen, berühmt durch seine tiefe Kunde des jüdischen Rechts, 

1) ra^i'i, Nisibis bei den romisclien Schriftstellern. Diese Stadt Meso- 
potamiens lag am Flusse Mygdonius in einer sehr fruchtbaren Gegend 
(cf. Mannert, Geographie der Gr. und Rüm. Th. V. 2, S. 295) und ist noch 
heute in ihren Ruinen unter dem Namen Nisibin im S. 0. von Mardin 
und dem Berge Dscliudi (Masius mons) zu sehen, (cf. Ritter, Erdkunde X, 
S. 119). 

2j y-;-,,-,j (cf. Josephus, Antiqu. IS, 9 und 16). Diese befestigte Stadt 
lag an der Grenze zwischen Babylonien und Mesopotamien am Euphrat 
und dem Kanal Narraga, der später in der Chalifenperiode Isa- Kanal ge- 
nannt wurde (cf. Mannert, 1. c. Th. V, 2, S. 386). Der Name dieser Stadt 
wurde, wie dies bei vielen andern Städten dieser Länder geschah, einem 
ganzen zu ihr gehörigen Gebiete beigelegt, (cf. Anhang Not. A. VIIL) 

3) Jebamoth l'22a. 

^) In dieser Stadt war eine zahlreiche, sehr alte jüdische Bevölke- 
rung, weshalb sie auch Golah (Diaspora) xar i^oxfiv genannt wurde (Rosch- 
ha-Schanah 23b). Sie Avird beschrieben von Benjamin von Tudela 
(Massaot, ed. London I, 53). Sie lag an dem Euphratkanale Badita (da- 
her der Name Nrr'ia-D'is) unweit der Festung Firuz - Schabur. (Pirisabora 
bei Ammian. Marcelhn. XXIV, 2, 9). 

5) Berachoth 63a, Jeruschalmi, Nedarim VI, 8, Epist. Scherir 1. c. p. s. 



— 6 - 

durch die von ihm gesammelten babylonischen Halachoth (Mischnath 
de Kabbi Nathan) und durch andere von ihm verfasste Werke ^); 
R. Chija b. Abba aus Kafri^), der selbst dem Patriarchen R. Juda, 
dem Heiligen, als ein „ans fernem Lande gekommener Mann des 
Rathes" erschien^); R. Joseph ha-Babli*) und andere klangvolle Na- 
men sind die Zeugen von dem zur damaligen Zeit herrschenden 
regen geistigen Streben in Babylonien. Aber noch immer hatte die 
Lehre nicht ihren ständigen Wohnsitz in diesem Lande aufgeschlagen, 
und der Umstand, dass die letztgenannten babylonischen Geistesheroen 
nicht in ihrer Heimath verblieben , sondern das heilige Land zum 
Schauplatze ihrer ruhmreichen Thätigkeit machten, beweist hinlänglich, 
dass zur selbigen Zeit zur selbstständigen Entwicklung des Juden- 
thums in Babylonien noch manche Bedingungen fehlten. Erst für 
die folgende Generation wurde durch gewisse Ereignisse eine Situation 
herbeigeführt, die der Unabhängigkeit Babyloniens nicht nur kein 
Hinderniss in den Weg legte, sondern sie noch begünstigte und 
förderte. Dieser für das Aufblühen eines neuen Geisteslebens in 
Babylonien so besonders geeigneten Zeit sandte auch die Vorsehung 
einen Mann, welcher der grossen von jener gestellten Aufgabe voll- 
kommen gewachsen war. 

1) Horajoth, Ende-, Baba kama 53a und Parallelstellen; Ep. Scher. 1. c. 

2j n33. Okbara, eine Stadt am Tigris, ungefähr 15 Stunden Wegs 
aufwärts von Bagdad entfernt (cf, Ritter, Erdkunde X, S. 208;. In dieser 
Stadt war der Sitz des Exilarchen und seines Gerichtshofes, (cf Kidu- 
schin 44b nsDn ,'T'jn ''m ^■zpx) no «n). Daher wird auch die Anlage dieser 
Stadt dem Könige Joachin, als dem Stammvater der Exilarchen zuge- 
schrieben (cf Ritter 1. c. X, S. 256). 

3) Menachoth 88b. 

'') cf. Heilprin, Seder ha-Doroth Art. x^^py p •■d-n. 



I. 

Die Stürme der von Rom über Israel verhängten Ver- 
folgungen hatten bereits ausgetobt, ein milder Frühlingshauch 
durchzog das heilige Land; Rabbi Juda, der Heilige, der ,,Fürst" 
der Juden, erfreute Jißich der Freundschaft des edlen römischen Kai- 
sers Marc Aurel ^) und der Kern des so lange gehetzten jüdischen 
Volkes konnte wieder in Ruhe und Frieden seine stille Thätigkeit 
im Lehrhause aufnehmen. In dieser für Palästina nach langen Leiden 
eingetretenen glücklichen Zeit wurde im östlichen Nachbarlande 
der grosse Mann geboren, der, durch Tugend- und Geistesgrösse 
unter seinen Zeitgenossen hervorragend, von seinen Glaubensgenossen 
als Lehrer verehrt und als Weiser allgemein geschätzt und geachtet, 
eine Wirksamkeit entfaltete, die als einer der Hauptfactoren zu be- 
trachten ist, welche den Strom der jüdischen Geschichte in ein neues 
Bett leiteten und die Länder am Euphrat und Tigris zu Hauptsitzen» 
der jüdischen Gelehrsamkeit erhoben. Dieser Mann war Mar Samuel 
Arioch ^). 

1) Diese Thatsache hat Rapoport in 3 Abhandlungen unumstösslich 
bewiesen und in denselben zugleich das Zeitalter R. Juda's genau fixirt. 
Was die von diesem genialen Forscher nicht beseitigten Einwände betrifft, 
so glaube ich deren Nicht'igkeit im Anhang Not, A. hinlänglich nachge- 
wiesen zu haben. 

2) Ueber das dem Samuel beigelegte Epitheton Arioch (-mN cf. Sab- 
bath 53a, Kiduschin 39a, Menachoth 38b, Cholin 76b) haben in neuerer 
Zeit Rapoport und Fürst Erklärungen gegeben. Ersterer (Erech MilUn, 
p. 196) hält dies für den Namen des ersten Sassanidenkonigs Artaxerxes, 
der ebenso wie der Name seines Sohnes ^ni^' auch Samuel beigelegt 
wurde. Hiegegen ist einzuwenden: 1. Die Rabbinen nennen den Sassa- 
niden Artaxerxes 1. Ardschir, nicht Arioch, indem sie das von ihm aus 
den Trümmern erhobene Seleucia i^ivtin n nennen (cf. Gittin 6a, Joma 18b, 
Jebamoth 37b und Erech Miliin, p. 195). 2. Müsste neben iin.s das Attri- 
but N3'?a gesetzt werden, da dies bei Samuels Beinamen ma» nie fehlt 



- 8 - 

Samuel wurde um 165 n. ü. Z. in der Euphratstadt Nehardea 
geboren ^). Wie bei so vielen grossen Männern wird auch bei Samuel 
schon dessen erster Eintritt in die Welt durch die Sage verherrlicht. 
Sei Vater Abba b. Abba sei nach Palästina gereist, dort wäre ihm 
von einer der Vögelsprache kundigen Matrone die Geburt eines aus- 
gezeichneten Sohnes vorher verkündet worden, eiligst habe er darauf 
Palästina verlassen und durch ein Wunder noch in derselben Nacht 
seine Heimath erreicht 2). Nach einem andern glaubhaftem Berichte 
wurde die Geburt Samuels, dessen Vater Abba b. Abba durch R 
Juda b. Batira aus Nesibin vorher verkündet. Abba b. Abba war 
ein Seidenhändler und erhielt von R. Juda b. Batira eine Bestellung 
auf ein seidenes Kleid, die er auch nach kurzer Zeit besorgte. R» 
Juda schien sich aber unterdess eines Andern besonnen zu haben, 
und wollte die Waare nicht kaufen. „Warum will mein Rabbi die 
Seide nicht?" fragte Abba. „Es war ja blos ein Wort, das den 
Kauf noch nicht abschliesst" erwiederte der Rabbi. Darauf sagte 
Abba: „Soll das Wort eines Weisen nicht mehr Garantie bieten, als 
dessen Geld?'-' — „Du hast Recht" entgegnete R. Juda. „Weil Du 
nun so viel auf ein Wort hältst, so wirst Du das Glück haben, 
einen Sohn zu bekommen, der dem Propheten Samuel gleichen wird, 
dessen Worte ganz Israel als wahr anerkannte." Bald darauf wurde 



(cf. Pesachim oia, Baba kama 9Gb). Fürst (Literaturblatt des Orient 1847) 
erklärt Arioch durch „der Arier oder Anhänger der Neuperser;" aber 
auch dies ist dem rabbinischen Sprachgebrauch entgegen, da sie die Neu- 
perser mit ^^nn (Guebere) benennen. Es ist , daher die Erklärung der 
alten Commentatoren vorzuziehen, welche Arioch von n« (Löwe) ableiten. 
Die berühmten Gesetzeslehrer führen öfters den Ehrennamen n« (cf. Sab- 
bat lUb, Kiduschin 48b, Baba kama I17a) ; wir können daher Arioch, 
wie Jo. Simonis (önom., p. 567), mit Leo magnus übersetzen. 

1) Sabbat 108a wird erzählt, dass Samuel den 189 aus Palästina an- 
gekommenen ßab von einer Krankheit geheilt hat. Aus dieser Stelle 
geht hervor, dass Samuel damals schon verheirathet war, was in Baby- 
lonien ein Alter von 18 — 20 Jahren voraussetzt (cf. ßapoport E. M. 1. c. 
p. 226). Er kann aber auch damals nicht viel älter gewesen sein, da er 
erst 257 gestorben ist und ein ungewöhnlich hohes Alter von den Quellen 
nicht mit Stillschweigen übergangen worden wäre. (cf. Anhang, Note A. 
III und VIL) 

2j Rab Hai Gaon in nar^n nv'.t' No. 18, Halachot Gedoloth H. Gittin 
und Tosephot Kiduschin 73a. 



- 9 - 

Abba ein Sohn geboren, den er Samuel nannte ^). Dieser Abba, der 
später nur mit dem Namen Abuh di-Schemuel (der Vater des Samuel) 
genannt wird^), stammte aus einem vornehmen aharonidischen Ge- 
schleehte ^) und war sowohl wegen seiner Gelehrsamkeit als auch 
wegen seiner Tugendhaftigkeit und seines heiligen Lebenswandels 
so gepriesen, dass von ihm berichtet wird, er habe mit überirdischen 
Wesen verkehrt und in der wegen ihres hohen Alters besonders ge- 
heiligten Synagoge zu Schafjathib sogar eine göttliche Stimme ver- 
nommen*). Ausser Samuel hatte er noch einen jüngeren Sohn^ 
Namens Pinchas, und mehrere Töchter •'"'). 

Wenn schon Abba, wie ausdrücklich von ihm gerühmt wird, die 
Erziehung aller seiner Kinder mit grosser Umsicht besorgte ^) , so 
hat er sich besonders bestrebt, seinem Sohne Samuel, der schon in 
zartem Alter grossartige Anlagen und Fähigkeiten zu erkennen gab, 
eine treffliche Erziehung angedeihen und seinem regen Geiste die 
rechte Nahrung geben zu lassen ^). Ausserdem aber war clie Jugend- 
zeit Samuels noch von andern für seinen Bildungsgang besonders 
günstigen Umständen begleitet, die nicht wenig dazu beitrugen, dass 
sich der herrliche Keim zur schönsten Blüthe entwickelte. Seit der 
hadrianischen Verfolgung (135 — 138) ist vielfach palästinensische 
Gelehrsamkeit nach Babylonien verflanzt worden, Nehardea, das an 
der Grenze zwischen dem parthischen und römischen Reiche lag und 
daher die flüchtigen Palästinenser zumeist aufgenommen hatte ^), war 

1) Midrasch Schemuel Rabtha, Cap. X. 

2) cf. Zakkuto, Jochasin s. v. und die andern Chronographen. 

3) Megilla 22a; cf. auch Jerusch. Ketuboth II, 6. 

^) Megillah 29a; Aboda sara 20b. Cf. ausserdem Beza 16b, Berachoth 
18b, Kethuboth 51b, Baba mezia 30b und 90a, Baba batra 90b. Die Syna- 
goge zu Schafjathib soll von dem Könige Joachin und den andern Exu- 
lanten aus dem Material des zerstörten Tempels aufgeführt worden sein. 
Daher der Name der Stadt a^n^ fitr, wie Scherira (Epist. p. 15) erklärt r 
^N3 DU»''! mpa voity i?;ib (das Heiligthum hat sich wegbewegt und da nieder- 
gelassen.) Cf. Aboda sara 43 b, Rosch ha-Schanah 24 b und Aruch Art. 
t]w . Die Stadt lag im Gebiete von Nehardea (cf. Benjamin von Tudela 
1. c. I, 69). 

5) Bechoroth 39a, Nedarim 40a, Sanhedrin 28b, Moed katon 18a. 

6) Sabbath 65a. 

Jeruschalmi Kethuboth V, 6; ibid. Pea, Ende; Babli Cholin 107b. 
8) cf. oben Anm. 7. Im Talmud (Erubin 45a) heisst Nehardea aus^ 
drücklich ibd'j nDioon n^V; cf, Ritter, Erdkunde X, S, 146 f. 



— 10 — 

zu jener Zeit der Sammelplatz vieler Gelehrten geworden, und so 
wuchs Samuel heran, umgeben und belehrt von grossen Männern, 
unter der Leitung eines kenntnissreichen und umsichtigen Vaters. 
Ausser den Lehrern, deren Namen nicht bekannt sind, und ausser 
seinem Vater, der auch zugleich sein Lehrer war^), wurde er noch 
von dem Gelehrten Levi b. Sisi, den wir später in Palästina unter 
dem vorzüglichen Jüngerkreise R. Jehuda ha-Nasis finden 2), in der 
Traditionslehre unterwiesen, und dieser hatte auf die Ausbildung 
Samuels in der Gesetzeslehre nächst dessen Vater den grössten Ein- 
iiuss geübt, wiewohl Samuel vermöge seiner ausgezeichneten Geistes- 
anlagen so rasche Fortschritte machte, dass er später seinem Lehrer 
als ebenbürtiger Genosse zur Seite stand ^}. 

Den Jugendunterricht ertheilte man zur damaligen Zeit gewöhn- 
lich in der Bibel, die man mit der rabbinischen Erläuterung den 
Kindern vortrug*) und in Mischna oder Halachoth, den Lehren der 
Tradition, deren es vor der endgültigen Mischna-Redaction R. Juda- 



1) Ueber die Lehrer Sam. cf. Anhang, Note C. 

2) Synhedrin 17b, '»ina '''■h D'-oan "'Jb'? t^-^d^. 

^) Dass Levi vor dem Tode R. Juda's in Babylonien war, hat A. 
Krochmahl (Chaluz I, p. 69) aus Kiduschin 72a bewiesen, wo sich R. Juda 
bei Levi nach den Persern und Guebern (onan) erkundigt. Rapoport 
(Kerem Chemed VII, p. 279) Jost und Graetz (Geschichte der Juden) 
halten den daselbst vorkommenden Rabbi für Rabbi Juda IL Dies ist 
aber unrichtig, denn 1. wird R. Juda II nur in Jeruschalmi und sehr 
selten in der Mischna schlechtweg Rabbi genannt, nie aber im Babli und 
2. ist es aus dem Zusammenhange mit der folgenden Stelle klar, dass 
wir es mit R. Juda I. zu thun haben (.cf. das.). Es ist aber keineswegs 
nüthig anzunehmen, dass dies Gespräch erst nach dem Siege der Neu- 
perser, 226, stattgefunden, da die onan auch bevor Ardeschir mit deren 
Hilfe die Arsaciden gestürzt, als ein mächtiger Volksstamm bekannt waren. 
Es darf uns aber nicht Wunder nehmen, dass sich der Patriarch um die 
Clan kümmert, selbst da noch nicht das Schicksal seiner Glaubens- 
genossen in ihren Händen lag, da wir bei vielen palästinenschen Lehrern 
ein Interesse für fremde namentlich persische Sitten und Gebräuche 
wahrnehmen (cf die lobende Aeusserung R. Gamliel's (Berachot 8b) über 
die Perser mit Ammion. Marcel). XXIII, 6, 79). Auch Pesachim 107a 
wird erzählt, dass Levy von Babylonien an R. ein Geschenk schickt, ein 
unwiderleglicher Beweis, dass er noch beim Leben R's in Babylonien 
war. 

^) cf Anhang, Note B. 



— 11 — 

ha-Nasis mehrere Sammlungen gab ^j ; in reiferem Alter wurde die 
Jugend zum Talmud der diskussiven Begründung und Erklärung 
der Halachoth, geführt 2), und R. Cliija aus Kafri hatte durch that- 
kräftige Förderung des Jugendunterrichtes in diesen Disciplinen sich 
grosse Verdienste erworben ^). Der Unterricht, der Samuel zu Theil 
wurde, beschränkte sich jedoch nicht ausschliesslich auf diese dem 
Gebiete der Theologie angehörenden Leln-gegenstände; es geschah 
vielmehr für seine Bildung und wissenschaftliche Unterweisung mehr, 
als man es in dem Lande und in der Zeit, in welche seine ersten 
Lebensjahre fielen, hätte erwarten sollen. Samuel muss, wie sein 
späteres Leben beweist, schon in seiner frühesten Jugend einen viel- 
seitigen Unterricht genossen und so die nöthigen Vorkenntnisse zu 
seinen späteren wissenschaftlichen Studien erworben haben. 

Während jener Zeit ward in Palästina an einem Werke ge- 
arbeitet, das eine neue Epoche in der jüdischen Geschichte herbei- 
führte und auch Samuel die Richtung seiner Thätigkeit vorzeichnete. 
Der Patriarch R. Juda, der Heilige, hatte das Gesetzesstudium in 
Verfall gerathen und die Zahl der Gelehrten in Palästina immer 
mehr abnehmen sehen; er hatte bemerkt, dass das Judenthum bereits 
in Babylonien seinen Schwerpunkt habe, und wollte deshalb dafür 
Sorge tragen, dass die jüdische Lehre auch im Auslande ihren Sitz 
aufschlagen und von Palästina unabhängig überall gefördert werden 
könnte, ohne der Gefahr ausgesetzt zu sein, durch ihre Entfernung 
vom Ursprünge von ihrer Reinheit immer mehr zu verlieren und zu- 
letzt durch die Meinungsverschiedenheit ihrer Träger in viele weit 
auseinandergehende Theorien zersplittert zu werden. Er hatte es 
daher unternommen, alle traditionellen Lehren sowohl als auch alle 
Verordnungen und Listitutionen der vorhergehenden Gesetzeslehrer 
in eine systematisch geordnete Sammlung zu bringen, welche dann 
als die allgemein anzuerkennende Grundlage erklärt werden solle, 
auf der von nun an die weitere Fortbildung der Lehre zu erfolgen 

1) njt^-ü, bei den Kirchenvätern dtvriQmaiq (cf. Epiphanius, Haere- 
ses I, 2, 9). Es gab vor R. Juda )nj '-an n^tj-a, y"i- rut^ü und andere. 

2) cf. Epist. Scher. 1. c. p. 9, iio'jn ^in'? n\s mn □''j-ti'Ni •'jIü'nt -h-a^. 
Schon in den ältesten Zeiten hatte man Talmud. Ueber den Jugend- 
unterricht bei den Juden in der damaligen Zeit cf. Kiduschin 30a und 
Mischna Aboth V, 23. 

3) Kethuboth 103b, Baba mezia 85b. 



— 12 — 

habe ^). Wäbrend bisher jeder Gesetzeslehrer seine eigene, aus über- 
lieferten und selbst gefolgerten Lehren bestehende Mischna in einer 
beliebigen Ausdrucksweise lehrte, soll von nun an in allen Lelir- 
häusern eine Mischna, die des R. Juda vorgetragen, und die Lehrer 
als Emoraim, d. h. Verdolmetscher und Erklärer der von den Tan- 
nai'm (Traditionslehreru) überlieferten Lehrsätze, betrachtet werden ^). 
Dieses Werk hatte R. Juda mit der Zustimmung und Unter- 
stützung sämmtlicher gleichzeitiger Gesetzeslehrer zu Stande gebracht ; 
denn von allen Seiten waren Jünger nach dem Lehrhause R. Juda's 
zu Sephoris geströmt^), und auch die grössten Lehrer Babyloniens 
waren nach Palästina gewandert und hatten an der Vollendung dieses 
grossen Werkes theilgenommen *). Vor Allen sehen wir den grossen 
R. Chija aus Kafri nach dem heiligen Lande ziehen, der als vorzüg- 
lichster Jüngergenosse R. Juda's nicht nur bei der Mischna-Redaction 
mitthätig war, sondern auch die von dem Patriarchen sanctionirten 
erklärenden und erläuternden Zusätze zu dem Mischna-Texte (Tosifta's) 
verfasste ^). 

Diesem R. Chija war auch sein junger Neöe Abba Aricha ge- 
folgt *') und von ihm zum zukünftigen Lehrer Babyloniens heran- 



1) cf. Rapoport, Erech Miliin, p. 217 f. 

-) cf. Epist. Scher. 1. c. p. 4 Maimonides, Praefatio ad Seraim. Ueber 
Emora (st.ds) cf. Rapoport 1. e. p. 115 ff. und Fih'st, Kultur- und Literatur- 
geschichte der Juden in Asien I, p. 278 ff., wo die verschiedenen Er- 
klärungen über dies Wort zusammengetragen sind. 

3) •j''-:-3^i', Safurin. Ritter, Erdkunde X, 317. Dort hatte R. Juda um 
175 seinen Wohnsitz aufgeschlagen und 17 Jahre dort gelebt (Jerusch. 
Kilaim IX, 4). Ueber die Lage dieser Stadt cf. Schwarz, das heilige 
Land S. 45; Ritter Erdkunde X, 389. 

"') Es waren -zu dieser Zeit so viele Babylonier in Sephoris, dass sie 
sich eine besondere Synagoge bauten, die den Namen \s'7am Nnti'':^, Syna- 
goge der Babylonier, führte, cf. Frankel, Introductio in Talmud Hiero- 
solymitanmn p. 4a 

5) cf. Epist. Scher. 1. c. p. 6. R. Jacob Chagis, Vorrede zu seinem 
Mischna- Commentar und R. Joseph Kolon, Kelale Gemara, letztere beide 
cit. in der Einleitung in den Talmud. 

ö) Pesachim 4a, Syhedrin 5a Dieser Abba war wahrscheinlich aus 
Kafri, wo auch sein Vater A'ibo wohnte, (cf 1. c), und ward Avegen seiner 
hohen Statur ns^in = -iTiNn genannt, wodurch er von vielen Andern 
gleichen Namens, von denen sogar Einer (Abba b. Ghana) ebenfalls aus 
Kafri war, unterschieden wurde (Nidda 24b). Nach Fürst (L. B. d. Cr 



— 13 — 

gebildet worden. In der Schule R. Juda's finden wir auch Levi b. 
Sisi, den Lehrer Srimuels, der, ebenso wie R. Oschija, Bar Kapparä 
und Andere, Traditionslehren sammelte, die in der Mischna keine 
Aufnahme gefunden, und deswegen Baraitha's genannt wurden i), 
welchen Namen man überhaupt ausser der Mischna R. Juda's allen 
von Gesetzeslehrern verfassten Werken beilegte, um damit zu be- 
zeichnen, dass diesen keine solche Autorität, wie der Mischna, ein- 
geräumt werden dürfe 2). 

Diesem Zuge der Auswanderer nach Palästina schlössen sich 
auch Abba b. Abba und sein Sohn Samuel [an ^). Letzterer ward, 
sowie seine andern Genossen jungen Alters, nicht unmittelbarer 
Schüler R. Juda's, sondern sass zu Füssen älterer ausgezeichneter 
Schüler des Patriarchen. Ausser seinem ehemaligen Lehrer Levi 
genoss er noch des Unterrichtes von R. Chanina b. Chama, der 
später von R. Juda zu seinem Nachfolger als Schuloberhaupt ernannt 
wurde*). Bei diesem letzteren, der zu seiner Zeit als Arzt berühmt 
war, lernte auch Samuel die Arzneikunde, und, wie es scheint, hatte 
er bei dem Eifer, mit dem er sich auf diese Wissenschaft legte, 
schon nach einigen Jahren seinen Meistern tibertroffen und sich als 
Chakim grossen Ruhm erworben ^). 

Indem er, der Ansicht seines Lehrers folgend, die Quelle aller 
Krankheiten in dem schädlichen Einflüsse der Luft auf den mensch- 
lichen Organismus suchte und der damals allgemein selbst in intelli- 
genten Kreisen herrschenden Meinung, dass in der nachtheiligen 
Einwirkung des „bösen Blickes" der Entstehungsgrund der meisten 
Krankheiten liege, aufs Entschiedenste entgegentrat ^), wusste er auch 

1847. No. 2) soll er aus Areka, einer Stadt in Susiana, seiu. Demnach 
müsste auch Levi aus Areka gewesen sein, da man von ihm sagt: (Sab- 
bat 59a) Nans Nm n-i3;i nh«. Aliein die Richtigkeit dieser Erklärung ist 
unwahrscheinlich, (cf. Genesis Rabba cap. 97, -jUNn ^d^'' ^ai.) 

1) Kethuboth 53b und Raschi das. Jerusch. Horajotli III, 8 u. a. 
Stellen. 

2) R, Samuel ha-Nagid, Einleitung in den Talmud, s. v. sn"i3 . 

3) Jerusch. Baba mezia IY,i ibid Pesachim V,2 und Note C. IV. 

4) Kethuboth I03b, Anhang, Note C. III, 

5) Baba mezia 86a, Sabbat 129a. aon wurden wahrscheinlich schon 
damals die Aerzte im Morgenlande genannt, cf. Rapoport, Bikkure ha- 
Ittim YIII, p. 15 

C) Baba mezia i07b, Jerusch. Sabbath XIV, 3, Leviticus rabba 
cap. 16; cf. Plinius, Bist, Nafc. VII, 2. 



