(navigation image)
Home American Libraries | Canadian Libraries | Universal Library | Community Texts | Project Gutenberg | Children's Library | Biodiversity Heritage Library | Additional Collections
Search: Advanced Search
Anonymous User (login or join us)
Upload
See other formats

Full text of "Einf├╝hrung in das griechische Neue Testament [microform]"

il , t \ - < 

7,1, J , ' 

' l ^ 1 V i L 



C , l_ 




...r-j, * r ,' 

!%.* j- -i ^ ' 



V" _.s* y _(". ' -<- 

- ' '-",";' '" .:..<-'-W? 1 f':'^?*.'tty-'-r&.\ZW &*?> 



Cbc C.ln i vc V5 i t v of Cb ic 
H'ibrarics 




Einfuhrung 



in das 



Grieehisehe Neue Testament 



von 



Eberhard Nestle, 



Dritte, umgearbeitete Auflage. 



Mit 12 Handschriften-Tafeln. 




Gottingen 

Vandenhoeck & Ruprecht 
1909. 



r t ' 
c t* ' c *. 



HASKELL 




Ubersetztingsrecht vorbehalten. 



3 



Der hoch\viirdigen 

Theologischen ITakultat 

der Universitat Konigsberg 

und 
ihrem einstigen Mitglied 

Prof. D Dr G. H. D. Cornill in Breslau 

in unverminderter Dankbarkeit 
fur erne lang zuruckliegende Auszeiclinung. 



Vorbemerkung. 



Die Grundlage der folgenden Blatter wurde im August 1895 
nach Verabredung mit dem Leiter der n Sammlung Goschen" fiir 
dies Unternehmen niedergeschrieben. Da iL.m die Sache ftir seine 
Sammlung zu spezifisch tlieologisch wurde, lieC ich sie liegen; Tiber 
der Arbeit an dem Artikel Bibeliibersetzungen fur die dritte Auf- 
lage der Realencyklopadie fiir protestantische Theologie und Kirche 
nahm ich sie wieder vor und muBte mir sagen, wenn in Amerika 
S chaff's Companion to the Greek Testament" schon 1892 die 
vierte Auflage erreichte, und in England Kenyon's Buch 0ur 
Bible and the Ancient Manuscripts" sofort in mehreren Auflagen 
erschien (1895, 3 1897), so gibt es vielleicht auch in Deutschland 
noch einige Leute, die uber das griechische Neue Testament und 
seine Geschichte etwas mehr erfahren wollen, als ihnen bisher leicht 
zuganglich war. Die Nachweise tiber die Literatur und die text- 
kritischen Bemerkungen (von S. 113 der ersteii Auflage an), fftgte 
ich bei, als meine anspruchslosen Blatter das Gltick hatten, in 
einem um die wiss enschaf tliche Erforschung des NTs so ver- 
dienten Verlag zu erscheinen (Ulm, Mai 1897). Schon nach I'/a 
Jahren (Maulbronn, Ende Juni 1899) wurde eine neue Auflage 
notig, die, wie die erste, in den mir bekannt gewordenen (35) Be- 
sprechungen recht gtmstig aufgenommen wurde. Von ihr erschien 
1901 bei Williams & Norgate als Bd. XIII der Theological Trans- 
lation Library eine englische Ubersetzung, besorgt von "W. Edie, mit 
Yorrede von Allan Men zies, mit einigen Berichtigungen und Zu- 
satzen meinerseits. 

Soweit es an einem Orte wie Maulbronn moglich ist, habe 

ich seither den Gang der neutestamentlichen Forschung verfolgt, 

um deren Ergebnisse in eine dritte Auflage einzutragen, falls eine 

solche notig wurde. Als dies eintrat, mufite es zum SchluB unter 

Umstanden geschehen, die es zu einem mich wirklich befriedigenden 

Ergebnis leider nicht kommen lieCen. Wenn ich diese Arbeit 



VI Vorbemerkung. 



trotzdem zu dem Zwecke bentitze, zu dem sie mir bei ihrem ersten 
und zweiten Ausgehen niclit gut genug war, so geschieht es nur, 
urn einer Pflicht der Dankbarkeit zu genugen, die mich je langer 
je mehr druckt. Die theologische Fakultat der Universitat Konigs- 
berg hat mich im Jahr 1894 bei der 250jahrigen Jubelfeier der 
Albertina der Zahl derer eingereiht, denen sie die Auszeichnung 
zuerkannte, die in meinen Augen der hochsten eine ist die es gibt, 
fur die ich darum auch heute noch. ebenso dankbar bin, wie damals, 
als die schmerzlichsten Erfahrungen meines wissenschaftlichen 
Lebens, die kurz zuvor vorangegangen waren, noch wie frische 
Wunden brannten. Ebenso empfinde ich auch mein Unvermogen 
heute so lebhaft wie damals. Ich troste mich aber, daC Konigs- 
berg uns gelehrt hat, da6 auf der Welt nichts gat sei, als der gute 
Wille ; an ihm und insbesondere studio et amore elucidandae veritatis 
mochte ich es auch ferner nicht fehlen lassen. 

Maulbronn, 2. Nov. 1908. 
(Todestag Bengels 1752, Geburtstag de Lagarde's 1827.) 

D Eb. Nestle. 



Abkiirzungen. 



1. Die 27 neutestamentlichen Schriften bezeichne ich nach dem B Vorschlag", 
den ich 1896 in den ThStKr. 69, S. 173 f. veroffentlichte und begriindete, mit ihren 
griechischen Anfangsbuchstaben, wobei ein groBes M den Matthaus als das erste 
und grb'fiere Evangelium von /* = Markus, ein kleines cp und i den nur aus einem 
Kapitel bestehenden, deswegen auch schon dutch das Fehlen der Kapitelzahl kennt- 
lichen Philemon- und Judasbrief, vom Philipperbrief und den johanneischen Schriften 
unterscheidet, I den Jakobusbrief von Johannes, k den Hebraerbrief vom Epheserbrief . 
Diese Bezeichnung ist kurz und international, wahrend z. B. AG fur Apostel- 
geschichte (bei Winer-Schmiedel) nur deutsch ist. 

2. Fiir die 4 5 Teile, aus denen das NT. besteht, empfehle ich dringend, 
Gregory's Vorschlag (Die griech. Handschriftcn des Neuen Testaments 1908. 
S. 27) zu befolgen und sie durch e a c p r zu bezeichnen; zum Teil ist die Be- 
zeichnung meiner 2. Aufl. ErcCPa noch stehen geblieben. Wie kurz lassen sich so 
die verschiedenen Anordnungen innerhalb des Ganzen zusammenstellen, das nach 
v. S o d e n mit 6 (dta^Kr;) zu bezeichnen sehr bequem ist. 

3. Ebenso praktisch ist der mir erstmals in Streitberg's Gotischer Bibel 
(s. u. S. 154) begegnende Brauch bei den 2 mal vorhandenen paulinischen Briefen den 
ersten vom zweiten durch grofien und kleinen Anfangsbuchstaben zu unterscheiden, 
also K, k, Th, th, T, t (fur Kolosser braucht er C, dazu Tit und Phil[emon]). 

Folge ich diesen Anregungen von Gregory und Streitberg, so braucht es an 
meinem ^Vorschlag" nur wenig Anderungen urn das ganze NT. mit seinen 4 5 
Teilen und 27 Schriften auf das allerkiirzeste zu bezeichnen. 

6 = e (MpAi) ;a; c (I H n I i j ,) ; p (Q K v. y e k & T T t y i); r. 

Wie bequem das fur den Studenten im Kolleg ware, wiirde sich nach kurzer 
Probe schnell ausweisen; lang ehe der Dozent ersten Korinther", zweiten Thessa- 
lonicher", n dritten Johannis" gesprochen, hatte er K^j geschrieben. 

Fiir die Kapitel sollte man mit den romischen Ziffern endgiltig brechen; fur 
die Verse womb'glich hochgestellte kleine Ziffern wahlen. 



Von den sonstigen Abkiirzungen, die in der Hauptsache dem Theologischen 
Jahresbericht folgen, mb'gen genannt sein: 



AB : Analecta Bollandiana. 
A J Arch: American Journal of Archeology. 
AJTh : American Journal of Theology. 
BFBS : British and Foreign Bible 
Society. 



BPhWS : Berliner Philologische Wochen- 

schrift. 

BiblZ : Biblische Zeitschrift. 
BZ : Byzantinische Zeitschrift. 
DB : Dictionary of the Bible (ed. Hastings). 



VIII 



Abkiirzungen. 



DG : Dogmengeschichte. 

DLz : Deutsche Literaturzeitung. 

EB : Encyclopaedia Biblica (ed. Cheyne- 

Black). 

Expos : Expositor. 
ET : Expository Times. 
Forsch. : Forsclmngen (ed. Zahn). 
GgA : Gb'ttinger gelehrte Anzeigen. 
GgN : Gottinger gelehrte Nachrichten. 

JBibl. Lit. : Journal of Biblical Literature. 

J of Phil. : Journal of Philology (Cam- 
bridge). 

JThSt : Journal of Theological Studies. 

LZbl : Literarisches Zentralblatt. 

MPG : Migne, Patrologia Graeca. 

NF : Neue Folge. 

NkZ : Neue kirchliche Zeitschrift. 

PEE : Realencyklopadie fur protestan- 
tische Theologie und Kirche. 

RB : Revue Biblique. 



ThLbl : Theologisches Literaturblatt. 

ThLz : Theologische Literaturzeitung. 

ThQs : Theologische Quartalschrift. 

ThR : Theologische Revue. 

ThRds : Theologische Rundschau. 

ThStKr : Theologische Studien u. Kritiken. 

TSt : Texts and Studies. 

TU : Texte und Untersuchungen. 

W-H : Westcott-Hort. 

W-W : Wordsworth-White. 

ZatW : Zeitschrift fur die alttestl. Wissen- 
schaft. 

ZntW : Zeitschrift fiir die neutestament- 
liche Wissenschaft. 

ZdmG : Zeitschrift der deutschen morgen- 
liindischen Gesellschaft. 

ZdPh : Zeitschrift fiir deutsche Philologie. 

ZflThK : Zeitschrift fiir lutherische Theo- 
logie nnd Kirche. 

ZAvTh : Zeitschrift fiir wissenschaftliche 
Theologie. 



Iiihaltsiibei'sicht. 

I. Die Geschichte des gedruckten Textes seit 1574 7~ Ip '. . . . . 1 32 

II. Die Materialien der neutestamentlichen Textkritik 33 167 

1) Die Handschriften . . 38106 

2) tibersetzungen 106159 

3) Die Schriftstellerzitate 159167 

III. Theorie und Praxis der neutestamentlichen Textkritik 168 273 

Nachschrift und Nachtrage 273286 

Register . 287 ff. 

12 Tafeln. 



Kapitel I. 

Die Geschichte des gedruckten Textes seit 1514. 

Es 1st nieht gerade ein Ruhmesblatt fur die kirchliche Wissen- 
schaft des ausgehenden Mittelalters, dafi vom griechischenNeuen 
Testament im Lauf des 15. Jahrhunderts keine einzige Druck- 
Ausgabe erschien, wain-end die Juden den hebraischen Psalter schon 
1477, das ganze hebraische Alte T. schon 1488 zum erstenmal druckten. 
Auch das ist nicht eben ruhmlich, daB man auch in der Kirche 
des reinen Worts durch mehrere Jahrhunderte bei den erstmals 
gedruckten Ausgaben blieb, und dafi spaterhin die Bemtihungen 
um Herstellung eines besseren Textes so wenig Verstandnis und 
Forderung fanden, ja noch. immer niclit zum Ziele gelangten. Gre- 
gory schlieBt sein Buch uber Kanon und Text des Neuen Testa- 
ments mit dem Satz: It is singular to see a man anxious to have 
the latest and best things in electric lights, but totally indifferent 
as to having the best text in his New Testament. 

1) Editio Princeps: Complntensische Polyglotte 1514. Dem 
spanischen Kardinal Franz Ximenes de Cisneros (1437 4517) ge- 
biihrt der Buhm, die erste Ausgabe veranstaltet zu haben, in der nach 
ihrem Druckort Oomplutum (jetzt Alcala de Henares) so genannten 
Complutensischen Polyglotte, die er schon 1502 zur Feier 
der Geburt des nachmaligen Kaisers Karl V. geplant hatte. Jakob 
Lopez de Stunica hieB der Gelehrte, der den meisten Anteil an 
der Arbeit hatte. Der Druck des NT.s wurde am 10. Januar 1514 
beendet, der der tibrigen 5 Bande (AT. mit Grammatik und Worter- 
buch) am 10. Juli 1517 am S.Nov.desselben Jahrs starb Ximenes ; 
erst am 22. Marz 1520 erteilte Papst Leo X. (151321) die Ge- 
nehmigung zur Verbreitung des Works, nachdem am 9. Juli, be- 
ziehw. 23. August 1519 die im ersten Jahr Leo's auf ein Jahr aus 

Nestle, ElnfUhrung.- 3. Aufl. 1 . 



Die G-escHchte des gedruckten Textes. 



Rom entlehnten zwei vatikanischen Handschriften des griechischen 
AT.s zuruckgegeben worden waren; am 5. Dez. 1521 wurde das 
fur den Papst bestimmte, auf Pergainent gedruckte, in roten Samt 
gebundene Geschenkexemplar der vatikanischen Bibliothek ein- 
verleibt; vor 1522 scheinen keine Exemplare durch den Handel 
nach Deutschland gekommen zu sein. Nur 600 Exemplare wurden 
gedruckt und zu 6V 2 Dukaten verkauft; auf das ganze Werk hatte 
der Kardinal mit dem Einkommen eines Konigs und den Bedurf- 
nissen eines Monchs tiber 50000 Dukaten verwendet. Zumal Per- 
gamentexemplare gehoren heute zu den grofiten bibliothekarischen 
Seltenheiten. (L. Rosenthal [Miinclien, Kat. 102] verlangt fiir ein 
gewohnliches Exemplar 2400 M., fur das Titelblatt des NT.s und 
3 Blatter der Einleitung 39 Mk. ; das von Ed. EeuC benutzte StraB- 
burger ist 1870 verbrannt.) Im AT. steht der lateinische Text der 
mittelalterlichen Kirchenbibel zwischen dem hebraischen Original- 
text der Synagoge und der alexandriniscn-griechischen Ubersetzung, 
der sogenannten Septuaginta, n wie Jesus zwischen den beiden 
Schachern". Das NT. enthalt nur zwei Spalten, links den griechi- 
schen Text, rechts die lateinische Ubersetzung; zu gunsten der 
G-riecnisch Lernenden sind die einzelnen einander entsprechenden 
Worter bezeichnet; die Typen sind guten Handscnriften nachgeahmt; 
von Akzenten findet sich nur der Akut zur Bezeichnung der Tonsilbe. 

Frz. Delitzsch, Studien zur Entstehungsgeschichte der Polyglottenbibel des 
Kardinals Ximenes. Leipzig 1871 (Ref.-Progr.). 4. Fortgesetzte Studien, 1886. 
4. Urtext und tJbersetzungen der Bibel in iibersichtlicher Darstellung. Sonder- 
abdruck der Artikel Bibeltext und Bibeliibersetzungen aus der dritten Auflage der 
Realencyklopadie fur protestantische Theologie und Elirche. Leipzig 1897, S. 64 . 
Scrivener, Hoskier, Darlcnv-Moule II, (s. S. 7. 5. 8). 

Die Handschrift oder Handschriften, auf denen der Text runt, gelang es noch 
nicht wieder nachzuweisen ; wiederholt wurde er in der Plantin'schen Polyglotte, 
getreu erstmals 1821 von P. A. Gratz (Tubingae, Fues) ; das Schreiben Leo's in der 
griechisch-lateinisclien Ausgabe von van Ess (Tub. 1827) ; verldeinertes Faksimile 
von Titel und Schlufi bei Schaff 530 ; die Typen neuerdings nachgebildet von R. 
Proctor, zum Druck der Oresteia des Aeschylus 1904. 

In dieser ersten Druckausgabe des NT.s stehen die paulinischen Briefe mit 
dem Hebraerbrief als ihrem Schlufi vor der Apostelgeschichte. Scrivener (Adv. p. 
XCII) fand nur 50 Druckfehler, aber ^ 7, 3 kam ein Teil einer Inhaltsiiberschrift 
des Euthalius mitten in den Text hinein. Luther scheint die Ausgabe nicht kennen 
gelernt zu haben. 15 mal fehlt das v ecpsAxvonxov vor Vokalen, 12 mal steht ovx fiir 
ov% oder umgekehrt. Dafi die 5 verschiedenen Bezeichnungen derselben: Ste- 
phani cod. 1 = Compl = Card. Ximenis = Cisnerii == Alcalanus) fiir 5 verschie- 
dene Codices gehalten wurden, merkte Wettstein an. 



Ximenes 1514; Erasmus 1516. 



Plane und Vorlaufer: Hymneii 1481. Schon vor Ximenes 
hatte sich der beriilimte Venediger Buchdrucker Aldus Manutius 
mit dem Plan einer solchen Polyglotten-Bibel getragen; im Vor- 
wort seines undatierten griechischen Psalters [c. 1497] ist eine 
dreisprachige Bibel versprochen; am 6. Okt. 1499 ermahnte ihn 
Grocinus aus London daran, am 9. Juli 1501 schrieb er an den 
deutschen Humanisten Conrad Celtes daruber, dem er am 3. Sept. 
desselben Jahrs das erste Probeblatt schickte (Faksimile desselben 
bei Renouard, rimprimerie des Aides 2 - 3 ). 

Nocli friiher waren unter den Hymnen hinter dem ersten und 
zweiten Druck des griechischen Psalters (Mailand 1481, Venedig 
1486) das Magnificat und Benedictus (der Lobgesang der Maria 
(Elisabeth?) und des Zacharias A 1, 46 55. 68 79) als die ersten 
Stucke aus dem griechischen NT. gedruckt worden ; als die ersten 
in Deutschland i 1, 1 14 in dem kleinen Lehrbuch des Laskaris 
do literis graecis . . . Oratio dominica . . . Euangelium diui Joannis 
euangelistae in Tubingen 1512 und 1514 (s. K. Steiff, Der erste 
Buchdruck in Tubingen, 1881 Nr. 32 und 59). Einen seltsamen 
aldinischen Druck von 1504, welcher Joh. c. 1 6 enthalt, hielt 
noch J. G. C. Adler (Repertorium der bibl.-orient. Literatur 18, 150) 
far das alteste. Die ersten griechischen Typen finden sich 
von Fust und Schoffer fiir die Paradoxa in Cicero de officiis 
von 1465 verwendet. In den Veroffentlichungen der Gutenberg- 
GeseUschaft V VII (Mainz 1908) Tafel XII (s. S. 230) findet 
sich die Nachbildung von Seite 196 der 2. Schofferschen Aus- 
gabe vom 4. Febr. 1466 (Hain 5219) mit den griechischen Lettern. 
Im Buchhandel erschien als die erste Ausgabe des griechischen 
NT.s die des Erasmus von 1516. 

Tiber Aldus s. Nestle, Septuagintastudien (I), 2, n, 11, m, 30 f. ; Kapp, 
Geschichte des Buchhandels I, 376. Uber die beruhmte Druckermarke des Aldus, 
den Anker mit dem Delphin, s. Le'on Dorez, liltudes Aldines, Revue des Mblio- 
theques 6 (1896) Heft 5/6 S.143ff., Heft 7/9, und J. R. Harris, The Homeric Gen- 
tones (London 1898) p. 24 ; sie versinnbildlicht das Lieblingssprichwort des Augustus 
und Titus del anevde Pgadtag, Semper festina lente; Goethe, Hermann u. 
Doroth. 5,82. 

2) Erasmus 1516. Dem kostbaren Werk des spanischen 
Kardinals wollte der Basler Buchdrucker Froben zuvorkommen, 
indem er am 15. Marz 1515 den damals in England weilonden be- 
ruhmten Humanisten Desiderius Erasmus (1467---1536) um die 
Veranstaltung einer Ausgabe anging. Schon am 1. Marz 1516 er- 
schien das Werk, das Erasmus am 1. Febr. Papst Leo widmete; 

1* 



Die Geschichte des gedruckten Textes. 



der Druck hatte im September begonnen und war zum Teil von 
dem Freunde Zwingli's, Johann Okolampad aus Weinsberg, nber- 
wacht worden. Erasmus gestand spater selbst, es sei praecipitatum 
verius quam editum, ruhmt sich aber, nicht die nachsten besten, 
sondern die altesten und emendirtesten Handschriften zu Grund ge- 
legt zu haben. Schon 1734 hat J. A. Bengel erkannt, daB Eras- 
mus zur Apokalypse nur eine einzige, z. T. verstummelte Hdschr. 
gehabt haben miisse, die er (oder sein Schreiber Glarean?) nicht 
recht lesen konnte, deren Lticken er selber aus dem Lateinischen 
ins Griechische zuruckubersetzt haben werde; 1861 bestatigte sich 
dies alles, als Franz Delitzsch die Vorlage des Erasmus in der 
Ottingen-Wallerstein'schen Bibliothek in Maihingen (Bayern) wieder 
auffand. Aber bis in die neueste Zeit wurde dieser Text des Erasmus 
in Zehntausenden, ja Hunderttausenden von Exemplaren durch die 
Britische und Auslandische Bibelgesellschaft in London verbreitet, 
imd wird von der Oxforder Universitatspresse in den sogenannten 
Mill-Lloyd'schen Ausgaben noch jetzt fast ausschlieBlich gedruckt. 
Man liest in denselben noch heute a 17, 4 dxa#a-w?Tog, wahrend 
es ein griechisches Wort dxa&dQTi]g, Unreinigkeit, gar nicht gibt, 
oder in dem vonErasmus aus seiner lat. Bibel zuruckubersetzten SchluB 
des NT.s 22, 19 dyaiQ^ast statt dyeAei, (llfiAov statt fov tiAov] Kon- 
struktionen wie 17, 8 oiw $axi, xairceQ iotiv, indem man mit der Akzen- 
tuation iattv zu Erasmus, der wenigstens Saviv gedruckt hatte, noch 
eine weitere Ungenauigkeit fugte, wahrend jeder Gymnasiast wissen 
muC, daC xaineQ mit dem Participium konstruiert wird, anderer- 
seits nicht jedem ohne weiteres klar sein diirfte, daB statt dessen 
xal nuQEOTt die richtige Lesart ist ! ). DaB nach Erasmus auch Luther, 
der 1521 Mr seine "Ubersetzung des NT.s die zweite Ausgabe 
des Erasmus von 1519 benutzte, von dem Tier tibersetzte r das 
nicht ist, wiewohl es doch ist", ist eher zu begreifen, als daB noch 
1883 der erste Abdruck der im Auftrag der deutschen evangelischen 



') Vgl. [i 15, 6 wo die Handschriften iihnlich zwischen 8v naQfltovvto und 
SvneQ f/iovvTo schwanken(ONTTAPHTOYNTO). Andere Fiille, wo fiir die Les- 
art des Erasmus Ibis jetzt durchaus keine handschriftliche Bezeugung gefunden, die- 
selbe aber trotzdem textus receptus wurde, sind z. B. n 9,5.6 ein Zusatz von 
20 Worten ; 1 n 2, 6 (tai vor ncQifyet) ; 2x1, 6. Als Beispiel von spater ver- 
bcsserten Druck- und Sprachfehlern mag fttjTfyos in M 1, 18 dienen, oder die 
falsche Setzung und Weglassung des Iota subscriptum in ela<tA&r) I 2, 2; 
efaflte V. 3. Die schb'nen Bedingungssiitze seiner 3 ersten Drucke et T 
ciQ-fj, el Tig . . . dyaigfi a 22, 17 18 verschlimmbesserte er im 4. und 5., indem er 
aus der Complutensis das richtige gav neb en statt fiir das falsche el einsetzte, zu 
lav il rig, was noch Stephanus in seinem ersten Druck beibehielt. 



Erasmus ; Comma Johanneum. 



Kirchenkonferenz revidiert.en Bibel Luthers solch.es unbeanstandet 
lieB, und erst die letzte Revision von 1892 derartiges beseitigte. 
Noch heute schlieBt die Offenbarting und damit das NT. in der 
Lutherbibel und in den genannten Ausgaben der Oxforder Univer- 
sitat mit einer Lesart, die griechisch gar nicht, und lateinisch ganz 
ungentigend bezeugt ist ( n mit euch alien" (ista, ndwvwv bptiv). Eine 
tibersetzung in elegantem Latein hat Erasmus beigegeben; der 
Kaiser schutzte die Ausgabe auf 4 Jahre gegen Nachdruck, doch 
wurde sie in Venedig schon im Febr. 1518 von Aldus Manutius in 
seiner griechischen Bibel wiederholt; der Papst approbierte sie am 
10. Sept. 1518 (das Schreiben aus der 2. Ausgabe abgedruckt in 
der oben genannten von van Ess); noch 4 Ausgaben hat Erasmus 
veranstaltet: 2 1519, 3 1522, 4 verbessert 1527, 5 1535. 

Comma Johannenm. In die zweite hat Erasmus, was sehr 
dankenswert war, die Eusebianischen Canones der Evangelien und 
die altkirchliche Kapiteleinteilung der Evangelien und meisten 
Paulusbrief e, in die dritte , was die schlimmsten Folgen hatte, das so- 
genannte comma Johanneum, die Stelle von den 3 Zeugen 1 i 5, 7 
erstmals aufgenommen, auf Grund einer heut in Dublin befmdlichen 
Handschrift (Montfortianus, s. Kapitel 2), in die sie wahrscheinlich 
der englische Franziskaner-Monch Boy aus der Vulgata aufgenommen 
hatte, aus welcher sie, in etwas abweichender Form, auch schon in 
die complutensische Polyglotte gekommen war. In Luthers TJber- 
setzung, der die Stelle nie aufnahm, kam sie erst durch den Frank- 
furter Buchdrucker Feyerabend 1576, in die Wittenberger Aus- 
gaben gar erst 1596; 1534 erschien, fur 200 Jahre, die letzte grie- 
chische Ausgabe, die sie nicht hatte. Noch 1906 hat sie Brand- 
scheid, ohne im Apparat irgend welche Mitteilungen uber den 
Stand der Sache zu machen, im Text, und die Patriarchatsausgabe 
von Konstantinopel (1904) hat sie auf BeschluB der heiligen Synode 
(mit kleinerer Schrift) beibehalten, obgleich dieVorrede anerkennt, 
dafi sie 8A(og dfidQTVQOv dnb i&v ^K^rjoiaOTUtcov usifievav (= Texte), 
dnb T&V naxsQtov nal didaaxdAcov -p^g 
dnb %&v dQ%ccLC0v [tETacpQdoeciiv, dnb i&v 
T^g 2AavMf} fisTayQdaea}^, xai a-dx^g evi rfjs AaTivixijc;, ual dnb 
ndvxwv i&v yvoMJTcdv eAAijviit&v %iQoyQd(p(i)v, i&v 

nava HMQOV eiaax&Eio^g sig irivBovhyd-iav 



Franz Delitzsch, Handschriftliche Funde. I. Leipzig 1861. Hermann 0. 
Hoskier, a full account and collation of the Greek Cursive Codex Evangelium 
604 , , . together with ten appendices containing ... (B) ... the various rea- 



6 Die G-eschichte des godruckten Textes. 

dings by the five editions of Erasmus, 1516, 1519, 1522, 1527, 1535 . . . (F) Re- 
port of a visit to the Public Library at Bale, with facsimile of Erasmus' second MS, 
Evan 2, . . London 1890. gr. 8 . Uber die Beigaben des Werks, die neue Uber- 
setzung, Annotationes, Paraclesis ad lectorem, Methodus und Apologia und fiber 
den ganzen praktisch reformatorischen Zweck des Werks s. R. Stahelin, PRE 3 5, 
438. Aug. Bludau, die beiden ersten Erasmus-Ausgaben des Weuen Testaments 
und ihre Gegner (Biblische Studien VII, 5) 1902. Froben's Druckermarke. (Schlangen 
und Taube) nach M 10, 16; verkleinertes Facsimile von Titel und Schluft bei 
Schaff 532 f. Die Starke der ersten Auflage betrug iiber 1200 Exemplare, der 
beiden ersten zusammen 3300. Uber die Hdschrr., die E. zu seinen Ausgaben be- 
nutzte nach seiner eigenen Angabe hatte er zur ersten Ausgabe 4, zur zweiten 5. 
zur dritten aufierdem die M aeditio Asulana" das ist aber nur der aldinische 
Nachdruck seiner ersten Ausgabe und zur vierten die Hispaniensis d. i. die Com- 
plutensische Polyglotte s. unten. Von den Streitschriften, die sich an die Erasmus- 
Ausgabe kniipften, sind hier zu nennen : Annotationes Jacob! Lopidis Stunicae 
contra Erasmum in defensionem translationis M Ti (zuerst in aedib. Compl. 1519) 
und: Erasmi Rot. apologia respondens ad ea quae Jacobus Lopis Stunica taxaverat 
in prima duntaxat Ni Ti aeditione (zuerst Lov. 1520, 4). Die erste Ausgabe ist 
nach Scrivener (Adv. p. XCIII) ,,perhaps the most inaccurate volume ever issued 
from the press". Um so schoner sind die Zierleisten und Initialen dieser Froben- 
schen Drucke. Scr. zahlte nicht weniger als 501 ^Itacismen", 23 fehlende v vor 
Vokalen. 

3. Sammlnngen yon Ansgaben. An die 1000 reicht die Zahl 
der Ausgaben des griechischen Neuen Testaments heran, die seit 
Ximenes veranstaltet wurden. Es wird keine Bibliothek der Welt 
geben, in der alle beisammen sind. Im 18. Jahrhundert hatte der 
danische Pfarrer Lorek won! die groCte, in Privatbesitz befind- 
liche Bibelsammlung; durch Herzog Karl ist sie in die K. Landes- 
bibliothek in Stuttgart gekommen, leider ohne entsprechend erganzt 
und fortgesetzt werden zu konnen. Im 19. Jahrhundert gelang es dem 
StraBburger Professor Ed. Reufl, (18041891, s. PUB. 8 16,691/6) in- 
dem er sich auf das griechische NT. beschrankte, die groCte Samm- 
lung zusammenzubringen (jetzt in der Landes- und Universitats- 
bibliothek in StraBburg). In seiner Beschreibung derselben hat er 
zugleich den Stammbaum der einzelnen Ausgaben festgestellt, in- 
dem er 1000 Stellen auswahlte, an denen er ihre Lesarten verglich. 
Einzelne Ausgaben sind ihm noch entgangen, bei andern muCte 
er ihre Existenz zweifelhaft lassen, wieder andere, die vor ihm 
falschlicherweise aufgefiihrt worden waren, konnte er far immer 
beseitigen. Auf seiner Arbeit ruhen die weiteren Forschungen, die 
namentlich in England und Amerika mit Liebe fortgefohrt wurden, 
in Amerika durch den deutschen Schweizer Philipp Schaff (f 20. 
10. 93) und seinen amerikanischen Frevind I. H. Hall (f 189.6), in 
England durch F. H. A. Scrivener f 26. 10, 91), in Deutschland 



Biblio graphic. 



durcli den Amerikaner C. E. Gregory. Nur von den wichtigeren 
dieser Ausgaben soil im Folgenden die Rede sein. 

J. A. Fabricii Bibliothecae graecae Liber IV. De libris sacris Novi Foederis 
etc. Hamburg! 1708 ; ed. nova curante G. C. Harles 1795 IV p. 755895. Biblio- 
theca sacra post le Long et Boerneri curas continuata . . . ab Andr. Gottl. M a s c h 
Halae. 17781790. Ed. R e u s s , Bibliotheca Novi Testament! Graeci, cuius edi- 
tiones ab initio typographiae ad nostram aetatem impressas quotquot reperiri po- 
tuerunt collegit digessit illustravit E. R. Argentoratensis. Brunsvigae 1872. Manche 
elirreiche Mitteilungen zur Entstehung dieses Werks in Ed. R e u fi ' Briefwechse^ 
mit seinem Sclmler und Freunde Karl Heinrich Graf. Zur Hundertjahrfeier seiner 
Geburt lirsg. v. K. Budde und H. J. Holtzmann. Giessen, 1904. 

Novum Testamentum Graece ad antiquissimos testes denuo recensuit appara- 
tum criticum apposuit Constantinus de Tischendorf. Lipsiae, Hinrichs. Vol. 
I. 1869. Vol. II. 1872. Vol. III. Prolegomena scripsit Caspar Renatus Gregory 
additis curis f Ezrae Abbot [1880] 1894. 8. M. 70; vgl. Theol. Lit.-Z. 1884, 
26 ; 1890, 9 ; 1894, 17. (Bd. Ill im Folgenden = TiGr.) Deutsche Bearbeitung des 
dritten Bancles unter dem Titel n Textkritik des Neuen Testamentes" (S. 1 478) 
1900, (bis S. 993) 1902; englisch: Canon and Text of the New Testament, Edin- 
burgh, T. & T. Clark 1907 (540 S., als Teil 'der International Theological Library). 

F. H. A. Scrivener, a plain introduction to the criticism of the New 
Testament. Fourth edition, edited by E d w. M i 1 1 e r. 2 vols. London 1894. 
Bd. II, 157243; vgl. Sam. Berger, Bull. Crit. 1894, 20. 

Philip Schaff, a companion to the Greek Testament and the English 
Version. Fourth edition revised. New York, Harper 1892 ; p. 497 ff. Fortsetzung 
der Liste von Reufi bis 1887 durch I. H. Hall. 

I. H. H a 1 1 , American Greek Testaments : a critical bibliography of the Greek 
New Testament as published in America, Philadelphia 1883; ders., Some remarkable 
Greek New Testaments (Journ. of the Soc. of Bibl. Lit. and Exeg.. Dez. 1886. 
4063). Erster amerikanischer Druck von Isaias Thomas, Wigorniae (i. e. Worcester), 
Mass. 1800. 12; von da bis 1883 150 Gesamtausgaben, 107 Teile. 

S. P. T r e g e 1 1 e s , an Account of the printed text of the Greek New Tes- 
tament. . . . together with a Collation of the Critical Texts of Griesbach, Scholz, 
Lachmann and Tischendorf with that in common use. London 1854. 

Vgl. auch Hundhausen, Lit. Handweiser 1882, Nr. 315317. 319. 321. 
323325. C. Bertheau, ThLz. 1882, 24. 

A. R ii e g g , die neutestamentliche Textkritik seit Lachmann. Zurich 1892. 
Urt. S. 1561 (Tischendorf f) 0. v. Gebhardt, Bibeltext des NT.s = PRE 3 2, 
728773. 

W. A. C o p i n g e r , The Bible and its transmission, being an historical and 
bibliographical view of the Hebrew and Greek Texts, and the Greek, Latin and 
other Versions of the Bible (both MS. and Printed) prior to the Reformation. With 
28 facs. London, H. Sotheran 1897. gr. 4 (105 M.). Uber die Vorziige und 
Schwachen dieses Werks s. 0. v. Gebhardt, ThLz. 1897, 22, Sp. 577579. 

T. H. D a r 1 o w and H. F. M o u 1 e , Historical Catalogue of the Printed 
Editions of Holy Scripture in the Library of the British and Foreign Bible Society. 
Vol. II. Polyglots and Languages other than English. London (noch nicht ausge- 
geben; S. 1 ff, Polyglots, S. 576678 Ancient Greek; S. 679690 Modern Greek). 



8 Die Geschichte des gedruckten Textes. 

Jens Stub Ir g e n s , de trykte graeske Nye Testamenters historic tilligemed en 
indledning dertil og et anhang. Kristiania 1907. 196 S. 

4) Erste kritische Ansgabe. Der erste, der eine wirklich kri- 
tische, d. h. auf Vergleichung von Handschriften beruhende Aus- 
gabe veranstaltete, war 1534 Simon de Colines (Colinaeus), der 
Schwiegervater des Pariser Buchhandlers Robert Stephanus (Es- 
tienne); eine B/eihe von Lesungen, die heute allgemein anerkannt 
sind, hat er erstmals in den Text aufgenommen freilich onne damit 
durchzudringen. Er ist auch der erste, der seine Ausgabe einfach 
77 Kcuwri dia&yxi] betitelte; die fruheren Ausgaben hatten teils nur 
lateinische Titel (die erste des Erasmus : Novum Instrumentum omne, 
die zweite Novum Testamentum omne), teils den Titel vys xawrjs 
dia&r]xi]g anavva. In der '5. des Erasmus ist das Verzeichnis der 
neutestamentlichen Bucher tibersclirieben: e^ey^og TUV {}i[lfao)v -r^g 
vsac, xaAov[*,vi]S dia&rjKrjg. Tiber diese Bezeichnung, via, tf. s. ZntW 1, 
249. Als Titel findet sie sich in der von Melanchthon bevorworteten 
griechischen Bibel von 1545; mit Artikel ^ vea d. vor der (ersten) 
photographischen Wiedergabe des Codex Vaticanus, 1889. 

Bis auf denEnglander Mill (1707) und den SchwabenBengel 
(1734) haben die Buchhandler und ihre mehr oder minder unkriti- 
schen Handlanger weniger den Text des Ximenes, als den des 
Erasmus mit geringfugigen Abweichungen wiederholt. 

Formate. Zu den Neuerungen, die sie einfuhrten, gehb'rt die 
Wahl eines handlicheren Formats. Die ersten Ausgaben waren alle 
in Folio, Anselm in Hagenau, fraher in Tubingen, griff 1521 zum 
Quart, in der ersten rein griechischen Ausgabe (ohne lat. Uber- 
setzung), die Nic. Gerbel besorgte und die nach einigen von Luther 
bei seiner Ubersetzung benutzt wiude; Cephaleus in StraBburg 
1524 zum Oktav; 1536 druckte Valder in Basel die erste Minia- 
turausgabe 32; die kleinsten druckten 1628 Jannon in Sedau, 1828 
Pickering in London (9:5 cm, 512 p.). Bagster's ,,Polymicrian 
edition" (1813. 30.), 9,5:7 cm gibt zwischen den Spalten noch die 
Grundformen schwierigerer Zeitworter, und einen kleinen kritischen 
Apparat. 

Handschriften yerglichen. Rob. Stephanns. Viel wichtiger 
war, daC neue Handschriften verglichen wurden. Das erste Ver- 
dienst in dieser Hinsicht gebuhrt dem Pariser Typographus regius, 
Eobert Stephanus (1503 1559), unter Beihilfe seines Solines 
Heinrich Stephanus (1528 1598), zumal mit seiner dritten Aus- 
gabe von 1550, die man die editio regia nennt die erste, nach 
den Eingangsworten der Vorrede o mirificam genannte, erschien 



Colinaeus. Formate. Stephanas; Verseinteilung. 9 

1546, die zweite von 1549 gait langere Zeit als frei von Druck- 
fehlern. Doch hat Olearius zu M 4, 8 deren 14 nachgewiesen. 
Zwischen der ersten und zweiten zahlt Scrivener (Adv. p. XCVII) 
139 Yerschiedenheiten des Textes, 28 der Interpunktion , 214 des 
Akzents, 74 des Spiritus (in 1 dfiQaap, in 2 &@Q ); wirkliche Fehler 
in 1 126, in 2 102. Die regia, die, wie die beiden ersten, zu Ehren 
Heinrich's II. auf dem Titel die Inschrift hat: BaoiAel T' dya$(jj, 
KQaTSQCp T' alxwvfi hat erstmals einen kritischen Apparat (am innern 
Rand), in welchem aufier der Compkitensis (== a) 15, mit /J *g 
bezeichnete Handschriften verglichen sind. a ist am Eand 610 mal 
genannt; von 1 und 2 weicht 3 334 mal im Text ab (von 1 allein 
372 mal), in der Interpunktion 27 mal; von der gleich zu nennenden 
vierten im Text wenig uber 12 mal. Mit 2 Ausnahmen sind alle 
der beniitzten Hdschrr. jungen Datums; jene zwei sind der noch 
oft zu nennende Codex Bezae (== /?) und die jetzt L genannte 
Pariser Hdschr. aus dem 8. Jahrhundert (= rf). 

liber die Typen, mit denen diese Ausgabe gedruckt wurde (von dem Kalli- 
graphen Angelus Vergecius aus Kreta s. W. Meyer, Henricus Stephanus liber die 
Regii Typi Q-raeci (Abh. der K. Ges. der Wiss. zu Gottingen, Phil.-hist. Klasse. 
N. P. VI, 2 Berlin 1902) und dazu P. Gardthausen (Bed. Phil. Wochenschr. 1903, 
21 Sp. 662664) ; ferner R. Proctor, The French Royal Greek Types and the Eton 
Chrysostom (Paper read before the Bibliographical Society 16. Febr. 1903 ; wieder- 
holt in seinen Bibliographical Essays). Da ist erzahlt, wie sie anA.Wechel kamen, 
der in der Bartholomaus-Nacht nach Frankfurt a. M. fliichtete und dort 1601 fol. 
das Neue Testament mit ihnen druckte, ehe sie fur Savile's Chrysostomus nach 
Eton kamen. Der Name dessen, der die Typen geschnitten, Claude Garamond 
lebt noch heute in der Grofienbenennung n Garmond" in unserer Druckersprache 
fort. Die erste (kleine) Ausgabe kostete 1547 8 sols, 1552 10 sols, 1568 war sie 
schon schwer zu beschaffen. Der Text der dritten Ausgabe wurde in England maB- 
gebend und wird in Oxford noch heute wiederholt (s. S. 17 uber Mill). Uber die 
Zugaben s. Scrivener, Adv. XCVIII, aber dafi des Chrysostomus 1. Homilie zu Matth. 
hier erstmals griechisch erschienen sei, wie Field, (Chrys. in Matth. Ill, II) und noch 
Scrivener sagt, ist unrichtig: nach I. H. Hall (Some remarkable NT. (J. Bibl.-Lit. 
1886) findet sie sich schon in de Sabio's NT., Venedig 1538. Ob Stephanus diesen 
Druck auch sonst ausnutzte, bleibt zu untersuchen. 

Verseinteilung 1551. Eine andere folgenreiche Neuerung geht 
auf denselben R. Estienne zuruck, indem er im nachsten Jahr 1551 
[in Grenf] eine vierte Ausgabe in 3 Spalten druckte, in welcher er 
neben den griechischen Text auf die auCere Seite die lateinische 
Ubersetzung des Erasmus, auf die innere die Vulgata stellte. Um 
dies typographisch bequem ausfuhren zu konnen, teilte er den Text 
in einzelne Satze, beziehungsweise ganz kleine Abschnitte, die er 
am Rand bezifferte, und fiihrte so nicht blofi die bequeme Vers- 



10 Die Geschichte des gedruckten Textes. 

zahlung es sind im ganzen nach der gewoh.nlich.en Zahlung 
z. B. bei Letisden 7959, nach. meiner Rechmmg (s. The Expository 
Times XVIII, 383) 7957 , sondern leider auch den Versdruck 
in das NT. ein. Erst Mill 1707, namentlich aber Bengel 1734 und 
Wettstein 1751/2 sind dazu zuruckgekehrt, den Text in sinngemaCen 
Abschnitten zu drucken (naturlich unter Beibehaltung der Vers- 
zahlen am B/ande), wahrend die meisten Bibelgesellschaften ihrem 
Beispiel noch. hetite nicht gefolgt sind, und viele Leute eine Bibel 
ohne Verse far gar keine Bibel halten warden. Die herkommliche 
Kapitel-Einteilung der biblischen Schriften ist viel alter, indem 
sie von dem 1228 als Erzbischof von Canterbury gestorbenen Ste- 
phan Langton in Paris zuerst far die lateinische Bibel gemacht 
und dann gleich in deren erste Drticke aufgenommen wurde (in 
der Complutensis und anderen alten Ausgaben mit Unterabteilungen 
der einzelnen Kapitel durch ABC etc.). 

Nov. Test, textus Stephanie! A. D. 1550 ed. Scrivener. Cambr. 1859, 4 906 etc. 
Hoslder (S. 5), ... (B) a reprint with corrections of Scrivener's list of differen- 
ces between the editions of Stephen 1550 and Elezevir 1624, Beza 1565 and the Com- 
plutensian, together with fresh evidence ... by the other editions of Stephen of 
1546, 1549, 1551 . . .; Ezra Abbot, de versibus in TiGr 167 182; I.E. Hall, 
Modern chapters and verses in Schaff' s Eeligious Encyclopaedia, V. I, 433, Journ. 
of the Soc. of bibl. lit. and exeg. 1883, 60; 1891, 65. 

Vielfach wird angegeben, dafi es von dieser Ausgabe von 1551, der ersten mit 
Verszahlung, auch Exemplare gebe mit der Jahreszahl MDXLI auf dem Titelblatt. 
In den von mir untersuchten (die zwei ei;sten gehorten einst Lorck und Reufi) stehen 
die beiden Halften der Zahl MD und LI weit von einander ab; im Lorckschen, 
ebenso in dem von Harris faksimilierten, kb'nnte man eine Rasur an der betreffen- 
den Stelle finden wollen, in den andern nicht. In der Vorrede sagt Stephanus: 
Quod autem per quosdam ut vocant versiculos opus distinximus, id, vetustissima 
Graeca Latinaque ipsius Novi Testament! exemplaria secuti, fecimus. eo autem li- 
bentius ea sumus imitati, quod hac ratione utraque translatio posset omnino eregione 
Graeco contextui respondere. In n 23 setzt Stephanus zu dem Vers rpdipas . . . 
XatQeiv die Doppelzahl ||, ebenso in n 24 zu dem Vers Tt,vk$ 6k . . . jrpdg P& 20- 
Dies beweist, dafi die Versteilung zuerst fur ein lateinisches Exemplar ge- 
macht wurde, in welchem an den betreffenden Stellen noch die Satze sich fanden : 
Et ipse postea calumniam sustineret tanquam accepturus pecuniam, und : Et appre- 
henderunt me clamantes et dicentes: Tolle inimicum nostrum. Welche Ausgabe 
das war, aus der Stephanus die Zahlung in sein griechisches Exemplar tibertrug, 
ist noch nicht ausfindig gemacht, auch nicht von J.R.Harris, Some Notes on the 
Verse-Division of the NT. (Journ. of Biblical Literature 1900, 114123 mit sechs 
Abbildungen). Harris denkt, seine lat. Bibel von 1545; der Katalog von Darlow- 
Moule, sein lat. NT. von 1541 oder einer der Abdriicke von 1543 und 1545. ,Quod 
Lutetia Lugdunum petens hanc, qua de agitur, Capitis cuiusque catacopen confecit, 
quidem magnam eius, inter equitandum, partem", und dafi seine Absicht von den 
meisten fur sehr unbedacht gehalten wurde, aber den allergro'fiten Erfolg hatte, be- 
richtet sein Sohn Henry in den schon von demVater vorbereiteten Concordanciae Graeco- 



Beza. Polyglotten. 11 



Latinae NT. Paris 1594. Eben fur eine Konkordanz, eine lat. zur ganzen Bibel, 
die 1555 erschien, hat St. auch im lat. AT. im genannten Jahr die Verszahlung 
durchgeftihrt. Leider sind die spateren Ausgaben, wie Abbot a. a. 0. S. 173 182 
(vgl. auch S. 1304) nachweist, vielfach von der Zahlung des Stephanus abgewichen. 
Noch 0. v. Gebhardt befolgte in den von ihm bearbeiteten Ausgaben des Tischen- 
dorfschen Textes an 3 Stellen eine andere Versabteilung als die von Gregory in 
den Emendanda (S. 1251 ff.) Mr Tischendorfs Text geforderte. Auch in den ersten 
Druck von Westcott-Hort, ebenso in das Stuttgarter NT. hatten sich nocli einzelne 
Fehler in dieser Hinsicht eingeschlichen ; (wie leicht das geschieht, zeigt Cronin's 
Ausgabe des codex purpureus Petropolitanus (N) zu /1 3, 23 f . ; 9, 7 f.; Swete's Gospel 
of Mark (2, 18 f .) ; Macmillan's Abdruck von Westcott-Hort von 1895 zu 12, 22 f .) 
fur den zweiten Abdruck (1899) habe ich die Einteilung und Bezifferung genau nach- 
verglichen, auch mit v. Soden (I, 482 484) mich dariiber ins Benehmen gesetzt. 

Vom Namen Stephanus ist die Sigel <s zur Bezeichnung des textus receptus 
zunachst des Neuen Testaments, aber auch in Klassikerausgaben gewb'hnlich ge- 
worden. Die Druckermarke des Stephanus (der Olbaum. mit der Beischrift: noli 
altum sapere) stammt aus Q 11, 20. Paksimiles der dritten und vierten Ausgabe bei 
Schaff, der vierten bei Harris. Vgl. W. K o t h e , die Druckerfamilie der Estienne 
(Stephanus) (Zeitsch. f. Biicherfreunde IX, 5). 

Beza. Nach Stephanus hat Calvins Freund und Nachfolger 
in Genf, der franzosische Theologe Theodore de Beze (Beza 
1519 1605), von 1565 1611 vier Folio- und sechs Oktav- Ausgaben 
veranstaltet, die deswegen bemerkenswert sind, weil sie mit den 
zwei letzten Axisgaben des Stephanus der offiziellen englischen 
Bibelubersetzung, der sogenannten Authorized Version, zu 
Grunde liegen; in seinen Besitz kamen auch die beiden wertvollen 
griechisch-lateinischen Handschriften der Evangelien mit Apostel- 
geschichte und der paulinischen Brief e, von denen er eine, den jetzt 
so bernhrnt gewordenen Codex Bezae, 1581 der Universitat Cam- 
bridge schenkte, die er aber selber for seine Ausgaben nur wenig 
verwertete, da sie von den damals gedruckten Texten gar zu sehr 
abwichen. Er scheint auch der erste, der bei seiner Genfer Aus- 
gabe die orientalischen Ubersetzungen zur Vergleichung beizog, 
die syrische nach der Ausgabe des Emanuel Trernellius von 1569 
und zu n, 1 X, 2 x die von Franciscus Junius ihm vermittelte 
arabische. 

Scrivener; Ho skier (S. 5) . . . by the remaining three Bezan editions in 
folio of 1582, 15889, 1598 and the 8 editions of 1565, 1567, 1580, 1590, 1604. 

5) Polyglotten. a) Antwerper. Diese orientalischen Uber- 
setzungen for die Erklarung der Bibel bequem zusammengestellt zu 
haben, ist das Verdienst der sogenannten Antwerper Polyglotte, 



12 Die G-eschichte des gedruckten Textes. 

der Biblia regia, welche mit einer von Konig Philipp II. verwilligten 
TJnterstntzung von 12000 Dukaten durch den franzosischen in Ant- 
werpen angesiedelten Buchdrucker Christof Plantin 1569 72 in 
8 Foliobanden gedruckt wurde, unter Leitung des spanischen 
Theologen Benedikt Arias, genannt Montanus (nach seinem Geburts- 
ort Frexenal de la Sierra). Lahore et constantia war das Motto, 
eine den Zirkel ftthrende Hand das Signet dieser Dnickerfamilie, 
die bis zuni August 1867 in demselben Hause druckte, das sie 1876 
an die Stadt verkaufte, und diese zum Musee Plantin gestaltete. 
960 gewohnliche Exemplare, 200 bessere, 30 feine, 10 extrafeine, 

13 Pergament-Exemplare wurden von diesem Werke gedruckt, zu 
den letzteren 16263 Tierhaute verarbeitet. Eins der letzteren 
bewunderte schon Montaigne in der vatikanischen Bibliothek, (von 
Arias dem Papst personlich uberbracht, s. Hb'pfl in: Biblische 
Studien XIII, 2. Seite 3, Anmerkung) ; ein anderes, das Dedi- 
kations-Exemplar f&r Herzog Alba besitzt das Britische Museum. 
Es war der Buhm von Plantin's Leben, aber auch der Anfang 
finanzieller Schwierigkeiten. Um 60 G-ulden wurde das Exem- 
plar an die Buchhandler, um 70 an das Publikum abgegeben; 
fur das der Ulmer Stadtbibliothek zahlte der Lindauer Arzt 
Achilles P. Crasser am 4. Juli 1572 in Augsburg fur sich und 
die Seinen 72 Gulden. Das griechische NT. ist in dem "Werk zwei- 
mal enthalten; 1571 in Bd V neben der Vulgata, dem syrischen 
Text und dessen lateinischer Ubersetzung, und in Bd VI mit der 
Interlinear- Version des Arias Montanus. Antiquare verlangen jetzt 
nur 120 150 180 M. for ein gewohnlich.es Exemplar; dasPergament- 
exemplar der Ashburnham-Sammlung kam beim Verkauf derselben 
(1897) auf 79 \ die lexikalischen und anderen Zugaben, bei denen 
der Bucherfreund stellenweise einen doppelten Druck unterscheiden 
muC, sind teilweise noch heute wertvoll. 



Uber die Polyglotten vergleiche: Discours historique sur les principales Edi- 
tions des Bibles Polyglottes. Par 1'Auteur de la Bibliotheque Sacre" (J. Clericus), 
Paris 1713 (bes. S. 301554 Pieces justificatives du discours precedent) ; (R e u B) 
Nestle, PolyglottenbibelnPRE 3 15(1904), 528534; Darlow-Moule (s. S. 7)11, Iff. 

Maax E o o s e s , Christophe Plantin, Imprimeur Anversois. Antw. 1884. fol. 
100 Tafeln; Plantin, C., Correspondance publ. par M. Eooses. II. Gand, 1886 
(Publications des Bibliophiles anversois n. 15). L. Degeorge, la maison Plantin a 
Anvers. 3. e"d. Paris, Didot 1886. E. Lorck, Das Plantin-Haus in Antwerpen. 
Vom Fels zum Meer 1888;9. 9. 328346. Uber die doppelt gedruckten Teile s. 
Eooses p. 123; A. Eahlfs in Lagarde's Bibliotheca Syriaca p. 19. Uber die Be- 
zielmngen Plantins zu den Familisten s, PEE 3 5, 751. 755. 



Polyglotten. ^ 13 



b) tariser. Noch mehr erweitert, auBerlich aufs glanzendste 
eingerichtet, in 10 Foliobanden groCten Formates ist die Paris er 
Polyglotte des Gerichtsadvokaten Guy Michel le Jay, der fiber seinem 
Werk sein Vermogen zusetzte, es zuletzt als Makulatur verkaufen 
muBte und doch stolz genug war, das Angebot des Kardinals 
Richelieu zuruckzuweisen, der ihm die Ehre des Patronats bei 
dem Unternehmen und damit den Nachruhm desselben fur eine 
groCe Summe abkaufen wollte. Jean Morin und der Maronit 
G-abrielSionita waren die hauptsachlichsten Mitarbeiter fur die 
orientalischen Texte, der letztere fur das Syrische. Die zwei Bande 
des NT.s (V, 1 Evv, Y, 2 AGL, Briefe, Offenb.) erschienen 1630 
u. 33. Zu den in der Antwerper Polyglotte stehenden Texten ftigt 
es eine syrische Ubersetzung auch fur die sogenannten Antilegomena, 
d. h. fur die einst umstrittenen Stiicke des NT.s (2 n, 2 u. 3 
i, i, a) und eine arabische Ubersetzung je mit lateinischer Uber- 
tragung. (Antiquarisch 120 M.) 

c) Londoner. Weniger prachtig, aber reichhaltiger, bequemer 
und kritisch wertvoller ist die letzte, lieute noch am moisten ge- 
brauchte der 4 groCen Polyglotten, die Londoner des Brian 
Walton (1600 1661), die (1657) zuerst unter dem Patronat Crom- 
well's erschien, nacli der Bestauration aber von dem dureh Karl II 
zum Bischof von Chester erhobenen Horausgeber eine neue Vorrede 
erhielt, in welcher Cromwell als magnus ille draco tituliert 
ist, daher Bticherliebhaber strong zwischen einem republikanischen 
und einem loyalen Exemplar unterscheiden, fur eins der ersteren 
Sorte auch ziemlich mehr zahlen mtissen (Preise der neusten Zeit 
400, 450, 500 M. ; 22 ^, 31 j^). Das Werk soil das erste sein, das 
in England auf Subskription erschien. Es enthalt im ganzen 9 
Sprachen, im NT. (Bd V) den griechischen Text des Stephanus 
mit wenig Abanderungen, die Ubersetzung des Arias, die Vulgata, 
die syrische, athiopische, arabische Ubersetzung, fur die Evv. auch 
eine persische, je mit buchstablicher Ubertragung ins Lateinische, 
dazu im sechsten Band Walton's apparatus, der noch 1777 in 
Leipzig, 1828 in Cambridge durch F. Wrangham (in 2 Banden) 
neuherausgegeben wurde, eine Art Einleitung in die biblische 
Kritik; endlich in weiteren zwei Teilen das Lexicon Heptaglotton 
des Edmund Castle, ein thesaurus linguae semiticae, wie ihn 
seither niemand mehr zu unternehmen wagte. Fur diese Poly- 
glotte wurde, neben den kritischen Arbeiten Fruherer, erstmals der 
1628 nach England gekommene, von Cyrill Lucaris an Karl I. 



14 Die Geschichte des gedruckten Textes. 

geschenkte codex Alexandrinus der griechischen Bibel beigezogen ; 
seine Lesarten sind am FuB des griechischen Toxtes mit der 
Sigel A verzeichnet ; dies wurde der AnlaB, in den kritischen 
Apparaten der modernen Textausgaben nicht bloB des NT.s (seit 
Wettstein, S. 20) dio Hdsclirr. in ahnlicher Weise mit lateinischen 
Buchstaben zu bezeichnen. Jones Geschonk scheint tiberhaupt 
erstmals das Verlangen nach kritischen Ausgaben eigentlich geweckt 
zu haben. Mit durch Walton's Ausgabe und die von Mill (s. u.) 
wurde der stefanische Text von 1550 in England sozusagen zum textus 
receptus. InEnglandgedruckte Ausgabenkennt B,euB aus dem 16. Jahr- 
hundert nur 2, von London 1587 u. 92 ; die erste von Cambridge (nach 
ReuB 1632, nach Hall) 1625, in Oxford 1675, in Schottland 1701. Am 
bequemsten und genauesten ist der Text des Stephanus zuganglich 
in der Ausgabe von F. H. Scrivener (Cambridge): N. T. textus 
Stephanici A. D. 1550. Accedunt variae lectiones editionum Bezae, 
Elzeviri, Lachmanni, Tischendorfii, Tregellesii, erstmals 1859 und 
oft; 1872, 1886 (Editio Maior) durch Parallelstellen und Vergleichung 
von Westeott-Hort und Revised Version vermehrt, editio quarta ab 
Eb. Nestle correcta, 1906. XVI. 599 p. 

Eine ahnliche sehr genaue Arbeit ist: The Englishman's Greek' 
New Testament ; giving the Greek Text of Stephens with the Various 
Readings of the Editions of Elzevir 1624, Griesbach, Lachmann, 
Tischendorf , Tregelles, Alf ord, Wordsworth : together with an inter- 
linear literal translation and the Authorized Version of 1611. 
London, Bagster (1877) XVI. 670 p. 

6) Elzevir 1624. 33. Auf dem Festland erreichten die hollan- 
dischen Buchhandler Isaak, Bonaventura und Abraham Elzevir 
in Leyden ein ahnliches Ziel. Welche Gelehrten sie an der Hand 
hatten wenn man Her tiberhaupt noch von Gelehrten reden 
darf ist unbekannt; 1624 veroffentlichten sie in handlichem Format 
und hnbschem Druck einen Text, den sie in der Hauptsache Beza's 
Oktavausgabe von 1565 entnahmen. Bei einer neuen Auflage, 1633, 
sagten sie im Vorwort: textum ergo habes nunc ab omnibus 
receptum, in quo nihil immutatum aut corruption damus, rtihmten 
auch, daB alle vel minutissimae mendae jetzt mit Sorgfalt und 
Urteil entfernt seien. Hinter dem /TtVaf [laqvvQi&v d. h. der 
Liste der alttestamentlichen Zitate stehen in der Ausgabe von 
1633, noch nicht in der von 1624, unter der Uberschrift ^,In Novi 
Foederis libros" 5 Distichen des bertihmten Philologen Dan.Heinsius, 



Elzevir. Textus Receptus. 15 



beginnend Bijtte xax&v navaneia, nuwotuivri diadqjt'r} (s. Hoskier, 
Append. C. p. 2), und am Schlusse des G-anzen, wiederum erst in 
der Ausgabe von 1633, auf 34 nichtgezahlten Seiten die Tafeln 
der ueydlaia zu den Evangelien, Apostelgeschichte und Briefen. 
Nach Fabricius finden sie sich bei Stephanus, vor den Kommen- 
taren des Theophylakt und Oecumenius, n unde ilia deprompsit, 
atque in Exercitationibus suis ad N.T. G-raece descripsit Daniel 
Heinsius, qui et editioni NT. Elzevirianae a. 1633. 12. iussit adnecti. 
Ex Heinsio dedit ilia etiam Rev. D. G-eorgius Pritius etc." Da- 
nach ware dieser groBe Philologe, der in der PRE noch keinen 
Artikel hat, der eigentliche Urheber des Textus receptus. Diese 
Ausgabe ist zugleich die erste rein griechische, welche die Vers- 
trennung der Stephanischen Ausgabe von 1551 einfuhrte 1 ). 

Sie selbst druckten bis 1678 7 Ausgaben. (Fur ein sauberes 
Exemplar der Ausgabe von 1633 fordert J. Rosenthal-Miinchen 50 M.) 
Auf dem Kontinent erlangte dieser Text insbesondere durch Joh. 
Leusden (f 1699) grofie Verbreitung, indem er seit 1675 im Format 
seiner unpunktierten hebr. Bibel das griech. NT. druckte cum 
distinctione versiculorum qui omnes NT. voces continent. In 1900 
Versen von 7959 fand er 4956 Worte, 1686 nur einmal, 3270 offcers 
vorkommende, die er seit 1688 mit f u. * bezeichnete, die so be- 
zeichneten am SchluB der Kapitel summierend. Mediante hoc Testa- 
mento, sagt er, quivis vel domi sedens vel in via ambulans vel in 
navi navigans brevi tempore poterit percurrere omnes voces totius 
NT. Graeci. Zugleich druckte er den Text ohne die bisher viel- 
fach gebrauchlichen Abbreviaturen, da diese saepius tyronibus et 
quandoque etiam doctioribus, molestias facessere et remoram injicere 
solent. Nach England kam er erst 1810, indem in dem genannten 
Jahr die britische Bibelgesellschaft die alt- und neugriechische 
Diglotte von Halle, 1710 wiederholte, deren altgriech. Teil uber 
Leusden (Amsterd. 1698) auf die 7. Elzevir-Ausgabe von 1678 
zurtickgeht. Aus der englischen Ausgabe von 1810 wurde er in 
der Moskauer Bibel von 1821 wiederholt. Die britische Bibelgesell- 
schaft allein verbreitete davon nach ihrem hundertsten Jahresbericht 



*) In den Sacrarum Bxercitationum ad NT. Libri sex (Lugd. Bat. 1639 fol.) 
hat Heinsius den nlva%, seine Verse und die neydAaia wiederholt; S. 617 619 
auch die 72 zur Offenbarung hinzugefiigt. In der liberschrii't des mvaj anderte 
er aAfc in gad*' 8ze p^v. Zu 1 v. 7, 29 vertritt er eine andere Interpunktion 
als die Textausgabe, was Wettstein, Proleg. 152 gegen die obige Annahme geltend 
macht. 



16 



Die Greschichte des gedruckten Textes. 





Neue Testamente 


Teile 


Im ganzen 


deutsch-griechisch 


13810 




13810 


griechisch 


275705 


66715 


342420 


gr.-englisch 


23592 




23592 


gr.-franzosisch 


3000 




3000 


gr.-deutsch 


12000 




12000 


gr.-lateinisch 


3250 




3250 


gr.-neugriechisch 


45294 


2030 


47324 


gr.-urdu u. persisch 




1000 


1000 



376651 69745 446396 

Wie sicli die deutsch-griechischen und die griechisch-deutschen 
unterscheiden, weiC ich nicht. 

Wirklicli kam es durcli dies Schlagwort vom textus receptus 
dahin, daC dieser Text durcli mehrere Jahrhunderte hindurch der ver- 
breitetste wurde. 

Tausende christlicher Theologen begnngten sich also durch meh- 
rere Jahrhunderte mit einem Text, der schlieBlich auf die paar jungen 
Handschriften zuruckging, welche den erstenHorausgebern (Stephanas, 
Erasmus, Ximenes) gerade zur Hand waren, in welchem sich z. B. 
die oben genannten Lesefehler des Erasmus bis heute erhielten! 

Einer in Genf 1576 gedruckten Ausgabe fugte Heinrich Stephanus 
eine oft wiederholte Abhandlungtlber den Stil des NT's und Randnoten 
zum Besten derer bei, qui non tantum in Graecae Linguae cognitione 
progressum fecerunt, ut sine cortice (quod proverbio dicitur) natare 
possint. 

Scrivener : Hoskier (S. 5) ... (C) A full and exact comparison of the Elzevir 
editions of 1624 and 1633, doubling the number of the real variants hitherto known, 
and exhibiting the support given in the one case and in the other by the subsequent 
editions of 1641, 1656, 1662, 1670, and 1678. Scrivener (Adv. p. CI) rechnet zwi- 
schen 1624 und 1633 nur 7 wirkliche Varianten; zwischen Elzevir und Stephanus 
1550 about 287". Uber die Elzevir vgl. A. Willem, Les Elzevier 1880. Bergh- 
man, G., Nouvelles Etudes sur la bibliographic Elzevirienne. Supplement a I'ouvrage 
sur les Elzevier de M. Alphonse Willems. Stockholm 1897 (Centrlb. f. Bibl. Wesen 
1898, 67; Etudes ebenda 1886, 111); A. de Reume, Eecherches historiques, g<ne"a- 
logiques et bibliographiques sur les Elzevier, Bruxelles (s. Zeits. fur Bticherfreunde 
1897, 489). 

7) Kritische Versuche. Auch diejenigen, welche etwas mehr 
Forschungstrieb hatten, sind noch nicht grundsatzlich den altesten 
erreichbaren Quellen nachgegangen. In Rom hat Joh. Matth. 
Caryophilus (f 1635) 22 Hdschrr. (10 fiir die Evv., 8 fiir n u. 
Briefe, 4 fur a) zur Vorbereitung einer neuen Ausgabe mit der 
Antwerper Polyglotte verglichen, darunter die beruhmteste Hdschr. 



Textus Receptus. Mill. 17 

der vatikanischen Bibliotliek, den vor andern sogenannten codex 
Vaticanus, und eine andere derselben Sammlung voin Jalir 949, 
eine der altesten Hdschrr. des griecliisclien NT.s, die eine genaue 
Jahreszahl haben (S. bei Tischendorf; s. Kap. 2); 1673 wurden seine 
Oollationen in Rom gedruckt. Auch mit derjenigen Genauigkeit 
stellte man damals seiche Yergleichungen noch nicht an, die heute 
erste Bedingung Mr derlei Arbeiten ist, manchmal freilich auch 
heute nicht bewahrt wird. Der aus G-enf gebtirtige Arminianer 
Stefan de Courcelles (Curcellaeus 1586 1659) HeB durch die 
Elzevire 1658 erstmals eine Ausgabe druoken, die durch ihre ge- 
lehrte Einleitung, sorgfaltigen Parallelstellen, neue Handschriften- 
vergleichung von Wert ist. Schon wird das comma Johanneum 
von ihm eingeklammert ; dafi selbst Conjekturen Beachtung ver- 
dienen, hat er ausgesprochen. Einen noch groBeren Plan aus- 
zufohren hinderte ihn der Tod. In Deutschland gab Joh. Saubert 
1672 die Varianten zum Matthaus heraus, die er aus Drucken, 
Hdschrr., alten Ubersetzungen, Citaten der griechischen und 
lateinischen Kirchenvater gesammelt hatte. Ohne sich zu nennen, 
lieB Joh. Fell, der spatere Bischof von Oxford, 1675 e theatro 
Sheldoniano d. h. der Oxforder Universitatsdruckerei eine Aus- 
gabe hervorgehen, fur welche neben mehr als 100 griechischen 
Hdschrr. unter den alten Ubersetzungen auch die gothische des 
Ulfilas und die koptische verwertet worden war. Der franzosische 
Oratoriane,r Richard Simon, der Vater der historisch-kritischen 
Einleitung in das NT., schrieb um dieselbe Zeit (1689) in Rotter- 
dam, anonym, seine Histoire critique du texte du Nouveau 
Testament. Damit hore gleichsam die Kindheit der Kritik in 
Absicht auf das NT auf; mit Milli NT., sonderlich wenn man 
Richard Simon's Werke dazu nehme, fange ihr erwachsenes Alter 
an, urteilte der G-ottinger Theologe J. D. Michaelis 1777. Wir 
wollen lieber sagen: ihr Jtinglings alter ; sonst mufiten wir im 
Greisenalter stehen; und wir haben doch noch so viel Arbeit 
vor uns. 

8) Mill 1707. Unter Fell's EinfluB hat Joh. Mill (16451707) 
etwa seit 1677 eine Ausgabe vorbereitet, die in seinem Todesjahr 
erschien, durch Vermehrung des kritischen Apparats, vor allem durch 
die Prolegomena wertvoll war. 1710 erschien eine durch den West- 
falen Ludolf Krister (1670 1716) vermehrte Ausgabe, die aber so 
wenig gekauft wurde, daB noch 1723 in Leipzig und 1746 in Amster- 
dam neue Titelauflagen derselben veranstaltet werden mufiten. Auf 
30000 schatzte man in Mill's Zeit die Zahl der zum NT. gesammelten 

Nestle, ElnfOhruno. 3. Auf I. 2 



18 Die Geschichte des gedruokten Textes. 

Varianten; jetzt betragt sie nach kundiger Schatzung mehr als das 
vierfache oder ffmffache, d. h. fast mehr Varianten als Worte. 
(Amerikanisclier Eifer zahlte in M 18222, in fi 11158, in A 19209 
griechische Worter; die Gesamtzahl liegt mir leider nicht Tor; 
Schaff, Companion p. 57. 176 *). 

Das Ansehen, das Mill's Ausgabe ihres Apparates wegen mit 
Recht erlangte, wurde spater falschlicherweise auch auf ihren 
Text nbertragen, der in Wirklichkeit nur eine Wiederholung des 
stephanischen von 1550 ist; er wurde und wird in Oxford noch 
immer wiederholt, namentlich seit Bischof Lloyd (1828), -wobei 
diesem das MiBgeschick begegnete, eine Ausgabe von 1742 in die 
Druckerei zu geben, die zwar auf dem Titel hatte, M Textu per omnia 
Milliano, cum Divisione Pericoparum et Interpunctione J. A. Bengelii", 
in Wirklichkeit aber mannigfach von Mill abwich. In einem Druck 
von 1836 wurde das gebessert; 1889 kamen durch W. San day 
Appendices hinzu. Die Kapitelzahl ,,38", die bei Mill zu fi 12, 18 
weggefallen war, fehlt noch in den neusten Abdriicken, auch in 
denen von Scrivener, der doch den originalen Stephanus von 1550 
zugrunde legte, in dem sie steht ; ebenso die Kapitelzahlen 37 40 
in n. 

Nicht zu vergessen ist die im gleichen Jahr nach ahnlich 
langen Yorbereitungen erschienene lateinisch-griechische Evangelien- 
Harmonie des Nicolaus Toinard aus Orleans, des ersten Katho- 
liken seit Erasmus und des letzten vor S c h o 1 z , der eine kritische 
Ausgabe unternahm. Er ist zugleich der erste seit Beza, der den 
textkritischen Wert der Vulgata entsprechend wiirdigte. 

Beutley. Der erste, der kuhner als bisher neue Lesarten aus 
den Hdsclirr. in den Text aufnahm, war Eduard Wells (1667 1727, 
auch Mathematiker und Geograph 2 ). 

Sein beriihmter Landsmann, der grofie Philologe Richard 
B e ntle y (1662 1742), der aber leider nicht fiber die Vorarbeiten und 
Vorschlage (Proposals 1720) zu einer grofien kritischen Ausgabe 
sowohl des griechischen, als des lateinischen NT.s hinauskam, ver- 



J ) Zur Vergleichung noch folgendes : Prof. E. Tegner (see Sprakets Makt p. 
5152) has calculated that the Gospel of St. Matthew in Greek contains about 39 000 
syllables, while the more analytic Swedish translation has about 35000, and the 
Chinese only 17000. I may add that according to my own calculations the same 
Gospel contains in Danish about 32500 and in English (The Authorized Version) 
about 29000 syllables: Otto Jespersen, Progress in Language, London 1894 p. 120 n. 1. 

a ) Seine Ausgabe erschien, mit der englischen Ubersetzung und Anmerkungen 
in 10 Teilen in Quart zwischen 1709 und 1719. 



Bentley. Bengel. 19 



sprach, 2000 Fehler aus der Vulgata des Papstes und eben so viele 
aus der des protestantischen Papstes (Stephanus) zu entfernen. 
indem er keine Hdschr. verwenden wollte, die unter 900 Jahr alt 
sei. 2000 Guineen, welche die Subskribenten im Voraus eingezahlt 
hatten, mufite sein Neffe, da die Ausgabe nicht zu stande kommen 
konnte, wieder zuriickgeben. 1720 hat ein presbyterianisclier Geist- 
licher William (nach andern: Daniel) Mace (f 1753) ohne Namens- 
nennung, eine englisch-griechische Diglotte veroffentlicht, die 
vielleiclit am kfihnsten vom hergebrachten Text abweicht, zu G-al. 
4, 25 auch eine Konjektur in den Text aufnahm, mit der vernimftigen 
Begrtmdung w as if there was any MS so old as common sense". 
Dann aber ruht in England fast fur ein Jahrhundert die Arbeit auf 
diesem Gebiet; der Schwabe Bengel und der Easier Wettstein haben 
sie nach Deutschland und den Niederlanden iibertragen. 

A. A. Ellis, Bentleii Critica Sacra, Cambr. 1862, nach seinem Handexemplar 
der Pariser Ausgabe von 1628. R. 0. Jebb, Bentley, Lond. 1882, deutsch von E. 
Wohler, Berl. 1885 ; TiGr 229240, Wordsworth-White I, p. XV XXVIII. 

9) Bengel 1734. Schon 1711 hat der Bremische Syndicus 
Gt-DTMD d. h. Gerhard de Trajectu Mosae (Maastricht) Doctor in 
Amsterdam ein NT. herausgegeben, dem er 43 kritische Kanones 
oder Eegeln yoranstellte. 1741 veranstaltete das Hallesche Waisen- 
haus einen Abdruck mit Luthers "Ubersetzung, dergestalt ein- 
gerichtet, daB beide mit dem in den Cansteinischen Bibeln von 
Blatt zu Blatt ubereinstimmen. Fells Druckfehler kxi^oav (n 13, 
29) hat sich durch Maastricht bis in eine Easier Ausgabe von 
1825 fortgepflanzt. 1725 veroffentlichte J. A. Bengel (1687 
1752; W-H 246) einen Prodomus N' [ T l G l adornandi, in welchem 
er einen aui5erst sorgfaltig nberdachten Plan einer neuen Ausgabe 
entwickelt und alle 43 kritischen Regeln auf eine einzige in 4 Worten 
bestehende zuriickzufuhren versprach. Es ist dies der Grundsatz, 
den man jetzt noch ktirzer, aber minder gut in der Fassung wieder- 
zugeben pflegt: lectio difficilior placet, oder difficilior lectio potior. 
Sorgfaltiger erwogen war Bengels Ausdruck: Proclivi scriptioni prae- 
stat ardua. $ Jahre spater konnte er seine Notitia N' 1 T l G l recte 
cauteque adornati aussenden. 1734 erschien dasselbe bei Gotta in 
Tubingen in einer stattlichen Quartausgabe, gleichzeitig eine Hand- 
ausgabe in Stuttgart, in kl. 8, in welcher er den Grundsatz ein- 
scharfte: te totum applica ad textum, rem totam applica ad te. 

Von letzterer sind spater noch 4 Auflagen gedruckt worden, 
(1753, 62, 76 mit Zusatzen des Sohnes Ernst, 1790 mit solchen 
des Enkels Ernst Theophil B). Sein Text liegt in der kommen- 

2* 



20 . Die Geschichte des gedruckten Textes. 



tierten Ausgabe von Koppe [Gottingen 1778 ff ; 1810 fr] zu Grunde. 
Von der groBen Ausgabe erschien erst 11 Jahre nach seinem Tod nur 
der Apparat noch einmal mit den durch die Ausgabe veranlaBten 
Verteidigungsschriften. Bengel war nicht energisch genug; er 
wollte keine Lesart in den Text aufnehmen, die nicht vorher 
schon in irgend einer Ausgabe gedruckt war; in seinem Prodro- 
mus schreibt er sogar: Ne Syllabam quidem, etiamsi mille MSS., 
mille critici iuberent, ante-hac non receptam adducar ut reci- 
piam; which sure is the greatest deference that was ever 
paid to the press", sagt Bowyer 1772. Aber am Rand hat er die 
in Betracht kommenden klassifiziert ; von 149 von ihm fur echt 
erklarten sind (nach BeuB) heute nur 20 nicht allgemein gebilligt ; 
von 118, deren Eachtigkeit ihm wahrscheinlich, aber nicht ganz 
sicher war, sind 83 heute anerkannt, Noch wichtiger war, daB er 
gesunde kritische Grundsatze aufstellte, daB man die Zeugen nicht 
zahlen, sondern wagen, d. h. klassifizieren miisse, wobei er erstmals 
zwei groBe Gruppen oder Familien unterschied. Der erste groBe 
Textkritiker unserer Tage, der bertihmte Philologe Lachmann er- 
neuerte seine Grundsatze, und der Fortschritt, welchen die Eng- 
lander Westcott-Hort tiber den zur Zeit noch beruhmtesten, tiber 
Tischendorf hinaus machten, beruht wesentlich darauf, daB sie 
wieder an Bengel anknupften. 

Bb. Nestle, Bengel als Gelehrter. Bin Bild fur unsere Tage (in Marginalien 
und Materialien und in Sonderdruck Tiibmgen 1893), p. 59 81. Matthai, Tiber die 
sogenannten Eezensionen, welche Herr Alb. Bengel, der Herr Dolrtor Semler und 
der Herr Geheime Kirchenrat Griesbach in dem griechischen Texte des NT. wollen 
entdeckt haben. Ronneburg Leipzig, 1804. Dafi Kenyon (p. 237) ihn J. A. Bengel 
B of Tubingen" nennt, ist eher zu entschuldigen, als wenn eine deutsche Universitat 
in der tabula gratulatoria zum 400jahrigen Jubilaum der Universitat Tubingen 
(1877) Bengel, der nie nach Tubingen berufen wurde und auch sehr spat von dort 
den Doktor erhielt (s. meine Schrift fiber B. S. 33), unter den Grofien der Tii- 
binger Universitat aufzahlt: nomina suntodiosa; wer will, sehe: Die vierte Sacular- 
feier der Universitat Tubingen im Jahre 1877. Tubingen 1878. 

Wettstein. Zunachst aber hat uber Bengel sein Bivale Joh. 
Wettstein den Sieg davon getragen (1693 1754), der schon 1713 
eine Abhandlung fiber 'die Lesarten des NT.s, 1730 ohne Namens- 
nennung seine Prolegomena, 1751. 52 sein NT. in zwei Foliobanden 
herausgab. Den kritischen Apparat gestaltete er so reich, wie 
niemand vor ihm; eingehend gibt er die Geschichte der einzelnen 
Hdschrr., Ubersetzungen, Kirchenvater ; durch ihn ist die oben 
(S. 14) angedeutete Bezeichnung der alten Hdschrr. mit lateinischen 
Buchstaben, der jungeren mit arabischen Ziffern durchgedrungen ; 



Wettstein. Grriesbach. Matthai. 21 

doch druckte auch er noch den Elzevir'sclien Text (nach Maastrichts 
Druck von 1735; s. S. 19), die von ihm far richtig erklarten Les- 
arten unmittelbar unter denselben setzend. Daneben enthalten die 
Anmerkungen treffliche Parallelstellen aus klassischer und jtidischer 
Literatur. Die Ausgabe ist noch. heute unentbehrlich, sogar ffir den 
textkritischen Apparat. 

Carl Bertheau PRE 3 21, 198203. Willem Johann Lente, Het leven 
en werken van Johan Jakob Wettstein. Leiden 1902. XII, 157. NT. Grae- 
cum . . . opera et studio Joannis Jacobi Wettsteini. Tomus I. continens quatuor 
Evangelia. Editio altera aucta et emendata curante Johanne Anthonio Lotze. 
Eotterodami 1831 XII. 279 S. gr. 4 enthalt nur die Prolegomena, mit Kiirzungen 
es sind z. B. S. 127141; 149; 157170; 187222 weggelassen und Zu- 
satzen, ebenso die Animadversiones et Cautiones und als Additamentum Gloc. Ridley's 
de Syriacarum Novi Poederis Versionum indole atque usu dissertatio. Bine Sichtung 
und Vermehrung der in Wettsteins Anmerkungen aufgespeicherten Beitrage zur 
sprachlichen und sachlichen Erklarung des NT.s ware eine niitzlichere Arbeit als 
in immer neuen Kommentaren Altbekanntes zu wiederholen. Ebenso sind nicht 
alle textkritischen Materialien Wettsteins in Tischendorfs Ausgabe hineingenoinmen. 
J. S. Semler gab die Prolegomena 1764 neu heraus. Ein vollstandiges Exemplar 
mufi auch eine Widmung an Friedrich Prinz von Wales, Sohn Georg II. und 
seinen Sohn Georg (spateren Konig Georg III.), enthalten, die in meinem Ex. fehlt. 
Ein Anhang enthalt die Clemens-Briefe, syrisch und lateinisch. 

10) J. J. Griesbach. Joh. Jak. G r i e s b a c h (17451812 ; W-H 
247 255), ein Schiller Salomo Semler s, der die von seinem 
Lehrer vereinigten Grundsatze Bengels und Wettsteins befolgte und 
praktisch ausfnhrte, erweiterte den Apparat durch genauere Ver- 
wertung der Citate der Kirchenvater, namentlich des Origenes, ein- 
zelner Ubersetzungen, wie der gothischen, armenischen, philo- 
xenianischen (s. Kap. 2), unterschied eine occidentalische, alexan- 
drinische und byzantinische E/ezension und wagte es als der erste 
in Deutschland, den Text so zu drucken, wie seine Kritik ihn er- 
mittelt hatte. Diejenige Ausgabe, die 1803 1807 bei G-oschen in 
Leipzig in 4 Foliobanden gedruckt wurde, heiCt bei Reufi mit 
Recht editio omnium quae exstant speciosissima. Eine dritte Ausgabe 
der Evv. bearbeitete 1827 Dav. Schulz. Sein Text wurde von 
vielen Neueren wie Schott, Knapp, Tittmann, Hahn (seit 1820), 
auch noch Theile mehr oder minder treu befolgt 1 ). 

Sein Gegner,, der Thtiringer Christian Friedrich Matthai 
in Moskau (1744 1811) liefi sich durch die grofie Zahl der Hand- 
schriften der dritten (byzantinischen) Klasse imponieren. Durch 



x ) Wenigstens in einer Anmerkung soil die Ausgabe von Ed. Har w o od (Lond. 
1776) erwahnt sein, der, e.in Vorgangev Griesbachs, ergtmals M 5, 22 gixg auslieB. 



Die G-eschichte des gedruckten Textes. 



Andreas Birch, spater Bischof von Lolland, Falster und Aarhuus, 
D. Q-.Moldenh.aner und J. Gf. C. Adler lieB der Konig von Dane- 
mark Material sanimeln. Q-leiches tat Joh. Mart. Augustin Scholz 
(f 1852), Professor der kath. Theologie in Bonn, leider nicht punkt- 
lich genug; aber seine Ausgabe (Lipsiae 1830 36 in 2 Quartbanden) 
ist wegen der Prolegomena und Synaxaria (Perikopensystem 
der griech. Kirche, Bd I, 453 493) noch heute wertvoll. Noch 
1897 wurde sein Text von Bagster in London wiederholt, mit 
einer Vergleichung der Varianten von Grriesbach, Stephanus 1550, 
Beza 1598, Elzevir 1633. 8 Spalten unter 624 weisen keine 
einzige Verschiedenheit auf. Einem anderen katholischen 
Theologen Joh. Bernh. Hug (17651846; PEE 8 8, 429431; 
W-H 248) verdanken wir keine Textausgabe, aber sehr schatzens- 
werte Untersuchungen zur G-eschichte des ntl. Textes und einzelner 
Hdschrr. Grundsatzlich mit dem textus receptus hat erst Carl 
Lachmann gebrochen (1793 1851), indem or seinen Verdiensten 
um die klassisehe und germanistische Philologie auch das um die 
Theologie hinzuftigte, in der Beschrankung sich als Meister zu zeigen, 
und auf Gerund der altesten griechischen und lateinischen, also ost- 
lichen und westlichen Handschriiten den Text so herzustellen 
suchte, wie ihn die alte Kirche urns Jahr 380 gelesen hat. Mit 
Sicherheit holier hinaufzudringen verzichtete er. Aber es fragte 
sich doch, ob das nicht moglich sei, und ob man die Basis, auf die 
Lachmann sein Werk gestellt hatte, nicht erweitern und ver- 
starken konne. 

liber Matthai vgl. 0. v. Gebhardt, Christian Friedrich Matthai und seine 
Saramlung griechischer Handschriften. Ein Beitrag zur Geschichte der Moskauer 
Bibliotheken. Leipzig, Harrassowitz 1898. (Aus dem XV. Jahrgang des Central- 
Watts fur Bibliothekswesen besonders abgedruckt.) 

Die von Ph. Buttmann P. fur Lachraanns grb'fiere Ausgabe bearbeitete 
Eusebianische 2 Evangelienharmonie wurde von Tischendorf 1850 in seine Ausgabe 
des Amatinus, 1854 in den lat. u. griech. Text seiner Triglotte, von da in die 
septima u. octava hinubergenommen und steht, mit 2 Druckfehlern Tischendorfs von 
1850 und 1854, unverandert in Gregory's Textkritik. Lachmanns Ausgabe (Bero- 
lini, G. Reimer) erschien griech. u. lat. in 2 Banden 1842. 50; Tiber den ersten 
s. Lilcke (GgA 1843 Nr. 134136) ; er hat die Widmung: piae recordationi Friderici 
Schleiermacheri. Eine editio stereotypa des griech. Textes (NT. graece ex recen- 
sione Caroli Lachmanni 1831. 37. u. s. a. [1849?]); 503 p., bis 460 Text, 
von da an diversitas receptae lectionis. Tiber die Grundsatze der Ausgabe wird 
auf Th. St. u. Kr. 1830, 817845 verwiesen. Ich weifi nicht, welchen Druck 
Lachmann seinen Kollationen zu Grunde legte und den Setzern in die Hand gab; 
ganz geschrieben wird er seinen Text ja nicht haben. Insofern gilt auch noch von 
ihm, was W. Boyer in der Vorrede zu seiner anonymen Sammlung von Conjectures 
on the NT. (London 1772) bemerkt: es sei nicht verwunderlich, cfafi seit der Brfin- 



Lachmann. Tischendorf. 23 

dung der Buchdruckerkunst, d. h. seit ihrer ersten Verwendung fttr das Gr. NT. durch 
Ximenes u. Erasmus kerne Ausgabe mehr erschienen sei, ausschliefilich auf hand- 
schriftlicher Grundlage. 

11) Tischendorf. Mit dem glanzendsten auCern Erfolg hat 
das in Deutschland tind von Deutschland aus Gottlob (Aenotheus) 
Friedricli Constantin (v.) Tischendorf getan (*18. 1. 1815, f 7. 12. 
1874), indem er-seit 1841 auf mehreren Eeisen in Europa und dann 
im Orient die wichtigsten und altesten Bibelhandschriften kolla- 
tionierte und entdeckte, so vor allem 1859 auf dem Sinai den jetzt 
in Petersburg befindlichen Codex Sinaiticus, die alteste bis jetzt 
bekannte Handschrift, welche -das ganze griechische NT. enthalt. 
Auf Grund des yon ihm und anderen gesammelten Materiales hat 
er von 1841 1872 8 verschiedene Ausgaben veranstaltet, die von 
ihm als VII gezahlte 1859, in 3500 Exemplaren, vor Auffmdung 
des Sinaiticus. Zwischen der siebenten und seiner letzten, der VIII 
critica maior, von welcher Tischedorf 1864 72 in 11 Lieferungen 
noch den Text beendigte, wurden 3572 Abweichungen gezahlt 
(nach Scrivener 1, 283, 3369, so auch v. Gebhardt PKE 8 , 2, 764). 
Von der dritten von 1849 wich er in der letzten an 1296 Stellen ab, 
indem er an 595 zum TE,. zuruckkehrte. Den dritten zur octava 
maior gehorenden Band der Prolegomena hat Caspar Rene 
Gregory von 1884 94 in drei Teilen vollendet (1428 Seiten); in 
ihm hat er ein Werk geschaffen, das die vollstandigste Ubersicht 
uber das gewahrt, was auf dem Gebiet des griechischen NT.s bisher 
gearbeitet wurde (deutsch unter dem Titel: Textkritik des Neuen 
Testamentes, 1900, 02; SchluC fehlt noch). ; 

Ti-Gr 122; Urt. 4952; C. Bertheau in PRE D 19, 788797. 

Tischendorf zahlte (vgl. Bertheau PRE 3 ) seine Ausgaben so: 

A. I Lipsiae, Kohler 41. UParisiis, Didot (ed. non cath.); Ill (ed. oath.) 42. 

B. IV Lipsiae, Winter 49. V L., Tauchnitz 50. VI L., Avenarius und 
Mendelssohn 54. 

C. VII L., Winter 59. 

D. VIE L., jetzt Hinrichs 6972. 

Am verbreitetsten wurde T's. ,,editio academica" (von 1855 1870 
1. 6.Aufl. u., in neuer Textbearbeitung, von 187399, 7. 20. Aufl.), 
daneben die editio stereotypa ( 1 - 1859. 2 - 62; 18731904 3 ~ 1fl ). Im 
ganzen erschienen von Tischendorf bis Ostern 1907 66 Auflagen, 
fur welche der Text 13mal neu gesetzt wurde, namlich auCer 
in den oben genannten 8 Drucken IX, Leipzig 1873, Tauchnitz. 
(Neuauflage von V); XL., Mendelssohn (Neuauflage von VI) 1873; XI 
1873 (L., Brockhaus); dazu XII u. XIII die v. Gebhardt'sche 
editio maior und minor. 



24 Die Geschichte des gedruckten Textes. 

Auch sonst wurde sein Text sehr einfluBreich z. B. bei Aug. 
Halm, NT. graece post Lachmammm et Tischendorfium ad fidem 
optimorum libronun denuo diligenter recognovit lectionumque 
varietatem notavit A. H. Editio stereotypa. Lipsiae, B. Tauchnitz 
1861. XL VII. 688 p. Der Apparat berucksichtigt auBer diesen auch 
Griesbach, Knapp, Scholz, Schulz und (zu a) Tregelles. 

Ahnlich in der (von Eiggenbach und Stockmeyer bearbeiteten) 
fur die Griechen Mazedoniens bestimmten Ausgabe der Easier 
Bibelgesellschaft: 77 naivy 6. xava ia aQ^aiotaia awtiyQacpa exdo&eiaa 
ovv icoi tyafaiiQKoi nava love, 0'. Ev BaoiAsia 1881. 687 u. 184 S. 
(s. J. J. Prids, Theol. Tijdskr. 1881, 580). 

Tregelles. Neben und nach Tischendorf hat aufierlich mit 
unsoheinbarem Erfolg, aber mit urn so groBerer Treue der englische 
Quaker Samuel Prideaux Tregelles (* 30. 1. 1813, f 24. 4. 1875) 
in 20jahiiger Arbeit eine Ausgabe zu Ende gebrackt, die schon 
im Druck diejenigen Stellen kenntlich machte, an denen der Be- 
arbeiter auf G-rund des vorhandenen Materials zu einem definitiven 
Urteil nicht gelangen konnte. 

The Greek New Testament edited from Ancient Authorities, 
with their Various Readings in full and the Latin of Jerome 
by Samuel Prideaux Tregelles, London, S. Bagster 1857 1869- 
Teil VII (Prolegomena etc.) erschien erst nach seinem Tod durch 
Hort und A. W. Streane. Eine Ausgabe des griech. Textes ohne 
Apparat 1887, 603 S. 

Schon 1844 war von ihm erschienen The Book of Eevelation 
in Greek. 

tiber Tregelles, s. Carl Bertheauin PRB 8 20, 9095. 

Auf der liber einstimmung von Tischendorf und Tregelles 
beruht der Text des Cambridge Greek Testament for Schools and 
Colleges 1873. Wo beide von einander abweichen, gibt Stephanus 1550 
den Stichentscheid, und, wo dieser mit keinem von beiden stimmt, 
Lachmann, unter Berncksichtigung des Sinaiticus. 

Westcott-Hort. Noch bedeutenderen Fortschritt erzielten die 

Cambridger Gelehrten Brooke Foss Westcott (* 12. 1. 1825 f 27. 

7. 1901) und Fenton John Anthony Hort (* 23. 4. 1828, f 30. 11. 1892; 

tiber beide s. Gregory in PEE 8 8, 333370; 21, 152154), indem 

sie nach fast 30jahriger gemeinsamer Arbeit 1881 in einem ersten 

Band den Text mit kurzer Ubersicht der Geschichte und der 

darauf begrtindeten Kritik des Textes, in einem zweiten eine von Hort 

geschriebene ausfuhrliche Darlegung ihrer textkritischen Grundsatze 



Tregelles. Westcott-Hort. Weymouth. 25 

veroffentlichten. Auf G-rund ihrer Forschung kamen sie dazu, vier 
hauptsachliche Formen des Textes zu unterscheiden: 

1) einen jungen in Syrien urn 300 entstandenen, der von 
Konstantinopel aus namentlich in den jtingeren Hand- 
schriften herrschend wurde und so mit dem textus Receptus 
der alten Drucke wesentlich ubereinstimmt; 

2) einen in Alexandrien hergestellten, durch sprachliche 
Grlattungen sich kennzeichnenden; 

3) einen schon vor 200 von Syrien aus in den West en 
gelangten, der uns wesentlich durch die altlateinischen 
Ubersetzungen einerseits, durch. syrische andererseits ver- 
treten ist, und allerlei merkwttrdige Zusatze aufweist; 

4) den neutralen Text, der noch keinerlei Entstellungen 
unterlag. 

Diese Arbeit von Westcott-Hort ist der grtindlichste fertig 
vorliegende Versuch einer kritischen G-esamtausgabe des Neuen 
Testaments. 

The New Testament in the original Greek. The text revised by Brooke FOBS 
Westcott DD and Fenton John Anthony Hort DD. Cambridge and London; 
Macmillan 1881. I. Text. (Erster Druck May 1881: 580 S. ; ^Dec. 1881: 595 S., 
Aug. 90, "Jan. 98. Eine ,, American Edition" with an Introduction by Philip Schaff. 
(GUI pages) mit der engl. Eevised Version von 1881 erschien in New York 1882.) 
II. Introduction. Appendix (August 1881: XXXI. 324. 188, *b April 1882: XXXI. 324. 
173); 'reprinted with additions Febr. 1896. XXXI. 330. 180. 

Eine kleinere Textausgabe: 1885, seither 14mal wiederholt, zuletzt 1906. 
Der Text mit neuen Typen in grb'fierem Format 1895, 542 S. 

Kleine Anderungen in den spateren Abdriicken, z. B. M 23, 26 Ivtbs', als 
Verschlimmbesserung p 8, 20 ty' &Ani&t,\ a. Bertheau, ThLz 1882, 21. Eb. Nestle 
in The Expository Times VIII, 479; IX, 95. 333. 424. 

Diese Textgestaltung beeinfluCte sehr wesentlich die eng- 
lische Eevised Yersion von 1881. Mit und ohne den englischen 
Text erschien der griechische so, daC die neuen Lesarten im 
Text, die alten (von Stephanus) am Rand stehen (von Palmer be- 
arbeitet) Oxford 1881. 1896. 1901; umgekehrt die alten (von Beza 
1598) im Text, die neuen am Band (von Scrivener) Cambridge 1881 
(1892. 94). 1908 ; doch s. uber die Mangel dieses Systems JThSt V, 
461 ; IX, 101. Beide Ausgaben geben z. B. p 1, 1 als den von den 
Revisers vorausgesetzten Text das nur sehr schlecht bezeugte vlov 
TOV &eov statt vlov &eov ohne Artikel. 

Weymouth. Einen Durchschnittstext, beruhendauf Vergleichung 
der wichtigsten Ausgaben, gibt R. Fr. Weymouth (*28. 10. 1822 
t 27. 12. 1902). 



26 Die Geschichte des gedruckten Textes. 

The Resultant Greek Testament, exhibiting the Text in which the Majority 
of modern Editors are agreed, and containing all the Headings of Stephens (1550), 
Lachmann, Tregelles, Tischendorf, Lightfoot . . . Ellicott . . . Alford, Weifi ... the 
Bale edition (1880), Westcott and Hort, and the Revision Committee. By Rich. Francis 
Weymouth. London 1886. XIX. 644 S. With an Introduction by the Right Rev. 
the Lord Bishop of Worcester. Cheap edition 1892. Third edition 1905. Aufier den 
im Titel genannten Ausgaben sind auch noch die Complutensis, Erasmus, die englische 
Authorised Version, Elzevir 1633 u. Scrivener zn einzelnen Stellen verglichen. 

B. Weiss. Seither hat Bernh. WeiB in Berlin auf Q-rund 
sorgfaltiger Einzelexegese eine neue selbstandige Bearbeitung des 
Textes in drei starken Banden (1894, 96 und 1900) mit erklarenden 
Anmerkungen und einleitenden Untersuchungen herausgegeben. 

Das Neue Testament[.] Textkritische Untersuchungen und Textherstellung 
von D. Bernhard Weifi [.] Erster Teil Apostelgeschichte. Katholische Briefe. Apo- 
kalypse. Leipzig, Hinrichs 1894. Zweiter Teil Die paulinischen Briefe einschliefilich 
des Hebraerbriefs 1896. Dritter Teil Die vier Evangelien 1900. 

Bd. I zusammengestellt aus den ,,Texten und Untersuchungen" IX, 3. 4. VIII, 
3. VII, 1 ; von Bd. II ,,Textkritik der paulinischen Briefe" (161 S.) aus XIV, 3 ; 
von Bd III aus XIX (Neue Serie IV), 2. Von Band II u. Ill erschienen Exemplare 
ohne die textkritischen Untersuchungen ,,Mit kurzer Erlauterung zum Handgebrauche 
bei der Schriftlektiire". Zweite Aufl. (ohne die textkritischen Untersuchungen) I. die 
vier Evv. 1905. II. die paulinischen Briefe u. der Hebraerbrief 1902. III. die Apostel- 
geschichte, Katholische Briefe, Apokalypse 1902. Vgl. C. R. Gregory, Bernhard 
Weifi and the New Testament (Am. Journ. of Theol. 1897. 1. 1637). 

0. v. Gebhardt. 0. v. Gebhardt (22. 6. 1844, f 9. 5. 1906) 
hat sich fur Deutschland das Verdienst erworben, den letzten Text 
Tischendorfs mit den notigen Berichtigungen zu drucken und unter 
demselben samtliche Abweichungen von Tregelles und Westcott- 
Hort zu verzeichnen, in der editio stereotypa minor nur die von 
Westcott-Hort. In der griechisch-deutschen Diglotte stellte er dazu 
unter dem deutschen Text Luthers diejenigen Lesarten zusammen, 
in welchen die von Luther benutzte 2. Ausgabe des Erasmus von 
1519 von der letzten Tischendorfs abweicht, so daC man in dieser 
Ausgabe am bequemsten einerseits den Abstand ermessen kann, 
welcher unsere heutigen griechischen Texte von den ersten im 
beginnenden 16. Jahrhundert gedruckten trennt, andererseits die 
"Ubereinstimmung, welche unter den von so verschiedenen Grund- 
satzen ausgehenden Forschern unserer Tage wie Tischendorf und West- 
cott-Hort herrscht. Ein Anhang der groCeren gibt in der adno- 
tatio critica eine kurze Ubersicht uber den textkritischen Apparat, 
aber nur zu denjenigen Stellen, an welchen Tischendorf und West- 
cott-Hort von einander abweichen. Von den 600 Seiten der editio 
minor zeigt eine keine einzige Abweichung zwischen Tischendorf 



WeiB. Gebhardt. Nestle. 27 



und Westcott-Hort (S. 501 = 9? 4, 6 22), 18 je nur eine einzelne, 
und diese Abweichungen betreffen meist nur sprachliohe Kleinig- 
keiten. 

Novum Testamentum graece recensionis Tischendorfianae ultimae textum cum 
Tregellesiano et Westcottio-Hortiano contulit et brevi adnotatione critica additisque 
locis parallelis illustravit Oscar de Gebhardt. Bditio stereotypa. Lipsiae, B. Tauch- 
nitz 1881. S 84. 8 86. 4 88. "91. "94. 7 96. 81900. 3 M., geb. 4 M. 

N. T. Graece et Germanice. Das Neue Testament, griechisch nach Tischen- 
dorfs letzter Recension und deutsch nach dem revidierten Luthertext mit Angabe 
abweichender Lesarten beider Texte und ausgewahlten Parallelstellen herausgegeben 
von Oskar von Gebhardt. Leipzig, B. Tauchnitz. Stereotyp-Ausgabe. 1881. 8 84 
90. *96. 5 M., geb. 6 M. 

(Der deutsche Text noch nach der Revision von 1870.) 

Novum Testamentum graece ex ultima Tischendorfii recensione edidit Oscar 

de Gebhardt. Bditi'o stereotypa minor. Lipsiae, B. Tauchnitz. 16. 1887. 2 91. 
9 95. 4 98. 2 M., geb. 2.50 M. 

Nach Gregory's Emendanda zu Tischendorfs editio octava waren v. Gebhardts 
Ausgaben noch an 25 Stellen zu berichtigen (3mal inbetreff der Verseinteilung 2 v. 5, 
14. 15; k 1, 1.2; a 18, 16. 17; 12mal in Kleinigkeiten der Interpunktion ; 2mal in 
orthographischen Dingen (itoQvia 1 x 6, 13; etSov a 6, 5) ; Imal hinsichtlich des 
v ecpeAx. (M 1, 15 dvdtipaai) ; 1 mal Umstellung (/I 23, 32 xccxowpj/ot 8vd) ; 3mal 
Tilgung (M 1, 13. 14 [<fj nv^}; 1 16, 27 zov); 3 mal andere Wortformen (n 17, 29 
XQvaly; Q 12, 8 ; 1 & 5, 12 Tigoiozavopev). Zu 3 weiteren Stellen ist Gregory iiber 
Tischendorfs letzte Ansicht nicht sicher, ob er /I 23, 30, n^aete; i 8, 51 tijQJjaei 
u. 9'sca^aei, Q, 8, 20 lAntdt wollte. Wie sehr in Kleinigkeiten die spateren Drticke 
den friiheren folgen, zeigt dmdQTi. Als ein Wort fiihrt dies Bruder's Konkordanz 
nur fur 14, 13 auf, gegen 5 maliges &Jt" SQTI. Konsequent in der Schreibung ist 
Lachmann, Westcott-Hort, Weymouth. Die Inkonsequenz schreibt sich schon von 
Erasmus her, ist auch von Bengel nicht verbessert und hat sich durch Tischendorf 
u. B.^Weifi auch in meine Ausgabe fortgepflanzt. Tischendorf 8 schreibt es als ein 
Wort auch i 13, 19; 14, 7. Ebenso Basel 1880, Brandscheid. 

Stuttgarter NT. Auf einer Vergleichung der 4 Ausgaben von 
Tischendorf, Westcott-Hort, B. WeiC und Weymouth. beruht der 
Text des von der wurtt. Bibelanstalt veranstalteten, von rnir be- 
arbeiteten griech.isch.en, griechisch-deutschen und griechisch-latei- 
nischen NT.s. Unter dem griech. Text sind samtliche Verschieden- 
heiten dieser Druck- Ausgaben, auch die von Westcott-Hort in den 
Anhang verwiesenen und bei 0. v. Gebhardt fehlenden Lesarten 
verzeichnet J ) ; aufierdem in einer zweiten Eeihe von Varianten 
wichtig erscheinende handschriftliche Lesarten, zu den Evangelien 
und der Apostelgeschichte hauptsachlich, doch keineswegs aus- 



^ In dieser Ausgabe findet sich keine Seite, die gar keine Verschiedenheit 
zwischen den 4 Ausgaben aufweisen wiirde, aber 4 (273. 304. 454. 548), bei denen 
die Verschiedenheit nur die Interpunktion, eine (S. 5), bei der sie nur die Ortho- 
graphic betrifft. 



28 Die Geschichte des gedruckten Textes. 

schliefilich, aus dem Codex Beza. Die deutsch-griechische Ausgabe 
gibt unter dem ,,durchgesehenen Text" (von 1892) die Lesarten 
von Luthers letzter Ausgabe (von 1545) nebst einer Auswahl seiner 
Randglossen und fruheren Ubersetzungsversuche ; die griechisch- 
lateinische unter dem offiziellen Text der Clementina von 1592 
samtliche Abweichungen der Sixtina von 1590, fur die Evangelien 
und Apostelgeschichte die Lesarten der grofien kritischen Ausgabe 
von Wordsworth- White, weiterhin die Lesarten der Handschriften 
von Amiata und Fulda. (Eine amerikanische Ausgabe des griechischen 
Textes: with an Introduction and an appendix on irregular verbs 
by B.. F.Wei dner erscheint bei Fleming H. Revell Company, seit 
1901). 

Novum Testamentum Graece cum apparatu critico ex editionibus et libris 
manuscriptis collecto. Stuttgart, Privilegierte Wtirttembergische Bibelanstalt 1898. 
Ill, 660 S. mit 5 Karteii; 2 99; (curavit Eberhard Nestle) 3 01; *03; r> 04; 07; 7 08. 
Griechisch-deutsch, 2 01 ; 3 ' J 04 ; 06 ; 08. Griechisch-lateinisch 06, 07. I'm Jahr 
1908 1st zum griechischen Text die Evangelienharmonie des Eusebius nebst den 
alten Kapiteleinteilungen hinzugekommen. 

Schjott. Fr. Schjott lieB bei seiner 1897 in Kopenhagen 
erschienenen Ausgabe die Ubereinstimmung der vatikanischen (von 
Hobr. 9, 14 an, der claromontanischen) und sinaitischen Hand- 
schrift entscheidend sein; wo sie variieren, su elite er die nachst- 
alteste Handschrift zum Stiohentscheid. Bei den Evangelien brauchte 
er die Handschriften (s. u.) A C D E F H I K L P Q T U Y X Z PA, 
bei der Apostelgeschichte und den katholischen Brief en BCD EH 
KLP, bei den paulinischen Brief en ACDEFGHLP, bei der 
Apokalypse ACPI. 18. 38. 49. 92. 95. AuBerdem bietot seine 
Ausgabe unter dem Text in 2 Abteilungen eine Yergleichung mit 
Elzevir und mit Tischendorf-G-ebharclt 1894. Woher er seine Kennt- 
nis des Vaticanus und Sinaiticus schopffc, ist nicht angedeutet; die 
Photographic des ersteren scheint nicht verwertet zu sein. 

Novum Testamentum Graece ad fidem testium vetustissimorum recognovit 
nee non variantes lectiones ex editionibus Elzeviriana et Tischendorfiana subjunxit 
Fr. Schjott. Hauniae, Gad 1897. XI, 562. 

Baljon. Die Ausgabe von J. M. S. Baljon ist in der 
Hauptsache ein nicht immer genauer Auszug aus Tischendorfs 
octava maior, doch sind neuere Funde verwertet, z. B. for die 
Evangelien der syrische Palimpsest vom Sinai, fur die Apokalypse die 
von G-wynn veroffentlichte syrische Ubersetzung; bei der Apostel- 
geschichte ist regelmassig mitgeteilt, wie BlaC die sogenannte 
Forma B-omana hergestellt hat; insbesondere findet man nii'gends 



Nestle. Schjott. Baljon. 29 



so bequem beisammen, wo neuere Q-elehrte Glossen oder sonstige 
Einschaltungen annehmen, UmsteLLungen oder Konjekturen vorge- 
schlagen haben und dergleichen. Insofern ist sie denjenigen zu 
empfehlen, die eine Ausgabe mit groBerem kritischen Apparat nicht 
besitzen; das Ideal einer praktischen Ausgabe wird aber auch von 
ihr nicht erreicht. 

Novum Testamentum Graece. Praesertim im [so !] usum studiosorum recog- 
novit J. M. S. Baljon. Groningae, apud J. B. Wolters. 1898. XXIII, 731 S. 
Die ersten 320 Seiten wurden auch besonders ausgegeben als Volumen primum con- 
tinens Bvangelia Matthaei, Marci, Lucae et loannis; s. Bousset, Th. Rds. Juli 1898. 

Katholische Ansgaben. Auf kath.olisch.er Seite ist, seit Aloys 
G-ratz (Ttibingen 1821) die Complutensis, Leander van Ess 
(ebenda 1827) eine Verbindung der Complutensis und funften Eras- 
mischen Ausgabe je mit der Vulgata und Varianten aus neuern 
Ausgaben wiederholten a ), in Deutschland lange Zeit auf diesem 
Gebiet wenig geschehen. B/euB nennt 2 Synopsen (von Joseph 
Gehringer, Tub. 1842.4 und Franz X. Patricius, Freib. 1853.4) 
und zwei kleine Ausgaben, die eine von A. Jaumann (Miinchen 
1832) als erste in Bayern gedruckte, die andere von F. X. Reith- 
mayr (gr.-lat., Mnnchen 1847) in engem Anschluss an Lachmann. 
Tischendorf sorgte auch fur die Katholiken, indem er schon 1842 
bei Didot in Paris neben seiner edttio non catholica eine editio 
catholica besorgte, die dem Erzbischof Affre von Paris gewidmet 
war (TiQ-r. S. 8) und noch jetzt unter dem Nam en seines Mit- 
arbeiters Jager verbreitet wird. 

Weit verbreitet, im griechischen Text hauptsachlich auf T hei le 
beruhend, im lateinischen sehr ungenau, ist die B. Tauchnitz'sche 
Diglotte. In neuerer Zeit ist in Innsbruck von dem Kapuziner Michael 
Hetzenauer eine griechisch-lateinische Ausgabe in 2 Banden er- 
schienen, welche entsprechend der Entscheidung des h. Officiums vom 
15. Januar 1897 sogar das comma Johanneum als integrierenden 
Bestandteil des Neuen Testaments enthalt. Ahnlich die schon in 



*) Von der Ausgabe des L. v. Ess kaufte 1830 die Brit, und Ausl. Bibel- 
gesellschaft in London 500 Exemplare, in denen nach ihren Grundsatzen die 
einleitenden Bestandteile und die Verweisungen auf die ^Apokryphen" (vgl. 
z. B. Mt 4, 4) weggelaasen werden mufiten, daher man aus diesen iiber die Sigeln 
des Apparats (Gb, M = Griesbach, Matthaei) gar keinen AufschluB erhalt. Die 
urspriinglichen Exemplare geben nach der Praefatio des Herausgebers die oben ge- 
nannten zwei Schreiben Leos X. iiber die Ausgaben des Erasmus und Ximenes; 
andere haben wenigstens auf der Riickseite^des Titels die ^Notanda", wieder andere 
nicht einmal diese; alle aber die Jahreszahl 1827. 



30 Die Geschichte des gedmckten Textes. 

dritter Auflage vorliegende griechisch-lateinische Ausgabe von F. 
Brandscheid (f 1. 8. 1902). 

NT. graeoe et latine. Textus Latinos ex vulgata versions Sixti V. P. M. 
jussu recognita et dementis VIII P. M. auctoritatc edita repetitus. Editio stereo- 
typa a S. E. Consistorio Catholico per regnum Saxoniae approlbata. Lipsiae 
sumptibus Bernhardi Tauclmitii. 1854, 1B 1907. 

H xaivi) dtadyxi] e/LAyviati. Novum Testamentum vulgatae editionis. 
Graecura textum diligentissime recognovit, latinum accuratissime descripsit, utrumque 

annotationibus criticis illustravit ac demonstravit P. F. Michael Hetzenauer 

cum approbatione ecclesiastica. Oeniponte, Wagner. 2 Bde. 1896. 98 ; editio altera 
emendatior 1904. 

NT. Graece et Latine. Textum Graecum recensuit, Latinum ex Vulgata 
Versione Clementina adjunxit, breves Capitulorum Inscriptiones et Locos parallelos 
uberiores addidit Fridericus Brandscheid. Tertia editio critica recognita. Cum 
approbatione Rev. Arcbiep. Friburgensis. Friburgi, Herder. 2 Bde. 16. 1906. (1. Aufl. 
1893 in 4; 1901; s. Belser in Th. Q. S. 1902, 281/4). 

Einzelne Teile. Die Ausgaben einzelner Sckriften des Neuen 
Testaments konnen hier nicht aufgezahlt werden; viele sind mit er- 
klarenden Anmerkungen verbunden. Erwahnt mogen werden 
auBer den spater zu nennenden Arbeiten von BlaC und Hilgen- 
feld als jungste und sehr grundliche Arbeiten von Henry 
Barclay Sw ete DD. The Gospel according to St. Mark, The Greek 
Text with Introduction and Notes. London, Macmillan 1898 (CX. 
412 S.); The Apocalypse of St. John. 1906 (CCXV, 335 S.). 

Fur die Evangelienforschung bequem, zum Teil aber wegen 
mangelnden textkritischen Apparats nicht ausreichend sind die Evan- 
gelienharmonien und -Synopsen ; s. dariiber PEE 8 5, 653 661 (Th. 
Zahn); 19, 277281 (P. Heine); Fabricius, Biblioth. Gr.; EeuB. 
G-enannt seien Andr. Osiander 1537 ; Joh. Clericus 1699 ; Nic. Toinard 
1707 (s. oben) ; Griesbach 1774 bei ihin der Name Synopsis, daher 
,,synoptische" Evangelien , 4 1822; Priestley 1777 ; Erh. Stephan 
1779; De Wette-Lticke 1818, 2 42; Gehringer 1842; Friedlieb 1847; 
Tischendorf 1851, 7 von Osw. Kramer besorgt, mit Literaturangaben 
und Vergleichung von W-H. 1898; Anger 1852, a 77; Lacheze 1852; 
Eushbrookel898fol.; Heineke 1896; Huck 1892, 3 1906; A.Wright 
1896, a 1903. 

Apokryphen und Paeadepigraphen. Ebensowenig kann hier 
auf die urchristlichen Apokryphen und Pseudepigraphen naher ein- 
gegangen werden. Wer Hilgenfelds Novum Testamentum extra 
canonem receptum (1866 in 4 Teilen, zweite Ausgabe 1876 84), 
Eesch's Agrapha (Texte und Untersuchungen V, 4. 1889, 2. Aufl. 
1906. Neue Folge XV, 3/4), die Ausgaben von Tischendorf, 



Teile. Synopsen. Apokryphen. 81 

Bonnet entbehren muB, findet einiges bequem und billig im Format 
der v. Gebhardt-Tauchnitz'schen Ausgaben in dem von mir dazu 
gearbeiteten Supplement zusammengestellt. Aufierdem: Antilego- 
mena. Die Reste der auBerkanonischen Evangelien und urchrist- 
lichen TJberlieferungen hersg. und ubersetzt von E. Preuschen. 
GieBen 1901, a 1905. 

Wovi Testamenti Graeci Supplementum editionibus de Gebhardt-Tischen- 
dorflanis adcommodavit Eberhardus Nestle. Insunt Codicis Gantabrigiensis Gollatio, 
Evangeliorum deperditorum fragmenta, dicta Salvatoris agrapha, alia. Lipsiae. 
B. Tauchnitz 1896. 96 S. 75 Pf. Dazu: Neutestamentliche Apokryphen in Verbindung 
mit Fachgelehrten in deutscher Ubersetzung und mit Einleitungen hrsg. von Edgar 
Hennecke. Tubingen, Mohr 1904. Handbuch zu den neutestamentlichen Apo- 
kryphen, ebenda, 1904. 

Es ist keine Frage: in den zuletzt genannten Ausgaben vom 
Ende des neunzehnten Jahrhunderts lesen wir einen Text, der dem 
ursprunglichen uni ein bedeutendes naher ist, als der in den ersten 
Ausgaben vom Anfang des sechzehnten, aus denen die in den 
christlichen Kirchen Europas nock heut gebrauchten Ubersetzungen 
in die modernen Volkssprachen stammen; wer aber aus der Uber- 
einstimmung der neuesten Ausgaben schlieCen wollte, daB die neu- 
testamentliche Forschung in diesem Stuck inr Ziel nachstdem er- 
reicht habe, wurde sehr fehlen. Das zeigt am deutlichsten die 
neueste groCe Arbeit auf diesem Q-ebiet: Die Sckriften des Neuen 
Testaments in ihrer altesten erreichbaren Textgestalt nergestellt auf 
G-rund ihrer TextgescMclite von Dr. theol. Hermann Freiherrn von 
So den. Band I Berlin, A. Duncker 1902. XVI. S. 1704; (2. Abt.) 
S. 7051520 1906; 3. Abt. S. 15211648. 1907 (mit 10 S. provi- 
sorischer Inhaltsubersicht, okne Titelblatt fur den Gesamtband), ur- 
sprunglich 50 M., mit der 2. Abt. ernoht auf 60 M. Da vom Text 
noch nichts ersciienen ist, kann das Werk erst in den folgenden Abtei- 
lungen zur Besprechung kommen; aber auch. nach dem hier G-e- 
leisteten werde ich, wie in den fruheren Auflagen mit dem Satze 
schlieCen mussen, daC es noch. vieler Arbeit bedarf, bis auch nur 
all die Bausteine wieder zusammengetragen sind und der Plan fest- 
steht, um das Heiligtum der neutestamentlichen Schriften in ihrer 
Urgestalt moglichst wieder erstehen lassen zu konnen. 



znm ereiteu Kapitel. 

Zu S. 3. Uber den aldinischen Urdruck der Erotemata des 
Konstantin Laskaris (Febr. 1494 [= 1495], Hain 9924) s. Gregory 



32 Die Gescbichte des gedruckten Textes. 

Textkiitik 923 ; ebenda naheres uber die sonderbare Ausgabe von 
1504, welche den Text von i 1 J 6 68 zwischen die G-edichte des 
Gregor von Nazianz und deren lateinische Ubersetzung einschiebt. 

Zu S. 15. Nach dem hier Gegebenen ist zu berichtigen, was 
Gregory (Canon p. 444) sagt, daC die Ausgaben dor britischen 
Bibelgesellschaft die englische Form des Textus Rezeptus, die 
des Steplianus von 1550, verbreitet hatten. Seit ihrem Jubilaum. 
(1904) druckt die Gesellschaffc den Stuttgarter Text (S. 27) in zwei 
Ausgaben, mit und ohne Parallelen und Apparat. Letzterer ent- 
halt eine Vergleichung des Textus receptus und der Grundlage der 
Revised Version. 

Zu S. 281 Unter den Teilen waren auch die Kirchen- 
b u c h e r zu berticksichtigen (s. in Kapitel II unter 4), die anf angs 
ohne Rucksicht auf die gedruckten Neuen Testamente des Westens 
aus Handschriften geschopft zu sein scheinen. Gregory, Text- 
kritik p. 341, nennt als altestes Isqbv etayyeAtov, Venetiis per 
Stephanum Sabien. 1539 ; dann Venedig bei Joh. Petr. Pinelli 1645, 
mit Vorreden von 1614. Neuere Ausgaben (Venedig 1844. 51) 
nennen sich & dqia-iav luddaewv tf}s Nsag Aia^yirig duQifl&s SIOQ- 
&a)&v oder inifie^&g dioQ&a)d-elg. n llier bietet sich. ein ganz eigen- 
artiges Kapitel fur die Geschichte des gedruckten Textes." 



Kapitel II. 

Die Materlalien der nentestamentlichen Textkritik. 

Zwar ist es auch noch nach Gutenbergs Erfindung nicht immer 
leicht oder moglich, die schriftstellerische Arbeit eines groBen 
Geistes in ihrer ursprunglichen Gestalt aufzuzeigen oder herzustellen : 
man denke nur an das Dunkel, das uber Shakespeares Werken 
und deren ersten Ausgaben schwebt, oder an die Erorterungen, die 
sich aus AnlaB der Weimar er Luther- Ausgabe erhoben haben. 
Selbst wenn die eigene Handschrift eines Yerfassers noch erhalten 
ist, die Korrekturbogen aber wie gewohnlich zerstort sind, laBt 
sich nicht immer mit Sicherheit sagen, ob etwaige Abweichungen 
des Drucks von der Handschrift beabsichtigt sind, oder nicht. 
Einige Beispiele. Fur einen groBen Teil von Luthers Bibeltiber- 
setzung besitzen wir noch seine eigene Handschrift, wie er sie dem 
Drucker ubergeben. (D. Martin Luthers Devitsche Bibel. Erster 
Band mit vier Nachbildungen Lutherischer Handschriften. Weimar, 
Bohlau 1906). Vergleichen wir das mit dem ersten Druck, so 
finden wir z. B. Euth 2, 17 im Druck Epha, 1 Sam. 1, 24 Ephi. 
Die Handschrift zeigt, dass Luther beidemal zuerst Epha geschrieben, 
dies aber mit Tinte in Ephi geandert hatte. Also bietet der Druck 
an der ersten Stelle nicht das, was Luther wollte. Umgekehrt hat 
der Druck Ei. 19, 22; 20, 13 ,,Kinder Belial", Luthers Handschrift 
erst B unntitze Kinder", dann n bose Buben." Also hat Luther auch 
noch an dem Satz Anderungen vorgenommen. In der alteren Zeit, 
in welcher der eigentliche Druck noch mit der Hand bewerkstelligt 
wurde, also langsam von statten ging, wurden haufignoch wahrend 
desselben Anderungen vorgenommen, so daB diese nur in einzelnen 
Exemplaren Eingang fanden. In Luthers lateinischem Pentateuch 
von 1529 haben die einen Exemplare Gen. 45, 26 vacillabat, die 

Nestle, ElnfUhrunfl. 3. Auft. 3 



34 Die Materialien der neutestamentlichen Textkritik. 

andern floccipendebat, 27 portandum und -dam, Ex. 9, 31 spicasset 
und esset virens. Es ist das eine Erscheinung, die man, an den 
raschen Maschinendruck der Neuzeit gewohnt, bisher nicht genu- 
gend beachtet hat. Aber selbst da, wo Urschrift und Druck nber- 
einstimmen, liegt die Moglichkeit vor, dafi der Verfasser anders 
schrieb und anders drucken lieC, als er dachte und gelesen wissen 
wollte. Wollte z. B. Lessing, daC wir im Nathan (II, 5, 493) lesen, 
n der groCe Mann" oder n der grofie Ba\im braucht uberall viel 
Boden" ? und sicher wollte jeder der Autoren, die nach der Art 
des haud impigre (statt haud pigre oder impigre) von einem Knnstler 
eine nicht ungewohnliche Begabung oder Fertigkeit ruhmten, das 
Gegenteil von dem verstanden wissen, was sie in Wirklichkeit 
schrieben 1 ); im allgemeinen aber darf, wer heutzutage die Werke 
eines neueren Klassikers kauft, sich darauf verlassen, sie so zu lesen, 
wie ihre Verfasser sie verbreitet wissen wollten. G-anz anders bei 
denjenigen Werken, die zu der Zeit entstanden, als die Verviel- 
faltigung nur durch Abschrift moglich war, vollends mit solchen, 
die fiber mehr als ein Jahrtausend vor Gutenbergs Erfindung zuriick- 
liegen. Da war jede neue Abschrift eine neue Fehlerquelle, selbst 
wenn der, der sie besorgte, so peinlich genau war, als man nur 
sein kann. Liebevolle Beobachter des geistigen Lebens mtissen nur 
staunen, wie bei all diesen Gefahren so vieles und meist so 
sicher auf uns kam. 

Autographen. Ganz einfach liegt die Sache nattirlich, wo 
durch einen glucklichen Zufall die eigene Handschrift des Verfassers, 
sein Autograph, uns erhalten blieb. DaC- dies bei neutestament- 
lichen Schriften der Fall sein konnte, ist als allgemeine Moglich- 
keit nicht zu leugnen. Dank der Trockenheit des agyptischen 
Klimas und der Vorziiglichkeit des alten Schreibmaterials sind uns 
Schriften erhalten, die mehr als noch einmal so alt sind, als es 
die neutestamentlichen Urexemplare heute waren. Den altesten 
zur Zeit bekannten Papyrus, ein Blatt Rechnungen aus der Zeit 
des Konigs Assa, das in Sakkara 1893 gefunden wurde, setzte man 
fruher auf 35803536 v. Chr. an, jetzt (Ed. Meyer) urn 2600. Von 
Zeit zu Zeit geht auch durch die Zeitungen die Nachricht, daC 
eine solche Urschrift des Petrtis oder sonst eines Apostels aufge- 
funden worden sei; schon urns Jahr 489 behauptete man, das Ur- 
exemplar des Matthaus irn Grab des Barnabas auH Cypern aufge- 



x ) Vgl. M We can seldom claim more than a relative improbability" (The Ex- 
pository Times, 12, 150) in einem Zitat in Anfiihrungszeichen, wo der wirldiche 
Text probability hatte (s. p. 240). 



Autographen. 35 



funden zu haben, und frommer Andacht zeigt man wohl auch noch 
heute, wie die Uberschrift vom Kreuze, so Erzeugnisse von der kunst- 
fertigen Hand des Lmkas. In Wirklichkeit haben wir von keiner 
einzigen neutestamentlichen Schrift mehr das Autograph ihres Ver- 
fassers ; dies ist um so begreiflicher, als ein groBer Teil der Schriften 
des NT.s, die Briefe, Gelegenheitsschriften sind, die anfangs gar 
nicht zur Veroffentlichung bestimmt waren, andere wenigstens nur 
Mr eine beschrankte Offentlichkeit. Schon im kirchlichen Altertum, 
wo mehrfach AnlaB gewesen ware, auf sie zurnckzugreifen, waren 
sie nicht mehr vorhanden. 

Tertullian (praescr. 36) nennt Thessalonich unter den Stiidten, in denen 
nach seiner Uberzeugung die dorthin gerichteten Briefe der Apostel noch aus den 
Autographen vorgeleaen werden (Zahn, GK. 1, 652 ; Einl. 8 1, 153). (Percurre eccle- 
sias apostolicas, apud quas ipsae adhuc cathedrae apostolorum suis locis praesident, 
apud quas ipsae authenticae literae eorum recitantur sonantes vocem et 
repraesentantes faciem uniuscuiusque. Nicht vom Autograph, sondern vom TJrtext 
im Gegensatz zur tlbersetzung ist Graecum authenticum bei demselben Schriftsteller 
zu verstehen, de monog. c. 11.) ftber das im Grab des Barnabas auf Cypern ge- 
fundene Exemplar des Matthaus-Evangeliums s.. Theodoras Lector (Migne 86, 189); 
Severus von Antiocbien bei Assemani, B. 0. 2, 81; vitae omnium 13 apostolorum 
(aus cod. monac. 255 und 551 hrsg. v. Aug. Thenn, ZfwTh. 29 (1887), 453: BO.Q- 
vdflas 6 xai 'Ia)o / fjs . . . ofaog r6 xara MatftaTov etayydAiov olKei(i>%et(>(i)s ygdifias 
&v Tfi zi)$ KtiitQov vtfay TeAeiovtai). In der kaiserlichen Hofkapelle las man daraus all- 
jahrlich in der Karwoche am Griindonnerstag (Fabric., Evv. apocr. 341). Vgl. weiter 
Liber de ortu beatae Madae et infantia Salvatoris (Ev. Pseudo-Matthaei, prol. A. 
u. B : sanctitatem tuam beatissimi Matthaei evangelistae manu scriptum hebraicum 
invenisse, in quo et ipsius originis matris ortus et salvatoris nostri infantia esset 
scripta; Evv. apocrypha ed. Tischendorf 2 50); Exitus Mariae in Studia Sinaitica 
XI p. 17 ff., wonach je 2 Apostel ein Exemplar liber den Heimgang der Maria 
schrieben, die Johannes mit nach Ephesus nahm. 

tfter das vorgebliche Autograph des Marcus in Venedig und Prag s. B i a n - 
chini, Ev. Quadruplex II, 548552; Jos. Dobrowsky, Fragmentum Pragense 
Ev. S. Marci, vulgo autographi, Prag 1778. (A. Robertson, The Bible of St. Mark 
etc. London, G. Allen 1898. 392 p. behandelt die Mosaiken der Markuskirche als 
Bilderbibel, gehort also nicht hierher). Es sind Stttcke der lateinischen Vulgata- 
handschrift J (bei W-W: Forojuliensis). Johannes diktierte das Evangelium in 
2 Tagen 6 Stunden dem Prochorus auf Papier, der dann eine Pergamentabschrift 
machte (Acta Joann. ed: Zahn XLIII L, 154158; Einleitung 64, 8 "II, 467). 

Zur Lesart r^hij statt Hurr) 1 19, 14 sagt eine Bemerkung im Chronicon Paschale : 
Ha&<t)$ ra dHQifiij fJifjAla neQityei afird re xb Id (,6%e IQOV zov etayyeA tan ov, 
8nsQ ft^XQ 1 - T v v vv ytecpljAaKzcu. %apirt &eov iv rfi 'Eysafcav dytwrar^ tixKAtjatp 
w,al find T&V niOT&v gneZas itgoaxweitai,. Wegen 1 i 5, 7 schrieb noch Bengel : 
Et tamen etiam atque etiam sperare licet, si non autographum Johanneum, at alios 
vetustissimos codices graecos, qui hanc periocham habeant, in occultis providentiae 
divinae forulis adhuc latentes, suo tempore productum iri (N. T. 420. 602. 770). 

Gegen ein angebliches hebraisches Autograph des Petrus s. Lagarde, Aus 
dem deutschen Gelehrtenleben, Gottingen 1880, S. 117 f. (Uber derlei Sagen in 

3* 



36 Die Materialien der neutestamentlichen Textkritik. 

polnischen Judenkreisen, iiber das Autograph der Proverbien, das Salomo der Kb'nigin 
von Saba schenkte und das jetzt die Konigin von England besitze etc. s. S. Schechter. 
die Hebraica in der Bibliothek des Britischen Museums: Jiidisches Literatur-Blatt 
1888, n. 46). 

Von dem bekannten Falscher C. Simonides erschienen urn teures Geld Fac- 
similes of certain portions of St. Matthew and of the Epistles of St. James and 
Jude. Written on papyrus in the first century. London 1862 fol. 

Auf der 6. okumenischen Synode 680/1 ,,man kann sie das Concil der Anti- 
quare und Palaographen nennen" (Harnack, DG. II, 408) wurden palaographische 
Untersuchungen nicht ohne Erfolg angestellt. 

J. G. Berger, de autographis veterum. Vitenb. 1723. 4. 

J. R. Harris, New Testament Autographs (Suppl. to the American Journ. 
of Philology No. 12) Baltimore [1882]. 54 SS. mit 3 Tafeln. Die Auffindung von 
Originalbriefen aus dieser Zeit zeigt, dafi sie ganz anders aussahen, als man sie 
sich bisher nach den altesten Buchhandschriften vorgestellt hatte. 

Handschriften. Wir sind, wie bei den Werken der griechi- 
schen und romischen Klassiker, auf spatere Abschriften, auf die 
sogenannten Handschriften angewiesen, von denen bisher schon 
mehrfach die Rede war. Sind diese bei den meisten G-eisteswerken 
des Altertums unsere einzige Quelle, aus denen wir jene kennen 
lernen, so sind wir beim NT. glucklicherweise reicher. 

Ubersetzungeu. Schon sehr fruh und sehr rasch verbreitete sich 
der neue Grlaube in weite Fernen zu Volkern, die eine andere Sprache 
redeten, als diejenige, in der das Evangelium erstmals verktmdigt 
wurde ; ja schon auf seinem Mutterboden Palastina waren mehrere 
Sprachen gleichzeitig im Grebrauch, und so entstanden sehr friih, 
schon im zweiten, ja vereinzelt vielleicht schon im ersten Jahr- 
hundert, Ubersetzungen der kaum erst entstandenen christlichen 
Schriften, in Ost und Sud und West, von eiuzelnen Teilen, spater 
vom ganzen Neuen Testament. Es ist klar, daC je treuer und je 
alter diese Ubersetzungen sind, sie einen um so grofieren Wert 
far uns haben. Wahrend man nicht olme weiteres sicher sein darf, 
ob ein griechischer Schreiber spaterer Jahrhunderte seiner Vorlage 
auch ganz getreu folgte, vertritt uns beispielsweise eine im zweiten 
Jahrhundert entstandene lateinische Ubersetzung des NT.s, auch 
wenn sie uns erst in einer Hdschr. des sechsten oder eines noch 
spateren Jahrluiiiderts vorliegt, doch ziemlich sicher die griechische 
Hdschr. des zweiten oder ersten Jahrhunderts, aus der sie geflossen. Ein 
weiteror Vorzug kommt hinzu. Bei den meisten und gerade den 
altesten griech. Bibelhandschriften wissen wir nicht, aus welcher 
G-egend sie stammen; daC eine lateinische Ubersetzung nicht in 
Agypten, eine koptische nicht in G-allien entstanden sein wird, ist 
klar; daher lernen wir aus den Ubersetzungen, wie der Bibeltext 



Ubersetzungen. Zitate. 37 

in einer bestimmten Zeit und Q-egend lautete. Trifft es sich end- 
lich, daC mehrere Ubersetzungen, die an ganz verschiedenen Orten, 
im lateinischen Westen, im syrischen Osten und im agyptischen 
Suden entstanden, zusammenstimmen, so diirfen wir sicher sein, 
daC das alien gemeinsame auf die alteste Zeit, auf die ursprting- 
liche Quelle, zurtickgehen muft. 

Zitate. Noch eine dritte, nicht unwichtige Masse von Bau- 
steinen schliesst sich an. Es gibt eine ungemein reichhaltige christ- 
liche Literatur, die von der zweiten Halfte, jedenfalls vom letzten 
Viertel des ersten Jahrhunderts an immer mehr an Ausdehnung 
gewinnt. Was ein soldier alter Kirchenlehrer, uberhaupt irgend 
ein Schriftsteller , z. B. ein heidnischer, der das Christentum 
bekampft, aus seinem NT. anfuhrt, hat fur tins unter Umstanden 
seine ganz besondere Wichtigkeit. Von ihm wissen wir in der 
Regel genau, wo und wann er lebte, und konnen so noch genauer 
als mit Hilfe der Ubersetzungen durch die Zitate der Schriftsteller 
unsere alten Bibelhandschriften lokalisieren, ihre Geschichte weiter 
verfolgen. Yoraussetzung ist dabei natuiiich, daC jener Schrift- 
steller getreu, nicht nur fluchtig aus dem Gredachtnis zitiert hat, 
ferner daC die Zitate in seinem Werk getreu uberliefert, nicht etwa 
von spateren Abschreibern oder gar, wie es auch vorgekommen 
ist, sogar noch im 19. Jahrhundert, von den Veranstaltern der ge- 
druckten Ausgaben nach dem in spaterer Zeit gelaufigen Text um- 
geandert wurden. Diese drei Klassen von Hilfsmitteln sollen im 
Folgenden zur Besprechung kommen. Ganz richtig hat diese Drei- 
heit schon Erasmus aul: dem Titel seiner ersten Ausgabe zusammen- 
gefafit, wenn er es betitelte: Novum Instrumentum omne, diligenter 
ab Erasmo Roterodamo recognitum et emendatum, non solum ad 
graecam veritatem, verum etiam ad multorum utriusque linguae 
codicum eorumque veterum simul et emendatorum fidem, postremo 
ad probatissimorum autorum citationem, emendationem et inter- 
pretationem. 



Literatur. 

Bei dem semitischen Ursprung der christlichen Literatur ist selbstverstandlich 
auch auf die hebraische und syrische Palaographie Eucksicht zu nehmen. Zu ersterer 
vgl. den Artikel Manuscripts in der Jewish Encyclopedia VIII (1904) 303315 
von L. Blau u. G. Margoliouth mit 86 hebraischen Schriftproben. Wilh Schubart, 
Das Buch bei den Griechen und Rb'mern. Eine Studie aus der Berliner Papyrus- 
sammlung. Mit 14 Abb. im Text. Berlin, Reimer 1907 (Handbiicher der K. Museen 
zu Berlin). Vgl. auch Arthur W, Unger, Wie ein Buch entsteht. Leipzig, 



38 Die Materialien der neutestamentlichen Textkritik. 

Teubner 1908 (Aus Natur und Geisteswelt, 175. Bandchen). W. Wattenbach, 
Anleitung zur griechischen Palaographie. 2. A. Leipzig 1877. V. Gardthausen, 
Griechische Palaographie, Leipzig 1879. Fr. Blafi, Palaographie, Bticherwesen und 
Handschriftenkunde, in Iw. v. Mtiller, Handbuch der klass. Altertumswissenschaft. 
2. A., Bd. I. Miinchen 1892. E. M. Thompson, Handbook of Greek and Latin 
Palaeography, Londonl891. T. Birt, das antike Buchwesen, Berlin 1882. Dziatzko, 
^Buch", aByblos 4" in Pauly-Wissowa Bd. III. W. A. Copinger, The Bible and 
its transmission (s. S. 7 ; mir, weil 105 M. kostend, bis jetzt nur aus Anzeigen 
bekannt). F. G. Kenyo'n, Our bible and the ancient manuscripts, London 1895, 
*96. 3 97. F. H. Scrivener, Six lectures on the text of the N. T. and the 
ancient manuscripts which contain it, chiefly addressed to those who do not read 
Greek, Cambr. & Lend. 1875. A collation of about twenty manuscripts of the holy 
Gospels, Lond. 1853. Adversaria critica sacra, with a short explanatory introduction. 
Cambridge 1893 01. 170 p. Ho skier (S. 5); TJrt. S. 16. 54. 0. Weise, Schrift- 
und Buchwesen in alter und neuer Zeit, Leipzig, B. G. Teubner 1899 (mit Abbil- 
dungen; filr weitere Kreise). F. G. Kenyon, The Palaeography of Greek Papyri, 
Oxford 1899, with 20 Facsimiles and a table of alphabets. VIII, 160. Facsimiles 
of Biblical Manuscripts in the British Museum. London 1900 fol. VII. 42. 25 Tafeln. 
Ulr. Wilcken, Tafeln zur alteren griechischen Palaographie. Nach Originalen 
des Berliner K. Museums. (XIV S. Text, 20 Lichtdrucktafeln.) Berlin und Leipzig 
1891. G. Vitelli & C. P a o 1 i , Collezione Fiorentina di facsimili paleografici greci 
e latini Firenze (188497 . 50 Tafeln griech., 50 lat.) fol. Charles F. Sitterly, 
Praxis, in Manuscripts of the Greek Testament. The mechanical and literary pro- 
cesses involved in their writing and preservation. With Table of MSS. and Thir- 
teen Facsimile Plates. New York & Cincinnati [1898]. 1 Doll. 

tJber die altere Geschichte der griechischen Schrift, s. z. B. W. Larf eld, Hand- 
buch der griech. Epigraphik. II, 1. 1898, 

Tiber das Lateinische: Cesare Paoli, GrundriB zu Vorlesungen fiber lat. Palao- 
graphie u. Urkundenlehre. I. Lat. Palaographie. 3. Aufl. ubersetzt v. Karl Lohmeyer, 
Innsbruck, Wagner 1902. 108 S. W. Arndt, Schrifttafeln zur Erlernung der lat. 
Palaogr. Erstes Heft. Dritte erweiterte Aufl. besorgt von M. Tangl, Berlin, 
Grote 30 Tafeln u. 9 S. gr. fol. 1897. Das 2. Heft, Tafel 3170 und 34 S. 1898; 
je 15 M. C. Wessely, Schrifttafeln zur alteren lat. Pal. Wien 1898. 4 8 M. 
Monumenta palaeographica sacra. Atlante paleografico-artistico composto sui 
manoscritti etc. per cura diF. Cart a, C. Cipolla e C. Frati. 120 Tafeln folio 
mit Text. Turin 1899. 96 M. 



1. Die Handschriften. 

Die Zahl der Handschriften. Far kein G-eisteswerk des Alter- 
tums gibt es eine seiche Fulle von Handschriften, wie fur das Neue 
Testament. Unsere klassischen Philologen waren froh, wenn sie 
fur Homer oder Sophokles, Plato oder Aristoteles, Cicero oder Taci- 
tus in der gimstigen Lage waren, in der die Theologen ihrem NT. 
gegenfiber sind. Die alteste vollstandige Homerhdschr., die man 
hat, stammt aus dem 13. Jahrhundert, nur einzelne Papyrus-Frag- 
mente fuhren in die alexandrinisclie Zeit hinauf, Alles was uns 



Zahl der Handschriften. 39 

von Sophokles erhalten ist, danken wir einer einzigen Handschrift 
in der Laurentiana aus dem 8. oder 9. Jahrhundert. Auch von 
Kirchenvatern riihen die Drucke einzelner Texte nur auf einer 
einzigen, vielleicht jetzt sogar verlorenen Handschrift. DaC vom 
NT. so viele Handschriften erhalten sind, ist urn so erfreulicher, 
als sie eine zeitlang mit Verbrennung bedroht waren (Eus. h. e. 8, 
1, 2; 10, 4). Wenig Jahre ehe Konstantin 50 Exemplare fiir die 
Kirchen seiner neuen Hauptstadt herzustellen befahl, hat der Diakon 
in der alten Hauptstadt Rom die kirchlichen Exemplare zur Ver- 
brennung ausgeliefert. Vom NT. sind griechische Handschrr. in der 
bis jetzt vollstandigsten Liste 3829 verzeichnet worden; ein syste- 
matisches Suchen konnte selbst aus den Bibliotheken Europas, 
sicher aus denen von Asien und Agypten noch mehr hinzufiigeu; 
jedes Jahr kommen neu entdeckte hinzu. Viele von diesen sind 
freilich Jung und die moisten enthalten nur einzelne Stticke, zum 
Teil gans kleine Bruchstticke; die bequemste altere Ubersicht gibt 
die Tafel von Wilhelm Vollert (Tabellen zur neutestamentlichen 
Zeitgeschichte. Mit einer Ubersicht tiber die Codices, in denen die 
neutestamentlichen Schriften bezeugt sind. Leipzig, Deichert 1897 ; 
fur englische Leser bearbeitet von Sitterly, s. o.) ; aber nicht wenige 
gehen in weit hoheres Alter hinauf als beim hebraischen AT. und 
den meisten griechisch-lateinischen Klassikern. Uber das Wachs- 
tum unserer Handschriftenkenntnis einige Zahlen. Nach v. Sodens 
Parallelliste der friiher gebrauchten und der von ihm verwandten 
Sigeln fur die schon bisher bei der Textforschung herangezogenen 
Codices brauchte von eigentlichen Handschriften (abgesehen von 
den Lektionaren) Stephanus 15, Walton 13, Fell 29, Mill 80, Bengel 19, 
von denen 3 verschollen sind, Matthai 39, Birch 57, Scrivener 88. 
Letzterer sagte 1853: bis Scholz habe man 286 Evv. und 57 Lek- 
tionarien gekannt, durch Scholz neu kennen gelernt 210 Evv. und 
121 Lektionarien. Nur bei der erst im 7. Jahrhundert entstandenen 
h. Schrift der Muhammedaner steht die Sache noch gunstiger; hier 
ist auch die Zahl der Verschiedenheiten der einzelnen Hdschrr. 
eine verschwindend kleine, weil der Text des Korans schon sehr 
fruh amtlich festgestellt and als unantastbar-heilig betrachtet wurde. 
Ganz anders, wir mochten sagen, glncklicherweise, bei dem NT., 
das auf ganz andere Weise zusammenkam, bei dem durch mindestens 
I'/e Jahrhunderte die grofite Freiheit waltete. 

