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Full text of "Die religiösen Kräfte des katholischen Dogmas [microform]"

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EIN BEITRAa ZUR aESCHICHTE 
DES KIRCHLICHEN VERMÖGENSRECHTES 



VON 



Di. ARNOLD POSCHL 

PROFESSOR -AN DER K, K. UNIVERSITÄT ZU GRAZ 



DRITTER TEIL 

DIE ENTSTEHUNG DES MEDIITBISTTJMS UND DIE 
GEOSSEN SÄKULARISATIONEN 

IM 10. JAHRHUNDERT 

I SUBVENTIONIERT AUS DER SAVIGNY-STIFTUNG VON DER PHILOS. 
HISTORISCHEN KLASSE DER KAISERLICHEN AKADEMIE DER 
WISSENSCHAFTEN m WIEN 



ERSTE HÄLFTE. 



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VERLAG VON PETER HANSTEIN 
1912. 



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EIN BEITRAa ZUR aESCHICHTE 
DES KIRCHLICHEN VERMÖGENSRECHTES 

VON 

Dl. ARNOLD PÖSCHL 

* PROFESSOE AN DER K. K. UNIVERSITÄT ZU GRAZ 



DRITTER TEIL 

DIE ENTSTEHTJNa DES MEDIATBISTUMS UND DIE 
aEOSSEN SÄKULAEISATIONEN 

IM 10. JAHRHUNDERT 

SUBVENTIONIERT AUS DER SAVIGNY-STIPTUNG VON DER PHILOS. 
HISTORISCHEN KLASSE DER KAISERLICHEN AKADEMIE DER 
WISSENSCHAFTEN IN WIEN 

ERSTE HÄLFTE. 



BONN 

VERLAG VON PETER HANSTEIN 

1912. 



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Vorwort zum dritten Teil. 



Im vorliegenden dritten Teile führen wir unsere Unter- 
suchung durch einen der dunkelsten Abschnitte in der mittel- 
alterlichen Rechtsgeschichte hindurch. Fast nichts weiß uns die 
Literatur aus jener Zeit von rechtlichen Erscheinungen zu be- 
richten. Unverhältnismäßig weniger erfahren wir davon sogar 
als z. B. hinsichtlich des zeitlich ferner von uns abliegenden 
ersten karolingischen Jahrhunderts, ja, als selbst hinsichtlich der 
Merowingerzeit. 

Nicht als ob nun aber jene- spät- und nachkarolingische 
Periode — allerdings eine Zeit des wildesten Faustrechtes — 
an Errungenschaften auf rechtlichem Gebiete nichts aufzuweisen 
gehabt hätte. Im Gegenteil. "Es ist ]ä' bekannt, daß gerade 
Verfallsperioden der allgemeinen Kultur, 4ei' geeignetste Boden 
für das Aufkeimen neuer Rechtseinriehtungen sind. Und jenes 
„secolo di ferro" macht darin djarchaus keine Ausnahme. An 
großen Taten einzelner zwar arm, ist es doch reich an Er- 
rungenschaften der Gesellschaft. Erfolgte doch damals sozusagen 
die Umprägung der sozialen Verfassung fast des ganzen Abend- 
landes. Und auch sonst verdankt manches Rechtselement, das 
in den späteren Ordnungszuständen zu den typischen Gliedern 
der öffentlichen Einrichtungen gehört, eben jener Zeit seine 
Entstehung. 

Allein, wir erkennen all das neue zum überwiegenden Teile 
nur in seinem Ergebnis, nicht aber in seinem Werden. Fertig 
und voll ausgeprägt sehen wir es im 11. Jahrhundert aus dem 
Dunkel der Geschichte hervortreten. Aber nur negativ können 
wir — und selbst diese Grenzbestimmung ist nicht immer möglich — 
feststellen, daß es in der Karolingerzeit eben nocb nicht da war. 
Es muß also irgendeinmal in der Zwischenzeit entstanden sein. 



— IV — 

Wir wissen aber nicht genauer das wann noch auch das wie 
der Entstehung. 

Gilt das alles für die Rechtsgeschichte überhaupt, so läßt 
sieh seine Richtigkeit besonders auch für das Gebiet der kirch- 
lichen Rechtsgesehichte dartun. Erfahren wir auch da über 
jene Periode nur wenig, so erkennen wir doch aus den Er- 
scheinungen, die im 11. Jahrhundert in vollausgebildeter Gestalt 
begegnen, die aber im karlingischen Zeitalter noch fehlten, daß 
sich in der Zwischenzeit wichtige "Wandlungen vollzogen haben 
müssen. Näheres bleibt uns zumeist aber auch hier verborgen. 

Speziell für die Fragen, die hier zur Erörterung stehen, 
zeigt sich das deutlich. Über die Temporalentwicklung des 
Bistums in der fraglichen Periode wissen wir bis jetzt so gut 
wie nichts, sie ist uns ganz unbekannt, und selbst in sonst 
guten und ausführlichen allgemeinen Werken versuchen wir ver- 
geblich, uns darüber auch nur andeutungsweise Rats zu erholen. 
Daß aber jene Zeit auch für diese Entwicklung bedeutungsvoll 
gewesen sein muß, zeigt sich vor allem wieder im Ergebnis. 

So begegnet u. a. seit dem 11. Jahrhundert neben der 
hierarchischen Abstufung der Bistümer, neben ihrer Über- und 
Unterordnung in spiritueller Beziehung auch eine solche in 
temporalibus. In den mannigfachsten weltlichen Abhängigkeits- 
verhältnissen treffen wir von da ab die Bischofskirchen an, ja, 
wir finden sie auch mehrfach übereinandergeschichtet — Ver- 
hältnisse, die es in älterer Zeit nicht gegeben hat. 

Aber niemand weiß, wie es dazu — zur Einrichtung des 
Mediatbistums — gekommen ist noch hat man von der Zeit 
seiner Entstehung irgendeine genauere Vorstellung. Selbst Kenner 
wie Hinschius wissen davon sogut wie nichts — höchstens 
einzelne Züge aus dem Gemälde — zu berichten. Namentlich 
ist die so malerische italienische Entwicklung völlig verborgen. 
In Italien ist sogar Spezi alforschern wie Ficker wohl die fertige 
Erscheinung, aber auch nicht im geringsten deren Entstehung 
und Entwicklung bekannt. Und in der trefflichen neuesten 
Italienischen VG. von Ernst Mayer sucht man gleichfalls ver- 
geblich nach wenigstens einigem Aufschluß darüber. 

Ähnlich verhält es sich aber auch noch mit anderen Fragen. 

Der Grund für unsere mangelhafte rechtshistorische Kennt- 
nis von jener Periode liegt also nicht in den Ereignissen selbst. 
Er ist vielmehr in den Berichten darüber, in den Quellen, zu: 
suchen. Während diese nach der karolingischen Renaissance in 



- v — . 

liberreichem Maße fließen, werden sie gegen Ende des 9. Jahr- 
Tinnderts wieder sehr spärlich, um im darauffolgenden 10. fast 
ganz zu versiegen. Das liefert aber für jene Periode ganz be- 
sonders schwierige Arbeitsbedingungen, verändert die Ökonomie 
der Forschung gegen andere Zeiten. Die Bearbeitung richtet 
sich eben auch hier nach dem Terrain und unergiebiger Boden 
verlangt — genau wie auf dem Gebiete materieller Wirtschaft — 
extensive Betriebsweise.^ Es läßt sich in fast allen Fragen Klar- 
heit aus den Quellen gewinnen, aber nur unter Heranziehung des 
ganzen ausgebreiteten Materials, unter Durchforschung weiter 
Gebiete. Die auf diese Weise mühsam herbeigeschafften Bau- 
steine stellen zwar nur ein Mosaik von Fragmenten dar, lassen 
sich aber dennoch zu einem ziemlich lückenlosen Gesambild zu- 
sammenfügen. 

Da nun aber unsere rechtsgeschichtliche Monographienliteratur 
— und aus äußeren Gründen erklärt sich das ja leicht — auf 
kleinem Boden möglichst viel ernten möchte, so arbeitet sie 
nicht gerne in jener Periode, bevorzugt namentlich die früh- 
karolingische Zeit. So erklärt es sich leicht, daß wir in jener 
anderen nur langsam vorwärtskommen. Und fast gilt da noch 
heute, was schon vor langem Leopold von ßanke über die 
Durchforschung der Rechtsgeschichte jener Zeit schrieb^): „So- 
wie man aber ein solches Werk geht, so zeigt sieh auch, wie 
schwer es ist. Von den allgememen Gesichtspunkten und Ideen, 
die dem Fleiße seinen inneren Antrieb geben, wird man schon 
bald auf die speziellsten, gerade herauszusagen, trockensten 
Untersuchungen verwiesen." Diese Worte, speziell mit Rück- 
sicht auf die Verhältnisse in Deutschland geäußert, haben aber 
auch — und zwar in noch höherem Maße — für die außerdeutschen 
Gebiete Geltung. 

Diese Bemerkungen schienen uns nötig zu sein, um dem 
nicht streng sachkundigen Leser den Plan und hauptsächlich 
auch die angewandte Methode der folgenden Darstellung ver- 
ständlich zu machen. Ganz wird es freilich nur der engste 
Fachgenosse, der selbst in jener Zeit monographisch gearbeitet 
hat, ermessen können, um wie viel mehr Arbeit für jene Periode 
aufgewendet werden mußte, um mit gleicher Sicherheit wie für 
die übrigen Zeiten die Darstellung führen zu können. 

Wenn Verfasser dabei nicht bloß hinsichtlieh ganz neuer 



1) Vorr. z. Heinr. I. Bei Waitz, Jb. Heinr. I.^, S. IX. 



- VI - 

Entdeckungen, die er gemacht zu haben glaubt, eigene Wöge 
wandelt — das verstünde sich ja von selbst — , sondern auch 
in Problemen, die bereits Erörterung und Beantwortung gefunden 
haben — und zwar sogar in grundlegenden Fragen der all- 
gemeinen Eechtsgeschichte — von bisherigen Meinungen wieder 
stark abweicht, so möge man ihm das nicht als Neuerungssucht 
auslegen. Die vorgetragenen Ansichten wurden vom Verfasser 
angenommen, nicht weil er sie gesucht oder auf Grund einiger 
Andeutungen in den Quellen leichthin gefaßt oder gar vorgefaßt 
hat, sondern weil sie sich ihm mit Macht aufgedrängt haben. 

So lange und soweit als möglich suchte er im Anschluß 
an bisherige Forschungsergebnisse zu arbeiten — und er ver- 
dankt diesen trotz vieler Abweichungen noch immer außer- 
ordentlich viel. Nur nach hartem Kampf verstand er sich dazu, 
eine bisherige Ansicht aufzugeben. Er rang sich seine eigene 
Meinung sozusagen selber erst ab. und der Leser kann ver- 
sichert sein, daß Verfasser es sich so schwer als möglich ge- 
macht hat und keine einzige Stelle — nur so ist Sicherheit und 
Widerspruchlosigkeit zu gewinnen — , auf die er gestoßen ist, 
unerledigt gelassen hat. Kein Stein am Weg wurde einfach 
überstiegen. 

Allmählich mußte aber doch Stück für Stück bisheriger 
Theorien, soferne solche überhaupt schon vorlagen, fallen — bis 
sich die Notwendigkeit ergab, das Gebäude auch in diesem 
Teil — und hier noch mehr als in den übrigen — von Grund 
auf ganz neu aufzuführen. Neu ist alles. Die leitende Ideen,, 
die Abstraktionen, neu ist aber auch fast das ganze Detail. Neu 
ist auch die Kombination, das System. Alles — auch die ent- 
fernteren Grundlagen — waren da erst selbständig herzustellen,, 
aus den Quellen zu g^ewinnen. Verfasser ist daher nicht so ver- 
messen zu glauben, überall gleich das richtige getroffen zu 
haben, in allen Partien unanfechtbar zu sein, geschweige denn 
irgendwo vollkommenes geleistet zu haben. 

Aber selbst dann, nachdem sich der Verfasser über alle 
einzelnen Erscheinungen, ja, über den ganzen Komplex, längst 
im klaren war, hat er doch lange darüber hinaus in den Quellen 
weiter geforscht, diese nach allen Richtungen hin durchstreift und 
so noch manchen Detailstrich gewonnen bzw. genauer angesetzt ^).- 

1) Es mag vielleicht eine Bemerkung- über die Quellenstudien 
hier wohl am Platze sein. Wie nicht der den Wald ganz kennen 
lernt, der ihn auf gebahntem Weg* durchschreitet, sondern nur deiv 



- VII - 

Ini großen und ganzen jedoch ergab sieh ihm bei dieser Nach- 
prüfung das erfreuliche Resultat, daß er schließlich nur noch 
Bestätigungen seiner Ansichten fand. 

Im übrigen gibt Verfasser überall die Gründe an, die ihm 
für seine Ansichten maßgebend waren, und es liegt ihm voll- 
ständig fern, irgend jemand zu seinen Meinungen bekehren zu 
wollen. Einziger Zweck seiner Darstellung war vielmehr für 
den Verfasser nur der, §eine Überzeugung niederzuschreiben, die 
Eindrücke, die er von diesen Vorgängen aus den Quellen ge- 
wonnen, möglichst genau abzubilden und so anderen wenn möglich 
zu vermitteln. Im übrigen läßt er die Argumente aus 
eigener Kraft wirken. Und die einzige Bitte, die Verfasser an 
den Leser richtet — und diese, ist doch wohl berechtigt — 
geht dahin, das vorgebrachte nach den inneren, sachlichen 
Gründen und nicht nach bishergen Meinungen, seien sie auch 
von ersten Autoritäten vertreten, zu beurteilen. 

Verfasser hofft nun vor allem nachgewiesen zu haben, daß, 
während die herrschende Meinung und selbst Spezialkenner an- 
nehmen, jene Vorgänge, die im Fundamentalproblem der mittel- 
alterlichen ßechtsgeschichte — dem des Lehenswesens — wieder 
die gTundlegenden Erscheinungen darstellen, nämlich die Ein- 
ziehungen kirchlicher Güter für Zwecke der weltliehen Gewalt, 
hätten sich hauptsächlich in frühkarolingischer Zeit ereignet, seien 
dann stark abgeflaut, um bald ganz aufzuhören — und erst viel 
später, unter Heinrich II., hätte sich ähnliches wieder ereignet — , 
daß, sagen wir, jene Vorgänge unter Karl Martell und seinen 
Söhnen nur der Anfang einer großen Bewegung gewesen seien, 
die im Laufe des folgenden Jahrhunderts stetig zugenommen 
habe, um erst im darauffolgenden zehnten ihren Höhepunkt zu 
erreichen und zu überschreiten. Für die Zeit Karls d. Gr. 
suchten wir diese Meinung schon im ersten Teil zu begründen. 
Die folgenden Ausführungen werden den Hauptteil und Abschluß 
dieser Entwicklung schildern. Sie knüpfen an das dort Ge- 
sagte an. 



der ihn kreuz und quer durchwandert, in seine innersten, ver- 
borgensten Tiefen, ins Dickicht eindringt, so verhält sich das mit den 
Quellen. Nur der lernt ein Quellenkreis ganz kennen, der ihn nach 
allen Eichtungen durchzieht, oft auch planlos — Plan ist hier Be- 
schränkung — durchschreitet, der sozusagen in ihm lebt. Eine ein- 
malige, ja, selbst mehrmalige Durchsicht der Quellenwerke hinter- 
einander tut es nicht. 



- VIII — 

In engem Zusammenhang mit diesen Säkularisationen steht 
nun auch die Entstehung des Mediatbistums. Und auch von 
diesem Prozeß glaubt Verfasser eine genaue, sicher begründete 
Geschichte geliefert, die Wurzeln und treibenden Kräfte dieser 
gleichfalls großen und ganz unbekannten Entwicklung aufgedeckt 
zu haben. Dadurch werden aber wohl auch die pseudoisidorisehen 
Fälschungen, bzw. deren Inhalt, wie die exceptio spolii usw., in 
ein neues Licht gerückt, sachlich in ihre größeren Zusammenhänge 
gestellt. Vielfach mußten dabei auch noch allgemeinere Fragen 
der damaligen ßechtsentwicklung zur Erörterung gebracht werden, 
so die Entstehung der herzoglichen Gewalten auf der ganzen 
Fläche des sinkenden Karolingerreiches. Nur dadurch konnte 
für das Gemälde der nötige Hintergrund gewonnen werden. 

Alles suchte der Verfasser in ein einheitliches, in sich 
geschlossenes und widerspruchsloses, zugleich aber auch mit den 
Quellenäußerungen genau übereinstimmendes Gesamtbild zu ver- 
einen. Und in der Tat scheint sich ihm seine Ansicht auch 
viel besser in das allgemeine Zeitbild jener Periode zu fügen 
als die bisherigen Meinungen. Der von ihm angenommene Ent- 
wicklungsverlauf der Haupterscheinung paßt nach seiner Meinung 
namentlich auch viel besser zu zahlreichen Nebenerscheinungen. 

Hatte z. B. zu Ende der Merowingerzeit in den Stürmen 
jener wüsten Verhältnisse die Kirchen Verfassung schwere Schä- 
den erlitten, so hofft Verfasser einwandfrei nachgewiesen 
zu haben, daß in den noch schlechteren Zeiten am Ende der 
Karolingerperiode die Verheerungen noch ganz anders waren. 
Damals sind — und das zu erfahren wird wohl auch für die 
allgemeine Kirchengeschichtsliteratur von Bedeutung sein — auf 
der ehemaligen Fläche des großkarolingischen Reiches und in 
den unmittelbar angrenzenden Ländern von den Bistümern 
an die hundert als vernichtet direkt nachzuweisen — von vielen 
anderen erhalten wir durch Jahrzehnte keinerlei Nachricht. Leicht 
lassen sich unter solchen Umständen die von uns behaupteten und 
wohl auch erwiesenen großen Säkularisationen begreifen. Auch 
von anderen, schon im Zusammenhang mit den Säkularisationen 
der Hausmeierzeit gelegentlich vorkommenden Erscheinungen 
sucht Verfasser zu zeigen, daß sie sich gegen Ende der Karo- 
lingerzeit und hernach nicht nur gleichfalls finden, sondern 
daß sie damals noch ganz andere Dimensionen annehmen, eine 
noch ganz andere Verbreitung, ja, erst ihre eigentliche Entfaltung 
erfahren: so vor allem das Laienprälatentum. 



— IX — 

Das alles hofft, wie gesagt, Verfasser nachgewiesen zu 
haben Über den Erfolg seiner Arbeit steht ihm aber freilich 
an dieser Stelle ein urteil nicht zu. Lediglich einige erklärende 
Bemerkungen, die äußere Anordnung betreffend, sind da noch 
zu machen. 

Zunächst was das Ausmaß der Arbeit anlangt. Dafür 
waren zwei Gesichtspunkte maßgebend, zwei Gegen-Postulate 
bestimmend. Ob die Resultante richtig gewählt ist, auch das 
steht zur Beurteilung des Lesers. 

Erstens sollte eine möglichst große Zahl von allen 
Beobachtungsobjekten, von allen Einzelfällen, herangezogen 
werden. Handelt es sich doch um den Nachweis von Massen- 
erscheinungen — und zwar gleichzeitig von Erscheinungen, wo- 
von die herrschende weitverbreitete Ansicht eine falsche Vor- 
stellung hat. Sollte die Entwicklung in der von uns auf- 
gefaßten Art als die typische erwiesen werden, sollte gezeigt 
werden, daß sich der Prozeß wirklich ganz allgemein so ab- 
gespielt hat, wie wir meinen, so mußten die behaupteten Er- 
scheinungen doch für eine sehr große Zahl von Bischofskirchen 
dargetan werden. Der Nachweis von nur einigen Fällen wäre 
jederzeit dem schalen Einwurf, das seien Ausnahmen gewesen, 
ausgesetzt gewesen. In der Tat ist es auch sachlich eben 
anders, ob in lokal beschränkten Wirren das eine oder andere 
Bistum eingeht oder ob der Untergang des Großteils der Hoch- 
kirchen in weiten Gebieten erfolgt. 

Zweitens durfte aber auch nicht das Ebenmaß der Teile, 
das Verhältnis der folgenden Abschnitte nach ihrem inneren Gehalt 
und ihrer sachlichen Bedeutung für das Gesamtwerk übersehen 
werden. Es war daher vor allem auch wieder möglichst Maß 
ÄU halten. Verfasser glaubt beiden Erfordernissen dadurch ent- 
sprochen zu haben, daß er bei der Erörterung des Verfalls der 
Bisehofskirchen für ungefähr zwei Dritteile der Bistümer der 
Detailnachweis fast für jede Kirche, für die übrigen jedoch aus- 
gewählte Beispiele beigebracht hat. Dadurch war der Eindruck 
der Massenerscheinung in genügender Weise gewonnen und doch 
allzu große Breite vermieden. Und ähnliches wurde auch in 
den übrigen Kapiteln befolgt. Zumeist war ja auch der Stand 
der Quellen für diese Grenzen bestimmend. Es wurden dabei 
wohl keine wichtigeren Fälle außer Acht gelassen, von vielen 
fehlen ja die Nachrichten. 

Damit berühren wir aber auch die Frage nach dem Um- 



— X — 

fang des Gesamtwerkes, worüber hier doch einige Bemerkungen 
am Platze sein mögen. Ist die ganze Arbeit im Hinblick auf 
ihr Forschungsobjekt zu groß, zu ausführlich angelegt? Nach 
Ansicht des Verfassers ist das sicher nicht der Fall. Das Aus- 
maß der wissenschaftlichen Forschung läßt sich nicht a priori 
und nach äußeren Gesichtspunkten bestimmen. Die Form ist 
durch die Sache bestimmt. Man kann da nur in toto fragen r 
ist die monographische Behandlung des Gegenstandes gerecht- 
fertigt? Das steht hier bei der Wichtigkeit des letzteren für 
die kirchliche und auch weltliche Verfassungs- und Rechts- 
geschichte außer Frage. Das Vermögensrecht steht im Vorder- 
grund des mittelalterlichen Rechtes. Namentlich stellt sich die 
Verfassung der mittelalterlichen Kirche — und so auch analog^ 
die des Staates — im Feudalsystem zum guten Teile als 
Organisation des Kirchenvermögens dar. Im Ausdruck bene- 
fieium für Kirchenamt kommt das prägnant zum Ausdruck. 

Ein wirklicher Gewinn ist aber da nur durch erschöpfende 
Behandlung des Gegenstandes zu erzielen. Soll das Gebäude 
auf festem Boden stehen, so hat man eben so lange zu graben, 
bis man auf den Felsengrund der Quellen stößt. Nicht früher 
darf man also in der Erledigung auch der Anschlußfragen 
halt machen. Sonst ist es wieder nichts. Nach Ansicht des 
Verfassers wird allerdings viel zu viel geschrieben. Aber nicht 
an erschöpfender Behandlung einzelner Materien haben wir Über- 
fluß, sondern an Dilettantenschriften. Es ist besser, eine in die 
Tiefe gehende und dadurch natürlich auf breiter Basis stehende 
Monographie zu schreiben als viele Essays und Hypothesen 
über verschiedene Gegenstände herzustellen. 

Auch ist Verfasser überzeugt, daß niemand hinsichtlich de& 
ümfangs Bedenken haben würde, wenn jeder einzelne Teil 
lediglich unter seinem Untertitel hinausginge — werden doch 
über viele kleinere Gegenstände ungleich stärkere Bände ge- 
schrieben. Und ein durchlaufendes, die einzelnen Entwicklungs- 
abschnitte verbindendes Werk ist doch mehr als eine Kette von 
Monographien. Und Gegenstand wie zeitliche und räumliche 
Ausdehnung der Forschung sind groß. Objekt derselben ist 
ja, wie gesagt (vgl. T. I, S. 6 ff.), fast das ganze kirchliche 
Vermögensrecht in seinem geschichtlichen Verlauf und — 
wegen dessen zentraler Stellung im mittelalterlichen Recht 
der Kirche (und des Staates) überhaupt auch noch viele 
andere Gegenstände. Verfasser hätte mit verhältnismäßig ge- 



— XI - 

fiü^er Mühe die Darstellung zu einer „Geschichte des kirchlichen 
Vermögensrechtes" überhaupt ausbauen können. Es schien ihm 
jedoch gerade die Behandlung so umfassender Probleme von 
einem einheitlichen Mittelpunkt aus im Interesse einer 
einheitlichen, widerspruchslosen Betrachtung und. vor allem einer 
scharfen, sicheren Begrenzung der Aufgabe zu liegen. Be- 
fremdet hat mich nur der Vorwurf von einigen Seiten in der 
Kritik, in Nebenfragen, ja, in der Angabe der Quellen zu wenig 
ausführlich gewesen zu sein. 

Damit kommen wir auch noch kurz auf diese Frage, die 
ja mit der nach dem umfang in teilweisem Zusammenhang steht, 
zu sprechen. In der Zitierung, vor allem der Quellen, war es 
schwer, das rechte Mittelmaß zu finden. Verfasser hält auch 
jetzt noch an dem Grundsatz fest — wenn er auch hier keines- 
wegs behauptet, in der Ausführung stets den rechten Weg ge- 
funden zu haben — , daß eine Untersuchung, die auf den 
Quellen unmittelbar aufruht, die weittragendsten Schlüsse aus 
einzelnen Stellen zieht und darauf ausgeht, auch grundlegende, 
festgewurzelte bisherige Ansichten sozusagen aus den Angeln zu 
heben, es nicht bloß der vorhandenen Literatur schuldig ist, 
sondern auch in Bedachtnahme auf den eigenen Erfolg daran 
gut tut, Schritt für Schritt die Gründe anzugeben, vor allem 
die wichtigeren Quellenstellen im Wortlaut anzuführen. Damit 
wird auch der unmittelbare Eindruck, die Anschauung der 
Quellen vermittelt, die allein den Leser in die Lage versetzt, 
sich ein völlig lebenswahres Bild von den Ereignissen zu machen. 
Gar nicht zu reden von der schwierigen Zugänglichkeit und 
Größe des Materials. 

Auch scheint es mir bei der jetzt gebräuchlichen Methode, 
der zufolge man den Apparat und die Nebenpunkte in lauter 
einzelne Zitate auflöst und in die Noten stellt, gar nicht bedenk- 
lich zu sein, wenn durch ausführlicheres zitieren der Umfang des 
Buches einigermaßen schwillt. Der Leser kann nach Belieben 
nicht interessierendes Detail in obiger Beziehung — ohne in der 
Hauptsache den Faden, der im Text fortläuft, zu verlieren — 
einfach übergehen. Und wenn eine Ansicht dadurch sicher oder 
doch sicherer gestellt werden konnte, schien es mir auf ein 
paar Bogen Papier nicht anzukommen. Zuviel zu sagen ist ja 
sicher ein Fehler. Ein weit größerer jedoch noch, auf wissen- 
schaftlichem Gebiet zu wenig zu sagen. Nur bei gleichem Er- 
folg ist die kürzere Darstellung vorzuziehen. Die Form hat 



— XII — 

aber jedenfalls der Sache zu weichen. Damit die erstere einem 
weiten Leserkreis gefällig sei, ist es nicht gerechtfertigt, die 
Sache, über die gerade der Fachmann oft möglichst genaues 
erfahren möchte, zu beeinträchtigen. Verfasser schreibt jeden- 
falls in erster Linie für Fachgenossen. 

Hingegen schien dem Verfasser eine Entlastung der Dar- 
stellung dadurch möglich zu sein, daß die Literaturzitate mög- 
lichst eingeschränkt wurden. Freilich ist davon noch immer genug 
übrig geblieben. Immerhin konnte aber da nach einigen Rich- 
tungen Raum gewonnen werden, und die Art und Weise, wie 
das geschehen, bitte ich — zur Vermeidung von Mißverständ- 
nissen — den Leser zu beachten. 

Die Titel möglichst aller geläufigeren Werke sind — oft 
stark — gekürzt zitiert. Der Fachmann weiß auch so, was 
gemeint ist, ein nichtfachmännischer Leser kann sich, falls er 
den genauen Titel wünscht, vorläufig leicht bei einem Be- 
wanderten Bescheid holen. Jedenfalls rechtfertigt der dadurch 
erzielte Raumgewinn die etwaige geringe Mühe des Lesers. Wir 
werden übrigens am Schluß des Werkes in einem besonderen 
Heftchen — nur das ist die für ein mehrbändiges Werk zum 
Nachschlagen brauchbare Form — ein ausführliches Literatur- 
und Quellenverzeiehnis nebst alphabetischem Inhaltsverzeichnis 
beifügen. 

Besonders hervorzuheben ist hier, daß viele Werke nur 
einmal oder einigemale genannt, aber auch bei manchen anderen 
— allen einschlägigen — Stellen mit berücksichtigt sind. Aus- 
drücklich erwähnt wurden sie nur dort, wo ein spezieller Anlaß 
hiezu vorlag. Aber auch, wo dies nicht der Fall war, haben 
sie überall, wo einschlägige Fragen erörtert werden, als mitzitiert 
zu gelten. 

So war es namentlich nicht nötig, allgemeinere Werke, 
die Bischofslisten, bzw. Lebensbeschreibungen von Bischöfen für 
alle Bistümer eines größeren Gebietes enthalten, in jedem einzelnen 
Falle besonders zu nennen. 

Für Frankreich kommen da z. B. in Betracht die ver- 
schiedenen als Gallia christiana oder ähnlich bezeichnete Werke, 
so die „France pontificale" von Fisquet, vor allem jetzt auch 
die unter dem Sammeltitel „Gallia christiana novissima" ver- 
öffentlichten Werke, wie die bisher erschienenen Bände von 
Albanes-Chevalier, ferner die waskonischen Bistumsgeschichten 
von Degert u. a. Bis zum Ende des 9. Jahrhunderts namentlich 



— XIII - 

auch Diichesnes Fastes episcopeaux de rancien Gaule (Bd. I 
1907, Bd. II 1910 in 2. Aufl.). üsw. 

Für Italien, bzw. Teile davon, Werke wie Ughelli, Pirri 
u. a. Auch in der Darstellung selbst sind noch weitere der- 
artige Generalzitate angebracht worden, so S. 32 N. 1 hinsicht- 
lich Italiens, S. 62 N. 12 bezüglich der Kalabreser Kirchen etc. 
Das gesagte gilt auch für die einschlägigen Artikel in Nach- 
schlagewerken, hinsichtlich der Bischofslisten z. B. auch für 
den eben unter der Leitung von Baudrillart-Vogt-Rouziös 
erscheinenden Dictionnaire. Berücksichtigt sind auch die kurzen 
Bistumsgeschichten im Kehr sehen Regestenwerk. üsw. 

Mit all diesen Schriften hat aber auch die gesamte dort 
zitierte Literatur als mitzitiert zu gelten. So ist, nur um ein 
Beispiel anzuführen, zu der S. 20 erörterten Frage bezüglich des^ 
Bistums Bayonne nicht bloß Duchesne, Fastes IP, 89 als 
zitiert aufzufassen, sondern auch die dort erwähnten Arbeiten 
von Lognon (Geogr.) und Blade (Memoire sur l'eveche de B.), 
obwohl keine der Schriften ausdrücklich genannt, sondern nur 
positiv unsere Meinung niedergeschrieben ist. So auch sonst.. 

Ist aber der Verfasser nirgends, auch dort nicht, wo er 
anflere Werke ausdrücklieh zitiert hat'), den Vorgängern blind 
gefolgt — das gilt für Italien in besonderem Maße hinsichtlich 
des unzuverlässigen Cappelletti — , sondern suchte er alle An- 
gaben selbständig zu werten, wobei er sich nicht selten 
älteren, zurückgestellten Meinungen angeschlossen hat 2), so sind 
vor allem auch Kontroversen möglichst in den Hintergrund ge- 
drängt, namentlich solche, die, auch richtig gelöst, auf unseren 
Gedankengang keinerlei Einfluß haben. Unsere Meinung wird 
in solchen Fällen eben lediglich ausgesprochen, nicht verteidigt. 
Die Abweichungen von anderen Ansichten ergeben sich aus dem 
Vergleich. Hier muß aber zur Vermeidung von Mißverständ- 
nissen darauf hingewiesen werden. So ist z. B. von uns (S. 19) 



1) Ist z. B. „vgl. N. N." zitiert, so heißt das nicht, daß dort die 
Bestätigung- unserer Ansicht zu finden sei, es soll der betreffende Ort 
wörtlich lediglich vergleichsweise herangezogen werden. Das zvt 
bemerken, scheint auch nötig zu sein. 

2) So sind in neuesten italienischen Bischofslisten oft ohne jeden 
inneren Grund die Bischöfe unbekannter Zeit einfach dort eingereiht, 
wo die größten Lücken klaffen. Ein solches Verfahren kann d^n 
rechten Eindruck nur trüben. Das sichere Schweigen sagt da, wie 
wir noch sehen werden, mehr als unsichere Nachrichten. 



- XIV - ( 

als Lücke in der Überlieferung hinsiehtlicli des Bistums Perigieux 
einfach das Interwall 900 — 988 angegeben. Nach Duchesne^) 
würde sich der Zwischenraum beträchtlich erweitern. Und ähn- 
lich ist es auch sonst. Eine Kontraverse zur Verteidigung unserer 
Angaben wären aber ganz unfruchtbar. Sie würde für uns 
Dicht das geringste ändern. Eine genaue Erforschung solcher 
Zahlen hat auch an sich wenig Wert, da in der ßegel die 
Unterbrechung der Überlieferung nicht genau mit dem Zeitpunkt 
des Untergangs der Bischofskirchen zusammenfällt, sondern die 
letzte Erwähnung meist zufällig ist. 

Suchten wir trotzdem auch im einzelnen möglichst exakt 
vorzugehen, so kam es uns doch natürlich in erster Linie auf 
Vermittelung des Gesamteindrucks an und für den ist, das wird 
auch noch im Text hervorgehoben, die Verschiebung einzelner 
von den vielen Jahreszahlen ohne jeden Belang. 

Viele Werke, die Verfasser gleichfalls kennt, sind aber 
gar nicht zitiert. Es ist nicht nötig, jede Meinung, die über 
einen Punkt oft mit ganz unzureichenden Mitteln geäußert wird, 
besonders anzuführen und sich mit ihr auseinanderzusetzen. 
Der Kundige findet oft mit einem Wort, einer Wendung im 
Satz eine solche Ansicht abgetan. — Dies geschieht hauptsäch- 
lich nur, damit der Leser wisse, daß dem Verfasser jene Mei- 
nung wohl bekannt war. Es ist ein störendes Gefühl, das 
Verfasser selbst oft bei anderen Werken empfunden hat — und 
deshalb wurden noch manche an sich vielleicht auch vermeid- 
bare Zitate angebracht — , nicht bestimmt zu wissen, ob der 
Verfasser die Schrift eines anderen, in der sich einschlägiges 
eventuell wenigstens vermuten ließe, gekannt hat. Das er- 
schwert das Urteil. Vielleicht wäre auch da manches anders 
zu machen gewesen. Der Verfasser konnte jedoch nichts tun 
als den Weg einschlagen, den er selbst für richtig hält. 

Eine andere Sache ist es, daß, wie auch verschiedenorts 
in den Noten ausdrücklich angemerkt, einige Werke zitiert sind, 
die nicht benutzt werden konnten. Der Verfasser konnte — wie 
dies jedem ergeht — eine Eeihe von Werken trotz aller Be- 
mühungen sich weder aus Bibliotheken noch aus Privatbesitz 
noch auch im Buch- und Antiquariatshandel verschaffen. Es 
blieb da nichts übrig als auf die Benützung ganz zu verzichten. 
Werden solche Bücher — irgend eine Störung des anderweitig 



1) Fastes 112, 88. 



- XV — 

gewonneaen und gesicherten Gesamteindruckes erscheint dadurch 
ohnehin ausgeschlossen; über den Inhalt ist man übrigens oft 
ganz gut aus Rezensionen Literaturberiehten u. dgl. unterrichtet — ^ 
dennoch genannt, so haben solche „blinde Zitate" einen guten 
Grund. Erstens sollte der Leser aufmerksam gemacht werden, 
daß Verfasser wohl gewußt hätte, was noch zu benutzen wäre 
und daß er lediglich aus äußeren Gründen an der Verwendung 
gehindert war. Zweitens sollte dadurch dem Leser, der solche 
Werke benützen kann, eine erhöhte Kontrolle in die Hand 
gegeben werden und auch die Möglichkeit geboten werden, seiner- 
seits Verbesserungen vorzunehmen. Ich würde solche meinerseits 
mit Dank entgegennehmen. Endlich konnte dadurch auch dem- 
jenigen, der etwa an diese Forschungen anzuknüpfen gedenkt, 
nach dieser oder jener Richtung hin ein Fingerzeig zu weiterem 
Fortschreiten gegeben werden. 

Endlich bedarf noch einer kurzen Begründung der Umstand, 
daß einigemale — namentlich zu negativen Feststellungen — 
auch Schriften herangezogen sind, die den in Rede stehen- 
den Gegenstand oft nur entfernt, oft gar nicht direkt be- 
rühren. So bei Erörterung der Verfallslage der Bischofskirchen 
z. B. auch der italienischen Stadt- und sonstigen Lokalgeschichten. 
Es schienen mir nämlich gerade dabei die Mitteilungen des 
Lokalschriftstellers von besonderer Bedeutung zu sein und sein 
gänzliches Schweigen über die Kirche für gewisse Zeiten allein 
für unseren Zusammenhang eben als charakteristisch genug. Der 
Verfasser konnte aber auch sonst, wie er durchaus auf Grund 
konkretester Einzelnachriehten zu allgemeinerem fortschritt, 
aus Lokalgeschichtsforschungen regelmäßig mehr entnehmen als 
aus zusammenfassenden Darstellungen. Was diesen verborgen war, 
konnte dem ortskundigen Detaillisten oft gar nicht entgehen. 

Zitiert wird grundsätzlich nach den neuesten Werken und 
Auflagen, sofern nicht für das umgekehrte Verfahren ein be- 
sonderer Grund vorliegt i). 



1) Nicht aus letzterem Gesichtspunkt, sondern lediglich aus Ver- 
sehen ist auf S. 13 N. 6 die Urkunde Lothars V. von Frankreich nach 
G. C. und nicht nach der Ausgabe von Hai phen und Lot zitiert. Das 
Zitat ist nach einer älteren Notiz trotz sonst genauer Nachprüfung 
stehen geblieben und hat auch die Korrekturen passiert. Ähnliches 
scheint nun einmal unvermeidlich zu sein und ist vielleicht auch sonst 
vorgekommen. Von Druckfehlern, die allenfalls sinnstörend wirken 
könnten, ist mir aufgefallen, daß auf S. 9 (Absatz 3, 2. Satz) das Wort 



— XVI — 

Soviel von der Methode. Was die Begrenzung des Gegen- 
standes anlangt, so ergeben sich die Zeitgrenzen — des kann 
erst die Darstellung vollends erhärten — , wenn man einmal den 
Verlauf der Entwicklungslinien erkannt hat, in der gewählten 
Weise von selbst. 

Örtlich schritten wir einigemale über die früheren Grenzen 
hinaus. Je mehr sich nämlich Süditalen der abendländischen 
Entwicklung anschließt, desto mehr ist es von uns mitzuberück- 
sichtigen. Hauptsächlich ist das wohl erst mit der normannischen 
Eroberung der Fall. Aber schon in diesem Teil ist die Be- 
trachtung auch des südlichen Italiens and der Mittelmeerinseln 
notwendig, will man die Verfallserscheinungen in vollem Umfang 
erkennen ^). 

Eine ganz formelle Äußerlichkeit betrifft endlich die Zer- 
legung des Teiles in zwei Hälften. Dies geschah nur, um das 
äußere Ebenmaß des ganzen Werkes nicht zu stören. 



Was die bisherige Kritik des Werkes anlangt, so ist alles 
darin den Gegenstand betreffende im Werk selbst erledigt. Ver- 
fasser ist für Ratschläge auch dort dankbar, wo er ihnen nicht 
folgen konnte. Aber auch sonst noch hat er für die fast durch- 
gängig wohlwollende Beurteilung zu danken. Die Aufnahme 
war viel günstiger, als Verfasser das bei der Neuheit des Vor- 
gebrachten hoffen konnte. Hauptsächlich hat er das wohl der 
ausführlichen quellenmäßigen Begründung seiner Ansichten zu 
danken. Schließen sich bedeutende Fachgenossen (Löning, Fried- 
berg u. a.) fast rückhaltlos an, so behalten sich andere (und 
auch darunter finden sich gewichtige Namen, wie der Sägmüllers 
u. a.) das Endurteil vor. Auch dies ist wohlberechtigt. Nur 
eine abgeschlossene Sache verdient ein abschließendes Urteil. 
Und es ist ganz gut, daß nicht jede grundstürzende Neuerung- 



„grundsätzlich" ausgeblieben ist. Die Sache ist übrigens dadurch ge- 
deckt, daß a. a. 0. N. 7 bezüglich des älteren Eechts Hinschius zitiert 
und S. 18 N. 8 Obers Arbeit genannt wird. Ausdrücklich zu erwähnen 
wäre Duchesne (und zwar die Steüe Fastes I^, 41 N. 3) auf S. 23 zu 
N. 8 und 4 gewesen. Hinzuzufügen wäre auch — als für unsere An- 
sicht voll beweisend — zu S. 135 N. 2 noch M. 1072 (Titel: presbyter 
vocatus episcopus). S. 128 N. 1 könnten die Cap. Angilr. besonders 
genannt werden. 

1) Hier sei zur Verständigung auch angemerkt, daß wir im 
folgenden zu Oberitalien auch die ganze Provinz von Ravenna zählen. 



- xvn — 

sogleich zur allgemeinen Geltung kommt. Ist sie gut, so bricht 
sie sich schon Bahn. Ist sie schlecht, so wird Unklarheit und 
Gefährdung der gesicherten Ergebnisse infolge von zu rascher 
Annahme des neuen vermieden. 

Zum Schluß erfülle ich noch die angenehme Pflicht, auch 
allen anderen, die diesem Werke Anerkennung und, speziell auch 
für seinen vorliegenden Teil, Förderung zuteil werden ließen, 
wärmstens zu danken. Und zwar sei es mir gestattet, meinen 
Dank an diesem Orte ganz allgemein, ohne Nennung aller einzelnen, 
zu sagen. Nur nach einer Richtung hin erlaube ich mir, auch 
hier mich besonders zu bedanken. 

Dem Werke ward die hohe Auszeichnung einer Sub- 
ventionierung durch die Kaiserliche Akademie der Wissenschaften 
in Wien zuteil. Aus diesem Grunde erlaubt sieh der Verfasser, 
der hohen Akademie, vor allem aber dem hw. Herrn k. k. Hof- 
rat Professor Dr. Rudolf Ritter von Scherer, speziell für 
die Subventionierung des dritten Teiles auch der Savigny- 
kommission seinen ergebensten und innigsten Dank auszusprechen. 
Hatte der letztere auch schon den zweiten Teil zu begleiten, 
so konnte er wegen bereits erfolgter Vollendung des Druckes 
leider nicht mehr in der dortigen Vorrede zum Ausdruck ge- 
bracht werden. 

Graz, am 24. Februar 1912. 

Arnold Pöschl. 



Inhalt des dritten Teiles. 

Erste Hälfte. 



Erster Abschnitt. 
Verfall der Bischofskircheu am Ende der Karolingerzeit. 

Seite 
§ 1. Allgemeine Zeitlage. Verfall der Kirche an der Schwelle 

des zehnten Jahrhunderts 1 

§ 2. Lage der Bischofskirchen. A. Allgemeines 7 | 

§ 3. B. Die westfranzösischen Bistümer 12 

§ 4. C. Spanische Grenze, Südfrankreich und Südburgund . . 22 

§ 5. D. Ober- und Mittelitalien 31 

§ 6. E. Süditalien und die Mittelmeerinseln 52 

§ 7. F. Die übrigen Gebiete 69 

Zweiter Abschnitt. 

Mediatisierung der Bistümer. 

§ 8. Die Grundlagen der lokalen Bistumsherrschaft. Entstehung 

mächtiger Lokalgewalten 77 

§ 9. Die Anfänge der lokalen Bistumsherrschaft 94 

§ 10. Bistumsherren. A. Begründung der Herrschaft 110 

§ 11. B. Inhalt der Herrschaft 130 

§ 12. Laienbischöfe 164 



Erster Abschnitt. 

Verfall der Bischofskirchen am Ende der Karolingerzeit. 



§ 1. Allgemeine Zeitlage. Terfall der Kirche an der 
Sehwelle des zehnten Jahrhunderts. 

Zu Anfang des zehnten Jahrhunderts erreichte die abend- 
ländisch-christliche Kultur das Stadium ihres tiefsten Verfalles. 
Schlimmer noch lagen damals die Dinge als selbst in den wüsten 
Zeiten des sinkenden Merowingerreiches. Die gewaltige Kultur- 
arbeit der Karolinger schien umsonst getan zu sein. 

Die Zerrüttung zeigte sich auf allen Gebieten kulturellen 
Lebens. Staat und Recht, Verkehr und Wirtschaft lagen gleich- 
mäßig darnieder. Und der Verfall der materiellen Kultur zog 
den der geistigen, namentlich aber den der sittlichen nach sich. 

Eine Reihe von Ursachen hat sich zu dieser furchtbaren 
Wirkung vereint. Zum Teil schon im neunten Jahrhundert wirk- 
sam, äußerten sie schon damals ihre verderblichen Folgen. In 
zahlreichen Anzeichen ließen sie die kommende Katastrophe 
vorausahnen. 

Vor allem waren es die schweren Kämpfe gegen äußere 
und innere Feinde, die das karolingische Reich erschütterten. 

Vom Süden 1) her schritt die Ausbreitungsbewegung des 
Islam, von den ersten großen Arnulfingern wenigstens gegen das 
Abendland hin zum Stillstand gebracht, mit dem Verfall der 
karolingischen Königsgewalt im neunten Jahrhundert wieder vor. 
Die gebundenen Kräfte wurden wieder frei und äußerten sich, 
lange niedergehalten, ungestümer als je zuvor. Weiter als je 
dehnten die Sarazenen ihre Eroberungszüge aus. Sie setzten 
sich an zahlreichen Punkten — auch der festländischen Küste — 
fest und drangen über die Alpen bis an den Rhein vor. 

Aus dem Norden und Westen kamen die Normannen. Ihre 
Eroberungszüge nahmen im neunten Jahrhundert gleichfalls immer 

1) Der Haiiptbewegung nach. 
P ö s c b 1, Bischof sgut und mensa episcopalis. III. 1 



größeren Umfang an, so daß schließlich fast kein Reichsteil von 
ihnen verschont blieb, sogar Italien nicht ausgenommen. Nament- 
lich litt unter den Plünderungen dieser beutegierigen Scharen 
das fränkische Westreich. Auch sie nahmen ausgedehnte Küsten- 
striche durch längere Zeit in Besitz, bis sie sich 911 in dem 
nach ihnen benannten Gebiet dauernd niederließen. 

Vom Osten her endlich erschien dem unglücklichen Lande 
der furchtbarste Feind in den Magyaren. Auch diese richteten 
ihre Vorstöße nach fast allen Teilen des einstigen Herrschafts- 
bereiches Karls des Großen. Mit der Flanke einerseits Sachsen 
und Nordfrankreich, andererseits Italien berührend oder be- 
deckend, breitete sich die Woge ihrer Eroberungsztige fächer- 
artig nach Westen aus. 

Zu den Kriegen gegen diese Hauptfeinde — viele Gegenden 
wurden von ihnen allen heimgesucht^) — kommen dann noch 
die mehr lokalen 2) Kämpfe mit anderen Gegnern, namentlich im 
Osten und Süden des Reiches: mit den Slaven, Balgaren, ge- 
legentlich auch mit den Griechen usw. 

So schwer aber das Unglück war, das auf diese Weise 
von außen her ins Land getragen wurde, so erstand diesem doch 
in seinem inneren ein fast noch furchtbarerer Gegner. 

Es waren dies die neuen Gewalten, die auf der ganzen 
Fläche des Reiches in jener trüben Zeit emporgetaucht waren 
und in unaufhörlichem Ringen sowohl einander als auch vor 
allem das karolingische Königsgeschlecht bis zu dessen Unter- 
gang bekämpften. Man denke da nur an den hundertjährigen 
Streit zwischen Karolingern und Robertinern in Frankreich oder 
an die Kämpfe der Stammesherzoge gegen die Herrscher in 
Deutschland, Am ärgsten waren die Zustände in Italien, wo 
die Kämpfe fast in ein bellum omnium contra omnes, in völlige 
Anarchie ausarteten. 

Diese allseitigen Kämpfe versetzten das Land in einen 
ununterbrochenen Kriegszustand. Seuchen und Hungersnöte ver- 
vollständigten das allgemeine Elend, namentlich bei den niederen 
Klassen. Die Reihen der Bevölkerung wurden in erschrecken- 
dem Maße gelichtet. Es war dies jene Zeit, wo ^ein Teil schon 
kultivierten, blühenden Landes in die Wildnis zurücksank 2). 



1) Z. B. die Provence: Flach, Origines II, 70 f. Kien er VG. S. 9L 

2) Immerhin schlössen sich auch slavische Scharen den Zügen 
der Mag-yaren, namentlich nach Italien^ an. 

3) V. Inama WG. II, 5 ff. Sackur, Cluniacenser 1, 13. Zahlreiche 



— 3 - 

Besonders schwer litt nun in jener Zeit die Kirche, wie ja 
schon das neunte Jahrhundert auch bei ihr als Hauptbewegung 
ein stetiges Sinken zeigt. In ihrer Lebenssphäre mußte sich der 
allgemeine Verfall besonders stark äußern. Auf sie wirkten ja 
nicht bloß die allgemeinen Verfallsursachen, und zwar in ver- 
stärktem Maße, ein — die äußeren Feinde kamen als erklärte 
Feinde des Christentums ins Land ^), richteten ihre Angriffe vor 
allem gegen Kirchen und Klöster, äscherten deren Gebäude ein, 
ermordeten die Insassen, verwüsteten den Besitz, raubten die 
Schätze 2) — und auch den inneren Feinden^) waren diese In- 
stitute besonders wehrlos preisgegeben — , sie war vielmehr 
noch einer Reihe besonderer Gefahren ausgesetzt*). 

So sehen wir denn auch die Kirche in jener Zeit aus 
tausend Wunden bluten. Und ihr Verfall hat dann wieder 
kräftig auf den der allgemeinen Kultur zurückgewirkt. 

Zerrüttet war die Verfassung der Kirche^), die Tätigkeit 
ihrer Organe, — und zwar nicht bloß die geistliche Wirksamkeit, 
sondern auch die allgemeine Lebensführung des Klerus. Noch 
viel mehr war daher das kirchliche Leben im christlichen Volke 
selbst verfallen. 

Was speziell die kirchlichen Anstalten betrifft, so ist der 
ausgedehnte Verfall, ja die Vernichtung des niederen, nament- 
lich des Landkirchenwesens, wenigstens für einzelne Länder, 
bekannt 6), wenn auch da noch viel festzustellen bleibt. 

weitere Belege beti-effs des Kirchenbesitzes in der folgenden Dar- 
stellung. 

1) Betreffs der Sarazenen und Magyaren ist das allgemein be- 
kannt. Hinsichtlich der Normannen vgl. besonders C. F. Keary, The 
Vikings in western christendom, London 1891. Auch Vogel, Die Nor- 
mannen S. 9, 29 f. und sonst, wo auch zahlreiche Beispiele. 

2) Und zwar auch dort, wo sie^ ausnahmsweise dem übrigen 
Lande Schonung angedeihen ließen. Charakteristisch das Beispiel von 
Poitiers. Jm J, 863 konnte sich die Stadt von der Einäscherung los- 
kaufen. Trotzdem gingen die Kirchen und Klöster in Flammen auf. 

3) Oft genug wird es in den Quellen ausgesprochen, daß die 
Kirche an den schlechten Christen noch grausamere Feinde habe als 
selbst an den wilden heidnischen Eroberern. Viele Belege auch im 
folgenden. 

4) Einige davon (Laienprälatentum, Kirchengutseinziehungen 
usw.) sind Gegenstand der folgenden besonderen Ausführungen. 

5) Für viele andere Quellenäußerungen allgemeiner Art seien 
als Beispi»l die Worte Leos VII. (938) angeführt: ut rerum ordo totus 
pene turbatus sit et nullus iam locus religioni restare videatur. 

6) Z. B. Böhmer, Kirche und Staat in England und in der Nor- 



— 4 — 

In größerem — wenn auch hier gleichfalls noch lange 
nicht in ganzem — umfang bekannt ist dann der Verfall des 
Klosterwesens in jener Zeit^). 

Schon 909, wo die Zerrüttung lange noch nicht den Höhe- 
punkt erreicht hatte, riefen die Väter der Synode von Trosly 
verzweifelnd aus: Über den Stand oder -vielmehr Fall der Klöster 
noch etwas zu beschließen, erscheint uns schon nicht mehr als 
möglich. Die einen sind von den Heiden eingeäschert und ver- 
nichtet, die anderen ihres Besitztums beraubt und der Vernichtung 
wenigstens nahe. Nirgends wird die Regel beobachtet 2). Nirgends 
stehen reguläre Prälaten an der Spitze. Laienäbte leben mit 
Weibern und Kindern, Vasallen und Jagdhunden in den Kloster- 
räumen. Die Konventualen müssen entweder, wenn sie im Kloster 
bleiben wollen, selbst weltlich leben oder aus Not gezwungen 
die Anstalt verlassen und auf diese Weise sich irdischen Be- 
schäftigungen zuwenden^). In diesem Ton geht die Klage 
weiter *). 



man die im XT. u. XII. Jahrb. (Leipzig 1899) S. 4 f. hinsichtlich der 
Normandie; Krug e r, Bruno I, S. 38 f. 46 f. 49 f. betreffs Lothringens usw. 

1) Hier nur einige charakteristische Bilder aus den Quellen, die 
sich ins ungemessene häufen lassen. Flodoard IV, 38 SS. XIII, 590: 
Plures denique apud nos sanctorum fnere basilicae, sed et monasteria 
infra vel circa Remensem hanc urbem, quae modo non haberi probantur. 
Vgl. a. den Reform versuch v. c. 914 Mansi XVIII, 324: Constitutiones 
ex concilio Galteri archiepiscopi Senon. C. 10: Statuimus, ut in locis 
sive prioratibus, ubi conventualis congregatio solet esse, si facultates 
illius ecclesiae suppetant, conventus ibidem restauretur. Vgl. a. das 
im Text folgende. Aus der Literatur vgl. namentlich Sackur, Die 
Cluniacenser, beide Bde., passim. S. a. die nächsten Noten. 

2) Gousset, Actes de Reims I, 568 f. (auch Mansi XVIII, 270) 
c. 3: De monasteriorum vero non statu, sed lapsu, quid dicere vel 
agere debeamus, iam pene ambigimus. Dum enim quaedam a paganis 
succensa vel destructa, quaedam rebus spoliata et ad nihilum prope sint 
redacta, nuUa in eis regularis formae servantur instituta. 

3) Monasteria propriis et sibi iure competentibus carent rectoribus 
et dum contra omnem ecclesiae auctoritatem praelatis utuntur extraneis, 
in eis degentes, partim indigentia, partim malevolentia maximque in- 
habilium sibi praepositorum faciente inconvenientia, moribus vivunt 
incompositis; quidam etiam necessitate cogente monasteriorum septa 
derelinquunt et volentes nolentesque saecularibus iuncti, saecularia 
exercent. — — non solum a vulgo nullo distare videntur vitae merito, 
sed etiam propter infima, quae sectantur, opera despectionis expositi 
sunt ludibrio etc. Nunc in monasteriis abbates laici cum suis uxoribus, 
filiis et filiabus, cum militibus morantur et canibus. 

4) A, a. 0. Vgl. Vogel, Die Normannen S.'392. 



- 5 — 

Und diese Äußerung mag- hier als einziges Beispiel der 
Klage Platz finden, die aus den Quellen jener Zeit in vielhundert- 
fältigem Echo widerhallt — namentlich deshalb, weil da hin- 
sichtlich der Klöster die Erscheinungen zusammenfassend angeführt 
sind, die uns im folgenden betreffs der Bischofskirchen besonders 
beschäftigen werden. 

Tatsächlich ist damals eine große Anzahl einst blühender 
und reicher Klöster dem Untergang verfallen^), um vielfach 
erst sehr spät, zum Teil aber nie wieder hergestellt zu werden^). 
In weiten Gebieten war das Mönchtum erloschen^). 

Uns beschäftigen die beiden genannten Anstaltsgruppen im 
folgenden hauptsächlich nur insoweit, als es sich um bischöfliche 
Institute dieser Art handelt. 

Viel unbekannter ist aber für jene Zeit das Schicksal der 
Bischofskirchen. Ja, dieses ist, soweit das Gesamtbild oder 
auch nur ein größeres Teilbild in Betracht kommt, der bisherigen 
Literatur überhaupt fremd geblieben. Und doch ist gerade die 
Kenntnis von den Zuständen, wie sie damals in den Hochstiftern 



1) Daher, nebenbei bemerkt, seit dem 10, Jahrhundert die vielen 
Orte unter der Bezeichnung' „abbatia", wo keine Abtei mehr vor- 
handen war. 

2) Grützmacher,CluniunddieCluniacenser(Hauck-HerzogIV2) 
S. 182. Böhmer a. a. 0. S. 4f. Krüg-er a. a. 0. Walther Schnitze, 
„Gerhard von Brogne und die Klosterreform in Niederlothringen und 
Flandern" in Forsch. XXV (1885) S. 223 Ders. Forschungen zur G. der 
Klosterreform im 10. Jahrhundert I (Diss. Halle 1883) usw. Vgl. a. die 
allgemeine geschichtliche und besonders die kirchengeschichtliche 
Literatur. 

3) Bei M a r c a 387 (938) heißt es anläßlich der späteren Reform : 
Hie etiam Arnulfus primus ad partes nostras regulam patris nostri 
Benedicti attulisse, docuisse et in nostro monasterio primitus constitu- 
isse refertur. ~ Odo, der spätere Abt von Clugny, fand zu Anfang des 
10. Jahrhunderts „in Francia" kein Kloster, wo die Regel beob- 
achtet worden wäre; Kalckstein S. 122. Vita Joh. Gorz. c. 34, SS. IV, 
346: loca, in quibus communem vitam prof essi pariter habitare possent, 
sollicite pertractant; ad hoc nullo eis in his dumtaxat regionibus, 
qui sibi ad ea, que mente conceperant, oportunus videretur, occur- 
rente — adeo seculi macula quedam cuncta fere cenobia affuscaverat 
— longinqua queque et peregrina delegere statuerunt. Sie wandern 
aus der Tuller Gegend nach Benevent. Erzbischof Adalbero, der Refor- 
mator von Reims (seit 969), wird es als besonderes Verdienst nachge- 
rühmt, daß er die Mönche „a seeuli habitu distinxit". Richeri Hist. 
III, 25 SS. III, S. 613 usw. 



— 6 — 

geherrscht, für die Beurteilung der Gesamtlage der Kirche in 
jener Zeit, ja, der allgemeinen Kultur unentbehrlich. Denn nur 
dann, wenn man das Schicksal dieser wichtigsten Teile im 
kirchlichen Verfassungsorganismus kennt, kann man den vollen 
Umfang der Verfallserscheinungen feststellen. Und in der 
Tat liefert eine dahingerichtete Untersuchung überraschende Er- 
gebnisse. 

Sehen wir nämlich selbst die Bistümer zu einem großen 
Teile dem Untergang verfallen, in fast allen übrigen Fällen aber 
im Zustand der tiefsten Zerrüttung, so erkennen wir erst, wie 
weit es in jener Zeit mit der Kirche eigentlich gekommen ist. 
Wir haben dann ihre rasche Erhebung im Verlauf weniger Jahr- 
zehnte nur um so höher einzuschätzen. 

Für uns ergibt sich aber die Notwendigkeit einer solchen 
Feststellung schon wegen unseres näheren Zusammenhangs. Nur 
wenn man die Gesamtlage der Bistümer in jener Zeit kennt, 
sind die grundlegenden Erscheinungen auf vermögensrechtlichem 
Gebiet, die wir im folgenden zu betrachten haben, verständlich. 
Namentlich stellt sich in jenen Fällen, wo es zur Vernichtung 
von Hochkirchen kam, die Frage nach dem Schicksal ihres 
Gutes von selbst. 

Der unmittelbare Zusammenhang zwischen der damaligen 
Verfallslage der Bistümer und unseren Problemen wird sich aber 
als um so inniger erweisen, je deutlicher wir den Kausal- 
zusammenhang zwischen beiden erkennen werden. Denn auch 
in jener Zeit hatte ein großer Teil der kirchlichen, ja der all- 
gemeinen Umwälzungen auf vermögensrechtlichem und zwar 
gerade auf kirchenvermögensreehtliehem Gebiet seinen Ausgangs- 
punkt. Und vor allem die Erscheinungen, die wir im folgenden 
genauer zu beobachten haben, sind neben den Verheerungen, die 
die fortwährenden Kämpfe auch in der hierarchischen Ordnung 
angerichtet haben, die Hauptursachen für den Verfall der Bischofs- 
kirchen geworden, wie sie andrerseits selbst nur aus diesem erklärbar 
sind. Die historischen Phänomene lassen sich eben hier — wie 
so oft — nicht auf die einfache Formel von Ursache und 
Wirkung bringen, sondern stellen ineinandergreifende, in leb- 
hafter Wechselwirkung stehende Komplexe dar. Damit ist unsere 
nächste Aufgabe gegeben. 

Als Hintergrund haben wir uns bei deren Lösung wie bei 
allen folgenden Ausführungen stets die allgemeine Zeitlage vor 
Augen zu halten. 



§ 2. Lage der Bisehofskirchen. 

A. Allgemeines. 

Die Hochkirchen haben in jener Zeit — wie stets — dem 
Verfall naturgemäß einen stärkern Widerstand entgegengesetzt 
als die übrigen geistlichen Institute. Eben deshalb ist aber 
gerade ihre Lage besonders bezeichnend. Kam es zu ihrer Ver- 
nichtung, so ging dann mit einer solchen Hochburg christlichen 
Lebens in der betreffenden Gegend meist die gesamte kirchliche 
Verfassung, ja in Einzelfällen das Christentum selbst unter. 

Schon um die Mitte des neunten Jahrhunderts und in den fol- 
genden Jahrzehnten war die Lage vieler Bischofskirchen im 
fränkischen Reich nicht günstig. Nicht nur die Zerstörung vieler 
Bisehofsstädte und namentlich der Kathedralen durch die äußeren 
und inneren Feinde, die Verwüstung der Besitzungen und Ermordung- 
zahlreicher Bischöfe^), sondern auch die andern Ursachen, von 
denen wir noch hören werden, führten manches Hochstift schon 
damals zur Vernichtung oder doch an den Rand des Abgrundes, 
ließen zahlreiche ausgedehnte Sedisvakanzen eintreten^). Viel 
ernster lauten dann aber die Nachrichten vom Ende dieses Jahr- 
hunderts und vom Anfang des nächsten. 

Zwar ist nun das Schicksal des einen oder andern Hoch- 
stiftes in jener Zeit auch bisher schon — hauptsächlich Lokal- 
schriftstellern — bekannt geworden. Es wurde jedoch, da man 
vom allgemeinen Zustand nichts wußte und von dem, was man 
sah, begreiflicherweise überrascht war, stets als Ausnahmser- 
scheinung gedeutet und daher auf Ursachen besonderer, singulärer, 
meist lokaler Art zurückzuführen versucht. Ganz anders wird 
das Bild schon, wenn man alle derartigen Fällen aneinanderreiht, 
geradezu erstaunlich aber, wenn man die Lage aller oder doch 
des größten Teiles der Kathedralen in der kritischen Zeit aus 
den Quellen klarlegt oder vielmehr den Zustand der auf uns 
gekommenen Nachrichten überprüft. 

Das erste nämlich, was einem Beobachter auffällt, ist der 
gänzliche Mangel an Nachrichten betreffs vieler Bistümer für 
bedeutende Zeiträume in jener Periode. In den Bischofslisten 



1) Viele von ihnen fielen im Kampfe. S. a. § 12. 

2) Einige Bemerkungen betrefi's des 9. Jahrhunderts wurden 
schon früher (T. II, SS. 75 f., 134) in anderem Zusammenhang gemacht. — 
Über Italien siehe die Stellen bei Saccani, I vesc. di Eeggio S. 44f. 



- 8 - 

finden sieh Lücken, die sich in einer großen Zahl von Fällen 
auf viele Jahrzehnte erstrecken, oft schon im Laufe des neunten 
Jahrhunderts beginnen und sich bis zur Mitte des nächsten und weiter 
ausdehnen. Dieser Umstand allein könnte selbst dann, wenn man 
in Betracht zieht, daß man es mit einer an Nachrichten armen 
Zeit zu tun hati)^)^), nicht mehr als bloßer Zufall gedeutet 
werden. Dazu sind die Fälle zu zahlreich und zeitlich zu sehr 
tibereinstimmend. Eben dadurch stützen sie sich gegenseitig. 
Über allen Zweifel erhaben wird aber die Bedeutung dieser 
Lücken durch die positiven Nachrichten von dem Schicksal 
vieler anderer Hochkirchen in der Zwischenzeit. Dadurch fällt 
eben auch Licht auf die Lage jener verschollenen Bistümer, hin- 
sichtlich deren wir derartige Mitteilungen nicht besitzen. 

Aber selbst dort, wo die Bischofsreihen nicht unterbrochen 
sind, kann man daraus nicht ohne weiteres auf den Fortbestand 
der Bistümer selbst schließen. Es hängt dies mit einem Brauch 
zusammen, der eben damals in der Kirche aufkam, nämlich dem 
der form eilen, fiktiven Aufrechterhaltung tatsächlich verschwun- 
dener Kirchen. Veranlaßt wurde er durch die Zerstörung der 
Bischofsstädte und schließlich der Bistümer selbst. 

Dadurch war es zunächst vielen Bischöfen unmöglich ge- 
worden, in ihren Amtssitzen zu verbleiben. Sie mußten sich 
außerhalb derselben aufhalten und von andern Orten aus ihre 
Diözesen leiten. 



1) Dies hängt mit dem allgemeinen Verfall, namentlich dem der 
geistigen Kultur zusammen. Der Verfall der Schulen, die ja aus- 
schließlich kirchlich waren, war mit dem der geistlichen Institute von selbst 
gegeben. Vgl. z. B. Krüger, Bruno I. S. 12. Die größeren Werke 
der Annalisten und Chronisten setzen aus. Wattenbach F, 350 ff. 
und sonst. Vgl. a. Dümmler, Ostfr. R. III, S.V. Waitz, Heinr. F. 
S. 5. Eck'el, Charles le Simple, Introd. S. Vllf. Usw. Bei dem Rück- 
gang von Wirtschaft und Verkehr und bei der Rechtsunsicherheit 
weisen auch die Urkundenbestände große Lücken auf. Man vgl. 
z. B. die Traditionsbücher und Chartularien für jene Periode. Aus- 
nahmen gibt es selbstredend. 

2) Eben dieser Umstand macht aber umgekehrt wieder das, was 
wir erfahren, besonders bedeutungsvoll, 

3) Gewiß w^ird sich die eine oder andere Lücke — das gilt auch 
sonst — mit dem Fortschritt der Forschung noch zum Teil ausfüllen 
lassen. In größerem Umfang wird dies sicherlich nicht geschehen und 
der Gesamteindruck wird dadurch nicht abgeschwächt werden. Dafür 
bürgen die — im Gesamtgebiet — immerhin zahlreichen positiven 
Nachrichten. 



Schon Pseudoisidor wendet sieh gegen das massenweise 
Verlassen der Bischofssitze^) — und der von ihm vorausgesetzte 
Tatbestand muß da natürlich der Wahrheit entsprochen haben. 
Viele Fälle lassen sich ja auch unmittelbar nachweisen. Sie nehmen 
gegen Ende des Jahrhunderts und in der ersten Hälfte des 
nächsten immer mehr zu. Das pseudoisidorianische Verbot wurde 
eben nicht befolgt. 

Es ergab sich daher naturgemäß die Frage, was mit diesen 
um ihre Residenzen gebrachten Bischöfen zu geschehen habe, 
und dies wurde denn auch damals sehr lebhaft erörtert 2). Das 
Ergebnis war verschieden. 

Die einen waren für die einfache Translation, üod tat- 
sächlich ging man in diesem Punkte vom älteren Rechte ab^), 
das Bisehofsversetzungen nicht kannte*). Doch konnte sich diese 
Neuerung nur unter heftigem Widerstand vieler kirchlichen Kreise 
und daher auch nur sehr allmählich durchsetzen. Die Päpste 
selbst nahmen verschiedene Standpunkte ein. 

Nikolaus I. ist grundsätzlich dagegen/') und geht nur durch 
die Not gezwungen in einzelnen Fällen davon ab^). Ebenso 
Johann VIII.'). Stephan V. bestimmt 886 ganz allgemein, daß 
die Bischöfe vernichteter Bistümer und Diözesen auf vakante 
andere Sitze gelangen sollten 8). Doch ist er für möglichste 
Wiederherstellung der untergegangenen Kirchen^). Unter Johann IX. 

1) C. VII qu. 1 c. 46 (J. 224) : Omnibus episcopis Suggesttim 

nobis est, quocl pro praetoritis laboribus et infestationibus nonnulli 
vestrum assignatas sibimet et a Deo commissas relinquant plebes et 
in futuro plures relinquere velint eas, quas tueri debent 
ecclesias et pro ovibus sibi commissis laborare negligant et monasterio- 
rum se qtiieti contradere festinent et vacationem ab episcopatiis 
laboribus eligere etci. — Vgl. Bened. Lev. V, 266 (S. 60), 329 (S. 65) usw. 

2) Vgl. namentlich Hinkmars von ßeims Schrift: De trans- 
lationibus episcoportim (Opp. 11, 741 ff.). S. a. Dümmler, Ostfr. R. 
ITI, 85. Schrö.rs, Hinkmar v. Reims S. 35 f. (Reg. Nr. 329; a. 872). 

3) Wie ja auch sonst; z. B. J. 2650. 

4) Vgl. jedoch schon z. B. J, 2585 (827-844). 

5) J. 2887 (867). — Über Pseudoisidor vgl. z. B. c. 2, 7 Ev. 2 S. 90, 91. 

6) Vogel 181. Vgl. a. Riezler I, 244 u. G. C. II, 31 sowie diesen 
Paragraph weiter unten. 

7) Auch davon weiter unten. Über d.ältereRechtHinschius, 1,314. 

8) Ann. Fuld. 886 SS. I, 403 (J. S. 428 f.): a rege (Karl d. D.) 
interrogatus decrevit, ut episcopis, quorum parochias de incendiis 
gentilium vastatae penitus apparent, aliae sedes, eis non occupatis, con- 
cederentur. Vgl. a. Hartmann, G. Italiens III/2 58, 96f., 123 f., 127 u. 209f . 

9) J. 3448 (887, 888): An B. Theodosius — ordnet Wiederherstel- 



— 10 — 

erläßt dann eine römische Synode wieder das Verbot eines Wechsels 
der Bischofssitze^), ohne daß sich das später verwirklichen hätte 
lassen 2). 

Andere waren für eine bloße Verleguüg der Residenz, und 
auch das kam häufiger vor. Namentlich zeigt sich schon um 
die Mitte des neunten Jahrhunderts das Bestreben vieler Bischöfe, 
sieh in Klöster zurückzuziehen. Weil auch das meist ein Auf- 
geben der Bistümer bedeutet hat, war man kirchlicherseits da- 
gegen 2). Insbesondere wandte sich die radikale kirchliche Rich- 
tung überhaupt gegen jegliches Verlassen des Amtssitzes*). 

Man verfiel aber noch auf ein weiteres Mittel, das die 
kirchlichen Interessen wohl am besten wahrte, und dieses haben 
wir in unserm Zusammenhange besonders zu beachten. Es ließ 
sich nämlich das mystische, eheähnliche Band, das nach Anschau- 
ung der damaligen Kirche den Bischof mit seinem Bistum verband, 
aufrechterhalten und trotzdem der praktische Erfolg einer Trans- 
lation erreichen. Dadurch nämlich, daß man ein untergegangenes 
Bistum als fortbestehend fingierte. Der Bischof übersiedelte 
— oft mit dem ganzen Klerus — in ein anderes Bistum. Dies 
ist viel mehr als der bloße Residenzwechsel innerhalb der ursprüng- 
lichen Diözese und auch als eine Translation. Nach wie vor 
benannten sich derartige Bischöfe nach ihrem verlorenen Amts- 
sitz. Sogar Neuweihuugen auf solche Kirchen kamen sehr bald 
vor^). Dies hatte noch überdies den Vorteil, daß eine solche 
sedes impedita sogleich nach dem Wegfall des Hindernisses 
wieder aufleben konnte*'). Allerdings waren auf der andern Seite 



luDg" des Bistums Salona unter Neuerbauung der Kathedrale an ~ das 
gleiche solle betreffs der übrigen vernichteten Kirchen geschehen. 

J) Mabillon, Mus. Italic. I/2 86 f. Vgl. übrigens auch die Berichte 
über Einsetzung Johannes X., dem das Vertauschen Eavennas mit 
Rom als Verletzung der canones vorgeworfen wird. J. I, S. 449. 

2) Schon J. 3530 (900—903) weicht ab. Zum ganzenHartmann, a.a.O. 

3) Vgl. oben die Stelle aus Pseudoisidor. Auch nächste Note. 

4) Nikolaus I. antwortet z. B, auf eine Anfrage C. VII qu. 1 c. 47 
(J. 2688): Sciscitaris . . . utrum, quum a Normannis de episcopio de- 
pellaris, debeas de cetero in monasterio conversari. In quo scias . . . 
quod, si perniciosum est proretam in trauquillitate navim deserere, 
quanto magis in fluctibus? Im Zusammenhang- damit werden auch 
Bestimmungen verständlich wie J. 2809, 2810 (866) Nik. I. für Sens. 
Er tadelt auch läng-ere Vakanzen; z. B. J. 2730. 

5) Hinschius II, 171. Über das Beispiel von Oviedo noch 
unten § 4. Nichts von allem bei Rupp, Der Titularepiskopat etc. 

6) Z. B. J. 2811 (866). 



— 11 — 

diese Geistliehen nunmehr zu bloßen Titularbisehöfen geworden: 
der Ursprung- dieses Institutes. 

Als solche versahen sie an anderen Kirchen geistliche 
Dienste. Bei den oft jahrelangen Vakanzen war dies nötig. Sie 
waren namentlich den Laienbischöfen ^) willkommene Gehilfen. 
Denn das Institut der Chorbischöfe war in der zweiten Hälfte 
des neunten Jahrhunderts tatsächlich sehr zurückgetreten, ja in 
vielen Gegenden ganz verschwunden ^l. Insbesondere Pseudoisidors 
Widerstand hatte in dieser Richtung Erfolgt). 

Die Sprengel solcher Bistümer wurden, sofern das überhaupt 
geschah, von Nachbardiözesen aus geistlich geleitet, in diese 
gleichsam einbezogen. Dies war aber natürlich auch dort der 
Fall, wo man nicht zu der angegebenen Filition schritt. 

Wir werden im folgenden für das gesagte zahlreiche Bei- 
spiele anführen. 

Die Vernichtung der Bischofskirchen währte oft lange Zeit. 
Bei manchen von ihnen erfolgte die Wiederaufrichtung — wie 
bei den Klöstern — erst spät, vielfach erst im elften Jahrhundert, 
manche wurden sogar nie wieder hergestellt. In anderen Fällen 
kam es, wie wir auch sehen werden, für einige Zeit zur Ein- 
stellung der geistlichen Funktionen, ohne daß man gerade von 
einer Vernichtung des Bistums sprechen könnte*). Und zwar 
sogar bei sehr wichtigen und bedeutenden Stiftern, sogar bei 
Metropolitankirchen^), Namentlich sind auch ausgedehnte Sedis- 
vakanzen vorgekommen, ohne daß die betreffende Kirche selbst 
dabei eingegangen wäre. Überall aber, auch da, wo letzteres 
nicht der Fall war, und selbst dort, wo der Bischofssitz besetzt 
war, zeigt sich uns ein Bild tiefster Zerrüttung. 



1) Darüber unten § 12. 

2) Wahrscheinlich lebt in den späteren Chorbischöfen nur der 
Name des karolingischen Instituts fort (v. Seh er er I, 598), wie ja 
dieses selbst mit der alten Einrichtung gleichen Namens nicht viel 
gemein hatte (a. a. 0. 597.) Für später vgl. z. ß. C a 1 i s s e, Dir. eccl. Cost. S. 550. 

3) Seine heftigen Angriffe gegen den Chorepiskopat waren gerade 
durch die häufigen und meist gewaltsam ausgedehnten Vakanzen ver- 
anlaßt worden. Auch Benedikttis Levita arbeitet natürlich in derselben 
Richtung und Absicht. Vgl. noch unten, bes. § 10. 

4) Dies hauptsächlich dort, wo es vorübergehend zur Einziehung 
des ganzen Bistumsgutes kam, wie in Augsburg oder Salzburg. 
S. § 15. 

5) Auch der Metropolitan verband geriet natürlich abermals ins 
Wanken. Daher Privilegien wie J. 2876 (867). Vgl. a. § 9. 



— 12 — 

Am ungünstigsten war die Lage der Bistümer — wie der 
Kirche überhaupt — naturgemäß in den Grenzländern und da 
wieder besonders im Westen und Süden, namentlich in jenen 
Gebieten, wo es zur bleibenden oder doch länger dauernden An- 
siedlung äußerer Reichsfeinde kam. Vor allem also im Westen 
und Süden Frankreichs, im südlichen Burgund sowie fast in ganz 
Italien und auf den Mittelmeerinseln. Und hier war es auch, 
wo eine größere Anzahl der Bischofskirchen unterging. In diese 
Gebiete wollen wir uns zuerst Einblick verschaffen. Wir beginnen 
unsere Betrachtungen mit dem westlichen Frankreich und da 
wieder mit dem „Land der Seeräuber". 



§ 3. 

B. Die vsrestfranzösischen Bistümer, 

Während in dem Gebiete, das Eolf im Jahre 911^) ab- 
getreten worden war — der späteren östlichen Normandie — , 
sich das Christentum und die kirchlichen Einrichtungen wenigstens 
teilweise — wenn auch im Zustande der tiefsten Zerrüttung — 
forterhalten hatten und insbesondere die Bistümer, die Stütz- 
punkte der hierarchischen Ordnung, sich behaupten konnten, 
gingen westlich der Dives selbst diese zum größten Teile unter. 
Jahrzehntelang herrschte hier in weiten Gebieten das nackte 
Heidentum 2). 

Fortbestanden hatten nur das Erzstift Ronen und das Bis- 
tum Evreux. Freilieh litten auch diese Kirchen bei der wieder- 
holten Zerstörung der Städte schon im neunten Jahrhundert schwer^). 
Die Bischofslisten zeigen auch hier einige Lücken*), namentlich 
kurz vor 912 5). Allein der Umstand, daß die Normannen in 
jenen Gegenden rasch bekehrt wurden, ließ beide Kirchen fort- 
bestehen. 



1) Nach Vogel 400. 

2) Nach Ende des 10. Jahrhunderts vielfach; G. C. II, 1457. 

3) Eouen ging- schon 841 in Flammen auf und war auch später 
oft der Tummelplatz der Normannen. Saekur, Clun. I, 9; Vogel, 
84 £P., 89 ff. und häufig. Evreux wurde 858 vernichtet; Vogel 162. 
A. a. 0. die Belege. Vgl. a. Prentout, Normandie 118 ff. 

4) Vgl. H. Böhmer a. a. 0. S. 14. 

5) Ronen 909—912 (nach Garns S. 614). Evreux sogar v. 909? 
bis 933. Auch von 892? bis 909? ist die Überlieferung unsicher; 
Gams S. 549. S. a. Prentout 120, 181. 



— 13 — 

Ganz anders war es in den westlichen Gebieten, namentlich 
im Cötentin und im Bessin. 

Coutances wurde nur formell aufrechterhalten. Schon an 
der Wende des neunten und zehnten Jahrhunderts weist die 
Überlieferung erhebliche Lücken in der Reihe der Bischöfe auf^). 
Im Jahre 913 verließ der Bischof Theodorich den Sprengel, der 
„a christicolis vacuus" ^) war, und erhielt von Eolf in Ronen die 
kleine Kirche St-Laut, wo das Bistum Coutances dem Namen 
nach fortbestand 3). Die Bischöfe fristeten dort ein kümmer- 
liches Dasein. 

Ganz zu bestehen aufgehört hatte Avranches*). Im Bischofs- 
katalog klafft eine Lücke von 862 bis 990^). In einer Urkunde 
Lothars V. von 965 für. ein Kloster der früheren Diözese Avranches 
wird der Metropolit von Ronen als Diözesanbischof dieser Gegend 
bezeichnet^). Bedenkt man aber, daß die beiden genannten 
Bistümer die entferntesten von Ronen waren, so ergibt sich 
das Schicksal der dazwischen gelegenen Kirchen von selbst. 
Hätten diese fortbestanden, so hätte sich Theodorich von 
Coutances wohl zunächst dorthin gewandt. 

Tatsächlich fehlt vom Bistum Bayeux — die Stadt wurde 
schon 858'') und später noch einmal^) von den Normannen 
erobert — vom Jahre 876 bis 920 jede Spur^). Ebenso ist 



1) G am s S. 542. Vgl. a. A. LeMoyne de la Borderie, 
Histoire de Bretagne II, 333 m. N. 3: Ermordung des B, von Coutances 
890 in einem Kastell, wohin er mit den Bewohnern geflüchtet war. 

2) S. die Stelle bei Gams S. 542. 

3) G. C. XI b. 2171 Böhmer a. a. 0. Durch volle 74 Jahre (G. 0. 
a. a. 0.) soll in der Gegend wieder das Heidentum geherrscht haben. — 
933 wird das Cotentin und Avranchin den Seine-Dänen zugesprochen. 
Borderie II, 3781 (nicht die ganze damals normannische [Loire- 
Dänen] Bretagne). Vgl. aber die Karte zu S. 40 bei A.-Petit, Nor- 
mandie. 

4) S. a. Böhmer a. a. 0. Daß es vernichtet war, zeigt sich 
daraus, daß 920 bei der Zerstörung von Bayeux sich dort die Reliquien 
von Avranches befinden; Borderie II, 365. 

5) S. bei Gams S. 505. 

6) G. C. XI b. 105 (B. 2041). Böhmer S. 4 N. 3. 

7) Vogel 161. 

8) A. a. 0. S. 336. 

9) Nach Gams (S. 507) 866 bis 927. Auswanderung eines Bischofs 
von Bayeux vor den Normannen mit den Reliquien und dem Klerus 
der Kirche 920; sie irren heimatlos in Frankreich umher; Bord. II, 365 
(m. N. 3) ff. Anfangspunkt nach Boretius-Krause II, 349. 



— 14 — 

Lisieux von 876 bis 988 1) und Seez von 910 bis c. 986 ver- 
scliollen^). 

Die Wiederanfrichtung der Bistümer und Umschreibung der 
Diözesen erfolgte — auf ganz neuer Grundlage — in den ge- 
nannten Kirchen unter Richard I., in Bayeux schon früher. 
Gegen Ende des Jahrhunderts sind auf allen Sitzen wieder 
Bischöfe bezeugt. Aber noch um 1020 wissen die Einwohner 
von Boqueme, Echanfre, Echanfour, Merlerault und Montreuil 
(sämtlich in älterer Zeit wohl zur Diözese Seez gehörig) nicht, 
daß sie unter der Jurisdiktion eines Bischofs stehen. Die 
Seigneurs wählen sich Roger von Lisieux als Bisehof 2). 

Wenden wir uns von der Normandie nach Südwesten zur 
Bretagne, so war hier das Schicksal der Bischofskirchen schon 
um die Mitte des neunten Jahrhunderts ungünstig und ver- 
schlechterte sich insbesondere nach dem Bündnis der Bretonen 
mit den Normannen. Lücken zeigen sich in Nantes von 908 
bis 942 2), in Vannes von c. 907 bis c. 950*), in Treguier von 
c. 870 bis 950^), in Saint-Pol-de-Leon vom Ende des neunten 
Jahrhunderts bis 939 6), in St.-Malo von 866 bis 920, dann 
wieder bis 950''), in Rennes von 871 bis 950^), in Dol von 



1) Garns 8.5(56, 625. Vgl. a. Böhmer a. a. 0. 

2) Deshalb reicht der Sprengel dieses Bistums später bis dicht 
vor die Tore von Seez. Zum ganzen Böhmer a. a. 0. 

3) Nach Garns S. 581. Vgl. jedoch Bord. 11, 349, wonach die 
Lücke vielleicht etwas später beginnt. 

4) Garns S. 649. Nach Borderie II, 267 regiert B. Bili — der 
zuletzt erv\^ähnte — 892 bis 908. Vgl. aber auch noch Bord. II, 348. 

5) Gams hat S. 648 c. 855—950. Vgl. aber Bord. II, 273, 326. 
Namentlich die Stelle über den Einbruch Hastings' aus Vita S. Tuduali 
Nr. 3 Borderie, Les trois vies de S. Tudual H. 41 (auch Hist. S. 326 
N. 2): Barbarorum multitudo Hastehinco duce piraticum exercens 
Armorieam regionem in solitudinem pene redegit. Quam persecutionis 
rabiem paiici sacri altaris ministri evadentes cum ecclesiasticis orna- 
mentis sanctovumque reliquiis in Galliam secesserunt. Inter quos 
Gorennanus, qui Trecorensis ea terapestate praesul habebatur, exu- 
latus ossa Tutguali secum asportavit. Ein Teil wird nach Chäteau- 
Landon, ein anderer nach Chartres gebracht.' 

6) Gams S. 621. Bord. II, 268 ff. für 9. Jahrh. Die Vernichtung 
der Kirchen im Leonnois nach Bord. II, 3271 (wo Quellen) 881 Die 
Reliquien befinden sich 929 beim Fall von Lehou dort; Bord. II, 369. 

7) Bord. 11, 269 flf. für 9. Jahrh. Über die Erwähnung eines B. v. 
Aleth, der mit den Reliquien den Bischofssitz verläßt, i. J. 920, Bord. 
II, 365. Nach Gams (S. 618) Lücke 866—950. 

8) Gams S. 606. 



— 15 — 

c. 920 bis c. 944 1), in St. Brieuc von e. 850 bis 990 2) und end- 
lich geringeren ümfangs, mit unbestimmten Grenzen, auch in 
Quiraper^). Diese Zahlen allein sprechen deutlieh genug*). 

Überdies erfahren wir wenigstens hinsichtlich einzelner 
Kirchen genaueres. Nantes war schon bald nach der Mitte des 
neunten Jahrhunderts vernichtet worden % Die Gegend verödete. 
Das geringe, was der Kirche noch verblieb, ward von den Bre- 
tonen eingezogen^). Zwar wird das Bistum dem Namen nach 



1) Nach Garns S. 546 c. 883-944. Vgl. Bord. II, 272. Nach 
diesem (II, 326 f.) wurde der Eb. von Dol, Johann, bereits 882 verjagt. 
Er entfloh mit den Reliquien des h. Turiau und lebte von da an in 
einer Abtei bei Evreux. Über die Zeit Alans d. Gr. Bord. IL 337 f. 
Über die Auswanderung des B, v. Dol mit seinem Klerus und den 
Reliquien 920 Bord. II, 305 (m. N. 3) ff. Er irrte lauge in Franzien 
umher; a. a. 0. (mit dem B. v. Bayeux; s. oben). Der Klerus wendet 
sich aus dem Exil 924 — 940 hiKeflehend an den K. Äthelstan von Eng- 
land; Bord. IT, 367 f.; 924-930 ein Eb. oder B. Agan v. Dol; führte 
im Exil den Bischofstitel fort. 930 erhielt er und sein Klerus von 
K. Rudolf und von Herzog- Hugo d. Gr. die Abtei St. Symphorian- 
d'Orlöaus; Bord. II, 368. Mit Recht nimmt letzterer (N. 3) an, daß 
damals der ganze Klerus noch außerhalb der Bretagne weilte. 

2) Garns S. 615. Bord. II, 27df. 

3) Garns S. 605. Vgl. Borderie II, 268 für das 9. Jahrhundert. 
Wenigstens zu Anfang des 10. war wohl auch diese Kirche einge- 
gangen; S. 369 (Reliquien befinden sich 919 in Lelion). Flucht des B. 
von Q.uimper Bord. II, 369 f. 

4) Über die Mangelhaftigkeit der Berichte Bord. II, passim. 

5) Migne CXXII, 1266 (=Mansi XV, 824); Hadrian II. (868; J. 
2902) bedauert das Unglück des Bistums. Si eins (des B.) ecclesia 
(Namneticensis) funditus dirnta et per nonnulla curicula iam in solitu- 
dinem redacta esse dignoscitm% paganis videlicet non solum transitum, 
sed etiam stationem ibidem facientibus, ac per hoc depopulatis undi- 
que locis habitatore carentibus, sublatis etiam a Britonibus, si quae 
remanserant, rebus: aiiam ei, vacantem dumtaxat, concedendam 
decrevimus. Empfiehlt ihn Karl dem Kahlen. Vgl. dazu auch J. 2903. 
Jm J. 871 wird er Eb. von Tours; J. 2945, 2946. Nantes war damit als 
Bistum aufgegeben. Gleichzeitig ein Beispiel für eine Translation. Zur 
Sache auch Borderie II, 101. Die noch bewohnten Teile der Diözese 
Nantes wurden zur breton. Nachbardiözese einbezogen. Immerhin 
wurde das Bistum zunächst noch formell aufrechterhalten; vgl. z. B. 
Bord. II, 323. (Vgl. auch nächste Note.) Nach diesem (II, 329) lebten die 
Kathedralkleriker von Nantes mit ihrem Bischof seit 886 in Angers. 
Man hat in der Zwischenzeit einen Wiederherstellungsversuch gemacht. 
Vgl. auch das Fragment einer alten Chronik a. a. 0. N. 3: pagani . . . 
Nannetensem urbem praeclaram devastant. A quorum facie Lau- 
dramnus Nannetensis episcopus fugiens in Andegavensem civilatem a 
Karolo rege Francorum cum siiis clericis locum obtinuit mansionis. 



— 16 - 

aufrechterhalten^). Doch schweift der Bischof heimatlos umher ^). 
Hadrian II. nennt ihn selbst gelegentlich episcopus quondam 
Namnetieae urbis'"*). Schließlich erhielt er vom Eb. von Tours 
ein Kloster — das er vor seinem Episkopat innegehabt^). Der 
Papst gibt ihm zum Trost das Pallium*). Ähnlich war wohl 
auch die Lage der Kirche von Rennes^). 

Doch ist zu bemerken, daß Nantes' Schicksal durch seine 
Lage im Ansiedelungsgebiet der Loire-Dänen besonders ungünstig 
war. Wenigstens einige Bistümer der Bretagne erhalten sich 
auch in Wirklichkeit^) länger^). Spätestens aber in jener schauer- 
lichen Verwüstung der Bretagne in den Jahren 919 bis 921 
durch die Loire-Dänen, wobei nach damaligen Berichten die 
bretonische Nation überhaupt unterging und das Land in seinem 
ganzen Umfang von normannischen Scharen erobert wurde, fanden 
auch die übrigen Bistümer — wie die sonstigen Kirchen und 
Klöster — ihren Untergang^). Der ganze Klerus flüchtete sich 
damals — wie die öffentlichen Beamten — und zerstreute sich 
über das ganze Frankreich^) oder siedelte nach England über^''). 
Das Land wurde in eine Wüstenei verwandelt. Nur wenige 

Der Herrscher weist ihm Einkünfte zu; Bord. 11,329. Rückkehr unter 
Alan dem Großen, der ihm in der Grafschaft Goutances ein Gut zu- 
weist, da seine Diözese ganz vernichtet war. B o r d. 11, 333 ff. Über 
die Zustände in Nantes Bord, II, 335 f. (wo Quellen). Völlige Vernich- 
tung der Stadt wohl 913 Bord. 11, 349. Namentlich unter der späteren 
Normannenherrschaft vom Bistum keine Spur. Bord. II, 374 ff., na- 
mentlich 394. (S. a. das Bild S. 403.) Nach Wiederaufrichtung des 
Hochstifts (u. 938) fanden sich nur mehr vier Kanoniker überlebend, 
die aus dem Exil zurückkehrten (S. 405). — Ähnliche Auswanderungen 
der Mönche bretonischer Klöster mit den Reliquien und Preziosen; 
Bord. II, 330, 361 f. und sonst. Ztir Sache auch Sehr örs a. a. 0. S. 351 f. 

1) J. 2902 ff. S. a. vorige Note, oben S. 14 m. N. 3 und unten N. 6. 

2) J. 2902. 

3) J. 2906. 

4) J. 2902, 2904. Das kommt auch sonst vor. Vgl. z. B. Kehr- 
Brackmann, Germ, pontif. I, 14 Nr. 31 (962). 

5) Nantes und Rennes waren karolingertreu, daher das Vorgehen 
der Bretonen gegen sie schon im 9. Jahrhundert. Bord. II, 274 f. 

6) Auch am Beispiel von Nantes • sehen wir, daß es auf das Fort- 
führen der Bischofsreihen nicht ankommt. 

7) Z. B. J. 3003 (c. 875); 3010 (875); 3144 (878). 

8) Bord. II, 355f, mit Belegen. Vgl. Albert-Petit, H. d. Nor- 
mandie SS. 31 ff. 

9) Bord. 11,356 mit Quellen. B. Adalard von Nantes z.B. mit 
seinem Klerus nach Burgund (S. 357). 

10) Bord. II, 361. 



— 17 — 

Sklaven blieben unter der normannischen Herrschaft zurück^). 
Dieser Zustand dauerte gegen zwanzig Jahre 2). Übrigens hatte 
die bretonische Geistlichkeit schon in den Wirren nach dem 
Tode des Königs Salomon (874), die durch die inneren Kämpfe 
um die Herrschaft, namentlich aber durch die Normanneneinfälle 
entstanden waren, den Großteil der Reliquien der bretonischen 
Heiligen nach Gallien (Paris, Bourges etc.) überführt 3). Die 
Geistlichen wurden, soweit sie die Stürme überlebten, schon da- 
mals vielfach vertrieben und irrten größtenteils heimatlos umher *). 

Nach der Wiedereroberung des Landes durch die zurück- 
kehrenden Bretonenführer ^) wurden die Bistümer auf ganz neuer 
Grundlage wiedererrichtet und dotiert. Zuerst Nantes^) und 
DoF), dann die anderen ^)^). 

Übrigens war das außerhalb der Bretagne, aber an der 
Loire gelegene Erzstift Tours selbst in schlimmer Lage ^®). Ebenso 
dessen nichtbretonische Suffragane. Angers, schon 873 in den 



1) Namentlich die Stellen a. a. 0. S. 356 N. 2 u. S. 357 N. 1. 

2) Bord. II, 359, 372. 

3) Borderie II, 324ff., 355 ff. Sicherlich ist der Haupttransport 
damals erfolgt. Dies ergibt sich schon ans der Begründung: sie der 
Normannenherrschaft zu entführen. 

4) Belege in den vorigen Noten. Über Auswanderung und Um- 
herirren namentlich auch der Mönche mit den Klosterheiligen, beson- 
ders über die Flucht in feste Plätze betreffs des ganzen einst karo- 
iingischen Machtbereichs vgl. Sackur, Clun. 1, 12 ff. 

5) 936 ff. Bord. II, 384 ff. Von da ab die Bretagne wieder 
(dauernd) ein Dukat. 