— 14 — 

die Mittel ausfindig zu machen, durch welche man dem eingetretenen 
Uebel entgegenwirken könne und er rühmte sich, bei weitem die 
meisten Krankheitsfälle heilen zu können i). Es werden auch in der 
That viele Aussprüche von ihm in den beiden Talmuden mitgetheilt, 
die auf seine ausgebreitete Kenntniss in der Arzneikunde schliessen 
lassen-). Besonders ausgezeichnet hat er sich in der Augenheilkunde, 
in der er schon früh seine Meisterschaft dadurch bewährte, dass er 
eine langwierige Augenkrankheit des Patriarchen geheilt und dabei 
eine besondere Geschicklichkeit bewiesen hat^). Eine von ihm er- 
fundene Augensalbe war unter dem Namen Kollyrin de-Mar Samuel *) 
weit und breit bekannt und gesucht, wiewohl er selbst lehrte, dass 
des Morgens die Augen mit kaltem Wasser zu waschen und des 
Abends Hände und Füsse in warmem Wasser zu baden besser sei, 
als alle Augensalben der Welt^). Viele von ihm ausgesprochene 
diätetische Regeln und Verwahrungsmittel vor allerlei Krankheiten 
sind noch heute schätzenswerth und zeigen zur Geniige, dass sein 
Wissen in der Medicin ein gründliches und methodisches war % Gleich 
seinem Lehrer R. Chanina pflegte er öfters anstatt der Unterschrift 
seines Namens einen Palmzweig zu zeichnen^), welches Zeichens sie 
als Aerzte wahrscheinlich deswegen sich bedienten, weil der Dattel- 
saft in jener Zeit im Orient als Universalmittel galt und auch von 
Samuel bei mehreren Krankheiten als Heilmittel gebraucht wurde ^). 
Obgleich Samuel die Arzneikunde und andere mit derselben in 
Verbindung stehende Wissenschaften eifrigst pflegte, so war er dennoch 

1) Baba mezia 113b. 

2) Eine Auswahl dieser Aussprüclie hat Rapoport in Bikkure ha- 
Ittim. Jahrg. Vül, p. 15 ff. geliefert. 

3) Baba mezia 85h; cf. Anhang, Note C, IV. 
''') Snidu» ^o•7 Trhp. -jmSp = y.oXXvQuuv. 

') Sabbath 78a, 108b und lölb. 

") Sabbath ila, 78a, 108b, 129a, 133b, 147b, 151b, 152b. Joma 83b. 
Kethuboth UOb. Nedarim 41a, 54b, 81b. Aboda sara 28b, 30a ff. Nidda 
13a, 17a und 81b. 

Uebertalmudische Medizin, vergl, die in Fürst's Kultur- und Literatur- 
geschichte der Juden in Asien I, S. 51, Anmerk. 58 angeführten Werke 
und ausserdem biblisch- taimudische Medicin von R. J. Wunderbar, Riga 
und Leipzig, und Cohn, de medicina talmudica und Brecher, Magie und 
magische Heilarten im Talmud. 

7j Gittin 87b. Jerusch. das. IX, 14» Baba batra 161b. 

8) Rapoport 1. c. p. 17. 



— 15 — 

selbst in der Gesetzeskunde nicht hinter seinen Kollegen zurückge- 
blieben. Er lag seinen Studien mit solchem Eifer und Fleisse ob, 
dass er, ungeachtet seiner anderweitigen wissenschaftlichen Beschäftig- 
ungen, dennoch bald zu den Gesetzeslehrern ersten Ranges gezählt 
wurde. Nach einem Berichte soll gar der Patriarch R. Juda schon 
damals sich bestrebt haben, ihm die Ordination zu ertheilen, aber 
durch Umstände daran verhindert, von Samuel selbst bewogen worden 
sein, sich nicht mehr um diese Angelegenheit zu bemühen, da es im 
Buche Adam's geschrieben stehe: Samuel soll nur Chakim aber nicht 
Rabbi genannt werden ^j. Wegen seines ausserordentlichen Fleisses 
und unermüdlichen Eifers in seinen wissenschaftlichen Bestrebungen 
wurde ihm der Zuname Schoked (der Wachende, d. h. der Fleissige) 
beigelegt^). 

Nachdem Samuel sich einen reichen Wissensschatz erworben 
und die neugeschaffenen Werke der palästinensischen Gelehrten zu 
seines Geistes Eigenthum gemacht hatte, verliess er, wahrscheinlich 
zu gleicher Zeit mit seinem Vater, das heilige Land und eilte seiner 
Heimath zu, um da seine Wirksamkeit zu beginnen. 

1) Baba mezia 86a. Der Sinn der Worte Samuels ist: Es ist schon 
längst von der Vorsehung so bestimmt worden, dass ich nicht Rabbi ge- 
nannt werden soll. Es wird hierbei auf eine Agada (Aboda sara 5a) an- 
gespielt, nach welcher Gott dem Adam alle Geschlechter sammt ihren Weisen, 
Lehrern und Leitern voraus gezeigt hätte/ 

-) Jerusch. Kethuboth IV, 2. In Babli (ibid. 43b.) heisst er yp^ 
ebenso in der Mischna (Aboth II, 20) min tio'pS iipw^in und es ist nicht 
nöthig, wie Frankel (Introd. in Hieros. p. 124b) meint, ipw zu emendiren. 
A. Krochmal (1. c, p. 76) und Jost (1. c.) übersetzen npity mit Astronom; 
allein aus vielen Stellen des Jerusch. ist ersichtlich, dass ipw gleich- 
bedeutend ist mit dem in Mischna Sota IX, 15, erwähnten D''nptt'n (cf: die 
Commentare das.). Vergl. z. B. Jerusch. Nedarim VIII, 3, ^ntj; p naca 
nv'JT Toyts» v; ip\& lay nb D''jiptt'n •''jwa woraus unzweideutig hervorgeht, dass 
ip'w der Fleissige bedeutet, (cf. Aruch.) 



IL 

Während in Palästina die gedrückte Lage der Juden, die oft 
kaum den nothdtirftigen Lebensunterhalt den ungünstigen Verhält- 
nissen abringen konnten., den Weisenjüngern die Pflicht auflegte, 
erst in vorgerücktem Alter nach vollständiger Beendigung ihrer Studien 
ein Ehebtindniss zu schliessen, um nicht durch quälende Nahrungs- 
sorgen in ihrer Geistesthätigkeit gehemmt zu werden, war es bei 
den in Reichthum und Wohlstand lebenden babylonischen Juden 
allgemeine Sitte, schon vor dem zwanzigsten Lebensjahre in den Ehe- 
stand zu treten ^), und es war der Fall nicht ungewöhnlich, dass ein 
dem Gesetzesstudium obliegender Babylonier als Gatte und Familien- 
vater seine Heimath verliess und nach Palästina wanderte, um dort 
sein Studium zu vollenden ^). Auch Samuel wurde bald nach seiner 
Rückkehr aus Palästina eine treue Lebensgefährtin zur Seite gestellt ^), 
aber er war nicht Willens, diese zu verlassen und in die Ferne zu 
ziehen, sondern er beabsichtigte, in seiner Heimath seine wissen- 
schaftlichen Studien fortzusetzen. Neben der Uebung der Arznei - 
und Gesetzeskunde legte er sich noch hauptsächlich auf die Astro- 
nomie, jene Wissenschaft, welche den anregendsten Eindruck des 
Erhabenen auf die menschliche Einbildungskraft hervorzubringen im 
Stande ist und den Staubgeborenen zur Bewunderung der Grösse und 
Allmacht des Weltenschöpfers hinreisst. 

Babylonien war schon in uralter Zeit die Heimath der Sternen- 
kunde gewesen. Kein anderes Land hatte, wie dieses, dem beob- 
achtenden Forscher einen weiten ungehemmten Blick über ausgedehnte 
Ebnen und in einen klaren von keiner Wolke getrübten Himmel ge- 
stattet und die Pflege dieser Wissenschaft so ausserordentlich be- 

1) Rapoport, Erech Miliin, p. 226. 

2) Gittin 6b und viele andere Stellen. 
3j Oben Anm. 17. 



— 17 — 

günstigt. Die Bewohner dieser Gegenden haben auch wirklich mehr 
als andere Völker mit astronomischen Beobachtungen sich beschäftigt 
und wegen ihrer Kenntnisse auf diesem Gebiete in hohem Ansehen 
gestanden. Von der Stadt Nehardea, dem Wohnorte Samuels, wird 
uns von Plinius besonders berichtet, dass sie der Sitz der Hipparener, 
einer berühmten Secte der chaldäischen Weisen, gewesen sei ^). In 
diesen Regionen mögen auch die Juden sich mit der astronomischen 
Wissenschaft befreundet und vielfache Kenntnisse in derselben er- 
worben haben, die besonders bei dem Patriarchenhause in Palästina, 
das aus diesem Lande stammte, sehr bedeutend erscheinen % und 
hier pflegte auch Samuel mit gewohntem Eifer diese erhabene Wis- 
senschaft. 

Während aber bei den Chaldäern, wie überhaupt bei den meisten 
Völkern im Alterthume, die Sternkunde mit der Astrologie, jener 
trügerischen Wissenschaft, die aus der Stellung der Gestirne das 
Schicksal des Menschen vorhersagen zu können vorgibt, enge ver- 
knüpft war, ja durch diese letztere erst ihre eigentliche Bedeutung 
erhalten hatte, wurde ihr bei den Juden eine viel höhere Weihe ge- 
, geben. Das Studium dieser Wissenschaft wurde für eine religiöse 
Pflicht erklärt, weil sie zur Brkenntniss der göttlichen Allmacht und 
Allweisheit führt. Bar Kappara. einer der vorzüglichsten Schüler 
R. Juda ha-Nasi's, lehrte: Wer den Lauf der Gestirne zu berechnen 
weiss und dies zu üben unterlässt, auf den ist der Ausspruch des 
Propheten zu beziehen : „Die Werke Gottes schauen sie nicht und 
seiner Allmacht Schöpfungen betrachten sie nicht (Jesajas V, 12 % 
In demselben Geiste lehrten auch andere Gesetzeslehrer, dass es ver- 
dienstlich sei, astronomische Beobachtungen anzustellen *). Die Worte 
dieser Lehrer beherzigend, beschäftigte sich auch Samuel hauptsäch- 
lich nur um des erhabenen Zweckes willen mit der Sternkunde und 
pflegte nur die wissenschaftliche Seite derselben. Er verkehrte wohl, 
um sein Wissen zn vermehren, mit heidnischen Astrologen, hatte sogar 

1) Plinius, Historia naturalis 6, 30: Sunt etiamnum in Mesopatamia 
oppidum Hipparenum Chaldeorum doctrina darum e. c. Dies Hipparenum 
identificirt Mannert (Geographie der Griechen und Römer V, 2. S. 28Gj 
mit Recht mit Nehardea. 

2) cf. Rosch ha-Schanah 25a. 

3) Sabbath 75a. 

■*) R. Johanan (I. c.) und Rab (Jerusch. das.) 



— 18 — 

einen Astrologen, Namens Ablat, zum vertrauten Freunde i); äusserte 
sich jedoch tadelnd über diejenigen seiner Glaubensgenossen, welche 
sich auf die Afterwissenschaft der Sterndeuterei legten, indem er 
sprach: Bei den Astrologen, die stets nach dem Himmel schauen, 
wird man keine Gesetzeskunde finden^). Er widersprach auch ent- 
schieden der Ansicht der Sterndeuter, dass die Geschicke aller Men- 
schen durch die Stellung der Gestirne unabänderlich bestimmt seien ; 
er lehrte im Gegentheil, dass es in der Macht des Menschen stehe,, 
sich dem über ihn verhängten Unglück, das die Astrologen aus den 
Constellationen herauslesen zu können vorgaben, durch gute und 
gottgefälHge Thaten zu entziehen und suchte auch seinen Freund 
Ablat durch vorgeführte Thatsachen von dieser seiner jüdischen An- 
schauung zu überzeugen ^).{ 

Wie hoch Samuels Kenntniss in der astronomischen Wissen- 
schaft anzuschlagen ist, lässt sich nicht genau bestimmen, da ausser 
den zahlreichen Lehren und Aussprüchen in den beiden Talmuden, 
von denen aber nur wenige in das Gebiet der Sternkunde einschlagen 
keine schriftlichen Werke von ihm auf uns gekommen sind; ja es 
hat sich nicht einmal eine zuverlässige Kunde erhalten, dass er auf 
astronomischem Gebiete literarisch thätig war. Es werden ihm zwar 
zwei Werke zugeschrieben, aber bei der Barailha de-Samuel, in welche 
uns seit vor mehreren Jahren der Einblick ermöglicht wurde *), hat 

1) Sabbath 129a, Abodah sara 30a. cf. Rapoport, Erech Miliin p. 3, 
Dieser Ablat verkehrte auch mit Levi, dem Lehrer Samuels, cf. Jerusch 
Sabbath III, 4. 

2) Deuteron, rabbah VIII, anspielend auf den Vers: (Deuteron 30, 12. 
„Sie ist nicht im Himmel." Vergl. hierüber R. Lewa aus Prag im Nethi- 
both Olam, rmnn nTiJ cap. XIV. 

3) Sabbath 156b. Schon ein älterer babylonischer Lehrer, der bereits 
(Seite 8) erwähnte R. Joseph ha-Babli hatte gelehrt, dass in den Worten 
der Schrift: (Deuteron. 18, 13) Du sollst aufrichtig wandeln mit dem 
Ewigen, deinem Gotte, das Verbot enthalten sei, sich von den Chaldäern 
nie Zukunft wahrsagen zu lassen, da dies von Mangel an Gottvertrauen 
zeugt. (Pesachim 113b.) 

*) Die von mittelalterlichen Autoren öfters angeführte bt^iam Nn^ni 
(bei Nachmanides zu Hiob 26, 13 Baraitha schel Sod ha-Ibbur genannt), 
von der neun Abschnitte unter dem Titel ppn bHv:)m .sn^na zu Salo- 
nichi 1861 in Druck erschienen sind, spricht vom Jahre 4536 mundi (776 
n. ü. Z.) und ist um diese Zeit verfasst Avorden. cf. Zunz in Steinschnei- 
ders hebräische Bibliographie V, S. 15. 



— 19 - 

es sich herausgestellt, dass sie viel späteren Ursprungs ist, und es 
lässt sich mit Bestimmtheit annehmen, dass wir es bei dem andern 
Samuels Namen tragenden Werke ebenfalls mit einer Pseudepigraphie 
zu thun haben ^). 

Dass er aber in der Kenntniss der Weltkörper und ihrer Be- 
wegungen sich besonders ausgezeichnet hatte, geht aus folgenden von 
ihm gesprochenen Worten hervor; „Die Himmelsbahnen sind mir so 
bekannt, wie die Strassen Nehardea's ; dennoch aber vermag ich nicht 
die Natur der Kometen und ihre Bewegungen zu ergründen; nur so 
viel ist bei mir gewiss, dass ein Komet nie den Orion überschreitet, 
denn geschähe dies, so würde die Welt zerstört werden. Wenn wir 
auch manchmal sehen, dass einer ihn überschreitet, so ist dies nur 
eine optische Täuschung, indem uns das von dem Kometen aus- 
strömende Licht als der Stern selber erscheint*)." Noch manche 
andere Lehren und Aussprüche von ihm zeugen dafür, dass er mit 
wissenschaftlichem Geiste die Phänomene des Himmels zu erklären 
suchte ^), und es ergiebt sich hieraus mit Gewissheit, dass er in der 
Astronomie mit seiner Zeit gleichen Schritt hielt oder gar derselben 
voraus war. 

Besonders verdient hatte sich Samuel dadurch gemacht, dass er 
denjenigen Zweig der praktischen Astronomie, welcher die Kalender- 
kunde ausmacht, besonders pflegte und die Kenntniss desselben in 
Babylonien verbreitete. Dieser für das religiöse wie für das bürger- 
liche Leben so wichtige Wissenszweig konnte zwar damals nur in 
Palästina, wo allein die Bestimmung der Monatsanfänge und Ein- 
setzung der Schaltjahre zulässig war*}, praktische Anwendung finden; 

1) Es soll noch von Samuel verfässt worden sein. Sedor ha-Teku- 
photh, befindet sich handschriftlich im Vatican (Cod. 387 no. 17); cf. Zunz, 
gottesdienstliche Vorträge S. 93 und Bartolocci, Bibliotheca rabbinica IV 
p. 388. 

2) Berachoth 58b. la'? sjjnnn ^'j^atrs H'^om •''j^ty '<b yrni 'jNioty idn 

.in^N "135)13 ''tnnDT iivt «i!i ''T'"i''t Pnsp pMn «p sm 

3) cf. Synhedrin 12b, Erubin 56a, Berachoth 58b ff und Sabbath 129b. 

4) Sanhedrin Hb, Jerusch. Nedarim VH, 8. Nur im Nothfalle durften 
auch im Auslande von hierzu Befähigten Kalenderbestimmungen getroffen 
werden. Das Verfahren Chanania's, des Neffen R. Josua's, der in Baby- 
lonien Monatsanfänge und Schaltjahre bestimmte, wurde auch von allen 
Seiten strenge gerügt. (S. oben Anmerk. 10.) 



_ 20 — 

wurde aber dennoch bald durch die Anregung Samuels auch bei den 
babylonischen Gesetzeslehrern Gegenstand eifrigen Studiums. 

Die Bestimmung des Monatsanfangs (Rosch Chodesch), von 
welchem auch die Festtage abhängig waren, erfolgte zu jener Zeit 
da noch das Sanhedrin, mit dem Patriarchen an der Spitze, in Pa- 
lästina seinen Sitz hatte, immer an dem Tage, an welchem der neue 
Mond als schmale Sichel am Himmel zum ersten Mal nach dem Neu- 
monde sichtbar wurde. Dies letztere musste durch Zeugen vor dem 
Patriarchen und seinem Collegium angezeigt werden, welche einer- 
seits um die Zeugenaussagen prüfen zu können, anderseits um auch 
dann, wenn der Mond nicht zur gehörigen Zeit von Zeugen gesehen 
würde, keine Unordnung im Kalenderwesen eintreten zu lassen, so- 
wohl in der Berechnung des jedesmaligen Neumondes (d. h. des Zeit- 
punktes, in welchem der Mond in Conjunction mit der Sonne tritt) 
als auch in der Kenntniss der Zeit, in welcher nach jedem Neu- 
monde das Sichtbarwerden des Mondes zuerst möglich wird, wohl 
erfahren sein mussten ^}. Sobald der Anfang eines neuen Monats 
angeordnet war, wurde dies durch Sendboten allen jüdischen Gemeinden 
angezeigt. Diejenigen Gemeinden aber, die von Palästina so weit 
entfernt waren, dass zu ihnen kein Bote vor dem Eintritt des Feier- 
tages gelangen konnte, blieben über die wahre Feiertagszeit in Zwei- 
fel und mussten zwei Tage statt eines feiern ^). Die Regeln , welche 
das Sanhedrin bei allen Kalenderbestimmungen befolgte, sowie die 
astronomischen Berechnungen, die hiezu gehörten, wurden, unter 
dem Namen Sod ha-Ibbur (Kalendergeheimniss), nur ordinirten Gesetzes- 



1) cf. Maimonides, Jad ha-Chasakah h. Kiddusch ha- Chodesch 
cap. 1 und 18. Obwohl bei dieser Berechnung des Zeitpunktes, in dem 
der neue Mond sichtbar zu werden anfängt, die Zeugen ganz überflussig 
waren, so wollte doch ein traditionelles Gebot die Zeugenaussagen wo- 
möglich angewendet wissen und gestattete nur im Nothfalle die Bestim- 
mung des Monatsanfangs auf Grund der blossen Berechnung. Diese Be- 
rechnung ist aber verschieden von der später von Ilillel II. eingeführten 
Kalenderordnung, welche den Abstand von einem Neumond bis zum 
andern nach der mittlem Dauer des synodischen Monats berechnete. 

2) Bezah 4b und viele andere. 



- 21 - 

lehrern anvertraut ^). Sie waren ausserdem noch in einer Baraitha 
in kurzen und dunkeln Andeutungen aufgezeichnet 2). 

Samuel hatte nun durch seine astronomischen Studien über die 
Bewegungen des Mondes die uöthige Kenntniss erlangt und konnte 
vor seinen Kollegen die Behauptung aussprechen, dass er den Juden der 
Diaspora den Monatsanfang jedesmal, wie er in Palästina festgesetzt 
wird, anzeigen und so die doppelten Feiertage ersparen könnte 3). 
Wiewohl er die ihm darauf von Abba, dem Vater des berühmten 
Agadisten R. Simlai*), vorgelegten Sätze aus der Baraitha de Sod 
ha-Ibbur nicht zu enträthselu vermochte und von diesem die Bemerkung 
vernahm, dass er noch vieles Andere aus dem Sod ha-Ibbur, ebenso 
wie dieses, nicht verstehe^}; so wusste er dennoch einen Kalender 
auf sechzig Jahre anzufertigen, und er schickte diesen später dem 
Haupte der palästinensischen Lehrer, R, Joehauan, um ihm seine 
Ueberlegenheit zu zeigen <'). Jedoch hat er nie daran gedacht, diesen 

1) Kethuboth 112a. Der Grund der Geheimhaltung dieser Lehren ist 
angegeben von R. Serachjah ha-Levi, Maor, Rosch ha-Schanah Ab- 
schnitt I und von R. Mordechai Jafah, Lebusch ha-Chur § 427. 

2) Rosch ha-Schanah 20b. 

3) Das. nach der Erklärung Raschi's; anders R. Abraham ha-Nasi 
in Sefer ha-Ibbur Th. II porta 5; cf. Asarjah de Rossi, Meor Enajim, 
Anhang. 

•^) Aus dieser Stelle ist ersichtlich, dass R. SimlaT aus Nehardea war. 
In Pesachim 62b muss daher vnnn inmoi ii^o hnt in n'ja pmoi y-iini}:^ nn-, 
emendirt werden. Jerusch. das. hat die richtige Leseart pmoi \sv~in3 hnt 
.r,h R. Simlai war demnach zu Nehardea gebürtig und siedelte nach 
Lydda über, und ist hiernach Graetz, Geschichte der Juden, B. IV 
2. Auflage, S. 265 zu berichtigen. 

ö) Die von Abba gefragten dunkeln Sätze wurden später von dem 
nach Palästina gegangenen Babylonier R. Seira erklärt. Aber diese im 
Talmud (Rosch ha-Schanah 20b) sich befindende Erklärung ist noch so 
dunkel, dass die Commentare darüber in viele verschiedene Auslegungen 
auseinandergehen, cf. Raschi und Maor das. Kosari II, 20, Ihn Esra, 
Iggereth ha-Schabbath porta II; bes. aber R. Isaac Israeli im Jesod 
Olam IV, 8. 

**) Cholin 95b. Dieser Kalender enthielt wahrscheinlich die Festordnung 
wie sie damals vom palästinensischen Sanhedrin gewöhnlich festgesetzt 
wurde, die sich bekanntlich in der Bestimmung der Monatsanfänge nach 
dem Sichtbarwerden des neuen Mondes richtete. Er war daher nicht so 
eingerichtet wie der später von Hillel II. angeordnete. Doch bedarf dies 
noch einer eingehenden Untersuchung, da sich Manches dagegen einwen- 



— 22 — 

Kalender zu veröffentlichen, weil er, so lange noch eine oberste 
religiöse Behörde in Palästina bestand, das einzige Band, das noch 
die Juden an ihre ehemalige Heimat knüpfte, die Abhängigkeit 
von derselben in der Festordnung, nicht zerreissen wollte i). Dennoch 
aber unterliess er nicht Kollegen und Schüler in der Kalerderkunde 
zu unterweisen und die babylonischen Juden haben durch ihn die 
ersten Kenntnisse in dieser Wissenschaft erlangt 2). Unter Andern 
lernten sie auch von ihm die Dauer des Sonnenjahres auf 365 Tage 
und 6 Stunden bestimmen ^), wesswegen auch diese Bestimmung der 
Jahreslänge , obschon beim Sanhedrin in Palästina von jeher gebräuch- 
lich *), bei den babylonischen , sowie später bei den occidentalischen 
Juden den Namen Tekufah de Mar Samuel führte^). 

den lässt. cf. Maimonides Jad ha-Chasakah h. Kiddusch ha-Chodesch 
cap. 18. 

1) Dass er nie wie Krochmal und Jost irrthümlich glauben, die Absicht 
gehabt, seinen Kalender zu veröffentlichen und dass sein Spruch: nj^'3'' 
'131 ''Jipn'p nicht mit der Absicht verbunden war, durch einen festen Ka- 
lender den zweiten Feiertag zu beseitigen, geht schon daraus hervor, 
dass Samuel den zweiten Feiertag so heilig gehalten wissen wollte, wie 
den ersten und dessen Entweihung streng ahndete (Pesachim o2a). (cf. 
Israeli 1. c.) 

2) Wegen der ausgezeichneten Kenntniss, die Samuel in der Kalen- 
derkunde besass, die ihm sogar das Geheimniss der Bestimmung der 
Monatsanfänge offenbarte Omn ny 3p;i ••pa) legte man ihm den Namen 
Jarchina'ah fnNj^m\) bei. (cf. Baba mezia 85b.) 

3) Erubin 66a. 

*) cf. Asarjah De Rossi, Meor Enajim III, 40 und Scaliger, Isagogi- 
corum chronol. canonum p. 282 ff. 

5) Diese Tekufah ist zwar selbst nach dem jüdischen Kalender nicht 
ganz genau berechnet, indem nach derselben 19 Sonnenjahre, die nach 
dem Hillerschen Kalender 235 Monaten entsprechen sollten, dieselben 
um 1'*^ Vi 080 Stunden übersteigen, jedoch war dies Samuel keineswegs 
verborgen, er wollte nur eine bequemere Zahl annehmen, da sie zu seiner 
Zeit noch brauchbar war (cf Abraham Ibn Esra, Commentar zu Exod. 
12, 2 und Iggereth haschabbath porta I.) Später hat ein gewisser Rab 
Adda diesen üeberschuss in 19 Theile getheilt und einen solchen Theil 
von 365 Tagen und 6 Stunden abgezogen und demnach die Länge des 
Sonnenjahres auf 365 Tage 5 Stunden ööws/g^.^ Minuten reducirt, so dass 
19 Sonnenjahre genau so viel als 235 Monate zu 29 Tagen 12 Stunden 
44Vi8 Minuten betragen und diese Jahresdauer wird Tekufah de Rab 
Adda genannt. Doch ist die Tekufah de Mar Samuel hierdurch nicht 
ganz verdrängt worden; manche Bestimmungen in Bezug auf die Liturgie 



- 23 - 

Obgleich Samuel in das Studium der Astronomie und Kalender- 
kunde sich tief versenkt hatte , so war dennoch sein eifriges Streben 
und seine lebhafte Theilnahme in noch viel grösserem Masse dem 
Gesetzesstudium zugewendet, für welches gerade um diese Zeit in 
Babylonien eine neue Aera anbrach. Die begabtesten babylonischen 
Schüler ß. Juda's strebten nach der Vollendung der Mischna ihrem 
Heimatslande zu und führten das in diesem Werke verkörperte viel- 
hundertjährige Geistesstreben des jüdischen Volkes nach Babylonien, 
-damit der Lebensbaum des Gesetzes, nach diesem Lande verpflanzt, 
neue edle Früchte reife und zeitige. Unter diesen zurückgekehrten 
Schülern R Juda's sind hervorragend: R Abbab. Ghana *) und besonders 
•der später heimgekehrte ausgezeichnete Jünger ß. Juda's Abba 
Aricha^), beide vom Patriarchen autorisirt, Recht zu sprechen und 
religionsgesetzliche Fragen zu entscheiden ^). Letzterem, der im 
Jahre 189 n. ü. Z. nach Babylonien zurückkehrte, war sein grosser 
Ruf vorausgegangen und Samuel war begierig, mit diesem berühmten 

haben noch diese zur Grundlage, (cf. Tur und Schulchan aruch, Orach 
Chajim § 117 und § 229.) 