Bei der Menge der neutestamentlichen Hdschrr. gilt es sie zu 
ordnen. Als einer der wichtigsten Q-esichtspunkte gait bisher der 
des Alters, und so schied man nach der Schrift, die in alterer 



4:0 Die Materialien der neutestamentlichen Textkritik. 

und spaterer Zeit in Gebrauch war, inllnzial- oder Majuskel-, 
GroB-Handschriften, und K u r s i v - oder Minuskel-, Klein-Hand- 
schriften. Fur erstere wird in einzelnen englischen Werken die 
Abkurzung MS, Mehrzahl MSS, fur letztere ms, mss verwendet. 
Dafi dieser Gesiclitspunkt sehr einseitig ist, mufi auch heute noch 
scharf betont werden ; eine junge Handschrift kann einen viel besseren 
Text bieten, als eine um Jahrhunderte altere. Es gibt zudem Hand- 
schriften, in denen die Schriftart wechselt, trotzdem beide Teile 
derselben Zeit angehoren (s. u.). 

Unzial- UDd Knrsiv-Handschriften. In altester Zeit schrieb 
man wie nocli heute bei Inschriften auf Denkmalern und offentlichen 
Gebauden, so auch in den Buchern, vollends, wo es sich um kost- 
bare oder heilige Schriften handelte, mit grosser, fortlaufender 
Schrift, (scriptio continua), Buchstabe an Buchstabe (litterae maius- 
culae, capitales, unciales d. h. zollgroBe, nach einem spottisclien 
Ausdruck des Hieronymus: uncialibus ut vulgo aiunt litteris. onera 
magis exarata quam codices). Fur uncialibus, das nur an dieser 
Stelle vorkommt, wurde vermutet initialibus; doch schreibt schon 
Servatus Lupus an Einhard (Migne 119, 448 C) : scriptor regius 
Bertcaudus dicitur antiquarum litterarum, duntaxat earum quae 
maximae sunt, et unciales a quibusdam vocari existimantur, habere 
mensuram descriptam. Die Artikel von S. Allen und F. Madan 
tiber n llncial or Uncinal" in The Classical Eeview XVII, 8 und 
XVIII, 1 kenne ich nur aus Literaturzeitungen. Daneben kam fur den 
Gebrauch des gewohnlichen Lebens schon vor Anfang der christlichen 
Zeit, eine kleinere (mimisculae) frachtigere (kursive), die Buchstaben 
mit einander verbindende Schrift auf, die im 9. Jahrhundert auch in 
die Bibelhdschrr. Eingang fand; in einzelnen finden sich beide 
Schriftarten neben oder nach einander. (Vgl. A, s. u., und Alfr. 
Rahlfs, "Cfber eine von Tischendorf aus dem Orient mitgebrachte, 
in Oxford, Cambridge, London und Petersburg liegende Hand- 
schrift der Septuaginta GGK 1898. 1. 98 112). Die alteste genau 
datierte Kursivhandschr. des NT.s ist vom Jahr 835 (Evv. 461), 
wahrend ein datierter Unzialcodex das Jahr 995 aufweist (v. S. 33). 
(Auch orientalische Notizen sind fur die Geschichte der griechischen 
Schrift zu beachten. Z. B. rugt Ibn Abi Usaibia (I, 205), 
daC der Aristoteles-tibersetzer, ein Freigelasseuer des Khalifen 
Ma'mun als geborener Lateiner das Altgriechische nicht genugend, 
nur spatgriechische Sprache und Schrift, Kursive nicht Unziale ge- 
kannt habe; vgl. Ed. Sachau, Aristoteles im Orient; yEVE&facMov 
zum Buttmanns-Tag 1899, 54). Die grofie Masse der neutestl. 



TJnzial- u. Kursiv-Handschriften. Alter u. Heimat. 41 

Hdschrr. gehort dieser spateren Zeit an, indem unter den oben- 
genannten 3829 Hdschrr. nur 127 Unzialen auf 3702 Minuskeln 
kommen 1 ). 

Alter und Heimat der Handschriften. Da die griechischen 
Schreiber, anders als die syrischen, nicht die Gewohnheit batten, 
die Hdschrr. genau zu datieren, ist es Aufgabe der Palao graphic, 
die Kennzeichen zu bestimmen, nach welchen man eine Handschr. 
einer bestimmten Zeit und G-egend zuweisen kann. Ob die 
Schrift eckiger oder runder, steifer oder liegeiider ist, Interpunktion 
und Yerzierung einfacher oder ausgebildeter, Material und Form 
des Buchs von dieser oder jener Art, das sind ihre Kennzeichen, 
die freilich oft sehr irre leiten konnen. Eine besondere Erwahnang 
verdient der Schriffccharakter von Oxyrhynchus ; s. Historia Lausiaca 
c. 38 Tiber Euagrius (ed Butler [Texts and Studies VI, 2] II, 120): 
Evcpv&s yaQ yQci(pe ibv dt-tigvyxov xaQawfiQa, in der syrischen 
Ubersetzung n die Schrift, welche die gehornte genannt wird". 
Noch bei Joh. Philoponus urn 600 wird im Kommentar zu des 
Aristoteles de anima TOV d^qvy^ov Ttinov ygdcpeiv erwahnt; 
s. Erhardt im Zentralblatt inr Bibliothekswesen 1891, 404, der in der 
Handschrift H 2 das Autograph des Euagrius zu sehen geneigt ist, 
und Ulrich Wilcken (Hermes 1901, 315); Butler a. a. 0. 217. 

Es zahlten Vollert Scrivener v. G-ebhardt 2 ) Kenyon 3 ) 
vomlV. Jahrh. 52 2 

V. 4 10 15 14 

VI. 18 22 24 34 

VII. 6 9 17 15 

VIII. 8 8 19 19 

IX. 23 31 38 

X. 4 6 7 

v. Soden zahlt von Hdss. des ganzen NT.s 167, davon nur 10 
aus s. IV X, von denen je 2 demlV. V. X. angehoren, jedem der 
andern Jahrhunderte eine, falls nicht dem VII. und VIII. gar keine, 
dem IX. dafar 3. 



) PRE 2, 739, 13 (== Urt. 26) rechnet (,,unter Ubergehung von 8 Psalterien 
rait dem Text der Hymnen bei Lukas") 114; Kenyon 2 S. 101 dcren 112. Ich 
folgte der Zahl bei Scrivener 4 I Append. F. 397*. Die seither hinzugekommenen 
zu zahlen, hielt ich nicht fiir meine Aufgabe. v. S's Liste umfafit (nacli S. 289) 
im ganzen 2339 Codd., darunter 1725 fiir die Evv., 520 fur AK, 619 fiir P, 229 fur Ap. 
Gregory's Liste gibt jetzt 161 Grofischriften, 14 Papyri, 2288 Kleinschriften, zu- 
sammen 2463, dazu 1540 Lesebiicher, die v. Soden ausschloli, im ganzen also 4003. 

*) Urt. 26. 

8 ) Handbook, p. 45. 



42 Die Materialien der neutestamentlichen Textkritik. 

Von 1277 Hdss. der Evv. weist er dem IV. s. 34, dem V. 9 
dem V./ VI. 3, dem VI. 23, dem VIII. 16 oder 19, dem IX. 26, dem 
X. 82 zu. Der Hohepunkt wird im XII. mit 282 erreicht, im XIII. 
260, im XIV. noch 218. Fur die Ap stammt aus dem ersten Jahr- 
tausend nur eine einzige Hdschr. des VIII. Jahrhunderts. 

Papyrus. Pergament. Nach dem Material, auf welches die 
Texte geschrieben sind, unterscliied man bisher Pergament- 3 ) und 
Papierhdsclirr. Vor und zum Teil neben dem Pergament, das unter 
Konig Eumenes in Pergamum (197 159) aufkam und von dort 
seinen Namen hat, benutzte man, namentlich in Agypten bis zur 
Eroberung durch die Muhammedaner, Papyrus b ), daher unser 
Papier", und zwar anfangs in Rollenform (volumen). Aber bis vor 
kurzem waren uns sehr wenige Stucke des NT.s auf Papyrus erhalten. 
Beim Pergament, das zugleich den Ubergang zur Buch- oder Codex- 
Form wenn nicht veranlaBte, doch begiinstigte, scheidet man genauer 
zwischen vellum ( n Velin") aus der Haut ganz junger Kalber und 
dem gewohnlichen Pergament aus Fellen von Schafen, Ziegen, auch 
Antilopen. 

Papier. Nicht erst mit dem 9., sondern schon im 8. Jahr- 
hundert verbreitet sich vom Orient das sogenannte B a u m - 
wollenpapier (carta bombycina), das iibrigens nie aus reiner 
Baumwolle, sondern mehr aus Flachs und Hanf bestand; in China 
und dem mittleren Ostasien war es schon lange im G-ebrauch, aber 
erst nach dem Fall von Samarkand (704) scheint es in Syrien und 
Agypten bekannt geworden zu sein ; vom 13. Jahrhundert ab das 
Linnenpapier c ). 

Im NT. selbst ist sowohl von Papyrus als von Pergament die 
Rede, wenn Paulus 2 T 4, 13 bittet, daC man ihm die in Troja 
zuruckgelassene (peAdwri (ob ,,Reisemantel" oder fl Bncherkiste a ?) 
bringen moge und id /3t/3^.ta (die [Papyrus-JBucher, ob sein Exemplar 
des AT.s ?), besonders aber -rdg fiEfi^dvag (die [noch nicht be- 
schriebenen] Pergamentblatter) d ). 2 i 12 ist fur Papyrus %dQTy$ 
gebraucht, daher unser n Karte", ebenda und 3 i 13 die Tinte 
erwahnt, ib fttAav, (vgl. atramentum) und der jtd^afiog, vgl. calamus, 
sonst lat. canna, die Rohrfeder, mit der man noch heute im Orient 
schreibt die G-ansefeder, penna, Pennal, wird merkwtirdigerweise 
erst unter dem Ostgothen Theodorich im 6. Jahrh. genannt 6 ). Aus 
den angefuhrten Stellen des zweiten und dritten Johannesbriefs 
,,ich hatte noch viel zu schreiben etc." kann man einen SchluC 
ziehen auf die GroCe des damaligen Briefpapiers. 



Papyrus. Pergament. Luxus. Palimpseste. 43 

Scriptio continun. Geschrieben wurde, aus Sparsamkeit, ohne 
Worttrennung (scriptio continua) f ) und ohne Spiritus uiid Akzente 9 ) 
was zu Undeutlichkeiten und MiBverstandnissen AnlaB geben konnte, 
z. B. EICEA&0N (= els M&bv oder elae^fbv) M 9, 18; 
AAAOICHTOIMACTAI [i 10, 40 wurde ubersetzt: aliis praepara- 
tum est: dUotg statt dU'-'olg. AAAA = dUa oder dU' & M 16, 
23; 1 x 12, 28 las der athiopische Ubersetzer o#g statt oflg; 1 T 3, 
16 nbersetzte das palastinisch-syrische Lektionar dpoAoyovfiev c&g 
fiiya tatty, was jedenfalls eher anginge, als Naber's Vorschlag 
y 2, 11 zu lesen 8ft xavlyvaifiev 8g ?}v. Vgl. weiter n 23, 11 
&Set = o#T6> <re det; T 2, 7 7re(i ndvia aeavvov = ^. ndviac, 

1 2 13 xaTOtxav^a-re = ^ re; a 17, 3 ytpovta =ye/*o^ ta. Auch 
in andern Schriftstellern : Chrys. XII, 190 D nQOtsAevvfjaeii; afoov 
statt nQOTefavTrfaei aavvov; 368 D; 708 E aAAadiayoQcos. 

Eolnmnen. Die Kolumnen, deren im Codex Sinaiticus 4, 
' im Vaticaiius 3, meist 2 auf einer Seite standen, hatten sehr ver- 
schiedene Breite, von wenigen Buchstaben bis zur Breite der Hexa- 
meterzeile von 16 18 Silben oder ca. 36 Buchstaben (= <7T/#og). 
DaB man in Kolumnen schrieb und in Btichern groCer Breite noch 
heute so druckt, hat einen sehr praktischen Grund. Eine zu breite 
Zeile kann das Auge beim Lesen nicht iibersehen, ohne sich bewegen 
zu mtissen, was sehr ermuden wurde. 

Zeilen. Nach der Zahl der (Hexameter-)Zeilen wurden die 
Schreiber bezahlt, daher am Schlusse einzeLaer Bticher die Gesamt- 
zahl derselben angegeben, oder in genauen Handschriften von 100 
zu 100, sogar von 50 zu 50 am E.ande bemerkt ist h ). Die Wichtig- 
keit dieser stichometrischen Angaben, die spater fur die 
ganze Bibel zusammengestellt wurden, leuchtet ein. 

Luxus. Mit der zunehmenden Machtstellung der Kirche wurde 
den Handschriften des NT.s auch eine prachtigere Austattung zu teil, 
seis, dafi reiche Privatleute sich diesen Luxus gestatten konnten, 
seis, daB Konige oder Kirchen ihm huldigten'). 

Palimpseste. Je teurer aber das Pergament wurde, um so 
haufiger kam der Fall vor, daB man eine alte Hdschr. zum zweiten- 
mal benutzte, indem man von den Blattern die alte Sennit mit 
Schwamm, Bimstein oder Messer entfernte und sie mit neuem oder 
gar wieder mit dem alten Inhalt uberschrieb J ) ; das gab die codices 

*) Ein interessantes Beispiel der letzteren Art (allerdings nicht von einer 
Bilbelhandschrift, sondern von einer Chronik) stammt aus dem Kloster Fulda, indem 
bei einer aus 4 Heftlagen bestehenden Hdschr. der Inhalt der ersten 3 Lagen auf 

2 zusammengedrangt wurde, die dritte zu einem neuen Buch verwendet, die vierte 



44: Die Materialien der neutestamentlichen Textkritik. 

rescript! oder palimpsesti (schon bei Cicero von einer Wachstafel : 
quod in palimpsesto, laudo parsimoniam); einzelne wurden dreimal 
verwertet (z. B. 068, s. u.), sogar in drei verschiedenen Schriften 
und Sprachen (z. B. griechiscli, syrisch, iberisch) k ). 

Interpnnktion. Interpunktion gab es in altester Zeit 
kaum, daher schon Kirchenlehrer streiten, ob ein Satz als Frage 
oder Aussage zu fassen, wie t 1, 3. 4 zu trennen sei; um so be- 
merkenswerter sind die n Anfuhrungszeichen' 4 bei den alttestament- 
lichen Zitaten, die sich schon in den altesten Hdschrr., z. B. im 
Codex Vaticanus, finden, und zuerst bei Irenaus von Lyon nach- 
gewiesen sind. 

Format. Das Format wechselt von groBem Folio, das bei 
Pergament doppelt kostbar war, bis zu Oktav, ja bis zu noch 
kleinerer 1'orin, z. B. far Amulette. 

Polyglotten. Mehrsprachige Hdschrr. entstanden in Gegenden 
mit gemischter Bevolkerung, griechisch-lateinisch, gr.-koptisch, gr.- 
armenisch u. s. w. ; wenn ftir Kirchengebrauch, in 2 Spalten neben 
einander, das Griechische oft am Ehrenplatze links (Ruckseite des 
Blattes) ; fur die Zwecke der Schule (z. B. A, s. u.) wurde die 
Ubersetzung zwischen die Linien geschrieben (Interlinear-Versionen). 

Umfang. Wichtiger ist die Unterscheidung nach dem In- 
h alt. Denn von den aufgezahlten Unzial- Hdschrr. enthalt imr 
eine einzige das NT. ganz, das ist der von Tischendorf erst 1859 
aufgefundene Codex Sinaiticus ; einige andere (Vaticanus, Alexan- 
drinus, Ephrami) waren einst vollstandig, sind es heute nicht mehr. 
Auch von den jiingeren Minuskeln kennt man nur etwa 25 unter 
den in England befindlichen sind es 5 , die das ganze NT. um- 
fassen. v. Soden zahlt 167 Handschriften des ganzen NT.s; von 
diesen sind aber nicht wenige luckenhaft. DaC es so wenige sind, 
ist aus zwei Grtinden begreiflich. Einmal ist ein in Unzialschrift 
hergestelltes NT. ein sehr stattlicher und schwerer, etwa andert- 
halbhundert Blatter ' umfassender Band; verhaltnismaCig wenige 
waren im stande, ein so kostbares Werk auf einmal herstellen zu 
lassen ; anderseits ist das NT. kein einheitliches Werk, sondern 
selbst erst aus einer Reihe verschiedener Sammlungen entstanden, 
die ursprunglich und auch spater noch fur sich verbreitet wurden ; 

in ihrer ursprttnglichen Gestalt belassen wurde. Trotz dem kirchlichen Verbot Bibel- 
handschriften an Kramer zu verkaufen, fanden sich doch in der alten Synagoge in 
Kairo christliche Handschriften, die nachher fur judische Zwecke benutzt wurden. 
tiber eine Handschrift der Paulusbriefe, welche nachher Biicher der Ilias aufnehmen 
mufite, s. zu cod. B. 



TTmf ang. Lektionarien. 45 

daher auch die grofie Verschiedenheit in der Reihenfolge der ein- 
zelnen Teile des NT.s, welche die Handschriften, zum Teil sogar 
noch unsere Druckausgaben aufweisen. Man weifl noch nicht mit 
Sicherheit, wer die Schriften und Teile, die jetzt zusammen unser 
NT. bilden, erstmals so zusammengestellt und in einen einzigen 
Band navdm;t]$ hiefi man spater einen solchen, lateinisch biblio- 
theca zusammengeschrieben hat. v. Soden hat diese Unter- 
scheidung nach dem Inhalt seiner Neubezeichnung der griechischen 
Handschriften (neben der nach dem Alter) zu G-runde gelegt ; leider 
aber unterlassen, auch an das AT. zu denken. Gerade unsere 
altesten und bertihmtesten Handschriften des NT.s (Sinaiticus, Vati- 
canus, Alexandrinus) sind nur Teile von Gesamtbibeln, was zu be- 
achten von groCer Wichtigkeit ist. Er bezeichnet die Teile mit 
<J (== dictd-farf), s (= efiayyifaov), a (== dndovoAog) ; dazu noch weitere 
Unterschiede, je nach dem ein Kommentar beigeffigt ist. Gregory 
nennt sie jetzt e a c p r. Die Teile, in welche das NT. zerfallt, sind : 

1) die (4) Evangelien = e; 

2) a) die Apostelgeschichte = a und b) die sogenannten katholi- 
schen, d. h. allgemeinen, d. h. nicht an eine Einzelgemeinde 
oder Einzelperson gerichteten Briefe des Jakobus, Petrus (2), 
Johannes (3), Judas = c; 

3) die (13) paulinischen Briefe, mit dem zu ihnen gerechneten 
Hebraer brief 14 = p ; 

4) die Apokalypse des Johannes = r. 

Loktionnrien. Dazu kommen die Handschriften, welche nur 
einzelne Abschnitte aus dem NT. enthalten, die in der Kirche ver- 
lesen wurden, die sogenannten Lektionarien. v. S. hat diese 
aus seiner Arbeit ganz ausgeschlossen. Nach dem Gebraiich der 
Synagoge, in welcher an jedem Sabbat Stucke aus dem Gesetz 
und den Propheten im Gottesdienst verlesen wurden, bildete sich 
auch in der christlichen Kirche sehr fruh die Sitte, neutestament- 
liche Schriftstellen im Gottesdienst zu verlesen. Bald bildete sich 
auch eine bestimmte Auswahl solcher Abschnitte aus den Evan- 
gelien und Briefen und der Branch, sie zum bequemeren Gebrauch 
nach der Zeit, den Sonn- und Festtagen geordnet zusammen- 
zuschreiben, Perikopenbuch. Eine solche Auswahl aus den 4 Evv 
nannte man selbst wieder Etayyehov, im Unterschiede davon 
hieBen die Bucher mit dem fortlaufenden Text das TeiQaevayy^hov ; 
jetzt nennt man die ersteren zu bequemerer Unterscheidung Evan- 
gelistarien, oder Evangeliarien ; die Stucke aus den Briefen heifien 
auch IlQaan6<JToAos. Trotz ihrem meist spaten Ur- 



46 Die Materialien der neutestamentlichen Textkritik. 

sprung sind diese Bucher wichtig, well sie den offiziellen Text der 
einzelnen Kirchenprovinzen zeigen, auch mancherlei kleine Ande- 
rungen verstehen lassen, die von ilinen aus in den Text einge- 
drungen sind. Auch in der AuBerlichkeit der Schrift haben sie am 
alteren Brauch lange Zeit festgehalten, was fur ihre Altersbestim- 
mung beachtet werden muC. 

So reich wir demnach mit Quellen Mr die neutestamentliche 
Textkritik versehen scheinen, namentlich im Vergleich zu andern 
Literaturgebieten, so schwierig ist, zum Teil schon wegen dieses 
Reichtums, und andererseits wegen der Beschaffenheit dieser Zeugen, 
die Frage von ihrer riclitigen Verwendung : die wichtigsten, altesten, 
felilen uns nocli immer, und von den erhaltenen gilt das Wort, das 
ja auch sonst Wahrheit hat, noKKol %fa]Tot, &Alyot 



Aus der Literatur vgl. Dziatzko, n Buch B , ^Byblos" 4 in Pauly-Wissowa's 
Encyklopadie ; L. B 1 a u , Zum althebraisehen Buchwesen. Band III. 

Th. Birt, Die Buchrolle in der Kunst (Leipzig 1907) ; Schreibende Gottheiten 
(Neue Jahrbb. f. das Mass. Altert. 1907, S. 700721). 

a) Fergament. In primitive! Bearbeitung ist das Pergament vielleicht alter 
als der Papyrus, aber seine grofie Verbreitung und seinen Namen bekam dieser 
animalische Schreibstoff nach dem auf Varro zurlickgehenden Bericht des Plinius 
(XIII, 120170), als Eumenes II von Pergamum (197159 v. Chr.) eine Bibliothek 
anlegen wollte, welche die von Alexandria womoglich iibertreffen sollte, und Ptole- 
maus Epiphanes. um dies zu hintertreiben, den Papyrusverkauf nach Kleinasien 
verbot. In der Liste der Hauptausfuhrgegenstande Alexandrias nennt Lumbroso 
(Egitto * 125) an zweiter Stelle (nach MAia) ptpAog und X^Q Tt n> an siebter ptfiMa. 
Daher der Name ne^ya^tiv^, der iibrigens erst in Diocletians Preisliste (iiber die- 
selbe s. Th. Mommsen, Das Diokletianische Edikt ttber die Warenpreise (Hermes 
25 (1890) 17 36); iiber die in Megalopolis neugefundenen Stiicke W. Loring, 
Journal of Hellenic Studies 1890, 299; Revue Arch<5ologique, Mars-Avr. 1891. 268) 
und bei Hieronymus vorkommt; vorher sagte man diy&fyat (Herodot 5, 58; ob 
daher littera? s. M. Br6al, Rev. des Et. grecques III, 10, 1890. 121 ff. und Rev. 
crit. 1892, 13; der Schulmeister in Cypern dty&e^d^otyog), auch Sfygeis (vgl. cod. 
D in p 1, 6), unter lateinischem EinfluB peitpQdvat (2r 4, 13). Anfangs weniger 
wertvoll als Papyrus und mehr in Haus und Schule als im Buchhandel gebraucht, 
weil sich die Schrift auf der Haut wieder auswischen liefi, verdrangt das Pergament 
den Papyrus mehr und mehr und bringt zugleich den Ubergang von der Rolle zur 
Buchform mit sich. Das Material an sich allein bedingt diesen Ubergang nicht. 
Der Pentateuch wird noch heute auf Rollen geschrieben, obgleich dazu Leder 
[= Pergament] verwendet wird; umgekehrt wurde der Papyrus auch schon in 
Codexform gebraucht. Eine Rolle von 4050 Fufl Lange, welche nicht einmal das 
ganze NT. aufnehmen konnte, war nicht bequem zu gebrauchen. Bin Seitenstiick 
zu dieser Synagogenpraxis bietet Mailand, wo bei gewissen Gottesdiensten das 
Buch des Bischofs^ein rotulus war; der Diakon, der es trug, hiefi rotularius. Dieser 
Name blieb auch spater noch; s. die Belege bei Le jay, Ambrosien (rite) in Cabrols 
Diet. d'Arch. Chr6t. I. 1389. War der Papyrus wesentlich das Schreibmateria 



Pergament. Tinte. Papyms. 47 

der heidnisch-griechischen Literatur gewesen, so wird das Pergament das grofie 
Mittel, der Menschheit die Literatur der neuen Eeligion zuganglich zu machen 
und die Reste der alten Kultur zu retten. Die Bibliothek des Origenes, die 
grb'fitenteils noch aus Papyrusrollen bestand, wurde von zwei Priestern kurz vor 
Hieronymus in Pergamentbande umgeschrieben (owpfaia, corpus); unsere Haupt- 
handschriften flir Philo gehen auf dies Exemplar zuriick. Vgl. Victor Schultze, 
Rolle und Codex in: Greifswalder Studien (Giitersloh 1895, S. 149 ff.). Als Kon- 
stantin die Kirchen seiner Hauptstadt mit Bibelexemplaren beschenken wollte, lieferte 
ihm Eusebius keine Rollen mehr, sondern Codices, JISVT^OVTU acaftdrta &v 
Siy&tQais. Doch hat Lactantius noch Rollen im Auge, wenn er (divin. inst. lib. 
VII, 17 = CSEL XIX, 619) vom Antichrist erwartet: idem iustos homines obvolvet 
libris prophetarum atque ita cremabit. 

Das Pergament wurde aus Fellen von Ziegen, Schafen, Kalbern, Eaeln, 
Schweinen, Antilopen bereitet ; unsere altesten Bibelhandschriften weisen das feinste 
und weifieste Pergament auf; der Codex Sinaiticus z. B. zeigt auBerst fein be- 
arbeitetes Antilopenfell und hat ein solches Format) daB ein einzelnes Tier nur 
zwei Blatter lieferte. Gewfihnlich wurden 4 Blatter zu einer Heftlage zusammen- 
gefaltet (der [nicht : die] Quaternio), nachdem die einzelnen Blatter vorher, und zwar 
auf der Haarseite liniert worden waren, und zwar legte man mit der Fleisch- 
seite beginnend Fleischseite auf Fleischseite, Haarseite auf Haarseite, so daB also 
je die Seiten 1 4, 5 8, 9 12, 13 16 eines Quaternio weifi und glatt sind mit ver- 
tieften Linien, die andern 2 3, 6 7, 10 11, 14 15 narbig und dunkler, mit erhabener 
Liniierung (s. C. R. Gregory, Sur les cahiers des manuscrits grecs. Academic des 
Inscriptions Aug. 85; Berl. Phil. Wochenschrift 1887. 5. 159 f.). 

Tinte. Auf Papyrus wurde mit RuBtinte geschrieben; drei Teile KienruB 
wurden mit ein Teil Gummi vermischt und in Wasser gelost. Diese Tinte lieB 
sich leicht auswischen, haftete auch auf dem Pergament nicht gut, so kam man 
auf die Gallapfeltinte ; spater wurde ihr auch Vitriol zugesetzt, so daB der Schreib- 
stoff vielfach von der Tinte zerfressen wird. Weil sie gekocht wurde, heifit sie 
auch fyxavotov, daher encre, ink. Alte Tintenrezepte sind noch vielfach erhalten 
(z. B. im cod. Barocc. 1 der Bodleiana, in manchen syrischen Handschriften des 
Britischen Museums). Schon in Agypten verwandte man neben der schwarzen Tinte 
auch farbige, namentlich rote. Eine der prachtigst erhaltenen Handschriften, die 
ich sah, ist eine ayrische im Britischen Museum vom Jahr 411, in welcher die rote 
blaue, grime und gelbe Tinte noch ganz frische Farben zeigen. Eusebius verwendete 
Zinnober, Mivvdpaqi, urn die Kanoneszahlen zu schreiben, Hieronymus nennt Mennig, 
minium. (Vgl. Ovid. Trist. 1, 1, 7. nee titulus minio, nee cedro charta notetur; 
Augustin c. Jul. 3, 13 ipsum ;libri tui argumentum erubescendo convertatur in 
minium). Eine reich gewordene Zeit konnte sich auch Gold- und Silberbuchstahen 
gestatten auf purpurgefarbtem Pergamente. 

a) Papyrus. Die ausfiihrlichste Beschreibung der Alten liber die Bereitung 
des Papyrus gibt Plinius, hist. nat. 13, 11; (s. K. Dziatzko, Untersuchungen iiber 
ausgewahlte Kapitel des antiken Buchwesens mit Text, Ubersetzung und Erklarung 
von Plinius, Nat. Hist. XIII 6869, Leipzig, Teubner 1899 (v. 206. 6 M. ; s. 
Wissowa, DtLz. 00,47); popularisiert hat sie G. Ebers in seinem Kaiser Hadrian; vgl. 
weiter Ebers, The Writing Material of antiquity, Cosmopolitan Magazine, New-York, No- 
vember 1893. Tiber die Papyrusstaude (Cyperus papyrus L., Papyrus Antiquorum 
Willd.) s. Bernard de Montfaucon, Dissertation sur la plante appellee Papyrus, sur 



48 Die Materialien der neutestamentliclien Textkiitik. 

le papier d'Egypte etc. Mgmoires de 1'Acad. royale des Inscriptions et Belles 
Lettres. T. VI, Paris 1729. 4. p. 592608; Franz Woenig, die Pflanzen im 
alten Agypten, ihre Heimat, Geschichte, Kultur. Leipzig, Fricdrich 1886 S. 74 129). 
DaB sie in Europa nicht bloB in Sicilien, namentlich bei Syracus, sondern auch am 
Trasimenersee vorkommt, zeigte J. Hoskyns-Abrahall, The papyrus in Europe (The 
Academy 19. March 1887. col. 776). Tiber Papyrus am Huleh-See in Paliistina s. 
MacGregor, Rob Roy on the Jordan etc. 17; E. W. G. Masterman (PEF, Q. St. 
Jan. 08. p. 42). Eine Beschreibung der Papyruspflanze auch in G. Milligan, St. 
Paul's Epistles to the Thessalonians. London, Macmillan 08. Eine Frage liber die 
bis jetzt nicht aufgeklarte Etymologic des Worfces ob es das aus Bur a am 
Menzaleh-See stammende Fabrikat sei (pa der agyptische Artikel), hat Lagarde 
(Mitteilungen 2, 260) gestellt. Andere erklaren das Worfc aus pa-p-ye6r, das 
Ding vom Nil. Wenn dies, dann ist urn so mehr das y lang und mit den Alteren 
(Juvenal 4, 24. 7, 101. Mart. 3, 2. 8, 44. 10, 97. Catull 35, 2. Ovid, Met. 15, 753. 
Trist. 3, 10, 27) Papyrus, und nicht mit Neueren Papyri zu sprechen. 

Nicht aus dem Bast, sondern aus dem Mark der Staude wird die Schreibfliiche be- 
reitet. Dies wird in Streifen (a%ldas) geschnitten, so dunn und breit, nach einigen 
auch so lang als moglich; so fest als moglich neben einander gelegt bildcn sie die 
erste Lage (a^da), iiber welche nach Durchfeuchtung und Gummierung eine zweite 
rechtwinklige Lage kommt; beide zusammengeprefit ergeben die Schreibfliiche (ae/Lfg), 
die nach sorgfaltiger Trocknung noch mit Elfenbein oder Muschel poliert wird. 
Die Rolle (tdpos, HtiAivSgoc;) besteht aus einer Reihe von ffeAtdeg, bis zu 20, 40 
und mehr FuB lang. (Die, welche nicht lesen ki5nnen M&ovg p^v dgaJat T&$ arfAag, 
jdAa 6 rag SeArovg, ^vcpaa^evrjv (5 ndnvQov tag (MpAovs sagtPorphyrbeiEus.praep. 
ev. 3, 7, 1). Als obere (Schreib-)Seite wurde diejenige benutzt, bei - welcher die 
Fasern horizontal, parallel mit der Rolle laufen (s. II. Wilcken, Recto oder Verso 
Hermes 1887, 487492); die untere, oder Aufienseite nur in Notfallen (s. a 5, 1 
ov yeyQapiiEVov Zaco&ev xal Snta&sv (v. 1. &a. xal 8a)&ev, &(Mt()oO'&V xal 
vgl. Ez. 2, 10 &fw;()oa&ev xal ra dntaai) 1 ). Das erste Blatt (jtgcavdxoAAov 
war verstarkt, das innere Ende an einem Holzstab (yfttpaAos) mit Knopf (ngQag) auf- 
geleimt, der Rand (dem Schnitt unserer Blicher entsprechend) oft geglattet und ge- 
farbt, die Riickseite gegen Wiirmer und Motten durch Eintranken von Cedernol 
geschutzt. Der Titel stand auf einem besonderen Pergamentzettel (ahTvpog oder 
alAAvfiog) ; bewahrt wurde die Rolle in einem Lederfutteral (tiitp&fya oder yaivdAys, 
s. 2 r 4, 13), mehrere in Kisten (ifta)Tos und xfoiy), 

Zur Lit. vgl. noch C. Haeberlin, Griechische Papyri. Leipzig, Harrassowitz 
1897. 131 S. (Sonderabdruck aus dem Zentralblatt fur Bibliothekwesen) 2 ). Neu- 
testamentliche Nummern sind bei ihm 163 169. Seither hat sich ihre Zahl ver- 
mehrt; Kenyon (s. u.) No. 1422; Deifimann (EB) No. 1626. Vgl. Paul Kriiger, Uber 



! ) Zum dnio&dygacpov vgl. Lucian, Vitarum Auctio 9, Plin. 3, 5, a tergo 
Juvenal 1, 6, in aversa charta Martial 8, 22. Th. Zahn (Einl. 72, 7, 3 II, 608) 
erklart die Stelle a 5, 1 vielleicht richtiger: innen beschrieben und auBen versiegelt. 

2 ) M Es sind nun bald anderthalb Jahrhunderte verflossen, seitdem in der Villa des 
L. Calpurnius Piso Caesoninus, des Schiilers und Freundes des Epikurischen Philosophen 
Philodemus [in Herculanum] im Jahre 1752 neben 432 ganzen Rollen 1806 Papyrus- 
fragmente gefunden wurden. Und wiederum nach weiteren 25 Jahren erschlofi sich 
zum ersten Male auch der Boden Agyptens, dieser Heimat und Pflegerin der Schrift, 
um uns eine griechische Papyrusrolle zu bescheren, welche die Vorlauferin bilden 



Papier. Blei. Ton. 49 

die Verwendung von Papyrus und Pergament fur die juristische Literatur der Romer 
(Zeitschr. der Savigny-Stiftung filr Rechtsgeschichte. Rom. Abt. 8, 7685 (1887). 
Bin ,,Archiv fur Papyrusforschung und verwandte Gebiete" von U. Wilcken er- 
scheint seit 1900 (bis jetzt 3 Bande) bei B. G. Teubner. F. G. Kenyon, Palaeo- 
graphy of Greek Papyri (S. 32). Deifimann, Papyri (EB 355663), Papyrus u. 
Papyri (PRE 3 14, 667/675), Licht vom Osten, S. 1325; F. G. Kenyon, Papyri 
(Dictionary of the Bible, Extra Volume 352357). 

c) Papier. Genauere Untersuchungen tiber die alteste Geschichte der Papier- 
bereitung sind erst durch die Erwerbungen des Erzherzogs Rainer moglich oder 
veranlaBt worden. Altere Arbeiten wie G. Meerman, de chartae vulgaris seu lineae 
origine. Ed. J. v. Vaassen, Hagae Comitum 1767 sind dadurch iiberholt. Nach 
Europa scheint die Papierfabrikation durch die Mauren in Spanien eingefiihrt 
worden zu sein, wo man es als pergameno de panno vom pergameno de cuero unter- 
schied ; im byzantinischen Reich hiefi es, als aus dem Pflanzenreich stammend jvAo- 
%d.QTiov oder gvAdrevxTov, spater nach dem Hauptfabrikationsort ftdgTys Aaftaaxijv'fj. 
t)ber Sicilien, wo es die Araber einfuhrten, kam es nach Italien und wird seit 1235 
unter den Ausfuhrartikeln von Genua genannt. Die europaischen Papiere unter- 
scheiden sich von den orientalischen am meisten durch den Gebrauch von Wasser- 
marken (Ochsenkopf u. s. w.), der im Orient unbekannt ist. Das altere Papier hat 
noch groBe Ahnlichkeit mit Pergament. Von den in Venedig aufbewahrten Bruch- 
stiicken desMarcus-Evangeliumsbehaupteten die Benediktinermonche, in deren Besitz 
sie waren, sie seien auf Rinde geschrieben; Montfaucon erklarte den Stoff fiir 
Papyrus, Massei fiir Baumwollenpapier: das Mikroskop zeigte, dafi es Pergament 
ist. In vielen Handschriften wechseln Pergament und Papier mit einander, im 
Leicestercodex gewohnlich so, dafi die aufieren und inneren Blatter eines Quinio 
von Pergament sind, die drei mittleren von Papier (J.R.Harris, The origin of the 
Leicester Codex of the N. T. 1887. S. 14 ff.). E. Kir chner, Das Papier, 1898. 3 Bde. 

Blei. Auch Blei findet sich friih als Schreibstoff. In der beriihmten Stelle 
Hiob 19, 24 soil das Blei nach Budde nicht dazu dienen, die in den Fels gehauenen 
Buchstaben auszugiefien, was eine unbelegbare und unwahrscheinliche Annahme sei; 
man musse korrigieren: mit eisernem Griffel in Blei. Auf Blei waren z. B. im 
Musenheiligtum am Helikon Hesiods ggya aufbewahrt (Pausanias 9, 31, 4) ; auf einer 
Bleitafel aus Hadrumet steht der durch das griechische Alte Testament stark beein- 
fluBte Zauberspruch, den Deifimann (Bibelstudien 26 54) behandelte; auf einer 
jiingst auf Rhodus gefundenen Bleirolle der 80. Psalm zum Schutze eines Weinbergs 
(Hiller von Gaertringen, Berl. Sitz.-Ber. 21. Juli 1898, 582 ff.). 

Ton. Ton und Backstein als Schreibmaterial hat Strack in seinem 
Artikel iiber Schreibkunst und Schrift bei den Hebraern (PRE 3 17, 168) nicht er- 
wahnt; s. Ez. 4, 1; NTliches war zur Zeit der 2. Auflage in der jetzt zahlreich 
aufgefundenen Ostraka-Literatur noch nicht nachgewiesen, die aus einem Zeit- 



sollte zu einer zwar durch kiirzere oder langere Zeitraume unterbrochenen, doch 
niemals ganz aufhorenden Kette neuer Papyrusfunde. Wohl war sie nicht die 
einzige ihrer Art gewesen, aber von den 50 Rollen, welche arabische Bauern im 
Jahre 1778 in der Nachbarschaft von Memphis zufallig entdeckt hatten, gelangte 
sie allein in den Besitz des Kardinals Stefano Borgia . . . Der Rest war von den 
ahnungslosen Findern verbrannt worden, die an dem harzigen Dufte des aufsteigen- 
den Ranches ihre ganz besondere Freude batten." 

Nestle, ElnfQhrung. 3. Auf I. 4 



50 Die Materialieu der neutestamentlidien Textkritik. 

raum von tiber 1000 Jahren, von der Zeit des Ptolemaus Philadelphus an, solche 
mit Tinte und Rohrfeder beschriebene Scherben umfafit, auch einzelne mit lite- 
rarischen Texten z. B. aus Euripides (s. Wilcken, Verein von Altertumsfreunden 
imRheinland, Heft86, S. 234; Berl.Phil. Wochenschrift 1889, 26; jetzt s. DeiBmann, 
Licht vom Osten S. 26 33; vor allem Gustave Lefebvre, Fragments Grecs des 
Evangiles sur Ostraka (Extrait du Bulletin de 1'Institut fran<jais d'Arch^ologie 
orientale, F. IV). Le Caire 1904. (15 S. mit 3 Tafeln 4.) Die Scherben waren 
das Schreibmaterial der Armen; die von Lefebvre veroffentlichten Stiicke sind im 
7. Jahrh. beschrieben worden und bildeten entweder ein billiges Evangelienlektionar 
oder (nach Deifimann) Abschriften, die von armen um das Diakonat sich bewerbenden 
Christen auf Geheifl ihres Bischofs angefertigt wurden. A. B 1 u d a u , Griechische 
Evangelienfragmente auf Ostraka (Bibl. Z. 4, 4 1906, 386397). 

Leinwand. Auf Leinwand, welche fiir die sibyllinischen Orakel beniitzt 
wurde (lintia texta, carbasus; Oracul. Sib. ed. Alexandre II, 159. 178. 189) scheint 
Neutestamentlich.es noch nicht gefunden. 

d) Bttcher deg Panlns. Tiber Biicher und Pergamente des Paulus s. Zahn, 
Kanon 2, 938 ff. Ob J. Joseph, La bibliotheque de I'ap8tre Paul (Chretien 6vang. 

1897. 5. 224227) hierher gehort, kann ich nicht sagen. In der Theol. Tijdskrift 

1898, 217 wird gefragt, ob die von Paulus gewunschten fieftflQavai nog niet be- 
schreven bladen perkament seien. Die nattirlichste Erklarung wird es doch sein, 
sic daftir zu halten; bei den ,,Buchern a ist jedenfalls auch an Papyrusbiicher zu 
denken (Deifimann, Licht S. 17). Unter neQyafwjvfy verzeichnet der Thesaurus von 
Hase-Dindorf neben der Form al [AepfiQdvat [ avai] auch rot ptpflQava. 

e) Grlffel und Peder. Der metallene, holzerne und beinerne Schreibgriffel 
(stilus) wird im NT. nicht genannt; beim ^ohr-tier" von Ps. 68, 31 dachten die 
Rabbinen ans Schreibrohr (udAaftog ygayutds 3 Mace. 4, 20), das auch syrisch ganz 
gewb'hnlich durch nip bezeichnet wird, und deuteten es von Rom und seinem Kaiser, 
der mit einem einzigen Federzug das Schicksal von Nationen entscheidet l ). Auch 
die Regenten ,,mit der Schreibfeder" sind nicht erst von Luther in Jud. 6, 14 ge- 
funden worden, sondern von der syrischen Bibeliibersetzung a ). Ps. 45, 2 haben 
die verschiedenen griechischen Bibeln wef/to^os (LXX), o%oivos (Aquila), ygacpelov 
(Symmachus) fiir den hebraischen tDJ7; axotvog auch der Ubersetzer des Jeremia 
(8, 8, wo Aquila ygayetov hat). Sftolvos ist also den biblischen Bezeichnungen 
beizufiigen. FQatpts (fiir ygayeiov, neben dem Svvj ddapavzivog) Jer. 17, 1 scheint 
zum spanischen Griechisch der komplutensischen Polyglotte zu gehoren, ist aber 
klassisch, wie das Deminutivum y$a<p6iov. Nach den Rabbinen gehort die Schreib- 
feder zu den Dingen, die Gott in der Abenddiimmerung des letzten Schopfungs- 
tags noch geschaffen; auch Agypter und Griechen verehrten in ihr eine gottliche 
Erfindung 8 ). Nach Antisthenes (s. Nestle, Bengel S. 105) oder Demokrit (Zeitschrift 

J ) Jiidisches Literaturblatt 1889, 10. 

a ) Die im Thesaurus Syriacus 3654 fiir diese Bedeutung vor ,,Ps. 45, 2" aufge- 
fiihrte Stelle ,Ps. 40, 1" kann ich nicht finden. Zu syrisch chesra fiir Rohr, vgl." 
hebr. -iiyn Jes. 35, 7. 



a ) Vgl. die Verse auf einer von Rofi im Juli 1844 auf Andros gefundenen 
Marmortafel : a 



ygacptdsoaiv & T' k'^vas naai 



G-riffel und Feder. Lesen und Schreiben. 51 

fttr das humanistische Gymnasium 1896 S. 27) braucht der junge Mann um in die 
Schule der Weisheit zu treten {ItfiAiaQlov natvov (= al vov) v,al ygaystov natvov xal 
itivaxidlov xcuvov. Bei den Cypriern heifit der Griffel A^eim^Qiov, der yQa[t,(tavodi8da- 
xaAog ahnlich dtcp&eQdAoitpog (0. Hoffmann, grieohische Dialekte I, 107). 

In der diokletianischen Warenliste (ed. Mommsen in Sachs. Ges. der Wiss., 
Phil. hist. Kl. 1851) wird erwahnt : theca cannarum n quinque, ledernes Futteral 
fiir 5 Schreibrohre (vgl. Suet. Claud. 35 calamariae aut graphiariae thecae; Amm. 
Marc. 28, 4, 13 notarii cum thecis ; canna in den Glossen = xdAapog Si' of yQayopev); 
membranario in quaternione pedali pergamenae, dem Pergamentbereiter fur einen 
Quaternion Pergament von einem FuB ins Gevjerte Arbeitslohn (die Zahl fehlt). 

(Die xddapoi fieydAot u. [isl^oves langes und langstes Schilfrohr, dienten nicht 
zum Schreiben, sondern nach Mommsen, zum Abschlagen der Oliven, auch zu Vogel- 
ruten und Angeln.) 

scriptori in scriptura optima versuum n centum 

sequentis scripturae versuum n centum 

tafelanioni (lies tabellioni) in scriptura libelli vel tabularum in versibus n centum 

In ihren neugefundenen Stiicken folgt auf den Abschnitt neQl nAotpov 
(Gans-, Schwanen-, Pfauenfedern) der jtegl xaAdficov xal (teAavtov, dann der neQl 
<r$jiro<;. Von (teAavtov kostet das Mafi 12 Drachmen; Paphische, Alexandrinische 
Kalame (erster Qualitat? (tovoydva-coi) 4, ebenso viel xdAapot, Ssvz. yap. Baruch, 
der dvayvaaitfg, kauft Tinte und Feder auf dem Markt der Heiden, um seinen Brief 
an Jeremia zu schreiben (AnoaTeMas elg xi\v dyog&v [v. 1. SiaanoQ&s] wv l&v&v 
jjveyite %dQi;t)vxal (i^Aava [v. 1. pdAav], Harris, last words of Baruch VI, 17 p. 56). 
Einen silbernen Stilus besafi nicbt blofi Demosthenes, auch Bonifatius HeB sich 
einen solchen aus England schenken. 

Die eigentliche Adresse der Brief e, was man in den Kommentaren ge- 
wfihnlich Adresse nennt, ist die Anrede ist bei der Vervielfaltigung, vielleicht schon 
bei der ersten, verloren gegangen. Bin Datum tragen die alten Briefe vielfach 
nicht; von denen des Ignatius nur der nach Rom. Das ,Buch mit 7 Siegeln" (a 5, 1) 
ist mit Zahn sicher als ein Testament anzusehen (gegen Bousset) ; darnach lafit die 
spatere Form der Abgarsage Jesum auch seinen Brief siegeln: fai&elg &v ttjj 
Kctl acpQayTdas bmct. ygdfipaaiv Spga'tnais (rr}(tav&elaag afaives (te 
TOVTO S^ovat, &eov ftea d-alov ftadfta (s. v. Dobschiitz, Christusbilder II, 50** in 
TIT. N. F. 3, 3/4) ; falsch bei Kedrenos : ocpQaylda yg. efiQ. Sva^fiav&eiaav knt& 
ein Siegel mit 7 Buchstaben, die aber in der Wiener Handschrift als X. Y. X. E. 
Y. P. A. beigeschrieben sind (Heinichen zu Eusebius, KG. I, 13). 

Leaen und Schreiben. Aus den griechischen Ubersetzungen des AT.s ist 
die nachstehende, durchaus nicht auf Vollstandigkeit Anspruch machende Zusammen- 
stellung von Ausdriicken entnommen, die sich auf Lesen und Schreiben beziehen; 
die Stellen flndet man in der Septuaginta-Konkordanz von Hatch-Redpath : 
u>, &vayiyvd>ax(o, clvdyvcaaig, &vayva>aT'>}g, dviZygacpov 
({3t,p2i,o<p-) plpAtvog, pifiAioyQatpos (Est. 3, 13 complut.), 
(pv-), {3if3j,io(pv/ldKiov, {ItpAog (ftv-), yda, yQapita, -xeta, -Tetietv, -zetig, 
-ttxdg, -Toeiaaywyetig, yqa.m6v, yQatpstv (&va-, &no-, &ni.-, xaia-, aw-), yQayelov, 
ygcupevg (Ta%iv6g), y^ayij (&va-, Una-, aw-), ygayiKtig, ygayig, 8up- 
dt&xetv, e'tArnia, ela- oder ivfcaQ&txBiv , ^rtaro/lij 1 ), SQ/^rjvBVO), e'matdpevog 



HjtiatoAag avvrdgat "Axoaaav, rijg IleQa&v ftaatAevaaaav, tprjavl 
(Clem. Strom I, 16; Tatian 1). 

4* 



52 Die Materialien der neutestamentliclien Texfckritik. 



d"i}aavf)o<ptiAag, xdAafiog (xaAapdQiov, s Fields Hexapla zu Ez. 9, 2), 
xdazv, xeyaAlg, ^ a ##<fy*> ptAav, (isA,avodo%eiov , plAzog, ftwqfidavvov, 
(jioAtpdivog , vQ6g, Svvj adapavzivog , djvygdyog, itivaxlg, -l&iov, 
nzv, mvyfy, nvglov, oeAfg, aplAy, ofijAoygayla, artjAovv, azfy^ara', 
acpQaytg, a%oivos, rdftog, (%UQZOV xaivov fieydAov Jes. 8, 1, auch I Esr. 6, 23 fur 
z6nog), zev%og, rtnog, 



Kollationieren. War eine Handschrift nach Diktat oder Abschrift vollendet, 
sollte sie mit der Vorlage verglichen werden; gewinnsiichtige Buchhandler haben 
das haufig unterlassen, woriiber unter anderen Galenus klagt. Fiir die Sorgfalt des 
Irenaus lehrreich ist die Beschworung, die er in dieser Hinsicht an das Ende seiner 
Arbeiten setzt: dgxtga as zbv [tezayQatpdfievov (var. ifid ) Tb fiipAlov TOVIO Kara 
xvQtov ijfiatv 'Irjaov XQIOZOV xal xata Tijg 4vd6jov JtaQovatag avrov, %g 8(>%eTai 
wvroff xal VEHQOVS, Iva tivTifidAflg 8 ftersy^difxa, xal xaroQ&Aafis afab 
avrlyQatpov TOVTO 8&ev liszeygdi/ja), iittfteA&g xal rbv BQXOV TOVTOV 
AeTayQatyeig xal &^aeig iv Tfy (var. ff$) &VTiy(>d<p<p (Eus. h. e. 5, 20 2; 
Hieron., de vir. ill. 35). Eine ahnliche obtestatio Eusebii im Eingang der hiero- 
nymischen Chronik. Auch schon Porphyrius vor seiner Orakelsammlung (bei Eus. 
praep. ev. 4, 7) : inel x&yc!) zobg &eoi)$ (taQTi&QOfiat, dig oiidkv otire 
O$TB dyeiAov r&v %Qrja&vt(av voyftdtaiv el fitfnov Adjtv fjftaQTijfidvqv 
fl itgbg zb aaytiozeQov fiBza^^rixa f} zb pizQov dAAelnov avsTi^Qutaa, tf zt z&v 
pi] ngbg zijv icQd&eaiv avvzeiv6vzwv difypaifia, zbv 8t vovv axQatcpvfj z&v $ri&4v- 
ztav Sisz^Qnaa, etiAapotifievog z^v iv. zoitzcav aaifteiav (tdAAov tf zfyv ix ztfg legoav- 
Alag Tifiapdv iTtofAivijv dlxijv; Aristeas 311 ff. 



f) Diastole wnd Hyphen. Ob zusammengesetzte Zahlen als ein Wort zu lesen 
seien, erSrtern schon die alten Grammatiker zu Homer; um Mifiverstandnisse zu ver- 
htiten, verwendeten sie die ImodiaozoA'fi zur Trennung (8, zi), das i>go' Sv zur Ver- 
bindung Aidoxovpoi, nicht Aibg XOVQOI.. Auch in biblischen Texten begegnet man 

diesen Zeichen, z. B. in den Septuagintahandschriften bei fremden Eigennamen. DaB 
durch die scriptio continua das Vorlesen wie das Abschreiben erschwert wurde, liegt 
auf der Hand. Hennas sagt von dem ihm zum Abschreiben iibergebenen Buch 
(tezeyQaipdfi'qv ndvra ngbg ygdfifia' o% rjUQiaxov yaQ zag avAAafldg, s. Harnack 
(TU. 2, 5 S. 68), Herm. Miiller (ThQs. 90. 1908, S. 8993), der an eine fluchtig und 
wenig sorgsam geschriebene Kursive mit reichlicher Venvendung von Abktirzungen 
denkt. Uber zwei lehrreiche Mifiverstandnisse in der lateinischen Interlinearversion 
des Boernerianus s. S. 75. 

Abkurznngen. Zumal in den fiir den offentlichen Gebrauch bestimmten 
Exemplaren finden sich Abkurzungen nur bei Zahlen, die gern mit Zahlenbuchstaben 
geschrieben werden, und fiir haufig wiederkehrende religiose Ausdriicke. Vgl. dazu 
jetzt Ludw. Traube (f 1907), Nomina sacra Versuch einer Geschichte der christ- 
lichen Kurzung (Milnchen, 1907. Quellen und Untersuchungen zur lateinischen 
Philologie des Mittelalters). Schon bei den hellenistischen Juden wird die Kurzung 
0C,_JirG aufgekommen sein, wahrscheinlich auch schon JG^l und IHA fiir Israel, 
IAHM (und andere Formen TAM, IHAM) fttr Jerusalem, ob auch schon AAA David, 
OXNOC, ANOG fur ovQavog, aw&Qamog ? Daran schlossen sich Kiirzungen fiir nazyg, 
pvp'tiQ, viog. Erst auf christlichem Boden aber solche fiir Jesus Christus, spiiter 
auch fiir JFtat^g und azavQog; (doch eazqvog = eazavQatfievog schon Ox. Ill, 406 in. 



Kollationieren. Abkuraungen. Akzente. 53 

III s.). Fttr Jesus Christus wurde die der Analogic von (90 u. KG entsprechende 
Kurzform JC XG in den griech. Hdss. fast ausschliefilich herrschend, wie in den 
lateinischen die dreibuchstabige, die aber auch im Codex Bezae und in den altesten 
Papyrusfragmentenherrscht(Oxyrh.II,208. 209 III, 120. 405 (Irenaeus). IV, 654; gegen 
Ox. II, 1. 2. 5 (Hennas) ; IV 657 ; Rainer 8025) ; IHG 7mal auch im Codex Vaticanus 
(fttr Josua), dreimal im Sinaiticus. B Vielleicht wird ein weiteres Vordringen in die 
Textgeschichte die hier (in diesen lokal und formal unterschiedenen Reihen) vorliegende 
palaographische Schwierigkeit Ib'sen helfen, wie das Acliten auf die graphischen 
Verschiedenhciten seinerseits die Textgeschichte fordern kann". (I. c. S. 44). Schon 
jetzt wird zu sagen sein, dafi der Codex Bezae eine sehr alte Tradition treu be- 
wahrt hat. 

g) Sphitus und Akzente. Spiritus und Akzente fanden sich in Bibelhand- 
schriften in einzelnen Fallen schon zur Zeit des Epiphanius und Augustin, vielleicht 
schon bei Origenes und Eusebius; in unseren altesten Handschriften sind sie vor 
dem siebten Jahrhundert sehr selten. Den ambrosianischen Hexateuch, der sie von 
erster Hand hat (F bei Swcte), setzt Ceriani in die erste Halftc des funften Jahr- 
hunderts. Im Codex Vaticanus scheinen Akzente und Spiritus erst von dritter 
Hand (XII. Jahrhundert?) beigefiigt zu sein, und weichen nicht selten von unsern 
Regeln ab. Zu Ps. 16, 14, ob die richtige Lesart sei saturati sunt filiis oder 
porcina, schrieb Augustin: quod (porcina) alii codices habent et verius 
habere perhibentur, quia diligentiora exemplaria per accentus notam 
eiusdem verbi graeci ambiguitatem graeco scribendi more dissol- 
vunt, obscurius est (2, 504/5 bei Lagarde, Probe einer neuen Ausgabe S. 40), 
ebenso zu Gen. 43, 31 liber den Unterschied von Qafidov afaov oder afaov, fallit 
enim eos verbum Graecum, quod eisdem literis scribitur sive eius sive suae; sed 
accentus [= spiritus] dispares sunt et ab eis qui ista noverunt, in codicibus non 
contemnuntur (4, 53 Lugd. 1586, zitiert von Scrivener 4 I. 47). In dem Specimen 
der Hexapla aus dem Codex Barberinus V (c. VIII saec.), das Bianchini zu seinem 
Evangeliarium Quadruplex I p. DCCCII mitteilt, findet sich der Spiritus asper, urn 

1- h 

das hebraische h wiederzugeben, auch in der Mitte des Worts, OYEABHOY = 
uehabehu. Das ko'nnte schon auf Origenes selbst zuruckgehen. Am deutlichsten 
spricht Eusebius, Dem. Ev. 6, 15, 3/4 iiber Akzente zu Hab. 3, 2 v pitay dvo Z@@N 

ws dwavfta Keel TtsQiaawfttvws TU>V gcaaiv &nb ivixov TOV 

v<AV. oil yu,Q nagojvTdvws i&v d>a)v dn 
TOV <pov AfyeTai, &AAa gca&v jiEQianuf&evcos &nb JiArj-d'vvTiK'^s e^-O-elag T^g a I 



Absetzen. Fiir Silbentrennung befolgen die griechischen Schreiber im 
allgemeinen die Regel, die neue Linie mit dem Konsonanten zu beginnen; doch 
finden sich davon namentlich im Vaticanus ziemlich viele Abweichungen, die eine 
spatere Hand dann meist berichtigt hat. Im dritten Band von Swete's LXX- Ausgabe 
sind dieselben verzeichnet. Ein hiibscher Fall ist Jer. 14, 12, wo der Vaticanus 
und Marchalianus beide nQoa\eveyx<uaiv geschrieben hatten; im Vaticanus ist es zu 
ji(>o\oevByx(oaiv gebessert, im Marchalianus zu nQooe\veyn<oat,v. Beispiele aus dem 
at.lichen Teil des Codex Vaticanus s. Nestle, Sst. 2, 20. Im lateinischen Codex 
Fuldensis hat sich Bischof Victor von Capua im Jahr 546 die Miihe genommen, das 
Absetzen iiberall nach den Regeln der Grammatik zu beriohtigen. Welche Schlusse 
aus dieser AuBerlichkeit fiir die Sprachwissenschaft gewonnen werden konnen, zeigte 
W. Schultze in der Berliner Akademie am 18. Juni 1908 an der Wortbrechung in 
den gotischen Handschriften z. B. fiir aiwaggelio. 



54 Die Materialien der neutestamentlichen Textkritik. 



Anfuhriiugszelchen. Piir die Zitate aus dem AT. finden sich Anfiihrungs- 
zeichen schon in den altesten Hdschrr., z. B. in B. Ihr friihester Gebrauch ist bis 
jetzt Ibeilrenaeus nachgewiesen (Oxyrhynch. Pap. Ill, nr. 405; IV. p. 264 f.) ; ilire 
Form zeigt, dafi sie der Diple (SinAif) nachgebildet sind, mit der der Homer- 
kritiker Aristarch (217/5143/3 v. Chr.) Stellen bezeichnete, die nach Form oder 
Inhalt bemerkenswert waren. 

b) Stiohometrio. Wie in den bessern Handschriften der Klassiker z. B. des 
Herodot und Demosthenes, finden sich stichometrische Angaben auch in den sorg- 
faltigen Handschriften des A. und NT.s, beim letzteren namentlich in denjenigen 
der paulinischen Briefe, welche auf die sogenannte Rezension des Euthalius zuriick- 
gehen. Einer der Schreiber des Codex Vaticanus hat zu einzelnen Biichern des 
AT. sogar die Stichenzahlen vom Rand seiner Vorlage wiederholt, so dafi man aus 
denselben berechnen kann, dafi seine Vorlage fast doppelt so viel Text in einer 
Zeile hatte, als die neue Handschrift (s. Nestle, Septuagintastudien II, 20 f . ; Lagarde, 
die Stichometrie der syrisch-hexaplarischen Ubersetzung des alten Testaments [Mit- 
teilungen, 4, 205 208]). Uber die stichometrische Liste im Codex Claromontanus 
der paulinischen Briefe DP B. S. 73. Eins der friihesten Zeugnisse fur die Anwendung 
auf das AT. bei Orig. (Bus. h. e. 6, 25, 7), dafi Paulus seinen Gemeinden nur 
ddlyovg att%ovs (var. dAiyoailxovs, sc. gniavoAas) dneoiei/lev, ebenso Johannes 
den ersten Brief als inioToM\v navv 6Alyo)v ailx&v, und dafi der zweite und 
dritte otfx slalv oifyav dftydtefat, ixardv. 



Interpnnktion. Der Homerkritiker Aristophanes von Byzanz (c. 257 c.180 
v. Chr.), kennt Komma, Kolon und Punkt als bnoaviyp'/i, fifoy ouy^y und veAeia 
auyfttf ; Nicanor, wahrscheinlich in der Zeit Hadrians, o oiiyftarlas genannt, wegen 
des Nachdrucks, den er in seiner Schrift negl aztypils auf diese kleinen Zeichen 
legte, unterscheidet deren 8 (3 fur den Punkt und das Komma, 2 fur das Kolon). 
Im Codex Sinaiticus fehlt nicht blofi in den stichisch geschriebenen poetischen Teilen 
jedes Unterscheidungszeichen, sondern auch in den prosaischen gibt es ganze Spalten, 
ja Seiten ohne einen einzigen Punkt. Und doch mahnte achon der Syrer Ephraim 
um jene Zeit el K^wqaai, fiiflAlov, eitatiyfis uvrjaai a.i>i&, (v% note ei>ge&^ iv afaip 
jiQdaxofifia Tfy dvayivdioxovti % xal (teTaygdcpovTi. Ebenso schrieb Hieronymus an 
Hedibia: Est enim ceu commentariolus sermo recte scriptus ac recte distinctus (vgl. 
beispielsweise die Setzung oder Weglassung eines Kolons hinter ^noTe in Mt. 25, 9). 
Und noch Alcuin schrieb einen Brief an Karl den Grofien, um von den Kopisten 
sorgfaltige Setzung dieser Zeichen zu verlangen (ep. 112 Jaffe, 101 Migne) und 
machte dariiber das Epigramm: 

per cola distinguant proprios et commata sensus, 
et punctos ponant ordine quisque suo. 

Die Wichtigkeit der Interpunktion erlautert Erasmus an tl,l: apud Deum. 
Et Deus erat. Illud verbum, und durch p 8, 33. Deus, qui iustificat. Die erstere 
B Illud verbum" ist neuerdings von Jannaris alien Ernstes vorgeschlagen worden. 
Vgl. weiter p, 15, 40 Maria, Jacobi minoris et Joseph mater, oder Maria Jacobi 
minoris, et Joseph mater ; r 2, 13 im Missale Romanum und den offiziellen Vulgata- 
drucken : adventum gloriae magni Dei, et Salvatoris nostri Jesu Christi, wobei ubrigens 
zu beachten ist, dafi die rhetorische Interpunktion des Mittelalters andern Regeln 
folgt, als die moderne Schulinterpunktion, bei welcher der logische Zusammenhang 
i n erster Linie steht. In ^ 6, 29 kann man vor oder nach xai rov %vuavct. interpungieren ; 



Stichometrie. Interpimktion. Bliclierluxus. 55 



damit vgl. Justin, apol. 1, 16 tbv &IQOVTO, aov rdv fta&va fj rd Ipaziov ft 

Wie 1st ft 1, 1 4 aufzufassen ? wohin iv ry iftffHp in v. 2 zu beziehen ? Heifit es 

i 9, 11: Respondit: ille homo oder Eespondit ille: Homo? Vgl. Martyrium des 

Polykarp 12 x^Qvxa iv pai^ rov aradlov xtj^vjai, r^fg ' IIo/LvKa^Tfos d) 

iavrdv %Qiariav6v elvai oder Htjgvgai ' tgls Ho/l. &(toA. mit M 26, 34 nqlv 



Stenographic. Fur die Bibel und das NT. die Stenographie zu verwerten 
wird nicht haufig Anlafi gewesen sein, doch moge erwahnt werden, dafi zu den 
literarischen Hilfsmitteln, die Ambrosius dem Origenes zur Verfiigung stellte, auch 
gehorte: ra%vyQdyo i re yag avrijj nAetovs tf nz& tdv dQf&ftdv nagiiaav bnayo- 

%Q6vots TeTayptvois &AAtfAov$ &ftetfiovi:e$, ft iftAioyga'tpoi re oi> 
ttal xdQaig inl id xaAAiygayisiv JiaxrjfAdvaig (Eus. h. e. 6, 23,2). 



i) BiicherluxnB. Uber Biicherluxus einige Notizen: Salomo taucht seinen 
Brief an Bilqis, die selbst lesen und schreibou kann, in Moschus (Socin, Ar. 
Gr. 1 55, 14. 56, 12). Mani zeichnet Schriftziige auf weifie Seide in der Art, 
dafi wenn man einen einzigen Seidenfaden herauszog, die Schrift unsichtbar wurde 
(ZdmG. 43, 547). Gold- und Silberschrift bei den Syrern, s. Zahn, Tatian (For- 
Bchungen, 1, 108 n 1). R. W e s s el y , Iconographie (Wiener Studien XIII, 2, 259279). 
Die lilteste mir belcannte Erwahnung dieser Schrift im Aristeasbrief (S. 975 in 
Buch 4 des Konstantin Oikonomos JIEQI TIOV o ' Egp'yvevTwv [Athen 1849]) : ai>v . . . 

s, iv alg [jjv] fj voj&o&eata ysy^a(4,^vr] %QvaoyQa.(pta rot 
i, &av[iaatws el^yaa^vov rov bftevos Ka ^ rfS ^Q^S &AAyAa avfi- 
Teoxevaoptvys- In dem Pentateuch Alexanders sollcn die 
Gottesnamen mit Gold geschrieben gewesen sein (Hody 1684, S. 254 ff.). Uber Diinne 
des Pergaments und Schb'nheit der Buchstaben s. Chrysostomus, horn. 32 in Johann. : 
aftovdijs neQl TIJV x&v ij^vtav henThvpa xai T& T&V yQaftfidvtov ndAAoc;. Dafi der 
Syrer Ephraim diesen chi-istliclien Luxns lobte, ist betont in den Histor. Polit. 
Blattern 84, 2. 104. Auch das Targum zu Ps. 45, 10 kennt Goldschrift. Die Stelle 
iiber den Gebrauch von Purpurpergament im Brief des Theonas an Lucian soil nach 
Batiffol von derjenigen des Hieronymus (im Kommentar zu Hiob) abhangen und 
wird von ihm als Grund gegen die Echtheit des Brief es benutzt; s. Harnack in 
ThLz. 1885, Sp. 321. 324 A. 5. Dafi dus Pergament (aa){*di;t,ov), auf das der Perser 
Qardagh seine Brief e schrieb, besonders -weifi und schb'n gewesen, wird in seinem 
Martyrium ausdrticklich bemerkt (ed. Feige S. 53). Cassiodor bittet, qui emen- 
dare praesumitis, ut superadiectas literas ita pulcherrimas facere studeatis, ut potius 
ab antiquariis scriptae fuisse iudicentur (divin. lect. c. 15). Fur kostbare 
Bucheinbande legte schon Cassiodor Vorlagen an (de inst. 30), welche Stelle man 
(nach Springer: Sachs. Sitz.-Ber. 1889. 11. 4. 369) in der neueren kunsthisto- 
rischen Literatur iiber Illustration auf dem Bucheinband iibersehen habe. Uber 
einzelne Prachthandschriften s. W. Wattenbach, iiber die mit Gold auf Purpur 
geschriebene Evangelienhandschrift der Hamiltonschen Bibliothek (Berliner Sitz.- 
Ber., 7. Marz 1889, XIII. 143156, vgl. Berl. Phil. Wochenschrift 1889, 33. 34) ; 
angeblich ein Geschenk Leos X. an Heinrich VIII., eher von Wolsey. Vom 
Bischof Wilfried von Ripon (670 688) wissen wir, dafi er die 4 Evangelien mit 
reinstem Golde schreiben liefi. Bonifatius bat seine englischen Freunde um die 
paulinischen Briefe mit Goldschrift, um damit den kindlichen Deutschen zu imponieren 
(ep. 32 S. 99) ; von Gustav Freitag in Ingo und Ingraban verwertet (S 476) ; 8. 
Christliche Welt 1888, 22, Die Theodulfschen Handschriften in Paris und Puy. 



56 Die Materialien dor neutestamentliclien Textkritik. 

Goldene und silberne Einbande oder Schliefien (firmaeula), die Verwendung ver- 
schiedener Farben verbieten die Cisterzienser. 

Illustrntion. Das Aufkommen der Illustration in griechischen Handschrilten 
ist cin Jahrhundert friiher anzusetzen, als bisher geschah, wenn H. Kothe mit seiner 
Deutung der Stelle Diogenes La. 2, 3, 8 (=CIem. strom. 416 D) recht hat: itQ&Tos 
6 'Avaay6(>as xal (iipAlov eda>Ms avv yfayfi (mit einer Zeiclmung; friihere Lesart : 
avyy^ay^s). Aufier ftir Aristoteles und die unziichtigen Gedichte der Philainis wufite 
man von illustrierten Handschriften fiir die Werke der Astronomen Eudoxos und 
Aratos, des Botanikers Dioskorides, des Taktikers Euangelos, des Geographen Ptole- 
maios. Uber die Trajanssaule als Nachahmung der Bildrolle s. Birt, die Buchrolle 
in der Kunst, Leipzig 1907; und dazu ^Buchwesen und Bauwesen: Trajanssaule 
und Delphische Schlangensaule" (Rhein. Mus. N. P. 63, 1 S. 3957). Die altesten 
Bilderbibeln beschreibt Victor S c h u 1 1 z e in der Gartenlaube 1898, No. 28, 449 ff . 
mit guten Abbildungen. Uber die Wiener Genesis s. die Dissertation seines Schulers 
Willy Liidtke (Greifswalde 1897), uber die Quedlinburger Itala Schultze selbst. 
tiber die Pferde vor dem Wagen des zum Himmel fahrenden Elias in einer grie- 
chischen Hds. des 9. Jahrhundert im Vatikan und die Eeiterbilder im dortigen 
Josua-Rotulus s. F. aus'm Weerth , im Jahrbuch des Vereins von Alt.-Freunden im 
Rheinland Heft 78 (1884) Tafel VI. Cassiodor besafi einen Pandectes latinus, d. h. 
eine Handschrift der altlateinischen Bibel in grofiem Format mit Bildern der Stifts- 
hiitte und des Tempels. Eine altere Dissertation ist P. Zornii historia bibliorum 
pictorum ex antiquitatibus Ebraeorum et Christianorum illustrata. Cum fig. Lipsiae 
1743. 4. Vom gleichen Verf. Von den Handbibeln der ersten Christen", ebenda 
1738; historia bibliorum ex Ebraeorum diebus festis et jejuneis illustrata 1741. 

k) Palimpseste. Uber die Ciceronische Stelle quod in palimpsestis s. jetzt 
Gurlitt (Jahrbticher fiir das klassische Altertum 1901, 540 A. Ebenda 541 uber 
codicilli bei Cicero, was nicht ,,Konzept", eher Post- und Visitenkarte, im Unterschied 
vom formlichen Brief). Palimpseste biblischer Handschriften sollte es nach 
spaterer kirchlicher Regel nicht geben. Die sechste okumenische Synode (trullanische, 
concilium quinisextum von 680/81) bestimmt in ihrem 68. Kanon (jis^l TOV py 
elvat rivi z&v ndvTKtv (iipA'ttov rrls na^atd^ Ki veag dta^iJ^S &ia<f>&el(>eiv), da6 
man keine alten Bibelhandschriften an pifiAioxdnqAoi, pvQe-ipot oder sonst jemand 
verkaufen diirfe *). Am wenigsten sollte das natiirlich an Juden geschehen ; trotz- 
dem wurden in der Rumpelkammer der Synagoge von Altkairo Stiicke einer ur- 
spriinglich griechischen Evangelienhandschrift gefunden, die spater fur jiidische 
Schrift beniitzt worden war. Urspriinglich hat man nur zu Konzepten und der- 
gleichen derartige Pergamente verwendet statt der Wachstafel, auf der man ja auch 
die Schrift wieder auswischen konnte. 



Yorbemerkiing uber die HandschrlfteMbeKeichnung. 

Auf J. Wettstein geht es, wie S. 20bemerkt, zuriick, dafi man bisher die 
alteren Handschriften des gr. NT.s mit den grofien Buchstaben des lateinischen 
Alphabets, die jiingeren mit arabischen Ziffern bezeichnete. Inbetreff der letzeren 



) Auch der Kanonist Balsamon um 1200 beldagt: Tivkg dt,' 

riov &elo)v ygay&v l^noQevo^evoi dm^eitfov, und verlangt 
rama 6ia TO&S piflAioxan'fiAovg TOV$ &n<xAetq>ovTas t&v &et<av ygaytav. 



Handschriftenbezeiclimmg : v. Sodens System. 57 

war es gleichfalls Wettstein, der es einftihrte, fiir jede der 4 Abteilungen aus denen 
das NT. besteht (Evangelien, Apostelgeschichte mit den katholischen Briefen, Pau- 
linische Briefe, Offenbarung), eine neue Ziffernreihe zu beginnen. Dies brachte den 
Ubelstand mit sich, dafi eine und dieselbe Handschrift in jeder Abteilung eine eigene 
Ziffer fiihrte. Z. B., die merkwiirdige Hdschr. auf dem Eathaus von Leicester heiflt 
in den Evangelien 69, in der Apostelgeschichte 31, in den Paulinischen Briefen 37, 
in der Offenbarung 14. Keine der drei spateren Zahlen erinnert an die erste, die 
ihrerseits in den spateren Teilen der Eeihe nach Hdschrr. aus Wolfenbtittel, Wien 
und Rom bezeichnet. 

Ein weiterer Ubelstand kam hinzu. Als die Hdschrr. sich mehrten, wurden 
die Listen von den verschiedenen Porschern verschieden fortgesetzt. Die Hdschr., die 
bei Scrivener in den Evangelien 604 heifit, ist bei Gregory 700. 

Selbst bei den alteren und wichtigeren Handschriften reichte das Alphabet 
bald nicht mehr aus, und so griff man zu den von der lateinischen Schrift abweichenden 
Buchstaben des griechischen Alphabets und, nachdem Tischendorf seinen Sinaiticus 
Aleph genannt hatte, um ihn an die Spitze zu stellen, zu denen des hebraischen. 
Nicht jede Druckerei hat hebraische Typen, und recht unschon sind sie in der Mitte 
der andern, namentlich wenn sie, wie es schon bei dem Aleph Tischendorfs sehr oft 
geschieht, auf den Kopf gestellt werden. Die ganze bisherige Bezeichnung hat den 
wciteren Ubelstand, dafi sie iiber Alter und Umfang, oder fiber den Aufbewahrungs- 
ort der Handschriften nichts erkennen lafit. Daher hatte v. S o d e n den richtigen 
Gedanken, bei der notwendig gewordenen Neubezeichnung ein System anzuwenden, 
bei dem die Signatur jedes Codex fur den Wissenden auch die wesentlichen Eigen- 
schaften desselben andeutete. Unter diese wesentlichen Eigenschaften rechnete er 
nicht blofi Alter und Umfang, sondern auch den Unterschied, ob die Handschrift 
nur den Text oder auch einen Kommentar enthielt, und welchen. Dabei gait es, 
das neue System so weitmaschig anzulegen, dafi fiir Einreihung neuzuentdeckender 
Hdschrr. Eaum blieb. So kam er zu folgendem System, das ich mit seinen eigenen 
Worten (S. 37) wiedergebe. 

M Zur Bezeichung samtlicher Codd. sind ausschliefilich arabische Ziffern 
gewahlt. Als Merkzeichen fiir da s Jahrhundert ist die Gestaltung der 
Zahl verwertet worden. 

Fiir die Codd bis einschliefilich s. IX sind fiir Evv. die Zahlen 199, fiir 
NT. und App 1 49 und, wo dies nicht reicht, dieselben Zahlen mit vorausgestellter 
0, fiir s. X bei Evv. 10001099, bei NT. und App 5099 verwendet. Fiir das 
zweite Jahrtausend sind die dreistelligen Zahlen gewahlt; und zwar mit der Ziffer 1 
an der Hundertstelle fiir Codd. aus s. XI, mit 2 fiir s. XII, mit 3 fiir s. XIII usw. 
Wo die dreistelligen Zahlen nicht reichen, ist dasselbe System der dreistelligen 
Zahlen mit einer vorangestellten 1 noch einmal aufgebraucht, sodafi vierstellige Zahlen 
entstehen. Demnach setzt sich die Liste fur s. XI nach 100 199 fort mit 
11001199, fiir s. XII nach 200299 mit 12001299, s. XIII nach 300399 mit 
1300 1399 usw. Wo auch die so gewonnenen weiteren 100 Zahlen nicht reichten, 
wurde fiir s. XII (fiir s. XI entsteht diese Gefahr nicht), mit 2000, fur s. XIII mit 
3000 usw. fortgefahren. 

Dieses System der Bezeichnung ist nun dreimal durchgeftihrt, 1) fiir die Codd., 
die das ganze NT., 2) fiir die, welche nur die Evv., 3) fiir die, welche nur den 
App enthalten. Die Codd. der ersten Gruppe erhalten stets ein & (dia&tfxi)) vor 
der Zahl. Die Codd. der zweiten und dritten Gruppe erscheinen, wo keine Ver- 



58 Die Materialien der neutestamentlichen Textkritik. 

wechslung mo'glich ist, also'im Apparat, oder wo im Kontext einer Untersuchung 
ausschliefilich von den Evv. oder von Schriften des App gehandelt wird, nur 
mit ihrer Zahl; wo aber, wie z. B. bei Behandlung der Orthographic oder Formen- 
bildung in den neut. Schriften, alle Codd. herangezogen werden, werden die Zahlen 
der beiden Gruppen durch ein vorangestelltes e (etayyMiov) oder a (dndatoAog) von 
einander unterschieden. Ob einem <5-Codex oder einem a-Codex die Ap beigefiigt 
ist, ist von s. XI ab auch an der Zahl zu erkennen. Filr Codd. mit Ap sind in 
jedem Hundert die Nummern bis 49, fur solche ohne Ap die Nummern von 50 an 
gebraucht. Endlich sind bei den viel weniger zahlreichen App-Codd., da fur sie 
vierstellige Zahlen nicht notig sind, die vierstelligen Zahlen fur Codd. vorbehalten, 
die nur AK oder nur P oder nur Ap enthalten, und zwar so, dafi fiir AK innerhalb der 
betreffenden das Saec. andeutenden Hundertreihe des Tausend die Zahlen 9 19, fur P 
die Zahlen 20 69, fiir Ap die Zahlen 70 99 reserviert sind. Nur fiir die wenigen 
nur AK oder nur P oder nur Ap enthaltenden Codd. aus dem ersten Jahrtausend 
entstand hier Gedrange. Sie mufiten samtlich in dem Zahlensystem von 10001099 
untergebracht werden. " 

Welches Schema sich daraus ergibt, hat v. S. auf Seite 38 39 zusammen- 
gestellt; wer das Bediirfnis fiihlt, moge es sich selbst bilden oder dort ansehen. 

Aber es kommt nun hinzu, daB v. Soden von den bloflen Textcodd. die unter- 
schieden hat, die auch einen Kommentar enthalten, und zwar nach folgendem 
System, das ich wieder mit seinen eigenen Worten wiedergebe: 

n Auch bei den Kommentaren deutet die erste Ziffer der den Codex bezeich- 
nenden Zahl jedesmal das Jahrhundert an, in dem der Codex geschrieben ist. Den 
Zahlen sind Buchstaben vorangestellt, die den Kommentator andeuten. Mit A 
(= Antiochener) wird der verbreitetste, in mancherlei Abwandlungen existierende 
Kommentar zu den vier Evv. bezeichnet, kombiniert auf Grund der Kommentare 
des Chrysostomus zu Mt., und zu Jo., des Victor zu Mk., des Titus von Bostra zu 
Lk., mit K l der des Kyrill von Alexandrien zu Jo., mit A n Q der Andreaskommentar 
zu AK, mit & B und Q n die Kommentare des Theophylakt, mit Z e und Z n die des 
Euthymius Zigabenus zu Evv. und zu P., mit Nl*> N^> N l > N die des Niketas zu Mt., 
Lk., Jo., Hb., mit C* eine Catene unbekannten Ursprungs zu Jo., mit X, &d, I die 
Kommentare des Chrysostomus, Theodoret, Johannes Damascenus zu P, mit 0, O n Q> 
O n die des Oecumenius zu AKP, AK, P, mit Av der Apokalypsenkommentar des Andreas, 
mit AQ der des Arethas, mit O a der des Oecumenius, mit M der des Maximus zu 
Ap. Da nicht selten dem Oecumeniuskommentar zu AK ein Theophylakt- oder 
auch Theodoretkommentar zu P beigefiigt wird, erscheinen auch die kombinierten 
Sigla 00 oder O&d. Wo der Charakter des Kommentars nicht festzustellen war, 
ist er mit E (== iQ^veta. [!]) e oder n (Evv, PI.) bezeichnet. " 

Das ist nun ganz gewifi alles sehr sinnig ausgedacht, und ich babe auch 
sofort bei meinem griechischen NT. der bisherigen Hdschrrbezeichnung die neue 
beigefiigt. Aber was hilft die neue Liste, wenn sie nicht durchdringt? und dazu 
hat es nach den bisherigen Erfahrungen wenig Aussicht; und namentlich, nachdem 
Gregory auf Grund einer Umfrage bei den Fachgenossen eine neue Bezeichnung 
aufgestellt hat, welche diese annehmen wollen, hat es wenig Wert, mit Kritik oder 
abweichenden Vorschlagen hervorzutreten. Nur eins ist nicht unwichtig, dafi 
v. Soden auf das Alte Testament gar keine Riicksicht nahm. Es gibt auch Hdschrr. 
der Gesamtbibel. Ja gerade die wichtigsten unserer Hdschrr. des NT.s sind solche, 
und wenn im AT. verschiedene Rezensionen vorliegen, ist es von Wert zu wissen, 
ob im NT.lichen Teil einer solchen Hdschr. ahnliche Verhaltnisse wiederkehren. ' 



Handschriftenbezeichnung: v. Soden, Gregory. 59 



Gregorys Liste anzunehmen 1st fiir mich schon durch den einen Satz (S. 9 seiner 
diesbeziiglichen Verb'ffentlichung, Versuche und Entwiirfe 2, Leipzig, Hinrichs, die 
mir durch seine Giite in den Druckbogen vorliegt), entschieden : ,,The three Oxford 
scholars William Sanday, Cuthbert Hamilton Turner, and Alexander Souter generally 
accept the scheme but do not pledge themselves to adopt all its details", in Ver- 
bindung mit der eben dort stehenden, fiir mich neuen aber iiberaus willkommenen 
Mitteilung: Alexander Souter bereitet fiir die Oxf order Presse ein griechisches 
Neues Testament vor, einen Text mit ausgewahltem Apparat, nach der Norm der 
Oxf order Serie klassischer Schriffcsteller." Da ware es toricht, mit neuen Vorschlagen 
zu kommen. Nun hat aber Gregory a. a. 0. S. 15 erwahnt, dafi ich mir die Be- 
zeichnung der Handschriften durch Verwendung von grofien und kleinen griechischen, 
lateinischen und deutschen Buchstaben ausgedacht habe, und so sei die Sache hier 
wenigstens ausgeflihrt. Gegen Gregorys System spricht namlich, dafi man schon 
von 10, bei der Ziffernbezeichnung der Grofihandschriften schon von der ersten an, 
mit zwei-, dann mit drei- und vierstelligen Zahlen arbeiten mu.fi. Nun denke man 
sich einen Apparat mit solchen Zahlen! Wieviel nimmt das Eaum ein! Ich er- 
innere an den Psalterapparat von Holmes-Parsons. Von der Mathematik her kb'nnte 
man aber wissen, wie eine kleine Zahl Grb'fien Tausende von Kombinationen und 
Variationen zulafit. Daher hatte ich bei den Grofihandschriften mich auf die grofien 
Buchstaben in Antiqua und Fraktur beschrankt, den Sinaiticus mit lateinisch S be- 
zeichnet, im iibrigen die alten Bezeichnungen beibehalten. Lege ich beiderseits ein 
Alphabet von 25 Buchstaben zu Grunde, so habe ich fiir 50 Handschriften je nur 
eine Type nb'tig, A Z, ft 3. Dann verdoppele ich zuerst die lateinischen AA ZZ, 
dann die deutschen flfl 33, verbinde dann lateinisch-deutsch Aft Z3, und schlicfi- 
lich deutsch-lateinisch ft A 3Z; so kann ich mit je 2 Typen 4 X 25 X 25, d. h. 
2500 Grofihandschriften bezeichnen; im ganzen 2550. 

Fiir die Kleinhandschriften hatte ich griechisch, lateinisch und deutsch 
in dieser historischen Reihenfolge genommen, und beim griechischen schon dem 
Bibeldrucker Stephanus zu Ehren durch Verwendung des Stigmas ebenfalls 25 Buch- 
staben gehabt. So hatte man mit je einer Type fiir 75 Handschriften gereicht, 
sodann durch Verdoppelung bezw. Verbindung wieder mit je nur zwei Typen fiir 
weitere 9 X 625, d. h. fiir 5625, im ganzen 5700 ; fiir Grofi- und Kleinhandschriften 
zusammen, fiir 8250 Handschriften. Fiir das gr. NT. hatte das wahrhaftig fiir alle 
Zeiten gereicht. 

Fiir die lateinische Bibel ware auch das noch nicht genug; hier kb'nntc 
man durch Verwendung beliebig verschiedener Schriftarten (stehend, kursiv, halb- 
fett) oder durch beizufugende Zahlexponenten noch beliebig viele Kombinationen 
von je zwei Grofien herbeifuhren, sodafi sie selbst fiir die an die Zahl von Hundert- 
tausend heranreichenden Vulgatahandschriften ausreichen. Es ware dann nur notig, 
eine sinngemafie Aufeinanderfolge der Kombinationen aufzustellen, wie bei dem 
obigen Vorschlag die des historischen Aufeinanderfolgens der Alphabete. Man 
braucht sogar, um auch das noch anzufiigen, nicht einmal je zwei Typen, wenn 
man den Exponenten nur einmal setzt und wie in der Mathematik alle darunter 
befafiten Grb'fien in einer Klammer zusammenfafit. Ja selbst die Klammer ist un- 
nb'tig, sobald man den Exponenten in kleinerer Schrift an den Fufi der Linie setzt 
und nachwirken lafit, bis ein neuer Exponent eintritt. Ja gewifi setze man aber 
den Exponenten vor, nicht hinter die dazu gehorige Grofie, wie letzteres Brooke- 
Maclean in ihrer Septuaginta mit c a d z usw. getan haben, weil man in diesem Fall 
die durch hochgestellte Ziffern oder Buchstaben bezeichneten Korrektoren nicht leicht 



60 Die Materialien der neutestamentliclien Textkritik. 

anschliefien kann ( 2 c* 2 da ist besser als c 2 * d.^ ). Endlich sei noch ein weiterer 
Vorteil der Buchstaben statt der Ziffern angefiilirt : die Buchstaben konnen in weit- 
aus den meisten Fallen im Apparat unmittelbar aneinandergereiht werden, ohne 
Spatien und Unterscheidungszeichen, ohne dafi eine Dunkelheit entsteht, wahrend 
dies bei Zahlen nicht ebenso bequem der Fall ist. Da man aber, wenn auch weniger 
geschickt, auch bei den Gregoryschen Ziffern noch gewisse Abkiirzungen anbringen 
kann man drucke im Apparat die Hunderter fett und lasse sie bei den folgenden 
Zahlen weg so kann ich mich um so eher bei seiner Liste beruhigen 1 ). 

Die folgende Aufzahlung folgt also der Liste Gregorys. In ihr sind fur die 
alttestamentlichen Grofihandschriften die Buchstaben (J$ A Si mit einigen kleinen Ab- 
weichungen) beibehalten, daneben aber auch eine Bezifferung mit 01 045 vorge- 
schlagen ; dann werden die Grofihandschriften mit 046 0161 fortgesetzt. In einem 



*) Nur in einer Anmerkung unter dem Strich will ich noch eine andere Ver- 
wendung der Buchstaben ruhmen, die, wenn allgemein durchgefiihrt, dem Gelehrten 
eine groBe Annehmlichkeit ware, namlich zur Bezeichnung der Anmerkungen. Jetzt 
mufi man Seite soundsoviel Anmerkung soundsoviel zitieren. Wiirde es Sitte, die 
Anmerkungen in einem Buch fortlaufend mit den Buchstaben des Alphabets zu 
bezeichnen, so wiirde ein einziger Buchstabe, im schlimmsten Fall deren zwei ge- 
niigen, wo man heute ein halb Dutzend oder mehr Buchstaben und Zahlen braucht. 
Es ist seltsam, wie die einfachstcn Dinge so lange brauchen, bis sie durchdringen. 
Wie lange hat es z. B. nach Erfindung der Buchdruckerkunst gedauert, bis die 
Drucker lernten, daB man die Blatter, und wie lange noch, dafi man auch die 
Seiten z'ahlen konne; fiir die Zeilen hat es meines Wissens erstmals Castalio 
in der ersten Ausgabe seiner lateinischen Bibel von 1551 eingefuhrt. Gegen 
Gregory's Einwendung gegen dies System, daB es verwirrend und immer wieder 
zu durchdenken sei, mo'chte ich fragen: Gibt es etwas Einfacheres als den 
Grundsatz, dafi das Altere vor dem Jungeren, das Grofiere vor dem Kleineren, 
das Einfache vor dem Zusammengesetzten kommt? Daneben wiirde ja die alles in 
sich befassende Formel Aftaaci an hervorragender Stelle stehen und erklart, und 
konnte am Kopf der Seiten die gerade behandelten Handschriften leicht zusammen- 
fassen; bei Gregorys Liste fehlt diese Erleichterung, die durch Versetzung der 
Seitenzahl auf den innern oder untern Hand leicht zu beschaffen gewesen ware. 
Da ich zufallig um die Zeit, da ich mich mit diesen Zahlen abgab, in der Zeit- 
schrift fiir mathematischen und naturwissenschaftlichen Unterricht (39, 1 S. 67) 
eine von Prof. Weinmeister gestellte Aufgabe iiber Permutationen der Buchstaben 
des Alphabets las, habe ich mich an ihn gewandt, und von ihm erfahren, das zwb'lf 
Alphabete dieser Art 90300, dreizehn schon 105950 Falle geben. Will man aber 
dreistellige Gruppen zulassen, so kann man schon mit zwei Alphabeten 127 550 
Handschriften bezeichnen. 

Wahrend der Korrektur dieser Zeilen liegt vor mir die hebraische Genesis 
von Ginsburg, als erster Teil der neuen hebraischen Bibel, welche die Britische und 
Auslandische Bibelgesellschaft im Zusammenhang mit ihrem Jubilaum verb'ffentlichen 
will. Ginsburg verglich 71 hebraische Hdschr., die er mit den Buchstaben des hebrai- 
schen Alphabets bezeichnet. Auch da ist unnotig viel Eaum verschwendet. Das 
hebraische Alphabet wiirde crlauben, die Zehner stets wegzulassen, und die Einer 
eng aneinander anzuschliefien. Ich hatte z. B. in Zeile 2 des Apparats der ersten 
Seite geschrieben nnTMtOnmOBVIDKlarD, statt 33, b, 'b, &, a!?, tib, VQ, ID, 
Pi, Di, li, ^, DO, W, HO, HE, d. h. 20 Typen statt mindestens 48. 



Handschriften : TTnzialen: tf. 61 

neuen Apparat wiirde ich, der Binheitlichkeit halber, empfehlen, die Buchstaben 
nicht mehr zu verwenden, die Zahlen aber dadurch zu vereinfachen, daB man nur 
einmal vor eine die Zahlen zusammenfassende Klammer setzt. Gregory empfiehlt 
aufierdem groBe und dicke Zahlen fiir sie zu nehmen. Bei Tischendorf hieB es 
z. B. zu M 1, 1 iiber die Schreibungen des Namens David: 

1) daveid tf ABCDHLTTd^QbS 1 sah, Depp .Eact. 

2) 6avi6 B s BMVPyl Fepp Gepp. 

3) 6aS PKNPQRUZ7T, Pact epp ap. 

Bei Gregory bliebe in 2) und 3) alles gleich; in 1) waren nur zwei 
kleine Veranderungen : 1 1353, statt Td, weil Td keine Vollhandschrift, sondern ein 
Lektionarium ist, und 0107 statt @b, weil bei durch die kleinen Buchstaben ver- 
schiedene Handschriften zusammengefafit waren, die jetzt getrennt sind. 

Mit Ziffern wiirden die drei Gruppen nach Gregory heiBen: 

Zu 1) 01, 02, 03, 04, 05, 014, 019, 029, 1 1353, 037, 0107, 040 sah 06, 08 

Zu 2) 03 s , 07, 021, 031, 036, 039, 010, 012. 

Zu 3) 09, 017, 022, 024, 026, 027, 030, 035, 041, 025. 

Man sieht, wieviel mehr Raum das einnimmt, und eben deswegen schlage 
ich vor: 

Zu 1) (1, 2, 3, 4, 5, 14, 19, 29). 1 1353, (39, 107, 40), sah (6, 8), oder 
noch besser 1, 2, 3 etc. 

Zu 2) (3", 7, 21, 31, 36, 39, 10, 12) oder 3 3 , 7, 21 etc. 

Zu 3) (9, 17, 22, 24, 26, 27, 30, 35, 41, 25) oder 9, 17 etc. 

Auf die Grofihandschriften folgt in Gregorys Liste eine ganz neue Abteilung, 
die Papyri, ohne Riicksicht auf die Schriftart mit P 1 bis P u bezeichnet, die man 
im Apparat wiederum nicht mit jedesmaliger Wiederholung des P schreiben wiirde. 

Darauf folgt drittens die Liste der Kleinschriften, in einer Reihenfolge; 
wenn nichts dabei steht, ist es eine Handschrift der Bvangelien; sonst sind die 
einzelnen Teile als e a p r (evangelia, acta, Paulus, revelatio) namhaft gemacht. 

Die Zahl dieser Kleinhandschriften reicht bei Gregory bis 2288. Daran 
schlieBen sich viertens n Lesebiicher"; mit 1 bezeichnet, wenn nur Evangelienstiicke ent- 
haltend, mit l + a wenn auch aus dem Apostel, mit to wenn nur aus aus dem Apostel. 
Diese Liste geht bei Gregory jetzt bis 1540. 

Was bei ihm S. 25 f. iiber die Bezeichnung der syrischen Ubersetzungen 
steht, wird welter unten zur Sprache kommen. 



a) Uiizialhandschrifteu. 

1) N (Aleph), [01; v. S. 6 2] der codex Sinaiticus, jetzt 
in Petersburg, das ganze NT. timfassend, (IV oder) V in 1 ). Fast 
romantiscli ist die Geschichte seiner Auffindung und Erhaltung. 
Als Tisclieiidorf mit Unterstiitzung seines Konigs Friedrich August 
von Sachsen 1844 zum erstenmal auf den Sinai kam, zog er im 
dortigen Katharinenkloster aus einem Korb 43 alte Pergament- 
blatter, die mit anderem Abfall zum Ofenheizen bestimmt waren, 

a ) Die romischen Zahlen bezeichnen im Hdschrr.-Katalog das Jahrhundert, 
welchem die Hdschr. zugewiesen wird. V in (Anfang des 5. Jahrhundert), ex (Aus- 
gang), med (Mitte). 



62 Die Materialien der neutestamentlichen Textkritik. 

und bekam so Teile einer der altesten Handschriften des AT.s in die 
Hand, die er als codex Friderico-Augustanus (F-A) 1840 herausgab. 
Zugleich erruhr er, daB nocli weitere Teile im Kloster seien. Bei 
einem zweiten Besuch 1853 war keine Spur derselben zu finden; 
bei einem dritten unter dem Patronat des Kaisers von B/uBland 
unternommenen Besucli brachte ihm der Koch des Klosters kurz 
vor der Abreise am 4. Febr. 1859 in ein rotes Tuch eingewickelt, 
was alle Erwartiingen fibers tieg, alles was von der Hdschr. noch 
tibrig war, einen groBen Teil des AT.s und das ganze NT. Letzteres 
Ittckenlos, ja liinter den 27 Biichern desselben noch der Brief des 
Barnabas und ein Teil des sogenannten H i r t e n des H e r m a s , 
zwei Schriften, die im christliclien Altertum im hochsten Ansehen 
standen und in Europa griechiscli nur teilweise erhalten waren. 
Tischendorf wuBte es zu erreichen, daB die Hdschr. von dem Kloster 
dem Kaiser von B-uBland geschenkt und 1862 auf dessen Kosten 
zur lOOOjahrigen Feier des russischen B/eiches in 4 Foliobanden 
herausgegeben werden konnte. Einen neuen Silberschrein zu Ehren 
der heiligen Katharina, 7000 Rub el fur die Bibliothek, 2000 fur 
das Kloster des Berges Tabor, auch einige russische Dekorationen 
bekamen die Vater zum Ersatz. Leider war die photographische 
Kunst vor 45 Jahren noch nicht so' gefordert, um mit ihrer Hilfe 
ein getreueres Faksimile herzustellen, als es der Typendruck auch 
bei sorgfaltigster Ausfuhrung und Uberwachung vermag. Aber in 
welche Zeit gehort die Hdschr.? Man hat noch ein Schreiben des 
ersten christlichen Kaisers Konstantin (aus dem Jahre 331), durch 
welches er bei dem Bischof Eusebius in Palastina (siehe dessen 
Vita Const. 4, 36 37) 50 Exemplare heiliger Schriften fiir die 
Kirchen seiner Hauptstadt bestellt, und ihm zum sichern Transport 
derselben zwei staatliche Postwagen zur Verfaguiig stellt; man hat 
auch noch den Bericht des Bischofs, daB er dieselben in kostbar 
hergestellten Banden zu 3 und 4 abgeliefert *). Tischendorf meint, 



l ) Der Wortlaut 1st so wichtig und umstritten, daB er beigesetzt werden 
mufi. Dem Schreiben des Kaisers gibt Eusebius die Uberschrift : BaffiA4a>s Unioro/lri 
nsQl vr/g TWV O-etaiv yqatptiv gTtiaxsvtfg. Im Eingang teilt der Kaiser mit, dafi 
sich in der Hauptstadt so viele Menschen der heiligen Kirche anschliefien, dafi 
mehrere Kirchen in ihr erriclitet werden miifiten. n^inov y&p xaieydvij TOVTO 
ifj afj avveaei, Snu>s &v nevT^novia oajftdtia &v dicp-d'eQaig 

yvcaoid TS wal TCQ&S T^V ^Q^aiv e-dpevaKOfAiaza im& TS%VII;&V 
xal &xQi{ia>s ^'h v fs'xvtjv gniaTapdvcav yQacpfjvai MeAetiaeias, T&V d-staiv 
yQct(fS>v, &v [A,dAi(JTa rtfv z' imav.evi\v xal TIJV %Qijoiv T(J> xi\g ^KxArjaf 
tivayxalav elvat, yiv&av.ei$. Zugleich wird Eusebius benachrichtigt, daB der Ka- 
tholikus der Dib'zese angewiesen sei 8n<n>$ &v ndvta T& TIQ^S T\V &nwv<.EV\v a-dt&v 



TTnzialen: K. 63 



daB der codex Sinaiticus und der gleich zu nennende codex Vati- 
canus zur Zahl dieser 50 Handschriften gehoren. Beide sind darin 
*ast einzig, namentlich N, daB er in 4, der Vaticamis in 3 Spalten 
geschrieben ist, und davon deutet Ti. das ,,3 und 4", das man friiher 
von den Blatterlagen (Ternionen und Quaternionen zu 12 und 16 Seiteu) 
verstanden hatte, das aber noch eher die Zahl der Bande bezeichnet, 
aus denen je ein Exemplar bestand. Preuschen (Harnack, G-eschichte 
der altchristl. Lit. I, 572) meinte, es habe sicli bei dem Auftrag um 
eine biblische Chrestomathie, eine Auswahl der wichtigsten biblischen 
Lesestucke gehandelt, man wisse aber nicht, wie Eusebius ihn aus- 
gef ahrt ; Ed. Schwartz (A. Eusebios in Pauly-Wissowa VI, I, 1437) 
um Evangelienhandschriften fur die Lektionen, und interessant sei, 
daB die in Casarea hergestellten Handschriften, wenn man nicht 
geradezu Lektionen sagen will, nicht allein vier, sondern manche 
auch nur drei (Evangelien) umfaBten ; das vierte Evangelium stand 
damals noch im G-ebrauch der Gremeinde der nicht mit dem Zitaten- 
apparat derLiteratur verwechselt werden darf sehr zurtick. Tischen- 
dorf war auch uberzeugt, daB einer der vier Schreiber, deren Hande er 
in N unterschied und zwar derjenige, der nur 6 oder 7 Ersatzblatter 
im AT., Tobit, Judit und 3V 2 Blatter von Marc, im NT. ge- 
schrieben hatte, den Codex Vaticanus hergestellt habe J ). Von einem 
dritten, vor ihm arbeitenden Schreiber rtihren die Eusebianischen 



ygovrlaeiev ' Zva yag <bg rd^iana, TCI, yQacpivca aut^aTia uara- 
atfS inifteAelag TOVTO ysvrjaevai. xal yttQ dtfo dypoattov [-i- d^f^dTcav 
Socr., Theodoret.; die Busebiusshss lassen es weg] Ijovatav els SiauoftiSriv Iv. 
TOV yQ<i[.t>[iaTo$ Tofaov 2a(leiv ae nQooi^ei. o'Sica yaQ &v pdAiaTa ra 
xal ft^x^ 1 v ^(^ST^QWV Siftecav @aaia diaxoi&t.cr&irjaeTai:, vb$ SrjAaSij TOVTO 
latv iv. rijg af/g IxKAqalag diciKdvcav, 85 Ineidav dcptxtiTat Tifdg ^f*dg, 
eTai, cpiAav&Qajtlag. d &e6g as SiacpvAdjet, ddeAcpe dyajiijTs. 
Eusebius fabrt fort: Tavta (A,bv ofiv {taatAevg dtBneAevsTo. afiitua 6' Bgyov &ni\v.o- 
Aov&ei Tq> A6y(p, v 7to/lvTeAa>g fjOKti/Aevoig Tetifteaw TQiaaa nal TeTQaoaa 6ia- 
jiefiiftdvTeav f/ft&v ... 8 drj ual aiirb &TQU ftaoiAfog dvcigx^vijcng TtagaaTrjaei, 
dt,' fjg 7fv&6fivog dafi das palastinische Konstantia den heidnischen Irrtum aufgegeben 
habe, %atQeiv io^ov v,al T^V npajiv &nods%ea&at,. Dieser zweite Brief des Kaisers 
fehlt leider, und durch die Punkte deutet der Herausgeber eine Liicke an, die man 
wohl in dem Bericht des Eusebius anzunehmen hat (Eusebius Werke I ed. Heikel 
p. 131, 132). 

*) L. Traube (Nomina sacra S. 67) unterscheidet, wie "auch Tischendorf, ABCD, 
spezialisiert aber A J - 2 - 3> - - ( J = Chronic 9, 2711, 22; 2 Chronik, Forts. 
Esdra, Esther ; s 1 Maccab. ; * 4 Maccab 8, 7 bis Schlufi ; Barnabas ; 5 NT. = zweite 
Hand) B ' = Isaias (dritte Hand) ; B 2 " * == vierte Hand (B 2 Jes. 110, 25 ; 
3 10, 25 Thr. 2,20; *K1. Proph. ; r ' Hermas); C = 5. Hand(Ps., Prv., Eccl., Ct., Sap., 
Eccli, Job); D 1>a ' 3l4 - = 6. Hand ( l Tob., 2 Judt, 3 4 Mace. 18, 7; 4 NT. einzelne 
Fragmente. Bl. 10. 15. 18. 29. 88. 91. 126). 



64 Die Materialien der neutestamentlichen Textkritik. 

Canones In tf her; sie fehlen auf den von D stammenden Ersatz- 
blattern. WuBten wir das genaue Jahr, in welchom Eusebius die 
Canones herstellte, so ware die iintere Zeitgr.enze von N (B) mit 
aller Sicherheit bestimmt. Andere Autoritaten setzen # erst in den 
Anfang des 5. Jahrhunderts. Begreiflich ist es, wenn Ti. ihn 
zuerst tiberschatzte, mit dem ersten Buchstaben des hebr. Alphabets 
bezeichnete, um ihn an die Spitze aller Hdschrr. zu stellen; da 
steht er insofern mit Recht, als er jedenfalls einer der altesten 
und unter den alten der einzige ist, der das ganze NT. enthalt, 
und zwar in der Reihenfolge: e p (2 & ) n c a (Barn. Herm.) 1 ). 
Es ist dies dieselbe, die in der alten syrischen Bibel und im ersten 
Druck des griech. NT.s, in der komplutensischen Polyglotte, be- 
folgt ist. DaB Barnabas noch ohne weiteres zum NT. gerechnet 
ist was hinter ihm und vor Hermas auf 6 jetzt fehlenden 
Blattern wohl gestanden haben mag? vielleicht die Didache; eine 
andere Vermutung dariiber von Schniiedel im Literarischen 
Zentralblatt 1897, Nr. 49 beweist gleichfalls sein Alter oder 
das seiner Vorlage. Wir haben noch des Hieronymus lat. Be- 
arbeitung eines Namenlexikons zum griech NT. von Origenes, fur 
welches er den Barnabas wie die andern Schriften exzerpierte, 
und im Catalogus Claromontanus, einer sehr alten Aufzeichnung 
der nt.lichen Schriften, steht er sogar vor a. In spateren Jahr- 
hunderten kam das nicht mehr vor. N ist zugleich die alteste 
Hdschr., welche uns die sogenannten Ammonianisch-Eusebianischen 
Sectiones und Canones erhalten hat. 

Canones. Urn namlich die Evangelien bequem studieren zu 
konnen, hatte der Agypter Ammonius die parallelen Stticke 
von [ih neben M geschrieben, zu diesem Zweck aber die 3 zer- 
reiBen mussen; Eusebius teilte die 4 Evv. in einzelne Abschnitte, 
M in 355, fi 233, A 342, i 232, zusammen also 1162 (Epiphanius, 
Ancorat. 50; andere zahlen fur [i 236, im ganzen also 1165; noch 
andere noch anders), ordnete dann diese Zahlen in 10 Klassen 
(canones), je nachdem sie bei alien 4 (Kl. 1), oder bei 3 (Kl. 
24 Mfjd, Mfa, Mf.ii), oder nur bei 2 (KL 59 MA, Hp, Mi, Ap, 
Ai), oder endlich nur in einem sich fanden (Kl. 10 M, p, A, i), 
schrieb je die betreffenden Klassenzahlen den Abschnittsziffern bei 
und stellte sie am Anfang oder SchluC der Hdschrr. zusammen. 
(Die Gruppen [ifa und fit kommen nicht vor, daher nur 10 statt 



J ) Bei Aufzahlung der neutestamentlichen Schriften bezeichnet e die Evan- 
gelien, p die paulinischen, c die katholischen Briefe. 



TJnzialen: K, Canones und Korrektoren. 65 

der moglichen 12 Kombinationen.) So konnte man bei jedem 
Abschnitt wissen, ob und wo man die Parallele finde. Liest man 
z. B. bei i 15, 20 am Band Q&&:y, d. h. 139:3, so weiB man, 
daB dieser 139. Abschnitt des Johannesevangeliums sich auch noch 
bei M und A findet. TJnter Kanon 3 findet man, daB er bei M 
als Abschnitt 90 = 10, '24, bei A als 58 = 6, 40 steht. Spater 
mirden diese Ziffern am untern Seitenrand der Hdschrr., z. B. 
auch im codex argenteus der TJlfilas'schen Ubersetzung oder 
namentlich bei den Lateinern, wie unsere Parallelstellen gleich am 
Band bei der betreffenden Stelle angebracht; jetzt stehen sie auch 
in meinem griechischen und lateinischen NT. In groBern Ausgaben 
sind sie noch mit abgedruckt, seit unserer Kapitel- und Vers- 
einteilung haben sie ihre Hauptbedeutung naturlich verloren. 

S. tiber die Canones Loyd's monitum in den Oxforder Ab- 
drticken von ,,MiH's" Text (zuerst 1828); Burgon, The last twelve 
verses of ... Mark 1871 ; Wordsworth- White's Ausgabe der lat., 
Pusey-Gwilliam's der syr. Ew; Gr., Textkr. 861, Canon 470. 

Revisionen. Aber nicht bloB eine einzelne Hdschr. vertritt 
uns ein solcher Codex, sondern gleich deren mehrere; zunachst 
diejenige, aus der sein Text fk>B, dann diejenige, nach der er re- 
vidiert wurde. Wenn namlich der Schreiber auf Diktat oder durch 
Kopieren mit seiner Arbeit fertig war, wurde zumal bei kostbaren 
Handschriften dieselbe von einem sogenannten Siogd-to-v^s (Korrektor) 
revidiert, oder geschah dies sogar mehrfach, etwa von einem 
spateren gelehrten Besitzer. Dabei konnte es geschehen, und war 
bei tf wirklich der Fall, daB das Ex., nach welchem er revidiert 
wurde, nicht dasselbe war, das bei der Herstellung als Vorlage 
diente, sondern ein anderes, vielleicht alteres, vielleicht einer ganz 
andern Textgestalt angehoriges. So unterscheidet Ti. bei N nicht 
weniger als 7 Korrektoren, und einer derselben bemerkt, vielleicht 
im 7. Jahrhundert, zwar nicht im ntl., aber im atl. Toil hinter 
Esra: n Es wurde kollationiert nach einem sehr alten Exemplar 
(jtaZaidtaTOv dvvlyQatpov), das von der Hand des h. Martyrers 
Pamphilus kollationiert war" Pamphilus war der Freund des 
Eusebius, daher er Eusebius Pamphili genannt wurde ,,welches 
Exemplar am SchluB seine eigenhandige Unterschrift hatte dahin- 
gehend" : 

,,genommen und korrigiert nach der Hexapla (dem sechsfachen 

Bibelwerk) des Origenes. Antonius verglich: ich Pamphilos 

korrigierte". 

Nestle, ElnTOhrung. 3. Autl. 5 



'66 Pie Materialien der neutestamentlichen Textkritik. 

Ahnlich hinter dem Buch Esther, wo noch hervorgehoben ist, dafi 
hinsichtlich der Eigennamen Varianten sich fanden. Bei den Psalmen 
laBt sich noch heute nachweisen, daC die Bibel des Korrektors mit 
der des Eusebius stimmte, die Vorlage der Hdschr. selber keineswegs. 
Von der Schonheit der Schrift gibt das Faksimile eine Vor- 
stellung ; eine Reihe Gelehrte wollen annehmen, dafi sie im Abend- 
land, vielleicht in Rom, hergestellt worden sei. 

Tischendorf: 1) Notitia editionis 1860. 2) Bibliorum Codex Sinaiticus 
Petropolitanus. Petropoli 1861 fol. Bd. I Proleg. u. Kommentar; Bd. IV NT. 
3) Novum Test. Sinaiticum, Lips. 1863. 4. (Die Anfechtungen der Sinaibibel, 
L. 1863; WaSen der Finsternis wider die Sinaibibel, L. 63.) 4) N. T. Graece ex 
Sinaitico codice omnium antiquissimo, Lips. 1865. Collatio textus graeci editionis 
polyglottae cum Novo Testamento Sinaitico. Appendix editionis Novi Testament! 
polyglottae. Bielefeldiae. Sumptibus Velhagen & Klasing 1894. gr. 8. IV. 96 S. 
(nur das Vorwort von Ti. selbst; bei TiGr. 16 f. nicht erwahnt). F. H. Scri- 
vener, a full collation of the codex Sinaiticus with the received text of the N. T. 
1864, LXXII. 167 S., 8 1867. H. E. H. Hansell, N. T. Gr. Ill (1864) p. 147 bis 
297; 323 8. Ezra Abbot, On the comparative antiquity of the Sinaitic and 
Vatican manuscripts of the Greek Bible in: Journal of the American Oriental 
Society. Vol. X n. 1. 1872. 189 ff. Nach den Ausfiihrungen von Kenyon (Palaeo- 
graphy p. 120) geben die neueren Papyrus-Funde keinen AnlaB, die bisherigen 
Aufstellungen fiber das Alter dieser Pergamenthandschriften aufzugeben. 

G. Hofstede de Groot (Waarheid in Liefde 1866, 132143) ; Tischendorf, Be- 
richtigung (ZwTh 7, 2S. 202210), gegen Hilgenfeld (ebenda 1. S. 74 ff.), mit dessen 
Antwort: Noch ein Wort iiber den codex Sinaiticus (211 219). 

A (02, 64:) d. h. Alexandrinus , 1628 von dem griechi- 
schen Patriarchen Cyrill Lukaris an Karl I. von England geschenkt, 
seit der Grrundung des Britischen Museums 1753 in dessen Biblio- 
thek als Reg. I. D. V VIII., laut einem arabischen Vermerk 1098 
der Bibliothek des Patriarchen von Alexandrien geschenkt, wahr- 
scheinlich auch dort V med oder ex geschrieben, seit Walton (s. 
S. 14) Mr die Textkritik des NT.s verwertet, 1768 von Woide 
(1816 28 auch das AT. von Baber) mit nachgeahmten Holztypen 
herausgegeben, 1879 und 80 das Q-anze durch Autotypie. 

Das NT., von welchem 26 Blatter im Anfang (bis M 25, 6) 
zwei mit i 6, 50 8, 52, 3 mit 2x4, 13 12, 6 fehlen, enthalt nach 
a auch noch den (ersten) Brief des (romischen) Clemens an die 
Korinther und vom sogenannten 2ten (einer alten Predigt) noch 
ein Bruchsttick, und zwar als Teile des NT.s ; denn im Inhalts- 
verzeichnis vor dem ganzen Work werden diese unter der Uber- 
schriit ij Ka.ivr\ dia&ijxij mit den andern aufgefuhrt, dann folgt 
ofiov pijiZia [x], die Zahl ist leider unleserlich, und dann hatten 
laut diesom Verzeichnis noch die sogenannten 18 Psalmen Salomos 



"Unzialen: A, B (02, 03). 67 

kommen sollen, die mit dem Rest der Hdschr. jetzt leider fehlen. 
Yon den altesten Hdschrr. unterscheidet sich A durch die Ver- 
wendung groBer Buchstaben zur Hervorhebung neuer Abschnitte. 
Um aber Raum zu sparen und die Linien nicht sperren zu muss en, 
ist nicht der erste des Abschnittes, sondern jeweilig der auBen am 
Anfang der nachsten Linie stehende etwas hinausgertickt und groB 
geschrieben. Spatere gedankenlose Abschrciber haben dies so 
sklavisch befolgt, daB sie solche Buchstaben mitten in den Zeilen 
groB geschrieben haben. DaB A aus Agypten stammt, beweist die 
Verwendung der koptischen Formen far A und M. Swete nimmt 
an, daB in den poet. Buchern des AT.'s ein eigener Schreiber tatig 
war; der Gebrauch der nomina sacra bestatigt das trotz einiger 
Schwankungen nicht; jedenfalls liegt eine ganz einheitliche Tra- 
dition Tor. (Traube, 1. c.) In einzelnen Btichern zeigt A eine 
merkwnrdige Verwandtschaffc mit Hieronymus gerade an solchen 
Stellen, wo dieser von der alteren lateinischen Ubersetzung ab- 
weicht. Die Reihenfolge der ntl. Schriften ist encpa. 

Woide 1786 (seine Notitia codicis Alexandrini. Becud. cur. notasque adjecit 
G. L. Spohn, Lips. 1788), Cowper 1860, Hansell 1864; photographisch.es Faksimile 
von E. M. Thompson 1879. Da6 A nicht in alien Biichern denselben Textcharakter 
zeigt, fiel schon friihe auf; s. Lagarde, Gesammelte Abhandlungen S. 94. 
C. F. H o o 1 e , the codex Alexandrinus (Oxf. Clar. Press 1891) will ihn der Mitte 
des 4. Jahrh. zuweisen; s. Academy, July 25. 1891. 73ab. Faksimile in 6/7 der 
Originalgrb'Be auch in Stade's Geschichte Israels II, 278. 

B (03, d 1.) Einer der groBten Schatze der vatikanischen 
Bibliothek seit ihrer Grtmdung durch Nikolaus V. ist der codex 
vaticanus graecus 1209, der Codex Vaticanus, wie er unter den 
Theologen schlechthin heiBt. Er enthielt wie A einst das ganze 
griech. AT. (mit Ausnahme der Makkabaerbiicher) ; jetzt fehlen 
vorne 31 Blatter mit G-en 1, 1 46, 28, aus dem Psalter 20 mit 
105 (106), 27137 (138), 6. Das NT. ist vollstandig bis s 9, 14, 
wo es mit xa&a\Qit abbricht. VermiBt wird also 1 u. 2 T, T, <p 
und a; nach einer Vermutung von Rahlfs und Zahn enthielt die 
Hds. ursprtinglich vielleicht auch noch die Didache und den Hirten 
des Hennas. Schon Erasmus bekam einige Kunde von B: iam 
nunc quidam iactitant, se trecenta loca notasse ex codice pontificiae 
bibliothecae in quibus ille consonat cum nostra vulgata aeditione 
Latina, cum mea dissonat. Er weiB dagegen nur eiiizuwenden, 
daB die Vorlage des Ximenes ja auch aus dieser Bibliothek stamme, 
von Leo X. selbst an ihn geschickt worden sei, ut hoc veluti bonae 
fidei exemplar imitaretur. Und des Ximenes Text stimme meist 

5* 



68 Die Materialien dor neivbestamentlichen Textkritik. 

mit seiner Ausgabe uberein, dissentiens ab eo quern nunc quidam 
nobis obiiciunt maiusculis descriptum literis. 1586 hat Papst 
Sixtus V. nach ihr das griech. AT. herausgeben lassen und da- 
mit den textus receptus Mr dasselbe geschaffen; hatte er es doch 
auch ftir das NT. getan! Um dieses bemtihte sich namentlich 
Bentley 1720 und Birch 1780; der Freiburger Professor Hug 
erkannte ihren Wert, als die Hdschr. 1809 von Napoleon aus Rom 
nach Paris entftLhrt war. Kardinal Angelo Mai druckte zwischen 
1828 und 1838 eine vollig ungenugende Ausgabe, die erst 1857 
3 Jahre nach seinem Tode erschien, 1859 verbessert wiederholt 
und dann in Leipzig, (London, New- York), Berlin, Regensburg, 
Dublin, Leiden nachgedruckt wurde. 1868 72 wurde auf Befehl 
Pio nono's der Text nach Tischendorfs Vorgang beim Sinaiticus 
in 5 Folianten gedruckt, denen erst 1881 der unentbehrliche Kom- 
mentar folgte (unter Aufsicht von Vercellone, J. Cozza-Luzi, 
Sergio, H. Fabiani und ihren Helfern U. Ubaldi und A. Eocchi), 
1889 das NT., 1890 das A. (in 3 Banden) als personliches Unter- 
nehmen des vatikanischen Vice-Bibliothekars Cozza Luzi photo- 
graphiert: ein wahres ,,^/Uot; dvd&ijfia", doch nicht ganz ohne Ein- 
greifen der retouchierenden Hand. Nachdem die Ausgabe teil- 
weise durch Brand vernichtet worden war und die photographische 
Kunst noch groBere Fortschritte gemacht hatte, erschien das NT. 
1904 als Band IV der Codices e Vaticanis selecti phototypice 
expressi iussu Pii PP. IX consilio et opera curatorum Bybliothecae 
Vaticanae (in 100 Exemplaren). Eine praefatio iusto volumine 
comprehensa, die intra proximum annum versprochen wurde, ist 
leider noch nicht erschienen. Von der ursprtinglichen Schonheit 
gibt kein Faksimile mehr eine Vorstellung, da eine Hand des X. 
oder XI. nach den romischen Herausgebern ein Monch Clemens 
im XV. , weil die Tinte abgeblafit war, das ganze Werk Buch- 
stabe ftir Buchstabe mit neuer Tinte uberzog, bei dieser Gelegen- 
heit Akzente und Spiritus nach der Aussprache seiner Zeit bei- 
ftigend (z. B. dfiajja, aber &A<bnriJ;; 6e\ [leTavoslv, aber xai;aaxr]div). 
Am AT. arbeiteten wenigstens zwei Schreiber, der eine bis 
1 Sam. 9, 11, der zweite bis zum SchluB des zweiten Esra. Tischen- 
dorfs Annahme fiber den Schreiber des NT.s ist schon erwahnt. 
Keine Frage, daB B ptinktlicher geschrieben ist als N 1 ). Die Evv. 

') Es sind 4 oder wahrscheinlicher 3 Schreiber zu unterscheiden : B J = Gen. 
1 Reg. 9, 11 ; nach Tischendorf ist diese Hand = tf D ; B 2 = 1 Eeg. 19, 11 
Ps. 77, 71 u. B 4 = Matth. 9,5ff j_B 3 = Ps. 77, 12 Mattfa. 9,5. (Traube, NS 662). 
Ebenda S. 89. 8 Der Vokativ 9E war allgemein gelauflg. Vaticanus B * u. B 3 



Unzialen: B (03). 69 



haben eine eigene Einteilung in 170. 62. 152. 80 Abschnitte, die 
sich ebenso in E (S. 81) findet, n eine doppelte in 36 und 69, 
die paulinischen Briefe stammen, wie die beibehaltenen Sektionen- 
zahlen zeigen, aus einer Vorlage, in der e einst hinter y stand, 
wahrend er in B hinter 2 & versetzt wurde. In einom Teil des 
AT.s hat der Schreiber von B auch die Sticlienzahlen seiner Vor- 
lage erhalten. Reihenfolge ejrcp. Doppelt interessant wtirde die 
Handschrift, wenn die Vermutung richtig ware, daB sie uns die 
Rezension des agyptischen Bischofs iind Marty rers Hesy chins ver- 
trete, von der Hieronymus zweimal spricht. (Bousset, Text- 
kritische Studien zum NT., S. 74110; bes. S. 96.) 

1810 Hug, Commentatio de antiquitate codicis Vatican!. 1859 C. Ver- 
c el lone, Dell' antichissimo codice Vaticano della Bibbia Greca (wiederholt in 
seinen Dissertazioni accademiche, Roma 1864, 115ff.). 

Erster Fasimiledruck : Bibliorum sacrorum Graecus codex Vaticanus . . . collatis 
studiis Caroli Vercellone et Joseplii Cozza editus. Vol. V. Bom, 1868. Vol. VI 
(Proleg. Comm. Tab.) ed. Henr. Pabiani & Jos. Cozza 1881; vgl. ThLz. 1882, 
69. A. Giovannini, della Illustrazione dell' edizione Bomana del Codice Va- 
ticano (Bom 1869). Photographic: 

H vea (Jta^x^. Novum Testamentum e codice Vaticano 1209 . . . photo- 
typice repraesentatum . . . curante Jos. Cozza-Luzi, Bom. 1889. fol. ; s. H. C. H o s - 
kier, The Expositor. 1889. Vol. X. 457 ff. ;. 0. v. Gebhardt ThLz. 1890, 16; 
Nestle, Sst. 2, 16 ff. Bibliorum SS. Graecorum Codex Vaticanus 1209 (Cod. B) 
denuo phototypice expressus iussu et cura praesidum Bybliothecae Vaticanae. Pars 
altera. Testamentum Novum. Mediolani, Apud Ulricum Hoepli 1904. Alfred 
B a h 1 f s , Alter und Heimat der vatikanischen Bibelhandschrift (Nachrichten der 
K. Gesellschaft der Wissenschaften zu Gottingen Philologisch-historische Klasse 1899. 
Heft 1 S. 72 79). Bahlfs sucht in dieser Arbeit nachzuweisen, daB Zahl und 
Beihenfolge der alt- und neut.lichen Biicher in B genau dem Bibelkanon entspricht, 
welchen Athanasius in seinem 39. Festbriefe vom Jahr 367 aufstellte. (Uber das 
Fehlen der Makkabaerbiicher in B s. Bahlfs auch in ZatW 28 (1908) S. 63 f.) Im 
NT. ist s. o. i ausdriicklich zwischen die Gemeinde- und Pastoralbriefe ge- 
stellt, wie es der syrische und griechische Text des Festbriefs anweist, wahrend 
der sahidische (von C. Schmidt in den ^Nachrichten" derselben Gesellschaft vom 
Jahr 1898 S. 167 ff. veroffentlichte und fur urspriinglich gehaltene) Text des Fest- 
briefes e vor y hat, offenbar auf Grund einer vorathanasianischen Ordnung, welche 
sich in der sahidischen Ubersetzung noch langer erhalten hat. Ist nun aber B von 
Athanasius abhangig, so kann er urn so weniger eins der 50 von Konstantin be- 
stellten Bibelexemplare sein, wird seine Heimat in Agypten haben und dann eben 
die Bezension des Hesychus vertreten, wie fur das AT. schon Grabe, fur das NT. 



Sinaiticus D * u. D 3 . . . Urn so auffalliger ist es daher und fur den von Tischen- 
dorf angenommenen Zusammenhang zwischen Vaticanus u. Sinaiticus besonders 
charakteristisch, daB Vatic. B' 1 und Sinaitic. D ' die kontrahierte Form meiden und 
nur &ee anerkennen." Die obige Bemerkung liber die Identitat init NDist also zu 
B 4 , nicht zu B ' zu setzen. 



70 Die Materialien der neutestamentlichen Textkritik. 

schon Hug annahm ; eher kb'nnte er zu den itvxtla x&v &et<ov ypacp&v gehort haben, 
bzw. sie gewesen sein, die Athanasius fiir Konstans besorgte; weiteres im dritten 
Kapitel. Bei der mafigebenden Bedeutung, welche B fiir die nt.liche Textkritik im 
19. Jahrh. gewounen hat, ist genaue Kenntnis der Hds. doppelt notig. Im 5. Vers 
des Judasbriefes lassen z. B. alle neuen Herausgeber (Lachmann, Reithmayr, Tischen- 
dorf, Tregelles, Alford, Wordsworth, Riggenbach-Stockmeyer, Westcott-Hort, die 
englischen Revisers, Baljon, Brandscheid) mit alleiniger Ausnahme von B. WeiB ein 
frtiher zwischen giSdvag und dnag stehendes *^tds weg, weil es in B fehle. Aber 
es steht ganz schon und deutlich in der Handschrift und seit 1857 auch in Mais 
Ausgabe und all ihren Nachdrucken, bei Hansell, in Tischendorfs NT. Vaticanum 
1867, und trotzdem wird im Apparat des NT.'s, sogar bei Tregelles, seit 1752 Wett- 
steins falsche Angabe nachgeschleppt, dafi B vpag auslasse, und beeinflufit seither 
die Gestaltung des Textes ; woher sie stammt, habe ich noch nicht herausgefunden. 

C (04, 6 3) der wichtigste der Palimpseste, codex Ephraemi 
rescriptus, 9 der Pariser Nationalbibliothek, so genannt, weil 
nber die alten Teile im 12. Jahrh. 38 Abhandlungen des syrischen 
Kirchenlehrers Ephraem (f 373) geschrieben warden, einst auch 
die ganze Bibel .umfassend; nach verschiedenen i'riiheren Ent- 
zifferungsversuchen, z. B. durch Wettstein, gab 1843 und 45 
Tischendorf heraus, was er in anderthalbjahriger Arbeit vom N. 
und AT. noch lesen konnte, seinen B/uf als Textkritiker damit be- 
grtindend. 2 i und 2 & sind ganz verloren, ebenso etwa 37 Kapitel 
der Evangelien, 10 von n, 42 der Briefe, 8 von a. Koine Spur 
von Einteilung in rc, Briefen und a, letztere, wie es scheint, aus 
einer Vorlage von etwa 120 ganz kleinen Blattern kopiert, in 
welcher aus Versehen eines versetzt war. Der erste Korrektor, 
wahrscheinlich im VI. von Wichtigkeit, C selbst aus V., ob in 
Agypten J )? 

Tischendorf, ThSt. & Kr. 1841, 126 ff. ; ediert 1843 (AT. 1845). La- 
garde, Gesammelte Abhandlungen S. 94. Schmerzlich ist, dafi nach P. Martin, 
description technique des Manuscrits grecs relatifs au Nouveau Testament con- 
serve's dans les Bibliotheques de Paris (Paris 1884 p. 4) dasjenige Blatt (des AT.s) 
heute fehlt, von dem Tischendorf das Paksimile gab. A. Jacob, notes sur les 
mss grecs palimpsestes de la Bibliotheque nationale in : Melanges Julien Havet 759 
bis 770. 

Dies ist, was von den vier groCen, einst die ganze Bibel um- 
fassenden Handschriften auf uns gekommen isi, die sich heutzutage 
auf die Hauptsitze der griechisch-katholischen (Petersburg), romisch- 
katholischen (Bom-Paris) und englischen Kirche (London) verteilen. 

) Tischendorf unterscheidet vielleicht mit Recht 2 Schreiber (1. AT., 2. NT.) ; 
sie haben aber ganz gleiche Ubung (hinsichtlich der abgekiirzten Namen) ; vielleicht 
ist noch eine 3. Hand fur die Akte Ap. anzugetzen, wo einige eeltene Formen vor- 
kommen. (Traube.) 



Unzialen: C, P (04, 05). 71 

Deutschland hat einen Hauptteil an ihrer gelehrten Durchforschung. 
Die altesten Hdschr. sind bequem zusammengestellt in: Novum 
Testamentum Graece: antiquissimorum codicum textus in ordine pa- 
rallelo dispositi: accedit collatio codicis Sinaitici, ed. Ed. H. Hansell 
(Oxonii, e typographeo Clarendoniano 1864. 3 Bde.; jetzt imPreis 
sehr herabgesetzt). Leider wurde versaumt, Seiten und Kolumnen 
(am Ende auch Linien) der Hdschrr., und deren Abknrzungen zu 
bezeichnen. Uber die Bedeutung dieser Abktirzungen s. meine 
Sst I, 10. 19. II, 16 und jetzt Traube S. 54: B Es war im all- 
gemeinen meine Absicht, die einzelnen Schreiber, die an einer 
Handschrift tatig waren, nach der Art Tischendorfs u. Omonts zu 
unterscheiden. Trotz des Beistandes meiner Freunde Gladder und 
Marc bin ich aber darin nicht recht weit gekommen. Es gehen 
unsere Unterscheidungen, denen die Faksimile und nicht die 
Originalo zugrunde gelegt werden mufiten, vielleicht zu sehr ge- 
rade yon dem Unterschied im Gebrauch der Nomina sacra aus, 
wahrend es an sich moglich ist, daC ein und derselbe Schreiber, 
von seiner jeweiligen Vorlage abhangig, hierbei ganz verschiedenen 
Gesetzen folgte." Um so wichtiger werden sie aber dadurch nach 
anderer Seite. 

D ea (05, <5 5) Codex Bezae Cantabrigiensis. An Alter, 
TJmfang, Beachtung den bisherigen nachstehend, an Bedeutung 
vielleicht alien voranstehend, weil einzigartig, 1545 vom Bischof 
von Clermont auf das Konzil von Trient mitgenommen, 1581 von 
dem oben genannten Freunde Calvins der Universitat Cambridge 
geschenkt, ,,ut inter vere Christianas antiquissimae plurimisque 
nominibus celeb errimae", als Nr. 2. 41 bezeichnet, stammt erst aus 
VI in (nach Burkitt: V), ist aber schon als alteste der griechisch- 
lateinischen Bibelhandschriften von besonderer Wichtigkeit. Heute 
enthalt sie noch mit einzelnen Lticken die Evv. in der Reihe 
Mt/l/t, vom lat. Text von 3 i die Sehlufiverse, denen sich un- 
mittelbar n anreiht, so daB t in dieser Handschr. einst anderswo 
stand oder ganz fehlte. Mindestens 9 spatere Hande lassen sich 
unterscheiden; der erste Schreiber, dem das Lateinische gelaufiger 
war als das Griechische, daher er hie und da mitten in griechische 
Worte lateinische Buchstaben hineinbringt, z. B. ATT6CTALK6N 
(122 b 4), brauchte oft den Schwamm zum Auswaschen seiner 
Fehler wahrend des Schreibens. An unendlich vielen Stellen 
weicht sein Text namentlich in /I und n von alien bis jetzt be- 
kannten griechischen Hdschrr. in der auffallendsten Weise ab. 
Nach ^ 6, 4 hat z. B. er allein die Geschichte von dem, der am, 



72 Die Materialien der neutestamentlichen Textkritik. 

Sabbat auf dem Felde arbeitet und von Jesu die Antwort bekam: 
Mensch, wenn du weiBt was du tust, bist du selig, wenn du es 
aber nicht weiBt, bist du vernucht und ein Ubertreter des Ge- 
setzes ; 11, 2 er allein : wenn ihr betet, sollt ihr nicht plappern wie 
die Aoinoi; h 23, 53 er mit alleinigem Beitritt einer lateinischen 
Hdschr. und der sahidischen "Dbersetzung, daC der Stein vor Jesu 
Grab so grofi war dv f^dyig eixoai xi>Aiov, quern vix viginti vol- 
vebant; er allein n 12, 10, daC es vom Gefangnis in Jerusalem 
7 Stufen hinabging (xaiifir}aav rot>g &ma /tartytotfg) u. s. w. Tiber 
die Losung dieses B>atsels in Kap. III. Sein lateinischer Text d 
ist nicht unmittelbar erst aus seinem griechischen Text ubersetzt, 
sondern schon aus dessen Vorlage. Da die Hdschr. im Kloster 
des Irenaus in Lyon gefunden wurde und mit den Bibelcitaten 
des Irenaus (f c. 220) selbst bis auf Schreibfehler hinaus iiber- 
einstimmt, wird der griechische Text auf dessen Exemplar zuruck- 
gehen. Das Griechische nimmt die linke Seite des geoffneten 
Bandes ein, die Ehrenstellung. 

Faksimile-Ausgabe von Kipling 1793; genauer mit gewohnlichen Typen 
und wertvoller Einleitung von Scrivener 1864 (jetzt im Preise herabgesetzt) ; 
danach Kollation von Nestle (Supplementum, s. S. 29, 1896); Faksimile 1899 in 
2 Banden (s. Kenyon in JThSt. I, 293/9) ; D. Jo. Sal. Semleri Paraphrasis Evangelii 
Johannis cum Notis et Cantabrigiensis codicis Latino Textu (Halae 1771. 72. II, 
348: ,,Quando tandem istud alviypa, quod ille codex nobis adeo pertinaciter opponit, 
explicabitur a quodam Oedipo!"); Abhandlungen : Primitive New Testament, 
containing the Four Gospels, with the Acts of the Apostles, Fourteen Epistles of 
Paul, Seven Catholick Epistles, and the Revelation of John, translated by Rev. 
W. Whiston; 8vo. Stamford and London, 1745. This copy includes the rare extra 
sheet at the end, containing a Harmony of the Resurrection of Jesus Christ. 
Whiston believed the Codex Bezae was Avritten early in the second century, and 
gives a translation of it (with the defects supplied from other manuscripts) in 
order to make known what he considered to be the pure text of'the New Testament. 
Dav. Schulz 1727 Disputatio de codice D; K. A. Credner, Beitrage zur Ein- 
leitung Bd. I. 1832. 452518. J. R. Harris, Codex Bezae. A study of the so 
called Western text of the N. T. (Texts and Studies Vol. II.) Cambr. 1891 ; Two 
important Glosses in the Codex Bezae (Expos., Nov. 06, 394400 [n 4, 24; 
5, 39]); a Curious Bezan Reading vindicated (ib. March. 02, 189195 [n 13, 8]); 
The Annotators of the Codex Bezae (with some Notes on Sortes Sanctorum), London 
1901; F. H. Chase, The Old Syriac Element in the text of Codex Bezae, London 1893 ; 
ders., The Syro-Latin text of the Gospels, Lond. 1895. E. Nestle, Some Observations 
on the Codex Bezae (The Expositor V, 2 1895, 235) ; H. T r a b a u d , Un curieux manu- 
scrit duN. T. (Revue de theologie et de philosophic, Lausanne 1896, 378); Fr. BlaB, 

1) Die zwiefache Textuberliefernng in der Apostelgeschichte (ThStKr. 1894, 86 ff); 

2) Acta Apostolorum sive Lucae ad Theophilum liber alter. Editio philologica. Gottingen, 
Vandenhoeck & Ruprecht 1895 ; 3) Acta Apostolorum . . . Secundum formam quae 
videtur Romanam, Lipsiae, Teubner 1896; 4) tiber die verschiedenen Textformen 



Unzialen: D (05, 06). 73 



in den Schriften des Lukas (Neue Kirchliche Zeitschrift 1895, 712) ; 5) de duplici 
forma Actorum Lucae (Hermathena, Dublin 1895, 121) ; 6) de variis f ormis evangelii 
Lucani (ebenda 1896, 291) ; 7) Neue Texteszeugen Mr die Apostelgeschichte (ThStKr. 
1896, 436) ; 8) Evangelium secundum Lucam sive Lucae ad Theophilum liber prior. 
Secundum f ormam quae videtur Romanam. Lipsiae, Teubner 1897 ; 9) ThStKr. 1900 ; 
vgl. Exp. Times 7, 241 245. Bernh. Weifi , Der Codex D in der Apostelgeschichte. 
Textkritische TJntersuclmng (Leizig, Hinrichs 1897 = Texte und Untersuchungen. 
Neue Folge. Zweiter Band, Heft I). F. Graefe, Der Codex Bezae und das Lukas- 
evangelium (ThStKr. 1898, 1. 116140). F. C. Burkitt, The Date of Codex 
Bezae (JThSt 3, 502513) ; Chapman, The original contents of Codex Bezae 
(Expos., July 08, 46 53) ; the Order of the Gospels in the Parent of Codex Bezae 
(ZntW 6, 4). On the Italian Origin of Codex Bezae 1) Codex Bezae and Codex 
1071 by K. L a k e ; 2) the Marginal Notes of Lessons by F. E. Brightman 
(JThSt. 1, 441445; 446454). J. de Zwaan, Beza's advies omtrait codex D 
(Th. Tijdschr. 1908, 2. 166170). 

DP (06; a 1026) Codex Claromontamis, auf der Pariser Na- 
tionalbibliothek gr. 107, VI, griechisch-lateinisch, wie D ea einst im 
Besitz von Beza, xind offenbar ursprunglich. damit zusammengehorig, 
1707 von Job. Aimont urn 35 Blatter bestohlen, die 1720 und 
1729 von den Kaufern zurtickgegeben wurden, 1852 von Tischendorf 
herausgegeben (Codex Claromontanus sive Epistolae Pauli omnes 
Gr. et Lat. ex cod. Paris, celeberrimo nomine Claromontano ple- 
rumque dicto. Lipsiae, Brockhaus. 4 XL. 599. Cum 2 tabulis; 
Selbstanzeige Leipz. Report. 1853. 12, 129). Griechisch fehlt Q 
1, 17. 2730; 1 x 14, 1322. Wenigstens 9 Hande wurden 
unterschieden, von denen eine im IX. oder X. an mehr als 2000 Stellen 
den Text korrigierte. Zwei Blatter sind ein Palimpsest des 
Euripides. Vor I, der offenbar aus einer anderen Vorlage erst 
nachtraglich beigefiigt wurde, stehen versus scribturarum sanctarum, 
d. h. eines der altesten stioh.ometrisch.en Verzeichnisse der biblischen 
Schriften, auf eine alte griechische Vorlage zuruckgehend. 

Lit.: Mercati, G., Per la storia esterna dei codici Marchaliano e Claro- 
montano (Eev. Bibl. 01, 4, 580583). tiber den ,Catologus Claromontanus " 
Zahn, GK. 2 157172. 1012; Jiilicher, Einleitung 40; Preuschen Analecta 
(in G. Kruger's Sammlung 8. Heft) S. 142144; Faksim. in Pal. Soc. I, 62, 63; 
Omont, Grec. MSS. V. 

Nur eine Abschrift von Dp ist die frtiher E 3 (a 1027) genannte 
griech.-lat. Handschrift des IX. in Petersburg (Muralt 20), die 
wahrend der Eevolution von St. Germain de Pres wegkam. In 
1x15 hatte D fieia xavta toic, e^dexa, ein Korrektor anderte es 
zu eiia TOig dwdexa, E kopiert [isra xavEixa toic, dwevdexa. Nur 
als Ersatz des in D jetzt fehlenden wertvoll. 



74 Die Materialien der neutestamentliclien Textkritik. 



Als einer im 11. Jahrhundert gefertigten genaueren Abschrift 
von D zugehorig erwiesen sich auch die griech.-lat. Bruchstticke 
des Epheserbriefes, welche Yiktor Schultze als Umschlag einer 
jjSchutzenordnung" des 17. Jahrhunderts im Stadtarchiv von 
Mengeringhausen (Waldeck) auffand. 

Lit: Schultze, Victor, Codex Waldeccensis (D 10 Paul). Unbekannte Prag- 
mentc einer griechisch-lateinischen Bibelhandschrift. Miinchen, Beck 1904. 23 
S. 4; s. v. Dobschiitz (ThLz. 04, 4); Gregory (LZbl. 04, 14). 

Als Belege wie man noch im IX u. XI. im Abendland grie- 
chisch-lateinische Handschriften kopierte, sind diese textkritisch 
wertlosen Handschriften wertvoll, und eine htibsclie Beleuchtung 
dessen, was Ekkehard IY in den Casus S. Galli c. 3 schreibt 
(Mon. Germ. fol. Scr. II, p. 101; auch in Migne, P. L. 131, 889 
aus Mabillon AS. Ord. Bened. VII, 12): 

Epistolas canonicas grecas a Liufrwardo Vercellensi episcopo 
petitas multis sudoribus ille exemplaverat. Et ecce Sindolfus, magnus 
iam et praepotens in loco, ut diximus, codicem ilium delicate 
scriptum casu incurrens furatus est, et singulas quaternionum, 
sicut hodie videre est cultro excisas discerpsit atque depravavit, et 
iterum complicatas in locum, ubi eas fuerat furatus reposuit . . . 
arus sponte . . . velut haec miraculis factam, ne maturitas tanti 
viri unquam liuic assenserit levitati. 

E e (07, e 55) (VII), VIII, von Kardinal Johann von Ragusio, 
der vom Easier Konzil 1431 zu den Griechen gesandt wurde, her- 
ausgebracht, jetzt als A. N. Ill 12 auf der Easier Universitats- 
bibliotliek; fehlt /I 3, 415. 24, 4753; schon von MiH, Bengel, 
Wettstein benutzt. 