6) Wohl bald nach 938; a. a. 0. 394, f. 405. Bischof wird der B. 
Hoktron des untergegangenen Leon. Herzog Alan (mit dem schlechten 
Bart) vollzog die Neuausstattung des Bistums, dessen Titel mit allem 
übrigen verloren gegangen waren, in der Weise, daß er die Stadt in 
drei Teile zerlegte und einen dem Bistum zuwies (405). Dasselbe tat 
er mit anderen Einkünften (Hafenzöllen usw., 406). Auch gab er andere 
Güter (406). (Einen anderen Teil der Stadt erhielt der Graf.) Damit 
war der Grund gelegt zur späteren Temporalherrschaft (rögaire) der 
B. von Nantes. Ordentliche Wiederherstellung des Hochstifts in den 
achtziger Jahren; Bord. II, 427. 

7) Dol vor 944; B r d. II, 413. 

8) Gegen 950 finden sich wieder Bischöfe in Vannes und Aleth; 
Bord. II, 414. 

9) Nach und nach auch die Klöster; Bord, II, 414 ff. 

10) J. 2946 (871): Schon Hadr. II. ermahnt Karl den Kahlen, der 
von den Normannen ausgeplünderten Kirche von Tours zu Hilfe zu 
kommen. 

P ö s c h 1, Biscliofsgut und mensa episcopalis, III. 2 



— lÖ — 

Händen der Normannen^), weist in der Bischofsliste eine Lücke 
für die Zeit von 905 bis e. 966 auf 2). Für Le Mans ist die 
Überlieferung von 860 bis 951 sehr unsicher und dürftig^). 

Gehen wir weiter nach Süden, so sehen wir, daß auch in 
der aquitanischen Ktistenlandschaft die Lage des Bisturas nicht 
besser war. Fast in der ganzen Kirchenprovinz von Bordeaux 
waren die Episkopate verschwunden. Was zunächst das Erzstift 
selbst betrifft, so zeigt sich da in der Reihe der Metropoliten 
eine Lücke*) von 876 bis c. 940. Über das Schicksal dieser 
Kirche in der Zwischenzeit sind wir unterrichtet. Der Erzbisehof 
Frotarius musste 876 die Stadt verlassen. Er zog sich vor den 
Normannen zunächst nach Poitiers zurück s) und erhielt später 
das Erzstift Bourges. Nur zögernd und unter heftigem Wider- 
stand des fränkischen Episkopates willigte Papst Johann VIII. 
in diese Translation^). Er begründete sie jedoch damit, daß 
die ganze Provinz so sehr infolge von Heideneinbrüchen verwahr- 
lost sei, daß nicht bloß der Erzbischof dort unmöglich sei und 
keine irgendwie gewinnverheißende Tätigkeit verrichten könne, 
sondern, daß das gesamte christliche Volk dort dahingeschwunden 
sei '') 8). Von da an fehlt vom Erzstift jede Spur bis zum Jahre 
940, wo anläßlich der Wiederherstellung des Klosters Ste-Croix- 



1) B. V. 1782. Und von den Einwohnern verlassen Bord. II, 93. 

2) Gams S. 489. Vgl. a. Urseau, Gart. (Bischofsliste). 

3) Gams S. 562. S. bes. Gelier, Cat. des actes S. 13f. 

4) Gams S. 519. Vgl. a. G. C. II, 797 f. 

5) G. C. II, 30. Zum ganzen auch M. 1717 b (886). 

6) J. 3049, 3054 (876); hierher auch 3178, bei J. zu 878. 

7) Mansi XVII, 13 (J. 3055): (ad Bituricos) — didicimus pene 
totam provinciam Burdigalensi metropoli pertinentem . . . ita esse paga- 
norum persecutionibus desolatam, ut non solum ipse (sc. Frotarius) 
conf rater noster illic lucri aliquid subiectis conferre non possifc, verum 
etiam habitatio fidelium inde subtracta consistat. Macht ihn zum Eb. 
von Bourges — sciatis, quia sie ista non modica interveniente necessi- 
tate barbaro (!) modo concedimus, ut tali necessitate remota, removeatur 
etiam id, quod necessitas imperat. Also die Maßregel war als vorüber- 
gehend gedacht. Vgl. dazu G. C. II, 30 f. — [Vgl. auch schon J. 2805 
(866): Nikolaus I. W. deiecto archiep. Bitur. Auch für das so ver- 
waiste Bourges war bereits ein Nachfolger geweiht worden : J. 2811 
(866)]. — Vgl. z. S. nächste Note und unten § 10. 

8) J. 3083 (877). Endgültige Aufgabe von Bordeaux. Frotarius 
wird definitiver Eb. von Bourges. Der Papst selbst übernimmt — das 
ist sehr interessant — die Metropolitan Jurisdiktion von Bordeaux über 
dessen noch vorhandene Suffragane; J. 3152 (878). Daher entschieden 
falsch eingereiht J. 3178 ad 878. Wohl aber kehrt Stephan V. wieder 



— 19 — 

de-Bordeaux wieder ein Erzbischof dieser Stadt erwähnt wird^). 
Schon aus diesem Beispiel ergibt sich aber, daß die Vernichtung 
sich auf die ganze Kirchenprovinz oder doch auf deren größten 
Teil erstreckt haben muß, was ja bei der Lage des Erzstiftes 
schon an sich nicht anders erwartet werden kann. Tatsächlich zeigen 
sich auch Lücken in Perigueux von 900 bis 988 2), in Saintes 
von 864 bis 989 ^) und in Agen klafft gar eine solche von c. 663 
bis 982*). Daraus ist — dies ergibt die Analogie — nicht zu 
schließen, daß dieses Bistum schon zu Ende der Merowingerzeit 
(etwa im ersten Sarazeneneinfall) verschwand, sondern daß im 
Normannensturm für die ältere Zeit die Überlieferung unterging. 
Dies ist um so wahrscheinlicher, als sich ähnliches auch für die 
Bistümer der Gascogne mindestens sehr wahrscheinlich machen 
läßt, dem sich das benachbarte Agen, wie wir noch sehen werden, 
auch sonst in der Entwicklung vielfach angeschlossen hat. 

Günstiger lagen die Bedingungen nur für die von den 
Ufern (des Meeres sowohl wie der Ströme) am meisten abgelegenen 
Bistümer Poitiers^) und Angoul^me^). 

Gehen wir nach Süden weiter, so empfangen wir von dem 
Zustande der Bischofskirchen in der Gascogne ein besonders 
trübes Bild. Ungeheuere Lücken, die durchweg bis gegen das 
Ende des zehnten Jahrhunderts reichen, zeigen sich in den 
Bischofslisten sämtlicher zehn Suffraganbistümer von Aux 
(Auch). Und zwar: in Dax (D'Acqs) von 898 bis 960'), in 

zu dem strengen Standpunkt zurück; J. 3425, 3426 (886). Er -wollie 
Bordeaiix aufrechterhalten. — Was die Stellung der Krpne zu dieser Frage 
betrifft, so kann man einiges aus den Herrscherurkunden entnehmen. 
In den Diplomen Karls des Kahlen tritt Frothar wiederholt als Inter- 
venient auf. Er wird 874 (B. 1783) Eb. von Bordeaux, 876 (B. 1799) 
aber schon Eb. von Bourges genannt. — Über die Rechtsfragen der 
Translationen bis zum 8. Jahrb., die mit Dispens allerdings möglich 
waren, Ober im Archiv 89 (1909) S. 3ff. 

1) G. C. II, 798. 2) Gams S. 598. G. C. II, 1456 f. 

3) G. S. 623. G. C. II, 1060 f. 4) G. S. 479. G. C. II, 899 f. 

5) Nach Gams S. 602 Lücke von 900—905. Vgi. a. G. C. H, 1159 f. 
Schon aus der Flucht Frothars aus Bordeaux zunächst nach Poitiers 
ergibt sich die günstigere Lage der letzteren Kirche. Sie wurde auch 
von den vertriebenen bretonischen Geistlichen und Mönchen 919 als Asyl 
auserkoren, allerdings wurde gerade damals auch das Poitou ver- 
wüstet. Bord. II, 362. 

6) Nach Gams S. 490 Lücke von 875—892. Sonst nur kleine 
Unterbrechungen. Vgl. auch G. 0. II, 984 f. Immerhin 868 Verwüstung 
der Bistumsländer eien durch Normannen. G. C. IIb, 443. 

7) Gams S. 543. Vgl.A.Degert, Hist.d.ev.deDax (Paris 03) S.43ff„ 



— 20 — 

Tarbes von 879 bis c. 965^), in Conserans von 887 bis 973 2)^ 
in Cominges von 880 bis 990^) oder vielleicht, da die Er- 
wähnung in dem letzteren Jahr sehr unsicher ist*), sogar bis 1003 ; 
dann, mit dem Anfangspunkt noch viel weiter zurückreichend, 
in Aire von 791 bis 977 s), in Oleron von 604 bis c. 977 ß), in 
Lesear von c. 680 bis c. 980'), in Leictoure von c. 663 — 990^), 
in Bazas von Anfang des achten Jahrhunderts bis wenigstens 
977^) und in Bayonne schwindet die Erinnerung an das Bistum 
gar von der Römerzeit bis zum Jahre 980 1"). . "Was endlich hier 
das Erzstift selbst anlangt, so haben wir da eine Lücke von 879 
bis wenigstens 906 ^^), wahrscheinlich aber — da die Erwähnungen 
von 906 und 917 sehr unsicher sind — bis zum Jahre 946^^). 
Und das ist auch im Hinblick auf die Lage der Suffragan- 
kirchen wahrscheinlicher. Sehen wir nun eine Anzahl von 
Bistümern schon seit dem siebenten Jahrhundert in der 
Überlieferung verschwinden — wobei wir Bayonne sogar ganz 
außer Betracht lassen — so wird daraus — ebenso wie bei 
Agen — kaum auf den Untergang der Kirchen schon in jener 
frühen Zeit geschlossen werden dürfen. Es ist nicht anzunehmen^ 
daß diese Anstalten bereits damas vernichtet worden sein sollten^ 
während bei den anderen^ die teils noch im achten Jahrhundert, 
teils aber sogar noch im neunten mit Sicherheit nachzuweisen 



1) G. Balencie, Chronologie des öveqties de Tarbes in Melanges 
L6once Couture. Toulouse (Privat) 1902, S. 100. 

2) Garns S. 540. Vgl. G. C. I, 1127. 

3) Garns S. 539. Vgl. G. C. I, 1093. 

4) G. C. a. a. 0. 

5) Garns S.480. Vgl. A.Degert,Hist.d.ev.d'Aire(Paris08) S.23ff. 

6) Garns S. 590. G. C. I, 1264 f. 

7) Garns S. 563. G. C. I, 1287. Von diesem Bistum steht die 
Vernichtung fest; denn es mußte um 980 ganz von neuem wieder- 
hergestellt werden. G. C. I, 1150 (nach Marca). 

8) Garns S. 561. G. C. I, 1073. Von diesem Bistum wissen wir, 
daß es zu einem einfachen Kloster herabsank. G. C. a. a. 0. 

9) Gams S. 509. G. C. I, 1192 f. 

10) Nach Gams S. 508 wäre das Bistum überhaupt erst seit 980 
bekannt. Vgl. jedoch betreffs der alten Zeit G. C. I, 13071 Wie mir 
scheint, ergibt sich aus der dort angeführten Urkunde, daß es sich um 
eine Wiederherstellung handelt. Nicht dagegen spricht es, daß die 
Diözese ganz von neuem umschrieben werden mußte. Das war ja 
auch anderwärts der Fall. Auch die Güterverleihxing gleicht einer 
Kestitution. 

11) Gams S. 497. Vgl. a. G. C. I, 977 f. 

12) G. C. I, 978. 



— 21 — 

sind^), der Untergang erst am Ende des letzteren eingetreten 
sein sollte. Sondern alle werden demselben katastrophalen Er- 
eignis ihre Vernichtung verdanken. Tatsächlich war ja all- 
gemein die Lage in der Normannenzeit viel ungünstiger. 
Außerdem sind gerade der spanischen Grenze näher gelegene 
Kirchen — wie Tarbes und Dax — noch im neunten Jahrhundert 
vorhanden, während die entferntesten — Bazas und Leictoure — 
zu den schon seit dem siebenten Jahrhundert verschollenen ge- 
hören. Letzteres Bistum liegt noch außerdem in der unmittel- 
baren Nähe von Aux. Wir werden daher den Mangel an Nach- 
richten aus der älteren Zeit auf den Untergang dieser letzteren — 
und zwar in der Normannenzeit — und nicht auf den der Bis- 
tümer selbst im siebenten Jahrhundert zurückführen 2). Das um so 
mehr, als ähnliches auch in anderen Gegenden zutrifft, wofür 
die Sarazeneneinfälle im achten Jahrhundert gar nicht in Be- 
tracht kommen können^). — Mit diesem beispiellosen Verfall 
der vaskonischen Bistümer hängt es zusammen*), daß wir sie 
selbst dann, als wieder die Namen aller einzeln genannt werden 
und wohl auch die Kathedralen tatsächlich wiederhergestellt sind, 
sämtlich oder doch zum größten Teil in einer Hand vereint 
fnden^). Ein Bischof leitete als „episcopus Vasconiae" geistlich 



1) Conserans z. B. im 9. Jahrhundert wiederholt erwähnt; 
G. C. I, 1127. 

2) So auch G. C. I, 1073 betreffs Leictoures; Sp. 1286 f. betreffs 
Lescars. 

3) So z. B. u. a. für Glandeves; unten S. 31. Zudem ist betreffs der 
Gascogne zu bedenken, daß die maurischen Eroberer im 8. Jahr- 
hundert das Christentum schonten — im 9, und 10. war das nicht mehr 
der Fall. Vgl. S. 24 N. 1. 

4) So auch G. C. I, 1040 (nach Marca). Daß neben den durch 
Sarazenen und Normannen angerichteten Schäden auch eine große 
Säkularisation dort wie anderwärts die Ursache der Zerrüttung war, 
wird später (§ 19) noch erörtert. Hier mag erwähnt sein, daß haupt- 
sächlich die dadurch herbeigeführte Verarmung der Bischofskirchen 
(auch davon noch in § 19) die im Text erwähnte Vereinigung herbei; 
geführt hat. G. C. a. a. 0. Vgl. a. G. C. I, 1192 (nächste Note) und 
I, 1265. Über noch andere Ursachen § 13. 

5) Zuerst unter Gumbaldus (oder Gombaldus) um 970 G. C. a. ä. 0. 
Er soll auch Eb. von Bordeaux gewesen sein, a. a. 0., vielleicht auch 
Bischof von Agen, G. C. 1, 1150. Vgl. die bei Garns S. 590 (und öfters) 
zitierte Stelle: Gombaldus, qui temporum angustia fere omnes Vas- 
coniae ecclesias regebat. Vgl. auch, was G. 0. I, 1192 sagt: Gum- 
baldus . . . episcopus Vasconiae fuifc ordinatus e. a. 977. Quippe cum 
tunc sedes episcopales huius provinciae vacuae essent ac pene 



— 22 — 

das ganze Gebiet i) — ein Zustand, der bis in die zweite Hälfte 
des elften Jahrhunderts dauerte 2)'). 

Sicherlich ähnlich zu deuten haben wir die Tatsache, daß 
in der spanischen Mark zur selben Zeit der Bischof Oliba von 
Vieh gleichzeitig Abt von 38 Klöstern war^). Und damit kommen 
wir auch auf dieses Grenzland zu sprechen. 

§^. 

C. Spanische Grenze, Südfrankreich und Südburgund. 

Daß in der spanischen Mark die Lage der Bischofskirchen 
besonders ungünstig war, ist selbstverständlich. Wenigstens eine 
Anzahl von Hochkirchen ist eingegangen. Mit Sicherheit nach- 
weisen können wir das von dem ebengenannten Bistum Vieh 
(Vicque, Ausona)^). Die Gegend seines Sprengeis wurde — so- 
weit dies überhaupt geschah — vom Erzstift (Narbonne) aus 
pastoriert (ganz analog dem früher erwähnten Fall der Norman- 
die). Auf neuer Grundlage wurde das Bistum später wiederher- 



destructae . . . Gumbaldo . , . commendatae sunt. Betreffs Agens und 
Bazas' insbesondere vgl. die a. a. 0. angeführte Stelle ans einer alten 
Historia Condom.: Herzog Wilhelm gewährt dem Gumbald ntriusqne 
sedis pontificatum. — S. a. G. C. II, 900. — Vgl. ferner G. C. I, 1265. 
S. a. nächste Note. Z. S. noch Degert, Dax 48 ff.; Aire 23 ff. Ferner 
dess. Aufs. L'evöche de Gase, in d. Eev. d. G. t. XLl (1900). 

1) Vorige Note. Das ist namentlich von dem Nachfolger des 
dort genannten Bischofs Gumbald, von Arsius Racha, überliefert (um 
980); G. C. 1, 1150. Von ihm heißt es sogar (vgl. die bei Gams S. 593 
angeführten Worte): Arsius gubernat omnes Aquitaniae ecclesias a 
Mauris devastatas. Ein Teil der Bistümer Gumbalds (Bazas und Agen) 
ging jedoch auf dessen Sohn Hugo über; G. C. 1193 f. Davon noch 
unten im § 18. Vgl. Degert, Dax 54 ff.; Aire 23 ff. 

2) S. unten T. IV. 

3) Es mag gleich hier im Zusammenhang bemerkt sein, daß der- 
artige Häufungen von Bistümern in einer Hand damals auch ander- 
wärts vorgekommen sind, und zwar natürlich aus analogen Gründen j 
so erhielt Manasse, der Bruder des Königs Hugo von Italien, nach- 
dem er bereits Arles innehatte, noch dazu die Kirchen Mailand, 
Mantua, Trient und Verona; .Ughelli IV, 94. Vgl. Hartm., It. Ill/g 198. 

4) Gesta com. Barcinon. I, 10. Marca 543. 

5) Auch aus diesem Beispiele ersehen wir, daß die Lückenlosig- 
keit der Bischofsreihen (in Vieh nur eine Unterbrechung von c. 899 
bis 902; G. S. 89) nicht den Fortbestand der Kirche selbst beweist. 
Immerhin mochte hier die Vernichtung des Bistums nicht lange ge- 
dauert haben. 



— 23 — 

gestellt^). Daß dies seine rechtlichen Folgen hatte, werden wir 
noch sehen ^). 

Ebenso ist das alte Bistum Eota (Roda) in den Pyrenäen 
yerniehtet worden. Seine Wiederherstellung erfolgte im Jahre 
957^). Es wird vom Grafenpaar ganz von neuem eingerichtet 
und dotiert 3). Ausdrücklich wird dabei hervorgehoben, daß das 
Städtchen seit alters bereits ein Bischofssitz gewesen sei*). Elna 
war schon zu Ende des neunten Jahrhunderts ganz verfallen^). 
Dieser Zustand dauerte bis weit ins zehnte Jahrhundert hinein, 
ja, zum Teil noch darüber hinaus^). Ganz zerrüttet waren auch 
noch andere — wohl alle — Bistümer jener Gegend, so ürgel'), 
Girona^) usw. Ein Teil der Bischofskirchen scheint nur formell 
fortbestanden zu haben. Wohl darauf bezieht sich die Nach- 
richt 9) des Erzbischofs Bernhard I, von Aux von c. 950 an den 
Papst, er habe in „Hispania" Bischöfe geweiht. WohU°), weil 

1) Mansi XVIII, 2541 Über die Wiederherstellung 883 Garns, 
KG. Span. II/^ 424. 

2) § 11. 

3) Marca 875 f. (a957): (Wiedereinrichtung- des episcopatus Eo- 
tensis). Ego Eaymundus, dei gratia comes, simulque coniux mea, 
Ermessendis . . . comitissa. Compulit nos deus et trina maiestas^ ut 
aedificaremus domxim in honore domini nostri Jesu Christi et 
salvatoris in civitate, quae vocattir Eota, ut sit sedes episcopalis, 
sicut antiquitus fuerat . . . ego Eaymundus simulque et uxor mea 
Ermessendis pro dotali titulo donamus ad ipsam ecclesiam etc. 

4) Nicht richtig' ist also die Auffassung von diesem Vorgang, 
die dahin geht, in jenem Jahre sei lediglich der Sitz des untergegan- 
genen Lerida auf Eota übertragen worden (so Gams S. 43 nach Es- 
pana Sagrada). Wohl aber wurde der Sprengel der letzteren — dau- 
ernd vernichteten — Kirche mit dem von Eota vereint. Auch mit 
einer andern Kirche scheint das später der Fall gewesen zu sein (episc. 
Eipacurcensis). Solche Einbeziehungen und Neuumschreibungen waren 
ja damals an der Tagesordnung. Zur Sache a. G ams Span. KG. II/2 424 f« 

5) Marca 375 u. 830 (898, B. 1900): (Karl d. Einf. f. d. Bistum) 
Eiculfus sanctae Eossilionensis ecclesiae venerahilis episeopus innotuit 
nobis .... quemadmodum stia, sedes et pene omnes ecciesie eiusdem 
sedis ruinae tarn proximae existebant, ita, ut per ipsum nullatenus 
possent restaurari. 

6) Ygl. die Urk. v. 1010 a. a. 0. Sp. 974. 

7) Marca, Hisp. 974 f. (Urk. v. 1010). Bischofsliste mit einer kleinen 
Lücke. Schwanken der Metropolitenverbände (G. 86). 

8) Z.B. Bouq. IX, 556 (B. 1977; a. 922). Bischofsreihe ziemlich 
geschlossen (G. 32). 

9) Darüber G. C. I, 978. 

10) So auch G. C. In jenen Gegenden war das Christentum fast 
vernichtet. A. a. 0. 



- 24 — 

die meisten Bischofssitze des Grenzlandes zerstört waren. Immer- 
hin kann da aber auch das übrige Spanien gemeint sein^). 

1) Hier hatte siph ja nach den günstigen Zeiten des 8. Jahr- 
hunderts im 9. die Lage für die Kirche sehr verschlechtert, 
namentlich in den zuerst von den Mauren unabhängig gebliebenen 
Gebieten des Nordens. [Vgl. a, Diercks, Span. Gesch. (Göschen 1905) 
S. 31f.], Schon im Jahre 877 bestimmte ein in Oviedo (damals Haupt- 
stadt von Leon) abgehaltenes Konzil (Mansi XVIII, 219): ut episcopi 
illarum ecclesiarum, quae fuerint a Sarracenis destructae, Ovetum se 
conferentes, in ea ecclesia militantes stipem consequerentur, si alias 
circumpositas sub eadem dioecesi constitutas ecclesias curarent. Vgl. 
a. Hinschius II, 171 mit N. 5. Wie man sieht, bestand auch hier 
schon der Brauch, untergegangene Bistümer wenigstens formell — 
fiktiv — aufrechtzuerhalten. (Es ist aber deshalb noch nicht, wie v. 
Seh er er I, 598 N. 7 mit Kecht hervorhebt, anzunehmen, daß sämtliche 
Teilnehmer am Konzil solche vertriebene Bischöfe gewesen seien). 
Eben deshalb ist gerade für Spanien aus der gelegentlich auftretenden 
Geschlossenheit der Bisehofslisten gar nichts zugunsten einer Fortexistenz 
der Bistümer zu erschließen. Von einer rechtlichen Ausgestaltung der 
Titularbistümer war — wie ja auch in der späteren Zeit — damals natür- 
lich keine Eede. — Ein B. v. Saragossa, der nach seiner Vertreibung in 
Oviedo residierte, bei G. 20; ersteres Bistum ersteht erst im 11. Jahr- 
hundert wieder. Ebenso residierten die Tittilar-B. v. Porto in Oviedo. 
Es ist ihnen dort die Kirche S. Crucis zugewiesen. C. 1030 wiederher- 
gestellt, wird Porto seit 1065 von den Archidiakonen Bragas verwaltet. 
Bischöfe erst i. 12. Jahrh. (G. 108 f.). Im übrigen sind die Verhält- 
nisse der spanischen Bistümer wie folgt: Fortlaufend sind die Bischofs- 
reihen natürlich für Oviedo selbst (im 9. Jahrh. vorübergehend 
vernichtet? G. 58), ferner — ebenso natürlich — für Leon (die B. resi- 
dieren in Klöstern, sind Regularen, verlegen schließlich auch die Kath. 
G. 40), Mondonedo (G. 51) und Compostella (Ein B, Mitte 10. Jahrh. 
von Normannen getötet, G. 26) ; im übrigen aber nur für Astorga (G 7), 
Valpuesta (G. 16, 11. Jahrh. mit Calahorra vereint), Lugo (G. 46) und 
Oreuse (G. 53). Huesca hat kleinere Lücken (906 bis 921, 927 bis 956 
G. 36). Dauernd verschollen sind: seit dem 9. Jahrh.: Guadix (noch 
839 erwähnt; viel später als Titularbistum bekannt; G. 3), Iria (noch 
c. 800 bekannt; G. 25), Malaga (seit 864 verschwunden, erscheint vom 
12. bis 15. Jh. als Titularbistum; G. 49), Britania (c. 877 vernichtet, sein 
Sprengel mit Mondonedo vereint; G. 51), Duiüium, ebenfalls mit Mon- 
donedo vereint. (G. 51). Seit älterer Zeit (aber wohl wenigstens teilweise 
erst im 9. Jahrh. vernichtet): Joiza (erst im 18. Jahrh. wieder als Bis- 
tum; G. 40), Maiorca und Menorca (ihr Sprengel im 11. Jahrh. zu Bar- 
celona, als Bistum erst wieder im 13. bzw. 18. Jh. G. 47, 50), Segobriga 
(G. 70). Große Lücken ergeben sich für: Bäza (862 bis 988, G. 3), Al- 
meria (862 bis 12. Jh. G. 5), Avila (802 bis 1087, zu letzterem Jahre 
wird die Erektion der Kathedrale ausdrücklich berichtet, G. 9.), Barce- 
lona (890 bis 904, Verfall schon c. 877, G. 13), Oca (802 bis 934, G. 16, 
bis 11. Jahrh. Titularb.; dann kurze Wiederaufrichtung, bald Ver- 



— 25 - 

Wenden wir uns an der Küste weiter gegen Osten, so 
treffen wir zunächst auch in der Großgraf Schaft Toulouse auf große 
Lücken in den Bischofslisten. Und zwar nicht etwa bloß im 



einigung- mit Buro^os, dieses in älterer Zeit nicht bekannt). Calahorra 
<871 bis lOiO, G. 21), noch o-rößere Lücken in Cartagena (G. 23 f.), Cor- 
dova (869 bis 931, G 28), Coria (905 bis 12 Jahrb. G 29), Cuenca 
(849 bis 1182, in letzterem Jahre Wiederaufrichtung-, G. 31), Osma (881 
bis 938 bis 1088, wo WiederauMchtung-, G. 56 f.), Palentia.SU bis 1035, 
G. 60). Placentia ist vom 7. bis 13. Jh. verschollen (G. 64), für Sala- 
manca wird zu 921 die Gefangennahme eines Bischofs durch die Sara- 
zenen berichtet. Lücke dann bis 1. H. 12. Jahrh. (G. 74). Segovia ist 
nach 693 nur 940, dann erst wieder 1114 erwähnt (G. 70). Sevilla (869 
bis 937, G. 72), Siguenza 851 bis 12 Jahrh. (G 94), Tarragona (nach- 
weislich vernichtet) c 700 bis c. 1091 (G. 76), ebenso ungefähr Tara- 
zona (G. S. 48) und Tortosa; für letztere Kirche ein Titularb. im 11. 
Jh.; Restitution des Bistums nachweislich erst 1151. Die Titularb. als 
Äbte S. Rufi Vollendung der Kathedr. 1178. Wiederherstellung der 
alten Bistumsgrenzen erst im 13. Jh. (G. 82). Noch größere Lücke iu 
Valencia (nachweislich vernichtet) (G. 87 f.). Zamora, überhaupt erst 
seit Anfang 10 Jahrh bekannt, wurde noch an dessen Ende ver- 
nichtet. Wiederaufrichtung Mitte 12. Jahrh. (G. 91), Die damals 
häufig erwähnten ep. moderni (o. ähnl ) — ein Beispiel bietet Z. — 
bedeuten wohl die B der wiederhergestellten Bistümer. Portugal. 
Braga — schon seit dem 8. Jahrh. bloßes Titularbistum, sein Sprengel 
mit dem von Lugo vereint, — scheint dann ganz in letzterer Kirche 
aufgegangen zu sein. Wiederherstellung 1071 (G. 94). Coimbia scheint 
dem Namen nach fortbestanden zu haben, Restauration 1064 (G 96). 
Evora seit c, 400 verschollen. Wiederaufrichtung 12. Jahrh. (G. 98 f.). 
Guarda wohl erst im 9. Jahrh. vernichtet (bis e. 1200) (G. 100). La- 
mego verschwindet vom Ende des 7. bis zu Anfang des 9 Jahrb., 
ist dann (wohl als Titularbistum) aufrechterhalten und verschwin- 
det Ende des 9. wieder bis zum 12. Jahrh. (G. 103). Lisboa hat 
eine Lücke von 693 bis 1148 (G. 1Q4). Ossonoba geht c. 700 unter, 
Fortsetzung im 12. Jahrh. in Silva (G. 106). Visen c. 700 vernichtet, 
seit Ende des 9. Jahrh. ein Titularbistum, Unterbrechung 981 bis 
1050. Mitte des 12. Jahrh. Wiederherstellung (G. 111). Große Lücken 
auch in Toledo 850 bis 956 bis 1058, dazwischen je eine unsichere Er- 
wähnung* (G 80 f.). Tuy schon c. 700 vernichtet, später als Titularbis- 
tum wiederhergestellt. Residenz lange in Iria (meist mit anderen 
Ej'rchen in Personalunion; z. B. 1022 eine Person ep. Dumiensis, Lu- 
censis, Auriensis et Tudensis) dann wohl gänzliche Vernichtung. Ge- 
fangennahme von B. durch die Mauren. Erst Ende 11. Jahrh. Wieder- 
herstellung des Bistums (G. 83 f.). Das alte Bistum Simancas scheint 
formell bis zum 10 Jahrh. aufrecht erhalten worden zu sein; c. 970 
wurde es dauernd aufgelassen (G. 7) Für Granada (Elvira) sind von 
869 bi." 958 einige Bischofsnamen bekannt. Das Bistum jedoch hat 
bis ins 15. Jahrh. nur fiktiv fortbestanden. (G. 34 f.). Der Bischofssitz 
von Pamplona wurde bereits c. 848 ins Klostier Leyre verlegt, die 



— 26 — 

südöstlichen Küstenstrich*), in der Kirehenprovinz von Narbonne, 
sondern auch in den ehemals aquitanisehen Landesteilen, in der 
Provinz von Bourges. So in den um Rodez^) gelegenen Kirchen 
von Albi (e. 892 bis 921)3), von Gabors (876 bis 917)*) und 
von Mende (879 bis c. 908, dann wieder bis e. 951)^). Blicken 
wir dann nach dem zur Provinz Narbonne gehörigen Teil der 
Grafschaft, so scheint Narbonne selbst — dasErzstift — zwar fortbe- 
standen zu haben ^). In den Suffraganbistümern zeigen sich aber 
meist empfindliche Lücken, namentlich vor 906. So zunächst in 
Toulouse selbst von 886 bis 906 ^j, dann in Lodöve 887 bis9068), 
in Montpellier 897 bis 906, dann wieder 909 bis 937 »), in Car- 
cassone 897 bis 903 1°), in Beziers 898 bis 906 1*). In Nlmes ist nur 
eine Unterbrechung von 891 bis 897 ^^), in Agde von 922 bis 943*3) 
— aber in allen Kirchen zeigen sich noch andere kleinere Lücken. 

Nicht besser war die Lage im burgundischen Teil der 
Provinz Narbonne. Für Uzes ist von 911 bis 966 kein Bischof 
nachzuweisen**). Wie denn überhaupt die kirchlichen Verhältnisse 
der burgundischen Küstenlandschaft besonders im argen lagen. 

Namentlich ist in der Provence, wie sich vielfach direkt 
nachweisen läßt, der größte Teil der Bischofskirchen vernichtet 
worden. Hier waren ja alle Verfallsursachen am Werk. Nament- 



Bischöfe sind von da an zugleich Äbte. Überlieferung sehr lückenhaft. 
Von Bischofabt Sancho (c. 1014 bis 1024) wird die Wieder aufrichtung 
der Kirche berichtet. Ca. 1100 wohl neuerlich Beform der Kathedrale 
unter Einführung der Augustinerregel (G. 62). Zum ganzen Garns, 
KG. V. Span, ll/g 299 ff., III/i Iff. 

1) Dem ehemaligen Septimanien (Gotien). Dieses war schon 887 
vom Grafen Miro (von Barcelona) aufs grausamste verwüstet, „die 
Kirchen ihrer Diener" beraubt worden; J. 3197. Johann VIII. lädt ihn 
vor eine Synode. 

2) Dieses selbst weist kleine Lücken (längste c.909 b. 922) auf G. 612. 

3) Garns S. 484. 

4) Garns S. 525. G. C. I, 124, wo auch eine Erwähnung von 878? 

5) Gams S. 577. Vgl. G. C. I, 88. S. a. Lüttich, Ungarnzüge 
S. 131 m. N. 93. 

6) Darauf deutet auch der obenerwähnte Fall von Vieh. Bei 
Gams S. 583 nur eine kleine Lücke v. 924 bis c. 927. 

7) Gams S. 638. 8) Gams S. 567. 
9) Gams S. 579. 10) Gams S. 528. 

11) Gams S. 517. 

12) Gams S. 586. Später Lücken von 907 bis 909, von 927 bis 
933 usw. Vgl. Lüttich 131; Hartmann III/2 194. 

13) Gams S. 477. 14) Gams S. 645. 



— 27 — 

lieh haben fast alle äußeren Reichsfeinde — Normannen wie 
Magyren und Sarazenen — in der Zerstörung zusammengewirkt ^), 

Besonders ungünstig war die Lage der Bistümer in dem 
von den Sarazenen dauernd in Besitz genommenen Teil des 
Landes 2), namentlich in der Nähe ihrer Burg Fraxinetum; sie 
wird etwas günstiger, je mehr man sich von dort entfernt, also 
besonders in der Gegend von Arles. Beginnen wir daher mit 
der kirchlichen Provinz dieser Metropole. 

Das Erzstift selbst konnte sich forterhalten ^). Aber schon 
seine Suffragane im Westen waren viel ungünstiger gestellt. 
Sehen wir uns da die Bistümer der späteren Provinz Avignon 
an, so zeigt sich uns für diese . Stadt selbst die groi3e Lücke von 
919 bis 944 und auch verschiedene kleinere*). In Vaison klafft 
zunächst eine solche von 879 bis 91 1, doch ist auch die Er- 
wähnung in letzterem Jahre sehr unsicher, ebenso wie die späteren 
von 955? und 996^). Von Cavaillon wird für die Zeit von 879 
bis 906 kein Bischof erwähnt und auch dann ist die Überlieferung 
noch bis zur Mitte des zehnten Jahrhunderts sehr unsicher 0). 
Das gleiche gilt auch für Carpentras, wo zunächst eine Unter- 
brechung von 896 bis 914 vorhanden ist 7). Soweit reicht die 
spätere Provinz Avignon. Was die übrigen Suffragane von Arles 
im Westen betrifft, so fehlt von Saint- Paul-Trois-Chäteaux und 
von Orange vom Jahre 852 bzw. 879 an bis 1014, bzw. 982, 
abgesehen von zwei unsicheren Erwähnungen zu Anfang des 
zehnten Jahrhunderts, jede Nachricht^). 

Noch schlimmer war jedoch die Lage im Osten der Provinz. 
Von Marseille hören wir nichts von 896 bis zum Jahre 923^). 



1) S. 2, N. 1. A. d. Urk. v. Dardanelli u. Manteyer, pass. 

2) Darüber a. Kiener VG. 92; Poupardin, Provence 249ff. 

3) Gr. C. Noviss. „Arles" passim. — Vgl. a. Gams S. 494. 

4) Gams S. 504. G.G. 1,8031 Die Kirche von den Barbaren 
zerstört und ihres Besitzes beraubt: G. C. I, 806 schon zu 914. Über 
den neuen Dom und die Zeit seiner Errichtung A. Deloye, Bull. arch. 
com. trav. S. II 1891 S. 292 ff. Duprat schließt mit 879. 

5) Gams S. 647. Vgl. G. C. J, 924. 

6) Jm J. 906 ein B. von Cavaillon auf einer Synode von Barce- 
lona; G. 0. I, 942. Vgl. aber auch Poupardin 153 f. 

7) Gams S. 579 f. G. C. I, 899 f. 

8) Saint-Paul: 879 bis c. 910 bis 914 bis 1020 nach G. 620. Vgl. aber 
G. C. N. 41f. Orange: 879 bis c. 900 bis 914 bis 982. Gams S. 591. 
G. C. I, 769 f. Die Vereinigung beider Bistümer in einer Hand , (G. C. 
1, 719 u. 770 f.) deutet auch hier gleichfalls auf den Verfall. 

9) Gams S. 573. G. C. Noviss. „Marseille" Sp. 44f. 



— 28 — 

Und auch die letztere Erwähnung ist da bezeichnend genug. 
Hilfeflehend ^) wandte sich nämlich damals der Bischof der ge- 
nannten Stadt an seinen Metropoliten von Arles mit der Bitte 
um Land, damit er und seine Stiftsfamilie; namentlich auch die 
Kirchenholden, leben könnten. Am bisherigen Ort sei wegen 
der fortwährenden Sarazeneneinbrüche ein längeres Verweilen 
ausgeschlossen^). Dann hören wir vom Bistum nichts bis 948 
und auch darnach erst wieder im Jahre 976^). 

Ganz verödet lag die Gegend von Toulon. Das Land 
mußte später neu kolonisiert werden^). Das Bistum ist vom 
Jahre 899 an bis 1021 verschollen^). 

Ganz besonders ungünstig aber lagen die Verhältnisse für 
die ganze Kirchenprovinz von Aix. Hier ward auch das Erz- 
stift vernichtet. Es fehlt vom Jahre 886 bis zur Mitte des zehnten 
Jahrhunderts davon wie von den Metropoliten jede Spur^), nur 
eine Erwähnung von 928 ausgenommen'). Aber gerade diese 
redet eine sehr deutliche Sprache. Und solche Beispiele lehren 
wiederum, wie wenig Erwähnungen von Bischöfen in jener Zeit 
den Bestand ihrer Kirchen beweisen. Die Nachricht lautet näm- 
lich dahin, daß der Metropolit in tiefster Demütigung zu Reims 
unter dem dortigen Laienbischof ^), dem Grafen Heribert von 
Vermandois, die bischöflichen Funktionen verrichtete^). 



1) An dem in der nächsten N. a. 0.: cum lacrimabili gemitu 
adiit presentiam nostram singultuoso planctu etc. 

2) Gart. S. Vict. I. 3 Nr. 1 (= G. C. Nov. II, 1, Sp. 45): erbittet Land, 
unde victum et vestimentum tarn ipse quam filii ecclesie sue, utrius- 
que videlicet sexus, servi hac liberi, habere potuissent — — propter 
continuos Sarracenorum impetus suis in locis manere non posse. Vgl. 
a. Kien er S. 31 f. mit N. 56 u. Poup ardin S. 260. 

3) Garns S. 573. G. C. I, 641 f. 

4) Kiener VG. S. 93 mit N. 74. 

5) Garns S. 636. G. C. I, 743. 

6) Daß der Verfall lange gedauert hat (insbesondere auch der 
Kirche und des Stifts — als Gebäude — sowie des Kapitels — vgl. 
noch unten T. IV), zeigt sich auch noch in der späteren Erinnerung; 
z. B. G. C. Ib 65 (1092): Eb, gibt bekannt — sedem Aquensis ecclesiae . . . 
destructione gentium cum eadem civitate per multa curicula anno- 
rum in solitudinem (!) permansisse — . 

7) Gams S. 482. G. C. I, 303 f. G. C. Nov. 1, 1; S. 41. 

8) Über diesen unten im § 12. 

9) Vgl. unten § 12. Auch Kien er S. 93 und G. C. Noviss. I, 1 
41 f. Flodoard, Hist. 4,220: per idem fere tempus (928) Odalricüs 
Aquensis episcopu.s, qui ob persecutionem Sarracenorum a sede sua 
recesserat, in ecclesia Reraensi recipitur ab Heriberto comite. Nach 



— 29 — 

Aber auch Aix' sämtliche Suffraganbistümer wurden teils 
sicher, teils sehr wahrscheinlich für längere Zeit vernichtet. 
Nachweisen läßt sich der Untergang zunächst für Frejus. Das 
Land war verödet, die Bevölkerung verschwunden. Die Besitztitel 
der Kirche waren untergegangen, die Rechte aus dem Gedächt- 
nis der Menschen gekommen^). Nur der leere Name des Episko- 
pates hatte sich erhalten ^). In der Bischofsliste findet sich eine 
Lücke von 908 bis 946 und auch vorher und nachher ist die 
Überlieferung höchst unsicher^) und sagt nicht viel für den Be- 
stand des Bistums. Der Bischof Guntar von Frejus z. B. (946 
bis 948) war zugleich Dompropst von Arles*). Er stand also — 
wie viele seiner Amtsbrüder — in Diensten eines anderen Bis- 
tums^). Vom Bischof ßiculf wird zu 974 die Wiederherstellung 
der Bischofskirche berichtet ß). 

Sicher unterrichtet sind wir auch von der Vernichtung der 
Bischofskirche in Antibes'') (bis c. 1000 Suffragan von Aix)^). 
Es zeigen sich da auch Lücken zunächst von 828 (auch diese 
Erwähnung zweifelhaft) bis c. 930 (unsicher), dann wieder bis 
966 und von da an wieder bis 987^). 

Durch diese dürftigen positiven Nachrichten, die von dem 
Schicksal einiger Hochstifter auf uns gekommen sind, wird uns 



anderen hätte es sicli da nicht um Aix, sondern um das Bistum Dax 
gehandelt. Vgl. jedoch G. C. Nov. I, Sp. 42, wo die letztere Ansicht m. 
E. hinreichend widerlegt wird. Dazu und zur Sache auch G. C. I,. 
303 f., Poupardin 259 m. N. 5 u. Degert, Dax S. 48. 

1) In solchen Fällen konnte daher später bei der Eeform auch 
nicht mit dem Inquisitionsreeht — wie sonst häufig — abgeholfen werden. 

2) Gall-Christ. Noviss. Instr. extra ord. I, 535 N. 2: Civitas Foro- 
julensis — acerbitate Sarracenorum destructa atque in solitudinem re- 
dacta, habitatores quoque eins interfecti seu timore longius fuerunt 
effugati; non superest aliquis, qui sciat vel predia vel possessiones» 
que prefate ecclesie succedere debeant; non sunt cartarum pagine,. 
desunt regalia precepta, priviligia quoque seu alia testimonia aut ve- 
tustate consumpta aut igne perierunt, nihil aliud, nisi tantum solo- 
episcopatus nomine permanente. Dazu Kien er S. 93 mit N. 75. 

3) Garns S. 551. G. C. I, 423 f. G. C. Nov. „Prov. Aix« Sp. 330 ff. 
H. Espitalier, Les evöques de Frejus, Draguignan 1894, behandelt 
die spätere Zeit (12. Jahrhundert). 

4) G. C. I, 425. 

5) Nicht um eigentliche Ämter kumulation handelt es sich da.. 
Ebensowenig heute, wenn ein Abt oder Propst Titularbischof wird. 

6) Gams S. 551. S. a. Poupardin 259. 

7) Vgl. darüber Kien er S. 111 N. 154. 

8) Gams S. 555. Vgl. G. C. III, 1149 f. 



— 30 — 

aber die wahre Bedeutung der Nichterwähnung auch der übrigen 
klar. Ähnliche Lücken wie für die genannten finden sich näm- 
lich auch für alle andern Komprovinzialbistümer; so für Apt 
887 bis 951 1), für Riez 879 bis 936, dann wieder — nach einer 
höchst unsicheren Erwähnung von 966 — bis 990 2), für Gap 
879 bis c. 900, dann wieder bis c. 950^), für Sisteron endlich 
sind die Nachrichten von 881 bis 903 sehr unsicher, jedenfalls 
war auch dieses Bistum wenigstens zeitweilig nicht vorhanden^). 
Doch sind dies hinsichtlich aller Bischofskirchen nur die hauptsäch- 
lichsten Lücken. Es finden sich solche für alle auch vor- wie nachher 0). 
Ein ebenso trübes Bild bietet aber auch die Provinz 
von Embrun dar. Auch hier ging sogar das Erzstift selbst ein. 
Vor 943 zeigt sich eine große Unterbrechung ß). Die beiden 
vorhergehenden Erwähnungen aber sind von der Art, daß sie die 
Lage grell beleuchten. Wir erfahren nämlich, daß um 916 
Benedikt von Embrun dortselbst zugleich mit dem B. von Mau- 
rienne von Sarazenen getötet wurde''). Als dann ungefähr 920 
die bischoflose Stadt einen gewissen Liberalis aus der Diözese 
Limoges zum Bischof (an das Erzbistum dachte man vielleicht 
nicht mehr) erhalten sollte, wurde er von den Sarazenen gar 
nicht eingelassen. Ohne sein Bistum gesehen zu haben, kehrte 
er unverrichteter Dinge in seinen Heimatsort Briva Curresia (bei 
Limoges) zurück^). Die nächste Erwähnung ist dann die, daß im 
Jahre 943 der Erzbischof Boso — übrigens Erzkanzler des bur- 
gundischen Königs — in einem Walliser Ort (bei St. Moritz) als 
Flüchtling vor den Sarazenen erscheint. Dann wird die Über- 
lieferung wieder sehr dürftig und lückenhaft ^*>). 



1) G. C. Noviss. „Aix" Sp. 211f, Garns S. 492 hat: 894 bis 946. 

2) Garns S. 610. YgL G. C. I, 396 f. G. C. Noviss. „Aix« Sp. 583 f. 

3) Garns S. 552. Vgl. France pontif. „Gap" 43, aber auch G. C. 
Nov. 461 ff. Über den Einfall der Sarazenen Poupardin 270 f. 

4) Garns S. 631. Vgl. G. C I, 478 f. Wir hören (a. a. 0. 479), daß 
sich zu Anfang des 10. Jahrhunderts der Klerus von Sisteron in die 
Grafschaft Forcalquier flüchtete. Ein großer Einfall der Sarazenen (und 
Ungarn?) c. 925 (a. a. 0. 478 f.). Vgl. G. C. Nov. „Aix« Sp. 680 ff. 

5) An den a. O. 

6) Garns S. 548. Auch nachher noch übrigens die Überlieferung 
sehr unsicher. 

7) G. C. m, 1067. 

8) Metropolitahsitze werden damals häufig einfach als episcopatus 
erwähnt. 

9) G. C. III, 1067. Vgl. Poupardin 264 f. 

10) G. C. III, 1067 f. Vgl. a. Garns S. 548. 



— 31 — 

Was aber die Suffraganbistümer betrifft, so gingen auch 
sie sämtlich zugrunde. Hier sprechen die Lücken in den 
Bischofslisten eine so deutliche Sprache, daß über das Schicksal 
dieser Kirchen kein Zweifel bestehen kann. Es ist nämlich 
Digne von 899 bis 1025 verschollen i). Von Vence fehlt vom 
Jahre 879 bis 1020 jede Spur 2). Über Nizza hören wir nichts 
von 791 bisc. 1000 3). Jn Senez reicht die Unterbrechung von 614 
bis c- 993^) und in Glandeves sogar von 588 bis 9755)6). 

In den letzten drei Kirchen werden wir die Vernichtung 
wie anderwärts nicht schon in - den Anfangsjahren der Lücken 
«intreten lassen, sondern die einheitliche Wirkung auf eine 
einheitliche Ursache zurückführen'). 

§5. 

D. Ober- und Mittelitalien. 

In besonderem Maße ungünstig lagen die Bistumsverhältnisse 
jener Zeit in Italien (mit Einschluß Istriens) ^) sowie auf den um- 
liegenden Inseln. Für diese Gebiete vereinigt sich das, was wir 
erfahren, mit den großen Lücken in der Überlieferung zu einem 
besonders trüben Gesamtbild, 

' Auf der ganzen Fläche setzen hinsichtlich einer sehr großen 
Anzahl von Hochkirchen die Nachrichten in der fraglichen Periode 
für viele Jahrzehnte aus. Manche Bistümer, die im neunten 
Jahrhundert noch wiederholt erwähnt werden, verschwinden dann 
überhaupt für immer. Von zahlreichen Bischöfen wissen wir 
nichts als die Namen. Erfahren wir aber irgendwie genaueres, 
so lauten die Nachrichten fast ausnahmslos auf beispiellosen 
Verfall. Für eine größere Anzahl von Episkopaten läQt sich der 



1) G. S. 545. G. C. III, 1115 f. 2) G. S. 651. G. C. III, 1216 f. 

3) Garns S. 588. G. C. III, 1275 f. Vgl. a. Ughelli IV, 1109. Bei 
Cais de Pierlas beginnen die Urk. mit 1002. 

4) G. S. 626. G. C. III, 1252. 5) G. S. 554. G. C. III, 1237 f. 

6) Die Eidesleistung der Bischöfe von vielen der genannten 
Kirchen (G. C. passim) an den Metropoliten von Arles c. 1020 wird mit 
der Neueinrichtung der Bistümer und höheren kirchlichen Verbände 
nach dem Verfall zusammenhängen. 

7) Ebenso führt (bei Senez) G. C. III, 1252 die Lücken für die 
ältere Zeit auf eine Vernichtung der Urkunden in den Sarazenenstürmen 
zurück. — Selbstverständlich fehlen diese Bischöfe daher bei der Wahl- 
versammlung Bosos V. 879 zu Mantaille; Cap. II, 369; vgl. Po up ardin, 
Provence S. 110. 

8) Auch Dalmatien weist ähnliche Verhältnisse auf. 



— 32 — 

Untergang auch positiv feststellen. Namentlich sind damals viele 
von jenen zahlreichen Bistümern des mittleren und südlichen 
Italiens, die sich aus alter Zeit dort erhalten hatten, dauernd 
vom Erdboden verschwunden ^) 2). 

Wir werden es daher gerne glauben, wenn ein Zeitgenosse^) — 
um hier nur einen der vielen Berichte anzuführen — über die 
Lage zu Anfang des zehnten Jahrhunderts schreibt : „Die Kirche 



1) über die kirchliche Organisation Italiens, bzw. einzelner grö- 
ßerer Gebiete davon, vgl. neben der im folgenden angeführten Literatur 
von allgemeineren Werken namentlich die folgenden. Und zwar be- 
sonders für die ältere Zeit: Crivellucci, Le chiese cattoliche usw. in 
den Studi storici IV (1895) S. 385 ff., V (1896) S, 153 ff., 431 ff., VI (1897) 
S. 93ff. und 589 ff.; ferner Jul, Jung, Organisationen Italiens usw. in 
M. J. Ö. G., Erg.-Bd. V, H. 1 (1896), S. 20ff.; dann namentlich die ein- 
schlägigen Arbeiten von Duehesne, nämlich Le sedi episcopali nelF 
antico ducato di Roma im Archivio della r. societä Eomana di storia 
patria XV (1892), Les evöchös d'Italie usw. in den Melanges d'archeol. 
et d'histoire der Ecole fran^aise de Eome XXIII. ae (1903). (Auch — 
und zwar mit ausführlicheren Belegen — in den Atti del congresso 
internat. di scienze stör. Rom. 1.— 9. IV. 1903, Bd. III, S. 79 ff.); [dagegen. 
Crivellucci in den Studi storici t. XIII (1904) S. 317 ff. und dagegen 
wieder unter demselben Titel wie das erstemal Duehesne in den 
M61. XXV (1905) S. 365 ff.] ; speziell über die Kalabreser Kirchen und 
ihre Veränderungen unter dem Einflüsse von Byzanz, Rom, Lango- 
barden, Sarazenen und Normannen vgl. Duchesnes Aufsatz in den 
Melanges Paul Fabres (Paris 1902) S. 1 ff .; endlich siehe noch hinsichtlich 
der älteren Zeit den Index in der Cassiodorausgabe v. Mommsen S. 505. 
Für die spätere Zeit Ygl. teilweise die genannten Arbeiten, ferner auch 
hauptsächlich An t.-Gron er, Le diocesi d'Italia dalla mettä, de secolo X 
fino a tutto il XII secolo. Traduzione e prefazione di G. B. Guarini, 
Melfi (tip. A. Liccione) 1908. (Deutsch als Diss. Freib. i. Br. Herder 1905.) 

2) Die große Zahl von Bischofskirchen hatte das ältere Italien 
mit Asien und Afrika gemein; vgl. auch Duehesne, Melanges 
XXIII, S. 83. Nach diesem a. a. 0. S. 85 ff. beträgt die Zahl der uns 
bekannt gewordenen Bistümer Italiens vor der langobardischen Er- 
oberung 233. Davon entfallen auf Oberitalien und Istrien nur 51. 
Dazu bemerkt D. mit Recht, daß uns sicherlieh kein einziges Bistum 
des Nordens entgangen ist, daß wir aber auf der Halbinsel selbst viel 
nicht kennen. 

3) Eb. Johannes XI. von Ravenna an Ambrosius, den Kanzler 
Kaiser Berengars L; Loewenfeld, Acht Briefe aus der Zeit König 
Berengars N. A. IX (1884) S. 521 (vgl. Loewenfeld, Kleine Beiträge 
N. A. XI [1886] S. 599 f.). Vgl. auch die Klagen mit denen sich Eb. 
Johannes XII. an Berengar selbst wendet; a. a. 0. S. 531. S, auch 
unten § 20, wo auch die weiteren einschlägigen Stellen z. T. erwähnt 
sind. Schon die Klagen P. Johanns VIII. über die Zeitlage lauten 
ähnlich; vgl. z. B. Hartmann, G. Italiens III/2, S. 76 f. und sonst. 



— 33 - 

ist ein Schifflein im Meer, das rings von schwarzen Wogen ge- 
peitscht wird. Sogar die Christen, von denen sie erhöht werden 
sollte, tragen zu ihrer Zerrüttung bei." Hierauf schildert er die 
Leiden des einst so mächtigen Erzstiftes von Ravenna. 

Für Italien gilt das früher Gesagte in besonderem Maße: 
daß man nämlich nur dann den richtigen Gesamteindruck emp- 
fangen könne, wenn man möglichst alle einzelnen Fälle ^) be- 
trachtet^). Und dies soll denn auch im folgenden, wenn auch 
in möglichster Kürze, geschehen^). 

Verhältnismäßig noch am günstigsten lauten die Nach- 
richten für die oberitalienischen Kirchen. Doch erweist sich 
auch deren Schicksal als schlimm genug. Wir haben selbst hier 
zahlreiche und ausgiebige Lücken in den Bischofslisten und können, 



1) Selbstredend aber nur die hier in Betracht kommenden. Wenn 
man nämlich zwar auch — davon noch unten — gerade hinsichtlich 
ItaUens besonders geneigt ist, den dauernden Untergang später ver- 
schollener Episkopate in zu allgemeiner Weise auf den Langobarden- 
sturm zurückzuführen — viele der damals tatsächlich vernichteten 
Kirchen wurden hernach wiederhergestellt und sind in Wirklichkeit erst 
in der hier behandelten Periode eingegangen — so steht doch hin- 
sichtlich einiger Bistümer der bleibende Untergang' schon in älterer 
Zeit fest, bzw. ist wahrscheinlich. Über unsichere Bistümer der älteren 
Zeit unten S. 48 N. 5. Da wir keine Bistumsverzeichnisse besitzen, ist 
die Rekonstruktion der älteren Verhältnisse immer lückenhaft. Es käme 
höchstens diei. d. Apologie d. h. Atanasius geg. d. Arianer (349) enthalt. Liste 
der ital. B. (dar. Savio i. Arch. stor.Lombardo 29 3. s.Fasz.34) in Betracht. 

2) Namentlich zeigen auch die italienischen Verhältnisse, daß 
unsere oben (S, 8 N. 3) ausgesprochene Vermutung,- durch die fort- 
schreitende Forschting sei keine wesentliche Verrückung des von uns 
gezeichneteuGesamtbildes zu erwarten, wohl das Richtige trifft. Trotz 
der gerade für dieses Land in den letzten Jahrzehnten schwunghaft 
betriebenen und sonst so ergebnisreichen Lokalforschung gelten für die 
hier in Betracht kommende Zeit zumeist auch jetzt noch die Zahlen, 
die Garns in seiner Seri es episcoporum schon 1873 anführt, die wieder 
ihrerseits größtenteils bis auf Ughelli und noch weiter zurückgehen. 
Die Nachrichtenarmut für jene Zeit ist eben kein Zufall. Daß einzelne 
Lücken ausgefüllt wurden, versteht sich von selbst. Meist erscheint 
aber dadurch unsere Annahme nur noch mehr bekräftigt, die dahin 
geht, daß der Untergang vieler Hochkirchen erst gegen Ende des 
9. Jahrhunderts erfolgt ist, indem die Intervalle gerade in diesem 
Sinne verengt wurden. 

3) Nur so — durch diese statistische Methode — kann man im 
vorliegenden Falle den Dingen auf den Grund gehen. Führte man 
nämlich nur einzelne Beispiele an, so bliebe sicherlich die Meinung 
bestehen, dies seien Ausnahmen, für andere Bistümer seien andere 
Berichte schon sicherlich irgendwo zu finden. 

Pö s Chi, Bischofsgut und mensa episcopalis. III. 3 



— 34 — 

wenigstens für einzelne Fälle, den Untergang von Bischofskirehen 
nachweisen. Letzteres immerhin weit seltener als hinsichtlich 
der südlicheren Gebiete. 

Ganz ähnlich wie in der Provence war zunächst die Lage 
der Bisehofskirchen in dem benachbarten Küstenstrich Liguriens 
und den angrenzenden Teilen der Lombardei. 

Was da fürs erste Mailands Suffraganbistümer betrifft, so 
wurde vor allem Alba schwer betroffen. Schon von 877 bis 938 
ist für diese Kirche die Überlieferung höchst lückenhaft^). Zu 
letzterem Jahre und zu 945 wird ein Bischof bloß erwähnt. 
Dann tritt abermals eine große Pause ein bis c. 960^). Für 
diese Zeit aber erfahren ..wir Genaueres und gerade das ist be- 
zeichnend genug. Es wird da von einem Bischof Flocardus von 
Alba berichtet, der früher Mönch gewesen war. Und zwar 
heißt es, daß er bei seinem Amtsantritt seine Stadt so sehr von 
Sarazenen und Magyaren verwüstet, sein Bistum so verwahrlost 
nnd aller Mittel entblößt vorgefunden habe, daß er sich das zum 
Leben nötige mit eigenen Händen erarbeiten hätte müssen. Die 
Kirche wurde daher — wie man sagte, auf Anregung Ottos I. — 
durch Papst Johann XIIL dem Nachbarbistum Asti, das damals 
etwas günstiger gestellt war, unterworfen, ihr Sprengel in die 
letztere Diözese einbezogen^). Auch anderwärts griff man ja, 
wie wir gesehen haben, zu diesem Auskunftsmittel*). Diese 
Maßregel wurde dann durch eine Synode unter Zustimmung des 
P. Benedikt VI. bestätigt. Flocardus aber soll, von dieser 
Wendung der Dinge hochbefriedigt, leichten Herzens und froh, 
der schweren Last ledig zu sein, in sein Kloster zurückgekehrt 
sein. Erst gegen Ende des zehnten Jahrhunderts wurde das 
Bistum Alba wiederhergestellt 5). 

1) Ug-helli IV, 285. Cappelletti XIV, S. 159 ff. Bei Gam& 
S. 809 findet sich zu 901 eine Erwähnung, doch ist sie sehr dürftig- 
und unsicher. Vgl. Pedele Savio S. J., II Piemonte (Gli antichi 
vescovi d'Italia dalle origini al 1300 descritti per regioni), Turin^ 
Bocca, 1898, S. 52 ff., besonders die Urkunde S. 53. 

2) Die Zeitbestimmung (969) bei Savio S. 54 scheint mir nicht 
richtig zu sein. 

3) J.3759 (965—972): ob raritatem plebis — . 

4) Und zwar auch zu anderen Zeiten; vgl. z. B, Hirsch, Bene- 
vent S. 5. Auch Verlegungen der Bischofssitze in andere Orte inner- 
halb der Diözese sind schon in langobardischer Zeit vorgekommen; 
Duchesne, Melanges S. 89f. 

5) Ugh. a. a. 0. (s. a. S. 350). Vgl. G. 809 und Savio S. 54. A. 
Cornelio Desimoni in Atti della soc. Lig. 28 (1896) S. 30. 



— 35 - 

In anderen Fällen können wir lediglich große Unter- 
brechungen in der Überlieferung feststellen, ohne daß wir so 
unmittelbare Kenntnis vom Untergang eines Bistums besäßen. 

Eine große Lücke — von 898 bis 936 — zeigt sich 
z. B. in der Bischofsliste von Acqui^). Was dann Asti betrifft, 
so war zwar, wie wir eben schon gesehen haben, das Schicksal 
dieser Kirche im allgemeinen ein wenig besser, immerhin befand 
sieh aber auch sie in schwerer Bedrängnis. Zunächst machten 
die Sarazenen von Fraxinetum auf ihrem Plünderungszug gegen 
Novalese einen Absteeher in die Stadt und überrumpelten sie — r 
c. 910 — , Kirchen und Klöster zerstörend^). Hierauf — 919 — - 
kamen die Ungarn ^) und verwüsteten namentlich das umliegende 
Land^). Aber auch sonst hatte das Bistum damals zu leiden*). 
Später finden sich Lücken in der Bischofsliste ^). Immerhin 
scheint sich aber dieses Bistum forterhalten zu haben. Sehr 
unsicher und lückenhaft ist aber dann wieder die Überlieferung 
hinsichtlich Tortonas^). Von den Bischöfen, die überhaupt er- 
wähnt werden, ist zumeist nur der Name bekannt'). Dasselbe 
gilt aber auch für Lodi^). 

1) Gams, S. 808. Vgl. Oliv, Jozzi, II Piemonte sacro, I: storia 
della chiesa e dei vescovi di Acqui (Acqui 1881) S. 31. Über den 
Bischof Restaldus (936, vielleicht auch 931) siehe besonders Savio, 
Piemonte S. 24 f., der auch den Bischof Dodo unbestimmten Datums 
(gegen 900) einschiebt. Irgendein stichhaltiger Grund hierfür liegt 
aber nicht vor. Auch nach 936 ist die Überlieferung noch sehr dürftig. 
Wir kennen fast nur Bischofsnamen, di^e in großen Intervallen erwähnt 
werden; ügh. IV, 328, Savio S. 25f. Daß die Verhältnisse im Bistum 
noch zu Ende des Jahrhunderts zerrüttet waren, zeigt uns z. ß. DO. 
III, 191 (996). Auch Acqui wurde von den^Sarazenen Fraxinetums 
überfallen, jedoch gelang den Bürgern die Abwehr; Hart mann 
Ill/a, S. 230. Vgl. a. Desimoni S. 30 und Dardanelli p. Baudril- 
lart, Dict. I, 366 schließt sich an Savio an. 

2) Ugh. IV, 344. 3) ügh. IV, 345. 

4) Vgl. die Urkunde Hugos von 926 M. H. P. I, 128 f. (B. 1374). 
S. auch unten § 20. 5) Gams 812. Savio 129 ff. 

6) Gams ^.823. Savio S. 383 ff. Größte Lücke 877— 901. Kleinere 
später (z. B. 969—979). Im Jahre 979 sagt Otto II. (D. Nr. 206), daß 
die Kirche in langer Vakanz arg gelitten habe. Gibt ihr wieder einen 
Bischof und bestätigt dem Bistum den Besitz. Die Urk. im Kartular 
beginnen 934 und machen dann eine lange Pause: Erwig Gabotto, 
II Chart. Derton., Tor. Derossi 09. 

7) ügh. IV, 628ff. Cappelletti XIII, 665ff. Savio 383ff. 

8) ügh. IV, 657 f. Cappelletti XII, 277 ff. Gams S. 793. Über 
die Verfallszustände der Kirche schon im Jahre 886 vgl. das Schreiben 
Stephans V. an den Bischof Girardus. S. auch unten § 15, Z. S. a. G. 



— 36 — 

Besonders schlecht mußten sich wohl die Dinge für das 
Bistum in der Hafenstadt Savona gestalten. Tatsächlich zeigt 
sieh hier auch eine Lücke von 680 bis 940. Und auch die Er- 
wähnung zu letzterem Jahre wie die darauffolgende zum Jahre 
963 ist sehr dürftig ^). Und ähnliches ist von Veutimiglia zu sagen 2). 

Dasselbe unerfreuliche Bild bietet aber auch die Küsten- 
landschaft der genuesischen Kirchenprovinz dar. Namentlich 
für das exponierte Albenga (Albengo) zeigt die Bischofsliste 
große Lücken — zunächst von 885 bis 940 3) und dann noch 
mehrfach 3). Und ähnlich läßt uns die Überlieferung für die 
Metropolitankirche selbst im Stich. Von 877 an kennen wir 
durch ein Jahrhundert fast nichts als die Namen von einigen 
Bischöfen*). Erfahren wir Genaueres, so weist das wieder auf 
argen Verfall. So wird von einem Bischof um 930 berichtet, 
aber nur anläßlich der Vernichtung der Stadt durch Sarazenen*). 

Nicht günstiger lauten dann auch die Nachrichten für das 
übrige Oberitalien (mit Einschluß Istriens). 

Betrachten wir zunächst die noch nicht erwähnten Teile 
der Provinz von Mailand. Das Erzstift dieser Stadt litt unter 
arger Zerrüttung^), doch ist die Bischofsreihe nicht unter- 
brochen^)'). Dagegen zeigen sich erhebliehe Lücken inBrescia^), 

Agnelli , ün nuovo vesc, di Lodi (Arch. stör, di L. 22, 03 und D ers. 

I vescovi deir antica Lodi (a. a. 0. 24, 05), a, L. M. Manzini ebenda. 

1) Ugh. IV, 732. Nach Garns (S. 821) reicht die Lücke bis 992, 
in welchem Jahre der Bischof von Valve (Vado? vgl. Chevalier, 
Kepert. Topobibliogr. II^, 2881) seinen Sitz nach S. verlegt haben soll. 
Vgl. zum ganzen auch Cappell. XIII, 523 ff. 

2) Lücke 700—940. G. 826. Ugh. IV, 301 ff. Cappell. XII, 577 ff. 
Daß dort aber im 9. Jahrhundert noch das Bistum bestanden hat, er- 
gibt sich wohl daraus, daß dem Klerus von Ventimiglia im Kirchen- 
kapitular von Olonna des Jahres 825 (c. 6 Capitularia I, 327), wo nur 
Bischofsstädte genannt werden (vgl. a. a. 0.), der Besuch der Schule 
in Turin anbefohlen wird. 

3) Garns S. 810. Vgl. P. Ch. Cagnacci, Ben. Eevelli, Gen. 02. 

4) Gams S. 815. Ugh. IV, 841. Cappell. XIII, 269 ff. Vgl. 
Desimoni a. a. 0. und Belgrano Atti S. LXXXf. N. 3. Über 828 
a. Schubring, Pisa S. 4. 

5) Über die Zustände in Mailand z. B. Ugh. IV, 11 ff. Capp. 
XI, 35 ff. Auch die folgende Darstellung passim; siehe namentlich 
(über das Schisma) unten § 11. 6) G. 796. 

7) Im Gegenteil haben wir hier — wie anderwärts — oft zwei, 
ja drei Bischöfe gleichzeitig. 

8) C. 921—952. G. 779. Über die Klagen schon des Bischofs 
Anton von Brescia aus 877 in dessen Briefwechsel mit Salomon von 
Konstanz Form. S. 421 f. Vgl. auch Hartmann, G. Italiens IIl/o, S. 48. 



— 37 — 

Como^), Mantua^), Ivrea^) und Turin*) ^). Eleinere Intervalle 
finden sich in Bergamo*'), Cremona'), Novara^) und Vereelli^). 
Überall jedoch sind viele Erwähnungen unsicher und die näheren 
Nachrichten weisen, soweit wir überhaupt solche besitzen, auf 
starken Verfall i*^). 

Auch die Lage der exempten Bistümer Pavia und Luni (Luna) 
war schlecht. So ergeben sich für Pavia zwar nur kleine 
Lücken 1^). Im üngarnsturm hatten jedoch, wie wir ersehen, 
Stadt und Bistum schwer gelitten ^^). Und auch sonst war 
letzteres hart bedrängt i^). Immerhin scheint es sich aber fort- 
erhalten zu haben. Hinsichtlich Lunis lauten die Erwähnungen 
von 891 und 895 nur dahin, daß in jedem dieser Jahre ein 
Bischof ermordet worden ist. Doch hat wohl allerdings auch 
diese Kirche fortbestanden^*). 

I) 876—901. Eben in diese Zeit fällt der Übergang- der Kirche 
an die Provinz Aglei; G. 786, der übrigens 873 die letzte Erwähnung 
hat. Bei der Wahl Karls 11. (876) hat jedoch noch ein Eilbeirtus epi- 
scopus Comensis unterschrieben; Boretius-Krause II, 99. Über die 
Verfallslage der Kirche vgl. z. B. B. 1399 (937). 2) 894—918. G. 794. 

3) 877-904-930. G. 816. Savio 185 ff. Über B. Cozo Capit. II, 
250 (zu c. 906). Vgl. a. Le Charte dell' arch. vesc. (Doc. e St. II/III Pin. "o/j). 

4) 887—898 (nach G. 824—899). Vgl. jedoch Savio 322 ff., wo 
auch die Möglichkeit einer Ausfüllung dieser Lücke erwogen ist. 

5) Über die gleichfalls piemontesischen Kirchen von Aosta und 
Maurienne vgl. G. u. Savio S. 81ff., 229 f. A. Duc u, Patrucco pass. 
Ferner Duchesne, Fastes P, 242, 248. 

6) G.778. Über die Verluste des Bistums im Sarazeneneinbruch (nach 
Hartm. lll/g, 178) vgl. z. B. die Urkunde Ludwigs, d. Bl. von 901 
(B. 1463). Schon vorher litt es jedenfalls bei der Zerstörung der Stadt 
i, J. 894 (Hartm. III/2, 116), erhielt jedoch damals einigermaßen Ersatz. 

7) G. 789. Vgl. B. 1342 (910) über die Bedrängnis der Kirche. 
S. auch Zacharia, Cremonensium episcopöruin series (Mail. 1749) 
S. 78. A. a. 0. S. 70ff. ist auch ersichtlich, wie dürftig wir für jene 
Zeit unterrichtet sind. Vgl. Ugh. Cappeü. C. D. Crem. (m. Bischofsliste). 

8) G.819f. Savio257ff. Schiaparellii.Arch.st.Lomb.27(00)H.l. 

9) G. 825. Savio 449 ff. erwähnt die Unsicherheit der Über- 
lieferung*. — Bischof Liutward wurde auf der Flucht 899 von den Ungarn 
erschlagen; Hartm. Ill/g, 178. 

10) Vorige Noten. Ferner vgl. z. B. Hart mann JII/2 104 über 
die Plünderung von Vercelli. S. darob auch Savio 450. 

II) Gams S. 800. Vgl. A. 12. 

12) Liutpr. II, 17. Vgl. Odorici III, 265. Davidsohn, G. von 
Florenz I, 99. Lüttich, Ungarnzüge 119 (m. N. 14), 129. Über die 
Einäscherung der Stadt 924 auch Hartmann III/2, S. 193. Dabei 
fanden die Bischöfe von P. und Vercelli den Tod. 

13) Vgl. z. B. B. 1395 (935). 14) G. 817. 



— 38 — 

Was dann die Provinz von Aquileja anlangt, so weist die 
Überlieferung hier für fast alle Bistümer umfangreiche Lücken auf ^). 
So für A(l)tino-Torcelle (Torcelli) 2) 880 bis e. 900 3); Cittanova (in 
Istrien)*) 850 bis 9325), ßelluno 877 bis 9596); peltre 827 bis 
967'); Ceneda 840 bis 908, dann wieder bis 9628); Chioggia 877 
bis 912, dann wieder 924 bis 960^) und dann nochmals bis 
9651«); Equilio (lesolo) 864 bis 955"); Pedena 817 bis 961 1^)- 
Pola 898 bis 932 1^); Treviso c. 888 bis 905, dann wieder 926 



1) Über Istrien im allgemeinen Franzesco Babudri, Euolo 
Cronologico dei vescovi di Cittanova d' Istria (Archeografo Triestino III. 
Ser., V. Bd., Fasz. 2. 1910) S. 352. — Zu A. hier auch d. ven. Kirchen. 

2) Über diese und andere Translationen älterer Zeit (Aquileja- 
Grado, Oderzo-Eraclea, Concordia-Caorle) vgl. Duchesne, Melanges 
XXIII, S. 87. 

8) G. 771. 

4) Das alte Aemonia. Über die andere Civitas nova (Cittanuova 
in der Aestuaria) = Heraclea Babudri a. a. 0. S. 301 ff. Auch diese 
Stadt (gleichfalls Bistum; letzteres noch im 9. Jahrhundert nachweis- 
bar; vgl. das Mantuaner Konzil von 827, Werminghoff 588) ist in 
unserer Periode zerstört worden. Nachdem der Doge Angelo Parteciaco 
(811—827) eine Wiederherstellung vornahm, Pietro Orseolo (Doge von 
976—978) dasselbe wieder tun muß, so fällt auch in die Zwischenzeit 
eine Zerstörung. Diese ist wohl 879 im Ungarneinfall erfolgt; vgl. 
Hartmann Ill/g, 178. 

5) Nach Gams S. 770. Babudri a. a, 0. S. 352 verweist den 
bei G. zu 850 angeführten Bischof Oswaldus nach Aemona in Krain 
(Laibaeh) [s. auch die Literatur bei Babudri 304 ff., besonders aber 
Mommsen, Corp. Inscr. Lat. V, 39], erweitert übrigens auch nach 
unten die Lücke um ein Jahr. (Die Polemik gegen Gams u. d. a. 
S. 353.) Dadurch ergäbe sich ein Intervall von c. 804—933, Die Stadt 
fiel aber wohl der Plünderung durch den Ki'oatenführer Donagoi (vor 
876) zum Opfer, ebenso wie ümago undEovigno; vgl. auch Kretsch- 
mayr, G. Venedigs I, 96. 

6) G. 776. Vgl. G. C. And rieh, II vescovado Bellunese i. Jg. 1 
d. Antologia Veneta, Feltre 00. 

7) G. 776. 

8) G. (793) hat als letzte Erwähnung vor 908 d. J. 827; die Ee- 
stitutio Ebbonis (840) unterschreibt jedoch ein mutmaBlicher Bischof 
Haiminus von C. Vgl. Capitularia II, 112. Werminghoff 793, 794, 
804, 805, 808. 

9) G. 785. Über die Plünderung von Chioggia, lesolo usw. durch 
die Ungarn im Jahre 900 Kretschmayr I, 103. 

10) G. 788. 11) G. 790. Vgl. N. 9. 

12) G. (801) hat 804-961. Auf der Synode von Mantua (827) 
unterschreibt jedoch noch ein Bischof Martianus Petenatis; Werming- 
hoff 588. 

13) Franzesco Babudri, Elenchus episcoporum Polensium 



— 39 — 

bis 965 1); Triest 827 bis 911 2); Verona 905 bis 9153); yicenza 
872 bis 901*). In Caorle währt die Unterbrechung gar von 
875 bis 1053^). Sehr dunkel ist endlich die Überlieferung für 
die Kirchen von Capodistria und Parenzo. Für erstere Stadt 
ist wenigstens noch im achten Jahrhundert ein selbständiges 
Bistum nachzuweisen^)'). Später verschwindet dieses. Sein 
Sprengel erscheint mit dem von Triest vereinigt. Erst im 
zwölften Jahrhundert erfolgt wieder die Trennung 8). Und für 
Parenzo sind von 679 bis 961 nur wenig Bischofsnamen (un- 
sicheren Datums) bekannt '^). Kleinere Intervalle finden sich 
betreffs Paduas^®) sowie hinsichtlich der Patriarchalkirche von 

critice emendatus (Fol. Dioceseos Parentino-Polensis a. XV, 1908; auch 
separat) S. 28. G. (802) hat 857—932. Aber auch Babudri a. a. O. 
weiß für das 9. Jahrhundert nichts als wenige Namen von Bischöfen 
anzuführen — von keinem erfahren wir irgend etwas näheres. Auch 
im 10. Jahrhundert ist die Überlieferung* sehr dürftig und lückenhaft. 

1) G. 803. Über den üngarneinfall Hartm. Ill/g, S. 178. 

2) G. 319. Obere Grenze ergibt sich aus Wermingh. 588: auf dem 
Mantuaner Konzil von 827 unterschreibt ein Bischof Severus Tergestinus. 

3) G. 805 hat 876—915. Vgl. jedoch Capitul. II, 146, wo noch 888 
ein Adelardus ep. als Erzkanzler Berengars erwähnt ist, der wohl 
identisch mit dem 876 mehrmals auftretenden Bischof gleichen Namens 
von Verona ist; s. a. a. 0. Index. Ferner aber auch die Synode von 
898 (dazu Hartmann III/2, 126), wo gleichfalls Adelhard von Verona 
anwesend ist. Ja, noch, im Jahre 905 zog K. Ludwig v. d. Prov. an- 
geblieh auf Einladung des Bischofs Adelhard in Verona ein; Hartm. 
III/2, 181. Über die Leiden der Kirche z. B. Vogel, Batherius von 
Verona und das 10. Jahrhundert, Jena 1854, 2 Bde., wo auch allgemeine 
Ausblicke. — Zur Bischofsliste a Sac. Ant. Spagnolo, Un diploma . . . 
e una questione riguardante la seria dei vescovi, di V. in Atti della 
E. A. d. sc. di Torino Bd. 37 (1901—02). Z. S. a. Allen, A. bist, of V. 
London (Methuen) 1910. 4) G. 807. 

5) G. 780. Über die Plünderung der Stadt (im Jahre 842) durch 
kroatische Seeräuber Kretschmayr I, 93. 

6) Fr. Babudri, Cronologia dei vescovi di Capodistria (Archeo- 
grafo Triestino 3. Ser., 5. Bd., Fasz. I, 1909) S. 187. 

7) Ein Bischof Johannes Parentinus 827 auf dem Konzil von 
Mantua; Werminghoff 588. 

8) G. 782 f. Babudri, Capodistria S. 187 f. 

9) G. 799. Fr. Babudri, I vescovi di Parenzo e la loro crono- 
logia, Parenzo (Coana) 1910, S. 37 ff., der übrigens (vgl. auch Capo- 
distria S. 188 und Cittanova 353) die Urkunde betreffs der Konsekration 
der Kathedrale von Parenzo im Jahre 961 für eine Fälschung hält, 
was sie auch ist. Die Chronik der B. v. Bab. a. Atti e mem. della 
soc. Istr. di arch. e stör. patr. XXV (09) 170 ff. 

10) G. 798. Über die Zerstörung durch die Magyaien 899 
Hartm. Ill/g, 178. 



— 40 — 

Aglei selbst 1), jedoch auch in allen früher genannten Bistümern 
außerhalb der großen Unterbrechungen. Lückenlos ist die Bischofs- 
reihe nur für ein Bistum: Castello^). Bei allen Kirchen aber 
lauten die Einzelberichte auf Verfall^). Ganz verschollen aber 
ist später das noch im neunten Jahrhundert nachweisbare Bis- 
tum Cissa in Istrien*) u. a.°). 

Sehr lückenhaft ist auch die Überlieferung für die Patriarchal- 
kirche in Grado^). 

In ganz ähnlicher Weise wie für die Provinz Aglei finden 
wir auch die Verhältnisse für die südwestlieh angrenzende Pro- 
vinz von Ravenna vor. Weite Lücken in den Bischofslisten 
für die Mehrzahl der Bistümer: Adria 877—9207)-, Bologna 



1) G. 773. Vg'l. auch Gf. Lanckoronski, Der Dom von Aquiieja 
S. 148 f. (Bischofsliste). Ferner a. Walter Lenel, Ven.-istr. St. I, p. 

2) G. 782. 

3) Vg-1. z. B. für Pai-euzo Cod. dipl. Istr. 1 zxi 966: episcopatum 
Parentinum, scilicet eeclesiam, mag-na inopia et ealamitate 
oppressnm. Betreffs der venezianischen Bistümer in Istrien über- 
haupt z. ß. Kandier I, zu 983. Hinsichtlich der Ungarneinbrüche in 
Venezien (Chioggia usw.) auch Lüttich 122 f. Vgl. § 20. Über die 
Wirren in Torcello Ugh. V. 1366. Hinsichtlich Paduas, das besonders 
im Ungarneinbruch htt, z. B. DO. I, 265 (964). Betreffs der Kirche von 
Aglei selbst z. B. B. 1368. Über den Ungarneinbi'uch nach Aglei und 
Verona 899 Lüttich, Ungarnzüge 119 m. N. 14, nach Treviso, Padua 
usw. 121 usw. 

4) Vgl. z.B. Conc. Maut. 827 Werminghoff 588. 

5) Vgl. z. B. die Liste des zit. Conc. Mant. 827. — Malamocco 
war zu Anfang des 10. Jahrhunderts selbständiges Bistum, Kretsch- 
mayr I, 103. Dieses ging also nicht mit der Übertragung der Re- 
gierung' auf Rialto (Anfang 9. Jahrhundert, Mayer It. V. G. II, 32) 
mit über. Über ältere Kirchen a. Lenel S. 2 N. 2. 

6) G. 791. Im 11. Jahrhundert verlegt der Patriarch weg-en 
Dürftigkeit der Gegend seinen Amtssitz nach Venedig. Von da an 
gleicht er mehr einem Titularbischof, bis er schließlieh (im 15. Jahr- 
hundert) auch die Patriarchalwürde an die venezianischen Bischöfe ab- 
treten muß. Vgl. V. Teuffenbach, Der Patriarchenstaat Aquiieja, 
Wien, Philipp, 1909 (S.-A. aus Jaegers „Wiener Almanach" für das 
Jahr 1909) S. 5. — Z. S. a. W. Lenel p., wo (S. 63 A. 1) weit. Lit. 

7) G. 768. Daß die Kirche schon früher ganz verfallen war, 
zeigt besonders die Urkunde Nikolaus' I. für das Bistum, Kehr V, 
S. 189 f. N. 1 (863?): erneuert auf Bitten des Kaisers Ludwig* und der Ge- 
mahlin desselben dem Bistum die alten Privilegien ; gewährt zur Wieder- 
aufrichtung der von Grund auf zerstörten Kirche Befreiung von den 
öffentlichen Lasten in gewissem Umfang, sichert dem Bistum seinen 
besonderen Schutz zu — der Schutzzins soll jedoch zur allmählichen 
Wiederherstellung der Kathedrale, anderer Kirchen, zur Weihe von Kle- 



— 41 — 

c. 905 bis 945 1); Cervia (Ficoele) 881 bis 9672)-, Cesena 877 
bis c. 9343); Comacchio 904—955*)-, Faenza 898 bis c. 920, 
dann wieder bis 954^); Ferrara 881 bis 954 ß); Forlimpopoli 
861 bis 954'); Forli 898 bis 910? bis 939 bis 962»); Imola 
888 bis 9469) uj^j Sarsina 879 bis 930"). Kleinere Unter- 
brechungen nur hinsichtlich der Kirchen von Modena^^), Parma'^^), 

rikern usw. dienen. Die Wiederherstellung' des Hochstiftes ist damals aber 
nicht gelungen. Im Jahre 920 trifft Johann X. (Kehr a. a. 0. 190 N. 2) ähn- 
liche Anordnungen. Er nennt die Kirche noch immer gänzlich zerrüttet. 

1) G. 675. Vinz. Tarozzi, De archiepiseopis etc. ecclesiae 
Bononiensis commentarii, Bologna 1885, S. 14. Zerstörung der Stadt 
durch die Ungarn c. 903, Savioli, Annali Bolognesi I, 98 m. N. E 
(S. 104). Über den Verfall des Bistums Tiraboschi, Modena I, 137 
(Synode von Marzaglia); ügh. II, 12 usw. 

2) G. 680. Ein Schreiben Johannes VIII. an den Bischof von 
Cervia 881, Kehr V, Cervia N. 5. Girolamo Zattoni, La cronotassi 
dei vescovi di Cervia, Eavenna 1903, S. 21. 

3) G. 682. Vgi.RaimondoZazzeri,St. diC.,C-.Vignuzzi90,85ff. 
4)Cesare Simoni, Cronotassi dei vescovi di Comacchio, 

Faenza 1908, S. 14. Commacchio wird 875 verwüstet. Hierauf übergibt 
der Papst dem Bischof den Komitat (Dukat), Vom Bistum hören wir 
dann lange nichts. Auch als Graf (Dux) könnte sich wohl der frühere 
Bisehof nicht mehr behaupten; denn das Gebiet kommt später an den 
Bischof von Pavia. Ausführlicher T. IV. Vorläufig vgl. Hart mann, 
G. Italiens Ill/g (1911) S. 81 u. 101. Über die Schädigung der Stadt 
durch die Ven ezian er K r e t s c h m a y r I, 105. Nach G. 687 L. v. 879—954. 

5) G. 688. 

6) G. 694. Das Diplom Johanns XIII. von 967 (Kehr V, 208 
Ferrara N. 5) zeigt, wie zerrüttet die Bistumsverhältnisse waren. (Wie 
sonst Bewilligung der Klerikerordination.) Vgl. ferner A. Artioli, 
Commentarii rerum gestarum pontificum ecclesiae Ferrari ensis, Ferrara 
1894, S. llf. Betreffs der Verfallslage dieses Bistums siehe auch Man- 
zoni S. 51; Cappelletti II, 96. 

7) G. 674. 

8) G. 697. G. Mazzatinti, Ann. Forolivienses, Cittä di C. (S. Lapi) 
09 (Rer. It. SS. XXII F. 20) konnte ich nicht benützen. 

9) G. 701. Der Anfangspunkt ergibt sich aus den Urkunden 
Stephans V. KehrV Imola N. 3 u. 4. Verbietet dem Eb. von Ravenna 
Einsetzung eines Unwürdigen im Vakanzfalle und besonders Einsetzung' 
zu Lebzeiten des bisherigen Bischofs. 

10) G. 724. Vgl. L. Testi, S. Vicinio . . . con la ser. cron. dei 
vese. di Sarsina, Mod. (Tip. pont.) 06. 

11) G. 758. Über den Ungarneinfall nach Reggio und Modena 
899 Hartmann lll/g, 178. Vgl. Ugh. II, 102 (903 u. 904); B. 1328. 
Saccani S. 44 (s. N. 15), 

12) G. 744. Über die Verfallszustände des Bistums vgl. z. B. 
M. 1543 (879); B. 1427 (948). Bes. DO. 1, 239 (962; 0. 316). Vgl. a. Benassi, 
C. d. Parmense, Parma 10 f. 



— 42 — 

Piaeenza^) und ßeggio (Emilia)^) sowie für das Erzstift selbst 3). 
Überali, soweit wir sehen, zerrüttete Verhältnisse*). Schon seit 
älterer Zeit verschollen, aber möglicherweise^) auch erst damals 
untergegangen ist das Bistum Brescello^). 

Dies die Gesamtansicht der oberitalienischen Kirchen. 

Noch trüber war jedoch die Lage im mittleren Italien. 
Teils ist hier die Überlieferung noch dürftiger, teils lautet sie, 
soweit sie vorhanden ist, noch imgünstiger. Am besten standen 
die Dinge noch im tuszischen Gebiet und dieses wollen wir 
zuerst betrachten'^). 

Zunächst ist für die beiden damals (auf dem Festland) vor- 
handenen Bistümer der späteren Pi-ovinz von Pisa die Über- 
lieferung zwar auch lückenhaft, aber doch nicht in solchem 
Grade wie anderwärts^). Allerdings liegen auch diese Kirchen 
in Zerrüttung darnieder'^). Das gleiche ist im allgemeinen von 
den Hochkirchen der späteren Provinz von Florenz: Florenz^"), 

1) G. 746. Pietro Piacenza, Cronotassi dei vescovi di Pia- 
eenza (Piacenza, Tedeschi, 1900) behandelt S. 3 ff. die Abhängigkeits- 
verhältnisse und führt in der eigentlichen Cronotassi (S. 39 ff.) nur die 
ältesten Bischöfe an. Für die Zeit von 680—988 sagt er von der 
Kirche gar nichts (vgl. S. 7). Urkunden von 892 und 927 sind jedoch 
angef. v. de ms, De'quattro documenti, Piac. 02. 

2) G. 760. Giov. Saccani, I vescovi di Eeggio-Emilia, Crono- 
tassi, 2. ed. (Reggio-Em. 1902), S. 40 ff. (vgl. 165). Über die Bedrängnis 
des Bistums seitens der Großen vgl. z. B. B. 1346 (912) DO. I, 242 (962). 
0. II, 231 (980) usw. Beraubung durch die Ungarn, B. 1322 (904). 
Über die Ungarnverwüstungen, Einäscherung der Bischofskirche vgl. 
namentlich auch Saccani S. 44, wo über die Verheerungen dui'ch die 
Ungai'n in den italienischen Bistümern u. a. Kirchen überhaupt. S. a, § 15. 

3) G. 717. Vgl. Zazzeri, Cesena 88 ff. Rosetti, Romagna43ff. 
■4) Vor. Note. — Betr. Eavennas oben S. 32 (m. N. 3) f. u. unten § 20. 
5) Vgl. oben S. 21. 

6)G. 761. Duchesne, Melanges XXIII, S. 86. 

7) Über die Plünderung Tusziens bis zur näheren Umgebung- 
Roms durch die Ungarn Lüttich, Ungarnzüge 133 f. (m. N. 79), 136. 

8) Für Pisa größte Lücke 891— 909, G. 761. Zucchelli, Crono- 
tassi dei vescovi e arcivese. di Pisa, Pisa (Orsolini) 1907. Volterra: 
mehrere Lücken, G. 763. Auch F. Schneider, Reg. Volaterr. (Reg. 
chartarum It. I), Rom 1907, füllt da wenig aus. 

9) Für Pisa vgl. Ugh. III, 353. Für Volt. z. B. DO. I, 334 (966). 

10) Größere Lücken G. 747. Über den beispiellosen Verfall des 
Hochstifts namentlich Davidsohn, Gesch. von Florenz I (Ältere G.) 
103, 111 f. A. a. 0. S. 101 (s. a. 108) auch die richtige Bemerkung, daß 
€lie kirchlichen Dinge in Florenz, so verkommen sie waren, noch 
günstig und geordnet genannt werden müssen im Vergleich zur 
völligen Auflösung der hierarchischen Verhältnisse in der Umgebung. 



— 43 — 

Fiesole ^) und Pistoia^) sowie von den exempten Bistümern 
Liicca^) nnd Arezzo^) zu sagen. 

Schon schlechter lauten die Nachrichten betreffs der Bischofs- 
kirchen des nachmaligen Metropolitanbezirks von Siena. Hier 
zeigen sich bereits wieder gewaltige Lücken. So hinsichtlich 
Orossetos für die Zeit von 861 bis 967 ^) und in betreff Chiusis 
von 861 bis 911, dann wieder bis 962^). Populonia (Massa 
maritima) ist von 877 bis 940 unbekannt"^), Sovana zwischen 
c. 861 und 963^). Für Siena selbst ist die Überlieferung gleich- 
falls lückenhaft^), doch scheint sich diese Kirche, wenn auch 
im Zustand tiefsten Verfalles, forterhalten zu haben. 

Noch schlimmer liegen aber die Dinge für das übrige 
Mittelitalien. 



Schon ungewöhnlich früh erfolgt in Florenz (wie im Fiesolaner Ge- 
biet) Verheerung- durch die Normannen (Davids., Forsch. I, 27; vgl. 
namentlich die dort angeführten Belege auch über die Beraubung des 
Bistums Fiesole ; s. a. G. v. Flor. I, 81 f.). Über den Sarazeneneinbruch 
nach Tuszien a. a 0. 84 f., über die Einfälle der Ungarn S. 95, 99, 103 f. 

1) Vgl. vorige Note. Ferner G. 749: große Lücke von 901 au. 
Die erste Erwähnung darnach ist bezeichnend, ügh. III, 215 (966): 

Propter destructionem et dissipationem ecclesiae nostrae nostram 

matrem ecclesiam, quae in praesenti est modo desolata et in ruinis 
posita. — Vgl. die Arenga von DO. II (984). Über die fui'chtbare 
Verfallslage in Fiesole auch Davidsohn, Gesch. I, 108, Ulf. 

2) Lücke 871-904, G. 750. Vgl. ügh. III, 290. Beani, La 
chiesa Pistojese, P. 83. 

3) Über Verfallserscheinungen im Hochstift vgl. z.B. die Urkunde 
Ludwigs des Blinden von 901 (B. 1460); ferner Davidsohn, Gesch. 
von Florenz I, 94, 96. Bischofsreihe ziemlich vollständig G. 740. 

4) Überlieferung sehr lückenhaft, G. 741. Über Verfall der 
Kirche vgl. schon B. 1803 (876); s. auch §20. Vgl. f, U. Leoni, St. 
d'Är. I, 98. 

5) G. 754. Die Vernichtung von Rosello, das in älterer Zeit wohl 
gleichfalls einen eigenen Bischof hatte, dessen Diözese aber später mit 
der von G. verbunden erscheint, wird zu 935 ausdrücklich berichtet, 
G. a. a. 0. Der Bischof benannte sich jedoch nach ß., ja selbst nach 
der Translation des Sitzes im Jahre 1158, Kehr III, 258. 

6) G. 753. 

7) Unsichere Erwähnung auch 923, G. 755. Populonia Ende des 
9. Jahrhunderts vernichtet. Falls die hernach erwähnten episcopi 
Cornienses (Cornini) wirklich die Bischöfe von Populonia nach Ver- 
legung des Sitzes ins castrum Corniae sind, so ist die letzte Erwähnung 
886; Kehr, It. p. HI, 268. Auch dieses Bistum wurde wohl vernichtet. 
Die Wiederherstellung nach dem Verfall erfolgte ja in Massa. 

8) G. 756. Gamurrin i, Dell' ant. dioc. e chiesa di S., Pitigliano 91. 
Ö) G. 752. 



— 44 — 

Von den Bischofskirchen der Pentapolis wissen wir hin- 
sichtlich der hier in Rede stehenden Zeit fast gar nichts. 
Es klaffen da Lücken von großem Umfang. Es schweigt die 
Überlieferung in folgendem Umfang: für Amelia von 879 bis 
c. 965^), Ancona 887 bis c. 914, dann wieder 928 bis 967 2), 
Humana 887 bis 9673), Cagli 898 bis 967*), Gittä di Castello 
c. 900 bis 9685), Fermo 904? bis 968 «), Gubbio 868 bis 921 bis 
968 7), Jesi 853 bis 967 «), ßosella 861 bis 9679), Osimo c. 887 bis 
96710), Perugia 887 bis 936"), Pesaro 890 bis 998^2)^ Rimini 
887 bis 93013), Sinigaglia 897 bis 950^*) und Todi 882 bis 921 ^s). 
In Fossombrone ist die Überlieferung gar von 878 bis 1034 
unterbrochen 16), in Urbino von 887 bis 1021") und in Monte- 
feltre (Monte-Feltro) von 885 bis 10151^). Schon seit älterer 
Zeit verschollen sind die ßischofskirchen von Tolentino i^), 

1) G. 662. 

2) G. 664. Über die wiederholte Einäscherting- der Stadt durch 
Sarazenen (schon 841), Kretschmayr, G. v. Venedig I, 93. 

3) G. 665. 

4) G. 678. A. Tarducci, De' vescovi di Cag-li (Cagli 1896) S. 39. 
Vgl. a. Maestrini, La chiesa catt. di Cagli, C. 92. 

5) G. 683, Auch die Erwähnung eines unsichern Bischofs Petrus 
zu c. 900 seit 877 die erste. — Über die Zurechnung von C. di Gast. 
zu Toscana F. Schneider, Toscan. Studien III (Quellen u. Forsch. 
XII, 1909) S. 44. Vgl. a. Margherini- Graziani, St. dl Cittä di C. I, 90. 

6) G. 690. 

7) G. 699, wo die Erwähnung von 921 fehlt. Vgl. jedoch P. Cenci, 
Di due pergermene sconosciute sec. 10. Bulletino della R. Deputazione 
di Storia Patria per l'ümbria XIV, 2 f. 