1) Sanhedrin 5a. Diese Stelle ist merkwürdigerweise von Frankel 
ignorirt worden, der ohne Weiteres behauptet (Introd. in Hieros. p. 57b): 
R. Abba b. Chanah wäre gar nicht nach Palästina gezogen Dieser R. 
Abba wurde oft fälschlich R. Abba b. b. Chanah genannt, welchen Namen 
sein Sohn führte, (cf. Cholin 8b, 44a, Jerusch. Baba mezia V, 7.) Viel- 
leicht ist es dieser R. Abba, von dem Seder Tanai'm erzählt: sa.s'T ns nijdi 
^ana nmti> isn;iD (Kerem Chemed IV, p. 186). Jedenfalls ist die ganze 
Stelle dort im Widerspruch mit den Berichten Scherira's. Rapoports 
(Erech Miliin, p. 139) Versuch, denselben auszugleichen, kann nicht als 
gelungen bezeichnet werden. 

2) cf. Anhang, Note A, VII. Abba Aricha ist nach meiner Annahme 
etwa um fünf Jahre später als Samuel zurückgekehrt, und hat in 
Palästina wahrscheinhch keinen Umgang mit diesem gepflogen, da er R. 
Chija, Samuel aber Levi und R. Chanina zu Lehrern hatte. Wenn die 
Annahme Maimonides' (Vorrede zu Jad ha Chasakah), dass auch Rab 
Schüler des R. Chaninah war, begründet ist, so muss dies später einige 
Jahre vor seiner Abreise gewesen sein, wo wir ihn auch wirklich im 
Verkehr mit R. Chaninah finden. (Joma 87b). 

3; Sanhedrin 5a; Jerusch. Pea VI, 3; Sotah IX, 2; Nedarim X, s; 
Rab erhielt eine etwas beschränktere Autorisation als R. Abbab. Chanah, 
nach dem Talmud, um letzterem bei seinen Landsleuten Ansehen zu 
verschafl"en, was bei Rab nicht nöthig war, da er ohnedies bei den Baby- 
loniern in hohem Ansehen stand. 



— 24 — 

Manne in nähere Verbindung zu treten, und dies um so mehr, als 
er von seinem Freunde Karna, der auf seinen Wunsch dem Abba 
entgegengezogen war und einige halachische Fragen an ihn gerichtet 
hatte, diesen Ruf bestätigen hörte. Glücklicher Weise fand sich 
sogleich die Gelegenheit hierzu. Abba war nämlich erkrankt nach 
Nehardea gekommen. Samuel Hess ihn in sein Haus bringen, wo 
er, von seinen medicinischen Kenntissen Gebrauch machend, dessen 
Gesundheit bald wieder herstellte und ein inniges Freundschafts- 
bündniss mit ihm schloss ). 

' Diese beiden Männer, zu denen später der im Jahre 195 aus 
Palästina nach Nehardea gekommene Levi, der ehemalige Lehrer 
Samuels, sich noch gesellte'-^), entwickelten bald eine rege Thätigkeit 
für die Verbreitung des Gesetzesstudiums. Während Abba, allgemein 
mit dem Ehrennamen Rab (Lehrer^) genannt, in dem Lehrhause zu 
Nehardea, dem R. Schela*) als Rasch Sidra (Haupt des Lehrhauses •^) 



1) Sabbath 108a. Es wird daselbst noch erzählt, daas Abba durch 
die heftigen Schmerzen, die ihm die Arzneien verursachten, gegen 
Samuel so aufgebracht war, dass er in seiner Aufregung- einen Fluch 
gegen ihn aussprach; aber er bereuete bald seinen Zornausbruch und 
suchte später sein Unrecht dadurch wieder gut zu machen, dass er 
Samuel stets mit der grössten Hochachtung begegnete, (cf. Megillah 22a 
Baba kam. 80a.) 

2) Sabbath 59b, cf Raschi das. und Anhang Note A VH. Rab war 
auch in dieser Zeit noch einmal nach Palästina gezogen und von da 
erst nach dem Tode R. Juda's, 193, zurückgekehrt, (cf Jerusch Peah 
VI, 3; Sotah IX, 2; Nedarim 10, 8). 

3) cf Aruch, Art. ■''»a«. 

^) Dieser Rabbi Scliela darf nicht mit dem in Jebamoth 121a ge- 
nannten Rab Schela identificirt werden, wie dies bei Fürst (Kultur und 
Literatur -Geschichte der Juden in Asien I, S. 91) irrthümlich geschieht, 
denn der letztere war Rab und Samuel untergeordnet. Ob aber dieser 
R. Schela derselbe ist, der nach Berachoth 58a von der Regierung zum 
Richter ernannt wurde, ist schon von mehreren Chronograplien als zweifel- 
haft hingestellt werden. 

5) Epist. Scher, p. 15. Daselbst wird erzähle dass R. Schela pma nwi 
nach einer andern Leseart imT Ntrn) war, was damals in Babylonien 
NiiD w-i genannt wurde. ]3ai3 strn muss in ]jm ^n li-n emendirt werden, 
da pn-i ^3 der populäre Name für die Lehrhäuser war (Megillah 28b). 
Der Name Sidra war mehr in Palästina gebräuchlich und ist erst durch 
die aus Palästina gekommenen Gesetzeslehrer in Babylonien eingebürgert 
worden, (cf Jerusch. Pesachim I, 1; Kilajim HI, l;i Es wurde auch 



- 25 — 

vorstand, als Bmora fimgirte und so zuerst als Erklärer der schon 
damals zu öffentlichen Vorträgen gebrauchten Mischna auftrat ^ ) , war 
Samuel, dem Beispiele Levis folgend 2), mit dem Sammeln der ihm 
von verschiedenen Lehrern überlieferten Traditionslehren beschäftigt; 
und so entstand die Baraitha, Tana de Be Samuel genannt, 
aus der wir nur noch wenige Bruchstücke im Talmud besitzen^). 
Diese Baraitha bestand, wie aus den im Talmud und Midrasch 
angeführten Stellen ersichtlich ist*), theils aus erklärenden Zusätzen 
zur Mischna (Tosiphtoth) , theils aus alten Halachoth, zuweilen 
sammt deren Herleitung aus der Schrift (Midrasch), zum Theile auch 
aus älteren Sagen und historischen Berichten. Jedoch ist diese 
Baraitha, ungeachtet der Correctheit und Zuverlässigkeit derselben, 
nicht zu einem solchen Ansehen gelangt, wie die Baraitha's des 
R. Chija und R. Oschija^). Samuel hat übrigens nie die Absicht 
gehabt, diese Sammlung als Richtschnur für die Praxis hinzustellen, 



manchmal der Vortrag im Lehrhause Sidra genannt (cf. Levitic. rabba III 
und Jerusch. Pesachim IV, 1, wo es aber von R. Ascher mit „Gebetord- 
nung" erklärt wird.) 

') Joma 20b, cf. Rapoport, Erech Miliin p 117. 

2) cf. oben Anm. 38. Baba mezia 48a; Jerusch Baba b. IV, 4. 

3) cf. Bezah 29a, Rascbi' nzb^ D^wnr:) 'j.siati' htd::' NnüDinn ,'7x10:1' •'ii sjn 
: njti'on ns '•m "iTOJi» vom i^yu^^a '-n N"n 'i moii» iod • Im Jeruschalmi so wie 
manchmal im Babli wird diese Baraitha einfach mit ^nidu' ^jd bezeichnet 
(cf. Jerusch Kilajim VIII, 2 Berachoth IV, 1. Moed katon I, 1 u. m. a.) 
Aber viele andere Aussprüche Samuels, die mit hnvy^; idn angeführt wer- 
den, scheinen auch Bestandtheile dieser Baraitha zu sein. Namentlich 
sind hierher diejenigen Aussprüche Samuels zu zählen, die sich auch in 
altern Baraitha's finden, (cf. z. B. Berachoth 12a, Sabbath 15a, 60a, 108b, 
150a; Pesachim 45a, 117a; Moed katon 12a, [s. Jerusch, Sabbath L] 
Rosch ha-Schanah 7a, Jebamoth 116b, Kethuboth 106a, Gittin 57b u. a.) 

^) Die Tana de Be Samuel wird in der talmudischen Literatur aus- 
drücklich erwähnt: Sabbath 54a, Erubin 70b, 86a, 89b, Pesachim 3a, (7b 
muss emendirt werden), 39a, 39b, Bezah 29a, Rosch ha-Schanah 29b, 
Joma 70a, Megillah 30a, Sebachim 22a, Genesis rabbah XII (hier muss 
'psvoti" '-iwn in htiViw 21 sjn emendirt werden, cf. ibid. XL) 

^) Epist. Scher, p. 9 : Nunm Npn ^nV^s'? mm 'jNioti' -10 ^an Nrnnm 3;i hy ;]N'; 

,2-; -tjj^Sn '1 IN N7N «ns nnö nnsti'D t6 n2-i ion ndv -non p^nDNi 

.'jN-.otr "m p''3nc>N p ''S h-; ^ini . . . .'jNiott» 



— 26 — 

da er selbst sich nicht immer nach derselben richtete, wenn er für 
die praktische Religionsübung (Halacha le ma'ase) lehi'te i). 

In dieser Thätigkeit, alte Traditionen zu sammeln, lag aber 
nicht der Schwerpunkt von Samuels Wirksamkeit für die Gesetzes- 
lehre; dieser ist vielmehr auf einem andern Gebiete zu suchen, wo 
sich dem riesenhaften Geiste Samuels ein weit ergiebigeres Feld zur 
Entfaltung seiner Thätigkeit darbot, 

1) Sabbath 54a, Bezah 29a: ]rj;io f«'? nhn n^vyob ns^n ^Niött'. 



III. 

Mar Ukba, der wegen seiner Gesetzeskunde, Bescheidenheit, 
Freigebigkeit und vieler anderer Tugenden berühmte Resch Galuthai), 
war ein Schüler Abba b. Abba's und seines Sohnes Samuel und 
hatte diesen seine Kenntniss der Gesetzeslehre zu verdanken 2). 
Wenn schon alle Gelehrten von ihm begünstigt und befördert wurden, 
so hatte sich besonders sein Lehrer Samuel seiner Verehrung und 
Hochachtung zu erfreuen und da dieser in der Rechtsgelehrsamkeit, 
die bei den Juden keine besondere Disciplin, sondern einen Theil 
der theologischen Gelehrsamkeit bildet ^j, sich besonders auszeichnete 
und vermöge der Schärfe seines Verstandes in die verborgensten 
Tiefen der Rechtslehre einzudringen vermochte*), so /ernannte ihn 
der Exilarch zum Richter am Gerichtshofe zu Nehardea^). Dieser 
Gerichtshof, an welchem noch der Freund Samuels, der ebenso ge- 
lehrte als scharfsinnige Karna, als Richter und Jakob, der Vater des 
später als Rechtsgelehrten so berühmten R. Nachman, als Sekretär 
fungirten^) war damals allgemein als der vortrefflichste anerkannt, 
weshalb man in Palästina wie in Babylonien Samuel und Karna 
schlechtweg Dajane Golah (Richter der Diaspora) nannte^). 

1) Sabbath 55a, Kethuboth 07b, Epist. Scher, p. 15. Grätz will Mar 
Ukba nicht Resch Galutha sein lassen, doch ist die Authenticität von 
Scherira's Bericht und die Nichtigkeit der Einwände Gr's. im Anhang 
Note D. vollkommen nachgewiesen. 

2) Moed katon 16b, Sabbath 108b, Jebamoth 12a, 76a. 

3) Am gewöhnlichsten wird die jüdische Gesetzeslehre in zwei Theile 
geschieden, in die Rituallehre moN und Rechtslehre ■•r-. cf. Einleitung 
in den Talmud. 

'*) cf. R. Ascher zu Baba kama 37a. 

5) Kethuboth 79a, s. Raschi das. 

6) Baba mezia 16b. 

7) Sanhedrin 17b nach der richtigen Leseart des R. Samuel b. Meir 
in Baba batra 70a, 100b, 107b, auf die schon R. Jesaja Berlin auf- 



— 28 - 

Der grosse Ruf Samuels als Kenner der Gesetzeslehre überhaupt 

der Rechtslehre insbesondere hatte eine grosse Anzahl lern- 
ieriger Jünger aus allen Ländern nach Nehardea versammelt, 
en er in der Traditionslehre Unterricht ertheilte. Noch grösser 
•de die Zahl seiner Schüler, als im Jahre 219 n. ü. Z. der greise 
!ch Sidra R. ScheJa starb und Samuel an dessen Stelle zum Ober- 
Lpte des Lehrhauses zu Nehardea erhoben wurde, nachdem Rab, 

in Nehardea, der Heimath Samuels, keine Würde vor diesem ein- 
men wollte, dies Ehrenamt abgelehnt hatte ^j. Während Rab 
ih dem ungefähr 22 Ferseng von Nehardea entfernten Mata- 
ßhassia, auch Sura genannt^), sich begab, um in dieser Gegend, 
die jüdischen Gemeinden in grösster Unwissenheit lebten, durch 
indung einer Hochschule Wissen und Geistesbildung zu verbreiten, 
mgte die Sidra zu. Nehardea unter dem Rectorate Samuels einen 
en Glanz und neue Blüthe, und bald standen die Hochschulen 
)'s und Samuels in und ausserhalb Babyloniens in höchstem An- 
en. 

Die vorzüglichste Pflege fand in diesen Schulen die Gesetzes- 
re, wobei sich Rab und Samuel der Mischna R. Juda's als Leit- 
en zu ihren Vorträgen bedienten. Doch beschränkten sie sich 
tit darauf, den Gesetzesinhalt der Mischna einfach zu lehren ; ihre 
ire war viel eindringender und umfassender und darf nicht als 
äse Reproduction älterer Lehren angesehen werden. Die Halachoth- 
imlung des R. Juda war nicht ein abschliessender Codex, der den 
Bndigen Fluss der Ueberlieferung auf einmal zum Stillstande und 

Erstarrung zu bringen beabsichtigte; sondern sie wollte nur der 
1 v/eiter fortpflanzenden Traditionslehre eine einheitliche Grund- 
e darbieten und den Stoff aufbewahren und vor Vergessenheit 
lern. Dem Studium der Halachoth wurde daher selbst von R. 

•ksam gemacht, cf. auch Kochbe Jizchak (Hebräische Zeitschrift) 
I. p. 52. 

^) Epist. Scher, p. 15. 

-I Sabbath 60b. Dort wird zwar dies als die Distanz zwischen Sura 
. Pumbadita angegeben, aber letzteres lag in der Nähe von Nehardea. 
•gl. oben Anmerk. 9. üeber Sura, cf. Ritter, Erdkunde X, S. 205 und 
. Es gab mehrere Sura (1. c. S. 267) und ein Sura wurde besonders 
;a Mechassia genannt; hierdurch ist der Einwand Graetz's (Frank eis, 
latsschrift, 1853. S, 197, gegen die Identität von Sura und M. 
ihassia beseitigt. 



— 29 — 

Juda ha-Nasi, dem Mischna-Redacteur, nur ein untergeordneter Werth 
beigemessen ^). Besonders aber wurde von Samuel der Grundsatz 
aufgestellt, dass man weder aus den Halachoth noch aus den Zu- 
sätzen (Tosiphta's) das Gesetz lehren dürfe, sondern nur aus der- 
jenigen Erklärung und Erläuterung der Mischna, welche Talmud ge- 
nannt wird^). Ausserdem aber fand man in der Mischna, und selbst 
wenn man die verschiedenen Baraitha-Sammlungen hinzufügte, nicht 
alle im Leben sich darbietenden Fälle behandelt. Es wurden täglich 
religionsgesetzliche Fragen zur P^ntscheidung vorgelegt, für welche 
neue Halachoth geschaffen werden mussten. Die Hauptthätigkeit 
Samuels sowie der andern Eraoraim in -der Gesetzeslehre war also 
nach zwei Seiten hin gerichtet: sie commentirten und erläuterten die 
altern Halachoth und schufen neue Gesetze für Fälle, über die jene 
nicht entschieden. Betrachten wir Samuels Leistungen auf diesem 
Gebiete und es wird sich uns das wichtige Resultat ergeben, dass 
alle die Lehrmethoden, welche nach einer oberflächlichen Anschauung, 
erst in einer viel spätem Zeit zur vollständigen Ausbildung gelangt 
sein sollen, schon bei Samuel in ihrer höchsten Vollendung vorge- 
funden werden. Da nun dies auf einen viel älteren Ursprung hin- 
weist, so wird es nicht mehr als übertrieben erscheinen , wenn man 
den Anfang der talmudischen Dialektik schon von der Zeit R. Jochanan 
b. Sakkai's (70 n. ü. Z.) her datirt 3). 

Was die Erklärung der Mischna, der emoräischen Thätigkeit 
im engern Sinne, betrifft, so hatte Samuel zunächst sehr viel durch 
Worterklärungen zum Verständniss der Mischna beigetragen, was be- 
sonders in Babylonien nöthig war, wo viele, obgleich in Palästina in 
der gewöhnlichen Umgangssprache gebräuchliche Wörter nicht ver- 
standen wurden^). Es waren diese grösstentheils Fremdwörter aus 
dem Griechischen und Lateinischen ^). Aber auch von andern Wörtern, 

V) Baba mezia 3oa. cf. Hirsch, Jeschurun, Jahrgang 1856. Seite 98. 

2) Jerusch. Pea II, 4; ibid. Chagigah J, 8, cf. auch Babli ibid. 10a 
Tosephoth Jom. tob. Berachoth V, 5. 

3) Sukkah 28a. cf. Epist. Scher., p. 1 und 9 f. wo die ältere Dialektik 
in ihrer Art und Weise genauer bestimmt wird, cf auch Hirsch, 1. c. 
S. 94 ff. 

4) cf. Rapoport Erech Miliin p. 117. 

5) Sabbath 104b; Pesachim 119b; Gittin 67b; Baba mezia 23b; Aboda 
sara 8b, o2a; Rosch haschanah 18a; Kiduschin 76b etc. 



— 30 — 

3 zum Theile schon zur Zeit der Tanaim als veraltet einer Er- 
irung bedurften, suchte Samuel die Bedeutung zu ermitteln. Er 
igte hierbei einen regsamen Eifer und wissenschaftlichen Forschungs- 
ist, indem er alle ihm zu Gebote stehenden Quellen für etymo- 
?ische Belehrung zu benutzen suchte und nicht selten Reisende, 
3 zu Meere entfernte Länder besucht und aus eigener Anschauung 
wisse Naturproducte und ihre Namen kennen gelernt hatten, wegen 
r Bedeutung eines Wortes um Bescheid fragte^). Der Wort- 
klärung reihete sich die Erläuterung des Sinnes der Mischna an. 
im richtigen Verständniss der in einem sehr gedrängten Lapidar- 
i^le verfassten Mischna war ausser einer tiefen Einsicht noch um- 
ssende Gelehrsamkeit erforderlich. Es hatte daher schon Samuel 
rch Zuhülfenahme anderer üeberlieferungsquellen über viele dunkle 
eilen Licht verbreitet, unbestimmte und zweideutige Ausdrücke 
acisi'rt und überhaupt durch seine Erklärungen irrthümlichen Auf- 
ssungen der Mischna vorzubeugen gesucht^). 

Mit dieser Erklärung war allerdings das in der Mischna Gelehrte 
oa Bewusstsein gebracht; aber die Uebertragung der Mischnalehren 
f das praktische Leben konnte erst dann erfolgen, wenn deren 
ünde vollständig erkannt und alle gegen dieselben gemachten Ein- 
rfe hinreichend widerlegt waren. Es wurde daher bei jeder Lehre 
3h der zu Grunde liegenden Norm geforscht und man bestrebte 
h, jeden speciellen Fall auf ein allgemeines Gesetz zurückzuführen» 
Lsserdem wurde noch jeder Mischna-Satz mit andern Lehren der 
schna und der Baraitha's sorgfältig verglichen und die sich hierbei 
ufig ergebenden Widersprüche zwischen zwei Lehren auf die beste 
eise auszugleichen gesucht. Alle diese Untersuchungen sehen wir 
muel mit Meisterschaft führen und seine scharfsinnigen Forschungen 
ajeben schon die Resultate: dass viele Lehren der Mischna und 
iraithea nicht allgemein aufzufassen seien, sondern auf gewisse be- 
ndere Fälle beschränkt werden müssen ^), dass öfters, um einem 
Lschna-Satze vollständige Gesetzeskraft einräumen zu können, eine 



1) Bechoroth 22a; Sabbath 20b, 21a, 90a; Nidda 62a. 

2) Erubin 80a; Pesachim 8b; KiduscMn 38b; Sabbath 151a, 126b;, 
boda sara o4a u. v. a. 

3) Pesachim 45a, 76a; Baba mezia 102b u. A. 



— 31 — 

Correctur bei demselben vorzunehmen nöthig sei*); dass manchmal 
zwei Halachoth nebeneinander gestellt seien, welche die divergirenden 
Ansichten zweier hier nicht genannten Autoren bilden 2); dass ein 
Lehrer seine in die Mischna aufgenommene Meinung später wider- 
rufen habe 3); dass manche Halacha nur die Meinung eines einzelnen 
sei, der von Vielen widersprochen werde *) und dass demgemäss die 
endgültige Entscheidung modificirt werden müsse. Diese Forschungen, 
an welchen sich auch Rab betheiligte, führten den Namen Hawajoth 
de Rab u-Schemuel (Fragen des Rab und Samuel) 0), weil gewöhnlich 
die äussere Form derselben derart war, dass eine schwierige Frage 
aufgeworfen und dann über dieselbe disputirt und verhandelt wurde. 
Solche Fragen und deren Lösungen erforderten viel Scharfsinn 
und Verstandestiefe, und so war der Ausdruck Hawajoth de Rab u- 
Schemuel in Babylonien eine stehende Bezeichnung für schwer zu 
lösende Probleme geworden ^). 

Da die Mischna sowohl als auch die Baraitha's nicht nur end- 
gültige Decisionen, sondern auch die Controversen der verschiedenen 
Gesetzeslehrer enthalten, über die selten ein Endurtheil abgegeben 

^) In der Vorrede zu dem Werke, Peath ha- Schulchan wird ein 
Ausspruch des „Gaon" R. Eliah aus Wilna mitgetheilt, das wo .snono nion 
im Talmud vorkommt, es nicht so zu erklären sei, als wäre in der 
Mischna ein Fehler, sondern es hat der Mischnalehrer nach einer Ansicht, 
für die er sich entschieden, die Lehre in der vorliegenden Form vorge- 
tragen, die Spätem aber, die durch andere Ueberlieferungsquellen veran- 
lasst wurden, von dieser Ansicht abzuweichen, mussten auch die darauf 
gegründete Mischna umändern und sie nur so in die Reihe der für die 
Praxis gültigen Vorschriften aufnehmen. Ich glaube, diese Auffassungs- 
weise, die aber noch einer gründlichen Untersuchung bedarf, könne auch 
auf manche andere Erklärungen der Emoraim ausgedenht werden ; sowie 
sie nicht bei jedem Nionp nion angewendet werden muss; cf. Frankel, In- 
trod. in Hieros, p. 30a, auch Sebachim 114b und Raschi das. 

^) Pesachim 37b, Jebamoth 108b n nw nb n rutytt» ''a Nnan . 

3) Pesachim 17b. 

^) Sebachim 28a. 

^) lieber die etymologische Bedeutung des Wortes mn vgl. Landauer, 
Ma'arche Laschon s. v. Rapoport, Toledoth de R. Nathan, p. 63 und Fürst 
Kultur- und Literaturgeschichte e. c. p. 165. Eine neue Vermuthung s. 
im Anhang, Note E. 

6) Berachoth 20a, Ta'anith 24a, Sanhedrin 106b. Fürst's Ansicht 
(1. c. p. 165 ff.), dass diese Hawajoth erst der Zeit Abaje's und Raba's 
angehören, beruht, wie Anhang Note E bewiesen wird, auf Irrthum. 



wird, so war es auch die Aufgabe der Mischna-Erklärer , in dieser 
Hinsicht die Mischna zu ergänzen, um deren Lehren auf die Praxis 
anwendbar zu machen. Sie mussten Regeln aufstellen, nach welchen, 
bei Verschiedenheit der Meinungen entschieden werden soll. Solche 
Normen zur endgültigen Festsetzung der Halacha hatte Samuel viele 
aufgestellt, wobei er zuweilen blos die Sache, um die es sich handelt, 
im Auge behielt, ohne einem Gesetzeslehrer mehr Autorität als dem 
andern einzuräumen ^), in vielen Fällen aber gewisse Tananim als mass- 
gebende Autoritäten anerkannte^}. Einen hohen Grad von gewissen- 
hafter Aengstlichkeit bekundete er hierbei dadurch, dass er nicht 
immer nach der Mehrheit der Gesetzeslehrer entschied, sondern oft 
bei einer Controverse zwischen einem Einzelnen und einer Mehrheit 
auch auf die Meinung des ersteren, wenn sie erschwerend war, Rück- 
sicht nahm ^). 

Was die andere Seite von Samuels Thätigkeit auf dem Gebiete 
der Gesetzeslehre betrifft, nämlich die Entscheidung über Fälle, deren 
die älteren Halachotli-Sammlungen nicht Erwähnung thun, so waren 
die von ihm ausgesprochenen zu dieser Kategorie gehörenden Ha- 
lachoth entweder Ueberlieferungen , die er von seinen Lehrern em- 
pfangen'*), oder neue Lehrsätze, die durch Analogie aus den alten 
Principien abgeleitet und als Ausläufer und Verzweigungen der 
letzteren betrachtet wurden^). Man konnte überhaupt neuen Lehren 
nur dadurch Anerkennung verschaffen, dass man sie durch Analogieen 
und Subsumptionen auf ältere zurückführte, und man ging hierbei 
von dem Gedanken aus, dass diese Lehren nur deswegen nicht 
schon von den alten Lehrern ausgesprochen worden seien, weil sie 
auch ihren spätem Enkeln auf dem Felde der Gotteslehre eine Nach- 
lese zu halten gestatten wollten, damit deren Nemen ebenfalls be- 
rühmt und verewigt würden ^). Diese neuen selbst gefolgerten Lehren 

^) z. B. die Regel: 'jnsn bp^art naia n^Sn, Bei den Gesetzen über 
Trauergebräuclie ist immer die erleichternde Ansicht die massgebende 
(Bechoroth 49a) u. a. 

2) Erubin 46b, 47a, 81b; Pesachira 27a, Niddah 7b. 

3) Megillah 18b; Jebamoth 83a. 

■*) cf z. B. Cholin 42b und Raschi das.; Moed katan 12a und Tose- 
phot zu Aboda sara 21b v. son«. 