E a (08, a 1001) VI ex, in Oxford, Laudianus 35, lateinisch- 
griechiscli; das Lateinische am Ehrenplatz links; von n 26, 29 an 
fehlend. Einst in Sardinien; vielleicht von Theodor von Tarsus (668) 
nach England gebracht; von Be da Venerabilis (f 735) schon bei 
seiner ersten (expositio) und bei seiner zweiten (retractatio) Be- 
arbeitung der Apostelgeschichte gebraucht, von Erzbischof Laud 
von Canterbury mit vielen anderen Handschriften der Universitat 
geschenkt, von Fell und Mill (* 1645) verglichen, mit einem ganz 
eigentumlichen an D erinnernden Text. 

Faksimile Pal. S. I, 80; Ausgaben: Hearne 1715; Hansell II 1864; Tischen- 
dorf, Monumenta sacra inedita IX. 1870; Schmiedel (B. B. 51); Nestle, Phi- 
lologica sacra. 

F e (09, e 86) IX, Boreelianus, einst einem Hollander Johann 
Boreel (f 1629) gehorig, seit 1830 in Utrecht, mit manohen Lucken, 



Unzialen: E G (07012). 75 



die zum Teil erst seit Wettsteins Kollation von 1730 entstanden; 
moglicherweise im Abendland (Sudgallien, Schweiz, Italien) ge- 
sohrieben. 

Vinke, Jodoci Haringa El. fll. . . . disputatio de codice Boreeliano. Utrecht 
1843. 4. J. J. Doedes, lets over den codex Kheno-Trajectinus vroeger Boreelianus 
(Jaarboeken voor wetenschappelijke Theologie II, 1845). 

F p (010, a 1029) IX, Augiensis d. h. von Augia maior, der 
Reichenau, jetzt in Cambridge, Trinity College B. 17. 1., 1718 von 
Bentley um 250 hollandische Gulden gekauft, griechisch-lateinisch; 
e nur lateinisch, sonst fehlt Q 1, 1 3, 19; 1 x 3, 8 16 6, 7 14, 
x 2, 1 8; q> 21 25. In 1 x 7, 4 steht fiber e^ovosia^ei (vielleiclit 
von erster Hand) uualtit; demnach konnte der Schreiber ein 
Deutscher gewesen sein; vgl. Ekkehard bei D. 

Tischendorf, Anecdota Sacra et Prof ana, 1855, 209216; Pal. S. 1, 80. 
F. H. A. Scrivener, An exact transcript of the codex Augiensis ... to which 
is added a full collation of Fifty Manuscripts containing various portions of the 
Greek New Testament .... with a Critical Introduction Cambridge 1859. LXXX. 
563 p. F. Zimmer, der Codex Augiensis eine Abschrift des Boernerianus 
(ZwTh. 1887, 7691); Will Benj Smith, The Pauline Manuscripts F and G: A 
Text-Critical Study (AJTh 7, 1903, 452485. 662688). 

G e (Oil, E 87) X, Seideliamis, im Britischen Museum als 
Harleianus 5684, mit 1 / z Blatt im Trinity College, Cambridge 
(B. 17, 20) von A. E. S e i d e 1 nach Deutschland gebracht, nach 
dessen Tod 1718 von dem Berliner Bibliothekar La Croze gekauft 
und dem Hamburger Pfarrer J. Chr. Wolf geschenkt, der 1721 
das halbe Blatt wegschnitt, um es an Bentley zu schicken. 

Wolf, Anecdota Graeca, Hamburg 1723. 111,4892; Scrivener 4 PI. XI, 
Nr. 29. 

GP (012, a 1028) IX, Boernerianus, nach dem Leipziger Prof. 
Chr. Fr. Borner, der ihn 1705 kaufte, nachdem er frtiher Paul 
Junius in Leiden gehort hatte, bei dem inn Gronovius verglich, 
jetzt in Dresden (A 145 b), griechisch-lateinisch (interlinear); offenbar 
der zweite Teil von A, nachstverwandt mit FP, aber wie? Nach 
Zimmer (s. zu FP) und Hort ist F aus G abgeschrieben, nach 
W. B. Smith gehen beide auf dieselbe Vorlage zuriick. Fur die 
Sprachunkenntnis der Zeit bezeichnend ist y 4, 3 iftie&a de dov- 
A&ftevoi eramus a u t e m servientes ; 2 T 2, 17 <wg yayyqa iva vofirjv 
ejjsi sicut cancer ut serpat, fur die alte Heimat der Handschrift 
einige irische Verse (am Eand von Bl. 23) tiber die Gefahren einer 
Eompilgerschaft (Nach Bom zu gehen, Yiel Mtihe, "Wenig Gewinn 
u. s. w.), die man dem Schotten-Bischof Marcus oder seinem Neffen 



76 Die Materialien der neutestamentlichen Textkritik. 

Moengal in St. Gallon zuschreiben rnochte (Scrivener I, 180). 
Hinter y stelit noch die Uberschrift HQOC, Aaovdaxtjoag 
], ohne daC dieser Brief oder auch I folgen wurde. 



Chr. Fr. Matthaei, XIII epistolarum Pauli codex Graeous cum versione 
latina veteri vulgo Antehieronymiana olim Boernerianus nunc bibliothecae electoralis 
Dresdensis. Meifien 1791. 40; ein Faksimile auch in desselben Ev. sec. Matt. Gr. 
et. Lat., Riga 1788. 

Petrus C o r s s e n , Epistularum Paulinarum codices graece et latine scriptos 
Augiensem, Boernerianum, Claromontanum examinavit, inter se comparavit, ad 
communem originem revocavit. Jever. (Gymnasialprogramm) I. 1887. II. 1889. 
Zimmer (ThLz 90, 3 Sp. 5962). Franz Delitzsch (ZflThK 1864, 217223); 
H. Ronsch (ZwTh 1866, 281292; 1882, 488509; 1883, 7399; 309344). 

H e (013, E 88) IX, Seidelianus II, hat dieselbe G-eschichte 
wie G e , ein Blatt in Cambridge (Trinity College B 17, 20), das 
tibrige auf der Hamburger Stadtbibliothek (91), wo 1838 der 
Bibliothekar Christian Peterson eine Beschreibung seines Vor- 
gangers A. A. H. Lichtenstein (1794 98) auffand. 

Petersen, Geschichte der Hamburger Stadtbibliothek. Hamburg 1828, 
S. 225229; Faksimile bei Scrivener * pi. XII Nr. 31. 

H a (014, a 6) IX, Modena, Este-Bibliothek (196), II G- 3; 
n mit einzelnen Lucken; zusammengebunden damit ist 2125. 

HP (015, a 1022) VI, Euthalianus; eine der. wertvollsten 
Handschriften der paulinischen Briefe, wenn sie vollstandig ware, 
aber schon (975 und) 1218 auf dem Athos zum Buchereinbinden 
verwendet; gerettet sind davon 41 Blatter, die an 6 Orten in 
7 verschiedenen Bibliotheken zerstreut sind, auf dem Athos (8 Blatter) 
in Kiew 3, in Moskau 3 (Museum B/umianzew und heilige Synode), 
Paris 22, Petersburg 3, Turin 2. Sogar von einigen nicht mehr 
vorhandenen Blattern wurde der Inhalt durch Spiegelschrift als 
Abdruck auf der gegentiberliegenden Seite entziffert. Der Wort 
der Handschrift ergibt sich aiis der Unterschrift : Ich Euthalius? 
(oder Euagrius ? der Name ist nicht sicher zu lesen), habe diesen 
Band des Paulus zum verstandigen Lesen so genau als moglich 
nach Sinnzeilen (OTEL^QOV) geschrieben; in der Bibliothek zu 
Casarea ist er mit dem von der Hand des h. Pamphilus geschriebenen 
Exemplar verglichen worden." Falls diese Unterschrift auch nur 
aus der Vorlage von H hernbergenommen sein sollte, wie sie ahn- 
lich in die Kursiven 88, 307, 635 iiberging, so hilft sie doch den 
Text dieser Handschrift zu lokalisieren, und sie ist fur tins ein 
Hauptzeuge der sogenannten Euthalianischen Bezension von ap. 



TJnzialen: H M (013021). 77 

Zur Auf findung uud Verb'ff entlichung der Handschrif t vgl.Montfaucon, 
Bibliotheca Goisliniana, Paris 1715 S. 253 ff; Matthaei, Pauli epp. ad 
Hebr. et Col., Eiga 1784, 58; L. Duchesne (Archives des missions scienti- 
fiques et litt<5raires, 3 set., T. Ill, Paris 1876, 420429); Peyron (Atti 
della R. Accademia delle scienze di Torino XV, 4, 1879, p. 493498); 
H. m o n t (Notices et Extraits des manuscripts de la Bibliotheque Nationale, 
33, Paris 1890, 141192) ; J. Armitage Robinson, Euthaliana (Texts and 
Studies III, 3 Cambridge 1895, 4871) ; K. Lake, Facsimiles of the 
Athos fragments of Codex H of the Pauline Epistles. Photographed ' and 
deciphered. Oxford, 1905. 4 4 p. 16 pi. 

"Was es mit der durch diese Hands chrift vertretenen Eutha- 
lisclien Rezension auf sich hat, wird spater zur Sprache kommen. 

I (016, nocli nicht bei v. S) V, in Detroit, die vierte der von 
Charles Freer 1907 aus dem Schenute-Kloster von Atripe bei 
Akhmim erworbenen Handschrif ten, Bruchstftcke aller paulinischen 
Briefe aufier Q und , 83 Bl. 

s. C. R. Gregory, Das Freer-Logion, Leipzig 1908, wo S. 23 Fak- 
simile; A. Sanders (A. J. Arch. II. Serie XII, 1 S. 4955). 

Frtiher warden unter I Bruchstticke von 8 verschiedenen 
Handschriffcen zusammenget'aBt, jetzt 065 68, 781, 88, 96 f. 

K e (017, e 71) Cyprius, IX med, in Paris G-r. 63, 1693 aus 
Cypern fur Colbert gekauft, eine der 6 7 Unzialen, welche die 
Evv. vollstandig enthalten (neben K BMST1Q). 

Vgl. W. Bousset, Die Gruppe K77 (M) in den Evangelien (TU 11, 4, 
1894, 111135) ; Faks. s. Scr. * pi. VII, 19. 

K a P (018, A*9* u. I 1 ) IX, Moskau (Synode 93, frtther 98), vom 
Dionysiuskloster auf dem Athos. 

Faksimile bei Matthaei vor Epp. cath. 1782. 

L e (019, e 56) VIII, in Paris gr. 62; es fehlen nur M4 22 5 U ; 
28 17 - 20 ; ft 10 16 - 30 15 2 - 20 ; i 21 15 - 25 . Wichtig wegen des doppelten 
Schlusses zu (i, der bis jetzt nur noch in 3 Unzialon und einer 
Minuskel gefunden wurde. 

Tischendorf, Monumenta sacra inedita, 1846, 57 399 ; Faksimile 
des ^-Schlusses auch bei Scr. -1 pi. IX, 21. 

L a P (020, a 5) IX ex, Bom, Angelica Bibliothek 39 (fruher 
A. 2. 15), von n 8 10 1 13 10 . 

Nachbildungen in Montfaucon Palaeographia graeca 1708, und 
Bianchini Evangeliarium quadruplex. 

M (021, e 72) IX, Campianus, in Paris gr. 48, am 1. Jan. 1706 
von Abbe Fra^ois de Camps an Ludwig XIV. geschenkt, die 



78 Die Materialien der neutestamentlichen Textkritik. _ 

Evangelien vollstandig, eine der altesten Hands chrif ten, auBer D, 
mit i 1, 53 ff. 

Nachbildungen bei Montfaucon; Bianchini; Silvestre, Pale"ographie 
universelle 1841, 2 ; nr 76 ; Scr. pi. XII Nr. 32 ; MP = 0121. 

N (022, e 19) VI ex, Purpureus, eine der prachtvollsten 
Handschriften, Silberschrift auf Purpur, die lieiligen Namen in 
Gold, 182 Bl. neuerdings nach Petersburg gekommen, vorher 53 
in Patmos, 6 in Rom, 4 in London, 2 in Wien. 

Nachbildung der Wiener Blatter bei W. Hartel und Frz. Wickhoff, die 
Wiener Genesis, Wien 1895, Taf. 4952 ; bei Tischendorf, Mon. 1846, Taf. 2 ; 
Duchesne (Archives des missions scient. s6r. Ill, Tome 3, 1876, 386419); 
Cronin (TSt. V, 4. 1899: Codex Putpureus Petropolitanus. The Text of 
codex N of the Gospels edited with an Introduction and Appendix); dazu 
Hilgenfeld (ZwTh 42, 4); E. Nestle (ebenda 6213) ; v. Dobschutz (ThLz 00, 6) ; 
eine russische Abhandlung von Glubokowsky ist ThLz 01 Sp. 571 zitiert. 



N2 = 0,80, NP = 0,122. 

(023, ff 21, frtiher n) VI, Paris, suppl. gr. 1286 und 1 BL 
in Mariupolis am Asowschen Meer; Bruchstncke einer Purpurhand- 
schrift mit Q-oldschrift und Bildern aus M. 

H. m o n t , Un tres ancien manuscrit grec de 1'Bvangile selon S. Mat- 
thieu, r^cemment acquis pour la Bibliotheque nationale (Comptes Rendus des 
Sconces de 1'Acad. des Inscr. et Belles Lettres. Mars-Avril 1900. p. 215) ; ders. 
(Notices et Extraits, T. XXXVI; auch sep. Paris, Klinksiek 1901); ders. (Jour- 
nal des Savants Mai 1900 und Avr. 1901, Un nouveau feuillet de Codex 
Sinopensis de 1'Evangile de S. Matthieu); H. S. Cronin, Codex Chryso- 
purpureus Synopensis (JthSt II, 590 bis 600); v. Dobschutz (LZbl. 09, 
24 Sp. 1028); Harnack (ThLz 00, 14); Preuschen (ZntW 02, 253/6). 

Oe von friiher = 050, Oa-h Lesebiicher = 1 13451352, OP = 081, 
Ob = 082. 

P e (024, E 33) VI, ein Palimpsest in Wolfenbtittel (WeiCen- 
burg 69), wie es scheint aus Bobbio, dann in WeiBenburg, Mainz 
und Prag, 1689 vom Herzog von Braunschweig gekauft. AuCer 
dieser Handschrift wurden zum selben Band noch Blatter von Q 
und der gotischen Ubersetzung des Romerbriefs verwendet. Von 
Franz Anton Knittel wurde die alte Schrift entdeckt. Nach Ar- 
beiten von J. F. Heusinger 1752, Knittel 1758, 62 herausgegeben 
von Tischendorf. 

Tischendorf, Monumenta sacra inedita, VI, 1869, S. 249338; 
Nachbildung in Bd. 3 (1860) Tafel II. 

P a P r (025, a 3) IX in., Petersburg 225, Palimpsest vom Jahr 
1301, von Tischendorf 1862 unter den Handschriften des Bischofs 
Porfiri in Kiev gefunden. 



_ _ TJnzialen: N Y (022031). _ 79 

Tischendorf, Monumenta sacra inedita 5, 1865, u. 6, 1869, mit 
Nachbildungen. Der Band enthalt auch Teile des 4. Makkabaerbuchs aus 
dem VII. Jahrhundert. Uber a s. Bousset in TU 11,4, 1899, 149. 

Q (026, E 4) V, mit Pe zusammengebunden, 13 Bl. Tischen- 
dorf, Monumenta sacra inedita 3, 1860. 

QP = p. 

R (027, e 22) VI, Britisches Museum add. 17211, Palimpsest, 
etwa 516 Yerse aus A, auf 48 Blattern, die gleichzeitig mit einer 
Iliashandschrift im IX mit syrischen Werken des Severus von 
Antiochien tiberschrieben wurden. 

Faksimile in Smith, Dictionary of the Bible; Art. New Testament, 
Tafel 1, Nr. 3; Catalogue of ancient manuscripts in the British Museum I, 
1881, p. 22 Tafel 10; Kenyon, Facsimiles of Biblical Manuscripts in the 
Brit. Mus., pi. 3. Tischendorf, Monumenta sacra inedita 2, 1857, 1 92 ; 
W. Wright (J. of sacr. lit. 1864, neue Folge 3, 466). 

tiber den umgekehrten Fall, dafi ein neutestamentlicher Text einem 
profanen weichen mufite, paulinische Briefe der Hias, s. Comparetti, Vir- 
gilio I, 114 (nach Sandys, history of classical scholarship p. 599). 

EP = 098. 

S (028, e 1027), 949 Bom, vat. gr. 354, eine der altesten 
genau datierten Handschriften des NT.s; eyqayEi J] vipta 
defaog afar], didc %t^>6g i[iov Mi%aqA /tova%ov dfia^rco^ov [vyvi 

d. h. um 



6 TJhr am Donnerstag den 1. Marz 6457 in der 7. Indiktion 
(= 949 p. Chr.) 

Nachbildungen bei Bianchini, Evang. quadrupl. 1749; Birch, 
Quatuor evangelia 1788 und Variae Lectiones 1801; s. auch Tischendorf 
(Jahrbiicher der Literatur, Wien 1847, Bd. 117, 7). 

gap == 049. 

T (029, E 5) V, Rom, Propaganda, Zoega 65, 20 Blatter aus 
At, mit der sahidischen Ubersetzung auf der linken Seite und wohl 
von einem Kopten gescnrieben. 



Mit Tb T^oi wurden bisher eine Reihe ahnlicher Bruchstiicke be- 
zeichnet, die jetzt die Nummern 05759. 61. 69 f. 8386. 99101. 113 f. 
124 f. 127129. 139 1 1353/5 fiihren. 

U (030, e 90) IX/X, Venedig, Marciana I. 8, frtiher nach dem 
Besitzer Nanianus genannt, die Evangelien vollstandig, mit reicher 
Goldverzierung und Bildern. 

Y (031, e 75) IX, Moskau, Synode 399, einst auf dem Athos, 
zuerst durch Yermittlung von G-. B. Bilfmger von Bengel und 
Wettstein benutzt, von Matthai genau verglichen. 



80 Die Materialien der neutestamentlichen Textkritik. 

W (032, nocli niclit bei v. S.) IV/VI, Michigan, Ch. L. Freer 
Nr. 3, 184 Bl. aus Evv, mit bemalten Holzdeckeln; im SchluB von 
[i einen bisher neuen Satz enthaltend. 

Vgl. Gregory (bei I) S. 1323. 2566. 

Wa Wo jetzt 050. 1025. 1157. 1305. 

X (033, A 3 ), IXex./Xin, Mtinclien, Universitatsbibliothek Ms. 
fol. 30, Evangelien mit Kommentar, auBer zu f.i, in dor von Gre- 
gory nachgewiesenen Ordnung Mi&fj,. 
Xb = 053. 

Y (034, e 073) IX, London, J. Bevan Braithwaite; 301 BL, 
M Macedoniensis", fruher in Kosinitza, Ajm Movfj 375. 

Vgl. W. 0. Braithwaite, A New Unical of the Gospels (ET XIII, 
Dec. 1901, 114117. 
Y = 054. 

Z (035, e 26) V/VI, Dublin, Trinity CoUege, K. 3. 4., Palim- 
psest, mit Bruchstucken aus Jesajas. 

Evangelium secundum Matthaeum ex Codice Rescripto in Bibliotheca 
Coll. Dublin. S. Trin. descriptum Opera et Studio J. Barret, 4to Dublini 
1801; Tregelles, The Dublin codex rescriptus, a supplement, London 1863; 
Th. K. Abbott, Par palimpsestorum Dublinensium : The codex rescriptus 
Dublinensis of St. Matthew's Gospel (Z) . . . a new edition revised and aug- 
mented, London 1880. 

Als die lateinischen Buchstaben nicht mehr ausreichten, nahm 
man seine Zunucht zu denjenigen des griechischen Alphabets, 
welche eine von den lateinischen abweichende Form haben; Gre- 
gory hat sie beibehalten, und so ist jetzt 

F (036, e 70) IX/X, eine von Tischendorf 1853 u. 1859 aus 
dem Orient gebrachte und nach Oxford (Misc. Gr. 313) und nach 
Petersburg (33) verkaufte Hds. der Evv., die am Ende von i die 
Unterschrift hat efeAsKb&j] tf defaog aftiri ftrjvl voefifiQity x' ivd. r[ : 
i^fieqa s' : MQO, ($', was Tischendorf auf 844, Gardthausen auf 979 
doutete. fa sind vollstandig ; von p fehlt 3,34 6,20, von M mehr. 

Tischendorf, Anecdota 1855, S. 5f., Tafel I, Nr. 4;Notitia 1860, S. 53. 

A (037, e 76) IX/X, in St. Gallen (48), wahrscheinlich auch 
dort geschrieben, von irischer Hand, mit lateinischer Interlinear- 
version, also fur die Schule, nicht die Kirche; i 19, 17 35 fehlt. 
Der Text von (i stimrnt mehr als der der andern Evv. mit CL., 
oft falsche Worttrennung infolge der miCverstandenen scriptio con- 
tinua der Vorlage, wie in G p . 



TTnzialen: W2 (032042). 81 

Antiquissimus quatuor evangeliorum codex Sangallensis Graeco- 
Latinus interlinearis nunquam adhuc collatus. Ad similitudinem ipsius libri 
manu script! accuratissime delineandum et lapidibus exprimendum curavit 
H. C. M. Rettig. Zurich 1836. 4. Palaeogr. Soc. Nr. 179. J. R. Harris, 
The codex Sangallensis (A). A study in the text of the Old Latin Gospels. 
London, 1891 (ET. 3,563). 

(038, bei vS gestriclien als unauffindbar), IX/X, friiher 
1360, Petersburg (?), G-raf Panin, Evv. mit Lticken. 

Brosset, Melanges asiatiques VI, 260286 aus Bulletin de 1'Acad. 
Imp. des sciences de S. Petersh. 1871, 15, 385397. 
@a_6>h = 087. 8991. 106108. 136. 

A (039, e 77) IX, von Tisch.end.orf nach Oxford gebracht 
(Misc. gr. 310) h, offenbar der zweite Teil der von ihm nach 
Petersburg (54) gelieferten Minuskel 566, welche am Rand zu 
4 Stellen von M (4, 5; 16, 17; 18, 22; 26, 74) tb 'lovdaMv zitiert 
d. h. das Hebraerevangelium und hinter M die Unterschrift hat 
tyQdfpq Jtal dvTEftiLrjd-ri ex i&v (iv) 'lEQoaoAtiftoig nahai&v dwiygdcpow 
t&v iv T$ &yict) dgei dnojtsiftsvav' iv <m'#og, /JgxJ- xeqxp TVS. 

Tischendorf, Notitia 1860, S. 58f. E. v. Dobschiitz, Zwei 
Bibelhandschriften mit doppelter Schriftart (ThLz 1899, 3, 74 f.). 

S (040, A 1 ) VIII, ein Palimpsest von Zante im Besitz der 
Britischen und Auswartigen Bibelgesellschaft in London ; die alteste 
Hdschr., die einen Kommentar hat, und teilweise dieselbe Kapitel- 
einteilung wie B. Auf Lagardes Yeranlassung (G-esammelte Ab- 
handlungen 1866, S. 87 f.) von Tregelles entziffert. 

Codex Zacynthius. Greek Palimpsest Fragments of the Gospel of 
St. Luke, in the Library of the B. & F. Bible Society, transcribed and edited 
by Dr. T r e g e 1 1 e s , 1861 ; N. Pocock (The Academy, 19. Febr. 1881, p. 136 f .). 

H (041, e 73) IX, in Petersburg (34), etwa 100 Jahre im Be- 
sitz der Familie Parodi in Smyrna, auf Tischendorfs Veranlassung 
1859 dem russischen Kaiser geschenkt. 

2(042, e 18) VI, in Eossano (Unteritalien) 1879 durch v. Geb- 
hardt und Harnack entdeckt, Purpur mit Silberschrift und Bildern, 
die zu den altesten aus der evangelischen Gescliichte gehoren, 
Text mit N verwandt. 

v. Gebhardt u. A. Harnack, Evangel, codex graecus purpureus 
Rossanensis (2). Seine Entdeckung, sein wissensch. u. kiinstler. Wert. Mit 
2 faks. Schrifttaf. u. 17 UmriBzeichnungen. L. 1880. gr. 4. 0. v. Geb- 
hardt , Die Evangelien des Matthaus und des Marcus aus dem Codex pur- 
pureus Rossanensis herausgegeben (TTJ. I, 4. 1883). A. Haseloff, Codex 
purpureus 'Rossanensis. Die Miniaturen der griechischen Evangelien-Hand- 
schrift in Rossano. Nach photographischen Aufnahmen herausgegeben. Leipzig, 
1898, Giesecke & Devrient. XVI. 154 mit 14 Textabbildungen u. 15 Licht- 

N as tie, ElnfUhrung. 3, Aufl, 6 



'82 Die Materialien der neates'tamentlichen Textkritik. 

druck-Tafeln. Imp. 4. 32 M. ; s. S. Berger (Bull. crit. 1899, 6); 
A. M u n o z , II codice purpureo di Rossano e il frammento Sinopense. Con 
XVI tavole in cromofototipia, VII in fototipia e 10 illustrazioni nel testo. 
Roma, Danesi 1907. 48 : 37 cm ; B. Gregory (ThLz 07, 20). 

A. J. Th. Jonker (Studien 1880, 402412); W. San day (Studia 
Biblica [I] 1885, 103112) ; P. X. F u n k (Historisches Jahrbuch [der Gorres- 
gesellschaft] 67, 1896, 381343). 

(043, s 17) VI, in Berat (Albanian), wie 2 Purpurkodex 
mit Silberbuchstaben, Mpt mit Lticken. 

B a t i f f o 1 (Melanges d'arch. et d'hist., de l'6cole franchise de Rome. V, 
1885, 358 376) u. (Archives des missions scientifiques et littgraires. Ill Se'r., 
13 (1887) 467566 u. separat Paris 1886); vgl. ThLz 1885, 25; 1889, 23. 

/ (044, 6 6) VIII/IX, Athos, Lawra 172; der Anfang bis 
ft 9, 5 u. e 8 n 9, 19 fehlt; doppelter /t-SchluC; hinter i die Unter- 
sehrift EtiayyBfaai&v tsaoaQtov &EIOI Aoyot ygatpiwiEs S>de krfeiv e'o%ov 
i&v ndvcw; I hinter 2 n. 

Photographiert von Kirsopp Lake (JThSt. I, 88. 290 ; Studia Bihlica 
and Bcclesiastica V) ; Gregory (ThLbl 02, 26). 

Q (045, e 61) VIII, Athos, Dionysios 10, mit Bildern; A 1, 
1528 fehlt. 

Nach den griechischen nalim man hebraische Buchstaben ; da 
aber diese in vielen Druckereien fehlen, ersetzt sie G-regory jetzt 
mit Zahlen, und so sind ihm aus seiner fruheren Liste 3 = 0471, 
-,6-u =, o,73; 74; 92; 112; 1181; 137. Anders waren schon bis 
b weiter gegangen. So folgen von hier ab Zahlen, in Klammer vor 
der von Sodenschen Bezeichnung die friihere, von Gregory auf- 
gegebene. 

046 (B r oder Q r , a 1070), VIII, Vatikan gr. 2066, als Ersatz 
des a nicht enthaltenden Oodex B verwendet. 

Tischendorf, Monumenta sacra inedita 1846, 407431, Tafel 3 
Nr. 9 u. Appendix N. T. Vaticani, 1869. N. T. ex vetustissimo codice 
Vaticano secundis curis editum studio Angeli M a i i , Rom 1859 ; G. G o z z a , 
Ad editionem Apocalypseos S. Johannis . . . Lipsiae anno 1869 evulgatam 
animadversiones, Rom 1869. 

047 (D, E 95) IX, Athos, Andreas 1; mit einigen Lticken. 

048 (D, a 1) V, Vatikan gr. 2061, frtiher in Patire bei Rossano. 

Bianchini, Ev. quadruplex 1749, II, 1; Batiffol, L'abbaye 
de Rosano Contribution a 1'histoire de la Vaticane, Paris 1891, 62. 71 74. 

049 (S, a 2) VIII/IX, Athos, Athanasius 88, Lticken in P. 

050 (0 u. We, ^' ! ) IX, Athen 2, Athos 7, Moskau 8 u. Ox- 
ford (Christ Church) 3 Blatter. 

Die Moskauer Blatter von Tregelles mit S herausgegeben, 



UnzJalen: (04B) 069. SB 

die Oxf order von Henry Bradshaw, die Athener von Gregory 
entdeckt, alle als Einband verwendet. 

051 (nicht bei vS), IX/X, Athos, Pantokrator 44, Teile von a 
mit Andreaskommentar, Kollation von G-regory fur Bd. Ill der 
Textkritik verheiBen. 

052 (183, nicht bei vS), X, Athos, Panteleemon 99 2 , a 7 18 8 12 
mit Andreaskommentar. 

053 (X b , A 10 ) IX/X, Munchen gr. 208, I I 1 2+- Der Haupt- 
teil des Bandes von einem Presbyter Johannes 978 geschrieben, 
enthalt Fragen und Antworten fiber Mi, doch ohne vollstandigen 
Text von M. 

054 (Y, e 59) VIII, Rom, Barberini 5, 17, 1 16 3 19. 

Tischendorf, Monumenta 1846, 3750, Tafel III, 5. 

055 (309) X/XI, Paris, gr. 201. Ew. mit Kommentar. 

B u r g o n , The last 12 verses of Mark 28287. 

056 (16 a P, 7 ),I X/X, Paris, Coisl. gr. 26, fruher auf dem Athos. 

057 (noch nicht bei vS), IV?, Berlin, Museum agypt. Abt. 
P. 9808, n 3 5 - 6 - <- 12 - 

058 (T, e 010) IV/V, Wien, Papyri Bainer Invent. 8024, Brach- 
stticke aus M 18. 

059 (T u , e 09) IV, ebenda 8025, fi 15 2) - 38 - 

060 (T aa ), VI/VII, Berlin (s. 57) P. 5877, einiges aus 1 14. 

061 (T a , a 1035) IV/VI, Paris, Louvre agypt. Museum 7332, 
einige Worte aus 1 x 3 15< 6 2> 

Th. Z a h n , Forschungen 3, 1884, S. 277 f. 

062 (a 1038) IV/V, Damaskus, Palimpsest y 4 15 5 U - 

063 (E 64) IX/X, Moskau, Synode 39 u. 350, Stncke aus 
A 16. 181 22 f. 

064 ( ) VI, Kiew, geistl. Akademie A. M. 153, Palimpsest, 
M 27 7 - 30 - 

065 (I 1 , e 1) V, Petersburg 6, Palimpsest, im 10. Jahrhuudert 
georgisch tiberschrieben, Stucke aus i 11 f. 15 f. 19. 

Tischendorf, Monumenta I, 2934, Tafel 11. 

066 (I 2a , a 1000) V, ebenda, n 28 8 ~ 17 - S. 43 f. 

067 (I 8 , e 2) V, ebenda, aus M 14. 2426 fi 9. 14. S. 31 1120. 

068 (1", s 3) V, Britisches Museum add. 17,136, aus i 13. 16. 

Tischendorf, Monumenta II, 311 f. 

069 (Ta, e 12) V/VI, Chicago, Haskell Museum M 10 50 f. 12' f. 
nach Gregory Textkritik Pergament, nach vS. p. 119 Papyrus. 

Grenfell-Hunt, Oxyrhynchus Papyri I. p. 7. 

6* 



B4 Die Materialien der neutestamentlichen Textkritik. 

070 (T woi , e 6) V, Oxford, Clarendon Presse, A 12 13 32 , e 8 33 ~- 

071 ( ) V/VI, Oxyrhynchus 401, einiges aus M 1. 2. 

Grenf ell-Hunt, Ox. 3, 1903, p. 1. 2. 

072 ( Oil) V/VII, Damaskus, Palimpsest fi 2 23 3 5 ' 

073 7 , 7) V, Sinai, M 14 28 ~ 31 - 

J.R. Harris, Biblical fragments from Mount Sinai, London 1890, p. X. 16. 

074 (1 10 , 8) V, ebenda, Palimpsest, einiges aus M 25 f . 28. 
fi 15. 

B. Harris Xlf. 2744. 

075 (382P, O 3 ), X, Athen 100, fehlt Q, Ix I 1 15 28 , II 38 13 25 - 

076 C a ) V/VI, Didlington Hall, Baron Amlierst VIII, n 2"- 22 - 

Grenfell-Hunt, Amherst Papyri I, 1900, p. 4143. 

077 p c ) V, Sinai, einiges aus n 13 28 ~ 31 - 

A. S. L e w i s , Studia Sinaitica I, 1894, p. 98 Nr. 5. 

078 (I 4 , e 15) VI, Petersburg 13, Palimpsest, aus M 1719, 
A 18, .141 20. 

Tischendorf, Monumenta I, 510. 23f. 27f. 35f. 

079 (I 7 , 16) VI, ebenda, 1 7 39 ~ 49 , 24i-i 9 ; Tischendorf S. 21 f. 25 f. 

080 (N a , 20) VI, Petersburg 275 (u. Kairo, Patriarch), Purpur 
mit G-oldschrift, aus ^91 (-{-?) 

081 (OP, a 1023), VI, Petersburg 9, 2 v. 1%- 

Tischendorf, Notitia 1860 p. 50. 

082 (O b P, a 1024) VI, Moskau ? 4*-*- 

083 (T, 31) VI, Petersburg 10, 1 1 25 ~ 42 - 2 9 4 1 *- 3 *- 50 - 

Tischendorf, Notitia 1860, p. 50. 

084 (T c , 24) VI, ebenda 277, aus M 14. 15. 

085 (I h , 23) VI/VII, Petersburg, A. P. Kerameus, aus M 20. 22. 

Amelineau (Notices et Bxtraits 34, 362428). 

086 (T*, 35) VI, Britisches Museum, Or 5707, griech-kopt., 
aus i 3. 4. 

W. E. C r u m u. F. G. K e n y o n (JThSt I, 415/33). 

087 ( c , 27) VI, Petersburg 12 u. 278, aus M 21, 1 18. 

Tischendorf, Notitia p. 50. 

088 (I 2 P, a 1021) V, ebenda 6, Palimpsest, aus 1 v, 15 f., T 1. 

Tischendorf, Monumenta I, 45 48. 

089 ( e , 28) VI, ebenda 280, aus M 26 2 ~ 9 - 

090 ( f , 29) VI, ebenda 276, aus M 261; fi If. 

091 (09, 30) VI, ebenda 279, aus i 6. 



Unzialen: 0700109. 85 



092 (I", c 32) VI, Sinai, aus M 26, [i 12. 
Harris, Fragments 45 47. 

093 (?) VI? Cambridge, Taylor-Schechter Collection, 12, 189, 
208; Pamlimpsest, hebraisch uberschrieben, aus n 24 26; 
1 rc 2f. 

Charles Taylor, Hebrew-Greek Cairo Genizah Palimpsests .... 
Cambridge 1900 p. 9397, pi. 11. 

094 (^ b ) VI, Saloniki, Gymnasium 37, Palimpsest, aus M 24. 

095 (G a , a 1002), VII, Petersburg 17, vom Einband einer 
syr. Hds., aus n 2f. 

Tischendorf, Notitia p. 50. 

096 (I 5 , a 1004) VII, ebenda 19, Palimpsest, aus n 2. 26. 

Tischendorf, Monumenta I, p. 37 f . 41 f . 

097 (I 6 , a 1003) VII, ebenda 18, Palimpsest aus n 13. 

Ebenda p. 39 f. 

098 (EP, a 1025) VII, Grottaferrata, Palimpsest, aus 2 x 11. 

C o z z a , Sacrorum Bibliorum vetustissima fragmenta Graeca et Latina 
ex palimpsestis codicibus Bibliothecae Cryptoferratensis eruta. Rom 1867 
II, 332335. 

099 (T 1 , E 47) VII, Paris, copt. 129, mit Bildern, aus (A 16. 

Amelineau (Notices et Extraits 34, 1895, 370 f. 4024). 

0100 (To, E 070) IX?, Paris, copt. 129, aus i 20. 
Am 6 line au (1. c. p. 372f. 407). 

0101 (T u ) VII, Wien, Pap. Erzh. Rainer 8020, aus i 1. 
Gregory, Textkritik p. 74. 

0102 (W, E 42) VII/VIII, Paris, suppl. gr. 1155, aus A 4. 

H. Omont, Catalogue des manuscripts . . . recueilis par feu Immanuel 
Miller, Paris 1897, p. 1. 2. 9598 ; pi. I, 1. 

0103 (W, 43) VII, ebenda 726, Palimpsest, aus p 131 

0104 (W m , e 44) VII, ebenda 726, Palimpsest, aus pi. 

0105 (W, E 45) VII, Wien suppl. gr. 3951, aus i 61 

0106 ( a , E 40) VII, Petersburg 16, Leipzig 1, aus M 1215. 

Tischendorf, Monumenta 1846, p. 9. 10. II, 1857 p. 321. 

0107 ( b , E 41) VII, Petersburg 11, aus M 221, p 4 f. 
Tischendorf, Notitia p. 50. 

0108 d , e 60) VIII, ebenda 22, aus I 11. 
Ebenda. ' 

0109 (T^) VII/VIII, Berlin, Museum, agypt. Abt, P, 5010, 
aus e 16 18, 



86 Die Materialien der neutestamentlichen Textkritik. 

0110 (Tu) VII/VIII, Britisches Museum, add 34724, aus i 8. 

0111 (T C P) VII?, Berlin, Mus., ag. Abt. P. 5013, aus 2 & 1 1 

0112 (I 12 , 46) VII, Sinai, aus p 1416. 
Harris, Bibl. fragments p. 4852. 

0113 (T m , 50), VIII, Paris copt 129, aus K 21 f., i 1. 3. 
A m 6 1 i n e a u (Not. et Extr. 34, 371 f . 404/6 f.). 

0114 (TP, e 53) VIII, ebenda, aus i 20. 
Bbenda 373 f. 408 f. 

0115 (W a , e 57) VIII, Paris gr. 314, aus K 91 
Tischendorf, Monumenta 1846 p. 51 56. 

0116 (W b , 58) VIII/IX, Neapel II C 15, Palimpsest, aus 
M 19126, [i 131, *3f. 

Tischendorf, (Jahrbilcher der Literatur, Wien 1847, Nr. 117, S. 8 f .) ; 
A. A. Scotti (Memorie della reg. accad. Ercolanense. Neapel 1852, 4, 1). 

0117 (W k , 69) VIII/IX, Paris suppl. gr. 1155, aus K 20. 23. 
m o nt , Catalogue Imm. Miller, 1897 p. 99102. 

0118 (I 8 , e 62) VIII, Sinai, mit Bildern, aus A 1. 
Harris, Bibl. fragments p. 15. 

0119 H 8 , 63) VIII/IX, ebenda, aus M 1315. 
Ebenda 1324. 

0120 (G b , a 1005) IX?, Vatik. gr. 2302, Palimpsest, aus 
n 1618. 

J. Cozza, fragmenta III, 1877, p. CXXI CXXXIV. 

0121 (MP, a 1031) IX, Britisches Museum, Harl. 5613* und 
Hamburg, gr.50, aus Ix 15 2* 1. 10 12; II, 14, 3. 12,20 Ende, 
codex ruber genannt, wegen seiner glanzend roten Farbe oder Tinte. 

Tischendorf, Anecdota, 1855, p. 174205. 

0122 (NP, a 1030) IX, Petersburg 32, von einem Einband, 
aus y 51, I 51 

0123 (70 b apl.) IX, ebenda 49, aus n 2. 

0124 (T j , 78) IX, Paris copt. 129, aus K 3. 101 2224; 
i 5 u. 81 1113. 

A m 6 1 i n e a u (Notices et Extraits 34 p. 366369. 380599). 

0125 (T", 99) IX, ebenda, aus t 41 
Ebenda p. 372. 406 f. 

0126 ( 36) VI; Damaskus, (i 5 3 * 6,1. 

0127 (Ti, 54) VIII, Paris, copt. 129, i 2 2 -- 

Ame-lineau (1, c, 373f, 403f.). 



TJnzialen: 0110014:9. 87 

0128 (T', e 071) IX/X, ebenda, aus M 25. 
Ebenda 374. 409 f. 

0129 (T"p, a 1037) IX/X, ebenda, lx I 22 " 29 - 
Ebenda 374 f. 410 f. 

0130 (W c , e 20) IX, St. G-allen 18 u. 45, griechisch-lateinischer 
Palimpsest, [i 2 8 - 16 - Ipo-si. ^-79. 

Tischendorf, Monumenta 3, 1860, 291298. 

0131 (W d , E 81) IX, Cambridge, Trinity Coll. B. VIII 5, 
aus ft 7 9. 

J. Eendel Harris, The Diatessaron of Tatian 1890 p. 6268; 
Scrivener, Adversaria 1893 p. XI XVI. 

0132 (W f , e 82) IX, Oxford, Christ Church College, Wake 37, 
Palimpsest, aus ^ 5. 

A. A. Van Sittart (J. of. Phil. 2, 1869, p. 241). 

0133 (W, 83) IX, Britisches Museum add. 31919, Palim- 
psest, aus M 1. 5. 12. 2327; fi 16. 101; I 16f. 19; i 2 6. 

Abbott (Hermathena 1884, Nr. 110 p. 146150) mit Nachbildungen. 

0134 (W h , s 84) IX, Oxford, Bodl., Seld. supra 2, Palimpsest 
ft 3. 5. 

0135 (W, E 85) IX, Mailand, Ambros. Q 6 supra, Palimpsest, 
M 2527; p 13. A 11 4. 6. 8f. 17 f. 2224. 

0136 ( h , e 91) IX/X, Petersburg 281, griech.-arabisch, aus 
M 14. 25 f. 

0137 p 9 , e 97) IX, Sinai, griech.-arab., M 13 46 ~ 52 - 
Harris, Fragments p. 25 f . 

0138 ft a ) IX, Athos, Protatos 56, M 21 24 24 15 - 

0139 (T", E 1002) X/XI, Paris copt. 129, H 6. 181 21. 24. 
Am<5lineau (1. c. 369 f, 399402). 

0140 O d ) X, Sinai, aus n (?) 
Harris, Fragments p. 116, Nr. 41. 

0141 (314, 2 l 13) X, Paris gr. 209. 

0142 (a 46 p 55, O 6 ) X, Miinchen gr. 375. 

0143 (e 08) V, Oxford Bodl. Bibl. Gr. e 5, aus p 8. 

0144 (e 012) VII, Damaskus, aus ^61 

0145 (e 013) VII, ebenda, aus i 6. 

0146 (e 37) VI, ebenda, M 20 2 '- 28 - 

0147 (E 38) VI, ebenda, K 6 23 ~ 35 - 

0148 (e 51) VIII, Wien suppl. gr. 106, M 28 5 ~ 19 - 

0149 (E 65) VIII, Konstantinopel, rus, archaol, Institut, 
M 26 38 ~ 46 - M-69 ' 



88 Die Materialien der neutestamentlichen Textkritik. 

0150 (p 413, X 2 ) X, Patmos 61. 

0151 (p 414, X 21 ) XII, Patmos 62, fehlt 1 T 6 18 g>. 

0152, IV, Athen, Nationalmuseum Nr. 12227, Tonscherbe aus 
Megara mit dem Vaterunser. 

E.Knopf (Mitteilungen des k. deutschen arch. Instituts zu Athen 25, 
1900, p. 313 ff.) u. (ZntW 2, 228233), Nestle (S.347); TJIrich Wilcken 
(Archiv f. Papyrusforschung 1, 1901, 429/36). 

0153, VII, Institut fran9ais d'archeologie orientale: 20 grie- 
chische Ostraka mit Stiicken aus M 27; ft, 5. 9. 15; K 12. 22; 
i 1. 18. 19. 

G. Lefebvre (Bulletin de 1'institut frangais d'arche'ologie orientale. 
4, 1904, 1 15 ; vgl. Deifimann, Licht vom Osten, p. 31 mit Abbildung 
der Scherbe 16 mit A 22, 70 f. 

0154 (e 074), IX, Damaskus, fi 10 35 - 38 - " II, 26 - 

0155 (e 1055) ?, ebenda, aus K 3. 

0156 (a 1006) VII, ebenda, 2 n 3 2 - 10 - 

0157 (a 1007) VII/VIII, ebenda 1 i 2 7 - 8 ~- 12f - 

0158 (a 1039) V/VI, ebenda, Palimpsest, y I 1 - 13 - 

0159 (a 1040) VI, ebenda, Palimpsest, e 4 21 5 4 - 

0160 ( ) IV?, Berlin, K. Mus. ag. Abt. P. 9961, aus M 26 24 - 26 - 3 *- 36 - 

0161 ( ) VIII/IX, Athen MS. 139, M 22 7 - 46 - 

Damit schliefit Grregory's Liste der Gf-roChandschriften, an 
die sich. 14 Nummern Papyri anschlieBen, die ich. gleichfalls noch 
vollstandig mitteile. Mit W 0x." kurze ich G-renf ell - Hunt, Oxy- 
rhynchus Papyri, mit n Wess." Wessely's Ausgabe der altesten 
christlichen Stncke auf Papyrus in Graffin-Nau, Patrologia Orien- 
talis 4, 2 Paris [1907] ab. DaC das y von Papyrus ursprtinglich 
lang ist, sei der Aussprache wegen bemerkt. 

2 Papyri. 
P 1 (T s , e 01) III/IV, PhHadelphia, Universitats- Museum, 

Jj; Jl-9. 12 f. 14-20. 

Ox. 1, 1898, p 47; Wess. 142144. Bis jetzt wohl das 
alteste Stuck des NT.s. Durch die Gflte von A. P. (= Arch. 
Paterson, St. Barnabas Vicarage, Sutton, England) besitze ich eine 
genaue Nachbildung von diesem Stuck und von p 10 , als dem 
altesten Stuck paulinischer Briefe, mit Begleitwort. 

P 2 VI/VI, Florenz, Museo archeologico, i 12> 12 ~ 15 griech., und 
K 7 18 ff. sahidisch. 

B. P i s t e 1 1 i (Studi religiosi 6, 1906, 129140). 
P 8 (1 348) VI, Wien/ Earner 8021; aus I 7. 10. 

C. W e s s e 1 y (Wiener Studien 4, 1882, 198223). 



Unzialen: 0150161; p 1 ~"- 89 

P 4 (1 943, e 34) IV, Paris suppl gr. 1120, aus K 1. 5f. 

F. V. Scheil (Kevue Biblique 1, 1892, 113/5). 
P 5 (T*, E 02) IIIP/IV, Britisches Museum, Pap. 782, aus 1 1 u. 20. 

Ox 2. 1899. 18; Wess. p. 145148. 
P fl (T z ) ?, StraBburg, Pap. copt. 351 u. 335, i. II 45 - 
P 7 (e 11) ?, Kiew, geistl Akad., arch. Mus. 152, A 4, " 
P 8 (i e , a 8) IV, Berlin k. Mus. ag. Abt. P. 8683, aus n 46. 
p 9 IV/V, Cambridge, Mass., Harvard Univ., Oxyrh. 402, 

\ I 4 11 - 13 - 1517. 

Ox. 3, 1903, p. 2. 3. 
pi (T", a 1032) IV, ebenda 209, Q I'- 7 - 

Ox, 2, 1899, 8. 9. pi. 2; Wess. p. 148150; s. zu pi. Deifimann, 
Licht vom Osten S. 167 f., wo Nachbildung, entweder von Schiilerhand oder 
zu Amulett-Zwecken, 

p (Q) V, Petersburg gr. 258, aus Ix 1. 61 

P 12 0", a 1033), Didlington Hall, wie 076, aus i ! 

P 18 (T e ) IV, Britisches Museum, Pap. 1532, aus 1 25. 1012. 

Ox. 4, 1908, 3648. 
P 14 (I 14 , a 1036) V, Sinai, 7 Bruchstucke aus einem Einband, 

auS 1 K 1 3. 

Harris Fragments 5456. 

Buchschrift und Alltagsschrift. Zum SchluC dieser Uber- 
sicht tiber unsere Unzial- und Papyrus-Handschriften muC noch 
darauf hingewiesen werden, daB wir auch die altesten derselben 
nicht benutzen dtirfen, ja gerade diese am wenigsten, wenn wir 
uns ein Bild der neutestamentlichen Autographen machen wollen. 
Die Schriften des NT.s waren ja, zu einem groCen Teil wenigstens, 
urspriinglich gar nicht zur Veroffentlichung, zu einem andern nur 
fur eine beschrankte Offentlichkeit bestimmt. Durch die Papyrus- 
Funds der neuesten Zeit wurde es nun uberaus anschaulich, welch 
grofier Unterschied schon in jener Zeit zwischen der Buchschrift 
und um einen kurzen Ausdruck zu brauchen der Alltags- 
oder Geschafts-Schrift bestand. Man vergleiche daruber das erste 
Kapitel von Kenyon's Palaeography of Greek Papyri, wo die 
Unterscheidung von literary und non-literary-papyri als fundamental 
fur das Studium der Papyrus-Palaographie nachgewiesen ist. w Der 
Unterschied ist, in manchen Fallen, so ausgesprochen, wie der 
zwischen Handschrift und Druckschrift in unsern Tagen" ; auch 
an den Unterschied der mittelalterlichen Buch- und Urkunden- 
schrift erinnert Kenyon (S. 9. 10). Naturlich konnen nun Schrift- 



90 Die Materialien der neutestam.entlich.en Textkritik. 

stticke jeder dieser Gattungen ab und zu in der far sie nicht ge- 
wohnlichen Schriftgattung vorhanden sein, eine Eingabe, beispiels- 
weise, in Buchschrift, ein literarischer Text umgekehrt in der AU- 
tagsschrift. In solcher ist uns z. B. der groCte Teil der Schrift 
des Aristoteles fiber den Staat der Athener erhalten geblieben. 
Von den 4 Handen, welche diesen dem ersten christlichen Jahr- 
hundert zugewiesenen Papyrus geschrieben haben, nahert sich nur 
eine dem Charakter der Buchhand, die andern Teile sind in sehr 
kursivem Charakter auf die Ruckseite einer alten Gutsrechnung 
geschrieben, wohl von einem, der, vielleicht auf kurze Zeit, ein 
Exemplar entlehnt hatte und es nun mit ein paar Freunden oder 
Sklaven kopierte. Mit Recht erinnert Kenyon daran, dafi wir uns 
nach diesem Beispiel die Entstehung und erste Verbreitung der 
nt.lichen Schriften am besten denken. Auch fur Verfolgungszeiten 
komme diese Art der Verbreitung noch in Betrach-t. Gerade die 
altesten der uns erhaltenen Codices sind Pracht- und Luxus-Aus- 
gaben, wie sie erst eine zur Herrschaft gekommene und reich ge- 
wordene Christenheit sich gestatten konnte. Wie wenig man an 
diesen Unterschied bisher dachte, kann die Probe zeigen, die noch 
vor verhaltnismaBig wenig Jahren J. B.. Harris seiner sonst so 
verdienstlichen Arbeit uber die nt.lichen Autographen beifttgte 
(s. S. 34). Dafi dieser G-esichtspunkt endlich auch ffir die Auf- 
fassung von Entstehung und Verbreitung der in unsern Hdss. sich 
findenden Varianten sehr ins Gewicht fallt, liegt auf der Hand. 
Schade daC Kenyon seinem Buch nicht auch eine Probe dieser 
Aristoteleshandschrift beigegeben hat, da das vollstandige Faksimile, 
das von den Trustees des Britischen Museums im Jahr 1891 her- 
ausgegeben wurde, und die Tafel, welche die Palaeographical 
Society in II, 122 veroffentlichte, namentlich den Theologen weniger 
leicht zuganglich sein wird als sein Buch. 

Unzialschrift nnd Minnskelschrift. Noch ein anderer Ge- 
sichtspunkt wird durch diese Papyrus-Funde nahe gelegt: Zwischen 
Unzialschrift und Kursivschrift kann bei denselben kein zeitlicher 
Unterschied gemacht werden; die Alltagsschrift ist gerade schon 
auf den altesten Urkunden sehr kursiv, und eine ziemlich kursive 
Unzialschrift mit Ligaturen ist nicht notwendig spater als eine 
Unzialschrift ohne Ligaturen. Bei der Pergament-Schrift ist es 
etwas anderes; die alte Einteilung in Unzial- und Minuskel-Hand- 
schriften bleibt zurecht bestehen, nur muC man sich htiten, Mi- 
nuskelschrift geradezu mit Kursivschrift gleich zu setzen und darf 
nicht vergessen, daC eine Zeit lang die altere Unzial- und die 



Buchschrift und Alltagsschrift. Minuskeln. 91 

neuere Minuskelschrift nebeneinander im Gebrauch waren. Um 
so ungerechtfertigter 1st die groBe Trennung, die man in der 
nt.lich.en Textkritik bisner zwischen beiden Arten von Handschriften 
gemacht hat; da aber unsre Darstellung wesentlicli nur eine Uber- 
sicht tiber den bisherigen Stand geben soil, mtissen wir sie bei- 
behalten tind inbetreff der Minuskeln uns auf weniges beschranken. 



b) Ton elolgen der wichtigsten Miimskelii. 

Minuskeln. Wahrend zur Zeit der ersten Druckausgaben den 
Herausgebern nur eben die nachsten besten jungen Minuskeln zu 
Gebot standen, glaubten spatere (Bentley, Lachmann) dieselben 
ganz vernachlassigen, ihren Text ausschlieClich auf die altesten 
Unzialen bauen zu diirfen, als ob nicht eine junge Hdschr. durch 
verhaltnismaBig wenige Mitglieder auf eine sehr alte und gute 
Quelle zuruckgehen, oder durch Vergleichung mehrerer eine verlorne 
Vorlage wiederhergestellt werden konnte. In neuerer Zeit haben 
daher mit E/echt namentlich Englander wie Tregelles, Burgon, 
Ferrar, Hoskier, Scrivener durch Vergleichung, der letztere 
auch und ebenso bei uns Gregory durch Katalogisierung derselben 
sich ein groCes Verdienst erworben, und ebenso v. S o d e n ihnen 
sorgfaltige Beachtung geschenkt. Die meisten sind noch auf Per- 
gament geschrieben, das vom 9. Jahrh. ab mit Papier durchsetzt, 
noch spater erst von demselben ersetzt wird; einzelne haben Kom- 
mentare und sonstige Beilagen, wie die Aufzahlung der 70 Junger, 
kurze Lebensbeschreibungen der Apostel, Ubersichten uber die 
Eeisen des Paulus, Anmerkungen uber Ort und Zeit der Abfassung 
der einzelnen Schriften. Wo Jahreszahlen in den Hdschrr. an- 
gegeben sind, geschieht es meist noch in byzantinischer Weise nach 
Jahren seit Erschaffung der Welt (5508 v. Chr.) ; nach Christi Ge- 
burt datieren nur wenige. 

Wie oben angefnhrt, hat v. So den und nunmehr auch Gregory 
die von Wettstein eingefuhrte, mit jeder der 4 Gruppen der 
Schriften des NT.s neu anhebende Zahlung, die zudem bei Gregory 
und Scrivener verschieden fortgefuhrt worden war, jetzt aufgehoben; 
sie muC aber zum Verstandnis aller friiheren Werke noch nach- 
geftinrt werden. Fnr die Evangelien bleiben bei Gregory die alten 
Zahlen und werden auch auf die anderen Abteilungen iibertragen ; 
beispielsweise ist also 209 der Evangelien, das bisher in Acta 95, 
in Paul 108, und in Apoc. 46 war, nun tiberall 209. Ebenso be- 
quem ist seine Bezeichnung der 4 Gruppen durch e a p r (Evangelia, 



92 Die Materialien der neutestamentlichen Textkritik. 

Acta, Paulus, Revelatio) und die Weglassung jeder Bezeichnung, 
wenn es sich nur um die Evangelien handelt. 

Statistisches. Gregorys Liste umfaBt 2288 Nummern; 
davon sind 4:9 von ihm ausdrueklich durch eapr als Handschriffcen 
des ganzen NT.s bezeichnet ; 9 derselben fehlen noch bei v. Soden, 
3 andere sind bei ihm nicht unter 6, sondern unter e zu finden 
(180, 517. 2136). Umgekehrt hat v. Soden einzelne unter d auf- 
genommen (268. 477), bei denen Gregory (431. 1521) ausdracklich 
nur eap als Inhalt nennt. 

Diese 2300 Handschriften sind in mehr als 100 Orten und 
noch mehr Bibliotheken zerstreut. Die vorkommenden Namen gebe 
ich in alphabetischer Ordnung und ffige in Klammer [ ] diejenigen 
bei, die ich nur in v. Sodens zweiter Liste (S. 45 80) finde, die 
alle, auch die GroBhandschriften umfaBt. Gesperrt sind die Orte, 
an denen GroBschriften sich finden. 

Albion (Mass., Amerika), Amorgos, [Amsterdam], Arvaccia 
(Peloponnes), Arras, Ashburnham,Athen, Athos, Auckland. Basel, 
Be rat, Berlin, Beroia, Besancon, Bologna, Brescia, Brtissel, 
Bute. Cambridge (England u. Mass.), Chalki, Cheltenham, 
Chicago, Cortona, Curzon. Damaskus, Dessau, Detroit 
(Mich.), Didlington Hall, ([Drama]-Kosinitza). Dresden, Du- 
blin. Edinburgh, Elasson, Eskorial. Ferrara, Florenz, Frankfurt a. 0., 
Genua, Genf, Glasgow, Gottingen, Gotha, Groningen, Grottaf er- 
rata. Hamburg, Herries, Holkham. Jerusalem. Kairo, Kephal- 
lenia, Kiew, [Kirkindja (bei Smyrna)], Konstantinopel, Kopen- 
hagen, Korfu, Kosinitza. [Lakonien], Larnaka, Leicester, Leiden, 
Leipzig, Lesbos, Linkoping, London. Madison, Madrid, Mai- 
hingen, Mailand, Manchester, [Mariupolis], Megaspilaon, Messina, 
[Metz], Mitylene, Mo den a, Montpellier, Moskau, Mnnchen, 
Myriophyton, Mytilini. Neap el. Ossa, Oxford. [Padua], Pa- 
lermo, Paris, Parma, Patmos, Pelion, Pest, Petersburg, Pistoia, 
PreCburg. Riom, Rom, Rossano. Saloniki, [St. Gallon], 
Serres, Sinai, Smyrna, StraBburg, Scvernetz (bei Berat), Syracuse 
(Amerika). Therapia (bei Konstantinopel), Therapna, Trapezunt, 
Trier, Trotze-Sergiewaja, Turin. Upsala, Utrecht. Valona (bei 
Berat), Vene dig. Wien, Wisbech, Wolf enbiittel. Zakynthos, 
Zittau. (Bute, Curzon, Herries sind Personennamen der Besitzer.) 

Aus der Liste der 1540 Lesebticher, um das gleich hier ein- 
zureihen, kommen als Aufbewahrungsstellen solcher hinzu : Andover, 
Buckland (Mass.), Carpentras, Cassel, Coniston. Epiphanius, Erz- 
bischof vom Jordan. Jassy. Kadi-Keui, Kalabryta, Kallipolis, 



Mirmskeln; ihre Heimat und ihr Inhalt. 93 

Kirkendsche (s. o.). Milea. New- York, Niirnberg. Odessa. Panti- 
kapaa, Princeton, Providence. Raidestos. Sewickley, Siena, Symi, 
Syrakus. Toledo, Troyes, Tubingen. Verona. Woolwich. Zurich. 

Es ist lehrreich, mit dieser Liste die der deutschen Universi- 
taten und den gar nicht so unberechtigten Ausspruch zu vergleichen, 
jeder Student der Theologie sollte wahrend seiner Studienzeit 
wenigstens eine neutestamentliche Handschriffc kollationieren. Durch 
eine solche Arbeit wurde er und die G-esamtheit mehr gewinnen, 
als durch manche andere Arbeiten, die wahrend und nach der 
Stu'dienzeit gemacht werden. Auf was bei solcher Arbeit zu 
achten ware ? 

Den Anfang wurde man mit der Bezeichnung der Hdschrr. 
machen, wie bei Gregory und v. Soden, und der Bibliothek. Die 
Art der Schrift, Unzial oder Minuskel ist bei Gregorys Liste nicht 
notig, dagegen das Jahrhundert in romischen Zahlen. 

GroCe nach Zentimetern. 

Zahl der Blatter, Kolumnen, Linien (f. c. 1.). 

Material, wenn nicht Pergament. 

Inhalt mit Reihenfolge der nt.lichen Schriften, wobei jede Ab- 
weichung von der Reihe eacpr, und innerhalb der einzelnen Gruppen, 
zu beachten ist, also bei den Evangelien, den katholischen Briefen 
wenn anderes als i 1. 2. n, 1 3 i, i, bei den paulinischen, wenn 
nicht hinter g> steht. 

Lucken und Blattversetzungen sind f estzustellen ; auch An- 
gabe der Heftlagen, zumal wenn sie gezahlt sind ; vor allem aber 
die Beigaben, vor dem Buch, am Rand und im Text, und am 
SchluB. 

Wie heutzutage eine Bibel namentlich nach den Grundsatzen 
der Englander und der durch sie beeinfluBten Bibelgesellschaften 
keinerlei subjektive Zutaten haben soil, so geben gerade diese den 
alten Bibelhandschriften ihnen B.eiz und Wert. Man vergleiche 
daruber: Les prefaces jointes aux livres de la Bible dans les ma- 
nuscripts de la Vulgate. Memoire posthume de M. Samuel B erger, 
Paris 1902. 4 (Extrait des Memoires presentes par divers savants 
a 1'Academie des Inscriptions et Belles-Lettres I e Serie, Tome XI, 
II 8 Partie). 

Vor den 4 Evangelien steht in einer gut ausgestatteten Hand- 
schrift der Brief des Eusebius an Karpianus uber seine Evangelien- 
harmonie, dann seine Tabelle der 10 Kanones. Darauf folgt viel- 
leicht eine Einleitung uber die vier Evangelien uberhaupt, haufiger 



94 Die Materialien der neutestamentlichen Textkritik. 

eine Inhaltsangabe vor jedem Evangelium (tin6&eaic;), dann die 
Liste seiner xscpdAaia mit dem Tt'r/log jedes Kapitels. 

Am Rand, oben, unten oder an der Seite sind die tteydAcua 
und tlxkoi jeder Seite verzeichnet, die Sektionen und Kanones des 
Eusebius, Anfang J* und Ende Te der kirchlichen Perikopen, sel- 
tener die alttestamentlichen Zitate (/taQTVQiai), am seltensten die 
Zeilen von 50 zu 50, oder 100 zu 100. Der Rand ist auch der 
Platz fur Scholien oder gar den Kommentar, wenn dieser nicht 
zwischen den Text eingeschoben wird. 

Besonders wichtig sind die SchluBschriften fiber Ort, Z'eit, 
Verfertiger, Besteller der Handschrift oder Bemerkungen zu den 
einzelnen Buchern, z. B. den paulinischen Briefen, zu denen sich 
solche, haufig falsche Angaben bis in unsere abendlandischen Uber- 
setzungen erhalten haben. 

Je alter die Handschrift ist, in der sich diese Beigaben finden, 
um so wichtiger werden sie fur uns; da sich diese Zugaben aber 
hauptsachlich in den jungeren finden, habe ich diese Bemerkungen 
hier eingereiht, und erwahne nur eine kleine Auswahl der ge- 
schichtlich oder sonstwie bemerkenswerten Kleinschriften. 

1 (d 254) XII (vS. zuerst 6 50, weil mit alteren X annehmend), 
auf der Easier Universitatsbibliothek A. N. IV, 2, mit schonen 
Miniaturen' und Bildern, die vor 1860 teilweise gestohlen wurden, 
einst im Besitz des Johannes von Ragusa in Dalmatien (f um 1441), 
der es mit seiner Bibliothek den Dominikanern in Basel vermachte, 
von Beuchlin fur Okolampadius zur ersten Ausgabe des Erasmus 
entlehnt, und erst nach 30 Jahren zuruckgegeben, seit 1559' in der 
Universitatsbibliothek. 

Kirsopp Lake, Codex 1 of the Gospels und its allies. Cambridge 
1902 (TSt. VII, 2). Diese nachsten Verwandten sind 118. 131. 209 (in 
Oxford, Rom und Venedig e 346, S 467, 6 457 + a 1581). Die letztere 
Handschrift gehorte dem Kardinal Bessarion, und wurde nach v. Soden fiir 
ihn geschrieben; Lake mochte sie ins XIV, wenn nicht XIII, setzen und fiir 
die Vorlage von 118 (e 346) halten. ManTsieht, wie schon bei der ersten 
Handschrift die Ansichten noch auseinandergehen ; noch weniger ist fest- 
gestellt, woher die Eigentiimlichkeiten dieser Textfamilie stammen, z. B. 
p 1,20 ^la&idtv, A 9, 10 r6nov ndAscog ; vgl. Lake p. LXXI f. 



In a ist 1 (Av 20 ) die von Delitzsch in Maihingen im Eies 
wiederaufgefundene Papierhandschrift, die Erasmus fur seine erste 
Ausgabe dieses Toils in die Druckerei gegeben hatte (s. o. S. 4f.). 
Es sind also bei Gregory kiinftig unter einer einzigen Nummer 
2 Handschriften zusammengefaCt. So gleich wieder bei 



TDinzelne Minuskeln; Ferrargruppe, 95 

2 1214 u. a 253), beide in Basel (A. N IV, 1 u. 4) und 
ins XII. versetzt, nach anderen die erste ins XV, die zweite ins 
XIII./XIV., beide einst dem Drucker Johann Amerbach gehorend 
und von Erasmus in die Druckerei gegeben. 

3 (6 253) XII, Wien, suppl. gr. 52, ohne a einst den Ka- 
nonikern von Corsendonk bei Turnhout gehorig und als codex Cor- 
sendocensis von Erasmus bei seiner 2. Aufl. 1519 benutzt; die 
einzige seiner Handschriften, welche die Tafeln der Eusebianischen 
Kanones enthielt, die er erstmals in dieser 2. Auflage brachte 
(s. S. 41). 

Nestle (NKZ 1908, Nr. 13). 

4 41 sind Pariser Hands chrif ten, fiber welche man sich leicht 
unterrichten kann. 

Henry m o n t , Inventaire sommaire des manuscrits grecs de la biblio- 
theque nationale, P. 1886 88; I. s. d. m. du Supplement grec de la b. n. 
1885 ; I. s. d. m. g. conserve's dans les bibliotheques publiques de Paris 
autrement que la b. n. 1883 ; I. s. d. m. g. des bibliotheques Mazarine, de 
1'Arsenal et de Sainte-Genevieve a Paris (Melanges Graux 1884, 305320). 
Henri Bordier, Description des peintures et autres ornaments contenus 
dans les mss. grecs de lab. n., Paris 1883. J. P. P. Martin, Description 
technique des mss. grecs relatifs au NT. conserve's dans les bibliotheques de 
Paris, Paris 1884 mit vielen Nachbildungen. 

4 9 und 38 wurden schon von Stephanas benutzt (s. S. 8, 
als y , if}, &) ; besonders merkwtirdig ist 13 (e 368) weil sie mit 
einer Gruppe von anderen Handschriften eine Reihe von Eigen- 
tnmlichkeiten aufweist, beispielsweise die Verse K 22 43 - 44> hinter 
M 20 39 , die Perikope von der Ehebrecherin i 7, 53 8,1 hinter 
A 21 38 stellt. Der irische G-elehrte Ferrar erklarte erstmals die 
Hdss. 13. 69. 124. 346 als Abschriften einer einzigen Vorlage. 
Nach seinem Tode veroffentlichte T. K. Abbott 1877 seine Kollation 
und schlug 0. v. G-ebhardt als Bezeichnung fiir die Ferrar- 
gruppe, tiberhaupt griechische Buchstaben fur erschlossene Vor- 
fahren und Familien vor. Andere Glieder wies Abbe Martin 
nach und Harris untersuchte ihren Ursprung. Auf ihren Stamm- 
vater schon wird die Belehrung zurttckgehen, daC M 8 Jahre 
nach der Himmelfahrt geschrieben sei, 2522 ^^aia (= Zeilen ?) 
und 2560 Stichen enthalte, ^ ^(o^aiaTi 10 Jahre nach Himmelfahrt 
mit 1675 Q'fifiafa und 1604 Stichen, K ^^viorl nach 15 Jahren 
mit 3803 (richtiger: 3083) Zeilen und 2750 Stichen, i nach 32 Jahren 
mit 1938 Zeilen ; die Angaben uber die Q'fiiiaia scheinen irgendwie 
mit Angaben syrischer Handschriften fiber die Zahl der ^OJHD (Worte) 
zusammenzuhangen. Mit der Stellung von. i 7 53 8 n hinter 



96 Die Materialien der neutestamentliclien Textkritik. 

^ 21 38 bernhren sich noch die Hands cliriften der deutschen Bibel 
von Tepl und Freiberg, welclie hinter ^ 21 38 aus i 8 2 die Worte 
haben ,,an dem morgen kert er wieder in den tempel" ; vgl. Berger 
(BuU-Crit. 1894 p. 390). 

W. H. Ferrar, A collation of four important mss. of the Gospels: 
with a view to prove their common origin, and to restore the text of their 
archetype. Edited, with Introduction by T. K. Abbott, Dublin 1877. 
J. P. P. Martin, Quatre manuscrits du NT., auquels on peut ajouter un 
cinquieme. Amiens 1888 (Bxtrait de la Revue des sciences eccl6siastiques) 
u. Description technique (s. S. 95) p. 25 f . ; Introduction a la critique 
textuelle du NT. Partie pratique. [1885.] J. R. Harris, On the origin of 
the Ferrar-group. A Lecture on the genealogical relation of NT. mss., 
London 1893. Bousset (ThLz 01, 548). Zu dieser Gruppe gehoren 
noch 543. 713. 788. 826. 828. Die meisten sind in Kalabrien geschrieben. 
v. S o d e n S. 305, wo 1053 als Druckfehler fur 1033, 506 fur 505 stehen 
durfte, 713 ( = 351) fehlt, dafiir e 1054. 3017 (= 1689, 983) als Angehorige 
dieser Familie genannt werden. K. Lake, Some new members of the Ferrar 
Group of MSS of the Gospels (JThSt. I, 117120). 

In ap ist 4 (a 597) XV/XVI die Easier Handschrift A. N. 
IV. 5, welche Erasmus benutzte. 

16 (E 449) ist merkwiirdig, weil mit grfiner, roter, blauer und 
schwarzer Tinte geschrieben : grttn die fortlaufende Erzahlung, rot 
hie und da auch mit Gold die Worte Jesu, der Engel; blau 
die Reden der Seinigen ; schwarz die der Pharisaer, des Volks, des 
Teufels, und offenbar aus Versehen auch die der Hirten in 
A 2. Von den Bildern sind einzelne nicht ganz ausgefnhrt; die 
Hds. scheint teilweise armenischen Ursprungs. 

17 (e 525) ist von Georg Hermonymus von Sparta geschrieben, 
der im Jahr 1472 als Lehrer des Griechischen nach Paris kam, 
von dem auch Eeuchlin griechische Kalligraphie lernte, und Gre- 
gory mindestens ein Dutzend Handschriften des NT.s kennt. 

28 (e 168) mit mancherlei Uberresten eines sehr alten Textes, 
an D erinnernd. 

Vgl. Burkitt, The Quotations of Bphraem from the Gospels p. 38 fiber 
I* 7, 33. 

33 (6 48) w Die Konigin unter den Kursiven" mehr als andere 
mit BDL stimmend, in traurigem Zustand, wahrend die gleich- 
altrige Hds. 34 (A 19 ) noch heute frisch wie aus der Hand des 
Knnstlers ist. 

38 (d 355) Vom Kaiser Michael Palaologos an den h. Ludwig 
(f 1270) geschickt. 

47 (e 515) Die erste einer Gruppe nachstverwandter Hdss,, zu 



Mmuskeln: 477. 97 



der 54. 56. 58. 61. 109. 171 (780) gehoren. 47 und 56 eigentlich 
zu tilgen, weil von dem Griechen Johann Serbopulos im XV. in 
Reading (England) aus 54 kopiert. Eine ahnliche Gruppe bilden 
die Hdschrr. 74. 90. 234. 412. 483. 484. 856; denn sie sind von 
Theodor von Hapiopetros in Arkadien zwischen 1278 und 1301 
geschrieben, oder wie 90 daraus kopiert; v. Soden 150 152. 

Tiber 47 und den Rand von 67 vgl. v. d. Q-oltz, Eine text- 
kritische Arbeit des 10., bezw. 6. Jahrhunderts (TU, N. F., 2, 
4, 1899) und Burkitt (JThSt. I, 626) ; Zusammenhang mit Origenes. 

51 (d 364) in Oxford, (Laud 31) dem komplutensischen Text 
ahnlich. 

59 (E 272) in Cambridge (Caius 403), mit D sich beruhrend. 

61 (6 603) in DubHn (Trinity A. 4. 21), der beruchtigte M Mont- 
fortianus" (so nach einem spateren Besitzer), der codex apud 
Anglos repertus", der den Erasmus bestimmte, die Stelle von den 
3 himmlischen Zeugen (1 i 5, 7. 8) 1522 in seine 3. Aufl. auf- 
zunehmen (s. S. 5), wahrscheinlich von einem Franziskaner Froy 
(oder Roy) geschrieben ; sein Zwillingsbruder, der einst als 110 ge- 
zahlte Pergamentcodex Ravianus (Rau, jetzt in Berlin), der auch 
die Stelle enthalt, stellte sich sogar als Abschrift der Komplu- 
tensis heraus. 

The Codex Monfortianus : A Collation of this celebrated MS. in the 
Library of Trinity College, Dublin, troughout the Gospels and Acts, with 
the Greek Text of Wettstein, and with certain MSS. in the University of 
Oxford, by Orlando T. Dobbin, LL.D. ; Bagster, 1854. 

Auch nachdem die Druckerkunst langst erfunden war, wurden 
noch immer Hdschrr. angefertigt. Melanchthon hat den Romer- 
brief 3mal griechisch abgeschrieben und die bisher unter 56 P auf- 
gefuhrte Handschrift der Zuricher Bibliothek ist nichts anderes 
als eine von Zwingli im Jahr 1517 gefertigte Abschrift des Eras- 
mischen Drucks von 1516. 

69 (d 505) auf dem Rathaus von Leicester mit 13 etc. zu- 
sammengehorig. 

J. R. Harris, The Origin of the Leicester codex of the NT. London 
1887, 4 mit Nachbildungen. 

Von 76 (6 298), Wien, Nessel 300, sagt noch Tischendorf in 
der octava zu h 2, 22 und Scrivener 4 I, 204, daC er wie die 
Komplutensis, a^T^g statt afo&v habe ; mit Unrecht. 

77 (A 143 ) in Wien, und 78 (c 1209) in Pest, waren einst in 
der schonen Bibliothek des Matthaus Corvinus. 



Nestle. ElnfUhrung. 3, Aufl. 



98 Die Materialien der neutestamentlichen Textkritik. 

In 80 (e 281) und 109 (e 431) ist die Genealogie in K 3 in 
grofiter Verwirrung, weil der Schreiber die Spalten wagrecht statt 
senkrecht kopierte, so daC in 109 Gott der Sohn Arams und Perez 
das letzte G-lied wird. Ahnliches geschah auch in lateinischen 
Handschriften. 

90 (d 652) in Amsterdam, erst im XVI kopiert, aber mit der 
Eeihenfolge lAMfi. 

97 hieB fruher der Hirsaugiensis Bengels, den 1500 ein Monch 
Nicolaus von Hirsch.au, aber nicht n in Bavaria" (Scrivener 4 I, 207) 
schrieb ; er ware die einnige Hdschr. des gr. NT.s in Wurttemberg, 
wenn er nicht verschollen ware, nachdem sich die fruher als E 
bezeichnete Tubinger Unziale als Lektionarium (1. 294) heraus- 
stellte. Jetzt setzte Gregory dafur a 260 in Wolfenbuttel ein; 
ahnlich Mr 101 (Bengels Uffenbach 3, den schon Bengel als Ab- 
schrift eines Easier Drucks anzusehen geneigt war) O 17 in Dresden ; 
und fur 106, das wichtig ware, aber verschollen ist, e 1380 in 
Kiew: in Gregory's Liste fehlt S. 52 derVermerk ,,[e 106] unbekannt". 
127 181 in Eom, aber 172 und 177 als unbekannt, von Gr. 
jetzt durch eine Berliner und Munch ener Hdschr. ersetzt (a 404 
und 106). 

131 (d 467) wurde vielleicht bei der aldinischen Bibel von 
1518 (s. S. 4) zu Eate gezogen. 140 (s 202) von der Konigin von 
Cypern an Innozenz VII. geschenkt, die einzige Hdschr. neben 251 
(e 192), die mit der Komplutensis in A I 64 6i^Q&QO)d-rj liest (das- 
selbe Zeitwort bei Eus., praep. ev. I, 1, 2). 146 153 von Heidel- 
berg nach Eom gekommen, daher ,,palat." heiBend; 154 156 eben 
dort als ,,regina", weil einst der Konigin Christine von Schweden 
gehorend. 157 (e 207) ebenda als Urbinas gr. 2, mit Zitaten Mar- 
cions Verwandtschaft aufweisend. 

W H 211, Th Z a h n , GK. I, 455 f. 

159 168 sind Barberini-Hdschrr. in Eom, darunter 164 (e 116) 
laut Unterschrift mit alten Jerusalem-Hdschrr. auf dem h. Berg 
verglichen. 

182200 in der Laurentiana von Florenz, 183 (e 221) hat 
am Schlufi des Menologions die seltene Bezeichnung der Jahres- 
zahl avitj = 1418. 

205215, 217 in Venedig, z. Teil Stiftung Bessarions (f 1472) ; 
209 war sein Handexemplar auf dem Konzil von Florenz 1439 
206 (6 501) ist als Abschrift von 205 (d 500) beide enthalten 
auch das A. T., als 121. 122 bei Holmes-Parsons von Gregory 
durch a 365 ersetzt. 211 (e 234) hat eine arabische Ubersetzung 



Minuskeln: 80520. 99 



in der rechten Spalte und, mit anderen, fur fi die Uberschrift 
E-bayyefaov Ix TOV Kaxtt MdQKOV. 

218225 in Wien, aber 221 und 223 von Gregory als Kom- 
mentare ohne fortlaufenden Text durch andere ersetzt. 

226233 im Eskorial. 

237 259 in Moskau, mit Ausnahme von 241 und 252, die 
von dort durch Matthai (s. S. 20) nach Dresden kamen. 

260 469 wurden von Scholz (s. S. 201) in die Liste aufge- 
nommen; davon 260 320 in Paris, aufier 272, das von dort weg 
ins Britische Museum gelangte, M von 288 (e 524) in Oxford, 
308. 9. 12. 14 u. 19 von Gregory als nicht hergehorig durch 
andere ersetzt; 296 (d 600) ist von dem S. 8f. genannten Angelus 
Vergecius geschrieben; 343 353 in Mailand, unter ihnen ist 346 
(e 226) merkwurdig wegen der Fassung von M I 16 . 371 397 meist 
in Rom, 405 419 wieder in Venedig, einst wie U der Familie 
Nani gehorig; davon laBt 418 (e 504) das Vaterunser endigen: 
Ehre sei dem Vater und dem Sohn und dem h. G-eist in Ewigkeit. 
431 (<S268)imPriesterseminar inStraBburg, glucklicherweise nicht, wie 
noch Hilgenfeld, Acta apost. graece et latine 1889 wiederholte, im 
Krieg von 1870 verbrannt; 461 (e 92) in Petersburg vom 7. Mai 
835 datiert, nur 17 cm hoch und 10 cm breit, die fruheste genau 
datierte Minuskel, einst in St. Saba bei Jerusalem 1 ). 

Vgl. Gardthausen, Beitrage zur griech. Palaogr. [1877] Taf. 2 ; 
v. W e 1 s e n , Exempla codd. gr., 1878, Taf. 1; O.v. Gebhardt (ThLtztg. 
1881, 129). 

Von 470 an gehen die Nummern von Scrivener und Gregory 
auseinander; die letzteren sind jetzt allein maBgebend. 

470 489 von Scrivener kollationiert, (487. 488 zur Zeit ver- 
schollen), \vie die folgenden bis 563 in Grofibritannien, zum Teil 
in Privatbesitz, z. B., wie 532 546 im Besitz der BaroneB Bur- 
dett-Coutts, die in den Jahren 1870 2 aus Janina in Epirus 
100 Handschriften zuruckbrachte, von Robert Curzon (Lord de la 
Zouche) in Parham 547 554, jetzt im Britischen Museum. Dort 
sind allein weit mehr solcher Handschriften als in ganz Deutschland. 

506520 in Oxford, Christ Church, durch William Wake, 
Erzbischof von Canterbury, f 1737, dorthin geschenkt. 

Vgl. Charles H. H o o 1 e , An account of some mss. of the N. T. hi- 
therto unedited contained in the Library of Christ-Church. Oxford 1892. 



1) Yon klassischer Literatur gehoren zu den friihesten genau datierten Minuskeln 
die Euklid-Handschrift des Arethas in Oxford (888) und seine Plato-Handschrift da- 
selbst vom Nov. 895; s. B. M. Thompson, Paleography p. 163. 

7* 



100 Die Materialien der neutestamentlichen Textkritik. 

565 (e 93) in Petersburg mit G-old auf Purpur, angeblich von 
der Kaiserin Theodora geschrieben, daraus jtt von Belsheim heraus- 
gegeben mit einer Kollation von Mh (Christiania, Videnskabs-Sels- 
kabs Forhandlinger 1885 Nr. 9), von Cronin nachverglichen (TSt. 
V, 4. 1899, 106/8); s. auch Lake (TSt. X p LIH) u. Burkitt (JThSt. 
I, 627). 579 (376) in Paris enthalt den doppelten SchluB von ft; 
s. Bousset (ThLztg. 01, 549); 583 (e 124) in Parma besonders 
schon attsgestattet. 

601 646 waren bisher Nummern aus H. 0. Coxe (* 1811 
f 1881) Beport to Her Majesty's Government of the Greek MSS. 
yet remaining in the libraries of the Levant, 1858, und sind jetzt 
durch andere ersetzt aus Paris, Turin, Mailand, Venedig, Modena, 
Florenz, Bom, Neapel, Messina, Oxford, London. 

651 664 sind (auCer 662, weil vom Berliner Kupferstich- 
kabinet nach London verkauft) in Deutschland (Dessau, Munchen, 
Berlin, StraCburg Ed. B e uB , Notitia codieis quattuor evangeliorum 
Graeci membranacei viris doctis hucusque incogniti, Cantabrigiae 
[1889] 24 S..; s. Gregory (ThLtzg. 1889, 5241); 0. v. Gebhardt 
(577|9 , Zittau (= 44 des Alten Testaments bei Holmes-Parsons). 
Die Dessauer Hds. 651 (s 1187) stammt offenbar vom Athos und 
hat mit andern heute noch dort befindlichen in i 8, 9 die bei 
Tischendorf noch gar nicht erwahnte Lesart dvayw&axowces statt 
dttotiaavreg (s. v. S. p. 521). 

700 (e 133, Scr. 604) ist die von H o s ki er (s. S. 5) verglichene 
Hds. des Britischen 'Museums, die 2724 mal vom Textus receptus 
abweicht, dabei 270 mal ganz allein steht, und bis jetzt der einzige 
handschrifbliche Zeuge ist fur die von Marcion und Gregor von 
Nyssa vertretene Form der zweiten Bitte des Vaterunsers & 11, 2: 
xb dyiov nvEvfid aov cp' ^/*ag Jtal xa&aQiadtco 



Vgl. auch B 1 a fi , Evangelium secundnm Lucam 1897, p. LXIX f. 

Von 757 810 sind Handschriften von Athen; von der 
Btickenaufschrift von 817 ( e52 ) nahm Erasmus die Bezeichnung 
Vulgarius auf dem Titel seiner ersten Ausgabe fur Theophylakt 
von Bulgarien ; 846 887 wieder in Bom (876 durch eine Londoner 
ersetzt, weil n kaum einer Nummer werf); 905 8 kommen erst- 
mals solche vom Athos, die dann von 922 1139 ohne Unter- 
brechung weiterlaufen, wo sie von Handschriften in Berat, Chalki, 
Konstantinopel, Lesbos, Patmos (1160 1181), Saloniki abgelost 
werden, worauf von 1185 1256 die Sinaihdss. kommen. Von den 
Athoshandschriften istz. B. 1071 (e 1279) beachtenswert s. Lake 



Minuskeln: 5652288; zu Acta. 101 

(JThSt I, 441 445) aus Unteritalien, weil in der Perikope von 
der Ehebrecherin mit D nachstverwandt. 

1273 (e 1404) in Auckland (Neuseeland) bildete den SchluB 
der Liste in Gregorys Bearbeitung von Tischendorfs octava, mit 
einem Nachtrag bis 1287. 

In der Textkritik ffihrte er sie bis 1420 wetter, darunter 
1311 59 in Jerusalem, 1390 1419 wieder auf dem Athos und in 
Athen; jetzt lauft die Liste bis 2288. Davon sind 1432 1681 
(mit 6 Ausnahmen) wieder auf dem Athos, ebenso 1717 56, 67 
bis 77. Von 1827 2094 laufen dann die Handschriften von a, p 
und r, die fruner ihre eigene Bezifferung gehabt hatten, und zwar 
bis 1904 solche von ap(r), dann bis 2013 die von p, endlich bis 
2087 die von r, mit ein paar Nachtragen, worauf wiederum neue 
Handschriften einsetzen, etwa 50 aus v. Sodens Liste, menr als 
40 aus Petersburg, andere aus anderen Sammlungen. 

Apostelgeschichte und Brief e. 

Yon den Hdss. zu apr erwahne ich fast nur die schon in der 
2. Auflage genannten mit Angabe ihrer (teilweise) neuen Nummern, 
also zu a: 2 und 4 schon von Erasmus, 7 10 von Stephanus ge- 
braucht (bei Gregory ist 7 a (a 172) jetzt 2298, 8 unbekannt, 9 
jetzt 398) ; 15, 83, 173 = jetzt 307, 88 und 635 wie alttestament- 
liche Teile des Sinaiticus und HP einst mit dem Kodex des Pam- 
philus verglichen, d. h. aus einer solchen Hds. abgeschrieben ; 33, 
jetzt 326 (a 257) vielleicht die Mutter des Montfortianus (S. 5); 
42 (a 107) mit der Komplutensis verwandt, 52 einst ihrem Heraus- 
geber Stunica gehorig, aber verschollen, 58, jetzt 383 (a 353) ver- 
glichen von A. Pott, der abendlandische Text der Apostelgeschichte 
und die Wir-Quelle, Leipzig 1900, 7888 (s. JThSt 2, 439); 61, 
jetzt 81 (a 162) im Britischen Museum 20003, mit einiger Uber- 
treibung die wichtigste Minuskel von n genannt; 69, jetzt 429 
(a 398) und ,.110" bei Westcott-Hort d. h. 214, jetzt 206 (a 365), 
von Hort zu 1 n 1, 7 unter die besten Kursiven gerechnet; 137, 
jetzt 614 (a 364) in Mailand, eine Erganzung zu DP (s. die Aus- 
gaben von n von BlaB und Hilgenfeld, u. JThSt. I, 608 f., II, 
439 ft); 158, jetzt 625. (a 159), Vatik. 1761 von Kardinal Mai be- 
nutzt, um in p die Lucken von B zu erganzen; 162, jetzt 629 
(a 460) mit der Vulgata zur Seite, an die der griechische Text 
angeglichen ist, mit dem Einschiebsel 1 i 5, 7. 8, n das, wenn ich 
nicht irre, bei dem Schreiben der Handschrift aus dem Lateinischen 
ubersetzt wurde" (Gr., Textkritik S. 278); Faksimile der Stelle bei 



102 Pie Materialien der neutestamentlichen Textkritik. 

Home, Introduction" 1863, 4 p. 217; 180, jetzt 431 (d 268) in 
StraBburg 1870 nicht verbrannt (s. S. 11); 205, jetzt 203 (a 203) 
eine Prachthandschrift (im Brit. Museum add. 28816), die ein Monch 
Andreas im Jahr 1111 nach 3jahriger Arbeit beendete; Faksimile 
Palaeogr. Soc. pi. 84; 326, jetzt 1843 (a 251), mit goldener Schrift, 
soil der Konigin Charlotte von Jerusalem, Cypern und Armenien 
gehort haben, die 1487 in Eom starb und die Handschrift wonl 
Innozenz VIII. schenkte, dessen Wappen vorne eingemalt ist. Da 
der berfthmte Codex Vatikanus x. e., B, die nachste Nummer 
fuhrt, fragt sich, ob beide nicht gleichzeitig in die Vatikana kamen. 
Nicht far eine Furstin, sondern von einer solchen, Maria der ge- 
schiedenen und in ein cilicisches Kloster eingesperrten Frau Kon- 
stantins VI. um 800 soil 374, jetzt 1862 (O 21 ) geschrieben sein. Am 
SchluB steht axavQe (pvhavie fiaoifaooav Maqiav, wozu ein Monch 
Jakobos im Jahr 1852 Daten aus dem Leben der genannten Furstin 
ffigte. Nach Papadopulos-Kerameus (BZ 1905, 260) war die Hds. 
vielmehr fur Maria, Gemahlin Michaels III. im 11. Jahrhundert 
bestimmt. 223, jetzt ebenso (a 186), eine der schonsten von diesem 
Teil des NT.'s im Besitz der BaroneB Burdett-Coutts. 

Paulus. 

Zahlreicher als die Hdss. zu a (c) sind die zu p; vergleiche 
schon die GroBschriffcen. Von den Kursiven wurde 7 (Q n 18) in 
Basel (A. N. Ill 11) von Erasmus gebraucht. DaB die alten 
Nummern 56 und 66 als Abschriften eines gedruckten Textes zu 
tilgen sind, wurde schon erwahnt (S. 11). Um so wertvoller der 
Eand von 67, jetzt 424, weil auf eine mit Origenes zusammen- 
hangende, und mit BM verwandte Vorlage zurtickgehend ; 80, jetzt 
436 (a 172) mit 69 e sich beruhrend. 

Apokalypse. 

Uber 1 (Av zo ), die einzige Hds. Mr diesen Teil, die dem Eras- 
mus zur Verfugung stand, s. S. 5; 36, jetzt 2019 (Av*) scheint 
mit N, 38, jetzt 2020 (a 1573) mit AC, 68, jetzt 2032 (Av") und 
noch mehr 95, jetzt 2040 (Ag u ) mit A verwandt, letztere eine der 
besten Minuskeln dieses Toils. Beachtenswert ist, daB a haufig in 
Verbindung mit nichtbiblischen Texten erscheint; schon in 046 
mit Schriften des Basilius und Gregor von Nyssa, in 18, jetzt 94 
(O 31 ), in 31, jetzt 2016 (a 1579) mit solchen des Dionysius Areopa- 
gita, in anderen mit Justin, Basilius, Theodoret, Maximus, Petrus 



Minuskeln zu Paulus und Apokolypse. 103 

von Alexandria. Das ist far die Geschichte des Kanons ebenso 
lehrreich, wie die Tatsache, daB kein Stuck aus diesem Buch in 
die kirchliclien Perikopenbticher kam. 

Uber die Minuskeln von r s. Bousset, Textkritische Studien 
(TIL 11, 4). 

Auf rund 500 Nummern, die Gregory in der Textkritik fur 
p verzeichnet hatte, kamen nur 185 fiir r ; durch die neu hinzuge- 
kommenen Nummern ist das Verhaltnis noch ungtinstiger geworden ; 
wieviele bis dahin unbekannt waren, zeigte die Angabe eines der 
Mitarbeiter von Sodens, Lie. Dr. von der Goltz, der im 
Winter 1897/8 mit Lie. Dr. Georg Wobbermin nach dem Athos 
ging und in dem altesten Hauptkloster, der Laura des h. Atha- 
nasius, unter c. 1800 Handschriften im Ganzen inkl. der Lektionare 
c. 250 Codices des NT.s fand, von denen nur ganz wenige von 
Gregory notiert waren. Und wie wichtig dieselben sein konnen, 
zeigte die weitere Mitteilung desselben, daC ilrtn bei der Durchsicht 
der Handschriften des Apostolos, auf welche er mit seinem Be- 
gleiter die Hauptaufmerksamkeit zu richten hatte, eine Hds. des 
10. oder 11. Jahrhunderts auffiel, welche vor den paulinischen 
Briefen die Bemerkung enthielt, daC sie ysygdydai dno 
nelqav 

6[iav ^ bfiih&v e/g tbv dn6Giohov . . . v olg 
ofiv nctQctAAdmei ^T/TOtg ^6g to, vvv dnoaiofaxd, dmAfjv i^v ^eyo^vyjv 
8j-a)d-v, 'iva pi] vofMa&fj xctTa yiQood-^jfrjv faltyiv 
rovrl rd 



Weiteres s. im dritten Teil und bei Ed. Freih. von der Goltz, Bine 
textkritische Arbeit des zehnten bezw. sechsten Jahrhunderts herausgegeben nach 
einem Kodex des Athosklosters Lawra. Mit einer Doppeltafel in Lichtdruck 
Leipzig, Hinrichs 1899 (TU, N. F., 2, 4). 

Manche Handschrift, die einen Augenblick auftaucht, ver- 
schwindet -wieder. Unter der tfberschrift ,,Eine neuentdeckte Bibel- 
handschrift" teilte z. B. Ph. Meyer in der ThLz. 1889 Nr. 21 Sp. 521 
mit, daC Chr. Papadopulos in der athenischen Kirchenzeitung 
1889 S. 2123; 5759 in dem Artikel ^ iv Aapaaxy 
i] pi(lAio&'f]xr] xal TU fteiQoyQCKpa afofi$ eine Handschrift be- 
schreibe, die dem Sinaiticus mindestens sehr nahe verwandt sei, 
12Va Finger breit, 13 8 / 8 hoch, 380Vi Blatter, von denen 200 Teile 
des AT.s, 180 das ganze NT. mit dem Barnabasbrief und einem 
groCen Teil des Hirten des Hermas enthalte, mit 4 Spalten und 
50 Zeilen auf die Spalte perd neQid-wqiov, in Unzialschrift. Wo 
ist diese Handschrift heute? wo auch nur in unseren Listen? 



104 Die Materialien der neutestamentlichen Textkritik. 



c) Liektlonarien. 

Noch mehr vernachlassigt als die Minuskeln waren bis in die 
neueste Zeit die Lektionarien oder kirchlichen Perikopenbticlier ; 
v. Soden hat sie sogar bei seinem groBen Unternelimen grund- 
satzlich ausgeschlossen. Welchen Umfang dasselbe allerdings durch 
ihre Beriicksiclitigung erreicht hatte, zeigt die Tatsache, daB Gre- 
gory statt der 1067 -f- 287 = 1354 der Textkritik jetzt deren 1540 
verzeich.net hat. Und doch verdienen sie sorgfaltigste Beachtung; 
denn sie sind als amtliche und leicht zu lokalisierende Bucher 
sichere Zeugen fur den Text ihrer Kirchenprovinzen. Die kleinen 
Anderungen, z. B. am Anfang der Perikopen durch Zuftigung des 
Subjektes, eines einleitenden Satzes lassen sich leicht als solche 
erkennen. Fur diese Art Bticher wurde aus asthetischen und prak- 
tischen Grunden die alte Unzialschrift noch in spaterer Zeit fest- 
gehalten, daher ihre Datierung ohne andere Bestimmungsmittel 
nicht immer leicht. Bis vor kurzem zahlte man zu den altesten 
135, ein Palimpsest auch in dieser Klasse gibt es deren ziemlich 
viele von Tischendorf ins YII verlegt, und 943 jetzt p 4 , als 
Papyrus, 1890 in Agypten gefunden, schon dem VI zugewiesen. 
Jetzt wird ein Bruchstuck in der Sammlung Earner dem IV/V zu- 
gewiesen (1043, p 6 28 A 2 1 - 8 ), zwei ebenda (348, jetzt p 3 und 349 
[s 014 bei v. S.]), dem VI. Wann sie erstmals aufkamen, ist noch 
nicht sicher festgestellt. Da die Sitte der kirchlichen Verlesung 
sich im AnschluB an die Synagoge bildete, ist sie sehr alt ; Arthur 
Wright (A Synopsis of the Gospels in Greek, London 2 1903, 
p. XXXV) ist sogar der Meinung, schon die 3 ersten Evangelien 
seien von Anfang an fur den Zweck wochentlicher Lektionen je 
in 53 54 Abschnitte eingeteilt. Liturgische Bucher sind auch 
konservativ ; man vergleiche den Psalter der lateinischen und eng- 
lischen Kirche. Mit als ein Zeichen der fruhen Zeit, zu der die 
Einordnung und Anordnung der Lesestucke stattfand, ftihrt Gre- 
gory mit Eecht an, daC kein einziges Lesesttick aus a Aufnahme 
fand. Dafi man den Hiob in der grofien Woche schon zur Zeit 
des Origenes las, hebt Oikonomos (HEQI twv o' 4, 1849, 145) hervor ; 
den Jonas am groCen Sabbat, ebenso zur Zeit des Ambrosius 
(epist. 83 ad Marc.). Chrysostomus erklart es fur eine Anordnung 
der Vater (o^ jtafEQeg ivo^o&ETrioav, i&v naxiq^v d vdpog), nach 
Himmelfahrt mit der Apostelgeschichte zu beginnen. Ja fur die 
Zeit Justins hat man aus Apol. I, 67 schon auf irgend eine 
Ordnung der Lesungen schlieiSen wollen. Bestimmtere Nahrichten 



Lektionarien. 105 



fehlen ; dock vgl. aus spaterer Zeit tiber Sophronius yon Je- 
rusalem (f 618) ovTog ydq EOTIV d T^V avvTa^iv t^c, Ixx^oiaarix^s 
&ndar]S dxoAov&iag dioqiad^ievoc, %al dieh&tv tfiv TOV ftsiov ivayyskiov 
v(pi]v Jtal i&v TOV HavAov IniavoAaJv EvagndoTwg kndoT($ T&V ayiwv 
jiQOO&ncp xal exdoTij nawqyvQEi TOV vlov TOV &EOV, aus der Bio- 
graphie des Johannes von Damaskus und Kosmas, herausgegeben 
von Papadopulos Kerameus in Bd. 4 seiner 'AvdAsxTa "lEQOOo^v^iJtrjg 
S-taftuohoytac,, zitiert von W. W e r g h , die Akrostychis in der By- 
zantinischen Kanonsdichtung (BZ. XVII, S. 29 des Sonderabdrucks). 
Aus der Anordnung ist zu schlieCen, daB zuerst die Lektionen fur 
Sonntag und Samstag aufkamen, und dann erst fur die anderen 
Wochentage. Dafi die Stucke auch sofort schon in besondere 
Bncher zusammengeschrieben waren, ist damit naturlich noch nicht 
bewiesen. Man vergleiche aber, wie auch nach Erfindung der 
Buchdruckerkunst Perikopenbiiclier zu deren frtinesten Erzeugnissen 
gehorten. Einzelne sind kostbarst ausgestattet, andere aufs traurigste 
mifihandelt, 117 in Florenz, 283 in Siena, vielleicht eins der 
schonsten Kirchenbiicher; 233 moglicherweise z. T. von Kaiser 
Alexius Comnenus geschrieben (1081 1118) ; 300 das goldene Evan- 
geliarium auf dem Sinai, IX XI. Jahrh.; aber nach der Tradition 
der Monche von keinem geringeren als Kaiser Theodosius (f 395). 
Die Nummern 352 367 in der Pariser Nationalbibliothek, 355 
in Omont's Catalogue (s. S. 95) abgedruckt. In Paris auch Nr. 60 
(Ap. 12) im Jahr 1021 von einem Priester und Monch Elias in 
castro de Colonia fur die Abtei St. Denys geschrieben (Omont, 
MSS. Grecs dates pi. XIV), mit manchen Fehlern, aber guten Les- 
arten. Ein Fragment auf dunkelschwarzem Pergament in goldener 
Unzialschrift besitzt Wien (45). Auch zweisprachige gibt es, z. B. 
griechisch-arabische. Im Eskurial bewahren sie Nr. 40 (X) bei 
den Beliquien des. h Chrysostomus als sein Autograph. Thre Ein- 
richtung wechselt nach Kirchenprovinzen und Zeiten; manches 
Fragment, das man frtiher einer Evangelienhandschrift zuschrieb, 
gehort vielleicht nur zu einem Evangeliarium, z. B. das einzige 
Blatt einer griechischen Bibelhandschrift, das in Wurttemberg be- 
kannt ist, das fragmentum Tubingense, das einst als B. der Evan- 
gelien, jetzt als 1. 294 gezahlt wird. 

Ein wichtiges syrisches Lectionarium wird bei den Uber- 
setzungen zur Sprache kommen. Fur weiteres muC auf Scrivener, 
Gregory und die nachstehend verzeichnete Literatur verwiesen 
werden. 



106 Die Materialien der neutestamentlichen Textkritik. 



IJteratur. 

Pilr das jtidische Perikopensystem am besten : E. G. K i n g (JThSt. V), J a c o b s 
Triennial Cycle (Jewish Encyclopedia XII, 254/7). Fur unsere Zwecke ungeniigend, 
W. 0. E. s t e r 1 e y & G. H. Box, The Religion and Worship of tho Synagogue, 
London 1907. Sine Einzelheit A. S c h m i d , Lesung des Buches Genesis an Septua- 
gesima (Der Katholik 1908, Nr. 2). 

Fiir die griechischen Lesebucher : Leo Allatius, de libris ecclesiasticis 
Graecorum dissertationes duae, Paris 1645. N. T. ed. M a 1 1 h a e i 1800 1803, 
3 Bde. N. T. ed. S c h o 1 z 1830, I, 453493 : Synaxarium et Menologium codicum 
KM 262. 274. J. W. Burg on, The last twelve verses of the Gospel 
according to St. Mark, Oxford London 1871, p. 191 bis 210; TiGr (1884) III, 
687791; Scrivener *I, 325376; Gregory, Textkritik, 1900, 327478; 
W. C a s p a r i , Perikopen (PRE s 15, 1904, 131 bis 159) ; N. T., Konstantinopel 1904, 
praef. u. p. 616 622; Stephan Beissel, Entstehung der Perikopen des romischen 
MeBbuchs. Zur Geschichte der Evangelienbilcher in der ersten Halfte des Mittel- 
alters, Freiburg 1907 (Erganzungshefte zu den B Stiinmen aus Maria-Laach." 
96) ; Gregory, Canon and Text, p. 384399 ; Liste 123171. 



2. 

Unsere zweite Quelle fur Herstellung des nt.lichen Textes 
sind die alten Ubersetzungen. Die Wichtigkeit dieser Zeugen 
hangt von ihrem Alter und ihrer Treue ab. "Wann sind die ersten 
Ubersetzungen entstanden ? Schon die Uberschrift uber dem Kreuz 
ist hier zu nennen, von der ein Stuck in Rom noch gezeigt wird; 
sie war ja geschrieben in hebraischer, griechischer und lateinischer 
Sprache 1 ); ja man mag noch weiter zuruckgehen. Palastina war 
damals ein Boden, auf dem die verschiedensten Sprachen und Dia- 
lekte sich bertihrten. Schon in den letzten Jahrhunderteu vor 



') Eine kunst- und literaturgeschichtliche Monographic iiber den Titulus vom 
Kreuz ware lehrreich. Am Griindonnerstag 1908 habe ich in Rom das in Santa 
Croce aufbewahrte Stuck gesehen, sogar eine Abbildung desselben auf Ansichtskarte 
geschenkt erhalten; das grofie in dem Raum aufgehangte Faksimile konnte ich 
nicht erwerben. Eine Monographic darliber, wenn ich mich recht erinnere, von dem 
Konvertiten D r a c h , kann ich im Augenblick der Drucklegung nicht finden. 
Auf dieser Reliquie ist das griechische Nazarenus mit , auch mit der Ligatur b 
geschrieben. Dasselbe ist der Fall in dem Prachtwerk ,,La Vie de J6sus Christ 
illustr6e par James T i s s o t (Tours, Alfred Name, 2400 frs ; auch englisch Life of our 
Lord Jesus Christ. Translated into English by Mrs. Arthur Bell (N. D'Anvers) 
London 97/8 2 vols. 4 6 Guinees); dabei hatte der Kiinstler die Idee, den griechi- 
schen und lateinischen Teil der Inschrift von rechts nach links zu schreiben, macht 

aberim Griechischen fast so vielFehleralsWorte.j/iOl bH A 10,48 DSNIHS^ZAN OtfDHI 
Da6 INRI, das neben memento mori in einem der Werke des Gryphius vorkommt, 
vom Herausgeber derselben in der Bibliothek des Lit. Vereins in Tub. (1878, 
Bd. 138, S. 92) fur die Anfangsbuchstaben irgend einer Floskel erklart wurde, s. in 
meinem Jubilaum der lat. Bibel, S. 4, R. 



tibersetzungen. 107 



Christus war dort erne Wandlung eingetreten, die man als Gegen- 
stiick zur Verdrangung des Niederdeutschen durch das Hoch- 
deutsche ansehen mag; an die Stelle des alten Hebraischen war 
das Aramaische getreten; dazu kam seit Alexander das Eindringen 
des Griechischen, spater das des Lateinischen. Unter den Jtingern 
Jesu fuhrten einige althebraische Namen wie Jakob, Johannes, 
andere ganz oder halb aramaische, wie Kepha (== Petrus), Bei- 
name des Simon, Bartholomaus, wieder andere griechische, wie 
Philippus und Andreas. Wie Jesus selbst gesprochen hat? 
wahrscheinlich aramaisch mit galilaischer Farbung. Du bist ein 
Galilaer; deine Sprache verrat dich, sagen die Jerusalemer zu 
Petrus; die Galilaer kannte man daran, dafi sie (wie die Babylonier 
und Samaritaner) die Gutturale nicht so scharf schieden, wie die 
eigentlichen Juden. Daneben hat Jesus sicher das Hebraische des 
AT.s verstanden. Aber die von ihm iiberlieferten "Worte talitha, 
abba sind aramaisch; ebenso sabaqthani, wenn dies die ursprung- 
lichere Form des Textes ist, und nicht asabthani, wie .M 27, 46; 
[i 15, 34 eine Beihe Handschriften bieten. DaC er atich Griechisch 
verstanden habe, wird in neuerer Zeit mehrfach angenommen, und 
selbst lateinische Worter finden sich in seinen Eeden, aber diese 
sicher nur, wie sonst Fremdworter in irgend einer Sprache. 

In welcher Sprache nun aber die erste Aufzeichnung der 
evangelischen Verktindigung erfolgte, ob im klassischen Hebraisch 
des Alten Testaments oder im Aramaisch der Zeitgenossen, ist 
noch Gegenstand des Streites; da diese Frage aber nur fur die 
Quellen, und auch das nur bei einem Teil unsrer NT.lichen Schriften 
in Betracht kommt, ist hier davon abzusehen; fur uns handelt es 
sich nur urn diejenigen Ubersetzungen, welche vom griechischen 
NT. ausgingen, und nur um diejenigen, welche fur die Textkritik 
wichtig sind, also nur die altesten. Ebenso kommt hier nicht in 
Betracht, daB wie in der Synagoge das Hebraische zuerst miindlich 
ins Aramaische tibertragen wurde, es ahnlich in der Kirche war. 
In Gegenden mit gemischter Bevolkerung gab es eigene Qftr]vel$ 
zu dieser Aufgabe. Von solch mtindlicher Dolmetschung versteht 
Zahn schon die Nachricht des Papias iiber Matthaus 'fjQ^vsvae 
6'aM e&g ijv dvvaibc, ^xao-rog (Binl. 54; 8 II, 263. 271; GK. I, 39 
bis 60). Zu den schon langer bekannten Zeugnissen uber Jerusalem 
und Bethsean (im Eeisebericht der sogenannten Sylvia) kam neuer- 
dings aus Agypten das Sakramentar des Serapion von Thmuis 
(JThSt I, 254). Drei- oder viererlei Ubersetzungen sind hier 
wichtig. 



108 Die Materialien der neutestamentlichen Textkritik. 

Osten. Ira Osten wurde Antiochien mit einer halbgriechischen, 
halbsyrischen Bevolkerung sehr fruh Mittelpunkt des neuen Glaubens: 
dort hat er sogar seinen Namen bekommen ; und weiterhin muB er 
sich bald in Damaskus und Mesopotamien festgesetzt haben: dort 
sprach man dasjenige Aramaisch, das man jetzt gewohnlich Syrisch 
nennt. 

Westen. Im Westen sprach und verstand man zwar in Rom 
meist Griechisch, daher schrieb nicht bloB Paulus auch nach Rom 
griechisch; aber teils in Afrika, teils in Norditalien und Sudgallien 
mufi schon im zweiten Jahrhundert das Bedurfnis vorhanden ge- 
wesen sein, das Evangelium auch lateinisch zu horen. 

Siiden. Ebensobald vielleicht breitete sich in Agypten, das 
damals fast Mittelpunkt der religiosen Kultur war, der neue G-laube 
aus, zuerst allerdings wohl mehr in den griechisch gebildeten 
Kreisen; aber bald auch in den einheimischen, und so gab es dort 
nicht bloB eine, sondern mehrere dialektisch verschiedene "Uber- 
setzungen. 

Norden. Am -wenigsten durfen wir als Deutsche das alteste 
Denkmal des Christentums unter den Germanen, die auch text- 
kritisch lehrreiche Gotenbibel des Ulfilas vergessen. 

Uber den textkritischen Wert der Ubersetzungen, speziell 
der lateinischen als de veteribus graecis translates codicibus, quos 
incorruptos simplicitas temporum servavit et probat urteilt im all- 
gemeinen sehr richtig der sogenannte Ambrosiaster zu Q 5, 14, 
wenn er auch in dem speziellen Fall, um den es sich dort handelt, 
eine unrichtige Anwendung macht. "fiber ihre Schattenseite, daB 
auch eine recht treue Ubersetzung den ihr zu grunde liegenden 
Text nicht immer mit Sicherheit erkennen laCt, siehe iin dritten 
Toil. M 1, 1 z. B. mtiCte man nach der altesten syr. Ubersetzung 
fragen, ob sie statt yevfoswc, nicht den Plural gelesen habe; 26, 13 
hat die offizielle Yulgataausgabe quod haec fecit als n daC sie das 
getan hat" verstanden, statt n was diese getan hat." 

L. J. M. B e b b , The evidence of the early versions and patristic quotations 
on the text of the books of the New Testament in Studia Biblica (Oxford 1890) 
195 ff.; ders., Versions (DB IV, 848855); F. C. Burkitt, Text and Versions 
(EB 49775031). 

P. de L a g a r d e , de Novo Testamento ad versionum orientalium fidem 
edendo. Berol. 1857 (Progr. 4); mit wenig Abanderungen in seinen Ges. Ab- 
handlnngen 1866, 84119; anastatischer Neudruck 1896. 

Urt. (S. 2) ; C o p i n g e r (S. 7). Das bibliographische Hauptwerk aus alterer 
Zeit: Bibliotheca sacra post . . . Jacobi Le Long et C. F. Boerneri iteratas 



Syrisolie tJbersetzungen. 109 

curas ordine disposita, emendata, suppleta, continuata ab Andrea Gottlieb Masch, 
Halle 177890. 4. Pars I de editionibus textus originalis. Pars II (in 3 Banden) 
de versionibus librorum sacrorum, s. schon S. 6. Historiscn-kritisch : Richard 
Simon, histoire critique des versions du N. T. 1690, Nouvelles observations sur 
le texte et les versions du N. T. 1695. 



a) Syrische tJbersetzungen. 

Peschito. ,,Die Konigin unter den Ubersetzungen" nannte 
man lange Zeit nicht ohne Grund die syrische Kirchenbibel, die 
Johann Albrecht Widmanstadt von Nellingen bei Ulm mit Unter- 
stntzung Kaiser Ferdinands I., unter Beihilfe eines aus Mardin zu 
Papst Julius III. gekommenen syrischen Jakobiten namens Moses, 
1555 mit prachtigen von Kaspar Kraft aus Ellwangen geschnittenen 
Typen erstmals veroffentlichte. In diesem von der ganzen seit 
dem 5. Jahrhundert mehrfach gespaltenen syrischen Kirche ge- 
brauchten NT. fehlen bis auf den heutigen Tag die 5 sogenannten 
Antilegomenen 2 n, 2 und 3 i, t, a, Beweis genug, dafi sie in eine 
Zeit und eine G-egend zuruckreicht, wo diese Schriften nock nicht 
zum nt.lichen Kanon gerechnet wurden. Chrysostomus zitiert, so- 
weit bekannt, keine einzige von diesen Schriften (in den Homilien 
zu M und P auch 1 i nicht, und i und 1 Ji sehr selten), und 
Kosmas Indie opleustes sagt (im VI. Jahrh.) ausdriicklich: e'teqoi 
6e xal fty 'lax&pov a-bv vai$ dval vatiTaig (= 1 n und 1 i) 
de, h fiij al TQEI^ (i6vai al TtQoyEyQaftfi&cu ofi% Efi 
^, 'lan&jlov xal n&Qov xal 'I&dvvow at akhai yag afire xelvxai 
nag' afool$ (MPG 88, 373). Sehr unwahrscheinlich ist daher die 
Annahme Hugs (Einl. 4 1847 I, 302 fL), dafi sie fruher dagewesen, 
spater weggef alien seien; wie Hug noch Hilgenfeld (ZwTh. 42, 4, 628). 
Statt ihrer enthielt sie in fruherer Zeit einen angeblichen dritten 
Brief des Paulus an die Korinther und einen Brief der Korinther 
an Paulus (s. f) Armenisch). Seit dem 10. Jahrhundert heiBt sie bei 
syrischen G-elehrten zum Unterschied von andern syrischen Uber- 
setzungen n die einfache", d. h. wohl die gewohnliche, nach anderer 
Deutung, die nicht zusammengesetzte im G-egensatz zum Diatessaron, 
Peschltto (oder mit anderer Aussprache Peschitta, NfiB^D, mit 
vereinfachter Schreibung Peschito). Wann und wo sie gefertigt 
wurde? Nach einer alten Tradition der Syrer von dem Apostel 
Thaddaus, der nach Jesu Tod zu Konig Abgar Ukama, d. h. 
Abgar dem Schwarzen, von Edessa kam, nachdem dieser schon 
vorher mit Jesus einen Brief wechsel gehabt hatte; nach einer 
andern von dessen Schuler Aggaus (Aggai), oder gar noch fruher 



110 Die Materialien der neutestamentlichen Textkritik. 

von dem Evangelisten Mark us. Auch Lukas soil, was vielleicht 
eine richtige Erinnerung, ein Syrer von Geburt, aus Antiochien, 
gewesen sein. 

Die fruheste Bezeugung eines syrischen Evangeliums findet 
sicli vielleicht in der KG-, des Eusebius, der von Hegesippus (um 
160 bis 180) erwahnt, daC er aus dem Evangelium der Hebraer 
(d. h. der palastinischen [?] Judenchristen) und aus dem syrischen 
(nemlich Evangelium) und besonders aus dem hebraischen Dialekt 
einiges anfuhre, wodurch er sich selbst als einen Christ gewordenen 
Hebraer ausweise (e'x TE TOV %a&* 'Efiqalovs efiayyeAlov ttal lov 
SvQianov ttal Idltoc, EK vys 'EfiQaidog 6iaAxTOv TIV& tl&rjaiv). Es 
kann dies kaum anders als von einer schon damals vorhandenen 
Ubersetzung verstanden werden ; ob dieselbe schon alle vier Evan- 
gelien umfaflte, oder nur eines, oder Tatians Evangelienharmonie 
war, wie schon Michaelis vermutete und Th. Zahn neuerdings 
wieder wahrscheinlich macht (Evangelienharmonie, PRE 3 5, 655) 
oder ein verlorenes Urevangelium, muB dahingestellt bleiben. 

Handschriften dieser syrischen Ubersetzung sind, vollends seit 
der Mitte des XIX Jahrhunderts, in den europaischen Bibliotheken 
in Menge vorhanden; zum Teil ganz vorztigliche, mindestens 10 
aus dem funften, 30 aus dem sechsten Jahrhundert man ver- 
gleiche damit die dtlrftigen Uberreste der griechischen Hand- 
schriften. Eine Ausgabe des syrischen Tetraevangelium hat Ph. 
Edw. Pusey, der Sohn des bekannten Oxf order Theologen, vor- 
bereitet und auf G-rund von 40 Hdschrr. im Auftrag der Uni- 
versitat Oxford Q-. H. G-william 1901 mit lateinischer Uber- 
setzung und ausftihrlichem Apparat herausgegeben, so dafi wir ftir 
diesen Teil des syrischen NT.s auf gesichertem Boden stehen. 
Aber die Schwierigkeit liegt wo anders. 

Cnreton. Im Jahr 1858 veroffentlichte der Englander 
W. Cureton aus einer im Jahr 1842 aus Agypten ins Britische 
Museum gekommenen Handschrift w Eemains of a very ancient 
recension of the four Gospels in Syriac hitherto unknown in 
Europe" ; er selber meinte in derselben das Original des Matthaus- 
Evangeliums gefunden zu haben. Das war ein leicht zu wider- 
legender Irrtum, aber die Frage, wie sich der jetzt nach ftim be- 
nannte Cureton'sche Syrer zur gewohnlichen syrischen Kirchen- 
bibel verhalte, ist bis heute unentschieden: sind sie von einander 
unabhangig? oder nicht? wenn nicht, welcher Text iat die Be- 
arbeitung des andern? 



Syrische TJbersetzungen. Ill 

Lewis. Die Frage schien einer Losung sich zu n&hern, als 
Mrs. A. S. Lewis rait Hirer Zwillingsschwester Mrs. M. D. G-ibson 
auf dem Sinai im Februar 1892 Blatter eines syrischen Palimpsests 
phothographierte, die sie als sehr alte Evangelienhdschr., und 
Professor Ben sly in Cambridge als dem Cureton'schen Syrer nah 
verwandt erkannte. Im Frtihjahr 1893 warden dieselben auf einer 
zweiten Expedition nach dem Sinai von Prof. Bensly, F. C. Bur- 
kitt, J. R. Harris abgeschrieben und von den beiden letztern 
Bensly starb drei Tage nach der Ruckkehr mit einer Ein- 
leitung von Mrs. Lewis 1894 herausgegeben; von ihr wurde auf 
mehreren weiteren Reisen zum Sinai die Arbeit der Triumvirn er- 
ganzt tmd auch eine englische Ubersetzung veroffentlicht. Beide 
Texte sind aufs bequemste vereinigt und aufs grundlichste unter- 
sucht inF. C. Burkitt's Ausgabe des Evangelion da Mepharreshe 
(Cambridge 1904, 2 Bande), welcher sich in einiger Zeit eine Aus- 
gabe letzter Hand von Mrs. Lewis anschlieflen wird, die umgekehrt 
eingerichtet ist. Wo beide Hdschrr. vorhanden sind, gibt Burkitt 
den Curetonianus im Text und den Sinaiticus im Apparat, Mrs. 
Lewis umgekehrt ihre Handschrift im Text mit den Abweichungen 
des Curetonianus im Apparat, dazu in einem zweiten Apparat 
fl Similia in aliis codicibus." Wie verhalt sich der Lewis- oder 
Sinai-Syrer (der codex Ludovicus) zum Cureton'schen und zur 
Peschito? Die Frage wird noch verwickelter, indem noch eine 
vierte, die wichtigste GroBe hereinspielt. 

Tatian. Aus alten Nachrichteh weifi man, daC der Schuler 
Justin's des Martyrers, der Syrer Tatian, der um 160 in Mannes- 
kraft stand, eine Evangelienharmonie verfaCte, die Diatessaron 
hiefi = tb dice leaodquv efiayysfaov, sei's nach den 4 Ew., sei's 
als musikalischer Ausdruck = Harmonie, Akkord. Diese Harmonie 
war bei den Syrern bis ins 5. Jahrh. im Gebrauch. Theodoret 
von Kyros berichtet, in seiner (halbsyrischen, halbgriechischen) 
Diozese 200 Exemplare vernichtet zu haben; Bischof Rabbulas 
von Edessa (411 435) wies um dieselbe Zeit Presbyter und 
Diakonen an, dafi in alien Kirchen ein (oder das) ^Evangelium 
der Getrennten" sei und gelesen werde. Der Lewis-Syrer ffihrt 
eben die Unterschrift n Evangelion der Getrennten" ; als Uberschrift 
hat der Cureton'sche dieselbe Bezeichnung bei Matthaus. Syrisch 
ist Tatian's Evangelienharmonie bis jetzt nicht wieder gefunden; 
dagegen kennt man schon lange eine lateinische auf seinen Namen 
zurtickgehende Evangelienharmonie, .und seit 1883 ist eine arabische 
durch C i a s c a vero'fUentlicht, die sich als eine von Ibn et-Tabib 



112 Die Materialien der neutestamentlichen Textkritik. 

(f 1043) aus dem Syrischen gefertigte Ubersetzung, beziehungs- 
weise Bearbeitung derselben ergibt; ebenso ist seit 1836 die ar- 
menische Ubersetzung ernes syrischen Kommentars von Ephraim 
von Edessa (f 373) gedruckt und seit 1876 lateinisch verdolmetscht 
(Evangelii concordantis expositio facta a S. Ephraemo doctore 
Syro. In Latinum translata a J. B. Aucher, ed. G. Mo singer. Ve- 
netiis); endlich hat zuerst Theodor Zahn bei dem syrischen 
Schriftsteller Afraates, der zwischen 337 und 345 schrieb, Zitate 
gefunden, die auf diese Harmonie Tatians zuruckgehen miissen; 
auch sonst sind bei spateren syrischen Schriftstellern vereinzelte 
Zitate aus Tatian erhalten ; und so sind die Materialien vorhanden, 
aus denen die Frage entschieden werden muC, ob Tatian zu seiner 
Harmonie schon eine altere syrische Ubersetzung benutzte, imd 
wie sich T(atian) S yc(ureton) S ys(i na i) S yvg bei Tischendorf syr sch 
nach der bisherigen Hauptausgabe der Peschito von Schaaf 1708/9 
zu einander verhalten. Das -wahrscheinlichste ist wohl, daB T 
die alteste Form ist, in welcher das Evangelium zu den Syrern 
kam, daC syc und sy s zwei nicht zu allgemeiner Anerkennung ge- 
langte Yersuche sind, T zu einer Ubersetzung der einzelnen Evange- 
lien zu gestalten, wahrend syvg diesen Erfolg erlangte. Und zwar 
wird die letztgenannte Ubersetzung ihre Entstehung. und ihre Ver- 
breitung dem Bischof B. ab b ul a von Edessa (411 435) verdanken, 
der, wie sein Biograph mitteilt, M durch die gottliche Weisheit, die 
in ihm war, das NT. aus dem Q-riechischen in das Syrische uber- 
setzte, wegen seiner Verschiedenheiten genau wie es ist" und der 
in seinen Kanones anordnete, n die Presbyter und Diakonen sollen 
dafur sorgen, daC in alien Kirchen ein Evangelium der Getrennten" 
sei und gelesen werde. Welches Interesse dieser Frage zukommt, 
moge man daraus ersehen, wie M 1, 16 in diesen Zeugen lautet: 
Wahrend syrvg ganz mit unserem heutigen griechischen 
Texte nbereinstimmt, hat syrc einen Text, der ins lateinische tiber- 
setzt lautet: Joseph cui desponsata virgo Maria genuit Jesum 
Christum. Griechisch ist ahnliches bis jetzt nur in den 4 zur 
Ferrargruppe gehorigen aus dem XII. Jahrh. stammenden Minuskeln 
346, 543, 826, 828 (nicht auch in den andern Gliedern dieser 
Grruppe) nachgewiesen, wo die Worte heiCen laiayq) a) 
(so) nag&evog MaQiap eyevwyGEV Iqaovv TOV Aeyo fievov 
aber lateinisch las man so in einer Reihe der altesten Handschriften 
(mindestens in 7; in einer ohne virgo, in zwei mit peperit statt 
genuit, und Auslassung des o Aeyo/ievog). Sys hat aber statt dessen : 
Joseph: Joseph autem, cui desponsata (erat) virgo Maria, genuit 



Sinai-Syrer; Philoxenus. 113 

Jesum Christum. Und ahnlich wird in dem unlangst herausge- 
gebenen Dialog des Timotlieus und Aquila die Stelle neben zwei 
andorn Formen einmal so zitiert: 'Iav.&>$ eysvvrjffev ibv 'Iwafycp 
TOV dvdqa Maqla$, % ^g kyEVvf\^"r{ 'Irjaovs 6 A,Ey6[iEVog XQiarbg, xal 
'I(0ai](p iyivvrjaev tbv 'lyaovv tbv Aeydpevov XQiardv; s. im Lit. Zbl. 
' 1899, Nr. 5, Sp. 154 f. &. Kr[iiger]s Anzeige von The Dialogus of Atha- 
nasius and Zacchaeus and of Timothy and Aquila. Edited with 
prolegomena and facsimiles by Fred. C. Conybeare (Oxford 1898, 
4. Anecdota Oxoniensia, Classical Series part. VIII). Der ge- 
naue Wortlaut von T laCt sich nicht mehr feststellen, aber klar 
ist, von diesen 3 Fassungen des Verses kann nur eine oder auch 
gar keine die ursprnngliche sein. Hatte man nur unsre altesten 
Unzialen oder die groCe Masse der Minuskeln, so hatte kein Mensch 
eine Ahnung, daB in unsrem griechischen Texte nicht alles in 
Ordnung sei; nun taucht plotzlich in einem alten syrischen Frag- 
ment aus fernem Osten eine Lesart auf, die alte lateinische Zeugen 
aus dem fernen Westen ebenso haben und zwei einsame im an- 
gehenden Mittelalter wohl in Calabrien geschriebene Handschriften 
bestatigen. Wie hangt das unter sich und mit den beiden andern 
Lesarten, der hergebrachten griechischen und der des Lewis- 
Syrers zusammen? Derlei Probleme stellt die Textgeschichte iii 
Menge. 

Aber mit den bisher aufgefuhrten Formen des syrischen NT.s 
begntigten sich die Gelehrten dieses Volkes nicht. 

Philoxenus-Polycarp. Im Jahr 819 Alexanders die Syrer 
rechnen noch heute nach Jahren der Griechen, die am 1. Okt. 312 
vor Christus beginnen hat unter und fur Xenaia (griechisch 
Phil ox en us), der 488 518 Bischof von Mabug (griechisch Hiera- 
polis, heute Menbidsch am Euphrat) war, sein Landbischof Poly- 
carp eine neue viel wortlichere Ubersetzung aus dem Griechischen 
angefertigt; aus dieser hat der Englander Pococke 1630 von den 
obengenannten in der Peschito fehlenden Antilegomenen die 
4 Briefe : 2 n, 2 u. 3. i und i herausgegeben, leider aus einer nicht 
sehr genauen Hdschr., die jetzt der Bodleiana gehort. Aus seiner 
Ausgabe sind sie in die neueren europaischen Ausgaben des 
syrischen NT.s und die kritischen des griechischen Textes tiber- 
gegangen; erst 1886 veroffentlichte Isaak H. Hall ein weiteres in 
Privatbesitz in Amerika befindliches Mskr. dieser Version (Williams 
MS.) durch Phototypie und hat darnach das syrische NT. der 
amerikanischen Bib elges ells chaft beriohtigt. Die andern Teile 
dieser Ubersetzung sind bis jetzt nicht wieder gefunden, nur die 

Nes tl e, ElnfUhrung. 3. fiufl. o 



114 Die Materialien der neutestamentlichen Textkritik. 

Evv. glaubt derselbe amerikanische Gelehrte in einer Handschrift 
des 9. Jahrhunderts, welche dem syrisch-protestantisclien College 
in Beirut gehort, aber in der Bibliothek des Union Theological 
Seminary in New York niedergelegt ist, wieder aufgefanden zu 
haben (I. H. Hall, Syriac Manuscript, Gospels of a Pre-Harklesian 
Version 1883), wahrend Bernstein dies 1853 von einem codex 
angelicus in Florenz gemeint hatte. 

Thomas von Heraklea. Was Joseph White 1778 1803 aus 
4 im Jahr 1736 aus Diarbeker an Dr. Gloucester Ridley ge- 
schickten Handschriften als versio philoxeniana veroffentlichte 
und was seither unter diesem Namen lauft (1778 e, 1799 ac, 
1803 p), ist nicht die unveranderte, von Polykarp fur Philoxenus 
gemachte Arbeit, sondern eine Revision, die Thomas von Hera- 
klea (Oharkel) auf Grund von 2 3 genauen griechischen Hand- 
schriften im Jahr 927/8 = 616/7 in Alexandrien zu dem Zwecke 
vornahm, den griechischen Text so genau als es nur irgend mog- 
lich bis auf die Wortstellung und den Artikel hinaus im Syrischen 
wiederzugeben. Durch die kritischen Zeichen der alten Homer- 
Erklarer (Asterisk und Obelos) und zahlreiche Randbemerkungen 
hat er die Varianten der von ihm benutzten Handschriften kennt- 
lich gemacht, und das merkwurdigste ist nun. daft ihm in Alexan- 
drien am Anfang des 7. Jahrhunderts Handschriften als besonders 
bewahrt galten, die wiederum von der Masse unserer heutigen 
Handschriften sehr stark abweichen, insbesondere in der Apostel- 
geschichte fast durchaus mit dem unter den Griechen singularen 
Codex D gehen. Eine neue Ausgabe des syrischen Textes, um den 
sich auf Grund von 16 allein in England befindlichen Handschriften 
Mr Deane bemtihte, leider ohne abschlieBen zu konnen, mtiBte 
einer erneuten Yerwertung far die nt.liche Kritik vorangehen. 

Apokalypse. Die Apokalypse wurde erstmals 1627 von 
de Dieu in Leiden herausgegeben nach einer Handschr., die 
Scaliger gehort hatte; sie findet sich in wenig andern, z. B. in 
einer, die um die gleiche Zeit fur Erzbischof Ussher aus einem 
maronitischen Mskr. in Kenobiu am Libanoii kopiert wurde. Aus 
de Diexi's Druck ist sie in die neueren Ausgaben des syr. NT.s 
iibergegangen, in die sie nicht gehort. Statt ein Adler mitten am 
Himmel (EV f^EaovQavri^iaTi a 8, 13) verstand jener Syrer n in der 
Mitte mit einem blutigen Schwanz" fieaog, ovqa, aipa, Eine 
andere syrische Version von a, in der dieser Fehler vermieden ist, 
fand J. Gwynn 1892 in einem Kodex, der Lord Crawford gehort, 
und hat sie 1897 als ersten syrischen Druck der Dubliner 



Harklensis ; Apokalypse; Palastina. 115 

Universitatspresse herausgegeben; noch interessanter ist, dafi eine 
jetzt in Cambridge befindliche, einst Julius Mo hi gehorende Hdsclir. 
hinter den kath. Briefen auch die beiden sogenannten Clemens- 
briefe syrisch enthalt. Nach der SchluBbemerkung derselben Hand- 
schrift, die Bensly 1889 veroffentlichte, geht diese Arbeit fur die 
paulinischen Briefe auf das Exemplar des Pamphilus zurtick. Im 
kritisclien Apparate Tischendorfs sind diese Stucke entweder als 
SyrP(osterior) oder als Syrwhit(e) bezeichnet, und es war ein schlimmes 
MiBverstandnis, wenn in einem weit verbreiteten Kommentar die 
erstere Sigel stets von der Peschito verstanden wird. Besser 
wurde man SyrP<>(lycarp) die erste von Polykarp fur Philoxenus 
gemachte Version von 508, syrtho(ma) die Revision des Thomas von 
Heraklea von 616 nennen. Um die gleiche Zeit hat am gleiohen 
Ort Paul von Telia sich das Verdienst erworben eine der besten 
griechischen Handschrr. des AT.s in gleich wortlicher Weise ins 
Syrische zu ubersetzen und dadurch die fur die Textkritik der 
Septuaginta unschatzbare syrische Hexapla zu schaffen. 

Pal&stinische Ubersetzung. Aber noch eine weitere Uber- 
setzung des NT.s muC hier genannt werden, die bisher sogenannte 
hierosolymitanische (daher syr^i 1 oder hier) oder palastinische, bis 
vor kurzem fast nur bekannt aus einem im Vatikan erhaltenen 
Evangeliar vom Jahr 1030; vom Grafen Miniscalchi Erizzo 
1861 in Verona herausgegeben, zuletzt in trefflicher Weise 1892 
in Bibliothecae syriacae a Paulo de Lagarde collectae quae ad 
philologiam sacram pertinent. Jetzt sind nicht bloB zwei neue 
Hdschrr. dieses Evangeliars von J. B. Harris und Mrs Lewis 
auf dem Sinai entdeckt und herausgegeben worden (mit Ausnahme 
von y), ebenso je ein Stuck aus I (1, 1 12) und 2 n (3, 1 11), 
sondern auch Bruchstiicke der Apostelgeschichte und paulinischen 
Briefe gefunden und veroffentlicht, ebenso vom AT. und sonstiger 
kirchlicher Literatur. Der Dialekt, in dem diese Stucke geschrieben, 
der vom gewolinlichen Syrisch vollig abweicht, dftrfte dem, den 
Jesus mit seinen Jungern sprach, am nachsten stehn. Wann und 
wo diese ganze Literatur entstand, ist erst durch Burkitt klargestellt 
worden (JThSt 2, 174185), namlich im Gebiet des Dux bis- 
her las man el-quds = Jerusalem in der Nahe von Antiochien, 
wo sie im Elias-Kloster der Melkiten auf dem schwarzen Berge 
im Gebrauch war, auBerdem auf dem Sinai und in Agypten. Zeit- 
lich und sachlich hangt sie vielleicht mit der Religionspolitik des 
Kaisers Justinian und Heraklius zusammen. Der griechische Text, 
der dem Evangeliar zu Grande liegt, hatte manches Eigene: Der 

8* 



116 Die Materialien der neutestamentlichen Textkritik. 

Aufrtihrer M 27, 17 z. B. hieft, wie schon Origenes wufite, wie 
aber heute nur noch in wenigen griechischen Minuskeln von erster 
oder zweiter Hand zu lesen 1st, Jesus Barabbas oder vielmehr 
Jesus Barrabbas. 

Kein andrer Zweig der Kirche hat sich so viel Miihe gegeben, 
das Evangelium getreu zu ftbermitteln und zu verbreiten 1 ). Von 
den Bergen des Libanon und Kurdistan, von der mesopotamischen 
Tiefebene und der Ktiste Malabars, ja vom fernen China sind fur 
die Textkritik wertvolle syrische Handschriften in die europaischen 
Bibliotheken gekommen. Nach Thegano im 'Leben Ludwigs habe 
Karl der Grofle diem ante mortem suarn evangelia quatuor cum 
Graecis et Syris optinae correxisse, nach Louis Robert's Anzeige 
der mir nicht zuganglichen Histoire d'Alcuin von J. B. Laforet 
(Namur 1898, im Polybiblion Mai 1899 p. 419) gilt dies von Alcuin. 
DaC syrischer EinfluC in den Illustrationen der Karolingischen 
Prachthandschriften zu finden sei, sagt Strzygowski. Die syrischen 
Handschriften gehoren zu den wichtigsten. 

Zu den syrischen tJbersetzungen: 

Jac. Geo. Christian Adler, Novi Testamenti Versiones Syriacae Simplex, 
Philoxeniana et Hierosolymitana. Denuo examinatae et ad fidem codicum manu 
scriptorum . . . novis observationibus atque tabulis acre incisis illustratae. Hafniae 
VIII. 206. 8 Tafeln. 1789. 4. Die Ausgaben (bis 1888) sind am vollstandigsten 
verzeicb.net in meiner Literatura Syriaca (Syr. Or. 2 S. 20 ff .) ; Nachtrage dazu Urt. 
S. 227 ff. R. Duyal, la Iit6r. syriaque. Paris 1899, S. 4267. TiGr. Ill, 
813822, Textkritik 1902, 487528, Kanon 1907, 396403; Scrivener* II, 640 
(mit Beihilfe von Gwilliam und Deane). The printed editions of the Syriac New 
Testament (Church Quarterly Review 1888 July 257297). G. H. Gwilliam in 
Studia biblica et ecclesiastica (Oxford) II, 1890. III. 1891, 47104. F. C. Cony- 
be a r e , the growth of the Peshitta-Version of the NT. (American Journal of 
Theology 1897 4. 883912). Nestle (D B IV, 1902, 644652); Burkitt 

J ) Was man friiher die Versio Karkaphensis oder montana nannte, ist nichts 
als die Arbeit einer Klosterschule, welche die richtige Aussprache und Schreibung 
der biblischen Texte sichern sollte. 

Die Frage, wie man die syrischen Zeugen im Apparat bezeichnen solle, 
hat noch keine einheitliche Antworfc gefunden (s. Gregory, Liste p. 29). 

Tischendorf v. Gebhardt Zahn Burkitt 

Cureton syrc, syrcu gyra S c syc 

Sinai vac. vac. Ss sys 

Cureton u. Sinai vac. vac. vac. sysc 

Peschito syrsch gyrb S 1 

Philoxeniana vac. (syrbodl) S2 vac. 

Harclensis syrP syrc S3 syhl 

Peschito u. Harklensis syrulr vac 

Hierosolymitana syrh syrd sypa' oder Pi 

Diatessaron Sd 



Literatur zu den syr. tJbersetzungen. 117 

(EB 1904, 49985006); W. T. Whitley, The Bible and the Church of the 
Euphrates (Bapt. Rev. u. Bxp. 1905, 3. 336349) ; M. Seligsohn, Peshitta (JB 9, 
6535); G. H. Gwilliam, Place of the Peshitto Version (StB. & B. V, 1903, 231 S.). 
tiber Rabbulas. Nestle (PEE 8 , 16, 394); B u r k i 1 1 (JThSt. 1, 571) ; St. Ephra- 
ims Quotations from the Gospel (TSt. VII, 2, 1901) ; S. Ephraemi Syri, Eabulae . . . 
opera selecta ed Overbeck, Oxonii 1865, p. 172. 230 (= Acta Sanctorum ed. Bedjan 
4, 1894, 457. 410). 

1) Die empfehlenswerteste Ausgabe ftir das ganze NT. ist die Ed. Pr. von 
Widmanstadt 1555 ; dann die von Leusden und Schaaf (Novum domini 
nostri Jesu Christi testamentum syriacum cum versione latina cura et studio 
Johannis Leusden et Caroli Schaaf editum. Ad omnes editiones diligenter re- 
censitum et variis lectionibus magno labore collectis adornatum. Lugd. Bat. 1709 
4. Ace. Schaaf, Lexicon syriaoum concordantiale ; der Text wiederholt von 
Jones in Oxford 1805. Die Ausgaben der Londoner Bibelgesellschaft 1816 (552 S. 
4 ) ; 1826 (560 S. 4 ) ; besser die syrische und neusyrische der amerikanischen 
Mission in Urmia 1846 (829 S. 4 ), der amerikanischen Bibelgesellschaft von New 
York 1868. 1874 u. ofter (mit nestorianischer Vokalisation). Von katholischer 
Seite: Biblia sacra juxta versionem simplicem quae dicitur Pschitta. Novum Testa- 
mentum. Mausili, typis fratrum Praedicatorum 1891 (428 S.). Von der Jesuiten- 
druckerei in Beyruth ist als in Vorbereitung angekiindigt: Nouveau Testament 
Syriaque en petits caracteres, d'apres plusieurs Manuscrits anciens, <d. par le P. 
L. Cheikho. 

Ftir die Evangelien ist jetzt maBgebend : 

Tetraeuangelium Sanctum iuxta simplicem Syrorum versionem ad fidem codi- 
cum, Massorae, editionum denuo recognitum, lectionum supellectilem quam con- 
quisiverat Philippus Eduardus Pusey ... auxit, digessit, edidit G. H. Gwilliam. 
Accedunt capitulorum notatio concordiarum tabulae translatio Latina, annotati- 
ones. Oxonii 1901. XVI. 608. 2L 2. vgl. The Record Nov. 8, 01 ,,The Oxford Peshitto" ; 
A. S. Lewis (ET 13, 233 f); J. R. Harris (The London Quat. Rev. Jan. 02); 
R. Duval (JA., Nov. Dez. 01, 563 f); Barnes (JThSt. 02, 628630); J. B. 
C h a b o t (RCr 02, 44) ; Eb. Nestle (LZbl 02, 1) ; H. Grefimann (ThRds 
04, 11, 443 452). Ohne Apparat und Ubersetzung und sehr billig, leider aber 
auch mit Weglassung der Eusebianischen Kanones verbreitet die Britische und Aus- 
landische Gesellschaft die Ausgabe unter dem Titel: The fourfold holy Gospel. 
Tetraeuangelium sanctum in the Peshitta Syriac Version, London 1905. 43 -j- 28 -j- 
47-J-36 p., jedes Evangelium auch einzeln (s. ThLbl. 06, 30). 

Sehr vernachlassigt wurden in unserem Jahrhundert die Untersuchungeri 
iiber den nt.lichen Teil der Peschito. Wiihrend iiber einen grofien Teil der at.lichen 
Biicher Untersuchungen, meist Dissertationen erschienen, die ihr Verhaltnis zu 
massoretischem Text, Septuaginta und Targum Mar stellten, ist fur das NT. zumal 
in Deutschland aufierst wenig geschehen. Zu nennen ist J. D. M i c h a e 1 i s , curae 
in vers. syr. Act. Apost. cum consectariis criticis de indole, cognationibus et usu 
versionis syriacae tabularum Novi Foederis Go'tt. 1755 ; G. Gh. S t o r r , Observa- 
tiones super N'Ti versionibus syriacis, Stuttgart 1772 ; G. B. W i n e r , De versionis 
N'Ti Syriacae usu critico caute instituendo, Erlangen 1823; C. L. E. LQhlein, 
Syrus Epistolae ad Ephesios interpres in causa critica denuo examinatus, Erlangen 
1835; Fr. Uhlemann, De versionum N'T' Syriacarum critico usu, Berlin 1850, 
4 (Progr. des Friedr. Wilh. Gymnasiums). Nicht einmal die Frage, ob man die 
Hande verschiedener Ubersetzer am NT. unterscheiden kb'nne, ist in Angriff genommen. 



118 Die Materialien der neutestamen.tlich.en Textkritik. 

2) Cureton's Remains von 1858 sind vergrifferi ; antiquarisch warden zu- 
letzt 30 und mehr sh, sogar 65 Frs. dafiir gefordert, wahrend noch 1894 E. Payne 
Smith in den Expos. Times (III, 205) die Frage, ob es eine leicht zugangliche 
englische Ubersetzung gebe. mit der Mitteilung beantwortet hatte, dafi die Original- 
ausgabe mit ihrer Ubersetzung n may occasionally be picked up for a small sum." 
Als Erganzung gehort dazu: Eb'diger, Uber drei in der K. Bibliothek zu Berlin 
vorhandene Blatter . . . einer alten . . . syr. Ubersetzung der Evangelien (Berliner 
Akad., Sitzung der phil. hist. Klasse vom 8. Juli 1872 S. 557559 u. 6 S.), als 
Fragments of the Guretonian Gospels in 100 Exemplaren gedruckt for private 
circulation von W. W r i g h t, London 1872 4 ; jetzt mit J. E. Crowfoot, Frag- 
menta Evangelica quae ex antiqua recensione versionis Syriacae N'T' (Peshito dictae) 
a Gul. Curetono vulgata sunt. Lond. I 1870, II 1871 ; Observations on the Collation 
in Greek of Cureton's Syriac Fragments of the Gospels, ebenda 1872, 4; und 
Baethgens Euckiibersetzung in das Griechische (Evangelienfragmente. Der 
griecblsche Text des Cureton'schen Syrers wiederhergestellt, Leipzig 1855), ersetzt 
durch Alb. Bonus, Collatio codicis Lewisiani rescript! evangeliorum Syriacorum 
cum codice Curetoniano (Oxonii 1896. 4) und Carl Holzhey, Der neuentdeckte 
Codex Sinaiticus untersucht. Mit einem vollstandigen Verzeichnis der Varianten 
des Cod. Sinaiticus und Cod. Curetonianus. Miinchen 1896; noch mehr durch 
Burkitts Ausgabe : Evangelion da-Mepharreshe : The Curetonian Version of 
the Four Gospels, with the readings of the Sinai-Palimpsest and the early Syriac 
Patristic evidence edited, collected and arranged by F. C. B u r k i 1 1 , Vol. I Text 
(XIII. 556 p.) ; Vol. II. Introduction and Notes (VII. 322), Cambridge 1904. 4". 
Zu vergleichen zu dieser Ausgabe ET XVI, 249253 ; 304306 ; 427 ; XVIII 
382 f; Nestle (ThLbl. 05, 10); K. Lake (Hibbert Journ. Ill, 4); E. Duval (JA 
Janv. Fevr. 05, 133140); v. Dobschiitz (ThLz 07, 16); ECr. 06, 14. 