8) G. 700. 

9) G, 710. Noch um die Mitte des 11. Jahrhunderfcs geht dieses 
Bistum ein. 

10) G. 712. 

11) Dann wieder bis 965, zu welchem Jahre die Neuweihe der 
Kathedrale berichtet wird; G. 714. Vgl. a. Bonazzi, St. di Perugia I P. 75. 

12) G. 715. 

13) G. 721. Über die Bedrängnis dieser Kirche noch Ende des 
10. Jahrhunderts vgl. DO. III, 194 (996). Vgl. unten §20 u. Tonini, 
Comp. d. st. d. R. 

14) G. 726. 

15) Nach L.Leonij, Cronaca dei vescovi di Todi (Todi 1889)8.39 f. 
Garns 734 hat 886-931. Vgl. a. G. Ceci, Todi nel medio evo I. 

16) Gams S. 698. S. a. A. Vernarecci, Foss. 07 ff. 

17) Von dem in letzterem Jahre erwähnten Bischof wird die 
Verlegung des Bischofssitzes berichtet; Gams 735, ügh. II, 785. 

18) Gams S. 705. 

19) G. 703. 



— 45 — 

Urbisaglia 1) , Cingoli^), San Severino^), Spello^) und For- 
flame ^). 

Aber auch für den damals spoletinisclien Machtbereich sieht es 
ähnlich ans. Lücken in den Bisehofsreihen ergeben sich in fol- 
gendem Ausmaß: für Assisi 853 bis 950^), Ascoli (Piceno) c. 900 
bis c. 925'), Camerino 887 bis 944^), Chieti 888 bis 904 9), Fermo 
879 bis 92010), Poligno 870 bis 967"), Furconioi^) 866 bis 968 1^), 
Marsi 861 bis 962 1*), Narai 898 bis c. 940 1^), Nocera (bei Perugia) 
900 bis 967^6), ßieti wenigstens von 888 bis 922"), Spoleto c. 886 
bis 91618), Teramo c. 897 bis c. 926") und Trevi 853 bis 9632°). 

1) G. 704. 2) a. 712. 

3) G. 723. Die Kirche wird erst in der Neuzeit wiederhergestellt. 

4) G. 727. 5) G. 727. 

6) G. 668. Tommaso Locatelli-Paolueci, Serie quadruplice 
dei veseovi della cittä serafica (Assisi 1872). 

7) G. 667. Pietro Oapponi, Memorie storiche della chiesa 
Ascolana e dei veseovi ehe la governarono (Ascoli Piceno) S. 36 füllt 
diese Lücke willkürlich mit B. Maurizius aus. 

8) G. 679. M. Santoni, Camerinensis ecclesiae pontificum series 
chronologica brevibus elogiis complexa (Camerino 1882) S. 7 f. 

9) G. 875. Auch später große Lücken. 

10) G. 692. 11) G. 696. 

12) Seit dem 13. Jahrhundert das Bistum in Aquila. C. XXI, 420. 

13) Dazwischen bei Garns 850 ein Bischof unbestimmter Zeit. 
Vgl. Capp.XXI, 417. Der Fälschung DO. I, 457, in der die Gründung 
des Bistums Otto I. und Joh. XII. zugeschrieben wird, kann immerhin 
ein historischer Kern zugrunde liegen. (Wiederherstellung.) Vgl. 
aber Kehr IX, 235 N. 1 (956) (vgl. a. S. 234) [mit zu ungünstiger Be- 
urteilung]. S. a. J. Ludovisi, St, della diocesi d'Amiterno e Forcona 
nelle loro reiazioni coli' origine dell' Aquila i. BöU. A. L. Antinori VII 
(95) 160 ff. ü. 0. de Angelo, Amiterno a. a. 0. XVII (05). 

14) G. 893. A. di Pietro, Cat. dei vesc. di M., Avezzano 72. 

15) G. 707. 16) G. 709. 

17) G. 720. Die Urkunde Stephans V. Kehr IV, 23 N. 3 (887—888) 
enthält die Mitteilung, daß für das vakante Bistum noch kein Bischof 
geweiht sei. (Der Papst verzögerte die Konsekration des vom Klerus 
und Volk Gewählten, da das nötige kaiserliche Schreiben noch aus- 
stand.) Vg'l. auch Paolo Desanctis, Notizie storiche sopra il tempio 
cattedrale, il capitolo, le serie dei veseovi ed i vetuste monasteri di 
Eieti (Eieti J887). 

18) G. 728. 

19) G. 932. G. Pannella, Catalogo de' veseovi Aprutini e de' 
Camplesi. Opera postuma dei can. Nie. Palma (Teramo 1890). B. Capo- 
grossi, II vescovato di Teramo i. Eiv. dei collegio araldico, Eoma 
III (05) 642 f. Ygl a. Savini, II chart., Eoma (Forzani) 10. 

20) G. 729. Die Kirche geht im 11. Jahrhundert ein. Die Stadt 
Trevi war vernichtet; Hartm. Ill/g, 166. 



— 46 — 

In Amiterno reicht die Lücke noch weiter zurück, sie beginnt 
bereits 761 und endigt c. 960^). und in der späteren Provinz 
von Lanciano (diese Kirche erst im 16. Jahrhundert) zeigt sich 
eine Lücke in Ortona (einziger Suffragan) von der Mitte des 
siebenten Jahrhunderts (vorher mehrfach erwähnt) bis zum 
Jahre 916, wo der Bischof als pästlicher Legat auf der Synode 
von Hohenaltheim erscheint. Seine Kirche war damals wohl 
schon vernichtet. Erst in der Neuzeit taucht sie wieder auf 2). 

Dem dauernden Untergang verfallen ist 861 das Bistum 
Norcia (Nursia). Sein Sprengel wurde mit dem von Spoleto 
vereint und erst im 19. Jahrhundert wieder davon getrennt^). 
Ebenso ging die noch 844 nachweisbare Hochkirche von Bevagna 
damals für immer unter*). Dasselbe ,ist mit Terni der Fall, wo 
wenigstens um 742 noch eine Bischofskirche bestanden hat^). 
Seit noch älterer I^eit ist die Überlieferung unterbrochen für 
folgende Bischofskirchen, deren Untergang wohl auch ins neunte 
Jahrhundert fällt: Potenza (bei Fermo)^), Pausola^), Truento^), 
Falerone^), Matelica^"), Fabriano^^), Otricoli^^)^ Tadinum^s) uq^j 
Martama ^*). 

Die Überlieferung hinsichtlieh der alten Bischofssitze von 
Sulmona und Valva ist sehr dunkeP^). Im achten Jahrhundert 



1) G. 851. Im 11. Jahrhundert geht die Kirche ein. Ihr Sprengel 
wird mit dem von Forconi vereint. Capp. XXI, 418. 

2) Capp. XXI, 91 ff. Vgl. G. 910. 
.3) G. 710f. 

4) G. 729. 

5) G. 730. Diese Kirche muß also nach ihrer Vernichtung im 
ersten Langobardensturm wiederhergestellt worden sein ; vgl. übrigens 
zur Erwähnung von Terni (wie auch zu der des umbrischen Trevi) im 
8. Jahrhundert Duchesne in Melanges XXIII (1903) S. 95 und XXV 
(1905) S. 369. Möglich ist allerdings auch die Vernichtung im 8. Jahr- 
hundert. Vgl. unten S. 48 N. 5. 

6) G. 693. 

7) G. 693. 

8) G. 693. 

9) G. 694. 

10) G. 704. 

11) G. 704. 

12) G. 708. 

13) G. 710. Diese Kirche kann wohl auch im Langobardeneinfalt 
von 740 vernichtet worden sein. Vgl. Kehr IV, 53. 

14) G. 729. 

15) Mgr. G. Celidonio, La diocesi di Valva e Sulmona II Casal- 
bordino (N. de Arcangelis), 1910, S. 41 ff. 



— 47 — 

scheinen noch beide Kirchen gesondert bestanden zu haben ^). 
Hierauf erfahren wir lange Zeit nichts. Zu Anfang des elften 
Jahrhunderts begegnen sie dann vereint und werden erst von 
Leo IX. wieder getrennt 2). Und noch dunkler ist das Schicksal 
der Epikopate von Corfinio (= Valva?)^) und-Pentima, die jeden- 
falls später verschwinden*). Ganz unklar ist auch die Über- 
lieferung in bezug auf Penne, Atri'') und Ardona (bei Ascoli)") 
für den hier in Rede stehenden Zeitabschnitt. 

Zu den italienischen Landschaften, wo die Lage besonders 
ungünstig war, gehört dann namentlich auch die nähere Um- 
gebung Eoms'). Auch diese wurde ja besonders schwer heim- 
gesucht — vor allem von den Sarazenen, die die Vernichtung 
bis an die Mauern Roms ausdehnten und selbst die ewige Stadt 
nicht schonten^). Auch hier stoßen wir daher hinsichtlich der 
Episkopate nicht bloß auf tiefen Verfall, sondern sogar auf 
Vernichtung. Bischöfe des römischen Gebietes '') wurden von den 
Sarazenen hierhin und dorthin zerstreut, sie wanderten ruhe- und 
obdachlos, zu Bettlern geworden, umher; Bischofssitze wurden in 
Lagerstätten wilder Tiere verwandelt '^'^). 

1) Für die frühere Zeit Mommsen N. A. XV, 187. Duchesne, 
Mel. XXIII, 99. Über die Anfänge Celidonio I, 1909. 

2) Nach Garns (S. 928) f. Sulmona-Valva Lücke von 852—940. 
Vgl. jedoch das Diplom Johanns VIII. von 876 bei Kehr IV, 253 (N. 2). 
Keinesfalls haben wir es in diesem und in ähnlichen Fällen mit einem 
bloßen Schwanken in der Bezeichnung des Bischofs zu tun (vgl. aber 
Kehr IV, 252). Nach Celidonio II, 52 Lücke 877—968. Dazwischen 
ein B. (Opitarmus). 

3) Duchesne, Mel. XXIII, 99. 

4) Zum ganzen Cappell. XXI, 440 ff. 

5) Capp. XXI, 443 ff. Nach Garns Lücke von 876—962. Vgl. 
aber betr. Penne die Diplome Joh. VIII. von 879 Kehr IV, 284 (N. 1—3). 

6) G. 854. 

7) Über die ältere Organisation Duchesne, Le sedi episcopali 
neir antico ducato di Roma (Archivio della r. societä Eomana di 
storia patria XV [1892] S. 475 ff.) Auch Tomassetti, La campagna 
Romana I (Rom, Loescher, 1910) S. 123 ff. J. J. Röthlin, I.vescovi di 
campagna usw. i. C. C. 1904 (15./10.), 1905 (21./1. u. 18./3) nicht benutzt. 

8) Über den Sarazeneneinfall in Rom von 877 Capp eile tti 
I, 90; über die Verwüstung der päpstlichen Güter 884 a. a. 0. 92. 
Vgl. auch schon zum Jahre 846 Richter-Kohl, Ann. II, II S. 336f. 
N. e. Ferner s. Dum ml er, Ostfr. R. III, 19 und andere Literatur. 

9) Es ist übrigens nicht ausgemacht, daß nur solche gemeint 
sind. — Es gab in älterer Zeit ziemlich viele suburbikarische Kirchen ; 
vgl. auch Tomassetti 124. 

10) Dümmler III, 291; Hartmann Ill/g, S. 32; wo die Quellen. 



— 48 — 

Vollständig untergegangen ist damals das Bistum Tres Ta- 
bernae. Noch im Jahre 868 — und vorher wiederholt im achten 
und neunten Jahrhundert — nachweisbar^), verschwindet es dann 
mit der Stadt selbst 2) dauernd aus der Geschichte^). 

Ein ähnliches Schicksal erlitt Gabio (Gabii). Gleichfalls 
im achten und neunten Jahrhundert noch häufig erwähnt, fehlt 
davon seit dem Jahre 879 auf lange Zeit jede Spur'^)'^). 

Ganz verfallen und unter den Sarazeneneinbrüchen verwahrlost 
war das Bistum Selva Candida^). Es fehlte nicht viel, so wäre 
auch dieses Episkopat untergegangen. Lücken zeigen sich in 
der Bischofsliste von 888 bis 905 und dann wieder von 910 
bis 963''). Im Jahre 905 ward es von den Sarazenen so hart 
mitgenommen 8), so sehr seiner Mittel entblößt, daß es nur durch 
eine Schenkung des Papstes aufrechterhalten werden konnte^). 



1) Es war 592 von Gregor I. (Reg. II, 48) mit Veletri vereint 
(s. auch Jung S. 24 m. N. 1; Duchesne, Mel. XXIII, S. 100), aber 
später offenbar davon wieder getrennt worden; vgl. Duchesne 103. 

2) Diese wurde von den Sarazenen dem Erdboden gleichgemacht. 
0) Cappelletti I. 489. Gams S. VIII. Kehr II, 106. Für das 

benachbarte Norba (Norma) wird erst zu 963 ein Bischof erwähnt; 
G. VIII. (Vgl. dazu Jung 22 N. 6, woDuchesnes Annahme, diese 
Stadt sei in älterer Zeit überhaupt kein Bistum gewesen, widerlegt 
wird; Jung bringt auch eine Erwähnung zu 968 bei.) 

4) Gams S. XIX. Der Sprengel später mit Praeneste vereint; 
Cappell. I, 622. Vgl. Duchesne a. a. 0. Jung 22 m. N. 4. Ersterer 
(und ihm folgt Jung) verlegt den Untergang dieser Kirche mit Un- 
recht ins 11. und 12. Jahrhundert. 

5) Auch in jenem Gebiet sind mehrere Bistümer schon seit 
älterer Zeit verschollen. Ihre Vernichtung fällt wohl auch in unsere 
Zeit. So sind wir ohne Kunde seit c. 580 hinsichtlich Torres (Sedes 
Curi), nach 680 über Fidenae, seit 502 für Subaugusta (nach 
Duchesne 497 [m. 503] identisch mit Labico; s. auch Jung S. 21 
m. N. 3; vgl. die Liste der zweifelhaften Bistümer bei Mommsen, 
Index S. 505), seit 501 von Anzo. Gams SS. XII, XVI, XIX, XXII. 

6) Das alte Bistum Loritim. 

7) Gams S. IX. 

8) Vgl. Hartmann III/2, S. 164. 

9) Cappell. I, 509 f. (905; J. 3535; K. II S.15N. 1): (Sergius III.) 
— considei'antes desolationem ecclesiae ss. Rufinae et Secundae, quae 
appellatur Silva Candida, quam passa est a nefandissima Sarracenorum 
gente, sicut ruina ipsius loci testatur et plebs atque casalia, quae 
pene absque agricolis et habitatoribus esse noscuntur, ob restitutionem 
et reparationem sacri loci ipsius — macht eine größere Schenkung 
von Grundstücken der römischen Kirche. Ein späterer Bischof (Petrus, 
unter Ben. IX.) befestigt die Stadt; Kehr II, 14. 



— 49 — 

Aber auch daraufhin hat es seinen früheren Wohlstand durch 
Jahrhunderte nicht wieder erreicht i). 

Das Schicksal vieler anderen Bischofskirchen spiegelt sich 
auch hier wieder nur in den großen Lücken der Bischofslisten 
ab. So haben wir eine Unterbrechung der Nachrichten von 898 
bis 956 in Porto 2), von 861 bis 940 in Civitavecchia^). Vom Bis- 
tum Cere (Ceri) fehlt 869 bis 993 in den Quellen jede Spur*). 
Das gleiche gilt für Nomento von 826 bis 964^). Der Verfall 
der Stadt war so arg, daß sie sich auch später nicht wieder er- 
holen konnte. Der Bistumssprengel wurde im letztgenannten 
Jahre dauernd mit dem von Foronovo vereinigt ^). Eine große Lücke 
zeigt sich aber auch in diesem Bistum^). Ebenso in Praeneste. 
Sie reicht hier von 826 bis 914 8). Von Labico haben wir keine 
Nachricht gar von 761 bis 964^), Hinsichtlich Albanps währt 
das Schweigen der Quellen von 898 bis 963^°). Erhebliche Unter- 
brechungen — und zwar teilweise schon im neunten Jahrhundert — 



1) Capp. I, 509 f. Es wurde im 11. Jahrhundert mit Porto ver- 
eint; Kehr II, 21 Nr. 14 (1020—24), vgl. Nr. 15 (1154—59). Siehe auch 
nächste Note. 

2) Gams S. VIII, der in die Zwischenzeit einen Bischof verlegt, 
dessen Zeit imbekannt ist. — Mit diesem Sprengel später auch der von 
Lorium vereint. Duchesne a. a. 0. Jung M. I. Ö. G. Erg. V, 22 N. 4. 
S. a. vorige Note. 

3) Gams S. XL Um 850 wurde ja diese Stadt von den Sara- 
zenen vernichtet. Schwer gelitten hatte dabei auch die Kirche. Ob- 
wohl dann Leo IV. die Stadt wieder aufgebaut hat, scheint das Bistum 
doch noch lange verschwunden gewesen zu sein. Gapp. 1, 5321 Vgl. 
Kehr II, 201. A. C. Calisse, Storia di Civ. passim. 

4) Gams S. XIL 

5) Gams S XIIL 
6)GamsS. XIIL Capp. I, 598. 

7) 879—913. Der Anfangspunkt ergibt sich aus Gams S. XII, der 
Endpunkt wohl aus der Erwähnung bei Kehr II, 73 Nr. 1 (913—914): 
Privileg für die ccclesia maior Fori novi. Später wohl wieder Ver- 
fall, ja Untergang; vgl, Gams a. a. 0. und unten S. 50 m. N. 5, 

8) Gams S. XVL Dann wieder von 928 bis 963. Vgl. auch Cap- 
pelletti (I, 598), der diese Lücken mit Recht auf den Verfall der 
Kirche, den sie in der Sarazenennot, aber auch in den inneren Wirren 
erlitt, zurückführt und betont, daß das Land bis an die Mauern Roms 
verwüstet wurde. Doch dehnt er die Lücke zu weit aus (826—963). 

9) Gams S. XXIf. Nach Duchesne a. a. 0. wird statt Labi- 
<5um im 12. Jahrhundert Tusculum Bischofssitz. 

10) Gams S. XXII. Oliviere Jozzi, Series pontificum Alba- 
norum (Rom 1901). 

Pöschl, Bischofsgat und mensa episcopalis. III. 4 



— 50 — 

zeigen 5ich auch bei den übrigen suburbikarischen Bistümern, so 
bei Frascati (Tuseulanum)!)^), Veletri^) und Ostia*). Das alte 
Bistum Sabina war untergegangen und wurde in Foronovo wieder- 
hergestellt^)^). 

Bekannt ist die furchtbare Notlage und Zerrüttung von 
Rom selbst '^). 

1) Vgl. z. B. das Schreiben Leos IV. an die Kaiser Lothar und 
Ludwig, Capp. I, 628 (c. 851; J. 2613): (Bittet um einen Bischof für 
Eieti.) Si autem in praedicta ecciesia nolueritis, ut praeficiatur epi- 
scopus (es war also auf dauernde Vakanz abgesehen!), Tusculanam 
(nach anderer Lesart Asculanam [Ascoli], so J.) ecclesiam, quae diu 
viduata vixit, illo (Colo) vestra serenitas dignetur concedere, ut 
consecratus a nostro praesulato, deo omnipotenti vestroque imperio 
gratias peragere valeat, Rieti bekam den Colo als Bischof, J. 2615, 
Frascati blieb vakant. Erst 964 findet sich dort wieder ein Bischof. 
Capp eil. I, 628. Vgl. auch Garns S. XIX. Mit der Zerstörung der 
Stadt war wohl auch das Bistum eingegangen. Auch Kehr IV, S. 21 
(Nr. 1) liest „Ascoli". Ebenso auch die M. G.-Ausgabe (Epistolae 
V, 597 Nr 19). Der Abstand Ascoli-Rieti ist größer als der letzterer 
Stadt von Tusculum. Für uns kommt übrigens nichts darauf an. 
In beiden Fällen ist die Urkunde für unseren Zusammenhang gleich 
wichtig. 

2) Nach Duchesne (vgl. die Stellen bei Kehr II, 39) wäre 
nicht Frascati (so Ug belli), sondern das alte Labico der Ursprung 
des Bistums Tusculanum. Vgl. a. Jung 22 m. N. 4 und oben N. 9 S.49. 

3) Veletri hat schon durch Plünderungen seitens der Sarazenen 
gelitten; Capp eil. I, 461. Der auf Betreiben Ludwigs II. abgesetzte 
Bischof (s. J. 2890; a. 867) erhielt dann lange keinen Nachfolger. Vgl. 
a. Capp eil. I, 460. Dasselbe Schicksal ereilte auch andere Hoch- 
kirchen; a. a. 0. Wir sehen also auch sozusagen zwangsweise Ver- 
einigungen zweier oder mehrerer Bistumssprengel zu einem. — Ein 
Bischof von Veletri 896 auf der Synode Stephans VI. (Hartmann Hl/g 
123). Die Lücke reicht in V. nach Gams von 898 bis 941. 

4) 900-946; Gams S. IV. 

5) Vgl. a. J. 3626; K. II, 54 Nr. 3 (944). Daher diese Kirche später 
als episcopatus Sabinensis. Es erfolgt durch Marinus II. eine neue 
Umschreibung der Diözese. Vgl. Series episcoporum Sabinorum typis 
descripta iussa M. card. Mocenni (Romae 1901). S. a. Jung 23 
m. N. 1. 

6) Einige Kirchen schon seit älterer Zeit verschollen; über Vevi 
Jung 23 (m. N. 2). Duchesne S. 493. Dort (und passim) auch über 
andere Kirchen. 

7) Vgl. hier nur z. B. J. 3480 (892): Formosus bittet Fulco von 
Reims um Hilfe — monet compati debere Romanae ecclesiae atque 
imminenti eins subvenire ruinae. Über die Verfallslage der römischen 
Kirche in jenem ganzen Zeitraum ist fast die gesamte diesen behandelnde 
Literatur zu vergleichen. Bes. Pietro Fedele i. Archivio della R. 
Societä Rom. XXXIII (1910) Fasz. I/II. 



- 51 — 

Aber auch in den entfernteren Teilen des damaligen 
Patrimonium S. Petri war die Lage nicht besser. Schon seit 
älterer Zeit verschollen, wenigstens teilweise aber sicher im 
neunten oder zehnten Jahrhundert eingegangen sind u. a.^): Feren- 
tino^) (in Etrurien), Tarquinia'), Bolsena (Vulsinium)*), Marta- 
rano^), Gravisca^), Oriolo') und Frosinone^) ^). GroßeLticken zeigen 
sich in Castro i<^), Anagni^^), Bagnorea^^), Bomarzo^^), Faleria^*), 
Gallese ^5), Ferentino (östlich von Veletri)i^), Nepi^'), Orvieto^^), 
Segniis), Sutri^o), Terracina 21), Pipemo^z), Tivoli^s), Viterbo^*), 

1) Vgl. oben S. 21 m. N. 3 u. S. 33 N. 1. A. unten A. 9. 

2) Gams S. 677, Erwähnung seit 649. Vgl.' Jung 22 m. N. 5. 

3) Gams 706. 

4) Gams 712. 

5) Gams 738 (das Bistum noch im 8. Jahrhundert nachweisbar). 

6) Gams 738. 

7) Gams 738. 

8) Gams 739. 

9) Andere Kirchen bei Jung S. 22f. 

10) 853-964; Gams S. 659. 

11) 896—963; Gams S. 663. Vgl. a. E. Ambro si, Storia d'Anagni, 
Rom 1889, versehiedenenorts. 

12) 868—1015; dazwischen nur ein Bischof unbestimmten Datums; 
Gams S. 670. 

13) 866 (870) bis 948; das Erscheinen des Bistums im 10. Jahr- 
hundert jedenfalls nur ein Wiederaufrichtungsversuch. Letzte Er- 
wähnung 1015. Gams S. 677. 

14) 871—963; im 11. Jahrhundert wird der Sitz nach Civitä 
Castellana verlegt; Gams S. 685. Vgl. a. Jung S. 23 N. 4. 

15) 898—963; Gams S. 686. 

16) 879-963; Gams S. 691. 

17) 896 bis c. 946; Gams 708. 867 wurde der Bischof zugleich 
mit dem von Veletri (s. oben S. 50 N. 3) abgesetzt und erhielt lange 
keinen Nachfolger. J. 2890 (867). Über Bisehof Sergius von Nepi, 
den Bruder Alberichs von Rom Hartmann III/2 S. 229. 

18) 877-975; Gams S. 711. 

19) 879—963; Gams 724. 

20) 882-963; Gams 729. 

21) 879-963; Gfams 731. 

22) 861—993; Gams 732. Die Kirche geht im 11. Jahrhundert 
(1036 letzte Erwähnung) ein. Ihr Sprengel wird dem von Terracina 
einverleibt. Hingegen ist Lezze erst seit 1036 als Bistum bekannt. 

23) C. 880 bis c. 936; Kehr II, 76 Nr. 3 und 4. S. a. L. Bruzza, B. 
della chiesa di Tivoli, Bibl. dell' academia stör. giur. (Roma) VI und 
V. Fe derlei, Sul. reg. usw. Bull. d. soc. filol., Roma 1901, Nr. 1. 

24)876—1015; Gams 737. Über Toscanella und seine Ver- 
einigung mit anderen Diözesen vgl. Kehr II, 196 f. und die dort an- 
geführte Literatur. S. a. Hartmann III, 2 S. 26. 



- 52 - 



Bieda^) und Veroli^). Dürftig ist die Überlieferung für Alatri^) 
und Orte*.). 



§6. 

E. Süditalieu und die Mitteliueeriuselu. 

Wenden wir uns weiter nach Süden, so gewahren wir in 
der zunächst oströmisch gebliebenen Küstenlandschaft Kampaniens 
ein Bild ähnlichen Verfalles. 

Im Gaetanischen ist Formio (Formiae) — Stadt und Bistum — 
im Jahre 846^) von den Sarazenen vernichtet worden. Die 
Bischöfe flüchteten mit Klerus und Volk in das feste Gaeta. 
Das Bistum besteht dort noch eine Weile dem Namen nach fort 
(neben dem von Gaeta selbst), verschwindet aber bald ganz^)'). 



1) 879-963; Garns S. 738. 

2) 869—959; G. 738. 

3) Garns S. 660 f. Vgl. auch über die Erwähnung- von 933 
Kehr II, 148. 

4) G. S. 686. Über Sarazeneneinfälle nach Narni, Nepi, Orte usw. 
Hartm. III/2 S. 165. 

5) Nach Chevalier, Topobibl. 1, 1147 (auf Grund welcher Quelle ?) 
a. 840, 

6) Wohl in diesem Sinne der episcopus Formiensis (Hormensis) 
auf der römischen Synode von 963. Es wäre aber auch denkbar, daß 
man, wie in Trajetto, einen Wiederaufrichtuugsversuch mit nur kurz 
andauerndem Erfolg im 10. Jahrhundert gemacht hätte. 

7) Cappell. XXI, 335 ff. Unwahrscheinlich die dort angeführte 
Ansicht, in Gaeta habe in älterer Zeit kein besonderes Bistum bestanden, 
sondern es sei dort nach 846 das von Formio fortgesetzt worden. 
Gekünstelt — abgesehen von anderem — ist schon die für diese 
Auffassung notwendige Erklärung, der 790 in Gaeta tatsächlich nach- 
weisbare Bischof Campolus sei ein solcher von Formio gewesen. 
Unwahrscheinlich auch die Erklärung der Tatsache, daß sich später 
einige Bischöfe als solche von Formio bezeichnen, während sich andere 
nach Gaeta benennen, im Sinne eines Schwankens in der Ausdrucks- 
weise. Vgl. die i dieser A. (in anderem Zusammenhang) unten angeführte 
Bezeichnung des Bischofs von Formio a. d, J. 830 u. 831? mit einer 
Doppelbezeichnung (eben wohl nach der Vereinigung beider Kirchen), 
z. B. der vom J. 855 (Cod. dipl. Gaet. [Tabularium Casinense] S. 18): me 
domno Constautino episcopo sancte Furmiane ecclesie et Castro 
Caietano. — Ebenso erscheint Minturno noch im 9, Jahrhundert als 
selbständiges Bistum, freilich war es im Longobardensturm eingegangen 
und durch Gregor I. mit dem von Formio vereinigt worden; Eeg. 



— 53 — 

In bezug auf Trajetto^) schweigt die Überlieferung für die Zeit 
von 861 bis 954 und dann wird diese Kirche überhaupt nicht 
mehr erwähnt 2). Sehr lückenhaft ist die Überlieferung für 
Gaeta selbst '^), doch dürfte diese feste Stadt — und damit auch 
die Kirche — sich dauernd gehalten haben. In Fondi, wofür 
853 ein Bischof erwähnt ist, zeigt sich ein solcher erst wieder 
995^)5). 

Ähnlich war auch die Lage im Gebiet von Neapel. Dort 
bestand zwar die Kirche fort — wenn auch in arger Zerrüttung ß). 
Das alte Bistum Acerra aber verschwindet auf Jahrhunderte^). Eben- 
so das von Pozzuoli^). Auch das Bistum Atella wurde im Ein- 
bruch der Normaunen und Sarazenen vernichtet. Im elften 
(zehnten?) Jahrhundert wiederhergestellt, wurde der Bischofssitz 



Gregor. I, 8 (vgl. G. 880; Jung 30 N. 2). Es ist dann eben wie 
viele andere Kirchen, die in der ersten longobardischen Eroberung 
ihren Untergang gefunden hatten, wiederhergestellt worden. Man vgl. 
doch z.B.. Cod. dipl. Gaetanus S. 11 (839): Leo sanctus episcopus sancte 
Menturnensibus cibitati et Kastri Leopolis — und — deutlich genug 
davon verschieden — für dieselbe Zeit, ja für wenige Jahre vorher 
betreffend Formio z. B. die ürk. S. 3 (830) : Johannis (!) cum opem 
episcopus sancte Furmiane aecclesiae — s. ferner z. B. S. 7 (831 ?). 
Rasch genug versehwindet denn auch der Doppeltitel. Bischof Ramfus 
nennt sieh nur mehr episcopus sedis (?) sanctae Gaietane ecclesie 
(z. B. S. 22 ; a. 867). 

1) Über die Abtretung von Trajetto und Fondi an Gaeta und 
die Kämpfe in jenen Gegenden Hartmann IU/2 90 f. 167 (vgl. a. 212) 
und sonst. 

2) Cappell. XXI, 337. Nach Ansicht einiger war Trajetto als 
Bistum mit Minturno identisch. Höchst unwahrscheinlich. 

3) Cappell. XXI, 339. Überlieferung besonders c. 920-963 un- 
sicher, G. 881. Nicht viele Erwähnungen von Bischöfen auch im Cod. 
dipl. Gaet. Vgl. a. S. Ferr aro, Mem. usw. di Gaeta, Nap. (Giannini) 1903. 

4) Terracina und Fondi wurde schon 875 von den Sarazenen 
schwer heimgesucht; J. 3008. 

5) G. 880. Cappell. XXI, 347. Vgl. a. Am ante e Bianchi, 
Mem. stör. usw. di Fondi usw. Rom (Loescher) 03 und Conte G. Co- 
line, St. di Fondi, Nap. 03, 

6) Die Bischofsreihe ist ziemlich lückenlos; G. 904. Vgl. auch 
denCatalogus ep. Neap.und die Series beiCapasso in Mon. ad Neap. 
duc. bist. pert. I, 222 ff. Von den Verfallszuständen unten § 12. Vgl. 
S. 107 N. 1. 

7) Taucht erst im 13. Jahrhundert wieder auf; G. 844. 

8) G. 914. Lücke von 680 bis c. 1030. Das mir nicht zugänglich 
gewordene Schriftchen (61 SS.) von Guis. de Criscio, Cenni bio- 
grafici degli uomini e donne illustri della cittä, di P. (Pozzuoli 1891) 
dürfte in den angegebenen Zahlen kaum eine Veränderung herbeiführen. 



— 54 — 

von Leo IX. 1049 auf Aversa übertragen*). Cumae weist eine 
Lücke von 877 bis 920 auf 2)»). 

In Amalfi zeigt die Bischofsreihe mehrere lange Unter- 
brechungen*). Capri ist als Bistum erst seit dem Ende des 
zehnten Jahrhunderts bekannt 5). Ebenso Lettere^) und Scala'). 

Sorrent hat ein Intervall von 876 bis wenigstens 913 8) 
Für Castellamare setzen die Nachrichten vom Ende des siebenten 
Jahrhunderts bis zum Ende des neunten aus^). 

Was dann das Beneventanische betrifft, so hören wir auch 
da von argem Verfall der Bistümer, ja sogar von vernichteten 
Episkopaten. 

Betrachten wir zunächst das Gebiet von Benevent im 
engeren Sinne (das spätere Fürstentum B. und die Kapitanata)**^). 

Auch hier zeigen sich für eine größere Anzalal von Bis- 
tümern erhebliche Lücken in den Bischofslisten. Viele der alten 
Hochkirchen kommen nach langen Pausen erst im zehnten Jahr- 
hundert wieder zur Entstehung**). Für eine ganze Reihe vonBistümern 
ergibt sich dies wohl aus einem Diplom Johanns XIII. für das 
Erzstift von Benevent *2). Manche erscheinen sogar erst noch 
später wieder. Eine nicht unbedeutende Zahl von beneventanisehen 
Bistümern ist aber überhaupt erst seit dem zehnten oder gar erst 
seit dem elften Jahrhundert bekannt, ohne daß — wenigstens für 



1) Capell. XXI, 434. G. 855. 

2) G. 915. Sein Sprengel später mit dem von Pozzuoli vereint. 

3) Ischia ist erst seit dem 12. Jahrhundert als Bistum bekannt; 
G. 885. 

4) 897—925—945; Garns S. 847. Über die Dürftigkeit der Über- 
lieferung Camera, Amalfi I, passim, 

5) G. 867. 

6) G. 890. 

7) G. 921. Vgl. a. Camera, Amalfi I, S. 157, wo auch über Minori. 

8) G. 926. 

9) G. 872. 

10) Hier wie im gleich zu erwähnenden Salerno waren die 
Grenzen des langobardischen, oströmischen und normannischen Macht- 
bereichs sehr schwankend. Da in diesem Zusammenhang darauf 
nichts ankommt wählen wir aus Zweckmäßigkeitsgründen die im 
Text gegebene schematische Einteilung. Wir nehmen den Ofanto 
als Nordwestgrenze Apuliens und rechnen die Provinz Basilicata des 
späteren sizüianischen Reiches noch zum Fürstentum Salerno, das ja 
gelegentlich sogar noch weiter ausgedehnt war. 

11) ügb. VIII, 64, 66. 

12) Ugh. VIII, 62 (J. 3738; a. 969). 



- 55 - 

den größten Teil davon — die ältere Existenz bezweifelt werden 
könnte. Das gilt von Ariano^), Aseoli (das beneventanische), 
Cerignola ^), Bojano ^), Carinola (Carinoli) *), Draconaria ^), 
Fiorentino (Far.)^), Guardia Alfiera'^), Larino^), Monte Corvino^), 
Monte Maranoio), S. Agata de' Goti^i), San Severo^^), Termolii»), 
Trevicoi*), Viestii^) und Voltoariai^)"). 

Bei einzelnen Kirchen ist die frühere Existenz zwar be- 
kannt, doch reichen die Lücken bis ins siebente oder sechste 
Jahrhundert zurück, so bei Avellino^^)^ ^Ijfe (Alifa)*^), Aquino^*) 
(= Aquila?), Atino^i), Bovino (= Bovano)22), Sora^s), und Telese 



1)G. 852. Vgl. Ugh. VIII, 203. Namentlich diese Bischofskirche 
hat in älterer Zeit sicher schon hestanden. 

2) G. 853. Ugh. VIII, 226. 3) A. a. 0. 

4) Jedenfalls wurde die alte Stadt Forum Claudii vor 900 ver- 
nichtet und Ende des 11. Jahrhunderts dort ein Bistum errichtet. Erst 
1071 erscheint ein Bischof. Dieser übertrug seinen Sitz nach Carinola. 
G. 869. Ugh. VI, 461 f. 

5) G. 923. Ugh. VIII, 274. 

6) Erst im 11. Jahrhundert als Bischofssitz nachweisbar; G. 892. 
Ugh. VIII, 283. 

7) G. 884. Ugh. VIII, 297. 

8) G. 888. Ugh. VIII, 304. Über die Ungarneinbrüche, denen das 
Hochstift wohl erst erlegen ist, Lüttich, Ungarnzüge 136,141 f.(m.Beleg.). 

9) G. 942. Ugh. VIII, 326. 

10) G. 900. Ugh. VIII, 835. 

11) G. 845. Ugh. VIII, 347. Über die Plünderung der Stadt zu 
Anfang des 10. Jahrhunderts Hartmann III/2 161. 

12) G. 923. 13) G. 932. Ugh. VIII, 374. 
14) G. 934. 15) G. 941. 

16) G. 942. Ugh. VIII, 390. 

17) Einige weitere Bistümer dieses Gebietes tauchen gleichfalls 
erst seit dem 11. Jahrhundert auf, um dann bald wieder zu ver- 
schwinden. Tocco 1058, Morcone 1078 (1058?): Limosano erscheint 
erst 1110, Lesina noch später; Gams S. 673. Caserta ist auch erst 
seit 1113 nachweisbar, besteht aber dann fort. G. 870. 

18) G. 854. Vgl. Ugh. VIII, 192. 

19) G. 847. Vgl. Ugh. VIII, 208. 

20) Unterbrechung vom 6. bis 11. Jahrhundert. G. 851 f. Jeden- 
falls war die Stadt in der Zwischenzeit vernichtet. Capp. XXI, 352. 
Bei V. Federici, II cod. dipl. della catt. di Aquila (Bull, della R. 
deput. Abr. di st. p. s. III 1910) alt. Stück das spurium DO. I, 459. 

21) 680—978, dann bis 1044; Capp. XXI, 365, wo zwei Bischöfe 
unbekannten Datums in die erste Lücke verlegt sind. Vgl. G. 926. 

22) G. 861. Vgl. Ugh. VIII, 249 (wo aber die ältere Überlieferung 
unbekannt). 

23) Lücke 680— 978. G. 925. Capp. XXI, 359. 



— 56 - 

(Telesia)!), bei andern sogar noch weiter, wie bei Frigento^), 
Salpe^), Sessa*) und Venafro^). Sehr lange ist auch die Über- 
lieferung vom Bistum ßodi unterbrochen"). Einige Bistümer, die 
in alter Zeit bekannt sind'^), versehwinden später dauernd, und 
auch von ihnen ist wohl ein Teil im neunten und zehnten Jahr- 
hundert untergegangen. An Stelle (oder in der Nähe) des ganz 
verschwundenen alten Ecana (Eclana) ^) wird im elften Jahrhundert 
zuerst von den Griechen eine Stadt Troja mit einem Bistum wieder 
errichtet^), beide bestehen unter den Normannen fort^**). Sehr 
unsicher ist die Überlieferung betreffs des alten Bischofssitzes von 
Arpi sowie des später vielleicht daraus entstandenen Foggia 
(Poggio) "). 

Gerade für diese Gegend ist man besonders geneigt ^2), die 
bis in die Ottonenzeit (oder länger) währende Vernichtung der 
Bistümer allgemein dem Langobardensturm zuzuschreiben. Einige 
Hochkirchen sind diesem zweifellos zum Opfer gefallen. Allein 
in der gewöhnlich behaupteten Allgemeinheit ist der Satz un- 
wahrscheinlich ^^). Es gilt da das gleiche, was wir oben betreffs 



1) G. 931. Lücke von 600 bis 1075. Vg-1. Ug-h. VIII, 249 (ältere 
Nachrichten fehlen hier), 

2) G. 854. ügh. VIII, 288. 

3) Die Überlieferung- schwindet hier vom 5, bis zum 11. Jahr- 
hundert. G. 934. Cap pell. XXI, 57. 

4) Lücke von 500 bis Ende des 10. Jahrhunderts. G. 921, 

5) G. 939 (499—1032). 

6) Cap pell. XXI; 662. Für die Zeit der sarazenischen Okku- 
pation (822 — 962) ist nur ein Bischof erwähnt und zwar starb dieser 
als Märtyrer. 

7) Vgl. die Liste bei Jung- S. 28 m. N. 2 und die dort angeführten 
Nachweise. 

8) G. 855. 

9) E. Caspar in Quellen und Forschungen aus italienischen 
Archiven Bd. X (1907), S. 18. 

10) C a p p eil. XXI, 457 ff. Vgl. 936 f. 

11) Cap pell. XXI, 4079 f. G. 880 führt nur letzteres Bistum, und 
zwar nur fürs 19. Jahrhundert an. 

12) So namentlich Hirsch, Benevent S. 16 m. N. 2. 

13) Auch Duchesne (vgl. die oben S. 32 N. 1 genannten Ab- 
handlungen) neigt dieser Auffassung zu (und zwar auch in bezug auf 
die übrigen Gebiete). Man muß aber da vor allem — das gilt nament- 
lich im Hinblick auf die Untersuchungsmethode Duchesnes — die 
Nachrichtenarmut, die für die ältere Zeit doch ungleich größer war 
als für die spätere, in Rechnung ziehen. Gegen Crivelluccis An- 
sicht, die dahin geht, daß viele Bistümer schon im Gotenkrieg' ver- 



— 57 — 

der Gascogne und anderer Gebiete angeführt haben. Für 
einzelne Hochstifter ist der Satz aber bestimmt falsch^). Für 
sie läßt sich der Bestand noch im neunten Jahrhundert nach- 
weisen, für andere wenigstens im achten. Auch bei letzteren 
kann also die Yernichtung nicht in der Langobardenzeit (näm- 
lich in der Zeit der ersten Eroberung), dann aber nicht vor dem 
neunten Jahrhundert eingetreten sein 2). Im einzelnen ergeben 
sich, abgesehen von den bereits angeführten Fällen, folgende 
Unterbrechungen: Caiazzo 776 bis c. 979 3), Calvi 853 bis 979*), 
Isernia 877 bis 946-'^), Lucer(i)a de' Saraceni 743 bis 957«), 
Teano 889 bis 987'). Trivento, noch 877 als Bistum nach- 
zuweisen, begegnet als solches erst wieder 946, Der in diesem 
Jahre erwähnte Bischof wird auf Bitten des Eb. von Benevent 
von Papst Agapit IL entfernt. Hierauf erlischt die Über- 
lieferung bis 1015^). Die Kirche von Calatino, wo in älterer 
Zeit gleichfalls ein Bistum bestand (Calatia)^), wird im zehnten 
Jahrhundert von ihrem eignen Bischof als ganz heruntergekommen 
bezeichnet ^°). In Benevent selbst zeigt sich nur eine Lücke von 
13 Jahren 11). 

Für Capua ist die Überlieferung dürftig und lückenhaft, 



nichtet worden seien^ wendet sich Duchesne mit Recht. (Vgl. oben 
S. 32 N, 1). Vgl. die sehr richtigen Bemerkungen Mayers (It. VG. 
I, 36 f.) betreffs der lang'obardischen Eroberung* überhaupt. S. a. G. 
Romano, L'invasione Langob. e la circoscrizione ep. in Italia B. stör. 
Pavese V/2 (1906) u. G. Salvioli, Sullo stato e la popol. d'Italia usw. 
Palermo (Baravecchia; 1900. 

1) Das weiß natürlich auch Duchesne. Auch ist wohl zu be- 
rücksichtigen, daß die Langobardenstürme auf kirchlichem Ge- 
biet verhältnismäßig rasch die Restauration anfachten. Vgl. a. Jung 
32 m. N. 1 (und die dort Zitierten) s. Du eh., Les ev. de Cal. S. 5, 7 usw. 

2) Ausnahmen selbstredend abgerechnet. S. oben S. 46 N. 13. 

3) G. 8(i3. 4) G. 864. 

5) G. 886. Im 11. Jahrhundert mit Venafro vereint. 
6)G. 891. Ugh. VIII, 316f. Hinsichtlich dieses Bistums deutet 
wohl auch der Name auf unsere Auffassung. 

7)G. 930. 8) Cap pell. XXI, 470 f. Vgl. G. 936. 

9) Jung 30. 

10) Ugh. VI, 444: scire vos volo, domini et fratres, quod sedes 
mea ad nihilum reducta est — . 

11) 895—908, Gams S. 671. Sipontos Sprengel erscheint in der 
fraglichen Zeit mit dem von Benevent vereint. Cappell. XX, 577 ff. 
— Über arge Beeinträchtigungen der ersteren Kirche in der zweiten 
Hälfte des 10. Jahrhunderts z. B. Ughelli VIII, 61 f. (973). S. auch 
unten § 20. 



— 58 - 

jedoch ohne größere Unterbrechungen ^). Wohl aber war in Salerno ^) 
die Lage im allgemeinen wieder sehr schlecht. Die Bistümer weisen 
hier folgende Lücken in den Bischofslisten auf: Conza 743 bis 
9673), Marsico 861 bis 981 *), Nocera de' Pagani von der Zeit 
Gregors IV. (827 bis 844) bis 1061 &), Nola 892 bis 929"), Poli- 
castro vom siebenten bis zum elften Jahrhundert^), Potenza von 
826 bis zum elften Jahrhundert^) und Venosa vom Anfang des 
sechsten ebensoweit^). Das alte Bistum Paestum wurde im Sara- 
zenensturm ganz vernichtet. Sein Sprengel ist 930 mit dem 
von Capaccio vereint. Von da ab bleibt dann auch letztere 
Kirche bis ins zwölfte Jahrhundert verschwunden ^^). Kleinere Lücken 
zeigen sich nur für Salerno ") selbst sowie für Acerenza ^^). Beide 
Kirchen dürften fortbestanden haben. Eine größere Anzahl von 
Bistümern taucht aber auch im Salernitanischen erst im zehnten 
Jahrhundert, andere noch später auf ^3). Zum Teil läßt sich ihre 
damalige Neugründung nachweisen^*). Jedoch auch von diesen 
Kirchen haben die meisten wohl schon in älterer Zeit^^) bestanden 
und sind dann vernichtet worden. 



I) G. 868. 2) S. oben S. 54 N. 10. 3) G. 877. 
4) G. 894, 5) G. 907. Cappell. XXI, 512, 

6) Vorher und nachher auch kleinere Unterbrechungen. G. 907. 

7) G, 912. 8) G, 913, 

9) G. 940, Th. di Ciesco, Catalog-o dei vescovi della Venosina 
idocesi usw, (Siena 1895). 

10) 1126 ein ep. Pestanus et Caputaquensis; G. 866. Schon diese 
Bezeichnung deutet doch darauf, daß in alter Zeit zwei Bistümer be- 
standen hatten. 

II) G. 919. Vgl. Savio, I vescovi di Salerno nei secoli IX e X 
in: Atti dell' academia reale delle Scienze di Torino t. XXXVII (1901). 
Über die Verfallszustände im Bist. vgl. bes. a. Michelang. Schipa, 
Storia . . . di Salerno i. Arch. stör. p. 1. Province Napol. anno XII 
(N. 1887) Fase. I, S. 79 ff., bes. 116 ff. u. Fase. II, 209 ff. 

12) G. 893. 

13) Im 10. Jahrhundert: Acerno (G. 844); im 11.: Angloua-Tursi 
(G. S.'^O), Lacedogna (Ende des Jahrhunderts, G. 887), Monte Verde 
(G. 901), Ravello (G. 915), Muro (G. 902), Lavelia (G. 889), Melfi (G. 896; 
vgl. Cappell. XXI, 451) und RapoUa (G. 915; s. Cappell. XXI, 455); 
im 12.: Bisaccia (G. 849), Minori (G. 898; s. S. 54 N. 7), Nusco (G. 908) 
und S. Angelo de' Lombardi (G. 849). Vgl. nächste Note. 

14) Errichtung der Kathedrale von Sarno 1066 (G. 920; s. Capp. 
XXI, 375 f.) und von Tricarico um 1060 (G. 935; vgl. Ugh, VII, 146 f.). 
Matera, das wohl auch in älterer Zeit schon ein Bistum hatte, wurde 
im 9. Jahrhundert eingeäschert; Camera, Amalfi I, 106. 

15) Doch sicherlich sogar noch in der Langobardenzeit hat z. B. 
EapoUa existiert. 



— 59 - 

Betracliten wir nun, um das Bild abzurunden, auch noch 
den äußersten Süden — Apulien und Kalabrien — , so treffen wir 
hier, wie nicht anders zu erwarten, auf besonders zerrüttete Bis- 
tumsverhältnisse. 

Um mit dem ersteren Lande ^) zu beginnen, so sind hier, 
was zunächst die Gegend von Trani (später Erzstift) anbelangt, 
für diese Kirche selbst bis zu Ende des achten Jahrhunderts 
Bischöfe bezeugt. Die Lücke reicht dann bis zur zweiten Hälfte 
des zehnten 2). In Canne ist die Überlieferung vom Anfang des 
siebenten Jahrhunderts bis zur Mitte des zehnten unterbrochen 2), 
in Veglia (=ßisceglia) von der Mitte des achten bis zum elften*), 
und in Andria sogar noch etwas länger ^). Carina, noch im siebenten 
Jahrhundert als Bistum bezeugt, verschwindet dann vollständig*'). 

Ein ähnlich ungünstiges Bild zeigt auch die Gegend von 
Bari. So wurde z. B. schon um die Mitte des neunten Jahr- 
hunderts die Stadt Canosa di Puglia (Canusium) von den Sarazenen 
vernichtet. Damit ging auch das dortige Bistum ein. Sein 
Sprengel ist von da an mit dem von Bari vereint '). In letzterer 
Stadt hat sieh das Erzstift forterhalten — sogar während der 
sarazenischen Okkupation — wenn auch im Zustand tiefster 
Zerrüttung und schwer bedrückt ^). Egnazia ist seit dem Anfang 



1) Vgl. im allg. Morea, Chart. Cupers. I, S. XXVI und Erich 
Caspar, Krit. Unters, zu den älteren Papsturk. f. Apul. (Quellen und 
Forsch. VI [1904]) S. 258; vgl. 257 N. 1. 

2) Capp. XXI, 49. Für uns stimmt die Sache auch besser, wenn 
wir nach Bischof Leo (erwähnt 787) noch (mit Capp eil.) Bischof Bern- 
hard einschalten. Vgl. auch G. 933, wo noch zwei weitere fragliche 
Bischöfe dazwischen gesetzt sind. S. a. F. Sarto, La vetustissima 
chiesa di S. Maria in Trani giä primiera cattedrale et in vescovi che 
la governarono (Arte e Storia 3. Sez. 9). Vgl. a. Caspar 527 N. 1 u. 
d. dort. Lit. 

3) G. 865 (876? Petrus). Vgl. Capp eil. XXI, 67. 

4) G. 857. Capp. XXI, 71. 

5) Capp. XXI, 78. G. 848. 

6) G. 934. Capp. XXI, 59 f. Auch hier sehen wir deutlieh, daß 
der Untergang nicht der langobardischen Eroberung zuzuschreiben ist. 
Nach dieser vereint Gregor d. Gr. das Bistum mit einem andern (Eeggio) 
wegen der Verwüstung der Stadt. Später wird es neu hergestellt. 
Und erst nach dem 7. Jahrhundert, also wohl im 9,, verfällt es dauernd. 
Sein Sprengel wird jetzt in den von Trani einbezogen. Vgl. S. 64 N. 1. 

7) ügh. VII, 593. Cappelletti Bd. XXI, S.6, 10. Caspar 258f. 

8) G. 856. Ugh. VII, 593. Cappelletti XXI, 10 f. Immerhin 
ist die Überlieferung bis c. 1000 äußerst dürftig und lückenhaft. So- 
weit sie vorhanden ist, weist sie auf argen Verfall. Aufschwung erst 



— 60 — 

des sechsten Jahrhunderts versehollen ^). Ebenso stammen von 
einem alten Bistum Acquaviva bei' Bari die letzten Nachrichten 
aus jeuer Zeit 2). Es verdankt wohl auch dem Sarazenensturm 
im neunten oder zehnten Jahrhundert seinen Untergang-. Umgekehrt 
ist Bitetto für die ältere Zeit als Bistum nicht nachzuweisen^). 
Stadt und Bistum Molfetta sind gleichfalls erst seit dem elften Jahr- 
hundert bekannt*), ebenso Polignano^), Minervino^) und Mono- 
poli'^)^), während in Giovenazzo (Giovinazzo), das noch im 
siebenten Jahrhundert, jedenfalls in vorsarazenischer Zeit, als 
Bischofssitz erscheint, ein solcher erst wieder im zehnten nach- 
weisbar ist'-'). Gravina weist eine Lücke von 876 bis 1099 auf ^*^). 
Für Ruvo fehlt die Überlieferuug von c. 500 bis c. 1000^^). 
Noch etwas länger für Conversano^^). In Bitonto reicht die 
Unterbrechung von 754 bis 108713). 

im 11. Jahrhundert. Damals Wiederherstellung der Metropolitan- 
gewalt. Vg". a. Caspar a. a. 0. 

1) Capp. XXI, 384. 

2) Capp. XXI, 25. G.' 857. Nicht einsehen konnte ich Sebast. 
Luciani, Storia della chiesa palatina di Acquaviva delle Fonti dal 
1779 sino al 1875 con cenno storico suUe condizioni civili e della chiesa 
dal 465 sino al 1778, Bari 1876. 

3) Capp. XXI, 26. G. 859. 

4) Capp. XXI, 394. 1. B. bei G. 898 a. 1136. 

5) G. 913. Seit Anfang- des 11. Jahrh. Vgl. a. Capp. XXI, 389. 

6) Als Bistum erst seit dem 11. Jahrhundert bekannt. G. 896. 
Capp. XXI, 82 f. 

7) G. 899. Seit 1062. Vgl. a. Capp. XXI, 384 f. Spätere Fort- 
setzung des untergegangenen Egnazia? 

8) Daß Moutepeloso in älterer Zeit nicht vorkommt, hatDuchesne 
überzeugend nachgewiesen, L'eveche de Montepeloso in Melanges 
d'archeol. et bist. XXIII (1903) S. 363 ff. Vgl. a. M. Janora, II vesco- 
vato di M., Potenza (Garramone e Marchesiello) 05. 

9) Es kommt uns hier auf genaue Daten nicht an. Über die 
verschiedenen Ansichten Capp. XXI, 399 f. Sicher besteht das Bistum 
wieder im 11. Jahrhundert, G. 883 streicht die alte Überlieferung. 

10) G.884. Capp.XXI,367. Über Terlizzi Franc. Carabellese, 
Le pergamene della catt. di T. Bari 99 (Cod. d. Bar. III): älteste Urk. v. 971. 

11) Capp. XXI, 36. G. 918. 

12) Capp. XXI, 40. G. 876 (wo einige unsichere Erwähnungen aus 
dem 8. Jahrhundert). Namentlich siehe Domen. Morea, II Chartu- 
larium [Cupersanense] del monastero di S. Benedetto di Conversano etc. 
Monte Cassino I, 1892/93, S. XXVI, wo auch in interessanter Weise der 
Einbeziehung verfallener Klöster in fortbestehende gedacht ist" — der- 
selbe Vogang, den wir bei Bist, schon kennen gelernt haben. 

13) G. 859. Capp. (XXI, 30 f.) setzt die Wiederherstellung ins 
11, Jahrhundert, kennt aber die ältere Überlieferung nicht. 



- 61 - 

Was dann den Süden der Halbinsel von Apulien betrifft, 
so bleibt Tarent, mit Sicherheit noch im achten Jahrhundert 
nachzuweisen, bis 978 verschwunden i). Es ist wohl zweifellos 
während der sarazenischen Okkupation eingegangen. Auch Oria, 
wohin sich noch der aus dem vernichteten Brindisi ^) geflüchtete 
Bischof zurückziehen konnte^), wurde im zehnten Jahrhundert 
von den Sarazenen zerstört*). Doch hielten sich seit dem Ende 
dieses Jahrhunderts wieder Bischöfe dort auf, nämlich wieder 
diejenigen aus Brindisi ^) ^). In letzterer Stadt ersteht erst 1062 
wieder ein selbständiges Bistum, von den Normannen (Gf. Goffred 
und Gemahlin von Brindisi) wiederhergestellt und von neuem 
dotiert). Vorher ist im elften Jahrhundert die alte Kathedrale 
nur eine kleine Abtei ^). Hinsichtlich Ostunis ist die Überlieferung 
seit dem sechsten Jahrhundert unterbrochen^). Die Wieder- 
errichtung erfolgt im elften Jahrhundert ^°), 

Von Castellanata ist dasselbe zu sagen wie früher schon 
von anderen Kirchen, Wir kennen das Bistum erst seit dem elften 
Jahrhundert, obgleich es in älterer Zeit sieher bereits bestanden 
hat. Jedenfalls wurde es im elften Jahrhundert ganz von neuem 



1) G. 929. 

2) Vgl. Ug-h. IX, 35; Cappelletti XXI, 115. 

3) Oria ist noch um die Mitte des 9. Jahrlitinderts ein selbstän- 
diges Bistum; Capp. XXI, 148. 

4) Ughelli IX, 164. Im Jahre 977 wird Bischof Andreas nach 
Eroberung der Stadt als Gefangener nach Sizilien geschleppt und dort 
979 von Protospatarius Porphyrius ermordet; Cappelletti XXI, 1151, 
118 f. Gams 909. Vgl. a. Hartmann Ill/g, S. 161 f. 

5) Capp. XXI, 115 f., 148 f. In Brindisi Lücke von 886 bis 979; 
G. 862. Vgl. a. Caspar a. a. 0. 

6) F. Errico, Cenni stör, sulla cittä di Oria e del suo insigne 
vescorado (Neapel, Sordonati, 1907) konnte ich nicht einsehen. 

7) ügh. IX, 36. Gappell. XXI, 116. Die Wiederherstellung 
konnte sich aber zunächst noch nicht durchsetzen. Vgl. z, B. noch die 
Aufforderungen Urbans II. an Bischof Godinus von Uria bei Pflugk- 
Harttung, Acta II, 146 (J. 5413; a. 1092), 166 (J. 5525; a. 1094). Oria 
sollte den Bischofssitz ganz aufgeben, leistete jedoch Widerstand. 

8) ügh. IX, 36. 

9) Cappelletti XXI, 123. G 910. 

10) Cappell. XXI, 123, ügh. IX, 46 kennt es erst von da an. 
Solche Fälle zeigen, daß Bistümer, die der älteren Literatur erst, seit 
dem 10. Jahrhundert oder später bekannt geworden sind, selbst wenn 
man ihre Neuaufrichtung erfährt, doch in alter Zeit schon vielfach her 
standen haben. Vgl. übrigens a. L. Pepe, Memorie storico-diplomatiche 
della chiesa Vescovile di Ostuni, Valle Pompei 1891. 



— 62 - 

hergestellt^). Das gilt auch hinsichtlich der Kirche von Motula 
(Mottola)^). Das alte Bistum Nerito verschwindet im achten 
Jahrhundert. Sein Sprengel wird mit Brindisi vereint. Die 
Kathedrale begegnet später als einfaches Kloster. Erst 1388 
wird das Bistum (Nardö) wiedererrichtet 3). 

Vom Bistum Otranto fehlt vom Ende des neunten bis zur 
zweiten Hälfte des zehnten Jahrhunderts jede Spur. Auch die da 
vorgenommenen Wiederaufrichtungsversuche der Griechen scheinen 
keinen besonderen Erfolg gehabt zu haben*). Gallipoli, noch 
im achten Jahrhundert als Bischofskirche nachzuweisen, ver- 
schwindet dann gänzlich und erscheint erst wieder im elften 
Jahrhundert^). Und der uralte Episkopat vonLecce taucht eben- 
falls erst wieder im letzteren Jahrhundert auf^). Castro ist vor 
dem zwölften Jahrhundert als Bistum nicht bekannt '), Ugento nicht 
vor dem dreizehnten^), ebenso Alessano^). In Lupia, wo noch unter 
Gregor d. Gr. ein Bistum bestanden hatte, wurde dieses mit der 
Stadt selbst vernichtet ^®). Andere Kirchen Apuliens verschwanden 
schon in alter Zeit dauernd i^). Dasselbe gilt auch von Kalabrien^^)» 

Was schließlich dieses Land^*) sonst betrifft, so zeigt sich 



1) Capp. XXI, 141. 2) Cappell. XXI, 145. Gams 901. 

3) Capp. XXI, 463 f., wo das einzelne unglaubwürdig. Vgl. G. 902. 

4) Ugh. IX, 55 f. Cappell. XXI, 300. G. 910. 

5) G. 882. Capp. XXI, 328. Vgl. U gh. IX, 100 f. I. d. Liste (s. N. 12). 

6) Ugh. IX, 70. Cappell. XXI, 312. G. 890, wo das Bistum erst 
1057 erwähnt ist. Die beiden Schriften: G. B. Cantarelli, Monogra- 
fia storica della cittä di Lecee, L. 1886 (176 S.) und C. de Giorgi,. 
La provincia di Lecee, L. 1890, konnte ich mir nicht verschaffen. 

7) Capp. XXI, 307. G. 873. 8) Capp. XXI, 318. 

9) Capp. XXI, 322. 10) Capp. XXI, 317. 11) Jung a. a. 0. 

12) Vgl. namentlich Erich Caspar, Die Chronik von Tres Ta- 
bernae in Calabrien (Quellen und Forsch, aus ital. Archiven und Bibl. 
Bd. X [1907]), wo mit Recht das Schicksal des Bistums in Tres Tabernae 
als typisch für die analogen Verhältnisse in ganz Süditalien bezeichnet 
wird. In der Chronik (vgl. a. a. 0. S. 16) wird von der Vernichtung 
und Translation vieler Bistümer Kalabriens berichtet. Sie erscheint 
mindestens in diesem Teile durch die sonstigen Nachrichten als völlig 
beglaubigt. A. a. 0. S. 17 ff. auch über die Wiederaufrichtung der 
Städte und Bistümer durch Griechen und Normannen. — S. ferner die 
oben (S. 32 N. 1) bereits erwähnte Abhandlung von Duchesne in den 
Melanges Paul Fabres (S. Iff.): Les ev6ch6s de Calabre (Ind.: De 
l'or. des ev. et prov. eccl. d. le Bruttium et la Lucanie), wo (S. 9f.> 
das Bistums Verzeichnis Leos des Weisen von 900 (nach H. Geizer,. 
Georgii C. deser. orb. Rom., Leipz. 90, 57 ff.) verwendet wird. AUeia 
diese Liste beweist wohl nicht den tatsächl. Bestand der Kirchen. — 



— 63 — 

UD8 — um mit der Südspitze zu beginnen — zunächst im Erz- 
stift von Reggio di Calabria eine große Verwüstung durch 
Griechen und Sarazenen, Auch finden wir eine gewaltige Lücke 
in der Bischofsliste. Immerhin hat sich diese Kirche möglicher- 
weise forterhalten, wenn dies auch ziemlich unwahrscheinlich 
ist^). Traurig war jedoch die Lage ihrer Suffragankirchen. Sie 
sind jedenfalls den Verheerungen zum Opfer gefallen. 

Von Bova wissen wir von 649 bis weit ins elfte Jahr- 
hundert hinein nichts 2), Squillace (Squillaci), noch 870 als Bis- 
tum nachweisbar, versehwindet dann gleichfalls bis zum Ende» 
des elften Jahrhunderts^), ungefähr bis ebendahin bleibt Tropea 
— und zwar von 787 an — versehollen*). Vom Jahre 844 an 
verschwindet — und zwar für noch länger — Nicotera^). Stadt 
und Bistum Mantea (Amantea), noch an der Wende des neunten 
und zehnten Jahrhunderts nachweisbar, verschwinden dann dauernd 
aus der Geschichte^). Marcelliano (Cosolino) wird zuletzt im 
achten Jahrhundert erwähnt^). In Cotrone (Crotone) wurde um 
900 mit der Stadt selbst auch das Bistum zerstört. Bischof und 



Endlich die einschlägt. Werke von Gay, Minasi u. Dom. Taccone- 
Gallucci, bes. des 1. Cronot dei metr. arc. e v. d. C, Trop. Nie. 02. 

1) Garns (S. 916) hat eine Lücke von c. 879— 1014. Die Er- 
wähnung zu 916 bei Ugh. IX, 324 ist möglicherweise zutreffend, da 
die Okkupation der Stadt durch die Sarazenen erst 918 beginnt. Sehr 
unwahrscheinlich ist wohl allerdings die Erwähnung zu c. 950 bei 
Cap pell. XXI, 157 (vgl. S. 152). Im Jahre 1014 erfolgt die Befreiung 
der Stadt vom Sarazenenjoch. Ygh E. Cotroneo, La chiesa metropoli- 
tana di Reggio di Calabria (Rivista storica Calabrese XIII [05] S. 7ff.);. 
C. Guarna-Logoteta, Cronaca dei vesc. usw. di ,Regg. d. Cal. (ed. 
Minasi i. Riv. VII [99]). Dess. Storia della catt.usw. (a. a. 0. X [02]) 
behandelt ebenso wie Cotr. St. d. catt., Nap. (Lanciani) 03 die spätere 
Zeit. S. a. dess. St. delle parr. usw. Riv. XIII (05). — Die Kirche steht i.d.L. 

2) G.860. Vgl. Ugh. IX, 340; Capp.XXI,174. — S.a. oben S. 20 f. 

3) G. 927. Vgl. Ugh. IX, 424. Cappell. XXI, 229. In der Liste. 

4) G. 937. Eingegangen ist es sicher während der Okkupation, 
durch die Araber. Vgl. Ugh. IX, 450; Cappelletti XXI, 218, auch 
Hartm. Italien III/2, 141. Steht i.d.L. Vgl. a. Du eh. S. 11 u. nächste A. 

5) Nach G. 906 (s. a. Cappell. XXI, 214) letzte Erwähnung zu- 
gleich mit der von Tropea. Vgl.jedoch CorsOjCronistoria civile ereligiosa 
della cittä, di Nicotera, Napoli 1882. Findet sich i. d. Liste, S. a. Tac- 
cone-G., Monografia delle dioc. di Nie. e Tropea, Regg. C. (Morello) 04.. 

6) Und zwar wurde sie, von den Sarazenen schon im 9. Jahrhundert 
arg heimgesucht, von diesen nach einer kurzen Wiederherstellung" 
durch Nicephorus (890) vernichtet; Capp. XXI, 225. Vgl. Hart- 
mann, III/2, S. 141; Camera, Amalfi I, 114 u. Duch. Liste u. S. 11.. 

7) Cappell. XXI, 237. 



— 64 - 

Elerus erlitten hierbei den Tod. Der Untergang währte zwei- 
einhalb Jahrhunderte ^). Noch weit größer ist aber die Lücke in 
der Überlieferung hinsichtlich der Hochkirchen von Gerace (Geraci)^) 
und Isola ^). Und betreffs Nicastros (Nicastris) ist die Erinnerung 
an die ältere Zeit überhaupt geschwunden*). Wie eine Neu- 
errichtung nimmt sich die Herstellung der Hochkirche am Ende 
des elften Jahrhunderts aus^). Das Bistum war also, wenn es, 
was ziemlich sicher ist ^), schon früher bestanden hatte, gänzlich 
vernichtet worden. Von Catanzaro endlich fehlt uns die Über- 
lieferung von 783 an bis zum Ende des elften Jahrhunderts^), von 
Cassano vom 5. Jahrhundert bis zur Mitte des elften s). Oppido 
hat wohl in älterer Zeit nicht bestanden^). Stadt und Bistum 
Taverna sind im Sarazenensturra verschwunden^")- Ebenso Tri- 
schine. Dieses Bistum wird auf Catanzaro übertragend^). 

Ähnliche Bilder zeigen sich uns dann endlich auch von den 
Bischofskirchen in den Provinzen Cosenza und Rossano. In 
Cosenza ist von 743 bis 930 kein Bisehof nachzuweisen^^). Und in 



1) G. 879. S. a. Liste. 

2) G. 882. In d. Liste. Über Mileto, Carina u. Meria Duch. Iff. 

3) Hier wohl richtig Cappell. XXI, 195 (7.-11. Jahrhundert). 
G. 886 hat die ältere Überlieferung' übergangen. In der Liste. 

4) G. 905. Vgl. ügh. IX, 401; Cappell. XXI, 200 f. Die Be- 
zeichnung deutet auf Neugründung. Doch hat schon eine ältere Stadt 
m.e.Bist. dort bestanden (Lisania oder [Duch.l] Tempsa?) S. a. Liste S. 10. 

5) Ugh. IX, 402 (1101): Dotierung der Bischofskirche durch den 
Grafen Richard — episcopatui atque . . . ipsius ecclesiae cathedra prae- 
sidenti omnibusque eiusdem successoribus, quae ecclesia sub Neo- 
castro . . . a sorore mea A. f und ata est. — Es handelt sich nicht 
um bloße Erneuerung des Gebäudes. Dagegen spricht ja neben allem 
anderen schon die mit der fundatio vorgenommene dotatio. 

6) Ugh. a. a. 0. nimmt mit Recht an, daß die Vernichtung durch 
die Sarazenen geschah. Über d. alt. Zeit a. Duchesne 1 u. oben N 3. 

7) Ugh. IX, 866. Capp. XXI, 182 setzt den Bischof Leo nach 961. 
Vgl. G. 874. C. Sinopoli, Ser. cronologica dei vescovi di Catanzaro, 
Catanzaro (Caliö) 1905, S. 3 f. ist ohne stichhaltigen Grund gegen die 
ältere Überlieferung. — Das Bistum fehlt in der Liste. 

8) G. 871. Capp. XXI, 239; über Heimsuchungen durch Sara- 
zenen 238. Fehlt 900. 

9) Capp. XXI, 176. G. 909, Cand. Zerbi, Della cittä, chiesa 
e diocesi di Oppido Mamertina e dei suoi vescovi, notizie chronistoriche, 
Rom 1876. Fehlt 1900. Über andere spätere Kirchen Duchesne 11 f. 

10) Capp. XXI, 181. Vgl.S.62N.12.Ub.TaurianaDuch.lu.(Liste)9. 

11) Capp. XXI, 181 f. Wohl zwischen 961 und 971. Nach Tri- 
schine wird im 12. Jahrh. der Bischofssitz von Taverna verlegt? Fehlt 900. 

12) G. 878. Die Stadt 902 (920?) von den Sarazenen erobert (Capp. 



— 65 — 

Martarano ist das gleiche von Ende des neunten bis zum Ausgang 
des zehnten Jahrhunderts der Fall^). Wenigstens ebensolange 
aber dauert die Pause in Eossano ^) und noch länger in Turio ^). 
Stadt und Bistum Tempea verschwinden seit dem sechsten 
Jahrhundert. An derselben Stelle erscheint erst im zwölften (elften?) 
Jahrhundert wieder ein Bischofssitz Sau Marco bezeugt*). Bisi- 
gnano weist eine Lücke von 743 bis 970 auf^). In der Zeit 
der Okkupation dieser Stadt durch die Sarazenen war das in 
älterer Zeit dort befindliche Bistum untergegangen 0). Mileto 
wurde als Bistum 1070 von Gregor VII. (wieder?) errichtet^). 

In Santa Severina reicht die Lücke der Überlieferung vom 
achten (?) Jahrhundert bis zum Ende des elften 8). Sein Suffragan- 
bistum Beicastro ist vor c. 1122 unbekannt^), Strongoli vor 
1178 ^°), San Leone sogar vor 1322 ^'^), doch haben alle drei Kirchen 
in älterer Zeit sicher bestanden. Cariati, wofür noch im siebenten 
Jahrhundert ein Bischof nachzuweisen ist, ward von den Sarazenen 
vernichtet. In Gerenza (Cerenzia) war um die Mitte des zehnten 
Jahrhunderts ein Bischofssitz, Bischöfe lassen sich aber erst seit 
Ende des elften nachweisen. Beide Kirchen erscheinen später 
vereint — ein Zustand, der wohl auf die Sarazenenzeit zurück- 
reichen mag. Ebenso ist der Sprengel von Paterno, wovon noch 
Ende des siebenten Jahrhunderts ein Bischof bekannt ist und 
das hierauf gleichfalls von den Sarazenen vernichtet wurde, 

XXI, 285). Nächster Bischof erst in der Normannenzeit (1056). Die Kirche 
ist neben vielen anderen wohl im 11. Jahrh. von den neuen Herren 
wieder aufgerichtet worden. Vgl. a. Ugh. IX, 190 f. Steht i. d. Liste. 

1) G. 894. Gehört später zur Provinz Eeggio. ■ Fehlt i. d. Liste. 

2) Nach Capp. XXI, 274 f. von 820-980. Vgl. Ugh. IX, 280 f. 
Nach G. 917 wäre eine Lücke von 820 bis 1123 vorhanden. Liste S. 10. 

3)680—1031; Capp. XXI, 283. Nach Duchesne S. 1 Thurii = 
Eossano. Über Tauriana oben S. 64 N. 9. 

4) G. 892. Fehlt in der Liste. 

5) G. 858. Capp. XXI, 406 f. kennt die ältere Überlieferung nicht. 

6) Capp. XXI, 411. Steht in der Liste. 

7) G. 896. Capp. XXI, 437. Vgl. Taccone-Galucci (Domen.), 
Monografia della cittä e diocesi di Mileto, Napoli 1881. Vibo (= Mileto, 
Du eh. S. 1) i. d. Liste; s. a. oben S. 64 N. 1. 

8) G. 922. Vgl. a. Capp eil. XXI, 245 f. Ältere Überlieferung 
übrigens unsicher. Das Bistum ist wohl während der sarazenischen 
Okkupation im 9. Jahrhundert eingegangen. Vgl. Hartmann III/2, 
S. 141. Die Kirche findet sich in de Liste. Du eh. S. 10; vgl. a. S. 11. 

9) Capp. XXI, 251. G. 857. 

10) Capp. XXI, 2631 G. 927. 
. 11) Capp. XXI, 254 f. 

P öschl, Bischofsgat und mensa episcopalis. III. 5 



- 66 — 

später mit jenen Bistümern vereint i). Für Umbriatieo schweigt 
die Überlieferung vom fünften Jahrhundert bis zum zwölften^). 

Selbstredend vrar die Lage auf den Mittelmeerinseln noch 
ungünstiger als auf dem Festland. Namentlich ging natürlich 
in Sizilien die ältere Bistumsverfassung und damit jegliche kirch- 
liche Ordnung völlig unter ^). Erst im elften Jahrhundert wurden 
hier von den Normannen die Bischofssitze wiederhergestellt^). 

Im einzelnen zeigen sich da folgende Verhältnisse, die wir 
auch noch kurz erwähnen wollen, damit der Leser eine möglichst 
deutliche Vorstellung von dem Umfang dieser Verheerungen gewinnt. 

In Palermo, noch e. 819 erwähnt, erlischt das Bistum bald 
darauf, um erst wieder in der zweiten Hälfte des elften Jahr- 
hunderts aufzuleben^). Für sein Suffraganbistum Cefalü ist 
noch 868 ein Bischof nachzuweisen. Dann ist die Eeihe bis 
zum zwölften Jahrhundert unterbrochen*'). In Mazzara (Marsala) 
reicht die Lücke vom sechsten Jahrhundert bis zum Ende des 
elften'^). Im benachbarten Lilibea verschwindet das alte Bistum 
— noch 787 erwähnt — in der sarazenischen Eroberung ganz, 
sein Sprengel wird im elften Jahrhundert mit dem von Marsala 
vereint s). Trapani, noch im neunten Jahrhundert ein selb- 
ständiges Bistum, verschwindet später gleichfalls. Auch sein 
Sprengel wird ein Teil desjenigen von Marsala 9). Also auch hier 
Untergang vieler alten Kirchen und Vergrößerung der Sprengel 
im Laufe der Zeit. 

Messina wird in der zweiten Hälfte des neunten Jahr- 
hunderts (nach 868) von den Sarazenen vernichtet und erst 1090 
von Roger wiederhergestellt^"). Sein Suffraganbistum Lipari ging 



1) Capp. XXI, 257 f. G. 869. Cerenzia in der Liste (S. 10). 

2) Capp. XXI, 268. G. 938. Steht auch in der Liste. 

3) Sizilianische Bischöfe tauchen vereinzelt auch später in andere 
Gegenden versprengt auf; z.B. Hartm. III/2, S. 160 (in Oria). 

4) Cajetani Isagoge cap. 37 (bei Graevius, Thesaurus Siciliae 
II, Sp. 176 f.). Vgl. a. die Diss. v. E. Caspar, Die Gründungsurk. der 
siz. Bistümer u. d. K.-Politik Gf. Eogers L, Innsb. (Wag-ner) 1902; ferner 
Lancia di Brolo, Storia della chiesa in Sicilia L, Palermo, I 1880. 

5) Capp. XXI, 529. G. 951. Über die griechische Kirche doi*t 
sehr richtig Mayer im Eist. Jb. 27. Bd. (1896) S. 487. 

6) Capp. XXI, 540 f. G. 945, wo über die Neugründung des Bis- 
tums durch Roger I. 1131. Nach Chevalier, Eep. II, 621 letzte Er- 
wähnung (vor der Unterbrechung) 869—870. 

7) Capp. XXI, 547 f. G. 948 streicht die alte Überlieferung. Jeden- 
falls Neugründung 1093 durch Roger I. 8) Capp. XXI, 549. G. 955. 

9) Capp. XXI, 557. G. 955. 10) Capp. XXI, 561. G. 949. 



— "67 — 

ungefähr zur selben Zeit (c. 879) ein. Im Jahre 1088 gründet 
Eoger dann zunächst dort eine Benediktinerabtei. Ein Wieder- 
aufrichtungsversuch eines griechischen Bistums scheint dawischen 
zu liegen. Jedenfalls hatte er keinen Erfolg. Erst im zwölften 
Jahrhundert wird dort wieder ein Bischofssitz errichtet ^). Patti 
wird auch im zwölften Jahrhundert ein Bistum. Ob es in älterer 
Zeit bestanden hat, ist unsicher 2). Stadt und Bistum Tindari, 
bis 866 nachweisbar, sind kurz darauf untergegangen 2). Troina, 
vor der mohammedanischen Eroberung ein selbständiges Bistum, 
verschwindet dann völlig*). Im Jahre 1090 erfolgt die Trans- 
lation eines Titularbischofs von Troina nach Messina ^), 

Monreale war wohl in älterer Zeit kein Episkopat^). Wohl 
aber sein späteres Suffraganbistum Girgenti. Für dieses zeigt 
sich eine Lücke während der ganzen Okkupation durch die 
Sarazenen, von c. 800 (825) bis 1093"^). Das alte Bistum Taor- 
mina wird 902 von den Sarazenen vernichtet^). 

In Sirakus verschwindet das Bistum c. 876 und wird 1093 
wiederhergestellt^). In Catania währt die Lücke von c. 870 bis 
c. 994^°). Ende des neunten Jahrhunderts gehen die Bistümer 
von Leontino, Termini und Alesa dauernd unter ^^). Für Camerina 
erlischt die Überlieferung schon im sechsten Jahrhundert ^^). Von 
anderen Kirchen ist der frühere Bestand (als Kathedralen) 
wenigstens wahrscheinlich ^^). 

Aber auch in Sardinien und Korsika findet man ähnliche 
Zustände. Auf letztgenannter Insel kann vielleicht das Schicksal 



1) Capp. XXI, 575. G. 946. 

2) Capp. XXI, 582. G. 953. Ja, es ist auch sein Bestand im 
12. Jahrhundert unsicher. Erste sichere Erwähnung erst 1399. Vgl. a. 
Nie. Giardina, Patti e la cronaca del suo vescovato, Siena 1889. 

3) Capp. XXI, 588. G. 955. 4) G. 655. 5) G. 649. 

6) G. 950. Vgl. Cappelletti XXI, 589 f. 

7) Garns 943. Capp. XXI, 5991 Zur neuen Zirkumskription 
der Diözese a. J. 3710 (1098). Die erste ürk. hei Garufi im Archivio 
storico Siciliano 28 (1903) ist vom Jahre 1093. 

8) G. 955. Capp. XXI, 609. Vgl. Hart mann III/2, 158 f. 

9) G. 954. Capp. XXI, 621. Über die Wiederherstellung vgl. 
a. die Urkunde Urbans IL bei Pirri, Sic. Sacra I, 617 (J. 5497). 

10) Capp. XXI, 636. Nach G> währt die Unterbrechung noch länger. 

11) G. 955. Capp. XXI, 643 f. 

12) Capp. XXI, 645. Über andere, bisher noch nicht genannte 
Bistümer Siziliens, die in der Sarazenenzeit dauernd untergegangen 
sind, G. 955. 

13) Capp. XXI, 645. 



— 68 — 

der Kirche als etwas günstiger bezeichnet werden i). Was nämlich 
da zunächst die zur Provinz Genua gehörigen Bistümer betrifft, 
so zeigen sich in Acci (Accia) und Marana (Mariana) ver- 
hältnismäßig nur geringe Lücken 2). Dagegen ist Nebbio jahr- 
hundertelang verschollen 2) und ebenso die zur späteren Provinz 
Pisa gehörige Hochkirche von Ajaccio^). Auch in Aleria sind die 
Nachrichten lange unterbrochen ö)^). 

Für die sardischen Bistümer zeigt die Überlieferung große 
Lücken''). Ebenso für die der übrigen Inseln^). 



Blicken wir nun am Ende unserer Wanderung, die uns 
von der Normandie die Küste entlang bis zur Südspitze Italien» 



1) Schon 852 (?) wurden von Leo IV. die von den Sarazenen 
vertriebenen Korsen auf Besitzungen der römischen Kirche und einiger 
ihrer Klöster angesiedelt; J. 2617. 

2) In Acci von 909 bis 930, dann allerdings bis 1133, G. 765; in 
Mariana von 909—940, dann wieder bis 1113, G. 766. 

3) 649—1283; Ugh. IV, 1011. G. (767) streicht die allerdings 
höchst zweifelhaften Nachrichten für die ältere Zeit ganz. 

4) Von 649 bis ins 12. Jahrhundert. G. 764. Vgl. Ugh. III, 494. 

5) 813—981; G. 765. 

6) Sagona ist als Bistum erst seit dem 12. Jahrh. bekannt; G. 767. 

7) Ales 778 — g. 1147 (G. 831); Civitä, Terranova und Tempio 
778—1173 (G. 833); Bosa 778 (nach der ersten Vertreibung der Sara- 
zenen) — 1073 (G. 834); Cagliari 787—1017; von dem ersten Bischof, 
der da wieder erwähnt wird, Humbert (er wurde übrigens Metropolit 
der ganzen Insel), heißt es, daß er die Kirchen wiederhergestellt habe. 
Vgl. die Stelle bei G. 835. S. a. Franc. Sulis, Brevi cenni sulla 
istituzione, antichitä ed eccellenza dell' archidiocesi di Cagliari, Con 
noti, C. 1881; Iglesias 778—1089 (G. 837); Nuoro Galtelli 778—1038. 
(G. 838) und Sassari 778—1038 (G. 839). — Oristano taucht erst im 
10. Jahrhundert auf (G. 838). Seit dem 11. bekannt ist Suelli (G. 841> 
und Ploaghe (G. 841). Terralba wird erst vom 12. Jahrhundert an 
als Bischofssitz überliefert (G. 831); ebenso Ampurias (G. 832), Bisarcio 
(G. 833), Castro (G. 836), Santa Giusta (G. 839), Sorra (G. 840) und 
Ottana (G. 841). Seit dem 7. Jahrhundert verschwunden sind Fordon- 
giano (Forum Traianum) und Fasiana (G. 842). Nicht zugänglich war 
mir S. Pintus, Vescovie arc. di Torr es usw. i. Arch. stör. Sardo I (1906). 

8) In Malta z. B. verschwindet das Bistum vom Ende des 9. bis 
zum Ende des 11. Jahrhunderts. G. 947. Im Jahre 874 wurde der 
letzte Bischof von den Sarazenen gefangen nach Sirakus gebracht; 
Cappell. XXI, 650. Vgl. a. Albert Mayer, Zur G. der älteren christ- 
lichen Kirche von Malta Hist. Jahrb. XXVII. Bd. (1896), S. 475 ff., be- 
sonders 468 ff. 



— 69 — 

und auf die Inseln geführt hat, zurück, und vereinigen wir uns 
die Bilder, die sich uns da geboten haben, so erkennen wir 
bereits in beträchtlichem umfang die Verfallserscheinungen auch 
bei den Bischof skirehen in jener Zeit, die uns das, was wir im 
folgenden berichten wollen, nun allerdings leicht verständlich 
machen werden. 

Allein, mit den genannten Bistümern ist der Kreis der 
hierher gehörigen Fälle noch nicht geschlossen. Auch in den 
übrigen Gebieten, die für uns noch zu betrachten bleiben, auf 
der weiten Fläche der östlichen und nördlichen Grenzländer so- 
wie im Inneren des einst karolingischen Machtbereichs war die 
Lage der Hochkirchen schlimm, wenn auch im allgemeinen 
günstiger als in den bisher besprochenen Gegenden. Auch diese 
Bistümer dürfen nicht unerwähnt gelassen werden, soll sich das 
Ganze zu einem richtigen Gesamtbild runden. Wir können 
uns immerhin im folgenden kürzer fassen. Daß wir es in der 
damaligen Verfallslage der Bistümer tatsächlich mit einer Massen- 
erscheinung zu tun haben, ist ja schon aus den bisherigen Aus- 
führungen ersichtlich. Jedes einzelne Bistum zu betrachten können 
wir aber für die übrigen Gebiete schon deshalb unterlassen, weil 
besonders zahlreiche Verfallsnachrichten gerade dafür durch unsere 
späteren Ausführungen geboten werden. Auch wird — ganz 
abgesehen von dem sonst noch beigebrachten — schon die Lage, 
in der wir sogar die — und zwar fast alle — einst so mächtigen 
und altehrwürdigen Erzstifter — wie z. B. Salzburg, Trier, 
Eeims — im folgenden antreffen werden, ein Licht auch über 
das Schicksal der übrigen Bistümer verbreiten und mit Sicher- 
heit auf noch trübere Verhältnisse in den einfachen Hoch- 
kirchen schließen lassen. Überhaupt ließe sieh, wie hier aus- 
drücklich noch bemerkt sein mag, das Bild — und zwar gilt 
dies auch für die schon betrachteten Gebiete — viel mehr ins 
einzelne ausmalen, als dies unserseits geschieht. Eine genauere 
Schilderung ist aber nicht der Zweck dieser Ausführungen. Es 
soll ja hier nur die für unsere späteren Ausführungen nötige 
Grundlage gewonnen werden. 

F. Die übrigen Gebiete. 
In den noch nicht betrachteten Gebieten des ehemaligen 
großfränkischen Reiches war das Schicksal der Bistümer, wie 
bereits bemerkt, günstiger als im Westen und Süden. 



- 70 — 

Von vernicMeten Bischofskirchen hören wir da nur aus- 
nahmsweise. Immerhin aber hören wir auch hier davon. 

Namentlich sind die Lücken in den Bischofsreihen geringer 
und meist nur durch Vakanzen und Nachrichtenarmut, nicht aber 
durch den Untergang der Hoehstifter selbst veranlaßt. Aller- 
dings gibt es auch dafür eine Anzahl von Ausnahmefällen. 

Ferner ist die Überlieferung im großen und ganzen besser. 
Eben deshalb sind wir aber wieder in der Lage, von den tat- 
sächlichen Verhältnissen uns Kunde zu verschaffen und manchen 
trüben Zug aufzudecken, der uns anderwärts verborgen bleibt. 

Schreiten wir zunächst vom Süden im Kreise weiter zur 
Ostgrenze, so treffen wir in Bayern arg zerrüttete Zustände in 
der Kirche und besonders in den Hochstiften an. Salzburg und 
seine damaligen Suffragane Sehen (Brixen), Freising, Regensburg 
und Passau ^) hatten namentlich unter den Einfällen der Magyaren^ 
aber auch in den inneren Wirren schwer gelitten. Immerhin 
konnten sich alle diese Kirchen forterhalten. Natürlich ist aber 
die kurz vorher (im neunten Jahrhundert) neuaufgerichtete Bis- 
tumsverfassung im mährischen ßeich^) mit diesem selbst und 
allen kirchlichen Einrichtungen vom Ungarnsturm wieder hinweg- 
gefegt worden^). 

Etwas besser als in Bayern verhält es sich im großen und 
ganzen mit den Bistümern in Sachsen. Immerhin befinden sich 
auch hier die Hochkirchen, namentlich die Bistümer der nordischen 
Mission, in schwerer Bedrängnis^). Schon die Vereinigung der 
Kirchen von Hamburg und Bremen in der Mitte des neunten 
Jahrhunderts ist durch die schlimme Lage, vor allem des ersteren 
Bistums veranlaßt worden^). 



1) Ygl. z. B. Eiezler I, 256 über Passau oder Lüttich S. 57 
über die Schädigung der Kirche von Freising durch die Ungarn usw. 
Im übrigen namentlich auch die folgende Darstellung. 

2) V. Luschin, Ost. RG. S. 52. 

3) Kiezler, I, 253. Lüttich, Ungarnzüge (Ehering, Hist. St. 
H. 84) S. 45. Über Ostungarn vgl. Brackmann, Germania pont. I, 
165 f., Nr. 18 (973). Über die Translationsfrage z. ß. M. 1954 a (899). 

4) Vgl, da namentlich Ad. Bremensis I, 54: In diebus illis im- 
manissima persecutio Saxoniam oppressit, cum hinc Dani et sclavi^ 
inde Behemi et Ungri laniarent ecclesias. Tune parrochia Hamma- 
burgensis a Sclavis et Bremensis Ungrorum impetu demolita est. Siehe 
auch Dümmler III, 596 N. 2 und dagegen Lüttich S. 63 f. m. N. 82. 

5) Hauck IP, 679 ff. Vgl. auch Richter-Kohl, Ann. Il/g, 
S. 339 f. N. e. Vgl. immerhin auch die Fälschung M. 1792 (888). 



— 71 — 

Auch sonst, auch in Niederlothringen und Westfranken, 
weist die Küstenlandschaft an der Nordsee, die Gegend von 
Friesland, Flandern und Brabant sowie die spätere Pikardie — 
und damit stoßen wir wieder auf die Normandie, von der wir 
bei unserer Grenzwanderung ausgegangen sind — besonders un- 
günstige Bistumsverhältnisse auf^). Hier hatten ja namentlich 
die Normannen besonders arg gehaust 2). 

In diesen Gegenden ist der Untergang mehrerer Hoeh- 
kirchen an der Wende des neunten und zehnten Jahrhunderts 
wenigstens wahrscheinlich^). 

So sehen wir die Bischofsstadt Utrecht schon 856 von einer 
dänischen Piratenflotte im Sturm genommen und dem Erdboden 
gleichgemacht — daß, wie berichtet wird, „kein Hund übrig- 
blieb"! Daß bei einer solchen Verheerung auch der Bischofssitz 
einging, ist selbstverständlich. Tatsächlich siedelt der Bischof 
ins St. Peterskloster Berg über^). Auch Nachfolger wurden ge- 
weiht. Die Diözese wurde also, formell wenigstens, aufrecht- 



1) Es mag hier des Zusammenhang'es wegen noch darauf hin- 
gewiesen sein, daß auch in England die Verhältnisse ähnlich, die 
Kirehenverfassung* in Gefahr war, abermals unterzugehen. Durchweg 
Avar der Verfall durch ähnliche Ursachen veranlaßt wie in den von 
uns betrachteten Gebieten. Und das ist für uns besonders lehrreich. 
Überhaupt wird später — bei genauerer Durchforschung der eng- 
lischen Eechtsgeschichte — noch manches Licht zurückfallen auf die fest- 
ländische Entwicklung. Mediatisierungsbestrebungen, Säkularisationen, 
Heideneinbrüche waren die Hauptursachen der Zerrüttung der hier- 
archischen Verhältnisse in England. Auch dort ließ man damals die 
Bischofssitze verwaisen, die Bischöfe aussterben — insoweit man sie 
nicht gewaltsam entfernte — s. z. B. J. 3506 (891—896). Die Unter- 
brechungen vgl. bei Gams SS. 180 ff. Zum ganzen vgl. namentlich 
John Inett, history of the english Church I, 348 ff. sowie die ein- 
schlägigen Werke von Gneist und Stubbs; auch Makower, Die 
Verfassung der Kirche von England, Berlin (Guttentag) 1894, S. 6 ff. 
und andere. 

2) Henri Pirenne; G. Belgiens I, S. 42ff., wo auch über die 
Landabtretungen an die Normannen und den Einzug des Heidentums. 
P. J. Blök, G. der Niederlande I, 133 ff. 

3) Vgl. Alt|freds V. S. Liudgeri (SS. 11, 413): concrematae sunt 
aecclesiae, monasteria defuncta, deserta ab habitatoribus praedia in 
tan tum, ut . . . regiones maritimae, quas prius multitudo tenebat ho- 
minum, pene sint in solitudinem redactae. 

4) Vogel S. 159. Vgl. Pirenne I, S. 42. Blök I, 135. Über 
die Schenkung von Odilienberg an den Bischof durch Lothar zur Ab- 
hilfe Blök a. a. 0. u. 164. 



— 72 — 

erhalten 1). Sie residierten in Deveater^). Erst Bischof Baldrich I. 
entriß 930 die Stadt den Dänen und erbaute wieder die alte 
Bisehofskirche, indem er sie gleichzeitig befestigte^). 

Llittieh ist allerdings etwas glimpflicher davongekommen*). 
Es wurde zwar auch 881 mit dem umliegenden Land von Grund 
aus verwüstet, allein das Bistum konnte sich trotz Einäscherung 
der Kathedrale und trotz späterer feindlicher Einfälle^) erhalten^). 

Auch in dem zur Reimser Provinz gehörigen Teil der ge- 
nannten Gebiete möchte ich den Untergang einiger Hochkirchen 
in der in Rede stehenden Zeit annehmen. 

Die beiden alten Episkopate von Arras und Tournay ver- 
schwinden auf mehrere Jahrhunderte ganz. Ihre Sprengel er- 
scheinen später mit denen von Cambrai, bzw. Noyon vereint. 
Dieses Auskunftsmittel kennen wir bereits. Allerdings ist im 
vorliegenden Fall — wie wir dies ja gleichfalls anderwärts schon 
gesehen haben — die Überlieferung schon seit dem sechsten Jahr- 
hundert unterbrochen 7). Trotzdem wird — darauf weisen die- 
selben Argumente wie anderwärts — der Untergang der beiden 
Bistümer im zehnten Jahrhundert erfolgt sein ^) ^). 



1) Daher in der Bischofsreihe nur kleinere Lücken (z. B. 890 
bis 900). G. 255. 

2) Vogel S. 308. Blök I, 140, 164. 

3) Vogel S. 308f. Anbahnung der Wiederherstellung schon 929. 
0. 28 h. Z. S. a. Blök a. a. 0. 

4) Bischofsreihe ziemlich lückenlos. G. 248 f. 

5) Z.B. 891. Vgl. a. Pirenne 1,43. Blök I, 137. Kurth, pass. 

6) G. C. III, 835. 7) Nach Garns. 

8) Darauf deutet auch folgende Stelle im Diplom Urbans II. bei 
Wiedererrichtung (Gründe bei Luchaire, Manuel 40 N. 1) von Arras 
(G. C. III, 321; a. 1092; J.?): Solet enim fieri, ut ecclesiae persecutionis 
tempore, suis ordinibus, suis populis, subsidiis etiam temporalibus 
destitutae, aliis temporaliter (=: zeitweilig!) committantur ecclesiis. 
Postquam vero iis, quibus imminutae fuerant, domino donante abun- 
dare coeperant, pristinam recipiant dignitatem usw. So konnte man 
im 11. Jahrhundert (oder gehört die Urkunde gar noch ins 10. Jahr- 
hundert?) leicht sprechen, wenn jene Vernichtung, von der da die Rede 
ist, im 10. erfolgt war. Schwerlich aber, wenn das im 6. geschehen 
war. — Über die Wiederherstellung von Arras und die sich daran- 
knüpfenden Streitigkeiten, die auch einiges Licht über die voraus- 
gehenden Verhältnisse verbreiten, vgl. auch Urbans II. hierher gehörige 
Diplome: J. 5i72, 73 (1092); 5477, 78, 84, 85, 90, 91, 5500 (1093); 5512, 
13, 14, 15, 18 (1094); 5546, 47, 70, 74, 84, 85 und p. 91 (Conc. Clerm.) 
(1095). Betreffs Noyon-Tournay J. 5717 (1098). 