5) Epist. Sfiher. p. 10. cf. Hirsch 1. c. S. 95 f. 
ß) Cholin 7a, Epist. Scher. 1. c. p. 13. 



— 33 — 

wurden mit dem Namen Horaoth (Decisionen , Lehren) belegt ^), 
•während man die Lehrsätze der Emoraim überhaupt mit dem Namen 
Schema'atoth (Traditionen) bezeichnete ^). Obgleich aber die in Mischna 
und Baraitha vorgetragenen Sätze und Lehren als Autoritäten galten, 
denen von Spätem nicht widersprochen werden durfte, und jede 
Schema'ata, die sich mit einer älteren Halacha im Widerspruch be- 
fand, für unrichtig erklärt wurde, so finden wir dennoch bei Samuel 
ausnahmsweise, dass sein Ausspruch für so zuverlässig galt, dass er 
trotz des Widerspruches einer Baraitha ungeschmälerte Gesetzeskraft 
behielt ^). Oft vertheidigt Samuel seine im Gegensatze zu einer 
altern Halacha stehende Lehre dadurch, dass er erstere beschränkte 
und mit Uebergehung des einfachen Sinnes eine andere Erklärung 
(Targum genannt) zu dem betreffenden Satze gab, so dass seine 
Lehre neben ihm bestehen konnte*). 

Das reichste Feld fand die selbstständige Hora'ah in der Auf- 
stellung neuer Theorien auf dem Gebiete der Rechtslehre. Hier 
mussten von Samuel viele neue Lehren geschaßeh werden, indem die 
veränderten Verhältnisse in Babylonien neue Forderungen an die 
Rechtslehre stellten und theils zur Erzeugung neuer theils zur weitern 
und vollständigem Ausbildung älterer Rechtstheorien drängten. Auf 
diesem Gebiete war Samuel die höchste Autorität in Babylonien und 
seine Aussprüche haben selbst gegen Rab Gesetzeskraft erlangt, 
da ihm ausser seinem ungewöhnlichen Scharfsinne noch seine aus- 
gebreitete Praxis im Rechtssprechen eine Ueberlegenheit über seine 

1) R. Samuel ha Nagid, Introductio in Talmud v. nsnn; Epist. Scher. 
1. c. Nicht ganz richtig in Fürst's Kultur- und Literaturgeschichte e. c. 
S. 198. Die dort gegebene Definition des Begriifes Horaah ist zu weit, 
wie es in den angeführten Stellen ersichtlich ist. Es wird übrigens auch 
der Ausdruck nsiin dafür gebraucht, dass Jemand bei einer Controverse 
für eine Meinung entscheidet. Wenn hier behauptet wird, dass jede 
Horaah nur dann Anerkennung gefunden habe, wenn sie auf alte Lehren 
zurückgeführt wurde, so will dies nicht sagen, dass sie aus denselben 
bewiesen werden musste, sondern sie musste bloss in der alten Lehre 
enthalten sein können. So z. B. kann f\'<bn unter -lon oder np^: subsumirt 
werden (Cholin 43a, Ra chi). Erst nach Abschluss des Talmud musste 
jede Lehre aus frühern Quellen bewiesen werden; es war .iNiin fiio. Baba 
mezia 86a.) 

2) Cholin 42b und Raschi v. nöovöb' atf; Aboda sara 58a. 

3) cf. Berachoth 23b. 

•*) Sukkah 10b; Kethuboth 107a; Baba mezia 109a; Aboda sara 41b. 



— 34 - 

Kollegen verschaifte ^). Aber auch in ritualgesetzlichen Entscheidungen 
hat Samuel in sehr vielen Fällen über Rab den Sieg davon getragen ; 
so besonders in den Gesetzen über Thierkrankheitsfälle (Trephoth), 
wo ihm seine medicinischen Kenntnisse zum Erfassen und gründ- 
lichem Verständniss der hierüber überlieferten Lehren sehr zu Statten 
kamen. Seiner gediegenen Kenntniss in diesem Fache wurde auch 
von Rab die gebührende Anerkennung gezollt. Als einst eine dies- 
bezügliche religionsgesetzliche Frage zur Entscheidung vorlag, wurde 
von Samuel durch eine treffliche Lehre ein solcher überraschender 
Aufschluss über Rab's Zweifel gegeben, dass dieser erstaunt ausrief: 
,,Die tiefsten Geheimnisse sind Dir erschlossen !" 2) 

Neben dieser allseitigen und eingehenden Durchforschung der 
Gesetzeslehre beschäftigte sich Samuel auch mit Erklärung der Bibel, 
und zwar sowohl mit der einfachen sinngemässen als auch mit der 
agadischen (homiletischen) Auslegungsweise ^). Es wurde ihm auch 
der Name Kara (Bibelkundiger) beigelegt, (mit welchem man aber 
nach Einigen andeutete, dass seine Aussprüche so wahr und so zu- 
verlässig seien, wie die der heiligen Schrift*). 

Dass in der Hochschule zu Nehardea auch Medicin, Astronomie 
und Kalenderkunde gelehrt wurden, ist kaum zweifelhaft. Haben 
sich doch die von Samuel im Talmud aufbewahrten Lehren in diesen 
Wissenschaften grösstentheils durch mündliche TJeberlieferung von 
Geschlecht zu Geschlecht fortgepflanzt^). Ja, es ist wahrscheinlich. 



1) Niddah 24b; Bechoroth 49b. ''i''ii 'jnidwdi niD''«i sid Nns'jn; cf Rapo- 
port, Erech Miliin, p. 2-1 f. mid Frankel, der gerichtliche Beweis, S. 103^ 
Es muss hier bemerkt werden, dass diese Festsetzung der Halacha erst 
in späterer Zeit erfolgte. In früherer Zeit (noch ein Jahrhundert nach 
Samuel) hatte das Gebiet von Nehardea Samuel's und das von Sura Rab's 
Aussprüche für massgebend gehalten, cf itethuboth 6a, 54a. Baba 
batra 153a. Ueber die Fälle, wo in Ritualgesetzen nach Samuel ent- 
schieden wird, cf. Kochbe Jizchak IX, p. 54 und Pachad Jizchak s. v. 

-) Cholin 59a, 95b. cf Rapoport in Bikkure ha Ittim VIII, p. 18. 

3) cf. z. B. Berachoth 31b; Sabbath 62b; Pesachim 36b; Megillah IIa ff. 
Sanhedrin 20b, 39b, 44a, 94a u. a. 

'') Aboda sara 40a und Raschi das. Ueber die Erklärung von Nnp cf. 
Kiduschin 49a und Raschi Ta'anith 27b v. snp ny:n uV. cf auch Frankel 
Introd. in Hieros. 119a und Schitah meluibezeth Ketlmboth 56a. 

^) Sabbath I08b, 152a; Joma 83a; Baba mezia 8öb; Abodah sara 30b; 
Sotah 10a und Rapoport 1. c. p. 14. 



— So- 
dass der gi'össte Theil der mediciniscben und astronomischen Lehren 
im babylonischen Talmud üeberlieferungen Samuels an seine Schüler 
sind, obgleich sie nicht seinen Namen an der Spitze tragen ^). Wird 
ja nach ihm keine in diesen Wissenschaften besonders ausgezeichnete 
Persönlichkeit genannt; und die altern aus Palästina stammenden 
Lehren sind gewiss grösstentheils nur durch ihn nach Babylonien 
verpflanzt worden. 

Durch die Akademien zu Sura und Nehardea war die geistige 
Selbstständigkeit Babyloniens und dessen Unabhängigkeit von Palästina 
begründet worden. Diese Trennung vom Mutterlande, die selbst- 
ständige Förderung der Gesetzesstudien auf babylonischem Boden, 
war aber jetzt nicht mehr, wie früher, mit einer Gefahr für die 
Einheit des Judenthums verbunden; denn, indem durch die Fürsorge 
R. Juda des Heiligen die traditionelle Lehre eine feste Grundlage 
erhalten hatte, war für das zerstreute Israel ein geistiges Band ge- 
schaffen, das die Einheit in Lehre und Leben desselben aufrecht zu 
erhalten im Stande war und vor allen Stürmen und Zeitereignissen 
viel gesicherter erschien, als der heilige Boden von Palästina. Das 
Judenthum nahm jetzt in Babylonien einen höhern Aufschwung. Die 
dem Gesetzesstudiura sich widmenden Jünglinge waren nicht mehr 
genöthigt, nach Palästina zu wandern; es ward ihnen in ihrer Hei- 
math Gelegenheit geboten, ihren Wissensdurst zu löschen, und Baby- 
lonien wurde nun gewissermassen als ein zweites heiliges Land be- 
trachtet^). Samuel lehrte: „So wie es verboten ist, aus Palästina 
nach dem Auslande auszuwandern, so ist es auch ' nicht gestattet, aus 
Babylonien nach andern Ländern zu ziehen ^)". Sein Schüler Rab 
Juda bewies gar aus der Schrift, dass es verboten sei, aus Babylonien 
nach Palästina zu ziehen*), was um so merkwürdiger ist, als Rab 
Juda als warmer Verehrer des heiligen Landes bekannt war^). 

^) Bei Agada achtete man nicht so sehr auf den Namen des Ueber- 
lieferers; daher hier die häufige Namenverwechselung. Wie es scheint, 
haben alle nicht in der Gesetzeslehre begriffenen, Wissenszweige, also auch 
Medicin und Astronomie, den CoUectivnamen Agada geführt, welche nicht 
selten in sogenannte Agadabücher schriftlich aufgezeichnet wurde, cf. 
Rapoport Erech Miliin p. 11 ff. -^ 

2) cf. Genesis rabba cap. 18 und Gittin 6a. 

3) Kethuboth lila: iidn id 'janS '?nib''> ynxo T\H'sh nioNty Dti»D 'jNiöti» ion 

.nixns iNB?'? b3D ns'i'? 
'*) Sabbath 4:1a, cf. auch Gittin 6b. 
5j Berachoth 43a: bmii^-' pN n'<b «a^am Niin^ an rr^j'-ö na. 

3* 



Der Vorzug, den man Babylonien von jeher selbst in Palästina 
in gewisser Beziehung vor andern Ländern eingeräumt hatte ^) , wurde 
damals vielfach erweitert^) und dies veranlasste auch, dass man 
nicht nur in den Schulen Rab's und Samuel's , sondern auch in dem 
Lehrhause des R. Jochanan zu Tiberias die Grenzen von Babylonien 
genau zu bestimmen suchte ^); was den Beweis liefert, dass man in 
Palästina weit davon entfernt war, die unabhängige und bevorzugte 
Stellung des Nachbarlandes mit scheelen Blicken anzusehen, sondern 
sie als auf reale Thatsachen gestützt vollständig billigte. Rab und 
Samuel genossen auch in Palästina eine solchen Verehrung, dass 
man sie mit dem Namen Rabbothenu sche-be-Golah (unsere Lehrer 
im Exile) allgemein bezeichnete'*). 

Kiduschin 69b, 71a. 

^) Erubin 28a; Gittin 6a; Baba kama 80a. Das ^j^a'? m ndn ist nicht 
auf die Ankunft Rabs aus Palästina im Jahre 189 zu beziehen, sondern 
auf seinen Abzug- von Nehardea nach Sura. cf. Anhang Note A VIIL 

3) Kiduschin 71b. 

-*) Sanhedrin 17b; Jerusch Bezah IT, 8. 



IV. 

Nachdem durch die Consolidirung der zur Biüthe gelangten 
Hochschulen in Babylonieu für das jüdische Geistesleben daselbst 
eine neue Epoche begonnen hatte, trat in der persischen Monarchie 
eine politische Umwälzung ein, welche auch auf die Juden einen 
mächtigen Einfiuss ausübte. Ardeschir Babegan, der Statthalter 
der Provinz Fars ^), verschwor sich gegen seinen Herrn, den Parther- 
könig Artaban IV. aus dem Geschlechte der Arsaciden, wusste die 
kriegerischen Volksstämme, welche in den jüdischen Quellen Chabarim 
heissen^), für seine Pläne zu gewinnen und stürzte mit deren Hülfe 
die arsacidische Dynastie. In der Ebene von Hormuz ^) verlor 
Artaban in einer entscheidenden Schlacht Krone und Leben, und 
Ardeschir (in der Pehlwi- Sprache Artachscheter genannt) schwang' 
sich im Jahre 226 n. ü. Z. auf den persischen Thron"*) und grün- 
dete die Sassaniden- Dynastie. 

'j cf. Mirkhond bei de Sacy, memoires sur diverses antiquites de la 
Perse p. 275 und Malcolm, history of Persia I, p. 90. 

'^) Es waren dies Avahrscheinlich die Volkerstämme der Provinz Aran, 
dem Vaterlande Zoroasters (cf Kitter II, p. 825), wo auch später die 
Ghebern vor den Verfolgungen der Araber ein Asyl gefunden. Den 
Namen nan erhielten sie von ihrem Heimathlande, das wahrscheinlich 
von den Juden nun genannt warde. cf Kiduschin 72a: 2"'nn ni inn. Ein 
Vorgebirge des Kaukasus Adeib diente noch um 960 den Ghebern zu 
einem religiösen Kultus (Ritter II, S. 833). a'^nn wäre dann hier Aran 
oder Aderbidschan. Ob der spätere Name Ghebern desselben Ursprungs 
ist, mag dahingestellt bleiben, (cf. Eitter II, S. 109) cf. auch Frankel» 
Monatsschrift 1852 imd Herzfeld, Geschichte des Volkes Israel I, S. 361 ff^ 

3) Eitter, Erdkunde IX, S. 146 und 151. . 

4) cf Mordtmann, Erklärungen der Münzen mit Pehlwi - Legenden 
in der Zeitschrift der deutsch -morgenländigen Gesellschaft 1854, S. 29^ 
Bei den Juden heisst dieser König TmnN, vgl. oben Anm. 16. 



- 38 — 

Schrecken bemächtigte sich der jüdischen Gemeinden, als sie 
von dem Einfalle der Chabarim Kunde erhielten, denn diese Stämme 
waren bei ihnen von jeher übel berüchtigt und den „Engeln des 
Verderbens " gleichgehalten ^). Ueberdiess hatten die Parther eine 
solche milde Herrschaft geführt und den Juden so viel Freiheit 
und Selbstständigkeit gewährt, dass diese von einer neuen Dynastie 
in keinem Falle eine Verbesserung ihrer Lage erwarten konnten^). 
Auch in Palästina war man nicht wenig besorgt für das Schicksal 
der Juden in Babylonien unter der neuen Herrschaft. Als man 
R. Jochanan, dem ßector der Akademie zu Tiberias , die Nachricht 
von dem siegreichen Vordringen der Chabarim brachte, tiberkam ihn 
grosse Angst, dass die bisher so glücklich gewesenen babylonischen 
Gemeinden nunmehr der Willkür eines barbarischen Volkes preis- 
gegeben sein würden ^). 

Das befürchtete Unglück liess auch nicht lange auf sich warten. 
Die zur Herrschaft gelangten Neuperser waren eifrige Anhänger der 
Zendreligion und Ardeschir, der sich das Epitheton Hormuzd- Ver- 
ehrer beilegte'*), zeigte eine ausserordentliche Begeisterung für die 
Zoroasterlehre. Die Magier, die Priester der Feueranbeter, wurden 
am Hofe mächtig und einflussreich ^) und auf ihr Anstiften wurde 
mit fanatischer Grausamkeit gegen die Andersgläubigen gewütliet, 
wobei auch die Juden nicht verschont blieben. Ihre Synagogen 
wurden zerstört^), ihre Begräbnissorte entweiht '^), der Genuss des 
Fleisches und der Gebrauch der Reinigungsbäder wurde ihnen unter- 
sagt^) und hierzu noch der Gewissenszwang aufgelegt, an gewissen 



') Kidiischin 72a; cf. Sabbath IIa. 

^) Die Sympathie der Juden für die Parther zeigt sich in den Worten 
des Babyloniers Levi (1. c), der sie mit den Heeren König Davids verglich. 
"*') Jebamoth G'ih. 
") Mordtman 1. c. S. 33. 

5) Agathias ed. Bonn, p. 122. 

6) Joma 10a. 

'') Die Perser liesen ihre Leichen in der Regel von fleischfressenden 
Thieren verzehren, das Begraben wie das Verbrennen der Todten, das 
von der Lehre Zoroasters für sündhaft erklärt wird, war ihnen daher 
höchst anstössig; cf. Agathias 1. c. p. 113 ff. und Spiegel Friedr. Avesta, 
die heiligen Schriften der Parsen etc. I, S. 121. 

8) Jebamoth 63b. Die Magier verehren nächst dem Feuer am meisten 
das Waaser. cf. Agathias ed Bonn, p. 118: yi^al^oim de iq rä ixähaxa 



— 39 — 

Feiertagen der Magier für deren Lichttempel Pfannen mit glimmenden 
Kohlen zu verabreichen '). 

Am meisten war Rab , der Rector der suranischen Hochschule, 
dem der letzte Arsacide Artaban ein Freund und Gönner war, über 
die eingetretene furchtbare Katastrophe entsetzt. Als die Nachricht 
vom Tode Artabans an sein Ohr drang , rief er trauernd und bestürzt 
aus: Gelöst ist das Band (der Freundschaft) 2). Von der Unmensch- 
lichkeit der Chabarim das Schlimmste erwartend, sprach er öfters: 
Unter der Gewalt eines Arabers und nicht eines Römers; aber lieber 
noch unter einem Römer, als einem Cheber (Gueber)^). Wie sich 
früher die Juden in Palästina unter der drückenden Römerherrschaft 
der Hoffnung hingegeben hatten, es würden einst die Römer in die 
Hand der Perser fallen und Judäa von ihrer Tyrannei befreit werden , 
so vernehmen wir damals von Rab, dem bei der jetzigen gefähr- 
lichen Lage der babylonischen Juden die Römerherrschaft noch 
milde erschien, den Ausspruch, dass die Perser, die habsüchtig und 
unbarmherzig in ihrem Fanatismus jüdische Synagogen zerstören, 
nicht besser seien als die Römer, die Tempelzerstörer, und dass daher 
erstere einst in die Hand der letzteren fallen werden*). 

Bei dieser allgemeinen Bestürzung, die sich der Gemüther der 
babylonischen Juden bemächtigte, war es Samuel, der allein gefasst 

-TO vöi)}^, o)q /Atjdk lä 7iQoao>7ia aviw iTiciTinvitiaa&av , fiiirs äXXioq eTZi'&i'y- 
yävsvv ort /.(.ti jioxov rt syart, y.cti tTJq rö)v q>vr{>)V iTH-fiiXiiaq . cf. auch Spie- 
gel 1. c. II. S, LIV, LXXXIV und ibid S. LXXI. 

') Sauhedrin 74b. üeber ■'pNiip und •'p:):))-! cf. M. Sachs, Beiträge zur 
Sprach- und Alterthumsforschung Th. I, S. 96 und 99. 

2) Aboda sara 10b, nach der richtigen Erklärung Rascbi's, anders 
Abraham Ibn-Daud, Sepher ha-Kabbalah (Prag 1795) fol. 44. Das das. 
vorkommende pns muss in piin emendirt werden (Rapoport, Evech Miliin 
Art. ]2TnN). Dass im babylonischen Talmud immer pii« (Ardevan) und 
im Jerusch (Peah I) : ptsiN (Artaban) geschrieben wird, hat seinen Grund 
in der Verschiedenheit der Aussprache dieses Namens bei den Persern 
von der bei den Griechen, cf. de Sacy 1. c. p. 166 und 274. 

^) Sabbath IIa. 

^) Joma 10a. Es wird noch hinzugefügt, dass es so von' der 
Vorsehung beschlossen sei, dass Rom die Herrschaft über die ganze 
"Welt gewinne. Auch R. Jochanan deutet das vierte Thier in Daniel's 
Vision, das da verzehren wird die ganze Erde (Dan, 7, 23) auf Rom, 
Schebuoth 6b. Aboda sara 2 b Fürst (1. c. p. 97 Anm. 222) hat diese Stelle 
missverstanden. 



— 40 - 

blieb und auch den Muth seiner Brüder aufzurichten suchte. Hatten 
auch die Neuperser in ihrem ersten Siegesrausche einen Feuereifer 
für die Zoroasterreligion an den Tag gelegt und ein Verfolgungs- 
system gegen andere Bekenntnisse angeordnet, so sah doch Samuel 
ein, dass dieser Fanatismus nicht lange andauern, sondern nach und 
nach mildern Gesinnungen Platz machen werde. Er bestrebte sich 
daher vor Allem, einerseits durch Lehre und Beispiel seine Brüder 
zu einem solchen Verhalten zu bewegen, wodurch sie ihre Feinde 
entwaffneten, andererseits wieder Anordnungen zu treffen, wie sie 
die neu eingetretenen Verhältnisse dringend erforderten. 

Einer alten üeberlieferung zufolge, wonach die Heiden ausser- 
halb Palästina's nicht als eigentliche Götzendiener, sondern nur als 
Nachahmer ihrer väterlichen Gebräuche zu betrachten seien ^), erklärte 
Samuel, dass manche von den Rabbinen erlassenen Gesetze zur 
Absonderung von Heiden nur für Palästina, nicht aber für Baby- 
lonien verordnet worden seien 2). Dies sein mildes ürtheil über die 
persischen Heiden wurde von ihm sogar auf die Priester des Feuer- 
kultus, die Magier, ausgedehnt. Während Rab sie für Gotteslästerer 
erklärte und der Meinung war, wer nur das Geringste von ihnen 
lerne, habe bei Gott das Leben verwirkt, wollte Samuel sie wie 
Astrologen, Zauberer und Wahrsager beurtheilt wissen , von denen 
man wohl Theoretisches lernen dürfe, wenn man es nur nicht prak- 
tisch zur Anwendung bringe ^j. Ebenso nahm auch Samuel keinen 
Anstand, den theologischen Disputationen zwischen den Hormuzd- 
Verehrern und den Christen beizuwohnen, obgleich dies von Rab 
und andern Gesetzeslehrern principiell vermieden wurde*). 

1) Cholin 13b. 

') Aboda sara 7b, vergl. Easchi das. 

3) Sabbath 75a. Sachs (Beiträge ziu- Sprach- und Altertliumsfor- 
schimg- II, S. 114) ist, von der historischen Voraussetzung ausgehend, dass 
im römischen lleiche der Ausdruck magus, ^iayo(i für „Zauberer" gebraucht 
wurde, zu einem der Angabe des Talmud widersprechendem Resultate 
gelangt. Ich habe jedoch im Anhang Note F die Richtigkeit der talmu- 
dischen Annahme hinreichend bewiesen. 

^) Sabbath 116a. Das daselbst vorkommende ]n^2N u ist schon auf 
verschiedene Weise aber nicht befriedigend erklärt worden. (Vergl. die 
Abhandlung: Ebioniten und Nazarüer im Talmud in der Zeitschrift für 
die gesammte lutherische Theologie, Jahrg. 1856 H. 1, wo die verschie- 
denen Erklärungen von Delitzsch zusammengestellt sind.) Soviel aber aus 



— 41 — 

Das durch die neue Herrschaft geänderte Verhältniss der Juden 
zur Landesregierung veranlasste Samuel eine Lehre geltend zu 
machen, die für die Juden in ihrer Zerstreuung von der grössten 
Wichtigkeit werden sollte. Die alten parthischen Herrscher hatten 
sich nicht in die Innern Angelegenheiten der Juden gemischt, sie 
hatten die ganze Verwaltung derselben dem Resch Galutha über- 
lassen und blos die Einzahlung bestimmter Steuern verlangt i). Als 
aber die Sassaniden zur Eegierung gelangten, änderte sich die Sach- 
lage. Ardeschir ergriff mit starker Hand die Zügel der Regierung, 
verordnete neue Gesetze , die er im ganzen Reiche ausgeführt haben 
wollte. Die Juden mussten es sich sogar gefallen lassen, dass man 
in der ältesten besonders geheiligten Synagoge zu Schafjathib in der 
Nähe von Nehardea^) die persische Königsstatue aufstellte; nicht 
damit ihr göttliche Verehrung zu Theil werde , da die Perser selbst 
den Bilderdienst verabscheuten, sondern als Zeichen, dass nun alle 
Angelegenheiten der Juden unmittelbar dem Landesherrn untergeordnet 
seien ^). Samuel, der von der üeberzeugung durchdrungen war, 
dass es eines jeden Bürgers unabweisbare Pflicht sei, die Staats- 
gesetze heilig zu halten und dies ausserdem schon in einer alten 
Mischna ausgesprochen fand*), glaubte dieser Lehre, deren stricte 

dem Zusammenhang der Stelle, sowie aus den Erklärungen der altern 
Commentatoren, die gewöhnlich von einer richtigen Tradition geleitet 
sind, hervorgeht, so ist p'-ax n ein Ort, wo über Religionslehren disputirt 
wurde. Da nun ferner an jener Stelle von den Evangelien die Rede ist, 
(cf. Buxtorf, Lexicon Chaldaicum et Rabbinicum v. p^a«) so ist dies als 
ein Ort anzusehen, an welchem Glaubensdisputationen zwischen Christen 
und Magiern stattfanden, die seit der Herrschaft der Sassaniden an der 
Tagesordnung waren (cf. Ritter, Erdkunde X, S. 167). Näheres über die 
Betheiligung der Juden an diesen Disputationen wird nicht angegeben. 
^) Baba kama 117a: cf. Rapoport, Kerem Chemed VH, p. 155. 

2) cf. oben Anm. 21. 

3) Aboda sara 43b. Dem Umstände, dass dies auf keine Weise einem 
Götzendienste ähnlich war, ist es zuzuschreiben, dass die Juden hier 
keinen solchen hartnäckigen Widerstand entgegensetzten, wie zur Zeit 
des Caligula, als man ein Kaiserbild im Heiligthum aufstellen wollte; cf. 
Joseph. Ant. XVHI, 8. 

4) Gittin 10b. Graetz, (Gesch. d. Jud. H. Aufl. IV. S. 287) behauptet 
dass der Sarauel'sche Grundsatz im Widerspruche mit altern Halacha's sich 
befinde und vergisst zu erwähnen, dass er in einer Mischna (1. c.) eine 
feste Stütze hat, während der Widerspruch mit einer altern Halacha von 



- 42 — 

Befolgung den Juden nur zum Heile gereichen müsste, auch allgemeine 
Anerkennung verschaffen zu müssen. Er stellte daher den Grund- 
satz auf: dass das Gesetz der Regierung gültiges Gesetz sei^); diese 
Lehre von allen Gesetzeslehrern als halachisch gültig anerkannt, 
liess seit jener Zeit den Juden die Befolgung der Landesgesetze 
nicht als Zwangsgebot , sondern als eine religiöse Pflicht erscheinen. 
Samuel hielt es zugleich für nöthig,' obwohl den Juden ihre eigene 
Civilgerichts barkeit von den Sassaniden gelassen worden war 2), das 
persische Recht zu berücksichtigeii und manche jüdische rechtliche 
Bestimmungen nach demselben zu modificiren, was namentlich in 
den Fällen geschah, wo es als noth wendige Consequenz des neu 
aufgestellten Grundsatzes sich ergab ^). 