Von friiherer Literatur sei erwahnt H. H. Harman, (J. Soc. Bibl. Lit and 
Exeg., June-Dec. 1885, 28 48); iiber die Bedeutung des Titels da-mepharresche 
stritten friiher Mai, Gildemeister, Land, Tregelles, Wright, Cowper, Ewald (s. Urt. 
232), zuletzt Ch. G. Torrey u. E. Gottheil (JAOS 18, 1897, 176182, 361 f.). 

3) Zu der Ed. Pr. des Sinaitextes (The four Gospels in Syriac transcribed 
from the Sinaitic Palimpsest by the late Eobert L. B e n s 1 y ... J. Eendel 
Harris ... F. Crawford Burkitt, Cambridge 1894. 4) war bisher die Er- 
ganzung durch Agnes Smith Lewis hinzuzunehmen (Some pages of the four 
Gospels retranscribed [mit oder ohne englische Ubersetzung des Ganzen], London 
1896. 4). Weiter: A. S. Lewis, Last Gleanings from the Sinai Palimpsest (The 
Expositor, Aug. 1897, 111119); dieselbe, an omission from the text of the Sinai 
Palimpsest (Ebenda Dez. 1897, p. 472). Kiinftig wird die oben schon erwahnte 
Ausgabe mit den letzten Ergebnissen der Nachvergleichungen des Codex die be- 
quemste sein. Sie wird den Titel fiihren: The Old Syriac Gospels (Evangelion 
da-Mepharreshe). Uber die Auffindung des Manuskripts, einerseits M. D. Gibson, 
How the codex was found: a Narrative of two Visits to Sinai from Mrs Lewis 
Journals 189293, Cambridge 1893 und A. S. Lewis, In the Shadow of Sinai: 
a Story of Travel and Eesearch 1895 to 1897, Cambridge 1898, andrerseits Mrs E. 
L. B e n a 1 y , Our Journey to Sinai. A visit to the Convent of Sfc. Catarina. 
With a chapter on the Sinai Palimpsest, London 1896. Mit einer kurzen aber 
lehrreichen textkritischen Erorterung wurde die Handschr. ins Deutsche iibersetzt 
von Adalbert Merx, Die vier kanonischen Evangelien nach ihrem altesten be- 
kannten Texte. Ubersetzung der syrischen im Sinaikloster gefundenen Palimpsest- 



Literatur zu Ctireton; Sinai-Syrer; Tatian. 119 

handschrift, Berlin, Reimer 1897. Zweiter Teil, Erlauterungen erste Halfte, Mat- 
thaus 1902 ; zweite Halfte, Markus und Lukas 1905. A. B o n u s , The Sinaitic Pa- 
limpsest and the Curetonian Syriac (BT. 6, 380 382) ; auBerdem : A. S. Lewis, 
The earlier home of the Sinaitic Palimpsest (The Expositor, June 1900, 417421) I 
What have we gained ifi the S. P. (ET. XII, 5662, 115119, 206209, 268271, 
359361, 417420, 518520, 551 f.). 

4) tiber Tatian vgl. aus alterer Zeit C. A. Semisch, Tatiani Dia- 
tessaron, Vratislaviae 1856 ; aus neuerer Th. Z a h n (Forschungen I, 1881, 384 S., 
11,1883, 286299); E. Sellin, der Text des von A. Ciasca herausgegebenen 
arabischen Diatessarons (ebenda IV, 1891, 225246); Th. Zahn, Evangelien- 
harmonie (PEE 8 5, 1898, 653 ff.); GK II, 2, 1892, 530536; J. P. P. Martin 
(R. d. quest, hist. 33, 1883, 349 ff.; 34, 1888, 5ff.) ; Hemp hill, The D. of T., 
London 1888; E. Salvatori, II D. di Taziano, Firenze 1889; E. Preuschen 
(PRE 3 19, 1907, 386394) ; v. Soden 353 Das D. T's ; 354 Der Wert der uns er- 
haltenen Zeugen des D-textes ; 355 Einflufi des D's auf K[oine] ; 365 Das Ver- 
haltnis zwischen sysc und T's D; 366 Die nicht durch Ta gedeckten Sonderles- 
arten in sysc ; 367 Wurdigung des in sysc erhaltenen Evvtextes ; 371 T's Ein- 
flvisse hei Origenes und den agyptischen Vatern des 3. Jahrhunderts. J. H. Hill, 
The earliest life of Christ ever compiled from the four Gospels : being the Diatessa- 
ron of Tatian (c. A. D. 160) literally translated from the Arabic. Edinb. 1893. 
(ET 5, 211 f.); W. Elliott, Tatian's Diatessaron and the modern Critics London, 
Hawkins & Co. 178 p. (ET 6, 213) ; Michael M a h e r S. J., Recent Evidence for 
the Authenticity of the Gospels: Tatian's Diatessaron, London, Catholic Truth 
Society 1893; J. Rendel Harris, The D. of T., London 1860; T. and the date 
of the fourth Gospel (Contemp. Rev. 1893 p. 800B.); The diatessaron, a reply (The 
Contemporary Review N. 356, Aug. 1895, 271287) gegen W. R. C a s s e 1 s (Nine- 
teenth Century April 1895, 665 681); ders., Fragments of the commentary of 
Ephrem Syrus upon the Diatessaron, London 1895. J. H. Hill, a dissertation on 
the Gospel Commentary of S. Ephraem the Syrian with a scriptural index to his 
works, Edinb. 1896. J. A. Robinson, Tatian's Diatessaron and a dutch har- 
mony, Academy 1894, 24. march, 249c 250a. Hope W. Hogg, The Diatessaron 
of Tatian (Einleitung und Ubersetzung) in Antenicene Christian Library. Additional 
volume . . . Edited by Allan Menzies, Edinburgh 1897 p. 33138. B. W. Bacon, 
T's rearrangement of the fourth Gospel (A JTh 1900, 770ff.); C. H. Turner, T. 
on the Ministry (JThSt. Ill, 1902, 110) ; A. H o b s o n , The D. of T. and the 
Synoptic Problem, Chicago 1904 ; K. L a k e , T's D. and the Martyrdom of Abo 
(ET 17, 286). Jos. Hontheim, S. J., Die Abfolge der evangelischen Perikopen 
im D. T.s (ThQS 1908, 204254; 339376). 

Tatiani Evangeliorum Harmoniae arabice nunc primum ex duplici codice 
edidit et translatione latina donavit P, Aug. Ciasca. Romae 1888 XV. 108 210 p. 
Dazu gehb'rt De Tatiani Arabica Versione. Codicem Arabicum Vaticanum decimum 
quartum descripsit locorumque Evangelii in Tatiani opere contentorum seriem 
exhibuit P. A. Ciasca, editio altera, ebenda 1888. XI (aus Pitra, Analecta Sacra IV> 
1883, 465 ff.). 

tiber die lateinische Bearbeitung des Victor von Capua im Codex Fuldeneis 
und deren altdeutsche tibersetzung s. u.; tiber eine griechische, nur lateinisch durch 
Othmar Luscinius (Nachtigall) zuerst Augsburg 1523 bekannt gemachte Harmonie, 
Zahn (Forsch. I. 313 ff.). Uber die Frage, ob nicht schon Tatians Lehrer Justin 
eine Evangelienharmonie benutzte, E.Lippelt,quae f uerint Justini Martyr 



120 Die Materialien der neutestamentliclien Textkritik. 



quaque ratione cum forma evangeliorum Syro-Latina cohaeserint (Disser- 
tationes philologicae Halenses XV, I) Halis 1901. 

Uber das Verhaltnis der syr. Uberset/ungen s. F. C. Burkitt (The Eecord 
Febr. 28. and March 14. 02 : The Syriac Version of the Gospel and the Revised 
NT., gegen Dr. Waller) ; Early Christianity, London 1904 p. 3978 (Urchristentum 
im Orient. Deutsch von B. Preuschen Tub. 1907, 2551). Arthur Hjelt, Die 
altsyrische Evangelienubersetzung und Tatians Diatessaron in ihrem gegenseitigen 
Verhaltnis untersucht, Leipzig 1903 (Z a h n , Forschungen VII, I), v. S o d e n 
362 ff. Die altsyrische Ubersetzung sysc (mit Untersttitzung von H. GreBmann). 
Nach Hjelt ist es wahrscheinlich , dafi es schon vor Tatian syrische Uber- 
setzungen der Evv. gab, die uns am besten in sys erhalten sind, aber hier auch schon 
durch Tatian beeinflufit; noch vielmehr gilt letzteres von syc; vgl. A 17, 6 Berg 
und Feigenbaum; 18, 9 heifit du mich gut und fragst du mich nach dem Guten. 
Jedenfalls die Ubersetzung von M, wenn nicht auch die der andern Evv., stammt 
von einem Judenchristen oder von einem mit jiidischen Verhaltnissen noch sehr 
vertrauten Manne. 

5) Tiber die spiiteren syrischen Ubersetzungen s. Urt. 228. 236 f.; aufierdem 
John G w y n n , the Older Syriac Version of the four minor Catholic Epistles (Her- 
mathena Nr. XVI (Vol. VII) 1890, 281314). Ad. M e r x , Die in der Peschito 
fehlenden Briefe des Neuen Testamentes in arabischer der Philoxeniana ent- 
stammender Ubersetzung. Nach der Abschrift eines Manuscripts des Sinai-Klosters 
von Frau A. Persis Burkitt veroffentlicht und mit Anmerkungen versehen 
(Z. f. Assyriologie 12 : 1) Texte S. 240252. 2) Anmerkungen S. 348381. 13, 
1 28). R. L. Ben sly, the Harklean Version of the Epistle to the Hebrews. 
Chap. XI. 28 XIII. 25. Now edited for the first time with introduction and notes 
on this version of the Epistle. Cambridge 1889. (Hier die S. 115 erwahnte Schlufi- 
schrift, welche die Handschrift des Pamphilus erwahnt.) A. Hilgenfeld, 
Thomas von Heraklea und die Apostelgeschichte (ZwTh 1900, 3, 401422). 
A. Pott, der abendlandische Text der Apostelgeschichte und die Wir-Quelle. Eine 
Studie, Leipzig 1900; dazu Bousset (ThLz 00, 606609). M. D. Gibson, An 
arabic version of the Acts of the Apostles and the Seven Catholic Epistles from 
an eight or ninth Century Ms in the Convent of St. Catharine on Mount Sinai, 
London 1899 (Studia Sinaitica VII). 

6) Zum Evangeliarium Hierosolymitanum vgl. Urt. 228, 237 ; Th. Z a-h n , 
(Forschungen I, 329ff.); Lagarcle, Mitteilungen 1, 111. 4, 328. 340; A. de La- 
garde, Erinnerungen an Paul de Lagarde, S. 112 ff. Die neue Ausgabe : The 
Palestinian Syriac Lectionary of the Gospels Re-edited from two Sinai Mss. and 
from P. de Lagarde's edition of the 'Evangeliarium Hierosolymitanum' by A. 
S. Lewis and M. D. Gibson, London 1899. 4. Biblical fragments from Mount 
Sinai, edited by J. R. Harris, London 1890. The Palestinian Version of the 
Holy Scriptures, Five more fragments . . ed. byH. Gwilliam, Oxf. 1893 (Anec- 
dota Oxoniensa, Semitic Series V). Ebenda IX, 1896 : Biblical and Patristic Relics 
of the Palestinian Literature etc. edited by G. H. Gwilliam, F. C. Burkitt, 
and J. F. S t e n n i n g. Das in Studia Sinaitica VI veroffentlichte Lektionar A. 
Palestinian Syriac Lectionary containing Lessons from the Pentateuch etc. edited 
by A. S. Lewis, with Critical Notes by Prof. Eb. Nestle and a Glossary by 
M. D. Gibson Lond. 1897 ; Palestinian Syriac Texts from Palimpsest Fragments 
in the Taylor-Schechter Collection, London 1900. 4. Nouveaux fragments Syro- 
palestiniens de la bibliotheque imp6riale publique de Saint-Petersburg, public's par 



Die lateinisclien tJbersetzungen: Hieronymus. 121 

P. Kokowzoff, avec quatres planches en phototypie, S. Petersbourg 1906 f ol. 
(enthalt nichts Biblisches). F. Schwally, Idioticon des christlich palastinischen 
Aramaisch, Gieflen 1893, kommt neben Fr. Schulthefi, Lexicon Syropalaestinum, 
Berolini 1903 nicht mehr in Betracht. Zur Grammatik vgl. noch immer Noldeke 
(ZdmG 22, 1868, 443 ff.); G. D aim an Grammatik des Judisch-palastinischen 
Aramaisch 3 1905 (p. 41). J. T. Marshall, Eemarkable readings in the Epistles 
found in the Palestinian Syriac Lectionary (JThSt. 5, 437445). F. C. Burkitt, 
The Palestinian Syriac Lectionary (JThSt 6, 9198) enthalt vom NT. Stiicke aus 
n ; q , 1, 2 x. y, e, q>, x, 1 &, 1.2r, T, ; I. In der von G. Margoliouth 1896 
verb'ftentlichten Liturgy of the Mle (Journal of the R. Asiatic Society of Great 
Britain and Ireland. Oct. 1896, 667733, auch in Sonderdruck) findet sich n 16, 
1634. Fr. Schulthefi, Christlich-palastinische Fragmente (ZdmG 56, 1902, 
249 261. G. Margoliouth, The Palestinian Syriac Version of the Holy 
Scripture, London 1897. Abdruck aus SBArch. Proc. 18, 223236; 275283; 19 
3960. 



1>) Die lateinisclien iJberaetznngen deu Neueu Testaments. 

Hieronymus. Im Jahr 382 wird es gewesen sein, dafi Papst 
Da mas us in Rom den um 345 an der dalmatischen Grenze in 
Stridon geborenen, in Rom gebildeten, eben von seinem Einsiedler- 
leben in Palastina dorthin zurtickgekehrten Hieronymus 1 ) (f 420) 
das w prudens animal ad praesepe Domini" wie er bei Marcell 
Com. p. 63 heiBt, den vir trium linguarum als der er spater bertihmt 
war aufforderte, eine Revision der damals in Rom im Gebrauch 
befindlichen lateinisclien "Ubersetzung des NT.s zu unternehmen. 
Das Schreiben, mit welchem Hieronymus im Jahr 383 dem sclion 
im nachsten Jahr verstorbenen Damasus den ersten Teil des fertigen 
Werks, die Evangelien, iiberreichte, begann er mit den Worten: 
Ein neues Werk zwingst du mich zu machen aus einem alten. 
Nachdem so viele Exemplare der Schriffc in der ganzen Welt zer- 
streut sind, soil ich mich gleichsam als Schiedsrichter hinsetzen 
und, weil sie unter einander variieren, entscheiden, welche mit der 
griechischen Wahrheit tibereinstimmen. Eine fromme Arbeit, aber 
ein gefahrliches Unterfangen, tiber andere zu richten, um von 
alien gerichtet zu werden. Der nachste beste, ob gelehrt, ob un- 
gelehrt, der eine Bibel in die Hand nimmt und eine Abweichung 

J ) Uber die Heimat des Hieronymus s. F. Bulic, Wo lag Stridon, die Heimat 
des h. H. (Festschrift fur Otto Benndorf, Wien 1898); La patrie de S. Jerome 
(Analecta Bollandiana 18, 3). Zu seinem n Prologus galeatus" 'Vgl. Moysi expositio 
edidit F. Gustafsson, Helsingfors 1897, 30 S. 4 (= Acta Societatis Fennicae t. 22, 
n. 3) : Expositio in graecas dictiones quae inveniuntur in prologo S. Hieronymi, von 
einem Magister Moysis auf Bitten eines englischen Klerikers im XII. Jahrhundert 
abgefafit; genauer als in Pitra's Analecta 1888. 



122 Die Materialien der neutestamentlichen Textkritik. 

von dem iliin gewohnlichen Texte wahrnehme, werde ihn sofort 

als gotteslasterlichen Falscher verurteilen, der in den alten Schriften 

etwas zuzufugen, zu andern, zu korrigieren wage. Aber Hieronymus 

trostet sich damit, dafi der oberste Priester es sei, der ihm dies 

aufgetragen, und daC das eigene Zeugnis seiner miCgunstigen 

Gegner beweise, dafi das nicht richtig sei, was yariiere (verum non 

esse, quod variat). Denn wenn man den lateinischen Exemplaren 

Grlauben schenken solle, so sollen sie erst sagen welchen: tot sunt 

paene, quot codices; es seien fast so viel Eezensionen als Hand- 

schriften. Wenn ihrer Mehrzahl, warum nicht lieber auf das 

griechische Original zuriickfuhren, was fehlende Ubersetzer schlecht 

ubertragen (a vitiosis interpretibus male edita), unerfahrene An- 

maflung verschlimmbessert (a praesumptoribus imperitis emendata 

perversius), schlafende Schreiber hinzugeffigt oder geandert haben 

(a librariis dormitantibus aut addita sunt aut mutata) 1 ). Als Bei- 

spiele dieser Art fnhrt er 384 in einem Brief an seine gelehrte 

Freundin Marcella an, daC man bisher Q 12, 11 tempori servientes 

gelesen habe statt domino servientes (naiQCt) statt XVQKO), 1 T 5, 19 

gegen einen Presbyter soil man keine Klage annehmen, statt mit 

deni Zusatz: auCer auf zwei oder drei Zeugen hin, 1 T 1, 15. 3, 1 

humanus sermo statt fidelis. In alien 3 Fallen geben unsere neuesten 

kritischen Ausgaben dem Hieronymus gegen die altlateinische Uber- 

setzung recht; beim letzten ist bis jetzt sogar nur eine einzige 

lateinisch-griechische Handschr. bekannt, die av&Qcomvog statt ma-rog 

hatte, D*, und auch das nur 3, 1. So hat er zunachst die Evan- 

gelien und zwar in der uns durch ihn jetzt gelaufigen Reihenfolge 

MftAi unter sorgfaltiger Yergleichung alter griechischer Hand- 

schriften (codicum Graecorum emendata conlatione sed veterum) 

in verbesserter IJbersetzung herausgegeben, dabei sorgfaltig acht 

habend, nur da zu andern, wo eine wirkliche Anderung im Sinn 

notwendig war, im tibrigen sich an das gewohnte Latein an- 

schlieCend. Auch die Eusebianischen Canones hat er in seine Be- 

arbeitung aufgenommen (s. die Vorrede und den Eand meiner 

Ausgabe). 

Augnstin. Um dieselbe Zeit schreibt der groBe Kirchenlehrer 
Augustin (354 430) in Afrika von einer unendlichen Verschieden- 
heit und Unzahl der Ubersetzer (latinorum interpretum infinita 
varietas, interpretum numerositas). Er sagt, diejenigen, welche die 



*) Die Epistula ad Damasum jetzt auch vor meinem N. T. latine (1906) und 
graece et latine. 



Hieronymus; Augustinus; ,,Itala". 123 

Bibel (das AT.) aus dem Hebraischen ins Griechische fibersetzt 
batten, konne man zahlen J ), die lateinisohen "Qbersetzer unmoglich. 
Sobald einem in den ersten Zeiten des G-laubens (prinais fidei 
temporibus) ein griechischer Kodex in die Hand gekommen, und 
er sick einige Kenntnis b eider Sprachen zugetraut, habe er eine 
Ubersetzung gewagt (ausus est interpretari) 2 ). Er selber rat, die 
italische Ubersetzung den andern vorzuziehen, sie sei getreuer tind 
verstandlicher : in ipsis autem interpretationibus Itala ceteris 
praeferatur. Nam est verborum tenacior cum perspicuitate sen- 
tentiae 3 ). 

,,Itala a . Auf Grund dieser Stelle (de doct. christ. 2, 14. 15) 
faCte man die vorhieronymischen Ubersetzungen unter dem Namen 
der Itala zusammen; im Unterschied davon nennt man die eigene 
Arbeit des Hieronymus, weil sie im Lauf der Jahrhunderte in der 
mittelalterlichen Kirche allgemein durchgedrungen ist, insbesondere 
seit dem Konzil von Trient im Unterschied yon den damals neu 
entstehenden Ubersetzungen die V u 1 g a t a. Genauer nennt Augustin 
selbst aber eine einzelne Ubersetzung itala, und das heiCt nach 
dem Sprachgebrauch. jener Zeit nichts anderes, als eine in Italien 
d. h. speziell Oberitalien, in der Lombardei entstandene oder ge- 
braucnliclie. DaC Augustin in Afrika eine solche benutzte, begreift 
sich leicht, da er ja Schuler des Erzbischofs Ambrosius von Mai- 
land gewesen ist. Und neuestens hat Burkitt die insbes. von 
C. A. Breyther 1834 (s. S. 126) vertretene Ansicht erneuert, da6 
Augustin damit gar nichts anderes als des Hieronymus Revision 
der Evv. meine; also sagt man statt Itala besser vorhieronymiscL 
oder noch kurzer altlateinisch. 



1. Das lateinische NT. vor Hieronymus. 

Alter, Ort und Zabl der altlateinischen Texte. Wo, wann 
von wem ist zuerst das NT. oder zunachst nur dieser oder jener Teil 



1) Nach einer Auffassung denkt er dabei an die M Septuaginta a ; wahrschein- 
licher ist mir, dafi er dabei die drei oder vier anderen Ubersetzungen im Auge hat, 
die Origenes neben der Septuaginta in der Tetrapla und Hexapla vereinigte (Aquila, 
Symmachus, Theodotion). 

a ) Noch B. W. G r i n f i e 1 d , (An Apology for the Septuagint 1850 p. 44) 
setzt ihren Ursprung probably in the Apostolic age or very soon afterwards. 

3 ) Far Itala schlug Casley (im Katalog der Londoner Hdss. 1739) ilia 
caet. praef., quae est vor, was Bentley, Venema, Lardner, Ernesti billigten, wahrend 
Kreyssig und Haenlein Potter's Konjektor U s i t a t a empfahlen. 



124 Die Materialien der neutestamentlichen Textkritik. 

desselben ins Lateinische tibertragen worden? Nach der angeftihrten 
Stelle Augustins vom nachsten besten, schon in den ersten Zeiten 
des Glaubens. Als Ort dachte man frtiher meist Rom. Aber es 
wurde schon bemerkt, daC in Rom, zumal in den Kreisen, die 
christlich wurden, vielfach griechisch geschrieben wurde. P. Mar- 
cellinus Molckenbuhr, Franziskaner, erklarte noch 1818 das 
Lat. fur die Originalsprache. des NT.s, was sein Schtiler Ant. Jos. 
B interim Pf. in Bilk und Dtisseldorf in der Epistola catholica 
interlinearis de lingua originali novi Testamenti non latina, ubi et 
de S. Scriptura in lingua vulgari promiscue non legenda. Diissel- 
dorpii 1820. 254 S. 4 widerlegte (s. ThQS 1820, 400441). 
Dabei S. 55 die ganz richtige Bemerkung gegen van Ess und 
andere: est autem aliud quod mirari nunquam desinaui; neminem 
scilicet illorum translatorum rationem reddere, quare graecum 
textum praeponat latino, nee assignare quern graecum intelligat 
textum. Norunt eruditi omnes hodiernum graecum dissidere mul- 
tum ab antiquo, purum graecum a graeco-barbaro, et latinum 
nostrum fideliorem esse graeco moderno. Ftir \i wurde vielfach 
Lateinisch als Ursprache angenommen, s. o. S. 95. Die ersten 
romischen Bischofe haben lauter griechische Namen; auch der 
erste Yertreter der romischen Gemeinde, der einen lateinischen 
Nameii hat, jener Clemens, der um 95 das Sendschreiben nach 
Korinth abfaCte, schrieb griechisch. Aus Suetons Leben des Kaisers 
Klaudius 4, 11 sieht man, daB die Halfte der Brief e und Gesprache 
in Rom griechisch waren ; Juvenal sagt (Sat. VI, 184 190): 
Hoc sermone pavent, hoc iram gaxidia, curas, 
Hoc cuncta effundunt animi secreta: quid ultra? 
Concumbunt Graece. 

Vgl. auch Sat. VII, 184. Das uns durch Macrobius lateinisch er- 
haltene Wort des Kaisers Augustus (Saturn 2, 4): melius esse, 
Herodis porcum esse quam filium, wird erst recht witzig, wenn man 
es ins Griechische zurticktibersetzt (vv tf vlov). 

Afritanisches Latein. Weiter machte man, als man die Reste der 
altlateinischen Bibeln zu studieren anfing, die Beobachtung, dafi 
ihre Sprache in Wortschatz und Grammatik sich durchaus mit 
derjenigen deckt, die man bei afrikanischen Schriftstellern jener 
Zeit findet, zum Teil nur bei solchen. Freilich sind uns aus jener 
Zeit eben vorwiegend solche Schriftsteller bekannt, die aus Afrika 
stammen. So gait es bis vor kurzem als ziemlich ausgemacht, 
daC man den Ursprung der lateinischen Bibel auch in Afrika zu 
suchen habe. Aber seither ist man einerseits in der Beurteilung 



Heimat der Lateiner: Rom, Afrika, Antiochia. 125 

der fl Afrikanismen" vorsichtiger geworden, andererseits hat man 
die Tatsache, daB unsere altlateinischen Bibelzeugen sich so viel- 
fach mit den altsyrischen beruhren, nicht aus spaterer Beeinflussung 
der einen Klasse durch die andere, sondern aus ursprtinglicher Ver- 
wandtschaft abgeleitet. Sclion E. E/anke zog aus der Uber- 
setzung legati ftir tfyefidves (G-en 36 15 ) den SchhiB, daB der Ur- 
sprung dieser Ubersetzung in einer kaiserlichen Provinz gesucht 
werden nrasse (Par Palimpsest. Wirceburg p. 432). Kaulen (Ge- 
schichte der Vulgata 140:ff.) wies auf Spuren genauer Kenntnis 
des Hebraischen oder Aramaischen in der altlateinischen Uber- 
setzung hin. Die Bertihrung ihres Textes mit altsyrischen ist oben 
genannt. Z a h n (G-K. I, 422) erklarte dies damit, daB Tatian, 
durch den das NT. den Syrern zugekommen, seinen Text aus Rom 
mitgebracht habe; den umgekehrten SchluC zog Kennedy (DB 3, 
54), daB die ursprungliche Heimat der altlateinischen Ubersetzung 
Syrien, wahrscheinlich Antiochien, sei. Eine ahnliche An- 
sicht vertrat S a n d a y in seiner Anzeige von Harris' Study of 
Codex Bezae im Guardian vom 18. und 25. Mai 1892. Ist dem 
so, so ist dies ein weiteres Verdienst Antiochiens um die clirist- 
liche Kirche. 

AuBerdem traten viele mit Entschiedenheit dafur ein, daB 
trotz der Angaben des Hieronymus und Augustin und trotz 
der verschiedenen Formen, in denen uns die altlateinische Bibel 
heute noch vorliegt, doch alle auf denselben Ursprung oder 
hochstens auf zwei Wurzeln zurnckzufuhren seien, daB von einer 
unendlichen Vielzahl der Ubersetzer vollends fur die alteste Zeit 
nicht geredet werden konne. Leider ist die Entscheidung dieser 
Frage deshalb erschwert, weil uns die vorhieronymische Bibel 
zwar in sehr alten, aber nur in wenigen und dazu meist ver- 
stummelten Exemplaren erhalten ist. Denn als die neue Uber- 
setzung des Hieronymus mit der Zeit in immer ausschlieBlicheren 
Gebrauch kam, verloren die Hands chrif ten der alter en ihren Wert, 
wurden um so mehr zu Palimpsesten und Btichereinbanden ver- 
wendet. Man nehme hinzu, wie leicht der Text beider verderbt 
werden konnte, indem der Schreiber einer altlateinischen Bibel 
einzelne Stellen aus Hieronymus entweder auf den Rand setzte 
oder gleich in den Text eintrug, die ihm als entschiedene Besserung 
erschienen, oder umgekehrt einer, der die neue Ubersetzung 
schreiben sollte, unwillkiirlich Ausdrticke einflieBen lieB, die ihm 
aus der alten gelaufig waren. Von der Arbeit des Hieronymus 
schatzt man die Zahl unserer Handschriften auf viele tausend; bei 



126 Die Materialien der neutestamentlichen Textkritik. 

Gregory (Textkritik S. 634729) sind unter der Uberschrift M Einige 
Vulgata-Handschriften" 2369 katalogisiert mit der Bemerkung am 
SchluB ,,Vielleicht fiige ich nocli einige Vulgata-Handschriften im 
Nachtrage bei". Samuel Berger, der griindlichste Forscher auf 
diesem G-ebiet hat in Paris allein 800 untersucht; vom altlateinischen 
NT. kennt man nur etwa 40. Das Verdienst, die E/este dieser 
vorhieronymischen Ubersetzungen fiir das A. und NT., soweit sie 
friiher zuganglich waren, gesammelt zu haben gebuhrt dem fran- 
zosischen Mauriner Petrus Sabatier und dem Oratorianer Jos. 
Bianchini (Blanchinus) aus Verona. InneuererZeithaben'sichhaupt- 
sachlich Englander um sie Verdienste erworben. In den kritischen 
Ausgaben des NT.s werden sie mit den Buchstaben des kleinen 
lateinischen Alphabets bezeichnet. 



Uteratm*. 

1) Zu den lateinischen Ubersetzungen ist neben TiGr. 948 1108. 1313, Text- 
kritik S. 593 729, Canon 407 417 besonders Scrivener zu vergleichen, f fir 
dessen 4. Auflage H. J. White, der Mitarbeiter von Wordsworth, das Kapitel fiber 
M The Latin Versions" umgearbeitet hat (II, 4190); H. A. A. Kennedy (DB III, 
4762); Burkitt (BB 4992 4998); White (DB. IV, 873890); Corssen, 
Bericht fiber die lateinischen Bibeltibersetzungen, Sonderabdruck aus dem Jahres- 
bericht fiber die Fortschritte der klassischen Altertumswissenschaft, Leipzig [1899] 
83 S. (= [Bursian] Jahresbericht. Bd. 01. 1899, II). Urt. 85118 (zugleich das 
AT. betreffend). 

2) Zur Itala "-Frage : C. A. Breyther, dissertatio theologico-critica, de 
vi quam antiquissimae versiones, quae eztant, Latinae, in crisin Bvangeliorum IV 
habeant. Merseburgi 1824. 8. 7 12, p. 15 25. L. Ziegler, die lateinischen 
Bibeltibersetzungen vor Hieronymus und die Itala des Augustinus, Mfinchen 1879. 
4. Jos. Zycha, Bemerkungen zur Italafrage, in: Eranos Vindobonensis 1893, 
177184. C. Burkitt, The Old Latin and the Itala. With an appendix con- 
taining ^the text of the S. Gallen Palimpsest of Jeremiah Cambridge 1896 (TStIV, 
3); s. dazu C. Weyman (BPhWS 1897, 1. 1116); Rev. de 1'hist. et de lit. rel. 
1896. Nov.-Dec.; Th. Zahn (ThLbl 1896, 31); S. Berger (Bull. Cr. 1896, 25); 
G. M e r c a t i (Riv. Bibliogr. Ital. I, 257262) ; P. Wendland (ZntW 1, 288. 
290). Zycha (Festschrift f . Joh. Vahlen 553557). Jos. D e n k , Burkitt's These : 
Itala Augustini = Vulgata Hieronymi eine textkritische Unmoglichkeit (Bibl. 
Z. 6, 3, 1908, 225244). Linke, Uber den Plan einer neuen Ausgabe der Itala 
(Arch. f. lat. Lex. 8, 2, 311 f.). P. Desjacques (Etudes rel., phil., hist, et lit. de 
la compagnie de Jdsus, Dec. 1878, 721 744) ; Elvir E h r 1 i c h , Beitrage zur La- 
tinitat der Itala. Rochlitz 1895. 36 S. 4 (Progr. der Realschule) ; ders., quae sit 
Italae quae dicitur, verborum tenacitas, Leipzig, Diss. 109 (mir nur bekannt aus 
LZ 00, 613); H. A. A. Kennedy, The Old Latin Versions and Westcott-Hort's 
Theory of the Traditional Text of the NT. (ET. 10, 187) ; v. Soden 356361 Der 
den vorhieronymischen lateinischen Ubersetzungen zu Grund liegende griechische 
Text (mit Hilfe von A. S chmi d tke). 



Literatur zu den Altlateinern . 127 

3) liter das Sprachliche : Herm. R o n s c h [f 5. 11. 1888], Itala und Vul- 
gata. Das Sprachidiom der urchristlichen Itala und der katholischen Vulgata unter 
Beriicksichtigung der romischen Volkssprache durch Beispiele erlautert. Zweite, 
berichtigte und vermehrte Ausgabe, Marburg 1875 (nur Anhang S. 511 526 neu, 
erste Ausg. 1869) ; ders., Die altesten lateinischen Bibeliibersetzungen nach ihrem 
Werte fiir die lat. Sprachwissenschaft, in: Collectanea philologa, Bremen 1891, 
1 20. Fr. K a u 1 e n , Sprachliches Handbuch zur Vulgata. Eine systemat. Darstellung 
ihres lat. Sprachcharakters, Mainz 1870, 2 1904 ; G. A. S a a 1 f e 1 d , De Bibliornm S. Vulgatae 
Bditionis Graecitate. Quedlinburg 1891 (XVI. 180); Jak. Felder, Die lat. Kirchen- 
sprache nach ihrer geschichtlichen Bntwicklung, Feldkirch (Progr. 47 S.). 

4) Textverb'ffentlichungen : Alteres Eauptwerk, noah immer nicht ersetzt 
(namentlich nicht fiir das AT.) : Bibliorum Sacrorum Latinae Versiones Antiquae, 
seu Vetus Italica, et Caeterae quaecunque in Codicibus Mss. & antiquorum libris 
reperiri potuerunt: Quae cum Vulgata Latina, & cum Textn Graeco comparantur. 
Accedunt Praefationes, Observationes, ac Notae, Indexque novus ad Vulgatam 
e regione editam, idemque locupletissimus. Opera & studio D. Petri Sabatier. 
Remis 1743. 3 Bde. fol. (das NT. im dritten Bande, der, wie die beiden ereten, in 
einzelnen Exemplaren auf dem Titel die Jahreszahl 1743, aber am Schlufi, S. 1115, 
die Bemerkung hat: E prelo exiit hie Tomus anno 1749; B Romae 1713 19" bei 
TiGr. 1350 ist Drucldehler. Die Approbationen des ersten Bandes sind yom Jahr 
1737 ; neue Titelauflage : Parisiis, Franc. Didot 1751 ; antiquarisch 300500 M.). 
Fast gleichzeitig: Evangeliarium quadruplex Latinae versionis antiquae seu veteris 
Italicae Nunc primum in lucem editum ex Godicibus Manuscriptis aureis, argenteis 
purpureis aliisque plusquam millenariae antiquitatis sub auspiciis Joannis V. regis, 
fidelissimi Lusitaniae, Algarbiorum &c. a Josepho Blanchino Veronensi. Romae 
1749. 2 Riesenbande. fol. (antiq. 80 M.). Die Arbeit wieder aufgenommen in 

Old-Latin Biblical Texts drawn from Mss which are either un- 
published or have been inadequately published, Oxford, at the Clarendon Press, bis 
jetzt 5 Nummern : . No. I. The Gospel according to St. Matthew from the St. Ger- 
main MS. (g t ), now numbered Lat. 11553 in the National Library at Paris, with 
Introduction and Five Appendices, edited by John Wordsworth DD., 1883(6 sh.). 
No. II. Portions of the Gospels according to St. Mark and St. Matthew from 
the Bobbio MS. (k), now numbered G. VII. 15 in the National Library 'at Turin, 
together with other Fragments of the Gospels from six MSS. in the Libraries of 
St. Gall, Coire, Milan and Berne (usually cited as n, o, p, a. 2 , s, and t). Edited 
with the aids of Tischendorf s Transcripts and the printed Texts of Ranke, Ceriani 
and Hagen, with two Facsimiles, by John Wordsworth, DD. . . . ; W. S a n - 
day, MA., DD. ...; and H. J. Whit e , MA., 1886 (21 sh.). No. Ill The Four 
Gospels, from the Munich MS. (q), now numbered Lat. 6224 in the Royal Library 
at Munich. With a Fragment from St. John in the Hof-Bibliothek at Vienna 
(Cod. Lat. 502). Edited, with the aid of Tischendorf's Transcript (under the 
direction of the Bishop of Salisbury), by H. J. W h i t e , MA., 1888 (12 sh. 6 d.). 
No. IV: Portions of the Acts of the Apostles, of the Epistle of St. James, and of 
the First Epistle of St. Peter from the Bobbio Palimpsest (s), now numbered Cod. 16 
in the Imperial Library at Vienna. Edited, with the aid of Tischendorf's and 
Belsheim's printed Texts by H. J. W h i t e , MA. With a facsimile, 1897 (5 sh.). 
No V: The four Gospels from the- Codex Corbeiensis (ff[orff. 2 ]). Being the first 
complete edition of the ms. now numbered lat. 17225 in the national library at 
Paris, together with fragments of the catholic epistles, of the acts and of the 



128 Die Materialien der neutestamentlichen Textlmtik. 

apocalypse from the Fleury Palimpsest (h) now numbered lat. 6400 g in the same 
library and for the first time completely edited with the aid of the printed text 
of B e r g e r 'le palimpseste de Fleury' by E. S. Buchanan, M. A., B. Sc., curate 
of Kippington, Sevenoaks, with three facsimiles, 1907 (12 sh 6 d). Einen weiteren 
Teil soil Sanday's Novum Testamentum Irenaei bilden (a. u.). 

An Handschriften haben wir nocli: 

1. Fiir die Evangelien. 

a vercellensis, nacli einer im VIII s. aufgezeichneten 
Tradition von (moglicherweise fur) Biscliof Eusebius von Vercelli 
gesclirieben (f 370 oder 371); nach neueren etwas spater; mit 
Silber auf Purpur (dies in JThSt I, 594 bezweifelt), die Evangelien 
in der Ordnung MiAp, wie in den meisten dieser altlateinischen 
Handschrr.; mit einzelnen Lucken. 

Codex Vercellensis : Quatuor Evangelia ante Hieronymum latine translata 
ex reliquiis Codicis Vercellensis, saeculo ut videtur quarto scripti, et ex Editione 
Iriciana principe demio ededit (so!) Jo. Belsheim, Ghristiania, 1894 (aber siehe 
ThLz. 1894, 21, 534) ; ein Jahr nach Irico auch von Bianchini herausgegeben, (mit 
Fehlern) wiederholt in MPL 12. 

a 2 fragmenta curiensia, V/ VI ein im bischof lichen Archiv 
in Chur gefundenes, jetzt im ratischen Museum daselbst aufbe- 
wahrtes Blatt der Hds. n (s. u.) mit /L 11 11 ~ 29 . IS 16 " 3 *, desselben 
Ursprungs wie a. 

E. E, a n k e , Guriensia evangelii Lucani fragmenta Latina e membranis eruta 
atque adnotationibus illustrata, quibus accedit tabula photographica, Marburgi 1872 
(auch Viennae 1873); ders., Ein kleiner Italafund (ThStKr 1872, 505520); H. 
Ronsch (ZwTh 1873, 455457); P. Batiffol, Note sur un <vang<$liaire de 
Saint-Gall, Paris 1884; OLBT II, 7982. 

a., nennt Gregory, Textkritik S. 600 auch n, o, p. 

b veronensis, IV/VI, gleichfallB auf Purpur und mit 
Lucken, bei Bianchini u. MPL; i 1, 44 8, 12 durch Eadieren 
getilgt. 

A. Spagnolo, L'Evangeliario Purpureo Veronese. Nota. Turino 1899 
(estratta dagli Atti dell' Accademia R. delle Scienze di Torino) ; s. Bibl. Ital. 1900, 
83. 2 1, 46 hat diese Hds. et ait Elisabeth; i 1, 13 qui . . . ex Deo natus est. 

c colbertinus in Paris, Lat 2541 erst aus dem XII, aber 
trotzdem noch fur die Evv. altlateinisch, fur die ubrigen Teile 
des NT.s die Arbeit des Hieronymus enthaltend ; schon bei Sabatier. 

Codex Colbertinus Parisiensis. Quatuor evangelia ante Hieronymum latine 
translata post editionem Petri Sabatier cum ipso codice collata denuo edidit Jo. 
Belsheim, Christiania 1888. 

d der lateinische Text des codex Bezae D; s. S. 71 f. 
e palatinus, IV/V, wie ab und fij auf Purpur mit Gold 
und Silber; jetzt in Wien (1185), ein Blatt in Dublin (Trinity 



Altlateinische Handschrif ten : a li. 129 

College, N. 4. 18); zwei weitere Bruchstiicke nach einer 1762 fur 
Biancliini gemachten Abschrift 1893 von Hugo Linke, das ganze 
1896 von Belsheim. 

Evangelium Palatinum . . . denuo edidit Jo. Belsheim, Christiania 1896 
(VIII, 96), s. v. D[obschiitz], (LOW. 1896, 28). J. H. To.dd, Notice of a fragment 
of an ancient purple ms of the Gospels in the Old Italic Latin Version (Proceedings, 
of the E. Irish Academy Vol. Ill) Jan. 25th 1846, 8 p. H o r t , The codex Pala- 
tinus of the Old-Latin gospels (The Academy 14. Aug. 1880, 117 118&); Linke, 
Neue Bruchstticke des Evangelium Palatinum (Miinchen, SB, phil.-hist. Classe 1893 
2, 281287) ; Tischendorf, Evangelium Palatinum, Leipzig 1847. 

f brixianus, VI, Silber auf Purpur, in Brescia, von Words- 
worth-White in der neuen Vulgata-Ausgabe untor der Arbeit des 
Hieronymus als derjenige Text abgedruckt, welcher dem von Hiero- 
nymus bei seiner Revision zu Grund gelegten am nachsten stehe; 
nach Burkitt (JThSt I, 129 134) vielmehr eine nach dem Go- 
tischen (s. dort) abgeanderte Vulgata. 

ffjL corbeiensis I, wohl XI, einst dem Kloster Corbey bei 
Amiens gehorig, wie andere durch die Revolution nach Petersburg 
gekommen; nur M. 

Als erste altlateinische Hds. von Martianay schon 1695 herausgegeben (Vul- 
gata antiqua Latina et Itala versio evangelii secundum Matthaeum, Paris 1695. 
12 ; von demselben, Remarques sur la version italique de 1'Evangile de saint 
Matthieu qu'on decouverte dans de fort anciens manuscrits, Paris 1695. 4; bei 
Sabatier und Migne, 1881 von Belsheim; s. bei ff 2 . 

2 corbeiensis II, V, (JThSt VI, 257) jetzt in Paris 17225, 
Evv. mit einzelnen Lticken. 

n\ und ff 2 iiber Belsheim's Ausgaben 1881 und 1887 s. E. Ranke (ThLz. 
1887, Sp. 566), Sam. Berger (Bull. crit. 1891, 302 f.) und jetzt Buchanan (s. o.). 

g x sangermanensis I, IX, in Paris 11553, schon von 
R. Etienne fur seine lateinische Bibel von 1538 benutzt; gemischter 
Text ; einen fruhen lateinischen Text des Diatessaron halt Burkitt 
(TSt VII, 2, 46) fur eine der Grundlagen dieses Textes. 

gi, k, n, o, p, q, 8, s 3 , t, v in Old-latin Biblical Texts; ein Faksimile von 
g (= 208u 209r) in Chroust's Monumenta Palaeographica, nach ihm wohl noch 
in VII in Oberitalien geschrieben. 

g 2 sangermanensis II, in Paris (lat. 13169), von einer 
irischen Hand des X, mit einem Mischtext. 

h claromontanus, (IV) V, jetzt im Vatikan (lat. 7223); 
nur fur M altlateinisch; bis 3, 15 und 14, 3318, 12 fehlend. 

Von Mai in Scriptorum Veterum Nova Collectio 3 (1828), 257 bis 288 und 
von Belsheim in den Vorhandlinger for 1892 n. 5 der Christiania Videnskabs 
Selskab herausgegeben. 

Mestle, einlUhrung. 3. flufl. 9 



130 Pie Materialien der neutestamentlichen Textkritik. _ 

i vindobonensis, VII, Bruchstiicke von Aft, auf Purpur 
mit Silber und Gold, lat. 1235. 

Alter (Neues Repertorium fur bibl. und morgenl. Literatur 3, 1791, 115 
bis 170) und bei P a u 1 u s , Memorabilien 7, 1795, 58 96 ; Codex Vindobonensis mem- 
branaceus purpureus . . . Antiquissimae evangeliorum Lucae et Marci translations 
Latinae fragmenta edidit Jo. Belsheim, Lipsiae 1885 (cum tabula). 

j (bei T^Gr. z) saretianus oder sarzannensis, V, 1872 in 
der Kirche von Sarezzano bei Tortona entdeckt, jetzt in Florenz, 
292 Verse aus i, Purpurhandschriffc, noch nicht ganz veroffentlicht. 

Vgl. G. A m e 1 1 i , Un antichissimo codice biblico Latino purpureo conservato 
nella chiesa di Sarezzano presso Tortona. Milano 1872. 

k bobiensis, IV/Y, jetzt in Turin, G. VII. 15, soil einst 
dem h. Columban (f 615), dem Grander von Bobbio gehort haben, 
vielleicht die wichtigste der altlateinischen Handschriften, beim 
Bibliothekbrand 1904 gerettet (A. B o n u s in ET XV, 287); leider 
nur Brachstucke von 



Burkitt, On the age of Codex Bobiensis k. Paper read at the Cambridge 
Philological Society 21. Febr. 01 (s. Cambridge University Reporter March 5. 01); 
ders. und T u r n e r (JThSt. V, 88 ff.) ; F. F. F 1 e c k, Anecdota [= Wissenschaftliche 
Reise II, 3] Leipzig 1837, 1 109 ; Tischendorf (Jahrbiicher der Literatur, 
Wien 184749, Bd. 120 f. 123 f. 126); s. bei g. 

1 r ehdigeranus, in Breslau, 1569 in Venedig von Thomas 
von Rehdiger erworben; in M fehlt 1, 1 2, 15, ziemlich viel in i. 

M und /* schon von J. E.Scheibel, 1763 herausgegeben, 1814vonDavid Schulz 
beschrieben; beide schrieben ^Rhedigeranus" ; in 6 Programmen der Universitat 
Breslau 1865. 66 von H. Fr. Haase herausgegeben: Evangeliorum quattuor vetus 
latina interpretatio ex cod. Rehdigerano nunc primum edita. G. M o r i n , L'ann6e 
liturgique a Aquil^e ant6rieurement a l'6poque Carolingienne d'apres le Codex 
Evangeliorum Rehdigeranus (Rev. Be'ne'd. 19, 1. 2. Janv.-Apr. 1902). 

m keine Hdschr. mit fortlaufendem Text, daher eigentlich 
Her nicht aufzufiihren, sondern eine Hds. (cod. Sessorianus 58 im 
Heiligen Kreuz-Kloster in Eom, VIII/IX) des liber de divinis 
scripturis sive speculum, einer mit TJnrecht Augustin zugeschriebenen 
Sammlung von Belegstellen (testimonia) aus dem A. und NT., aus 
letzterem nur 9, und 3 i nicht benutzend, dagegen den Laodi- 
cenerbrief. 

Herausgegeben von Mai, Nova Patrum Bibliotheca I, 2 . 1852, 1 117 ; besser, 
von Frz. Wei h rich im CSEL Bd. 12, 1887; die NT.lichen Teile von J. Belsheim, 
Fragmenta N'T' ... ex libro . . . Speculum, Christiania 1899 in Videnskab-Selskabet 
Skrifter. Histor. fil. Klasse. Nr. 2, und einzeln; vgl. Weihrich (ZfoG 40, 
1889, 1908). 



Altlateinisclie Handscliriften : i aur. 131 

nop (bei TiGr a 2 ) Bruchstucke in St. Gallon; n, V/VI, -wahr- 
scheinlich seit Grtindung yon St. Gallen in der dortigen Biblio- 
thek, MS 1394, ein Bl. in der Stadtbibliothek, Stucke aus M, fi, t 
19, 13 42; o, VII, vielleicht als Erganzung des letzten fehlenden 
Blattes von n geschrieben, [i 16, 14 20; p, VII oder VIII, 
2 Blatter aus einem irischen MeBbuch. 

Pierre B a t i f f o 1 , Pragmenta Sangallensia (Rev. Arch, 4, 1885, 305321) ; Note 
sur un evangeliare de Saint Gall, Paris 1884; P. Cor ssen (GgA 1889, 1,316318); 
White, The Coire and St. Gall Fragments of the Old-Latin version of the Gospels 
(The Academy 1889. 17. Aug. 104b); s. zu g,. 

q monacensis, lat. 6224, VI/VTI, ursprunglich aus Freising. 
s. zu g t und Hort (Classical Review 1889, 11 f.). 

r oder r x , und r a , usserianus I u. II, in Dublin, r von 
irischer Hand des VI/VII, mit Lucken; r a IX, in M altlateinisch, 
mit r , in p A, i , wovon aber nur 5 Blatter erlialten, mit Hieronymus 
verwandt. 

r herausgegeben von Tho. Kingsmill A b o 1 1 , Bvangeliorum versio ante- 
hieronymiana ex codice TJsseriano (Dublinensi), adiecta collatione codicis Usseriani 
alterius. Accedit versio Vulgata . . . Dublin 1884. 2 Teile. 863 S.; vgl. S. Berger 
(Revue Celtique 6, 1883/5, 348357). 

r 2 s. H. J. L a w I o r , Chapters on the book of Mulling, Edinburgh 1897 
(ch. V p. 76128 The Old Latin Passages) ; von Gregory als /*>" seinem Nachtrag 
vorbehalten, Textkr. S. 711, Nr. 1971. 

s 4 Blatter aus A, VI, in der Ambrosiana in Mailand, von 
Bobbio. 

s. zu g t u. A. M. Ceriani, Monumenta sacra et prof ana . .. Mailand I, 
1861, 18. 

t in Bern, V/VI, ein schwer zu lesender Palimpsest mit 
Stucken aus [i 1. 2. 3. 

s. zu g t ; von St. Hag en entdeckt und veroffentlicht (ZwTh 1884, 470484). 

v in Wien, i 19, 27 20, 11 im Einband eines pactus legis 
Eipuariae (lat. 502) VII, s. zu g r 

z (bei TiGr) s. j. 

aur, aureus oder holmensis, in Stockholm, VII/VIII, fehlt 
nur A 21, 8 30; laut altenglischem Eintrag, als Alfred Konig und 
Ethelred Erzbischof war (871 889), von einem Alderman Alfred 
fur die Christuskirche in Canterbury von den Heiden (Danen?) 
gekauft; spater in Madrid; eigentlich. ein Vulgata-Text mit alt- 
lateinischer Beimischung. 

aur 1878 von Belsheim veroffentlicht. 

9* 



132 Pie Materialien der neutestamentlichen Textkritik. 

6 die Interlinearversion von A (s. S. 80 i), mit interessanten 
Doppelubersetzungen fast in jedem Vers z. B. M 1, 20 yvvatxa, 
uxorem vel coniugem. 

Vgl. J. B. Harris, the codex Sangallensis, Cambridge 1891. 

Tiber die Prologe, welche in vielen altlateinischen (und Vulgata-) Handschriften 
der Evangelien sich finden und in neuerer Zeit zuerst von E. v. Dobschiitz in seinen 
Vulgatastudien genauer gewiirdigt wurden, s. Peter C o r s s e n , Monarchianische 
Prologe zu den vier Evangelien. Bin Beitrag zur Geschichte des Kanons. Leipzig 
1896 (TU. XV, 1) ; dazu Jiilicher (GGA. 1896. 11, 841851); J. S., (Kevue Critique 
1897, 7, 135f.); H.Holtzmann, (ThLz. 1897, 12, Sp. 231ff.); A. Hilgenfeld, 
Altchristliche Prolegomena zu den Evangelien (ZwTh. 1897, 3, 432444). 

Zu diesen Prologen, die (mit dem Muratorischen Kanon, s. spater) am billig- 
sten im ereten Heft von Lietzmann's Kleinen Texten fur theologiscke Vorlesungen 
(Bonn, Marcus und Weber 1902) zuganglich sind, vgl. jetzt Kapitel 1216 (S. 217288) 
in Dom John Chapman's feinem Buch Notes on the early history of the Vulgate 
Gospels (Oxford, Clarendon Press 1908. XI. 299 p. 16 sh), das mir (durch H. J. White's 
Giite) wahrend der Korrektur dieser Seiten zugeht (12. 10. 08). Chapman gibt in 
Kapitel 12 den Text der Prologe mit kritischem Apparat und der hb'chst notigen 
Erklarung (S. 217238), fuhrt in Kapitel 13 (S. 238253) den tiberzeugenden 
Nachweis, dafi Priscillian ihr Verfasser ist, und verfolgt in Kapitel 14 und 15 
(254 288) ihre spateren Bearbeitungen und Schicksale. Er kommt zu dem SchluB, dafi 
Lerinum der Ort ist, von dem sie in unsere Bibelhandschrif ten iibergingen. Von dort kamen 
sie 1) vor 432 nach Irland und in die irischen Handschriften (DEpQ) ; 2) nach einer 
ersten Revision einerseits nach Spanien (Hdss. GT@), andrerseits durch Eugipius, 
der sie wiederum revidierte, a) an Cassiodor und von ihm nach Jarrow in die Hdss. 
AY, b) nach Rom in die Hdss. OXZ; weiteres bei den Vulgatahandschriften. 

Noch keine Bezeichnung hat das Bruchstiick, das P. Leh- 
mann in den Sitzungsberichten der Mtinchener Akademie 1908, 4 
(S. 40 49 des Sonderdrucks) herausgab, enthaltend M 13 6 ~ 12 ; 
A 14 10 ~ 13 ; i 7 25 ~ 29 - 33> 37f - Unbekannt ist mir auch, ob hierher folgende 
Nachricht gehort, die ich dem 52. Jahresbericht des G-ermanischen 
Museums fur 1905, S. 6, entnehine: n So gelangten einige neuauf- 
gefundene Fragmente einer aus dem 6. oder 7. Jahrhundert stam- 
nienden, in der tlieologischen Literatur unter dem Namen des 
,,codex norimbergensis" bekannten Itala-Handschrift, . . . als De- 
posita in die Verwahrung des G-ermanischen Museums." 



2. Fur n. 

d m wie oben; e der lateinische Text von E a ; s. S. 74. 

g der gigas holmensis, eine Biesenhandschrift, die neben 
anderem dieganzelat. Bibelenthalt, in Stockholm, 1648 alsKriegsbeute 
mit dem codex argenteus aus Prag nach Schweden gekommen; 
nur fiir no, altlateinisch, der Rest des NT.s aus Hieronymus. 



Altlateirdsche Handschriften: d w. 133 

Uber Belsheim's Ausgabe der Apostelgeschichte und Offenbarung (Christi- 
ania 1879) s. 0. v. Gebhardt (ThLz. 1880, Sp. 185) ; fur W-W wurde die Hds. 
1891 von H. Karlsson neu verglichen. 

g 2 in Mailand, X/XI, aus einem Lektionarium die Perikope 
Mr den Stefanstag n 6, 87, 2. 518, 4. 

In A. M. Ceriani, Monumenta sacra et profana Mediolani I, 2 (1866), 127/8. 

h (bei TiGr. reg) floriacensis, der Palimpsest von Fleury an 
der Loire, VI/VII, jetzt in Paris, Fragmente von a, n, 1. 2. n und 
1 i in dieser Ordnung; bei BlaB f genannt.- 

Teilweise schon bei Sabatier; nach Arbeiten von Van Sittart, Omont, 
Belsheim am genauesten bei Sam. Berger, Le Palimpseste de Fleury. Paris 1889; 
mit Nacb.tra.gen bei Buchanan 1907 (s. o.). 

p 2 ein NT. aus Perpignan, jetzt in Paris n. 321, erst im XIII 
geschrieben, und fur n altlateinische Beimischungen bietend, 1895 
von Berger herausgegeben, auch von Blass verwertet. 

Un ancien texte latin des Actes des Apotres retrouv6 dans un manuscrit 
provenant de Perpignan par M. Samuel Berger. Tir6 des Notices et Extraits 
des Manuscrits de la Bibliotheque Nationale et autres Bibliotheques Tome XXXV, 
Ire partie. Paris 1895. 4 (44 S.); s. v. Dobschiitz (ThLz. 1896, 4); Hauflleiter 
(ThLbl. n. 9); Schm[iedel] (LCbl. n. 33); B. B[eurlier] (Bull. crit. 1896, 32, 623). 

s 2 bobiensis, V/VI, Palimpsest in Wien, aus n 23, 25 28, 
I und 1 n, 

Nach Arbeiten von Tischendorf (Wiener Jahrbiicher, Bd. 120) und Bels- 
heim 1886, von White in OLBT 4 (s. o.). 

2^ in Oxford, VII/VIII, n mit einer Lucke zwischen 14, 26 
und 15, 32. 

nicht vollstandig veroffentlicht. 

w heiBt bei Blafi eine im 15. Jahrh. wie es scheint in Bohmen 
geschriebene Papierh.andsch.rift des NT.s, jetzt in Wernigerode, die 
in der Hauptsache noch mehr als p den Text des Hieronymus gibt, 
aber namentlich im zweiten Teil von Jt alte Reste erhielt, ahnlich. 
wie das aus einer solchen lat. Hds. geflossene provenoalische NT. 
(nach. einer Lyoner Hds. photolithographiert von Cledat) und die 
vorlutherische deutsche Bibeltibersetzung (s. Urt. S. 127 f.). 

s. Blafi (ThStKr 1886, 436). 

Zu n vgl. insbesondere P. Oorssen, Der Cyprianische Text der Acta 
apostolorum. Berlin 1892. 4 (Progr. 67. Schoneberg-Berlin W). 26 S.; Har- 
n a c k (ThLz 1898, 6, 171 173. Bruchstiicke der altleinischen Ubersetzung der 
Acta Apost., aus Miscellanea Cassinese, 1897). 



134 Die Materialien der neutestamentlichen Textkritik. 

3. Fur die katholischen Briefe. 

li m s wie oben. 

f corbeiensis, X, in Petersburg; I. 

1883 von Belsheim in Theologisk Tidsskrift for den evangelisk-lutherske 
Kirke i Norge (Neue Serie, Bd. 9, Heft 2) und J. Wordsworth, The Corhey 
St. James (ff), and its relation to other Latin versions, and to the original language 
of the epistle in: Studia Biblica [1], 113150 (Oxf. 1885). 

q in Munchen, VI/VII, Stucke aus 1 i, 1. 2. n. 1876 von 
Ziegler veroffentlicht ; in 1 i 5 die Stelle von den 3 hrmmlischen 
Zeugen enthaltend, aber Vers 7 hinter Vers 8. 

Ziegler, Bruchstucke einer vorhieronymianischen Ubersetzung der Petrus- 
briefe. Munchen 1877 (=.Sitzungsberichte 1876, 607660). 

s vgl. OLBT 4. 

4. Fur die paulinischen Briefe. 

m ; defg die lateinischen Teile der griechischen Hand- 
schriften DEFG. 

gue guelferbytanus, VI, Stucke aus Q 11 15 in dem gotischen 
Palimpsest in "Wolf enbuttel ; s. S. 79. 

Tischendorf, Anecdota sacra et prof ana 1855, 153 158. 

r und r 2 in Munchen: r Y/VI, aus Freising; Stucke aus Q, 
1. 2. x, y, e, <p, 1. T, ^ ; r 2 , VII, ein einzelnes Blatt aus y> 4 ; 1 & 1. 

Ziegler, Italafragmente der paulinischen Briefe. Marburg 1876 ; 
Wolfflin, Neue Bruchstucke der Freisinger Itala (Munchener Sitzungsberichte 
1893. 2. 253280). 

r 8 in der Benediktiner Abtei Gottweih an der Donau; Stucke 
von Q 5. 6 ; y 4. 5. von einem Einband. 

Von Ronsch (nicht: Reusch, Urt. S. 93) in der Z. far wiss. Theol. 22 
(1879) 224238 herausgegeben ; von demselben ebenda 1882. 83 ausfuhrliche Er- 
orterung der Doppeliibersetzungen im Boernerianus ; S. B e r g e r (Bull. Or. 1886, 
5, p. 89 f.). 

x 2 IX, in Oxford, die paulinischen Briefe mit einer Lticke 
in I 11, 3413, 25. 

Vgl. Fr. Z i m m e r , Der Galaterbrief im altlateinischen Text, als Grundlage 
fur einen textkritischen Apparat der Vetus Latina (Theologische Scudien und 
Skizzen aus Ostpreufien, Konigsberg 1 (1887), 181). 

5. Fur die Apokalypse. 

AuCer m nur g und h der Apostelgeschichte, von h nur wenig 
Bruchstucke aus c. If. 81 111 1416. 

Fiir a ist aufier dem Palimpsest von Fieury (s. S. 133) und dem gigas hol- 
mensis (s. S. 132) noch keine altlateinische Handschrift bekannt. 



Altlateinische Handschriften u. Vater-Zitate. 135 

Yater-Zitate. Neben diesen wenigen Hdschrr. sind die Zitate 
der lateinischen Kirchenwater um so wertvoller, vor allem die des 
Cyprian von Karthago; dann die des neuentdeckten Prise ill i an, 
des ersten der als Ketzer den Tod erlitt, 385 ; fur die Apokalypse 
die des Bischofs Primasius von Hadrumet um 550, der in seinem 
Kommentar neben seiner eigenen altlateinischen Bibel eine re- 
vidierte Form bentitzte, dieselbe, die auch der afrikanische Dona- 
tist Ticonius gebrauchte. Indem man diese Zeugen nach inren 
Texten zu ordnen suchte, fand man, dafi in den Ew. vor allem k, 
fur Ji h, fur a Primasius und h mit derjenigen Bibel ubereinstimmt, 
die schon Cyprian benutzte; man hat diese Familie darum die 
afrikanische genannt. Der noch altere afrikanische Kirchen- 
lehrer Tertullian muB mit seinen Bibelzitaten hier deshalb 
auBer Betracht bleiben, weil er die neutestamentlichen Stellen, die 
er in seinen lat. Werken anfuhrt, selber wenigstens zum Teil ad 
hoc aus seiner griech. Bibel tibersetzt zu haben scheint; doch 
scheint er auch auf eine schon zu seiner Zeit vorhandene latei- 
nische Ubersetzung hinzuweisen. 

Zu den Bibelzitaten in Augustins Werken stimmt am meisten 
in den Evv. f., weniger q, in den Briefen q, r, r s ; daher nennt 
man diese Gruppe die italische, glaubt aber sie selbst wiederum 
nur als revidierte geglattete Form einer alteren ansehen zu mtissen, 
die man die europaische nannte und fur n in g g 2 s, fur die 
Briefe in ff, ftir a in g vertreten glaubt. 

H. J. White nennt (DB III, 52) als in Betracht kommend folgende Vater 
mit den in Klammern beigefiigten Verweisungen : 

Alcimus Avitus (Berger. hist. p. 2); Ambrosius (Ronsch, ZhTh 1869, 434 
bis 479 ; 1870, 91145) ; Ambrosiaster (Marold, ZwTh 1883, 27ff.) 1 ) ; Arnobius; Auctor 
Exhortationes de poenitentia (Pseudocyprian ; Wunderer, Bruchstucke einer Afri- 
kanischen Bibeliibersetzung, Brlangen 1889); Auctor libri 'de aleatoribus' (Harn a ck 
TTJV, 1, 1888; Miodonski, Anonymus adversus aleatores, Leipzig 1889; Haufi- 
leiter, ThLbl 1889, 5.6.25); de Pascha Computus; De promissionibus (Corssen, 
Der cyprianische Text der Acta Ap. 1892 p. 5) ; Augustinus (E 6 n s c h , ZhTh 
1867, 606634; CSEL. XXVIII, 3, 3 Zychas Vorrede S. VS. und in Eranos 
Vindob. [s. u.] ; D esj acques, Etudes religieuses, 1878, 736 ff., Weihrich, 
Serta Harteliana, Wienl896; Petschenig, BPhWS 1896, 24; E. Preuschen, 
ThLz 1897, 24) ; Barnabas (.ed. Harnack-Gebhardt p. XVI-XXIX) ; Capreolus (Z i e g 1 e r , 
Italafragmente der paul. Briefe 26 28) ; Cassian (CSEL 17 Petschenigs Vorrede 
p. LXXVIIIff. ; Vollmoller, Eomanische Forschungen 2, 392 ff.); Clemens 
(G. Morin, Anecdota Maredsolana II, 1894); Gommodian (Corssen, GgA 1889. 
I. 311 f.); Cyprian (San day, OLBT II, XLIIff.; Eonsch, ZhTh 1875, 85 ff.; 



*) Jetzt : A. S o u t e r , A study of Ambrosiaster (TSt. VII, 4. 1905) ; auch 
Morin (Ed'h. et de lit. rel. 1899, 112). 



136 Die Materialien der neutestamentlichen Textkritik. 

Dombart ZwTh 1878, 374; Lagarde, Symmicta I, 74) 1 ); Didascalia Aposto- 
lorum (Hauler, Wiener Akad. Phil. hist. Kl. Bd. 134, 11.); Fulgentius (Berger, 
Le palimpseste de Fleury p. 16 18) ; Gildas (Haddan and Stubbs, Councils etc., 
Appendix 9) ; Hermae Pastor (Haufileiter, De Versionibus Pastoris H. Latinis I. 
Erlangen 1884) ; Hilarius (A. Zingerle, die lateinischen Bibelzitate bei S. Hilarius 
von Poitiers, Innsbruck 1887) ; Irenaeus (v. S o d e n 373 Der Text des Irenaus ; 
schon 1901 als ,,in the press" von der Clarendon Press angekiindigt : Novum 
Testamentum S. Irenaei mit einer vollstandigen Vergleichung mit den altlateinischen 
Zeugen von Prof. S a n d a y , als Teil der OLBT) 2 ) ; Lactantius (R 6 n s c h , ZhTh 1871, 
531 ff'.; Brandt, Archiv V, 2,192); Lucifer (Dombart, BPhWS 1888, 171); Ma- 
ternus ; Novatian ; Optatus ; Philastrius ; Primasius (Haufileiter, Zahn's For- 
schungen IV, 1224); Priscillian (CSBL 18, Einl. von Schepss u. Archiv 3, 3. 
4 p. 307 ff.) ; Salvian (J. B. Ullrich, De Salviani scripturae sacrae versionibus, 
Neustadt a. Haardt 1893) ; Tertullian (R 6 n s c h , das Neue Testament Tertullians, 
Leipzig 1871 und dazu J. N. tt in Fleckeisens Jahrbiicher 1874, 856 ff.; v. Soden 
372, Der Text des Tertullian); Tyconius (F. C. Burkitt, TSt. Ill, I; H au fi- 
le i t e r , Der Ursprung des Donatismus, ThLbl 1884, 13) ; Victor ; Victorinus 
(Haufileiter, ZkW. 7, 239257) ; Vigilius. 

Dazu mag nachgetragen werden: 

Collatio legum Mosaicarum et Romanarum (ed. Mommsen in Jus antejust III.) ; 
F. C. Burkitt, the Biblical Text represented by the Rosweyd rencension (der 
historia Lausiaca) in B u 1 1 e r , The Lausiac History of Palladius 1 7076 (TSt VI, I) ; 
Jovinian ; Maximin (ThLz 1900, Sp. 17) ; Pelagius (ThLz 02, Sp. 212) Verecundus ; 
Denifles Nachweis vorhieronymischer Bibelzitate in Luthers Richtervorlesung (s. 
Merkle, DLz 04, 1233). J. Denk, Wie ich mir einen neuen Sabatier vorstelle 
(Bib. Z. 6, 4, 1908, 337344). 

Yarianten des Altlateiners. Als Probe, wie sich die einzelnen 
Formen von einander imterscheiden, kann A, 24, 4. 5. 11. 13 aus 
abcdef und vg (= Vxilgata) dienen. 

Nach. et factum est dum, das in alien 7 gemeinsam ist, 
heifit es: 

1. stuperent ac, mente consternatae essent b; vg; m. c. sunt 
e, aporiarentur d, haesitarent f. 

2. de hoc acf, de facto b, de eo d, de isto e; vg. 

3. ecce acdf; vg; et ecce be. 

4. viri duo af, duo viri bcde; vg. 

5. adstiterunt af, astiterunt c, adstisterunt d, steterunt be; vg. 

6. iuxta illas af, secus illas bee; vg; eis d. 

7. in veste fulgenti af; vg; in v. fulgente bee; in amictu 
scoruscanti d. 



*) Jetzt: J. Heidenreich, Der neutestamentliche Text bei Cyprian, verglichen 
mit dem Vulgata-Text. Bine textkritische Untersuchung zu den Schriften des NT.s, 
Bamberg 1900. 

2 ) Jetzt: H. Jordan, Das Alter und die Herkunft der lateinischen tiber- 
setzung des Hauptwerkes des Irenaeus (Theolog. Studien. Theodor Zahn zum 
10. Oktober 1908 dargebracht, S. 133192, bes. 182 ff.). 



Yarianten des Altlateiners. 137 

8. v. 5 : timore aut<em adprehensae inclinantes f aciem ad terrain 
a; cum timerent autem et declinarent vultum in terram bef; vg; 
conterritae autem inclinaverunt f aciem in terram c; in timore 
autem factae inclinaverunt vultus suos in terra d. 

9. v. 11: et visa sunt abcef ; vg (doch c visae); et paruerunt d. 

10. illis a, ante illos b ; vg ; apud illos ce, in conspectu eorum 
d, coram illos f. 

11. tanquam a, sicut be; vg; quasi cdf. 

12. delira a, deliramentum bef; vg (aber b schreibt -lirr-, 
f -ler-); deliramenta c, derissus d. 

13. v. 13: municipium a, castellum bcdef ; vg. 

14. stadios habentem LX ab hierusalem a, quod aberat stadia 
sexaginta ab hierusalem b, quod abest ab ierosolymis stadia sexag. 

c, iter habentis stadios sexag. ab hierus. d, quod est ab hierosolymis 
stadia septem e, quod aberat spatio stadiorum LX ab hierus. f, 
quod erat in spatio stad. sex. ab hier. vg. 

15) cui nomen a, nomine bcdef; vg. 

16) ammaus a, cleopas et ammaus b, emmaus cf; vg; alammaus 

d, ammaus et cleopas e. 

Man vergleiche weiter aus K 22, 26 praeest abfg princeps est 
r, primus est 1 praesens est e ducatum agit d praecessor est vg. 
Aus i 9, 22 de synagoga eiceretur a, de s. eiciatur d, eiceretur de 
s. 1, proiceretur de s. r, expelleretur de s. e, extra s-am fieret vg. 
16, 2: absque s-is facient vos vg, removebunt vos de s. r, expulerunt 
v. a s-as e, de s-a v. eicient d, extra s-am fecerunt (facient) v. a 
e f?2 gat, eicient v. de s. 1, in s-a v. eicient g , de s-a vos ex- 
pellent f. 

Ebenda obsequium Deo vg, sacrificium afg, hostiam d cul- 
turam e officium Cypr. praestare vg adferre e offerre adg obtulisse f 
facere Cypr. 

1st es da fast nicht genau so, wie Hieronymus sagte: tot 
exemplaria, quot codices. Nun nehme man aber hinzu, daB dieses 
Schwanken der latein. Hdschrr. nicht einfache Folge der ver- 
schiedenen Ubersetzungen ist, sondern daB auch die griechischen 
Hdschrr. ahnliches Schwanken aufweisen in /I 24, 4 zwisehen 
1. anoQEia&at und dianoQEia&ai (oder dianoqeiv), 2. neqi rovtov und 
SISQI CCVTOV, 3. idov und xai idov, 4. avd^ec, dvo und dvo avdq., 
5. snsavriaav und naQEiavrjxeiaav, 7. ev eod-qTi aaiQamovori (oder 
haiinQa) und EV ea&yoeaiv aatqantovoaic, (oder /levxatg), 8. evcpoptov 
(oder w (po^cj) de yEVOfiEVtov v.ai xhivovotov und svfpoftoi <5e ysvofisvai 
, 9. xa nQoatona und 10 nQoawnov (avtoiv) ; v. 1 1 : 10. 



138 Die Materialien der neutestamentliclien Textkritik. 



und seiner Auslassung; v. 13 zwischen 14. el-ijxovva und exatov 
, 15. $ ovopa und ovofiaii ! ), 16. E^iaovg und ov^a^fiaovc, (8. 
15.16 nur in D). Das sind Beispiele genug zum Beweis, welche Aufgabe 
es ist, aus diesen widerstreitenden Zeugnissen moglichst die Urgestalt 
oder die Urgestalten herauszuschalen; zugleich auch Belege wie sin- 
gular Dd unter alien andern dasteht; endlich auch eine Probe, wie 
Fehler entstehen konnen. Ein alter Leser, vielleicht auch schon ein 
erster Ubersetzer, falls dieser in seinem griechischen Text statt des un- 
miBverstandlichen $ ovofia mit D ovarian hatte, bezog dies n mit 
Namen Emmaus" statt auf den Flecken auf das Subjekt des 
Satzes : ,,es gingen zwei", trug dann aus V. 18 den Namen Cleopas 
schon hier ein, den dann ein . anderer noch vor Emmaus setzte. 
Ganz wie Hieronymus sagte: a vitiosis interpretibus male edita, 
a praesumptoribus imperitis emendata perversius, a librariis dor- 
mitantibus aut addita aut mutata. Schon bei Ambrosius von 
Mailand heiCen die zwei regelmaCig Ammaon et Cleopas. 

2, Das lateinische Neue Testament des Hieronymus. 

Verhaltnismafiig einfacher ist die Aufgabe, die Arbeit des 
Hieronymus wiederherzustellen. Schon weil man es mit einer ur- 
sprfinglich einheitlichen GroCe zu tun hat, soweit die Urhandschrifb 
nicht etwa Korrekturen oder Randbemerkungen hatte; dann weil 
die Zahl der erhaltenen Handschriften eine sehr groCe ist, endlich 
die eine und andere jedenfalls bis ins sechste Jahrhundert hinauf- 
geht, und wir auch Nachrichten zur tJberlieferungsgeschichte dieser 
Arbeit haben. Das erste fertige Exemplar der Vulgata sandte H. 
an Lucinius Beticus nach Spanien; s. S. Berger (Ebmania28, 360); 
man wird also fragen, ob nicht spanische Handschriften einen be- 
sonders guten Text erhalten haben. In einem von irischer Hand 
des VIII. oder IX. Jahrh. geschriebenen Codex, der einst der 
Kirche des h. Willibrord in Echternach gehorte und heute in 
Paris ist, steht am Schlusse aus der Vorlage kopiert: proemendavi 
ut potui secundum codicem in bibliotheca Eugipi praespiteri quern 
ferunt fuisse sci Hieronymi, indictione VI p(ost) con(sulatum) 
Bassilii u. c. anno septimo decimo. Das ware im Jahr 558 ge- 
wesen. Nicht in diese Zeit, in die man ihn sonst verlegte, gehort 
der jetzt in Florenz befindliche codex Amiatinus, da jetzt ur- 
kundlich nachgewiesen ist, daC ihn der Abt Ceolfrid von Wear- 



x ) Ganz dieselbe Verschiedenheit Tobias 6, 10 zwischen den beiden im Codex 
Yaticanus und Sinaiticus vertretenen Eezensionen. 



Die Arbeit des Hieronymus. 139 

mouth schreiben HeC, der am 25. Sept. 716 in Langres auf der 
Eeise nach Eom gestorben ist, wohin er diesen Kodex als Geschenk 
far den Stuhl Petri bringen wollte. Einen der altesten und wert- 
vollsten besitzt Fulda, vielleicht schon seit den Zeiten des Boni- 
fatius. Denn der codex Fuldensis ist im Auftrag des Bischofs 
Viktor von Capua zwischen 540 und 546 geschrieben und von 
diesem selbst korrigiert und enthalt das ganze NT. in der Arbeit 
des Hieronymus, nur statt der 4 Evangelien eine nach dem Vor- 
gang Tatians von Viktor mit zu Grundlegung des hieronymischen 
Textes verfertigte Evangelienharmonie, die ihrerseits wieder die 
Grundlage des sogenannten altdeutschen Tatian geworden ist. Die 
Aufgabe, den Text des Hieronymus moglichst in seinem ursprung- 
Uchen Wortlaut wieder herzustellen, ist namentlich in England in 
Angriff genommen, wo Bischof Wordsworth von Salisbury fur die 
Universitat Oxford seit mehr als 25 Jahren mit alien erreichbaren 
Mitteln an dieser Arbeit ist. Die Ausgabe fuhrt den Titel: 
Novum Testamentum Domini nostri Jesu Christi secundum editionem 
sancti Hieronymi ad codicum manuscriptorum fidem recensuit Jo- 
hannes Wordsworth in operis societatem adsumto Henrico Juliano 
White. Erschienen ist bis jetzt der erste Teil in 5 Heften, die 
4 Evangelien nebst einem Epilogus ad Evangelia (1889. 91. 93. 95. 
98.) und als erster Fasciculus des zweiten Teils die Actus aposto- 
lorum 1905 4, (im folgenden = W-W). 

Uber den Epilogus vgl. 0. v. Gebhardt (ThLz. 99, 24); S. Berger (Rev. 
Grit. 99, 8), iiber II, 1 P. Le jay (BCr. 05, 49, 4451); Bb. Nestle (LZ 05, 32, 
141144); T. Dobschiitz (ThLz. 06, 14). 

In Frankreich hat der Direktor der Paris er Nationalblbliothek 
J. Delisle um die seiner Verwaltung unterstellten handschriftlichen 
Schatze sich die grofiten Verdienste erworben; vor allem aber ist 
S. Berger (* 2. Mai 1843, f 13. Juli 1900) zum Geschichtsschreiber 
der Vulgata geworden, indem er vom fruheren Mittelalter und den 
entferntesten Provinzen der Kirche ausgehend uber die Geschichte 
der lateinischen Kirchenbibel und ihres Textes nach vorwarts und 
rttckwarts, uber den Ursprung und die Verbreitung der verschiedenen 
Texte neuesLicht verbreitete. In seinerzusammenf assendenHistoire de 
la Vulgate pendant les premiers siecles dumoyen age (Paris 1893) stellte 
er beispielsweise um nur das eine zu nennen 212 verschiedener- 
lei Weisen zusammen, in denen die alttestamentlichen Bucher in 
den von ihm untersuchten Handschriften aufeinander folgen, 38 fur 
das NT. In Deutschland hat im XVIII. Jahrhundert Bengel, im 
XIX. Lachmann, um die Herstellung des lateinischen Bibel- 



140 Die Materialien der neutestamentlichen Textkritik. 

textes sichbemnht, und Riegler, van Ess, Kaulen die G-eschichte 
der Vulgata aufgehellt; nach den Arbeiten von Ziegler und 
Ronsch, die insbesondere der vorhieronymischen Bibel und ihrem 
Latein galten, hat Peter Corssen durch methodische Untersuchung 
die erstere Aufgabe wieder aufgenommen tind E. v. Dobschtitz 
Studien zur Textkritik der Vulgata begonnen. Carlo Vercellone's 
verdienstvolle Forschungen (1860. 64) kamen fast nur dem Alten 
Testamente zugut und haben in Italien lange keine Nachfolge ge- 
funden. Utinam papa Leo XIII., sagte Gregory, tanta scientia 
tanta magnanimitate insignis curam in se suscipiat textus sacro- 
sanctorum Bibliorum Latini edendi cura, opus ecclesia et papa 
dignum. Seither hat sein Nachfolger Pius X. den Plan aufgenommen 
und den Benediktinerorden mit der Ausffihrung betraut. Die erste 
Nachricht daruber wurde weiteren Kreisen durch die Londoner 
Times vom 21. Mai 1907 bekannt. Der Osservatore Romano vom 
25. desselben Monats veroffentlichte das Schreiben des Kardinals 
Rampolla an den Abtprimas de Hemptinne vom 30. April (s. auch 
Deutsche Revue, Aug. 1907, S. 192, Der Papst und die Benedik- 
tiner. Bibl. Z. 5, 336. 6, 222). Mit der Leitung ist der Prases 
der englischen Benediktinerkongregation A. Gr as quet betraut; Mit- 
glied ist unter anderen D. de Bruyne. Fiir das NT. bietet die 
Arbeit von Wordsworth- White eine treffliche Grundlage, die 
aber auf ihre Sicherheit nachzuprnfen ist. 

Vgl. Chapman, Notes p. IV. 

Yorlage des Hieronynms. Welchen Grundsatzen Hieronymus 
bei seiner Arbeit folgte, ist oben schon gezeigt; welcher Art alte 
griechische Hdschrr. er bentitzte, ist noch nicht vollig klar gelegt. 
So wenig wie von seiner Arbeit sind von diesen die Originale noch 
erhalten. Zur Hand waren ihm jedenfalls solche, welche auf Euse- 
bius zuriickgehen, denn dessen Kanones hat er in seine eigene 
Arbeit herubergenommen. Ob als der erste auf lateinischem Boden ? 
dann mussen sie erst nach ihm in diejenigen altlateinischen Hdss. 
eingetragen worden sein, in denen sie sich finden (s. NKZ 19, 1908 
S. 1071). Wie ein bisher nur durch Hieronymus bekannter Ab- 
satz zu [i 16 jetzt auch griechisch gefunden wurde, s. S. 80. Ein- 
zelne Lesarten, die Hieronymus vertritt, sind bis jetzt in keiner 
der uns bekannten griechischen Bibelhandschriften nachgewiesen. 
t 16, 13 z. B. nbersetzt er das odrjyrjasi vf^ag ev vy aAr]&eia naarj, 
das unsere jetzigen griechischen Ausgaben haben: docebit vos 
omnem veritatem, scheint also di^yrjffeTai vfiiv TI\V aAi]&eiav naaav 



Yorlage -und spatere Geschicke der Yulgata. 141 

gelesen zu haben. In der Tat findet man so bei Eusebius an zwei 
Stellen seiner Werke, bei Cyrill von Jerusalem, auoh im arabischen 
Tatian, aber noch in keiner griechischen Bibelhandschrift. 

s. W-W, im Epilogus p. 663 f. The Academy, Jan. 27. 1894 p. 83c 84b; 
On the question of what Greek MSS or class of Greek MSS S. Jerome used in revi- 
sing the Latin Gospels (auch in einem Sonderdruck); E. Mangenot, Les mss. grecs 
des Svangiles employe's par S. J6rome (Rev. des scienc. eccl., Janv. 1900) ; v. S o d e n 
250f. S. 15241534. 

Wieweit er die tibrigen Teile des NT.s einer Revision unter- 
zog, ist streitig; jedenfalls hat er dabei mehr nur den lateini- 
schen Ausdruck sprachlich geglattet, kaum neue Lesarten aus 
griechischen Handschriften eingefiihrt; vgl. z. B. den Namen Caiphas, 
den er TC 4, 6 in dieser seiner altlateinischen Form belassen hat, 
in denEvv. den griechischen Hdss. entsprechend in Caiaphas verwandelt 
zu haben scheint. Tiber seine viel umfassendere Arbeit am AT. kann 
hier nicht gehandelt werden. 

Spatere Geschicke der Ynlgata. Nur allmahlich hat sich seine 
Ubersetzung Bahn gebrochen: Cassiodorus war, soweit wir wissen, 
der erste, der auf Herstellung genauer Handschriften drang (de 
inst., praef. c. 14. 15); auf ihn gehen die einleitenden Teile des 
Amiatinus zuruck. In Rom zog sie insbesondere G-regor der 
G-roBe (f 604) der alten vor; doch sagt er ausdrucklich : Sedes 
apostolica, cui auctore deo praesideo, utraque utitur *). In den Akten 
des Laterankonzils von 649 ist nur noch die neue gebraucht. Eine 
offizielle Einfuhrung fand nicht statt. Wenn Is i dor von Sevilla 
(de div. off. 1, 12) schreibt: Hieronymi editione generaliter omnes 
ecclesiae usque quaque utuntur, so war das noch etwas verfrtiht. 
Durch die Vermischung b eider war bis auf Karl den Q-roBen die 
Verschiedenheit der Exemplare so groB geworden, dafi dieser 797 
Alcuin den Auftrag gab, nach den besten lateinischen Hand- 
schriften einen einheitlichen revidierten Bibeltext fur das Franken- 
reich zu schaffen. Auf Grund von Handschriften, die Alcuin 
namentlich aus seiner Heimat Northumbria bezog, ffthrte er diesen 
Auftrag aus und konnte an Weihnachten 801 dem Kaiser das erste 
Exemplar des vollendeten Werks tiberreichen. Eine Reihe der so- 
genannten karolingischen Prachthandschriften unserer Bibliotheken 

x ) Lehrreich ist seine Epistel XII, 6 (Tom. II, 353) nach Ravenna, daB der 
Bischof Marinianus einen defekten Kodex zu haben scheme, in welchem in parte 
tertia beati Job (= 19, 28) 4 Worte fehlen, die er aus seinem scrinium erganze; 
dem Priester Elias von Isaurien schickt er auf seine Bitten Evangelia ; an Theude- 
linde fiir ihren Sohn, den kleinen Konig Adalwalt, crucem cum ligno sanctae crucis 
Domini et lectionem sancti evangelii theca Persica inclusam (Ep. XTV, 12 ; II, 431). 



142 Die Materialien der neutestamentlichen Textkritik. 

haben uns diese Arbeit Alcuins erhalten, so die wahrscheinlich fur 
Karl den Kahlen geschriebene Bibel von G-randval (bei Basel, jetzt 
im Britischen Museum, s. Tafel VII), die demselben von Vivian, 
Abt von St. Martin in Tours, tiberreichte, die aus dem Domschatz 
von Metz vom Domkapitel 1675 Colbert gescnenkt wurde, jetzt in 
Paris (als B. N. Lat. 1), eine andere aus derselben Klosterschule 
St. Martin, jetzt in Bamberg, vielleicht am besten in der Kirche 
St. Maria in Vallicella in Eom. 

Uber den Gang der Aufnahme in England s. Max Fb'rster's Anzeige von 
Cook's Biblical quotations (Englische Studien 1900, 419 ff.). Vor allem vgl. jetzt 
Chapman, der namentlich auch dariiber ganz neue Aufschliisse gibt, wie die Vul- 
gata nach England kam. Die oben (S. 138) angefuhrte Bemerkung iiber die Emen- 
dation nach dem Exemplar des Eugipius in der Hds. von Echternach riihrt nach 
ihm von Cassiodor selbst her. Engipius, zweifellos der Abt des Lucullanum in 
Neapel, widmete sein Hauptwerk der jiingeren Proba, die derselben Anicischen 
Familie angeho'rte, wie die altere Proba. Diese romische Familie bekam oder ver- 
schaffte sich gewiB sofort von Hieronymus seine Arbeit; so ist es ganz gut mb'glich, 
dafi die Nachricht jenes Eintrags richtig ist, und erklart sich die besondere Giite 
des auf diese Zeugen zuruckgehenden Textes. liber n The Vulgate Text of St. Gre- 
gory the Great" hat Chapmann ein eigenes Kapitel (S. 203 216) im Zusammen- 
hang mit der Frage nach der Herkunft des englischen Vulgatatextes. Weiteres bei 
den einzelnen Handschriften. Vermifit habe ich eine Erwahnung des Lucinius 
Beticus. 

Theodalf. Einen andern Text brachte sein Zeitgenosse Bischof 
Theodulfvon Orleans (787821) in Frankreich in Umlauf, 
indem er als ein in der Nahe von Narbonne geborener Westgote 
denselben wesentlicK aus spanischen Handschriften schopfte. Die 
sogenannte w Theodulfbibel" aus seiner Kathedralkirche, jetzt in Paris 
(lat. 9380); ihr Zwillingsbruder einst in der Kathedrale von Puy, 
jetzt im Brit. Museum (24142); die St. Hubert-Bibel aus dem 
Ardennenkloster dieses Namens. 

Leop. De lisle, Les bibles de The'odulfe, Paris 1879 (Extrait de la Biblio- 
theque de 1'Ecole des Chartres; ZwTh. 1881, 122; Berger 145184). 

Cistercienser. Anderer Art war wieder die Arbeit des Stephan 
Harding, dritten Abts von Citeaux, der urn 1109 fur seine Kon- 
gregation eine Normalbibel herstellte, indem er den lateinischen 
Text nach dem griechischen, und im AT. mit jtidischer Hilfe nach 
dem hebraischen korrigierte; sein Normalexemplar noch heute in 
vier Banden in der Stadtbibliothek zu Dijon. Auch der Benedik- 
tiner-Abt Wilhelm von Hirsau (10651091) liefi fur sein Kloster 
ein Musterexemplar herstellen. 

J. P. P. Martin, Saint Etienne Harding et les premiers recenseurs de la 
Vulgate Latin The'odulfe et Alcuin (Extrait de la Rev. des Sciences Eccl6s. Amiens. 



Theoduli; Cistercienser; Bibelkorrektorien. 143 

1887, 137 p). Eb. Nestle, Die Hirschauer Vulgata-Revision (ThSt aus Wiirtt. 10, 
1889, 305311). 

Bibelkorrektorien. Ahnliche Sicherstellung suchte man durch 
die sogenannten ,,Bibelkorrektorien" zu erreichen, in denen 
man diejenigen Lesarten zusammenstellte, welche als die richtigen 
gelten sollten; namentlich die Universitat Paris war in dieser Bich- 
tung tatig und durch ihren EinfluB kam es dahin, daC um die Mitte 
des 15. Jahrhunderts der Pariser Text in den Handschriften der 
verbreitetste war und es durch. Ghitenbergs Erfindung vollends 
wurde. 

J. Chr. Doderlein (Lit. Museum, Altdorf 1, 1778, 177. 344); Dressel 
(ThStKr. 1865, 369). S. Berger, Des essais qui ont <t<5 faits & Paris au XHIe siecle 
pour corriger le texte de la vulgate (Rev. de th6ol. et de phil. 16, 1883, 41); C. 
Vercellone, Dissertatione Accademiche p. 48; Denifle, Die Handschriften der 
Bibelkorrektorien des 17. Jahrhunderts (Arch. f. Lit. u. KG. 4, 1888, 263. 471); 
S. Berger, de 1'histoire de la Vulgate en France. Lecon d'Ouverture, Paris 1887. 

Zeiten des gedruckten Textes. Als erstes Erzeugnis yon G-uten- 
bergs Presse gilt die undatierte, 42 zeilige oder Mazarin Bibel so 
genannt, weil das Ex. in Mazarins Bibliothek zuerst die Aufmerk- 
samkeit der Bibliographen auf sich zog ; die erste datierte 
stammt von 1462; innerhalb des 15. Jahrhunderts wurden (nach 
W. A. Copinger) 124 Ausgaben gedruckt, im 16. fiber 400. 1491 
die erste Bibel in kleinem Format fur den armen Mann von Froben 
in Basel, demselben, der Erasmus zum ersten griech. NT. veran- 
laCte, 1504 die erste mit verschiedenen Lesarten; das Jahr darauf 
gab Erasmus die annotationes des Laurentius Valla heraus, die 
dieser schon um 1440 zur lat. Bibel gemacht hatte ; die erste kritische 
1528 von Stephanus mit Benutzung von 3 guten Pariser Hdschrr., 
darunter der obengenannten Bibel Karls des Kahlen von St. Denis, 
und einer andern des IX. Jahrh., deren neutestamentlicher Teil 
jetzt verschollen ist. Mit Benutzung von 17 Hdschrr. hat derselbe 
dann 1538 40 eine Ausgabe veranstaltet, welche die G-rundlage 
der heutigen offiziellen Vulgata geworden ist; 1555 fahrte er die 
Verszahlung in die lat. Bibel ein. Neben ihm hat Joh. H e n t e n 
mit Hilfe der Theologen von Lowen 31 Hdschrr. zu Eat gezogen 
und 1547 eine sehr wertvolle Ausgabe veroffentlicht, neben zwei 
spateren Ausgaben von 1573 und 80, welche wichtige Anmerkungen 
des Lucas von Brugge enthalten. Ein Jahr vor Henten's Aus- 
gabe hat das Konzil von Trient in seiner 4. Sitzung vom 8. April 
1546 beschlossen, ut haec vetus et vulgata editio in alien offent- 
lichen Vorlesungen, Disputationen, Predigten und Auslegungen fftr 



144 Die Materialien der neu.testamentlich.en Textkritik. 

die authentica zu halten sei und bestimmt, daC posthao sacra 
scriptura, potissimum vero haec ipsa vetus et vulgata editio quam 
emendatissime imprimatur. 

Die friiheren bibliographischen Arbeiten, auch Hain, der bis 1500 97 Aus- 
gaben der Vulgata verzeichnete, jetzt iiberholt durch W. A. Copinger, Incunabula 
Biblica: the first half Century of the Latin Bible . . . London, Quaritch 1892 (fol 
oder 4). X, 226 mit 39 Tafeln. Seine Sammlung jetzt im Theological Seminary 
in New- York. Dazu L. D e 1 i s 1 e (J des Sav. 1893, 202218 u. separat), der die von 
Copinger auf 124 berechnete Zahl der Inkunabeln auf 99 reduziert. G. Vicaire 
Les Inc. B. de W. A. Cop. et la n Bibliogr. Society", Paris 1893; Willi Miiller,' 
Die Biblia Latina des 15. Jahrh. in der Gb'ttinger Universitatsbibliothek (Dziatzko, 
Bibliothekwissenschaftliche Arbeiten 6, 1894, 8995). M. Pelleche, Catalogue 
g6n6ral des incunables des bibliotheques publiques de Prance. Tome I. Abano Biblia 
Paris 1897. 

K. Dziatzko, Gutenbergs friiheste Druckerpraxis auf Grund einerVergleichung 
der 42zeiligen und 36zeiligen Bibel 1891; Adolf Schmidt, Untersuchungen iiber 
die Buchdruckertechnik des 15. lahrhunderts (ZfBW. 1897, 4, 153 ff.). P. Falk, Die 
Mainzer Bibeldrucke (der Katholik, April 1899). Past 100 Seiten wird die Auf- 
zahlung u. Beschreibung der lateinischen Bibeln im Katalog von Darlow-Moule 
f till en, s. S. 5. Jacques Thomas, La Vulgate et le concile de Trente in J. Th., 
Melanges d'histoire et de literature religieuse. Paris, Lecoffre 1899. 

G-eschehen ist letzteres in E-om, nachdem unter Pius V. 
eine congregatio pro emendatione bibliorum 1569 in 26 Sitzungen 
gearbeitet hatte, unter dessen zweitem Nachfolger Sixtus V., der 
zu diesem Zweck eine neue Kommission unter dem Vorsitz des 
Kardinals Caraffa ernannte, deren Arbeit selbst noch revidierte, in 
der von ihm gegrundeten vatikanischen Druckerei das Werk aus- 
fiihren lieB und durch die Constitiitio Aeternus ille vom 1. Marz 
1590 die nach ihm benannte erste offizielle Yulgata-Ausgabe von 
1590 einfahrte. 

Siehe P. M. Baumgarten, Die Veroffentlichung der Bulle ^Eternus ille 
celestium" vom 1. Marz 1590 (Bibl. Z. 5, 1907, 189191); ders., das Original der 
Konstitution B Eternus ille celestium" vom 1. Marz 1590 (ebenda 337351). Die 
Stelle, dafi Jesus nach Luc. 22 ter fur Petrus gebeten habe, welche in den meisten 
Drucken zu sep (= semper) korrigiert wurde, ist im Original ungeandert. Die Bulle 
abgedruckt bei Kaulen, Geschichte der Vulgata; E. Comely, Historia et critica 
in V. T. libros sacros I, 1885, 465; hinter Hetzenauers Ausgabe der Vulgata. 

Zwei Jahre nach seinem Tod (27. 8. 1590) wurde sie unter 
seinem vierten Nachfolger Clemens VIII. durch eine neue, unter 
des alten Papstes Namen ausgegebene ersetzt, welche, mit der Con- 
stitutio Cum sacrorum vom 9. Nov. 1592 und mit einer von Kar- 
dinal Bellarmin geschriebenen Vorrede, die jetzt noch ohne alle 
Veranderung giltige offizielle Bibel der ganzen lateinischen Kirche 
ist. Die zweite Ausgabe schlieBt sich naher an Henten's Text an, 



Drucke und Handschriffcen der Vulgata. 145 

den auch die Kommission unter Sixtus vorgezogen liatte, wahrend 
dieser selbst mehr Stephanus gefolgt war. Ffir unsre Zwecke 
kommen beide Ausgaben, zwischen denen man an 3000 Yarianten ge- 
zahlthat, nachder yon Words worth -Wit it e nicht mehrinBetracht. 
Bemerkt sei noch, dafi erstmals in einer Ausgabe von 1604 die 
Namen beider Papste auf dem Titel erscheinen (Sixti Y. pont. max. 
iussu recognita et Clementis YIII auctoritate edita) ; die gegenwartig 
in Rom gedruckten nennen sich Sixti Y. et dementis YIII. Pontt. 
Maxx. iussu recognita atque edita. 

Yon einer Aufzahlving auch nur der altesten und wichtigsten 
Vulgatahandschrifben oder aller von Tischendorf in der ed. YIII 
erwahnten muB Abstand genommen werden; doch sollen hier die- 
jenigen stehen, die v. G-ebhardt in der adnotatio critica p. 459 ge- 
nannt hat, rnit den Sigeln, welche sie bei W-W fuhren. 

Fur die besten halten die englischen Herausgeber den Amiatinus, den 
aus Capua stammenden Puldensis, einen bei Tischendorf nicht genannten Me- 
diolanensis des 6. Jahrhunderts ( n C 39 inf", M bei W-W). 

am A, Amiatinus (S. 138), ca. 715, sehr gut, und insbesondere lehrreich durch 
ein doppeltes Verzeichnis der biblischen Bitcher in der Einleitung, das mit dem 
Senator Kassiodor zusammenhangt ; von p ab die Abweichungen vom offiziellen 
Text in meinem lat, NT. 

G. B. de Rossi, La bibbia offerta da Ceolfrid Abbate al Sepolcro di S. Pietro, 
Eom. 1887; H. J. White, The codex Amiatinus and its birthplase (StB&E. II, 
273, 1890) ; P. Corssen, Die Bibeln des Cassiodorius und der Codex Amiatinus 
(JpTh 1883. 1891); Th. Zahn GK 2, 267. Von Fleck 1840 schlecht kollationiert, 
von Tischendorf 1850 und Tregelles herausgegeben, von W-W nachverglichen. Als 
heiteres Beispiel unserer menschlichen Fehlbarkeit erwahne ich aus dem n Begleit- 
wort" zu meinen Ausgaben des NT.s : Luk. 1, 9 gab van Ess 1822 durch einen 
Druckfehler s forte" statt B Iorte" die alten Drucke unterschieden ja auch im 
Lateinischen langes und kurzes s. Dieser Druck- oder Lesefehler denn mehr 
ist es nicht wanderte von da in sein griechisch-lateinisches Neues Testament 
von 1827, weiter in Flecks lateinisches NT. von 1840, dem er die Kollation des 
Amiatinus unterlegte, von da in T i s c h en d o rf s Ausgabe des Amiatinus von 1850 als 
angebliche Lesart dieses Kodex, abermals von da weiter in Tischendorfs kritische 
Bearbeitung des lateinischen Textes von 1854, als ob es die richtige Textlesart 
ware, und wird noch im Jahre 1868 in Rank es Commentarius criticus hinter seiner 
Ausgabe des Fuldensis als Lesart des Amiatinus aufgefiihrt, obwohl schon Lach- 
m a n n 1842 und Tregelles 1857 das Wort ingnoriert batten. 

Chapman (s. S. 132) sucht zu zeigen, wie A iiber Cassiodor auf Eugipius 
und Hieronymus zuriickgehe. 

bodl 0, Bodleianus, VII, aus der Bibliothek des englischen Augustinus in 
Canterbury; hat ^ 1, 3 mit BG b g got ,,mir und dem h. Geist." 

Chapman (ch. X: The Bodleian Gospels of St. Augustine) sucht, ins- 
besondere auch durch Vergleichung mit dem Bibeltext Gregors des Grofien, den 
Nachweis zu ftihren, dafl diese Hds., wie H. (s. u.), tatsachlich zu den codices 
plurimos" gehort, die (nach Beda) Gregor der GroBe an Augustinus sandte. 

ties 1 1 e, Elnfllhruna. 3. Aufl. 10 



146 Die Materiatien der neutestamentliclien Textkritik . 

demid Demidovianus, XII/XIII, aber aus einem alteren Exemplar kopiert, 
friiher in Lyon ; wo jetzt, unbekannt, nicht bei W-W, von Matthai in seinem NT. Gr. 
verb'ffentlicht. 

em Emeram, 870, mit goldenen Unzialen, prachtigen Miniaturen, in Miinchen 
als Cimelie 55; nicht bei W-W; Berger 295297, 396; Chapman 186. 

erl Erlangen, IX (Irmischers Katalog 467); nur indirekt bei Ti. benutzt; 
nicht bei W-W. 

forJ, Foroiuliensia, VI/VII, in Gividale, Priaul; Fragmente davon in Venedig 
und Prag ; s. S. 35 ; Chapman 215 f . 

fos IX, von St. Maur des fosse's, jetzt in Paris 11, 859. 

fu F, Fuldensis, 540546, s. S. 139 ; herausgegeben von E. E a n k e , 1868 ; 
Laodicenerbrief hinter v.\ von $ ab wie bei am. C. Scherer, Die Codices Bonifatiani 
in der Landesbibliothek zu Fulda, F., 1905 mit 3 Lichtdrucktafeln ; Chapman, 
passim. Nach ihm stammt sein Text durch Eugipius von Lerinum ; der Kodex 
selbst werde mit dem griechischen Laudianus (Ea) vielleicht durch Bischof Benet 
nach Northumbria gekommen sein. 

gat Gatianus, von St. Gatiens in Tours, VIII/IX, von Libri gestohlen, an 
Lord Ashburnham verkauft, jetzt wieder in Paris; nicht bei W-W; Berger 46, 410; 
Chapman, S. 50. 

harl Z, Harleianus 1775 im Brit. Mus., VI/VII, fruher als 4582 in Paris, von 
dort 1707 durch Joh. Aymon gestohlen; Chapman, passim, verwandt mit 0. 

ing I, Ingolstadt, jetzt Miinchen (Universitatsbibliothek 29 fol.), VII, mit 
Liicken; E. v. Dobschiitz, Studien zur Textkritik der Vulgata, Leipzig 1894, 1 32. 

mm E, X/XI, von Marmoutiers bei Tours, im Brit. Mus. als Egerton 609; 
Chapman 49. 280. 

mt MT, VIII/IX, von St. Martin in Tours (s. S. 142), noch in Tours, mit 
Goldschrift. 

pe P, VI, sehr alte Purpurhandschrift in Perugia, /? 1, 112, 7 enthaltend. 

prag die unter for genannten Fragmente. 

reg (= regius), VII/VIII, Gold auf Purpur, Hp mit Liicken, in Paris 11955 ; 
nicht bei W-W; Berger 269. 408. 

rus R, die sogenannten Rushworth-Evangelien, von einem irischen Schreiber 
(f 820) mit anglo-sachsischer Interlinearversion. 

san, VI, in St. Gallen (1395), Fragment von M 6, 21 i 17, 18 von einem 
Schreiber, der zwei lateinische und eine griechische Hdschr. als seine Vorlagen 
nennt ; in den Briefen == ein St. Galler Palimpsest von e 6, 2 1 T 2, 5 ; der biblische 
Text der obere; nicht bei W-W. 

taur, VII, in Turin, Evv. von M 13, 34 ab ; nicht bei W-W. 

tol T, VIII, von Servandus von Sevilla dem Bischof Johann von Cordova, 
von diesem 988 dem Sitz von Sevilla geschenkt, dann in Toledo, jetzt in Madrid, 
von einem Westgoten geschrieben, von Palomares fur die sixtinische Vulgata-Re- 
vision verglichen, aber zu spat nach Rom gelangt ; von Bianchini, Vindiciae 
canonicarum scripturarum vulgatae Latinae versionis, Rom 1740 herausgegeben. 

Aufier den bisher genannten 11 Handschriften sind bei W-W noch 21 voll- 
standig, eine grofie Zahl gelegentlich benutzt; fiir naheres mufi auf die englische 
Ausgabe, und fiir alles weitere auf B e r g e r ' s Buch verwiesen werden ; nur ihre 
Sigeln, Namen, ihr Alter und die Nummer in Gregorys Liste seien angefuhrt. 



Handschriften und Literatur zur Vulgata. 147 



B Bigotianus VIII. 1237. 

Berger 403. 

BF Beneventanua IX. 238. 
Cavensis cav IX. Berger 14. 

379. 
D Dublinensis 812. 1968. 

Berger 380. 

A Dunelmensis VIII. 117. 
EP Bpternacensis VIII. 1269. 
Gg t s. o. S. 129 
B Theodulfianus IX. 1266. 
K Karolinus IX. 240 B., 389. 
L Lichfeldensis VII/VIII. 137. 
M Mediolanensis VI. 2082. 
Q Kenanensis VII/VIII. 1972. 
S Stonyhurstensis VII. 523. 



U Ultrotraiectinus VII/VHI. 707. 
V Vallicellianius, vallic. IX. 
W Willelmi 1254. 233a. 
X Corporis Christ! VE/VII. 19. 
Y Lindisfarnensis VIII. 153. 
In n kommen hinzu 

B Bambergensis IX. 1396, 

Berger 376. 
I Vallicellianus Juveniani 

VIII/IX. ? 

M Monacensis IX. 1700. 
R Parisinus (Eosas) X. 1188, 

Berger 400. 

S Sangallensis VIII. 1908. 
U Ulmensis (Brit. Mus.) IX. 243, 

B. 390. 



Chapman S. 179 zu BF, passim zu EP mit dem Nachweis iiber den Zusammen- 
hang mit Cassiodor, 209 zu & als durch Gregors Text beeinfluBt, 179 zu L, 9 und 
27 zu Q, 7 zu S, 209 zu V, mit den andern Alcuinhdsrr. (KM-T) durch Gregor 
beeinflufit, ebenso W (p. 208); 183 ff. zu X (vgl. 0); 8ff. zu V, als nicht durch 
Abt Hadrian nach England gekommen. 

Literatur zur Vulgata. G. Eiegler, Kritische Geschichte der Vulgata, 
Sulzbach 1820 ; Leand. van Ess, Pragmatisch-kritische Geschichte der Vulgata im 
allgemeinen und zunachst in Beziehung auf das Trientische Dekret, Tubingen 1824 
(505 S.). 

Fr. K a u 1 e n , Geschichte der Vulgata, Mainz 1868 (502 S.). 

Sam. Berger, Histoire de la Vulgate pendant les premiers siecles du 
moyen age. Paris 1893 (XXIV. 443 S.). Hier S. XXII ff. Liste des principaux 
ouvrages qui mt6ressent 1'histoire de la Vulgate. 

Tiber Hieronymus jetzt Ge. Griitzmacher, Hieronymus. Eine bio- 
graphische Studie zur alten Kirchengeschichte. I Leipzig 1901, II. Berlin 1905; 
ein dritter Band steht noch aus; uber die tibersetzung I, 77. 102. Zu der Vulgata- 
Ausgabe von Wordsworth- White ist aus Berger's Besprechung des Epilogus derselben 
(Bull. Grit. 1899, 8: 141 144) nur der Hinweis nachzutragen, daB die Ausgabe 
auf die spatere Geschichte des lateinischen Bibeltextes zu wenig Eiicksicht nimmt. 
Wenigstens ein Vertreter der so wichtig gewordenen Eezension der Pariser Uni- 
versitat aus dem XIII. Jahrhundert und etwa die erste Druckausgabe (die 42zeilige 
Bibel) batten vollstandig verglichen werden sollen. Frz. F a 1 k , Bibelstudien, 
Bibelhandschriften und Bibeldrucke in Mainz vom 8. Jahrhundert bis zur Gegen- 
wart. Mainz, Kirchheim 1901. 

Zur offiziellen Vulgata- Ausgabe von 1590 und 92: Ein Jubilaum der latei- 
nischen Bibel. Zum 9. November 1892. Tubingen, 27 S. ; auch hinter Eb. Nestle, 
Marginalien und Materialien, 1893; die Ausgabe der wiirtt. Bibelanstalt (Stuttgart 
1906) fur das NT; fur die ganze Bibel: Biblia Sacra Vulgatae Editionis ex ipsis 
exemplaribus Vaticanis inter se et cum indice errorum corrigendorum collatis critice 
edidit P. Michael Hetzenauer. Oeniponte 1906. 

10* 



148 Die Materialien der neutestamentlichen Textkritik. 

Anhang. 

Viel mehr Beachtung von seiten des Textkritikers und Er- 
klarers, als sie zur Zeit finden, verdienen die Ubersetzungen in 
die europaischen Landessprachen, deren Erforschung man gewohn- 
lich dem Neuphilologen uberlaBt. Selbst die papstliche Vulgata- 
kommission ist (nach bisherigen Mitteilungen) noch nicht ent- 
schieden, wie weit sie diese in den Bereich ihrer Forschungen 
ziehen soil, und doch haben sie fur die Geschichte und Herstellung 
des Vulgatatextes dasselbe Verhaltnis wie die altlateinische Uber- 
setzung fur das gr. NT. oder die Septuaginta. 

Genannt sei hier 

1. die angelsachsische; s. Urtext S. 157, wo Z. 44 Bouten- 
vek statt Boutenverk zu lesen ist. Zu der dort genannten Literatur 
erganze Allison Emery Drake, The Authorship of the West-Saxon 
Gospels. Textkritik S. 744. 

2. Der Monseer Matthaas, aus den Buchdeckeln einer frankisch- 
bayrischen Hds. des Jahres 738 abgelost, hat M 20, 28 den Zu- 
satz des Cod D, tibersetzt 22, 4 altilia mit das hohista, Pontius, 
wie oft in der altesten Zeit als Adjektiv: zu demo pontischin 
herizohin pilate. Urt. 1211; Textkritik 745. 

3. Der frankische Matthaus aus dem St. Galler Kodex der Ta- 
tianischen Evangelienharmonie von Schmeller 1827 herausgegeben. 

4. Der He Hand oder die altsachsische Bibeldichtung. 

PRE 5 7, 617 621 (Sievers). Zu der dort gegebenen Literatur ist nach- 
zutragen: Heleand, Die as. Evangelienharmonie in der ahd. Sprache iibertragen 
von Ed. Behringer. Aschaffenburg 1898. VIII. 261 (LZbl 98, 44); J. Frank, 
P. Piper, Die altsachsische Bibeldichtung (Heliand und Genesis) (ZfdA 43, 1) ; 
Wrede, Die Heimat der as. Bibeldichtung (ebenda 4); Otto Behaghel, Der 
Heliand und die as. Genesis. Giefien, 1902. 48 S. 

5. Bohmische Ubersetzung. 

Urt. 221223; Textkritik 745 f., Darlow-Moule II, 142153. 

Uber eine arabische Evangelienubersetzung s. u. 

c) Die figyptischeu iJbertaeiznngen. 

Neben den syrischen aus dem Osten, den lateinischen vom 
Westen, sind die agyptischen aus dem Stiden far die Herstellung 
des griechischen Urtextes am wichtigsten. Auch hier gibt es nicht 
blofi eine alte Ubersetzung, sondern deren mehrere. 

Dialekte des Agyptischen. Was man bis vor kurzem K o p - 
tis ch nannte nicht nach der Stadt Koptos, sondern als arabische 



Tochter der Yulgata. Agyptische Ubersetzungen. 149 

Verktirzung aus E-gyptisch 1st nur einer von den Dialekten, in 
welche die Sprache des alten Agyptens zerfiel. Man hat zu unter- 
scheiden: 

Bohairisch. 1. bohairisch, das ist der Dialekt der in der 
Bohaira, an der See, also in Unteragypten, in der Nahe von Alexandria 
gesprochen wurde. (Bahirisch, wie man frfther sagte, war falsche 
Vokalisierung desselben Worts.) Das ist der Hauptdialekt, der 
zur Kirchensprache des ganzen Landes und den europaischen Ge- 
lehrten zuerst bekannt wurde, daher man die in dies em Dialekt 
geschriebene Ubersetzung einfach die koptische nannte. Die Be- 
zeichnung memphitisch, die man eine Zeit lang vorzog, ist 
deshalb falsch, weil das Patriarchat erst im elften Jahrhundert 
nach Kairo, d. i. eben in die Gegend von Memphis, verlegt wurde, 
und in derselben in alter Zeit ein anderer Dialekt gesprochen wurde. 

Sahidisch. 2. sahidisch d. h. den ober en Dialekt, den von 
Oberagypten, den man im Unterschied vom memphitischen den 
thebaischen nannte, letzteres mit mehr Recht. 

Mittelagyptisch. 3. mittelagyptisch, innerhalb dessen 
man wieder unterscheidet: 

a) f aj j umisch, im Fajjum gesprochen, d. h. in dem vom 
Nil durch einen Wustenstreifen getrennten durch den Josefs- 
Kanal bewasserten Landstrich, sudwestlich vom Delta, aus 
welchem in neuester Zeit die meisten Papyrusfunde in die 
europaischen Museen und Bibliotheken kamen; 

b) das eigentliche mittelagyptisch oder untersahidisch, 
ein Dialekt der eben an der Stelle des alten Memphis seine 
Heimat hat; 

c) den Dialekt von A c hmim, in welchem das alte Agyptische 
in einer alteren Form als in einem der bisherigen Dialekte 
fortlebt. 

Ob diese mittelagyptischen Dialekte unter dem Basmu- 
rischen zu verstehen sind, das der koptische Bischof Athanasius 
im XI. Jahrhundert neben Bohairisch und Sahidisch als dritten 
damals ausgestorbenen Dialekt in Agypten nennt, ist nicht ganz 
sicher; in alien liegt uns das NT. ganz oder in Teilen vor. 



a) Die bohairische Ubersetzung, 

die man frtiher kurzweg die koptische nannte, wurde zuerst 1675 
von Bischof Fell in Oxford nach Mitteilungen von Marshall fur 
das NT, verwertet, . dann 1707 von Mill; 1716 veroffentlicht 



150 Die Materialien der neutestamentlichen Textkritik. 

Wilkins, ein PreuBe, der in England Stellung gefunden hatte, 
(eigentlich Wilke), erstmals das NT. aegyptum vulgo copticum mit 
lat. Ubersetzung ; Bengel verschaffte sich 1734 vom Berliner Bi- 
bliothekar La Croze einigen AufschluB; dann hat erst 1846/7 
Moritz Schwartze die Evangelien, nach dessen Tod Paul Botticher, 
der spater als de Lagarde bertihmt wurde, 1852 Apostelgeschichte 
und Briefe herausgegeben, gleichzeitig besorgte Tattam 1847 52 
eine unkritische Ausgabe des Granzen (koptisch-arabisch), einschlieB- 
lich der Apokalypse. Letztere gehorte ursprnnglich nicht zu dieser 
Ubersetzung, die nach Steindorff im IV. oder V. Jahrhundert in 
den Klostern des Natrontals entstand, nach andern alter ist, oder 
jedenfalls auf alterer G-rundlage ruht. Die Reihenfolge der nt. 
Schriften war ursprtinglich bei den Evv. iM[ih, bei den Paulinen 
k zwischen 2 # u. 1 -c, n am SchluB hinter den 7 Kath. Briefen. 
Tiber 50 Hdschrr. sind jetzt bekannt, 46 hat G-. Homer unter- 
sucht, nach denen er fur die Oxforder Clarendon Press den Text 
1898 1905 in 4 Banden mit ausfuhrlicher Einleitung bearbeitet 
hat. Der griech. Text, den sie voraussetzt, gilt den gegenwartigen 
Kritikern als besonders rein und frei von den sogenannten abend- 
landischen Zusatzen. 

b) Die sahidische Ubersetzung 

hat erst spat die Aufmerksamkeit auf sich gezogen. Nachdem 
Wilkins zwei Hdschrr. erwahnt hatte, lingua plane a reliquis mss. 
copticis diversa, und Woide 1778 Fragmente des NT. angektindigt 
hatte iuxta interpretationem superioris Aegypti quae Thebaidica 
vocatur, die 1799 von Ford herausgegeben wurden, kamen Ende 
des 18 ten, Anfang des 19 ten Jahrhunderts durch Tuki, Min- 
garelli, Mtinter, Zoega, Engelbreth, weitere dazu; aber erst in 
neuester Zeit sind durch Amelineau, Ciasca (2 Bande), Bouriant, 
Maspero, Ceugney, Krall die wichtigsten Texte des A. und NT.s 
veroffentlicht worden. Durch Q-oussen erhielten wir 1895 einen 
groBen Teil der Apokalypse. In dieser Ubersetzung, die gleich- 
falls das ganze NT. auBer a erhalten hat, die Evv. gleichfalls ur- 
sprfinglich in der Folge iMpA, steht ^ unmittelbar hinter 2 x vor y. 
Ihre griechische Vorlage war von der der bohairischen ganz ver- 
schieden. 

J. Leipoldt, Bruchstilcke von zwei griechisch-koptischen Hdss. des NT.e 
(ZntW. 03, 350 f.). 016 d at, J., Fragment d'une version Copte de 1'Apocalypse de 
Saint Jean (Rev. de 1'Or. Chr. 1899, 2, 263279). W. B. Grum, Notes on the 
Strafiburg Gospel Fragments (Soc. of Bibl. Arch. Febr, 1900, tiber Stiicke, die 



Agyptische Ubersetzungen. 151 



Jacoby veroffentlichte). Delaporte, Fragments thSbains du NT. (RB 1905, 3 ) 
377397; 4, 557563). E. 0. Winstedt, Sahidic Biblical Fragments in the 
Bodleian Library (Soc. of Bibl.-Arch. 27, 2). H. Hy vern at, Un fragment in6dit 
de la version sahidique du NT. (EB. Apr. 00, 248253; i I 6 2 8 , VIII/IX). 

Sahidisch erschienen die ersten Bruchstiicke des NT.s 1778 in Tuki's 
Rudimenta, die von C. H. W o i d e seit demselben Jahr angeldindigte Bditio 
Princeps erst 9 Jahre nach seinem Tod durch Ford 1799. Fragments th^bains 
ine"dits du Nouveau Testament veroffentlichte B. Am6lineau in Bd. 24 26 
(1886 88) der Zeitschrift fur agyptische Sprache; groBe Teile der Apokalypse 
autographierte H. Q-oussen im ersten Fasciculus seiner Studia Theologica (Lip- 
siae. Harrassowitz 1897). Das ganze NT. von B a 1 e s t r i als Teil III der Sa- 
crorum Bibliorum fragmenta copto-sahidica musei Borgiani. Rom 1904. 4; mit 
40 Tafeln, s. W. E. Drum (Or. Litztg 04, 11, 446). Auch Apokryphiscb.es und 
Pseudepigraphisches ist in neuer Zeit hinzugekommen, z. B. die von C. Schmidt 
verb'ffentlichten Paulusakten in einer Handschrift des VII. Jahrhunderts mit sahi- 
dischem Konsonantenbestand und mittelagyptischem Vokalismus. 

Vgl. noch Am61ineau, Notice des mss. coptes de la Bibliotheque Nationale 
renfermant des textes bilingues du NT. (Athenaeum n. 3601, p. 599). Der 
syrische Gelehrte Gregorius Barhebraus (f 1286) nimmt in seinen Scholien zur 
Bibel manchmal auf das Koptische Riicksicht. Im Druck erschien erstmals 1659 
Psalm 1 in London 4 . Im 19. Jahrhundert erwarb sich namentlich Lightfoot 
Verdienste um die Verwertung der agyptischen Ubersetzungen. 



c) von den mittelagyptischen Ubersetzungen 

sind bis jetzt nur Bruchstticke bekannt; fajjumisch oder basmurisch, 
wie man frtiher sagte, zuerst durch. Zoega (1809) und Engel- 
breth (1811), aus Mi\ 1 jt, e, q>, &, , namentlicli von Bouriant 
1889, und Crum 1893; untersahidische, in den Mitteilungen aus 
der Sammlung des Erzherzogs Eainer; achmimisch. kleine Stucke 
aus i 4, t 17 20. Ob diese Bruchstiicke wirklich Teile einer be- 
sonderen Arbeit, oder nur dialektische Umformungen der sahidischen 
Ubersetzung sind, ist nicht ganz sicher. 

Textveroffentlichungen von Maspero (Recueil de traveaux relatifs & la phi- 
lologie et a I'arch^ologie e"gyptiennes et assyriennes 11, 1889, 1167); W. E. Crum 
(Coptic Mss brought from the Fayum) ; Leipoldt (Agyptische Urkunden aus 
den Berliner Museen I, 5) ; L e m i n (Etudes arch6ol., lingu. et hist., de'die'es a M. 
le Dr. C. L e e m.a n s , Leiden 1885) ; Bouriants Texte neu herausgegeben von 
Chassinat (s. Crum, EEF 03, 52). 

Tiber die Entstehungszeit dieser TJbersetzungen haben wir 
keine bestimmten Nachrichten. Aus der Lebensbeschreibung des 
h. Antonius, der um 250 geboren sein mag, hat man geschlossen, 
daC er in seiner Kindheit das Evangelium in der Kirche agyptisch 
yorlesen horte; aber das kann auch eine mtindliche Ubertragung 
gewesen sein. Doch mogen im dritten Jahrhundert, nach Kenyon 



152 Die Materialien der neutestamentlichen Textkritik. 

(p. 254) um 200, und zwar im Suden die ersten Ubersetzungsver- 
suche entstanden sein. Die altesten Hdss., die man bis jetzt kennt 
(eine sahidische von 2-9-3; s. Tafel 8, und eine mittelagyptische 
i 17 20), stammen aus dem vierten oder fnnften Jahrhundert. 
Auf die sabidische Ubersetzung wird die mittel-agyptische und 
zuletzt die bohairische gefolgt sein. Wie weit eine die andere 
beeinfluBte, muB noch genauer untersucht werden. 

Eine richtige Ausgabe und textkritische Verwertung dieser 
agyptischen Ubersetzungen ist neben erneuter TJntersuchung der 
Minuskeln gegenwartig die wichtigste Aufgabe fur die Text- 
kritik des Neuen Testaments. Denn namentlich die sahidische 
Ubersetzung reprasentiert eine Gestalt des Textes, die man bisher 
fast nur im Abendland gefunden und als eine westliche Entartung 
und Verwilderung betraclitete, wahrend sie vielleicht der Urgestalt 
am nachsten stelit. Namentlich in der Apostelgeschichte ist die 
Beruhrung mit dem Text von Kodex D auffallend. Man vgl. z. B. 
die Erwahnung von Pnngsten n 1, 5 ; der goldenen Regel in ihrer 
negativen Fassung 15, 20. 29; die Erzahlung des Gesichts 16, 10; 
in k 23, 53 den Stein, den zwanzig Mann nicht wegwalzen konnen, 
jetzt auch in einer griecniscli-sahidischen Hds. Auch fur das Sa- 
hidische sind Handschriften genug in Europa, die wie in Agypten 
in der Eegel nach ,,Jahren der Martyrer" d. h. nach einer vom 
August oder Sept. 284 n. Chr. beginnenden Ara datiert sind. 

TiGr. 859893; Scrivener 1 2, 91144, von G. Homer durchgesehen, mit Zu- 
satzen von Headlam; H. Hyvernat, 6tude sur les versions coptes de la Bible (Eevue 
biblique 5(1896), 427433; 540569; 6, 1 (1897) 4874); Urt. 144147; Forbes 
Eobinson, Egyptian Versions (Hastings, Dictionary of the Bible I (1898), 
668673) ; v. S o d e n 337, Die koptischen tibersetzungen (S. 14781492 mit 
Hilf e von J. L e i p o 1 d t) ; W. E. C r u m , Coptic Studies (from Egypt Exploration 
Fund's Report for 1897/98. 15 p. 4 1899/1900 p. 1. 1903/04 p. 74 f.). Der Titel von 
Homer's Ausgabe, neben der keine andre in Betracht kommt, lautet: The Coptic 
Version of the New Testament ; in the Northern Dialect, otherwise called Memphitic 
or Bohairic with Introduction, Critical Apparatus and Literal English Translation. 
Oxford, Clarendon Press. Vol. I. Introduction, Matthew and Mark CXLVHL 484. 

1898, Vol. II. Luke and John 584. 1898 ; vgl. daruber H. Hyvernat (Rev. bibl. 

1899, 148 150) und W. E. C r u m , a. a. 0., wo auch die Manuscrits coptes au 
MusSe ... a Leide 1897 besprochen sind. Bd. Ill und IV (pear) erschienen 1905. Die 
von Botticher (Lagarde) nach Schwartze's Tod herausgegebenen 2 Teile : Acta aposto- 
lorum coptice (1852) und Epistulae Novi Testamenti coptice (1852). Zu Brugsch's 
Rezension (ZdmG. 7 (1853), 115121) ist ebenda S. 456 und Lagarde, Aus dem 
deutschen Gelehrtenleben 25 65. 73 77 zu vergleichen. Die bohairisch-arabische 
Ausgabe, die 184752 durch Tattam besorgt wurde, verdankt man der Society for 
Promoting Christian Knowledge. 



Gotische "Ubersetzung. 153 

d) Gotisch. 

An textkritischer Bedeutung stehen die bisher aufgezahlten 
Ubersetzungen alien anderen voran; in anderer Hinsicht hat zumal 
fur Deutsche die Gotenbibel des Ulfilas das grofite Interesse. Ulfilas 
(== Wolflin), einer aus Kappadocien weggefuhrten Familie ent- 
stammend (311383; andre Angaben 310. 312. 318381. 382. 388), 
341 Nachfolger des ersten Goten-Bischofs Theophilus, soil fur seinen 
damals noch in der Krim ansassigen Stamm ein Alphabet erfunden 
und das A. u. NT. ubersetzt haben. Beim AT. folgte er der im 
Sprengel von Konstantinopel verbreiteten, von dem Antiochener 
Lucian (f 312) herruhrenden Revision der Septuaginta; sein Text 
des NT.s ist ebenso im wesentlichen der des Chrysostomus ; die 
Spuren lateinischen Einflusses, die man wahrzunehmen glaubte, der 
schon bei der Entstehung, aber auch erst spater wirksam gewesen 
sein konnte, durften hochstens for Orthographisch.es zutreffen. 

Bekannt wurde die Ubersetzung erst durch den sogenannten 
codex argenteus, den im 16. Jahrh. der Sekretar Granvellas Ant. 
Morillon und vor 1554: G-eorg Cassander und der Geograph Merkator 
im Kloster Werden, dann Eichard Strein (f 1601) in Prag gesehen 
hatte; 1648 kam er als Kriegsbeute nach Schweden, wurde der 
Konigin Christina oder ilirem Bibliothekar Isak VoB geschenkt, 
1662 von dem Marschall de la Gardie angekauft, in Silber gebunden, 
in der Bibliothek Upsala niedergelegt, wo zwischen 1821 und 34 
zehn Blatter gestohlen, aber nach vielen Jahren vom Totenbette 
des Diebes aus wieder zuruckgegeben wurden; erhalten sind in 
dieser dem V. oder VI. Jahrh. angehorigen Prachthandschrift mit 
Gold und Silber auf Purpur 187 Blatter von 330, Bruchstticke der 
4 Evv. MiAft; 1665 erstmals nach einer von Derrer 1655 gemachten 
Abschrift herausgegeben; 

2) im cod. Carolinus, dem Wolfenbutteler Palimpsest s. 
S. 78 f. unter den griech. Unzialen PQ, unter dem Altlateiner gue 
(S. 134) etwa 40 Verse aus (>, zuerst 1762 gedruckt; 

3) Bruchstticke von 7 Palimpsest-Hdschr. in der Ambrosiana 
in Mailand, 1817 von Kardinal Mai entdeckt, wahrscheinlich wie 2, 
aus dem Kloster Bobbio stammend, Teile aus den paulinischen 
Brief en, einige aus den Evangelien, dazu aus einer theologischen 
Schrift noch einige Zitate aus &. Nichts ist bis jetzt gefunden 
von jt, (I), C, a. Ausgaben von Gabelentz und Lobe 1836 43, 
Stamm 1858, 5. Aufl. von Heyne 1872, 1907; von Bernhardt (Halle) 
1875. 84, Balg (Milwaukee) 1891; neueste Ausgabe: Die gotische 



154 Die Materialien der neutestamentlichen Textkritik. 

Bibel herausgegeben von Wilhelm Streitberg. Erster Teil. Der 
gotische Text und seine griechische Yorlage mit Einleitung Les- 
arten vind Quellennachweisen, sowie den kleinern Denknialern als 
Anhang. Heidelberg, Winter 1908 (XL VI. 484 S. Q-ermanische 
Bibliothek herausg. von W. Str. Zweite Abteilung: Untersuchungen 
und Texte III, i); /* von Muller und Hoppe 1881, Skeat 1882. 

Zu Ulfilas vgl. Textkritik 730733; Urt. S. 119120. Zu der dort auf- 
gef uhrten Literatur erganze : Ernst Eckstein, Ulfilas und die gotische tiber- 
setzung der Bibel (Westermanns Illustrierte Monatshefte Dez. 1892. 403/7). Jostes, 
Das Todesjahr des Ulfilas und der Ubertritt der Goten zum Arrianismus (Beitrage 
zur Geschichte der deutschen Sprache 22, 1, 158 ff.). Gegen Jostes: Pr. Kauffmann, 
Der Arianismus des Wulfila (Zfd. Phil. 30 (1897), 93113; W. Luft, Die arianischen 
Quellen iiber Wulfila (Z. f. d. Altert. 42, 4); F. Vogt, Zu Wulfila's Bekenntnis und 
dem Opus Imperfectum (ebenda). Pr. Kauffmann, Beitrage zur Quellenkritik der 
gotischen Bibeliibersetzung (Z. f. d. Ph.) II) das NT. (30, 1897, 145183) ; III) 
Das gotische Matthausevangelium und die Itala; IV) die griechische Vorlage des 
gotischen Johannesevangeliums (31, 1898, 177198); V) Der codex brixianus (32 
305335) ; Zur Prage nach den Quellen des Opus imperfectum (ZfdPh 35, 4) ; Georg 
Kaufmann (StraBburg), Kritische Untersuchung der Quellen zur Geschichte 
des Ulfilas (ZfdA. 27 N. P. 15. 1883, 193261). Bohmer-Romundt, Uber 
den literarischen Nachlafi des Wulfila und seiner Schule (ZwTh 46, 233269, 
361407). P. Batiffol, de quelque home'lies de St. Chrysostome et de la version 
gothique des 6critures (RB 8, Oct. 1899, 566572): C. Weymann (BZ 9, 263); 
K. M a r o 1 d , Stichometrie u. Leseabschnitte in den got. Epistelhandschriften (Konigs- 
berg, Progr. 1890, 4); ders., Die Schriftzitate der Skeireins und ihre Bedeutung 
fur die Textgeschichte der got. Bibel (ebenda 1893). 

Zur gotischen Schrift vgl. Wilh. Luft, Studien zu den altesten germanischen 
Alphabeten. Giitersloh, Bertelsmann 1898. VIII, 115. Aus dem Griechischen leitet 
er 18, aus dem Lateinischen und freier Erfindung 9 Zeichen ab. Zu Richard Lowe, 
Die Reste der Germanen am schwarzen Meer (Halle 1896) vgl. die Geschichte, die 
Melanchthon nach Pirkheimer erzahlt (Th. St. & Kr. 1897, 784 ff.). 

H. Stolzenberg, die Ubersetzungstechnik des Wulfila untersucht auf 
Grund der Bibelfragmente des CA (ZfdPh 37, 3). Carl E 1 i s , tiber die Fremd- 
worte und fremden Eigennamen in der gotischen Bibeltibersetzung in grammatischer 
und archaologischer Hinsicht. Diss. Gottingen 1903. 76 S. J. Miihlau, Zur Prage 
nach der gotischen Psalmeniibersetzung. Diss. Kiel 1904. J. Draseke, Der 
Goten Sunja und Frithila Praefatio zum Codex Brixianus (ZwTh 50, 1907, 107117). 
v. S o d e n 333 Der der gotischen Ubersetzung zu Grunde liegende Text. 

,,Die tibersetzung des Ulfilas, beginnt v. S o d e n , ist von den Goten schwer- 
lich einer ernsten Revision unterzogen worden, so dafi wir in dem uns erhaltenen 
Text, ed. H e y n e 1872, Einzelheiten vorbehalten, wohl den Text des Ulfilas sehen 
diirfen." Einigermafien spricht dagegen die Vorrede des lateinischen Codex Brixianus, 
die nach Burkitt, Kauffmann, Draseke von seinen beiden Schiilern Sunja 
und Frithila urn 405 als Vorwort zu einer kritischen Ausgabe der gotischen Bibel 
verfafit ist. Weiter der Tatbestand in den doppelt vorliegenden Stucken der pau- 
linischen Briefe, die nicht wenige Varianten, d. h. Spuren einer spateren Revision 
aufweisen. Ich nenne als ein schon von Tischendorf gebuchtes Beispiel 
1 r 4, 10, wo B go (ex cod uno)" Crispus hat, eine Lesart, die bis jetzt nur beim 



G-otische tmd Athiopische "Dbersetzung. 155 

Syrer (auch in der syrischen tibersetzung der Kirchengeschichte des Eusebius 3, 4, 8) 
nachgewiesen 1st, die andere gotische Handschrift X r e s k u s (so nach Streitlberg ; 
nicht Kreskus, wie Ti. mit den friiheren Ausgaben gibt). Als eine der bei Ti. 
nicht verzeichneten Lesarten mag 2 v, 3, 5 dienen, wo der got. Kodex A &s g 
avT<av weglafit. Es ist daher geraten, uberall da, wo wir den Goten nur aus 
einem einzigen Zeugen kennen, im Apparat eine schwachere Sigel zu verwenden, 
beispielsweise kursives go, statt fettem go, ein Verfahren, das sich auch in ana- 
logen Fallen empfehlen dtirfte. Welter mufl erst untersucht werden, in welchem 
Zeugen das Urspriingliche sich erhalten hat, ob im Kodex A oder G. Ist z. B. im 
obigen Fall Krispus oder Xreskus die urspriingliche Lesart des Goten ? er also von 
Haus aus syrisch beeinflufit oder syrischer Einflufi erst sp'ater in die Arbeit hinein- 
gekommen? oder wie sonst erklart sich dieses so merkwiirdige, bei Streitberg mit 
Recht hervorgehobene Zusammentreffen mit dem Syrer? Streitberg erinnert an 
1 >t 1, 14. Bei den Unterschriften zu den paulinischen Briefen hat die eine Hds. 
die Zusatze B gesandt aus Rom" usw., die andere nicht, z. B. bei y (ebenda 6, 17 
Kodex A nur M Jesus a , wahrend Ti fur go blofi die andere Lesart n unser Herr Jesus 
Christus" verzeichnet). B Noch viel Verdienst ist iibrig" sang Klopstock. Die An- 
fiihrungen des Goten bei Tischendorf erfordern eine vollstandige Nachprufung ; vgl. 
i 7, 15 = turbae f. 

Wie weit die tibrigen alten Ubersetzuhgen unmittelbar aus 
dem Griechischen geflossen oder durcli eine der bisher genannten 
beeinfluCt sind, ist streitig. 

e) Das athlopieche AfT. 

ist nach einer Tradition der abessynischen Kirche schon vor dem 
V. Jahrnundert auB dem Q-riechischen ubersetzt worden; das halt 
Dillmann fur sicher, -wahrend Gildemeister an das VI. bis 
VII. Jahrh. und den EinfLuB syrischer Monophysiten dachte, Q-uidi 
bei der "Wende des V. und VI. stehen bleibt. AuCer den 27 Buchern 
enthalt das athiop. NT. als Anhang ein kirchenrechtliches Werk in 
8 Bnchern, den sogenannten Synodos, so daC die Athiopier35Schriften 
im NT. zahlen. In spaterer Zeit wurde die Ubersetzung jedenfalls 
nach arabischen oder koptischen Texten verbessert; die erste Aus- 
gabe erschien in Eom 1548/9, ist aber wie die tibrigen seither er- 
schienenen kaum brauchbar; mindestens 100 Hdschrr. in den Biblio- 
theken Europas meist jnngeren Daturas; die alteste vielleicht in 
Paris aus dem XIII., die Evv. in unrevidiertem Text. 

Vgl. TiGr. 894 912, Textkritik 553565; Scrivener* 2, 154 f. (Margoliouth) ; 
Urt. 147 150 (F. Pratorius); Ethiopic Version (in Hastings Dictionary of the 
Bible I, 791793 R. H. Charles). C. Conti Rossini, sulla versione e sulla re- 
viaione delle sacre scritture in Etiopico (Z. fur Assyriologie 10, 2. 3. 1895). La- 
gardes Frage (Ankiindigung 1882 p. 28; vgl. auch Gesammelte Abhandlungen 61. 
113), ob die Ubersetzung nicht erst im 14. Jahrhundert aus dem Arabischen oder 
Agyptischen iibernommen worden sei, wird jetzt allgemein verneint; aber daB viele 
Hdss. nach dem mittelalterlichen arabischen Text Alexandrias revidiert wurden, 
zeigte Guidi, Le Traduzioni degli Evangeli in Arabo e in Etiopico, Rom 1888. Eine 



156 Die Materialien der neutestamentliclien Textkritik. 

Brinnerung an diese Revision findet sich vielleicht in dem Encomium des Abba 
Salama bei Ludolf 1691 im Commentarius p. 295. 

Mr die BFBS besorgte eine Ausgabe der Evv. mit Typen aus Ludolfs Ma- 
trizen, J. Pell Platt 1826, von n <5 1830, wiederholt 1837 ; athiopisch u. amharisch 
M n 1874, p a 1878; Pell Platt's Ausgabe des ganzen NT. von Fr. Pratorius 
durchgesehen, Leipzig 1899 (453 S.). 

f ) Das arinenische NT. 

wollte der Berliner Bibliothekar La Croze als Konigin der Uber- 
setzungen betrachtet wissen. Nachdern die Armenier bis ins 
5. Jahrh. ganz unter syrischem EinfluB gestanden waren und zuerst 
aus der syr. Bibel das A. u. NT. ubersetzt erhalten hatten, sollen 
2 Schuler des Mesrob 433 von Konstantinopel auf dem Heimweg 
von der Synode von Ephestis eine griechisclie Bibel mitgebracht und, 
nachdem sie in Alexandrien Griechisch gelernt, ins Armenische 
tlbersetzt haben; nach anderer Angabe hat es St. Sahak (390 428) 
urn 406 getan. Im Jahr 1662 schickte die armenische Synode 
Osgan von Eriwan nach Europa, der 1666 = 1115 der Armenier, 
in Amsterdam die erste Ausgabe des arm. NT.s zustande brachte, 
aber Lucken seiner Hdschr. ohne weiteres aus der Yulgata erganzte ; 
1789 gab es Zohrab nach 20 Hdschrr., namentlich einer cilicischen 
vom Jahr 1310, besser heraus ; a, glaubt er, sei nicht vor dem VIII. 
zu den Armeniern gekommen. Zohrab's Text hat Eieu fur Tre- 
gelles kollationiert, aus ihm scheint Tischendorf geschopft zu 
haben. 

Die Hdschrr. zeigen mancherlei Abweichungen ; in einzelnen 
geht Johannes den Synoptikern voraus ; in andern f olgt auf i di e 
apokryphische n B,uhe des h. Johannes". Die Apokalypse wurde in 
der Kirche nicht vor dem XII. Jahrh. gelesen. In Moskau ist eine 
Hds. vom Jahr 887, in Venedig von 902, in Etschmiazin vom 
J. 986 in einem beruhmten Elfenbeineinband des dritten oder vierten 
Jahrhunderts. Letztere hat hinter (i 16, 8 als IJberschrift far das 
folgende die "Worte ,,des Presbyters Ariston" und hat uns damit 
die offenbar richtige Nachricht erhalten, daB der jetzige SchluB 
des Markusevangeliums von einem Aristion herruhrt, unter dem der 
Lehrer des Papias im zweiten Jahrhundert zu verstehen sein mag 
(s. die Tafel 9). In der altesten Hdschr. des ganzen NT.s in 
Venedig vom Jahr 1220 ist die Ordnung jiCdP mit dem Brief 
der Korinther an Paulus. In der alteren armen. "Ubersetzung 
standen auch die 2 Verse h 22, 43. 44, die in der spateren fehlen. 
In i*, 1, 1 fehlt vlov d-eov in den altesten Hdss. Textkritik 565 573, 
wo 64 Hdss. einzeln, noch viel mehr summarisch gebucht siud. 



Armenische, georglsche und arabische Ubersetzungen 157 

TiGr. 912922; Scrivener 4 2, 148154; Urt. 155157; F. C. Conybeare, 
Armenian Version of NT. (Easting's Dictionary I, 153 f.) 

Evangile traduit en langue arme'nienne ancienne 6crit en Tan 887. Edition 
phototypique du ms. de 1'Institut Lazareff, Moscou 1899. gr. 8. XIV. 458 (60 M.). 
P. J. Dashian, Armenische Palaographie, Studien iiber die Schreibkunst der alten 
Armenier 'mit 10 Schriftproben aus den altesten Zeiten. Wien 1898. 203 S. 
A. Meillet, Observations sur la graphic de quelques anciens manuscrits de 1'Evan- 
gile ArmSnien (JA X, 2, 3. Nov. Dez. 1903, 487507). Eecueil de fragments bibli- 
ques enArme'nien, Moscou 1899, 4. Ter-Mooserjan, Geschiclite der Ubersetzung 
der Bibel in die armenische Sprache u. F i n c k s Katalog der armenischen Hdss. 
Tubingens bespr. von H. Goussen (ThRd. 1904, 9). A b e g h i a n , A., Vorfragen zur 
Entstehungsgeschichte der altarmenischen Bibeliibersetzungen. Diss. Marburg 1906. 
46 S. Sargifeau, B., Dei tesori patristici e biblici conservati nella letteratura 
armena; memoria Venezia 1897. 53 S. S. Weber, Zur Geltung der h. Schriffc bei 
den Armeniern (ThQS. 1893, 3. 463/489). Die Offenbarung Johannis in einer alten 
armenischen Ubersetzung nach 2 Hdss. zum erstenmal hrsg. v. Murod. Heft I. Jg. 2. 
Jerusalem Jakobus-Kloster ; F. 0. Conybeare, The Armenian Version of Eevelation 
and Cyril of Alexandria Scholia of the Incarnation and Epistle of Easter, edited 
from the oldest MSt and englished. London, Text and Translation Society 1907 
(121 u. 189 p.) ; s. N. Finck (OrLz. 08, 7 Sp. 334336) ; H. Goussen (ThRd. 08, 137). 
Die nt.lichen Apokryphen (Pseudepigraphen) erschienen in Venedig 1898 (XV. 491 S.) ; 
vgl. P. Vetter (ThQS. 1905, 608610), der sie zu iibersetzen gedachte. 

g) Die georgische iibersetzang, 

auch grusinisch oder iberisch genannt, 1743 in Moskau erstmals 
gedruckt, soil im 6. Jahrhundert aus dem Q-riecliisclien gemacht 
sein, ist aber ,,eine Zwillingsschwester der armenischen" und wie 
diese n einem Gewebe zu vergleichen, dessen Kette syrisch und 
dessen Einschlag griechisch ist, nur dafi die Reste der alten ge- 
orgischen Ubersetzung an manchen Stellen mehr Altertnmlich.es 
bewahrt haben als die bis jetzt bekannte armenische" (Goussen, 
S. 309; s. u.) und hat in einzelnen Vertretern die pericope adulterae 
in i 7 schon hinter V. 44, was um so merkwiirdiger ist, als in dem 
altlateinischen cod b die Stelle von 7, 44 ab durch Eadieren ge- 
tilgt ist. 