9) Ich lasse obigen Absatz absichtlich in der Form stehen, wie 



— 73 — 

Daß auch die Lage der übrigen Bischofskirchen in jenen 
Gegenden schlimm genug war, ergibt sich aus zahlreichen Nach- 
richten^). 

Aber auch im Landesinneren waren die Bistumsverhältnisse 
in arger Weise zerrüttet. Es entrollen sich da — wo immer 
ein Lichtstrahl das Dunkel durchbricht — Bilder trostlosester 
Art. Und zwar ist das, wie bereits angedeutet, nicht nur bei 
den einfachen Bisehofsstiftern der Fall, sondern auch bei den 
wichtigsten Metropolitankirchen des Reichs. Es ist in jener Zeit 
etwas Gewöhnliches, Bischöfe wie Metropoliten bei ihrem Amts- 
antritt über die trostlosen Zustände ihrer Kirchen klagen zu 
hören. Und auch sonst bedauert jeder, dem das Interesse an 
kirchlicher Ordnung noch nicht ganz abhanden gekommen war, 
in damaliger Zeit die Zustände auch dieser wichtigsten geist- 
lichen Anstalten. Es geht auch in bezug auf sie eine ununter- 
brochene Klage durch die Quellen. Und wohl für jedes einzelne 
Bistum ließe sich da die eine oder die andere derartige Nachricht 
— soweit eben die Überlief erung nicht ganz aussetzt^) — sammeln ^). 

ich ihn vor längerer Zeit geschrieben. Wie richtig die Argumentation 
ist, läßt sich jetzt dadurch erweisen, daß mir mittlerweile ein Bischof 
aus der zweiten Hälfte des 9. Jahrhunderts bekannt geworden ist. Es 
ist der Eageuelmus Tornacensis ecclesiae episcopns, der 876 zu 
Ponthion mitunterschreibt. (Capitularia II, S. 349, Z. 11.) 

1) Hier nur einige Einzelheiten, die sich leicht vermehren lassen: 
Der c. 895 aus seinem Sitz verjagte Bischof von Therouanne erhält 
das Bistum Chälons-s,-M, J. 3507 (c. 896). Über die Zerstörung der 
ersteren Stadt durch die Normannen vgl. z. B. Vogel S. 181 ; 
Pirenne S. 43. Cambrai, das schon in den sechziger Jahren des 
neunten Jahrhunderts unter längerer Vakanz litt (vgl. z. B. J. 2730; 
a. 863), wurde 881 (Pirenne 43) und c. 910 eingeäschert (Miraeus 
II, 937; B. 1934; a. 912). Über die Zerstörung der Kirche vgl. z. B. 
die Schrift De causa Cameracensis ecclesiae devastatae v. J. 996 
Hartzh. II, 676. In Senlis herrschten ähnliche Zustände wie in 
Eeims selbst (darüber § 12). Stadt und Bistum litten besonders unter 
der Belagerung der darin befindlichen aufständischen Großen durch 
OttoL, Ludwig übers Meer und Konrad von Burg und; B. ad 946. Usw. 

2) Denn immerhin ist auch in diesen Gegenden die Überlieferung 
damals ungleich dürftiger als für andere Zeiten. Wir erfahren von 
vielen Bischöfen nichts als die Namen. Vgl. z. B. Fisquet, La France 
pontificale (Eeimser Provinz) betreffs Soissons' S. 28, Laons S. 219 usw. 
Vgl. a. oben S. 8. Über die Nachrichtenarmut hinsichtlich Straßburgs 
z. B. Emil V. Borries, G. d. St. Straßburg (Straßburg, Trübner 1909). 
Große Lücken z.B. in Die, Viviers, Tarantaise etc. Duchesne, 
Fastes I^, 235, 239, 245 etc. 

3) Als durchaus typisch seien hier nur wenige Beispiele an- 



— 74 — 

Ein Bild der Zerrüttung zeigt sich also auf der ganzen 
Linie. Mancher Zug wird, wie gesagt, noch durch die folgende 
Darstellung ergänzend hinzugefügt werden. Das gesagte wird 

geführt; und zwar für Frankreich und Burgund etwa: G. C. IIb, 167 f. 
(c. 900—94:4): (Bischof Turpio von Limoges) de sede, quam mihi dominus 
regendum tuendumque . . . committere dignatus est, religionem auferri 
conspiciens — Mansi XVIII, 203 (J. 3520; a. 899); fast vernichtet 
(„pene iam ad nihilum deducta") nennt Johann IX. das Bistum 
Langres. — Über Reims vgl. J. 3553 (c. 914) und namentlich unten 
§ 12. — In bezug auf die schlimme Lage der Pariser Kirche s. be- 
sonders Bouq. IX, 505 (B. 1928; a. 907), wo das Bistum von Karl III. 
als „fast vernichtet" bezeichnet wird ; daß die Kirche schon unter dem 
Normanneneinfall von 868 schwer gelitten hatte, zeigt z. B. B. 1748, 
1774 (871), wo dem Hochstift zur Erholung aus seiner Notlage Gut 
restituiert, bzw. (die Abtei S. Eloi) geschenkt ward. — Betreffs des 
gänzlich verfallenen Bistums Mäcon vgl. z. B. Eagut S. 58 (937—962); 
(die Kirche hatte wohl schon bei der Belagerung der Stadt, wo sich 
Boso befand, durch Karlmann und Ludwig III. im Jahre 888 [vgl. B. 
S. 172] schwer gelitten). Vgl. a. Ragut S. .56 und dazu Imbart, 
Elections S. 239. — Vienne wurde gleichfalls schon im Kriege Bosos 
mit Karlmann verwüstet (881; B. n. 1858). — Über die Mißstände der 
Kirche von Autun vgl. z. B. Gart, de l'egl. d'Autun S. 69 f. ; über 
Lyon etwa B. S. 177 (Kampf Odos gegen seinen Neffen Waltger) ; über 
Basel z. B. Heusler, VG. der Stadt B. S. 14, wo auch über die Ur- 
sachen; speziell über die Zerstörung durch die Ungarn Lüttich, 
Ungarnzüge S. 66; vgl. dazu a. Rud. Wackerna gel, G. der Stadt 
Basel I (B. Helbing u. Lichtenhahn 1907) S. 2. — Für Deutschland 
(mit Einschluß ganz Lothringens) seien etwa folgende Stellen genannt: 
Hinsichtlich der Kirche von Chur z. B. DO. I, 26 (940): episcopium . . . 
valde desolatum — die Kirche litt namentlich unter den Einfällen der 
Sarazenen und Magyaren; s. darüber besonders a. Mayer, Chur S. 122, 
124 f., 139 (über die Einäscherung der Stadt 126). — Über die in der 
Diözese Konstanz namentlich durch die Ungarn angerichteten Schäden 
z.B. Lüttich, Ungarnzüge S. 57; (allerdings blieb hier die Kathedrale 
selbst verschont). Besonders im argen lagen die Bistumsverhältnisse 
in Lothringen. Hier sei z. B, auf Krüger, Bruno I. S. 49 f. betreffs 
der Zerrüttung der Verduner Kirche hingewiesen; diese Stadt wurde 
c. 900 in den inneren Wirren zerstört, wobei auch das Bistum schwer 
litt; 926 erfolgte die Plünderung des letzteren durch die Ungarn (z. B. 
Ottenth. 12e; vgl. a. Lüttich 72 f.). Über die Zerstörung von Metz 
z. B. Pirenne S. 43. Auch der alte Kölner Dom brannte 891 ab 
(J. 8469). Über Normannennot Blök I, 187. Auch Trier hatte nament- 
lich 894 im Heideneinbruch zu leiden. Für letztere Kirchen zeigen 
schon die bekannten Vakanzen der sechziger Jahre des 9. Jahrhunderts 
(vgl. hauptsächlich J. 2878, 89 [867]), daß neben den Hauptverfalls- 
ursacheii im sinkenden Karolingerreich auch noch andere Kräfte der 
Auflösung tätig waren und die Kirchen, namentlich auch die Bistümer 
schädigten. Usw. — Man betrachte, was hier noch besonders hervor- 



— 75 — 

aber genügen, um keinen Zweifel darüber aufkommen zu lassen^ 
daß wir es im damaligen Verfall der Bischofskirchen mit einer 
Massenerscheinung zu tun haben, die wir denn auch nunmehr auf 
Massenursachen zurückführen müssen. 

Freilich trat aber die Unordnung nicht überall gleich- 
zeitig ein. Wir finden einige Kirchen bereits im Zustand tiefster 
Zerrüttung, während in anderen noch verhältnismäßig geordnete 
Zustände herrschen. Auch dauert der Verfall nicht überall gleich 
lange. Da und dort setzt bereits früh das Reformwerk ein. 

Findet man daher gelegentlich neben verfallenen Kirchen 
solch scheinbare Ausnahmen, so kann dies das Gesamtbild nicht 
verwischen. Es kann eben — hier wie sonst — nur aus der 
Sammlung aller in Betracht kommenden Nachrichten der rich- 
tige Eindruck gewonnen werden. 

Namentlich fallen mitten in den Verfallszustand hinein 
bereits auch Ansätze einer künftigen Machtentfaltung der Bistümer, 
was häufig zu schiefen Vorstellungen von der Macht und dem 
Reichtum der Bistümer im allgemeinen in jener Zeit Anlaß gibt. 
Insbesondere gilt das für Italien^). 

Unsere nächste Aufgabe ist es nun, zwei Erscheinungen 
aus der damaligen Zeit, die mit der allgemeinen Lage ^) wie auch 
untereinander 2) innig zusammenhängen, herauszugreifen und ein- 
gehender zu betrachten. Es ist dies einerseits eine jedes vorher- 
gehende Maß bei weitem überschreitende Säkularisation kirch- 
licher Güter und andererseits die Entfremdung der Bischofskirehen 



gehoben sein mag, die angeführten Fälle nicht als mühsam gesammelte 
Beispiele, sondern als typische Bilder, die sich überall ungesucht 
zeigen, wo immer man näher zusieht — die überall sichtbar werden, 
wenn man gleichsam wie mit einem Scheinwerfer da und dorthin 
leuchtet. — Weitere Verfallsnachrichten auch hinsichtlich der Bischofs- 
kirchen, namentlich soweit sie durch die Einbrüche der äußeren Feinde 
veranlaßt worden sind, in der Literatur über letztere, z.B. bei Vogel, 
Normannen usw. Vgl. a. das folgende. 

1) Nicht richtig in diesen Fragen Hartmann III/2, 182 ff. Vgl. 
noch unten § 20. Doch hebt der Genannte a. a. 0. 186 und sonst (vgl. 
unten § 15 ff.) richtig die zahlreichen und großen Säkularisationen 
hervor. — Nicht ganz zutreffend auch Silvio Pivano, Stato e chiesa 
da Berengario 1. ad Arduino (888—1015), Torino (Bocca) 1909. 

2) Sie waren auch der Grund dafür, daß so häufig geklagt 
wird, die Kirche habe von den schlechten Christen mehr zu erdulden als 
von den schlimmsten Heiden. (Z. B. Hartm. in/2, 113.) 

3) Analog finden sich beide Erscheinungen ja auch sonst vereint, 
so zu Ende der Merowingerzeit; vgl. z. B. oben T. I § 5 usw. 



— 76 — 

vom Reich, die zu einer neuen Reclitseinrichtung- geführt hat: 
dem Mediatbistura. Dieses ist zwar in einigen Gebieten — wie 
in Deutschland — wieder beseitigt worden, ehe es zur vollen 
rechtlichen Ausgestaltung gelangt war. Immerhin war auch hier 
die Entwicklung schon in vollem Gange und ihre Berücksichtigung 
ist schon deshalb in unserer Untersuchung geboten — ganz ab- 
gesehen von den allgemeinen Zusammenhängen. In weiten Ge- 
bieten — namentlich in den romanischen Landen — ist es jedoch 
zu einem dauernden, teilweise durch Jahrhunderte bestehenden 
wichtigen Gliede im Yerfassungsorganismus geworden. 

Mit der letzteren Erscheinung haben wir zu beginnen, denn 
sie war bis zu einem gewisse Grade die Grundlage der ersteren. 



Zweiter Abschnitt. 

ßflediatisierung der Bistümer. 



§ 8. ])ie (xrundlagen der lokalen Blstumslierrscliaft. 
Entstellung mächtiger Lokalgewalten. 

Das Bistum der karoling-ischen Blütezeit war reichsunmittel- 
bar. Es unterstand in temporalibus ohne Zwischengewalt dem 
Herrscher^). Die Großen waren den Bisehofskirchen wie den 
übrigen Reichskirchen gegenüber im allgemeinen auf die gräf- 
lichen Rechte beschränkt. Und selbst diese wurden vielfach durch 
Immunitäten persönlicher, sachlicher oder örtlicher Art durch- 
brochen. Sie waren überdies dem einzelnen Inhaber nur nach 
Amtsrecht — jederzeit widerruflich und nur als Ausfluß der 
Reichsgewalt — übertragen. 

In wenigen Jahrzehnten tritt nun in diesen Verhältnissen eine 
grundlegende Veränderung ein. Durch einen Prozeß, der in 
seinen ersten Bewegungen unter Ludwig dem Frommen beginnt, 
wird die Bischofskirche mediatisiert, dem Reich entfremdet. Fast 
alle Befugnisse, die früher den Bistümern gegenüber fast aus- 
schließlich dem Herrscher zustanden, werden allmählich von an- 



1) Auszunehmen sind im allgemeinen nur die Bistümer des 
Kirchen Staates^ der ja selbst im karoling-ischen Herrschaftsgebiet eine 
Sonderstellung" einnimmt. Hier trat in unserer Frage — wie sonst 
(vgl. Mayer, It. VG. I, XLI) — die päpstliche Gewalt mit der kaiser- 
lichen (des Westens, in gewissem Sinne auch des Ostens) konkurrierend 
auf; Mayer H, 73. — Auch im sonstigen byzantinischen Machtbereich 
unterstand das Bistum, soweit man von einer temporellen Unter- 
ordnung überhaupt sprechen kann, unmittelbar dem Kaiser. Wir 
werden sehen, daß auch hier die Verhältnisse gleichzeitig mit denen 
im fränkischen Gebiet sich ändern. 



— 78 — 

deren Herren geübt. Zu Anfang des zehnten Jahrhunderts bereits 
untersteht fast jedes Hochstift einem lokalen Kirchherren. Das 
Eeichsbistum ist damals schon eine Ausnahme. 

Die dadurch herbeigeführte Lage bleibt, wie hier nochmals 
bemerkt wird, in ihren Grundzügen auch später noch — in vielen 
Gebieten durch Jahrhunderte — bestehen. Nur in einigen Län- 
dern — hauptsächlich in Deutschland — wird sie noch im 
zehnten Jahrhundert durch eine rückläufige Bewegung wieder 
verschoben oder ganz aufgehoben. 

Dieses Ereignis gehört nun aber wieder in einen größeren 
Zusammenhang. Es bildet nur einen Zug in der Entwicklung, 
die damals einen großen Teil von Reichsrechten in die Hände 
der Lokalgewalten gelangen ließ^) und hängt auf das innigste 
mit der dadurch herbeigeführten Umwälzung in der Gesamt- 
verfassung des Reichs, mit der Entstehung mächtiger Lokal- 
Gewalten zusammen. Es kann daher von diesem größeren Zu- 
sammenhang losgelöst gar nicht verstanden werden. 

Zwar ist auch da bisher — nämlich wieder Lokalschrift- 
stellern — schon einiges bekannt geworden. Und zwar, was 
speziell Italien anlangt, auch für die außerfränkischen Gebiete. 
So kannte man schon lange das Streben der Dogen von Venedig 
jener Zeit nach der Temporalherrschaft über die venezianischen 
Bistümer und nennt den Streit, der sich da entspann, nicht ganz 
unpassend, einen Investiturstreit, einen Vorläufer des großen In- 
vestiturstreits. Ebenso fiel auch anderwärts das Streben der Großen 
nach Unterordnung der Bistümer ihres Machtbereichs auf, so 
namentlich betreffs des deutschen Stammherzogtums usw. Oder 
■es wurden einzelne Züge beleuchtet, so hinsichtlich Frankreichs 
der Übergang des Rechtes der Bistumsbesetzungen auf die Großen 
u. a. m. 

Kirchenrechtlich gewertet, in ihrem ganzen oder auch nur in 
größerem Umfang erkannt und in ihre großen Zusammenhänge 
gestellt ist diese Entwicklung bisher aber noch nicht. Das soll 
eben die Aufgabe der folgenden Ausführungen sein. 

Dem Gesagten zufolge haben wir uns da nun vor allem die 
grundlegenden Erscheinungen, die Hauptbewegung selbst, das 
Emporkommen der herzoglichen Gewalten auf der ganzen Fläche 
des einstigen Karolingerreichs — und darüber hinaus — klar- 
zumachen. Immerhin müssen wir uns hier betreffs der AUgemein- 

1) Ähnlich zu Ende der Merowingerzeit. Weitere Analogien 
unten. 



— 79 — 

€iitwicklung auf ein paar orientierende Bemerkungen — auf Grund- 
linien — beschränken. Solehe sind jedoch schon deshalb unent- 
behrlich, da auch sie in der bisherigen Literatur nur zum Teil 
vorhanden und nirgends in der hier benötigten Allgemeinheit — für 
das ganze Gebiet — geboten sind, geschweige denn also von uns 
vorausgesetzt werden können. Selbstredend sind aber die fol- 
genden Mitteilungen lediglich auf unsere Bedürfnisse zugeschnitten. 

Element der karolingischen Verfassung war die Grafschaft i). 
Es gab zwischen ihr und dem Reich keine größeren Verwaltungs- 
einheiten von einiger Bedeutung. Die höhere Macht der Grenz- 
grafen bestand mehr tatsächlich als rechtlich. Die verantwortungs- 
vollere Stellung, die Notwendigkeit rascheren Handelns usw. gab 
ihnen eine gewisse Selbständigkeit im Entschluß, gesteigerte Macht ^). 
Im allgemeinen waren aber auch sie nur primi inter pares ^). Selbst 
die Königsbotsprengel können eigentlich nicht genannt werden. 
Sie wurden nicht einmal von besonderen Beamten, sondern be- 
kanntlich meist von Prälaten und Grafen geleitet*). Als stän- 
dige Einrichtung waren sie zudem im großen und ganzen nur vor- 
übergehend. Das Schwergewicht lag auf alle Fälle beim Reich. 

Binnen kurzem ist die Kräftegruppierung ganz anders. Je 

1) Ausnahmen im allgemeinen nur an den Eeichsgrenzen, wo 
namentlich den nur lose angefügten Völkerschaften — ihr Verhältnis zum 
Eeich trug mehr den Charakter einer Föderation an sich — ihr ein- 
heimisches Häuptlingtum gelassen wurde. Nicht richtig ist jedoch, 
was Eobert Holtzmann in seiner trefflichen Franz. VG. (München 
und Berlin [Oldenbourg] 10) S. 91 über die Gascogne und Bretagne 
sagt, daß dort nämlich Karl der Große das alte Herzogtum habe fort- 
bestehen lassen; s. unten §9. Wohl aber ließ der genannte Herrscher 
in Istrien den alten Dukat sich erhalten; v. Luschin, RG. S. 26. Über 
die Markenteilung S. 48, Um so mehr behielten die fremden Völker, die 
dem Frankenreich gar nicht einverleibt, aber doch mehr oder weniger 
unterworfen waren, die also außerhalb der Marken wohnten, ihre 
Stammeshäupter. Z. B. (auch für später) a. a, 0. 27, 28, 48 und sonst. 
Vgl. namentlich auch Otto Harnack, Die Beziehungen des fränk.- 
ital, zu dem byzantin. Reiche, Göttingen 1888. 

2) Denselben Ursachen verdankt auch der am meisten exponierte 
langobardische Grenzdukat Benevent seine überragende Stellung. 

3) Gelegentlich waren ihnen aber auch Nachbarkomitate (sei es 
mittelbar oder unmittelbar) unterstellt (z. B. v. Luschin S. 47) oder 
ihr Gebiet in Grafschaften geteilt (z. B. unten S. 26 N. 1), deren Grafen 
sie dann vorstanden. Auch gab es Oberbeamte, denen sog. Marken 
wie auch fremde Fürsten unterstellt waren ; a. a. 0. 48. Vgl. ä. Doeberl, 
Die Markgrafschaft usw. auf dem bayr. Nordgau, München 1894, S. 1 ff. 
11. d. dort a. Lit. 

4) Ausnahmen hauptsächl. in Italien. Vgl.Mayer, It. VG, I, XXXVI. 



— 80 — 

schwächer das Königtum, desto stärker die Untergewalten. Die 
Herrschaftsbezirke der letzteren werden immer bedeutungsvoller. 
Und zwar schieben sie sich bald mannigfaltig abgestuft neben- 
und übereinander. So wechselvoll das Bild aber im einzelnen wird, 
im großen gibt es wieder einen gemeinsamen Grundzug. Der ent- 
scheidende Einfluß ruht jetzt tiberall in den Händen mächtiger 
Lokalherren. 

Schon die Buntheit des ganzen Bildes läßt dieses als 
Ergebnis der Machtverhältnisse erkennen. Tatsächlich geschah 
die Entäußerung der Reichsrechte zum überwiegenden Teil durch 
Usurpation seitens der Großen, zum geringen auf Grund 
Rechtens. Und selbst wo letzteres der Fall war, handelt es sich 
vielfach bloß um eine leere Form. Formell wird ja oft noch 
die alte Reichsgewalt anerkannt, man wendet die alten Aus- 
drücke und Rechtsschematismen an, um der Sache wenigstens 
den Schein zu wahren — tatsächlich hat bereits ein anderer das 
Heft in der Hand. 

Eine ganze Reihe von Umständen sind es, die den Großen 
als Mittel, als Handhaben zur Steigerung ihrer Macht und zu 
ihrer Verselbständigung vom Reich ^) dienten^). 

Ämterhäufung. Man strebte nach dem Besitz einer Mehr- 
heit von karolingischen Yerfassungselementen, um mit diesen Bau- 
steinen eine höhere Gewalt aufzurichten. Schon unter Ludwig 
dem Frommen war die Vereinigung mehrerer Grafschaften in einer 
Hand nicht selten^). Bald wird sie dann häufiger*). Und am 

1) Im Kirchenstaat auch von Rom. 

2) Im allgem. vgl. Paul Hirsch, Die Erhebung Berengars L 
usw., Straßburg 1910, 5 ff., wo die Entw. noch am ausführlichsten ge- 
schildert ist. S. a. Waitz, Heinrich I.^, 2 f. u. VG, V, p. sowie Pivano 
St. e ch, da Ber. L usw. pass. 

3) Z. B. M. 889 (831): Otto im Besitz von zwei Grafschaften. 
Perard, Bourgogne S. 22 f. (840): Graf Eechard von Autun, Mäeon 
und Chälons-s.-S. Vgl. (auch zum folgenden) im allgemeinen Blök, 
Geschichte der Niederlande I, S. 128. 

4) S. z. B. Davidsohn, Forschungen I, 271 Geschichte I, 85 
über die Vereinigung von Florenz und Fiesole mit richtiger Wertung^ 
dieses Vorganges. — Borderie II, 60: Odo 850 Gf. v. Chartres und 
Chäteaudun. Vgl. ferner Hartmann Ill/g, 186 (Graf Siegfried von 
Mailand und Piacenza) und sonst (allg. III/j, S. 351). Oder etwa. 
Lüttich, Ungarnzüge S. 45 (und die dort angeführten) über die drei 
Grafschaften der Eaffelstätter Zollurkunde von 903; S. 53 über 
Sachsen; S. 56 über Thüringen; S. 62 über Schwaben. — Liutpold in 
Bayern war Graf in vier Gauen und Markgraf in mehreren bayrischen 
Marken; Riezler I, 245; Hauck, Die Entstehung der geistlichen. 



- 81 — 

Ende des neunten Jahrhunderts hat oft ein einziger sämtliche 
Komitate eines größeren Gebietes inne^)^). 

Hierzu das Streben nach dauerndem Besitz der Ämter, ja 
nach Vererbung derselben — namentlich unter Ausnutzung lehens- 
rechtlicher Ideen ^). Schon lange, bevor ein derartiges Recht 
anerkannt bzw. in Anspruch genommen wird, besteht vielfach 
der Brauch, daß der Sohn dem Vater im Amte folgt*). Ja, dieses 



Fürstenmacht S. 4f. — S. a. Richter-Kohl, Ann. II/2, S. 514, 525 
N. b., Hirsch, S. 241, Schipa, Salerno S. 132 usw. 

1) So gelang es in der Provence (i. e. S.) einem der Grafen, die 
Regierung des ganzen Landes in seiner Hand zu vereinigen ; Kiener, 
VG. der Provence (Leipzig 1900) S. 2, 119 f. 

2) Natürlich eigneten sich wegen ihrer schon an und für sich größeren 
Bedeutung besonders Markgrafschaften zu Ausgangspunkten solch 
neuer Macht; über Bayern z.B. v. Luschin 45, allg. Schröder^ 401. 

3) Die im 9. Jahrhundert (und früher) häufig erwähnten bene- 
ficia der Grafen (alle die Fälle wie M. 903 [882]) gehören aber nicht 
hieher. Nicht um die Grafschaften und Grafschaftsgüter handelt es 
sich da — und das gilt auch noch zum großen Teil fürs 10. Jahrhundert 
(z. B. 0. 66 [937], 98, 102 [941] usw.) — , sondern um Krongüter, die 
den Grafen neben ihren Ämtern (und Amtsgütern) verliehen wurden. 
Das gleiche gilt ja auch von den Bischöfen; (vgl. T. IV). Auch für 
die gangbare Meinung (vgl. Brunn er, Grundzüge S. 65), man habe 
zunächst das Gut der Grafschaft (die pertinentia commitatus) als Bene- 
fizium behandelt und erst später diese selbst, finde ich in den Quellen 
keinen Anhalt. — Außer dem Amtsgut spielen aber Benefizien eine 
große Rolle. Betreffs der Nachfolge Heinrichs im Herzogtum Sachsen 
(912) vgl. z. B. Thietmar II, 7 (4): hereditatem iure et maximum 
benefitii partem gratuito regis suscepit munere. (0. g.) Im übrigen 
vererbten die Liudolfinger ihr Herzogtum schon seit Liudolf; Hauck, 
Entstehung der geistlichen Fürstenmacht, S. 3 f. — Über die Vererbung 
der Lehen z. B. Hincmar, De villa Nov. SS. XV/g 1168. 

4) Die Fälle, in denen das Grafenamt durch Privileg erblich 
wird, sind selten, finden sich aber. Ein Beispiel bietet die Zusicherung 
an Wifried den Haarigen von Barcelona (f 907). Gesta comitum 
Barcinon I, 2 ed. Marca 540: per successionem generis idem comitatus 
nemini datus fuit; sed cui et quanto temporis spatio Francorum rex 
dare voluisset — bis c. 885. Damals erlangte Graf Guiffredus vom 
König das Privileg, ut Barchinonensium honor in eins dominium 
totitisque sui generis in perpetuum deveniret. Vgl. Diercks, Span. G. 
S. 40. Auch sonst zunächst Kombination zwischen Erblichkeit und 
Fürstenwahl, bzw. Einsetzung durch den K. Z. B. Widukind I, 21 
(0. g.) betreffs der Nachfolge Heinrichs 912 im Herzogtum Sachsen. 
Vgl. 0. h. Über Anerkennung der tatsächlich vorhandenen Erblich- 
keit der Grafschaften 877 Hartmann Ill/g, S. 29. Besonders früh 
(Anf . 9. Jahrh.) zeigte sich die Erblichkeit des Grafenamtes in Bayern ; 
Riezler (I, 265), der mit Recht anführt, daß die Erblichkeit damals 

PöBChl, Bisehofsgut und mensa episcopalis. III. 6 



— 82 - 

verbleibt schon im neunten Jahrhundert oft durch längere Zeit in 
einer Familie^). 

Weiters war die Stammeszusammengehörigkeit auch damals von 
großer Bedeutung — namentlich in den deutschen und keltischen 
Gebieten. (Deutsches [Baiern, Alamannien, Sachsen, Franken, 
Lothringen], bretonisches [Bretagne], baskisches [Gascogne, Was- 
conien] usw. Stammesherzogtum) ^). 

Ferner fiel das Bedürfnis, den äußeren Feinden stärkere 
taktische Einheiten (als es der Heerbann der einzelnen Graf- 
schaften war, der noch oft durch Immunitäten usw. geschwächt 
wurde) ^) entgegenstellen zu können, schwer ins Gewicht*). 

Endlich der Erwerb wichtiger Rechte über das Grafenamt 
hinaus (missatischer Befugnisse^), Immunitäten usw.)*'). 

Natürlich auch Grundbesitz, aber eben nicht ausschließlich"^). 
Im Zusammenhang damit eine starke Vasallität und überhaupt 
streitbare Mannschaft 8). Waffenerfolg ^). 

noch nicht rechtlich, sondern bloß tatsächlich war. Über die 
Ostmark v. Luschin, RG. S. 48. 

1) Z. B. Mayer, 6. des Bistums Chur S. 117; Poup ardin, 
Bourgogne S. 9. Für Italien Hartmann III/2, S. 34f. Dümmler 
III, 13 ff. usw. — Zum g-anzen Abschn. auch Blök, Niederlande I, 130. 

2) Über diesen Gesichtspunkt in anderen (französischen) Gebieten 
(Normandie, Flandern usw.) Luchaire, Manuel 238. Vgl. a. Flach, 
OriginesIII, 127; Poup ardin, Bourgogne9. Jed. a. Wittich, Lothr. 3f, 

3) Vgl. oben T. I, S. 151. 

4) Blök I, 131 u, a. Auch der Burgenbau kommt da in Betracht, 

5) Selbst diese Befugnisse wurden — wie soviele andere — oft 
usurpiert; s. z. B, (über Lambarts Kapitulare von 898) Härtmann 
III/2, S. 131. — Z. S. a. z. B. Schröder^ 401 über Franken. 

6) Luitpold von Bayern führte schon als Graf (Markgraf) den 
Oberbefehl über alle Streitkräfte Bayerns u. d. Nebenlande, s. v.Lusehin, 
BG. S. 45. Waitz, H. 1.3, 2. — Über Burgenbau z. B. M. 1799 (888). 

7) Dieser Umstand, der gelegentlich — wie z. B. in Sachsen — 
allerdings schwer ins Gewicht fiel, wurde doch lange erheblich über- 
schätzt. Immerhin bestand aber vielfach die Neigung auf Seiten der 
Großen, die Hoheit über ein Gebiet in Grundeigentum zu verwandeln; 
vgl, namentlich Lamberts Kapitulare von 898 zum Schutz der Ari- 
mannen gegen Verlehnung seitens der Grafen (Capit. II, 109, c. 3, 4); 
s. dazu a. Hartm., IIT/2, 131, Hegel II, 60f, — Z. S. z, B. 1722, 25 usw. 

8) Die gräfliche Vasallität war schon frühe bedeutend; s, z. B. 
Perard S, 22 f, (840): (Ein Graf) — tam ea, quae nos indominicata 
habemus quam etiam, quae vasalli nostri subter inferti de alodo (im 
Gegensatz zum gräflichen Reichs- oder Reichskirehenleheu) in bene- 
ficio videntur habere: quicquid videlicet (Lücke) de nostro in bene- 
ficio habet , , . quicquid etiam Ragabaldus ... de nostro in beneficio . , . 
quicquid etiam Johannes habet ... et Ragambaldus frater suus, 



— 83 — 

Nicht zuletzt die überragende, oft alles entscheidende Per- 
sönlichkeit des einzelnen. — Und viele andere umstände i). 

Was die Art der Machterweiterung anlangt, so kommen 
natürlich auch damals in hervorragendem Maße Dienste und An- 
hängerschaft dem Könige gegenüber, die Entschädigung und Be- 
lohnung verlangten, namentlich in kritischen Zeiten, in Betracht. 
Insbesondere war dieser Faktor bei zwie- oder gar mehrspaltigem 
Königtum wirksam. Die Prätendenten bekämpften einander ja bis 
zur Erschöpfung ihrer Mittel^). Ein Mittelding zwischen frei- 
willigen Vergabungen seitens der Krone und Usurpation durch 
die Großen bilden dann die Wahlkapitulationen, wodurch einzelnen 
Königen auch in jener Zeit Zugeständnisse abgerungen wurden 3). 
Der Hauptsache nach entschied aber doch die offene Gewalt*). 

Schon aus diesen mannigfaltigen Grundlagen ergibt es sich, 
daß das Ergebnis im einzelnen sehr verschieden ausfallen mußte. 
Jeder suchte für sich zu erwerben, soviel er eben konnte^). Auch 
war der Kreis der Personen, die sich in diesem Ringen um Macht 



Rothardus quoque et Arnulphus et Vulfardus itemque Ragambaldus 
et Leotboldus et Gunfridus usw. ~ Zur Sache vgl. a. Dümmler III, 18. 

— Zum ganzen Absatz a. Blök, Niederl. I, 130. 

9) M. 1799 a (888). 

1) Z. B. Dümmler, Ostfr. E. III, 15 (Bündnis mit einem Nach- 
barherrscher). S. a. zum ganzen Hauck, Fürstenmacht 7. — Man 
errichtete Herzogtümer zur Ausstattung von Bastarden; ein Beispiel 
bietet Arnolf von Kärnten in Pannonien; s. v. Luschin S. 45. Nur 
geringe Bedeutung scheint aber damals für die Ausbildung herzog- 
licher Gewalten der Gedanke des Friedensschutzes gehabt zu haben; 
vgl.aberE. Rosenstock, Herzogsgewalt und Friedensschutz. Deutsche 
Provinzialversammlungen des 9. bis 12. Jahrhunderts, Breslau (Marcus) 
(Unters, z. d. K. u. RG. H. 104). Später freilich ist, wie gleich hier 
bemerkt sein mag, dieser Gedanke so sehr in Vordergrund getreten, 
daß er gelegentlich sogar ausschlaggebend war — , und zwar gerade 
bei geistlicher Herzogsgewalt; z. B. in Würzburg. Davon noch mehr. 

— E. w. Moment war Karolingerverwandtsch. — F. s. Waitz H.^, 2. 

2) So verleiht Ludwig II. dem Grafen Konrad von Auxerre, dem 
Besieger Huberts, dessen Ämter (honores), hauptsächlich also den trans- 
juranischen Dukat (s. unten S. 86N. 1); Poupardin, Bourg. 9. — 
Dieser Gesichtspunkt war namentlich in Italien bei den endlosen Par- 
teiungen des Königstums von Einfluß; vgl. a. Hartmann III/2, 182f., 
232 und sonst. 

3) Bekannt ist fürs 9. Jahrhundert die Wahlkapitulation Karls 
d. K. mit den italienischen Großen. 

4) Über die Entwicklung dieser Lokalgewalten in Italien haupt- 
sächlich Dümmler III, 14 ff. 

5) Z. B. Dümmler III, 19. 



— 84 — 

beteiligten, nicht von vornherein geschlossen. Jeder, der eben 
Aussicht auf Erfolg zu haben glaubte — und auch mancher hoff- 
nungslose Abenteurer — beteiligte sich am Kampf. 

Das erste Ergebnis war häufig das, daß in einem irgend- 
wie enger abgeschlossenen Kreis zunächst die Mächtigsten übrig- 
blieben, die dann den endgültigen Erfolg einander abrangen. Der 
allgemeine Kampf endete also — nach Beseitigung oder Be- 
siegung aller übrigen — mit der engeren Rivalität der zwei oder 
drei Sieger — bis endlich ein einziger an die Spitze kam^). 

Als sich schließlich die Verhältnisse zu klären begannen,, 
zeigten sieh hauptsächlich folgende neuen Gebilde. 

Zunächst hatte die Grafschaft selbst einen volleren Gehalt 
bekommen. Es bildeten sich aber vor allem auch Herrschafts- 
bezirke höherer Ordnung und größeren territorialen Umfangs, die 
nicht bloß eine größere oder geringere Zahl karolingischer Komi- 
tate vollständig umschlossen, sondern ihre Einflußsphäre noch 
überdies über eine Reihe weiterer Grafschaften in der Umgebung 
in gewisser Weise auszudehnen wußten. Und diese über 
den einfachen Grafschaften stehenden Gewalten waren nun zu- 
nächst die wichtigsten Herrschaftsbezirke. Nach oben hin waren 
sie fast oder ganz unabhängig. Die Machthaber behandelten sie 
als Familienbesitz, als Hausmacht, und vererbten sie auf ihre 
Nachkommen. Oder sie strebten wenigstens darnach ^)^). 

Mannigfach wie diese neuen Gebilde selbst waren aber auch 
die Ausdrücke, die sich allmählich dafür einbürgerten. 

1) Man denke z. B. an Franken (Balsenberger gegen Konradiner); 
Eiezler I, 254; Dümmler III, 522 ff., Hauck, Fürsteam. S. 6 u. a. 

2) Über Sachsen z. B. oben S. 81 N. 3; über Bayern Hanck, 
Fürstenm. 5; über Lothringen a. a. 0. 6f, — Über Italien (hanptsäch- 
licli Tuszien und Ivrea) Hartmann Ill/g, 182 f., (Spoleto) 256 usw. 
Über Bayern v. Lnschin, EG. S. 45, wo (N. 1) auch über den Titel 
„Arnolfus divina ordinante Providentia dux Baioariorum et etiara 
adiacentium regionum." S. a. S. 88 N. 1. Ü. Mäcon Eameau, Les 
eomtes her. Vgl. a. S. 89 N. 5. 

3) Auch die beneventanischen Herzoge betrachteten sich nach 
Lösung vom Eeich als Nachfolger der karolingischen Herrscher; siehe 
z. B. das Privileg Pandolfs I. und Landolfs II. für ein Kloster in 
Benevent (ügh. VIII^ 53; a. 958; Voigt N. 146?): a cunctis principibus 
antecessoribus nostris seu regibus atque imperatoribus quam et a 
ducibus . . . Vgl. a. E Poup ardin, Les institutions politiques et ad- 
ministrations des principautes Lombardes de l'Italie meridionale (IX— Xle 
siecles). Paris (Champion) 1907 (dazu namentlich die Bespr. Hart- 
manns M.LÖ. G. XXX [1909], S. 181 f.) — Über die Vererbung der 
Herrschaft v. Capua Camera, Amalfi I, 120 usw. 



— 85 - 

Manche von diesen Dynasten behielten, obwohl sie eine 
wahrhaft königliehe Gewalt besaßen '^) und vom Eeich tatsächlich 
^anz unabhängig waren, doch den einfachen Grafentitel bei — 
wie die Herren der Provence 2), von Toulouse usw. ^). 

Für andere kam, um ihre höhere Macht anzudeuten, der 
Markgraf entitel auf, auch wenn ihre Herrschaften im Innern des 
Landes gelegen waren*). 

Die gebräuchlichste Bezeichnung war aber die des Dukats^). 



1) Der Inhalt der Macht war natürlich — auch das ergibt sich 
aus der Entstehung — verschiedenartig; über Bayern z. B. v. Luschin 
S. 45f.5 über die Gascogne J. F. Blade, Orig. d. duche de Gase, 
Agen 97, u. Jaurgain, La Vase. I, Pau 98. Usw. 2) Kiener S. 108. 

3) War das im allgemeinen mehr im Süden Frankreichs der 
Fall, so finden sich Beispiele hierfür doch auch im Norden davon und 
anderwärts; diese Grafengeschlechter dürfen namentlich . mit den Vor- 
stehern der durch den Erwerb der Krone seitens der Herzoge von 
Franzien unmittelbar gewordenen Grafen nicht auf eine Linie gestellt 
"werden. Beispiele bieten die Grafen von Nivernais (vgl. R. de 
Lespinasse, Le Nivernais et les Comtes de Nevers I, Paris [Welter] 
1909, passim), von Poitou (s. z. B. M. Garaud, Essai sur les institu- 
tions judiciaires du Poitou sous le gouvernement des comtes inde- 
pendants, 902 — 1137, These, Poitiers [Boussez] 1911), von Vermandois, 
von Flandern, von der Champagne usw. S. (a. zum folg.) Luchaire, 
Manuel 288. Vgl. a. Mayer, D. u. Franz. VG. I, 259. Pirenne I, 58. 
A. Rob. Latouche, H. de comte du Maine, Paris (Champion) 10. 

4) Vgl. z. B. (über Tuszien) David söhn, G. I, 84, 85. Über 
Italien überhaupt Ficker, Forschungen I, 249 ff.; Hofmeister, 
Markgrafen usw. S. 238. Ein deutsches Beispiel bietet Churrätien; 
Hauck, Fürstenmacht 5. Immerhin mochte — wie hier — mit dem 
Verfall der Reichseinheit auch die Grenzlage gegen ein Teilreich hin 
mehr und mehr in Betracht kommen. S. a. Waitz i. Forsch. III, 159 
u. C. Alberto de Gerbais-Sonnaz, St. stör. s. cont. d. Savoya e 
marchesato i. It. Tor. Roux. 

5) Uberltalien Hart m. (III, S. 135), der mit Recht diese Herzogtümer 
im allgem. scharf von den longobardischen Dukaten auseinanderhält. (Aus- 
nahmen : Spoleto, Benevent). Nachfolger der langob. duces sind die fränk. 
Grafen. Der Herzogstitel taucht dann erst wieder am Ende des 
9. Jahrhunderts für die mächtigsten lokalen Gewalthaber auf. Vgl, 
ii. Dum ml er, Ostfr. R. III, 13 f. Für eine größere Anzahl von Fällen 
läßt sich die Einsetzung fränkischer Grafen an Stelle der lango- 
Tiardischen Herzoge quellenmäßig nachweisen; (vgl. z. B. Davidsohn, 
G. von Florenz I, 78 f. für Florenz; Odorici, Stör. Bresc. I passim 
iür Brescia usw.), [Einer der Hauptgründe für die karolingische 
Säkularisation in Italien (vgl. T. I, § 5)]. Irgendwo wird mit Recht 
bemerkt, daß die fränkischen Grafen gelegentlich den lombardischen 
dux-Titel fortführten, daß also der Name länger bestand als die Sache 
und erst im Laufe des 9. Jahrhunderts erlischt; doch kann ich die 



— 86 — 

War die Bedeutung aller dieser Größen im einzelnen sehr ver- 
schieden ^), so erklärt sich aus dem Schwanken der Begriffe um so 
leichter das Schwanken im Ausdruck. 

Tatsächlich werden — namentlich in den Anfängen der Ent- 
wicklung — die Titel comes, marchio, dux sogar für eine und 
dieselbe Person — promiscue — gebraucht, ja die betreffende 
Person selbst nennt sich bald so, bald so^)^). Immerhin bürgerten 

Stelle nicht mehr finden. Umgekehrt dringt die fränkische Aiisdrucks- 
weise auch über die lombardischen Grenzen vor. Im Kirchenstaat 
z. B. bürgert sich für die kleineren Dukate, die ungefähr der karo- 
lingischen Grafschaft entsprechen, der Komitatstitel ein. Über Com- 
machio z. B. oben S. 41 N. 4 und unten T. IV. (Nicht um den 
röm.-byzantinischen Comestitel handelt es sich da.) 

1) Namentlich die des Dukats. Damit bezeichnete man besonder» 
im 9. Jahrhundert vielerlei Machtverhältnisse, aber durchweg solche 
höherer Art. Hier nur einiges. So wurde z. B. die Macht, die 
Graf Lambert zwischen Seine und Loire aufzurichten verstand, Dukat 
genannt. Regino zu 860 (statt zu 850; Bord. II, 50 m. N. 4 u. S. 59) t 
Lambertus, qui ducatum tenebat inter Sequanam et Ligerim. — (Der 
König-, der diese Herzogsgewalt zuerst anerkannte, sieht sich bald 
genötigt, sie wieder abzuschaffen. In der Not des Bretonenkrieges 
erfolgt die neuerliche Anerkennung — bis schließlich L. selbst mit den 
Bretonen ein Bündnis schließt. Wir sehen da, wie diese neuen Macht- 
bereiche langsam sich entwickelten und befestigten.) — Überhaupt ist 
Regino der Ausdruck des Dukats für derartige höhere Machtsphären 
geläufig; s. z. B. noch zu 859: Lotharius Hucberto abbati (seinem 
Bruder) ducatum inter lurum et montem lovis commissit. Vgl. a. 
Poupardin, Bourgogne S. 7f. Ferner s. z. B. Simson, Ludwig d. Fr.1, 29 
m. N. 2. Auch Mayer, Chur S. 92; Dümmler III, 15; Leo, Italien 
I, 276 N. 3; Hartmann, Italien III/2, S. 21; Rotondi A. st. Lomb. 22 
(95) 152 u. M. pass., z. B. 931 d, 1717 a, 18 b, 23 a, 25 a, 33 a. Daß „Dukat" 
oft nur geographisch gebraucht wird (z. B. M. 953, a. 836), ist bekannt. 

2) Über das Schwanken der Titel comes und marchio im all- 
gemeinen Dümmler, Ostfr. R. III, 14. Beispiele häufig (Genua, Mai- 
land usw.). Vgl. Mayer, It. VG. II, 277 f. Hart mann III/2, S. 106. 
V. Luschin S. 45 u. a. Über dux und comes z. B. 0. 27 (930): als 
comites die Herzoge Eberhard von Fi*anken und Giselbert v. Lothr^ 
— S. ferner etwa Dümmler II, 632 N. 26. Auch Stalin, G. Württ. 
S. 127 m. N. 2, Für Camerino z. B. Uhlirz, Jahrb. Ottos IL I, 13. — 
Betreffs Bayerns (Arnolf) Riezler I, 233 (Liutpold) I, 245. In Fries- 
land wird Eberhard zunächst comes, später dux genannt; Regino zu 
898; vgl. Vogel S. 307. Für die Provence J. 3048 (876). Usw. Auch 
die Titel dux und marchio wechselten. Im allgemeinen Dümmler 
III, 16, 19: ferner Blök I, 142 (Lothringen); Mayer, It. VG. II, 278 
(Mailand); Davidsohn I, 120 (Tuszien) usw. Dies wohl namentlich, 
dort, wo die Herzogsgewalt aus dem Marquisat erwuchs; vgl. z. B. 
V. Luschin 45 (a. o. S. 81 N. 2), Gelegentlich kommen alle drei Be- 
zeichnungen vor. — Auch Häufungen finden sich; z.B. G. C. Noviss. 



- 87 — 

sich aber die neuen Ausdrücke sehr bald in der Ämterhierarchie 
ein ^). 

Die Macht dieser Herren steigerte sich aber, wie gesagt, 
in manchen Fällen bis zu königlicher Gewalt 2). Es war da nur 
ein äußeres Zeichen für etwas tatsächlich schon Vorhandenes, 
wenn derartige Mächtige auch den Königstitel annahmen oder doch 
von den Zeitgenossen reges genannt wurden. In der Tat wurde 
überall das nachkarolingische Königtum von Machthabern, die 
auf die angegebene Weise hochgekommen waren, geschaffen. 

Das gilt aber nicht bloß von den Begründern der Haupt- 
königreiche, wie Heinrich von Sachsen (früher schon Konrad 
von Franken) ^) in Deutschland, Hugo Capet (vorher bereits Odo 
und Robert) in Frankreich, ßoso vom Arelate, Eudolf von Hoch- 
burgund sowie von den Friauler und Spoletiner Herzogen, dem 
provengalischen Grafensohn Hugo, dem Markgrafen Berengar von 
Ivrea und den andern, die in Italien um die lombardische Krone, 
ja um die Kaiserkrone stritten, sondern es gilt das auch von den 



II, 2 Sp. 97 (911) : ügo dux et glor. comes . . . (Kaiser Ludwig bedient 
sich dieser Ausdrucksweise). F. Pir. I, 50. M. 931 d, 1723 a. Usw. 

3) Auch gehen die jungen Herzogsgewalten ja doch meist aus 
Grafengeschlechtern hervor; (z. B. Cont. Reginonis zu 940 [betr. Lothr.]: 
Otto comes in eodem ducatu successit); ihre Söhne führen in der Regel 
(z. B. a. a. 0.; s. a. unten § 13) den Grafentitel fort. Zum ganzen, 
Deutschland betreffend, auch Hauck, Fürstenmacht S. 71, wo aber 
der Hergang der Entstehung des Herzogtums als zu friedlich auf- 
gefaßt wird. Vgl. damit a. § 11. S. f. (über Bayern) v. Luschin 
S. 45 usw. — Namentlich wirkte auch die Häufung von Ämtern auf 
eine Häufung oder Abwechslung im Ausdruck ein. So hatte z. B. 
Herzog Heinrich I. (der Zänker) von Bayern, als er sich dux et marchio 
nannte, tatsächlich neben dem Herzogtum bereits auch die Marken 
von Verona und Aglei in Händen; Lüttich 112, Hartmann IH/g, 
251; V. Teuffenbach, Kurzer Abriß der G. der gef. Grafsch. Görz 
und Grad. S. 8 usw. Über Alberich, Herzog von Spoleto, Markgrafen 
von Camerino Foglietti, Le marche (Macerata 07) S. 78. — Über 
die Grafen der sp an. Mark, zugleich Herzoge von Septimanien Garns, 
Die Kirchengesch. von Spanien Il/g, 423. — Vgl. a. M. 1663 a, 1709. Usw. 

1) Schon früh im 10. Jahrhundert ist die Reihe Kaiser, König, 
Herzog, Markgraf, Graf, Vizegraf usw. ganz geläufig. Vgl. z. B. die 
Urkunden Heinrichs I. und Ottos I. — Eine Fälschung ist aber M. 1745 
(887): Karl d. D. f. Obermünster (Ried I, 66 zu 886). 

2) Schon die Häufung mehrerer Herzogtümer, Markgrafschaften 
usw. führte dahin. — Z, S. Degert, P. roy. en Gase. (a. R. G. H.) 
Par. 02; Lot, Hug. 1. 

3) In gewissem Sinne diente schon Arnolf von Kärnten seine 
dortige Herzogswürde als Sprosse zur Königsmacht. 



- 88 — 

zahlreichen Kleinkönigen, die an der Peripherie des Eeiehes (in 
der Bretagne, in der spanischen Mark, auf Korsika usw.) er- 
standen^). Übrigens strebten, abgesehen von den später zum tat- 
sächlichen Königtum gelangten Persönlichkeiten ja auch noch viele 
andere — wenigstens vorübergehend — nach der Königswürde 2). 
Auch für die Führer der fremden Völkerschaften, deren 
Stellung, namentlich nach ihrer festeren Ein- oder doch Anfügung 
an eines der Reiche ^), der der einheimischen Großen tatsächlich — 
und zwar rasch — sehr ähnlich geworden war''=), wurde von den 
inländischen Schriftstellern der dux- und rex-Titel verwendet 5). Es 
zeigt sich da eine ähnliehe Konvergenzerscheinung wie in den 

1) Die richtige Auffassung- dieses Königtums bei Poup ardin, 
Bourgogne S. 13. Über die vielen „Königlein" M. 1790 a. 

2) Über Arnolf von Bayern vgl. z.B. 0. p.; über „i-egnum Baioariae" 
0, q. (919); 0. 2 a, b (921); (schon 908 nennt sich Arnolf in Urkunden 
„Herzog von Gottes Gnaden"!; Lütt ich S. 104 m. N. 6). Hinsichtlich 
Sachsens s. z. B. 0. 94 b (941). Über Giselbert von Lothr. 0. 1 a (920). 
Daß Lothringen häufig regnum genannt wird, versteht sich von selbst. 
Um lokales Königtum handelt es sich da, nicht um ßivalität betreffs 
der Krone Deutschlands bzw. Frankreichs. Anders 0. 51 a (935), wo die 
lombardische Krone in Frage steht. — Für Italien vgl. z, B. die be- 
kannte Stelle aus der Antap. H, 39, wo Kaiser Ludwig zum Mark- 
grafen von Tuszien gesagt haben soll, dieser sei mehr ein König als 
ein Markgraf, in nichts als dem Namen stehe er hinter ihm selbst zu- 
rück. (Vgl. Davidsohn, G. von Flor. I, 97.) Über die königliche 
Stellung- der Tuszier a. Hartmann III/2, 111, 180 f. usw. — Über 
das Königreich Karls d. E. zunächst im tatsächlich unabhängigen 
Aquitanien Hartmann III/2, S. 105, — Über das westfränkische König- 
tum Widos von Spoleto Hartmann IH/a, 107 f. Usw. Vgl. M. 1790a. 

3) Das Karolingerreich hatte keine scharfen Grenzen, Es ist 
auch über die Marken hinaus noch von Zonen umgeben, über die der 
Herrscher noch gewisse Herrschaftsrechte ausübt oder wenigstens 
prätendiert, so daß die Machtsphäre nach außen hin gleichsam immer 
dünner wird, sich allmählich verliert. Am schwächsten war der 
gelegentlich auch auf dem Papier stehende Einfluß der Karolinger- 
könige über England und die Mittelmeerinseln. Zu einigen Völkern 
hat das Verhältnis föderativen Charakter. S. a. das frühere. 

4) Wie merkwürdig rasch und vollständig ist z, B, die Assimi- 
lierung an die fränkischen Einrichtungen, die Angleichung und An- 
passung namentlich heimatlich nordischer Institutionen ans Feudalsystem 
in der Normandie erfolgt! Vgl. die interessanten Ausführungen von 
H. Prentout in seinem Essai sur les origines et la fondation du 
Duche de Normandie (Paris, Champion, 1911). Auch Mai tland, Const. 
hist. of England S. 7, — Ein weiteres Beispiel bietet das Herzogtum 
Korus; darüber Blök, G. der Niederlande 1, 134 f. 

5) Z. B. M. 919 a (barbarorum reges). Duces, subreguli hießen die 
Stammeshäupter der Böhmen; Naegle, Die Anf. d. Christent. i. B. 



- 89 — 

immer mehr sich selbst überlassenen oströmischen Gebieten Italiens. 
Von ganz anderer Wurzel ausgehend, ist nämlich nicht bloß im 
Kirchenstaat 1), wo schon die Herrschaft des Papstes ein Zwischen- 
glied darstellt 2) 3) — sogar in Rom selbst 2) — , sondern auch in 
Venedig wie anderwärts, vor allem auch im Süden, in Neapel, 
Sorrent, Gaeta, Amalfi, eine Herrschaft — nach und nach gleich- 
falls häufig Dukat genannt*) — begründet worden, die der von 
den Lokalgewalten in den fränkischen Gebieten entwickelten 
schließlich ganz ähnlich war^). Das Auftauchen lokaler Gewalten 
war im Abendland damals eben allgemein. 

Wie sich aber diese Gewalten nach oben hin immer mehr 
verselbständigten, so mußten sie, um durchzudringen, auch ihrer- 
seits nach unten hin zur Gewinnung oder Entlohnung von An- 



Hist. Jb. XXXII (1911) S.245f. Über die Ungarn Lüttich, z.B. 101; 
Hartm. Ill/g, 237 u. s. Über den dux-(und sogar rex-)Titel des Nor- 
mannen Gottfried von Friesland Bio k 1, 141 u. M. 1671 b, 1701 b. Über 
Kärnten P uns c hart, Herzogseins. Z. D. Ö. A. V. 32 (Ol) 123 ff. Vgl. a. 
Goldmann, passim. — F. M. 1717a, 18 b, 38a, 1844 b usw. 

1) Nächste Note. Ferner z. B. J. 3011; 3029 ff. 

2) Andeutung der Entstehung der Tyrannis des ersten Dux in 
Eom (über sie Mayer II, 771; vgl. a. Hartmann III/2, S. 10) viel- 
leicht schon J. 2791 (865). 

3) Auch in Eavenna machten sich zunächst bei der geistlichen 
Gewalt ünabhängigkeitsbestrebungen bemerkbar; erst dann traten die 
duces hervor; s. z. B. J. 3435 [887. 888]; vgl. Mayer II, 71 N. 94; Hart- 
mann III/2 10, S. 81 ff.; Savioli, Annali Bolognesi I, 31; Villari, 
L'Italia de Carlo Magno etc. (Mailand, Hoepli 10) S. 33 f. usw. — Auch 
in der Lombardei (z. B. Mailand!) zeigt sich Ähnliches. Vgl. noch unt. § 10. 

4) Bekanntlich war der dux der römisch-byzantinischen Ver- 
fassung zunächst nicht der erste Beamte solcher Gebiete; erst als 
vielfach der erste der duces zur Herrschaft emporstieg, bezeichnete 
man mit dem Ausdruck Dukat diese selbst. Dann wird diese Bezeich- 
nung auch auf solche Gebiete übertragen, wo (wie in Neapel der 
magister militum) ein anderer Beamter die Lokalherrschaft begründet 
hat. Über Amalfi z. B. Matteo Camera, Mem. stor.-dipl. dell' antica 
cittä e ducato di Amalfi I (Salerno, Stabil, tipograf. naz. 1876) S. 87, 89. 

5) Die Würde wurde erblich — blieb wenigstens tatsächlich in 
einer Familie. Über die Dogen von Amalfi z. B. Camera I, 113 ff. 
Über Venedig Mayer II, 132. Über den Titel „divina favente dementia 
dux" in Amalfi C amer a I, 162. Auch die venez. Dogen nannten sich von 
da ab „von Gottes Gnaden" Kretschm. I, 94. Alberich von Eom wird 
gelegentlich auch rex genannt, seine Herrschaft als regnum bezeichnet 
(z, B. die Stelle bei Mayer II, 41 N. 89). Seine Gewalt war ja tatsächlich 
absolut (vgl. auch Savioli, Ann. Bol. I, 106). Über das Tragen goldener 
Keifen seitens der römischen Tyrannen Mayer II, 48. Sie gleichen 
darin auch äußerlich den mächtigsten Fürsten des Frankenlandes. 



— 90 - 

hängern selbst wieder Zugeständnisse machen^). Was man dem 
Rivalen oft mühsam abgerungen, mußte man an die Untergebenen 
abgeben. Es wiederholt sieh im kleinen derselbe Vorgang wie 
vorher. So sehen wir auch im Innern des Herrschaftsbereichs 
eines Großen mächtige Herren erstehen. Und auch das ist für 
unsern Zusammenhang zu wissen nötig. 

Es bildeten sich da Verwaltungsbezirke, die im allgemeinen 
der karolingisehen Grafschaft entsprechen und oft auch deren 
Namen führen 2). Nicht selten sind sie auch die unmittelbare 
Fortsetzung von solchen, denn die Machthaber behielten diese 
nicht etwa durchweg in eigner Hand, sondern vergabten sie viel- 
fach weiter. Es wird dann eben häufig dafür die Bezeichnung 
des Komitats einfach beibehalten. Wir haben somit nunmehr 
mediatisierte Grafschaften vor uns^). Wo aber die Oberherren 
selbst aus irgendeinem Grunde bloß den Grafentitel führten, da 
wurde für diese Unterbezirke der Titel Vizegrafschaft üblich. 
Und das ist der Vizekomitat in dieser jüngeren Bedeutung*). 



1) Geleg'entlich erwirkten sie auch solche vom Eeich zugunsten 
ihrer Vasallen ; z. B. M. 1693 (885), 0. 2 (920). 

2) Z. B. Mayer, It. VG. II, 77 N. 133. Untergrafschaften ent- 
standen aber auch durch Teilungen sowie durch Zersplittei'ung* der 
Komitate infolge der Verleihungen an Kirchen (das hauptsächlich 
später); davon ausführlicher im nächsten Teil. 

3) Natürlich g*ibt es aber auch später noch neben den Mediat- 
g'rafschaften und Großgrafschaften reichsunmittelbare (einfache) Komi- 
tate im alten Umfang und Sinn. Schon deshalb, weil einige davon 
durch den Hader benachbarter Herzoge neutralisiert wurden. Diese 
Gestaltungen dürfen nicht miteinander verwechselt werden. (Dies 
namentlich zu Hatick, Fürstenmacht 22 m. N. 2.) 

4) "Über Italien im allgemeinen Hartmann III, 1 S. 36, Auch 
Mayer II, 274 f. N. 8. (Auch für die spätere Zeit.) Für einzelne Land- 
schaften z. B. Davidsohn I, S. 85. In den südfranzösischen, bur- 
g'undischen und italienischen Großgrafschaften kam dem Vieomte 
ungefähr die sonst gräfliche Stellung- zu. Vgl. Kien er VG. S, 3, 
119 f. Erblich wird das vizegräfliche Amt erst seit dem 11, (Mitte) 
Jahrhundert; Kien er S. 230. Über die verschiedene Bedeutung der 
Vizekomitate auch Mayer, D. u. Fr. VG. I, 258 f. Darüber, daß nicht 
das ganze Gebiet der Großgrafschaft in Vizekomitate zerfiel, ein 
Teil vielmehr stets unmittelbar großgräflich blieb. Kiener, passim, 
besonders S. 125 ff. Für Herzogtümer und Markgrafschaften betreffs 
der Untergrafschaften z. B. Mayer, Chur 129 f.; Davidsohn a. a. 0. 
u. 1021; Mayer, It. VG. II, 77 N. 133. [Die von dem letzteren (D. u. 
Fr. VG. S. 370 ff.) für die spätere Zeit angeführten Erscheinungen 
finden sich auch schon bedeutend früher. Das gilt nicht nur hinsicht- 
lich der in Rede stehenden Tatsachen, sondern auch betreffs der 



91 



Solchen Herren gelang es aber auch vielfach, noch höher aufzu- 
steigen und den Herzogsgewalten selbst an die Seite zu treten^). 



In diesem ganzen Ringen um Macht, in der damit ver- 
bundenen Umwälzung der öffentlichen Ordnung und insbesondere 
der Verfassung der Länder, fiel nun denßeichskirehen, vor allem den 
Bistümern, eine wichtige, ja, nicht selten die entscheidende Eolle zu. 

Den Mediatisierungsbestrebungen einzelner Großen, wie sie 
sich zu Ende der Merowingerzeit da und dort finden, wurde von 
den ersten Pippiniden ein Ende bereitet. Deren kräftiger Herrscher- 
wille hielt die Sondergelüste lokaler Machthaber im Zaume. So- 
gleich aber, wie die Zentralgewalt wieder verfiel, wurden die ge- 
bundenen Kräfte auch in dieser Richtung wieder frei. Es zeigt 
sich, daß sich auch da die Großen des Reichs um so mehr 
herausnehmen, je schwächer die Könige und Kaiser werden. 

Die Reichskirchen mußten denn in der Tat mit ihrer be- 
deutenden Vasallität, ihren zahlreichen Immunitäts- und sonstigen 
Vorrechten, seit dem Ende des neunten Jahrhunderts auch mit 
ihren zahlreichen und starken Befestigungen 2) usw. auch als welt- 
liche Maehtfaktoren erheblich ins Gewicht fallen. Ganz von 
selbst mußten sich die Blicke der Großen, denen das reiche 
Kirehengut immer in die Augen stach, gerade damals darauf richten. 

Nicht bloß zur Verstärkung der neuen Gewalten im Inneren, 
vor allem auch zur Erweiterung und Abrundung ihrer Gebiete 
nach außen eigneten sich die geistlichen Anstalten vortrefflich^). 

Grafschaftsteiluugen, Belehnungen der jüngeren Söhne mit Gebietsteilen 
usw.] Von da an Grafen als Herzogsvasallen; z. B. 0. 89 (940). — 
Schließlich werden selbst Marken innerhalb der Herzogtümer ein- 
gerichtet; s. z. B. V, Luschin, RG. S. 28; ja gelegentlich sogar zwischen 
Herzog'en und Markgrafen noch höhere Zwischeninstanzen; z. B. 
a. a. 0. S. 48. — Nicht zugänglich war mir die nicht in den Handel 
gekommene Schrift von W. Sickel: Das fänk. Vizekomitat,. 1907. 

1) Man denke z. B. an die Spaltung Benevents durch Losreißung 
Salernos als eines selbständigen Fürstentums, Oder — noch deutlicher — 
an die spätere Verselbständigung des Gastaldionats von Capua. (Auch 
die übrigen beneventanischen Gastaldate erlangten eine größere, wenn 
auch nicht so weitgehende Selbständigkeit: auch sie hießen übrigens 
schließlich comitatus; vgl. Poup ardin a. a. 0. S. 30ff. Dazu auch 
Hartmann, M.L O.G. XXX, 182.) Natürlich steht der Herrscher da 
wieder auf selten der Untergewalten; z, B. Dum ml er III, 21. — Zur 
Sache a. Luchaire, Manuel 237, bes. Schipa, Salerno S. 93ff. u. a. 

2) Davon noch unten § 21. 

3) Vgl. z. ß. Folquin II, 68 (Guerard, S. Bertin S. 134f.):'Post 
mortem Rodulfi abbatis (v. Sithiu; t892), inclitus marchisus (Balduinus) 



— 92 — 

Auch mußte es die Stellung eines Großen bedeutend heben, 
wenn er sein Verhältnis zu den ehemaligen Reiehskirchen mög- 
lichst dem ähnlich machte, wie es früher zwischen diesen Anstalten 
einerseits und dem Herrscher und Reich andererseits bestanden 
hatte. Dadurch konnte sich vor allem leicht der Gedanke der 
Sukzession in die Reichsrechte einbürgern. Überdies entzog man 
dem Reich auch auf diese Weise Kräfte. 

Schließlich — vielleicht das wichtigste — war es für diese 
Herren von höchster Bedeutung, sich insbesondere der Reiehsbis- 
tümer auch als hierarchischer Mittelpunkte zu versichern. Nament- 
lich erlangten sie am leichtesten die für sie so bedeutungsvolle 
kirchliche Sanktion ihrer Gewalt, wenn es ihnen gelang, die 
Bischöfe ihres Bereichs in Abhängigkeit von sich zu bringen^). 
Die Kirche in ihr Interesse zu ziehen, ist ja auch sonst für jede 
aufstrebende Territorialmacht von Wichtigkeit 2). 

So zeigt sich denn auch allerorts das Streben der Lokal- 
gevvalten nach Unterordnung der Reichskirchen, nach Einfügung 
namentlich der Bistümer in ihren Machtbereich. Fördernd dahin- 
gewirkt haben aber auch noch andere Umstände. So vor allem 
die alte Rivalität zwischen Bischöfen und Grafen, die selbst von 
kräftigen Herrschern nie ganz zom Ausgleich gebracht werden 
konnte und mit wachsender Unordnung natürlich immer heftiger 
entflammte ^). 



[Flandriae; Bolonie, Teruensis etiam comes], abbatiam tenere gestiens, 
regem [Francie] adiit, deprecaturus, si id quoquomodo posset torqueri, 
abbatiam Sithiensis coenobii sibi concedi. (Fortsetzung s. § 13.) Ähn- 
licher Fälle gibt es viele. — Mit vollem Recht zieht z. B. Hauck für 
die Begründung ihrer Herrschaft in Thüringen durch die Liudolfinger 
in Rechnung, daß sie das Kloster Hersfeld zu erwerben wußten; 
Geistl. Fürstenm. S. 4 m. N. 5. (S, a. Lüttich, Ungarnzüge 56.) Be- 
treffs der Herrschaft der Konradiner im fränkischen Teil Lothringens 
infolge der Erwerbung Oerens und S. Maximins Hauck a. a. 0. S. 6. 
— Fester Stützpunkt für den transjuranischen Dukat Huberts (oben 
S. 86 N. 1) war die Abtei St. Moritz; vgl. Poupardin, Bourgogne 
S. 8, — S. a. Pirenne, Belgien I. 45. 

1) Vgl. z. B. unten die Fälle der Bretagne und Burgunds. Wohl 
stützte auch K. Robert seine Gewalt vorwiegend auf den Episkopat; 
vgl. dazu a. 0. 7 a (922). Betreffs Italiens s. etwa Davidsohn. Gesch. 
I, 93 (über Guido von Spoleto) oder — schon früher? (S. 87) (über 
Karl d. K.) 

2) Vgl. Poupardin, Bourgogne S. 14. 

3) Für Parma vgl. z. B. DO. I, 239 (962): Der Bischof bittet den 
K., ut ecclesiam suam proficiendo augmentaremus maxime ex 



— 93 — 



Sie wurde dadurch herbeigeführt, daß man kirchlicherseits 
den Verlust der vielen Güter an die Grafschaften, weltlicherseits 
aber den zahlreicher Rechte an die geistlichen Immunitätsherren 
nicht verschmerzen konnte ^)^). Durch die Neuerungen Karls de» 



his, quibus emsdem ecciesia lacerabatur ex parte scilicet comitatus. — 
Bes. a. d. Stelle: mala omnia, quae acciderant saepe inter comites 
ipsius comitatus et episcopos ipsius ecclesiae considerantes, ut penitus 
praeterita lis et schlsma evelleretui* et ut ipse pontifex cum clero sibi 
commlsso pacifice viveret — überträgt Otto die Grafschaftsrechte an 
die Bischöfe — Vgl. a. Bazzi e Benassi, Storia di Parma S. 8 f. 
Für Verona s. Gest. ahb. Lob. c. 19 (SS. IV. 63). Kather. opp. ed. 
Ballerini S. 537 usw. Bereits erwähnt wurden (T. I, S. 134 N.) die zahl- 
reichen Ermahnungen an Bischöfe und Grafen, miteinander Frieden 
zu halten. Vgl. z. B. über die Mainzer Synode von 847 Hefele IV, 
119f.; Mayer, Chur 119. Ferner vgl. Hartmann lll/g, 113. S. a. 
Hegel II, 66 über Pavia); Leo I, 270 m. N. 1 (allg.); ferner Pivano,^ 
St. e eh., p.; a Waitz, Heinr. I.^, 2 usw. 

1) Vgl. namentlich die folgenden Ausführungen. 

2) Gegen unsere Auffassung (T. I, S. 129 ff.) von der divisio inter 
comitatum et episcopatum versucht trotz der dort angegebenen Gründe 
und beigebrachten Quellenbelege neuerdings betreffs des Einzelfalles 
Chur Ulrich Stutz (Karls des Großen divisio von Bistum und Graf- 
schaft Chur. Ein Beitr. z. G. der Eeichs- und K. V. der fränkischen 
Zeit im allgemeinen und zur Geschichte Churrätiens sowie des Eig^en- 
kirchenrechtes im besonderen. Weimar 1909. Sonderdruck aus der 
Festschrift für Zeumers 60. Geburtstag) die ältere (von ihm vertretene) 
Hypothese zu retten. Hauptfehler seiner Schrift ist, daß er aus 
einem kleinen Quellenkreis heraus die Frage wieder als eine lokale 
lösen will und sich des Hauptarguments zu einer lüchtigen Inter- 
pretation der divisio inter comitatum et episcopatum in Chur — des von 
uns nachgewiesenen analogen Vorgangs auch in anderen Bistümern zur 
selben Zeit — von vornherein — ohne Angabe von Gründen — be- 
gibt. Wie schwach auch Stutz' positive Beweisführung ist, zeigt sich, 
wenn man das Material sichtet. Läßt man alles Nebensächliche weg 
und sucht nur die entscheidenden Punkte hervor, so sieht man, daß 
rein nichts übrigbleibt als Hj^pothesen. Mit dieser Methode kann 
man aber alles beweisen, alles widerlegen. Die richtige Auffassung 
von diesem Vorgang hat schon lauge Zeumer selbst; namentlich 
auch hinsichtlich des Rektorats (von Rätien) selbst und der Vereinigung 
beider Gewalten in einer Person. Auf wie schwachen Füßen die 
Theorie von der Vereinigung ruht, zeigt auch neuerlich die Beweis- 
führung* von Mayer, Chur (S. 85 m. N. 1), der sich doch S. 114 (m. N. 
4 und 5) selbst widerlegt. — Daß ich im vorliegenden Falle schon 
seinerzeit alles einschlägige an Literatur benützte, versteht sich von 
selbst; ebenso aber auch, daß ich nicht alles zitierte, sondern nur das, 
was irgendwie auf meine Argumentation von Einfluß war. Das gilt 
auch sonst. — Übrigens bleibt dann und gerade dann, wenn Stutz 



— 94 — 

Großen waren die Bischöfe auch als staatliche Beamte den 
Grafen zur Seite getreten. Spricht man von den Reichsgroßen, 
so nennt man von da an hauptsächlich Bischöfe und Grafen^). 
Eine vielfach gemeinsame Residenz für zwei mehr oder weniger 
gleichstehende Machthaber mußte an und für sich schon zu 
Reibungen führen. Es schien sich ein dauernder Frieden nicht 
anders herstellen zu lassen als durch die Unterwerfung des einen 
unter den anderen. Und tatsächlich wird, nachdem zunächst 
die Bischöfe unter die weltlichen Herren gebeugt waren, nach 
ihrer später erfolgten Befreiung dieses Unterordnungsverbältnis 
vom umgekehrten abgelöst ^'j. 

Dies war also eine Ursache mehr für die lokalen Großen, 
so viele Reichskirchen als möglich unter ihre Gewalt zu beugen; 
denn die eigene Macht wächst auch dadurch, daß man einen 
Rivalen beseitigt. Dazu kamen dann noch gelegentlich die 
Bündnisse besonders exponierter Lokalherren mit den äußeren 
Reichsfeinden, die ja zugleich Feinde der Kirche waren^)^'^) u. a. m. 

§ 9. Die Anfänge der lokalen Bistumsherrschaft. 

Zuerst zeigten sich imd erfolgreicher waren die Mediati- 
sierungsbestrebungen der Großen naturgemäß den Reichsabteien 



recht hat und Chur eine Ausnahmestellung in unsex'er Frage ein- 
nimmt, dieser Fall im Hinblick auf die Allgemeinentwicklung außer 
Betracht. Aus allen seither vorgenommenen Nachprüfungen hat sich 
die Richtigkeit meiner Kombination ergeben. Als wichtig: erwähne ich 
hier nachträglich — ohne damit die Eeihe der Belege zu schließen — 
nur die Tatsache, daß auch in der Provence das Grafschaftsgut als 
„episcopatus" auftritt; Kien er S. 115 f. und sonst. (Unrichtig die 
Auslegung a. a. 0.) Comitatus = Grafschaftsgut; Waitz IV^, 165' 
N. 1 und Kien er a. a. 0., besonders N. 175 und 176. Über den Ver- 
lauf der Säkularisationen im 9. Jahrhundert und später vgl. unten 
3. Abschnitt. 

1) Z. B. Ann. Fuld. 899: Zuentibaldus . . . a suis, tarn episcopis 
quam comitibus, omuibus desertatus est. M. 566 (815). J. 3037, 3039 
und 3040 (876); 3153 (878); 3270 (879); 3341 (881); B. 1455(900) (Ludw. 
d. BI.); Regino 900 und häufig. S. a. z. B. Dumm 1er, Ostfr. R. III, 
13; Hauck, Füi'stenmacht 8 usw. 

2) Oben S. 92 N. 3. Näheres unten T. IV, §§ 1 ff. 

8) Daher z. B. die Ermahnung an den Kronvasallen und Grafen 
Balduin von Flandern durch Nikolaus I, J. 2703 (862). Eine Feind- 
schaft mit dem Episkopat zeigt vielleicht J. 2722, 2723, 2726 (863). 

4) Umgekehrt mußten manche Prälaten in die Unterwerfung 
willigen, um den Schutz eines Mächtigen zu g-ewinnen. Mediatisierung 
der Kirchen war noch besser als deren Untergang. 



— 95 — 

(Klöstern sowohl wie auch Kollegiatstiftem) gegenüber. Diese 
Anstalten wurden denn auch zuerst in größerem Umfange und 
auch hernach leichter und vollständiger unterworfen. Erst später 
wagte man sieh auch an die Bischofskirchen heran. Schließlich 
machte aber selbst die römische Kirche keine Ausnahme. 

Immerhin äußern sich vereinzelt die Unterwerfungsbestre- 
bungen auch den Bischofskirchen gegenüber schon frühe. Die ersten 
Fälle liegen sogar schon vor der Mitte des neunten Jahrhunderts. 

Und zwar mußte sich das Streben nach Unterwerfung der 
Bistümer am frühesten natürlich dort äußern und als erfolgreich 
erweisen, wo die Unabhängigkeitsbestrebungen der Großen auch 
sonst zuerst sich zeigen und ihr Ziel erreichen. Der Faden riß 
eben dort zuerst, wo er am dünnsten war. Das war, sofern der 
eigentliche Reichskörper in Betracht kommt, im Westen, in der 
Bretagne, der FalP). Und daß beide Erscheinungen hier tat- 
sächlich zusammentreffen, ist für das Verständnis von dieser 
ganzen Entwicklung besonders lehrreich — eine Stichprobe, die 
zugunsten unserer Auffassung ausfällt. 

Von jeher mit dem Frankenreich nur lose verbunden 2), war 
das bretonische Land schon aus geographischen und ethnographi- 
schen Gründen der geeignetste Boden zur Aufrichtung einer selb- 

1) Insoweit feste Org-anisationsformen in Frag-e stehen. (Über 
Benevent unten.) Über die Unabhängigkeitsbestrebungen des Mark- 
grafen Bernhard von Septimanien und der spanischen Mark Vogel 
1)5 ff. Diese haben jedoch — sowohl an sich als auch besonders für 
uns — nicht die Bedeutung wie diejenigen Nominoes. B. wurde ja 
bald hingerichtet. In der spanischen Mark, der Gascogne usw. — also, 
wie natürlich, hauptsächlich in den Grenzländern — zeigen sich ja 
schon früh viele solche Bestrebungen. Über Aizo von Gotien z. B. 
Richter, Ann. IIb 259 f. ra. N. e. Über den Aufstand der Basken 816 
a. a. 0. 218 m. N. a usw. Namentlich trug dazu bei, daß man lange 
Zeit die nationale Eigenart und heimische Einrichtungen und An- 
schauungen solcher Grenzvölker schonte. (Auch Eätien bietet ein 
Beispiel.) Karl d. Gr. hat — wie ja auch in ßätien — mit den ein- 
heimischen Einrichtungen — mit dem zu Aufständen stets geneigten 
keltischen Häuptlingswesen aufgeräumt und die fränkische Grafschafts- 
verfassung eingeführt. S. a. die nächsten Noten. Über das baskische 
Herzogtum kurz und gut Duchesne, Fastes IP, 16 f. 

2) Die Bretagne bestand zunächst aus drei unabhängigen Fürsten- 
tümern (Duces hießen die obersten Führer in der fränkischen Aus- 
drucksweise), die seit 636 (nach Bor derie, Bretagne 1,288 s. 635) die 
Oberhoheit der Merowinger anerkannten. 753 wurde das Land 
von Pippin aufs neue unterworfen, 799 von Karl d. Gr. im ganzen Um- 
fang erobert. (Damals war die Zahl der einheimischen Fürsten größer 
als drei.) 



— ge- 
ständigen Stammesmacht. Die Unabhängigkeitsbestrebungen ein- 
heimischer Fürsten konnten denn auch hier nie ganz unterdrückt 
werden, wenngleich sie zunächst — und lange — nur vorüber- 
gehenden Erfolg hatten^) 2). 

Da war es in der ersten Hälfte des neunten Jahrhundert» 
der gewaltige Nominoe^), der die ganze Bretagne zu einem — 
von den fränkischen Geschichtsschreibern zunächst Dukat ge- 
nannten — Herrsehaftsbezirk vereinte *) und dem Frankenkönige 
gegenüber fast unabhängig stellte^). Er konnte es ja sogar 

1) In der Bretagner Mark, die (zunächst nur den Osten, seit 799 
wohl die ganze Bretagne umfassend) nach fränkischer Verfassung von 
Grafen geleitet wurde, an deren Spitze ein Markgraf stand (ausnahms- 
weise), erhob die Bevölkerung z. B. 818 den Häuptling Murman oder 
Morman (Morwan; vgl. Bord. II, 7 ff.) zum König; M. 661 a. (Die Königs- 
würde nach Einhard (z. J.) damals zum erstenmal.) Noch im selben 
Jahr wird das Land wieder unterworfen; M. 671 c. — Ähnliche Er- 
hebungen vielleicht schon früher (Jarnhitin Bord. II, 6 f.), jedenfalls 
später (Wiomarc'h [822—825] Bord. II, 23 ff. M. 762 a, 790 b, 791 a, 794 c.) 

2) Den heimischen Einrichtungen wurde — vielleicht sogar von 
Karl d. Gr. — insofern (s. nächste Note) Rechnung getragen, als, was 
allerdings unter dem genannten Herrscher nicht nachweisbar ist, 
Große des Landes die Grafenstellen bekleideten. Ebenso — und 
nur in diesem Sinne (vgl. oben S. 79 N. 1) kann man auch in der 
Gascogne von einem Fortbestand des alten Dukates der Waskonen 
sprechen. Die haskische Häuptlingswürde ward hier wohl verschmolzen 
mit dem Grafenamt von Bordeaux: M. 612 a; vgl. a. M. 215 a. Viel- 
leicht wurde von den Häuptlingen auch als karolingischen Grafen der 
alte dux-Titel weitergeführt (wie in Italien; vgl. oben S. 85 N. 5). Zu 
"beachten auch der baskische Aufstand von 818 M. 672 g. — In diesen 
Zusammenhang gehört auch das Beispiel Heriolds (vgl. Blök I, 132) 
und Eoruks (134), der über den fränkischen Grafen stand ; vgl. a. S. 88 N. 3. 

3; Zuerst war er Graf von Vannes (zugleich einheimischer Häupt- 
ling dieser Gegend, als solcher princeps genannt); Bord. II, 27 ff. 

4) Bord. a. a. 0. Der bisherige Markgraf Wido mußte sich mit 
der Grafschaft Vannes begnügen (826). Nominoe wird auch missus 
Ludwigs d. Fr. Endgültig wird 846 der bretonische Dukat anerkannt. 

5) Chron. Namnet. c. 11 (Borderie II, 479, wo auch die Parallel- 
steilen des Indiculus [vgl. über diesen S. 99 N. 5]): Noraenoius igitur 
valde superbus urhem Namneticam etRedonicam ac etiam Andegavense 
territorium et Cenommanense usque ad Meduanam invasit. His autem 
urbibus et territoriis nominatis in proprietate sua assumptis, fuit 
superbior et excellentior, contemptoque iure Francorum regio in corde 
suo cogitavit, ut se regem faceret. Vgl. a. Vogel, Normannen S. 95 ff. 
Über Nominoes Angriffe und sonstige Kämpfe gegen das Reich a. a. 0. 97. 
Auch Richter-Kohl, Ann. II, 2 S. 329 ff. B o r d. II, 27 ff . u. a., bes.Lot, 
Melanges d'hist. Bretonne S. 33 ff. ti. sonst sowie d. These v. R. Perce- 
vault, Et. s. les inst. etc. de laBret. arm. dans la moite du IXe s^, Rennes 08. 



— 97 - 

wagen, gegen den letzteren zum Angriff vorzugehen. Damit war 
der Bretagne dauernde Selbständigkeit gegeben. Diese wechselte 
von da an bis zum Ende des Mittelalters nur mehr ihren Umfang. 
Da ist es nun für uns von besonderem Interesse festzustellen, 
daß mit dieser ersten endgiltigen Befreiung bereits eine Unter- 
werfung der Bistümer des Machtbereichs Hand in Hand ging. 
Diese sollten von nun an in temporalibus dem Bretonenherzog 
unterstehen und ihm ebenso unterworfen sein wie früher dem 
fränkischen König. Au-ch sollten sie von ihrem bisherigen Metro- 
politanverband (von Tours) losgelöst und zu einem eigenen bre- 
tonischen, unter der Kirche des zur Metropole erhobenen DoP), 
vereinigt werden 2) 3), 

Um seine neue Herrschaft sogleich zu beweisen, setzte 
Nominoe die bisherigen (fränkischen)*) Bischöfe ab und ersetzte 
sie durch Personen seines (keltischen) Anhanges ^)^)'^). 

1) Merkwürdigerweise; denn der Sprengel von Dol ist von allen 
bretoniscben Diözesen weitaus der kleinste und kaum größer als sonst 
eine Pfarrei. Vgl. die Diözesankarte bei B or d eri e Bd. I a. E. Zur Sache 
vgl. die diplomatischen Schreiben Nikolaus' I. (über ihn noch unten) 
von 865 J. 2789 u. von 866 J. 2806 an die Bischöfe von Dol. S. a. 
Bord. II, 57. Z. g. a. Joh. Richterich, P. Nikolaus 1., Diss. Bern 
03, s. 179 f. und Duchesne, Fastes II2, 257 ff. 

2) Ja, sogar die in der Bretagne gelegenen Teile der Diözese 
von Nantes (vor der Eroberung der ganzen Mark) wurden abgetrennt 
und Vannes unterstellt; Bord. II, 60 f., 79, 1021, 337 f. 

3) ZumfolgendenBord.il, 477 ff. Mit vollem Recht bringt auch 
Luchaire, Manuel S. 20 f. m. N. 1 diese Losreiß ung mit den nationalen 
Unabhängigkeitsbestrebungen in Zusammenhang. 

4) Nicht seit langem. 

5) Bord. II, 52 ff. Chron. Namu. c. 11 (Bord. II, 479, wo auch 
die Parallelstelle des Indiculus): Multisque modis investigans, ut erat 
dolosus et fraudulentus, quomodo hoc abominabile institueret, reperit, 
ut episcopos totius suae regionis, manu Francorum regia factos, aliqua 
seductione a sedibus suis expelleret et alios concessione sua constitutos 
in locis illorum subrogaret et, si sie fieri posset, ad regiam dignitatem 
ascenderet. Hieraus ergibt sich der unmittelbare Zusammenhang 
zwischen beiden Erscheinungen. Beachtenswert auch der Zusammen- 
hang dieser Stellen mit der gleich zu erwähnenden aus Pseudoisidor. 

6) Vorher schon zeigt sich hier der Gegensatz zwischen den 
keltischen Prälaten (Äbten) einerseits und den fränkischen Großen 
(Bischöfen und Grafen) sowie den Herrschern andererseits; z. B. 
M. 906 b, 909 a (832). Ebenso waren umgekehrt Bedrückungen der 
karolingertreuen Bischöfe seitens des Herzogs und dessen Anhanges 
vorausgegangen. Betreffs Nantes' vgl. z. B. Richter-Kohl, Ann. II, 
II S. 334 N. c. 

7) Ganz recht bemerkt Bord. II, 57 f., daß Nominoe dies haupt- 
P ö s c h 1 , Bischofsgut und mensa episcopalis. III. 7 



— 98 — 

Dabei zeigt sieh bereits — und auch das ist an diesem 
ersten Beispiel besonders lehrreich — eine Kräftegruppierung, 
die für alle folgenden im großen und ganzen maßgebend ge- 
blieben ist. Diese Mediatisierung rief nämlich sogleich einen 
heftigen Widerstand nicht nur des fränkischen Königs, sondern 
vor allem der Kirche, namentlich der Päpste und des Episkopats 
hervor. Beide — Königtum und Kirche — waren in dieser Ent- 
wickelung natürliche Verbündete, sie hatten an den neuempor- 
strebenden Sondergewalten einen gemeinsamen Gegner^). 

Namentlich mochten die übrigen Rcichsbischöfe das Schick- 
sal, das ihnen selbst bevorstand, im Hinblick auf diesen Fall 
bereits instinktiv vorausahnen. Übrigens machten sich ja auch 
ihnen gegenüber ähnliehe Bestrebungen damals wenigstens in den 
Anfängen bereits fühlbar 2). Besonders erkannte man kirchlicher- 
seits sogleich die Gefahr, die eine solche territoriale Zersplitterung 
der Kirchenfassung für die Einheit der Kirche bedeutete. Nament- 
lich ist es begreiflich, daß die mit den Grafen schon lange rivali- 
sierenden Bischöfe es als eine starke Demütigung empfinden 
mußten, wenn man von ihnen verlangte, sich ihren alten Gegnern, 
denen sie bisher als Große des Reichs zum mindesten gleich- 
standen, unterzuordnen. Ja, man hielt es schon mit der Würde 
einer Bischofskirche an sich nicht vereinbar, daß sie einer andern 
weltlichen, ja selbst geistlichen Gewalt als der höchsten unter- 
worfen sein sollte^). 

sächlich tat, um sich die kirchliche Sanktion seiner Macht zu ver- 
schaffen. Dazu mußte er Anhänger im Episkopat haben. Tatsächlich 
findet denn auch die Krönung- 848 statt. Offiziell wurde jedoch als 
Grund für diesen Gewaltakt Simonie der Bischöfe angegeben. Bord. 

II, 52ff. Über d. Absetzung a. Lot, Melanges d'hist.Bretonne S.23ff.; 58 ff. 

1) Für das Zusammengehen von Krone und Episkopat gegen 
das neue Herzogtum im allgemeinen in der Folgezeit geben die 
Quellen viele Beispiele. Darüber unten § 10. Die fränkischen Bischöfe 
der Bretagne gehörten zu den wichtigsten Vertretern der königlichen 
(reichsfränkischen) Interessen im Lande; auch Bord. II, 52 f., 57. 

2) Vgl. a. Stalin, Gesch. Württembergs S. 126, wo mit Recht 
auch auf die Gefährdung der kirchlichen Einheit dui'ch diese territorialen 
Sonderbestrebungen hingewiesen ist. Daher schon Widerspruch der 
Kirche gegen die karolingischen Reichsteilungen z. B. Hartmann 

III, 1 S. 134 und sonst. Vielleicht ist es schon ein Zeichen des Bünd- 
nisses von Königtum und Episkopat gegen die herzoglichen Gewalten, 
daß die Führung königlicher Heere immer häufiger Prälaten über- 
tragen wird; vgl. z. B. Richter- Ko hl 11, II S. 4261, 466 ff., 480 f. usw. 
Vgl. a. § 13 u. (namentlich über Haucks abweichende Ansichten) § 10. 

3) Darüber vgl. § 11. 



— 99 — 

Auf einem fränkischen Konzil, das in Paris tagte, wird 
denn auch dieses Vorgehen bereits im Jahre 849 verurteilt i) 2). 

Es ist ferner interessant zu wissen, daß auch der damalige 
Hauptverfechter der kirchlichen Freiheit den Großen gegenüber 
«ich diesen Fall nicht entgehen ließ und für wichtig genug hielt, 
um ihn seiner falschen Dekretalensammlung einzuverleiben. Auch 
€r erkannte darin eben bereits ganz richtig den Anfang einer 
allgemeinen Bewegung. 

Genau auf dieses bretonische Beispiel zugeschnitten^) ist 
nämlich jene Stelle in den pseudoisidorischen Dekretalen*), die 
für eine Kirchenprovinz zehn oder elf Suffragane (statt der sechs 
bretonischen !) ^) und für die Bistümer Zugehörigkeit zu 
einem Königreich, statt zu einem Herzogtum, ver- 
langt <5). 

1) Bord. II, 57. Eegino (Chr. zu 850) läßt den h. Maiirilius No- 
minoe einen Räuber der Kirchen nennen. 

2) Gegen die fränkischen Bischöfe nach einer Angabe zunächst 
das römische Konzil von 847 Bord. II, 54 f., wo die in Betracht 
kommende Stelle (S. 55 N. 1) als glaubwürdig- erklärt wird. Allein, 
eine solche Auffassung steht mit der Anordnung Leos IV., nur eine 
Zwölfzahl von Bischöfen könne einen Bischof verurteilen, in Wider- 
spruch. (S. unten A. 5.) Das gleiche betreffs der Synode von 848 
a, a. 0. S. 56, Vgl. allerdings das freundliche Schreiben Leos von 
849 an die Bretonenbischöfe J. 2599, jedoch auch J. 2600 an den Herzog 
Nominoe, wo er zur Entfernung des „Invasor" von Nantes ermahnt wird. 
(Das Gebiet damals erobert.) Auch J. 2599 sagt: ecclesiasticum ordinem 
episcopis et clerjcis ordinatis pertinere — das heißt doch wohl, die 
Eegelung der Kirchen Verfassung solle der Herzog als Laie der kirch- 
lichen Autorität überlassen. (Die Dekretale ist wohl in die Bretagne 
gerichtet [wie die nächste] und nicht nach England.) Vgl. N. 3 S. 102. 
S. a. Richterich, Nikolaus I., S. 20. 

3) Seckel- in Herzog-Hauck XVI^ S. 283 (s. C), S. 285. Vgl. 
J. 2599. 4) Hinschius S. 724. 

5) Der Herzog hatte die Bistümer vom Metropolitanverbande von 
Tours losgerissen. — Vgl. schon J. 2599, wo der Papst den bretonischen 
Bischöfen die Zwölfzahl von Bisehöfen zur Verurteilung eines Bischofs 
vorschreibt. Auch Bord. II, 55. Zum Schutz von Tours wurde ein 
Indiculus verfaßt; darüber Bord. II, 477 ff. — Interessant Ps.'s Zahlen. 

6) Wäre die Korabination zu gewagt, daß man bald darauf die 
Bretagne etwa mit Rücksicht gerade auf dieses Verlangen Pseudo- 
isidors und als Rückschlag darauf zum Königtum erklärte? An- 
erkennung des bretonischen Königtums durch Karl den Kahlen zuerst 
S51; Bord. II, 72. Auffällig ist gewiß, daß kirchlicherseits — nament- 
lich auch seitens Nikolaus I. — das bretonische Königtum bereitwillig 
-anerkannt wird. Unten N. 2 S. 102. [Nicht dagegen die Konstruktion des 
(später entstandenen) Chron. Namnet. oben S. 97 N. 5. Nicht glaub- 



— 100 — 

Pseudoisidor verficht ja auch sonst die Freiheit der Kirche 
den Großen gegenüber^). Und kein geringer Teil seines Mach- 
werks ist diesem Zwecke gewidmet 2), ja dieses ist geradezu über- 
haupt — wenigstens der Hauptsache, hier gleichbedeutend mit 
Hauptmasse der Stellen, nach — gegen die zwei hier zu beob- 
achtenden Erscheinungen — Vordrängen der Großen gegen die 
Reichskirchen im allgemeinen, Säkularisationen im besonderen — 
gerichtet. Namentlich wendet er sich auch gegen die Bischöfe,, 
die sich von den übrigen in Uneinigkeit absondern^), was sich 

würdig die Nachricht (Bord. II, 54 m. N. 3), der Herzog (Nominoe) 
hätte das Königtum vom Papst erbeten.] Hingegen nennt Hadrian II., 
der die Eechte von Tours aufrechterhält (J. 2906) den Salomon ge- 
flissentUch „dux Britannorum*. 

1) Vgl. nächsten §. Aber nicht, oder doch nicht in erster Linie, 
gegen das Königtum sind diese Bestimmungen gerichtet (so Lilien- 
fein [vgl. nächste Note] S. 89), sondern gegen die Lokalgewalten. 

2) Ganz abgesehen von den Zwecken speziellster, subjektivster 
Art, die die ps. Fälschungen bekanntlich verfolgen, wird ihre 
Tendenz meist viel zu allgemein gedeutet. Es handelt sich um ganz 
konkrete Dinge, die erreicht werden wollten. Nicht weitausschauende 
Theorien stellen in jener Abstraktionen abgeneigten Zeit die eigent- 
lich treibenden Kräfte dar. Erstere sind vielmehr auch, soweit sie vor- 
kommen, nur Mittel zum Zweck. Es wird in der Literatur der ps. 
Stücke überhaupt — das gilt übrigens ganz allgemein — viel zu sehr 
nach einheitlichen Ideen geforscht, nach fundamentalen Auffassungen, als 
deren Ausfluß dann die einzelnen Stücke erscheinen sollen und bei jeder 
Äußerung wird vermutet, daß sie der Ausdruck einer streng einheitlich 
aufgebauten Theorie sei. In Wirklichkeit stellte aber damals — wie 
immer, und damals ganz besonders — die Idee nur die eine Seite der 
Triebkräfte dar — die andere bilden die mit elementarer Gewalt einher- 
schreitenden Tatsachen. Auch die Schrift von Lilienfein (Die An- 
schauungen von Staat und Kirche im Keich der Karolinger. Ein 
Beitr. z. ma. Weltanschauung [Heidelberger Abb., 1. H., Heidelb. 
[Winter] 1902) konstruiert zu sehr und operiert viel zu viel mit 
„römischer" und „germanischer" Staatsauffassung. Die Auffassungen 
waren in erster Linie von konkreten Erscheinungen und den Wünschen, 
die man daran knüpfte, diktiert. (Auch die Kritik dieser verdienst- 
lichen Abhandlung [s. z. B. Mario Krammer in M. I. Ö. G. XXVI [1905] 
S. 51 5 ff.) steht viel zu sehr im Bann der Theorien. Gleich hier be- 
merke ich auch ein für allemal, daß Lilienfein natürlich auch im 
Säkularisationsproblem zu sehr nach abstrakten Theorien fahndet (vgl. 
namentlich SS. 50 ff.). Gar nicht zU reden von Sommer lad II, 161 ff. u. a. 