Samuel hatte sich in seinen Hoffnungen nicht getäuscht. Seine 
Bemühungen, die Juden mit dem herrschenden Volksstamme aus- 
zusöhnen, waren von dem schönsten Erfolge gekrönt. Von der 
Durchführung der von Verfolgungssucht dictirten harten Gesetze 
geschieht keiner weiteren Erwähnung; im Gegentheil sieht man Juden 
und Perser,- wenigstens zur Zeit Samuels, friedlich und in freund- 
schaftlichem Verkehr mit einander leben. 

Die nähere Berührung, in welche auch die Juden Palästina's 
damals mit den Heiden gekommen waren, hatte auch den Patriarchen 
R. Juda IL veranlasst, das von den Schulen Hillel's und Samai's 
(um 50 n. ü. Z.) verbotene heidnische Oel für erlaubt zu erkläi-en, 
weil die Beobachtung des Verbotes zu beschwerlich gefallen und es 
ohnehin bei den Juden noch nicht allgemeiner Gebrauch geworden 
war, sich des heidnischen Oeles zu enthalten "*). Als R. Simlai^) 
die Nachricht von dieser Verordnung des Patriarchen nach Babylonien 
brachte, war Rab hierüber so erstaunt, dass er diese Neueiuiig 
gar nicht einführen wollte. Samuel jedoch betrachtete die Gründe 
des Patriarchen als von so zwingender Natur, dass er, obschon nach 

Samuel hinreichend ausgeglichen ist. (cf. die Parallelstellen zum er- 
wähnten Orte.) 

') n:^ NnobDT Nin cf. Baba kama 113 b. 

^) Die peinliche Gerichtsbarkeit wurde von den Juden Babyloniens 
nie ausgeübt, (cf. Sanhedrin 31b.) 

3) Baba mezia 108 a; Baba batra 55a. cf. Frankel, der gerichtliche 
Beweis. S. 56, 

'') Aboda sara 36a. 

5) Oben Aum. 75. 



— 43 — 

seiner Meinung die Verordnung der Hillel'schen und Samaitisclien 
Schulen , selbst von einer Behörde ^die jenen an Zahl und Weisheit 
überlegen wäre, nicht abgeschafft werden könnten^), dennoch in die 
Aufhebung dieses Verbotes einwilligte und auch bewirkte, dass 
sein Freund Rab nach langem Widerstreben endlich nachgab und 
selbst von dieser Erlaubnis« thatsächlichen Gebrauch machte 2). 

Zwischen den Häuptern der Hochschulen von Sura und Nehardea 
herrschte überhaupt Eintracht und brüderliche Liebe und sie wirkten 
in schönster Harmonie zusammen zur Verherrlichung und Verbreitung 
des Gotteslehre sowohl als auch zur Verbesserung der Sittlichkeit 
und Veredelung des Volkes. Eab kam auch öfters zu Samuel nach 
Nehardea, sowie dieser mehrmals seinen Collegen in Sura besuchte ^) 
und diese häufigen Zusammenkünfte knüpften immer enger zwischen 
ihnen das Band der Freundschaft und war auch für ihr einheitliches 
Zusammenwirken von wohlthätigem Einfluss. 

Es bedurfte auch der eifrigen und energischen Thätigkeit dieser 
beiden grossen Männer, um die geistigen und moralischen Zustände 
der babylonischen Gemeinden zu verbessern und den strengen An- 
forderungen des jüdischen Gesetzes gemäss zu gestalten. Denn die 
Volkserziehung war seit langer Zeit in Babylonien vernachlässigt, 
und selbst die Städte, in denen die Gesetzeskunde heimisch 
war, Hessen in Betreff ihres sittlichen Zustandes gar Vieles zu 
wünschen übrig"*). Die Schulhäupter Hessen es sich daher angelegen 
sein, nicht nur ihre Schüler, sondern auch das Volk zu belehren 
und ihm die Wahrheiten der ReHgion in öffentlichen Vorträgen zum 
Verständniss zu bringen ^). Sie zeigten ausserdem eine unermüdliche 
Thatkraft, wo es galt, das jüdis9he Religionsgesetz aufrecht zu er- 
halten und der muthwilligen Verletzung desselben zu steuern. Die 
Reinheit und Heiligkeit des Ehelebens glaubten sie durch einen festen 
Damm schützen zu müssen, indem sie die Beobachtung der jüdischen 

1) Jerusch. Sabbath I, citirt in Tosephoth Aboda sara 36a s. v. 
pnni . 

2) Jerusch. Aboda sara H, 6. Ueber den Ausdruck nnis ••:« p i^T' 
„S1DD ipT yhy cf. Frankel Introductio in Hieros. p. 15b. 

^) Epist. Scher, p. 15: •'Tim^ hwmi ai jnnn» vn D'pis'?! cf. Erubin 94a: 
Pesachim .30a, ChoHn o3b. 
") Joma 19b. 
5) Sabbath löOb; Ta'anith 8a; Sukkah 26a. 



_ 44 — 

Ehegesetze besonders einschärften und gegen eingeschlichene Miss- 
brauche mit Strenge eiferten i); aber auch den nur rabbinisch ge- 
botenen zweiten Festtag schütHen sie sorgfältig vor Entweihung, 
indem sie über diejenigen, die ihn nicht achteten, die Bannstrafe ver- 
hängten ^). Dagegen Hess Samuel bei den Gesetzen über die Priester- 
uud Levitenabgaben von den Felderträgnissen, die, ursprünglich nur 
für Palästina gegeben, dennoch aber auch im Auslande ausgeübt 
wurden, vielfache Erleichterungen eintreten und diese geringschätzige 
Meinung Samuels von der Ausübung dieser für Babylonien bedeutungs- 
losen Gebote bewirkte, dass sie daselbst später gänzlich aufgehoben 
wurden. 

Durch die vereinigte Thätigkeit Rab's und Samuel's ist auch 
die Liturgie vielfach ausgebildet und bereichert worden. Manche 
neue Hymnen und Segenssprüche wurden von Beiden gemeinschaft 
lieh verfasst, wie die Eulogie über die allweise Einrichtung des 
menschlichen Organismus und der als „eine Perle" bezeichnete Hym- 
nus beim , Scheiden des Sabbaths an einem Festabend^). Viele Ge- 
bete und Eulogieen , die grösstentheils noch heute in den jüdischen 
Gebetbüchern ihren Platz behaupten, leiten theils von Rab theils von 
Samuel ihren Ursprung her. Von letzterem mögen besonders er- 
wähnt werden: ein Schlussgebet für den Versöhnungstag, viele 
Segenssprüche und ein in solchen Fällen, wo die nöthige Sammlung 
zur längern Andacht nicht gewonnen werden kann, für das aus 
achtzehn Benedictionen bestehende Hauptgebot zu substituirendes 
kurzes Gebet*). In Bezug auf die Vorlesungen aus der heiligen 
Schrift trafen diese beiden Lehrer Babyloniens ebenfalls neue 
Anordnungen , und zwar theils für gewisse ausgezeichnete Sab- 
bathe ausser den gewöhnlichen noch andere Stücke zur Vorlesung 

1) Kiduschin 12b, Jerusch. das. HI, 5; Niddah 25b. 

2) Pesachim ö2a. 

3) cf. Frankel, Monatsschr. Jahrg. 1852, S. 360; zu den dortigen Be- 
weisen, dass Samuel vor R. Jochanan zu den „Grossen" gezählt wird, lässt 
sich noch ein eclatanter hinzufügen: In Cholin 76a sagt R. Jochanan: 
hi<)t2\i; pü- . . . N3-I N-12.', . Ausserdem ist noch zu vergl. Aboda sara 73b 

^) Berachoth 33b; 60b. 

5) L. c. 29a; Pesachim i04a; Joma 87b; Ta'anith 4b; Jerus. das. 11,9. 
Ueber Gebete, die von Samuel herrühren, vergl. man ausser den bereits 
citirten Stellen noch folgende: Berachoth IIa, Pesachim 116a, 104, 
Sota 40a, Tur Orach Chajira § 122; Sanhedrin 42a, Kethuboth 8a. 



— 45 - 

zu bestimmen, theils überhaupt für manche hierzu geeignete Zeiten 
Schriftvorlesungen anzuordnen, wie das Vorlesen von Stücken aus 
den Hagiographen^ beim Mincha-Gottesdienste am Sabbath, welches 
Samuel in Nehardea eingeführt ^). 

Hatte Samuel durch solche das ganze jüdische Leben durch- 
dringende Lehren und Institutionen seine Stammgenossen zur ge- 
nauen Befolgung des Religionsgesetzes angeregt, zu einem höhern 
geistigen und moralischen Standpunkte emporgehoben und zu treuer 
Anhänglichkeit an den Staat und seine Gesetze ermahnt, so sollte 
er durch den Einfluss, den er am persischen Hofe gewann, auch in 
den Stand gesetzt werden, seinen Brüdern wirksamen Schutz nach 
aussen gewähren und zu ihren Gunsten vor dem Königsthrone das 
Wort führen zu können. Sowohl wegen seiner Bemühungen für die 
Wohlfahrt des Staates als auch wegen seines weit über den Kreis 
seiner Glaubensgenossen hinaus verbreiteten wissenschaftlichen Rufes 
ward Samuel am Hofe geschätzt und geachtet. Doch scheint Arde- 
schir von der Ordnung der Reichsangelegenheiten und von den 
Römerkriegen zu sehr in Anspruch genommen gewesen zu sein , als 
dass er noch Müsse gehabt hätte, die Verdienste der im Stillen für 
das Heil seines Reiches wirkenden Männer zu beachten und nach 
Gebühr zu würdigen ^). Erst als nach seinem im Jahre 238 n. ü. Z. 
erfolgten Tode sein Sohn Schabur den Thron bestiegt), fand 
Samuel die ihm gebührende Anerkennung. 

Der Charakter des Sassanidenkönigs Schabur (Sapores) L er- 
scheint uns in den jüdischen Quellen in einem ganz andern Lichte 
als in den römischen und die Geschichte ist gewiss nicht berechtigt, 
den Zeugnissen der durch die bittern Kränkungen über die erlittenen 
schmählichen Niederlagen zum leidenschaftlichsten Hasse aufgebrachten 
römischen Schriftsteller mehr Glauben zu schenken, als den schlichten 
vorurtheilsfreien Erzählungen der babylonischen Juden. Während 
Schabur von den Römern als ein treuloser, stolzer und grausamer 

1) Megillah 29b; Sabbath 116b, 24a; Tosephota n^üS.sü'. 

-) Es ist in den jüdischen Quellen keine Andeutung davon, dass 
Samuel bei Ardeschir in Gunst gestanden wäre, ßapoport hat dies zwar 
in dem Samuel beigelegten Epitheton „Arioch" finden wollen, allein ich 
habe schon oben (Anm. 10) nachgewiesen, dass die Erklärung nicht 
die richtige ist. 

^) Nach Mordtmann 1. c. S. 34. 



- 46 — 

Tyrann geschildert wird ^), so ist in den jüdischen Quellen von allen 
diesen keine Spur zu finden. Hier erscheint er vielmehr als ein 
Wohlthäter der Armen, als ein Freund der Weisen und als ein 
milder schonungsvoller Herrscher, der selbst im schrecklichen Kriege 
das Gebot der Menschlichkeit nicht ganz ausser Acht lässt^). 

Dieser König nun war ein Freund und Verehrer Samuels. Er 
liebte den Umgang mit dem jüdischen Weisen , pflog öfters Unter- 
redungen mit ihm und erbat sich nicht selten seinen weisen Rath ^) . 
Von diesem Einflüsse machte Samuel den edelsten Gebrauch, indem 
er das Herz des Königs für seine Glaubensgenossen zu gewinnen 
suclite , und seiner Fürsprache ist es gewiss zuzuschreiben , dass 
Schabur die Juden nicht nur mit Milde behandelte, sondern sogar 
mit Gunstbezeugungen überhäufte. Er zeigte ein Interesse für den 
Glauben, die Gesetze, Sitten und Gebräuche der Juden und wohnte 
theilnahmsvoll ihren fröhlichen Spielen am Hüttenfeste bei*). Eine 
vom Talmud mitgetheilte Unterredung zwischen ihm und Samuel^) 
lässt vermuthen, dass Schabur zu seinem projectirten Kriege gegen 
die Römer auf eine kräftige Unterstützung von Seiten der Juden 
rechnete. Dass ihm diese auch wirklich zu Theil geworden ist, be- 
weist die Versicherung, die er Samuel gab, dass er niemals einen 
Juden getödtet habe % obwohl er häufig durch von Juden bevölkerte 
feindliche Gegenden seinen Zug nahm, die dem römischen Reiche 
mit Treue anhingen. Hätte nicht Odenat, der tapfere Bürger von 
Palmyra, den Eroberungen Schabur's ein Ziel gesetzt, wer weiss, ob 
dieser nicht den Juden ein zweiter Cyrus geworden und durch ihn 
der Wiederaufbau des Tempels zu Stande gekommen wäre^). 

1) Ueber Schaburs Grausamkeit in der Behandlung der Feinde cf. 
viele römischen Berichte angeführt von Flathe, Ersch und Gruber Ency- 
clopädie See. HI, 17, S. 398 Art. Perser, Ritter, Erdkunde VHI, S. 834. 

-) cf. Baba mezia 70b; Aboda sara 76b; Cholin 62b u. a. Mit diesen 
Angaben des Talmud stimmen auch die persischen Berichte vollständig 
überein, die ebenfalls die Gerechtigkeit und Wohlthätigkeit Schaburs 
rühmen, cf. Mirkhond bei de Sacy 1. c. p. 286 und 290. 

^] Berachoth 56a. 

'^j Sukkah 53a; Baba mezia 119a. 

5) Sanhedrin 98b; cf. A. Krochmal in Chaluz I, S. 83. 

f') Moed katan 26a. 

") Hieraus lässt sich die feindliche Gesinnung erklären, mit welcher 
die Gesetzeslehrer jener Zeit gegen Palmyra erfüllt waren, die gerade 



— 47 — 

Der milde und edle Charakter Scliabur's scheint Samuel bei 
seinen Aussprüchen vorgeschwebt zu haben, in welchen er über die 
Könige sich so überaus günstig äussert. „Das Wort eines Königs'^, 
behauptet er, „ist heilig und er bricht es nicht, wenn es auch gilt, 
Berge zu zerreissen i)". Er hatte es gewiss selbst erfahren, dass 
Schabur ihm Zusicherungen in Betreff seiner Glaubensgenossen er- 
füllte, obgleich die fanatischen Magier demselben ungeahnte Schwierig- 
keiten in den Weg gelegt haben mochten. Ein anderer Ausspruch 
Samuels wollte die Vortheile hervorheben, welche die Sassaniden- 
dynastie gerade wegen ihrer dunkeln Abstammung 2) dem Volks wohle 
böte. Ein König, meint er, an dessen Geschlechte gar kein Makel 
haftet, kann durch Stolz und Ueberhebung seinen Unterthanen ein 
gefährlicher Tyrann werden, und deswegen- habe auch die Vorsehung 
die Regierung der Saul'schen Dynastie von keiner langen Dauer sein 
lassen^), während ein Monarch von dunkler Herkunft, auf seinen 
Ursprung zurückblickend, stets bescheiden und herablassend dem 
Volke gegenüber sich verhält, sich enge an dasselbe anschliesst und 
es zu beglücken sich bestrebt*). Da Samuel einen von der gött- 
lichen Vorsehung eingesetzten Herrscher als einen charakterfesten, 
nur für das Heil seines Volkes thätigen Mann sich dachte, so kann 
es uns nicht Wunder nehmen, dass er in der unumschränkten Königs- 
macht das Wohl des Staates erblickte und die Behauptung aussprach, 
dass es jedem Herrscher erlaubt sei, von dem Rechte, welches der 
Prophet Samuel in seiner Rede an das Volk (Samuel I, K. 8, 

bei dem ausgezeichnetsten Schüler Samuels Rab Juda am stärksten sich 
zeigt. Er sprach: (Jebamoth 17a) Israel werde einen neuen Festtag ein- 
führen am Tage, an dem Palrayra untergehen wird. Nicht ohne Bedeu- 
tung sind die Worte eines späteren Lehrers: (das. 16b.) Palmyra habe 
die Zerstörung des Tempels gefördert. 

1) Baba batra 3b. 

2) Ardeschir war nach Einigen der Hefe des Pöbels entsprossen und 
im Ehebruch erzeugt, cf. Agathias ed. Bonn, p. 123. 124. De Sacy 1. c. 
p. 32 ff. und 167 f. erklärt zwar diese Angabe für eine Fabel, jedoch 
diese Fabel mag schon damals verbreitet gewesen sein und Glauben ge- 
funden haben. 

3) David stammte bekanntlich auch von einer Moabiterin, was inso- 
fern als ein Makel betrachtet wurde, als ein Moabiter nicht in die Gemeinde 
Gottes kommen durften (nach Deuteron 23, 4). 

4) Joma 22b cf. Raschi das. 



— 48 — 

V. 11 — 17) dem Könige einräumte, auch thatsächlichen Gebrauch 
zu machen, da der Prophet keineswegs blos, um das Volk von seinem 
Vorhaben, den Staat in eine Monarchie zu verwandeln, abzuschrecken, 
von Rechten des Königs gesprochen habe, die demselben nicht nach 
göttlichem Gesetze zustehen^). Wenn ein König, von der Macht 
der politischen Verhältnisse gezwungen, einen Krieg unternimmt, so 
wird er nach der Meinung Samuels von Gott wegen der hierdurch 
herbeigeführten Verluste von so vielen Menschenleben zu keiner Ver- 
antwortung gezogen, weil er nur als Vertreter des seiner Fürsorge 
anvertrauten Staates handelt, für den kein Opfer zu hoch ange- 
schlagen werden darf 2). Von der Gerechtigkeit Schabur's in seinem 
Kriege gegen die Römer überzeugt, war daher Samuel für diese 
Unternehmung so sehr begeistert, dass er selbst das Gefühl für 
seine Stammgenossen in seinem Innern zurückdrängte und bei der 
Nachricht, dass die Perser bei der Eroberung von Mazaca Cäsarea ^) 
in Cappadocien 12000 Juden, die ihnen einen hartnäckigen Wider- 
stand entgegengesetzt, niedergemetzelt hatten, es unterliess, seine 
Trauer über die Gefallenen nach jüdischer Sitte durch Kleider- 
zerreissen zum Ausdrucke zu bringen*). Sowie die Vertiefung in 
das Gesetzstudium Samuel nicht verhindert hatte, die andern Wissen- 
schaften ebenfalls mit Liebe und Eifer zu pflegen, so vermochte 
auch nicht seine Anhänglichkeit an seine Glaubensbrüder die Hin- 
gebung an das Vaterland bei ihm abzuschwächen. Die Juden pflegten 
ihn in ehrender Weise „König Schabur" zu nennen, im Hinblicke 
darauf, dass er beim Perserkönige in hohem Ansehen stand und, als 
ein treuer ünterthan, dessen und des Staates Interessen stets zu 
wahren suchte ^). 

1) SaBhedrin 20b. 

2) Schebuoth 35b; cf. Tosephoth zur Stelle. 

3) cf. Graetz in Frankeis Monatsschrift, Jahrg. 1852, S. 512, Wenn 
die Eroberung von Mazaka, wie von Gibbon und Clinton, Fasti Romani 
angegeben wird, erst im Jahr 260, also nach dem Tode Samuels erfolgt 
ist, so müsste man unter no^ip nriü die Stadt Khazr verstehen, die Scha- 
bur nach zweijähriger Belagerung erobert hatte, cf. Mirkhond bei de 
Sacy 1. c. p. 286 ff. Doch passt hierzu nicht die in M. K. 26a befindliche 
Angabe von der Nähe der Stadt n^pTih = Laodicaca. 

^) Moed katan 26a. 

5) Pesachim 54a; Baba karaa 96b. 



V. 

Im Jalire 247 n. ü. Z, starb Rab, der grosse Lehrer zu Snra ^). 
Die Nachricht hievon maclite auf Samuel einen ersciiütternden Ein- 
druck. „Der Mann, der mir überlegen war, ist dahingeschieden", 
rief er weheklagend aus und zerriss nacheinander zwölf Kleider, von 
der Trauer über den Verlust des von ihm verehrten Kollegen ganz 
überwältigt^]. Zu Sura wählte man kein neues Schuloberhaupt; 
Rab Huna, der grösste Schüler Rab's, der nach dessen Tode am 
Gerichtshofe daselbst präsidirte, ordnete sich in jeder Beziehung 
Samuel unter und legte ihm alle schwierigen religionsgesetzlichen 
Fragen zur Entscheidung vor ^). In Nehardea war jetzt die einzige 
Hochschule Babyloniens, deren Rector Samuel als die höchste Autori- 
tät von allen Juden anerkannt wurde. Selbst R. Jochanan, der 
hervorragendste palästinensische Lehrer, der vorher Samuel nur als 
Kollegen betrachtet und auch über den von diesem angefertigten 
Kalender^) sich geringschätzig geäussert hatte, wurde endlich durch 
eine grosse Anzahl von Samuel ihm zugesMndter Belehrungen über 
wichtige Ritualgesetze von dessen Grösse überzeugt, und mit solcher 
Hochachtung gegen ihn erfüllt, dass er den Entschluss fasste, sofort 
seinen Lehrer in Babylonien , wie er jetzt Samuel nannte, zu be- 
suchen, und nur durch ein Gerücht von dessen Tode von dieser 
beschwerlichen Reise abgehalten werden konnte ^). 



1) Epist. Scher, p. 15. 

2) Moed katan p. 24a, 

3) Ep. Scher, p. 16. Gittin G6b, 89b, cf. Sauhedrin 17b. 
''') cf. oben S. 21, Anm. 6, 

^) Cholin 95b, cf. Jerusch. das. 

4 



— 50 — 

Indessen war dies Gerücht falsch; Samuel lebte noch nach dem 
Tode Rab's zehn Jahre ^), schehit jedoch in seinen letzten Lebens- 
jahren durch die Kriege zwischen Persern und Römern an dem 
Verkehr mit Palästina verhindert gewesen zu sein und seine segens- 
reiche Thätigkeit blos auf Babylonien beschränkt zu haben'-*). Hier 
nahm die Sorge für seine Schule, nach welcher jetzt auch die ver- 
waisten Schüler Rab's hinströmten, alle seine Kräfte in Anspruch, 
indem er sich bemühte, letzteren als ein väterlicher Freund den 
schweren Verlust, den sie erlitten, zu ersetzen. Er war auch so 
glücklich an seinen Jüngern seine unbegrenzte Mildthätigkeit üben 
zu können. Besonders ward er Rab's Sohn Chija, der ebenfalls zu 
ihm gekommen war, ein zweiter Vater, und es gereichte ihm zur 
höchsten Freude, von den vortrefflichen Lehren, die ihm von seinem 
hochverehrten Freunde bekannt waren, dessen würdigem Sohne mit- 
theilen zu können ^). . 

Nicht so glücklich war Samuel in seinem Familienleben. Es 
waren ihm keine männlichen Nachkommen beschieden, und zwei 
Töchter wurden ihm während des Krieges von einer feindlichen 
Truppe gefangen weggeführt*). Die Gefangenen wurden nach Seppho- 
ris in Palästina, wo R, Chanina, der ehemalige Lehrer Samuels, 
einer Hochschule vorstand, gebracht. Dort wurden sie von den 
Juden, die bei der Auslösung gefangener Glaubensgenossen keine 
Kosten scheuten, durch Lösegeld aus der Gefangenschaft befreit. 
Kaum hatte R. Chanina erfahren, dass sie die Töchter Mar Samuels 
seien, so entschloss er sich, da eine Rückkehr nach Babylonien in 
jener Zeit mit grossen Gefahren verbunden war, sich ihrer väterlich 
anzunehmen. Er bewog seinen ebenso durch Frömmigkeit wie durch 
Gelehrsamkeit ausgezeichneten Schüler Simon b. Abba, der ein 
Babylonier und mit Samuel verwandt war, eine Tochter desselben 



■) Ep. Scher. 1. c. cf. Graetz in Frankeis Monatsschrift, Jahrg. 1852 
p 512 ff. 

-) Nur auf diese Weise lässt es sich erklären, wie ein Gerücht, dass 
er gestorben, in Palästina Glauben finden konnte und auch später nicht 
dementirt Avorden ist. cf. Jerusch. Cholin 1. c. 

3) cf. Berachoth 12a, Chagigah 14a, Erachin 16b. 

■^) In welcher Zeit dies Factum stattgefunden, kann nicht genau be. 
stimmt werden; jedenfalls aber noch beim Leben Samuels, wie dies im 
Folgenden ersichtlich sein wird. 



— 51 - 

zu heirathen. Doch sie starb bald nach der Vermählung und eben- 
so wurde ihre Schwester, die Simon nachher heirathete, durch einen 
frühzeitigen Tod ihm entrissen ^). Der unglückliche Vater ertrug 
sein Geschick mit Ruhe und Geduld. Nicht lange vorher hatte sein 
Bruder Pinehas einen ähnlichen Trauerfall zu beklagen. Samuel 
ging, um seinen Bruder zu trösten, und als er in dessen äusser- 
licher Erscheinung die Trauer allzusehr ausgedrückt fand, konnte 
er sich nicht enthalten, sein Befremden hierüber zu äussern. „Wür- 
dest du denn so gleichgültig sein, wenn dir ein solches Unglück 
begegnete", fragte Pinehas und — so fügt die Quelle hinzu — 
gleich als wäre einem Herrscher ein unheilvolles Machtgebot aus 
Versehen entschlüpft, wurde auch wirklich Samuel bald von einem 
solch harten Schlage getroffen'-*). 

In Palästina schrieb man dies Unglück einer alten Sünde zu, 
die Chanania, der Brudersohn des R. Josua begangen, indem er in 
Babylonien Monatsanfänge bestimmt und Schaltjahre eingesetzt hatte ^). 
Man konnte es sich nicht anders erklären, wie es denn kam, dass 
der hochverehrte, tugendhafte und sündenlose Mar Samuel von der 
Hand Gottes so schwer getroffen wurde. Man wagte nicht, auch 
nur daran zu denken, dass an diesem reinen Tugendbilde irgend ein 
Makel hafte; ja man erzählte, dass einem Manne, der sich über 
Mar Samuel nach dessen Tode tadelnd geäussert hatte, auf der 
Stelle von einem herabgestürzten Balken der Hirnschädel zerschmettert 
worden wäre; so furchtbar hätte Gott eine Verletzung der Ehre 
dieses Frommen bestraft*). 

Einer solchen allgemeinen Verehrung hatte sich Samuel, wie 
kein Anderer, durch seine Thaten verdient gemacht. Keiner war 
gleich ihm stets für das Gemeinwohl besorgt und diesem seine 
eigenen Interessen aufzuopfern bereit. Sein Vater Abba diente ihm 
hierin als leuchtendes Vorbild. Dieser hatte es als seinen Beruf 
angesehen, für das Wohl Anderer zu sorgen und durch Liebesdienste 
seinen Nebenmenschen nützlich zu sein. Gab es Gefangene auszu- 
lösen, so war es Abba, der in die vorderste Reihe trat, dies zu 



i) Kethubotli 23a und Jerusch das. 