Textkritik S. 573 575, wo 17 Hdss., 3 aus Rom, 14 aus Jerusalem gebucht sind ; 
die Pariser beschrieb georgisch A. K a k h a n o w (o. 0. u. J. 20 S., Harrassowitz 
2267); Urt. 161 f., Darlow-Moule II, 478480. 

Conybeare (AJTh I, 883 ff.); H. Goussen, (Or. Chr. 1906, 300318 mit 
2 Abbildungen : Anfang u. SchluB von ft nach der Opiser Evvhds. vom Jahr 913 ; 
Schlufi folgt). 

li) Die araMschen TJbersetzungen 

des Neuen Testaments flossen toils unmittelbar aus dem Griechischen, 
teils aus dem Syrischeu, toils aus dem Koptischen ; wieder andere 



158 Die Materialien dor neutestamentlichen Textkritik. 

Hdschrr. bieten eine im 13. Jahrh. in Alexandrien vorgenommene 
Revision, ja selbst in die durch den Koran klassisch gewordene 
Form der gereimten Prosa wurde das NT. gegossen. Schon im 
VIII zitieren muhammedanische G-elehrte einzelne Stellen des NT.s, 
namentlich die auf Muhammed gedeuteton Worte vom Parakleten 
i 15, 26. 27 ; 16, 13. Er selbst kannte den Stoff der evangelischen 
G-eschichte nur aus mundlicher Uberlieferung. Die alteste bekannte 
Hdschr. ist wohl eine solche des IX. Jahrhunderts auf dem Sinai, 
aus welcher Margaret Dunlop Gribson 1894 Q, 1. 2. x, y, e 1, 1 2, 9 
herausgab (Studia Sinaitica II). (Hack Kyssel (ThLz. 05, 13) 
liegt ihr die Peschito zu Grande.) Die 4 Evv. veroffentlichte 
de Lagarde 1864 nach einer Wiener Hdschr. In derselben werden 
abweichende Lesarten des Kopten, Syrers und Homers an- 
gefuhrt, z. B. zu M 18, 20 aus letzterem die bis jetzt griechisch 
nur aus D, einem Altlateiner und Syrs vertretene Lesart: otfx slalv 
6-60 tf iQeTg GwrfliiivQi . . . nag' dig ofix elfu &v fiea(j) afo&v. Erste 
Ausgabe der Evangelia in Rom 1591. So haben selbst diese ab- 
geleiteten arabischen Ubersetzungsversuche wie die tibrigen "Dber- 
setzungen des NT.s (persische, althochdeutsche, angelsachsische, 
bohmische, slavonische) nicht bloC in sprachlicher und kulturge- 
schichtlicher Bezieliung groCes Interesse, sondern auch da und 
dort noch Bedeutung fur die Herstellung des Urtextes ; doch kann 
hier nicht weiter von ihnen gehandelt werden. 

TiGr. 928947; Textkritik 519592, wo 137 Hdss. gebucht sind; Scrivener 4 
2, 161164; Urt. 150155; F. G. Burkitt, Arabic Versions (Hastings' Dictionary 1, 
136 138). Burkitt betrachtet als das alteste Dokument arab. Christentums die 
aus dem Kloster Mar Saba stammenden Bruchstiicke, die uns in cod. vat. arab. 13 
(101 bei TiGr.) erhalten sind und dem 8. Jahrhundert zugeschrieben werden. Die 
tibersetzung umfaBte urspriinglich Psalter, Bvangelien, Apostelgeschichte und Briefe 
und geht auf das Syrische zuriick; erhalten sind nur noch Bruchstiicke von MftA, 
und die Paulinischen Briefe. Aus demselben Kloster stammen zwei Hdss. des 9. Jahr- 
hunderts, die eine unmittelbar aus dem Griechischen gemachte Ubersetzung ent- 
halten und vielleicht auf die griech.-arab. Hds. 0136 = h zuriickgehen, von der nur 
noch 4 Blatter erhalten sind (s. S. 87). Die meisten koptischen Hdss. haben eine 
arabische Ubersetzung zur Seite, die am besten im cod. vat. copt. 9 vom Jahr 1202 
erhalten ist, und die Grundlage fur unsere Drucke bildet. Zuerst im Jahr 1250 
wurde in Alexandrien durch Hibat Allah ibn el-Assal, und dann noch einmal gegen 
das Ende des XIII. Jahrhunderts eine Revision vorgenommen, aus welcher die 
Varianten in Lagarde's Ausgabe stammen. Eine arabische Ubersetzung aller sieben 
katholischen Briefe findet sich in einer Sinaihandschrift vom 9. Jahrhundert (Nr. 154 
im Katalog von Mrs. Gibson); s. auch S. 65. Weiteres bei Burkitt. 

Tiber 76 u. 80 bei Gregory (Leipzig 12 u. Miinchen cod. or. 41) s. jetzt: Ein 
spanisch-arabischesEvangelienfragment. Besprochen von K. Vollers und E. v. Dob- 
schiitz (ZdmG. 56, 4, 1902, 633 648, wo Le Page Renouf, on the supposed Latin 



Schriftstellerzitate. 159 



Origin of the Arabic Version of the Gospels (The Atlantic 4, 1863, 241259) zitiert 
wird); Karl Romer, Der Codex Arabicus Monacensis Aumer 238 eine spanisch- 
arabische Evangelienhandschrift. (Diss. Jena), Leipzig 1905. 60 S. Georg Graf, 
die christlich-arabische Literatur bis zur frankischen Zeit (Ende des 11. Jahrhunderts). 
Eine literarhistorische Skizze. Freiburg, 1905 (StraBburger Theol. Studien VII. 1). 
S. 10 12. 22 30. Die Ubersetzung wurde von Isaak Velasquez von Cordoba im 
Jahr 946 aus dem Lat. gemacht und ist mit dem Cavensis verwandt. 

tiber die iibrigen Bibeliibersetzungen s. bes. Urtext und Ubersetzungen der 
Bibel. 



3. Die Schriftstellerzitate. 

Wichtigkeit der Zitate. Yon grofier Wichtigkeit fur die 
Textkritik sind die Schriftstellerzitate ; denn sie vertreten uns zeit- 
lich und ortlich meist ganz bestimmte Handschriften, groBenteils 
aus einer Zeit, aus welcher wir noch keine Codices haben, freilich 
unter den schon S. 371 angedeuteten Voraussetzungen, daC der 
Schriftsteller genau zitierte, der Abschreiber getreu kopierte, der 
Herausgeber richtig edierte. Neben den Schriftstellern der Kirche 
warden die der Synagoge in Betracht kommen, wenn bei denselben 
mehr zu finden ware, als ein paar undeutliche Anspielungen z. B. 
auf M 5, 17, ebenso die der heidnisclien Bestreiter des Christen- 
tums, vor allem e 1 s u s im II. Jahrhundert, auch noch. Kaiser 
Julian, wenn ihre Werke ganz erhalten oder mit groBerer Sicher- 
heit aus den G-egenschriften herzustellen waren, ebenso die Schriften 
derjenigen christlichen Kirchen, die der GroBkirche fern standen. 
Selbst ein in Stein gehauenes Bibelwort an einer alten E.uine kann 
lehrreich werden. 

Kurzere Anftihrungen der alten Schriftsteller sind meist aus 
dem Gredachtnis zitiert, da ein Nachschlagen in den alten Hand- 
schriften nicht so bequem war, wie in einer gedruckten Handaus- 
gabe ; daher erscheint z. B. M 18, 3 bei Clemens Al. in 4 ver- 
schiedenen Formen, M 5, 45 unter 6 Anfuhrungen nur einmal 
genau ; bei langeren, dann meist wortlichen Anfuhrungen haben f aule 
Schreiber sich hie und da mit einem nai ia s^ys, etc. B usw." 
begnugt, und noch 1872 hat ein Herausgeber, der in Oxford den 
Kommentar des Cyrill von Alexandrien tiber das Johannes-Evan- 
geliuni drucken liefi, nur die Anfangs- und Endworte aus seinen 
Handschriften abgeschrieben, das ubrige den Setzer einer Druck- 
ausgabe des textus receptus entnehm,en lassen, wahrend in Wien 
ein anderer bei der Herausgabe der Werke Cyprians gerade die- 
jenigen Handschriften bevorzugte, welche die Bibelzitate desselben 
nach dem in der spateren Zeit gelaufigen Text abgeandert haben 



160 Die Materialien der neutestamentlichen Textkritik. 

(Lagarde, Symmicta I, 70). Des Syrers Ephraim romische Aus- 

gabe ist ganz besonders unzuverlassig; s. Burkitt (TSt. VII, 2, 

Iff.). Nur wo bei einem Schriftsteller mehrfach ein Zitat in ge- 

nau derselben Form ersclieint, darf sein Wortlaut als gesichert 

gelten, ebenso wo der Zmsammenhang, z. B. in einem Kommentar, 

dasselbe ergibt. Sammlungen von Bibelstellen, wie die Testimonien 

des Cyprian (JThSt. 2, 276 288) und das sogenannte Speculum 

des August in, sind gleichfalls direkt aus Bibelhandschriften ge- 

nommen. Franz Lucas von Brugge ist der erste, der ausdruck- 

lich in dieser E/iclitung die Kirchenvater durchforschte ; in der 

komplutensischen Polyglotte ist in 4 Anmerkungen auf solche 

Rucksicht genommen, Erasmus fuhrt 1516 eine ganze Reihe von 

Vaterzeugnissen an (Ambrosius, Athanasius, Augustin, Cyprian, 

Gregor von Nazianz, Origenes, Theodoret). Seither haben alle ver- 

standigen Textkritiker ihnen Aufmerksamkeit geschenkt; um Ter- 

tullian hat sich Ronscli, um Origenes Griesbach, um 

Augustin bes. de Lagarde verdient gemacht, um die moisten 

zuletzt der Englander B u r g o n , dessen 16 starke Register bande 

nach seinem Tode ins Britische Museum kamen. Nur schade, dafi 

gerade die wichtigsten Vater noch nicht in geniigenden Ausgaben 

vorliegen. Um so erwiinschter ist es, daB die Wiener Akademie 

seit 1867 ein Corpus scriptorum ecclesiasticorum latinorum (Ab- 

kurzung CSEL) herausgibt (bis jetzt 50 Bande), und die Berliner 

Akademie eine Ausgabe der vornicenischen griechischen Kirchen- 

lehrer unternommen hat, in der bis jetzt Werke von Adamantius, 

Clemens Alexandrinus, Eusebius, Hegemonius, Buch Henoch, Hip- 

polyt, Koptisch-gnostische Schriften, Oracula Sibyllina, Origenes 

erschienen sind. 

Die altesten Vater sind mehr nur far die Geschichte des 
nt.lichen Kanous wichtig, d. h. man muC sich darauf beschranken 
zu wissen, welche Schriften des NT.s sie kennen, wobei das argu- 
mentum ex silentio mit Vbrsicht zu gebrauchen ist ; so bei Barna- 
bas und Clemens im I, Ignatius, Hermas in der ersten Halfte des 
II. Jahrhunderts. 

Vgl. The New Testament in the Apostolic Fathers. By a Committee of 
the Oxford Society of Historical Theology. Oxford, Clarendon Press 1905. V. 144 p. 

Selbst bei den viel umfangreicheren Schriften Jus tins ist 
noch mancher Streit, z. B. welche Evangelien er benutzte. 

Brnestus L i p p e 1 1 , Quae fuerint Justini Martyris anofivyfiovevftaTa quaque 
ratione cum forma Evangeliorum Syro-Latina cohaeserint (Dissertationes philologicae 
Halenses XV, 1) 1901. IV 102 S. (Diss. mit demselben Titel ! 40 S.) ; v. S o d en 375. 



Schriftstellerzitate. 161 



Von besonderer Wichtigkeit ware Irenaus von Lyon (f 202), 
zumal wenn sich nachweisen lieCe, dafi er sein NT. schon aus 
Smyrna mitbrachte, und wenn seine Schriften nicht grofienteils nur 
lateinisch erhalten waren. 

tiberSanday s. o. S. 136, und Preuschen (BPhWS. 05, 48, 1529) in der 
Anzeige von Harnacks Ghronologie II: n ich wtifite auch nicht, was der Annahme 
im Wege stehen sollte, daB es von dem Werk des Irenaus schon sehr friih (d. h. 
vor Tertullian) zweisprachige Ausgaben gegeben hat, wie solche von dem NT. 
existierten, die offenbar ganz denselben Bedurfnissen entsprungen sind. Mit der 
Annahme der Benutzung einer solchen doppelsprachigen Ausgabe erklaren sich alle 
Eigentiimlichkeiten bei Tertullian vollkommen. Sind diese Voraussetzungen richtig, 
so wird die lat. tfbersetzung wohl noch unter den Augen des Irenaus selbst an- 
gefertigt worden sein. Ptir die Beurteilung ihres textkritischen Wertes ist das 
nicht belanglos." Dem gegeniiber jetzt H. Jordan (Theol. Studien: Theod. Zahn 
zum 10. Okt. 1908. S. 133192) fur Ursprung in der 2. Halfte des 4. Jahrhunderts ; 
v. Soden 373, der Sanday's Sammlung benutzen konnte. 

In Agypten ragt Clemens Alexandrimis, vor allem aber der 
grofite Bibelgelehrte des Altertums Origenes hervor (f 248). Schon 
diese fangen an, auf Handschriften sich zu berufen: w gute, alte, 
verbesserte, die meisten oder wenige" zu unterscheiden. 

Mordaunt Barnard, The Biblical Text of Clement of Alexandria, in the 
four Gospels and the Acts of the Apostles collected and edited, with an Introduction 
by F. C. Burkitt (TSt. V, 5) 1899. XIX. 64 p.; v. Soden 369. 

Ernestus Hautsch, De quattuor Evangeliorum codicibus Origenianis 
(Dies.) Gottingae 1907. 101 (Das Ganze soil deutsch in TU erscheinen) ; v. S o d e n 347. 

Bei den Vatern der nicenischen Periode wird ihre Heimat 
wichtig: ob Antiochien, Casarea, Agypten, Konstantinopel, Kappa- 
docien; Eusebius, Chrysostomus, Theodoret usw. 

Pauli Epistolas qua forma legerit Joannes Chrysostomus scripsit Seth 
K. G i f f o r d (Dissert, philol. Hal. XVI, 1) 1902. 88 S. nicht erschopfend (BPhWS. 
1903, 21; Bl. f. bayer. GW. 1903, 300 f.); (Diss. mit demselben Titel! 33 S.). 

Die Bibelerklarungen derselben liegen in den n Katenen" vor, 
in denen die Deutungen der verschiedensten Vater wie die Grlieder 
einer Kette an einander gereiht sind, haufig auch das Gut des 
einen unter der Magge eines andern Namens segelt. 

Tiber B Catenen" s. G. Heinrici in PRE 3 3, 1897, 754767, wo S. 761 Z. 41 
das Zitat heifien mufi M cod. Sinait. I p. 13"; dazu Lie. Karo et Job. Lietz- 
mann, Catenarum Graecarum Catalogus (GgN. 1902, 1. 3. 5.); Hans Lietzmann, 
Catenen. Mitteilungen liber ihre Geschichte und handschriftliche Uberlief erung 1897 

Von den wenigen Stellen abgesehen, an welchen die n Ketzer" 
die Bibel gefalscht haben sollen, sind deren Zeugnisse far uns 
nicht minder wertvoll. Die des Marcion (II. Jahrh.) hat uns 
zumeist Tertullian lateinisch erhalten und Zahn in neuester Zeit 
gesammelt und hergestellt. Nicht in Tertullians Zeit, sondern erst ins 

Nestle, ElnfUhruna. 3. Aull. 11 



162 Die Materialien der neutestamentlichen Textkritik. 

IV. Jahrhundert gehort wohl auch der lateinische Ubersetzer des 
Irenaus, der uns durch seine lat. Ubersetzung dessen Bibelzitate 
wie es scheint getreuer erhalten hat, als spatere griechische Kirchen- 
lehrer, die den Irenaus griechisch zitieren. Von Lateinern (s. schon 
oben) sind nach und neben Tertullian Mr die altlateinische Bibel 
vor allem wichtig Cyprian, Hilarius von Poitiers, Ambrosius von 
Mailand, Augustin und sein Q-egner Pelagius, far die Apokalypse 
Ticonius und Primasius. Aus Augustin hat de Lagarde neben 13276 
at.lichen nicht weniger als 29540 nt.liche Zitate gesammelt. Ebenso 
lassen sich bei syrischen und armenischen Schriftstellern die wich- 
tigsten Aufschltisse finden; nur mit ihrer Hilfe ist z. B. die Wieder- 
herstellung eines der altesten Zeugen, des Diatessaron von Tatian, 
aus dem II. Jahrhundert gelungen. 

1. In den Apostolischen Konstitutionen 2, 22, wo das ganze Gebet Manassee 
stehen sollte, lafit der Schreiber der altesten Handschrift, die Lagarde 1862 fur 
seine Ausgabe benutzen konnte (petropol. gr. 254, friiher paris. coisl. 212 vom Jahr 1111) 
nach den Eingangsworten Ktigie bis Kdofiy afa&v alles iibrige weg, im Ganzen 
31 Druckzeilen, und setzt dafiir einfach ttal T& ij^g *ns s&XtfS & ^f*Etg oi>* dyvoelre. 

Uber die bisherige Verwertung der Vater s. den Abschnitt De scriptoribus 
ecclesiasticis bei TiGr. 11291230, die daraus abgekurzte Liste in Baljon's NT. 
XV XXIII; Gr., Textkritik S. 747823; Canon 419 4S6; auch Urt. S. 22. 56 f. 94. 
Hierzu einige Nachtrage: Zum sogenannten Ambrosiaster vgl. Dom. Morin (Rev. 
d'hist. et de litt. rel. 1899, 112) ; fiber die altlateinische Didascalia Ed. Hauler 
(WSB. 1895, Bd. 134, S. 40 ff. ; Mitteilungen von B. G. Teubner 1897, 2 S. 52) ; 
iiber den Bibeltext des Filastrius (OSEL. Bd. 38, 1898) K r o 1 1 in der Anzeige der 
Marx'schen Ausgabe (Berl. Phil. Wochenschrift 1898, 27) ; iiber die Evangelienzitate 
Novatians (Pseudocyprians) Harnackin TU. 13, 4 ; iiber Jovinian s. TIL, N. P. 
II, 1 usw. Von Monographien : The Biblical Text of Clement of Alexandria in the 
four Gospels and the Acts of the Apostles collected and edited : by P. M. B a r n a r d 
with an Introduction by F. C. Burkitt. Cambr. 1899 (TSt. V, 4). DaB die 
grofien Unternehmungen der Wiener und Berliner Akademien die Ausfuhrung dieser 
Aufgabe erst ermoglichen und dafi namentlich die Berliner Ausgabe durch ihre vor- 
ziiglichen Register dieselbe recht erleichtert, mufi zum Schlusse mit groBtem Dank 
noch einmal anerkannt werden. 

2. DaB die bisherigen Vater-Ausgaben fur die biblische Textkritik ungeniigend 
sind, hat am scharfsten Lagarde erkannt und ausgesprochen. Welche Umsicht in 
dieser Hinsicht notig ist, konnen die Erb'rterungen zeigen, die sich an die Behand- 
lung der Bibelzitate in der neuen Wiener Ausgabe des Augustin knlipften (s. Urt. 76. 
94; Preuschen in ThLz. 1897, 24. Sp. 630); sogar bei der neuen Berliner Ausgabe 
darf man sich nicht einfach auf die im Text gebotene Form der Bibelzitate ver- 
lassen, sondern mufi stets den Apparat selbstandig nachprufen. An einigen 
Stellen des ersten Origenesbandes hatte ich dies in der 2. Aufl. gleichzeitig mit der 
Mangelhaftigkeit der fruheren Ausgaben naher nachgewiesen (25, 26 ff. = p. 14, 36 
Wortstellung in Origenes wie in D 565 dvvma n&vTa aoi; 29. 13 Auslassung von 
do&tfaerat . . . AaAtfatjie in M 10, 19 wie in D ; jiaQaS&oovoiv wie in D statt 

Fehlen von r^v in 23 wie in D), urn zu zeigen, daB wie die Bearbeitung 



Scliriftstellerzitate. 163 



der Kirchenvatertexte, so auch die Benutzung selbst der bestbearbeiteten fiir die 
biblische Textkritik keine so ganz. einfache Sache ist. 

Eine sehr erfreuliche Bestatigung dessen was ich hier fiber die nahe Ver- 
wandtschaft der Bibel des Origenes mit D ausgefiihrt hatte, bietet die Athoshand- 
schrift, mit der von der G o 1 1 z uns bekannt gemacht hat, namentlich wenn man sie 
in dem Licht betrachtet, in das Z a h n (ThLbl. 1899, Sp. 180) sie geriickt hat. 
Diese Hds. bestatigt, was wir schon wufiten, dafi Marcion 1 x 10, 9 XQiotbv (nicht 
ntiQtov und nicht &ebv) in seinem Text gehabt hat, und lehrt uns erstmals, n da6 
auch Origenes nur Xptaidv als Text kannte und dafi in dem von Turnanus heraus- 
gegebenen Synodalschreiben gegen Paul von Samosata (bei Routh, rel. s. Ill *, 299) 
x-ijQiov eine spatere Anderung statt Xgiaidv ist". n Auch Clemens eel. proph. 49", 
schliefit Zahn, s durfte in einem ordentlichen Apparat nicht fehlen, und H$QIOV 
nie wieder als Text gedruckt werden". Unsere neiiesten Herausgeber 
(Tischendorf, W.-H., Weifi) haben xtigtov, ohne das XQIOTOV auch nur am Rand 
oder unter den noteworthy rejected readings oder unter den Wortvertauschungen 
(WeiB S. 7) zu erwahnen. Durch das fur das Stuttgarter NT. befolgte Prinzip 
den Consensus der bisherigen Ausgaben fiir den Text mafigebend sein zu lassen, 
war ich genb'tigt, xtQtov im Text zu lassen, habe aber XQIOTOV am Rand angefiihrt, 
wie das auch Tregelles noch getan hatte. An dieser Stelle war der textus receptus 
besser als der unserer kritischen Ausgaben. Die verworfene Lesart ist eben wieder 
die ^westliche", und nicht umsonst schreibt Zahn, nachdem er noch den zu 1 i 4, 3 
neu gebotenen AufschluB besprochen : M Was jeder Einsichtige langst wissen konnte, 
wird hier wieder einmal handgreiflich, dafi namlich vieles und wichtiges, was man 
als nur abendlandischen Text mit Achselzucken zu betrachten pflegte, auch im Orient 
und zwar nicht nur bei den Syrern, sondern auch bei den Alexandrinern lange Zeit 
herrschend gewesen ist und erst durch die nach der Zeit des Origenes entstandenen 
offiziellen Textrecensionen aufier Kurs gesetzt worden ist." 

3. Aus B u r g o n s Sammlungen und eigenen Arbeiten hat Rev. Prebendary 
Edw. Miller einen Textual Commentary upon the Holy Gospels begonnen. Eine 
Probe zu Mt. 5, 44 gab er in dem kleinen Schriftchen The Present State of The 
Textual Controversy respecting The Holy Gospels. Printed for Private Circulation 
(40 p. 8). Er bespricht dort S. 30 f. auch die Frage, ob Origenes, de oratione 1 
(Delarue 1, 198 = II, 299, 22) Lukas (6, 28) oder Matthaus (5, 44) zitiere und 
entscheidetsichfiirMatthaus. Koetschau gibt umgekehrt n Luk. 6, 28 (Matth. 5, 44)". 
Die Dinge kb'nnen manchmal bei den Schriftstellerzitaten recht verwickelt liegen. Leider 
ist nicht mehr als die erste Halfte des ersten Teils erschienen: A Textual Com- 
mentary upon the holy Gospels, largely from the use of materials, and mainly on 
the text, left by the late John William B u r g o n. Part I. St. Matthew, Division I. 
I XIV. By Edward Miller. London, George Bell & Sons 1899. XXIV. 
118 S. (ET. XI, 273). Die Sammlungen sind ins Britische Museum gekommen. 
Kenyon gibt am Ende von Kap. VI (^Patristic Quotations") p. 224 aus Burgons 
Index folgende Zahlen. Es finden sich Zitate 

bei aus 

Justin 
Irenaeus 
Clemens Alex. 
Origenes 
Tertullian 
Hippolytus 
Eusebius 



e 


a 


c 


P 


r 


zus. 1 ) 


268 


10 


6 


43 


3 


330 


1038 


194 


23 


499 


65 


1819 


1017 


44 


207 


1127 


11 


2406 


9231 


349 


399 


7778 


165 


17922 


3822 


502 


120 


2609 


205 


7258 


734 


42 


27 


387 


188 


1378 


3258 


211 


88 


1592 


27 


5176 



r ) Dazu 266 zweifelhafte. 



164 Die Materialien der neutestamentliclien Textkritik. 

Zu beachten ist ferner, da6 nicht jeder Schriftsteller die ganze Zeit seines Lebens 
hindurch, an alien Orten seiner Wirksamkeit dasselbe Bibelexemplar vor sich ge- 
habt haben wird. Aber nicht daraus, sondern aus den Anderungen spaterer Ab- 
schreiber wird es sich erklaren, daB wo in der Bibel Varianten vorliegen, dieselben 
sehr haufig ebenso in den Handschriften der Schriftsteller wiederkehren. Der Verf . 
hat natiirlich nur eine Form zitiert, und so sollte sein Zeugnis zwischen 2 Va- 
rianten entscheiden helfen. Aber der Abschreiber hat dann nach dem ihm gelaufigen 
Text geandert, Man vgl. z. B. den Apparat des Chrysostomus von Field, der 
Apostol. Konstitutionen von F u n c k , des Eusebius von Schwartz (auch bei den 
Zitaten aus Josephus) usw. Nur ein Beispiel aus den Konstitutionen: wo die 
eine Zeugenklasse hat: enei xai o HVQIOS [taxagiov emev eivat TOV didovta qneQ 
(v a r. vneQ) TOV Aa^^avovia. v,ai yag eigijtat naAiv vn avzov' Ovai roig e%ovaiv 
xcu ev vnoxQioei hapfiuvovaiv, schreibt die andere: s. x. o xvgiog [icmaQiov eoTi 
Sidovai fiaAAov, etnev, tj Aafifiaveiv. xai naAiv aAAa%ov eiQijTai Ovai etc. In 
dem Bericht aus Papias iiber den Apostel Johannes heiBt es in e i n e r Hdschr. 
paQTVQiov ttawjgiaivat,, in den 26 anderen ev eigyvt] avenavoaTo; vgl. Schmiedel 
(BB. 2599). 

4. Weiter ist stets im Auge zu haben, z. B. bei der Schrift des Origenes 
gegen Celsus, bei den Schriften Augustins gegen die Manicheer, ob wir ein Zitat 
des Origenes und Augustin, oder ein solches der von ihnen bekampften oder an- 
gefiihrten Schriften vor uns haben, ob das Zitat direkt einer Bibelhandschrift oder 
einem Vorganger, z. B. bei Clemens aus Philo entnommen ist. Vielleicht noch mehr 
als in der Gegenwart waren im Altertum stillschweigende Entlehnungen an der 
Tagesordnung. 

Im romischen Clemens (c. 13), im alexandrinischen Clemens (Stromata II, 
p. 476) und teilweise im Brief des Polykarp (c. 2) finden wir das Zitat: ,,Seid barm- 
herzig, daB ihr Barmherzigkeit erlanget; vergebet, daB euch vergeben werde; wie 
ihr tut, so wird euch getan werden; wie ihr gebet, so wird euch gegeben werden; 
wie ihr richtet, so wird liber euch gerichtet werden ; wie ihr freundlich seid, werdet 
ihr Freundlichkeit erfahren; mit welchem MaB ihr messet, wird euch gemessen 
werden". Ebenso finden wir im romischen Clemens (c. 46) und im alexandrischen 
Clemens (Stromata III, p. 561) das Zitat: n Weh jenem Mann; es ware gut fur 
ihn, wenn er nie geboren ware, statt daB er einen meiner Erwahlten argern wurde ; 
es ware besser fur ihn, daB ein Miihlstein an seinen Hals gehenkt und er in der 
Tiefe des Meeres ersauft wiirde, statt daB er einen meiner Kleinen argert." Keines 
dieser Zitate findet sich wortlich so in unsern kanonischen Evangelien. Rendel 
Harris hatte deshalb aus dieser mehrfachen Bezeugung geschlossen, daB sie auf 
ein (jetzt verlornes) Urevangelium zuruckgehen miissen (Contemporary Review, 
Sept. 1897); gegen diesen SchluB wendet sich, wie es scheint mit Recht, Herbert T. 
Andrews (ET IX, Nov. 1897, p. 94f.). Der alexandrinische Clemens und Polykarp 
seien wohl beide vom romischen abhangig 1 ). 

1 ) Einen andern Fall merkwiirdiger Ubereinstimmung eines Bibelzitats (aus 
Jes. 52, 5) in den Apostolischen Konstitutionen und ihrer Vorlage (1, 10; 3, 5; 7, 
204), bei Ignatius (ad Trail. 8) und Clemens (13) habe ich am gleichen Ort (ET. 
IX, Okt. 1897, S. 14 f.) besprochen. Ahnliche Beobachtungen sind ja auch schon 
im NT. zu machen; nicht bloB p 1, 2, wo dem Jesaiazitat (40, 3) unter der Uber- 
schrift ,,im Propheten Jesaia" noch ein Zitat aus Ml. 3, 1 vorhergeht, sondern auch 
bei Paulus, daher man schon geschlossen hat, daB Paulus so etwas wie ein dog - 
matisches Florilegium aus dem AT. benutzt haben werde. 



avriyqatpa der Sckriftsteller. 165 

5) Trotz- dieser Schwierigkeiten bleibt eine systematische Untersuchung der 
Schriftstellerzitate eine der wichtigsten Aufgaben Mr die neutestamentliche Text- 
kritik. Man hat aus alterer und neuerer Zeit sehr niitzliche Sammlungen aus den 
Vatern zur Kanonsgeschichte, ebenso dogmengeschichtliche Untersuchungen liber den 
Schriftgebrauch der Vater, aber noch keine Sammlungen, meines Wissens, zur Text- 
geschichte. Vor allem fehlt, z. B., eine geschichtlich und geographisch geordnete 
Sammlung all der Stellen, an denen sich die Vater auf die Avilygaya berufen, 
oder aller Stellen aus den Heiligenleben, an denen von Herstellung von Bibelhand- 
schriften die Rede ist ; man vergleiche nur iiber Euagrius in der Historia Lausiaca, 
(c. 86 bei Preuschen, Palladius S. Ill, s. o. S. 41) oder in der Vita Epiphanii 
(ed. Petav. II) die Notizen fiber das Anfertigen von Bibelhandschriften; iiber Hierakas 
als bertihmten Kalligraphen, Bardenhewer II, 215. In der zweiten Auflage gab 
ich (S. 266 f.) den nachstehend mit einigen Erganzungen wiederholten Anhang, um 
so den Anfang mit der hier gewiinschten Ubersicht zu machen. Unter Verweisung 
auf denselben stellte die theologische Fakultat der Berliner Universitat als Konig- 
liche Preisfrage fiir 1903/4 die Aufgabe: B Es sollen die Stellen gesammelt und 
untersucht werden, an denen sich die Kirchenvater iiber Varianten zum Text des 
neuen Testaments aussprechen oder solche anfiihren und beurteilen." tiber den 
Erfolg der Aufgabe ist mir nichts bekannt geworden. Auch fiir die lateinische 
Bibel ware eine solche Sammlung hochst niitzlich. Hatte es eine solche gegeben, 
so ware man beispielsweise iiber Alter und Heimat des Amiatinus nicht so lange 
im Unklaren geblieben. Auch die in den mittelalterlichen Bibliothekskatalogen 
aufgeflihrten Handschriften miifiten in unsren Listen am gegebenen Ort mit dem 
notigen Vermerk stehen. Die mir bekannten Stellen im Wortlaut mitzuteilen und zu 
besprechen, ware teils'zu umfangreich, teils zu unvollstandig geworden ; sind doch allein 
die Stellen, an denen Origenes von dv^fy^acpa spricht, zwar nicht M zahllos haufig", 
wie Zahn (GK. 1, 69 Anm. 2) etwas iibertreibend sagt, aber doch zu zahlreich, 
um hier gebucht zu werden. Ein groBer Teil der hierher gehorigen Stellen ist 
auch schon in Tischendorfs editio octava ausgeschrieben. So gebe ich nachstehend 
nur eine alphabetisch geordnete Liste derselben, um andern die Ubersicht nach 
chronologischen und geographischen Gesichtspunkten zu erleichtern. Wo nur eine 
Bibelstelle angegeben ist, findet man das Zitat im Wortlaut in der genannten Aus- 
gabe Tischendorfs ] ). Welch uberraschende Aufschliisse diesen Zitaten zu entnehmen 
sind, mag die Bemerkung des 379 verstorbenen B a s i 1 i u s zu 2 22, 36 zeigen, 
nach welcher zu seiner Zeit in Kappadocien viele, ja wenn der Text richtig ist, die 
Mehrzahl der Handschriften (rci noAAa iu>v dwiypaqxav) eine Lesart enthielten, 
die heutigestags nur in e i n e r Handschrift, und zwar dem Hauptvertreter des 
aWestlichen" Textes, in D, zu finden ist. 



Adamantius (= Origenes), s. Hieronymus 

Ambrosiaster, p 5, 14 (das Zitat nach 
Haufileiter (Forschungen 4, 32) zu ver- 
bessern) ; (12, 13) ; 1 x 5, 3 ; y 2, 5 

Ambrosius, /I 7, 35; y 4, 8 

Anastasius, M 27, 18 

Andreas, a 3, 7 

Apollinarius, wohl der in den Scholien 



des codex Marchalianus (s. Swete's 
Septuaginta III, p. VIII) erwahnte, 
1.1, 53 

, s. Macedonius 

Apolloniades : Eusebius, h. e. 5, 28 

Arethas, a 1, 2 ; 3, 7 

Asklepiades: Eusebius, h. e. 5, 28 

Athanasius (auch pseudo-), M 5, 22 ; 2 & 



a ) In Klammern stehen solche Stellen, an denen das Wort dvityQctyov oder 
ein Synonymum desselben (codex, exemplaria etc.) sich nicht findet, aber doch aus- 
driicklich von Lesarten die Rede ist. 



166 



Die Materialien der neutestamentlichen Textkritik. 



2, 9; die nvmla, fur Constans, oben 

S. 70, Zahn, F. 3, 100; GK. 1, 73 
Augustinus, M 21, 9 ; A 3, 22 ; Q 5, 14 ; 

(13, 14); 1 * 15, 5; y 3, 3 
Basilius, A 22, 36 ; e 1, 1 (Zahn, E. 1, 345) ') 
Beda, JT passim. 
Chronicon Paschale, i 19, 14 
Chrysostomus, i 1, 28 
Constitutiones apostolorum 2, 24 am Rand 

des Kodex y bei Lagarde (nicht in 

Funks 



8neQ iv T&. xard 'Itadvvtjv 4vayyeAt<o 
iv totg itaAaiots tivTiygdcpots xetnat,. 

Didymus, 2 x 1, 1 

Ephraem ^ 1, 35. 

Epiphanius, M 1, 8; 2, 3 (I, 122 Di), 
2, 11 (fas ntfQas iavT&v, ^ 



1, 430, 1085; s. W-H.); 8, 

28; A 8, 26; 19, 41; 22, 43f.; i 1 

28; el, 1 
Eusebius, M 13, 35; 27, 9; /* 1, 2; 16 

3. 9ff.; i 19, 14 
Euthalius, v 25 
Euthymius, (ft 16, 9) ; t 7, 53 
Gregorius Nyssenus (pseudo)=Severus 2 ) 

(i 16, 2. 9 



Hermophilus; Eusebius h. e. 5, 28 
Hesychius=Severus a ) ft 16, 2. 9 
Hieronymus, M 13, 35; 21, 31; 24, 37; 

^ 3, 17; 16, 9; yt 2, 33; (18, 30); 

22, 43 f.; i 7, 53; n 15, 29; 1x9, 

5; y 2, 5; 3, 1; e 3, 14; 1 T 5, 19; 

* 2, 10 

Irenaeus, a 13, 18 
Isidorus, k 9, 17 
Macedonius (s. Draeseke, ThStKr. 1890, 

12), g 8, 11 

Marcion, s. Epiphanius e 1, 1 
Maximinus, 1 x 15, 47 
Oecumenius, n 14, 26 
Origenes, M 2, 18; 8, 28; 16, 20; 18, 

1; (19, 19); (21, 15); (27, 9) 16 ff. 

(Zahn, E. 2, 294); /t 2, 14; A 1, 46; 

t 1, 28; p 4, 3; 16, 23 (Zahn, E. 1, 

276. 285) ; e 2, 4 (JThSt 03, 403); x 2, 15 
Pierius, s. Hieronymus 
Severus, ft 16, 9 
Socrates, 1 i 4, 3 
Theodoretus, ^ 16, 3 
Theodoras Mops., Q 12, 13; i 2, 10 
Theodotus: Eusebius, h. e. 5, 28 
Theophylactus, 2 # 3, 14; I 2, 10; 10, 1 
Victor, ;* 16, 9 (B u r g o n , Last verses 288). 



Anonyme Scholien in Handschriften erwahnen &vtlygaya zu M 2, 18; 20, 
28; 22, 12; ft 11, 13; A 16, 19 (der Name des reichen Mannes Ninive d. h. Phinees) ; 
22, 43 f.; 24, 13; i 1, 29 ; 7, 53; 21, 25; Q 8, 24. 



6) Wie wichtig ein einziges Zitat sein kann, mb'ge das erste Wort im Mar- 
tyrium des Pionius (250) beweisen. Das Stuck beginnt (Acta Martyrum selecta 
ed 0. v. Gebhardt, 1902, S. 96 ; auch bei Knopf, Ausgewahlte Martyrerakten, 1901, 
S. 59) : Taig ftv e i a i e r & v &ytf>>v noivtovelv 6 dnoaioAog nagaivei. Die Lesart 
[tvstais statt %Qelais findet sich p 12. 13 in griechischen Handschriften nur in 
D*G; Theodor von Mopsuestia sagt, daB ivla TU>V AvnyQaqxav so hatten; sonst ist 



x ) Einem Basilius diaconus gehorte einst die prachtige Bibel, von welcher der 
Einband des ersten Teils fiir den codex syrohexaplaris Ambrosianus verwendet wurde. 
DielnschriftlautetfBIBAOC A TON 0IG)N| rPA<J>0)N nAAAIAC KAI|)NeAC 
AIA0HKHC AIAOEP|eij A6 BACIAeiW AlAKONQfl; s. Faksimile und Be- 
schreibung in Ceriani's Ausgabe in Bd. VII der Monumenta sacra et profana (folio). 

2 ) Wie schonAbb<5 Martin in Pitra's Analecta IV, 1884 p. VII n. 3 nach- 
wies, ist die dem Gregorius und Hesychius zugeschriebene Bemerkung zu ft 16, 2. 9 
aus der 77. Homilie des Severus ; s. A. Kugener, une homilie de Severe d'An- 
tioche attribu6 a Gregoire de Nysse et & Hesychius de Jerusalem (EOChr. 3, 1898, 
435451). 



der Schriftsteller. 167 



die Lesart nur lateinisch bezeugt. Nach Bonwetsch (A. Pionius, PEE 3 15, 403) 
1st die Echtheit der Akten evident; es ware also diese Lesart schon 250 vorhanden; Ed. 
Schwartz, Christliche und jiidische Ostertafeln (Abhandlungen der Gott. Ges. 
der Wiss. VIII, 6, 1905, S. 137; erklart dagegen vieles im Martyrium, vor allem 
die Reden ftir literarische Mache, und ein chronologischer Pehler, den er in dem 
Sttick findet, liefert ihm den abschliefienden Beweis der Fnechtheit. In diesem Zu- 
sammenhang will nun auch die Lesart pvelais iiberlegt sein. 

Nachtrag bei der Korrektur: DaB auch im Apokritikos des 
Makarios Magnes (ed. Blondel, Paris 1876, p. 37) von dvityQaya 
die Bede sei, erinnert mich Pf. Dr. Schalkhauer in Wassertrudingen 
(26. 10. 08). 



Kapitel III. 

Theorle und Praxis der neutestamentllchen Textkritlk. 

Eine Theorie der nt.lichen Textkritik gibt es im Grund ge- 
nommen nicht. Aufgabe und Methode der Textkritik ist bei alien 
Schriftwerken dieselbe. Die Aufgabe ist, das herzustellen, was 
der erste Verfasser seinen Lesern mitteilen wollte, und der Weg 
dazu ist einfach der, die Geschichte des in Untersuchung stehen- 
den Schriftwerks bis auf seinen Anfang zuruckzuverfolgen, falls 
und soweit es mit den zur Verfugung stehenden Mitteln geht. 
Nur dadurch, daC die Geschichte e i n e s Literaturwerks mannig- 
faltiger und wechselreicher war als die eines andern, fur das eine 
uns mehr Hilfsmittel zu Gebot stehen als far das andre, kommt 
eine Verschiedenheit der Behandlung herein. 

Sehr einfach gestaltet sich die Aufgabe, wenn nur ein ein- 
ziges vollig isoliertes Dokument zur Verfugung steht, wie bei 
manchen der neuen Papyrusfunde ; doch ist dieser Fall bei litera- 
rischen Texten selten. Auf unserem Gebiet gehort hierher, daC 
einzelne Zeugen z. B. der groBte Teil der gotischen Ubersetzung, 
ein groCer Teil der Cureton'schen und des Sinai-Syrers uns nur 
durch eine Handschrift erhalten ist. Um das gleich ad oculos 
zu demonstrieren, sollte man sich gewohnen, im textkritischen 
Apparat solche Zeugen mit einer schwacheren Sigel aufzuftthren, 
etwa kursiv, also n ^o" neben w go". Tischendorf ftihrt noch zu 
einer ganzen Reihe von Stellen einf aches M go" an, wo die zweite 
gotische Handschrift der paulinischen Briefe die gegenteilige Les- 
art bezeugt. Aber wo nun einmal nur ein Dokument vorhanden 
ist, besteht die ganze Aufgabe darin, einen Text richtig zu lesen, 
und dann durch die sogenannte innere Kritik zu entscheiden, 
ob der so erhaltene Text richtig sein kann. Stehen mehr ere 



Theorie der Textkritik. 169 

Zeugen zu Gebot, so wird man bei deren Abwagung und Be- 
urteiktng die sogenannte innere Kritik auch nicht ganz entbehren 
konnen; aber schlimm ware es, wenn man auf ein so subjektives 
Kriterium allein angewiesen ware. Nicht blofi verschiedene Ge- 
lehrte werden in solchem Fall sehr verschieden urteilen ; selbst ein 
und derselbe Gelehrte kame fiber ein unsicheres Schwanken in 
den moisten Fallen nicht hinaus. Der Grundsatz lectio difficilior 
placet oder wie ihn Bengel (s. S. 18) richtiger und vorsichtiger 
f ormulierte : scriptioni proclivi praestat ardua ist ja vollkommen 
richtig: diejenige Lesart, aus welcher sich die Entstehung einer 
andern oder mehrerer anderer am leichtesten erklaren laBt, ist die 
richtige, ursprungliche : in wie wenig Fallen laBt sich. das aber 
zweifellos dartun. Und wenn nun nicht bloB 2, sondern 3 oder 
noch mehr Varianten sich finden? Ein Beispiel: 

Sellings der Apokalypse. Wie schlieCt a. und damit das NT. ? 

Von den Zusatzen, wie n Amen" oder n Amen, Amen", auch von 

der Yerschiedenheit, ob es heifit n die Gnade des Herrn Jesus" oder 

^unseres Herrn Jesus" oder n des Herrn Jesus Christus" oder nur 

n des Christus" sei ganz abgesehen. Folgende Formen liegen vor: 

1) fiT& ndvvav tpaJv. 2) peta ndvtatv fj[i&v. 3) ^erd 

jidwiwv x&v &yi(ov. 4) fiera ndvxtov. 5) fiExa i&v dylcov. 

Wer will ohne auCere Zeugnisse entscheiden, was die richtige 
Form sei? Selbst wenn man weiC, daC und warum die 2 ersten 
Formen nicht in Betracht kommen konnen, fallt aus inneren 
Grfinden allein die Wahl zwischen den drei andern schwer. Fur 4) 
entschied Lachmann, der 5) noch nicht kannte, entscheidet 
aber ebenso noch Tischendorf, Weizsacker, WeiC, letz- 
terer mit der Begrundung, 5) (T&V tiytwv) sei eine Erlauterung 
des scheinbar zu allgemeinen ndvrcov in 4) und sei 
dann in 3) mit dem richtigen verbunden. Umgekehrt zogen 
Tregelles, Westcott-Hort 5) vor, ohne 4) auch nur am 
Rand zu erwahnen. B o u s s e t , der neueste Erklarer von a, halt 
3) fur das richtige und meint, 4) und 5) seien n beides wohl Schreib- 
versehen". Ebenso hat die Patriarchatsausgabe von Konstan- 
tinopel, 1904. Wie ist zu entscheiden? Es liegt auf der Hand, 
daC man mit gleichem, ja mit groBerem Eech.t als W e i B sagen 
kann, statt des beschrankenden und etwas auffallenden n mit den 
Heiligen" habe ein spaterer Leser die a und damit das NT. mit 
einem moglichst umfassenden Segenswunsch schlieBen wollen und 
darum geschrieben n die Gnade sei mit alien". DaB die dritte 
Fassung n mit alien Heiligen" nicht in Betracht komme, 



170 Theorie und Praxis der neutestamentlichen Textkritik. _ 

erklarte ich in der ersten Auflage fur sicher, ohne zu beach-ten,- 
daB noch B o u s s e t sie vertritt. Aber nicht deswegen, n weil diese 
Fassung sicli als Kombination der beiden andern ergibt" oder 
well ihre Vertreter jiinger sind, sondern well sich nachweisen lasse, 
dafi die Vertreter derselben auch sonst einen korrigierten Text be- 
folgen, und schlofi mit der Bemerkung, daB auch die Entscheidung 
zwischen 4) und 5) nicht lediglich von inneren Kriterien abhangig 
gemacht werden konne, sondern yon der Entscheidung uber das 
allgemeine Verhaltnis der Zeugen abhange, die' sie vertreten, in 
diesem Fall der Codices A far 4), N far 5). 

1. Nur anmerkungsweise soil gesagt werden, daB die 1. Form n mit euch 
alien" (= & 13, 25) nachweislich von Erasmus ohne alle griecnische 
Bezeugung aus seiner lateinischen Bibel ins Griechische ubersetzt wurde, 
trotzdem aber von der Oxf order Universitatspresse mit ^Mill's" Text noch heute 
griechisch verbreitet wird, und in Luthers deutscher Bibel auch bei der letzten Re- 
vision unbeanstandef blieb. Die englische AV. hatte gleichfalls so, die RV. ent- 
schied sich wie WH. fur 5) (with the saints), ftigt aber auf dem Rande die Be. 
merkung fiber 4) hinzu: 2 alte Autoritaten lesen n mit alien". Ubrigens ist auch 
in der lateinischeu Bibel das n vobis" ungentigend bezeugt. 

Die 2. Form r mit uns alien" ist im Griechischen eine eben so will- 
kiirlicheAnderungin der von Melanchthon bevorworteten Herwag'schen 
Bibel von 1545 ; in den Anmerkungen S. 969 wird die Anderung erwahnt. R e u fi 
p. 39 verzeichnet sie als schon dem Fr o ben'schen Druck vom gleichen Jahr 
(1545. 4) eigen: n quod cum in libris manuscriptis non videam, pium correctoris aut 
typothetae suspirium dixerim". Lateinisch hatte so dieVorlage der vorlutherischen 
deutschen Bibel, deren w uns", dann von Z ai n er um 1477 in n euch" verwandelt wurde. 
Die 3. n mit alien Heiligen" (= 13, 25 cod. D*) hatte die Editio princeps des NT.s, 
die Complutensis, mit 046, fiber 40 Minuskeln, dem Syrer, Kopten, Armenier. 4) n mit 
alien" hat A, und von lateinischen Hdss. der Amiatinus. 5) r mit"den Heiligen" 
hat N und der Altlateiner g. Durch die von Gwynn 1897 herausgegebene syrische 
Ubersetzung der a scheint noch eine sechste Variante hinzugekommen zu sein und 
wird von Baljon (s. S. 27), der sich selbst ftir 5) entscheidet, so aufgefuhrt n ^Eta 
navtuv ta>v ayiuv avtov" syrQ^unn. Aber das Pronomen, das im Syrischen durch 
ein blofies Suffix bezeichnet wird, dient da und dort nur zur Wiedergabe des be- 
stimmten griechischen Artikels, und so werden wir in dem neuen Syrer nicht eine 
sechste, sondern nur einen weitern Vertreter der dritten Variante erhalten. Da- 
gegen erwahnt Gwynn die von Tischendorf und W e i fi gar nicht erwogene 
Weglassung des ganzen Verses bei Primasius und fuhrt endlich an, dafi ein Vul- 
gatakodex (armachanus) n cum omnibus hominibus" habe. Also sind .auch la- 
teinisch 4 5 Varianten vorhanden. Ftir cod. A gegen alle andern Hdss. ent- 
scheiden sich beispielsweise 12, 10 alle neueren Herausgeber (xarfyoQ). y 4, 23 



haben statt (ABT& nvetipaTos tofA&v in den alten Hdss. abgektirzt nvts eine 
ganze Reihe, auch der Korrektor des Sinaiticus, HETO. navTuv vpav. Zum ganzen 
vergl. einen kleinen Aufsatz von mir ,,das letzte Wort der Bibel" (AELKz 1902 
Nr. 9 aus Anlafi von Erorterungen der 16. Ev. Allianzkonferenz in Blankenburg). 
Man sieht, welche Mfihe es erfordert, wenn man auch nur an einem einzelnen Punkt 



' Schlufi der Apokalypse. 171 

mit dem Grundsatz Bengels Ernst machen will, dafi die kleinste Partikel Goldes 
Gold sei, dafi man aber nichts als Gold ausgeben diirfe was man nicht als solches 
erprobt habe (Introductio in crisin NT. 1, p. 572). 

Snbjektivitat. 2) Vielleicht ist es nicht unniitz, an einigen Beispielen die 
Subjektivitat innerer Kritik zu zeigen. Ich wahle dazu einige Falle, die mir bei 
Bernh. Wei 6 aufgestofien sind. Nachdem er ein langes Gelehrtenleben der Er- 
forschung des NT.s gewidmet, ist sein Schwanken um so lehrreicher. In der 
Jugend, die mit dem eignen und fremden Wort leicht fertig ist, halt man oft recht 
unwahrscheinliche Einfalle ftir sonnenklar, selbstevident, unwidersprechlich, die man 
nach wenigen Jahren ganz anders ansieht. Bernh. W e i 6 schreibt also beispielsweise 
zu Q 8,241891: n zu der Weglassung von TI V.O.L (B. WH. txt.) ist gar kein 

G r u n d ersichtlich". 
1896: 8, 24 hat WH. txt. mit Recht die Worte n xai nach B fort- 

gelassen. 
zu 8, 34 1891 : a Das Itjaovs hinter XQHJTOS ist ... zu streichen". 

1896: a Hier wird die Auslassung eine reine Nachlassigkeit sein." 
zu 10, 9 1891: s Bemerkenswert iat die Lesart von B Clem eav o^o/toy^a^ff TO 
Qijlta ev Tta OTOfiaTi aov OTI XVQIOS Iijaov$, die wohl urspriing- 
lich sein konnte". 

1896: M Das in B ... nach ofioAoyijotjs eingeschaltete zo gqpa ist ganz 
g e d a n k e n 1 o s als Objekt dazu aus V. 8 wiederholt. Ob schon 
vorher oder erst in Polge davon das in KVQIOV fyaovv folgende 
Objekt nach dem Parallelsatz in OTI XVQIOS lyaovs konformiert 
ist, lafit sich nicht sagen". 
zu 12, 15 1891: w [es] ist das xai wohl als Verbindungszeichen zu streichen, wenn 

es auch vor x/ltu- aus Versehen ausgefallen sein kann". 
1896: . . . s halte ich den Ausfall des MUI vor x/Zeuew fur einen blofien 
Schreibfehler". 

Um noch ein wichtiges Beispiel anzufiihren : in der Frage, welche der beiden 
Fassungen des Aposteldekrets die richtige sei, die mit oder ohne Ersticktem, ist 
Harnack nach langem Strauben jetzt zum entgegengesetzten Urteil gekommen, 
dafi die Auslassung echt sei. Ob er noch einmal den Standpunkt wechseln mufi? 

Um so wichtiger ware es, sichere Grundsatze und Mafistabe fur die Kritik 
zu haben. 



Ijiteraiur. 

3. Zur Literatur vgl. vor allem v. Gebhardt (Urt. S. 16); Ed. Eeufi, 
Geschichte der h. Schriften NT.s Braunschweig 1887, 351 ff. S. P. Tregelles, 
(=Vol. 4 von Home's Introduction) , 10 Lond. 1856, W 1877. F. H. A. Scrivener 
(S. 7) ; ders., Adversaria critica sacra (ed Miller), Cambr. 1893. B. F W[estcott], 
The New Testament in W. S m i t h , a dictionary of the Bible. Vol. II. Lond. 1863, 
506 534. C.E.Hammond, Outlines of textual criticism, applied to the NT., 
Oxf. 1872, 5 1890. Westcott-Hort (Bd. II, s. S. 241.); B. B. Warfield, an 
Introduction to the textual criticism of the NT. New York 1887, Lond. 1893. 
Mr. K e n y o n and the textual Criticism of the NT. (The Presb. & Eef . Rev. XIII 
Nr. 51, July 1902). J. W. Bur go n, the last twelve verses of the Gospel 
according to St. Mark vindicated against recent critical objectors and established, 



172 Theorie und Praxis der nentestamentlichen Textkritik. 

Oxf. & Lend. 1871 ; ders., The Traditional text of the holy Gospels vindicated 
and established, ed. by Edw. Miller. Lond. 1896 (vgl. Bernard in ET. 7, 
427 429) ; ders., The causes of the corruption of the traditional text of the holy 
Gospels, ed. by Edw. Miller, Lond. Cambr. 1896. The Oxford Debate on the 
Textual Criticism of the New Testament held at New College on May 6, 1897, 
With a Preface [von Ed. Miller] explanatory of the Rival Systems. London, 
G. Bell (Oxf. Cambr.) 1897, XVI. 43. Edw. Miller, the Present State (s. 
S. 163). Ders., The Textual Controversy and the twentieth Century 1901 ; Ders., 
A Guide to the textual Criticism of the NT., London 1886. 147 S. The Revisers and 
the Greek Text of the NT. by two members of the NT. Company ; London 1882. 
79 S. S a n d a y verwies (Studia Biblica III, 235 n. 2) auf eine Introduction to 
the Textual Criticism of the NT., die er seit einiger Zeit in Vorbereitung habe; er- 
schienen ist sic noch nicht. Vincent, Martin, History of Textual Criticism of the NT. 
Macmillan 1900. (3 sh 6 d) ; (ET. Pebr. 00, 224)'; v. D[obschiitz] (LZ. 02, 31). Gary, 
G. B., The Synoptic Gospels. With a chapter on the text-criticism of the NT. New 
York, Putnam 1900 (International Handbooks, 2 Doll.); Nicol, Thomas, The 
Lower Criticism of the NT. (The Lond. QR., Apr. 01); C. G. van Rhyn, En 
Keerpunt in de geschiedenis der Tektskritiek (Th. Studie'n 21, 1). J. R. H a r r i s , 
A speculation in textual criticism (Exp., May 07). J. St. Riggs, Alexandria and 
the New Testament (AJTh 1897, 4, 927949). 

J. P. P. Martin, Introduction a la critique textuelle du Nouveau Testa- 
ment. Partie pratique. Tome I (Lemons professe"es a 1'Ecole supe'rieure de th6ologie 
de Paris en 188384). Paris 1884, in-4 br., XXXVI et 327 pages autogra- 
phie'es 25 fr. ; der s., Partie pratique ; Tome II (Lemons professe'es a 1'Ecole 
supe'rieure de the"ologie de Paris en 1883 84). Paris, 1884, in-4 br., IX, 554 
pages, cartes et fac-simile's de manuscrits. 40 fr. ; ders., Tome III (Lemons pro- 
fesse'es a 1'Ecole supe'rieure de th6ologie de Paris en 1884 85). Paris, 1885, in-4, 
br., VI et 512 pages accompagne'es de fac-simile's de manuscrits orientaux (copies, 
syriaques) et de cartes. 40 fr. ; der s., Tome IV (Lecons professe'es a 1'Ecole 
supgrieure de th6ologie de Paris en 188586). " Paris, 1886, in-4 br., VI, 549 et 
fac-simile's. 40 fr. ; d e r s., Tome V (Lecons professe'es a 1'Ecole supe'rieure de th6o- 
logie de Paris en 188586). Paris, 1886, in-4 for., XI, 248 et L pages de fac- 
simile's. 20 fr. ; der s., Description technique des manuscrits grecs relatifs au Nou- 
veau Testament, conserve's dans les Bibliotheques de Paris. Supplement aux Legons 
sur la critique textuelle du Nouveau Testament, professe'es a 1'Ecole supe'rieure de 
th^ologie de Paris en 188283. Paris, 1884, in-4 br., XIX, 205 pages, fac-simile's 
de manuscrits. 20 fr. ; ders., Les plus anciens mss. grecs du NT., leur origine, 
leur veritable caractere (in Rev. des quest, hist. 1884, n. 71, p. 62109) ; d e r s. 
Origene et la critique textuelle du NT. Paris (Extrait de la Rev. des quest, hist. 
Janv. 1885, n. 73, p. 562). 

Z a h n, Theod., Geschichte des neutestamentlichen Kanons. Erlangen, Deichert. 
Erster Band. Das NT. vor Origenes. Erste Halfte 1888. Zweite Halfte 1889, 
zus. 968 SS. Zweiter Band : Urkunden und Belege zum ersten und dritten Band. 
Erste Halfte 1890. Zweite Halfte 1892, zus. 1022 SS. (Dritter Teil noch nicht er- 
schienen ; in Teil II fiber Ordnung der nt.lichen Biicher S. 343 ff., den SchluB von 
(A S. 910 ff., etc.). L e i p o 1 d t , Job., Geschichte des neutestamentlichen Kanons. 
Erster Teil, Die Entstehung. Leipzig, Hinrichs 1907. VIII, 288 S. (Der zweite 
Teil n Mittelalter und Neuzeit" kommt bier nicbt in Betraoht). 



Literatur zur Textkritik. 173 

Fr. B 1 a B, Notwendigkeit und Wert der Textkritik des NT.e Vortrag. Barmen 
1901, 31 S. (Salz und Licht Nr. 1) ; ders., tJber die Textkritik im NT, Bin Vor- 
trag geh. auf der theol. Konferenz in Eisenach, Leipzig, Deichert 1904; Lund- 
borg, M., Nya Testaments text. Lund, Gleerups. 1899. 404 p. (5 Kr.) ; Lake, K., 
Text of the New Testament (Oxford Church Text-Books) 1900 (1 sh) ; ders., The in- 
fluence of Textual Criticism on the exegesis of the NT. Oxford, 1904, der p. 3 die 
Theorie von Westcott-Hort n a, failure, though a splendid one" nennt; 
ders., The text of the Gospels in Alexandria (AJTh. 02 I, 7989); Pott, 
Aug., Der Text des Neuen Testaments nach seiner geschichtlichen Entwicke- 
lung. Mit 8 Tafeln. Leipzig, Teubner 1906 (Aus Natur- und Geisteswelt, 
130 Bandchen); Knopf, Rudolf, Der Text des Neuen Testaments Neue Fragen, 
Punde und Forschungen der neutestamentlichen Textkritik. Giefien, Topelmann, 
1906. 48 S. (Vortrage der theologischen Konferenz zu Giefien 25. Folge); Hetzen- 
auer, Michael, Wesen und Principien der Bibelkritik auf katholischer Grundlage 
unter besonderer Beriicksichtigung der offiziellen Vulgataausgabe dargelegt. Inns- 
bruck 1900. 

George Salmon, Some Thoughts on the textual criticism of the New 
Testament. London, Murray. 1897. XV. 162. Fr. Blafi, Philology of the Gospels, 
London, Macmillan 1898. VIII. 250. ; ders., Philologische Mitarbeit am NT. (NkZ 
9, 7, 513527). 

Ada B r y s o n , Kecent Literature on the Text of the NT. (ET. X, 7. April 1898, 
294 300). Auch die Einleitungen nehmen mehr oder weniger auf diese Fragen Riick- 
sicht, namentlich in neuerer Zeit; vgl. Hilgenfeld 1875 (dritter Teil: Diekritische 
Geschichte des ntl. Textes) ; H. J. Holzmann, 3 1892 (Allgemeiner Teil: Ge- 
schichte des Textes) ; Julicher 6 ' 1906 ; Z a h n 3 , (namentlich zu An) ; Fritz 
Barth 1908. Lehrreich sind auch die Berichte vonBousset (ThRds. IV, 9, 
1901. S. 363380) ; K. L a k e (JThSt. Ill, 295304) ; im ThJB und der Bibl. Z., und 
noch heute sehr lesenswert sind die Prolegomena von Mill,Bengel, Wettstein 
und anderen. 

In sehr umsichtiger und anregender Weise macht auf die textkritischen Auf- 
gaben aufmerksam der Vortrag von Job. W e i fi , die Aufgaben der neutestament- 
lichen Wissenschaft in der Gegenwart, Gottingen 1908 (mir wahrend der Korrektur 
zugekommen). 

2. Wenn es den Versuch gilt, mit Hilfe der bisher geschilderten 
Materialien den Text des NT.s moglichst in seinem urspriinglichen 
Wortlaut herzustellen, muB man vor allem im Auge behalten, dafi 
das NT., wie es uns heute vorliegt, nicht ein einheitliches G-anzes 
ist, sondern aus 27 einzelnen jetzt in 5 Grruppen zusammengefaBten 
Schriftstiicken besteht, von denen fast jede einzelne ^ruppe eine 
eigene Geschichte gehabt hat. Die verwickeltste diejenige Gruppe, 
die jetzt das NT. eroffnet, die Evangelien. 

Evangelien. Es ist vollig unsicher, wann zuerst unsere vier 
Evangelien in einen Band zusammengeschrieben und in die jetzt 
herrschende Reihe gebracht worden sind. 

Vgl. Arthur Wright, Some NT. Problems, London 1898 p. 196208. 
Z ahn, GK II, 370375. 1013. 



174 Theorie und Praxis der neutestamentlichen Textkritik. 

Der im Eingang defekte, sogenannte muratorische Kanon 
scheint sie vorauszusetzen ! ) ; man nahm an, dafi die Evv. in dieser 
Folge geschrieben seien : M zuerst, i zuletzt ; herrschend ist diese 
fast durch alle griechischen und syrischen Hdschrr., auch durch 
syr sin , vertretene Ordnung Mfih durch Eusebius und Hierony- 
mus geworden, da jener sie den canones zu Grunde legte, die 
dieser hertibernahm. Aber nachher stellt Eusebius im Kanon III 
Mh vor Mfii in IV, und ebenso M.K in V vor Mfi in VI, offenbar, 
weil die Gruppen mit X zahlreicher sind. Naoh Eusebius (h. e. VI, 
25, 3) hat sie schon Origenes vorgefunden (s. die Stellen bei Zahn, 
Einl. 8 II, 84) ; doch finden wir in dessen Zitaten haufig die Eeihen- 
folge MAft, und wir finden weiter 

2. M/uA im alteren (curetonischen) Syrer und im canon 
Mommsenianus, einer durch Mommsen zuerst veroffentlichten, im 
lateinischen Afrika vielleicht um 360 entstandenen Aufzahlung der 
biblischen Bticher und der Schriften des Cyprian 2 ) 3 ). 

3. Mhfii, beim sogenannten Ambrosiaster und in einem Ver- 
zeichnis der 60 kanonischen Bucher. 

4. MifjiA., die beiden Apostel vor den Apostelschulern, in dem 
catalogus Olaromontanus (s. S. 73) 4 ). Noch in den w Goldwaschen tt 
des Arabers Masudi findet sich diese Reihenfolge (Prairies d'or I, 
123; Sayous, Jesus Christ d'apres Mohammed p. 34). 

5. Mikfi, in DX, bei Ulfilas, namentlich in den altlateinischen 
Handschriften ; vgl. dazu Cor s sen, Monarchianische Prologe (TIL 
XV, 1), 65 4 ). 

6. ilpM in k (Zahn, GK 2, 14 Anmerk. 2; 371). 

7. iM[ik in den (Vokabularien der) agypt. IJbersetzungen. 

8. lAMft bei Irenaeus III, II, 8, wo er die Evangelistensymbole 



') Am bequemsten zuganglich bei Brwin Preuschen, Analecta. Kiirzere 
Texte zur Geschichte der alten Kirche und des Kanons. 1893, S. 129137. 139. 
142 und im ersten Heft von Lietzmanns Kleinen Texten (s. o. S. 132) ; am 
griindlichsten erortert bei Zahn GK. 

8 ) e. Note 1 dieser Seite. 

3 ) Da dieses aus einer Hds. von Cheltenham 1886 erstmals bekannt gemachte 
indiculum (so in den Handschriften) veteris et novi testamenti, et Caecili 
Cipriani, ^IndiculusCheltonianus" meistens um 365 datiert wird (vgl. auch Julicher, 
Binl. S. 336). sei hier aus W-W S. 736 der Satz wiederholt: S. Berger tamen 
aliter sentit, rationibus commotus quarum una certe nobis satis vera videtur. Con- 
cordant enim numeri in Ueteri Testamento cum codicibus Hieronymianis, e. g. in 
libris Eegum quattuor, Esaiae, Jeremiae, et duodecim prophetarum, Tobiae et Mac- 
chabeorum secundo. Indiculus tamen sine dubio antiquus est. Vgl. Zahn GK 2, 
143 156; 1007 1011; JThSt. 2, 236 ff. - 

4 ) Vgl. Z a h n , Binl. 2, 181 und die S. 184 zitierten Stellen GK.II, 364375. 1014 . 



Textkritik der Evangelien. 175 

bespricht; vgl. Zahn, Forsch. II, 257 fL, und in der Evangelien- 
handschrift 90, die Jakob Faber aus Deventer (1472 -1515) kopierte. 

9. iMhfj, gelegentlich bei Tertullian (s. Wright 1. c. 196. 202) 
und in der Hds. 19 aus dem XII s. 

Dafi auf Glockeninschriften die Bvangelisten in der allerverschiedensten 
Weise angeordnet sind, wird bekannt sein. Allein aus der frankisehen Diozese 
Blaufelden kann ich zu den bisher genannten 9 Anordnungen fiigen 10) AftMt 11) AptM. 

Schon diese Verschiedenheit zeigt, dafi man die Evangelien 
lange, jedenfalls viel langer als die paulinischen Brief e, vielleicht 
bis ins III. Jahrhundert hinein einzeln, vielleicht noch auf Rollen, 
fortpflanzte und dann erst zu einem Kodex vereinigte *). Schon das 
macht wahrseheinlich, daC der Text unserer Hdschrr. nicht auf das 
eine Exemplar des ersten Tetraevangeliums zurfickgeht; mehr als 
wahrseheinlich darf man aber nicht sagen; aus irgend welchen 
G-riinden kann ja ein Schreiber die ihm vorliegende Ordnung eigen- 
machtig vertauscht haben, wie sich dies bei der Stellung von in 
B durch einen gliicklichen Zufall noch kontrollieren lafit. Noch 
wahrscheinlicher wird es durch die Tatsache, daC unsere Hdschrr. 
innerhalb der Ew. bedeutend mehr schwanken, als innerhalb der 
paulinischen Briefe, aber nicht bei alien in gleichem Mafie, daC 
uns insbesondere in D zumal fur K eine ganz eigenartige Eezension 
erhalten ist. Einen der merkwurdigsten Beweise dafur bietet die 
Beobachtung, welche E. Lip pelt, ein Schiller von Prof. BlaC, 
machte, dafi in D, in welchem die Reihenfolge MiAfMt ist, in den 
jetzt durch (i getrennten beiden Teilen der Schrift ad Theophilum 
der Name Johannes ebenso konsequent mit einem, wie in Mifi 
konsequent mit zwei v geschrieben ist 2 ). Dies beweist eine Ge- 
nauigkeit der Uberlieferung, die tiberraschend ist; aber sie ist bis 



^ Das wird attch bestatigt, durch die schon von Mill gemachte, von mir 
wiederholte Beobachtung, da6 die lateinische tibersetzung der Evangelien, die der 
Eevision des Hieronymus unterlag, fur jedes von einer anderen Hand herriihrt; 
ware zur Zeit, als man eine lateinische Ubersetzung brauchte, die Verbindung der vier 
zu einem Buch althergebrachte Gewohnheit gewesen, so waren alle vier in einem Zug 
von einem und demselben Manne iibersetzt worden, Gleiches glaubte ja auch H j e 1 1 
bei den altsyrischen Evangelien zu beobachten. 
2 ) Die Zahlen (und Ausnahmestellen) sind 

-v- -vv- 

M 3 (3 1 9 ! 4 14 ) 23 
. t 1 17 

)i 27 1 (9 7 ) 

u, 2 (I 20 625) 23 
-a 21 2 (1116 135) 

Siehe Blafi, Lucae ad Theoph. liber prior p. VI f.; Philology of the Gospels 
p. 75 f., wo 4 von Lippelts Zahlen durch Harris ihre Berichtigung gefunden haben; 



176 Theorie und Praxis der neutestamentlichen Textkritik. 

jetzt nur in dieser einen Handschrift nachgewiesen ; die andern 
Haupthandschriften schreiben den Namen nberall mit -vv-, B fast 
ebenso durchgehend mit einem v. Ob bei der Zusammenordmmg 
dieser 4 Schriften nicht Eingriffe irgend welcher Art vorgenommen 
wurden, ist eine sehr naheliegende Frage. Resch z. B. glaubt, 
da6 unser zweites Evangelium damals den SehluB oder Anhang 
erhalten liabe, den jetzt die meisten unserer Handschriften auf- 
weisen; ahnlich P. Rohrbach, der SohluB des Markus-Evangeliums, 
der Vier-Evangelien-Kanon und die kleinasiatischen Presbyter 
(Berlin, Nanck 1894). Auch die Moglichkeit ist zn erwagen, ob 
sein ursprnnglicher SchluB nicht in einer Hds. verloren ging, in 
welclier fi den SchluB der Evangelien bildete. Ich habe die Ver- 
mutung geaufiert (Expositor, Dez. 1894), daB der eigenttimliclie 
Eingang von fi daher zu erklaren sei. Zahn hat (Einl. 2, 221. 235) 



Bousset (ThLz. 00, 23). DaB Wen dt in der Neubearbeitung seines Kommentars 
iiber n eine so grundlegende Beobachtung vollig unerwahnt lassen kann, ist mir 
ratselhaft. Uber die Schreibung in den lat. Hdss. s. W-W (im epilogus) S. 776 ; 
iiber Israel in n WH. 348. 352. Unverstandlich ist mir auch, was v. S o d e n 
S. 1307 und 1375 schreibt. An der ersten Stelle, wo er D unter den unmittelbaren 
Zeugen der la-Form behandelt und seine B unbeabsichtigten Anderungen" bespricht, 
heifit es wortlich: n Ganz inkonsequent wird laavvtjs behandelt. Mt schreibt er 
es unter 24 Fallen dreimal, Mk unter 26 zweimal, Lk unter 31 siebenundzwanzig 
mal (dazu Ictava beidemal), Jo unter 12 siebenmal (Ac unter 18 acht mal) mit nur 
einem v. In Mt Mk -v- zweifellos Schreibfehler, in Jo Ac zugleichNach- 
wirkung von Lk; in Lk mag es auf einer Vorlage beruhen, die grundsatzlich 
-v- schrieb. Weitere Schliisse daraus zu ziehen ware unbegriindet. 
Der Textcharakter ist derselbe in alien Evv., wenn auch verschiedene Bxemplare 
oder Schreiber einmal in der so bunten Vorgeschichte des Cod fur die verschiedenen 
Ew. benutzt wurden. Auch die subscr von Jo schreibt -v-." Dagegen heifit es an 
der zweiten Stelle, wo die Orthographic des I-H-K-Textes behandelt wird: S (J5 
schreibt Mt Mk Jo exc Mt 91+ 142 Mk 129 625 J 536 1040. 41, ebenso Ga 29-vv-, 
Lk Ac exc Lk 97 Ac 1116 135 - v .. u \Vie y 29 in dem cod D vorhanden sein soil und 
wie die Widerspruche zwischen beiden Stellen miteinander und den vorstehenden 
Zahlen auszugleichen sind, unterlasse ich zu untersuchen; ich bemerke nur, daB 
BlaB in ^Philology" bei ^ M 24" statt 23 und fur Harris ,,4" statt 3 sagt. 
Hatte ich die Photographic von D, wtirde ich die Sache ein fur allemal richtig 
stellen. Aus Bousset's Aufierung erwahne icb, daB Lippelt's Beobachtung in 
seinem Seminar und auf seine Anregung gemacht wurde. Wie man weitere Schliisse 
aus ihr zu ziehen f iir unbegriindet erklaren kann, verstehe ich nicht. Die Annahme, 
dafi ein Kodex, der, wie B, durchgangig 1 n hatte, gerade fiir diese zwei Biicher 
zu Grunde lag, die in D ohnedies so viel Eigenes haben, und in den anderen ein 
anderer, ist doch gar zu kiinstlich; die einzig natiirliche Annahme ist, daB D uns 
hier die urspriingliche Orthographic erhielt. Der Kodex B schreibt y 2,9 -v-, was 
Tischendorf zu erwahnen unterlieB, wahrend v. Soden ihm S. 1375 ausdriicklich 
(deshalb?) -vv- zuschreibt. 



Aufsteigen zum TJr sprtinglichen . 177 



dagegen geltend gemacht, ob dgyfy und T^/log fur explicit und in- 
cipit, Z'ceAea&'f] und dq^eiai tiblich gewesen, mtiBte namentlich 
for die altere Zeit erst nacligewiesen warden. In griechischen 
Psalterien, aller dings nicht in sehr alten, ist es mir begegnet, in- 
dem fur die Hymnen am Schlusse des Psalters statt der Uber- 
schrift 0)AAI auch APXH TOON COACON sich findet (s. Coxe's Katalog 
der griech. Hdss. der Bodleiana 1854). Auch im Eingang des 
Sirach habe ich gelegentlich em dgxtf gefunden 1 ); cod. 307 beginnt 
nach dem Prolog dQ%i] rov &6yov r^ Totirov 2ocpia$. Doch soil 
diese Einzelheit bier nicht weiter verfolgt werden. DaC die tiblichen 
Uberscnriften Kara Ma-d-^aiov 2 ) usw. schon die Sam mixing und die 
Bezeichnung Evayyefaov als deren Gesamttitel voraussetzen, ist 
gerade von Zahn (S. 177) mit Recht betont worden. 

Aufsteigen zum Urspriinglichen. Nehmen wir aber der Ein- 
fachheit halber einmal die erste Handschrift des Tetraevangeliums 
als Ausgangspunkt, so sollte man meinen, es muCte mit unseren 
Hilfsmitteln moglich sein, allmahlich bis zu derselben aufzusteigen. 
Noch unsere jtingste Handschrift ist ja doch von einer alteren 
abgeschrieben, diese wieder von einer und so weiter; es gelte nur 
die Grenealogie auszubauen, wie das etwa E/euC ftir die gedruckten 
Ausgaben des NT.s getan hat, und da wir Handschriften haben, 
die schon dem 4. und 5., wenn nicht gar 3. Jahrhundert angehoren, ist 
der ganze 1000 jahrige Zeitraum von der Erfindung der Buchdrucker- 
kunst an uberbrtickt; es gilt, so scheint es, nur noch tiber die 
ersten paar Jahrhunderte eine sichere Brucke zu schlagen. IJurch 
fortgehende Vergleichung und stetige Eliminierung der als fehler- 
haft erkannten Zeugen mtifite es moglich sein, so sollte man meinen, 
das Ursprtingliche noch zu finden. Aber ein kurzer Yersuch wird 
unsere Hoffnungen bald dampfen. 

Massstab der Vergleichungen. Schon das ist ein Ubelstaud, 
daC wir keinen rechten brauchbaren Text zur Vergleichung haben. 
Denn der Text unserer heutigen kritischen Ausgaben ist mehr als 
das Kleid von weiland Klein E/oland wunderbar, vielfarb zusammen- 
gestuckt, hat in Wirklichkeit nie so bestanden. Als ich in meinem 
Supplement den Text des Kodex Bezae jedermann leicht zuganglich 

x ) Ebenso in koptischen Hdss. der Erv. nach den capitula. 

2 ) Zu cata oder kata in den Unter- und Uberschriften, Vorreden usw. der 
lateinischen Hdss. siehe jetzt den Index von W-W S. 478, und erganze dort 
das auffallende cata tempus, das der Kodex e in i 5, 4 fur das secundum tempus 
der iilbrigen Handschriften bietet, wozu mich Schmiedelauf (W-Sclim. 26 A. 11) 
verweist. 

H ea tic, ElnlUhrung. 3. Auff. 1" 



178 Theorie und Praxis der neutestamentlichen Textkritik. 

machen wollte, und ihn deshalb mit der Tischendorf-Gebhardt'schen 
Ausgabe verglich, war ich mir wohl bewufit, daC das ein schiefes 
Bild geben mtisse. Und als ich von der von mir fur die Stuttgarter 
Bibelanstalt bearbeiteten billigen Ausgabe auch Abdrucke mit 
durchschossenem Text machen lieC, hatte ich mit die Absicht Mr 
spatere Vergleichungen von Handschriften und Kirchenvatern ein 
bequemes Hilfsniittel zu schaffen, obgleich dieser an demselben 
Fehler leidet. Wer die nt.liche Textkritik wesentlich fordern wollte, 
muBte einen fur Yergleichungszwecke typographisch praktisch ein- 
gerichteten Abdruck einer einzelnen Handschrift geben, wie das 
Tischendorf mit seinem allerdings nach anderer Richtung bin 
ganz unpraktischen Abdruck des Sinaiticus (Novum Testamentum 
Sinaiticum 1863) oder annahernd Schjott mit seiner Ausgabe von 
1897 (s. S. 27) getan hat. Aber diese sind in den wenigsten 
Handen, und so bleibt vorderhand nichts anderes moglich als 
unsere verbreitetsten Texte zu G-runde zu legen, mit dem steten 
BewuCtsein von dem buntscheckigen Charakter derselben. Burkitt 
meinte, der textus receptus sei immer noch am einfachsten. v. So den 
hat eine eigene Ausgabe hergestellt, aber die Beschreibung, die er 
in seinem Werk S. 17 ff. M Methode der Kollationsarbeit" gibt, hat 
mir ihre Einrichtung nicht ganz klar gemacht; hatte er seinem 
Werk doch eine Probeseite oder ein par je aus ecp beigegeben 1 ) ! 
Tregelles pflegte so zu kollationieren, daft er jeden ZeilenschluB 
der von ihm verglichenen Hds. in dem zu Grunde gelegten Druck- 
exemplar bezeichnete. Doch von der besten Methode ist hier nicht 
zu handeln; dariiber hoffen wir von Stahlin einmal Anweisung 
zu erhalten. Hier reden wir von den Ergebnissen. Schon bei der 
Uberschrift beginnen die Verschiedenheiten. NB(D) schreiben xata 
Ma&dcuov (D, der erst bei 1, 20 beginnt, hat ubrigens, was Tischen- 
dorf nicht anfuhrt, in den Seitentiberschriften regelmaBig xar Jf.), 
die meisten der andern CEKM usw. Evayyehov xava Mar&cuov. 
Halt man das letztere fur unrichtig, sollten also alle diese Hdss. 
knnftig nicht weiter in Betracht kommen und nur BD maCgebend sein. 

*) Eine solche Ausgabe miifite mit gehorigem ZeilendurchschuB gedruckt sein, 
da6 man die Varianten auch interlinear eintragen konnte, wie Luther f iir seine Studenten 
den Psalter drucken liefi. Wohin die kombinierende Methode fuhrt, habe ich an 
andrer Stelle (S. 184) an Weifi und meiner Ausgabe gezeigt. Hier noch ein Beispiel. 
I* 9 ia lesen die meisten Neueren tgovSevtj'&fi ( 1 ), der TR hatte ggovdevco&fi ( a ), 
Tischendorf gov&ev(o&fi( a ), Ln igov&evrj&fi ( 4 ). Hier ist 1 durch BD bezeugt, 2 
durch A, 3 durch 69 etc., 4 eine Kombination von 1 und 3, fur die ich keinen einzigen 
handschriftlichen Zeugen kenne; trotzdem will v. Soden (S. 1363) fur H wie fur I 
4 annehmen. 



"Vergleichung von Mt 1-5. 179 

In V. 2 schreibt 8* zweimal laax, die anderen laaax, es wiirde 
also auch N wegfallen und nur B tibrig bleiben. 

Aber in V. 3 verwerfen nun unsere Herausgeber sofort B, der 
allein ZUQE schreibt, urn mit den andern sich fur Zaga zu ent- 
scheiden. Ob dies nicht etwas voreilig war, da auch sonst e fur 
schliessendes n bezeugt ist (s. Field, Hexapla I, p. LXX1I), und 
in Gen. 38, 30 eine Hds. (56 == i bei Brooke-Maclean) ausdrticklich 
Zaga in ZUQE korrigiert und eine weitere (129 = r bei B-M.) Zage 
hat, lieB ich in der zweiten Aufl. dahingestellt ; ich freue mich, dafi 
seither der Oxyrhynchus Papyrus B zu Hilf e kam, und auch Zi a h n 
seine Lesart Mr ursprtmglich zu halten geneigt ist. Jedenfalls ist 
das Ergebnis, daC schon in diesen 3 ersten Versen keine von unseren 
altesten Hdss. von unseren Herausgebern in allem recht bekommt. 
Aller dings betreffen die bisherigen Falle nur Kleinigkeiten, zumal 
orthographischer Natur, und gar zu schroff darf man in diesen 
Dingen nicht sein, obgleich das oft gehorte Wort: minima non 
curat praetor, an keinem Ort weniger angebracht ist als bei der 
Textkritik. In V 7 f. und 10 schreiben unsere altesten Hdss. Asaph 
und Amos; darf man ihnen oder gar dem Evangelisten die Ver- 
wechslung zweier Konige Judas mit demPsalmensanger und Propheten 
zutrauen, die man dem Kind in der Sonntagsschule ubelnehmen 
wurde? Aber dieselbe Erscheinung kehrt sofort bei wichtigen 
sachlichen Varianten wieder. 

"Wie steht es 1, 11? Erzeugte Josias den Jechonia? oder den 
Jojakim und Jojakim den Jechonia? Von 1, 16 ist schon die Rede 
gewesen ; die altesten griechischenHdss. wtirdenkeinen AnlaC geben, den 
Vers zu erwahnen ; dagegen ist zu V. 25 wieder zu f ragen, was ist richtig : 
s'vexev vl6v oder STEXSV TOV vlbv a^T^g ibv nqwidxoKov. Und wenn 
Hieronymus dazu bemerkt: Ex hoc loco quidam perversissime sus- 
picantur et alios filios habuisse Mariam, dicentes primogenitum non 
dici nisi qui habeat et fratres, so sehen wir schon, wie auch dog- 
matische Motive die Textgestaltung beeinflussen konnten. Wenn 
wir uns aber gleichzeitig an A 2, 7 erinnern, tritt uns ein weiterer 
G-rund entgegen, der in den Evangelien sehr storend einwirkte, 
die Konformierung nach den Parallelstellen. Wenn wir von 
den stilistischen Eigenttimlichkeiten des cod. D absehen, finden wir 
in unseren griech. Hdss. des M keine sachlich wichtige Variante 
bis zum Anfang der Bergpredigt; nur 2 lateinische Zeugen haben 
zu 3, 15 einen Zusatz, der offenbar aus griechischer Quelle stammt : 
et cum baptizaretur, lumen ingens circumfulsit de aqua ita ut 
timerent omnes qui advenerant (congregati erant), aber textkritisch 

12* 



180 Theorie und Praxis der neutestamentlichen Textkritik. 

kaum in Betracht kommt, da er aus auBerkanonischer Quelle stammen 
wird. 

Dagegen ist nun sehr die Frage, wie die ersten Seligpreisungen 
zu ordnen sind, ob mit dem hergebrachten Text nitoftoi . . . nev- 

. . nqaelc, . . ., oder mit unseren Neueren 
. . nsv&ovvTEg (die Ordnung ngaeig . . . niaypi 
9-owTfig bei Baljon beruht auf einem seltsamen Versehen, das in 
den Addenda et Corrigenda p. 726 nicht berichtigt ist). Diese 
Folge nqaelc, . . . nev&ovwcec, ist in unseren griechischen Hdss. nur 
von D 33 bezeugt; wenn sie trotz dieser scheinbar schwachen 
Bezeugung bevorzugt wird, wie kann man es rechtfertigen, die 
Autoritat von D in anderen ahnlichen Fallen zu verlassen ? Dazu 
gehort sofort 5, 22. Hier hat D mit den meisten Zeugen das viel 
umstrittene eljtfj. Unsere Neueren verwerfen es, auf NB, Origenes, 
Hieronymus und Athanasius sich sttitzend. Merx (Die vier kanoni- 
schen Evangelien, S. 231 237) ist entschieden wieder fur dasselbe 
eingetreten, da auch syrsin es hat zu den Stellen, die daftir in 
Betracht kommen fuge auch Clem. horn, tj, 23 (Lag. 92, 35) la 32 
(118, 31) ; aber wie soil man sich dann seine Weglassung nament- 
lich bei Hieronymus erklaren? DaG es leichter zugeftigt als weg- 
gelassen wurde, zeigt eben die Vulgata, in der es 3 von den 24 
bei W-W verglichenen Hdss. haben, und in die es doch sicher 
nicht gehort 1 ). 

Nach diesen Proben, die zeigen, wie unsere bisherigen Aus- 
gaben fast prinziplos ihre Entscheidung getroffen haben, ist die 
Frage, wie denn nun in streitigen oder zweifelhaften Fallen der 
Text herzustellen sei, um so wichtiger. 

Da ist der erste, oder wenn man will, letzte, aber am ein- 
fachsten zu entscheidende Fall der, dafi das Richtige sich in keinem 
einzigen Zeugen mehr erhalten hat, weder in einer griechischen 
Handschrift, noch in irgend einer Ubersetzung, noch in einem 
Schriftsteller-Zitat. Da hilft einfach die Konjektur. Nobis et ratio 
et res ipsa centum codicibus potiores sunt, erklarte Bentley zu 
Hor. Carm. 3, 27, 18 (manchmal ungenau zitiert als ,,ratio et iudi- 
cium centum codicibus potiora"; vgl. auch schon oben S. 18 as if 
there was any MS so old as common sense) und ,,du sollst keinen 
Kodex anbeten" als eins der Lehrs'schen Zehn G-ebote far den 
Philologen. 



1 ) Da6 der Vers 5, 30 wie in D, so auch in syrsin fehlt, wird wohl nur ein 
merkwikdiger Zufall sein. 



Konjektur. 181 



Konjektur. Furs Konjektur en- machen hatten viele Philo- 
logen vor noch nicht langer Zeit eine so grofle Vorliebe, daC man 
nicht ohne Grrund fragen konnte, warum sie die Texte, die sie zu 
erklaren vorgaben, nicht lieber selbst schrieben ; ebenso unbegrundet 
aber war und ist die Abneigung, die namentlich auf dem Grebiet 
der nt.lichen Textkritik bis in die jimgste Zeit gegen sie herrschte, 
zum Teil noch herrscht. Tischendorf hat keine einzige in den Text 
aufgenommen, W-H. solche nur an ganz wenig Stellen fur notig 
gehalten, wie x 2, 18, doch auch nicht in den Text eingesetzt. Fur 
A60PAKNeMBAT6YCON, was Weizsacker ubersetzt n auf Visionen 
pochend", wollen sie mit Weglassung eines einzigen Buchstabens 
und anderer Worttrennung AGFA KNMBATEY(Ji)N gelesen wissen, 
,,Luftstreiche machend", TJnter den suspected readings ihrer Aus- 
gabe ist d^oiia^aoiv zu k 4, 2 Konjektur von Noesselt, die auch 
J. C. Vollgraff, de tribus locis interpolatis in Evangelic secun- 
dum Marcum (Mnemosyne 1901, 148 161) billigt. Die von Luther 
befolgte Lesart cp-d-ovefos in I 4, 2 ist Konjektur des Erasmus in 
seiner 2. Ausgabe far uberliefertes (povetiEtE. In Holland wurde 
im AnschluC an Cobet's Schule die Konjekturalkritik besonders 
gepflegt ; man vgl. Urt. 55 f ., wo aus neuerer Zeit Arbeiten hier- 
uber aufgefuhrt sind, von S. A. Naber, W. C. van Manen, W. 
H. van de Sande-Bakhuyzen, diese zwei gekronte Preisfragen 
der Teyler-G-enossenschaffc von 1880, wozu M. A. N. E o v e r s 
(ZwTh. 1881, 385408) verglichen werden mag, D. Harting, S. S. de 
Koe, H. Franssen, J. M. S. Baljon, J. H. A. Michelsen, J Cramer 1 ). 
In seiner Textausgabe von 3898 s. S. 27) hat Baljon eine groCe 
Menge solcher Konjekturen zusammengestellt. Statt nohhol didda- 

z. B. in / 3, 1 wollte Lachmann n&hoi dtianoAoi, Naber 
i, Junius, de Hoop-Scheffer (PEE 3 8, 344), V.d.S. 
Bakhuyzen noAvAdAoi, letzteres wohl auf Grund der Tatsache, daB 
m64 nolite multiloqui esse bietet 2 ). Insofern ist letzteres keine 
reine Konjektur mehr. Fur XQIVETCO, K 2, 16 wollte Lagarde 
weil das in der Peschito hier stehende Yerbum "111 sonst far 
(M 24, 6), laqdoctEiv (i 14, 1. 27), yx6n%iv y 5, 7 (dtaaTQecpsiv Eccl. 



l ) Vgl. auch L i n w o o d , Remarks on Conjectural Emendations, as applied 
to the New Testament 1873, und aus alterer Zeit: [W. Bowyer], Conjectures on 
the N. T., collected from various Authors, As well in regard to Words as Pointing: 
With the Reasons on which ooth are founded. London, 1772. 386 S. Aus neuester : 
Konnecke, C., Bmendationen zu Stellen des NT.s, Gfitersloh 1908 (= Beitrage 
zar Forderung christlicher Theologie XII, 1), 

a ) Uher die Sigel ra s, S. 130, 



182 Theorie und Praxis der neutestamentlichen Textkritik. 

7, 18 ; 12, 3) steht. Wenn ich fur a, 18, 17 inl n6viov vorschlug 
(ThLz. 1897, Sp. 274), was Baljon schon in seinen Text auf- 
genommen hat, statt des von den Hdss. gebotenenen inl tdnov 
oder inl nAoiuv, so 1st dieser Vorschlag auch rein durch Konjektur 
entstanden, aber durch Primasius super mare bezeugt 1 ). Prinzipiell 
sind also Konjekturen durchaus zuzulassen, durch Konjektur her- 
gestellte Lesarten auch in den Text aufzunehmen, aber nur gleich- 
sam als ultima ratio regis und unter Beobachtung aller in Betracht 
kommenden, graphischen und sprachlichen, auch phonetischen Ge- 
sichtspunkte 2 ). Eine Verderbnis z. B. in x 2, 16 von nigvaito in 
XQWCWO), weiterhin in XQivexw anzunehmen, hat an sich gar keine 
Sehwierigkeit ; eine solche Umstellung der liquidae ist in alien 
Sprachen uberaus haufig (vgl. meine Konjektur DSriEDD Ps. 68, 31 
fur DD^HD); aber hat xiqvav auch den Sinn, der an der Stelle er- 
wartet wird? Soil eine Konjektur auf graphische Gesichtspunkte 
sich stfttzen, so ist, wie schon oben (S. 90) bemerkt, wurde die 



1 ) Die umgekehrte Verwechslung liegt bei Eusebius h. e. 4, 15 vor, wo in 
der Adresse des Martyriums Polycarps fiir das auch schon vom Syrer gehotene 
xava H6vTov nach Harnacks Chronologic der altchristl. Lit. I, 341 tiarcc n&vto, 
T6nov, oder richtiger nach 1 Mace. 12, 4 ; 2 Mace. 12, 2 Kara x&nov zu lesen ist ; 
auch 5, 16. 23. Ed. Schwartz liest in der neuen Eusebiusausgabe ara ndvra 
ifaov, scheint aber im Apparat ganz oder teilweise die Sigeln verwechselt zu haben, 
wo er gibt TOJIOV TEE, novxov ASDM2A. Rufinus hat doch omnibus quae ubi= 
que sunt sanctis ecclesiis; ahnlich der Syrer (p. 336, 2; 460, 16; 488, 26 der neuen 
Ausgabe). Vgl. auch die handschriftliche Verwechslung von nonois, novoig, ronoig 
in 2 K 10, 15 oder von KOTOS mit TOHOS in Judit 6, 21. 

2 ) Vgl. Kirsopp Lake, Influence p. 6f. Anders urteilte noch Scrivener 4 
(II, 244): It is now agreed among competent judges, that Conjectural Emendation 
must never be resorted to, even in passages of acknowledged difficulty; und er 
zitiert Roberts (Words of the N.T. p. 24) : conjectural criticism is entirely bani- 
shed from the field . . . simply because all sober critics feel, that there is no need 
for it. Dem letzteren kann er nicht ganz zustimmen; er gibt zu, daB es noch 
immer einige Stellen gibt, die uns a shrewd suspicion aufnb'tigen, daB der urspriing- 
liche Text differed from any form in which they are now presented to us ; er nennt 
als Stellen, fur die wir mehr Licht wunschen n 7, 46: 13, 32; 19, 40; 26, 28. 8, 
2; 1 x 12, 2 (wo e 2, 11 Srt nors nahelege); 1 i 6, 7 ; 2rc 3, 10. 12; i 5. 22. 23. 
Selbst G. Kfruger] (LZbl. 1899, 39, 1326 f. in der Anzeige von Koetschaus kritischen 
Bemerkungen zu Origenes) nimmt keinen Anstand zu verlangen, daB keine noch 
so gut begriindete Konjektur in den Text aufgenommen werden solle. Dazu sei 
der Raum unter dem Strich da. Im Schlufiband der zweiten Auflage der Cam- 
bridger Septuaginta hat S w e t e wie von andern, so auch von mir eine Konjektur 
(zu Henoch 14, 3) ganz ruhig in seinen Text aufgenommen. Warum soil, was 
beim Henoch erlaubt ist, beim NT. verboten sein? Vollends im hebr. AT. kommt 
man ohne Konjekturen gar nicht aus. Das gibt auch B urkitt (EB 4980) zu, wahrend 
er sie im NT. almost inadmissible erklarte. Vgl. auch G. H e i n r i c i im A. Kritik 



Eklektisch.es Yerfahren. 183 



Schreibgewohnheit der Zeit, in der die Yerderbnis entstanden sein soil, 
aufs genaueste zu beachten. Lukas mtlCte verzweifelt schleclit ge- 
schrieben haben, wenn der Schreiber von D oder seiner Yorlage 
n 3, 14 ein ^QV^aaad-e zu dem ratselhaften ijtaQtivats soil haben ver- 
lesen konnen; daB er 5, 31 ddf^ statt dsgty, 13, 48 umgekehrt tdegavco 
statt d6aoav schrieb, so auch. 17, 11; dafi 15, 15 aus KAITOYTQ 

CYNOCONOYCIN ein KAIOYTQCCYNOQNHCOYCIN (oder auch. um- 
gekehrt) werden konnte 1 ), ist ganz gut denkbar. Einige Belesen- 
heit in alten Hands chriften gibt dafftr bald ein Gefuhl. Eine 
leichte Ubersicht uber das, was im Codex Vaticanus, Alexandrinus, 
Sinaiticus und Ephrami an derartigen Yerscheibungen wirklich vor- 
kommt, gewahrt, allerdings nur fur das AT., die Handy Concor- 
dance of the Septuagint, die Gr M[orrish] 1887 bei S. Bagster in 
London veroffentlichte. Ygl. z. B. ayanaa v. anaTaa), ayamq v. 
ayia^ai v. ayoQa^a), ayiog v. aiyeiog, ayysiov, ayqoc,, yq, 
y. diaAmog, (ld/LAa) und seine Komposita T. Aaft(}avc0 und 
dessen Zusammensetzungen, ylaog v. vaoc, usw. 

Eklektisches Verfahren. Schwieriger zu beantworten ist die 
Frage, wie der Text in solchen Fallen herzustellen ist, wo es 
dieses auCersten Mittels nicht bedarf. Wir haben schon gesehen, 
dafi die bisherigen Textkritiker wesentlich ein eklektisches 
Yerfahren eingeschlagen haben. Strong genommen ist das ein 
Yerzicht auf textkritische Methode, und welche Gefahren eine 
solche Auslese, Kombination und Kontamination mit sich bringt, 



Biblische (PBE 3 11, 130). DaB man sich hiiten mtisse prfitre de 1'esprit a 1'Esprit 
Saint, warnt La grange (BB. 1900, 206). Das in ft 12, 4 stehende xeya/ttdw ist 
sonst nicht bezeugt. Unter den vorgeschlagenen Konjekturen nannte Jiilicher 
(Gleichnisreden 2, 389) die von Linwood und van de Sande Bakhuysen empfohlenes 
von Baljon in den Text aufgenommene ixoAdyiaav die verfiihrerischste, Naber's 
(paAdHQ<aav (kahlkopfig machen!), Michelsen's geq>avAtaav interessante Einfalle- 
Wie Harris statt der Hollenfahrt Jesu die des Henoch in 1 n 3, 19 land, s. 
Expositor Nov. 01, Apr. 02. Vgl. auch J. Weifi, Die Aufgaben (s. S. 173) S. 30: 
s Eine solche, dem Schriftsteller wirklich congeniale Exegese wird es dann aber auch 
wagen konnen, liber die Zeugnisse der Handschriften hinauszugehen und den Text 
gelegentlich durch Konjektur zu verbessern. Heute ist das freilich noch ziemlich 
verpont, denn ungebrochen herrscht die in Wahrheit naive Vorstellung, dafi wir in 
unseren gedruckten Ausgaben wortlich den Text lesen, wie ihn Paulus und Marcus 
geschrieben haben und dafi es aufier den in der Handschrift bezeugten keine Fehler 
dieses Textes gibt." Tiber die von W e i 6 mit Recht geltend gemachte Prage, ob 
unsere Hdss. liber das corpus paulinum, das in das NT. Aufnahme fand, auf die 
Urform der Briefe zuriickfilhren, s. u. 

*) Meyer-Wendt * S. 51. Fur fehlerhafibe Verdoppelung von vergl. z. B. 
CICCTAOC in B p 13, 13; unrichtige Weglassung ist haufig. 



184 Theorie tind Praxis der neutestamentlichen Textkritik. 

zeigt nicht bloB meine Ausgabe, deren textkritische Prinziplosigkeit 
ich detitlich genug glaube hervorgehoben zu haben, sondern auch 
eine Rezension wie die von Wei 6, welche hohere Anspruche er- 
hebt. In meiner Ausgabe vgl. I 4, 14, wo das Kolon hinter afiqiov 
nur berechtigt ist, wenn man ib trie, afigiov liest, oder der Fett- 
druck von &vii%&ooEiai in 5, 6 nur, wenn man den Satz als Frage 
und G-ott als Subjekt ansieht. Da Tischendorf und W e i B es nicht 
so ansehen, ich aber in der auBeren Einrichtung Westcott-Hort 
folgte, ist der Unsinn entstanden, daB Gott den iibernmtigen 
Frevlern nicht widerstehe. Als Beleg aus WeiB nenne ich K 5, 2. 
Ich druckte nhola dtio mit dem Text von WH; Tischendorf 
und WH am Rand haben dtio nhoidqia, WeiB n^oidqia dtio, 
Weymouth di5o nhoia. Wie kommtWeiB zu seinem Text ? Das 
Deminutiv hat er aus AC* etc., die Nachstellung von (5t5o aus B, 
indem er beides kombiniert, stellt er einen Text her, der von keiner 
einzigen alten Hds. geboten wird. Die Lesarten sind 

dtio TtAoidQia AC* 

dtio n&ola D 

ntola dtio B 

Das von WeiB gebotene hat, soweit ich sehe, auch keine einzige 
Minuskel. Das ist die Frucht des eklektischen Verfahrens. Bei 
diesem gaben im allgemeinen die bisherigen Herausgeber Tischendorf 
wie Westcott-Hort und WeiB, wo Vaticanus und Sinaiticus mit- 
einander stimmen, deren Zeugnis den Vorzug ; wo aber das Zeugnis 
nicht ubereinstimmt, was da? und was da, wo gegen beide aus 
inneren Grtinden eine andere Lesart besser scheint? G-eo. Salmon 
schilderte in seinen Gedanken tiber Textkritik des NT.s das Ver- 
fahren von W-H. im AnschluB an eine von Cicero tiberlieferte 
Anekdote tiber Cato drastisch, aber nicht eben unrichtig so: Auf 
die Frage, welchen Autoritaten man folgen solle, antwortet Hort: 
Folge BN- n Wenn aber B nicht von N untersttitzt wird?'' Dann 
folge doch B, wenn B nur irgend eine Hdschr. neben sich hat. 
n Vorausgesetzt aber, B steht ganz allein?" Auch dann ist es 
nicht gut, B zu verwerfen, es sei denn ganz offenkundig ein Schreib- 
fehler. w Wo aber B fehlt?" Folge ^- n Und was mit D?" Ver- 
brenn ihn oder schlag ihn tot! mochte ich Sahnons: what about 
killing a man? noch drastischer wiedergeben. de Lagarde hat 
das Totschweigen den modernen Ersatz des Scheiterhaufens ge- 
nannt. Vollig totgeschwiegen hat man D allerdings nicht; aber 
man hat ihn auf die Seite geschoben und nur hie und da, mit 
merkwtirdiger Inkonsequenz, ihn maBgebend sein lassen. Denn 



Gesch.ich.te der TJberlieferung. 185 

inkonsequent muB man doch eine Methode nennen, die in der 
Regel mit einer Partei gent, und dann plotzlich einmal mit einer 
anderen, die der ersten sonst diametral entgegengesetzt ist. In 
der Introduktion hat H o r t zwar in glanzender "Weise den Grund- 
satz aufgestellt, daB die Textherstellung auf der Geschichte der 
Textiiberlieferung ruhen mtisse ; und niemand hat diese Geschichte 
so genau studiert, wie Hort; aber die Frage ist doch, ob er sie 
nicht falsch gedeutet hat; ob das, was er den neutralen Text 
nannte, wirklich der ursprnngliche ist, das was er als abendlandische 
Entartung verwarf, wirklich als solche anzusehen ist. 

Geschichte der Uberliefemng. Ich kann mir kein Urteil an- 
maBen; aber das Gefuhl habe ich, daB die Geschichte der Uber- 
lieferung unseres nt.lichen Textes noch ganz anders erforscht 
werden muB als es bisher geschehen ist ; und zwar nach einer doppelten 
Seite hin: 

1. die Hands chriften und sonstigen Zeugen und ihr Verhaltnis 
zu einander mtissen noch genauer untersucht werden, 

2. die Werke, namentlich die Kommentare und Katenen der 
Kirchenschriftsteller mtissen ganz genau auf ihre etwaigen 
Nachrichten zur Textgeschichte des NT s untersucht und 
ihr Ergebnis muB dann mit dem ersten Ergebnis in Be- 
ziehung gesetzt werden. 

Bei der ersten Untersuchung ist vielleicht nicht eine so mi- 
nutiose Vergleichung der Handschriften erforderlich, wie sie Ferrar, 
Hoskier und andere fur notig hielten, und wie sie den altesten 
Dokumenten gegenuber durchaus am Platze ist. Wollte man so 
verfahren, wurde man in absehbarer Zeit nicht fertig. Wurde aber 
die Arbeit so organisiert, wie es E-euB bei den Drucken getan 
hat, daB etwa 1000 Probestellen ausgewahlt wurden, muBte 
es moglich sein, binnen kurzem iiber die Textbeschaffenheit unserer 
Handschriften, namentlich der Minuskeln, ganz anders unterrichtet 
zu sein als es heute der Fall ist. 

Soweit wiederhole ich aus der 2. Aufl. (1898). Inzwischen 
ist von dem groBen Werk v. So den's, das eben diese Aufgabe er- 
fullen will ,,die Schriften des NT.s in ihrer altesten erreichbaren 
Textgestalt auf Grund ihrer Textgeschichte " herziistellen der erste 
Band erschienen. Wer ihn iiberblickt, mehr als 1600 Seiten groBen- 
teils Petitdruck, staunt fiber das MaB der geleisteten Arbeit; aber 
mit dem Staunen und der Bewunderung mischt sich die bange 
Frage, ob das Ergebnis der aufgewendeten Arbeit entspreche, ja 
ob die Arbeit uberhaupt in der richtigen Weise angegriffen sei, 



186 Theorie und Praxis der neutestamentlichen Textkritik. 

ob nicht das ganze auch wieder ein splendidum peccatum sei, wie 

Scrivener und Lake mit Anwendung eines geistvollen Wortes die 

30 jahrige Arbeit von W-H nannten. Ich will nicht dabei verweilen, daC 

v. S. zur Probe die Textgeschichte der Perikope von der Ehebrecherin 

behandelte (486 524, 1532 1534); als ob von einem aufgepfropften 

Reis auf die Natur der Stamme geschlossen werden konne, in 

welche das Reis eingepflanzt wurde; auch die Bedenken nicht 

wiederholen, die sofort von B. "WeiB und H. Lietzmann gegen 

die Rekonstruktion ihrer Urform geltend gemacht wurden, an der 

v. S. selbst S. 1534 5 zum Teil nicht belanglose Korrekturen vor- 

zunehmen geneigt ist. Schwerer wiegt mir die Frage, ob es 

gut getan war, das Ziel so weit zu stecken, nicht bloC das notige 

Material zur Rekonstruktion des Urtextes zu sammeln, sondern alles 

was zur Aufliellung des Verlaufs der Textgeschichte, ja der wech- 

selnden G-eschicke der nt.lichen Schriften bis zum Aufkommen 

der Buchdruckerkunst dienen konnte (Vorwort VI). Uber dem 

zweiten ist wenigstens fur den Benutzer die erste Aufgabe zu kurz 

gekommen. Man erfahrt aus dem Buche nicht einmal, welche 

Stellen auBer dem Stuck von der Ehebrecherin verbotenus kol- 

lationiert wurden, und worin die vorgenommenen Stichproben be- 

standen. Ich hatte aus jeder der altesten Handschriffcen etwa 

5 10 singulare Lesarten ausgewahlt; so wuCten wir sicher, ob alle 

unsere altesten Hdss. kinderlos blieben, d. h. nie kopiert wurden. 

Ich hatte weiter die Eigennamen genommenund sie in alien Hdss. 

kontrolliert. Noch heute sind die Eigennamen die besten Grad- 

messer einer Handschrift. Den Inhalt eines Briefs oder Schrift- 

stucks kann ich vielleicht ohne Schwierigkeit entziffern, wenn ich 

aber an die Eigennamen komme, gibt es Schwierigkeiten. Der 

judische Tora-schreiber mu6, wenn er an den Namen Gottes kommt, 

ausdrucklich vor sich hinsagen: jetzt schreibe ich den Namen 

Gottes, um dabei ja keinen Fehler zu machen, ahnlich der Koran- 

schreiber beim Namen Muhammeds. Geschah auch nicht gleiches 

beim Schreiben der Namen im NT., so haben doch dabei die 

Schreiber am meisten acht gegeben, und am wenigsten AnlaC zu 

eigenmachtigen Anderungen gehabt; drang aber zufallig oder ab- 

sichtlich bei einem Namen eine Anderung ein, so hat sie sich auch 

um so eher erhalten, und weisen ihre Vertreter um so sicherer auf 

den gemeinsamen Stammvater hin. Selbst ganz einfache Namen 

konnen in dieser Hinsicht lehrreich sein. Den Namen von Jakobs 

Lieblingsfrau Rahel schreibt in der Genesis eine kleine Gruppe 

von Hdss. standig Paxf/iyA, genau dieselbe Schreibung kommt auch 



Eigennamen. 187 



im NT. vor. "Wettstein nennt dafftr ,,12"; das ist aber nicht 
unser W 12" ; denn unter dieser Nummer belehrt uns Gregory 
(Textkritik 131): ^Wettstein's Nr. 12 stand fur eine verworrene 
Kollation von Ew. 119. 120 und einer anderen Hds., vielleicht 17, 
und Scholz setzte diese Hds. (Paris gr. 230, XI) dafur ein." Ich 
finde die Form nur bei Scrivener (Adversaria critica p. 61); 
aber durch ein Versehen scheint er die Sigel der sie bietenden 
Hds. (oderHdss.) weggelassen zu haben; ebenso im Anhang zu seiner 
Ausgabe des Codex Augiensis aus dem ,,Evangelistarium, Parham 18" 
(= 1 181, Scr. 234). So kann ein ganz einfacher nur einmal vor- 
kommender Name durch eine scheinbar ganz unbedeutende Yariante 
lehrreich werden. 

Ein anderes Beispiel: nur 2 t 4, 10 kommt Crescens vor; 
daffir hat nach Tischendorf ,,go (ex cod uno) syrsch crispus". 
Auch in Eus. h. e III, 4, 8 hat die syrische Ubersetzung Krispos. 
Letztere Tatsache bezeugt uns das hohe Alter dieser Lesart Mr 
die syrische Bibel; wie erklart sich aber ihr Eindringen in die 
gotische? und welche ist als die echt-Ulfila'sche anzusehen, diese 
oder Xreskus (nicht n Kreskus", wie nach Gabelentz-Lowe Tischen- 
dorf gibt)? 

Der Name der Hure von Jericho kommt im NT. 3 mal vor; 
in Ml wird er fast von alien Hdss. dem sonstigen Sprachgebrauch 
entgegen, welcher hebraisches n in der Mitte nicht durch % wieder- 
zugeben pflegt, Qax a @ geschrieben ; umgekehrt ^ II 31 und I 2 25 ebenso 
regehnaCig ohne %, qa,a{l. Es ist das ein erfreuliches Zeichen, daB 
anders als beim Namen Johannes, bei diesem die orthographische 
Gleichmacherei nicht durchgedrungen ist. Wie steht es aber fur 
den Namen Johannes in der Masse unserer Hdss ? l ) Eine Antwort 
darauf hatten wir, wenn bei den Kollationen das nicht nachdrticklich 
genug zu empf ehlende Achten auf die Eigennamen bef olgt worden ware. 

Die beiden Namen Kapernaum und Kaiphas habe ich in der 
Festschrift auf Zahn's 70. G-eburtstag behandelt. DaB noch Weiz- 
s acker und Stage diese griechisch so gut wie ganz unbezeugte Form 
des letzteren Namens beibehalten, und die unter Leitung von 
Jo. WeiB erschienene Erklarung den Beinamen, wo er erstmals 
vorkommt, ganz unerklart laBt, zeigt nur, wie notig die vorstehende 
Mahnung ist; s. auch Wellhausen, das Ev. Joh. S. 129. 



*) In 305 auf S. 13726 behandelt v. S., wie er sich die semitischen Worte 
in seinem I-H-K geschrieben denkt, mit Angaben iiber den Befund unserer Hdss. ; 
unter 3) S. 1374f. speziell ^Johannes"; wie ungenau, habe ich S. 176 gezeigt. 



188 Theorie und Praxis der neutestamentliclien Textkritik. 

Nach den Namen hatte ich die AuBerlichkeiten der Ein- 
teilung in Kapitel, der Eusebianischen Oanones zur Kollation 
empfohlen. Zwar konnen diese ebenso wie es bei der Perikope 
von der Ehebrecherin hervorgehoben wurde, auf Stamme ver- 
schiedenster Art aufgepfropft werden, also fiber die ursprungliche 
Natur dieser Stamme keinen AufschluB geben. Die Eusebianischen 
Canones warden z. B., soweit wir wissen, erstmals von Hieronymus 
auf die lateinische Bibel fibertragen, finden sich aber auch in alt- 
lateinischen Handschriften, also bei ganz anderem Ursprung des 
Textes. Wenn nun aber beispielsweise die Kapitelzahl 2 in A niclit 
bloB im griechischen Kodex A, sondern auch im altlateinischen 
aureus und in 4 Vulgatahdss. bei 1, 19 statt bei 1, 35 (d. h. bei 
dem ersten xal djiouQi&elg d dyyehoc,, Et respondens angelus statt beim 
zweiten) und in vielen anderen Zeugen gar erst bei 2, 9 steht, so ist 
die Wahrscheinlichkeit nicht groB, daB derselbe Fehler unabhangig 
2- oder gar 3 mal gemacht wurde, sondern es werden da Zu- 
sammenhange vorliegen, von denen wir ohne die Beachtung dieser 
AuBerlichkeiten nichts wissen wiirden. GewiB hat v. S. auch auf 
diese Dinge geachtet und achten lassen, und ich wiederhole, es 
steckt eine ungeheure Masse von Arbeit und wertvollem Material 
in dem Bande; aber was in dem groBen ersten Bande mitgeteilt 
ist und die Ordnung, in der es uns mitgeteilt ist, macht den Ein- 
druck, als ob er sich mehr von dem hatte leiten lassen, was ich 
als zweites hervorgehoben habe, von den Nachrichten, welche uns 
die Kirchenvater zur Textgeschichte bieten, und ganz besonders 
von der einen Nachricht des Hieronymus Tiber die textkritischen 
Arbeiten des Lucian, Eusebius und Hesychius. Doch davon nachher. 

Nach meiner Meinung muBte der Kollationsarbeit auch noch 
eine neue wissenschaftliche Darstellung der Frage vorausgehen, 
wie man sich die Verbreitung eines Textes in vorgutenbergischer 
Zeit uberhaupt zu denken hat, mit einer psychologischen Analyse 
der Fehler, die dabei am haufigsten zu entstehen pflegen. Fur 
uns Deutsche speziell eine Bearbeitung dessen, was Hort in den 
14 ersten Paragraphen seiner Einleitung ausfuhrte J ). Eine wesent- 

x ) Eine tlbersicht aus alterer Zeit gibt Isaac Taylor, History of the trans- 
mission of antient books to modern times ; or, a concise account of the means by 
which the genuineness and authenticity of ancient historical works are ascertained : 
with an estimate of the comparative value of the evidence usually adduced in 
support of the claims of the Jewish and Christian Scriptures. London, 1827. VI., 
256 'S. Eine neue Auflage, revised and enlarged, sei 1859 erschienen. Zu ver- 
gleichen Bind natiirlich die Lehrbiicher iiber Hermeneutik z. B. in I. v. Mtiller's 
Handbuch der klassischen Altertumswissenschaft. 



Ahnliche Arbeitsgebiete. 189 

liche Vorarbeit dazu ist das Studium der G-enealogie, fur das wir 
jetzt in Ottokar Lorenz's Lehrbuch der gesamten wissenschaft- 
liclien Genealogie (Berlin, Hertz 1898) eine vortreffliche Anleitung 
haben. Man vergleiche nur das erste Kapitel im ersten Teil fiber 
den Unterschied von Stammbaum (Stammtafel) und Ahnentafel 
oder im zweiten Teil, Kapitel 3, tiber das Problem des Ahnen- 
verlustes. All die Begriffe, mit denen es die G-enealogie der 
Lebenden zu tun hat (Kreuzung, Vererbung, Aussterben der Familien 
usw.), kommen auch bei der Genealogie der Handschriften in Be- 
tracht, nur daC noch neue hinzukommen. Irgendwo ist ausgefnhrt 
worden, wie es unmoglich sei, wenn in einer Q-esellschaft ein Eng- 
lander, Hollander, Deutscher, Franzose, Amerikaner sich treffen, 
die letzten genealogischen Beziehungen noch zu konstatieren, 
wahrend die Zugehorigkeit zu ihrem Stamm sofort erkennbar sei, 
fast so unmoglich liege es bei den Handschriften des NT.s. Das 
ist vielleicht fibertrieben, aber tiberraschend ist allerdings die Tat- 
sache, dafi selbst unter den jiingsten Hdss. verhaltnismaCig recht 
wenige mit Sicherheit als Abschriften noch vorhandener oder 
wenigstens einstiger gemeinsamer Originale konstatiert sind. 

Ahnliche Arbeitsgebiete. Eine sehr wesentliche Hilfe zumal 
ftir diejenigen, die sich auf diesem Gebiet erst versuchen wollen, 
dtirfte es bringen, die Forschungsmethode und deren Ergebnisse 
auf ahnlichen, vielleicht einfacheren Arbeitsgebieten zu vergleichen. 
Und da sind um von den Arbeiten der klassischen Philologen 
(z. B. E. Drerup, Antike Demosthenesausgaben, Leipzig 1899) oder, 
beispielsweise, der neuen Lutherausgabe abzusehen 1 ), in neuester 
Zeit eine Beihe recht lehrreicher groCererundkleinerertextkritischer 
Untersuchungen erschienen. Ed. Wolfflin z. B. machte sich an 
die Regel des h. Benedikt von Nursia. Benedikt ist nach 542 
gestorben ; von seiner E-egel, die nur 85 Seiten des Teubner-Formats 
einnimmt, haben wir Handschriften schon aus dem 7. und 8. Jahr- 



J ) In einer Anmerkung sei wenigstens an P. Tschackert's Versuch er- 
innert, den Text der Augsburgischen Konfession sicherzustellen (Die unveranderte 
Augsburgische Konfession . . . Kritische Ausgabe, Leipzig 1901). Hier kb'nnen wir 
die Entstehung des Originals und der Abschriften bis auf Tag und Stunde hinaus 
bestimmen, und doch stimmt das Zeugnis der letzteren "nicht iiberein. Wie stand 
z. B. im 28. Artikel in dem Zitat aus y 1, 8? wenn ein Engel vom Himmel ein 
anderes Evangelium predigt, der sei verflucht? oder: das sei verflucht? Die 
NurnbergerAbschrif that,, der", was Tschackert fur richtig halt, die andern haben M das". 
Luther hat gerade um jene Zeit das w das" seiner ersten Drucke in das uns jetzt 
gelauflge n der" geandert. Zur ganzen Ausgabe vgl. die Anzeige von Kolde (ThLbl 
02, 7. 8) und Tschackert's Erwiderung (Nr. 10). 



190 Theorie und Praxis Aer neutestamentlichen Textkritik. 

hundert. Wolfflin kam durch Vergleichung derselben zu der Uber- 
zeugung, daB mehrere, fortasse tres editiones, zu unterscheiden 
seien (Benedict! regula monachorum. Recensuit Eduardus Woelfflin, 
Lipsiae, Teubner 1895. XV. 85. 8). Wolfflin wollte den Text 
derjenigen Rezension geben, welche er fur die urspriinglichste hielt. 
Kaum freute man sich dieses von einem so erfahrenen Philologen 
dargebotenen Ergebnisses, so kommt eine jtingere Kraft zu einem 
ganz andern Ergebnis.. Wolfflin hatte fast nur die Handschriften 
verglichen, Lud. Traube, Textgeschichte der Regula S. Benedict! 
(Abh. d. III. 01. d. k. Ak. d. Wiss. XXI. Bd., Munchen 1898) zieht 
vor allem die auBern Nachrichten der Textgeschichte bei und findet, 
daB Handschriften, die Wolfflin beiseite geschoben hat, den An- 
spruch groBerer Ursprtinglichkeit besitzen. 

Vgl. dazu weiter J. Chapman und G. M[orin] (Rev. Be'ne'd. XIX, 3, 
1902); E. C. Butler (JThSt. 02, 458 ff., bes. 467), (Downside Rev., Dez. 1899, 
auch sep.); Lietzmanri (ThRds. 00, 2, 6062). 

Ahnlich hat E. C. Richardson in Jahre langer Arbeit 
samtliche zugangliche Handschriften der gleichfalls nicht sehr um- 
fangreichen Schriften des Hieronymus und Gennadius de 
viris inlustribus, etwa 120 an der Zahl, gepruft, gruppiert und 
darnach seinen Text gestaltet (TU. XIV, 1. 1896). Wahrend seine 
Arbeit im Druck war, erschien als 11. Heft von Gr. Kriiger's 
Sammlung kirchen- und dogmenhistorischer Quellenschriften eine 
von C. A. Bernoulli bearbeitete Ausgabe (Freib. u. Leipz. 1895), 
die auf einigen der Hdss. ruhte, die auch Eichardson benutzte. 
Aber schon im ersten Satz und weiterhin folgen die beiden den 
entgegengesetzten Autoritaten, so daB der eine die Lesart parvam, 
der andere non parvam for richtig halt. Aber noch weiter: das- 
selbe Heft des Sammelwerks, das Richardsons muhsame Arbeit 
uns zuganglich macht, enthalt eine zweite Arbeit zum gleichen 
Stoff, 0. v. Gebhardts Ausgabe des sogenannten griechischen 
Sophronius, d. h. einer alten griechischen Ubersetzung der Arbeit 
des Hieronymus, und nach dem was v. G-ebhardt in der Einleitung 
dazu ausfu\hrt, enthalt das autobiographische SchluBkapitel des 
Hieronymus Anzeichen, daB er sein Buchlein zweimal heraus- 
gegeben hat, und daB nach diesem Gesichtspunkt die Handschriften 
wiederum ganz neu gruppiert werden mussen. 

Die ,,Recherches sur la tradition manuscrite des lettres de 
1'Empereur Julien par S. Bidez et Fr. Cumont" (Bruxelles 1898) 
mogenhier noch von nicht biblischen Texten als Beleg daffir genannt 
werden, wie viel durch Verknupfung der inneren und auBeren 



Handschriften-Stammbaume. Familien. 



Uberlieferungsgeschichte erreicht werden kann. Ebenso v. So den's 
des jtingeren und hap man's Untersuchungen fiber die Schriften 
Cyprians (JThSt.), Niese's und Naber's fiber die des Josephus 
(BPhWS. 00, 9); Pfeilsc Lifter, fiber die Homilien Gregors des 
GroBen usw. Von biblischen, speziell nt.lichen Forschungen aber 
ist vor allem der oben (S. 139) kurz erwahnte Epilogus zum ersten 
Bande des "Wo rds worth. -White 'schen Novum Testamentum 
latine zu eingehendem Studium zu empfehlen, bes. c. IV de patria 
et indole codicum nostrorum, c. V de textus historia, c. VI de re- 
gulis a nobis in textu constitutendo adhibitis (S. 705 719 724/5 
bis 732). Wie oben (S. 121. 138) angegeben, unternahm Hieronymus 
seine Revision der Evangelien im Jahre 383, seine Arbeit war 
von den wenigen Stellen abgesehen, an denen vielleicht schon im 
Urexemplar eine Korrektur vorlag eine durchaus einheitliche 
GroBe; Handschriften derselben gibt es genug, einzelne aus dem 
6. Jahrhundert ; der Kodex von Echternach (oder dessen Vorlage) 
hat vom Jahr 558 die Bemerkung: proemendavi ut potui secundum 
codicem in bibliotheca Eugipi praespiteri, quern ferunt fuisse 
sancti Hieronymi. Da konnte man, sollte man meinen, zu 
einem befriedigenden Ergebnis kommen. Trotzdem bleibt den Her- 
ausgebern nach. Jahre langer Arbeit noch manches Ratsel. Schon 
eins ist ganz auffallend. Hieronymus hat seine Arbeit in Rom 
im Auffcrag des Papstes Damasus gemacht. Also sollten wir in 
Rom und von Rom aus die besten Handschriften erwarten. Das 
trifft keineswegs zu: praeter expectationem accidit ut pauci vel 
nulli ex codicibus optimis et antiquissimis originem Romanam clare 
ostendant. Geographische Uberraschungen bietet die Uberlieferungs- 
geschichte der lateinischen Bibel in groCer Anzahl. Wir mtissen 
uns also auch far das griechische NT. auf ahnliches gefafit machen, 
und werden uns nun schon weniger wundern, falls uns der als 
n Western tt bezeichnete griechisch-lateinische Codex Bezae fiber Lyon 
durch Irenaus nach Smyrna oder Ephesus ffihren wfirde. 

Handscliriften-Stammbanme. Familien. Welter ist selir lehr- 
reich, daB W-W nach eingehendstem, Jahre langem Studium ihrer 
Handschriften darauf verzichten, stemmata, Stammbaume derselben 
herzustellen ; nur gewisse groBe Klassen oder Familien getrauen 
sie sich zu unterscheiden, und innerhalb derselben wieder einzelne 
Hdss. in nahere Verbindung zu bringen. Es sind deren haupt- 
sachlich zwei, mit einigen Unterabteilungen. Wir mfiBten froh 
sein, wenn wir auf dem Boden der viel alteren und viel ver- 
zweigteren griechischen Uberlieferangsgeschichte za ahnlich sicheren 



Theorie und Praxis der neutestamentlichen Textkritik. 

Ergebnissen kommen warden ; aber den Hauptztigen werden wir dort 
wieder begegnen: Form des Textes in den gedruckten Ausgaben, 
in den jiingeren Handschriften, in den geschichtlich zu fixierenden 
Textbearbeitungen (Lucian, Hesychius, Pamphilus), in den nur im 
allgemeinen zu klassifizierenden Familien. 

Eorrektnren. Auch das 1st lehrreich, daC W-W zu manchen 
Handschriften die Bemerkung machen mtissen, daC sie aus dem 
Grriechischen korrigiert worden zu sein scheinen S. 709 H*, 711 M, 
712 EP*, 714. 716 DRL; auch fur die Handschriften des griechischen 
Testaments ist ja schon die Vermutung aufgestellt worden, da6 sie 
durch eine Ubersetzung, seis eine lateinische oder syrische, beein- 
fluBt worden seien. 

Was endlich das Verhaltnis des Hieronymus zu der von ihm 
benutzten griechischen Hds. oder Mehrzahl von griechischen Hdss. 
betrifft, so ist das Ergebnis, daC dieselbe dem Sinaiticus am nachsten 
gestanden haben mtisse, wahrend zu D sich keinerlei Beziehung 
finde. Ob das fur oder gegen N spricht, wollen wir noch nicht 
entscheiden; Hieronymus behauptet zwar codicum Grraecorum emen- 
data conlatione . . . sed veterum gearbeitet zu haben (S. 122); 
aber vetus ist ein schwankender Begriff, und es kann auch ganz 
gut sein, daB dem Hieronymus die zu seiner Zeit modernste oder 
in seiner Gfegend verbreitetste Textgestalt als die beste erschien, 
und er von einer so singularen Textform, wie sie D uns bietet, 
nichts wissen wollte, auch wenn sie ihm, was wir nicht entscheiden 
konnen, bekannt gewesen ware. Merkwurdig ist die nahe Be- 
ziehung, an einzelnen Stellen, zur Handschrift 565 (e93) (s. o. 
S. 100); insbesondere aber, daC die irischen Handschriften (DLE,) 
sich in vielem rait der Ferrargruppe bertihren. 

Damit konnen wir wieder von dieser Ubersicht uber die Text- 
geschichte des lateinischen NT.s zu der des griechischen uns wenden, 
um in der chaotischen Verwirrung denn das ist der erste Ein- 
druck, den der Blick auf die Handschriftenmasse des griechischen 
NT.s uns macht wenigstens einmal vorerst einen einzigen festen 
Punkt zu gewinnen, um uns freilich nur zu bald zu tiberzeugen, 
daC auch das nicht der archimedeische Punkt ist, von dem aus 
wir diese Welt von UngewiCheit bewaltigen konnen. 

Ferrargruppe. Wenn eine Reihe von Hdss. den Abschnitt, 
der sonst in i als 7,' 53 8, 11 steht, in h und zwar an demselben 
Orte hinter 21, 38 haben, so miissen diese eng zusammenhangen. 
Es sind dies die Hdss. 13, 69, 124, 346, 543; ob auch die andefn 



Ferrar-Qruppe. 193 



nock zu dieser G-ruppe gezahlten gerade die Eigentumlichkeit 
haben, ist leider auch aus v. So dens groBem Work nicht zu ent- 
nehmen (S. 5051). Natiirlich sollten wir nun erwarten, daB diese 
Hdss. auch in den andern fur diese Gruppe charakteristischen 
Merkmalen ubereinstimmen. Aber gleich in der ersten und be- 
zeichnendsten gehen sie auseinander. In M 1, 16 ist leider 13 69 
defekt, aber 124 hat den gewohnlichen Text, dagegen 346 (mit 
543) statt ibv dvdga . . . XQIGIOC,, die oben erwahnte Lesung 
$ fiwiatEvd-elaa naq&ivoc, Maqia^i iyivvriasv 'Iqaovv tbv ^eyd- 
[tevov XQIOTOV. Welche von beiden Lesarten die richtige ist, 
oder ob keine derselben, haben wir hier nicht zu untersuchen. 
Es genugt zu zeigen, das eine und dieselbe Mutter sehr ver- 
schiedene Kinder haben kann. Diese Verschiedenheit wird vor 
allem vom Vater abhangen, in diesem Fall dem Schreiber, ob er 
achtsam, leichtsinnig, gewalttatig, eigenmachtig, reich ist oder das 
G-egenteil. Aber auch die Mutter hat schon eine Reihe angeborener 
oder erworbener Eigenschaften, die in verschiedener Weise, in 
diesem Fall gilt es auch von den erworbenen auf die Kinder 
ubergehen konnen. Es wird keine Handschrift geben, in der gar 
nichts korrigiert ist, wahrend es manche gibt, die von Korrekturen 
so uberdeckt sind, daB die ursprungliche Schrift kaum mehr er- 
kennbar ist. Von einem im ganzen so 'wohl erhaltenen Kodex wie 
B wurde behauptet, (s. ThLz 1899, Sp. 176), daB seine erste Hand 
i 8, 57 geschrieben habe w und Abraham hat Dich gesehen" statt 
des von alien bisherigen Herausgebern dort gelesenen n und Du 
hast Abraham gesehen" : wie muBte es erst bei einem so durch- 
korrigierten Exemplar wie X und D gegangen sein, wenn sie von 
spateren Schreibern kopiert werden sollten. Hatte ein Schreiber 
sich Muhe gegeben, den Text erster Hand zu kopieren, der andere 
es ftir seine Pflicht gehalten, den Korrekturen zu folgen, so waren 
als Ergebnis zwei Handschriften zu Tage gekommen, deren ge- 
meinsamen Ursprung man nicht mehr erkennen wurde ; vgl. oben 
S. 73 zum Claromontanus, dem man in 1 x 15, 5 ebensogut fiera 
lavia TOtg svdsxa als etia 101$ dwdeua entnehmen konnte. Und 
wie oft mag sich nun ein solcher Prozefi im Lauf der Jahrhunderte 
wiederholt haben ! Es ist daher kein Wunder, daB bis jetzt so 
wenig Handschriften mit volliger Sicherheit als Nachkommen unserer 
altesten Codices nachgewiesen sind und deswegen aus dem Spiel 
bleiben konnen (wie E 3 von DP s. S. 73), oder daB die Gelehrten 
streiten, welche Art der Yerwandtschaft zwischen zwei Hand- 
Meat le. Elntilhrunfl. 3. Aufl. 13 



194 Theorie und Praxis der iieutestamentlichen Textkritik. 

sehxiften bestehe, wie bei EP und G p (a. S. 75 f .) 1 ). Auch das ist 
nicht zu verwundern, daC einfcelne unserer eigenartigsten Zeugen 
vollig kinderlos geblieben zu sein scheinen, wahrend eine minder- 
wertige -Basse in vielen Exemplaren vertreten ist. Das Homerische 
ofy neq cptiAAcov ysveri, Toirj de xal dvdq&v kann man auch um- 
gekehrt auf die Blatter anwenden, denen wir unsere Unsterblich- 
keit anvertrauen: habent sua fata libelli. Nur das ist schmerzlich, 
daC wir so wenig in den Stand gesetzt sind durch auBere Zeug- 
nisse diese Schicksale zu verfolgen. 

Aussere Zeugnisse. Wenn beispielsweise Kaiser Konstantin 
bei Eusebius 50 Bibelexemplare far seine Hauptstadt auf einmal 
bestellt, so ist doch anzunehmen, daC diese fur weite, von Kon- 
stantinopel abnangige Kreise maCgebend geworden sein mussen: 
in welclier von den Handschriftenklassen, die man bisher unter- 
schied, sind sie wieder zu finden 2 ) ? Wenn umgekehrt an einem 
andern Ort heidnische Yerfolgung insbesondere den cliristlichen 
Bibeln gait, kann dies nicht ohne alle Polgen geblieben sein. Nach 
C. Htilsen, Bilder aus der G-eschichte des Kapitols (Bom, Loscher 
1899) hat sogar der romische Bischof Marcellinus mit seinen Diakonen 
Strabon und Cassianus vor dem Tempel der Juno Moneta (des 
Juppiter Capitolinus, nach Schneider, das alte Bom 1896) noch 
im Jahr 304 die Evangelieii verbrannt, die 10 Jahre spater durch 
Konstantin zum Gresetz des christlichen Roms wurden. Das Edikt 
vom 24. Febr. 303, das die Auslieferung der h. Schriften befahl, 
s. bei Preuschen, Analecta p. 74; weiter die Martyrerakten des 
Felix, Euplus, Philippus bei Euinart 1, 376. 438. 444; uber Tradi- 
tores Optatus (1, 13). Diese Nachrichten mtissen viel sorgfaltiger 

1 ) Eine lehrreiche Besprechung des Verhaltnisses von DP zu E 3 bei H o r t , 
Introd. 335 337. Der eine Kopist wtirde aus p 15, 31 23 entnehmen Iva i\ 
6 tax ov la pov fj elg leQovoaArjft . . . 6ia &eA. &eov, der andere v.al % doigo- 
cp o Q I a [4,ov ij &v I . . . dia -d-eAyitaios XQ tar o v Iv\ a ov , d. h. die beiden 
geradezu entgegengesetzten Eezensionen. 

2 ) Daher bemerkt Z a h n , in der Anzeige der gleich zu nennenden von der 
G o 1 1 z ' schen Arbeit (ThLbl 1899, 16, 179) : Man darf , wenigstens in Bezug auf 
das NT., nicht Eusebius mit Pamphilus oder auch, wenn ich so sagen darf, mit der 
Firma n Pamphilus-Eusebius" verwechseln. Wenn die 50 Bibeln, welche Eusebius 
in kaiseiiichem Auftrag fiir die Earchen der Hauptstadt herstellen Iie6 (vita Const. 
4, 36 f .), einen auf Grund der Vorarbeiten und Kommentare des Origenes hergestellten 
Text des NT.s enthalten batten, so wiirde die ganze weitere Geschichte des nt.lichen 
Textes im TJmkreis von Konstantinopel, die weite Verbreitung des antiochenischen 
Textes ganz unbegreiflich werden. Wie in Pragen des Kanons, so hat Eusebius 
auch in Sachen des nt.lichen Textes, wenigstens in jenem fiir die Geschichte der 
Bibel so wichtigen Moment, von der Schule des Origenes sich emanzipiert und an 
Antiochien sich angeschlossen. Doch s. jetzt v. S o d e n. 



AuBere Zeugnisse. 195 



als bister gesammelt, beachtet und mit den Ergebnissen der Hdss.- 
Vergleiohung kombiniert werden. Aus der syrischen Kirche und 
fiber das griech. AT. sind wir uber Bibelrevisionen genauer unter- 
richtet als fiber das Neue; vielleicht aber helfen diese uns auch 
fur das NT. etwas. 

Nun haben schon Westcott-Hort durch ihre Untersuchungen 
aus innern Grrunden wahrscheinlich gemacht, daC um das 4. Jahr- 
hundert in Syrien, yielleicht Antiochien, von autoritativer Seite 
eine Revision vorgenommen worden sein musse, dem die im byzan- 
tinischen Reich verbreitete, uns jetzt in den jungeren Minuskeln vor- 
liegende und durch die ersten Druckausgaben zum textus receptus ge- 
wordene Form des neutestamentlichen Textes ihre Entstehung und 
Verbreitung verdanke. In Antiochien wirkte der in Nikomedien 
im Januar 312 als Martyrer gestorbene bertihmte Stifter der an- 
tiochenischen Exegetenschule Lucian (s. Harnack, PRE 8 11, 
654 659). Von bekannten Namen habe keiner bessern Anspruch 
mit einer solchen Revision verbunden zu werden als der seinige; 
durch die Stelle im Prolog des Hieronymus bekomme diese Kon- 
jektur einige Stiitze (Hort 188. 189), wo er von codices spricht, 
quos a Luciano et Hesychio nuncupates paucorum hominum adserit 
perversa contentio, quibus . . . nee in novo (testamento) profuit 
emendasse, cum multarum gentium linguis scriptura ante translata 
doceat falsa esse quae addita (var.: edita) sunt. Vielleicht noch 
besser gestutzt wird sie durch das, was wir tiber Lucians Revision 
des AT.s wissen. Derselbe Hieronymus schrieb iin Vorwort zur 
Chronik: 

Alexandria et Aegyptus in Septuaginta suis Hesychium laudat 
auctorem, Constantinopolis usque Antiochiam Luciani martyris 
exemplaria probat, mediae inter has provinciae Palaestinae (andere 
Lesart: Palaestinos) codices legunt, quos ab Origene elaborates 
Eusebius et Pamphilus vulgaverunt: totusque orbis hac inter se 
trifaria varietate compugnat. 

Nun darf man die Worte eines Mannes wie Hieronymus nicht 
zu sehr pressen, und was zu seiner Zeit wahr gewesen sein kann, 
konnte sich in verhaltnismaBig kurzer Zeit andern man denke 
an die 50 Bibelexemplare, die Eusebius Pamphili an Konstantin 
oder die Bibel(n), die Athanasius an Konstans gesandt hatte 1 ) ; 
aber es ist doch, namentlich durch Field und Lagarde, gegen 
alien Zweifel sichergestellt worden, dafi eine in nicht wenigen 

*) T$ ddeAyy aov, schreibt Athanasius an Gonstantius in seiner ersten Apo- 
logie, o^x gygaifja tf pdvov due . . . al STB nvKtla T&V ftetcav yQatp&v 
afaov pot HcnaoMsvdaai,, Tavta norfoas ditdateiAa. 



196 Theorie und Praxis der neutestamentlichen Textkritik. 

Handschriften uns erhaltene eigenartige B/ezension des griech. AT.s, 
und zwar diejenige, die auch in den leider wenig umfangreichen 
Resten des gotischen AT.s, insbesondere aber in den zahlreichen 
Bibelzitaten des den Theologen als Chrysostomus von Konstan- 
tinopel besser als unter seinem eigentlichen Namen Johannes von 
Antiochien bekannten Schulers des Lucians zu finden ist, auf Lucian 
zuriickgeht. Da ist denn nun doch die Wahrscheinlichkeit sehr 
groB, daB dasselbe auch von dem nt.lich.en Teil der Bibel des 
Ulfilas und des Chrysostomus gelten werde, und mit Beziehung 
auf die G-otenbibel hat das auch Kauffmann in den oben (S. 154) 
angeffthrten Untersuchungen mit aller Bestimmtheit ausgesprochen. 
Beinahe zur G-ewiBheit ware diese Vermutung erhoben, wenn palao- 
graphisch nachgewiesen werden konnte, daB mit der einen oder 
der andern altt.lichen Handschrift Lucianischer Herkunft die eine 
oder andere nt.liche Hds. zusammengehort und eine vollstandige 
Bibel bildet. Dies zu untersuchen, bin ich nicht in der Lage, ich 
muB mich begnugen, dies en "Wink zu veroffentlichen, und ihn mit 
der Angabe zu unterstutzen, daB Lucian nach dem ausdrticklichen 
Zeugnis der Menologien ein von seiner eigenen Hand in 3 Spalten 
geschriebenes Exemplar des Alten und des NT.s seinen Schulern 
hinterliefi. Nur vom at.lichen Teil scheint allerdings die in der 
pseudoathanasianischen Synopsis stehende Notiz zu reden, daB er 
unter Konstantin bei Juden in Mcomedien in einem tibertunchten 
Wandschrank (nvgylaxog) aufgefunden worden sei 1 ). Schon Hug 
undEichhorn schrieben die ^Asiatische" oder n Byzantinische tt Re- 
zension dem Lucian zu, und gegen die Ansicht von Hort, der auch 
Gregory sich zuneigt (TiGr 518), wird ein entscheidendes Bedenken 
nicht geltend gemacht werden konnen 2 ). Durch v. Sodens Arbeit 
ist dieser Teil der bisherigen Theorien fast vollig bestatigt worden. 

') Syrisch findet man diese Notiz bei Abbe" Martin, Introduction a la 
critique textuelle du NT. Tafel XX, Nr. 35 [1883] aus Ms de Paris 27, f 88b, und 
in Lagardes Bibliotheca syriaca 259, 22 27. Aus dem Griechischen nvgyloKog, 
das im Semitischen zu J^pD^TID geworden ist, haben die Syrer noch ein Demini- 
tivum WipDlID gebtldet, das im Thesaurus Syriacus 3240 noch fehlt; vgl. Bar 
Bahlul 1606, 9 (App. p. 64). Fur jivgylaxy will Oeconomus (neQi rtav 6 iQfvrjvsviwv 
4, 500) den Genetiv avgytoxov lesen. 

2 ) Wie hier vom AT. aus auf ein dunkles Problem des NT.s Licht zu fallen 
verspricht, so konnen umgekehrt auch die textgeschichtlichen Verhaltnisse des NT.s 
fur die at.lichen von Wichtigkeit sein. Schon langst ist aufgefallen, dafi viele 
Eigentiiralichkeiten der Lucianischen Septuagintarevision sich auch in Zeugen der 
altlateinischen Ubersetzung finden (s. bes. Driver, Notes on Samuel p. LI; Urt. 78). 
Man konnte sich dies nicht reoht erklaren, namentlich solange man den Altlateiner 
des AT.s fill 1 eine einheitliche und sehr alte Grb'Be ansah. Nun zeigt aber das NT., 



Lucian: Koine. 197 



Die zweite ,,die Textformen " behandelnde Abteilung seines 
Werkes beginnt er mit einem Abschnitt fl Die zwei hervorragendsten 
Rezensionen (Hesychius und Lucian ?)". Per orientierende 117 
sagt : 

B Schon bei vorlaufiger Sortierung der Texte drangen sich zwei sich scharl 
unterscheidende Typen dem Forscher auf. Den einen besitzen wir nur in einer 
verhaltnismafiig kleinen Anzahl von Codd., unter denen sich allerdings die altesten 
der uns iiberhaupt erhaltenen Hdss. befinden. Er verschwindet spater vollig, und 
der Markt wird beherrscht von Codd., die den andern Typ, ob auch in allerlei 
Niiancierungen, darbieten. Es ist ein Ehrendenkmal der bisherigen textkritischen 
Forschung, da6 es ihr gelungen ist, nach einander diese beiden Typen in annahernder 
Eeinheit herauszuarbeiten, freilich jedesmal inspiriert von der Zuversicht, daB damit 
der Urtext gewonnen sei. 