3) Z. B. c. 8 Evar. 2 S. 91. Besonders c. 14 AI. 2 S. 102 f. (Nennt 
sie Schismatiker.) Vgl. a. c. 15, S. 103. (Ermahnung auch an die 
Herrscher?) — Aus dem Gesagten erklärt sich wohl auch der Kampf 
gegen die Metropolitanjurisdiktion sowie das Streben nach Förderung^ 
der kirchlichen Einheit im Papsttum. 



— 101 — 

auch auf diesen Fall der Bretagne und auf ähnliche beziehen 
dürfte 1). 

Auch P. Benedikt III. klagt dann darüber, daß die bre- 
tonischen Bischöfe von Laien verjagt und nicht durch ein kano- 
nisches Verfahren abgesetzt worden seien und verlangt zu letz- 
terem wenigstens zwölf Bischöfe^). 

Dieser Widerspruch^) fruchtete aber nichts. Namentlich 
Herzog Salomon*) (f 874), Neffe und zweiter Nachfolger Nominoes, 
setzte dessen Bestrebungen fort 5). (Charakteristisch ist, daß 
gerade er neuerdings den Königstitel annimmt.) Und auch da- 
gegen trat die Kirche wieder durch einen der Hauptverfechter 
ihrer Freiheit und Unabhängigkeit auf^). 

Nikolaus I. '') wandte sich von Rom aus gegen dieses Vor- 



1) Ähnliche Vorschriften erläßt übrigens auch Benedikt der Levite. 

2) J. 2671 (855 — 858): non ab episcopis, sed a laicis deiectos esse 
— NuUam rationem sinere episcopos a sedibus suis pelli, quos duode- 
narius numerus non eiecit — . 

3) Vg-I. dazu a. das Gebot bei Benedictus Lev^ita VI, 381 (S. 93 f.), 
jede Provinz solle mit ihrem Metropoliten und den Komprovinzialen 
zufrieden sein. Wohl damit hängen auch die zahlreichen Gebote zur 
Achtung der Metropoliten zusammen. Z. B. Ben. VI, 79 (S. 77.) 

4) Über ihn Dumm 1er III, 46. 

5) Ebenso wie sein Vorgehen gegen das Reich; Vogel S. 190 ff. 
Nominoes (fSSl) Sohn Erispoe (t857) hatte mit Karl d. K, gegen Ab- 
tretung von Rennes, Nantes und Retz Frieden geschlossen; Richter- 
Kohl, Ann. II/2, S. 345 m. N. c. Wenigstens teilweise (Nantes) hatte 
€1' Nominoes Bischöfe beseitigt. Unten S. 102 N. 3. Erispoe ließ ja 
auch den Plan Nominoes (Bord. II, 65) zur Wiederaufrichtung des 
Dukats Lamberts zwischen Seine und Loire fallen (a. a. O. 73, wo auch 
über die neuerliche Machtentfaltung Lamberts). 

6) Auch das Konzil von 859 zu Tüll; Bord. II, 85. Charakte- 
ristisch die Stellungnahme dieser Synode gegen das bretonische König- 
tum und die Unabhängigkeit der Bretagne. Später ähnlich die Synode 
von Soissons 866 (Bord. II, 87 f., 96). Übrigens erwähnt das erstere 
Konzil nur vier Bischöfe der Bretagne. 

7) Über seine Stellung zu Pseudoisidor — er kannte dessen 
Sammlung nicht — treffend Schrörs, Papst Nikolaus I. und Pseudo- 
isidor im Hist. Jahrb. XXV (1904) S. 1 ff. Über das Thema der ge- 
waltsamen Bischofsabsetzungen im besondern Ders., Die pseudo- 
isidorische Exceptio spolii bei Papst Nikolaus I. a. a. 0, XXVI (1905) 
S. 275 ff. — Wir hoffen, daß unsere Darstellung dazu beiträgt zu zeigen, 
daß wir es mit einer großen, weitverbreiteten Entwicklung zu tun 
haben, wobei ähnliche Ursachen ähnliche Wirkungen spontan hervor- 
riefen, man also nicht nach speziellen Zusammenhängen — wie Pseudo- 
isidor und Nikolaus — zu suchen braucht. Vgl. a. R i c h t e r i c h, Nik. 1, 19 ff . 



— 102 — 

gehen ^j, wie ja auch er noch sonst besonders eifrig und ent- 
schieden die neue Bistumsherrschaft überhaupt bekämpfte. Er 
fordert, die bretonisehe Angelegenheit entweder dem Metropolitan 
von Tours oder ihm selbst zu tibergeben 2). Mit welchem Erfolg,, 
wissen wir nicht genau ^)j keinesfalls war aber ein solcher nach- 
haltig 4). 

Das ünterordnungsverhältnis der Bistümer unter den Herzog 
schien sich bald so gefestigt zu haben, daß durch Karl d. K. bei der 
Übertragung der Grafschaft Coutances (in der späteren Norman- 
die)^) an Salomon — bei Eingehung des zweiten Bündnisses mit 
diesem — ausdrücklich vereinbart werden mußte, daß das Bis- 
tum ausgenommen sei^), wohl aber alle ßeichsabteien als mit- 
übertragen zu gelten hätten'). 



1) Bord. II, 56. Unglaubwürdig auch da Chron. Namnet., dessen 
Nachrichten Bord, zu günstig beurteilt. 

2) J. 2708 (ebenso wie die nächsten Stücke ad regem Britto- 
num Salomouem), 2789, 2807. Er verlaugt auch zwölf Bischöfe für 
eine Provinz, weil diese Anzahl zur Verurteilung eines Bischofs nötig- 
sei. Vgl. dazu Borderie II, 95ff. ; ferner Greinacher, Die An- 
schauungen des Papstes Nikolaus I. üb. d. Verh. v. St. u. K. (Abh. z. 
m. u. n. G., hrsg. v. ßelow, Finke, Meinecke, Heft 10) S. 24, 30. Vgl. 
a. S. 31. Ein Schachzug vielleicht auch J. 2803 (866). — Über die 
Anwendung des Rechtssatzes, jedes Erzbistum müsse zwölf Suffragane 
haben, später z. B. J. 4068 (1025; ügh. VII, 602): (Joh. XIX. an den 
Eb. von Canosa-Bari). 

3) Betreffs des Bistums Nantes vgl. Vogel, Norm. 222 f. Hier 
wenigstens mißlang der Wiedereinsetzungsverstich des karolingischen 
Bischofs Aktard vollständig, obwohl Erispoe zur Wiedereinsetzung zu- 
gestimmt hatte (851; Bord. II, 73; vgl. 79). Aktard wurde wieder ver- 
trieben (85; vgl. 95 ff.). Hadrian IL nennt (J. 2902; a. 868) ihn selbst 
„ehemalig-en" Bischof von Nantes. Vgl. Borderie II, 60 f. und oben 
S. 16. Nantes war aber nicht einmal eines der ursprünglich bre- 
tonischen Bistümer. Dieses Gebiet erobert Nominoe erst 850 ganz. 
Besonders charakteristisch, daß auch hier sogleich nach der Eroberung" 
der fränkische Bischof abgesetzt und ein Bretone eingesetzt wird. 

4) Trotzdem sich Salomon dem Frankenkönige unterworfen 
hatte und dieses Verhältnis auch einige Zeit bestehen blieb. Auch 
später gab es noch ein Bündnis. Immerhin schritt die Verselbständigung 
der Bretagne unaufhaltsam vor, bis sie sogar als eigenes Königreich 
proklamiert wurde. Neuerliche Anerkennung der Selbständigkeit und 
des Königtums der Bretagne durch Karl d, K. 869. Vgl. Ann. Bertin. 
DazuEichter-Kohl, Annal.II/2, S.411N. c. Zur Sache Bord. II, llSff. 

5) Außer dem Cotentin erwarb Salomo auch noch das Avranchin. 

6) Vgl. oben Teil 1, S. 166 N. 1. 

7) Hinemar, Annal. ad 867. Vgl. Vogel S. 227. Eichter-Kohl> 
Ann, II/2, S. 408. 



— 103 — 

Johann YIII. erkennt die Bretagne dann bereits vorüber- 
gehend als besondere Kirchenprovinz unter dem Eb. von Dol 
an^). Später freilich befiehlt er noch einmal, bei Androhung der 
Exkommunikation, den bretonischen Bischöfen die Rückkehr zur 
Kirehenprovinz von Tours^). 

In den Wirren nach Salomons Tod (874), namentlich aber 
in den Normannensttirmen des beginnenden zehnten Jahrhunderts^) 
gingen die bretonischen Bistümer ganz ein*)^). Nach der Restau- 
ration sprachen jedoch die bretonischen Herzoge wie selbstverständ- 
lich von ihren Bistümern, übten das Ein- und Absetzungsrecht 
usw. ^). 

Diesem Falle sind dann bald weitere gefolgt. Sie häufen 
sich bereits gegen Ende des Jahrhunderts. Besonders frühe 
zeigen sie sich natürlich auch anderwärts dort, wo die Selb- 
ständigkeit lokaler Fürstengewalten dem Reich gegenüber rasch 
fortschritt oder gar von jeher in großem Umfang anerkannt war, 
wie z. B. im Beneventanischen'^). 

Auch hier wurden zur Zeit der Abhängigkeit vom Franken- 
reich die Hochstifter als Reichskirchen betrachtet. Sie genossen 
unmittelbar Reichsprivilegien ^) (Reiehsimmunität u. a.), der Herr- 



1) J. 3003 (874 oder Anf. 875). Aus den keltischen Bisehofsnamen 
(vgl. a. 3010; a. 875) erkennt man auch, daß die Herzoge (Könige) der 
Bretagne mit ihren Bestrebungen durchgedrungen sind. 

2) J. 3144 (878). 

3) Darüber Bord. II, 347 ff. Kurze Restaurationsperiode vorher 
unter Alan dem Großen (f 907). Vgl. a. Duchesne, Fastes IP, 371 
und sonst, 

4) Oben § 3. 

5) Nach der Wiederaufrichtung haben auch noch Päpste des 10., ja 
11. Jahrhunderts die Wiederherstellung der Provinz Tours versucht, 
ohne daß aber die temporelle Abhängigkeit der Bistümer vom Herzog 
weiter bestritten worden wäre. Diese besteht vielmehr das ganze 
Mittelalter bis zur Einziehung der Bretagne zur unmittelbaren Ver- 
waltung durch die Krone Frankreichs. — Über den Streit zwischen 
Tours und Dol im 10. Jahrhundert Bord. II, 423 ff. Vgl. J. 3756 
(965—972) : Job. XHI. ermahnt die bretonischen Bischöfe, in den Metro- 
politan verband von Tours zurückzukehren. 

6) Borderie II, 406 f. Schaffner II, 617 f. 

7) Auch Spoleto nimmt eine ähnliche Stellung ein; Uhlirz, Jahrb. 
Ottos II. und III. Bd. I, S. 12 f. 

8) Diese wurden bei Mediatkirchen, insbesondere bei bischöflichen, 
für den Herrn ausgestellt (bei letzteren also für den Bischof, bzw. für 
die Bischofskirche; auch bei Laien jedoch umschloß die Immunität 
des Grundbesitzers natürlich die grundherrlichen Kirchen mit usw.) 



— 104 — 

scher übte das Ernennungsrecht usw. ^)2). Allerdings zeigt sich 
auch damals schon ein gewisser Einfluß des Herzogs^)*). 

Sogleich mit der Loslösung vom Reichsverband ^) geht aber 
die Kirchherrschaft in ihrem ganzen Umfang auf die Herzoge 
über 6) 7). 

Charakteristisch für die ganze Entwicklung ist dabei, daß 
diese auch hier in der Errichtung eines eigenen Metropolitan- 
verbandes für das Fürstentum gipfelte^). Dasselbe gilt aber 
auch für die übrigen langobardisehen Fürstentümer in Süditalien 9), 
ja, auch für die übrigen Gebiete, besonders auch für die außer- 
germanischen ^°). Freilich gelangte diese Gestaltung oft erst im 



1) Z. B, M. 283 (787) für Benevent. Ausdrücklich heißt es (D. 
K. I, S. 211 Nr. 156): hanc immunitatem nostram conscribere iussimus, per 
quam specialiter decernimns ordinandum, ut nuUus quilibet de nobis 
aut de iudiciaria potestate aut quaelibet persona amodo den Besitz 
der Kirche betrete ad causas audiendum iisw. Vgl. ferner Ugh. VHP, 
44 f. (wo gehören die dort erwähnten Urkunden übrigens hin?). 

2) Auch gab es beneventanische Klöster, die reichsunmittelbar 
waren. Vgl. z. B. M. 887 (831) u. ö. 

3) So stellte z. B. Grimoald III. 789 ein Besitzbestätigungsprivileg 
für das Bistum aus; Ugh. VHP, 87 f. (Voigt. Nr. 27.) 

4) Ein ähnlicher Parallelismus zeigt sich, ganz abgesehen vom 
Kirchenstaat, in Italien auch später (s. T. IV) öfter, 

5) Nachweislich bis 873 erfolgte noch die Zahlung des Tributes 
seitens der Beneventanerherzoge an die Frankenkönige; Simson, 
Ludwig der Fromme I, 28. 

6) Bereits 876 (vgl. Voigt Nr. 68) ein Immunitätsprivileg Adel- 
chis' IL Ughelli VIII^, 44 f. Vgl. dieses mit der oben angeführten 
karolingischen Immunität. 

7) Nach der byzantinischen Eroberung dann ähnliche Urkunden 
von Beamten des griechischen Kaisers a. a. 0. 46 f. (893). Die Ver- 
hältnisse • waren hier eben sehr schwankend, ebenso auch in den 
übrigen süditalienischen Fürstentümern. Vgl. Mayer, It. VG. II, 8 f. 

8) Sicherlich wußte man in Süditalien nichts von den Vorgängen 
'in der Bretagne. — Der Zusammenhang mit den Territorialbestrebungen 
ist in Süditalien um so klarer, als hier der bisherige unmittelbare Vor- 
gesetzte in spiritualibus der Papst war. 

9) Benevent wurde 969 Erzbistum, Salerno 985, Capua schon 966; 
vgl. im allgemeinen Camera, Amalfi I, S. 27, 156f ; Duchesne, 
Archivio XV, 477; Jung 20 N. 2. Über die Absicht, welche Landulf 
von Capua schon 873 hegte, diese Stadt zur kirchlichen Metropole des 
ganzen beneventanischen Landes zu erheben vgl. M. 1261 a. Z. g. a. 
Caspar in Qu. u, F. VI (04) S. 250 ff. 

10) Über Amalfi, wo Johann XV. 987 einen Metropolitan- 
verband gründete Camera a. a. 0., wo auch über die Gründung der 
Sorrentiner Kirchenprovinz (968). Solange Sorrent in Abhängigkeit 



— 105 — 

zehnten Jahrhundert zum Abschluß. In manchen Gebieten sind 
überhaupt nur Ansätze dazu vorhanden^). Nichtsdestoweniger 
zeigt sich uns die Einheitlichkeit deutlich genug. Ja, auch das 
damals mancherorts deutlich hervortretende Streben der Großen, 
Graf Schafts- und Bistumsgrenzen zur Deckung zu bringen 2), 
ja, für den eigenen Herrschaftsbereich Bistümer sogar neu zu 
gründen 3), gehört wenigstens teilweise*) in diesen Zusammenhang. 
Eine kräftige Territorialherrschaft sucht ja stets — das lehrt 
die Geschichte an vielen Beispielen — Nichttibereinstimmungen 
in den Grenzen zu vermeiden — in dem Bewußtsein, auf diese 
Weise am leichtesten die eigene Macht zu stärken. 

Die Mediatisierungsbestrebungen blieben, wie sieh schon 
aus dem bisher Gesagten ergibt, nicht auf die germanischen 
Teile des ehemaligen karolingischen Herrschaftsbereichs (i. w. S.) 
beschränkt, ebenso wie die Territorialbildungen selbst. Ja, 
gerade weil die letztern in den peripherischen Gebieten am 
raschesten fortschritten, bürgert sich die lokale Bistumsherrschaft 
hier im allgemeinen sogar etwas früher ein als im Landesinnern^). 

von Salex'no steht, übt der Herr des letzteren eine g-ewisse Bistums- 
herrschaft; vgl. z. B. J. 3074 (876). — Auch die Gründnno^ der national- 
mährischen Kirchenprovinz gehört in dieses Kapitel; vgl. oben S. 70 
m. N, 2; ferner z. B. Sebicht, Ostmarkenpolitik (Breslati 10) S. 9; 
bes. Lapotre, L'Europe et le Saint-Siege ä l'ep. Caroling. [L p. Le 
pape Jean VIII.] S. 91 ff. Anch Mähren riß sich ja (zuerst 872) vom 
Eeich los; Richter-Kohl II/2, S. 424f. — Ein fernerliegendes Beispiel 
bietet anch die Organisierung der bulgarischen Kirche; darüber be- 
sonders Lapotre a. a. S. HOff. nsw. — Wohl auch auf diese neuen 
Pro%änzen ist z. T. das Sehwanken der Metropolitan verbände zurück- 
zuführen; s. z. B. Plaisance, Sabaudie I, 75. 

1) Über Bayern, wo die territoriale Bistumsherrschaft besonders 
weit gedieh (s. nächsten §) vgl. z. B. Hauck, Fürstenmaeht S. 16. 

2) Im allg-emeinen fielen die Grenzen nicht zusammen, besonders 
seit der Zerstückelung der Komitate. Vgl. z. B. über die spanische 
Mark T. I, § 5; über die Bretagne Borderie II, 411 f. (nur in Leon 
und Cornouaille decken sich Grafschafts- und Bistumsgrenzen). Über 
Italien Mayer, It. VG, II, 273. S. a. unten T. IV. 

3) Z. B. Gams, KG. Spaniens Il/g, S. 424. Vgl. aber auch T. IV. 
Über die Zerreissung der Diözese Capua, die unmittelbar mit den 
Kämpfen der Großen zusammenhängt, Schipa, Sal. 135 u. unten § 23. 

4) Zum andern Teil beruht sie auf der später zu erörternden 
rückläufigen Bewegung: dem Erwerb von Grafschaften seitens der 
Bisehofskirchen. Über diese Seite der Entwicklung T, IV. 

5) Die ganze Entwicklung hat mit germanischen Einflüssen 
nichts zu tun (vgl. oben S. 77 N. 1). Sie ist die natürliche Folge des 
allgemeinen Gesetzes, daß mit dem Sinken der Zentralgewalt die 



— 106 — 

Auch für die bisher nicht erwähnten Gegenden zeigt sich die 

Richtigkeit des Gesagten^). 

lokalen Machthaber hochkommen. An eine Übernahme germanischer 
Einrichtungen ist schon deshalb nicht zu denken, weil gerade die 
außergermanischen Gebiete in der Entwicklung, wie oben bemerkt, 
vorangehen. Übrigens, was besonders Italien anlangt, war dort be- 
kanntlich die Grenze zwischen dem jeweiligen römisch-byzantinischen 
und langobardischen Machtbereich auch dem Recht nach ziemlich scharf 
gezogen; vgl. Capasso, Le fonti della storia della provincie Napoli- 
tane, Nap. (Marghieri) 02, S. 39 N. 1. — Auch der stark privatreeht- 
liche Charakter den diese Bistumsherrschaft, namentlich in ihrer wei- 
teren Ausbildung (über das 11. Jahrhundert nächsten Teil) annahm, 
hat mit angeblich germanischen Einrichtungen auf dem Gebiete kirch- 
lichen Verfassungsrechtes nichts zu tun. Daß das Bistum schließlich 
als Vermögensobjekt (über die rechtliche Natur der Bistumsherrschaft 
ausführlich T. IV vgl. a. nächsten §) des Tempelherrn aufgefaßt würde, 
hat seinen Grurtd in der starken Vorherrschaft privatrechtlicher Ideen 
— wir wollen hier über diesen Ausdruck nicht rechten — , die sich 
in jener Zeit überhaupt geltend macht. Ist sie ja doch ebenso wie 
auf dem Gebiet des kirchlichen so auch auf dem des weltlichen Ver- 
fassuugsrechtes — hier noch auffallender — zu bemerken. Ebenso 
wie das Bistum wird ja auch die Grafschaft, das Herzogtum usw. — 
ersteres ähnelt den letzteren in bezug auf die temporelle Stellung ja 
immer mehr (T. IV) — zum Gut und Gegenstand des Privatrechts- 
verkehres. Soweit aber für die Bistumsherrschaft das Vorbild an den 
iSJiederkirchen von Einfluß geworden ist — also höchstens als 
Teilgrund, wie ihn schon Ficker annahm — , ist gerade darin das 
römische Eecht schon mächtig voraugeschritten mit seiner ausgebildeten, 
weitreichenden privaten Kirchherrschaft (T. I, § 2), Ja, es ist mög- 
lich, daß es sogar — auf den kaiserlichen Domaniallatifundien — in 
römischer Zeit sozusagen Privatbistümer gegeben hat. (Natürlich 
hängt das mit dem späteren Mediatbistum historisch nicht zusammen.) 
Ich denke da an die Fälle Süditaliens und Afrikas, wo Bistümer aus- 
schließlich für die Bevölkerung bestimmter Fiskalbezirke errichtet 
wurden. So auf den saltus Carmeanus in Südapulien (über Carmeia 
vgl. namentlich Jung in M. I. Ö. G. Erg.-Bd. V, S. 28 m. N. 7 und die 
dort angeführte Literatur). Auch Nicotera stand in einer massa; 
Ducheane, Calabre 1, 7. Es ist leicht mög'lich, daß solche Bistümer 
auch auf dem Krongut und damit wie andere Fiskalkirchen im kaiser- 
lichen Eig'entum standen. — Auch im zweiten großen christlichen 
Kulturkreis, mit dem sich der germanische im Abendland noch be- 
rührt, im keltischen, zeigt sich die private Kirchherrschaft besonders 
schön ausgebildet. Über die Bretagne Borderie II, 210 ff. Nament- 
lich kommen die zunächst keltisch gebliebenen Teile der britischen 
Inseln in Betracht. Besonders schroff zeigt sieh aber gleichzeitig die 
Grenze gerade auf der Hauptinsel (in Wales und Cumberland). 

1) Auch die in den sla vischen Ländern neuerrichteten Hoch- 
stifter waren den einheimischen Königen oder Herzogen wohl von 
Anfang an unterstellt; darauf deutet schon der Umstand, daß an diesen 



— 107 — 

So treten namentlich auch in den zunächst oströmisch ge- 
bliebenen Landschaften Italiens schon im Laufe des neunten 
Jahrhunderts die neuen Fürstengewalten immer entschiedener als 
Temporalherren der Bistümer ihres Machtbereiches auf. Immer 
mehr gilt z. B. der Herr von Neapel als Gebieter des Bischofs 
dieser Stadt ^; — bis hier beide Würden miteinander verschmolzen 



der Papst das Gründungsprivileg- erteilt; z. B. J. 3720 [967] Joh. XIII. 
gestattete dem h. Boleslav von Böhmen die Gründung- des Bistums 
Prag; daß die Echtheit der Urltunde zweifelhaft ist, kommt hier nicht 
wesentlich in Betracht; vgl. a. die Fälschung J. 3778 (974) Ben. VI. 

1) Z. B. J. 2934 (870). Auch da werden formell Klerus und Volk 
noch neben dem Dux genannt. Über die Gewalttätigkeit des Dux 
Sergius gegen den Bischof und das Bistum, namentlich über Säku- 
larisation (s. a. §20) Camera, Amalfi I, 108 f. Ja, wie frühe schon 
in Neapel der Herr (consul) über die Besetzung des Bistums entschied, 
zeigt z. B. folgende interessante — daher hier ausführlich zitierte — 
Stelle aus Joh. gest. ep. Neap. c. 46 (SS. rer. Lang. S. 427; geschrieben 
an der Wende des 9. und 10. Jahrhunderts): Nach dem Tode des 
Bischofs Stephan folgte c. 799—800 Bischof Paulus. Scribere igitur 
incipientes, qualiter iste pontificiali culmine sit sublimatus, studiosos 
precamur lectores, ut non aegre accipiant et nobis imputent aliquid 
narrasse ineptum : quia utilius est veritatem proferre usw. Def uncto 
igitur domno Stephano episcopo Theophüactus, gener eins, consula- 
tum regebat Parthenopensem. Qui, obstinatus avaritia, nolebat quem- 
piam ex clerieali officio promovere ad sacrum ordinera, dicens: 
'Nequeo exinde amaricari Eupraxiam meam uxorem'. lUa quoque 
quasi comperta occasione referebat: 'Laetati estis de morte genitoris 
mei. Mihi credite, nullus ex vobis ad episcopatum ascendet'. Diu 
autem ista vertentes, coeperunt omnes acclamare: "Date nobis, quem 
vultis, quia sine pastore esse non possumus'. Tum illa femineis flam- 
mis accensa hunc Paulum populärem et laicum, licet orbatum uxorem, 
comprehendens, tradidit illis; sed cum reniti nemo änderet, ilico ton- 
sum electum sibi fecerunt; non post multos autem dies pergens ad 
sedem Eomuleam a domno Adriano episcopus est effectus. Noch 
krasser c. 833 a. a. 0. c. 56 S. 431. Der Konsul Bonus (von Neapel) 
ließ den Bischof Tiberius in den Kerker werfen — und iussit cunctos 
terque quaterque aggregari clericos, ut illis (den Johannes) electum 
praeberet. Hie autem solus, nonnullis conantibus assumeie, imma 
invadere eandem sedem, absens et contrarius ibat. Ad ultimum vero 
multis affectus conviciis, adductus est ante Bonum consulem. Cui 
feroei pectore, ore garrulo comminari coepit. Post paululum, furiis 
actus, iuravit, non alium nisi ipsum facere electum. At ille clamabatt 
'Praesule meo vivo non ero sedis Invasor', ünde dux valde iratus 
dixit eundem iugulare Tiberium et totius episcopii servos possessi- 
onesque infiscari. Daraufhin endlich ließ er sich zum Bischof machen. 
Selbst die Bande der Verwandtschaft mißachtete man; vgl. über die 
spätere Zeit Dümmler III, 22. — Zu obigen Stellen auch M. Schipa,. 



108 



wurden ^) — sowie der Episkopate ihres Gebietes. Dasselbe gilt 
Tom Dogen von Venedig betreifs der venezianischen Bistümer ^)^) 
usw. ^). ■ 

Je mehr wir uns aber dem Ende des neunten Jahrhunderts 
nähern, desto allgemeiner werden auch im Frankenreich der- 
artige Bestrebungen und zwar auch im Landesinnern-^). 

II ducato di Napoli im Archivio Storico par le Provincie Napolitane 
a. XVII. (Napoli 1892) S. 396 fp. 

1) § 12. 

2) Z.B. J. 3067 (vgl. 3069): Joh, VIII. bittet 896 den Dog-en, seine 
(des letztern) Bischöfe zu einem Konzil zu entsenden, wo auch über 
die Grad»^ser Angelegenheit verhandelt werden sollte. Der Doge er- 
füllte jedoch die Bitte nicht; Hartmann in/2, S. 36. Einer der 
Bischöfe „vocatns electus" für das 10. Jahrhundert. Vgl, 3071, 3100, 
3108. Ferner z. B. Cod. dipl. Istr. 933: Einigung zwischen dem Mark- 
grafen Wintherus und dem Dogen betreffs istrianischer Besitzungen 

der venezianischen Bisehofskirehen (de episcopatibus Veneciarum) 

Güter, quos ipse palatius et sui episcopati (inPolausw.) habent. 
Über das Vorg*ehen der Dogen dem Patriarchen von Grado gegenüber 
bes. Syn. Ravenn. 874 J. n. 2993. — S. namentlich Kretschmayr, 
Venedig l, 98 ff . Nichts davon bei Hodgson, Hist. of Venice, was 
Kretzschm.M.I.Ö.G.Bd.XXV(1906), S.148 mit Recht rügt. Später ist die 
Temporalherrschaft der Dogen über die Bischofskirchen unbestritten. — 
Auch das Eintreten der Dogen zugunsten der venezianischen Bischöfe 
(7.. B. 875 für den exkommunizierten Leo v. Caorle; Ugh. V, 1336) 
deutet darauf, daß sie die Angelegenheiten der Landesbistümer nach 
und nach als ihre eigenen betrachteten. — Z. g. a. A. Rossi, Studi 
di Storia pol.-eccles. Venez. usw. Studi stör. Bol. (Zaniehetti) 06 Nr. 2. 

3) Daß zum mindesten das Streben bestand, die neue Temporal- 
macht Venedigs auch gegen die auswärtigen, im Venezianischen 
begüterten Kirchen zur Geltung zu bringen, bzw. das Gebiet auch 
nach dieser Seite hin abzusehließen, zeigen wohl die Verträge mit den 
Venezianern. Z. B. das Paktum Lothars l. von 840; M. 1067; c. 22 
(Cap. II, 134): . . . ut in rebus sanctorum ecclesiarumque Dei nulla 
pigneratio fieri debeat, excepto si cum sacerdotibus ipsarum ecclesi- 
arum causas habuerit — c 31 (S. 135): Reservamus in eodem pacto, 
ut pars parti de causis ecclesiarum et monasteriorum iustitias faciant. 
Ähnlich (noch etwas schärfer) das Paktum von 961 (0. 459) M. G. 
Const. I, 35: § 17: Similiter stetit, ut in res sanctarum ecclesiarum Dei 
nulla preda nee pignoratio fieri debeat, excepto si cum sacerdotibus 
ipsarum ectarum causa habuerit; et antea compellatio fiat semel et 
bis; postea fieri debeat pignoratio. Vgl. § 24. Also etwas der fränkischen 
Immunität Ähnliches. 

4) Auch Rom trat mit seinen Unabhängigkeitsbestrebungen dem 
Reich gegenüber seit Johann VIII. (vgl. Dum ml er III, 26) diesen 
Lokalgewalten in gewissem Sinne an die Seite. Auch da zeigen sich 
die Reflexe auf dem hier zu beobachtenden Gebiet. 

5) Ficker, Forschungen I, 253 ff. hebt für die nachfränkische 



— 109 — 

Die römische Kirche sehen wir namentlich seit den Zeiten 
Alberichs (I.) in immer stärkerer Abhängigkeit vom ersten Dux^), 
der die Päpste ein- und absetzt usw., bis hier fast völlige Anarchie 
und eine Weiberherrschaft ohnegleichen einreißt 2) 3). 

Gerade in Rom zeigt sich aber schon in den ersten Zeiten 
der Entwicklung das Auf- und Abschwanken derselben sehr 
deutlich. Neben den römischen Adelsfaktionen sind es im 
neunten Jahrhundert namentlich die Spoletiner Herzoge und die 
tuszischen Markgrafen, die um die Vorherrschaft streiten und 
sich die Päpste unterzuordnen suchen, bis schließlich der erste 
Dux Roms selbst ans Ruder kommt. Die einheimischen wie die 
benachbarten Großen suchten namentlich Teile des römischen 
Gebietes an sich zu bringen oder Sondergewalten im Innern des 
Kirchenstaates zu begründen*). 

Es muß endlich gleich hier noch bemerkt werden, daß es 
— wenigstens vorübergehend — auch einzelnen mächtigen Prä- 
laten — der Kampf war ja nicht sogleich entschieden — ge- 
lang, ihrerseits eine Territorialherrschaft aufzurichten oder 



Zeit mit Recht die Reichsmittelbarkeit als Eeg-el für die Bistümer Italiens 
hervor, ohne aber den Ursprung der lokalen Bistumsherrschaft erkannt 
zu haben. Auch im Reichsfürstenstand (S. 308 ff.) geht er nicht weiter 
darauf ein ; ebenso, was Burgund betrifft (.8. 290 ff.). — Eine Zu- 
sammeustellung — die freilich vieler Verbesserungen bedarf — für 
die Mediatverhältnisse Frankreichs — namentlich auch im Hinblick 
auf die spätere Entwicklung — bietet Schaffner 11, 617 f. — Über 
Deutschland namentlich Waitz VII, 134 f. 

1) Savioli, Ann. Bol. I, 100 m. N. 1. (S. 107). 

2) Auch im übrigen Italien ist letzteres vielfach das Ende vom 
Lied; Giesebrecht, Kaiserzeit P, S. 317. 

3) Über die vollständige Abhängigkeit der Päpste von den 
römischen Gewalthabern, die namentlich unter Alberich II. ihr höchstes 
Maß erreichte, Hartmann Ill/g, 221 f. und sonst. Es is ein interessantes 
Wechselspiel der Geschichte, daß dieselbe Bewegung, die anderwärts 
vielfach zur Vereinigung der geistlichen und weltlichen Gewalt über 
ein Gebiet führte, in Rom, wo diese Vereinigung der ältere Zustand 
war, eine Trennung veranlaßt hat — freilich eine Trennung mit voll- 
ständiger Unterordnung der päpstlichen Gewalt. Alberich hatte aller- 
dings die Absicht, in seinem Sohne Oktavio wieder beide Gewalten, 
zu vereinen, 

4) Siehe noch unten passim. — Ganz ähnlieh war übrigens die 
Entwicklung in Eavenna. Selbst dorthin richten u. a. die Spoletiner 
ihre Angriffe; z. B, J. 3164 (878). Die Parallele ist um so stärker, als 
ja auch Ravenna selbst, das Erzstift, wie gleich erwähnt werden wird^ 
nach territorialer Selbständigkeit strebte. Vgl. u. a. das im Text 
unmittelbar folgende und § 11. 



— 110 — 

wenigstens darnach zu streben. Besonders in Italien findet sieli 
derartiges. Auch da ist es nun lehrreich, daß mit den Territorial- 
bestrebungen gleichfalls Mediatisierungsbestrebungen anderen 
Reichskirchen und selbst Bistümern gegenüber Hand in Hand 
gehen ^). 



Betrachtet man nun die ganze Reihe der Fälle, so lassen 
sich in der Herrschaft der Lokalgewalten über die Bischofs- 
kirchen im großen und ganzen 2) zwei Formen auseinanderhalten. 
Sie sind zwar nicht scharf von einander getrennt — liefen ins- 
besondere im Ergebnis vielfach auf das gleiche hinaus — , ihre 
Sonderung besteht aber trotz der fließenden Grenzen dennoch 
und sie muß von einer Betrachtung, die sich zu einer schärferen 
juristischen Auffassung der ganzen Vorgänge erheben will, auch 
berücksichtigt werden. 

Der eine Fall war der, daß die Herrschaft in den Formen, 
■wie sie bisher der Kaiser oder König übte, auf den lokalen 
Machthaber überging. Dieser stand nunmehr als Temporalherr 
über dem Bischof und seiner Kirche. Beispiele hierfür lieferten 
uns schon die bisherigen Ausführungen. 

Daneben aber gab es für die Großen noch eine zweite — 
und zwar viel wirksamere — Art, sich die Reichskirchen zu 
unterwerfen. Sie bestand darin, daß der Herr eines Gebietes 
in eigener Person die Prälaturen seines Machtbereiches — wenn 
auch meist als Laie — bekleidete, also die geistliche und welt- 
liche Macht in seiner Hand vereinte. Auf diese Weise waren 
ihm die betreffenden Anstalten mit all ihrem Zubehör noch un- 
mittelbarer in die Hand gegeben. 

Im einzelnen haben dann freilich beide Formen dieser 
Herrschaftsverhältnisse mancherlei Ausprägungen erfahren. 

Wir haben zunächst den ersteren der beiden typischen 
Fälle zu betrachten. 

§ 10. Bistumsherreii. 

A. Begründung der Herrschaft. 

Die Temporalherrsehaft der Großen über die Bistümer in 
ihrer ersten Form war, dem Gesagten zufolge, im allgemeinen 



1) Genaueres im übernächsten §. 

2) Über Zwischenstufen unten § 13 a. E. 



— 111 ~ 

<iie Fortsetzung des Verhältnisses, wie es früher zwischen der 
Krone und den ßeichskirchen bestanden hatte. Sie war da- 
her diesem im großen und ganzen analog. Im einzelnen er- 
gaben sich aber doch zahlreiche Abweichungen — sowohl in 
dieser Analogie als auch in der Stellung der einzelnen Kirch- 
herren untereinander. 

Wie die Herrschaft der Großen überhaupt, so beruhte auch 
•die über die Bistümer größtenteils auf Usurpation. Auch sie 
befand sich lange Zeit — wie jede derartig neuentstehende 
Gewalt — im Stadium einer bloßen Machtfrage. Das Streben 
der einzelnen konnte auch in diesem Punkt nicht überall gleich 
weit gerichtet sein und noch verschiedener war der Erfolg, 
Jeder erwarb auch da soviel für sich, als er eben konnte. 

Es hängt damit auch zusammen, daß diese Bistumsherr- 
schaft nur selten mit einem Male, uno actu begründet wurde. 
Meist entsteht sie allmählich wie die übrige Herrschaft der 
Großen. Diese ziehen eines der früheren Reichsrechte nach dem 
anderen an sich. Durch Erwerb der Befugnisse, aus denen sich 
die alte karolingische Bistumsherrschaft zusammensetzt, erwuchs 
in den Händen der Lokalgewalten allmählich ein geschlossenes 
Herrenrecht. Den vollausgeprägten Fällen gehen daher zahl- 
reiche Vorstufen voraus. Und in diesen Anfängen reicht auch 
die Mediatisierungsbewegung bis in die ersten Zeiten Ludwigs 
d. Fr. zurück ^)^). Ja, latent hat sich manche Kraft — selbst 
unter Karl dem Großen — seit älterer Zeit erhalten. 

Namentlich ist damals der Erwerb eines Bistums nicht 
durch Veräußerung des ganzen Herrenrechtes seitens der Krone 
erfolgt. Solches findet sich erst später — seit Ende des 
10. Jahrhunderts (s. T. IV) — , nachdem das Mediatbistum 
stehende Einrichtung geworden war. Bei Abteien kommt das 
allerdings häufig vor. Diesen Anstalten gegenüber stellte man 
sieh ja überhaupt freier ^j. Schon unter Karl dem Großen war 
die Übertragung des Herrschaftsrechtes über eine Eeichsabtei 
an einen Dritten, z. B. an eine Bischofskirche oder auch an 
Laien als Lehen oder Eigen, nicht selten*). Das betreffende 



1) Vgl. z. B. schon M. 611 (816): Eig-enmächtigkeit der Großen 
gegen eine Kirche. 

2) Schon zu Anfang' des Jahrhunderts wurde sogar Eom be- 
drängt. Z. B. M. 633 a. Über die spätere Zeit unten, 

3) Davon noch unten. 

4) Z. B. M. passim. Vgl. a. Waitz, VG. IIP, S. 49 N. 1. 



— 112 — 

Institut wurde dadurch vom Reich veräußert. Später sind dann 
solche Geschäfte immer häufiger geworden^). Gelegentlich über- 
trug man ganze Gruppen von Klöstern 2). Einzelne Anstalten 
schützten sich dagegen durch Erwerb von Unveräußerlichkeits- 
privilegien^), die dann freilich — wie auch die Wahl- und 
sonstigen Privilegien — in den Zeiten des Verfalls gebrochen 
wurden*). 



1) Namentlich sicherte man sich durch Vergebung reicher Klöster 
die Anhängerschaft manches Großen, Aus den vielen Fällen vgl. etwa 
die Stelle bei Ughelli II, 103: Vido Mutinensis episcopus . . . anno 946 
deserto Ugone rege defecit ad Berengarium, ut praedivite Nonantulana 
abbatia ex eius favore potiretur, quam ab Othone deinde illam impe- 
travit Papiae an. 963. ab Adeleida augusta ad id largiendum exora- 
tus. — Weitere Beispiele sind u. a.: B. 1583 (845), 1594 (847), n. 1699 
(862), 1484 (888), 1916 (900), 1470 (902), n. 1974 (922), 1992, 1993 (933), 
2005 (940). Vgl. a. z. B. Hartmann III/2, 186f. und Lamprecht, 
DWL. I, 710; wo zahlreiche Belege. In manchen Fällen ist es zweifel- 
haft, ob die Abtei oder nur die Abtsstelle als Benefiz vergabt wird. 
So Gest. abb. Font. c. 17 SS. II, 293: (a. 818 Ludwig dem Ansegis) 
Luxovium, famosum Galliis coenobium, ad regendum beneficii iure 
eidem eontulit ^-. 

2) So wies z. B. Karl d. K. Pippin nach der Aussöhnung iu 
Aquitanien zahlreiche Grafschaften und Klöster zu; Vogel S. 157. 

3) Der Ausschluß der Veräußerungsraöglichkeit durch einen all- 
gemeinen Eechtssatz findet sich erst unter Otto I. 

4) Z. B. Cont. Beg. zu 957 SS. I, 623: abbatiam ... in Wizen- 
burch multis retro temporibus sub antecessoribus suis (Otto I.) electionis 
et privilegii dono privatam — oder DO. I, 316 (966) (für die St. Marieu- 
kapelle zu Aachen): periculosa tempora predecessorum nostrorum . . . 
intuentes, quorum aliqui quasdam abbatias, que sub tuicione et immuni- 
tate imperatorum et regum erant electicnemque inter se eligendi 
abbatem habebant, ad episcopia seu ad abbatias seu etiam, quod peius 

est, laicis dissipandas suo precepto tradidissent Prälatenwahl 

galt eben für eine Kirchenanstalt als Zeichen der Freiheit und auf das 
bloße Eigentum des Reichs kommt gar nichts an. Die juristische 
Stellung wird ausschließlich von anderen Momenten (abgesehen 
vom erwähnten kommt in Betracht Beichsimmunität usw.) bestimmt. 
(Über die spätere Entwicklung unten T. IV.) Vgl. a. die Fortsetzung 
der Urkunde, z. B. die Stelle: Et ut nuUus . . . successorum nostro- 
rum . . . hanc pref. capellam seu aliquid ad hanc pertinens . . . vel ad 
aliquam ecclesiam vel alicui in proprium vel alicui episcoporum vel 
alicui persone in benefitium det, sed ut semper in tuitione et immtinitate 

imperatorum et regum permaneat ünveräußerlichkeitsprivilegien 

seitens der Krone werden besonders seit der Zeit der Reform im 10. Jahrb. 
ausgestellt; auch von Päpsten z. B. J. 8722 (968) f. S. Maximin; 3733 
(968) f. St. Gallen usw. Dominium über Klöster (z. B. Ben. VI., 108 
S. 79) bedeutet Herrschaft; über die Konstruktion T. IV. Gegen das 



— 113 — 

Für diese Art. der Begründung einer Kirchherrschaft gibt 
es jedoch bei den Hochkirchen höchstens Anklänge. Solche aber 
sind allerdings vorhanden. Und immerhin sind sie interessant 
genug, um beachtet zu werden. Es kommt nämlich damals 
häufig vor, daß ein Bistum „zur Nutznießung", „stipendiario 
usu", „beneficiali more" und wie die Ausdrücke sonst noch 
lauten, hingegeben wird. Nicht um die ordentliche Verleihung 
des Bischofsstuhles, also um das innere Verhältnis zwischen 
Krone und Bistum, handelt es sieh hierbei, sondern es soll damit 
gerade etwas davon Verschiedenes ausgedrückt, eine ausnahms- 
weise Verfügung über Bistümer bezeichnet werden. Das geht 
aus der ganzen Art der Verleihung wie auch aus der Beschaffen- 
heit der bedachten Personen usw. unzweifelhaft hervor. 

Freilich wird auch jenes innere Verhältnis immer mehr im 
feudalen Sinn ausgestaltet. Und zwar war dies — wie auch 
im weltlichen Recht — in der Karolingerzeit sogar bereits mehr 



in proprium dare, vendere usw. von Klöstern Ben. Lev. z. B. V, S86 
(S. 69). Die Bichtig-keit unserer Auffassung zeigt namentlich die spä- 
tere Entwicklung. Nur auf dem Gedanken der Privilegisierung — und 
nicht des Eigentums — beruht Ottos I. berühmte Konstitution über 
die Unveräußerlichkeit der Eeichsabteien mit Wahlrecht. Über diese 
und ähnliche Erscheinungen unten T. IV. Hier sei nur — als be- 
sonders deutliches Beispiel — angeführt das Diplom K. Konrads von 
Burgund v. J. 962 für Moutiers-en-6ranval (Trouillat I, 134 f.): hoc 
quoque secundum antiqnam constitutionem regum per conscriptionem 
praestructum et sub ipso privilegio usque ad tempus genitoris nostri 
in Dei servitio sanctorumque eins constitit bene. Ipsius vero nostri 
patris culpis exigentibus cuidam Lutfrido nomine praedictum mo- 
nasterium concessum est in beneficium, sed non post longa tempora, 
non per beneficium, sed per proprietatem, in posteram eius progeniem 
divisum, quae crescens multiplicata praefatum monasterium et eius 
accedentia destruxit: tum etiam inventa est eonventio Ottonis impera- 
toris et filii sui i'egis et nostra, ducibus ibidem praesentibus, episcopis, 
comitibus multis caeterisque compluribtis. Illic nos percunctantes, si 
monasterium, quod per privilegia constructum est, per manum 
regiam in proprietatem dari liceret. Illic cunctis communiter judi- 
cantibus, quod nullatenus licitum esset, consilium dederunt nobis, ut 
praedicti Lutfridi filium legaliter ad palatium nostrum vocaremus et 
per Judicium fidelium nostrorum ipsam abbatiam per Privilegium 
acquireremus. Quo ita peracto, judicante populo, ipsam abbatiam et 
Privilegium, secundum legem, nobis reddidit — . Wir (König) haben es 
wieder eingerichtet und Besitzungen zurückgegeben — alles in usus 
et!^stipendia fratrum. — Kein folgender König, Bischof usw. darf etwas 
, wegnehmen, verlohnen usw. Über solche ünveräußerlichkeitsprivilegien 
oben T. II, Abschnitt 1. 

Pöschl, Bischofsgut und mensa episcopaUs. III; 8 



— 114 — 

der Fall als in der unmittelbar darauf folgenden Periode. Ja, 
oft erscheint der Faden, der im zehnten Jahrhundert abgerissen 
wird, erst im zwölften wiederaufgenommen. 

So erscheinen die ßeicbsbistümer im neunten Jahrhundert vor 
ihrer Mediatisierung immer deutlicher als königliche Benefizien ^) ^), 



1) Vgl. oben T. I, S. 166 N. 1 [s. a. T. ITI, § 14 u. 17]. Besonders 
deutlich wohl das Schreiben der Synode von Quierzy an Karl d. K. von 
858 Cap. II, 439 (diese Stelle bereits mehrfach von anderen zitiert): 
. . . Ecelesiae siqnidem nobis a Deo commissae non talia sunt beneficia 
et huiusmodi regis proprietas, ut pro libitu suo inconsulte illas possit 
dare vel tollere ... Et nos episcopi Domino conservati non sumus 
huiusmodi homines, ut, sicut homines saeculares, in vassallitico debeamus 
nos cuilibet commendare . . . aut iurationis sacramentum, quod nos 
evangelica et apostolica atque eanonica auctoritas vetat, debeamus 
quoquomodo facere. Manus enim chrismate sacro peruncta . . . ab- 
bominabile est, quicquid ante ordinationem fecerit, ut post ordinationera 
episcopatus saeculare tangat ullomodo sacramentum. — Weniger Gewicht 
legeich auf die Stellen aus dem ßurgundischen (z. B. Perard, Bour- 
gogne S. 17 a. 828: . . . placuit atque convenit, ut inter Leotgis vice- 
comitem et ab alia parte domnum Albericum urbis Lingonicae epi- 
scopum, ut inter eos aliquid de terris eorum inter se commutare 
deberent^ quod ita in praesente fecerunt. Dedit Leotgis donino epi- 
scopo Alberico de suo proprio ad partem Sancti Mame vel Sancti 
Martini Ladonense, ad suum beneficium, in centena Oscarense, in 

fine Cadriacense, peciolas duas de terra culturale. Similiter dedit 

dominus Albericus episcopus de ratione Sancti Mamme vel sancti 
Martini Ladonense, de suo beneficio, ad partem Leotgis, peciolam 
de terra ... et repromittunt inter se unusquisque de hoc, quod accepit 
pars coram pari suo, quod uUa calumnia nee dicere nee repetere uUo 
modo debeat usw.); denn dort war noch lange der Ausdruck beneficium 
in ganz allgemeiner Anwendung-, mit ihm wurde z. B. auch das Kon- 
ventsgut bezeichnet. (Sehr deutlich z. B. Perard S. 18 a. 836: . . . 
placuit atque convenit, ut inter Baldono praeposito seu cunctis fratri- 
bus, tarn presbiteris quam diaeonibus, id est Airfundo presbitero usw. 
et ab alia parte Leotaldo presbitero ; dedit Leotaldus presbiter de suo 
procamio ad iam dictos fratres, ad partem s. Benigni, ad illorum bene- 
ficium reeipiendum, peciolas de terra duas . . . totum ad integrum 
dedit Leotaldus, ad vicem, ad iam dictos fratres, ad partem s. Benigni, 
ad illorum beneficium reeipiendum. Similiter dederunt fratres, ad 
vicem, partibus Leotaldo presbitero, de ratione s. Benigni, de illorum 
beneficio, peciolam de campo usw. et inter se repromittunt usw.) 
Selbstredend nannte man dort daher auch das Abtsgut als solches 
Benefiz; (z. B. Perard S. 14 (876): Abt von St. Benigne-de-Dijon erstritt 
Güter — ad sancti Benigni, ad beneficio partem Erlegaudi abbatis, 
omni tempore sint evindicatas — ). Ja, selbst das Dotalgut der Nieder- 
kirchen erscheint dort als Benefiz. (Perard S. 21 (84): . . . convenit, 
ut inter Geraldo presbitero et ab alia parte Usuardo, aliquid de rebus 



— 115 — 
die Bischöfe als Vasallen der Krone ^). Auch die hierfür maß- 



eorum inter se cominutare . . . Dedit Geraldus presbiter, de suo pro- 
prio, partibus Usuardo, de terra culturale etc. . . . totum ad integrum 
commutat Geraldus, de proprio suo, partibus Usuardo, ad opus sancti 
Benigni, ad beneficium recipiendum. Similiter dedit Usuardus 
partibus Geraldo presbitero, de suo beneficio, peciola de terra . . . 
totum ad integrum commutavit Usuardus Geraldo presbitero, ad pro- 
prium recipiendum: et repromittunt inter se — . Usw.) In anderen 
Fällen sind zwar wohl Benefizien i, e. S. gemeint, aber die den 
Bischöfen ad personam vei'li ebenen (nicht das Bischofsgut). So mög- 
licherweise Form. Senon. rec. 17. Zeumer S. 220: . . . Ille episcopus 
illo episcopo , . . Eogo vos humiliter, dirigere nobis per epistolam 
vestram, quid mihi de nostro liceat caelebrare officium in parochia 
vestra in ecclesiis vestris, quae in nostro sunt beneficio . . . Oder z. B. 
(über das Lehen Wieberts v. Werden zu Ende des 9. Jahrhunderts) 
Wichmann, Unters, z. alt. G. d. Bist. Verden, Zeitschr. d. bist. V. f. 
Niedersachsen 1904, 3. H., S. 304 m. N. 92. Ferner hierher wohl auch 

c. 8 Cap. miss. Wormat. 829 Cap. II, 16: ... Et ad hanc constitutionem 
nostram adimplendam episcopi et abbates sive reliqui, qui beneficia 
nostra habent, adiuvent comitibus in suis hominibus distringendis . . . 
Besonders deutlich wohl Ep. V, 122 (833): (Einhart als Abt von Seligen- 
stadt an Ludw. II.) — illa porcio ... in qua . . . parvum beneficium 
habeo, ad regnum d. Hlotharii pertinere — hatte ich erfahren. Unde . . . 
precor . . . ut me permittatis habere et uti ipsum beneficium, donec a 

d. Hl. licentiam accepero ad vos veniendi et in vestras manus me com- 
mendandi — . Fidelis enim vobis propono usw. 

2) Häufig aber ist natürlich nicht das Gut einer Kirche als solches, 
sondern es sind deren ausgetane Lehen unter den erwähnten Bene- 
fizien gemeint. So z. B. G. C. XI b 311 f. Nr. 15 (886; M. 1735 als 
Fälschung aufgefaßt; der Urkunde liegt aber doch sicher ein echter 
Kern zugrunde; vgl. unten S. 123 N. 3): constituimus precepti con- 
scriptum Nevernensi ecclesie et v. pontifici Emmeno u. a. de abbatia 
etiam in insula Galli posita cum omnibus suis beneficiis — — (über 
viele andere Abteien; ferner) de benefitio in Provintia et de illis 
beneficiis, que sunt in Matcodonense comitatu et in Catalonensi comi- 
tatu et in Augustudunensi comitatu et in Autosidorensi com. et in 
Bituricensi com. et in Arvernehsi com., quantumcumque ex S. Cyrici 
ratione ab antiquitate esse cognoscitur — . Über die spätere Zeit T. IV. 

1) Über die Bischöfe als Königsvassen siehe aiiJJer den genannten 
Stellen z. B. Ann. Lauresh. ad 799 SS. I, 38 (ebenso Chron. Moiss. 
SS. I, 304): Et dominus rex . . . ipsam terram eorum (der versiedelten 
Sachsen) divisit inter fideles suos, id est episcopos, presbyteros, comites 
et alios vassos suos. — (Im [T. I, S. 166, N. 1 a. A.] erwähnten Kapitular 
von 819 sind Bischöfe, Äbte und Grafen lediglich einfachen Kron- 
vasallen und anderen Beamten entgegengesetzt — gerade wie wir 
sagen: z.B. Offiziere und Soldaten; auch erstere sind Soldaten). Auch 
„Kommendation" der Bischöfe kommt vor. Z. B. unten S. 120 N. 1. 
Wie untechnisch jedoch dieses Wort anfangs genommen wird, zeigen 



116 — 



gebende Parallele mit den anderen Staatsämtern läßt sich deut- 
lich verfolgen^) 2). 



vor allem die Stellen, wo es der König ist, der (eine Kandidatur des 
Bistums oder ähnliches) kommendiert; z. B. Jaffe, Monum. Moguntina 
259f. Nr.l07(Bibl.r.g.lII) [Böhmer-Will 123]: (Der h.Bonifatius schreibt 
i. J. 755) — princeps autem Francorum Carlmannus commendavit 
mihi sedem illam (Utrecht) ad constituendum et ordinandum episcopum. 
Oder M. 759 (c. 822): Ein Graf gründet ein Kloster und kommendiert 
dem Herrscher den Abt. Über Bisehöfe und Äbte als pares der Grafen 
siehe z. B. S. 114 N. 1 u. S. 126 N. 2. Bischöfe, Ä.bte usw. als homines regii 
z. B. Instr. f. e. Königsb. von 819 Cap. I, 145, c. 5: ... de episcopis, 
abbatibus vel ceteris nostris hominibus . . . S. a. oben Epist. Carisiac. 
Über die Übertragung der Abtsstellen als Benefizien schon unter 
Karl d. Gr. oben T. I, S. 162 m. N. 2. Nicht alle Übertragungen von 
Abteien als Benefizien deuten jedoch auf solche Benefizial- oder gar 
Laienäbte (dies zu Martin, Beiträge zur G. Brunos I. von Köln, Jena 
1878, S. 21). Haltlos die kategorischen Behauptungen von Zöpfl, 
Altertümer II, 7, 11 und 13. Vgl. a. Eichhorn IF, 419. Als erstes 
Beispiel einer Prälatur-Verleihung durch den Stab gilt (s. Waitz 
VII, 280) c. 11 der V, Rimberti SS. II, S. 770 (c. 880). Als weitere 
Beispiele seien hier hinzugefügt «twa Marion, Gart, de Gr6noble 
S. 261 (899): K. Ludwig d. Bl. dem neugewählten more decessorum 
suorum regum, ferulam accipiens, tradidit ei Viennensem ecclesiam . . . 
Hierauf übergaben ihm die Bischöfe die Kirche. Duru I, 390 (= Migne 
138, 255) Gest. ep. Autiss. I, 41: nach dem Tode des Bischofs Wibald 
(887) rex . . . omni cupiditatis ardore deposito . . . domino Herifredo . . . 
pastoralem confert baeulum atque ad Senonensem urbem dirigit ordi- 
nandum — . Das sind aber keineswegs die ersten Fälle. Schon dem 
Aldrich wird 832 das Bistum Le Mans per baeulum übertragen (com- 
missum), allerdings durch den Eb. Charles et Froger, G. Aldr. S. 9. 
Vgl. a. Gerhardi V. S. Oudalrici ep. (sc. Augustani) [gleichzeitig] SS. 
IV, 387: Eex . . . regio more in manus eum accepit munerequi ponti- 

ficatus honoravit. de rege revertentes et ad Augustam per- 

venientes secundum regis edictum potestativa manu vestituram epi- 
scopatus sibi perfecerunt. Ebenso wie bei den Grafschaften usw. läßt 
sich aber nicht sagen, daß die feudale Auffassung der Ämter gerade 
von dem Gut ausgegangen wäre, so daß man zuerst das Gut, dann 
das Amt selbst als Kronlehen aufgefaßt hätte. Die Feudalisierung war 
vielmehr von Anfang an gleichmäßig auf beides oder vielmehr nur auf 
das Amt, als dessen Pertinenz ja das Gut erschien, gerichtet. Vgl. a. 
Waitz VII, 284. Über die Bezeichnung der Bischöfe als fideles des 
Königs, der Herrscher als seniores der Bischöfe z. B. Cart. Beaulieu 
S. 17 Nr. 6 (842) und häufig. 

1) Allgemein wird dem Begriff der staatlichen „honores", wozu 
seit Karl d. Gr. auch die Reiehsprälaturen gehören (z. B. Div. imp. 817 
c. 3 Cap. I, 271; bes. a. c. 5: . . . ut hi duo fratres, qui regis nomine 
censentur, in cunctis honoribus intra suam potestatem distribuendis 
propria potestate potiautur, tantum ut in episcopatibus et abbatiis 



— 117 - 

Aber nicht darum handelt es sich, wie gesagt, bei den hier 
zu erörternden Erscheinungen^). 

Auch eine eigentliche Säkularisation liegt da nicht vor, 
eher eine Art gewaltsamer Zwischennutzung, Übertragung der 
Kirche an nichtbischöfliche Verwalter zu deren Vorteil^). Nament- 
lich war dies auch einer der Wege, um einen in den inneren 
Wirren um seinen Sitz gebrachten Bischof wenigstens zeitweilig 

ecclesiasticus ordo teneatur et in ceteris honoribus dandis honestas et 
utilitas servetur) nach xind nach ein vermögensrechtlicher Sinn unter- 
stellt. Vg-l. z. B, M. 881 a, wo die Worte eorum honores abstulit in 
anderer Quelle mit qnosdam publicis rebus expolians wiedergegeben 
werden; Vita Walae II, 5 SS. II, 550: et militiam clericorum in palatio, 
quos capellanos vulgo vocant, quia nullus est ordo ecclesiasticus, 
denotabat plurimura, qui non ob aliud serviunt, nisi ob honores eccle- 
siarum et quaestus saeculi ac lucri usw. Darauf deuten wohl auch 
die Bezeichnungen des „honorare" mit Bistümern usw. (Hug. Chron. 
SS. VIII, 351: 776 der Verräter Pavias Petrus — ob hoc de Virdu- 
nensi episcopati honoratus; Agobard, De disp. (Epist. V, 166: 
sacerdotibus et eunctis honoratis suis — ). Über honores der Bischöfe 
auch Pseudois. c. 6 Praef. S. 18. Über Niederkirchen z. B. c. 19 Conc. 
Worm. 868 Hartzh. II, 313. Weitere hierhergehörige Ausdrücke 
unten T. IV. 

2) Über die Frage nach einem etwaig-en Eigentum der Temporal- 
herren am Kirchengut, besonders später, unten T. IV und VI. — Wie 
in jener Zeit Amtsrechte überhaupt immer mehr vermögensrechtlichen 
Charakter annahmen, Objekte von Vermögensrechten wurden, so ins- 
besondere auch die geistlichen. Aber nicht bloß die Auffassung des 
ganzen Kirchenamts als eines beneficiums wurde dadurch erleichtert, 
bzw. herbeigeführt, sondern an sich folgerecht nach und nach auch 
einzelne Teile davon, geistliches Gebiet (Diözesanteile), Spiritualien, 
Funktionen und Befugnisse des Bischofs usw. Näheres davon noch 
später passim. Hier vgl. etwa ÜB. Höchst. Halberst. I, S. 22 (vgl. S, 25) 
a. 968: Bericht über die Gründung des Erzbistums Magdeburg. Der 
Bischof von Halb, gibt parrochiam omnem, que reiacet inter . . . cum 
omni decimatione, subiectione et obedientiis omnique ecclastico ordine, 
sicut ecclesia Alberstateiisis hactenus possidere visa est, et de dominio 
et iure sue ecclesi§ in eius ins et dominium transfudit atque delegavit. 
tinde advicem recepit pro decimatione ipse episcopus ad partem sue 
ecclesie . . . 

1) Freilich trug auch|so manche formell vollgültige Bischofs- 
ernennung den Charakter einer Ausstattung mit reichen Gütern an 
sich, ohne deshalb ihre rechtliche Bedeutung* zu verlieren. Z, B. 
Hartmann III/2, S. 103. Umgekehrt sind natürlich auch simonistische 
Vergabungen von Bischofssitzen, das „vendere episcopatus" keine 
Veräußerungen der Kirchherrschaft, sondern da handelt es sich eben 
auch um das innere Verhältnis. 

2) Ähnlich sogar schon unter Karl d. Gr. oben T. I, § 5. 



— 118 — 

ZU versorgen usw. Wir haben alle derartigen Fälle, wie gesagt, 
als Anklänge an Übertragungen der ganzen Bistumsherrschaft 
aufzufassen. 

Wir wollen für das Gesagte ein paar Beispiele anführen. 
Natürlich sind hier aber auch alle übrigen analogen Erschei- 
nungen einzuordnen. 

„Zum Unterhalt" weist im Jahre 879 König Ludwig III. 
(der Jüngere) seinem Bruder Karlmann von Bayern die Einkünfte 
von Bistümern, Abteien und Grafschaften zu^). Ähnlich er- 
wirbt 888 der mächtige Graf Konrad, der Vater des Begründers 
der Königsmacht in Hochburgund und Bruder des Abtes Hugo, 
als Laie die Abtei St. Moritz in Wallis mit den drei Bistümern 
von Genf, Lausanne und Sitten 2). Im letzteren Fall ist noch 
am ehesten an die Übertragung eines vollen Herrenreehtes zu 
denken. 

„Beneficiale more" — ein Zusatz, der hier unzweideutig 
etwas Unterscheidendes von einer gewöhnlichen Bistumsverleihung 
bezeichnen soll ') — übergab der mächtige Fulco von Reims dem 
aus seinem Sitz (Therouanne) vertriebenen Bischof Heriland das 
Bistum Chal6ns-s.-M.*). 

„Zur Nutznießung" überträgt im Jahre 928 König Hugo 
von Italien dem aus Lüttich vertriebenen Hilduin das Bistum 
Verona ^)< Daß diese Maßregel keine ordentliche Bistumsbesetzung, 



1) Ann. Fuld. M. 1547 b. Vgl. a. Eiezler I, 227. 

2) Pfister (inLavisse, Eist, de France II/j), S. 397 ; M.Besson, 
Contr. a l'hist. du diocese de Lausanne sous la domination franque 
(Freib. Schw., Fr. Fragniöre, 08), S. 52. — In gewisser Parallele dazu 
steht schon die Abtretung Lothars II. an seinen Bruder Ludwig II. 
von Italien; Ann. Bert. 859: nennt das abgetretene Gebiet — id est 
Genuam, Lausonnam et Sedunum civitates, cum episcopatibus, mo- 
nasteriis et comitatibus: praeter bospitale, quod est in Monte Jovis . . . 

3) Das ergibt sich schon daraus, daß das Bistum anderweitig- 
besetzt war. Namentlich aber aus der Entwicklung des Falles. Mit Be- 
rufung auf die Translation des Aktard von Nantes nach Tours durch 
Nikolaus I. will Fulco den Heriland nach Soissons befördern. Der 
Papst Formosus gestattet dies aber nicht und ordnet obigen Ausweg 
an. Zum ganzen Fall die Urkunden Nr. 187 bis 142 (895—908) bei 
0. Bled, Eegestes des eveques de Therouanne 500—1553 I (St. Omer 
1902) [Societe des antiquaires de la Mosifere], S. 62 f. 

4) J. 3507 (895. 896). Vgl. J. 3510, 3512 (896). 

5) Gest. abb. Lob. c. 19 SS. IV, 63: Hilduinus einim fraudatus 
Leodiensi episcopio ab Hugone rege Italiae, apud quem fecerat con- 
fugium, usu stipendiario promeruerat Veronense episcopitim — . 



— 119 — 

sondern nur ein Interim war, ergibt sieh sclion daraus*), daß Hugo 
während dieser Nutznießung über das Hochstift bereits anderweitig 
verfügt, nämlich abermals zugunsten eines früheren Lütticher 
Bischofs, des Eatherius. Letzterer sollte sogleich Bischof werden, 
wie für Hilduin anderweitig gesorgt sei. Für diesen war also 
Verona eine bloße Durchgangsstation. Tatsächlich erhält Hilduin 
bald Mailand, Rather Verona 2). 

„Die Einkünfte" des Metzer Bistums wurden zeitweise von 
Karl ni. an Hugo, den Bastardsohn Lothars IL, vergabt^). 

Derartiges und ähnliches ist aber, wie bereits bemerkt, da- 
mals nicht gerade selten*) 0). Namentlich zeigt sich auch schon 

1) A. a. 0. Fortsetzung". 

2) Hart mann III/2, 201. Vgl. zum ganzen Ughelli V, 734 f. 
Über die Lütticher Doppelbesetzung unten S. 133. 

3) Hincm. Anual. 882 (SS. I, 514): Hugoni . . . fiicultates ecclesi- 
asticas Mettensis episcopii ... ad consumendum remisit. Vgi. Vogel 299. 

4) In diesen Zusammenhang gehört wohl auch z. B. die Interims- 
verwaltung des Bistums von Venedig durch den Patriarchen Orso von 
Grado (Sohn des Dogen Peter) während der Verbannung seines Bruders 
Otto. Darüber Ugh. V, 1109. — Ja, auch die früher erwähnte (S. 22 
N. 3) Verwaltung mehrerer oberitalienischer Bistümer durch Manasse 
vonArles war im Grund etwas Ähnliches. Die Kirchen waren vakant. 
Über Trient Ugh. V, 541. Über Viceuza a. a. 0. 1032 (zu 926). Über 
Verona a. a. 0. 735. Letztere Kirche erhielt Manasse 932 nach Ver- 
bannung Rathers durch König Hugo (contra canonum constitutiones). 
Besonders die Geschichte dieses Bistums zeigt, wie damals mit Hochkirchen 
umgegangen wurde. Bald nachdem es an Manasse gekommen war, hat 
es dieser (dem Milo) gegen Entgelt weitergegeben (cuidam indigno 
vendidit). Vgl. Hartmann III/2, 248. Auch der neue Besitzer wurde 
bald verjagt. Das Bistum gelangt wieder an Rather. Hierauf verjagt 
Berengar II. (saevissimus in Italia tyrannus) den Rather abermals 
aus Verona. Dieser kehrt in seine Heimat zurück und wird von dem 
Archidux (vg"l. T. IV) Bruno von Köln wieder in Lüttich eingesetzt 
(955). Aber auch daraus wird er bald (958) wieder von der Partei des 
Reginar von Berg vertrieben, der seinen Neffen Balderich einsetzt. Nach 
Italien zu König Otto I. geflohen, wird R. zum drittenmal Bischof von 
Verona. Aber noch immer fand er keine Ruhe. Nach Ottos Tod 
abermals factione quorumdam malignorum civium tertio eodem episco- 
patu exactus, kehrte er nach Lobach zurück, wo er 974 starb. (Die 
lateinischen Worte sind von Ughelli, die ich als charakteristisch bei- 
behalte.) Vgl. J. 3693 (962), wo Joh. XII. die Wiedereinsetzung des 
abermals Abgesetzten in Verona befiehlt, 

5) Ein frühes Beispiel ist die Übertragung' (commendavit ; G. C. 
X, 7 f. 866) der Verwaltung des Erzstiftes Reims an Abt Fulco nach 
Ebbos Gefangennahme; M. 926 p. — Vgl. a. den Fall Köln oben II, 
S. 71 N. 2. Über die Verwaltung- von Metz durch Bruno von Köln 
nach dem Tode Bischof Adalberos G. C. XIII b 392 f. (c. 965). 



— 120 — 

bei Reichsteilungen, Gebietsabtretungen usw. unter den Karolingern 
selbst eine immer mehr privatrechtliche Auffassung der Bistums-' 
herrschaft^). Diese äußert sich, da namentlich bei Übertragungen 
von Landesteilen an Große die Bistümer häufig ausgenommen 
werden, vielfach sozusagen in negativer Weise 2). 

Eine eigentliche Übertragung der Bistumsherrschaft liegt 
aber, wie aus den angeführten Beispielen ersichtlich ist, in dem 
allen nicht. Diese ist vielmehr — wenigstens aller Regel nach — 
durch fortgesetzten Erwerb immer neuer Einzelbefugnisse allmäh- 
lich entstanden, wobei die Usurpation die Hauptrolle spielt. 

Es ist daher die Begründung der Bistumsherrschaft auch 
meistens, wie sich noch zeigen wird, unter Widerspruch seitens 
der Krone erfolgt. Ein noch weitergehendes Schwanken ergab 
sich dann daraus, daß die lokalen Machtverhältnisse selbst noch 
lange Zeit geteilt und ungeklärt waren. Man wußte ja oft 
nicht, wer schließlich Herr der Gegend werden würde und so 
war auch die Person des Bistumsherrn lange ungewiß. 

Der Art des Erwerbes entspricht aber auch der Inhalt der 
Herrschaft. Gewaltsam wie jene, überschreitet auch diese in der 
immer roher werdenden Zeit häufig genug die Grenzen einer ge- 
ordneten Oberherrlichkeit und artete nicht selten in eine uner- 
trägliche Tyrannei aus. Das Joch des niedrigeren Herren ist ja 
oft schwerer als das des höhern ^). 

Namentlich in den ersteren Zeiten der ganzen Bewegung 
— allerdings bis ins zehnte Jahrhundert hinein — zeigt sieh 
derartiges. Es wurde desto besser, je mehr sich die Herrschaft 



1) Prud, Trec. Ann. zu 837 SS. I, 431: (Imperator) — dedit filio 
suo Carolo maximam Belgarum partem etc. omnes videlicet episcopa- 
tus, abbatias, comitatus, fiscos et omnia iutra praedictos fines con- 
sistentia cum omnibus ad se pertinentibus, in quacumque regione 
consistant: sicque iubente imperatore, in sui praesentia episcopi, 
abbates, comites et vassalli dominici in memoratis locis beneficia 
habentes, Carolo se commendaverunt, et fidelitatera sacramento firma- 
verunt. Vgl. a. oben S. 118 N. 2. 

2) Vgl. oben S. 102 N. 6. Ferner z. B. über die Belehnung Hugos 
d. Gr. mit seinem Herzogtum Mabille et Marchegay, Gesta con- 
sulum Andegavensium S. 64 : cum civitatibus et comitatibus et abbatiis 
castellisque, praeter episcopatus solos, qui in regia dominicatura 
retenti sunt (Tours, Paris, Orleans). Vgl. dazu auch Imbart de la 
Tour, Les ölections episc. S. 242. 

3) Auch die Herrschaft des Reiches über die Bistümer wurde 
übrigens, solange sie noch bestand, gegen Ende des 9. Jahrhunderts 
gegen früher immer gewaltsamer geübt. J. 2989 (871). J. 2788 (865). 



— 121 — 

der Großen — wie in ihren übrigen Teilen — so über die Bis- 
tümer rechtlich festzulegen begann; als man das, was ursprüng- 
lich Gewaltakt und Anmaßung war, allmählich als Ausfluß, als 
Ausübung eines Rechts beanspruchte. Das zeigt sieh im ganzen 
wie im einzelnen. 

Besonders ungünstig war, wie noch unten ersichtlich sein 
wird, die Lage der Kirchen während der — oft genug gewalt- 
sam herbeigeführten — Stuhlerledigungen. Auch dort, wo kranke 
oder sonst schwache Bischöfe sich fanden, hatten die Bistümer 
sehr zu leiden i). 

So macht sich denn diese Entwicklung zunächst in einem 
ungestümen Vordrängen der Großen gegen die Reichskirchen 
bemerkbar 2) und gibt sich kirchlicherseits in fortwährenden 
Klagen, aber auch staatlicherseits in mancherlei Maßregeln gegen 
die Gewalttätigkeiten der Machthaber kund. Und zahlreiche 
einzelne Züge runden sich da zu einem Gesamtbild. 

Hier wird ein Bischof von einem Großen eigenmächtig aus 
dem Amte entfernt und ein anderer an die Stelle gesetzt 3)*) — 
ein Vorgehen, das selbst von Herrschern kirchlicherseits nicht 
ohne Widerspruch und Tadel hingenommen wurde; war doch 



1) J. 2985 (873) o. 0. 

2) Vgl. oben S. 107 N. 1. 

3) Unter Androhung der Exkommunikation ermahnt Nikolaus I. 
den Grafen Stephan von der Auvergne, den Bischof Adoj den dieser 
in Clermont eigenmächtig eingesetzt, wieder abzusetzen und den Bischof 
Sigo wieder einzusetzen, den er aus dem Bistum vertrieben. Er 
fordert Rechenschaft über diese crimina auf einer Synode. J. 2706 
(862). Vgl. Greinacher S. 30. Daher auch die zahlreichen Er- 
mahnungen an die Bevölkerung der Bischofsstädte, zu Lebzeiten eines 
Bischofs nicht von ihm abzufallen, um einem andern anzuhängen; 
z. B. Kehr IV, 253 (876) betreffend Valva. Denn sehr oft ward der 
mißliebige Bischof von der Bevölkerung, die selbst wieder in der Ge- 
walt des Großen der Gegend stand, nicht anerkannt; z. B. 3045 (87). 
Über die Vertreibung des Bischofs von Sorrent Hartmann III/2, S. 88. 
Jedenfalls in diesen Zusammenhang zu setzen ist z. B. auch das 
Schreiben Nikolaus' 1. an den Erzbischof Arduicus von Bisanz vom 
J, 865 (J. 2787) : ein Bischof ist anzuerkennen, si . . . electio eius non 
a saecularibus quibusque, sed a clero ecclesiae cum consensu primo- 
rum civitatis ipsius fuerit composita. — Vgl. a. die Decretale (von 
858—867) an Ado von Vienne J. 28b6. 

4) Auch J. 3002 (874—75) eine zweifelhafte Besetzung oder viel- 
michr Entfernung eines Bischofs durch Intriguen; vgl. a. J. 3001 (Bis- 
tum der Provence in der Provinz Embrun). 



— 122 - 



sogar das Recht der Krone auf Besetzung der Bischofssitze von 
der Kirche nie allgemein anerkannt worden *)2) — oder die 
Stelle gar überhaupt offen gelassen. 

Dort hören wir wieder von einem Großen, der einen von 



1) S. z. B. Vita Walae II, 4, SS. II, 550: Identidem autem et 
tunc plurimum detestatus est, quod episcopatus secundum canonicam | 
auctoritatem non rite darentur neque eleetio servaretur — — nuUus 1 
eorum negare posset, quod ordo ecclesiasticus in Omnibus corruptus 
non esset. — Vgl, auch II, 2 S. 548: (An den König) — quid est, 
quod das, quando honores ecclesiarum, immo, ut sentio, onera, quae 
largiris? — Namentlich wendet sich Nikolaus I. gegen beide Akte (Ein- 
und Absetzung) auch seitens der Herrscher. Z. B. J. 2878, 2884 (867). 
Vgl. dazu Greinacher S. 27 ff. S. ferner Kehr-Brackmann I, 269 
Nr. 3, wo die Wahl des Bischofs von Regensbui-g — nach Abdankung 
des bisherigen — allerdings durch König und Volk als der selbst- 
verständliche Modus vorausgesetzt wird. Vgl. a. nächste Note. 

2) Den Großen gegenüber wird darauf freilich vielfach ver- 
wiesen. Sehr bezeichnend sind u. a. die beiden Schreiben Hadrians II. 
von 869 au die Bischöfe und Großen Galliens (J. 2922, 2923). Ersteres 
gebietet den Bischöfen, ut non alios ordinent episcopos, nisi quibus 
Imperator (Ludw. II) episcopatum concedat et ordinari maudet (Hu- 
gonis Chron. SS. VIII, 354). Letzteres ist an Herzog Gerard, einen 
Grafen Eofrid und die übrigen gallischen Grafen gerichtet — ut 
nullius hominis favore vel gratia permittant alios viros eccleaiastici 
ordinis in episcopiis totius Galliae et Burgundiae consecrare episcopos, 
nisi quos Ludovicus imperator iubeat. Nach Lothars Tod tritt also 
die Gewalt der Großen auch nach dieser Richtung bereits allgemein 
mächtig hervor. Vgl. die Ravennater Synode von 877 J. n. 3109. 
(Aber noch J. 2930, 2932 (870).) Namentlich — J. 2955 (872—873) Jo- 
hanns VIII. ; vgl. J. 2956 ; 3080 (876) — in der Not gestand man der Krone 
ihren Anspruch gerne zu. S. a. J. 3243 (879); 3257 (879); 3294 (879); 
3305 (879). Interessant die Worte Johanns VIII. Migne 126, 887 (879; 
J. 3306): Empfiehlt dem Klerus und den Vornehmen von Vercelli den 
von ihm geweihten Kandidaten Gospert als Bischof und nicht den 
vom exkommunizierten Erzbischof von Mailand (Anspert) konsekrierten, 
und begründet das damit — quoniam . . . Karolomannus gloriosus rex 
istius Italici regni ipsum Vercellensem episcopatum, more praedecesso- 
rum suorum regum et imperatorum, concessit huic Cosperto . . . Vgl. 
J. 3313 (880), 3334 (881). — Eine Absetzung durch den Herrscher z. B. 
3315 (880). Namentlich bestehen die Päpste den Spoletinern gegenüber 
auf Befragen der Herrscher anläßlich der Neubesetzung der Bischofs- 
stühle. J. 3446 (887, 888). Vgl. a. Kehr IV, 4 Nr. 15 (887-888). 
(Stephan V.) Sergius III. sucht dann wieder die kanonische Wahl 
einzuführen; so z. B. 3545 (910) für die ganze Provinz Lj'^on. Ferner 
Job. XI. J. 3590 (933) für Autun. Agapit II. für Klerus und Vasallen 
von Macon Ragut S. 56. Vgl. Imbart, Elections 239 und unten 
S. 135 m. N. 1. 



- 123 - 

der bisher dazu berufenen Autorität ernannten Bischof überhaupt 
nicht in seine Residenz gelangen läßt^). 

Namentlich gehören auch die zahlreichen Iramunitätsbrüche^) 
und sonstigen Privilegienverletzungen, insbesondere seitens der 
Grafen, hierher, wogegen sich massenhafte Bestimmungen schon 
des neunten Jahrhunderts richten^). Namentlich suchen die Großen 



1) So heißt es (vgl. G, C. II, 32 f.), daß der aus Bordeaux von 
den Normannen vertriebene und in Bourges als Erzbischof eingesetzte 
Frotarius (s. S. 18) in seinem neuen Sitz einen noch grimmigeren 
Feind gefunden habe: den Grafen Bernhard. Unter dem Vorwand, 
F. habe an K. Ludwig Verrat geübt, verjagte er den Metropoliten 
aus der Stadt. Joh. VIII. bannt daher den Grafen. (J. 3170; a. 878.) 
Ja, der Graf — und seine Anhänger — lassen Frotarius zuerst gar 
nicht in die Stadt ein; J. 3171; 3199 (878). 

2) Über die möglichst einschränkende Interpretation der Im- 
munität seitens der Grafen das bekannte M. 751 (822) für Aniane. 
Bald ging man dann zu offener Gewalt über. 

3) Hieher die zahlreichen Stellen wie z. B. die folgenden. Schon 
die Instruktion für die Königsboten von 819 schärft die Beobachtung 
der Immunität und sonstiger Herrscherprivilegien ein. Cap. I, 289 
c. 8, 9, 12. Ferner ygl. die Klag-en der Bischöfe auf der Mainzer 
Synode von 847 über die Mißachtung der Geistlichen, Bruch der Privi- 
legien usw. Hefele KG. IV, 119 f. Mayer, Chur 118. S. a. die gegen 
die Einmischung der Grafen und Richter in kirchliche Dinge, Im- 
munitätsverletzung usw. gerichteten Beschlüsse der Mainzer Synode 
von 851 (852). Hefele IV, 175 f. Mayer, Chur 120. Ferner s. c. 7 
B. Conv. Suess. 853 Cap. II, 265 f. Decreverunt praeterea sancti ponti- 
fices, ut ecclesiae, quae olim indulgentia religiosorum principum vel 
aiiorum fidelium devotione immunitatem meruissent, ea in per- 
petuum perfrui sinerentur. c. 2 Cap. Pap. Ludwigs IL von 865 (M. 1229) 
Cap. 11, 92: Statiiimus autem, ut ecclesiae Dei per totius regni nostri 
fundatae terminos sub nostrae immunitatis tuitione securae cum rebus 
et familiis permaneant, seu praedecessorum nostrorxim, piissimorum 
videlicet angustorum, temporibus fecisse probantur, eoriimque rectores 
propriis utantur privilegiis. Et monachi per sua cenobia regulärem 
teneant ordinem. Similiter et clerus omnis proprio fungatur ministerio 
nemine molestante nostri terroris formidine. Edictum Pist. 864 (Karl IL) 
c. 1 Cap. II, 312: ... de honore ecclesiarum et sacerdotum at servo- 
rum Dei et immunitate rerum ecclesiasticarum, ut nullus sibi de ipsis 
rebus contra auctoritatem praesumat . . . Weiter gehören hierher 
z. B. die Beschlüsse der Ravennater Synode von 877 gegen Verletzung 
der Geistliehen, namentlich gegen Anmaßungen der Duces den Bischöfen 
gegenüber,' Bruch der klerikalen Immunität usw. Darüber Hart- 
man n III/2, S. 37 f. Besonders schwer und ausführlich sind die An- 
klagen, die auf der Synode von Ravenna im Jahre 882 von allen 
Bischöfen Italiens gegen Bedrückungen der Bischofskirchen seitens 
der Grafen, Erhebung von Abg-aben, Bruch der Immunitäten usw. er- 



— 124 — 



durch Auferlegung oder Erhöhung von Abgaben die Kirchen zu 
bedrücken ^). 

Auch die Form der Neuverleihungen von Privilegien läßt 
eine immer größere Gewalttätigkeit der Großen erkennen^). 



hoben wurden. Damals erfolgte die Erneuerung vieler Privilegien. 
S. a. dazu Hartmann III/2, S. 27 f. Vgl. ferner die Beschlüsse des 
Paveser Konzils unter Wido 889, bes. c. 3 u. 4 Mansi XVIII, 92 (s. a. 
Hartmann Hl/g, 110). Weiters vgl. Lamberts Kapitulare von 898 
(c. 11 Capit. n, 110). Dazu Hartmann III/2, 131. 922 erläßt die 
Synode von Koblenz eine Bestimmung zum Schutz der Immunität; 
M. G. LL. n, 17 N. h. (O. 7 a). Auch die Bestimmung (c. 5 a. a. 0. 
S. 16) zur Wahi'ung der geistlichen Gerichtsbarkeit in kirchlichen 
Dingen gehört in diesen Zusammenhang. Von Urkunden vgl. etwa 
die folgenden (auch daraus ergibt sich, was ja natürlich, daß die 
Klöster besonders schlecht gestellt waren): M. 924 (833) für Korvey: 
verbietet dem Grafen Bruch der Immunität und sonstiger Kloster- 
privilegien, wie solches vorgekommen sei. Ganz aufgehoben erscheint 
durch gesetzwidrige Eingriffe 889 die Immunität von St. Germain 
d'Auxerre. B. 1879. Aber auch die Bistümer litten schwer unter 
Immunitätsbrüchen. So hatte das Stiftsgebiet von Cremona fortwährende 
Verletzungen seiner Immunität zu erdulden; B. 1356 (916) usw. Vgl. 
a. die (nach M. [1735] gefälschte) Urkunde G. C. XII b 212 Nr. 15 (886): 
et ut immunitas integra in omnibus conservetur et ut eumdem honorem 
et observantiam quam ceteri episcopi in suis urbibus habent eps. Niv. 
ecclesie in suis que ad se pertinent habeat . . . (Diese Bestimmung- 
ganz zeitgemäß.) Eigentümlich schon vorher die Hervorhebung in 
der Erneuerung der Immunität für das Bistum Angers, daß diese 
bisher gewahrt worden sei. M. 634 (816); vgl. M. 629, 630 (816), 655 
(817) für andere Kirchen. Vgl. zur Sache auch oben S. 122. Über den 
Inhalt der Immunität später (b. T. IV u. VI.). — Über Privilegien im all- 
gemeinen z. B. Syn. Mett. 859 c 9 Cap. II, 444: sacerdotes Deo debita 
privilegia et ecclesiasticum vigorem obtineant — (vgl. c. 1 S. 442: 
Nota et pro dolor! nimis notä discordia atque calamitatis pernicies — 
vorher: de indulgentia Hl. regis pro seditione et excessibus in regno 
fratris sui K. perpetratis — ). S. a. Stengel I, passim, z. B. S. 281. 

1) Vgl. z. B. das Privileg Karls III. (d. D.) von 883 für Bergamo 
Cod. dipl. Langob. 537 f. (M. 1671); befreit die Kirche von den jähr- 
lichen Geschenken usw. die seitens der comites und anderen ministri 
publici — natürlich immer mehr zu eignem Nutzen dieser — eingeholt 
wurden. DO. II, 253 (II, S. 287; a. 981): für Luni. Der Bischof hatte 
sich über Bedrückungen seitens weltlicher Gewalthaber beklagt 
(districtiones in servos usw.) 

2) Z. B. DO. I, 294 (965): für die neuen Bistümer Schleswig, 
Ripen und Aarhus — ut (sc. servi et coloni) episcopis prescriptarum 
ecclesiarum absque uUa comitis ... in fe Station e serviant et sug- 
cumbant . . . Oder z. B. DO. I, 374 (969): Verleihung und Bestätigung 
für Asti — ut deinceps nuUus dux etc. prefatum episcopum eiusque 



— 125 — 

Und viele andere Erscheinungen gehören in diesen Zu- 
sammenhangt). So insbesondere die zahlreichen Bestimmungen, 
die für die Aufrechterhaltung der Ehre der geistlichen Personen 
und Anstalten eintreten 2), usw. Als ein Zeichen der vordringen- 
den Gewalt der Lokalherren kann man es z. B. auch ansehen, 
daß sich die Verbote gegen Eingriffe in das Kapitelsgut nicht 
mehr nur an die Bischöfe, sondern auch an die Herzoge, Mark- 
grafen, Grafen und Vizegrafen richten 3). 

In vorderster Reihe stehen dann ja überhaupt die Angriffe auf 
das Kirchengut, von denen wir noch Genaueres zu berichten 
haben werden. Aber auch zahlreiche sonstige Bedrückungen, die 



suceessores de pradictis plebibus et cortibus etc. divestire, molestare 
etc. audeat,sedliceat eandem s.deiecclesiam ejusque vicarios(= B.) quie t e 
et pacifice omnia tenere, regere et gubernare — . Ferner s. DO. 
III, 57 (989): Immunität für Speyer — ut nuUus dnx etc. nisi solus 
episcopus et advocatus ipsius . . . Spirensis aecclesiae . . . potestatem 
habeat . . . aut aliquid per renalem bannum in usum nostri succes- 
sorumque nostrorum exigere neque aliquid de praediis vel de moneta 

seu de theloneo vel ex ulla re in fiscum regium transferre. sed 

liceat ibidem deo famulantibus . . . quieto ordine vivere . , . DO. I, 
S. 125 (941): für Cambrai — liceat mem. presuli suisque succ. res, pred. 
ecclesie cum cellulis et rebus vel hominibus . . . sub immunitatis nostre 
defensione quieto ordine possidere et nostro fideliter parere imperio 
(damit ist die ßeichsunmittelbarkeit ausgedrückt), ne quis dux vel 

comes violare presumat, quod si fecerit, causis regalibus sit 

obnoxius usw. In den Immunitätsverleihungen des 10. Jahrh. ist in 
die stehende Formel des Eingriffs Verbotes regelmäßig natürlich auch 
der Herzog aufgenommen: ut nuUus dux, marchio, comes, vicecomes, 
usw. — wie schon obige Beispiele zeigen. S. a. Stengel, passim. 

1) Über die Schmälerung derEechteNarbonnes von selten des Vize- 
grafen 878 J. 3147. — Über die Bedrängnis des Bisehofs von Teano 
und des Abtes von Montecassino durch den H. Pandonulf Hart mann 
III/2, 87 f. 

2) Gegen häufige Entehrung" der geistlichen Anstalten Lothars 
Gap. von 846 c. 12. Vgl. c. 5 Syn. Trosl. 909 Gousset S. 577 f.: De 
vexatione et inhonoratione sacerdotum. Aber schon Agobard Ep. V, 203. 

3) Vgl. z. B. die Urkunde Karls des Einfältigen vom Jahre 911 
B. 1934 Gall. Christ. VIIi> 16 f. : Der König bestätigt eine Vermögens- 
zuweisung an das Kapitel durch den Bischof. Fratribus . . . iugiter 
habendum eorumque stipendiis ac necessitatibus sine intermissione, 
sine alicuius venturi episcopi, comitis quoque aut vicecomitis aut 
alterius respectu personae vel contradictione. Oder Guerard, Paris 
I, 220 (c. 984 J. ?) : ut nuUus unquam ex imperatoribus, regibus, 
marchionibus, ducibus (die Eeihenf olge übrigens interessant), comitibus, 
principibus vel €x omni iudiciaria potestate eingreife. Vgl. a. unten 
4. Abschn. und T. IV. 



~ 126 — 

die Reichskirchen damals zu erdulden hatten^), gehören nebst 
vielem anderen noch hierher. 

Und zwar finden sich alle diese Erscheinungen schon früh, 
vereinzelt schon in der ersten ßegierungszeit Ludwigs des 
Frommen ^). Bald begegnen sie häufiger. „Weil fast alle Kirchen 
Plackereien zu erdulden hatten" ^), suchte bereits Papst Sergius II. 
(g. 847) beim Kaiser die Einberufung eines Generalkonzils zu 
erreichen. 

Schon damals — und wir stehen da noch vor der Mitte 
des neunten Jahrhunderts — müssen also derartige Vorfälle sehr 
häufig und gewöhnlich gewesen sein, und das ergibt sich in der 
Tat auch namentlich aus den damals entstandenen pseudoisidorischen 
Stücken. Diese wenden sich scharf gegen das Vordrängen der Großen 
den Reichskirchen und vor allem den Bischöfen gegenüber. In 
einer auf Massenwirkung berechneten Schreibweise*) verfechten 
sie in einer geradezu ermüdenden Häufung von Bestimmungen, 
die sich gleichen wie ein Ei dem anderen, die Freiheit und 
Unabhängigkeit der Bistümer von den Großen^). Sie suchen 

1) Die Großen nahmen z. B. häufig die aus Klöstern und Kirchen 
entfliehenden Mönche und Geistlichen sowie auch Hintersassen in 
Schutz, verweigerten deren Auslieferung. M. 718 (820) für Farfa. So 
wird verständlich c. 18 die Königsboteninstruktion von 819 M. 677. 
Die zahlreichen Klagen von Bischöfen gegen Grafen usw. in jener Zeit 
gehören in diesen Zusammenhang. Z. B. Kehr IlT, 388 Nr. 1 (901) 
(Lucca). Hierher auch das Verbot des Seniorenwechsels; z. B. Syn. 
Rav. 877; vgl. Hartmann Ill/g, S. 37. Über gegen ihre Bischöfe un- 
gehorsame Geistliche z. B. c. 19 Conc. Worm, 868 Hartz h. II, 313. 
(Es ist klar, daß die Großen bei ihren Privatkirchen nur um so ent- 
schiedener ihren Einfluß geltend machten.) Ähnlich schon in der Mero- 
vingerzeit; s. namentlich Chlothars II. Ed. 614 c. 3 Galante 122 f. 

2) So spricht doch schon Karl d. Gr. (Cap. cum comitibus, epi- 
scopis et abbatibus a. 811; M. 462; Cap. I, 161 c. 3) von der großen 
Häufigkeit der Streitigkeiten. Unde illae frequentissimae causationes 
(zwischen Bischöfen und Grafen), in quibus unus alteri quaerit, qüic- 
quid parem suum viderit possidentem. 

3) Ughelli V, 88 (J. 2592): cum pene omnes ecclesiae scandala 
paterentur — 

4) Die Lieblingsideen werden in den einzelnen gefälschten Dekre- 
taten bzw. Kapitularien stets an hervorragender Stelle ex professo 
behandelt. Daneben finden sich aber bekanntlich auch zahlreiche 
Andeutungen in den übrigen Stücken eingestreut. Oft wird mit ganz 
anderen, weit entfernten Dingen die Erörterung begonnen und schließ- 
lich steht man wieder vor dem Hauptgegenstand. 

5) Ich hebe von den mehr oder weniger bekannten, aber rechts- 
geschichtlich noch nicht in ihren größeren Zusammenhang gestellten 



- 127 - 
den Episkopat gegen die Gewalttaten i), namentlich die willkür- 



Norroen hier die folgenden hervor: C. 15 Anacl. 1 fS. 73) gegen 
Privilegienbruch. Ebenso Ben. VI, 103 (S. 78), 112, 114, 116 (S. 79), 
329 (S. 89), 389, 390, 391 (S. 95). Strenge Strafandrohungen. Ben. 