2) Moed katan i8a. 

3) cf. oben. S. 19, Anm. 4. 
M Berachotli 19a. 



- 52 - 

bewerkstelligen^); gab es Waisengelder zu verwalten, so war es 
wieder Abba, der mit fast peinlicher Gewissenhaftigkeit dieses Geschäft 
besorgte^). Seine Mildthätigkeit gegen die Armen war unbegrenzt 
und weit gepriesen ^). Er verkaufte den Ertrag seiner Felder immer 
zur Erntezeit zu billigem Preise, denn er hielt es für sündhaft, 
Kornvorräthe aufzuspeichern und dadurch eine Theuerung der Lebens- 
mittel herbeizuführen*). In allen diesen eiferte Samuel seinem 
Vater nach und wollte ihn womöglich noch übertreffen. Aus Für- 
sorge für die liülflosen Waisen stellte er jedem Gerichtshofe die 
Aufgabe, bei den Waisen Vaterstelle zu vertreten-^). Er Hess seine 
Feldfrüchte bis zur Zeit der Theuerung liegen, um sie dann den 
Armen zu den billigen Preisen der Erntezeit zu verkaufen ^). Er 
zeigte ausserdem das Bestreben, Redlichkeit und Rechtschaffenheit 
in Handel und Wandel Allen ans Herz zu legen und das Volk vor 
Bedrückung und Uebervortheilung zu schützen. Er warnte in vielen 
Aussprüchen vor dergleichen Ungerechtigkeiten, schärfte den Kauf- 
leuten ein, nie mehr als ein Sechstel des Einkalifpreises Profit zu 
nehmen^), duldete es nicht, dass man auf Waaren, die zur Aus- 
übung .einer religiösen Pflicht gehörten, einen zu hohen Preis setzte 
und zeigte bei solchen Gelegenheiten sich bereit, die Strenge des 
Religionsgesetzes zu mildern, falls die Kaufleute sich nicht zu billigern 
Preisen verstehen würden ^) ; wie er auch in manchen Fällen die 
Uebertretung einer Religion s Vorschrift erlaubte, um viele Menschen 
vor Schaden zu bewahren ^). Wie er selbst stets mit der Gesammt- 
heit fühlte, wie er in seiner ganzen Thätigkeit nur das Wohl Anderer 
im Auge hatte und wie er von seinem Einflüsse bei dem Fürsten 
nur zum Heile des Volkes Gebrauch machte, so wollte er, dass 
solche Gefühle auch jedes -Israeliten Herz erfüllten, dass jeder sein 
eigenes Wohl in dem der Gesellschaft suche und dass diese Gefühle 

ij Kethubotli 23a. 

2) Berachoth 18b. 

^) Jerusch. Pea, Ende 

-'') Baba batra 9Öb. 

5) Jebamoth 67b, Gittin 37a, 52b. 

") Baba batra 90b. 

^) Baba mezia 40b, Scliebuotli 31a, Cholin 113a. 

'^j Pesachira 30a, Sukkah 34b. 

'•'j Sabbath 42b. 



— 53 — 

auch in den Gebeten ihren Ausdruck fänden, in welchen der Einzelne 
sicli nie von der Gesammtheit ausschliessen solle ^). 

Fast scheint es überflüssig zu erwähnen, dass sein Wohlwollen 
nicht auf den engen Kreis seiner Glaubensgenossen beschränkt war, 
sondern auf alle Menschen ohne Unterschied der Religion sich er- 
streckte; haben wir ja schon oben gesehen, wie er mit heidnischen 
Männern der Wissenschaft vertrauten Umgang gepflogen und den 
freundschaftlichen Verkehr zwischen Juden und Heiden zu befördern 
gestrebt hatte. Aber auch an vortrefflichen Lehren Hess er es nicht 
fehlen, um diese Duldsamkeit zu verbreiten. „Es ist verboten einen 
Menschen, mag er Jude oder Heide sein, auch nur durch Worte zu 
hintergehen" 2). „Vor dem Richterthrone des Weltenschöpfers waltet 
kein Unterschied ob zwischen Juden und Heiden, da ja unter letzteren 
sich ebenfalls edle nnd tugendhafte Männer befinden ^j". „Man hüte 
sich besonders, in Gegenwart eines Proseliten Verachtung und Gering- 
schätzung gegen Heiden kundzugeben; denn ist auch bei jenem der 
angestammte Glaube durch seine spätem Ueberzeugungen verdrängt 
worden, so muss doch jede Unduldsamkeit um so mehr sein Herz 
verwanden, als er es am meisten fühlt, wie diejenigen, welche, treu 
den in ihrer zartesten Jugend eingesogenen Lehren und Anschauungen, 
ihrem Irr- und Aberglauben anhangen, mit Unrecht verachtet und 
verfolgt werden''*). Diese und ähnliche Lehren wurden von Samuel 
ausgesprochen^). Ebensowenig wie auf das religiöse Bekenntniss 
blickte er auf den Stand bei der Bethätigung seiner Menschenliebe. 
Seiner Menschlichkeit und gewissenhaften Rechtlichkeit in der Be- 
handlung der Sklaven wird gewiss Niemand die Bewunderung ver- 
sagen, der bedenkt, dass in jener Zeit selbst bei den gebildetsten 
Völkern der Sklave nur als eine Waare betrachtet wurde. Samuel 
lehrte durch Wort und That, dass man auch in den Sklaven die 
Menschenwürde achten müsse und dass sie nur zum. Dienste aber 
nicht zur Herabwürdigung und ehrenkränkenden Behandlung dem 
Herrn anvertraut seien ^). Als ihm einmal eine Sklavin geraubt 

1) Berachotli 49b und Jerusch. das. 

2) Cholin 94a. 

3) Jeruschalmi, Rosch ha-Schaiiah I, 2. 
■'*) Sanhedrin 94a. 

^) cf. Sabbath 32a: Jebamoth 121b; Aboda sara 2.3b. 
ö) Niddah 17a, 47a; Arachin 29b. 



- 54 - 

wurde und er sie im Gedanken aufgegeben hatte, hielt er sich aus 
diesem Grunde verpflichtet, ihr später, nachdem er sie durch Lösegeld 
wieder erlangt hatte, einen Freibrief zuzustellen^). 

Mehr noch als seine Selbstlosigkeit und sein herzgewinnendes 
Wohlwollen trugen seine Bescheidenheit und Sanftmuth dazu bei, 
ihm die Liebe und Verehrung seiner Nebenmenschen zu verschaffen. 
Ungeachtet der hohen gesellschaftlichen Stellung, die er einnahm und 
der, Geistesgrösse, wodurch er unter seinen Zeitgenossen hervorragte, war 
dennoch jeder Stolz, jede Ueberhebung und Selbstüberschätzung seinem 
ganzen Wesen fremd; er brachte im Gegentheil eine anspruchslose 
Bescheidenheit in Lehre und Leben zum Ausdrucke. Die Schule 
des Patriarchen Hillel, jenes Musterbildes der Bescheidenheit, wurde 
von Samuel besonders gepriesen und verherrlicht. „Drei Jahre"' 
lautet ein Ausspruch von ihm, „conti oversirten die Schulen Hillel's 
und Samai's mit einander, bis endlich eine göttliche Stimme rief, 
„Die Lehren beider Schulen sind Worte eines lebendigen Gottes, 
„aber für die Praxis ist die Schule Hillel's massgebend"''. „Warum 
geschah dies? Weil die Hilleliten sanft, bescheiden und duldsam 
waren und es nicht verschmähten, neben ihrer eigenen Meinung 
stets auch die Ansicht ihrer Gegner vorzutragen, ja letztere sogar 
der eigenen vorauszuschicken" 2). Dem Beispiele der Hilleliten folgend, 
war auch Samuel in seinem Streite bescheiden und vertrug auch 
Widerspruch gern. Er beharrte nie hartnäckig auf seiner Meinung, 
sondern nahm sie sogleich zurück, sobald er von deren Irrthümlich- 
keit überzeugt war ^). Er machte öfters seinem Gegner das Zuge- 
ständniss, dass dessen Ansicht dem Verstände einleuchtender sei, als 
die seinige und rechtfertigte jene gegen die von Andern erhobenen 
Einwände*}. Und wie bescheiden und anspruchlos war sein öffent- 
liches Auftreten! Die angesehene Familie Schela, welcher nach altem 
Herkommen bei der Huldigung des Exilarchen der Vortritt einge- 
räumt wurde, hatte dieses Vorrecht an Samuel abgetreten. Dieser 
jedoch, der bei jeder Gelegenheit nicht nur vor Rab sondern auch 
vor dessen Schüler R. Assi zurücktrat, überliess auch diese Ehre 



') Gittin 38a. 

2) Erubiu 13b. 

3) Ibid. 90a; Cholin 76b. 96a. 

-*) Berachoth 36a; Beba mezla 107a; Bechoroth 54b. 



— 55 ~ 

seinem Freunde Rab, den er wie einen Lehrer ehrte ^). Er war 
gewohnt Jedem, von dem er auch nur eine Sache gelernt hatte, 
öffentlich seine Achtung zu bezeugen, verschmähte es nie, selbst von 
Solchen, die ihm tief untergeordnet waren, Belehrung anzunehmen^) 
und, um auch seine Schüler zu einem solchen Verhalten zu ermuntern, 
wies er ihnen nach, dass viele im Munde des gemeinen Volkes 
lebenden Sprichwörter in der heiligen Schrift ihre Begründung 
finden, dass also selbst unwissende manchmal göttliche Weisheits- 
lehren aussprechen ^). In seiner Spi*ache liebte er jene Geradheit, 
die in einfacher, ungekünstelter Rede ihre Gedanken äusserst und 
zeigte einen tiefen Widerwillen gegen diejenigen, die hochmüthig die 
gewöhnliche Sprache verschmähten und nach eigenthümlichen fremd- 
sprachlichen Ausdrücken haschten*). Wie tief die Bescheidenheit 
und Demuth in seinem Innern wurzelte und wie sehr sein Geist von 
ihnen durchdrungen war, bekunden sowohl seine religiösen Herzens- 
ergüsse, in welchen er die Eitelkeit und Nichtigkeit der menschlichen 
Weisheit und Grösse sowie die Geringfügigkeit der menschlichen 
Tugenden und Vorzüge in erhabenen und ergreifenden Worten dar- 
stellt ^} , als auch seine öffentlichen Vorträge , welche über die 
Allgüte und Allbarmherzigkeit des Schöpfers belehrten, der dem 
schuldbelasteten Sterblichen seine Gnade und Vergebung in reichem 
Maasse zu Theil werden lässt^j. 

Auch darin glich Samuel ganz dem Patriarchen Hillel, dass er 
Jedermann mit unbeschreiblicher Sanftmuth und Freundlichkeit be- 
gegnete, ganz unähnlich seinem Freunde, dem Schuloberhaupte von 
Sura, der gleich Samai durch seine Heftigkeit die Menschen zuweilen 
abstiess. Ein Perser kam einmal zu Rab und wollte von ihm in 
der jüdischen Religion unterrichtet werden. Dieser zeigte sich ihm 
willfährig. Als jener aber gegen Alles, was ihm vorgetragen wurde, 
einen halsstarrigen Zweifel entgegensetzte, wies ihn Rab zornig von 
sich. Er ging hierauf zu Samuel und dieser brachte es durch 
Sanftmuth und Geduld in kurzer Zeit so weit, dass der verstockte 

1) Baba kama 80a f Jerusch, Ta'auith IV. 

2) Ketlmboth 22b; Baba mezia 33a; Jerusch Horajoth III, 7. 

3) Sanhedrin 7a. 
^) Kiduschin 70a. 
ö) Joma 87b. 

f') Ta'anith 8a. 



— 56 — 

Perser zu glauben anfing und zum Judentlium übertrat i). Diese 
menschenfreundliche Gesinnung leitete ihn auch in seinem Urtheile 
über Andere, worin er stets zu liebevoller Nachsicht, nie aber zum 
Verdammen und Verurtheilen bereit war. Ein gewisser Rab Schela ^) 
hatte einmal die Wiederverheirathung einer Frau gestattet, deren 
Mannes Tod noch nicht gesetzlich constatirt war. Rab ward hierüber 
so aufgebracht, dass er sofort über Rab Schela die Bannstrafe ver- 
hängen wollte. Samuel jedoch hielt ihn von diesem Schritte zurück, 
indem er bemerkte, man müsse vor der Verurtheilung erst den 
Schuldigen vernehmen. Wirklich wusste Rab Schela; um den Grund 
seiner Entscheidung befragt, sich vollkommen zu rechtfertigen, und 
Rab freute sich, durch des Freundes Rath von einer Uebereilung 
abgehalten worden zu sein, die von unangenehmen Folgen für ihn 
gewesen wäre^). Solche Nachsicht empfahl Samuel auch Andern. 
,, Lasset euch nie dazu herbei, ein Kind zu enterben, und wäre es 
auch, einen ungerathenen Sohn zu Gunsten eines bessern'', warnte 
er seine Schüler, sie zur Toleranz und Versöhnlichkeit ermahnend*). 
Jedoch erlaubte er es nicht, dass die Bescheidenheit und 
Geduld zu weit getrieben wei'de und bis zur Schwäche ausarte. Er 
selbst legte immer ein hohes Selbstbewusstsein , eine Festigkeit und 
Entschlossenheit an den Tag, wenn es galt, für Recht und Wahrheit 
und für das Ansehen der Lehre in die Schranken zu treten. Bevor 
er noch ein öffentliches Amt bekleidete, hatte er schon der Willkür- 
herrschaft und den gesetzwidrigen Anordnungen des Exilarchen offen 
und entschieden entgegenzutreten gewagt*), und als später sein 
Schüler Mar ükba zum Exilarchat gelangte, Hess er trotz der glanz- 
vollen äussern Stellung seines Schülers es nicht ungerügt, wenn 
dieser gegen ihn sich verging ^). Wenn die Autorität der Lehre und 
des Gesetzes gefährdet war, da verwandelte sich seine Milde in 
Strenge und wich seine Sanftmuth einer gerechten Entrüstung, die 

1) Midrasch rabbah zu Eccles, VII, 8. 

2) cf. oben S. 24, Anm. 4. 

3) Jebamoth 121a. 
^) Kethuboth ö3a, 
5) Baba batra 89a. 

6j Moed katan 16b. Eine der ersten Pflichten des Lehrers ist nach 
dem Talmud, sein Ansehen den Schülern gcji^^enüber aufreclit zu erhalten 
(Ketuboth 103b). 



— 57 — 

allein ohne Hinzufügung einer andern Strafe hinreichend war, die 
Gesetzesverächter zu zerschmettern und zu vernichten i). Ebenso 
thatkräftig bekämpfte er falsche Ansichten und achtete die Wahrheit 
höher als jede Autorität 2). Selbst Rab gegenüber führte er in solchen 
Fällen eine Sprache, die von nicht geringem Selbstbewusstsein zeugt. 
„Wenn Ab ba einer so 1 che n Ansicht ist, so versteht er von Sabbath- 
oder Trephoth-Gesetzen gar Nichts", sagte er mitunter^), aber ohne 
auch nur im Geringsten seinen Freund hiermit verkleinern oder 
herabwürdigen zu wollen, was schon der Umstand beweist, dass er 
ihn unzählige Male mit dem Ehrentitel , Rab (Lehrer) benennt^). 
Diesen Bestrebungen, das Gesetz und die Lehre in ihrer Rein- 
heit und ihrem Ansehen zu erhalten, entsprechen auch die strengen 
Anforderungen, die Samuel an sich selbst und an die Richter und 
Lehrer überhaupt stellte. Der Richter muss nach Samuel im Recht- 
sprechen eine Gewissenhaftigkeit beobachten, die auch den geringsten 
Schein von Bestechlichkeit und Parteilichkeit vermeidet. Als ihm einmal 
Jemand beim Gange über eine Brücke die Hand zur Stütze reichte, wollte 
er einen Rechtsstreit, den der Betreffende hatte, nicht zur Entscheidung 
übernehmen, aus Befürchtung, durch die ihm bewiesene Zuvorkommenheit 
bestochen, sich zu dessen Begünstigung geneigt fühlen zu können ^). 
Mit derselben Vorsicht solle auch der Lehrer bei religionsgesetzlichen 
Entscheidungen verfahren , die er nur dann zu treffen unternehmen 
dürfe, wenn er von den betreffenden Lehren vollständige und klare 
Kenntniss besässe *^). Der Lehrer soll — so lehrt Samuel — in 
seinen Handlungen nicht immer den Buchstaben des Gesetzes sondern 
zuweilen das Gewissen um Rath fragen, das oft über eine Handlung 
ein Verdammungsurtheil fällt, die der Arm des Richters ungestraft 
lässt. Er soll ferner nicht im Handel und Wandel Andern gegen- 
über zu sehr auf strenges Recht pochen, sondern freudig zuweilen 
auf sein rechtliches Eigenthum Verzicht leisten^). Zu den noth- 
wendigeu Eigenschaften eines Gesetzeslehrers zählt Samuel endlich 

') Jerusch Sotah IX, 16; ibid, Moed katan HI, 2. 

2) cf. Chagigah 10a; Joma 85b; Megillah 7a. 

3) Sabbath 53a; Cholin 45b. 

■'») cf. z. B. Erubin 90b; Aboda sara 32b; Sanhedrin 66b u. a. 

5) Kethuboth 105b. 

6) Kiduschin 6a. 

"?) Baba mezia 24b; 75a. 



— 58 — 

eine eifrige Walirheitsliebe , der jede heuchlerische Verlogenheit ver- 
hasst und verabscheuungs würdig ist ^). 

Der Eifer, mit welchem Samuel für seine Nebenmenschen thätig 
war, die Liebe und die freundliche Theiluahme, die er ihnen stets 
entgegentrug, wurden noch übertroffen von seinem nie ermattenden 
Eifer im Dienste Gottes und von seiner treuen Anhänglichkeit und 
Liebe zur Lehre Gottes. Nur durch Gottesdienst und Forscheu in 
der Gotteslehre erlangt der Mensch nach Samuel's Aussprüchen ein 
Recht auf das Dasein; vernachlässigt er diese Pflichten, so ist er, 
weil nicht seiner Bestimmung gemäss lebend, oder, wie sich Samuel 
selbst ausdrückt, weil aus dem von Gott für das wahrhaft mensch- 
liche Leben bestimmten Elemente geschieden, gleich dem Fische, 
der das Wasser verlässt, als nicht lebend zu betrachten ^). Wer 
auch nur ein Gottesgebot vernachlässigt, schlägt seinem geistigen 
Leben eine unheilbare Wunde und vermag nicht mehr, wie der 
unverdrossen seine Pflichten Uebende, gegen furchtbare von aussen 
auf ihn eindringende Stürme der Noth und der Leiden sich muthig 
aufrecht zu erhalten ^}. 

Samuels Leben war auch von rastloser, pflichteifriger Thätigkeit 
und vom Forschen in der Weisheit*) ganz ausgefüllt. Auch die 
tiefsten religions-philosophischen Fragen beschäftigten seinen regen 
Geist. Die Welt, behauptet er, sei nur für Männer wie Moses 
erschaffen worden, dem alle Pforten der Weisheit erschlossen waren 
mit Ausnahme einer einzigen, der Erkenntniss der Wesenheit Gottes -^j. 
Diese Ansicht erkennt als das höchste Ziel des Menschen die mög- 
lichst hohe Erkenntniss an, bedingt aber, dass sie, wie bei Moses, 
mit eifriger praktischer Pflichterfüllung verbunden sei. Die theore- 
tische Erkenntniss allein genügt ebenso.wenig wie ein blos sittlicher 
und religiöser Wandel ohne Erkenntniss ^). Das Dogma vom Messias, 

1) Cholin 94a; Baba mezia 23b. 

2) Abodah sara ob; cf. Erubin 54a. 
^) Berachoth 63a. 

4j Wissenschaft, Weisheit und Gesetzeslehre wurden sämmtlich durch 
das Wort mm (Lehre) in jener Zeit bezeichnet. Die Rabbinen wurden 
„Weise" (Dv:)3n) genannt; mit demselben Namen bezeichnete man auch 
die Gelehrten anderer Völker. 

5) Sanhedrin 98b; Nedarim 38a; cf. den Commentar des R. Nissim das. 

6j Dieser Ansicht wurde von Rah und R. Jochanan widersprochen. 



— 59 — 

diese tröstende und aufrichtende Lehre von einer heilvollen Zukunft, 
wurde von Samuel in einer andern Weise aufgefasst, als man es bis 
zu seiner Zeit gewohnt war. Er lehrte, die messianische Zeit werde 
sich nur dadurch von der frühern unterscheiden, dass Israel, geläutert 
durch so viele Leiden, veredelt und frei von jeder Knechtschaft sein 
werde; im üebrigen werde sein Zustand unverändert bleiben. Die 
Weissagungen der Propheten von einem glücklichen goldenen Zeit- 
alter beziehen sich gar nicht auf die messianische Zeit, sondern auf 
das zukünftige Leben (Olam ha-ba, zukünftige Welt, Jenseits), dessen 
ungetrübte Glückseligkeit die Propheten sinnbildlich darstellten i). 
Auch über die göttliche Vorsehung besitzen wir von Samuel mehrere 
Aussprüche, die uns den Beweis liefern, dass dieses Thema seine 
Gedanken eifrig beschäftigt hatte. Er stellte über die weise, göttliche 
Weltordnung Betrachtungen an, wies nach, dass sich die göttliche 
Vorsehung auf jeden einzelnen Menschen erstrecke, und zeigte, wie 
besonders in der jüdischen Geschichte die göttliche Vorsehung sich 
oifenbarte ^) . 

Es lässt sich leicht denken, dass ein Mann von solcher Ver- 
standesgrösse, wie Samuel, jeden Aberglauben, dem seine Zeit ergeben 
war, verwerfen musste. Wir haben schon oben gesehen, dass er die 
Nichtigkeit der Sterndeuterei erkannte und vor der Uebung derselben 
warnte. Aber auch den Träumen, die man zu seiner Zeit für gött- 
liche Offenbarungen der Zukunft hielt, sprach er jedwede Bedeutung 
ab ^}. Dies bewies er auch seinem königlichen Freunde Schabur auf 
folgende Weise. Schabur, der besonders viel auf Träume gab, fragte 
einmal Samuel, ob er, der so weise, auch im Stande sei, ihm vorher- 
zusagen, was für einen Traum er in der folgenden Nacht haben 
werde? „Du wirst in deinem Traume sehen, o König", erwiederte 
Samuel, „dass die Römer dich gefangen nehmen und zu schwerer 
Arbeit verurtheilen". Dies beunruhigte den ganzen Tag des Königs 
Gedanken, und die Folge hievon war, dass er auch wirklich diesen 
Traum hatte. Er wurde dadurch von der Nichtigkeit des Traum- 

1) Kethuboth 112b; Berachoth 34b und viele Parallelstellen. Auch 
diese Ansicht S.'s hat von vielen Seiten Widerspruch gefunden. 

-) Moed katan 18b; Berachotli 58b; Megillah IIa; Nedarim 41a; 
Joma 22b; cf. auch Sabbath 56b. 

3) Berachoth 55b. 



— 60 — 

glaubens überzeugt, da er einsah, dass die Träume nur von den 
Gedanken, mit denen man am Tage sich beschäftigt, herrühren '). 

Der reine und geläuterte Glaube war es auch, der Samuel 
die Ueberzeugung verschaffte, dass es nicht Gottes Wille sei, 
dass der Mensch sich kasteie, allen Freuden dieser Welt entsage 
und. ein ascetisches Leben führe, sondern dass er vielmehr jeden 
erlaubten Genuss sich vergönne. Demgemäss lehrte er auch: 
„Wer sich Fasten auferlegt, ist ein Sünder; wer Gelübde auf sich 
nimmt, wird ein Frevler genannt; und wer sich die nöthige Nahrung 
entzieht, dem wird sie auch vom Himmel vorenthalten werden; 
denn wie sollte Gott sich seiner erbarmen, da er selbst gegen sich 
kein Mitleid fühlt? '-^) Diese Welt ist eine von Gott den Menschen 
bereitete Tafel, von der Jeder, so viel als erlaubt ist, sich nehme, 
bevor er von seinem himmlischen Vater in eine andere Welt abbe- 
rufen wird" ^). Gerade darin besteht nach Samuel die höchste 
Tugend, mitten in den Freuden dieser Welt zu leben und dennoch 
genau dem göttlichen Willen nachzukommen, sich keinen Genuss zu 
versagen, aber stets dessen eingedenk zu sein, dass man Gottes 
Eigenthum geniesse, welches, wie heiliges Gut, erst durch ein Löse- 
geld, den Dank zum Schöpfer und die Lobpreisung seiner Gnade 
erworben werden müsse*). Samuel hatte den schönen Wahlspruch. 
„Alles für Gott" 5). 

Es war auch sein ganzes Leben und Wirken eine Verherrlichung 
des göttlichen Namens, ein vollendeter Ausdruck des Ideals der 
jüdischen Lehre. Er hat dem ganzen Leben der jüdischen Nation, 
das in der Lehre wurzelte, durch die Ausbildung und Entwicklung 
des überlieferten Gesetzes eine durchgreifende Förderung gegeben, 
durch Ermunterung zur Pflege der Wissenschaften einen erweiterten 
Gesichtskreis geboten und durch herzliche Ermahnungen zur Förderung 
des staatlichen Wohles eine heitere Aussicht für die Zukunft ver- 
schafft. So wurde von diesem Geistesheroen schon am Beginne des 
geschichtlichen Lebens der Juden in der Diaspora der Grundstein zur 
Fortentwickelung des Judenthums in der Fremde fgelegt. Diese sind : 

') Beraclioth 56a. 

2) Sabbath 129a;Ta'anitli IIa; Nedarim 22a. 

3) Erubin 54a. 

'*) Beraclioth 35a. 

^) Kidiischin 81b: 0''^:)^ D\i;h h::r]. 



- 61 — 

staudhaftes Festhalten am väterlichen Glauben, eif- 
riges Pflegen der Wissenschaft und trene Anhänglich- 
keit an das Vaterland. 

Im Jahre 257 n. ü. Z. schied Samuel aus diesem Leben und 
hinterliess in seinen Schülern, auf die er seinen Geist und seine 
Tugenden vererbt hatte, würdige Nachfolger, welche das schöne Werk, 
das er begonnen, eifrig fortsetzten. Von seinen ausgezeichneten 
Schülern waren in der folgenden Generation am hervorragendsten : 
R. Nachman, welcher das Rectorat der Akademie zu Nehardea über- 
nahm i), und Rab Juda „der Scharfsinnige', der eine neue Hoch- 
schule zu Pumbadita begründete 2) , und von dem sein Lehrer im 
Hinblicke auf dessen heiligen Lebenswandel behauptet hatte, er sei 
gar kein Staubgeborener ^j. 