Der eine, im zweiten Jahrtausend herrschende Text, von mir mit dem Siglum 
K = Koivrj bezeichnet, ist, wie es bei seiner Stellung natiirlich war, in der Haupt- 
sache in den altesten Drucken bis zur Recepta der Elzeviere dargeboten worden. 
Bis in seine Einzelheiten, seltene Ausnahmen vorbehalten, hat ihn in seiner im 
Mittelalter herrschenden Spielart Matthais Fleifi und Scharfsinn rekonstruiert und 
in seinem Novum Testamentum siegesgewifi als den Urtext drucken lassen" . . . 
Die tibersicht fiber das ganze Material babe bald bestatigt, dafi beide eben an- 
gedeuteten Textformen in Wahrheit Rezensionen darstellen, die aus ihren uns er- 
haltenen Zeugen in ihrer Originalform herzustellen die erste Aufgabe sei. B Die 
Gruppierung der Zeugen von K machte es allmahlich deutlich, daB diese Rezension 
eine Geschichte erlebt hat, eine Geschichte, nicht nur fata libellorum, d. h. daB der 
K-lext nicht blofi durch Schreiber-Willkiir oder -Lassigkeit oder Emendationen 
der Besitzer in einzelnen Exemplaren oder an einzelnen Statten verwildert 
ist, sondern dafi an ihm bewufit gearbeitet wurde, daB er Neuauflagen, Revisionen, 
Superrezensionen erfahren hat." Weiter ,,hat K ohne Aufhoren als Korrektiv ge- 
dient ftir die von ihm abweichenden Texte. In einer groBen Anzahl von Codd. sind 
diese Korrekturen noch heute mit Augen zu sehen. Das klassische Beispiel dafiir 
ist 6 2 (== N), dessen Text von einer nach Tischendorf dem VII. angehorigen Hand 
besonders haufig nach K korrigiert worden ist. Dasselbe Schauspiel bietet uns 6 L 



fur das viel mehr altlateinische Hdss. vorhanden sind als fur das A., daB die alt- 
lateinische tibersetzung vor Hieronymus eine reiche Geschichte gehabt hat. da,B 
insbesondere einmal eine Revision vorgenommen wurde, von der W-W. p. 654 
schreiben: Notatu certe dignum est in ista emendatione Itala eminere lec- 
tiones quae in maiori parte codicum Graecorum apparent, quas recensioni 
Syrae vel Antiochenae adiudicant Westcott & Hort. Gilt dies 
auch vom AT., dann ist die Verwandtschaft zwischen dem Altlateiner und Lucian 
plotzlich klar ; dann ist auch die Vermutung nicht mehr so ungeheuerlich, daB die 
in dieser Hinsicht besonders auffallenden Randbemerkungen des codex legionensis 
unmittelbar aus Lucian ins Lateinische iibersetzt sein konnten. Ob nicht am Ende 
von hier aus auch die von mir angeregte Frage, ob Lucian zu seiner Revisions- 
arbeit am AT. nicht auch die Peschito beigezogen habe (Urt. S. 78), eine neue Be- 
leuchtung erhalt, und die andere Ansicht, daB die altlateinische Ubersetzung in 
Antiochien entstanden sei? 



198 Theorie und Praxis der neutestamentliclien Textkritik. 



<J 8 (=Q. Noch haufiger sind solche Eintragungen in den verlorenen 
Vorlagen der uns erhaltenen Codd. erfolgt, sodafi innerhalb einer Familie von Codd. 
einige, nicht selten samtliche Vertreter in verschiedenem Mafie und an den ver- 
schiedensten Stellen Ubermalungen der Familienziige nach dem Normalbild K auf- 
weisen." Nach einigen Beispielen schliefit dieser Abschnitt mit demSatz: ^ habe 
ich nicht verwertet, weil es erst eingehenderer Priifung bedarf, ob seine Vorlage 
auch schon Korrekturen nach K aufwies." 

Unter der Uberschrift a-fiT-Bastarde" wird dann in 118 ausgefuhrt, wie diese 
schon mit dem IVs. beginnende Einwirkung von K auf Vertreter anderer Textformen 
in deren weitaus meisten Zeugen in immer steigendem Mafie alle anderen Typen 
bis zur Unkenntlichkeit verwischte; in 119 die ^Methode fur Gewinnung der 
Typen Hund K." In der Hauptmasse des Textes stimmen sie natlirlich iiberein, sie 
unterscheiden sich aber teils an einzelnen Stellen des Textes, teils in der Schreib- 
weise und Formenbildung. Die Feststellung der Differenzen konne von If oder K 
aus erfolgen; des letzteren Lesart sei aber leichter festzustellen, also methodisch 
richtig, zuerst den Jf-Typ zu fixieren. Dies geschieht nun unter der Uberschrift 
B Die KOIWIJ, ihre Urform tind deren Abwandlungen" in 120182 auf S. 712893. 
Von besonderem Interesse ist sofort 121 M die friihesten Spuren der K. K B Aus den 
friiheren Jahrhunderten besitzen wir fiir K nur ganz kleine Fragmente. Der erste 
uns vollstandig erhaltene Jf-Kodex e 61 (= Q) ist s. VIII geschrieben . . . Wie vor- 
sichtig man aber mit Schlussen aus solchen Zufalligkeiten des Geschicks sein mufi, 
zeigt die Tatsache, dafi selbst die Fragmente e 12 (= 069) nicht sicher iiber s. VI 
zuriickreichen, wahrend in 6 t (= A) aus s. V uns die Abschrift eines im weitesten 
Mafie nach K durchkorrigierten Zeugen eines uns ebenfalls bekannten Typs anderer 
Herkunft erhalten ist und desgleichen ... die Vorlagen von <5 6 6 B 6 t (= FCN) durch 
Aufnahme zahlreicher -fiT-Lesarten die Existenz, Verbreitung und Autoritat dieser 
Bezension zu ihrer Zeit erweisen . . . Fiir (J t (= B) steht eine Beeinflussung durch 
AT-Lesarten nicht in demselben Mafie fest." Schliefilich steht es aber fiir v. S. 
^aufier Zweifel, dafi K schon vor der Entstehungszeit von 8^ auf seinem Siegeszug 
die ersten Schritte getan hat, und dafi wir in all den mit K iibereinstimmenden 
Abweichungen der Codd. <5 t 6 2 d a 6 von der durch die ubrigen Zeugen ihres Text- 
typs bezeugten Lesart die altesten Spuren des -Kow^-Textes zu erkennen haben." 

Als Merkzeichen fur die ^Auffindung der verschiedenen /f-Spielarten" nennt 
122 dreierlei, 1. der Text selbst, 2. der Typ der pot,%aAis, 3. die Ausstattung. 
Dem ersteren ist. wie gesagt, bei vielen Codd. nicht weiter nachgegangen worden. 
Auf die beiden anderen ist dagegen jeder Kodex geprtift. ^Aber sie sind unsichere 
Merkzeichen. " Wiefern das zutrifft, habe ich meinerseits schon hervorgehoben. 

Als n die alteste /f-Form K iU wird nun in 123 eine beschrieben, die an 
ihrer Spitze Euseb's Brief mit den Canones hatte, vor jedem Evangelium die xecp- 
Liste und nach den Evangelien die Stichenzahlen /?#, a%, /?, fir. Beim Text selbst 
Titel und Zahlen der xecp, Zahlen der Lektionen und Canones (fiir p 234 = 16, 
920) und Lektionsvermerke. Drei oder vier Stellen (M 16, 2f., A 22, 43 f., i 5, 3uf., 
753 811 waren durch den Asterisk bezeichnet, falls nicht M 16 a und i 753 ff. ur- 
sprunglich ganz fehlten. Darauf werden noch zwei weitere Formen festgestellt 
2. Codices mit dem Text /fr 126141 und 3. die Textausgabe K* 142145. 
Von den 2 ersten dieser Jf-Typen werden nun aber je eine Anzahl Spielarten und Seiten- 
triebe unterschieden, namlich von ATl, eine Spielart AH und K*k, von /fx Codd. ohne 
oder mit /* l , /* 2 , /* 3 , p,*, /* B , p* unter Einwirkung von /* e , mit /* B und 

Nach dem Folgendem scheint dies d 6 (= iF) heifien zu miissen. 



Lucian ; Hesychius 199 



Zusatz, ft e , p. e und Zusatz, ft"*, mit einem Bruchstiick von /* ; irar die letzte Form 
K* gilt als einheitliche kirchlich revidierte Ausgabe der Kowr), die in Konstantinopel 
im XIIs. hergestellt und von dort aus verbreitet worden sei: B Vielleicht geben der- 
einst die Lektionarien genaueres Licht. Mb'glicherweise ist der Text fur diese 
redigiert worden und Kf ist nur eine Ubertragung desselben in die Textausgaben" 
(S. 764). Damit halte man zusammen, was die Vorrede der hauptsachlich auf die 
Lektionarien begriindeten Patriarchatsausgabe (Konstantinopel, 1904) sagt, dafi 
vom 9. 16. Jahrhundert 2 Texttypen unverandert (datiyxvTos) nebeneinander sich 
finden, der eine spezifisch byzantinische sei identisch mit der antiochenischen oder 
syrischen Ausgabe, die durch und nach Chrysostomus nach Konstantinopel gebracht 
worden sei, der andere sei der vorher dort im Gebrauch gewesene, daher auch in 
den alteren Bestandteilen des Lektionars bezeugte. Der byzantinische Typus habe 
in dieser Ausgabe dem anderen weichen mlissen. Als besonders bezeichnende Bei- 
spiele werden genannt M 12, 2527. 40. 13, 13. 36. 17, 22. A 21, 38; dagegen 
sei in 4, 44 die byzantinische Lesart FaAtAaCas der anderen 'lovdalag und 12, 48 
der Plural naQd&evro dem Singular vorgezogen worden. 

In dem abschliefienden Teil iiber die Eigenart und Entstehungsverhaltnisse 
der drei Rezensionen ( 330 ff.) kommt v. Soden durch Vergleichung von K mit 
den syrischen Evv.-Texten, Chrysostomus, der Kappadokier und des Theodoret von 
Kyros und mit der gotischen Ubersetzung," in 339 Entstehungsverhaltnisse von 
K" zu dem Schlufi n d a fi unser K 1 dieser Lucianische Text ist", von 
dem Hieronymus als dem in den Patriarchaten von Antiochien und Konstantinopel zu 
seiner Zeit herrschenden rede. Dazuwird aber sofortzu sagensein, daB dieser Lucianische 
TJrsprung nur von dem Text von K 1 gelten kann, nicht von der Ausstattung mit den 
Eusebianischen Canones, die v. Soden oben K 1 zuschrieb. Lucian ist ja am 7. Jan. 312 
gestorben ganz sicher ist der Tag nicht, aber iiberaus wahrscheinlich ; daB 
Eusebius damals schon seine Canones fertiggestellt hatte, ist nicht wahrscheinlich; 
es bestimmt zu verneinen, reicht das Material, soweit ich sehe, allerdings nicht aus. 
Mit Pamphilus, der am 7. Nov. 307 ins Gefangnis kam, scheint er damals mehr 
am A. als am NT gearbeitet zu haben. Fiir die Herstellung der Canones ist die 
Frage nicht ganz gleichgiltig ; wir hatten dann in den Zeugen fiir K 1 auch die 
altesten Zeugen fiir diese Canones ; wenn sie aber auch erst spater der Rezensiou 
des Lucian beigefiigt worden sein sollten, als ein Zweig kommen diese Zeugen 
jedenfalls auch fur die Canones in Betracht, wie die ganze Rezension auch fiir den 
Urtext nicht mit dem MaB der Geringschatzung behandelt zu werden verdient, das 
ihr gegenwartig unter der Naclrwirkung des textus receptus zu teil wird. Fiir die 
Fehler des Erasmus-Stephanus-Beza-Elzevir ist Lucian nicht verantwortlich. Aber 
wie es ein Irrtum war, seine von La garde herausgegebene Septuagintabearbeitung 
fiir die echte Septuaginta zu halten, so ist es nun auch hoffentlich fiir immer als 
Fehler erwiesen, in seiner Bearbeitung des neutestamentlichen Textes den Urtext 
sehen zu wollen. Aber ebensowenig kb'nnen wir es jetzt in dem Text, der bis 
vor kurzem fast allgemein als solcher gait, in dem von Tischendorf, Westcott-Hort, 
B. Weifi bevorzugten, in dem wir jetzt die Rezension des Hesychius zu erkennen haben. 

Hesychius. Weniger sicher schien es bisher, was es mit der 
Rezension des Hesychius fur eine Bewandtnis hat, die Hierony- 
mus neben der des Lucian zum AT. ruhmend, zum NT. so ver- 
achtlich nennt, dafi im Grelasianischen Dekret daraus Evangelia 
wurden, quae falsavit Lucianus, apocrypha, eyangelia quae falsavit 



200 Theorie und Praxis der neutestamentlichen Textkritik. 

Hesychius, apocrypha (c.'6 n. 14, 15) J ). Bei der Bedeutung, die 
Alexandrien und Agypten hatte, und bei der Menge von Hand- 
schriften, die mit mehr oder weniger Sicherheit dorthin verlegt 
wurden, ist es um so merkwurdiger, daB die Rezension, von der 
Alexandria et Aegyptus . . . Hesychium laudat auctorem, bis jetzt 
so wenig sicher nachgewiesen ist, daB bis in die neueste Zeit die 
allerverschiedensten Ansichten fiber sie aufgestellt wurden. Und 
zwar gilt dies vom NT., so gut wie vom AT. Eine, die viele 
Wahrscheinlichkeit hat, ist schon oben (S. 69) erwahnt worden, daB 
uns dieselbe in B erhalten sei. Rahlfs, der B zuerst in nahe Be- 
ziehung zum Kanon des Athanasius gebracht hat, sagt (a. a. 0. 
S. 78 A. 7): ,,Wer es liebt, sich auf den grundlosen Boden der 
reinen Hypothese zu begeben, konnte sich nunmehr, da das Land 
dafnr, die Zeit nicht dagegen spricht, sogar vorstellen, daB der 
heilige Athanasius noch personlich den AnstoB zur Herstellung 
unserer, offenbar fur eine der Hauptkirchen Agyptens geschriebenen 
Prachthandschrift gegeben hatte". Es scheint B-ahlfs unbekannt 
gewesen zu sein, dafi Athanasius fur Constans nvniia t&v frs'iav 
yqacp&v herzustellen hatte, jedenfalls wagte er die Hypothese nicht, 
daB B durch Athanasius ftir Konstans hergestellt worden sei. 
DaB Konstans Prafekt von Illyricum und Italien war, und Atha- 
nasius zu Julius I. nach Bom flttchtete (aber schon beim zweiten 
Exil, 340 ff.), ist in jeder Kirchengeschichte zu lesen; dies wurde 
es um so begreiflicher machen, daB wir die Hds. in Rom finden 2 ). 
Ob ihr Text mit Bibelzitaten in Schriften des Athanasius, die 



*) Warumbei Preuschen, Analecta S. 153 die Evangelia quae falsavit Lucianus 
fehlen, kann ich nicht sagen. Fur Hesychius wird in den Hdss. Esitius und Isicius ge- 
schrieben. 

2 ) Fiir Rahlfs ist diese Annahme allerdings schon dadurch ausgeschlossen, 
da6 der Festhrief mit dem Kanon des Athanasius, von dem er B abhangig sein 
lafit, erst aus dem Jahr 367 stammt; der Text des Festbriefs am bequemsten in 
Preuschen's Analecta und in Zahns Grundrifi. In der Anzeige der 2 Schriften von 
Zahn, Athanasius und der Bibelkanon (1901) und Grundrifi des nentestamentlichen 
Kanons (vom gleichen Jahr) sagt B. v. Dobschiitz (ThLz. 03, 21, 570): s Zahn 
trifft mit Eahlfs zusammen in der Zuruckfiihrung des Codex Vaticanus auf Atha- 
nasius; mit vollem Recht aber erklart er B fiir unabhangig von dem Festbrief von 
367 und wiederholt seine schon GK. I, 1, 73 A. 1 ausgesprochene Vermutung, daB 
es sich um eine der von Athanasius wahrend seines romischen Exils 340 (339) 346 
fiir Kaiser Konstans besorgten Bibeln handle. Diese schon von Gregory, Prolog. 348, 
Textkr. 22 angedeutete, von Nestle Einfuhrung 2 149 ausgefiihrte Kombination 
wird dem textkritischen Befund am meisten gerecht". Dabei ist aber zu beachten, 
daB der von Athanasius gebrauchte Ausdruck nwxita rear detuv ygacp&v auch eine 
einzige Bibel (in mehreren Banden) bezeichnen konnte. 



Hesychius; Codex Vaticanus. 201 

dieser Periode seines Lebens (vor 350) angehoren, sich besonders 
nahe bertilirt, daruber fand ich zur Zeit der zweiten Auflage in den 
mir zur Hand befindlichen. Werken keine Bemerkung, und konnte 
keine Untersuchung daruber anstellen. Seither hat v. S. in 336 
den Evv.-Text von Athanasitts, Didymus und Kyrill von Alexandria 
je fur sich in ihrem Verhaltnis zu der Eezension des Hesychius 
untersucht und fiir Athanasius konstatiert, daB er neben H und 
Origenes, eventuell als ganz sekundarer Autoritat K, keine Varianten 
von irgend welchem Belang gekannt oder mindestens berucksichtigt 
hat. DaB das Buch der Bichter in B in einer ganz eigenttimlichen 
Textgestalt vorliegt, die von den alteren agyptischen Lehrern, 
Clemens und Origenes, nicht, aber auch noch nicht von Didymus 
(f 394 oder 399), sondern erst von Cyrill von Alexandrien benutzt 
wird und der sahidischen Ubersetzung zu Grande liegt, ist vielleicht 
auch far das NT. von Wichtigkeit (s. bes. La garde, Sept.Stiidien 
1892 und G. F. Moore's Commentary on Judges 1895 XL VI). 
Schon Grabe erklarte 1705 diese Ubersetzung far die Arbeit des 
Hesychius, iiber den wir freilich gar wenig wissen. Auch hier ware 
wiederum palaographisch zu untersuchen, ob eine der griechischen 
Handschriften des AT.s, die im Eichterbuch mit B gehen (G [= 
Brit. Mus. 20002] 16. 30. 52. 53. 58. 63. 77. 85. 131. 144. 209. 236. 
237), ein neutestamentlich.es Seitenstuck hat. Zu G vgl. Eahlfs 
(s. S. 40), und von Dobs ch at z, ThLz. 1899, 3, 74 aber die 2 nt.l. 
Handschriften A u. 566. Nach letzterem wird zwar die Vermutung, 
daB hier der nt.liche Teil zu der von Eahlfs a. a. 0. besprochenen 
Hds. vorliege durch die Verschiedenheit des Formats ausgeschlossen, 
aber wenn nicht auf denselben Schreiber, so sollen beide Hand- 
schriften doch auf dieselbe Schreibschule sicher zuruckgehen. 

Wichtiger ist, daB v. S o d e n etwa 50 Abschriften der Ee- 
zension heute nachzuweisen in der Lage ist, von denen aller dings 
nur eine kleine Minderheit mehr oder weniger vollstandig auf uns 
kam. Dahin gehoren aber unsere altesten Handschriften dl, d2, 
(53, d6, d48, 26, 56, 76, 1016, <5371, 376, nach der anderen Be- 
zeichnung BtfC^ZLA 892 1241 579. Die zwei bis drei letzten 
seien wohl Antiquitatenfreunden zu verdanken, die von alten in der 
Auflosung begriffenen Unzialcodices vor deren Untergang sich noch 
Kopien verschafft hatten. Dazu kommen gegen 40 Fragmente und 
Fragmentchen, zum Teil nur aus einzelnen Versen bestehend, bei 
denen nur noch der Nachweis moglich sei, daB sie hierher gehoren 
ich gebe nur die Gregory'sche Bezeichnung, folge aber der 
v. Soden'schen Ordnung : p 1 , p 5 , 59, 58, 65, 67, 68, T 70, 73, p 7 , 



202 Theorie und Praxis der neutestamentlichen Textkritik. 



60, 78, 79, E 85, 84, 91, 83, 92, PS p*, 86, 112, 99, 113, 109, 114, 127, L' 
54, 118, (71355, 124, 125,100,128,139; wie man sieht, fast lauter 
Unzialen. 

Bedeutsam ist, dafi unter diesen Zeugen keine Dubletten sind, 
nicht einmal nahe Verwandte, und da6 B C 0? Z besonders ein- 
sam stehen. B zeige nur Beziehungen mit 579 in 2 6 37 , 10 18 , 15 27 , 
und mit 1241 in 21", 24 37 , die aber jeden direkten Zusammenhang 
ausschliefien. Nur 6 und <5 2 , d. h. B und tf seien nahe verwandt, 
reprasentierten einen gemeinsamen, ob auch durch eine verschiedene 
Zahl von Zwischengliedern von ihnen entfernten Vorfahren, in dem 
der JJ-Text schon etwas verderbt wiedergegeben gewesen sei. Schon 
einige ^-Lesarten soil (nach S. 902) dieser gemeinsame Vorfahre 
enthalten haben, und sicher ist (nach S. 929), dafi in der Vor- 
geschichte des K-Textes der Typ. I eine Rolle gespielt hat; n sind 
doch auch in die fertige Handschrift noch nachtraglich (N c ) J-Les- 
arten eingesetzt worden." Wie dies moglich ist, daC K und /eine 
solche B/olle spielten, verstehe ich nicht, wenn einerseits die alteste 
Form von K von Lucian herruhrt ( 334, S. 1471) und die Ee- 
zension I eusebianisch ist ( 343, S. 1506), andererseits dieser Vor- 
fahre von Btf schon durch eine verschiedene Zahl von Mittelgliedern 
von ihnen entfernt ist; ebensowenig, wie der Wortlaut der agyp- 
t i s c h e n Ubersetzungen in die V o r 1 a g e dieser Codices gelegent- 
lich eingetragen und von den Abschreibern in ihren Text iiber- 
nomraen worden sein soil (S. 903. 929). Denn dies setzt fur diese 
agyptischen "Ubersetzungen ein Alter voraus, das man ihnen sonst 
nicht zugesteht. Mehr als 30 Seiten widmet v. S o d e n diesem ge- 
meinsamen Ahn von BN und dem Zeugenwert einer jeder dieser 
Hdss., und ahnlich wird, wenn auch kurzer, in den folgenden 
Paragraphen der Zeugenwert der anderen Handschriften 6 6, d 48, 
26, 56, 76, 1016, 376 und d 371, dann der Textcharakter der kleinen 
Bruchstticke gewtirdigt, hierauf in 199 die Methode erortert, nach 
welcher der .H-Text herzustellen sei, was dann in 200 220 ge- 
schieht. Als ganz sicher wird dabei hervorgehoben, daB in H [i 
mit ^(po^ovvTo yctQ schloC, obgleich schon in d 3, d 6, 6 48 usw. die 
Verse 9 20 sich ohne alle Unterbrechung an v. 8 anschlieCen. 
Endlich wird in einem letzten Paragraphen die Ausstattung der 
Ausgabe H beschrieben, wonach sie auf der linken Seite als Uber- 
schrift nata, rechts Ma&$aiov usw. hatte. Die n Kapitel"-Einteilung 
und die Eusebianischen Zutaten kannte sie nicht, wohl aber die 
Sektioneneinteilung, die am besten durch B vertreten ist, aber nicht 
(wie Schmidtke wollte) auf Ammonius zuruckgeht, ubrigens von 



Hesychius; Pamphilus-Eusebius. 203 

alien auf uns gekommenen die sachgemaBest und konsequentest 
durchgefohrte ist, die je versucht wurde. (In der 7. Aufl. meines 
gr. NT.s findet man sie jetzt neben der n Kapitel"-Einteilung am 
B-ande.) Der 338 (S. 1492), der die Entstehungsverhaltnisse von 
H behandelt, schlieBt: n So wird man den SchluB wagen diirfen, 
daB H nichts anderes ist, als die nach Hieronymus in Agypten ge- 
brauchliche Text-B/ezension des Hesychius, wie das schon 
Bousset . . . auf das hochste wahrscheinlich gemacht hat. Dann 
lage die Entstehung dieser agyptischen Rezension in derselben Zeit, 
wie die der antiochenischen gegen Ende des 3. oder um die Wende 
des 3. und 4. Jahrhunderts." 

Pamphilns-Ensebius. Aus der gleichen Zeit soil nun auch 
die dritte Rezension stammen, die v. S o d e n unterscheidet und die 
er I, d. h. doch wohl die Jerusalemische nennt. Er sagt darnber 
zunachst in 207: 

Zu ihrer Entdeckung halfen folgende Beobachtungen. Schon 
bei der Herstellung eines Vordrucks fur die Kollationen veranlaBte 
das haufige Zusammentreffen von Lesarten der Itala, des Sinai- 
Syrers, der Ferrargruppe, der Easier Minuskel 1 (= (5254) mit 
D (= (55) zu der Annahme eines uralten weitverbreiteten Typs, 
mit verschiedenen Unterarten. Eine der bedeutsamsten, die durch 
1 vertretene, wurde jEPgenannt, die derFerrar-G-ruppe J; die reinste 
von alien I a lag versteckt in <5 5 = D mit einem gerade noch recht- 
zeitig zuganglich gewordenen Bruder in Tiflis (050) ^ und einigen 
anderen kaum minder wertvollen Minuskeln; dazu kommen noch 
einige weitere Typen, die immer starker von K durchsetzt sind, 
der beste weitestverbreitete 0, ein schwacherer Seitentrieb B, der 
der Purpurcodices II, ein Typ und andere. 

Nach S. 1357 bot die Eezension in margine die Sektions- 
einteilung Eusebs wohl mit den freilich auffallend haufig fehlenden 
Canonesnummern, erstere bei ^ mit 233 schlieBend, obgleich 16, 
920 nirgends fehlt, dagegen kaum den Brief an Karpian und die 
Tabellen, wahrscheinlich auch nicht die Perikope von der Ehe- 
brecherin. Nach 343 benutzten Euseb und Cyrill von Jerusalem 
den /-Text und legte ihn das palastinisch-syrische Lektionar zu 
grunde. Da nun Hieronymus versichert, dafi man in Palastina einen 
Text las, welchen Origenes herausgearbeitet habe, was dahin- 
gestellt bleiben moge , welchen Pamphilus und Eusebius heraus- 

J ) In Gregory's neuer Liste der griechischen Handschriften fehlt 050 
(S. 184) ; nach freundlicher Mitteilung ist es die Hds. Q (038, fruher 1360, s. o. S. 81), 
die v. S o d e n (S. 29) als n unauffindhar u unter den gestrichenen Nummern der 
friiheren Listen auffiihrte. 



204 Theorie und Praxis der neutestamentli.ch.en Textkritik. 

gegeben, so konne dies mir der /-Text sein. Habe ferner Eusebius 
erst nachdem die Redaktion abgeschlossen war und nur dadurch 
werde der Auftrag ganz verstandlich von Konstantin die be- 
ruhmte Bestellung far die Kirchen seiner neuen Hauptstadt er- 
halten, dann habe er natfirlich den J-Text dorthin gesandt, und so 
erklare sich dessen Vorherrschaft in den naehstfolgenden Jahr- 
hunderten. Alle die abgeschwachten I-Typen seien Kompromisse 
zwischen Antiocbien und Konstantinopel ; Hire Fnlle begreife sich 
nur aus dem aufgedrungenen Konkurrenzkampf. Des Hieroymus 
Satz n Constantinopolis usque Antiochiam Luciani martyris exem- 
plaria probat" sei zu deuten auf den siegreichen Ansturm von K 
gegen den durch Euseb in Konstantinopel eingefohrten /-Text. 

Der Abschnitt schlieBt: n Da Pamphilus, der 309 umkam, nach 
allgemeiner Tradition an diesen Textarbeiten stark beteiligt war, 
ist die Entstehung von / um die Wende des 3. und 4. Jahrhunderts 
anzusetzen." 

Am lehrreichsten ist dabei, daB J5 (D) mit den ihm nachst 
verwandten 050 (== ) 133 (= 700, s. o. S. 100), 600 (= 372) hier ein- 
gereiht werden, ja daB 289 iiber D geradezu gesagt wird: fl Die 
glanzendste Probe auf die Bichtigkeit der Annahme eines Textes / 
bildet d5, der altberiihmte Codex Bezae. Sein bislang so ratsel- 
hafter Text entzieht sich nun nicht langer dem Verstandnis. In 
der Hauptsache erweist er sich als eine Mischung von / und K l .... 
Aber darnber hinaus hat dieser Text eine einzigartig interessante, 
nunmehr deutbare Yorgeschichte erlebt." Diese wird auf S. 1305 
bis 1340 des naheren ausgeftihrt und besteht in der Hauptsache in 
lateinischem EinfluC, insbesondere darin, daB ein Vorfahre von 
D strichweise nach af korrigiert worden sein mtisse (S. 1334). Ob 
auch aus dem Syrischen etwas in den Text tibergegangen, lasse 
sich nicht sicher entscheiden; vollends zweifelhaft bleibe die Ein- 
wirkung agyptischer Ubersetzungen. Aus diesem EinfluB von 
af sollen sich auch viele Bertihrungen mit X erklaren; ganz ver- 
raterisch fiir letzteren sei 6, 55 (so ist statt 52 S. 1339 zu lesen) 
das sinnlose noiov statt noat$, wenn man in e und nur dort 
p o t u m liest. 

Nachdem so 3 Textrezensionen festgestellt worden sind, die 
um die Wende des 3. und 4. Jahrhunderts im syrischen Antiochien, 
palastinischen Casarea und in Agypten entstanden, wird ein neuer 
Abschnitt n der IHK gemeinsam zu G-runde liegende Text I-H-K" 
uberschrieben, und zur Orientierung in 299 zunachst gesagt: Die 
Texte der drei genannten der weiteren Textentwicklung zu G-runde 



Der gemeinsame I-H-K-Ttexi. 205 

liegenden Rezensionen decken sich in der Hauptmasse des Textes 
vollstandig. Am zahlreichsten seien die Differenzen in p. In der 
Hauptsache liege aber den drei Rezensionen ein und derselbe Text 
zu Qrunde, was bei der gegenseitigen Selbstandigkeit der drei Re- 
zensionen um so bedeutsamer sei. Ob diese in der Hauptsache zu 
rekonstruierende, den drei gemeinsam zu G-runde liegende Text- 
gestalt auch schon der Urtext sei, bleibe noch dahingestellt ; zu- 
nachst gelte es diese gemeinsame Vorlage ^I-H-K" 1 herzustellen. 
Dafftr werden nun die Grundsatze aufgestellt ( 300) iind dann 
zuerst die Varianten erledigt, die w Sprachformales u betreffen, weiter- 
hin die durch Paralleleinwirkung veranlaflten. Im ersten Toil wird, 
wahrend sich die Untersuchung bisher auf die Evv. beschrankt 
hatte, das ganze NT. beigezogen, und der Reihe nach besprochen 
1) rein Orthographisches 302, Konsonanten 303, Vokale 304, 
Semitische Worte 305 ; 2) Phonetisches 306, Elisionen 307, 
Krasis 308, Vermeidung des Hiatus 309, Assimilation 310, 
Behandlung einzelner Zwischenlaute (AafiflavEiv , Pronomen re- 
flexivum, sav und av, ##g) 311; 3) Verschiedene Bildung oder 
versehiedenes Genus von Worten 312; 4) Grammatikf ormen : 
a) Unterschiede in der Deklination 313, b) Adverbialbildungen 
(EV&VS: ev&Ea)$) 1 ) 314; c) Formenbildungen bei den Verben (z. B. 
elnov und slna: mehrfach Wechsel der Instruktion Mr den 
Schreiber deutlich: &* schreibt eigenmachtig elnov, bis er die 
Weisung erhielt, der Vorlage genau zu f olgen, wahrend dem Schreiber 
von 33 umgekehrt im Lauf seiner Arbeit die Weisung wurde, die 
altertiunliche Form aufzugeben") 315, d) Tempusbildungen 316 ; 
5) Die sprachlichen Ausdrucksmittel, soweit sie den Sinn nicht 
andern; a) die Wahl der Worte 317, b) Wortbeifiigungen oder 
Auslassungen, die, fur den Sinn gleichgfiltig, nur vom Sprachgeftihl 
diktiert sind 318, c) Gebraiich des Artikels 319; 6) den Sinn 
nicht beruhrende Anderungen in der Syntax 320; 7) (von hier 
an nur noch die Evv. verarbeitet) Wortumstellungen, soweit sie 
nicht durch Parallelen veranlaBt sind 321 ; 8) Paralleleinwirkungen 
322 324. Endlich f olgen in 326 einer objektiven Entscheidungs- 
art entbehrende Falle von Varianten; 327 schwach bezeugte, 
dennoch wohl I-H-K zugehorige Lesarten ; 328 fur I-H-K kaum 
in Frage kommende Lesarten. Orientierung ; 329 der Eest der 
I-H-K wohl abzusprechenden, mehrfach vertretenen Lesarten. 

Eine Uberraschung ist, dafi dann erst die n Eigenart und Ent- 

*) Zur Vergleichung aus dem A.T. mag dienen, da6 in Gen. 15, 4 nur die Hds. 
in, in 38, 29 nur die 2 Lucianhdss. bw e&4a>$ haben. 



206 Theorie und Praxis der neutestamentlichen Textkritik. 

stehungsverhaltnisse der drei auf I-H-K aufgebauten Bezensionen" 
besprochen werden ( 330 344, S. 1456 1505), aus welchem Ab- 
schnitt ich die Ergebnisse far die einzelnen Bezensionen oben 
schon mitgeteilt habe. Dann kommen n die Textzeugen vor I-H-K u 
an die Reihe, der Text des Origenes und der Kirchenlehrer vor 
ihm, teilweise auch nacli ilim. Diese Absckaitte werden zum Teil 
weiter unten zur Sprache kommen; schon hier aber ist zu sagen, 
daB mit der Bewunderung des Biesenmaterials das hier verarbeitet 
ist, die Klage zu verbinden ist, daB dies in sehr uniibersichtliclier 
Weise geschah, dafi aber die bange Frage immer mehr wachst, ob 
es denn auch in die richtige Grruppierung gebracht sei, ob nicht 
in einer ganz bedenklichen Weise mit unbekannten, beziehungsweise 
selbstgeschaffenen und recht flieBenden GroBen als mit feststehenden 
wirklich vorhandenen operiert werde. Vielleicht wenn v. Soden uns 
seinen Text oder seine Texte vorgelegt haben wird (etwa in drei 
Spalten? in der Mitte das alien gemeinsame = I-H-K, zur Seite 
und unten das jeder B-ezension eigene?), daB dann der Eindruck 
ein anderer sein wird. So wie der Band jetzt vorliegt, ist das 
Material jedenfalls auBerst schwer nachzuprtifen, yerschwindet das 
Wichtige, Charakteristisclie unter dem TJnsicheren und Unwichtigen. 
Vielleicnt haben andere einen anderen Eindruck; oder ware das 
merkwiirdige Stillschweigen der Kritik, das bis heute herrscht, 
eine Folge der Tatsache, daB auf der einen Seite der G-laube an 
die neue Grruppierung fehlt, aiif der anderen der Mut sie zu ver- 
werfen? Eins kommt hinzu: die Arbeit v. Sodens erstreckt sich in 
der Hauptsache erst auf die Evangelien; nur bei einem Teil der 
sprachlichen Charakterisierung von I-H-K ist, wie bemerkt, auch 
auf den zweiten Teil des NT.s E-ticksicht genommen, auf das AT., 
soweit ich sah, fast gar nicht, und doch hangen die Probleme, die uns 
da begegnen, auf engste mit den Textproblemen bei den Evangelien 
zusammen: man denke an die Frage nach der Bedeutung des 
Kodex D fur n ; an die eigenttimliche Ubersetzung des Bichter- 
buches und die Anordnung der at.lichen Bucher in B ; doch ist 
S. 937 die Arbeit von R-ahlfs (mit dem Druckfehler w E-ohlfs tt ) an- 
gefuhrt. Eins ist allerdings schon jetzt klar, daB die BlaB'sche 
Losung des Problems, das der Kodex D aufgibt, bei der v. Soden'schen 
Darlegung nicht bestehen kann. Nicht einmal von einem ,,western 
text" ist ja bei v. Soden mehr die Rede ; ich habe mich daher be- 
sonnen, ob ich den ganzen folgenden Abschnitt nicht streichen soil. 
Ich lasse ihn aber stehen, weil ich diesem Text trotz allem eine 
groCere Bedeutung zuschreibe, als v. Soden es tut. 



Per I-g-JT-Text; Origenes. 207 

Nicht viel siclierer, ja noch unsicherer steht es mit der dritten 
und vielleicht wichtigsten Rezension, die Hieronymus zum AT. 
nennt, mit der auf Origenes zuriickgelienden des Eusebius 
und Pamphilus 1 ). Soweit ich weiB, redet Origenes selbst in 
den von ihm erhaltenen Schriften nur von seinen textkritischen 
Arbeiten zum AT. Doch bezieht sich seine Klage nber die schlechte 
Beschaffenheit der Handschriften seiner Zeit, auf das NT., nament- 
lich die Evangelien. Nvvl 6e drjAovdvi, schreibt er in Mt. T. 
XV, 14) noM^i yeyovev f] x&v dvTiyqdfptov diacpogd, she 
iw&v ygacpeav, ehs dnb vdAfitis iiv&v fio%d"rjQdg tyc, 

yQacpopevwv, Eire xal dnb i&v td iavtolc, doxovvra v vfj 

nQOffTid-evTUv ty dipaiQotivxtov 2 ). Ebenda erzahlt er uns, 
wie er d-eov diddvTOg, namlich durch Anwendung der textkritischen 
Zeichen der alten Homererklarer, des Obelos und Asteriskos, Mittel 
und Wege gefunden habe, dem Schaden abzuhelfen: t^v fiev ovv 
iv Tofg dvTiyQdg)oig lijc, naAaidg diad-^xvjg diacpatviav, &EOV diddvvog, 
S'Sgofiev Idoaadcu; aul: das NT. bezog sich. aber nach. seiner aus- 
drtickliclien Erklarung falls dieser nur lateiiiisch. erhaltene Satz 
echt ist seine textkritische Tatigkeit wenigstens damals nicht 

(In exemplaribus autem Novi Testamenti koc ipsum me posse facere 
sine periculo non putavi); von Gebhardt sagt daher (Urt. 25) ? 

schon diese eigene Erklarung hatte ,,davon abhalten sollen, ihm eine 
formliche Rezension des nt.lichen Textes zuzuschreiben (Hug)" ; 
aber auch er will nicht leugnen, n daC die Werke des Origenes, 
eines durch seine kritische Q-enauigkeit hervorragenden Mannes, far 
die nt.liche Textkritik von hoher Wichtigkeit sind". In der Tat 

1 ) Die iibrigen AuBerungen des Hieronymus im Brief an die gotischen Geist- 
lichen Sunnia und Fretela aus dem Jahr 403 brauchen hier nicht weiter erortert 
zu werden, da sie nur das AT. angehen, doch moge wenigstens ihr Wortlaut hier 

stehen : 

Breviter admoneo ut sciatis, aliam esse editionem, quam Origenes et Caesa- 

riensis Eusebius omnesque Graeciae tractatores xoivyv, id est communem appellant 
atque vulgatam, efc a plerisque nunc Aovxiavdg dicitur, aliam septuaginta inter- 
pretum quae in ^auiAoZg codicibus reperitur, et a nobis in latinum sermonem fideliter 
versa est, et Jerosolymae atque in orientis ecclesiae [so Lagarde, Librorum V. T. 

can. pars prior p. XIII aus Vallarsi 1, 635?] decantatur xoivij autem ista, hoc 

est communis, editio ipsa est quae et septuaginta. sed hoc interest inter utramque 
quod xotvi] pro locis et temporibus et pro voluntate scriptorum vetus corrupta 
editio est, ea autem quae habetur in SjaxAoTs et quam nos vertimus, ipsa est quae 
in eruditorum libris incorrupta et immaculata septuaginta interpretum translatio 
reservatur (ebenda 637). Statt Aovxiavdg verlangt Oeconomus 4, 499 Aovxtavlg. 

2 ) In der Leidener Theol. Tijdskr. VII, 1873, 233 will A. D. L[oman] diese 
Stelle so verbessern: ehe &nb fioyflijQtas r^g dioQ&coaetos raiv ygayofievcav ewe xai 
ano ToAfiijs ttvtav T<av ra eavtoig 6oxovvra. 



208 Theorie und Praxis der neutestamentlichen Textkritik. 



berufen sich. spatere Kirchenlehrer vor allem auf die at.lichen Hdss. 
des Origenes ; doch. finden sich. einzelne Berufungen auch. auf 
origenistische Handschriften des NT.s. Zu y 3, 2 bemerkt Hierony- 
mus (II, 418): Legitur in quibusdam codicibus: Quis vos fas- 
cinavit non credere veritati? Sed hoc naturlich. nur die 
Worte non credere veritati quia in exemplaribus Adamantii 
non habetur, omisimus. Es ist dies eine aus 5, 7 eingedrungene 
Glosse, die sich aber gerade auch bei Origenes an einer allerdings 
nur in der lateinischen Ubersetzung des Rufinus erhaltenen Stelle 
findet, von unsern griech. Hdss. in CD C EKLP, ebenso in den moisten 
der Vulgata (s. W-W 659). Ahnlich. schreibt derselbe zu M 24, 
36 (II, 199): In quibusdam latinis exemplaribus additum est 
,,neque filius", quum in Graecis et maxime Adamantii et Pierii 
exemplaribus hoc non habeatur additum; sed quia in nonnullis 
legitur, disserendum videtiir (W-W 658). Pierius ist wohl der 
Presbyter von Alexandria, der nach der diokletianischen Verfolgung 
in Rom lebte und seiner G-elehrsamkeit wegen Origenes junior ge- 
nannt wurde, vielleicht Lehrer des Pamphilus (s. Hier., viri ill. 76 ; 
Eus. h. e. 7, 32); Adamantius ist doch wohl, wie Chalkenteros, 
Ehrenname des Origenes. Aber nun ist es wieder seltsam, daB die 
nach dem Zeugnis des Hieronymus im Exemplar des Origenes 
fehlenden Worte an einer allerdings auch. wieder nur lateinisch. er- 
haltenen Stelle seiner Werke sich finden und dort so ausftihrlich 
erklart werden, daB man gar nicht zweifeln kann, er miisse sie in 
seinem Text gehabt, ja vom Fehlen derselben in andern Exem- 
plaren gar nichts gewufit haben. Ob und wie sich das erklaren 
lafit, konnen wir hier ununtersucht lassen 1 ), ebenso die Frage, wo 
Hieronymus die exemplaria Pierii zur Hand bekam, wohl in Caesarea, 
wo er auch die von Pamphilus' eigener Hand abgeschriebenen 
(Bibel- ?)Bande des Origenes sah und dessen Abschrift der Er- 
klarung der kleinen Propheten sogar in eigenen Besitz bekam 2 ). 

') E. Hants ch (a. S. 161) fiihrt S. 94 die Stelle nicht an. Die Dissertation 
behandelt nur fii\ der Teil iiber M ist erst zu erwarten. 

a ) Die Worte (viri ill. c. 75) lauten: Pamphilus presbyter, Eusebii Caesariensis 
episcopi necessarius, tanto bibliothecae divinae amore flagravit, ut maximam 
partem Origenis voluminum sua manu descripserit, quae usque hodie in Caesariensi 
bibliotheca habetur. Sed et in duodecim prophetas vigintiquinque i^tiy^asotv Ori- 
genis volumina manu eius [d. i. Pamphili] exarata repperi, quae tanto amplector et 
servo gaudio, ut Croesi opes habere me credam. Si enim laetitia est unam epistulam 
habere martyris, quanto magis tot milia versuum quae mihi videntur suis (sui ?) sanguinis 
signasse vestigiis (Text nach Richardson; Bernoulli, Kruger's Sammlung 11. Heft 
1895, schreibt habentur, Sed in, videtur und liiBt volumina weg). DaB bibliotheca 
divina die Bibel bedeutet, wird nicht lanerer mehr einen Beweis erfordern. 



Pamphilus. Euthalius. 209 



Wenn nun auch unter den exemplaria des Adamantius nur das von 
Origenes zumeist und zuletzt bentitzte Bibelexemplar und nicht 
eine eigentliche Rezension des Bibeltextes gemeint ist, so konnte 
dies Exemplar wenn nicht fur Eusebius (s. o. Zahn S. 194, A. 2), 
so doch fur Pamphilus mafigebend gewesen sein, und insofern muB 
man nieht bloC beim AT., sondern wonl auch beim NT. nach dem 
origenistischen Bibeltext fragen. Jedenfalls ffihren sich auf Pam- 
philus eine Reihe unserer Hdss. zuruck. Vor alien Dingen H der 
Paulinen. Diese Hds. hat auCer einer sehr praktischen Yermahnung 
iiber das Bucherverleihen *) und einem Vermerk fiber ihre Einrich- 
tung und deren Urheber noch den Vermerk ; dwiEfiMi&ri dk tf 
ngbg TO kv KaiactQip dvTiyqafpov ffjg fitjlAiod-'/jjc'qg tov &yiov 
cpttov %EIQI yeyqap[ivov (afivov). Aus dieser Unterschrift hat Field 
(Hexapla I p. XOIX) geschlossen, daB die Bibliothek des Pamphilus 
noch im VI. Jahrhundert existierte ; es fragt sich aber, ob die Unter- 
schrift, nicht auch, in H schon aus der Vorlage iibergegangen ist, 
wie ein ahnlicher Vermerk noch in die Minuskeln 88, 307, 635 
(fruher 83, 15, 173) uberging. Jedenfalls ist die Hds. fur uns ein 
Hauptzeuge fur die Rezeiision des Pamphilus, oder wie man bisher 
sagte Euthalius. 

Xiiteratur. 

Zur Euthaliusfrage ist aufier der S. 77 zu H genannten Literatur noch zu 
nennen : Jolinger, Die Verdienste des Buthalius um den neutestamentlichen 
Bibeltext, Hds. 1867 (Progr.) ; B o u s s e t , Textkritische Studien (TTJ 11. 4. 1894) ; 
ders. in ThLz 1900, 22, 611 ff. ; Th. Zahn, Euthaliana (ThLbl. 1895, 593. 601) > 
B. v. Dobschiitz, Euthaliusstudien (ZKG 19, 1898, 107154); ders,, Euthalius 
(PEE 8 5, 1898, 631633) ; E. L. B e n s 1 y , The Harklean Version (s. S. 120) 1889, 
9. 27 ; J. E. H a r r i s , Hennas in Arcadia and other Essays, London 1896 ; (5) 
Euthalius and Eusebius); A. Eobinson in The Lausiac History of Palladius ed. 
Butler (TSt. VI, 1898, 104 ff.); dazu S. Berge r (BCr. 1899, 9, 165); A. Eobinson, 
Eecent Work on Euthalius (JThSt 6, 1904, 8790) ; Zahn (NKZ 15, 4) ; last not least 
v. S o d e n 90100, S. 637682 : Die Ausgabe der Schriften des Apostolos durch Eu- 
thalius : 1. die Persb'nlichkeit des E. ; 2. die Paulus-Ausgabe des E. ; 3. die Ausgabe der 
Akten mit den katholischen Brief en; 4. die erhaltenen Exemplare der E.-Ausgaben; 
5. Vorganger und Eigenart des E. 



elftt ioyfAdrav &et<av diddoxaAog ' Hv uvl fie 

s> AvrlpiftAov Adfifiave (nimm eine Quittung, einen Leihschein, s. ThLz 1895, 
11, 283 ; 15, 404), ol ya(> AnoSdrat, v,av.oL ' dvTlcpQaai$ ' ftrioavQbv 8%<Dv ae nvev- 
dya&(!)v nal Ttdaiv &v&Q<bnoi,s jto&ijfdv &Q[iovtais re nal nowtAais, 
xexoaitrjpdvov vv\ t^v dAtf&eiav oi> 6d>ffct) ae nQO%elQ(as tivl 0-66' 
at (p&oviaoi rfjs . . . der Eest, der in dieser Handschrift fehlt, ist armenisch und 
in der Neapler Hds. 88 (fruher 93P) erhalten und lautet: (bcpeAetag, XQ^aa is rots 
djifaiotov AvtlpipAov Aaupdvw (s. CblfBW 1893. 59). 

14. 

Hostle, ElnfOhruna. 3. AuTI. * 



210 Theorie und Praxis der neutestam.entlich.en Textkritik. _ 

Zur Zeit der 2. Aufl. dieses Buches (1898) war bekannt, daB 
einzelne der fruiter dem Euthalius zugeschriebenen Stucke schon 
508 und 616 durch die syrischen Bibelfibersetzungen desPolykarp und 
Thomas bezeugt sind. Es findet sich 

1. die Unterschriffc, welche die Kollation mit dem Pamphilus- 
Exemplar bezeugt, auch in der von Bensly erstmals veroffentlichten 
SchluBschrift des Harklensischen Syrers (s. o. S. 115. 120). 

2. Der Name Euagrius, den Ehrhard statt des Namens 
Euthalius in H finden woHte, steht tatsachHch auch. noch in einer 
at.lichen Handschrift mit der Bibliothek des Pamphilus in Verbindung. 
In seiner Notitia editionis codicis Bibliorum Sinaitioi hat Tischen- 
dorf (Lipsiae 1860. 4) S. 73122 B Ex Godicibus Insulae Patmi, 
Ineditum Diodori Sieuli. Origenis Scholia in Proverbia Salomonis" 
veroffentlicht. Die letzteren entnahm er einer Hds. des 10. Jahrh., 
die nach H. 0. Coxe's Report ... on the Greek MSS. yet remai- 
ning in the Levant (1858 p. 61) hinter der Philokalie Origenis 
Hexapla, cum scholiis" zu enthalten versprach. In Wirklichkeit 
sind es des Origenes Scholien zu den Proverbien, die Angelo Mai 
in abweichender Gestalt 1854 in der Nova Patrum Bibliotheca aus 
der vatikanischen Katene 1802 veroffentlicht hatte. Den eigent- 
lichen Scholien gehen in der Patmoshandschrift 2 bezw. 3 belehrende 
Vorbemerkungen voraus, iiber die Bedeutung von Obelos und 
Asterisk und fiber die verschiedene Kapitelfolge im hebraischen 
und griechischen Texte, sodann eine nochmalige Belehrung ahnlicher 
Art, und diese unter der Uberschrift Etiayqtov o%6faov l ). Wer die 
in den Scholien G-emeinten sind, die das Buch kollationierten 
(T&V dvtifiefiA'tiKd'twv vb fiiftttov), das erfahren wir nun eben aus 
der SchluBschrift, in der es heiBt': Mefs^cpd-rjaav dg> 3 5>v sfigopev 

nal ndfav a-fab XEIQI (schreibe ai)TO^EiQi) UdpfpiAog xal 
dioQ&cbaavvo. Diese SchluBschrift, die Oconomus schon 
vor 50 Jahren (4, 904) aus dieser Patmoshds. veroffentlicht hatte, 
ist den sonst angeffihrten SchluBschriften (tf zu Esra und Esther, 
Marchalianus zu Jes., Ez., syr. Hexapla zu 3 und 4 Beg., Ohis. 88 



J ) Sie lautet: Elolv Saa TCQoretay(&vov &%ovai, rbv dpidfidv &3s, 8aa 
IniyeyQapftdvov S^ei vofcy rijt f^ovoavAAd^y ^ elal 8k [idAtata &v T$ 
Saa 6k JteQl diacpcovtag ^T&V riv&v T&V v r<jj> gSayCq* tf iv,b6ae&v Sativ 
&TIEQ xal Kara) vevevuvTav nEQiEaTiYfiivtjv %ei TrQOTezayfttwqv, T&V dvTifl 
ailv ' Saa de dfiytiftdAoc; &ga> xelpeva Qijia &ja) vevevnviav 
e"%ei nqoTsxa.f^ivriv, dice T& o%6fao. nQoae-c&i)auv star' a^rot xov fieydAov 

6i8aav,d/Lov Zva ftd) 66%'fl Kara xevov T& a%6Aiov 
fiev T&V &VTiy^dy>u>v TOJV ^xutv ofatog tydvitov, ev Totiitp dk 
8/lo)S <peQO^v<av ual diet TOVTO 



Euthalius. Euagrius. 211 

zu Ez.) beizufngen. Insbesondere hatte 3) kurz zuvor von der 
G-oltz in den TU. 17 (N. F. 2), 4 tiber eine textkritische Arbeit 
des 10. bezw. 6. Jahrhunderts berichtet, die auf Origenes zurtick- 
geht und insbesondere in einem leider groBtenteils wegradierten 
Scholion zu i 2, 3 w eine von der Hand des seligen Eusebius ge- 
schriebene Handschrift erwahnt." Ja auch bei den Lateinern hat 
zuerst E. Bdggenbach eine hierher gehb'rige Spur nachgewiesen, 
indem er zeigte, daft die im Fuldensis und einem cod. Vat. Beg. 9 
sich findende Kapiteltafel zum Hebraerbrief nichts anderes als 
Ubersetzung des betreffenden Stiickes des M Euthalius" ist (N. Jbb. 
f. deutsche Theol. II, 3, 3 (1894), 360363, v. DobscMtz S. 111). 
Inzwischen hat v. Sodens Mitarbeiter Dr. Wobbermin auf dem 
Athos in der Hds. 1616 (= & 316 ) ein Stuck entdeckt, betitelt 
Ev&afaov emaxojiov 2ovAxt]g opoAoyia nsqi frjg oQ&odo^ov niorsoyg, 
worin der Verf. seine Ubereinstimmung mit dem Grlauben der ftinf 
okumenischen Synoden, der n Heiligen" Ambrosius, Augustin, Leo, 
der romischen Synode unter Papst Martin (648) versichert und ins- 
besondere bedauert, daC er sich zur Unterschriffc eines Bekennt- 
nisses habe verleiten lassen, das ein Jcoaw^g o moKEnitoQ t^g 6ov- 
Qxqs JfQOg arijuav tov EV (.icwaQia vri pvi]firj TOV ajlfla 
verfafit habe. Auf das Stuck folgt der schon in MPQ- 26, 
1085 stehende Brief eines Athanasius an den Philosophen Maximus ; 
mit einem Athanasius stand aber auch nach den schon seither be- 
kannten Nachrichten Euthalius in Verbindung. So kann denn gar 
kein Zweifel mehr sein, daC der Diakon Euthalius spater Bischof 
von Sulce auf Sardinien war und erst dem 7. Jahrhundert (vor 
680, v. S. p. XYI) angehort. Die bisherigen Ansatze beruhen darauf, 
daC er in seine Ausgabe der Paulinischen Briefe auCer seinem 
eigenen Prolog ein Martyrium des Paulus aufnahm, das am Schlufi 
eine in doppelter Form tiberlieferte chronologische Berechnung hatte, 
die einerseits auf 396, andrerseits auf 449 fuhrte. (Unter der Uber- 
schrift Ev&afaov diauovov jtsQi TCW XQOVWV TOV M]QvyfuxTO tov 
ayiov HavAov v.a.i JIEQL rrj^ dia [MXQTVQIOV avrov TsAeiaaecog ist ein 
Teil des Prologs (== v. Soden, S. 654, Z 11 bis 655 Z 7 v. u.) schon 
in der editio regia des Stephanus von 1550 (s. o. S. 8f.) gedruckt.) 
Seine Ausgabe war fur den Lektionsgebrauch eingerichtet, daher 
in Lektionen und diese in Sinnzeilen abgeteilt, und gab dazu am 
Eande an, wieviel Kapitel, alttestamentliche Zitate und Stichen jede 
Lektion und jeder Brief umfafite. Naheres daruber bei v. Soden 
658 667, der nicht entscheiden koniite, ob bei den Lektionen auch 
die Tage angegeben waren, fur die sie bestimmt sind, da in dieser 

14* 



Theorie und Praxis der neutestamentlichen Textkritik. 

Hinsicht die . Codices schwanken. Spater veranstaltete Euthalius 
eine ahnliche Ausgabe von no (v. So den 667ff.), in die er auch 
die weitverbreitete Zusammenstellung Tiber die Reisen des Apostels 
Paulus (anodvifiiai Ilavtov vov anoavoAov) (anderswoher) auf- 
genommen haben wird (unter der Tiber schriffc anodqfiia H. i. a. 
mit lat. Ubersetzung: Peregrinatio etc. sclion in der zweiten Aus- 
gabe des Erasmus von 1519). 

Nun findet sich in den zwei Hdss. HP und 88 (a 1022. 200) 
die oben hervorgehobene Notiz Tiber die stichometrische Ein- 
richtung des Textes (und das Bucherausleihen) und weiterhin 
tiber seine Kollation mit dem Autograph des Pamphilus. 1st der 
Name des Bearbeiters, wie nicht mehr zu bezweifeln ist, EvayQioc, 
zu lesen, so wird ebensowenig zu zweifeln sein, daB dies der Zeitgenosse 
des Palladius, Euagrius Ponticus ist (IV s.), der auf dem Weg von 
Konstantinopelnach Egypten in Jerusalem war undbei dieser G-elegen- 
heit die Kollation vorgenommen haben konnte. Nicht die Belehrung 
tiber die stichometrische Einrichtung, aber die tiber die Kollation mit 
dem Exemplar des Pamphilus findet sich ebenso in den Hdschrr. 
1836, 1898, 181, 623 (= a 65, 70, 101, 173) ; und wie bemerkt auch 
im harklensischen Syrer. Mit diesen Mitteln gilt es also den Text 
des Pamphilus fur diesen Teil des NT.s wieder herzustellen. Von 
der eigenen literarischen Tatigkeit des Bibelf rounds Pamphilus l ) 
ist uns leider so wenig erhalten, unddazu auch wieder nur in lateinischer 
Ubersetzung, daB der Versuch, nach seinen Bibelzitaten die Hand- 
schriften seiner Bibel noch genauer als bisher zu bestimmen, wenig 
Erfolg verspricht. 

v. S o d e n hat die dritte neben K und H, d. h. Lucian und Hesychius 
tretende Eezension die 7-Form genannt, gleich eingangs hervorhebend (S. 1041), 
daB sie uns nicht in ahnlicher Reinheit in einem uralten Zeugen erhalten sei, wie 
H durch Btf, woraus sich erklare, dafi die bisherige Textkritik ihre Spur nicht fand, 
genauer gesprochen, wohl auf allerlei verlorene Spuren gestofien sei, ohne zu wissen, 
wohin sie fuhrten. Am SchluB ( 343. S. 1506) ist er iiberzeugt, dafi, wenn Hierony- 
mus von einem Text rede, den man in Palastina lese, er von seinem J-Text spreche ; 
und da Pamphilus nach allgemeiner Tradition an diesen Texten stark beteiligt 
war und 309 umkam, sei dessen Entstehung urn die Wende des 3. und 4. Jahr- 
hunderts anzusetzen. Die Bedenken, die gegen diese ganze Konstruktion eines ein- 
heitlichen J-Textes sprechen, habe ich zum Teil schon angedeutet. 

d) Spat ere Bibelrevisoren. Etwaige spatere Arbeiten einzelner 
Manner zur Gestaltung des griechischen Testaments zu. nennen, 
etwa Kaiser und Kaiserinnen, die sich wie Konstantin und Kon- 

x ) Ein kleiner religioser Traktat von Fritz Earth ^Pamphilus der Bibel- 
freund zu Cilsarea" ist 1885 im Verlag christlicher Schriften in Basel erschienen (20 S.). 



Euagrius. Spatere Textrevisionen. 213 

stans urn die Yerbreitung der Bibel beinnhten, sie wohl auch mit 
hochst eigener Hand abschrieben (einzelne Notizen, s. o. S. 96 ff. zu 
evv 33. 565. 1524. 1862 ] ) konnen wir hier um so mehr unter- 
lassen, da es uns hier tun die Frage zu tun ist, wie wir zum 
altesten griechischen Text aufsteigen konnen. Die Tatigkeit des 
Andreas und des Arethas fur a wird bei diesem Buch zur Sprache 
kommen. In Krumbachers Geschichte der byzantinischen Lite- 
ratur, die man hier vor allem nachschlagen wird, nennt das Re- 
gister der ersten Aiiflage nur 2 Stellen zum NT. und gar nichts 
Hierhergehoriges ; so sei aiich diese Frage denen empfohlen, die 
sie zu verfolgen Zeit, Gelegenheit und guten Willen haben. Bei 
der Liebe, mit der gegenwartig die byzantinischen Studien gepflegt 
werden, ist dieser Wink vielleicht nicht umsonst. 

Inzwischen ist diese Arbeit durch von Soden geschehen und hat einen Eeich- 
tum von spateren Bearbeitungen des nt.lichen Textes zu Tage gefordert, von dem 
wenige sich eine Vorstellung machen konnten. Da es im Zusammenhang dieses Buches 
hauptsachlich auf die grofien und alten Familien ankommt, die er unterscheidet, 
7, H, K, die Rezensionen des Eusebius, Hesychius und Lucian, ist von den kleineren 
und spateren Gruppen, die er herausarbeitete, verhaltnismafiig wenig gesagt worden. 
Die Pflicht der Dankbarkeit gebietet aber, sie wenigstens namhaft zu machen, was 
die seinem Werke beigegebene Inhaltslibersicht erleichtert. 

Es unterscheidet v. S. innerhalb der Rowy 

1) B Die Textform K iU als die alteste /f-Form, am besten vertreten durch 
s 61 = Si aus dem 8. Jahrhundert, die Grundlage des vielgebrauchten ^antiochenischen" 
Kommentars zu Jf^ 2 ). Spielarten dieser Textform sind 

a) A!"', mit Lesarten aus I 

b) #ak, von einem Typ Ak beeinflufit. 

c) K^, von einem Typ Jk beeinflufit. 

2) Codices mit dem Text K^ der sich von K\ Kr, K\ und K& scharf ab- 
hebt, vielleicht aber auch noch einige nicht weiter verfolgte Spielarten unter sich 
begreift. 

3) M Die Textausgabe -Kr",eine kirchliche Ausgabe fur den gottesdienstlichen 
Gebrauch mit Perikopensystem und dergl. aus dem 12. Jahrhundert. In den kom- 
mentierten Ausgaben lassen sich noch einige Abwandlungen unterscheiden, von 
denen hier abgesehen werden kann, aber wichtig ist es, das Urteil des vielleicht 
besten Kenners der Minuskeln anzuflihren. Kirsopp Lake schreibt in der Uber- 



J ) Vgl. dazu Zahn, ThLbl. 1899, 181: Mochte sich doch auch jemand, der 
Zeit und Gelegenheit hat, in den Athosklo'stern zu arbeiten, des von der ungliick- 
lichen Kaiserin Maria anno 800 geschriebenen Kodex (Lambros 129, S. Pauli 2) an- 
nehmen ! von der G o 1 1 z kollationierte ihn seither. In Band V der StB&E, den 
ich noch nicht gesehen habe, veroffentlichte Kirsopp Lake ^Texts from Athos". 

2 ) Dieser Kommentar ruht fiir Mi auf Chrysostomus, fur p auf Victor von 
Antiochien, fiir A auf Titus von Bostra. Die altesten Hdss,, die ihn bieten, sind 
A 1 = S und A 3 = X. In Cramers Catenenausgabe I (1840) ist der Text wesent- 
lich nach der Oxforder Hds, (Laud Gr. 33 = 50 = A152 bei v. S.) gegeben. 



214 Theorie tmd Praxis der neutestamentlichen Textkritik. 

sicht tiber n Prof. von Sodens treatment of the Text of the Gospels", die in Allan 
Menzies' Review of Theology and Philosophy und im Sonderdruck erscheinen wird 
und dutch seine Giite mir ;zur Zeit in den Korrekturbogen vorliegt, liber diesen Teil 
der v. Soden'schen Eekonstruktionen : ,,So far as one can judge from the evidence 
already published there is no reason to doubt the substantial accuracy of these results." 
Innerhalb der .H-Form treten keine solche Unterschiede heraus, umsomehr 
innerhalb der J-Form, namlich 

1) Der /-Typ Hr mit 4 Untergruppen, von denen die 2. wiederum sich spaltet, 
die dritte von dem von Lake herausgegebenen Kodex 1 and its allies gebildet 
wird. Alle sind mehr oder weniger durch K-Einfliisse verderbt. 

2) Der /-Typ 7, die erweiterte Ferrar-Gruppe, mit 3 Untergruppen. 

3) Der /-Typ $, gleichfalls mit 3 Untergruppen, stark durch K beeinflufit, 
in seiner Urform ohne adultera, schon friih, aber nicht gut, durch e 72 = M vertreten. 

4) Der /-Typ JB, in 2 Gruppen, einer besseren, zu der e 121 = 348 und e 220 = 
829 geho'rt, letzterer mit derselben Unterschrift wie in A. 

5) Der Typ K&, durch wenigstens 100 Handschrr. vertreten, mit einigen 
kleineren Gruppen, schon von Bousset in seinen Textkritischen Studien heraus- 
gestellt und nach den beiden Unzialen die ihn vertreten KH genannt, von denen 
v. Soden H (= e 73) fur besser als K (e 71) halt (ohne Bousset zu erwahnen). 

6) Der /-Typ It, eine Mischung von K und I im Verhaltnis von 9 : 1/ . 
Seine Haupthdss. wollen mit solchen in Jerusalem kollationiert worden sein. Zwei 
Untergruppen von 7. u. 5 Hdss. scheinen nicht mit K 1 , sondern mit Kx vermischt 
worden zu sein. 

7) I-Spuren in ST-Typen. 

8) Unmittelbare Zeugen der I-Form mit 5 Unterabteilungen, von welchen 
die zweite unter anderem eine aus 8 Hdss. gebildete Sippe 2 umschliefit nnd die 
letzte JT, durch die Purpur-Kodices gebildet ist und mit den Kappadozischen Vatern 
Basilius und Gregor zusammenhangt. 

9) Der Typ 0, vertreten einerseits schon durch die Unziale U u. Genossen, 
und eine zweite Untergruppe von 5 Hdss., eine Mischung von K 1 und I mit der 
.A-Unterschrift. 

10) Der Typ /a, vertreten durch tJ5 = D und 13 weitere Hdss., von denen 
4 bisher unbekannt waren; es sind e 050, 93, 94, 130, 133, 168, 286, 293, 337, 1337, 
1468, 529, 600, nach Gregory , 565, 399, 406, 700, 28, 21, 279, 544, 1542, 1654, 
79, 372. Einige sind schon in der Minuskel-Liste (S. 95 ff.) hervorgehoben. 

Dies v. Sodens Gruppierung. Als auffallend mufi noch einmal hervorgehoben 
werden, dafi dazu aus der ganzen byzantinischen Literatur gar keine Wachrichten 
ausgehoben werden. Sollte eine so reich verzweigte Tatigkeit in der Literatur gar 
keine Spuren hinterlassen haben, die erlauben wiirden, die Linien fester und sicherer 
zu ziehen wie in dem Abschnitt iiber Theodorus Hagiopetrita als Typus eines 
Schreibers ( 150152, S. 781793) ? Aus der abendlandischen Kirche haben wir 
doch auch ahnliche Nachrichten (Kassiodor, Alcuin usw.). Man vergleiche auch die 
Ausfiihrungen liber eine suditalische Schreiberschule in JThSt. 4. 5. 

e) Textgestaltnngen yor Origenes. SteM es so unsioher mit 
denjenigen Textgestaltungen, die durch. das Zusammentreffen auCerer 
NacJirichten mit dem Befund unserer Hands chrif ten und durch. ih.ro 
ganze Art die allergreifbarsten for uns sein sollten (Lucian, Hesychius> 
Pamphilus ; Ferrargruppe), so greifbar, daC auch ein so vorsichtiger 



Textgestaltungen vor Origenes. 215 

Forscher wie Zahn ohne weiteres von den n nach der Zeit des 
Origenes entstandenen offiziellen Textrezensionen" redet 
(ThLbl. 1899, 180), so konnen wir um so weniger hoffen tiber die Zeit 
vor Origenes, in welcher die Tatigkeit auf diesem G-ebiet mehr 
eine vereinzelte, sozusagen freilaufende und wildernde war, zu 
festen Ergebnissen zu gelangen. Dazu kommt, daB ein Teil derer, 
welche hier in Betracht kommen, mit mehr oder weniger Recht in 
spaterer Zeit im B,uf der Ketzerei stand, und daB deshalb das Er- 
gebnis ihrer Arbeit um so weniger fortgepflanzt, wenn nicht gar ab- 
sichtlich vernichtet wurde. Grleich unheilvoll kann tibrigens solche 
Revisionsarbeit gewesen sein , mag sie von heterodoxer oder ortno- 
doxer Seite ausgegangen sein; daB es auch auf orthodoxer Seite 
solcLe angebliche diOQ&coial gab, haben wir schon aus Epiphanius 
erfahren ; ja Mr uns wird ihre Tatigkeit nocli beklagenswerter sein, 
denn sie wird uns um manchen lebenavollen, seltsamen, vielleicht 
auch phantastischen Zug gebracht haben. DaB erst unter ihren 
Handen der Evangelientext auch stilistisch den gehaltenen, feier- 
lichen Ton bekommen haty den wir an demselben jetzt nicht mehr 
gerne missen wurden, den auf Goldgrund gemalten feierlichen 
Christusbildern der byzantinischen Kirche vergleichbar, erscheint 
mir kaum bestreitbar. Ursprtinglich das ist wenigstens fur mich 
keine Frage wurde auch das Evangelium, ja gerade das Evangelium 
in viel lebhafteren Tonen erzahlt. Man vergleiche nur: Wo wir 
heut in alien unseren Zeugen, den griechischen Hdss., den alten 
tjbersetzungen, syrischen, agyptischen usw., bei alien Kirchenvatern 
ohne Ausnahme, so weit ich weiB, die schonen Worte lesen : euer 
Vater weiB, was ihr bedtirf et, ehe ihr ihn bittet JIQO tov 
ftpac, afafjaai afobv M 6, 8, liest einzig und allein der Codex Bezae 
und die altlateinische Hds. h KQO tov dvol^ai ib atdfta, antequam 
os aperiatis, eh' ihr den Mund auftut. Es ist mir ein seltsames 
Zeichen, wie sehr das Geftthl fur das Ursprtingliche fehlt, wenn 
ein solcher Text bei W-TL nicht unter den noteworthy rejected 
readings, bei Baljon nicht einmal im kritischen Apparat angeftihrt 
ist und unsere deutschen Kommentare (B. WeiB 9 , Holtzmann) still- 
schweigend daruber weggehen, so daB unsere Studenten und Pfarrer 
gar nichts von solcher Fassung der Worte Jesu erfahren. Wenn 
meine Ausgabe des NT.s kein anderes Yerdienst hatte als dies, 
solche Dinge, denen zuganglich zu machen, denen sie bisher un- 
bekannt blieben, so wurde ich es nicht gering anschlagen. Oder 
man nehme das Grleichnis vom unfruchtbaren Feigenbaum: M Haue 
ihn ab, was hindert er das Land" lautet in unseren gewohnlichen 



216 Theorie und Praxis der neutestamentlichen Textkritik. 

Texten der Befehl des mit Recht erztirnten Herrn K 13, 7, &jtxoipov 
afa^y Ivari v.a\ t^v yfjv xaTagyeT, wiederum oline nennenswerte Ver- 
schiedenheit der Hauptmasse xmserer Zeugen jeglicher Art, nur 
daB ziemlich viele (ALT etc.) ein langweiliges o-dv hinter den Im- 
perativ einschieben und B 80 vbv ibnov fur TIJV yyv hat. Und die 
Antwort des Weingartners, Vers 8 ,,bis dafi ioh um ihn grabe und 
bedunge ihn" bietet wiederum in den gewohnlichen Zeugen aller 
Klassen nur die nichtssagende Verschiedenheit von (/JcU&>) xdnqia, 
Konqiav oder ndnqov. Wie ganz anders nun wiederum in D: n nimm 
die Axt" <pqE ti]V dfywriv (adfers securem) und: n ich will einen 
Korb Mist Mnwerfen" fldAa) xdywov nonqlav, d mittam qualum 
(== squalum) stercoris, oder cophinum stercoris, was aus abcff 2 ilq 
sogar noch in den mit G-oldbuchstaben geschriebenen Kodex von 
Marmoutier, ein Exemplar der Alcuinschen Vulgatarezension, uber- 
gegangen ist 1 ). Wieder schweigen unsere Ausgaben und Kommen- 
tare groCenteils. M Nimm das Beil" fehlt bei WeiB 8 (Vater und 
Sohn), Westcott-Hort, Tregelles, aucL. bei Baljon; be ides bei 
Holtzmann. Selbstverstandlich ist die groBere Lebhaftigkeit nicht 
ohne weiteres auckeinwirklicherBeweis fargroBereUrsprunglicnkeit; 
Julicher (Grleichnisrednen 2, 435 f.) macht sogar nicht ohne Grund 
geltend, daB die d^tvrj theologische Q-losse aus 3, 9 sein konnte; 
dagegen ist sein Einwand gegen den %6<pivos, ob der einem In- 
strument fur Misttransport ahnlich sei, durch das hiniallig, was 
Chase tiber xotpwog uonQtwv nachgewiesen. Um so mehr entsteht 
die prinzipielle Frage nach der Abschatzung unserer Zeugen. Da 
konnte man nun geneigt sein, solche Singularitaten als AusfluB der 
Willkurlichkeit irgend eines Schreibers anzusehen, auf den D oder 
seine Vorlage zuruckgeht. In der Tat werden es auch W-H. und 
mit ihnen die meisten Neueren so ansehen, da sie weder zu M 6, 8 
noch zu ^ 13, 7 die Lesart aus D anfuhren. An letzterer Stelle 
hat das noch am ehesten einen Schein von Berechtigung: denn fur 
(pegs T^V dijlwrjv haben wir bis jetzt gar keinen andern Zeugen als 
D d. Schon weniger geht das aber bei M 6, 8 ; denn hier tritt zu 
dem Zeugnis von D noch das von h. Um hier diese Zeugen ver- 
nachlassigen zu durfen, muBte man entweder .nachweisen, daB h 
von D oder daB D von h abhangig ist 2 ). Soweit meine Kenntnis reicht, 

J ) Anmerkungeweise sei angefiihrt, wie lehrreich die Wiedergabe des xara^yel: 
in den verschiedenen Lateinern ist, durch evacuat (b ff z 1 q), detinet (ff a c j r), in- 

tricat(e), occupat (d; vg).j! 

*) d ist fur uns leider an dieser Stelle nicht vorhanden, da 8 Blatter (ein 

Quaternio) mit dem griechischen Text YOD 6, 20 9, 2 und dem lateinischen von 
6, 88, 27 verloren gingen. 



Per Text des Kodex D. 217 

hat noch niemand das letztere behauptet. (Leidor existiert h nur zu M, 
sonst durfte ich nur auf die Variantenliste S. 136 f. verweisen.) Ab- 
hangigkeit von D ist schon deswegen unmoglich, well h (s. S. 129) 
dem (4. oder) 5. Jahrhundert angehort 1 ); wir haben in h vielmehr 
einen zweiten unabhangigen Zeugen daftir, daB in sehr alter Zeit 
M 6, 8 hieB n ehe ihr den Mund auf tut". Vollends unmoglich ist 
es aber in A 13, 8 (xdcpwov xonQlas) das Zeugnis von D zu ignorieren. 
Zwar konnte man auch da wieder Einwendungen erheben und sagen: 
D konnte als zweisprachliche Handschrift vom Lateiner abhangig 
sein; zum Gliick aber hat nun der Lateiner von D (d) im Unter- 
schied von alien andern (8) Altlateinern nicht cophinus, sondern 
qualus, und cophinus selbst wieder ist Lehnwort aus dem Q-rie- 
chischen (s. den Index in W-W 751), so daB dieser bei anderen 
Lesarten von D wirklich erhobene Einwand hier nicht zutreffen 
kann. Es kommt hinzu, was bei Tischendorf allerdings nicht steht, 
aber bei W-H. zu finden ist, daB auch Origenes den M Korb" zu 
haben scheint. Die Stelle ist allerdings wieder nur lateinisch in 
Eufin's Ubersetzung erhalten und ,,0r 3, 452" fiihrt Tischendorf 
unter den Zeugen fur xdngia auf, aber W-H. betonen ausdrucklich, 
daB der Kontext des Origenes die Lesart zu stutzen scheint ( n Lev 
lat. Euf 190 ; apparently with context"). So haben wir also hier 
3 Stufen: 

1. nur D d ((pegs t^v dlvi]v): eine einzige griechische Hds., 

2. D mit Hinzutritt von h (dvol^ai TO oi6(ia)'. dieselbe eine 
griech. Hds. mit einem Vertreter einer Ubersetzung, 

3. D mit 8 lat. und Orig. (n6(pivov XOJIQ.) : dieselbe eine griech. 
Hds., mit 8 Vertretern einer Ubersetzung und einem 
(allerdings nicht ganz zweifellosen) Zitat. 

Wie nun? darf man etwa nach der Zahl der Zeugen eine 
Lesart erwahnens- und erwagenswert finden, und wie W-H. und 
Baljon nur die dritte nennen, nber die beiden andern stillschweigend 
weggehen? Ich denke nicht: wie das Bichtige unter Umstanden 
in gar keiner Hds. mehr stehen kann, sondern erst durch Konjektur 
gefunden werden muB, so kann die Wahrheit anderswo auch nur 
einen einzigen Vertreter mehr haben, gegen eine ganze Welt von 
Widersprechenden ( 12, 3), und dieser eine Zeuge, kann eine Hds., 
eine Ubersetzung, oder ein Zitat sein; wie die Wahrheit umgekehrt 
auch eine ganze Wolke von Zeugen um sich und fur sich haben 

^ Ob auch heute noch gilt, was W-W (I) p. XXXII von ihm schreiben: Codex 
hodie, ut fertur, in bibliotheca Vaticana inveniri non potest, weiB ich nicht; der 
Text wurde von Mai in der Nova Collectio (1828) III, 256 ff. herausgegeben. 



218 Theorie und Praxis der neutestamentlichen Textkritik. 

kann. Die Menge tut es Her am allerwenigsten. Was ist die 
Mehrheit? Mehrheit ist Unsinn; Verstand ist stets bei wenigen 
nur gewesen . . . Man soil die Stimmen wagon und nicht zahlen! 
Der Staat muB untergehen, frtih oder spat, wo Mehrheit siegt 
und Unverstand entscheidet. Diese Worte Sapiehas in Schillers 
Demetrius gelten auch von der Textkritik, den Rezensionen und 
Ausgaben des gr. NT.s. Auf sich selber steht der Mann allein, und 
auf mancnen solcher Zeugen miissen wir anwenden was Sokrates von 
Heraklit sagte: & IA,EV avwfjxa yevvala, olfiai 6e xal & pf] ovwfjxa 
mitsamt der Fortsetzung: n^v AyAlov yi iivoc, detoai KoZvfi^rov 
(bei Diog. Laert. 2, 7). Haben wir irgend einen Zeugen einmal, 
mehrmals, oft bewahrt gefunden, so werden wir ihm das Zutrauen 
auch in solchen Fallen schenken, wo wir ihn nicht kontrollieren 
konnen: menschliche Fehlbarkeit naturlich auch in solchem Fall 
vorausgesetzt: quandoque bonus dormitat Homerus; Unfehlbarkeit 
gibt es in diesen Dingen am wenigsten. Wie ein Buch ohne Druck- 
fehler schon einem Drucker der Inkunabelzeit als das achte Wunder 
der Welt erscheinen wollte, so ware eine Hds., die in alien Dingen 
maCgebend sein konnte, noch merkwurdiger. Aber wie priiien wir 
den Charakter eines solchen Zeugen, da das subjektive Greftihl, der 
Eindruck des Urspriinglichen, doch so wenig maCgebend sein kann, 
wie die Zahl der Zeugen? und wohin sind wir mit unserer Er- 
orterung uberhaupt gekommen? Yon den w offiziellen Textrezen- 
sionen" spaterer Jahrhunderte wollten wir aufsteigen zu ahnlichen 
Arbeiten der altesten Zeit, und fanden, dafi orthodoxe Eevisionen, 
Diorthosen die ursprtingliche Farbe oft ebenso gut verwischt haben 
konnen, wie ketzerische Fremdartiges eintragen konnten x ). Leider 
sind die bestimmten Nachrichten aus alter Zeit sehr sparlich und 
betreffen mehr die Kanon- als die Textgeschichte, daher hier auf 



') Ubrigens mufi schon hier daran erinnert werden, dafi nicht hlofi bei /? und 
n, sondern prinzipiell bei alien Schriften die Frage nicht so gestellt werden darf, 
ob urspriinglich oder spatere Anderung, am Ende gar Palschung. Dies Dilemma 
kann auch f alsch gestellt sein. Fur n hat nicht erst B 1 a 6 , sondern schon de 
Dieu die Erkenntnis ausgesprochen : Lucam bis edidisse Actus, und Hort ist in 
241 seiner Einleitung eben durch die Betrachtung solcher Stellen der Evangelien, 
wo der ursprtingliche Text sich in ausschliefilich ^abendlandischen" Zeugen erhalten 
hatte, auf die Voraussetzung gekommen, da6 die westlichen und die nichtwestlichen 
Texte ausgehen konnten je von n a first and a second edition of the 
Gospels, both conceivably apostolic/ Ebenso kann sich W o r d s - 
worth-White die Entstehung und Verbreitung einzelner Jjesarten in den 
Vulgatahandschriften nicht anders erklaren, als dafi schon das Urexemplar 
an den betreffenden Stellen Varianten (Korrekturen) enthielt. 



Schriftfalschungen der Ketzer. 219 

Zahns monumentales Werk verwiesen werden muB 1 ). Aber zwei 
Namen treten aus dem Chaos lieraus, die auch in der Textgeschichte 
ihre Spuren hinterlassen haben, einer hauptsachlich hinsichtlich der 
Evangelien, der andere hinsichtlich der paulinischen Briefe, Tatian 
und Marcion. Beide sind schon im zweiten Kapitel bei den 
jjMaterialien der neutestamentlichen Textkritik" mehrfach genannt 
worden (Tatian S. 119; Marcion S. 98. 100); beide fordern tier ein- 
gehende Berftcksichtigung, wo es sich um die G-rundsatze der Text- 
bearbeitung handelt. Wieviel ware gewonnen, wenn wir die ur- 
sprungliche Arbeit Tatians zu den Evangelien, wenn wir das 
Evangelium und n den Apostel" Marcions mit Sicherheit herstellen 
konnten ! 

f) Schriftfalschnngen der Ketzer. Neben zum Teil vor Mar- 
cion und Tatian sollen noch einige minder wichtige Nachrichten 
zusammengestellt werden. 

Fast gegen alle n Ketzer" ist der Beihe nach der Vorwurf 
erhoben worden, sie liatten die Sckrift verfalscht. Das hollandische 
Sprichwort n jedere ketter heeft zijn letter" hat auch in diesem 
Sinn Wahrheit. Fur das AT. hat es schon Justin den Juden vor- 
geworfen, und noch de Lagarde war von dem Yerdacht nicht immer 
frei, daC die massoretischen Zahlen der Genesis durch antichrist- 
liche Anderung entstanden sein konnten. Die n Kirche" warf solche 
Schriftfalschung namentlich den Gnostikern vor, insbesondere den 
Yalentinianern, und wenn man die langen Listen der apokryphischen 
und pseudepigraphischen Bucher uberschaut 2 ), so ist keine Frage, 
daC in manchen Zeiten viel gefalscht, d. h. unter falschem Namen 
neu geschrieben wurde. Ebenso kann nicht geleugnet werden, daB 
in dogmatischem Interesse auch an altkirchlichen, biblischen Schriften 
Anderungen vorgenommen wurden, von vollig harmlosen, in aller 
Unschuld gemachten Anderungen an, bis zu groCeren vermeintlichen 



l ) S. S. 172. Aus der 2. Aufl. wiederhole ich den Wunsch : M Mochte der dritte 
Band in nicht zu ferner Zeit folgen" und den Hinweis auf die M Forschungen zur 
Geschichte des neutestamentlichen Kanons und der altkirchlichen Literatur", bis jetzt 
8 Bde. (18811907, von 7 und 8 Ibis jetzt je nur 1 Heft); ebenso mufi auf Zahn's Ein- 
leitung in das NT. hingewiesen werden (Leipzig, Deichert I. 1898, II. 1899, 3. Aufl. 
1906. 07) , aus der auch fur die Textkritik viel mehr zu lernen ist, als gewisse ein- 
seitige Eezensionen uns ahnen lassen. Ein Vergleich mit unsern anerkanntesten 
Kommentarwerken kann zeigen, auf welch zuriickgeWiebenem Standpunkt dieselben 
in Sachen der Textkritik stehen. Und die Textkritik ist doch die Grundlage aller 
Texterklarung. 

*) Eine kleine Auswahl bei Preuschen, Analekta S. 152. 157. 



220 Theorie und Praxis der neutestainentlichen Textkritik. 

Berichtigungen, ja vielleicht auch bewuBten Entstelltingen *). Aber 
wohlgemerkt fallt dies nicht bloB den Ketzern zur Last; Iliacos 
intra muros peccatur et extra. 

Wie Jti.lich.er (Einl. 378) betont, erhebendieorthodoxenKirchen- 
lelirer mit Vorliebe gegen die Haretiker diesen Yorwurf: naQaA 
naQa^aqdaosiv, QpdtovQyEiv, diafpftdqeiv, ^aiQsiv, dyavi^ew 
d-ovv ironisch), dnondntEiv, naqaudnveiv, nEQwdmew, it 
nqooTi&ivai, interpolare, adulterare, violare, corrodere, dissecare, 
auferre, delere, emendare (ironisch), eradere, subvertere, extinguere 
sind einige der Her zu horenden Ausdrucke. Ma'rcion mit seiner 
Bearbeitung der Evangelien und der Paulusbriefe habe dazu den 
AnlaB gegeben ; aber gegen die tibrigen G-nostiker, besonders Ya- 
lentinianer, gegen Artemoniten, Novatianer, Arianer, Donatisten, 
gegen die Nestorianer sogar noch, wie einst gegen die Jaden er- 
klinge dieselbe Beschuldigung, auch. innerhalb der Barche traue 
ein Teil dem andern solcb.es Yerfahren zu; der Ambrosiaster (s. 
S. 135) z. B. glaube, daC wo in wichtigeren Punkten die griechischen 
Handschriften von den lateinischen abweichen, nur die anmaCende 
Leich-tfertigkeit der Q-riechen das schlechte eingeschmuggelt habe. 
Hieronymus ftirchtet bei der kleinsten Anderung, die er vornehme, 
quis doctus pariter vel indoctus non statim erumpat in vocem, me 
falsarium, me elamans, esse sacrilegum qui audeam aliquid in ve- 
teribus libris addere, mutare, corrigere! Der Much a 22, 18 f. 
(s. Julicher S. 379) wurde auch auf die n Falscher" bezogen, welche 
attische Syntax und strong logische SchluCfolgerungen fiir iiber- 
zeugender und ehrwiirdiger ansahen als die Spracheigenheiten der 
Schrift. Als bei einer Yersammlung cyprischer Bischofe um 350 
einer in i 5, 8 statt xQdfiaTTOc, das feiner attische axi[inov$ gebrauchte, 
ruft ihm ein anderer vor allem Yolk emport zu: bist Du besser als 
der, der xqdflaiioc, gesagt hat, daB Du dich schamst seine Worte 
zu gebrauchen 2 ). DaB es wegen des Jonas'schen ,,Kurbis" oder 

1 ) Leider fehlt auch hier wieder eine Zusammenstellung der Wachrichten, 
welche die Textgeschichte und Textkritik, im Unterschied von der Kanongeschichte 
betreffen; die Liicke, so wie ich mochte, auszufullen, bin ich nicht imstande. Casimir 
Oudin, Trias dissertationum criticarum: Prima de codice ms. Alexandrino (Lugd. 
Bat. 1717) zitiert in c. 5: Bartholomaeus Germ on Jesuita non indoctus in Opus- 
culo de Veteribus Haereticis Ecclesiasticorum Codicum corruptoribus pars 2, c. 8 et 9, 
ubi de Codicibus mss. Colbertino, Carnutensi et Vaticano disserit. DaB in einer 
Schrift des Athanasius homo dominicus von Christus gebraucht ausradiert und wieder 
druber geschrieben wurde, fuhrt Grtitzmacher, Hieronymus I, 198. n. 5 an. 

2 ) Julicher a. a. 0. aus Sozomenus h. e, 1, 11. Uber die lateinischen 
Formen grabattum s. W-W Index S. 756; axtfAaovs braucht schon Clem.Alex. 



'SchriftMschungen der Ketzer. 221 

,,Eplieus" in einer afrikanisclien Gemeinde zur Zeit Augustins fast 
einen Aufstand gab, 1st bekannt. Wenigstens einige Zeugnisse sollen 
im Folgenden zusammengestellt werden. 

1. Der Bischof Dionys von Korinth sandte an einem Sonntag um das Jahr 
170 l ) an die Rb'mer zu Handen des damaligen romischen Bischof s ein Antwort- 
schreiben, aus dem uns Eusebius unter andern folgende Stelle erhalten hat (h. e. 4, 23) : 

'EitiaroAas yaQ &3eAq>&v &gi(oodvT(ov pe yQcctpat fyQatya. Kal ravvas ol 
TOV &iafi6A.ov andoroAoi*) ^i^avtc^v yeye~fimav, & [*,ev ggatoovvTeg, & <5 
7t o o ar I'd- SVT e g. 01$ TO oval xetTai (^aufbewahrt ist" iibersetzt der Syrer). 
Oil fiavpaardv &oa ( n aber a der Syrer), el xal TOJV KvQiaxiav Qadiovgyrjaal rives 
eni[)e'flA'r)vTai yoay&v, 6n6Te Kal rats ov TotavTaig gmjleliovAevxaai, quid autem 
mirum, si dominica verba sanctae scripturae falsare conati sunt, iibersetzte Rufin. 

Die xvoiaxal ygayal M die Schriften unseres Herrn", wie der Syrer Iibersetzt, 
werden wohl die Evangelien sein, konnen aber auch die paulinischen Briefe und das 
AT. einschliefien. Darf man die Worte des Dionysius genau nehmen, so sind diese 
wie seine eigenen Briefe durch w Zusatze" und M Auslassungen" entstellt worden. 
Aus dem zweiten Satz muB man, falls er richtig formuliert und iiberliefert ist, 
schliefien, dafi Soter in dem Schreiben nach Korinth seine Verwunderung dariiber 
ausgesprochen hatte, daB Herrenschriften gefiilscht worden seien. Dem antwortet 
Dionys, dafi auch Briefe von ihm gefalscht worden seien; es sei also nicht ver- 
wunderlich, wenn sie auch Herrenschriften falschten, da sie auch (oder: so gar) 
minderwertigen nachstellten. Der nachstliegende Gedanke ist natiirlich, Dionys habe 
sich tiber das was seinen Brief en begegnete, trb'sten wollen: es sei nicht zu ver- 
wundern, wenn sie seine minderwertigen Briefe falschten, da sie sich so gar an 
Herrenschriften wagten. Bei der ersten Deutung wurden wir allerdings erwarten, 
dafi er seinen Gefiihlen tiber die Falschung der Herrenschriften einen starkeren Aus- 
druck geben wiirde als das blofie oi> ftavftaavdv. Wer die Hive's sind? Am nachaten 
liegt es, an Marcion zu denken. Ed. Schwartz, in der neuen Eusebiusausgabe, 
urteilt, Dionysius habe ztvdg geschrieben. Nach einer spaten Nachricht schrieb 
Soter, den Hieronymus unter den Schriftstellern nicht nennt, ein Buch gegen die 
Montanisten. 

2. Artemoniten. Gegen die Artemoniten fuhrt Eusebius im SchluB- 
kapitel seines 5. Buches (5, 28), das die Uberschrift hat: negl r<av rfg 'AQte'puvos 
alQeatv gjaQxys JffopeftAtjfit^vtov ' olol TE xbv xg6nov yeydvaai v.a.1 8nu>$ Tctg &yla$ 
ygacpas 6iay&Ei^ai reToAftrfKaatv aus einer alteren Quelle, dem kleinen Labyrinth 
(H" 235), insbesondere f olgenden Vorwurf an: r^ay&g [iev &ela$ &<p6{l(i)s $eQ$diovQ- 
y/jxaaiv, ittars&g re &qyaio.^ xavdva 'fj'&e'frJKaoiv, Xpiotdv de ^/yvo^xaaiv, oil fi at 
d-elai, A&yovoiv y^ayal grjuovvieg, sondern mit Logik und Geometric, Euklid, Aristo- 



Paed 1. 2, 6; in den Parallelen zu ^ 2, 6 hat M x/Lfvij (9, 6), 25, 24 x/livldiov. 
Vgl. dazu die von L a g a r d e (de Novo Test. 20 = Ges. Abhh. 118) angefiihrte Stelle 
aus Lucians Philopseudes 11 : d Midas aitxbs aQdpevos rdv aKtpnoda ttp* of 4xe- 

$XSTO els aygbv ani&v. 

') Ttjv a'fjfteQOv ofv KV^IOK^V fip^Qav diriydyoftev, sv $ aveyvapev bp&v 
tfv 8opev ael noxe dvayiv&oxovves vovfteteia-d-ai, d)g xal T^V 
uv dia KA-ijftevTos ygayeTaav. 
a ) Vgl. mit M 13, 27 (dovAoi TOV olxodeandTov) die Uberschriften der nt.lichen 
namentlich paulinischen Briefe, wo dovAos I. X. mit andaroAos I. X. wechselt. 



222 Theorie und Praxis der neutestamentlichen Textkritik. 



teles, Theophrast, Galen, TaTg TU>V anlaztav T%vaig sich beschaftigend rtyv 
T&V tieltov yQcupuv nlaziv KaifrjAetiovTsg . . . Sia TOVTO zatg detects yQwpaiS dq>6{}a)g 
iitdfia/iov Tag %elQag A^yovzeg avrag 6 i (0 Q $ (t) x e" v a t. xal OTI TOVTO (n^i 
x,aTatyev&6itEVog ai>T&v Afyia, 6 fiovAdpevog dvvatat [ta&eTv. el ydg Tig 
avyxoptaag avT&v exdaTOV TO. dvTtygaya ggetdgeiv itQbg &AAi]Aa, HUTU 
av sUfoi 6iacpcovovvTa. aovfMpcava yovv SOTUL rd 'AaxArimddov toig &eo66rov, 
noAA&v 6e Sativ eimoQijaat, dta rd yuAoriftfos wyey()d<p'&ai Toi>s [ta'&'rjTag afauiv 
TOi i)tf>' exdatov afaaiv, <bg afaol ua/lovaiv, 'KartoQ&a f4,va' TOVT' iaxlv -fjcpavio- 
(te'va; ndAiv de Totfioig fa 'EgftoytAov oi> avvaiei. T& y&Q 'AjtoAAa>viddov oitde 
lavTotg lativ atifiyicova' ^veariv yaQ avyxQivai T& itQdTeQov l>7t' afa&v l ) 
roig Sare^ov itdAiv inidiaaTQatpslatv, al ei)QeZv xara nofcb &na- 
dovza. days Se rdApyg tort TOVTO rb a^dQTtJi^a, elxdg ^de luetvovg dyvoetv. tf 
yaQ ov maTetiovaiv &ylq) nvetipmi AeMyfiai tag &elag ygaydg, v,al elaiv amatoi. 
tf avToi>g ^yovvrat aocpu>z()ovg TOV aylov jivetiftaTog bn&Qfteiv, xal rl STBQOV ij 
daif&ov&aiv ; otide yaQ dQvtfaaO'&ai oiivavxai eavrwv elvai TO TdAfAtjfia, 6n6za.v nal 
zfj afautv Xeipl fj yeyQapfidva, xal nag* 5>v xaTt]%'/i'6"qaav, ^ Toiafoag naQ&Aa.$ov 
Tagygaydg, KaldetjaiavrlyQCKpa Sd-ev aiiTa fteTtyQatyavTo, pr] *y l toaiv.vioi dt afa&v 
oftde naQa%a()daoeiv tfgttoaav afads, &&&' dmA&g aQvyadpevot, rdv TB vtipov v,al 
Toitg KQoqitfTas &v6pov v.al a&tov 6iSaaxaAtag nQo<pdoei %aQiTog elg 
Astag 



Die Stelle ist sehr lehrreich. Man kann die Schriften (dieser Ketzer) sich leicht ver- 
schaffen, weil ihre Schiller ihre Verbesserungen fleifiig in ihre Texte eintrugen ( M die 
Verbesserungen eines jeden von ihnen, wie sie es heifien, in Wirklichkeit aber sind es 
Verderbnisse" iibersezt der Syrer). Ubrigens ist fraglich, ob unter den M 
wirklich nur zensierte Bibelhandschriften zu verstehen sind ; und ob zu rd ' 
nidSov, roig Qeoddzov, rd 'Efftotpl/lov, xa 'AnoAAavidoov jedesmal tivTlygaya TUIV 
&et<av yQcup&v zu erganzen ist und nicht yQappaTa, awzdypaTa, eigene Schriften. 
Im ersteren Fall ware nach einer Bibelrezension des Asklepiades, des Theodot, des 
Hermophilus und bei Apolloniades sogar nach einer doppelten zu fahnden, einer 
friiheren und einer spateren. Die abschlieflende Polgerung, da6 ihr Verfahren zeige, 
daB sie an keine Inspiration der h. Schriften glauben oder sie selber besser ver- 
fertigen zu kbnnen meinen, und die Bemerkung, daB sie Tag ygacpag nicht so 
Toiafaag, von ihren (kirchlichen) Lehrern iiberkommen haben 2 ) und keine (alteren) 
Vorlagen fiir die ihrigen aufweisen kb'nnten, spricht doch dafiir. Die Brwahnung 
von B Gesetz und Propheten" lafit schliefien, dafi es sich hauptsachlich um das AT. 
handelte; Epiphanius erwahnt die Berufung der Theodotianer auf Dt. 18, 15; Jer. 
17, 9.; Jes. 53, 23; Jf 12, 31; 2 1, 35; i 8, 40; n 2, 22; 1 T 2, 5; Hippolytus halt 
ihnen entgegen, daB es t 1, 14 nicht heiBe rd nvevpa, sondern 6 A6yog oaQJ tygveTo. 
Sichere Spuren ihrer angeblich so einschneidenden textkritischen Tatigkeit haben 
sich aber bei keiner dieser nt.lichen Stellen erhalten ; am ehesten zu >t 1, 35. Wenn 
wir dem Bpiphanius trauen diirfen, sagt H a r n a c k (Monarchianismus PRE 3 13, 
313), so suchte Theodot B die zweite Halfte des Satzes (6ib xal id yew&pevov v. 



J ) Der syrische Eusebius bestatigt diese Lesart gegen die von Christophorson 
und Savil vorgezogene iin ai>Tov. 

a ) Etwa bei der Taufe? vgl. J. Kunze, die Ubergabe der Evangelien beim 
Taufunterricht (NkZ 19, 8 : noch nicht gesehen). 



Artemoniten. Markosier. 223 

aov Syiov xAtj&tfaeTai,, vldg &eov) *) von der ersten zu trennen, als ob die Wortchen 
did xal fehlten, sodaB der Sinn sich ergibt, dafi die Gottessohnschaft Ghristi erst 
spater (infolge der Bewahrung) eintreten werde. Vielleicht aber hat Theodotus 
616 xal ganz getilgt, wie er ja auch statt nvevpa Sytov vielmehr jtvevpa xvqtov 
gelesen hat, urn jede Zweideutigkeit zu vermeiden." Letztere Lesart ist bei 
Tischendorf nicht erwahnt ; die Bemerkung des Bpiphanius wird meines Er- 
achtens darauf hinauskommen, dafi er dyiov als Subjekt, Theodot es als Pradikat 
nahm und von yevv&pevov trennte a ). 

3. Markosier. Von den Markosiern schreibt I r e n a u s (1, 20) : Zvia db 
xal T&V iv EfiayyeAly xeifidvav elg TOVTOV T&V ftaQaxvfjQa (*e&a()(t6ovffiv . , . 
xal iv T$ elQijxdvai ' noAAdxig Sne&titvtjaa axovaat Sva T&V Adycov xal oi>v. 
rdv tgovvta &(n,fpaivovi;6s cpaai delv dia xov ivds rbv aAy&<a$ Sva &e6v. 



l ) Die Stelle ist ja ein bezeichnendes Beispiel fur die Bedeutsamkeit der 
Interpunktion. B e n g e 1 druckt ayiov, xArj&ifjaeTai i>. &., W-H. dyiov xAydtfaevat, 
i). <&eov. Es ist daher nicht ganz richtig, wenn W e i 6 8 fiir die Auff assung von 
Tertullian, Bleek, Hofmann, auch Bengel auffiihrt (s. Gnomon). Warum die Fassung 
Tertullians M wegen der Stellung des xArj^ae-cai unmoglich" sein soil, wird schwer 
zu beweisen sein. W-H. verstanden wohl auch Griechisch, und Tertullian verstand 
es besser als wir alle. Julius von Rom nimmt yew. ay. zusammen (s. Titus von 
Bostra ed. Lagarde 118, 39) ; vgl. auch ET. 7, 391. 

a ) Je weniger diese Mitteilungen tiber diese friihesten textkritischen Versuche 
beachtet wurden, um so mehr wird gestattet sein, Harnacks Urteil dariiber bei- 
zusetzen (a. a. 0. 314) : ,,Ein Dreif aches ist es, was der Verf. des kleinen Labyrinths 
an den Schiilern des gelehrten Schusters riigt: die grammatisch formale Exegese 
der h. Schriften, die einschneidende Textkritik und die eingehende Be- 
schaftigung mit Logik, Mathematik und den empirischen Wissenschaften. So scheint 
es auf den ersten Blick, als seien diese Leute iiberhaupt nicht mehr theologisch 
interessiert gewesen. Allein das Gegenteil ist der Fall. Ihr Widersacher mufi selbst 
bezeugen, daB sie grammatische Exegese treiben, ,,um ihre gottlose Satze zu be- 
weisen", Textkritik, umdieHandschriften der h. Schriftzuver- 
b e s s e r n . . . . Statt der allegorischen Methode der Schrifterklarung soil die gram- 
matische allein gelten, statt den iiberlieferten Text einfach hinzunehmen, wird hier einur- 
spriinglicher Text zu ermitteln versucht. Wie einzigartig und kostbar sind doch diese Mit- 
teilungen ! . . . . Diese Gelehrten . . muBtenOffiziere bleiben ohne Armee ; denn mit Gram- 
matik, Textkritik und Logik konnte man selbst die vorziiglichste und durch lange Uber- 
lief erung ehrwiirdige christologische Lehrf orm in den Gemeinden nur diskreditieren .... 
Als n echte" Gelehrte es ist das ein iiberaus charakteristischer Zug der von ihnen 
mitgeteilt wird haben sie auch eifrig dariiber gewacht, daB jedem der Ruhm 
seiner Konjekturen und "Verbesserungen gewahrt bleibe. Von den Arbeiten auch 
das Syntagma weifi von solchen ; s. Epiph. 55, c. 1: nMzTovaiv iavTols xal ptpAov$ 
InmAdaTovs dieser ersten gelehrten kirchlichen Exegeten ist nichts auf uns ge- 
kommen." So Harnack. Von dem eifrigen Wachen iiber die Prioritat der Kon- 
jekturen wird aber wohl im Text des Eusebius nichts stehen. In dem Satz, den 
Harnack (S. 314) tibersetzt : denn ihre Schiller haben mit ehrgeizigem Eifer alles 
das vermerkt, was von einem jeden von ihnen (textkritisch) M berichtigt", wie sie 
sagen, d. h. entstellt (getilgt?) worden ist, wird das tpiAorlfttog gxyeygdyd-ai so 
liest Schwartz mit M, gegen eyy- in ATER einfach vom eifrigen, nur vom 



224 Theorie und Praxis der neutestamentlichen Textkritik. 

Dies scheint sich auf M 13, 17 zu beziehen, aber mehr Umdeutung als wirk- 
liche Textanderung vorzuwerfen. Von letzterer ist auch die noch altere Stelle zu 
verstehen Polycarp 7, 1 8 &v [AE^oievy T& A6yia rov xv^tov jtgdg rag idiag ini- 
frvplas xal Ayj] f^i/jre avdaiaaiv ft^Te xgloiv [eTvat], ofaog nQo>T6Tox6g &OTI rov 
2atavd. Zur Auslegung der Stelle siehe Z a h n , GK. I, 842. 

4. Basilides. Dafi Basilides den Text der kirchlichen Evangelien nach 
seinen religiosen und ethischen Anschauungen verandert und in dieser veranderten 
Passung seinem ^Bvangelium" einverleibt habe, zeigt Z a h n (GK. I, 771) an M 19, 
10 12. Auch dafi statt Jesus Simon von Kyrene gekreuzigt worden sei, werde er 
durch die Gestaltung der synoptischen Erzahlung dem Verstandnis ermb'glicht haben, 
falls dies wirklich seine Lehre gewesen sei. 

5. Noet. Wenn Hippolytus von No e t schreibt (ed. Lagarde 45, 19): dnfaav 
ya.Q fteA'fiaaaiv navovQyetiea&ai, TCBQ 1x6 HTOVO t rag ygacpdg, so meint er damit 
(nach Z a h n , GK. I, 261) nur das unvollstandige Zitieren und das den Zusammen- 
hang nicht beriicksichtigende Herausgreifen einzelner Bibelspriiche von Seiten der 
Noetianer. Doch vergleiche ebenda Z. 7 ff. : al [iv yaQ ypayal dg&as Aiyovaiv, 
dAAa &v xal Ndytog vorj ' ofiv. tfdt] d& el Ndtjiog f*fy voel, JTUQCI TOVTO ^ic/S/t^rot 
al ygatpal. 

6. Valentinianer. Der Valentinianer Heracleon soil i 2, 20 nivrs statt 
Sj gelesen haben ; ob durch eigene Palschung, oder weil er in seinem Exemplar so vor- 
fand, ist nicht ausgemacht. Bei Tischendorf, Baljon,in unsern Kommentaren 
ist die Variante nicht verzeichnet (S c r i v e n e r 4 2, 260 Anm. 3 mit Verweisung auf 
Lightfoot, Ep. to the Colossians p. 336 n. 1). Origenes zitiert ihn zu i 1, 28 
fur die s fast in alien Handschriften" zu findende Lesart Bethanien. 

Im Gegensatz zu den Marcioniten und ihrer Schriftverstummelung sagt Irenaus 
von den Valentinianern (III, 12, 12): scripturas quidem confitentur, interpretationes 
vero convertunt, quemadmodum ostendimus in primo libro. Dort heiBt es (I, 3, 6) : 
xal oi) [*>6vov iv. t&v efiayyeAm&v xal t&v anoaioAix&v neiQ&VTai Tag Sjtjy^ffetg, 
aAAa xal *, vdpov xal nQocpriT&v. Aber I, 11, 9 sagt er von ihnen : Illi vero qui sunt 
a Valentino .... suas conscriptiones proferentes, plura habere gloriantur quam 
sint ipsa evangelia, siquidem in tantum processerunt audaciae, uti quod ab his non 
olim scriptum est, ^veritatis evangelium" titulent, in nihilo conveniens apostolorum 
evangeliis, ut nee evangelium sit apud eos sine blasphemia. Die Portsetzung und 
Erb'rterung der Stelle siehe bei Z a h n , GK. II, 748. 

Dafi sie den Text der Handschriften korrigierten, sucht Z a h n GK. 2, 755 
zu erweisen, z. B. 1 x 15, 29 T xal ^a.mi^6^e&a mit Auslassung von im^Q afo&v ; 
H 1, 16 Einschiebung von &e6Ti^teg. 

I, 8, 1 wirft Irenaus ihnen vor j aygdipav avayiv&oxovTeg xal rb 6fy Aeyd- 
pevov ^| Sft/Aov a%olvia nAtxeig drtwydetiovteg. Letzteres Sprichwort aus Ahikar. 

Zum Teil auf die Neuherstellung von Schriften, zum Teil auf ihre Umanderung 
geht der bekannte Vorwurf des Celsus (Orig. c. Gels. 2, 27 = Koetschau 1, 156) und 
die Antwort des Origenes: 



Interesse an dem Inhalt getragenen Eintragen der betreffenden B Verbesserungen" 
in den Text der Bibelhandschriften zu verstehen sein. Nach dem Syrer ist tfyavi- 
fffteva nicht mit n getilgt", sondern so zu iibersetzen wie Harnack getan hat; 
vgl. die verschiedenen syrischen Versionen von M 6, 16 (Sp). 19. 20 (Spc). Tiber 
die Berechtigung des Vorwurf s der Erdichtung falscher Schriften, s. Zahn, GK. 1, 296 f. 



Basilides, Noet, Valentiniaiier, Simon. 225 

Merit zavrd rivag T&V niatevovxtov cpijalv (Celsus) <bg IK ^d-tjg tfxovtag slg 
cpeatdvai afaoig f* era^ap drveiv IK rife; jigcfir^s ypaqpife TO 

iQaxff xal no&hayri, lv' e"%oiev Jigbg r ^ff &Ay%ov 

%aQdjavi;ag 6k xb efiayytAiov aAAovg oi>K olda tf voiig &nb Maqxlavog xal 
&nb OtiaAevTlvov olftai d xal zoi)$ &Jtb Aovxdvov. TOVIO dk Acydpevov oi> 
A6yov eazlv Myx^ij^a &AAa T&V ToAfMjadvTcav gadtovgyfjaai za eayye"Aia. xal 
&OJIEQ oi) giiAoaocptag ^yxA^f^d elaiv ol aocpiatal tf ol 'ETtmotiQEioi tf ot 
ohive'g HOT' av &aiv ol i/jev6o8ojovvTsg, oflrcag oil row d/t^tvo 
VyxArifta ol [isTa%a()di;i;ovTsg ta efiayye'Aia xal alpe'aeig j^vag eiteiad- 
yovreg T$ povArjft.aTi rfg 'Ivjaov didaaxa^lag. 

7. Gnostiker. titer die Bntstellung des Sinnes der Bibelworte sowohl durch 
willkiirliche Betonung (beim mlindlichen Vortrag) als durch Anderung der Inter- 
punktion (beim Abschreiben ?) von Seiten der Gnostiker klagt Clemens strom. 3, 39 
(Zahn, GK. 1, 424). Was ftir eine Konstruktion Tertullian dem Marcion zu 
A 20, 35 vorwirft, s. Zahn 2, 487 (^illius aevi" n deo" adiungunt) und Nestle 
(ZntW. 2, 262). 

8. Clemens strom. 4, 41 zitiert Mb, 10 a mit dem Begrundungssatz von 9 b 
und fahrfc fort ^ &g riveg T&V ft er ar 1$ ivt a>v ra eiiayye'Aia (taxdpioi, yaaCv, 
ol 6e5i(ayiA,voi bneQ vf)g dixaioatiwyg Srt, afool "eaovnai T&&EIQI. Das Zitat und die 
Verbesserung cpaatv fiir das iiberlieferte cpyaiv libernehme ich aus Zahn, GEL. 1, 
174, wo aber bnb statt bnty gedruckt ist. (Stahlin behalt in seiner Ausgabe 
(2, 266) cpyaiv bei, zitiert im Apparat neben Zahn auch H a r n a c k , Gesch. d. 
altchr. Lit. I, 192, der gleichfalls i>it6 liest, und fiir die Anderung kn^g Barnard, 
The Bibl. Text 5 *). S. 411 spricht Zahn die Vermutung aus, dafi Clemens unter 
denen, welche die Evv. M umstellen K , d. h. mit deren Text willkiirlich umgehen, an 
Tatian denken ko'nne, dessen personlichen Umgang er vielleicht eine Zeitlang ge- 
nossen habe, mit dessen griechischen Schriften er sich vertraut zeige. Auch v. D o b - 
schiitz (ThLz. 00, 7, 206) deutet die Stelle auf s Stilverbesserer u , nicht auf Ur- 
heber apokrypher Evangelien. 

9. Simon Magus. Marcioniten. Eine arabische Einleitung zu einer Samm- 
lung angeblich nicenischer Canones legt besonderes Gewicht auf haretische Bibel- 
falschungen. Sie laBt den Kaiser Konstantin in einer Anrede an die Vater in Nicea 
diesen gebieten, die Haretiker in zwei verschieden zu behandelnde Klassen ein- 
zuteilen, je nachdem sie die h. Schriften verwerfen und falschen, oder sie nur falsch 
auslegen. Schon der Erzketzer Simon erscheint als Fabrikant falscher h. Schriften. 
Seine Partei hat ein (in 4 Biicher geteiltes) Evangelium, welches sie den liber 
quatuor angulorum et cardinum mundi nennen. Vgl. dazu schon Irenaeus 3, 11, 8, 
wo die tdaoaQa x/Hftara rov xdapov mit den 4 Evv. zusammengestellt sind. Die 
Sekte der Kukianer (bei Ebedjesu ^Phokaliten") hat das AT. beibehalten, aber statt 
des NT.s der Kirche sich ein eigenes angefertigt, worin die 12 Apostel barbarische 
Namen tragen. Von den Marcioniten heifit es : sacras scripturas quisbusdam in locis 
commutarunt addideruntque Evangelic et Epistolis Pauli apostoli quibusdam in 
locis, quaedam vero loca mutilarunt. Apostolorum actus e medio omnino sustulerunt, 
alium substituentes Actorum librum, qui faceret opinionibus ac dogmatibus, illum- 
que nuncuparunt Librum propositi finis." (Zahn, GK. 2, 448 mit Verweisung auf 
Mansi, Cone. Coll. II (Flor. 1759), 9471082 ; Hefele, Conciliengeschichte I a , 361 
bis 368. 282 f. Harnack in TU. 4, 99). 

10. Kataphryger In Rom schrieb Gaius unter Zephyrinus gegen Proklus, 
der die Kataphryger verteidigte, einen Dialog &v $ T&V &i' evavxla$ TIJV ne^l TO aw- 

Hes tl e, ElnMhrung. 3. Auf I. 13 



226 Theorie und Praxis der neutestamentliclien Textkritik. 



TdtTc iv xa iv&g y<>a<P&S nQoniteidv re xal rdApav tlniaTOfilgav x&v row legov 
djroord/tow <Jexarpic3v pdvav gniatoA&v fivijpovstiet (Eus. h. e. 6, 20, 3). 

11. Arianer. Ambrosius (de spiritu 2, 6) zu q> 3, 3: 

Si quis de latinorum codicum varietate contendit, quorum a I i q u o s per- 
fidi falsaverunt, Graecos inspiciat codices, et advertat quia scriptum est 
ol nvetpaTi, 6eov AatQetiovteg, quod interpretatur Latinus : qui spiritui dei serviunt. 
So zitiert Tischendorf zur Stelle <p 3, 3. Oikonomos (negi r<av 0' 4, 565) druckt bei 
Ambrosius defy A, und lafit die Portsetzung weg. 

Quern locum ita expresse, Ariani, testificamini esse de Spiritu, ut eum de 
vestris codicibus auferatis. Atque utinam de vestris et non etiam de Ecclesiae 
codicibus tolleretis. Eo enim tempore quo impiae infidelitatis Auxentius Mediola- 
nensem Ecclesiam armis exercituque occupaverat, vel a Valente atque Ursatis nu- 
tantibus sacerdotibus suis incursabatur Ecclesia Sirmiensis, falsum hoc et sacrilegium 
vestrum in Ecclesiasticis codicibus deprehensum est. Et fortasse hoc etiam in oriente 
fecistis. 

12. Griechen. Ambrosiaster (Migne 17, 100 f .) zu Q 5, 14. 

Et tamen sic [= ^ d^rf^r.] praescribitur nobis de graecis codicibus, quasi 
non ipsi ab invicem discrepent, quod facit studium contentionis. Quia enim propria 
quis auctoritate uti non potest ad victoriam, verba legis adulterat, ut sensum suum 
quasi verba legis asserat, ut non ratio sed auctoritas praescribere videatur. Constat 
autem porro olim quosdam latinos de veteribus graecis translates codicibus, quos 
incorruptos simplicitas temporum servavit et probat: postquam autem a concordia 
animis discedentibus et haereticis perturbantibus torqueri quaestionibus coeperunt, 
multa immutata sunt ad sensum humanum, ut hoc contineretur in litteris quod 
homini videretur: unde etiam ipsi Graeci diversos codices habent. Hoc autem verum 
arbitror, quando et ratio et historia et auctoritas observatur: nam hodie quae in 
latinis reprehenduntur codicibus, sic inveniuntur a veteribus posita, Tertulliano, 
Yictorino et Cypriano. 

Die Verbesserung im SchluBsatz hodie quae fur das iiberlieferte hodieque 
stammt von HauBleiter (Forschungen 4, 32). Die Stelle ist auch lehrreich, als 
ein friiher Beleg f iir die Zusammenstellung von ratio und auctoritas als den zwei bei 
theologischen Disputen mafigebenden Beweismitteln. 

Zu y 2, 1, beziehungsweise it 15, 20. 29 schreibt Ambrosiaster: Quae 
sophistae Graecorum non intelligentes, scientes tamen a sanguine abstinendum 
adulterant scripturam, quartum mandatum addentes n et a suffocatis obser- 
vandum", quod puto nee ne Dei nutu intellecturi sunt, quia iam supra dictum est, 
quod addiderunt. 

g) Marcion. Q-enauer als iiber diese kleinliclien Bestrebungen 
sind ~wir tiber das grofie Unternehmen Marcions unterricMet, tiber 
das die Nachrichten bei griech.isch.en und lateinisclien Kirchenvatern 
reichlicher flieBen. Freilich wurde bisher mehr seine Stellung zum 
Kanon uberhaupt untersucht, als der Text, den er fur sein NT. 
zurecht machte. Auch hier sind es die Arbeiten von Zahn, die 
am meisten Licht verbreiten; in andern, der PEE z. B. ( 3 12, 266 
bis 277 Gr. K r u g e r) wird diese Seite seiner Tatigkeit nur sehr 
kurz gestreift. Von einzelnem war schon oben teilweise die Eede, 



Kataphryger,* Arianer, G-riechen, Marcion. 227 

hier ist die Frage im Zusammenhang zu beliandeln 1 ). In v. So den's 
Werk handelt davon 376 ,,Der Text in Marcion's Evangelium 
(MQ) S. 1624-1629. 

Wenn der Satz unbestreitbar ist, den Zahn an die Spitze 
seiner Untersuchungen fiber das NT. Marcions gestellt hat, daB 
eine so bedeutende Stelle in der Geschichte des kirchlichen Kanons 
kein Kirchenlehrer des zweiten Jahrhunderts einnimmt, wie der 
Ketzer Marcion, so ist die Frage um so wichtiger, ob wir seinen 
Spuren nicht auch noch in unsern Zeugen fur den Text des NT.s 



Eyangelinm und Apostel. Marcions NT., das zugleich seine 
ganze Bibel war, bestand aus zwei Buchern maBigen Umfangs, 
einem Evangelienbuch, das er efiayyifaov (ohne weiteren Ztisatz) ge- 
nannt zu haben scheint, und einer wahrscheinlich schon von ihm 
selbst TO dnooTofaxbv (sc. fiifthiov) benannten Sammlung von zehn 
Paulusbriefen in der offenbar geschichtlich gemeinten Reihenfolge 
y 1. 2 v. Q 1. 2 #, Laodicenos [= s] x cp (p. DaB er zur Herstellung 
dieser Bibel die kircnliche verstiimmelt, da und dort auch durcli 
Zusatze entstellt Labe, fur sein Evangelium das des Lukas, ist ein 
einstimmiger Vorwurf der Kirchenlehrer. Nicht den Griff el, sondern 
das Messer, aber zum Gegenteil von dem, wozu man heutigestags 
die Schere braucht, und den Schwamm habe er angewendet 2 ) ; 
nicht bloB Silben, sondern ganze Seiten getilgt. Der die Hand- 
schriften annagenden Maus vergleionen sie seine Tatigkeit. Und 
seine Schuler! Taglich. verbessern sie noch ihr Evangelium. Da 
er selber nicht soweit ging, den ganzen Paulus auszuwischen, 
hatten die Schuler die Arbeit fortgesetzt und entfernt, was mit 

x ) Zur Literatur vgl. Zahn, GK. I, 585718 n das NT. Marcions" ; II, 
409 529 Marcions NT. Dem gegeniiber ist alles andere veraltet ; doch sei genannt : 
A. H a h n , das Evangelium Marcions in seiner urspriinglichen Gestalt (1823) ; 
T h i 1 o , codex apocryphus Novi Testamenti (1832, fur welches Werk Halm den 
Text Marcions herzustellen suchte, S. 401 486) ; A. Bitschl, das Evangelium 
Marcions und das kanonische Evangelium des Lucas (1846) ; H i 1 g e n f e 1 d (Z. f. 
hist. Theol. 1855, 426 bis 484) ; (BPhWS 00, 136) : (ZwTh 42, 4, 628). 

2 ) Die Belegstellen bei Zahn I, 620. 626. 663 : machaera, non stilo ; erubescat 
spongia Marcionis (Tert. 5, 4 p. 282. Darf man daraus schon auf die Verwendung 
von minium in den kirchlichen Hdss. jener Zeit schliefien? vgl. die S. 47 angefiihrte 
Stelle aus Augustin gegen Julian) ; non miror si syllabas subtrahit, quum paginas 
totas plerumque subducet. Quis tarn comesor mus Ponticus quam qui evangelia 
conrosit (c. Marc. I, 1) ; vb &noaroAm6v aov, el xal [tdAiara itegixsKOfiittvov 
== tuum apostoli codicem licet sit undique circumrosus (Adamantius 5; p. 10 der 
Berliner Ausgabe). 

15* 



228 Tkeorie und Praxis der neutestamentllcnen Textkritik. = 

ihrer Ansickt niclit stimmte *). Aber nack den Zeugnissen, die sick 
ftber einen weiten Zeitraum erstrecken, sckeint sick ilir Bibeltext 
wakrend desselben weniger verandert zu kaben, als der katkoliscke 
(Zalin I, 613). Bei einer Vergleickung des Textes beider Samm- 
lungen w sollte sich. von selbst verstehen, dafi wir als den kirchlichen 
Text, tun dessen Behandlung von Seiten Marcions es sich. fragt, 
nickt denjenigen unserer Bibelgesellsckaften oder denjenigen von 
Tischendorf oder denjenigen des Epipkanius ansehen dnrfen, sondern 
einen solcken, wie inn Marcion um 150 in der kath.olisch.en Kirche 
oder in der romiscken Gemeinde vorfand. "Wir konnen das kircklicke 
Exemplar, welches er seiner Bearbeitung zu Grunde legte, nicht bis 
aufs Wort wiederherstellen ; aber wir haben Mittel genug, um uns 
sowohl ein allgemeines Bild von der Textgestalt der paulinischen 
Briefe wahrend des zweiten Jahrhunderts zu machen, als auch 
in vielen einzelnen Punkten zu erkennen, welchen Text Marcion 
vorgefunden hat. Es zeigt sick in vielen Fallen, dafi das, was dem 
in der Textgesckickte Unbewanderten, welcker den Textus receptus 
oder einen keutigen kritisck bearbeiteten Text mit demjenigen 
Marcions vergleickt, an letzterem auffallt, diesem keineswegs eigen- 
tumlick ist, sondern in alter Zeit eine bedeutende Verbreitung im 
Abendlande gekabt kat. Da es nun angesickts der unversoknlicken 
Feindsckaft der Kircke gegen Marcion ganz undenkbar ist, dafi der 
unermiidlick als ketzeriscke Falsckung verurteilte Text Marcions 
auf die G-estaltung des kircklicken Textes einen positiven EinfluC 
gekabt kat 2 ), so folgt, daB alle jene Textgestaltungen, welcke dem 
Unkundigen als Eigentmnlickkeiten der marcioniscken Bibel er- 
sckeinen, welcke aber zugleick durck katkoliscke Handsckriften, 
Ubersetzungen und Sckriftsteller bezeugt sind, von Marcion nickt 
gesckaffen, sondern aus der kircklicken Bibel seiner Zeit oder aus 
einer solcken Bibel von ikm keriibergenommen worden und nur 
allmahlich aus dem kircklicken Gebrauck verdrangt worden sind." 
Dies alles, das ick mit einer kleinen Urnstellung im letzten Satz 
wortlick aus Zakns Ausfukrungen vom Jakr 1889 (S. 636) keriiber- 
nakm, sollte sick allerdings sckon damals von selbst verstanden 
kaben, ist aber wie dasjenige, was Zakn dort weiter ausfukrt, 



') Siehe die Stelle aus Tertullian (cotidie reformant illud (sc. evangelium) 
prout a nobis cotidie revincuntur) und Adamantius (II, 867 = p. 96 6 yctQ 
codd.) Magxltov, ^adiovQy^aag ra xaicc v6v &noatofav oil 
, Kat oZroi pe%Qi TOV (c-^s AB) dsvQo iteQtaiQovaiv Saa &v fit] 
codd.) TVJ ai>x&v yv&py) bei Zahn I, 613. 
2) Vgl. auch S. 681. 



Marcion: Evangelium und Apostel. 229 

namentlich in unsern Kommentaren zu ^ und P, noon gar nicht 
genugend beachtet, z. B. daB Marcion, dem Tertullian bei der 
Anderung der Adresse ad Ephesios in n Laodicenos" die Absicht 
zuschreibt, daB er et in isto diligentissimus explorator sein wollte, 
auch mehrere Handschriften verglichen haben konne J ), um dem ur- 
spriinglichen Wortlaut auf die Spur zu kommen, daB man in solchen 
Fallen fragen konne, ob er nicht wirklich den ursprunglichen Text 
bewahrt habe, und daB Marcions Text, sofern er durch irgend 
welche von ihm unabhangige Uberlieferung bestatigt wird, viel 
hoher geschatzt werden sollte, als es von den heutigen Textkritikern 
geschieht 2 ). Da Zahn a. a. 0. nur die Kanonsgeschichte verfolgte, 
ist es ein um so groBeres Verdienst, daB er auch der textkritischen 
Frage so eingehende Aufmerksamkeit geschenkt hat; allerdings in 
erster Linie denjenigen Stellen, von -welchen willkurliche Anderungen 
Marcions uberliefert sind. Man vgl. in Bd. 1 seiner Geschichte die 
Seiten, welche nkleine'Emendationen'" uberschrieben sind, wie Marcion 
in seiner Feindschaft gegen das AT. und seinen gerechten Gott 
at.liche Zitate im NT. oder die Zitationsformel tilgt Q 1, 17. 12, 19 ; 
2x4, 13, jede Erwannung Abrahams in y ausmerzt auBer 4, 22, 
dyvoovviEc, x^v TOV 3-sov dwaiootiwiiv Q 10, 3 in d. TOV &s6v ver- 
wandelt, y 4, 4 das ysv6iievov K yvvaixdg und yevdpevov i>nb vdpov 
beseitigt, 1 x 3, 17 die aktive Konstruktion in die passive ver- 
wandelt, oder auch in harmloserer Weise strafferen oder unmiB- 
verstandlicheren Ausdruck oder groBere Ktirze anstrebt. Marcion 
hatte guten G-rund zu der Meinung, sagt Zahn, daB der biblische 
Text im Laufe des Jahrhunderts seit seiner Entstehung nicht buch- 
stablich unverandert geblieben sei ; doch gilt das von den Evv. und n 
nochmehr, als von den Brief en ; aber denAposteltext von alien angeb- 
lichen Falschungen reinigen zu wollen, nicht auf der Grundlage 
irgendwelches textkritischen Materials, sondern einzig und allein 
von dem eigenen Gefuhl aus fur das was echtchristlich und aposto- 
lisch sei, war das Beginnen eines Giganten, wie Irenaus den Marcion 
nennt. Und seine Schuler scheinen in blinder Verehrung fiber 



) Vgl. auch S. 684. 

s ) Vgl. auch noch S. 682: M Ich wiederhole, dafi Lesarten, welche durch ihr 
gleichzeitiges Vorkommen bei Marcion und bei einigen katholischen Zeu'gen als 
vormarcionisch erwiesen sind, im Evangelium wie in den Briefen groBere Beachtung 
verdienen, als ihnen gewohnlich zu Teil wird." Ob eine Lesart von Marcion be- 
zeugt wird, ist viel wichtiger, als ob sie in der oder jener Majuskel steht ; trotzdem 
nennen die textkritischen Anmerkungen unserer Kommantare den Marcion kaum, 
geschweige dafi es sys.tematiscli geschehen wiirde. 



230 Theorie und Praxis der neutestamentlichen Textkritik. 

die Absicht des Stifters und Bibelherausgebers noch hinausgegangen 
zu sein, ,,wie manclie Lutheraner lieute Lathers Ubersetzung samt 
ihren Fehlern fur G-ottes kaum der Verbesserung bedtirftiges Wort 
erklaren." Noch sorgfaltiger ist Zahn in den Beilagen des zweiten 
Bandes 1 ) auf die textkritischen Fragen eingegangen. An seinen 
Hauptergebnissen wird nicht zu zweifeln sein; dahin gehort 

1. die Tatsache, daC Marcion das ^-Evangelium zu Grunde 
legte, daB aber sein Text allerlei Bestandteile zeigt, die 
M und fi gehoren; 

2. daC diese Textmischungen an solchen Stellen sich finden, 
wo auch kirchliche Texte, namentlich des Abendlandes 
G-leiches oder Ahnliches bieten; 

3. daC von den kleinen n apokryphischen Zutaten", die wir 
bei Justin und Tatian mit dem Inhalt unserer Evangelien 
yerbunden finden, bei Marcion nicnts (Zahn sagt ,.noch 
nichts") anzutreffen ist. 

Auch. auf die einzelnen Handscnriften hat Zahn vielfach 
aufmerksam gemacht, die noch heute mit dem fur Marcion be- 
glaubigten Text ubereinstimmen ; das sind eben die abendlandischen 
Zeugen, die altlateinischen Handschriften und von den griechischen 
D; vgl. beispielsweise zu I 5, 14. 34. 39. 6, 251 31. 37. 8, 45. 
9, 6. 16. 22. 10, 22. 25. 11, 20. 41. 12, 14. 31. 58 f. 18, 35. 20, 36. 
21,27. 30. 24,6. 26. 37 2 ). Aber es gibt auch Stellen, wo 
Marcion nicht mit D und G-enossen geht 6, 22. 26. 28. 11, 4. Auch 
bei Paulus iiberwiegt das Zusammentreffen mit DPQ-P y 2, 5. 3, 14b. 
5, 1. 14. 24. 1 x 1, 18. 2 x 5, 4. 1 # 4, 16. E 1, 9. 13. 3, 10. 4, 6. 
5, 28 ff. Auch das Zusammentreffen mit der Minuskel 157 (s. o. 
S. 98) hat Zahn schon ausdrucklich hervorgehoben, z. B. zu K 16, 1 2, 
wo die Lesart tb tydv fur TO fiftl'tEQOV (BL fi^fegov) bis jetzt 
nur aus dieser einen griechischen Hds. und 3 Altlateinern (eil) 
verzeichnet ist ; oder 21, 30 wo far nqojldhwaiv tbv xaqnov atf&v 
zu D 157 nur noch eine der von Scrivener verglichenen Mi- 



x ) S. 409449 zur Kritik der Quellen, S. 449529 die Wiederherstellung 
des Textes; (S. 449 f. sein Urteil iilber die friiheren Arbeiten in dieser Eichtung von 
Hilgenfeld, Volkmar, van Manen). 

3 ) Eine Handschrift, die uns Marcions NT. genau erhalten hatte, ist bis jetzt 
nicht gefunden ; die Hoffnung, dafi es noch geschehen werde, ist sehr klein, Ibei dem 
Ha6, mit dem man Marcion verfolgte. Wenn man aber die libelli einiger libellatici 
gefunden hat, oder ein grofies Sttick des Petrusevangeliums, warum nicht auch noch 
anderes ? 



Zahn und v. Soden fiber Marcion. 231 



nuskeln hinzukommt 1 ). 24, 26 1st dn statt o##i auBer aus Marcion 
bis jetzt nur aus D bekannt. DaB Marcions Fassung der zweiten 
Bitte des Vaterunsers nur in der Minuskel 700 bezeugt ist, abe;r 
in dem itp' fjftds in D vielleicht no ch eine Spur hinterlassen hat, 
ist schon hervorgehoben. Wie ist dies zu erklaren? Bei einzelnen 
Lesarten kann ja ein Zusammentreffen zufallig sein. Fur zufallig 
erklart es z. B. Zahn, wenn 1 & 2, 15 Marcions prophetas suos 
licet ,,suos" adiectio sit haeretici sagt Tertullian mit rot;g idiovc, 
TCQOtp'fi'cag stimmt, das von DPE p KL geboten wird, d. h. den Yer- 
tretern der antiochenischen Rezension, mit der sich Marcion sonst 
sehr selten beruhrt, da er durchweg einen abendlandischen Text 
zu G-rund legt. Fur die Hauptmasse der Falle scheint die Sache 
einfach genug zu liegen. Marcion ist von B,om ausgegangen, also 
wird bei ihm auch ein abendlandischer Text zu finden sein, und 
insofern konnte man geneigt sein, denselben wie bisher einfacb. zu 
ignorieren, obgleich ein von Marcion und der Kirche gemeinsam 
bezeugter Text schon dieses seines Alters wegen eine viel groBere 
Beachtung beanspruchen darf, als ihm bisher zu teil wurde 2 ). 

Seither hat v. Soden in 349, S. 15221524 den Ev.-Text 
in dem Dialog des Adamantius untersucht und als besonders auf- 
fallend angemerkt, daC sich Sonderlesarten des Dialogs so haufig 
in d 5 (D) finden, und zwar, was merkwurdig sei, nur Lk-Stellen. 
Indem er dann in 376, S. 16241629 dem Text in Marcions Evan- 
gelium nachging, ergab sich ihm fast mit Sicherheit, daC zu den 
vielen Vorlagen, nach denen in der Vorgeschichte von d 5 (D) 
Lesarten in dessen Vorfahren eingetragen worden sind, auch Marcions 
Evangelium zahle, vielleicht aus ursprtinglichen E/andnotizen. Unter 
diesen Sonderbarkeiten sind auch einige schon bei Adamantius 



1) W-W bemerken zur Stelle ^D ex latinis forsan correctus"; umgekehrt 
Jiilicher (Gleichnisreden 2, 5) : ^Marcion, der vielleicht den romischen Text nicht 
blo6 von ^ 21, 30 geschaffen hat." 

2 ) Anmerkungsweise sei hier die Frage aufgeworfen, ob Marcion mit seiner 
Zweiteilung des NTs und seiner Zehnzahl der paulinischen Briefe nicht einen Gegen- 
satz zum AT. und Dekalog beabsichtigte. Man vgl. den Prolog zu den paulinischen 
Brief en im Amiatinus: Primum quaeritur quare post evangelia . . . voluerit 
apostolus has epistolas ad singulas ecclesias destinare . . . exemplo prophe- 
t a r u m qui post editam 1 e g e m Moysi . . . Deinde quaeritur cur non amplius 
quam decem epistulas ad ecclesias scripserit ... ad priorum numerum decalogi 
mandatorum . . . duas tabulas lapideas duorum testamentorum figuram habuisse, 
viri eruditissimi tradiderunt. Vgl. de Bruyne, Prologues bibliques d'origine Marcionite 
(R. R6n6d. 24, 1, 1907), J, R, H arris, Marcion and the Canon (ET. 18, June 1907, 
3924). 



232 Theorie und Praxis der neutestamentlichen Textkritik. 

hervorgehobene, deren Quelle fur D, also nicht dessen Dialog, 
sondern Marcions Evangelium sei. Von Adamantius bemerkt zwar 
der neueste Herausgeber, Sande Bakhuyzen S. XV: n DaB er 
selbst eine Marcionitisclie Bibel vor sich hatte, wage ich zu be- 
zweifeln, obgleich er es wiederholt versicliert 807 a, 810 a, 864 a. 
Eine genaue Untersuchung macht es wahrscheinlich, daC er niemals 
eine solche Bibel in Handen gehabt hat, wohl aber altere anti- 
marcionitische Schriften benutzte, und das ist es, was den Dialogus 
fur uns interessant macht. " "Wenn aber der Marcionite (826) er- 
klart, er lasse sich nur dnb tov efiayysUov ttal djioovoAov uberfuhren, 
Adamantius darauf versichert, dies eben daraus (dnb lov eiiayyeUov 
%al djtootd^ov} tun zu wollen und nun mit der Einfiihrung dva- 
y i v c& a K a) xal dsiuvvfu 8fi 6 fjtij de^d^tte^og v6pov xal JigocptfTag 
ofidk ib stiayyehov distal, das ganze Grleichnis vom reichen Mann 
und Lazarus vorliest, mit einem recht eigenartigen Text : warum soil 
Adamantius diesen nicht unmittelbar aus einer marcionitischen Bibel 
genommen haben, statt auf dem Umweg uber eine anti-marcioni- 
tische Schrift? Beilaufig: wenn es bei Adamantius in v. 28 heiCt 
^o> y&Q lust niviE ddeAtpotis, und bei Tert. in v. 29 zweimal: 
habent illic Moysen (III, 538. 538), hangt dies iusl und illic 
zusammen? 

Wichtiger und schwieriger wird die Frage nach Marcions 
Text dadurch, daC wir denselben oder wemgstens einen gleich- 
artigen Text noch auf einem ganz andern Boden vertreten finden, 
zunachst bei Tatian. 

h) Tatian. Das allgemeinste uber Tatian ist schon oben 
(S. Ill ff.) zusammengestellt worden J ). Hier sollen die Nachrichten 
der alten Barche im Wortlaut angefuhrt werden. Auf eigentlich 
griechischem Boden beschranken sie sich, wenn wir von der nicht 
zweifellosen Deutung der Stelle aus Hegesipp (s. S. 110} absehen, 
und einer gleichfalls nicht sichern Anspielung des Origenes auf 



) Zur Literatur vergleiche aufier dem S. 119 Genannten: Isaac H. Hall, 
a pair of citations from the Diatessaron (Journ. of Bibl. Lit. X, 2 1891 153/5) ; 
J. Goussen, pauca fragmenta genuina Diatessaroniana hinter Apocalypsis S. loannis 
versio Sahidica 1895. Connolly, E. H., The Diatessaron in the Syriac Acts of 
John (JThSt. 7, 571581) ; ders., Jacob of Serug and the D. (ibid 8, 581590) ; 
Spoer, H. H., Spuren eines syrischen D's (ZdmG 61, 850859); Chapman, 
p. 78 f. S. auch Baumer, Tatians Diatessaron, seine bisherige Literatur und die 
Rekonstruktion seines Textes nach einer neuentdeckten Handschrift (Literarischer 
Handweiser 1890, 153169), 



Marcion. Tatian. 233 



seinen Titel 1 ), auf wenige Satze in Eusebius 2 ), eine Notiz bei 

Epiphanius 3 ) und em Scholion in einer Evangeliennandschrift 4 ). 

Grenauere Nachrichten stammen einzig aus der syrisch-grie- 

ch.isch.en Kirche ; am ausfuh.rlich.sten griechisch durch Theodoret 5 ); 

1 ) Gegen die Marcioniten sagt er zur Verteidigung der Vierheit der kirch- 
lichen Evangelien: rb dAtiftug && TeaadQo>v iv gaviv e$ayyAiov (Philocalia ed. 
Robinson 47; Zahn, GK. I, 412; PRE 3 5, 654). Ubrigens ist aus der Stelle c. 
Gels, 6, 51 (2, 122 f.), wo die Konjekturen dxovaavreg und AnoAatiaavTeg unnotig 
sind (Linke im Philologus 59, 1900, 200) , gefolgert worden, dafi Origenes den Tatian 
personlich geho'rt habe. Auch Clemens ist wahrscheinlich ein Schiller Tatians 
gewesen (H a r n a c k , G. d. altchr. L. I, 488) und hat nach v. S. 369 n unverkenn- 
bar neben den getrennten Ew. Tatian's D. benutzt." Auch Hippolytus hat nach 
ihm ( 370) n das D. gekannt und sich von ihm bei seinen Zitatefl beeinflussen 
lassen." 

a ) Bus. h. e. 4, 29 von den Enkratiten redend : XQ&VHUI pv ofiv ofaoi 
v.a.1 HQocpfocug xal EtiayyeAtoig (der Syrer: llvJJlN), I6fo>5 
IBQ&V TU votfftaTa yQcup&v ' pAcKHptjpovvTeg S TLav&ov rdv &7t6ato^ov, 
afaov T&g 'EjtiozoAas, ivrjdt rag HgdZ-eis rtiv &noaT6A<i)v xaradexdpsvoi,. "0 
ye nQdTEQOS afa&v dpxqy&s & Tariavf>s avvdcpeidv viva xal avvaycoyijv oi)Y. old' 
8it(>>s T&V EtayyeAlcw avvftelg, 't6 Ata Teffodgcav' Tomo nQoacnvdfiaaev, 8 xal naQa 
riaiv els %vi vvv (pege'cai ' TOV 6' 'An;oai;6Aov q>aal ToAi&fjoal ztvag ai>xbv fieia- 
gxavag, &$ jtidio()&oij(tEvov afa&v rrjv vij$ ygdaefog ativrajiv. KaTaMAomev 
noA-6 n TcAri-fros avyyQaf^ftdrcav x. x. /?. Beim syrischen Eusebius: ,,Er 
aber Tatianus, ihr erstes Haupt, sammelte und vermischte und setzte ein (oder: das 
oder: die) pi^Oltf und nannte es I'HDtD'n, das ist aber ,,der Gemischten", das bei 
vielen bis heute ist. Es wird aber fiber ihn gesagt, dafi er zu andern wagte Worte 
von dem Apostel (die syr. Pluralpunkte sind zu tilgen), (wie) um herzurichten die 
Zusammensetzung des Worts. Es hat aber dieser viele Schriften hinterlassen usw." 
Ed. Schwartz druckt Td 6ta Teoodgaiv (mit grofiem T und kleinen S), als ob 
auch der Artikel zum Titel gehore, was in diesem Fall recht gut moglich ist, 
wahrend er sonst bei Biichertiteln gerne weggelassen wird (Ptveaig Kdapov, nicht 
'Hy. x.). 

8 ) Epiph. haer. 46, 1 (Pet. 391) Afyovat, 6 rd 6ta Teaodgav EtiayyilAiov ton' 
afoov yeyevfja'&ai,, 8neQ Kav& 'Epgafovg uvg KaAovffi. 