V, 15 (S. 47): De immunitatibus servandis; V, 279 (S. 61) gegen Bruch 
der Immunität; V, 339: Wahrung der Immunität, die häufig verletzt 
werde. Hierher auch z. B. VI, 218 (S. 84): Vogtwahl durch die 
Königsboten; ferner z. B. VI, 243 (S. 85), 279 (S. 86): Verbot, eigen- 
mächtig Zölle und sonstige Abgaben an sich zu reißen bzw. neue 
Zölle auszuschreiben. — Umgekehrt verfügt bereits Ben. VI, 109 (S. 79) 
Immunität des ganzen Kirchengutes bis auf wenige Dienste. V, 375 
(S. 68): Versprechen des Königsschutzes für die kirchlichen Beamten. 
Bei den erwähnten Ermahnungen (T. I, S. 134 N.) an Bischöfe und Grafen, 
miteinander Frieden zu halten, ist im 9. Jahrh. wohl durchweg an den 
Beginn der Feindseligkeiten gräflicherseits zu denken; so namentlich, 
wenn es heißt, es solle jeder sein Amt unangefochten verwalten 
können; z. B. Ben. Lev. V, 290, S. 59: De concordia episcoporum et 
comitum. Ut episcopi cum comitibus Stent et comites cum episcopis, 
ut uterque pleniter suum ministerium peragere possit; vgl. V, 269 
(S. 60), 271, 273 (S. 61) usw. Daß dieses Friedensgebot bzw. die voraus- 
gehenden Streitigkeiten in erster Linie durch die Kirchengutsfragen 
veranlaßt sind, zeigt doch wohl unzweideutig z. B. Ben. V, 182 (S. 55). 
Überhaupt ist es charakteristisch, daß sich auch diese Ermahnung be- 
sonders häufig gerade in den ps. Stücken findet; vgl. z.B. u. a. noch 

VI, 249 (S.85); VI, 373 (S. 93); (Frieden zwischen den Bischöfen, [Äbten] 
und den Grafen und dem christlichen Volk). Hierhin gehört auch das 
Verbot an Geistliche, sich aus Furcht vor Strafe in den Schutz von 
weltlichen Großen zu flüchten; z. B. Ben. VI, 145 (S. 80) [vgl. a. oben 
S. 126 N. 1] und V, 177 (S. 55): De presbyteris et clericis fugitivis; 
s. a. VI, 280 (S. 86). Auch die Verbote an Bischöfe und Priester, in 
eine fremde Amtssphäre einzudringen (z. B. VT, 166 S. 81; 381 S. 93 f.) 
und dort geistliche Funktionen zu verrichten (z. B. VI, 168) gehören 
hierher, wohl aiich im Hinblick auf das Translationsverbot; (ferner 
z.B. VI, 301, 308; vgl. 310 [S. 88], 400 [S. 95]: speziell gegen Einfälle und 
Anmaßungen der Bischöfe fremden Diözesen gegenüber). VI, 312 (S. 88) 
trifft Bestimmungen über die Aufnahme fremder Bischöfe; es soll ihnen 
ein Ort zur Zelebration zugewiesen werden. Vgl. VI, 81, 86 (S. 77). 
S. a. VI, 108 (S. 79): gegen das Verlassen der Klöster durch die 
Mönche. V, 381 (S. 68): gegen die abgefallenen Mönche. V, 329 (S. 65): 
gegen das Verlassen der Eesidenzen durch Bischöfe, Äbte. Usw. 

1) Vgl. besonders z. B. Ben. Lev. V, 261 (S. 60): Bußen für die 
Tötung von Bischöfen und anderen Geistlichen; ebenso VI, 291 (S. 87), 
interessant hierbei die Androhung von Strafen gegen diejenigen, die 
in solchem Falle dem Grafen die Immunität zu betreten verweigern, bzw. 
ihm mit bewaffneter Hand begegnen. Vgl. VI, 90 (S. 78), 115 (S. 79). 
S. besonders a. V, 367: De eo, qui iussu regis vel ducis aliquem 
occiderit. — Hierhin auch die zahlreichen Ermahnungen an die Laien, 
die Kirche und besonders die Bischöfe zu achten, ihnen die schuldige 



— 128 — 
liehen Vertreibungen seitens der Großen in Schutz zu nehmen^). 



Ehre zu erweisen usw. Z. B. c. 36 Anacl. 3 S. 85. Ben. VI, 78, 88 
(S. 77 f.): gegen Ungehorsam von Klerus und Volk gegen ihren Bischof. 
VI, 99 (S. 78) : strenge Strafe gegen die, welche den Bischöfen Unrecht 
und Entehrung antun; vgl. VI, 104 (S.78f.), 402 (S,95); V, 270 {S.60f.), 
322 (S, 64); VI, 246 (S. 85), 377 (S. 93) (Instandhaltung und Ehre der 
Kirchen; vgl. a. noch das folgende passim). Gegen den Bruch des 
Asylrechts: V, 337 (S. 66) und häufig. Ben. VI, 129 (S. 80): Unrecht 
gegen den Bischof (oder andere Kleriker) innerhalb der Kirche wird 
schwer bestraft (Folter und Tod). Ganz allgemein: Ben. V, 26, S. 47: 
De eo, qui ecclesiam Dei conturbat — . 

1) Hierher natürlich auch die zahlreichen Stellen — gleichfalls 
ein Lieblingsthema der Fälschungen — über die Anklage und Ver- 
urteilung von Bischöfen (und anderen Geistlichen). Gegen Anklagen 
der Bischöfe durch Laien wie gegen jede laceratio et infestatio epi- 
scoporum z. B. c. 31, 33 Clem. 1, S. 40. Auch c. 39, S. 41, c. 8, S. 33, 
namentlich c. 38, S. 42 f., c. 3 Anacl., S. 67 f., c. 4, S. 68, e. 19 Anacl. 2, 
S. 76 f., c. 20, S. 77, c. 21, S, 77 f., c. 22, S. 78, c. 35 Anacl. 3, S. 84, 
c. 37, 38, S, 85, c. 39, S. 85 f., c. 6 Evar. 2, S. 91, c. 9, S. 91 f., c. 10, 
S. 92. Vgl. e. 11, S. 92 f., c. 2 Alex. 1, S. 95, c. 4, S. 95 f., c. 5, S. 96 f., 
c. 8, S. 98, c. 11, 13 Alex. 2, S. 102. B. Lev. V, 390, 392 bis 401, S. 69. 
Gegen leichtsinnige Anklagen: Ben. V, 187 (S. 55); 302 (S. 63); 315 
(63 f.) . . . ne forte, quod absit, aliquis circa episcopos leviter aut 
graviter agat usw. VI, 357 (S. 90 gegen Anklagen der Bischöfe über- 
haupt); VI, 359, 362, 364, 365 (S. 91): Erschwerung der Anklagen von 
Bischöfen. Vgl. c. V, 36 (S. 48); VI, 158 (S. 81, gegen kalumniöse An- 
griffe auf Geistliehe und Kirchen); 164 (S. 81, gegen die iudices, die 
kalumniös und injuriös gegen Geistliche vorgehen); für den geist- 
lichen Gerichtsstand, speziell der Bischöfe VI, 309 (S. 88); VI, 866 
(S. 91): Zulässigkeit der Provokation ans geistliche Gericht auch nur 
durch eine Partei. Im allgemeinen Ben. VI, 111 (S. 79), 156 (S. 81), 
157, 331 (S. 89), 390 (S. 95, sagt, die Geistlichen sollen nicht selbst 
vor den weltlichen Richter gehen), 245 (S. 85): die Kirche solle ihr 
Recht und Gerechtigkeit haben; 268 (S. 86): De iustitiis ecclesiarum, 
VI, 113 (S. 79): kirchliche Gerichtsbarkeit in allen geistlichen Sachen. 
Namentlich Streitigkeiten der Bischöfe untereinander vor das geistliche 
Gericht. Besonders gegen gewaltsame Besitzentsetzungen (daß es sich 
da auch um Säkularisation einzelner Güter handelt, ist unten, § 14, 
gezeigt) wendet sich Ps. Der Bischof brauche sich erst dann in einen 
Rechtsstreit einzulassen, wenn er wieder in den Besitz des Bistums 
gesetzt sei: c. 5, 6 Praef. (S. 18), c. 38 Clem. 1 (S. 42 f.). C. 39, S. 43, 
sagt, daß alle weltlichen Fürsten ihr Haupt vor den Bischöfen zu 
beugen hätten. Vgl. c. 42, S. 44 f. C. 8, 9 Anacl., S. 69 f. verlangen 
Verehrung der Bischöfe seitens der Laien, verbieten die den Bischöfen 
angetanen Plackereien und untersagen den Bischöfen, auf das Lob 
ihrer Bedrücker zu achten. Gegen Absetzung auch c, 4 Evar. 2, S. 90. 
* Vgl. c. 5, S, 91, c- 7, S. 91 : Audivimus et quosdam a vobis infamatos 
et dilaceratos episcopos a civitatibus propriis pulsos — et alios in eis 



— 129 — 

Wegen der langen Vakanzen namentlich die heftige Bekämpfung 
des Chorepiskopats ^). Ja, die auf diese Ziele — sowie auf das 
damit zusammenhängende Verbot der Säkularisationen — gerichteten 
Bestimmungen bilden sogar, wie bereits bemerkt, die Hauptmasse 
der tendenziösen Stellen der ganzen Mache. 

Und nur auf Grund der hier betrachteten Entwicklung 
werden alle diese Normen erst ganz klar. Ihr Zusammenhang 
damit und ihre Zusammengehörigkeit untereinander sind, so hoffe 
ich, nun ganz durchsichtig. 

Alle Bestimmungen richten sich eben nicht so sehr gegen 
das Königtum als vielmehr durchaus der Hauptsache nach gegen 
die Lokalgewalten, wenn Pseudoisidor natürlich im Prinzip Frei- 
heit der Kirche von jener weltlichen Gewalt verficht 2). Ersteres 
folgt schon aus der Schärfe der angewendeten Ausdrücke. 

Und aus den pseudoisidorischen Fälschungen allein müßten 
wir schon, selbst wenn wir sonst weniger deutliche Anhalts- 
punkte dafür hätten, auf die damals hohe aktuelle Bedeutung 

ipsis viventibus constitutos. c. 6 Alex. 1, S. 97. Ben. VI, 381 (S. 90): 
Wiedereinsetzung des Spoliierten bis zur Verurteilung-. VI, 401 (S. 95) : 
Appellation des Abgesetzten an den Papst; bis zur Erledigung keine 
Neubesetzung. Ben. VI, 161 (S. 81), 335 (S. 89, Wahrung des Besitzes 
bis zur Verurteilung), 337 (S. 89, über die von ihren Sitzen vertriebenen 
und verbannten Bischöfe, an deren Stelle andere gesetzt wurden), 353 
(S. 90, gegen gewaltsame Besitzentsetzung). VI, 336 (S. 89) und häufig; 
Verurteilung nur bei liquider Sachlage. VI, 360 (S. 91) und sonst: 
gegen die Verurteilung Abwesender. Das Gebot, daß ein Bischof von 
wenigstens zwölf Bischöfen zu richten sei, Ben. VI, 307 (S. 88); c. 15 
Pseudo-Anacl. 1 S. 73 fordert inländische Richter, und zwar zwölf für 
die Provinz. Vgl. VI, 357 f (S. 90 f., kein einzelner Bischof soll richten). 
VI, 399 (S. 95) u. a. gegen Verurteilung Abwesender. Über fast alle 
bisherigen Punkte z. B. VI, 381 (S. 931): u. a. Beschuldigung eines 
Bischofs nur vor dem rechtmäßigen Gericht, nie vor weltlichen Richtern; 
Erschwerung von Bischofsanklagen, Verurteilung nur nach Liquid- 
stellung des Sachverhaltes; Verurteilung eines Bischofs durch alle 
Komprovinzialen usw. (einige Punkte bereits früher angeführt). 
Gegen die eigenmächtige Einsetzung von Bischöfen durch die Großen 
und Laienprälaten (vgl a. § 13) richtet sich z. B. VI, 396 (S. 95): Ein 
Sakrileg begeht der, welcher eine Dignität bekleidet, ohne sie vom 
princeps oder senior rechtmäßig erlangt zu haben. 

1) Vgl. namentlich Ben. Lev. V, 320, 321 (S. 64); VI, 121 (S. 79), 
369 (S. 91): Das Institut des Chorepiskopats sei den canones zuwider. 
Vgl. a. oben T. I S. 169, N. 1. 

2) c. 21 Anacl. 2 S. 78: Eiectionem quoque . . . summorum sacer- 
dotum sibi dominus reservavit, licet eiectionem eorum bonis sacer- 
dotibus et spiritalibus populis concessisset. Usw. 

P ö s c h 1, Bischofsgut und mensa episcopalis. III. 9 



— 130 — 

derartiger Bestimmungen schließen. Es ist daher der Stand der 
Dinge ein halbes Jahrhundert später nur um so begreiflicher^). 

Übrigens äußert sich die Bewegung auch in den außer- 
germanischen Gebieten schon in ihren Anfängen ganz ähnlich. 
In Tarent z. B. entfernt c. 888 der Patrizius Georg den Ge- 
wählten und setzt einen anderen an seine Stelle 2). TJsw.^). 

Daß sich das Vordrängen der Großen schon im neunten 
Jahrhundert selbst gegen die römische Kirche richtete — hier 
ist die Erscheinung bisher sogar bekannter als bei anderen 
Kirchen geworden — beweist am besten das weite Ausgreifen 
und die Allgemeinheit der Bewegung. 

Fragt man nun nach dem hauptsächlichsten Inhalt der 
einigermaßen ausgebildeten und geordneten Bistumsherrschaft der 
Großen, so zeigt sich da die erwähnte Analogie zur früheren 
Reichskirchenherrschaft der Krone. Es kommt da hauptsächlich 
— einiges ist uns ja schon bekannt geworden und bleibt nur 
noch näher auszuführen — folgendes in Betracht. 

§11. 

B. Inhalt der Herrschaft. 

Die wichtigste Befugnis des Bistumsherrn war die Be- 
stimmung der Person des Bischofs. Sie bot den Schlüssel zu 
allen übrigen Herrschaftsrechten dar und bedarf daher vor allem 
hier noch genauerer Erörterung. Das Ein- und Absetzungs- 
recht war insbesondere für die Großen die Handhabe zur be- 
liebigen Herbeiführung bzw. Ausdehnung der für sie so wichtigen 
Vakanzen^). 

In dieser Richtung streben daher die Großen fast überall 



1) Abgesehen von den pseudo-isidorianischen Stücken, die auf 
die Entwickelung unmittelbaren Einfluß zu nehmen beabsichtigten, 
bewegten sich auch sonstige literarische Arbeiten jener Zeit natürlich 
auf diesem Gebiet, So schrieb Bischof Atto von Vercelli ein Buch: 
gDe pressuris ecclesiasticis", dessen erster und zweiter Teil von den 
bischöflichen Gerichten und deren Einsetzung handelt, während der 
dritte die Kirchengutsfrage erörtert. Vgl. Ughelli IV, 769. 

2) J. 3436, 3437. 

3) In diesem Gebiete hält man prinzipiell an der kanonischen 
Bischofswahl fest. Über Bari 897 z. B. Ughelli VII, 601. Über Eos- 
sano 990 a. a. 0. IX, 289. Usw. 

4) Die sich denn auch reichlich finden; vgl. oben S. 50 N. 1 
und sonst. Über Cambrai (10 Monate vakant) J. 2730 (863). Ähnliehe 
Fälle häufig. Später sogar jahrelange Stuhlerledigungen, ganz abge- 
sehen natürlich von den vernichteten Kirchen. S. a. noch unten passim. 



— 131 — 

und vor allem anderen ihren Einfluß zur Geltung zu bringen^). 
Hier zeigt sich daher auch das Gewoge der Parteikämpfe be- 
sonders deutlich. 

Namentlich, solange die Verhältnisse noch weniger geklärt 
waren, zwei oder mehrere Lokalgewalten einander auch nach 
dieser Seite hin bekämpften, ergaben sich die buntesten und 
-Schwankendsten Bilder — eine Wirkung, die dadurch noch erhöht 
wurde, daß auch das Königtum — übrigens selbst wieder 
vielfach geteilt — seine alten Ansprüche nicht ohne Kampf auf- 
gab und noch lange wenigstens versucht hat, auch seinerseits 
auf die Bischofseinsetzungen Einfluß zu nehmen — freilich, um 
zumeist an der Erfolglosigkeit dieser Bemühungen die eigene 
Ohnmacht nur um so deutlicher zu empfinden. Wir lesen daher 
in den Quellen jener Zeit so häufig von invasiones, in- 
trusiones usw. der Bistümer. Auch sonst wird von Gewalttätig- 
keiten bei der Bischofseinsetzung usw. berichtet 2). 

Die Inanspruchnahme dieser erstgenannten Befugnis — des 
Ein- und Absetzungsrechtes — mußte sich daher in der Praxis 
in zahlreiche Doppel-, ja^ noch mehrfach zersplitterten Bistums- 
besetzungen 3) *), in Absetzungen^) mit darauffolgenden Neu- 



1) Im allgemeinen vgl. darüber Imbart de la Tour, Les 
elections episcopales dans l'eglise de France du IXe au Xlle siecle, 
Paris 1890, S. 2221 (Allmählicher Übergang des Besetzungsrechtes 
bes. auf die Grafen.) Auch Giesebrecht, Kaiserzeit P, 303, 304. (Die 
Großvasallen verteilten die Bistümer ihrer Gebiete nach ihrem Be- 
lieben.) Schaeffner IP, S. 7 (wo überhaupt über die willkürliche 
Behandlung der Prälaten durch die weltlichen Dynasten in nach- 
karolingischer Zeit). Betreffs der Provence Kien er VG. 144 und sonst. 
Über die süditalischen Fürstentümer D ü m m 1 e r III, 22. Usw. 
Auch die bereits angeführten Fälle sind zum folgenden zu vergleichen. 

2) Sehr anschaulich z. B. die Bittschrift von Klerus und Volk 
von Köln, worin sie auch sonst über die trübe Lage des Erzstiftes 
klagen; Ennen und Eckertz, Quellen I, 450 (c. 870): licentiam 
«lectionis petivimus . . . insistebant nonnuUi, qui in prefata metropoli 
inlicitam episcopi ordinationem cum favoris potentia, sine 
«lectione, facere gestiebant; quorura oportuit anticipari summopere 
violentiam, ut in sacris ordinibus non temporalis industria . , . vigeat 
. . . elegimus . . . Willibertum. . . . 

3) Diese begegnen daher auch damals in überraschender Häufig- 
keit, ja, allerorts. Hier nur einige Beispiele. Über das Schisma (drei- 
fache Besetzung) von Mailand im 10. Jahrhundert Hartmann III/2, 
252, 254 f. Über Kavenna 924 Capp. II, 96 f. — Weitere Fälle 
finden sich u. a.: in Metz 927 (Ottenthai 16 a [927], vgl. 24 a [929]); 
in Lausanne 878 (J. 3169); in Imola 888 (J. 3450); Vercelli 879 (3243); 



— 132 — 

besetzungen ^) oder gewaltsam herbeigeführten bzw. ausgedehnten 
Vakanzen'') und dergleichen äußern. Und in der Tat sind die 
Quellen für jenen ganzen Zeitraum von Berichten über solche 
Vorgänge voll, namentlich stehen Mehrbesetzungen auf der Tages- 
ordnung. Allenthalben wird dabei das Ringen der Großen um 
diese Befugnis immer erfolgreicher 3). 

Ganz allgemein verbietet die römische Synode von 898, 



Bologna Anfang 10. Jahrhundert (Savioli, Ann. Bol. I, 99 m. N. H. 
S. 105f.); Cremona (Zacharia, Cremon. episc. seris, Mail. 1749, S. 78); 
Modena 898 (Hartmann III/2, 127 f.); Brescja 945 (a. a. 0. 235). Verona 
951 (a. a. 0. 248); Neapel (über den „Invasor" Syn. Pap. 997 J. I, 492); 
in Beauvais 878 (Fisquet, Soissons S. 26); Narbonne 886 (G.G. 
I, 853). Über die Doppelbesetzung von Ausona 998 vgl. die röm. Syn. 
d. J. J. I, S. 493 und J. 3888. Über Eeims s. nächsten Paragraphen. 
Für die spätere Zeit (Streit zwischen Arnolf und Gerbert) J. 3866 (996) 
und sonst. Auch der übrige Episkopat ist da gespalten; s. Syn. Pap. 
997 J. I, S. 492; vgl. J. 3908 (999). In Le Puy gelang es 880 dem 
Bischof Norbert nur mit Mühe und mit großen Opfern, sich einen Neben- 
buhler vom Hals zu schaffen; G. C. II, 693. S. a. folgende Note und 
unten § 13 a. E. Selbstredend findet sich dasselbe in Abteien; z. B. 
43 d (932) St. Gallen. 

4) Auch da macht Eom keine Ausnahme. Doppelbesetzungen 
z. B. 855, 897, 898, 903, 904 usw. Vgl. Hartman n III/i, 208 ff. Auch 
später noch kommt derartiges vor, als das Herrschertum unter den 
Ottonen wieder erstarkt. Johann XII. wird von Otto abgesetzt, Leo VIII. 
an seiner Stelle eingesetzt (963). Auch der Anhang natürlich geteilt. 
964 Absetzung des Gegenpapstes (und Nachfolgers Johanns XII.) 
Ben. V. Der durch Otto I. eingesetzte Joh. XIII. (965) wird von den 
Eömern vertrieben und eingesperrt, jedoch 966 von Otto wieder be- 
freit. P. Gregor V., ein Neffe Ottos III., wird 996 vom röm. Adel 
(Joh. Crescentins bes.) verjagt. Crescentius setzt Joh. XVI. ein. Im 
allgemeinen vgl. Cappelletti I, 94 ff. Die Spaltungen des Papsttums 
hatten solche auch für die umliegenden Bischofssitze zur Folge; über 
Porto z. B. a, a. 0. 502. 

5) Noch Eb. Alo von Benevent, 983 (?) von Otto IL eingesetzt^ 
wurde nach dem Tode des Kaisers wieder von den Beneventanern ver- 
jagt; Ughelli Vm, 68, 70 f. 

1) Bischof Landolf von Cremona wurde 910 von seinem Sitz 
verjagt, ein anderer an seine Stelle gesetzt; Sanclementius, Ser. ep. 
Cremon. S. 35. — In Verdun wird Bischof Hugo (vom K. Rudolf ein- 
gesetzt) von Heinrich vertrieben und durch Bernuin ersetzt (Otten- 
thal 12 d [925]). 

2) S. oben S. 130 m. N. 4. 

3) Ging ja doch auch der ? Einfluß auf die Papstwahl den 
Herrschern verloren. Schon 885 bei der Wahl Stephans V. zeigt sich 
die Bedeutungslosigkeit des Widerspruchs der Krone. J. I, S. 427 f. 



— 133 — 

den nicht kanonisch abgesetzten Bischöfen Nachfolger zu 
geben 1). 

Die Konstellation wird meist ganz klar berichtet. So war 
Kicher von Lüttich 920 von König Karl III. (d. E.) eingesetzt 
und — wie es heißt — vom Volk gewählt worden, während 
sein Gegner Hilduin gleichzeitig das Bistum aus der Hand des 
Herzogs Giselbert von Lothringen empfing (gegen reiche Ge- 
schenke) 2). Der Herzog zwingt der Bevölkerung seinen Kan- 
didaten auf 3). 

Auch bei gewaltsamen Absetzungen und dergleichen erfährt 
man meist den Urheber. So wurde auch Petrus von Benevent 
vom Herzog Athenulph (899 — 914), zugleich Grafen von 
Capua, von seinem Sitz verjagt und starb im Exil*). Usw.^). 

Insbesondere in Frankreich verjagte man vielfach die vom 
König ernannten Bischöfe. Man setzte sich über dessen Ein- 
setzungsrecht einfach hinweg^). 

Daß namentlich bei Absetzungen besonders roh vorgegangen 
wurde und nicht selten Waffengewalt entschied, darf in jener 
eisernen Zeit nicht wundernehmen ') s). Der Widerspruch da- 



1) Mabillon, Mus. It. I/2, 86 f. Diese Synode erläßt auch Be- 
stimmung-en gegen das Spolienrecht und die Einschränkung der 
bischöflichen Jurisdiktion durch weltliche Richter. 

2) Gest. abb. Lob. e. 19 (SS. IV, 63). Ottenthai 1 a (920). Vgl, 
TJgh. V, 734. G. C. 111,837 f. Die Stellung Giselberts ist dabei die eines 
-unabhängigen Herrschers. Auch anderwärts. Durch seine Gunst erlangt 
933 Bischof Fulbert von Cambrai sein Bistum; G. C. III, 15. — Über 
Lüttich auch Krüger, Bruno I, S. 26 ff., der anführt, daß dort erst 
damals [nach Bischof Stephans Tod (920)] das Parteigetriebe begann. 
A. a. 0. auch über die willkürlichen Ein- und Absetzungen, die dort 
später auf der Tagesordnung standen. 

3) Ebenso brachten in Straßburg 916 die Großen einen Gegen- 
Taischof auf den Stuhl. J. 3555. 

4) Ugh. VHP, 47. 

5) Auch im außergermanischen Gebiet waren es die Lokalherren, 
•die in dieser Weise vorgingen. So hören wir z. B. in Bari um 900 
von gewaltsamen Absetzungen der kanonisch gewählten und Ein- 
setzungen anderer; Cappelletti XXI, 11. Vgl. a. oben S. 121ff. u. 130. 

6) Gieseb recht, Kaiserzeit I^, 304. S. bes. a. § 12. 

7) So wird Landolf II. von Capua 879 mit Waffengewalt von 
«einem Sitz vertrieben; Ugh. VI, 316. 

8) Selbst von selten der Herrscher; vgl. z. B. J. 2791 (865) — 
die Inskriptio (Ludw. II.) zeigt, wer der wahre Urheber war. Ebenso 
das Petit, der Herrscher möge restituieren. 



— 134: — 

gegen seitens der Kirche war daher noch energischer als der 
gegen das Einsetzungsreeht. 

Das Papsttum schlug sich in der Regel natürlich auf die- 
Seite des Herrschertums, also der königlichen Kandidaten, mußte- 
aber meist den Lokalgewalten sich entweder freiwillig fügen 
oder aber seine Aufträge unbefolgt sehen. Nach Bischof Lan- 
dolfs Tod (879) bricht, um ein sehr deutliches Beispiel anzu- 
führen, in Capua ein arges Gezanke der (untereinander verwandten) 
umwohnenden Großen aus^). und selbst ein Johannes VIII. muß* 
sich dem Willen des mächtigsten unter ihnen, des Fürsten Wai- 
farius von Salerno, fügen. Mit großer Schonung muß er diesen) 
bereits behandeln^). Natürlich- opponierten auch einzelne Prälaten, 
so namentlich Eavennater Erzbisehöfe, gegen die päpstlichen? 
Verleihungsaufträge ^)^). Und eine ebensolche Mißachtung der 
päpstlichen Kandidaten zeigte sich auch anderwärts^) ^). 



1) J. 3277; 3278; 3279; 3280. Vgl. S. 133 N. 7. 

2) Migne 126, 881 (J. 3286): (an Waifar) — Nam pro vestro cum 
venerimus amore, ipsum, quem vultis, Capuanae plebi antistitem 
ordinabimus, ut vester principalis honor indiminutus per- 
maneat. Vgl. J. 3287; vgl. a. Camera, Ämalfi I, 120 und unten § 28. 

3) Vgl. z. B. das Schreiben Johanns VIII. Sarsina betreffend von 
879 Kehr V, Sarsina 1 u. 2. — Namentlich aber siehe mit Bezug' auf 
Faenza Kehr V, Faenza Nr. 1 bis 3, -w^oraus ersichtlich, daß Graf 
Alberich die Hand im Spiel hatte. Der Papst ordnet die Weihe seines 
Kandidaten, Visitation des vakanten Bistums durch den Bischof von 
Cervia an und verbietet namentlich Eingriffe ins Kirchengut während 
der Vakanz, besonders in das Kapitelsgut, Fabriksg'ut us-w. — Hin- 
sichtlich Comacchios siehe die Urkunden Kehr V, S. 177 Nr. 1 (872 bis- 
879) und 2 (879). Joh. VIII. legt dem Grafen Berengar den Schutz 
des von ihm (dem Papst) eingesetzten Bischofs Petrus im Besitz des- 
Bistums ans Herz. Usw. 

4) Vgl. noch unten diesen Paragraphen a. E., bes. S. 160 f. 

5) Z. B. in Narbonne 914. Ein Gegenkandidat wird aufgestellt. 
J. 3554. — Vgl. ferner Hartmann Ill/g, S. 69 f., 76, Vercelli und Mai- 
land betreffend. Usw. 

6) In den italienischen Fürstentümern Neapel, Capua usw., die 
im 9. Jahrhundert vom Papst noch mehr in Abhängigkeit standen,, 
wahrte man wenigstens formell das päpstliche Bestätigsrecht; tatsäch- 
lich war auch hier die Wahl des Fürsten entscheidend; z. B. Ugh. 
VI, 316: Graf Pandulf verjagt den bereits gewählten und vom Papst 
konfirmierten Bischof und — Landenulphum fratrem suum laicum inordi- 
nate tondens Romam direxit eumque a Joanne papa multa prece 
deposcens episcopum fecit. 



— 135 — 

Einzelne Päpste traten ausdrücklich für das königliche 
Besetzungsrecht ein ^). 

Aber auch als die Befugnis der Großen sich allmählich zu 
vereinheitlichen und zu verfestigen begann, war die rechtliche 
Fassung, die man ihr gab, noch sehr mannigfach ^). Das ergibt 
sich schon aus ihrem meist sehr gewaltsamen Ursprung. Denn 
daß eine derartige Befugnis eines Großen seitens des Herrschers 
ausdrücklich anerkannt oder von diesem jenem gar verliehen war, 
bildet nur die Ausnahme^). 



1) Vgl. z. B. J. 3564 (921). Charakteristisch die Worte: cum 
prisca consuetudo vigeat, qualiter nuUus aUcui clerico episcopatum 
conferre debeat nisi rex. Auch das folgende der Urkunde ist inter- 
essant. Vgl. a. J. 3565. 

2) Schon der karolingischen Frühzeit gehört jedoch, wie bemerkt, 
der Ausdruck vocatus (zum Unterschied von electus) für den neuen 
Bischof vor der Weihe an. Ein sehr frühes Beispiel bei Ficker, 
Forschungen IV, 3: vocatus episcopus s. ecclesie Pisane civitatis — . 
Vgl. dann noch Reg. der Straßb. B. Nr. 82 (890). Auch im 10. Jahrh. 
ist diese Bezeichnung für dieselbe Sache noch ganz geläufig; vgl. 
z. B. Flod. II, 17 a. E. SS. XIII, 465: (Eb. Vulfarius von Reims, seit 
808) — iam quoque vocatus episcopus, adhuc etiam antequam ordi- 
naretur, res . . . quasdam Remensi ecclesiae . . . reimpetrasse . . . repe- 
ritur. Necnon etiam, postquam presul ordinatus est — . Die aligemeine 
Zusichei'ung der Bischofswahl durch Ludwig d. Fr. 819 (c. 2 Cap. I, 
275; über Abtwahl c. 5; M. 674) wurde selbst in der damals ein- 
geschränkten Bedeutung des Begriffs „Wahl" nie erfüllt. Über den 
„vocatus electtis" von Torcelli 876 J. 3069. Vgl. T. II S. 241 N. 2. 
Die Erklärung von „vocatus" im Sinne einer Devotionsformel ist nichts. 

3) Das bekannteste, schon von der älteren Literatur (seit Leibniz) 
traditionell zitierte (vgl. Geisler, De potestate imperatoris ordinandi 
regimen bonorum eccl. imp. imraed. Göttingen 1783, S. 10 f.) Beispiel 
bietet Baiern. Vgl. Thietmar Merseb. I, 26 (15) SS. III, 740: Heinrici 
regis tempore fuit in Bavaria quidam dux Arnulfus nomine, qui omnes 
episcopatas in his partibus constitutos sua distribuere manu singularem 
habuit potestatem — . Vgl. Waitz VII, 134. Vgl. ferner über Baiern 
noch die Stelle aus Liutprand I, 23 (921): die bairischen Großen 
raten Arnolf, ut, quod decessores non habuere tui, tibi concedatur, 
sc. quatinus totius Bagoariae pontifices tuae subiaceant dicioni tueque 
Sit potestati uno defuncto alterum ordinäre. Zum ganzen 0. 2 b; 
V. Luschin S. 46, 55. Das Recht wurde Arnolf nur persönlich ge- 
währt 0. 69a; Hauck, Fürstenm. 23. Siehe dazu Hinschius II, 531 
m. N. 4, der aber den Fall für Deutschland zu sehr als Singularität 
betrachtet. Ähnlich ist er auch von Hauck (Fürstenm. 11 ff.) aufgefaßt.. 
Zu einer ausdrücklichen Übertragung der Königsrechte über die 
Bistümer ist es freilich nur in B. gekommen. Allein, die Ereignisse 
in den übrigen Gebieten (einiges bei Hauck S. 14 f.) lehren, daß 
auch anderwärts die Herzoge nach der Bistumsherrschaft strebten und 



— 136 — 

Bald sprach man von einer Präsentation an den Herrscher^), 
bald nnr von einem Rat, meist einfach von Ernennung seitens der 
Lokalmacht 2). In allen Fällen war aber der entscheidende Ein- 
fluß schließlich auf selten der letzteren. Dies auch dann, wenn 
von einer Wahl des Bischofs durch Klerus und Volk die Rede 
ist. und gerade dafür machte sieh damals eine stärkere Be- 
tonung geltend^), was auf den ersten Blick befremdlich, aber 
doch leicht erklärlieh ist. 

Konnte nämlich diese Besetzungsform in der vorausgehenden 
Zeit nur auf Grund eioes Privilegs — das für den Fall oder für 
immer erteilt war — zur Anwendung kommen, so hatten doch 
gerade die Lokalgewalten Ursache, diese Verleihungsart in den 
Vordergrund zuschieben. Ließen sie die Wahl der Form nach*) 
durch Klerus und Volk an Ort und Stelle vollziehen, so blieb 
ihnen der entscheidende Einfluß auf alle Fälle gewahrt. Denn 
es konnte keinen Augenblick zweifelhaft sein, daß sie diesen 
ganz von ihnen abhängigen Personen ihren Willen einfach dik- 
tieren konnten, während ihr Einfluß auf die Besetzung am 
fernen Hof doch geringer war 5). 



besonders das Ernenmingsrecht usurpierten. Umgekehrt sind in Baiern 
Arnolfs Ernennungen nicht immer erfolgreich g-ewesen; Lüttich 108 
m. N. 21. 

1) M. P. H. I, 131 (928). Vgl. a. unten S. 176 m. N. 1. Der 
schwächste Grad des Einflusses ist der, daß der Lokalherr die Ein- 
setzung des Bischofs lediglich beim Herrscher durchsetzt; z. B. Ger- 
hardi vita Oudalrici c. 1 SS. IV, 387 (0. 10 d): Einsetzung Udal- 
richs als Bischof von Augsburg — machinatione Burchardi ducis 
aliorumque propinquorum suorum . . . rex . . . regio more eum accepit 
munereque pontificatus eum honoravit. 

2) Chron. Adern. 991: successit pontifex Alduinus ... per 
manum Willelmi ducis (in Angoulöme); G. C. II, 1457. 

3) So verleiht auch K. Rodulf I. von Burgund 895 dem Hochstift 
Lausanne das freie Wahlrecht — wie es die meisten Kirchen Galliens 
besäßen. B. 1485. 

4) Sie war ja auch den Königen gegenüber schon längst nur 
mehr eine leere Form; z. B. M. H. P. I, 88 (896): (Lambert f. Bobbio) 
— der Abt nostra largitione et eorum electione substitutus — , 

5) Man muß da die verschiedenen Nachrichten nebeneinander- 
stellen, um den wahren Kern zu erkennen. In Gabors z. B. hören 
wir 990 von der Wahl des Bisehofs, die auf Anordnung des Eb. Dag- 
bertus von ßourges durch die Komprovinzialen vorgenommen wird 
(G. C. I, 125). Daß es sich da nur um eine feierliche Aufnahme in 
den Kreis der Provinzbischöfe — wie das anderwärts vorkommt — 
handelt, der entscheidende Einfluß aber beim Großgrafen (von Tou- 



— 137 — 

Dies kommt denn auch in den Quellen ganz unverblümt 
zum Ausdruck. So namentlich, wenn es von einem Bischof 
heißt, er sei vom Fürsten, Klerus und Volk „gewählt" worden ^) ^) 
— oder gar, der Fürst habe die „Wahl" dieser oder jener Person 
„befohlen" usw.^)*). 



louse) liegt, zeigt schon der nächste Besetzungsfall (a. a. 0. 126) 
c. 1000: (Bischof Bernhard). Cui cum Wilelmus comes Tolosanus Catur- 
censem praesulatum . . , comittere disposuisset et ob hoc tarn ipse 
comes quam et archiepiscopus Blturicensium, sub caius dioecesi eadem 
ecciesia consistit, non minimam pecuniae summam ab eo exigerent — . 

1) Ugh. VII, 192 (994): Eegnante d. Mansone Amalphitano duce 
defuncto episcopo eiusdem ecclesiae placuit domino duci, cuncto clero 
et populo universo eligere Leonem presbyterum etc. Ugh. VI, 441 f. 
(Aus Vita S. Ursi) c. 978: defuncto ürso Cajacensi (Prov. Capua) epi- 
scopo a Pandulpho principe et G. archiepiscopo atque omni populo 
vel clero . . . d. Stephanus est electus et consecratus episcopus — . Vgl. 
a. z. B. 0. 1 a (920). 

2) Auch in Eom hat der Patrizius de iure nur die erste Eolle 
bei der Wahl; so auch später; Mayer II, 47 ra. N. 119. Für Gravella(?) 
vgl. z. B. J. 2868 (863—867) cleri plebisque et ducis nostri concordia 
effecta . . . celebretur electio — . 

3) Über die Bischofswahl 914 in Avignon, wobei der princeps 
Boso (er nennt sich sonst auch Graf) das entscheidende Wort spricht, 
G. C. I, 806. Über die „Wahl" Pontius III. von Trois-Chäteaux 914 
unter Zustimmung des K. Konrad und des Grafen Boso a. a. 0. 711. 

4) Zu allem andern ist noch zu berücksichtigen, daß selbst die 
königlicherseits damals ausgestellten Wahlprivilegien — das Königtum 
war natürlich bei seinem Zusammengehen mit der Kirche und selbst- 
redend auch speziell mit den Klöstern (z. B. 0. 2) stets auch seiner- 
seits zu solchen Gunstbezeugungen bereit, hatte aber keine Macht — 
nur sehr wenig oder nichts beweisen. Aus den Herrscherdiplomen ist 
ja auch zu anderen Zeiten über die tatsächlichen Zustände fast nichts 
zu entnehmen. Man könnte aus ihnen beinahe schließen, daß die 
ganze hier in Eede stehende Zeit hindurch alles in schönster Ordnung 
gewesen sei. Namentlich sprach man von Säkularisationen u. dgl. an 
offiziellen Stelleu nicht gern. Man muß da die wahre Lage der Dinge 
außerhalb dieser Quellen, ja, fast möchte man sagen, trotz dieser 
Quellen erkennen. — Derartige Privilegien wurden zudem meistens an- 
läßlich eines Verletzungsfalles erneuert. Auch weisen die fortwähren- 
den Erneuerungen, die Wiederholungen des Verbotes von Verletzungen 
doch viel eher darauf hin, daß solch letztere eben häufig vorgekommen 
sind, als auf das Geg'enteil. — So wurde insbesondere das Wahlrecht 
einem Konvent oft zum Trost für die Zukunft gerade dann ver- 
brieft, wenn die Krone einem Großen in seinen Bestrebungen um Ver- 
leihung von Abteien usw. nachgeben mußte. Für die Zukunft sollte 
derartiges wenigstens ausgeschlossen sein, wenn man, wie man sagte, 
schon jetzt für die Konvente nichts tun könne. Man sehe sich doch 



— 138 — 

War bei all diesen Modalitäten im Einzelfalle noch meist 
das Interesse der Großen, wenn auch nicht mehr das der Kirche, 
für die Auswahl der Personen ausschlaggebend, so artet dies© 
Befugnis doch mitunter in willkürlichste Verschleuderung der 
Bischofssitze aus, die nach der Laune schöner Weiber vor- 
genommen wurde, und in ebenso launenhafte Absetzung^). Sa 
in Italien, wo sogar über die Kathedra des h. Petrus in 
schrankenloser Willkür von einer Theodora, einer Marozia ver- 
fügt wurde ^)^). Es war dies ja jene Zeit, wo auch das Papst- 
tum in tiefster Demütigung darniederlag. 



die Einzelfälle an (vgl. z. B. 0. h, 913; 0. 40, 940 usw.). Ebenso laufen 
ja auch neben den Immunitätsverletzungen stets Immunitätsverleihungen, 
neben den Säkularisationen Besitzbestätiguugen usw. einher. Und 
gar oft ist es dabei ersichtlich, daß gerade infolge einer vorausgehen- 
den Schädigung in der betreffenden Richtung durch ein Privileg da- 
gegen wenigstens für die Zukunft Schutz gesucht wurde. — Gar 
selten war der Fall, daß der König einem Großen eine begehrte Reichs- 
kirche abschlagen konnte. Kam es aber vor, so beweist gerade das, 
wie sehr man sich um den Besitz dieser Anstalten bemühte. Erst in 
Zeiten der Reform geschah ersteres öfter. So verweigerte Otto I. 939 
(0. 786) einem reichen Grafen die Abtei Lorsch. Auch wurde damals 
den Klöstern immer häufiger die Unabhängigkeit verbrieft (z.B. 0.81; 
87; 940). Davon noch unten T. IV. Alles das wirft auch auf die voraus- 
gehende Zeit Licht zurück. — Auch zugunsten der ihnen ergebenen 
Bischöfe sahen sich die Herrscher oft genötigt, das Wahlrecht der 
Konvente zu brechen; und da wird für die Zukunft das Wahlrecht 
häufig gerade anläßlich eines solchen Bruches verbrieft; ja, selbst für 
die Gegenwart wird dem Konvent — nachträgliche Wahl des Königs- 
kandidaten gestattet! Das zeigt deutlich, wie weit es mit diesem 
„Recht" schon gekommen war. Belege für alles liefert z. B. das 
Vorgehen Arnolfs gegenüber St. Gallen zugunsten Salomons III. von 
Konstanz. Vgl. unten S. 167 N. 1, ferner Oonst. Reg. Nr. 179 (890; 
Bischof Salomon wird in St. Gallen aufgenommen und da er das 
Kloster königstreu findet, gestattet er, ihn formell noch nachträglich 
zum Abte zu wählen); 184 (892; Salomon erwirkt für das Kloster Im- 
munität und das Abtwahlrecht); 236 (904? Sergius III. bestätigt dem 
Kloster Abtwahl für die Zukunft [für den Fall der Resignation oder 
des Todes Salomons]) usw. 

1) Giese brecht, Kaiserzeit F, 355. Eine Rechtsform läßt sich 
gerade dafür am wenigsten finden. . 

2) So wurde von Marozia ihr Sohn (als Johann XI.) 931 auf den 
päpstlichen Stuhl erhoben; Hartmann Ill/g, S. 216. Vgl. a. Odorici 
IIL 266 m. N. 2 usw. S. a. nächste Note. Mehrmals hielt man auch 
da am Schein einer Wahl fest, meist verzichtete man selbst darauf. 
Vgl. a. Cappelletti I, 95 f. 

3) Dieselben Personen hatten jeweils auch Einfluß auf die anderen 



— 139 — 

Wie sehr die Bistumsherrschaft und damit das Mediat- 
bistum selbst allmählich als Familienbesitz eines Geschlechts- 
aufgefaßt wurde, zeigt das immer stärkere Hervortreten der Fa- 
milie, der Verwandtschaft des Herrn auch bei der Besetzung^). 

Nächst dem Einfluß auf Ein- und Absetzung der Prälaten 
war wohl die wichtigste Befugnis, wenigstens diejenige, worauf 
man in jener materiell denkenden Zeit den größten Wert legte, 
das Recht der Einflußnahme auf die Temporalien der 
Kirche. Diese Seite der Herrschaft, die auch später für das 
ganze Verhältnis die Grundlage geblieben ist, zeigt sich nun in 
verschiedener Richtung. 

In ähnlicher Weise, wie früher der König, wirkt nunmehr 
der lokale Bistumsherr bei Verfügungen des Bischofs über das 
Kirchengut mit. Er erteilt zu Tauschverträgen, zu Kapitels- 
ausstattungen 2) usw. seine Zustimmung, gibt die Erlaubnis zu 
bestimmten anderen Verwendungen usw. ^). 



Bistümer des Kirchenstaates; dies war ja mit der Herrschaft über das 
Papsttum von, selbst g^egeben. So hatte Johann X. aus den Händen 
der älteren Theodora zuerst das Bistum Bologna, dann (905) das 
Erzstift Ravenna empfangen, ehe er durch sie Papst geworden wai^ 
(914); Cappelletti H, 95 f. Hierauf wurde er von Marozia — mit 
Unterstützung des tuszischen Markgrafen Wido — abgesetzt; J. I, 452 f. 
S. a. Hartmann ni/2, 214, 216. 

1) Darüber noch unten § 13. — Hier nur z. B. D'Achery, Spie, 
in, 379 (990): In Gabors nehmen die Komprovinzialen mit ihrem Metro- 
politen den Gauzbert in die Zahl der Bischöfe auf, setzen ihn dort 
als Bischof ein und weihen ihn una per consensum et voluntatem 
Guillelmi comitis Caturcensis matrisque suae Acilicinane. Vgl. S. 136 N. 5. 

2) S. z. B. diesen § a. E. Im übrigen vgl. T. IV. 

3) Vgl. z. B. Waitz, VG. VIT, 137 N. 2; Hauck, Fürstenmacht 
16 f. (betreffs Baierns). S. a. T. IV. — In Le Puy verfügt 937 der 
Bischof über Kirchengut mit Zustimmung des Markgrafen Geilo; 
Vaissete IIb 79. Oft verfügen Bistumsherren und Bischöfe gemein- 
sam über das Bistumsgut; z. B. G. C. I b 74 f. (991): (princeps Provin- 
eiaeetepiscopusAptensis) — Concedimus . . . adipsos canonicos bestimmte 
Güter der Hochkirche, bestätigen dem Kapitel auch allen künftigen 
Erwerb von irgendeiner Seite — ut nuUi liceat successorum nostrorum, 
tarn episcoporum quam principum, einzugreifen usw. Schon vorher 
(c, 950) schenken Graf und Bischof zusammen eine Kirche aus dem 
Bistumsgut einem Kloster; a. a. 0. 353. Das ist wohl ein besonders 
deutlicher Ausdruck dafür, daß man allmählich die Mediatbistümer 
als Pamilienbesitz ihrer Herren aufgefaßt hat, zumal der Bischof selbst 
meist ein Verwandter der letztern war; s. unten § 13 a. E. Noch 
mehr gefördert wurde dies dadurch, daß die Familienangehörigen des^ 



— 140 — 

Aber auch die Verfügungsgewalt über das Kirchengut für 
eigene Zwecke ging von der Krone auf die Herzogsgewalten 
über, und zwar die direkte wie die indirekte. 

In welchem Maße man das Gut dieser Anstalten unmittel- 
bar einzog oder durch Belehnungen seitens abhängiger Prälaten 
an sich brachte, wird unten besonders erörtert. 

Ein weiterer Weg war dann aber auch hier der der Auf- 
lage von Servitien an die Bischofskirchen. Wie früher verstand man 
darunter gewöhnlich den Komplex von Abgaben und Diensten, den 
das Hochstift als solches — abgesehen von der Person seines 
Vorstehers — aus seinem Vermögen, mit seiner Wehrmacht usw. 
zu leisten hatte. 

und es ist interessant zu wissen, daß man gerade im Hin- 
blick auf diese ihre Seite gegen die lokale Bistumsherrschaft 
besonders heftig opponierte. Nichts zeigt das so deutlich als 
die Tatsache, daß man derartige Tribute selbst geistlichen Ober- 
herren gegenüber nicht anerkennen wollte. Alles Zinsen und 
Fronden in irgendwelcher Form galt der damaligen Zeit als 
Zeichen der Hörigkeit, und ein Hochstift sollte wenigstens 
keiner anderen Temporalgewalt in dieser Beziehung unterworfen 
sein, als der höchsten i). 

Es war nämlich — wie schon angedeutet — vorgekommen, 
daß der eine oder andere Prälat, der im Ringen gegen die 
weltliehen Großen ausnahmsweise Sieger blieb — was im neunten 
Jahrhundert noch häufiger geschah — und eine mächtige Stellung 
wenigstens zeitweise behaupten konnte, nun selbst daran ging, 
sich andere Bistümer temporell zu unterwerfen. Namentlich 



Bistumsherren auch vielfach Bistumsgut innehatten. S. § 23. Hier 
sei etwa angeführt Charmasse, Gart, de l'eglise d'Autun S. 42 f. (920): 
Bischof Herireus mehrt das Kapitelsgut — ad exhortationem domnae 
Hirming-ardis venerabilis comitissae et fratrum nostrorum — — a 
sanctis episcopis, nostris scilicet ordinatoribus, moniti et praedictorum 
.affinium hortamentis roborati — gibt 7illam ßuilliacum, siquidem a 
memorata genitrice nostra dudum . . . possessam ... S. 69 f. (920); 
S. 78 f. (J. 3560; 921): der Bischof bestimmt eine villa für das Dom- 
kapitel — per consensum et auctoritatem Richardi comitis et filiorum 
eius, ebenso schenkt die Mutter des Bischofs — per consensum 
Richardi comitis den Kanonikern eine villa. Weitere Beispiele, die 
sich aber leicht vermehren lassen, unten T. IV. 

1) Darüber, daß man die Unterordnung unter die höchsten Ge- 
walten geradezu als libertas bezeichnete, s. T. IV. 



— 141 — 

finden sich solche Fälle in Oberitalien, und sie riefen, wie be- 
merkt, zunächst heftigsten Widerspruch wach^). 

So ging namentlich Ravenna in Zusammenhang mit seinen 
Bestrebungen, sich von Rom unabhängig zu machen und eine 
selbständige Territorialmacht aufzurichten 2) s)^ darauf aus, sich 
die Bistümer der Aemilia auch temporell unterzuordnen. Dem 
widersetzten sich die Päpste, besonders energisch natürlich 
Nikolaus I.*). Und zwar wandte man sich in erster Linie gegen 



1) Wie sehr in jener ganzen — auch der späteren — konkret 
denkenden, an abstrakten Rechtsvorstellung-en armen Zeit die Ver- 
leihung geistlicher Stellen, überhaupt jede einzelne Befugnis, ja,, 
die bloße Mitwirkung bei der Weihe usw. eines Prälaten zu- 
gunsten einer temporellen Oberherrschaft ins Gewicht fiel, zeigen 
Stellen wie z. B. einen Ausspruch Nikolaus' II. (Kehr III, 75 Nr. 4 
a. 1058), der, vormals Bischof von Florenz, ausdrücklich anläßlich der 
Benediktion (consecratio) einer Äbtissin, die er als gewählter Papst 
vollzieht, betonen muß, daß daraus das Kloster keineswegs unter die 
Abhängigkeit der Florentiner Bischöfe trete, diese aus obigem Titel 
keine Ansprüche darauf erheben dürften. 

2) Um gegen den römischen Dux anzukämpfen, verbündeten sie 
sich mit dem kaiserlichen Grafen. J. 3347 (881) Joh. VIII. verlangt 
vom Eb. von Ravenna Rechenschaft, warum er Albericum comitem, 
quasi ex parte imperiali, Ravennam asciverit et nobiles cives distriugere 
enormiter coegerit. Das Bündnis geht gegen den Dux (und Papst); 
vgl. 3348 (881). Über die Losreißungsbestrebungen Ravennas auch 
Savioli, Ann. Bol. I, 99 f. m. N. h (S. 107). Schließlich aber gerät 
das Stift in Abhängigkeit vom Dux — wie Rom (s. oben S. 109 m. N. 1);, 
Anzeichen hierfür wohl schon 879 (z. B. J. 3290). — Auch symbolisch 
manifestierte Ravenna in unzweideutiger Weise seine Absicht. Einer 
aus der Partei des gebannten Eb. Joh. X. nahm die Schlüssel der 
Stadt dem päpstlichen Vesterarius ab und übergab sie dem Eb. (unter 
P. Joh. VIII.) Gap pell. II, 90. 

8) Mit diesen Losreißungsbestrebungen hängt es wohl auch zu- 
sammen, daß sich Eb. Romanus selbst seinen Nachfolger bestimmen 
wollte. Heftig widerspricht Stephan V. J. 3435 (887. 888). 

4) Rom. Syn. 862 (J. v. 2697) Vita Nicolai S. 188 f. Auch gegen 
die sonstigen Versuche des Eb. von Ravenna, sich diese Bistümer 
auch temporell unterzuordnen, trat Nik. I. auf; J. 2868 (863 — 867) g'egen 
Einflußnahme auf die Besetzung, die den Päpsten zustand (bzw. dem 
päpstlichen Dux sowie Klerus und Volk). Die Päpste suchten durch 
päpstliche Visitatoren ihre Gewalt (in den vakanten Bistümern) aufrecht- 
zuerhalten, S. a. die iolgenden Noten. Zum ganzen, a. zu den 
folgenden Noten, Hartmann III/2, 82 f. Der Papst steht natürlich da- 
mals noch auf selten seines ravennatischen Dux. Nikolaus I. (J. v. 
2697) schreibt dem Eb. von Ravenna u. a. vor: (2) episcopos per 
Aemiliam non consecret, nisi post electionem dueis, cleri et populi 



— 142 — 

tue Auferlegung von Tributen seitens des Metropoliten an die 
Suffragane^). Selbstredend nimmt aber ersterer auch — wie 
<Ias eben zum Wesen der Temporalherrschaft über Kirchen ge- 
hört — das Besetzungsrecht für sich in Anspfueh^). Und 
«s ist charakteristisch; wie hier schon dieselben Bestandteile 
•der lokalen Bisturasherrschaft begegnen wie bei den weltlichen 



atque per epistolam apostolicae sedis praesulis accepta eos conse- 
crandi lieentia — ; ferner (3) soll er die Bischöfe nicht verhindern, nach 
Rom zu reisen; (4) nullam dationem, quam sacri canones non prae- 
•cipiant, ab eis aliquando exigat; (5) episcopos illam malam consuetu- 
-dinem, quae tricesimalis dicitur, nullo modo Eavennati exhibere aut 
exercere compellat ecclesiae. Vielleicht bezieht sich darauf auch das 
römische Konzil von 861 Muratori SS. II, 1 S. 204 (Mansi XV, 598). 

1) Diese Natur albelastungen waren bei dem Wirtschaftssystem 
des Mittelalters natürlich schwer. So soll Eb. Johann X. von Ravenna 
mit einem Gefolge von 500 Reitern die Visitation der Kirchenprovinz 
vorgenommen haben. Cappell. II, 83 ff. Vgl. namentlich das Schreiben 
Nikolaus' I. von 861 a. a. O. 89 f. (Kehr V, S, 4 Nr. 108): Der Klerus 
hatte dem Papst berichtet — eundem Joh. arehiepiseopum Ravennatem 
per binos annos semel episcopia vestra circuere (!) et tandiu per singula 
residere, quousque ipsa paupertas, quae ad utilitatem episcopii et 
sustentationem clericorum et pauperum et gubernationem familiarum 
•ac susceptionem peregrinorum atque restaurationem basilicarum vel 
«piscopii hinc inde separatur, cum suis hominibus illas consumat et non 
antea inde recedere, quam ab episcopo loci illius ad arehiepiseopum 
et familiäres eins, quae non debentur, dona non modica tribuantur. 
Insuper omni anno, quod in toto mundo minime invenitur, colonicio 
more, berbices et oblatas, vinum et pullos et ova arehiepiscopo et ad 
suum archipresbyterum similiter et ad archidiaconum et ad vice- 
dominum et ad arcarium et ad maiorem cubiculi et ad cartularium et 
ad scriniarium et ad defensores et ad cubicularium et ad maiorem 
domus tribus pro omnibus his supradictis omne annualiter sine inter- 
missione ad unumquemque supradictum redditum, sicut tribu- 
tarii facere. Über diese bischöfl. Beamten später. 

2) Savioli, Ann. Bol. I, 84. — Interessant J. 2984 (873). Vgl. 
a. J. 3223 (878); 3255 (879); 3347, 51, 61 (881). — Und zwar gut das 
Gesagte schon für die Anfänge dieser Prätensionen. Siehe vorige 
und nächste Note. Über die Verpflichtung zu geistlichen Hofdiensten 
Cappelletti a. a. 0. Aliud autem non minore querimonia asseruistis 
vos compelli ab eo episcopo vestra deserere et more populorum Ra- 
vennae per singulos menses alternis vel mutatis vicibus ministrare et 

infantuli parochiae vestrae illis diebus sine chrismate obire. cum 

contra omnes sanctorum patrum regulas et contra omnem ecclesiarum 
Dei morem in solo Ravennate metropoli a praesumptoribus sint 
temere usurpata — . Vgl. dazu auch das Fragment bei Deusdedit 
I, 259 (J. 2842; Wolf-Glanvell I, S. 1481). Über diese Schöpfung eines 
Kardinalkollegs auch Jung a. a. 0. S. 22 N. 3. 



— 143 — 

Mediatbistümern. Ja, sogar die direkten Säkularisationen nicht 
ausgenommen ^). Nikolaus verbietet das alles kategorisch. Keine 
anderen Leistungen dürfe der Erzbischof Ravennas von seinen 
-Suffraganen verlangen als die dem Metropoliten kanonisch ge- 
bührenden 2). 

Später 3) sind — mit wenigstens teilweisem Erfolg — auch 
andere Bischöfe Oberitaliens dem Beispiel Ravennas gefolgt, so 
vor allem die Metropoliten der mächtigen Kirchen von Mailand 
und Äglei*); aber auch noch andere ^)^). Dem Patriarchat Aglei 

1) Cappelletti a. a. 0.: Plebes quoque vestras et titulos ac 
-curtes atque monasteria episcopü vestri pertinentia ad gubernationem 
vestram alienare et sibi subiicere et delere. 

2) A. a. 0. 85: Archiepiscopo vero Eavennati miUam volumus 
habere super vos valitudinem vel facultatem, praeterquam sacri canones 
praecipiant. Vgl. S. 141 N. 4 P. 4 (auf S. 142). 

3) Anfangs konnte man die Bestrebungen Eavennas als etwas 
Unerhörtes, in ganz Oberitalien sonst Ungebräuchliches hinstellen. Vgl. 
iiuch das römische Konzil von 871 Muratori E. It. SS. II/I, 204. 

4) Die Anfänge dieser Temporalherrschaft sind allerdings zweifel- 
haft. Eine Fälschung ist sicher Karls angebliche Urkunde von 803, 
wodurch er den Patriarchen und der Kirche von Aglei die episcopatus 
sex, unum videlicet Concordiensem, alium Utinensem, tertium, qui 
<^pud Civitatem novam Histriae constitutus esse noscitur, quartum vero 
Euginensem, quintum Petenensem, sextum Tarsalicensem überträgt; 
siehe darüber schon Ficker, Eeichsfürstenst. I, 309. Hingegen muß 
wohl die Bestätigung DO. III, 215 (996) einen aktuellen Sinn gehabt 
liaben. Allerdings spricht DO. I, 413 (972) nur von Concordia: prout 
iuste et legaliter possumus, concedimus etc. eonfirmamus ... Aqui- 
legiensi ecclesie cunctas suas res et proprietates , . . una cum Con- 
cordiensi episcopatu atque monasterio, quod dicitur Sextum ac ceteris 
monasteriis, plebibus, castellis etc., ut tarn ipse (sc. patriarcha) quam 
sui successores habeant, teneant firmiterque possideant omnia predicta 
ad ipsius ecclesie utilitatem seu necessitatem etc. more suorum pre- 
cessorum; vgl. DO. III, 65 (990). Der Patriarch Eodoald von Aglei 
.sagt 966 (Cod. dipl. Istr. I z. d. J.): quemdam nostrum episcopatum 
Parentinum — nennt übrigens in derselben Urkunde seine eigene Kirche 
noster episcopatus. (De Eubeis, Mon. Aquil. S. 467 reiht die Ur- 
kunde zu 961 ein.) — Für die spätere Zeit vgl. die Urkunde Hein- 
richs III. von 1040 (St. 2152) für Aquileja (Cappelletti VIII, 172): 
(bestätigt alle Besitzungen) episcopatus, abbatias, plebes, monasteria, 
sinodochia, castella, tholonea (!) etc. Ebenso die nachfolgenden Kon- 
firmationen. Charakteristisch, daß man in diesem Falle als Hauptinhalt 
der Bistumsherrschaft anführt: iubemus, ut, sicut.. .Karolusimp.consti- 
tuit, in his prenominatis locis episcopos ordinandi ac regendi 
sive dandi nullus ius vel potestatem habere seu exercere .; . presu- 
mat preter eum, qui s. Aqu. aecclesiae gubernacula videbitur regere, 

5) Über Grado z. B. J. 3416 (886). S. a. das folgende. 



— 144 — 

sind im späteren Mittelalter sechzehn Bistümer temporell unter- 
geordnet 1). 

Die weltliche Vorherrschaft von Hochkirchen über andere 
Hochkirchen — oder wenigstens das Streben darnach — ge- 
winnt nämlich trotz der Opposition später, als sich die Stellung 
der Bischofskirchen im allgemeinen überhaupt wieder hebt, 
mancherorts sogar dauernden Charakter. Von jener Zeit an er- 
seheinen auch Hochstifter neben anderen Kirchen und Klöstern 
als Teile des Bischofsgutes in der PertinenzformeP). Und zwar 
scheinen auch die in andere Bistümer einbezogenen Hochkirchen 
als temporelle Bestandteile der ersteren aufgefaßt^), an sie wie 
Güter übertragen worden zu sein. 

So schenkt z. B. König Hugo im Jahre 929 dem Bistum 



6) Wohl damit hängt es auch zusammen, daß sich in Italien in die 
Formeln der Eingriffsverbote häufig' auch die Metropoliten aufgenommen 
finden; ich meine Fälle wie DO. III, 199 (996) f. Verona oder DO. III, 
215 desselben Jahres für Agiei (siehe vorige und nächste Note): ut 
uullus archiepiscopus, episcopus, dux usw. der Kirche und den 
Patriarchen von AgIei irgendeine Gewalt antue an ihrem Besitz. 

1) De Rubels, Mon. Aquil. Append. S. 10. Einzelne Bistümer 
— wie Belluno — hat das Patriarchat erst im 12. Jahrhundert und 
später erworben. Daher davon andernorts. 

2) Vgl. die obige (S. 143 N. 4) Bestätigung für Aglei, wo es zuerst 
heißt confirmamus atque largimur . . . s. Aquil. aecclesiae atque Jo- 
hann! pred. V. patriarchae suisque successoribus suprascriptos episco- 
patus sex . . . Preterea confirmamus atque . . . aecclesiae largimur tres 

abbatias ... sc. s. Mariae de Organo, . . . Sextam de Ualle et 

omnia precepta antecessorum nostrorum . . . una cum curtibus et 
casteUis, villis ... et cum omni iure aecclesiastice amministrationis et 
conservationis. Auch Papsturkunden — selbst für außeritalische Me- 
tropolitankirchen — zählten unter den Besitzungen der Bistümer immer 
häufiger auch andere Bistümer auf, namentlich für Erzstifte — wobei 
freilich vielfach nur das Suffraganverhältnis gemeint ist. Die Grenzen 
verschwinden aber da immer mehr. Siehe z. B. Marlot, Metr. Eem. 
II, 56 (J. 3908; Silvester II, 999): tibi . . . concedimus archiepiscopatum 
Rem. in integrum, cum omnibus episcopatibus sibi subiectis seu cum 
Omnibus monasteriis, plebibus, titulis et capellis atque cortibus, casteUis, 
villis, saltibus et cum omnibus rebus ad ecclesiam Rem. pertinentibus — . 

3) Vgl. z. B. die Besitzbestätigung Pandolfs I. und Landolfs IV. 
für Benevent üghelli VIII, 66 (978; Voigt Nr. 172): unter den 
übrigen Gütern — integrum episcopatum S. Sipontinae sedis cum 
omnibus eius pertinentiis, sicut hactenus . . . confirmata sunt a. d. 
Romualdo duce etc. Vgl. a. die weiteren Teile der ürk. a. a. 0. 67. 
Ferner das päpstliche Privileg J. 8822 (983) und dessen spätere Be- 
stätigungen J. 3884 (998) und 4299 (1053). — S. a. folg. N. 



— 145 — 

Triest das Bistum Sipatrio-Umago mit allem Zubehör. Die 
Triester Bisehöfe sollen über den geschenkten Episkopat und 
alle seine Güter die volle Verfügungsgewalt haben. Das Bistum 
wird in der Urkunde wie jede andere Besitzung behandelt^). 

Wenigstens bis zum Anfang des zehnten Jahrhunderts hält 
man aber noch streng an dem Gedanken fest, daß ein Bistum 
nicht einem anderen weltlich untergeordnet sein dürfe, und 
drückt ihn mit aller Deutlichkeit aus. Auch anderwärts. 

Das untergegangene Bistum von Vieh z. B., dessen Gebiet 
von Narbonne aus pastoriert wurde, verblieb nach seiner Wieder- 
herstellung 2) von letzterem Erzbistum auch t empor eil abhängig. 
Als Zeichen dieses TJnterordnungsverhältnisses verlangte nun der 
Metropolit von der Hochkirche eine Abgabe^) — wie er eine 
solche ja auch von allen übrigen von seiner Kirche abhängigen 
Gotteshäusern einzuheben pflegte. Diese Forderung wurde aber 
auf der Synode von Barcelona im Jahre 906 ausdrücklich zurück- 
gewiesen, mit der Begründung, daß kein Bistum einer anderen 
Gewalt — ausgenommen dem Reiche, ist selbstredend zu er- 
gänzen — Zinsen dürfe*). 

1) Hormayer, Archiv für Süddeutschland II, S. 219: (B. 1385) 
(der König ward gebeten) Quatinus episcopatus Separiensis sive Hu- 
mago , . . cum omni sua pertinencia . . . sanctae tergestinae ecclesiae . . . 
nostra praeceptaria auctoritate sub omni integritate concedere atque 
largiri dignaremus . . . assensum prebentes predictum Sipariensem 
episcopatum . . . cum omni sua integritate, prout iuste et legaliter 
possumus, nostra preceptaria auctoritate eidem sanctae tergestine eccle- 
siae et episcopo Eadaldo suisque successoribus omnino coneedimus, 
donamus atque largimur. Nee non et . . . insulam . . . predicto epi- 
scopo suisque successoribus delegamus, quatinus potestatem habeant 
tarn predictus episcopus quam et successores sui de eodem episcopatu, 
qualiter illis melius secundum deum visum fuerat, faciendum et ordi- 
nandum . . . coneedimus . . . eundem Sipariensem episcopatum . . . cum 
casis, terris etc. et cum omnibus ad eundem episcopatum atque ad 
eandem insulam iuste et legaliter respicientibus ad babendum, tenen- 
dum et rationabiliter commutandum ac perenniter possidendum etc. 
Kandier, Cod. dipl. Istr. zu 929, vermutet, daß das geschenkte Bistum 
(einst eine Pfarrkirche von Triest) nur ein Chorepiskopat gewiesen sei. 
Es liegt kein Grund vor, aus der bloJßen Tatsache der temporellen 
Unterordnung unter ein anderes Bistum, darauf zu schließen. 

2) Oben S. 22 f. 

3) Mansi XVIII, 254 f.: per singulos annos libram argenteam. 

4) Sp. 255: das Konzil befindet, es zieme sich nicht episcopum 
fiscalem esse. Vgl. auch den Beschluß der Synode in dem Tiberius- 
kloster (Diöz. Agde) von 907 a. a. 0.: non debere episcopum tribu- 
tarium esse. S. a. Marca Hisp. 377 f. 

F 8 c h 1, Bischofsgnt und mensa episcopalis, III. 10 



— 146 — 

Man hätte aber diese Leistung einem geistlichen Oberherrn 
sicherlich nicht verweigert, wenn sie einem weltlichen gestattet 
gewesen wäre. 

Der Widerstand war aber auch hier vergeblich. Der Brauch, 
von untergebenen Bischofskirchen wie von anderen geistlichen 
Instituten Servitien einzuheben, ging selbst bei Hochstiftern laikaler 
Kirchherren ^) als fester Bestandteil der Bistumsherrschaft in die 
Rechtsordnung über 2). Die mittelbare Inanspruchnahme der 
Bischofskirchen wurde seitens der Lokalgewalten ebenso umfassend 
geübt wie die unmittelbare. 

Namentlich erhob der Herr schon bei Vergabung der 
Prälatur eine hohe Abgabe — ein Brauch, der, schon von den 
Karolingerherrschern geübt ^) *), aber kirchlicherseits und selbst staat- 



1) Daß man fürs erste auch dagegen Stellung nahm, verstellt 
sich nach obigem von selbst; vgl. z. B. das Verbot der großen Ea- 
vennater Synode von 877 an die duces usw., solche Abgahen den 
Bistümern aufzuerlegen; dazu Hartmann III/2, 37 f. 

2) Auch das Temporalverhältnis der Bistümer des Kirchenstaates 
zum Papst wird nach und nach in diesem Sinne ausgebaut. Neben 
dem Besetzungsrecht (über Sabino z. B. Cappelletti I, 602) nimmt 
im 11. Jahrh. Rom auch Abgaben in Anspruch (über die Zinspflicht 
Ceris z. B. a. a. 0. 549). Besetzung der Kom inkardinierten Bistümer 
schon früher durch den Papst (über Porto im 9. Jahrh z. B. Cappell. 
I, 502). S. a. oben S. 138 N. 3 und nächste S. N. 3. 

3) Ja, schon unter den Merowing-ern. Vgl. z. B. Greg*. Tur. Vit. 
patr. VI, 3 (S. 682): Tarn tunc germen illud iuiquum coeperat fructifi- 
care, ut sacerdotium aut vinderetur a regibus aut compararetur a 
clericis. Der h. Gallus — referre erat solitus non amplius donasse 
pro episcopatu quam unam treantem coco, qui servivit ad prandium. 
S. a, Löning II, S. 186 f., wo auch — eine weitere Parallele zu imserer 
Zeit — über die Einsetzung von Laien auf Bischofssitze (170 f.), Er- 
nennung von Nachfolgern durch die Bischöfe selbst (195 f.), Erblichkeit 
der Bistümer (223 f.) usw. 

4) Daß er schon von den Karolingerherrschern geübt wurde, 
ergibt sich daraus, daß es von Ludwig d. Deutschen ausdrücklich 
rühmend hervorgehoben wird, daß er weder geistliche noch weltliche 
Ämter und Würden verkaufte. (Regino zu 876 SS. I, 588 : quem nemo 
muneribus corrumpere potuit, apud quem nuUus per pecuniam eccle- 
siasticam sive mundanam dignitatem obtinuit — , sondern bei ihm 
galten die moralischen Eigenschaften der Personen. Vgl. Haue k, Die 
Entst. der bisch. Fürstenmacht, Leipzig 1891.) Doch vielleicht sollte 
nur ausgedrückt werden, daß bei Ludwig das Geld nicht den Aus- 
schlag gab. Auch ist wohl zwischen den regelmäßigen, durch Ge- 
wohnheit sicherlich stabilisierten Abgaben und Korruptionsangeboten 
zu unterscheiden. Vgl. a. Hartmann III/2, S. 186 m. N. 6 (S. 205), wo 
auch der Fall Notkers von Verona, der in seinem Testament aussagt, 



— 147 — 

3icherseits nie als korrekt empfunden wurde ^), der aber gegen 
Ende des neunten Jahrhunderts in den Händen der Lokalherren 
wie alle anderen Teile der Bistumsherrsehaft auszuarten begann und 
den Bischofseinsetzungen nach und nach den Charakter eines 
Verkaufs der Stellen verlieh ^) ^) ^). Nach dem allgemeinen Abfall 
<ier italienischen Großen von K. Hugo (i. J. 945) mußten sich z. B. 
die Bischöfe, die ihr Amt behalten wollten, dieses von Berengar 
nochmals erkaufen^). 

Ja, schließlich wurden, als die Bistumsherrschaft immer 
mehr zu erblichem Familienbesitz geworden war, die ganzen 
Hochkirchen veräußert, gegen Entgelt vergabt — wobei es dem 
Erwerber überlassen blieb, selbst Bisehof zu werden oder einen 
anderen einzusetzen, und zwar entwickelte sich diese stark 
privatreehtliche Ausgestaltung des Bistumsverhältnisses zuerst in 
denjenigen Landesteilen, wo das romanische Element vorherrschte. 

So schließen schon um 987 der Vicomte Bernhard von 
Albi und dessen Bruder Frotar, Bischof von Nimes, einerseits 
mit Bernhard Aimardus und dessen Sohn Wilhelm andererseits 
folgenden Vertrag bezüglich des Bistums von Albi mit allem 
Zubehör^). Die beiden erstgenannten übergaben das Hochstift 
nach dem Tode des gegenwärtigen Bisehofs Amelius an Wilhelm, 



er habe das Bistum von Berengar nuUo praecedente servitio, sed sola 
gratuita pietate erhalten. Vgl. Hartm. III/2, 189 über die hohe Taxe, 
die Eb. Lambert von Mailand bezahlen mußte. S. a. Odorici, Stör. 
Bresc. III, 262 (betr. Mail. 921). Vgl. a. oben S. 119 N. 4. 

1) Vorige Note. Kirchlicherseits tritt z. B. Joh. VIII. gegen 
Simonie auf (J. 3213 [878]). Vgl. a. Ps. c. 19 Anacl. 2 S. 76: cathedras 
vendentium. — Gegen simonistische Ordinationen (das Wort hatte da- 
mals einen anderen Sinn) Ben. V, 68 (S. 49). 

2) Wohl schon Nominoe hob solche Abgaben ein; vgl. die Stelle 
oben T. I, S. 172 in N. 4. Über Cahors •/.. B. oben S. 136 N. 5. Über Lüttich 
S. 133 m. N. 2. 

3) Ja, selbst von damaligen Päpsten wird derartiges berichtet. 
Über Todi (Joh. XII.) z. B. Cappell. I, 98 f. 

4) Im Beisein Ottos II. faßt ein römisches Konzil 981 Beschlüsse 
gegen die Simonie. J. 3804 läßt dieselben allen Großen (Septimaniens?) 
durch den Bischof Miro von Girona mitteilen. 

5) Hartmann III/2, S. 235. 

6) G. C. I b 4 Nr. 7: ... de plaeito et convenientia, quae fecit 
Bernardus vicecomes et Froterius episcopus (Nemaus.) ad ßernardum 
Aimardum et Guillelmum filium ejus de episcopatu de Albi ... in 
honore S. Ceciliae vel de quanto ad ipsum episcopatum pertinet vel 
pertinere videtur. 



— 148 — 

damit dieser sich entweder selbst dort als Bischof niederlasse 
oder einen anderen ins Amt einführe. Zeitlebens solle er auf 
die eine oder andere Weise im Bistum Herr sein^). Frotar und 
Beruhard behalten sich jedoch Pfandrecht (und Komplant?) am 
bischöflichen Tafelgute (Erklärung dessen inT. V) vor, ausgenommen 
einige (hauptsächlich dem Bischof infolge seiner Amtsfunktionen- 
zustehende) Leistungen sowie selbstredend die Stiftslehen 2). 
Wohl aber wird ein Teil der Lehensgefälle — die auch später- 
natürlich zum Tafelgut gezogen waren — in den Pfandnexus^ 
einbezogen und jede Deterioration der Lehen ausgeschlossen 3). 
Die Verpfändung wird geleistet für eine Schuld von 5000 Solidi 
(Kaufpreis des Bistums). Nach Zahlung der Hälfte erlangt- 
Wilhelm das halbe Pfand zurück. Nach Zahlung der weiteren 
Hälfte das ganze ^). Nach der W^ihe ist von Wilhelm — 
innerhalb zweier Monate — an den höheren Herrn — den 
Grafen Pontius von Arles — eine fast ebenso, hohe Abgabe zu 
leisten 5). Stirbt Wilhelm vor der Konsekration, so soll sein 
Bruder Petrus in die gleiche Position einrücken, der Vertrag ais- 
für ihn geschlossen gelten^) ^). 



1) Donamus ergo Froterius et Bernardus ad Guillermum filium' 
Berüardi ipsum episcopatum . . . post mortem Amelii episcopi: ut si 
intus se feeerit aut alium episeopum fecerit benedicere, in vita sua 
habeat Guillermus ipsum episcopatum . . . post mortem Amelii. 

2) In tali vero ratione, ut teneat Froterius episcopus et Ber- 
nardus Frater eius in pignore et medietate de ipsa dominicatura, de 
ipso episcopatu, excepto sacrationes et missas et poenitentias et 
receptos et excepto gallinas et paleas et ligna et exepto candelas 
de servitio et illas feos, qui sunt vel . . . debent recipere, qui habuerint 
de manu Guillermi. 

3) Et de ipsos donos, quos donaverint, habeant F. et B. . . . me- 
dietatem, excepto viginti sol. et vig. sol. ... et ipsum donum non 
debent minuare ad damnum vel ad ingannum de ipso Froterio et 
Bernardo. 

4) Istas pignoras suprascriptas teneat F. et B., per 5000 soli- 
dorum vel solidatas apretiatas justis apreciatoribus. Et nisi (!) dona- 
verit Guillermus ad F. vel ad B. 2500 solidos vel solidatas, debet 
recipere medietatem de pignore. Et nisi (!) dederit alia 2500 solidos vel 
solidatas, habeat totam suam pignoram de manu Froterii et Bernardi.. 

5) Et infra duos menses, ex quo benedictus erit ad episeopum, 
Guillermus debet donare ad Pontium comitem duo millia solidatas . . ., 
et ad alios duos menses 1000 sol. ... et ad alios duos menses 2 sol. . . ► 

6) Et si G. mortuus fuerit, antequam sit benedictus ad episeopum,. 
habeat Petrus frater suus de manu- Froterii et B. pro ipso dono et 
j)er ipsam convenientiam. 



— 149 — 

Wir sehen hier auch sehr deutlieh die beiden Formen der 
Bistumsherrschaft nach deren Ausbildung in voller Schärfe neben- 
'leinandergestellt, kehren aber jetzt zunächst zu den weiteren 
Elementen der ersteren zurück. 

Leichter als Abgaben bürgerten sich Dienste ein, nament- 
lich die Heeresfolge der streitbaren Stiftsmannschaft für den 
Bistumsherrn ^). 

Neben diesen Ser Vitien der Kirchen sind dann vor allem 
-die persönlichen Dienstleistungen der Bischöfe an die neuen 
Temporalherrn zu nennen. Auch diese entsprechen im großen 
und ganzen denen an die Karolingerherrscher. 

So waren die Bisehöfe den neuen Herrn hof fahrtpflichtig 2), 
«ie bekleideten Hofämter, wurden namentlich zu den geistlichen 
Funktionen bei Hof herangezogen, fungierten auch bei Augen- 
bliekssituationen als Bevollmächtigte u. dgl.^). Sie erschienen 
:schließlieh überhaupt bei allen wichtigen Akten in der Umgebung 
«des neuen Herrn unter dessen Landesgroßen (primores), nament- 
lich als sich ihre Stellung wieder hob*)^). 

Bei geistlichen Oberherren wirken die Bischöfe temporell 
untergebener Bistümer insbesondere — wie andere untergebene 



7) Zahlreiche weitere Beispiele, namentlich für das 11. Jahrh. in 
T. IV. Noch willkürlicher verfuhr man schon im 9. Jahrb.. mit Abteien 
(Abtsstellen). Z. B, Gest. Abb. S. Bert. c. 69 SS. XIII, 620: (864) erhält 
Hunfrid, der Bischof von Therouanne, das Kloster — cleri et populi 
'optione abbatiam regendam snscepit (Bled Nr. 104) — c. 69 S. 621a: 
(866) Karolus rex Hunfrido abbatiam cum dedecore auferens, Hilduino 
canonico, nuper de Hlotharii senioratu ad se converso, dedit propter 
libras 30 auri — . Vgl. schon die vorherigen Kapitel; z. B. 64 ff . S. 619. 

1) Wohl auch die Aufnahms-, Herbergs- und Verpflegungspflicht 
(mansio). Findet sich diese von den Karolingerherrschern und auch 
«päter wieder von den Herrschern geübt, so nehmen sie wohl auch in 
der dazwischen liegenden oder gleichzeitigen Entwicklung die Herrn 
<der Mediatbistümer in Anspruch. Ein Beispiel für die Ottonen gibt 
u. a. DO. II 183 (979) f. Worms. S. a. T. IV. 

2) G. C. II, 799: plerique episcoporum ad curium ducis (Wilh. III. 
von Aquitanien) adveniunt — . 

3) Bischof Dominicus von Venedig (seit 992) ist des Dogen 
Kanzler. Ugh. V, 1209. Bischof Hartbert von Chur (f 949) war Kaplan 
4es Herzogs Hermann von Schwaben. Mayer, Chur S. 78, 130. Usw. 

4) Siehe weiter unten in diesem §. 

5) Viele derartigen Dienste und Leistungen bestanden sogar 
noch fort, als in verschiedenen Gegenden die lokale Bistumsherrschaft 
beseitigt war; über Baiern z.B. Hauek^ Fürstenmacbt S. 41 f. Sieh& 
«nten T. IV. 



— 150 — 

Prälaten — bei Verfügungen über das Kirchengut des Oberstift^ 
oder auch ihrer eigenen Kirche mit. Dies ist wenigstens später 
der Fall, wahrscheinlich aber auch schon bald nach Begründung 
der Herrschaft. Im Jahre 1056 gibt (concedit) der Erzbischof 
von Eavenna mit Zustimmung (assensus) der Bischöfe von 
Imola und Sarsina Güter einem Grafenpaare zu Lehen ?^). 

Aber auch noch die restliehen Bestandteile der früheren 
ßeichskirehenherrschaft finden sich wieder, namentlich sogar 
jene, die in Pflichten des Herrn, soweit es solche gab, be- 
standen, die sein Eintreten zugunsten der Kirchen selbst betrafen. 

Von nun an waren es die Lokalherrn, die an ihre Bistümer 
u. a. Privilegien ähnlichen Inhalts verliehen oder bestätigten, 
wie sie früher seitens der Krone zugestanden worden waren. 
In ihrem Namen wird namentlich die Immunität begründet, sie 
sind Schirmherrn der Kirche usw. Freilich benutzten sie oft 
nur die Maske des Schutzes, um den eigenen Einfluß durch die 
Abwehr anderer zu erhöhen oder um die Kirche besser bedrücken 
zu können, die Immunität zu verletzen usw^). 

Natürlich tritt der Bistumsherr auch als Intervenient bei 
Verfügungen, namentlich Privilegierungen der untergebenen Bis- 
tümer usw. auf^). Er wird in allen Angelegenheiten seiner 
Kirche befragt, bzw. um seine Mitwirkung ersucht*). 



1) Manzoni 64. 

2) XTber die „Beschützung" Eoms durch die spoletinischen und. 
taszischen Markgrafen, die zu harten Bedrückungen der römischen 
Kirche, Inanspruchnahme ihrer Leute usw. mißbraucht wurde, vgl. 
Ottenth. 2b5 auch J. 3318 (880). Über den „Schutz" durch Lambert 
und Guido von Spoleto insbesondere vgl. a. SS. Lang. 249 J. v. 3041 
(876). S, a. Dümmler III, 20f. Mayer II, 76. Zum ganzen s. auch 
J. 3029 f. (876) ; Bedrückungen Roms und des römischen Klerus durch 
die lokalen Machthaber. Ferner J. 3112, 3120 ff. (mit Zwischen- 
bemerkungen). Vgl. a. J. 3136; 3137 ff.; 3141 (878); 3177 (878); 3206 
(878); 3244 (879) usw. Vgl. Hartmann III/2, S. 31, 50 ff. Vgl. schon 
die Stelle des Liber pontificalis zu 867 (XX, 622; ed. Duchesue 
II, 177): Igitur Lambertus Witonis filius, dux Spoletanus, tempore 
consecrationis huius ven. pontificis (Hadr. II.) Romanam urbem pre 
consuetudine sicut tirannus intravit etc. 

3) Als die Stadt Tarragona von den Sarazenen erobert und 
ihres Metropoliten beraubt, das Erzstift selbst vernichtet wurde, erhebt 
„auf Bitten des Grafen von Barcelona" der P. die Kirche von Ausona 
zur Metropolitankirche, der Sprengel von Tarragona wird mit dem 
von Ausona vereint. J. 3746; vgl. 3747 bis 3749 (971). — Über Bitten 
der Grafen Isaak und Sigarius von Cambray macht Karl III. dem 
Bischof Stephan von Arras eine Zuwendung; G. C. III, 15 (920; B. 1967). 



— 151 — 

Auch müssen ihm schon damals gewisse Ehrenrechte in 
seinen Bistümern — teilweise etwa nach Analogie der späteren 
Patronatsgerechtsame — zugestanden haben, die, wie die feier- 
liche Aufnahme durch den Klerus bei Besuch des Herrn, gleich- 
falls schon den Karolingerkönigen gegenüber geübt, sich freilich 
als Höflichkeitspflicht oft mehr von selbst verstanden als recht- 
lichen Charakter hatten, ü. dgl. 

Dies das typische Bild^), das in vielen Fällen wiederkehrt 
und dann auch in die folgende Zeit hinüber übernommen wird — 
soweit das Mediatbistum selbst sich erhält. 

Trotz des langsamen und allmählichen Anwachsens der 
Bistumsherrsehaft der Großen läßt sich sagen, daß im allgemeinen 
immerhin schon seit dem Ende des neunten Jahrhunderts sogut 
wie alle tatsächliche Macht über die Bistümer in den Händen 
der Lokalherrn ist, die dabei sogar immer gewaltsamer vorgehen. 
Wie man nämlich zwar nicht überall die angegebenen Grenzen 
erreichte, so schritt man vielfach weit darüber hinaus. Sahen 
wir doch schon die angegebenen Befugnisse immer gewalttätiger 
geübt. Nur mit größter Anstrengung konnte in Deutschland 
noch Kaiser Arnolf wenigstens die ärgsten Ausschreitungen ver- 
hüten. Nach ihm herrschte auch hier — anderwärts war seine 
Macht ja überhaupt nur eine leere Form — die rohe Ge- 
walt 2)3). 

Gerade der Umstand eben, daß man über das geordnete 
Maß der Dinge sehr bald hinausschritt*) — selbstredend von 
selten der Rechte her, die ja den Hauptinhalt der neuen Gewalt 
ausmachten — führte dazu, daß die Kirehherrschaft so oft in 
Willkürherrsehaft und Tyrannei ausartete und Formen — wie 
schon bei der Begründung so auch bei der Ausübung — annahm, 
die rechtlich überhaupt nicht mehr faßbar sind, wobei die Bis- 



4) Z. B. J. 3074 (876): Job. VIII. trägt dem Fürsten von Salerno 
auf, den Bischof von Sorrent zu ihm (P.) zu senden. 

1) Ausgesprochen rechtliche Gestalt gewann das Verhältnis erst 
in der Folgezeit. Daher wird die Frage nach der ßechtsnatur des 
Mediatbistums erst später erörtert. S. unten T. IV 2. Absch. 

2) Giesebrecht, Kaiserzeit P, 168. 

3) Erst mit der Klärung der Verhältnisse tritt dann wieder ein 
Umschwung zum Bessern ein. 

4) Übrigens wurde auch die königliche Kirch enherrschaft, so- 
lange sie noch bestand, schon im 9. Jahrh. immer willkürlicher und 
drückender geüht, S. a. unten S. 158 N. 3. 



— 152 — 

tumsherrschaft nicht selten in offene Feindschaft übergeht. Eben 
deshalb handelt es sich aber bei solchen Ereignissen gar nicht 
immer um die Begründung einer Temporalgewalt ^), ist es bei 
solchen Feindseligkeiten nicht gerade durchweg auf die Bis- 
tumsherrsehaft (in toto) abgesehen. Derartige Übergriffe gegen 
die Kirche hatte man ja auch nicht bloß den eigentlichen Lokal- 
gewalten vorzuwerfen^). Auch die bloßen Vasallen der Bistums- 
herrn, ja der Bischöfe selbst, verweltlichte Prälaten u. a. ließen 
sich in jener rauhen Zeit solche Eigenmächtigkeiten zuschulden 
kommen, die vielfach in einen anderen Zusammenhang ge- 
hören. 

So z. B., wenn ein Machthaber von seinem Sitz aus das benach- 
barte Kirchenland in Abhängigkeit hielt, um die hintersässige 
Bevölkerung auszusaugen, oder gar auf diesem selbst Zwing- 
burgen errichtete und den Kirchenholden das Leben unerträglich 
machte usw. Namentlich bei solchen Anlässen sind die An- 
sprüche geteilt. Außer denjenigen, die man schon als eigent- 
liche Bistumsherrn ansehen konnte, mischten sieh noch viele 
andere von den benachbarten Großen ein. Lagen doch die Be- 
sitzungen der Bistümer über das ganze Land zerstreut 2). 

So waren z. B. schon Ende des neunten Jahrhunderts die 
Trierer Leute solchen Bedrückungen ausgesetzt^). Etwas später 
wurde vom Grafen Herlebald von Castros das dort gelegene 
Reimser Kirchenland, bzw. dessen Grundholden durch eine 
Zwingburg schwer geschädigt*). Um 920 errichteten die Grafen 
von Uzes ein solches Schloß zur Bedrückung der Kirche von 



1) Zahlreiche Übergriffe den Reichskirchen, namentltch deren 
Gut (daher vgl. noch § 14 f.) gegenüber ließen sich auch die Fiskal- 
beamten zuschulden kommen. 

2) Deshalb hatte namentlich auch die römische Kirche unter 
allseitigen Angriffen zu leiden; z. B. J. 3324 (880), 3367 (873—882) und 
häufig. Vgl. a. oben und namentlich iinter § 13 f. 

3) Beyer I, Nr. 148 (899): (Befreiung). 

4) Fl od. IV, 16 SS. XIII, 577: (B. Heriveus, c. 920) Excommuni- 
caverat hie presul Erlebaldum comitem Castricensis pagi propter Ee- 
mensis episcopii terram, quam pervaserat ibique munitionem quandam 
super Mosam construxerat indeque frequentia ecelesiastieae familiae 
mala ingerebat. Insuper et castrum Altmontem furtim irruperat. Sed 
cum nee ita cessaret a malis, quae coeperat, pergit archiepiscopus 
cum suis ad capiendam munitionem — . Vgl. a. c, 33 S. 584: Heriveus, 
nepos Herivei archiepiscopi, habens munitionem . . . villas Remensis 
episcopii circumquaque sita depredabatur — . 



— 153 — 

Avignon^). Ähnliches findet sich in TulP), in Ltittich^) und in 
anderen Bistümem*). Selbstredend waren auch hier die Klöster 
noch ungünstiger gestellt^). Aber sogar die mächtigsten Stifter 
hatten über fortwährende Plackereien zu klagen^). 

Besonders gefährlich waren auch da wieder die Zeiten der 
Sedisvakanz. Bei einer solchen Gelegenheit fielen oft alle mög- 
lichen über die wehrlos daliegende Kirche her^)^)^). 



1) G. C. I, 806. Unsicher, aber zeitgemäß. Stimmt da die An- 
gabe 921, so ist darnach oben S. 27 dieses Jahr (statt 919) einzusetzen. 

2) Wahrscheinlich liegt — nach allem, was wir von der allge- 
meinen Zeitlage und von den Trierer Kirchen im besonderen wissen — 
der Fälschung M. 1901 ein historischer Kern zugrunde; G. C. XIII b 
451 f. Nr. 6 (angebliches Diplom Arnolfs von 894): B. Arnaldus (beim 
König) lacrimabiliter conquestus est, quod comes Stephanus et Gerardus 
frater suus et Matfridus super possessiones TuUensis ecclesiae nimiam 
malitiam exercuerant et fere totam terram rapinis et incendiis ad 
exterminiam deduxerant . . . munitiones castelli infra 4 leugas ab urbe 
. . . aedificaverant, per quod ex toto perierat libertas antiqua civi- 
tatis etc. , 

3) Über die Bedrückung der Kirche durch den Grafen von 
Hennegau Krüger, Bruno I. S. 26ff. Über die Verbannung des 
Grafen von Berg durch Erzbischofherzog Bruno von Köln wegen 
zahlreicher Belästigungen und Räubereien der Kirche gegenüber 
G. C. in, 647. 

4) In Chartres z. B. beklagte sich Bischof Fulbeit über die Un- 
sicherheit seines Bistums Duchesne IV, 172. Dazu v. Ranke, Französ. 
Gesch. I, S. 31 f. — Über die Bedrückungen von Ravennater Hinter- 
sassen — um auch einen Fall für Italien anzuführen — durch den 
Grafen von Ferrara Savioli, Appendice I, 50 ff. (970) usw. In letz- 
terem Lande sind namentlich Bedrückungen durch die hospitalitas 
neben anderen Gewalttaten an der Tagesordnung; s. z. B. Kehr V, 
S. 190 Adria Nr. 3 (944). 

5) Chron. S. Mich. c. 7 SS. IV, 81: Herzog Friedrich unterwirft 
sich das Kloster (s. unten S. 163 N. 3) und errichtet auf dessen Grund 
eine Burg — dicens castrum illud totius abbatiae tutameu fore — . 
F. war aber nicht Laienabt, da sich andere Äbte unter ihm finden. — 
Wie schädlich eine solche Herrschaft für die geistlichen Institute war, 
kann man aus diesem Beispiel ersehen (a. a. 0. ff.). 

6) J. 3674 Joh. XII. 955 bedauert die Plackereien, die die Mainzer 
Kirche von boshaften Menschen auszuhalten habe. Vgl. dazu auch 
noch den Brief des Eb. Wilhelm von Mainz an den Papst Agapit II. 
V. J. 955 Jaffe, Mon. Mog. 3i7f. 

7) Vgl. hier nur etwa Mansi XVIII, 203 (J. 3520; 899): Joh. IX. 
ermahnt den König, er möge den Bischof Argrinus von Langres der 
Kirche zurückgeben. Es sei ihm zu Ohren gekommen, daß die ver- 
waiste Kirche arg zu leiden hätte — qua de re ipsa ecclesia pastorall 



154 



Welchen Gewalttätigkeiten sogar die Bischöfe selbst aus- 
gesetzt waren, ist teilweise schon bekannt. Nicht bloß ihre kleri- 
kalen Privilegien missachtete man ^), vielmehr vergriff man sich 
auch an ihrer Person 2) 3)*). Schließlich erkannte man den. 



destituta sit solatio variisque incessanter perturbationibus et incom- 
moditatibiis agitetur, adeo ut pene iaui ad nihilum deducta videatur. 
Ähnliche Zustände herrschten anderwärts. Beispiele noch im folgenden. 

8) Klöster hatten unter solchen Angriffen natürlich nur noch 
mehr zu leiden. 

9) Eben deshalb die heftige Bekämpfung langer Vakanzen seitens- 
der Kirche sowie alles dessen, was zur Herbeiführung und Verlängerung 
der Stuhlerledigungen beitragen konnte. Daher schon im 9. Jahrh. 
die Angriffe gegen den Chorepiskopat, insbesondere seitens der ps. 
Stücke. S. oben S. 129 und namentlich auch § 14 ff. 

1) Vaissete, Histoire de Languedoc 2 b, Sp. 37 (899; B. 1908); 
(Karl d. Einf, für die Kirchen der Provinz Narbonne, der Eb. Arnustus 
hatte sich beschwert) quod in sua parrochia seu in cunctis episcopiis, 
qui in suffragio ipsius positi sunt, gravissima quaedam contra iura 
canonum atque instituta legum increverit consuetudo, adeo, ut comites 
atque iudices seu ministri illorum sacerdotes domini sive reliquos 
ecclesiae ministros ad placitum ducere et fideiussores tollere atque 
eos more laicorum distringere praesumant. 