1) Epist Scher, p. 16. 

2) Ibid. über Pumbadita cf. oben Anm. 9. 

3) Niddah ISa. 



Anhang. 

Note A. 

Ich habe in den chronologischen Angaben die Resultate der 
Forschungen Rapoport's zur Grundlage genommen, nach welchen 
193 n. ü. Z. der Tod ß. Jehuda ha-Nasi's erfolgte und 189 die erste 
Wanderung Rab's nach Babylonien stattfand. Diese und noch andere 
mit ihnen zusammenhängende chronologische Daten sind von Rap. in 
drei trefflichen Artikeln (Kerem Chemed IV, p. 204 ff., ibid. VII 
p. 138 ff. und Erech Miliin v. DIJ^JIJ^JN') ausführlich begründet 
worden. Jedoch sind noch einige Einwände gegen die der Chronologie 
in dieser Skizze zur Basis dienenden zwei Daten erhoben worden, 
die Rap. nicht beseitigt hat. Dies soll nun an dieser Stelle ge 
schehen. 

I. Die Meinungsverschiedenheit zwischen den Gelehrten hierüber 
ist bekanntlich durch eine Zahlvariante entstanden , indem die uns 
jetzt vorliegenden Handschriften der ältesten Quellen für die Wan- 
derung Rab's nach Babylonien die Zahl 'b"p'r\ = 530 Seleucid. d. i. 
219 n. ü. Z. (cf Richter, historisch-kritischer Versuch über die 
Arsakiden u. s. w. S. 97) haben, während Zakkuto in allen Hand- 
schriften 'p'n = 500 Sei. d. i. 189 n. ü. Z. gelesen hat. Rap. hält 
nun die letztere Angabe für die richtige, indem er die erstere auf 
die Reise Rab's von Nehardea nach Sura, das in einem Bezirke liegt, 
welcher öfters Babel y.ccT e^o%r]v genannt wird, bezieht. Deshalb ist 
auch die Notiz im Jalkut, ( Zacharia 11), dass R. Jehuda ha-nasi, 
oder Rabbi der Kaiser Commodus und der Arsacide Volageses III in 
einem Monate gestorben sind, für historisch zu halten; mithin war 
das Todesjahr Rabbi's 193 n. ti. Z. Andere Gelehrte, die Rabbi's 
Wanderung um 219 setzen, müssen, da diese noch bei Rabbi's Leb- 
zeiten stattfand, die Notiz im Jalkut verwerfen und Rabbi's Tod 
etwas später als 219 setzen. Der Hauptvertreter der letzteren An- 
sicht ist Jost. 



— 63 — 

IL Grätz setzte in der ersten Auflage seiner Geschichte (Berlin 
1853) den Tod Rabbi's ungefähr um dieselbe Zeit wie Kap., in- 
dem er noch einen anderen Grund hinzufügte und wollte nur die 
Zahl 'byn d. i. 219 n. ü. Z. nicht fiir die Reise Rab's nach Sura 
gelten lassen (auf diesen letzteren Punkt kommen wir später zurück). 
In der zweiten Auflage (Leipzig 1866) dagegen wird die Zeit um 
ca. 15 Jahre verschoben. Als das Todesjahr Rabbi's wird 210 an- 
gegeben und auch das Geburtsjahr desselben, welches allgemein nach 
einer an drei Stellen (Genesis Rabba cap. 58, Midrasch Koheleth I, 5 
und Talmud babli Kidischin 72b) befindlichen Notiz: '"i nötJ'ö 
"»DI ih^l i^ypV gleichzeitig mit dem Todesjahre R. Akiba's also mit 
dem Falle Betar's 135 gesetzt wurde, wird von Gr. um 15 Jahre 
später, also 150 angegeben, (cf. Grätz, Geschichte der Juden IV. 
2. Auflage S. 414 und 480). Meine Aufgabe ist es nun, die Ansicht 
Rap.'s gegen die Einwände Gr's. zu vertheidigen, weil gerade diese es 
sind, die Rap. nicht selbst widerlegt hat. 

III. Der erste Gegenbeweis Gr.'s (1. c, S. 414) ist zwar von 
keiner Bedeutung. Er sagt: „Die älteste gaonäische Chronik, das 
Seder Tanaim und Scherira, beide geben übereinstimmend an: R. 
Jahanan sei 590 Sei. gestorben = 279; Scherira fügt hinzu: er 
habe 80 Jahre fungirt: ",'10X1... pni' '1 2^2^ ^iin 31^ 'örm 
]jnv '"! -it:D\\ i2"pn njLj^m ("^d pi:^ pDm.) Y^^JtJ^ i"'jnDT Diese 

Zahl kannten viele Chronographen, nur hatten sie statt D die un- 
mögliche Zahl n und gaben demgemäss R. Jochanan eine Lebensdauer 
von 400 Jahren. Sie haben die Zahl jedenfalls richtig von der 
Lebensdauer verstanden. Ist nun R. Jochanan 80 Jahre alt gewor- 
den und 279 gestorben, so ist er 199 geboren. Nun war er noch 
ein jugendlicher Zuhörer R. Juda's I und hat dessen halagische Dis- 
kussionen mit Rab nicht capiren können (Cholin p. 137). Folglich 
lebte R. Juda noch mehrere Jahre nach R. Jochanans Geburt, nach 
199." Soweit Grätz. Diese ganze Beweisführung beruht aber auf 
einer nicht nur unerwiesenen, sondern auch, wie es sich bald zeigen 
wird, grundfalschen Voraussetzung, derjenigen nämlich, dass die 
80 Jahre bei Scherira und die 400 bei den andern Chronographen 
aus ein und derselben Quelle geflossen, mithin Scherira's Angabe für 
die Funktionsdauer R. Jochanan's als dessen Lebensdauer zu betrach- 
ten sei. Die älteste Chronik, welche die 400 Lebensjahre des R, 
Jochanan angiebt, ist das Seder Tanaim we-Amoraim, das spätestens 



— 64 — 

887 11. ü. Z, verfasst wurde, also um 80 Jahre älter ist als Sclieri- 
ras Senclschreibeu. In diesem Büchlein werden am Schlüsse noch 
diejenigen Gesetzeslehrer hervorgehoben, die ein aussergewöhnlich 
hohes Lebensalter erreicht haben und zwar mit folgenden Worten: 
„R. Jochanan lebte 400 Jahre (ü^J^ 'n), Rab lebte 300 Jahre [ü^:^ '^), 
R. Jochanan b. Sakkai, Hillel, der ältere und R. Akiba lebten jeder 
120 Jahre (nJty Tp)-" ^^^ ^^ schon beim ersten Anblick dieser Stelle 
ersichtlich , dass der Verfasser R. Jochanan das höchste Lebensalter 
zuschreibt, so wird es bei einigem Nachdenken klar, dass es unmög- 
lich ist bei R. Jochanan s zu lesen. 80 Jahre und noch länger 
haben sehr viele Gesetzeslehrer gelebt; wir erwähnen nur Rab Juda 
b. Jecheskel, R. Nachman , R. Ada b. Ahaba und Samuel ; und es 
wäre diese Lebensdauer nicht besonders von R. Jochanan hervorge- 
hoben worden. Ja, gerade von dieser Stelle ist ein Beweis für Rap. 
denn da R. Jochanan 279 gestorben ist und er nur ein sehr junger 
Hörer R. Juda's war, und ferner R. Jochanan ein aussergewöhnlich 
hohes Lebensalter erreicht hatte; so kann R. Juda nicht erst 210 
gestorben sein ; es wäre ja dann R. Jochanan beim Leben R. Juda's 
schon ein bejaJirter Mann von mehr als 30 Jahren gewesen, wenn er 
auch nur 100 Jahr alt geworden ist. Die Zahlen 400 und 300 bei 
Seder Tanaim müssen allerdings als sagenhaft betrachtet werden, aber 
jedenfalls zeigt diese Sage, dass R. Jochanan ein sehr hohes Alter 
erreicht hatte und es sind daher die 80 Jahre, die er nach Scherira 
seiner Schule vorstand, wie Gr. selbst (in der 1. Auflage seiner 
Geschichte S. 289) sagt, gar nicht übertrieben. Von den späten 
Chronographen kann gar keine Rede sein, denn diese haben nur aus 
Seder Tanaim und Scherira abgeschrieben. 

IV. Von grösserem Gewichte scheint der von Gr. an einer 
andern Stelle (S. 480) erhobene Einwand gegen die Behauptung 
Rap.'s zu sein : dass nämlich R. Juda ha-Nasi nicht gleich nach dem 
Falle Betars geboren worden sein kann, da anderweitige talmudische 
Notizen angeben, dass sein Vater Simon b. Gamliel damals noch ein 
Schulknabe war. Grätz sieht sich hierdurch veranlasst, die Geburt 
R. Juda's um 150 zu setzen. Wäre diese Annahme begründet, dann 
raüsste natürlich auch der Tod R. Juda's später als 193 gewesen 
sein, da er gewiss viel länger als 43 Jahre gelebt haben muss. 
Allein es wird sich bald zeigen, dass selbst dieser Einwand, bei ge- 
nauer Prüfung Rap.'s auf fester Grundlage ruhende Behauptungen 



— 65 — 

nicht zu erschüttern vermag. Wir wollen nur die talmudiochen 
Notizen, nach denen R. Simon b. Gamliel beim Falle Betar's noch 
sehr jung gewesen sein soll, der Reihe nach vorführen. 

a) Die eine Stelle ist Jeruschalmi Ta'anith IV, 8 und mit 
unbedeutenden oder als Abschreibefehler zu betrachtenden Varianten 
in Midrasch Threni II, 2 u. ibid. III, 51. Diese lautet folgender- 
maassen : R. Simon b. Gamliel sagt : 500 Schulen waren in ßetar 
in deren kleinster nicht weniger als 500 (oder 300) Kinder waren; 
diese sprachen: wenn die Feinde über uns kommen werden, so werden 
wir sie mit unsern Schreibgriffeln durchbohren. Die Sünden jedoch 
verursachten , dass die Feinde eindrangen und die Kinder sammt 
ihren Büchern verbrannten. Ich allein blieb von allen übrig und ich 
rief aus : Mein Auge thut meiner Seele weh ob aller Töchter ^) 
meiner Stadt (Threni III, 51). 

b) Eine andere hiehergehörige Notiz ist folgende: (in Babli 
Gittin 58 a). Es sagt Samuel im Namen des R. Simon b, Gamliel. 
Der Schriftver&: (Threni III, 51). Mein Auge thut meiner Seele 
weh u. s. w. passt auf folgende Begebenheit : 400 Schulen waren in 
der Stadt Betar, in jeder derselben waren 400 Lehrer, jeder Lehrer 
hatte 400 Kinder. Wenn ein Feind eindrang, erstachen sie ihn mit 
ihren Stäbchen; als aber der Feind siegte und die Stadt eroberte, 
wurden alle sammt ihren Büchern verbrannt. 

c) Eine dritte Notiz endlich, die auch Gr. (1. c. S. 468) an- 
führt, befindet sich in Babli Sota 49 b u. ibid. Baba Kama 83 a mit 
folgendem Wortlaute: Es sagt Samuel im Namen des R. Simon b. 
Gamliel: Der Schriftvers (Threni III, 51) Mein Auge u. s. w. 
passt auf folgende Begebenheit: 1000 Knaben waren in meines 
Vaters Hause (S'nx ri'3 = familia patris) 500 derselben lernten 
Thora und 500 griechische Weisheit; von allen diesen bin nur ich 
hier und ein Sohn meines Vaterbruders in Asia übrig geblieben. 

V. In dieser letzten Stelle will nun Gr. (1. c) das Wort N3N n^n 
in -inrT'n emendiren, weil „sonst das Wort keinen rechten Sinn 
gäbe." Man braucht jedoch nur die Stelle im Zusammenhange mit 
dem Vorhergehenden und Folgenden zu lesen, so wird man sich über 



^) So wörtlich. Es scheint aber hier das Wort nin agadisch als „die 
Verständigen" aufgefasst worden zu sein, so wie im Midrasch zum Hohe- 
lied I, 5 (cf. das.) und es sind hierunter die Schulkinder zu verstehen. 

5 



— QQ — 

die Emendatioii Gr.'s nicht genug wundern können. Es wird dort 
nämlich zuerst erzählt, dass man während der Kämpfe der Makka- 
bäerbriider Hyrkan und Aristobul einen Fluch über denjenigen aus- 
gesprochen habe, der griechische Weisheit lernen würde. Wie, fragt 
der Talmud, ist denn griechische Weisheit zu lernen verboten? (Es 
wird nun die obige Stelle, (sub c) zum Beweis angeführt, dass es 
erlaubt sei, diese Wissenschaft zu lernen). Die Antwort hierauf ist: 
vn niD^D^ l'nnpT X'l P^2 'JKLJ^. Bei dem Patriarchenhause gestattete 
man eine Ausnahme, weil sie der Regierung nahe standen. Hier ist 
es ja klar, dass von »S3N r\'^2 dem Patriarchenhause, und nicht von 
Betar die Rede ist. Meinte aber Gr., dass schon dem Talmud diese 
Stelle corrupt vorgelegen habe, so hätte er ja dies ausdrücklich be- 
merken sollen. In Wahrheit jedoch hat der Talmud diese Stelle 
ganz correct. Betrachten wir nur die zwei letzten Stellen (sub b u. c) 
und wir werden sogleich zu der Ueberzeugung gelangen, dass dies 
zwei ganz verschiedene Erzählungen sind. In der einen (sub c) 
wird erzählt, dass das ganze Patriarchenhaus mit Ausnahme R. Si- 
mons und seines Vetters ausgestorben sei, während in der andern 
(sub b) von dem Gemetzel der Kinder zu Betar bei dessen Eroberung 
berichtet wird^). Diese zwei Erzählungen können nicht zu einander 
gehören aus folgenden Gründen: 

1) Wäre bei dem Betarkriege, wo der Talmud die Zahl der 
Erschlagenen als eine unbestimmbare angibt und selbst Dio Cassius 
von 580000 Gefallenen spricht, eine Anzahl von 1000 gefallenen 
Kindern (wie sub c) gar nicht nennenswerth. 

2) Ist an einer Stelle (sub b) gar keine Rede davon, dass R. 
Simon b. Gamliel allein am Leben geblieben ist, während in der 
andern (sub c) gar nicht der Feinde Erwähnung geschieht, woraus 
hervorgeht, dass die 1000 Kinder gar nicht durch Feindes Hand 
ihren Tod gefunden, sondern eines andern Todes gestorben sind;, 
vielleicht durch die Pest, welche die zahlreichen Schüler R. Akiba's 
dahingerafft, (cf. Jebamoth 62 b Midrasch Koheleth 11, 6). 

1) Die Zahlen sind bei dergleichen talmudischen Berichten gewöhn- 
lich als hyberbolisch zu nehmen. Die Ursache ist, wie schon Gr. (1. c.) 
richtig bemerkt darin zu suchen, weil man solche Begebenheiten in 
öffentlichen Vorträgen erzählte, wo mau durch die grossen Zahlen den 
Effekt steigern wollte. 



— 67 - 

o) Es ist für beide Erzählungen ein und derselbe Gewährs- 
mann angegeben und zwar der gewiss zuverlässige Samuel. Dieser 
würde ja sich selbst widersprechen, wenn er ein Factum bald in 
dieser bald in anderer Version erzählte. 

Es ist daher mit Gewissheit anzunehmen, dass Samuel im ba- 
bylonischen Talmud zwei verschiedene Facta erzählt, die nur das 
gemeinschaftlich haben, dass beide sich an einen Schriftvers (Threni 
III, 51) anlehnen und dass beide von R. Simon b. Gamliel über- 
liefert' sind. 

VI. Diese beiden Facta sind im Jeruschalmi und 
in dem aus demselben schöpfenden Midraseh (sub a), 
weil sie einen Gewährsmann haben, noch mehr aber 
weil sie sich an einen Schriftvers anlehnen, zu einer 
einzigen Er zäh hing zusammengeschmolzen und es ist hier 
wie sonst unzweifelhaft derBabli zuverlässiger als der 
Jeruschalmi und dies um so mehr, als aus einem Berichte 
des ersten eine Halacha gefolgert wird, die eine sorg- 
fältige Prüfung desselben voraussetzt. Ausserdem ist es 
ja auch ganz unbegreiflich, wie Simon b. Gamliel, dessen Vater 
R. Gamliel in Jamnia Präsident des Sanhedrin war, schon als Knabe 
in einer Schule zu Betar gev/esen sein soll. Gab es denn in Jam- 
nia, dem Sanhedrialsitze, keine Kinderschule ? Wir müssen also den 
Berichten des Babli folgen, nach welchen R. Simon b. Gamliel gar 
nicht in Betar war und es ist demnach gar kein Grund vorhanden, 
die Notiz, dass R. Jehuda ha-Nasi gleich nach dem Falle Betars, um 
135, geboren sei, zu beanstanden. Nach dieser Prämisse hindert 
uns auch nichts mehr, seinen Tod nach den oben verzeichneten 
Gründen gleichzeitig mit dem Tode Commodus' und Vologeses' III. 
193 n. ü. Z. zu setzen. 

VII. Es bleibt nur noch übrig zu beweisen, dass die Reise 
Rab's nach Babylonien nothwendig noch beim Leben R. Jehuda's 
stattgefunden und dann wird die Leseart 'p'n gesichert sein. Ausser- 
dem dass dies an zwei Stellen (Jerusch. Pea VI, 3 ; Babli, Sanhedrin 
5 a) ausdrücklich berichtet wird; so wird diese Thatsache noch durch 
folgende Umstände bestätigt. 1. Schickte Rab ein rituelle Anfragen 
enthaltendes Schreiben an R. Jehuda ha-Nasi (Babli Kethuboth 69 a), 
was doch gewiss nach seiner Wanderung nach Babylonien geschah. 
2. Als Levi nach Nehardea kam, war Rab in Babylonien und schloss 



aus dessen Ankunft, dass R. Ephes gestorben sein müsse (Sab- 
bath 59 b). Dies aber fand statt zwei und ein halb Jahr nach dem 
Tode R. Jehuda's (Kethuboth 103 b und Raschi 1. c). Ist es nun 
festgestellt, dass Rab dritthalb Jahre nach dem Tode Rabbi's schon 
in Babylonien war, so ist für das Factum seiner Reise dahin das 
Datum 'byr\ unrichtig und die andere Leseart 'p'n d. i. 189 n. ü. Z. 
anzunehmen. 

VIII. Um die bei noch vielen andern Chronographen vorkom- 
mende Zahl 'b'p'r\ nicht ganz zu verwerfen , müssen wir mit Rapo- 
port (Erech Miliin p. 142) dies Datum auf die Reise Rab's nach 
Sura und die Gründung der Hochschule daselbst beziehen, da das 
Bezirk, zu welchem diese Stadt gehörte, nach einer andern in dem- 
selben liegenden Stadt den Namen b:i2 führte und Rab das 
geistliche Oberhaupt des ganzes Bezirkes war, weshalb er auch 
^nnn ^<"nD ^''"i der Resch Sidra von Babel genannt wird. (Cholin 
137 b). So müssen wir die Ansicht Rap.'s (1. c.) modificiren, da seine 
fernere Annahme, (1. c), dass Sura selbst manchmal b^l genannt 
wird, wie Grätz (in Frankel's Monatsschrift Jahrg. 1853) bewiesen 
hat, unrichtig ist. 



Note B. 

Obwohl dies speciell für unser Thema von keiner Wichtigkeit 
ist, so soll dennoch die Behauptung, dass man den Kindern die 
rabbinische Erläuterung der Bibel vortrug, begründet werden, weil 
dadurch eine, wie ich glaube, sehr richtige Ansicht über den Namen 
zweier alten Midraschim deren meines Wissens noch kein Literar- 
historiker erwähnt hat, ihre Würdigung finden wird. 

. Es war schon in uralter Zeit der Gebrauch, mit den Kindern 
das Buch Leviticus zu beginnen. Schon R. Assi, ein Zeitgenosse 
Rab's erwähnt dieses Brauches und sucht den Grund hievon anzugeben 
(Mazikra Rabba VII). R. Tobija b. Elieser, der wahrscheinlich aus 
noch altern Quellen geschöpft haben, behauptet nun, dass dies des- 
wegen Brauch sei, weil in diesem Buche die wichtigsten Gesetze 
enthalten sind ; wegen dieses Brauches werde das dritte Buch Moses' 
auch Siphra de-Be-Rab (das Buch der Schule, ni '3 = Schule) ge- 
nannt. Hier sind seine Worte in 'mtoil snpDD Pericope: ^y^b 11£ 



— 69 — 

D^in min ^si; )n^ ^jsd mpu^n!;' y^bb N-jp^i iDon rh^nnn vnms 
• 31 'Ol X1DD D^JHD rrnn nxipj id^ ■in\-n iidn d^ddl^öi 

Hiernach ist nun der Name des Midrasch zum III. B. M. Siphra 
de-Be-ßab nichts Anderes als der Name von diesem B. M. selbst; 
ebenso wie der andere für diesen Midrasch gebräuchliche Name 
Torath Kohanim der eigentliche Name des III. B. M. ist. (cf. 
Misclina, Menachoth IV, 3 u. Talmud b. Jebamoth 72 b). 

Nach Beendigung von Leviticus kamen die anderen Gesetze ent- 
haltenden Bücher Exod. Num. u. Deuteron, an die Reihe und diese 
3 Bücher erhielten desshalb den Namen Schear Siphre de-Be-Rab 
(die übrigen Bücher der Schule), welchen Namen auch die Midraschim 
zu diesen Büchern führten (cf. Joma 74 a Baba Bathra ]24rb und 
Raschbam das. ferner Seder Tanaim in Kerem Chemed IV p. 193). 
Der Midrasch zu Exod. wurde später umgearbeitet und erhielt den 
Namen Mechilta. (cf. Zunz gottesdienstliche Vorträge S. 47 und 
Frankel Introductio in Hierosolymit. p. 108 b). 

Die Ansicht , dass Rab der Redacteur dieser beiden Werke sei, 
die zuerst von Maimonides (in der Vorrede zu Jad ha-chasaka) aus- 
gesprochen und von den neueren jüdischen Literarhistorikern recipirt 
worden ist, hat demnach gar keine Begründung für sich. Auch 
Raschi (Cliolin 66 a) ist gegen Maimonides und scheint mit meiner 
Ansicht übereinzustimmen. Es ist nun nach dem Obigen R. Chija 
als der Redacteur des Siphra zu betrachten, wie schon M. L. Malbim 
in der Vorrede zu seinem Commentare ha-Torah we-ha-Mizwah be- 
hauptet und beweiset (cf. das.).^) Nun hatte gewiss R. Chija mit 
der Redaction dieses Werkes die Verbesserung des Jugendunterrichtes 
im Auge , für den er bekanntlich eine eifrige Thätigkeit entwickelt 
hat (cf. Ketuboth 103 b Baba Meziah 85 b). Wir finden auch wirk- 
lich im Talmud ausdrücklich (Joma 27 a), dass ein Gesetzeslehrer 
seinem kleinen Sohne aus dem Siphra Unterricht ertheilt. Es ist 
hiermit die Ansicht, dass man die Bibel den Kindern mit der rab- 
binischen Erläuterung vortrug, genügend gerechtfertigt. 

1) Derselbe hat jedoch Raschi Cholin Ö6a entweder aus dem Gediiclit- 
nisse oder nach einer unrichtigen Leseart falsch citirt (itri-D nua sc. m b'^ 
statt if-nfin r\'22} und demgemäss missverstandeu. 



70 - 



Note C. 



Da es für das Verständniss der Lehre Samuel's von Wichtigkeit 
ist, dessen Lehrer zu kennen und gerade über diesen Punkt, wer die 
Lehrer Samuel's gewesen sind, Unklarheit und Meinungsverschieden- 
heit angetroffen werden, so halte ich es für nöthig, auf diesen Punkt 
näher einzugehen. 

L Seine ersten Lehrer in seiner Kindheit können wir über- 
gehen, da sie keine Männer von Bedeutung gewesen sind, wie wir 
dies aus dem Urtheile, das Samuel's Vater über einen Lehrer seines 
Sohnes fällt (lö.l nH) (Cholin 107 b) deutlich ersehen. Der erste 
bedeutendere Lehrer Samuel's war unstreitig dessen Vater, Abba b. 
Abba. Dieser war ein hervorragender Gesetzeslehrer, da ihm selbst 
Rab seine Hochachtung beweist. Als letzterer einst eine Frage an 
jenen richtete und keine Antwort auf dieselbe erhielt, rief er ver- 
wundert aus : (nach Job 29, 9) Fürsten halten in der Rede ein und 
legen die Hand auf ihren Mund (Kethuboth 51 b). Wir können den 
Unterricht, den Abba seinem Sohne gibt, in einer Stelle sehen, wo 
Abba dem Samuel verschiedene Fragen zur Beantwortung vorlegt 
und so oft dieser eine unrichtige Antwort gibt, ihm zuruft: n^::ntt'\S 
(du hast geirrt). Allein Abba mochte bald sich diesem Lehramte 
nicht gewachsen fühlen und er übergab dies seinem Freunde. 

n. Levi b. Sisi. Dass dieser Samuel's Lehrer war, beweist 
schon R. Abraham b. David (Haszagoth zu Maimonid. Praefatio ad 
Jad ha-Chasakah) aus Sabbat 108 b, dem sich noch mehrere andere 
Beweise hinzufügen lassen, (cf. Heilprin, Seder ha-Doroth v. Samuel). 
Dennoch aber behaupten Raschi u. R. Samuel b. Meir, dass Levi der 
Genosse ("iDH) Samuel's war. (cf. Heilprin 1. c.) Es hat auch diese 
Ansicht eine starke Stütze in Berachoth 18 b, wo Samuel Levi mit 
seinem Namen nennt, was bei einem Lehrer streng verboten war, 
(cf. Sanhedrin 100a), und ausserdem ist noch aus vielen Stellen 
ersichtlich, dass Rab, Samuel und Levi Genossen (D^inn) waren. Es 
ist daher anzunehmen, dass Levi Samuel's Jugendlehrer gewesen, und 
dass letzterer später als Jüngergenosse ("inn TiDiri) Levis betrachtet 
wurde, (cf. Tosephoth Jembamoth 57 b s. v. löh^). Dass Levi 
während der Jugendzeit Samuels in Babylonien war, ist schon oben 
(S- 11, Anm. 4) bewiesen worden. 