*) Evang. min. 72 (Harleianus 5647 aus dem XI. Jahrh.) zu M 27, 48 ai\- 
[fAetaaat] STL els fb Ka&' latoQtav eayyAtov Aiod&Qov ual Tavtavov v.al 8.hXa>v Sia- 
<p6(><i)v &ylo)v naxigtov TOVTO Ttpdoxeaai. Statt Aiod&gov steht bei Harnack- 
Preuschen I, 493 (ob mit Recht oder Unrecht weifi ich nicht) Aia&d>Qov. Da 
von dem geschichtlichen Evangelium eines Diodor nichts bekannt ist, liegt die Kon- 
jektur 6ia d' nahe genug (Zahn, Porsch. I, 28) ; aber was mit ODQOV ual ? Gegen die 
von Harnack (Uberlieferung der griech. Apologeten) angedeutete Vermutung 
dia d' 2$Qov Taiiavov 8. Zahn, Porsch. II, 298. Der Artikel vor 6t,a 6' wird 
aber ungerne vermifit. 

5 ) Theodoret schreibt 453 in seiner 'Entropi? alQeTwrjg xaKopv&lag (1, 20; 
vol. 4, 312) am Schlufi des Kapitels liber Tatian: Ofaog xal r6 diet 
xaAotipevov ovvTg&ewev etayyMiov, rag re yeveaAoytag nEQix6if>ag xal ra 
daa, in ontgi&aTog Aafll6 xarot aapxa ysyevvrj^vov tdv HVQIOV deluvvaiv, 



234 Theorie und Praxis der neutestamentlichen Textkritik. 

zahlreicher aber kurzer und hier zu ubergehen sind die Nachrichten 
aus syrischen und arabischen Quellen. Um so mehr fordert die 
Frage eine eingehende Erorterung, ob sich von der Arbeit Tatians 
in unsern Texteszeugen Spuren erhalten haben und wie dieselben 
far die Textkritik verwertet werden konnen und mussen. Als durch 
Zahnbewiesen setze ich dabei voraus, daB das Diatessaron Tatians 
eine syrische Arbeit war, als wahrscheinlich nehme ich weiter an, 
daB uns im Cureton'schen und Lewis-Syrer zwei Arbeiten vorliegen, 
auf welche wenigstens in ihrer jetzigen G-estalt Tatian einwirkte, 
in welchem Grade dies auch von der Peschito gilt, kann dahinge- 
stellt bleiben; denn die Hauptfrage ist, den Zusammenhang Tatians 
mit unsern abendlandischen Zeugen klar zu stellen. Da tritt 
uns aber sofort eine grofie UngewiBheit entgegen, namlich die 
Frage, ob es vor oder neben dem syrischen Diatessaron nicht auch 
eine griechische von Tatian selbst gearbeitete, oder eine von 
ihm benutzte Evangelienharrnonie gegeben habe. .Zahn leugnete 
dies vor allem mit Berufung darauf, daC, wie oben gezeigt, auf dem 
Bo den der griechischen Kirche Nachrichten uber eine Arbeit dieser 
Art, auch uber Tatians eigene Arbeit sehr sparlich sind. Harnack 
war von Zahns These nicht uberzeugt (s. die Uberlieferung der 
griechischen Apologeten 1882 S. 196 218 und dagegen Zahn, 
Forsch. II, 292 ff.). Ja (ThLz 1891 Sp. 356) erklart er durch Harris's 
preliminary study nur bestarkt zu sein, n in der Uberzeugung, daB 
Tatian eine griechische Harmonie der Evangelien geschrieben 
habe". Der Abhandlung ist namlich ein Faksimile der Marcus- 
Fragmente im cod 0131 (e 81, fruher W d ) beigegeben, n deren Inhalt 
Verwandtschaft mit dem Text des Diatessarons (mit dem ursprung- 
lichen Text?) aufweisen" (so). Allerdings was Harris uber einen 
Pre-Tatian und uber eine Harmonie der Leidensgeschichte aus altester 
Zeit bemerke, sei sehr rasch gefolgert, urteilt Harnack, und hatte 
nach seiner Ansicht in einer Preliminary Study entweder gar 
nicht oder mit groBerer Vorsicht vorgetragen werden sollen. Auch 



oi> ftdvot ol rils inetvov avftftOQtag, &A,Aa Kal ol Totg dnooToAixoig 
ftevot &6ypaai, tyv vijs avv&'rjx'qs Mctxovgyldv oix tyvtoxdveg, dW &7iAoti<JTeQOv 
ovvTdfHp T$ pipAty ftQ^aapevoi. efiqov 6 xdyti nAeov$ ^ diaxoolas ptpAovc; 
TCCC; iv zalg nag' 'fj^iv dv/K^oCais z&cit&tjftdvas, xal jtdaag crvvayay&v dne^ 
TO, i&v rewdgcov ebayyeAiavtiv dvreia^yayov. Da der Sprengel des Theodoret 800 
Gemeinden umfafite, war also das Diatessaron bis dahin etwa in einem Viertel 
seiner Gemeinden im Gebrauch (Zahn, Forsch. 1, 35 ff.). Bei den syrischen 
Schriftstellern heifien die neu eingefiihrten Biicher ^Evangelium der Getrennten" 
Ntt'lDDI, das Diatessaron, wie in der oben angefiihrten Stelle des syrischen Eusebius 
n Evangelium der Gemischten". 



Tatian: ob griechisch oder syrisch? 235 

G. Kr tiger sagt in seiner Geschichte der altchristlichen Literatur 
( 37) dieses syrisch (griechisch?) geschriebene w Evangelium der 
Gemischten". Umgekehrt spricht Hogg in seiner Einleitung in 
12 fl Non-Syriac Texts of the Diatessaron" nichts vom G-riechischen 
und in 19, wo er die Frage aufwirft in what language was it 
written? nur von der Ansicht, favoured by an increasing majority 
of scholars, that it was written in Syriac. Die weitere Frage sei 
dann bei dieser Ansicht: was it a translation or simply a compi- 
lation? Seither hat v. Sod en in 353 die G-riinde fur die An- 
nahme einer ursprunglich griechischen Arbeit sehr verstarkt und 
Lip pelt's Untersuchungen fiber die dnofivrjiiovetifiafa Justins 
(s. S. 160) haben mich schon vorher geneigt gemacht, dieser An- 
nahme zuzustimmen. Aber die Hauptfrage, die uns hier angeht, 
formuliert Hogg richtiger: What precisely is its relation to . . '. 
the Western" text generally? 

Schon Zahn hat in seiner ersten Arbeit noch vor Yeroffent- 
lichung des arabischen Textes oft genug darauf hingewiesen, daC 
die sogenannten westlichen Zeugen, also namentlich cod. D und die 
altlat. Hdss., so manchmal mit T fiber einstimmen (s. Forsch. I, S. 130. 
140. 216. 2281 237. 248. 263). Und er hat dies ganz einfach damit 
erklart, daC Tatian vom Westen, von B,om aus, um 172, sich 
in seine alte Heimat Syrien zuriickbegeben, also von dort her seinen 
Text, damit eben den westlichen, mitgenommen haben werde. Diese 
Ansicht hatte gar keine Schwierigkeit, wenn es nur so lage, dafi 
das Diatessaron die Eigentttmlichkeiten des westlichen Textes teilt; 
aber ist nicht das umgekehrte der Fall ? d. h. teilt nicht der west- 
liche Text, namentlich sein Hauptvertreter D, die Eigentumlich- 
keiten einer Evangelienharmonie, sagen wir kurz des Diatessarons ? 
Nicht bloC einzelne Lesarten sind in beiden Texten gleich, sondern 
es scheint der westliche namentlich solche Erscheinungen aufzu- 
weisen, die man kaum anders denn als Folgen einer Harmonie an- 
sehen kann. Ich habe dies schon franer ausgesprochen ; nament- 
lich fiel es mir auf, als ich far das Novi Testamenti Graeci Supp- 
lementum (Lipsiae, Tauchnitz 1896) die dort vorangestellte Kollation 
des Codex Bezae ausarbeitete. Um den Druck der Variantenmassen 
tibersichtlicher zu gestalten, begann ich mit jeder Alinea von 
Westcott-Hort in meinem Druck gleichfalls eine Alinea. Nun sehe 
man sich einmal diese Yarianten an; wahrend der Hauptteil aus 
lauter einzelnen far sich bestehenden Lesarten sich zusammensetzt, 
muBte ich am Anfang der Perikopen regelmaBig halbe und ganze 
Zeilen aus D abschreiben; so sehr weichen die Perikopenanfange, 



236 Theorie und Praxis der neutestamentlichen Textkritik. 

tind nur sie, in dieser Weise, von dem heute geltenden Text ab; 
vgl. z. B. 2 5, 17. 27. 7, 1. 18. 9, 37. 10, 1. 25. 11, 14. 12, 1. bis 
zum Ende 24, 1 3. Allerdings trifft diese Erseheinung gerade beim 
/l-Ev. am raeisten zu, bei dem ich sie mir mitBlaB bisher anders 
erklart hatte, als Folge doppelter Bearbeitung durch den Verfasser ; 
aber sie fehlt doch auch in den andern Evv. nicht. Am wenigsten 
tritt sie, begreiflicherweise, beim ersten auf; doch siehe MY1, 22. 24. 
20, 29. In i*, ygl. 3, 19. 4, 1. 6, 7. Daneben finden sicli andere 
Ztige, die nur so sich einfach erklaren. Ich darf fur dieselben am 
kiirzesten auf die zweite der hierhergehorigen Arbeiten von F. H. C h a s e 
verweisen (The Syro-Latin Text of the Gospels, London, Macmillan 
1895), die ein eigenes Kapitel hat ,,Harmonistic Influence" S. 76 
bis 100. In demselben lenkt der Verf. die Aufmerksamkeit auf 
drei Punkte: 

1. ,,Der Beza-Text zeigt bestandig Spuren harmonistischen Ein- 
flusses." 

Dies ist nichts neues; Hieronymus z. B. klagt ja tiber solche 
Verquickungen. Nun aber 

2. ,,In solchen harmonisierten Stellen finden wir Lesarten, die 
wir durch anderweitige Evidenz als tatianische betrachten 
durfen", und 

3. ,,0ft finden sich klare Zeichen des Einflusses syrischer Phraseo- 
logie an oder in der Nahe von solchen durch harmonisti- 
schen EinfluC veranlaBten Lesarten." 

Ob letzteres richtig ist, lasse ich dahingestellt; was aber den 
zweiten Punkt betrifft, so ist merkwurdig, und stimmt zu dem oben 
von mir Hervorgehobenen, daB Chase in diesem Zusammenhang 
fast lauter >l-SteUen geltend macht, ausser M 21, 18. 24, 31 f. 26, 59 ff. 
und p 8, 10. 13, 2. 10, 25ff. aus I 3, 2338; 4, 31; 5, 101 141 
6, 42; 8, 35. 11, 2. 20, 20. 21, 7. 23, 45 ff. 24, 1. Ich mochte aber 
zunachst eine Stelle betonen, die Chase in anderem Zusammen- 
hang bespricht, namlich die groBe Einschaltung hinter M 20, 28 
(bei Chase S. 9 14). Freilich zeigt sich von dieser groBen w zum 
Teil apokryphischen Interpolation" wie Zahn, F. I, 179 ausdruck- 
lich hervorhebt, in Ephrem und Aphraates (den bis 1881 einzigen 
Quellen fur das Diatessaron) M keine Spvir, auch nicht von A 14, 
7 10, woraus die Interpolation grofitenteils geschopft ist". Aber 
im arabischen Tatian am bequemsten ist wohl die Ubersetzung 
von Hogg kommU14, 16 und 7 11. 1215 hinter M 20, 116 
am SchluB von 29, und Anfang von 30. Der Vers M 20, 28, 
von dem Zahn nicht entscheiden konnte, ob er in T stand, da E 



Tatians Verhaltnis zum westlicken Text. 237 

und A sckweigen, stekt in 31, 5 zwiscken \i 10, 44 und A 13, 22 ; 
M 20, 29 a (-}- P 10, 46 a) folgt etwas welter unten 31, 25. Insofern 
1st dies Ergebnis dieser Tkeorie nickt gunstig; aber vergeblick 
frage ich mick, wie will man diese Einsckaltung anders erklaren, 
als durch einen Harmonisierungsversuch. Da nun ihr Text in einem 
syrischen in syrsin ist das betreffende iBlatt verloren, durch 
Raumberecknung aber laBt sick zeigen, dafi er die Stelle nickt ent- 
kielt , zwei grieckiscken, und einem kalben Dutzend lateiniscker 
Zeugen vorliegt, entstekt weiter die Frage: woker stammt er? Am 
nacksten liegt nattirlick die Antwort : aus dem Grieckiscken, aus dem 
er einerseits ins Lateiniscke, und andrerseits ins Syriscke tiber- 
gegangen sein wird. An der einen Tkese wird auck nickt zu 
zweifeln sein, daB die lateiniscken Formen ikrer Mekrzakl nack, 
wakrsckeinlick sogar alle aus dem grieckiscken stammen; ob aber 
auck die syriscke ? oder ob nickt so befremdend diese Tkese auf 
den ersten Anblick lauten mag umgekekrt die grieckiscken eine 
Ubersetzung des syriscken Textes sind? Da ist es vor allem das 
Wort demvoxh'fiTWQ, das mir auffallt, wie es auck Ckase aufge- 
fallen ist. Freilick auf dies eine Wort und diese eine Stelle allein 
mockte ick eine solcke Hypotkese nickt stiitzen: ick mockte sie 
uberkaupt nur als eine Frage kinstellen, die bei weiteren Unter- 
suckungen im Auge bekalten werden muB, und mockte sie gleick 
durck die andere Frage erganzen: ob nickt dock, wenn man die 
erste verneint, trotz Zakn neben der syriscken auck eine grieckiscke, 
und dann dock wokl auf denselben Urkeber zuruckzufukrendc 
Evangelienkarmonie anzunekmen ist? Lassen sick die naken Be- 
rukrungen zwiscken Tatian und dem westlicken Text nickt auck 
so erklaren, daC nickt Tatian unter dem EinfluB des westlicken 
Textes stekt, sondern dieser auf Tatian zurtickgekt? 

Diese Frage mockte ick insbesondere auck inbetrefE des west- 
licken Textes der paulinisckenBriefe auf werf en. Was bedeutet 
die oben angefukrte Nackrickt des Eusebius tiber Tatians Tatig- 
keit am Apostolos? iiEracpQdoai kann ja n ubersetzen" keiBen; aber 
man ubersetzt dock einen ganzen Text und nickt bloB 
und man ubersetzt dock nickt c&g mdiOQd'0'ti(ievo$ 

g)QdoEC0s Gtivvafyv, zu pkraseologiscken und syntaktiscken 
Verbesserungen. Liegt nickt eine solcke Arbeit in den Zeugen 
des westlicken Textes vor? Ick weifi wokl: es kann bei solcken 
Hypotkesen geken, wie bei denen tiber den Dickter des Nibelungen- 
liedes: da katte man ein groBes G-edickt okne Namen und katte 
den einen oder andern berukmten Dickternamen okne Gedickt ; so 



238 Theorie -and Praxis der neutestamentliclien Textkritik. 

kombinierte man beides, der eine so, der andere anders, und far 
jede Kombination liefien sich Grrtmde geltend machen, fur keine 
aber durchschlagende. So mag es auch Her sein ; bis auf weiteres 
aber bin ich geneigt, dem Tatian einen bedeutenden Anteil an der 
so eigenartigen ,,westlichen tt Textgestaltung zuzuspreehen. . Und 
da dieser Name bei soldier Voraussetzung immer weniger pafit, 
wie ja langst anerkannt ist, bin ich um so mehr geneigt, den 
schon durch den Titel der Arbeit von Chase in Umlauf ge- 
kommenen zu weiterem Gebrauch zu empf ehlen ; Chase beruft sich 
fur denselben im Yorwort auf einen Satz aus der Dublin Review 
(July 1894, p. 52), in welcher H. Lucas, S. J., schreibt: The time 
is, we hope, not far distant, when the term 'Western' will for the 
future give place to the term 'Syro-Latin', the only one, which 
truly represents, in our opinion, the facts of the case. Wie wir 
indo-germanisch, oder indo-keltisch sagen um noch genauer zu 
sein und franzb'sische Empfindlichkeit zu schonen , wenn wir die 
Sprachen und Stamme bezeichnen wollen, die von den Indern bis 
zu den G-ermanen oder Kelten reichen, so ware Syro-Lateinisch 
die beste Bezeichung far eine Textgestalt, die gleich ausgepragt 
bei den Syrern im Osten Tiber die G-riechen in der Mitte bis zu 
den Lateinern im Westen nachzuweisen ist. Aber so oder so: eins 
ist klar: wie viele Probleme warten noch der Losung, die bei metho- 
discher Forschung durchaus nicht far immer iinlosbar bleibeu 
mufiten. 

Das Voranstehende war alles geschrieben worden, ohne daB ich die Aus- 
fiihrungen in Zahns Geschichte des Kanons I, 383 ff. kannte. Nachdem ich sie ge- 
lesen, wunderte ich mich, dafi sie in den damals mehr als 10 Jahren seit ihrem 
Erscheinen nicht langst die eingehendsten Untersuchungen veranlafit haben; solche 
selbst zu beginnen, war fiir mich damals und seither ausgeschlossen. Ich bin 
Lehrer von Gymnasialschiilern von 14 16 Jahren, denen ich die Anfangsgriinde 
des Hebraischen beizubringen habe und mit denen ich bisher 2 Stunden wochentlich 
im grieehischen NT. lesen durfte, jetzt nur noch eine. Ich habe keine Studenten der 
Theologie in das NT. einzufiihren, und habe keine Universitatsbibliothek und keine 
Universitatsferien zu meiner Verfligung, von andern Mitteln ganz zu schweigen. 
Glucklicherweise hat v. S o d e n in dem inzwischen vollendeten ersten Bande auch 
iiber Tatian die grttndlichsten Untersuchungen gefiihrt, freilich in einer Form, die 
ihr Studium nicht eben leicht macht, und ist dabei zu Ergebnissen gelangt, die 
dem Tatian noch einen weit grofieren EinfluB zuschreiben, als es im Vorstehenden 
bisher geschah. Nicht bloB Kirchenvater wie Klemens, Hippolytus und 
Irenaus stehen unter seinem Einflufi ( 369. 370. 373, s. o. S. 161). Nach 368 
wird der Zeugenwert von sysc fur die Peststellung des Urtextes ganz wesentlich 
herabgemindert; denn er entpuppt sich in der Hauptaache als eine Mischung des 
J-JEf-JC-Textes mit Tatians Diatessaron-Text. Hochst wahrscheinlich erfolgte die 
Mischung so, s daB der Ubersetzer von dem Wortlaut der schon seit langerer Zeit 



von Soden fiber Tatian. 239 

im Gebrauch stehenden syrischen Ubersetzung des D. sich stark beeinflussen und 
von der wortgetreuen Ubertragung des griechischen Originals sich ablenken liefi." 
Ebenso hat Tatian die altlatelnischen "Qbersetzungen beeinflu6t, die italische 
( 361) noch mehr als die afrikanische ( 357). Namentlich die erstere hat weiter- 
hin sehr haufig 65 = D beeinflufit, ,,also dafi ihm keine selbstandige Stimme zu- 
kommt 1 ' (p. 1570) ; B und ganz deutlich ist es, dafi die eigenartigen Lesarten in dem 
Text Lucians, B unserer K", der in Syrien und infolge der eigenartigen Entwicklung 
der Dinge, im ganzen spateren Mittelalter herrschend wurde, vor allem dem Dia- 
tessaron entstammen" ( 353, S. 1538). Ja, wie in K, so finden sich zuweilen auch 
in H und J Tatian-Einwirkungen, und sind so mehrfach Tatian-Lesarten durch 
die ganze griechische tiberlieferung vertreten. Da es nun unwahrscheinlich 
ist, dafi die 3 Eezensionen unabhanigig von einander solchen Einwirkungen Raum 
gegeben, so drangt sich die Vermutung auf, dafi schon in I-H-K, d. h. dem Text 
des dritten Jahrhunderts, Tatian-Lesarten zuweilen den Urtext verdrangt haben. 
Nicht umsonst sind darum die letzten Paragraphen v. S o d e n s tiberschrieben, 379 
Der Tatian fur sein Diatessaron vorliegende Text (S. 16321639), 380 Bedeutung 
des Textes des Diatessaron fur die Textkritik ( S. 1646), 381 Das unbekannte 
Land ( S. 1648). Im Eingang des 379 heifit es: nur die Hypothese, dafi der 
Text von Tatians Diatessaron in der Textgeschichte der Evv. eine bedeutende Rolle 
gespielt, erklare die bisher sich jeder annehmbaren Erklarung entziehenden Gemein- 
samkeiten der alten lateinischen und syrischen Ubersetzungen in sicher dem Urtext 
nicht angehorenden Lesarten und das sporadische Erscheinen dieser Lesarten in 
griechischen Codd. und bei Kirchenvatern, endlich das Entstehen einer so stark ab- 
weichenden Rezension wie K, in der Tatian noch einen letzten und dauernden Sieg 
gefeiert, unmittelbar ehe sein Werk der Vernichtung anheimfiel. Ja Tatians Dia- 
tessaron ist nach v. S. B im Grunde die einzige Quelle fur alle irgend bedeutsameren 
Abwandlungen des Evv.-Textes" (S. 1633). Im nachsten Abschnitt (flber die Be- 
deutung des Diatessarontextes fur die Textkritik), dafi seine Lesarten abgesehen 
von K, am haufigsten in sy und it, selten in af auftreten, unter den Ew.-Codd. weit- 
aus am haufigsten in 65 (== D), daneben bald in diesem oder jenem Kodex, unter 
den H-Co&A. ziemlich gleich haufig in 6 3 S 48, 56 und 376 (d. h. C 33 L 579), 
vielleicht haufiger noch in 6 2 (= N !)> kaum je in d 1 2 (d. n. der Vorlage von 
BN) und in 6 1 (== B) ; 6 5 = D ist von Tatian geradezu infiziert. Ja die Text- 
geschichte ist bis zur Entstehung der drei grofien Rezensionen im Grund nichts als 
ein Konkurrieren zwischen ihrer Grundlage (I-H-K) und Tatian. B Der Textkritiker 
sieht sich zuletzt in der Hauptsache vor die Aufgabe gestellt, zu entscheiden, wer 
von den beiden Konkurrenten den alteren Text vertritt." Da Tatian eine Be- 
arbeitung sei, werde man im voraus geneigt sein, ihn auf der andern Seite zu 
suchen; das bestatige sich auch, unmoglich sei es aber nicht, dafi auch einmal 
Tatian den alteren Text bewahrt habe. Hatte Tatian kein Diatessaron geschrieben, 
so wiirden wir beim NT. so gut wie bei der tibrigen handschriftlich erhaltenen 
Literatur eine sehr durchsichtige Textiiberlieferung besitzen. Gliicklicherweise habe 
Tatian nur selten unwichtige Worte eingeftigt, seltener noch Worte gestrichen, 
nicht wesentlich haufiger andere Ausdriicke gewahlt, noch viel seltener den Sinn 
selbst geandert, und auch das nur in leisen Niiancierungen. Tertullian und Origenes 
scheinen es gewesen zu sein, die die Forderung erhoben, dafi der Wortlaut bis aufs 
einzelnste mit peinlichster Treue wiederzugeben sei. Diese grundsatzliche Bindung 
an den Buchstaben fiihrte dann um die Wende des 3. und 4. Jahrhunderts zu dem 
dreifach unternommenen Versuch, den Wortlaut bis auf den Buchstaben festzustellen. 



240 Theorie und Praxis der neutestamentliclien Textkritik. 



B Wenn es gelingt dies ist der Schlufi des letzten Paragraphen und des 
ganzen Bandes den J-JET-Tif-Text herzustellen und ihn aus den alteren Texten, 
namentlich af, it, sysCj Ta, MQ, da und dort mehr oder wenig sicher zu emen- 
dieren, so dtirfen wir hoffen, den Text hergestellt zu haben, in dem die Evangelien 
in dem Jabrzent 130 140 in die Geschicbte eintraten, ein Text, der mindestens 
bei Mk und Lk kaum von dem Wortlaut abweichen diirfte, in welebem die Verfasser 
dieser Schriften sie ein bis zwei Generationen frliher veroffentlicht hatten. Nur 
bei Mt und Jo mufi die Moglichkeit vorbehalten bleiben, dafi die Kreise, die sie 
als ihr Werk und Bigentum betrachteten, ihnen erst bei Gelegenheit dieser tiber- 
nahme derselben durch die Gesamtchristenheit die endgiltige Redaktion gaben. 
Aber dies ist kein Gegenstand der Textkritik mehr." 

Nach dieser Darlegung der Grundsatze v. Sodens, in denen die Benennung 
,,westlicher Text" gar nicht mehr vorkommt, lasse ich dennoch folgen, was ich 
friiher dazu geschrieben, da es manche Erganzungen dazu und Abweichungen davon 
enthalt, insbesondere auch auf den zweiten Teil des NT.s Biicksicht nimmt. Icb fragte, 
was ist, kurz gesagt, der Wert des Codex Bezae und seiner Genossen? Meine 
Antwort lautete: 

Schon Theodor B e z a , dessen Namen er mit Recht tragt, 
machte die Wahrnehmung, dafi namentlicli in h und n so viel 
anders sei als in den andern Hdss., daC er sich. das nicht erklaren 
konnte; es machte ihm nicht den Eindruck, daB die Anderungen 
von ketzerischer Hand herrtihren, doch hielt er als vorsichtiger 
Mann es for angezeigter, dafi man den Kodex eher aufbewahre, 
als veroffentliche. Schon 800 Jahre fruher hatte B e d a , als ihm 
der jetzt Laudianus genannte Kodex, unser E, zur Hand kam, den- 
selben Eindruck; er verzeichnete quaedam quae in Graeco sive 
aliter seu plus aut minus posita vidimus. Er konnte sich nicht 
erklaren, utrum negligentia interpretis omissa vel aliter dicta, an 
incuria librariorum sint depravata sive relicta . . . n a m q u e 
graecum exemplar fuisse falsatum suspicari non 
a u d e o. Als man die Handschriiten systematischer zu vergleichen 
anting, erklarte B e n g e 1 , dafi die Textkritik viel einf acher wurde, 
wenn man um diese Hdss. sich nicht kiimmern mufite, und nannte 
sie als griechisch-lateinische vere bilingues. Alte Schfiler des 
Seminars Maulbronn erzahlten mir, dafi derjenige Lehrer, der der 
bedeutendste Philologe unserer Anstaltim Laufe des 19. Jahrhunderts 
war, Ephorus Baumlein, Herausgeber des Homers, Verfasser 
der Untersuchungen tiber die griechischen Partikeln und ahnlicher 
Werke, im nt.lichen Unterricht alle Augenblicke den "Codex Canta- 
brigiensis angefiihrt habe, ohne dafi sie aber recht verstanden 
hatten, was es mit diesem Kodex, tiberhaupt mit diesen Dingen, fur 
eine Bewandtnis habe. Yon wem ich denselben erstmals nennen 
horte, weifi ich nicht mehr; eine hervorragende Bedeutung wurde 
ihm zur Zeit und am Orte meiner Studien jedehfalls nicht zu- 



Westcott-Hort Tiber den westlichen Text. 241 

geschrieben 1 ). Umgekehrt liat schon Tischendorf ihm an 
einzelnen Stellen wie ^2,22; 11,6; ^24,52. 53 usw. gegen alle 
andern griechischen Hdss. recht gegeben; an andern Orten hatte 
er es fruher getan, dann aber seine Ansicht geandert, z. B. n 11, 12 ; 
wieder an andern Stellen war er geneigt, es zu tun, z. B. n 13, 45, 
ausdrticklich hervorhebend: Oeterum D quantopere passim inter 
omnes testes excellat constat. Mit eines der Verdienste, die sich 
Westcott-Hort erworben haben, ist die Beachtung, die sie 
dem Codex Bezae und seinen Genossen schenkten. In der An- 
merkung setze ich einige ihrer Ausfuhrungen bei, weil der erste 
Band der grofieren Ausgabe bei uns weniger verbreitet und studiert 
zu sein scheint, als er verdient. Sonst hatte man beim Auftauchen 
der BlaB'schen Hypothese sich. nicht bloB an Bornemann, sondern 
auch an den n exzentrischen Whiston" erinnert 2 ). In der Ausgabe 
von 1896 ftigte der ttberlebende Bearbeiter eine Additional Note bei, 



1 ) Authentischer Beweis dafiir diirfte die Tatsache sein, daB Scriveners Aus- 
gabe beim Auftauchen der BlaB'schen Hypothese, also nach 30 Jahren noch, auf 
der Tiibinger Universitats-Bibliothek fehlte. Dafi es anderswo nicht viel anders 
war, zeigt Grafes Mitteilung (Th. St. & Kr. 1898, 116), daB das Ex. der Berliner 
Bibliothek, als er 1888 seinen Aufsatz liber die Himmelfahrtsgeschichte schrieb, 
erst an wenig Stellen aufgeschnitten, 10 Jahre spater sehr abgegriffen war. 

2 ) 170. On all accounts the Western text claims our attention first. The 
earliest readings which can be fixed chronologically belong to it. As far as we 
can judge from extant evidence, it was the most widely spread text of Ante-Nicene 
times; and sooner or later every version directly or indirectly felt its influence. 
But any prepossessions in its favour that might be created by this imposing early 
ascendancy are for the most part soon dissipated by continuous study of its internal 
character. The eccentric Whiston's translation of the Gospels and Acts from 
the Codex Bezae and of the Pauline Epistles from the Codex Claromon- 
t a n u s , and Bornemann's edition of the Acts, in which the Codex Bezae 
was taken as the standard authority, are probably the only attempts which have 
ever been made in modern times to set up an exclusively or even predominantly 
Western Greek text as the purest reproduction of what the apostles wrote. This 
all but universal rejection is doubtless partly owing to the persistent influence of 
a whimsical theory of the last century, which, ignoring all Non-Latin Western 
documentary evidence except the handful of extant bilingual uncials, maintained 
that the Western Greek text owed its pecularities to translation from the Latin; 
partly to an imperfect apprehension of the antiquity and extension of the Western 
text as revealed by patristic quotations and by versions. Yet even with the aid 
of a true perception of the facts of Ante-Mcene textual history, it would have been 
strange if this text as a whole had found much favor. A few scattered Western 
readings have long been approved by good textual critics on transcriptional and 
to a great extent insufficient grounds ; and in Tischendorf's last edition their 
number has been augmented, owing to the misinterpreted accession of the Sinai 
MS. to the attesting documents. To one small and peculiar class of Western rea- 

H os tie, ElnlUhrung. 3. Aufl. 16 



242 Theorie und Praxis der neutestamentlichen Textkritik. 

die ein weiteres hochst wertvolles Zugestandnis in dieser Bichtung 
enth.alt J ). 

Noch mehr verdient der unvergleichliclie P deLagarde 
hier genannt zu werden, dessen Stimme man freilich zu seinen 
Lebzeiten wenig beachtet hat; schrieb or doeh schon 1857 tiber 
den Gantabrigiensis: facile patet, quum similibus libris careamus et 
ultra evangelia et actus nondum cogitem, totius editionis meae 



dings, exclusively omissions, we shall ourselves have to call attention, as having 
exceptional claims to adoption. 

202. In spite of the prodigious amount of error which D contains, these 
readings, in which it sustains and is sustained by other documents derived from 
very ancient texts of other types, render it often invaluable for the secure recovery 
of the true text: and, apart from this direct applicability, no other single source 
of evidence, except the quotations of Origen surpasses it in value on the equally 
important ground of historical or indirect instructiveness. To what extent its 
unique readings are due to licence on the part of the scribe rather than to faithful 
reproduction of an antecedent text now otherwise lost, it is impossible to say : but 
it is remarkable how frequently the discovery of fresh evidence, especially Old-Latin 
evidence, supplies a second authority for readings in which D had hitherto stood 
alone. 

240. On the other hand there remain, as has been before intimated ( 170), 
a few other Western readings of similar form, which we can not doubt to be 
genuine in spite of the exclusively Western character |of their attestation. They 
are all omissions, or, to speak more correctly, non-interpolations, of various length : 
that is to say, the original record has here, to the best of our belief, suffered 
interpolation in all the extant Non-Western texts .... With a single peculiar 
exception (Matt. 27, 49), in which the extraneous words are omitted by the Syrian 
as well as by the Western text, the Western non-interpolations are confined to the 
last three chapters of St. Luke. 

241. These exceptional instances of the preservation of the original text 
in exclusively Western readings are likely tho have had an exceptional origin. 

*) ,Note to p. 121; 170" p. 328: The Essays of Dr. Chase on The Syriac 
Element in Codex B ezae, Cambridge 1893, and The Syro-Latin Text 
of the Gospels, Cambridge, 1895, are a most important contribution to the 
solution of a fundamental problem in the history of the text of the New Testament. 
The discovery of the Sinaitic Ms of the Old Syriac raises the question whether the 
combination of the oldest types of the Syriac and Latin texts can outweigh the 
combination of the primary Greek texts. A careful examination of the passages 
in which syrsin and k are arrayed against NB would point to the conclusion. (Der 
eigentliche Titel der Arbeit von Chase ist iibrigens The Old Syriac, unter dem 
kiirzeren (Schmutz)-Titel fiihrt es auch Zahn an, Einl. 23, 352). Nach der Be- 
merkung des Vorworts lautet dies um so iiberraschender. For the rest, heifit es in 
letzterem, I may perhaps be allowed to say that no arguments have been ad- 
vanced against the general principles maintained in the Introduction and illustrated 
in the Notes since the publication of the first Edition, which were not fully con- 
gidered by Dr. Hort and myself in the long course of our work and in our jud- 
sement^dealt with accurately. Auckland Castle March 27., 1896. B. P. D[unelmensis]. 



Lagarde, BlaB und Zahn fiber D. 243 

quasi f un dame n turn futurum esse hunc codicem cantabrigiensem, 
sed eum eis librarii vitiis purgatum quae vitia esse agnita fuerint 
(Gesammelte Abhh. p. 98). Doch 1st nicht das sein Hauptverdienst, 
daB er den Cantabrigiensis so hoch eingeschatzt hat, sondern das, 
daB er die ubrigen Handschriften niedriger einschatzte, indem er 
nach einer Vergleichung von D mit den alteren ITbersetzungen, 
insbesondere auf das Zeugnis des Epiphanius gestutzt, sie als Ver- 
treter einer editio erkannte emendatorum orthodoxorum temeritate 
corrupta (ebenda S.96, 16 fL 97). Vgl. nochtJbersicht fiber die Bildung 
der Nomina S. 213, wo er das ^ta^av dvafiaLvew der emendati, far 
jtaQtfyyeiAav dvafialvEiv Ds" beizieht 1 ). Allgemeine Aufmerksam- 
keit erregte die Frage des n westlichen" Textes erst, als BlaC mit 
der Ansicht hervortrat, daB wenigstens ftir die Schriften des Lucas 
das ganze Dilemma ob D oder KB falsch gestellt sei, daC beide 
Gruppen recht hatten, indem D mit G-enossen fur n eine erste, far 
A eine zweite Ausgabe uns Tertrete, die andern umgekehrt. Ich 
habe diese Losung sofort als wahres Oolumbusei begrufit und bin 
noch heute fest tlberzeugt, dafi die BlaC'sche Theorie eher berechtigt 
ist, als die bisherige Wertung des westlicnen Textes. Vielleicht 
macht auf manche Leser auch die Tatsache Eindruck, die inzwischen 
Zahn (Einl. 2 8 S. 352) veroffentlichte: daB er im Winter 1885/6 in 
Erlangen in seinem Seminar als Preisaufgabe die Frage stellte: 
jjUntersuchung der sachlicn bedeutsamen Eigentumlicnkeiten des 
Cod. D in der Apostelgeschichte" und als das Ziel, zu welchem er 
die Untersuchung gelangen zu sehen hoffte, und welchem der Be- 
arbeiter, Fr. G-leiB, jetzt Pastor zu Westerland auf Sylt, sich 
einigermaBen genahert hat, sich damals schon aufzeichnete : n ent- 
weder das Konzept des Verfassers vor der Publikation oder Hand- 
exemplar des Verfassers mit nachtraglichen Eandbemerkungen des- 
selben". Zahn selbst war nicht weiter gekommen, war aber nicht 
nberrascht, als BlaB mit seiner bestimmter gefaBten und grund- 
licher durchgearbeiteten Hypothese hervortrat. In einem Punkt 
stimmt Zahn allerdings nicht mit BlaB zusammen, namlich in der 
Anwendung der Hypothese auf L Der Text, den BlaB als die 
romische Form oder zweite Ausgabe von A hergestellt habe, sei im 
Grunde nichts als ein kuhner Versuch den Text herzustellen, welchen 
man den abendlandischen nenne. Die so verschieden beantwortete 
Frage nach dem Wert dieser Textfoz'mation denn eine Rezension 

') Siehe meine Philologica sacra S. 3, wo ich diese Stelle Lagarde's beizog j 
da sie in einem Buclie steht, das den nt.lichen Textkritikern weniger leicht zu- 

ganglich sein wird. 

16* 



Theorie und Praxis der neutestamentlichen Textkritik. 

im eigentlichen Sinne sei sie niclit zu nennen betreflce aber 

keineswegs nur das dritte Evangelium, sondern auch die andern 

und die Paulusbriefe. Fur K falle nur der Abstand des abend- 

landischen Textes von dem andern, durch die altesten Hdss. und 

die breite Masse der griechischen Zeugen dargebotenen Texte deut- 

licher in die Augen, weil wir fiir X noch Marcion kennen ; die Frage 

sei aber wesentlich die gleiche. Bei A hatten wir niclit wie bei n 

einen Parallelismus gleich berechtigter Texte, sondern wir stunden 

mit der Frage, was Lukas im Ev. wirklicli geschrieben habe, durch- 

weg vor einem Entweder-Oder. Dies Urteil tiber den Text yon h 

schwache aber das Urteil tiber die Textfornaation von n keineswegs 

ab. Mit Entschiedenheit tritt weiter Zahn, der sick schon frtiher 

n als Verehrer des abendlandischen Textes" kund gegeben, dafur 

ein, daB in diesem abendlandischen Text ich will ihn fortan mit 

Zahn und BlaC p nennen viel TTrsprtingliches bewahrt worden 

sei. Wie vor aberglaubischer Verehrung der sogenannten besten 

Handschriften 1 ), welche mit viel Verachtung der viel alteren Uber- 

lieferung (Marcion, Irenaus) gepaart sei, miisse man sich ebenso 

vor einer krankhaften Vorliebe Mten fur alle interessanten Gebilde 

und Auswttchse der wild gewachsenen Uberlieferung des zweiten 

und dritten Jahrhunderts, womit sich die falsche Vorstellung ver- 

binden mufite, als ob die gelehrten Textrezensenten um 300 ledig- 

lich Textverderber gewesen seien, wie etwa n die Verbesserer unserer 

Kirchenlieder im Zeitalter des Eationalismus". Ich habe schon 

vor 30 Jahren als Repetent in Tubingen den Eindruck gehabt und 

und ihn meinen Kollegen gegenubef mundlich oft genug ausge- 

sprochen, die moderne Textkritik finde sich n auf dem Holzweg". 

Textkritische Studien zum NT. lagen mir damals und liegen mir 

eigentlich noch heute fern, soweit nicht schon nach Augustin jeder 

der mit der h. Schrift sich abgeben will, solche treiben mufi. -Ich 

bin auch heute noch durchaus nicht gewillt, tiber ein System, an das 

Westcott-Hort die Arbeit eines Menschenalters geruckt haben, 

und dies mit Schaffung und Benutzung eines Apparats, der einem 

Deutschen, vollends einem nicht-akademischen Deutschen, entfernt 

nicht zu G-ebote steht, den Stab zu brechen. Auch zu den Ergeb- 

nissen von Zahns Forschungen wiirde ich mich noch lieber nur 

lernend und bewundernd verhalten. Am liebsten endlich hatte ich 

davon berichtet, da6 v. So dens Arbeit alles klar gelegt habe. 

Solchen Leistungen gegenuber komme ich mir wie ein Schlachten- 

r ) M Du sollst keine Handschriften anbeten" lautet, wie schon angefiihrt, eins 
der 10 Gebote, die L e h r s den Philologen gegeben hat. 



Wert von D, Unwert yon KB. 245 

bummler vor auf dem Kampffeld der neutestamentliclien Text- 
kritik, und ich bitte alles Folgende wie das Vorangehende nur als 
Anregungen zu betrachten, die von anderen bentitzt oder zurtick- 
gewiesen eine spatere Generation vielleicht dem Ziele naher ftihren. 
In diesem Sinn habe ich schon in meinen Philologica sacra (1. 15. 
Marz 96) aus AnlaB der bei Tischendorf vollig fehlenden Lesart 
Aaov = vaov = isqov 2 22, 52 durch ein paar Analogien zu zeigen 
gesucht, ,,wie oft in D das Richtige erhalten ist". Ich 
nannte A 18, 30 knian&aolova, 24, 37 (pdviaa^a^ fi 1, 6 dtygiv 
xapriAov, (10 dvoiy(ivovg, doch konnte das auch aus M 3, 16. ^3, 21 
eingetragen sein), 1,40 dgyiafrets] M 26, 73 d[toidei. Bei der 
ersten Ausarbeitung dieser Einfiihrung im Jahr 95 schrieb ich aus 
AnlaC des offenbar aus i 19, 34 stammenden Zusatzes zu M 27, 49 
der sich in vielen Zeugen, auch tfBC, findet und im Jahr 510 in 
Konstantinopel Gegenstand einer heftigen Debatte zwischen Severus 
und Macedonius war, bei welcher Gelegenheit das n prachtige" 
Exemplar des Matthausevangeliums ins Feld gefiihrt wurde, das 
unter der E-egierung des Kaisers Zeno im Grab des Barnabas ge- 
funden, von ihm selbst geschrieben sein sollte und die Stelle nicht 
enthielt: w Nur zwei Moglichkeiten sind denkbar: entweder ist die 
Stelle hier ursprunglich und dann wegen ihres Widerstreits mit 
i 19, 34 frtihzeitig getilgt worden; oder sie ist eine 
Einschaltung; dann muB diese sehr fruh erf olgt sein, und 
mussen schlieBlich all die Zeugen, die sie ent- 
h alt en und die sonst oft sehr weit auseinander gehen, auf ein 
und dasselbe Exemplar zuruckgehen; denn die dritte 
Moglichkeit, daB in verschiedene Exemplare unabhangig von ein- 
ander derselbe Satz an derselben Stelle in den Text gekommen sei, 
wird doch niemand wahrscheinlich finden. Wenn aber der 
zweite Fall als der richtige anzusehen ist, dann 
sehenwir, wasesmitderUbereinstimmung unserer 
altesten Zeugen, vor allem also unserer Haupt- 
handschriften i^BOL auf sichhat. Es sindnichtun- 
abhangig voneinander aus der e inen Par adi eses- 
quelle geflossene Strome; sie waren schon eine 
gute Strecke miteinander geflossen und ziemlich 
verunreinigt, ehe sie sich trennten." 

Dem fugte ich 2 Jahre spater beim Druck der ersten Aus- 
gabe S. 128 1897 bei: 

w Auch dies muC jetzt noch viel entschiedener betont werden, 
daB die Ubereinstimmung von BN , auf welche fast die ganze bis- 



246 Theorie und Praxis der neutestamentlichen Textkritik. 

herige Textkritik gebaut war, gar nichts beweist. Im Sirach war 
der gemeinsame Archetypus von BK jtinger als der Ursprung der 
lateinischen Ubersetzung, offenbar sogar ziemlich jimger; denn schon 
in ihm waren Fehler vorhanden, die sich in unsern andern Hand- 
schriften (oder deren Quellen) noch niclit finden. Salmon ist der 
Meinung, Westcott-Hort hatten den Text hergestellt, der in A lex an - 
drien im dritten Jahrhundert am meisten gait und vielleiclit 
im vorhergehenden dorthin gekommen sei. Dies ist niclit fern von 
Boussets Ansicht, nach welchem B uns vielleieht die Revision 
des. Hesychius erhalten hat. Salmon nennt das Ergebnis ihrer 
Arbeit ein sorgfaltiges SchlieBen der Stallture, nachdem das Pferd 
gestohlen sei. B u r g o n s paradoxes Wort, die Handschriften B N 
seien uns deswegen erhalten geblieben, weil sie die schlechtesten 
seien, kam ihm friiher lacherlich vor; jetzt diinkt es ihm gar nicht 
mehr unwahrscheinlich, dafi sie wegen ihrer Abweichnng von der 
s p a t e r herrschend gewordenen Textgestalt bei Seite gelegt worden 
seien. Ist dem so, dann haben sie dasselbe Schicksal erfahren, das 
sie der von ihnen verdrangten Urgestalt bereitet haben; und wie 
ihr Text unter dem EinfluB von Tischendorf und Westcott - Hort 
den textus receptus des 16. und 17. Jahrhunderts aus den Handen 
der Theologen verdrangt hat und am Ende des 19. Jahrhunderts 
selbst zum textus receptus geworden ist, so wird vielleieht 
der von den Bauleuten verachtete Kodex D zum 
G-rundstein eines neuen Baues werden. Auch v. Geb- 
hardt schreibt jetzt (Urtext S. 54) fiber die Ausstellungen , die 
man teils gegen die ganze Methode von Westcott-Hort, toils gegen 
ihre besondere Wertschatzung des. Codes Yaticanus, teils gegen die 
Stellung erhoben habe, die sie dem von ihnen sogenannten western 
Text angewiesen hatten; -,,wenn diese Ausstellungen be- 
rechtigt sind, so gerat der festeBoden, welcher fur 
den Text des NT.s endlich gewonnen zu sein schien, 
wieder ins Schwanken". 

Dieser Eindruck, daC der feste Boden wieder ins Schwanken 
komme, hatte sich mir, als ich die zweite Auflage dieser Einftihrung 
herausgab, namentlich auch durch die Einleitung von Z a h n , be- 
deutend verstarkt und ist jetzt durch v. So den's Arbeit, was 
die .Z?-Grruppe betrifft, zur G-ewiCheit geworden; nur freilich, dafi 
ich jetzt weniger als je in der Lage bin, positive Vorschlage zu 
machen, auf welchem Wege das Ziel der nt.lichen Textkritik zu 
erreichen sei. Denn daC man einem Zeugen oder einer Gruppe von 
Zeugen durch Dick und Pi5nn iolgt, was eigentlich das einzig 



Sammlung und Bearbeitung des Materials. 247 

konsequente ware, scheint nicht anzugehen, namentlich auch bei 
Kodex D nicht. Vgl. die oben angefuhrten Bemerkungen von 
Westcott-Hort Tiber Whiston und Bornemann, vor allem aber 
59 n die zwiefache Textrezension der Apostelgeschichte" in Zahn's 
Einleitung (II 8 , S. 336 365) und die Erorterungen, die sich seither 
an die BlaB'sche Hypothese anschlossen. Und das n eklektische tt 
Verfahren, bei welchem B o u s s e t bei seiner Durcharbeitung der 
a als dem einzig moglichen anlangte, ist do^ch das Gegenteil der 
genealogischen Methode, die in der Theorie als die einzig richtige 
anerkannt werden mufi. Zuerst muBte man es aber mit derselben 
auf eine neue Probe ankommen lassen. Das wird auch nach 
v. So den's Arbeit nock gelten; man vergleiche die schon er- 
wahnten Ausstellungen von B. WeiC und H. Lietzmann gegen seine 
Herstellung des Stammbaumes und der Urgestalt der Perikope von 
der Ehebrecherin und seine eigenen Berichtigungen dazu. Vor 
alien Dingen nraBte man aber das schon vorhandene Material voll- 
standig berncksichtigen. 

Zu dieser letzteren Porderung nur ein Beispiel. 

Ed. Miller gab 1896 mit Burgon's The traditional text of the holy 
Gospels dessen Appendix IV tiber ,,St. Mark. 1, 1" heraus (p. 279286). Burgon 
beginnt mit der Angabe, die Worte n des Sohnes Gottes " fanden sich in every 
known copy but three (tf, 28, 255); in all the Versions; in many Fathers." 
Er schliefit, nachdem er eine Keihe Vater aufgezahlt: The clause is found besides 
in all theVersions and in every known copy of the Gospels but three ; two of 
which are cursives. On what principle Tischendorf would uphold the authority 
of tf and Origen against such a mass of evidence has never been explained. . . . 
What more obvious than that the words at some very remote period should have 
been fraudulently removed from certain copies of the Gospels." 

Als die Britische und Auswartige Bibelgesellschaft zu ihrem Jubilaum den 
Text meiner Stuttgarter Ausgabe statt ihrer bisherigen Nachdrucke des Textus 
receptus ubernahm und wiinschte, dafi der neue Text auch den neuen Ubersetzungen 
in fremde Sprachen und neuen Eevisionen schon bestehender Ubersetzungen zu grund 
gelegt werde, gab es in Indien grofie Schwierigkeit. Dort wurde eben die Urdu- 
Ubersetzung revidiert. Was werden, hiefi es, die Muhammedaner sagen, die mit 
dem Vorwurf der Schriftverfalschung ohnedies so rasch bei der Hand seien, wenn an 
einer so in die Augen fallenden Stelle der ,,Sohn Gottes K gestrichen werde! Mit 
dieser praktischen Frage habe ich mich hier nicht weiter zu befassen; da aber auch 
die rein wissenschaftliche nicht zweifellos gelost war, gereichte es mir zu grofier 
Beruhigung bei einer Durchsicht des ^Atlas zum Katalog der armenischen Hand- 
schriften der K. Universitatsbibliothek zu Tubingen" (Tiib. 1907) eine im Jahr 1113 
aus einer alteren Eds. von 893 kopierte Hds. abgebildet zu finden, in der n des 
Sohnes Gottes" von erster Hand weggelassen und am Rand nachgetragen ist. Ob 
das auch in anderen Hdss. der armenischen Ubersetzung zutreffe, wisse ich nicht, 
schrieb ich in einer kleinen Mitteilung iiber n Mark. 1, 1 and the Revisers" (JThSt. IX, 
Oct. 1907, 101). Seither teilte. mir H. Goussen mit, daft sie auch in der oben 



248 Theorie und Praxis der neutestamentlichen Textkritik. 

erwahnten Moskauer Hds. von 887 fehlen, dem altesten geschriebenen Denkmal der 
armenischen Literatur (s. S. 158). Dadurch gewinnt dies Fehlen ein ganz anderes 
Gewicht. Solange es nur aus der einen TiiMnger Hds. von 1113 bekannt war, konnte 
es ein zufalliger Pehler ihres Schi'eibers sein, seit es nun auch aus der Hds. von 
887 belegt ist, gehort es offenbar schon ihrer Vorlage von 893 an. Ob das nun ein 
Zeugnis aus zweier Zeugen Mund ist, oder die Tiibinger Hds. von der Petersburger 
abstammt, harrt noch der Untersuchung. Aber eine fur die nt.liche Textkritik so 
wichtige Erkenntnis sollte doch nicht von dem zufalligen Umstand abhangen, daB 
mir der Tiibinger Oberbibliothekar ein Exemplar seines Katalogs zur Besprechung 
im Wtirtt. Staatsanzeiger zuschickt. Merkwurdig ist auch, daB v. S o d e n dem 
Unterschied der Lesart viov tieov und viov TOV &eov gar keine Beachtung 
schenkt. Br sehreibt in 326 unter den einer objektiven Entscheidungsinstanz ent- 
behrenden Fallen von Varianten: M om viov TOV &eov Ja 050 168 H 62* 1341 na Q^ 
und fiigt hinzu: ,,daB in Erinnerung an p 1, 4. 9 viov TOV &eov zugesetzt wurde 
scheint eher begreiflich. Zur Not kb'nnte freilich auch die sonst nie diesen Zusatz 
bietende Formel Iv Xv den Zusatz abgestofien haben; doch ist das sehr unwahr- 
scheinlich." Es sind also durch v. S o d e n 2 neue Hdss. hinzugekommen, von denen 
050 besonders wichtig ist (s. o. S. 203) ; 1341 ist eine Hds. vom Athos (bei Gregory 
1555) ; Burgon's Hds. 255 tilgen v. Soden und Gregory als Kommentar ohne voll- 
standigen Text; iiber die Variante &eov und TOV d-eov s. meine Bemerkung im 
JThSt. Als etwaigen Grund der Weglassung hatte v. Soden auch anf iihren konnen, 
daB Titel gerne gekiirzt werden; vgl. Peveais fur Pevecris xoapov, Egodog usw., 
und ft 1,1 konnte als Titel angesehen werden, falls es dies nicht in der Tat ist. 

Und da far einen einzelnen Arbeiter die Aufgabe zu grofi 
ist, wie ware es, wenn einmal in den exegetischen Seminarien 
unserer theologischen Fakultaten entweder die einzelnen Zeugen 
je Mr sich neu untersucht, oder umgekehrt vom Text des NT.s ganz 
kleine ausgewanlte Stticke, ein einzelnes Kapitel, ein einzelner Brief 
wie 2. 3 i, <$ je an verschiedene Bearbeiter verteilt wiirden, um far 
dieselben samtliche Zeugen abzuhoren, und sie dann die Ergebnisse 
miteinander yergleichen warden 1 )? 

J ) Vergleiche dazu Job. WeiB, Die Aufgaben etc., S. 8: n Ein grofies Desi- 
derium ist auf diesem wie auf den meisten Einzelgebieten unseres Faches : GroBeres 
Zusammenarbeiten, etwas mehr Organisation und gegenseitige Rucksichtnahme. 
Wie viel Zeit- und Kraftversohwendung findet da statt, wo jeder Forscher sich 
berufen fiihlt, die Probleme ganz von neuem auf eigene Hand zu walzen, ohne 
dabei rechts und links zu sehen! Wie viele notwendige Spezial- und Vorarbeiten 
bleiben ungetan, weil sie die Kraft eines Mannes, der tanner nur das Ganze im 
Auge hat, ttbersteigen. Sollte es nicht moglich sein, die Arbeit nach einem gut 
ausgearbeiteten Plan zu verteilen und dann, nachdem die nb'tigen Spezialarbeiten 
vorliegen, eine Zusammenfassung zu versuchen? Bei dem gegenwartigen Zustand 
der Personen und Sachen ist das wohl eine Utopie." Ich erinnere an die Absicht 
der Oxf order Universitatspresse, S.59; auch die Society for Biblical Study" konnte 
einen Mittelpunkt abgeben. Oder sollte sonstwie die Arbeit organisiert werden. 
Ein Gliick, daB wenigstens fur die lat. Bibel durch die plena et suprema potestas 
iurisdictionis in ecclesiam universam gesorgt ist; nur daB gerade die Entscheidungen 
der commissio pontificia de re biblica auch die Kehrseite dieses Gltickes zeigen. 



Sonderausgaben der Rezensionen. 249 



Weiter muBte man sofort den Apparat yon all denjenigen 
Hands chriften entlasten, die als Vertreter einer bestimmten Re- 
zension sicher erkannt sind, und auch oinmal fur's NT., wie das 
der eine de Lagarde fur die Halfte des so viel groBeren AT.s 
getan hat, die Lucianische Rezension mit oder ohne Apparat 
fur sich drucken. 

Das ist inzwischen dutch die Patriarehatsausgabe von Konstantinopel (1904, 
s. o. S. 5 u. 199) freilich noch unter der Voraussetzung geschehen, damit den Urtext 
hergestellt zu haben, und iiber Matthai's Arbeit (s. S. 21 f.) sagt v. Sod en, 
daB er Griesbach's als Tertiargebilde eingeschatzte byzantinische Eezension fur den 
Urtext erklarend damit fehlgegriffen, aber durch seine saubere und niichterne Arbeit 
schon damals diese hochbedeutsame Textgestalt in fast vollig zutreffender Form 
rekonstruiert babe. B Hatte man seine Arbeit nach dieser Seite bin zu wiirdigen ver- 
standen, so hatte sein Text filr alles weitere sondierende Vordringen zu anderen, 
sei es nun Typen oder Familien oder Rezensionen einen brauchbaren festen Aus- 
gangspunkt bilden kb'nnen" (S. 5). Was vom Text des Lucian gilt, ware ebenso 
vom Text des Hesychius und Eusebius zu sagen, wenn diese mit ahnlicher 
Sicherheit hergestellt werden kb'nnten, und v. S o d e n wird uns ja wohl den Text 
liefern, der diesen drei zu grund liegen soil. Vielleicht dafi wir dadurch um ein 
Stiick weiterkommen. Inzwischen kann ich, was ich vor 10 Jahren schrieb, fast 
unverandert wiederholen. 

Endlich muBte die Untersuchung des westlichen Textes yiel 
genauer als bisher geschehen ist, vorgenommen werden. Zwar hat 
ja WeiB dem Kodex D in der Apostelgeschichte ein eigenes Heft 
der Texte und Untersuchungen gewidmet; aber es wird keine Yor- 
eingenommenheit sein, wenn man zu dem Ergebnis gelangt, daB 
auf dem von WeiB befolgten Wege die Losung nicht sichergestellt 
werden kann. Die eine Tatsache z. B., daB in den Beden des 
Petrus der /?-Text so gut wie keine Abweichungen aufweist, wird 
von WeiC zwar konstatiert, aber nirgends erklart oder verwertet. 
Auch daB Zahn in einer nt.lichen Einleitung so genau auf die 
Textkritik eingeht, ist ein hochst bedeutsamer Fortschritt, und seine 
Wurdigung des abendlandischen Textes freudigst zu begruBen. Es 
wird sich aber sofort jedem Leser die Frage nahe legen, ob seine 
von BlaB abweichende Beurteilung des /3-Textes in X nicht fur seine 
eigenen Aufstellungen uber n verhangnisvoll wird. Gilt hier nicht, 
wer a sagt, muB auch b sagen? Wer fur n eine Doppelausgabe 
zulaBt, muB er das nicht auch fur ^ tun? Umgekehrt, wenn in ^ 
dies nicht der Fall ist, sind dann nicht auch die Verschiedenheiten 
in n anders zu erklaren? Denn das scheint doch sicher, daB die 
Variantenin X 24 in engster Beziehung stehen 
zumText von n\. Oder auf welch anderem "Wege will man die 
Texte in A 24, 51 53 erklaren? Ein G-rund wird von W-H. geltend 



250 Theorie und Praxis der neutestamentlichen Textkritik. 



gemacht: das xai dvsqteQeto f/g tbv ofiqavov sei evidently einge- 
schoben worden von der Annakme aus, dafi eine Trennnng von den 
Jungern am Schlufl eines Evangeliums die Himmelfahrt sein mtisse. 
In Wirklichkeit habe apparently die Himmelfahrt nicht innerhalb 
des eigentlichen Ziels der Evangelien gelegen, wie ihre echte Texte 
zeigen. Ihr wahrer Platz sei an der Spitze der Apostelgescliichte 
gewesen, als Yorbereitung far den Pfingsttag und so als Anfang 
der Kirchengeschichte. Das laBt sich ja horen; ebenso lafit sich 
nocli lioren, daC das nQoouvvfiaawies atitov Yers 52 die nattirliclie 
Folge der Einschiebung von ual dverpsqexo sic, tbv oiiguvdv sei. 
Wie soil dann aber die Vertauschung von siitoyovvTec, und alvovvvec, 
im nachsten Yers erklart werden, welche durch ganz dieselben 
Zeugengruppen vertreten ist 1 )? 

Wenn dieser Grund also wegen Yers 53 nicht genttgt, so wird 
ganz gewiC auch gesagt werden durfen: eine Streichnng der Himmel- 
fahrt und Anbetung des Erhohten durch irgend einen spateren 
Schreiber ist von dem Augenblick an so gut wie undenkbar, seit 
A von n abgetrennt und den Evangelien eingereiht war. Am ehesten 
konnte man es von dem jiQooxvwfjoawceg afitdv sagen, das in n 1 
nicht ausdrticklich von den Jiingern berichtet ist. Sie ist aber sehr 
gut denkbar, in dem Augenblick, in welchem der Yerfasser dem 
nQ&wc, /Idyog einen deviEQOc, anftigte. Insofern scheinen mir diese 
Yarianten sehr gut zur BlaB'schen Theorie und zu keiner andern 
zu stimmen. Soweit ich sehe, hat sich Zahn uber dieselben nirgends 
ausgesprochen, namentlich nicht fiber die sachlich am unwesent- 
lichsten, textkritisch am wichtigsten, die Anderung von aivovvisc, : 



x ) Nur anmerkungsweise sei auf die interessante Verteilung der Zeugen auf- 
merksam gemacht: Vers 51 die Weglassung von K. avey. eie * OVQ. bezeugen $* 
D syrsin a b d e ff 1* Aug. 1/2 ; Vers 52 die Weglassung von nQocmvv. avtov be- 
zeugen D syrsin a b d e ff 1 Aug. 1/1; Vers 53 die Lesart cuvovvves fiir svAoyovvTes 
bezeugen D a b"d e ff 1 r (Aug.) (syrsin hat hier pD13D, nicht prO^D wie 2, 13. 
20. 19, 37, also etf/toyowreg). Ich frage, darf man in Vers 52 D und Genossen recht 
geben, um in Vers 53 dieselbe Zengengruppe zu verwerf en ? und welche Verstarkung 
gewinnt das Gewicht von D in Vers 51 darch den Zutritt von tf*? Die beiden in 
Schillers Tell vertretenen Standpunkte : ,,der Starke ist am miichtigsten allein. Ver- 
einigt werden auch die Schwachen machtig" gelten sie auch fiir die Textkritik? 

a ) v. S o d e n urteilt jetzt daruber (S. 1572) : Vers 51 lautet ohne Zweifel 
der Urtext xal di^att] &n' afa&v . . . Tatian schob xal dvecpfyero els T &v o-6(>av6v 
ein, dessen spatere Auslassung, falls es im Urtext stand, ganz unbegreiflich ware. Ihm 
folgten alle anderen Zeugen; nur sysfc] stellte avecpEQero 1 Sisaiy ein. Ob 53 om 
ngoaxvvriaavces amov sys[c] af it (a b ff a 1 d gegen c q r 1 f) <55 wohl durch Re- 
miniscenz an 33, n 1, 21 oder die Einschaltung in alien ubrigen Zeugen durch 



Schlufi des dritten Evangeliums. 251 

G-rafe hat in den ThSt. u. Kr. 1898, IS. 136 1 die ktirzere 
Form nach dem Vorgang von Birt, Etiegg (ebenda 1896, 94 
bis 101) aus Raummangel erklart, daC Lukas zuerst i'roh war, die 
knrzere Fassung n noch ganz unten auf seiner Rolle unterzubringen" 
und so das Buch an Theophilus absandte, hoffend die Himmelfahrt 
in der zweiten Schrift zu behandeln. In der zweiten Ausgabe habe 
er Platz genug gehabt, um die Worte Y.OI dveq>. eig i. otg., ferner 
nQoaxvwfjaavTes afaov, endlich eiUoyowTeg 1 ) einzuschieben. Er 
machte diese Zusatze in dem richtigen Gefuhl, daC es keinen 
wurdigeren AbschluB des Lebens Jesu geben konne, als eine kurze 
Andeutung der Himmelfahrt, die er bereits in den acta naher be- 
schrieben hatte. Auch verbesserte er '&> ngbg in ^'wg e/g. Alle 
diese Anderungen stehen im Znsammenhang [aber in welch em?] 
mit der ebenfalls veranderten Einleitung in die Apostelgeschichte. 

We i B (Vater und Sohn) streicht n die aus Act. 1 eingekommene 
Grlosse" Y.O.I avecp. sig T. QVQ., n desgl." Vers 52 ngoax. afabv* ist 
das auch Glosse aus n 1? ; welchen Text sie in Vers 53 fur den 
richtigen halten, dartiber lassen sie den Leser vollig ungewiC. In 
der Textkritik der Evangelien sagt B. WeiB: Das eben noch (v. 
50. 51) in anderem Sinn gebrauchte svAoyeiv sei 24, 53 schon fruh 
nach 2, 13. 20. 19, 37 in aweiv verwandelt worden, das schon AA 
Mj mit dem Ursprtinglichen kombiniert hatten, und S. 181 nennt er 
aivovvTEc, xai einfach einen ,,Zusatz". 

DaC aivelv, das in C r e m e r s Worterbuch 9 654 unter den 
Synonymen von efiAoysiv nicht aufgefuhrt, nur S. 655 mit der Les- 
art alvovwtec, v.a.1 evAoyovwss aus unserer Stelle zitiert wird, das 
spezifisch lukanische Wort fiir n loben" ist, wahrend s-dAoysiv in 
diesem Sinne in n gar nicht, in ^ nur in den 2 ersten Kapiteln 
vorkommt, dafi weiter aivelv ebenso stehend dem bbn wie etitoyelv 
dem "|13 entspricht, wahrend die umgekehrten Entsprechungen 
beide gleichmaCig vereinzelt sind, zeigt ein Blick in die Konkor- 
danzen. Um so sicherer ist meiner Auffassung nach das von 



Tatian veranlafit ist, entzieht sich einer sicheren Entscheidung." Ob sich v. Soden 
irgendwo uber die Anderung alvovvreg zu etiAoyovvres ausspricht, die mir textkritisch 
am wichtigsten scheint, weifi ich nicht. S. 1451 sagte er, die Auslassung von tiai avey. 
eis T. OVQ. komme wohl nicht fiir eine der Rezensionen, aber eventuell flir I-H-K 
in Betracht, dessen Text, wenn nicht it den EinfluB iibte, auch wenn ihn die drei 
Rezensionen verschmahten, wohl in einzelne Codd derselben eingedrungen sein kann. 
*) So ; ob Graefe das dazu gehb'rige xai vorher oder nachher haben will, ist 
nicht zu erkennen. Offenbar will er nicht mit dem Athiopen etiAoyovvreg xal 
alvovvieg, sondern mit der Masse der Zeugen alvovvreg xal etAoyovvres lesen. Die 
Stelle ist als hiibsches Beispiel fiir conflation bei W-H. in 146 behandelt. 



252 Theorie und Praxis der neutestamentlichen Textkritik. 



Tischendorf bevorzugte, von Westcott-Hort und WeiB verworfene 
atvovvTSs das ursprnngliclie x ). 

Verbinden wir mit dieser Stelle vom Ende des Evangeliums 
nur eine einzige aus n, um die ganze Sehwierigkeit des Problems 
zu zeigen. Wie lautet das Aposteldekret in c. 15? Tiber etwas 
zu urteilen, ehe man den Tatbestand kennt, gilt allgemein als 
unstatthaft" schrieb Hilgenfeld in seiner Zeitschrift; ftber das so- 
genannte Apostelkonzil und Aposteldekret habe man aber bisher 
so geurteilt, und er stellt dort den Text im ganzen so her, wie ihn 
BlaB ftir die editio romana konstruiert hatte, d. h. urn bei dieser 
einen Hauptsache stehen zu bleiben mit Weglassung des n Er- 
stickten". Umgekehrt kam Harnackin seiner Abhandlung zu dem 
Ergebnis, daB der orientalische (hergebrachte) Text der ursprimg- 
liche und der abendlandische eine spatere Korrektur sei, gemaeht 
n a c li der Didache, friihestens im ersten Dezennium des zweiten 
Jahrhunderts. Zu demselben Ergebnis ist auch Z a h n in der 
aufierst umsichtigen Erorterung (Einl. II 3 , 348 ff.) gekommen. Die 
beiden Texte schlieBen sich hier aus (15, 20. 29 ; 21, 25) ; also konnen 
sie nicht beide auf denselben Yerfasser zuruckgefuhrt werden. Aber 
zeigt nicht eben das entgegengesetzte Ergebnis uber die Stelle, zu 
dem ein so umsichtiger Forscher wie Harnack kam, daB derselbe 
Mann zu versohiedenen Zeiten verschieden schreiben kann? Ubrigens 
fugte Zahn sofort hinzu: wenn Blafi an diesem -wichtigen Punkte, 
wie an manchen minder wichtigen Stellen Mr ein ursprungliches 
Element des Textes erklare, was sich nur als eine in fruhe Zeit 
hinaufragende Entartung herausstelle, so tue das der Richtigkeit 
seiner Hypothese keinen Eintrag. Das ist ganz gewifi und mufi 
namentlich gegen Wendt bemerkt werden, der sogar n offenbare 
Schreibversehen" als n zum wirklichen /3-Texte gehorig" ins Feld 
ftihrt. Die Stellen sind auch schon von C o r s s e n gegen Blafi 
ins Fold geftthrt worden. Was er in seiner Ausgabe des Evan- 
geliums p. XXVI gegen Corssen bemerkte, scheint mir nicht ohne 
Grund, aber seltsam bleibt die Sache so wie so, daB man in einem 
offiziellen Aktensttick, wie es die n 15 getroffene Entscheidung ist, 
geandert haben soil, mag nun die Anderung auf den ersten Ver- 
fasser oder auf eine spatere Mittelsperson zurtlckgehen. DaBMethode 
in der Anderung ist, beweist ihre Wiederkehr an 3 Stellen. Aber 



x ) Ein signifikantes Beispiel, wie wenig der Text der Stuttgarter Ausgabe 
als der von mir vertretene gelten darf . Preuschen verzeichnet im Worter- 
buch unter alvfo: Neben eiiAoyetv Lc 24, 53 [unsicher]." In der vg. entspricht ihm 
laudare ; in Mfti kommt es gar nicbt vor. 



Doppelte Form des Aposteldekrets. 253 

wieder mufi ich die Vorzuglichkeit von D betonen. Wahrend in 
15, 20. 29 nocli andere Zeugen fur den kurzeren Text eintreten, 
steht er in 21, 25 mit dem gigas Holmensis bis jetzt allein da. Ich 
kann die Frage nicht entscheiden; ich kann sie nur zu eindringendem 
Studium empfehlen, bei dem insbesondere die scheinbar so zweck- 
losen Abweichungen, im G-ebrauch der Partikeln und Synonyma, 
der Simplicia und Komposita und derlei scheinbare Minutien be- 
achtet werden mussen. Ich kann nur meinen Eindruck wieder- 
holen, wie oft mir, als ich fur mein Supplement Scriveners Aus- 
gabe des Kodex D mit dem Tischendorf - Gebhardtschen Text 
verglich, unwillkurlich es kam, daskonnen keine Anderungen spaterer 
Schreiber sein, wozu denn? das erklart sich am einfachsten so, daC 
der Yerf. das einemal eben so, das anderemal eben so schreiben 
wolltei). 



*) In v. Sodens umfangreichem Kapitel iiber 6 5 S. 1305 1340 handelt einer 
der langsten Abschnitte iiber die Sonderlesarten von 6 5 und deren Beziehungen zum 
lateinischen Text ( 292). Ihre nachstliegende Erklarung liege zweifellos darin, dafi 
die lat. Sprache kein Wort fiir einen seltenen griech. Ausdruck hatte und ihn durch 
einen einfacheren wiedergab, der dann ins Griech. iibersetzt iibergeschrieben wurde 
und bei der Abschrift den urspriinglichen verdrangte. Die Liste solcher Falle sei 
ganz stattlich. Als zweiten nennt er nach M 10, 16 artAovaraToi 1 av.eqa.ioi das oben 
hervorgehobene deggyv 1 tQiftas (* 1, 6. In Mt 10 hat der Lat. allerdings simplices, 
aber nicht den Superlativ und wie ddQQtg (statt iQi%es) Wiedergabe des lat. pili 
sein soil, verstehe ich nicht, vollends wenn ich die weitere Abweichung in D, die 
Weglassung des Ledergurtels, hinzunehme. Die (gegerbte oder ungegerbte) Kamels- 
haut ist doch etwas ganz anderes als das aus Kamelshaaren gewobene Kleid. Aber 
lassen wir diese Beispiele dahingestellt ; v. Soden selbst fahrfc fort: Allerdings finden 
sich nicht ganz selten Worte durch Synonyma ersetzt, ohne daB die lat. tJber- 
setzung dazu erkennbaren AnlaB hat", ich fiige hinzu, oder wir sonst einen Grund 
finden kb'nnten ? Aus den Beispielen v. Sodens nenne ich z. B. i 11, 45, wo &eaad- 
[tevoi durch lagaxdres, umgekehrt ^ 9, 36 wo ^cSpaxav durch l&edaavto ersetzt ist. 
Aus n vergleiche 4, 34 wo ^v durch iyr^p^ev und daiiQXov durch fjaav ersetzt ist, 
oder ein jtai-Satz durch einen Eelativsatz 6, 6 oder umgekehrt 12, 4. 

Welch verschiedene Deutung das hier vorliegende Problem gefunden hat, sei 
wenigstens an einem Beispiel noch belegt. Die Studie von Aug. Pott, der abend- 
landische Text der Apostelgeschichte und die Wir-Quelle (Leipzig, Hinrichs 1900) 
kommt zu dem Ergebnis (S. 77 f.), Lukas, aus Antiochien, habe auf Grund von per- 
sonlichen Aufzeichnungen wahrend der Eeisen gewb'hnlich in der Begleitung des 
Paulus eine acta Pauli geschrieben. Ein Redaktor habe diese acta mit anderen 
Berichten zur kanonischen Apostelgeschichte zusammengearbeitet. Die eigentliche 
acta Pauli jedoch hatten, getrennt vom Gesamtwerk, noch einige Zeit existiert, und 
auf Grund derselben seien einige Exemplare der kanonischen acta sehr bald kor- 
rigiert worden, wohl am Rand; denn das ganze Werk ersehien kostbarer als ein 
offenbarer Teil. Auf diese korrigierten Exemplare sollen letzlich die Reprasentanten 
von zuriickgehen ; unter ihnen sei der eine der von der Philoxeniana benutzten 



254 Theorie und Praxis der neutestamentlichen Textkritik. 

Eine noch weniger in Angriff genommene Aufgabe ist aber fur 
den westlichen Text bei den paulinischen Brief en zu losen; welche 
Bedeutung kommt ihm da zu? Wie steht es mit der Nachricht 
des Eusebius iiber Tatianische Arbeit an den paulinischen Briefen ? 
Ich gestehe offen, erst nachdem der Druck meiner zweiten Be- 
arbeitung begonnen liatte, namentlich durch Z a h n ' s Einleitung 
aufmerksam geworden zu sein, welche Probleme hier der Losung 
harren; ich kann mich an ihnen nicht versuchen; nur einige seien 
angedeutet. 

Unsere samtlichen Zeugen geben die paulinischen G-emeinde- 
briefe, vom Hebraerbrief abgesehen, in derselben Eeihe, offenbar 
dem Umf ang nach geordnet, wie die hebraischen Propheten. Daraus 
scheint zu folgen, dafi alle unsere Zeugen nicht mehr auf die 
Originalbriefe, sondern auf die eine Sammlung zuruckgehen, in 
welcher diese Ordnung eingefuhrt wurde. Nur von Marcion wissen 
wir, dafi er eine andere Ordnung befolgte, und an den lateinischen 
Prologen zu den paulinischen Briefen hat de Bruyne neuestens auf- 
gezeigt, dafi sie auf Marcions Ordnung zuruckgehen. 

Damit wird auch die Tatsache zusammenhangen, dafi wir 
kaum mehr einer Hds. begegnen, die nur den einen oder andern 
paulinischen Brief bote; auch die Bruchstucke sind wohl meist 
Teile der ganzen Sammlung, und zwar aus der Zeit als sie schon 
mit dem Evangelium verbunden war, nicht mehr wie bei den 
scyllitanischen Martyrern von diesem getrennt umliefen. Auch das 
alteste Bruchstuck eines paulinischen Stuckes, der Papyrus von 
Oxyrhynchus, mag er von Schulerhand stammen oder zu Amulett- 
zwecken gedient haben, wird keinen andern Ursprung haben (p 10 , 
s. S. 89) 1 ). 



griechischen Codices der reinste, der Ahn von OM. 58. 137. Eine Eezension dieser 
korrigierten Exemplare, welche noch vor der montanistischen Zeit erfolgte, stelle 
D mit Trabanten dar. 

Auch nach dieser Ansicht ist also der Wert des abendlandischen Textes ein 
sehr hoher ; sie wird aber schon an der einfachen Tatsache scheitern, daB bei den 
Evangelien die Textverhaltnisse doch wesentlich dieselben sind, wahrend sie dort 
auf diese Weise nicht entstanden sein konnten. Es wird eine fur Evangelien und 
Apostelgeschichte gleichmaflig wirksame Ursache zu suchen sein. 

1 ) Auf diesen Tatbestand hat mit Verweisung auf Zahn GK 2, 355 ff. mit 
Recht Joh. W e i B aufmerksam gemacht. Er schreibt (Die Aufgaben S. 30) : ,,Es 
ist von vornherein zu erwarten, daB jener kirchliche Archetypus nicht nur in der 
Anordnung, sondern auch in der Textgestaltung im einzelnen maBgebend gewesen 
ist, daB also die Grundmasse unseres Textes der paulinischen Briefe eine kirchliche 
Rezension darstellt. Und es fragt sich nun, ob die Varianten, die wir zwischen 



Doppelte TJberlieferung im Eomerbrief. 255 

Eine Stelle, wo sich diese Frage mit Macht aufdrangt, ist dor 
Eingang und der Schlufl des Eomerbriefes. Zu den bis jetzt wenigen 
Zeugeu, welche Q 1, 7 das kv 'P&fvfl nicht haben, ist durch die 
von von der G o 1 1 z auf deni Athos entdeckte Hds. die ganz be- 
stimmte Nachricht hinzugekommen, dafi es auch Origenes nicht ge- 
lesen habe. Und die SchluBdoxologie des Briefes steht in den 
verschiedenen Zeugen an ganz verschiedenen Orten. TJber beides 
ist zu der grtmdlichen Erorterung in Z a h n ' s Einleitung 2 ', 277 
bis 293 jetzt hinzugekommen E. Steinmetz, Textkritische Unter- 
suchung zu Eom. 1, 7 (ZntW. 9, 1908, 177189). Beide kommen 
aber zu entgegengesetzten Ergebnissen, Steinmetz zu dem, daB 
die Doxologie ursprtmglich am SchluB von e. 16 stand, und spater 
an den von c. 14. versetzt wurde, weil man nur bis dahin in der 
Kirche vorgelesen habe, und daC ebenso 1, 7 das n in Eom" mit Ettck- 
sicht auf die kirchliche Vorlesung an andern Orten als Eom weg- 
gelassen worden sei. Zahn halt dafur, dafi es statt kv Ptiiifl ur- 
sprfinglich v ctydmfl &eov geheiCen habe und daB die Doxologie 
urspriinglich hinter c. 14 stand. In beiden Fallen hat die groCe 
Masse unserer Zeugen das Ursprnngliche nicht erhalten, und wir 
stehen sofort wieder wie bei den Evangelien vor dem Problem, wo 
die Wahrheit zu finden ist. Wie verwickelt dasselbe ist, mag die 
einfache Tatsache zeigen, daC zu der Stellung der Doxologie hinter 
14, 23 noch verschiedene Falle hinzukommen, 2) hinter 16, 24; 
3) zwischen 16, 23 u. 24; 4) fehlt 24; 5) fehlt 20). 



den verschiedenen Zeugengruppen beobachten, erst entstanden sind, nachdem jene 
kirchliche Normalausgabe gemacht war. In diesem Fall konnten wir durch Ver- 
gleichung und Abwagung der Lesarten allerhochstens soweit kommen, jenen alt- 
kirchlichen textus receptus des corpus Paulinum herzustellen. Es war aber auch 
moglich, dafi gewisse Zeugengruppen uns einen Text boten, der auf Vergleichung 
von Handschriften ruht, die noch vor jener Edition der Paulinen geschrieben sind. 
Jedenfalls muB es unser Bestreben sein, Spuren desjenigen Paulustextes zu suchen, 
der noch vor der kirchlichen Rezension liegt. Wie weit uns hierzu die Handschriften, 
tibersetzungen und Kirchenvaterzitate, insbesondere Marcion helfen konnen, mufi 
untersucht werden. Aber andererseits steht mir wenigstens fest, dafi unsere Kritik 
den Versuch machen mufi, durch Divination und Konjektur iiber den Text der pau- 
linischen Sammlung zuriickzugehen zu dem der noch einzeln umlaufenden Briefe. 
In einzelnen Fallen ist das sicherlich moglich." Als seiche nennt Weifi 1 K 1, 2 
die Erweiterung der ursprunglichen Adresse ; p 1, 8 ohne pav ; 1, 16 ohne itQ&rov ; 
2 x 10, 8 ohne den Relativsatz. 

x ) Nachtrag bei der Korrektur (17. 11. 08) : Zum Schlufi von Q vgl. jetzt 
de B r u y n e , Les deux derniers chapitres de la lettre aux Remains (Extrait de la 
RevueBe'ne'dictine, octobre 1908), wo eine lat. Hds. nachgewiesen ist, die den 
Schlufisegenswunsch mitsamt der Doxologie (also 16, 24. 2527) hinter c. 14 hat, 



256 Theorie und Praxis der neutestamentlichen Textkritik. 

Ein anderes Beispiel. Wie begann der Philipperbrief ? Nach 
unseren kritischen Ausgaben fraglos: EfixaQiccifa iq> $e$ [iov, nach 
den westlichen Zeugen yw fikv d%aQiaTaJ ify xvQicj) tfftcdv. Auf 
die Bedeutsamkeit dieses tyfo [lev, als Rucksicht nehmend auf eine 
dem Paulas yon Philippi zugekommene AuBerung hat in neuerer 
Zeit Zahn mit Recht geltend gemacht; aber wenn nun gleicli im 
Eingang nur diese Zeugen uns das Richtige erhalten haben, wie 
steht es im Fortgang ? Und wenn man spaterhin nicht mit ihnen gehen 
kann, konnte das nicht eine der Stellen sein, wo Tatian TOV 
dnoovdAov (paal ToAfifjaat iivac, (AETatpqdaai (pa)va$ c5g ImdiOQd-oi}- 
fievov aiit&v i^v T^g (pgdoeutc, o^VTa^iv 1 )? 

Aber ich kann auf derlei Einzelfragen nickt weiter eingehen, 
wie sie sich zu einer Menge yon Stellen aufdrangen, auch nicht 
auf andere, die mehr in die Geschichte des Kanons gehoren; es 
konnen und sollen hier nur noch einige der allgemeinsten Eegeln 
aller Textkritik zusammengestellt werden. 

k) Allgemeine B-egeln der Textkritik. Da die Aufgabe 
des Textkritikers wesentlich der des Arztes gleicht, der zuerst die 
Krankheit richtig zu erkennen hat, ehe er sie zu heilen sucht, so 
liegt es auf der Hand, daC man zuerst auf die Schaden und Ge- 
fahren zu achten hat, denen ein hands chriftlich uberlieferter Text 
am leichtesten ausgesetzt zu sein pflegt. Auf die richtige Diagnose 
kann erst die richtige Behandlung folgen. 

Die Schadigungen, die ein Text erleidet, sind teils absichtliche, 
teils unabsichtliche, und verschieden, je nachdem er durch Diktat 
oder durch Abschreiben yeryielfaltigt wurde. Als Eusebius die 
50 Bibeln fur Konstantin auf Einmal herzustellen hatte, wird er 
sie haben diktieren lassen; in den ersten Zeiten der Kirche ist 
sicher, wie schon oben angeftihrt, das Abschreiben das Gewohn- 
lichere gewesen, yon der einen Tatsache abgesehen, daft Paulus 

und betont ist, daB wie die Summarien, so auch Irenaus, Tertullian und Cyprian 
auf die Kapitel 15 und 16 keine Rucksicht nehmen. Es habe also einmal eine 
Form von p ohne diese Kapitel gegeben. DaB ebenda eine dritte lat. Hds. nach- 
gewiesen ist, die den apokryphen Briefwechsel des Paulus mit den Korinthern ent- 
lialt (ed. Harnack in Lietzmann's kleinen Texten Nr. 12), sei zur Ermunterung 
weiteren Suchens angemerkt. 

[ ) Nur in einer Anmerkung sei angefuhrt, dafi Hieronymus in der praef. ad 
Titum (Vail. 7, 686) sagt : Sed Tatianus Encratitarum patriarches, qui et ipse 
nonnullas Pauli epistolas repudiavit, hanc vel maxime hoc est ad 
Titum, apostoli pronunciandam credidit, parvipendens Marcionis et aliorum, qui 
cum eo in hac parte consentiunt, assertionem. Zahn GK 1, 426 sagt, dies Zeugnis 
in Forsch. 1, 6 Amn. 4 allzu mi6trauisch behandelt zu haben. 



Piktieren und Kopieren. 257 

seine Briefe meist nicht selbst sckrieb, also offenbar diktierte, nicht 
etwa nur aus seinem Konzept abschreiben lieB. 

Einen gewb'hnlich nicht beachteten Grund dafiir, warum Paulus seine Briefe 
diktiert habe, fiihrt Gregory (Canon p. 300) an. Er sagt dort: fl die Geschichte 
wiederholt sich. Die Alteren unter uns sind in einer Zeit aufgewachsen, wo die 
Meisten, was sie dem Papier anzuvertrauen wiinschten, selber schrieben. Heutzutage 
ist jedermann darauf aus, einen Stenograplien mit einer Schreibmaschine zu haben, 
oder seine Gedanken in ein Grammophon hineinzusprechen und das dem Schreib- 
gehilfen zu iibergeben. In Paulus Tagen batten auch Leute, die schreiben konnten, 
wie es noch heute im Osten und Siiden ist, gewohnlich ihre Schreiber, die das 
miihselige Geschaft des Schreibens fiir sie besorgen mufiten. War ein Mann nicht 
reich, hatte er einen jungen Freund oder Schreiber, der fiir ihn die Feder fiihrte. 
Es vertragt sich nicht mit der Wiirde des Alters im Orient zu schreiben. Der alte 
Mann streicht seinen Bart und diktiert seine Worte dem Schreiber. So machte es 
Paulus, wenn ich auch nicht weifi, ob er den Bart hatte, den ihm die christliche 
Kunst gibt. Er hatte gute Grtinde, sich einer fremden Hand zu bedienen ; denn 
seine Augen waren schwach. Der Brief an die Galater war erne Ausnahme. Sein 
Zartgefiihl verbot ihm einen so scheltenden Brief zu diktieren. Das war eine Sache 
zwischen ihm und den Galatern allein. Aber den Bb'merbrief schrieb Tertius, wenn 
das 16. Kapitel dazu gehort. Timotheus, Lucas, Jason, Sosipater saBen wahr- 
scheinlich alle rings um Paulus und Tertius in Korinth oder Kenchreae, als Tertius 
ihre Griifie in 1621 schrieb und er seinen Namen beisetzte, ehe er an den des 
Gaius kam. u 

Fiir die gegenseitige Ansicht vergleiche die These von J. J. Cornelissen: 
Eomanorum libraries verba scribenda ex dictantis ore excepisse non credibile videtur 
in: Etudes arche"ologiques . . . de'die'es a M. le Dr. 0. Leemans 1885 fol. mir nur 
bekannt aus dem Zitat von van M a n e n (T. T. 1901, 60). 

1. Beim Kopieren entstehen Fehler nicht am haufigsten, 
aber zunachst dadurch, daB man ein Wort, eine Buchstabengruppe 
nicht lesen kann, oder doch, durcli irgend welche psychologische 
Momente beeinnuBt, anders liest, als sie lauten. Selbst bei aller 
Aufmerksamkeit man denke an undeutliche Namen und ver- 
gleiche die oben angefuhrte Stelle aus Hermas kann uber die 
richtige Lesung eines Worts, einer Stelle ein Zweifel bleiben, und 
der Zweifel falsch gelost werden. 

Wie viele und manahmal wie heitere Fehler aus unleserlichen Handschriften 
entstehen, kann jeder beobachten, der in einer Literaturzeitung die Berichte iiber 
moderne Textausgaben auf diesen Punkt bin verf olgt ; wie viele solche Fehler hat 
allein schon mein Landsmann, D. Bossert in der ThLz. aus Veroffentlichungen 
iiber die Reformationszeit richtig gestellt. Und von einem modernen Herausgeber 
erwartet man doch mit Eecht, da6 er sorgfaltiger und gescheiter sei als ein antiker 
Lohnschreiber, der nach der Zahl der gelieferten Zeilen bezahlt wird. Ein besonders 
nettes Beispiel, wo ein sehr sorgfaltiger Herausgeber uns noch ausfiihrlich beschreibt, 
was er in seiner Bibelhandschrift vor sich sah, wobei er einfach die 2 nebeneinander- 
stehenden hebr. Buchstaben iy fiir ^ Melt, s. ThLz. 01, Sp. 132. Selbst bei der 
Wiederholung gedruckter Ausgaben fiihrt Unleserlichkeit einzelner Buchstaben 

M e s 1 1 e , ElnfUhrung. 3. Aull. 17 



258 Theorie und Praxis der neutestamentlichen Textkritik. _ 

noch zu Irrtiimern (manche Beispiele in Eggesteins Abdruck TOD Mentelins erstem 
Druck der vorlutherisohen Bibel, in Kurrelmeyer's Ausgabe). Noch schlimmer freilich, 
wenn ein Herausgeber des Origenes im 19. Jahrhundert die Ligaturen, die friiher 
auch beim Druck des Grieehisehen iiblich waren, nicht mehr verstand und so Fehler 
in seinen Text hineinbrachte. Namentlich am Rand und am SchluB der Haudschriften 
pflegen abgescheuerte und dadurch schwer leserliche Stellen vorzukommen. 

Haufiger wird aber der Fehler durch Unachtsamkeit ent- 
stehen; man erwartet etwa nach dem Zusammenhang ein gewisses 
Wort, sieht ein ahnliches Wort, glaubt das erstere za, lesen und 
schreibt dies. 

2. Homoiotelenton. Am haufigsten geschieht es, und geschah 
es zumal bei der alten scrip tio continua, daC das Auge von einem 
Wort oder einer Zeichengruppe auf eine gleiche oder ahnliche Gruppe 
abspringt. Daraus entsteht, je nachdem das Abirren nach ruck- 
warts oder nach vorwarts geschieht, der Fehler, den die G-elehrten 
Dittographie und Ausfall durch Homoi'oteleuton nennen, die Buch- 
drucker Hochzeit und Lei oh e. Ungefahrlicher ist der erste 
Fall, denn beim Lesen wird derselbe leicht entdeckt. Wie haufig 
derselbe ist, kann, der Blick in irgend eine Handschrift zeigen, in 
denen solche Stellen entweder durch kleine Klammern oder tiber- 
gesetzte Punkte getilgt sind - 1 ). Im Kodex B gestatten uns solche 
Stellen noch ein Bild von der urspriinglichen Schonheit der Schrift ; 
denn der fleiCige Mann, der im 8., 10. oder 11. Jahrhundert oder 
wenn es war, die alte Schrift' mit neuer Tinte nachzog, Akzente 
und Interpunktion beifugte, lieC solche Stellen unberuhrt. Nament- 
lich wo eine Zeichengruppe irgendwie auffallt, etwa durch den 



Abkurzungsstrich (01^ IAHM, AN02 usw.), kommt solches Ab- 
irren besonders haufig vor; ebenso beim Umwenden der Seiten 
und Blatter. 

Als Beispiele von ^Hochzeiten" vgl. z. B. in B /1 1, 37 die 3 Worte STI oi>* &Swa- 
T^aei; i 8, 15 2 Buchstaben warara; 9, 2 ebenso otoi yoveig; 11, 11 rav ravra (hier 
vielleicht Absicht, weil der Schreiber einen Absatz machen wollte) ; 13, 14 12 Worte 
et, . . . didaaxaAos', 17, 18 6 Worte xaj/w . . . xofffiov; n 8, 26 2 Worte; 18, 17 
1 Silbe; Q 4, 4. 5 12 Worte usw. In Hdss., die nicht so sorgfaltig geschrieben 
sind, wie B, sind Beispiele noch viel haufiger ; ihr Vorkommen an gleicher Stelle 
beweist deswegen noch nicht gemeinsame Abstammung. Besonders lehrreich fiir das 



J ) Ein hiibsches Beispiel liefert Ez. 16, 3. Hier sind in dem sixtinischen Druck 
von 1586 beim Ubergang von S. 691 auf 692 in dem Satz SiapaQTvpov rtj leQov- 
aaAyfi Tag avofttag avr^ rade Aeyei KVQIOS TV\ ZeQovaaArjft die Worte vom ersten 
Jerusalem bis zum andern zweinial gesetzt, durch riickwarts Abirren, umgekehrt 
im Kodex' 62 durch Vorwartsabirren ganz ausgefallen. Der erste Fehler ist in alien 
Nachdrucken stillschweigend verbessert, der andere-ware ohne weitere Zeugen aus 
dem Zusammenhang rein nicht zu erkennen. 



^ Homoioteleuton. Vertauscnungen. 259 

Entstehen von Varianten 1st es zu beobachten, da6 selbst in solch doppelt ge- 
schrielbenen Stellen Verschiedenheiten sich finden. So schreibt z. B. der Septua- 
gintakodex 15 (a bei Brooke-Maclean) Gen. 33, 47. 48 zweimal, aber mit 2 Varianten ; 
anderen Hdss. begegnete an derselben Stelle eine Leicbe. 

Um so verhangnisvoller 1st der eben so haufige Ausfall eines 
groCeren oder kleineren Textstiicks durch Homoioteleuton 1 ). Wie 
haufig es vorkommt, zeigfc ein Blick in irgend einen Apparat; in 
jedem heiJBt es oft genug: a voce alterutra ... ad alterutram de- 
sunt, oder a voce 1 o ad yocem 2 o (3 ) transilit oder vox . . . 
alterutra et intermedia desunt ; vgl. z. B. im Kodex D M 18, 18 
von 7775 zu 7775; weiter M 10, 23; 23, 13 16. Vollends schlimm 
ist die Wirkung, wenn der Fehler spater erkannt, und die beiden 
Bruchstellen irgendwie mit gutem oder geringerem Erfolg geheilt 
werden. Lticken, an denen nicht gedoktert wurde, sind um so nutz- 

licher, um die Verwandtschaftsverhaltnisse der Texte zu bestimmeu a ). 

ii 

Fur Leichen sind die Beispiele so haufig, dafi es kaum notig ist, solche an- 
zufiihren. Es sei nur erinnert an I 4, 6 wo der Satz vom ersten bis zweiten XUQIV 
in den Ausgaben des Erasmus und daber auch in Lutbers Bibel mindestens bis 1568, 
in einzelnen Ausgaben noch langer fehlte. Ein nettes Beispiel fur das Abirren des 
Auges bietet ^ * x 2, 18 mit seiner Schreibung 'd-Q^a^sia rtav (AeAAovwv ayyeAav, 
weil sein Auge auf axia TOW p. in V. 17 zuriicksprang ; also war in seiner Vorlage 
vielleicht d-pijaxia geschrieben (ohne e). Dagegen sollte man sich prinzipiell einigen, 
wie derartige Auslassungen im textkritischen Apparat zu bezeicbnen sind. Das 
scbeint gleicbgiltig, aber welche Tragweite die Frage hat, mag M 1, 10 f, zeigen. 
Welche jiidischen Konige lafit Mattbaus durch Uberspringen von einem Oftaj 
(= Ahasja) auf den andern ( Usia) aus? Entweder: 

Ahasja, Joas, Amasia oder: 

Joas, Amasia, Usia. 

Als Beispiele fiir das Zusammentreffen von Leiche und Hochzeiten an der- 
selben Stelle Schillers a hier wird gefreit und anderswo begraben" trifft auch 
da zu nenne ich aus der vorlutherischen deutschen Bibel 1 Job. 3, 20, aus den 
von W-W verglichenen Vulgata-Hdss. Me 9, 10, T vgl. mit ff 2 syrcodd. 

3. Vertauschnngen. Weniger vom Auge als von der Zunge 
und vom G-edachtnis verschuldet die Alten lasen ja, auch wenn 

*) Einer meiner Lehrer im Seminar Blaubeuren (1865 1869) erklarte bei 
jeder halbwegs schwierigen Stelle eines griechischen Klassikers, hier werde der Text 
durch Homoioteleuton verderbt sein. Wir wollten es nicht immer glauben, vielleicht 
war er auch mit diesem Auskunftsmittel etwas rasch bei der Hand; wer aber nur 
einige Erfahrung hat, weifi, wie leicht in der Tat dieser Fehler vorkommt. 

a ) Wie bei Handschriften trifft dies auch noch bei Druckausgaben zu. In 
dem sonst sehr punktlichen van Ess'schen Abdruck der Sixtina sind 1824 in Joel 3, 
9 5 Worte ausgefallen; dieselben fehlen in alien weitern Abdriicken 1835. 55 (novis 
curis correcta) 68. 79, und sind erst 1887 zum SOOjahrigen Gedachtnis der Sixtina 
von mir nachgetragen worden; sie fehlen auch in Tischendorfs erster Ausgabe von 1850 
und noch in der zweiten von 1856, 

17* 



260 Theorie und Praxis der neutestamentliohen Texfckritik. 

sie fur sich allein lasen, stets laut sind Umstellungen und 
Yertauschungen einzelner Bachstabengruppen und ganzer "Worter; 
ersteres besonders haufig, wo eine Liquida hereinspielt, und dann 
haufig kein Fehler mehr; vgl. auf der einen Seite xoQKodetAos mit 
xQOxodsiAog, KaQ^doiv mit Cartliago, Ampel mit Lampe, auf 
der andern e'fiatov mit s'Aaflov, By&aQajla i 1, 28 mit Brj&afiaQa, 
xiQvdTQ) mit XQivEfO), n6wcov mit i6nov, p"OD Zentner M 25, 14 30 
mit p-D Stadte Ji 19, 17. 19. 

Wie leicht Buchstabenumstellungen begegnen, kann namentlich der Lehrer 
beim fremdspraehlichen Unterricht beobachten, wo sie beim Sprechen, Lesen und 
Schreiben gleich haufig sind. Aber auch in der Muttersprache sind sie haufig, 
namentlich beim Schreiben. Als heiteres Beispiel nenne ich aus der syrischen Didas- 
calia (ed. Gibson, in Horae Semiticae I, 1903 p. 48 Note a), \vo aus der Prau in 
ihrer B I7nreinheit K (DDDD) die Frau mit ihrem M Geld" (HDDD) geworden ist. Die 
Brzahlung vom ZerreiBen des Tempelvorhangs in M 27, 51, oder vom Zerbersten des 
superliminare, dem Heulen der cpawcoftata im Protev. Jacobi c. 24 veromtete ich, 
stehe in Zusammenhang mit Am. 8, 3 ; 9, 3. Nun sehe man 



superliminare 
LXX in Amos tAaaztjQiov = D1DD 
Zeph. 1, 14 yaTvcoftaTa = fTlHUf ? 
dreierlei Umstellungen desselben Wortes an derselben Stelle. 

Ahnlichkeit mit dieser Verbauschung haben die durch den 
Gleicnklang der Y ok ale entstehenden Yertauschungen ; alle Falle 
des sogenannten Itacismus gehoren daher: gyeige und Sysigai, - 
und -eo&ai, itaiQOig v. ETSQOI^, auch XQIJOTOS d xdQiog und 
6 Ktigiog 2 K 12, 1 ; (poQOa)[iv und -oopev, e'%a>iJiEV und fyoftsv Q 5, 1 ; 
(leva dicoyftcbv und ^sia diwyfjidv, dsi : 6e : dy 1 n 2, 3. DaC Falle 
dieser Art beim Diktieren haufiger als beim Kopieren stattfinden 
wtirden, liegt auf der Hand. 

Dafi bei diesen durch Gleichklang veranlafiten Vertauschungen die Eigenart 
des hellenistischen, ja eines noch spateren Griechisch beachtet sein will, braucht in 
einer Zeit, die mit der Bezeichmmg xoivij geradezu Mifibrauch treibt, nicht erst 
noch betont zu werden; vgl. zum Beispiel D eifim ann (PRE 3 7, 627 ff. M Helle- 
nistisches Griechisch"). Viele Beispiele bei v. S. 303 Konsonanten, 304 Vokale, 
dabei S. 1367 1372 iiber das Schwanken der Schreiber zwischen 7 und si (bei I 
passiert es nur sehr schlechten Schreibern). Leider habe hier der sonst so korrekte B 
eine ausgepragte Vorliebe fiir et, die ihn bis zu XQewuavos fiihre, wahrend umge- 
kehrt N si geradezu fliehe. Auch D liebe et. Durch sie sei die Schreibweise der 
Rezensionen fast durchweg festzustellen und nicht einheitlich. Fiir K stehe HiAavog 
die Landsmanschaftendung -itys fest, mit einziger Ausnahme von 
s, -eirtg. Von geographischen Bezeichnungen mit -eta seien mindestens 
der Eegel nach die Landernamen mit -ia geschrieben worden. Nicht einheitlich 
sei die Schreibweise bei den Stiidtenamen ; das riihre von ihrer Struktur her. Auch 



Vertauschung von Formen. 261 



bei den Hauptwortern auf -eia seien die orthographischen Grundsatze der Ee. 
zensionen unverkennbar. mindestens fiir K, meist auch fiir I-H. Damit vergl. man 
Blafi, Gr. 3, 1 M Fiir uns kann es keine Frage sein, dafi wir gleich den Byzan- 
tinern die historische Schreibung, wie fiir samtliche Profanautoren, so auch fiir 
das NT. durchzufiihren und alle Halbheiten, wie sie z. B. bei Tischendorf und im 
Stuttgarter NT. noch sind, zu beseitigen haben, ohne jedeRticksicht auf 
handschriftliche Zeugnisse. Diese Zeugnisse fiir die einzelnen Worter, 
z. B. die auf -sia, -ta zu registrieren und abzuwagen ist das Unniitzeste, 
was man tun kann." Das ist freilich bequem; aber wo ist die einheitliche 
Orthographic bei den Profanautoren, z. B. bei Herodot? bringen ja Neuere sogar 
jetzt wieder das i adscriptum hinein, das beispielsweise in der Tempelinschrift von 
Jerusalem in eavtai steht, in Avj(&(p<d"rj fehlt. Die Nachweise v. Sodens zeigen, dafi ein 
Achten auch auf diese Kleinigkeiten seinen Wert hat. Ubrigens ist es wohl nicht bloS 
bei Schiilern notig, zu bemerken, dafi bei Schreibungen wie Aave id nicht ei sondern 1 
zu lesen ist. Die alten Schreiber haben in solchem Fall vielfach den Grundsatz 
gehabt, bei wirklichem Diphthong dem ersten, bei Doppelschreibung des Lang- 
vokals dem zweiten Vokal den Akzent zu geben, also ^ oluela txeivr] und ahnlich 
zwischen peravoiv und v,maanifivoiv zu unterscheiden. Selbst in den Drucken des 
NT.s, z. B. in den Beigaben der Komplutensis zu den paulinischen Briefen findet 
sich vielfach Zwa gedruckt. Dafi B * ganz regelmafiig raAeiAaiog und QaQeiaaios 
schreibt, ist bei v. S. nicht angefiihrt. Hinsichtlich von s und at in Verbalendungen 
(-sa&at.) hebt er hervor, dafi ^ in Paulus 25mal offenkundig falschlich -a&at schreibe, 
B dagegen mit der einzigen Ausnahme e 6, 16 tadellos korrekt sei. Nur Q 12, 2 
sei die Bntscheidung fiir H schwierig. 

In 309 (Vermeidung des Hiatus) sagt v. S. iiber das v ephelkystikon, auf 
das bei seinen Kollationen nur gelegentlich geachtet wurde, da sich die Schreiber 
hierbei um die Vorlage kaum bekiimmert zu haben scheinen, es stehe vor Vokalen, 
ebenso am Schlusse eines Satzes oder Satzteils ausnahmslos. Im Dativ Plural 
stehe in den Evv. kein v vor Konsonanten, nur einzelne Schreiber setzen es ein. 
Dasselbe scheine fur Pis zu gelten, dagegen scheine in Ac mehrfach K selbst 
das v angehangt zu haben. Die nachfolgenden Buchstaben kb'nnen keinen Einflufi 
gehabt haben (r, v., A, d, ri). In der dritten Pers. Plur. sei es ebenso. In Evv. 
und Pis hatten H und K kein v eingesetzt ; dagegen sei es bei Ac mindestens 
zweifelhaft, ob nicht K selbst das v anhangte. In der dritten Pers. Sing, habe 
K, wohl auch I, stets v gesetzt, mit einziger Ausnahme von edoge A 1, 3, meist 
auch If, doch mit haufigeren, freilich nicht sicher H zuzuschreibenden Ausnahmen. 
Zu entscheiden ob eazt neben eariv in einem Texttyp vorkomme, reichen die Notizen 
nicht aus, doch scheine e<m mindestens in if, wohl auch in I uud K nur einzelnen 
Schreibern und vielleicht vereinzelten Typen anzugehoren. DaB eiKoai, negvat nie v 
anhange, verdiene Erwahnung. 

Eine bequeme Zusammenstellung iiber N findet sich in Ph. Buttmann's 
Eecensus omnium locorum quibus codex Sinaiticus discrepat a textu editionis NT. 
etc. (Lipsiae 1865 p. VI VIII). Darnach fehlt v in J$ vor Lingualen 117 mal, vor 
Palatalen 36 mal, vor Halbvokalen 31 mal, vor Labialen 12 mal, sogar vor Vokalen 
4 mal. An einer ganzen Reihe dieser Stellen stimmt B mit N zusammen. An 
anderen Stellen fehlt v in B, aber nicht in N ; vor Vokalen in M 6, 20 diogvooovai 
ovde 21, 41 cmodaiaovcrt, ama, n 17, 31 naai avaaTtiaag. 

Hierher gehort auch das verbindende s in ovtag, neben dem ourw nach v. S. 
fiir I-H-K 1 gar nicht in Betracht zu kommen scheint, wenn auch spatere Minuskeln 



262 Theorie und Praxis der neutestamentlichen Textkritik. _ 

bin und her, und tf mehrfach g weglassen, B fast nur vor o, wo es wohl Schreib- 
fehler sei. 

Eine dritte, mehr schon bewuBte oder halbbewufite Art der 
Vertauschung 1st die Ersetzung von Wortern und Formen dtLrch. 
ahnliche, also von Asyei durch sine oder <pv] oder djitxQlvaro, des 
Simplex durch das Kompositum und umgekehrt, einer Proposition 
durch eine andere 1 ). 

Vgl. hierzu v. S o d e n 317, Die sprachlichen Ausdrucksmittel, soweit sie 
den Sinn nicbt andern, a) Die Wahl der Worte ajtag : nag, etaei : ug, ovre, fiijte : 
ovde, fiqde, ov^i., e<ag (ov, ozov, av), ngivfa) idov : ids, (ano) i&aKQQ&ev ; 318 b) 
Wortbeifiigungen oder Auslassungen, die fiir den Sinn gleichgiiltig, nur vom Sprach- 
gefuhl diktiert sind; 319 c) Gebrauch des Artikels, z. B. bei 'Ivjaovg. Als ich fiir 
die Londoner Bibelgesellschaft den Stuttgarter Text mit dem Hergebrachten verglich, 
babe ich mich bei t besonnen, ob ich nicht zur Vereinfachung des Apparats das 
Scbwanken zwischen o Iqaovg und Itjaovs zusammenf assend verzeichnen sollte ; ich 
unterliefi es schliefilich. Wenn der Siiddeutsche sich vom Norddeutschen dadurch 
unterscheidet, dafi er d e r Schiller, der Goethe sagt, konnte ein ahnlicher Unter- 
schied auch auf diesem Boden stattgefunden haben ; meist werden es aber phonetische 
und rhythmische Griinde sein, die fiir Setzen oder Weglassen des Artikels entsoheiden. 
Anderswo Einflufi des Semitischen vdftog Mavyecas, xdAaos 'ApQadp. Ein 



1 ) Die 'remarkable confusion' der zwei Prapositionen nqo und nqos bei zu- 
Bammengesetzten Zeitwortern, die wir z. B. M 26, 39; p 14, 35; n 12, 6; 17, 5. 26; 
20, 5. 13; 22, 25 antreffen, mochte Scrivener daraus erklaren, da6 in den Herku- 
lanischen Eollen und hie und da auch im Codex Sinaiticus die Sigel en * ur n Q 
und TIQOS ohne Unterschied gebraucht wird. Da es in der hebraischen Grammatik 
CTnsitte geworden ist, vom Aleph prostheticum statt protheticum zu reden (Margi- 
nalien S. 67 ; Gesenius-Kautzsch 2 ^ S. 64 n. 3), habe ich ein wenig auf diese Verwechs- 
lung geachtet, und konnte Dutzende von Beispielen anfiihren. Sie ist natiirlich 
auch andern aufgefallen. n Ganz sinnlos" schreibt z. B. Weifi NT. I, S. 20, n werden 
in den Codices die Composita mit nqo und KQOS verwechselt", es mit 8 Stellen 
aus n belegend ; ahnlich II, S. 34. Ich nenne nur ein paar, die eben das Wort ngd- 
&0i$ betreffen: Pitra zu Apost. Const. 5, 17 (p. 325): nQti&eotv restituimus cum 
vatic. 2, 3, 4, 5; vulgo ngdadecnv] Excerpta nsql nadav ed. R, Schneider (Pro- 
gramm von Duisburg 1895. 24 S. 8), wo an 5 Stellen die Handschriften schwanken 
(p. 5, 14. 20; 6, 5; 13, 7. 13) und es in 10 heiflt dvihenai dl 
&(fai^laei etc. ; in 11 HQda&eais fttv ofiv davi nQoa&tfM] aToi%el 
olov avayts, &ata(ps xai doTatplg. Natiirlich muB es mit den bessern Hdss. beide- 
mal nQo-Q-eaig heifien. .Aus den Vorsetzbroten" des Tempels macht D iiberall in 
den Evangelien, wo sie vorkommen, auch M 12, 4, was Tisohendorf erst zu 2 6, 4 
anmerkt, Zusatzbrote nQoa&taetos statt n^O'&^aecag usw. Nicht zweifelhaft ist mir, 
daB bei den Verbalformen namentlich die Vermeidung des Hiatus vor dem Augment 
zur Einschiebung des a fiihrte, vgl. Ex. 24, 23 nQoat&yKsv fur jtgoiS&'qxev, Ps. 89, 8 
Symmachus jt^oa^&riKas ; y 1, 16 nqoavE^l^viv oder n^oaave'&^tjv; sogar fiir den 
Propheten schreibt die erste Hand des Sinaiticus Sap. 7, 27 nQoacpfyas. Ob eine 
Schrift des Philo Hgonaide^^mn oder itp&s (to) ntudetifiaTct im Titel habe, streitet 
man etc. etc. Umgekehrt wird der Imperativ des Aorists von nQooe%(a nicht blofi 
in den LXX Hdss., sondern auch bei HerodQt stets nQooy.^ geschrieben. Sapienti sat. 



Vertauschung von Wortern; Umstellungen. 263 



hilbsches Beispiel fiir Beeinflussung durch Bekanntes, Vorhergegangenes bietet N* 
zu (A 9, 47 faaiAiav statt flaaiAetav, well 2 mal f arjv vorherging. Wahrend des 
Schreibens merkte er seinen Fehler, liefi alber fo> statt 0a stehen. 

Fur den Sinn weniger schlimm ist die so haunge Umstellung 

einzelner Worter; vgl. z. B. n4, 12, wo fast alle Varianten der 

3 Worte ovofia eavw etEQov faktisch belegt sind, namlich auBer 

dieser 2) ovo^a ETEQQV ecrnv, 3) eteqov ovo^a EOIIV, 4) SOTIV ETSQOV 

ovofta, 5) LGIIV ovo^a EIEQOV. Zu /I 17, 10 schreibt Merx (Die vier ka- 

nomschen Evangelien, S. 246): n dabei beliebe man zu beacliten, 

daB die Stelltmg des Wortes dxQEioi schwankt 1) dovAot, d%qelol 

iantv, 2) dovAoi, eopev d%Qeioi D, 3) d^qeloi dovAoi eoftEv. Solche 

Schwankungen enstehen durch. yerscliiedene Einrangierung eines 

Wortes, das ursprnnglich nicht zum Texte gehorte, als Note bei- 

gesetzt nnd dann zum Texte gezogen wurde. Diese Schwankungen 

der Wortstellung deuten axif Interpolation des scnwankenden Worts." 

Mit diesem Urteil mufi man sehr vorsichtig sein. Erstens ist ja 

gar nicht klar, welches Wort scnwankt. So gut wie von d%Qeioi 

kann man in diesem Fall das Schwanken von dovAoi und noch, 

leichter von der Copula aussagen. Sodann wird ja eine solche 

Interpolation sofort Textbestandteil, dem man die Einschiebung 

gar nicht mehr ansieht. Nur wenn von demjenigen Exemplar, in 

welchen die Einschiebung erstmals vollzogen wurde, mehrere Ab- 

schriften angefertigt wurden, kann ein solches Sch.wanken ent- 

stehen. Viel haufiger sind solche Umstellungen harmloser Art, wie 

jeder an sich selbst beobachten kann. Die Gedanken laufen 

schneller als die Feder und nehmen ein Wort voraus, das erst 

folgen sollte. Eine der haufigsten Umstellungen ist in den pau- 

linischen Briefen 'Iqoovc XQIOTOS und Xqioib$ ' 



Die Umstellungen sind so gewohnlich, dafi die alten Schreiber besondere 
Zeichen batten, umihre Eichtigstellung anzudeuten,'Und zwar schonere als wir, diewir 
die betreffenden Ziffern mit einem Bogen driiber iiber ,die Worter zu schreiben 
pflegen. Sie setzten oben an den Anfang der Worter kleine schrage Striche " 
'" ' . In den alteren textkritischen Apparaten wurden Umstellungen gar 
nicht verzeichnet, als den Sinn nicht andernd gar nicht als Varianten betrachtet. 
Leider habe ich erst bei meinem lat. NT. daran gedacht, sie im Apparat 
durch ein besonderes Zeichen kenntlich zu machen (^> neben und -f- fur Um- 
stellungen, Auslassungen und Zusatze). Ich hatte manchem Benutzer der griech. 
Ausgabe Zeit erspart, in der er beim Fehlen dieses Zeichens den Apparat erst priifen 
mufi, worin die Variante eigentlich bestehe. Sieht man ein solches Zeichen, darf 
der gewohnliche Leser sofort weitergehen. (Ungeschickt ist, dafi dasselbe Zeichen 
in anderen Ausgaben die Auslassung bezeichnet. Dariiber sollte auch endlich einmal 
eine Einigung herbeigefiihrt werden. Und wo nur 2 textkritische Grofien zu ver- 
gleichen sind, braucht es einen Apparat gar nicht mehr, da bringt man diese Zeichen 



264 Theorie und Praxis der neutestamentlichen Textkritik. 



in kl einer Form im Text selbst an; dann wird viel Raum und Geld und Miihe er- 
spart. Sehr sinnreich ist in dieser Hinsicht Haupt's Regenbogenbibel. Doch dies 
in Parenthese.) Zu n 8, 12 habe ich aus dem Codex Purpureus N zu den 5 schon 
bei Tischendorf verzeichneten Stellungen noch die sechste, die letzte mogliche auf- 
gewiesen: 

1) avroig eAaAijirsv o Iqaovs N B. etc. 

2) O.VTOIS o Ivjaovg eAaAijffev EFG. etc. 

3) eAaAnaev avToig o Itjaovg D. 

4) sAaAriaEv o Itjaovg avroig Cyr*. 484. 

5) o Itjaovs avrois eAaAyasv s. 

6) o Iijaovg sdaAtjaev avvoig N 3 . 



Von erster Hand hatte N eine Mischung von 1 und 6 avtots o Itjaovs 
Aijasv avrois, em Korrektor tilgte das erste, nicht das zweite avroig (s. ZwTh. 42, 623). 

Zu den Umstellungen gehb'ren in gewissem Sinn auch die Verderbnisse, die 
durch Versetzung von Slattern oder ganzen Bogen entstanden. Das kam haufiger 
vor, als man glaubt ; z. B. im Sirach, bei Philo (de aeternitate mundi), Adamantius 
(s. die Ausgabe von Sande Bakhuyzen), Titus von Bostra (s. Lagarde) ; schon Luther 
zu 1 18, 14 M ist von dem Schreiber versetzt, wie oft geschieht, im TJmwerfen des 
Blatts" ; z. B. in seinem eigenen Manuskript der Bibelubersetzung, wobei er das 
was er auf die falsche Seite geschrieben hatte, nicht getreu wieder abschrieb, 
sondern neu iibersetzt (s. die Einl. zum 1. Band der Weimarer Ausgabe 1906). Es 
ist also mit der Moglichkeit solcher Fehlerquellen auch im NT. zu rechnen; dabei 
aber in Betracht zu ziehen, dafi es bei Rollen weniger leicht vorgekommen sein 
wird, als bei Codices. 

4. Znsatze. Mit dem Umstellen, namentlich. in Fallen wie 
Jesus Christus verbindet sich. eine Fehlerquelle, die schon auf der 
Grenze des UnbewuCten und des BewuBt-Absichtlichen steht, die 
der Zusatze. Ein 6 xtiQiog, d Ktiqioc, fm&v; ein fiov nach JICCT^Q im 
Munde Jesu; ein Subjekt am Anfang eines Satzes, zumal einer 
Perikope, ein Objekt in Gestalt eines Pronomen: wie leicht wurde 
das eingeschoben! Schon Ben gel hat an etwa einem Yiertel- 
hundert Stellen den Namen Jesus zu streichen geraten; wie ihn 
Wettstein daruber verspottete, kannman S. 74 meiner Arbeit Tiber 
Bengel nachlesen. Heute gibt ihm jedermann recht. "W-W nennen 
an erster Stelle unter den interpolationes breviores die Beispiele 
de nomine Jesus, dann ftir Christus, Dominus, Deus, weiter fur 
Pronomina. DaC so ab und zu auch ein falsches Explicitum 
eindringen konnte, liegt auf der Hand. Einer der interessantesten 
Falle ist wohl h 1, 46, wo alle unsere heutigen griechischen Zeugen 
Maria als Dichterin des Magnificat nennen, aber 3 Altlateiner, (der 
lat. Ubersetzer des) Irenaus (nach den besten Hdss.), einige dem 
Origenes (oder seinem Ubersetzer Hieronymus) bekannte Hand- 
schriften die Stelle ist bis jetzt leider nur lateinisch erhalten 
for Elisabeth eintreten. 



Zusatze; Korrekturen ; kritisclie Canones. 265 



Tiber das Explizitum Maria oder Elisabeth in A 1 brauche ich die seither an- 
geschwollene Literatur (Loisy, Jacobi, Durand, Morin, Spagnolo, 
Kostlin) nicht aufzufiihren, um so lieber verweise ich auf ZntW 1902, 256, wo- 
nach mein Landsmann D V o 1 1 e r 1896 durch einen Aufsatz in der Th. Tijdskrift 
die Verhandlungen eroffnete und den Lobgesang der Elisabeth zuwies. 

Unter die Zusatze gehoren auch die Gloss en, deren Eindringen an- 
zunehmen eine friihere Zeit sehr rasch, vielleicht zu rasch bei der Hand war. Noch 
verkehrter ware es, dies Vorkommen zu bestreiten. Dafi in den ersten Druck des 
gr. NT.s i 7, 3 ein Teil einer Euthalianischen Inhaltsangabe mitten in den Text kam 
ist S. 2 bemerkt : es sind die Worte ev a on xai TOV Appaafi ftpoeTifitf'd-i] (hinter 
dirjvexes). Selbst rein grammatikalische Eandbemerkungen konnten in den Text von 
Hdss. eindringen. 

5. Korrefeturen. Zu den bewuBten Anderungen gehoren in 
erster Linie die Korrekturen nach der G-rammatik, welter die 
Angleichungen an parallele Stellen, dann liturgische Ande- 
rungen, die aus den Evangeliarien eindrangen, z. B. der an den ver- 
schiedensten Stellen in allerlei Handschriften am SchluB einer 
Perikope sich findende Zusatz 6 %a>v &ia dnovETQ}, oder Zeitbe- 
stimmungen am Anfang derselben, wie iv rcjj xaigcj} ^xslvcp 1 ), end- 
lich, falls solche zu konstatieren sind, Anderungen aus dogma- 
tischen Motiven. Dafi solche dogmatische Gesichtspunkte, wenn 
nicht bei der Entstehung, so doch bei der Fortpflanzung gewisser 
Lesarten von EinfluB waren, wird man nicht bezweifeln konnen, 
z. B. bei der Form, welche M 19, 17 tl fis Asysit; dya&6v gewann, 
oder ft 13, 22 bei der Weglassung von ofide d vl6g\ vgl. auch schon 
oben S. 219 2 ). Im ganzen aber ist in dieser Hinsicht das eine Zeit 
lang herrschende MiBtrauen gegen unsere Texte unbegrundet ; , eine 
besonnene Textkritik wird in den meisten Fallen das Bdchtige her- 
stellen konnen oder schon hergestellt haben. Ihre Regeln ergeben 
sich aus dem Vorhergehenden. 

Eritische Canones. G-erhard von Mastricht stellte 43 kri- 
tische Canones auf, Wettstein gab in seinem NT.: animadversiones 
et cautiones ad examen variarum lectionum Novi Testamenti ne- 
cessariae (Bd. II, 851 874). J. D. Michaelis gab 1755 seinen 
curae in versionem syriacam Act. Apost. auch consectaria critica 



x ) Uber den EinfluB des Perikopensystems auf Ds. Scrivener's Einleitung 
zur Ausgabe p. LI ; Z a h n, Einl. 2 3 , 360. 

9 ) Ein heiteres Beispiel des unheilvollen Einflusses des Inspirationsdogmas 
ist das n mihi et spiritui sancto" im Gothen, den Altlateinern bq, und den Vulgata- 
handss. BGO; zugleich Angleichung an n 15, 28. Uber dogmatische Anderungen 
iiberhaupt s. Harnack, Lehrbuch der Dogmengeschichte I, 628.675; Schmiedel 
(PrMh. 1900, 1, S. 9). 



266 Theorie und Praxis der neutestamentlichen Textkritik. 



de . . . usu versionis syriacae tabularum Novi Foederis bei 1 ); 
Bengel reduzierte alle Regeln auf eine einzige; neuestens haben 
"Wordsworth-White die Regeln, die sie bei der Textgestaltung 
ihres lateinischen NT.s befolgten, in 4 Satze zusammengefafit, von 
denen die beiden ersten als nur fur eine Ubersetzung geltend fur 
uns nicht in Betracht kommen 2 ), die vierte (brevior lectio pro- 
babilior) ist nur eine Unterart des Bengelschen Kanons; nur die 
dritte dtirfte neu und beachtenswert sein: vera lectio ad finem 
victoriam reportat d. h. wenn eine Redensart an mehreren : Stellen 
gleich oder ahnlich wiederkehrt und an den fruheren Stellen Va- 
rianten aufweist, wird in der Begel die Lesart der spateren Stelle 
richtig sein, weil die Schreiber gerne anfangs etwas fur einen 
Fehler halten und deshalb korrigieren, was sie zuletzt als richtig 
anerkennen. Betonen mochte ich noch einmal kurz folgende Satze: 

1) Unsere Handschriften dtirfen nicht als einheitliche Grofien 
betrachtet werden, sondern sind far jeden Teil des NT.s 
ftir sich zu untersuchen. Eine Hds., die ffir ein Buch einen 
sehr guten Text bieten kanu, mufi das nicht auch fur die 
ubrigen. Dasselbe gilt von den "Ubersetzungen und Zitaten. 

2) In den Ubersetzungen hat sich der Text eher unverandert 
erhalten, als in den Handschriften. 

3) In den Evangelien hat die von den Parallelstellen ab- 
weichende Lesart die groUere Wahrscheinlichkeit fur sich. 

4) Der EinfluB des kirchlichen Gebrauchs ist mehr als bisher 
zu beachten. 

5) Eins der vorzuglichsten Hilfsmittel fur die Wtirdigung der 
Zeugen sind die Eigennamen, namentlich die selteneren. 

6) ,,Proclivi scriptioni praestat ardua". 

Eigennamen. Von diesen Satzen seien nur die beiden letzten 
noch etwas erlautert, namentlich der vorletzte. Denn es ist wirk- 
lich auffallend, wie sehr dieser Gesichtspunkt bisher zuruckgetreten 
ist. Es gibt meines Wissens noch keine Monographie, welche die 
nt.lichen Eigennamen aus textkritischem G-esichtspunkt aus unter- 
sucht hatte. Und doch sind die Eigennamen dem Textkritiker fur 
weite dunkle Strecken oft das einzige Licht, wie dem Seefahrer 
ein Leuchtturm, dem Geologen die Leitmuschel. Um so seltsamer 
ihre seitherige Yernachlassigung. Gabe es fur das NT. eine zu- 

') Siehe S e m 1 e r s Ausgabe von Job. Jac. Wetstenii libelli ad crisin atque 
interpretationem NT. Halae 1766. 

2 ) I) lectio quae in veteribus latinis non apparet probabilior est; II) codices 
qui cum graecis &BL concordant plerumque textum Hieronymianum ostendunt. 



Kritische Canones. Eigennamen. 267 

sammenhangende Untersuchung der Namen, so ware die wichtige 
Entdeckung Lippelts tiber die Schreibung des Namens I&avrjs und 
looavwqg wohl schon frtiher gemacht worden. W-H., die mit ge- 
wohnter Punktlichkeit auch auf diese Dinge geachtet haben 
auch. We iB ist hier ruhmend zu nennen, in seinen textkrit. Unter- 
suchungen zu n , war en in diesem Tall nur auf unrichtiger 
Fahrte, wenn sie sich fragten, ob nicht am Ende die verschiedenen 
Trager dieses Namens ihn verschieden geschrieben haben konnten, 
also wie die Maier, Majer, Mayer, Mair usw. Gleich die Geschlechts- 
register geben eine ganze Heihe von Problemen auf, an denen die 
bisherige Forschung achtlos voruberging. Vgl. oben (S. 179) zu 
dem von B in M 1, 3 gebotenen ZUQE; zu Sela in syrsin Yers 4 
und 5 fur letzteren Vers fehlt die Angabe bei Tischendorf , 
verglichen mit 2aAa in ^ 3, 32; beide Varianten ubergeht Bal 'n, 
und doch sind sie gewiB wichtiger als die Yerschiedenheit in der 
Schreibung von BOEC,, Boog, Boot,. DaC man aus dem zu einem 
Eigennamen 'P^ffa gewordenen *W*n Furst, A 3, 27 noch die 
interessantesten Aufschlusse fiber die von Lukas befolgte Quelle ge- 
winnen kann, gehort nicht in dies Kapitel. Aber daC der Yerrater 
im vierten Evangelium 6, 71, wo sein Name erstmals vorkommt, 
in ^, an alien andern Stellen in D nicht 'loKCtQi&vrig oder ahnlich, 
sondern dnb KUQV&TOV lautet (12, !; 13, 2. 26; 14, 22), erweckt 
ein vorzugliches Yorurteil ftir diese 2 Handschriften, wie fur das 
vierte Evangelium uberhaupt; siehe meine Philologica sacra 14 und 
meine Bemerkungen sowie die mich nicht uberzeugenden Gegen- 
bemerkungen von Chase (ET. IX, 140. 189. 240. 285). lot freue 
mich sehr, daB jetzt auch Zahn dieser Ansicnt sich. zuneigt 
(Einl. 2 3 , 572). Dieselbe bekommt ein bedeutendes Gewicht durch. 
die Beobachtung, daC diese beiden Handschriften auch bei anderen 
Namen allein das ricntige uns erhalten zu haben scheinen. 

Zum Namen Ischariot sprach Luther schon Ilch- oder noch Is-ch- ? vgl. 
jetzt Zahn im Kommentar zu i 6, 71 (S. 367.). Die syrische Form des Namens 
(meist Scariota) ist ihm ein sicherer Beweis dafar, daB das Ev. zuerst aus dem 
Okzident durch Tatian zu den Syrern gekommen ist. Denn die Syrer hahen eben- 
sowenig wie Griechen oder Kopten Namen wie Isboseth (2. Sam. 2, 8ff.), Ismael 
Israel ihres Anlauts beraubt, und dafi ein Evangelium 2v.ag. geschrieben haben 
sollte, sei undenkbar. M Noch viel unerfindlicher aber ist die hier wie 12, 9 ; 13, 2, 
26. 14, 22 bezeugte Lesart &nb KUQV&TOV oder -iti-tov), eine iiber den Horizont 
griechischer Schreiber' weit hinausliegende Erklarung des Beinamens Iskarioth 

(ni^jp EJiK s. Bd. I a 392 A 16) Hat Jo, wie nicht zu bezweifeln, irgend- 

wo so geschrieben, so sicherlich an der ersten Stelle, wo er den Judas einfuhrt, 
wahrend er sich weiterhin des den Lesern bekannten 'lattafi^tjs bedienen mochte. 



268 Theorie und Praxis der neutestamentlichen Textkritik. 

v. S o d e n , der den Namen in 305 vergeblich suchen lafit, in 188 (933) &no 
KccQvaiov unfcer den M eingreifenderen Anderungen" in ^ auffiihrt, die sich mit einer 
Ausnahme alle auf Jo beschranken, sagt in 290 (S. 1307) unter der tJberschrift 
M TJnbeabsichtigte Anderungen des Textes in 65" (= D): n Besonders mufi den Besitzer 
eines Vorfahren von <55 der Beiname des Verraters interessiert haben. Das Fehlen 
des I zu Beginn Mt 10* 26' 4 Mk 3> 9 14 to Lk 6 10 Jo 6 71 kann einfache Buchstaben- 
auslassung des Sohreibers sein. Aber Mt 10 4 26' 4 Mk 14' schreibt er 
Mk 3 1 " Lk 6' Jo 6 71 2xaQt,<aft, 22 s Imagund^ Jo 12* 13 2 ' 8fl 14 22 cmo 
Hier ist also iiber Jo einmal eine gelehrte Hand gekommen. Am wahrscheinlichsten 
erklaren sich eine Keihe dieser Sonderschreibarten aus lateinischem und syrischem 
EinfluB, so namentlich Hxapicoti 1 -idt-c^s-" 

Bine Vergleichung dieser beiden neuesten AuBerungen 1 ) unter sich und mit den 
obenstehenden von Chase und mir zeigt wie wiinschenswert, aber auch wie ver- 
heifiungsreich eine griindliche Untersuchung der ntl. Eigennamen ist. Wenn die 
semitisch gelehrte Hand doch die des Verfassers unseres 4. Evangeliums ware, der 
auch in diesem Stiick besser Bescheid gewuBt hatte, als die Verf . oder wenigatens 
Ubersetzer der drei ersten? 

An Literatur kann ich nennen : J. E. H a r r i s , On certain obscure Names in 
the NT. : a problem in. Palaeography (Exp., March 1900, 161177, bezieht sich auf 
die Namen der Schacher und des reichen Mannes, Joatham etc. und Phinees) ; Arth. 
Wright, On the proper Names in S. Mark's Gospel, in S. Luke's Writings (= Nr. 6 
und 7 in: Some NT. Problems, 1898, 5673; 7490). Als Beispiele Byd^yayr], 
namentlich in fi 11, 1; Levi-Jacobus in p 2; Thaddaeus-Lebbaeus-Judas Zelotes; 
Bethania statt Bethsaida #* 8, 62 in D 262 (e 1020) a d f ff 2 i 1 <1 r und dem Goten. 

Wie heiBt Apollo" in n? In D kommt er nur 18, 24 vor und 
da heiBt er Anokktovioc,, in 8* heiBt er 18, 24 und 19, 1 'AneZArjs. 
An der ersten Stelle findet sich dies noch durch die Minuskeln 307 
und 431, an der letzteren nur dureh 431 bezeugt. Auch Wendt 
halt es jetzt mit BlaB for wahrscheinlich, daB in n ursprunglich 
die Form 'Ans^^g gegeben war, die in der Hauptmasse der Zeugen 
nach 1 y, geandert wurde, wie bei t dno KctQvtibrov nach den Syno- 
ptikern in 'laKaqi&i'ric,. Aber what about 33? muB ich mit Salmon 
fragen. Sogar WeiB schreibt in diesem Fall (der Kodex D S. 18): 
H hochstens far 'Ano22(bviO konnte man anfuhren, daB die von der 
in den paiilinischen Briefen herrschende Namensform abweichende 
das Prajudiz der Ursprunglichkeit ftir sich hat, da die Konformation 
nach jener den Abschreibern nahe lag" 2 ). Bei seiner fruheren 



J ) Wellhausen (das Ev. des Job., 1908) erwahnt S. 129 das &nb 
TOV an erster Stelle unter den auffallenden Einzelheiten der handschriftlichen tiber- 
lieferung, die bemerkt zu werden verdienen, sagt aber nichts weiter dariiber, ebenso 
2a[t<pov()Eiv in 11, 54, wozu er S. 54 anmerkt: n Es soil vielleicht Sepphoris sein, 
diese Stadt lag aber nicht nahe bei der Wu'ste." 

*) Uber die Form AireAdys gibt wieder Z a h n (Einl. 1 s , 193) das Beste ; jetzt 
auch Schmiedel (EB. 262). Das neue Worterbuch von Preuschen verweist 
auf B 1 a B , 6, 2 und Schmiedel. 



Eigennamen. 269 



Textbearbeitung (S. 9) scheint er es noch gar nicht beachtet'zu 
haben. Unverstandlich ist mir, wie WeiC zu 4, 6 Iwvd&ag in D 
ftir das s J(y^c^(Vj^gdertibrigenZeugenfruherfar eine ,,Yerschreibung" 
erklaren konnte, wahrend es ilim jetzt (der Cod. D S. 108) doch 
immer nocli naher zu liegen scheint, daC ein Emendator den aus 
Jos. Antiq. 18, 4, 3 bekannten Annassohn und Nachfolger des Kaja- 
plias Her einbrachte, statt des ganz unbekannten Johannes, als 
daB man statt des Jonathas, auch wenn derselbe dem Abschreiber 
unbekannt war, was doch. von dem gleich darauf f olgeuden Alexander 
sicher ebenso gait, einen beliebig haufigen Namen und gerade den 
des im Vorigen so oft genannten Apostels wahlte. Es konnte also 
nur ein ganz zuf alliger Schreibf ehler sein. DaB A. C. Headlam 
(Hastings' D. B. 2, 676) von all diesen Yerhandlungen keine Kunde 
verra't, ist schmerzlich ; vielleicht sieht aber Weifl auf derselbeu 
Seite des genannten Buchs, daB die Verschreibung von Johanan 
und Jonathan auch sonst vorkam, und halt dann in Erinnerang an 
Bengels Grundsatz Icovct&ag far die scriptio ardua und darum 
praestantior. In ET. IX, 478 zeigte ich, daB auch des Hierony- 
mus liber interpretationis hebraicorum nominum in ji 4, 6 Jonatha 
hatte. Welcher alten Quelle mag Hieronymus da f olgen ? Ganz 
eigentiimlich ist Boooq fur Bileams Yater 2 n 2, 15, wo W-H.-text 
und WeiC in ihrer Yorliebe fur B Bea)Q schreiben, das doch ganz 
gewiC Korrektur ist, die in tf mit dem ursprunglichen zu BEWOQOOQ 
zusammengeflossen ist. Die einzige griindliche Erorterung der 
Stelle, die ich kenne, gibt wieder Zahn (Einl. 2 3 , 111), zu dessen 
Angabe uber die LXX nur nachzutragen ist, daC nach Holmes- 
Parsons die georgische Ubersetzung Jos. 13, 22 viov TOV BOGOQ hat. 
Aus Jos. 24, 9 2e7i(p(t)Q ist dieser Name fur Beor auch an anderen 
Stellen in einzelne Hdss. eingedrungen, so Q-en. 36, 32 ins Ar- 
menische, Nu. 22, 5 in cod. 18; 24, 15 in cod. 53. 75 (2e{tea)Q)] 
1 Chr. 1, 43 in Lucian. Mir scheint eine Yerwechslung von Gen. 
36, 32 = 1 Chr. 1, 43 mit dem je folgenden Yers vorzuliegen, 
in dem Bosra kommt. Gen. 36, 33 bemerkt eine Hds. : ij BdaoQ 
yidAig i^g 'Aga^lccs fj vvv xaAovfiEwq BOOQU. Auch Hieronymus 
ubersetzt ja ex Bosor 1 ). Als Ortsname erscheint BOGOQ noch Dt. 
4, 43. 1 Sam. 30, 9. 1 Me. 5. 26; zu letzterem Ort vgl. ZdPY. 12, 51; 



1 ) DaB V o 1 c k in dem 4^2 Seiten (280 Zeilen) langen Artikel Bileam der 
PRE 3 3, 227 ff. der Form Bosor mit keiner Silbe gedenkt, ist doch ziemlich stark; 
in Hastings' DB ist sie I, 273 wenigstens genannt, wenn auch nicht erklart 
(S. 227 Z. 57 bei V o 1 c k ist 144 Druckfehler fur 444). 



Theorie und Praxis der neutestamentlichen Textkritik. 

13, 41. Andere Deutungen (hebr. Aussprache des aramaischen miDD) 
s. in Pole's Synopsis zu unserer Stelle 1 ). 

Beachtenswert ist, daB mit B die Minuskel 81 auch sonst 
sicli in enger Ubereinstimmung findet. 

Zu den Namen der Apostelkataloge vgl. Zahn, Einl. 2 8 , 269; 
fiber t lQOvaa^ i fi(^ und.'lEQoadAvpa 2,318, tiber Jesus Barabbas 2, 302, 
liber Barachias JII23, 35 2, 315. Ygl. weiter die Vertauschung 
von Jesaia und Asaf in Jl/13, 35, von Jeremia-Zacharia-Esaia an 
andern Stellen. v. S o d e 11 behandelt die Namen in 305 und 
bei den wichtigsten Handscliriften. Uber D heiBt es z. B. S. 1307: 
,,Besondere Schwierigkeiten bereiteten den Schreibern, deren Er- 
gebnis dieser Text ist, die sernitischen Worte. Fast keins der- 
selben ist korrekt wiedergegeben." Nacli einer B/eihe von Beispielen 
heiBt es dann: w Jo 4 45 12 12 schreibt er legovaafyfi 1 'IsgoaoAvfia, 8 22 
Bq&aviav 1 By&oaidav." Abgesehen davon, da8 hier vor 8 22 p feh.lt, 
was hilft es, wenn wir niclit erfaliren, welclie Zeugen diese Lesart 
teilen, und wenn nicht gleichzeitig alle Namen der ganzenHds. 
untersucht werden. 

Wer suchen will im wilden Tann, Mancb. Waffenstuck noch 
finden kann. 

Textns brevior. Eine Unterart von Bengels Kanon ist die 
Eegel, daC der kurzere Text der ursprunglichere sei. Namentlich 
dann ist er es, wenn inm zwei sich gegenseitig ausschlieCende 
langere Texte gegeniiberstehen, deren Entstehung aus dem kurzeren 
begreiflich ist. Als Beispiele fuhrt Zahn 2, 245 auBer dem doppelten 
/t-SchluB an: 

i 6, 47 juaietuv NBLT -j- an Gott syrcs, -[- e / g ty ACDrJA/7 . . . 
7, 39 nvevfia XKTII -f- dyiov LXP4A -f- dedopwov it vgde -{- 

&yiov in' afitois D f go -j- dyiov dedofiEvov B 254 sst . . . 
i 5, 7 nqdipov B 31 : pr fisxdv AKLP, pr Kaqn&v ^ 9 ff . etc. 

Ebenso klar ist, daB eine Lesart, die sich als Kontamination 
zweier anderer Lesarten ergibt, unrichtig ist, wahrend uber die 
beiden andern nach anderweitigen G-esichtspunkten geurteilt werden 
m-uB (connate radings). 

K 24, 53 alvovvTsc, D a b e 

NBC*L syr^r 



J ) Nach freundlichen Mitteilungen von Strack erklart auch schon C.B. Michaelis 
(de paronomasia 30), Hiller, Onomasticum 1706, p. 536, Bernardus (bei Marck, 
in praecipuas quasdam partes Pentateuch! commentarius Leiden 1713, 366) ")Ji3 als 
hebraische Form des aramaischen T)J?3 ; Marck selbst TinD- M. M. Kalish, Bible 
Studies I. The prophecies of Bileam London 1877 gebe nichts zur Frage. 



brevior. 



aeth. 

A 11, 13 1) nvEVfia ayiov. 

2) aya&ov dofia D etc. 

3) nvEVfia aya&ov L etc. 

4) bonum donum spiritus sancti aeth. 

jt 6, 8 n^Qtjg ftdqiTOC, tfABD 

HP . . 
Jtal nioTEtoc, E. 

n 20, 28 1) T?IV EuxAyaiav TOV XVQIOV AC*D etc. 1 ) 

2) fcov ^B 22 etc. 1 ) 

3) . XVQIOV xcu &EOV C 8 HL etc. 

4) &sov jtat XVQIOV 47 

5) XVQIOV d'EOV 3. 95** 

6) xQicnov syrsch. 

(Die Handschriftenbezeichnung noch nach Tischendorf.) 
x 1, 12 1) TW ixavuaavTi AC etc. vg. cop. syr. 

2) xateaavii D*FG 17. 80. 99 etc. 

3) xaAsaavri xai MavctMjavti B 

2, 2 1) TOV &EOV XQIOTOV B 

2) o eoTiv XQIOTOS D* 

3) TOV EV XQIOTO) 17 

4) naTQog (-(- TOV AC) XQIGTOV 

5) Kai XQIOTOV Cyr. 

6) xai naiQog TOV XQIOTOV W 

7) naTQog xai TOV XQIOTOV 47. 73 

8) v.ai navQOc, xai TOV XQIOTOV 

9) D"P 37 

10) XQIOTOV Euthal(vid). 

Man beachte auch, wie in den beiden letzten Stellen das Ur- 
teil Tiber B schwankt. In 1, 12 hat B fraglos unrecht, in 2, 2 nach 
dem Urteil aller neueren Herausgeber er allein recht, wo aber 
W-H einen ursprtinglichen Fehler ftir TOV &EOV TOV EV XQIOTW Mr 
wahrscheinlich halten, welche Lesart 17 und nur 17 unter den 
Hdss. wirklich bietet. 

Im allgemeinen wird diejenige Lesart das Vorurteil der Ur- 



J ) Um noch einmal ein Beispiel anzufuhren, wie an solchen Stellen auch die 
abgeleiteten Zeugen schwanken, erwahne ich, dafi in den Apostolischen Konstitutionen 
2, 61, 4 die Mehrzahl der Zeugen fur die erste, 3 Hdss. dagegen (was bei Tischen- 
dorf nicht steht) und die arabische Didaskalia fur die zweite Lesart eintreten. 



272 Theorie und Praxis der neutestamentliclien Toxtkritik. 

sprunglichkeit haben, die bei der zusammengesetzten voransteht. 
Weitere Beispiele werden nicht notig sein. 

Schluss. An diese tL.eoretisch.en Auseinandersetzungen sollte 

sich nach der Uberschrift unseres Kapitels nun noch. ein Teil an- 

reihen, der von der Praxis der nt.lich.en Textkritik handelte, d. h. 

an einzelnen Beispielen ausftthren wnrde, wie bisher die Textkritik 

von unsern Autoritaten gehandhabt wurde und \vie sie nach den 

vorstehend vertretenen G-rundsatzen gehandhabt werden muBte. 

Eine ErftLllung dieser groBen Aufgabe wollten und konnten auch die 

Bemerkungen nicht sein, die ich in der 2. Aufl. unter der Uberschrift 

B Textkritische Bemerkungen zu einzelnen Stellen des NT.s" (S. 209 

bis 265) geboten habe, als ja auch im vorhergehenden schon auf 

ein ausgebautes textkritisch.es System verzichtet werden muBte. 