2) Schon das römische Konzil von 862 (Mansi XV, 658) bedroht 
mit dem Anathem jeden, der episcopum percutere, verberare aut 
caedere praesumpserit. — Gegen die äußeren Eeichsfeinde kann das 
nicht wohl gehen. Vgl. a. J. 2709 (862 ; falsch ?) Besonders gewalttätige 
verfuhren die Baiernherzoge gegen ihre Bischöfe. Herzog Heinrich 
(unter Otto I.) ließ den Eb. Herold von Salzburg gefangen nehmen 
und blenden. Jaffe, Bibl. Hl, 358: Episcopis suura subtrahitur Privi- 
legium . . , Qui (Eb.) captus a . . . Henrico duee Baioariorum sine aliquo 
accusatore canonico exociilatus et in exilium religatus est. S. 348 
schon: die Kirche a proprio tutore huc usque privatur — . Waitz 
VIT, 204. Vgl. Thietmar II, 25 SS. 756. Siehe a. Lüttich 113. [Die 
Päpste müssen auch da in der Not die Absetzung anerkennen. Vgl. 
Brackmann, Germ, pontificia I, 14 Nr. 31 (962; J. 3689): Job. XII. 
gewährt dem blinden Herold lediglich den Gebrauch des Palliums an 
vier Festtagen. S. besonders auch a, a. 0. S. 15 Nr. 33 (967; J. 3717)]. 
Den Patriarchen von Aglei ließ Heinrich kastrieren. — Ähnliche Ge- 
walttätigkeiten begegnen damals aber auch anderwärts. 895 verhängt 
P. Formosus gegen drei Große das Anathem, weil sie den Bischof 
Teutbold von Langres geblendet, den Eb. von Sens Wallarius aber in 
Ketten gelegt hätten. Über die Blendung des Bischofs Benno von 
Metz 928 Ottenth. 22 b; des Bischofs Benno von TuU 929 Krüger 
S. 39. — Bischof Dominicus von Torcello wird 959 (angeblich wegen 
Simonie) vom venezianischen Dogen abgesetzt und geblendet und ein 
neuer Bischof „canonice" eingesetzt. Ugh. V, 1366. — Über die Er- 
mordung des Patriarchen Leo von Aquileja durch den vornehmen 
Langobarden Romuald vgl. v. Teuffenbach, Aquil. S. 6. Viele 



— 155 - 

Kirchen keinerlei Selbständigkeit mehr zu und mischte sich 
in die innersten geistlichen Angelegenheiten^). Man übte die 
Herrschaft in des Wortes vollster Bedeutung 2). 

Es ist daher um so begreiflicher, daß die kirchlichen 
Kreise von Anfang an, und auch später noch, nicht nur gegen 
die Bistumsherrschaft der Lokalgewalten, sondern sogar gegen 
diese selbst geschlossen Front machen. So schreiten denn auch, 
wie wir gesehen haben, seit der ersten Hälfte des neunten Jahr- 
hunderts namentlich Päpste und Synoden gegen die Großen und 
deren Angriffe auf die Freiheit und Unabhängigkeit der Bistümer 
ein. Vor allem hat schon Pseudoisidor die Bekämpfung auch dieser 
Miß brauche auf seine Fahne geschrieben^)*). Natürlich wehren sich 



andere Beispiele in den Quellen. Noch zu Ende des 10, Jahrh. hatten 
die Bistümer der Gegend unter der Tyrannei des Markgrafen Arduin 
von Ivrea arg zu leiden; er tötete den Bischof von Vercelli (.Ver- 
urteilung auf der röm. Syn. 999 J. S. 496), bedrängte das Bistum 
Ivrea (J. 3894 [998-999]) usw. 

3) Selbstredend litt um so mehr der übrige Kathedralklerus. Auch 
dafür gibt es zahlreiche Beispiele. Hierher alle Fälle wie etwa die 
Blendung des Chorbischofs Benedikt (des Bischofs Eblus) von Limoges 
(nach 958) durch den Grafen Elias von Perigieux; G. C. II, 510. 

4) Selbst das Asylrecht wurde damals mißachtet; vgl. z. B. 
Hart mann III/2, 196. Vgl. a. oben. 

1) Auch über geistliche Sachen usw. wird in weltlichen Gerichten 
entschieden. Vgl. z. B. ügh. VIII, 304 (960) hinsichtlich Larinos; der 
Graf entscheidet über Mederkirchen auch gegen Bischöfe. H. Arnolf 
bestätigt einen Vergleich zwischen dem Ohorbischof und Bischof 
von Freising. Lün. Sp. II, 216 (908). Deshalb verlangt man in Zeiten 
der Keiorm wenigstens in diesen, natürlich auch in Zehntsachen, geist- 
liche Gerichtsbarkeit. — Zur Sache z. B. Gest. ep. Aut. Dum I, 368: 
nie quoque infestissimus hostis eins (d. Bischofs), ut prelibatum est, 
Eagenardus, suis cum preceptionibus adeo concludere nitebatur, ut 
extra consultum et voluntatem eius nil agere temptaret, clei'icorum 
illius nuUus, militum nemo ei refragari andebat, sed sicut suis, ita illis 
Omnibus imperabat. 

2) In den Fehden der Großen büdeten die kirchlichen Anstalten 
nicht bloß die Kampfobjekte, sondern auch die Zielscheibe der gegen- 
seitigen Kachezüge usw. Sie waren daher ganz in diese Kämpfe 
hineingezogen. Annal. Vedast. 896 SS. I, 530: (Graf) Eodulfus vero in 
ira commotus propter castella perdita, dum depraedari non cessat 
abbatiam sancti Quintini, ab Heriberte oeciditur in hello. Im Kampf 
zwischen Robert und K. Karl d, E. wurde die Abtei St. Gislen zu 
Soissons vernichtet; Gall. Christ. III, 15. Usw. 

3) S. oben passim. 

4) Die ps. Stücke treten auch den Gewalttätigkeiten gegen die- 
Bischöfe selbst entgegen. Vgl. oben S. 127 N. 1. 



— 156 — 

auch die Konvente der betreffenden Kirchen nach Kräften. Aber 
Auch zaUreiche Erlasse der Herrscher, die nach wie vor auf 
Seiten des Episkopates standen^), sind, so sahen wir bereits, 
^egen derartige Eigenmächtigkeiten der Großen gerichtet. 

Bekannt ist die feierliche Verdammung des deutschen 
Herzogtums durch die Synode von Hohenaltheim (916)2). Uq^ 
derartige Kundgebungen sind häufig und nach dem gesagten 
verständlich. 

Aus diesem Grunde sind Episkopat und Krone auch später^) 
treue Verbündete*) 5). Bischöfe sind häufig genug die letzten 
Stützen fallender Königsmacht ß). Denn sie wehrten sich nach 
Kräften. 



1) Vgl, a. Villari, L'ltalia S. 75. 

2) Z. B. Riezler I, 321. Stalin I, 130. Zeller, Salomo III. 
S. 97 f. Über den Gegensatz von Kirche (besonders Episkopat) und 
jüngeren Stammesherzogtümern überhaupt Stalin I, 126. Im allge- 
meinen vgl. a. Hauck, Fürstenmacht 8 ff. KG. III 3 a. 4^ SS. 3 ff. (siehe 
jedoch auch unten S. 158 N. 2). 

3) Über die Anfänge der Entwicklung oben S. 58 und öfter. 

4) Vgl. aus den vielen Steilen z. B. Riezler I, 285; Stalin, G. 
Württembergs S. 126; Mayer Chur 134; Uhlirz, Jahrb. Ottos IL Bd. I, 
S. 3. Auch Bord. II, 57. Auch im späteren Frankreich stellt sich die 
Kirche, namentlich der Episkopat — unterstützt von Rom — auf die 
Seite des Königstums in seinem Kampf gegen die Lokalgewalten. 
Vgl. z. B. den Brief Johanns X. an d. Grafen Heribert von Vermandois 
Flod. 928 Rieh er I, 54; s. auch Eekel, Charles le Simple S. 129. — 
Rückhaltlos billigte die Kirche in der damaligen Notlage dem 
Königtum Rechte zu, die sie ihm früher verweigerte. Ja, es wurde 
z. B. schon als Vorteil — gegenüber den Bestrebungen der Lokal- 
gewalten — angesehen, wenn der kräftige Arnolf, wenn auch in 
rauher und selbstherrlicher Weise, die kirchlichen Angelegenheiten zu 
ordnen suchte. Man denke an die Art, wie er z. B. den Zehntstreit 
zwischen Herford und Koyvey entschied (Hartzheim II, 379). Er ist 
auf lange Zeit der letzte kräftige Regent. — Trotz des genannten 
Bündnisses blieben die Großen zunächst überall Sieger. Und zwar 
auch dem neuen Königtum gegenüber. Seine Vertreter, als Lokal- 
herrn die mächtigsten, waren als Könige doch nur primi inter pares, 
soweit das Königtum nicht selbst lokal sehr beschränkt war. Dann 
gilt dies erst recht. Nur fallen in diesem Falle beide Gewalten zu- 
sammen. Oft hatte natürlich die Bischofsstadt wegen des Eintrittes 
des Bischofs für den Herrscher empfindlich seitens der Herzoge zu 
leiden; z. B, in Baiern, wo Passau wegen der Parteinahme Pilgrims 
für Otto IL vom Herzog in den siebziger Jahren (10. Jahrh.) zerstört 
wurde; Riezler I, 357 ff. Vgl. a. Franz Strauß, Die Begründung 
der Stadtherrschaft des Bischofs von Passau (M. J. Ö. G. 128 ff.) 130. 
Umgekehrt ließ z. B. K. Konrad 916 auf seinem Zug geg°n den Baiern- 



— 157 — 

Oft stehen daher Episkopat und Herzogsgewalten in offener 
Feindschaft gegeneinander^). Namentlich finden auch die Rei- 
bungen zwischen Bischöfen und Grafen kein Ende, sie nehmen 
vielmehr immer mehr zu 2). und es ist in jener kämpfereichen 
Zeit, wo Interessengegensätze so oft mit bewaffneter Hand aus- 
gefochten wurden, klar, daß auch der hier geschilderte Zwie- 
spalt sich nicht auf einen Kampf mit der Feder und überhaupt 
mit Worten beschränkte. Er artete oft in heftige, erbitterte 



herzog Arnolf das diesem anhängende Regensburg zerstören; Riezler 
I, 320. Solche und ähnliche Fälle zeigen, wie so manche Bischofsstadt 
— und natürlich auch ihr Bistum — auch unter den inneren Wirren 
litt. Vgl. a. § 17. — Sogar schon unter den Kämpfen der Karolinger 
untereinander seit Ludwigs d. Fr. Zeit litten die Bischofsstädte sehr; 
Chälon-s.-S. ging 834 im Kampf Ludwigs gegen Lothar in Flammen 
auf; M. 929 a. Zur Sache a. L. A. Ferrai, Le vite pontif. MedioL 
BuU. deir Istituto Storico Ital. 16 (1895) S. 10. 

5) Es hängt damit zusammen, daß unter den näheren Vertrauens- 
männern der Krone immer ausschließlicher Prälaten erscheinen. So, um- 
da nur einiges beispielsweise anzuführen, befanden sich unter den 
Räten, die Karl d. K. 877 für die Zeit seiner italienischen Expedition 
seinem Sohne Ludwig zur Seite gestellt hatte, in erster Linie Bischöfe, 
Fisquet, France pontificale Soissons-Laon S. 26. Beim Abfall der 
lothringischen Großen von Karl von Frankreich blieben diesem nament- 
lich, die Bischöfe treu; vgl. 0. 3 (921). Über das Zusammengehen von 
Kirche und Königtum s. auch noch beispielsweise Ottenth. 0. h(913);: 
O. q (919); 2 a (921) usw. 

6) Flod. rV, 577 SS. XIII, 577 (a. 919): Hungaris denique regnum 
Lothariense depredantibus, dum Karolus proceres Francorum in auxi- 
lium sibi contra gentem ipsam convocaret, solus hie presul (Heri- 
veus von Reims) ex omnibus regni huius primatibus cum suis tantum 
in defensionem ecclesiae Dei regi occurrit — . 

1) Für Schwaben vgl. z. B. Stalin, G. Württemb. I, S. 129. Be- 
kannt ist namentlich die Feindschaft Salomons III., Bisehofs von Kon- 
stanz, gegen den Alemannenherzog Adalbert (Ann. Alam. 911) und 
später gegen Erchanger (Richter-Kohl, Ann. II/II, S. 544 N. b, 
S. 545 mit N. a. Hauck, Fürstenmacht S. 5) usw. — Im Kampf 
K. Konrads gegen Heinrich von Sachsen (914) erwies sich Hatto von 
Mainz als Hauptgegner des letzteren (Ottenth. 0. h); charakteristisch,, 
daß Heinrich sogar als König die Salbung ablehnt (0. p). 

2) In fortgesetztem Streit lag Bischof Fulbert von Cambray 
(Mitte 10. Jahrh.) mit dem Grafen Isaak der Stadt — eine Feindschaft, 
die von Tag zu Tag noch wuchs und schließlich sogar ein kate- 
gorisches Eingreifen Ottos I. herbeiführte; G. C. III, 15. S. a. unten 
§ 17 und T. IV. Schon auf der Synode von Trosly 909 (s. a. G. C. 
a. a. 0. 14) wird Graf I. gezwungen, für die Schäden, die er dem 
Bistum zugefügt, Genugtuung zu leisten. 



— 158 — 

Fehden aus ^), die wieder ihrerseits zur Verschärfung des Gegen- 
satzes und Vermehrung der Willkür der Großen beitrugen. Und 
dadurch wird das allgemeine trübe Bild noch um einen düsteren 
Zug vermehrt. 

Natürlich darf man dabei aber nicht schabionisieren. Man 
darf nicht Theorie und Praxis — die nie und nirgends sich 
decken — gerade damals in voller Übereinstimmung erwarten. 
Und gerade Stellen, die auf den ersten Blick aiif Ausnahmen zu 
deuten scheinen 2), beweisen schließlich doch nur die Abhängig- 
keit des Episkopats von den Lokalherrn — und zwar erst recht. 

Ist nämlich auch das Zusammengehen von Krone und Epi- 
skopat durchaus die Regel, so trifft man doch vielfach eine andere 
Gruppierung an. Und dafür gibt es der Gründe genug. Man 
denke daran, daß das Königtum oft selbst gespalten war, was 
ja naturgemäß auch eine Zersplitterung seines Anhanges herbei- 
führen mußte ^); ferner daß den Bischöfen oft nichts übrig blieb, 
als sich den Lokalgewalten zu unterwerfen, da sie oft nur dadurch 
ärgeres Unheil abwenden konnten; daß weiters nach Be- 
gründung der Bistumsherrschaft sehr oft die Bistümer mit Per- 
sonen des Anhanges der Herren besetzt waren*) — das ermög- 



1) Ununterbrochen hat Bremen gegen die Sachsenherzoge zu 
kämpfen. Waitz, VG. VII, 138 f., 205. 

2) Hauck, Entst. d. geistl. Fürstenm. 8 f. legt ihnen zu viel Be- 
deutung bei und behauptet, der deutsche Episkopat habe die in der 
neuen Bewegung auch für ihn gelegene Gefahr nicht erkannt, [Er 
glaubt dasselbe ja auch vom Königtum (7).] Von den a. a. 0. ange- 
führten Fällen spricht namentlich der des Konradiners Eudolf von 
Würzburg für uns; vgl. oben S. 84 N. 1. Vgl. jetzt auch Ulrich 
Zeller, Bischof Salomo III. usw. Leipzig und Berlin (Teubner) 1910 
(Beitr. z. Kulturg. des MA. usw. H. 10) S. 80 ff. m. N, 1, wo (a. S. 52) 
auch die Stellung des Abtes Bernhard von St. Gallen zu Bernhard 
von Schwaben auf persönliche Beziehungen zurückgeführt wird. 

3) Die Kirche soll Otto I. gegen Berengar 11. wegen dessen Be- 
drückungen zu Hilfe gerufen haben. Manzoni S. 51 f. Savioli, 
Ann. Bol. I, 101. Hartm. III/2, 252 ff. (wo speziell auch über Liut- 
prand von Verona). Vgl. a. J. 3686 (960): [bittet Otto I., die römische 
Kirche von Berengar und Adalbert zu befreien]. Aber auch sonst 
sehen wir selbst Herrscher gegen Eeichskirchen gewaltsam vorgehen. 
S. etwa die Urk. Hugo Capets für St. Colombe-de-Sens Quantin 1, 151 
(988): bestätigt Immunität. Gewährt ferner die Bitte, dahingehend — 
remitti sibi a nostra mansuetudine . . . vicarias inlicitas, quas actenus 
iniuste nos et nostri antecess. visi sumus teuere in villa . . . Sarmasia 
— . Etc. 

4) Das gilt ja auch von den neuen Königsgewalten. K. Hugo 



— 159 - 

lichte das Ernennungsrecht, wo nicht offene Gewalt; daß schließlich 
mancher Lokalherr selbst zum Königtum emporstieg, wodurch 
sich weitere Verschiebungen in der Interessen- und Kräfte- 
gruppierung ergaben^) usw. 

Es hängt damit ja auch zusammen, daß schließlich nach 
Begründung der lokalen Bistumsherrschaft die Lage mancher 
Bischöfe — die vielfach mit den Herrn verwandt waren — sich 
besserte. Auch hier konnte man insbesondere dem Untergebenen 
gewähren, was man dem Rivalen versagen mußte, üsw. 

Natürlich war die augenblickliche Sachlage von großem 
Einfluß. Bündnisse mit Bisehöfen erhoben gelegentlich deren 
Kirchen ja auch zu günstigeren Stellungen und umgekehrt. Das 
wird sich uns noch in manchen "Beispielen zeigen — Salzburg, 
Augsburg usw. — und so war es auch in anderen Fällen. 

Aber auch abgesehen davon erwiesen sich eben die Lokal- 
gewalten fast auf der ganzen Linie als die Stärkeren, die sehr 
wohl ihren Willen selbst gegen Kaiser oder Papst zur Geltung 
zu bringen wußten 2). 



von Italien übertrug* seinem Bruder Manasse, Eb. von Arles, neben 
dem Bistum Verona — Bischof Eather wurde nach Pavia verbannt — 
auch die Episkopate von Mantua und Trient mit der Tridentiner 
Mark; Hartm. III/2, 198. Das Bistum Piacenza übertrug er neben der 
Würde des Erzkanzlers seinem Bastardsohn Boso; Gotfried erhielt 
Nonantola; a. a, 0. 200. Vgl. unten § 12. Tatsächlicb hängt dies schon 
mit dem später allgemein hervortretenden Streben des Königtums 
zusammen, in den geistlichen Großen den weltlichen Lokalgewalten 
ein Gegengewicht zu schaffen. Davon T. IV. — Über die Einsetzung 
von Familienmitgliedern als Bischöfe seitens der Großen unter § 12. 

1) Er trat dadurch aus seiner bisherigen Stellung gewisser- 
maßen heraus und selbst wieder den Lokalgewalten, seinen früheren 
Gesinnungsgenossen gegenüber. Der bisher opponierende Episkopat 
schloß sich solch neuen Königen daher vielfach — wenn auch nur 
notgedrungen — an. Über die Krönung Bosos von Vienne zum 
Könige von Niederburgund (879) durch den Landesepiskopat und 
dessen Rechtfertigung durch seine hilflose Lage Eicht er-Kohl II/II. 
S. 457f. m. N. c. Vgl. a. Hartmann III/2, S. 64. Über Bosos Sohn 
a. a. 0. 179 f. Über die Krönung Odos von Franzien durch den Erz- 
bischof von Sens Hartmann ni/2, 105, die Widos von Spoleto durch 
den Bischof von Langres 110. Über Eudolf von. Hochburgund Pou- 
p ardin, Bourgogne 11 f. 

2) Bischof Dodilo von Cambray (vgl. G. C. III, 14) wollte 893 das 
Reimser Konzil nicht besuchen aus Furcht vor den Normannen, noch 
mehr aber aus Furcht vor dem Grafen Balduin von Flandern, der auf 
diesem Konzil verurteilt werden sollte. 



— 160 — 

So kann es also nicht wundernehmen, gar viele Bischöfe 
sich lokalen Temporalherrn — selbst gegen das Verbot der 
höheren Gewalten — als willfährig erweisen zu sehen ^). So 
kommt es insbesondere, daß z. B. oft die Bischöfe einer Provinz 
mit ihrem Metropoliten sich bereit erklären, den Kandidaten 
des Lokalherrn und nicht denjenigen des Herrschers oder 
Papstes zu weihen 2). Usw. ^). Insbesondere das damals so sehr 
gedemütigte und selbst von lokalen Machthabern abhängige Papst- 
tum muß sich häufig genug Mißachtung seiner Befehle gefallen 
lassen, wie wir schon gesehen haben. Hier noch einiges davon. 

So verweigert Erzbischof Aurelianus von Lyon 888 die 
Weihe des Bischofskandidaten Teutbold für Langres, den der 
Papst unterstützt*). Daher ja auch die Vorwürfe des Schismas 



1) Vgl. z. B. das Eintreten des Eb. von Vienne für die Grafen- 
familie unter dem strengen Nikolaus I. ; J. 2697 (862). Hierhin gehört 
wohl auch J. 3297, 3298, 3302 (879). Auch sonst tritt das gesagte be- 
sonders deutlich in der Provence, namentlich unter Bosos Herrschaft^ 
hervor. J. 3357 (881); Joh. VIII. weiht den Optandus, den Gegen- 
kandidaten Bosos und des von ihm abhängigen Metropoliten (Vienne), 
obwohl die Wahl durch Klerus und Volk auf einen anderen trifft. 
Auch der Herrscher hat zu letzterem zugestimmt. J. 3870 (882); 3374 
(882) [Eb. Oteram läßt den päpstlichen Kandidaten Optandus in Ketten 
legen und weiht den Bosos]. Aus J. 3375 f. (882) ergibt sich auch die 
-'Unterordnung Maurienneis und Grenobles unter Boso. 3376 an Bischof 

von Maurienne, den der Bischof von Grenoble aus dessen Kirche mit 
Gewalt entfernt hat. Über die Macht der provenQalischen Großgrafen 
über die Landesbistümer Kiener 144 und sonst, — S. a, das folgende. 
Über die Insubordination des Klerus bei der geteilten Besetzung Mai- 
lands 879 Syn. Eom. v. J. 3294, ferner dieses u. 3305. Vgl. a. oben 
S. 150 N. 3 über das Eintreten der Herren für ihre Bischöfe. 

2) Sogar in Kirchen, wie z. B. Köln, war das der Fall. Eb. 
Hermann weiht in Lüttich den herzoglichen Kandidaten Hilduin und 
nicht der des Königs; vgl. oben S. 133 m. N. 2. J. 3564 (921) tadelt Her- 
mann von Köln, daß er sich dem fügt — Gisleberti metu — . Weitere 
Fälle häufig. Hier nur einiges. Z. B.: 878 tadelt Johann VIII, heftig 
den Ebi Aribert von Embrun, daß er nicht den kanonisch Gewählten 
und vom Herrscher Bestätigten, sondern einen anderen zum Bischof 
von Vence konsekriert habe; J. 3128, Vgl. ferner etwa J. 3163 (878); 
3237 (879). 

3) Mitunter war der Episkopat selbst gespalten; deutlich z. B, 
anläßlich der zwiespältigen Besetzung von Le-Puy-en-Velay ; Conc. 
Eom. 998—999 J. I, 494; vgl, 3906 (999). 

4) J. 3451 (888); 3453 (889): Teutbold war des Besitzes entsetzt 
worden; Stephan V. befiehlt, da seine Ermahnungen an den Eb. von 
Lyon nichts fruchteten, dem Eb. von Eeims (Fulco) die Wiedereinsetzung 
(revestiat) und Weihe Teutbolds. Schließlich gibt der Papst nach 



— 161 — 

USW. an den Episkopat i). Sehr bezeichnend ist z. B. ferner die 
Vorladung Johanns VIII. an alle Bischöfe in den Herzogtümera 
Spoleto und Camerino, sie sollen „solita desidia deposita" zur 
Novembersynode 880 erscheinen 2) ^). Die Unterordnung des Bistums 
unter den Dukat erscheint dabei als selbstverständlich*), üsw.^)^). 

Die Mannigfaltigkeit der Gruppierungen im einzelnen, der 
gelegentliche Durchbruch der Regel, kann aber die Grundzüge, 
das Bild, das die Quellen vom Gesamtzustand liefern, nicht ver- 
wischen. 

Die Bistumsherren nannten sich domini, seniores usw. ihrer 
Bistümer, bzw. der Bischöfe, diese ihre fideles''). Auch letztere 
gewöhnten sich nach Anerkennung der Herrschaft an diese Titel, 
die bald als selbstverständlich erscheinen, besonders dort, wo sich 
das Mediatbistum dauernd erhielt. 

Fragen wir uns zum Schluß noch, welche Machthaber — 
abgesehen von den geistlichen — als solche Bistumsherrn auf- 
traten, so stehen hierbei natürlich die einzelnen^) der neuen 



(J. 3520; a. 899) Tind willigt zur Einsetzung des Bischofs Argrinus ein 
— non sententia praedecessoris sui Stephani papae reprehensa, sed 
utilitatis causa commutata. Vgl. 3527 f. (900). 

1) Z. B. oben S. 100 f. m. N. 

2) J. 8326. Vgl. Kehr IV, 117 Nr. 8. 

3) Vgl. ferner z. B. Kehr IV, 284 Nr. 1 und 2 (879) betreffs 
Pennes oder III, 7 Nr. 2 (879) hinsichtlich Florenz'. 

4) Vgl. 3415 (886); ferner z. B. Hartmann III/2, S. 64 f., 69 f. 
betreffs Mailands usw. 

5) Vgl. z. B. über das Nichterscheinen Ricbwins von Straßburg auf 
der Synode von Hohenaltheim Lüttich S. 65. — Auf der Synode von 
Ravehna im Jahre 877 bleiben die Bischöfe aus Berengars Machtbereich 
aus (Hartmann III/2, S. 37) usw. 

6) Auch die spärlichen Fälle gehören hieher, in denen ein Kapitel 
z. B. gegen den niedrigeren Herrn, selbst gegen die Bischöfe dadurch 
in Schutz genommen wird, daß es dem höheren für den Fall der Ver- 
letzung anvertraut wird; z. B. sogar DO. I, 202 (959): schenkt Güter 
an das Domkapitel zu Salzburg unter der Bedingung, daß dieselben 
an den Herzog zu fallen haben, sobald sie ein Bischof dem Kapitel 
entziehe. Ganz analog DO. II, 289 (—982) f. Domkapitel von Lucca. 
Falls ein Bischof bestimmten Kapitelsbesitz alteriert, fällt dieser so lange 
an den Herzog (marchio), bis wieder ein Bischof kommt, der die Kano- 
niker nicht im Besitz stört. 

7) Zweifelhaft ist mir, ob der Bischof von Verona den dortigen 
Markgrafen seinen Herrn nannte; vgl. Ugh. V, 748. 

8) Der burgundische Modus, wonach die Gesamtheit der Fürsten 
die Bischöfe wählt, die dann dieser Gesamtheit wie ihrem Könige 
dienen (vgl. z. B. Thietmar von Mers. VI, 21 SS. IH, 846: episcopatus 

Pöschl, Bischofsgat und mensa episcopaUs. IIL 11 



— 162 — 

herzoglichen und mark- (oder groß-)gräfliehen Gewalten durchaus 
im Vordergrund^). Vereinzelt haben aber doch auch andere 
— kleinere — Dynasten die Bistumsherrschaft an sich gerissen. 
Auch kam es vor, daß neben vielen anderen Befugnissen der 
höhere Herr die Temporalherrschaft über Bistümer an den 
niedrigem — ganz oder teilweise — weitergab. 

So hat z. B, in Auxerre im Jahre 909, bei eintretender 
Sedisvakanz, der vicecomes zunächst das Bischofseinsetzuugsrecht 
vom Herzog an sich gebracht. Außerdem aber auch noch 
andere Befugnisse. Er war reich und mächtig und gab dem 
Herzog, viele Geschenke, um seinen Willen durchzusetzen. Es gab 
auch noch andere Bewerber 2). 

Namentlich in den Großgrafschaften, wo die Vicomtes selbst 
eine machtvolle Stellung einnahmen, war derartiges leicht möglich. 
Dort finden wir sie daher auch öfter als Bistumsherren. So 
erlangte der Vizegraf Frotar im Jahre 972 sogar die Herrschaft 
über zwei Bistümer — Albi und Ntmes^). Usw.*). 



hiis dat, qui a priiicipibus h.iis eliguntur . . . hi manibus complicatis 
cunctis primatibus velud regi suo serviunt; s. a. Waitz, VG. VII, 286) 
scheint sich erst später entwickelt zuhaben. Thietmar schrieb oMge 
Stelle c. 1014. 

1) Außer dem bisherigen vgl. z. B. für Istrien Kandier zu 933 
das Friedensinstrument zwischen dem Markgrafen Wintei'us und dem 
Dogen Candiano von Venedig. Beide erscheinen da als Bistumsherren 
ihrer Machthereiche. (Vgl. a. oben S. 108 N. 2 und t>ei Kandier die 
Urkunde vom 5. Okt. 991.) 

2) Gesta ep. Autiss. I, 42 Duru I, 367 f. (Migne 138, 260 f.): Fac- 
tum est ergo, post transitum . . . pastoris Herefridi Antissiodorensis 
(t 909), ecclesiam variis aerumnarum excessibus lacessiri maximeque 
pro electione pastorali, ad quam nonnulli, non zelo spiritali, sed anxia 
honoris ambitione anhelabant. Erat autem ea tempestate vir quidam 
potens, Eagenardus nomine, eiusdem civitatis vicecomes, reich und 
mächtig', qui cum talis ac tanius esset, avaricie vaporibus estuans etc. 
virulente meditabatur animo, quatinus talem ecclesiae perficeret 
presulem, quem sue ditioni subdere quiret proprieque voluntatis con- 
siliis acquiescere urgeret, quique, si sibi libita domus dei beneficia 
invadere temptaret, penitus tyrannica eius minitante poteutia ob- 
mutesceret. Nefaria igitur arrepta machinatione ducem Richardum 
adiit oblatisque muneribus, ut sibi illius electio ecclesiae dare- 
tur, expeciit . . . Formell wurde auch hier die Wahl durch Kanoniker 
und Stiftsvassallität beibehalten sowie die Bestätigung durch den 
König. Vgl. dazu Imbart, Elections S. 235, wo aber die Mutmaßung, 
Burgund habe mit der geschilderten Bewegung begonnen, richtigzu- 
stellen ist. 



— 163 — 

Aus dem Titel der Vogtei wurde aber damals die Bistums- 
lierrschaft, wie das allerdings später der Fall war, nirgends 
begründet. Erscheinen defensores, advocati usw. als Bistums- 
berrn^), so ist da nirgends der Vogt gemeint, sondern nur auf 
die Schutz- und Immunitätsgewalt des Bistumsherm über seine 
Kirche Bedacht genommen 2) 3)*). 

3) Eugen d'Auriac, Histoire de rancienne cathedrale et des 
evöques d'Alby (Paris 3858) S. 38, S. schon oben S, 147 f. 

4) Schaeffner 11, 617f. (s. namentlich die dort gemachten Be- 
obachtungen über die Großgrafschaft Toulouse). Vgl, a. Duchesne, 
Fastes II2, 58. 

1) So steht Autun 918 unter der defensio des Herzogs Richard 
von Burgund; Im hart, Elections S. 238, S, nächste Note. 

2) Beispiele häufig. Vgl. etwa Charmasse, Cart. d'eglise d'Au- 
tun S. 36 ff. (918): (Bischof Walo beschenkt sein Kapitel aus dem 
Bistumsgut) — amore divino tacti et consilio fidelium eiusdem sancte 
^cclesiae et nostrorum roborati, adhibito etiam hortamento et auxilio 
domni Eichardi excellentissimi ducis, cuius defensione et protec- 
mento per dei administrationem haec ipsa consistit ecclesia 

(Autun) omnem igitur huius rei summara (das geschenkte) me- 

morati principis domni Eichardi defensioni et protection! , , . tuendam 
committimus — . 

3) Das gleiche gilt von Abteien, Hieher alle Fälle wie der 
folgende, den wir als einziges Beispiel hier anführen (überdies erst 
im 12, Jahrhundert geschrieben): Chron, S, Michaelis in pago Virdun. 
c. 7 SS. IV, 81: — ecclesia nostra . . , sub tuitione ipsorum regum . . . 
permansit . . . libertatis suae tenorem , . , Circa horum (Heinr. u. Otto) 
autem tempora fuit quidam praepotens dux Lotharingiae Fredericus, 
qui videns praedictam abbatiam terrae suae coutiguam et a tutela 
regia longe remotam, dominio suo — quod sibi facile fuit — eam 
subiugavit et dominium illud sub titulo defensionis ad posteros suos 
transmisit. — Ex tunc ergo iam per 4 successionum gradus tutelam 
vel dominium ecclesiae nostrae posteri eins obtinuerunt. Nament- 
lich sind in Italien, besonders im Kirchenstaat, defensores und advo- 
<;ati der Kirchen nicht immer die Vögte; vgl. Mayer, It. VG. II, 92 f. 
Für die Bretagne über defensor, tutor, patronus z. B, Borderie II, 
364 N. 1. — Eichtig ist, daß umgekehrt oft — wie auch bei Privat- 
klöstern — die Vogtei aus der Kirchherrsehaft hervorgegangen ist. 
Davon noch T. IV. Obige Stellen — und die analogen — veranlaßten 
wohl Waitz (VG. VII, 335) zu den Worten, die Herzoge von Lothringen 
hätten die Vogteien eines großen Teiles der Stifter ihres Landes an 
sich gebracht, 

4) Abweichende Stellen stammen aus dem 11. Jahrhundert und 
aus späterer Zeit. Angeblich gleichzeitige urkundliche Berichte, die 
derartiges aussagen, sind Fälschungen, bzw. Interpolationen aus der 
genannten Zeit. Höchstens ist hieherzuziehen: Ben. Lev. VI, 278 
<S. 86): Beseitigung schlechter Vicedomini, Vögte, Centenarii, Vicarii, 
die nicht ordentlich richten. Im 9. Jahrhundert insbesondere sah man. 



— 164 — 

Dieselben Personenklassen kamen nun auch, wie dies ja io 
der Natur der Sache liegt, für die zweite Form der Bistums- 
herrschaft in Betracht, zu der wir nunmehr übergehen. 

§ 12. Laienbisehöfe. 

Durch die zweite der genannten Hauptformen der lokalen 
Bistumsherrschaft wurde geradezu die ganze Leitung einer Kirche 
einem weltlichen Großen ausgeliefert. Der Machthaber bedurfte 
dabei keines Mittlers, um sich auf alle Angelegenheiten des be- 
treffenden Institutes Einfluß zu verschaffen. Weil er auch bei 
Bistümern dabei meist Laie blieb, nenne ich die ganze Erscheinung^ 
hier a potiori Laienepiskopat. 

Laienprälaten hat es — und zwar besonders in Klöstern — 
schon früher gegeben, namentlich in den Zeiten Karl Martells. 
Immerhin sind diese später im großen und ganzen, wenigstens 
unter Karl d. Gr., verschwunden ^), und stehen mit unseren Laien- 
bischöfen historisch in keinem unmittelbaren Zusammenhang. 

Erst im zweiten Viertel des neunten Jahrhunderts tauchten sie 
— und zwar zunächst ausschließlich in Klöstern — wieder auf 2). 



in den Vögten noch einen Rückhalt gegen die übrigen Großen. Am 
, schlagendsten beweist das der Umstand, daß die ps. Stücke für dieses 
Institut eintreten; z. B. Ben, V, 33, S. 48: Defensores ecclesiarum ad- 
versus potentias secularium vel divitum ab imperatore sunt poscendi, 
— In Italien die Vögte — wie andere Stiftsbeamte (davon noch 
später) — häufig Geistliche, ja Domkapitulare; z. B. 880 ein gastaldeus- 
advocator und ein vieedominus des Bistums Salerno Ugh. VII, 360. 

1) Vereinzelte Fälle kamen allerdings vielleicht selbst damals vorf 
vgl. etwa Simson, Ludwig d. Fr. I, 18. S. auch Vita Walae II, 4 
SS. II, 549: Monasteriorum interea . . . enumeravit pericula, cum iam 
tunc temporis nonnuUa iam a laicis tenebantur — . Über Laienprälaten,, 
auch Laienbischöfe oben T. I § 5 und die dort angebene Literatur, 
Auch die laikalen Zwischenverwalter vakanter Bistümer (s. T. I, S. 137 
und oben S. 117 ff.) waren etwas ähnliches. — Noch um die Mitte de& 
9. Jahrhunderts hält die Kirche aber im allgemeinen sogar noch an 
der Vorschrift fest, daß ein Laie, auch wenn er sich nachträglich 
weihen läßt, nicht zur Prälatur gelangen solle; z. B. J. 2682, 2683. 
Hieher wohl auch Benediktus L. V, 244 (S. 57): die noviter conversi 
sollen nicht zu Ämtern gelangen. Für das 10. Jahrhundert (Zeit der 
Reform) vgl. z. B. J. 3749, 50 (971): der Papst bestellt den Eb. Allo 
von Ausona zum Provisor von Girona, weil dort der Grafensohn Miro 
g'egen die canones als „Neophyt" zum Bischof gemacht worden sei. 

2) Namentlich in den von den Normannen besonders bedrohten 
Gegenden; vgl. Lot, La grande Invasion Normande 856—862, Bibl. de 



— 165 — 

Mochte die größere Macht der Laienprälaten im Vergleich zu den 
laikalen Kirchherren der Anlaß zu einer Bevorzugung jener 
ersteren Form sein oder die durch Privileg begründete Unver- 
äußerlichkeit einer Abtei — da blieb den Großen nur dieser 
Weg — , jedenfalls tritt uns die Erscheinung unter Ludwig dem 
Frommen bereits wieder entgegen. Immerhin konnte sie aber 
aoch um die Mitte des Jahrhunderts von einer Synode als un- 
erhörte Neuerung bezeichnet werden^). Das Konzil hielt dem 
Xönig vor, daß so etwas unter seinen Vorgängern ohne Beispiel, 
nie vorgekommen sei 2) 3). Es ermahnt ihn, davon abzustehen 
und sich nicht von den Großen beeinflussen zu lassen^). 

Diese dagegen erhobenen Klagen nutzten aber ebensowenig 
wie die späteren. Denn auch diese Entwicklung vollzieht sich 
— und zwar diese naturgemäß ganz besonders — unter fort- 
gesetztem Widerspruch seitens der Kirche^). Die Gefahr dieses 



l'ecole des chartes LXIX (1908) S. 9. Vogel 144, wo jedoch dieses 
Moment zu sehr in den Vordergrund gestellt erscheint. 

1) Syn. V. Diedenhofen 844 c. 3 Cap. II, 114 (M. 1116 a):' Sacrum 
^quoque monasticum ordinem a Deo inspiratum . . . atque per istud 
imperium a vestris piae memoriae praedecessoribus propagatum et 
^uaedam etiam loca specialius venerabilia contra omnem auctoritatem 
et rationem ac patrum vestrorum seu regum praecedentium 
consuetudinem laicorum curae et potestati in maximo vestro 
periculo et illorum perditione et Dei ac sanctorum non modica ad 
irascendum provocatione vos comisisse dolemus. 

2) Quapropter pro Christo devotissime obseeramus, ut tarn magnam 
offensam et iustam reprehensionem atque periculosam sine exemplo 
praecedentium praesumptionem ab animabus vestris et a felicitate 
regni vestri pellatis et loca venerabilia et habitum ac ordinem sacrum 
«is, qui ad hoc vocati sunt, viris scilicet ex clericali et ecclesiastico 
vel monastico ordine religiosis seu et in suo sexu feminis Deo dicatis 
atque devotis et in scola Christi eruditis, ad custodiendum et provi- 
dendum committatis, qui et quae Dei sunt Deo et quae sunt cae- 
fiaris caesari reddant . . . 

3) Vgl. a;ber schon Vita Walae II, 5 SS. II, 550: omnia eiusdem 
<ecclesiae) iura . . . corrupit in tantum, quia multi eorum vitiosi erant, 
ut a laicis paene omnia monachorum et canonicorum necnon et femi- 
narum monasteriä occupentur et sint omnia depravata. Er fürchte 
sich nicht, das zu sagen, obwohl es vielen mißfalle. Vgl. a. II, 4 S. 549- 

4) Et non propter pravorum nequitiam ordo religionis et loca 
sacratissima eis, quabus licitum non est, committantur; cum mani- 
festissime scriptura demonstret Ozam morte damnatum, qui arcam 
Domini quasi 'cadentem [relevare voluit, quam vel contingere inli- 
«itum ei fuit. 

5) Namentlich trat natürlich Nikolaus I. auch gegen das Laien- 



— 166 — 

Instituts für die Kirche lag auf der Hand^). Zu allem übrigere 
kam, daß die Laienprälaten ihre Anstalten schließlich wie andernj 
Familienbesitz> auf ihre Nachkommen vererbten^). Die dadurch 
begründeten Machtverhältnisse waren also sogar hier nicht etwa^ 
bloß vorübergehend. Begreiflieh, daß man gegen dieses Übel 
den abbas canonicus in den Mönchsklöstern als das erstrebens- 
werte, mit allen Mitteln herbeigesehnte Ziel ansah 3). Dadurch,. 



prälatentum auf. J. 2688, 2836 (diese Dekretate auch gegen Verwelt- 
lichung der Metropoliten). Vgl. a. Greinacher a. a. 0. S. 28, 30. — 
Vorher natürlich schon Pseudoisidor. Ben. Lev. V, 188 (S. 55). Auch 
Ben. Lev. VI, 265 (S. 86) gehört hieher: Laien sollen nicht praepositf 
(d. h. Vorsteher) der Mönche sein; ebensowenig sollen sie Archi- 
diakonate bekleiden. Auch V, 333 (S. 66): Über Kanoniker- und 
Kegularäbte (Äbtissinnen) einerseits, Laienäbte (laici, qui monasteria 
habent) andererseits. Vgl. namentlich a. VI, 387 (S. 95): Ein Sakrileg- 
begeht — wie der Kirchenräuber — der, der einen ihm nicht gebühren- 
den Platz einnimmt. 

1) Vgl. allerdings auch das im Text folgende. 

2) Guerard, Cart. de S. Bertin S. 139 f.: Balduinus . . . comes et; 
abbas stirbt 918. Bei der Teilung seines Vermögens erhielt sein Sohn 
Adalolf die Stadt Boulogne und die Abtei Sithiu. Ihm folgte sein 
Bruder Arnolf usw. Alle nennen sich Äbte; z. B. Folq. II, 76 (Gue- 
rard, S. Bertin S. 144; a. 944): abbas et comes Arnulfus — . Über 
die spätere Entwicklung s. unten a. E. des Paragraphen. 

3) Folquini Lib. II c. 68 (Guerard, S. Bertin S. 134f. = SS. 
XIII, 624): (Anfang der Stelle oben S. 91 N. 3). Als die Mönche von 
Sithiu die erwähnte Absicht des Markgrafen Balduin von Flandern 
erfuhren, sandten sie den Grimbald zum König, um auf jede mögliche 
Weise zu verhindern, ne laicus monachis superponeretur — . (Bis zum 
Tode des Abtes Eudolf standen nur Kanoniker dem Kloster vor.) Der 
Erzbischof Fulco von Reims setzte es daraufhin beim Könige durch,, 
daß er selbst, der schon einmal in Sithiu Abt gewesen: war, als Erz- 
bischof die Abtei wieder erhielt. Infolge der daraus entspringenden 
Feindschaft zwischen Balduin und Fulco wird letzterer von einem Va- 
sallen (miles) des ersteren, Vinemarus, 915? (vgl. über die Bannung des 
Mörders auf dem Eeimser Konzil G. C. III, 14) ermordet. Balduinus- 
autem post haec, abbatiam (hier = Abtsstelle ; s. vorige Kote) obtinuit 
regia donatione — . Die Markgrafen erlaugten auch die a^nderen Ab- 
teien der Gegend. Was eine solche Laienherrschaft bedeutete, zeigen 
z. B. die Annal. Gand. SS. II, 187: Anno 895 Hellas abbas Gandensis^ 
obiit . . . (als letzter geistlicher Abt). Post ctiius mortem magna extitit 
dispersio monachorum, que plusquam per quadraginta annos continue 
dura Vit. Erst a. 937: Arnulfus magnus comes Flandrie, gloriosus- 
marchysus, hortatu venerabilis viri Transmari Noviomagensis epi- 
scopi tenobium Gandense, tunc dirutum, quod deserto pene- 
videbatur similior, restauravit ... et virum illustrem sanctum^ 



— 167 — 

daß häufig die Abtsstülile an Bischöfe^) — oft an fremde, ja, 
weit entfernt wohnende ^) — übertragen wurden, nähert sich übrigens 
auch diese Erscheinung bei der fortschreitenden Verweltlichung 
des Episkopats selbst dem Laienprälatentum. Dieses breitet sich 
daher nach jeder Richtung hin immer mehr aus. 

Irgendein anderes Zwangsmittel, die Könige von derartigen 
Vergabungen abzuhalten, als die Androhung geistlicher Nachteile 
im Jenseits gab es ja nicht ^). 

Laienäbte werden immer häufiger und an der Wende des 
neunten und zehnten Jahrhunderts sind sie eine stehende Er- 
scheinung, die sich fast in jedem Kloster oder Stift findet*)^). 



Gerardtim Bononiensem abbatem dicti Gandensis cenobii constituit 
et rectorem, 

1) Z. B. Eeg. Const. Nr. 230 (903): übi (St. Gallen) . . . Salomon 
episcopus abbätis iure preesse dinoscitur — das Königtum sucht auch 
auf diese Weise den Episkopat, worauf es sich selbst stützte, zu 
stärken. S. gleich a. a. 0. 177. 178: Accidit, ut pro quorundam homi- 
num negligentia et incautela de quodain loco a prioribus nostris inter 
primos habito, hoc est raonasterii s. Galli, serenitas nostra adeo tur- 
baretur, quatenus abbatem ipsum honore sibi impenso privaremus et 
. . . Salomonem . . . subrogaremus — (König Arnolf 890) — . Vgl. auch 
Nr, 253 (907): sign, episcopi Salomonis et abbatis — ; 269 (909) usw. 

2) Z. B; unten S. 169 N 3. 

3) Vgl. besonders Syn, Pap. 850 c. 16 Cap. II, 121 : Sug-gerendum 
est beatissimis imperatoribus, qiiia hi, qui monasteria et sinodochia 
sub defensione sacri palatii posuerunt, ideo fecisse probantur, quod a 
ntillo melius, quam a summis potestatibus protegenda crediderint, et, 
si ea contra decreta institnentium personis, quibus non licet, dederint, 
ipsi inpugnatores efficiuntur, qui propugnare debuei'ant; et cavendum 
summopere est principibixs, ut, qui a nomine nunc inde iudican- 
tur, ne in futtiro iuditio ab omnipotente Deo gravius indicentur; 
secundum apostolum et enim horrendum est incidere in manus Dei 
viventis. Nos vero, qui debitores sumus, ut fideliter annuntiemus, 
idcirco humiliter suggerimus, quod silere non audemus. 

4) Vgl. z. B. Martin, Beitr. zur G, Brunos I. von Köln (Jena 
1878) S. 21. Muratori, Antiquitates III, 155 (870): Graf Rudolf, Abt 
von Agaune. S. a. nächste Note und Quantin a. a. 0. 133 (901): 
Graf Kichard, Abt von St-Germain-dAuxerre — . Vgl. a, d. folg. passim. 

5) Vergeblich . auch der letzte Abschaffungsversuch (vor der 
großen Eeform) auf der Synode von Trosly 909. Vgl. schon oben 
8.4. Das Konzil fährt (s. Gousset, a. a. 0.) fort, die Unhaltbarkeit 
und Schädlichkeit dieser Einrichtung darzulegen und die Notwendig- 
keit ihrer Abschaffung dem König klarzumachen, unter Berufung auf 
ältere Bestimmungen. Vgl. z. B. — als besonders charakteristisch — 
hier nur noch die Stellen: Quomodo igitur aurum sine aurifice in 
pristinum et optimum non potest reformari colorem; sie et monastica 



— 168 — 

Und dabei war es, bei allen Schäden dieser Einrichtung für die 
kirchlichen Anstalten im allgemeinen, für diese im Einzelfalle doch 
nicht immer nur ein Nachteil, wenigstens nicht der schwerste, der sie 
damals treffen konnte, wenn ein mächtiger Laie an ihre Spitze trat. 
Zwar wurde das Kirchengut auch in solchen Fällen größtenteils 
oder ganz seiner kirchlichen Bestimmung entzogen^). Aber es 
entging wenigstens der Zerstückelung, wenn eine kräftige Per- 
sönlichkeit da war, die schon aus Eigennutz das Vermögen der 
Anstalt zusammenhielt. In späteren^ ruhigeren Zeiten konnte es 
dann wenigstens zum Teil wieder seiner eigentlichen Bestimmung 
zugeführt werden 2). 



vita sine regularis abbatis Providentia ad pristinura atque Opti- 
mum vivendi nequit reformari ordinem. ßegalis er^o potestas.. . 
consideret, quomodo recto haec indicio . . . dispenset. Zitiert werden 
besonders die Worte: Ut laicis, quamvis religiosis, nuUa sit de rebus 
eeelesiae disponendi facultas. Ferner: Ut loca, quae semel Deo dicata 
sunt aut monasteria sunt, maneant perpetuo monasteria nee possint 
ultra fieri saecularium habitacula. Legitur quoque in capitularibus, 
ut abbates monachorum regulam per singula verba discutientes 
pleniter legant et iDtelligentes, Domino opitulante, efficaciter cum 
monachis suis implere studeant. Et quomodo discutiet? quomodo 
leget? quomodo intelliget? si forsitan oblatus fuerit huismodi codex, 
respondebit illud Isaianum: „Nescio litteras". Ferner wird er- 
wähnt aus dem Turoner Konzil von 813: Prohibetur denique, ut laicus 
calisa manducandi ac bibendi in refectorium non ducatur. Et quo- 
modo eorum abbas erit, cum quibus nee edendi licentiam habebit? 

et ita inolevit malum, quod a transactis retro coeperat annis, ut iam 
principalis potestas putet sibi licere, secus quam auctoritas divina se 
habeat, in causas ecclesiasticas prosilire et . . . statutum a patribus 

eeelesiae ordinem pervertere. Eespectum . . . timoris Dei haben- 

tibus auditu lugubre, dictu nefas, actu dignoscitur horribile, quando 
contra omnem paratum et totius cbristianae religionis auctoritatem et 
consuetudinem, in monasteriis regularibus laici in medio sacerdotum 
et caeterorum religiosorum, ut domini ac magistri residentes, 
velut abbates de illorum vita et conversatione ac regula sibi penitus 
ignota perverso ordine diiudicant . . . Ista namque vere est abominatio 
desolationis, non tantum subditorum vel eorum, qui illis ad suam 
ipsorum perniciem videntur principari, verum regis et totius regni 
omniumque, qui tam detestabili favent ordinationi, Censemus igitur, 
ut Status monasteriorum inviolatus, iuxta antiquam regulae traditionem 
et canonum constituta, servetur ; et ut abbates sint religiosae personae 
et quae regulärem noverint disciplinam, 

1) Unten § 17 und 22. Vgl. S. 175 N. 4. 

2) Wohl verwendete sich schon vorher gelegentlich mancher 
Laienabt für seinen Konvent. Solche Fälle bilden aber seltene Aus- 
nahmen. Z. B, Quantin, Cart. de l'Yonne I, 129 (891): Odo f. Ste- 



— 169 — 

Weil besonders häufig Grafen als solche Laienäbte begegnen, 
so hat man die ganze Erscheinung „abbacomites" genannt i). Selbst- 
redend begegnen — das ergibt sich schon aus dem Verhältnis 
■der übrigen Lokalgewalten zur gräflichen — häufig genug auch 
Markgrafen, Herzoge usw. alsÄbte in Klöstern und Stiftern''') 3). 

Oft lagen mehrere oder viele Abteien in der Hand eines 
<^rafen. So war Graf Eobert, Bruder König Odos, Abt von 
St. Martin zu Tours*), von Marienval^), von St. Amand^). Und 
ähnliches begegnet oft'). 

Viel unbekannter — in größerm Zusammenhang überhaupt 
fremd — und doch ungleich interessanter ist aber auch da wieder 
das Schicksal der Bischofskirchen jener Zeit. Wie in der aus- 

dolombede-Sens — gibt bekannt, — quod adiens genua serenitatis 
nostrae . . . Eobertus veiierabilis comes, consentiente reverentissimo 
conaite et abbate Richarde, humiliter petiit ut qnibusdam postulati- 
"bus monachorum monasterii S. Columbae . . . assensum praeberemus. 
Gibt eine area in der Stadt den Mönchen. A. a. 0. I, 139 (936): (Lud- 
wig IV. f. St-Germain-d'Auxerre) fidelis noster Hugo, dux et abbas 
monasterii S. Germani Autiss., cum monachis eiusdem loci bitten um 
Privilegien-Erneuerung". Gewährt dem Konvent Freiheit des Kapitels- 
^•utes. 

1) Darüber Thomassin VIII, S. 89f. (ed. Mog.) P. 3 L. 2 c. 20 
Nr. 7. Vogel, Normannen S. 144. Lot a. a. 0. Für das ostfränkische 
Reich Waitz, VG. VII, 208f. Dümmler II, 640. Krüger, Bruno L 
S. 9 und andere Literatur. 

2) Z. B. oben N. 2. Ferner seien etwa angeführt: Hermann I. 
von Schwaben (926—949) als Abt von Echternach; Stalin 1, 179. Otto 
von Sachsen als Abt von Hersfeld (Ottenth. 0. h); ebenso Heinrich 
(Lüttich 8.56); Giselbert von Lothring'en als Abt von St. Maximin 
(Ottenth. 87; 940); Hugo d. Gr. als Abt von St-Martin-de-Tours 
J. 3604 (938; hier gloriosus princeps Francorum), 3606 (hier dux ge- 
nannt). Massenhafte weitere Beispiele in den Quellen. Selbstredend 
ging man auf möglichst zahlreiche Abtsstellen aus. Schon 851 war 
Herzog Vivianus Laienabt von Tours sowie von einem Dutzend wei- 
terer Klöster; Bor der ie II, 71. S. a. das im Text folgende. — Das- 
selbe gilt auch von den Bischofäbten; s. z. B. Pfister, Drogo S. 129. 

3) Selbstredend fand auch in letzteren Anstalten — um so leichter — 
das Institut Eingang. In St-Julienne-de-Brionde z. B. erscheinen seit 
dem Ende des 9. Jahrh. nur Laien (Grafen, Herzoge [Aquitaniens]) 
und fremde Metropoliten (Bordeaux) als Äbte. Doniol passim. Über 
Wilhelm von Aquitanien z. B. S. 45 Nr. 22 (c. 910): ubi domnus Wil- 
ielmus comes et abbas . . . 

4) Märten e Coli. I, 258 (B. 1921). 

5) B. 1965 (920). 

6) B. 1984 (925). 

7) Beispiele schon oben N. 3; ferner S. 166 N. 3. 



— 170 — 

gehenden Merovingerzeit hat das Laieuprälatentum vor diesen 
Anstalten keineswegs haltgemacht, sondern ist — wie die erste- 
Form der Bistumsherrschaft ^) — auch da eingedrungen. Und hat 
man sich auch in dieser Beziehung der Hochkirche gegenüber 
sozusagen schüchterner verhalten, ist man da oft bei roheren Formen 
stehengeblieben, ohne bis zur rechtlichen Ausbildung des Instituts 
fortzuschreiten — dieses war ja auch , kurzlebiger als die sonstige 
Bistumsherrschaft — , so finden sich, trotz der Nachrichtenarmut, 
doch Fälle — und zwar zum Teil in voller Ausprägung — in allen 
Teilen des einstigen karolingischen Gebietes und sogar noch 
darüber hinaus^). 

Denn auch diese Erscheinung blieb — und auch das ist 
wieder charakteristisch — keineswegs auf das genannte Gebiet be- 
schränkt. Ja, auch sie findet sich in den außergermanischen 
Eeichsteilen sogar noch etwas früher als sonst oder wenigstens 
gleichzeitig. 

Die ersten derartigen Erscheinungen zeigen sich gleichfalls 
bereits im neunten Jahrhundei-t, ja, in frühen Vorläufern 2) — ab- 
gesehen von den Laienprälaten der Hausmeierzeit — schon im 
achten. 

Zu den deutlichsten Fällen gehören die Bischofgrafen und 



1) Die großen Säkularisationen der Haiismeierzeit sind von 
-denselben Erscheinungen begleitet wie die späteren. Wir haben eben 

analoge Vorgänge vor uns. Daher in den Reformen unter Pippin usw. 
analoge Bestimmungen wie später im 9. und 10. Jahrh. Z. B. Cap. 
Pipp. c. 6 754 oder 755 (M. 79) Cap. I, 32: Ut emunitates conservatae 
sint — . Conc. Vern. 755 c. 19 Cap. I, 36: De emunitates. Ut omnes 
emunitates per universas ecclesias conservatae sint. 

2) Allgemein sagt im Hinblick darauf sowie auf die später zu 
erwähnende Umkehrung des Verhältnisses (Erwerbung von Grafschaften 
durch die Bischöfe, davon T. IV, s. a. diesen Paragraphen weiter unten) 
z. B. Eb. Wilhelm von Mainz in seinem Schreiben an Papst Aga- 
pit IL von 955 Jaffe, Mon. Mog. (Bibl. III) S. 347 f.: Dux comesque 
episcopi, episcopus ducis comitisque sibi operam vindicat. 

3) Über Neapel namentlich M. Schipa, II ducato di Napoli im 
Archivio Storico per le provincie Napolitane a. XVII (Nap. 1892) 
S. 377 ff. S. a. Hartmann, III/j S. 202, wo auch über das 9. Jahrh. 
Vgl. darüber noch das folgende. — Hier anzuführen wäre — gleich- 
falls für ein außergermanisches Gebiet — die Vereinigung der geist- 
lichen und weltlichen Gewalt Eätieus in den Händen der Viktoriden, 
falls eine solche stattgefunden hat, was ich für mein Teil allerdings 
stark bezweifle (vgl. a. oben S. 93 N. 2). Frühestens trat, wenn über- 
haupt, eine solche Verbindung wohl unter Bischof Tello von Chur ein. 
Dies wohl richtig bei Mayer, Chur S. 82. 



— 171 — 

Bischofherzoge einiger süditalischer Fürstentümer — germa- 
nischer wie anßergermaniseher — im neunten Jahrhundert. 

In Neapel^) behielt Athanasius IL — seit 872 Bischof 2) — 
diese Stellung bei, als er im Jahre 877, nach dem Tode seines 
Bruders, des magister militum (dux) Sergius, in die weltliche 
Gewalt sukzedierte^). Er regierte so als Bischof herzog das 
neapolitanische Gebiet bis 894*). Nicht gerade Laie — wenn 
auch seine Konsekration erst 876 erfolgte s) — war er doch ein 
ganz weltlich gesinnter Mann. Er war u. a. — ein damals nicht 
eben seltenes Vorkommnis ^) — auch als Bischof verheiratet '^) und 
wird als von grausamer, herrischer Natur geschildert. Er strebte 
nach Erweiterung seiner Herrschaft über ganz Liburien^). Ein 

1) Zum folgenden Hartmann III/i, S. 202; Ill/g, S. 210, wo mit 
Eecht auf eine ähnliche Bewegung — wenigstens auf Ansätze zu einer 
solchen — auch in anderen Städten Italiens hingewiesen ist. — Siehe 
ferner Dümmler, Ostfr. E. III, 22, 66, Besonders a. Schipa, Napoli 
im Arch. stör, per le prov. Nap. XVIII (1893) S. 41 ff. Vgl. a. S. 107 R 1. 

2) Ugh. VI, 77. Oder 870? Vgl. J. 2934 (870). Vorgänger war 
Athanasius I., ein Oheim des II. Vgl., besonders über die Verwandt- 
schaftsverhältnisse (a. zum dux Sergius), Joh. gest. ep. Neap. c. 65 f. 
SS. rer. Lang. 435 f. Über die Gefangennahme des B. durch Sergius 
auch M. 1245 b (870). 

3) Ugh. VI, 78; vgl. Dümmler a. a. 0. J. 3117 (878). Auch 
Historia decollatorum 900 monachorum bei Ugh. VI, 384: Ipse autem 
f rater eius (des Sergius) Athanasius in loco illius seipsum prineipem 
constituit. — — Athanasius praesul Neapoli militum magister praeerat. 
S. a. die Stelle aus den Act. S. Agnelli abbatis bei Ugh, VI, 81: Atha- 
nasius itaque iunior episcopus, qui huius civitatis Panthenopensis epi- 
scopatum simul et ducatum tenuit — . Vgl. a. Hartmann, III/2 S. 49. 

4) Nach seinem Tod gelangt sein Bruder Stephau (III.) auf den 
Bisehofsstuhl, sein Neffe Gregor erlangt den Dukat; Ugh. VI, 82. — 
Auch dieser Bischof war verheiratet; Ugh. VI, 83 f., der aber annimmt,, 
daß Stephan als Bischof nicht mehr in der Ehe gelebt habe, Stephan 
konnte sich nicht halten. Er wurde abgesetzt und ins Gefängnis ge- 
worfen. Schließlich gelingt es Johann VIII. mit Mühe, vom Grafen 
Pandenolf seine Überführung nach Rom zu erwirken. Joh, sagt: Veni 
nobiscum Eomam daboque tibi ecclesiam apostoli Pauli, ubi cum cle- 
ricis tuis humanae vitae necessaria sufficientur habeas. (J, I S. 414 f.) 

5) SS. Lang. 436 J. vor 3041. 

6) Über verheiratete höhere Geistliche in Italien im allgemeinen 
Mayer, It, VG. I, 1301 Vgl. oben N. 4. Ferner z. B. Ugh. V, 1199.- 
B. Dominicus II. von Venedig (seit 946) war verheiratet und lebte mit 
V7eib und Kind im Bischofspalast. 

7) Ugh. VI, 79 f, 

8) Über seine Taten Ugh. VI, 79 fP. Seinen Bruder ließ er blen- 
den; Hartmann, III/2 S. 49. Bekannt ist (vgl, a. a. a. 0.) das Bündnis 
dieses unchristlichen Bischofs mit den Sarazenen — trotz wiederholter 



— 172 — 

analoges Beispiel dazu bietet im Benaventanischen der Bischof- 
herzog Landolf von Capua, der bereits seit 862 dieses Land 
regierte^). Auch er war als Bischof verheiratet 2). Seine Kon- 
sekration erfolgte übrigens erst 879^). Der Mönch Erchempert 
nennt ihn einen Verächter der kirchlichen Lehren, namentlich 
aber der bischöflichen Funktionen, einen Verfolger und Bedrücker 
der Mönche^). In Amalfi war Bischof Petrus (bis 883)5) ^it- 
Tegent des Dogen Pulcharis. 

Insbesondere diese Mitregentschaft findet sich öfter. So 
%. B. in der Gascogne — hier sicherlich ohne direkten Zusammen- 
hang mit dem südlichen Italien. Aus solchen Fällen ergibt sich 
für uns besonders deutlich, daß wir eine allgemeine Entwicklung 
vor uns haben, die unter analogen Bedingungen verschiedenen- 
orts ganz ähnlich verlief. 

Eben jener Grumbald, von dem wir berichteten, daß er die 
Bistümer des Landes in seiner Hand vereinte, war zugleich der 
weltliche Fürst der Gegend und regierte diese als Bischof herzog. 
Er wurde von seinem Bruder Wilhelm Sancho zum Mitregenten 



Abmahnungen seitens des Papstes. (J. 3307; 3309 [879].) Er siedelt 
sie vor der Stadt an; s. auch ügh. VI, 38i. Vgl. zum ganzen auch 
Hartmann III/2, S. 22, 87, 146 ff. u. Camera, Amalfi 1, 115. Übrigens 
beteiligten sich auch die Bisehöfe von Amalfi und Gaeta an dem Bünd- 
nis ihrer Städte mit den Sarazenen; dagegen richten sich J. 3304, 3308, 
3309 (879); 3343 (881); v. u. 3346 (881); 3378 (882). Vgl. Camera, 
Amalfi I, 118 u. sonst. S. a. Schipa, Salerno 209 ff. 

1) Dümmler, Ostfr. E. III, 22, 26; Hartmann III/i, S. 246 f., 
III/2, S. 86; Camera, Amalfi I, S. 106. ügh. VI, 314. Landolfs Herr- 
schaft dauei't 862—866 und 871—879. In der Zwischenzeit ein kaiser- 
licher Beamter Ludwigs II. Über den Streit im Stift unten § 22. Das 
Bistum hatte Landolf — ein Sohn des Grafen (Herzogs) Landolf I. und 
Bruder des Grafen Lando — durch letzteren erlangt. Erchempert 
(Ugh. a. a. 0): Landone . . . viriliter decertante Landulfum fratrem 
suum episcopum ordinavit — . Vgl. S. 314. 

2) Ughelli VI, 318 f. 

3) Hartmann, III/2 S. 86 f., wo auch über den Streit mit Pan- 
dpnulf. S. a. Camera, Amalfi I, 120. 

4) Ugh. VI, 315: monachorum infector et praedo eccle- 

siastica dogmata iuraque episcopalia contempsit — . Schon vor Er- 
langung der weltlichen Gewalt war er der eigentliche Herr; Erchempert 

sagt: principis sui derisor ipse prineipem constituit — . Auch 

er schloß ein Bündnis mit den Sarazenen; J. 3016 (875). Vgl. Ugh. 
VI, 314 über die Gewalttätigkeiten und den Charakter Landolfs. 

5) Camera, Amalfi I, 122. 



— 173 — 

erhoben ^) und begegnet seither unter der Bezeichnung episcopus- 
et dux. Er war auch Bischof von Agen und soll auch dort die 
Grafschaft (unter dem väterlichen Erbe) innegehabt haben^). Wir 
sehen also hier eine bedeutende Territorialmacht auf geistlich- 
weltlicher Grundlage in einer Hand vereint^). Nach Gumbalds 
— dieser war auch als Bischof verheiratet — Tode gingen die 
meisten Bistümer auf seinen Sohn Hugo über^). 

Auch die Gewalt des mehrfach erwähnten Manasse von 
Arles war eine Territorialgewalt auf geistlich-weltlicher Grund- 
lage. Denn außer den genannten Bistümern erhielt er auch wich- 
tige weltliche Stellungen-, so vor allem die Tridentiner Mark*). 

Die Vereinigung geistlicher und weltlicher Gewalt lag damals 
sozusagen in der Luft. Nicht immer handelt es sich dabei 
jedoch, wie wir gleich noch sehen werden, um die hier in Rede 
stehende von uns als Laienepiskopat bezeichnete Erscheinung. 
Oft bedient sich das Königtum selbst dieses Mittels, um den 
gleichgearteten Widerstand anderer Großer durch einen ihm er- 
gebenen Bischofgrafen oder Herzog zu brechen. Schon der eben- 
genannte Fall des Manasse gehört zum Teil dahin. Der berühm- 
teste Fall ist dann der von Ottos I. Bruder Bruno I.^ Erz- 
bischof von Köln und archidux von Lothringen. Dieser war 
bereits im Dienst der Reform tätig. 

Aber auch die Fälle des wahren Laienepiskopates (i. u. S.) 
sind mit den obengenannten, mehr peripherisch gelagerten, keines- 
wegs erschöpft. Auch in den übrigen Landesteilen des ehe- 
maligen Karolingerreiches stoßen wir auf die Erscheinung der 
Laienbischöfe. Hier waren es zumeist Grafen, die wir an der 



1) Zuerst bekam er von diesem die Grafschaften Agen und 
Bazas mit den Bistümern beider Städte;, vgl. die Stelle aus der alten 
Hist. Condom, bei G. C. I, 1192: Will. Sancius . . . concessisseque Uli 
ad supplementum vitae Agennense solum et Basatense cum Omni- 
bus appendiciis suis. Et quia a pueritia sacris litteris fnerat imbutus^ 
ntriusque sedis pontificatum et praefecturam Deo favente sortitus est. 
Später bekam er alle Kirchen der Novempopulonia und überdies noch 
das Erzstift Bordeaux ; G. C. 1, 1040. Selten wird, wie hier (wenn auch 
nur in Worten), auf die geistliche Eignung des betreffenden verwiesen^ 

2) G. C. il, 900. Vgl. die Unterschrift in der Urkunde für Fleury 
von 977: Signum Gumbaldi episcopi et totius provinciae ducis — . Er- 
führte auch den Titel princeps; G. C. I, 1192. 

3) Zunächst erhielt dieser freilich nur — wie ja auch sein Vater — 
Bazas und Agen, während Arsius Racha als Bischof der Gascogne 
alle übrigen Kirchen regierte. G. C. I, 1193 f. 

4) Ugh. V, 735 (Tridentinam provinciam occupavit). 



— 174 — 

"Spitze auch der Bistümer antreffen. So begegnen wir z. B. in der 
altehrwürdigen Metropolitankirche von Reims einem solchen — 
einem wirklichen — Laienbischof, von dem uns Flodoard berichtet, 
daß er mit Weib und Kind jahrelang im Bischofspalast thronte 
und von da aus die Diözese leitete — und sogar die ganze 
Provinz. Es war der mächtige Graf Heribert von Vermandois. 
Und weil es gewiß nicht ohne Interesse ist, wenigstens in einem 
Einzelfalle die näheren Umstände kennen zu lernen, unter denen 
■es zu einem solchen Laienepiskopat gekommen ist, so wollen 
wir dies an Hand des Reimser Beispieles, worüber wir von den 
Quellen genauer unterrichtet sind, tun. 

Wir ersehen daraus auch, wie weit der Einfhiß der mäch- 
tigen Laien, insbesondere auch einzelner Grafen, über die Kirchen 
damals ging. Gleichzeitig zeigt sich da, wie wenig man sich 
um den Willen des Königs kümmerte. Es zeigt sich aber auch, 
wie trüb die kirchlichen Dinge damals lagen. Und die Geschichts- 
schreiber berichten darüber mit völliger Gleichgültigkeit, als wären 
€s die selbstverständlichsten Dinge, die sie erzählten. 

Nach dem Tode des Erzbischofs Heriveus (f 922) brachen 
in der Kirche Streitigkeiten zwischen dem neuen Metropoliten 
Seulfus und den Verwandten des früheren, die zahlreiche Bis- 
tumsgüter als Lehen innehatten, aus. Dies bot dem Grafen Heribert 
willkommene Gelegenheit, sich in die Bistumsangelegenheiten ein- 
rzumengen'). Er führte die Verwandten vor den König und hielt 
nach deren Verurteilung einen von ihnen gefangen. Dafür wurde 
ihm von dem Erzbischof und dessen Räten die Wahl seines 
Sohnes im nächsten Vakanzfalle zugesichert 2). Seulf starb schon 



1) Flodoard IV, 18 SS. XIII, 578. Vgl. IV, 35 S. 585; Wei- 
land I, 8 ff. (Libell des Eb. Artoldus an die Synode von Ingelheim, 
948). Damals (922) zeigt sich übrigens noch der Einfluß des Königs 
auf die Besetzung des Bisehofssitzes. Fl od. IV, 18: Quo (sc. Seulf 0) 
per consensum et iussionem Rotberti regis ab Abbone Suessonico 
ceterisque Remensis provinciae presulibus ordinato episcopo — . 

2) Flodoard a. a. 0, Interessant ist die betreffende Stelle im 
erwähnten Libell Weiland I, 8 f.: Qui (sc. Seulfus) pontifex ordinatus, 
assumens zelum contra proximos predecessoris sui, cum eos per semet 
a loco depellere non valeret . . . amicitiam quaesivit Heriberti comitis, 
quam dato iureiurando per eosdem consiliarios (des Bischofs) obtinuit 
eo tenore, ut post obitum ipsius ad electionem pontificis milites eccle- 
siae (die Soldateska hatte also bei der Bischofswahl das Heft in|der 
Hand) nullatenus aspirarent sine consilio ipsius Heriberti, idem verö 
comes fratrem Herivei presulis et nepotes ipsius a participatione rerum 



— 175 - 

•9251), von den Anhängern Heriberts vergiftet, wie man 
sagte 2). 

Heribert kam hierauf nach Reims und berief die Bischöfe 
von Soissons und Chälons-s.-M. zu sich, um mit ihnen auf Klerus 
und Volk in betreff der Erzbischofswahl einzuwirken^). Diese 
wählten, damit das Kathedralgut nicht durch auswärtige Macht- 
haber verschleudert werde*), das kaum fünfjährige Söhnlein des 
Grafen zum Erzbischof ^). Dann begaben sie sich zum König 
Rudolf^), um dessen Einwilligung zu erwirken'^). Dieser über- 
trug das Erzbistum auf Rat der genannten Bischöfe dem Heribert 
mit der Erlaubnis, nach billigem Ermessen darüber zu verfügen 
und zu herrschen ^)^ und zwar so lange, bis er dem König einen 
geeigneten Kleriker als Bischof präsentieren wolle. Oder aber 
— und diese Erklärung erscheint, namentlich im Hinblick auf 
das tatsächliche Ergebnis, mir noch besser — : so lange, bis er 
dem König für die geistlichen Funktionen einen geeigneten Kleriker 



Kemensis episcopii separaret. Man sieht hier, wie stark bereits eine 
Kirche mit ihren Gütern der Verwandtschaft des Prälaten verstrickt 
war. Darüber noch unten § 22. 

1) Flodoard IV, 20 S. 578. 

2) Flodoard a. a. 0. und IV, 19 S. 578. Vgl. auch den Libell 
S. 9 Nr. 2. 

3) Flodoard IV, 20 S. 578: tarn clericos quam laicos ad volun- 
tatem suam intendere fecit. Weiland I, S. 9: Mox itaque comes Heri- 
bertus urbem Remensem adiit et ecclesiae milites, clericorum quoque 
quosdam (dies ist sehr bezeichnend) de rectoris electione ad snnm 
consilium, ceu iuratum fuerat, intendere fecit, 

4) Flodoard a. a. 0.: ne forte per extraneas personas episco- 
patus divideretur — . Man sieht, daß es für eine Kirche nicht immer 
das schlimmste war, wenn ihr ein mächtiger Laie vorstand und das 
Gut, wenn auch im eigenen Interesse, zusammenhielt. Da blieben ihr 
wenigstens Säkularisationen durch auswärtige Mächte erspart. Vgl. S. 168. 

5) Flodoard a. a. 0.: Sequentes igitur eins consilium . . . eligunt 
filium ipsius nomine Hugonem admodura parvulum, qui nee adhuc 
quinquenni tempus explesset. Vgl. 0. 35 a (931). 

6) Dieser — Herzog von Burgund — wie der früher erwähnte 
Eobert ein Gegenkönig Karls des Einfältigen, wurde von den Großen 
nach Roberts Tod (923) auf den Thron erhoben. Er war daher von 
den mächtigen Vasallen ganz abhängig. Nur so erklärt sich seine 
im Text berichtete Handlungsweise. 

7) Flodoard a. a. 0. 

8) Flodoard a. a. 0.: Rodulfus igitur rex, hac electione com- 
perta, prefatorum episcopoi'um consilio Remensem episcopatum com- 
mittit Heriberte aequitatis censura disponendum atque regendum ab 
ipso. Weiland I, 9: Cum quibus ad Eodulfum regem pergens in 



— 176 — 

vorschlagen werde *). Der Episkopat des Söhnleins war also auf 
alle Fälle nur eine Bemäntelung der wahren Sachlage. 

Sogar der Papst gab seine Zustimmung ^). Und zwar sollte 
zunächst ein Bischof Abbo die geistliche Leitung des Erzstiftes über- 
nehmen^). Später wurde der versprengte Erzbischof von Aix*) 
vom Grafen mit diesem Geschäfte betraut. Als Entlohnung er- 
hielt er die Abtei des h. Timotheus und im Hochstift das ßeichnis 
eines Kanonikers^). 

Heribert begann nun als Laienvorsteher im Erzstift mit 
größter Willkür zu herrschen. Er entzog Klerikern wie Laien 
ihre Benefizien aus dem Kathedralgut, um diese an seine Günst- 
linge zu verschleudern^). 



Burgundiam, obtiuuit ab eo, ut sibi committeretur idem episcopium, 
eo tenore, ut tarn clericis quam laicis debitum honorem concederet 
et conservaret nee iniustitiam alicui faceret, sed ipsum episcopium 
aequo iure gubernaret. 

1) Weiland I, 9: donee talem clericum eidem regi presentaret, 
qui ad episcopale ministerium exequendum rite ordinäre 
valeret. Vgl. N. 3 u. 5. 

2) Flodoard a. a, 0. J. 3570 (zu 921\ 

3) Flodoard a. a. 0.: episcopium Remense Abboni episcopo 
delegat, quae sunt episcopalis ministerii ab ipso in eodem epi- 
scopio tractanda ac finienda decernens. Vgl. Fisquet, La France 
pontif. (Soissons-Laon) S. 29. S. a. oben S. 174 N. 1. 

4) Oben S. 28 m. N. 9. 

5) Fl od. IV, 22 SS. XIII, 579; (c. 928) Odalrieus Aquensis epi- 
scopus, qui . . . recipitur ab Heriberto comite ad celebrandum episcopale 
dumtaxat ministerium vice Hugonis, ipsius comitis filii tunc adhuc 
parvuli, concessa eidem presuli abbatia sancti Thimothei cum unius 
tantum prebenda clerici. Dies heißt nicht: die Abtei des h. T., die 
nurmehr ein . Präb ende enthielt. (S. unten.) Weiland I, 9: (Graf 
Heribert) Odalricum denique Aquensem episcopum in eadem urbe 
suscipiens, episcopale inibi ministerium celebrare precepit- Vgl. 
Richeri, Hist. I, 55 SS. III, 584: Unde et ab rege donari petens, epi- 
scopium Remense sub optentu filii sui adhuc pueri ab eo accepit 
(Heribert). Nam et tunc hac vita divae memoriae Seulfus metropoli- 
tanus decesserat. At quia aetas temerior puerum sacris officiis pro- 
hibebat, Odelrico cuidam, ab Aquensi episcopio pyratarum insectatione 
pulso, pro eo ministrare concessum est. Cui etiam abbatiam sancti 
Timothei martiris ad usus proprios attribuit et insuper canonicorum 
victum simul impertivit. 

6) Flodoard IV, 20 S. 5781: Heribertus itaque comes potestate 
potitus Remensis episcopii, iniuste privavit tam me — (Flodoard 
schreibt als Augenzeuge, deshalb ist seine Schilderung besonders- 
wertvoll und anschaulich) — , qui non interfueram premissae electioni 
suae, quam nonnuUos alios, et clericos et laicos, heneficiis possessionum 



— 177 — 

Als kurz darauf im Stift zwischen Klerikern ein Streit 
ausbrach, ließ er ihn durch seine Vasallen schlichten, wobei zwei 
Kleriker ums Leben kamen i). 

Um das Unglück zu vervollständigen, kamen die Ungarn 
ins Land und drangen 926 bis Voncq vor 2). Dazu brach ein 
Kampf zwischen König Rudolf und dem Grafen Heribert um die 
Grafschaft Laon aus. Reims ging in Flammen auf. Eine mörde- 
rische Seuche folgte auf dem Fuße und verbreitete sieh, die Be- 
völkerung lichtend, weit über Gallien und Deutschland^). 

Nach dem Berichte des Artoldus hätte die Laienherrschaft 
des Heribert im Erzstift Reims länger als sechs Jahre gedauert*). 
Hierauf begann jener Kampf mit dem König, angeblich wegen 
der langen Laienherrsehaf t im Bistum ^) ^). Reims wurde belagert 
und Artoldus zum Erzbisehof gewählt'). 

Allein, nur schwer konnte der König das Volk dazu be- 



ecclesiasticarum, quibus a precedentibus episcopis munerati videbamur 
obsecundationis gratia. Quae pro libito suae voluntatis quibus sibi 
placuit impertivit. Weiland I, 9: Qui comes ad eandem urbem 
regressus, res episcopii, prout sibi placuit, fautoribus suis divisit, ceteris 
abstulit et absque ullo iudicio vel lege, quos voluit, rebus expoliavit 
vel ab urbe propulit. 

1) Flodoard a. a. 0. S. 579. 

2) Flodoard IV, 21 S. 579. 

3) A. a. 0. Vgl. a. 0. 886 (940), 100 a (941); a. z. folg. 

4) Weiland I, 9: (3) Sicque per annos sex et eo amplius idem 
episcopium suo dominio vendicavit, pro libitu proprio illud tractans 
et in sede presulis residens, tarn ipse quam coniunx sua — , 

5) A. a. 0.: donec septimo tandem anno, ortis inter ipsum et 
regem ßodnlfum atque Hugonem comitem quibusdam simultatibus, 
Rodulf US rex cum Hugone et Bosone fratre suo ceterisque pluribus 
tarn episcopis quam comitibus Remorum obsidet urbem, succensentibus 
sibi episcopis^et conquerentibus adversus eum, quod tam diuturno 
tempore contra divinae legis auctoritates hane urbem permiserit va- 
care pastore. 

6) Über die folgenden Stürme im Erzstift vgl. auch Flodoard 
IV, 33 f. S. 584f. 

7) Interessant das nähere. Weiland I, 9: Quorum querimoniis 
permotus rex admonet clerum et popnlum de pastoris electione dans 
eis id agendi facultatem ad dei honorem et sui fidelitatem. Sicque 
concordantibus cunctis, tam clericis quam laicis, qui extra obsidionem 
erant, pluribus etiam eorum, qui clausi tenebantur in idipsum faventi- 
bus, eligitur humilitatis nostrae persona in hoc magis honere (!) quam 
honore subeundo. Wird vom K. bestätigt und von den Kom- 
provinzialen eingeführt. Vgl. unten S. 178 N. 4. Vgl. a. 0. 36 a (931), 
45 a (934). 

Pöschl, Bischofsgut und mensa episcopalis. III. 12 



— 178 — 

wegen 5 denn seine Gewalt war gering, die Furcht vor der Raehe 
des Grafen weit größer^). Nur, als er die Belagerung fortsetzte 2) 
und die Stadt schließlich einnahm, konnte er seinen Willen^) 
durchsetzen^). 

Neun Jahre vermochte Artoldus sich zu behaupten^), bis er 
sich die Feindschaft des Grafen Hugo des Großen, der sich 
Herzog von Franzien nannte, zuzog. Reims wurde abermals be- 
lagert. Mit Hugo kamen Graf Heribert und der normannische 
Fürst Wilhelm heran. Artold wurde fast von seiner ganzen 
Vasallität verlassen. Er mußte sich daher zu seinen Feinden 
hinausbegeben, wurde des Bistums beraubt und in ein Kloster 
gesteckt. Abermals wurde Hugo, Heriberts Sohn, in Auxerre 



1) Eich er i, Eist. I, 59 SS. III, 385 (die Stelle ist interessant): 
Remensibus erg-o civibus legatos inittit ac, ut pontificem eligant, 
praecipit. Quod etiam ni faciant, alium praeter eorum velle eis sese 
impositurum mandat. At cives, regiae legationis mandatum exci- 
pientes, quid ipsi inde velint ae sentiant, per suos legatos referunt,- 
sese videlicet regio iussu Heriberti filium licet adhuc puerum suscepisse 
atque pontificem elegisse, inde etiam fidem ei iam factam accomo- 
dasse; quapropter inpossibile esse, ut fide inviolata, ab eo sie deficere 
possint. Vgl. a. 3632 (946). Die Bürgerschaft war ja auch anderwärts 
von den Lokalgewalten abhängig; vgl. z. B. 0. q (919). S. a. S. 136. 

2) Eich er i a. a. 0.: Eex partibus Heriberti cives favere in- 
telligens, colleeto exercitu urbem repentinus aggreditur. 

3) Interessant die Ansprache des Königs an die Bürgerschaft; 
a. a. 0.: "Quantum', inquiens, 'caedis, quantum etiam rapinarum res 
publica factione malorum nuper passa sit, optime, ut puto, nostis. 
Non enim fieri potuit, ut tot maus ubique grassantibus, intacti peni- 
tusque immunes relin queremini. Nam cum vestra necessaria sepe 
direpta, sepe combusta sint, eorum calamitatem tolerastis. Et non 
solum publica exterius^ at hie privata bona intrinsecus a sevissimo 
exactore Heriberto cotidie imminuuntur. Unde vobis consulendum 
arbitror, ut pastorem vobis commodum conibeutia communi eligatis, 
cum ille tiranui filius, adhue infantulus, vobis idoneus non sit ac ca- 
nonica auctoritas vacare aecclesiam pastore tanto tempore non per- 
mittat. Nee dedecoris quicquam in vos redundabit, cum militari 
violentia victos et captos, alia sequi neeessitas vos adurgeat. Nee vos 
fateor tantum, quantum ego in hoc negotio oberravi. Itaque fecisse me 
penitet. Peniteat et vos vestrarum rerum dispendium peregisse. Bedu- 
cite in mentem, quanta vos calamitas effecerit. Considerate etiam, quanto 
secundarum rerum sueeessu provehi possitis, si bono pastore regamini'. 

4) C. 61. Cives ab rege suasi, iussis regiis concedunt, Artoldus 

itaque monachus rege iubente aus Kloster S. Eemis omnium 

consensu mox assumptus, per impositionem manuum episcoporum tem- 
pore constituto regali donatione cousecratur episcopus. 

5) Weiland I, 9: impositum mihi . . . ministerium — . 



— 179 — 

mittlerweile zum Diakon geweilit, in das Erzstift eingeführt. 
Den Verwandten Artolds aber wurden von Heribert die Güter 
entzogen, Kleriker wie Laien des Stiftes — natürlich aus Rache 
— schwer geschädigt i). Artold aber wurde von König Ludwig 
nach Laon in Sicherheit gebracht. 

Inzwischen beriefen Heribert und Hugo die Bisehöfe der 
Provinz zur Weihe des jungen Hugo zusammen. Man wollte 
Artold zum Verzicht auf das Erzstift bewegen und versprach ihm 
für diesen Fall einige Bistumsgüter. Endlich wurde er genötigt, 
wenigstens den Temporalien der Kirche zu entsagen, und aber- 
mals in jenes Kloster eingesperrt. Man wollte ihn sogar zur 
Herausgabe des Palliums und zur Aufgabe auch des geistlichen 
Amtes veranlassen. Der Sehattenkönig Ludwig setzte sich fort- 
während für ihn ein. Das Erzstift konnte er jedoch erst wieder 
erlangen, als man den deutschen König Otto zu Hilfe rief 2). 

Über die ganze Angelegenheit wurde 948 von Artold eine 
Bittschrift der Synode von Ingelheim vorgelegt^). 

Dieser Bericht*) wirft ein grelles Licht auf die damaligen 
Zustände. Deshalb wurde er hier ausführlicher mitgeteilt. Übrigens 
ist auch später noch von Beraubungen der Reimser Kirche durch 
tyrrani die Rede^). 



1) Weiland I, 91: Interim clerici nostri loci, sed et laici quidam 
pessime ab Heriberti tractantur et quidam clericorum in custodiis 
retruduntur, res eorum anferuntnr atque diripiuntur, rapinae per 
totam urbem licite perpetrantur. 

2) Über die Exkommunikation Hugos 962 auf einer römischen 
Svnode J. n. 3692. 

3) Und dem doi*t anwesenden päpstlichen Leg-aten (Vikar) Ma- 
xinus. Vgl. oben S. 174 N. 1. Dieser Supplex libellus ist von Flo- 
doard überliefert IV, 35. 

4) Wenn Flodoard verhältnismäßig' schonend vom Grafen Heri- 
bert spricht, so geschah es deshalb, weil er für seine Person trotz 
anfänglicher Schädigung (vgl. oben S. 176 N. 6) nicht schlecht weg- 
kam. Vgl. IV, 28 S. 542: Ibi ergo (a. 941) Hugo princeps tunc me per 
manus accipiens, huic Hugoni nepoti suo ad benefaciendum commisit. 
Quique mihi ecclesiam sanctae Mariae dedit in Colrido sitam, terram 
quoque, quam pater suus mihi abstulerat, reddidit et aliam in pre- 
dicta Villa superadiecit. 

5) Rieh er i, Hist. II, 19 SS. III, 613: (963 wird Odelricus Erz- 
bischof von Reims.) Factusque presul, mox tirannos, qui siiae aeccle- 
siae res pervaverant, ut ad satisfactionem redeant, iure aecclesiastico 
advocat. Falls das der frühere Hilfsbischof Odalrich von Aix ist, so 
haben wir auch da eine Translation. 



— 180 — 

Graf Heribert von Reims beherrschte aber auch die tibrigens 
Bistümer der Reimser Provinz. Vom König war er fast unab- 
hängig. So berief er, obwohl letzterer widersprach, sechs Bischöfe 
der ßeimser Provinz nach Trosly zu einem Konzil^). Fast scheint 
es daher, als habe er sogar die Metropolitanjurisdiktion von Reims- 
sich angemaßt 2). 

Wir ersehen aus diesem Beispiele, daß in Reims die gräf- 
liche Herrschaft erheblich weiter gegangen war als in den zu- 
erst besprochenen Fällen 3). Ein Laie, der im Bischofspalast 
an Bischofs Statt residierte, war noch etwas anderes als ein Bis- 
tumsherr, unter dessen Herrschaft ein Bischof, wenn auch stark 
abhängig, die Kirche leitete. Gleichwohl hat man selbst bei sa 
weitgehender Abhängigkeit der Kirche doch noch die Form 
aufrechtzuerhalten gesucht und neben dem Laienbischof noch 
einen eigentlichen Träger des Bischofsamtes — wenn auch ein 
kaum fünfjähriges Knäblein ! — aufgestellt. So unverhohlen wie 
die Herrschaft des abbacomes war also die des Bischofgrafen — 
wenigstens in Reims — nicht. 

Ähnlich, wie in den angeführten Fällen, erging es aber auch 
noch anderwärts den Bistümern. Träger weltlicher Lokalgewalt be- 
gegnen nicht bloß als Bistumsherrn, sondern als Inhaber de& 
bischöflichen Amtes selbst, soweit dies eben möglich war. Wie 
in Reims — und bei den Abteien — sind es, wie schon gesagt, 
auch bei Bistümern noch sonst vielfach Grafen der Gegend, die 
die Prälatur an sich reißen. 

Schon Flodoard selbst stellt mit dem Reimser Fall einen 
weiteren in Parallele. Auch in Lyon nämlich hatte, berichtet er, 
der Graf (Hugo) den Metropoliten verjagt und herrschte selbst 
in der Kirche über Diözese und Kirchenprovinz*). 

Und solcher Beispiele gibt es noch mehr^). Namentlich 



1) Fl od. IV, 21 S. 579: Sinodus sex episcoporum Eemensis dio- 
ceseas apud Trosleitiin habita, Heribert! comitis iussione convo- 
cata, rege tarnen Eodulfo contradicente patrata. 

2) Über Territorialbestrebungen der Eeimser Metropoliten oben 
S. 144 N. 2. 

3) Vorigen Paragraphen. 

4) Vgl. Syn. Ingelh. c. 3 Const. I, 14 (948). 

5) U. a. g-ehört wohl auch der Fall von Apt hierhier. Im J. 896 
wird nämlich der dortige Graf Teutbert auch als Bischof von Apt an- 
geführt. G. C. I, 353 hat Bedenken dagegen, daß T. Bischof gewesen 
sein soll, da er doch sonst als Graf bekannt ist. G. C. Noviss. („Aix", 
Sp. 219f.) übergeht ihn daher ganz. Allein nach obigem ist wohl die 



— 181 — 

trat auch bei reichsmittelbaren Gewalten — also bei Vicomtes in 
Oroßgrafschaften oder Mediatgrafen in Herzogtümern usw. — die 
Vereinigung der geistlichen mit der weltlichen Gewalt in der 
•obigen Weise ein. Selbstredend zeigt sich bei solchen ja be- 
^sonders mächtigen ünterherrschaften in erster Linie das Streben, 
sich reichsunmittelbar zu stellen^). 

Ein Beispiel für beides bietet im Bretonischen der Bischof- 
:graf Guerec von Nantes. Von Klerus und Volk 981 zunächst 
zum Bischof gewählt, folgte er seinem Bruder nach dessen einen 
Tag später erfolgtem Tode in der Grafschaft nach. Das Bistum 
behielt er jedoch bei, allerdings ohne sich während seines mehr 
als sechs Jahre (bis 988) dauernden Episkopates weihen zu lassen. 
Auch war er als Bischof verheiratet 2). 

In dieser machtvollen Stellung suchte er sich nun 983 noch 
mehr zu verselbständigen und unterwarf sich, ohne sich um sein 
Mediatverhältnis zum Herzog zu kümmern, eigenmächtig unmittel- 
bar der Krone von Frankreich (Lothar V.). Bereits auf seiner 
Eückkehr vom königlichen Hofe mußte er jedoch die Macht des 
Dukats und Ohnmacht des Königtums fühlen und wurde wieder 
gewaltsam mediatisiert^). 

Nicht über all jedoch, wo eine Person zur damaligen Zeit 
als episcopus et comes (oder ähnliches) begegnet, darf an einen 
Laienbischof im obigen Sinne gedacht werden, obgleich aller- 
dings viele Beispiele, die bisher in Unkenntnis der geschilderten 
Verhältnisse anders gefaßt worden sind, so zu deuten sind. 

Auszusehalten sind da erstens jene Fälle der Vereinigung 
von geistlicher und weltlicher, vor allem bischöflicher und gräf- 
licher Gewalt in einer Person, die durch eine entgegengesetzt 
verlaufende, als Rückwirkung gegen die hier geschilderte Ent- 
wicklung ins Werk gesetzte Bewegung entstanden sind, welche 
in der Übertragung vieler Komitate, ja schließlich größerer Be- 
zirke, ganzer Marken und Herzogtümer, an die Bischofskirchen 
ihren Abschluß gefunden hat und am markantesten ausgeprägt 
worden ist. Hierbei war nicht ein : ünterordnungsverhältnis des 



Sachlage klar. Es besteht um so weniger Grund, eine klare Quellen- 
äußerung wegen eines inneren Bedenkens fallen zu lassen^ als uns 
dieselbe Erscheinung auch anderwärts begegnet. 

1) Auch Spaltung bisheriger Grafschaften kommt vor; B. f. It. 
Mayer II, 274 fL N. 8. 

2) Borderie II, 424 ff. 

3) A. .a. .0. II, 428. 



— 182 — 

Bistums unter die Grafschaft, sondern umgekehrt ein solches der 
Grafschaft unter das Bistum gegeben. Der episcopus et eomes 
in diesem Sinne ^) ist nicht der Graf als Bistumsherr, sondern der 
Bischof als Grafschaftsherr. Das ist etwas wesentlich anderes. 

Setzt diese i-ückläufige Bewegung vereinzelt auch schon im 
neunten Jahrhundert ein 2) — zunächst war ja das Gewoge des 
Kampfes vielfach noch unentschieden — so findet sie doch ihren 
Abschluß, ihren Sieg erst in der folgenden Periode, vereinzelt — wie 
in Frankreich — im allgemeinen sogar noch später. Der Mittel- 
punkt und Sitz der Gewalt war hierbei das Bistum, die Graf- 
schaft nur Pertinenz desselben — also umgekehrt wie beim Laien- 
episkopat. 

Freilich stehen sich aber diese Extreme keineswegs schroff, 
ohne vermittelnde Zwischenstufen, einander gegenüber. Bei der 
damals gelegentlich vorhandenen Tendenz der Vererbung geist- 
licher Ämter ^) z. B. konnte auch diese Form, ursprünglich als 
Abwehr gegen die Ausbildung selbständiger Lokalgewalten gedacht, 
doch geradezu zur Begründung solcher führen. Auch gibt es 
Fälle der Vereinigung beider Gewalten, die zwar nur ad personam 
erfolgen, wobei aber doch die geistliche Stellung der Mittel- 
punkt bleibt*). Die Typen sind also keineswegs scharf von- 
einander geschieden, fließen vielmehr ineinander über^). Gleich- 
wohl sind auch hier im allgemeinen die Gegensätze erkennbar. 



1) Z. B. G. Chr. XII b 485 (923) : ego A. — — episeopus Au- 
gustensis ecclesiae (Aosta) et comes — . Odorici III, 260, 267 f. (Bres- 
cia) — . Usw. 

2) Übertragungen ganzer Grafschaften an Kirchenanstalteu er- 
folgen zunächst ausschließlich den Bischofskirchen gegenüber. Eine 
Fälschung ist M. 1657: Übertragung der Grafschaft von Bobbio an da& 
Kloster („Abt und Graf"). Im übrigen vgl. unten, namentlich T. IV. 

3) S. diesen Paragraphen weiter unten. 