— 71 — 

III. Maimonides (Praefatio ad Jad ha-Chasakah) behauptet, dass 
B. Chanina b. Chama, welcher als Nachfolger R. Jehuda ha-Nasi's der 
Schule zu Sepphoris vorstand, der Lehrer Samuel's gewesen sei. 
R. Abraham b. David meint, die Behauptung Maimonides' wäre aus der 
Luft gegriffen und selbst die Vertheidiger Maimondes' wissen nur 
schwache Gründe zu dessen Rechtfertigung anzugeben. Ich glaube, 
dass Maimonides' Ansicht wohl begründet ist. Schon der Umstand, dass 
die beiden Gesetzeslehrer, Samuel und R. Chanina, zu ihrer Zeit 
berühmte Aerzte waren (cf. Cholin 7 b), lässt schliessen, dass sie zu 
einander in Beziehung standen. Noch mehr aber werden wir hievon 
überzeugt, wenn wir betrachten, dass Beide in Bezug auf den 
Ursprung der meisten Krankheiten ein und derselben Theorie hul- 
digen. Beide behaupten nämlich: Die meisten Krankheiten ent- 
stehen durch den schädlichen Einfluss der kalten Luft (Baba mezia 
107 b, Jerusch. Sabbat XIV, 3 ; Levit. Rabba cap. 16) ; beide sprechen 
den Zaubereien in dieser Beziehung ihre Bedeutung ab (1. c. und 
Cholin 7 b. Was aber ebenfalls auffallend ist, das ist der Umstand, 
dass, wie in Gittin (87b) berichtet wird, R. Chanina einen Palm- 
zweig als seine Unterschrift zeichnete und eben dasselbe Zeichen 
auch Samuel zu seiner Unterschrift gebrauchte (Jerusch. Gittin IX, 14). 
Mit Recht bemerkt Rapoport (Bikkure ha-Ittim, VIII), dass die Aerzie 
damals deswegen dies Zeichen gebrauchten, weil sie die Datteln für 
ein Universalmittel hielten, was aus vielen Stellen des Talmuds her- 
vorgeht (cf. Rapoport 1. c. p. 17). Es geht daraus mit Gewissheit 
hervor, dass Samuel in der Arzneikunde R. Chanina zum Lehrer 
gehabt. Wie leicht lässt sich nun schliessen, dass Samuel von dem- 
selben Lehrer auch in der Traditionslehre unterrichtet worden, da 
dieser einer der ausgezeichnetsten Schüler des R. Juda war und von 
ihm sogar zu seinem Nachfolger - ernannt wurde. Allerdings kann 
man fragen: Wie kommt es, dass Samuel gar keine Lehre im 
Namen seines Lehrers R. Chanina tradirt? Allein diese Frage kann 
obige Ansicht nicht widerlegen , selbst wenn wir nicht mit Gedalja 
ihn Jachza (Schalschelet ha-Kabbalah) Bechoroth IIb isxiött' m löN 
iSJ^jn "l"X in NJ'jn T'iS' bi<)t2^ "IöN emendiren. Denn angenommen, 
Samuel hätte Levi allein zum Lehrer gehabt; so bleibt ebenfalls die 
Frage offen : Von wem hat Samuel alle die Traditionslehren, die er 
uns überliefert und die offenbar aus sehr alter Zeit stammen, gehört, 
da er im Namen Levi's nur wenige (meines Wissens nur 5, von 



— 72 — 

denen 4 bei Heilprin v. Samuel zu finden sind und ausserdem noc] 
Gittin 13 b) Lehren tradirt. Von Samuel sind aber nun im babj 
Ionischen Talmud mehr als 1500 Lehren verzeichnet, von denen eii 
grosser, vielleicht der grössere Theil seinen Lehrern angehört, die e 
aber nicht mit Namen nennt, wahrscheinlich weil diese selbst wiede 
sie nicht als ihre eigenen L.ehren, sondern als Traditionen ältere 
Tanai'm vortrugen, in deren Namen auch wirklich sehr oft voi 
Samuel tradirt wird (man vgl. z. B. Berachot 27 a, 40 a Sabbat 15 a 
17b, 40b, Enrubin 13a, 13 b Jebamoth 14a, 80a, 100b, Ketubotl 
26 a .44 a, 57 a, 87 a, Gittin 58 a, 80 a, Baba kama 83 a, Sanhedrii 
83 a, Sebachim 97 a, Cholin 53 b, Nidda 5 a, 22 a, 52 b und viele a. 
Fügt man noch hinzu, dass Samuel auch oft Lehren ausspricht, di^ 
der Meinung R. Chanina's entsprechen, so ist es gar nicht meh 
zweifelhaft, dass Maimonides' Ansicht die richtige ist. (cf. Jerusch 
Berachot I, 1 und VIII. 1). 

IV. Hierdurch ist auch eine andere Frage entschieden, dii 
nämlich, ob Samuel in Palästina war, oder nicht. Rapoport (Erecl 
Miliin p. 10 u. 222) bezweifelt dies, indem er die Stelle, die die 
ausdrücklich berichtet, (Baba mezia 85 b mn ''in"! H'DN ns'JTn' ksiöLJ' 
für einen spätem Zusatz erklärt. Ihm folgt Frankel (Introductio ii 
Hierosol. p. 124b); nur will er annehmen, Samuel habe dem Fa 
triarchen brieflich- ärztliche Vorschriften ertheilt. Allein nicht nu; 
mit Bezug auf das oben gewonnene Resultat, dass Samuel die Arznei 
künde bei R. Chanina gelernt, sondern auch einstweilen davon ab 
gesehen, wird es sich uns ergeben, dass Samuel in Palästina war 
Dass Abba b. Abba der Vater Sumuel's in Palästina war, ist aus der 
Citaten oben Anm. 41 ersichtlich. Man kann dies auch daraus 
schliessen, dass man ihn in Palästina gewöhnlich nur unter den 
Namen Abba b. Ba (= Abba) kennt, während er im babylonischer 
Talmud stets Abuha di Schemuel genannt wird, wovon der Grunc 
nur der sein kann, dass die Palästinenser mit ihm nur zu der Zeit ver 
kehrten, als sein Sohn Samuel noch jung und noch nicht so berühm 
war, dass der Vater nach ihm genannt wurde, während die Babyloniei 
ihn später nur nach seinem ausgezeichneten Sohn nennen. Wär( 
nun Abba nicht in Palästina gewesen und den Palästinensern nur 
durch andere ßabylonier bekannt geworden, so wüsste er ihnen eben 
so, wie den Babyloniern unter dem Namen Abuha di-Schemuel bekanni 
sein. Es bestätigt sich also auch hierdurch, dass Abba der Vatei 



- 73 — 

Samuel's in der Schule des Patriarchen R. Juda gewesen ist. Ist 
nun der Vater Samuel's nach Palästina gezogen, so ist es schon sehr 
wahrscheinlich, dass auch sein Sohn ihm dahin gefolgt ist, um so 
mehr als auch sein Lehrer Levi dahin ausgewandert war, was doch 
wohl unbestritten ist. Wäre Samuel zur damaligen Zeit, seinem 
Jünglingsalter unter der Leitung irgend eines babylonischen Lehrers 
gestanden, so wäre uns gewiss dessen Name bekannt geworden. 
Ziehen wir noch den Umstand in Betracht, dass Samuel viele Lehren 
von R. Juda und R. Chija tradirt, bei denen wir oft zur Annahme 
genöthigt sind, dass er sie unmittelbar von ihm gehört habe (man 
vgl. z. B. Sabbat 51b, 138a', Moed kason 18a, Gittin 66b, Aboda 
sara 16a, Sukka IIa, Jebamoth 59b, Baba kama 114b, 115b, 
Cholin 113 a), so werden wir dem Berichte, (Baba mezia 85b), dass 
Sumuel den Patriarchen R. Juda von einem Augenübel befreit hat, 
selbst dann nicht jede Glaubwürdigkeit absprechen, wenn er, wie 
Rapoport annimmt, ursprünglich nicht in den Talmud aufgenommen, 
sondern erst später eingeschoben worden war. Wir werden den 
Bericht als aus alter Quelle geschöpft betrachten , an dem nichts 
Unwahrscheinliches ist ausser dem Schlüsse, dass R. Juda Samuel 
damals die Semicha ertheilen wollte, das bei einem so jungen Alter 
zu sehr affällt, da gesetzlich hierzu ein Alter von mehr als 40 Jahren 
nöthig war. (cf. Sota 22 b und Tosephoth das.). 

V. Es bleibt uns noch übrig, den Irrthum nachzuweisen, den 
diejenigen begehen, welche Samuel zum Schüler des Exilarchen Rab 
Huna, der bei Lebzeiten R. Juda's gestorben ist, (Jerusch. Kilaim 
IX, 4; Genesis rabbah cap. 32), machen wollen. Dies behauptete 
zuerst A. Krochmal (Chalez I. p. 69) und Jost (Geschichte des 
Judenthums und seiner Secten) folgte ihm. Als Beweis sollen die 
beiden Stellen Gittin 5 a und CoUin 13 a dienen, wo Samuel an einen 
Rab Huna eine Anfrage richtet (XJIH 21t2 ^NIDtJ^ n^^ö Ny3) welcher der 
Exilarch Rab ^Huna gewesen sein soll. Dies ist aber falsch; denn 
dieser Rab Huna ist kein anderer als der Schüler und Nachfolger 
Rab's. Schon aus der Replik Samuel's (Chalin 13 a) Nin lin )] er- 
sehen wir, dass er damals nicht als Schüler den Lehrer, sondern 
als College fragte; unzweideutig aber ist dies angegeben im Jeru- 
schalmi, (Kiduschin I, 5) wo Samuel dieselbe Frage, wie im Babli, 
und noch eine andere an Rab Huna richtet und von ihm durch 
seinen Schüler R. Abba auf die zweite Frage eine Antwort erhält, 



- 74 — 

die er nicht als richtig anerkennen will {bi<)a^ rhn^p n'?! nnn mD^S). 
Wenn der Schüler Samuel's R. Abba (vgl. über ihn die Chronographen) 
die Antwort überbringt, so kann es doch gewiss nur Hab Huna, der 
Schüler und Nachfolger Rab's gewesen sein, an den die Frage ge- 
richtet war und nicht der Exilarch, da doch dieser noch beim Leben 
R. Juda ha-Nasi's, also in der Jugendzeit Samuel's gestorben ist, als 
letzterer noch keine Schüler hatte. Es hätte auch Samuel eine aus 
dem Munde seines Lehrers kommende Antwort nicht verworfen. Es 
war also Rab Huna, der Nachfolger Rab's, an den Samuel die An- 
frage gerichtet. Dass aber Samuel, der grösser als Rab Huna war, 
an diesen eine Anfrage richtet, darf uns nicht Wunder nehmen, denn 
Solches findet sich im Talmud sehr oft. Vgl. z. B. Horojoth IIb 
i<"n'"lö "»31 n^JVj iSy3 in Je'rusch. Pesachim I, 4 richtet R. Chija 
eine Anfrage an seinen Schüler Abba Aricha (Rab). 

In denselben Irrthum, die beiden Rab Huna mit einander zu 
verwechseln ist auch Fürst (Kultur- und Literaturgeschichte der 
Juden in Asien I, S. 92) verfallen. In der Stelle, die er in der 
Anmerkung citirt , um zu beweisen , dass Abba der Vater Samuel's 
mit dem Exilarchen Rab Huna in gelehrter Verbindung gestanden, 
ist, wie es jedem, der einige Zeilen vorher liest, sogleich klar wird, 
nur von Rab Huna, dem Schüler Rab's die Rede. Fürst Hess sich 
hier von Heilprin ( Seder ha-Doroth , Th. 2 , Anfang) zu diesem Irr- 
thum verleiten. 

Note D. 

Grätz (Geschichte d. J. IV, 2. Auflage S. 488) bestreitet die 
Annahme Scherira's, dass Mar Uköa Exilarch gewesen wäre, und 
bekräftigt dies durch folgende Gründe: a) Das Chronicon Seder 
Olam Ziitta kennt in dieser Zeit keinen Resch - Galutha Mar-Ukba, 
sondern nennt nach Huna einen Anan und als seinen Nachfolger 
Nathan. 

b) Wollte man die Glaubwürdigkeit des Seder Olam bestreiten, 
so bemerken beide Talmude ausdrücklich, dass Mar-Ukba nicht Resch- 
Galutha gewesen, vielmehr dem Resch-Galutha seiner Zeit Vorwürfe 
machte wegen dessen musikalischen Unterhaltungen (Jerusch. Megilla 
in. 74a Babli, Gittin 7a) mm i^rilb^ ti'n^ ^HD n^tJ'ö KDpiy -1ö 

.'IDT 7ÖT 



75 



c) Aus der Stelle, woraus Sclierira seine Angabe zu erörtern 
sucht (Sabbath 55a), geht nur hervor, dass Mar-Ukba Oberrichter 
gewesen: ^n r\^2 nx ^2p)V "]ö yn^ Nn. 

Es soll hier die Authenticität der Angabe Scherira's aufrecht 
erhalten werden. 

I. Vor Allem ist die Annahme Gr.'s nicht richtig, dass diese 
Angabe Scherira's nicht aus Tradition stammt. Denn, wenn auch 
Scher, seine Angabe durch eine Talmudstelle zu erhärten sucht, so 
ist jene nichts destoweniger aus Tradition stammend, was wir deut- 
lich bei andern Angaben sehen können. So z. B. giebt Scher. 
(Epist. Scher, p. 15) an, dass während der Ankunft Rab's nach 
Babylonien R. Schela Resch Sidra war und erhärtet dies durch eine 
Talmudstelle, die aber keineswegs die Quelle zu dieser Angabe 
sein kann. Es ist also auch "hier nicht die Talmudstelle, sondern 
eine zuverlässige Tradition die Quelle Scherira's. 

II. Aber auch diese Talmudstelle, die, wie Gr. meint, nur be- 
richten soll, dass Mar Ukba Oberrichter gewesen, sagt nach der 
richtigen Lesart Scherira's, dass er Exilarch gewesen. Nach Scher. 
(1. c.) lieisst es nämlich das.: D"p )in r\^2) Nlipiy 10 NH, welche 
Redensart nur bei einem Nasi oder Resch-Galutha angewendet wird. 
Diese Leseart wird bestätigt durch die Stelle (Kiduschin 44 b). lü Nm 
1SD3 rr'J'l '3T K:2piy (cf. oben Anm. 12). Diese Leseart hatte auchTosaphot 
(Sanhedrin 31b) u. R. Gerschom Maor ha-Golah (cf. Raschi Moed 
katan 16 b, das bekanntlich R. G.'s Commentar ist). Die andere 
Leseart "j^l n'3 2N' ist auch gar nicht verständlich. Ist doch die 
Würde des in n^3 DX nur in Palästina gebräuchlich gewesen, wo 
neben dem Nasi ein Oberrichter fungirte, (cf. Rapoport d. Art. und 
Frankel, Monatsschrift Jhrg. 1852. S. 343) und erst später zur Zeit 
der Gaonen war der Titel ]'>1 n^3 3iS auch in Babylonien angewendet 
worden. Mar Ukba konnte also nicht Oberrichter, sondern nur 

Exilarch gewesen sein. 

IIL Was nun den Beweis von dem Stillschweigen des Seder 
Olam Zutta betrifl't, so kann die von Corruptionen , Interpolationen 
und Verschiebungen wimmelnde Chronik, deren Glaubwürdigkeit noch 
in Frage steht, gegen die allerzuverlässigsten Angaben Scherira's gar 
nichts beweisen. Sagt doch Gr. selbst (1. c. S. 496), dass man 
gerade an dieser Stelle des S. 0. Z. zwischen Huna und Anan 
einen Exilarchen hineinschieben muss und wer weiss, ob nicht Anan 



— 76 - 

•jjy eine Corruptioii aus ükban ppiy ist, was oft für Ukba vorkommt. 
Mar ükba kann allerdings nicht gleich nach Huna Exilarch geworden 
sein, weil er dann mit Samuel gleiches Alter gehabt hätte, was 
schwer anzunehmen ist. Scher, sagt auch nicht, dass M. U. unmit- 
telbar nach Huna fungirt hätte, er behauptet nur, dass nach Huna 
ein Exilarch M. IT. gewesen sei. Der Exilarch zwischen Huna und 
M. ü. war Scher, nicht bekannt, da ihm nur die berühmtesten 
Exilarchen bekannt waren. 

IV. Gr. selbst scheint auf den Beweis a kein so grosses Ge- 
wicht zu legen, das Hauptgewicht der Beweiskraft soll nach ihm der 
Beweis b aus den beiden Talmuden tragen. Doch bei näherer Be- 
trachtung wird auch dieser Beweis sich als nichtig erweisen. Schon 
der Ausdruck 3nD rh^D müsste einiges Bedenken erregen, da dieser 
Ausdruck gewöhnlich nur bei einem' aus Palästina kommenden Gut- 
achten gebraucht wird. Und in der That ist der Vorwurf, den Gr. 
Scherira macht, dass er sich durch die Namenähnlichkeit zu einem 
Irrthum verleiten lassen habe, ein solcher, der am meisten Gr. selbst 
treffen muss. Der Mar Ukba, der dem Exilarchen Vor- 
würfe wegen seiner musikalischen Unterhaltung 
macht, ist nicht der Babylonier Mar Ukba, der ja 
selbst Exilarch war, sondern ein späterer palästi- 
nensischer G e s e t z e s l e h r e r. Im Talmud Babli kommt ein 
Mar ükba vor, der ein Schüler R. Josua b. Levi's war. (Berachoth 10 ä 
^l^p ytJ'in^ 'mi n^Dp Nrn.1K noö). Dieser muss natürlich ein 
Palästinenser gewesen sein, da R. Josua b. Levi ein palästinensischer 
Gesetzeslehrer war. Unumstösslich ist dies erwiesen dadurch , dass 
dieser Schüler R. Josua's im Jerusch. nicht 1D (das bekanntlich ein 
babylonischer Titel ist), sondern NDpiy ''m genannt wird (Jerusch. 
Chagigah II, 4 ^-h p V^l^^ '31 D^:i XD^y ^m). Es ist also im 
Babli durch eine Corruption NDplV "lö für N3p1j; '21 gesetzt worden. 
Diese Corruption findet sich aber auch an manchen Stellen im Jeru- 
schalmi (cf. Jerusch. Megillah IV, 11 pm "jJ^I DtJ^3 pp)]} lü und 
Frankel, Introd. in Hieros. p. I20b). Jerusch. Sotah IV, 3 werden 
sogar beide Titel zusammengenommen xnpiy 1D 'D"). Vielleicht ist 
dies ein aus Babylonien nach Palästina gewanderter Gesetzeslehrer, 
der früher in seiner Heimat ID und in Palästina '>21 genannt wurde. 
Jedenfalls aber darf dieser nicht verwechselt werden mit Samuel's 
Zeitgenossen Mar Ukba, der Exilarch war. Jener Mar oder Rabbi 



— 77 — 

Ukba war es also, der von Palästina aus ein Schreiben an den 
Resoli Galutha sandte, um ihm wegen musikalischer Unterhaltung 
Vorwürfe zu machen. 

V. Es hindert uns also gar Nichts mehr, die Angabe Scheri- 
ra's für richtig zu halten. Nur dadurch begreift man, warum Samuel, 
der doch Mar Ukba's Lehrer war, jenem den Vorsitz einräumte, 
wenn sie zusammen zu Gericht sassen (Moed katan 16 b}. Ausser- 
dem finden wir auch andere Gesetzeslehrer zu Mar Ukba gehen, um 
von ihm als die höchste Instanz über Streitigkeiten entscheiden zu 
lassen (cf Kethuboth 69a) woraus zu ersehen ist, dass er Exilarch 
gewesen. 

Note E. 

Fürst (Kultur- und Literaturgeschichte der Juden in Asien I. 
S. 165 Anm. 492) behauptet, dass die Hawajoth, die scharfsinnigen 
Disputationen, erst zur Zeit Raba's (gest. 352) entstanden seien, und 
erst Raba habe diesen Ausdruck auf frühere Zeiten übertragen und 
von Hriwajoth de Rab und Schemuel gesprochen. Dies beruht aber 
auf einem doppelten Irrthum. 1. In Ta'anith 24 a ist es nicht Raba 
(sm), sondern Rabbah (rat), der Lehrer Raba's der ^»Slüt^l 3"n nvin 
braucht. Eine Corruption ,131 für S31 kann an dieser Stelle nicht 
angenommen werden, da gleich darauf (24b) von N'DI ein ähnlicher 
Vorfall erzählt wird, woraus wir ersehen können, dass früher nicht 
von ihm die Rede war. Es ist daher in Sanhedrin 106 b, avo in 
unsern Talmud-Ausgaben für denselben Spruch die Leseart i<m 
vorliegt, eine Emendation vorzunehmen. Scherira, der diese Stelle 
citirt (Epist. Scher, p. 13), hat auch die richtige Leseart ri21. 
2. Wird der Ausdruck ^NlDtS^I nn nvin an allen Stellen (Berachoth 20a 
gebraucht Rab Papa den Ausdruck) im Namen Rab Juda's, des 
Schülers von Rab und Samuel mitgetheilt, ein Beweis, dass Rab 
und Samuel schon diese Dialektik geübt haben, was wir auch aus 
ihren Aussprüchen fast auf jeder Seite des Talmud ersehen. 

Es mag hier noch die Bemerkung Platz finden, dass die eigent- 
liche Bedeutung des- Wortes nin „Frage" ist, wie aus dem unzählige 
Mal vorkommenden n3 IJim hervorgeht. Auch Seder Tanaim 
(Kerem Chemed IV. p. 200 erklärt x^^ i<^^p Hin bl . Es ist also 
dies Wort gleichbedeutend mit Ninn (cf die richtige Erklärung 
Raschi's zu diesem Worte Jebamoth 13a u. a.). Ezech. 1, 26: 



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"in bv ni" übersetzt der Chaldäer mit -Qn bv "l^n. Es bedeutet 
also „zerbrechen, widerlegen'', nach den Worten des Seder Tanai'm 
1. c. p. 197): linn nm 12W^ DDH 1?jd (cf. die Anm. Luzato's das.). 

Note P. 

Die Stelle in Sabbath 75 a, wo von einer Controverse zwischen 
Rab und Samuel über NtS'ulüN (= magus) berichtet wird, ist, wie 
ich glaube, von vielen Commentatoren missverstanden worden. Ich will 
hier die Stelle, die gewöhnliche Erklärung der Commentatoren, dann 
meine Erklärung und ihre Begründung angeben, wodurch meine Angabe 
im Texte vollständig gerechtfertigt erscheinen wird. 

Die Stelle lautet: nDN ini 'a^nn "lOS in 'pNIDtJ^'l ni Kti^1.1DK 

p in^ im niDit'n m idnt 'sn.i iük-i m^i D^^non ^sn:i 

it^b nnx bi^ nwvb iD^n n^ n^n^n ^ti^nn i"d ^nt nn^D n^^n tj^i^Dn 

nmnh )''2T^b „üeber Magus streiten Rab und Samuel; der Eine sagt 
er sei ein Zauberer; der Andere meint, er sei ein Gotteslästerer. 
Es lässt sich nachweisen, dass Rab der letzteren Meinung ist. Rab 
behauptet nämlich : Wer auch nur eine einzige Sache von einem 
Magus lernt, hat den Tod verdient. Wäre dieser nur ein Zauberer, 
so würde ja nach den Worten der Schrift (Deuteron. 18, 9) blos 
das Lernen, um es praktisch anzuwenden, nicht aber das 
blosse theoretische Lernen von dem Magus verboten sein." 

Nach der gewöhnlichen Erklärung ist hier die Controverse über 
die Bedeutung des Wortes Na^laDK, das zwar in keiner uns vorliegen- 
den älteren Quelle vorkommt, aber vielleicht in verloren gegangenen 
altern Mischna's und Baraitha's oder Agada's vorgekommen sein mag 
(vgl. Rapoport Erech Miliin Art. ti'UDX). Durch diese falsche Auf- 
fassung der vorliegenden Controverse wurde Sachs (Beiträge zur 
Sprach- und Alterthumsforschung II, S. 114) verleitet, dem Resultate 
des Talmud, dass Rab „Magus" für Gotteslästerer hält, sein eigenes, 
das gerade Gegentheil behauptende Resultat engegenzustelleai , dass 
nämlich Samuel, der mit dem persischen Wesen vertraut war, das 
Wort „Magus'' in der ursprünglichen Bedeutung als „Priester des 
Feuerkultus", daher als „Gotteslästerer'' iasst, während Rab nur die 
Bedeutung des Wortes kennt, die es im römischen Reiche hatte, wo 
es für „Zauberer", „Charlatan" u. dgl. gebraucht wurde. Jedoch 
hat Sachs den Beweis, aus dem der Talmud sein Resultat zieht, 



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nicht einmal zu widerlegen versucht. Wie konnte Kab auf das Lernen 
einer Theorie von einem Zauberer die Todesstrafe setzen, da ja 
dies einer überall als Axiom hingestellten Lehre widerspricht, nach 
welcher dies gar nicht verboten ist? 

Nach meiner Auffassung der Stelle handelt es sich hier gar 
nicht um die Erklärung eines Wortes, sondern um eine religions- 
gesetzliche Vorschrift, wie sich die Juden zu den damals so mächtig 
und einflussreich gewordenen Magiern zu verhalten hätten. Nach 
Samuel sollten sie nur als Zauberer betrachtet werden und sollte 
der Umgang mit ihnen gestattet sein, während sie nach Rab in jeder 
Beziehung wie Gotteslästerer zu beurtheilen wären. Für diese Erklä- 
rung sprechen ausser dem Beweise des Talmud noch folgende Gründe : 
1) Ist das Wort >s'tt^"i,llDX , wie schon oben erwähnt, in gar keiner 
altern Quelle zu finden; Rab gebraucht zum ersten Mal diesen Aus- 
druck. Wie konnte also über dessen Erklärung zwischen ihm und 
Samuel eine Controverse entstehen? Die Annahme, dass sich dieser 
Ausdruck in älteren uns verloren gegangenen Quellen vorgefunden 
habe, ist ein Nothbehelf, dessen man sich nur bei gänzlicher Rath- 
losigkeit bedienen darf. 2) Wenn der Ausdruck Nti''i,löN nicht zur 
Bezeichnung für damals bestimmte und bekannte Persönlichkeiten 
gedient hätte, sondern nur als ein in älteren Werken vorkommendes 
Fremdwort bekannt gewesen wäre, über dessen Bedeutung noch 
Zweifel herrschte, wie kommt es, dass Rab über KI^LIDN' halachische 
und agadische Lehren ertheilt, wie z. B.: Wer von einem Nti'l.lDN 
etwas lernt, verdient den Tod, und ferner Parao, der König von Egypten 
zur Zeit Moses, war ein J^tJ'l.lüX, weil von ihm (Exod. 7, 15) erzählt 
wird : „Er gehet hinaus an's Wasser." Wahrscheinlich wird hier auf 
einen Gebrauch der Magier angespielt) '). 3) Es ist nicht denkbar, 
dass Rab, der im persischen Reiche geboren und später dort Rector 
einer Hochschule war, von den Magiern, den Priestern der Perser, 
gar nichts gewusst haben sollte. Ja im Gegentheil mehrere Aussprüche 
von Rab zeigen, dass ihm persische Sprache und persische Anschau- 
uno-en bekannt waren. Es muss daher die Talmudstelle Sabbath 75 a 
in dem von mir angegebenen Sinne genommen werden. 

1) Moed katan 18a. 



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