Die Zusammenstellung konnte und sollte teilweise eine Erganzung 

zu unsern deutschen Kommentaren sein, die in textkritischer Hin- 

sicht noch vieles zu wunschen ubrig lassen, deren anderweitige 

Yerdienste dadurch nicht geschmalert werden sollen. Ich sagte 

damals: Ein ausschlieBlich textkritischer Kommentar zum NT. ist 

ein dringendes Bedurfnis ; nicht ein Anfang, nur eine Ermunterung 

zu einem solchen sollen die folgenden Beispiele sein. DaB ich in 

der Stuttgarter Taschenausgabe des NT.s mich des Raumes halber 

genotigt sah, bei den aus Handschriften ausgewahlten Les- 

arten alle weiteren Andeutungen fiber ihre Herkunft und Bedeutung 

wegzulassen, erschien mir selbst als Mangel; fur viele derselben 

wiirde aber kaum eine annotatio critica in einer appendix wie sie 

v. G-ebhardt in seiner groBern Ausgabe hat, genugen. Was wtirde 

ein Leser z. B. aniangen, wenn hinter der Lesart M 1, 16 die Ziffern 

der 2 Minuskeln 346. 556 standen? Ein eigener apparatus criticus 

oder commentarius criticus wie ihn Ben gel seiner Ausgabe beifftgte 

und Burk in zweiter Auflage gesondert berausgab, ist notig. Ich 

habe seither in meinem NT. den E-ezensenten nachgegeben und im 

untern Apparat wenigstens einige Zeugen angeffihrt. Es ist ge- 

wimscht worden, noch neuestens von Joh. W e i B (die Aufgaben, s. o. 

S. 173), dafi dies auch auf den obern Apparat ausgedehnt und 

neben den Sigeln der Herausgeber oder statt derselben die der 

Zeugen gegeben warden. Ich kann hier nur aus dem Begleitwort 

zu meiner Textausgabe wiederholcn, daB wenn v. So den's Text 

erschienen sein wird, der Apparat meiner Ausgabe ohnedies um- 

gearbeitet werden muB, und daB es langst Gegenstand meines sorg- 

faltigen Nachdenkens ist, wie diesen Wunschen am besten Bechnung 

getragen werden konue. Die textkiltischen Bemerkangen der 2. Aus- 



NacKsclirift und Naclrfcrag6. 



gabe lioffe ich vermehrt und verbessert als selbstandigen Teil folgen 
lassen zu konnen. 

OYff<!U AACJ>H 
JUtt|>H 



Nachachriit und Nachtrage. 

Dem dritten Teil dieses Buches vergafi ich als Motto das Wort Augustins vor- 
zusetzen, durch welches dieser grofie Theologe alien Nachfolgern die Textkritik zur 
ersten Pflicht macht: 

codicibus emendandis primitus debet invigilare sollertia eorum qui scripturas 

divinas nosse desiderant, ut emendatis non emendati cedant (doctr. christ 2, 14, 21). 

Unter dem Schutz dieses Wortes, und des paulinischen 1 # 5, 21, das doch 
wohl auch von der niederen Kritik gelten wird, und des nicht kanonisch gewordenen 
Herrenworts ytvea&e &ya$ol TQanegTrai, mit dem schon Marcions Schiller Apelles 
das Recht der Bibelkritik und Origenes das der Priifung des Kanons begriindete 
(Zahn, GK. 1, 175; Orig., ed. de la Rue 3, 848. 932), stelle ich hier noch einige 
Bemerkungen zusammen, die ich in den Text selbst nicht mehr einarbeiten konnte. 

Zuerst eine allgemeine iiber das Verhaltnis der Rezensionen zum Urtext: 

Dafi die gelehrten Hersteller der spateren Rezensionen sich nach guten Vor- 
lagen umgesehen haben werden und den Text nicht uberall verwasserten und ver- 
derbten, wie so manche Rezensenten unserer Kirchenlieder, ist ohne weiteres zu- 
zugeben, also diirfen diese Rezensionen nicht gering geachtet oder beiseite ge- 
schoben werden, wie es so lange Zeit mit dem Kodex D geschah ; umgekehrt wird 
aber vollstandig richtig sein, was ich schon in der 2. Auflage aus Z a h n s Ein- 
leitung (II, 346; * 350) aushob: fl Wer sich gegenwartig halt, daB unsere altesten 
Handschriften (K B) etwa 200 Jahre jiinger sind als Marcion, Tatian und Ireniius, 
und wer sich einigen Sinn fiir den Unterschied naiver Urspriinglichkeit und einer 
aus liturgischen, dogmatischen und stilistischen Riicksichten hergestellten Regel- 
mafiigkeit bewahrt hat, wird sich auch jetzt schon etwa zu folgenden Satzen be- 
kennen miissen : 1) in p (= Text von Beza und Genossen) ist, was Sachen und Aus- 
drucksformen anlangt, sehr viel Urspriingliches bewahrt, was von Anfang an zu 
Anderungen aus den vorher angedeuteten Grunden reizte und durch die gelehrten 
Textrezensenten vom Ausgang des 3. Jahrhunderts an (Lucian, Hesychius, Pamphilus) 
beseitigt worden ist." 

Als zweiten Satz stellte Zahn a. a. 0. den auf : 

n ln ft ist wahrend des ganzen Zeitraumes, wahrend dessen die ntl. Texte 
ohne systematische Bearbeitung geblieben und ohne regelmafiige kirchliche und ge- 
lehrte Kontrolle fortgepflanzt worden sind, eine Menge von willkiirlichen Zutaten 
und von Formveranderungen eingedrungen, und zwar in starkerem Mafie in den 



! ) Bis ich das griechische Original wieder auffinde, das ich unlangst wo 
gelesen, mb'ge einstweilen diese SchluBschrift des Lukasevangeliums in Homer's 
Ausgabe der koptischen Ubersetzung hier stehen : Grufi dem Leser, Verstandnis 
dem Horer, Verzeihung dem Schreiber ! 

Nestle, ElnlUhrung. 3. Aufl. <18 



274 IsTaoKsclirift. 



naiven Zeiten vor 150 200 als spater, und viel mehr, als in den iibrigen Biichern, 
in den Evv." 

Daraus folgerte Zahn als dritten Satz, dafi die schwierige Aufgabe des Kri- 
tikers von heute nur annahernd, aber jedenfalls nur dann zu losen sei, wenn man 
sich gleich fern halt von aberglaubischer Verehrung unserer sogen. beaten Hdss., 
welche mit Verachtung der viel alteren Uberlieferung gepaart ist, wie von einer 
krankhaften Yorliebe fiir alle interessanten Gebilde und Auswiichse der wildge- 
wachsenen Uberlieferung, womit sich die falsohe Vorstellung verbinden miifite, dafi 
die gelehrten Textrezensenten urn 300 und spater lediglich Textverderber gewesen 
seien, welche zwar nicht in Bezug auf Orthodoxie, aber in Sachen des Geschmacks 
mit den aufgeklarten Verbesserern unserer Kirchenlieder sich vergleichen liefien. 

Damit nehme man zusammen, was ich gleichfalls schon in der 2. Aufl. aus 
einer mir kurz vor Abschlufi zugekommenen Arbeit Textkritische Bemerkungen zu 
Markus. Von Dr. D. F. B 1 a fi" (S. 5993 (1899) der Schlatter-Cremer'schen Bei- 
trage zur Forderung christlicher Theologie) ankniipfen konnte. Steht es so, sagte 
ich damals, wie die einleitenden Bemerkungen ausfiihren, und nach dem vorliegenden 
Tatbestand lafit sich die Sache nicht viel anders ansehen, dann ist es u m d i e 
Textkritik der ersten Evangelien eine hoffnungslose Sache. 
M Ein Evangelist oder Lehrer, dem der urspriinglich namenlose commentarius in die 
Hande fiel, konnte sich nicht gebunden fiihlen, die aufiere Form zu respektieren, 
sondern hielt sich (fiir) berechtigt, sie zu verbessern, wenn sie ihm mangelhaft 
schien; aber auch inhaltlich fiihlte er sich berufen, zu berichtigen oder zu erganzen." 
Blafi erinnert daran, dafi wir ganze Kategorien von Schriftstiicken haben, Heiligen- 
legenden z. B., die von den Abschreibern, in diesem Fall Bearbeitern, mit unglaub- 
licher Freiheit behandelt worden seien. Ganz so arg habe es mit Markus niemand 
gemacht. Blafi kommt zu dem Ergebnis: oft genug kann der Kritiker nichts 
anderes tun, als diese alte Mannigfaltigkeit zu erkennen und anzuerkennen ; in 
solchem Fall ware der Text am besten in parallelen Spalten zu drucken. Mitunter 
kann er einen Teil der Varianten als spatere Verfals chung oder Verderbnis aus- 
scheiden. Uberall zuverlassige Zeugen gibt es nicht: hier sagen die einen das 
Richtige aus, dort die andern, urn im naehsten Momente wieder mit etwas Falschem 
zu beriicken. Wie weit sind wir doch von der Zuversichtlichkeit entfernt, mit 
welcher Tischendorf kurz vor seinem Tod in seiner bekannten Broschiire vom 
Jahr 1873 die Frage beantwortete : ^Haben wir den echten Schrifttext der Evan- 
gelisten und Apostel?" Um so nb'tiger sind neue textkritische Studien, um so er- 
freulicher ihr Erwachen in Deutschland. Seither ist der erste Band des grofien 
Werkes v. Sodens erschienen, und wieder kommt mir beim Abschlufi meiner Zu- 
sammenstellungen eine Arbeit zu, auf die ich hinweisen darf und mufi. Das ist 
die schon angefiihrte Studie von Prof. Lake ,,Prof. von Sodens treatment of the 
Text of the Gospels." Wie sich meine Bedenken schon dagegen richteten, ob der 
textkritische Tatbestand es rechtfertige, in den so verschiedenen Gruppen IaH r J$ 
BOI r 2K z Glieder einer einheitlichen Rezension I zu sehen, so richtet sich Lake's 
Bedenken noch mehr gegen die Frage, ob es berechtigt sei, fiir diese 3 Rezensionen 
I, H, K, einen gemeinschaftlichen I-H-K-Text vorausznsetzen, den alle 3 beniitzt 
batten und der mit ziemlicher Sicherheit noch hergestellt werden kb'nne. Dies 
wiirde bis ans Ende des dritten Jahrhunderts fiihren. Aus alterer Zeit haben wir 
keine Handschriften mehr, nur noch Ubersetzungen und Vatei'zitate. Aber auch 
deren Analyse fiibrt v. Soden zu dem Ergebnis, dafi sie seinen I-H-K-Text beniitzten, 
nur daB sie denselben mehr oder weniger durch Tatian verderbten. M Tatians 



Naclisokrift. 



Diatessaron 1st im Grund die einzige Quelle fiir alle irgend bedeutsameren Ab- 
wandlungen des Evv.-Textes" (S. 1633). Hat dann etwa der Text Tatians Anspruch 
als ernstlicher Eivale neben dem vermeintlichen I-H-K in Betracht zu kommen? 
Auch nicht ! n Tatian seinerseits hat einfach seinen Text genau aus dem I-H-K-Text 
der vier Evangelien kombiniert" (S. 1645), 

Mit Hilfe der alten tjbersetzungen, Tatian und Marcion hofft v. So den den 
Text herzustellen, in dem die Evangelien im Jahrzehnt 130 140 in die Geschichte 
eintraten, ein Text, der mindestens bei Mk und Lk kaum von dem Wortlaut ab- 
weichen dtirfte, in welchem die Verfasser diese Schriften ein bis zwei Generationen 
friiher veroffentlicht batten. 

Dagegen und schon gegen die Behandlung der spateren Stadien hat Lake 
eine ganze Reihe Bedenken und Fragen, die in Seminarien in eingehendem Studium 
zu behandeln ungewb'hnlich lohnend ware. Er fragt 

1. Wie fern ist v. S o d e n zu der Annahme berechtigt, dafi der Text von 
D durch Riickiibersetzung beeinflufit sei, und sein Zeugnis so in eine Linie mit 
den anderen Zeugen fiir Ja zu bringen? 

2. Gab es iiberhaupt wirklich eine Rezension J? Erklart sich der Tatbestand 
nicht ebensogut durch die Annahme, dafi die Unterabteilungen JEfr, 7> Ja, u sw. 
verhaltnismaSig spate lokale Texte sind, in welchen einige der alten unrevidierten 
Texte (von welchen D moglicherweise die alteste und beste griechische Form ist) 
zu verschiedenen Zeiten wieder hervortraten (^cropped out"), wie altlateinische Les- 
arten in Vulgatahandschriften ? Jedenfalls sei der Versuch I mit Jerusalem und 
Palastina in Verbindung zu bringen ganz ungeniigend gestiitzt, am ungliicklichsten 
durch die Berufung auf das B palastinisch a -syrische Lektionar. 

3. Ob v. S o d e n nicht bei der Rekonstruktion von B-tf das verkannt habe, 
was in W-H's TJnterscheidung von neutralen (alteren) und alexandrinischen Les- 
arten richtig sei ? Ob das was v. S o d e n durch Einflufi der agyptischen Versionen 
auf B-N erklare, nicht umgekehrt zu deuten sei ? Die Versionen die Entlehnenden, 
nicht die Gebenden. Ob v. S o d e n nicht die wirklichen Tatsachen durch falsche 
Einschatzung von Btf verdunkelt habe, wie er vielleicht durch falsche Einschatzung 
von D und Genossen den Nachwuchs (^aftermath", Ohmd) wirklich alter Lokaltexte 
fiir eine eigene Rezension gehalten habe? 

4. Ob v. S o d e n bewiesen habe, dafi K von H und J unabhangig sei ? Wo 
der Beweis sei, dafi K nicht ein eklektischer auf H und 7 aufgebauter Text sei ? 

5. Aber der wichtigste, der wirklich entscheidende Punkt sei v. So den's Theorie 
der H Tatianismen a . Lake priift sie des Naheren an v. Sodens Aufstellungen uber 
Clemens von Alexandria und die Altlateiner. 

Dann aber die alteste Geschichte. Bei einer Literatur, wie es die Evan- 
gelien sind, sei anfangs der Inhalt die Hauptsache gewesen, nicht die Form. So 
mufite der Text an verschiedenen Orten rasch eine verschiedene Gestalt erhalten. 
Mit der wachsenden Verehrung der Evangelien hatten sich die Lokalformen ver- 
festigt. Als der Vierevangelienkanon aufkam, erhielten sich die Lokalformen zu- 
nachst noch auch in ihm ; erst spater sei es zu allmahlicher Angleichung der Texte, 
dann zu bewufiter Revision, endlich zur Feststellung eines Standardtextes gekommen. 
Zwei solcher Lokaltexte seien uns wohl durch die altlateinischen tjbersetzungen 
reprasentiert, ein anderer durch die altsyrische, wieder ein anderer durch die Zitate 
in Clemens. Tatians Diatessaron entstammt wohl Handschriften aus einer Gegend, 
in der ein ahnlicher Text im Gebrauch war, wie er der europaischen Form des 

18* 



276 Nachschrift. 



Altlateiners zu Grunde liegt, und Beza sei wahrscheinlich ein spates und verderbtes 
Uberbleibsel eines verwandten Typus. 

In den uns erhaltenen Handschriften haben wir ausschliefllich Eezensionen, 
d. h, nicht verschiedene Ausgaben, die von einem gemeinsamen Urtext ausgehen, auf 
dem sie alle ruhen, sondern die ersten Versuche herzustellen, was es noch nie ge- 
geben hatte, einen allgemein anerkannten Text, der die verschiedenen Lokaltexte 
ersetzen sollte. Die letztern herzustellen sei die Aufgabe der Textkritik, weiter 
hinaufzugehen, zu dem wirklichen Urtext jedes Evangeliums, Bei nur moglieh in 
Verbindung mit der Quellenkritik. 

Soweit Lake, der sich damit weithin in Ubereinstimmung findet , mit 
dem was ich aus B 1 a 6 vor 10 Jahren angefuhrt babe ; ein Gliick, daB es mit dem 
zweiten Teil des NT.s einfacher steht. Aber hat nicht dieser wenig erfreuliche 
Ausblick auch sein Gutes ? 1st er nicht der allerdeutlichste Protest gegen eine 
Auffassung und Behandlung des Kanons, wie sie nicht blo6 in englischen Kreisen 
noch weithin herrschen ich denke an Prof. Burkitts Vortrag auf dem Ohurch- 
Kongrefi in Manchester vor wenig Wochen, d. b. an die Aufnahme, die er fand, 
die auch bei uns noch eine Macht sind? und ist nicht doch Aussicht, daB studio 
et amore elucidandae veritatis auch auf diesem Gebiet Ergebnisse zu Tage kommen, 
welche die Miihe lohnen, die darauf verwandt wurde. Man lasse einmal die Ke- 
zensionen sein und behandle jeden Kodex als ein Individuum mit der Liebe, die 
jedem, auch dem sonderbarsten Individuum, ja gerade diesem am meisten entgegen- 
gebracht werden mufi ; man studiere jeden einzelnen mit der Griindlichkeit, von der 
so manche englische Beispiele zeugen, und die Brgebnisse kb'nnen nicht ausbleiben, 

Im letzten Augenblick kommt mir noch die doppelte Besprechung zu, die 
Bousset im Novemberheft der ThRds. S. 380385 und in Nr. 24 der ThLz. 
Sp. 672 676 der v. Sodenschen Arbeit widmet. Auch Bousset hat insbesondere 
gegen den letzten Teil schwere Bedenken, gegen den iibergrofien EinfluS, den Tatian's 
Text ausgeiibt haben soil, wenngleich auf diesen Mann die vielfache Uberein- 
stimmung des syrischen Ostens und lateinischen Westens zuriickzufiihren sei, und gegen 
die Beurteilung der Texte Justins und Marcions , wobei die von mir oben begiinstigte 
Annahme Lippelts, dafi schon Justin eine Harmonic benutzt habe, abgelehnt 
wird. Die Hauptfrage: was haben wir von der Art der Entstehung und dem Wert 
des romischen Textes zu halten? habe auch v. Soden nicht gelo'st; es sei aber zu 
hoffen, dafi sein Werk dem Forschungseifer auf diesem Gebiet erneuten Anstofi 
geben werde. Diese Hoffnung teile ich auch, namentlich wenn die von Lake und 
mir befiirwortete Erorterung einzelner Fragen in den exegetischen Seminarien unserer 
Hochschulen in Angriff genommen wiirde. Umsomehr stelle ich hier in bunter 
Mischung noch ein paar Punkte zusammen, wo neue Forschung oder neue Priifung 
einsetzen sollte. 

1. Das Verhiiltnis des Goten einerseits zu den Lateinern ,,mir und dem 
heiligen Geist" in A. 1 kann kein zufalliges Zusainmentreffen sein andrerseits zu 
dem ,Syrer Crispus statt Greszens in 2 r kann das Zufall sein ? In gewissen 
syrischen Druckschriften sind die zwei Buchstaben k und p, um die es sich hier 
handelt, einander so ahnlich, dafi man bei der Druckbogenkorrektur unendlich auf- 
passen mufi. Krispus ist also syrisch, und der Gote um so gewisser vom Syrer 
abhangig, nicht umgekehrfc. 

2. Das Verhaltnis von D zu den Lateinern, den Syrern und dem Sahiden: 
der Stein, den kaum 20 bewegten, in >123 bei c sah. 



Nachschrift. 277 



Das schwere oder brennende oder verMIIte Her/ in A 24 : xccto/tev^, ttexa- 
q, coopertum, optusum, excecatum, exterminatum, gravatum (sah syrsin cur pesch 
(s. Gwilliams) arm). 

Das Vorstehende war geschrieben, als Pfarrer J. Denk in Miinchen mir un- 
veranlafit eine Abschrift dessen sandte, was H. Goussen in derAnzeige der S. 157 
erwahnten Ausgabe von Conybeare, The Armenian Version of Eevelation (Th. 
Rev. 1908, No. 13/14, Sp. 409) schrieb: 

flConybeare hat in seiner Arbeit ein Kapitel (IX) mit der tJberschrift: M Das 
(alt)lateinische Element in der (alt)armenischen Ubersetzung." Die Losung fiir 
diese auffallende Tatsache hat Conybeare nicht gefunden. Das Gebiet der biblisch- 
kritischen Studien und Kevisionen im 4. 5. Jahrh. erhalt man, wenn man die drei 
Stadte Alexandrien, Antiochien und Edessa geradlinig verbindet, und den Brenn- 
punkt darin bildete speziell Palastina mit seinen zahlreichen Klostern, die beinahe 
weniger von Griechen als von Syrern, Armeniern, Georgiern, Lateinern und Agyptern 
dauernd oder zeitweise auf der Pilgerfahrt bevolkert waren. Ein Hieronymus 
zog sich dorthin fiir seine biblischen Arbeiten zuriick, und die altarmenische Kirchen- 
geschichte betont den engen Zusammenhang und Verkehr dieser Kirche mit der von 
Jerusalem zur Zeit der hi. Ubersetzer. Aus dieser bis heran iibersehenen Tatsache 
ist am richtigsten und einfachsten das altlateinische Element in der altarmenischen 
tibersetzung zu erklaren, aus diesen damaligen internationalen biblischen Monchs- 
studien im Orient begreifen sich Texte, wie der des Kodex D, Claromontanus, der 
der sog. Ferrargruppe. Das ist der Ursprung des falschlich sog. western Text*, 
der im Grunde gerade umgekehrt ein echt orientalischer ist." 

3. Das Verhaltnis von D zur Annahme einer semitischen Quelle fiir den ersten 
Teil der Apostelgeschichte. Wie epaqware n 3, 14 anders als durch diese Annahme 
erklart werden kb'nne, hat mir noch niemand einleuchtend gemacht. 

Das Vorstehende war gleichfalls schon geschrieben, als mir in der ThLtztg. 
vom 7 Nov. (No. 23, Sp. 647 f.) in B o u s s e t ' s Anzeige von Pott, der Text 
des NT.s, die Bemerkung aufstiefi, dafi S. 55 meine Hypothese einer Riickfiihrung 
der Varianten auf hebr. M kepartem" und B kebartem a aufgewarmt werde. M Aber die 
Annahme einer hebr. Quelle fiir den ersten Teil der Apg., die D noch zuganglich 
gewesen sein soli, ist uberhaupt kaum diskutierbar. Die Erklarung 
liegt n a h e r. Im Griechischen wurde aus ^v^aao&s nach dem f olgenden Wort 
fotfoaa'd-e. Der Lateiner las dann statt des unverstandlichen fiTrjaaa&e : qttaaaff&e 
und iibersetzte aggravistis (grabastis); daraus entstand durch Riickubersetzung in 
D eagvvai;e. u An dieser AuBerung ist ganz verkehrt, da6 meine Hypothese die 
kaum diskutable Ansicht einer n o c h D zuganglichen hebr. Quelle voraussetze ; ich 
kann auch nicht finden, dafi die ahnlich schon von Arn. Meyer vorgetragene Er- 
klarung nahe oder naher liege; der Beweis, dafi rj-ci.aaaa&e je mit aggravistis " (so) 
iibersetzt worden ware, mtifite noch gelief ert werden (man sehe die Konkordanzen ; 
auch den Thesaurus Latinus!). Aber ich freue mich, dafi die Stelle einmal wieder 
zur Diskussion kommt. Man kann an ihr nicht vorbei. Entweder mufi man mit 
Harnack (Lukas der Arzt S. 84) S^a^vate fiir die richtige, weil schwierigere 
Lesart annehmen, fiir die man sehr bald das im Vers vorher stehende ^Qvriaaa&e 
eingesetzt habe, oder einen besseren Weg als Meyer-Bousset zeigen, auf dem 
JIQV. sich in /S. verwandeln konnte, oder auf die von mir vertretene Erklarung zu- 
riickkommen, die ubrigens Ehre, dem Ehre gebiihrt schon vor 50 Jahren 
W. Harvey (1857 Bd, 2,55 seiner Irenausausgabe) aufstellte und kurz vor mir 



278 Nachschrift und Naclitrage. 

auch Chase. Harnack's Auffassung scheitert nach meinem Empfinden daran, daB 
0. in diesem Zusammenhang nicht blofi schwierig, sondern geradezu unmoglich 1st. 

4. Welche Zeugen der Eusebianischen Canones beghmen Abschnitt 2 in A 
statt bei 1, 35 schon bei 1, 19 ? welche erst bei 2, 6? Wie hangen sie zusammen? 

5. Was ist's mit Tischendorf's Annahme, daB an N und B derselbe 
Schreiber tatig gewesen sei? Vom ntl. Teil von N bekommen wir ja jetzt durch 
Lake die Photographic. 

6. Im AT. wird von verschiedenen Kirchenlehrern oft genug o 2vQoe als 
textkritische Autoritat angefiihrt (s. Field's Hexapla) : wie steht es in dieser 
Hinsicht beim NT.? 

7. Welche Hdss. unter den von Gregory und v. Soden gebuchten, sind solche 
derGesamtbibel? und wiefern gilt von ihnen die Bemerkung, mit der schon Bpckell] 
seinenkleinen Artikel n Die Lucianische Septuagintabearbeitung nachgewiesen K (Z. k. T. 3, 
467 469) schliefit: n Auch fiir die Frage, inwiefern in der nt.lichen Textkritik die 
Rezensionen des Lucian und Hesychius noch jetzt nachweisbar seien, diirfte deren 
Feststellung in der Septuaginta entscheidend werden?" 



S. 3, Z. 6 muB es statt ,,9. Juli" n nonis Julii", also 7. Juli heiBen, s. J. Schlick, 
Aldus Manutius und seine Zeitgenossen in Italien und Deutschland (Berlinj Dummler 
1862, S. 123). 

S. 5, Z. 9. Die griechische Bibel von 1518 ist nicht mehr von Aldus 
Manutius, dem Alteren hergestellt, der am 8. Febr. 1515 gestorben war, sondern 
von seinem (offenbar nicht viel alteren) Schwiegervater Andreas Asulanus (,in 
aedibus Aldi et Andreae soceri") besorgt ; der Sohn Paul Manutius (geb. 12. Juni 1512) 
war damals erst 6 Jahre alt. 

S. 10. Verseinteilung. Abbot's Arbeit liber die Verschiedenheiten 
der Verseinteilung steht auch in Gregorys Textkritik 883 895; darnach ist Well- 
hausen, das Evangelium Johannis (1908, S. 11, A. 1) iiber tl, 38 51 zu erganzen. 
Mit auf mein Betreiben hat die preufiische Bibelgesellschaft die iibrigen eingeladen, 
der in diesem Stuck eingerissenen Verwirrung ein Ende zu machen. 

S. 16. Eb. Nestle, Vom Textus Receptus des Griechischen Neuen Testa- 
ments. Barmen 1903 (Salz und Licht. Vortrage und Abhandlungen in zwangloser 
Folge No. 8). 55 S. 

S. 16. Uber die Elzevier: R. Schmidt, Deutsche Buchhandler, Deutsche 
Buchdrucker II. Berlin 1903. 

S. 23. In Tischendorfs editio octava, glaubte ich bis vor wenig Jahren, seien 
alle wesentlichen Ergebnisse friiherer Textvergleichung gebucht. Auch unsere 
deutschen Kommentatoren scheinen dieser Meinung zu sein, da sie sich mit wenig 
Ausnahmen auf sein textkritisches Material beschranken. Wie wenig diese 
Meinung zutrifft, dafiir ein Beispiel, das fur die Geschichte des gedruckten Textes 
lehrreich ist. Zu TT 8, 36 <bg 6& faogeiJovTo lese ich in B e z a ' s Ausgabe von 1559 : 
in uno exemplari additum hie invenimus avgijTovvres PST' &AAtfA<ov una inter se 
sermonem conferentes. Davon bei Tischendorf keine Spur. 

Indem ich der Lesart nachgehe, finde ich als Zeuge fiir sie angegeben 

1. bei Wechel 1597: exemplar vetus. 

2. bei Fell : W (d. i. Wechelii sive Fr. Junii lect.). 

3. bei Mill: Wech. Cod. vet. 

4. bei Wettstein: codex Stephani. 
In Stephanus 1550 feommt sie nicht. 



Nachtrage. 279 



Dieselbe Angabe ,,codex Stephani" finde ich bei Wettstein zu 7, 6, wo wieder 
Beza hat w sed in uno codice pro avvov diserte scriptum legimus aov K und wieder 
Steph. 1550 nichts hat. 

Weiter zu 7, 42, gecpa 25 ,, Codex Stephani probante T. Beza in annot Ed. 2"- 
In der ersten hat Beza es nicht. 

Bbenso bei 8, 38, wo wieder die Ausgabe von 1550 nichts hat, Beza aber 
bemerkt : 

In uno codice haec legimus: nvevpa &yiov fjteaev Inl rbv ef>vov%ov, ayyeAos 
6k xvQlov tfQTtaae rdv ylAiTtnov. Wettstein zitiert dafiir (aber mit der Lesart 
inineaev) A ex emendatione 15. 18. 27. 29. 36. Codex Stephani. 

Woher hat Beza diese Lesarten ? und Wettstein die Bezeichnung codex Stephani ? 

Zwischen hinein sagt Beza zu V 37 : 

Totum hunc versiculum comperimus deesse in quinque codicibus, atque adeo 
in Complutensi editione. Dies stammt aus Steph. 1550, wobei nur zu beachten ist, 
dafi Beza verkannte, daS a bei Stephanus keine Handschrift, sondern eben die 
complutensis selber ist. 

In Wettsteins Prolegomena findet sich eine lange Erorterung liber das Ver- 
haltnis von Beza zu Stephanus ; aber ich werde nicht klug daraus. Scrivener weist 
darauf hin, dafi Beza nach Wettstein Lesarten von D als quidam codex zu Me 9, 38 ; 
10, 50; Lk 7,35 zitiere. Scrivener selbst ftigt hinzu, dafi er one Stephanie manu- 
script zu Mt 23, 9 nenne, two zu Me 1, 36; ebenso in spateren Ausgaben two zu 
Lc 20, 4 ; Act 22, 25 ; 3 zu Mt 21, 30 two of which would be codex D and Evan 
9 (Steph t/9). 1565 spreche er in seiner Dedikation an die Kb'nigin Elisabeth von 
exemplar ex Stephani nostri bibliotheca cum viginti quinque plus minus 
manu scriptis codicibus et omnibus paene impressis ab Henrico Stephano eius filio 
et paternae sedulitatis haerede quam diligentissime collatum. 

In der Easier Ausgabe von 1559 findet sich die Stelle am Schlufi des Yor- 
worts Christianis Lectoribus (die Widmung an die Konigin fehlt noch in dieser 
Ausgabe), aber ohne die Worte n ab Henrico " bis haerede" : er fahrt fort : quae res una 
prae caeteris magno opere me in plerisque sublevavit, quum interdum viderem, quae 
alioqui sola interpretum coniectura nitebantur, alicuius codicis authoritate con- 
firmata: interdum autem ex veteris lectionis vestigiis aditus ad cognoscendam 
veritatem nobis patefieret: in quo tamen hunc modum tenuimus, ut admonitione 
contenti, ex ingenio aut simplici coniectura ne apicem quidem mutaremus. 

Der Leser fragt vielleicht, ob es der Miihe wert sei, von einer solchen bei 
Beza angefiihrten Lesart so viel Aufsehens zu machen. Wie aber, wenn sie aus 
dem Codex D stammen wiirde? Heutzutag fehlen in D griechisch 8, 29 von (piAmitto 
bis (10, 14) nav KOIVOV, lateinisch von 8, 20 dixit ad eum bis (10, 4) et trepidus factus, 
d. h. 8 Blatter, der Quaternio 47. Die Blatter fehlten 1582, als Beza die Hand- 
schrift nach Cambridge schenkte; ob aber auch schon vorher? Stephanus zitiert 
mehrmals /? === D (siehe Scrivener's Ausgabe p. X), zu Unrecht. Die Mb'glichkeit, 
dafi die Handschrift im 16. Jahrhundert noch vollstandiger war, ist nicht zu be- 
streiten. Der Charakter der Lesart wiirde ganz fur D passen. Woher sonst Ste- 
phanus-Beza sie haben konnte, weifl ich nicht. Von den zu 8, 38 genannten 15. 
18. 27. 29. 36 sind die beiden ersten in Paris, 29 in Genf , konnten also Stephanus 
und Beza zuganglich sein; dafi sie von ihnen benutzt wurden, ist nicht erwiesen. 
Beza's Ausgaben mtissen auf die von ihm angefiihrten Lesarten untersucht werden, 

S. 27. Seltsamerweise vergafi ich hier die Patriarchatsausgabe von Kon- 
Stantinopel, die ich im ThLbl. 1905, 33 anzeigte. H xaivij dia&ijxti eyxQiaet 



280 Nachtrage. 



rov XQICTTOV exxAijcnas, Ev KajvatavnvovjioAei SK vov 

1904. (8. 622 S.). Sie hat einzelne Lesarten, die sich in andern 
Ausgaben nicht (oder kaum) flnden; z. B. M5, 44 rots piffovatv, 46 cpiAovg; 10, 12; 
11,21; 12,4. 8 usw., n 13, 24 aaftjQiav, 48 das nur von D bezeugte ItegavTo. 
tiber ihre Vorrede s. o. S. 199. S. 617 622 bietet sie das Perikopenverzeichnis fur 
Sonn- und Festtage. Es wird lehrreich sein, sie mit v. Sodens K zu vergleichen. 
S. 36. In der mozarabischen Liturgie gibt es einen Ordo in ordinatione ems 
cui cura librorum et scribarum committitur (ed. Ferrotin in Cabrol-Leclercq's Mo- 
numentall, 43), wobei ihm gesagt wird: n esto custos librorum et senior scribarum/ 
S. 43. Ein profanes Schulbeispiel ftir die Dunkelheit der scriptio continna 
(der Aussprache und der Bedeutung) ist: 

neaovaa SOTO) dijfioffia: 
neaovaa (nai ovaa) eofca) dijitoffta. 
Vgl. Thomas Smith, de recta et emendata linguae graecae pronuntiatione 
ad Vintoniensem Episcopum Epistola (1542), Lutetiae, R. Stephanus. 1568.4 Bl. 27". 

Dieselbe Verwechslung wie zwischen SAAois und &W ols in /* 10, 40 be- 
gegnete der Aldina in Gen. 15, 4 zwischen &&%" 8g und &AAog. 

S. 43, A. 1. Zu dieser Anmerkung vergafi ich aus den Nachtragen der 
2. Aufl. den Hinweis auf Haufileiter (Forsch. 4, 47 51), wonach in einer Fuldaer 
Hds. des Apokalypse-Kommentars des Primasius von 12 Lagen 3 erspart wurden, 
indem 3 unverandert blieben, auf je 3 andere von 2 Schreibern der Inhalt von 
9 Lagen zusammengedrangt wurde. 

S. 44. tiber Miniatur ausgaben, speziell die Ilias in nuce, die nach Cicero 
und Plinius (h. n. 7, 85) Alexander besessen haben soil, s. R. Wiinsch's Anzeige der 
Festschrift zum 25jahrigen Stiftungsfest des Histor. Philol. Vereins der Universitat 
Miinchen (Miinchen, Lindau 1905) in BPhWS. 1907, 15, 459. 

S. 47. tiber Papyrusfabrikation als fur Egypten und Alexandria bezeichnend 
vgl. den Brief des Kaisers Hadrian an den Konsul Servian: alii vitrum conflant, 
ab aliis c h a r t a conficitur (bei Preuschen, Analecta 19). 

Die Annahme, dafi die Buchrollen f e r t i g in den Handel gebracht worden seien, 
d. h. schon zu der erforderlichen Lange zusammengeklebt, findet G[rusius] (LZbl. 
1907, 41 in der Anzeige von Schubart, das Buch etc.) sehr verfanglich. tiber eine 
aus Herkulanum, die wir verfolgen konnten, verweist er auf Rheinisches Museum 62, 4. 

In Griechische Papyrus der Kaiserl. Universitats- und Landesbibliothek 
Strafiburg, herausgegeben und erlautert von Friedrich Preisigke. I, 1. 1906. (96 S. fol., 
vgl. LZbl. 1907, 8) wird namentlich das Palaographische gut erlautert. 

S. 47, b) (statt a)"). Eine sehr hiibsche Ubersicht gewahrt die kleine Schrift: 
Zur Einfiihrung in die Papyrusausstellung der Konigl. Museen zu Berlin. Dem 
internationalen Kongresse fur historische Wissenschaften gewidmet von der Wei d- 
mannschen Buchhandlung. Berlin 1908, 40 S., insbes. S. 711 n Das Schreib- 
material". 

S. 48. r., Die Papyrusstaude (Mit 2 Abbildungen der Papyrusstauden 
am Anapo in Sizilien) (Illustr. Zeitung 3304, 679 ; 25. Okt. 1906). 

S. 48. Der agyptische legoyQapfiaretis hat als sein Kennzeichen n T e Q A 
inl ffls xEcpaArjs, 1 P A tov re iv %e(>al xetl x a v o v v (so H e y s e , die Hds. 
xavdva) iv $ 16 ie yQaymbv peAav jtal a%olvos fi ygdyovoi (Clem. Al., 
Strom 6, 36 = 2, 449). 

Die ursprungliche und die spatere Bedeutung von ptpAos ist sehr hiibsch bei- 
einander bei Clemens Al., Strom 1, 151, wo er vom Binsenkorbchen des Moses sagt: 



Nachtrage. 281 



iv, filpAov Trjs ni%a)QCov axevds TI jvocijadftevoi, nacbdem er umnittelbar vorher 
von T&V &BI&V pCpAutv geredet. 

Aus lateinischen Martyrerakten vgl. quae tot membranas, libros, 
tabellas, codicillos et paginas scripturarum quae sunt impiorum Christia- 
norum, qui umquam fuerunt, ad hodiernum usque diem servare voluisti (Akten 
der Agape Chionia). 

S. 48 f. 88. A. B 1 u d a n , Papyrusfragmente des neutestamentlichen Textes 
(Bibl. Z. 4,1, S. 25 38). Er zahlt 20 Nummern; aber No. 1 wird das angebliche 
Autograph des Markus sein (S. 85. 49). 

S. 48. Th. B i r t , xecpaMg als Buchterminus (Eh. Mus. 62, 3, gegen v. Wila- 
mowitz-Mollendorff, Berliner Klassikertexte V, 1, 67). Er zitiert aus den Apoph- 
thegmata patrum : Sftovra itl xeTpag KeyaAtda vovT^att, rdpov yeyQappdvov gau&ev 
Mai ggco&ev; idftog hier nicht Buch (= TBV%O$), sondern Eolle: s. auch E. Be the 
(DLz. 07, 37). 

W. M. Bam say, The book as an early Christian symbol (The Expositor, 
March. 05; VI, 11, 63). 

S. 52. Ahnliche Beschworungen genau abzuschreiben finden sich (nach 
Leclercq im Artikel Adjuration in Cabrol's Diet, de 1'Arch. chr6t. 1, 533) passim in 
Mai's Scriptorum Veterum Nova Collectio und in Assemani's Bibliotheca orientalis. 

S. 58 ff. Der Titel der von S. 58 an so oft beniitzten, meist ,,Liste" genannten 
Arbeit Gregorys, die inzwischen ausgegeben wurde, lautet : Die griechischen 
Handschriften des Neuen Testaments (Versuche und Entwiirfe, 2, Leipzig, Hinrichs 
1908. VI. 366 S. 10 M., geb. 11 M.). Nach dem mir bei Benutzung der Arbeit 
noch nicht vorliegenden n Nachtrag" (S. 362 366) ist in meinen Angaben folgendes 
zu berichtigen oder nachzutragen : 

S. 79, Z. 8 v. u. ersetze ,057 durch n pi 058". 

S. 83 ff. erganze zu 060 n el3", zu 064 ^10", zu 076 n 1008 a , zu 0101 
,c48 K ; bei 0106 schreibe Leipzig M 7 K (Leipzig Gr. n l" ist der Friderico-Augustanus, 
der erstgefundene Teil des Sinaiticus) ; zu 0109 fiige 52" ; zu 0111 4" ; 0149 
ist als 1 1485 unter die Leseschriften zu versetzen. 

Die Liste der Kleinhandschriften, die S. 122 bis zu 2292 fortgefiihrt war, 
ist S. 363 f. bis zu 2304 angewachsen (2298 ist n a 171", nicht n !72" wie bei mir 
S. 101, Z. 20 steht) ; ebenso die Liste der Leseschriften von 1540 auf S. 171 (bei 
mir S. 104, Z. 7) bis zu 1547 (S. 365). 

Der mir wahrend der Korrektur dieser Nachtrage (26. 11. 08) zukommende 
Bd. 6 der Oxyrhynchus-Papyri vermehrt die Grofihandschriften durch 2 Pergament- 
bruchstiicke Nr. 847 = t, 2, 11 22 aus dem 4. Jahrh., lehrreich, weil es die Abkizrzung 
Ir[$ und Is nebeneinander bietet ; und Nr 848 = a 16, 17 20 aus dem 5. Jahrhundert. 

S. 62. Ein Verzeichnis der Veroffentlichungen und Orte, wo man Nach- 
bildungen biblischer Handschriften findet, ware dankenswert. Griechische Evan- 
gelien vom Jahr 1269 seien z. B. abgebildet als Nr. 27 der neuen Palaeographical 
Society (II, 1904). 

S. 62. Die Nachricht, daft Konstantin dem Eusebius die Herstellung biblischer 
Biicher in Auftrag gab, hat sogar in die syrische Chronik des Jakob von Edessa 
zur 276. Olympiade Aufnahme gefunden. 

S. 66. Dafi ^ nie kopiert wurde, beweisen die Willkurlichkeiten, die nur in 
N sich finden, z. B, 



282 NachtrSge. 



a 3, 14 txKAqalas statt 

16 navaai statt ifteaai 

6, 13 povvdg statt vrjaos usw. 

Dasselbe war offenbar bei .4 der Fall; vgl. 

2, 22 yvAax^v statt tt/Lfvt]v 

6, 17 <$eoi} statt oiiQavov 

11, 2 ftetgtfcrovffiv statt ncn^aovaiv. 

Wie schlimm waren wir dran, wenn wir nur die eine oder die andere dieser 
Hdss. batten. Ahnlich 1st es in andern Teilen des NT.s; vgl. 

1 T 2, 7 statt ntarei hat ^ yv&vei, A nvsvpaTi (nach t 4, 23. 24). 
S. 66. Nach B u s n e y , a general history of music, London 1782. 4 II, 47 
sollen im Kodex A dieselben musikalischen Akzente stehen, wie sie in C (Ephraemi) 
von zweiter Hand beigeschrieben seien. 

S. 67. Dafi in B Pastoralbriefe und Philemon nicht erganzt wurden, wird 
sich wohl daraus erklaren, dafi in der Hds., aus welcher die Erganzung stammt, die 
Reihenfolge Past., Hebr. war, und nicht wie in S und seiner Vorlage Hebr., Past. 
Der Erganzer meinte also, als er erganzt hatte, er sei mit Paulus fertig und ging 
sofort zu a iiber. v. So den fiihrt die Erganzung seltsamerweise unter den 
Codices, die nur Ap enthalten" auf als a 1574; bei Gregory heifit sie jetzt 1957, 
friiher p 293, r 91. Aus welcher Hds. sie stammt, scheint noch nicht untersucht 
zu sein. Hoffentlicb geben die zu erwartenden Prolegomena daruber Aufschlufi. 

S. 77, I. G o o d s p e e d , E. J., The Detroit manuscripts of the Septuagint 
and NT. (BW 31, 218226). 

Das Freer-Logion auch in Lietzmanns Meinen Texten, Heft 31 (1908 von 
H. B. Swete). 

S. 78, 0. H. m o n t , Peintures d'un manuscrit grec de 1'evangile de S. 
Matthieu, copi6 en onciale d'or sur parchenim pourpr6 (Monuments pict. VII, 1901, 
175185; pi. XVI XIX; dazu J. S[trzygowski] in BZ. 11, 1681.). 

W-H. haben schon fur einzelne Stellen einen primitive error nicht fur unwahr- 
scheinlich gehalten. Wer das nicht billigt, iiberdenke, was U. v. W-M. im LZbl. 08, 44, 
in einer Anzeige der Monumenti antichi . . . dei Lincei vol XVIII sagt: ,Fiir die 
allgemeine Textkritik ist beherzigenswert, daB wir auf Stein Korruptelen finden, 
wie wir sie oft in der literarischen Uberlieferung bessern miissen", z. B. das Prasens 
anoateAAeiv statt des Futurs, fteAovTes statt eZftovTes. Andererseits gilt gerade 
bei Inschriften in dieser Hinsicht die ihren Wert auf das richtige MaB herabsetzende 
Frage eines meiner Lehrer: Wer macht die Inschriften? mit seiner Antwort: der 
Steinmetz. Aber auch die Handschriftenschreiber waren nicht alle Meister der Eecht- 
schreibekunst, zumal bei einer Literatur wie es die christliche anfangs war. 

S. 88. Bruchstiicke einer Grofihds. des VIII. (oder IX.) Jahrh. wurden (nach 
E. v. Dobschiitz, BZ. 12, 1903, 538) zum Ausbessern von Coisl. 296 verwendet; 
A 1, 21 ff. ist darauf erkennbar. 

S. 96. J. B. H a r r i s , Further researches into the History of the Ferrar- 
Group. London 1900 (s. H. A. A. Kennedy in ET. 12, 328 f., April 1901). 

S. 97. Zu Kodex 69: M. R. James, The Scribe of the Leicester Codex 
(JTS. 5, 445 447). Derselbe Emanuel von Konstantinopel, der 1468 dem Erzbischof 
Georg von York eine jetzt in Leiden befindliche Hds. verfertigte. 

S. 101. DaB es fur n wenig Hdss. aus alter Zeit gebe, hob schon Matthai 
hervor; aus noch viel alterer erklart Chrysostonras, dafi viele von dem Vorhanden- 
sein.des Buchs gar keine Kenntnis hatten. Sehr dankenswert ist, daB Gregory am 



Nacttrage. 283 



Schlufi seines Handschriftenverzeichnisses diejenigen zusammengestellt hat, welche 
nur ac, p oder r enthalten; nur hatte er auch die nennen sollen, welche das ganze 
NT. und die Gesamtbibel enthalten. 

S. 102. Zu Hds. 326 jetzt 1843 vgl. G. Mercati, I Mss. Biblici Greci 
donati da Carlotta di Lusignano ad Innocenzo VIII (Misc. di stor. eccl. 1906, Apr. 
337 ; mir bis jetzt nur aus. BZ. 1907, 71 bekannt). 

S. 104. Auf dem 15. internationalen OrientalistenkongreB in Kopenhagen 
sprach (nach der DLz. 08, Sp. 2331) Dr. Venetianer (Ujpost) iiber den Ursprung 
der Prophetenlektionen und wies auf Beziehungen zwischen der liturgischen Arbeit 
der Synagoge und der urchristlichen Kirche hin. 

S. 104. tiber den Ursprung der kirchlichen Verlesung s. Turner 
(JThSt. 10, 2628) ; aus der S. 221 angeftihrten Nachricht des Dionysius von Korinth 
folgert er, dafi der Brief des Clemens dort damals every Sunday vorgelesen wurdq. 

P. P 1 a u e , Die Vorlesung heiliger Schriften im Gottesdienste I. Teil, 
Berlin, A. Duncker 1907. Zu vergleichen Gregory (ThLz 07, 11). 

S. 115. Die bizarre Form der christlich-palastinischen Estrangelo-Schrift er- 
klart Kokowzoff nicht aus Nachahmung der griechischen Unziale, sondern aus 
Nachwirkung der hebraischen Schrift des IV. V. Jahrhunderts, indem er mit Z a h n 
(Forsch. I, 345) eine in hebraischer Schrift geschriebene aramaische Ubersetzung des 
NT.s annimmt (Schulthefiin ZdmG. 61, 1907, 207). 

S. 117. Der Verlag M Lumen" (Leipzig u. Wien VII./3) kiindigt an: Orbis 
Antiquitatum, Keligions- und kulturgeschichtliche Quellenschriften in Urtext, Um- 
schrift und Ubersetzung unter Mitwirlning hervorragender Fachgelehrter, heraus- 
gegeben von Dr. M. Altschiiler und Dr. J. Lanz-Liebenfels. Die syrische 
Bibelversion (Pesita), Text in Urschrift, pro Band 30 Mk. == 36 K. Ob das NT. 
eingeschlossen ist, sagt die Ankundigung nicht. Nach ThLz. 1908, 22 vom 24. Okt. 
ist der erste Band der syr. Ubersetzung zum Preise von 15 Mk. erschienen. Ge- 
sehen habe ich ihn noch nicht. 

S. 120, 5. G. M a n a c h e , Un nouveau Ms. de la version H6racl6enne (al- 
Machriq XI, 1908, 3 (Marz) S. 206211 arab.). 

S. 120, 6. A. Baumstark, Ein byzantinischer Buchschmuck des Praxa- 
postolos und seine syro-palastinensische Vorlage (OrChr. 6. 1906, 1/2). 

S. 123. Dafi man unter ^Italien" auch spater noch Oberitalien, die Lombardei 
verstand, zeigt sehr nett die vorlutherische deutsche Bibel, welche 13, 24 ftir 
fratres ex Italia n die Briider von Landparten" hat (Zainer: von welschen Landen); 
ebenso Lambarten n 14, 25 (statt Attaliam) ; 24, 2 und Num. 14, 24. 

S. 126. Pf. D e n k erganzt mir Z y c h a (Festschrift etc.). Reimer-Berlin 1900. 
L i n k e , Studien zur Itala. Breslaul889, 4 (Progr. des Elisabethgymnasiums). Die 
Dissertation von E. Ehrlich ist von 1898. Mit Recht mb'chte er weiter zu Ronsch 
und K a u 1 e n die inhaltsreichen Besprechungen von J. N. 1 1 (Jahrb. f. Mass. 
Phil. 1874, 757792; 833967) erwahnt sehen. 

D enk , J., Seltene Itala- und Vulgatavarianten auf einem Amulett (ThR. 7, 233 f. : 
die 7 Worte am Kreuz und ^4, 30 1 18, 8). 

M o r i n , G., Un lectionnaire m6rovingien avec fragments du texte occidental 
des Acts (RB<5n. 25, 161 166, von Schlettstadt, n 2, 2941). 

S. 127, Nr. 3. W. K r o 1 1 , Bibel- und Kirchenlatein 19024 (Kritischer 
Jahresbericht iiber die Fortschritte der romanischen Philologie 1906, VIII). 

S. 128. Dafi uns in c eine selbstandige Ubersetzung fur A vorliegt, folgere 
ich aus 12, 3 homo q u i in tenebris locutus est in luce audietur fur &V&' &v Baa 



284 Nachtrage. 



iv vt) 0Korla efacne. Einen solchen Unsinn AN&PQIIOC statt AN6&NOCA zu 
lesen, macht nur einer einmal. Also miissen die andern lat. Texte von A auf ihr 
Verhaltnis zu c untersucht werden. 

S. 128. Zu OLBT V (cod. h) vgl jetzt E. S. Buchanan (JTS. 10, 125 f.). 

S. 128, b. E. S. B u c h a n a n , The codex Veronensis (JTS. 10, 120124). 
B. entdeckte am Ende der Hds. 2 ganze Blatter, und innerhalb derselben einzelne 
Stiicke, deren Text bei Bianchini 1769 fehlt. Die Hds. miisse schon um 600 in 
Verona gewesen, werde wahrscheinlich dort entstanden sein. Belsheims Abdruck 
(Pragae, 1904. Sumptibus regiae societatis scientiarum Bohemicae) hatte oben 
nicht fehlen sollen. 

Ebenda berichtet B. iiber die Schwierigkeiten den Kodex von Vercelli bei 
einem dreimaligen Besuch auch nur zu sehen. 

S. 133, s,. J. Bick, Wiener Palimpseste. 1. Teil. Cod. Palat. Vindob. 16, 
olim Bobbiensis ; Lucanus, Pelagonius, Acta Apostolorum, Epistulae Jacobi et Petri, 
Epistula apocrypha Apostolorum, Diuscorides, fragmentum medicum (116 S. mit 
6 Tafeln. WSB., Phil.-hist. Klasse 159, 7). 

S. 136. Zu den Bibelzitaten in des Irenaus neugefundener Schrift von der aposto- 
lischen Predigt (TU. 31, 1) sei zu vergleichen J. E. Harris (Expositor March 08). 

S. 136. F. J. Bonnasieux, Les Evangiles Synoptiques de Saint Hilaire 
de Poitier, Etude et Texte. Librairie Catholique, Emmanuel Vite ; s. J. M o f f a t 
(ET. 20, 2, 73). 

S. 140. F. A. Gasquet, Revising the Vulgate (The Dublin Rev., Oct. 08). 

S. 151. (Delaporte) Fragments sahidiques du Nouveau Testament. Fasc. 
2. Evangile de Saint Jean. Paris 1908, Lithogr. 4. 80 (Fasc. 1. Apocalypsis 1901 3 M.). 

S. 151. (Delaporte, L.), Fragments sahidiques du Nouveau Testament Apo- 
calypse. Paris 1901. 8. in 100 Exx. autographiert. 

S. 157. A. Merk, S. J., Griechischer Einflufi in den altesten armenischen 
Bibelhandschriften betitelte sich eine Arbeit, die auf dem OrientalistenkongreS in 
Kopenhagen verlesen wurde (BZ. 7, 678). 

S. 157. Auf dem Orientalistenkongrefi in Kopenhagen verlas F. Nau eine 
Arbeit von A. Chachanov,a propos de 1'e'dition de l'6vangile g^orgien (BZ. VII, 677). 

S. 159. Schriftstellerzitate. Als Beispiele, wie man Hdss. der 
Schriftsteller und Katenen nicht ohne weiteres trauen kann, beachte Claude Jenkins, 
Origen on 1 Corinthians (JTSt. 10, 34). Sowohl im Text als im Kommentar hat 
die Hds. 1 K 13, 3 Kav-d-rjaapai, mit Recht setzt aber der Herausgeber xav 
denn im Kommentar steht o-t> diet, rfv aydnijv &AAa 8tcc xevodoglav, xal 
dvvatov SVTOS nai {.laQrv^aal viva gvexev xav%irjae(i)S Kal66gtis%9 
govTai iv Tale IxxAyalatg ol (AaQrvQBS. Dies haben schon W-H. (zur Stelle) gegen 
Cramer's Cat. 252 geltend gemacht, wo gleichfalls xavdrfoafiai. gedruckt ist; 
aber bei Tischendorf steht die Stelle noch als Zeuge fiir diese Lesart. Zu 14, 38 
hat schon Tischendorf bemerkt, dafi dyvoeiTO) gedruckt sei, der Kommentar aber 
ayvoenai yoraussetze; dazu vgl. jetzt a. a. 0. S. 30 und 40. 

S. 165. Von der jungen Melania wird geruhmt: gygayev eiicpv&s ndvv xal 
amataTois Iv aaftartois; im lateinischen Text: scribebat etiam per totam septi- 
manam in membranis nee manducavit priusquam perficeret constitutum canonem 
et scriberet et Lectionem legeret (griechisch nur ngb TOV TeMoai 8Aov 
xavova). Von derselben: KaAAiygacpovoa tb afltaQHes naQEi^ev roig ay lots & 
Idtwv fteiQ&v tiifodetyfiaTa, lat.: scribens sufficienter et de manibus suis praebens 
calciamenta (= iinodrjfiaTa !) sanctis. Von ihr wird auch gerUhmt or' Idlav voi>$ 



NaoKtrage. 285 



sv (reddens etiam psalterium singulariter, auswendig 
hersagen) ; s. Adh<5mar d' Ales (AB 25, 4, 1906, 417 ff.). 

S. 173. C. H. Turner, Historical Introduction to the Textual Criticism 
of the New Testament. I. Growth of the Idea of a Canon (JThSt. X, 1, Oct. 1908, 
p. 1328; Ports, f.). 

Mit dieser Arbeit beginnt T. die Textkritik in den Rahmen der allgemeinen 
Kirchengeschichte zu stellen, wodurch ihr hoffentlich neue Freunde gewonnen werden. 

S. 190. Heribert Plenfcers, Untersuchungen zur tJberlieferungsgeschichte 
der altesten lateinischen Monchsregeln I. Die Regelbiicher Benedikts von Aniane; 
II. Die Regula S. Benedicti (Traube, Quellen und Untersuchungen I, 3). 

S. 194. Nach dem authentischen Zeugnis des Laktanz (de mort. persec. 12), 
der in der kaiserlichen Residenz persb'nlich anwesend war, erging das Bdikt, die 
christlichen Kirchen zu zerstoren und die Bibeln zu verbrennen, an den 
Terminalien, d. i. den 23. Pebr. 303 ; das zweite, welches Euseb mit dem ersten 
verbindet, das tiber die Christen Degradation in verschiedenen Abstufungen ver- 
hangte, folgte am 24. (Ed. Schwartz, GrAbh. 8, 1905, 67). Auch Athanasius soil die 
(h.) Schriften verbrannt haben (Chron. min. 63). In den Akten des Pelix de 
Tubiaca fragt der Richter: Libros deificos habetis? Auf die Antwort: habemus, 
kommt der Befehl date illos igni aduri, und die weitere Antwort: episopus noster 
apud se illos habet (Cabrol, Diet, de 1'Arch. Ohr<5t. I, 601). 

S. 212. Die von Eusebius geschriebene Lebensgeschichte des Pamphilus 
wurde in den AB 16, 129139 nach 3 Hdss. veroffentlicht. Aus einer neuen Hds. 
(Brit Mus. 36589) gab Delahaye (ebenda 25, 499 ff.) die Varianten und von c. 10 
an une nouvelle redaction abre'ge'e du texte d 1 Eusebe. Dabei zu 136, 3 15: 

v.a.1 dxa 
, T&S Jigdjeig HvdQeiog, T&V @lov 

S. 214. Sehr lehrreiche Nachrichten uber Palaographisches finden sich in dem 
Aufsatz: I Manoscritti Autografi di S. Nilo Juniore fondatore del Monasterio di 
S. M. di Grottaferrata. Saggio di D. Sofronia G a s s i s i Jeromonaio (Oriens Christia- 
nus 4,2, 1904, 308370): 

S. 327. xAlvi] afaip (Nilus) o#% i)JvfiQ%ev o$re $Qovtov, oi> V.I$&TIQV, ^ 
yAaaadHopov, tf paAavriov. oi>8k jfffQa, &A%" otdb (i^Aavos 6o%eZov a^o^d^ovri, iv 
vy ygdtpeiv ' xijQdv 6k jr^jag inl T$ jtiAtp 6C ainov T&V rooofaav 

(MPG 120, 45) . . . &nb itQtot Seng r^g Tghijg djtfag 
xal itvnvip XQ&psvog I3io%el()(p (col. 41) xal TBTQa5iov 
Um 3 vofilaftaTa zuriickzuzahlen, vollendete er in 12 Tagen 3 Psalterien 
(ivtbg dAfycav fiftegaJv TQ[K tpaAr^Qta yeygay&g ' rJre y&Q AfyeTat, nEnhviQvm&vai, 
Sv SHKOTOV j afa&v 6ia Teaadgcov fjpeg&v ; vgl. T o u g a r d , Note sur la trans- 
cription des Manuscrits grecs au Couvent de Grottaferrata (Annuaire de 1'Association 
pour 1'encouragement des 6tudes grecques en Prance. Paris 1874, 441446). 

Zum Book of Durrow (VII. or VIII. Jahrh.) brauchte der Schreiber Columba 
laut SchluBschrift 12 Tage (OLBT. Ill p. VIII ; Berger, histoire 41). tiber Bessarions 
Schreiber Johannes Rhosus von Kreta, vgl. auch Joh. Draseke (ZwTh. 49, 1906, 381). 
Sie zerlegten Handschriften und lieferten taglich bis zu zwei Tetradien (== 32 S.). 

S. 255. Donation de B r u y n e , Les deux derniers chapitres de la lettre aux 
Romains (Revue Be'ne'dictme, Oct. 1908). 

Wie in den Kapitularien und in den Zitaten des Tertullian, Cyprian und 
Irenaus p 15. 16 nicht beriicksichtigt ist, so weist nun de Bruyne in der Hds. von 
Monza -^ (Berger histoire 139) nach, dafi sie hinter 14, 23 zuerst den Vers 16, 24 



286 Nacntrage. 



und dann die Doxologie 16, 25 27 hatte, daB es also eine lateinische Ausgabe ohne 
die Kapitel 15. 16 gab. Ebenda zeigt er, daB auch Priscillian die Doxologie nicht 
kannte. 

S. 256. Donatien de Bruyne, Un nouveau manuscrit de la troisieme lettre 
de Saint Paul aux Corinthiens (Revue BSne'dictine, Octobre 1908). 

S. 258. Welch schlimme Sache es um die Buchdrucker-,,Leichen a sind, zeige 
A 14, 35. Hier fiel in Tischendorfs octava durch reines Versehen im Text &v,o-6eiv 
weg. Danach muBte man annehmen, daB' es auch in alien Hdss. fehle. Daher 
fehlt es tatsachlich auch in Baljon's Text und in Meyer s 1892, S. 520. Zum Be- 
leg, wie haufig dies Abirren des Auges vorkommt, ftthre ich aus der ZdmG 61, 727 
und 731 noch an, daB Rawlinson beim Kopieren der Felsen-Inschriften von Behistun 
in einem Pall mit dem Auge in die nachste Zeile abglitt und infolgedessen einen 
kurzen Paragraph weglieB, im andern eine Zeile mehr las, als dasteht. 

S. 261. Als Beispiel fur die Wichtigkeit von Kleinigkeiten fiihre ich aus 
Hermann Henkel zur Losung der Frage nach der Autorschaft der Xenien 
(Z.f .deutschen Unterricht 14, 625. 17, 1, 1903, 228) an, daB durch die Orthographic 
und Wortbildung einzelne Stiicke fur Schiller oder Goethe gesichert werden konnen: 
Schiller schrieb gieng, Goethe ging; Schiller sagte wassrigt, Goethe wassrig. 
Die Texte vor Hieronymus pflegen (nach Traube, Nomina sacra 189) dms zu haben, 
die Hdss. der Vulgata dns. 



den NacJhbilduugen der Maiadscbrilfcen. 

Die Nachbildung der armenisclien Handschrift von Etsch- 
miadzin erfolgte rait freundlichster G-enehmigung von Conybeare 
nnd Swete nach. des letzteren H The Gospel of St. Mark (London, 
Macmillan 1898); die Tafel 10 stammt aus Abbe Martin's Des- 
cription technique (s. o. S. 95 und ThLz 1884, 15) ; im Original 
sind die Initialen, Asterisken und die Bemerkung am rechten Band 
rot. Zu den neuen Nachbildungen der zwei altesten Papyri gab 
der Egypt Eyploration Fund seine Zustimmung. 



Register 1 ). 



Abbot 7. lOf. 66. 278 
Abbott 80. 87. 95 f. 131 a ) 
Abeghian 157 
Abgar Ukama 51. 109 
Abkiirzungen 15. 52 f. 68 
Abschreiben 256 f. 
Absetzen 53 
achmimisch 149 
Adalwalt 141 
Adamantius 165. 208. 227. 

231 

Adler 3. 22. 116 
agyptische Ubersetzungen 
.148. 202. 204. 275 
Ara, agytische der Martyrer 

152 

athiopische Ubersetzung 155 
Affre, Erzb. von Paris 29 
Afraates 112 
afrikanisches Latein 124 f. 

135 

Aggaus 109 
Aimont, Joh. 73. 146 
alvstv 251 
Akzente 53 
Alba, Herzog 12 
Alcalanus 2 
de aleatoribus 135 
Alexius Comnenus 105 
Aldus Manutius 3. 5. 31. 

278 

Alexander 107. 113 
Alexandrinus s. Kodex 
Alford 14. 26. 70 
Alfred, Alderman urn 880 

131 

Alfred, Kb'nig 131 
Alkuin 54. 116. 141. 147. 

214 

Allatius 106 
Allen 40 
Alltagsschrift 89 



Alter 130 

Altlateinische Hdss. 128 ff. 
Altschuler 283 
Ambrosiaster 135. 162. 165. 

226 
Ambrosius 123. 135. 138. 

160. 162. 165. 226 
. Gb'nner des Origenes 55 
Amelineau 8487. 150 f. 
Amelli 130 
Amerbach 95 
Amiatinus s. Kodex 
Ammaon, Ammaus 137 f . 
Ammonius 202 
Amos 179 
Anastasius 165 
Andreas, Apostel 107 
, Monch 1111. 102 
,Kommentator58. 165.213 
Andrews 164 
Anfiihrungszeichen 54 
angelsachsisch 148 
Anger 30 
Anselm 8 
&vTiy(>a<pa 165 ff. 
Antilegomena 13 
Antiochien 108, Heimat der 

lat. Bibel 125. 197 
Antisthenes 50 
Antonius, Mitarbeiter des 

Pamphilus 65 
h. 151 
Antwerper Polyglotte 11 f. 

16 

Apokryphen 30. 156. 256 
Apollinarius 165 
Apolloniades 165. 222 
Apollos 268 

Apostolicum Marcions 227ff . 
ApostolischeKonstitutionen 

162. 164. 166 
45 



Aquila 113 
Araber, Wiener 158 
arabische Uebersetzungen 
157 ff. 

aramaisch zur Zeit Jesu 
107 

Arethas 58. 165. 213 
Arianer 226 
Arias Montanus 12 f . 
Aristarch 54 
Aristeas 52. 55 
Ariston 156 
Aristophanes 54 
Armenisch 156 f . 247 f . 
Arndt 38 
Arnobius 135 
Asaph 179 

Ashburnham, Lord 146 
Assa, agypt. Kb'nig 34 
Artemoniten 221 
Asklepiades 165. 222 
Asterisk 114 
Asulanus 278 
Athanasius 69. 160. 165. 

180. 195. 200 
, (XI) 149 
, Dialog des A.u. Zacchaus 

113 

Athos-Hds. 100. 213 
Atossa 51 
Aucher J. B 112 
auctoritas 226 
Augustana 189 
Augustin 47. 53. 122 ff. 

135.160. 162.166.227.273 
Augustinus von Canterbury 

145 

Augustus 3. 124 
Ausgaben, wiederholte 218 
Authorized Version 11. 14. 
18. 26. 170 



x ) Nach Erscheinen der ersten Auflage hat ein mir personlich unbekannter 
Student der Theologie in Tubingen mir ein handschriftliches Register zu derselben 
zum Geschenk gemacht; bei der 2. Aufl. war es mir (iiber dem Umzug von Ulm 
nach Maulbronn) nicht zur Hand; jetzt hat es mir zur Erganzung des fruheren gute 
Dienste geleistet ; doch bin auch f iir dieses in der Hauptsache ich allein verantwortlich. 

*) S. 131 Z. 17 schreibe Abbott. 



288 



[Register. 



Autographen34, desMarkus 
34 f. Matthaus 34. 245, 
Petrus 34 

Auxentius 226 

Avitus 135 

Baber H., 66 

Bacon 119 

Baumer 232 

Baumlein 240 

Baethgen 118 

Bagster 8 

Balestri 151 

Balg 153 

Baljon 28 f. 70. 162. 170. 

181 ff. 224. 267. 285 
Balsamon 56 
Bar(r)abbas 116 
Barhebraus 151 
Barnabas 34. 62. 103. 160. 

245 

Barnard 161 f. 225 
Barnes 117 
Barret 80 
Barth 212 
Bartholomaeus 107 
Basilides 224 
Basilius 102. 1651 
diaconus 166 
Bassilius, Consul 541. 138 
basmurisch 149 
Batiffol 55. 82. 128. 131 
Baumgarten 144 
Baumstark 283 
Bebb 108 
Beda 74. 166. 240 
Behaghel 148 
Behringer 148 
Beigaben der Hdss. 93 
Beissel 106 
Bell 106 
Bellarmin 144 
Belsheim 100. 127 ff. 280 
Benedictus 3 

Benedikt von Nursia 189 f . 
Benet 146 

Bengel J. A., 4. 8. 19. 35. 
39. 74. 79. 98. 139. 150. 
169. 171. 173. 223. 240. 
264. 266. 272 
, Ernst, Sohn 19 
--, Ernst Theophil, Enkel 
19 

Bensly 111. 115. 118. 120. 
209 

, Mrs 118 
Bentley 18. 68. 75. 91. 123. 

180 
Berger J. G. 36 



Berger, Sam. 82. 93. 126. 
128 f. 131. 133 f. 136. 138 f. 
143. 147. 174. 209 

Berghman, G. 16 

Bernard 172 

Bernhardt 153 

Bernoulli 190. 208 

Bernstein 114 

Bertheau 7. 21. 2325 

Bessarion 94. 98 

Beurlier 133 

Beza 11. 14. 18. 22. 25. 
240. 278 f. 

Bibelkorrektorien 143 
' bibliotheca 45. 208 

Bick 284 

Bickell 278 

Bidez 190 

Bilderbibeln 56 

Bilfinger 79 

Binterim 124 

Birch, Andreas 22. 39. 68. 

79 

Birt 38. 46. 56. 251. 281 
Blanchini 53. 7779. 82. 

126 ff. 146 

BlaB 28. 30. 72. 100 f. 133. 
173. 175. 206. 218. 241. 

243 ff. 274 
Blau, L. 37. 46 
Bleek 223 
Blei 49 
Blondel 167 
Bludau, A. 6. 50. 281 
Bohmer-Rohmundt 154 
Borner, Oh. Fr. 75 
Bottcher, s. Lagarde 
bohairisch 149 
Bonifatius 51. 55. 146 
Bonnasieux 284 
Bonnet 31 
Bonus 118 f. 130 
Bonwetsch 167 
Bordier 95 
Boreel 74 
Borgia, Stefano 49 
Bornemann 241. 247 
B600Q 269 f. 
Bossert 257 
Bouriant 150 f. 
Bousset 51. 69. 96. 100. 

103. 120. 169 f. 176. 203. 

209. 246 f . 276 f . 
Bowyer 20. 22 l ). 181 
Box 106 
Bradshaw 83 
Braithwaite 80 
Brandscheid 5. 27. 30 
Brandt 136 



Br6al 46 

Breyther 123. 126 

Briefe 51 

Brightman 73 

Britische und Auslandische 

Bibelgesellschaft 4. 15. 29. 

32. 117. 247 
Brooke-Maclean 179 
Brosset 81 
Bruder 27 
Brugsch 152 

Bruyne 140. 231. 254 f. 285 
Bryson 173 
Buchanan 128 f. 284 
Buchschrift 89 
Budde, K. 7. 49 
Biicherluxus 55 
Bulic 121 
Burdett-Coutts 99 
Burgon 83. 91. 106. 160. 

163. 171 f. 246 f. 
Burk 272 
Burkitt 71. 73. 96 f. 100. 

108. 111. 115118. 120 f. 

126. 129 f. 136. 154. 158. 

160 ff. 178. 182. 276 
, Mrs. 120 
Busney 281 
Butler 41. 136. 190 
Buttmann, Ph. 22. 261 

Caiphas 141 

Calabrien 113 

Calvin 11. 71 

Cambridge 11 

Camps Francois de 77 

Canones, Eusebianische 5. 

22. 64 f. 93. 95. 140 f. 188. 

199. 202. 278 
Cansteinische Bibeln 19 
Capreolus 135 
Garaffa, Cardinal 144 
Carta 38 
Gary 172 
Caryophilus 16 
Casley 123 
Caspari 106 
Cassander 153 
Cassels 119 
Cassian 135. 194 
Cassiodor 55 f. 132. 141. 

145. 147. 214 
Castalio 60 
Castle 13 
cata 177 

Celsus 159. 164. 224 
Celtes, Humanist 3 
Ceolfrid 138 
Cephaleus 8 



S. 22 Z. 2 v. u. schreibe Bowyer. 



Register. 



Ceriani 53. 127.. 131. 133. 

166 

Ceugney 150 
Chabot 117 
Chachanov 284 
Chapman 73. 132. 140. 142. 

145 ff. 190 f. 232 
Charles 155 
Charlotte, Kpnigin von 

Cypern 98. 102 
Chase 72. 236 f. 242. 267 f. 
Chassinat 151 
Cheikho 117 
China 116 
Christina von Schweden 

98. 153 

Chronicon Paschale 35. 166 
Chroust 129 
Chrysostomus 9. 55. 58. 

104 f. 109. 161. 164, 166 
Ciasca 111 
Cicero 3. 44. 56 
Cipolla 38 
Cl<5dat 133. 150 
Clemens Eomanus 135. 160. 

164 

Briefe I. II. 21. 66 

Alexandrinus 159 ff. 225. 
233. 238 

VIII. 144 

Monch 68 
Clementina 28 
Clementinische Homilien 

180 

Clericus 12. 30 
Cobet 181 
Codex 42 

Alexandrinus 14. 282 

Amiatinus 22. 28 

Bezae 204. 215. 230. 
240 ff. 276. 280 

Claromontanus 193 

Fuldensis 28. 53 

H 212 

Purpureus 203 

Sinaiticus 23. 28. 44. 53. 
61 ff. 197. 261. 281 

Vaticanus 17. 28. 53. 
67 ff. 193. 200. 258 

050 (0) 203 

1 203 

157 230 

Cola und Commata 76 
Colbert 142 
Colinaus 8 
Collatio legum 136 
Columban 615. 130 
Columnen 43 

Comma Johanneum 5. 17. 
29. 35 ' 
Commodian 135 
Comparetti 79 

Nest lo, ElnfUhruna. 3, Aull. 



Complutensis 1. 9. 10. 26. 

29. 50. 64. 98. 160. 170. 

261. 265. 

Computus de Pascha 135 
Connolly 232 
Constantin VI. 102 
Conybeare 113. 116. 157 
Cook 142 

Copinger 7. 108. 143 f. 
Cornelissen 257 
Comely 144 
Corpus Scriptorum Eccle- 

siasticorum Latinorum 160 
Corssen 76. 126. 131133. 

135. 140. 145. 174. 252 
Gotta, Geo in Tubingen 19 
Cowper 67. 118 
Coxe 100. 210 
Cozza 68 f. 82. 85. 86 
Cramer 185 
Crawford, Lord 114 
Credner 72 
Cremer 251 

Crescens 155. 187. 276 
Crispus 154. 187. 276 
Cromwell 13 
Cronin 11. 78. 100 
Crowfoot 118 
la Croze 150. 156 
Crum 84. 150 ff. 
Cumont 190 
Curcellaus 17 
Cureton 110. 118 
cursiv 90 
Curzon, Lord de la Zouche 

99 
Cyprian 135. 159 f. 162. 

174. 191. 226. 256 
Cyrill von Alexandrien 58. 

159. 201 

v. Jerusalem 141. 203 

Lucaris 13 

Dalman 121 
Damascus 108 
Damasus 121. 191 
Darlow, T. H. 2. 7. 10. 12. 

144. 148. 157 
Dashian 157 
Deane 114. 116 
De Dieu 114. 218 
Degeorge 12 

iTivox/LtfTWQ 237 
Deifimann 48 f. 50. 88. 89. 

260 

Delaporte 151. 284 
Delisle 139. 142 f. 
Delitzsch 2. 4f. 76. 94 
Demokrit 50 
Demosthenes 51. 189 
Denifle 136. 143 
Denk 126. 136. 277. 283 



Derrer 153 
Desjacques 126. 135 
Deutsche vorlutherische 

Bibel 170 
De Wette 30 
Dialog des Timotheus und 

Aquila 113 
Diastole 52 
Didascalia 136 
Didymus 166. 201 
Diktat 256 f. 
Dillmann 155 
Diodor (von Tarsus?) 233 
Diokletianischer Warentarif 

46. 51 

Dionys von Korinth 221 
Dionysius Areopagita 102 
Diorthose 65 
6 in Ay 54 
Dobbin 97 
Dobrowsky 35 
v. Dobschtitz 51. 74. 78. 

81. 118. 132 f. 158. 172. 

200. 209. 225. 282 
Doderlein 143 
Doedes 75 
Dombart 136 
Dorez, Leon 3 
Drach (?) 106 
Draseke 154. 286 
Drake 148 
Drerup 189 
Dressel 143 
Driver 196 
Duchesne 77 
Durand 265 
Duval 116. 118 
Dziatzko 38. 46 f. 

Ebers 47 

Eckstein 154 

Eggestein 258 

Ehrhard 41. 210 

Ehrlich 126. 286 

Eichhorn 196 

Eigennamen 186. 266 ff. 

Einhard 40 

Ekkehard IV 74 f. 

Eklektisches Verfahren 183 

Elias, Monch 105 

v. Isaurien 141 

Elis 154 

Ellicott 26 

Elliott 119 

Ellis, A. A. 19 

Elzevir 14 f. 22. 26. 28. 

197 

Engelbreth 150 f. 
Ephrem 54 f. 70. 112. 160. 

166 
Epiphanius 53. 166. 228. 

233 

19 



290 



Register. 



Erasmus 3. 5. 8. 16. 18. 
26 f. 29. 67. 94 f. 97. 
100102 

Erhardt s. Ehrliard 
Ernesti 123 
Erstlingsdrucke, griechische 

o 

, hebraische 1 

van Ess 2. 5. 29. 140. 145. 

147. 259 
Ethelred, Erzbischof 871 

889 131 

Etienne, s. Stephanus 
Etschmiazin 156 
Euagrius 41. 76. 165. 210. 
Eugipius 132. 138. 145 f . 191 
sfiAoyeiv 251 
Eumenes II. von Perganram 

42. 46 

Euplus mart. 194 
Euripides 73 
europaische Hdss. 135 
Eusebius v. Casarea 5. 47. 

53. 62. 160. 163. 166. 

194 ff. 202 ff. 233 249 

Vercelli 128 

Euthalius 2. 76. 166. 209 f. 
Eiithymius Zigabenus 58. 

166 

Evangeliarien 45. 104 f . 
Evangelien, Harmonie 30. 

111. 233 f. 

, s. Reihenfolge 
Evangelium Marcions 227 
Ewald 118 
Exhortalio de poenitentia 

135 
Explicitum 264 

Faber, Jak. 175 

Fabiani 68 

Fabricius, J. A. 7. 15. 30 

fajjumisch 149 

Falschungen 219 

Falk 144. 147 

Faniilien der Hdss. 191 

Feder 50 

Felder 127 

Felix, mart. 194 

Fell 17. 19. 39. 74. 149 

Ferdinand I. 109 

Ferrar(-Gruppe) 91. 951 

112. 192. 203 

Ferrotin 280 

Feyerabend, Buchdracker 5 
Field 9. 164. 195 
Filastrius 136. 162 
Finck 157 
Fleck 130. 145 
Florilegien 164 
Forster 142 



Ford 150 f. 
Format der Drucke 8; dei 
Hdss. 44 
Frank 148 
Franssen 181 
Frati 38 
Freer 77. 80 
Fretela 207 
Freitag, Ghistav 55 
Friedlieb 30 
Frithila 154 
Froben 3. 143 
Froy s. Roy 
Fuldensis, s. Codex 
Fulgentius 136 
Funk 82. 164 

Gabelentz 153. 187 

Gaius 225 

Galenus 52 

Galilaer 107 

Garamond 9 

Gardthausen 9. 38. 80. 99 

Gardie de la 153 

Gasquet 140. 284 

Gasser, Achilles P. 12 

Gassisi 285 

v. Gebhardt 7. 11. 22. 26. 
28. 41. 69. 81. 95. 99 f. 
116. 133. 139. 145. 166. 
171. 190. 207. 246 
Gehringer 29. 30 
Gelasius 199 f. 
Gennadius 190 
Georg II. u. III. v. England 

21 

georgisch 157 
Gerbel, Me. 8 
Germon 220 
Gibson 111. 118. 120. 158. 

260 

Gifford 161 
Gildas 136 

Gildemeister 118. 155 
Ginsburg 60 
Giovannini, A. 69 
Glarean 4 
Gleifi 243 
Glossen 265 
Glubokowsky 78 
Gnostiker 219. 225 
Goschen 21 
Goethe 3. 286 
Goldschrift 55 
von der Goltz 97. 103. 163. 

194. 211. 213. 255 
Goodspeed 282 
gotisch 17. 53. 153 ff. 196. 

265. 276 
Gottheil 118 
Goussen 150 f. 157. 232. 

247. 277 



Grabe 69.. 201 

Grafe 73. 241. 251 

Graf, G. 159 ; K. H. 7. 

Granvella 153 

Gratz 2. 29 

GregorM. 141. 145. 147. 191 

von Nazianz 32. 100 

v. Nyssa 100. 102. 160. 166 
Gregory 1. 7. 11. 2224. 

26 f. 31 f. 41.45.47. 57 ff. 

74. 77. 80. 82. 83. 85. 91. 

94. 98 f. 101. 103 f. 106. 

116. 126. 140. 146. 158. 

187. 196. 248. 257. 278 
Grenfell 83. 88 
Grefimann 117. 120 
Griechen als Textfalscher 

226 

Griechisch in Rom 108. 124 
Griechische Christl. Schrift- 

steller 160 
Griesbach 14. 2022. 24. 

29 f. 160 
Griffel 50 
Grinfield 123 
Grocinus 3 

Groot, G. Hofstede de 66 
Griitzmacher 147. 220 
Gryphius 106 
Guidi 155 
Gurlitt 56 
Gustafsson 121 
Gutenberg 3. 33. 143 
Gwilliam 110. 116 f. 120 
Gwynn 28. 114. 120. 170 

Saase 130 

ladrian 147 

Saberlin 48 
Haenlein 123 
Hagen 127. 131 
Hahn 24. 227 
Hall, Isaac H. 6 f. 9 f. 113 f. 

232 

lammond 171 
Handschriften 36 ff . ; ihre 

Bezeichnung 56 ff., ihre 

Statten 92 
Hansell 66. 70. 74 

larclensis 114. 210 

larding 142 

larman 118 

larmonie s- Evangelien 
Harnack 30. 55. 78. 81. 133. 

135. 162. 171. 195. 222. 

225. 2331 252. 256. 265. 

277 
Harris 3. 10 f. 36. 49. 51172. 

81. 8487. 89 f. 9597. 

111. 115. 117119. 120. 

125.132.164.172.176.183. 

209. 231. 234. 268. 282 



Register. 



291 



Harting 181 

Harvey 277 

Harwood 21 

Haseloff 81 

Hatch-Redpath 51 

Hauler 136. 162 

Haupt 264 

Haussleiter 133. 135 f. 226. 

280 

Hautsch 161. 208 
Headlam 269 
Hearne 74 

Hebraerevangelium 81 
Hefele 225 
Hegemonius 160 
Hegesippus 110 
Heidenreich 136 
Heikel 63 
Heine 80 
Heineke 30 
Heiniclien 51 

Heinrich II. v. Frankreich 9 
VIII. von England 55 
Heinrici 161. 182 
Heinsius, Dan. 14 f. 
Hemphill 119 
Hemptinne 140 
Henkel 286 
Hennecke 31 
Henten 143 f. 
Herakleon 224 
Hernias 62. 103. 136. 160 
Hermophilus 166. 222 
Herodes 124 

Henvag, Buchdrucker 170 
Hesiod 49 
Hesychius 69 1) 166. 199 ff. 

249 

Hetzenauer 29. 144. 147. 173 
Heusinger 78 
Heyne 153 

Hibat Allah ibn el Assal 158 
Hierakas 165 
Hieronymus 24. 40. 121 ff. 

166. 174. 179. 190. 207. 256 
Hilarius von Poitiers 136. 

162. 280 
Hilgenfeld 30. 78. 99. 101. 

109. 120. 132. 173. 227. 

230. 252 
Hill 119 
Hjelt 120. 175 
Killer von Gartringen 49 
Hippolytus 160. 163. 224. 

233. 238 
Hirsau 98. 142 
n Hochzeit" 258 
Hobson 119 



Hoffmann, 0. 51 

Hofmann 223 

Hogg 119. 235 f. 

Holtzmann 7. 132. 173 (so !) 

Holzhey 118 

Homoioteleuton 258 

Hontheim 119 

Hoole 67. 99 

de Hoop Scheffer 181 

Hoppe 154 

Hopfl 12 

Horaz 180 

Homer 150. 152. 273 

Hort 24. 129. 185. 195 

Hoskier 2. 5. 10 f. 16. 38. 

69. 91. 100 
Hoskyns-Abrahall 48 
Hiilsen 194 
Hug 22. 68. 109. 196 
Hundhausen 7 
Hunt, s. Grenfell 
Hymnen 3 
Hyphen 52 
Hyvernat 1 151 f. 

Jacob 70. 264 

Jacobi 265 

Jacobs 106 

Jager 29 

James 282 

Jannon 8 

Jaumann 29 

le Jay 13 

Ibn abi LFsaibia 40 

Ibn et tabib 111 

lesus Barrabbas 116 

Ignatius 51. 160. 164 

Illustration 56 

Indiktion 80 

Innocenz VII. 98 

Interpunktion 44. 54 f. 

Johann, Bischof von Cordova 

146 

von Ragusio 74. 94 
Johannes, Schreibung des 

Wamens 175 f. 
Johannes Damascenus 58 
, Philoponus 41 
Jones 117 
Jonker 82 
Jordan 136. 161 
Joseph, J. 50 
Josephus 191. 269 
Jostes 154 
Jovinian 136. 162 
Irenaus 5254. 72. 136. 

161 ff. 166. 191. 238. 244. 

256 



Irgens, J. St. 8 

Irico 128 

Ischariot 267 f. 

Isidor von Sevilla 141. 166 

Islinger 209 2 ) 

Itala 123; italische Rezen- 

sion 135 
Jiilicher73. 132. 173 f. 183. 

216. 220 

Julian Apostata 159 
Julius III. Papst 109 

von Eom 223 
Junius, Pranciscus 11. 181 
Justin der Martyrer 104. 

111. 160. 163 
Juvenal 124 

Kaiphas 187 
Kakhanow 157 
Kapiteleinteilung 5. 10. 18. 

64. 202 

Kapernauni 187 
Kapp 3 
Karl M. 54. 141 

der Kahle 142 f . 

V. 1 

I. von England 66 

- n. 13 

Herzog v. Wiirttemberg 
6 

Karlsson 133 
Karo 161 
Kataphryger 225 
Katenen 161 
Kauffmann Fr., 154. 196 
Kaufmann, G. 154 
Kaulen 125. 127. 140. 144. 

147. 283 
Kautzsch 262 
Kedrenos 51 
Kennedy 125 f. 
Kenyon 20. 38. 41. 66. 72. 

79. 84. 89. 151. 163 
Kepha Petrus 107 
uecpuAaia 94 

Kerameus, s. Papaclopulos 
Ketzer 219 ff. 
King 106 
Kipling 72 

Kirchenbiicher 32. 104 
Kirchner, E. 49 
Klopstock 155 
Knapp 21. 24 
Knittel 78 
Knopf 88. 166. 173 
de Koe 181 
Konnecke 181 
Kostlin, Ad. 265 



*) S. 69 letzte Zeile des Textes schreibe Hesychius. 

2 ) So schreibe S, 209 und in der nachsten Zeile j,Hof K , statt 



n Hds. 
19* 



292 



Register. 



Koetschau 163 
Kokowzoff 121. 283 
Kolde 189 

Kollationen 16 f. 52. 65 
Kolumnen 43 
Kommentare 58 
Konjekturen 17. 19. 29. 

180 ff. 

Konstans 70. 195 
Konstantin 39. 47. 62. 69. 

194. 225. 281 
koptisch 148 
Koppe 20 
Korintherbrief, dritter 109. 

156. 256. 286 
Korrekturen 192. 265 
Kosmas Indicopleustes 109 
Kothe, H. 56 
, W. 11 
Kraft, Kaspar 109 
Krall 150 

Kramer, Oswald 30 
Kreyfiig 123 
Kritische Canones 265 
Kritisehe Versuche 16 f. 
Kritik, innere 168 
Kroll 162. 283 
Kriiger, G. 113. 226. 235 
, P. 48 
Krumbacher 213 
Kiister, Ludolf 17 
Kukianer 225 
Kunze 222 
Kurrelmeyer 258 

Lacheze 30 

Lachmann 14. 20. 22. 24. 

26 f. 29. 70. 91. 139. 145. 169 
Lactantius 47. 136. 285 
Laforet 116 
de Lagarde 12. 35. 48. 53 f. 

67. 81. 108. 115. 120. 

136. 150. 152. 158. 160. 

162. 181. 184. 195. 199. 

201. 221. 242 f. 
, A. de 120 
Lagrange 183 
Lake 73. 77. 82. 94 l ). 96. 

100. 118. 119. 173. 182. 

186. 213. 274 ff. 
Land 118 
Langton 10 
Lanz-Liebenfels 283 
Laodicenerbrief 76.130. 146. 

227. 229 
Lardner 123 
Larfeld 38 
Laskaris 3. 31 
Lateinische Ubersetzungen 

108. 121. 196. 204. 216 



Lateinisch bei TJlfilas 153 

als Ursprache des p 124 

Laud 74 

Lawlor 131 

Leemans 151. 257 

Lefebvre 50. 88 

Lejay 46. 139 

Lehmann 132 

Lehrs 180. 244 

aLeiche" 258 

Leinwand 50 

Leipoldt 150 ff. 172 

Lektionarien 45. 104. 

Lemin 151 

Lente, W. J. 21 

Leo I. 211 

, X. 1. 3. 29. 55 

Le Page Renouf 158 

Lerinum 132 

Lesen 51 

Lessing 34 

Leusden 10. 15. 117 

Lewis 84. 111. 115. 118 f. 

120 

Lichtenstein 76 
Lietzmann 132.161. 174.186. 

190. 247. 282 
Lightfoot 26. 151. 224 
Linke 126. 129. 283 
Linwood 181. 183 
Lippelt 119. 160. 175 f. 235. 

267. 276. 
Liutward, Bischof v. Vercelli 

74 

Lloyd 18. 65 2 ) 
Loebe 153 
Lohlein 117 
Lowe 153. 187 
Lowen 143 
Loisy 265 
Loman 207 

Londoner Polyglotte 13 
Le Long-Masch 7. 108 
Lorck, Pfarrer 6. 10 
, R 12 
Lorenz 189 
Lucanus 225 

Lucas von Brugge 143. 160 
Lucas, Evangelist 35. 110 
, H., S. J. 238 
Lucian 153. 195 ff. 249 
, Verhaltnis zu Peschito 

196 

Lucifer 136 
Lucinius Beticus 138 
Ludolf 156 
Liicke 22. 30 
Ludtke 56 
Ludwig XI. von Frankreich 

96 



Ludwig XIV. 77 
Luft 154 
Lumbroso 46 
Lundborg 173 
Lupus, Servatus 40 
Luscinius 119 
Luther 2. 4 f. 8. 26. 33. 50. 
136. 170. 178. 264 
Lutheraner 230 
Luxus 43. 55 f. 

Mace 19 
Macarius 167 
Macedonius 166. 245 
MacGregor 48 
Macrobius 124 
Magnificat 3 
Maher 119 

Mai 68. 82. 101. 118. 129 f. 
153. 210 

Maihingen 4 
Malabar 116 
Manache 283 
Manasse's Gebet 162 
van Manen 181. 230. 257 
Mangenot 141 
Manutius s. Aldus 
Marcella 122 
Marcellinus 194 
Marcellus 121 
Mansion 100. 161. 166. 219. 

225 ff. 244. 275 f. 
Marcus, s. Autograph; 110 
, Sctiottenbischof 75 
Margoliouth, G. 37. 124 
Maria, Frau Constantins 

VI. 102 
, Michaels III. 102 

Marinianus 141 
Markosier 223 
Marold 154 
Marshall 149 
Martianay 129 
Martin, Papst 211 
Martin 70. 95 f. 119. 142 

172. 196 
Marx 162 

Masch, A. G. J. 109 
Maspero 150 f. 
Massei 49 
Masterman 48 
Mastricht 19. 265 
Masudi 174 
Maternus 136 
Matthaei, Chr. Fr. 20 f. 22. 

29. 39. 76 f. 79. 99. 106 

146. 197. 249. 282 
Matthaeus, Evangelist 34. 

245 



Zeile 28 schreibe and., 2 ) S, 65, Z. 14 schreibe Lloyd. 



Eegister. 



293 



Matthias Corvinus 97 

Maximin 136. 166 

Maximus, Kommentator 58 

Maximus 102 

Mazarinbibel 143 

Meillet 157 

Melania 284 

Melanchthon 8. 97. 154. 170 

memphitisch 149 

Mentelin 258 

Mercati 73. 126. 283 

Merk 284 

Merkator 153 

Merkle 136 

Merx 118. 120. 180. 263 

Mesrob 156 

Meyer, Am. 277 

, Ed. 34 

, Ph. 103 

Michael III., Kaiser 102 

, Palaologus 96 

, Monch 79 

Michaelis, J. D., 17.110.117 

Michelsen 181 f. 

Mill 8. 9. 17. 39. 74. 149. 

170. 173. 175 
Miller 7. 163. 172. 247 
Milligan 48 
Mingarelli 150 
Miniaturausgaben 8 
Miniscalchi Erizzo 115 
Minium 227 
Minuskel 90 
Miodonski 135 
Missale Romanum 54 
mittelagyptisch 149 
Moengal 76 
Mb'singer 112 
Moldenhauer 22 
Moffat 284 
Mohl, Julius 115 
/aoi%ccAtg 198 f. 
Mommsen, Th. 46. 174 
Monseer Matthaus 148 
Montaigne 12 
Montfaucon, B. de 47. 49. 

77 f. 

Montfortianus 5. 97 
Moore 201 
Morillon 153 
Morin 13 
G. 130. 135. 162. 190. 

265. 284 
Morrish 183 
Moses von Mardin 109 
Moule, H. F., s. Darlow. 
Moysis 121 
Miihlau 154 
Miiller, Herm. 52 



Mtiller, 154 

Willy 144 
, I. v. 188 
Miinter 150 
Muhammed 158 
Murioz 82 

Muratorischer Kanon 174 
Murod 157 

Water 181 f. 191 

Nani 79. 99 

Napoleon I. 68 

Nestle 3. 12. 14. 20. 25. 28. 

31. 50. 53. 69. 71 f . 74. 78. 

88. 116118. 120. 139. 143. 

147. 170. 182. 184. 200. 

225. 235. 243. 245. 253. 

260. 262. 269. 277. 279 
Nicea 225 
Nicol 172 
Nicolaus V. Papst 67 

v. Hirschau 98 
Niese 191 

Mketas, Kommentator 58 

Nilus 285 

Noldeke 121 

Noesselt 181 

Noet 224 

Novatian 136. 162 

Obelos 114 

Oecumenius 15. 58. 166 
Oekolampad, Job. 4. 94 
Oesterley 106 
Oettingen-Wallerstein 4 
Oikonomos 104. 196. 207. 

210. 226 
Olearius 9 
Omont 70 73 1 ). 77 ff. 85 f. 

95 f. 133. 282 
Optatus 136 
Oracula Sibyllina 160 
Origenes 21. 102 f . 116. 160 ff. 

166. 174. 207. 214. 232 f. 

255. 273. 284 
Osgan 156 
Osiander, A. 30 
Ostraka s. Ton 
Ott 136. 283 
Oudin 220 
Overbeck 117 
Ovid 47 
Oxforder Universitatspresse 

4. 9. 18. 59 
Oxyrhynchus-Schrift 41 

Palaographie 37 ff. 89 ff. 
Palastinische Ubersetzung 
115 



Palimpsest 43 

Palladius 136. 165 

Palmer 25 

Palomares 146 

Paoli 38 

Pamphilus 65. 76. 194 ff. 

202 ff. 285 
TtavS^xTijs 45. 56 
Papadopulos,Kerameus 102. 

105 

, Chr. 103 
Papias 107. 156. 164 
Papier 42. 49 
Papyrus 34. 42. 47 f. 280 
Paraklet (= Muhammed) 158 
Parallelstellen 179 
Pariser Polyglotte 13 

Universitat 143 
Parodos 81 
Paterson 88 
Patriarchatsausgabe 5. 169. 

199. 279 f. 
Patricius 29 
Paul v. Samosata 163 
Paul von Telia 115 
Paulus, Biicher des 50, Leben 

211, Reisen 212, diktiert 

257 

Pelagius 136. 162 
Pelleche 144 
Pell Platt 156 
Pergament 42. 46 f. 
Perikopensystem 104 ff. 
Peschito 109 
Petersen 76 
Petrus 35 

v. Alexandria 102 
Petschenig 135 
Peyron 77 
Pfeilschifter 191 
Philastrius, s. Filastrius 
Philipp II. v. Spanien 12 
Philippus, Apostel 107 

Martyrer 194 
Philo 164 

Philoponus, s. Johannes 
Philoxeniana 113 
Pickering 8 

Pierius 166. 208 
Pionius 166 
Piper 148 
Pirkheimer 154 
Pistelli 88 
Pius V. 144 

IX. 68 

X. 68 a ). 140 
Plantin 12 
Plenkers 285 
Pococke 113 



x ) S. 73, Z. 7 v. u. tilge Punkt hinter s Grec". 
2) S. 68, Z. 24 lies X statt IX. 



294 



Register. 



Polyglotten 1. 3. 11 ff. 44 

Polykarp, Landbischof 113 

, Mart. 164. 182 

Porfiri 78 

Porphyrius 52 

Pott 101.120. 173.253.277 

Potter 123 

Pratorius 155 f. 

Praxapostolos 45. 104 

Preisigke 280 

Preuschen 31. 63. 73. 78. 119. 

120. 135. 161. 165. 174. 194. 

200. 233. 252. 268 
Prids, J. J. 24 
Priestley 30 

Primasius 135 f. 162. 182 
Priscillian 132. 135 f. 
Pritius, Geo 15 
Tt$6 und fiQos 262 
Proclus 225 
Proctor, E. 2. 9 
Prologe, von Priscillian 132 
Provencaliscb.es N. T. 133 
Psalterien 3. 78 
Pseudepigraphen 30 
Pusey 110. 117 

Rabbula von Edessa 112 

Rahab 187 

PaxtfA 186 

Eahlfs 2.40.67.69.200!. 206 

Bainer, Erzherzog 49. 83. 

84. 104. 151 
Rampolla 140 
Ranke 125. 127 ff. 
ratio 226 
Ravianus 97 
Rehdiger 130 
Reihenf olge der Bticher 2. 64. 

67. 71. 93. 173 ff. 
Reithmayr 29. 70 
Renouard 3 
Resch 30. 176 
Rettig 81 
Reuchlin 94 
Reume, de A. 16 
Reuss 2. 6f. 10. 12. 14. 21. 

29. 100. 170L 177. 185 
Revidierte deutsche Bibel 5 
Revised Version 14. 26 f. 70. 

170f. 

Rbosus 285 
Rhyn 172 

Richardson 190. 208 
Richelieu 13 
Ridley 21. 114 
Riegler 140. 147 
Rieu 156 

Riggenbach 24. 70 ; E. 211 
Riggs 172 
Ritschl, A. 227 



Robert 116 

Roberts 182 

Robertson, A. 35 

Robinson, A., 119. 209 

, F. 152 

Rocchi 68 

Rodiger 118 

Romer 159 

Ronsch 76. 127. 134ff. 140. 

160. 280 
Rohrbach 176 
Rolle 42 
Rooses 12 
Rosenthal, J. 15 
- L. 2 
Rossi 145 
Rossini 155 
Rovers 181 

Roy, Franziskaner 5. 97 
Riiegg 7. 251 
Rufinus 182 
Rushbrooke 30 
Ryssel 158 

Saalfeld 127 

Sabatier 126 ff. 

Sabio de 9. 32 

Sachau, Ed. 40 

Sahak 156 

sahidisch 149 

Salmon 173. 184. 246 

Salomo, Psalmen 66 

Salvatori 119 

Salvian 136 

Samaritaner 107 

Sanday, W. 18. 59. 82. 125. 

127. 135 f. 161. 172 
Sande Bakhuyzen 181. 232 
Sanders 77 
Sandys 79 
Sargifeau 157 
Saubert 17 
Savile 9 
Sayous 174 
Schaaf 112. 117 
Schaff 2. 6. 11. 18. 25 
Schalkhauser (so!) 167 
Schechter, S. 36 . 
Scheibel 130 
Scheil 89 
Schepps 136 
Scherer 146 
Schiller 218. 250. 286 
Schjott 28 
Schleiermacher 22 
Schmeller 148 
Schmid 106 
Schmidt, A. 144 

C. 69. 151 

R. 278 
Schmidtke 126. 202 



Schmiedel 64. 74. 164. 177. 
268 

Schneider 194 
Schoffer 3 
Scholien 166 
Scholzl8.22.24. 39. 99. 106. 

187 

Schott 21 
schreiben 51 
Schreiber, faule 159 
Schubart, W. 37 
SchultheB 121. 283 
Schultze 47 
, W. 53 

Schulz 21. 24. 72. 130 
Schwally 121 
Schwamm 71. 227 
Schwartz, Ed. 63. 167. 182. 

221. 233 

Scotti 86 

scriptio continua 40. 43 

Scrivener 2. 6 f. 9. 10 f. 14. 16. 

18. 23. 25f. 38f. 41. 57. 66. 

72. 75.87.91.97.126.157. 

171. 182. 187. 230. 262. 265 
Sektionen 64. 69; s.Canones 
Seidel 76 
Seligsohn 117 
Sellin 119 
Semisch 119 

Semler 20 f . 72. 266 
Serapion 107 
Sergio 68 

Servandus von Sevilla 146 
Severus von Antiochien 35. 
166 

, 245 

Shakespeare 33 
Sievers 148 
Silvestre 78 
Simon von Kyrene 224 
Simon Magus 225 
Simon, Richard 17. 109 
Simonides 36 
Sinai-Syrer 111 

Sinaittcus s. Codex 
Sindolf 74 
Sionita 13 

van Sittart 87. 133 
Sitterley38f. 
Sixtina 144 
Sixtus Y. 18. 144 
Skeat 154 
Smith, Payne 118 
, Tho 280 
, W. B. 75 

Sokrates 166 

Soden, v. 11. 31. 39. 41. 45. 
57 ff. 91. 94. 96. 101. 103. 



Register. 



295 



120. 126. 136. 141. 152 1 

160 f. 176. 178 ff. 185 ff. 

196 ff. 209. 227. 231. 235. 

238 f. 244. 246 ff. 260 f. 272. 

274 ff. 
, H. 191. 
Sophronius v. Jerusalem 105. 

190 

Souter 59. 135 
Sozomenus 220 
Spagnolo 128. 265 
Speculum Augustini 130 
Spiritus 53 
Spohn 67 
Springer 55 
Stahelin, E. 6 
Stahlin, 0. 178. 225 
Stade 67 
Stage 187 
Stamm 153 
Stammbaume 191 
Statistisches 92 
Steiff, K. 3 
Steindorff 150 
Steinmetz 255 
Stenning 120 
Stenographic 55 
Stephan, Erli. 30 
Stephanus, H. 8. 16. 279 
R, 8.13. 15f. 18. 22. 24f. 

26. 39. 101. 143. 145. 211. 

279 

Stichometrie 43. 54 
Stockmeyer 24. 70 
Stolzenberg 154 
Storr 117 
Strabo 194 
Strack 49 
Streane 24 
Strein 154 
Streitberg 154 
Strzygowski 116 
Stunica 1. 6. 101 
Stuttgarter NT. 11. 27. 32 
Sueton 124 
Sunja 154 

Swete 11. 30. 182. 286 
Synagoge 159 
Synaxaria 22 
Synode, VI. 56 
Syrische Ubersetzmigen 12 f . 

21. 109 ff. 
Syro-Lateinisch 204. 238 

Tangl 38 

Targum 55 

Tatian 1,101 119. 162. 219. 

225. 232 ff. 249. 255. 274 ff. 

(paulimsche Briefe 237) 
Tattam 150. 152 
Taylor 85; 188 



Tegner, E. 18 
Ter Mooserjan 157 
Tertullian 35. 135 f. 160 ff. 
223. 225. 227 f. 232. 256 
45 



Textkritik (Literatur 171 ff. 
Eegeln256,Eklektischel83. 
247 , Genealogische 185. 
247) 

textus brevior 270 
textus receptus in England 
10. 32, auf Continent 15 
Thaddaus 109 
Thebaisch 149 
Theile 21. 29 
Thenn, Aug. 35 
Theodor v. Mopsuestia 166 
Theodor von Tarsus 74 
Theodora, Kaiserin 100 

Theodoret58. 102. 111. 160f. 
166. 233 

Theodorich 42 

Theodorus Hagiopetrita 97. 

214 

Lektor 35 
Theodosius, Kaiser 105 
Theodot 166. 222 
Theodulf 55. 142 
Theonas 55 
Theophilus, erster Bischof 

der Goten 153 
Theophylact 15. 58. 166 
Theudelinde 141 
Thilo 227 
Thomas 144 

Thomas von HeraMea 114 
Thompson 38. 67. 99 
Ticonius 135 f. 162 
Timotheus , s. Dialog des 

T. u. Aquila 
Tinte 47 
Tischendorf 7. 14. 21.24.26. 

29f. 44. 61 ff. 68. 70. 73 

75. 7779. 8187. 97. 104. 

112. 116. 127. 129 f. 133 f. 

145. 154 f. 156. 165 169. 

178.217.228.241.259.274. 

278. 284 
Tissot 106 
Titel der Ausgaben 8 der 

Biicher 233. 248 
Tittmann 21 
Titulus vom Kreuz 106 
Titus, Kaiser 3 
Titus v. Bostra 58. 213. 223 
Todd 129 
Toinard IS. 30 
Ton 49 
Torrey 118 
Tougard 285 



Trabaud 72 
Traube 52. 63. 67. 190 
Trajanssaule 56 
Tregelles7. 14.24. 26. 70 f. 

8082. 91. 118. 163. 169. 

171 

Tremellius 11 
Trient 143 
Tschackert 189 
Tuki 150 
Turnanus 163 
Turner 59. 119. 130. 285 

Ubaldi 68 

Ubersetzungen 11 f . 13. 36 f . 

106 ff. 

Uhlemann 117 
Ulfilas 153. 187 
Ullrich 136 
Umfang der Hdss. 44 
Umstellungen 263 f. 
Uncial-Hdss. 40. 90 
Unger, W. 37 
Urtext 2 
Ussher, Erzbischof 114. 131 

ValderS 

Valentinianer 224 
Valla 143 
Vaterunser 231 
Vaticanus, s. Codex 
Velasquez 159 
Venema 123 
Venetianer 283 
Verbrennen von Hdss. 194. 
285 

Vercellone 68 f. 140. 143 
Verecundus 136 
Vergecius, Ang. 9 
Versemteilung 9. 15. 278 
Vertauschungen 259 ff. 
Vetter 157 
Vicaire 144 

Victor von Capua 53. 139 
Victor 136. 166. 213 
Victorinus 136. 226 
Vigilius 136 
Vincent 172 
Vinke 75 
Vitelli 38 
Vivian, Abt 142 
Volter, D. 285 
Vogt 154 
Volck 269 
Volkmar 230 
Vollers 158 
Vollert 39. 41 
Vollgraff 181 
Voss 153 
,,Vulgarius" 100 
Vulgata 19. 22. 28 f. 59 



296 



B-egistef. 



Wake 99 

Waller 120 

Walton 13. 39 

Warfield 171 

Wattenbach, W. 38. 55 

Weber 157 

Wechel, A. 9 

aus'm Weerth 56 

Weidner, E. T. 28 

Weihrich 130. 135 

Weinmeister 60 

Weise, 0. 38 

Weiss, B. 26. 70. 73. 163. 

169. 171. 184. 186. 223. 247. 

249. 251. 262. 267 
,1.173.183.187.248.251. 

254. 272 

Weizsacker 169. 181. 187 
Wellhausen 187. 268. 278 
Wergh 105 
Welsen v. 99 
Wells 18 
Wendland 126 
Wendt 176. 183. 252 
Wessely 38, 88 
Westcott 171. 242 
Westcott-Hort 11. 14'). 20. 

24. 27. 30. 70. 101. 163. 

169. 171. 184. 186. 223. 

241. 267. 275 
Westlicher Text 235. 240 
Wettstein2. 10.14. 20 f. 56. 



70. 74. 79. 173. 187. 264 f. 
278 

Weymanl26. 153 (so!) 
Weymouth 25. 27. 184 
Whiston 72. 241. 247 
White, Jos. 114 
Henry Jul. 126 f. 131.133. 
135. 139 ff. 145 

Whitley 117 
Wickhoff 78 
Widmanstad 809. 117 
Wilcken38. 41. 48 f. 50. 88 
Wilhelm von Hirschau 142 
Wilkins 150 
Willem A. 16 
Willibrord 381 
Winer 117 
Winstedt 151 
Wobbennin 103. 211 
Woide 67. 150f. 
Wolf, J. Chr. 75 
Wolfflin 134. 189 f. 
Woenig, Frz. 48 
Wolsey 55 
Wordsworth 14. 70. 126 f. 

129ff. 139 ff. 
Wordsworth- White 19. 28. 

35. 191. 218. 266 

Worte im NT. 15 
Wrangham 13 
Wrede 148 



Wright, Arth. 30. 104. 173. 

175. 268 
W. 79. 118 
Wunderer 135 

Xenaia 113 

Ximenes 1. 8. 16. 29. 61 

Zahl der Handschriften 39. 

281, der Varianten 17 f., 

der Worter 15. 18 
Zalm 30. 35. 48. 51. 73. 

83. 107. 110. 112. 116. 

119 f. 125 f. 145. 161. 163. 

165. 172 ff. 194. 200. 209. 

213. 219. 224 ff. 242 ff. 267. 

273 

Zeilen 43 
Zeno, Kaiser 245 
Zephyrinus 225 
Ziegler 126. 134 f . 
Zigabenus, s. Euthymius 
Zimmer 75 f. 134 
Zingerle 136 
Zitate 37. 159 ff. 
Zoega 150 f. 
Zohrab 156 
Zorn, P. 56 

Zouche Lord de la s. Curzon 
Zusatze 264 
Zwaan, de 73 
Zwingli 4. 97 
Zycha 126. 135. 283 



!) S. 14, Z. 28 schreibe Westcott; S. 72, Z. 14 schreibe 1827; S. 144, Z. 20 
schreibe 7 statt 5. 



Verzeichnis einiger besprochener Stellen des NT.s. 



Ml, I 


108 


JLl, 19 


188. 278 


*9, 22 


137 


2 


179 


35 


188. 222 


16,2 


131 


3 


179 


64 2 ) 


98 


IB 


140 


5 


187 


2,6 


188 


19, 14 


35 


If. 101 


179. 259 


22 


97 


a 3, 14 


183. 277 


16 112. 179. 193 


3,27 


267 


4,6 


141. 269 


18 


4 


4,44 


199 


5,31 


183 


25 


179 


5,2 


184 


6,8 


271 


3,15 


179 


6,4 


71 


8,12 


264 


5,3.4 


180 


29 


54 


36. 38 


278 


- 9f. 


225 


11,2 


72. 100. 231 


9,5.6 


4 


17 


159 


12,3 


283 


12, 10 


72 


22 


21. 180 


48 


199 


15,2 


243 


45 


159 


13, 7. 8 


217 


15,15 


183 


6,8 


215 


15. 28. 29 


232 


20. 29 


226. 252 ff. 


9,18 


43 


is; 12 


230 


18,24 


268 


10, 19. 23 


136 


19 


166 


20,28 


271 


13, 17 


224 


17, 10 


263 


23, 11 


43 


16, 2 f. 


198 


19, 17 f . 


260 


25 L 


10 


23 


43 


20,35 


225 


24, 19 f. 


10 


18,3 


159 


21,30 


230 f. 


e 1,7 


255 


20 


158 


38 


96. 199 


-,17 


229 


19,17 


265 


22, 26 


137 


5, 14 


226 


20, 28 


148. 236 f. 


43 f. 


95. 156. 198 


8,24 


171 


22,4 


148 


52 


245 


33 


54 


24,34 


208 


23,53 


72. 276 


34 


171 


25, 1430 


260 


24, 4f. 11. 13 


136 


10,3 


229 


26,13 


108 


32 


277 


9 


171 


30 


55 


5153 


249 ff. 


12.13 


166 


27,46 


107 


1 1,1 


54 


15 


171 


49 


245 


14 


222 


19 


229 


t* 1, 1-4 


55 


28 . 


224 


c. 15. 16 


256. 285 


1 156. 


176. 247 f . 


2,20 


224 


15, 31. 32 


(so!) 194 


6 


253 


5,4 


177. 198 


Doxologie 


255 


9, 12 


178') 


8 


220 


K*) 3, 17 


229 


10,40 


43 


6, 55 


204 


7,29 


15 


12,4 


183 


7, 15 


155 


10,9 


163 


13,22 


265 


44 


157 


12,28 


43 


14,36 


162 


7, 538, 11 


95 s ). 186. 


13,3 


284 


15,6 


4 




192. 198 


15,5 


193 


40 


54 


8,9 


100 


29 


224 


16,8 


156 


57 


193 


K 1,& 


4 


JL 1,9 


145 


9,11 


55 


3,5 


155 



!) Lachmanns Lesart findet sich in N. 
a ) So schreibe Z. 14. 
3 j Z. 95, S. 16 y. u. lies 8, 11. 

4 ) Versuchsweise verwende ich tier die hinter dem Yorwort besprochene Be- 
zeichnungsweise. 



298 



Verzeichnis einiger besprochener Stellen des NT.s 



K 4,13 


229 


T3, 1 


122 


I 2 


181 


y 1,8 


189 


16 


43 


5, 6 


184 


2,11 


48 


4, 10 


154'). 187.276 


JT2, 6 


4 


3,2 
4,4 
25 
6,17 
k 1,12 
1, 16 
2,2 


208 
229 
19 
155 
271 
224 
271 


5, 19 

t2,7 
13 
44, 2 
11,31 
13,25 


122 

43 
54 

181 
187 
170 


7 

14,3 

5,7.8 

a 2, 22 
3, 14. 16 
6, 13. 17 
8, 13 


163 
5. 97. 101 

282 
282 
282 
114 


16 


181 


I 2, 2. 3 


4 


11,2 


283 


18 


181 


13 


43 


17, 4. 8 


4 


e 2, 15 


231 


25 


187 


18, 17 


182 


5,21 


273 


3, 1 


181 


22, 17-19 


4.220 


72,7 


283 


4, 14 


184 


21 


169 



') S. 154 letzte Zeile ist T statt T gemeint. 



Qedruckt bel Hubert & Co. In GBttlnaen. 



y vycu H 
i CTO yc A i cu 

N XCTCUN Al CUNOJ 
A M M N 



c e e TO yAO royrH - 



ee oy 

pX 

i y M 



N 
reiNCJDCK6T6TOK| 

x Ae xcbo N H M co 

TIMOB6ON 
/\y M e M o N 

6AMTAX lO 

c e e o^o M 
AC n ACAce AI n KM 
TAG roy c H r oy M * 

N 

n 

A20N TA 
O LAR OT H Cl TA Al 
H XAflCM erAH AH 

NYM 




-f , 




1) Codex Sinaiticus. 

Letzte Spalte <Jes Hebraerljriefs. (S. 61.) 



Tafel 1. 



KA iToyToe i*n CJD M A e r e i Ayrcu Aj<oAoyeeifvo i 
em CT_p Asp e i CA e on e T_p o cj&Aerre ITOM MAO wnr M 

OMHTATTA IMC A 

OCJ<A i A M err e ce 



_Ke oyrocAer i AereiAYTcoomc 
e A ^ Ay T o 1^3 e eAct> M e Ke i isi oy T co c 



3 a) Codex Bezae Cantabrigiensis. Ev. Johaimis 21, 19 2B. (S. 71.) 



OYKACXHMOMei 




A NTA 

H A 



4 a) Codex. ClaropiQiit^unis. 1. Korinth. 13, 58. (S. 73.) 



Tafel 2. 



_ _ 
i c iTAdhh en 



8b) Codex Bezae Cautabrigiensis. Ev. Johannis 21, 1923. (S. 71.) 



MO Kl I KIT^l TATU 

wo 



GOVJCXU 



O in xi 1x5 



CXTilTK.S 

u m q ci x rh ex c i d e T 



4: b) Codex Claromontanus. 1. Korinth. 13, 58. (S. 73.) 



Tafel 3, 



Kl A 



yp ACTdyM WH Meioy 



KC c <i> o A>A K/<ie 



ON l A. O N N Jk N c KOH 

H M e N OM e N -rt> ic 



^ 7S I I C n f I R t A H 

MOM c -ro K H N Aey KH N 



O A. AVe I 



ft e i ce 

T e nrd N NA 

e CT * y F u^ M e N o N rf 

- * i^/' /* .*.-. * 

H Oy K eC 7^1 N U>A 



b -ron oc n o^y een 
ON 



ein 



K 
Ti nj>o AT si y MC<=IC 

THN FA A I AA'iANC K6IAOT 

TO M O'Y ^ec ee K K 



C A 1 6 

M N H 6 1 oy; e X e N TA 



Ay TA C TJ> p rv/< O C K AJ f K 



: v 



t 



5) Codex Vatican us. 

Letzte Spalte des Marcus-Bvangeliums. (S. 67.) 



Tafel 4. 




6) Syrischer Lfewis-Palinipsest vom Sinai. 

Ev. Mattli. 15, 1227 (S. 111.) 



Tafel 5. 



**! N -ro N A, feo 

eyp AC-rdyM w H Meioy 

K A| AN 



A,/ 

M e?V AC c <t> o AA KAie A 



o M ei A o N N e ^k N ;'c KON 

HM6NOM 



^ e ^ f 1 c n 1 1 R t A H M 

MOM CTO XH N 

KAI e^ee AM8 

6 A.e A eVe jt. -ri CM 



K e AM ft e i ce 



e CT Ay PCD M e M o N .r 
^ H oy K e c 7^1 N (A " 
o nro n oc 6'n oy e H K A 

ON AA A Ay n jJ. re 



ei n A^Teiro >c M 



K i nruu> n 
^'reiy M 

THN FA A I AAfANC K6l 






n e f^fM IN K i e lie AQ- 
C A j e <fc>x ro NJ n onroy 
M N H^M e i oy; J X ^ N r^/* 
Ay TA c T po i o c K AJ e' 




r A 



t 



5) Codex Viiticjiniis. 

Letzte Spalte des Marcus-Evangeliums. (S. 07.) 



Tafel 4. 



fdtcttCitrOaU 

jK3CV*.<> -iftJ^c. - v ..-.-3. 




^"^^4 

airt&A.ifl.r'rSn 

i - Mt - w-'-^\ -^-I'-TVV** i 
Tr**SlejjiV,A*jir* / 

,^:aM3^'^fe:/ 

** / 

\ 



<>) Syrischor Lt'wis-l'alinipsest vom Sinai. 

Ev. JMatth. 15, 1-227 (H. 111.) 



i'afel 5. 



pusilLua> 
OOCCBXT 



' WIT peBUi et^McDjsiT iLLxoo> 



NCNSCURXDMeoS 



JLXX\BORTO , - . 

boccecisswt - ^ 



J -X a f f (>' I 'j- J. -.1^*' 

. ' . ' A -* A<95>V^,"'4J 

i ' *.* j i *^*i Sx* ^r Si ** * .* 

>^ ^ .K.r^ 5^C-C .. *4*ji 




7) Codex Amiiitimis c, 715 (verkleinert). 
Ev. Luc. 4, 3641. 5, 26. (S. 145.) 



Tafel 6. 



-P /Wruftti oxt-tcxw- H 



rn en cv?e <?. Cj 
^ u 




iL,.-' 



8) Sogenannte Bibel Earls des firossen im Rrjtischcn Museum, IX. Jahrh. 

(verkleinert). 
1. Job. 4, 165, 10. (S. 142.) 



Tafel 7. 



Te<o onscesso^ 



S Oocenxr 

OeNXCIICClLXTURBXS. 



8. 

o'lJLxrtMoS 

""'-' CUT peilUI eTOKY|StT 
leipON.-nNlUOSCm 

iLUs : 



iLLos 

jS CtTtX 

S ccirixBxreos 
errxco Cx 
cL\<r>xN.Tix exoi 



hoc peassem 1 
uisefi 
truUrn uOiN 



TLjti-j&l.'y: '...;. ' - ; :-L'^^I^Mllii^iiiliEJ 




7) Cortex Amiiitiiuis c. 715 (vcrklcincrt). 
Ev. Luc. 4, m 41. o, 2 (i. (S. 145.) 



Tafel 6. 



~ -'!':' '-; "'''"' _, 



j" * lieu 



T; mctid-vv-cTcj ut. 



' I 

ctiii tr -d i 



;} f 



trxtUA.)! on fuTTCcJ n m orti n e-c^ uodr i ATU er?cdo 



afa i h cc-e-^u itte-M 155 ^per-.xciu.xer /j.n ^11 tn<H /" 



S.^. 

^aXZUf^C^CtC^T.Ltofuo.q utcr Tj c / trrt , 1 AllO 
. ^ / 

' iairr)cffiTnrioTic-ttdtctnrt^ c rimorjtocti.t> 



8) Sogenannte Bibel Knrls des Grossen iin Rritischen Museum, IX. Jnhrli. 

(verkleinert). 
1. Joh. 4, 165, 10. (S. 142.) 



Tafel 7. 



ONllvJJM 

oy f m'-fj- o PA 'ft i f 

r i V O"F i r r i Xi i ' r-" 
p fr- 



-!c>"r M x F 

v * 
i r 



ri,' A F i--.f Fro <y^ 
' % 



r i 



|?s f CTVJ 



'JMf liSLJi 
F M i r v r>j 



w K 



/ 1 

r if 1 1 f 



' r f- P'M ro> 

/-A) <i) f- 
I:'KI T! 



' t M r r?-f <--v 



F*' MM o V M J<^ 
,J>e<ii K 
n r-i'o 

'yy o f> 



K A A C; *' M f' 'F4- 
M MTNf M- 



; i j 



si 



^t 



K \ ;4.^-'-r: : <. ^" V ''^ 



D) SuhiOische HjiiMlscJirift im Britischeu Museum, vielleicht V. Jahrh. 

2. These, 3, 211, 



Tafel 8, 



' s) * *'" 

S'j- ?' i-.- 

?* gS t*rt 1*-4 ^1" '" 

tfMt StS MM Mdn **3 VJ1 



-f."i - * <*&/ -JL ' y : & "1^*' * -** f 

^SvMf .? S-f^^C/D^S,^ 

, - !, '.,' Y-'' 'ti 1 'i 1 ^}'*/ " " ^y- . > '/'J?'*Ct ', "" i ' 




CD 



so 



.3 
3 s 



4 QO 

Js 



is 

H3 O 

si 



a 
3 



Tafel 9. 



r-"l p| 'A -f'Kf 'i;to> f'M MfV 

ONl MJ M AKl'll 1 ' ' '-'''"Mf' " 

r " " " 



li 1 1 1 o M. H |'o r "TW , A p i \ n i^i'b'yo r 
KhA^.TTA F? V'-t l l^ ' f "^4^ I M 'Vf f T N? T"i 



: f P 'jp V-^ 'p. ^ '<> ( v Y/?, v<i I ' | J o f A j FO Y 



-" ' PA A* MM K' A A *' < KS '" 

rV F'v r * -; M ' i -^ j - x ' '> v ! l i * '-fl. f * 
f-'r^r-AF Mirrw 
f lY^'-Mur 



' f V f I* P '3, ' f ^ i A r fl >X K ' 



{)) Suhi(li,sch<* HuiMlsclirift im Hritischen Museum, viclloioht \. Jiihrh. 

2. Thcss, 3, 2 M, 



Tafel 8. 



. Z w $ v IT B 



'^^aV ' "/"'% <; ' -'V'' 

S .'; *5J ; 'V x C- . 




CO 



CD 



.S 



oo 



* 



If 

-~> 05 



Tafel 9. 



\ . . . x 

OLA/TO W*"fct OLA{\. ^ 1 1 DL/\^C| fr ^ ^ i OLr If *TT> I O~* 

t. >^-fl-t\.r-m>l <r OXA/TD'U /<<M TOO -I I& -TO oo 6 T} 
*^^ -, ' 7. . . . . . 



o c/ \pjctr < qvAU V*- A oU 
ft 



K 



oU (i frsr^o "u -=-TXA 6-r IA/> V 



. . 

o -r-. cf "X^V <Aj4- om-r-nxcr nrp o p-o o- 



rot; cAjif < -rro 



crt o- Uiju o 



^ _. 

co I 1 1 u oo -TV\ ircotu cuo-r-ro u r-Ji OLIJ U. ri u oo T rO^ c 
. r - /> . . - EICOP 

' 



TO 

u_o 



no p 6- 
- 
o i o* 'on 'fl-o vicrl IMXA 



o l OLJ Luo o cm-p Ttfer 6 



CAS K-O 1 - 

t. .,- . t- ojL5 

A *^^ ^^ * K^ * /^ - * 

t^auo^-fcf I UJLTTDLJ C3\AJO^ tj trr OLA-TTDO W UJ (rn -1 * UJ 

./* <* Sx* 

TO VCTt yr 6- ^ OLIJ G-p oo "d^A. G-u ^TDJ> OLJ V-> p <^ l^, 

X ^ ,.' -,--?' i , i 3 

TTO p &-ty o yjt-oOu o I or q cr-t5L/\/-p o {-Vf, JC ct-J^ V I 

au LU 6 A "^D y lAr OLJ ^UTV< AA A' AJOJU "TT> ' (T %-J3 I 



{JJ ^ &~\ C (^ [^ I C- (jTVl 



010- <xx/ nro o- -ro > or 
oo' -^U ICxxU (x> .jj cf <K 
^ TT! <H aLp ju-7-oo jj Lux crT< XJ*\ o ' 



f o -rt TO t r -^frrxjerot|j^A/ o i o 

ov fcj -rr] q^ "Tif.^/^ " <^TnCAj ou_nrn 
"idCr 1 <( CTT> ji Luo cryjQ p au mxp 






wu 

: .. 

Tru . V. 



11) Minusc. Evv. 274 (Par. nat. suppl. gr. 19). X. saec. 
f. 104 r Me. 16, 615 

mit dem kiirzereu ScliluB am unteren Eande. 



Tafel 10. 




12) Matth. 1, 1 12; vielleiclit altestes Sttick einer neutestamentlichen 

Handschrift noch aus dem 3. Jahrhundert (P 1 ). 
Mit Genehmigung des Egypt Exploration Fund nach Oxyrhynchus Pap. I, pi. 1. (S. 



Tafel 11. 



'it ay 

o- oLwro "u K M TOO Trfr TO oo o T? 

O ' ' ' " ' 



*rrp o oi/y<f vfua-f tf CTMJ v-'S ' A CM 



s , 

cr <f Tn&u -^(-M p "! 
OLA cfi vrQ-o Vf -3-om 6-> ty\/> P ^TO TO t 

O '-'r*-' cf 'X/P <tafr OU-TCLCr TD O p~O CT U-OM 

^ tS\ ' J\c. * Jicl ,/ ^ V-V 

trt cr U o p o dVjb-y i o u ovjaHj 1 <( TTO p G-P o ULO j 

X , , . <* -JJ- r(l~ ' "tK^" 

OD | J | p OO * lv\ QXK * J ' U^*-r~rT3 O rxp g f f tA. I I L> oo * *T* ^ff^ J 



n 



TO p V"f 1 cu JHTA p^ ^xt^^Lo * M AX tt t UJ C 

C \ * tju/r- ttAjA^Uj^' G 1 LMU-I 



' 

o~d * cx-> -ix 1 IA/S^^ ^^^"V' Tn l o* 



no f> ff- 
_ ^ 

-ro \j "v&y o p_^Aj o i a* an u .$-0 ucr( I 



o t 



S\ - *-* . QjO 

J-J (3\AJO-J p G-J OULTTTXI p UJ O U I ' 17~^ 

X* ; ' <V- . S S" . I- , 

TD vo~i p 6-^1 ocp G-p oo -frl\ fr-y ^"f o^ V" P *r 
TTTi p g-vy o yxXjvj o i cr cf o-cty\/-p o p>f, fC. <=iJ ^<{ Vr o I 

S _ZL ^^ ^ ' 

__^ Ct_T~UTTTV* ' U p 1 \f CLJ 

Kfw ' t^f > ^~ 

A .^N, I/ 1 / 1 ! ^ 

*>l { I u cA/o; &Hc q p o i p- 



P OL K< V-<XA^ oio- ojj TD i cr TO 1 cr 

X* < 

6r*f CLf fr-p oo -^^v |Ce.A oo p cf cN/v u (?y 

? \ __J --^ - 'X 1 

vn o^ OLJJ m_n~oo p LLOLA cr?< XJUv^J o (jjot-p cAA t^p 

f , ' . ^ ' X-" 

' O Ti TO 1 CT *^C \jLU-OL^Ltf~JU o ! O* OLC/TO p O^/"^V\/7"p M-^f O*~ 

o v fo TT{ cnO tfTLp ^ [^ out ^ -rniLAj OOCOTO i crC TTO 

*rtr <J qro p LJO \crp-o p ou rrtxp TOLJ . LuU. 



V.- .W -ot POM \i -ft^.T H u y 

i n 



U) Minusc. Evv. 274 (Pear. nat. suppl. gr. 79). X. saec. 
f. 104 r STc. 16, 615 

mit deiu kiirzeren Schlufi am unteren Ilaiule. 



Tafel 10. 




v:v 



12) Matth. 1. 1 \.2; vielleicht iiltcstes Stiick einer neiitestamentlichen 

Hanclschrift nnch uus clem 3. Jahrhundert (P 1 ). 
Mit Genehmigung des Egypt Exploration Fund nach Oxyrliynchus Pap. I, pi. 1. (S. 88). 



Tafel 11. 




Tafel 12. 



Verlag von VancUnboech & Ruprecbt in Gottingcn. 



herausg. von Prof. Dr. Alfred Rahlfs. 

2lnfang 1907 ift erfdjienen: 

2. Heft: Rahlfs, Der Text des Septnaginta-Psalters. Nebst e. Anhang: 
"~~~^~ Griechische Psalterfragmente aus Oberiigypten nach Abschriften 

von VV. E. Crum. 8 ofi 

1. Heft: Rahlfs, Studien zu den Konigsbuchern. 1904. 2,80 <M. 

,,Eine Musterlei stung ersten Eanges, an der auch ein tadelsuebtiger 
Kritiker kaum etwas wird auszusetzen finden u. zu der ein erfahrener Mit- 
arbeiter wenig wird hinzufiigen konnen ...... Das Ergebnis hat Bedeuturig 

weit iiber den Psalter und das griechische A. T. binaus, insbes. auch fiir die 
brennende Frare der neutestamentliehen Textkritik ...... Ebenso miissen 

aber aucb die Herausgeber der Kirchenvater rait den Ausfiihrungen von A. 
recbnen; denn er bat bewiesen, daB deren Bibelzitate die vielfachsten Korrek- 
turen erfahren baben". 
(Eb. Nestle in der Berl. Philolog. Wochenschrift 1908, 3. tiber Heft 2.) 



@nbe 1907 ift erfdjtenen: 

Septuaginta-Grammatik, 

Von Prof. Dr. R. Helbing 1 in Karlsruhe. 6 Jl, geb. 6,60 Jt 

CbmtUcb-palastittiscb-ararnaiscbe Cexte u. fragmetite 

nebst einer Abbandlung iiber den Wert der palastiniscben Scptuagtnta. 
Mit Worterverzeicbnis und 2 Schrifttafeln. Herausgegeben von Lie. Dr 
Hugo Duensing. 1906. Preis 8 &(t. 

Vetus Testamentum in Novo. Die alttestamentl. Parallelen 
des Neuen Testaments im Wortlaut der Urtexte und der Septua- 
ginta zusammengestellt von W. Dittmar. (I.: Evangelien und Apo- 
stelgesohichte. II. : Brief'e u. Apokalypse mit umfass. Parallelen-Verzeichms.) 

18991903. 9.40 Jt\ Leinwandband 10.40 Jt 

' Literar. Rundschau fiir das katholische Dentschland 1900, Nr. 4: ,,Die 
erzielte Ausbeute an alttestamentlichen Gedanken und Sprachgut ist, wie zu 
erwarten, schr ergiebig ausgefallen und hat die Belesenheit und Akribie des Verf. 
reichlich belohnt. . . . Ein gediegenes Hilfsmittel zum Verstandnis des N. T." 



fetyr acrbteuftltd)e 2lt6eit. 2). brhtgt fiir oUe Qitatt beS 91X au bem 
atten, tote auo) fiir bie meiften teKen, an beneit SBerii^rungen unb nid)t nur Qiiatt 
ootliegen, ben Xejt beg 21$, ber LXX unb be 31Z im SBorttaut mit ben nric&tigften 
aSarianteti u6erftd)tlid) nebeneinanber. iD. frat ein fiir bag @tutitmn be8 91X fnft 
uncutlie^rtt^eg ^tlfgmtttet gcfdjaffen. 2)enn raenn man roirflic^ fic^ itfier bie 3lrt beS 
^itierwS ber ettijeliten neuteft. <3d;riftfteHer felbftanbig unterridjten roitt, mu% man ben 
aBortfaut son 31X, LXX unb 31% ne6eneinanber ^aBen. S5. erfpart ben tubierenben 
ein fortroa^rcnbeS Sftacfjfdjlagen unb ermiigfidjt in jebem einjelnen ^all eine rafdje Drien= 
tterung. @g mare ju roiinfdjen, bajj biefe forgfattige unb fdjone Str&eit in bie anb 
red}t meler eiftlid)en unb tubenten fame." (SB. 93 ouf f et, ^eul. SRunbf^au 1901, 9.) 



Die Literatur des Alten Testamentes 

nach der Zeitfolge ihrer Entstehung 

von 
Prof. D. G. WlldebOer-Groningen. 

Unter Mitwirkung des Verf. aus dem Hollandischen iibersetzt von F. Risen. 
1895. gr. 8. (9 J6; gebunden 10,60 J() . 

1905: 4 Jt>, in a5leirtttanbbanb 5 ^ 



t w 

a P 
crq 



O 
>-t O 

- 



s 




Bl 

O fB 



o a 

Er 1 CB 






CO 
CO ol 



C: 



',: ^ \ - . ^x\ "-i ~t r-vr"^ 8 3 ^r i ^>* ft! :J* i r tf %H* 

f M " ^ili4if 

r|f^:^|f|:l^||l|lM 



J ^ F ^''^ 
"f/^E^-c 

>* I i> W v 










';i^ji 

rfi't'fl/'iv'&M'.r' 



^ "" S5br"#3f3i^ 
. ; ^-i> ^33 t; ^4l* v: li 

if ' 





Tafel 12. 



Verlag von Vandenbocck & Ruprecbt in Gottitigen. 



herausg. von Prof. Dr. Alfred Rahlfs. 

2lnfang 1907 ift erfdjienen: 

2. Heft: Rahlfs. Der Text des Septnaginta-Psalters. Nebst e. Anbang: 
Griecbische Psalterfragmente aus Oberiigypten nacb Abschriften 
von W. E. Crum. 8 oft. 

1. Heft: Rahlfs, Studien zu den Konigsbtichern. 1904. 2,80 diL 

,,Eine Musterleistung ersten Eanges, an der aucb ein tadelsiicb tiger 
Kritiker kaum etwas wird auszusetzen finden u. zu der ein erfabrener Mit- 
arbeiter wenig wird binzufiigen konnen ...... Das Ergebnis bat Bedeutung 

weit fiber den Psalter und das griechiscbe A. T. hinaus, insbes. auch fur die 
brennende Fra<-e der neutestamentlioben Textkritik ..... Ebenso miissen 

aber aucb die Herausgeber der Kirchenvater rait den Ausfiibrungen von A. 
recbnen; denn er bat bewiesen, daB deren Bibelzitate die vielfaebsten Korrek- 
turen erfahren baben". 
(Eb. Nestle in der Berl. Philolog. Wocbenscbrift 1908, 3. fiber Heft 2.) 



(gitbe 1907 ift crfdOtenm: 

Septuaginta-Grammatih, 

Von Prof. Dr. R. Helbingf in Karlsruhe. 6 Jt, geb. 6,60 Jt 

CbmtUcb-palastimscb-aramaiscbe Cexte u* fragment* 

nebst einer Abbandlung fiber den Wert der palastimscben Septuagint*. 
Mit Wortorverzeicbnis und 2 Schrifttafeln. Herausgegeben von Lie. Dr 
Hugo Duensing. 1906. Preis 8 & 

Vetus Testamentum in Novo. Die alttestamentl. Parallelen 
des Neuen Testaments im Wortlaut der Urtexte und der Septua- 
giuta zusammengestellt von W. Dittmar. (I.: Evangelien und Apo- 
stelgeschichte. II. : Briefe u. Apokalypse init umfass. Parallelen-Verzeichnis.) 

18991903. 9.40 J6; Leinwandband 10.40 Jt 
Literar. Ruudschan fur das katholische Dentschland 1900, Nr. 4: ,,Die 

erzielte Ausbeute an alttestamentlicben Gedanken und Sprac-bgut ist, wie zu 

erwartcn, sehr ergiebig ausgefallen und bat die Belesenheit und Akribie des Verf. 

reichlich belobnt. . . . Ein gediegenes Hilfsmittel zum Verstandnis des N. T." 



fe^r ocrbieitftltc^t 2lr6eit. 3). bviugt fiir alle Qitatt beS 31X auS bem 
alien, wie auct) fiir bie meiften tellen, an beneit SkriiJjrungcn itnb ntdjt nut Sttatc 
oorliegen, ben %et beg 21^, bet LXX unb be 5JJS im SBortfaut mit ben roid^tigftcn 
Skricmteu ii6erftc^tnc^ neBenetnanbcr. 2). fyat ctn fiir bn8 tubtnm beg 91X faft 
uucittdc^rti^eg ^>itfgmtttel flcfrfjaffcu. SDeim wenn man roirJUc^ fic^ itber bie 2lrt beg 
ijiticvcng ber eiiijeluen neuteft. djriftftetter felbftiiubig unterridjten roitt, mufi man ben 
ffljortfaut on 212;, LXX nnb WX neBcneinanber f;aben. SD. erfpart ben tubietenben 
ein fortioaf;venbeg 3tac^fd;[agen unb ermoglidjt in jebem etnjelnen gait etne rafd^c Drien= 
tterung. 3 tuarc ju rounfd^en, bafi biefc forgfaltige unb fd^one 3IrBeit in bie aub 
terfjt cicler eiftUc^en unb tubenten fame." (SB. 33 onf f et, Zl)tol SRuubfdjau 1901, 9.) 



Die Literatur des Alten Testamentes 

nach der Zeitfolge Hirer Entstehung 

von 
Prof. D. G. WildebOeF-Groningen. 

Unter Mitwirkung des Verf. aus clem Holliindiscben iiborsetzt von F. Risen. 
1895. gr. 8. (9 ./( gebunden 10,60 J6] 

ufittBe 1905: 4 Jd, in ^ansreitnyan^nnb 5 J6 



Urteile iifcetr Me frufjeten 2luf(a$en 

ber '. 

<Einfub,rung in 6as gricc^ifd)c IKE. con D. Gberb,. Heftle, 

6rittc, umgearbeite ftuflage 1909. 
(Eine englische Ausgabe ist 1901 in England erschienen, Preis 10 sft. 6 d.) 



l)ei>I. Sit.=S3Iatt 1900, Hr. 16: ,,Sd)on 1 */ s 3<rf) nad) (Erfdjeinen ber erften 
tft etne ncuc fluflage nottg geroorben - jdjon bies ijt cin Beams, toie Heftle mit 
Qerausgabe biejer fiir (Einleitung unb Cjegeje gleid) notroenbtgen Hrbett einem 
tueit unb breit empfunbenen Bebiirfnts absufyelfen Derjudjt {jar, Jtnb biefer Oerfud) 
ijt in ausgesetdjneter tDeije gelungen. It.'s (Einfulitung ftef)t bis jefct in Deutjd)Ianb 
einstgarttg bo ... - Die jiingere (generation !ann jid) freiten, ba| il)t ein jolcfjes 
DorsiigKdies fjilfsmtttel fvir ejtgejd)i(i)te unb tteftfrtttf gletd} beim Stubtum fid) 
barbietet! Unb bie, welrfje fid) bister ous ITIangel an bequem sugfingtidiem 
material Don aQen tejtfritijdien Sragen fernljielten - toie toentg paftoren toiffen 
Ijier ettoas Soltbes! - unb bod) uft oerfpiiren, jid) etn roenig mit .bent Stein* 
gefuge unferes flHert)eiIigjten Dertraut ju madjen, mogen getroft su Hejile's (Ein 
fuijrung greifen. (Eine britte fluflage fonnen toir ifjr, ob,ne prop^etenrourbe uns 
ansumagen, oorausfagen." 

fitr^t. 3Konatfrf)tift 1900, S. 87: H Bas ijt etn Bud), bas jeber Sreunb tmffen* 
fd)aftltd)er Bibelftuoien mit jtetgenbem Dergniigen unb tDad)ienber Danfbarleit 
burdjarbetten roirb. Der (5egenftanb, ben bie neuteftamentlidjen (Einleitungen in 
bent flb|djnitt: (Be{d)id[te bes (Eejtes moglidjjt lurj unb troifen 3U befjanbeln 
pflegen, tnirb f)ier burd) ein forgfaltiges (Eingeljen auf bie oorltegenben probleme 
unb burd) eine funbige (Einfiib.rung in bie flrbeit, toie jie gerabe je^t getrieben 
roirb, jo fefjelnb geftaltet, bag man fortu)ab,renb mit bem Derf. gletdjfam mtt= 
arbeiten unb mitertuagen mufe. $fa tttjeologen, bie jid) bie uft unb ITtufee ju 
unffenjd)aftltd)er ftrbeit getoal)rt Ijaben, toti^ten rotr faunt eine anregenbere "&*-- 
jdjaftigung an ftillen IDinterabenben, als einmal an ber )anb biejes Buch.es unb 
einer guten flusgabe bes gried)ifd)en H.tE. jid) mit ben tejtfrttijdjen problemen 
befannt su madjen, bie gegenroartig sur Derljanblung ftefjen." 

Citctar. 'Jittnbf^oit f. b. lat^ol. fceitifdjlanb 1900, tlr. 3: r ,Dte ebenjo mul)e= 
nolle als anregenbe flrbeit H.'s, toertooll tnsbejonbere aud) burd) bie retdjltdje 
Benu^ung englifdjer iteratur, ift nad) unferm lltteil letnem neuteftamentltdjen 
Sorfdjer entbeh,rlid)." 

The best general accounts to recommend to the Student are probably 
E. Nestle, .Einfiihrung 1897, 2nd ed. 1899, english 1901, and Kenyon, 
Handbook. (C. H. T[urner] am <3d)Iuj} be 2lrtiM New Testament, Text of; 
in Murrays, focben erfdjienenem Illustrated Bible Dictionary.) 

The Expository Times, October 1899 : ,,Not only do we adhere to all that 
we have said in favour of the first edition of the book, but call attention to 
the greatly enhanced importance, the w.ork now possesses in consequence of 
the enlargement (it is twice the size of the first edition) and manifold impro- 
vements it has undergone .... No New Testament scholar will care to be 
without this hook, ..." 

@6mba 1901, 3lr. 6 (bei SBefpredjjung bet engl. 2lu3ga6e): ,,We have no living 
scholar more capable of accomplishing this task. The two requisites, minute 
verbal accuracy and vivid perception of law and order, are exceptionally united 
in him. . . . This book will stand the most rigorous scrutiny; it will surpass 
the highest expectation. No point seems forgotten, none undervalued or over- 
done. The arrangement is lucid. Detail never impedes progress." 

Rivista Bibliografica Italiana 1898, Nr. 3: ,,11 dotto critico protestante ci 
ha date un' opera, che sta bene egualmente fra le mani de' giovani e dei 
professorir e puo ben dirsi felice, come dichiara nella prefazione, che la 
libreria Vandenhoeck di Gottinga, tanto benemerita della scienza biblica, gli 
abbia concesso di recare con questo nuovo lavoro un interessantc contribute 
alia perfetta cognizione materiale del Nuovo Testamento." 



Bruder's Concordantiac omnium vocum Devi 'Cest. graeci. 

Editio stereotypa sexta. 1904. 3n Ejalblebetbanb 29 Jt, 

Blass, fr., Grammatih dcs ticutcstamcntlicbcn Griechisch. 

2. uerb. u. uerm. fluflage. 1902. 6 Jl\ geb. 6,80 Jf. 



KERSITY OF CHICAGO -