4) Derartiges kommt allerdings auch bei Abteien vor. Und 
zwar erhalten einige Äbte sogar herzogliche Machtbefugnisse; so be- 
kam jener berüchtigte Abt Hucbert von St. Moritz von seiten Lothars 
den Dukat zwischen dem Jura und dem Großen St. Bernhard (darin 
lag die Abtei als Kräftezentrum),- M. 1282b (857). Ein anderer Fall 
M. 1733 a (886; Abt Hugo, ein Verwandter des Königs [vgl. M. 1727],. 
als Inhaber eines Dukates). 

5) Oft bleibt es zweifelhaft, eigentlich Geschmacksache, wie man 
den Einzelfall konstruieren will. Es kommt darauf nichts weiter an. 
Hieher z. B. die Übertragung des Komitats (Dukats) von Comacchio 
nacheinander an die Bischöfe von C. und Pavia. 



— 183 — 

Die Grenze darf aber eben auch da ex post niclit schärfer ge- 
zogen werden als sie tatsächlich war. 

Ähnliche Übergänge zum Laienepiskopat finden sich jedoch 
auch bei den übrigen davon im allgemeinen zu sondernden Er- 
scheinungen. 

Von solchen weitern Ausnahmen ist namentlich noch der 
Fall anzuführen, in dem ein Bischof lediglich den Comestitel 
führt und sich mm aus diesem Grunde wieder episcopus et 
comes nennt 1). 

Eben in jener Zeit, wo die Grafschaft ja vielfach bereits 
zum erblichen Familienbesitz geworden war, kommt nämlich auch 
der Brauch auf, daß sich alle Mitglieder der gräflichen Familie 
als comites bezeichnen — auch diejenigen, die ein Grafenamt 
nicht bekleiden. Es wurde zwar nicht, wie vielfach behauptet 
wird, der Komitat auf die Gesamtheit der Deszendenten eines 
Grafen als gemeinsames Gut vererbt 2), sondern stets — wo nicht 
ausdrücklich Ausnahmen gemacht worden sind 2) — nur auf 
einen aus dem gräflichen Geschlecht übertragen. Dieser allein 
war Träger, Inhaber des Grafenamtes. Gleichwohl führen aber 
auch die übrigen den gräflichen Titel. Zunächst einige als be- 
sondere Auszeichnung^), schließlich alle-''). Ausdrücklich seitens 
der Krone als Privileg verliehen, bzw. anerkannt, wird ein der- 



1) Der die Urkunde von 977 bei Marca 912 (vg-l. 4061;) tinter- 
fertig-ende Miro comes atque episcopus — (v. Girona), über ihn noch 
unten -S. 188 N. 3 — war aber möglicherweise wirklicher (Mediat-)Graf. 

2) S. Kiener S. 138 f. ~ Wohl aber stellt sehr lange eine Fa- 
milie oft mehrere Grafen. Comites waren also häufig miteinander 
verwandt. Auch kamen, wie gesagt, Grafschaftsteilungen vor. Vgl. 
z. B. M. 1369 (840): Brüder haben verschiedene Grafschaften inne. 

3) Ob in dem von Davidsohn I, 106 angeführten Beispiel 
(Tuszien betreffend) Mitbelehnung des Sohnes, der gleichfalls marchio 
Thusciae genannt wird, vorliegt, ist mir zweifelhaft. 

4) Kiener, VG. S. 121 N. 207. 

5) Noch 865 führt nur der Träg-er des Grafenamtes den Comes- 
Titel; z. B. J. 2799 (865). Aber schon 876 ein comes et monachus ira 
Kloster St. Amand J. 3059 (876). Allerdings ein früherer tatsächlicher 
Graf. — Die comites, qui actores non sunt, des Cap. Ludw. d. Fr. 
814—815 (Cap. I, 298 c. 2) — nach M. 565 „Grafen, die nicht Beamte 
sind" — nicht hierher. Es handelt sich um die konkreten Amts- 
geschäfte. — Im 10. Jahrhundert ist der Sprachgebrauch klar; z. B. 
DO. I, 242 (962): a B. vel a filns eius comitibus — . Ferner z. B. 
Ughelli V, 747 (993) usw. Z. T. a. Kien er a. a. 0. Über die Titular- 
comites des südlichen Italiens Mayer II, 290 f. 



— 184 — 

artiges Recht freilieh selten. Immerhin kommt aber auch das 
vor. Comites werden zunächst insbesondere auch die Herzogs- 
söhne, bzw. die der Markgrafen, genannt i). Erst etwas später 
werden gelegentlich auch diese letzteren Titel in der ganzen 
Familie erblich 2). 

Kam nun ein solcher Titulargraf (event. Herzog usw.) auf 
einen Bischofssitz, so haben wir einen episeopus et comes, der 
gleichwohl kein Laienbischof i. u. S. , sondern — wenigstens 
formell — ein vollwertiger Bischof war^). 

und das ist denn auch sehr häufig geschehen. Haben schon 
die karolingischen Herrscher vielfach eigene Verwandte auf die 
Prälaturen befördert*)'^) 6) — und dabei die letzteren immer 



1) Z. B. Widmann, Gr. Salzburgs I, 153: Sämtliche Söline des 
Eb. Odalbert von Salzburg, der, ein Verwandter des Herzogs, in ge- 
reifteren Jahren Eb. wurde, führen den Grafentitel. Vgl. ferner a. a. 0. 
159 und sonst. 

2) Vgl. z. B. C. Desimoni, SuIIe marche d'Italie etc. 2. ed. in 
Atti della soc. Ligure 28 (1896) S. 19. Dieses Faktum hat die spätere 
häufige Teilung der Dukate bzw. Marquisate erleichtert, während 
ursprünglich, wie gesagt, die jüngeren Söhne bloß Unterherrschaften 
erhielten. 

3) Ja, vielleicht findet sich auch der Gegenfall (vgl. z. B. oben 
S. 41 N. 4 betreffs Comacchios), daß nämlich ein um seinen Sitz ge- 
brachter Bischof, der diesen Titel ja weiterführte, später ein welt- 
liches Amt erwarb. S. aber auch die oben S. 182 N. 5 angedeutete 
Möglichkeit. 

4) So war — um hier nur einige der vielen Fälle anzuführen — 
einige andere bieten die folgenden Anmerkungen — bekanntlich 
B. Drogo von Metz (er fungierte übrigens auch als Abt von St. Arnolf, 
M. 1091 b [842], was auch noch mit einer anderen Entwicklung [vgl. 
T. II, S. 218 ff.] zusammenhängen wird) ein Bruder Ludwigs d. Fr. 
Ebenso Abt Hugo, der außer St. Martin zu Tours (vgl. M. 963 a [836], 
988, 996 [839] usw.) auch noch den Klöstern St. Quentin (M. 1036 b [841]) 
und St. Bertin (Sithiu) vorstand (Folqu., Gest. abb. S. Bert. c. 53 SS. 
XIII, 616; M. 946). Letztere Abtei gelangte 859 an einen anderen 
Verwandten (canonieus) Karls d. K. (c. 64 S. 619 s. unten), an einen 
weiteren St. Denis (Bouqu. VIII, 497 [849]). Auch Abt Warin von 
Neu-Korvey war ein Verwandter Ludwigs d. Fr. (M. 983 [838]). Adal- 
hard (Walas Bruder; der dritte Bruder war einfacher Mönch in Corbie) 
war Laienabt von St. Maximin (M. 10911 [838]); vgl. M. Gesch. 323. 
Bischof Gozbald von Würzburg ein Neffe der Kaisertochter Theodrada 
(M. 1375 [844]). Abt Hucbert von St. Moritz, ein Sohn Bosos, Bruder 
der K. Theutberga (M. 1216 g [854], 1277 a [855]). Karl, der Sohn 
Pippins I., Bruder P. s' II. von Aquit., zuerst Mönch in Corbie, wurde 
später auf den erzbisehöflichen Stuhl von Mainz erhoben (regierte 
856—863; vgl. M. 1136 a [849]; 1415 a [856]; Simon, Stand und Her- 



— 185 — 
mehr als bloße Appanagen benutzt^) 2), — haben sie ferner viel- 



kunft usw. S. 7 f.). Hugo, Neffe der Kaiserin Judith, erhielt außer St. 
Bertin auch St-Germaiu-d'Auxerre (M. 1436 d [859]). Abt Ludwig von 
St. Denis ein Verwandter Ludwigs d. D. (M. 1461 [866]). Karlmann, 
der (geblendete) Neffe des letzteren, erhält von diesem Echternach, wo 
er als Abt noch gräulich waltete (M. 1498 c [873]). Auch in Tours war 
noch ein späterer Abt Hugo ein Karolinger; M. 1640 a (882). Usw. 

5) Und später dann namentlich die Ottonen im Zusammen- 
hang mit ihrer Kirchenpolitik. Bekannt ist das Beispiel Brunos I. von 
Köln, der übrigens gleichzeitig herzogliche, ja, archidukale Gewalt 
erhielt. Ferner war z. B. Eb. Alphan von Benevent eine Neffe 
Ottos IIL; J. 8884 (989). — Über die neuen Königsgewalten im all- 
gemeinen unten S. 190. 

6) Etwas anderes ist es aber natürlich, wenn Herrscher aus 
Devotion selbst Prälaturen übernehmen, bzw. sich in Konvente auf- 
nehmen lassen, was Karolinger öfter taten. So war Ludwig d. Fr. 
Abt von Inden und nannte sich auch abbas. Vgl. Ardonis V. Ben. 
c. 42 SS. XV, 219: post eius (Ben.) discessum (t821) actenus abbatem 
se monasterii illius palam esse profitetur — . Ermoldus Nigellus 
II, V. 598: Et Hludovicus adest caesar et abba simul. Über L. „der 
Mönch" M. G. 331. — Wieder etwas anderes ist es natürlich auch, 
wenn ein Fürst am Lebensabend Mönch wird, wie im 8. Jahrhundert 
Karlmann (Pippins Bruder) oder im 9. Lothar I. (M. v. Prüm, M. 1177 a 
[855]; vgl. a. Krüger, Bruno L S. 32). Usw. 

1) Insbesondere versorgten die karolingischen Herrscher neben 
ihrer unehelichen Nachkommenschaft auch ihre Gemahlinnen mit ein- 
träglichen Prälaturen. Sie gaben ihnen die Äbtissinnenstellen reicher 
Klöster als Benefiz. Vgl. z. B. Mon. Hist. Patr. I, 188 (M. 802; 819 bis 
825): quia dilecta coniux nostra Judith, qui monasterium Domini et 
Salvatoris . . . infra muros civitatis Brissie, nostra liberalitate in bene- 
ficium habet, ostendit nobis quandam auctoritatem immunitatis K. Karls. 
Bestätigt Immunität — sed liceat predicte coniugi nostre atque succes- 
sores eius, rectores vid. pred. monasterii . . . quieto ordine possidere — da- 
mit die Nonnen lieber beten. Gewisse Abteien werden dauernd in dieser 
Weise verwendet, erscheinen als ständige Hausklöster, die auch bei 
den Angehörigen des Hofes in besonderer Gunst standen und deutlich 
zum Krongut im engeren Sinne gerechnet wurden. Allg. vgl. z. B. Edict. 
Pist. V. 864 Karls II. c. 5 Cap. II, 313 : Volumus et expresse comitibus 
nostris mandamus, ut villae nostrae indominicatae, sed et villae de 
monasteriis, quae et coniugi nostrae et filiis ac filiabus nostris con- 
cessa atque donata habemus quaeque sub immunitate consistunt, cum 
salvamento et debita reverentia in comitatibus illorum consistant . , . 
Und es ist bezeichnend, daß selbst solche Anstalten vor den Grafen 
nicht mehr sicher waren. — Außer dem eingangs erwähnten berühmten 
Kloster S. Salvatore zu Brescia fungierte in Italien in gleicher Weise 
als Appanage besonders häufig noch S. Sisto, in Deutschland vor 
allem das Obermünster zu ßegensburg. Auch St. Felix und Regula 
in Zürich sowie die Abtei zu Avennav im Westreich wurden wieder- 



— 186 — 



fach auch Angehörige anderer mächtiger, insbesondere gräflicher. 
Geschlechter 1) mit Bischofssitzen und Abtsstühlen bedacht 2), so ist 



holt in dieser Art verwendet. — S. Salvatore ward 848 (M. 1133) von 
Lothar I. an seine Gemahlin und älteste Tochter (Gisla) in der Weise 
libertrag-en, daß es die letztere für den Fall, daß sie die erstere über- 
lebe, See. regnlam S. Ben, erhalten solle, und daß hierauf die Anstalt 
an die Krone heimzufallen habe. Tatsächlich gelaugt die Abtei 851 
nach dem Tode Irmingards an Gisla (M. 1147). Später (868) wird sie 
von Ludwig II. in gleicher Weise („zu lebenslänglicher Nutznießung 
tind Leitung") an Gattin (Engelberga) und älteste Tochter (Irmingard) 
übertragen (M. 1240; s. a. die Bestätigung für Engelberga seitens 
ihres Bruders Karl IIT. [d. D.] M. 1744 [887] sowie durch Arnolf M. 181B 
[889], auch da wird noch das Nachfolgerecht der Tochter mitbestätigt; 
vgl. a. Hartmann III/2, S. 47). Später gelangt das Kloster an Kaiser 
Berengars I. Tochter Berta (Hartm. S. 249), Daß auch unter den 
einfachen Nonnen hohe Aristokratiunen waren, zeigt der Vorwurf an 
den Bischof Liutward von Vercelli (vgl. M. 1748 a [887]), er habe aus 
der Abtei Mädchen aus den edelsten Geschlechtern Deutschlands und 
Italiens entführen lassen, um sie seinen Verwandten zu vermählen, so 
auch die Tochter des Grafen Unruoch (des ältesten Bruders Berengars), 
eine Verwandte des Kaisers. — Gisla war auch im Besitz der Abtei 
Posses (M. 1701 b [885]). Lothars I. jüngere Tochter Berta bekam 
Avennay als Äbtissin (M. 1138 [848]; vgl. 1152 [85-2]). Diese Abtei über- 
trug Karl d. K. später an Theutberga (ihr Hofkaplan Ingelwin erhielt 
von ihm St. Martin zu Tours; M. 1304 d [864]). — Auch S. Pietro bei 
Piacenza übertrug Ludwig II. (M. 1245 [870]) an seine Gemahlin Engel- 
berga „für ihren eigenen Nutzen sowie für den der Nonnen von 
St. Sisto" und bestätigte alles „zu freiem Eignen". (Über diese Eechts- 
fragen T. IV). — Waldrada hatte ebenfalls mehrere Klöster inne 
(M. 1306 [865]). — Oberraünster wird 833 von Ludwig d. D. (M. 1349) 
an Emma verliehen. — Derselbe Herrscher gibt S. Felix und Regula 
in Zürich 853 seiner Tochter Hildegard (M. 1407). Hernach hat es seine 
Tochter Berta auf Lebenszeit zu eigen (M. 1452 [863]). Später ist 
dann Adelheids Großmutter Äbtissin von Zürich (Hartm. III/2, S. 250). 
Usw. Im allg. vgl. Mühlbacher, Gesch. 323 über die Vergabung* 
von Klöstern als Appanagen (schon bezüglich der Schwestern Lud- 
wigs d. Fr.). 

2)Jm übrigen ist es nicht immer klar, ob die Prälatnr oder 
bloß die Kirchherrschaft übertragen wird. (Vgl. aitch das Folgende.) 
Selbst Ausdrücke wie rectrix (s. unten) beweisen da nichts. 

1) Mit denen sie übrigens ja auch selbst vielfach verwandtschaft- 
lich verbunden waren. So war der im Jahre 861 wegen Infidelität 
abgesetzte Abt Waldo von Schwarzach ein Verwandter der K. Irmin- 
gard M. 1294 a (86'I), ein Brtider der Grafen Uto und Berengar und 
Neffe Ludwigs d. D. ; M. 1445 a (861). 

2) Benedikt von Aniane ein Sohn des Grafen von Maguelonne ;; 
Mühlbacher, Geschichte S. 325. 



— 187 — 

es um so klarer, daß die lokalen Bistiimsherrn ihren Einfluß auf 
die Besetzung- zugunsten ihrer Familienangehörigen übten ^). Aus 
diesem Grunde hauptsächlich 2) rekrutierte sich damals ein immer 
größerer Teil des Episkopates sowie des übrigen Prälatentums 
aus Anverwandten der weltlichen Großen, aus den ersten Ge- 
schlechtern^)*). Und den übrigen Bischöfen waren solche Adelige 



1) Der vom Dogen Petrus Trandenicus (836—864) von Venedig- 
auf das Bistum Olivoio beförderte Dominikus war wohl ein Verwandter; 
Kretschmayr I, 93. Vgl. a. Hirsch, Berengar I. S. 9, wo (N. 5) 
einige weitere Beispiele. Usw. Im übrigen das Folgende. 

2) Übrigens wurde auch sonst die Berücksichtigung adliger Ge- 
burt immer maßgebender. Selbst bei Erteilung des Wahlrechtes an die 
Konvente vergißt man nicht, auch dieses Moment gelegentlich aiis- 
drücklich zu betonen. M. 896 t831) : die Brüder von St. Martin erhalten 
das Recht zur Wahl des Abtes — qtiem optimum et nobilitate 
gerne ris et probitate morum et in scripturis eruditum iudicaverint — , 
— Im übrigen die einschlägige Arbeit von A. Schulte. 

3) Auch hierfür nur einige Beispiele, Solche ließen sich — auch 
über die im weiteren noch angeführten Fälle hinaus — in sehr großer 
Zahl beibringen. Aus g'räflichem Geschlecht waren z. B. ßatherius 
von Lüttich (später von Verona) [ein Sohn des Grafen von Vienne 
(Ugb. V, 734)], B. Hektor von Le Puy (um 928; G. C. II, 694), B. 
Rostagnus von Apt (c. 950, ein Neffe des Grafen Griff 0; G. C. I, 353), 
B. Sunarius von Elna (ein Sohn des Grafen Gaucefredus; J. 3749 
[971]), Eb. Odo von Aux (um 988, ein Bruder des Grafen Wilhelm 
[c. Astaracensis] ; G. C I, 979) oder — in Italien — z. B. Jeremias von 
Lucca u. d. Mitte des 9. Jahrh. ein Bruder des Grafen (Mayer II, 282), 
B. Milo von Verona ein Neffe des gleichnamigen Grafen (J. 3653 
[c. 950]; vgl. a. Hartmannn III/2, 248^ usw. Vgl. ferner noch etwa 
G. C. VIb 19f. Nr. 20 (977) [Narbonne], Ugh. 11^, 261 (c. 915, c. 945) 
[Reggio-Em.], VII, 192 (998) [Venedig] u. — allgemein — Simon, 
Stand und Herkunft usw., passim. — Selbstredend kommen auch andere 
als gräfl. Geschlechter in Betracht, einerseits die dukalen, andererseits 
auch die vikomtalen. Über Odalbert von Salzburg (seit923)obenS.]84N.l. 
Ebenso war sogar noch der durch Otto I. eingesetzte Eb, Albrich 
(=Herolt) 939—958 ein Neffe des Herzogs Arnolf: Widmann I, 154; 
Lüttich 110 m. N. 28, In Neapel sahen wir schon im 9. Jahrh. Ver- 
wandte der duces als Bischöfe; vgl.Ugh.VI, Sp.76f, Ebenso war B.Bonus 
von Gaeta (um 880) aus dem Geschlecht der duces; Capell. XXI, 338. 
In Capua war Johannes, ein Bruder des Fürsten Pandolf, erster 
Metropolit; J. n. 966. Auch in Benevent stammt B. Landolf (seit c 962), 
späterer Metropolit von B.-Siponto aus dem dukalen Geschlecht; Ugh. 
VIII2, 58, J. 3738 (969). Usw. (Andere Beispiele für diese Kirchen 
ergab ja schon das bisherige.) Aus vizegräflichen Familien 
stammten z. B. B. Turpio von Limoges (c. 905—44; G. C II, 508), 
B. Stephan von Clermont (G. C. II, 255) usw. Von Äbten sei als Beispiel 
Ademar von Redon aus dem Geschlecht der Vicomtes von Poitierfr 



— 188 — 

Tium mindesten gefährliche Nebenbuhler^). Namentlich suchten 
die Machthaber eigene Verwandte als Gegenbischöfe aufzustellen, 
u. dgl.2). 

Die Großen beförderten vielfach ihre eigenen Kinder auf 
die Prälaturen, wie sie ja auch sonstige Unterherrschaften ihres 
Machtbereiches — Vizekomitate, Teilgrafschaften usw. — an sie 
vergabteu. Und sehr häufig ist das Bild, das uns begegnet, dies, 
daß ein Seigneur seine Herrschaft auf den ältesten Sohn ver- 
erbt, den zweiten oder auch mehrere der übrigen aber mit den 
Bistümern, bzw. Abteien usw. seines Machtbereiches ausstattet. 

Besonders anschaulich tritt das Gesagte dort hervor, wo wir 
von den genealogischen Verhältnissen besser unterrichtet sind^). 



(Borderie II, 362) genannt. Oft werden die Prälaten einfach als 
„aus edlem G-eschlecht" stammend bezeichnet; so jener Bernhard von 
St. Gallen, der unter Zusicherung- des Wahlrechtes an die Mönche 883 
bestätigt wurde (M. 1677 c), aber bald dem — trotzdem oktroyierten — 
Salomon III. von Konst. weichen mußte. Oder von B. Ebroin von 
Poitiers heißt es 839 (M. 996 c) „er und die übrigen Edlen Aquitaniens". 
Usw. Aus mächtigem Geschlecht war auch Hinkmar von Reims 
(Schrörs S. 5). Usw. 

4) Auch der päpstliche Stuhl macht da wieder keine Ausnahme. 
Bened. VII. (zuerst B. von Sutri), ein Enkel (oder Neffe? [Ca pell. I, 
101]), Joh. XI. ein Bruder Alberichs IL (Sav. I, 100 m. N. M. S. 107 f.). 
Joh, XII. ein Sohn desselben (Hartmann III/2, 227, 255). Usw. Natür- 
lich gilt das auch von den B. des Kirchenstaates, die denn häufig mit 
den P. verwandt sind; z. B. noch J. 3051 (876): B. Leo von Sabina 
ein Neffe Johanns VIII. Usw. 

1) So hatte B. Norbert von Le Puy um 880 in dem Bruder des 
Vicomte von Polignac einen Nebenbuhler, wurde daher seitens des 
letzteren schwer bedrängt und konnte nur durch reiche Geschenke 
eine Versöhnung herbeiführen; G. C. II, 693. 

2) In Lüttich, das nach kurzem Eingen ganz dem Grafen vom 
Hennegau unterlag, wurde 953 nach der Vertreibung Eathers ein Neffe 
Eeginars vom Hennegau, Balderich, Bischof. Krüger S. 27. 

3) S. außer dem im Text folgenden z. B. Gesta Com. Barcin. I, 

c. 4f. Marca S. 541; Graf "Miro von Barcelona (regiert 911—929) hatte 
drei Söhne: Seniofredus, Oliba Capreta und Miro d. J. Cui (Miro 

d. Ä. tÖ29) successit in comitatu Barchinonae Seniofredus filius eins 
primus. C. 5. In comitatibus vero Bisuldunensi ac Cerritaniensi successit 
eidem Oliba Capreta filius eius. Miro vero tertius füius fuit Gerun- 
densis episcopus et comes (t984); vgl. a. a. 0. I c. 10 S. 548: Graf 
Oliba Capreta von Bisolduno und Cerdagne (t984) hatte wieder drei 
Söhne. Der erste folgt in der Herrschaft Bisolduno, der zweite wohl 
in der von Cerdagne. Der dritte (Oliba) fuit monachus EivipuUi et 
abbas, deinde episcopus Vicensis, cui etiam fuit commissum regimen 
inonasterii sancti Michaelis de Cuxano. Sedit etiam in episcopatu 



— 189 — 

So folgte, um hier nur einige Beispiele anzuführen; Fuleos I. 
des Roten von Anjon — des ersten dortigen Erbgrafen — ältester 
Sohn Fuleo IL der Gute dem Vater in der Grafschaft. Der 
jüngere Sohn Gui (Wido) wurde Bisehof von Soissons (937). 
Fuleos II. jüngere Söhne Gui und Drogo waren nacheinander 
Bischöfe von Le Puy^). 

Oder im Poitou folgte auf den Grafen Ebolus dessen ältester 
Sohn in der Grafschaft nach, der jüngere wurde Bischof von 
Limoges ^). 

Auch im Dukaten haben wir ähnliche Verhältnisse. So wurde 
Giselbert als ältester Sohn des Reginar Langhals dessen Nach- 
folger im Herzogtum, der jüngere Sohn Balduin wurde Bischof 
von Utrecht 2). Ein schönes Beispiel für die ganze Entwicklung 
bietet auch Venedig dar*). Usw. ^). 



annis XXVIII et rexit coenobia XXXVIII. Übrig'ens kam es auch vor, 
daß der älteste Sohn B. wurde, z. B. Marca 540; Graf Gtiiffred von 
Bare, (t c. 885) hatte vier Söhne. Primus fuit monachus Kivipnlli et 
episcopns Urgellensis. Guifredus filiiis Olibani comitis Bisulduni 
siiccessit patri suo supradicto in comitatu Cerritaniensi ... et genuit filios 
plurimos, Eaimiindum scilicet Guifredi comitem et Guifrednm archi- 
piscopum Narbonensem et Beregarium Guifredi episcopiün Gerundensem 
et Guillelmum Guifredi Urgellensem episcopum et Bernardum Guifredi 
comitem Bergitani. Marca 540 (a. 916): Bischof von Elna Bruder 
der Grafen Bentio und Gauzbertus. Ferner Marca 540 fc. 900). Usw. 

1) G. 0. II, 695f. Fisquet, La France pontificale, „Soissons" 
S. 29f. Mabille in der Introd. zu Marchegay et Salmon, 
Chronique des comtes d'Anjou (Soc. de l'histoire de Fr. I, Paris 
1865—71) S. Lllff.; L. Halphen, Le comte d'Anjou au Xle siöcle, 
Paris 1906, S. 3ff.,- Favre, Endes S. 74; s. a. Hirsch, Berengar L 
S. 168 N. 7, wo auch (mit reicher Literatur) über die mögliche Ver- 
wandtschaft mit Fulco V. Reims und den Spoletiner Widonen (dazu M. 
1790a [888]; J. 3420 [886]). Schon im 9. Jahrh. zeigt sich im be- 
sprochenen Gebiet ähnliches. So war B. Norbert von Le Puy (um 880) 
ein Sohn des mächtigen Grafen von der Auvergne, von Chälons-s.-S. 
und von Mäcon; G. C. II, 693. 

2) Ademari Chron. (G. C. II, 507): Defuncto Eblo comite 
Pictavino filiorum eius alter comes, alter episcopus factus est. Dieser 
erhielt das Bistum L., jener eine Reihe von Grafschaften und das 
Herzogtum Aquitanien durch den König. 

3) Blök, Niederlande I, 164. 

4) Kretschmayr I, 100 sagt: „Immer mehr steuerte die Ent- 
wicklung auf eine im Hause der Parteciaci vererbliche höchste Gewalt 
zu. Der Dogat war dessen Familienbesitz. Es stellte Patriarchen, 
Bischöfe, Äbtissinnen der großen Klöster." Sogar nach dem Verlust 
des Dogates durch die Parteciaci (vgl. a. a. 0. 101) war „der Erzstuhl 



— 190 — 

Natürlich haben auch die neuen Königsgewalten die wich- 
tigeren Stellen — • die geistlichen wie die weltlichen — möglichst 
mit eigenen Verwandten besetzt ^j, was zur Stärkung und Ab- 
runduDg ihrer Macht nicht wenig beitrug ^). Besonders lehrreich 
ist da das Beispiel Hugos von der Provence in Italien^)*). 
Andererseits gilt das Gesagte auch von den bloßen Vizegrafen 5). 

Auch dadurch wurden nun die Bischofskirchen immer mehr 
zum Familienbesitz und unmittelbar in die Kämpfe der Groi3en 
hineingezogen ß). 

Häufig sind auf diese Art sämtliche Prälaturen eines der neuen 
Machtbereiche in den Händen von Verwandten des Lokalherrn. 



von Grado mehr denn je zu einer Familiendomäne desselben ge- 
worden". — Aber auch die anderen Geschlechter verfolgten gleiche 
Ziele. So war Dominicus von Grado (seit 906) ein Sohn des Dogen; 
Ugh. V, 1107. Auch im späteren 10. Jahrhundert halten die Dogen 
an dieser Politik fest. So war B. Petrus von Ven. (n. 971) ein Sohn 
des Dogen; ügh. Y, 1199. In Grado sind Vitalis (seit 903), Orso (seit 
1012) u. a. Dogensöhne; Ugh. V, 1108 f. 

5) Über den Konradiner Rudolf, B. von Würzburg, unten N. 6. 
B. Eblus von Limoges, ein Sohn des Grafen und Herzogs von Aquit. 
(s. oben S. 189 N. 2), erlangte das Bistum allerdings formeil durch die 
Gunst des Ludw. transmarinus (n. 958) G. C. II, 509. B. Hildegarius 
(Ende des 10. Jahrh.) ist dann wieder aus vicomtalem Geschlecht; 510. 
So war ferner Bischof Ajo von Benevent (c. 870—885) ein Sohn des 
Herzogs ßodelchis (Ugh. VIII '-^j 44), ein Bruder des dus Adelchis 
[J. 3226 (879)]. B. Landonulf von Capua ein Sohn Pandos, Bruder 
Pandonolfs (Hartra. Ill/g, 147) usw. B. Athanasius II. von Neapel war 
ein Bruder des dux Sergius (oben S. 171 mit N. 3), Hartmann Ill/g, 
22 m. N. 11, S. 97, B.Stephan von Sorrent ein Neffe beider (Camera, 
Amalfi I, 109). Vgl. a. oben S. 134 N. 6. 

1) Oder gar selbst bekleidet — namentlich als sich ihre Gewalt 
im Anfangsstadium befand. So war Odo als Graf Abt von St. Martin 
zu Tours M. 1752 (887). 

2) Über Zwentibold z. B. Parisot, Lorraine S. 506. 

3) S. Leo I, 307 mit richtiger Wertung des Vorgangs. 

4) Zum ganzen für Fi-ankreich Giesebrecht, Kaiserzeit 
15, 303; 'für Burgund Kien er 144 N. 296 (wo mit Eecht die Ansicht 
Kallmanns [S. 30], diese Verleihungen hätten die Mediatisierung der 
Bistümer herbeigeführt^ bestritten wird), ferner S. 146 m. N. 305 und 
die dort zitierten. S. a. Dümmler III, 22. 

5) Oben passim, z. B. S. 188 N. 1. 

6) Über die Fehden des Babenbergers Adalbert gegen den Kon- 
radiner Rudolf z. B. Regino 903: Adalbertus Rodulfum ep. de Wirzi- 
burgensi ecclesia fugat et res et possessiones praefatae ecclesiae 
crudelissime depopulatur. Vgl. schon z. B. 1875 a, b (892). 



— 191 — 

Es ist darum auch damals ein häufiges Bild, Bischöfe^), ja ganze 
Reihen von Bischöfen miteinander verwandt zu sehen 2). Schon 
deshalb ähnelt die Nachfolge in den Prälaturen immer mehr 
einer, Erbfolge^). 

In Marseille z. B. saßen von 976 bis 1073 Söhne aus dem 
vizegräflichen Geschlecht auf dem Bischofstuhl*), Natürlich wurden 
aber nicht bloß die eigentlichen Prälaturen, sondern vielmehr 
auch andere wichtige Kirehenämter mit Verwandten der lokalen 
Machthaber besetzt. In Nevers war 950 der Archidiakon und 
Thesaurar ein Neffe der beiden Bischöfe Otto und Tedalgrim^). 

Im ZusanTmenhang auch damit steht — worauf ja, wie er- 
wähnt, bei den Kirchenämtern schon die Verarmung der geist- 
lichen Institute hindrängte, — da doch nur durch Vereinigung 
mehrerer Stellen eine einigermaßen kräftige Position gewonnen 



1) Z. B. Simon, Stand und Herkunft der Bischöfe der Mainzer 
KP. Weimar, Böhlaus N., 1908, S. 8, 18 und sonst. Vgl. a. J. 3560. 
Ferner — außer den bereits angeführten Fällen — Gerhardt vita 
S. Oudalrici ep. SS. IV, 389: Adalbero, ein Neffe Udalrichs. Von B. 
Eodvin von Soissons (902 — 908) weiß man nicht vielmehr, als daß er ein 
Oheim des B Geran von Auxerre (910—14) war. In Piacenza war 
B. Paulus ein Neffe des B. Seufred M. 1252 (872). Äbtissin ßicbswinda 
von Theodata war eine Schwester des B. von Belluno M. 1528 (877); 
B. Tordolt von Bayeux ein Verwandter Wenilos von Sens M. 1435 n. 
(858); Abt Hitto von Mondsee ein Neffe des B. Embricho von Regens- 
burg M. 1534 (878). Eine Schwester (Waldburc) des B. Liuthard (eines 
Sohnes Ludwigs d. D,?) Äbtissin von Neuenheerse M. 1795 (887). 

2) Schon in frühkarolingischer Zeit findet sich gelegentlich ein 
Bistum längere Zeit mit Gliedern einer Familie besetzt. Z. B. 
Dum ml er III, 18. — In Konstanz waren dann die drei B. Salomo 
Oheim, Neffe und Großneffe. Waldo von Freising (f 906) war ein 
Bruder Salomos III. und Waldo von Chur (f 949) ein Neffe beider; 
vgl. den Stammbaum bei Zeller, Salomo III. S. 15 N. 1. Daher auch 
die häufige Namensgleichheit. — Das gesagte gilt namentlich auch von den 
königlichen Gegenkandidaten; z.B. über die beiden Poppo in Würz- 
burg Hauck, Fürstenmacht 33 f. So saßen ferner auf dem Bischofs- 
sitz von Freising" von 811—883 nacheinander vier Verwandte (aus der 
Sippe der Huosier). Das kam in Bayern, wo die Bischöfe durchweg 
den ersten Geschlechtern angehörten, häufig vor. Vgl. Riezler I, 283, 
285. Manche Geschlechter stellten auch Bischöfe auf eine Reihe von 
Bischofssitzen verschiedener Provinzen; Riezler I, 283 f. 

3) G. C. Ib 109 (1005): (Marseille) Pontius praesul (976—1014), 
qui eidem avunculo (Honorat II.) suo in episcopatum successit — . 

4) J. H, Albanes, Armorial et Sigillographie des evöques de 
Marseille S. 36 ff. Kiener 213 m. N. 255. 

5) G. ehr. 12 b 316 Nr. 22. 



— 192 — 

werden konnte — der damals so weitverbreitete Brauch der 
Ämterhäufungi). Ist es klar, daß in jener Zeit überhaupt der 
einzelne mögliehst viele Prälaturen zu erwerben und die Macht- 
haber auch in der Herrschaftsform des Laienprälatentums sich 
eine tunlichst große Anzahl, am liebsten alle Kirchen ihres Macht- 
bereichs sich zu unterwerfen strebten 2) 3), so statteten eben auch 
die Großen speziell ihre Familienangehörigen nicht selten mit 
einer größeren Anzahl geistlicher bzw. weltlicher Stellen aus — 
vergabten wohl auch gelegentlich alle Prälaturen ihres Einflusses 
oder aber einen aus beiderlei Gewalten zusammengesetzten Herr- 
schaftskomplex an eine und dieselbe Person. Soweit aber eben 
nicht letzteres der Fall war, haben wir doch, wie gesagt, bei 
den angegebenen Bisehofgrafen kein eigentliches Laienprälatentum 
im obenerwähnten Sinn vor uns*). 

Immerhin sind aber auch diese Fälle denen des Laien- 
episkopates verwandt ö). Denn einerseits kamen auf diese Art 



1) Beispiele oben passim. So war ferner Adalhart Abt von 
St. Bertin und St. Amand; M. 1435 a (858). Hucbert war auch Abt 
von Lobbes und St. Martin zu Tours; M. 1297b (862). Daher auch 
Ben. Lev. VI, 155 S. 81 (ein Abt soll nicht zwei Klöstern vorstehen). 
Fast jeder Bischof war gleichzeitig Abt eines oder mehrerer Klöster. 
So Waldo von Freising Abt von Kempten M. 1814 (889). — Weitere 
Beispiele oben S. 167 N. 1 und an verschiedenen Orten. Über 
Niederkirchen z. B. c. 11 Ep. Leonis IV. Nr. 16, Ep. V, S. 595 (847, 8) t 
Ecclesias, qui plures retinet, una quidem titulata, alie vero sub com- 
mendacione tenende sunt. Vielleicht sind aber auch da höhere Kirchen 
wenigstens mitverstanden. Vgl. auch Ben. Lev. VI, 73 S. 77 (gegen 
Kumulierung von Kirchen in der Hand eines Priesters). 

2) So war Eeginar Langhals Laienabt von Echternach, Stavelot- 
Malmedy und zu St. Servatius (in Maastricht). F. Brabant, Eenier 
au long col etc. in Mem. de l'ac. de Belgique 31 (879) S. 45 und 62. 
Pirenne I, 48 mit N. 1. 

3) Daher die Bischofssprengel sich denLandesgrenzen anschmiegen. 
So lernten wir einen B. der „Gascogne" kennen. Es gab auch einen 
solchen von „Flandern" (Noyon-Tournay usw.) vgl. J. 3829 (988). Vgl. 
oben S.' 105. 

4) Vgl. auch die richtigen Bemerkungen bei Uhlirz, Otto IL 
S. 15, wo auch über die Vereinigung geistlicher und weltlicher Ge- 
walt. — Darüber, daß auch die Vergabung geistlicher Stellen an Ver- 
wandte und Freunde als Simonie aufgefaßt wurde — wogegen sich 
im 9. Jahrb. die Bestimmungen häufen — vgl. E. Hirsch, Der 
Simoniebegriff u. eine angebliche Erweiterung dess. i. 11. Jahrb. 
Archiv für Kath. KR. 86, (3. F. 10.) Bd. (1906) S. 7 f. 

5) Die Annäherung ist um so stärker, als, wie erwähnt, ja nicht selten 



— 193 — 

oft recht unwürdige Personen i), nicht selten Kinder^) auf die 
Bischofssitze — waren doch immer weniger Fragen der Eignung 
zum geistlichen Berufe, immer mehr dagegen Interessen anderer 
Art, hauptsächlich dynastische, für die Auswahl der Personen 
bestimmend — und solche Prälaten waren daher nicht viel besser 
als die Laienbischöfe selbst, andererseits waren auch in beiden 
Fällen Zweck und Erfolg ähnlich: Ausdehnung der Herrschaft 
eioes Großen auf die früheren Reichskirchen. Es war ja zumeist 
das Ziel, eine Hochkirche zum Familienbesitz zu machen, auch 
soweit ihr geistlicher Wirkungskreis in Frage kam, fast ebenso 
erreicht, wenn z. B. einer der Söhne eines Großen, als wenn 
dieser selbst die Prälatur bekleidete. 

Es muß aber in diesem Zusammenhange auch noch be- 
merkt werden, daß, auch abgesehen von diesen Fällen, der Epi- 
skopat jener Zeit überhaupt stark verweltlicht war^). Es ist 



die Herzog'Sg-ewalten Teilg-rafschaften u. dg'l. auch ad personam an ihre 
bischöflichen Söhne vergabten. 

1) S. die Stelle des erzürnten Regino z. 892 über B. Rudolf v. 
Würzb., den Bruder der Grafen Konrad und Gebhard: licet nobilis, 
stultissimus tarnen — (!) Regino war unter den Prälaten jener Zeit der 
wenigen einer, der die g-eistlichen Ideale hochhielt und — wie seine 
Werke zeigen — auch an der Verbesserung der Zustände rastlos arbeitete. 
Vgl. a. Krüger (Brunsl. usw. S. 9), der in vollkommen richtiger Auf- 
fassung der Sachlage folgendes ausführt, nachdem er vom Verfall 
der Klöster gesprochen: „Was von den Klöstern, das gilt auch von der 
Mehrzahl der Bischofssitze. Nicht nur, daß sie ebenfalls der Plünderung 
verfielen" (vgl. das nächste Kapitel dieser Darstellung), „weit verderb- 
licher für sie war, daß sie an unwürdige Glieder vornehmer Familien 
vergeben und verkauft wurden. Denn die Gewalthaber besetzten die 
Bischofsstühle nur gegen Zahlung großer Summen und mit Gleich- 
gesinnten, die sie dann stets in Abhängigkeit zu erhalten wußten". 

2) So jener Landolf II. von Benevent, der — aus der fürstlichen 
Familie — dem Bischof grafen Landolf I. (879) im Bistum folgte; Ugh. 
VI, 316: „admodum adoJescens". Es heißt von ihm, er wurde von seinem 
Oheim verjagt, cum adhuc ex neglig"entia patris haud consecrationis 
munus accepisset — . Johann VIII. setzt dem Vertriebenen auf viele 
Bitten des Grafen einen Nachfolger, obwohl er jenem Knaben die 
Konfirmation erteilt hatte. Man sieht hieraus, wie viel das Papsttum 
in der damaligen Zeit zugestehen mußte. — Johann XII. gab Todi 
einen Knaben von 10 Jahren als Bischof. Cappölletti I, 98f. Leonij 
S. 40. Er (Joh.) selbst, Alberichs Sohn, gelangte mit 16 Jahren zum 
Pontifikat; Davidsohn I, 107. Über den jungen B. Landolf von Sa- 
lerno Schipa, Sal. 132 ff. üsw. 

3) Im allg. vgl. Pirenne I, 62. S. a. J. 3417 (886). Für Frank- 
reich Kalckstein S. 121, für Italien Giesebrecht F, 355. Usw. 

Pö s Chi, Bisehofsgut und mensa episcopalis. III. 13 



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klar, daß auch in dieser Beziehung- die damalige rauhe Zeit den 
Höhepunkt der Entwicklung gesehen hat Sahen wir doch schon 
in der ersten Hälfte des 9. Jahrhunderts die Verweltlichung der 
Prälaturen oft recht weit gedeihen^). Daß dies trotz wiederholter 
Reformversuche — die radikal-kirchlichen Schriftsteller strebten 
auch nach Karl d, Gr. namentlich nach gänzlicher Beseitigung 
der Staatsfunktionen der hohen Geistlichen 2) und schlugen zu 
diesem Zweck verschiedene Mittel vor 3) — in den immer stür- 
mischer werdenden Zeiten nicht besser wurde, kann von vorn- 
herein nicht anders erwartet werden und war auch tatsächlich 
der Fall — schon die seit Ludwigs des Frommen Tagen immer 
häufiger werdenden Klagen*)'') darüber deuten den wahren 



1) Über die frühere Zeit T. I § 6. Hatte doch schon die Verleihung 
der Prälaturen durch das karolingische Königtum eine arge Verwelt- 
lichung derselben herbeigeführt. 

2) Noch Nikolaus I. tritt gegen den persönlichen Kriegsdienst 
der Geistlichen auf, er nennt ihn lächerlich. J. 2688 (861?). Vgl, 
Greinacher S. 38. Auch J. 2788 (dazu Grein acher a. a. 0.). 

3) Vgl. unten § 16. Ferner s. a. z. B. M, 1002 (898): gestattet 
B. Äldrich von Le Mans, der so sehr durch Staatsdienst in Anspruch 
genommen sei, daß er viele seiner bischöfl. Pflichten vernachlässigen 
müsse, die Bestellung eines Ökonomen zur Verrichtung der Temporal- 
verwaltung. — Gerade weil diese Urkunde zweifelhaft ist, ist sie für uns 
von besonderem Wert. Mit Eecht verweist M. auf Ben. Lev. usw. 

4) Vgl. auch S. 116, N. 1. Ferner bes. den Brief der Synode v. 
Kiersy an Ludw. den Deutsehen von 858 c. 15 (Cap. II. 439f.) : [Richtet 
sich namentlich gegen die Auffassung der Bischöfe als Kronvasallen. 
Einiges ward bereits S. 114, N. 1 angeführt. Vgl. namentlich noch fol- 
gende Stellen]. Et nos episcopi Domino consecrati non sumus 
huiusmodi homines, ut, sicut homines saeculares, in vassallitico 
debeamus nos cuilibet commendare — sed ad defensionem et ad 
adiutorium gubernationis in ecclesiastico regimine nos eeclesiasque 
nostras committere. — Et lingua episcopi, quae facta est per Dei 
gratiam clavis caeli, nefarium est, ut, sicut saecularis quilibet, super 
Sacra iuret in nomine Domini et sanctorum invocatione, nisi forte, 
quod absit, contra eum scandalum acciderit ecclesiae suae; et inde 
sie temperanter agat, sicut Domino" docente constituerant rectores 
ecclesiae synodali consilio. — Et non est rationabilis causa, que contra 
hoc, quod petimus, vos debeat stimulare; quia non sumus huiusmodi 
homines, ut, cum cognoverimus voluntatem domini, velimus aut 
debeamus quoquomodo resultare vel rixas et dissensiones seu seditiones, 
quas vulgus werras nominat, debeamus commovere, conserere vel 
teuere, quos Dominus pacis praedicatores et sectatores voluit ordi- 
näre , . . pacem et quietem, non rixas et bella optamus et quaerimus. 
— Et non militamus terreno- regi sed caelisti . . . Usw. Vgl. schon 



— 195 — 

Oang der Entwicklung an. Die geistliche Seite der Kirchenämter 

früher die Bestimmungen, die das Halten von Vögten vorschreiben; 
bes. z. B. c. 19 der röm. Synode Eugens II. v. 826, Cap. I, 374: Ut epis- 
copi universique sacerdotes advocatos habeant. Quia episcopi universique, 
sacerdotes ad solam laudem Dei bonorumque operum actionem 
constituuntur, debet ergo unusquisque eorum tarn pro ecclesiasticis 
quam propriis suis actionibus, excepto publico videlicet crimine, 
advocatum habere, non malae famae suspectum, sed bone opinionis 
et laudabilis artis inventum: ne, dum humana lucra attendunt, aeterna 
praemia perdant. S. auch noch folg. Stelle aus der V. Walae (andere 
wurden schon früher und sind auch im weiteren [§ 14] angeführt) II, 2 
SS. II, 548: Ut Sit imperator et rex suo mancipatus officio; nee aliena 
gerat, sed ea, quae sui iuris competunt propria — — . Episcopus vero 
et ministri ecclesiarum, specialius quae dei sunt, agant. — — Eex 
rectores in regno tales constituat, quales eos Dominus diligenter in 
lege perquirere iubet ... tu, rex, . . nihil negligas, quia in te uno . . . 
totius stabilimentum est regni; in divinis autem ne ultra te ingeras 
quam expedit. Usw. Gegen ordensflüchtige Mönche und Kleriker, 
die wie Laien leben, c. 12 Cap. Ol. .825 (M. 1024). Vgl. a. S. 4, N. 3. 
Auch die alten Bestimmungen gegen die weltlichen Geschäfte der 
Kleriker — auch der Bischöfe — werden noch eingeschärft, z. B. c. 57 
Conc. Worms 868. Hartz h. II, 319: . . . . ut episcopi, presbyteri et 
diaconi non sint conductores aut procuratores neque ullo turpi negotio 
et inhonesto victum quaerant; quia respicere debent scriptum esse: 
„Nullus militans Deo implicat se negotiis saecularibus". 

5) Besonders energisch wenden sich daher auch die ps. Fäl- 
schungen gegen die Verweltlichung des Klerus, vor allem Ben. Lev. 
Nur einiges führe ich beispielsweise an. So stellt Ben. schon an die 
Spitze seiner Sammlung charakteristischerweise den Brief Zacharias' 
gegen die falschen, weltlich lebenden sacerdotes (V, 1 S. 45), daran 
schließen sich 'sogleich die bonifatian. ßeformsynoden (V, 2 u. 3). 
Den Kriegsdienst der Geistlichen, auch der B., stellt unter strenge 
Straf drohung VI, 61 (S. 76): Si quis episcopus, presbyter aut diaconus 
vel subdiac. ad bellum processerit et arma bellica indutus fuerit ad 
belligerandum, ab omni officio deponatur, in tantum, ut nee laicam 
communionem habeat. Gegen den Kriegsdienst speziell der B. VI, 
S70f. (S. 91f.), gegen das Waffentragen des Klerus VI, 321f., 376 
(S. 89, 93) [Strafe auch gegen den König], gegen weltl. Lebensweise 
VI, 203f. (S. 83), gegen ird. Dienste der Geistlichen, namentl. der B., 
überhaupt VI, 124 (S. 79 f.), wo Sehadloshaltung der Kirchenanstalten 
bezüglich der aus solchen Tätigkeiten ihrer Vorsteher entspringenden 
Einbußen angeordnet wird. Überhaupt richtet sich Ben. (VI, 118 
S. 79; gegen alle nicht geistlichen Dienste der B. u. sonstigen Kleriker. 
— Aus Ps. sei c. 4 Clem. 1 (S. 32) angeführt (schärft u. a. auch den 
B. die Teilnahme an der vita communis ein, sagt, daß die Laien die 
Leitung der Kirche den B. überlassen sollen. Insbes. tritt er auch für 
ein höheres Maß von Bildung bei den Bischöfen ein; z. B. c. 26 
Clem. 1 (S. 38f.), c. 56 Clem. 3 (S. 52f, vgl. a. c. 59 S. 53f.), c. 12 
Anacl. S. 71 f. Usw. 



— 196 - 

trat immer mehr in den Hintergrund ^) 2). Auch abgesehen von 
den angeführten Fällen waren immer öfter unkirchliche Gesichts- 
punkte, nicht selten rohe Gewalt für die Erlangung der Präla- 
tureu maßgebend. 

Laienmäßig war daher auch sonst die Lebensweise vieler 
Bischöfe in jener Zeit. Sie ließen sich oft jahrelang, ja, mit- 
unter überhaupt nicht weihen 2), empfingen oft selbst die niederen 
Weihen nicht^), lebten häufig genug mit Weib und Kind im Bischofs- 
palast, waren ganz in profanen Angelegenheiten befangen. Waren 
sie schon seit Karl d. Gr. persönlich zum Kriegsdienst verpflichtet, 
so schienen viele unter ihnen diese Aufgabe später als die wich- 
tigste ihres Amtes anzusehen ^) ^). Nicht selten spielen Bischöfe 



1) Hier nur einiges. Betreffs des ß. v. Fiesole um die Mitte des 
10. Jahrh. Davidsohn, Gesch. I, S. 108- Ferner s. z. B. J. 2637 (853); 
2847 (858-867); 3015 (875)-, 3023 (873-876)-, 3025 (873—876). 

2) Selbst von bedeutenden Bischöfen jener Zeit gilt dies. Ganz 
verweltliclit war z. B. Eb. Hatte I. von Mainz, der große Staatsmann; 
vgl. Jul. Heidemann, Hatto I. Eb. v. Mainz (891—913), Berlin 1865, 
S. 39. (Arnolf sagt zwar M. 1868, er habe ihn wegen seiner Frömmig- 
keit verehrt, hebt aber doch auch seine Geschäftstüchtigkeit hervor). 
Ihm ähnlich Salomon HL v. Konstanz (890—920; s. Stalin I, 157; U. 
Zeller, Salomon HL, S. 79). Und andere. Charakteristisch z. B. a. die 
(in Nr. 14 v. 900 Germ. Pont. I, 163) erwähnte Ermahnung" der bayr. 
Bischöfe — man sieht, wie sehr sie sich als Reichsbeamte fühlten — 
an den Papst, er möge sich der Wohltateti erinnern, die die deutschen 
Herrscher ihm (bzw. Rom) erwiesen, — Schon von Ebo von Reims 
heißt es (G. C. Xb 7f. a. 866): Ebo regii fisci familia oriundo progressus 
— — palatinis negotiis non mediocriter adnutritus — . 

3) So saß in Salerno Petrus als „electus" jahrelang auf dem 
Bischofssitz und kümmerte sich nicht um die päpstlichen Ermahnungen 
zur Einholung der Konsekration; J. 3440, 41. Usw. 

4) Natürlich erfolgte damals häufig die Erhebung auf die 
Bischofssitze direkt aus dem Laienstand. Betreffs Roms selbst z. B. 
Kehr H, 15 Nr. 3 (964). 

5) Schon i. J. 865 verweigern die Könige Karl der Kahle und 
Ludwig der Deutsche den Bischöfen die Romfahrt mit der Begründung, 
sie hätten Tag und Nacht gegen die Normannen zu wachen. J. 2788, 
wo deshalb Karl d. K. durch Nikolaus I. Vorwürfe gemacht werden. 
Grein acher S. 38. 

6) Von rauhen und kriegerischen Bischöfen wird in jenem secolo 
di ferro (so nennt es Muratori Ann. z. 981) oft berichtet. Stellen wie 
die folgenden sind häufig. Ugh. TV, 91: Eb. Lambert von Mailand 
(920—930) war ein vir utique bellicosus et f erox — er verdankte seine 
Stellung ßerengar. (Über ihn auch Stalin I, 176). Überall sehen 
wir die Bischöfe sich persönlich an den Kämpfen beteiligen. Für 
Italien vgl. Odorici III, 246. Über Eb. Otgar v. Mainz M. 1091b 



— 197 — 

und Äbte unter den Reisigen die erste Rolle, befehligen die 
Heere, führen aber auch häufig genug private Fehden^). Man 
macht sich kaum eine Vorstellung davon, wie sehr schließlich der 
höhere Klerus in weltliche Geschäfte verstrickt war^), in welt- 
licher, unkirchlicher Tätigkeit aufgingt). Selbst von einzelnen 
Päpste n muß das gesagt werden*) °). 

(892). Usw. P. Stephan V. verzeiht 887 einem koi-sikan. B. die Tötung 
eines Menschen; J. 3433, Es kam vor, daß in den Parteikämpfen ein 
Bischof als Gefangener einem anderen Bischof übergeben wurde; z. B. 
Odorici III, 249. 

1) Abt Hugo von Tours und B, Gauzlin von Paris galten als die her- 
vorragendsten Führer und Vorkämpfer (duces) gegen die Normannen. 
S. M. 1718b. (Zu unseren früheren Ausführungen sei hier der Voll- 
ständigkeit wegen bemerkt, daß dux auch sonst im 9. Jahrh. häufig 
in dieser ursprünglichen Bedeutung vorkommt; s. z. B. die Stelle bei 
M. 1084 i (841): duces Lothars i. d. Schlacht bei Fontenoy — oder in 
M. 1283 a (858) über die Heerfahrt gegen Abt Hucbert: frequenter 
etiam cum ducibus armatorum multitudinem direxit.) — S. ferner z. B. 
M. 1370k (842): B. als Heerführer. — Ein berühmter Feldherr war 
auch Eb. Liutbert v. Mainz; 872 siegt er als Führer des Frankenheeres 
gegen die Böhmen über fünf Herzoge der letzteren, M. 1490 c; 874 ist 
er Führer gegen die Sorben M. 1498 f. usw., 883 u. 885 geg'en die 
Normannen M. 1677a, 1696 a. B. Arn v. Würzburg war Greuzhüter 
gegen die Böhmen; M. 1490a (871). Kommandant von Paris ist 886 
Abt Ebolus V. St. Germain (M. 1718 b, vgl. 1717 aj. Schon 837 werden, 
um den Widerstand der Friesen zu brechen, tatkräftige Äbte und 
Grafen dahin entsendet; M. 968a. Über die Beteiligung der Geistlich- 
keit an der Sehlacht bei Fonteuoy 841 M. lÜ84i. Usw. 

2) Und selbst fromme Prälaten waren so sehr in weltlichen An- 
gelegenheiten befangen, daß sie ihre geistlichen Funktionen ganz zu 
vernachlässigen gezwungen waren. So sagt z. B. sogar einer der 
Reformatoren (Lepinois et Merlet, Cart. de Chartres I, 77f. Nr. 8): 
Eagenfredus antistes. . . . Cum a secularium negotiorum tumultibus, 
quibus plus necessitate quam voto implicitus teneor, pau- 
lulum animum expedissem richtet er das verfallene St. Peters- 
kloster wieder ein. (Die Herausgeber setzen die Urkunde g'egen das 
J. 949; G. C. Vlllb 289 N. 4 hat besser 954). — Auch unter Eb. Dietrich 
V. Trier (964 — 77) fielen die von seinem Vorgänger Egbert bereits 
reformierten Kirchen und Klöster der Plünderung durch die Großen 
anheim, da er, obwohl ein gelehrter und frommer Mann, durch Staats- 
geschäfte so sehr in Anspruch genommen war, daß ihm sonst keine 
Zeit für seine geistliche Wirksamkeit verblieb. Eb. Heinrich (956—64), 
gleichfalls ein Vorkämpfer der Reformation, starb auf dem zweiten 
Zug Ottos in Italien. Dem Eb. Bruno von Köln wird seine Frömmig- 
keit in der geistl. Amtsführung nachgerühmt, zugleich aber auch die 
Tatsache, daß er auch seinen herzoglichen Willen zur Geltung zu 
bringen verstand; G. C. III, 647. 

3) Vgl. z. B. (Kehr IV, 99 f. Nr. 1 u. 2) die harten Worte 



— 198 — 

Auch da haben wh* also vielfach geradezu Laienbischöfe 
vor uns, gleichfalls ohne daß eine Vereinigung geistlicher und 
weltlicher Gewalt oder ähnliches stattgefunden hätte. Das Laien- 
prälatentum stellt ja selbst bei einer solchen Vereinigung nur 
den Extremfall dar, zu dem es eben zahlreiche Vorstufen und 
Übergänge gibt^). 

Wie es aber in der gedachten und in ähnlicher Weise An- 
näherungen an die Laienbischöfe gibt, so finden sich im be- 



Johauns VIIL über den Bischof v. Cittä de Castello. Ferner etwa 
Brackmann, Germania pontificia I, 141f. (864) Nr. 6: Nik. I. betreffs 
des B. von Säben oder Kehr IV, 8 Nr. 12 (853) betreffs eines B. Über 
Verweltlichung des Episkopates, Gewalttätigkeiten häufige Klagen. Ge- 
waltsam auch das Vorgehen der bayr. B. gegen die mährischen B,; 
z. B, Brack mann, Germ. pont. I, 163 Nr. 13 (873). Über die weltliche 
Gesinnung des B. Hagano v, Bergamo M. 1302 a (863). Über Abt 
Hucbert von St. Moritz M. 1282 a (857), M. 1209 e, 90a (860). P. 
Marinus II, tadelt den B. Sicus v. Capua ob seiner weltlichen Ge- 
sinnung; J. 3628 (942—46). Usw. 

4) Über Joh. XII. z. B. Capell. I, 98 f. Davids. I, 107. Manche 
kämpfen persönlich; namentlich gegen die Ungläubigen; so Joh. X. 
gegen die Sarazenen ; Hartmann III/2 1661 Vielleicht schon Leo IV; 
vgl. J. 2620 (852?). Viell. sogar Joh. VIII. — Hadrian II. noch als 
Papst verheiratet? vgl. M. 1289i (868). Vgl. im übrigen die allg., bes. 
kirchengesch. Literatur. 

5) Nichts ist vielleicht so charakteristisch für jene Zeit wie die 
Art, in der kirchliche Vorgesetzte gelegentlich mit ihren Untergebenen 
verkehrten. P. Stefan V. erteilt — um auch da nur ein Beispiel zu 
erwähnen — dem Bisch ofgrafen Athanasius IL von Neapel den Befehl, 
einen Diakon wieder ins Amt einzusetzen, widrigenfalls er diesen Be- 
fehl mit Waffengewalt erzwingen würde. J. 3414 (886). Er sagt, der 
B. möge sich nicht auf seine Hilfskräfte verlassen, da ihm (P.) noch 
viel mehr zur Verfügung ständen. 

1) Bei den Mönchsklöstern lernten wir in den abbates canonici 
ja schon eine besonders deutliche Übergangsstufe kennen. Nur halb 
erfüllt war dabei noch die Form. Klar tritt es zutage, daß die eigent- 
lichen Interessen des Klosters einem solchen Prälaten bereits ferne 
stehen. Verleihung durch königliches Benefiz und nichtmönchischer 
Stand des Abtes schien gleichbedeutend; so heißt es sogar von Abt 
Grimoal von St. Gallen, der die Abtei 841 als königliches Benefiz er- 
halten hatte und der besonders gerühmt wird, — licet habitu non 
esset, conversatione tarnen et voto monachus existebat — (Ratperti 
Casus S. Galli, SS. II, 71). Wegen dieses unmittelbaren Zusammenhanges 
mit der Verweltlichung (hauptsächlich) finden sich auch nach Karl 
d. Gr. noch zahlreiche Bestrebungen, die freie Prälatenwahl wieder- 
herzustellen. "Vgl. oben. Ludwig d. Fr. versprach ja allgemein die 
Bischofs- und Abtswahl wiederherzustellen. Um allgemeine kanonische 
Bischofswahl bittet 854 eine Synode, M. 1169 a. 



— 199 — 

sonderen, wie bereits angedeutet, auch Übergänge zwischen den 
beiden Formen der Bistumsherrschaft. So, wenn — wie in 
Reims — der Herr sieh nicht gerade ausdrücklich als Bischof 
bezeichnet — wenn er sich auch als solcher gerierte — , sondern 
einen Strohmann vorschob, um wenigstens notdürftig die Form 
zu wahren. Oder, wenn ein Großer einen Bischof absetzte — 
oder eine sonstwie eingetretene Vakanz^) dazu ausnutzte — , um 
durch längere Zeit^) als eine Art Zwischenverwalter — gleich- 
falls nicht direkt als Bischof — das Bistum tatsächlich zu. regieren ^). 
Auch die oben als Anklänge an Bistumsübertragungen in 
toto bereits erwähnten Fälle gehören natürlich hierher. So wird 
z. B. in Chälons s.-M. der mit des Königs (Odo) Zustimmung 
Gewählte vom Eb. Fulco von Reims nicht geweiht. Vielmehr 
vergibt dieser die Kirche- zunächst als Benefiz an einen fremden 
(um seinen Sitz gebrachten) Bischof*). Später leitet dann ein 



1) Vakanzen traten auch von selbst häufig genug- ein. Mau 
denke da nur an den bereits erwähnten Umstand, daß zahlreiche Prä- 
laten im Kampfe fielen. Leicht ließe sich das en masse belegen. Ich 
•will nur einiges anführen. So fiel 834 Kanzler Theoto, Aht von Mar- 
montier-lez-Tour im Kampfe Ludwigs gegen Lothar (M. 928 b). Noch 
stärker als durch die inneren Wirren wurden naturgemäß die Eeihen 
der Prälaten durch die Kämpfe mit den äußeren Feinden gelichtet. 
Zu Thimeon (880) fielen im Kampfe gegen die Normannen Abt Hugo 
von St, Martin zu Tours, Thiotrich von Minden und Marcwart von 
Hild. (M. 1565 h.). Bischof Arn von Würzburg wurde 892 mit seiner 
Schar von den Sorben erschlagen. (M. 1825 a). Ein Jahr zuvor fällt 
neben vielen anderen Eb. Sunzo von Mainz gegen die Normannen 
(M. 1860 a.) Die bayrische Ungarnschlacht d. J. 907 kostete den Eb. 
Theotmar von Salzburg sowie die Bischöfe Udo von Freising und 
Zacharias von Sehen und noch andere Prälaten. In Thüringen (908) 
fiel Bischof Rudolf von Würzburg. (Giesebrecht, Kaiserzeit P, 172.) 
Usw. — Infolge aller zusammenhängenden Umstände war der 
Wechsel in den Prälaturen damals außerordentlich rasch-, Karl d. K. 
verleiht z. B. 866 St. Martin dem Weifen Hugo, nachdem er die Abtei 
dem Kanzler Theutbergas abg-enommen hatte und Robert, der sie 
mittlerweile innegehabt, gefallen war — alles in einem Jahr ; M. 1313 a. 

2) Lange Vakanzen sind schon im 9. Jahrhundert häufig. Die 
Zwischenverwaltungen waren um so mehr bloße Notbehelfe, je 
länger sie dauerten, ja, oft geradezu Mittel zur Erleichterung von 
Säkularisationen tisw. Z. g. die folgenden Paragraphen. 

3) Der Bischof Hieronymus von Lausanne wurde seines Amtes 
entsetzt, ohne daß wir von einer anderweitigen Besetzung Kenntnis 
hätten. Johann VIIL verlangt 880 (J. 3315) seine Restitution. Vgl. 3316. 
Vgl. a. die bei Phillips, Regalienrecht S. 9 angeführte Stelle. 

4) S. 118 m. N. 4. — Das Erzstift Reims selbst war schon früher 



— 200 ~ 

gewisser Marcio „nonnullis criminibus irretitus'' das Bistum als 
„quasi episcopus"^). Von den Vasallen des letztern wurde 
der Gewählte (Bertanius), als er sich nach Eom wenden wollte, 
ergriffen und de ecclesia tractus verbannt^), üsw.^). 

Die Formen sind um so mehr verwischt, als es solchen Herrn 
ja bei der ganzen Sache auf das geistliche Amt selbst meist gar 
nicht ankam, sondern lediglich andere — fast durchweg materielle — 
Erwägungen maßgebend waren. 

Berühren sieh also in derartigen Fällen in gewissem Sinne 
beide Formen der Bistumsherrschaft, so gibt es auch noch andere 
Übergänge. Sahen wir früher das Laienprälatentum aus der Kirch- 
herrschaft gewissermaßen hervorgeheo, so gab es auch die um- 
gekehrte Entwicklung. 

Eine weitere Zwischenstufe ist nämlich durch die allmähliche 
Verwandlung des Laienprälatentums in eine Kirchherrschaft ge- 
geben. Dieser Vorgang ist dadurch veranlaßt worden, daß die 
Laienprälaten schließlich ihre Kirche wie anderen Privatbesitz 



der Verwaltung des Abtes Fulco übertragen worden für die Zeit von 
Ebos Gefangenschaft; vgl. G. C. X 67 f. (866; Karl d. K. an Nik. L). 

1) Diese und ähnliehe Bezeichnungen begegnen damals häufig; 
M. 1639 b (882) : Bischof Liutwin von Vercelli wird pseudo-episcopus 
genannt. Namentlich pflegte man die Prälaten der Gegenpartei so zu 
nennen. Über die Habsucht dieses Bischofs M. 1635 (882^. 

2) J. 3507. (895—996) Tadel an Fulco; vgl. J. 3510, 3512 (896). 

3) Vgl. a. den Fall von Köln oben T. II, S. 71 N. 2. Das vakante 
Erzstift war 864 von Lothar an den Subdiakon Hugo übertragen 
worden, den Sohn des Weifen Kourad — tonsura clerico, moribus 
autem et vita a fideli laico discrepanti [nämlich ungünstig] (M. 1304). 
Gunthar raffte alle Schätze zusammen (a. a, 0.). Über Hugo auch 
Simon, Stand und Herkunft usw. S. 18. 866 nahm Lothar das Erz- 
bistum dem Hugo, der es mittlerweile verwaltet hatte, wieder ab und 
gab es Hilduin [M. 1308 (866)], Gunthars Bruder „sub provisionis ob- 
tentu". Cambray, das Hilduin bisher innegehabt, erhält Johannes. 
Nikolaus I. drang schon 865 (J. 2788) auf Wiederbesetzung der vakanten 
Kirchen Köln und Cambray; trotzdem hat Gunthar 869 noch immer 
keinen Nachfolger M, 1324 g (869) und erhält erst gegen Ende dieses 
Jahres oder 870 einen solchen (vgl. S. 131 N. 2), Aiich in Trier 
dauerte die Vakanz von 863—869 Beyer II, S. XXXIX. Vgl. Hauck 
113 u. 4^ S, 566 ff. Nach M. 1473 h wurde Trier auch erst 870 mit Abt Ber- 
tolf von Mettlach, einem Neffen des Adventius von Metz, neu besetzt. 
Beide Erzstifte erhalten übrigens auch Gegenbischöfe von Ludwig. 
Über die „unkanonische" Verleihung von Cambray an Hilduin 
M. 1297 a, b (862), 1302 a (863), Z. g. a. Feister, S. 4 und sonst. 



— 201 — 

auf ihre Nachkommen vererbten^). Von dem Zustand, bei dem 
oft ein Bistum durch Jahrzehnte mit Angehörigen derselben 
Familie besetzt war 2), bis zur Vererbung vom Vater auf den 
Sohn war ja nurmehr ein Sehritt. Und in der Tat wurde, wie 
wir schon sahen, auch dieser Schritt noch getan. 

Viel besser ausgeprägt zeigt sich auch diese Entwicklung 
wieder bei den Abteien und sie hängt mit einer interessanten 
Erscheinung zusammen, die wir in ihren Voranzeichen gleichfalls 
schon in der Hausmeierzeit — und zwar auch bei Bistümern ^) — 
antreffen, nämlich mit dem Doppelprälatentum. 

Der Laienprälat nimmt sich für die Verrichtung der geist- 

1) Auch der Brauch einiger Prälaten, sich selbst ihre Nachfolger 
zu bestimmen, war da wohl von Einfluß; über Eavenna z. ß. oben 
S. 141 N. 3; ferner vgl. etwa G. C. I, 1194; Arnald I., Bischof von 
Bazas, wurde von seinem Vorgänger Hugo auf den Bischofssitz be- 
rufen. — Der früher (S. 189 m, N. 1) erwähnte Bischof Drogo von Le 
Puy soll von seinem Bruder und Vorgänger Wido noch bei dessen 
Lebzeiten an die Seite genommen und zum Nachfolger bestimmt 
worden sein (eine gewisse Mitwirkung durch Hugo Capet bei der Be- 
setzung ist dadurch nicht ausgeschlossen), ebenso wie er selbst seinen 
Neffen Stephan sich als Nachfolger bestimmte, wogegen freilich der 
Papst einschritt; G. C. II, 696 f. — Z. S. das folgd., bes. a. § 22 die Stelle 
aus Aimoin über Vererbung der Laienprälatur von St.-Germain-de- 
Pres in der Familie der Robertiner. 

2) Bei Privatklöstern wird das sogar stiftuugsmäßig festgelegt; 
z. B. M. 1550 (877): Gerbirg, Schwester der Grafen Brun und Otto, 
steht Gandersheim als Äbtissin vor; Ludwig III. gewährt Äbtissinwahl 
aus dem Stiftergeschlecht. Ähnlich die (verunechtete) Urk. M. 1552 f. 
Drübeck. Oder vgl. M. 1826 (889) : Vorbehalt der Äbtissinstelle für eine 
Familie. Sogar das Recht, sich einen Nachfolger zu bestimmen, wird 
gelegentlich durch Privileg verliehen, S, z. B. M. 1199 (854): Lud- 
wig II, bestätigt seinem Kaplan Roderich die Urkunde des P. Leo, 
wodurch dieser jenem das Kloster St. Maria zu Mazelle mit allen Be- 
sitzungen zu lebenslänglicher Nutznießung gegen einen .iährlichen Zins 
verliehen hatte, mit dem Recht, dasselbe einem von ihm gewählten 
Nachfolger zu hinterlassen und die Übertragung des Klosters an 
Raginbald und dessen Sohn Hieremias für den Todesfall Roderichs. 
Es handelt sich da nicht um eine Leihe des Herrenrechtes auf mehrere 
Leiber, sondern um die Vorstandschaft. In Rom war die Übertragung- der 
Klöster mit dem Zubehör gegen Zins auf Lebenszeit des Abtes an 
diesen schon in vorgerraanischer Zeit die gebräuchliche Vergabungs- 
form. Derartiges auf germanische Einflüsse zurückführen zu wollen, 
hieße die Wirkung vor die Ursache setzen. — Auch bei Bistümern 
kommt aber im 10. Jahrhundert ähnliches vor. Ausdrücklich gestattet 
998 Gregor V. dem Eb. Alphanus von Benevent, nach seinem Tode 
das Erzbistum mit allem Zubehör an seinen Neffen zu übertragen; 
Ugh. VIII, 72. 3) Ribbeck, Divisio, p. 



— 202 — 

liehen Funktionen natürlich einen geistlichen Gehilfen an die 
Seite. Das sahen wir ja gelegentlich schon bisher, und zwar auch 
in späterer Zeit bei den Bistümern als Brauch. Bei diesen 
fungierten fremde oder Chorbischöfe als derartige Gehilfen. 

Der Laienabt nahm sieh, besonders in Zeiten der Reform, 
einen Regularabt an die Seite. Neben dem abbas ssecularis steht 
dann demselben Kloster der abbas regularis vor, so daß dieses 
eine Zeitlang zwei Äbte hat. Allmählich verblaßt dann die 
Prälatenstellung des ersteren. Er bezeichnet sich schließlich nur 
mehr als Kirchherr, führt als Graf nur mehr den Comestitel. 
Die Bezeichnung abbas zieht sich auf den Regularabt zurück ^)^). 



1) Schon im 9. Jahrhundert, wo im allgemeinen der Kirchherr 
vom Kirchenvorsteher genau zu unterscheiden ist [vgl. unten S. 204 
N. 1] (auch dann sogar, wenn beide Würden in einer Person vereint 
sind), zeigt sich oft doch ein Schwanken der Begriffe. Schon das 
Schwanken im Ausdruck deutet darauf hin. So kann rector (rectrix) 
den Herrn einer Abtei oder auch den Abt (bzw. die Äbtissin) bedeuten. 
Es ist aber oft auch in einem Kloster (oder Stift) von mehreren 
rectores die Rede, wobei nicht nur Herr und Abt, sondern auch Propst 
und Dekan — oder einige von allen — darunter verstanden sind. 
So heißt es in einer Urkunde von 909 (Reg. Const. Nr. 269): cum 
Salomone episcopo et abbate monasterii S. Galli et cum aliis rectori- 
bus eiusdem monasterii — . (Nr. 253 a. 907 ist unterfertigt: Sign. epi. 
Salomonis et abbatis et aliorum officialium monasterii — ). Oder siehe 
Doniol, Gart, de Brioude S. 45 Nr. 22 (c. 910): Schenkung an das 
Stift, ubi d. W. comes et abbas et E, praepositus rectores ecclesiae 
tunc temporis praeesse videntur — — in stipendiis fratrum — — 
totum integrum ipsi casae dei cedo, ut faciant ipsi rectores . . . quid- 
quid . . , voluerint — . In anderen Fällen der Abt allein als rector (er 
war ja auch rector, daraus folgt nicht, daß er allein es war). A. a. 0. 
S. 197 (Anf. 10. Jahrh.): Abt, Propst und Dekan als rectores. Usw. 
Oft bedeutet der Titel rector auch den Übergang bei gänzlicher Auf- 
lassung der Abtsstelle (vgl. oben T. II, S. 218 f.; auch sonst ver- 
schwinden bei Klöstern vielfach die Äbte; der Laienabt war ja über- 
haupt nur eine Formalität); z. B. M. 1378 (844): Bischof von ßegensburg 
rector von St. Emmeram. Auch bei Eeichsstiften wird oft der Abt 
ganz beseitigt. Dem Konvent steht der Propst vor; z.B. über Aachen 
M. 1739 (887). Es ist daher nicht immer klar, was gemeint ist. So 
war Graf Waltbert (sowie auch dessen Sohn und andere Nachkommen) 
rector von Wildeshausen: M. 1413 (855). M. spricht daher mit Recht 
(z. B. 944 [835]) f. St. Marcel-de-Chälon von der „Leitung" des Stiftes. 
Auch der abgesetzte Gunthar von Köln nennt sich gubernator und 
rector dieser Kirche M. 1308 (866). Auch Häufung der Titel kommt 
vor; M. 1428 (857): Otgar abbas et rector v. Altaich; M. 1435 (858): 
Hadewi abbatissa et rectrix von Herford usw. — In S. Salvatore er- 
scheint neben der Prinzessin Gisla, für welche das Kloster nur Appa- 



— 203 



Wir können die geschilderte Entwicklung sehr deutlich an 
Einzelbeispielen verfolgen^). Schon der Umstand, daß die Be- 



nage ist, als rectrix auch noch die Äbtissin; M. 1275 (866—75); 
vgl. a. M. 1205 (856); Gisla ward das Kloster mit allen Gütern auf 
Lebenszeit zur Nutznießung verliehen; M. 1220 (861); unter Lothar I. 
wurde vorher von diesem Amelberga als Äbtissin bestellt; M. 1208. 
Es wird aber auch Gisla rectrix genannt, auch sie war gottgeweiht; 
M. 1219 (861); die Nonnen haben ein kleines Sondergut. Im 8. Jahrh. 
bedeutet noch rector ausschließlich den Abt; z.B. DP. 7 (754; M. 76) f. 
St. Denis. Neben dem Abt heißt der Herr meist senior; z. B. M. 1307 
(865): neben Abt llichard des Klosters Hornbach dessen Senior Warnar. 
Wird neben Abt (und Vogt) ein Vertreter des Klosters genannt, so ist 
wohl der Herr der Anstalt gemeint; s. z. B. M. 1211 (857) für ■ St. 
Michael in Diliana. Später heißt dann in Stiftern der Laienabt senior, 
der Propst custos Doniol N. 64, S. 85 (Anf. 10. Jahrb.), bzw. Propst 
und Dekan Kustoden (S. 81). Senior ist mitunter möglicherweise auch 
der älteste Mönch (vgl Reg. Ben. c. 3); s. z. B. M. 1723, 30 (886) f. St. 
Martin zu Tours. — Daß bei Verleihungen von Abteien das Herren- 
recht übertragen wird, zeigt sich dann, wenn der Beliehene einen 
Abt bestellt; z. B. M. 1102 (843) f. Farfa. 

.2) Vgl. über den abbas regularis neben dem a. saecularis in 
vielen Klöstern auch Eugen d'Auriac, Hist. . . . d'Alby, 1858, 
S. 371 

1) Das instruktivste Beispiel dieser Art für Klöster, das mir auf- 
gefallen ist, bietet Sithiu dar; Foicqu. II, 76 (Guerard S. 144 ff.). 
Im J. 944 abbas et comes Arnulfus — wegen seiner wunderbaren 
Heilung — Gerardum quendam abbatem ad se advocavit — — 
eundem monasterium (sc. ei) tradidit regulariter gubernandum. Die 
verweltlichten Mönche verlassen das Kloster. 947 (S. 145) wird Wido 
Abt — comite Arnulf o annuente — . Dann heißt es (S. 146 f.): markises 
Arnulfiis post Widonem . . . abbatem . . . Hildeprando, nepoti suo, 
eundem monasterium contradidit ad regendum. Gibt ihm auch die 
Verwaltung des Konventsgutes (950). Huic autem comes Arnulfus . . . 
ad usus fratrum . . . reddidit villam . . . quae . . . unum erat ex princi- 
palibus abbatiae membris et abbatis obsequium erat deputata . . . quam 
et ipse, quia paterna successione abbatiam susceperat, suo 
ustii mancipatam tenebat. — Noch 962 (S. 149) führt aber auch der 
Graf, der das Kloster innehat, den Titel abbas. 964 nennt er sich nur 
mehr Sithiensis ecclesiae, quantum ad temporale, administrator. Später 
ist er (wie sein Nachfolger) dann einfacher Temporalherr des Klosters, 
von Vogt und Abt getrennt. S. z. B. Simonis Lib. I n. 13 (a. a. 0. 
S. 183): der Abt beschwert sich bei dem Klosterherrn über den Vogt. 
Den Grafen von Flandern eignet dauernd loci publica in exterioribus 
administratio (S. 188). Das \ir sprüngliche karolingische Abtsgut ist 
dann zum Herrnanteil geworden. — Ich muß gleich hier bemerken, 
daß auch später in Klöstern sich Doppeläbte finden, daß diese jedoch 
eine neue Erscheinung und nicht die einfache historische Fort- 
setzung der obenerwähnten darstellen. (S. z.B. Vaissete, Hist. de 



— 204 — 

fugnisse des Kirehherrn und Prälaten immer unbeschränkter, also 
untereinander ähnlicher wurden, führte dahin. Je weniger in der 
Sache die Eeehtsschranken eingehalten wurden, desto mehr fehlte 
das Bedürfnis, im Ausdruck streng zu scheiden, bzw. an der 
Scheidung festzuhalten ^). 

Das Doppelprälatentum in dieser ausgeprägten Form findet 
sich freilieh nur bei Abteien — bei diesen Anstalten ging die 
Entwicklung nach der verweltlichenden Seite hin ja stets sozu- 
sagen um einen Schritt weiter und eben deshalb ist ihre Kenntnis 
nötig, um sich die hochkirehlichen Verhältnisse klarzumachen — 
immerhin gibt es aber bei Bistümern auch dafür Ansätze, wie wir 
schon sahen. Zur dauernden Eechtseinrichtung ist das Laien- 
prälatentum nicht geworden. Der spätere Bistumsherr ist durch- 
weg bloß Temporalherr. 



In der einen oder andern Form ist nun die Mediatisierung 
der Bistümer^) 2) in einer sehr großen Zahl von Fällen damals 



Lang'xiedoc IIb 4il [1125]: in Moissac neben dem abbas secularis, der 
die Oberleitung" führt, ein abbas reg'ularis). — Ähnlich war die Ent- 
wicklung- in Stiftern, wo gleichfalls im 12. Jahrhundert (im allgemeinen) 
im Zusammenhang mit der dann häufig erfolgten Umwandlung- der 
Säkularkapitel in reguläre das Doppelprälatentum wieder auflebt. — 
Was unsere Zeit anlangt, so führe ich — schon der Kontinuität wegen — 
als Beispiel das berühmte Kollegiatstift St. Julien-de-Brioude an — in 
karolingischer Zeit — wie auch später wieder — ein Reichsstift (T. I, 
S, 41). In der hier zu betrachtenden Übergangsperiode wird auch 
diese mächtige Kirche mediatisiert, und zwar — wie Sithiu — auf dem 
Wege des Laienprälatentums. Wir haben, wie gezeigt (s. vor. N.), um 
910 einen ab bacomes und Propst (und Dekan) als Vorsteher der Kirche 
(Willelmus comes et abbas et E. praepositus). Bald nach der Mitte 
des Jahrhunderts lautet dann die Reihe (z.B. Doniol Nr. 41, S. 64 a. 
963) : Guillelmus comes, Dalmatius abbas, Eotpertus praepositus et 
caeteri canonici sancti Juliani — . Ebenso S. 110. Dieser Zustand 
bleibt bis ins 11. Jahrhundert, der Sprachgebrauch wird sogar noch 
deutlicher; s. z. B. a. a. 0. S. 82, S. 154 (a. 974), S. 182 (a. ?), S. 164 
(c. 1000). 

1) In Zeiten der Reform wird dann wieder auch dort, wo früher 
Laienprälaten waren, nur mehr die „äußere Kirchherrschaft" an Laien 
vergabt. Ausdrücklich bleiben die Übertragungen auf das Herrenrecht 
beschränkt. So überläßt z. B. Otto I. einen Grafen „monasterü 
(Schwarzach) procurationem extrinseeus muniendam". D. I, 224. Dem 
entspricht früher der Klosterherr. Bouq. 8, 385 (849; M. 1137, zwei- 
felhaft): comes dominus monasterii — . 

2) Pirenue I, 45 sagt mit Recht von den Klöstern: Im Laufe 



— 205 - 

— für kürzere oder längere Zeit — erfolgt. Freilicli nicht 
überall, und rechnen wir selbst jene Gebiete weg, deren Bis- 
tümer sozusagen im Hansgut des Königs gelegen waren — wie 
die Hochkirchen Franziens usw. — und deshalb unmittelbar dem 
König mehr als ihrem lokalen Seigneur denn als Herrseher untei- 
standen, so bleiben doch auch einige andere Fälle, in denen sieh 
Bischofskirchen dieReichsunmittelbarkeit stets behaupten konnten ^). 



des 9. Jahrhunderts gingen fast sämtliche Klöster, wenn nicht recht- 
lich, so doch tatsächlich in den erblichen Besitz der Großen über. Oft 
wird uno actu seitens der Krone eine größere Anzahl von Kirchen 
— nebst anderen Gütern — an die Großen übertragen; s. z. B. 
B. 1768 (870): Karl d. K. gibt dem Grafen Oliba von Carcassone eine 
Anzahl von Kirchen und andei'en Besitzungen in dessen Gau. 

3) Neben den Bischofskirchen und Eeichsabteien wurden auch 
noch andere geistliche Institute (Xenodochien usw.) des Reichs an 
Laien übertragen und dadurch schwer geschädigt. Davon im nächsten 
Paragraphen. 

1) Namentlich war dies dort der Fall, wo im entscheidenden 
Augenblick eine kräftige Persönlichkeit auf dem Bischofsstuhle saß. — 
Das Streben der Krone — selbst in Frankreich — ging natürlich stets 
auf Herstellung oder Erhaltung der Reichsunmittelbarkeit wenigstens 
bei den Bistümern. Hugo der Große empfängt vom König sein 
Herzogtum mit allen Städten und Grafschaften, Kastellanien und 
Abteien — nur die Bischofskirchen (Tours, Paris, Orleans) bleiben 
reichsunmittelbar; s. die Stelle oben S. 120 N. 2. Vgl. a. die aller- 
dings nicht ganz zuverlässige (und hauptsächlich die folgende Zeit 
betrachtende) Zusammenstellung bei Schaffner II, 617 ff. — Auch ge- 
wisse Abschwächungen der lokalen Bistumsherrschaft zugunsten des 
Königtums sind hier im Auge zu behalten; s. z. B. G. C. III, 648: in 
Eeiras wird 962 Odalricus, der Sohn des Grafen Hugo, Metropolit 
„favente rege Lothario" — . Vgl. a. oben S. 136 N. 1. — Die Herr- 
schaft über die Bistümer und Abteien gehört eben, wie man schon im 
9. Jahrhundert klar erkennt, mit zu den wichtigsten Eeichsrechten ; 
bei der Eeichsteilung* von 865 empfangen Karlmann und Karl von 
Ludwig d. D. lediglich einige curtes und haben in ihren Gebieten nur 
die minderwichtigen Entscheidungen — die wichtigen, als da sind 
Bistümer, Abteien, Grafschaften und die höheren Gerichte, behält sich 
der Vater vor; M. 1459 a. — Bei den Eeichsteilungen als Objekte 
daher hauptsächlich die Bistümer, Abteien und Grafschaften; über 
Mersen 870 M. 1480 (Auszug). Gerade das aber führt (vgl. S. 120 m. N. 1) 
zur privatrechtlichen Auffassung der Kirchherrschaft; s. dazu namentlich 
die erwähnte Zuweisung von Bistümern, Abteien und Grafschaften durch 
Ludwig III. an Karlmann Ann. Fuld. 879 M. 1547 b. Vgl. hier auch noch 
die Stelle über die Abtretung der beiden Bistümer Belley und Taran- 
taise durch Lothar an seinen Bruder Karl von Burgund M. 1283 b 
(858) : datis ei duobus episcopatibus — — i. e. Bilisio et Tarantasia — 
sowie die Übertragung von Genf, Lausanne und Sitten durch Lothar IL 



— 206 — 

Ja, es ist sogar möglieh, daß sich damals ganz vereinzelt 
der eine oder andere Bischof zu bleibender gänzlicher Unab- 
hängigkeit aufschwingen konnte^). 

Sicher waren das aber seltene Ausnahmen. Und die oben- 
geschilderte Entwicklung stellt für das Bistum jener Zeit durchaus 
die Regel dar^), wenn auch — wie wir sahen — die Bistums- 
herrschaft im einzelnen nach Form und Inhalt erheblich schwankte. 



Bei Erörterung dieser Mediatverhältnisse haben wir nun aber 
einen Zug der Herrschaft, eine Art der Einflußnahme der lokalen 
Seigneurs auf die Bistümer zunächst ganz in den Hintergrund 



an Ludwig IL M. 1216 g- (859). [Vgl. oben S. 118 N. 2.] Dazu ist 
namentlich auch noch zu vergleichen Gautier, Genf I, 81. Schon 837 
(M. 970 a) Überweisung eines Gebietes mit allen Bistümern, Abteien, 
Grafschaften und Fiskalgütern. S. a. über die Teilung'svorschläge von 
842 (M. 1091 i): Land mit allen Bistümern, Abteien, Grafschaften und 
fisci — das waren also die eigentlichen ßeichselemente. Über „honores* 
oben S. 116 N. 1. Dazu noch c. 23 Cap. miss. 819 Cap. II, 291: aut 
episcopum aut abbatem aut alium quemlibet quocumqüe honore 
praeditum — , 

1) So seheinen sich, wenn eine spätere Überlieferung zutreffend 
ist, die Bischöfe von Mende in ihrem schwer zugänglichen Bergland 
die Unabhängigkeit erobert und auf länge Zeit behauptet zu haben. 
Vgl. z. B. die Urkunde Ludwigs d. J, von 1161 Vaissete IIb 579: 
Anläßlich der Unterwerfung des Bischofs Adalbert unter die Krone 
von Frankreich sagt der König nämlich: Longe est a memoria homi- 
num mortalium nostri temporis, quod aliquis episcopus Gaballitanorum 
ad curiam antecessorum nostrorum regum Franciae venerit et eorum 
subditionem cognoverit sive fidelitatem eis fecerit; quamvis tota 
terra illa difficillima aditu et montuosa in potestate episcoporum 
semper extiterit, non tantum ad faciendum ecclesiasticam cen- 
sui'am, sed etiam ad iudicandum in gladio super ilios, qubs culpa sua 
monstrabat sie redarguendos. Nach diesen Worten hestand die Sou- 
veränität, wenn wir so sagen wollen, des Bischofs von Mende schon 
vor dem 12. Jahrhundert. Dies ist nach dem Wortlaut nicht gut 
anders möglich. Dann aber ist sie wohl kaum später als in spät- 
karolingischer Zeit entstanden. 

2) Als größere Gruppe auszunehmen sind allenfalls nach der 
Eestauration die Bistümer der unmittelbar bj'^zantinischen Gebiete des 
südlichen Italiens. Doch betreten wir da schon zum Teil den Boden 
der späteren Entwicklung, die ja auch für die übrigen Gegenden erst 
weiter unten zu schildern ist. Immerhin treten auch in jenen Gehieten 
die Lokalbeamten in gewissem Sinn als Oberherrn der Bischöfe auf, ver- 
leihen ihnen Privilegien usw. Hier nur ein Beispiel; ErichCaspar (Qu, 
u. T. VI [04] S. 260); 999 stellt der Katapan ein Privileg für Bari aus. 



— 207 — 

gestellt. Jedoch nicht etwa, weil wir es da mit einer Nebensache zu 
tun haben, sondern vielmehr weil diesem Teil des Bildes als 
einem der — namentlich für unsere Darstellung — wichtigsten 
im folgenden eine besondere Betrachtung gewidmet werden soll. 

Es ist dies die unmittelbare Verfügungsgewalt über das 
Kirchengut. Wir wenden uns damit wieder dem Säkularisations- 
problem zu^), das für jene Zeit bedeutungsvoller ist als für jede^ 
andere, insbesondere als für irgendeine je zuvor. 

Denn auch die Untersuchung dieser Frage liefert für die 
damalige Zeit ein erstaunliches Resultat. Sie ist gleichfalls einer 
der Grundpfeiler der Erkenntnis für die gesamte temporelle Ent- 
wicklung der Bischofskirchen und ist wohl auch für die Be- 
urteilung des Lehensproblems überhaupt von grundlegender Be- 
deutung. Durch unsere bisherigen Ausführungen hoffen wir diese 
Aufgabe — als den Kern der Forschung in diesem Teil der 
vorliegenden Untersuchungen — in richtiger Weise vorbereitet, 
sozusagen eingebettet zu haben. 



1) Damit kommen auch die in jener Zeit mit den Einziehungen 
im engsten Zusammenhang stehenden Erscheinungen des Spolien- und 
Regalienrechts, soweit sie nicht später in ganz anderem Zusammen- 
hang zu betrachten sind, noch als weitere Teile der Bistumsherrschaft 
zur Erörterung. 



/ ^/^h 



Im Verlage von Peter Hansteiu in Bonn ist erschienen' und durch 
jede Buchhandlung zu beziehen: , 

Die Reformen des P^epstes Pins X. 

auf dem Gebiete der kircdehrechtiiGheii Gesetzgebung 

Von Nikolaus Hilling 

D. Dr. iur. et pliil, a. o. Professoi* des Kirchenrechtes in Bonn. 

, Z-weiter Band 

' 8° (XVI XI. 301) Preis M. 3.60/ geb. M. 4i— . 

Der Vertreter des Kirchenrechtes in der kätholisch-theQlog'ischen 
Fakultät der Rheinischen Friedrich AVilhelms-üniversität zu Bonn hat sich 
in diesem Buche zum zweiten Male der Aufg-abe unterzogen, die zahl- 
reichen Eeformerlasse Pins X. und der; römischen Kurie zu sammeln und 
in einer kurzen, übersichtlichen Form darzustellen. Der Verfasser hat 
sämtliche kirchenrechtlichen Gesetze, die hauptsächlich während der Hrei 
letzten Jahre (1909 — 1911) von der obersten Gesetzgebungsinstanzx der 
katholischen Kirche- erflossen sind, in seine neue Sammlung aufgenommen 
und ihren Inhalt vollständig dargelegt- /Ausserdem sind bei den einzelnen 
Erlassen die Motive, die Zweckmässigkeit und der Fortschritt ' des neiien 
Rechtes wenigstens insoweit hervorgehoben, als es im Rahmen der Gesamt- 
darstellung möglich war. Für weitere ins Einzelne gehende Untersuchungen 
bieten die häufigen Literaturnachweise eine reiche Anregung. Ein Ge- 
samtbild über die Eigenschaften und Vorzüge der Pianischen Reform- 
gesetzgebung während der letzten drei Jahre hat Professor Hilllng in 
der ausführlichen Einleitung seines Buches entworfen. 

Bietet somit der zweite Band der kirchenrechtlichen Reformen 
PiUs X. vielen eine willkommene Ergänzung zu d.en Lehrbüchern des 
katholischen Kirchenrechts, die im gegen^y artigen Stadium der päpstlichen 
Gesetzgebung in manchen Punkten sehr rasch veralten, so ist er nicht 
weniger geeignet, alle interessierten Kreise über den augenblicklichen 
Stand, den Inhalt und die Ziele der ReformgesetzgebuhgPiüsX. aufzuklären. 

Inhaltsangabe. ... 

Einleitung: Inhalt und. Charakter der Gese.tzgehung Pixis X. im allgemeinen. 
I. Die Standespflichten und StanViesrechte der Geistlichen. 
II. Legitimationsvorschriften für auswandernde Geistliche. 

III. Die Verwaltung der römischen Kurie. (Mit einem Anhang über die neuiesten 
Papstwahlgesetze.) 

IV. Die Organisation der subui'bikarischen Bistümer. 
V. Die Besetzung und die Verwaltung der Bistümer. 

VI. Der Chordienst der Kanoniker. 

VII. Die Amtsenthebung der Pfarrer im Verwaltungswege. 
VIII..Die religiösen Orden und Kongregationen. 
IX. Die Massnahmen zur Bekämpfung des Modei-nismus. 

X. Das Alter der Kinder für die Zulassung zur ersten heiligen Kommunion. 
XL Die Keduktipn der kirchlichen Feiertage. 
Schlusswort. 

Anhang: I. Offizielle Aktenstücke betreffend die Amtsenthebung der Pfarrer im 
Verwaltungswege xxnd die häufige Kommunion der Gläubigen und die Erst- 
kommunion der Kinder, IL Chronologische Übersicht der behandelten 
Gesetze. '^ ' '■ - - , ■ ^ 

Über den 1909 vonProf.Hilling herausgegebenen erstenBa-nd 
der Reformen Pius X. auf dem Gebiete der kirchenrechtlichen Gesetz- 
gebung*) hat Dr. iur. Dantlo (Strassburg) in der Literarischen Beilage 
zur Augsburger Postzeitung, Nr. 19 vom 20. April 1909, ein fachmännisches 
,Urteil gefällt, das in mancher Hinsicht auch für den zweiten Band Gel- 
tung haben dürfte. _ . 

*) 80 (X u. 188) Preis M. 2.—, geb. M. 2.50. . . 

Carl Georgi, Universitäts-Buehdruckerei in Bonn. 




/ooSS'S^S